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Timestamp: 2019-11-19 20:15:07
Document Index: 277005268

Matched Legal Cases: ['§ 96', '§ 81', 'BGH', 'BGH', '§ 103', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 76', '§ 86', 'BGH']

BFH, 10.01.1978 - VII R 106/74 - dejure.org
https://dejure.org/1978,110
BFH, 10.01.1978 - VII R 106/74 (https://dejure.org/1978,110)
BFH, Entscheidung vom 10.01.1978 - VII R 106/74 (https://dejure.org/1978,110)
BFH, Entscheidung vom 10. Januar 1978 - VII R 106/74 (https://dejure.org/1978,110)
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BFHE 124, 305
DB 1978, 1160
BStBl II 1978, 311
Es ist jedoch nicht gehindert, sich die tatsächlichen Feststellungen des Strafgerichts zu Eigen zu machen, wenn nach seiner freien, aus dem Gesamtergebnis des Verfahrens gewonnenen Überzeugung (§ 96 Abs. 1 Satz 1 FGO) diese Feststellungen zutreffend sind und wenn keine substantiierten Einwendungen gegen die Feststellungen des Strafgerichts erhoben werden (ständige Rechtsprechung, Senatsurteile vom 10. Januar 1978 VII R 106/74, BFHE 124, 305, BStBl II 1978, 311;… vom 12. Januar 1988 VII R 74/84, BFH/NV 1988, 692; vom 26. April 1988 VII R 124/85, BFHE 153, 463).
Beruhen die strafgerichtlichen Feststellungen auf Geständnissen eines Mitangeklagten, so bedarf es zur Substantiierung einer annehmbaren Erklärung, warum zu erwarten sei, daß dieser seine Aussagen ändern werde (Anschluß an BFHE 124, 305, BStBl II 1978, 311).
Dies sei zulässig (Senatsurteil vom 10. Januar 1978 VII R 106/74, BFHE 124, 305, BStBl II 1978, 311).
Das FG kann sich daher Feststellungen aus einem in das finanzgerichtliche Verfahren eingeführten Strafurteil zu eigen machen, es sei denn, daß die Beteiligten gegen die strafgerichtlichen Feststellungen substantiierte Einwendungen vortragen und entsprechende Beweisanträge stellen, die das FG nicht nach den allgemeinen für die Beweiserhebung geltenden Grundsätzen unbeachtet lassen kann (Senatsurteil in BFHE 124, 305, BStBl II 1978, 311).
Bei einem Richterwechsel nach Unterbrechung der mündlichen Verhandlung brauchen vorher erhobene Beweise nicht nochmals erhoben zu werden (vgl. die Rechtsprechungsnachweise im Urteil des Bundesfinanzhofs - BFH - vom 10. Januar 1978 VII R 106/76, BFHE 124, 305, BStBl II 1978, 311, und bei Tipke/Kruse, Abgabenordnung-Finanzgerichtsordnung, 11. Aufl., § 81 FGO, Tz. 6 unter a).
Voraussetzung für diese Verwertung ist aber, daß die Verfahrensbeteiligten damit einverstanden sind und nicht einer von ihnen beantragt, den Beweis vom Prozeßgericht zu erheben (vgl. die Rechtsprechungsangaben in der Entscheidung in BFHE 124, 305, BStBl II 1978, 311, und bei Tipke/Kruse, a. a. O., unter b).
So kann sich ein FG die Feststellungen aus einem in das finanzgerichtliche Verfahren eingeführten Strafurteil zu eigen machen, falls nicht die Verfahrensbeteiligten substantiierte Einwendungen vortragen und entsprechende Beweisanträge stellen (BFHE 124, 305, BStBl II 1978, 311).
Auf die beantragte Beweiserhebung kann es im Regelfall nur verzichten, wenn es auf das Beweismittel für die Entscheidung nicht ankommt oder das Gericht die Richtigkeit der durch das Beweismittel zu beweisenden Tatsache zugunsten der betreffenden Partei unterstellt oder das Beweismittel nicht erreichbar ist (BFH-Urteile vom 13. August 1969 II 213/65, BFHE 98, 210, BStBl II 1970, 338; vom 10. Januar 1978 VII R 106/74, BFHE 124, 305, BStBl II 1978, 311, und in BFH/NV 1989, 38).
Ein Verstoß gegen den Grundsatz der Unmittelbarkeit der Beweisaufnahme sei hier nicht gegeben, weil nach der Rechtsprechung des Bundesfinanzhofs - BFH - (Urteil vom 10. Januar 1978 VII R 106/74, BFHE 124, 305, BStBl II 1978, 311) bei einem Wechsel der Richterbank nach Unterbrechung der mündlichen Verhandlung vorher erhobene Beweise nicht nochmals erhoben zu werden brauchten.
Daraus wird gefolgert, daß bei mündlicher Verhandlung an mehreren Sitzungstagen ein Richterwechsel nach Beweisaufnahme und Vertagung unschädlich ist, d. h., die Beweise nicht nochmals erhoben zu werden brauchen (vgl. BFH-Urteile in BFHE 124, 305, BStBl II 1978, 311; vom 15. März 1977 VII R 122/73, BFHE 121, 392, BStBl II 1977, 431, 432; vom 23. Januar 1985 I R 30/81, BFHE 143, 117, BStBl II 1985, 305, 306; Beschluß des Bundesverwaltungsgerichts - BVerwG - vom 2. April 1971 IV B 5/71, Höchstrichterliche Finanzrechtsprechung - HFR - 1972, 131; BGH-Urteil vom 17. Februar 1970 III ZR 139/67, BGHZ 53, 245, 256, 257;… weitere Nachweise bei Gräber / von Groll, a. a. O., § 103 FGO Rdnr. 4).
Das gilt jedenfalls dann, wenn die Verfahrensbeteiligten mit dieser Form der Beweisverwertung einverstanden sind (vgl. BFHE 85, 229, BStBl III 1966, 293; BFHE 124, 305, BStBl II 1978, 311, 312; BFHE 143, 117, BStBl II 1985, 305, 306; BVerwGE 18, 19; BVerwG in HFR 1972, 131; BGHZ 32, 233, 237; BGHZ 53, 245, 256, 257; BGH-Urteil vom 2. Februar 1979 V ZR 146/77, Neue Juristische Wochenschrift - NJW - 1979, 2518).
Nach der ständigen Rechtsprechung des Bundesfinanzhofs (Urt. v. 10.01.1978, VII R 106/74, BFHE 124, 305, juris Rn. 12;… Urt. v. 26.04.1988, VII R 124/85, BFHE 153, 463, juris Rn. 13;… Beschl. v. 25.02.1992, VII B 125/91, BFH/NV 1993, 4, juris Rn. 14;… Urt. v. 02.12.2003, VII R 17/03, juris Rn. 18;… Beschl. v. 13.01.2005, VII B 261/04, BFH/NV 2005, 936, juris Rn. 8;… Beschl. v. 29.01.2007, V B 160/06, V B 161/06, juris Rn. 10;… Beschl. v. 02.07.2008, VII B 242/07, juris Rn. 8;… Beschl. v. 30.07.2009, VIII B 214/07, juris Rn. 7;… Beschl. vom 24.05.2013, VII B 155/12, juris Rn. 7;… Beschl. v. 24.09.2013, XI B 75/12, juris Rn. 13) ist dies den Finanzgerichten erlaubt, wenn und soweit sie zu der Überzeugung gelangen, dass die strafgerichtlichen Feststellungen zutreffen, sie nicht substantiiert bestritten und keine entsprechenden Beweisanträge gestellt werden, die nach den allgemeinen für die Beweiserhebung geltenden Grundsätzen nicht unbeachtet bleiben können.
Auf die beantragte Beweiserhebung kann es im Regelfall nur verzichten, wenn es auf das Beweismittel für die Entscheidung nicht ankommt oder das Gericht die Richtigkeit der durch das Beweismittel zu beweisenden Tatsachen zugunsten der betreffenden Partei unterstellt, das Beweismittel nicht erreichbar ist (vgl. Senatsurteil vom 10. Januar 1978 VII R 106/74, BFHE 124, 305, BStBl II 1978, 311) oder völlig ungeeignet ist, den Beweis zu erbringen (…Senatsbeschluss vom 31. August 2000 VII B 181/00, BFH/NV 2001, 318).
Beweisanträge dürfen nach den auch im finanzgerichtlichen Verfahren anzuwendenden allgemeinen prozeßrechtlichen Grundsätzen grundsätzlich nur abgelehnt werden, wenn das vom Antragsteller angebotene Beweismittel schlechthin untauglich ist, wenn es auf die Beweistatsache -- nach Auffassung des FG -- nicht ankommt oder wenn die Beweistatsache als wahr unterstellt wird (…BFH-Urteile vom 19. September 1985 VII R 164/84, BFH/NV 1986, 674, 675; vom 10. Januar 1978 VII R 106/74, BFHE 124, 305, BStBl II 1978, 311;… von Groll/Gräber, Finanzgerichtsordnung, 3. Aufl., § 76 Rz. 24; BVerwG-Entscheidungen vom 6. Februar 1985 8 C 15.84, BVerwGE 71, 38, 41, und vom 27. Oktober 1971 V C 78.70, BVerwGE 39, 36, 37 [BVerwG 27.10.1971 - V C 78/70];… Kopp, Verwaltungsgerichtsordnung, 9. Aufl., § 86 Rz. 6 a; derselbe in NJW 1988, 1708).
Es verstößt gegen das Verbot einer vorweggenommenen Beweiswürdigung zu Lasten der beweisbelasteten Partei, erhebliche Beweisantritte des Beteiligten mit der Begründung zu übergehen, von der Erhebung der Beweise seien keine zweckdienlichen Ergebnisse zu erwarten (…BFH/NV 1993, 671, 672;… BFH-Beschluß vom 21. Mai 1992 VIII B 76/91, BFH/NV 1993, 32, 33;… Urteile vom 5. Februar 1992 I R 25/91, BFH/NV 1992, 678 -- nur Leitsatz --;… vom 9. Juli 1985 IX R 53/80, BFH/NV 1986, 217, 218;… vom 6. Februar 1985 II R 12/84, BFH/NV 1985, 41; in BFHE 124, 305, BStBl II 1978, 311; BVerfG-Beschluß vom 25. August 1986 2 BvR 823/86, Neue Zeitschrift für Verwaltungsrecht -- NVwZ -- 1987, 785 mit umfassenden Nachweisen; BVerwG- Urteil vom 19. September 1986 4 C 47-- 52.84, NVwZ 1987, 405; BGH-Urteil vom 11. November 1980 X ZR 49/80 -- BPatG --, Monatsschrift für Deutsches Recht -- MDR -- 1981, 401).
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