Source: http://www.deutschestextarchiv.de/book/view/estor_rechtsgelehrsamkeit01_1757?p=1098
Timestamp: 2019-03-19 08:14:56
Document Index: 18406697

Matched Legal Cases: ['§ 2721', '§ 2722', '§ 2723', '§ 2721', '§ 2722', '§ 2723']

der stolle
Der stolle ist ein gang, der unten am gebürge
in einem tale gerade durch in jenes getriben wird,
um wetter einzubringen, das wasser zu benemen,
auch die vorligenden gänge überfaren zu können.
Er ist anderthalb lachter hoch, und vier werkschuhe
breit. Man teilet solchen in den erb-haubt-raub-
special- fug- tag-stollen.
was schür-
fen heisset?
Schürfen, oder schurfwerfen heisset: Wenn
man am tage einschläget, und nach gängen und
klüften zu suchen anfänget. Dises ist auf feldern,
wisen, gärten, gehölzen und anderen orten zu tun
verstattet. Hingegen mag der schürfer sich an
besamete äcker, unter den tisch und unter das bett,
auch die feuer-statt des besizers nicht wagen.
Beim einschlagen unter den gebäuden und höfen
muß der schürfer vorstand leisten. Er ist auch,
wo er nichts findet, die schürfe wieder einzufüllen,
und eben zu machen gehalten.
Wer kein bergwerk gesehen hat; der muß sich
vorstellen, ob er auf leitern, die in gerader lini
stehen, und etliche und mehr hundert lachtern sich
erstrecken, one schwindel hinunter zu klettern sich
getraue? Die lachter beträgt 80 zolle; getrauet
er sich aber nicht, so überlasse er sich der kunst des
steigers, und diser lässet ihn bergmännisch anklei-
den; anerwogen wegen der feucht- und fettigkeiten
man seine kleidung sonst verdirbet. Man fänget
daher im stellen an. Der steiger mit dem lichte
füret einen an. Hir traufet es bald stark, bald
kömmt ein fleck, wo ein guß gleich einem wetter-
regen sich zeiget. Da sihet man einen behälter
mit einem geländer, wo das tropfende wasser sich
sammlet, und man erreget sich der errinnerung
der ſtolle
Der ſtolle iſt ein gang, der unten am gebuͤrge
um wetter einzubringen, das waſſer zu benemen,
auch die vorligenden gaͤnge uͤberfaren zu koͤnnen.
Er iſt anderthalb lachter hoch, und vier werkſchuhe
breit. Man teilet ſolchen in den erb-haubt-raub-
ſpecial- fug- tag-ſtollen.
was ſchuͤr-
fen heiſſet?
Schuͤrfen, oder ſchurfwerfen heiſſet: Wenn
man am tage einſchlaͤget, und nach gaͤngen und
kluͤften zu ſuchen anfaͤnget. Diſes iſt auf feldern,
wiſen, gaͤrten, gehoͤlzen und anderen orten zu tun
verſtattet. Hingegen mag der ſchuͤrfer ſich an
beſamete aͤcker, unter den tiſch und unter das bett,
auch die feuer-ſtatt des beſizers nicht wagen.
Beim einſchlagen unter den gebaͤuden und hoͤfen
muß der ſchuͤrfer vorſtand leiſten. Er iſt auch,
wo er nichts findet, die ſchuͤrfe wieder einzufuͤllen,
Wer kein bergwerk geſehen hat; der muß ſich
vorſtellen, ob er auf leitern, die in gerader lini
ſtehen, und etliche und mehr hundert lachtern ſich
erſtrecken, one ſchwindel hinunter zu klettern ſich
getraue? Die lachter betraͤgt 80 zolle; getrauet
er ſich aber nicht, ſo uͤberlaſſe er ſich der kunſt des
ſteigers, und diſer laͤſſet ihn bergmaͤnniſch anklei-
man ſeine kleidung ſonſt verdirbet. Man faͤnget
daher im ſtellen an. Der ſteiger mit dem lichte
fuͤret einen an. Hir traufet es bald ſtark, bald
koͤmmt ein fleck, wo ein guß gleich einem wetter-
regen ſich zeiget. Da ſihet man einen behaͤlter
mit einem gelaͤnder, wo das tropfende waſſer ſich
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[1086/1098] LXIII haubtſtuͤck § 2721 Der ſtolle iſt ein gang, der unten am gebuͤrge in einem tale gerade durch in jenes getriben wird, um wetter einzubringen, das waſſer zu benemen, auch die vorligenden gaͤnge uͤberfaren zu koͤnnen. Er iſt anderthalb lachter hoch, und vier werkſchuhe breit. Man teilet ſolchen in den erb-haubt-raub- ſpecial- fug- tag-ſtollen. § 2722 Schuͤrfen, oder ſchurfwerfen heiſſet: Wenn man am tage einſchlaͤget, und nach gaͤngen und kluͤften zu ſuchen anfaͤnget. Diſes iſt auf feldern, wiſen, gaͤrten, gehoͤlzen und anderen orten zu tun verſtattet. Hingegen mag der ſchuͤrfer ſich an beſamete aͤcker, unter den tiſch und unter das bett, auch die feuer-ſtatt des beſizers nicht wagen. Beim einſchlagen unter den gebaͤuden und hoͤfen muß der ſchuͤrfer vorſtand leiſten. Er iſt auch, wo er nichts findet, die ſchuͤrfe wieder einzufuͤllen, und eben zu machen gehalten. § 2723 Wer kein bergwerk geſehen hat; der muß ſich vorſtellen, ob er auf leitern, die in gerader lini ſtehen, und etliche und mehr hundert lachtern ſich erſtrecken, one ſchwindel hinunter zu klettern ſich getraue? Die lachter betraͤgt 80 zolle; getrauet er ſich aber nicht, ſo uͤberlaſſe er ſich der kunſt des ſteigers, und diſer laͤſſet ihn bergmaͤnniſch anklei- den; anerwogen wegen der feucht- und fettigkeiten man ſeine kleidung ſonſt verdirbet. Man faͤnget daher im ſtellen an. Der ſteiger mit dem lichte fuͤret einen an. Hir traufet es bald ſtark, bald koͤmmt ein fleck, wo ein guß gleich einem wetter- regen ſich zeiget. Da ſihet man einen behaͤlter mit einem gelaͤnder, wo das tropfende waſſer ſich ſammlet, und man erreget ſich der errinnerung eines
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Zitationshilfe: Estor, Johann Georg: Bürgerliche rechtsgelehrsamkeit der Teutschen. Bd. 1. Marburg, 1757, S. 1086. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/estor_rechtsgelehrsamkeit01_1757/1098>, abgerufen am 19.03.2019.