Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Gericht=OLG%20N%C3%BCrnberg&Datum=03.07.2002&Aktenzeichen=4%20U%201001/02
Timestamp: 2019-07-16 05:32:03
Document Index: 149944635

Matched Legal Cases: ['§ 249', '§ 255', '§ 38', '§ 38', '§ 7', '§ 839', 'Art. 34', '§ 249', '§ 12', '§ 255', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 255', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 249', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 254', 'BGH']

OLG Nürnberg, 03.07.2002 - 4 U 1001/02 - dejure.org
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OLG Nürnberg, 03.07.2002 - 4 U 1001/02 (https://dejure.org/2002,2130)
OLG Nürnberg, Entscheidung vom 03.07.2002 - 4 U 1001/02 (https://dejure.org/2002,2130)
OLG Nürnberg, Entscheidung vom 03. Juli 2002 - 4 U 1001/02 (https://dejure.org/2002,2130)
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Unfall mit Rettungsfahrzeug (mit Rotlicht) im Kreuzungsbereich - Verschuldensfragen
BGB § 249 § 255
Erstattungsfähigkeit pauschalierter Privatgutachter-Vergütung; Zu den Sorgfaltspflichten des Führers eines Rettungsfahrzeugs, der bei Rotlicht eine Kreuzung überqueren will; Haftungsverteilung bei Kollision an Kreuzung
Sorgfaltspflichten des Rettungsfahrzeugführers bei Überquerung einer Kreuzung bei Rotlicht; Inanspruchnahme von Sonderrechten i.S.d. § 38 Straßenverkehrsordnung (StVO); Zur Rechtsverfolgung notwendige Gutachterkosten als Herstellungsaufwand; Erstattungsfähigkeit pauschalierter Privatgutachter-Vergütung; Anspruch auf Abtretung von Rückforderungsansprüchen gegen den Gutachter
StVO § 38, StVG §§ 7,17, BGB § 839 Abs. 1, GG Art. 34
Haftungsverteilung bei einem Verkehrsunfall mit einem Rettungsfahrzeug
Haftung für Rettungsdienstfahrzeug
Unfallschadensregulierung - Kreuzungsunfall mit Rettungsfahrzeug
LG Nürnberg-Fürth, 22.02.2002 - 8 O 4044/01
NVwZ-RR 2002, 711
Solange für ihn als Laien nicht erkennbar ist, dass der Sachverständige sein Honorar geradezu willkürlich festsetzt, Preis und Leistung in einem auffälligen Missverhältnis zueinander stehen oder dem Geschädigten selbst ein Auswahlverschulden zur Last fällt, kann der Geschädigte vom Schädiger den Ausgleich gezahlter Aufwendungen verlangen (OLG Nürnberg, Urteil vom 3.7.2002, 4 U 1001/02 = VRS 103, 321; OLG Naumburg, Urteil vom 20.1.2006, 4 U 49/05 = NJW-RR 2006, 1029; OLG Düsseldorf, Urteil vom 16.6.2008, 1 U 246/07 = NJW-Spezial 2008, 458).
Ist Letzteres nicht der Fall und duften die Kosten einem verständigen, wirtschaftlich denkendem Geschädigten angemessen erscheinen, sind sie selbst dann erforderlich und vom Schädiger zu ersetzen, wenn sie nicht (voll) der objektiven Erforderlichkeit entsprechen (OLG Köln NZV 1999, 88, 90; OLG Hamm NZV 2001, 433, 434; OLG Nürnberg VRS 103, 321, 322; OLG Naumburg NZV 2006, 546, 548;… Palandt/Grüneberg, BGB, 72, Auflage, § 249 Rdnr. 58;… Hentschel/König/Dauer, Straßenverkehrsrecht, 41. Auflage, § 12 StVG Rdnr. 50;… ausdrücklich Geigel/Knerr, Der Haftpflichtprozess, 28. Auflage, Kap. 3 Rdnr. 120; fehlende Erforderlichkeit nur, wenn für den Geschädigten erkennbar ist, dass die Kosten geradezu willkürlich angesetzt sind;… ebenso LG Saarbrücken, Urt. v. 10.02.2011, 13 S 109/10, Bl. 53 ff, d.A., dort S. 4/5 m.w.N.).
Denn soweit sie der Meinung ist, die Sachverständigenkosten seien überhöht, kann sie sich entsprechende Erstattungsansprüche des Geschädigten gegen den Sachverständigen gemäß § 255 BGB abtreten lassen und diese selbst gegen den Sachverständigen geltend machen (OLG Nürnberg VRS 103, 321, 325, OLG Naumburg NZV 2006, 546, 548).
Zu einer Erforschung des ihm zugänglichen Markts, um einen möglichst preisgünstigen Sachverständigen ausfindig zu machen, ist ein Geschädigter grundsätzlich nicht verpflichtet (BGH NJW 2007, 1450; OLG Nürnberg SP 2002, 358 = VRS 103 [2002] 321 = OLGR 2002, 471 = NVwZ-RR 2002, 711).
Danach kann der Geschädigte die Kosten eines Sachverständigengutachtens auch dann ersetzt verlangen, wenn diese überhöht sein sollten, es sei denn, dies ist für den Geschädigten ohne weiteres erkennbar gewesen (in diese Richtung auch OLG Nürnberg, Urt. v. 3.7.2002 - 4 U 1001/02, Schaden-Praxis 2002, 358 f.).
In einem solchen Fall müsste das Risiko einer überhöhten Rechnung in jedem Fall zu Lasten des Schädigers gehen, da es unangemessen und mit schadensrechtlichen Grundsätzen - insbesondere dem Prinzip der Totalreparation und dem Grundsatz, dass es nicht Sache des Geschädigten ist, sich mit Fehlern bei der Schadensbeseitigung beteiligter Dritter auseinandersetzen zu müssen - unvereinbar wäre, dem Geschädigten den nicht angemessenen Teil der Vergütung aufzuerlegen (…ebenso BGH, Urt. v. 29.10.1974 - VI ZR 42/73, BGHZ 63, 182, 187; OLG Nürnberg, Urt. v. 3.7.2002 - 4 U 1001/02, Schaden-Praxis 2002, 358, 359;… OLG Hamm, Urt. v. 13.4.1999 - 27 U 278/98, OLGR Hamm 1999, 218;… KG, Urt. v. 17.3.2003 - 12 U 97/01, DAR 2003, 318;… AG Herne-Wanne, Urt. v. 13.11.1998 - 2 C 351/98, NZV 1999, 256, 257; Grunsky, NZV 2000, 4, 5;… ohne tragfähige Begründung a.A. AG Dortmund, Urt. v. 7.1.1999 - 114 C 11293/98, NZV 1999, 254;… AG Dortmund, Urt. v. 24.10.1997 - 124 C 9485/97;… AG Hagen, Urt. v. 21.10.2002 - 10 C 335/02, NZV 2003, 144, 145;… AG München, Urt. v. 16.7.2004 - 344 C 17933/03).
Das geschilderte Problem lässt sich nach Auffassung des Gerichts jedenfalls in den Fällen, in denen die Vergütung für den Geschädigten nicht erkennbar überhöht war, nur dadurch lösen, dass die Geschädigten etwaige vertragliche bzw. deliktische Ersatzansprüche gegen die Sachverständigen an den Schädiger bzw. dessen Haftpflichtversicherer gemäß § 255 BGB abzutreten haben, so dass der Streit um die Angemessenheit der Vergütung allein in diesem Rechtsverhältnis auszutragen ist (ebenso OLG Nürnberg, Urt. v. 3.7.2002 - 4 U 1001/02, Schaden-Praxis 2002, 358, 359; a.a. 255; Grunsky, NZV 2000, 4, 5; Hörl, NZV 2003, 305, 309 f.;… zur Mietwagen-Problematik BGH, Urt. v. 7.5.1996 - VI ZR 138/95, BGHZ 132, 373, 381 = NJW 1996, 1958).
Auch ist der Sachverständige im Verhältnis zum Schädiger nicht als Erfüllungsgehilfe des Geschädigten anzusehen (…ebenso KG, Urt. v. 17.3.2003 - 12 U 97/01, DAR 2003, 318; OLG Nürnberg, Urt. v. 3.7.2002 - 4 U 1001/02, Schaden-Praxis 2002, 358, 359;… AG Berlin, Urt. v. 15.6.2001 - 3 C 3060/01, DAR 2002, 459), worauf der Kläger zutreffend hinweist.
Sie steht zudem im Einklang mit der Rechtsprechung in einem vergleichbaren Fall (vgl. OLG Nürnberg, Urteil vom 3. Juli 2002, 4 U 1001/02 - OLGR 2002, 471).
Sie müssen bei ihrer Fahrweise berücksichtigen, dass Abweichungen von den allgemeinen Vorschriften eine erhöhte Unfallgefahr für andere Straßenbenutzer begründen und deshalb die Inanspruchnahme von Sonderrechten durch besondere Vorsicht ausgleichen (vgl. OLG Düsseldorf, VersR 1985, 669; Senat, PVR 2003, 232 ff., zitiert bei juris, dort Rn. 23).
Sie verkennt indes, dass grundsätzlich der Schädiger, der die Vorsteuerabzugsberechtigung behauptet, die Beweislast hierfür trägt (vgl. BGHZ 94, 105; OLG Nürnberg, Urteil vom 03.07.2002, Az.: 4 U 1001/02;… Baumgärtel/Strieder, Handbuch der Beweislast im Privatrecht, 2. Aufl., § 249 Rdnr. 14 m.w.N.).
Die Beklagten führen insoweit richtig aus, dass in der veröffentlichten Rechtsprechung in vergleichbaren Konstellationen von einer weit überwiegenden bis alleinigen Haftung des Halters des Einsatzfahrzeugs ausgegangen wird (…vgl. OLG Naumburg, Urt. v. 21.07.2011, 4 U 23/11, veröffentlicht u.a. NJW 2012, 1232, zitiert nach juris; OLG Nürnberg, Urt. v. 03.07.2002, 4 U 1001/02, veröffentlicht: VRS 103, 321, zitiert nach juris;… OLG Hamm, Urt. v. 06.11.1995, 13 U 94/95, veröffentlicht: VersR 1996, 14928, hier zitiert nach juris;… KG, Urt. v. 13.12.1998, 12 U 6020/96, veröffentlicht: VRS 76, 265, zitiert nach juris).
Auch bei der Beauftragung eines Kfz-Sachverständigen sind dem Geschädigten daher Markterforschung bzw. Preisvergleiche regelmäßig nicht zuzumuten und dürften ohne vorherige Begutachtung wohl auch kaum möglich sein; denn es fehlen -im Unterschied zum Mietwagenersatzgeschäft und zu den Reparaturkosten- einheitliche Abrechnungsmodalitäten bzw. allgemein zugängliche Tarifübersichten oder Preislisten, anhand derer der Kunde sich (zuverlässig) informieren könnte (…BGH Urt. v. 22.07.2014, VI ZR 357/13 = NJW 2014, 3151 ff.;… Urt. v. 11.02.2014, VI ZR 225/13 = NJW 2014, 1947 f.;… Urt. v. 23.01.2007, VI ZR 67/06 = VersR 2007, 560 und NJW 2007, 1450 ff.;… Urt. v. 15.10.1991, VI ZR 314/90 = BGHZ 115, 364, 369 und VI ZR 67/91 = BGHZ 115, 375, 378; OLG Nürnberg, Urt. v. 03.07.2002, 4 U 1001/02 = VRS 103, 321 ff. = Schaden-Praxis (SP) 2002;… OLG Naumburg, Urt. v. 20.01.2006, 4 U 49/05 = NZV 2006, 546 ff.;… LG Saarbrücken, Urt. v. 10.02.2011, 13 S 109/10, Bl. 58 ff. d.A. und LG Saarbrücken, Urt. v. 29.08.2008, 13 S 108/08).
Dies gilt umso mehr, als dass der Sachverständige nicht Erfüllungsgehilfe des Geschädigten ist und ihm etwaige Fehler des Sachverständigen demzufolge nicht gemäß §§ 254 Abs. 2 Satz 2, 278 BGB zugerechnet werden können (vgl, OLG Nürnberg, Urt. v. 03.07.2002, 4 U 1001/02 = VRS 103, 321 ff. = Schaden-Praxis (SP) 2002, 358;… OLG Naumburg, Urt. v. 20.01.2006, 4 U 49/05 = NZV 2006, 546 ff., abrufbar in juris).
Grundsätzlich trägt für diesen Vortrag aber der Schädiger, im vorliegenden Fall mithin die Beklagten, die Beweislast, da es sich insofern um einen für die Beklagten günstigen Vortrag handelt (vgl. BGHZ 1994, 105; OLG Nürnberg, Urteil vom 03.07.2002, Az. 4 U 1001/02).
LG Coburg, 05.05.2015 - 14 O 732/13
Zur Berechnung des Schadensersatzes bei Abrechnung auf Totalschadensbasis
AG Aachen, 18.01.2005 - 80 C 543/04
AG Amberg, 28.02.2013 - 2 C 1205/12
AG Amberg, 20.09.2012 - 3 C 169/12
AG Hersbruck, 21.06.2012 - 1 C 183/12
AG Nürnberg, 05.01.2011 - 35 C 9064/10
AG Nürnberg, 21.07.2009 - 36 C 4408/09