Source: https://www.rechtslupe.de/zivilrecht/beweiskraft-des-tatbestands-das-urteil-und-das-verhandlungsprotokoll-397572?pk_campaign=feed&pk_kwd=beweiskraft-des-tatbestands-das-urteil-und-das-verhandlungsprotokoll
Timestamp: 2020-07-08 23:47:25
Document Index: 358959860

Matched Legal Cases: ['§ 314', '§ 282', '§ 314', '§ 314', '§ 313', '§ 313', '§ 314', '§ 320', '§ 551', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 314', '§ 314', '§ 314', '§ 314', '§ 314', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH']

Beweiskraft des Tatbestands - das Urteil und das Verhandlungsprotokoll | Rechtslupe
Beweis­kraft des Tat­be­stands – das Urteil und das Ver­hand­lungs­pro­to­koll
Die Beweis­kraft des Tat­be­stands kann grund­sätz­lich nur durch das Pro­to­koll über die Ver­hand­lung ent­kräf­tet wer­den, auf Grund derer das Urteil ergan­gen ist.
Die tat­be­stand­li­che Fest­stel­lung des Beru­fungs­ge­richts ist bin­dend. Sie erbringt gemäß § 314 ZPO Beweis für das Vor­brin­gen der Par­tei­en am Schluss der münd­li­chen Ver­hand­lung [1].
Unter Vor­brin­gen in die­sem Sin­ne fällt auch die Bezeich­nung der Beweis­mit­tel (vgl. § 282 Abs. 1 ZPO; Stein/​Jonas/​Leipold, ZPO, 22. Aufl., § 314 Rn. 3; Prütting/​Gehrlein/​Thole, ZPO, 6. Aufl., § 314 Rn. 3).
Die­se Beweis­kraft der tat­be­stand­li­chen Fest­stel­lun­gen ent­fällt nicht des­halb, weil die Klä­ge­rin schrift­sätz­lich ent­spre­chen­den Vor­trag gehal­ten und unter Beweis gestellt hat, und das Gericht im ange­foch­te­nen Urteil zur Ergän­zung des Sach- und Streit­stands gemäß § 313 Abs. 2 Satz 2 ZPO auf die gewech­sel­ten Schrift­sät­ze Bezug genom­men hat.
Zwar ist in der Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs aner­kannt, dass dem Tat­be­stand kei­ne Beweis­kraft zukommt, wenn und soweit er Wider­sprü­che, Lücken oder Unklar­hei­ten auf­weist [2]. Sol­che Män­gel müs­sen sich aller­dings aus dem Urteil selbst erge­ben [3]. Die­sem Erfor­der­nis ist genügt, wenn ein Wider­spruch zwi­schen den tat­be­stand­li­chen Fest­stel­lun­gen und einem kon­kret in Bezug genom­me­nen schrift­sätz­li­chen Vor­brin­gen einer Par­tei besteht [4].
Las­sen sich die Wider­sprü­che, Lücken oder Unklar­hei­ten dage­gen nur durch Rück­griff auf – gemäß § 313 Abs. 2 Satz 2 ZPO all­ge­mein in Bezug genom­me­ne – vor­be­rei­ten­de Schrift­sät­ze dar­stel­len, bleibt es bei der Beweis­wir­kung des § 314 ZPO und dem Grund­satz, dass der durch den Tat­be­stand des Urteils erbrach­te Beweis nur durch das Sit­zungs­pro­to­koll ent­kräf­tet wer­den kann [5].
Die Beweis­kraft der tat­be­stand­li­chen Fest­stel­lun­gen kann aller­dings durch das Sit­zungs­pro­to­koll ent­kräf­tet wer­den. Unter Sit­zungs­pro­to­koll in die­sem Sin­ne ist nur das Pro­to­koll über die Ver­hand­lung zu ver­ste­hen, auf Grund derer das Urteil ergan­gen ist [6]; durch den wider­spre­chen­den Inhalt eines frü­he­ren Sit­zungs­pro­to­kolls wird die Beweis­kraft des Tat­be­stands nicht ent­kräf­tet [7]. Etwas ande­res kann nur dann gel­ten, wenn ein im Tat­be­stand auf­ge­führ­tes Vor­brin­gen aus­drück­lich einem bestimm­ten Ver­hand­lungs­ter­min zuge­ord­net wird und die­se Fest­stel­lung dem Pro­to­koll über die­se Sit­zung wider­spricht [8]. Eine der­ar­ti­ge Aus­nah­me­kon­stel­la­ti­on ist vor­lie­gend nicht gege­ben. In der letz­ten münd­li­chen Ver­hand­lung hat der Vor­sit­zen­de die Klä­ge­rin viel­mehr aus­drück­lich dar­auf hin­ge­wie­sen, dass es nach wie vor an einem Beweis­an­tritt für die Behaup­tung feh­le, dem Beklag­ten zu 4 sei die Nach­trags­ver­ein­ba­rung bekannt gewe­sen. Die Klä­ge­rin hat auf die­sen Hin­weis nicht reagiert. Sie hat auch kei­nen Tat­be­stands­be­rich­ti­gungs­an­trag gestellt. Eine etwai­ge Unrich­tig­keit tat­be­stand­li­cher Dar­stel­lun­gen im Beru­fungs­ur­teil kann nur im Berich­ti­gungs­ver­fah­ren nach § 320 ZPO beho­ben wer­den. Eine Ver­fah­rens­rüge nach § 551 Abs. 3 Satz 1 Nr. 2 ZPO kommt zur Rich­tig­stel­lung eines der­ar­ti­gen Man­gels nicht in Betracht [9].
Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 12. Mai 2015 – VI ZR 102/​14
vgl. BGH, Urteil vom 02.02.1999 – VI ZR 25/​98, BGHZ 140, 335, 339 mwN[↩]
vgl. BGH, Urtei­le vom 02.02.1999 – VI ZR 25/​98, BGHZ 140, 335, 339; vom 24.06.2014 – VI ZR 560/​13, VersR 2014, 1095 Rn. 42[↩]
vgl. BGH, Urteil vom 15.07.2011 – V ZR 277/​10, VersR 2012, 1265 Rn. 12[↩]
vgl. BGH, Urteil vom 24.06.2014 – VI ZR 560/​13, VersR 2014, 1095 Rn. 42; BGH, Urteil vom 16.12 2010 – I ZR 161/​08 – Satan der Rache, NJW 2011, 1513 Rn. 12 mwN[↩]
vgl. BGH, Urteil vom 02.02.1999 – VI ZR 25/​98, BGHZ 140, 335, 339; BGH, Urtei­le vom 08.11.2007 – I ZR 99/​05, NJW-RR 2008, 1566, 1567; vom 22.06.2011 – IV ZR 225/​10, BGHZ 190, 120 Rn. 7; vom 15.07.2011 – V ZR 277/​10, VersR 2012, 1265 Rn. 12; Musielak/​Voit, ZPO, 12. Aufl., § 314 Rn. 5; Zöller/​Vollkommer, ZPO, 30. Aufl., § 314 Rn. 6[↩]
vgl. RGZ 15, 348, 353[↩]
vgl. Zöller/​Vollkommer, aaO, § 314 Rn. 6; Prütting/​Gehrlein/​Thole, aaO Rn. 9; Hk-ZPO/­Sa­en­ger, 6. Aufl., § 314 Rn. 11[↩]
vgl. Zöller/​Vollkommer, aaO, § 314 Rn. 6[↩]
vgl. BGH, Urteil vom 24.06.2014 – VI ZR 560/​13, VersR 2014, 1095 Rn. 42; BGH, Urtei­le vom 01.03.2011 – XI ZR 48/​10, BGHZ 188, 373 Rn. 12 mwN; vom 08.05.2013 – IV ZR 233/​11, VersR 2013, 853 Rn.19[↩]
Beweis­kraft des Tat­be­stands – das Urteil und das… Die Beweis­kraft des Tat­be­stands kann grund­sätz­lich nur durch das Pro­to­koll über die Ver­hand­lung ent­kräf­tet wer­den, auf Grund derer das Urteil ergan­gen ist. Die tat­be­stand­li­che Fest­stel­lung…
(Beson­ders) schwe­rer Raub – und die unge­la­de­ne Schuss­waf­fe Eine unge­la­de­ne Schuss­waf­fe bzw. Gas­o­der Schreck­schuss­pis­to­le, die vom Täter als Droh­mit­tel zur Ver­hin­de­rung oder Über­win­dung von Wider­stand einer ande­ren Per­son ein­ge­setzt wird, unter­fällt (ledig­lich) dem…
Lücken im Urteils­tat­be­stand – und die Bezug­nah­me auf… Zwar ist in der Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs aner­kannt, dass dem Tat­be­stand kei­ne Beweis­kraft zukommt, wenn und soweit er Wider­sprü­che, Lücken oder Unklar­hei­ten auf­weist ((vgl. BGH,…
Urteils­tat­be­stand, Sit­zungs­pro­to­koll – und der… In der Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs ist aner­kannt, dass dem Tat­be­stand kei­ne Beweis­kraft zukommt, wenn und soweit er Wider­sprü­che, Lücken oder Unklar­hei­ten auf­weist ((vgl. BGH, Urtei­le…
Beweis­kraft tat­be­stand­li­cher Fest­stel­lun­gen In der Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs ist aner­kannt, dass dem Tat­be­stand kei­ne Beweis­kraft zukommt, wenn und soweit er Wider­sprü­che, Lücken oder Unklar­hei­ten auf­weist ((vgl. BGH, Urtei­le…
BeweiskraftTatbestandTerminsprotokollUrteilVerhandlungsprotokollZivilprozess