Source: https://issuu.com/lindeverlag/docs/rechtsberater_fuer_vermieter
Timestamp: 2018-02-17 20:29:06
Document Index: 335818382

Matched Legal Cases: ['§ 30', '§ 10', '§ 16', '§ 20', '§ 1', '§ 2', '§ 14', '§ 16', '§ 29', '§ 45', '§ 49', '§ 1', '§ 14', '§ 29', '§1', '§ 1', '§ 15']

Rechtsberater für Vermieter by Linde Verlag GmbH - issuu
Wichtige Rechtsfolgen bestimmen sich danach, ob der Mietgegenstand den Bestimmungen des MRG ganz oder teilweise unterliegt. In diesem Kapitel werden die einzelnen Abgrenzungskriterien ausf체hrlich dargestellt und erl채utert.
Vor Abschluss eines Mietvertrages sollte sich der Vermieter Klarheit darüber verschaffen, welche gesetzlichen Bestimmungen auf das Mietverhältnis zur Anwendung gelangen. Konkret geht es also darum, ob der Mietgegenstand zur Gänze, teilweise oder gar nicht dem MRG (Mietrechtsgesetz), sondern dem ABGB (Allgemeines bürgerliches Gesetzbuch) und allenfalls anderen Schutzbestimmungen wie etwa dem Landpachtgesetz oder dem Kleingartengesetz unterliegt. Welches Recht zur Anwendung gelangt, ist insbesondere für Fragen der zulässigen Befristung des Bestandvertrages, der Mietzinsbildung und der Beendigungsmöglichkeiten eines Mietvertrages von erheblicher Bedeutung. Eine falsche Einordnung kann für den Vermieter zu äußerst unliebsamen Überraschungen führen. Beispiel Gerhard K. ist Alleineigentümer eines im Jahre 1940 errichteten Hauses mit acht Substandardwohnungen. Diese Wohnungen vermietet er an Studenten. Er befristet die Mietverträge jeweils auf ein Jahr, schließt generell jeden Aufwandersatz aus und hebt einen Mietzins in Höhe von sieben Euro pro Quadratmeter Nutzfläche und Monat ein. Als er den Mieter Gebhard B. nach Ablauf eines Jahres auffordert, dessen 27 m² Wohnung zu räumen, setzt sich dieser zur Wehr. Tatsächlich unterliegt das Mietverhältnis dem Vollanwendungsbereich des MRG, sodass aufgrund der fehlerhaften Befristung ein unbefristetes Mietverhältnis gegeben ist, das nur mehr aus den Gründen des § 30 MRG aufgekündigt werden kann. Weiters steht dem Mieter im Rahmen des § 10 MRG Aufwandersatz zu, und es gelangen die Mietzinsbildungsvorschriften des § 16 Abs 5 MRG zur Anwendung. Danach kann für eine brauchbare Wohnung der Ausstattungskategorie D ein Hauptmietzins bis zu einem Betrag von 1,54 Euro je Quadratmeter und Monat vereinbart werden. Gebhard B. freut sich, statt 189 Euro monatlich nur mehr einen Mietzins in der Höhe von 41,58 Euro bezahlen zu müssen. Das zu viel bezahlte Mietentgelt kann er selbstverständlich ebenfalls zurückfordern.
Für Mietobjekte in Gebäuden, die von einer gemeinnützigen Bauvereinigung im eigenen Namen errichtet worden sind, regelt § 20 WGG die Anwendbarkeit mietrechtlicher Bestimmungen.
2. Vollanwendungsbereich des MRG
Zur Gänze ist das MRG (§ 1 Abs 1) grundsätzlich auf nachstehende Bestandobjekte anzuwenden, allerdings bestehen davon teilweise Ausnahmen: a) Wohnungen
Die Rechtsprechung definiert unter dem Begriff Wohnung einen selbständigen und in sich baulich abgeschlossenen Teil eines Gebäudes, der geeignet ist, der Befriedigung eines individuellen Wohnbedürfnisses von Menschen zu dienen. Nahezu gleichlautend wurde der Begriff der Wohnung nunmehr in § 2 Abs 2 WEG 2002 (Wohnungseigentumsgesetz 2002) festgeschrieben. b) Teile von Wohnungen
Unter „Teile von Wohnungen“ sind einzelne Zimmer auch unter Mitbenützung von allgemeinen Einrichtungen wie Bad, WC und Küche zu verstehen, nicht aber (bloße) Teile von Wohnräumen. Den Hauptanwendungsbereich dieser Bestimmung stellt die Untermiete dar. c) Geschäftsräumlichkeiten aller Art
Dazu zählt das Gesetz: Geschäftsräume Magazine Werkstätten Arbeitsräume Amts- oder Kanzleiräume Anwendungsbereich des MRG
Diese Aufzählung ist nur beispielhaft, so wertet die Judikatur Ordinationen oder Vereinslokale1 als Geschäftsräumlichkeiten, ebenso wurde das Atelier eines akademischen Malers als solche beurteilt. Sogar eine Garage kann dann unter den Begriff der Geschäftsräumlichkeit fallen, wenn sie vereinbarungsgemäß der Einstellung eines überwiegend geschäftlich genutzten Fahrzeuges dient.2 Abgrenzung Wohnungs- oder Geschäftsraummiete Für die Abgrenzung ist die Absicht der Parteien bei Vertragsschluss oder bei einer späteren einverständlichen Änderung des Mietvertrages entscheidend. Einseitige Änderungen sind unbeachtlich, wenn sie vom Vermieter nicht akzeptiert werden. Eine Wohnung ist ein Mietgegenstand, der nur zu Wohnzwecken oder sowohl zu Wohn- als auch zu Geschäftszwecken vermietet wird. Ein Geschäftsraum ist eine Räumlichkeit, die zu Geschäftszwecken im weiteren Sinn vermietet wird. Gewinnerzielung oder Erwerbsabsicht der geschäftlichen Tätigkeit muss nach Auffassung eines Teils der Lehre nicht unbedingt gegeben sein, die Verwendung zu Vereinszwecken oder etwa künstlerischen Zwecken soll für die Qualifikation als Geschäftsraummiete genügen.3 Neutrale Objekte, die ihrer Art nach weder als Wohnung noch als Geschäftsraum qualifiziert werden können und auch nicht für Wohnoder Geschäftszwecke gemietet werden, fallen nicht unter das MRG. Ein neutrales Objekt ist etwa eine zu reinen Privatzwecken gemietete Garage oder eine Hobbywerkstatt. Zur Abgrenzung von Unternehmenspacht und Geschäftsraummiete vergleiche Kapitel XV.1.b. d) Mitgemietete Haus- oder Grundflächen
Diese Bestimmung umfasst beispielsweise Hausgärten, Abstell-, Ladeoder Parkflächen, wobei nach dem Wortlaut des Gesetzes das MRG nur 1 2 3
6 Ob 592/86 7 Ob 521/87 1 Ob 588/89 Rechtsberater für Vermieter
dann zur Anwendung gelangen soll, wenn diese Flächen mit einer Wohnung, einem Wohnungsteil oder einer Geschäftsräumlichkeit mitgemietet wurden. Erfolgt hingegen die Anmietung der Fläche selbständig, kommen die Bestimmungen des ABGB zum Tragen. Ob selbständige Flächenmiete oder Mitmietung vorliegt, wird nach dem bei Vertragsschluss vorliegenden Parteiwillen beurteilt. Dabei wird gefragt, ob die Parteien ein einheitliches oder zwei voneinander unabhängige Mietverhältnisse beabsichtigt haben. Auch genossenschaftliche Nutzungsverträge über die oben angeführten Bestandobjekte unterliegen dem Vollanwendungsbereich des MRG.
3. Teilanwendungsbereich des MRG
Fällt ein Bestandobjekt in den Teilanwendungsbereich des MRG, so kommen nur bestimmte Regelungen des MRG zum Tragen. Dabei handelt es sich um nachstehende Bestimmungen: Eintritt in das Mietverhältnis im Todesfall (§ 14) Kaution (§ 16 b) Befristungsvorschriften und Kündigungsregelungen (§§ 29 bis 36) Vorschriften hinsichtlich der Wertbeständigkeit des Mietzinses (§§ 45 und 46) kündigungsrechtliche Übergangsregelungen (§ 49) Folgende Mietobjekte fallen unter den Teilanwendungsbereich (§ 1 Abs 4 MRG): Mietgegenstände, die in Gebäuden gelegen sind, die ohne Zuhilfenahme öffentlicher Mittel aufgrund einer nach dem 30. Juni 1953 erteilten Baubewilligung neu errichtet worden sind Für die Annahme einer Neuerrichtung ist nach der Judikatur die Schaffung neuer, bis dahin nicht vorhanden gewesener Räume, zumindest aber eine völlige Umgestaltung des Inneren eines Hauses, verbunAnwendungsbereich des MRG
den mit dem Niederreißen und der Neuherstellung von Baulichkeiten oder Teilen eines Bauwerks erforderlich.4 So fällt beispielsweise die Entfernung oder Verlegung von Zwischenwänden nicht unter den Begriff der Neuerrichtung. Mietgegenstände, die durch den Ausbau eines Dachbodens oder einen Aufbau aufgrund einer nach dem 31.12.2001 erteilten Baubewilligung neu errichtet worden sind, sowie unausgebaute Dachbodenräumlichkeiten, die mit der Abrede vermietet werden, dass – wenn auch zum Teil oder zur Gänze durch den Hauptmieter – entweder in ihnen oder in einem an ihrer Stelle durchgeführten Aufbau eine Wohnung oder eine Geschäftsräumlichkeit errichtet werde Voraussetzung der Anwendbarkeit dieser Bestimmung ist, dass der Mietvertrag nach dem 31.12.2001 geschlossen wurde. Bei Mietgegenständen, die durch einen nicht mit einem Dachbodenausbau verbundenen Aufbau neu errichtet worden sind, gilt diese Bestimmung für Mietverträge, die nach dem 30.9.2006 geschlossen wurden. Durch die Wohnrechtsnovelle 2006 wird der Teilanwendungsbereich auch auf reine Aufbauten aufgrund einer Baubewilligung, die nach dem 31.12.2001 erteilt wurde, erstreckt. Diese Aufbauten können in einem Zusammenhang mit einem Dachbodenausbau stehen, müssen aber nicht. Mietgegenstände, die durch einen Zubau aufgrund einer nach dem 30.9.2006 erteilten Baubewilligung neu errichtet worden sind Unter Zubauten wird die horizontale Erweiterung eines Gebäudes verstanden. Diese Bestimmung ist auf Mietverträge anzuwenden, die nach dem 30.9.2006 geschlossen wurden. Mietgegenstände, die im Wohnungseigentum stehen, sofern der Mietgegenstand in einem Gebäude gelegen ist, das aufgrund einer nach dem 8.5.1945 erteilten Baubewilligung neu errichtet worden ist
5 Ob 192/00x Rechtsberater für Vermieter
Nicht erforderlich ist, dass Wohnungseigentum bereits zum Zeitpunkt der Errichtung des Gebäudes begründet wurde, da hier nur auf das Faktum Baubewilligung abgestellt wird. Mietgegenstände in einem Wirtschaftspark Ebenfalls in den Teilanwendungsbereich fallen Mietgegenstände in einem Wirtschaftspark, das ist eine wirtschaftliche Einheit von ausschließlich zu Geschäftszwecken genutzten Gebäuden und Liegenschaften, in (auf) denen jedoch nicht überwiegend Handelsgewerbe im Sinne der Gewerbeordnung 1973 betrieben werden.5 Von einem Wirtschaftspark ist das Einkaufszentrum zu unterscheiden. In einem Einkaufszentrum überwiegt typischerweise das Vorhandensein von Handelsgeschäften. Auf Mietgegenstände in einem Wirtschaftspark gelangen nur die Bestimmungen des MRG hinsichtlich des Eintritts in das Mietverhältnis im Todesfall (§ 14) sowie die Befristungsvorschriften und Kündigungsregelungen (§§ 29 bis 36) zur Anwendung. 4. Nichtanwendungsbereich des MRG
Nicht unter das MRG (§1 Abs 2) fallen folgende Bestandobjekte: a) Sondermietverhältnisse
Darunter werden nachstehende Mietverhältnisse verstanden: Mietgegenstände, die im Rahmen des Betriebes eines Beherbergungs-, Garagierungs-, Verkehrs-, Flughafenbetriebs-, Speditions- oder Lagerhausunternehmens oder eines hiefür besonders eingerichteten Heimes für ledige oder betagte Menschen, Lehrlinge, jugendliche Arbeitnehmer, Schüler oder Studenten vermietet werden. 5
4 Ob 249/97i Anwendungsbereich des MRG
Ob diese Ausnahmetatbestände vorliegen, wird von der Rechtsprechung einer strengen Prüfung unterzogen. Das Bestandobjekt muss seitens des Vermieters im Rahmen seines Betriebes vermietet worden sein und im Zusammenhang mit dem Betriebsgegenstand stehen. So wenn beispielsweise ein Flughafenbetriebsunternehmen auf seinem Betriebsgelände Räumlichkeiten vermietet, in denen Serviceleistungen für Reisende wie Zeitungen, Bücher und Zigaretten, Kaffee und Proviant angeboten werden. Nicht zum Betrieb eines Verkehrsunternehmens zählt jedoch beispielsweise die Vermietung von Viaduktbögen unterhalb der Eisenbahntrasse zum Zwecke der Ausübung eines Autospenglergewerbes.6 Ein Heim bietet in der Regel mehreren Personen Unterkunft, wobei gerade bei Heimen für betagte Menschen eine Reihe von Nebenleistungen wie Reinigung der Räumlichkeiten, Pflege und medizinische Betreuung und vor allem Verpflegungsleistungen erbracht werden. Beispiel Die schon etwas betagte Berta möchte ihren Lebensabend in einem Altersheim verbringen um ihren Kindern nicht zur Last zu fallen. Die Pfleger und Pflegerinnen im Altersheim kümmern sich liebevoll um Berta, reinigen unter anderem ihr Zimmer und versorgen sie täglich mit frisch gekochten Speisen. Charakteristisch für die Unterbringung in einem Altersheim ist, dass gewisse Nebenleistungen wie etwa Reinigung von Räumlichkeiten, medizinische Betreuung und Verpflegung übernommen werden. Verhältnisse gem § 1 Abs 2 Z 1 MRG unterliegen nicht dem MRG. Es kommen daher die Regelungen des 25. Hauptstücks des ABGB zur Anwendung.
4 Ob 517/92 Rechtsberater für Vermieter
Zu karitativen oder humanitären Organisationen wird beispielsweise die Caritas oder die Bewährungshilfe gezählt. Um nicht unter die Bestimmungen des MRG zu fallen, muss neben der Vermietung einer Wohnung oder von Wohnräumen noch eine zusätzliche Leistung gegeben sein, vornehmlich die Betreuung der Mieter in ihren konkreten Lebensbereichen (betreute Wohngemeinschaften).
T Tipp Mietverträge, die von karitativen oder humanitären Organisationen selbst geschlossen werden, um Räumlichkeiten im obigen Sinne zur Verfügung stellen zu können, unterliegen nicht diesem Vollausnahmetatbestand.
Wohnungen, die aufgrund eines Dienstverhältnisses oder im Zusammenhang mit einem solchen als Dienst-, Natural- oder Werkswohnung überlassen werden Maßgeblicher Anknüpfungspunkt dieses Ausnahmetatbestandes ist, dass ein Dienstvertrag Geschäftsgrundlage für den Mietvertrag ist, dh dass ohne zugrunde liegenden Dienstvertrag auch der Mietvertrag nicht geschlossen worden wäre. Üblicherweise ist die Dauer des Mietvertrages an die Dauer des Dienstverhältnisses gebunden. Geht ein Dienstnehmer in den Ruhestand und wird ihm die Wohnung ohne Vertragsänderung weiterhin überlassen, so ändert sich grundsätzlich – wenn keine abweichende Vereinbarung getroffen wurde – am Inhalt des bisherigen Benützungsverhältnisses nichts. b) 6-Monatsverträge
Darunter versteht man Mietverträge, die durch Zeitablauf ohne Kündigung enden, sofern die ursprüngliche oder verlängerte vertragsmäßige Dauer ein halbes Jahr nicht übersteigt und der Mietgegenstand eine Geschäftsräumlichkeit Anwendungsbereich des MRG
oder eine Wohnung der Ausstattungskategorie A oder B (§ 15a Abs 1 Z 1 und 2 MRG) ist und der Mieter diese aufgrund eines erwerbsbedingten vorübergehenden Ortswechsels nur zum schriftlich vereinbarten Zweck der Nutzung als Zweitwohnung mietet (zB Antritt einer Gastprofessur für ein Semester). Bestandverträge, die insgesamt für nicht länger als sechs Monate geschlossen werden, sollen nach dem Willen des Gesetzgebers nicht dem MRG unterliegen. Wird jedoch diese Mietdauer überschritten, so kommt das MRG rückwirkend zum Tragen.7 Damit will man die Umgehung der Bestimmungen des MRG mit Hilfe sogenannter Kettenmietverträge verhindern. c) Zweitwohnungen
Darunter versteht man Wohnungen oder Wohnräume, die vom Mieter bloß als Zweitwohnung zum Zweck der Erholung oder der Freizeitgestaltung gemietet werden; Voraussetzung für die Annahme einer Zweitwohnung ist, dass daneben ein gewöhnlicher Aufenthaltsort gegeben ist. Als gewöhnlicher Aufenthaltsort wird jener Ort bezeichnet, an dem sich jemand während längerer Zeit, wenn auch nicht ununterbrochen aufhält und der den Mittelpunkt seines Lebens, seiner wirtschaftlichen Existenz und seiner sozialen Beziehungen darstellt. d) Mietgegenstände in Ein- und Zweifamilienhäusern
Dabei handelt es sich um Mietgegenstände in einem Gebäude mit nicht mehr als zwei selbständigen Wohnungen oder Geschäftsräumlichkeiten, wobei Räume, die nachträglich durch einen Ausbau des Dachbodens neu geschaffen wurden oder werden, nicht zählen.
5 Ob 84/85 Rechtsberater für Vermieter
Was jeder Vermieter einfach wissen muss Das Mietrecht zählt unbestritten zu den kompliziertesten Gebieten unserer Rechtsordnung. Die Vielza...