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Timestamp: 2017-07-23 04:35:45
Document Index: 68618634

Matched Legal Cases: ['§ 179', '§ 182', '§ 183', '§ 184', '§ 189', '§ 13', '§ 13', '§ 13', '§ 13', '§ 13', '§ 28', '§ 13', '§ 13', '§ 20']

Steuerhinweis für Rentner Nr.
Steuerhinweis für Rentner Nr. 45 11.1.2013
Schenkungs- und Erbschaftsteuermit den ab 1.1.2009 geltenden Änderungen durch das Erbschaftsteuerreformgesetz vom 24.12.2008 1. VorbemerkungIm Alter stellt man sich häufiger als sonst die Frage,
welchen Anteil der Staat fordert, wenn man sein Vermögen verschenkt
(Schenkungen unter Lebenden) oder im Todesfall vererbt (Erwerb von Todeswegen)
und ob es Möglichkeiten gibt, die Steuerbelastung zu vermeiden oder zumindest
zu mildern. Bereits zum 1.1.1996 war die Schenkungs- und
Erbschaftsteuer grundlegend neu geregelt worden. Dabei gelten gleiche Regelungen für
Vermögensübertragungen unter Lebenden und für Erbschaftsfälle. Mit der Reform
wurden neben den Steuersätzen auch die Freibeträge erheblich angehoben. Da für das Grundvermögen auch nach dieser Gesetzesänderung
Beträge angesetzt wurden, die erheblich unter dem
Verkehrswert lagen, hat das Bundes- verfassungsgericht diese Regelung
des Gesetzes für verfassungswidrig erklärt und den Gesetzgeber aufgefordert, das
Erbschaftsteuerrecht zumindest bezüglich der Bewertung von Grundvermögen zu
ändern. Die ab 1.1.2009 vorgenommenen Gesetzesänderungen ergeben sich aus der nachfolgenden Darstellung des geltenden Rechts und sollten den Bedenken des Bundesrechnungshofs Rechnung tragen. Aber auch dieses Gesetz ist weiterhin in einzelnen Punkten (z.B. Befreiung bei Betriebsfortführung durch den Erben) strittig. Der Bundesfinanzhof hat daher durch Beschluß vom 27.9.2012 dem Bundes-verfassungsgericht erneut die Frage vorgelegt, ob das geltende Erbschaftssteuergesetz (ErbStG) verfassungsgemäß ist. Bei dem geltenden Recht sind folgende Regelungen besonders zu beachten:Die gesetzlichen Freibeträge sind auf jeden
Erwerbsfall anzuwenden. Ein Alleinerbe kann daher nur seine Freibeträge
berücksichtigen, in einer Erbengemeinschaft dagegen jeder Beteiligte für seinen
Anteil. Vermögensübertragungen, die an dieselbe Person innerhalb von 10 Jahren
stattfinden, sind zusammengefasst zu beurteilen. Liegen die Schenkungen
zunächst unter den Freibeträgen, führen weitere Vermögensübertragungen
innerhalb dieses Zehnjahreszeitraums bei Überschreiten der Freibeträge zur
Entstehung von Steuern. Bedondere Bedeutung gewinnt die neu geschaffene Befreiungsvorschrift für Wohneigentum, wenn das von dem erbenden Ehepartner oder den Kindern zu eigenen Wohnzwecken genutzt wird. Ob und ggf. in welcher Höhe nach dem vorhandenen Vermögen und dem geltenden Recht eine Erbschaft- bzw. Schenkungssteuer entstehen kann, ergibt sich aus den Abschnitten 2 ff., die jedoch nur die wichtigsten Regelungen und z.T. auch nur unvollständig wiedergeben können. Es werden daher auch die Fundstellen (§§) zwecks Vertiefung der angesprochenen Regelung angegeben.
Zu beachten ist aber, dass wegen der Überprüfung der Verfassungsmäßigkeit durch den Bundesrechnungshof, evtl. Steuerbescheide nur vorläufig erteilt werden und daher keine endgültige Rechtssicherheit schaffen.
2. Ermittlung des Vermögens und der BemessungsgrundlagenDer Schenkungs- und Erbschaftsteuer unterliegen
folgende Vermögenswerte:
Barvermögen mit dem Barbetrag
Wertpapiere mit dem Kurswert
sonstige Vermögensgegenstände mit dem Verkehrswert
Grundvermögen ab 1.1.2009 mit folgenden Werten anzusetzen:
Der Wert unbebauter Grundstücke bestimmt sich nach der Grundfläche und dem vom Gutschafterausschuss festgestellten Bodenrichtwert (§ 179 BewG).Der Wert bebauter Grundstücke ist gem. § 182 BewG für Wohn- und Teileigentum sowie für Ein- und Zweifamilienhäuser mit dem Vergleichswertverfahren (Ableitung aus Kaufpreisen von vergleichbaren Grundstücken bzw. die durch Gutachterausschüsse festgelegten Vergleichspreise, § 183 BewG) zu ermitteln. Mietwohngrundstücke und Geschäftsgrundstücke mit gemischter Nutzung, für die sich auf dem örtlichen Grundstücksmarkt eine übliche Miete ermitteln läßt, sind nach dem Ertragswertverfahren (Summe aus Bodenwert und Gebäudeertragswert, § 184 ff. BewG) zu bewerten.Für alle anderen Grundstücke (Geschäftsgrundstücke) gilt das Sachwertverfahren (Ableitung aus Regelherstellkosten, § 189 ff. BewG).Zu Wohnzwecke vermietete Grundstücke sind jedoch nur mit 90% ihres Wertes anzusetzen (§ 13 c ErbStG).
3. SteuerklassenFür die Anwendung der Freibeträge und Steuerklassen
ist von entscheidender Bedeutung, welcher Steuerklasse der Vermögensempfänger
zuzuordnen ist. Dabei gilt der Grundsatz, je enger das Familienverhältnis ist,
um so größer sind die Freibeträge und niedriger die Steuersätze. Folgende Steuerklassen gibt es:
Vermögensempfänger ist / sind
Ehegatte oder eingetragener LebenspartnerIn
Kinder und Stiefkinder sowie Enkel, falls deren Eltern verstorben sind
übrige Enkel sowie bei Erwerb von Todeswegen auch Eltern und Großeltern
Eltern und Großeltern bei Erwerb unter Lebenden sowie Geschwister, Neffen, Nichten, Schwiegereltern und -kinder, Stiefeltern, geschiedener Ehegatte
alle übrigen Erwerber / Erben
4. Freibeträge und sonstige Abzüge (§ 13 ErbStG)4.1. Befreiung für selbst genutzte Wohnimmobilien (§ 13 Abs.1 Nr.4)
Die Vererbung einer selbst genutzten Wohnimmobilie an einen Ehegatten bzw. an einen eingetragenen Lebenspartner bleibt ohne Wertbegrenzung steuerfrei, wenn das Objekt nach dem Erbsvorgang 10 Jahre lang von dem Erben selbst zu Wohnzwecken genutzt wird. Damit muss ein Ehepartner nicht mehr befürchten, dass das von ihm nach dem Tod des Partners
weiter bewohnte Gebäude bis zu seinem Tode der Erbschaftsteuer unterliegt, selbst wenn es eine Million Euro und mehr wert ist.
Die Vererbung einer selbst genutzen Immobilie an Kinder bzw. an Enkel, deren Elternteil zu diesem Zeitpunkt bereits verstorben ist, bleibt bis zu einer Wohnfläche von 200 qm steuerfrei, wenn der Erbe das Familienheim 10 Jahre lang zu eigenen Wohnzwecken nutzt. Bei größeren Flächen ist der anteilige Mehrwert als Vermögen zu erfassen.
Wird in den genannten Fällen die Wohnimmobilie innerhalb der Zehnjahresfrist verkauft oder vermietet, entfällt die Steuerfreiheit rückwirkend, so dass die Steuer nacherhoben wird und ggf. aus dem Verkaufserlös oder Mieteinnahmen zu begleichen ist. Eine Nachversteuerung entfällt, wenn z. B. durch Tod oder erheblicher Pflegebedürftigkeit (Pflegestufe 3) oder aus anderen zwingenden objektiven Gründen die Selbstnutzung aufgegeben werden muss.
4.2. Steuerbefreiung für Betriebsvermögen usw. (§ 13 a ErbStG)Zur Sicherung von Betriebsnachfolgen und Erhaltung von Arbeitsplätzen wurden bei der Übertragung von Betriebsvermögen, Betrieben der Land- und Forstwirtschaft und Anteilen an Kapitalgesellschaften unter bestimmten Voraussetzungen und Bedingungen Steuerbefreiungen geschaffen, die inzwischen bezüglich der Verfassungsmäßigkeit auf dem Prüfstand stehen.
4.3. Persönliche FreibeträgeAuf die unter 2. dargestellte Bemessungsgrundlage sind nach Abzug von Schulden, des Werts einer unter 4.1. beschriebenen steuerbefreiten Wohnimmobilie
und des unter 4.2.dargestellten befreiten Betriebsvermögens usw. zusätzlich folgende Freibeträge (in EURO) anzuwenden :
Versorgungsfreibeträge *)
256.000 zusätzlich
41.000 sonstiges
10.300 400.000
zusätzlich bis zum Alter
von:5 Jahren 52.000, 10 Jahren 41.000, 15 Jahren 30.700, 20 Jahren 20.500,27 Jahren 10.300 I c
Enkel 200.000, übrige Personen 100.000 II
und sonstiges bewegliches Vermögen 10.300
Hausrat und sonstiges bewegliches Vermögen 10.300
20.000beschränkt Steuerpflichtige2.000
*) Der Versorgungsfreibetrag wird jedoch bei verwitweten
Ehepartnern nur gewährt, soweit er den Kapitalwert
der erbschaftsteuerfreien Versorgungsbezüge (z. B. aus einer Betriebsrente) übersteigt.
Bei Ehepartnern, die im gesetzlichen
Güterstand der Zugewinn- gemeinschaft leben, ist der Zugewinnausgleich zusätzlich steuerfrei.Bei eingetragenen Lebenspartnerschaften sind die
Freibeträge ab 1.1.2009 an die der Ehegatten angepasst worden. Die
auf das übersteigende Vermögen anzuwendenden Steuerklassen richten sich nach
dem Verwandschaftsverhältnis. Steuerfrei sind Zuwendungen
unter Lebenden, mit denen ein Ehegatte dem anderen Ehegatten (Mit-) Eigentum an einem
inländischen, zu Wohnzwecken genutzten Haus (Eigentumswohnung) verschafft (§ 13
Abs.1 Nr. 4a ErbStG). Entsprechendes gilt bei Freistellung für eingegangene
Verpflichtungen und für nachträglichen Herstellungs- oder Erhaltungsaufwand,
die ein Ehegatte für ein Familienwohnheim des anderen Ehegatten oder bei
gemeinsamen Wohneigentum trägt.Sachlich befreit sind u.a. auch übliche Gelegenheitsgeschenke (z.B. zum
SchuldabzugAußerdem sind beim Erwerb von Todes wegen u. a.
abzugsfähig die Verbindlichkeiten aus
Vermächtnissen, Auflagen und geltend gemachte Pflichtanteile und
Erbersatzansprüche sowie sonstige Schulden des Erblassers. Auch können die nachgewiesen Kosten für die Bestattung des Erblassers und ein angemessenes Grabmahl
und dessen Pflege abgezogen werden, wenn sie im Zusammenhang mit der
Nachlassabwicklung entstehen. Ohne Einzelnachweis können dafür 10.300 € vom
Erwerbswert abgezogen werden.
SteuersätzAuf
den nach Abzug aller Freibeträge und Abzugsbeträge verbleibenden Wert des
steuerpflichtigen Erwerbs sind folgende Steuersätze anzuwenden. Dabei richtet
sich der Steuersatz nach der Höhe des steuerpflichtigen Vermögens. Der Steuersatz ist
einheitlich auf den gesamten zu besteuernden Wert anzuwenden: In der Steuerklasse I (Ehepartner und Kinder) sind die bisherigen Staffelsteuersätze unverändert geblieben. In den Steuerklassen II und III gilt ab 2009 bis zu einem steuerpflichtigen Erwerb von 6.000.000 € ein einheitlicher Steuersatz von 30 % und darüber hinaus einer von 50 %. Für die Steuerklasse II wurde aber schon ab 1.1.2010 wieder eine Staffelung eingefüht.Steuersatz in Prozent bei Steuerklasse (
Steuersatz für 2009 in Klammern):
Steuerpflichtiger Erwerb (in EURO) bis I
6. Stundung und Befreiung in besonderen FällenBei Erwerb von vermieteten Wohnimmobilien bzw. eines selbst genutzten Ein- oder Zweifamilienhauses bzw. eines Wohneigentums kann die darauf entfallende Erbschaftsteuer auf Antrag bis zu 10 Jahren gestundet werden, wenn anderenfalls zur Zahlung der Steuer die Veräußerung des Grundstücks erforderlich wäre. Eine Stundung ist auch zur Erhaltung eines ererbten Betriebs- oder land- und forstwirtschaflichen Vermögens möglich (§ 28 ErbStG).Grundbesitz, Kunstgegenstände u.ä. sind gem. § 13 Abs. 1 Nr. 2 ErbStG zu 85 % ihres Wertes steuerfrei, wenn deren Erhaltung im öffentlichen Interesse liegt. Unterliegen diese Wirtschaftsgüter der Denkmalpflege, können sie sogar voll befreit werden. Hat ein Erbe von enem Erblasser ein Vermögen steuerpflichtig geerbt, bleibt dieser Erwerb bis zu 20.000 € steuerfrei, wenn er den Erblasser unentgeltlich oder zu einem geringen Entgelt gepflegt oder Unterhalt gewährt hat (§ 13 Abs. 1 Nr. 9 ErbStG).
7. Steueranmeldung und -erhebung (§§ 20 und 31 ff. ErbStG)Die Steuerpflicht tritt bei inländischen Schenkern mit
dem Zeitpunkt der Zuwendung und bei Erwerben im Todesfall grundsätzlich mit dem
Tod des Erblassers ein, soweit nicht in Einzelfällen (z. B. bei Geltendmachung
von Pflichtteilsansprüchen) ein späterer Zeitpunkt vorgesehen ist.
Steuerschuldner ist der Erwerber, bei Schenkungen aber auch der Schenker. Das Finanzamt kann von jedem am Erbfall oder an der
Schenkung Beteiligten die Abgabe einer Steuererklärung verlangen. Darüber hinaus
haben Personen, die sich geschäftsmäßig mit der Verwahrung oder Verwaltung fremden Vermögens befassen
(Testamentsvollstrecker, Versicherungsunternehmen usw.) die gesetzliche
Verpflichtung, dem zuständigen Finanzamt Anzeige über steuerpflichtige Vorgänge
zu erstatten. Entsprechende Anzeigepflichten bestehen auch für Gerichte,
Behörden, Beamte und Notare.
Beispiele für die Errechnung der Steuerbelastung
Ab 1.1.2009 geltendes Recht
Ehepartner wohnt weiter im Haus, Kind nicht
40jähriges Kind erbt
unbebaut: Verkehtswert
bebaut: Verkehrswert
Freibetrag bei StKl. I (bis 41.000)
sonstige bewegliche WG (PKW)
Freibetrag bei StKl. I (bis 10.300)
Hausrat und sonstige bewegliche WG Freibetrag bei StKl. II u. III (bis 10.300)
Bestattungskosten pauschal (ohne Nachweis)
754.700
zuzüglich Schenkungen der letzten 10 Jahre
abzüglich steuerbefreite selbst genutzteWohnimmobilie
Stkl. I a
Stkl. I b
Stkl. II u. III
abzüglich Versorgungsfreibetrag
StKl. I a (256.000)
StKl. I b (altersabhängig)
Zu besteuerndes Vermögen
Steuersatz (StKl und vermögensabhängig)
Steuerbetrag ab 1.1.2009
Steuerbetrag bis 31.12.2008
Vordruck für eine grobe Einschätzung der
möglichen Steuerbelastung in Euro (ab 2010 geltendes Recht)
Bitte eigene Vermögenswerte und Freibeträge eintragen
Hausrat bei StKl. I
Freibetrag darauf (bis 41.000)
sonstige bewegliche WG (PKW) bei StKl. I
Freibetrag darauf (bis 10.300)
Hausrat und sonstige bewegliche WG bei StKl. II u. III Freibetrag darauf (bis 10.300)
abzüglich Nachlassverbindlichkeiten tatsächlich
ggf. Bestattungskosten pauschal (ohne Nachweis)
Steuersatz (steuerklassen- und vermögensabhängig)
Steuerbetrag Helmut Laser