Source: http://vbe-sh.de/index.php?Link=detail&id=223
Timestamp: 2017-10-20 03:15:30
Document Index: 396233627

Matched Legal Cases: ['§1', '§ 45', '§ 1', '§ 3', '§ 69', '§ 4', '§ 45', '§ 5', '§ 9']

Der VBE begrüßt, dass diese VO erst zum 1.8.2008 in Kraft treten soll.
So bleibt ausreichend Zeit, sich mit den Neuerungen auseinander zu setzen und sich auf ggf. neue Aufgaben einzustellen.
Der VBE nimmt zur neuen SoFVO in den Punkten Stellung, in denen Nachbesserungsbedarf besteht.
Wie bereits zur Schulgesetznovelle wiederholt der VBE seine Forderung nach einer 10jährigen Vollzeitschulpflicht für alle Schülerinnen und Schüler mit den Förderschwerpunkten Lernen und Geistige Entwicklung.
Es ist ein Skandal, dass den Schülerinnen und Schülern mit dem höchsten Lernbedarf die kürzeste Schulzeit d.h. Lernzeit zugebilligt wird.
§1 Aufgaben der Förderzentren
(Abs. 1) Die Förderzentren sind der individuellen Förderung der Schülerinnen und Schüler verpflichtet, unabhängig von den zu erreichenden Schulabschlüssen.
Die Schul- und Unterrichtsgestaltung orientiert sich daher an den Lernvoraussetzungen und Lernprozessen der Schülerinnen und Schüler und fördert sie in ihrer individuellen Lernentwicklung.
Zur Förderung der Entwicklung aller Schülerinnen und Schüler arbeiten die Förderzentren in der Eingangsphase eng mit den Grundschulen zusammen.
Mit diesen Formulierungen werden den Förderzentren Aufgaben übertragen, die den Rahmen des Schulgesetzes sprengen, also nicht gesetzeskonform zu sein scheinen. Das neue Schulgesetz legt fest: § 45 (1) Satz 1 - ?Förderzentren unterrichten, erziehen und fördern Kinder, Jugendliche und Schülerinnen und Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf und beraten Eltern und Lehrkräfte?.
Das Gesetz bezieht sich auf den sonderpädagogischen Förderbedarf von Kindern, Jugendlichen und Schülern als Grundlage sonderpädagogischer Tätigkeit.
Der Entwurfstext dagegen erwähnt in § 1 (1) mit keinem Wort den sonderpädagogischen Förderbedarf, sondern verpflichtet die Lehrkräfte an Förderzentren in Satz 1 zur generellen Förderung von Schülern und in Satz 3 zur Förderung aller Schüler in der Eingangsphase der Grundschule. In beiden Fällen muss der Teil ?mit sonderpädagogischem Förderbedarf? angefügt werden.
Der VBE legt Wert darauf, dass Sonderschullehrkräfte in den Regelschulen
a)	nicht die Aufgaben der Regelschulen übernehmen wie z.B. LRS-, Matheförderung etc.
b)	und nicht zu Förderlehrern abqualifiziert werden, für die dann in der Folge billigere Hochschulabschlüsse ausreichen würden.
§ 3 Elternversammlung und Elternvertretung
(Abs: 2) ?Die Eltern aller Schülerinnen und Schüler in integrativen Maßnahmen bilden zusätzlich zu der Elternversammlung nach § 69 SchulG eine eigenständige Elternversammlung am unterstützenden Förderzentrum. Die Elterversammlung kann aus ihrer Mitte einen Schulelternbeirat wählen, der aus der oder dem Vorsitzenden und zwei weiteren Mitgliedern bestehen soll. Die Wahl setzt voraus, dass an der Elternversammlung mehr als 25 % der Eltern, deren Kinder sich in integrativen Maßnahmen befinden, teilnehmen.?
Der VBE versteht diesen Absatz als interessante Idee, Eltern der ?Integrationskinder? gewissermaßen einen ?Integrationsbeirat? bilden zu lassen.
In praxi dürfte dies jedoch nicht realisierbar sein. Eltern sind einerseits an der allgemein bildenden Schule aktiv und integriert. Sie müssten zusätzlich aus u.U. vielen Schulstandorten zusammenkommen, um Interessen ihrer Kinder zu vertreten, die gegenüber dem Förderzentrum außerordentlich individuell ausgeprägt sind.
Die Verfasser dieser Passage im Entwurfstext scheinen selbst von ihrer Idee nicht sonderlich überzeugt zu sein, sonst hätten sie die hohe Hürde von 25 % nicht festgeschrieben.
Eine zusätzliche Elternvertretung wäre eine hoher Verwaltungsaufwand mit wenig Zuspruch.
Besser wäre es, wenn die Eltern der integrativ beschulten Kinder sich in ihrer Schule organisieren könnten und einen Vertreter oder eine Vertreterin in den Schulelternbeirat des Förderzentrums entsendeten.
§ 4 Sonderpädagogischer Förderbedarf
?Schülerinnen und Schüler haben sonderpädagogischen Förderbedarf, wenn sie aufgrund ihrer Behinderung, Entwicklung oder chronischen Krankheit nur mit besonderer Hilfe am Unterricht einer Grundschule, einer weiterführenden allgemein bildenden Schule oder einer berufsbildenden Schule teilnehmen können und sonstige Förderung nicht ausreichend ist.
Ihre sonderpädagogische Förderung erfolgt nach Art ihrer Beeinträchtigung in einem oder mehreren Förderschwerpunkten nach § 45 Abs. 2 SchulG.?
Diese Definition sonderpädagogischen Förderbedarfs ist so nicht nachvollziehbar:
1.	Sie nimmt nicht Rücksicht auf den § 5 (2) des SchulG, der auch Fälle außerhalb gemeinsamen Unterrichts einräumt, die dann ebenfalls sonderpädagogischen Förderbedarf darstellen.
2.	Schülerinnen und Schüler, für die eine Unterrichtsbegleitung durch eine externe Kraft ausreicht, haben nach dieser Definition sonderpädagogischen Förderbedarf, obwohl es ggfs. nicht erforderlich wäre. Eingeschoben werden müsste: ?... nur mit besonderer Hilfe durch das Förderzentrum ... ?.
§ 9 Unterricht für Schülerinnen und Schüler mit dem Förderschwerpunkt Lernen
Die skandalös kurze Schulzeit wurde bereits oben erwähnt (Abs. 1). Die Wiederholungsmöglichkeiten und ?regelungen werden akzeptiert.
(Abs.1) ?Auf Schülerinnen und Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf im Förderschwerpunkt Lernen, die eine Grundschule, eine weiterführende allgemein bildende Schule oder ein anderes Förderzentrum besuchen, sind die Sätze 2 und 3 entsprechend anzuwenden. In diesem Fall nehmen Lehrkräfte des zuständigen Förderzentrums an den Klassenkonferenzen beratend teil.?
Lehrkräfte des zuständigen Förderzentrums müssen in den Fällen, in denen Angelegenheiten der von ihnen integrativ betreuten Schülerinnen und Schüler auf Konferenzen behandelt werden nicht nur beratend, sondern mit Stimmrecht teilnehmen. Verantwortliches Handeln in der allgemein bildenden Schule kann sonst zur Farce werden.
(Abs: 2) ?Die Schülerinnen und Schüler erhalten unabhängig von ihrem Förderort mit Erreichen der für sie festgelegten Ziele ihres Förderplans sowie der von der obersten Schulaufsichtsbehörde im Rahmen des Lehrplans Sonderpädagogische Förderung empfohlenen Kriterien den Abschluss des Förderzentrums mit dem Schwerpunkt Lernen.?
Zzt. noch nicht vorstellbar ist die Formulierung des Abschlusses im Zeugnis:
Macht der Schüler das Förderzentrumsabschlusszeugnis mit Schwerpunkt Lernen am Förderzentrum? Ebenso an der Regionalschule und Gemeinschaftsschule?
Die Bezeichnungen für den Abschluss sowohl im Förderzentrum als auch in Regionalschule wie Gemeinschaftsschule sollten bereits heute klar formuliert sein.