Source: https://www.aussenwirtschaftslupe.de/einreihung-von-adaptern-fuer-programmiermaschinen-1490
Timestamp: 2019-08-20 06:39:55
Document Index: 326467291

Matched Legal Cases: ['EuG', '§ 118', '§ 118', 'EuG', 'EuG', 'EuG', 'EuG', 'EuG']

Einreihung von Adaptern für Programmiermaschinen | Außenwirtschaftslupe
Ein Adap­ter für Pro­gram­mier­ma­schi­nen, der die elek­tri­sche Ver­bin­dung zwi­schen der Pro­gram­mier­ma­schi­ne und einem mit die­ser nicht kom­pa­ti­blen zu pro­gram­mie­ren­den Bau­stein her­stellt und des­sen mit Hil­fe eines vor­han­de­nen Memo­ry-Chips aus­ge­führ­te Daten­ver­ar­bei­tungs­funk­ti­on nicht die das Gan­ze kenn­zeich­nen­de Haupt­funk­ti­on ist, ist kei­ne Ein­heit einer auto­ma­ti­schen Daten­ver­ar­bei­tungs­ma­schi­ne, jedoch als Zube­hör für Maschi­nen der Pos. 8471 KN in die Pos. 8473 KN ein­zu­rei­hen.
Tei­le und Zube­hör, die sich als Waren der Pos. 8473 KN dar­stel­len, sind nicht auch als elek­tri­sche Maschi­nen oder elek­tro­tech­ni­sche Waren in das Kap. 85 KN ein­zu­rei­hen.
Adapter als Zubehör
Der streit­ge­gen­ständ­li­che Adap­ter ist zwar nicht als Ein­heit einer auto­ma­ti­schen Daten­ver­ar­bei­tungs­ma­schi­ne in die Pos. 8471 KN, jedoch als Teil oder Zube­hör für Maschi­nen der Pos. 8471 KN in die Unter­pos. 8473 30 80 KN1 ein­zu­rei­hen.
Die Ein­rei­hung des Adap­ters als Ein­heit einer auto­ma­ti­schen Daten­ver­ar­bei­tungs­ma­schi­ne (wel­che die Klä­ge­rin nach der Beschrän­kung ihres Antrags auch nicht mehr begehrt) kommt nicht in Betracht, weil er mit sei­ner Haupt­funk­ti­on kei­ne Daten­ver­ar­bei­tung aus­führt, wel­che nach dem EuGH, Urteil in ZfZ 2010, 190 erfor­der­lich ist, um die in Anm. 5 B Buchst. c zu Kap. 84 KN in der hier maß­geb­li­chen Fas­sung der Ver­ord­nung (EG) Nr. 1810⁄2004 der Kom­mis­si­on vom 07.09. 2004 zur Ände­rung des Anhangs I der Ver­ord­nung (EWG) Nr. 2658⁄87 des Rates über die zoll­ta­rif­li­che und sta­tis­ti­sche Nomen­kla­tur sowie den Gemein­sa­men Zoll­ta­rif2 genann­te Vor­aus­set­zung zu erfül­len, Daten in einer Form emp­fan­gen oder lie­fern zu kön­nen, die vom Sys­tem ver­wend­bar sind. Zwar führt der auf dem Adap­ter vor­han­de­ne Memo­ry-Chip eine Daten­ver­ar­bei­tungs­funk­ti­on aus, zu der die Ver­wen­dung von Daten durch ihre Spei­che­rung, Ände­rung, Erhal­tung, Umwand­lung oder Auf­be­rei­tung zählt3. Gleich­wohl reicht allein die­se Funk­ti­on des Memo­ry-Chips nicht, um dem Adap­ter ins­ge­samt die Eigen­schaft einer Ein­heit einer auto­ma­ti­schen Daten­ver­ar­bei­tungs­ma­schi­ne zu ver­lei­hen, weil er dane­ben die Funk­ti­on hat, eine elek­tri­sche Ver­bin­dung zwi­schen dem Pro­gram­mier­ge­rät und dem zu pro­gram­mie­ren­den Bau­stein her­zu­stel­len, und es sich daher um eine Maschi­ne han­delt4, die dazu bestimmt ist, meh­re­re ver­schie­de­ne sich ergän­zen­de Funk­tio­nen aus­zu­füh­ren, so dass es gemäß Anm. 3 zu Abschn. XVI KN für die tarif­li­che Ein­rei­hung auf die das Gan­ze kenn­zeich­nen­de Haupt­funk­ti­on ankommt5. Nach den den erken­nen­den BFH bin­den­den Fest­stel­lun­gen des FG (§ 118 Abs. 2 FGO), wel­che die Klä­ge­rin im Übri­gen für zutref­fend hält, hat aber der Memo­ry-Chip ledig­lich eine die Daten­über­tra­gung unter­stüt­zen­de Hilfs­funk­ti­on.
Es kann daher offen­blei­ben, ob der Bun­des­fi­nanz­hof an die tat­säch­li­che Fest­stel­lung zum Vor­han­den­sein eines Memo­ry-Chips auf dem Adap­ter gebun­den ist (die sei­ner­zeit nicht mit einem Antrag auf Berich­ti­gung des Tat­be­stands ange­grif­fen wur­de), oder ob das Haupt­zoll­amt mit sei­nem Vor­brin­gen, die Ober­fi­nanz­di­rek­ti­on habe im finanz­ge­richt­li­chen Ver­fah­ren der klä­ge­ri­schen Behaup­tung über das Vor­han­den­sein eines Memo­ry-Chips auf dem Adap­ter, der Gegen­stand der ange­foch­te­nen ver­bind­li­chen Zoll­ta­rif­aus­kunft war, stets wider­spro­chen und es sei nicht erkenn­bar, auf wel­cher Grund­la­ge das FG zu sei­ner gegen­tei­li­gen Fest­stel­lung gelangt sei, zuläs­si­ge und begrün­de­te Revi­si­ons­grün­de vor­ge­bracht hat (§ 118 Abs. 2 FGO).
Von der Pos. 8473 KN wer­den Tei­le und Zube­hör6, erkenn­bar aus­schließ­lich oder haupt­säch­lich für Maschi­nen, Appa­ra­te oder Gerä­te der Pos. 8469 bis 8472 bestimmt, erfasst.
Wie der Gerichts­hof der Euro­päi­schen Uni­on wie­der­holt aus­ge­führt hat7, folgt aus dem Begriff „Teil”, dass es ein Gan­zes gibt, für des­sen Funk­tio­nie­ren die­ser Teil unab­ding­bar ist. Ob danach der streit­ge­gen­ständ­li­che Adap­ter als Teil einer auto­ma­ti­schen Daten­ver­ar­bei­tungs­ma­schi­ne ange­se­hen wer­den kann, erscheint zwei­fel­haft; das FG hat zu die­ser Fra­ge der Unab­ding­bar­keit für das Funk­tio­nie­ren der Pro­gram­mier­ma­schi­ne kei­ne Fest­stel­lun­gen getrof­fen. Die Klä­ge­rin hat zwar im Revi­si­ons­ver­fah­ren vor­ge­tra­gen, dass die Pro­gram­mier­ma­schi­ne ihre Funk­ti­on ohne den Adap­ter nicht erfül­len kön­ne –was das Haupt­zoll­amt bestrei­tet – , ande­rer­seits ergibt sich aber aus ihrem Vor­brin­gen, wonach der Adap­ter zum Zweck der Pro­gram­mie­rung ver­wen­det wer­den müs­se, wenn der zu pro­gram­mie­ren­de Bau­stein kein Dual-Inli­ne Gehäu­se besit­ze, dass es Bau­stei­ne gibt, deren Pro­gram­mie­rung durch die Pro­gram­mier­ma­schi­ne auch ohne den Ein­satz des Adap­ters mög­lich, er also nicht in jedem Fall für das Funk­tio­nie­ren der Maschi­ne unab­ding­bar ist.
Hier­von aus­ge­hend ist der Adap­ter aber jeden­falls als Zube­hör i.S. der Pos. 8473 KN anzu­se­hen, da unter die­sen Begriff Aus­rüs­tungs­ge­gen­stän­de fal­len, wel­che die Maschi­nen oder Appa­ra­te, an denen sie ange­bracht wer­den, für die Aus­füh­rung einer bestimm­ten Arbeit geeig­net machen, oder Vor­rich­tun­gen, die ihre Ver­wen­dungs­mög­lich­keit erwei­tern oder mit deren Hil­fe eine im Zusam­men­hang mit der Haupt­funk­ti­on der Maschi­nen und Appa­ra­te ste­hen­de Son­der­ar­beit aus­ge­führt wer­den kann8. Der Adap­ter erfüllt die­se Vor­aus­set­zun­gen, da er die Pro­gram­mier­ma­schi­ne für eine bestimm­te Arbeit, näm­lich das Pro­gram­mie­ren nicht kom­pa­ti­bler Bau­stei­ne, deren Schnitt­stel­le nicht zu der­je­ni­gen der Pro­gram­mier­ma­schi­ne passt, geeig­net macht und damit die Ver­wen­dungs­mög­lich­keit der Pro­gram­mier­ma­schi­ne erwei­tert.
Für die Ein­rei­hung des Adap­ters in die Pos. 8473 KN kommt es auch nicht dar­auf an, ob es sich –was im bis­he­ri­gen Ver­fah­ren nicht im Streit war, nun aber vom Haupt­zoll­amt in Zwei­fel gezo­gen wird– bei der Pro­gram­mier­ma­schi­ne um eine auto­ma­ti­sche Daten­ver­ar­bei­tungs­ma­schi­ne han­delt oder ob die­se als Maschi­ne zum Auf­zeich­nen von Daten auf Daten­trä­ger in codier­ter Form, ander­weit weder genannt noch inbe­grif­fen (vgl. Pos. 8471 KN letz­ter Halb­satz), in die Unter­pos. 8471 90 00 KN ein­zu­rei­hen ist (vgl. ErlHS zu Pos. 8471 Rz 96.0, jetzt: Rz 60.0). Jeden­falls wird die Pro­gram­mier­ma­schi­ne von der Pos. 8471 KN erfasst, wes­halb der Adap­ter, der in Anbe­tracht sei­ner objek­ti­ven Beschaf­fen­heit erkenn­bar aus­schließ­lich für eine Maschi­ne die­ser Posi­ti­on bestimmt ist –das Haupt­zoll­amt hat kei­ne ande­re denk­ba­re Ver­wen­dungs­mög­lich­keit auf­ge­zeigt – , als Zube­hör für eine Maschi­ne der Pos. 8471 KN in die Unter­pos. 8473 30 90 KN (in der sei­ner­zeit gel­ten­den Fas­sung) ein­zu­rei­hen ist.
Anders als das Haupt­zoll­amt meint, steht die­ser Ein­rei­hung die Anm. 2 Buchst. a zu Abschn. XVI KN nicht ent­ge­gen. Dem Haupt­zoll­amt ist nicht dar­in zu fol­gen, dass sich der streit­ge­gen­ständ­li­che Adap­ter als eine Ware der Pos. 8536 KN dar­stellt und des­halb gemäß der genann­ten Anmer­kung die­ser Posi­ti­on zuzu­wei­sen ist. Viel­mehr ver­hält es sich so, dass der Adap­ter nicht in die Pos. 8536 KN ein­ge­reiht wer­den kann, weil –wor­auf der EuGH mit Urteil in ZfZ 2010, 190, Rz 44 hin­ge­wie­sen hat– nach der ErlHS zu Kap. 85 Rz 1.1, 2.0 elek­tri­sche Maschi­nen, Appa­ra­te und Gerä­te sowie deren Tei­le der in Kap. 84 auf­ge­führ­ten Art nicht zu Kap. 85 KN gehö­ren. Da der streit­ge­gen­ständ­li­che Adap­ter –wie aus­ge­führt– die Vor­aus­set­zun­gen für eine Ein­rei­hung in die Pos. 8473 KN erfüllt und somit im Übri­gen auch unter die im Klam­mer­zu­satz der Anm. 2 Buchst. a zu Abschn. XVI KN genann­ten Aus­nah­men fällt, gelangt die­se Anmer­kung im Streit­fall nicht zur Anwen­dung. Bei Tei­len und Zube­hör, die sich als eine Ware einer im Klam­mer­zu­satz auf­ge­führ­ten Posi­ti­on dar­stel­len, kommt es dar­auf an, für wel­che Maschi­ne sie bestimmt sind.
Nach alle­dem ist der Adap­ter in die Pos. 8473 KN und dort in die Unter­pos. 8473 30 90 KN (in der sei­ner­zeit gel­ten­den Fas­sung) ein­zu­rei­hen. Die für den Streit­fall maß­ge­ben­den Tari­fie­rungs­vor­schrif­ten sind in der aktu­el­len KN in der Fas­sung der Ver­ord­nung (EU) Nr. 861⁄2010 der Kom­mis­si­on vom 5. Okto­ber 2010 zur Ände­rung von Anhang I der Ver­ord­nung (EWG) Nr. 2658⁄87 des Rates über die zoll­ta­rif­li­che und sta­tis­ti­sche Nomen­kla­tur sowie den Gemein­sa­men Zoll­ta­rif9 gleich geblie­ben; ledig­lich die Num­mer der für die Ein­rei­hung des Adap­ters in Betracht kom­men­den Unter­po­si­ti­on lau­tet nun­mehr 8473 30 80; die Vor­aus­set­zun­gen der Anm. 5 B zu Kap. 84 KN fin­den sich jetzt unver­än­dert in den Anm. 5 B und 5 C zu Kap. 84 KN.
Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 22. März 2011 — VII R 15⁄07
Unter­pos. 8473 30 90 KN in ihrer frü­he­ren Fas­sung↩
ABlEU Nr. L 327⁄1↩
vgl. EuGH, Urteil in ZfZ 2010, 190, Rz 35 f.↩
vgl. zur Defi­ni­ti­on der „Maschi­ne”: Anm. 5 zu Abschn. XVI KN↩
vgl. EuGH, Urteil in ZfZ 2010, 190, Rz 25, 37↩
aus­ge­nom­men Kof­fer, Schutz­hül­len und der­glei­chen↩
EuGH, vgl. Urteil in ZfZ 2010, 190, Rz 40, m.w.N.↩
vgl. EuGH, Urteil in ZfZ 2010, 190, Rz 41 unter Hin­weis auf die Erläu­te­run­gen zum Har­mo­ni­sier­ten Sys­tem –ErlHS– zu Pos. 8473 Rz 3.0↩
ABlEU Nr. L 284⁄1↩
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