Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Text=IX%20ZR%20237/07
Timestamp: 2019-04-21 19:15:25
Document Index: 364532129

Matched Legal Cases: ['BGH', '§ 91', '§ 816', '§ 816', '§ 362', '§ 91', '§ 816', 'BGH', '§ 812', 'BGH', 'BGH', '§ 185', 'BGH', '§ 182', '§ 184', 'BGH', '§ 816', 'BGH', '§ 362', 'BGH', 'BGH', '§ 816', 'BGH', '§ 816', '§ 91', 'BGH', '§ 184', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 816', 'BGH', '§ 812', 'BGH', '§ 182', 'BGH', '§ 185', '§ 816', '§ 816', 'BGH', 'BGH']

BGH, 15.01.2009 - IX ZR 237/07 - dejure.org
InsO § 91 Abs. 1; BGB § 816 Abs. 2
Nachträgliche Genehmigungsfähigkeit einer vor Insolvenzeröffnung vom Schuldner an einen Nichtberechtigten erbrachten Leistung durch den Berechtigten zur Ermöglichung eines Rückgriffs
Genehmigung einer Leistung des Schuldners an einen Nichtberechtigten durch den Berechtigten auch noch nach Insolvenzeröffnung
Genehmigung einer Leistung des Schuldners an einen Nichtberechtigten durch den Berechtigten auch nach Insolvenzeröffnung
Zur Wirksamkeit der Genehmigung einer vor Insolvenzeröffnung von dem Schuldner an einen Nichtberechtigten erbrachten Leistung durch den Berechtigten nach Eröffnung des Insolvenzverfahrens
Bereicherungsanspruch nach § 816 II BGB nach Genehmigung einer nicht befreienden Leistung an einen Nichtberechtigten (§ 362 II, 185 BGB) und Insolvenz des Schuldners
Genehmigung von vor Insolvenzeröffnung erbrachter Leistung?
Zahlung an den Falschen vor Insolvenzeröffnung
InsO § 91 Abs. 1; BGB § 816 Abs. 2 BGB
Zusammenfassung von "Anmerkung zum Beschluss des BGH vom 15.01.2009, Az.: IX ZR 237/07 (Genehmigung der Leistung des Schuldners an einen Nichtberechtigten)" von Dr. Ulf Gundlach u. Andre Schirrmeister, original erschienen in: ZInsO 2009, 482 - 484.
LG Hanau, 30.01.2007 - 6 O 116/06
NJW-RR 2009, 705
ZIP 2009, 485
MDR 2009, 653
NZI 2009, 244
WM 2009, 517
a) Unter einer Leistung im Sinne des § 812 Abs. 1 Satz 1 BGB ist eine bewusste und zweckgerichtete Vermehrung fremden Vermögens zu verstehen (BGH, Beschluss vom 15. Januar 2009 - IX ZR 237/07, WM 2009, 517 Rn. 10).
Abgesehen davon, dass in der Regel ohnehin davon auszugehen ist, dass sich eine Partei ihr günstiges Vorbringen des Gegners zumindest hilfsweise zu Eigen macht (…vgl. BGH, Urteile vom 22. März 2011 - II ZR 215/09, juris Rn. 23; vom 17. Januar 1995 - X ZR 88/93, NJW-RR 1995, 684 unter 2 c bb (1); BVerfG, NJW-RR 2009, 1141, 1142), und dass darüber hinaus auch in der Erhebung der Klage möglicherweise schon eine stillschweigende Genehmigung nach § 185 Abs. 2 BGB liegen kann (…vgl. BGH, Beschlüsse vom 12. Juli 2012 - IX ZR 213/11, NJW-RR 2012, 1129 Rn. 16; vom 15. Januar 2009 - IX ZR 237/07, NJW-RR 2009, 705 Rn. 8), zielte der Hinweis des Richters ersichtlich auf eine den Interessen beider Parteien gerecht werdende Lösung ab.
Der Kläger hat keine schon vorliegende Erklärung nachträglich als Dritter gemäß § 182 Abs. 1, § 184 Abs. 1 BGB genehmigt (vgl. dazu BGH, Urt. v. 15. Januar 2009 - IX ZR 237/07, ZIP 2009, 485, 486 Rn. 13).
Eine solche Annahme ist jedenfalls gerechtfertigt, wenn die Klagebegründung die Voraussetzungen eines den Anspruch aus § 816 Abs. 2 BGB ausfüllenden Tatsachenvortrags enthält (BGH, Beschluss vom 15. Januar 2009 - IX ZR 237/07, WM 2009, 517 Rn. 8).
Grundsätzlich geht die Rechtsprechung und Literatur zum Zivilrecht zwar davon aus, dass ein Berechtigter die Zahlung an einen Nichtberechtigten nach §§ 362 Abs. 2, 185 Abs. 2 Satz 1 1. Alt BGB genehmigen kann (vgl nur BGHZ 55, 34, 37; 106, 381, 390), wobei die Genehmigung in der Klageerhebung gesehen werden kann (BGH, Urteil vom 25.1. 1955 - 1 ZR 75/53 -, LM Nr. 6 zu § 816 BGB; Beschluss vom 15.1. 2009 - IX ZR 237/07 -, NJW-RR 2009, 705 f mwN).
Diesbezüglich greift zwar - worauf die Klägerin zutreffend hinweist - nicht die vom Landgericht zitierte Entscheidung des Bundesgerichtshofs (vgl. BGH, Beschl. v. 15.01.2009 - IX ZR 237/07, NJW-RR 2009, 705).
Diese befasst sich nicht mit Fragen der Verjährung, sondern mit der Frage, ob die Genehmigung einer Leistung an den Nichtberechtigten i. S. d. § 816 Abs. 2 BGB auch noch nach Insolvenzeröffnung möglich ist oder ob insoweit die Vorschrift des § 91 InsO greift (vgl. BGH, Beschl. v. 15.01.2009 - IX ZR 237/07, NJW-RR 2009, 705, juris Rdn. 11 ff).
Zum einen wirkt eine erst später erteilte Genehmigung gemäß § 184 BGBG auf den Zeitpunkt, in dem der Gläubiger seinen Anspruch durch Genehmigung erschaffen und zugleich geltend machen kann, zurück (vgl. BGH, Beschl. v. 15.01.2009 - IX ZR 237/07, NJW-RR 2009, 705, juris Rdn. 7 ff;… BGH, Urt. v. 10.05.1995 - VIII ZR 264/94, BGHZ 129, 371).
Die Genehmigung der Auszahlung (an den angeblich Nichtberechtigten) bringt keinerlei rechtliche oder tatsächliche Vorteile, wie bereits § 816 Abs. 2 Bürgerliches Gesetzbuch (BGB) zeigt, bei dessen Anwendung im Übrigen eine erforderliche Genehmigung der in einer Zahlung an einen Nichtberechtigten liegenden Verfügung regelmäßig in der Klageerhebung gesehen wird (vgl nur BGH, Beschluss vom 15.1.2009 - IX ZR 237/07 -, MDR 2009, 653 mwN) .
Denn unter einer Leistung im Sinne des § 812 Abs. 1 Satz 1 Fall 1 BGB ist jede bewusste und zweckgerichtete Vermehrung fremden Vermögens zu verstehen (BGH, Beschluss vom 15. Januar 2009 - IX ZR 237/07, WM 2009, 517).
Eine solche Einwilligung kann als Genehmigung der Auszahlung gem. §§ 182, 184 BGB sowohl nachträglich (vgl. BGH, Urteil vom 15.01.2009, IX ZR 237/07 Rn. 14, -juris-) als auch konkludent erfolgen; sie kann sowohl gegenüber der Beklagten als auch gegenüber der Antragsgegnerin des Prozesskostenhilfeverfahrens als der Empfängerin der Leistung erklärt werden, §§ 185 Abs. 2 S. 1, 182 Abs. 1 BGB.
OLG Rostock, 26.06.2014 - 3 U 93/13
Formbedürftigkeit von Insichgeschäften eines geschäftsführenden …
Die Genehmigung kann durch den Berechtigten auch konkludent erklärt werden, etwa durch Erhebung einer Klage, in deren Begründung die Voraussetzungen des § 816 Abs. 2 BGB vorgetragen sind (…Palandt/Sprau, a.a.O., § 816 Rn. 21; BGH, Beschl. v. 16.09.2008, IX ZR 172/07, ZIP 2008, 1991 = ZInsO 2008, 1075; BGH, Beschl. v. 15.01.2009, IX ZR 237/07, NJW-RR 2009, 705 = MDR 2009, 653).
OLG Rostock, 27.08.2015 - 3 U 93/13