Source: https://flugrechte.eu/15520/flug%C3%A4nderung-bei-pauschalreise-was-kann-ich-tun?show=15525
Timestamp: 2020-04-04 21:47:55
Document Index: 221767966

Matched Legal Cases: ['§ 651', '§ 651', '§ 651', '§ 651', 'Art. 12', '§ 288', '§ 651', '§ 651', '§ 651', '§ 349', '§ 651', '§ 288']

Flugänderung bei Pauschalreise Was kann ich tun? - FLUGGASTRECHTE
Flugzeitenänderung Pauschalreise mit Ausfall eines gebuchten Programmpunktes
Habe ich ein Anrecht auf Entschädigung wenn der Abflughafen geändert wurde?
Flugänderung Pauschalreise Rückflug verlegt um 7,5 Stunden
Ich habe eine Pauschalreise nach Mallorca gebucht.
Der Hinflug am 15.06.20 wurde von 04:45 Uhr auf 15:50 Uhr verlegt. Das sind über 11 Stunden. Wir verlieren einen kompletten Urlaubstag samt Leistung des Hotels (all inclusive).
Der Reiseveranstalter kommt uns mit gar nichts entgegen. Lässt alle Korrespondenz über den Onlinevermittler Regeln. Wir haben um einen anderen Flug gebeten, auch würden wir die Reise vor oder nach verlegen, um diesen Tag nicht zu verlieren. Aber Null Einsicht.
Das ganze ärgert mich schon jetzt, bevor es überhaupt los geht.
Gefragt 15 Mär in Flugzeitenverschiebung von Ärgernis
Zunächst zu Ihren Ansprüchen. Sie könnten einen Anspruch auf kostenlose Stornierung der Reise oder auf eine Reisepreisminderung haben.
Eine Verschiebung des Abfluges um 11 Stunden ist zweifelsfrei eine erhebliche Änderung einer wesentlichen Reiseleistung, was wiederum eine Verletzung des Reisevertrages gem. § 651f BGB darstellt. In einem solchen Fall können Sie vom Reisevertrag gänzlich zurücktreten (AG Köln, Urt. v. 31.05.2016, Az: 133 C 265/15).
Meistens geht man davon aus, dass der erste und der letzte Tag der An- bzw. Abreise dient und es wird eingeschätzt, ob die Flugzeitenänderung für den Fluggast zumutbar ist. Die Grenze der Erheblichkeit bzw. Zumutbarkeit ist dann aber nach gängiger Ansicht bei 4 Stunden erreicht (AG Duisburg, Urt. v. 29.11.2002, Az: 3 C 4908/02).
(2) Reisepreisminderung
Sollten Sie die Reise dennoch antreten wollen, könnten Sie einen Anspruch auf eine Reisepreisminderung im Sinne von § 651m BGB verlangen. Die Änderung der Flugzeiten ab der besagten Grenze stellt einen Reisemangel dar, sofern Flugzeiten Vertragsbestandteil geworden sind (was heute eher der Regelfall ist). Ihnen könnte eine anteilige Reisepreisminderung in Höhe von bis zu 50% des Tagesreisepreises für die Dauer des Mangels zustehen (AG Hamburg, Urt. v. 23.06.2014, Az: 915 C 23/14).
Da Sie es bereits mehrfach versucht haben, eine Änderung beim Reiseveranstalter bzw. Vermittler zu erwirken, würde ich Ihnen empfehlen, den Rat eines Anwalts für Reiserecht zu suchen.
Beantwortet 16 Mär von néboa vermella (4,420 Punkte)
Sie haben eine Pauschalreise nach Mallorca gebucht. Nun haben Sie jedoch erfahren, dass der Hinflug um 11 Stunden verschoben wurde. Sie fragen sich, ob Sie diese Änderung akzeptieren müssen.
Ob die Flugzeitenverschiebung von 11 Stunden und die Änderung der Fluggesellschaft einen Reisemangel begründet, kann anhand von verschiedenen Urteilen ermittelt werden:
Aus den Urteilen lässt sich entnehmen, dass ein Reisemangel grundsätzlich ab einer Flugzeitenverschiebung von 8 Stunden angenommen werden kann. Da in Ihrem Fall der Flug um weit mehr als 8 Stunden, nämlich 11 Stunden verschoben wurde, gehe ich davon aus, dass ein Reisemangel i.S.v. § 651 i BGB vorliegt.
Beantwortet vor 5 Tagen von Stevie (18,730 Punkte)
Die folgenden Ausführungen beziehen sich auf Rechte von Reisenden gegenüber dem Reiseveranstalter bezüglich der kostenfreien Stornierung einer Reise wegen der Umstände des Coronavirus und der weltweiten Reisewarnung durch das Auswärtige Amt. Rechte und Ansprüche wegen Flugstornierung und Hotelstornierung einer Individualreise richten sich nach besonderen, differenten Rechtsgrundlagen.
Der Reiseveranstalter ist verpflichtet, den gesamten Reisepreis zu 100% innerhalb von 14 Tagen nach Stornierung der Reise bzw. Kündigung an den Reisenden zurückzuleisten. Leistet der Reiseveranstalter innerhalb der 14 Tage nicht, liegt ab dem 15. Tag Verzug vor, so dass Reisende einen Rechtsanwalt mit der Interessenwahrnehmung und Anspruchsverfolgung einschalten können.
Anspruch auf kostenfreie Reisestornierung der Pauschalreise wegen Coronavirus
Rechtsgrundlage § 651 h BGB (Art. 12 EU Pauschalreiserichtlinie Nr. 2015/2302)
Coronavirus höhere Gewalt = unvermeidbare außergewöhnliche Umstände
Reise stornieren formlos möglich (gegenüber Reiseveranstalter, nicht Reisebüro)
Rechtsfolge: Rückerstattung 100% Reisepreis
Frist: Rückerstattung innerhalb von 14 Tagen
Rechtsanwaltskosten sind als Verzugskosten vom Reiseveranstalter zu zahlen
Zusätzlich schuldet Reiseveranstalter Verzugspauschale i.H.v. EUR 40,00, § 288 Abs. 5 BGB
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Reise stornieren wegen Coronavirus / Reise Storno Corona
Die Stornierung einer Reise wegen der Umstände des Coronavirus ist für Verbraucher kostenfrei und formfrei möglich. Der Reiserücktritt wegen höherer Gewalt, wie z.B. einer Corona-Virus Pandemie, ist gesetzlich in § 651 h BGB geregelt. Die Umstände des Coronavirus rechtfertigen die Stornierung wegen höherer Gewalt. Der Begriff höhere Gewalt im Reiserecht ist durch die EU Pauschalreiserichtlinie im Jahre 2018 ersetzt worden durch den Rechtsbegriff unvermeidbare außergewöhnliche Umstände. Die aktuellen Auswirkungen des Coronavirus auf Pauschalreisen stellen weltweit unvermeidbare außergewöhnliche Umstände im Sinne des neuen Reiserechts dar. Rechtlich fallen Begriffe wie Reisestorno wegen Coronavirus, Reisestorno Höhere Gewalt, Pauschalreise höhere Gewalt oder Reisestornierung und Storno immer unter das Gestaltungsrecht Rücktritt vor Reisebeginn im Sinne des § 651 h BGB. Der Rücktritt von einer Pauschalreise ist jederzeit und formlos möglich. Formlos bedeutet, dass der Reisende eine einfach Email, sms oder sonstige Nachricht an den Reiseveranstalter senden und den Rücktritt erklären kann. Verlangt der Reiseveranstalter eine schriftliche Kündigung, liegt ein Verstoß gegen § 651 y BGB vor. Formfrei bedeutet, dass sogar eine mündliche Erklärung der Stornierung ausreicht (§ 349 BGB). Die Stornierung des Reisevertrages ist gegenüber dem Reiseveranstalter zu erklären (also nicht gegenüber dem Reisebüro, Reisevermittler, Hotel, etc.). Einen kostenlosen Musterbrief für die Stornierung der Reise (Reisestornierung Muster) finden Sie hier.
Durch das Coronavirus liegen unvermeidbare außergewöhnliche Umstände vor, so dass der Reiseveranstalter gemäß § 651 h Abs. 5 BGB gesetzlich zur Erstattung des gesamten Reisepreises verpflichtet ist. Bis zur Neuregelung des Reiserechts durch die EU Pauschalreiserechtlinie im Juni 2018 wurde der Begriff höhere Gewalt gesetzlich genutzt. Seit dem neuen Reiserecht aus dem Jahre 2018 ist der Rechtsbegriff außergewöhnliche Umstände ausschlaggebend. Die Umstände und Auswirkungen des Coronavirus auf Pauschalreisen sind eindeutig außergewöhnliche Umstände im Sinne des Reiserechts. Bei einer Stornierung der Reise wegen des Coronavirus fallen keine Stornokosten oder Stornogebühren an. Fordert der Reiseveranstalter gegenüber dem Reisenden aus einer Reisestornierung wegen des Coronavirus Stornokosten oder Stornogebühren, ist dies rechtswidrig (vgl. Amtsgericht Augsburg, Urteil vom 09.11.2014, Az: 14 C 4608/03).
Reisepreiserstattung in Geld
Der Reiseveranstalter hat dem Reisenden als Rechtsfolge der außergewöhnlichen Umstände durch das Coronavirus den Reisepreis zu 100% in Geld als Überweisung oder Rückbuchung innerhalb von 14 Tagen zu erstatten. Der Reisende braucht eine Erstattung in Form von Vouchern, Gutschein, Reisegutschein, Fluggutschein oder Gutschrift nicht akzeptieren. Verbraucher haben einen gesetzlichen Anspruch auf Erstattung in Geld.
Verzug nach 14 Tagen
Der Reiseveranstalter gerät ohne Mahnung des Reisenden kalendermäßig nach 14 Tagen in Verzug. Der gesetzlich geregelte Verzug hat für Verbraucher den Vorteil, dass der Reiseveranstalter bei Verzug verpflichtet ist, zusätzlich zur Erstattung des Reisepreises die Rechtsanwaltskosten zu zahlen und zusätzlich gemäß § 288 Abs. 5 BGB eine Verzugspauschale in Höhe von EUR 40,00 an den Reisenden zahlen muss. Daher ist Verbrauchern zu raten, so früh wie möglich einen Rechtsanwalt einzubeziehen, um keine Rechtsnachteile zu erleiden.
Schnelles Handeln könnte vorteilhaft sein. Auf Grund der Liquiditätsschwierigkeiten vieler Reiseveranstalter haben einige EU-Länder das Recht auf Rückzahlung in Geld bereits eingeschränkt (Frankreich, Italien, Belgien). Der deutsche Gesetzgeber denkt darüber nach, das gesetzliche Recht der Verbraucher auf vollständige Rückerstattung des Reisepreises einzuschränken. Daher ist Reisenden zu raten, die aktuell verbraucherfreundliche Rechtslage zu nutzen und die Rückerstattung des gezahlten Reisepreises zu sichern, bevor eine Gutschein-Lösung oder das Recht der Erstattung als Gutschrift gesetzlich verbindlich wird.
Wir beraten Reisende als Anwalt für Reiserecht bundesweit. Kontaktieren Sie uns, wenn Sie Fragen haben.
Telefon (030) 5770 39830
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Beantwortet vor 4 Tagen von RA Bartholl (15,580 Punkte)
Bearbeitet vor 2 Tagen von RA Bartholl