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Timestamp: 2017-02-25 14:11:07
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Matched Legal Cases: ['BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH']

Fall 1: Familienauto - PDF
Fall 1: Familienauto
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1 Prof. Dr. Dagmar Kaiser Examenskurs Bereicherungsrecht (Herbst 2012) Fall 1: Familienauto Probleme: Rücktritt wegen anfänglich unbehebbaren Mangels, 437 Nr. 2, 326 V, 346 I BGB Bindung der kaufrechtlichen Gestaltungsrechte Rücktritt und Minderung an die Verjährung, 218, 438 BGB Verjährungsfrist bei Arglist des Verkäufers, 439 III, 195, 199 BGB Wertersatz wegen Untergang oder Verschlechterung der zurückzugebenden Sache, 346 II 1 Nr. 3 BGB mit Ausnahmen nach 346 II 1 Nr. 3 Hs. 2 und III 1 Nr. 3 BGB Haftungsprivilegien bei Teilnahme am Straßenverkehr eigenübliche Sorgfalt, 277 BGB Herausgabe und Ersatz gezogener Nutzungen, 346 I, II 1 Nr. 1 BGB Berechnung der Nutzungsvergütung (lineare Teilwertabschreibung) Anspruch auf Verwendungsersatz, 347 II 1 BGB Anspruch auf Aufwendungsersatz aus 347 II 2 BGB und 311a II, 284 BGB c.i.c., 280 I, 311 II, 241 II BGB Rückabwicklung des Vertrages im Wege des Schadensersatzes statt der ganzen Leistung, 311a II 3, 281 V BGB mit Rentabilitätsvermutung Leistungskondiktion, 812 I 1 Alt 1 BGB Entreicherungseinwand nach 818 III BGB bei Herausgabe von Geld (Luxusaufwendungen) Saldotheorie: Voraussetzungen und Rechtsfolgen Ausnahme bei Anfechtung wegen arglistiger Täuschung Berechnung Wertersatz nach 818 II BGB Abzug von Aufwendungen über 818 III BGB Aufwendungsersatzanspruch des arglistig Getäuschten aus 142 II, 819 I, 818 IV, 292, 994 II, 996 BGB Verwendungskondiktion, 812 I 1 Alt 2 BGB Literatur: Arnold, Das neue Recht der Rücktrittsfolgen, Jura 2002, 154; Derleder, Sachmängel- und Arglisthaftung nach neuem Schuldrecht, NJW 2004, 969; D. Kaiser in Staudinger/Eckpfeiler (2012/2013) I. Rn. 102 ff.; Schulze/Ebers, Streitfragen im neuen Schuldrecht, JuS 2004, Teil: Bei Auslegung der Erklärung der S gegenüber K als Rücktrittserklärung A. Anspruch S-K auf Rückzahlung des Kaufpreises gem. 437 Nr. 2, 326 V, 323, 346 I BGB 437 Nr. 2 BGB ist eine Rechtsgrundverweisung auf die Normen des SR AT, die einen Rücktrittsgrund geben ( wenn die Voraussetzungen der folgenden Vorschriften vorliegen ). Die Voraussetzungen für den Rücktritt wegen eines Sachmangels stehen in 323 BGB (mit Modifikationen in 440 BGB) und bei nicht behebbaren Mängeln in 326 V BGB, der wiederum auf 323 BGB verweist, aber vom Erfordernis der Nachfrist absieht. Vertretenmüssen ist keine Voraussetzung für den Rücktritt nach 323, 326 V BGB.2 Prof. Dr. Dagmar Kaiser Examenskurs Bereicherungsrecht (Herbst 2012) 2 I. Voraussetzungen 3. Rücktrittsgrund = Recht der S zum Rücktritt gem. 437 Nr. 2, 326 V, 323 BGB a. Kaufvertrag als gegenseitiger Vertrag 437 Nr. 2 BGB greift nur bei einem Kaufvertrag; 323 I BGB erlaubt den Rücktritt nur im gegenseitigen Vertrag. S und K haben einen Kaufvertrag über einen Sharan geschlossen. b. Nicht vertragsgemäße Leistung i.s. des 323 I BGB = Sachmangel i.s. des 434 BGB 437 BGB verlangt die Leistung einer mangelhaften Kaufsache i.s. der 434, 435 BGB; die mangelhafte Leistung i.s. des 437 BGB entspricht der Rücktrittsvoraussetzung der nicht vertragsgemäßen Leistung in 323 I BGB. aa. Sachmangel i.s. des 434 BGB 434 BGB enthält eine abgestufte Regelung: Für die Sollbeschaffenheit der Kaufsache ist vorrangiger Maßstab die Parteivereinbarung, 434 I 1 BGB. S und K haben ausdrücklich darüber gesprochen, dass das Auto unfallfrei sein sollte; die Unfallfreiheit war damit i.s. des 434 I 1 BGB ausdrücklich vereinbart. Dieser Mangel bestand auch schon bei Gefahrübergang, also bei Übergabe der Kaufsache i.s. des 446 BGB. bb. Nicht unerheblich i.s. des 323 V 2 BGB Nach 323 V 2 BGB darf der Käufer nicht jeden Mangel zum Anlass für die Lösung vom Vertrag nehmen, sondern ist zum Rücktritt nur berechtigt, wenn die Pflichtverletzung, also der Mangel, nicht unerheblich ist. Da hier die Unfallfreiheit ausdrücklich vereinbart worden war und zwei Unfälle den Wert des verkauften Wagens deutlich herabsetzen, ist die Tatsache, dass es sich bei dem verkauften Wagen um ein Unfallauto handelte, erheblich. c. Fristsetzung zur Nacherfüllung oder Entbehrlichkeit der Nachfristsetzung, 323 I, II BGB oder 326 V BGB S müsste bevor sie von dem Vertrag zurücktreten kann, K nach 323 I BGB erfolglos eine Frist zur Nacherfüllung gesetzt haben. Eine solche Frist zur Nacherfüllung hat S vor ihrer Rücktrittserklärung am nicht gesetzt. Die Setzung einer Nachfrist könnte jedoch nach 326 I 2, V BGB entbehrlich sein, wenn K von der Pflicht zur Nacherfüllung nach 437 Nr. 1, 439 BGB wegen Unmöglichkeit nach 275 I BGB befreit ist.3 Prof. Dr. Dagmar Kaiser Examenskurs Bereicherungsrecht (Herbst 2012) 3 Der Mangel des Wagens, die fehlende Unfallfreiheit, kann nicht durch Nacherfüllung behoben werden: weder durch Reparatur, also durch Nachbesserung (trotz Reparatur bleibt das Auto ein Unfallwagen) noch durch Nachlieferung (da es sich um einen Stückkauf über einen bestimmten Gebrauchtwagen handelt). Eine Fristsetzung war somit entbehrlich. Wiederholung: Trotz des nicht behebbaren Mangels erlischt entgegen der Grundregel des 326 I 1 BGB die Gegenleistungspflicht des Käufers zur Zahlung des Kaufpreises nicht automatisch dies normiert 326 I 2 BGB ausdrücklich. Stattdessen hat der Gläubiger die Wahl, ob er vom Kaufvertrag wegen des Sachmangels nach 326 V BGB zurücktreten möchte oder lediglich gem. 441 I 1, 326 V BGB den Kaufpreis mindern möchte oder aber nach 311a II BGB Schadensersatz statt der Leistung verlangt. 326 V BGB erleichtert Rücktritt und Minderung dadurch, dass er den Gläubiger davon entbindet, vor der Rücktrittserklärung eine Nachfrist zur Nacherfüllung setzen zu müssen (die Nachfrist ginge ins Leere, da eine Nacherfüllung gerade unmöglich ist). 4. Rücktrittserklärung, 349 BGB S erklärt gegenüber K, am Vertrag nicht mehr festhalten zu wollen und bietet ihm Rückgewähr des Autos gegen Rückzahlung des Kaufpreises an. Damit macht sie hinreichend deutlich, dass sie die Rückabwicklung des Kaufvertrages wünscht. 3. Keine Unwirksamkeit nach 218 I 2 mit 438 BGB Der Rücktritt ist nicht nach 218 I 2 BGB mit 438 I Nr. 3, II BGB unwirksam. 218 BGB bindet die Ausübung des Rücktrittsrechts an die Verjährung des Nacherfüllungsanspruchs: Verjährt das Recht auf Nacherfüllung und damit auch der Anspruch auf Schadensersatz, gehen auch die Gestaltungsrechte Rücktritt und nach 441, 438 V BGB mit 218 I BGB auch das Minderungsrecht unter. Dass S hier gar keinen Anspruch auf Nacherfüllung nach 439 BGB hat, da der Sachmangel nicht behoben werden kann, schadet nach 218 I 2 BGB nicht: Das Recht zum Rücktritt wegen des Sachmangels erlischt, wenn ein hypothetischer Nacherfüllungsanspruch verjährt wäre: nach 438 I Nr. 3, II BGB also grundsätzlich 2 Jahre nach Ablieferung des Sache. 218 BGB begründet aber keine Ausschlussfrist, mit deren Ablauf der Rücktritt automatisch erlischt: 218 BGB verlangt vom Schuldner, sich auf das Verstreichen der Verjährungsfristen für den Erfüllungsoder den Nacherfüllungsanspruch zu berufen. Deswegen ist der Rücktritt, den der Gläubiger nach Ablauf der Verjährungsfrist erklärt, zunächst wirksam und wird nur dann ex nunc unwirksam, wenn sich der Schuldner auf die Verjährung beruft. 218 BGB räumt dem Schuldner damit ein Gegengestaltungsrecht ein (Soergel/Lobinger 13 [2010]4 Prof. Dr. Dagmar Kaiser Examenskurs Bereicherungsrecht (Herbst 2012) 4 vor 346 Rn 36; Staudinger/Kaiser [2012] 349 Rn 52 mwn). Wegen der arglistigen Täuschung des K erlischt das Recht zum Rücktritt hier nach 218 I 2 BGB mit 438 III, 195, 199 I BGB nach Ablauf der regelmäßigen Verjährungsfrist, also innerhalb von drei, maximal 10 Jahren ( 199 IV BGB). Hier ist noch nicht einmal das Jahr abgelaufen, in dem der Sharan gekauft und übergeben worden, der Anspruch also entstanden ist. II. Rechtsfolge Rücktrittserklärung 349, 351 beachte 218 und , 347, 348 Rückabwicklung Leistungsgegenstand Nutzungen Verwendungen Aufwendungen Rückgewähr, 346 I Herausgabe gezogener, 346 I Ersatz nicht gezogener 347 I Ersatz notwendiger, 347 II 1 Ersatz nützlicher, 347 II 2 Vertragskosten 284 mit 280 I, III, 281, 283 Der Rücktritt begründet einen Anspruch S-K aus 346 I BGB auf Rückgewähr des tatsächlich Hingegebenen, also der in bar und des VW Polo, hingegen nicht auf Rückzahlung des gesamten Kaufpreises in Geld (st Rspr, zuletzt BGH , VII ZR 334/06, NJW 2008, 2028, 2029 [selbst bei Darlehensablösung für Altwagen durch Verkäufer]). Anspruch S-K auf Rückzahlung von und Rückgabe des in Zahlung gegebenen VW Polo aus 437 Nr. 2, 326 V, 346 I BGB. Der Einwand des K, er habe das Geld in den Bau einer Verkaufshalle gesteckt, wird rücktrittsrechtlich nicht gehört. B. Anspruch K S auf Wertersatz aus 437 Nr. 2, 326 V, 346 II 1 Nr. 3 BGB K wendet gegen den Anspruch der S auf Rückzahlung des Kaufpreises ein, S könne sich nicht mehr vom Kaufvertrag lösen, nachdem sie nicht in der Lage sei, den Sharan unbeschädigt zurückzugeben. Diese Auffassung stützt sich auf 351 BGB a.f., der die Wandelung des Kaufvertrages (den jetzigen Rücktritt) dann ausschloss, wenn der Rückgewährschuldner aufgrund eigenen Verschuldens die Sache überhaupt nicht oder in einem wesentlich verschlechterten Zustand zurückgeben konnte. Diese Alles-oder-Nichts-Lösung des BGB a.f.5 Prof. Dr. Dagmar Kaiser Examenskurs Bereicherungsrecht (Herbst 2012) 5 hat das neue BGB mit der Schuldrechtsreform aufgegeben: Der Rückgewährschuldner, der die Kaufsache nicht oder nur verschlechtert zurückgeben kann, darf zurücktreten, schuldet aber nach 346 II BGB anstelle der Rückgewähr Wertersatz für die Sache. Untergang Verschlechterung 346 II, III Zufall Verarbeitung, Umgestaltung Verbrauch Gebrauch Veräußerung, Belastung Wertersatz, II 1 Nr. 2 Wertersatz, II 1 Nr. 2 Wertersatz, II 1 Nr. 3 Hs. 1 Wertersatz, II 1 Nr. 2 Kein Wertersatz III 1 Nr. 2 Kein Wertersatz, III 1 Nr. 1 Kein Wertersatz, III 1 Nr. 1 Kein Wertersatz, II 1 Nr. 3 Hs. 2 Veräußerungserlös 285 I III 1 Nr. 3 Kein Wertersatz des gesetzlich zum Rücktritt Berechtigten bei Beachtung der Sorgfalt in eigenen Angelegenheiten In Betracht kommt hier eine Wertersatzpflicht der S aus 346 II 1 Nr. 3 BGB. I. Untergang oder Verschlechterung des empfangenen Gegenstandes 346 II 1 Nr. 3 BGB gewährt dem Rückgewährgläubiger (K) einen Anspruch auf Wertersatz für die empfangene und nach 346 I BGB zurückzugebende Sache, wenn diese untergegangen ist oder soweit diese verschlechtert worden ist. Der Wertersatzanspruch besteht unabhängig davon, ob der Rückgewährschuldner (S) den Untergang oder die Verschlechterung zu vertreten hat oder nicht. Untergang ist die vollständige Vernichtung der Sachsubstanz, etwa wenn die empfangene Sache verrottet ist, der Rückgewährschuldner sie vollständig verbraucht hat usw. S kann den Sharan nicht zurückgeben, weil dieser einen Totalschaden erlitten hat, also wirtschaftlich keinen Wert mehr hat. Das ist dem Untergang des Wagens gleichzusetzen (Staudinger/Kaiser [2012] 346 Rn. 146). II. Ausnahmen von der Wertersatzpflicht Die Wertersatzpflicht der S könnte aber ausgeschlossen sein II 1 Nr. 3 Hs. 2 BGB Nach 346 II 1 Nr. 3 Hs. 2 BGB muss der Rückgewährschuldner keinen Wertersatz für die Verschlechterung leisten, die durch die bestimmungsgemäße Ingebrauchnahme entstanden ist (vgl. dazu ausführlich Staudinger/Kaiser [2012] 346 Rn. 180 ff.). Über 346 II 1 Nr. 3 Hs. 2 BGB wird verhindert, dass der6 Prof. Dr. Dagmar Kaiser Examenskurs Bereicherungsrecht (Herbst 2012) 6 Rückgewährschuldner für gebrauchsbedingte Wertminderungen der Sache doppelt zahlt: sowohl eine Nutzungsvergütung für die aus dem Sachgebrauch gezogenen Vorteile nach 346 I, II 1 Nr. 1 BGB als auch Wertersatz für Verschleißschäden durch den bestimmungsgemäßen Gebrauch nach 346 II 1 Nr. 3 BGB. Zwar decken sich der Wertersatz für die Nutzungen nach 346 I, II 1 Nr. 1 BGB und der Wertersatz für die gebrauchsbedingte Abnutzung der Sache nach 346 II 1 Nr. 3 nicht, sondern vergüten Unterschiedliches: Mit der Nutzungsvergütung bezahlt der Rückgewährschuldner die Vorteile, die er aus der zurückzugewährenden Sache gezogen hat, weil das Rücktrittsrecht den Leistungsaustausch rückgängig macht und dem Rückgewährgläubiger zusätzlich zu der Sache auch die Nutzungen aus der Sache zuweist. Hingegen entschädigt der Wertersatz für Verschleißschäden den Rückgewährgläubiger dafür, dass dieser die Sache nicht oder nur minderwertig zurückerhält. Schuldete der Rückgewährschuldner für den bestimmungsgemäßen Gebrauch der Sache sowohl Wertersatz für die Nutzung (als ersparte Abnutzung einer gleichwertigen Sache) als auch für die Wertminderung (als Abnutzung der zurückzugebenden Sache), bezahlte er für denselben Vorgang doppelt, obwohl er die Sache nur zum vertraglich bestimmten Zweck verwendet. a. Die überwiegende Meinung legt das Wort Ingebrauchnahme eng aus und versteht darunter nur die erstmalige Benutzung, etwa die Zulassung des gekauften Kraftfahrzeugs, die dessen Wert um 20% mindern soll (Palandt/Grüneberg 71 [2012] 346 Rn. 9; MünchKomm/Gaier 6 [2012] 346 Rn. 42; NomosKomm/Hager 2 [2012] 346 Rn. 41; weitere Nachweise bei Staudinger/Kaiser [2012] 346 Rn. 181). Die herrschende Meinung überzeugt nicht (Staudinger/Kaiser [2012] 346 Rn. 182 ff. m.w.n.): Um Abnutzungsschäden aus der Wertersatzpflicht nach 346 II 1 Nr. 3 BGB herauszunehmen, muss man vielmehr Ingebrauchnahme weit als Gebrauch auslegen: 346 II 1 Nr. 3 Hs. 2 schließt den Wertersatz für jeden bestimmungsgemäßen Gebrauch der Sache aus. b. Hierauf kommt es aber nicht an, wenn die Ausnahme des 346 II 1 Nr 3 Hs. 2 BGB die Wertersatzpflicht ohnehin nur für Abnutzungsschäden ausschließt, nicht aber dann, wenn die zurückzugebende Sache während des Gebrauchs nicht lediglich abgenutzt, sondern vollständig zerstört wird. Bestimmte Sachen, insbesondere Kraftfahrzeuge, werden durch die bloße Benutzung besonderen Gefahren ausgesetzt, die zu ihrer Zerstörung oder Beschädigung führen (Unfallgefahr). Aus Sicht des Kraftfahrzeugkäufers gibt7 Prof. Dr. Dagmar Kaiser Examenskurs Bereicherungsrecht (Herbst 2012) 7 es keinen Grund, für bestimmte Folgen des bestimmungsgemäßen Gebrauchs (Abnutzung) von der Wertersatzpflicht befreit zu werden, für andere Gebrauchsfolgen (Unfallschäden) aber Wertersatz zahlen zu müssen. Gleichwohl ist diese Unterscheidung nach Wortlaut und Normzweck des 346 II 1 Nr. 3 Hs. 2 BGB geboten (Staudinger/Kaiser [2012] 346 Rn 188; Arnold Jura 2002, 154, 157; MünchKomm/Gaier 6 [2012] 346 Rn 41; BeckOK/Grothe 23 [2011] 346 Rn 44; juris PK/Faust 5 [2010] 346 Rn 52 [unter Aufgabe seiner abw Auffassung in Huber/Faust [2002] 10 Rn 23]; abw noch D Kaiser JZ 2001, 1057, 1061; bei unfallbedingter Verschlechterung, wegen des Wortlauts hingegen nicht beim Untergang: Oechsler 2 [2007] 2 Rn 201; Schwab JuS 2002, 630, 632 f und Schwab/Witt 2 [2003] S 343, 354 ff): Anders als im ersten Halbsatz des 346 II 1 Nr. 3 BGB, der neben der Verschlechterung auch den Untergang der Sache nennt, nimmt der zweite Halbsatz nur die Verschlechterung von der Wertersatzpflicht aus. Das spricht dafür, die Ausnahme von der Wertersatzpflicht auf den gebrauchsbedingten Verschleiß zu beschränken. Entsprechend schließen 538, 602 BGB unter der amtlichen Überschrift Abnutzung der (Miet)Sache die Schadensersatzpflicht des Mieters oder Entleihers für Veränderungen und Verschlechterungen durch den vertragsgemäßen Gebrauch aus. Die Beschränkung des 346 II 1 Nr 3 Hs 2 BGB auf Verschleißschäden entspricht vor allem der grundsätzlichen Wertzuweisung der 346, 347 BGB: Dem Rückgewährgläubiger werden mit 346 I und II, 347 I 1 BGB der Wert der Sache und die Nutzungen aus der Sache zugewiesen. Der Sachwert soll dem Rückgewährgläubiger über 346 II BGB in jedem Fall zustehen sofern nicht die Ausnahmen des 346 III BGB eingreifen. Nur für den Fall, dass das Interesse des Rückgewährgläubigers am Rückerhalt der Sache schon dadurch ausgeglichen wird, dass er die aus der Sache gezogenen Nutzungen erhält, macht 346 II 1 Nr. 3 Hs. 2 BGB eine weitere Ausnahme von der Wertersatzpflicht nach 346 II BGB also nur für gebrauchsbedingte Abnutzungsschäden, nicht aber, wie hier, für den gebrauchsbedingten Untergang der Sache. c. Auch wenn man dem nicht folgt und 346 II 1 Nr. 3 Hs. 2 BGB weit auslegt, greift dieser hier nicht: Der Totalschaden des Sharan ist nicht Folge des bestimmungsgemäßen Gebrauchs durch S, sondern Folge ihrer unachtsamen Fahrweise. 346 II 1 Nr. 3 BGB will den Rückgewährschuldner nur dann von der Wertersatzpflicht befreien, wenn dieser sich auf das beschränkt hat, was er tun durfte, und die8 Prof. Dr. Dagmar Kaiser Examenskurs Bereicherungsrecht (Herbst 2012) 8 Kaufsache dabei untergegangen ist. Hingegen soll der Rückgewährschuldner die Folgen eigenen unachtsamen Verhaltens nicht auf seinen Vertragspartner abwälzen können. S muss K daher grundsätzlich Wertersatz für den Sharan leisten; dieser ist nach 346 II 2 BGB in Höhe der wegen des Minderwerts herabgesetzten Gegenleistung zu berechnen ( ) III 1 Nr. 3 BGB 346 III 1 Nr. 3 BGB privilegiert den gesetzlich zum Rücktritt Berechtigten, indem er die Wertersatzpflicht auch bei einem vom Rückgewährschuldner zu vertretenden Untergang oder einer von ihm zu vertretenden Verschlechterung der Sache ausschließt, solange der Rückgewährschuldner die Sorgfalt angewendet hat, die er in eigenen Angelegenheiten anzuwenden pflegt. Auf den Berechtigten, der von einem vertraglichen Rücktrittsrecht Gebrauch macht, das einem gesetzlichen Rücktrittsrecht nachgebildet ist, ist 346 III 1 Nr. 3 BGB analog anzuwenden (Staudinger/Kaiser [2012] 346 Rn 208; wegen des auf den Rücktrittsberechtigten beschränkten, eindeutigen Wortlauts des 346 III 1 Nr. 3 BGB kann dem Rücktrittsgegner hingegen nicht geholfen werden). a. Anwendbarkeit der Haftungserleichterung Fraglich ist ob die Haftungserleichterung des 346 III Nr. 3 BGB überhaupt anwendbar ist. Hieran könnte deshalb zu zweifeln sein, weil der BGH und ihm folgend Teile der Literatur andere Haftungsprivilegien, wie z.b. 708, 1359 BGB, nicht anwenden, wenn die Haftung auf einem Ereignis im Straßenverkehr beruht: Der Straßenverkehr lasse keinen Raum für einen individuellen Haftungsmaßstab (vgl. BGH , VI ZR 53/65, NJW 1967, 558, 559 zu 708 BGB; , IV ZR 772/68, NJW 1970, 1271, 1272; , IV ZR 212/72, NJW 1974, 2124, 2126 beide zu 1359 BGB). Richtigerweise ist der Sorgfaltsmaßstab im Verhältnis zum Rückgewährgläubiger auch dann nach 277 BGB herabgesetzt, wenn der Käufer das Auto durch einen Fahrfehler im allgemeinen Straßenverkehr zerstört oder beschädigt (OLG Karlsruhe , 7 U 169/06, NJW 2008, 925, 926 [Motorrad]; gar nicht problematisiert von BGH , VIII ZR 16/07, BGHZ 174, 290 [Rn 15 f] in einem Fall, in dem das zurückzugebende Auto durch einen Unfall bei Glatteis beschädigt worden war; Faust JuS 2009, 481, 487 und in jurispk 5 [2010] 346 Rn 75; Jauernig/Stadler 14 [2011] 346 Rn 8; Erman/Röthel 13 [2011] 346 Rn 30; aa Gsell NJW 2008, 912, 913; Palandt/Grüneberg 71 [2012] Rn 13b): Die ohnehin zweifelhafte Rechtsprechung des BGH, nach der die Gefahren des Straßenverkehrs keinen Spielraum für9 Prof. Dr. Dagmar Kaiser Examenskurs Bereicherungsrecht (Herbst 2012) 9 individuelle Sorglosigkeit eröffnen und Haftungsprivilegien nicht berücksichtigt werden können, ist auf Personen- und Eigentumsschäden und den Fall beschränkt, dass sowohl Schädiger als auch Geschädigter am Straßenverkehr teilnehmen (OLG Karlsruhe , 7 U 169/06, NJW 2008, 925, 926 f.; Jauernig/Stadler 14 [2011] 346 Rn. 8). Sie passt im Rückgewährschuldverhältnis nicht, in dem es nicht um die Zuweisung spezifischer Haftungsrisiken des Straßenverkehrs geht, sondern darum zu entscheiden, wer beim Rücktritt das Risiko des Sachverlusts trägt: Käufer oder Verkäufer. Hier hat sich das Gesetz mit 346 III 1 Nr. 3 BGB für eine Privilegierung des Käufers entschieden. Nähme man dem Käufer das Privileg des 346 III 1 Nr. 3 BGB immer schon dann, wenn er das gekaufte Auto im Straßenverkehr beschädigt oder zerstört, begünstigte dies grundsätzlich die Verkäufer von Kraftfahrzeugen, und ließe in einem der Hauptanwendungsfälle des mangelbedingten Rücktrittsrechts das Privileg des 346 III 1 Nr. 3 BGB in aller Regel entfallen (auch jurispk/faust 5 [2010] 346 Rn. 75); das ist vom Gesetzgeber nicht gewollt. 346 III Nr. 3 BGB ist somit anwendbar, wenn die Kaufsache bei einem Verkehrsunfall beschädigt wird bzw. untergeht. b. Voraussetzungen Eigenübliche Sorgfalt beschreibt nach 277 BGB einen rein subjektiven, auf die persönlichen Gepflogenheiten des Schuldners abstellenden Fahrlässigkeitsmaßstab: Dem Schuldner kommt bis zur Grenze der groben Fahrlässigkeit persönlicher Schlendrian zugute (Staudinger/Kaiser [2012] 346 Rn. 211 m.w.n.). S hat den Unfall dadurch verursacht, dass sie während der Fahrt eine CD wechselte und deswegen für einen kurzen Moment unaufmerksam war. Dieses Verhalten entspricht dem grundsätzlich immer nachlässigen Verhalten der S. S hat demnach bei der Unfallfahrt die Sorgfalt eingehalten, die sie in eigenen Angelegenheiten anzuwenden pflegt. Fraglich ist nur, ob das Wechseln der CD während der Fahrt grob fahrlässig war, da nach 277 BGB für grob fahrlässiges Verhalten immer gehaftet wird. Grob fahrlässig handelt der Rücktrittsberechtigte, wenn er gegen das Minimum an Sorgfaltsanforderungen verstößt, das jedermann ohne weiteres in eigenen Angelegenheiten beachten muss (Staudinger/Kaiser [2012] 346 Rn. 214; MünchKomm/Gaier 6 [2012] 346 Rn. 56; auch Erman/Röthel 13 [2011] 346 Rn. 30; abl Linke, Die Rückabwicklung gescheiterter gegenseitiger Verträge [2007] 180 ff; jurispk/faust 5 [2010] 346 Rn. 73), etwa wenn er ein Motorboot ohne Pflege drei Jahre im Freien lagert (vgl OLG10 Prof. Dr. Dagmar Kaiser Examenskurs Bereicherungsrecht (Herbst 2012) 10 Hamm , 19 U 19/92, OLG Rp 1993, 98 f [LS]; MünchKomm/Gaier 6 [2012] 346 Rn. 56). Ganz nahe liegende Überlegungen, die jedem Fahrzeugführer einleuchten müssen, lässt auch der Autokäufer außer Acht, der eine auf die Überhitzung des Kühlwassers hinweisende Warnanzeige nicht beachtet und weiterfährt, weswegen der Motor heiß läuft und den Zylinderkopf beschädigt; er schuldet Wertersatz nach 346 II 1 Nr. 3 Hs. 1 (LG Trier , 4 O 185/03, juris [Rn. 33]; Staudinger/Kaiser [2012] 346 Rn. 214; aa Reinking/Eggert, Der Autokauf 11 [2012] Rn. 1119). Nicht grob fahrlässig ist es hingegen, wenn der Kraftfahrzeugkäufer die vom Hersteller vorgesehenen Inspektionstermine nicht einhält, bei denen ein Riss des Zahnriemens entdeckt worden wäre, der später zu einem schweren Motorschaden führt (OLG Hamm , 28 U 60/05, NZV 2006, 421, 422 f; Reinking/Eggert, Der Autokauf 11 [2012] Rn. 1119; Staudinger/Kaiser [2012] 346 Rn. 214), oder wenn er Hinweise auf eine mögliche Schädigung des Zahnriemens außer Acht lässt, weil er als Laie Motorgeräusche nicht richtig einordnet (OLG Hamm , 2 U 220/06, juris [Rn. 52, 54]; Reinking/Eggert, Der Autokauf 11 [2012] Rn. 1119; Staudinger/Kaiser [2012] 346 Rn. 214). Wird dem Rücktrittsberechtigten das gekaufte Kleinkraftrad gestohlen, schuldet er keinen Wertersatz, wenn er das Kraftrad ordnungsgemäß abgeschlossen hatte (vgl zu 351 BGB af LG Augsburg , 4 S 178/78, NJW 1978, 2034; NomosKomm/Hager 2 [2012] 346 Rn. 61; Staudinger/Kaiser [2012] 346 Rn. 214); das Nichtabschließen wird bei Fahrrädern, Kleinkrafträdern und Autos stets grob fahrlässig sein (NomosKomm/Hager 2 [2012] 346 Rn. 61; Staudinger/Kaiser [2012] 346 Rn. 214). Das bloße Wechseln einer CD während der Fahrt mit dem Auto ist nicht grob fahrlässig (anders wäre es unter Umständen zu bewerten, wenn der Fahrer eine herabgefallene CD aus dem Fußraum des Wagens aufhebt). Kein Anspruch K-S auf Wertersatz allenfalls gem. 346 III 2 BGB auf Rückgabe des Autowracks, soweit dieses noch eine Bereicherung begründet. C. Anspruch K-S auf Wertersatz für die Nutzung des Pkw aus 347 Nr. 2, 326 V, 323, 346 I, II 1 Nr. 1 BGB I. Wirksamer Rücktritt vom Vertrag S ist aufgrund eines Sachmangels wirksam vom Vertrag zurückgetreten (gerade A.I.).11 Prof. Dr. Dagmar Kaiser Examenskurs Bereicherungsrecht (Herbst 2012) 11 II. Nutzungsziehung 1. Nutzungen i.s. der 99, 100 BGB Gem. 100 Var. 2 BGB sind Nutzungen auch die Gebrauchsvorteile einer Sache oder eines Rechts, sofern sie nicht schon unter 99 BGB fallen. Das erfasst auch die Vorteile aus dem Gebrauch eines Kraftfahrzeuges. 2. Tatsächlich gezogen 346 I BGB gewährt einen Anspruch auf Herausgabe von Nutzungen, die der Rückgewährschuldner, hier S, tatsächlich gezogen hat. S hat das Auto seit dem Kauf täglich für Fahrten zum Supermarkt und zu ihrer Mutter sowie zu Wochenendausflügen mit Mann und Kindern genutzt. Hat der Rückgewährschuldner keine Nutzungen gezogen, obwohl er dies nach den Regeln einer ordnungsgemäßen Wirtschaft hätte tun müssen, trifft ihn eine Wertersatzpflicht nach 347 I BGB. III. Rechtsfolge: Nutzungsersatz 1. Bei Gütern des täglichen Gebrauchs berechnet die ganz herrschende Meinung den Nutzungsersatz, indem sie den vereinbarten Bruttokaufpreis zugrunde legt und diesen auf die Nutzungsdauer umrechnet: Die Gebrauchsvorteile werden mit dem Teil des Kaufpreises gleichgesetzt, der der Dauer der tatsächlichen Nutzung im Verhältnis zur vertraglich vorausgesetzten Nutzungszeit entspricht (BGH , VIII ZR 198/90, BGHZ 115, 47, 53 ff. [Etagenbetten]; Staudinger/Kaiser [2012] 346 Rn. 255 m.w.n.). Diese so genannte lineare Teilwertabschreibung oder zeitanteilige lineare Wertminderung lässt sich mathematisch ausdrücken mit der Formel: Gebrauchsvorteil = Bruttokaufpreis Gesamtnutzungsdauer tatsächliche Nutzungsdauer 2. Wie 346 II 2 BGB deutlich macht, bildet der Kaufpreis den Anknüpfungspunkt und die Obergrenze der Nutzungsvergütung: Der Käufer war nicht bereit, mehr als den Kaufpreis für die Kaufsache und die aus ihr zu ziehenden Gebrauchsvorteile zu zahlen, mehr konnte der Verkäufer als Gegenleistung nicht erwarten. Berechnete man die Gebrauchsvorteile dagegen wie im unmittelbaren Anwendungsbereich des 987 BGB anhand des Mietpreises, der für die Nutzung einer entsprechenden Sache durchschnittlich gezahlt wird, würde nicht der zwischen den Parteien abgeschlossene Kauf- oder Werkvertrag, sondern fiktiv ein Miet- oder Pachtvertrag rückabgewickelt und damit unterstellt, der Käufer oder Besteller sei bereit gewesen, für die Nutzung der Sache den wegen des Gewinnanteils und der Vorhaltekosten des Vermieters oft deutlich höheren Miet- oder Pachtzins zu zahlen. Das liefe12 Prof. Dr. Dagmar Kaiser Examenskurs Bereicherungsrecht (Herbst 2012) 12 dem Ziel der Rückabwicklung des Vertrages zuwider, lediglich den Zustand wiederherzustellen, der vor dem Leistungsaustausch bestand. Ist der Käufer, wie hier S, wegen Sachmängeln vom Vertrag zurückgetreten, ist nicht der volle Kaufpreis, sondern nur der wegen des Mangels geminderte Kaufpreis zugrunde zu legen (OLG Köln , 13 U 174/97, NJW-RR 1999, 774, 775 [Einbauküche] und OLG Köln , 20 U 158/91 VersR 1993, 109 f [Kraftfahrzeug]; OLG München , 23 U 4988/86, CR 1989, 288, 289 [EDV-Anlage]; OLG Frankfurt , 14 U 229/07, IBR 2009, 648). Voraussetzung ist aber, dass der Mangel die Gebrauchstauglichkeit der Kaufsache einschränkt (deutlich OLG Köln , 20 U 158/91, VersR 1993, 109 f [Kraftfahrzeug] und , 11 U 71/01, DAR 2002, 453 [Pkw]; OLG Karlsruhe , 14 U 154/01, NJW 2003, 1950, 1951 [Audi Quattro] zu 462 BGB a.f.; abw. OLG Köln , 13 U 174/97, NJW-RR 1999, 774, 775 [Einbauküche], das lediglich den Abschlag vom Kaufpreis geringer bemisst; abl. juris-pk/faust 5 [2010] 346 Rn 96). Hier ist wegen der Tatsache, dass der Sharan ein Unfallwagen ist, zwar grundsätzlich eine Minderung des Kaufpreises um auf berechtigt (so ausdrücklich der Sachverhalt). Die Tatsache, dass es sich bei dem Sharan um einen Unfallwagen handelt, mindert aber nur den Wiederverkaufswert, hingegen mangels anderweitiger Angaben im Sachverhalt nicht die Gebrauchstauglichkeit. Bei Kraftfahrzeugen werden Gesamtnutzungsdauer und tatsächliche Nutzung durch die Laufleistung ausgedrückt. Obwohl mit Kraftfahrzeugen erheblich länger gefahren werden kann, wird die Gesamtnutzungsdauer bei Neuwagen pauschaliert. Dabei wurde bisher und wird auch heute noch vielfach die Gesamtnutzungsdauer mit durchschnittlich km festgelegt, so dass das Verhältnis von konkreter Nutzung (gefahrene Kilometer) zur gewöhnlichen Nutzungsdauer ( km) eine Nutzungsvergütung von 0,67 % des Kaufpreises pro gefahrene Kilometer ergibt (mnw Staudinger/Kaiser [2012] 346 Rn. 261). Immer häufiger legt die Rechtsprechung die Gesamtlaufleistung, insbesondere bei Dieselfahrzeugen und bei Fahrzeugen der Oberklasse, aber auf km fest und kommt so zu einer Nutzungsvergütung von 0,5 % des Kaufpreises pro gefahren Kilometer (mnw Staudinger/Kaiser [2012] 346 Rn. 261). Teilweise wird die Gesamtlaufleistung noch höher mit bis km angesetzt (mnw Staudinger/Kaiser [2012] 346 Rn. 261). Bei Gebrauchtfahrtzeugen ist Bezugsgröße die Restlaufleistung (BGH , VIII ZR 70/94, NJW 1995, 2159, 2161; MünchKomm/Gaier 6 [2012] 346 Rn. 27; Staudinger/Kaiser [2012] 346 Rn. 261 m.w.n.), hier13 Prof. Dr. Dagmar Kaiser Examenskurs Bereicherungsrecht (Herbst 2012) = km. Die zeitanteilige lineare Wertminderung der Sache drückt nicht den tatsächlichen Minderwert der Sache durch den Gebrauch aus (hier: = ), sondern berechnet die Nutzungsvorteile anhand der ersparten Aufwendungen, d.h. der ersparten Abnutzung eines andernfalls erworbenen gleichartigen Leistungsgegenstandes. Der durch die Abnutzung verursachte Minderwert der Sache und der in der fiktiven linearen Abnutzung ausgedrückte Gebrauchsvorteil weichen i.d.r. voneinander ab: Gerade Güter des täglichen Gebrauchs wie Kraftfahrzeuge und Haushaltsgeräte werden zu Beginn stärker abgenutzt, so dass der Wert der Sache durch eine nur kurzzeitige Benutzung überproportional gemindert wird (degressive Abnutzung). Dagegen entspricht die hinter dem tatsächlichen Wertverlust zurückbleibende lineare Teilwertabschreibung dem idealtypisch täglich gleich bleibenden Nutzen, den die Sache aus der Sicht des Rückgewährschuldners hat. Bei gebrauchten Gegenständen wie hier kann es umgekehrt sein (gleich unter 3.). 3. Hier hat K Anspruch auf Nutzungsvergütung i.h. von: Gebrauchsvorteil in = km Gebrauchsvorteil in = km Der tatsächliche Wertverlust durch die weitere Nutzung (hier ) bleibt hinter dem idealtypisch täglich gleichen Nutzwert zurück (hier: ). Anspruch K-S auf Nutzungsvergütung aus 347 Nr. 2, 326 V, 323, 346 I BGB i.h.v D. Anspruch S-K auf Ersatz der Inspektionskosten usw. aus 437 Nr. 2, 326 V, 323, 347 II 1 BGB I. Rückgewähr, Wertersatz oder Ausschluss der Wertersatzpflicht nach 346 III Nr. 1 und 2 BGB Der Anspruch auf Verwendungsersatz aus 347 II 1 BGB setzt voraus, dass der Rückgewährschuldner, hier S, die Kaufsache zurückgibt oder für die Sache Wertersatz nach 346 II BGB leistet oder nur deswegen keinen Wertersatz leistet, weil seine Wertersatzpflicht nach 346 III Nr. 1 oder 2 BGB ausgeschlossen ist. Hier ist die Wertersatzpflicht der S für den Sharan aber nach 346 III 1 Nr. 3 BGB ausgeschlossen: Der wegen eines Sachmangels vom Vertrag zurücktretende Käufer ist schon hinreichend dadurch privilegiert, dass er seinen Kaufpreis zurückerhält, ohne Wertersatz für die untergegangene Kaufsache leisten zu müssen, obwohl er deren Untergang zu14 Prof. Dr. Dagmar Kaiser Examenskurs Bereicherungsrecht (Herbst 2012) 14 vertreten hat. Er soll nicht noch darüber hinaus privilegiert werden, indem er auch Verwendungen auf die Sache ersetzt erhält, obwohl er diese nicht mehr zurückgeben kann (Staudinger/Kaiser [2012] 347 Rn. 40). Zudem greifen die Voraussetzungen des 347 II BGB hier nicht: II. Notwendige Verwendungen 1. Verwendungen Verwendungen sind solche Aufwendungen auf die Sache, die dieser selbst unmittelbar zugute kommen. Untersuchungskosten kommen der Sache dann nicht zugute, wenn der Rückgewährschuldner damit die gekaufte Sache lediglich generell auf ihre Funktionstauglichkeit prüfen will (OLG Hamm , 31 U 24/92, CR 1994, 99; siehe aber OLG Frankfurt , 21 U 331/85, DAR 1988, 242, 243; Ehmann/Sutschet [2002] S. 148). Inspektionskosten erhielte S daher nur ersetzt, soweit im Zuge der Inspektion Verwendungen auf die Sache gemacht worden sind (etwa: Ölwechsel). Anmeldungskosten kommen dem Auto ebenso wenig unmittelbar zugute wie die neuen Kraftfahrzeug- Schilder; noch viel weniger die Telefonkosten. Hingegen ist die Umlackierung eine Verwendung auf die Sache. 2. Notwendig? Notwendig sind substanzerhaltende Verwendungen und solche, ohne die der Leistungsgegenstand nicht genutzt werden könnte; das schließt die Fortsetzung des bisherigen Gebrauchs ein. Schon die Neulackierung eines nur geringfügig verkratzten Kraftfahrzeugs ist wirtschaftlich unvernünftig und damit nicht notwendig i.s. des 347 II 1 BGB. Erst Recht ist eine Umlackierung des Wagens aus lediglich ästhetischen Gründen, wie hier die von S veranlasste Umlackierung von blau in silber-metallic, nicht notwendig. Kein Aufwendungsersatzanspruch S-K aus 437 Nr. 2, 326 V, 323, 347 II 1 BGB (nach teilweise vertretener Ansicht allenfalls Anspruch auf Ersatz der Inspektionskosten). E. Anspruch S K auf Ersatz der Inspektionskosten usw. aus 437 Nr. 2, 326 V, 323, 347 II 2 BGB I. Rückgewähr, Wertersatz oder Ausschluss der Wertersatzpflicht nach 346 III Nr. 1 und 2 BGB keine Voraussetzung Der Anspruch auf Aufwendungsersatz aus 347 II 2 BGB könnte sich auf S. 1 beziehen und wie dieser ebenfalls voraussetzen,15 Prof. Dr. Dagmar Kaiser Examenskurs Bereicherungsrecht (Herbst 2012) 15 dass S als Rückgewährschuldnerin die Kaufsache zurückgibt oder Wertersatz nach 346 II BGB leistet bzw. von der Wertersatzpflicht gem. 346 III 1 Nr. 1 oder 2 ausgenommen ist. Dagegen spricht, dass S. 2 mit dem Erfordernis einer noch vorhandenen Bereicherung eine eigene Begrenzung der Pflicht des Rückgewährgläubigers zum Aufwendungsersatz schafft und nicht auf S 1 verweist. Die Tatbestandsvoraussetzungen des 347 II 1 BGB sind somit nicht Voraussetzung für den Aufwendungsersatzanspruch aus 347 II 2 BGB. II. Aufwendungen Voraussetzung für einen Aufwendungsersatzanspruch aus 347 II 2 BGB ist, dass die S Aufwendungen, also freiwillige Vermögensopfer gemacht hat. Anders als Verwendungen müssen die Aufwendungen der Sache selbst nicht unmittelbar zugute kommen. S sind Kosten für die Inspektion, für die Anmeldung, für die Umlackierung des gekauften Autos sowie für die neuen Kraftfahrzeugschilder und Telefonkosten entstanden. Diese Kosten hat sie freiwillig getätigt; es handelt sich um Aufwendungen i.s. des 347 II 2 BGB. III. Bereicherung beim Rückgewährgläubiger S hat nach 347 II 2 BGB nur dann Anspruch auf Aufwendungsersatz, wenn K als Rückgewährschuldner um diese Aufwendungen bereichert wird: Nach Rückabwicklung des Kaufvertrages müssen sich die Aufwendungen der S als Mehrwert im Vermögen des K niederschlagen. Dass ist zum einen dann der Fall, wenn Verwendungen, die lediglich nützlich, aber nicht notwendig sind, den Wert der Sache bei Rückgabe noch steigern, und zum anderen, wenn die Aufwendungen Nutzungen ermöglichen, die der Rückgewährschuldner nach 346 I BGB herausgeben muss. Dass die von S getätigten Aufwendungen den Wert des Autos bei Rückgabe steigern, kommt von vornherein nicht in Betracht hinsichtlich der Telefon-, der Inspektions-, der Anmeldungs- und der Krafftfahrzeugsschilderkosten. Allenfalls die Umlackierung des Autos könnte dessen Wert steigern: Für den kaum denkbaren Fall, dass ein silbermetallic lackiertes Auto wertvoller ist als ein blau lackiertes, könnte S die Kosten für die Umlackierung ersetzt verlangen, soweit die Umlackierung den Wert des Wagens steigert. Hier kommt ein Wertersatzanspruch aber nicht in Betracht, weil der zurückzugebende Wagen bei dem Unfall vollständig zerstört worden ist, so dass etwaige nützliche Verwendungen den Wert des Autos bei Rückgewähr nicht mehr steigern. In Betracht kommt lediglich, dass K die Aufwendungen der S deswegen ersetzen muss, weil diese Aufwendungen Nutzungen der S ermöglichen, die sie nach 346 I BGB herausgeben muss. S schuldet nach 346 I, II 1 Nr. 1 BGB16 Prof. Dr. Dagmar Kaiser Examenskurs Bereicherungsrecht (Herbst 2012) 16 Wertersatz für die der Nutzungen, die sie aus dem Gebrauch des Wagens, den täglichen Fahrten zum Supermarkt usw. gezogen hat (oben C.). Diese Nutzungen hätte S nicht ziehen können, ohne das Kraftfahrzeug anzumelden und neue Kraftfahrzeugschilder zu besorgen. Auch die Vertragsschlusskosten (Telefonkosten) waren notwendig, um mit dem Auto fahren zu können: Ohne den Vertragsschluss über den Sharan wäre S nicht gerade mit diesem Auto herumgefahren (Staudinger/Kaiser [2012] 347 Rn. 54; auch BeckOK/Grothe 23 [2011] 347 Rn. 6 und MünchKomm/Gaier 6 [2012] 347 Rn. 21, die aber meinen, der Ersatzanspruch scheitere in der Regel an der fehlenden Bereicherung des Rückgewährgläubigers). Hingegen war die vollumfängliche Inspektion des Wagens nicht erforderlich, um mit diesem fahren zu können, ebenso wenig die Umlackierung des Sharan. Die Bereicherung des Gläubigers knüpft nicht an den Wert der Sache, sondern an die herauszugebenden Nutzungen an, so dass ein Anspruch aus 347 II 2 BGB nur dann in Betracht kommt, wenn der Rückgewährschuldner Nutzungen nach 346 I BGB herausgibt oder Wertersatz für Nutzungen nach 346 II 1 BGB leistet. Voraussetzung ist aber, dass der Rückgewährgläubiger tatsächlich um die Nutzungen bereichert ist, die Nutzungen also nicht an die Stelle eines Wertverlustes der zurückzugebenden Sache treten (jurispk/faust 5 [2010] Rn 63 f; Staudinger/Kaiser [2012] 347 Rn. 53). Tritt die Nutzungsvergütung an die Stelle des für die Abnutzung geschuldeten Wertersatzes ( 346 II 1 Nr 3 Hs 2 BGB), erhält der Rückgewährgläubiger nicht zusätzlich zu der Sache eine (ihn bereichernde) Nutzungsvergütung, sondern über die herauszugebenden Nutzungen allenfalls den Sachwert, häufig sogar weniger zurück. Die Nutzungsvergütung gleicht dann nur seinen Wertverlust an der Sache aus. Ersatz seiner Aufwendungen kann der Rückgewährschuldner deshalb nur beanspruchen, soweit die Nutzungsvergütung den Wertverlust der zurückzugewährenden Sache betragsmäßig übersteigt, da der Rückgewährgläubiger nur dann bereichert ist. Die Wertminderung des von S zurückzugewährenden Sharans beläuft sich auf (siehe oben unter C.III.3.), die von S an K zu zahlende Nutzungsvergütung auf (siehe oben unter C.III.4.). K ist somit in Höhe von 500 bereichert, so dass nur bis zu diesem Betrag ein Aufwendungsersatzanspruch in Betracht kommt. S macht nur Aufwendungen in Höhe von 350 geltend. Ersatzanspruch S-K aus 437 Nr. 2, 326 V, 323, 347 II 2 BGB nur für die Telefonkosten sowie für die Kosten der Anmeldung und für die Kraftfahrzeugschilder (also weniger als 350 ). F. Anspruch S-K auf Ersatz der Inspektionskosten usw. aus 437 Nr. 3, 311 a II, 284 BGB Nach 467 S. 2 BGB a.f. hatte der Käufer einen verschuldensun-17 Prof. Dr. Dagmar Kaiser Examenskurs Bereicherungsrecht (Herbst 2012) 17 abhängigen Anspruch auf Ersatz der Vertragskosten, also solcher Aufwendungen, die er im Zuge der Erfüllung (Abschluss und Durchführung) des Vertrages gemacht hatte. Dieser Ersatzanspruch ist durch den verschuldensabhängigen Aufwendungsersatzanspruch jedes Vertragspartners (nicht nur des Käufers) aus 284 BGB ersetzt worden. I. Anwendbarkeit neben dem Rücktrittsrecht 437 Nr. 2 und 3 BGB gewähren das Recht zum Rücktritt und den Anspruch auf Schadensersatz wegen Sachmängeln nebeneinander ( und ); das entspricht 325 BGB für Rücktritt und Schadensersatz wegen Unmöglichkeit oder Verzögerung der Leistung. Der Aufwendungsersatzanspruch aus 284 BGB tritt alternativ an die Stelle des Schadensersatzanspruches statt der Leistung (hier aus 311a II BGB). II. Kaufvertrag S und K hatten einen Kaufvertrag abgeschlossen. III. Anfängliche Unmöglichkeit der Leistung i.s. des 311a II 1 BGB Der Schadensersatzanspruch aus 311a II BGB besteht nur dann, wenn die Leistung einer mangelfreien Sache dem K schon bei Vertragsschluss unmöglich war. Das war der Fall, weil der verkaufte Sharan bei Vertragsschluss mit einem unbehebbaren Mangel i.s. des 434 I 1 BGB behaftet, nämlich entgegen der Vereinbarung der Vertragspartner ein Unfallwagen war. K war daher von Anfang an außerstande, seine vertragliche Leistungspflicht aus 433 I 2 BGB zu erfüllen; eine mangelfreie Leistung war schon bei Vertragsschluss unmöglich (oben A.I.1.). IV. Kenntnis oder fahrlässige Unkenntnis vom Leistungshindernis, 311 a II 2 BGB Voraussetzung für den Schadensersatzanspruch aus 311a II BGB ist nicht, dass der Verkäufer den Mangel i.s. des 276 BGB zu vertreten hat, sondern nach 311 a II 2 BGB lediglich, dass er als Schuldner das Leistungshindernis bei Vertragsschluss kannte oder fahrlässig nicht kannte (vom Schuldner nicht zur vertretender Irrtum über seine Leistungsfähigkeit). Hier hat K positiv gewusst, dass es sich bei dem Wagen um einen Unfallwagen handelte: über den ersten Unfall war er vom Voreigentümer des Sharan aufgeklärt worden, den Schaden aus dem zweiten Unfall hat er selbst behoben. Er kann sich damit nicht auf 311a II 2 BGB berufen, sondern ist nach 311a II 1 BGB ersatzpflichtig. V. Rechtsfolge: Wahlrecht zwischen Schadensersatz statt der Leistung und Ersatz vergeblicher Aufwendungen aus 284 BGB 1. Wahlrecht des Gläubigers S hat die Wahl, ob sie von K das positive Interesse oder stattdessen Ersatz ihrer vergeblichen Aufwendungen ver-18 Prof. Dr. Dagmar Kaiser Examenskurs Bereicherungsrecht (Herbst 2012) 18 langt. S macht gegenüber K den Ersatz der Aufwendungen geltend, die ihr durch den Kauf des Sharan (Telefonkosten, Kosten für die Anmeldung und für die Inspektion des Wagens sowie für neue Kraftfahrzeugkennzeichen) und durch das Umlackieren des Wagens entstanden sind. Damit hat sie sich für den Aufwendungsersatzanspruch aus 284 BGB entschieden. 2. Aufwendungsersatz a. Möglicherweise wird über 284 BGB aber unzulässig der engere 347 BGB umgangen. (vgl. BT-Drucks. 14/6040 S. 197: abschließende Regelung ; Huber/Faust [2002], 4. Kapitel Rn. 18 f). Richtigerweise wird 284 BGB nicht durch 347 II BGB verdrängt (MünchKomm/Gaier 6 [2012] 347 Rn. 15; Staudinger/Kaiser [2012] 347 Rn. 61; krit auch MünchKomm/Ernst 6 [2012] 284 Rn. 16a). 437 Nr. 2 und 3, 325 BGB lassen Rücktritt und Schadensersatz ausdrücklich nebeneinander zu. Zudem widerspricht es nicht den Wertungen des Rücktrittsrechts, dem Käufer i.r. des Schadensersatzanspruchs auch Einbußen zu ersetzen, die nach 346, 347 BGB nicht ersatzfähig sind: Die 346 ff BGB werden durch das Schadensersatzrecht überlagert, wenn der Verkäufer für die Leistungsstörung i.s. der 276, 311 a II 2 BGB verantwortlich ist (BGH , VIII ZR 275/04, NJW 2005, 2848, 2849 f.; Staudinger/Kaiser [2012] 347 Rn. 61; Palandt/Grüneberg 71 [2012] 347 Rn. 3 a. E. zu 347 II BGB). b. Nach 284 BGB kann der Gläubiger Ersatz solcher Aufwendungen, also der freiwilligen Vermögensopfer verlangen, die er im Vertrauen auf den Erhalt der Leistung gemacht hat und billigerweise machen durfte. Alle der S entstandenen Kosten gründen auf freiwilligen Vermögensopfern der S. c. S müsste die Aufwendungen im Vertrauen auf den Erhalt der Leistung getätigt haben. Darunter fallen zunächst die sog. Vertragskosten, d.h. die Kosten des Vertragsschlusses sowie die Vertragsdurchführungskosten (BGH , VIII ZR 275/04, BGHZ 163, 381 obiter dictum; Dehner NJW 2002, 3747 insb. für Maklerkosten; Kaiser in: Staudinger/Eckpfeiler [2012/ 2013] I. Rn. 219; MünchKomm/Gaier 6 [2012] 347 Rn. 21; Palandt/Grüneberg 71 [2012] 284 Rn. 5; BeckOK/Grothe 23 [2011] 347 Rn. 6). Die Kosten für die Anmeldung und Inspektion des Wagens sowie für neue Kraftfahrzeugkennzeichen hat S somit im Vertrauen auf den Erhalt der Leistung i.s. des 284 BGB getätigt. Das gilt gleichermaßen für die Kosten der Umlackierung des Wagens.19 Prof. Dr. Dagmar Kaiser Examenskurs Bereicherungsrecht (Herbst 2012) 19 Fraglich ist jedoch, ob auch die Vertragsanbahnungskosten (hier: Telefonkosten) nach 284 BGB ersatzfähig sind. Für die Einbeziehung der Vertragsanbahnungskosten spricht der Sinn und Zweck, alle im Vertrauen auf den Bestand des Vertrages gemachten Aufwendungen zu ersetzen (s. BT-Drs. 14/6040 S. 144). Dagegen spricht der Wortlaut, nach dem die Aufwendungen im Vertrauen auf den Erhalt der Leistung gemacht werden müssen, also nach Vertragsschluss. Im Zeitpunkt der Vertragsverhandlungen darf der Gläubiger noch nicht auf den Erhalt der Leistung vertrauen (Kaiser in: Staudinger/Eckpfeiler [2012/2013] I. Rn. 219; MünchKomm/Ernst 6 [2012] 284 Rn 18; BeckOK/Unberath 23 [2011] 284 Rn 15; Palandt/Grüneberg 71 [2012] 284 Rn 5 f.) Die Telefonkosten kann S somit nicht nach 284 BGB ersetzt verlangen. d. Die Aufwendungen sind nur dann nach 284 BGB zu ersetzen, wenn S diese auch billigerweise machen durfte. Dies ist zu verneinen, wenn der Gläubiger die Aufwendungen getätigt hat, obwohl er bereits mit dem Nichterhalt der Leistung rechnen musste oder wenn die Aufwendungen in einem offensichtlichen Missverhältnis zum Wert der geleisteten Sache stünden (Palandt/Grüneberg 71 [2012] 284 Rn. 6). Hinsichtlich der Telefonkosten, der Kosten für die Anmeldung, Inspektion sowie für die neuen Kennzeichen durfte S diese Aufwendungen in jedem Fall billigerweise machen, da sie im Zeitpunkt der Aufwendungen noch keine Kenntnis vom Mangel hatte und deswegen nicht wusste, dass sie den Wagen u.u. an K zurückgeben wird. Lediglich bei den Kosten für die Umlackierung ist angesichts deren Höhe fraglich, ob S diese billigerweise machen durfte: Hier stehen Aufwendungen in Höhe von für das Umlackieren des Wagens einem Kaufpreis von entgegen, so dass kein offensichtliches Missverhältnis besteht (aa vertretbar). e. Nach 284 letzter Hs BGB ist ein Anspruch auf Ersatz vergeblicher Aufwendungen ausgeschlossen, wenn der Zweck der Aufwendungen auch ohne die Pflichtverletzung des Schuldners nicht erreicht worden wäre, etwa wenn sich die Aufwendungen ohnehin nicht rentiert hätten, weil der Gläubiger ein schlechtes Geschäft gemacht hat, oder weil die Kosten der für eine Geburtstagsfeier engagierten Tanzkapelle, die sich wegen Abbrennens der für das Fest vorgesehenen Gaststätte nicht rentieren, ohnehin vergeblich aufgewandt worden sind, da das Fest wegen Krankheit des Geburtstagskindes ohnehin abgesagt worden wäre (kein Kostenersatzanspruch gegen den Gastwirt).20 Prof. Dr. Dagmar Kaiser Examenskurs Bereicherungsrecht (Herbst 2012) 20 Zweck der Aufwendungen des S war es hier, ein schönes und funktionstüchtiges Auto zu erhalten. Dieses Ziel wäre erreicht worden, wenn K der S einen mangelfreien Wagen geliefert hätte. Dass der Wagen später bei einem Unfall zerstört worden ist, so dass die Aufwendungen keinen praktischen Nutzen mehr haben, spielt hingegen keine Rolle: 284 BGB will das Äquivalenzinteresse des Gläubigers schützen, also sein Interesse daran, eine vertragsgemäße Leistung zu erhalten. Dieses ist immer dann verletzt, wenn sich die Aufwendungen des Gläubigers deswegen nicht rentieren, weil der Schuldner nicht oder nicht vertragsgemäß geleistet hat. Ob die Kaufsache später beim Gläubiger untergeht, hat auf die durch den Vertrag bedingte Vergeblichkeit der Aufwendungen hingegen keinen Einfluss. Anspruch S-K auf Ersatz nur der Kosten für die Anmeldung und die Inspektion des Wagens sowie für die neuen Kennzeichen, nicht aber die Telefonkosten aus 437 Nr. 3, 311 a II, 284 BGB. G. Alternativ: Anspruch S-K auf Rückzahlung des Kaufpreises und Aufwendungsersatz als Schadensersatz statt der Leistung gem. 437 I Nr. 3, 311a II BGB Einen Vorteil begründete der Schadensersatzanspruch für S (dessen Voraussetzungen bestehen, gerade F.I.-IV.) gegenüber dem Anspruch auf Rückzahlung des Kaufpreises aus 346 I BGB dann, wenn sie im Wege des Schadensersatzes statt der Leistung Anspruch auf Rückzahlung des gesamten Kaufpreises in Geld hätte und den in Zahlung gegebenen VW Polo nicht gegenständlich zurücknehmen müsste. Einen solchen Schadensersatzanspruch hat der BGH (zum BGB a.f.) bejaht und folgendermaßen begründet: Der Rücktritt ziele darauf ab, die Vertragspartner so zu stellen, als wäre der Vertrag nicht geschlossen worden. Im Gegensatz dazu bezwecke der Schadensersatz statt der Leistung den Käufer so zu stellen, wie er stünde, wenn er eine ordnungsgemäße Leistung erhalten hätte. Da der Käufer bei ordnungsgemäßer Erfüllung von seinem Altwagen befreit worden wäre, könne er den ihm zu ersetzenden Schaden anhand des Anrechnungspreises berechnen: die Vorteile aus dem Vertrag müssten ihm erhalten bleiben (BGH , VIII ZR 53/94, BGHZ 128, 111, 115 f. [Chrysler]). Das bedeutet im Ergebnis: Auch bei Inzahlunggabe gebrauchter Sachen kann der Käufer den gesamten Kaufpreis als Schadensersatz, hier verlangen. Daneben kann S über 437 Nr. 3, 311a II BGB aber nicht Ersatz der von ihr getätigten Aufwendungen verlangen. Dies käme nur über die Rentabilitätsvermutung in Betracht: Danach erhält der Gläubiger über den Schadensersatz statt der Leistung solche Aufwendungen ersetzte, denen bei ordnungsgemäßer Vertragserfüllung eine entsprechende Vermögensmehrung gegenübergestanden hätte, die er also mit Hilfe der geschuldeten Leistung wieder erwirtschaftet hätte. Die Rentabilitätsvermutung greift aber nur bei Aufwendungen, die zu Mehr anzeigen
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