Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Gericht=BSG&Datum=06.11.2008&Aktenzeichen=B%201%20KR%2037/07%20R
Timestamp: 2019-11-21 03:20:07
Document Index: 38367329

Matched Legal Cases: ['§ 5', '§ 44', '§ 12', '§ 5', '§ 12', '§ 2', '§ 2', '§ 44', '§ 51', '§ 107', '§ 107', '§ 44', '§ 1304', '§ 103', '§ 44', '§ 104', '§ 103', '§ 33', '§ 2', '§ 44', '§ 51', '§ 103', '§ 103', '§ 104', '§ 249', '§ 161', '§ 96', '§ 44', '§ 46', '§ 47', '§ 46', '§ 47', '§ 46', '§ 5', '§ 5']

BSG, 06.11.2008 - B 1 KR 37/07 R - dejure.org
https://dejure.org/2008,3807
BSG, 06.11.2008 - B 1 KR 37/07 R (https://dejure.org/2008,3807)
BSG, Entscheidung vom 06.11.2008 - B 1 KR 37/07 R (https://dejure.org/2008,3807)
BSG, Entscheidung vom 06. November 2008 - B 1 KR 37/07 R (https://dejure.org/2008,3807)
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Krankenversicherung; Anspruch auf Krankengeld für einen über den 31.12.2004 hinaus arbeitsunfähigen ehemaligen Bezieher von Arbeitslosenhilfe neben dem Anspruch auf Arbeitslosengeld II; Zulässigkeit der Sprungrevision; Zulassung durch SG ohne gebotene Mitwirkung der ...
Anspruch der Bundesagentur für Arbeit gegen eine Krankenkasse auf Erstattung wegen vorrangiger Ansprüche auf Krankengeld; Zutreffende Feststellungen zum Umfang des zu erstattenden Anspruches in einer Sprungrevision
Der Grundsatz der Nachrangigkeit folge aus § 5 Abs. 1 SGB II (Hinweis auf BSG SozR 4-2500 § 44 Nr. 15) und klarstellend aus § 12a SGB II. Deshalb sei nicht zu prüfen, ob das materielle Recht die Subsidiarität der konkreten Leistung im Einzelfall bestimme.
Ebenso wenig muss der Senat entscheiden, ob sich die Klägerin für ihre Rechtsmeinung auf einen aus § 5 bzw § 12a SGB II folgenden Grundsatz der generellen Nachrangigkeit von Leistungen nach dem SGB II - wie für die Sozialhilfe nach § 2 Abs. 1 SGB XII (vormals § 2 Abs. 2 BSHG) - berufen kann (zur "Systemsubsidiarität" des SGB II: vgl BSG SozR 4-2500 § 44 Nr. 15 RdNr 14 ff, 16 im Verhältnis zu Leistungen nach dem SGB V;… vgl BSG SozR 4-3250 § 51 Nr. 2 RdNr 15 im Verhältnis zu Leistungen nach dem SGB III, dort wohl nicht tragend;… s aber BSG SozR 4-1300 § 107 Nr. 4 RdNr 14 und BSG vom 20.12.2011 - B 4 AS 203/10 R - SozR 4-1300 § 107 Nr. 5 RdNr 18) .
Auch ergibt sich aus der Zustimmungserklärung des Klägerbevollmächtigten hinreichend deutlich, dass er nicht nur der Zulassung, sondern auch der Einlegung der Sprungrevision zugestimmt hat, was aufgrund der erheblichen Bedeutung für den Rechtsschutz des Revisionsgegners erforderlich ist (vgl BSG vom 6.11.2008 - B 1 KR 37/07 R - SozR 4-2500 § 44 Nr. 15 RdNr 11;… BSG vom 28.11.1990 - 4 RA 19/90 - SozR 3-2200 § 1304a Nr. 1 S 3) .
Der erstattungspflichtige Leistungsträger - hier: die Beklagte - soll nicht mehr erstatten müssen, als er nach dem für ihn maßgebenden Recht zu leisten gehabt hätte (…vgl BSGE 58, 128, 133 = SozR 1300 § 103 Nr. 4; zustimmend BSG SozR 4-2500 § 44 Nr. 15 RdNr 35-36; Kater in Kasseler Komm, Stand Oktober 2014, § 104 SGB X RdNr 36) .
Grundsätzlich erfolgt die Abgrenzung der Erstattungsansprüche zwischen den §§ 103 und 104 SGB X aber nach der Systemsubsidiarität bzw. der institutionellen Gleichrangigkeit oder Verschiedenrangigkeit der beteiligten Träger (BSG…, Urteil vom 14.9.1994 - 3/1-RK 56/93 - SozR 3-2500 § 33 Nr. 11 zu § 2 BSHG; BSG, Urteil vom 6.11.2008 - B 1 KR 37/07 R - SozR 4-2500 § 44 Nr. 15 gegenüber dem SGB V;… BSG Urteil vom 23.2.2011 - B 11 AL 15/02 R - SozR 4-3250 § 51 Nr. 2 zum SGB III; vgl. Prange in jurisPK-SGB X, § 103 Rn. 24; Becker in Hauck/Noftz, SGB X, § 103 Rn. 5; Eichenhofer in Eichenhofer/Wenner, § 104 SGB X Rn. 9).
In allen diesen Entscheidungen war die Frage der Prüfungskompetenz nicht entscheidungserheblich, weil jeweils das Vorliegen einer wirksamen Zustimmungserklärung bejaht wurde (…vgl BSG, Urteile vom 15.12.1993, 11 RAr 99/92, SozR 3-4100 § 249c Nr. 2, vom 22.4.1998, B 9 SB 7/97 R, SozR 3-1500 § 161 Nr. 13, vom 21.8.2008, B 13 RJ 44/05 R, SozR 4-2600 § 96a Nr. 12, sowie vom 6.11.2008, B 1 KR 37/07 R, SozR 4-2500 § 44 Nr. 15) .
Auch dies habe das Bundessozialgericht in einem vergleichbaren Streitverfahren entschieden, in welchem es allerdings nicht um das Verhältnis Grundsicherung-Rente, sondern um die Fragestellung Grundsicherung-Krankengeld gehe (Urteil vom 6. November 2008 - B 1 KR 37/07 R -).
Auch die weiter angeführten Urteile des BSG vom 6. November 2008 (a.a.O.) sowie des LSG Baden-Württemberg vom 16. Juni 2009 (…a.a.O.) seien nicht geeignet, das klägerische Begehren zu stützen.
Vor diesem Hintergrund vermag es auch nicht zu überzeugen, Einzelfallentscheidungen des BSG, die das Verhältnis Grundsicherung - Krankengeld betreffen, auf die hier vorliegende Fragestellung des Verhältnisses der Grundsicherung bei Gewährung einer vollen Erwerbsminderungsrente zu übertragen (betreffend Urteil des BSG vom 6. November 2008 a.a.O.).
Der 1. Senat des BSG hat zwar den in § 46 Satz 1 Nr. 2 SGB V (in der bis zum 22.07.2015 geltenden Fassung) normierten Karenztag bei dem Entstehen des Krankengeldanspruchs in einem solchen Fall zu Recht nicht berücksichtigt (vgl. BSG, Urteil vom 06.11.2008 - B 1 KR 37/07 R -, Rn. 23).
Zwar ist § 47b Abs. 1 Satz 2 SGB V mit Rücksicht auf § 46 Satz 1 Nr. 2 SGB V nicht zu entnehmen, dass es - anders als bei allen anderen Krankenversicherungsverhältnissen - insoweit auf den wirklichen Beginn der Arbeitsunfähigkeit und nicht auf die ärztliche Feststellung ankommen soll (vgl. BSG, Urteil vom 19.09.2002, B 1 KR 11/02 R, juris), jedoch entsteht der Krankengeldanspruch bereits am ersten Tag der ärztlich festgestellten Arbeitsunfähigkeit und nicht erst mit dem Folgetag (vgl. BSG, Urteil vom 06.11.2008, B 1 KR 37/07 R, juris Rn. 23;… Brandts in Kasseler Kommentar zum Sozialversicherungsrecht, 88. Ergänzungslieferung Dezember 2015, § 47b SGB V Rn. 13).
Der 1. Senat des BSG hat zwar den bisher in § 46 Satz 1 Nr. 2 SGB V a.F. normierten Karenztag bei dem Entstehen des Krankengeldanspruchs im Fall einer nach § 5 Abs. 1 Nr. 2 SGB V Versicherten im Ergebnis zu Recht nicht berücksichtigt (vgl. BSG, Urteil vom 06.11.2008 - B 1 KR 37/07 R - Rn. 23).
Über den Wortlaut der Vorschrift hinaus ist der aus der früheren Mitgliedschaft abgeleitete Versicherungsschutz gegenüber Ansprüchen aus einem aktuellen Versicherungsverhältnis grundsätzlich nachrangig und zwar auch dann, wenn das aktuelle Versicherungsverhältnis keine entsprechenden oder nur geringere Leistungen vorsieht (BSG, Urt. v. 06.11.2008 - B 1 KR 37/07 R -, juris Rn. 33;… BSG, Urt. v. 26.06.2007 - B 1 KR 2/07 R -, juris Rn. 19).
Dieser Vorrang gilt auch für eine Versicherung nach § 5 Abs. 1 Nr. 2a SGB V auf Grund des Bezuges von Arbeitslosengeld II (BSG, Urt. v. 06.11.2008 a.a.O.), wie sie beim Kläger am 15.07.2005 bestand.