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Timestamp: 2020-07-06 00:22:30
Document Index: 293832318

Matched Legal Cases: ['§ 8', '§ 10', '§ 10', '§ 8', '§ 8', '§ 10', '§ 10', '§ 8', '§ 8', '§ 118', '§ 8', '§ 10', '§ 8', '§ 10', '§ 8', '§ 10', '§ 8', '§ 8', '§ 8']

BFH, Urteil v. 22.10.2003 - I R 18/02 - NWB Urteile
BFH v. 22.10.2003 - I R 18/02
BFH Urteil v. 22.10.2003 - I R 18/02 BStBl 2004 II S. 468
Gesetze: KStG 1991 § 8 Abs. 1 und 4EStG 1991 § 10d Abs. 3GewStG § 10a
Instanzenzug: FG München vom 1. Februar 2002 7 K 704/00 (EFG 2002, 713) BFH I R 18/02 (Verfahrensverlauf), BFH - I R 18/02, Verfahrensverlauf , BFH - I R 18/02, Verfahrensverlauf
Die Klägerin und Revisionsklägerin (Klägerin) ist eine am 12. Juli 1990 gegründete GmbH, deren Unternehmensgegenstand die Beteiligung an Unternehmen aller Art, vornehmlich im Bereich der Bürotechnik und Bürokommunikation, ist. Alleiniger Gesellschafter und Geschäftsführer war R.
Der Beklagte und Revisionsbeklagte (das Finanzamt —FA—) versagte der Klägerin unter Hinweis auf § 8 Abs. 4 des Körperschaftsteuergesetzes (KStG 1991) den Abzug der aufgelaufenen Verluste und setzte hiernach für das Streitjahr 1996 den Gewerbesteuermessbetrag fest. Der verbleibende Verlustabzug zur Körperschaftsteuer zum 31. Dezember 1996 sowie der vortragsfähige Gewerbeverlust auf den 31. Dezember 1996 wurden jeweils auf 0 DM festgestellt. Den verbleibenden Verlustabzug zur Körperschaftsteuer zum 31. Dezember 1995 sowie den vortragsfähigen Gewerbeverlust auf den 31. Dezember 1995 hatte das FA durch bestandskräftige Bescheide vom 7. August 1996 auf 4 913 551 DM bzw. auf 4 086 226 DM festgestellt.
Die Revision ist begründet. Sie führt zur Aufhebung der Vorentscheidung und zur anderweitigen Festsetzung des Gewerbesteuermessbetrages 1996.
2. a) Gemäß § 8 Abs. 4 Satz 1 KStG 1991, für die Ermittlung des Gewerbeertrages i.V.m. § 10a Satz 4 GewStG, ist Voraussetzung für den Abzug von Verlusten nach § 10d EStG 1990 und für die Kürzung des Gewerbeertrages um Fehlbeträge bei einer Körperschaft, dass diese nicht nur rechtlich, sondern auch wirtschaftlich mit der Körperschaft identisch ist, die den Verlust erlitten hat. § 8 Abs. 4 KStG 1991 definiert die „wirtschaftliche Identität„ einer Körperschaft nicht, sondern bestimmt in Satz 2 lediglich beispielhaft („insbesondere"; vgl. Senatsurteile vom 13. August 1997 I R 89/96 , BFHE 183, 556, BStBl II 1997, 829; vom 8. August 2001 I R 29/00, BFHE 196, 178, BStBl II 2002, 392; Senatsbeschluss vom 19. Dezember 2001 I R 58/01, BFHE 197, 246, BStBl II 2002, 395), wann eine wirtschaftliche Identität nicht mehr gegeben ist. Die Vorschrift setzt damit aber zugleich mittelbar einen Maßstab für die unter Satz 1 der Vorschrift zu fassenden Sachverhalte. Sie müssen Voraussetzungen erfüllen, die mit den in Satz 2 genannten wirtschaftlich vergleichbar sind.
Nach dem Regelbeispiel in § 8 Abs. 4 Satz 2 KStG 1991 fehlt einer Kapitalgesellschaft die wirtschaftliche Identität, wenn —erstens— bezogen auf das gezeichnete Kapital mehr als 75 v.H. der Geschäftsanteile übertragen werden, —zweitens— überwiegend neues Betriebsvermögen zugeführt und —drittens— der Geschäftsbetrieb mit diesem neuen Betriebsvermögen wieder aufgenommen wird.
c) Der Senat pflichtet dieser rechtlichen Einschätzung aufgrund der vom FG getroffenen tatsächlichen Feststellungen, die weder gegen die Denkgesetze noch gegen allgemeine Erfahrungssätze verstoßen und an die er deshalb gebunden ist (vgl. § 118 Abs. 2 der Finanzgerichtsordnung —FGO—), bei: Der Klägerin ist danach im Zusammenhang mit den verschiedenen Transaktionen im Jahre 1995 erhebliches neues Betriebsvermögen zugeführt worden, was es ihr ermöglichte, ihre Geschäftstätigkeit wieder aufzunehmen. Die wirtschaftliche Stellung des S entsprach überdies spätestens am 29. Juni 1995 aufgrund der Anteilserwerbe sowie der Forderungsabtretung durch die Sparkasse derjenigen eines Anteilseigners (vgl. auch Senatsurteil in BFHE 196, 178, BStBl II 2002, 392, für die Gestellung von Sicherheiten und Bürgschaften).
3. Waren die tatbestandlichen Voraussetzungen des § 8 Abs. 4 Satz 1 KStG 1991 damit bereits am 29. Juni 1995 und nicht —wie das FA nunmehr meint— erst im Zeitpunkt des Erwerbs der restlichen 40 v.H. der Anteile durch den S im Jahre 1996 erfüllt, ist der Klägerin der Verlustabzug unabhängig von der materiellen Rechtslage aus verfahrensrechtlichen Gründen zu gewähren. Denn das FA hat den verbleibenden Verlustvortrag zur Körperschaftsteuer zum 31. Dezember 1995 nach Maßgabe des § 10d Abs. 3 EStG 1990 i.V.m. § 8 Abs. 1 KStG 1991 auf 4 913 551 DM und den vortragsfähigen Gewerbeverlust auf den 31. Dezember 1995 nach Maßgabe des § 10a Satz 2 GewStG auf 4 086 226 DM festgestellt. Zwar hat der Senat (durch Urteil vom 11. Februar 1998 I R 81/97, BFHE 185, 393, BStBl II 1998, 485; s. auch Urteil vom 28. Februar 2001 I R 77/00, BFH/NV 2001, 1293) entschieden, dass der Regelungsgehalt solcher Feststellungen sich darin erschöpft, die Höhe des jeweiligen Verlustbetrages für das spätere Abzugsjahr verbindlich festzulegen. Daraus folgt jedoch nicht, dass es sich in jedem Fall um bloße betragliche Feststellungen handelt. Vielmehr sind die festgestellten Beträge durch ihre steuerliche „Wertigkeit„ (so Dötsch in Dötsch/Eversberg/Jost/Witt, Die Körperschaftsteuer, § 8 Abs. 4 KStG n.F. Rz. 148), also ihre steuerliche Abzugsfähigkeit nach Maßgabe der im Feststellungszeitpunkt geltenden Rechtslage qualifiziert. Festzustellen ist der Unterschiedsbetrag zwischen den tatsächlich ausgeglichenen und den „abziehbaren„ Beträgen (vgl. § 10d Abs. 3 Satz 2 EStG 1990/1996). Ein anderweitiges Verständnis, wonach lediglich der absolute Betrag der Verlustvorträge festzustellen wäre, würde dem Regelungssinn nicht gerecht, nämlich eine abgeschichtete (Grundlagen-)Entscheidung über den Verlustabzug zu ermöglichen und die Steuerfestsetzung in den Folgejahren —jedenfalls bei gleich bleibender Gesetzeslage— mit dieser Entscheidung nicht mehr zu belasten (zutreffend Dötsch, ebenda, unter Hinweis auf Bundesministerium der Finanzen, Schreiben vom 16. April 1999, BStBl I 1999, 455 Tz. 35; ebenso B. Lang in Ernst & Young, Körperschaftsteuergesetz, § 8 Rz. 1304 ff.; Rengers in Blümich, Einkommensteuergesetz, Körperschaftsteuergesetz, Gewerbesteuergesetz, 16. Aufl., § 8 KStG Rz. 955; Ulbrich, Deutsches Steuerrecht 1998, 445; Niedersächsisches FG, Urteil vom 13. Februar 2001 6 K 534/96 , EFG 2001, 1238, 1240; FG München, Urteil vom 27. April 2001 6 K 5198/99 , EFG 2001, 1237, 1238; anders Frotscher in Frotscher/Maas, Körperschaftsteuergesetz, Umwandlungssteuergesetz, § 8 KStG Rz. 193 a; Franzen, Der Betrieb 2000, 874).
BMF 4.7.2008 - S 2745 a
OFD Hannover 15.11.2005 - S 2745
OFD Hannover 1.11.2004 - S 2745
BFH 14.10.2015 - I R 71/14
FG Hamburg 20.5.2015 - 1 K 160/14
FG Köln 4.9.2014 - 13 K 2600/14
FG Berlin 15.3.2011 - 6 K 6307/10
FG Köln 22.10.2008 - 13 K 3113/07
FG Baden-Württemberg 15.12.2005 - 3 K 284/01
FG Niedersachsen 8.12.2005 - 6 K 252/02
FG Brandenburg 17.8.2004 - 2 K 2411/03
FG München 1.2.2002 - 7 K 704/00
BStBl 2004 II Seite 468
BB 2004 S. 482 Nr. 9
BFH/NV 2004 S. 586
BFH/NV 2004 S. 586 Nr. 4
BStBl. II 2004 S. 468 Nr. 10
DB 2004 S. 468 Nr. 9
DStR 2004 S. 347 Nr. 9
FR 2004 S. 607 Nr. 10
INF 2004 S. 208 Nr. 6
KÖSDI 2004 S. 14092 Nr. 3
BAAAB-16325
H. 41 KStH