Source: http://www.vwb-verlag.com/Katalog/n074.html
Timestamp: 2017-11-20 19:11:58
Document Index: 338302984

Matched Legal Cases: ['§ 45', '§ 45', '§ 45', '§ 45', '§ 45', '§ 76', '§ 109']

Diversion: Selbsteinschätzung und Realität staatsanwaltlichen Entscheidens / Libuda-Köster, Astrid / VWB-Verlag
Diversion: Selbsteinschätzung und Realität staatsanwaltlichen Entscheidens
Eine Befragung nordrhein-westfälischer Jugendstaatsanwältinnen und Jugendstaatsanwälte
112 Tab., 6 Graph.
ISBN 3-927408-74-3
Diese rechtssoziologische Arbeit entstand eingebunden in das Teilprojekt C1 "Entscheidungsstrukturen im Kriminaljustizsystem" des Sonderforschungsbereichs 227 "Intervention und Prävention im Kindes- und Jugendalter" an der Universität Bielefeld. Datenbasis der empirischen Analyse sind eine standardisierte schriftliche Befragung von nordrhein-westfälischen Jugendstaatsanwältinnen und Jugendstaatsanwälten sowie 10.491 Erhebungen von Verfahrensakten, bearbeitet durch jene befragten Staatsanwälte.
Anhand der in den Verfahrensakten erhobenen staatsanwaltlichen Entscheidungen konnte eine ungleiche Praxis der Rechtsanwendung nachgewiesen werden. So wurde der empirische Nachweis geführt, daß es auf seiten der Rechtsanwender Bedingungen geben muß, welche die Bereitschaft zu informalisierenden Einstellungen des Verfahrens gemäß § 45 JGG beeinflussen. Welche Einflüsse bedingen die ungleiche Rechtsanwendung der Jugendstaatsanwältinnen und Jugendstaatsanwälte? Die Erklärung wird in verschiedenen, zusammenwirkenden Einflußdimensionen gesucht: In normativen Orientierungen, den unterschiedlichen Interpretationen des offiziellen Normprogramms, in Bürokratie-, Organisations- und Umweltbedingungen, in normübergreifenden Überzeugungen/Attitüden und in der Berufssozialisation der Rechtsanwender.
Rechtsanwendungsungleichheit wird primär von Orientierungen beeinflußt, die von individuellen, normativen Interpretationen und lokalbürokratischen Rahmenbedingungen abhängig sind. Im Ergebnis läßt sich aufgrund dieser Analysen eine Ausformung exekutivistischen Rechts feststellen, das unter Verzicht auf zentrale Steuerungsinstrumente pragmatische Ausformungen erfährt, die Produkt zufallsbedingter bürokratischer Rahmenbedingungen sind, ohne daß eine verbindliche normgebende Vereinheitlichung absehbar ist.
Astrid Libuda-Köster 1960 geboren, studierte in Lissabon und Bielefeld und schloß ihr Studium 1986 mit einer Arbeit über die "Auswirkungen der Altstadterneuerung auf die Lebenssituation städtischer Armer in Salvador/Bahia/Brasilien" als Diplom-Soziologin an der Universität Bielefeld ab. Seither arbeitet sie im Sonderforschungsbereich "Intervention und Prävention im Kindes- und Jugendalter" SFB 227, im Teilprojekt "Entscheidungsstrukturen im Kriminaljustizsystem" an der Universität Bielefeld, wo die vorliegende Arbeit entstand.
Neben ihrem Interesse für Kriminologie arbeitet Astrid Libuda-Köster zu Themen der Entwicklungsländerproblematik, des Feminismus und der sozialwissenschaftlichen Methodenlehre.
Fragestellungen, Methoden und Gang der Darstellung
Einflußfaktoren staatsanwaltlichen Handelns
Bedeutung der Handlungsbedingungen für die staatsanwaltliche Entscheidung
Analyse ungleicher Rechtsanwendung bei parallelisierter Einzelfallgestaltung
Kriminalpolitischer Ertrag
Operationalisierung der abhängigen Variablen (Zielvariablen)
Schlußfolgerungen für den Gang der Darstellung
Determinanten staatsanwaltlichen Entscheidens im Rahmen allgemeiner Diversionsorientierung
Beschreibung der Anwedungspraxis von Diversion
Allgemeine Anwendungskriterien für § 45 Abs. 2 JGG
Non-Interventionsvariante: § 45 Abs. 2 Nr. 2 JGG
Interventionsvariante: § 45 Abs. 2 Nr. 1 JGG
Interventionsdiversion unter Beteiligung des Jugendrichters: § 45 Abs. 1 JGG
Vereinfachtes Jugendverfahren: § 76 JGG
Strafverfahren gegen Heranwachsende: § 109 Abs. 1 HGG
Bivariate Zusammenhänge zwischen normativen Orientierungen und allgemeiner Diversionsbereitschaft
Bedeutung normativer Formalkriterien
Bedeutung staatsanwaltlicher Interventionskonzepte
Multivariate Zusammenhänge zwischen normativen Orientierungen und allgemeiner Diversionsbereitschaft
Ergebnisse und Schlußfolgerungen aus der multivariaten Analyse
Bürokratiespezifische Tätigkeitsmerkmale
Deskription von Arbeitsbelastung und Tätigkeitskontrolle
Bivariate Zusammenhänge zwischen Bürokratiemerkmalen und allgemeiner Diversionsbereitschaft
Multivariate Zusammenhänge zwischen Bürokratiemerkmalen und allgemeiner Diversionsbereitschaft
Vereinheitlichungsansätze in der Diversionspraxis
Verfügungen, Vorgesetzten-Empfehlungen und informelle Absprachen
Kriterien der Vereinheitlichung
Die Bewertung der Vereinheitlichungsansätze durch die Staatsanwälte
Bivariate Zusammenhänge zwischen Organisationsbedingungen und allgemeiner Diversionsbereitschaft
Multivariate Zusammenhänge zwischen Organisationsbedingungen und allgemeiner Diversionsbereitschaft: Ergebnisse und Schlußfolgerungen
Öffentliche Meinung und Verfahrensbeteiligte aus der Sicht der Staatsanwälte
Bivariate Zusammenhänge zwischen Umweltbeziehungen und allgemeiner Diversionsbereitschaft
Multivariate Zusammenhänge zwischen Umweltbeziehungen und allgemeiner Diversionsbereitschaft: Ergebnisse und Schlußfolgerungen
Staatsanwaltliche Überzeugungen
Deskription staatsanwaltlicher Überzeugungen
Wahrnehmung und Bewertung von Jungendkriminalität
Strategien der Kriminalitätskontrolle und Strafzwecke
Legitimierung staatsanwaltlicher Einstellungskompetenz
Bewertung alternativer Erledigungsvarianten und Zufriedenheit mit der eigenen Verfahrenspraxis
Bivariate Zusammenhänge zwischen staatsanwaltlichen Überzeugungen und allgemeiner Diversionsbereitschaft
Multivariate Zusammenhänge zwischen staatsanwaltlichen Überzeugungen und allgemeiner Diversionsbereitschaft
Ergebnisse der multivariaten Analyse
Berufs- und Sozialmerkmale
Beschreibung der Befragtenstichprobe
Bivariate Zusammenhänge zwischen Berufs- /Sozialmerkmalen und allgemeiner Diversionsbereitschaft
Multivariate Zusammenhänge zwischen Berufs- /Sozialmerkmalen und allgemeiner Diversionsbereitschaft
Multivariate Analyse aller Einflußfaktoren
Determinanten staatsanwaltlichen Entscheidens im Rahmen deliktsspezifischer Diversion (parallelisierter Ladendiebstahl)
Ungleichheit der Rechtsanwendung
Kriterien der Bildung parallelisierter Ladendiebstahlsdelikte
Zur Rechtsanwendungsungleichheit bei parallelisierten Fallgestaltungen
Multivariate Analyse der einzelnen Einflußdimensionen
Multivariate Analyse aller Einflußfaktoren (Gesamtmodell)
Staatsanwaltsbefragungsbogen
Stück/copy "Diversion: Selbsteinschätzung und Realität staatsanwaltlichen Entscheidens"