Source: https://ssz-deutschland.de/dguv/dguv-information-kranfuehrer/
Timestamp: 2018-07-22 12:09:32
Document Index: 31993974

Matched Legal Cases: ['§\n30', '§ 30', '§ 16', '§\n42', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH']

Kranführer - DGUV Information 209-012 - SSZ Deutschland
DGUV Information 209-
012 (bisher BGI 555)
Heute stehen für den Lasttransport kraftbetriebene Transportmittel, wie Fahrzeuge, Stetigförderer und Krane, zur Verfügung. Der Mensch vervielfacht durch sie seine Kräfte. Diese Vervielfachung der Kräfte vergrößert aber auch die Gefährdungsmöglichkeiten. Vom Können und dem verantwortungsbewusstem Handeln der Mitarbeiter, die mit Transporteinrichtungen umgehen, wird die Sicherheit beim Transport von Lasten im Wesentlichen bestimmt.
Mit dieser BG-Information sprechen wir den Kranführer an. Über sein Wissen hinaus, das er sich bei seiner Ausbildung zum Führen von Kranen erworben hat, gibt ihm diese Schrift Anregungen, seinen Beruf erfolgreich und unfallfrei auszuüben.
1 Was ist ein Kran?
Die Unfallverhütungsvorschrift „Krane“ (BGV D 6) definiert:
2 (1) Krane im Sinne dieser Unfallverhütungsvorschrift sind Hebezeuge, die Lasten mit einem Tragmittel heben und zusätzlich in eine oder in mehrere Richtungen bewegen können.“
Hebezeuge, die eine Last nicht nur heben, sondern mit ihr noch weitere Bewegungen durchführen können, z. B.
Verfahren der Last in eine Richtung – Schienenlaufkatzen,
Verfahren der Last in mehrere Richtungen – Brückenkrane, Portalkrane,
Schwenken der Last – Schwenkarmkrane, Auslegerkrane, sind Krane (Bild 1-1).
Bild 1-1: Bewegungsmöglichkeiten der Krane
2 Wer darf Krane führen?
An den Kranführer werden hohe Anforderungen und Erwartungen gestellt. Die Unfallverhütungsvorschrift „Krane“ (BGV D 6) trägt dem Rechnung und fordert deshalb vom Unternehmer:
29 (1) Der Unternehmer darf mit dem selbstständigen Führen (Kranführer) oder Instandhalten eines Kranes nur Versicherte beschäftigen,
(2) Absatz
1 gilt nicht für handbetriebene Krane.“
Muster für einen Kranführerschein (Befähigungsnachweis) und eine schriftliche Beauftragung (Bilder 2-
1 und 2-2) sind in den Anhängen der BGG 921 enthalten.
Bild 2-1: Befähigungsnachweis für Kranführer
Bild 2-2: Muster einer schriftlichen Beauftragung
3 Steuereinrichtungen
Je nach Arbeitsaufgabe (z. B. Auslastung des Kranes, Fahrweglänge, Hallenbelegung) ist die eine oder andere Steuerungsart besser geeignet.
Krane können gesteuert werden
vom mitfahrenden Führerhaus aus,
auf Flur mittels Kabel oder kabellos oder
auf Flur von einem festen Steuerstand aus.
Es besteht auch die Möglichkeit, durch Umschalten verschiedene Steuerungsarten an einem Kran zu benutzen, z. B. Steuerung vom Führerhaus oder von Flur aus (Bild 3-1).
Bild 3-1: Krananlage, die wahlweise vom Führerhaus oder von Flur aus gesteuert werden kann
1 Steuerung von Flur aus
Krane mit Steuertafeln (Bild 3-2) zwingen den Kranführer, dem Kran und damit auch der Last „hautnah“ zu folgen.
Damit der Kranführer dem Kran in angemessener Geschwindigkeit folgen kann, ist in der Unfallverhütungsvorschrift „Krane“ (BGV D 6) die Fahrgeschwindigkeit solcher Krane auf
63 m/min begrenzt.
Die kabellose Steuerung lässt zu, dass der Kranführer dem Kran in einer angemessen sicheren Entfernung folgt und ihn steuert. Dies wird besonders wichtig, wenn z. B. feuerflüssige Massen, glühende Schmiedeteile oder Lasten, die durch Kraftschluss (Magnete, Saugheber, Klemmen) gehalten werden, zu transportieren sind (Bilder 3-
3 und 3-4).
Derart gesteuerte Krane können, da sie nicht über das Steuerkabel mit dem Kran direkt verbunden sind, mit einer höheren Geschwindigkeit betrieben werden. Dabei werden jedoch
80 m/min als obere Grenze empfohlen.
Bild 3-4: Steuergerät einer Funksteuerung mit Zuordnung der Stellteile. Zur Sicherung gegen unbeabsichtigtes Betätigen sind die Stellteile mit „Totmannschalter“ ausgerüstet; möglich sind z. B. auch Schutzbügel oder vertieft angeordnete Stellteile (siehe auch Bild 4-10)
Bei flurgesteuerten Kranen können die Kran- und Katzfahrrichtungen nicht sinnfällig den zugehörigen Stellteilen der Flursteuerungseinrichtung oder der Funksteuerung zugeordnet werden. Häufig sind Steuertafeln im Einsatz, auf denen die Kran- und Katzfahrrichtungen nur durch Pfeile gekennzeichnet sind (Bild 3-5), und es fehlt die entsprechende Kennzeichnung am Kran.
Wird nun die Steuertafel um 180° gedreht, zeigen die Pfeile genau entgegengesetzt der tatsächlichen Fahrrichtung.
2 Steuerung vom mitfahrenden Steuerstand aus
Der Kranführer erreicht gewöhnlich den mitfahrenden Steuerstand des Kranes über einen Fahrbahnlaufsteg oder über eine Überstiegsbühne.
Wenn sich der Kran während des Übersteigens bewegt, besteht Absturzgefahr. Um diese Gefahr auszuschließen, muss derjenige, der den Kran betreten will, sich vorher mit dem Kranführer in Verbindung setzen (Bild 3-7). Dies kann durch Winken, Zuruf oder durch eine am Kran angebrachte Signalanlage erfolgen.
Bild 3-7: Die Person, die den Kran betreten will (z. B. Ablöser, Kranschlosser, Kranelektriker), gibt dem Kranführer Zeichen, den Kran anzuhalten, damit sie aufsteigen kann
Erst wenn der Kranführer seine Zustimmung gegeben hat und der Kran stillsteht, darf der Kran betreten werden (Bild 3-8).
Bild 3-8: Der Kranführer zeigt sein Einverständnis für das Betreten des Kranes
Große Krananlagen sind häufig mit einer Signalanlage ausgerüstet, über welche die Verständigung zwischen Kranführer und Ablöser erfolgen kann (Bild 3-9).
Bild 3-9: Der Ablöser gibt dem Kranführer Signal, dass er den Kran betreten will
4 Vor Aufnahme des Kranbetriebes
die Steuereinrichtungen keine Beschädigungen aufweisen (Bilder 4-
2 und 4-3).
Bild 4-2: Stellt der Kranführer bei seiner Kontrolle vor Arbeitsbeginn Schäden fest, wie z. B. ein defektes Steuertafelgehäuse oder …
Bild 4-3: … ein aus der Einführung herausgerutschtes Zuführkabel oder eine defekte Zugentlastung, darf er den Kran nicht in Betrieb nehmen
den Zustand der Bremstrommel bzw. -scheibe in Augenschein (Bilder 4-4, 4-
5 und 4-6).
Bild 4-5: Inaugenscheinnahme einer Scheibenbremse
Weiter überzeugt sich der Kranführer davon, ob im Arbeitsbereich des Kranes abgestellte Gegenstände den Sicherheitsabstand von 0,
5 m zum Kran unterschreiten.
Im Allgemeinen besteht die Gefahr, dass zu hohe Gegenstände in den unteren Sicherheitsabstand von Kranen hineinragen, d. h. dass die Oberkante dieser Gegenstände nicht wenigstens einen halben Meter Abstand von den Unterkanten kraftbewegter Kranteile hat, z. B. zum Führerhaus, zum Kranträger, zur Unterflanschlaufkatze (Bilder 4-
7 und 4-8).
Bild 4-8: Die im Regal gelagerten Kisten ragen in den Verkehrsbereich des Kranes. Der Sicherheitsabstand nach unten von 0,
5 m ist nicht eingehalten
1 Null-Stellung der Stellteile der Steuereinrichtungen überprüfen
Der Kranführer darf nicht sofort mit der Kranarbeit beginnen und den Kranschalter einschalten.
Bevor er den Kranschalter einschaltet, überzeugt er sich davon, dass alle Stellteile der Steuereinrichtungen auf Null stehen oder bei Steuereinrichtungen mit Drucktastern diese sich nicht durch Verkanten oder sonstiges Festsetzen in der „Ein“-Stellung befinden.
2 Funktionsprüfung von Bremsen und Sicherheitseinrichtungen
Vor der Arbeitsaufnahme prüft der Kranführer die Funktion der Bremsen und der Sicherheitseinrichtungen, ausgenommen von Rutschkupplungen. Sicherheitseinrichtungen sind z. B.
Danach prüft der Kranführer, ob die Kran- und Katzfahrt nach Betätigen des Kranschalters innerhalb der üblichen Anhaltewege zum Stillstand kommen.
Bild 4-10: Zum Prüfen des Hubnotendschalters muss der Betriebsendschalter – falls vorhanden – überbrückt werden können. Der entsprechende Schalter ist in der Steuertafel untergebracht
Nach erfolgreicher Kontrolle dieser Sicherheitseinrichtungen werden eventuell vorhandene Fahrwerkbremsen geprüft. Für diese Prüfung ist der Kran so in Position zu bringen, dass er bei einem eventuellen Versagen der Bremsen nicht auf einen Nachbarkran oder auf die Fahrbahn-Endbegrenzung auffährt, sondern auslaufen kann. Die Bremsprobe führt der Kranführer am besten auf einer „Teststrecke“ mit festgelegten Anfangs- und Endpunkten aus, um so zu prüfen, ob sich der Bremsweg geändert hat. In diesem Zusammenhang kann er auch prüfen, ob der Kran richtig spurt, z. B. durch Anfahren der Endstellung.
An neuen Kranen kann auf die Prüfung der Notendhalteinrichtung (2. Begrenzer) bei Arbeitsbeginn entsprechend §
30 Abs. 1 der Unfallverhütungsvorschrift „Krane“ (BGV D 6)verzichtet werden, wenn der 2. Begrenzer entsprechend DIN EN 12077-2 und DIN EN 14492-2 ausgeführt ist. Das bedeutet, dass nach Ansprechen des 2. Begrenzers (Notendhalteinrichtung) ein Neustart nur durch eine Rückstellaktion möglich sein darf, z. B. durch Schlüsselschalter ohne Selbsthaltung am Steuerstand, manueller Rückstelltaster am Hubwerk. Der Ausfall des 1. Begrenzers wird dadurch angezeigt, dass nach Auslösen des 2. Begrenzers eine Rückstellaktion erforderlich ist. Unabhängig davon muss der Betriebsendschalter (1. Begrenzer) entsprechend § 30 Abs. 1 der BGV D 6 bei Arbeitsbeginn geprüft werden.
Krane mit modernen elektrischen Steuerungen sind häufig mit elektrischen Bremsen ausgerüstet. Diese Bremsen setzen weich ein und bremsen mit einer Verzögerung, die der Kranführer nicht beeinflussen kann, auch nicht durch „Kontern“. Wenn eine „Notbremsung“ erforderlich wird, kann der Kranführer bei dieser Steuerungsart durch Betätigen des Kranschalters (Not-Halt) bewirken, dass die mechanischen Bremsen sofort greifen. Auf diese Weise kann je nach Einstellung der elektrischen und mechanischen Bremsen der Bremsweg erheblich verringert werden.
Im Übrigen ist vor der Arbeitsaufnahme noch die Warneinrichtung – beispielsweise Glocke, Hupe, Sirene – zu prüfen und die Reaktion der auf Flur befindlichen Personen zu beachten.
3 Kontrolle von Hubseil und Unterflasche
Nach der Funktionsprüfung der Sicherheitseinrichtungen muss eine Kontrolle des Hubseiles – soweit möglich – und der Unterflasche auf augenfällige Mängel vorgenommen werden (Bild 4-11).
Bild 4-11: Der Kranführer kontrolliert das Hubseil und die Unterflasche einschließlich des Kranhakens auf augenfällige Mängel
Augenfällige Mängel, die zur sofortigen Stillsetzung des Kranes führen, sind z. B.
unzulässige Anzahl von Drahtbrüchen (siehe z. B. DIN 15020-2) oder gar Litzenbruch,
Aufdrehung des Seilverbundes,
Korkenzieher- und Klankenbildung des Seiles,
Bruch des Rollengehäuses der Unterflasche,
großes Seitenspiel der Seilrollen und
aufgebogener oder im Hakengrund verschlissener Kranhaken (siehe DIN 15405-1).
Eine defekte Hakensicherung muss nicht die sofortige Stillsetzung des Kranes nach sich ziehen. Sie ist jedoch umgehend instand zu setzen.
Bei Krananlagen mit Elektrokettenzügen besteht die Gefahr, dass sich die Unterflasche unbemerkt ein- oder mehrmals überschlagen hat. Die Folge davon ist, dass die Hubkette beim Hubvorgang verdreht in das Kettenrad des Elektrozuges einläuft und dort zerstört wird. Mit einem Blick in Kettenlängsrichtung überzeugt sich der Kranführer davon, dass die Kette gerade in den Zug einläuft (Bild 4-12).
Bild 4-12: Ein Blick in Längsrichtung der hängenden Hubkette genügt, um festzustellen, dass die Kette verdreht ist
Das gleiche Problem kann natürlich auch bei einem Seilzug auftreten (Bild 4-13).
Bild 4-13: Verdrehtes Hubseil
Hat der Kranführer keine Mängel festgestellt, kann er den Kranbetrieb aufnehmen.
4 Kontrollen während des Kranbetriebs
Während des Kranbetriebs muss der Kranführer besondere Aufmerksamkeit auf seine Sicherheit und auf die Sicherheit der im Arbeitsbereich befindlichen Personen legen. Er muss aufmerksam und vorausschauend arbeiten und Last und Umgebung gut beobachten.
Bei einem flurgesteuerten Kran sollte der Kranführer sich vor jeder Kranbewegung davon überzeugen, dass die Verkehrswege, die er zu gehen beabsichtigt, frei sind.
Falls Mängel, welche die Sicherheit beeinträchtigen während des Kranbetriebes auftreten, darf der Kranbetrieb nicht fortgeführt werden.
Solche Mängel sind z. B.:
Versagen des Kranschalters,
ungenügende Bremswirkung bei Hub- und Fahrwerk,
Beschädigungen des Hubseiles,
auf der Seiltrommel oder in der Umlenkrolle nicht richtig aufliegendes Seil,
Unregelmäßigkeit in der elektrischen Steuerung,
Versagen von Überlastsicherungen und Lastmomentbegrenzungen,
ungewöhnliche Geräusche bei Hub-, Fahr- oder Schwenkbewegungen.
Eine Instandsetzung ist umgehend erforderlich.
Wenn ein anderer Mitarbeiter den Kran übernimmt, ist er über Mängel und sonstige Vorkommnisse zu informieren.​
5 Verhalten des Kranführers bei der Kranarbeit
Der Kranführer übt eine verantwortungsvolle Tätigkeit aus. Durch sein Tun oder Lassen können Personen, Maschinen und Anlagen im Kranbereich gefährdet werden. Der Kranführer muss sich immer im Klaren darüber sein, dass er durch einfaches Betätigen von Schaltelementen des Kranes große Massen in beliebige Richtungen in Bewegung setzen kann.
Wenn diese Massen nicht kontrolliert werden oder außer Kontrolle geraten, können sie großen Schaden anrichten.
Bei der Kranarbeit ist zu unterscheiden, ob die Transportarbeiten vom Kranführer alleine ausgeführt werden können oder ob er dazu die Mithilfe von Anschlägern benötigt.
Kranführer von flurgesteuerten Kranen müssen – zusätzlich zur Kranführerausbildung – die Eignung, Ausbildung und Fertigkeiten eines Anschlägers haben, wenn sie die Lasten selber anschlagen müssen. Näheres hierzu enthält die BG-Information „Anschläger“ (BGI 556).
1 Transportarbeit ohne Anschläger
Bei Transportarbeiten mit Lastaufnahmemitteln, bei denen ein Anschläger zur Lastaufnahme nicht benötigt wird, arbeitet der Kranführer alleine und selbstständig.
Bei Klemmen und Zangen (Bild 5-5) ist die Haltekraft auch abhängig von der Oberflächenbeschaffenheit der Last. Ein grobes Walzblech wird sicherlich besser gehalten als eine polierte oder gefettete Blechtafel.
Kraftschlüssig angeschlagene Lasten dürfen nicht ohne zusätzliche Sicherung über Personen hinweg befördert werden. Der Einsatz von Stützbatterien ist keine zusätzliche Sicherung. Als zusätzliche Sicherung können mechanische Einrichtungen, welche die Last beim Versagen der kraftschlüssigen Lastaufnahme vor Absturz bewahren, z. B. ein Netz, ein Korb oder eine Unterfangung des Lastweges, zur Anwendung kommen.
Der Gefahrenbereich unter kraftschlüssig aufgenommenen Lasten ist nicht nur der Bereich unmittelbar unter der Last. Er kann sich vielmehr je nach Art der Last, Form der Last und Kranfahrgeschwindigkeit auf einen größeren Raum unter dem Kran erstrecken. Man kann sich leicht vorstellen, dass bei schneller Kranfahrt sich lösende Lasten schräg nach unten fallen oder plattenförmige Lasten sogar „segeln“.
Bild 5-7: Der Kranführer ist stark gefährdet, wenn er sich in unmittelbarer Nähe von Lasten aufhält, die nur kraftschlüssig – in diesem Fall mit einer Blechklemme – gehalten werden
Im Gegensatz zur kraftschlüssigen Lastaufnahme wird bei der formschlüssigen Lastaufnahme (Bild 5-8) eine Verbindung aufgrund der Form hergestellt. Eine formschlüssige Lastaufnahme ist gegeben, wenn z B. Seile, Ketten oder Hebebänder die Last umschließen, ein C-Haken in das Coilauge greift, ein Paketgreifer die Last umfasst, Lasthaken in Aufhängeösen eingreifen (Bilder 5-
9 + 5-10). Die Last stürzt bei Energieausfall nicht ab.
2 Transportarbeiten mit einem oder mehreren Anschlägern
Lastaufnahmemittel (z. B. Traversen, Klemmen, Paletten, Kübel) und Anschlagmittel (z. B. Seile, Ketten, Hebebänder) können die Last nicht selbsttätig aufnehmen.
Beim Einsatz derartiger Lastaufnahmeeinrichtungen bedarf es der Mithilfe eines oder mehrerer Anschläger.
In diesen Fällen bildet der Kranführer mit dem oder den Anschlägern ein Team. Einer allein kann ohne den anderen die gestellte Transportaufgabe nicht lösen.
Bei dieser Arbeitsweise darf der Kranführer nur mit Einverständnis des Anschlägers Lasten bewegen.
Um eine einwandfreie Verständigung zwischen Kranführer und Anschläger sicherzustellen und Missverständnisse auszuschließen, müssen vor dem Transportvorgang Zeichen vereinbart werden.
Am gebräuchlichsten sind Handzeichen gemäß DIN
33409 (Bilder 5-11 bis 5-13).
Bild 5-11: Grundzeichen
Benennung Bedeutung Erklärung Bild vereinfachte Darstellung
Halt Beenden eines Bewegungs-
ablaufes Beide Arme seitwärts ausstrecken
Halt – Gefahr Schnellst-
mögliches Beenden eines Bewegungs-
ablaufes Beide Arme seitwärts waagerecht ausstrecken und abwechselnd anwinkeln und strecken
Langsam Verzögern und langsames Fortsetzen eines Bewegungs-
ablaufes Beide Arme mit nach unten gekehrten Handflächen waagerecht ausstrecken und leicht nach oben und unten bewegen
stimmung Markieren eines Zielpunktes für eine Bewegung Mit beiden Händen auf Zielpunkt zeigen
Angabe des Abstandes zum Haltepunkt Anzeige einer Abstands-
verringerung Beide Handflächen parallel dem Abstand entsprechend halten
Nach Erreichen des gewollten Abstandes ist das Handzeichen „Halt“ zu geben
Bild 5-12: Zeichen für senkrechten Bewegungsablauf
Auf Einleiten einer senkrechten Aufwärts-
bewegung Mit nach oben zeigender Hand mit dem Arm Kreisbewegungen ausführen
Ab Einleiten einer senkrechten Abwärts-
bewegung Mit nach unten zeigender Hand mit dem Arm Kreisbewegungen ausführen
Langsam Auf Einleiten einer langsamen Aufwärts-
bewegung Unterarm waagerecht mit nach oben gekehrter Handfläche leicht auf und ab bewegen
Langsam Ab Einleiten einer langsamen Abwärts-
bewegung Unterarm waagerecht mit nach unten gekehrter Handfläche leicht auf und ab bewegen
Bild 5-13: Zeichen für waagerechten Bewegungsablauf
angabe Einleiten einer Bewegung in eine bestimmte Richtung Den der Bewegungsrichtung zugeordneten Arm anwinkeln und seitlich hin und her bewegen
Es können auch andere Signale, z. B. Lichtzeichen, akustische Signale, Sprechfunk, zwischen Anschläger und Kranführer vereinbart werden. Die Wahl der Zeichen hängt von den Umgebungsbedingungen und der Entfernung zwischen Kranführer und Anschläger ab. Wenn mehrere Anschläger am Anschlagvorgang beteiligt sind, wird zur Vermeidung von Missverständnissen vor Arbeitsaufnahme ein einziger Anschläger bestimmt, die Zeichen zu geben.
Dieser Anschläger wird dem Kranführer benannt. Nur auf dessen Zeichen darf der Kranführer reagieren. Nicht anheben, absenken oder fahren darf der Kranführer daher, wenn
missverständliche oder nicht vereinbarte Zeichen oder Signale gegeben werden,
mehrere Personen Zeichen geben (Bild 5-14),
offensichtlich keine Verständigung zwischen den Anschlägern erfolgt ist,
die Verständigung mit dem Anschläger abreißt, z. B. bei Verwendung von Sprechfunk, der durch große Bauteile abgeschirmt werden kann,
Anschläger oder andere Personen sich im Gefahrenbereich der Last befinden (Bild 5-15),
Hände noch im Gefahrenbereich bei zu führenden Anschlagmitteln sind (Bild 5-16),
ungeeignete Anschlagmittel verwendet werden (Bild 5-17),
die Last in der falschen Art angeschlagen ist (Bild 5-18)
sich Personen auf der Last oder dem Lastaufnahmemittel befinden; es sei denn, dass zugelassene Personenaufnahmemittel verwendet werden, Seilkontrolle auf Traversen mit festem Standplatz durchgeführt wird und Sicherungen gegen Absturz benutzt werden.
Bild 5-14: Auf welches Zeichen soll der Kranführer reagieren? Heben oder Fahren?
Bild 5-15: Beine der Anschläger befinden sich im Gefahrenbereich
Bild 5-16: Wenn der Kranführer in dieser Situation anhebt, kann die Hand des Anschlägers gequetscht werden
Bild 5-17: Die Reibung zwischen Last und Ketten ist so gering, dass die Ketten beim Anheben zusammenrutschen und die Last aus den Ketten fällt
Bild 5-18: Derart lange Lasten dürfen nicht an nur einer Kette – selbst im Schnürgang – angehängt werden
3 Anforderungen an den Kranführer
Hat ein Kran mehrere Hubwerke, so ist die zulässige Höchstlast für jedes der Hubwerke anzugeben, z. B. 200/80/
32 t (Bild 5-19). Die größte Traglastangabe ist zugleich als maximale Tragfähigkeit des Kranes anzusehen. Ist bewusst eine Summierung der Lasten als maximale Tragfähigkeit vorgesehen, muss darauf besonders hingewiesen werden, z. B. 200+80+32 t.
Krane, die unter den Anwendungsbereich der EG-Maschinenrichtlinie fallen, müssen seit dem 1.1.
1995 ab einer Tragfähigkeit von mindestens 1 000 kg bzw. einem Kippmoment von mindestens 40 000 Nm mit einer Einrichtung zur Belastungskontrolle (Überlastsicherung/Lastmomentbegrenzung) ausgerüstet sein. Bei älteren Kranen wird eine solche Einrichtung nur an Kranen gefordert, die den Bestimmungen der §§ 16, 37 Abs. 2 Nr. 2 und 38 Abs. 1 der Unfallverhütungsvorschrift „Krane“ (BGV D 6) unterliegen.
Lasten nicht in Verkehrswegen – auch nicht vorübergehend – absetzen.
zwischen den kraftbewegten unteren Teilen des Kranes, beispielsweise der Kranbrücke, dem Führerhaus, der Unterflanschlaufkatze und gelagertem Material muss ein Mindestabstand von 0,
5 m eingehalten werden.
zwischen den kraftbewegten äußeren Teilen des Kranes, beispielsweise der Portalstütze und gelagertem Material, muss mindestens 0,
5 m Abstand vorhanden sein.
im Verkehrs- und Arbeitsbereich muss zwischen den seitlich am weitesten ausladenden Teilen von Eisenbahnfahrzeugen und gelagertem Material ein Sicherheitsabstand von mindestens 0,
5 m vorhanden sein.
Die Endbegrenzungen sind rechnerisch so ausgelegt, dass sie nur eine Energie aufnehmen können, die ein Kran mit voller Belastung und
85 % seiner Höchstgeschwindigkeit entwickelt. Deshalb darf ein Kran nie in der großen Geschwindigkeitsstufe gegen die Puffer gefahren werden. Ganz zu schweigen davon, dass die Last unkontrolliert ins Pendeln gerät, aus dem Lastaufnahmemittel fallen oder gar die Hallenwand durchschlagen kann.
In den Betriebsvorschriften der BGV D 6 sind die wichtigsten Aufgaben und Pflichten des Kranführers festgelegt. Sie müssen für den Kranführer jederzeit einsehbar sein und werden deshalb üblicherweise in der Krankabine oder in der Nähe des Netzanschlussschalters angebracht.
Deshalb muss er sich beim Schwenken stets hinter der Last aufhalten. Die Last wird ziehend abgebremst.​
6 Gleichzeitiger Betrieb mehrerer Krane
In manchen Betrieben überschneiden sich die Arbeitsbereiche von Nachbarkranen oder übereinander laufenden Kranen. In anderen Fällen werden mehrere Krane für einen Hebevorgang benötigt. Dann muss mit zusätzlichen Gefahren aus dem gleichzeitigen Betrieb mehrerer Krane gerechnet werden.
1 Überschneidung von Arbeitsbereichen
Auf großen Baustellen mit mehreren Turmdrehkranen, aber auch in größeren Hallen, in denen Krane in mehreren Ebenen laufen (Brückenkrane, Konsolkrane, Säulen- oder Wandschwenkkrane usw.), kommt es zur Überschneidung von Arbeitsbereichen mehrerer Krane. Dadurch kann ein gefährlicher Kontakt mit den Tragmitteln der in den oberen Ebenen laufenden Krane entstehen. Um Lastabsturz oder Tragwerksversagen mit erheblichen Folgen zu verhindern, ist es erforderlich, die Arbeitsabläufe festzulegen und für eine einwandfreie Verständigung der Kranführer untereinander zu sorgen.
Ist keine ausreichende Sichtverbindung gewährleistet, so kann die Verständigung auch über Sprechfunk erfolgen oder über einen Einweiser.
2 Tandembetrieb
Ersatzweise können auch hier Sprechfunkgeräte benutzt werden. Dabei ist jedoch zu beachten, dass deren Funktion durch den Standort des Aufsichtführenden eingeschränkt sein kann, z. B. bei Montagen von großen Behältern, die abschirmend wirken.​
7 Beendigung der Kranarbeit
Der Kranführer stellt nach Beendigung seiner Kranarbeit den Kran so ab, dass er andere noch im Betrieb befindliche Krane nicht behindert und den sonstigen betrieblichen Ablauf nicht stört oder gefährdet.
legt er Lastaufnahme- und Anschlagmittel ab oder hebt sie mit der Unterflansche so hoch, dass nichts mehr in den Verkehrs- oder Arbeitsbereich ragt,
fährt er den Kran, wenn möglich, an das Fahrbahnende und
schaltet er den Netzanschlussschalter aus und schließt ihn, wenn er mit Schloss versehen ist, ab,
siehe Bilder 7-
1 bis 7-3.
Bild 7-1: Der Kran ist an das Hallenende gefahren, die Traverse ist hochgezogen
Bild 7-2: Der Kranführer schaltet den Netzanschlussschalter aus
Bild 7-3: Bei flurgesteuerten Kranen wird der Kranschalter durch Drücken des auch als „Not-Halt- Schalter“ bezeichneten roten Pilztasters betätigt
Im Freien betriebene oder dort abgestellte Krane können durch Windeinwirkung ungewollt bewegt werden. Der Kranführer muss daher vor Verlassen des Kranes die Windsicherung vornehmen (Bilder 7-
4 + 7-5).
Bild 7-4: Der Portalkran kann an verschiedenen Stellen durch Verbolzen gegen Abtreiben durch Wind gesichert werden
Bild 7-5: Der Kranführer dreht die Schienenzange an. Diese Windsicherung kann an jeder Stelle der Kranbahn betätigt werden
8 Wartungs- und Inspektionsarbeiten
9 Instandsetzungs- und Änderungsarbeiten
Da Personen bei diesen Arbeiten durch Kranbewegungen gefährdet werden können, ist in den Bestimmungen des §
42 der Unfallverhütungsvorschrift „Krane“ (BGV D 6)vorgeschrieben:
42 (1) Bei allen Instandsetzungs- und Änderungsarbeiten an Kranen und bei Arbeiten in Bereichen, in denen Personen durch den bewegten Kran gefährdet werden können, hat der Unternehmer folgende Sicherheitsmaßnahmen anzuordnen und zu überwachen:
(2) Sind die in Absatz
1 genannten Sicherheitsmaßnahmen nicht zweckentsprechend oder aus betrieblichen Gründen nicht zu treffen oder nicht ausreichend, hat der Unternehmer andere oder weitere Sicherheitsmaßnahmen anzuordnen und zu überwachen.“
Mit dieser BG-Information soll den Kranführern ein Instrument in die Hand gegeben werden, Gelerntes wieder aufzufrischen und das Sicherheitsbewusstsein durch neue Denkanstöße zu erweitern.
Darüber hinaus soll diese BG-Information für Kranführer, die in der Ausbildung stehen, ein Leitfaden sein und die Theorie durch Wort und Bild verständlicher machen.
DIN EN 12077-2: Sicherheit von Kranen– Gesundheits- und Sicherheitsanforderungen – Teil 2: Begrenzungs- und Anzeigeeinrichtungen
DIN EN 14492-2: Krane – Kraftgetriebene Winden und Hubwerke – Teil 2: Kraftgetriebene Hubwerke
DIN 15020-2: Hebezeuge; Grundsätze für Seiltriebe, Überwachung im Gebrauch
DIN 15405-1: Lasthaken für Hebezeuge; Überwachung im Gebrauch von geschmiedeten Lasthaken
6 Unfallverhütungsvorschrift Krane
921 Auswahl, Unterweisung und Befähigungsnachweis von Kranführern
556 Anschläger
Titelbild: Kranbau Köthen GmbH
[1-1]: BGHM FB HM SG HI/Koop
[2-1]: BGHM FB HM SG HI/Koop
[2-2]: BGHM FB HM SG HI/Koop
[3-1]: BGHM FB HM SG HI/Kraus
[3-2]: BGHM FB HM SG HI/Koop
[3-3]: BGHM FB HM SG HI/Koop
[3-4]: BGHM FB HM SG HI/Kraus
[3-5]: BGHM FB HM SG HI/Kraus
[3-6]: BGHM FB HM SG HI/Kraus
[3-7]: Deutsche Edelstahlwerke GmbH/Rossmann
[3-8]: Deutsche Edelstahlwerke GmbH/Tarra
[3-9]: BGHM FB HM SG HI/Koop
[4-1]: BGHM FB HM SG HI/Kraus
[4-2]: BGHM FB HM SG HI/Koop
[4-3]: BGHM FB HM SG HI/Koop
[4-4]: BGHM FB HM SG HI/Koop
[4-5]: BGHM FB HM SG HI/Koop
[4-6]: Deutsche Edelstahlwerke GmbH/Tarra;
[4-7]: BGHM FB HM SG HI/Koop
[4-8]: BGHM FB HM SG HI/Kraus
[4-9]: BGHM FB HM SG HI/Koop
[4-10]: BGHM FB HM SG HI/Kraus
[4-11]: BGHM FB HM SG HI/Kraus
[4-12]: BGHM FB HM SG HI/Koop
[4-13]: BGHM FB HM SG HI/Koop
[5-1]: BGHM FB HM SG HI/Kraus
[5-2]: BGHM FB HM SG HI/Koop
[5-3]: BGHM FB HM SG HI/Koop
[5-4]: J. Schmalz GmbH;
[5-5]: BGHM FB HM SG HI/Koop
[5-6]: BGHM FB HM SG HI/Koop
[5-7]: BGHM FB HM SG HI/Kraus
[5-8]: BGHM FB HM SG HI/Koop
[5-9]: WIMO-Hebetechnik GmbH
[5-10]: WIMO-Hebetechnik GmbH
[5-11]: BGHM FB HM SG HI/Koop
[5-12]: BGHM FB HM SG HI/Koop
[5-13]: BGHM FB HM SG HI/Koop
[5-14]: BGHM FB HM SG HI/Kraus
[5-15]: BGHM FB HM SG HI/Kraus
[5-16]: BGHM FB HM SG HI/Kraus
[5-17]: BGHM FB HM SG HI/Koop
[5-18]: BGHM FB HM SG HI/Koop
[5-19]: BGHM FB HM SG HI/Koop
[5-20]: BGHM FB HM SG HI/Koop
[6-1]: BGHM FB HM SG HI/Koop
[7-1]: BGHM FB HM SG HI/Kraus
[7-2]: BGHM FB HM SG HI/Kraus
[7-3]: BGHM FB HM SG HI/Kraus
[7-4]: BGHM FB HM SG HI/Koop
[7-5]: BGHM FB HM SG HI/Koop
[8-1]: BGHM FB HM SG HI/Koop
[9-1]: BGHM FB HM SG HI/Koop
Die Bilder 5-11, 5-12 und 5-13 sind wiedergegeben mit Erlaubnis des DIN Deutsches Institut für Normung e. V. Maßgebend für das Anwenden der DIN-Norm ist deren Fassung mit dem neuesten Ausgabedatum, die bei der Beuth-Verlag GmbH, Burggrafenstraße 6,
Previous Post: Krane – DGUV Vorschrift 52
Next Post: DGUV Regel – Grundsätze der Prävention