Source: https://www.bverwg.de/280411U2C27.10.0
Timestamp: 2020-08-14 05:53:36
Document Index: 125932847

Matched Legal Cases: ['§ 46', '§ 18', '§ 121', '§ 128', '§ 130', '§ 133', '§ 141', '§ 1', '§ 1', '§ 10', '§ 46', '§ 46', '§ 109', '§ 5', 'Art. 33', '§ 8', '§ 25']

BVerwG 2 C 27.10, Urteil vom 28. April 2011 | Bundesverwaltungsgericht
BVerwG 2 C 27.10, Urteil vom 28. April 2011
BVerwG 2 C 27.10ECLI:DE:BVerwG:2011:280411U2C27.10.0
BBesG § 46 Abs. 1 und 2, § 18
BRRG § 121 Abs. 1, § 128 Abs. 1 und 4, § 130 Abs. 1 Satz 1, § 133
SGB VI § 141 Abs. 1
LVAErG LSA § 1a Abs. 1 und 2
LVO LSA a.F. § 1 Abs. 1, § 10 Abs. 3
Amt im abstrakt-funktionellen Sinne; Amt im konkret-funktionellen Sinne; Amt im statusrechtlichen Sinne; Beförderungsreife; Beurteilungszeitpunkt; Gebot der Rechtsstandswahrung; Gesamtrechtsnachfolge; Grundsatz der funktionsgerechten Besoldung; Trennung von Amt und Funktion; Umbildung von Körperschaften; Vakanzvertretung; Verhinderungsvertretung; Verwendungszulage; Zulage; freie Planstelle; haushaltsrechtliche Voraussetzungen; höherwertiges Amt; laufbahnrechtliche Voraussetzungen; unterwertige Besetzung; ununterbrochene Aufgabenwahrnehmung; vorübergehend vertretungsweise;
Sächsisches OVG - 04.03.2010 - AZ: OVG 2 A 347/09
VG Leipzig - 05.06.2008 - AZ: VG 3 K 132/08
BVerwG, Urteil vom 28.04.2011 - 2 C 27.10 [ECLI:DE:BVerwG:2011:280411U2C27.10.0]
4 Der Kläger beantragt, das Urteil des Sächsischen Oberverwaltungsgerichts vom 4. März 2010 aufzuheben und die Berufung der Beklagten gegen das Urteil des Verwaltungsgerichts Leipzig vom 5. Juni 2008 zurückzuweisen.
10 Der Kläger hat die der Besoldungsgruppe A 15 zugeordneten Aufgaben des Leiters des …amtes und des Datenschutzbeauftragten der vormaligen Landesversicherungsanstalt Sachsen-Anhalt vom 1. April 2004 bis zum 30. September 2005 und des Leiters Prüfdienst der … der Beklagten vom 1. Oktober 2005 bis zum 30. März 2006 vorübergehend vertretungsweise i.S.d. § 46 Abs. 1 BBesG wahrgenommen. Diese Funktionsämter (Dienstposten) waren trotz vorhandener Planstelle vakant, da sie nicht funktionsgerecht besetzt waren.
22 Einem Verständnis der Norm, das ihren Anwendungsbereich auf Beamte erstreckt, die die Beförderungsreife im vorstehenden Sinne (noch) nicht besitzen, steht bereits der Wortlaut der Vorschrift entgegen. Das Merkmal der laufbahnrechtlichen Voraussetzungen bezieht sich nach dem Gesetzeswortlaut auf das höherwertige Statusamt. Daher erhält derjenige Beamte keine Zulage, der die laufbahnrechtlichen Voraussetzungen für ein Statusamt erfüllt, das höher als das innegehabte, aber niedriger als das Statusamt ist, dem die Aufgaben zugeordnet sind (in diesem Sinne auch OVG Berlin, Urteil vom 18. März 2011 - OVG 4 B 12.10 - juris Rn. 21 bis 25; a.A. OVG Magdeburg, Beschluss vom 29. Januar 2008 - 1 L 232/07 - DVBl 2008, 469 <Leitsätze> = juris Rn. 7).
23 Nichts anderes folgt aus Sinn und Zweck der Norm. § 46 Abs. 1 BBesG liegt die Vorstellung zugrunde, dass ein Dienstherr nur einem Beamten die Wahrnehmung der Aufgaben eines höherwertigen Amtes überträgt, dem das entsprechende Statusamt im Wege der Beförderung verliehen werden kann (vgl. BTDrucks 13/3994 S. 43; ferner Urteile vom 27. September 1968 - BVerwG 6 C 14.66 - Buchholz 232 § 109 BBG Nr. 17 S. 46 und vom 19. Januar 1989 - BVerwG 2 C 42.86 - BVerwGE 81, 175 <184> = Buchholz 239.1 § 5 BeamtVG Nr. 5 S. 9). Nur für einen solchen Beamten soll ein Anreiz geboten werden, die Aufgaben gerade dieses höherwertigen Amtes zu übernehmen. Die Vakanzvertretung durch diese Beamten steht der statusgerechten Besetzung am nächsten. Dies gilt insbesondere in Fällen, in denen Beamte bereits in einem Auswahlverfahren nach Art. 33 Abs. 2 GG für die Beförderung und die Übertragung der dann gleichwertigen Aufgaben ausgewählt worden sind, sie sich aber zuvor auf dem höherwertigen Dienstposten praktisch bewähren müssen (Urteile vom 16. August 2001 - BVerwG 2 A 3.00 - BVerwGE 115, 58 <59 f.> = Buchholz 232 § 8 BBG S. 2 f. und vom 22. März 2007 - BVerwG 2 C 10.06 - BVerwGE 128, 231 = Buchholz 237.7 § 25a NWLBG Nr. 1, jeweils Rn. 18 bis 20). Verfassungsrechtliche Bedenken gegen diese von Wortlaut sowie dem Normzweck getragene Auslegung bestehen nicht (vgl. Urteil vom 28. April 2011 - BVerwG 2 C 30.09 - zur Veröffentlichung in den Entscheidungssammlungen BVerwGE und Buchholz vorgesehen).
BVerwG 2 C 27.10 (Leitsatz)