Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Gericht=BFH&Datum=11.04.2017&Aktenzeichen=IX%20R%2024/15
Timestamp: 2019-04-23 09:08:09
Document Index: 273733926

Matched Legal Cases: ['§ 17', '§ 17', '§ 76', '§ 313', '§ 313', '§ 126', '§ 88', '§ 60', '§ 60', '§ 313', '§ 62', '§ 118', '§ 155', '§ 563', 'Art. 101', '§ 143', '§ 17', '§ 313', '§ 313', '§ 60', '§ 17', '§ 313', '§ 313', '§ 60']

BFH, 11.04.2017 - IX R 24/15 - dejure.org
§ 17 Abs. 4 des Einkommensteuergesetze... s, § 17 EStG, § 76 Abs. 1 der Finanzgerichtsordnung, § 313 Abs. 2, 3 des Bürgerlichen Gesetzbuchs, § 313 BGB, § 126 Abs. 3 Satz 1 Nr. 2 FGO, § 88 der Abgabenordnung, § 60 des Verwaltungsverfahrensgesetzes (VwVfG), § 60 Abs. 1 Satz 1 VwVfG, § 313 Abs. 3 Satz 1 BGB, § 62 Satz 2 VwVfG, § 118 Abs. 2 FGO, § 155 FGO, § 563 Abs. 1 Satz 2 der Zivilprozessordnung, Art. 101 Abs. 1 Satz 2 des Grundgesetzes, § 143 Abs. 2 FGO
§ 17 Abs 4 EStG 2002, § 313 Abs 2 BGB, § 313 Abs 3 BGB, § 60 VwVfG, EStG VZ 2007
Tatsächliche Verständigung - Wegfall der Geschäftsgrundlage
Tatsächliche Verständigung - und die fehlende Geschäftsgrundlage
Zurückverweisung - an einen anderen Senat des Finanzgerichts
EStG § 17 Abs 4, BGB § 313
Auflösungsverlust, Tatsächliche Verständigung, Rücktritt, Bestandskraft, Änderung
Kurznachricht zu "Die tatsächliche Verständigung - Entfallen der Bindungswirkung bei Fehlen oder Wegfall der Geschäftsgrundlage" von StB/RA/FAStR Martin Riegel und RiFG Dr. Falk Amler, original erschienen in: BB 2018, 605 - 609.
BFHE 258, 199
NVwZ-RR 2017, 933
BB 2017, 2275
DB 2017, 2585
BStBl II 2017, 1155
67 Im Übrigen können Inhalt einer tatsächlichen Verständigung nur Sachverhaltsfragen, nicht Rechtsfragen sein (vgl. nur BFH, Urteil vom 11. April 2017 IX R 24/15, BFHE 258, 199).
Nicht zum Erfolg führt auch der Hinweis des Klägers auf das Urteil des BFH vom 11. April 2017 im Verfahren IX R 24/15 (BStBl II 2017, 1155).
Unabhängig von den vorgenannten Erwägungen weist der Senat darauf hin, dass im BFH-Fall IX R 24/15 ein beiderseitiger Motivirrtum (also der Kläger und des Finanzamtes) über die verfahrensrechtliche Umsetzung einer tatsächlichen Verständigung vorgelegen hatte (vgl. dazu auch die Urteilsbesprechung von Billau, NWB 5/2018, S. 261 ff.).
Wenn der BFH daher das Feststehen des Auflösungsverlustes u.a. davon abhängig macht, dass sich aus einer "Zwischenrechnungslegung des Insolvenzverwalters die endgültige Bewertung des Schuldnervermögens mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit ergeben muss" (vgl. BFH-Urteil vom 11.4.2017 IX R 24/15, BStBl II 2017, 1155), muss dieser Maßstab auch für die Voraussetzung gelten, dass die Fortsetzung der Gesellschaft ausgeschlossen sein muss (vgl. zur parallel gelagerten Problematik einer Zurechnung von Verlustanteilen zum Konto eines Kommanditisten, über deren Vermögen das Konkursverfahren eröffnet ist, BFH-Urteil vom 22.1.1985 VIII R 43/84, BStBl II 1986, 136).
a) Der BFH hat die Zulässigkeit tatsächlicher Verständigungen grundsätzlich anerkannt (…vgl. z.B. BFH-Urteile vom 1. September 2009 VIII R 78/06, BFH/NV 2010, 593, Rz 14, und vom 11. April 2017 IX R 24/15, BFHE 258, 199, BStBl II 2017, 1155, Rz 15, jeweils m.w.N.).
Der BFH habe mit Urteil vom 11. April 2017 IX R 24/15 (BFHE 258, 199, BStBl II 2017, 1155) entschieden, dass die Bindungswirkung einer tatsächlichen Verständigung im Steuerfestsetzungsverfahren nach den Grundsätzen vom Fehlen oder Wegfall der Geschäftsgrundlage gemäß § 313 Abs. 2 BGB oder § 60 des Verwaltungsverfahrensgesetzes (VwVfG) unter bestimmten Voraussetzungen ausnahmsweise entfallen könne.
b) Soweit sich die Klägerin auf das Urteil in BFHE 258, 199, BStBl II 2017, 1155 beruft, macht sie damit wohl eher eine Divergenz als einen Verfahrensfehler geltend.
Nach ständiger Rechtsprechung des BFH ist in Fällen erschwerter Sachverhaltsermittlung eine sog. tatsächliche Verständigung über die tatsächlichen Merkmale, die der Besteuerung zugrunde zu legen sind, grundsätzlich zulässig (vgl. BFH-Urteil vom 11.04.2017 IX R 24/15, Juris).
Wesentlich sind die Umstände nur, wenn die Beteiligten bei objektiver Betrachtung und bei Kenntnis ihres Fehlens oder ihrer Änderung die Verständigung nicht oder jedenfalls nicht mit diesem Inhalt getroffen hätten (vgl. BFH-Urteil vom 11.4.2017 IX R 24/15, BFHE 258, 199, BStBl II 2017, 1155).