Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Text=I%20ZR%20136/71
Timestamp: 2019-01-22 17:54:54
Document Index: 93874391

Matched Legal Cases: ['BGH', '§ 21', '§ 1004', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 852', '§ 198', '§ 199', '§ 199', 'BGH', '§ 852', '§ 199', '§ 199', '§ 199', 'BGH', 'BGH', '§ 826', 'BGH', 'BGH', '§ 21', 'BGH', '§ 1', '§ 823', '§ 21', 'BGH', 'BGH', '§ 852', '§ 826']

BGH, 28.09.1973 - I ZR 136/71 - dejure.org
Verjährung des Anspruchs auf Widerruf einer gegen das Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb (UWG) verstoßenden geschäftsschädigenden Äußerung - Gleichzeitiges Vorliegen eines Eingriffs in das Recht am eingerichteten und ausgeübten Gewerbebetrieb - Hemmung der Verjährung des Anspruchs auf Widerruf einer Äußerung durch eine Klage auf Unterlassung der geschäftsschädigenden Äußerung - Verjährungsbeginn zu dem Zeitpunkt, zu dem die Klageerhebung zumutbar ist
§ 21 UWG a.F.
NJW 1973, 2285
MDR 1974, 26
GRUR 1974, 99
DB 1973, 2292
Ohne Erfolg beruft sich die Revision deshalb auf Entscheidungen des Bundesgerichtshofs, die zur Verjährung von Ansprüchen aus § 1004 BGB wegen einer in der Vergangenheit liegenden (einmaligen) Verletzungshandlung ergangen sind (vgl. BGH, Urteil vom 28. September 1973 - I ZR 136/71, NJW 1973, 2285 zum wettbewerbsrechtlichen Widerrufsanspruch, sowie BGHZ 60, 235, zum Anspruch auf Beseitigung einer nahe der Grundstücksgrenze gepflanzten Birke).
aa) Unterlassungs- und Beseitigungsansprüche sind trotz ihres gemeinsam verfolgten Abwehrzwecks in ihrer Zielsetzung wesensverschiedene Ansprüche, die grundsätzlich unterschiedliche Zielrichtungen verfolgen und von unterschiedlichen Voraussetzungen abhängig sind (vgl. BGH, Urteil vom 28. September 1973 - I ZR 136/71, GRUR 1974, 99, 101;… Urteil vom 18. September 2014 - I ZR 76/13, GRUR 2015, 258 Rn. 64 = WRP 2015, 356 - CT-Paradies;… Beschluss vom 29. September 2016 - I ZB 34/15, GRUR 2017, 208 Rn. 28 = WRP 2017, 305;… Urteil vom 4. Mai 2017 - I ZR 208/15, GRUR 2017, 823 Rn. 28 = WRP 2017, 944 - Luftentfeuchter).
Das Durchführungsverbot hat gegenüber dem Lauterkeitsrecht auch keinen nur lückenausfüllenden Charakter (vgl. BGHZ 36, 252, 257 - Gründerbildnis; BGH, Urteil vom 28. September 1973 - I ZR 136/71, GRUR 1974, 99, 100 = WRP 1974, 30 - Brünova).
Bei mehreren, sich wiederholenden einzelnen Eingriffen bzw. Unterlassungen beginnt die Verjährung dagegen für jeden infolge der Unterlassung eintretenden Schaden gesondert (vgl. BGH, Urteil vom 28. September 1973 - I ZR 136/71, NJW 1973, 2285; Urteil vom 14. Februar 1978 - X ZR 19/76, BGHZ 71, 86, 94;… Urteil vom 11. Januar 2007 - III ZR 302/05, BGHZ 170, 260 Rn. 25 ff.;… Urteil vom 4. Juni 2009 - III ZR 144/05, BGHZ 181, 199 Rn. 29 ff.;… Urteil vom 17. Februar 2010 - VIII ZR 104/09, BGHZ 184, 253 Rn. 17).
Im Ausgangspunkt wird in Rechtsprechung und Literatur angenommen, dass bei einer (einheitlichen) Dauerhandlung die Verjährung erst mit deren Beendigung beginnt (vgl. BGH, Urteil vom 28. September 1973 - I ZR 136/71 - NJW 1973, 2285; RG JW 1932, 938, 939; OLG Frankfurt, VersR 1989, 260, 261 bei einer auf falscher Anschuldigung beruhenden Inhaftierung;… Stein, in: MünchKomm-BGB, 3. Aufl. 1997, § 852 Rn. 23;… Grothe, in: MünchKomm-BGB, 4. Aufl. 2001, § 198 Rn. 4;… Staudinger/Peters, BGB, Neubearb. 2004, § 199 Rn. 21;… Palandt/Heinrichs, BGB, 65. Aufl. 2006, § 199 Rn. 21), wobei insoweit darauf abgestellt wird, dass der deliktische Eingriff bis zur Beendigung der Handlung fortdauere.
Im Ausgangspunkt wird in Rechtsprechung und Literatur zwar angenommen, dass bei einer (einheitlichen) Dauerhandlung die Verjährung erst mit deren Beendigung beginnt (vgl. BGH, Urteil vom 28. September 1973 - I ZR 136/71 - NJW 1973, 2285; RG JW 1932, 938, 939; OLG Frankfurt, VersR 1989, 260, 261 bei einer auf falscher Anschuldigung beruhenden Inhaftierung;… Stein, in: MünchKomm-BGB, 3. Aufl. 1997, § 852 Rn. 23;… Grothe, in: MünchKomm-BGB, 5. Aufl. 2006, § 199 Rn. 13;… Staudinger/Peters, BGB, Neubearb. 2004, § 199 Rn. 21;… Palandt/Heinrichs, BGB, 68. Aufl. 2009, § 199 Rn. 21), wobei insoweit darauf abgestellt wird, dass der deliktische Eingriff bis zur Beendigung der Handlung fortdauere.
Sie hätte sich dann in einem Tatbestandsirrtum befunden, mit der Folge, dass die subjektiven Voraussetzungen eines Sittenverstoßes zu verneinen wären (vgl. RGZ 159, 211, 227; BGHZ 101, 380, 388 ; BGH, Urteil vom 28. September 1973 - I ZR 136/71 - aaO;… vom 19. Februar 1986 - IVb ZR 71/84 - aaO; vom 15. September 1999 - I ZR 98/97 - VersR 2001, 251, 253;… Staudinger/Oechsler, aaO, Rn. 89;… Spindler in Bamberger/Roth, BGB, 2. Aufl., § 826 Rn. 10).
Zutreffend ist das Berufungsgericht von der ständigen Rechtsprechung ausgegangen, wonach zwischen der einmaligen (u.U. Dauer-)Handlung und der wiederholten ("fortgesetzten") Handlung zu unterscheiden ist und die Verjährung bei der wiederholten Handlung mit der Beendigung jeder einzelnen schadensstiftenden Handlung beginnt, mögen auch weitere gleichartige Handlungen mit gleichem Erfolg nachfolgen (vgl. RGZ 134, 335, 341; BGH GRUR 1974, 99, 100 = WRP 1974, 30 - Brünova).
Das Berufungsgericht hat schließlich auch zutreffend eine Unterbrechung der Verjährung des Schadensersatzanspruchs durch die im Vorprozeß erhobene Unterlassungsklage verneint (BGH GRUR 1974, 99, 101 = WRP 1974, 30 - Brünova).
Seine Abgrenzung jedenfalls entwertet den § 21 UWG weder qualitativ noch quantitativ, dem im übrigen von der Rechtsprechung in nicht unerheblichem Umfang bei anderen Fallgestaltungen ausschließliche Geltung zugemessen worden ist (vgl. BGHZ 36, 252 - Gründerbildnis; GRUR 1974, 99 = WRP 1974, 30 - Brünova).
a) Soweit das Berufungsgericht dabei gesetzliche Ansprüche aus § 1 UWG und § 823 Abs. 1 BGB (Recht am Unternehmen) zugrunde gelegt und für den Fall der Konkurrenz solcher Ansprüche auf § 21 UWG allein abgehoben hat, sind seine Ausführungen aus Rechtsgründen nicht zu beanstanden (vgl. BGHZ 36, 252, 256 f. - Gründerbildnis; BGH, Urt. v. 28.9.1973 - I ZR 136/71, GRUR 1974, 99, 100 = WRP 1974, 30 - Brünova;… MünchKomm/Mertens, BGB, 2. Aufl., § 852 Rdn. 53); auch die Revision erhebt hiergegen - ebenso wie gegen den gleichfalls rechtsfehlerfreien Ausschluß eines Verstoßes gegen § 826 BGB durch das Berufungsgericht - keine Rügen.
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