Source: http://www.uni-protokolle.de/foren/viewt/92345,0.html
Timestamp: 2019-10-17 01:08:03
Document Index: 305975330

Matched Legal Cases: ['§211', '§211', '§ 211', '§ 211', '§211', '§ 211', '§ 211', '§ 211', '§ 211', '§ 3', '§ 211', '§ 223', '§ 212', '§ 211', '§ 211', '§ 211', 'Art. 1', 'Art.2', '§216', '§ 211', 'BGH', '§ 216']

Verfasst am: 29 Okt 2006 - 15:46:11 Titel: Selbstmord §211 StGB
kann man Selbstmord unter §211 StGB subsumieren bzw. mit welcher Begründung geht das nicht.
Sollte man da auf den Sinn des StR eingehen und zeigen dass dieser in diesem Fall nicht einschlägig ist und daher keine Strafe von nöten ist.
Verfasst am: 29 Okt 2006 - 16:33:42 Titel:
Ein Argument warum man Selbstmord nicht unter § 211 StGB subsumieren kann ist zum beispiel der Wortlaut!
Im Gesetz steht wer einen ANDEREN Menschen tötet!! außerdem kann man es aus präventieven Gründen so erklären, dass jemand der einen anderen Tötet, dies gegen den willen des anderen tut. darum das hohe strafmaß, es ist hoch verwerflich.
einer der sich selbst tötet tut es freiwillig!
das sind nur einige asoziationen die ich hatte, hab nicht tiefgehender darüber nachgedacht!!
Verfasst am: 29 Okt 2006 - 16:48:15 Titel:
Tja, diese Assosziation kam mir auch zuerst, doch ein Blick ins Gesetz belehrte mich eines Besseren. Dort steht nur, wer einen Menschen tötet. Ein ANDERER ist nicht verlangt.
Tote können zudem nicht mehr bestraft werden, weshalb sich eine Subsumtion unter den § 211 zumindest in Form des vollendeten Delikts erübrigt.
Verfasst am: 29 Okt 2006 - 19:01:30 Titel:
Da selbstmord nicht mit Strafe bedroht ist wird es schwer sein auch nur einen Paragrahpen darunter zu subsumieren.
Verfasst am: 29 Okt 2006 - 19:57:23 Titel:
Eigentlich ist die Schlussfolgerung umgekehrt: Weil sich der Suizid unter keinen Tatbestand subsumieren lässt, ist er nicht mit Strafe bedroht.
Verfasst am: 29 Okt 2006 - 20:39:16 Titel:
Glaube mich zu erinnern, daß es Argumente dafür, daß nur die Tötung eines anderen Menschen tatbestandsmäßig ist, gab. Direkt fallen sie mir nich wieder ein, deshalb verweiß ich einfach mal auf die Überlegungen anderer.
Tröndle/Fischer Kommentar StGB, 49. Auflage, Vor §211 Rn. 2 Seite 1120
"Geschütztes Rechtsgut ist das Leben. Gegenstand der Taten nach den §§ 211ff., 222 ist nach dem objektivierten Willen des Gesetzgebers, wie er in den §§ 211ff., 218ff. mit bindender Wirkung zum Ausdruck kommt (BVerfG NJW 88, 2945), ein anderer geborener Mensch, aber auch ein Kind in der Geburt [...] "
Verfasst am: 29 Okt 2006 - 22:22:44 Titel:
Sag ich ya, es ist nicht vom Gesetzgeber gewollt den Suicid einen eigenen tatbestand im StGB zu geben, da er den Selbstmord nicht als strafbar ansieht. Da dies fehlt ist eine subsumtion ausgeschlossen
Verfasst am: 30 Okt 2006 - 07:13:01 Titel:
Und woraus zieht ihr diesen Schluss? Man kann ja nicht einfach schreiben: "Der Gesetzgeber wollte das nicht." Das ist kein Argument. Die Frage lautet ja, ob der Suizid nicht unter 211 fallen kann, und das ist eben durch Auslegung zu ermitteln. Der Gesetzgeber hat der actio libera in causa auch keinen eigenen Tatbestand "gegeben" und sie gilt trotzdem.
Das Argument, dass ein Toter eh nicht mehr bestraft werden kann, zieht auch nicht, da sonst jemand, der wirklich eine Straftat begeht und sich danach umbringt, auch keinen TB erfüllen würde und das ist ja nicht so. (Als er den TB erfüllt hat, hat er ja schließlich noch gelebt.)
Mir wäre auch erst der Wortlaut eingefallen, aber es steht ja eben nicht da "einen anderen Menschen".
Als zweites ist mir dann eingefallen, ob Suizid überhaupt in jedem Fall Mordmerkmale enthält?!
Vielleicht würde ich auf den Sinn der Bestrafung von Tötungsdelikten eingehen. Das wird wohl sein, dass das hohe Rechtsgut Leben von anderen Menschen geschützt wird. Beim eigenen Leben kann man hingegen wohl sagen, dass man niemanden zwingen kann zu leben --> Selbstbestimmungsrecht oder so.
Verfasst am: 30 Okt 2006 - 11:05:09 Titel:
Die Frage ist interressant. Ich war auch überrascht zu lesen, dass § 211 nicht von einem Anderen spricht, hatte das ebenfalls so in Erinnerung.
Zunächst einmal muss ich Lord Pride rechtgeben. Wer als Begründung dafür, dass sich etwas nicht unter eine Norm subsumieren lässt, anführt, der Gesetzgeber habe dies nicht gewollt, hat scheinbar nicht ganz verstanden, was Subsumieren ist.
Das wird spätestens dann klar, wenn sich der Suizid wirklich unter einen TB subsumieren lässt, dann ist der Wille des Gesetzgebers hinsichtlich des klaren Wortlauts unbeachtlich, außer im Rahmen einer möglichen teleologischen Reduktion.
Bei Arzt/Weber heißt es, Selbstmord fiele nicht unter § 211, "weil kein 'anderer' getötet wird" (§ 3 Rn. 1). An einer weiteren Begründung fehlt es. Erklären kann ich mir dies also nur dadurch, dass man "einen Menschen" (Wortlaut § 211) bereits als "einen andern Menschen" ließt. Man könnte ebenfalls darauf abstellen, dass das StGB Selbstschädigungsdelikte generell nicht unter Strafe stellt, solange dadurch kein Anderer gefährdet wird. Wobei sich dann freilich die Frage aufdrängt, warum § 223 expressis verbis von "eine[m] anderen" spricht, dies bei § 212 hingegen nicht vorgesehen wurde.
Insoweit ist es also schon merkwürdig, dass die einschlägige Literatur die Straflosigkeit des Suizids als derart selbstverständlich feststellt, denn zumindest wenn man den Wortlaut des § 211 so eng liest, befindet man sich schon nahe an einer teleologischen Reduktion.
Verfasst am: 30 Okt 2006 - 11:09:39 Titel:
Wenn jemand im Sachverhalt nach Beendigung einer Straftat stirbt, wird er trotzdem nicht geprüft, weil es offensichtlich sinnlos ist.
Im Rechtsalltag wäre dies Steuergeldverschwendung. Im universitären Gutachten ist es aber auch fehl am Platz, weil es dem Sinn und Zweck des gesamten Strafrechts zuwiderlaufen würde.
Ich könnte mir nur vorstellen, dass eine inzidente Prüfung für die Begründung einer Strafe eines anderen in Frage kommt.
Also nie Tote prüfen, das gibt nur Ärger.
in Bezug auf die Diskussion bzgl Selbstmord als Mord iSd § 211 spielt dies auch keine Rolle, da ja der Versuch des Selbstmordes bei Strafbarkeit nach § 211 auch unter Strafe stände und hier der "Täter" ja noch lebt.
Ansonsten glaube ich mich zu erinnern, dass sich die Straflosigkeit des Selbstmordes aus Art. 1 und Art.2 GG ergibt und dies auch mit dem Zweck des Strafrechts vereinbar ist, weil von einem Selbstmörder keine direkte Gefahr ausgeht.
Ein weiteres Argument könnte sein, dass die Tötung auf Verlangen (§216) spezieller ist als § 211 in Bezug auf Selbstmorde. Theoretisch wäre der Getötete hier immer zwingend Mittäter, weil er die Tat als eigene will (Eingeschränkt subjektive Theorie des BGH). § 216 spricht aber ausdrücklich nur von der Bestrafung des zur Tötung bestimmten und nicht des Getöteten.