Source: https://italien.diplo.de/it-de/service/erbschaft
Timestamp: 2020-08-11 01:26:32
Document Index: 252885678

Matched Legal Cases: ['Art. 4', 'Art. 5', 'Art. 4', 'Art. 5', 'Art 25', 'Art. 21']

Erbschaftsangelegenheiten - Auswärtiges Amt
Wichtige Änderungen durch die Europäische Erbrechtsverordnung (EU-ErbVO)
ausgefüllte, aber noch nicht unterschriebene Ausschlagungserklärung, z.B. folgende Formulare (Verwendung freigestellt): Formular Erbausschlagung oder Formular Erbausschlagung mit minderjährigem Kind
Um über Nachlass in Deutschland zu verfügen, muss in der Regel ein deutscher Erbschein oder ein europäisches Nachlasszeugnis vorgelegt werden. Insbesondere deutsche Grundbuchämter, Banken und auch Versicherungen verlangen vor Umschreibung bzw. Auszahlung in der Regel eines dieser Dokumente als Nachweis, wer die Erben sind.
1. Was ist ein deutscher Erbschein und was ein europäisches Nachlasszeugnis?
Ein Erbschein ist ein deutsches Dokument zum Nachweis des Erbrechts zum Gebrauch in Deutschland.
Deutsche Erbscheine haben in Italien keine Gültigkeit. Ein Erbschein kann auf das in Deutschland befindliche Vermögen beschränkt werden (gegenständlich beschränkter Erbschein), wenn das gewünscht ist. Ein Erbschein wird auf Antrag eines Erben von einem deutschen Amtsgericht (Nachlassgericht) ausgestellt, wenn die unten genauer genannten Voraussetzungen vorliegen.
Ein europäisches Nachlasszeugnis (abgekürzt ENZ) gilt in allen Mitgliedstaaten der EU (außer Vereinigtes Königreich, Irland und Dänemark) als Nachweis des Erbrechts, d.h. auch in Deutschland und Italien.
Das Europäische Nachlasszeugnis wurde mit der EU-Erbrechtsverordnung (EU-ErbVO) zum 17.08.2015 eingeführt. Daher kann nur für Erbfälle (Sterbedatum) ab dem 17.08.2015 ein Europäisches Nachlasszeugnis ausgestellt werden. In Italien heißt das Dokument „certificato successiorio europeo“ (abgekürzt CSE). Ein europäisches Nachlasszeugnis wird auf Antrag eines Erben ausgestellt. Für die Ausstellung sind in Deutschland die Amtsgerichte (Nachlassgericht) bzw. in Italien die Notare zuständig, wenn die unten genauer genannten Voraussetzungen vorliegen.
Sowohl ein Erbschein als auch ein europäisches Nachlasszeugnis enthalten Angaben zu den Erben oder Testamentsvollstreckung.
Nicht enthalten sind Angaben zu einer Beschwerung des Erben mit Pflichtteilsansprüchen, Vermächtnissen oder Auflagen.
Italienische nationale Erbnachweise werden erfahrungsgemäß in Deutschland nicht anerkannt.
2. In welchen Fällen sind deutscher Amtsgerichte für die Ausstellung eines Erbscheins und/oder europäischen Nachlasszeugnisses zuständig?
Bei Erbfällen (Sterbefälle) a b dem 17.08.2015 sind grundsätzlich deutsche Amtsgerichte zuständig für die Ausstellung eines Erbscheins und/oder europäischen Nachlasszeugnisses, wenn der Erblasser seinen gewöhnlichen Aufenthalt zuletzt in Deutschland hatte (Art. 4 EU-ErbVO).
Außerdem sind deutsche Amtsgerichte auch dann zuständig, wenn der Erblasser eine Rechtswahl für ein deutsches Erbrecht getroffen hatte und zusätzlich bestimmte weitere Umstände zutreffen (Gerichtsstandsvereinbarung, Unzuständigkeitserklärung, Anerkennung der Zuständigkeit gemäß Art. 5-7 EU-ErbVO).
Bei Erbfällen (Sterbefälle) v o r dem 17.08.2015 sind deutsche Amtsgerichte zuständig für die Ausstellung eines Erbscheins:
wenn der Erblasser die deutsche Staatsangehörigkeit hatte,
hilfsweise wenn der Erblasser seinen Wohnsitz zuletzt in Deutschland hatte,
hilfsweise wenn der Erblasser sich zur Zeit des Erbfalls in Deutschland aufhielt,
hilfsweise wenn sich Nachlassgegenstände in Deutschland befinden.
3. Wie beantrage ich einen Erbscheins und/oder ein europäisches Nachlasszeugnis bei einem deutschen Amtsgericht?
Der Antrag auf Ausstellung eines Erbscheins oder eines europäischen Nachlasszeugnisses für das deutsche Amtsgericht enthält eine eidesstattliche Versicherung und muss daher beurkundet werden. Die Beurkundung ist möglich:
bei dem zuständigen deutschen Amtsgericht oder
bei einem Notar in Deutschland oder
von einem dazu ermächtigten Konsularbeamten der deutschen Botschaft Rom oder des deutschen Generalkonsulats Mailand.
Antragsberechtigt ist grundsätzlich der Erbe bzw. Miterbe. Es reicht in der Regel, wenn einer der Erben den Antrag stellt.
Wenn Sie die Beurkundung durch die Botschaft Rom oder das Generalkonsulats Mailand wünschen, bieten wir Ihnen hier einen Fragebogen als Download an, der zur Vorbereitung des Antrags dient.
Bitte drucken Sie den Fragebogen aus und füllen Sie ihn so vollständig wie möglich aus. Anschließend übersenden Sie den Fragebogen bitte an die Botschaft Rom oder das Generalkonsulat Mailand und fügen Kopien der benötigten Dokumente bei. Welche Dokumente dies sind, ergibt sich aus dem Fragebogen.
Auf der Grundlage Ihres Fragebogens werden die Botschaft Rom oder das Generalkonsulat Mailand den Antrag vorbereiten und Sie zur Vereinbarung eines Termins für die Beurkundung, bei der Sie persönlich anwesend sein müssen, kontaktieren. Für die Beurkundung wird eine Gebühr anfallen, die sich nach dem Nachlasswert richtet.
Den beurkundeten Antrag senden Sie anschließend mit Originalen oder beglaubigten Kopien der erforderlichen Urkunden an das zuständige Nachlassgericht in Deutschland.
Alle nicht deutschsprachigen Dokumente müssen dem Gericht auf internationalem mehrsprachigen Vordruck (nach dem Wiener Übereinkommen von 1976) oder mit beglaubigter Übersetzung vorgelegt werden. Das Gericht wird für die Ausstellung eines deutschen Erbscheins, eines deutschen Testamentsvollstreckerzeugnisses oder eines europäischen Nachlasszeugnisses eine Gebühr erheben.
4. Muss ich in Deutschland Erbschaftssteuer zahlen?
Eine Umschreibung beim Grundbuchamt bzw. Auszahlung bei Banken und Versicherungen kann erst erfolgen, sobald das örtliche deutsche Finanzamt eine Unbedenklichkeitsbescheinigung erteilt. Dafür müssen Sie beim zuständigen Finanzamt eine Erbschaftssteuererklärung abgeben. Bitte beachten Sie, dass es zwischen Deutschland und Italien kein Doppelbesteuerungsabkommen auf dem Gebiet der Erbschaftssteuer gibt. Die EU-ErbVO berührt nicht das Erbschaftssteuerrecht.
Bitte erkundigen Sie sich im Zweifelsfall bei Ihrem zuständigen Finanzamt bzw. einem Steueranwalt/Steuerberater. Die deutschen Auslandsvertretungen in Italien können in Steuerfragen mangels Zuständigkeit nicht beraten.
5. In welchen Fällen sind italienische Notare für die Ausstellung eines europäischen Nachlasszeugnisses zuständig?
Bei Erbfällen (Sterbefälle) ab dem 17.08.2015 kann ein europäisches Nachlasszeugnis bei italienischen Notaren beantragt und ausgestellt werden, wenn der Erblasser seinen gewöhnlichen Aufenthalt zuletzt in Italien hatte (Art. 4 EU-ErbVO).
Außerdem sind italienische Notare auch dann zuständig, wenn der Erblasser eine Rechtswahl für ein italienisches Erbrecht getroffen hatte und zusätzlich bestimmte weitere Umstände zutreffen (Gerichtsstandsvereinbarung, Unzuständigkeitserklärung, Anerkennung der Zuständigkeit gemäß Art. 5-7 EU-ErbVO).
In diesen Fällen sind deutsche Amtsgerichte nicht zuständig, und die Botschaft Rom und das Generalkonsulat Mailand können bei der Beantragung nicht behilflich sein.
Seit dem 17. August 2015 gilt die Europäische Erbrechtsverordnung (Verordnung EU Nr. 650/2012, EU-ErbVO) und brachte einige wichtige Änderungen mit sich. Diese neue EU-Verordnung regelt für internationale Erbfälle ab dem 17.08.2015, welches Erbrecht anzuwenden ist und in welchem Land das Erbrechtsverfahren durchgeführt wird. Daraus können sich erhebliche Abweichungen zur früheren erbrechtlichen Situation ergeben.
1. Anzuwendendes Erbrecht
Für Erbfälle (Sterbefälle) v o r dem 17.08.2015 unterliegt nach deutschem internationalen Privatrecht die Rechtsnachfolge von Todes wegen grundsätzlich dem Erbrecht des Staates, dem der Erblasser zum Zeitpunkt seines Todes angehörte (Art 25 EGBGB) – falls der Erblasser kein anderes Recht gewählt hatte.
War der Erblasser Deutscher, gilt also grundsätzlich deutsches Erbrecht .War der Erblasser hingegen Italiener, gilt grundsätzlich italienisches Erbrecht.
Für Erbfälle (Sterbefälle) a b dem 17. August 2015 unterliegt gemäß EU-ErbVO die gesamte Rechtsnachfolge von Todes wegen grundsätzlich dem Recht des Staates, in dem der Erblasser zum Zeitpunkt seines Todes seinen letzten gewöhnlichen Aufenthalt hatte (Art. 21 EU-ErbVO) – falls der Erblasser kein anderes Recht gewählt hatte.
Für einen Deutschen, der seinen gewöhnlichen Aufenthalt zuletzt in Italien hatte, gilt also grundsätzlich italienisches Erbrecht. Und für einen Italiener, der seinen gewöhnlichen Aufenthalt zuletzt in Deutschland hatte, gilt grundsätzlich deutsches Erbrecht.
Dem anzuwendenden Erbrecht unterliegen auch der Eintritt des Erbfalls, der Übergang der zum Nachlass gehörenden Vermögenswerte, die Bedingungen und Wirkungen von Annahme und Ausschlagung, Erbfähigkeit, Enterbung und Erbunwürdigkeit, aber auch die Berufung der Berechtigten und die Bestimmung ihrer Anteile.
Ausländisches Erbrecht kann erheblich von den deutschen erbrechtlichen Regelungen abweichen. Auch das italienische Erbrecht unterscheidet sich deutlich vom deutschen Erbrecht, z.B. hinsichtlich Erbschaftsannahme, Vorbehalt der Inventarerrichtung, Verjährung des Annahmerechts, Verzicht auf das Recht zur Annahme, gemeinschaftliche Testamente/Erbverträge, Einschränkung der Nacherbfolge, Pflichtteilsrecht, Vermächtnisse.
Die deutschen Auslandsvertretungen in Italien informieren nicht über italienisches Recht und führen keine Rechtsberatung in Einzelfällen durch. Information erhalten Sie bei den zuständigen italienischen Stellen. Eine rechtliche Beratung kann bei Bedarf durch einen auf Nachlassrecht spezialisierten Anwalt oder Notar erfolgen. Eine Liste deutsch-korrespondierender Rechtsanwälte in Italien finden Sie auf unserer Webseite.
2. Wie wird der „gewöhnliche Aufenthalt“ bestimmt?
Wer seinen gewöhnlichen Aufenthalt im Ausland hat, aber dennoch will, dass im Fall seines Todes das Erbrecht des Landes anwendbar ist, dessen Staatsangehörigkeit er besitzt (wer also beispielsweise als Deutscher, der in Italien lebt, will, dass auf seinen Erbfall deutsches Erbrecht anwendbar sein soll und nicht italienisches), der muss eine entsprechende Rechtswahl treffen.
Hiervon zu unterscheiden ist die Zuständigkeit deutscher oder italienischer Gerichte bzw. in welchem Land das Nachlassverfahren abgewickelt wird. Aus Gründen der Rechtssicherheit ist darüber hinaus die ausdrückliche Wahl der Zuständigkeit deutscher Gerichte zu empfehlen, falls dies gewünscht ist.
4. Überlegungen zum eigenen Nachlass
Nachlassfragen können sehr kompliziert sein. Lassen Sie sich unbedingt von spezialisierten Anwälten oder Notaren beraten, wenn Sie sich fragen, wie Sie am besten die gewünschte Nachlassregelung erreichen, was die Neuregelung für Sie ganz konkret bedeutet, wo Ihr gewöhnlicher Aufenthalt ist, ob eine Rechtswahl für Sie sinnvoll ist, wie Sie eine Rechtswahl wirksam treffen, wenn Sie sonstige Fragen in Bezug auf die Regelung Ihres Nachlasses haben oder wenn Sie Ihr Testament prüfen lassen möchten. Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass deutsche Auslandsvertretungen keine Rechtsberatung in Einzelfällen durchführen dürfen.
Wenn Sie Fragen haben oder weitere Informationen wünschen, kontaktieren Sie uns gerne telefonisch oder über unser Kontaktformular.