Source: http://www.uni-protokolle.de/foren/viewt/69474,0.html
Timestamp: 2017-08-19 13:18:29
Document Index: 36840192

Matched Legal Cases: ['Art.1', 'Art. 1', 'Art. 2', 'Art 8', 'Art. 1', 'Art. 1', 'Art. 1', 'Art. 20']

Bürgerrechte - Menschenrechte: Begriffsklärung
Foren-Übersicht -> Jura-Forum -> Bürgerrechte - Menschenrechte: Begriffsklärung
Verfasst am: 19 Mai 2006 - 20:21:30 Titel: Bürgerrechte - Menschenrechte: Begriffsklärung
Wir beschäftigen uns gerade im Unterricht mit dem Thema "Menschenrechte". Definiert haben wir Menschenrechte als "Naturrechte", die jedem Menschen von Geburt an zustehen. Gegensatz dazu bilden die sog. "Positiven (also vom Menschen gesetzten) Rechte".
Auf einem anderen Arbeitsblatt wird jedoch grundlegend zwischen "Menschenrechten" und "Bürgerrechten" unterschieden, die dann gemeinsam als "Grundrechte" zusammengefasst werden.
Ist demnach der 1. und der 2. Definition gemäß "Bürgerrecht" ein Synonym(!) für den Begriff "Positives Recht"?
Sonst versteh ich´s nämlich nicht
Verfasst am: 19 Mai 2006 - 20:47:01 Titel:
Positives Recht sind sämtliche vom Gesetzgeber festgeschriebenen Normen, dagegen ist Naturrecht eine Art von natürlichem, gottgegebenem Recht, das schon immer besteht und im Zweifel (in bestimmten, moralisch schwierigen Fallkonstellationen) das positive Recht verdrängt. Die Existenz und Wirkung von Naturrecht ist jedoch (aus naheliegenden Gründen) heftigst umstritten, da fanden und finden ausufernde Debatten statt.
Menschenrechte sind eine bestimmte Kategorie von Normen, die sowohl als Naturrecht wie als positives Recht vorliegen können. Unser Grundgesetz kennt in den Grundrechten (Art.1-19) zahlreiche Menschenrechte (z.Bsp. die Menschenwürde in Art. 1, oder das Recht auf Allgemeine Handlungsfreiheit, Art. 2 I). Einige der Grundrechte sind jedoch ausdrücklich nur Bürgern der Bundesrepublik Deutschland vorbehalten. Kennzeichen dafür ist die Formulierung "Alle Deutschen", so z.Bsp. in Art 8 (Versammlungsfreiheit). Diese Normen bezeichnet man als Bürgerrechte.
Verfasst am: 19 Mai 2006 - 20:52:08 Titel:
Nun bin ich allerdings doch ein wenig verwirrt. Deiner Behauptung nach sind Menschenrechte nicht zwanghaft Naturrechte, was der Definition in unserem Heft widerspräche. Ist dem wirklich so?
Verfasst am: 19 Mai 2006 - 20:57:48 Titel:
Ja, das ist der Fall, wenn Menschenrechte -eben wie in unserem Land- als positives Recht in der Verfassung stehen. Dann handelt es sich logischerweise nicht mehr um Naturrecht, da Naturrecht ungeschrieben ist Man könnte auch sagen, das Naturrecht wurde hier in positives Recht übertragen.
Verfasst am: 19 Mai 2006 - 21:38:56 Titel:
Gut. Vielen Dank. Jetzt hab ich´s verstanden!
Verfasst am: 20 Mai 2006 - 12:32:33 Titel:
Ich hätte da nun doch noch eine Frage. In unserem Heft steht, dass die Grundrecht durch vier Dinge gesichert sind.
1.Durch ihre unmittelbare Geltung
2.Durch das Verbot ihrer Beseitigung
3.Durch Sicherung im Falle ihrer Einschränkung
4 Durch Vorkehrungen für den Fall der Verletzung.
Mir sind alle Punkte bis auf den Ersten klar, also die Sicherung durch ihre unmittelbare Geltung. Dazu haben wir folgendes aufgeschrieben: "Nach Art. 1 Abs. 3 binden die Grundrechte Gesetzgebung, vollziehende Gewalt und Rechtsprechung als unmittelbar geltendes Recht."
Bedeutet das jetzt, dass die Grundrechte die Gewaltenteilung garantieren oder, dass die Gewaltenteilung die Grundrechte garantiert? (was in meinen Augen logischer wäre, da dies die Grundrechte sichern würde, allerdings meiner Ansicht nach nicht aus der Formulierung hervorgeht)
Verfasst am: 20 Mai 2006 - 15:29:25 Titel:
Art. 1 III wird von manchen auch so ausgelegt, dass Grundrechte undemokratisch sind.
Verfasst am: 24 Mai 2006 - 16:10:02 Titel:
Art. 1 Abs.3 bedeutet, daß die Grundrechte in allen Gewalten unmittelbare Geltung haben. Die Gewaltenteilung selbst ist in Art. 20 festgelegt. Sie garantiert das Rechtsstaatsprinzip.
Die Grundrechte stehen damit quasi über den Gewalten.