Source: https://www.raklinger.de/testament_und_erbvertrag.html
Timestamp: 2017-08-17 03:39:31
Document Index: 136800322

Matched Legal Cases: ['§ 2260', '§ 2260', '§ 2260', '§ 2096', '§ 1953', '§ 2190', '§ 1937', '§ 1938', '§ 1939', '§ 1940', '§ 1941']

Inhalt und Formalien des Testaments | Erbrecht München
Bernhard F. Klinger, als Fachanwalt für Erbrecht in München tätig, verfügt über langjährige Erfahrung in der erbrechtlichen Beratung sowie in der formwirksamen Gestaltung von Testamenten und Erbverträgen. Zu seinen Mandanten zählen Ehepaare, Partner ohne Trauschein, unverheiratete und geschiedene Personen und Unternehmer. Auch bei der Zuwendung von Vermögen an karitative Organisationen und bei der Gründung von Stiftungen kann Sie der Münchner Anwalt Klinger umfassend beraten und unterstützen.
Die Ziele eines Testaments
Wer sollte ein Testament errichten?
Wie kann ich meiner Freundin durch Testament ein Wohnrecht einräumen?
Ist ein Testament aus DDR-Zeiten noch gültig?
Muss ein privates Testament vom Notar beglaubigt werden?
Wo kann ein Testament hinterlegt werden?
Wann wird das Testament meiner Eltern eröffnet?
Die Formalien eines Testaments
Wann fehlt es an der Testierfähigkeit?
Welche Formalien sind bei einem privatschriftlichen Testament zu beachten?
Checkliste: Fehlervermeidung bei der Testamentserrichtung
Wie unterscheiden sich Testament, Ehegattentestament und Erbvertrag?
Der Inhalt eines Testaments
Wie erfolgt die Einsetzung eines Allein- oder Miterben?
Wie unterscheiden sich Erbe und Vermächtnisnehmer?
Warum müssen bei der Erbeinsetzung konkrete Erbquoten angegeben werden?
Wie erfolgt die Enterbung einer Person?
Warum ist eine Ersatzerbenregelung notwendig?
Wozu dient eine Teilungsanordnung?
Was versteht man unter Vor- und Nacherbschaft?
Warum sollte ein Ersatzvermächtnisnehmer bestimmt werden?
Wer trägt die mit dem Vermächtnis verbundenen Belastungen?
Was ist ein so genanntes Vorausvermächtnis?
Wann ist die Anordnung einer Auflage sinnvoll?
Wichtige Gesetze zum Testament
Jeder Bürger kann über sein Vermögen frei verfügen und mit einem Testament oder einem Erbvertrag zu Lebzeiten regeln, wer zu welchen Teilen einmal seinen Nachlass erben soll. Diese Testierfreiheit sollte jeder nutzen, der erkennt, dass die vom Gesetz geregelte Erbfolge seinem Willen nicht entspricht.
Expertentipp von Bernhard F. Klinger (Fachanwalt für Erbrecht in München): In folgenden Fallgruppen entstehen beim Eingreifen der gesetzlichen Erbfolge Probleme, Versorgungslücken und nicht selten auch Steuernachteile. Sie können deshalb in diesen familiären Konstellationen auf die Errichtung eines Testaments nicht verzichten:
Bei gesetzlicher Erbfolge würde eine Erbengemeinschaft zwischen Ihrem Ehegatten und den Kindern entstehen.
Sie haben Kinder aus erster Ehe.
Sie haben nichteheliche Kinder.
Sie möchten Vorsorge für ein behindertes Kind treffen.
Sie haben ein minderjähriges Kind.
Ihr Kind ist überschuldet.
Sie möchten verhindern, dass Ihr Nachlass an Schwiegerkinder fällt.
Sie sind nicht verheiratet oder haben keine Kinder.
Sie sind verwitwet oder geschieden.
Sie leben in einer Partnerschaft ohne Trauschein.
Sie möchten ein Familienmitglied für besondere Leistungen (Pflege oder Unterstützung beim Hausbau) belohnen.
Sie möchten lebzeitige Schenkungen an ein Kind zugunsten anderer Kinder ausgleichen.
Sie oder ein Familienmitglied haben eine ausländische Staatsangehörigkeit.
Sie haben Vermögen im Ausland.
Zu Ihrem Vermögen gehören Anteile an Personen- oder Kapitalgesellschaften.
Zu Ihrem Vermögen gehört ein Betrieb oder Unternehmen.
Sie möchten Ihren Nachlass oder Teile davon an karitative, wissenschaftliche oder künstlerische Einrichtungen zuwenden.
Der Erblasser kann als Alternative zur Erbeinsetzung dem Lebenspartner durch ein Vermächtnis einen Vermögensvorteil einräumen. Während der Erbe unmittelbar am gesamten Vermögen des Verstorbenen beteiligt ist, hat der Vermächtnisnehmer nur einen schuldrechtlichen Anspruch auf Erfüllung der im Testament oder im Erbvertrag bezeichneten Zuwendung. Ein weiterer Unterschied zur Einsetzung als Erbe ist, dass der Vermächtnisnehmer keine Verpflichtungen zu tragen hat. Er muss deshalb nicht für die Schulden des Verstorbenen aufkommen. Gegenstand eines Vermächtnisses kann jeder Vermögensvorteil sein. So kann ein Lebenspartner als Erblasser festlegen, dass dem anderen Lebenspartner als Vermächtnisnehmer bestimmte bewegliche oder unbewegliche Sachen zu übereignen sind, eine bestimmte Geldsumme aus dem Nachlass zu zahlen ist, eine Forderung zu übertragen ist, Schulden erlassen werden oder ein bestimmtes Nutzungsrecht eingeräumt wird. Sollen nur die Kinder des testierenden Lebenspartners Erben werden, kann der überlebende Partner mittels Vermächtnis durch ein Wohnrecht, ein Nießbrauchsrecht oder eine Leibrente abgesichert werden.
Ausführliche Informationen zu Paaren ohne Trauschein finden Sie hier.
Antwort von Bernhard F. Klinger, Fachanwalt für Erbrecht in München: Die Erfüllung des Vermächtnisses ist regelmäßig mit dem Tod des Erblassers sofort fällig und verjährt im Regelfall in drei Jahren. Der Vermögensgegenstand fällt dem Vermächtnisnehmer nicht automatisch zu. Der Vermächtnisnehmer muss vielmehr den Vermächtniserfüllungsanspruch gegen den Erben geltend machen und – notfalls innerhalb der Verjährungsfrist gerichtlich – durchsetzen.
Ausführliche Informationen zum Vermächtnis finden Sie hier.
Antwort von Bernhard F. Klinger, Fachanwalt für Erbrecht in München: Ja, das Testament ist gültig.
Ausführliche Informationen zum Testament finden Sie hier.
Antwort von Bernhard F. Klinger, Fachanwalt für Erbrecht in München: Nein. Während Erbverträge immer vor einem Notar beurkundet werden müssen, kann ein Testament auch handschriftlich errichtet werden. Ein solches Testament wird auch „privatschriftliches Testament“ genannt. Von einem notariellen Testament ist die Rede, wenn ein Erblasser seinen letzten Willen vor einem Notar errichtet.
Ausführliche Informationen zur Form eines Testaments finden Sie hier.
Antwort von Bernhard F. Klinger, Fachanwalt für Erbrecht in München: In der Praxis kommt es immer wieder vor, dass Testamente entweder noch zu Lebzeiten des Testierenden verloren gehen oder nach dem Erbfall von nicht bedachten Angehörigen beseitigt werden. Manche Finder vernichten aufgefundene Testamente auch aus Absicht, etwa dann, wenn sie enterbt wurden und erreichen wollen, dass sie das Erbe nach der gesetzlichen Erbfolge antreten können. Es empfiehlt sich deshalb, Testamente in amtliche Verwahrung zu geben oder das Original und Kopien bei mehreren vertrauenswürdigen Personen zu verwahren. Sofern sich die letztwillige Verfügung des Erblassers in amtlicher Verwahrung befindet, ist eine Bekanntgabe sichergestellt (§ 2260 BGB). In der amtlichen Verwahrung befinden sich in der Regel Testamente, die vor einem Notar errichtet und diejenigen privatschriftlichen Testamente, die vom Testierenden dem Gericht zur amtlichen Verwahrung übergeben wurden.
Ausführliche Informationen zur Hinterlegung des Testament finden Sie hier.
Antwort von Bernhard F. Klinger, Fachanwalt für Erbrecht in München: Die Eröffnung eines Testamentes ist von Amts wegen vorzunehmen, sobald das Nachlassgericht vom Todesfall Kenntnis erlangt hat. Ein Antrag eines Beteiligten ist daher nicht erforderlich. Zuständig ist das Nachlassgericht (in Baden-Württemberg das Notariat), in dessen Bezirk der Erbe seinen letzten Wohnsitz hatte (§ 2260 Abs. 1 BGB). Obwohl nach § 2260 Abs. 1 BGB das Nachlassgericht die gesetzlichen Erben und die sonstigen Beteiligten (zum Beispiel die Vermächtnisnehmer) – soweit tunlich – laden soll, unterbleibt in der Praxis regelmäßig diese Ladung; die Beteiligten erhalten in der Regel ein Eröffnungsprotokoll und eine Fotokopie des Testamentes. Freunde und fernere Verwandte werden vom Nachlassgericht nicht informiert. Sollten ausnahmsweise Beteiligte zur Testamentseröffnung geladen werden, besteht keine Verpflichtung zur Teilnahme; rechtliche Nachteile entstehen hierdurch nicht.
Ausführliche Informationen zur Eröffnung des Testaments finden Sie hier.
Testamente sind bei fehlender Testierfähigkeit unwirksam. Der Gesetzgeber geht davon aus, dass im Regelfall Testierfähigkeit vorliegt und lediglich dann fehlt, wenn der Erblasser zu Lebzeiten an einer krankhaften Störung des Geisteszustandes, einer Geistesschwäche oder einer Bewusstseinsstörung gelitten hat. Beruft sich z.B. ein (übergangener) gesetzlicher Erbe auf Testierunfähigkeit des Erblassers, so hat das Nachlassgericht im Rahmen des Erbscheinverfahrens zu dieser Frage Beweis zu erheben. Die Beweislast trägt derjenige, der sich auf Testierunfähigkeit beruft.
Expertentipp von Bernhard F. Klinger (Fachanwalt für Erbrecht in München): Das Gericht holt in diesem Fall ein psychiatrisches und/oder neurologisches Gutachten ein und befragt Zeugen, die über den geistigen Zustand des Verstorbenen berichten können. Hierbei entsteht immer wieder die Frage, ob der behandelnde Arzt von seiner ärztlichen Schweigepflicht entbunden ist. Es ist unstreitig, dass der Erblasser diese Entbindung selbst vornehmen kann. Deshalb ist zu empfehlen, in der Verfügung von Todes wegen eine solche Schweigepflichtentbindungserklärung aufzunehmen.
Beim privatschriftlichen Testament muss der gesamte Text eigenhändig geschrieben sein. Zweck der Handschriftlichkeit ist es, Fälschungen zu erschweren. Ein mit Schreibmaschine, Computer oder in Form eines E-Mails geschriebener Text ist deshalb kein gültiges Testament. Das Testament ist mit Vor- und Familiennamen zu unterzeichnen. Die Unterschrift muss den Text räumlich abschließen, um spätere Zusätze auszuschließen.
Der Testierende soll Zeit und Ort der Testamentserrichtung angeben. Hierbei handelt es sich zwar nicht um eine Wirksamkeitsvoraussetzung. Die Angabe ist aber sehr sinnvoll, da bei Vorliegen mehrerer Testamente überprüft werden kann, welche letztwillige Verfügung die aktuellste und damit gültige ist.
Nachträge sind möglich, müssen jedoch nochmals (mit Ort und Datum) unterschrieben werden, um spätere Streitigkeiten über die Gültigkeit der ergänzten Passagen zu vermeiden.
Expertentipp von Bernhard F. Klinger (Fachanwalt für Erbrecht in München): Viele – von juristischen Laien formulierte – letztwillige Verfügungen sind mehrdeutig, widersprüchlich und unvernünftig formuliert. Der Grund hierfür ist die Unterschätzung der schwierigen erbrechtlichen Materie. Es ist dringend zu empfehlen, ein Testament nicht ohne fachliche Beratung zu errichten. Die Kosten hierfür machen nur einen Bruchteil eines langwierigen Erbschaftsstreites aus, der durch ein fehlerhaftes Testament ausgelöst werden kann.
Vom Erblasser benachteiligte Familienmitglieder, die ein Testament nicht akzeptieren wollen, stellen nach dem Erbfall immer wieder die Behauptung auf, dass „das Testament unwirksam ist, weil der Erblasser testierunfähig gewesen sei“. Bernhard F. Klinger, Fachanwalt für Erbrecht in München, weist daraufhin, dass der Nachweis einer Geschäftsunfähigkeit schwer zu führen ist. Bloße Behauptungen „ins Baue hinein“ werden von den Gerichten nicht weiter verfolgt.
Bernhard F. Klinger, Fachanwalt für Erbrecht in München, rät, ausreichende Beweismittel für die Testierfähigkeit des Erblassers sicherzustellen, für den Fall, dass nach Eintritt des Erbfalls auch nur geringste Zweifel von dritter Seite (z.B. von benachteiligten Angehörigen) geäußert werden könnten. Die Einholung eines schlichten ärztlichen Attestes durch den Allgemeinarzt genügt hierfür nicht. Vielmehr sollte die zeit- und kostenintensive fachärztliche Untersuchung durch einen Neurologen mit entsprechender Dokumentation in einem ausführlichen Gutachten vorgenommen werden. Die Begutachtung muss zeitnah zum Zeitpunkt der Testamentserrichtung erfolgen. Aussagen aus dem sozialen Umfeld des Erblassers (z.B. Angehörige, Pflegepersonal, Freunde) können zwar ergänzend hierzu eingeholt werden, genügen aber für sich alleine nicht, um nach dem Erbfall sicher den Nachweis der Testierfähigkeit führen zu können.
Unklare Formulierungen vermeiden.
Der Testierwille muss deutlich erkennbar sein.
Der gesamte Text des Testamentes muss handschriftlich geschrieben sein.
Achten Sie auf lesbare Schrift.
Das Testament muss eigenhändig mit Vor- und Familienname unterzeichnet sein.
Ort, Datum der Errichtung angeben.
Nachträgliche Änderungen erneut unterzeichnen.
Der Testierende darf sich nicht vertreten lassen.
Testierfähigkeit beachten.
Der Testierende kann in seinem Testament folgende Anordnungen treffen:
Enterbung einzelner Personen
Bestimmung eines Ersatzerben einsetzen
Teilungsanordnungen für den Nachlassteilung unter Miterben
zeitlich befristete Einsetzung einer Person als Vorerben
Zuwendung einzelner Gegenstände als Vermächtnis
Testamentsvollstreckung zur Auseinandersetzung oder Verwaltung des Nachlasses einsetzen
familienrechtliche Anordnungen für minderjährige Kinder
Häufig wird in Testamenten nicht genau zwischen der Einsetzung eines Erben und der Bestimmung eines Vermächtnisses unterschieden. Juristische Laien verwenden vielfach den Begriff „vermachen“, obwohl eine Erbeinsetzung gemeint ist. Folge hiervon ist, dass es zu Rechtsstreitigkeiten kommt, da der Inhalt des Testaments dann auslegungsfähig ist. Die Betroffenen haben anschließend unterschiedliche Ansichten über den Willen des Erblassers. Letztendlich muss dann ein Richter in einem oft langwierigen Prozess entscheiden, was der Erblasser vermutlich gewollt hat.
Der Erbe ist der so genannte Rechtsnachfolger des Erblassers und tritt in sämtliche Positionen des Erblassers ein. Dies bedeutet, dass er auch für die Schulden des Erblassers haftet. Der Erbe kann mit dem Nachlass machen was er will. Er kann alles behalten oder einzelne Gegenstände (z.B. Häuser) verkaufen bzw. verschenken. Sind mehrere Erben zu so genannten Miterben eingesetzt, so müssen sich diese anschließend über die Aufteilung des Nachlasses nach einem gesetzlich vorgegebenen Verfahren einigen.
Ein Vermächtnisnehmer hat im Gegensatz zum Erben nur einen Anspruch auf einzelne Gegenstände aus dem Nachlass. Er tritt demnach nicht in sämtliche Rechte und Pflichten des Erblassers ein. Die Rechtsstellung des Vermächtnisnehmers ist schwach. Er erhält nur einen Anspruch gegen den bzw. die Erben, dass diese ihm den vermachten Gegenstand zu Eigentum übertragen müssen. Folge ist somit, dass die Vermächtniserfüllung gegenüber den Erben geltend gemacht werden muss. Dies kann Streitigkeiten mit den Erben provozieren. Auf der anderen Seite hat der Vermächtnisnehmer auch keinerlei Haftung gegenüber den Erben.
Expertentipp von Bernhard F. Klinger (Fachanwalt für Erbrecht in München): Sie sollten beachten, dass die Einsetzung mehrerer Personen als Miterben – ähnlich wie bei der gesetzlichen Erbfolge – häufig zu Streit führt. Sie sollten sich deshalb von einem Fachanwalt für Erbrecht erläutern lassen, ob es nicht besser ist, einen Familienangehörigen als Alleinerben einzusetzen und die anderen Personen durch Vermächtnisse abzusichern.
Juristischen Laien machen immer wieder den Fehler, in ihrem Testament keine festen Erbquoten anzugeben, sondern nur einzelne Gegenstände (z.B. das Wohnhaus, eine Ferienwohnung, das Aktiendepot oder den Pkw) unter den Hinterbliebenen zu verteilen. Für das Nachlassgericht, das auf der Grundlage eines derartigen Testaments einen Erbschein erteilen soll, ergeben sich hieraus erhebliche Probleme: Im Erbschein sind nämlich keine Gegenstände verzeichnet, sondern nur Name und Anschrift der einzelnen Miterben sowie die ihnen jeweils am Nachlass zustehenden Erbquoten (in Form von Bruch- oder Prozentzahlen).
Es ist auch möglich, dass ein Testament ausschließlich mit dem Ziel errichtet wird, eine bestimmte Person zu enterben. Es gilt dann die gesetzliche Erbfolge, bei der die ausgeschlossene Person nicht berücksichtigt wird.
Expertentipp von Bernhard F. Klinger (Fachanwalt für Erbrecht in München): Gehört die enterbte Person zum Kreis der pflichtteilsberechtigten Personen, so stehen ihr gegen den Erben Pflichtteilsansprüche zu. Eine Entziehung dieses Pflichtteils ist nur unter sehr engen ‑ für die Praxis kaum relevanten ‑ Voraussetzungen möglich.
Besonders wichtig ist die Einsetzung eines so genannten Ersatzerben (§ 2096 BGB) für den Fall, dass der eigentlich eingesetzte Erbe vor dem Erblasser verstirbt oder nach dem Erbfall die Erbschaft ausschlägt mit der Folge, dass der Ausschlagende gemäß § 1953 Abs. 1 BGB für die Erbfolge nicht mehr berücksichtigt wird. Ohne ausdrückliche testamentarische Regelung muss durch Auslegung des Testamentes ermittelt werden, ob und wen der Erblasser als Ersatzerben bestimmen wollte.
Der Erblasser kann so genannte Teilungsanordnungen treffen, wie die Auseinandersetzung zwischen den einzelnen Miterben zu erfolgen hat. Erhält dabei ein einzelner Miterbe wertmäßig mehr als ihm eigentlich nach seiner Erbquote zustehen würde, muss er den anderen Miterben gegenüber einen Ausgleich zahlen, sofern im Testament nichts anderes geregelt ist.
Expertentipp von Bernhard F. Klinger (Fachanwalt für Erbrecht in München): Zu beachten ist, dass eine Teilungsanordnung nicht automatisch dazu führt, dass der Miterbe den ihm zugedachten Gegenstand vorab aus dem Nachlass erhält. Er muss vielmehr die Verteilung des gesamten Nachlasses abwarten, es sei denn, alle anderen Miterben sind damit einverstanden, dass er sich den Gegenstand aus dem Nachlass entnehmen darf. Will der Erblasser dies vermeiden, kann er ein so genanntes Vorausvermächtnis) anordnen.
Der Testierende kann sein Vermögen durch die Anordnung einer Vor- und Nacherbschaft über zwei oder mehrere Generationen hinweg vererben. Hierzu bestimmt er, dass sein Vermögen zunächst einer Person zukommen soll (= Vorerbe), legt aber gleichzeitig bereits fest, wer es nach dieser Person bekommen soll (= Nacherbe). Vor- und Nacherbe sind Erben desselben Erblassers, allerdings zeitlich aufeinander folgend.
Der Nacherbe kommt regelmäßig erst dann zum Zug, wenn der Vorerbe ebenfalls verstorben ist. Der Testierende kann aber auch andere Anlässe oder Zeitpunkte für den Eintritt der Nacherbfolge festlegen (z. B. Heirat des Vorerben oder Volljährigkeit des Nacherben).
Expertentipp von Bernhard F. Klinger (Fachanwalt für Erbrecht in München): Die Vor- und Nacherbschaft hat verschiedene Vorteile:
Durch die Anordnung einer Vor - und Nacherbschaft kann der Erblasser verhindern, dass die Substanz seines Nachlasses vom Erben verbraucht wird.
Die Vorerbschaft bildet in der Hand des Vorerben ein Sondervermögen, das er von seinem Eigenvermögen getrennt zu verwalten hat.
Dem Vorerben gebühren lediglich die Nutzungen der Vorerbschaft.
Der Nachlass kann hierdurch für minderjährige Erben gesichert werden, bis diese ein bestimmtes Alter (z. B. das 25. Lebensjahr) erreicht haben.
Überschuldete Vorerben können vor Zwangsvollstreckungsmaßnahmen ihrer Gläubiger in den Nachlass geschützt werden.
Bei der Anordnung einer Vor- und Nacherbschaft ist besondere Vorsicht geboten, da der Vorerbe in seiner Verfügungsmöglichkeit über das ererbte Vermögen stark eingeschränkt ist, da der Nachlass in seiner Substanz für die Nacherben zu erhalten ist. So darf der Vorerbe Grundstücke, Häuser und Eigentumswohnungen, die sich im Nachlass befinden, nur mit Zustimmung des Nacherben veräußern. Zum Schutz des Nacherben wird im Grundbuch ein „Nacherbenvermerk“ eingetragen mit der Folge, dass jeder Kaufinteressent von vorneherein abgeschreckt wird. Es ist möglich, dass der Erblasser den Vorerben von bestimmten Beschränkungen befreit.
Expertentipp von Bernhard F. Klinger (Fachanwalt für Erbrecht in München): Vor- und Nacherbe stehen in einem Interessengegensatz zueinander, der häufig zu Konflikten und Streitigkeiten führt. Ohne fachliche Beratung sollte deshalb eine Vor- und Nacherbschaft nicht angeordnet werden.
Der Erblasser kann in Form eines Vermächtnisses einer anderen Person einen Vermögensvorteil einräumen, ohne ihn als Erben einzusetzen. Während der Erbe mit Eintritt des Erbfalls unmittelbar am gesamten Vermögen des Verstorbenen beteiligt ist, hat der Vermächtnisnehmer nur einen schuldrechtlichen Anspruch auf Erfüllung der im Testament oder im Erbvertrag bezeichneten Zuwendung. Ein weiterer Unterschied zur Einsetzung als Erbe ist, dass der Vermächtnisnehmer keine Verpflichtungen zu tragen hat. Er muss deshalb nicht für die Schulden des Verstorbenen aufkommen.
Es sollte immer geregelt werden, ob ein Ersatzvermächtnisnehmer für den Fall, dass der zunächst Bedachte das Vermächtnis (beispielsweise wegen Vorversterbens oder durch Ausschlagung) nicht erwirbt (§ 2190 BGB), eingesetzt wird oder nicht. Ohne Bestimmung eines Ersatzvermächtnisnehmers wird das Vermächtnis unwirksam.
Expertentipp von Bernhard F. Klinger (Fachanwalt für Erbrecht in München): Der Vermögensgegenstand fällt dem Vermächtnisnehmer aber nicht automatisch zu. Die bedachte Person muss vielmehr ihren Vermächtniserfüllungsanspruch gegen den Beschwerten geltend machen und – notfalls gerichtlich – durchsetzen.
Der Vermächtnisnehmer hat – sofern der Erblasser keine anders lautende Anordnung getroffen hat – die auf dem vermachten Gegenstand ruhenden Belastungen (Pfandrechte, Nießbrauch, Hypotheken) zu übernehmen.
Der Erblasser kann auch einem von mehreren Miterben ein Vermächtnis zuwenden. Ein derartiges Vorausvermächtnis muss sich der Erbe dann nicht auf seinen Erbteil anrechnen lassen. Ist keine Anrechnung gewollt, empfiehlt sich eine so genannte Teilungsanordnung.
Expertentipp von Bernhard F. Klinger (Fachanwalt für Erbrecht in München): Ein rechtlich nicht angreifbares und damit Streit vermeidendes Vermächtnis erfordert in der Regel die Beratung durch einen Fachanwalt für Erbrecht. Die Kosten einer qualifizierten Beratung sind immer niedriger als die Kosten eines langwierigen Erbprozesses.
Mit einer Auflage kann in einem Testament dem Erben oder dem Vermächtnisnehmer eine Verpflichtung auferlegt werden, z. B. die Bestattung und Grabpflege zu übernehmen, sich um ein Haustier zu kümmern oder ein Grundstück zu verwalten.
Expertentipp von Bernhard F. Klinger (Fachanwalt für Erbrecht in München): Um sicherzustellen, dass die Auflage auch erfüllt wird, sollte im Testament ein Testamentsvollstrecker eingesetzt werden, dem die Aufgabe übertragen wird, die Erfüllung der Auflage sicherzustellen.
§ 1937 BGB ‑ Erbeinsetzung durch letztwillige Verfügung
§ 1938 BGB ‑ Enterbung ohne Erbeinsetzung
§ 1939 BGB ‑ Vermächtnis
§ 1940 BGB ‑ Auflage
§ 1941 BGB ‑ Erbvertrag