Source: http://www.jurablogs.com/2015/08/28/die-umsatzsteuer-als-verbrauchsteuer
Timestamp: 2017-08-20 00:28:13
Document Index: 331994329

Matched Legal Cases: ['§ 169', '§ 169', '§ 21', '§ 23', 'Art. 108', 'Art. 2', 'Art. 1', '§ 169']

Die Umsatzsteuer ist keine Verbrauchsteuer i.S. des § 169 Abs. 2 Satz 1 Nr. 1 AO, so dass die Festsetzungsfrist nach § 169 Abs. 2 Satz 1 Nr. 2 AO vier Jahre beträgt1.
Der Bundesfinanzhof hat bereits ausgeführt2, dass dies durch § 21 AO belegt werde, der die Zuständigkeit zur Verwaltung der Umsatzsteuer (mit Ausnahme der Einfuhrumsatzsteuer) den Landesfinanzbehörden (Finanzämtern) überträgt, während für Verbrauchsteuern die Hauptzollämter zuständig sind (§ 23 AO). Wäre die Umsatzsteuer eine bundesgesetzlich geregelte Verbrauchsteuer, müsste sie grundsätzlich nach Art. 108 Abs. 1 Satz 1 des Grundgesetzes ebenfalls von den Bundesfinanzbehörden verwaltet werden.
Es ist zwar zutreffend, dass die Mehrwertsteuer eine Verbrauchsteuer im unionsrechtlichen Sinne ist: Bereits nach Art. 2 der Ersten Richtlinie 67/227/EWG des Rates vom 11.04.1967 zur Harmonisierung der Rechtsvorschriften der Mitgliedstaaten über die Umsatzsteuer, der inhaltlich Art. 1 Abs. 2 der Richtlinie 2006/112/EG des Rates vom 28.11.2006 über das gemeinsame Mehrwertsteuersystem entspricht, beruht das gemeinsame Mehrwertsteuersystem auf dem Grundsatz, dass auf Gegenstände und Dienstleistungen, ungeachtet der Zahl der Umsätze, die auf den vor der Besteuerungsstufe liegenden Produktions- und Vertriebsstufen bewirkt wurden, eine allgemeine, zum Preis der Gegenstände und Dienstleistungen genau proportionale Verbrauchsteuer anzuwenden ist3.
Dies hat der Bundesfinanzhof jedoch nicht erst in dem Urteil vom 12.01.20064 erkannt. So nehmen bereits die Urteile des Bundesfinanzhofs vom 24.06.19925; vom 10.12 19986; vom 22.07.19997; und vom 29.11.20018 sowie sein Beschluss vom 19.06.20029 auf den Verbrauchsteuercharakter der Umsatzsteuer Bezug.
Aus dem Umstand, dass die Umsatzsteuer unionsrechtlich eine Verbrauchsteuer ist, ergeben sich keine zwingenden Rechtsfolgen für die Auslegung des § 169 Abs. 2 Satz 1 AO; denn mangels einer einschlägigen Unionsregelung ist u.a ...
Veröffentlicht August 28, 2015 4:39am im Blog Rechtslupe.
Umsatzsteuer, Festsetzungsfrist, Verbrauchsteuer