Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Gericht=BGH&Datum=05.06.1962&Aktenzeichen=VI%20ZR%20236%2F61
Timestamp: 2019-07-16 23:57:15
Document Index: 178741680

Matched Legal Cases: ['BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 1004', 'BGH', 'BGH', '§ 823', '§ 186', 'BGH', '§ 88', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 1004', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 193', 'Art. 5', 'BGH', '§ 824', '§ 823', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 1004', 'BGH', '§ 823', '§ 249', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH']

BGH, 05.06.1962 - VI ZR 236/61 - dejure.org
https://dejure.org/1962,96
BGH, 05.06.1962 - VI ZR 236/61 (https://dejure.org/1962,96)
BGH, Entscheidung vom 05.06.1962 - VI ZR 236/61 (https://dejure.org/1962,96)
BGH, Entscheidung vom 05. Juni 1962 - VI ZR 236/61 (https://dejure.org/1962,96)
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Auslandsschuldirektor
§ 1004 BGB, kein Widerruf einer Tatsachenbehauptung bei Unerweislichkeit der Unrichtigkeit;
Ehrkränkende Behauptung - Verurteilung zum Widerruf
Auslandsschule / Eheversprechen
BGHZ 37, 187
NJW 1962, 1438
NJW 1962, 1813 (Ls.)
MDR 1962, 729
GRUR 1962, 652
VersR 1962, 789
BB 1962, 776
DB 1962, 1337
Der Anspruch auf Richtigstellung setzt grundsätzlich voraus, dass die Unwahrheit der Behauptung feststeht, weil niemand durch Richterspruch verpflichtet werden darf, etwas als unrichtig zu bezeichnen, was möglicherweise wahr ist (vgl. Senat, BGHZ 37, 187, 189 f.; 69, 181, 182 f.; Urteil vom 17. Februar 1987 - VI ZR 77/86 - GRUR 1987, 397, 399;… Löffler/Steffen, aaO, Rn. 285;… Wenzel/Gamer, aaO, Kap. 13 Rn. 17 ff.).
Dies gilt auch bei einem Berichtigungsanspruch, bei dem eine Beweislastumkehr gemäß der über § 823 Abs. 2 BGB in das Zivilrecht transformierten Beweisregel des § 186 StGB nicht erfolgt (vgl. Senat, BGHZ 37, 187, 189 f.; 69, 181, 183;… Löffler/Steffen, aaO;… Soehring, Presserecht, 3. Aufl., Rn. 31.22 ff.;… Wenzel/Gamer, aaO, Kap. 13 Rn. 18;… a.A. Teile der Literatur, vgl. Larenz/Canaris, Lehrbuch des Schuldrechts, Band II/2, 13. Aufl., § 88 II 2 a, Seite 712 und die Übersicht bei Wenzel/Gamer, aaO, Kap. 13 Rn. 19 m.w.N.).
Der Anspruch läßt sich nach den normativen Grundlagen ausreichend bestimmen und ist nach Voraussetzung und Umfang durch die Rechtsprechung hinreichend geklärt (vgl. etwa BGHZ 31, 308 ; 37, 187 ; 128, 1 ).
Dann fehlt es, wie das Berufungsgericht in Übereinstimmung mit den Rechtsprechungsgrundsätzen des erkennenden Senats richtig erkannt hat, an der Grundlage für einen uneingeschränkten Widerruf: Dieser setzt die Feststellung der Unwahrheit der inkriminierten Behauptungen voraus (BGHZ 37, 187).
Denn nur dann kann dem beklagten Angreifer die Erklärung zugemutet werden, er könne seine Behauptung nicht aufrecht erhalten (vgl. BGHZ 37, 187, 190; 65, 325, 337; Senatsurteile vom 11. Januar 1966 - VI ZR 221/63 = NJW 1966, 647, 649; vom 3. März 1970 - VI ZR 115/68 = MDR 1970, 579 und vom 4. Juni 1974 - VI ZR 68/70 = VersR 1974, 1080, 1081).
Dagegen haben sich zwar im Schrifttum kritische Stimmen erhoben (vgl. Rehbinder JZ 1963, 314, 317; Schlosser JZ 1963, 309, 310; Helle NJW 1962, 1813, 1814; ders. NJW 1964, 841, 844; Erdsiek NJW 1963, 1965 ff; Johannes JZ 1964, 317 ff; Sack er MDR 1970, 893 ff; Neumann-Duesberg in: Schulze Rechtsprechung zum Urheberrecht BGHZ Nr. 171 S. 15, 18).
Für solche (weitere) Modifizierung des Widerrufs ist schon deshalb kaum Raum, weil jede Hinzufügung einer "salvatorischen Klausel" (…so Neumann-Duesberg a.a.O.) die Gefahr, daß der hier besonders empfindliche Aussagegehalt der Erklärung umschlägt in einen neuen Angriff auf das Ansehen des Beleidigten, nur schwer zu vermeiden sein wird, wie dies schon Reinicke a.a.O. erkannt hat (vgl. auch Hauß in seiner Anmerkung zu BGHZ 37, 187 in LM BGB § 1004 Nr. 62).
Daß eine solche Zwangslage der Beklagten nur dann, wie das Berufungsgericht meint, zu berücksichtigen wäre, wenn sie ihre Behauptungen in Wahrnehmung berechtigter Interessen aufgestellt hätte, kann nicht zugegeben werden; das hat der erkennende Senat ebenfalls schon wiederholt ausgesprochen (BGHZ 37, 187, 190;… Urteil vom 11. Januar 1966 - VI ZR 221/63 = a.a.O.).
Ist auf dieser Grundlage ein berechtigtes Interesse an der Äußerung zu bejahen, so trifft den Kläger die Beweislast für die Unwahrheit der Behauptung (Fortführung von BGHZ 37, 187).
Fehlt es, wie bislang hier, an einer verfahrensfehlerfreien Feststellung der Unwahrheit der aufgestellten Behauptung, so ist zugunsten des Mitteilenden davon auszugehen, daß die Behauptung wahr ist; von dieser Unterstellung aus ist dann zu fragen, ob der Mitteilende die Äußerung zur Wahrnehmung berechtigter Interessen für erforderlich halten durfte (RGSt 59, 415; RG DR 1939, 2009 f; BGHZ 37, 187, 191;… Wenzel a.a.O. Rn. 5.99).
Eine Rechtfertigung nach § 193 StGB (Wahrnehmung berechtigter Interessen) oder Art. 5 Abs. 1 GG (Meinungs- und Pressefreiheit) kommt für ehrverletzende und als unwahr erwiesene oder gar bewußt unwahre Tatsachenbehauptungen grundsätzlich nicht in Betracht (…s. BVerfGE 61, S. 1, 8;… Bd. 90, S. 241, 247 f.;… BVerfG NJW 1992, S. 1439, 1440;… NJW 1999, S. 1322, 1324;… NJW 2000, S. 199, 200;… NJW 2000, S. 3485 f.; BGHZ 37, S. 187, 191;… Bd. 84, S. 237, 238;… Bd. 139, S. 95, 101;… Palandt/Thomas, aaO., § 824 Rdn. 2 und § 823 Rdn. 189 a m.w.Nw.).
Denn die Verurteilung des Verletzers auf Widerruf hat den von dem Betroffenen zu führenden Nachweis der Unwahrheit der beanstandeten Tatsachenbehauptung zur Voraussetzung (vgl. BGHZ 37, 187 ).
Wie der Bundesgerichtshof im Zusammenhang mit der begehrten Verurteilung zum Widerruf einer möglicherweise wahren Tatsachenbehauptung bereits im Jahre 1962 erkannt hat, kann es das Recht nicht zulassen, dass jemand verpflichtet wird, etwas als unrichtig zu bezeichnen, was wahr ist (BGH, Urt. v. 05.06.1962 - VI ZR 236/61 -, BGHZ 37, 187; juris TZ 8).
Ein solches Begehren auf Widerruf einer objektiv ehrkränkenden Behauptung in entsprechender Anwendung des § 1004 BGB (vgl. BGHZ 128, 1, 6) bzw. unter dem Gesichtspunkt des Schadensersatzes gemäß § 823 BGB i.V.m. § 249 BGB (vgl. BGHZ 37, 187, 189) setzt voraus, daß die Unrichtigkeit der Behauptung feststeht.
Läßt sich nicht klären, ob eine Behauptung richtig ist oder nicht, so kann vom Beklagten nicht verlangt werden, daß er bzw. seine Mitarbeiter diese Behauptung widerrufen (vgl. BGHZ 37, 187, 189).
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