Source: http://webot.org/info/de/?search=Oberlandesgericht
Timestamp: 2019-12-13 12:58:45
Document Index: 314878013

Matched Legal Cases: ['§ 115', '§ 116', '§ 122', '§ 122', '§ 122', '§ 120', '§ 172', '§ 80', '§ 53']

OBERLANDESGERICHT - Information
Oberlandesgericht Information
Die Bezeichnung Oberlandesgericht fand zum ersten Mal 1808 in Preußen Verwendung. Die Verordnung wegen verbesserter Einrichtung der Provinzial-Polizei- u. Finanz-Behörden vom 26. Dezember 1808 [1] bestimmte, dass die unter verschiedenen Bezeichnungen wie Oberamtsregierung oder Hofgericht firmierenden obersten Gerichte jedes Landesteils künftig Ober-Landesgericht heißen sollten. Lediglich das Kammergericht behielt seinen überkommenen Namen. Nach der Restrukturierung des Staatsterritoriums 1815 sollte jeder Regierungsbezirk zugleich das Departement (= Zuständigkeitsbereich) eines Oberlandesgerichts bilden. [2] Konsequent umgesetzt wurde diese Regelung jedoch nur in den Regierungsbezirken Minden (Oberlandesgericht Paderborn), Münster (Oberlandesgericht Münster) und Köslin (Oberlandesgericht Köslin). Andere Oberlandesgerichtsdepartements erstreckten sich meist über Teile mehrerer Regierungsbezirke. Die Oberlandesgerichte waren formell Gerichte erster Instanz, allerdings gab es in allen Provinzen erstinstanzliche Untergerichte. Gegen deren Urteile waren die Oberlandesgerichte Appellationsinstanz. Nur für „eximierte“, also von der Gerichtsbarkeit der Untergerichte ausgenommene Personen, etwa Adlige, höhere Beamte, Geistliche, waren die Oberlandesgerichte auch de facto erstinstanzlich zuständig. [3] In Preußen verschwand der Name Oberlandesgericht nach der Justizreform von 1849 wieder, stattdessen gab es nun Appellationsgerichte.
Bis zum Gerichtsverfassungsgesetz vom 27. Januar 1877 als Teil der Reichsjustizgesetze war die Justizverfassung Angelegenheit der einzelnen Staaten des Deutschen Kaiserreichs. Das GVG bestimmte die Errichtung von Amtsgerichten, Landgerichten und Oberlandesgerichten ab dem 1. Oktober 1879 im gesamten Deutschen Reich. Zunächst gab es 28 Oberlandesgerichte: [4] [5]
13 in Preußen [6] ( Königsberg, Marienwerder, Berlin, Stettin, Posen, Breslau, Naumburg a. S., [7] Kiel, Celle, [8] Hamm, Kassel, [9] Frankfurt a. M., Köln)
5 in Bayern [10] ( München, Zweibrücken, Bamberg, Nürnberg, Augsburg), dazu das BayObLG
je eines in Sachsen ( Dresden), [11] Württemberg ( Stuttgart), [12] Baden ( Karlsruhe), [13] Elsaß-Lothringen ( Colmar), [14] Hessen ( Darmstadt), [15] Hamburg ( Hanseatisches OLG; auch für Bremen und Lübeck), [16] Mecklenburg-Schwerin ( Rostock; auch für Mecklenburg-Strelitz), [17] Braunschweig ( Braunschweig), [18] Oldenburg ( Oldenburg; auch für Schaumburg-Lippe) [19] und Sachsen-Weimar-Eisenach ( Jena; auch für die anderen thüringischen Staaten mit Ausnahme von Schwarzburg-Sondershausen). [20]
1942 bestanden 36 Oberlandesgerichte, darunter vier österreichische ( Wien, Graz, Linz und Innsbruck). Die Oberlandesgerichte Breslau, Königsberg, Marienwerder, Posen (1939–45), Danzig (1939–44), Prag (1939–45), Leitmeritz (1939–44), Kattowitz (1941–45) und Kolmar (1940–45) gingen nach den Gebietsverlusten des Zweiten Weltkriegs unter.
In der SBZ/ DDR bestanden bis 1952 die Oberlandesgerichte Potsdam, Schwerin, Halle, Gera/ab 1949 Erfurt [21] und Dresden (zeitweise in Radebeul) [22] sowie von 1949 bis 1959/61 das Kammergericht (Ost).
Die Oberlandesgerichte sind mit einem Präsidenten sowie mit Vorsitzenden Richtern und weiteren Richtern besetzt ( § 115 GVG). Bei den Oberlandesgerichten werden Zivil- und Strafsenate gebildet ( § 116 Absatz 1 Satz 1 GVG). Die Senate sind die sog. Spruchkörper der Oberlandesgerichte. Die einzelnen Senate sind gem. § 122 Abs. 1 GVG mit drei Richtern besetzt, von denen einer den Vorsitz hat.
Bei der Eröffnung des Hauptverfahrens sind die Strafsenate im ersten Rechtszug gem. § 122 Abs. 2 S. 1 GVG mit fünf Richtern einschließlich des Vorsitzenden besetzt. Wenn dem Strafsenat die Mitwirkung zweier weiterer Richter nach dem Umfang oder der Schwierigkeit der Sache nicht notwendig erscheint, kann der Strafsenat bei der Eröffnung des Hauptverfahrens beschließen, dass er in der Hauptverhandlung nur mit drei statt fünf Richtern zu besetzen ist ( § 122 Abs. 2 S. 2 GVG).
als erste Instanz für Staatsschutzsachen nach § 120 GVG (Staatsschutzsenate bestehen an 10 Oberlandesgerichten, darunter in Berlin, [23] Hamburg [24] und Koblenz [25] länderübergreifend)
als einzige Instanz zur gerichtlichen Entscheidung gegen den ablehnenden Bescheid der Generalstaatsanwaltschaft im Klageerzwingungsverfahren [26] oder Ermittlungserzwingungsverfahren [27] ( § 172 Abs. 4 StPO).
Für Ordnungswidrigkeiten ist das Oberlandesgericht als Instanz der Rechtsbeschwerde nach § 80a OWiG gegen Urteile und Beschlüsse der Amtsgerichte tätig. Der Bußgeld­senat ist mit einem Berufs richter, bei Geldbußen über 5.000 Euro mit drei Berufsrichtern besetzt.
in 1000 [28]
Erledigte Verfahren 2017 [29]
↑ PrGS 1808 S. 464 ( § 53)
↑ Gesetz, betreffend die Errichtung der Oberlandesgerichte und Landgerichte vom 4. März 1878 ( GS S. 109)
↑ auch für Anhalt ( GS 1879 S. 182) und Schwarzburg-Sondershausen ( GS 1879 S. 173)
↑ auch für Lippe ( GS 1879 S. 219) und Waldeck-Pyrmont ( GS 1879 S. 619), ab 1909 auch für Schaumburg-Lippe
↑ auch für Waldeck ( GS 1879 S. 619)
↑ Darmstadt (Mathildenplatz): Großherzog von Hessen und bei Rhein: Verordnung zur Ausführung des Deutschen Gerichtsverfassungsgesetzes und des Einführungsgesetzes zum Gerichtsverfassungsgesetze vom 14. Mai 1879 . In: Großherzoglich Hessisches Regierungsblatt. 1879 Nr. 15, S. 197–211 ( Online beim Informationssystem des Hessischen Landtags [PDF; 17,8 MB]).
↑ Gesetz betreffend die Änderung von Gerichtsbezirken im Lande Thüringen vom 19. Mai 1949 ( Reg.-Bl. I S. 32)
Normdaten (Sachbegriff): GND: 4172277-2 ( OGND, AKS)
Abgerufen von „ https://de.wikipedia.org/?title=Oberlandesgericht&oldid=192878283“