Source: https://www.smartsteuer.de/online/steuertipps/antrag-auf-einkommensteuer-veranlagung/
Timestamp: 2017-11-18 15:59:12
Document Index: 101099548

Matched Legal Cases: ['§ 32', '§ 43', '§ 24', '§ 45', '§ 20', '§ 17', '§ 20', '§ 20', '§ 20', '§ 32', '§ 32', '§ 32', '§ 32']

Antrag auf Einkommensteuer-Veranlagung – smartsteuer
Wichtiges zu den Neuerungen bzgl. der Abgeltungssteuer
Lohnt sich trotz Abgeltungssteuer der Aufwand für den Antrag auf Veranlagung zur Einkommensteuer?
Einführung in die neue Rechtslage – Übersicht:
Mit dem Unternehmensteuerreformgesetz 2008 wird zum 1. Januar 2009 eine pauschale
Abgeltungssteuer in Höhe von 25 % (§ 32d EStG) auf private Einkünfte aus
Kapitalvermögen und auf Gewinne aus Wertpapierveräußerungen eingeführt.
Es ist aber wohl kaum anzunehmen, dass deswegen das mühsam ins Ausland verbrachte
Kapital mit einer Besteuerung von 0 % nach Deutschland zurückgeführt wird.
Jede Besteuerung, egal mit welchem Steuersatz, ist höher als gar keine Besteuerung.
Folgende Eckpunkte und Besonderheiten sind bei der Abgeltungssteuer zu beachten:
1. Durch die Abkopplung der Einkünfte aus Kapitalvermögen von der allgemeinen
Veranlagung der Einkommensteuer mindert sich in der Regel die Progression, also die Belastung
in Höhe des persönlichen Steuersatzes auf die anderen Einkünfte.
2. Der Steuereinbehalt in Form einer abgewandelten Kapitalertragsteuer nach § 43 Abs.
5 EStG hat zukünftig grundsätzlich Abgeltungswirkung.
3. Auch bei einer abgeltenden Wirkung erfolgt die Abführung der
Steuer gleichwohl nicht anonym. An die Stelle der Bescheinigung nach § 24c
EStG tritt die Bescheinigung nach § 45a Abs. 2 und 3 EStG.
4. Vom gesonderten Abgeltungstarif nicht erfasst werden Einkünfte,
die aufgrund der sog. “Subsidiaritätsregel” des § 20 Abs. 8 EStG zu
den Einkünften aus Land- und Forstwirtschaft, aus Gewerbebetrieb, aus
selbständiger Arbeit oder aus Vermietung und Verpachtung gehören.
Für diese Einkünfte gilt also auch weiterhin die individuelle
Besteuerung in Höhe des persönlichen Steuersatzes; auch
Veräußerungsgewinne im Sinne von § 17 EStG (Beteiligung an Kapitalgesellschaften
ab 1 %) fallen nicht unter die neue Abgeltungssteuer.
5. An die Stelle des Werbungskostenpauschbetrags bzw. des Sparerfreibetrags
wird ein einheitlicher Sparerpauschbetrag gem. § 20 Abs. 9 EStG in Höhe
von 801 € für Ledige bzw. 1602 € für zusammen veranlagte Ehegatten
treten. Der Abzug tatsächlich angefallener Werbungskosten ist damit nicht mehr
6. Zu den Einkünften aus Kapitalvermögen gehören nunmehr
auch die bisherigen privaten Veräußerungsgeschäfte
(z. B. Aktien oder Anteile an einer GmbH), § 20 Abs. 2 EStG. Die bisherige
Veräußerungsfrist (Spekulationsfrist) von zwölf Monaten entfällt.
7. Durch den gesonderten Steuersatz für Einkünfte aus
Kapitalvermögen ist auch die Möglichkeit der Verrechnung von Verlusten
eingeschränkt, § 20 Abs. 6 EStG: Verluste können weder im laufenden Jahr noch
im Wege des Rück- oder Vortrags mit Einkünften aus anderen Einkunftsarten
Auswirkung auf Ihre Einkommensteuererklärung – Chancen:
Der Abzug der Abgeltungssteuer wird im Regelfall bereits durch die Banken erfolgen. Dies gilt im Übrigen auch für die hier anfallende Kirchensteuer, für deren Abzug komplizierte Sonderregelungen vorgesehen sind. Damit muss die Kirchensteuer auf die Abgeltungssteuer nicht mehr im Rahmen der Veranlagung als Sonderausgaben geltend gemacht werden.
Aber auch bei der Abgeltungssteuer hat der Anleger die Chance, die Einbeziehung in die Veranlagung der Einkommensteuer gem. § 32 Abs. 4 EStG zu beantragen. Das ist in manchen Fällen sinnvoll bzw. ratsam, z. B.
* wenn der neue Sparerpauschbetrag von 801 €/1602 € im Rahmen des Steuerabzugs (mangels Freistellungsauftrag) nicht oder nicht in voller Höhe berücksichtigt wurde;
* wenn nach einem Depotübertrag eine fehlerhafte Bemessungsgrundlage zum Ansatz kam;
* bei Altverlusten aus privaten Veräußerungsgeschäften;
* wenn ausländische Quellensteuer angerechnet werden soll;
* wenn ein negativer Verlustverrechnungstopf besteht.
Auf diese Antragsveranlagung findet dann der Abgeltungssteuersatz mit 25 % Anwendung.
Achtung: Auch im Fall der Antragsveranlagung ist der Abzug von Werbungskosten ausgeschlossen und wird der neue Sparerpauschbetrag angesetzt.
Was machen aber die Steuerpflichtigen, deren persönlicher Steuersatz unter 25 % liegt, weil z. B. Verluste aus anderen Einkunftsarten wie Vermietung und Verpachtung das Gesamtergebnis mindern?
Hier hält das Einkommensteuergesetz mit § 32 d Abs. 6 eine sog. Günstigerprüfung für den Anleger bereit, die das Finanzamt automatisch vornimmt. Dann werden die Einkünfte im Rahmen der allgemeinen Einkünfteermittlung erfasst und mit der tariflichen ESt belastet. Die einbehaltene Abgeltungssteuer wirkt dann ähnlich der bisher erhobenen Kapitalertragsteuer als Vorauszahlung bei der Einkommensteuer und wird entsprechend auf die Einkommensteuer angerechnet.
Achtung: Auch in diesem Fall ist der Abzug von Werbungskosten ausgeschlossen.
Die Veranlagung aufgrund der Günstigerprüfung ist demnach nur eine Veranlagung der Kapitalerträge mit derselben Bemessungsgrundlage, allerdings mit dem jeweils günstigeren Steuersatz.
Hinweis: Kinder und Jugendliche ohne weitere Einkünfte können den Grundfreibetrag der Einkommensteuergrundtabelle von 7664 Euro und die unteren Progressionsstufen beim Tarif ausnutzen.
Fazit zur Abgeltungssteuer:
Bei der Abgeltungssteuer gibt es wie bei jeder Reform Gewinner und Verlierer. Auf jeden Fall wird es nicht einfacher durch die neuen Regelungen zur Abgeltungssteuer, denn nicht nur die vorstehenden Besonderheiten sind zu beachten, sondern mit § 32 d Abs. 3 EStG gibt es zudem weitere Pflichteintragungen im Rahmen der Veranlagung. Außerdem sind mit der Angabe der mit der Abgeltungssteuer belasteten Erträge in vielen Fällen noch weitere steuerliche Maßnahmen und Berechnungen verbunden. Sie sollten also vorsichtig und umsichtig mit Ihren Einkünften aus Kapitalvermögen umgehen. Nicht immer ist ein pauschaler Abgeltungssatz das richtige Mittel zur Erreichung einer für Sie optimalen Steuerbelastung.
Fundstelle: § 32d EStG
Hohe Handwerkerrechnungen und VerlusteRichtig Einspruch einlegen