Source: https://www.rechtslupe.de/steuerrecht/ust/umsatzsteuerbefreiung-fuer-haus-notruf-dienste-326678
Timestamp: 2020-01-23 08:01:06
Document Index: 255825678

Matched Legal Cases: ['§ 23', '§ 4', 'Art. 13', 'Art. 13', '§ 4', '§ 23', 'Art. 13', 'Art. 13', 'Art. 13', 'EuG', 'Art. 13', 'Art. 13', 'Art. 13', '§ 35', '§ 4', 'Art 13', '§ 5', 'Art. 13', '§ 3', '§ 23', 'Art. 13', 'Art. 13', 'Art. 13', 'Art. 13', '§ 4', '§ 4', '§ 23', 'Art. 13', '§ 68', 'Art. 13', '§ 4', '§ 68', 'Art. 13', 'Art. 13', '§ 4', 'Art. 13', 'EuG', 'EuG', 'EuG', 'EuG', 'EuG', 'EuG', 'EuG', 'EuG']

Umsatz­steu­er­be­frei­ung für Haus-Not­ruf-Diens­te | Rechtslupe
Die im Rah­men eines Haus-Not­ruf-Diens­tes erbrach­ten Leis­tun­gen eines Ver­eins sind nach einem aktu­el­len Urteil des Bun­des­fi­nanzh­fos von der Umsatz­steu­er befreit, auch wenn der Ver­ein nicht zu einem aner­kann­ten Ver­band der Wohl­fahrts­pfle­ge gehört. Die Leis­tun­gen eines Menü­se­rvices des Ver­eins sind dage­gen nicht steu­er­frei.
In dem vom Bun­des­fi­nanz­hof ent­schie­de­nen Streit­fall ist der Klä­ger ein ein­ge­tra­ge­ner Ver­ein für Ret­tungs­diens­te, Kran­ken­trans­por­te und sozia­le Hilfs­diens­te, der nach sei­nem Sat­zungs­zweck Alte, Kran­ke, Behin­der­te und sozi­al Hilfs­be­dürf­ti­ge unter­stützt. Er unter­hielt in den Streit­jah­ren meh­re­re ent­spre­chen­de Ein­rich­tun­gen (u.a. Ret­tungs­dienst, Haus-Not­ruf-Dienst, Menü­se­rvice). Das Finanz­amt war der Mei­nung, dass u.a. die im Zusam­men­hang mit dem Haus-Not­ruf-Dienst und dem Menü­se­rvice erbrach­ten Leis­tun­gen des Klä­gers steu­er­pflich­tig sind.
Der Bun­des­fi­nanz­hof ent­schied, dass die Vor­aus­set­zun­gen der in Betracht kom­men­den deut­schen Befrei­ungs­vor­schrift nicht erfüllt sei­en, weil der Klä­ger kein amt­lich aner­kann­ter Ver­band der frei­en Wohl­fahrts­pfle­ge sei; der Klä­ger kön­ne sich für die Steu­er­frei­heit der im Rah­men sei­nes Haus-Not­ruf-Diens­tes erbrach­ten Leis­tun­gen aber unmit­tel­bar auf das güns­ti­ge­re Uni­ons­recht beru­fen. Die­se Steu­er­be­frei­ung umfas­se jedoch nicht die beim Menü­se­rvice aus­ge­führ­ten Leis­tun­gen. Denn bei dem Menü­se­rvice han­de­le es sich weder um eine aner­kann­te Ein­rich­tung mit sozia­lem Cha­rak­ter, noch sei­en die von ihm erbrach­ten Leis­tun­gen eng mit der Für­sor­ge oder der sozia­len Sicher­heit ver­bun­den.
Die Sache wur­de vom Bun­des­fi­nanz­hof daher an das Finanz­ge­richt zurück­ver­wie­sen, damit die­ses nach einer wei­te­ren Auf­klä­rung des Sach­ver­halts und ggf. erst nach Erge­hen einer – inzwi­schen für den 10. März 2011 ange­kün­dig­ten – Ent­schei­dung des Gerichts­hofs der Euro­päi­schen Uni­on zum Steu­er­satz bei Abga­be von Spei­sen und Mahl­zei­ten ent­schei­det, ob auf die Leis­tun­gen des Menü­se­rvices ein ermä­ßig­ter Steu­er­satz oder der Regel­steu­er­satz anzu­wen­den ist.
Ein nicht zu einem aner­kann­ten Ver­band der frei­en Wohl­fahrts­pfle­ge i.S. von § 23 USt­DV gehö­ren­der Ver­ein kann sich für die Inan­spruch­nah­me einer Steu­er­be­frei­ung für einen Haus-Not­ruf-Dienst unmit­tel­bar auf die gegen­über § 4 Nr. 18 UStG güns­ti­ge­re Rege­lung in Art. 13 Teil A Abs. 1 Buchst. g der Richt­li­nie 77/​388/​EWG beru­fen.
Für die im Rah­men eines not­ärzt­li­chen Trans­port­diens­tes und eines Menü­se­rvice erbrach­ten Leis­tun­gen gilt die in Art. 13 Teil A Abs. 1 Buchst. g der Richt­li­nie 77/​388/​EWG vor­ge­se­he­ne Steu­er­be­frei­ung nicht.
Umsatz­steu­er­frei­heit für den Haus-Not­ruf-Dienst
Die Leis­tun­gen des kla­gen­den Ver­eins, sind nicht nach § 4 Nr. 18 Satz 1 UStG 1 steu­er­frei, weil der Klä­ger kein amt­lich aner­kann­ter Ver­band der frei­en Wohl­fahrts­pfle­ge im Sin­ne von § 23 USt­DV ist und einem sol­chen Ver­band auch nicht als Mit­glied ange­schlos­sen ist.
Der Klä­ger kann sich jedoch wegen sei­ner Leis­tun­gen im Rah­men des Haus-Not­ruf-Diens­tes unmit­tel­bar auf die Steu­er­frei­heit nach Art. 13 Teil A Abs. 1 Buchst. g der Richt­li­nie 77/​388/​EWG beru­fen.
Nach der Recht­spre­chung des Gerichts­hofs der Euro­päi­schen Uni­on kann sich ein Ein­zel­ner in Erman­ge­lung frist­ge­mäß erlas­se­ner Umset­zungs­maß­nah­men eines Mit­glied­staa­tes auf Bestim­mun­gen einer Richt­li­nie, die inhalt­lich als unbe­dingt und hin­rei­chend genau erschei­nen, gegen­über allen nicht richt­li­ni­en­kon­for­men inner­staat­li­chen Vor­schrif­ten beru­fen 2. Der Gerichts­hof der Euro­päi­schen Uni­on hat ent­schie­den, dass Art. 13 Teil A Abs. 1 Buchst. g der Richt­li­nie 77/​388/​EWG die Tätig­kei­ten, die steu­er­frei sind, hin­rei­chend genau und unbe­dingt auf­zählt und eine unmit­tel­ba­re Beru­fung auf die­se Bestim­mung zuläs­sig ist.
Für die Inan­spruch­nah­me der Steu­er­be­frei­ung nach Art. 13 Teil A Abs. 1 Buchst. g der Richt­li­nie 77/​388/​EWG lässt der Euro­päi­sche Gerichts­hof es genü­gen, dass zwei Vor­aus­set­zun­gen erfüllt sind 3, und zwar
zum einen, dass es sich um Leis­tun­gen han­delt, die mit der Sozi­al­für­sor­ge oder der sozia­len Sicher­heit eng ver­bun­den sind, und
zum ande­ren, dass die­se Leis­tun­gen von Ein­rich­tun­gen des öffent­li­chen Rechts oder ande­ren Ein­rich­tun­gen, die von dem betref­fen­den Mit­glied­staat als Ein­rich­tun­gen mit im Wesent­li­chen sozia­lem Cha­rak­ter aner­kannt wor­den sind, erbracht wer­den.
Als eng mit der Sozi­al­für­sor­ge oder der sozia­len Sicher­heit ver­bun­de­ne Leis­tun­gen hat der EuGH bei­spiels­wei­se ange­se­hen die Leis­tun­gen
der Grund­pfle­ge und haus­wirt­schaft­li­chen Ver­sor­gung kör­per­lich oder wirt­schaft­lich hilfs­be­dürf­ti­ger Per­so­nen 4 und
der Kin­der­be­treu­ung durch Tages­el­tern 5.
Außer­dem ist Art. 13 Teil A Abs. 1 Buchst. g der Richt­li­nie 77/​388/​EWG dahin­ge­hend aus­zu­le­gen, dass der Begriff "von dem betref­fen­den Mit­glied­staat als Ein­rich­tun­gen mit sozia­lem Cha­rak­ter aner­kann­te Ein­rich­tun­gen" pri­va­te Ein­rich­tun­gen mit Gewinn­erzie­lungs­ab­sicht nicht aus­schließt 6.
Das Umsatz­steu­er­ge­setz hat Art. 13 Teil A Abs. 1 Buchst. g der Richt­li­nie 77/​388/​EWG bis­her nur unvoll­stän­dig dadurch "umge­setzt", dass es die bereits bei Inkraft­tre­ten der Richt­li­nie 77/​388/​EWG vor­han­de­nen, teil­wei­se bereits im UStG 1951 ent­hal­te­nen Steu­er­be­frei­ungs­tat­be­stän­de im Wesent­li­chen unver­än­dert wei­ter­ge­führt hat 7. Der Bun­des­fi­nanz­hof hat des­halb ent­schie­den, dass in unmit­tel­ba­rer Anwen­dung von Art. 13 Teil A Abs. 1 Buchst. g der Richt­li­nie 77/​388/​EWG steu­er­frei sind
in den Jah­ren 1988 bis 1990 aus­ge­führ­te Umsät­ze einer GmbH durch Grund­pfle­ge und haus­wirt­schaft­li­che Ver­sor­gung gegen­über pfle­ge­be­dürf­ti­gen Per­so­nen, wenn die GmbH als Ein­rich­tung mit sozia­lem Cha­rak­ter anzu­er­ken­nen ist 8,
die Umsät­ze aus Leg­asthe­nie-Behand­lun­gen, die im Rah­men der Ein­glie­de­rungs­hil­fe nach § 35a des Ach­ten Buchs Sozi­al­ge­setz­buch erbracht und gegen­über dem Trä­ger für die betref­fen­de Sozi­al­leis­tung abge­rech­net wer­den 9,
Betreu­ungs­leis­tun­gen eines Ver­eins, der einem aner­kann­ten Ver­band der frei­en Wohl­fahrts­pfle­ge ange­hört und gemein­nüt­zi­gen Zwe­cken dient, weil das in § 4 Nr. 18 Satz 1 Buchst. c UStG 1993/​1999 gere­gel­te Abstands­ge­bot inso­fern gemein­schafts­wid­rig ist, als es auch für behörd­lich geneh­mig­te Prei­se im Sin­ne von Art 13 Teil A Abs. 2 Buchst. a 3. Gedan­ken­strich der Richt­li­nie 77/​388/​EWG gilt 10.
Leis­tun­gen, die ein Ver­ein auf­grund eines nach § 5a Abs. 2 des Zivil­dienst­ge­set­zes abge­schlos­se­nen Ver­tra­ges erbringt und die dazu die­nen, dass Zivil­dienst­leis­ten­de für amt­li­che Beschäf­ti­gungs­stel­len im sozia­len Bereich tätig sind 11.
Vor dem Hin­ter­grund die­ser Recht­spre­chung sind die Vor­aus­set­zun­gen für eine Steu­er­frei­heit nach Art. 13 Teil A Abs. 1 Buchst. g der Richt­li­nie 77/​388/​EWG bei den gesam­ten Leis­tun­gen des Haus-Not­ruf-Diens­tes erfüllt.
Die Auf­fas­sung, der Haus-Not­ruf-Dienst sei eine mit der Sozi­al­für­sor­ge und der sozia­len Sicher­heit eng ver­bun­de­ne Dienst­leis­tung, stützt sich dar­auf, dass er ent­spre­chend dem Zweck des Klä­gers (vgl. § 3 Abs. 2 der Sat­zung) Alten, Kran­ken, Behin­der­ten und sozi­al Hilfs­be­dürf­ti­gen zugu­te kom­me. Die Schluss­fol­ge­rung, es han­de­le sich wegen die­ses bedürf­ti­gen Per­so­nen­krei­ses der Leis­tungs­emp­fän­ger um mit der Für­sor­ge oder der sozia­len Sicher­heit eng ver­bun­de­ne Leis­tun­gen, begeg­net im Lich­te der dar­ge­leg­ten Recht­spre­chung kei­nen revi­si­ons­recht­li­chen Beden­ken. Denn der Per­so­nen­kreis der Leis­tungs­emp­fän­ger beim Haus-Not­ruf-Dienst ent­spricht im Hin­blick auf sei­ne Bedürf­tig­keit dem Per­so­nen­kreis der Sach­ver­hal­te, bei denen die Recht­spre­chung das Merk­mal der mit der Für­sor­ge oder der sozia­len Sicher­heit eng ver­bun­de­nen Leis­tun­gen bejaht hat 12.
Die Auf­fas­sung, der Haus-Not­ruf-Dienst sei eine aner­kann­te Ein­rich­tung mit sozia­lem Cha­rak­ter, ist nicht zu bean­stan­den. Nach der oben dar­ge­stell­ten Recht­spre­chung des Gerichts­hofs der Euro­päi­schen Uni­on und des Bun­des­fi­nanz­hofs ist die Aner­ken­nung einer Ein­rich­tung mit im Wesent­li­chen sozia­lem Cha­rak­ter auch mög­lich, wenn es sich –wie beim Klä­ger– um kei­nen der in § 23 USt­DV genann­ten Wohl­fahrts­ver­bän­de han­delt und der Betrof­fe­ne auch nicht an einen sol­chen Ver­band ange­schlos­sen ist 13.
Zwar räumt Art. 13 Teil A Abs. 1 Buchst. g der Richt­li­nie 77/​388/​EWG den Mit­glied­staa­ten ein Ermes­sen in der Fra­ge ein, ob sie bestimm­ten Ein­rich­tun­gen sozia­len Cha­rak­ter zuer­ken­nen. Der Ein­zel­ne kann die Eigen­schaft einer Ein­rich­tung mit sozia­lem Cha­rak­ter daher nicht schon dadurch erlan­gen, dass er sich auf die­se Bestim­mung beruft, solan­ge die Mit­glied­staa­ten die Gren­zen des ihnen in Art. 13 Teil A Abs. 1 Buchst. g der Richt­li­nie 77/​388/​EWG ein­ge­räum­ten Ermes­sens beach­ten 14.
Der Bun­des­fi­nanz­hof hat aber ent­schie­den, dass die Aner­ken­nung eines Unter­neh­mers als eine Ein­rich­tung mit sozia­lem Cha­rak­ter auch aus der Über­nah­me der Kos­ten für sei­ne Leis­tun­gen durch Kran­ken­kas­sen oder ande­re Ein­rich­tun­gen der sozia­len Sicher­heit abge­lei­tet wer­den kann 15. Dabei ist nach der Recht­spre­chung kei­ne voll­stän­di­ge Über­nah­me der Kos­ten erfor­der­lich. Viel­mehr kommt es dar­auf an, dass es sich der Art nach um Leis­tun­gen han­delt, für die die Kos­ten von den Sozi­al­ver­si­che­run­gen über­nehm­bar sind 16.
Danach han­delt es sich beim Haus-Not­ruf-Dienst um eine aner­kann­te Ein­rich­tung mit sozia­lem Cha­rak­ter, denn die Pfle­ge­kas­sen haben einen Teil der Kos­ten für den Haus-Not­ruf-Dienst über­nom­men, so dass es sich ihrer Art nach um Leis­tun­gen han­delt, für die die Kos­ten von den Sozi­al­ver­si­che­run­gen über­nehm­bar waren.
Umsatz­steu­er­pflicht der Fahrt­leis­tun­gen für ärzt­li­che Not­diens­te
Die Leis­tun­gen des Klä­gers im Rah­men des ärzt­li­chen Not­diens­tes sind dage­gen nicht steu­er­frei. Es han­delt sich nicht um mit der Sozi­al­für­sor­ge oder der sozia­len Sicher­heit eng ver­bun­de­ne Leis­tun­gen i.S. des Art. 13 Teil A Abs. 1 Buchst. g der Richt­li­nie 77/​388/​EWG.
Der kla­gen­de Ver­ein benutzt für den Trans­port der Not­ärz­te ein Ret­tungs­fahr­zeug, das umfas­send mit einer Rei­he von medi­zi­ni­schen Gerät­schaf­ten sowie mit Blau­licht und Signal­horn aus­ge­stat­tet ist. Der Fah­rer die­ses Fahr­zeugs ver­fügt zudem über eine Aus­bil­dung als Rettungssanitäter/​Ret­tungs­as­sis­tent und wird bei Bedarf als sol­cher ein­ge­setzt. Das Ent­gelt für den Trans­port wird vom Not­arzt unmit­tel­bar an den Klä­ger ent­rich­tet.
Der Klä­ger hat danach kei­ne Leis­tun­gen an den jewei­li­gen Pati­en­ten, son­dern an den jewei­li­gen Not­arzt erbracht.
Zwar gehört auch die För­de­rung des öffent­li­chen Gesund­heits­we­sens sowie die Unter­stüt­zung von Per­so­nen, die infol­ge ihres kör­per­li­chen Zustands auf die Hil­fe ande­rer ange­wie­sen sind, zu den von Art. 13 Teil A Abs. 1 Buchst. g der Richt­li­nie 77/​388/​EWG begüns­tig­ten Leis­tun­gen. Doch sind Leis­tun­gen dann nicht eng mit der Sozi­al­für­sor­ge ver­bun­den, wenn sie nicht gegen­über dem Hilfs­be­dürf­ti­gen, son­dern an einen Unter­neh­mer erbracht wer­den, der sie benö­tigt, um sei­ne eige­ne steu­er­be­frei­te Aus­gangs­leis­tung an den jewei­li­gen Pati­en­ten oder Hilfs­be­dürf­ti­gen zu erbrin­gen. Inso­weit kann für die Leis­tun­gen des Klä­gers nichts ande­res gel­ten als für die Lie­fe­rung von Medi­ka­men­ten und medi­zi­ni­schen Gerä­ten an einen Arzt für den Gebrauch in sei­ner Pra­xis.
Die­se Auf­fas­sung steht im Ein­klang mit der Recht­spre­chung des Bun­des­fi­nanz­hofs zur begehr­ten Steu­er­be­frei­ung der Umsät­ze eines Sozi­al­ar­bei­ters, der im Auf­trag eines gemein­nüt­zi­gen, umsatz­steu­er­be­frei­ten Ver­eins in der ambu­lan­ten Kin­der-, Jugend- und Fami­li­en­hil­fe tätig ist 17. So hat der Bun­des­fi­annz­hof 18 u.a. geklärt, dass es für die Aner­ken­nung eines Unter­neh­mers als eine Ein­rich­tung mit sozia­lem Cha­rak­ter nicht reicht, wenn der Unter­neh­mer ledig­lich als Sub­un­ter­neh­mer für eine aner­kann­te Ein­rich­tung tätig gewor­den ist. Die­ser Sach­ver­halt ist mit dem des Streit­falls inso­fern ver­gleich­bar, als der Klä­ger sei­ne Leis­tun­gen gegen­über Ärz­ten erbracht hat, die ihrer­seits steu­er­freie Leis­tun­gen nach § 4 Nr. 14 UStG aus­füh­ren. Der Klä­ger hat eben­falls nur mit­tel­bar an der Erbrin­gung steu­er­be­frei­ter Leis­tun­gen mit­ge­wirkt.
Umsatz­steu­er­pflicht des Menü­se­rvice
Der vom Ver­ein betrie­be­ne Menü­se­rvice nicht von der Umsatz­steu­er befreit. Die Vor­aus­set­zun­gen des § 4 Nr. 18 UStG sind –wie bereits aus­ge­führt– schon des­halb nicht erfüllt, weil der Klä­ger kein amt­lich aner­kann­ter Ver­band der frei­en Wohl­fahrts­pfle­ge i.S. von § 23 USt­DV ist und auch kei­nem sol­chen Ver­band ange­schlos­sen ist.
Eine unmit­tel­ba­re Beru­fung des Klä­gers auf die in Art. 13 Teil A Abs. 1 Buchst. g der Richt­li­nie 77/​388/​EWG gere­gel­te Steu­er­be­frei­ung schei­det gleich­falls aus. Bei dem Menü­se­rvice han­delt es sich weder um eine aner­kann­te Ein­rich­tung mit sozia­lem Cha­rak­ter, noch sind die von ihm erbrach­ten Leis­tun­gen eng mit der Für­sor­ge oder der sozia­len Sicher­heit ver­bun­den.
Auch ist der Menü­se­rvice nicht des­halb als Ein­rich­tung mit sozia­lem Cha­rak­ter anzu­er­ken­nen, weil der Klä­ger als gemein­nüt­zi­ger Ver­ein mög­li­cher­wei­se inso­weit die Vor­aus­set­zun­gen von § 68 Nr. 1 Buchst. a AO erfüllt. Denn der natio­na­le Gesetz­ge­ber hat bei der Umset­zung von Art. 13 Teil A Abs. 1 Buchst. g der Richt­li­nie 77/​388/​EWG, die er u.a. in dem Steu­er­be­frei­ungs­tat­be­stand des § 4 Nr. 16 Buchst. d UStG vor­ge­nom­men hat, aus­schließ­lich auf die in § 68 Nr. 1 Buchst. a AO genann­ten Alten‑, Alten­wohn- und Pfle­ge­hei­me Bezug genom­men, ohne die außer­dem in die­ser Bestim­mung auf­ge­führ­ten Erho­lungs­hei­me und Mahl­zei­ten­diens­te zu erwäh­nen. Damit hat er zum Aus­druck gebracht, dass er im natio­na­len Umsatz­steu­er­recht bei den auf Art. 13 Teil A Abs. 1 Buchst. g der Richt­li­nie 77/​388/​EWG beru­hen­den Steu­er­be­frei­un­gen nur die Alten‑, Alten­wohn- und Pfle­ge­hei­me als Ein­rich­tun­gen mit sozia­lem Cha­rak­ter aner­ken­nen woll­te.
Da die Kos­ten der erbrach­ten Menü­se­rvice­leis­tun­gen nicht von den Kran­ken­kas­sen oder Sozi­al­ver­si­che­run­gen über­nehm­bar waren, ergibt sich auch inso­weit kei­ne Aner­ken­nung des Menü­se­rvice als einer Ein­rich­tung mit sozia­lem Cha­rak­ter 16.
Eine unmit­tel­ba­re Beru­fung des Ver­eins auf Art. 13 Teil A Abs. 1 Buchst. g der Richt­li­nie 77/​388/​EWG schei­tert auch dar­an, dass die von einem Menü­se­rvice erbrach­ten Leis­tun­gen der Art nach von vorn­her­ein nicht eng mit der Sozi­al­für­sor­ge und der sozia­len Sicher­heit ver­bun­den sind. Denn die Ver­sor­gung mit Essen ent­spricht einem Grund­be­dürf­nis, das jeder Mensch hat und das unab­hän­gig vom jewei­li­gen Gesund­heits­zu­stand oder Alter des Men­schen besteht. Daher wer­den Leis­tun­gen eines Menü­se­rvice grund­sätz­lich auch von gesun­den und/​oder jun­gen Men­schen in Anspruch genom­men. Damit ent­spricht der Per­so­nen­kreis der Leis­tungs­emp­fän­ger bei einem Menü­se­rvice im Hin­blick auf sei­ne Bedürf­tig­keit nicht dem Per­so­nen­kreis der Sach­ver­hal­te, bei denen die Recht­spre­chung das Merk­mal der mit der Für­sor­ge oder der sozia­len Sicher­heit eng ver­bun­de­nen Leis­tun­gen bejaht hat 12.
Soweit ver­gleich­ba­re Leis­tun­gen von sol­chen Mahl­zei­ten­diens­ten, die einem Wohl­fahrts­ver­band als Mit­glied ange­schlos­sen sind, von der Finanz­ver­wal­tung nach § 4 Nr. 18 UStG steu­er­frei belas­sen wer­den soll­ten, kann dies nichts dar­an ändern, dass die gemäß Art. 13 Teil A Abs. 1 Buchst. g der Richt­li­nie 77/​388/​EWG für die Steu­er­be­frei­ung erfor­der­li­chen Vor­aus­set­zun­gen nicht erfüllt sind.
Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 1. Dezem­ber 2010 – XI R 46/​08
in der seit dem 1. Janu­ar 1968 (BGBl I 1967, 545, BSt­Bl I 1967, 224) gel­ten­den Fas­sung[↩]
vgl. stän­di­ge Recht­spre­chung, z.B. EuGH, Urteil in Slg. 2002, I‑6833, BFH/​NV Bei­la­ge 2003, 30, UR 2002, 513, Rz 51[↩]
vgl. EuGH, Urteil vom 26.05.2005 – C‑498/​03 [Kingscrest Asso­cia­tes und Mon­te­cel­lo Ltd.], Slg. 2005, I‑4427, BFH/​NV Bei­la­ge 2005, 310, Rz 34[↩]
EuGH, Urteil in Slg. 2002, I‑6833, BFH/​NV Bei­la­ge 2003, 30, UR 2002, 513, Rz 44[↩]
EuGH, Urteil vom 09.02.2006 – C‑415/​04 [Kin­de­r­opvang Ensche­de], Slg. 2006, I‑1385, BFH/​NV Bei­la­ge 2006, 256, Rz 27[↩]
EuGH, Urteil in Slg. 2005, I‑4427, BFH/​NV Bei­la­ge 2005, 310[↩]
vgl. BFH, Urteil vom 18.08.2005 – V R 71/​03, BFHE 211, 543, BSt­Bl II 2006, 143[↩]
BFH, Urteil vom 22.04.2004 – V R 1/​98, BFHE 205, 514, BSt­Bl II 2004, 849[↩]
BFH, Urteil in BFHE 211, 543, BSt­Bl II 2006, 143[↩]
BFH, Urteil vom 17.02.2009 – XI R 67/​06, BFHE 224, 183[↩]
BFH, Urteil vom 23.07.2009 – V R 93/​07, BFHE 226, 435[↩]
vgl. EuGH, Urtei­le in Slg. 2002, I‑6833, BFH/​NV Bei­la­ge 2003, 30, UR 2002, 513, Rz 44; und in Slg. 2006, I‑1385, BFH/​NV Bei­la­ge 2006, 256, Rz 27; BFH, Urtei­le in BFHE 211, 543, BSt­Bl II 2006, 143; in BFHE 224, 183; und in BFHE 226, 435[↩][↩]
EuGH, Urteil in Slg. 2002, I‑6833, BFH/​NV Bei­la­ge 2003, 30, UR 2002, 513, Rz 54 ff.; BFH, Urteil in BFHE 205, 514, BSt­Bl II 2004, 849[↩]
EuGH, Urteil in Slg. 2002, I‑6833, BFH/​NV Bei­la­ge 2003, 30, UR 2002, 513, Rz 54, 55[↩]
BFH, Urtei­le in BFHE 205, 514, BSt­Bl II 2004, 849; in BFHE 211, 543, BSt­Bl II 2006, 143; und in BFHE 219, 428, BSt­Bl II 2008, 634; jeweils m.w.N.[↩]
vgl. BFH, Urteil in BFHE 205, 514, BSt­Bl II 2004, 849, m.w.N.[↩][↩]
BFH, Urteil in BFHE 219, 428, BSt­Bl II 2008, 634[↩]
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