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Timestamp: 2020-02-24 21:26:25
Document Index: 131973105

Matched Legal Cases: ['Art. 2', 'Art. 125', '§ 85', '§ 27', '§ 15', '§ 24', '§ 6', '§ 27', '§ 27', '§ 15', '§ 24', '§ 27', '§ 27', '§ 15', '§ 24', '§ 15', '§ 3', '§ 15', '§ 115', '§ 253', 'BGH', 'EuG']

Aus­gleichs­zah­lung wegen alters­dis­kri­mi­nie­ren­der Besol­dung | Rechtslupe
Ausgleichszahlung wegen altersdiskriminierender Besoldung
20. Februar 2018 Rechtslupe
Aus­gleichs­zah­lung wegen alters­dis­kri­mi­nie­ren­der Besol­dung
Das Bun­des­ver­wal­t­uns­ge­richt hält auch nach erneu­ter Über­prü­fung an den Grund­sät­zen sei­ner Urtei­le vom 30.10.2014 1; und vom 06.04.2017 2 zu den Rechts­fol­gen der alters­dis­kri­mi­nie­ren­den Besol­dung von Beam­ten fest.
Bis zum Inkraft­tre­ten des Art. 2 des Dienst­rechts­an­pas­sungs­ge­set­zes für das Land Nord­rhein-West­fa­len vom 16.05.2013 3 am 1.06.2013 bestimm­te sich die Besol­dung der Beam­ten gemäß Art. 125a Abs. 1 Satz 1 GG und § 85 BBesG nach §§ 27 und 28 BBesG in der Fas­sung der Bekannt­ma­chung vom 06.08.2002 4. Die­se Vor­schrif­ten sind mit den Vor­ga­ben der Richt­li­nie 2000/​78/​EG des Rates vom 27.11.2000 zur Fest­le­gung eines all­ge­mei­nen Rah­mens für die Ver­wirk­li­chung der Gleich­be­hand­lung in Beschäf­ti­gung und Beruf 5 unver­ein­bar und benach­tei­li­gen den Leh­rer unmit­tel­bar wegen sei­nes Alters. Die durch Gesetz fest­ge­leg­ten Besol­dungs­be­din­gun­gen der Beam­ten fal­len in den Anwen­dungs­be­reich die­ser Richt­li­nie.
Bei einem unmit­tel­ba­ren Lan­des­be­am­ten, wie dem Leh­rer, begrün­det die nicht gerecht­fer­tig­te alters­dis­kri­mi­nie­ren­de Besol­dung zwei Ansprü­che: Zum einen den Anspruch auf eine ange­mes­se­ne Ent­schä­di­gung nach § 15 Abs. 2 i.V.m. § 24 Nr. 1 AGG gegen den Arbeit­ge­ber i.S.v. § 6 Abs. 2 AGG, der an die Anwen­dung der uni­ons­rechts­wid­ri­gen §§ 27 und 28 BBesG a.F. anknüpft, und zum ande­ren den uni­ons­recht­li­chen Haf­tungs­an­spruch, der das Unter­blei­ben der Anpas­sung der besol­dungs­recht­li­chen Rege­lun­gen an die Vor­ga­ben des Uni­ons­rechts durch den hier­für zustän­di­gen Gesetz­ge­ber sank­tio­niert.
Macht ein betrof­fe­ner Beam­ter die alters­dis­kri­mi­nie­ren­de Wir­kung der besol­dungs­recht­li­chen Bestim­mun­gen gegen­über sei­nem zur Besol­dungs­ge­setz­ge­bung zustän­di­gen Dienst­herrn gel­tend, so begrün­det dies den uni­ons­recht­li­chen Haf­tungs­an­spruch wegen des Ein­gangs der Bezü­ge auf dem Kon­to des Beam­ten bereits im Vor­mo­nat erst für den auf die Gel­tend­ma­chung fol­gen­den Monat. Die Annah­me einer Rück­wir­kung für das gesam­te Kalen­der­jahr der Gel­tend­ma­chung ist aus­ge­schlos­sen. Der uni­ons­recht­li­che Haf­tungs­an­spruch gegen den Dienst­herrn in sei­ner Eigen­schaft als Besol­dungs­ge­setz­ge­ber wegen der Auf­recht­erhal­tung der alters­dis­kri­mi­nie­ren­den Bestim­mun­gen der §§ 27 und 28 BBesG a.F. ist nicht mit dem Anspruch auf erhöh­te Besol­dung eines Beam­ten für das drit­te und jedes wei­te­re unter­halts­be­rech­tig­te Kind gleich­zu­set­zen, weil es bei jenem Anspruch nicht um die Sicher­stel­lung der amts­an­ge­mes­se­nen Ali­men­ta­ti­on eines Beam­ten und sei­ner Fami­lie für die Ver­gan­gen­heit geht. Der Gesetz­ge­ber hät­te von Anfang an eine nicht­dis­kri­mi­nie­ren­de Besol­dungs­re­ge­lung vor­se­hen kön­nen, die dem Beam­ten kei­ne höhe­ren Dienst­be­zü­ge gewährt. Zudem hät­te der Beklag­te eine alters­un­ab­hän­gi­ge Besol­dungs­re­ge­lung, die nicht zu höhe­ren Bezü­ge führt, auch für den Zeit­raum ab dem 1.09.2006 rück­wir­kend in Kraft set­zen kön­nen 6.
Da der Leh­rer in dem hier ent­schie­de­nen Fall erst am 9.07.2013 Wider­spruch gegen die Höhe sei­ner Dienst­be­zü­ge erho­ben hat, ist auch der Ent­schä­di­gungs­an­spruch nach § 15 Abs. 2 i.V.m. § 24 Nr. 1 AGG aus­ge­schlos­sen.
Ist die Rechts­la­ge, wie hier hin­sicht­lich der Ver­ein­bar­keit der §§ 27 und 28 BBesG a.F. mit dem Uni­ons­recht, unsi­cher und zwei­fel­haft, beginnt der Lauf einer Aus­schluss­frist zu dem Zeit­punkt, ab dem die Erhe­bung einer Kla­ge für den Betrof­fe­nen zumut­bar ist, d.h. die Kla­ge hin­rei­chend aus­sichts­reich, wenn auch nicht risi­ko­los ist 7. In die­sen Fäl­len ist die objek­ti­ve Klä­rung der Rechts­la­ge durch eine höchst­rich­ter­li­che Ent­schei­dung maß­geb­lich; wann der ein­zel­ne Berech­tig­te von die­ser Gerichts­ent­schei­dung tat­säch­lich Kennt­nis erlangt hat, ist dage­gen nicht ent­schei­dend 8. Maß­geb­li­cher Zeit­punkt ist hier die in der Ver­fah­rens­ord­nung des Gerichts­hofs der Euro­päi­schen Uni­on vor­ge­schrie­be­ne Ver­kün­dung sei­nes Urteils in Sachen Hen­nigs und Mai 9 am 8.09.2011 unge­ach­tet der Fra­ge, wann der Leh­rer vom Umstand der alters­dis­kri­mi­nie­ren­den Besol­dung über­haupt Kennt­nis erlangt hat und wann ihm ent­spre­chen­de Gerichts­ur­tei­le bekannt gewor­den sind 10.
Da die monat­li­che Berech­nung und Aus­zah­lung der Dienst­be­zü­ge des Beam­ten auf der Basis der alters­dis­kri­mi­nie­ren­den §§ 27 und 28 BBesG a.F. jeweils einen eigen­stän­di­gen Ent­schä­di­gungs­an­spruch nach § 15 Abs. 2 i.V.m. § 24 Nr. 1 AGG begrün­den, kommt es für den Beginn der Frist des § 15 Abs. 4 AGG auf den Ein­gang der jewei­li­gen Zah­lun­gen auf dem Kon­to des Beam­ten an. Die Bezü­ge für Mai 2013 sind ent­spre­chend § 3 Abs. 5 Satz 1 BBesG a.F. bereits am letz­ten Bank­ar­beits­tag des Vor­mo­nats April 2013 auf dem Kon­to des Leh­rers ein­ge­gan­gen. Damit wahrt der Wider­spruch vom 09.07.2013 auch nicht die Zwei­mo­nats­frist des § 15 Abs. 4 AGG im Hin­blick auf den Monat Mai 2013.
Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Urteil vom 14. Dezem­ber 2017 – 2 C 15.17
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BVerwG, Urteil vom 30.10.2014- 2 C 6.13, BVerw­GE 150, 234[↩]
BVerwG, Urteil vom 06.04.2017 – 2 C 11.16, NVwZ 2017, 1627[↩]
GV. NRW. S. 233[↩]
BGBl. I S. 3020 – BBesG a.F.[↩]
ABl. L 303 S. 16 – RL 2000/​78/​EG[↩]
BVerwG, Urteil vom 06.04.2017 – 2 C 11.16, NVwZ 2017, 1627 Rn. 55 bis 60[↩]
BVerwG, Urtei­le vom 30.10.2014 – 2 C 6.13, BVerw­GE 150, 234 Rn. 51; und vom 06.04.2017 – 2 C 20.15, NVwZ-RR 2017, 700 Rn. 12 ff. jeweils m.w.N.[↩]
BGH, Urteil vom 23.09.2008 – XI ZR 262/​07 – NJW-RR 2009, 547 Rn.19 m.w.N.[↩]
EuGH, – C‑297/​10 und – C‑298/​10[↩]
BVerwG, Urtei­le vom 30.10.2014 – 2 C 6.13, BVerw­GE 150, 234 Rn. 51 ff., – 2 C 3.13, Buch­holz 245 Lan­des­BesR Nr. 8 Rn. 53; vom 20.05.2015 – 2 A 9.13 13; und vom 06.04.2017 – 2 C 20.15, NVwZ-RR 2017, 700 Rn. 12 und – 2 C 11.16, NVwZ 2017, 1627 Rn. 40[↩]
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