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Timestamp: 2019-09-19 04:29:50
Document Index: 260593484

Matched Legal Cases: ['§ 82', '§ 82', '§ 2', '§ 74', '§ 82', '§ 3', '§ 11', '§ 76', '§ 82', '§ 11', '§ 11', '§ 11', '§ 11', '§ 2', '§ 76', '§ 82', '§ 82', '§ 82', '§ 2', '§ 76', '§ 82', '§ 11', '§ 11', '§ 82']

Jung, SGB XII § 82 Begriff des Einkommens / 2.1.2 Fiktive Einkünfte | TVöD Office Professional | Öffentlicher Dienst | Haufe
Jung, SGB XII § 82 Begriff des Einkommens / 2.1.2 Fiktive Einkünfte
Grundsätzlich darf der Hilfesuchende nicht auf (fiktive) Mittel verwiesen werden, die ihm (möglicherweise) erst in Zukunft zur Verfügung stehen werden. Das gilt ausnahmsweise nicht, wenn ein Vollstreckungstitel existiert, dessen Durchsetzung aussichtsreich ist (sog "bereite Mittel"). Lehnt ein Bedürftiger eigene Bemühungen generell ab und sind Ansprüche ohne weiteres realisierbar, so kann die vorrangige Selbsthilfepflicht (§ 2 Abs. 1 Alt. 1) die nachrangige Sozialhilfe im Extremfall ausschließen (BSG, Urteil v. 29.9.2009, B 8 SO 23/08 R, BSGE 104 S. 219 = SozR 4-3500 § 74 Nr. 1 Rz. 20; Brühl in LPK-SGB XII, § 82 Rz. 35; ähnlich zum BSHG: BVerwG, Urteil v. 2.6.1965, V C 63.64, Buchholz 436.0, § 3 BSHG Nr. 1 = BVerwGE 21 S. 208, 212 = NDV 1965 S. 342; Bayerischer VGH, Urteil v. 9.4.1981, 12 B 80 A.53, FEVS 3, S. 316, 321 f.). Einnahmen, mit denen der Lebensunterhalt nicht bestritten werden kann, weil mit der Gutschrift auf einem Girokonto ein Überziehungskredit zurückgeführt wird, sind zumindest dann Einkommen, wenn eine Überziehung des Kontos möglich bleibt (zum SGB II: BSG, Urteil v. 30.7.2008, B 14 AS 26/07 R, SozR 4-4200 § 11 Nr. 17; zum BSHG: BVerwG, Urteil v. 19.2.2001, 5 C 4/00, FEVS 52 S. 439, 440 = ZFSH/SGB 2001 S. 542, 543 = Buchholz 436.0 § 76 BSHG Nr. 32; Grube/Wahrendorf, SGB XII, § 82 Rz. 26).
Schuldverpflichtungen sind grundsätzlich nicht einkommensmindernd zu berücksichtigen. Denn es ist nicht Aufgabe der Sozialhilfe, Verbindlichkeiten des Hilfeempfängers (mittelbar) zu tilgen (zum SGB II: BSG, Urteile v. 10.5.2011, B 4 KG 1/10 R; v. 19.9.2008, B 14/7b AS 10/07 R, SozR 4-4200 § 11 Nr. 18 Rz. 25; v. 30.9.2008, B 4 AS 29/07 R, BSGE 101 S. 291 = SozR 4-4200 § 11 Nr. 15 Rz. 19; Urteil v. 16.12.2008, B 4 AS 70/07 R, SozR 4-4200 § 11 Nr. 19 Rz. 28 sowie Urteil v. 13.5.2009, B 4 AS 29/08 R, SozR 4-4200 § 11 Nr. 22 Rz. 13; zum BSHG: BVerwG, Urteile v. 13.1.1983, 5 C 114/81, Buchholz 436.0 § 2 BSHG Nr. 7 = BVerwGE 66 S. 342, und v. 15.12.1977, V C 35.77, Buchholz 436.0 § 76 BSHG Nr. 10 = BVerwGE 55 S. 148). Hat der Hilfesuchende Forderungen (z. B. auf Lohn) abgetreten oder sich dazu schuldrechtlich verpflichtet oder sind Forderungen gepfändet worden, so ist er verpflichtet, sich hiervon – soweit das möglich ist – zu lösen und Erfolg versprechende Rechtsbehelfe einzulegen (Brühl, in: LPK-SGB XII, § 82 Rz. 28 und 36; Grube/Wahrendorf, SGB XII, § 82 Rz. 25; Lücking, in: Hauck/Noftz, SGB XII, K § 82 Rz. 13; zum BSHG: BVerwG, Urteil v. 13.1.1983, 5 C 114/81, Buchholz 436.0 § 2 BSHG Nr. 7 = BVerwGE 66 S. 343). Das gilt grundsätzlich auch, wenn der Hilfesuchende Unterhaltspflichten erfüllt, weil dies nicht zu seiner eigenen Sozialhilfebedürftigkeit führen darf. Folglich muss er die Änderung eines bestehenden Unterhaltstitels anstreben und geeignete Maßnahmen ergreifen, um drohende Vollstreckungsmaßnahmen abzuwenden. Das gilt gegenüber Unterhaltsansprüchen minderjähriger Kinder allerdings nur in abgeschwächter Weise (zum SGB II: BSG, Urteil v. 9.11.2010, B 4 AS 78/10 R, SGb 2011 S. 588; zum BSHG: BVerwG, Urteil v. 15.12.1977, V C 35.77, BVerwGE 55 S. 148, 152 = Buchholz 436.0 § 76 BSHG Nr. 10; zum Ganzen ausführlich: Grube/Wahrendorf, SGB XII, § 82 Rz. 27 ff.). Kann der Betroffene eine Pfändung überhaupt nicht oder nicht ohne Weiteres rückgängig machen, sind gepfändete Anteile nicht als Einkommen zu berücksichtigen (zum SGB II: BSG, Urteil v. 10.5.2011, B 4 KG 1/10 R; Hänlein, in: Gagel, SGB II/SGB III, § 11 SGB II Rz. 19; Schmidt, in: Oestreicher, SGB II, § 11 Rz. 39a). Allgemein gilt: Bleiben Bemühungen des Hilfesuchenden zur Abwehr von Gläubigerzugriffen erfolglos, können Schuldverpflichtungen, die er vor Eintritt der Hilfebedürftigkeit eingegangen ist, sein Einkommen mindern. Unterlässt er dagegen zumutbare Anstrengungen, um sich von Schuldverpflichtungen zu lösen, kann dies seinen Sozialhilfeanspruch unter Selbsthilfegesichtspunkten mindern. Insofern unterliegt der Einkommenseinsatz einer wertenden Betrachtung (Grube/Wahrendorf, SGB XII, § 82 Rz. 24).