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Timestamp: 2019-09-22 04:50:58
Document Index: 240992119

Matched Legal Cases: ['§ 34', '§ 50', 'Art. 16', '§ 36', '§ 13', 'Art. 16', '§ 51', '§ 30', '§ 78', '§ 30', '§ 78', '§ 30', '§ 51', '§ 30', 'Art. 16', '§ 26', 'Art. 16', 'Art. 16', '§ 26', 'Art. 16', '§ 51', '§ 51', 'Art. 16', 'Art. 16', '§ 26', '§ 53', '§ 34', '§ 50', '§ 154']

VG Minden, 10 L 382/03.A: VG Minden (politische verfolgung, bundesrepublik deutschland, antragsteller, aufschiebende wirkung, verfolgung, deutschland, abschiebung, zweifel, verwaltungsgericht, antrag)
Urteil des VG Minden vom 07.04.2003, 10 L 382/03.A
Aktenzeichen: 10 L 382/03.A
VG Minden (politische verfolgung, bundesrepublik deutschland, antragsteller, aufschiebende wirkung, verfolgung, deutschland, abschiebung, zweifel, verwaltungsgericht, antrag)
Verwaltungsgericht Minden, 10 L 382/03.A
Tenor: Der Antrag, die aufschiebende Wirkung der Klage des Antragstellers im Verfahren 10 K 3662/03.A gegen die im Bescheid des Bundesamtes für die Anerkennung ausländischer Flüchtlinge vom 3. März 2003 enthaltene Abschiebungsandrohung anzuordnen, wird ablehnt.
21. Soweit der Antrag darauf abzielt, dass dem Antragsteller die Abschiebung für den Fall einer erneuten unerlaubten Wiedereinreise in die Bundesrepublik Deutschland angedroht worden ist, ist er unzulässig. Dem Antragsteller fehlt insoweit das Rechtsschutzbedürfnis. Es ist derzeit völlig ungewiss, ob er überhaupt die Bundesrepublik Deutschland verlässt, er ggf. erneut in die Bundesrepublik Deutschland einreist oder ggf. seine Einreise unerlaubt wäre.
3Dasselbe gilt bezüglich der in der Abschiebungsandrohung enthaltenen Wendung, wonach der Antragsteller "auch in einen anderen Staat abgeschoben werden" kann, "in den er einreisen darf oder der zu seiner Rücknahme verpflichtet ist." Denn hierbei handelt es sich bereits nach dem Gesetzeswortlaut [§ 34 Abs. 1 Asylverfahrensgesetz (AsylVfG) i.V.m. § 50 Abs. 2 Ausländergesetz (AuslG)] um einen bloßen Hinweis ohne Regelungsgehalt
4- vgl. dazu auch Bundesverwaltungsgericht (BVerwG), Urteil vom 25. Juli 2000 - Az.: 9 C 42/99 -, BVerwGE 111, 343 ff - .
52. Im Übrigen ist der Antrag unbegründet. Gemäß Art. 16a Abs. 4 Satz 1 Grundgesetz (GG) i.V.m. § 36 Abs. 4 Satz 1 AsylVfG ordnet das Gericht die Aussetzung der Abschiebung dann an, wenn ernstliche Zweifel an der Rechtmäßigkeit des zu überprüfenden Verwaltungsaktes bestehen. Ernstliche Zweifel liegen vor, wenn erhebliche Gründe dafür sprechen, dass die Entscheidung des Bundesamtes einer rechtlichen Prüfung wahrscheinlich nicht standhält
6- Bundesverfassungsgericht (BVerfG), Urteil vom 14. Mai 1996 - Az.: 2 BvR 1516/93 -, BVerfGE 94, 166 ff -.
7Dies ist hier nicht der Fall. Die Antragsgegnerin hat den Asylantrag (§ 13 Abs. 2 AsylVfG) des Antragstellers zurecht sowohl in Bezug auf Art. 16a GG als auch in Bezug auf § 51 Abs. 1 AuslG als offensichtlich unbegründet abgelehnt. Der im AsylVfG an mehreren Stellen (z.B. § 30 Abs. 1 und 2, § 78 Abs. 1) verwendete Rechtsbegriff "offensichtlich unbegründet" ist einheitlich auszulegen, insbesondere gelten die an das Offensichtlichkeitsurteil anzulegenden materiellen Kriterien gleichermaßen für Verwaltungs- und Gerichtsverfahren
- Marx, Kommentar zum AsylVfG, 4. Auflage, § 30, Rz. 13 sowie § 78, Rz. 11 m.w.N. -. 8
9Offensichtlich unbegründet sind Asylanträge, wenn im Zeitpunkt der gerichtlichen Entscheidung vernünftigerweise kein Zweifel an der Richtigkeit der tatsächlichen Feststellungen des Gerichts bestehen kann und bei einem solchen Sachverhalt nach allgemein anerkannter Rechtsauffassung (nach dem Stand der Rechtsprechung und der Lehre) sich die Abweisung des Antrags geradezu aufdrängt
10- BVerfG, Urteil vom 11. Dezember 1985 - Az.: 2 BvR 361/83 -, BVerfGE 71, 276 ff; Marx, a.a.O., § 30 Rz. 14 m.w.N. - .
11So verhält es sich im vorliegenden Fall, da dem Antragsteller der geltend gemachte Anspruch auf Asyl bzw. Abschiebungsschutz gemäß § 51 Abs. 1 AuslG unter keinem rechtlichen Gesichtspunkt zusteht. Ob darüber hinaus auch die Voraussetzungen der Nrn. 1 und 4 des § 30 Abs. 3 AsylVfG vorliegen, auf die sich die Antragsgegnerin ebenfalls bezogen hat, ist daher nicht entscheidungserheblich.
12a) Nach dem insoweit glaubhaften Vorbringen des Antragstellers hat dieser sich vor seiner Einreise in die Bundesrepublik Deutschland etwas über ein Jahr in Spanien, Frankreich und Belgien aufgehalten. Damit scheidet die Anerkennung als asylberechtigt bereits aufgrund seiner Einreise aus einem sicheren Drittstaat i.S.v. Art. 16a Abs. 2 Satz 1 GG i.V.m. § 26a Abs. 2 AsylVfG offensichtlich aus, da eine Berufung auf das durch Art. 16a Abs. 1 GG gewährte Grundrecht auf Asyl in diesem Fall ausgeschlossen ist (Art. 16a Abs. 2 Satz 1 GG i.V.m. § 26a Abs. 1 Satz 1 AsylVfG).
13b) Darüber hinaus lässt sich auch nicht feststellen, dass dem Antragsteller im Falle seiner Rückkehr nach Marokko mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit politische Verfolgung i.S.d. Art. 16a Abs. 1 GG bzw. § 51 Abs. 1 AuslG droht. Nach ständiger Rechtsprechung des BVerwG
14- z.B. Urteile vom 18. Februar 1992 - Az.: 9 C 59/91 -, NVwZ 1992, 892 f sowie vom 28. April 1998 - Az.: 9 C 54.97 (juris) -
15ist der in beiden Normen verwendete Begriff der politischen Verfolgung deckungsgleich. § 51 Abs. 1 AuslG unterscheidet sich lediglich dadurch von Art. 16a Abs. 1 GG, dass dessen Voraussetzungen auch dann erfüllt sind, wenn ein Asylanspruch aus Art. 16a GG trotz drohender politischer Verfolgung z.B. wegen der Regelungen in §§ 26 a Abs. 1 Satz 1 und 2, 27 Abs. 1 oder 28 Satz 1 Halbsatz 1 AsylVfG ausscheidet.
aa) Auch das Gericht hat erhebliche Zweifel an der Glaubwürdigkeit des Antragstellers 16
sowie der Glaubhaftigkeit seiner Angaben. Diesbezüglich sei beispielhaft auf zwei Punkte verwiesen: In seiner Anhörung vor dem Amtsgericht Düsseldorf hat er angegeben, in Deutschland keine Stelle gefunden zu haben, bei der er einen Asylantrag habe stellen können. Dies widerspricht selbst bei Berücksichtigung eingeschränkter Sprachkenntnisse sowie einer geringen Schulbildung jeglicher Lebenserfahrung. Er hätte sich lediglich an irgendeine deutsche Behörde wenden müssen; von dort aus wäre ihm weiter geholfen worden. Außerdem hat der Antragsteller sich weder anlässlich seiner polizeilichen Vernehmung noch bei seiner Anhörung vor dem Amtsgericht Düsseldorf in einer für ihn prekären Situation (drohende Freiheitsentziehung und drohende Abschiebung) auf politische Verfolgung berufen, sondern erst nach zwei Wochen in Abschiebehaft. Dies erweckt den Eindruck, dass er sich erstmals in der Abschiebehaft eine Geschichte ausgedacht hat, um die drohende Abschiebung zu vermeiden.
17Im Ergebnis kann es das Gericht jedoch offen lassen, ob es den Antragsteller für glaubwürdig und seine Angaben für glaubhaft hält. Denn selbst wenn man seine Angaben als wahr unterstellt, droht ihm bei seiner Rückkehr nach Marokko unter keinem rechtlichen Gesichtspunkt politische Verfolgung im vorstehend definierten Sinne. Diesbezüglich hat er in seiner Anhörung vor dem Bundesamt angegeben, er habe einen marokkanischen Zollbeamten geschlagen, als dieser versucht habe, ihm Waren abzunehmen, die er eingekauft habe, um sie auf Märkten zu verkaufen. Allein aus diesem Grund befürchte er, bei seiner Rückkehr nach Marokko Probleme zu bekommen.
18Die Tatsache, dass dem Antragsteller in seinem Heimatland Strafverfolgung und u.U. auch eine Freiheitsstrafe droht, begründet für sich allein gesehen keine politische Verfolgung
- vgl. BVerfG, Urteil vom 10. Juli 1989 - Az.: 2 BvR 1000/86 -, BVerfGE 80, 315 ff -. 19
20Maßnahmen der Strafverfolgung begründen nur dann politische Verfolgung, wenn objektive Umstände darauf schließen lassen, dass der Betroffene wegen eines asylerheblichen Merkmals (z.B. seiner politischen oder religiösen Überzeugung) einer Maßnahme ausgesetzt wird, die härter ist als die sonst zur Verfolgung derartiger Straftaten im Verfolgerstaat übliche
- BVerfG, Urteil vom 10. Juli 1989, a.a.O. -. 21
22Anhaltspunkte hierfür sind nicht ersichtlich und hat der Antragsteller auch nicht vorgetragen.
23c) Das Vorliegen von Abschiebungshindernissen i.S.d. § 53 Abs. 1, 2,4 oder 6 AuslG ist weder ersichtlich, noch hat der Antragsteller diesbezüglich Tatsachen vorgetragen.
24d) Die Abschiebungsandrohung ist auch sonst nicht zu beanstanden, insbesondere sind die formellen Anforderungen des § 34 AsylVfG i.V.m. § 50 AuslG gewahrt.
3. Die Kostenentscheidung beruht auf § 154 Abs.1 VwGO. 25
10 L 382/03.A
Politische verfolgung, Bundesrepublik deutschland, Antragsteller, Aufschiebende wirkung, Verfolgung, Deutschland, Abschiebung, Zweifel, Verwaltungsgericht, Antrag