Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Text=NJW%201988,%203013
Timestamp: 2018-01-21 07:03:01
Document Index: 34279907

Matched Legal Cases: ['BGH', '§ 249', '§ 276', '§ 675', '§ 287', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 287', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 278', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH']

BGH, 24.03.1988 - IX ZR 114/87 - dejure.org
Zur Zurechenbarkeit der Schadensfolge aus durch Anwaltsmitverschulden fehlerhafter Gerichtsentscheidung und zur Haftung des Prozessbevollmächtigten und des Korrespondenzanwalts
Schadensersatz wegen schlechter Erfüllung eines Anwaltsvertrages - Kauf eines Traktors - Einsatz eines Traktors als Schneeräumgerät - Haftung eines Anwalts bei schwerwiegenden Fehlern des Gerichts - Ungewissheit über eine Vorschusspflicht - Anfechtung eines Kaufvertrages wegen arglistiger Täuschung
BGB § 249, § 276, § 675; ZPO § 287
NJW 1988, 3013
NJW-RR 1988, 1489 (Ls.)
WM 1988, 987
AnwBl 1988, 637
Die anwaltsvertraglichen Pflichten eines Rechtsanwalts werden nicht dadurch geschmälert, dass mit derselben Angelegenheit noch ein weiterer Rechtsanwalt betraut worden ist (BGH, Urteil vom 24. März 1988 - IX ZR 114/87, NJW 1988, 3013, 3014; vom 8. Juli 1993 - IX ZR 242/92, NJW 1993, 2676, 2677).
Nach gefestigter Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs ist der mit der Prozessführung betraute Rechtsanwalt seinem Mandanten gegenüber verpflichtet, dafür einzutreten, dass die zugunsten des Mandanten sprechenden tatsächlichen und rechtlichen Gesichtspunkte so umfassend wie möglich ermittelt und bei der Entscheidung des Gerichts berücksichtigt werden (BGH, Urt. v. 24. März 1988 - IX ZR 114/87, NJW 1988, 3013, 3016;v. 4. Juni 1996 - IX ZR 51/95, NJW 1996, 2648, 2650;… v. 24. Mai 2007 - IX ZR 142/05, WM 2007, 1425, 1426 f Rn. 14;… Beschl. v. 19. Juni 2008 - IX ZR 111/05, ZMR 2008, 602;… Zugehör NJW 2003, 3225, 3226 unter 2a).
Eine solche muß sich klar und eindeutig aus dem Berufungsurteil - wenigstens aus den Entscheidungsgründen - ergeben (BGH, Urt. v. 24. März 1988 - IX ZR 114/87, WM 1988, 987, 989).
Er hat es wiederholt als unzureichend angesehen, wenn das Berufungsgericht lediglich eine Begründung für die Zulassung der Revision genannt hat, ohne weiter erkennbar zu machen, daß es die Zulassung der Revision auf den durch die Rechtsfrage betroffenen Teil des Streitgegenstandes hat beschränken wollen (etwa Senatsurteil vom 26. Mai 1982 - IVb ZR 675/80 - FamRZ 1982, 795; BGH Urteile vom 24. März 1988 - IX ZR 114/87 - BGHR aaO Revisionszulassung, beschränkte 5 …und vom 19. November 1991 - VI ZR 171/91 - BGHR aaO Revisionszulassung, beschränkte 11).
Selbst wenn der rechtskundige Kläger - das hat dieser bestritten - die Beschwerdebegründung entwerfen sollte, so blieb doch der Beklagte gegenüber dem Beschwerdegericht für den Inhalt des Schriftsatzes verantwortlich (…vgl. BGH, Urt. v. 17. Dezember 1987 - IX ZR 41/86, NJW 1988, 1079, 1082; v. 24. März 1988 - IX ZR 114/87, NJW 1988, 3013, 3014 für das Verhältnis des Prozeßbevollmächtigten zu einem Verkehrsanwalt).
Etwaige Versäumnisse des Gerichts schließen die Mitverantwortung des Rechtsanwalts für eigenes Versehen grundsätzlich nicht aus (…vgl. RGZ 152, 330, 341;… RG JW 1915, 645 f;… BGH, Urt. v. 17. September 1964 - III ZR 215/63, NJW 1964, 2402, 2404 mit kritischer Anmerkung von Schultz MDR 1965, 264 f; Senatsurt. v. 24. März 1988 - IX ZR 114/87, WM 1988, 987, 993;… Müller MDR 1969, 797 ff).
Pflicht des zum Prozeßbevollmächtigten bestellten Rechtsanwalts zu sachgemäßer Prozeßführung ändert sich grundsätzlich nicht dadurch, daß in die Korrespondenz zwischen ihm und dem Mandanten ein Verkehrsanwalt eingeschaltet ist (…Senatsurt. v. 17. Dezember 1987 IX ZR 41/86, aaO S. 387; Senatsurt. v. 24. März 1988 IX ZR 114/87, aaO S. 990;… Vollkommer, aaO Rdn. 320-322;… Seltmann VersR 1974, 97, 102).
Die Pflicht zur ordnungsmäßigem prozessualem Handeln gegenüber dem Prozeßgericht obliegt dem Prozeßbevollmächtigten, nicht dem Verkehrsanwalt (Senatsurt. v. 24. März 1988 - IX ZR 114/87, aaO S. 990).
Dann ist darüber, wie der Prozeß hätte enden müssen, nach den Verfahrensgrundsätzen des § 287 ZPO zu befinden (…BGH, Urt. v. 2. Juli 1987 - IX ZR 94/86, NJW 1987, 3255; v. 24. März 1988 - IX ZR 114/87, NJW 1988, 3013, 3015).
Dies beruht auf der Erwägung, daß es sich um Vorschriften des materiellen Rechts handelt und der Mandant nicht allein deshalb schlechter gestellt sein darf, weil der hypothetische Sieg im Vorprozeß nunmehr eine notwendige Voraussetzung für die Bejahung eines Schadens darstellt, den grundsätzlich der Kläger nachzuweisen hat (BGHZ 30, 226, 232;… BGH, Urt. v. 9. Dezember 1975 - VI ZR 175/73, VersR 1976, 468, 469; v. 24. März 1988 - IX ZR 114/87, NJW 1988, 3013, 3015).
Er hat die rechtliche Selbständigkeit der Mandate betont und hierzu bemerkt, keiner der beiden Anwälte sei in seinem Pflichtenkreis als Erfüllungsgehilfe des anderen im Sinne von § 278 BGB tätig (…BGH, Urt. v. 17. Dezember 1987 - IX ZR 41/86, NJW 1988, 1079, 1082; v. 24. März 1988 - IX ZR 114/87, NJW 1988, 3013, 3014; v. 14. November 1991 - IX ZR 31/91, NJW 1992, 836, 837).
Bei der Beurteilung, ob dem Kläger aus fehlerhafter Beratung ein Schaden entstanden ist, hat das für den Regreßprozeß zuständige Gericht grundsätzlich nicht darauf abzustellen, wie die zuständige Verwaltungsbehörde oder das damals angerufene Gericht ohne die Pflichtverletzung tatsächlich entschieden hätte, sondern aufgrund der gesamten Sach- und Rechtslage selbständig darüber zu befinden, wie das betreffende Verfahren ohne den dem Berater zur Last fallenden Fehler richtigerweise hätte ausgehen müssen (BGHZ 36, 144, 154; 72, 328, 330; 79, 223, 225 f;… BGH, Urt. v. 2. Juli 1987 - IX ZR 94/86, NJW 1987, 3255 ; v. 24. März 1988 - IX ZR 114/87, NJW 1988, 3013, 3015).
Es widerspräche jedoch der rechtlichen und tatsächlichen Stellung der Prozeßbevollmächtigten in den Tatsacheninstanzen, würde man ihre Aufgabe allein in der Beibringung des Tatsachenmaterials sehen (Senatsurt. v. 24. März 1988 - IX ZR 114/87, NJW 1988, 3013, 3016).
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