Source: https://www.autounfall.net/fahrlaessige-toetung-222-stgb/
Timestamp: 2019-05-23 01:52:18
Document Index: 31924049

Matched Legal Cases: ['§ 222', '§ 222', '§ 222', '§ 222', '§ 222', '§ 222', '§ 222', '§ 222', '§ 222', '§ 212', '§ 222', '§ 222', '§ 78', '§ 222']

Die fahrlässige Tötung nach § 222 StGB I Autounfall.net
Fahrlässige Tötung nach § 222 StGB – Die tragischste Folge eines Unfalles
Die Strafe bei einem Unfall mit Todesfolge ist fallabhängig.
Kratzer, Dellen, kaputte Scheiben: Wenn ein Autounfall materielle Schäden verursacht, ist das ärgerlich. Viel schlimmer ist hingegen, wenn, je nach Art des Unfalles, eine Person körperliche Schäden oder gar den Tod erleidet. Die versehentliche Tötung eines Menschen ist immer tragisch. Neben Schuldgefühlen, welche Betroffene wohl lebenslang begleiten werden, steht dann natürlich auch eine Strafe aus – für “fahrlässige Tötung” nach § 222 StGB.
In diesem Ratgeber finden Sie Informationen zum Thema fahrlässige Tötung nach § 222 StGB – so z. B., wie sich dieser Tatbestand juristisch gesehen von anderen Begriffen abgrenzt.
Was ist eine fahrlässige Tötung nach § 222 StGB ?
Zur Fahrlässigkeit
Fahrlässige Tötung: Den richtigen Begriff wählen
Die Strafe für fahrlässige Tötung ist vom Fall abhängig
Verkehrsunfall mit Todesfolge: Welche Strafe droht nun?
Die Verjährung für fahrlässige Tötung nach § 222 StGB
Um zu begreifen, wie eine fahrlässige Tötung nach § 222 StGB strafrechtlich bewertet wird, muss zunächst einmal die Fahrlässigkeit selbst beleuchtet werden. Auch wenn wohl die meisten eine ungefähre Vorstellung von diesem Wort haben dürften, kann es im juristischen Rahmen einige Fallstricke bereithalten.
Was bedeutet “fahrlässige Tötung” eigentlich?
Der Begriff Fahrlässigkeit findet weniger im alltäglichen Sprachgebrauch als vielmehr in der Rechtsprechung Anwendung. Allgemein beschreibt es die unvorsichtige und unaufmerksame Einstellung des Täters, welche zu einem Vorfall geführt haben. Fahrlässigkeit ist sowohl im Zivilrecht als auch im Strafrecht und im Versicherungswesen ein Strafbestand und wird dementsprechend auch jeweils unterschiedlich ausgelegt. Je nach Ausprägung und Rechtsgebiet wird Fahrlässigkeit in verschiedene Stärkegrade unterschieden.
Im Zivilrecht wird von einfacher oder grober Fahrlässigkeit gesprochen. Grob meint dabei, dass Umstände nicht beachtet wurden, die jedem hätten einleuchten müssen. Eine “grob fahrlässige Tötung” wäre laut Definition also die nicht absichtliche Tötung einer Person, die daraus resultiert, dass offensichtliche Konsequenzen nicht bedacht wurden.
Im Strafrecht, welches die fahrlässige Tötung eigentlich verhandelt, wird lediglich zwischen “unbewusst” und “bewusst” unterschieden: Unbewusste Fahrlässigkeit meint dabei, dass die betroffene Person die Konsequenzen ihrer Handlung nicht bedacht hat. Bei der bewussten Fahrlässigkeit hat die Person die möglichen Konsequenzen zwar bedacht, aber darauf vertraut, dass sie nicht eintreten werden. Besonders beim letzten Strafbestand verschwimmen die Grenzen zum Vorsatz, welcher eine willentliche Tat bei Inkaufnahme aller Konsequenzen beschreibt.
Fahrlässigkeit ist also gesetzlich nicht präzise umrissen und in vielen Fällen Auslegungssache der richtenden Instanzen.
Bei einem Unfall mit Todesfolge wird die Strafe nach Art der Fahrlässigkeit ermessen.
Entsprechend diesen Beschreibungen wird von fahrlässiger Tötung gesprochen, wenn der Tod eines Menschen durch die Fahrlässigkeit eines anderen herbeigeführt wurde. Bei einem Unfall mit Todesfolge ist das Strafmaß dementsprechend häufig das für fahrlässige Tötung nach § 222 StGB.
Die obigen Beschreibungen zeigen, dass eine “versuchte fahrlässige Tötung”, von welcher mitunter gesprochen wird, nicht existiert. “Versucht” setzt eine willentliche Entscheidung voraus, was im Gegensatz zu der Charakterisierung für fahrlässige Tötung laut § 222 StGB steht. Selbiges gilt für einen “fahrlässigen Totschlag”, gleichwohl Tötung und Totschlag im allgemeinen Sprachgebrauch synonym verwendet werden. Was Totschlag ist, wird separat im § 212 des StGB definiert und beinhaltet ebenfalls Vorsatz.
Ähnlich verhält es sich bei der fahrlässigen Körperverletzung mit Todesfolge. Zwar kann eine Körperverletzung als fahrlässig und der darauffolgende Tod als nicht gewollt begriffen werden, im StGB wird jedoch lediglich von „Körperverletzung mit Todesfolge“ gesprochen. Wurde eine Person fahrlässig verletzt und diese Verletzungen haben zu einem späteren Zeitpunkt klar nachweisbar den Tod herbeigeführt, kann dies mitunter auch als fahrlässige Tötung definiert werden.
In § 222 STGB ist unter “Fahrlässige Tötung” Folgendes zu lesen:
In dem realen Fall wurde die Strafe für die fahrlässige Tötung im Straßenverkehr nachträglich abgemildert.
Das Strafmaß für fahrlässige Tötung, im Straßenverkehr oder sonst wo, ist also nicht standardisiert. Das ist nur sinnvoll; wie bereits die Begriffserklärung zur Fahrlässigkeit gezeigt hat, können ganz unterschiedliche Umstände zum Ableben eines Menschen geführt haben.
Die Art und Weise, wie eine Person den Tod des anderen verursacht hat, und das individuelle Schuldmaß müssen nachträglich ermittelt und die entsprechende Sanktion anhand dessen ausgehandelt werden. Laut dem Gesetzestext ist die Mindeststrafe für fahrlässige Tötung eine Geldstrafe.
Zum Thema tödlicher Verkehrsunfall folgender realer Fall als Beispiel: Im August 2015 hat ein Angeklagter einem Motorradfahrer die Vorfahrt genommen, dieser erlag seinen Verletzungen. Das Opfer stand zum Tatzeitpunkt unter Drogen und fuhr deshalb mit überhöhter Geschwindigkeit. Der Mann wurde zunächst für fahrlässige Tötung zu acht Monaten Freiheitsstrafe auf Bewährung verurteilt. Auch ein Führerscheinentzug wurde verhängt.
In späterer Instanz wurde dieser jedoch vom Landesgericht Zwickau aufgehoben und stattdessen auf 100 Tagessätze zu 50 Euro umgewandelt. Begründung für diese Abmilderung war zum einen der Rausch des Opfers. Außerdem galt der Umstand, dass in der Regel bei nicht vorbestraften Personen, die in einem Verkehrsunfall eine fahrlässige Tötung verursachen, als Strafmaß lediglich eine Geldbuße verhängt wird.
Fahrlässige Tötung durch einen Arzt – das ist durchaus möglich.
Wie bereits erläutert, gibt es also keine allgemein gültige Strafe für fahrlässige Tötung nach § 222 StGB. Bei einem tödlichen Unfall im Straßenverkehr wird das Strafmaß in der Regel noch durch verkehrsrechtliche Sanktionen erweitert – wie Punkte, Fahrverbot oder die Entziehung der Fahrerlaubnis. Auch die Anordnung einer MPU ist nicht ausgeschlossen; schließlich kann dem Fahrer gerade bei einem verursachten Tod im Straßenverkehr mit Fug und Recht unterstellt werden, dass er psychologisch nicht oder nicht mehr in der Lage ist, ein Fahrzeug zu bedienen.
Für die fahrlässige Tötung bei einem Verkehrsunfall wird die Strafe zudem anhand verschiedener Aspekte ermessen, Schuldfähigkeit durch Drogenrausch und Witterungsbedingungen etwa.
Für die fahrlässige Tötung tritt eine Verjährung nach fünf Jahren ein. Dies ergibt sich aus § 78 Absatz 3 Nummer 4, StGB, welcher festhält:
3. Soweit die Verfolgung verjährt, beträgt die Verjährungsfrist
(4) fünf Jahre bei Taten, die im Höchstmaß mit Freiheitsstrafen von mehr als einem Jahr bis zu fünf Jahren bedroht sind,
Eine Person muss nicht direkt an Ort und Stelle versterben. Sie kann auch erst später durch Umstände, welche nicht direkt durch den Unfall verursacht wurden, zu Tode kommen – zum Beispiel im Krankenhaus. Wenn ein Arzt durch falsche oder fehlende Behandlung den direkten Tod einer Person verursacht hat, dann kann diesem Arzt theoretisch eine fahrlässige Tötung nach § 222 StGB vorgeworfen werden.
Ob eine fahrlässige Tötung durch Unterlassen vom Arzt vorliegt und inwiefern generell für den Tod eines Patienten gehaftet wird, ist auch hier stets vom Einzelfall abhängig. Pauschale Aussagen zu treffen, ist deshalb nahezu unmöglich.