Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Text=NJW-RR%201998,%20259
Timestamp: 2020-04-03 18:38:26
Document Index: 394125840

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BGH, 16.10.1997 - IX ZR 164/96 - dejure.org
https://dejure.org/1997,170
BGH, 16.10.1997 - IX ZR 164/96 (https://dejure.org/1997,170)
BGH, Entscheidung vom 16.10.1997 - IX ZR 164/96 (https://dejure.org/1997,170)
BGH, Entscheidung vom 16. Januar 1997 - IX ZR 164/96 (https://dejure.org/1997,170)
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Auslegung eines Bürgschaftsvertrages nach Entstehungsgeschichte, Zweck und die damit verbundene Interessenlage - Berücksichtigung des nachträglichen Verhaltens bei der Vertragsauslegung - Festlegung des Umfangs der Bürgschaftserklärung - Differenzierung zwischen ...
Auslegung eines nicht eindeutigen Bürgschaftsvertrages auch durch Einbeziehung des nachträglichen Verhaltens der Vertragspartner
Auslegung von Bürgschaftsverträgen
Auslegung von Bürgschaftserklärungen; Bedeutung des nachträglichen Verhaltens der Vertragspartner
NJW-RR 1998, 259
ZIP 1998, 106
MDR 1998, 113
WM 1997, 2305
BauR 1998, 138
Ebensowenig lassen sich der von der Notariatsangestellten G. für beide Vertragsparteien am 3. Januar 1997 abgegebenen notariellen Erklärung bezüglich der Willensrichtung der Vertragsparteien zum Zeitpunkt des zweiten Vertragsabschlusses hinreichende Anhaltspunkte für eine entsprechende frühere Willenslage der Vertragsparteien (vgl. hierzu etwa BGH, Urt. v. 16. Oktober 1997, IX ZR 164/96, NJW-RR 1998, 259;… BGH, Urt. v. 26. November 1997, XII ZR 308/95, NJW-RR 1998, 801, 803; BGH, Beschl. v. 24. November 1993, BLw 57/93, WM 1994, 267, 268) entnehmen.
Allerdings kann das nachträgliche Verhalten der Parteien insoweit bei der Auslegung eines Rechtsgeschäfts berücksichtigt werden, als spätere Vorgänge Rückschlüsse auf den tatsächlichen Willen und das tatsächliche Verständnis der an dem Rechtsgeschäft Beteiligten zulassen können (vgl. zum Ganzen BGH, Urteil vom 16.10.1997, IX ZR 164/96, Rn. 23 bei juris;… Urteil vom 24.06.1988, V ZR 49/87, Rn. 22 bei juris).
Nimmt der Kreditgeber den Betroffenen - wie hier - in Anspruch, ohne auch nur ansatzweise zu behaupten, daß und in welchem Umfang eine im Verhältnis zur Kreditsumme erhebliche Vermögensverschiebung stattgefunden hat, so zeigt auch dieses im Rahmen der Vertragsauslegung zu berücksichtigende nachvertragliche Verhalten (vgl. dazu etwa BGH, Urteil vom 16. Oktober 1997 - IX ZR 164/96, WM 1997, 2305, 2306 m.w.Nachw.), daß die Annahme einer stillschweigend getroffenen Haftungsbeschränkung nicht gerechtfertigt ist.
Das schließt es aber, überträgt man diese Grundsätze auf die nach außen verlautbarte Änderung des Besitzmittlungswillens, nicht aus, aus späteren Vorgängen Rückschlüsse auf den tatsächlichen Willen und das tatsächliche Verständnis der Beteiligten zu ziehen (…Sen.Urt. v. 16. März 2009 - II ZR 68/08, ZIP 2009, 880 Tz. 16;… BGH, Urt. v. 26. November 1997 - XII ZR 308/95, NJW-RR 1998, 801, 803;v. 16. Oktober 1997 - IX ZR 164/96, ZIP 1998, 106, 107;… v. 24. Juni 1988 aaO).
Auch das spätere Verhalten der Beteiligten, das bei der Auslegung berücksichtigt werden kann, soweit es Anhaltspunkte für den tatsächlichen Vertragswillen enthält (BGH, Urt. v. 16.10.1997 - XI ZR 164/96 = NJW-RR 1998, 259 Rz. 23), trägt das Auslegungsergebnis, dass der Kläger Käufer des Pferdes ist.
Nach den anerkannten Auslegungsgrundsätzen hat der Tatrichter bei seiner Willenserforschung insbesondere den mit der Absprache verfolgten Zweck (BGH, Urteil vom 10. Oktober 1989 - VI ZR 78/89, BGHZ 109, 19, 22; vom 16. Oktober 1997 - IX ZR 164/96, WM 1997, 2305, 2306;… vom 17. März 2011, aaO Rn. 18) und die Interessenlage der Parteien (BGH, Urteil vom 28. Oktober 1997 - XI ZR 260/96, BGHZ 137, 69, 72; vom 17. Mai 2004 - II ZR 261/01, WM 2004, 1286;… vom 29. Mai 2008, aaO Rn. 24) zu berücksichtigen, ferner die sonstigen Begleitumstände, die den Sinngehalt der gewechselten Erklärungen erhellen können (vgl. BGH, Urteil vom 18. Februar 1993 - IX ZR 108/92, ZIP 1993, 749, 750; vom 16. Oktober 1997, aaO).
Das nachträgliche Verhalten von Vertragspartnern kann zwar den bei Vertragsschluss zum Ausdruck gebrachten objektiven Gehalt der wechselseitigen Vertragserklärungen nicht mehr beeinflussen (BGH, Urteil vom 24. Juni 1988 - V ZR 49/87, NJW 1988, 2878, 2879; vom 16. Oktober 1997, aaO).
Es kann aber für die Auslegung bedeutsam sein, weil es Anhaltspunkte für den tatsächlichen Vertragswillen enthalten kann (BGH, Beschluss vom 24. November 1993 - BLw 57/93, WM 1994, 267, 268; Urteil vom 14. Januar 1993 - IX ZR 76/92, WM 1993, 1197, 1200; vom 16. Oktober 1997, aaO).
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