Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Text=BauR%201985,%2077
Timestamp: 2019-07-17 03:37:22
Document Index: 125143362

Matched Legal Cases: ['BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 4', '§ 634', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 649', 'BGH', '§ 649', 'BGH', '§ 16', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 9', 'BGH', '§ 10', '§ 649', 'BGH']

BGH, 04.10.1984 - VII ZR 65/83 - dejure.org
https://dejure.org/1984,668
BGH, 04.10.1984 - VII ZR 65/83 (https://dejure.org/1984,668)
BGH, Entscheidung vom 04.10.1984 - VII ZR 65/83 (https://dejure.org/1984,668)
BGH, Entscheidung vom 04. Januar 1984 - VII ZR 65/83 (https://dejure.org/1984,668)
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Überschreitung vertraglicher Ausführungsfristen - Kündigungsrecht nach VOB - Anforderungen an ein Leistungsverweigerungsrecht des Auftraggebers
Rechtsgrundlose Kündigung durch Auftraggeber; AGB: Weisungsrecht des Auftraggebers
BGHZ 92, 244
NJW 1985, 631
BauR 1985, 77
Damit schafft das Gesetz einen ausgewogenen Interessenausgleich (vgl. BGH…, Urteil vom 12. Juli 2007 - VII ZR 154/06, BauR 2007, 1724, 1725 = NZBau 2007, 634, juris Rn. 18; Urteil vom 4. Oktober 1984 - VII ZR 65/83, BGHZ 92, 244, 249 f., juris Rn. 23 ff.).
Die Folgen sind daher nach allgemeinen rechtlichen Gesichtspunkten zu werten, da der Auftraggeber nunmehr die Verpflichtung hat, auf die ihm mitgeteilten Bedenken zu reagieren (vgl. BGH, Urteil vom 04.10.1984, VII ZR 65/83, BGHZ 92, 244, dort Rn 12 ff. mwN, OLG Düsseldorf, Urteil vom 07.10.1987, 19 U 13/87, BauR 1988, 478; Ingenstau u.a./Oppler, VOB, 20 Auflage, § 4 VOB/B, Rn 75 mwN; Kniffka/Koeble, Kompendium des Baurechts, 4. Auflage 2014, 6. Teil, Rn 53, dort zu (2) mwN und Rn 54 mwN; Kniffka/Krause-Allenstein, ibr-online-Kommentar Bauvertragsrecht, Stand 21.08.2017, § 634, Rn 62/63 mwN).
Geht der Auftraggeber auf fachlich begründete Bedenken des Auftragnehmers überhaupt nicht ein, und lehnt er den vom Auftragnehmer - für den Fall einer entgegen seinen Bedenken weisungsgemäß erfolgenden Arbeitsaufnahme und Ausführung - erbetene Freistellung von der Gewährleistung ohne Begründung ab, ist die Weisung des Auftraggebers, die Werkleistung auf eine gegen die Regeln der Technik verstoßende Weise zu erbringen, treuwidrig und ihre Nichtbefolgung löst daher keinen Verzug des Auftragnehmers aus (BGH, Urteil vom 04.10.1984, a.a.O.; vgl. zuvor bereits BGH, Urteil vom Urteil vom 20.12.1957, VI ZR S/F Z 2.40, Bl. 1 ff.; OLG Düsseldorf, Urteil vom 13.03.2003, 5 U 71/01, BauR 2004, 99;… Kniffka/Koeble, a.a.O., 6. Teil, Rn 53 zu (2); Leupertz, BauR 2010, 273/280;… Vygen/Joussen, Bauvertragsrecht nach VOB und BGB, 5. Auflage, Rn 950/1524 mwN).
Eine in Allgemeinen Geschäftsbedingungen des Auftraggebers enthaltene Klausel, wonach nur die erbrachten Leistungen des Auftragnehmers vergütet werden und weitergehende Ansprüche ausgeschlossen werden, wenn der Auftraggeber ohne besonderen Grund kündigt, benachteiligt den Auftragnehmer entgegen Treu und Glauben unangemessen und ist unwirksam (vgl. BGH, Urteil vom 4. Oktober 1984 - VII ZR 65/83, BGHZ 92, 244).
Wesentlicher Grundgedanke dieser Regelung ist es, den Unternehmer im Fall der Kündigung des Vertrags so zu stellen, wie er bei ordnungsgemäßer Erfüllung des Vertrags stehen würde (BGHZ 92, 244, 249).
Damit ist der Kernbereich der Verdingungsordnung für Bauleistungen Teil B berührt (vgl. Senatsurteil BGHZ 92, 244, 249/250).
Bei Planungsvorgaben, Anordnungen gemäß Leistungsverzeichnis und Anweisungen des Bauherrn oder seines Architekten kann dies allerdings nicht gelten, wenn die Fehlerhaftigkeit der Anordnung vom Unternehmer erkannt worden ist oder hätte erkannt werden müssen bzw. können, dieser gleichwohl aber nicht auf Bedenken hinweist (vgl. BGH NJW 1996, 2372; ZfBR 1987, 269; BauR 1985, 77; OLG Bremen BauR 2001, 1599; OLG Düsseldorf BauR 2002, 644; OLG Celle NJW-RR 2002, 594).
Dagegen unterliegen nach der Rechtsprechung des BGH auch Klauseln, die den Vergütungsanspruch nach § 649 Satz 2 BGB näher ausgestalten, der Inhaltskontrolle (s. z.B. BGHZ 92, 244).
Die Klausel widerspricht wesentlichen Grundgedanken der aus § 649 BGB sich ergebenden gesetzlichen Regelung: Das freie Kündigungsrecht des Bestellers nach Satz 1 dieser Vorschrift ist nur gerechtfertigt, wenn gemäß Satz 2 der Anspruch des Unternehmers auf die vereinbarte Vergütung bestehen bleibt (BGH DB 1985, 222 = BauR 1985, 77 ).
so ist die VOB/B nicht "als Ganzes" vereinbart und damit § 16 Nr. 3 Abs. 2 VOB/B unanwendbar (im Anschluß an Senatsurteile BGHZ 86, 135 [BGH 16.12.1982 - VII ZR 92/82]; 92, 244, 249; 101, 357) [BGH 17.09.1987 - VII ZR 155/86].
Der Ausschluß eines Ausgleichs durch AGB des Auftraggebers in den Fällen der "freien" Kündigung durch den Auftraggeber gemäß § 9 AGBG ist unwirksam (Senatsurteile BGHZ 92, 244, 249/250; 101, 357, 359).
Die Vorschrift des § 10 Nr. 7 AGBG läßt zwar auch im Anwendungsbereich des § 649 BGB pauschale Abwicklungsregelungen in Formularvertragen grundsätzlich zu, soweit sich der Verwender keine unangemessenen Vorteile versprechen läßt (Senatsurteile BGHZ 87, 112, 120/121; NJW 1978, 1054, 1055; 1983, 1491, 1492; Urteil vom 4. Oktober 1984 - VII ZR 65/83 - zum Abdruck in BGKZ vorgesehen).