Source: https://www.finanztip.de/berufsunfaehigkeitsversicherung/berufsunfaehigkeit-beantragen/
Timestamp: 2020-03-29 23:25:37
Document Index: 165179949

Matched Legal Cases: ['§ 22', '§ 124', '§ 70', 'BGH', '§ 19', '§ 19', 'BGH', '§ 24']

Berufsunfähigkeitsrente beantragen - So erhalten Sie Ihre BU-Rente - Berufsunfähigkeit, Antrag, Gesetzliche - Finanztip
Rund ein Viertel der Anträge auf eine Berufsunfähigkeitsrente (BU-Rente) lehnen die Versicherer ab.
Bei Anträgen, die nicht vollständig sind oder fehlerhaft, fordern die Versicherer Unterlagen nach.
Versicherer verweigern die Zahlung auch, weil der Antragsteller bei Abschluss des Vertrags falsche oder unvollständige Gesundheitsangaben gemacht hat.
Lassen Sie sich von einem Experten unterstützen, schon wenn Sie den Renten-Antrag stellen. Wir haben eine Liste mit empfehlenswerten Anwaltskanzleien zusammengestellt.
Reichen Sie alle erforderlichen Unterlagen vollständig ein. Lassen Sie sich von Nachforderungen nicht verunsichern und reagieren Sie schnell.
Aus welchen Gründen können Versicherer eine BU-Rente ablehnen?
Wer berufsunfähig wird, weiß oft nicht, wie es finanziell weitergeht. Mit einer Berufsunfähigkeitsversicherung (BU) scheint die Existenz gesichert zu sein, dafür hat der Versicherte meist über die Jahre hohe Versicherungsprämien gezahlt. Doch rund ein Viertel aller Anträge auf eine Berufsunfähigkeitsrente (BU-Rente) haben die Versicherungen in den Jahren 2014 bis 2016 abgelehnt, wie der Branchenverband GDV mitteilte.
Deshalb sollten Sie schon die Phase, in der Sie den Antrag auf die BU-Rente stellen, sehr ernst nehmen und sich bereits in diesem Moment professionelle Hilfe holen. Finanztip hat eine Liste von empfehlenswerten Kanzleien zusammengestellt, die sich darauf spezialisiert haben, die Rechte von Versicherten gegenüber einer Berufsunfähigkeitsversicherung durchzusetzen.
Alle von uns befragten Rechtsanwälte, aber auch Honorarberater und Verbraucherschützer empfehlen es Versicherten, sich schon bei der Antragstellung beraten zu lassen. Unter Umständen kontaktiert dann bereits der Anwalt den behandelnden Arzt und leitet alles in die Wege. So vermeiden Sie unnötige Fehler und einen kostspieligen Streit mit der Versicherung.
Die Versicherung prüft dann, ob die medizinischen Befunde so schwerwiegend sind, dass der Grad der Berufsunfähigkeit erreicht ist, ab dem die Rente gezahlt werden muss. Außerdem versucht der Versicherer herauszufinden, ob Sie beim Vertragsschluss falsche Angaben gemacht haben, zum Beispiel bei den Gesundheitsfragen.
Bis die Entscheidung gefallen ist, ob Sie eine Berufsunfähigkeitsrente bekommen, vergehen Wochen, meist sogar Monate. Laut einer Studie des Beratungsunternehmens Premium Circle dauert die Bearbeitung eines BU-Falls durchschnittlich 95 Tage lang, ein Anbieter braucht sogar 219 Tage.
Tipp: Mit starken gesundheitlichen Beeinträchtigungen eine detaillierte Liste aller seiner Arbeitsaufgaben zu erstellen, fällt vielen schwer. Deshalb ist es hilfreich, wenn Sie eine solche Tätigkeitsbeschreibung vorsorglich schon in gesunden Tagen machen.
Die Honorare variieren erheblich und reichen von ein paar Hundert Euro bis zu mehreren Tausend Euro. Einige Anwälte verlangen einen festen Pauschal-Preis, andere stellen die Arbeitsstunden in Rechnung, wieder andere rechnen nach dem Streitwert ab. Die Stundensätze können sich auf bis zu 250 Euro belaufen. Fordern Sie daher unbedingt von dem Rechtsanwalt ein Angebot an, bevor Sie ihm den Auftrag erteilen.
Auch wer eine Rechtsschutzversicherung hat, bleibt auf diesen Anwaltskosten meist sitzen, da noch kein Rechtsschutzfall eingetreten ist. Das Honorar ist aber eine gute Investition, denn es geht meist um sehr viel Geld, das Sie durch die Rentenzahlungen über die Jahre bekommen.
Wittig Ünalp Rechtsanwälte, München u.a.
Experte bei BU-Versicherungen, 5 Fachanwälte für Versicherungsrecht
L & P Luber Pratsch Rechtsanwälte Partnerschaft, München u.a.
„Sie sind gar nicht berufsunfähig“ - Gerade bei psychischen Erkrankungen wie Depressionen oder Burnout kommen Gutachter oft zu dem Ergebnis, dass der Antragsteller gar nicht berufsunfähig ist. Um an seine Rente zu kommen, muss der Versicherte laut Vertrag zu 50 Prozent berufsunfähig sein. Ärgerlich, wenn die vom Versicherer beauftragten Gutachten dann auf Werte von 30 bis 40 Prozent kommen.
„Sie haben gelogen – das Vertrauensverhältnis ist zerstört“ - Der Versicherungskunde ist verpflichtet, beim Versicherungsantrag Angaben zum eigenen Gesundheitszustand zu machen. Hat der Antragsteller etwas verschwiegen oder auch nur vergessen, dann zahlt der Versicherer nicht und behält zudem alle bisher gezahlten Prämien.
Dass der Versicherte unwahre oder unvollständige Angaben gemacht hat, ist ein sehr häufiger Einwand, den Versicherer erheben. Die von uns befragten Rechtsanwälte gaben an, dass es in etwa 40 Prozent aller BU-Streitigkeiten darum gehe.
Anfechtung - Die Versicherer fechten dann den Vertrag wegen arglistiger Täuschung an (§§ 22 VVG, 123 BGB). Es reicht im Übrigen auch, dass Sie irgendeine Erkrankung verschwiegen haben, die gar nichts mit dem Grund für die Berufsunfähigkeit zu tun hat. Der Versicherer erhält dann Einblick in Ihre Krankenakte, die Sie selbst noch nie gesehen haben. Da stehen dann vielleicht Notizen oder Prognosen, von denen Sie nichts wissen. Aber das muss der Versicherer auch beweisen. Fehlen Angaben im Antrag, die aber in der Patientenakte enthalten waren, ist das noch nicht sofort eine arglistige Täuschung. Bei einer arglistigen Täuschung hat das Versicherungsunternehmen ein Jahr Zeit, den Vertrag anzufechten (§ 124 BGB).
Hat der Versicherungsnehmer einem Versicherungsvertreter zum Beispiel mündlich von Rückenbeschwerden berichtet, was der aber im Formular nicht angegeben hat, kann der Versicherer anschließend nicht wegen arglistiger Täuschung anfechten.
Die Rechtsprechung spricht in diesem Zusammenhang von Auge- und Ohr-Rechtsprechung (§ 70 VVG). Das bedeutet: Was der Versicherungsnehmer dem Versicherungsvertreter gesagt hat, gilt auch dem Versicherungsunternehmen als angezeigt (BGH, Beschluss vom 5. Juli 2017, Az. IV ZR 508/14). Achtung: Diese sogenannte Wissenszurechnung gilt nicht bei Versicherungsmaklern.
„Sie haben nicht alle Informationen mitgeteilt“ - Viele Versicherer wehren sich dagegen, Geld auszuzahlen, weil der Versicherte bestimmte Informationen nicht mitgeteilt habe. Der Vorwurf ist nicht so schwerwiegend wie der einer Täuschung.
Rücktritt - Der Versicherer erklärt dann den Rücktritt vom Vertrag (§ 19 Abs. 2 VVG). Das Unternehmen kann aber nur dann zurücktreten, sofern es den Versicherungsnehmer bei Antragstellung ordnungsgemäß darauf hingewiesen hat, mit welchen Folgen er rechnen muss, wenn er seine vorvertraglichen Anzeigepflichten verletzt.
Das muss im Antragsformular deutlich hervorgehoben sein (§ 19 Abs. 5 VVG). Und zwar so, dass der Antragsteller den Hinweis gar nicht übersehen kann (BGH, Beschluss vom 6. Dezember 2017, Az. IV ZR 16/17). Viele Unternehmen haben sich an diese strengen Formvorgaben nicht gehalten. Ein solcher Formfehler kann für Versicherte die Chance auf eine BU-Rente führen, obwohl sie vielleicht nicht alle Arztbesuche angegeben haben.
Kündigung - Das Versicherungsunternehmen kann auch kündigen, wenn der Versicherte zum Beispiel seine berufliche Tätigkeit nicht korrekt angegeben hat oder wenn er riskante Hobbys verschwiegen hat (§ 24 VVG).
„Schauen Sie ins Kleingedruckte. Ihre Erkrankung ist leider nicht abgesichert“ - Bei bestimmten Erkrankungen schließen Versicherer ihre Leistung aus. Das gilt vor allem für Beschwerden mit der Wirbelsäule. Denn diese ist bei orthopädischen Diagnosen fast immer mit betroffen, sodass der Versicherte kaum Chancen hat, seine Ansprüche durchzusetzen.
Die Untersuchungen sind abgeschlossen.