Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Text=ZInsO%202007,%201107
Timestamp: 2020-01-29 03:27:56
Document Index: 41942410

Matched Legal Cases: ['BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 129', '§ 131', '§ 133', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 286', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 129', '§ 129', '§ 129', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 143', '§ 129', '§ 129', '§ 129', '§ 286', 'BGH', 'BGH']

BGH, 12.07.2007 - IX ZR 235/03 - dejure.org
https://dejure.org/2007,903
BGH, 12.07.2007 - IX ZR 235/03 (https://dejure.org/2007,903)
BGH, Entscheidung vom 12.07.2007 - IX ZR 235/03 (https://dejure.org/2007,903)
BGH, Entscheidung vom 12. Juli 2007 - IX ZR 235/03 (https://dejure.org/2007,903)
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Abtretung einer Forderung zur Tilgung; Unwirksamkeit einer Abtretung wegen Gläubigerbenachteiligung; Berücksichtigung der Aufrechnungsmöglichkeit; Schutz der Insolvenzmasse eines Gläubigers
Gläubigerbenachteiligung durch Forderungsabtretung trotz Aufrechnungsbefugnis des Abtretungsempfängers
Unmittelbare Gläubigerbenachteiligung bei Aufrechnungsmöglichkeit des Gläubigers
Zur Frage unmittelbarer Gläubigerbenachteiligung, wenn der Schuldner zu Tilgungszwecken dem Gläubiger eine Forderung abtritt, die dieser nicht zu beanspruchen hatte
InsO § 129 § 131 § 133
Gläubigerbenachteiligung bei Abtretung einer Forderung zur Tilgung einer anderen Forderung
Gläubigerbenachteiligung durch Abtretung einer Forderung?
Erfolgreiche Insolvenzanfechtung trotz hypothetischer Aufrechnungsmöglichkeit (IMR 2007, 1130)
Zusammenfassung von "Anmerkung zum Urteil des BGH vom 12.07.2007, Az.: IX ZR 235/03 (Objektive Gläubigerbenachteiligung bei Forderungsabtretung)" von RiBGH Bernd Raebel, original erschienen in: ZInsO 2007, 1107 - 1111.
Kurznachricht zu "Anmerkung zum Urteil des BGH vom 12.07.2007, Az.: IX ZR 235/03 (Gläubigerbenachteiligung bei Möglichkeit der Aufrechnung mit abgetretener Forderung)" von PräsLG Prof. Dr. Michael Huber, original erschienen in: NZI 2007, 720 - 721.
LG Heilbronn, 16.10.2003 - 23 O 109/02
ZInsO 2007, 1107
Die subjektiven Voraussetzungen der Vorsatzanfechtung hat der Tatrichter gemäß § 286 ZPO unter Würdigung aller maßgeblichen Umstände des Einzelfalls auf der Grundlage des Gesamtergebnisses der Verhandlung und einer etwaigen Beweisaufnahme zu prüfen (BGH, Urt. v. 12. Juli 2007 - IX ZR 235/03, ZIP 2007, 2084, 2087 Rn. 21; vgl. Fischer NZI 2008, 588, 593; Schoppmeyer, ZIP 2009, 600, 605; Ganter WM 2009, 1441, 1443).
Maßgeblicher Zeitpunkt dafür ist derjenige der Vollendung der Rechtshandlung (BGH, Urteil vom 12. Juli 2007 - IX ZR 235/03, WM 2007, 2071 Rn. 9;… vom 10. Juli 2014, aaO Rn. 48).
Erhält der Schuldner für das, was er aus seinem Vermögen weggibt, unmittelbar eine vollwertige Gegenleistung, liegt keine unmittelbare Gläubigerbenachteiligung vor (BGH, Urteil vom 12. Juli 2007 aaO Rn. 11).
a) Maßgeblicher Zeitpunkt für den Eintritt einer unmittelbaren Benachteiligung ist grundsätzlich die Vollendung der anfechtbaren Rechtshandlung (BGH, Urteil vom 6. April 1995 - IX ZR 61/94, BGHZ 129, 236, 242 f; vom 12. Juli 2007 - IX ZR 235/03, WM 2007, 2071 Rn. 9).
Eine Gläubigerbenachteiligung liegt vor, wenn die Rechtshandlung entweder die Schuldenmasse vermehrt oder die Aktivmasse verkürzt und dadurch den Zugriff auf das Vermögen des Schuldners vereitelt, erschwert oder verzögert hat, sich somit die Befriedigungsmöglichkeiten der Insolvenzgläubiger ohne die Handlung bei wirtschaftlicher Betrachtungsweise günstiger gestaltet hätten (BGH, Urteil 12. Juli 2007 - IX ZR 235/03, ZIP 2007, 2084 Rn. 8 mwN;… vom 20. Januar 2011 - IX ZR 58/10, ZInsO 2011, 421 Rn. 12;… vom 17. März 2011 - IX ZR 166/08, ZInsO 2011, 782 Rn. 8;… vom 29. September 2011 - IX ZR 74/09, ZInsO 2011, 1979 Rn. 6;… vom 26. April 2012 - IX ZR 146/11, ZInsO 2012, 1127 Rn. 21;… vom 26. April 2012 - IX ZR 74/11, BGHZ 193, 129 Rn. 11 [st.Rspr.].
Von der Zweckbestimmung her muss es sich um eine vorweggenommene Befriedigung des individuellen Rückgewähranspruchs handeln (BGH, Urteil vom 12. Juli 2007 - IX ZR 235/03, ZIP 2007, 2084 Rn. 19;… Beschluss vom 7. Februar 2013 - IX ZR 175/12, ZInsO 2013, 670 Rn. 3;… Urteil vom 4. Juli 2013 - IX ZR 229/12, BGHZ 198, 77 Rn. 18;… MünchKomm-InsO/Kayser, 3. Aufl., § 129 Rn. 178;… Ehricke in Kübler/Prütting/Bork, InsO, 2008, § 129 Rn. 99;… Uhlenbruck/Hirte/Ede, InsO, 14. Aufl., § 129 Rn. 257 mwN; vgl. auch BGH, Urteil vom 15. Dezember 1994 - IX ZR 153/93, BGHZ 128, 184, 190 f).
Mit der Abtretung hat sich als notwendige weitere Voraussetzung des Anfechtungstatbestandes (BGH…, Urteil vom 1. Dezember 2011 - IX ZR 11/11, BGHZ 192, 9 Rn. 20) eine Gläubigerbenachteiligung verwirklicht (vgl. BGH, Urteil vom 12. Juli 2007 - IX ZR 235/03, WM 2007, 2071 Rn. 9).
Da die einzelne anfechtbare Rechtshandlung ein eigenes selbständiges Rückgewährschuldverhältnis begründet, ist der Eintritt einer Gläubigerbenachteiligung isoliert mit Bezug auf die konkret angefochtene Minderung des Aktivvermögens zu beurteilen (BGH, Urteil vom 12. Juli 2007 - IX ZR 235/03, WM 2007, 2071 Rn. 11).
Eine Gläubigerbenachteiligung kann nicht mit der Erwägung verneint werden, bei Unterbleiben der angefochtenen Handlung hätte der Gläubiger auf den Gegenstand ebenfalls zugreifen können, weil dann über ihn in nicht anfechtbarer Weise verfügt worden wäre (BGH, Urteil vom 12. Juli 2007 - IX ZR 235/03, WM 2007, 2071 Rn. 15).
Deshalb sind nur solche Folgen als Vorteil der Masse zu berücksichtigen, die ihrerseits an die konkret angefochtene Rechtshandlung anknüpfen (BGH…, Urteil vom 16. November 2007 - IX ZR 194/04, BGHZ 174, 228 Rn. 18; vom 2. Juni 2005 - IX ZR 263/03, WM 2005, 1712, 1713;… vom 20. Juli 2006 - IX ZR 226/03, WM 2006, 1731 Rn. 14; vom 12. Juli 2007 - IX ZR 235/03, WM 2007, 2071 Rn. 11;… vom 9. Juli 2009 - IX ZR 86/08, WM 2009, 1750 Rn. 36 f;… vom 8. Oktober 2009 - IX ZR 173/07, WM 2009, 2229 Rn. 17;… vom 11. März 2010 - IX ZR 104/09, WM 2010, 772 Rn. 10;… vom 26. April 2012 - IX ZR 146/11, WM 2012, 1131 Rn. 31;… vom 22. Oktober 2015 - IX ZR 248/14, WM 2015, 2251 Rn. 18).
Für hypothetische, nur gedachte Kausalverläufe ist insoweit kein Raum ( BGH, Urt. v. 12. Juli 2007 - IX ZR 235/03, NZI 2007, 718, 719 Rn. 15 m.w.N.).
Durch eine Zahlung erstrebte mittelbare finanzielle Vorteile haben außer Betracht zu bleiben, weil dies mit der im Insolvenzanfechtungsrecht gebotenen Einzelsicht unvereinbar wäre (BGH, Urteil vom 12. Juli 2007 - IX ZR 235/03, WM 2007, 2071 Rn. 10).
Von der Zweckbestimmung her hätte es sich damit um eine vorweggenommene Befriedigung eines individuellen Rückgewähranspruchs gehandelt (vgl. BGH, Urteil vom 12. Juli 2007 - IX ZR 235/03, WM 2007, 2071 Rn. 19;… vom 13. Januar 2011 - IX ZR 13/07, WM 2011, 365 Rn. 12;… Jaeger/Henckel, InsO, § 143 Rn. 184;… MünchKomm-InsO/Kirchhof, 2. Aufl., § 129 Rn. 178;… HK-InsO/Kreft, 6. Aufl. § 129 Rn. 62;… Uhlenbruck/Hirte, InsO, 13. Aufl., § 129 Rn. 129).
Die subjektiven Voraussetzungen der Vorsatzanfechtung hat der Tatrichter gemäß § 286 ZPO unter Würdigung aller maßgeblichen Umstände des Einzelfalles auf der Grundlage des Gesamtergebnisses der Verhandlung und einer etwaigen Beweisaufnahme zu prüfen (BGH, Urt. v. 12. Juli 2007 - IX ZR 235/03, ZIP 2007, 2084, 2087 Rn. 21;… v. 13. August 2009 - IX ZR 159/06, ZInsO 2009, 1909, 1911 Rn. 10).
Insofern handelt es sich um einen hypothetischen Kausalverlauf, der im Anfechtungsrecht außer Betracht zu bleiben hat (BGH, Urteil vom 12. Juli 2007 - IX ZR 235/03, WM 2007, 2071 Rn. 15;… vom 14. Mai 2009 - IX ZR 63/08, WM 2009, 1202 Rn. 28).