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Timestamp: 2016-10-28 17:54:41
Document Index: 40164062

Matched Legal Cases: ['BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'Art. 134', 'Art. 159', 'Art. 135']

U 11/02 (10.03.2003)
U 11/02
R.________, 1952, Beschwerdef�hrerin, vertreten durch Advokat Markus Schmid, Steinenschanze 6, 4051 Basel,
Die 1952 geborene R.________ arbeitete als Teilzeitangestellte bei der Firma X.________ und war bei der Schweizerischen Unfallversicherungsanstalt (SUVA) obligatorisch gegen Unf�lle versichert. Am 22. Juli 1990 kollidierte sie als Lenkerin eines Personenwagens mit einem nicht vortrittsberechtigten Fahrzeug. Die SUVA anerkannte zun�chst ihre Leistungspflicht und gew�hrte mit Verf�gung vom 27. M�rz 1995 eine Invalidenrente auf der Grundlage einer 20 %igen Erwerbsunf�higkeit sowie eine Integrit�tsentsch�digung von Fr. 6'120.- auf der Basis einer Integrit�tseinbusse von 7,5 %. Auf Einsprache der Versicherten hin verneinte die SUVA (nach angedrohter reformatio in peius) in ihrem Einspracheentscheid vom 26. M�rz 1998 r�ckwirkend ab 1. Februar 1995 sowohl den Anspruch auf eine Rente wie auch den Anspruch auf eine Integrit�tsentsch�digung, da f�r die geklagten Beschwerden weder ein objektivierbares medizinisches Korrelat vorliege, noch die psychischen Beschwerden in einem nat�rlichen Kausalzusammenhang zum Unfallereignis st�nden.
Mit Entscheid vom 22. November 1999 wies das Versicherungsgericht des Kantons Basel-Landschaft (heute Kantonsgericht Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversicherungsrecht) die hiegegen erhobene Beschwerde, mit welcher die Gew�hrung einer Invalidenrente f�r eine Erwerbsunf�higkeit von 75 % und einer Integrit�tsentsch�digung bei einer Integrit�tseinbusse von 40 % beantragt wurde, ab. Das Eidgen�ssische Versicherungsgericht hiess die dagegen eingereichte Verwaltungsgerichtsbeschwerde in dem Sinne gut, als der Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons Basel-Landschaft vom 22. November 1999 aufgehoben und die Sache an die Vorinstanz zur�ckgewiesen wurde, damit diese nicht von einem leichten Unfall ausgehend, sondern unter Zugrundelegung eines Unfalls aus dem mittleren Bereich die Ad�quanz zu beurteilen und �ber die Beschwerde neu zu entscheiden hatte (Urteil vom 27. April 2001). Mit Entscheid vom 8. August 2001 wies das Versicherungsgericht des Kantons Basel-Landschaft die gegen den Einspracheentscheid der SUVA vom 26. M�rz 1998 gef�hrte Beschwerde mangels vorliegender Ad�quanz (ohne Beurteilung der nat�rlichen Kausalit�t) zwischen dem Unfallereignis und den geklagten Beschwerden wiederum ab.
R.________ l�sst Verwaltungsgerichtsbeschwerde f�hren mit dem Antrag, unter Aufhebung des vorinstanzlichen Entscheids sei die SUVA zu verpflichten, auch nach dem 1. Februar 1995 die gesetzlichen Leistungen zu erbringen.
W�hrend die SUVA Abweisung der Verwaltungsgerichtsbeschwerde beantragt, verzichtet das Bundesamt f�r Sozialversicherung auf eine Vernehmlassung.
Streitig ist, ob die SUVA zu Recht den Versicherungsfall r�ckwirkend auf den 1. Februar 1995 abschloss und die Leistungen mit der Begr�ndung ablehnte, dass f�r die geklagten Beschwerden weder ein medizinisches Korrelat vorliege, noch die psychischen Leiden in einem nat�rlichen Zusammenhang zum Unfallereignis st�nden. Dabei ist auf den Sachverhalt abzustellen, wie er zur Zeit des Einspracheentscheids gegeben war (BGE 121 V 366 Erw. 1b mit Hinweis).
Die Leistungspflicht eines Unfallversicherers gem�ss UVG setzt zun�chst voraus, dass zwischen dem Unfallereignis und dem eingetretenen Schaden (Krankheit, Invalidit�t, Tod) ein nat�rlicher Kausalzusammenhang besteht. Ursachen im Sinne des nat�rlichen Kausalzusammenhangs sind alle Umst�nde, ohne deren Vorhandensein der eingetretene Erfolg nicht als eingetreten oder nicht als in der gleichen Weise bzw. nicht zur gleichen Zeit eingetreten gedacht werden kann. Entsprechend dieser Umschreibung ist f�r die Bejahung des nat�rlichen Kausalzusammenhangs nicht erforderlich, dass ein Unfall die alleinige oder unmittelbare Ursache gesundheitlicher St�rungen ist; es gen�gt, dass das sch�digende Ereignis zusammen mit anderen Bedingungen die k�rperliche oder geistige Integrit�t der versicherten Person beeintr�chtigt hat, der Unfall mit andern Worten nicht weggedacht werden kann, ohne dass auch die eingetretene gesundheitliche St�rung entfiele (BGE 119 V 337 Erw. 1, 118 V 289 Erw. 1b, je mit Hinweisen).
2.2 Diese Rechtsprechung gilt auch bei Schleudertraumen der Halswirbels�ule (HWS). Auch bei derartigen Verletzungen bilden zuallererst die medizinischen Fakten, wie die fach�rztlichen Erhebungen �ber Anamnese, objektiven Befund, Diagnose, Verletzungsfolgen, unfallfremde Faktoren, Vorzustand usw. die massgeblichen Grundlagen f�r die Kausalit�tsbeurteilung durch Verwaltung und Gerichtsinstanzen. Das Vorliegen eines Schleudertraumas wie seine Folgen m�ssen somit durch zuverl�ssige �rztliche Angaben gesichert sein. Trifft dies zu und ist die nat�rliche Kausalit�t - aufgrund fach�rztlicher Feststellungen in einem konkreten Fall - unbestritten, so kann der nat�rliche Kausalzusammenhang ebenso aus rechtlicher Sicht als erstellt gelten (BGE 119 V 340 Erw. 2b/aa).
3.1 Das Vorliegen eines noch in der Unfallnacht von Frau Dr. med. P.________, chirurgische Klinik L.________ diagnostizierten HWS-Schleudertraumas leichten Grades (oder zumindest eines �quivalenten Verletzungsmechanismus) ist angesichts der Akten erstellt (Gutachten der Neurologen Dres. med. A.________ und B.________, vom 19. Juli 1994, medizinische Beurteilung des SUVA-Kreisarztes Dr. med. S.________, vom 29. September 1994). Auf die umfassende Darlegung der medizinischen Aktenlage im vorinstanzlichen Entscheid vom 22. November 1999 wird verwiesen. Dabei ist entgegen der Meinung der SUVA unerheblich, dass (u.a. auch mittels bildgebender Untersuchungsmethoden) keine organischen Befunde erhoben werden konnten, die auf ein Schleudertrauma der HWS hinweisen, denn es wird gerade nicht danach unterschieden, ob die Beeintr�chtigungen nach einem Unfall mit Schleudertrauma oder einem �quivalenten Verletzungsmechanismus mehr organischer und/oder psychischer Natur sind. Die Tatsache, dass der im Zusammenhang mit einer HWS-Verletzung sich manifestierende Beschwerdekomplex (hier mit Nacken- und Kopfschmerzen, �belkeit, Konzentrationsst�rungen und depressiver Verstimmung) mitunter noch andere Ursachen haben kann, darf nicht zum vornherein zur Verneinung der nat�rlichen Kausalit�t f�hren, da der Unfall als Teilursache f�r die Bejahung des nat�rlichen Kausalzusammenhangs gen�gt (vgl. Erw. 2.1 hiervor). In diesem Sinne ist die Feststellung im polydisziplin�ren Gutachten des Zentrums f�r medizinische Begutachtung (ZMB), vom 13. Juni 1995, das Zervikalsyndrom und die Zervikobrachialgie rechts seien nur zum Teil traumatisch bedingt, ausreichend. Dasselbe gilt hinsichtlich der sich aus dem HWS-Distorsions-/Distraktionstrauma (Kreis�rztliche Untersuchung des SUVA-Arztes Dr. med. S.________ vom 29. September 1994, Bericht des Dr. med. V.________, �rzteteam Unfallmedizin der SUVA vom 22. September 1997) entwickelten psychischen Beschwerden, f�r welche die Dres. med. M.________ und L.________ das Unfallereignis zumindest im Sinne eines ausl�senden Moments als urs�chlich sahen (Schreiben vom 9. August 1995), womit auch Dr. med. V.________ anl�sslich seiner Beurteilung vom 22. September 1997 einig ging. Damit ist jedoch entgegen der in der vorinstanzlichen Vernehmlassung ge�usserten Ansicht der Beschwerdegegnerin, der nat�rliche Kausalzusammenhang bez�glich der physischen wie psychischen Beschwerden gegeben.
3.2 Hinsichtlich des f�r die Leistungspflicht des Unfallversicherers weiter vorausgesetzten ad�quaten Kausalzusammenhangs zwischen dem Unfall mit Schleudertrauma der HWS ohne organisch nachweisbare Funktionsausf�lle und den hernach andauernden Beschwerden mit Einschr�nkung der Arbeits- und Erwerbsf�higkeit ist nach den in BGE 117 V 359 dargelegten Kriterien - ausgehend von einem Unfall im mittleren Bereich - vorzugehen (Urteil vom 27. April 2001). Die Beurteilung der Ad�quanz ist nur in denjenigen F�llen nach der f�r psychische Fehlentwicklungen nach Unf�llen geltenden Rechtsprechung (BGE 115 V 133) vorzunehmen, in welchen die zum typischen Beschwerdebild eines Schleudertraumas der HWS geh�renden Beeintr�chtigungen zwar teilweise gegeben sind, im Vergleich zur vorliegenden ausgepr�gten psychischen Problematik aber ganz in den Hintergrund treten (BGE 123 V 99 Erw. 2a), was hier nicht der Fall ist. Denn einerseits sch�tzen die Gutachter des ZMB die Einschr�nkung der Arbeitsf�higkeit schon ohne Ber�cksichtigung der psychischen und psychosomatischen Komponenten auf 25 % und anderseits geh�rt Depression zum typischen Beschwerdebild nach Schleudertrauma (BGE 117 V 360 Erw. 4b). Demgegen�ber h�lt zwar Dr. med. V.________ in seiner �rztlichen Beurteilung vom 22. September 1997 die diagnostizierte Dysthymie und das somatoforme Schmerzsyndrom deutlich im Vordergrund stehend, von einer eindeutigen Dominanz unmittelbar nach dem Unfall und im Verlaufe der ganzen Entwicklung vom Unfall bis zum Beurteilungszeitpunkt (RKUV 2002 Nr. U 465 S. 438 Erw. 3a) kann jedoch nicht die Rede sein.
3.3 Der Vorinstanz ist insoweit beizupflichten, als kein Kriterium in besonders ausgepr�gter Weise erf�llt ist. Kommt keinem Einzelkriterium besonderes bzw. ausschlaggebendes Gewicht zu, so m�ssen mehrere unfallbezogene Kriterien herangezogen werden (BGE 117 V 367 Erw. 6b). Mit dem kantonalen Gericht ist ohne weiteres von einer ungew�hnlich langen Dauer der �rztlichen Behandlung auszugehen; so wird denn auch im Bericht des Dr. med. V.________ vom 22. September 1997 von einem langwierigen Heilungsverlauf gesprochen und die Versicherte stand seit dem Unfall im Jahre 1990 bis zum massgebenden Zeitpunkt des Einspracheentscheids (vom 26. M�rz 1998) in andauernder �rztlicher Behandlung. Weiter leidet sie trotz zahlreicher Therapien an Dauerbeschwerden. Schliesslich ist das unfallbezogene Kriterium einer langen und erheblichen Arbeitsunf�higkeit ebenfalls zu bejahen. Zwar konnte die Beschwerdef�hrerin �ber ein Jahr lang nach dem Unfall ihr bisheriges Teilzeitpensum versehen. Aufgrund der sich entwickelnden chronischen Schmerzsymptomatik im Nacken und Schulterbereich sowie der sich manifestierenden psychischen Beschwerden h�uften sich aber die Arbeitsaussetzungen und mehrere Arbeitsversuche misslangen, so dass von einer vollst�ndigen Leistungseinbusse auszugehen ist. Dies zumal eine ausserh�usliche Arbeit nicht mehr verrichtet werden kann und die Haushaltsbesorgung nur mit Arbeitsunterbr�chen zu bewerkstelligen ist (Expertise des ZMB vom 13. Juni 1995). Damit steht fest, dass die massgebenden unfallbezogenen Merkmale in geh�ufter Form erf�llt sind. Dem Unfallereignis vom 22. Juli 1990 kommt somit auf Grund der geltenden Rechtsprechung, entgegen der Auffassung von SUVA und Vorinstanz, massgebende Bedeutung f�r die �ber den 1. Februar 1995 hinaus andauernden Beschwerden zu.
4. Das Verfahren ist kostenlos (Art. 134 OG). Die obsiegende, anwaltlich vertretene Beschwerdef�hrerin hat Anspruch auf eine Parteientsch�digung zu Lasten der SUVA (Art. 159 Abs. 2 in Verbindung mit Art. 135 OG).
Die Verwaltungsgerichtsbeschwerde wird in dem Sinne gutgeheissen, dass der Entscheid des Versicherungsgerichts Basel-Landschaft vom 8. August 2001 und der Einspracheentscheid der SUVA vom 26. M�rz 1998 aufgehoben werden und die Sache an die SUVA zur�ckgewiesen wird, damit sie �ber den Leistungsanspruch der Beschwerdef�hrerin im Sinne der Erw�gungen neu verf�ge.
3. Die SUVA hat der Beschwerdef�hrerin f�r das Verfahren vor dem Eidgen�ssischen Versicherungsgericht eine Parteientsch�digung von Fr. 2500.- (einschliesslich Mehrwertsteuer) zu bezahlen.
4. Das Versicherungsgericht des Kantons Basel-Landschaft wird �ber eine Parteientsch�digung f�r das kantonale Verfahren entsprechend dem Ausgang des letztinstanzlichen Prozesses zu befinden haben.
5. Dieses Urteil wird den Parteien, dem Kantonsgericht des Kantons Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversicherungsrecht, und dem Bundesamt f�r Sozialversicherung zugestellt.