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Timestamp: 2019-03-19 15:43:08
Document Index: 214488076

Matched Legal Cases: ['Art. 82', 'Art. 83', 'e contrario', 'Art. 86', 'Art. 89', 'Art. 90', 'Art. 100', 'Art. 146', 'Art. 73', 'Art. 124', 'BGE', 'Art. 135', '§ 20', 'Art. 123', 'Art. 124', 'Art. 132', 'Art. 124', 'Art. 65', 'Art. 66', 'Art. 68']

2C_36/2017 - 2017-01-30 - Öffentliche Finanzen und Abgaberecht - Staats- und Gemeindesteuer des Kantons Solothurn, Veranlagungsperiode 2014; direkte Bundessteuer, Veranlagungsperiode 2014
1.2. Die Sachurteilsvoraussetzungen der Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten liegen vor (Art. 82 lit. a , Art. 83 e contrario, Art. 86 Abs. 1 lit. d und Abs. 2, Art. 89 Abs. 1 , Art. 90 , Art. 100 Abs. 1 BGG in Verbindung mit Art. 146 Abs. 2 DBG [SR 642.11] bzw. Art. 73 Abs. 2 StHG [SR 642.14]). Auf die Beschwerde ist einzutreten.
2.2.3. In inhaltlicher Hinsicht verlangt das Bundesrecht, dass die steuerpflichtige Person innerhalb der gesetzlichen Einsprachefrist den Antrag stellt, die von Gesetzes wegen erforderliche Begründung abgibt und die Beweismittel nennt. Die Begründung ergibt sich in aller Regel aus der nachzureichenden Steuererklärung. Die Pflicht zur Einreichung der Steuererklärung besteht im Veranlagungsverfahren (Art. 124 Abs. 2 DBG), grundsätzlich aber auch im Verfahren der Einsprache gegen eine Veranlagung nach pflichtgemässem Ermessen (BGE 131 II 548 E. 2.3 S. 551; Urteile 2C_504/2010 vom 22. November 2011 E. 2.2, in: StR 67/2012 S. 143; 2C_203/2011 vom 22. Juni 2011 E. 3.1, in: StR 66/2011 S. 700). Denn verfahrensrechtlich soll nicht besser dastehen, wer den Mitwirkungspflichten im Veranlagungsverfahren nicht nachgekommen ist (in diesem Sinne auch Botschaft vom 25. Mai 1983 zu den Bundesgesetzen über die Harmonisierung der direkten Steuern der Kantone und Gemeinden sowie über die direkte Bundessteuer, BBl 1983 III 1 ff., insb. S. 210 zu Art. 135 E-DBG). Ein Vorbehalt ist indes am Platz, wo die Verhältnismässigkeit es gebietet, also insbesondere, wenn das Nachholen fehlender Elemente oder das Ausfüllen der Steuererklärung unzumutbar ist
(MARTIN ZWEIFEL/HUGO CASANOVA, Schweizerisches Steuerverfahrensrecht, 2008, § 20 N. 26).
2.3.1. Die Steuerpflichtige hat innerhalb der Einsprachefrist das sehr allgemein gehaltene Schreiben vom 27. Juni 2016, den Lohnausweis vom 31. März 2015 und das Arztzeugnis vom 16. Oktober 2014 zu den Akten gegeben. Auch in der Summe vermag dies die vollständig ausgefüllte Steuererklärung 2014 nicht zu ersetzen, worauf die Vorinstanz mit Recht hinweist. Im Verfahren der gemischten Veranlagung stellen die Veranlagungsbehörde und die steuerpflichtige Person die "für eine vollständige und richtige Besteuerung massgebenden tatsächlichen und rechtlichen Verhältnisse" zusammen fest (Art. 123 Abs. 1 DBG). Entsprechend ist die Steuererklärung - oder das sie ersetzende gleichwertige Schriftstück - wahrheitsgemäss und vollständig auszufüllen (Art. 124 Abs. 2 DBG). Begnügt die steuerpflichtige Person sich mit dem Einreichen eines Lohnausweises, ohne ihren Antrag weitergehend zu begründen, so hat sie dadurch bestenfalls einen Teil der ihr obliegenden Mitwirkungspflicht wahrgenommen. Dies gilt umso mehr im Einspracheverfahren nach Art. 132 Abs. 3 DBG. Denn es fehlt nach wie vor eine die Steuererklärung gleichwertig ersetzende Darstellung, die Auskunft über sämtliche Einkünfte (und Abzüge) geben und gleichzeitig als Erklärung für die
Richtigkeit und Vollständigkeit der gemachten Angaben herangezogen werden kann (Art. 124 Abs. 2 DBG; Urteil 2A.164/2004 vom 23. April 2004 E. 3).
Nach dem Unterliegerprinzip (Art. 65 i . V. m. Art. 66 Abs. 1 BGG) sind die Kosten des bundesgerichtlichen Verfahrens der Steuerpflichtigen aufzuerlegen. Dem Kanton Solothurn, der in seinem amtlichen Wirkungskreis obsiegt, steht keine Parteientschädigung zu (Art. 68 Abs. 3 BGG).
Entscheid : 2C_36/2017
Regeste : Staats- und Gemeindesteuer des Kantons Solothurn, Veranlagungsperiode 2014; direkte Bundessteuer, Veranlagungsperiode 2014
bundesgericht • vorinstanz • direkte bundessteuer • lohnausweis • beweismittel • ermessen • streitgegenstand • mitwirkungspflicht • zweifel • nichteintretensentscheid • veranlagungsverfahren • arztzeugnis • gleichwertigkeit • ersetzung • innerhalb • richtigkeit • rechtsmittel • bg über die harmonisierung der direkten steuern der kantone und gemeinden • arbeitsrecht • koch
131-II-548 • 141-I-161 • 141-V-234 • 141-V-439 • 142-I-155 • 142-I-99 • 142-II-293 • 142-V-2
2A.164/2004 • 2C_1068/2016 • 2C_1069/2016 • 2C_1141/2016 • 2C_203/2011 • 2C_36/2017 • 2C_37/2017 • 2C_372/2016 • 2C_374/2016 • 2C_504/2010 • 2C_509/2015 • 2C_510/2015 • 2C_579/2008 • 2C_997/2016
BGG: 32, 42, 65i, 66, 68, 71, 82, 83e, 86, 89, 90, 95, 97, 99, 100, 105, 106
DBG: 123, 124, 132, 133, 140, 146
StHG: 48, 73
ASA 84,666 • ASA 85,388 • ASA 85,78
2016 II 168
66/2011 • 67/2012 • 71/2016