Source: https://www.anwalt-diedrich.de/home/anwalt-auslaenderrecht/aufenthaltserlaubnis/%C2%A7-25a-aufenthg/
Timestamp: 2020-05-26 13:06:10
Document Index: 243341798

Matched Legal Cases: ['§ 25', '§ 25', '§ 25', '§ 25', '§ 25', '§ 25', '§ 60', '§ 60', '§ 60', '§ 25', '§ 5', '§ 25', '§ 25', '§ 25', 'Art. 6', 'Art. 8', '§ 60', '§ 25', '§ 25', '§ 25', '§ 25']

§ 25a AufenthG: Aufenthaltserlaubnis für Jugendliche
§ 25a AufenthGadmin2020-05-09T15:08:26+02:00
§ 25a AufenthG: Aufenthaltserlaubnis für gut integrierte Jugendliche / Heranwachsende
Erforderliche Aufenthaltszeit
Erfolgreicher Schulbesuch oder Schulabschluss
§ 25a AufenthG Antrag
Aufenthaltserlaubnis für die Eltern
Minderjährigkeit des Kindes
Aufenthaltserlaubnis für die Geschwister
§ 25a AufenthG bietet jungen Menschen in Deutschland eine hervorragende Chance, von der Duldung zu einem Aufenthaltstitel zu gelangen. Die Vorschrift zielt insbesondere darauf ab, größtenteils in Deutschland aufgewachsenen Jugendlichen eine dauerhafte Bleibeperspektive zu ermöglichen. Das erhebliche Integrationshindernis einer Duldung soll beseitigt werden. Junge Ausländer haben die Möglichkeit, durch eine gute Integration, ein eigenständiges und von den Eltern unabhängiges Aufenthaltsrecht zu erlangen.
Voraussetzung für eine Aufenthaltserlaubnis nach § 25a AufenthG ist, dass sich der Antragsteller, sich seit mindestens vier Jahren erlaubt in Deutschland aufhält, vier Jahre lang eine Schule besucht oder einen Schulabschluss erlangt hat, den Antrag vor dem 21. Lebensjahr stellt, sich in die Verhältnisse im Land einfügen wird und sich zur freiheitlichen demokratischen Grundordnung bekennt. Dazu im Einzelnen:
Die erste Voraussetzung ist, dass sich der Antragsteller seit mindestens vier Jahren erlaubt und ununterbrochen im Land aufgehalten haben muss. Die zeitliche Komponente wird als zwingende Voraussetzung für eine Integration angesehen. Die Zeiten während einer Aufenthaltsgestattung oder Duldung werden miteingerechnet.
Ausreichend ist zudem, dass ein materiell-rechtlicher Anspruch auf eine Duldung besteht. Es kommt nicht darauf an, dass der Ausländer auch im Besitz einer förmlichen Duldungsbescheinigung nach § 60a Abs. 4 AufenthG ist. Dies ist insbesondere für unbegleitete minderjährige Ausländer (UMA) relevant. Unbegleitete minderjährige Ausländer haben in der Regel einen materiell-rechtlichen Anspruch auf Erteilung einer Duldung nach § 60a Abs. 2 S. 1 AufenthG oder nach § 60 Abs. 2 S. 2 AufenthG bis zum Abschluss des sog. Clearingverfahrens. Folglich sind diese Zeiten bei der Vier-Jahres-Frist anzurechnen.
Weitere Voraussetzung ist, dass entweder mindestens vier Jahre lang eine erfolgreich eine Schule besucht worden ist oder, dass ein anerkannter Schulabschluss erworben worden ist.
Ob der Schulbesuch erfolgreich ist oder nicht, bemisst sich nach den schulischen Leistungen und auch die Regelmäßigkeit des Schulbesuchs. Sobald eine Versetzung in die nächste Klassenstufe erfolgt oder eine solche Versetzung wahrscheinlich ist, liegt in der Regel ein erfolgreicher Schulbesuch vor.
Alternativ zum vierjährigen Schulbesuch belegt auch ein anerkannter Schulabschluss die integrative Leistung. Der Schulabschluss muss mindestens dem einen Hauptschulabschluss entsprechen.
Eine Besonderheit besteht bei sog. Vorbereitungsklassen, da ein Versetzen hier nicht vorgesehen ist. Es spricht jedoch vieles dafür, dass auch die Zeiten in Vorbereitungsklassen vollständig angerechnet werden. Im Übrigen ist es auch oft möglich, über die Vorbereitungsklassen einen anerkannten Schulabschluss zu erwerben.
Der Antrag auf Erteilung einer Aufenthaltserlaubnis muss unbedingt vor Vollendung des 21. Lebensjahres gestellt werden. Maßgeblich ist ausschließlich der Zeitpunkt der Antragstellung und nicht der Zeitpunkt der Erteilung der Aufenthaltserlaubnis.
Weiter ist es erforderlich, dass bezüglich des Antragstellers eine positive Integrationsprognose besteht. Es muss also davon auszugehen sein, dass sich der Jugendliche bzw. Heranwachsende in die deutschen Lebensverhältnisse einfügen kann. Eine solche Prognose wird anhand aller bisher erbrachten Integrationsleistungen und aktuellen Lebensverhältnisse in einer Art Gesamtschau vorgenommen.
Günstige Aspekte sind unter anderem:
Fester Wohnsitz;
Soziales Umfeld;
Schulausbildung;
Diese Auflistung ist keinesfalls abschließend zu verstehen. Demgegenüber sprechen gegen eine positive Integrationsprognose insbesondere Vorstrafen.
Doch selbst bei Vorstrafen kommt es zum einen auf die Höhe der Strafe an und zum anderen sind auch hier in bestimmten Einzelfällen Ausnahmen möglich. Insgesamt sind an den Prognosemaßstab keinen hohen Anforderungen zu stellen.
Es dürften letztlich auch keine Erkenntnisse vorliegen, dass die freiheitliche demokratische Grundordnung in Deutschland abgelehnt wird.
Gem. § 25a Abs. 1 S. 2 AufenthG ist die Inanspruchnahme von öffentlichen Leistungen für die Erteilung der Aufenthaltserlaubnis unbeachtlich, solange der Antragsteller zur Schule geht, eine Ausbildung macht oder ein Hochschulstudium absolviert.
Dieses Privileg bezieht sich ausschließlich auf Antragsteller, die sich in der Ausbildung befinden. Nach der Ausbildungszeit muss somit gem. § 5 Abs. 1 Nr. 1 AufenthG grundsätzlich der Lebensunterhalt gesichert sein. Allerdings gibt es auch gute Argumente, die gegen das zwingende Erfordernis der Lebensunterhaltssicherung sprechen. In bestimmten Fällen sind Ausnahmen also durchaus denkbar. Hier bedarf es einer Einzelfallprüfung.
Selbst wenn alle Voraussetzungen erfüllt sind, kann die Erteilung des Aufenthaltstitels ausgeschlossen sein, wenn ein sog. Versagungsgrund vorliegt.
Die Aufenthaltserlaubnis ist insbesondere gem. § 25a Abs. 1 S. 3 AufenthG dann zu versagen, wenn die Abschiebung aufgrund falscher Angaben oder wegen einer Täuschung über die Identität und Staatsangehörigkeit ausgesetzt ist.
Erforderlich ist hier, dass das Verhalten vorsätzlich erfolgt ist. Unrichtige Angaben der Eltern sind mithin unschädlich. Zudem muss sich das Abschiebungshindernis auf die aktuelle Duldung beziehen. Eine in der Vergangenheit erschlichene Duldung ist unschädlich.
Die Aufenthaltsgewährung für gut integrierte Jugendliche und Heranwachsende gewährt diesen ein eigenständiges und von den Eltern unabhängiges Aufenthaltsrecht. Andersherum können die Eltern in bestimmten Fällen gem. § 25a Abs. 2 S. 1 AufenthG ein Aufenthaltsrecht von ihrem Kind ableiten.
Das Kind, das eine Aufenthaltserlaubnis nach § 25a AufenthG besitzt, muss bei Antragstellung der Eltern minderjährig sein. Wird es nach der Antragstellung 18 Jahre alt, ist dies unschädlich.
Sollte lediglich aufgrund der Volljährigkeit kein abgeleitetes Aufenthaltsrecht bestehen, muss geprüft, ob in Hinblick auf Art. 6 GG bzw. Art. 8 EMRK ein rechtliches Ausreisehindernis besteht, dass zumindest die Erteilung einer Duldung nach § 60a AufenthG oder eine Aufenthaltserlaubnis nach § 25 Abs. 5 AufenthG rechtfertigt.
Voraussetzung dafür ist zum einen, dass keine Versagungsgründe vorliegen, das heißt, dass keine falschen Angaben gemacht worden sind bzw. keine Täuschung über die Identität und Staatsangehörigkeit vorliegt (s.o.).
Des Weiteren muss der Lebensunterhalt gesichert sein. Der Lebensunterhalt muss ohne staatliche Unterstützung durch eigene Erwerbstätigkeit gesichert sein. Nicht erforderlich ist, dass zwingend beide Elternteile arbeiten bzw. ihren Lebensunterhalt selbst sichern. Sofern das Einkommen ausreichend ist, reicht es aus, dass nur ein Elternteil einer Erwerbstätigkeit nachgeht.
Gem. § 25a Abs. 2 S.2 AufenthG kann (minderjährigen) Geschwistern ebenfalls ein abgeleitetes Aufenthaltsrecht zustehen, sofern den Eltern eine Aufenthaltserlaubnis nach § 25a Abs. 2 S. 1 AufenthG erteilt worden ist.
Erforderlich ist lediglich, dass diese mit den Eltern in familiärer Lebensgemeinschaft zusammenleben. Weiter Voraussetzungen müssen nicht erfüllt werden.
Die Erteilung der Aufenthaltserlaubnis ist gem. § 25a Abs. 3 AufenthG ausgeschlossen bei Verurteilungen zu Geldstrafen von mehr als 50 Tagessätzen bzw. zu mehr als 90 Tagessätzen bei Straftaten aufgrund ausländerrechtlicher Vorschriften.
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