Source: https://www.versicherungtalk.de/forum/thread/4068-wer-haftet-f%C3%BCr-verdienstausfall-nach-abwasserschaden/
Timestamp: 2020-08-13 14:59:14
Document Index: 134056764

Matched Legal Cases: ['§823', '§9', '§7', '§8', '§4', '§823', '§823']

Wer haftet für Verdienstausfall nach Abwasserschaden? - Sonstiges - Versicherungtalk.de
Wer haftet für Verdienstausfall nach Abwasserschaden?
Hallo, am 4.11.2009 stand meine Wohnung so ziemlich voll mit Abwasser bzw. Fäkalien. Ich wohne in einem Mehrfamilienhaus zur Miete.Ursache der Überschwemmung war eine Verstopfte Abwasserleitung auf dem Grundstück des Vermieters.Seit diesem 4.11.2009 leben wir auf einer Baustelle. Auch mußte ich deswegen Urlaub machen um die Wohnung wieder bewohnbar zu machen. Gestern wurde mir vom Vermieter mitgeteilt das noch der Fußboden entfernt werden muß. Da ich aber Berfufstätig bin, wird dies Angelegenheit Kompliziert für mich. Ich kann und will die Bauarbeiter nicht ohne Aufsicht lassen, schließlich steht die Wohnung voll Inventar. Ich will keinem unterstellen das geklaut wird, aber es wäre mir sehr unangenehm wenn was fehlen würde.
Wer kommt für den Verdienstausfall auf, schließlich handelt es sich nicht nur um eine Stunde, sondern Tage ?
Guten Tag werolin,
auch wenn die Frage schon vor langer Zeit gestellt wurde, kann eine Antwort hierauf vielleicht noch bei künftigen Fällen hilfreich sein.
Zunächst einmal weise ich darauf hin, dass zwischen der Haftung (gem. §823 BGB) und der Inanspruchnahme von vertraglichen Leistungen (aus Versicherungsverträgen) unterschieden werden muss. Eine Rechtsberatung hinsichtlich Schadenersatzansprüchen (die aber in dem vorliegenden Fall erfahrungsgemäß eher auszuschließen sind) kann hier nicht erfolgen. Aus versicherungstechnischer Sicht ist die Angelegenheit etwas komplexer:
Als erstes hätte gegenüber dem Vermieter eine Mietminderung wegen der erwähnten Unbewohnbarkeit der Wohnung geltend gemacht werden können. Dieser hätte sich seinen Mietausfall wiederum durch seinen Wohngebäudeversicherer entgelten lassen können (vgl. Abschn. A §9 Nr. 1 a) VGB 2008). Vorausgesetzt wird, dass ein bedingungsgemäßer Schadenfall in der (vorhandenen) Wohngebäudeversicherung eingetreten ist.
Als nächstes muss zwischen den Verantwortungsbereichen der Gebäudeversicherung des Vermieters und Ihrer Hausratversicherung unterschieden werden. Für die durch Sie vorgenommenen (schadenbedingten) Aufwendungen an Gebäudebestandteilen werden Sie über Ihren Vermieter durch dessen Gebäudeversicherung (vgl. Abschn. A, §7 Nr. 1 VGB 2008), für entsprechende (schadenbedingte) Aufwendungen an Ihrem Hausrat durch Ihre (ggf. vorhandene) Hausratversicherung (vgl. Abschn. A, §8 Nr. 1 VHB 2008) entschädigt. Da mir Ihre Versicherungsbedingungen nicht vorliegen, kann ich nur mutmaßen, dass es sich hierbei um einen versicherten Schaden handelt (vgl. "Nässeschäden"; Abschn. A, §4 Nr. 2 VHB 2008). Sofern Sie für diese schadenbedingten Arbeiten nicht fachlich besonders qualifiziert sind, liegt die Entschädigungshöhe seitens der Versicherer für diese Aufwendungen bei ca. 12,- EUR pro Std.
Entschädigungsleistungen für Verdienstausfall oder Regiekosten (Aufsicht über Handwerker u.a.) sieht in diesem Fall erfahrungsgemäß kein Versicherungsvertrag in der Wohngebäude- oder Hausratversicherung vor. Denn hierdurch würden Versicherungsnehmer nicht nur motiviert, zu Lasten der Versichertengemeinschaft Ihrer Arbeit fernzubleiben, sondern das Kostenrisiko für den Versicherer auch unkalkulierbar.
Zitat von Vers.betr.wirt
Zunächst einmal weise ich darauf hin, dass zwischen der Haftung (gem. §823 BGB) und der Inanspruchnahme von vertraglichen Leistungen (aus Versicherungsverträgen) unterschieden werden muss.
Aus versicherungstechnischer Sicht ist die Angelegenheit etwas komplexer
Hallo Vers.betr.wirt,
aus der Sicht des TE ist die Angelegenheit überhaupt nicht komplex:
Er hat gegenüber seinem Vermieter Anspruch auf Überlassung einer trockenen Wohnung. Alle Schäden und Aufwendungen, die er durch den Wasserschaden hat, kann er gegen seinen Vermieter geltend machen.
Mit den Versicherungen muss er sich nicht (und darf er ggf. auch nicht) beschäftigen; er ist KEIN Vertragspartner! Was der Vermieter macht, kann ihm im Prinzip egal sein; Hauptsache, die Wohnung wird wiederherstellt.
Dazu gehört auch der Hausrat: WENN der TE also eine Hausratversicherung haben sollte, KANN er sich auch an diese wenden (und die wiederum nimmt evtl. gegenüber der Haftpflichtversicherung des Vermieters Regress).
Der Rest deiner Ausführungen ist zwar richtig, aber für den TE hauptsächlich wegen des Satzes für Eigenleistungen (12,- €) interessant. Um den Rest muss sich der Vermieter Gedanken machen...
was genau möchtest Du mir mit diesem Beitrag verdeutlichen? Der Fragesteller schildert in einem Versicherungs-Forum einen Schadenfall und ich kläre ihn über die zu erwartenden Leistungen seitens der vorhandenen Versicherungen differenziert auf. Dass Entschädigungen durch den Gebäudeversicherer über den Vermieter fließen, habe ich (denke ich zumindest) ebenfalls deutlich gemacht.
Alle Schäden und Aufwendungen, die er durch den Wasserschaden hat, kann er gegen seinen Vermieter geltend machen.
Diese Aussage ist genau so stimmig und wertvoll wie: "Jeder Mensch kann jeden für und auf alles Denkbare verklagen." Rein zivilrechtlich (Du möchtest im Rahmen dieses Schadenfalls ja offenbar die Versicherungsfragen unberücksichtig lassen) sieht es schlichtweg so aus: ein Ersatz-Anspruch gegen den Vermieter ließe sich lediglich in dem Fall durchsetzen, wenn diesem ein Verschulden nachzuweisen wäre. Das stelle ich mir anlässlich eines Rohrbruchs ohne mitwirkende Ereignisse relativ schwierig vor. Ganz nebenbei wird es im Interesse des Fragestellers sein, seinen beschädigten oder zerstörten Hausrat zum Neuwert erstattet zu bekommen. Anstatt von seiner Hausratversicherung Gebrauch zu machen, rätst Du ihm aber im Zweifelsfall seine Anzeigepflicht zu vernachlässigen und stattdessen über ein langwieriges und kostspieliges Zivilverfahren seine (gar nicht vorhandenen) Ansprüche gegen den Vermieter (und dann lediglich zum Wiederbeschaffungswert) durchzusetzen?
4 Mal editiert, zuletzt von Vers.betr.wirt ( 8. Dezember 2010 )
Anstatt von seiner Hausratversicherung Gebrauch zu machen, rätst Du ihm aber im Zweifelsfall seine Anzeigepflicht zu vernachlässigen und stattdessen über ein langwieriges und kostspieliges Zivilverfahren seine (gar nicht vorhandenen) Ansprüche gegen den Vermieter (und dann lediglich zum Wiederbeschaffungswert) durchzusetzen?
Das habe ich weder geschrieben noch gemeint. Es nützt aber auch nichts, wenn der TE meint, irgendwelche eigenen Ansprüche (außer in der HausratV) gegen den Versicherer zu haben. Insoweit halte ich die Hinweise was und wie etwas versichert bzw. erstattet wird für nicht zielführend. Ist aber nur meine pers. Meinung und soll - wie ich schon schrieb - nichts an deinen völlig richten Ausführungen schmälern.
Immer diese Widerworte.. also dann eben im Klartext:
Mit den Versicherungen muss er sich nicht (und darf er ggf. auch nicht) beschäftigen; er ist KEIN Vertragspartner!
Noch größerer Unfug und wegen der Betonung auf "kann" ebenfalls gefährlicher Unfug.
Um den Rest muss sich der Vermieter Gedanken machen...
Muss er gar nicht, also auch Unfug.
Mann, mann, welche Ausbildung/Qualifikation hast DU eigentlich (um mal die Gegenfrage zum "anderen LW-Thread" zu stellen)
1. Der Mieter ist nicht VN der Gebäudeversicherung! Er KANN daher keine Ansprüche an den Gebäudeversicherer stellen!!! Er ist zwar Geschädigter, aber ohne Direktanspruch an den Versicherer, also vertraglich gesehen "außenstehender Dritter". Klar soweit?
2. Der Mieter KANN und SOLLTE (da stimme ich dir zu) Ansprüche bezüglich beschädigten Hausrates an seine ggf. vorhandene Hausratversicherung stellen; die reguliert nämlich zum Neuwert! Muss er aber nicht: Es könnte ja sein, dass er gar keine eigene HausratVers. hat. Soll er dann "in die Röhre gucken"???
3. Der Mieter hat gegen seinen Vermieter einen Anspruch auf Überlassung einer trockenen Wohnung. Kann der Vermieter das nicht bewerkstelligen und ist die Mietsache beeinträchtigt, kann der Mieter gegen den Vermieter seine Ansprüche und ggf. eben Aufwendungen geltend machen. Und genau darum muss sich der Vermieter um die ganze Angelegenheit kümmern, er schuldet dem Mieter eine einwandfreie und trockene Wohnung.
Bevor du etwas schreibst: lese den Text, versuche zu verstehen, was der Andere gemeint hat und poltere BITTE nicht in deiner überheblichen und beleidigenden Art los.
lpi (ohne freundlichen Gruß)
@ipi
dem stimme ich vollumfasend zu. Die Aussagen sid hier völlig korrekt.
Ich glaube, dass hier so langsam Leute anfangen etwas abzuheben und das geballte Wissen hier zur Show stellen möchten und das so schnell wie möglich. Passt hier nicht so unbedingt ins Forum hinein. Meine Meinung.
Zitat von lpi
Hallo und frohes neues Jahr nachträglich!
Und es geht auch direkt harmonisch los, denn in den Punkten 1-2 stimmen wir mittlerweile ja überein. Was mich an dem dritten Punkt aber nach wie vor stört, ist die Aussage hinsichtlich der Pflichten des Vermieters (also was er tun "muss"). Und hierzu schreibe ich gerne erneut:
Der Vermieter muss nicht für den beschädigten Hausrat des Mieters aufkommen.
Der Vermieter muss nicht gezwungenermaßen für die Aufwendungen des Mieters aufkommen, wenn dies nicht entsprechend im Mietvertrag vereinbart wurde.
Auch ist die Frage, was der Mieter tun kann, wenn der Vermieter die Wohnung nicht zeitnah wieder bewohnbar macht, schnell beantwortet: die Miete mindern. Und da kommen wir wieder zu meiner allerersten Antwort auf Deinen Beitrag: woraus lässt sich sich der Schadenersatzanspruch gegen den Vermieter Deiner Meinung nach ableiten? Also alles, was mir dazu einfällt, ist in den §§823 ff. BGB zu finden. Ich hätte genau diese Frage einfach gerne beleghaft beantwortet, dann gebe ich Dir gerne vollumfänglich Recht.
Nebenbei bemerkt entscheidet hier hoffentlich nicht die Sympathiewahl über richtige und unrichtige Aussagen. Aber selbstverständlich halte ich mich künftig mit meinem Wissen zurück, wenn dadurch ansonsten der Eindruck entstünde, man benötigte selbiges, um fachliche Versicherungsfragen beantworten zu können.
wenn`s auch schon etwas länger her ist - in solchen "Streithahngesprächen" mische ich gerne mit...
Die Eingangsfrage des TE zielte doch eindeutig auf seinen "Verdienstausfall wegen Bauaufsicht" ab.
Diese Frage in einem Versicherungsforum zu stellen, lässt eigentlich keinen Platz für eine Beratung über das Mietrecht (zumal verboten ).
Die Antwort von "Vers.betr.wirt" ist daher zwar ziemlich erschöpfend (...), kommt aber letztlich zum entscheidenden und auch fachlich fundierten Ergebnis.
Pauschale Aussagen wie "alle Schäden sind gegen den Vermieter geltend zu machen" bzw. "alles Vermietersache" sind in diesem speziellen Forum weder korrekt noch wirklich zielführend
M.E. nach darf man dann schon mit ein wenig Fachwissen "glänzen", wenn diese Frage innerhalb dieses Forums gestellt wird. Ich verstehe daher nicht, warum man dafür angefeindet wird! Aber wahrscheinlich ist das wohl eher dem "Neid der Besitzlosen" zuzuschreiben...
Einmal editiert, zuletzt von A.E.G. ( 5. April 2011 )