Source: https://rak-sachsen-anhalt.de/berufseinsteiger/hinweise.html
Timestamp: 2020-02-25 05:07:59
Document Index: 293231269

Matched Legal Cases: ['§ 12', '§ 19', '§ 1', '§ 18', '§ 141', '§ 4', '§ 157', '§ 6']

Für eine Praxisgründung dürften auch die von der Deutschen Ausgleichsbank (Ludwig-Ehrhard-Platz 1, 53179 Bonn, (www.dta.de) angebotenen öffentlichen Finanzierungshilfen interessant sein.
Der "Ratgeber für junge Anwälte", der beim DAV in Berlin kostengünstig zu erwerben ist, bietet auf den Seiten 189 und 201 von den Kolleginnen Fischedick bzw. Ecker eine hervorragende Zusammenfassung dieses Themas, so dass es müßig wäre, an dieser Stelle alles darzustellen.
Eine weitere Frage Ihrerseits dürfte die Steuer, die der Anwalt zu entrichten hat, betreffen. Die Anwaltskanzlei unterliegt als Unternehmer "der Umsatzbesteuerung" (Betriebssteuer), während der Anwalt als Person der Einkommenbesteuerung unterliegt (Personensteuer). Gemäß § 12 Abs. 1 UStG beträgt die Umsatzsteuer für jeden steuerpflichtigen Umsatz 16 % der Bemessungsgrundlage.
§ 19 Abs. 1 UStG legt aber fest, dass Umsätze i.S.d. § 1 Abs. 1 Nr. 1-3 UStG nicht besteuert werden, wenn der Umsatz zuzüglich der darauf entfallenden Steuer im vorangegangenen Kalenderjahr 16.620 Euro nicht überstiegen hat und im laufenden Kalenderjahr 50.000 Euro voraussichtlich nicht übersteigen wird.
Der Anwaltsberuf fällt unter das Einkommensteuergesetz gem. § 18 Abs. 1 Nr. 1 EStG. Da Anwälte nicht aufgrund gesetzlicher Vorschriften zur Buchführung verpflichtet sind (§ 141 AO 1977), können Sie sich mit einer Aufzeichnung ihrer Einnahmen und Ausgaben begnügen und dann Ihren Gewinn durch Berechnung des Überschusses der Betriebseinnahmen über die Betriebsausgaben ermitteln (§ 4 Abs. 3 Satz 1 EStG). Zur Vertiefung dieser Ausführungen wird im Übrigen auf das Werk von Meyer, Die Besteuerung der Anwaltskanzlei, 2. Aufl., Köln, 1996, verwiesen.
Die Rubrik "Pflichten und Haftung des Anwalts" in den BRAK-Mitteilungen wird Sie über haftungsrechtliche Fragen auf dem Laufenden halten. Einen Überblick über die Berufshaftpflichtversicherungen gibt der Beitrag von Herrn RA Anton Braun (BRAK-Mitt. 1997, S. 5 ff.).
Eine systematische Darstellung findet sich in dem Handbuch der Anwaltshaftung von Zugehör, erschienen im Verlag für die Rechts- und Anwaltspraxis, Recklinghausen 1999. Es erläutert die hauptsächlichen Haftpflichtquellen.
Für eventuelle Fortbildungen kommen die Fachanwaltskurse in Betracht. Empfehlenswert sind die entsprechenden Lehrgänge des Deutschen Anwaltsinstituts (Universitätsstr. 140, 44799 Bochum), der Fortbildungseinrichtung der BRAK und der RAKn. Auch in Fachzeitschriften finden sich zum Teil Kursangebote.
Die Anwaltschaft hat in den letzten Jahren sogenannte Versorgungswerke eingerichtet, deren Aufgabe es ist, ihren Mitgliedern und deren Hinterbliebenen Versorgung nach Maßgabe von Gesetz und Satzung zu gewähren. In Betracht kommen vor allem Alters-, Berufsunfähigkeits-, Witwen- und Halbwaisenrenten sowie Sterbegelder. Die Versorgungswerke sind von den Ländern per Gesetz eingerichtet worden. Entsprechend ist ihre Organisation, die Anschriften erfragen Sie bitte bei den regionalen RAKn. Der Regelpflichtbeitrag pro Monat richtet sich nach dem Einkommen. Im Falle der Anstellung ist die Hälfte vom Arbeitgeber zu zahlen. Sind Sie selbständig, so müssen Sie auch diese Hälfte selbst entrichten. Die Höhe des Betrages im Einzelnen richtet sich nach der Beitragsgrenze der Angestelltenversicherung. Dies regeln die §§ 157 ff. SGB VI. Sie können sich grundsätzlich teilweise von den Beiträgen unter Einhaltung gewisser Bedingungen befreien lassen. Die Befreiung von der BfA geschieht nach § 6 Abs. 1 SGB VI.
Wenn Sie sich niederlassen wollen, dürfte für Sie auch das Thema der Werbung des Anwalts nicht zuletzt in der örtlichen Tageszeitung interessant sein. Die Art und Weise der Werbung im Einzelnen ist allerdings höchst umstritten und vom Einzelfall abhängig. Insoweit wird auf die Literatur in Fachzeitschriften verwiesen. Eine gute Übersicht finden Sie auch in dem Kommentar zur BRAO von Feuerich/Weyland, 7. Aufl., München 2008. In diesem Zusammenhang lohnt es auch, sich intensiver mit dem Berufsrecht des RA, insbesondere der BORA zu beschäftigen.
Das unmittelbare Problem, dem Sie vielleicht bald gegenüber stehen werden, ist die praktische Einrichtung Ihrer Kanzlei. In diesem Zusammenhang wird auf die Anbieter von anwaltspezifischer Büroeinrichtung und -material verwiesen. Die Adressen finden Sie in entsprechenden Werbeanzeigen in den Fachzeitschriften. Auch die Anbieter von spezieller Anwalt-Software schalten entsprechende Anzeigen. Sie sollten sich aber vor der Anschaffung eines solchen Programms genau erkundigen, ob das Programm auf Ihre speziellen Ansprüche zugeschnitten ist.
Es empfiehlt sich, trotz der damit verbundenen finanziellen Aufwendungen, eine Bibliothek anzuschaffen. Hier sollten Sie auch Wert auf Bücher legen, die Ihnen praktisch von Nutzen sein werden (Der anwaltliche Schriftsatz im Zivilprozess, JuS Schriftenreihe, Beck-Verlag sowie Formularbücher).
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