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Timestamp: 2019-12-06 03:21:49
Document Index: 254887852

Matched Legal Cases: ['§ 8', '§ 9', '§ 1', '§ 39', '§ 39', '§ 46', '§ 49', '§ 1', '§ 39', '§ 8']

deutsche Steuerkarte Wohnsitz in Indien - frag-einen-anwalt.de
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deutsche Steuerkarte Wohnsitz in Indien
12.11.2009 21:28 |
habe hier mal eine frage ich trage mich meinen Hauptwohnsitz von Deutschland nach Indien zu verlegen.
behalte aber meinen Arbeitsplatz hier in deutschland weiter bei das heißt ich arbeite weiterhin in Deutschland.
steht mir weiterhin die deutsche Steuerkarte zu da ich mich in deutschland beim Einwohnermeldeamt abmelde und mich in Indien anmelden werde.. ?
ggf. die doppelt besteuerung ist mir bekannt.
würde mich über eine zeitnahe bearbeitung freuen.
Diese Antwort ist vom 12.11.2009 und möglicherweise veraltet. Stellen Sie jetzt Ihre aktuelle Frage und bekommen Sie eine rechtsverbindliche Antwort von einem Rechtsanwalt.
die Lohnsteuerkarte bekommen nur Personen, die ihren Wohnsitz in Deutschland haben und daher hier unbeschränkt einkommensteuerpflichtig sind.
Sie schreiben, dass Sie sich hier komplett abmelden, sodass gilt: Wer den Wohnsitz im Ausland besitzt und keinen mehr in Deutschland, bekommt keine Lohnsteuerkarte!
Nachfrage vom Fragesteller	13.11.2009 | 07:53
Was würde ich brauchen wenn ich weiterhin in Deutschland arbeite ?
an Stelle der Steuerkarte mit Anschrift Indien...
Antwort auf die Nachfrage vom Anwalt 14.11.2009 | 18:09
sofern Sie tatsächlich weiterhin in Deutschland Ihre berufliche Tätigkeit ausüben werden (wobei sich mir die Frage stellt, wie Sie dieses bei Verlegung des Wohnsitzes i. S. d. § 8 AO nach Indien, ohne Aufrechterhalten eines weiteren Wohnsitzes oder zumindest des gewöhnlichen Aufenthalts (§ 9 AO) in Deutschland, bewerkstelligen wollen), ist zum einen auch das DBA zwischen Deutschland und Indien und dort insbesondere der Artikel 15 zu beachten:
Nach der dort genannten "183-Tage-Regelung" entscheidet sich, ob bei einer (vorübergehenden) Auslandstätigkeit der Wohnsitzstaat (wäre hier also: Indien) oder der Tätigkeitsstaat (sodann also: Deutschland) das Besteuerungsrecht für Ihren Arbeitslohn hat. Voraussetzung hierfür ist, dass
- Ihr Arbeitgeber, der Ihren Arbeitslohn zahlt, seinen Sitz nicht im Tätigkeitsstaat hat und
- Ihr Arbeitgeber Ihren Arbeitslohn nicht an eine Betriebsstätte weiterbelastet, die er ggf. im Tätigkeitsstaat unterhält.
Fazit dieser Regelung im DBA Indien ist, dass
- der Wohnsitzstaat (Indien) das Besteuerungsrecht hat, sofern Ihr Aufenthalt im Tätigkeitsstaat (Deutschland) nicht mehr als 183 Tage während des Steuerjahres (Achtung: Indien hat ein abweichendes Steuerjahr, das jeweils vom 01.04. bis 31.03. dauert) dauert, oder
- das Besteuerungsrecht der Tätigkeitsstaat hat (und zwar von Beginn an), sofern der Aufenthalt im Tätigkeitsstaat mehr als 183 Tage dauert. Im Wohnsitzstaat bleiben diese Einkünfte dann steuerfrei, unterliegen aber dem sog. Progressionsvorbehalt.
Des Weiteren könnten Sie auch als sog. "Grenzpendler" beurteilt werden, wenn Sie Ihre Einkünfte zu über 90 % in Deutschland erzielen, keine wesentlichen ausländischen Einkünfte haben und sich hier auf Antrag als unbeschränkt einkommensteuerpflichtig behandeln lassen (§ 1 Abs. 3 EStG). Sie erhalten aber auch dann keine Lohnsteuerkarte, sondern die "Bescheinigung nach § 39c Abs. 4 EStG", die Sie auf Antrag beim Betriebsstätten-Finanzamt des Arbeitgebers erhalten. Mit dieser Bescheinigung werden Sie bereits während des Jahres als unbeschränkt steuerpflichtig behandelt. Da Sie im Falle einer Umsiedlung nach Indien Ihren Wohnsitz in einem Land außerhalb der EU/EWR liegt, müssen Sie Ihrem Antrag die "Anlage Grenzpendler außerhalb EU/EWR" beifügen. Darin müssen Sie Ihre voraussichtlichen in- und ausländischen Einkünfte angeben und von der Steuerbehörde des Wohnsitzlandes bestätigen lassen. In der Bescheinigung wird dann grds. nur die Steuerklasse I eingetragen. Am Jahresende stellt der Arbeitgeber Ihnen eine "besondere Lohnsteuerbescheinigung" aus, die Sie Ihrer Einkommensteuererklärung beilegen.
Wichtig: Wenn Sie eine "Bescheinigung nach § 39c Abs. 4 EStG" beantragt haben, müssen Sie eine Einkommensteuererklärung in Deutschland abgeben (§ 46 Abs. 2 Nr. 7b EStG).
Als letzte Möglichkeit können Sie auch als in Deutschland beschränkt steuerpflichtig einzustufen sein, wenn Sie Ihren Wohnsitz im Ausland (hier: Indien) haben und bestimmte Einkünfte in Deutschland erzielen, die in § 49 EStG (wie auch: Einkünfte aus nichtselbständiger Arbeit) aufgelistet sind. Voraussetzung ist jedoch, dass Ihre in Deutschland erzielten Einkünfte nicht mindestens 90 % Ihrer Gesamteinkünfte betragen oder Sie auf den Antrag zur unbeschränkten Steuerpflicht (§ 1 Abs. 4 EStG) verzichten. Sie erhalten ebenfalls keine Lohnsteuerkarte, sondern können in diesem Fall beim Betriebsstätten-Finanzamt Ihres Arbeitgebers eine sog. "Bescheinigung nach § 39d EStG" beantragen, in der die Steuerklasse I und ggf. ein Lohnsteuerfreibetrag für erhöhte Werbungskosten eintragen wird.
Am Jahresende erhalten Sie vom Arbeitgeber auf Nachfrage eine besondere Lohnsteuerbescheinigung (R 135 Abs. 9 Nr. 4 LStR).
Als Nicht-EU-Bürger oder ohne Wohnsitz in einem EU-Staat ist eine Einkommensteuerveranlagung nicht möglich. Die deutsche Einkommensteuer ist sodann mit dem Lohnsteuerabzug abgegolten.
Sollten Sie jedoch weiterhin einen Wohnsitz (wenn zusätzlich, dann muss i. d. R. auch dort der Mittelpunkt Ihrer Lebensinteressen sein) oder Ihren gewöhnlichen Aufenthalt (§§ 8 und 9 AO) in Deutschland haben - und hier kommt es auf die tatsächlichen Gegebenheiten an und nicht auf lediglich bürokratische wie die Abmeldung beim Einwohnermeldeamt - so sind Sie weiterhin in Deutschland unbeschränkt einkommensteuerpflichtig und erhalten demzufolge weiterhin eine Lohnsteuerkarte.
Ich hoffe, Ihre Frage nunmehr vollständig und zufriedenstellend beantwortet zu haben und verbleibe
Betriebsstätte in Deutschland durch Geschäftsführer mit Wohnsitz in Deutschland