Source: https://bundeskriminalamt.at/203/start.aspx
Timestamp: 2020-02-28 03:39:48
Document Index: 321464990

Matched Legal Cases: ['§ 65', '§ 65', '§ 65', '§ 380', '§ 393', '§ 67']

Opfer und Opferrechte im Detail
Im Allgemeinen bezeichnet man in der Kriminologie als Opfer die geschädigte Person eines Verbrechens, also jemanden, die oder der durch einen Täter in ihren/seinen Rechten verletzt wurde. Die Verletzung des Rechts kann sein:
Körperlicher Natur (zum Beispiel Mord, Körperverletzung, Gewalt, gefährliche Drohung, Beeinträchtigung der sexuellen Integrität und/oder Selbstbestimmung)
Ideeller Natur (zum Beispiel Beleidigung, Urheberrechtsverletzung)
Materieller Natur (zum Beispiel Diebstahl, Sachbeschädigung)
Ein Opfer, das Anzeige gegen den und die Täter erstattet, hat das Recht, eine schriftliche Bestätigung der Anzeige zu erhalten.
Die Hilfeleistungen erstrecken sich von juristischer und psychosozialer Beratung, Hilfestellung im Strafverfahren, der Prozessbegleitung https://www.help.gv.at/Portal.Node/hlpd/public/content/291/Seite.2910004.html , bis hin zu Schutz und Unterkunft in Notsituationen. Solche Leistungen werden von Institutionen, die im Bereich Opferhilfe tätig sind, angeboten:
(https://www.help.gv.at/Portal.Node/hlpd/public/content/98/Seite.980300.html )
(http://www.gewaltschutzzentrum.at/ )
Frauennotrufe beziehungsweise Frauenberatungsstellen
Erste Anlaufstelle für alle Fragen im Zusammenhang mit Gewalt gegen Frauen (Gewalt in der Familie beziehungsweise Ehe/Partnerschaft, Vergewaltigung, sexueller Missbrauch, sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz)
(https://www.help.gv.at/Portal.Node/hlpd/public/content/29/Seite.290501.html )
(http://www.maedchenberatung.at/index.html )
(https://www.help.gv.at/Portal.Node/hlpd/public/content/29/Seite.290502.html )
(http://www.maenner.at/ )
Meist unabhängige Vereine mit verschiedenen Themenschwerpunkten (zum Beispiel für misshandelte Kinder, Verbrechensopfer)
(https://www.help.gv.at/Portal.Node/hlpd/public/content/291/Seite.2910001.html )
Mehr Informationen zu den Unterstützungsmöglichkeiten für Verbrechensopfer finden Sie auf http://www.help.gv.at/
(https://www.help.gv.at/Portal.Node/hlpd/public/content/291/Seite.2910000.html )
In der Strafprozessordnung (StPO) werden im § 65 Z1 drei Kategorien von Opfer definiert:
Besonders betroffene Opfer (§ 65 Z1 lit a StPO): jede Person, die durch eine vorsätzlich begangene Straftat Gewalt oder gefährlicher Drohung ausgesetzt, in ihrer sexuellen Integrität beeinträchtigt oder deren persönliche Abhängigkeit durch eine solche Straftat ausgenützt worden sein könnte; Voraussetzung ist hier eine mit Vorsatz begangene Tat, nicht aber der Eintritt eines bestimmten Schadens. Neben Delikten gegen Leib und Leben können auch bestimmte Eigentumsdelikte (wie zum Beispiel Raub) oder Menschenhandel unter Ausnützung einer Autoritätsstellung oder einer Zwangslage umfasst sein.
Opfer nach § 65 Z 1 lit. a und b StPO haben unter bestimmten Voraussetzungen Anspruch auf psychosoziale und juristische Prozessbegleitung. Neben der Erlangung der Stellung eines Opfers hat jede betroffene Person erweiterte verfahrensrechtliche Möglichkeiten:
Kostenersatz: Die Kosten des Strafverfahrens sind allgemein in den §§ 380 ff StPO geregelt. Die Prozessbegleitung ist für das Opfer kostenlos. Besteht kein Anspruch auf Prozessbegleitung, so kann dem Privatbeteiligten bei Erfüllung der gesetzlichen Voraussetzungen Verfahrenshilfe gewährt werden. Der Verurteilte, dem der Prozesskostenersatz aufgetragen wurde, hat auch die Kosten der Vertretung eines Privatbeteiligten zu ersetzen (§ 393 Abs. 4 StPO).
Recht auf Entschädigung: Das Recht auf Entschädigung ist im Wesentlichen durch die Möglichkeit der Privatbeteiligung nach § 67 StPO gewährleistet, wonach sich Opfer dem Strafverfahren mit ihren Schadenersatzansprüchen anschließen können.
Auf jeden Fall besonders schutzbedürftig sind Opfer von Sexualstraftaten, minderjährige Opfer (= Personen, die das 18. Lebensjahr noch nicht vollendet haben) und Opfer von Gewalt in Wohnungen.
Bei allen anderen Opfern wird die besondere Schutzbedürftigkeit im Einzelfall geprüft. Dabei sind folgende Faktoren zu berücksichtigen: Alter des Opfers, der seelische und gesundheitliche Zustand des Opfers und die Art und konkrete Umstände der Straftat.
Sie können verlangen, im Ermittlungsverfahren und in der Hauptverhandlung schonend vernommen zu werden (das heißt in einem abgesonderten Raum, Übertragung der Vernehmung per Video in den Verhandlungssaal).
Verbrechensopfer, die durch die Tat emotional besonders betroffen sind, haben Anspruch auf psychosoziale und juristische Prozessbegleitung, wenn die professionelle Unterstützung durch Prozessbegleiterinnen/Prozessbegleiter zur Wahrung ihrer Rechte erforderlich ist.
Personen, die Opfer von Gewalt bzw. von gefährlicher Drohung oder in ihrer sexuellen Integrität und Selbstbestimmung (zum Beispiel weil sie vergewaltigt wurden) verletzt wurden oder deren persönliche Abhängigkeit durch eine solche Straftat ausgenützt worden sein könnte (zum Beispiel Vernachlässigung von Unmündigen);
Voraussetzung ist, dass es sich um eine vorsätzlich begangene Tat handelt – es ist jedoch nicht notwendig, dass ein bestimmter Schaden (etwa eine Körperverletzung) eingetreten ist.
Nahe Angehörige (Eltern, Kinder, Ehegattinnen/Ehegatten, eingetragene Partnerinnen/Partner, Lebensgefährtinnen/Lebensgefährten, Geschwister und sonstige Unterhaltsberechtigte) einer Person, die durch eine Straftat getötet wurde
Sonstige Angehörige (Nichten/Neffen, Cousinen/Cousins), die Zeugin/Zeuge der Tat waren
Opfer müssen spätestens vor ihrer ersten Befragung über das Angebot der Prozessbegleitung informiert werden. Sie bekommen dazu in der Regel eine Informationsbroschüre ausgehändigt. Der Informationsfolder Prozessbegleitung des Bundesministerium für Justiz steht in deutscher Sprache und weiteren Sprachen kostenlos zum Download:
Informationsfolder „Prozessbegleitung“ in deutscher und weiterer Sprachen
Psychosoziale und juristische Prozessbegleitung für Kinder und Jugendliche