Source: https://www.ra-kotz.de/verletzung-beim-stockkampf-zweier-minderjaehriger-kinder.htm
Timestamp: 2020-05-29 18:46:55
Document Index: 2655378

Matched Legal Cases: ['§ 823', '§ 249', '§ 253', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 823', '§ 823', '§ 92', '§ 708', '§ 713', '§ 543']

Verletzung beim Stockkampf zweier minderjähriger Kinder
OLG München – Az.: 23 U 3830/12 – Urteil vom 22.11.2012
Symbolfoto: Von Lipatova Maryna /Shutterstock.com
1. Dem Kläger steht ein Schadensersatzanspruch in Höhe von 60,76 Euro sowie ein Anspruch auf Schmerzensgeld in Höhe von 1.500 Euro aus § 823 Abs. 1, § 249, § 253 Abs. 2 BGB zu.
Bereits eine Sorgfaltspflichtverletzung könnte aber schon dann ausscheiden, wenn die Verletzungen im sportlichen Wettkampf bei einem regelgerechten, dem Fairnessgebot entsprechenden Einsatz des Gegners entstanden sind (BGH NJW 2010, 537, 538; offengelassen von BGH NJW 2003, 2018, 2019 ob dies die Frage der Tatbestandsmäßigkeit oder der Rechtswidrigkeit betrifft). Grundlage hierfür ist aber, dass dem Spiel bestimmte, für jeden Teilnehmer verbindliche Regeln zugrunde liegen, die von vornherein feststehen, unter denen somit die Teilnehmer zum Spiel antreten und die insbesondere durch das Verbot von Fouls auch auf den Schutz der körperlichen Unversehrtheit der Spieler selbst ausgerichtet sind (BGH NJW-RR 1995, S. 857, 858 m.w.N). Solche feste Regeln lagen hier indes nicht vor. Einzige zwischen den Parteien vereinbarte “Regel” war es, nicht auf den Kopf zu schlagen. Von einem geschlossenen Regelsystem, das schwerwiegende Verletzungen der Teilnehmer verhindern soll, kann damit nicht ausgegangen werden.
2. Der zulässige Feststellungsantrag des Klägers ist teilweise begründet. Wie bereits oben Ziff. 1 ausgeführt, hat der Kläger gemäß §§ 823 Abs. 1, 249, 253 Abs. 2 BGB einen Anspruch auf Ersatz der gesamten, adäquat kausal durch den Unfall vom 26.08.2011 entstandenen materiellen Schäden, allerdings aufgrund des Mitverschuldens nur in Höhe von 50 %. Dem Kläger steht auch ein Anspruch auf ein angemessenes Schmerzensgeld für noch entstehende, weitere immaterielle Schäden zu. Allerdings wird auch insoweit bei der Bemessung der Höhe das Mitverschulden des Klägers zu berücksichtigen sein.
3. Der Anspruch auf Ersatz der außergerichtlichen Rechtsanwaltskosten ergibt sich aus §§ 823 Abs. 1, 249 BGB. Auch insoweit handelt es sich um einen adäquat durch den Unfall verursachten Schaden. Der Kläger hat mit Vorlage der Anlage K 4 auch nachgewiesen, dass er aktivlegitimiert ist.
5. Die prozessualen Nebenentscheidungen beruhen auf § 92 Abs. 1, § 708 Nr. 10, § 713 ZPO. Die Revision war nach § 543 Abs. 2 ZPO nicht zuzulassen. Es handelt sich um eine Einzelfallentscheidung ohne grundsätzliche Bedeutung. Die entscheidungserheblichen rechtlichen Fragen sind durch höchstrichterliche Rechtsprechung geklärt.
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