Source: http://www.presseschauder.de/warum-verlage-gegen-die-ard-klagen/
Timestamp: 2015-04-28 15:53:34
Document Index: 287559603

Matched Legal Cases: ['§ 11', '§ 16', '§ 11', '§11', '§ 2', '§11', '§ 2', '§11']

Gewundert habe ich mich, wie sehr manchen Politikern ein Verständnis dafür fehlt, dass die Auseinandersetzung zwischen den Öffentlich-Rechtlichen und den Verlagen gar nicht entstanden wäre, wenn die Politik ihre Verantwortung wahrgenommen und klare Verhältnisse geschaffen hätte. Symptomatisch war der gestrige Tweet von Hansjörg Schmidt (SPD, @hschmidt), Mitglied der Hamburgischen Bürgerschaft sowie medien- und netzpolitischer Sprecher seiner Fraktion. Schmidt schrieb bei Twitter:
„Die Klage einiger Verlage gegen die Tagesschau-App ist eine bedauernswerte Verzweiflungstat.“
Dieser Tweet fand große Resonanz und wurde oft retweeted. Inhaltlich aber ist er unhaltbar. Medienpolitik ist Sache der Bundesländer, nicht des Bundes. Der Rundfunkstaatsvertrag, der die öffentlichen Sender reguliert, wird von allen 16 Bundesländern gemeinschaftlich abgeschlossen. Die Landesregierungen handeln die Verträge aus, die Parlamente ratifizieren sie. Hansjörg Schmidt als medienpolitischer Sprecher seiner Fraktion gehört also zum engsten Kreis der Leute, die in Deutschland die Verantwortung für die Abgrenzung der Sphären öffentlicher und privater Medien tragen.
Was kann er meinen, wenn er von einer „bedauernswerten Verzweiflungstat“ der Verlage spricht?
Entweder behauptet Schmidt damit, dass den Verlagen keine unternehmerische Antwort auf das Internet einfällt und sie deswegen die unschuldige ARD mit einer unstatthaften Klage überziehen – dann hätte er als Mitverfasser des entsprechenden Gesetzes eine solche Klage von vorneherein ausschließen müssen, indem er gar keine Bestimmung in den Staatsvertrag aufnimmt, die eine Klage zulässt. Das Gegenteil aber ist der Fall. Im Rundfunkstaatsvertrag steht wörtlich:
„Nichtsendungsbezogene presseähnliche Angebote sind nicht zulässig.“
Oder Schmidt möchte sagen, dass Verlage auf Grundlage des Staatsvertrags zwar klagen können, es aber nicht tun sollten, weil sie die Expansion der ARD in Richtung Internet in jedem Umfang hinzunehmen hätten.
Ganz gleich, wie man Schmidts Tweet interpretiert, er zeigt sehr deutlich einen Typus von Medienpolitiker, der sich gar nicht bewusst ist, dass es eigentlich seine Aufgabe wäre, klare Verhältnisse zu schaffen, einen dauerhaften Frieden zwischen Privaten und Öffentlichen herbeizuführen sowie die Koexistenz beider Systeme zukunftssicher zu gestalten. Stattdessen tut Schmidt so, als sei er ein Außenstehender, der sich bedenkenlos auf die Seite einer Konfliktpartei schlagen kann. Ihn bekümmert nicht, dass er der Regierungspartei eines der wichtigsten Medienstandorte Deutschlands angehört, ebenso wenig wie ihn zu beschäftigen scheint, dass private Verlage wie Gruner+Jahr, Jahreszeiten, Bauer, Zeit und Spiegel zu den wichtigsten Unternehmen seiner an Hauptverwaltungen wahrlich nicht reichen Heimatstadt zählen. Unbekümmert schlägt sich dieser Mitautor der Rundfunkstaatsverträge ins Lager des NDR. Man müsste über Schmidts Tweet nicht soviel reden, wenn er nicht so bezeichnend für den Zustand der deutschen Medienpolitik wäre, weit über Hamburg hinaus. Mancherorts wie in Rheinland-Pfalz ist sie noch radikaler und einseitiger.
(Hansjörg Schmidt hat in seinem Blog auf meine Kritik inzwischen geantwortet.)
Hier nun also die Fragen und kritischen Anmerkungen, die in Tweets und Blogs zur Verlagsklage zu finden waren. Falls ich etwas übersehen haben sollte, freue ich mich über Hinweise und werde sie in die Sammlung mit aufnehmen.
Warum klagen die Verlage anstatt Apps herauszubringen, die am Markt erfolgreich sind?
Die Verlage bringen erfolgreiche Apps heraus. Bild, Welt, Faz, Süddeutsche, Spiegel, Stern, Handelsblatt – die Liste der Verlags-Bestseller im AppStore ist lang. Kaum eine andere Branche war so schnell, so früh und so erfolgreich im AppStore wie die Verlagsbranche. Wer es nicht glaubt, kann sich auf den Beststellerlisten im AppStore davon überzeugen. Wir klagen nicht, weil wir erfolglos wären, sondern weil die Tagesschau den Markt verzerrt und unfairen Wettbewerb praktiziert.
Sie behaupten, dass die Tagesschau-Apps und die Zeitungs-Apps einander sehr ähnlich sind. Dabei gibt es große Unterschiede.
Wie ähnlich die Tagesschau den Zeitungsangeboten kommt, zeigen diese Bilder. Hier zunächst die Tagesschau-App, wie sie auf dem iPhone erscheint:
Und nun die App der WELT auf dem iPhone:
Die Ähnlichkeit der beiden Apps ist frappierend. Warum? Weil die Tagesschau-App elektronische Presse ist und eben keine Fortsetzung der Fernsehsendung auf dem iPhone.
Worin besteht denn die angebliche Marktverzerrung?
Verlage müssen versuchen, Vertriebserlöse auch für ihre elektronischen Produkte aufzubauen, wenn sie den digitalen Wandel bestehen wollen. Anzeigenerlöse reichen nicht. Nicht im offenen Web, wo Anzeigen bei den meisten journalistischen Webseiten nicht im Ansatz genügen, um die Kosten zu decken. Und schon gar nicht bei Apps, für die es bisher kaum Anzeigen gibt.
Aber sind die elektronischen Märkte nicht Zukunftsmärkte, in die man investieren muss und von denen man nicht sofort Gewinn erwarten kann?
Ja, aber das World Wide Web wird bald 20 Jahre alt. Es werden dort Milliarden verdient. Am Internet als solchem kann es also nicht liegen, wenn mit Journalismus im offenen Netz kein Geld zu verdienen ist. Es liegt auch nicht an mangelndem Erfolg der Anbieter. Verlage erzielen mit ihren Webseiten gewaltige Reichweiten. Aber sie verdienen meist nichts an ihnen. Milliardengewinne im Netz, enorme Reichweiten der Verlage, trotzdem Verlust – da liegt der Verdacht nahe, dass die Wertschöpfung ungerecht verteilt wird. Axel Springer meldet zwar gute Gewinne mit Internet-Geschäften. Doch das sind zumeist nicht-journalistische Angebote wie Preisvergleichsmaschinen, Immobilienportale oder Stellenbörsen. Guter Journalismus im Netz kann aber nicht auf Dauer auf Quersubventionen aus anderen Geschäften angewiesen bleiben.
Solche Argumente gelten aber nicht für den AppStore. Da zahlt das Publikum ja. Über 70 Prozent der Apple-Apps sind kostenpflichtig. Warum kleben die Verlage nicht einfach ein Preisschild auf ihre Apps und lassen die ARD machen, was sie will?
Weil Konsumenten Preise vergleichen. Wenn die Tagesschau nichts kostet, geschieht nachweislich zweierlei. Erstens trauen sich viele private Anbieter nicht mehr zu, einen Preis zu verlangen, weil sie fürchten, sich damit aus dem Markt katapultieren. Zweitens müssen diejenigen, die den Versuch trotzdem wagen, den Preis nach unten korrigieren. Im Supermarkt kann man für den Joghurt auch keinen Euro nehmen, wenn daneben kostenlose Ware steht. Die mutigsten und besten Verlage bekommen vielleicht die Hälfte von dem heraus, was möglich wäre, wenn die Tagesschau nicht kostenlos angeboten würde. Mit ihrem Nullpreis-Signal drückt die Tagesschau das ganze Segment nach unten, senkt die Umsätze und erschwert die Finanzierung von Journalismus. Darin besteht die Marktverzerrung.
Aber ist es nicht das gute Recht der Tagesschau, jeden beliebigen Preis aufzurufen? Schließlich steht es jedem Eigentümer und Produzenten zu, seine Ware zu verschenken, wenn es ihm beliebt. Nein, NDR und ARD, Eigentümerinnen der Tagesschau, sind keine normalen Unternehmen. Sie sind öffentliche Anstalten. Was sie zu tun und zu lassen haben, bestimmt der Gesetzgeber. In den allermeisten Wirtschaftszweigen wird der Staat nicht tätig. Das unterscheidet die Marktwirtschaft von der Planwirtschaft. Es gibt keine öffentlichen Pharmafirmen, Klavierfabriken oder Autohersteller. Wo der Staat eigene Firmen besaß – Post, Telefon, Bahn, Luftfahrt –, hat er sie verkauft. Das ist allen gut bekommen: den Firmen, den Mitarbeitern, den Kunden, den Lieferanten, dem Staat. Nur in extremen Ausnahmefällen gibt es in Deutschland noch öffentliche Unternehmen, die in Wettbewerb zur Privatwirtschaft stehen. Solche Ausnahmen entstehen nicht durch Zufall. Der Gesetzgeber – und nur er – darf sie beschließen. Die Regeln für ihre Tätigkeit muss er durch ein Gesetz bestimmen. Nur so werden die Spielregeln der Demokratie eingehalten. Es darf nicht in Hinterzimmern ausgekungelt werden, wie ein öffentliches Unternehmen Geschäfte macht. Damit wären Missbrauch und Korruption Tür und Tor geöffnet. Es muss alles auf offener Bühne stattfinden. Die Parlamente sind die Bühne – durch sie muss alles hindurch, was ARD und ZDF betrifft. Alle 16 Landtage stellen im Zusammenspiel mit ihren Landesregierungen die Regeln auf, die dann zumeist einen breiten öffentlichen Konsens darstellen. Diese Regeln besagen zum Beispiel, dass ARD und ZDF keine gedruckten Zeitungen herausgeben dürfen. Auch schreibt der Rundfunkstaatsvertrag genau vor, wie die öffentlichen Medien finanziert werden müssen.
Doch im Rundfunkstaatsvertrag steht nicht, dass das Verschenken von Apps verboten ist.
Bis vor kurzem stand im Rundfunkstaatsvertrag aber auch nicht, dass ARD und ZDF überhaupt Internetangebote betreiben dürfen. Sie haben es trotzdem jahrelang ohne gesetzliche Grundlage getan. Man kann das Rechtsbruch nennen, höflicher ausgedrückt war es eine arg weite Auslegung der Vorschriften. Für jede neue Aufgabe, die Öffentlich-Rechtliche sich wünschen, brauchen sie einen gesetzlichen Auftrag. Sie dürfen nicht einfach loslegen. In einem Rechtsstaat sind dem Staat Grenzen gesetzt – und das ist gut so. Die Bundeswehr darf auch nicht einfach im Inland eingesetzt werden. Sie kann nicht sagen: „Das ist aber unfair, schließlich darf ein privater Sicherheitsdienst im In- und Ausland operieren. Wir möchten das jetzt auch tun.“ Weil ARD und ZDF das wissen, haben sie jahrzehntelang eine heimliche Expansionspolitik betrieben: erst einmal ohne gesetzliche Grundlage einfach anfangen, dann den gesetzlichen Auftrag durch hartes Lobbying nachholen. Wenn sich dann jemand dagegen wehrte, wurde immer behauptet, dem Publikum würde etwas weggenommen, was es braucht und liebt. Wer die Expansion von ARD und ZDF kritisiert, kommt nach Auslegung der Intendanten immer zur Unzeit. Entweder vor dem Gesetzgebungsverfahren – dann sagen sie: „Abwarten, nicht dem Gesetzgeber vorgreifen.“ Oder mitten im Gesetzgebungsverfahren – dann heißt es: „Das ist illegitimer Lobbyismus. Das sind doch die Schlachten der Vergangenheit. Dem Gebührenzahler soll etwas weggenommen werden.“ Oder nach dem Verfahren – dann lautet das Argument: „Zu spät! Der Gesetzgeber hat seinen Willen deutlich zum Ausdruck gebracht.“ Genau so ist es bei der Expansion ins Internet gelaufen.
Um die Frage präzise zu beantworten: Nein, im Rundfunkstaatsvertrag steht nicht, dass das Verschenken von Apps verboten ist. Es steht dort, dass presseähnliche Apps wie von der Tagesschau ganz generell verboten sind – egal zu welchem Preis. Die Vorschrift ist also viel härter als einfach nur ein Kostenlosverbot. Nachfolgend der gesamte Paragraph 11d, der die Telemedien behandelt. Telemedien sind im Jargon des Gesetzes alle Computer- und Videotextdienste:
Rundfunksstaatsvertrag in der Fassung des 13. Rundfunkänderungsstaatsvertrags
(2) Der Auftrag nach Absatz 1 umfasst das Angebot
4. zeitlich unbefristeten Archiven mit zeit- und kulturgeschichtlichen Inhalten nach Maßgabe der gemäß § 11f zu erstellenden Telemedienkonzepte. Im Übrigen bleiben Angebote nach Maßgabe der §§ 16a bis e unberührt.
(5) Werbung und Sponsoring sind in Telemedien nicht zulässig. Das Angebot auf Abruf von angekauften Spielfilmen und angekauften Folgen von Fernsehserien, die keine Auftragsproduktionen sind, ist nicht zulässig. Eine flächendeckende lokale Berichterstattung in Telemedien ist nicht zulässig. Die in der Anlage zu diesem Staatsvertrag aufgeführten Angebotsformen sind in Telemedien nicht zulässig
Entscheidend für den Streit um die Tagesschau-App ist der letzte Satz von Absatz 2 Ziffer 3: „Nichtsendungsbezogene presseähnliche Angebote sind nicht zulässig.“ Außerdem steht in Absatz 3 deutlich: „Bei sendungsbezogenen Telemedien muss der zeitliche und inhaltliche Bezug zu einer bestimmten Sendung im jeweiligen Telemedienangebot ausgewiesen werden.” Man mache die Probe aufs Exempel und schaue in der Tagesschau-App nach, ob sie gemäß Absatz 3 irgendeinen ihrer Berichte mit einem zeitlichen oder inhaltlichen Bezug zu einer bestimmten Sendung markiert. Nichts dergleichen tut sie. Sie gibt einfach eine elektronische Zeitung heraus und möchte, dass § 11d in Vergessenheit gerät. Wenn man die Tagesschau vor Gericht an das Gesetz erinnert, empört sie sich, als ob es den Staatsvertrag nicht gäbe. Doch es gibt ihn und er muss eingehalten werden.
Das ist doch Haarspalterei. Was soll „nichtsendungsbezogen“ und „presseähnlich“ denn heißen? Das ist doch eine praxisfremde Formulierung.
Nichtsendungsbezogen heißt, dass ARD und ZDF beliebig viele Internetangebote schaffen können, die Sendungen begleiten. Zum Beispiel für die Tagesschau um 20 Uhr oder die Tagesthemen. Daran können die Themen dieser konkreten Sendung mit Informationsmaterial vertieft werden. Doch genau das macht die Tagesschau-App nicht. Sie liefert den ganzen Tag lang, rund um die Uhr, sieben Tage pro Woche aktuelle Informationen zu allen aktuellen Themen, ganz gleich, ob sie in der Sendung vorkommen oder nicht. Wenn etwas passiert, kommt es sofort ins Angebot. Journalistisch mag man das normal finden. Aber für die ARD ist es nicht normal. Es ist ihr per Gesetz ausdrücklich verboten. Warum? Weil Welt, Faz, Süddeutsche und viele andere genau so das gleiche anbieten. Es gibt eine fast unübersehbare Vielfalt an exzellenten App-Angeboten der Presse. Aufgabe des Staates ist es genauso wenig, dieser Vielfalt ein weiteres Angebot hinzufügen, wie es seine Aufgabe wäre, ein neues Kopfschmerzmittel zu erforschen und gegen Aspirin in Stellung zu bringen. Wir leben in einer freien Marktwirtschaft, nicht in einer Staatswirtschaft. Der Gesetzgeber hat sich bemüht, diese Gedanken in juristische Formulierungen zu kleiden. Zugegeben, „nichtsendungsbezogen“ und „presseähnlich“ sind keine eingängigen Formulierungen, sie wirken vielleicht hölzern und abstrakt. Aber Gesetze sollen keine Sprachpreise gewinnen, sondern den Willen des Gesetzgebers zum Ausdruck bringen. Und dieser Wille lautet: ARD und ZDF sollen keine Presse veranstalten. Sie dürfen keine Zeitungen herausgeben und auch kein modernes elektronische Äquivalent der Zeitung. Der Rundfunkstaatsvertrag unterscheidet nicht zwischen kostenpflichtig und kostenlos. Er sagt schlicht: Keine Presse von ARD und ZDF. Egal zu welchem Preis, egal ob auf Papier oder im Internet. (Das Verbot der gedruckten Presse steht in einem anderen Paragraphen und ist im oben zitierten §11d nicht enthalten.)
Der Gesetzgeber hat den zentralen Begriff „nichtsendungsbezogen” gar nicht definiert. Also ist mangels Definition höchst unsicher, ob Sie den einen Anspruch aus der Vorschrift geltend machen können.
Richtig, der zusammengesetzte Begriff „nichtsendungsbezogen” ist im Rundfunkstaatsvertrag nicht definiert. Genau bestimmt ist jedoch das Gegenteil. In § 2 Absatz 2 Nr. 19 des Vertrags heißt es wörtlich:
Sendungsbezogene Telemedien
„Angebote, die der Aufbereitung von Inhalten aus einer konkreten Sendung einschließlich Hintergrundinformationen dienen, soweit auf für die jeweilige Sendung genutzte Materialen und Quellen zurück gegriffen wird und dieses Angebote thematisch und inhaltlich die Sendung unterstützend vertiefen und begleiten, ohne jedoch bereits ein eigenständiges neues oder verändertes Angebot nach §11 f Abs. 3 darzustellen.”
Eine sendungsbezogene Hintergrundinformation kann zum Beispiel eine interaktive Grafik sein, in der die Kernschmelze von Fukushima schematisch dargestellt wird. Oder ein Grundsatzprogramm zum Herunterladen, das auf einem Parteitag beschlossen wurde. Daraus ergibt sich, dass die Tagesschau-App heute ebenso wie Tagesschau.de alles andere als eine Plattform für sendungsbezogene Hintergrundinformationen im Sinne des Gesetzes ist. Diese Dienste bieten massenhaft Informationen, die in keinem Zusammenhang mit einer konkreten Sendung stehen.
Wenn das Gesetz von Presseähnlichkeit spricht, dann ist damit die Ähnlichkeit zu gedruckten Medien gemeint, nicht zu den Apps oder Webausgaben der Zeitungen. Die Tagesschau-App gleicht der gedruckten WELT in keiner Weise. Also ist sie erlaubt.
Nein, der Gesetzgeber hat im Rundfunkstaatsvertrag genau beschrieben, was presseähnliche Angebot sind. In § 2 Abs. 2 Nr. 20 steht wörtlich:
„Ein presseähnliches Angebot (sind) nicht nur elektronische Ausgaben von Printmedien, sondern alle journalistisch-redaktionell gestalteten Angebote, die nach Gestaltung und Inhalt Zeitungen und Zeitschriften entsprechen.”
Damit hat der Gesetzgeber zwei Dinge klargestellt. Erstens: Elektronische Ausgaben von Printmedien sind presseähnlich. Zweitens: Man muss kein Printmedium verlegen, um mit seinen elektronischen Angeboten presseähnlich zu sein. Daraus ergibt sich, dass Tagesschau-App und Tagesschau.de presseähnlich sind. Der Gesetzgeber wollte den öffentlich-rechtlichen Sendern genau diese Angebote untersagen.
Die Apps der Verlage sind nicht so gut wie die Tagesschau-App. Es gibt vernichtende Kritiken im AppStore. Außerdem bietet nur die Tagesschau wirklich aktuelle Berichterstattung, weil sie öfter aktualisiert wird.
Die Kritiken der Leser sind so unterschiedlich wie in jedem anderen Themenfeld des AppStores auch. Die Tagesschau schneidet nicht grundsätzlich besser ab als Angebote von Zeitungen und Zeitungen. Auch bei den Aktualisierungen gibt es keinen elementaren Unterschied. Manche Redaktionen aktualisieren im Laufe eines Tages häufiger – dazu gehört auch die Tagesschau. Andere lassen sie das Angebot innerhalb eines Erscheinungstages länger unverändert, um dem Bedürfnis des Publikums nach Themenkonstanz entgegen zu kommen. Das ändert nichts daran, dass die Tagesschau-App den Zeitungen sehr ähnlich ist. Sie bietet die typische Mischung aus vielen Texten, einigen Fotos und wenigen Videos. Dieser Presseähnlichkeit ist gesetzlich verboten (siehe unten). Würde die Tagesschau lediglich ihre Sendungen und Video-Beiträge über die App ausspielen, gabe es nichts einzuwenden.
Ohne öffentliche Angebote könnte sich das Publikum nicht ausreichend informieren. Apps von ARD und ZDF sind daher unverzichtbar.
Zeitungen und Zeitungen bieten hohe Qualität und Vielfalt – auf Papier wie im Netz. ARD und ZDF bestreiten das nicht. Die Intendanten werfen zwar RTL, Sat1 und den anderen Privatsendern häufig Qualitätsversagen vor, nicht aber den Verlagen. Dafür haben sie gute Gründe, wie jeder sehen kann, der Welt, SZ, FAZ, Spiegel, Zeit, Stern, Stuttgarter Zeitung, Hamburger Abendblatt oder Westdeutsche Allgemeine liest. Weil die Sender mit Marktversagen nicht argumentieren können, reklamieren sie das Recht, sich wie Wirtschaftsunternehmen unbegrenzt ausdehnen zu dürfen. Damit entziehen sie der Presse aber eine wichtige Qualitätsgrundlage. Die heute so reiche Presselandschaft ist über viele Jahrzehnte gewachsen. Sie brauchte Zeit, sich zu entwickeln. Wenn die Öffentlichen zu früh und zu aggressiv mit kostenlosen Angeboten in die jungen App-Märkte vordringen, verhindern sie die Entwicklung von Vielfalt. Die Verlage sprechen den Öffentlich-Rechtlichen nicht das Recht ab, sich ins Internet auszudehnen. Im Gegenteil: Sie Verlage begrüßen das ausdrücklich. Aber sie bitten um Augenmaß und etwas Zurückhaltung. Damit wäre eine friedliche Koexistenz möglich.
Es ist doch nur natürlich, dass Leute eine App lieber kostenlos haben möchten als für Geld. Warum wollen Sie ihnen das Vergnügen nehmen?
Qualität hat ihren Preis. Leser bezahlen gern für gute Qualität. Auch bei bei ARD und ZDF müssen sie in Form von Gebühren bezahlen. Aber sie werden nicht gefragt und können sich der Gebühr nicht entziehen. Wir würden es für eine gute Lösung halten, wenn die Tagesschau im AppStore Geld kosten würde und dafür der entsprechende Anteil der Rundfunkgebühr erlassen würde. Das könnte so lange so bleiben, bis eine Mehrheit der Deutschen Smartphones und Tablets besitzt. Dann kann man immer noch auf Gebühren umstellen. Bis dahin aber könnte sich ein lebendiger Markt entwickeln.
In Ihrer Pressemitteilung steht, dass Sie sich „gegen die textdominante Berichterstattung in der Tagesschau-App“ wenden. Sie können einem Medium doch nicht ernstlich den Umgang mit der Kulturtechnik Schreiben verbieten.
Wir wollen der ARD keine Texte verbieten. Wir bestehen aber auf Einhaltung des Gesetzes, wonach textdominante Berichterstattung verboten ist. Natürlich darf die Tagesschau auch Texte verwenden. Aber sie müssen im Kontext einer Sendung stehen und dürfen nicht den wichtigsten Bestandteil der App bilden. Genau das ist bei der Tagesschau-App aber der Fall. NDR-Intendant Lutz Marmor hat zur Klage gesagt:
„Ich bedaure diesen Schritt der Verleger, denn mit der Tagesschau-App bewegen wir uns in unserer Kernkompetenz der Information.“
Diese Aussage zeigt nur, dass der NDR – und mit ihm die ARD – ein blindes Auge für die Gesetzeslage hat. Der gesetzliche Auftrag umfasst Fernsehen, Hörfunk und Telemedien mit audiovisuellem Schwerpunkt. Einen allgemeinen und unbeschränkten Informationsauftrag gibt es nicht. Deswegen ist der Hinweis auf die „Kernkompetenz der Information“ unangebracht. Niemand spricht der Tagesschau ihre Informationskompetenz ab. Wir weisen aber darauf hin, dass sie diese Kompetenz nicht unbeschränkt ausspielen darf. Das staatliche Robert-Koch-Institut ist kompetent in der Krankheitsüberwachung und der biomedizinischen Forschung. Trotzdem darf es nicht in die gewerbliche Produktion von Impfstoffen für den Medikamentenmarkt einsteigen.
Warum suchen Sie Ihr Glück darin, anderen Marktteilnehmern etwas zu verbieten anstatt selbst mehr Marktanteile zu erobern?
Wir wollen der ARD nicht etwas verbieten, sondern es ist verboten. Wir treten nur dafür ein, dass dieses Verbot beachtet wird. Parallel setzen wir alles daran, mehr Marktanteile zu gewinnen. Das eine schließt das andere nicht aus.
Die im Staatsvertrag gezogene Grenze ist sehr willkürlich.
Niemand behauptet, dass der Staatsvertrag eine ideale Grenze zieht. Die Verlage haben damals bei der Formulierung des Staatsvertrag andere Lösungen vorgeschlagen. Nun aber gibt es diese Grenze. Sie ist besser als keine. Sie gilt es zu respektieren.
Über diese Vorschrift wurde im Gesetzgebungsverfahren des 12. Rundfunkänderungsstaatsvertrags heftig gerungen. Herausgekommen ist eine deutliche und unmissverständliche Vorschrift. Wir halten diese Begrenzung der Expansion für das absolute Mindestmaß und hätten uns vom Gesetzgeber noch mehr Grenzen für ARD und ZDF gewünscht. Die Sender haben durch intensive politische Arbeit die gesetzliche Grundlage für ihr Wachstum geschaffen. Dass sie sich damit nicht zufrieden geben, sondern auch noch die wenigen Grenzen ignorieren, die ihnen gesetzt wurden, ist ernüchternd. „Less is more“ heißt es bei der BBC. „More is better“ sagen ARD und ZDF. Sie kennen kein Maß und zwingen uns so zur ständigen Gegenwehr. Lieber wäre es uns, wir könnten uns auf unsere eigentliche Arbeit konzentrieren und die öffentlichen Sender würden mit etwas mehr Bescheidenheit zu Werke gehen. Wer von einer Gebühr lebt, die allen deutschen Haushalten unabhängig von der tatsächlichen Nutzung auferlegt wird, könnte Zeitungen und Zeitschriften, die ihre Kunden gewinnen und halten müssen, mit mehr Entgegenkommen begegnen. Dem Verhalten von ARD und ZDF wohnen Züge von Arroganz inne, denen wir lieber nicht ausgesetzt wären.
Ihre Behauptung, die Tagesschau-App verstoße gegen den Staatsvertrag oder den Brüsseler Beihilfekompromiss, ist falsch. Der Gesetzgeber hat nicht beabsichtigt, Angebote wie die Tagesschau-App zu verbieten.
In der amtlichen Begründung zum 12. Rundfunkänderungsstaatsvertrag steht folgender Passus, der den Willen des Gesetzgebers deutlich erklärt:
„Mit dieser Vorschrift trägt dr Gesetzgeber dem Umstand Rechnung, dass für die Nutzung im Internet gestaltete Angebote regelmäßig aus einer von den Nutzern erwarteten Kombination verschiedener Elemente bestehen, die Text, Ton und Bild verbinden. Vor diesem Hintergrund soll der Tendenz begegnet werden, dass von Rundfunkanstalten angebotene nichtsendungsbezogene Telemedien den inhaltlich und gestalterischen Schwerpunkt in Texten setzen. Im Umkehrschluss kann ein solcher Schwerpunkt vermieden werden, wenn öffentlich-rechtliche nichtsendungsbezogene Telemedienangebote ihren Schwerpunkt in einer hörfunk- und/oder fernsehähnlichen Gestaltung haben.”
Spätestens diese Erläuterung stellt klar, wie der Gesetzgeber die Sphären zwischen ARD/ZDF und privater Presse abgegrenzt hat: Hörfunk- und Fernsehangebote bei ARD und ZDF, Angebote mit Textbetonung bei der Presse.
Ist es nicht widersinnig, der ARD presseähnliche, nichtsendungsbezogene Apps zu verbieten? Wie soll sie denn im Internet erfolgreich sein, wenn ihr dieser Weg versperrt bleibt? Wird ihr so nicht die Entwicklungsgarantie genommen, die ihr das Bundesverfassungsgericht zuspricht?
ARD und ZDF haben den Schwerpunkt ihrer Tätigkeit traditionell bei Video und Audio. Diese Kompetenz können sie unbegrenzt ins Netz einbringen. Gern verschweigen die Intendanten, dass ihnen der 12. Rundfunkänderungsstaatsvertrag eine enorme Erweiterung ihres Auftrags gebracht hat. Bekommen haben sie das Recht und den gesetzlichen Auftrag, massiv im Internet zu expandieren. Sie dürfen dort fast alles machen. Eine der wenigen Ausnahmen ist die direkte Konkurrenz zur Presse. Doch das ist eine bescheidene Einschränkung. ARD und ZDF können Web und App in aller multimedialen Breite auskosten. Sie können das iPad zum Fernsehen der Zukunft ausbauen. Alle Grenzen, die ihnen mit der Kanalbeschränkung im normalen Fernsehen auferlegt sind, entfallen im Netz. Sie können gewaltige audiovisuelle Vielfalt anbieten. In ihrer Ankündigung der Klage haben die Verlage deutlich betont, dass sie gegen Video- und Tonangebote nichts einzuwenden haben. Es heißt dort:
„Hörfunk- und fernsehähnliche Inhalte bleiben von der verlegerischen Kritik unberührt.”
Text, Foto, Video und Audio verschmelzen im Internet. Es ist unmöglich, die Gattungen sortenrein voneinander zu trennen. Schon der Versuch ist ein Anachronismus.
Ohne Frage verschmelzen die Darstellungsformen im Zuge der Konvergenz. Trotzdem gelingt es Gesetzen in weitaus unschärferen Themengebieten, sinnvolle Abgrenzungen zu schaffen. Auch hier ist das möglich. Die Tagesschau-App macht in vollem Bewusstsein und mit erklärtem Vorsatz genau das Gleiche wie die Apps der Verlage: minutenaktuellen Journalismus zu allen relevanten Themen ohne jede Anbindung an konkrete Sendungen. Wer das Konvergenz-Argument gegen die Verlagsklage anführt, kämpft auf verlorenem Posten, denn die ARD bestreitet überhaupt nicht, dass die Tagesschau-App (übrigens wie Tagesschau.de) jede Art von Sendungsbezug weit hinter sich gelassen hat. Auf diese Debatte lässt sich die ARD gar nicht ein. Sie führt eine Vornewegverteidigung und nimmt für sich in Anspruch, jede ihr auferlegte Grenze überschreiten zu dürfen und sogar zu müssen. „Die Regelung im Gesetz ist unsinnig” lautet das Hauptargument der ARD. Seit Jahrzehnten ist die ARD daran gewohnt, die Rundfunkgesetze nach ihren Vorstellungen zu prägen. Auch jetzt möchte sie eine ihr unliebsame Regelung aus der Welt schaffen. Sie bestreitet nicht, dass es sie gibt. Sie bestreitet in Wahrheit auch nicht, dass sie verletzt wird. Sie bestreitet ganz direkt den Sinn der Vorschrift. Die regulierte Anstalt will dem Regulator diktieren, wie sie gern reguliert werden möchte. Das ist eine verkehrte Welt.
Die Klage richtet sich gegen gebührenfinanzierte Angebote. Dabei fordern die Verlage ihrerseits ein Leistungsschutzrecht, das auf gebührenfinanzierte Presse hinaus läuft.
Thomas Stadler dazu in seinem Blog:
„Mir erscheint die Haltung der Verlage auch in einem größeren Kontext betrachtet, höchst inkonsequent zu sein. Denn derzeit fordert man seitens der Verlage ganz vehement die Einführung eines Leistungsschutzrechts für Presseerzeugnisse, das, wenn es nach den Vorstellungen der Verlage geht, nichts anderes sein soll, als eine Form der gebührenfinanzierten Presse. Und das ist genau das, was man der ARD vorwirft.”
Diese Darstellung trifft nicht zu. Die Verlage fordern keine gebührenfinanzierte Presse. Sie regen an, dass eine Gesetzeslücke geschlossen wird und sie ähnlich wie andere Branchen (Musik, Film, Konzertveranstalter etc.) das Recht des Werkmittlers zugestanden bekommen, das konfliktfrei neben das Urheberrecht des Autoren tritt. Mit einem solchen Recht werden sie in die Lage versetzt, die massiven Rechtsverstöße durch ungenehmigtes gewerbliches Kopieren besser verfolgen zu können. Wer legal kopieren möchte, schließt einen Lizenzvertrag ab. Wer nicht kopieren möchte, lässt es bleiben. Mit der Rundfunkgebühr ist das in keiner Weise vergleichbar. Die Rundfunkgebühr wird unabhängig von der tatsächlichen Nutzung und demnächst sogar unabhängig vom Besitz eines Empfangsgeräts erhoben. Alle müssen bezahlen – Nutzer wie Nichtnutzer. Das Gebührenmodell von ARD und ZDF stellt das Gegenteil des Modells dar, das Verlage mit dem Leistungsschutzrecht vorschlagen.
Sie regen sich doch nur künstlich auf und malen eine Bedrohung für die Pressefreiheit an die Wand, wo es keine gibt. Die Verlage verdienen prächtig, allen voran die Axel Springer AG. Ihre Argumente sind vorgeschoben. In Wahrheit verteidigen sie nur ihre dicken Renditen und überholten Geschäftsmodelle.
Gedruckte Zeitungen und Zeitschriften machen in Deutschland rund 12 Milliarden Euro Umsatz pro Jahr. Die Webseiten dieser Verlage bringen es in der Summe auf weniger als 250 Millionen Euro. Der Strukturwandel von Print zu Online ist in vollem Gange. Viele Verlage verlieren bei Print mehr, als sie bei Online zulegen. Marktverzerrung durch ARD und ZDF kann die Branche nicht noch zusätzlich zu den anderen Herausforderungen verkraften. Beispiele aus anderen Ländern wie den USA geben ein warnendes Beispiel. Freie Presse sollte robust sein, kann durch den Strukturwandel aber fragil werden und ihre Existenzgrundlage verlieren. Kein Demokrat kann sich das wünschen.
Das kann nicht ihr Ernst sein. Diese kleinen Umsätze im AppStore sollen das Heil der ganzen Branche ausmachen?
Was heute klein ist, wird morgen groß. Tablets haben ihren Siegeszug gerade erst begonnen. Gerade junge Leute lesen viel auf dem Bildschirm, aber nur wenig auf dem Papier. Es ist von entscheidender Bedeutung, ob es gelingt, kostendeckende Preise für journalistische Inhalte auf Tablets zu etablieren. Die Erfahrungen seit anderthalb Jahren zeigen, dass überraschend viele Menschen freudig bezahlen, wenn das Angebot gut ist. Zahlbereitschaft gibt es im Prinzip. Aber sie sinkt, wenn ein Qualitätsanbieter wie die Tagesschau den Preis Null aufruft. Hier geht es um die Zukunft. Wenn wir die Marktverzerrung der ARD heute nicht stoppen, gibt es morgen keine starke staatsunabhängige Presse im Netz. Für uns wäre es heute weniger schlimm, wenn eine Gratiszeitung eingeführt wird als eine Gratisapp. Die Gratiszeitung würde den traditionellen Markt bedrohen, aber die Gratisapp schneidet einen ganzen Zukunftspfad ab. Sie ist um Potenzen schädlicher.
Die Tagesschau-App ist 1,7 Millionen mal herunter geladen worden. Es wäre eine Schande, dem Publikum diese überaus beliebte App wieder wegzunehmen.
Öffentlich-rechtliche Kopfschmerztabletten, die auf Kosten des Steuerzahlers in der Apotheke verschenkt werden, wären auch ein Hit. Trotzdem gibt es sie aus gutem Grunde nicht.
Die meisten Gutachter im Drei-Stufen-Test haben aber festgestellt, dass von den öffentlichen Apps keine marktverzerrende Wirkung ausgeht.
Das waren wirklichkeitsfremde, unwissenschaftliche und einseitige Gefälligkeitsgutachten, die wir von Anfang an kritisiert haben. Heute ist bereits eingetreten, was wir bei der Einführung der Tagesschau-App vorher gesagt haben. Die ohnehin schon niedrigen Preise für journalistische Apps sind seit Erscheinen der Tagesschau-App weiter gesunken. Die Tagesschau verdirbt den ganzen Markt. Eine empirische Untersuchung würde jetzt zeigen, dass die meisten Gutachten im Drei-Stufen-Test vom bestellten Ergebnis des Auftragsgebers her gedacht waren anstatt von einer ernsthaften Auseinandersetzung mit den Mechanismen und Realitäten des Markts. Dabei sagt schon der gesunde Menschenverstand: Wo es etwas umsonst gibt, hat es der Verkäufer schwer.
Trotzdem bleibt Tatsache, dass Tagesschau.de und Tagesschau-App im Drei-Stufen-Test von den zuständigen Gremien genehmigt worden und somit legal sind. Das Verfahren nach dem Drei-Stufen-Test wurde ab dem 1. Juni 2009 für den gesamten Online-Bestand von ARD, ZDF und Deutschlandradio durchgeführt. Es wurde zum 31. August 2010 beendet. In diesem Verfahren wurde auch Tagesschau.de geprüft. Die Tagesschau-App war jedoch nicht Gegenstand des Verfahrens. Sie ist erst am 21.12.2010 auf den Markt gekommen und war zum Abschluss des Verfahrens nicht fertig. Im Telemedienkonzept der ARD, das im Drei-Stufen-Text überprüft worden ist, war von der Tagesschau-App keine Rede. Die Tagesschau-App ist also im Drei-Stufen-Test niemals untersucht und genehmigt worden.
Kann sein, aber es hätte auch keiner eigenen Genehmigung bedürft, da die Tagesschau-Apps nichts weiter tut, als die Inhalte von Tagesschau.de auszuspielen. Die Tagesschau-App tritt auf einem eigenen, von dem der Tagesschau.de höchst unterschiedlichen Markt in Erscheinung. Sie ist nicht dem offenen Internet, sondern der Mobilkommunikation zuzurechnen. Hier konkurriert die Tagesschau-App mit andersartigen Wettbewerbsangeboten. Die Auswirkungen der App auf den Markt hätte im Drei-Stufen-Test zwingend untersucht werden müssen. Dies haben ARD und NDR versäumt.
Sie schlagen hier doch die Schlachten der Vergangenheit. Die wahre Herausforderung für Verlage geht von Google, Facebook & Co. aus.
Nein, es sind nicht die Schlachten der Vergangenheit, die hier geschlagen werden, sondern die der Gegenwart. Gerade jetzt, in dieser Minute, steht WELT HD – die ausgezeichnet gemachte App der WELT – im direkten Wettbewerb mit der Tagesschau-App. WELT HD kostet derzeit 9,99 Euro für 30 Tage, 25,99 Euro für drei Monate und 89,99 Euro für ein Jahr. Tagesschau.de hingegen kostet nichts. Genauer gesagt: Seine Kosten werden in den Rundfunk- und Fernsehgebühren versteckt und schon bald zu einer Erhöhung dieser Gebühren beitragen. Zu behaupten, dass die Auseinandersetzung um die Tagesschau-App eine Schlacht der Vergangenheit sei, ist eine Schutzbehauptung der Sender, die leider von manchen Zeitungen wie der taz aufgegriffen wird. Dieser Konflikt handelt von einem unfairen Wettbewerb, der gerade in diesem Moment im AppStore, einem der wichtigsten elektronischen Marktplätze der Gegenwart stattfindet. Es ist eine Schlacht um die Zukunft. Übrigens bieten Google, Facebook & Co. keine Nachrichtenapps im AppStore an. Wir stehen mit ihnen viel weniger in einem Wettbewerb auf dem Markt für Nachrichtenangebote als mit der ARD. Unfaire Wettbewerber erkennt man nebenbei gesagt oft daran, dass sie behaupten, gar kein Wettbewerber zu sein. Nach diesem Muster argumentiert auch die ARD. Man sollte sich davon nicht in die Irre führen lassen.
Zeigen Sie doch mehr Selbstbewusstsein. Schaffen Sie gute Angebote – dann werden Sie sich gegen die Tagesschau-App schon durchsetzen.
Ein Jahresabo der WELT App für 89,99 Euro, eines der Tagesschau-App für 0 Euro. Dieser Wettbewerb ist in höchstem Maße verzerrt. Dass sich WELT HD unter diesen Umständen überhaupt anständig verkauft, ist ein Beweis für die hohe Qualität des journalistischen Angebots. Die Tagesschau-App bietet auf Kosten einer staatlich verordneten Gebühr ein sehr ähnliches Programm. Man kann das durchaus vergleichen mit einer staatlichen Tankstelle, die neben Aral, Esso, Shell, BP und Jet den Sprit durch Steuern finanziert verschenkt. Wer da noch bei Esso tankt, muss ein echter Fan sein. Übrigens ist das WELD HD-Jahresabo für 89,99 Euro keineswegs kostendeckend, genau wie das Monatsabo für 9,99 Euro. Im Laufe der Zeit müssten die Preise steigen, um gut besetzte Redaktionen gut bezahlter Fachleute zu finanzieren, die ihrer Wächterfunktion qua Ausbildung und Recherchetalent gerecht werden können. Solche Preissteigerungen werden durch die Tagesschau-App in höchstem Maße erschwert. Die traurige Wahrheit ist: Die Tagesschau-App zerstört einen Markt – und zwar nicht irgendeinen, sondern den für Qualitätsjournalismus im Netz. Das kann uns nicht gleichgültig sein. Was am Ende übrig bleibt, ist eine Monokultur aus Gebührenpresse, der ein paar engagierte und wohlhabende Großverlage aus verlegerischer Leidenschaft defizitäre Alternativen entgegensetzen. Wenn die Medienpolitik das zulässt, zerrüttet sie einen der lebendigsten und vielfältigsten Medienmärkte der Welt.
Warum haben die Verlage nach der Einführung der Tagesschau-App sechs Monate gebraucht, bis sie Klage eingereicht haben?
Weil wir bis zum letzten Tag verhandelt haben. Die Frist für die Einreichung einer Wettbewerbsklage beträgt sechs Monate. Wir haben jeden einzelnen Monat genutzt, um zu einer einvernehmlichen Lösung zu kommen. Gleich nach Ankündigung der Tagesschau-App haben wir unsere Sorge öffentlich geäußert. Wir haben mit allen maßgeblichen Intendanten und den jeweiligen ARD-Vorsitzenden gesprochen. Am Anfang signalisierten ARD und NDR ein gewisses Verständnis und Entgegenkommen. Es hieß, man wolle Zeichen setzen und kostenpflichtige Apps auf den Markt bringen. Auch eine Premium-Ausgabe der Tagesschau-App war im Gespräch. Nichts davon ist wahr geworden. Stattdessen haben die Gremien der ARD und auch des ZDF Zug um Zug beschlossen, alle Apps kostenlos anzubieten. Außer weißer Salbe ist uns nichts entgegen gebracht worden. Am Ende blieb uns nichts anderes übrig als die Klage. Buchstäblich bis zum letzten Moment hatten wir gehofft, es würde doch noch ein Signal kommen. Doch was kam, waren ausschließlich Ablehnung und Unverständnis.
Warum klagen Sie vor einer Wettbewerbskammer?
Zu den vielen Mängeln des Rundfunkstaatsvertrags gehört, dass er keinen ordentlichen Rechtsweg vorsieht. Schon gegen die Drei-Stufen-Tests, die eine Farce waren, kann man kaum klagen. Der Gesetzgeber hat ein Gesetz gemacht, ohne einen Gerichtsweg aufzuzeigen – allein schon das ist höchst ungewöhnlich und einigermaßen undemokratisch. Wir klagen jetzt auf Wettbewerbsverletzung von ARD und NDR dadurch, dass sie das Presseähnlichkeitsverbot des Staatsvertrags ignorieren.
Es wird Jahre dauern, bis Sie ein rechtskräftiges Urteil bekommen. Bis dahin sehen die Marktverhältnisse ganz anders aus. Warum dann überhaupt die Klage?
Mit diesem interessanten Argument wartet Steffen Grimberg in der taz auf. Die Antwort ist einfach: Weil Unrecht nicht hingenommen werden darf, auch wenn das Recht Zeit braucht, sich eine Bahn zu schlagen. Die Alternative wäre, nicht zu klagen. Damit wäre der Rechtsbruch der ARD durch Untätigkeit der Geschädigten zum Dauerzustand geworden. Das kann man sich nicht wünschen.
Werden Sie auch in Brüssel klagen?
Bei der Rundfunkgebühr handelt es sich um eine Beihilfe. Die EU hat Deutschland auferlegt, diese Beihilfe gesetzlich so auszugestalten, dass sie konform mit den Vorschriften der EU ist. Das ist dem Gesetzgeber nur unzureichend gelungen. Wir haben die Europäischen Wettbewerbsaufsicht erneut auf den grundsätzlichen Mangel an einer effektiven Kontrolle der öffentlichen Sender hingewiesen. Besonders beim Drei-Stufen-Test ist das deutlich geworden. Wir werden alles unternehmen, um Brüssel auf die Mängel im deutschen Rundfunksystem aufmerksam zu machen.
Warum klagen nur Zeitungsverlage und nicht auch die Zeitschriften?
Wer glaubt, es wären nur acht Zeitungsverlage empört über die Ignoranz der ARD, der sitzt einem Irrtum auf. Unsere Branche als Ganzes ist betroffen und wehrt sich unisono gegen die Rechtsverletzungen. Aus rechtlichen Gründen klagen einzelne Verlage, nicht die Verbände. Darunter sind auch Zeitschriftenverlage – Axel Springer zum Beispiel. Wir sind ein großes Zeitschriftenhaus. Ein Rechtsstreit mit acht namhaften Verlagen aus Nord, Süd, Ost und West, mit großen wie kleinen Häusern, ist sicherlich kein Vergnügen für die Beklagten. Falls sich die ARD noch mehr Kläger wünscht, dürfte dieser Wunsch leicht zu erfüllen sein.
Warum klagen Sie nicht auch gegen Tagesschau.de, sondern nur gegen die App? Das ist doch inkonsequent.
Diese Frage hat Rechtsanwalt Thomas Stadler (@rastadler) getwittert, ebenso @Pottblog. Geklagt wird nur gegen die App, weil ihr Erscheinungsdatum innerhalb der sechsmonatigen Klagefrist lag, die das Wettbewerbsrecht vorsieht. Tagesschau.de verstößt genauso gegen den Staatsvertrag wie die Tagesschau-App, ist aber älter und aus rechtlichen Gründen damit schwerer zu verklagen.
Trotzdem wäre die Klage nur konsequent, wenn sie sich gegen Tagesschau.de und App gleichzeitig richten würden. Das eine ist vom anderen nicht zu trennen.
In seinem Blog führt Thomas Stadler (@rastadler) dazu aus:
„Die Argumentation ist insofern erstaunlich, als die Tagesschau-App letztlich nichts anderes ist, als eine Umsetzung von tageschau.de für Mobiltelefone. Die vermeintliche Verletzungshandlungen kann sich aber nur aus den Inhalten von tagesschau.de ergeben und nicht aus der Darstellung auf einem bestimmten Endgerät. Oder um es anders zu formulieren: Das maßgebliche Inhaltsangebot ist tagesschau.de und nicht die App.
Wenn man bei den Verlagen also der Meinung ist, dass wettbewerbsrechtliche Unterlassungsansprüche gegen die Inhalte von tagesschau.de bereits verjährt sind, dann müsste das auch auf die Darstellung mittels einer Mobilfunk-App zutreffen. Die Klage – die ich im Detail in der Tat nicht kenne – dürfte sich auch nicht gegen die App an sich richten, sondern gegen diejenigen Inhalte, die die Verlage als “elektronische Presse” betrachten. Wäre die Argumentation von Christoph Keese also zutreffend, dann müsste konsequenterweise auch die jetzige Klage an einer Verjährung scheitern.”
Es gibt einen wichtigen Unterschied zwischen Tagesschau.de und Tagesschau-App: Die App hat nie den Drei-Stufen-Test durchlaufen, obwohl er zwingend notwendig gewesen wäre. Es liegt keine verfahrensgerechte Genehmigung der Gremien für die Tagesschau-App vor. Sie ist vor Monate nach dem Abschluss des Tagesschau-Drei-Stufen-Tests auf den Markt gekommen und spielte in den Antragsunterlagen keine Rolle. Deswegen ist es notwendig und sinnvoll, dass die Verlage gegen die App klagen.
Glauben Sie denn, dass Tagesschau.de nach dem Rundfunkstaatsvertrag ähnlich unzulässig ist wie die Tagesschau-App?
Auch die Tagesschau-Website stellt Texte statt Videos in den Vordergrund. Sie liefert ein volles redaktionelles, textbetontes Programm wie die Websites der Verlage.
So sieht der erste Viewport der Tagesschau-Homepage am 29. Juni 2011 gegen 14 Uhr aus:
Im Angebot sind Texte und Videos. Das Angebot geht weit über das der Tagesschau-Sendungen hinaus. So berichtet Sabina Matthay über den Taliban-Angriff auf ein Hotel. An zweiter Stelle steht der Afghanistan-Blog der NDR-Reporterin Sandra Ratzow. Klickt man auf den Aufmacher, erscheint folgende Seite:
Hier berichtet Sabina Matthay aus dem ARD-Hörfunkstudio Südasien, wie auf der Homepage angekündigt mit einem langen Text über die Schlacht um das Hotel. Im Mittelpunkt der Seite steht weder ein Hörfunk- oder Fernsehbeitrag, sondern sie hat einen ausführlichen Text geschrieben. Hier ist die Textfassung des Beitrags:
Fast fünf Stunden hat es gedauert, bis afghanische Sicherheitskräfte mit Hilfe der ISAF einen Terroranschlag auf das Hotel Intercontinental niederschlagen konnten. Schwer bewaffnete Taliban hatten das Gebäude gestern Abend gestürmt, mindestens 18 Menschen kamen ums Leben.
Das Feuer im Intercontinental Hotel ist gelöscht, nun zeugt das rußgeschwärzte oberste Stockwerk von den Kämpfen in der Nacht. Die Belagerung durch das Taliban-Kommando konnte erst nach Stunden beendet werden. Zum Schluss hatten die Rebellen mindestens zehn Menschen getötet, acht Zivilisten und zwei Polizisten, teilte Siddik Siddiki, der Sprecher des afghanischen Innenministeriums mit. “Alle acht Selbstmordattentäter sind von unseren Sicherheitskräften getötet worden, jetzt durchkämmen die unsere Kräfte das Gebiet.”
Rauch über dem Intercontinental in Kabul – mit Hilfe der ISAF konnten der Anschlag gestoppt werden.
Was der Sprecher des afghanischen Innenministeriums nicht erwähnte: Erst das Eingreifen von Kampfhubschraubern der Internationalen Schutztruppe ISAF beendete die Belagerung. Sie töteten Rebellen, die sich auf dem Dach des Intercontinental verschanzt hatten. “Die afghanischen Sicherheitskräfte haben uns um Hilfe gebeten, wir haben ihnen Hubschrauberunterstützung zur Verfügung gestellt”, sagte ISAF-Sprecher Tim Allen.
Gut bewacht – und dennoch gestürmt
Das Intercontinental Hotel liegt auf einem Hügel im Westen der afghanischen Hauptstadt, mehrere Sicherheitsschleusen und Dutzende Wachleute sollen für Sicherheit sorgen. Dennoch gelang es dem Taliban-Kommando, das fünfstöckige Gebäude mit Mörsern, Sturmgewehren und Sprengstoffwesten zu stürmen und stundenlang zu besetzen. “Gegen halb elf am Abend hörten wir eine Explosion im Hotel, ich glaube, das war ein Selbstmordanschlag”, sagte ein Anwohner. “Dann hörten wir Gewehrschüsse und weitere Explosionen.”
Den Attentätern gelang es nach ersten Erkenntnissen, nicht über die Zufahrt, sondern über die Gartenanlage auf das Gelände vorzudringen.
Das Intercontinental ist bei Ausländern beliebt, jetzt waren dort aber auch afghanische Teilnehmer einer Konferenz zur Übergabe der Sicherheitsverantwortung von ausländischen an afghanische Kräfte untergebracht. Die Übergabe der ersten Städte und Regionen soll im Juli beginnen.
Taliban-Attacke ein Zeichen der Schwäche?
Der komplexe Angriff in Kabul unterstreicht einmal mehr die Schlagkraft der Taliban und nährt Befürchtungen angesichts afghanischer Sicherheitskräfte, die nur zu einem geringen Teil selbstständig operieren können. Siddik Siddiki, der Sprecher des afghanischen Innenministeriums, interpretierte die Attacke jedoch als Zeichen der Schwäche der Aufständischen: “Sie können nicht mehr im offenen Gefecht gegen unsere Sicherheitskräfte antreten, deshalb schicken sie jetzt vermehrt Selbstmordattentäter in die Städte oder legen Minen.”
Vielleicht war die Kommando-Aktion auch der Kommentar der Taliban zu einem Treffen von Vertretern Afghanistans, Pakistans und der USA gestern in Kabul. Dabei war es um die Aussichten für Verhandlungen mit den Rebellen gegangen. Nach den gehäuften Anschlägen der vergangenen Wochen in ganz Afghanistan zu urteilen, sehen die Rebellen keinen Anlass zu Friedfertigkeit.
Nun vergleiche man diesen Text mit Sabina Matthays Rundfunkbeitrag, der direkt neben dem Text präsentiert wird. In beiden Formaten – Text wie Audio – leistet Frau Matthay ausgezeichnete Arbeit. Aber es sind unterschiedliche Texte. Man kann die Kollegin nur beglückwünschen, dass sie beide Formate souverän beherrscht. Tatsache aber ist, dass ihr Textbeitrag von 3.292 Zeichen eine eigene, zusätzliche Leistung darstellt, die extra für Tagesschau.de erbracht wurde. Natürlich konnte sie dabei auf das Manuskript ihres Rundfunkbeitrags zugreifen und Versatzstücke daraus verwenden, eine Extraarbeit von geschätzten 30 bis 45 Minuten bleibt es dennoch.
Auch WELT ONLINE wie viele andere Zeitungsseiten funktionieren so: Redakteurinnen und Redakteure arbeiten multimedial und bedienen mehrere journalistische Format. Allerdings gelten für WELT ONLINE et al. auch keine gesetzlichen Beschränkungen ihrer Tätigkeit.
Es geht bei der Auseinandersetzung mit der ARD nicht darum, die journalistische Arbeit von Journalistinnen und Journalisten herabzusetzen oder zu kriminalisieren. Die Verlage erkennen diese Arbeit und deren Qualität gerne an. Es geht nur darum darauf hinzuweisen, dass die ARD die Grenze zu elektronischen Presse ständig überschreitet. Wir kritisieren nicht die Einzelleistung von Frau Matthay, wohl aber die Anstrengungen der ARD, durch eine Vielzahl von Textbeiträgen wie jenem von Frau Matthay, elektronische Presse zu veröffentlichen und damit den Staatsvertrag zu verletzten.
Ein weiteres Beispiel vom selben Erscheinungstag. Der Text von Frau Matthay konnte noch auf ein Rundfunkmanuskript zurückgreifen. Dies gilt aber nicht für das Afghanische Tagebuch von Sandra Ratzow, das auf Platz 2 des Tagesschau-Aufmachers steht. Hier der Text, der heute im Angebot steht:
Sie liegen meist in der Nähe der schwer gesicherten Botschaften. Sie sind durch private scher bewaffnete Sicherheitsdienste und mindestens zwei Tore und Mauern geschützt – die kleinen Fluchtinseln aus dem staubigen Krisenalltag in Kabul: Restaurants und Hotels, in denen sich vorwiegend Ausländer aus dem Westen treffen. Hinter Mauern und Stacheldraht liegt eine dieser grünen Oasen in Kabuls Steinwüste: Rosen blühen, ein kleiner Springbrunnen plätschert, darin Goldfische. Ein paar Bäume spenden Schatten, überall gemütliche Sitzecken. Leise Musik. Die Kellner in diesem Restaurant tragen Krawatten und Westen. Und abends sorgen kleine Laternen für heimeliges Licht. Nur manchmal mischt sich das SOS aus einem ABBA-Song mit den Rufen des Muezzins, der irgendwo in der Nähe zum Gebet ruft. Afghanistan light. Bis die immer wieder kehrenden kurzen Stromausfälle daran erinnern, dass hier nichts so ist, wie es scheint.
Besonders am Wochenende, wenn viele Botschaftsmitarbeiter und Helfer frei haben, sind die wenigen als sicher geltenden Restaurants voll. Natürlich kennen die Taliban all diese Orte, wo sich Ausländer aufhalten. Doch eine Mitarbeiterin der US-Botschaft erklärt mir: “Selbst wenn sich ein Selbstmordattentäter vor dem Tor in die Luft sprengen würde, sitzen wir hier drin weit genug weg. Es gibt für uns nicht viele Orte in Kabul, wo wir uns ein bisschen amüsieren können.!”
Auf der Speisekarte stehen neben ein paar lokalen Gerichten – Pizza, Pasta, Burger. Die Preise mitteleuropäisch. Ein Vermögen für einen afghanischen Durchschnittsverdiener. Auch Bier und Wein wird serviert. Im muslimischen Afghanistan eigentlich verpönt und verboten. Nur mit guten Beziehungen bekommt man eine inoffizielle Lizenz. Doch manche, die hier arbeiten, sehen das pragmatisch. “Allah verbietet es nicht, dass man Spaß am Leben hat”, sagt ein Kellner doppeldeutig, “und wenn Ihr Spaß am Alkohol habt, was sollten wir dann dagegen haben?”
Gespräch mit der Besitzerin, eine der wenigen, dazu noch sehr erfolgreichen Geschäftsfrauen in Afghanistan. Sie ist auf ihre Art Teil des goldenen Käfigs. Täglich wechselt sie die Autos, selbst ihr Fahrer weiß abends noch nicht, wohin er sie morgens bringen wird. Ihr Mann lebt mit den Töchtern inzwischen aus Sicherheitsgründen in Dubai. Ist es das wert? “Einer muss ja den Anfang machen und das können nur wir Afghanen selbst!”, sagt sie.
An einem Tisch singen alle “Happy Birthday!” An einem anderen unterhalten sich angeregt Franzosen. Drei Amerikaner mit Pistolen am Gürtel ziehen entspannt an ihren Zigaretten. Plötzlich kreisen immer wieder Helikopter über uns, Sirenen hallen durch die Nacht. Der Strom fällt plötzlich minutenlang aus.
Eine Nachricht macht die Runde.: Ein Anschlag. Im ehrwürdigen InterContinental-Hotel einige Kilometer entfernt kämpfen Taliban mit den Sicherheitskräften. Die Tische leeren sich. Alle eilen zu den schusssicheren Geländewagen und rasen in ihre Hochsicherheitsgefängnisse für Diplomaten zurück. Der Ausflug in den goldenen Käfig ist vorbei…
Dieser – übrigens lesenswerte Blogeintrag – hat eine Länge von 3.000 Zeichen. Auch dies ist mit einem Zeitaufwand von einer halben bis ganzen Stunde für die Autorin verbunden, der man wieder Anerkennung für ihre journalistische Leistung aussprechen muss. Diese halbe Stunde ist nicht der Rede wert, aber in Summe steckt die ARD beträchtlichen Zusatzaufwand in Tagesschau.de, der den Verlagen nicht gleichgültig sein kann.
Wer Tagesschau.de liest, findet solche Beispiele zu Dutzenden und Hunderten. Auf den ersten Blick erkennbar ist hier eine ambitionierte Redaktion am Werke, die eine anspruchsvolle elektronische Zeitung bieten möchte. Dies stellt fraglos einen Mehrwert für den Leser dar. Aber es untergräbt die Bemühungen der Presse, Geschäftsmodelle im Internet aufzubauen. Gebührenfinanzierte Webzeitungen lassen privaten Medien kaum Chancen, ihre Leistungen gegen Geld anzubieten.
Mit der Klage gegen die Tagesschau-App machen Sie die Mücke zum Elefanten. Sie benehmen sich wie eine Drama Queen. Warum eine riesige Schlacht um ein so harmloses Angebot?
Die Tagesschau-App ist ein Musterfall. Wenn es nicht gelingt, die Tagesschau zu einem marktverträglichen Verhalten zu bewegen, werden Dutzende anderer Angebote von ARD und ZDF folgen. Alle werden kostenlos, genauer gesagt: gebührenfinanziert sein. Die Sender haben viele Projekte bereits angekündigt. Diese Flut mit unabsehbaren negativen Folgen für frei finanzierte Angebote ist nur zu bremsen, wenn man gegen das erste Angebot vorgeht und hoffentlich einen Präzedenzfall schafft.
Sie sagen, dass Sie der ARD einen Kompromiss angeboten hatten, den diese aber ausgeschlagen hat. Worin bestand der Kompromiss?
Springer-Chef Mathias Döpfner hatte bei den Münchner Medientagen im vergangenen Herbst ein faires Angebot formuliert: Die Verlage akzeptieren freiwillig alle Web- und App-Angebote inklusive der presseähnlichen, wenn ARD und ZDF dafür auf die Kostenlosigkeit verzichten. Dies war kein formelles Angebot der gesamten Verlagsbranche, sondern ein Vermittlungsversuch unseres Hauses. Nach einigen Monaten der Debatte haben ARD und ZDF das Angebot rundweg abgelehnt. Wir fanden das Angebot fair und kooperativ. ARD und ZDF behaupten, gesetzlich dazu gezwungen zu sein, die Apps zum Preis Null abzugeben und voll durch Gebühren zu finanzieren. Wir halten das für eine falsche Auslegung des Staatsvertrags und sind überzeugt, dass die Sender sogar dazu verpflichtet sind, Geld für Apps zu verlangen. Nur eine Minderheit ihrer Gebührenzahlen besitzt ein teures Tablett oder Smartphone. Gleichwohl zwingen ARD und ZDF alle Gebührenzahler dazu, das Angebot für eine kleine digitale Elite mitzufinanzieren. Das ist unsozial. Ein Tablett kostet schnell 500 Euro und mehr. Wer sich das nicht leisten kann, zahlt trotzdem die Angebote für die Wenigen mit, die es sich leisten können. Sozialer und fairer wäre es gewesen, dass die Apps mindestens so lange Geld kosten, bis eine große Mehrheit der Deutschen ein Tablet oder Smartphone besitzt. Dann kann man die Finanzierung immer noch auf Gebühren umstellen. Doch ARD und ZDF wollten davon nichts wissen.
Warum soll eine App denn Geld kosten? Der Inhalt ist mit der Gebühr doch schon längst bezahlt.
Nein, das wollen die Intendanten das Publikum nur glauben machen. Natürlich kosten Apps extra Geld. Für die Entwicklung, für den technischen Betrieb, aber natürlich vor allem für die Redaktionen. Apps machen sich nicht von allein, schon gar nicht solche komplizierten Apps wie die Tagesschau. Ohne jeden Zweifel wird die ARD im nächsten Antrag bei der Gebührenaufsicht KEF Geld für die Apps haben wollen. Selbst wenn sie es nicht beantragt, um den Verlagen kein Argument frei Haus zu liefern, sondern Personal umschichtet, kostet es die ARD Geld, denn Personal, das sie anderswo entbehren kann, hätte sie einsparen können. In Wahrheit ist die Tagesschau-App nicht kostenlos. Ihre Kosten werden nur eben der Allgemeinheit übergeholfen, die allergrößtenteils noch nie ein Tablet in der Hand gehalten hat.
Sind Sie für oder gegen den öffentlichen Rundfunk und das öffentliche Fernsehen?
Jedes zivilisierte Land braucht gute öffentliche Programme. Aber nicht zu jedem Preis und nicht in jeder Größe. Öffentliche Sender, die private Anbieter aus dem Markt drängen, verspielen ihre Legitimität. Durch das rücksichtslose Verhalten der ARD wird eine breit angelegte gesellschaftliche Debatte über die öffentlichen Sender nötig. Wir stehen an einer Wegscheide. ARD und ZDF brauchen gesellschaftlichen Rückhalt. Sie können nicht gedeihen in einem Klima von Misstrauen. Ein dauerhafter Konflikt mit den Verlagen tut niemandem gut. Geführt werden aber muss dieser Konflikt jetzt. Die Frage lautet: Sind ARD und ZDF noch legitim, wenn sie fast acht Milliarden Euro Gebühren verschlingen, jeden Haushalt zum Zahlen zwingen, ob er ein Fernsehgerät besitzt oder nicht, wenn sie immer neue Sender starten möchten, wenn sie immer weiter wachsen, obwohl der Markt, in dem sie sich bewegen, schrumpft, wenn ihr Anteil am Bruttosozialprodukt stetig weiter zunimmt? Öffentliche Anstalten, die eine Debatte über ihre Legitimität provozieren, anstatt Frieden und Ausgleich mit ihren Nachbarn zu suchen, haben ihre Glanzzeit vielleicht schon hinter sich gelassen.
Originalton Steffen Grimberg aus der taz. Warum sagt er nicht, was er damit sagen will? Unterstellt er seinen Kollegen, dass sie nach der Pfeife ihrer Verlage tanzen und willfährig über deren geschäftliche Interessen berichten? Dann müsste er Belege für die Beschuldigung anführen, was er aber nicht tut. Eine Sammlung von Belegen würde zeigen, dass die Zeitungen durchaus unterschiedlich auf die Klage ihrer Verlage reagiert haben. Von nachrichtlicher Berichterstattung über abwägende Kommentare bis hin zur leidenschaftlichen Verteidigung. Einen der härtesten Angriffe auf die Öffentlich-Rechtlichen hat Konrad Lischka bei Spiegel Online geschrieben – der Spiegel Verlag gehört jedoch gar nicht zu den Klägern. Wie kann das sein, dass jemand die Sorge über die Expansion der Öffentlich-Rechtlichen teilt, ohne dass ihm sein Verlag dazu die Weisung erteilt hat? Aus einem einfachen Grund: Journalisten schreiben über diesen Fall nach ihrem eigenen Wissen und Gewissen. Sie lassen sich von ihren Verlagen keine Befehle erteilen. Viel eher ist es so, dass viele Kolleginnen und Kollegen in der freien Presse ebenfalls in Sorge um ihre Zukunft sind. Sie haben anders als die Mitarbeiter von ARD und ZDF keine beamtenähnlichen Beschäftigungsverhältnisse. Sie wissen, dass journalistische Freiheit nicht zuletzt durch wirtschaftliche Unabhängigkeit entsteht. Die taz, lieber Steffen Grimberg, hat kein Monopol auf innere Pressefreiheit.
Die Internetszene könnte mit Apps für den Privatanwender die Rundfunkanstalten aus Springers Klauen befreien. Das mit der selbst erstellten App geschaffene Mashup des Rundfunks im Privatbereich kann auch @ChristophKeese kaum verbieten
So twittert Michael Hirschler, (@freie) Referat Freie Bildjournalisten, von der Bonner Geschäftsstelle des Deutschen Journalistenverbands, der Gewerkschaft der Journalistinnen und Journalisten. Das ist in doppelter Hinsicht interessant. Erstens: ARD und ZDF (Jahresbudget rund 8,5 Milliarden Euro) befinden sich angeblich in Springers (2,89 Milliarden Euro Umsatz 2010) Klauen. Springer ist ein Drittel so groß wie ARD und ZDF, beherrscht aber vermeintlich die öffentlichen Sender. Wenn das so wäre, müsste Springer eigentlich gar nicht gegen die Tagesschau-App klagen. Eine Anweisung an die Anstalten würde reichen, um die Tagesschau-App aus der Welt zu schaffen. Leider reicht Springers Einfluss nicht so weit. Zweitens: Die Internetszene soll Apps programmieren, auf die Inhalte von ARD und ZDF zugreifen, Mashups erstellen und dem Publikum kostenfrei zugänglich machen. Ist dies die offizielle Position des DJV? ARD und ZDF sollen über Strohmänner auf dem Markt agieren oder zumindest tolerieren, dass Dritte ihre Inhalte weiter verbreiten, ohne dass die Rechte geklärt sind und die Kreativen honoriert werden? Die Stoffe sollen kostenlos verteilt werden, also auch ohne Gebührenfinanzierung und natürlich zum Preis Null? Wie werden dann die Autoren entschädigt? Im Grundsatzprogramm des DJV steht:
„Der DJV bejaht die privatrechtliche Struktur der Presse und das duale System der elektronischen Medien.”
Um die privatrechtliche Struktur der Presse zu bewahren, muss man ihr eine Finanzierung zugestehen. Dies ist nicht möglich, wenn kostenlose öffentliche Angebote private Angebote verdrängen und jeder Programmierer aufgerufen ist, eigene Mashups zu erstellen.
Als wichtiges Ziel in der Tarifpolitik nennt das Grundsatzprogramm des DJV:
„Verbesserung des Urheberrechtsschutzes, insbesondere unter Berücksichtigung digitaler Verwertungstechniken.”
Mit diesem Grundsatzprogramm wäre der Vorschlag der Bonner Geschäftsstelle nur vereinbar, wenn sich ARD und ZDF möglichst alle Rechte von den festen und freien Mitarbeitern abtreten lassen würden, um die Werke dann für die Öffentlichkeit und jeden beliebigen dritten Vermittler kostenlos frei zu schalten. Dies würde bedeuten, dass die Mitarbeiter keine eigenen Verwertungsmöglichkeiten gegen Geld mehr hätten. Einer Verbesserung des Urheberrechtsschutzes scheint dieser Vorschlag recht deutlich entgegen zu laufen.
Die Verlage sollten nicht das gleiche Schicksal erleiden wie die Musikindustrie. Die Energie gehört besser in Forschung und Entwicklung gesteckt als in Grabenkämpfe und die Verteidigung alter Pfründe. Ich wünsche mir die gleiche Qualität von Print, aber aufbereitet und optimiert für elektronische Medien (iPad & Co.). Dafür zahle ich sehr gerne! Zwingen Sie die Leute nicht, Sie zu lesen, sondern bieten Sie etwas.
Schreibt Falko Willers von marketoolz.com aus Hamburg auf meinen Kommentar im Handelsblatt. Recht hat er! Verlage müssen gute Produkte liefern und innovativ sein, dann bezahlen viele Leser auch. Unser Haus investiert viel Geld in Forschung und Entwicklung. Wenn wir Falko Willers noch nicht mit allen Produkten überzeugen können, müssen wir besser werden. Aber in einem Punkt muss ich ihm widerführen: Die Klage gegen die Tagesschau-App ist kein Grabenkampf, der Innovation verhindert, und auch keine Verteidigung alter Pfründe. Der App-Store ist neu – wir besitzen dort gar keine alten Pfründe. Wir stoppen unsere Entwicklungsarbeit auch nicht, weil wir klagen, sondern entwickeln mit Volldampf weiter. Man kann beides auf einmal tun. Nur einmal angenommen, wir würden die Tagesschau-App wie von Willers vorgeschlagen ohne Widerspruch hinnehmen: Dann würden die Preise für journalistische Apps weiter sinken. Weniger Investitionen wären die Folge, weil sie sich weniger lohnen. Das Gegenteil des Erwünschten träte ein.
Privatisierung ist schädlich. Zu besichtigen in Fukushima und bei Goldman Sachs’ Hilfe für Griechenland beim Euro-Beitritt.
Schreibt @Presseschauer bei The European. Ob die Kernschmelze in Fukushima nicht eingetreten wäre, wenn Betreiber Tepco im Staatsbesitz gewesen wäre, kann niemand mit Sicherheit sagen. Der Reaktor Tschernobyl befand sich in Staatsbesitz und ist trotzdem explodiert. Griechenlands kreative Buchführung vor dem Euro-Beitritt ist von staatlichen Stellen nicht entdeckt oder zumindest nicht veröffentlicht worden, kann also auch nicht als Musterbeispiel für geschickte Lenkung durch öffentliche Institutionen gelten. Aber wenn man argumentieren möchte, dass private Medien durch öffentliche Anstalten verdrängt werden sollten, kann man das getrost tun. Es wäre immerhin ein ehrliches Argument. Wer dieser Denkschule angehört, hat Grund zur Genugtuung, denn ARD und ZDF sind strategisch auf dem richtigen Weg, diesem Ziel näher zu kommen.
Gratisangebote gibt es völlig unabhängig von ARD und ZDF. Die Kritik an den Öffentlich-Rechtlichen untergräbt daher die Argumentation.
Der @Presseschauer schreibt The European:
Christoph Keese suggeriert, eine Preisbildung bei null wäre „revolutionär-anarchisch“. Dieses Phänomen ist aber Teil der Marktwirtschaft und hat nicht zwingend etwas mit einem durch die Öffentlichkeit finanzierten Marktteilnehmer zu tun. So gibt es bereits seit 1906 (sic!) Gratiszeitungen in allen möglichen Ländern, unabhängig davon, ob es einen öffentlich-rechtlichen Rundfunk gibt. (…) Durch die Vermengung der Preisbildung bei null und der öffentlichen Finanzierung unterminiert Keese seine Argumentation, da er auf der einen Seite gegen Marktliberalismus ist und auf der anderen Seite dafür.
In der Tat gibt es viele kommerzielle Produkte, die kostenlos angeboten werden, darunter viele Google-Dienste, Gratiszeitungen oder Internet-Telefonie. Jedoch stammen diese Dienste von gewerblichen Unternehmen, die sich auf benachbarten Märkten refinanzieren müssen, oft durch den Verkauf von Werbung. ARD und ZDF sind damit nicht zu vergleichen. Sie sind keine gewerblichen Unternehmen, sondern öffentlich-rechtliche Anstalten, die durch Gebühren finanziert werden und denen Grenzen ihrer wirtschaftlichen Tätigkeit auferlegt sind. Diese Grenzen müssen sein, da öffentliche steuer- oder gebührenfinanzierte Unternehmen private Anbieter sonst unweigerlich aus dem Markt drängen würden. Bei der Tagesschau-App handelt es sich nicht um ein Gratisangebot wie eine Gratiszeitung, sondern um ein gebührenfinanziertes Angebot. Wie oben geschildert und begründet, kritisieren die Verlage die Gebührenfinanzierung in dieser frühen Entwicklungsphase des Marktes.
Die Tagesschau-App gehört zur verfassungsmäßigen Grundversorgung, mit der ARD und ZDF beauftragt sind.
Dies ist nicht der Fall. Vor dem 12. Rundfunkstaatsvertrag war ausführlich diskutiert worden, welchen Versorgungsauftrag ARD und ZDF im Internet haben. Die 16 Bundesländer haben diese Frage mit den oben zitierten Regelungen im Staatsvertrag beantwortet. Sie schreiben vor, dass ARD und ZDF keine elektronische Presse herausgeben.
von Christoph Keese	Stichwörter AppleAppsAppStoreARDAxel Springer SEFernseheniPadiPodÖffentlich-RechtlicheRundfunkstaatsvertragVerlageZDF	64 Kommentare	www.annidaa-sy.org	Dr Robert Becker in ɦіs book “the Body Electric” wass a pioneer in discovering tɦat electromagnet
impulses ϲould regenerate neural pathways ɑnd restore
nerve function. Տince Windows XP scurity ѡill ƅe at risk,
іt is noot advisable to սse іt aany further.
Reboot and ߋpen any Office 2010 application tߋ start thhe activation process аgain.
Check out myy blog: wkndows 8 crack key; http://www.annidaa-sy.org,
Antworten ↓ 9. Juli 2014 09:14
Peter	@Feynman: Immer wenn GEZ fällig wird , fehlt mir das Geld an anderer Stelle, um andere Angebote wahr zu nehmen, vielleicht fehlt mir dann sogar das Geld für ein I-Phone überhaupt. Das Vorgehen ist also inkonsistent im schlimmsten Sinne.
Antworten ↓ 13. November 2011 01:44
Feynman	Sehr geehrter Herr Keese,
Ihnen entgeht ein wesentlicher Punkt: Die Tagesschau-App ist nicht kostenlos. Ein I-Phone ist ein “neuartiges Rundfunkgerät”, für welches, man höre und staune – GEZ fällig wird.
Es ist nur recht und billig, dass man für diese Gebühr, die ja keine Steuer ist, einen Gegenwert bekommt. Ich bezahle für ein I-Phone – also habe ich auch das Recht I-Phone Inhalte zu beziehen.
Das Vorgehen ist also konsistent im besten Sinne.
Antworten ↓ 1. November 2011 12:03
Jan	Zu dem Blogbeitrag von Sabina Matthey schreiben Sie: “Nun vergleiche man diesen Text mit Sabina Matthays Rundfunkbeitrag, der direkt neben dem Text präsentiert wird. In beiden Formaten – Text wie Audio – leistet Frau Matthay ausgezeichnete Arbeit. Aber es sind unterschiedliche Texte.”
Trotzdem ist der schriftliche Beitrag doch definitiv sendungsbezogen. Oder beudetet für Sie auf einmal “sendungsbezogen” das selbe wie “sendungsgleich” (also nur ein verschriftlichtest Skript des Audio-Beitrags)?
Antworten ↓ 19. Juli 2011 14:53
(Pingback)	[...] fand. Die dortige Definition und die Verleger-Auslegung erläuert Niggemeier, den Verlegerstandpunkt vertritt Christoph Keese vom [...]
onlinejournalismus.de - Das Magazin zum Thema » Blog Archive » Zur Geschichte des Begriffs “presseähnlich”
(Pingback)	[...] Keese, der tagsüber als Lobbyist der Axel Springer AG arbeitet, den Passus immer wieder und behauptet, damit sei klar, dass ARD und ZDF nur „Hörfunk- und Fernsehangebote“ im Netz [...]
Mrsingosim	Lieber Herr Keese,
wo genau steht, dass die TS-App einen Dreistufentest durchlaufen muss? Ist sie nicht über das Verfahren beim NDR bereits genehmigt? Und die Frage auf ihre Antwort gleich hinterher: Ist das allgemeiner Konsens oder nur ihre Rechtsauffassung? Es könnte ja durchaus sein, dass ein Gericht Ihre Annahme nicht teilt. Zum Beispiel mit Blick auf das Bundesverfassungsgericht.
Antworten ↓ 17. Juli 2011 00:04
Christoph Keese	Hallo Herr Lehmann, Rechtsauffassung der klagenden Verlage ist, dass die Tagesschau-App den Dreistufentest hätte durchlaufen müssen. Die App war jedoch kein Bestandteil des Tagesschau.de-Antrags. Insofern ist sie nicht genehmigt worden. Die ARD vertritt die Auffassung, dass die App keines eigenen Tests bedurfte. Zu entscheiden hat das Gericht.
Antworten ↓ 17. Juli 2011 11:59
Karl Keule	Sehr geehrter Herr Keese,
es tut mir aufrichtig wirklich ja so leid, dass das alles so kommen mußte. Ich könnte weinen, wie Sie sich hier aufopferungsvoll für den privaten Rahmen des Journalismus Ihre Fahne in den Wind ihres Arbeitgebers halten. Bitte veröffentlichen Sie doch noch in ihrem Blog eine Bankverbindung, an die man Spenden überweisen kann, da der juristische Weg bestimmt ein sehr langer und monetär harter Weg für Ihren Arbeitgeber sein wird. Freundlichst Ihr Karl Keule
Antworten ↓ 14. Juli 2011 22:54
(Pingback)	[...] erwidert: Warum sagt [Grimberg] nicht, was er damit sagen will? Unterstellt er seinen Kollegen, dass sie [...]
(Pingback)	[...] der presseschauder: “Warum Verlage gegen die ARD klagen Die Klage von acht Verlagen, darunter die Axel Springer AG, gegen ARD und NDR hat für erhebliches A… [...]
Streit um Tageschau-App: Ein Überblick
(Pingback)	[...] neues Medium, die öffentlich-rechtlichen sind schon da. Das in einem dualen Rundfunksystem die Kritik und Reaktion nicht lange auf sich warten lässt, ist dabei nicht verwunderlich. Das neue technsiche Übertragungswege auch dem [...]
(Pingback)	[...] im Nachgang darum bemüht zu erklären warum denn geklagt wird. Zunächst sich unter presseschauder.de Christoph Keese, der “Aussenminister” des Axel-Springer-Verlages ausführlich zu den [...]
Christoph Keese	@Reizzentrum: Es besteht so gut wie kein inhaltlicher Unterschied zwischen Tagesschau auf dem Webbrowser und der Tagesschau-App. Beide Angebote verstoßen gegen den Staatsvertrag, weil sie presseähnlich und nicht sendungsbezogen sind. (Definitionen dazu im Blogtext). Die Verlage klagen jetzt jedoch nur gegen die App. Aus zwei Gründen: a) günstigere Fristenlage. b) App hat den Drei-Stufen-Test nicht passiert. Mit der Konzentration auf die App ist jedoch nicht gesagt, dass die Web-Ausgabe unproblematisch ist. Falls das Gericht unserer Auffassung folgt, dass die App gegen den Staatsvertrag verstößt, wird dies nicht ohne Folgen für die Webausgabe bleiben können.
Antworten ↓ 28. Juni 2011 16:54
Reizzentrum	Wären Sie so nett und würden mir bitte erklären, was der INHALTLICHE Unterschied ist, zwischen der Darstellung des Tagesschau-Angebotes mittels Webbrowser und mittels Tagesschau-App.
Sie betonen sowohl, dass Sie nichts gegen die ursächlichen Inhalte der Tagesschau haben, als auch, dass die Tagesschau-App gegen die Nutzung in Sachen “Inhalte” verstösst.
Sind die Inhalte nicht identisch, egal ob ich sie mittels App oder Webbrowser anschaue?
Antworten ↓ 28. Juni 2011 14:22
LN	Sorry, aber erst nach der Lektüre dieses Textes bin ich vollends davon überzeugt, dass es sich um eine Verzweiflungstat handelt.
Skurril und befremdlich, bemitleidenswert. So wird die Position der Verlage dargestellt. Und so ist sie auch. Danke für das Ausräumen der letzten Zweifel.
Antworten ↓ 28. Juni 2011 13:00
Rainer Barg	> Am Ende haben wir uns für die Klage entschieden, weil wir keine andere Möglichkeit > mehr gesehen haben, das legitime Interesse der freien Presse gegen die ungehemmte
> Expansion der öffentlichen Sender zu verteidigen.
Sorry, aber was für eine manipulative, rabulistische Sprachwahl. “Freie Presse” hier, “unfreie Presse” da? Gerade Springer ist für mich das Gegenteil von frei. Lidl-Kampagnen mit der BILD sind da noch das kleinste Übel, politische Kampagnen, ob offen oder verdeckt, an der Tagesordnung.
“Frei” ist bei der Privatpresse höchstens das Finanzierungsmodell. Mit dem Tendenzschutz ist sogar gesetzlich abgesichert, dass die Presse gar nicht frei sein muss.
Antworten ↓ 28. Juni 2011 12:22
(Pingback)	[...] der „Tagesschau”-App führt zu schmerzhaften Verrenkungen der Verleger. Springers Außenminister Christoph Keese sagt: „Im Supermarkt kann man für den Joghurt auch keinen Euro nehmen, wenn daneben [...]
28 | June | 2011 | lifestream.EINS78.com
(Pingback)	[...] Christoph Keese: Warum Verlage gegen die ARD klagen [...]
Döpfners rote Linie « Stefan Niggemeier
Jens Best	Gerade den Werbe-Slogan der FAZ iPad-App gesehen:
“Für Leser, nicht für User”
Antworten ↓ 27. Juni 2011 02:29
Debian	mal ehrlich…glaubt ihr wirklich ihr kommt mit der Klage weiter? wie viel GEld blässt ihr in die Luft? Wie viel wert verliert ihr duch das verlorene Image. Und dann noch so eine lächerliche Antwort, dass die Regierung und Co schuld sind!
Ich kanns zwar verstehen und Ihr habt auch damit Recht, aber euch muss klar sein, dass es nicht mehr ausreicht nur noch Recht zu haben zu klagen und dann weiter so zu machen.
Ersthaft kommt damit klar, so ist das leben.
Antworten ↓ 26. Juni 2011 10:06
(Pingback)	[...] so sehr voll (bewusst?) falscher Argumente war, wie der, den Springer-Cheflobbyist Christoph Keese zur Klage der Verlage gegen die Tagesschau-App geschrieben hat. Unfassbar. Aber trotzdem lesenswert, weil er sehr schön zeigt, mit welchen perfiden und [...]
Verlage gegen die ARD: Die Welt mit anderen Augen sehen | Weblog von Martin Hoffmann - Diplom Online-Journalist aus Leipzig
hinterwald	ist nun wirklich nicht so, daß ich tagesschau gucke, geschweige denn mir eine app auf ein nicht vorhandenes handy runterlade, um mir diesen auf kindergartenniveau zusammengequetschten mist anzugucken … aaaaaber:
ich mache das nur deshalb nicht, weil ich dem anderen teil des ÖR, konkret dem radio den vorzug vor _allem_, besonders den printmedien gebe. die sind in den letzten jahren zu dpa-weiterreich koppieranstalten verkommen, im falle springer zu einer volksverhetzungsmaschine.
und jetzt gucke ich den erbärmlichen printmedien dabei zu, wie sie zu blöde sind, eigene, unschlagbare angebote zu machen und statt dessen in die selben heulsuserei zu verfallen, die schon die musikindustrie ruiniert hat? daß ich nicht lache!
diese klage ist ein armutszeugnis sondergleichen. wenn es die printmedien statt dieses lemmingrennens und des ewigen gegreines nicht schaffen, etwas zu produzieren, was der kunde – sprich ich – noch vor jahren von ihnen erwarten könnte und heute nicht mehr geliefert bekomme, dann sollen sie verdammt noch mal zur hölle fahren.
die funktion, die die presse früher vielleicht einmal hatte, die übernehmen heute die blogs, da brauche ich keine gehirnwaschmaschine a la spiegel, keinen ben ali-duktus alteingesessener sesselpupser.
denn das, was vor ein paar tagen auf der wdr tagung in richtung ÖR gesagt wurde, das stimmt zu 100% auch für die presse. die ben alis unseres landes, die sitzen beim spiegel, der SZ, der zeit – und die assads bei springer. und ihr seid damit konfrontiert, daß seit es meinungsfreiheit in diesem land in form der blogs gibt, dem aussterben geweiht. unweigerlich – und das ist gut so.
Antworten ↓ 24. Juni 2011 19:39
(Pingback)	[...] Warum Verlage gegen die ARD klagen – Christoph Keese | der presseschauder [...]
22. Juni 2011 bis 24. Juni 2011 « Notizen
Andreas	Wie sieht es eigentlich mit dem Standpunkt aus, dass ich (und ich bin mir sicher auch viele weitere “App-Nutzer”) ein Angebot aus dem Hause Axel Springer & Konsorten nicht einmal dann auf mein iDevice laden würde wenn ich dafür noch Geld bekommen würde? Sie werden uns nicht zwingen können ihren Content zu mögen, so einfach ist das. Die App der Tagesschau erfüllt für mich (ob Sie das wollen oder nicht) einen völlig anderen Zweck als die Apps von Welt und Bild es könnten. BILD verliert nicht zufällig an Lesern, was bringt Sie denn bitte auf den Gedanken, dass gerade die jüngeren Leute sich reihenweise ihre Apps nur deswegen nicht installieren wollen, weil wir alle mit der Tagesschau-App schon gut bedient sind? Das ist doch lächerlich. Die Qualität der Tagesschau erreichen Sie sowieso nicht, und BILD will ich weder offline noch online bezahlen.
Antworten ↓ 24. Juni 2011 16:03
Hansjörg Schmidt	Sehr geehrter Herr Keese,
natürlich bekümmert mich der Zustand der hamburger (und der deutschen) Medienwirtschaft. Zu viele Chancen wurden liegen gelassen, zu viele Optionen verspielt. Für die deutsche Medienlandschaft ist es aber elementar wichtig, dass wir neben den öffentlich-rechtlichen Angeboten auch starke, wettbewerbsfähige Medienhäuser aus der Privatwirtschaft haben.
Wenn es den Verlagshäusern um eine sinnvolle Abgrenzung zwischen privatwirtschaftlichen Medien und gebührenfinanzierten Medien geht, dann sollten wir darüber reden. Nicht mit Anwälten im Gerichtssaal, sondern am Verhandlungstisch und in der Öffentlichkeit. Hier können wir dann auch über die Chancen reden, die sich durch die neuen Möglichkeiten für alle Beteiligten eröffnen.
Da sich diese Diskussion nun über mehr als 140 Zeichen erstreckt, habe ich meine Gedanken zu dem Thema ein wenig ausführlicher dargelegt:
http://www.hansjoerg-schmidt.de/mywp/2011/06/24/warum-ich-die-klage-gegen-die-tagesschau-app-bedauere/
Antworten ↓ 24. Juni 2011 16:01
Christoph Keese	Sehr geehrter Herr Schmidt,
danke für Ihren Eintrag und Ihre eigene ausführliche Antwort. Ich weiß zu schätzen, dass Sie offen an dieser Debatte teilnehmen. Ihre Argumente nehme ich ernst, setze mich mit ihnen auseinander und würde den öffentlichen Dialog gern fortsetzen. Für heute erst einmal Dank für Ihr Engagement.
Antworten ↓ 24. Juni 2011 20:56
Thomas Gotthal	Die Stellungnahme ist überraschend lang. Ich habe mir lieber die Zusammenfassung auf kress durchgelesen. Und einen Irrtum entdeckt: Es handelt sich nur vordergründig um eine Nulltarif-App. Bezahlt wurde sie mit den flächendeckend erhobenen, ins Gerede gekommenen GEZ-Einzugsgebühren sämtlicher Bundesbürger. Diese haben einen Rechtsanspruch darauf, die Tagesschau zu sehen: Bezahlt ist bezahlt! Ein über diese “Grundversorgung” hinausgehendes Presse- bzw. Infotainementangebot muss sich daher auf echte Mehrwerte beziehen, die eine für Verleger großartige Neuakquise von Bezahlkunden ermöglichen würde. Dieses läßt sich auf dem Gerichtsweg nicht erfolgversprechend generieren. Schon jetzt ist es mehr als bedauerlich, dass die Angebote der netztechnisch verfügbaren “öffentlich-rechtlichen” Mediatheken nicht etwa das vollständige Programmangebot enthalten und nach zu kurzer Frist gelöscht werden müssen, auch das ein Verdienst der deutschen Verleger und Medienkonzerne. Nein, nein, es gibt kaum vernünftige Gründe, das mediale Angebot der “Öffentlich Rechtlichen” rechtlich einzuschränken, so lange man meint, deren Angebot habe qualitätsbeeinflussendes Niveau. Wer sich das Privatfernsehen ansieht, versteht mich ohne nähere Detaillierung.
Antworten ↓ 24. Juni 2011 14:53
Wolf Achim Wiegand	Die Übergriffigkeit der Öffentlich-Rechtlichen muss immer wieder gebremst werden. Schade, dass dazu eine Klage nötig ist. Doch hier muss endlich Klarheit gefunden werden – auch im Interesse der von GEZ-Zwangsgebühr Betroffenen…!
Antworten ↓ 24. Juni 2011 13:47
vera	Noch ein weiterer Punkt: Ganz unter den Tisch fallen läßt Herr Keese, daß die Verlage in Sachen Löschung bereits durch Gebühren bezahlter Inhalte mit Hilfe der Politik einen großen – und überaus fragwürdigen – ‘Sieg’ über die öR erlangt hat. (Im Zusammenhang ist es übrigens ziemlich lächerlich, andere des ‘harten Lobbyismus’ zu zeihen. Völlig absurd auch, der Politik laxes Vorgehen vorzuwerfen: Man beißt nicht die Hand, die einen füttert.)
Antworten ↓ 24. Juni 2011 12:59
Christoph Keese	Diesen Punkt habe ich nicht unter den Tisch fallen gelassen, sondern er ist schlicht nicht Gegenstand dieser Klage. Es geht in dem Wettbewerbsverfahren nicht um die 7-Tage-Grenze. Nur deswegen wurde sie nicht erwähnt. Durchgesetzt haben diese Grenze nicht nur die Verlage, sondern vor allem die TV-Produzenten. Wenn ARD und ZDF alle Filme für immer und ewig in ihren Medientheken behalten könnten, würde der Markt für DVDs dieser Filme auf Null zusammenbrechen. Jetzt werden Sie sagen: Warum auch nicht – die selbstproduzierten Filme von ARD und ZDF sind doch von den Gebühren schon bezahlt. Doch das sind sie nicht. Erstens, weil ARD und ZDF bei Fiction-Produktion oft genug keine 100% der Produktionskosten bezahlen, sondern weniger und den Produzenten auf den Restkosten sitzen lassen, der sie irgendwo anders verdienen muss, zum Beispiel durch Folgevermarktung. Zweitens werden mit Gebühren längst nicht immer alle Rechte für alle Zeiten gekauft – weder für Film, Foto oder Text -, sondern Rechteausschnitte, wie zum Beispiel das Recht der Erstausstrahlung. Natürlich achten ARD und ZDF darauf, dass sie Rechte für die jeweilige Nutzung einholen – ich möchte den Sendern hiermit nicht unterstellt haben, Urheberrechte zu verletzen. Ich wollte nur Ihrem Argument begegnen, dass mit den Gebühren doch schon alles bezahlt sei. Das ist nicht so. Aber selbst wenn es so wäre, würde die gesetzliche Vorschrift aus §11d des Rundfunkstaatsvertrags gelten: Keine elektronische Presse!
Antworten ↓ 24. Juni 2011 21:18
vera	Es macht sich immerhin gut und ist durchaus zweckdienlich, bereits errungene Ziele gelegentlich nicht erneut zu erwähnen. Ich erinnerte nur daran, um Sie ein wenig zu trösten und an Ihrer Rolle als armer Konzerngeschäftsführer nicht gänzlich verzweifeln zu lassen.
Sie wissen ebenso gut wie ich, daß es nicht um Spielfilme und deren Verkäuflichkeit als DVD geht. Die Urteilsdatenbank des ARD-Ratgebers Recht beispielsweise fällt sicher nicht in diese Kategorie. Ich bedanke mich für Ihre erhellende Ausführung. Da die Gepflogenheiten als bekannt vorausgesetzt werden dürfen, haben Sie zumindest die Gelegenheit zu einem kleinen Seitenhieb nutzen können. Nun, zu diesem Thema kann andernorts genügend nachgelesen werden.
Es geht um die bemerkenswerte Sturheit, mit der die Verleger mithilfe ungeeigneter Mittel versuchen, Pfründensicherung zu betreiben. Von einem toten Pferd soll man absteigen; schlecht, wenn man nicht bereit ist, eine andere Fortbewegungsart zu lernen. Wie Thomas Lückerath so schön bei DWDL feststellte: “Nach etwa fünfzehn Jahren des kommerziell erfolgreichen Internets fällt den deutschen Verlegern also auf, dass es online Texte zu lesen gibt.” Das, Herr Keese, nimmt Ihnen allerdings wirklich niemand ab.
Antworten ↓ 25. Juni 2011 01:13
(Pingback)	[...] stellt Christoph Keese gleich zu Beginn seines Artikels im Presseschauer klar: Vorab sei angemerkt: Ich bin in dieser Sache befangen, da mein Arbeitgeber [...]
Springerverlag attestiert seine eigene Hilflosigkeit in Sachen Tagesschau-App | Reizzentrum
Thomas Knüwer	“Die Verlage bringen erfolgreiche Apps heraus.”
Wirklich? Ich bestreite das.
Süddeutsche Zeitung: vernichtende Bewertung bei Itunes.
FAZ: ebenfalls.
Handelsblatt: Gute Kritiken für Iphone-App, aber sehr wenige. Ipad-App ein Totalschaden.
Stern: Schlechte Kritiken für das potemkinsche Journalistendorf.
Die Welt: Ist bei Itunes nicht mit den Suchworten “Welt” oder “Die Welt” zu finden – tolle Leistung. Gemischte Kritken.
Aber Sie, Herr Keese, können mich jetzt ganz dumm dastehen lassen. Indem Sie uns verraten, wieviele Menschen tatsächlich ein Abo bei den Iphone- und Ipad-Apps von Welt und Bild abgeschlossen haben (und zwar ohne Probe-Abos). Nicht die Zahl der Downloads zählt – allein die Zahl der Abos.
Solange Axel Springer diese Zahl nicht herausgibt, können wir davon ausgehen, dass sie nicht zufriedenstellend ist. Denn gute Nachrichten können Verlage ja gemeinhin nicht für sich behalten…
Antworten ↓ 24. Juni 2011 11:55
Christoph Keese	Die Websites der von Ihnen genannten Verlage sind erstklassig. Das werden Sie nicht bestreiten. Die Apps werden in vielen Updates besser und besser. Wenn sie Ihnen noch nicht reichhaltig genug sind, dann treten Sie doch für das Entstehen freier und offener Märkte ein. Sie waren einmal Mitarbeiter einer liberalen Wirtschaftszeitung. Der marktwirtschaftliche Weg ist, dass die Apps Kunden finden, den Umsatz (natürlich verbunden mit Anfangsinvestitionen) nutzen, um Stück für Stück besser zu werden und so über die Zeit eine ähnliche Brillanz erreichen wie bei den Websites. Die Alternative kann doch nicht sein, das ein gebührenfinanziertes Gratisangebot die Zahlungbereitschaft der Kundschaft abklemmt.
Was unsere Abozahlen im AppStore angeht: Wir veröffentlichen Zahlen dazu bei der Jahrespressekonferenz und anlässlich der Quartalszahlen. Schauen Sie mal nach. Oder eigentlich hätten Sie auch vorher schon mal nachschauen können, bevor Sie die Behauptung aufstellen, wir würden Zahlen verheimlichen, um einen Misserfolg zu vertuschen. Aber wir sind auch so ehrlich zu sagen, dass unser Geschäft viel besser laufen würde, wenn die Tagesschau keine Gratispresse in den AppStore stellen würde. Ich habe im Blog auch deutlich gesagt, dass die Tagesschau die Preise drückt, auch bei uns. Fehlende Offenheit erkenne ich da nicht.
Antworten ↓ 24. Juni 2011 21:28
Thomas Knüwer	Lieber Herr Keese,
weiterhin liegen unsere Meinungen weit auseinander. Fakt ist: Bis auf den Spiegel hat bisher kein Verlag eine technisch wettbewerbsfähige App vorgelegt. Fakt ist auch: Die Apps enthalten den gleichen, austauschbaren, tief fliegenden Agenturkopierjournalismus wie die Nachrichtensites. Ausnahme: Bild. Aber Bild ist ja auch mehr Entertainment, denn Qualitätsjournalismus.
Die App der Tagesschau ist derzeit die beste deutsche Nachrichtenapp. Liegt das am sensationell hohen Investment? Nein. Es liegt daran, dass einfach mal jemand ein Gefühl für User Experience hatte – das in Verlagen anscheinend nicht existiert.
Zu behaupten, der “marktwirtschaftliche Weg” sei es, etwas unfertiges auf den Markt zu werfen ist… mutig. Wenn Autohersteller das täten, wären wir beide mutmaßlich nicht mehr am Leben. Fakt ist: Verlage werfen Apps auf den Markt, die nicht ausreichend getestet sind – und verlangen trotzdem Geld dafür.
Dies erreicht sogar ein Ausmaß, das mit Betrug beschrieben werden könnte. Nehmen Sie als Beispiel “Mein Klub” aus ihrem Hause: Dort steht unter jedem Artikel, man könne klicken um ins Bundesliga-Forum zu gelangen. Versuchen Sie es mal. Sie werden feststellen: Man kann nicht klicken. Angekündigt Bilder-Galerien sind ebenfalls nicht erreichbar. Trotzdem verlangt Axel Springer für die “Premium Edition” Geld. Mit Verlaub: eine Unverschämtheit. Hier werden automatisiert Texte eingekippt, ohne dass nochmal jemand draufschaut.
Und damit wären wir bei Ihren Zahlen: Die veröffentlichen sie nicht. Zumindest nicht die Abo-Zahlen. Und deshalb bleibe ich dabei: Sie sind schlecht.
Das aber hat nichts mit öffentlich-rechtlicher Konkurrenz zu tun, sondern einfach mit nicht wettbewerbsfähiger Leistung. Nehmen Sie den Wettbewerb erstmal auf! Axel Springer wäre ob der weinerlichen Haltung des aktuellen Management – betteln um Staatssubventionen, zetern über öffentlich-rechtliche Sender – tief enttäuscht. Denn er war ein echter Unternehmer und Marktwirtschaftler.
Antworten ↓ 24. Juni 2011 22:00
Nerddeutschland	“Süddeutsche Zeitung: vernichtende Bewertung bei Itunes.
Die Welt: Ist bei Itunes nicht mit den Suchworten “Welt” oder “Die Welt” zu finden – tolle Leistung. Gemischte Kritken.”
Sie bewegen sich bzgl. ihrer Bewertungsgrundlage genauso nah an der Grasnarbe wie DWDL: Da wird den Apps Qualität & (Zukunfts)- Potenzial abgesprochen, weil sie nicht in den App-Charts auftauchen (Was vergleichbar damit ist, als würde man einem guten Film auf Arte die Qualität absprechen, bloß weil dieser am folgenden Tag nicht in den Toplists der TV-Quoten vertreten wäre, da er sich nicht gegen DSDS, GNTM und Co. dursetzen konnte), und Sie beurteilen die
Qualität der Apps ausschließlich anhand der Bewertungen in Itunes?
Haben Sie mal selbst über einen längeren Zeitraum einige dieser Apps getestet?
Und wenn nein, haben Sie sich dann wenigstens kurz die Mühe gemacht, zu evaluieren, wie es um die Qualität der Kommentare steht? Was dort konkret kritisiert wird. Preis, Präsentation, technische Mängel, Kundendienst…?
“FAZ: ebenfalls.” (“vernichtend”)
Aha. Ein Blick in die Bewertungen zeigt jedoch schnell:
- Iphone: mit der Form und Inhalt sind die Nutzer grundsätzlich zufrieden. Das negative Feedback resultiert überwiegend aus einer überdimensionalen Bannerwerbung, die erst seit dem letzten Update eingefügt wurde. Ein Detail, über dessen Korrektur man sicherlich reden kann. Im Mittel ist die Bewertung übrigens nicht “vernichtend”, sondern eine 2,5/5 was einer “ausreichendenden” Benotung entspricht.
-Ipad: ebenfalls eine grundsätzlich hohe Zufriedenheitsquote, die lediglich durch kurzfristige technische Probleme seit einem einem Update getrübt werden (die ich jedoch selbst nicht hatte). Im Mittel bekommt die App eine 3,5/5 was “briefiedigend” ist.
Da ich mich aber nicht auf fremde Userbewertungen stützen will, sondern einige Apps intensiv nutze, kann ich diese auch eigenständig beurteilen:
- FAZ/Iphone – Mit Ausnahme der jüngst eingepflegten aufgringlichen Bannerwerbung sehr angenehm: klar strukturiert, übersichtlich gestaltet, gute Handhabung. Die iphone- exclusiven Empfehlungen stellen einen echten Mehrwert dar, die Sharing-Option via Twitter geht leicht von der Hand, das diesbzgl. Textfeld lässt sich dabei leicht editieren, ohne dass man sich mit der Lupe “einen Wolf drückt”.
Weitere externe Links, passend zum Tweet-Content, ließen sich bequem via Copy&Paste aus Safari einfügen und über eine implementierte Shrink-Funktion via Tiny URL verkürzen. Eine Option für ” Rich Media Mashups” im Kleinen und für unterwegs, direkt aus der App. Den Link-Shortener-Button kenne ich so in keiner anderen Zeitungs-App. Der Jahrespreis von 22,99€ ist angemessen.
- FAZ/Ipad – Für mich eine echte Überraschung: Das minimalistische Konzept wirkt auf den ersten Blick dröge, offenbart dann aber schnell seine Stärken: im WLAN zu Hause dauert es keine 3 Minuten, bis eine Ausgabe “durchgeladen” ist, und selbst via UMTS sind die Ladezeiten noch erträglich. Im Urlaub oder bei Besuchen in der Provinz ein klares plus. Ausfälle gibt es selten zu beklagen, meist ist die Zeitung pünktlich um 21:30 fertig.
Als Pendler, der morgens keine Papierzeitung mehr schafft, und der Abends keine Zeitung vom abgelaufenen Tag bei sich rumliegen sehen will, eine schöne Sache: Nach dem Job schon ein bisschen “runtergekommen”, lese ich mir einfach abends die Zeitung vom nächsten Tag durch. Da schlank, schnell ohne störende Ladezeiten, gehe ich nichtmal mehr in die Artikelübersicht, sondern blättere und pinche direkt in der Hauptansicht. Eine angenehme Handhabung und eine dadurch bedingt signifikant höhere Lesegeschwindigkeit gegenüber Print machen richtig Spaß.
Die konsequente Reduktion auf das wesentliche, auch um entsprechende Sharing-Optionen, ist im Sinne der einfachen Handhabung&eines geringen Datenverbrauchs hier sogar zu begrüßen.
Will ich das ein oder andere Snippet mal tatsächlich teilen, dass mir nicht noch schon anderer Form über den Tag über den Weg gelaufen ist, schieße ich aus dem laufenden Lesevorgang, ohne Brüche, einfach ein paar Screenshots, schiebe mir die nach Ende der Lektüre als Batch mit bis zu 5 Pics/Mail zu Gmail, und verteile die Snippets beizeiten dann bequem weiter via Iphone.
Weiteres plus: der Themenmonitor. Sich fortlaufend zu bestimmten Themen innerhalb der App selbst einen Mini-Aggregator anzulegen funktioniert und macht Sinn. Der Preis/Ausgabe erschein mir ein wenig hoch, da die Kostendegression durch den Wegfall von Produktion,Logistik&Vertrieb nicht ausreichend an den Leser weitergegeben wird. Aber das ist nur mein Gefühl, ich kenne die kalkulatorischen Grundlagen nicht. Insgesamt jedoch empfehlenswert, die Vorteile, die sich bei einem knappen Zeitbudget ergeben, rechtfertigen auch den “hohen” Preis.
Als ausgewiesenen Fachmann und Experten sind Ihnen solche Betrachtungen sicherlich zu “kleinteilig”, dennoch würde mich interessieren, wo bei den genannten Features denn die “vernichtenen” Aspekte zu suchen wären? Vor meinen Augen wissen die sich jedenfalls sehr gut zu verstecken…
Welt/Iphone: mir etwas zu überladen und unübersichtlich, die Darstellung der Weltkompakt gefällt mir jedoch gut.
WeltHD/Ipad: ist mir ebenfalls zu überladen und unübersichtlich. Artikel, die sich über zig Seiten erstrecken, wirken schnell ermüdend, und liefern vorab keine schnelle Vorabübersicht über die Gesamtlänge der Artikel.
Beide Formate treffen zwar nicht meinen Geschmack, sind aber auch nicht schlecht gemacht.
HB: Lese ich nicht, dito Stern
SZ: muss man nicht darüber sprechen. Die Iphone-App ist eine mit Slides vollgestopfte Unübersichtlichkeit, die Handhabung eine Zumutung. Hinzu kommen nicht selten Abrechnungsprobleme. Die SZ-Magazin-App auf dem Ipad habe ich gestern getestet, und komme zu einem noch kriterischen Urteil: zäh, lieblos, Ladezeiten, aufgebläht durch ellenlange knackscharfe Werbespots, wogegen die eigenen Bewegtbildinhalte wie ein hässliches Entlein wirken, und dazu noch lieblos ins Format geklatscht wurden. Schrott. Nichtmal die veranschlagten 0,79€/Ausgabe wert.
München ist in meinem Portfolio längst auf “StandBy”. Print kaufe ich nicht regelmäßig, digital garnicht, und online greife ich selektiv nur noch Kister & Prantl ab.
Ich kenne die Hintergründe für diesen Rückstand der SZ nicht, und er ist mir auch egal. Ich sitze die Zeitung einfach solange aus, bis eine Printfirst- Bremser-Generation (sofern es denn eine gibt, und die Ursachen nicht woanders zu suchen sind) da rausgewachsen, oder bis der Markt die Zeitung einfach zu einem Mehraufwand im Digitalen zwingt.
Alles Einschätzungen, die insgesamt ein weit heterogeneres Bild bzgl. der App-Qualität zeigen, als Sie es einem mit Ihrem Kurz-Rant glauben machen wollen. Spekulationen über tragfähige Erlösmodelle bleiben davon unberührt,
aber die Qualität der Angebote stellt sich keinesfalls so negativ dar, wie sie es hier anprangern.
Subjektiv und in in einzelnen Aspekten speziell, aber dafür liegen meinen Ansichten wenigstens Erfahrungswerte zugrunde und nicht nur die verzerrenden Ergebnisse eines beiläufigen Seitenblicks auf Itunes-Meinungsbilder.
Was “Zahlen” angeht, bis ich gespannt, ob Sie die Ihren im Oktober publizieren werden.
Bei einem Verlag, der nichtmal bereit ist das Risiko einzugehen einen ehrlichen OneShots zu starten, weil er ,”aus Gründen”, dem Projekt vorab bereits wenig Chancen einräumt(?), und der deshalb die Wired einem beliebigen Lifestyle- Titel beilegen will.
Wahrscheinlich ist man sich im Hause dessen noch nicht einmal bewusst, sondern hat sich in internen Strategiepapers einfach so oft gegenseitig selbst bestätigt, dass die GQ “Qualitätsjournalismus” mit “Erlebniswelt” darstelle, bis man es selbst anfing zu glauben, und meinte, dass das ganze Kontrukt eine wirklich gute Idee sei. In Sachen “zweifelhafter Ideeisierung” befinden Sie sich in diesem Kontext also gerade in “guter Gesellschaft”. Wenn man an andere Leute Baustelle rumstilzt, dann sollte man dann wenigstens selbst etwas zu bieten haben, das Hand und Fuß hat.
Seh ich aber nicht…
Antworten ↓ 25. Juni 2011 03:51
Thomas Knüwer	Sie verdrehen ein wenig meine Worte. Ich spreche nicht von den Charts (das wären die Download-Zahlen – die sind alle prima), sondern von der Bewertung. Die wenigsten Verlags-Apps schaffen mehr als 3 Sterne, einige liegen bei 2,5. Das ist – böse. Natürlich gibt es positive Stimmen. Ich rate aber mal, die Default-Einstellung “Nützlichste Kommentare” zu verändern in die jüngsten Kommentare – das gibt ein besseres Bild. Übrigens habe ich all die Apps zumindest für einige Wochen getestet. Derzeit nutze ich an deutschen Nachrichten-Apps nur noch die des Spiegel.
In Sachen Condé Nast: Dies ist nicht “mein Haus”. kpunktnull ist “mein Haus”. Ich arbeite temporar befristet, weshalb ich mich nicht über den Verlag äußere.
Antworten ↓ 25. Juni 2011 06:48
Thomas Knüwer	Ergänzung: Meine Aussage über die App-Nutzung bezog sich auf Apps von Verlagen. Die App der Tagesschau nutze ich ebenfalls.
Antworten ↓ 25. Juni 2011 06:51
Tim	Krebsartig wuchernde staatliche Funkmoloche mit Milliardenkosten, aber ohne jede funktionierende Kontrolle – und das Volk empört sich nicht mal richtig drüber. Sowas geht wirklich nur in Deutschland.
Niemand hätte etwas gegen jeweils einen regionalen Radiosender und ein nationales TV-Programm mit Info- und Kulturschwerpunkt zu 5 Euro pro Monat und Haushalt.
Antworten ↓ 24. Juni 2011 11:46
(Pingback)	[...] 24. Juni: Christoph Keese, Konzerngeschäftsführer „Public Affairs“ der Axel Springer AG, äußert sich in einem umfangreichen Artikel zur Klage. Er erklärt die Tatsache, dass wegen der Textlastigkeit lediglich gegen die Tagesschau-App aber [...]
Verlage klagen gegen Tagesschau-App: Ein Akt der Verzweiflung oder Inkompetenz » netzwertig.com
(Pingback)	[...] 24. Juni: Christoph Keese, Konzerngeschäftsführers „Public Affairs“ der Axel Springer AG, äußert sich in einem umfangreichen Artikel zur Klage. Er erklärt die Tatsache, dass wegen der Textlastigkeit lediglich gegen die Tagesschau-App aber [...]
Romantisierung von Print: Das Hoffen auf die ewige Kraft des Papiers » netzwertig.com
Christoph Kappes	PS: Doch noch mal deutlich:
1. Die begrifflichen Konzepte von Presse und TV haben sich inzwischen erledigt. Das Internet ist ein Metamedium/Container für andere Medien und das es obendrein die Informationstypen vermischt, existiert kein sinnvoller Anhaltspunkt mehr für einen regulatorischen Ansatz.
2. Weder Verleger noch ARD/ZDF kommen aber mit solcherart Theorie weiter, weil der Konflikt real und wirtschaftlich relevant ist und dahinter auch Arbeitsplätze stehen.
3. Der einzige, der das Problem lösen kann, ist der Gesetzgeber. Die Strukturen von Mediengesetzgebung sind reformbedürftig.
4. Solange der Gesetzgeber “das Neue” nicht findet oder aus Angst vor Mediengruppe A oder B herumeiert, bleiben die Beteiligten auf den Klageweg verwiesen, während das Publikum halb ärgerlich, halb gelangweilt zuschaut.
5. Die Politik stört Nr. 4 aber nicht, weil das Publikum Verlage bzw ARD/ZDF als Streithähne wahrnimmt.
6. Die Verantwortung liegt bei der Politik, die das Thema parteiübergreifend aussitzt, indem es auf die Strukturen des Föderalismus verweist, obwohl genau hier ein wesentliches Hindernis sitzt.
Antworten ↓ 24. Juni 2011 11:27
Christoph Kappes	@Jens: Was so aussieht, wie eine Argumentation unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten (nämlich zwischen Verlagen und ö-r Anstalten), ist aber eine Argumentation zum Zwecke der Freiheitssicherung. Staatliches Handeln im Prozess der Meinungsbildung ist strukturell gefährlich, weil sich das politische System im Mediensystem reproduziert und auf diese Weise sich eine positive Rückkopplung vom Souverän sichert. (Ich könnte das auch anders ausdrücken. Aber gerade wenn wir mal einen mentalen Link auf Post-Demokratie-Diskussion machen, dann sehen wir das Problem noch deutlicher!)
Antworten ↓ 24. Juni 2011 11:09
(Pingback)	[...] http://www.presseschauder.de/warum-verlage-gegen-die-ard-klagen/ Diesen Eintrag bookmarken: Diese Icons verlinken auf Bookmark Dienste bei denen Nutzer neue Inhalte finden und mit anderen teilen können. [...]
Klage von Verlagen gegen Tagesschau-App -Presserecht aktuell
Nerddeutschland	Ich betrachte den Vorgang mal rein aus einer wirtschaftlichen Perspektive, die die Wettbewerbsverzerrung deutlicher macht:
1. Die GEBÜHRENFINANZIERUNG, also das Leben durch ZWANGsabgaben, zwingt die ARD zu keinerlei wirtschaftlichem Handeln.
Wer sich an dieser Stelle entrüstet fühlen möchte, dem steht das frei, aber ich kenne beide Welten, und setze hier auch ganz bewusst keine ” “. Welten. Keinerlei. Entsprechende Kontrollgremien beurteile ich in der Praxis als irrelevant: Im Zweifel könnte man den Gesetzgeber ja immer dazu bemühen, über eine Gebührenerhöhung “nachzuschiessen”.
Was sollte die ARD daran hindern, mal über den reinen Nachrichten-Stream hinaus zu gehen, und die App mit Meinungs- Journalismus zu füttern? Nichts.
In den Tagesthemen kommt im Anschluss der Kommentar, in der App irgendwann auch.
Was sollte das ZDF daran hindern, hier nicht ebenfalls mal mit einem eigenen Angebot nachzuziehen? Nichts.
Will sagen: es geht nicht nur um die Gegenwart, sondern auch um die Frage, wie auch ein Wettbewerb in der Zukunft aussehen kann!
Gegenfrage: “Gut, das ist wettbewerbsverzerrend, Ok. Die einen bekommen ihr Geld, egal ob, was, oder wie sie dafür arbeiten, die anderen müssen Wirtschaftlichkeit als Handlungsmaxime ansetzen. Aber ist dieses Mißverhältnis nicht vergleichbar mit dem TV-Markt, oder dem Radio? Da klappt das doch auch…”
Nein, ist es nicht! Das Schlüsselwort ist ABGRENZUNG. Im Gegensatz zum TV, in dem sich jeder seine Nische suchen konnte, ein Alleinstellungsmerkmal (Blockbuster, Trashformate) herausbilden konnte, klappt das im Nachrichten- Geschäft nicht so gut: Nachrichten sind Nachrichten & Meinungsbilder sind Meinungsbilder. Auf den ersten Blick alle “gleich”.
Allein eine bestimmte politische oder gesellschaftliche Ausrichtung reichen da nicht aus, jedenfalls nicht im gesättigten digitalen
Wettbewerb, der uns heute begegnet, und zudem nicht vor dem Hintergrund einer immer weiter ausdifferenzierten Gesellschaft, in der immer weniger eine Gruppe als Zielgruppe definiert werden kann.
Weiterhin: Nachrichten sind kein knappes Gut, jedenfalls nicht vergleichbar mit dem, was im TV-Geschäft passiert: wer ein Film/Serienformat lizensiert, der hat daran, zeitbezogen, die Exclusiv- Rechte. Dass damit einhergehend ein bestimmtes Vermarktungspotenzial verbunden ist, eine Planungssicherheit bzgl. der Investition gewährleistet sein kann,… sprich, das wirtschaftliches Handeln überhaupt erst ermöglicht wird, das sollte einleuchten.
Haben die Verlage bzgl. Inhalteauswahl, Meinungsjournalismus, Selbstdarstellung einen vergleichbaren Handlungsspielraum? Nein. Jedenfalls keinen, den der wirtschaftlich relevante Massenpublikum auch als solchen erkennen und beurteilen würde: Wer die Wahl hat zwischen einer “kostenlosen” Tagesschau- App und einem kostenpflichtigen Verlagsangebot, der greift eher zur Tagessschau. Zum einen, weil es ihm vielleicht Meinungsjournalismus, aus welcher Richtung auch immer egal ist, zum anderen weil er eh schon dafür bezahlt: über seine GEZ- Gebühr!
Einen passenden Kommentar dazu las ich gestern: “Ich würde so gern mein GEZ- Abo kündigen, zugunsten eines der SZ!”
Kann man den Aspekt der Wettbewerbsverzerrung in einem Einzeiler besser beschreiben? Ich glaube nicht.
Aber zurück zur ABGRENZUNG. Es gibt an jeder Ecke den Vorwurf: “Na dann sollen die Verlage es BESSER machen, dann kommen sie schon über die Runden, dann, dann werden die Menschen/Kunden das schon wahrnehmen.”
Aha. Dazu mal ein Beispiel, wie schwer es ist “Besser zu machen”, also sich abzugrenzen, und dabei gleichzeitig wirtschaftlich zu sein:
Sucht man sich ein beliebiges politisches Thema, und legt sich Leitartikel&Kommentare aus FAZ,Welt und SZ zusammen, ohne die Quelle zu kennen (quasi der Coke-Pepsi-Test für News) dann müsste man sich schon manchmal anstrengen.
Packt man sich einen der FTD dazu, dann nicht mehr. Die Dinger haben Wiedererkennungswert.
Der pointierte, süffisant- bissige, destruktive Spin grenzt sich von den anderen Formaten ab.
Signifikant, mit einem hohen Wiedererkennungswert. Das ist sehr gut gemacht, und ich wüsste nicht, wie man sich aus journalistischer Sicht noch weiter abgrenzen könnte, wie man noch “besser” – im Sinne dieses Kritikpunktes- sein sollte. Gleiches gilt für die Tiefe. Ein jüngeres Beispiel: kein mir bekanntes anderes Format hat bzgl. der Übernahme von Navigon durch Garmin zeitnah soviele Hintergrundinformationen beigesteuert, wie die ftd. Als andere noch den dpa- Ticker durchliefen ließen, war hier schon zu lesen, wer, was, wann, wieso, weshalb, mit wem, gegen wen. Es blieb keine Frage offen.
Wenn man sich jetzt mit mir darauf einlassen kann, dass die FTD hier inhaltlich wirklich Alleinstellungsmerkmale liefert, die man in bestimmten Bereichen als State of the Art einschätzen mag, und wo man jetzt nicht konkrete Ansätze für “Besser machen” aus der hohlen Hand finden kann, dann bleibt immer noch die Frage nach der Wirtschaftlichkeit. Unabhängig davon, ob man das Marktpozenzial für zwei Wirtschafts-Tageszeitungen anzweifelt oder nicht. In Sachen Abgrenzung durch Qualität&Individualität lasse ich mich gern belehren. Wie geht hier “Besser machen”?
Das Ding gibt alles, ist aber nicht profitabel. Derjenige der das Blatt in die Gewinnzone geschossen bekommt, bzw. gar einen Umsatzbringer daraus macht, müsste sich bzgl. seiner weiteren Karriere um Verlagswesen wohl kaum Sorgen machen…
Zurück zum Digitalen: Überträgt man die Schwierigkeiten des genannten Beispiels auf Apps, dann frage ich mich: Ok, wie soll man es machen: sich abgrenzen&gleichzeitig wirtschaftlich rentabel sein? “Besser machen” fordern ist leicht, vor allem für “Freie”, die keine Verantwortung bzgl. einem Apparat aus Sharholdern/Stakeholdern haben und nur eigenverantwortlich ein bisschen “Bloggen,Beraten&Moderieren”…
Der Klagegrund bzgl. Wettbewerbsverzerrung und Chancengleicheit ist meined Eeachtens nach gerechtfertigt.
Ein anderer Aspekt des “Wettbewerbs”
ist davon unabhängig und zum Teil noch Zukunftsmusik, sollte aber aus technischer Sicht jetzt schon Beachtung finden:
2. AGGREGATOREN. Nein nicht klassiscge Portale im www. Das ist ein anderes Thema! Ich meine Newsaggregatoren- Apps!
Betrachtet man due Möglichkeiten von Flipboard (Präsentation), dem RSS-Reader “Reeder” (Darstellung eigentlich gekürzter Feeds) und von “Deutsche Zeitungen”, dann sieht es hier schlecht aus, für einen Markt für kostenpflichtige Apps seitens der Verlage.
Was jetzt noch “Geekware” für Newsjunkies ist, könnte in Kombination, der jeweiligen Vorteile der einzelnen Applikationen, kostenpflichtige Verlags-Apps obsolet machen. Komplett.
Besonders der letztgenannte ist interessant: für eine Einmalgebühr von 1,59€ aggregiert “Deutsche Zeitungen” auf dem Iphone alles was sich an Online-Zeitungsangeboten im Web bewegt, auf eine ansprechende Weise, die ich so bis dato garnicht kannte: Kurz getestet, sieht erstmal “roh” aus, weggelegt.
Intensiver habe ich mich mit dem Angebot erst beschäftigt, als ich die App ein paar Tage später einfach nochmal fürs Ipad runterladen wollte, und sie nicht verfügbar war.
Der Anbieter klärte mich auf, dass ein Update ansteht, auf Anforderung der FAZ.
Also habe ich mir das Ding nochmal intensiver angeschaut: auf den eesten Blick eine hässliche Ente, aber auf den zweiten ein Schwan (aus Nutzersicht): unbemerkt am Rande des Appstores, schwirrt hier ein Tool rein, dass ich zweifelsohne als “Nachrichten-Monster” bezeichnen würde: kein mir bekanntes Tool löst im Anspruch aus Effizienz, Übersicht, Handhabung und Lesegenuss die entsprechenden Zielkonflikte besser auf als dieses! Übersichtlich, klar strukturiert, schnell, ordentliche Teaser, einfachstes Quicksharing, und ein Umfang an Sharingoptionen, bei dem mir das Herz aufgegangen ist. Das Ding visualisiert sogar die Twitterfeeds der Formate als ansprechende Teaser!
Roh,aber in der Kombination der genannten Vorzüge einzigartig.
Wenn das, technisch gesehen, den Istzustand abbildet, und ich mir ein etwas schickeres Design, und ein wenig Marketingaufwand dazu denke, dann ist eine App wie diese ganz schnell im Mainstream angekommen und in den App-Charts vertreten (Hallo Dwdl!).
Für 1,59€, ohne das irgendein Inhalteanbieter irgenwas davon hätte.
Und: ohne irgendeinen anderen Vorteil für diese. Wenn die Conversion bei Web-Newsaggregatoren bei 5% liegt, dann ist sie bei Apps, die sich derart darstellen deutlich geringer. Und was noch schlimmer ist:
Der Conversion- Funnel bzgl. Klicks nach ad awareness geht in diesem Format gegen Null!
Wer sich davon überzeugen möchte, sollte mal die 1,59€ investieren und sich bei seinem eigenen Leseverhalten beobachten: das Ding ist so schnell gleichermaßen aber auch so fokussiert, das man im Gegensatz zum Surfen am Desktop, Werbung nichtmal mitbekommt, geschweige denn darauf klickt…
Kein Wunder, dass die Rechtsabteilung der FAZ gegen den Appanbieter vorgegangen ist!
FAZIT aus 1.+2. Ein Zweifrontenkrieg aus sich der Verlage. Die einen müssen nicht wirtschaftlich arbeiten und bieten gebührenfinanzierte Inhalte, die anderen verdienen Geld mit Inhalten, die sich lediglich sammeln.
Versäumnisse einzelner Verlag bzgl. digitaler Angebote sind eigentlich irrelevant. Natürlich werden hier Fehler gemacht. Aber das ist nicht das Entscheidende: auch wer Fehler macht, analog verharrt, blockiert, negiert, kleinredet,…was auch immer, muss doch die Möglichkeit haben, seine Inhalte zu schützen. Sei es, dass ihm staatsfinanzierte Angebote, denen gegenuüber man sich vor einem Massenpublikum schlecht abgrenzen kann, das Wasser abgraben, oder durch Anbieter, die einem zwar Visits bringen, aber den Anzeigenkunden die Aufmerksamkeit klauen.
Marktapologeten mögen hier trotzig erwidern, dass “die Zeiten” sich halt ändern, und dass “der Markt es schon richten würde.” Würde alle Player mit den gleichen Chancen antreten, würde ich dem zustimmen können.
Die Haltung dazu einiger Medienjournalisten in den letzten Tagen, der kindlich-trotzig erhobene moralische
Zeigefinger, ist meines Erachtens nach derart unreflektiert, dass sich eine weitere Debatte darüber aus meiner Sicht als Kaufann erübrigt.
Wenn der DWDL und andere meinen, dass sie “seit Jahren guten Medienjournalismus machen” und dass sie deshalb solche Meinungsbilder “raushauen” müssen, dann ist das eine legitime Meinung, aber nicht meine.
Aus meiner Lesersicht als Newsjunkie, der viele Formate liest, argumentiere ich nochmal eine Spur emotionaler und sage: Bandbreite, Vielfalt, und ein breites Meinungsspektrum sind mir wichtig. Ich will mich spiegeln, ich will andere Sichtweisen, Meinungen, finden, lesen, nachvollziehen können, ich will mich darüber freuen, aufregen, schimpfen, um dann doch irgendwas zu entdecken, dass mich nicht bestätigt, dass ich vorher abgelehnt habe, das ich reflektieren muss und plötzlich annehmen kann. Ich will Formulierungen entdecken, die meine eigenen Befindlichkeiten covern, und die mir auf einmal unerwartet das Vokabular an die Hand geben, diese auch artikulieren zu können,…etc.
Formatvielfalt liefert in der Summe das, was “Leseglück” ausmacht.
Wer sich nun hinstellt, und meint, dass er seine Zeitung kündigen müsse, bloß weil deren Verlag darum bemüht ist, für seine Rechte einzutreten (und sich dabei wohlweislich der negativen öffentlichen Meinung bewusst ist), der tut genau dass Falsche: gerade derjenige hätte eine gute Zeitung bitter nötig und sollte nochmal über das bereits genannte Zitat nachdenken:
“Ich würde so gern mein GEZ- Abo kündigen, zugunsten eines der SZ!”
[Sorry für die schlimme Orthografie. Aus der App kriege ich das von unterwegs gerade nicht korrigiert.]
via Iphone by #blogpress
Antworten ↓ 23. Juni 2011 16:09
Jens Best	Den Nachrichten- und Bildungsauftrag der ÖRs unter rein wirtschaftlichen Gesichtspunkten ist der Grundfehler deines ewiglangen Textergusses.
Und wer gleich zu Beginn seiner Abhandlung die ZWANGSabgabe betont, zeigt, dass er nicht mal ansatzweise die zugrundeliegende Idee der ÖRs in seinem nerd-libertären Geist prozessieren kann.
Antworten ↓ 24. Juni 2011 10:01
Nerddeutschland	Durch Textlänge irgendjemandes Aufmerksamkeitsspanne zu überreizen lag mir fern. Ich werde den Blogbetreiber fragen wieviele Zeichen hier zulässig sind.
Eine wirtschaftliche Betrachtung des Themas stellt an keiner Stelle den
grundsätzlichen Auftrag der ÖR in Frage. Welche Stelle des Ergusses führt dich zu der Annahme, dass ich das tun würde?
Eine rein wirtschaftliche Argumentation findet auch nicht statt: auf Qualität & der Wunsch nach Vielfalt der Publikationen gehe ich ein.
Schade, dass der Argumentationsansatz eines fairen Wettbewerbs in dieser Debatte so unpopulär ist. Gerade das lieferte eigentlich Stoff für eine nüchterne Debatte abseits des sonst üblichen Mantras der “rückständigen Verleger”. Den Ansatz, als ein “weißer Ritter” einen hehren Auftrag der ÖRs zu postulieren, kannte ich allerdings noch nicht. Ein grundsätzlich gutes Argument, wer könnte dem schon widersprechen, das hier jedoch von dir wohlfeil vorgetragen zum Einsatz kommt. Sich abends via Twitter über Formate des ÖR gegenseitig zu belustigen & am Folgetag deren Stellenwert für Nachrichten & Bildung herauszukehren ist sehr dankbar: abends hat man Belustigung und am nächsten Tag ein griffiges Argument bei der Hand, für den Fall, dass es sich jemand wagen würde die eigenen Feindbilder in frage zu stellen.
Meinem nerd-libertärem Geist kann ich dabei zugute halten, dass er solche Feinbilderbildung zu prozessieren vermeiden versucht, und sich lediglich seiner Leidenschaft bedient, freie Assoziationen, aus seinem Interesse als Vielleser, gedanklich wiederzugeben. Wenn das mal wieder etwas länger dauert, dann ist die zähe Lesbarkeit dessen ein notwendiges Opfer: um der fortlaufenden Phantomdebatte zum Thema etwas entgegenzusetzen, kann eigentlich kein Beitrag lang genug sein.
Sollte ich dich zu unrecht der Pflege von Ressentiments bezichtigen, so bitte ich das zu verzeihen. Dann habe ich deine Beiträge zum Thema hier wie anderswo wohl offensichtlich falsch interpretiert. Aus kurzen, sarkastischen Kommentar-Grätschen lässt sich halt schwer die Haltung des Verfassers erfassen.
Antworten ↓ 24. Juni 2011 19:05
Christoph Keese	Es gibt hier keine Oberlängen für Beiträge. Ich habe selber ja sehr lang geschrieben. Das Thema ist komplex und ich freue mich über jeden, der sich dieser Komplexität stellt. Also nur zu – der Server kann eine Menge ab.
Antworten ↓ 24. Juni 2011 20:58
Jens Best	Wirtschaftliche Bewertungen eines gemeinschaftlich finanzierten Nachrichtenmediums sind für mich sekundär. Was nicht heißen soll, dass es keine vernünftige Buchhaltung und Finanzkontrolle geben sollte, aber eine Gesellschaft entscheidet eben nicht primär aufgrund von Wirtschaftlichkeit und Wettbewerbskontrolle.
Dass ein so finanziertes Medium privatfinanzierten Alternativen gegenüber steht, ist selbstverständlich. Wettbewerb, so kann man das gerne sehen. Aber zum Glück ist der Markt der Gesellschaft nachgeordnet. Wenn ich tagesaktuell Formate kritisiere, wird dadurch mein Wunsch auf ein öffentlich-rechtliches Webmedium nicht berührt. Wettbewerb ist nicht immer die beste Lösung für eine Gesellschaft. Es ist auffällig, wie schnell neoliberale oder libertäre Kräfte kritische Stimmen mit Vorwürfen von Ideologie oder Emotionalität versuchen zu diskreditieren.
Ob dein freies Assoziieren, gestählt durch die ach so vielen Quellen, wirklich so frei ist, kann ich nicht beurteilen, der Versuch mich aus der Ferne zu analysieren und mir Feindbilder zu unterstellen….ach, es sei dir gegönnt. Und nur weil jemand lange schreibt und ein paar App-Geschichten zum besten gibt, trägt er noch lange nicht zur Diskussion bei.
Und wenn die sogenannten deutschen Qualitätsmedien endlich mit ihrem Kindergarten aufhören würden, könnten sie vielleicht mal in die global geführten Diskurse und Praxistests für ernsthaften konvergenten Journalismus einsteigen. Denn da gibt es ja tatsächlich einiges Spannendes und vorallem durch die Leser Refinanzierbares.
Antworten ↓ 24. Juni 2011 22:48
Nerddeutschland	“Was nicht heißen soll, dass es keine vernünftige Buchhaltung und Finanzkontrolle geben sollte,”
Danke, dass du der Gesellschaft zugestehst, dass die durch sie finanzierten Organe und Dienstleister, nicht nach dem Motto “Alles für den Bürger, alles andere ist sekundär, inkl. der Kosten” verfahren sollen. Damit bist du zumindest einigen Berufsbeamten mit +35 Dienstjahren schonmal einen Schritt voraus. Wenn jetzt noch interne und externe Adressaten, die davon abhängig sein könnten, Berücksichtigung finden würden…
“Wettbewerb ist nicht immer die beste Lösung für eine Gesellschaft.” Kommt auf die Angebotsvielfalt an, die man sich wünscht.
” Und nur weil jemand lange schreibt und ein paar App-Geschichten zum besten gibt, trägt er noch lange nicht zur Diskussion bei. ”
Auch wenn es dir in deiner Forderung nach einem global geführten Diskurs offensichtlich unbedeutend erscheint, so wird doch bisher als häufigster Kritik-Punkt zum Einstieg in die Debatte, die angeblich mangelhafte Qualität aktueller Angebote genannt. Pauschal und undifferenziert, über alle Formate hinweg.
Insofern sehe ich meine App-Geschichten aus Nutzersicht, in denen ich mich dieser mickrigen Details annehme, diesbezüglich als weit sinnvolleren Beitrag in der Diskussion an, als deine Allgemeinplätze, die dann ohne weitere Benennung in der Luft hängen bleiben:
“Denn da gibt es ja tatsächlich einiges Spannendes und vorallem durch die Leser Refinanzierbares.”
25. Juni 2011 04:41
Peter	@Jens Best (#24.Juni 2011, 10:01)
Würden die ÖRs ihren Nachrichten- und Bildungsauftrag auch nur einmal unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten sehen müssen, würden sie a) nicht 8 Milliarden pro Jahr verbrennen b ) Nicht trotzdem an Nachrichten- und Bildung sparen, um noch mehr Geld für oberflächliche Unterhaltung auszugeben. Die zugrundeliegende Idee der Öffentlich-Rechtlichen ist schon lange nur noch abkassieren, damit für die anderen nichts mehr übrig bleibt , denn das ist der bequemere Weg, einen “Wettbewerb” zu gewinnen. Andernfalls müsste man ja Qualität liefern und sogar jene kritisieren, die einem immer wieder die Milliarden zuschanzen: Die etablierten Parteien in den Landesparlamenten.
Antworten ↓ 13. November 2011 01:29
Joachim Herbert	Verlage können sich gegen reeder, feedler & Co. noch einfacher wehren als gegen unerwünschtes gefunden werden durch Suchmaschinen: Einfach keine RSS-Feeds anbieten, und schon laufen diese Aggregatoren ins Leere.
Antworten ↓ 24. Juni 2011 17:18
Christoph Keese	Mit diesem Hinweis haben Sie Recht. Ich habe eine ähnliche Anmerkung bei der Typo Berlin gemacht. Viele Aggregatoren werden durch RSS gespeist bzw. auf Themen und deren Gewichtung aufmerksam gemacht. Verlage sollten mit diesen Instrumenten bewusst umgehen. Das soll nicht heißen, dass sie gleich sperren müssen. Aber sie können auf die Nutzungsbedingungen Einfluss nehmen. Zum Beispiel könnte es erwägenswert sein, jedem die Nutzung von RSS zu gestatten, solange er die daraus gebündelten Aggregationsprodukte nicht seinerseits an Dritte verkauft oder mit Werbung monetarisiert. In solchen Fällen könnte man an moderate Lizenzgebühren denken, die nicht das Geschäftsmodell des Aggregators zerstören, wohl aber verhindern, dass nur er die Einnahmen bekommt. So könnte eine für alle Seiten lohnende Partnerschaft entstehen. Mir will nicht einleuchten, warum Flipboard eine Bewertung von jüngst 200 Mio Dollar erreichen können soll, ohne seinen Inhaltelieferanten ein moderates Honorar zu bezahlen – Verlagen wie Autoren.
Antworten ↓ 24. Juni 2011 21:06
hinterwald	lieber christoph, die idee, die nutzung der rss-feeds einzuschränken, ist zu kurz gedacht, wenn ich nur mein eigenes nutzerverhalten betrachte. da sind nämlich die aggregatoren mein zugang zu den einzelnen angeboten, sprich: ich würde meine zeit nicht damit vertrödeln, mir einen “welt”-artikel anzutun, wenn ich nicht durch einen aggregator auf ihn aufmerksam gemacht worden wäre. daß ich mir aggregatoren aussuche, die mich nicht mit reklame zumüllen, versteht sich von selbst. dein vorschlag ist verlaub auf der ebene, auf der früher die musikindustrie ja vom radio hätte verlangen können, ihre musik nicht mehr zu spielen. dann wäre sie schon früher vor die hunde gegangen.
mein g*tt, schon die römer haben sich die geschichte vom bauch erzählt, der sich gegen den kopf auflehnen wollte – die ist seit 2000 jahren offensichtlich immer noch nicht verstanden worden: keine aggregatoren – keine klicks bei den mainstream medien.
aber hey, probiert das ruhig auch noch aus. ich bin vergnügungssüchtig.
Christoph Keese	Missverständnis! Ich meinte nicht, dass Aggregation abgestellt werden soll, sondern dass man sie an Bedingungen knüpfen kann. Natürlich ist Aggregation wichtig, natürlich bringt sie viel Traffic. Aber sie baut eben auch große Werte beim Aggregator auf. Man denke zum Beispiel an Meltwater. Schlichte Frage: Was spricht dagegen, Aggregation zu erlauben, aber vom Aggregator einen Beitrag zu verlangen, wenn er damit Geld verdient? Aggregation ist ein Milliardengeschäft geworden. Mir will nicht einleuchten, warum die Netzcommunity diese Milliardenimperien entstehen sieht und ihr selber glücklich kostenlos weiter zuarbeitet. Warum als Kreativer nicht Geld verdienen?
Sebastian	Ich stimme der Argumentation zu: staatliche Eingriffe sind immer wettbewerbsverzerrend und deswegen abzulehnen.
Antworten ↓ 23. Juni 2011 12:23
Fusulbashi	Guter Artikel, sehr fleißig geschrieben.
Ich nehme den Verlagen ihre Rechtschaffenheit nicht ab und glaube kein Wort davon, dass es nicht um den Erhalt analoger Machtstrukturen.
Abgesehen davon, dass viele Antworten beliebig Ausgelegt wurden, siehe letzte Antwort und nein es sind keine Beweise notwendig, da kongruentes Handeln als Beweis ausreicht.
Antworten ↓ 23. Juni 2011 11:33
Jens Best	Oh oh, ihre Verzweiflung wird ja immer schlimmer.
Eigentlich kann man schon mit dem Lesen aufhören, wenn sie und die Springerpresse als freie Presse verkaufen wollen. Sie sind zwar nicht so unerträglich propagandistisch wie Hanfeld in der FAZ oder Drupke in der WK, aber sie wissen halt, wer sie hier liest.
Ihre Texte können sie in die Länge ziehen wie sie wollen, inhaltlich ist es ein weiteres Armutszeugnis des deutschen Presseverleger-Kindergartens.
Ich kann sie nicht mehr für voll nehmen, werde mich gegen jegliche Einwirkungen ihrer Mischpoke auf die Politik wehren und hoffe, dass neue Kräfte in Deutschland einen modernen Journalismus tragen werden. Sie sind es jedenfalls nicht.
Antworten ↓ 23. Juni 2011 10:54
Daniel	Lieber Jens,
ich glaube, du solltest im Sinne einer effizienteren Meinungsverbreitung an deinem Schreibstil arbeiten. Generell setze ich mich gern mit deinen Argumenten auseinander (wie du weißt) – aber du machst es dem Kopf so schwer, über deine Worte nachzudenken, wenn der Bauch bereits vollauf damit beschäftigt ist, wegen deiner Pöbeleien zu grollen/wegen deiner mitunter schlichten Plattitüden vor Lachen zu wackeln/wegen der sich ständig wiederholenden Besserwisser-Tiraden vor Langeweile nach Essen zu knurren.
Grüße aus dem Kindergarten! )
Antworten ↓ 1. Juli 2011 19:34
Herbert Irnsen	Viel Text um nichts. Das Zeitalter der Apps geht sowieso zu Ende. Sie waren eine Brückentechnologie , weil die Browser und mobilen Geräte bislang technisch zu schwach waren – das wird Dank HTML5 etc. und mobiler Dualcore-Prozessoren bald vorbei sein.
Sprich, wenn müssen die Verleger den ÖR verbieten lassen, überhaupt ein Webangebot zu haben. Das dürfte schwierig werden.
Die englischsprachige Financial Times macht es vor; sie hat ihre App aufgegeben und setzt wieder auf den Browser:
http://www.niemanlab.org/2011/06/the-financial-times-shuns-the-app-store-but-not-the-ipad/
Antworten ↓ 23. Juni 2011 10:50
lisa	Egal was sie schreiben, mir sind die öffentlich – rechtlichen auf alle Fälle noch immer lieber als die Privaten.
Die privaten Verlage und Sender bieten schon lange keine Information mehr, die man unbesehen glauben kann. Jede einzelne Nachricht muss man in Frage stellen. Ein privater Verlag oder Sender verbreitet eine Nachricht mit Fehlinformationen, Hunderte anderer Presseorgane und Blogs verbreiten diese unbesehen. Private Sender und Verlage sind der Untergang wahrheitsgemäßer Informationspolitik. Märchenveranstaltung und das kann man an hunderten von Artikeln beweisen.
Bei den Öffentlich – Rechtlichen habe ich wenigstens noch die stille Hoffnung, dass differenziert und ansatzweise wahrheitsgemäß berichtet wird. Zwar still, aber immerhin.
Daher Daumen runter für ihren Beitrag. Soll die ARD für einigermaßen vernünftige Information der Menschen über alle möglichen Wege sorgen.
Antworten ↓ 23. Juni 2011 10:49
Martin	Ich weiß nicht so recht, ich finde es generell etwas schwierig, denn auch bei öffentlich – rechtlichen Institutionen haben wir nicht automatisch eine wahrheitsgemäße Informationspolitik. Jeder der die Gesellschaft mit Informationen versorgt, verfolgt irgendwelche Ziele. Diese können wirtschaftliche, idealistisch, politisch, etc. sein. Vermutlich sollte man nach wie vor vergleichen und sich letztlich ein eigenes Bild machen. Daher denke ich ist es gut, wenn man immer wieder mal das Medium wechselt, mal dort und da liest, um letztlich etwas breiter über den Tellerrand hinaus schauen zu können.
Antworten ↓ 23. Juni 2011 20:51
Peter	Ihre stille Hoffnung trügt. Keine Quelle liefert immer die Wahrheit. Deswegen gibt es Konkurrenz, die früher oder später jene bestraft, die besonders viele Fehlinformationen liefern. Aber dann, wenn nur noch die Öffentlich-Rechtlichen übrig sind, weil sie alle anderen mit ihren erzwungenen Gebühren-Milliarden vom Markt gedrängt haben, werden sie keine Alternative mehr haben, um sich zu informieren. Dann ist es für ARD und ZDF völlig egal, ob sie wahrheitsgemäß berichten oder nicht. Wer soll sie noch bestrafen?
Antworten ↓ 13. November 2011 01:09
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