Source: https://www.rechtslupe.de/zivilrecht/schreibfehler-im-mahnbescheidsantrag-321272?pk_campaign=feed&pk_kwd=schreibfehler-im-mahnbescheidsantrag
Timestamp: 2020-06-05 09:45:15
Document Index: 244623994

Matched Legal Cases: ['§ 204', '§ 690', 'BGH', 'BGH', '§ 209', 'BGH', 'BGH', '§ 209', 'BGH', 'BGH']

Schreibfehler im Mahnbescheidsantrag | Rechtslupe
Die im Antrag auf Erlass eines Mahn­be­scheids ent­hal­te­ne Falsch­an­ga­be des Datums eines vor­pro­zes­sua­len Anspruchs­schrei­bens, auf das der Antrag­stel­ler, ohne es dem Antrag bei­zu­fü­gen, zur Indi­vi­dua­li­sie­rung sei­nes Anspruchs Bezug nimmt, ist unschäd­lich, wenn für den Antrags­geg­ner ohne wei­te­res ersicht­lich ist, um wel­ches Schrei­ben es sich han­delt. Damit hemmt ein sol­cher Mahn­be­scheid auch wirk­sam die Ver­jäh­rung der gel­tend gemach­ten For­de­rung.
Die Zustel­lung eines Mahn­be­scheids hemmt die Ver­jäh­rung des gel­tend gemach­ten Anspruchs gemäß § 204 Abs. 1 Nr. 3 BGB nur, wenn die­ser Anspruch im Antrag auf Erlass des Mahn­be­scheids in einer den Anfor­de­run­gen des § 690 Abs. 1 Nr. 3 ZPO ent­spre­chen­den Wei­se hin­rei­chend indi­vi­dua­li­siert ist. Dazu ist erfor­der­lich, dass der Anspruch durch sei­ne Kenn­zeich­nung von ande­ren Ansprü­chen so unter­schie­den und abge­grenzt wird, dass er Grund­la­ge eines der mate­ri­el­len Rechts­kraft fähi­gen Voll­stre­ckungs­ti­tels sein kann und dem Schuld­ner die Beur­tei­lung ermög­licht, ob er sich gegen den Anspruch zur Wehr set­zen will. Wann die­se Anfor­de­run­gen erfüllt sind, kann nicht all­ge­mein und abs­trakt fest­ge­legt wer­den; viel­mehr hän­gen Art und Umfang der erfor­der­li­chen Anga­ben im Ein­zel­fall von dem zwi­schen den Par­tei­en bestehen­den Rechts­ver­hält­nis und der Art des Anspruchs ab [1]. Vor­aus­set­zung für die ver­jäh­rungs­hem­men­de Wir­kung ist aller­dings nicht, dass aus dem Mahn­be­scheid für einen außen­ste­hen­den Drit­ten ersicht­lich ist, wel­che kon­kre­ten Ansprü­che mit dem Mahn­be­scheid gel­tend gemacht wer­den; es reicht aus, dass dies für den Antrags­geg­ner erkenn­bar ist [2]. So kann im Mahn­be­scheid zur Bezeich­nung des gel­tend gemach­ten Anspruchs auf Rech­nun­gen oder ande­re Unter­la­gen Bezug genom­men wer­den; wenn ein sol­ches Schrift­stück dem Antrags­geg­ner bereits bekannt ist, braucht es dem Mahn­be­scheid nicht in Abschrift bei­gefügt zu wer­den [3].
In dem jetzt vom Bun­des­ge­richts­hof ent­schie­de­nen Fall nimmt der Mahn­be­scheid zur Indi­vi­dua­li­sie­rung des in ihm bezeich­ne­ten Anspruchs auf Scha­dens­er­satz in Höhe von 4.300 € auf ein dem Mahn­be­scheid nicht bei­gefüg­tes Schrei­ben vom "28.06.06" Bezug. Dabei han­delt es sich – für die Beklag­te erkenn­bar – um eine ver­se­hent­lich fal­sche Datums­an­ga­be; gemeint war ersicht­lich das der Beklag­ten zwei Wochen vor Zustel­lung des Mahn­be­scheids zuge­gan­ge­ne Schrei­ben vom 2. August 2006 ("2.8.06"), in dem die Zusam­men­set­zung und Berech­nung des Scha­dens­er­satz­an­spruchs über 4.300 € gegen­über der Beklag­ten – nach dem ableh­nen­den Schrei­ben der Haft­pflicht­ver­si­che­rung der Beklag­ten vom 27. Juli 2006 – dar­ge­legt und erläu­tert wor­den war. Dem­entspre­chend haben die Par­tei­en im Rechts­streit aus­schließ­lich zu dem Schrei­ben vom 2. August 2006 vor­ge­tra­gen, nicht dage­gen zu einem – nicht exis­ten­ten – Schrei­ben vom 28. Juni 2006. Ins­be­son­de­re hat die Beklag­te nur bean­stan­det, dass das Schrei­ben vom 2. August 2006 eine hin­rei­chen­de Indi­vi­dua­li­sie­rung des Anspruchs ver­mis­sen las­se; sie hat nicht gel­tend gemacht, dass nicht die­ses Schrei­ben, son­dern nach dem Mahn­be­scheid ein frü­he­res Schrei­ben vom 28. Juni 2006 für die Indi­vi­dua­li­sie­rung des Anspruchs maß­ge­bend sei.
Unter die­sen Umstän­den ist die fal­sche Datums­an­ga­be im Mahn­be­scheid unschäd­lich.
Bun­des­ge­richts­hof, Ver­säum­nis­ur­teil vom 14. Juli 2010 – VIII ZR 229/​09
st. Rspr.: BGH, Urtei­le vom 23.01.2008 – VIII ZR 46/​07, NJW 2008, 1220; vom 21.10.2008 – XI ZR 466/​07, NJW 2009, 56; vom 10.07.2008 – IX ZR 160/​07, NJW 2008, 3498; vgl. auch BGHZ 172, 42, Tz. 39 zur Unter­bre­chung der Ver­jäh­rung nach § 209 BGB a.F. m.w.N.[↩]
BGH, Urteil vom 23.01.2008, aaO; vgl. auch BGHZ 172, 42, Tz. 46, zu § 209 BGB a.F. m.w.N.[↩]
BGH, Urteil vom 23.01.2008, aaO; BGH, Urteil vom 10.07.2008, aaO[↩]