Source: https://pustal-online.de/checklisten-von-a-bis-z/
Timestamp: 2019-10-14 21:40:51
Document Index: 213509546

Matched Legal Cases: ['§ 14', '§ 34', '§ 1', '§ 18', '§ 2', '§ 2']

Pustal Landschaftsökologie und Planung - Checkliste von A bis Z
Artenschutz ist elementar verankert in der Bauleitplanung. Das Baugesetzbuch fordert die natürlichen Lebensgrundlagen zu schützen und zu entwickeln. Das Naturschutzrecht verlangt vor der Ausweisung von Neubaugebieten Auskunft über Vorkommen von geschützten Tier- und Pflanzenarten. Spezielle artenschutzrechtliche Prüfungen bilden den ersten Planungsschritt.
Ergibt die artenschutzrechtliche Relevanzprüfung Hinweise auf mögliche erhebliche Beeinträchtigungen des Erhaltungszustandes von streng geschützten Populationen oder/und europäischer Vogelarten, sind diese Artengruppen oder Arten in einer sogenannten speziellen artenschutzrechtlichen Prüfung vertieft zu untersuchen. Grundlage sind Erhebungen im Gelände nach aktuellen Methodenstandards.
Baum-Revitalisierung
Die Instandsetzung länger nicht gepflegter, stark pflegebedürftiger Obstbäume kann deren Stabilität und Vitalität verbessern und deren Lebensdauer erheblich verlängern. Ohne Schnitt würden diese Bäume frühzeitig vergreisen und nicht den naturschutzfachlichen Wert alter Habitatbäume erreichen. Je nach Ausgangszustand umfasst die Baumrevitalisierung eine Kroneneinkürzung, einen Kronenregenerationsschnitt und/oder eine Kronenumstellung. Dabei sind naturschutzfachliche Kriterien zu berücksichtigen (Praxisleitfaden Aufwertung von Streuobstbeständen im kommunalen Ökokonto, 2014)
Biologische Vielfalt - ein weicher Standortfaktor
Das Baugesetzbuch verlangt, bei Planungen insbesondere die biologische Vielfalt zu berücksichtigen. Die biologische Vielfalt umfasst die Vielfalt an Lebensräumen und Lebensgemeinschaften, an Arten sowie die genetische Vielfalt der Arten. Bei Pflanzungen in der freien Landschaft darf nur gebietseigenes Pflanzgut verwendet werden.
Maßnahmen zur Wahrung der kontinuierlichen ökologischen Funktionalität (CEF-Maßnahmen, continuous ecological functionality-measures) sind vorgezogenen Ausgleichsmaßnahmen". Sie dienen dazu, die Funktion der konkret betroffenen Lebensstätte für den lokal betroffenen Bestand geschützter Arten in qualitativer Hinsicht zu erhalten. Dabei muss die ökologisch-funktionale Kontinuität der Lebensstätte gesichert sein.
Begrünte Dächer verbessern die Umwelt auf vielfältige Weise. Wie alle Pflanzmaßnahmen wirken die Pflanzen auf dem Dach als (Fein-)Staubfilter, Regenwasserspeicher und beeinflussen das Klima ihrer Umgebung positiv. Handelt es sich um eine artenreiche Begrünung aus gebietsheimischen Saatgut, finden heimische Tierarten einen Teillebensraum. Sie wirken isolierend, sind mit Solaranlagen kombinierbar und sehen gut aus.
Eingriffe in Natur und Landschaft sind Veränderungen der Gestalt oder Nutzung von Grundflächen oder Veränderungen des mit der belebten Bodenschicht in Verbindung stehenden Grundwasserspiegels, die die Leistungs- und Funktionsfähigkeit des Naturhaushalts oder das Landschaftsbild erheblich beeinträchtigen können. Vermeidbare Beeinträchtigungen sind zu unterlassen, unvermeidbare Beeinträchtigungen auszugleichen (§ 14, 15 BNatSchG).
Die blumenbunten Wiesen, die für die Schwäbische Alb, das Alb-Vorland und ganz Baden-Württemberg kennzeichnend sind, stehen nach der europäischen Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie (FFH-Richtlinie) als magere Flachland-Mähwiesen (Lebensraumtyp 6510) und Berg-Mähwiesen (Lebensraumtyp 6520) unter besonderem Schutz. Die Wiesen werden anhand ihrer Artenzahlen kartiert und sind durch entsprechende Bewirtschaftung zu erhalten.
FFH-Richtlinie: Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie
Hauptziel dieser europäischen Richtlinie 92/43/EWG des Rates vom 21.05.1992 ist es, die biologische Vielfalt zu fördern, wobei die wirtschaftlichen, sozialen, kulturellen und regionalen Anforderungen berücksichtigt werden sollen. Wildlebende Arten von europäischem Interesse, deren Lebensräume und deren europaweite Vernetzung sind durch die ausgewiesenen FFH-Schutzgebiete zu sichern und zu schützen.
Mit der Verabschiedung der FFH-Richtlinie 1992 wurde in § 34 BNatSchG bei der Umsetzung in deutsches Recht mit der FFH-Verträglichkeitsprüfung auch ein zentrales Prüfinstrument zum Schutz dieses europäischen Schutzgebietssystems Natura 2000 geschaffen. Projekte sind vor ihrer Zulassung oder Durchführung auf ihre Verträglichkeit mit den Erhaltungszielen eines Natura 2000-Gebiets zu überprüfen.
Es ist Aufgabe des Grünordnungsplanes als Teil des Bebauungsplanes die natürliche Umwelt zu untersuchen und zu bewerten. Dabei sind die Auswirkungen und absehbaren Belastungen der Planung auf den Naturhaushalt und das Landschaftsbild aufzuzeigen. Der Plan zeigt Wege auf, die natürlichen Gegebenheiten und den Erlebnisraum durch geeignete planerische Maßnahmen in der Planung zu berücksichtigen.
Habitatbäume sind Bäume, die Höhlen oder Halbhöhlen aufweisen, die von Spechten angelegt oder durch natürliches Faulen entstanden sind sowie Horstbäume.
Habitatbäume stellen für zahlreiche streng geschützte (Vogel-, Fledermaus-)Arten im Offenland und Wald wichtige Lebensstätten dar und müssen im Rahmen artenschutzrechtlicher Prüfungen im Detail betrachtet werden.
Innovativer Naturschutz
Wo zuvor der Schutz einzelner Arten und Biotope im Zentrum des Naturschutzes stand, geht es inzwischen darum, dauerhaft naturverträgliche Entwicklungen zu etablieren. Der Mensch als einzeln Handelnder und die Bevölkerung im Dialog mit der öffentlichen Hand agieren gemeinsam für nachhaltige Landschaftsentwicklung.
Jugendstil und Gartenkunst
Die Reformbewegung um 1900 erreichte die Gartenkunst über die bürgerliche Kunst- und Kulturszene. Hier wurde versucht, eine neue, ganzheitliche Lebensphilosophie zu entwickeln. Der vorangegangene Landschaftsgarten hatte sich überlebt. Der Garten sollte der neuen Richtung aus Kunst, Natur und Lebensart entsprechen.
Mitteleuropa ist durch seine für die einzelnen Regionen typischen Kulturlandschaften geprägt. Die für uns typischen Landschaftsbilder der Buchenwälder, Streuobstwiesen oder Wacholderheiden stiften Identität und Heimat für die Bewohner und bieten vielfältigste Lebensräume für die freilebende Tier- und Pflanzenwelt.
Schon Alexander von Humboldt bezeichnete Landschaft als Totalcharakter einer Erdgegend. Sie ist ein als Einheit zu verstehender Ausschnitt der Erdoberfläche (Geosphäre), der durch seine geschichtliche Entwicklung, Struktur und Landschaftsbild und seine Funktionen im Landschaftshaushalt gekennzeichnet ist. Sie setzt sich zusammen aus einem Gefüge verschiedener Ökosysteme bzw. Ökotope.
Die Landschaftsplanung hat die Aufgabe, Ziele des Naturschutzes und der Landschaftspflege für einen Planungsraum zu konkretisieren. Zunächst ist die Landschaft zu analysieren. Daraus sind Erfordernisse und Maßnahmen für einen funktionsfähigen Naturhaushalt abzuleiten und in Plan und Text darzustellen.
Maßnahmen zum Schutz, zur Pflege und zur Entwicklung von Boden, Natur und Landschaft sind in einem Bebauungsplan eine zentrale Festsetzungsmöglichkeit, Naturschutz- Entwicklungsmaßnahmen aus Landschaftsplänen zu integrieren. Sie werden damit rechtsverbindlich für jedermann.
Nachhaltige Stadtentwicklung ist der Dreiklang aus: wirtschaftlicher Entwicklung, sozialem Ausgleich und gesunder Umwelt. Nachhaltige Entwicklung ist eine solche, die den Bedürfnissen der heutigen Generation entspricht, dabei die Möglichkeiten zukünftiger Generationen nicht einschränkt. In der Stadtwicklung sind es diese Schwerpunkte: Globaler Klimawandel, CO2-Reduktion, demographischer Wandel, Ressourcen- und Flächenknappheit, Natur- und Artenschutz, politische und gesellschaftliche Teilhabe.
Mit dem europäischen Schutzgebietssystem Natura 2000 werden die zwei großen Schutzgebietssysteme zum Erhalt der biologischen Vielfalt und zur Bewahrung des Naturerbes zusammengeführt: die 1979 beschlossene EU-Vogelschutzrichtlinie und die 1992 beschlossene FFH-Richtlinie.
Der Zweck der im November 2013 gegründeten kommunalen Naturschutzstiftung ist die Förderung des Naturschutzes im Gemeindegebiet der Stadt Pfullingen zum Wohl der Bürger. Ziele sind u. a. die Förderung des gemeinsamen Engagements von Kommune und Bürgerschaft, eine Plattform für die Mitarbeit von Bürgern und privaten Initiativen an kommunalen Naturschutzprojekten zu bieten.
Das kommunale Ökokonto ist ein Instrument, um vorsorgend Flächen und Maßnahmen zum Ausgleich für Eingriffe im Rahmen der Bauleitplanung (§ 1a (3) BauGB, § 18 BNatSchG) zu bevorraten. So können Gemeinden bereits vor der Planung von Baugebieten Ausgleichsmaßnahmen durchführen und später refinanzieren. In der Bebauungsplanung kann eine Gemeinde auf die Flächen des Ökokontos zurückgreifen (abbuchen).
Die Vermeidung von Umweltschäden auf der Baustelle wird durch die fachliche Begleitung in Sachen Natur- und Umweltschutz sicher gestellt. Die ökologische Baubegleitung bzw. auch Umweltbaubegleitung wird deshalb insbesondere im Rahmen umwelt- und eingriffsrelevanter Vorhaben eingesetzt.
Die Wiederherstellung von naturnahen Lebensräumen von z. B. begradigten Flüssen dient dazu, das ursprüngliche nichtbegradigte Flussbett wieder herzustellen und die standortheimischen Tier- und Pflanzenarten wieder anzusiedeln. Gleichzeitig übernehmen naturnahe Fließgewässer mit ihren Überflutungsauen Rückhaltefunktionen bei starken Niederschlägen.
Im Mittelpunkt der Landschaftsplanung steht die Erfassung, Bewertung und Sicherung des Naturhaushalts. Dieser wird im Bundesnaturschutzgesetz definiert über die Naturgüter Boden, Wasser, Luft, Klima, Tiere und Pflanzen sowie das Wirkungsgefüge zwischen ihnen. Damit werden auch komplexe Biotope, Lebensgemeinschaften und Ökosysteme erfasst. Das Gesetz über die Umweltverträglichkeitsprüfung spricht von Schutzgütern und umfasst zusätzlich Mensch, Gesundheit, Kulturgüter und sonstige Sachgüter.
Für raumwirksame strategische Pläne und Programme werden die voraussichtlichen erheblichen Umweltauswirkungen im Rahmen einer Umweltprüfung ermittelt sowie im Umweltbericht beschrieben und bewertet. Rechtsgrundlage ist das Gesetz über die Umweltverträglichkeitsprüfung. Nach Implantation dieser Vorschrift in das Baugesetzbuch erfolgt eine Umweltprüfung für Bauleitpläne nach § 2 Absatz 4 und § 2a BauGB.
Der Schutz der Vogelwelt ist Teil des Naturschutzes. Darunter fallen alle Maßnahmen, die Schutz, Erhaltung bzw. Förderung einzelner Individuen, bestimmter Arten oder ganzer Populationen dienen. Die Bewegung entstand gegen Ende des 19. Jahrhunderts, als im Zuge der Industrialisierung der Singvogelbestand merklich zurück ging. Das Jagen und der Verzehr von Singvögeln, seit dem Mittelalter stark verbreitet, trug nicht unwesentlich dazu bei. Die ersten Schutzvorschriften bezogen sich auf die Jagd.
Wasser ist ein vielseitiger Faktor in der Landschaftsökologie und Landschaftsplanung. Als Schutzgut im Sinne der Natur- und Umweltschutzgesetze, als Umweltbelang in der Bauleitplanung und nicht zuletzt als Gestaltungselement im privaten und öffentlichen Bereich. Schwerpunkte heute sind zum einen die Renaturierung von Seen und Flüssen, zum anderen die naturnahe Rückhaltung und Ableitung von Niederschlagswasser.
Ein bedeutendes, weil inzwischen sehr selten gewordenes Zeugnis früherer bäuerlicher Bewirtschaftungsformen, sind die heute noch erhaltenen und als Naturschutzgebiet ausgewiesenen Wässerwiesen zwischen Pfullingen und Unterhausen. Das gleiche System existierte im Norden im Gewann Steinge. Die Bewässerung der Wiesen im Echaztal erfolgte noch bis ca. 1965 über das ausgedehnte Grabensystem. Die Verteilung des Wassers wurde über verstellbare Fallen geregelt. Die Bewässerung führte zu erheblichen Ertragssteigerungen.