Source: http://m.hensche.de/Urteile_Witwenrente_trotz_spaeter_Ehe_Spaetehenklauseln_Spaetehe_Hinterbliebenenversorgung_BAG_3AZR13713.html
Timestamp: 2018-05-25 13:01:12
Document Index: 237335514

Matched Legal Cases: ['§ 1', '§ 4', '§ 10', '§ 1', '§ 9', '§ 12', '§ 7', '§ 10', '§ 10', '§ 7', '§ 258', '§ 258', '§ 259', '§ 264', '§ 264', '§ 7', '§ 1', '§ 7', '§ 10', '§ 133', '§ 780', '§ 781', '§ 780', '§ 781', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 780', '§ 781', '§ 4', '§ 9', '§ 1', '§ 7', '§ 10', '§ 7', '§ 2', '§ 6', 'Art. 4', '§ 7', '§ 1', '§ 3', '§ 1', '§ 3', '§ 1', '§ 7', '§ 7', '§ 1', '§ 7', '§ 6', '§ 10', '§ 10', '§ 10', '§ 10', '§ 10', '§ 10', '§ 10', '§ 10', '§ 10', 'Art. 6', '§ 10', '§ 10', '§ 10', '§ 10', '§ 10', 'Art. 6', '§ 10', 'Art. 6', 'Art. 6', '§ 10', 'Art. 6', 'Art. 6', '§ 10', '§ 10', '§ 10', '§ 10', '§ 10', '§ 10', '§ 10', 'Art. 6', 'Art. 6', 'Art. 6', 'EuG', 'Art. 6', 'Art. 6', 'Art. 6', 'EuG', 'Art. 6', 'Art. 6', 'Art. 6', 'EuG', '§ 10', '§ 10', '§ 10', '§ 10', '§ 10', '§ 10', 'Art. 6', 'EuG', 'Art. 6', 'EuG', 'Art. 6', '§ 10', '§ 10', '§ 249', '§ 10', 'EuG', '§ 10', '§ 1', '§ 3', '§ 10', '§ 10', '§ 10', '§ 10', '§ 10', 'EuG', 'EuG', '§ 1', '§ 10', '§ 46', '§ 19', '§ 46', '§ 19', '§ 19', '§ 51', '§ 51', '§ 7', '§ 7', '§ 7', 'Art. 3', '§ 2', '§ 11', 'Art. 267', '§ 10', '§ 286', '§ 288', '§ 91']

Schlag­worte: Witwenrente, Betriebliche Altersversorgung, Betriebsrente, Hinterbliebenenversorgung, Diskriminierung: Alter, Spätehenklausel
Akten­zeichen: 3 AZR 137/13
Ent­scheid­ungs­datum: 04.08.2015
Leit­sätze: Ei­ne Späte­hen­klau­sel, die ei­nem Ar­beit­neh­mer Hin­ter­blie­be­nen­ver­sor­gung für sei­nen Ehe­gat­ten nur für den Fall zu­sagt, dass die Ehe vor Voll­endung des 60. Le­bens­jah­res des Ar­beit­neh­mers ge­schlos­sen ist, be­nach­tei­ligt den Ar­beit­neh­mer un­zulässig we­gen des Al­ters.
Vor­ins­tan­zen: Arbeitsgericht München, Endurteil vom 4.6.2012 - 3 Ca 9945/11
4. Au­gust 2015
hat der Drit­te Se­nat des Bun­des­ar­beits­ge­richts auf­grund der münd­li­chen Ver­hand­lung vom 4. Au­gust 2015 durch den Vor­sit­zen­den Rich­ter am Bun­des­ar­beits­ge­richt Dr. Zwan­zi­ger, die Rich­te­rin­nen am Bun­des­ar­beits­ge­richt Prof. Dr. Schlewing und Dr. Ah­rendt so­wie die eh­ren­amt­li­chen Rich­te­rin­nen Dr. Möller und Trunsch für Recht er­kannt:
Auf die Re­vi­si­on der Kläge­rin wird das Ur­teil des Lan­des­ar­beits­ge­richts München vom 15. Ja­nu­ar 2013 - 7 Sa 573/12 - auf­ge­ho­ben.
Auf die Be­ru­fung der Kläge­rin wird das En­dur­teil des Ar­beits­ge­richts München vom 4. Ju­ni 2012 - 3 Ca 9945/11 - ab­geändert:
Die Be­klag­te wird ver­ur­teilt, an die Kläge­rin rückständi­ge Wit­wen­ren­te für die Mo­na­te März 2011 bis Mai 2013 iHv. ins­ge­samt 19.534,23 Eu­ro brut­to nebst Zin­sen iHv. fünf Pro­zent­punk­ten über dem je­wei­li­gen Ba­sis­zins­satz aus je­weils 723,49 Eu­ro seit dem je­wei­li­gen Ers­ten des je­wei­li­gen Fol­ge­mo­nats be­gin­nend mit dem 1. April 2011 und en­dend mit dem 1. Ju­ni 2013 zu zah­len.
Die Be­klag­te wird ver­ur­teilt, an die Kläge­rin ab dem 1. Ju­ni 2013 le­bens­lang zum En­de ei­nes je­den Mo­nats ei­ne mo­nat­li­che Wit­wen­ren­te iHv. 723,49 Eu­ro brut­to zu zah­len.
Die Par­tei­en strei­ten darüber, ob die Be­klag­te ver­pflich­tet ist, an die Kläge­rin ei­ne Hin­ter­blie­be­nen­ver­sor­gung zu zah­len.
Die am 10. Ok­to­ber 1956 ge­bo­re­ne Kläge­rin ist die Wit­we des am 29. April 1947 ge­bo­re­nen und am 14. De­zem­ber 2010 ver­stor­be­nen G. Die Ehe war am 8. Au­gust 2008 ge­schlos­sen wor­den.
Der ver­stor­be­ne Ehe­mann der Kläge­rin war bei der Be­klag­ten beschäftigt. Das Ar­beits­verhält­nis be­stand seit dem 1. De­zem­ber 1989. Der Ar­beits­ver­trag vom 22. Au­gust 1989 war noch mit der S GmbH ge­schlos­sen wor­den. In die­sem Ar­beits­ver­trag heißt es ua.:
„3. Ge­halts­fort­zah­lung
b) Soll­ten Sie, so­lan­ge Sie sich in un­se­ren Diens­ten be­fin­den, ster­ben, wer­den an Ih­ren Sie über­le­ben­den Ehe­part­ner oder, falls bei­de Ehe­part­ner ver­stor­ben sind, an Ih­re Sie über­le­ben­den, noch nicht volljähri­gen Kin­der die Bezüge gemäß 2.a) für den Ster­be­mo­nat und für wei­te­re 2 Mo­na­te aus­ge­zahlt.
4. Ne­ben­leis­tun­gen
a) Bei der S GmbH exis­tiert ein Pen­si­ons­plan, der zur Zeit übe­r­ar­bei­tet wird. Wir si­chern Ih­nen zu, daß Sie durch den neu­en Plan nicht schlech­ter ge­stellt wer­den als die Mit­ar­bei­ter un­se­rer Mut­ter­ge­sell­schaft, der L AG.“
Ein neu­er Pen­si­ons­plan kam bei der S GmbH für vor dem 1. Ja­nu­ar 2002 ein­ge­tre­te­ne Mit­ar­bei­ter nicht zu­stan­de.
Die Ver­sor­gungs­ord­nung der S GmbH vom No­vem­ber 1982 (im Fol­gen­den VO S) enthält ua. die fol­gen­den Re­ge­lun­gen:
„I. Ver­sor­gungs­zu­sa­ge
1. Ar­beit­neh­mer der Fir­ma er­hal­ten ei­ne Zu­sa­ge auf Leis­tun­gen der be­trieb­li­chen Al­ters­ver­sor­gung (Ver­sor­gungs­zu­sa­ge) vor­aus­ge­setzt, daß sie
- in ei­nem un­gekündig­ten Ar­beits­verhält­nis zur Fir­ma ste­hen und
- das 25. Le­bens­jahr voll­endet ha­ben.
3. Kei­ne Ver­sor­gungs­zu­sa­ge er­hal­ten Ar­beit­neh­mer,
- die bei ih­rem letz­ten Dienstein­tritt in die Fir­ma das 60. Le­bens­jahr be­reits voll­endet ha­ben,
4. Ar­beit­neh­mer, die ei­ne Ver­sor­gungs­zu­sa­ge er­hal­ten, er­wer­ben da­mit ei­ne An­wart­schaft auf Leis­tun­gen der be­trieb­li­chen Al­ters­ver­sor­gung.
Sie wer­den nach­fol­gend ‚Mit­ar­bei­ter (Anwärter)‘ ge­nannt.
II. Leis­tun­gen
1. Die­se Ver­sor­gungs­zu­sa­ge um­faßt fol­gen­de Leis­tun­gen (nach­fol­gend ‚Fir­men­ren­ten‘ ge­nannt):
2. Ein An­spruch auf Fir­men­ren­te wird er­wor­ben, wenn die War­te­zeit (III) ab­ge­lau­fen ist und die für die je­wei­li­ge Leis­tung er­for­der­li­chen An­spruchs­vor­aus­set­zun­gen (V, VI, VII) erfüllt sind.
III. War­te­zeit
Die War­te­zeit ist ab­ge­lau­fen, wenn der Anwärter ei­ne an­re­chen­ba­re Dienst­zeit (XI 1) von min­des­tens fünf Jah­ren zurück­ge­legt und das 30. Le­bens­jahr voll­endet hat.
IV. Fes­te Al­ters­gren­ze
Die fes­te Al­ters­gren­ze ist bei Männern und Frau­en mit der Voll­endung des 65. Le­bens­jah­res er­reicht. ...
V. An­spruchs­vor­aus­set­zun­gen für Al­ters­ren­te
1. Den An­spruch auf Al­ters­ren­te er­wirbt der Mit­ar­bei­ter (Anwärter), des­sen Ar­beits­verhält­nis zur Fir­ma m i t oder n a c h Er­rei­chen der fes­ten Al­ters­gren­ze (IV) en­det.
VII. An­spruchs­vor­aus­set­zun­gen für Wit­wen­ren­te
1. Den An­spruch auf Wit­wen­ren­te er­wirbt die hin­ter­las­se­ne Ehe­frau ei­nes Mit­ar­bei­ters (Anwärters) mit des­sen To­de.
Zusätz­li­che An­spruchs­vor­aus­set­zun­gen sind, daß der Mit­ar­bei­ter (Anwärter) die Ehe vor der Voll­endung sei­nes 60. Le­bens­jah­res ge­schlos­sen hat und daß be­reits am 1. Mai vor sei­nem To­de so­wohl die War­te­zeit (III) ab­ge­lau­fen ist, als auch die Ehe min­des­tens ein Jahr be­stan­den hat.
X. Höhe der Wit­wen­ren­te
1. Be­mes­sungs­grund­la­ge für die Wit­wen­ren­te ist
- nach dem To­de ei­nes Mit­ar­bei­ters (Anwärters) die ‚er­reich­ba­re Al­ters­ren­te‘ (IX 1) und
- nach dem To­de ei­nes Ren­ten­empfängers die Fir­men­ren­te, auf die er bei sei­nem To­de An­spruch ge­habt hat.
2. Die Wit­wen­ren­te beträgt 60 % der Be­mes­sungs­grund­la­ge nach Zif­fer 1.
Ist die hin­ter­las­se­ne Ehe­frau mehr als 15 Jah­re jünger als der ver­stor­be­ne Ehe­mann, so wird die Wit­wen­ren­te für je­des wei­te­re vol­le Jahr des Al­ters­un­ter­schie­des um 5 % ih­res Be­tra­ges gekürzt.
XVI. Zah­lung der Fir­men­ren­ten
1. a) Die Fir­men­ren­te wird je­weils am En­de ei­nes Mo­nats fällig, und zwar erst­mals für den Mo­nat, der auf den Er­werb des An­spruchs (V, VI, VII) folgt.
2. a) Der An­spruch auf Fir­men­ren­te ruht bis zum Ab­lauf des Mo­nats, für den noch an­de­re Bezüge aus ei­nem Ar­beits­verhält­nis zur Fir­ma gewährt wer­den, bis zur Höhe die­ser Bezüge.
3. a) Je­de Fir­men­ren­te wird le­bensläng­lich ge­zahlt, je­doch en­det
- der An­spruch auf In­va­li­den­ren­te mit dem Weg­fall der In­va­li­dität vor Er­rei­chen der fes­ten Al­ters­gren­ze (IV)
- der An­spruch auf Wit­wen­ren­te mit der Wie­der­ver­hei­ra­tung der Wit­we.“
Im „Nach­trag zur Ver­sor­gungs­ord­nung vom No­vem­ber 1982“ der S GmbH vom 15. Sep­tem­ber 1986 wur­de der An­spruch auf Wit­wen­ren­te auch auf Wit­wer aus­ge­dehnt.
In der Pen­si­ons­ord­nung der L AG vom Ok­to­ber 1989 (im Fol­gen­den PO L AG) ist ua. Fol­gen­des ge­re­gelt:
„§ 1 Be­rech­tig­te, Leis­tungs­ar­ten
1. Mit­ar­bei­ter im Sin­ne die­ser Pen­si­ons­ord­nung sind al­le Be­leg­schafts­mit­glie­der der L AG, die kei­ne ein­zel­ver­trag­li­che Pen­si­ons­zu­sa­ge von der L AG er­hal­ten bzw. er­hal­ten ha­ben. Mit­ar­bei­ter im Sin­ne die­ser Pen­si­ons­ord­nung sind nicht
2. Gewährt wer­den Al­ters-, In­va­li­den- und Hin­ter­blie­be­nen­pen­sio­nen.
§ 4 Vor­aus­set­zun­gen für Hin­ter­blie­be­nen­pen­si­on
1. Hin­ter­blie­be­nen­pen­si­on (Wit­wen-, Wit­wer- und Wai­sen­pen­si­on) wird gewährt, wenn für den ver­stor­be­nen Mit­ar­bei­ter im Zeit­punkt des To­des die Vor­aus­set­zun­gen auch un­ter Berück­sich­ti­gung von Ab­satz 3 für die Pen­si­ons­gewährung erfüllt wa­ren. Die Wit­wen- (Wit­wer-) Pen­si­on wird mit Ab­lauf des Mo­nats ein­ge­stellt, in dem die Wit­we (der Wit­wer) sich wie­der ver­hei­ra­tet.
2. Wit­wen- (Wit­wer-) Pen­si­on wird gewährt, wenn die Ehe vor Be­ginn der Al­ters­pen­si­on des Mit­ar­bei­ters ge­schlos­sen wur­de.
Ist der Ehe­part­ner mehr als 15 Jah­re jünger als der Mit­ar­bei­ter, so wird die Wit­wen- (Wit­wer-) Pen­si­on für je­des vol­le Jahr, das die­se Al­ters­dif­fe­renz über­steigt, um 5 % ih­res Be­tra­ges gekürzt. Die Kürzung entfällt, wenn die Ehe zum Zeit­punkt des To­des min­des­tens 15 Jah­re be­stan­den hat.
§ 10 Höhe der Hin­ter­blie­be­nen­pen­si­on
1. Die Wit­wen- (Wit­wer-) Pen­si­on beträgt 60 % der Pen­si­on, die der Pen­si­ons­empfänger er­hal­ten hat oder der Mit­ar­bei­ter er­hal­ten hätte, wenn er im Zeit­punkt sei­nes Ab­le­bens In­va­li­de ge­wor­den wäre.“
Un­ter dem 14. April 2008 schlos­sen der ver­stor­be­ne Ehe­mann der Kläge­rin und die Be­klag­te ei­nen „Al­ters­teil­zeit-Ar­beits­ver­trag“. Die­ser Ver­trag enthält ua. die fol­gen­den Ver­ein­ba­run­gen:
„§ 1 Be­ginn der Al­ters­teil­zeit­ar­beit
Das zwi­schen den Par­tei­en be­ste­hen­de Voll­zeit­ar­beits­verhält­nis wird in Abände­rung und in Ergänzung des be­ste­hen­den Ar­beits­ver­tra­ges mit Wir­kung ab dem 01. Ju­li 2008 als Al­ters­teil­zeit­ar­beits­verhält­nis fort­geführt.
1. Die Ar­beits­zeit des Ver­trags­part­ners beträgt ab Be­ginn der Al­ters­teil­zeit während der Lauf­dau­er die­ses Ver­tra­ges die Hälf­te sei­ner bis­he­ri­gen in­di­vi­du­el­len re­gelmäßigen wöchent­li­chen Ar­beits­zeit. Das sind nun­mehr 19,5 St­un­den/ Wo­che. ...
2. Die Ar­beits­zeit wird so ver­teilt, dass sie im ers­ten Ab­schnitt des Al­ters­teil­zeit­ar­beits­verhält­nis­ses vom 01. Ju­li 2008 bis 31. Mai 2010 voll ge­leis­tet (Ar­beits­pha­se) und der Ver­trags­part­ner an­sch­ließend bis zum En­de des Beschäfti­gungs­verhält­nis­ses von der Ar­beits­leis­tung frei­ge­stellt (Frei­stel­lungs­pha­se) wird.
§ 9 Be­trieb­li­che Leis­tun­gen
4. Al­ters­ver­sor­gung
Die Leis­tun­gen aus der be­trieb­li­chen Al­ters­ver­sor­gung wer­den nach Maßga­be der je­wei­li­gen Pen­si­ons­ord­nun­gen auf der Grund­la­ge des Brut­to­voll­zeit­ar­beits­ent­gel­tes er­mit­telt, das der Ar­beit­neh­mer oh­ne Al­ters­teil­zeit er­zielt hätte (fik­ti­ves Ar­beits­ent­gelt). Ein ver­si­che­rungs­ma­the­ma­ti­scher Ab­schlag wird nicht vor­ge­nom­men.
§ 12 En­de des Beschäfti­gungs­verhält­nis­ses
1. Das Beschäfti­gungs­verhält­nis en­det oh­ne Kündi­gung am 30. April 2012.“
Mit Schrei­ben vom 4. Ja­nu­ar 2011 teil­te die L AG der Kläge­rin un­ter dem Be­treff „Hin­ter­blie­be­nen­zah­lung“ Fol­gen­des mit:
wie Sie be­reits wis­sen, be­kom­men Sie von uns ab dem 15.12.2010 ei­ne Hin­ter­blie­be­nen­zah­lung bis zum Be­ginn der Fir­men-Wit­wen­ren­te ab 01.03.2011.
Da­mit wir die­se Hin­ter­blie­be­nen-Ab­rech­nung durchführen können, benöti­gen wir noch fol­gen­de In­for­ma­tio­nen bzw. Un­ter­la­gen von Ih­nen:
Aus der Al­ters­teil­zeit von Hr. G ist noch ein Wert­gut­ha­ben i.H. von net­to ... Eu­ro vor­han­den. Die­ses Wert­gut­ha­ben ist an den Erb­be­rech­tig­ten nach Vor­la­ge des Erb­scheins aus­zu­zah­len.
Des­halb bit­ten wir eben­falls um Zu­sen­dung ei­nes Ori­gi­nal-Erb­scheins, da­mit die­ses Wert­gut­ha­ben ent­spre­chend zur Aus­zah­lung ge­bracht wer­den kann.
Mit Schrei­ben vom 6. Mai 2011 wand­te sich die Be­klag­te an die Klägrin und teil­te die­ser un­ter dem Be­treff „Ster­be­fall: Herr G/Fir­men­pen­si­on“ mit: „...,
auf­grund Ih­res An­ru­fes mit dem Hin­weis auf den Punkt 4a im An­stel­lungs­ver­trag vom 22.08.1989 des Herrn G ha­ben wir den Sach­ver­halt we­gen ei­ner mögli­chen Ände­rung in den Pen­si­ons-Richt­li­ni­en der S-L GmbH noch mal über­prüft.
Die im An­stel­lungs­ver­trag an­ge­spro­che­ne Übe­r­ar­bei­tung des Pen­si­ons­plans der S-L GmbH war zwar zum da­ma­li­gen Zeit­punkt ge­plant, ist dann aber nie rea­li­siert wor­den. Es wur­de nur für neu ein­ge­tre­te­ne Mit­ar­bei­ter ab dem 01.01.2002 ei­ne neue Pen­si­ons­ord­nung ins Le­ben ge­ru­fen, die­se gilt aber nur für neue Mit­ar­bei­ter, nicht für den Mit­ar­bei­ter­be­stand bis zum 31.12.2001.
Dem­zu­fol­ge galt die Ver­sor­gungs­ord­nung vom 01.07.1982 wei­ter­hin für Herrn G und da­mit wa­ren die Vor­aus­set­zun­gen für ei­ne Fir­men-Wit­wen­pen­si­on der S-L GmbH lei­der nicht erfüllt.
Aus­weis­lich der von der Be­klag­ten im Ver­lau­fe des Rechts­streits er­stell­ten fik­ti­ven „Be­rech­nung der Wit­wen­pen­si­on für Frau G, geb. 10.10.1956“ vom 24. Ok­to­ber 2011 beläuft sich ein et­wai­ger An­spruch der Kläge­rin auf Wit­wen­pen­si­on nach der VO S auf mo­nat­lich 723,49 Eu­ro brut­to.
Die Kläge­rin hat - so­weit für die Re­vi­si­on von Be­deu­tung - die Auf­fas­sung ver­tre­ten, die Be­klag­te sei nach der VO S ver­pflich­tet, an sie ab dem Mo­nat März 2011 ei­ne Wit­wen­ren­te iHv. mo­nat­lich 723,49 Eu­ro brut­to zu zah­len. Die un­ter VII Ziff. 1 Satz 2 der VO S auf­geführ­te Be­stim­mung, wo­nach der Mit-
ar­bei­ter die Ehe vor der Voll­endung sei­nes 60. Le­bens­jah­res ge­schlos­sen ha­ben muss, ste­he ih­rem An­spruch nicht ent­ge­gen. Dies fol­ge be­reits aus Ziff. 4 Buchst. a des Ar­beits­ver­trags vom 22. Au­gust 1989. Die­se Be­stim­mung des Ar­beits­ver­trags ent­hal­te das Ver­spre­chen, dass ihr ver­stor­be­ner Ehe­mann im Hin­blick auf die Hin­ter­blie­be­nen­ver­sor­gung ge­nau so be­han­delt wer­de, wie die Ver­sor­gungs­be­rech­tig­ten der L AG, de­ren Pen­si­ons­ver­ein­ba­rung ei­ne Späte­hen­klau­sel nicht ent­hal­te. Zu­dem ha­be die Be­klag­te ihr das Be­ste­hen ei­nes An­spruchs auf Wit­wen­ren­te mit Schrei­ben vom 4. Ja­nu­ar 2011 bestätigt. Die­ses Schrei­ben stel­le ein kon­sti­tu­ti­ves Schuld­ver­spre­chen bzw. Schuld­an­er­kennt­nis, zu­min­dest ein de­kla­ra­to­ri­sches Schuld­an­er­kennt­nis dar mit der Fol­ge, dass die Be­klag­te ihr die Späte­hen­klau­sel in VII Ziff. 1 Satz 2 der VO S nicht ent­ge­gen­hal­ten könne. Je­den­falls sei die Späte­hen­klau­sel we­gen Ver­s­toßes ge­gen § 7 Abs. 2 AGG un­wirk­sam. Sie be­wir­ke ei­ne un­mit­tel­ba­re Dis­kri­mi­nie­rung we­gen des Al­ters, die nicht nach § 10 Satz 3 Nr. 4 AGG ge­recht­fer­tigt wer­den könne. Die­se Be­stim­mung sei auf die Hin­ter­blie­be­nen­ver­sor­gung nicht, auch nicht ana­log an­wend­bar. Die Vor­aus­set­zun­gen für die Recht­fer­ti­gung ei­ner un­mit­tel­ba­ren Be­nach­tei­li­gung we­gen des Al­ters nach § 10 Satz 1 und Satz 2 AGG lägen nicht vor.
1. die Be­klag­te zu ver­ur­tei­len, an sie rückständi­ge Wit­wen­ren­te für die Mo­na­te März 2011 bis De­zem­ber 2012 iHv. ins­ge­samt 15.916,78 Eu­ro brut­to nebst Zin­sen iHv. fünf Pro­zent­punk­ten über dem Ba­sis­zins­satz aus je­weils 723,49 Eu­ro seit dem je­wei­li­gen Ers­ten des Fol­ge­mo­nats, be­gin­nend mit dem 1. April 2011 und en­dend mit dem 1. Ja­nu­ar 2013 zu zah­len,
2. die Be­klag­te zu ver­ur­tei­len, an sie ab dem 1. Ja­nu­ar 2013 le­bens­lang zum En­de ei­nes je­den Mo­nats ei­ne mo­nat­li­che Wit­wen­ren­te iHv. 723,49 Eu­ro brut­to zu zah­len,
hilfs­wei­se zu 1. und 2.,
fest­zu­stel­len, dass die Be­klag­te ihr be­gin­nend mit dem 1. März 2011 ei­ne be­trieb­li­che Wit­wen­ren­te nach der Ver­sor­gungs­ord­nung der S GmbH von No­vem­ber 1982 un­ter Berück­sich­ti­gung des Nach­trags vom 15. Sep­tem­ber 1986 iHv. ka­len­der­mo­nat­lich der­zeit 723,49 Eu­ro brut­to zu zah­len hat.
Die Be­klag­te hat Kla­ge­ab­wei­sung be­an­tragt. Sie hat die Auf­fas­sung ver­tre­ten, die Kläge­rin könne ei­ne Wit­wen­ren­te nicht be­an­spru­chen, da die Ehe ent­ge­gen der in VII Ziff. 1 Satz 2 der VO S ge­trof­fe­nen Be­stim­mung erst nach Voll­endung des 60. Le­bens­jah­res des ver­stor­be­nen Ehe­man­nes der Kläge­rin ge­schlos­sen wor­den sei. Aus dem Ar­beits­ver­trag vom 22. Au­gust 1989 fol­ge nichts Ab­wei­chen­des. Die Zu­sa­ge, dass der ver­stor­be­ne Ehe­mann der Kläge­rin nicht schlech­ter ge­stellt wer­de als die Mit­ar­bei­ter der L AG, sei nur für den Fall ge­macht wor­den, dass ein „neu­er“ Plan er­ar­bei­tet wer­de. Ein An­spruch auf An­wen­dung be­stimm­ter Re­ge­lun­gen der PO L AG er­ge­be sich hier­aus nicht. Die Späte­hen­klau­sel in VII Ziff. 1 Satz 2 der VO S sei zu­dem nicht gemäß § 7 Abs. 2 AGG un­wirk­sam. Sie be­wir­ke kei­ne un­zulässi­ge Dis­kri­mi­nie­rung we­gen des Al­ters. Ih­re Rechts­vorgänge­rin ha­be mit der Späte­hen­klau­sel den Zweck ver­folgt, nicht noch kurz vor dem Ver­sor­gungs­fall ho­he Rück­stel­lun­gen bil­den zu müssen. Hier­durch ha­be das Ri­si­ko un­kal­ku­lier­ba­rer zusätz­li­cher Ver­sor­gungs­ansprüche aus­ge­schlos­sen wer­den sol­len, um die Fi­nan­zier­bar­keit der be­ste­hen­den Ver­sor­gungs­ansprüche der Ar­beit­neh­mer zu gewähr­leis­ten. Soll­te sich die Späte­hen­klau­sel in VII Ziff. 1 Satz 2 der VO S als un­wirk­sam er­wei­sen, müss­ten ggf. Zu­sa­gen für künf­ti­ge Mit­ar­bei­ter re­du­ziert wer­den, da un­kal­ku­lier­ba­re, später ein­ge­tre­te­ne Er­eig­nis­se (wie wei­te­re Leis­tungs­be­rech­tig­te) die Fi­nan­zie­rung der Be­triebs­ren­ten ins Un­gleich­ge­wicht führen könn­ten. Auch die Be­stim­mung der Al­ters­gren­ze auf das 60. Le­bens­jahr sei nicht zu be­an­stan­den. Die zeit­li­che Gren­ze von 60 Jah­ren knüpfe an die Nähe zum Ver­sor­gungs­al­ter an und le­ge mit­hin den Zeit­raum fest, ab dem neue bio­me­tri­sche Ri­si­ken nicht mehr be­gründet wer­den sol­len. Im Übri­gen wir­ke sich aus, dass nach der un­ter I Ziff. 3 der VO S ge­trof­fe­nen Be­stim­mung Ar­beit­neh­mer, die bei ih­rem letz­ten Dienstein­tritt in die Fir­ma das 60. Le­bens­jahr be­reits voll­endet hat­ten, von Ver­sor­gungs­leis­tun­gen ins­ge­samt aus­ge­schlos­sen sei­en. Vor die­sem Hin­ter­grund sei die An­knüpfung an die Ehe­sch­ließung vor der Voll­endung des 60. Le­bens­jah­res für Ansprüche auf Hin­ter­blie­be­nen­ren­te erst recht nicht zu be­an­stan­den.
Die Vor­in­stan­zen ha­ben die Kla­ge ab­ge­wie­sen. Mit der vom Lan­des­ar­beits­ge­richt zu­ge­las­se­nen Re­vi­si­on ver­folgt die Kläge­rin nun­mehr fol­gen­de Anträge:
1. die Be­klag­te zu ver­ur­tei­len, an sie rückständi­ge Be­triebs­ren­te für die Mo­na­te März 2011 bis Mai 2013 iHv. ins­ge­samt 19.534,23 Eu­ro brut­to nebst Zin­sen iHv. fünf Pro­zent­punk­ten über dem Ba­sis­zins­satz aus je­weils 723,49 Eu­ro seit dem je­wei­li­gen Ers­ten des je­wei­li­gen Fol­ge­mo­nats, be­gin­nend mit dem 1. April 2011 und en­dend mit dem 1. Ju­ni 2013 zu zah­len,
2. die Be­klag­te zu ver­ur­tei­len, an sie ab dem 1. Ju­ni 2013 le­bens­lang zum En­de ei­nes je­den Mo­nats ei­ne mo­nat­li­che Wit­wen­ren­te iHv. 723,49 Eu­ro brut­to zu zah­len,
3. hilfs­wei­se fest­zu­stel­len, dass die Be­klag­te ihr be­gin­nend mit dem 1. März 2011 ei­ne be­trieb­li­che Wit­wen­ren­te nach der Ver­sor­gungs­ord­nung der S GmbH von No­vem­ber 1982 un­ter Berück­sich­ti­gung des Nach­trags vom 15. Sep­tem­ber 1986 iHv. mo­nat­lich 723,49 Eu­ro brut­to zu zah­len hat.
Die Be­klag­te be­gehrt die Zurück­wei­sung der Re­vi­si­on.
Die zulässi­ge Re­vi­si­on ist be­gründet. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt hat die Kla­ge mit den Haupt­anträgen zu Un­recht ab­ge­wie­sen. Die Haupt­anträge zu 1. und 2. sind zulässig und be­gründet. Ei­ner Ent­schei­dung über den Hilfs­an­trag der Kläge­rin be­darf es des­halb nicht.
I. Dies gilt auch für den Haupt­an­trag zu 2. Der Kla­ge­an­trag zu 2. ist auf die Zah­lung wie­der­keh­ren­der Leis­tun­gen iSd. § 258 ZPO ge­rich­tet. Bei wie­der­keh­ren­den Leis­tun­gen, die - wie Be­triebs­ren­ten­ansprüche - von kei­ner Ge­gen­leis­tung abhängen, können gemäß § 258 ZPO grundsätz­lich auch künf­tig fällig
wer­den­de Teil­beträge ein­ge­klagt wer­den. Im Ge­gen­satz zu § 259 ZPO muss nicht die Be­sorg­nis be­ste­hen, der Schuld­ner wer­de sich der recht­zei­ti­gen Leis­tung ent­zie­hen (vgl. et­wa BAG 10. Fe­bru­ar 2015 - 3 AZR 37/14 - Rn. 17; 17. Ju­ni 2014 - 3 AZR 529/12 - Rn. 21 mwN).
II. Der Zulässig­keit der Kla­ge mit den Haupt­anträgen steht auch nicht ent­ge­gen, dass die Kläge­rin ih­ren Haupt­an­trag zu 1. um rückständi­ge Wit­wen­ren­te für die Zeit von Ja­nu­ar 2013 bis Mai 2013 er­wei­tert hat und dem­ent­spre­chend mit ih­rem Haupt­an­trag zu 2. künf­ti­ge Leis­tun­gen erst ab dem 1. Ju­ni 2013 ver­langt.
Zwar sind Kla­geände­run­gen in der Re­vi­si­ons­in­stanz grundsätz­lich un­zulässig. An­tragsände­run­gen können al­ler­dings aus pro­zessöko­no­mi­schen Gründen je­den­falls zu­ge­las­sen wer­den, wenn es sich da­bei um Fälle des § 264 Nr. 2 ZPO han­delt, der neue Sach­an­trag sich auf den in der Be­ru­fungs­in­stanz fest­ge­stell­ten Sach­ver­halt stützt und be­rech­tig­te In­ter­es­sen des Geg­ners nicht be­ein­träch­tigt wer­den (BAG 18. Sep­tem­ber 2007 - 3 AZR 560/05 - Rn. 14; 25. April 2006 - 3 AZR 184/05 - Rn. 13; 27. Ja­nu­ar 2004 - 1 AZR 105/03 - zu III der Gründe; 26. Au­gust 2003 - 3 AZR 431/02 - zu A der Gründe, BA­GE 107, 197).
Die­se Vor­aus­set­zun­gen sind vor­lie­gend erfüllt. Die Kläge­rin hat ih­ren Haupt­an­trag zu 1. um bis zum Zeit­punkt der Re­vi­si­ons­be­gründung fällig ge­wor­de­ne mo­nat­li­che Beträge und da­mit le­dig­lich quan­ti­ta­tiv er­wei­tert und dem­ent­spre­chend ih­ren Haupt­an­trag zu 2. ein­ge­schränkt, oh­ne dass sich ir­gend­et­was an dem bis­he­ri­gen Kla­ge­grund geändert hätte, § 264 Nr. 2 ZPO.
B. Die Kla­ge mit den Haupt­anträgen zu 1. und 2. ist be­gründet. Die Be­klag­te ist nach VII Ziff. 1 der VO S ver­pflich­tet, an die Kläge­rin ab dem Mo­nat März 2011 ei­ne Wit­wen­ren­te iHv. un­strei­tig mo­nat­lich 723,49 Eu­ro brut­to nebst ein­ge­klag­ter Zin­sen zu zah­len.
I. Die S GmbH hat­te dem ver­stor­be­nen Ehe­mann der Kläge­rin ei­ne Ver­sor­gung nach der VO S zu­ge­sagt, die auch ei­ne Wit­wen­ver­sor­gung um­fass­te. Da die­ser bis zu sei­nem To­de am 14. De­zem­ber 2010 bei der Be­klag­ten be-
schäftigt war, ist für den An­spruch der Kläge­rin auf Wit­wen­ren­te VII Ziff. 1 der VO S maßgeb­lich, nach des­sen Satz 1 die hin­ter­las­se­ne Ehe­frau ei­nes Mit­ar­bei­ters (Anwärters) den An­spruch mit des­sen To­de er­wirbt.
II. Die Kläge­rin erfüllt auch die zusätz­li­chen Vor­aus­set­zun­gen für den Be­zug ei­ner Wit­wen­ren­te ab dem Mo­nat März 2011 nach VII Ziff. 1 Satz 2 der VO S. Die War­te­zeit nach III der VO S von fünf Jah­ren war be­reits am 1. De­zem­ber 1994 und da­mit Jah­re vor dem maßgeb­li­chen Da­tum 1. Mai 2010 erfüllt. Zu­dem hat­te zu die­sem Zeit­punkt die am 8. Au­gust 2008 ge­schlos­se­ne Ehe min­des­tens ein Jahr be­stan­den.
Dass die Ehe zwi­schen der Kläge­rin und ih­rem ver­stor­be­nen Ehe­mann ent­ge­gen der in VII Ziff. 1 Satz 2 der VO S ge­trof­fe­nen Be­stim­mung erst ge­schlos­sen wur­de, nach­dem die­ser sein 60. Le­bens­jahr voll­endet hat­te, steht dem An­spruch der Kläge­rin nicht ent­ge­gen. Ent­ge­gen der Rechts­auf­fas­sung der Kläge­rin hat­ten ihr ver­stor­be­ner Ehe­mann und die S GmbH die in VII Ziff. 1 Satz 2 der VO S ent­hal­te­ne Späte­hen­klau­sel zwar nicht durch Ziff. 4 Buchst. a des Ar­beits­ver­trags vom 22. Au­gust 1989 ab­be­dun­gen; eben­so we­nig hat­te die Be­klag­te der Kläge­rin mit Schrei­ben vom 4. Ja­nu­ar 2011 un­abhängig von den Be­stim­mun­gen der VO S ei­ne Wit­wen­ren­te zu­ge­sagt oder den An­spruch der Kläge­rin auf Wit­wen­ren­te an­er­kannt; die Späte­hen­klau­sel in VII Ziff. 1 Satz 2 der VO S ist je­doch gemäß § 7 Abs. 2 AGG un­wirk­sam, da sie ei­ne un­mit­tel­ba­re Be­nach­tei­li­gung we­gen des Al­ters nach §§ 1, 3 Abs. 1 Satz 1, § 7 Abs. 1 AGG be­wirkt, die nicht nach § 10 AGG ge­recht­fer­tigt ist.
1. Wie das Lan­des­ar­beits­ge­richt zu­tref­fend an­ge­nom­men hat, hat­ten der ver­stor­be­ne Ehe­mann der Kläge­rin und die S GmbH die in VII Ziff. 1 Satz 2 der VO S ent­hal­te­ne Späte­hen­klau­sel nicht durch Ziff. 4 Buchst. a des Ar­beits­ver­trags vom 22. Au­gust 1989 ab­be­dun­gen.
a) Das Lan­des­ar­beits­ge­richt hat die­se Be­stim­mung des Ar­beits­ver­trags des ver­stor­be­nen Ehe­man­nes der Kläge­rin vom 22. Au­gust 1989 da­hin aus­ge­legt, dass die in der PO L AG nie­der­ge­leg­ten Ver­sor­gungs­be­din­gun­gen als
Min­dest­stan­dard nur für den Fall der Übe­r­ar­bei­tung der VO S ga­ran­tiert wur­den.
b) Die­se Aus­le­gung ist re­vi­si­ons­recht­lich nicht zu be­an­stan­den, wo­bei da­hin­ste­hen kann, ob es sich bei den im Ar­beits­ver­trag vom 22. Au­gust 1989 ge­trof­fe­nen Ver­ein­ba­run­gen um aty­pi­sche oder ty­pi­sche Wil­lens­erklärun­gen, mit­hin um All­ge­mei­ne Geschäfts­be­din­gun­gen han­delt. Die Aus­le­gung des Lan­des­ar­beits­ge­richts hält auch ei­ner un­be­schränk­ten re­vi­si­ons­recht­li­chen Über­prüfung stand.
aa) Aty­pi­sche Wil­lens­erklärun­gen sind nach §§ 133, 157 BGB so aus­zu­le­gen, wie die Par­tei­en sie nach Treu und Glau­ben un­ter Berück­sich­ti­gung der Ver­kehrs­sit­te ver­ste­hen müssen. Da­bei ist vom Wort­laut aus­zu­ge­hen, zur Er­mitt­lung des wirk­li­chen Wil­lens der Par­tei­en sind je­doch auch die außer­halb der Ver­ein­ba­rung lie­gen­den Umstände ein­zu­be­zie­hen, so­weit sie ei­nen Schluss auf den Sinn­ge­halt der Erklärung zu­las­sen. Vor al­lem sind die be­ste­hen­de In­ter­es­sen­la­ge und der mit dem Rechts­geschäft ver­folg­te Zweck zu berück­sich­ti­gen. Die Aus­le­gung in­di­vi­du­el­ler Wil­lens­erklärun­gen kann der Se­nat als Re­vi­si­ons­ge­richt nur dar­auf­hin über­prüfen, ob das Be­ru­fungs­ge­richt Aus­le­gungs­re­geln ver­letzt, ge­gen Denk- und Er­fah­rungssätze ver­s­toßen oder we­sent­li­che Tat­sa­chen un­berück­sich­tigt ge­las­sen hat (BAG 15. Ju­ni 2010 - 3 AZR 994/06 - Rn. 26 f.; 11. De­zem­ber 2001 - 3 AZR 334/00 - zu I 2 a aa der Gründe).
bb) Dem­ge­genüber sind All­ge­mei­ne Geschäfts­be­din­gun­gen nach ih­rem ob­jek­ti­ven In­halt und ty­pi­schen Sinn ein­heit­lich so aus­zu­le­gen, wie sie von verständi­gen und red­li­chen Ver­trags­part­nern un­ter Abwägung der In­ter­es­sen der nor­ma­ler­wei­se be­tei­lig­ten Ver­kehrs­krei­se ver­stan­den wer­den. Da­bei sind nicht die Verständ­nismöglich­kei­ten des kon­kre­ten, son­dern die des durch­schnitt­li­chen Ver­trags­part­ners des Ver­wen­ders zu­grun­de zu le­gen. Die Aus­le­gung All­ge­mei­ner Geschäfts­be­din­gun­gen ob­liegt auch dem Re­vi­si­ons­ge­richt (BAG 10. De­zem­ber 2013 - 3 AZR 715/11 - Rn. 17; 25. Ju­ni 2013 - 3 AZR 219/11 - Rn. 19 mwN, BA­GE 145, 314).
cc) Die Aus­le­gung von Ziff. 4 Buchst. a des Ar­beits­ver­trags vom 22. Au­gust 1989 durch das Lan­des­ar­beits­ge­richt hält auch ei­ner un­be­schränk­ten re­vi­si­ons­recht­li­chen Über­prüfung stand.
Der ver­stor­be­ne Ehe­mann der Kläge­rin und die S GmbH ha­ben un­ter Ziff. 4 Buchst. a des Ar­beits­ver­trags vom 22. Au­gust 1989 zunächst auf den bei der S GmbH be­ste­hen­den Pen­si­ons­plan, und da­mit auf die VO S Be­zug ge­nom­men. Fer­ner enthält Ziff. 4 Buchst. a des Ar­beits­ver­trags die For­mu­lie­rung, dass die­ser Plan „zur Zeit übe­r­ar­bei­tet“ wird. Hier­bei han­delt es sich er­kenn­bar nur um ei­nen Hin­weis. Da­her konn­te die in Ziff. 4 Buchst. a Satz 2 des Ar­beits­ver­trags zu­dem ent­hal­te­ne Zu­si­che­rung, der ver­stor­be­ne Ehe­mann der Kläge­rin wer­de durch den neu­en Plan nicht schlech­ter ge­stellt als die Mit­ar­bei­ter der Mut­ter­ge­sell­schaft, der L AG, bei verständi­ger Würdi­gung nur so ver­stan­den wer­den, dass die­se Zu­si­che­rung nur gel­ten soll­te, wenn ein neu­er Pen­si­ons­plan tatsächlich zu­stan­de kom­men würde. Vor die­sem Hin­ter­grund kann Ziff. 4 Buchst. a des Ar­beits­ver­trags des ver­stor­be­nen Ehe­man­nes der Kläge­rin ins­be­son­de­re nicht da­hin aus­ge­legt wer­den, dass für des­sen Ansprüche auf Leis­tun­gen der be­trieb­li­chen Al­ters­ver­sor­gung die je­weils güns­ti­ge­ren Re­ge­lun­gen der VO S und der PO L AG An­wen­dung fin­den sol­len.
2. Wie das Lan­des­ar­beits­ge­richt eben­falls in re­vi­si­ons­recht­lich nicht zu be­an­stan­den­der Wei­se an­ge­nom­men hat, hat die Be­klag­te der Kläge­rin mit Schrei­ben vom 4. Ja­nu­ar 2011 we­der un­abhängig von den Be­stim­mun­gen der VO S ei­ne Wit­wen­ren­te zu­ge­sagt noch den An­spruch der Kläge­rin auf Wit­wen­ren­te an­er­kannt. Das Schrei­ben der Be­klag­ten vom 4. Ja­nu­ar 2011 enthält in Be­zug auf die Wit­wen­ren­te we­der ein kon­sti­tu­ti­ves abs­trak­tes Schuld­ver­spre­chen iSv. § 780 BGB bzw. kon­sti­tu­ti­ves abs­trak­tes Schuld­an­er­kennt­nis iSv. § 781 BGB, noch ein de­kla­ra­to­ri­sches Schuld­an­er­kennt­nis, auf­grund des­sen der Be­klag­ten ei­ne Be­ru­fung auf die Späte­hen­klau­sel ver­wehrt wäre.
Das Schrei­ben der Be­klag­ten vom 4. Ja­nu­ar 2011 ent­hiel­te nur dann ein selbständi­ges abs­trak­tes Schuld­ver­spre­chen iSv. § 780 BGB bzw. ein selbständig ver­pflich­ten­des Schuld­an­er­kennt­nis iSv. § 781 BGB, wenn sich ihm im We­ge der Aus­le­gung der Wil­le der Be­klag­ten ent­neh­men ließe, ei­ne selbstän-
di­ge, von den zu­grun­de lie­gen­den Rechts­be­zie­hun­gen - hier: den Be­stim­mun­gen der VO S - los­gelöste Ver­pflich­tung zur Zah­lung ei­ner Wit­wen­ren­te an die Kläge­rin zu über­neh­men (vgl. et­wa BGH 14. Ja­nu­ar 2008 - II ZR 245/06 - Rn. 15 mwN; 7. De­zem­ber 2004 - XI ZR 361/03 - zu II 2 b aa der Gründe, BGHZ 161, 273; 14. Ok­to­ber 1998 - XII ZR 66/97 - zu 2 b der Gründe mwN). Ein de­kla­ra­to­ri­sches Schuld­an­er­kennt­nis stell­te das Schrei­ben der Be­klag­ten vom 4. Ja­nu­ar 2011 nur dann dar, wenn sei­ne Aus­le­gung ergäbe, dass die Par­tei­en das Ver­sor­gungs­verhält­nis ganz oder teil­wei­se dem Streit oder der Un­ge­wiss­heit ent­zie­hen und es endgültig fest­le­gen woll­ten (vgl. BGH 28. Mai 2014 - XII ZR 6/13 - Rn. 26; 12. März 2009 - IX ZB 157/08 - Rn. 2; 11. Ja­nu­ar 2007 - VII ZR 165/05 - Rn. 8 mwN; vgl. BAG 27. Fe­bru­ar 2014 - 6 AZR 931/12 - Rn. 40; 13. März 2002 - 5 AZR 43/01 - zu II 2 a der Gründe). So­wohl ein selbständi­ges abs­trak­tes Schuld­ver­spre­chen iSv. § 780 BGB bzw. ein selbständig ver­pflich­ten­des Schuld­an­er­kennt­nis iSv. § 781 BGB als auch ein de­kla­ra­to­ri­sches Schuld­an­er­kennt­nis set­zen dem­nach ei­nen Rechts­bin­dungs­wil­len vor­aus. Dar­an fehlt es, so­weit der Schuld­ner le­dig­lich ei­ne Mit­tei­lung macht. Dann han­delt es sich al­len­falls um ei­ne rein de­kla­ra­to­ri­sche Wis­sens­erklärung oh­ne Rechts­bin­dungs­wil­len und nicht um ei­ne Wil­lens­erklärung (vgl. et­wa BAG 14. Fe­bru­ar 2012 - 3 AZR 685/09 - Rn. 59; 23. Au­gust 2011 - 3 AZR 669/09 - Rn. 15 für die Aus­kunft nach § 4a Abs. 1 Nr. 1 Be­trAVG; 29. Sep­tem­ber 2010 - 3 AZR 546/08 - Rn. 19 mwN für den Be­scheid nach § 9 Abs. 1 Be­trAVG). Das Lan­des­ar­beits­ge­richt ist mit na­he­lie­gen­der Be­gründung da­von aus­ge­gan­gen, dass es an ei­nem sol­chen Rechts­bin­dungs­wil­len hier fehlt. Un­ter Zu­grun­de­le­gung des ein­ge­schränk­ten re­vi­si­ons­recht­li­chen Über­prüfungs­maßstabs (oben B II 1 b aa) ist da­her da­von aus­zu­ge­hen, dass sich dem Schrei­ben vom 4. Ja­nu­ar 2011 ein An­ge­bot der Be­klag­ten, an die Kläge­rin ab dem 1. März 2011 un­ge­ach­tet der in der VO S be­stimm­ten Ver­sor­gungs­be­din­gun­gen ei­ne Wit­wen­ren­te zu zah­len, nicht ent­neh­men lässt.
3. Ent­ge­gen der Rechts­auf­fas­sung des Lan­des­ar­beits­ge­richts be­wirkt die in VII Ziff. 1 Satz 2 der VO S ent­hal­te­ne Vor­aus­set­zung, dass die Ehe vor der Voll­endung des 60. Le­bens­jah­res durch den Ver­sor­gungs­be­rech­tig­ten ge­schlos­sen sein muss, ei­ne un­mit­tel­ba­re Be­nach­tei­li­gung we­gen des Al­ters nach
§§ 1, 3 Abs. 1 Satz 1, § 7 Abs. 1 AGG, die nicht nach § 10 AGG ge­recht­fer­tigt und des­halb nach § 7 Abs. 2 AGG un­wirk­sam ist.
a) Das AGG ist an­wend­bar.
aa) Das AGG gilt trotz der in § 2 Abs. 2 Satz 2 ent­hal­te­nen Ver­wei­sung auf das Be­triebs­ren­ten­ge­setz auch für die be­trieb­li­che Al­ters­ver­sor­gung, so­weit das Be­triebs­ren­ten­ge­setz nicht vor­ran­gi­ge Son­der­re­ge­lun­gen enthält (BAG 11. De­zem­ber 2007 - 3 AZR 249/06 - Rn. 22, BA­GE 125, 133). Letz­te­res ist nicht der Fall.
bb) Das AGG ist auch in zeit­li­cher Hin­sicht an­wend­bar. Sei­ne An­wen­dung setzt vor­aus, dass un­ter sei­nem zeit­li­chen Gel­tungs­be­reich ein Rechts­verhält­nis zwi­schen dem Ver­sor­gungs­be­rech­tig­ten und dem Ver­sor­gungs­schuld­ner be­stand. Da­bei ist auf den Beschäftig­ten (§ 6 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 AGG) und nicht auf den Hin­ter­blie­be­nen ab­zu­stel­len (BAG 15. Ok­to­ber 2013 - 3 AZR 653/11 - Rn. 31 mwN). Zum Zeit­punkt des In­kraft­tre­tens des AGG am 18. Au­gust 2006 (vgl. Art. 4 Satz 1 des Ge­set­zes zur Um­set­zung eu­ropäischer Richt­li­ni­en zur Ver­wirk­li­chung des Grund­sat­zes der Gleich­be­hand­lung vom 14. Au­gust 2006 - BGBl. I S. 1897) stand der Ehe­mann der Kläge­rin noch im Ar­beits- und da­mit in ei­nem Rechts­verhält­nis zur Be­klag­ten.
b) Nach § 7 Abs. 1 Halbs. 1 AGG dürfen Beschäftig­te nicht we­gen der in § 1 AGG ge­nann­ten Gründe, ua. we­gen des Al­ters, be­nach­tei­ligt wer­den. Un­zulässig sind un­mit­tel­ba­re und mit­tel­ba­re Be­nach­tei­li­gun­gen. Ei­ne un­mit­tel­ba­re Be­nach­tei­li­gung ist nach § 3 Abs. 1 Satz 1 AGG ge­ge­ben, wenn ei­ne Per­son we­gen ei­nes in § 1 AGG ge­nann­ten Grun­des ei­ne we­ni­ger güns­ti­ge Be­hand­lung erfährt als ei­ne an­de­re Per­son in ei­ner ver­gleich­ba­ren Si­tua­ti­on. Nach § 3 Abs. 2 AGG liegt ei­ne mit­tel­ba­re Be­nach­tei­li­gung vor, wenn dem An­schein nach neu­tra­le Vor­schrif­ten, Kri­te­ri­en oder Ver­fah­ren Per­so­nen we­gen ei­nes in § 1 AGG ge­nann­ten Grun­des ge­genüber an­de­ren Per­so­nen in be­son­de­rer Wei­se be­nach­tei­li­gen können, es sei denn, die be­tref­fen­den Vor­schrif­ten, Kri­te­ri­en oder Ver­fah­ren sind durch ein rechtmäßiges Ziel sach­lich ge­recht­fer­tigt und die Mit­tel sind zur Er­rei­chung die­ses Ziels an­ge­mes­sen und er­for­der­lich. Be­stim-
mun­gen in Ver­ein­ba­run­gen, die ge­gen das Be­nach­tei­li­gungs­ver­bot des § 7 Abs. 1 AGG ver­s­toßen, sind nach § 7 Abs. 2 AGG un­wirk­sam (vgl. et­wa BAG 18. März 2014 - 3 AZR 69/12 - Rn. 17, BA­GE 147, 279; 12. No­vem­ber 2013 - 3 AZR 356/12 - Rn. 20 mwN).
c) Die in VII Ziff. 1 Satz 2 der VO S ent­hal­te­ne An­spruchs­vor­aus­set­zung, dass die Ehe vor der Voll­endung des 60. Le­bens­jah­res durch den Ver­sor­gungs­be­rech­tig­ten ge­schlos­sen wur­de, be­wirkt ei­ne un­mit­tel­ba­re Be­nach­tei­li­gung we­gen des Al­ters iSd. §§ 1, 3 Abs. 1 Satz 1 und § 7 AGG, wo­bei auch für die Be­ur­tei­lung, ob ei­ne Dis­kri­mi­nie­rung vor­liegt, auf den Beschäftig­ten (§ 6 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 AGG) und nicht auf den Hin­ter­blie­be­nen ab­zu­stel­len ist (vgl. et­wa BAG 15. Sep­tem­ber 2009 - 3 AZR 294/09 - Rn. 28). Die Re­ge­lung knüpft un­mit­tel­bar an die Über­schrei­tung des 60. Le­bens­jah­res an und führt da­zu, dass Mit­ar­bei­ter, die die Ehe erst nach Voll­endung des 60. Le­bens­jah­res schließen, von der Wit­wen­ver­sor­gung vollständig aus­ge­schlos­sen sind. Da­mit er­fah­ren Mit­ar­bei­ter, die - wie der ver­stor­be­ne Ehe­mann der Kläge­rin - die Ehe schließen, nach­dem sie das 60. Le­bens­jahr voll­endet ha­ben, we­gen ih­res Al­ters ei­ne ungüns­ti­ge­re Be­hand­lung.
d) Die durch die Späte­hen­klau­sel be­wirk­te Un­gleich­be­hand­lung ist nicht nach § 10 AGG sach­lich ge­recht­fer­tigt.
aa) Nach § 10 Satz 1 AGG ist ei­ne un­ter­schied­li­che Be­hand­lung we­gen des Al­ters zulässig, wenn sie ob­jek­tiv und an­ge­mes­sen und durch ein le­gi­ti­mes Ziel ge­recht­fer­tigt ist. Die Mit­tel zur Er­rei­chung die­ses Ziels müssen nach § 10 Satz 2 AGG an­ge­mes­sen und er­for­der­lich sein. § 10 Satz 3 AGG enthält ei­ne Aufzählung von Tat­beständen, wo­nach der­ar­ti­ge un­ter­schied­li­che Be­hand­lun­gen ins­be­son­de­re ge­recht­fer­tigt sein können. Nach § 10 Satz 3 Nr. 4 AGG ist dies der Fall bei der Fest­set­zung von Al­ters­gren­zen bei den be­trieb­li­chen Sys­te­men der so­zia­len Si­cher­heit als Vor­aus­set­zung für die Mit­glied­schaft oder den Be­zug von Al­ters­ren­te oder von Leis­tun­gen bei In­va­li­dität ein­sch­ließlich der Fest­set­zung un­ter­schied­li­cher Al­ters­gren­zen im Rah­men die­ser Sys­te­me für be­stimm­te Beschäftig­te oder Grup­pen von Beschäftig­ten und die Ver­wen­dung von Al­ters­kri­te­ri­en im Rah­men die­ser Sys­te­me für ver­si­che­rungs­ma­the­ma­ti­sche
Be­rech­nun­gen. In­dem der Ge­setz­ge­ber den in Nr. 4 ge­re­gel­ten Tat­be­stand in die Recht­fer­ti­gungs­gründe des § 10 Satz 3 AGG ein­ge­ord­net hat, hat er zum Aus­druck ge­bracht, dass die Fest­set­zung von Al­ters­gren­zen für den An­spruch auf Leis­tun­gen aus den dort auf­geführ­ten be­trieb­li­chen Sys­te­men der so­zia­len Si­cher­heit grundsätz­lich ob­jek­tiv und an­ge­mes­sen und durch ein le­gi­ti­mes Ziel iSv. § 10 Satz 1 AGG ge­recht­fer­tigt ist. Da ei­ne sol­che Al­ters­gren­ze in der je­wei­li­gen Ver­sor­gungs­re­ge­lung fest­zu­set­zen ist, muss die kon­kret gewähl­te Al­ters­gren­ze al­ler­dings iSv. § 10 Satz 2 AGG an­ge­mes­sen und er­for­der­lich sein (vgl. et­wa BAG 9. De­zem­ber 2014 - 1 AZR 102/13 - Rn. 25; 18. März 2014 - 3 AZR 69/12 - Rn. 20, BA­GE 147, 279; 12. No­vem­ber 2013 - 3 AZR 356/12 - Rn. 22 mwN).
bb) § 10 AGG dient der Um­set­zung von Art. 6 der Richt­li­nie 2000/78/EG des Ra­tes vom 27. No­vem­ber 2000 zur Fest­le­gung ei­nes all­ge­mei­nen Rah­mens für die Ver­wirk­li­chung der Gleich­be­hand­lung in Beschäfti­gung und Be­ruf (ABl. EG L 303 vom 2. De­zem­ber 2000 S. 16, im Fol­gen­den Richt­li­nie 2000/78/EG) in das na­tio­na­le Recht. Die Be­stim­mung ist mit Uni­ons­recht ver­ein­bar (vgl. im Ein­zel­nen et­wa BAG 18. März 2014 - 3 AZR 69/12 - Rn. 21 ff., BA­GE 147, 279; 12. No­vem­ber 2013 - 3 AZR 356/12 - Rn. 23 mwN).
cc) Die durch die Späte­hen­klau­sel in VII Ziff. 1 Satz 2 VO S be­wirk­te Un­gleich­be­hand­lung we­gen des Al­ters kann nicht nach § 10 Satz 3 Nr. 4 iVm. Satz 2 AGG ge­recht­fer­tigt wer­den.
(1) Ein­schlägig ist hier al­lein die in § 10 Satz 3 Nr. 4 AGG auf­geführ­te Fall­grup­pe der „Fest­set­zung von Al­ters­gren­zen bei den be­trieb­li­chen Sys­te­men der so­zia­len Si­cher­heit als Vor­aus­set­zung für den Be­zug von Leis­tun­gen“. Es geht we­der dar­um, ob der ver­stor­be­ne Ehe­mann der Kläge­rin über­haupt ei­nen An­spruch auf Leis­tun­gen nach der VO S hat und da­mit nicht um die „Mit­glied­schaft“ im Ver­sor­gungs­sys­tem, noch um die Durchführung ver­si­che­rungs­ma­the­ma­ti­scher Be­rech­nun­gen in­ner­halb des Ver­sor­gungs­sys­tems. Viel­mehr legt die VO S in VII Ziff. 1 Satz 2 be­son­de­re Vor­aus­set­zun­gen für den Be­zug ei­ner Wit­wen­ren­te fest.
(2) § 10 Satz 3 Nr. 4 AGG knüpft für die Fall­grup­pe der „Fest­set­zung von Al­ters­gren­zen bei den be­trieb­li­chen Sys­te­men der so­zia­len Si­cher­heit als Vor­aus­set­zung für den Be­zug von Leis­tun­gen“ be­reits von sei­nem Wort­laut her aus­sch­ließlich an die Ri­si­ken „Al­ter“ und „In­va­li­dität“ und nicht an das Ri­si­ko des „To­des“ an und er­fasst des­halb aus­sch­ließlich die Al­ters- und In­va­li­ditäts­ver­sor­gung, nicht je­doch die Hin­ter­blie­be­nen­ver­sor­gung und da­mit auch nicht die Wit­wen­ver­sor­gung, um die es vor­lie­gend geht.
(3) Dass ei­ne Hin­ter­blie­be­nen­ver­sor­gung re­gelmäßig nur dann ver­spro­chen wird, wenn auch ei­ne Al­ters­ver­sor­gung zu­ge­sagt ist und dass sich die Höhe ei­ner Wit­wen- und Wit­wer­ver­sor­gung re­gelmäßig an der Höhe der be­trieb­li­chen Al­ters­ren­te oder - so­fern ver­spro­chen - der In­va­li­ditäts­ren­te ori­en­tiert, die Wit­wen- und Wit­wer­ren­te dem­nach re­gelmäßig in ei­nem be­stimm­ten Abhängig­keits­verhält­nis zur Al­ters- und In­va­li­ditäts­ren­te steht, führt ent­ge­gen der Rechts­auf­fas­sung der Be­klag­ten nicht da­zu, dass die Wit­wen- und Wit­wer­ren­te als „An­nex“ von der in § 10 Satz 3 Nr. 4 AGG auf­geführ­ten Al­ters- bzw. In­va­li­ditäts­ren­te mit­er­fasst würde. Dies folgt aus ei­ner uni­ons­rechts­kon­for­men Aus­le­gung der Be­stim­mung.
Mit § 10 Satz 3 Nr. 4 AGG hat der na­tio­na­le Ge­setz­ge­ber von der Ermäch­ti­gung in Art. 6 Abs. 2 der Richt­li­nie 2000/78/EG Ge­brauch ge­macht und die­se Be­stim­mung in na­tio­na­les Recht um­ge­setzt. Da­nach können die Mit­glied­staa­ten vor­se­hen, dass bei den be­trieb­li­chen Sys­te­men der so­zia­len Si­cher­heit die Fest­set­zung von Al­ters­gren­zen als Vor­aus­set­zung für die Mit­glied­schaft oder den Be­zug von Al­ters­ren­te oder von Leis­tun­gen bei In­va­li­dität ein­sch­ließlich der Fest­set­zung un­ter­schied­li­cher Al­ters­gren­zen im Rah­men die­ser Sys­te­me für be­stimm­te Beschäftig­te oder Grup­pen bzw. Ka­te­go­ri­en von Beschäftig­ten und die Ver­wen­dung im Rah­men die­ser Sys­te­me von Al­ters­kri­te­ri­en für ver­si­che­rungs­ma­the­ma­ti­sche Be­rech­nun­gen kei­ne Dis­kri­mi­nie­rung we­gen des Al­ters dar­stellt, so­lan­ge dies nicht zu Dis­kri­mi­nie­run­gen we­gen des Ge­schlechts führt. Die Aus­le­gung von § 10 Satz 3 Nr. 4 AGG hat des­halb uni­ons­rechts­kon­form iSv. Art. 6 Abs. 2 der Richt­li­nie 2000/78/EG zu er­fol­gen.
Der Ge­richts­hof der Eu­ropäischen Uni­on hat zu Art. 6 Abs. 2 der Richt­li­nie 2000/78/EG mit Ur­tei­len vom 26. Sep­tem­ber 2013 (- C-546/11 - [Dansk Ju­rist] Rn. 39 bis 43; - C-476/11 - [HK Dan­mark] Rn. 44 bis 48) er­kannt, die­se Be­stim­mung sei da­hin aus­zu­le­gen, dass sie nur auf ei­ne Al­ters­ren­te oder Leis­tun­gen bei In­va­li­dität ei­nes be­trieb­li­chen Sys­tems der so­zia­len Si­cher­heit an­wend­bar ist. Sie gilt da­nach al­so nur für ein be­trieb­li­ches Sys­tem der so­zia­len Si­cher­heit, das die Ri­si­ken von „Al­ter“ und „In­va­li­dität“ ab­deckt. Ei­ne Aus­le­gung da­hin, dass die­se Vor­schrift für al­le Ar­ten von be­trieb­li­chen Sys­te­men der so­zia­len Si­cher­heit gilt, stellt da­nach ei­nen Ver­s­toß ge­gen das Er­for­der­nis dar, die Vor­schrift eng aus­zu­le­gen und würde ei­ne un­zulässi­ge Aus­deh­nung ih­res Gel­tungs­be­reichs be­wir­ken.
(4) Ent­ge­gen ih­rer Rechts­auf­fas­sung kann die Be­klag­te aus dem Ur­teil des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts vom 27. Mai 2009 (- 8 CN 1.09 - BVerw­GE 134, 99) für ei­ne An­wen­dung von § 10 Satz 3 Nr. 4 AGG auf die in VII Ziff. 1 Satz 2 der VO S ge­re­gel­te Späte­hen­klau­sel nichts zu ih­ren Guns­ten ab­lei­ten. Zwar hat das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt in die­ser Ent­schei­dung die In­va­li­ditäts­ver­sor­gung als von Art. 6 Abs. 2 der Richt­li­nie 2000/78/EG er­fasst be­trach­tet; es hat aus­geführt, die Zulässig­keit der Un­gleich­be­hand­lung we­gen des Al­ters sei in Art. 6 Abs. 2 der Richt­li­nie 2000/78/EG zwar aus­drück­lich nur für den Be­zug von Al­ters- und In­va­li­ditäts­ren­te ge­re­gelt, nicht hin­ge­gen für die Hin­ter­blie­be­nen­ren­te. Die Hin­ter­blie­be­nen­ren­te lei­te sich je­doch zwin­gend von der Al­ters- und In­va­li­ditäts­ren­te ab und leh­ne sich an­tei­lig an. Die Ent­schei­dung des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts ist je­doch vor der ge­gen­tei­li­gen Recht­spre­chung des Ge­richts­hofs der Eu­ropäischen Uni­on er­gan­gen.
dd) Die durch die Späte­hen­klau­sel in VII Ziff. 1 Satz 2 VO S be­wirk­te Un­gleich­be­hand­lung we­gen des Al­ters kann auch nicht in er­wei­tern­der Aus­le­gung von § 10 Satz 3 Nr. 4 AGG oder in ana­lo­ger An­wen­dung von § 10 Satz 3 Nr. 4 AGG ge­recht­fer­tigt wer­den.
(1) Zwar heißt es in § 10 Satz 3 AGG, dass der­ar­ti­ge un­ter­schied­li­che Be­hand­lun­gen „ins­be­son­de­re“ die un­ter den Nr. 1 bis 6 auf­geführ­ten Fälle ein-schließen können. Da­mit zählt § 10 Satz 3 AGG sei­nem Wort­laut nach nur Bei-
spielsfälle auf und enthält kei­nen ab­sch­ließen­den Ka­ta­log von An­wen­dungsfällen denk­ba­rer Recht­fer­ti­gun­gen für ei­ne un­mit­tel­ba­re Dis­kri­mi­nie­rung we­gen des Al­ters (vgl. et­wa BAG 24. Ja­nu­ar 2013 - 8 AZR 429/11 - Rn. 45; 25. Fe­bru­ar 2010 - 6 AZR 911/08 - Rn. 35, BA­GE 133, 265; 22. Ja­nu­ar 2009 - 8 AZR 906/07 - Rn. 40, BA­GE 129, 181). Den­noch ist die Ver­wen­dung von Al­ters­kri­te­ri­en in den be­trieb­li­chen Sys­te­men der so­zia­len Si­cher­heit als Vor­aus­set­zung für den Be­zug von Leis­tun­gen im To­des­fall, mit­hin für den Be­zug ei­ner Wit­wen- und Wit­wer­ren­te, kein denk­ba­rer - über die aus­drück­lich ge­nann­ten Bei­spielsfälle hin­aus­ge­hen­der - An­wen­dungs­fall ei­ner Recht­fer­ti­gung iSv. § 10 Satz 3 Nr. 4 AGG. Ei­ne ergänzen­de Aus­le­gung die­ser Be­stim­mung da­hin, dass sie auch die Fest­set­zung von Al­ters­gren­zen in Be­triebs­ren­ten­sys­te­men als Vor­aus­set­zung für den Be­zug ei­ner Hin­ter­blie­be­nen­ren­te er­fasst oder ei­ne ana­lo­ge An­wen­dung von § 10 Satz 3 Nr. 4 AGG auf sol­che Al­ters­gren­zen schei­det aus. Dies folgt eben­falls aus ei­ner uni­ons­rechts­kon­for­men Aus­le­gung von § 10 Satz 3 AGG im Lich­te von Art. 6 der Richt­li­nie 2000/78/EG.
(2) Nur Art. 6 Abs. 1 Un­terabs. 2 der Richt­li­nie 2000/78/EG enthält - wie die Ver­wen­dung des Be­griffs „ins­be­son­de­re“ ver­deut­licht - ei­nen nicht ab­sch­ließen­den Ka­ta­log von An­wen­dungsfällen denk­ba­rer Recht­fer­ti­gun­gen für ei­ne un­mit­tel­ba­re Dis­kri­mi­nie­rung we­gen des Al­ters iSd. Art. 6 Abs. 1 Un­terabs. 1 der Richt­li­nie (EuGH 18. No­vem­ber 2010 - C-250/09 und C-268/09 - [Ge­or­giev] Rn. 36, Slg. 2010, I-11869). Dem­ge­genüber hat der Uni­ons­ge­setz­ge­ber ei­ne mögli­che Recht­fer­ti­gung ei­ner un­mit­tel­ba­ren Dis­kri­mi­nie­rung we­gen des Al­ters bei den be­trieb­li­chen Sys­te­men der so­zia­len Si­cher­heit nicht in den Bei­spiel­ka­ta­log von Art. 6 Abs. 1 Un­terabs. 2 der Richt­li­nie 2000/78/EG auf­ge­nom­men, son­dern in Art. 6 Abs. 2 der Richt­li­nie 2000/78/EG ei­ner ei­genständi­gen Re­ge­lung zu­geführt. Art. 6 Abs. 2 der Richt­li­nie 2000/78/EG, der es den Mit­glied­staa­ten ge­stat­tet, ei­ne Aus­nah­me vom Ver­bot der Dis­kri­mi­nie­rung aus Gründen des Al­ters vor­zu­se­hen, ist nicht nur eng aus­zu­le­gen (EuGH 26. Sep­tem­ber 2013 - C-546/11 - [Dansk Ju­rist] Rn. 41; 26. Sep­tem­ber 2013 - C-476/11 - [HK Dan­mark] Rn. 46), son­dern auch ab­sch­ließend. Ei­ne Aus­nah­me von dem Ver­bot der Dis­kri­mi­nie­rung we­gen des Al­ters iSv. Art. 6 Abs. 1 Un­terabs. 1 der Richt­li­nie 2000/78/EG ist bei den be­trieb­li­chen Sys­te­men der so­zia­len Si­cher­heit aus-
schließlich in den in Art. 6 Abs. 2 der Richt­li­nie 2000/78/EG aus­drück­lich g-nann­ten Fällen möglich. Hätte der Uni­ons­ge­setz­ge­ber den Gel­tungs­be­reich die­ser Be­stim­mung über die dort ge­nann­ten Fälle hin­aus aus­deh­nen wol­len, hätte er dies - wie in Art. 6 Abs. 1 Un­terabs. 2 der Richt­li­nie 2000/78/EG ge­sche­hen - durch ei­ne ein­deu­ti­ge For­mu­lie­rung, zB un­ter Ver­wen­dung des Ad­verbs „ins­be­son­de­re“ ge­tan (EuGH 26. Sep­tem­ber 2013 - C-546/11 - [Dansk Ju­rist] Rn. 39; 26. Sep­tem­ber 2013 - C-476/11 - [HK Dan­mark] Rn. 44).
ee) Die durch die Späte­hen­klau­sel in VII Ziff. 1 Satz 2 der VO S be­wirk­te un­mit­tel­ba­re Un­gleich­be­hand­lung des ver­stor­be­nen Ehe­man­nes der Kläge­rin we­gen des Al­ters ist auch nicht nach § 10 Satz 1 und Satz 2 AGG ge­recht­fer­tigt. Nach § 10 Satz 1 AGG ist ei­ne un­ter­schied­li­che Be­hand­lung we­gen des Al­ters ge­stat­tet, wenn die­se ob­jek­tiv und an­ge­mes­sen und durch ein le­gi­ti­mes Ziel ge­recht­fer­tigt ist; nach § 10 Satz 2 AGG müssen die Mit­tel zur Er­rei­chung die­ses Ziels an­ge­mes­sen und er­for­der­lich sein. Es kann vor­lie­gend da­hin­ste­hen, ob die durch die Späte­hen­klau­sel be­wirk­te Un­gleich­be­hand­lung der Ver­sor­gungs­be­rech­tig­ten we­gen des Al­ters durch ein le­gi­ti­mes Ziel iSv. § 10 Satz 1 AGG ge­recht­fer­tigt ist. Je­den­falls ist die Al­ters­gren­ze von 60 Jah­ren in VII Ziff. 1 Satz 2 der VO S zur Er­rei­chung der mit ihr ver­folg­ten Zie­le nicht an­ge­mes­sen und er­for­der­lich iSv. § 10 Satz 2 AGG.
(1) Es kann of­fen­blei­ben, ob die durch VII Ziff. 1 Satz 2 der VO S be­wirk­te Un­gleich­be­hand­lung we­gen des Al­ters durch ein le­gi­ti­mes Ziel iSv. § 10 Satz 1 AGG ge­recht­fer­tigt ist.
(a) Der Ge­richts­hof der Eu­ropäischen Uni­on hat nicht nur er­kannt, dass le­gi­ti­me Zie­le iSv. Art. 6 Abs. 1 Un­terabs. 1 der Richt­li­nie 2000/78/EG we­gen der als Bei­spie­le ge­nann­ten Be­rei­che Beschäfti­gungs­po­li­tik, Ar­beits­markt und be­ruf­li­che Bil­dung sol­che aus dem Be­reich „Ar­beits- und So­zi­al­po­li­tik“ sind (vgl. EuGH 26. Fe­bru­ar 2015 - C-515/13 - [In­ge­niørfo­ren­gin­gen i Dan­mark] Rn. 19; 28. Ja­nu­ar 2015 - C-417/13 - [Star­ja­kob] Rn. 34; 26. Sep­tem­ber 2013 - C-546/11 - [Dansk Ju­rist] Rn. 50; 13. Sep­tem­ber 2011 - C-447/09 - [Prig­ge] Rn. 81, Slg. 2011, I-8003; 18. Ju­ni 2009 - C-88/08 - [Hütter] Rn. 41, Slg. 2009, I-5325; 5. März 2009 - C-388/07 - [Age Con­cern Eng­land] Rn. 46, Slg. 2009,
I-1569; 12. Ok­to­ber 2010 - C-499/08 - [An­der­sen] Rn. 33, Slg. 2010, I-9343; 12. Ok­to­ber 2010 - C-45/09 - [Ro­sen­bladt] Rn. 41, Slg. 2010, I-9391; 16. Ok­to­ber 2007 - C-411/05 - [Pa­la­ci­os de la Vil­la] Rn. 68, Slg. 2007, I-8531; 22. No­vem­ber 2005 - C-144/04 - [Man­gold] Rn. 63, Slg. 2005, I-9981; vgl. auch BVerfG 24. Ok­to­ber 2011 - 1 BvR 1103/11 - Rn. 15). Er hat zu­dem mit Ur­teil vom 26. Sep­tem­ber 2013 (- C-476/11 - [HK Dan­mark]) aus­geführt, dass auch Zie­le im Be­reich der Ar­beits- und So­zi­al­po­li­tik, die ein Ar­beit­ge­ber mit ei­ner im Ar­beits­ver­trag vor­ge­se­he­nen be­trieb­li­chen Al­ters­vor­sor­ge an­strebt, le­gi­ti­me Zie­le iSv. Art. 6 Abs. 1 Un­terabs. 1 der Richt­li­nie 2000/78/EG sein können. Gleich­zei­tig hat er die Le­gi­ti­mität der Zie­le für den Fall be­jaht, dass die­se im Rah­men so­zi­al-, beschäfti­gungs- und ar­beits­markt­po­li­ti­scher Be­lan­ge den In­ter­es­sen al­ler Beschäftig­ten Rech­nung tra­gen, um die­sen bei Ein­tritt in den Ru­he­stand ei­ne Al­ters­ver­sor­gung in an­ge­mes­se­ner Höhe zu gewähr­leis­ten (EuGH 26. Sep­tem­ber 2013 - C-476/11 - [HK Dan­mark]). Da nach al­le­dem le­gi­ti­me Zie­le iSv. Art. 6 Abs. 1 der Richt­li­nie 2000/78/EG al­ler­dings nur sol­che im Rah­men so­zi­al-, beschäfti­gungs- und ar­beits­markt­po­li­ti­scher Be­lan­ge sind, die den In­ter­es­sen der Beschäftig­ten Rech­nung tra­gen, können Zie­le, die aus­sch­ließlich im Ei­gen­in­ter­es­se des Ar­beit­ge­bers lie­gen, wie Kos­ten­re­du­zie­rung und Ver­bes­se­rung der Wett­be­werbsfähig­keit, ei­ne Dis­kri­mi­nie­rung we­gen des Al­ters nicht nach § 10 Satz 1 AGG recht­fer­ti­gen (vgl. et­wa BAG 19. De­zem­ber 2013 - 6 AZR 790/12 - Rn. 26, BA­GE 147, 89).
(b) Ob die mit der un­ter VII Ziff. 1 Satz 2 der VO S ge­trof­fe­nen Späte­hen­klau­sel be­wirk­te Dis­kri­mi­nie­rung we­gen des Al­ters durch ein le­gi­ti­mes Ziel iSv. § 10 Satz 1 AGG ge­recht­fer­tigt ist, ist zwei­fel­haft.
(aa) Die Be­klag­te hat­te sich bis zum Zeit­punkt der letz­ten münd­li­chen Ver­hand­lung in der Tat­sa­chen­in­stanz aus­sch­ließlich dar­auf be­ru­fen, ih­re Rechts­vorgänge­rin ha­be mit der Späte­hen­klau­sel das Ziel ver­folgt, nicht noch kurz vor dem Ver­sor­gungs­fall ho­he Rück­stel­lun­gen bil­den zu müssen. Es ha­be das Ri­si­ko un­kal­ku­lier­ba­rer zusätz­li­cher Ver­sor­gungs­ansprüche aus­ge­schlos­sen wer­den sol­len, um die Fi­nan­zier­bar­keit be­ste­hen­der Ver­sor­gungs­ansprüche der Ar­beit­neh­mer zu gewähr­leis­ten. Im ungüns­tigs­ten Fall müss­ten Zu­sa­gen für
künf­ti­ge Mit­ar­bei­ter re­du­ziert wer­den, da un­kal­ku­lier­ba­re, später ein­ge­tre­te­ne Er­eig­nis­se (wie wei­te­re Leis­tungs­be­rech­tig­te) die Fi­nan­zie­rung der Be­triebs­ren­ten ins Un­gleich­ge­wicht führen könn­ten. In der Re­vi­si­on hat sie zu­dem aus­geführt, die Rück­stel­lun­gen für die Al­ters­ver­sor­gung be­ruh­ten auf ver­si­che­rungs­ma­the­ma­ti­schen Be­rech­nun­gen, die sich ih­rer­seits an die Ster­be­ta­feln an­lehn­ten. Die­se Be­rech­nun­gen hätten mit der Späte­hen­klau­sel ab­ge­si­chert wer­den sol­len; es sei dar­um ge­gan­gen, un­kal­ku­lier­ba­re Ri­si­ken zu ver­mei­den. Das Ri­si­ko ei­ner höhe­ren Kos­ten­last ver­wirk­li­che sich bei ei­ner Hei­rat im ho­hen Le­bens­al­ter al­lein da­durch, dass der Al­ters­un­ter­schied der Ehe­leu­te im­mer größer wer­de und die Ver­sor­gungs­leis­tun­gen des­halb über ei­nen länge­ren Zeit­raum er­bracht wer­den müss­ten. Wel­chen Weg ein Ar­beit­ge­ber zur Mi­ni­mie­rung des Ri­si­kos von Späte­hen wähle, ob durch ei­ne Al­ters­ab­stands- oder durch ei­ne Späte­hen­klau­sel, müsse ihm über­las­sen blei­ben.
(bb) So­weit die Be­klag­te mit ih­rem Vor­brin­gen zu den Rück­stel­lun­gen zum Aus­druck brin­gen will, dass die Späte­hen­klau­sel da­zu dient, den ad­mi­nis­tra­ti­ven Auf­wand bei der nach § 249 HGB vor­zu­neh­men­den Bil­dung und Auflösung von Pen­si­onsrück­stel­lun­gen ge­ring zu hal­ten, stellt sich die­ses Ziel - für sich be­trach­tet - als Ziel im aus­sch­ließli­chen Ei­gen­in­ter­es­se der Ver­sor­gungs­schuld­ne­rin dar und ist da­mit kein le­gi­ti­mes Ziel iSv. § 10 Satz 1 AGG (vgl. EuGH 28. Ja­nu­ar 2015 - C-417/13 - [Star­ja­kob] Rn. 36 zu „Haus­halts­erwägun­gen“ und „ad­mi­nis­tra­ti­ven Erwägun­gen“ ei­nes Mit­glied­staats).
(cc) So­weit die Be­klag­te gel­tend macht, die Späte­hen­klau­sel be­zwe­cke, die mit der Hin­ter­blie­be­nen­ver­sor­gung ver­bun­de­nen zusätz­li­chen Ri­si­ken zu be­gren­zen, um den Ver­sor­gungs­auf­wand für die Hin­ter­blie­be­nen­ver­sor­gung ver­si­che­rungs­ma­the­ma­tisch verläss­lich kal­ku­lie­ren zu können, ist al­ler­dings zwei­fel­haft, ob die un­ter­schied­li­che Be­hand­lung der Ver­sor­gungs­be­rech­tig­ten we­gen des Al­ters durch ein le­gi­ti­mes Ziel iSv. § 10 Satz 1 AGG ge­recht­fer­tigt ist.
Zwar ent­schei­det der Ar­beit­ge­ber bei ei­ner von ihm fi­nan­zier­ten be­trieb­li­chen Al­ters­ver­sor­gung frei über de­ren Einführung. Ent­schließt er sich hier­zu, so ist er auch frei in der Ent­schei­dung, für wel­che der in § 1 Abs. 1 Be­trAVG ge­nann­ten Ver­sor­gungsfälle er Leis­tun­gen zu­sagt und wie hoch er die ent­sp­re-
chen­de Leis­tung do­tiert. Er kann Leis­tun­gen der Hin­ter­blie­be­nen­ver­sor­gung ver­spre­chen; ei­ne Rechts­pflicht hier­zu trifft ihn nicht. Aus die­sem Grund ist er grundsätz­lich auch be­rech­tigt, die Hin­ter­blie­be­nen­ver­sor­gung von zusätz­li­chen Vor­aus­set­zun­gen abhängig zu ma­chen und da­mit Per­so­nen, die die­se Vor­aus­set­zun­gen nicht erfüllen, von die­ser Ver­sor­gung aus­zu­sch­ließen (vgl. BAG 20. April 2010 - 3 AZR 509/08 - Rn. 74 mwN, BA­GE 134, 89). Auch liegt ei­ne Be­gren­zung des Krei­ses der an­spruchs­be­rech­tig­ten Drit­ten durch zusätz­li­che an­spruchs­be­gründen­de oder be­son­de­re an­spruchs­aus­sch­ließen­de Merk­ma­le ge­ra­de im Be­reich der Hin­ter­blie­be­nen­ver­sor­gung na­he, weil ein da­hin­ge­hen­des Leis­tungs­ver­spre­chen zusätz­li­che Unwägbar­kei­ten und Ri­si­ken mit sich bringt. Die­se be­tref­fen nicht nur den Zeit­punkt des Leis­tungs­falls, son­dern auch die Dau­er der Leis­tungs­er­brin­gung.
Vor die­sem Hin­ter­grund be­stand im vor­lie­gen­den Ver­fah­ren ar­beit­ge­ber­sei­tig ein be­rech­tig­tes In­ter­es­se dar­an, die mit der Hin­ter­blie­be­nen­ver­sor­gung ver­bun­de­nen zusätz­li­chen Ri­si­ken zu be­gren­zen, um den Ver­sor­gungs-auf­wand verläss­lich kal­ku­lie­ren zu können (BAG 15. Ok­to­ber 2013 - 3 AZR 653/11 - Rn. 38; 20. April 2010 - 3 AZR 509/08 - Rn. 75 mwN, BA­GE 134, 89). Die­ses Ziel ist zwar ein rechtmäßiges Ziel iSv. § 3 Abs. 2 AGG, das über das Vor­lie­gen ei­ner mit­tel­ba­ren Dis­kri­mi­nie­rung ent­schei­det (vgl. et­wa BAG 15. Ok­to­ber 2013 - 3 AZR 653/11 - Rn. 36 f.; 15. Ok­to­ber 2013 - 3 AZR 294/11 - Rn. 30 f., BA­GE 146, 200). Ob es je­doch ein le­gi­ti­mes Ziel iSv. § 10 Satz 1 AGG ist und da­mit ei­ne un­mit­tel­ba­re Be­nach­tei­li­gung we­gen des Al­ters recht­fer­ti­gen kann (vgl. da­ge­gen noch et­wa BAG 15. Ok­to­ber 2013 - 3 AZR 653/11 - Rn. 36; 15. Ok­to­ber 2013 - 3 AZR 294/11 - Rn. 30, aaO), ist vor dem Hin­ter­grund auch der an­geführ­ten neue­ren Recht­spre­chung des Ge­richts­hofs der Eu­ropäischen Uni­on nicht oh­ne Wei­te­res ein­deu­tig zu be­ant­wor­ten. Ge­gen die Le­gi­ti­mität des Ziels iSv. § 10 Satz 1 AGG könn­te spre­chen, dass ei­ne Ri­si­ko­be­gren­zung zum Zwe­cke ei­ner verläss­li­chen Kal­ku­la­ti­on des für die Hin­ter­blie­be­nen­ver­sor­gung zur Verfügung ge­stell­ten Do­tie­rungs­rah­mens zunächst im Ei­gen­in­ter­es­se des Ar­beit­ge­bers liegt; dafür könn­te in­des spre­chen, dass Ar­beit­ge­ber ih­ren Beschäftig­ten Leis­tun­gen der be­trieb­li­chen Al­ters­ver­sor­gung nur zu­kom­men las­sen, wenn sie auch die Möglich­keit ha­ben, den aus der Ver­sor-
gungs­zu­sa­ge re­sul­tie­ren­den Ver­sor­gungs­auf­wand verläss­lich zu pro­gnos­ti­zie­ren.
(dd) So­weit die Be­klag­te sich dar­auf be­ruft, mit der Späte­hen­klau­sel wer­de auch be­zweckt, die für die Wit­wen-/Wit­wer­ver­sor­gung ins­ge­samt zur Verfügung ge­stell­ten Mit­tel nur ei­nem ein­ge­grenz­ten Per­so­nen­kreis zu­kom­men zu las­sen, um die­sem bei Ein­tritt des Ver­sor­gungs­falls „Tod“ ei­ne Wit­wen-/Wit­wer­ver­sor­gung in an­ge­mes­se­ner, weil sub­stan­ti­el­ler Höhe gewähren zu können, spricht vor dem Hin­ter­grund des Ur­teils des Ge­richts­hofs der Eu­ropäischen Uni­on vom 26. Sep­tem­ber 2013 (- C-476/11 - [HK Dan­mark]) viel dafür, dass die Späte­hen­klau­sel durch ein le­gi­ti­mes Ziel iSv. § 10 Satz 1 AGG ge­recht­fer­tigt ist.
(2) Dies kann vor­lie­gend je­doch of­fen­blei­ben, da die in VII Ziff. 1 Satz 2 der VO S kon­kret auf die Voll­endung des 60. Le­bens­jah­res be­stimm­te Al­ters­gren­ze zur Er­rei­chung der mit der Späte­hen­klau­sel an­ge­streb­ten Zie­le, die mit der Hin­ter­blie­be­nen­ver­sor­gung ver­bun­de­nen zusätz­li­chen Ri­si­ken zu be­gren­zen, um den er­for­der­li­chen Ver­sor­gungs­auf­wand verläss­lich kal­ku­lie­ren zu können so­wie die für die Wit­wen-/Wit­wer­ver­sor­gung ins­ge­samt zur Verfügung ge­stell­ten Mit­tel auf ei­nen be­stimm­ten Per­so­nen­kreis zu ver­tei­len, um die­sem bei Ein­tritt des Ver­sor­gungs­falls „Tod“ ei­ne Wit­wen-/Wit­wer­ver­sor­gung in an­ge­mes­se­ner Höhe gewähren zu können, nicht an­ge­mes­sen und er­for­der­lich iSv. § 10 Satz 2 AGG ist.
(a) Die in der Späte­hen­klau­sel auf die Voll­endung des 60. Le­bens­jah­res be­stimm­te Al­ters­gren­ze ist - in uni­ons­rechts­kon­for­mer Aus­le­gung von § 10 Satz 2 AGG - nur dann an­ge­mes­sen und er­for­der­lich, wenn sie es er­laubt, das mit der Späte­hen­klau­sel ver­folg­te Ziel zu er­rei­chen, oh­ne zu ei­ner übermäßigen Be­ein­träch­ti­gung der le­gi­ti­men In­ter­es­sen der­je­ni­gen Ar­beit­neh­mer zu führen, de­nen auf­grund der Klau­sel die Wit­wen-/Wit­wer­ver­sor­gung vor­ent­hal­ten wird, weil sie bei Ehe­sch­ließung be­reits das 60. Le­bens­jahr voll­endet hat­ten (vgl. et­wa EuGH 26. Fe­bru­ar 2015 - C-515/13 - [In­ge­niørfo­re­nin­gen i Dan­mark] Rn. 25) und sie nicht über das hin­aus­geht, was zur Er­rei­chung des an­ge­streb-
ten Ziels not­wen­dig ist (vgl. EuGH 26. Sep­tem­ber 2013 - C-546/11 - [Dansk Ju­rist] Rn. 59).
(b) Die in VII Ziff. 1 Satz 2 VO S auf die Voll­endung des 60. Le­bens­jah­res fest­ge­leg­te Al­ters­gren­ze ist nicht an­ge­mes­sen und er­for­der­lich, weil sie zu ei­ner übermäßigen Be­ein­träch­ti­gung der le­gi­ti­men In­ter­es­sen der Ver­sor­gungs­be­rech­tig­ten führt, die - weil sie bei Ehe­sch­ließung das 60. Le­bens­jahr voll­endet hat­ten - von der Wit­wen-/Wit­wer­ver­sor­gung vollständig aus­ge­schlos­sen wer­den. Zu­dem geht sie zum Teil auch über das hin­aus, was zur Er­rei­chung des an­ge­streb­ten Ziels not­wen­dig ist.
(aa) Die Zu­sa­ge der Wit­wen-/Wit­wer­ver­sor­gung nach der VO S ist Teil ei­ner um­fas­sen­den Ver­sor­gungs­re­ge­lung. Durch die Zu­sa­ge sol­len die Ar­beit­neh­mer in der Sor­ge um die fi­nan­zi­el­le La­ge ih­rer Hin­ter­blie­be­nen ent­las­tet wer­den. Die Hin­ter­blie­be­nen­ver­sor­gung nach dem Be­triebs­ren­ten­ge­setz knüpft an das ty­pi­sier­te Ver­sor­gungs­in­ter­es­se des Ar­beit­neh­mers an (vgl. BAG 15. Ok­to­ber 2013 - 3 AZR 653/11 - Rn. 38). Für die­ses Ver­sor­gungs­in­ter­es­se ist es je­doch un­er­heb­lich, zu wel­chem Zeit­punkt die Ehe ge­schlos­sen wur­de. Es exis­tiert vor al­lem kein all­ge­mei­ner Er­fah­rungs­satz, dass die Ver­sor­gungs­be­rech­tig­ten, die die Ehe erst nach Voll­endung des 60. Le­bens­jah­res schließen, ein ge­rin­ge­res In­ter­es­se an der Ver­sor­gung ih­rer Wit­wen und Wit­wer ha­ben als Ver­sor­gungs­be­rech­tig­te, die die Ehe in ei­nem jünge­ren Le­bens­al­ter schließen. So­wohl die Ver­sor­gungs­be­rech­tig­ten, die die Ehe vor der Voll­endung ih­res 60. Le­bens­jah­res als auch die Ver­sor­gungs­be­rech­tig­ten, die die Ehe erst da­nach ge­schlos­sen ha­ben, ha­ben ein glei­cher­maßen an­er­ken­nens­wer­tes In­ter­es­se an der Ver­sor­gung ih­rer Ehe­part­ner.
(bb) Zu­dem wirkt sich aus, dass die Hin­ter­blie­be­nen­ver­sor­gung ih­ren Ur­sprung in der dem Ar­beit­neh­mer und der Ar­beit­neh­me­rin er­teil­ten Ver­sor­gungs­zu­sa­ge hat und dass be­trieb­li­che Al­ters­ver­sor­gung auch Ent­gelt der be­rech­tig­ten - männ­li­chen wie weib­li­chen - Ar­beit­neh­mer ist, das die­se als Ge­gen­leis­tung für die im Ar­beits­verhält­nis er­brach­te Be­triebs­zu­gehörig­keit er­hal­ten (vgl. et­wa BAG 12. No­vem­ber 2013 - 3 AZR 274/12 - Rn. 27 mwN). Da­nach ist es re­gelmäßig nicht an­ge­mes­sen, die un­ter Gel­tung ei­ner Ver­sor­gungs­zu­sa­ge ab­ge­leis-
te­te Be­triebs­zu­gehörig­keit im Hin­blick auf die Hin­ter­blie­be­nen­ver­sor­gung al­lein des­halb vollständig un­berück­sich­tigt zu las­sen, weil der Ver­sor­gungs­be­rech­tig­te bei Ehe­sch­ließung das 60. Le­bens­jahr be­reits voll­endet hat­te.
(cc) Die Voll­endung des 60. Le­bens­jah­res stellt auch - an­ders als das En­de des Ar­beits­verhält­nis­ses (vgl. hier­zu BAG 15. Ok­to­ber 2013 - 3 AZR 653/11 - Rn. 38) oder der Ein­tritt des Ver­sor­gungs­falls beim ver­sor­gungs­be­rech­tig­ten Ar­beit­neh­mer selbst (vgl. hier­zu BAG 15. Ok­to­ber 2013 - 3 AZR 294/11 - Rn. 32, BA­GE 146, 200) - kei­ne „Zäsur“ dar, die es der Rechts­vorgänge­rin der Be­klag­ten aus­nahms­wei­se hätte ge­stat­ten können, in den Be­stim­mun­gen über die Wit­wen-/Wit­wer­ver­sor­gung zur Be­gren­zung des mit der Ver­sor­gungs­zu­sa­ge ver­bun­de­nen Ri­si­kos und Auf­wands hier­an an­zu­knüpfen und die Le­bens­ge­stal­tung des Ar­beit­neh­mers ab die­sem Zeit­punkt bei der Ab­gren­zung ih­rer Leis­tungs­pflich­ten un­berück­sich­tigt zu las­sen.
Dies folgt aus den Wer­tun­gen des § 1 Abs. 1 Satz 1 Be­trAVG, wo­nach be­trieb­li­che Al­ters­ver­sor­gung iSd. Be­triebs­ren­ten­ge­set­zes nur vor­liegt, wenn dem Ar­beit­neh­mer Leis­tun­gen der Al­ters-, In­va­li­ditäts- oder Hin­ter­blie­be­nen­ver­sor­gung vom Ar­beit­ge­ber „aus An­lass sei­nes Ar­beits­verhält­nis­ses“ zu­ge­sagt wer­den. Da­nach muss zwi­schen dem Ar­beits­verhält­nis und der Zu­sa­ge ein Kau­sal­zu­sam­men­hang be­ste­hen (vgl. et­wa BAG 20. April 2004 - 3 AZR 297/03 - zu I 2 der Gründe, BA­GE 110, 176; 25. Ja­nu­ar 2000 - 3 AZR 769/98 - zu II 2 der Gründe). Im Hin­blick dar­auf über­nimmt der Ar­beit­ge­ber mit der Zu­sa­ge von Leis­tun­gen der be­trieb­li­chen Al­ters­ver­sor­gung be­stimm­te Ri­si­ken, die Al­ters­ver­sor­gung deckt ei­nen Teil der „Lang­le­big­keits­ri­si­ken“, die In­va­li­ditäts­si­che­rung ei­nen Teil der In­va­li­ditäts­ri­si­ken und die Hin­ter­blie­be­nen­ver­sor­gung ei­nen Teil der To­des­fall­ri­si­ken ab (vgl. et­wa BAG 25. Ju­ni 2013 - 3 AZR 219/11 - Rn. 13, BA­GE 145, 314). Vor die­sem Hin­ter­grund sind zwar das En­de des Ar­beits­verhält­nis­ses und der Ein­tritt des Ver­sor­gungs­falls beim ver­sor­gungs­be­rech­tig­ten Ar­beit­neh­mer, zu dem ty­pi­scher­wei­se auch das Ar­beits­verhält­nis sein En­de fin­det, sach­ge­rech­te An­knüpfungs­punk­te für Re­ge­lun­gen über den Aus­schluss von der Hin­ter­blie­be­nen­ver­sor­gung, nicht aber ein vom En­de des Ar­beits­verhält­nis­ses un­abhängi­ges Al­ter.
Die Nähe der Voll­endung des 60. Le­bens­jah­res zum Ver­sor­gungs­fall „Al­ter“ ändert dar­an ent­ge­gen der Rechts­auf­fas­sung der Be­klag­ten nichts. Es be­steht für sich ge­nom­men kein hin­rei­chen­der in­ne­rer Zu­sam­men­hang zwi­schen dem Ab­stand zu die­sem Ver­sor­gungs­fall und der Hin­ter­blie­be­nen­ver­sor­gung.
(dd) Ent­ge­gen der An­nah­me des Lan­des­ar­beits­ge­richts, die die Be­klag­te ver­tei­digt, lässt sich die in VII Ziff. 1 Satz 2 der VO S be­stimm­te Späte­hen­klau­sel auch nicht mit der zusätz­li­chen Be­gründung recht­fer­ti­gen, die Be­rufstätig­keit des Ar­beit­neh­mers, der bei Ehe­sch­ließung das 60. Le­bens­jahr voll­endet hat, wer­de nicht mehr ent­schei­dend durch die Fürsor­ge des Ehe­gat­ten mit­ge­tra­gen. Die Be­klag­te hat kein an­er­ken­nens­wer­tes In­ter­es­se dar­an, zur Ab­gren­zung ih­rer Leis­tungs­pflich­ten zwi­schen den Ehen, die vor der Voll­endung des 60. Le­bens­jah­res des Ver­sor­gungs­be­rech­tig­ten und den Ehen, die erst da­nach ge­schlos­sen wur­den, mit die­ser Be­gründung zu dif­fe­ren­zie­ren. Auch dies macht die in der Späte­hen­klau­sel be­stimm­te Al­ters­gren­ze nicht an­ge­mes­sen.
Die et­wai­ge „Fürsor­ge“ des Ehe­gat­ten für sich be­trach­tet steht in kei­nem recht­lich re­le­van­ten Zu­sam­men­hang mit dem Ar­beits­verhält­nis des Ver­sor­gungs­be­rech­tig­ten, anläss­lich des­sen die Hin­ter­blie­be­nen­ver­sor­gung zu­ge­sagt wur­de, son­dern be­trifft die pri­va­te Le­bens­ge­stal­tung. So­weit nicht der „Fürsor­ge­ge­dan­ke“ im Vor­der­grund ste­hen soll­te, son­dern be­ab­sich­tigt war, nach der noch mögli­chen Ehe­dau­er bis zum Ein­tritt des Ver­sor­gungs­falls „Al­ter“, mit dem das Ar­beits­verhält­nis re­gelmäßig en­det, zu dif­fe­ren­zie­ren, be­steht zwar ein Be­zug zum Ar­beits­verhält­nis. Die Dau­er der Ehe während des Ar­beits­verhält­nis­ses ist aber kein an­ge­mes­se­ner An­knüpfungs­punkt für Leis­tun­gen der Hin­ter­blie­be­nen­ver­sor­gung, weil die­se Leis­tun­gen Ge­gen­leis­tung für die Beschäfti­gungs­zeit, nicht aber für die Ehe­dau­er sind. Zu­dem führt ein Ab­stel­len auf ei­ne noch mögli­che Ehe­dau­er bis zum Ein­tritt des Ver­sor­gungs­falls „Al­ter“ zu ei­ner un­an­ge­mes­se­nen Be­nach­tei­li­gung der Ver­sor­gungs­be­rech­tig­ten ge­genüber an­de­ren Ar­beit­neh­mern, die bei Ein­tritt des Nach­ver­sor­gungs­falls eben­falls noch nicht für ei­ne be­stimm­te Zeit während des Ar­beits­verhält­nis­ses ver­hei­ra­tet wa­ren.
Aus der von der Be­klag­ten an­ge­zo­ge­nen Ent­schei­dung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts vom 1. März 2010 (- 1 BvR 2584/06 - BVerfGK 17, 120) folgt nichts Ab­wei­chen­des. Zum ei­nen hat­te sich das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt in sei­nem Nicht­an­nah­me­be­schluss vom 1. März 2010 (- 1 BvR 2584/06 - aaO) mit ei­ner Sat­zungs­be­stim­mung ei­nes Ver­sor­gungs­werks ei­ner Ärz­te­kam­mer zu be­fas­sen, das durch ei­ge­ne Bei­trags­leis­tun­gen der Ver­si­cher­ten fi­nan­ziert wur­de, und bei dem nur die ori­ginär ei­ge­ne Ren­te des Ver­si­cher­ten (Al­ters- und In­va­li­ditäts­ver­sor­gung) Ge­gen­leis­tung der Bei­trags­leis­tung war, während die Hin­ter­blie­be­nen­ver­sor­gung - an­ders als die ar­beit­ge­ber­fi­nan­zier­te be­trieb­li­che Hin­ter­blie­be­nen­ver­sor­gung nach der VO S - aus­sch­ließlich Ver­sor­gung­s­cha­rak­ter hat­te, weil sie nicht auf ei­ner dem Ver­si­cher­ten zu­re­chen­ba­ren Ei­gen­leis­tung be­ruh­te. Zum an­de­ren sah die vom Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt zu be­ur­tei­len­de Sat­zungs­be­stim­mung des Ver­sor­gungs­werks der Ärz­te­kam­mer - an­ders als die Späte­hen­klau­sel in VII Ziff. 1 Satz 2 der VO S - nicht vor, dass Ver­sor­gungs­be­rech­tig­te, die die Ehe erst nach Voll­endung des 60. Le­bens­jah­res ge­schlos­sen hat­ten, von der Hin­ter­blie­be­nen­ver­sor­gung aus­ge­schlos­sen wa­ren. Viel­mehr be­stimm­te sie, dass der ver­wit­we­te Ehe­teil aus ei­ner Ehe, die das Ver­sor­gungs­werks­mit­glied erst nach Be­ginn der Al­ters­ren­te ge­schlos­sen hat­te, kei­nen An­spruch auf ei­ne Hin­ter­blie­be­nen­ver­sor­gung hat. Das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt hat die­se Sat­zungs­be­stim­mung mit der Be­gründung ge­bil­ligt, der An­spruch auf Hin­ter­blie­be­nen­ver­sor­gung könne da­von abhängig ge­macht wer­den, dass der Ver­si­cher­te und der Hin­ter­blie­be­ne be­reits während der Er­werbstätig­keit des Ver­si­cher­ten mit­ein­an­der ver­hei­ra­tet ge­we­sen sei­en; es sei nicht zu be­an­stan­den, wenn der Sat­zungs­ge­ber Hin­ter­blie­be­nen­ren­te nur den­je­ni­gen Hin­ter­blie­be­nen gewähren wol­le, die zu­min­dest zu ei­nem Teil den Be­rufs­weg des Ver­si­cher­ten als Ehe­gat­ten be­glei­tet ha­ben.
(ee) Ent­ge­gen der Rechts­auf­fas­sung des Lan­des­ar­beits­ge­richts, die die Be­klag­te in der Re­vi­si­on eben­falls ver­tei­digt, lässt sich die An­knüpfung an das 60. Le­bens­jahr in der Späte­hen­klau­sel auch nicht mit der Be­gründung recht­fer­ti­gen, mit ihr würden zulässi­ger­wei­se Ansprüche auf ei­ne Wit­wen-/Wit­wer­ver­sor­gung in den Fällen aus­ge­schlos­sen, in de­nen nur ei­ne sog. Ver­sor­gungs­ehe geführt wird. Zwar läge dar­in ei­ne Be­gren­zung des Ri­si­kos auf Fälle, in de-
nen das Ver­sor­gungs­ri­si­ko nicht ge­zielt zu­las­ten des Ar­beit­ge­bers ge­schaf­fen wird. Es ist je­doch be­reits zwei­fel­haft, ob die Späte­hen­klau­sel in VII Ziff. 1 Satz 2 der VO S über­haupt dem Zweck dient, Ver­sor­gungs­ehen von der Hin­ter­blie­be­nen­ver­sor­gung aus­zu­sch­ließen und das ar­beit­ge­ber­sei­ti­ge Ri­si­ko ent­spre­chend zu be­gren­zen. Die Be­klag­te hat sich auf die­sen Zweck der Klau­sel zu kei­nem Zeit­punkt aus­drück­lich be­ru­fen. Aber selbst wenn die Späte­hen­klau­sel in VII Ziff. 1 Satz 2 der VO S - wo­von das Lan­des­ar­beits­ge­richt aus­ge­gan­gen ist - dem Zweck die­nen soll­te, sog. Ver­sor­gungs­ehen von der Hin­ter­blie­be­nen­ver­sor­gung aus­zu­sch­ließen, ließe sich die durch die Al­ters­gren­ze von 60 Jah­ren be­wirk­te un­mit­tel­ba­re Be­nach­tei­li­gung we­gen des Al­ters nicht nach § 10 Satz 2 AGG recht­fer­ti­gen. Die Späte­hen­klau­sel in VII Ziff. 1 Satz 2 der VO S wäre zur Er­rei­chung des mit ihr an­ge­streb­ten Ziels nicht ge­eig­net.
Von ei­ner Ver­sor­gungs­ehe kann nur dann ge­spro­chen wer­den, wenn die Hei­rat al­lein oder über­wie­gend zu dem Zweck er­folg­te, dem Ehe­gat­ten ei­ne Hin­ter­blie­be­nen­ver­sor­gung zu ver­schaf­fen (De­fi­ni­ti­on in An­leh­nung an § 46 Abs. 2a SGB VI, § 19 Abs. 1 Satz 2 Nr. 1 Be­amt­VG). Zwar kann bei ei­ner Ehe, die zum Zeit­punkt des Ein­tritts des Ver­sor­gungs­falls „Tod“ - un­abhängig vom gleich­zei­ti­gen Be­ste­hen ei­nes Ar­beits­verhält­nis­ses zum Ver­sor­gungs­schuld­ner - erst von kur­zer Dau­er war, die Ver­mu­tung ge­recht­fer­tigt sein kann, dass die Ehe un­ter Ver­sor­gungs­ge­sichts­punk­ten ge­schlos­sen wur­de. So ent­hal­ten bei­spiels­wei­se § 46 Abs. 2a SGB VI und § 19 Abs. 1 Satz 2 Nr. 1 Be­amt­VG für Ehen, die nicht min­des­tens ein Jahr vor Ein­tritt des Ver­si­che­rungs- bzw. Ver­sor­gungs­falls ge­schlos­sen wur­den, ei­ne ge­setz­lich wi­der­leg­ba­re Ver­mu­tung, dass die Be­gründung ei­nes An­spruchs auf Hin­ter­blie­be­nen­ver­sor­gung der al­lei­ni­ge oder über­wie­gen­de Zweck der Hei­rat war. Hin­ge­gen exis­tiert kein all­ge­mei­ner Er­fah­rungs­satz des In­halts, dass ei­ne Ehe­sch­ließung nach Voll­endung des 60. Le­bens­jah­res des Ver­sor­gungs­be­rech­tig­ten aus­sch­ließlich oder über­wie­gend un­ter Ver­sor­gungs­ge­sichts­punk­ten er­folg­te. Viel­mehr ist bei Ehe­sch­ließun­gen nach Voll­endung des 60. Le­bens­jah­res ein an­de­rer Zweck der Ehe­sch­ließung min­des­tens eben­so wahr­schein­lich wie der Ver­sor­gungs­zweck.
(ff) Die Späte­hen­klau­sel in VII Ziff. 1 Satz 2 der VO S lässt sich ent­ge­gen den Ausführun­gen des Lan­des­ar­beits­ge­richts auch nicht mit der Be­gründung recht­fer­ti­gen, bei Ein­ge­hung ei­ner ver­sor­gungs­na­hen Ehe sei eher da­von aus­zu­ge­hen, dass der Ehe­gat­te über ei­ge­ne Ver­sor­gungs­an­wart­schaf­ten oder Vermögen verfüge und des­halb auf ei­ne Hin­ter­blie­be­nen­ver­sor­gung nicht in dem Maße an­ge­wie­sen sei wie ei­ne jun­ge Fa­mi­lie. Auch un­ter die­sem Ge­sichts­punkt liegt kei­ne an­ge­mes­se­ne Ri­si­ko­be­gren­zung vor. Es kann da­hin­ste­hen, ob die An­nah­me des Lan­des­ar­beits­ge­richts über­haupt zu­trifft. Nach den Wer­tun­gen der VO S kommt es hier­auf nicht an. Die VO S knüpft mit der in X zur Höhe der Wit­wen-/Wit­wer­ren­te ge­trof­fe­nen Be­stim­mung aus­sch­ließlich an das Aus­maß an, in dem der durch den Tod des Ver­sor­gungs­be­rech­tig­ten ver­ur­sach­te Weg­fall der er­reich­ba­ren bzw. be­zo­ge­nen Be­triebs­ren­te kom­pen­siert wer­den soll und de­fi­niert so den Ver­sor­gungs­be­darf. Be­stim­mun­gen über ei­ne An­rech­nung von Einkünf­ten oder Vermögen des hin­ter­blie­be­nen Ehe­gat­ten auf die Wit­wen-/Wit­wer­ren­te enthält die VO S nicht. Die­se Umstände ma­chen deut­lich, dass es nach den Wer­tun­gen der VO S für den An­spruch auf Wit­wen-/Wit­wer­ver­sor­gung un­er­heb­lich ist, wie die pri­va­te Le­bens­ge­stal­tung des Wit­wers oder der Wit­we im Hin­blick auf Er­werbs­ein­kom­men und Ver­sor­gung vor der Ehe­sch­ließung war.
(gg) Aus dem Um­stand, dass nach I Ziff. 3 der VO S Ar­beit­neh­mer, „die bei ih­rem letz­ten Dienstein­tritt in die Fir­ma das 60. Le­bens­jahr voll­endet ha­ben“, kei­ne Ver­sor­gungs­zu­sa­ge er­hal­ten, mit­hin von vorn­her­ein we­der An­spruch auf ei­ne Al­ters­ren­te noch auf ei­ne In­va­li­den- oder Wit­wen-/Wit­wer­ren­te er­wer­ben können, kann die Be­klag­te eben­falls nichts für sich her­lei­ten. Dies gilt auch un­ter Berück­sich­ti­gung des­sen, dass der Se­nat mit Ur­teil vom 12. Fe­bru­ar 2013 (- 3 AZR 100/11 - BA­GE 144, 231) so­gar ei­ner Be­stim­mung in ei­ner vom Ar­beit­ge­ber ge­schaf­fe­nen Ver­sor­gungs­ord­nung Wirk­sam­keit zu­er­kannt hat, nach der ein An­spruch auf Leis­tun­gen der be­trieb­li­chen Al­ters­ver­sor­gung nur be­steht, wenn der Ar­beit­neh­mer ei­ne min­des­tens 15-jähri­ge Be­triebs­zu­gehörig­keit bis zur Re­gel­al­ters­gren­ze in der ge­setz­li­chen Ren­ten­ver­si­che­rung zurück­le­gen kann. Mit der un­ter I Ziff. 3 der VO S ge­trof­fe­nen Be­stim­mung wird zum Aus­druck ge­bracht, dass für den Fall, dass der Ar­beit­neh­mer bei sei­nem Ein­tritt in
das Un­ter­neh­men das 60. Le­bens­jahr be­reits voll­endet hat, über­haupt kein Ver­sor­gungs­ri­si­ko über­nom­men wer­den soll. Hier­von zu un­ter­schei­den ist die Fra­ge, ob ei­ne be­reits grundsätz­lich er­folg­te Ri­si­koüber­nah­me, dh. zu­ge­sag­te Ver­sor­gung - hier die Hin­ter­blie­be­nen­ver­sor­gung - von zusätz­li­chen an­spruchs­be­gründen­den oder an­spruchs­aus­sch­ließen­den Vor­aus­set­zun­gen abhängig ge­macht wer­den darf und da­mit Per­so­nen, die die­se Vor­aus­set­zun­gen (nicht) erfüllen, von der Ver­sor­gung ih­rer Hin­ter­blie­be­nen aus­ge­schlos­sen wer­den dürfen.
(hh) Aus den in § 19 Abs. 1 Satz 2 Nr. 2 Be­amt­VG ge­trof­fe­nen Re­ge­lun­gen, wo­nach ein An­spruch auf Wit­wen­ren­te nicht be­steht, wenn die Ehe erst nach dem Ein­tritt des Be­am­ten in den Ru­he­stand ge­schlos­sen wor­den ist und der Ru­he­stands­be­am­te zur Zeit der Ehe­sch­ließung die Re­gel­al­ters­gren­ze nach § 51 Abs. 1 und Abs. 2 BBG be­reits er­reicht hat­te, kann die Be­klag­te eben­falls nichts für sich her­lei­ten. Dies folgt be­reits dar­aus, dass die­se Be­stim­mung - so­weit sie an das Le­bens­al­ter an­knüpft - auf die Re­gel­al­ters­gren­ze nach § 51 Abs. 1 und Abs. 2 BBG und da­mit auf den Zeit­punkt ab­stellt, zu dem re­gelmäßig das Dienst­verhält­nis zum Dienst­herrn en­det. Ei­ne sol­che An­knüpfung an ei­ne der­ar­ti­ge „Zäsur“ enthält die Späte­hen­klau­sel in VII Ziff. 1 Satz 2 der VO S hin­ge­gen nicht.
(ii) Ent­ge­gen ih­rer Rechts­auf­fas­sung spricht auch das Ur­teil des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts vom 27. Mai 2009 (- 8 CN 1.09 - BVerw­GE 134, 99) nicht für die Be­klag­te. Die Erwägun­gen, die das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt in die­ser Ent­schei­dung an­ge­stellt hat, sind auf den vor­lie­gen­den Rechts­streit nicht über­trag­bar und können des­halb die Späte­hen­klau­sel in VII Ziff. 1 Satz 2 der VO S nicht recht­fer­ti­gen. Zwar hat das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt in die­ser Ent­schei­dung ei­ne Be­stim­mung in der Sat­zung ei­nes Ver­sor­gungs­werks als nicht al­ters­dis­kri­mi­nie­rend ge­bil­ligt, wo­nach die Wit­wen-/Wit­wer­ren­te nicht gewährt wird, wenn die Ehe nach Voll­endung des 62. Le­bens­jah­res oder nach Ein­tritt der Be­rufs­unfähig­keit des Mit­glieds ge­schlos­sen wur­de und nicht min­des­tens drei Jah­re be­stan­den hat. Al­ler­dings ging es in dem vom Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt ent­schie­de­nen Ver­fah­ren um ein Ver­sor­gungs­werk ei­ner Rechts­an­walts­kam-
mer, das sich - wie ei­ne Ver­si­che­rung - aus­sch­ließlich durch Beiträge sei­ner Mit­glie­der fi­nan­zier­te. Zu­dem wur­de die Hin­ter­blie­be­nen­ver­sor­gung oh­ne er-höhten Bei­trag des Mit­glieds für sei­ne Hin­ter­blie­be­nen gewährt, wo­von das ver­hei­ra­te­te Mit­glied des Ver­sor­gungs­werks pro­fi­tier­te. Der Zweck der Sat­zungs­re­ge­lung be­stand mit­hin in der fi­nan­zi­el­len Ri­si­ko­be­gren­zung der Ver­si­cher­ten­ge­mein­schaft als So­li­dar­ge­mein­schaft. An­ders als in dem vom Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt ent­schie­de­nen Ver­fah­ren bil­den die nach der VO S Ver­sor­gungs­be­rech­tig­ten in­des kei­ne So­li­dar- oder Ge­fah­ren­ge­mein­schaft, die die Las­ten, die dem Ein­zel­nen und den Hin­ter­blie­be­nen aus der Ver­wirk­li­chung der Ri­si­ken Al­ter, In­va­li­dität oder Tod er­wach­sen, auf den ge­sam­ten Stand ver­tei­len.
Aus den Ur­tei­len des Se­nats vom 28. Ju­li 2005 (- 3 AZR 457/04 - BA­GE 115, 317) und vom 19. De­zem­ber 2000 (- 3 AZR 186/00 -) folgt be­reits des­halb nichts Ab­wei­chen­des, weil die dort vom Se­nat ge­bil­lig­ten Späte­hen­klau­seln nicht am AGG zu mes­sen wa­ren.
(jj) Ent­ge­gen der Rechts­auf­fas­sung der Be­klag­ten ist die Späte­hen­klau­sel in VII Ziff. 1 Satz 2 der VO S auch nicht an­ge­mes­sen und er­for­der­lich, weil die Möglich­keit be­stan­den hätte, an­stel­le der Späte­hen­klau­sel ei­ne Al­ters­ab­stands­klau­sel in die Ver­sor­gungs­ord­nung auf­zu­neh­men. Zwar be­gren­zen Al­ters­ab­stands­klau­seln das Ri­si­ko des Ar­beit­ge­bers, nämlich nach de­mo­gra­phi­schen Kri­te­ri­en. Je jünger die Ehe­part­ner im Verhält­nis zu den Ar­beit­neh­mern sind, de­nen ei­ne Hin­ter­blie­be­nen­ver­sor­gung zu­ge­sagt wur­de, des­to länger ist der Zeit­raum, während des­sen der Ar­beit­ge­ber durch­schnitt­lich die Hin­ter­blie­be­nen­ver­sor­gung zu gewähren hat. Auch be­wir­ken Al­ters­ab­stands­klau­seln, dass sich die für die Wit­wen-/Wit­wer­ver­sor­gung ins­ge­samt zur Verfügung ge­stell­ten Mit­tel auf ei­nen klei­ne­ren Kreis von Hin­ter­blie­be­nen ver­tei­len, so­dass die­se bei Ein­tritt des Ver­sor­gungs­falls „Tod“ ei­ne höhe­re Wit­wen-/Wit­wer­ver­sor­gung er­hal­ten. Sch­ließlich ist ei­nem ho­hen Al­ters­ab­stand in­ner­halb ei­ner Ehe im­ma­nent, dass der jünge­re Ehe­part­ner ei­nen er­heb­li­chen Teil sei­nes Le­bens oh­ne den älte­ren Ehe­part­ner und die an des­sen Ein­kom­mens­si­tua­ti­on ge­kop­pel­ten Ver­sor­gungsmöglich­kei­ten ver­bringt. Es kann da­hin­ste­hen, ob die­se Erwägun­gen un­ter Gel­tung des AGG, und wenn ja, für wel­che Klau­seln über­haupt noch
tra­gen. Die streit­be­fan­ge­ne Späte­hen­klau­sel stellt ge­ra­de kei­ne Al­ters­ab­stands­klau­sel dar.
4. Da die in VII Ziff. 1 Satz 2 der VO S ge­trof­fe­ne Späte­hen­klau­sel we­gen Ver­s­toßes ge­gen das in § 7 Abs. 1 AGG nor­mier­te Ver­bot der Be­nach­tei­li­gung we­gen des Al­ters gemäß § 7 Abs. 2 AGG un­wirk­sam ist, steht sie dem An­spruch der Kläge­rin auf Wit­wen­ren­te nicht ent­ge­gen. Die Be­klag­te ist des­halb ver­pflich­tet, an die Kläge­rin ab dem 1. März 2011 ei­ne Wit­wen­ren­te in un­strei­ti­ger Höhe von mo­nat­lich 723,49 Eu­ro zu zah­len. Dass da­durch der bei Schaf­fung der VO S für die Hin­ter­blie­be­nen­ver­sor­gung be­reit­ge­stell­te Do­tie­rungs-rah­men ggf. in ei­nem Maße über­schrit­ten wird, dass die Fi­nan­zie­rung der Be­triebs­ren­ten ins­ge­samt ins „Un­gleich­ge­wicht“ gerät und die Be­klag­te des­halb Zu­sa­gen für künf­ti­ge Mit­ar­bei­ter re­du­ziert, ändert dar­an nichts. Die Be­klag­te kann im Hin­blick auf ei­ne Ein­hal­tung des für die Hin­ter­blie­be­nen­ver­sor­gung nach der VO S ursprüng­lich fest­ge­leg­ten Do­tie­rungs­rah­mens kei­nen Ver­trau­ens­schutz in An­spruch neh­men. Der zeit­li­che Gel­tungs­be­reich des AGG wird des­halb hier nicht durch den Grund­satz des Ver­trau­ens­schut­zes be­schränkt (zu der­ar­ti­gen Be­schränkun­gen BAG 16. De­zem­ber 2008 - 9 AZR 985/07 - Rn. 38, BA­GE 129, 72). Die An­wen­dung der Be­stim­mun­gen des AGG auf die von der Kläge­rin gel­tend ge­mach­te Wit­wen­ren­te nach der VO S be­wirkt kei­ne ech­te, son­dern le­dig­lich ei­ne un­ech­te Rück­wir­kung. Die­se ist zulässig.
Ei­ne un­ech­te Rück­wir­kung oder tat­be­stand­li­che Rück­an­knüpfung liegt vor, wenn ei­ne Norm auf ge­genwärti­ge, noch nicht ab­ge­schlos­se­ne Sach­ver­hal­te und Rechts­be­zie­hun­gen für die Zu­kunft ein­wirkt und da­mit zu­gleich die be­trof­fe­ne Rechts­po­si­ti­on nachträglich ent­wer­tet oder wenn die Rechts­fol­gen ei­ner Norm zwar erst nach ih­rer Verkündung ein­tre­ten, de­ren Tat­be­stand aber Sach­ver­hal­te er­fasst, die be­reits vor der Verkündung „ins Werk ge­setzt“ wor­den sind (vgl. BAG 19. Ju­ni 2012 - 3 AZR 558/10 - Rn. 25 mwN). Die be­las­ten­de Rechts­fol­ge von § 7 Abs. 2 AGG, die für die Be­klag­te erst nach Verkündung des AGG ein­tritt, wur­de tat­be­stand­lich von der dem ver­stor­be­nen Ehe­mann der Kläge­rin er­teil­ten Ver­sor­gungs­zu­sa­ge und da­mit von ei­nem be­reits „ins Werk ge­setz­ten“, aber noch nicht ab­ge­schlos­se­nen Sach­ver­halt aus­gelöst.
Die Gren­zen ei­ner zulässi­gen un­ech­ten Rück­wir­kung ei­ner ge­setz­ge­be­ri­schen Ent­schei­dung sind erst über­schrit­ten, wenn die un­ech­te Rück­wir­kung nicht ge­eig­net oder er­for­der­lich ist, um den Ge­set­zes­zweck zu er­rei­chen, oder wenn die Be­stands­in­ter­es­sen der Be­trof­fe­nen die Verände­rungs­gründe des Ge­setz­ge­bers über­wie­gen. Knüpft der Ge­setz­ge­ber für künf­ti­ge Rechts­fol­gen an zurück­lie­gen­de Sach­ver­hal­te an, sind die In­ter­es­sen der All­ge­mein­heit, die mit der Re­ge­lung ver­folgt wer­den, und das Ver­trau­en des Ein­zel­nen auf die Fort­gel­tung der Rechts­la­ge ab­zuwägen. Der vom Ge­setz­ge­ber zu be­ach­ten­de Ver­trau­ens­schutz geht al­ler­dings nicht so weit, den nor­mun­ter­wor­fe­nen Per­so­nen­kreis vor Enttäuschun­gen zu be­wah­ren (vgl. BAG 27. März 2014 - 6 AZR 204/12 - Rn. 46, BA­GE 147, 373). Die bloße all­ge­mei­ne Er­war­tung, das gel­ten­de Recht wer­de künf­tig un­verändert fort­be­ste­hen, ge­nießt kei­nen ver­fas­sungs­recht­li­chen Schutz, wenn kei­ne be­son­de­ren Mo­men­te der Schutzwürdig­keit hin­zu­tre­ten (vgl. BVerfG 7. Ju­li 2010 - 2 BvL 14/02 ua. - Rn. 57, BVerfGE 127, 1).
Da­nach hat die Be­klag­te kein schutzwürdi­ges Ver­trau­en da­hin, dass die Wirk­sam­keit der in VII Ziff. 1 Satz 2 der VO S be­stimm­ten Späte­hen­klau­sel nicht an den Be­stim­mun­gen des AGG schei­tert und der ursprüng­lich für die Hi­ter­blie­be­nen­ver­sor­gung fest­ge­leg­te Do­tie­rungs­rah­men nicht in­fol­ge­des­sen über­schrit­ten wird. Der Zweck des AGG, in Um­set­zung der Richt­li­nie 2000/78/EG und vor dem Hin­ter­grund des ver­fas­sungs­recht­li­chen Gleich­be­hand­lungs­ge­bots aus Art. 3 GG Un­gleich­be­hand­lun­gen zu be­sei­ti­gen, kann vor­lie­gend nur durch die Un­wirk­sam­keit der Klau­sel er­reicht wer­den. Zu­dem hält sich die Ände­rung der Ge­set­zes­la­ge im Rah­men des­sen, was als mögli­che Rechts­ent­wick­lung be­reits zu­vor an­ge­legt war. Be­son­de­re Mo­men­te der Schutzwürdig­keit be­ste­hen nicht.
5. Vor dem Hin­ter­grund der zi­tier­ten Ent­schei­dun­gen des Ge­richts­hofs der Eu­ropäischen Uni­on be­darf es vor­lie­gend we­der der Ein­lei­tung ei­nes Vor­la­ge­ver­fah­rens an den Ge­mein­sa­men Se­nat der Obers­ten Ge­richtshöfe des Bun­des nach § 2 Abs. 1 iVm. § 11 RsprEinhG noch der Durchführung ei­nes Vor­ab­ent­schei­dungs­ver­fah­rens nach Art. 267 Abs. 3 AEUV. Die Fra­ge, ob die von der
Be­klag­ten zur Recht­fer­ti­gung der Späte­hen­klau­sel an­geführ­ten Zie­le le­gi­ti­me Zie­le iSv. § 10 Satz 1 AGG in uni­ons­rechts­kon­for­mer Aus­le­gung sind, muss­te vom Se­nat nicht ent­schie­den wer­den.
III. Der Zins­an­spruch er­gibt sich hin­sicht­lich der mit dem An­trag zu 1. gel­tend ge­mach­ten Rückstände aus § 286 Abs. 1, § 288 BGB. Gemäß XVI Ziff. 1 Buchst. a der VO S wird die Fir­men­ren­te je­weils am En­de ei­nes Mo­nats fällig.
C. Die Kos­tent­schei­dung folgt aus § 91 Abs. 1 ZPO.