Source: https://www.wolf-sachsen.de/de/28-aktuelles
Timestamp: 2018-10-20 00:53:19
Document Index: 89952692

Matched Legal Cases: ['Art. 11', 'Art. 12', '§ 7', '§ 44', '§ 7', '§ 44']

wolf-sachsen.de - Aktuelles
Am 29.05.2018 wurden zwei Wölfe im Umfeld des Werbeliner Sees zwischen Leipzig und Delitzsch (LK Nordsachsen) von einer automatisch auslösenden Wildkamera (Fotofalle) des Landratsamtes Nordsachsen fotografiert. Bereits am 24.04.2018 wurde ein Wolf in diesem Gebiet durch eine Fotofallen-Aufnahme nachgewiesen. Im Rahmen des Monitorings soll nun geklärt werden, ob sich ein neues Wolfspaar im Umfeld des Werbeliner Sees etabliert hat, oder ob dieses Gebiet zum Einzugsbereich des im Winter in der Dübener Heide bestätigten Wolfspaares gehört.
Junge Wölfe verlassen meist im Alter von 1-2 Jahren das elterliche Territorium. Auf der Suche nach einem eigenen Territorium und einem möglichst nicht verwandten Paarungspartner können sie weite Strecken zurücklegen. Für den Menschen stellen die Tiere in der Regel keine Gefahr dar, da sie den Menschen weder als Beutetier noch als Artgenossen wahrnehmen. Wölfe bemerken die Menschen meist frühzeitig und meiden eine direkte Begegnung.
Halter von Schafen und Ziegen sollten Vorkehrungen für den Schutz ihrer Tiere treffen, indem sie ihre Nutztiere z.B. über Nacht einstallen oder mit einem geeigneten Elektrozaun schützen. Tierhalter, die Fragen zum Herdenschutz bzw. zur Förderung von präventiven Schutzmaßnahmen haben, können sich an den Herdenschutzbeauftragten U. Klausnitzer wenden (Telefon: 0151 / 5055 1465, EMail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!).
Hinweismeldungen aus der Bevölkerung sind für das Wolfsmonitoring wichtig. Bürger werden gebeten Hinweise auf Wölfe an das Landratsamt Nordsachsen (Giso Damer, Tel. 03421 7584134, Email: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!) zu melden. Alternativ nehmen das Kontaktbüro „Wölfe in Sachsen“ (Tel. 035772 46762, Email: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!) oder das LUPUS Institut für Wolfsmonitoring und -forschung in Deutschland (Tel. 035727 57762, Email: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!) Wolfshinweise entgegen.
Ziel und Funktion Wolfsmonitoring
Das Monitoring setzt sich wie ein Puzzlespiel aus vielen verschiedenen Hinweisen zusammen, die einzeln bewertet, interpretiert und dann in das Gesamtbild eingefügt werden müssen. Zum einen werden Hinweise (z.B. Spurenfunde oder Sichtungen) aus der Bevölkerung gemeldet, z.B. Berichte über Sichtungen oder das Auffinden toter Tiere oder Spuren. Diese Daten, die unter das passive Monitoring fallen, werden erhoben, ausgewertet und archiviert. Über Meldungen seitens der Bevölkerung ist man stets dankbar, da diese Informationen wichtig sind. Um möglichst viele „Bausteine“ des Puzzles zu erhalten, ist jedoch auch ein aktives Monitoring notwendig. Dabei werden Daten, z.B. Spuren, Kot, Risse, Markierungen, gezielt und systematisch gesammelt.
Alle Hinweise werden zusammen ausgewertet mit dem Ziel Informationen zur Populationsgröße und Vorkommen zu erhalten. Das Vorkommensgebiet bezeichnet die Fläche auf der ein Wolf nachgewiesen wurde (dabei werden auch Einzelnachweise erfasst, z.B. ein Totfund oder ein Jungwolf auf der Wanderung). Dahingegen handelt es sich bei der Populationsgröße um die Verteilung von Territorien und somit der Anzahl von Rudeln, Paaren oder territorialen Einzeltieren.
Die Bundesrepublik Deutschland ist aufgrund der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie (Art. 11 FFH-RL) gegenüber der EU-Kommission verpflichtet den Erhaltungszustand der in Anhang II und IV im Artikel 2 der FFH - Richtlinie aufgelisteten Arten zu überwachen und die Entwicklungen alle 6 Jahre an die EU- Kommission zu berichten. Somit ergibt sich eine Verpflichtung zum Aufbau eines Monitoringsystems bzgl. des Wolfs.
Die Umsetzung des Monitorings fällt in die Zuständigkeit der Bundesländer. Um über die Ländergrenzen hinweg vergleichbare Daten erheben zu können wurden im Auftrag vom Bundesamt für Naturschutz (BfN) die Kriterien für ein standardisiertes Monitoring in Deutschland definiert (Monitoringsstandards für Großraubtiere in Deutschland 2009 bzw. Monitoring von Wolf, Luchs und Bär in Deutschland 2015). Diese sogenannten SCALP-Kriterien basieren auf dem Zusammenschluss von Luchsexperten in den Alpenländern zum Monitoring und Schutz des Luchses (Status and Conservation of the Alpine Lynx Population, www.kora.ch), mit dem Ziel eine länderübergreifende Vergleichbarkeit von Monitoringdaten zu gewährleisten. Für Deutschland wurden die Kriterien an die hiesige Situation angepasst und auf zwei weitere Arten (Wolf und Bär) erweitert.
Bei der Bewertung und Interpretation der angefallenen und erhobenen Daten ist eine Vereinheitlichung eine wichtige Voraussetzung um ein gutes Bild der Gesamtsituation in Deutschland oder auch über die Grenzen hinweg zu bekommen. Hierfür wurden im Auftrag vom Bundesamt für Naturschutz (BfN) die sogenannten SCALP-Kriterien definiert (s. oben).
Man unterscheidet drei Kategorien (C – Category), welchen alle eingegangenen und erhobenen Daten nach ihrer Überprüfbarkeit zugeordnet werden. Die Einteilung macht keine Aussage über die fachliche Qualifikation des Beobachters.
Falsch: Falschmeldung = Hinweis, bei der die entsprechende Tierart ausgeschlossen werden kann
k.B.: keine Bewertung möglich = Hinweise, zu denen auf Grund fehlender Mindestinformationen keine Einschätzung möglich ist, z.B. Sichtmeldungen von Rissen oder Spuren.
Die erhobenen und bewerteten Daten werden zur Ermittlung des Vorkommensgebietes und der Populationsgröße herangezogen. Dabei spielen jedoch ausschließlich die C1-Nachweise und C2- Hinweise eine Rolle.
Detaillierte Informationen zum Monitoring von Wolf, Luchs und Bär in Deutschland finden Sie im gleichnamigen Skript vom Bundesamt für Naturschutz (BfN-Skript 413, 2015).
Auf den folgenden Seiten finden Sie eine kurze Übersicht über einzelne Monitoringmethoden, sowie weitere Forschungsbereiche.
Der Wolf hat im Freistaat Sachsen folgenden gesetzlichen Schutzstatus:
Berner Konvention (Anhang II).
EG Verordnung 338/97 (Anhang A) und
Fauna-Flora-Habitat (FFH) Richtlinie 92/43/EWG (Anhang II, Prioritäre Art, An­hang IV, Art. 12 und 16).
Bundesnaturschutzgesetz (Streng geschützte Art nach § 7 Abs. 2 Nr. 13 i. V. mit § 44) und
Tier­schutzgesetz.
Sächsisches Jagdgesetz und Sächsische Jagdverordnung.
Nach EU-Recht genießt der Wolf als FFH-Art des Anhangs II (prioritäre Art) und des Anhangs IV in Deutsch­land den höchsten Schutzstatus. Das formulierte Schutzziel der EU ist die Erhaltung bzw. Wiederherstellung eines günstigen Erhaltungszustands prioritärer Arten.
Nach der FFH-Richtlinie sind „alle absichtlichen Formen des Fangs oder der Tötung ...", sowie „... jede absichtliche Störung ..." und „... jede Beschädigung oder Vernichtung der Fortpflanzungs- oder Ruhestätten ..." untersagt. Im Bundesnaturschutzgesetz (BNatSchG) und SächsJagdG wurden diese Forderungen eins zu eins übernommen. Nach § 7 Abs. 2 Nr. 14 und § 44 BNatSchG ist der Wolf streng geschützt.