Source: https://www.rechtslupe.de/strafrecht/teileinstellung-und-die-vollstaendige-ausschoepfung-der-angeklagten-taten-383846
Timestamp: 2019-11-17 23:30:54
Document Index: 42692339

Matched Legal Cases: ['§ 154', '§ 154', '§ 154', '§ 154', '§ 154', '§ 154', '§ 154', '§ 243', '§ 154', '§ 154', '§ 264', '§ 154', '§ 264', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 154', 'BGH', 'BGH', '§ 200', '§ 200', '§ 267', '§ 267', 'BGH', 'BGH', '§ 260', 'BGH', '§ 260', '§ 154']

Teil­ein­stel­lung – und die voll­stän­di­ge Aus­schöp­fung der ange­klag­ten Taten | Rechtslupe
Teileinstellung - und die vollständige Ausschöpfung der angeklagten Taten
Hat das Gericht hin­sicht­lich sämt­li­cher – gleich­för­mi­ger – nicht wei­ter kon­kre­ti­sier­ba­rer Taten den gesam­ten ange­klag­ten Tat­zeit­raum zu Grun­de gelegt und die­sen mit Ver­ur­tei­lung und Beschluss gemäß § 154 Abs. 2 StPO voll­stän­dig aus­ge­schöpft, blei­ben kei­ner­lei Zwei­fel über den Umfang sowohl der abge­ur­teil­ten als auch der ein­ge­stell­ten Taten.
In dem hier vom Bun­des­ge­richts­hof ent­schie­de­nen Fall wur­de dem Ange­klag­ten nach der unver­än­dert zur Haupt­ver­hand­lung zuge­las­se­nen Ankla­ge­schrift u.a. zur Last gelegt, im Zeit­raum vom 29.06.2011 bis zum 11.09.2011 täg­lich – in 75 Fäl­len – mit der min­der­jäh­ri­gen Geschä­dig­ten gegen deren Wil­len den vagi­na­len Geschlechts­ver­kehr durch­ge­führt zu haben. Das Land­ge­richt hat fest­ge­stellt, dass es "in min­des­tens 20 Fäl­len" zum vagi­na­len Geschlechts­ver­kehr gegen den Wil­len der Geschä­dig­ten kam. Dabei ist es davon aus­ge­gan­gen, dass es inner­halb des ange­klag­ten Tat­zeit­raums drei­mal wöchent­lich, jeden­falls aber in min­des­tens 20 Fäl­len zu den abge­ur­teil­ten Straf­ta­ten kam. Hin­sicht­lich der wei­te­ren ange­klag­ten 55 Fäl­le hat die Straf­kam­mer das Ver­fah­ren mit in der Haupt­ver­hand­lung ver­kün­de­tem Beschluss gemäß § 154 Abs. 2 StPO ein­ge­stellt, "um auch jedem Rest­zwei­fel im Hin­blick auf die Anzahl der Über­grif­fe Rech­nung zu tra­gen".
Die­se Ver­fah­rens­wei­se ist für den 2. Straf­se­nat des Bun­des­ge­richts­hofs recht­lich nicht zu bean­stan­den; Ent­schei­dun­gen des 4. Straf­se­nats ste­hen nicht ent­ge­gen.
Aus­weis­lich des Beschlus­ses des 4. Straf­se­nats vom 29.07.2008 1 hat­te das land­ge­richt­li­che Urteil kei­nen Bestand, weil sich die ursprüng­lich ange­klag­ten sechs Betäu­bungs­mit­tel­ta­ten bereits hin­sicht­lich der Art und Men­ge der uner­laubt ein­ge­führ­ten Betäu­bungs­mit­tel unter­schie­den und der land­ge­richt­li­che Beschluss gemäß § 154 Abs. 2 StPO – nicht näher kon­kre­ti­sier­te – vier Taten umfass­te. Danach war schon zwei­fel­haft, wel­che der ange­klag­ten (unter­schied­li­chen) Taten ein­ge­stellt und wel­che abge­ur­teilt waren.
Im Beschluss des 4. Straf­se­nats vom 13.04.2011 2 ist ent­schei­dend gewe­sen, dass das Land­ge­richt der Ver­ur­tei­lung einen Tat­zeit­raum zu Grun­de gelegt hat, dem es schon an einem hin­rei­chend bestimm­ten End­zeit­punkt – und für einen Teil der abge­ur­teil­ten Straf­ta­ten zudem an einem Anfangs­zeit­punkt – fehl­te, und der zudem gegen­über dem der Ankla­ge zu Grun­de lie­gen­den Tat­zeit­raum ver­kürzt war, ohne dass die Grün­de für die Ver­kür­zung des Tat­zeit­raums dem Urteil zu ent­neh­men waren.
Ent­spre­chen­des gilt für den Beschluss des 4. Straf­se­nats vom 03.12 2013 3; nach Teil­ein­stel­lung gemäß § 154 Abs. 2 StPO bezog sich auch dort die Ver­ur­tei­lung hin­sicht­lich der übri­gen Fäl­le auf einen gegen­über der Ankla­ge nicht nach­voll­zieh­bar ver­kürz­ten Tat­zeit­raum.
Anders liegt der Fall hier: Das Land­ge­richt hat hin­sicht­lich sämt­li­cher – gleich­för­mi­ger – nicht wei­ter kon­kre­ti­sier­ba­rer Taten den gesam­ten ange­klag­ten Tat­zeit­raum zu Grun­de gelegt und die­sen mit Ver­ur­tei­lung und Beschluss gemäß § 154 Abs. 2 StPO voll­stän­dig aus­ge­schöpft. Somit blei­ben kei­ner­lei Zwei­fel über den Umfang sowohl der abge­ur­teil­ten als auch der ein­ge­stell­ten Taten.
Es ist nicht nach­voll­zieh­bar, an die Unter­scheid­bar­keit von gleich­för­mi­gen Seri­en­ta­ten bei Ein­stel­lungs­ent­schei­dun­gen gemäß § 154 Abs. 2 StPO höhe­re Anfor­de­run­gen zu stel­len 4 als bei Tat­kon­kre­ti­sie­run­gen in Ankla­ge­schrif­ten 5, im Ver­ur­tei­lungs­fall in den Urteils­grün­den 6 oder bei Ver­ur­tei­lun­gen nebst Teil­frei­sprü­chen, falls die Anzahl der fest­ge­stell­ten Taten die Anzahl der ange­klag­ten Taten unter­schrei­tet 7.
Eine bei gleich­för­mi­gen Seri­en­ta­ten vor­zu­neh­men­de genaue zeit­li­che Ein­gren­zung aller Ein­zel­fäl­le und deren Indi­vi­dua­li­sie­rung und Dif­fe­ren­zie­rung ist schon regel­mä­ßig weder in der Ankla­ge noch in den Urteils­fest­stel­lun­gen mög­lich 8. Die Anzahl der – gege­be­nen­falls nach tatrich­ter­li­cher Schät­zung – fest­ge­stell­ten Taten kann dem­nach nur der Gesamt­zahl der ange­klag­ten Taten gegen­über gestellt und eine Dif­fe­renz – wie hier – ermit­telt wer­den, die dann in der Ein­stel­lungs­ent­schei­dung gemäß § 154 Abs. 2 StPO zum Aus­druck kommt. Eine sol­che Ver­fah­rens­wei­se lässt auch kei­nen Zwei­fel dar­über, in wel­chem Umfang Geset­zes­ver­let­zun­gen nicht wei­ter­ver­folgt wer­den sol­len 9.
Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 13. August 2014 – 2 StR 128/​14
Teil­ein­stel­lung – und die voll­stän­di­ge Aus­schöp­fung der… Hat das Gericht hin­sicht­lich sämt­li­cher – gleich­för­mi­ger – nicht wei­ter kon­kre­ti­sier­ba­rer Taten den gesam­ten ange­klag­ten Tat­zeit­raum zu Grun­de gelegt und die­sen mit Ver­ur­tei­lung und Beschluss…
Zurück­wei­sung einer vor­ge­schrie­be­nen Sach­ein­las­sung Die Zurück­wei­sung einer Sach­ein­las­sung durch Ver­le­sung eines Manu­skripts durch den Ange­klag­ten ist rechts­feh­ler­haft. Zwar erfolgt gemäß § 243 Abs. 5 Satz 2 StPO die Ver­neh­mung…
Ein­stel­lung nach § 154 Abs. 2 StPO – und die "Tat" Eine Ein­stel­lung nach § 154 Abs. 2 StPO betrifft die Tat im Sinn des § 264 Abs. 1 StPO ((Mey­er-Goß­ner/­Sch­mitt, StPO, 57. Aufl., § 154…
Ankla­ge und Tat­zeit­raum Gemäß § 264 Abs. 1 StPO ist Gegen­stand der Urteils­fin­dung die in der Ankla­ge bezeich­ne­te Tat, wie sie sich nach dem Ergeb­nis der Ver­hand­lung dar­stellt.…
Kein nach­ehe­li­cher Unter­halt beim Kuckucks­kind Ver­schweigt eine Ehe­frau ihrem Ehe­mann, dass ein wäh­rend der Ehe gebo­re­nes Kind mög­li­cher­wei­se von einem ande­ren Mann abstammt, ver­wirk­licht dies grund­sätz­lich den Här­te­grund eines Fehl­ver­hal­tens…
BGH, Beschluss vom 29.07.2008 – 4 StR 210/​08[↩]
BGH, Beschluss vom 13.04.2011 – 4 StR 7/​11[↩]
BGH, Beschluss vom 03.12.2013 – 4 StR 461/​13[↩]
vgl. dazu BGH, Beschluss vom 07.10.2011 – 1 StR 321/​11, NStZ-RR 2012, 50, 51; Urteil vom 26.10.2006 – 5 StR 290/​06, BGHR StPO § 154 Abs. 5 Wie­der­auf­nah­me 3[↩]
vgl. dazu BGH, Urteil vom 11.01.1994 – 5 StR 682/​93, BGHSt 40, 44, 46; Schnei­der in KK-StPO, 7. Aufl., § 200 Rn. 5; Mey­er-Goß­ner/­Sch­mitt, StPO, 57. Aufl., § 200 Rn. 9, jeweils mwN[↩]
vgl. Kuck­ein in KK-StPO, aaO, § 267 Rn. 9a; Mey­er-Goß­ner/­Sch­mitt, aaO, § 267 Rn. 6a, jeweils mwN[↩]
vgl. BGH, Beschlüs­se vom 10.05.1994 – 5 StR 239/​94, BGHR StPO § 260 Abs. 1 Teil­frei­spruch 10; und vom 13.12 2000 – 5 StR 540/​00, BGHR StPO § 260 Abs. 1 Teil­frei­spruch 13[↩]
vgl. Schnei­der, aaO mwN[↩]
vgl. Beul­ke in Löwe/​Rosenberg, StPO, 26. Aufl. § 154a Rn. 8[↩]
EinstellungStrafprozessTeileinstellung