Source: https://www.rechtslupe.de/steuerrecht/erbst/der-erbfall-gebaeudeschaden-3127476?pk_campaign=feed&pk_kwd=der-erbfall-gebaeudeschaden
Timestamp: 2020-04-02 16:55:19
Document Index: 242128186

Matched Legal Cases: ['§ 10', '§ 10', '§ 535', '§ 10', '§ 12', '§ 10', '§ 12', '§ 10', '§ 11', '§ 9', '§ 38', '§ 24', '§ 10', '§ 10', '§ 10', '§ 10', '§ 10', '§ 10', '§ 10', '§ 10']

Auf­wen­dun­gen zur Besei­ti­gung von Schä­den an geerb­ten Gegen­stän­den wie Grund­stü­cken oder Gebäu­den, deren Ursa­che vom Erb­las­ser gesetzt wur­de, die aber erst nach des­sen Tod in Erschei­nung tre­ten, sind nicht als Nach­lass­ver­bind­lich­kei­ten i.S. des § 10 Abs. 5 Nr. 1 ErbStG abzieh­bar 1.
Der Bun­des­fi­nanz­hof hat bereits ent­schie­den, dass Auf­wen­dun­gen zur Besei­ti­gung von Män­geln und Schä­den an geerb­ten Grund­stü­cken oder Gebäu­den ‑etwa unter dem Gesichts­punkt eines auf­ge­stau­ten Repa­ra­tur­be­darfs- grund­sätz­lich kei­ne Erb­las­ser­schul­den i.S. des § 10 Abs. 5 Nr. 1 ErbStG dar­stel­len. Etwas ande­res gilt nur dann, wenn schon zu Leb­zei­ten des Erb­las­sers eine öffent­lich-recht­li­che oder eine pri­vat­recht­li­che Ver­pflich­tung (etwa gegen­über einem Mie­ter aus § 535 Abs. 1 Satz 2 BGB) zur Män­gel- oder Scha­dens­be­sei­ti­gung bestand 2. Dabei setzt das Bestehen einer öffent­lich-recht­li­chen Ver­pflich­tung für Zwe­cke der Erb­schaft­steu­er den Erlass einer rechts­ver­bind­li­chen, behörd­li­chen Anord­nung gegen den Erb­las­ser vor­aus 3. Im Übri­gen kön­nen ‑etwa auf­grund eines auf­ge­stau­ten Repa­ra­tur­auf­wands beding­te- Wert­min­de­run­gen eines Gebäu­des allen­falls bei der Grund­stücks­be­wer­tung und nicht im Ver­fah­ren über die Erb­schaft­steu­er­fest­set­zung berück­sich­tigt wer­den 4.
Die­se Grund­sät­ze gel­ten nicht nur für Män­gel und Schä­den, die bereits im Zeit­punkt des Erb­falls erkenn­bar waren, son­dern erst recht für Män­gel und Schä­den, deren Ursa­che zwar vom Erb­las­ser gesetzt wur­de, die aber erst nach des­sen Tod in Erschei­nung tre­ten 5.
Als steu­er­pflich­ti­ger Erwerb gilt die Berei­che­rung des Erwer­bers, soweit sie nicht steu­er­frei ist (§ 10 Abs. 1 Satz 1 ErbStG). Bei Erwer­ben von Todes wegen gilt dabei als Berei­che­rung der Betrag, der sich ergibt, wenn von dem nach § 12 ErbStG zu ermit­teln­den Wert des gesam­ten Ver­mö­gens­an­falls die nach § 10 Abs. 3 bis 9 ErbStG abzugs­fä­hi­gen Nach­lass­ver­bind­lich­kei­ten mit ihrem nach § 12 ErbStG zu ermit­teln­den Wert abge­zo­gen wer­den (§ 10 Abs. 1 Satz 2 ErbStG). Aus­schlag­ge­ben­der Stich­tag für die Ermitt­lung der Berei­che­rung ist der Zeit­punkt der Ent­ste­hung der Steu­er (§ 11 ErbStG). Dies ist beim Erwerb durch Erb­an­fall grund­sätz­lich der Zeit­punkt des Todes des Erb­las­sers (§ 9 Abs. 1 Nr. 1 ErbStG). Nach den Ver­hält­nis­sen die­ses Zeit­punk­tes rich­ten sich die Fest­stel­lun­gen des Umfangs und des Wer­tes des Erwerbs. Spä­te­re Ereig­nis­se, die den Wert des Ver­mö­gens­an­falls erhö­hen oder ver­min­dern, kön­nen sich erb­schaft­steu­er­recht­lich grund­sätz­lich nicht aus­wir­ken (sog. Stich­tags­prin­zip) 6. Die Berei­che­rung ist damit stich­tags­be­zo­gen zu ermit­teln. Das Stich­tags­prin­zip schränkt das Berei­che­rungs­prin­zip inso­weit ein 7.
Etwas ande­res folgt auch nicht aus dem BFH-Urteil vom 04.07.2012 8. Die dar­in dar­ge­leg­ten Grund­sät­ze sind auf den Streit­fall nicht über­trag­bar. Der BFH hat in die­sem Urteil ent­schie­den, dass vom Erb­las­ser her­rüh­ren­de (Einkommen-)Steuerschulden des Todes­jah­res als Nach­lass­ver­bind­lich­kei­ten abzugs­fä­hig sind. Ent­schei­dend für einen sol­chen Abzug ist dabei, dass der Erb­las­ser in eige­ner Per­son und nicht etwa der Erbe als Gesamt­rechts­nach­fol­ger steu­er­rele­van­te Tat­be­stän­de ver­wirk­licht hat 9 und bereits im Todes­zeit­punkt fest­steht, dass mit Ablauf des Ver­an­la­gungs­zeit­raums die Steu­er­schuld kraft Geset­zes ent­ste­hen wird (gesetz­li­ches Schuld­ver­hält­nis, § 38 AO). In Abgren­zung hier­zu hat der BFH klar­ge­stellt, dass, soweit der Erbe selbst ein­kom­men­steu­er­rele­van­te Tat­be­stän­de ver­wirk­licht, wie z.B. beim Zufluss nach­träg­li­cher Ein­nah­men aus einer ehe­ma­li­gen Tätig­keit des Erb­las­sers nach § 24 Nr. 2 EStG, die dar­auf ent­fal­len­den Ein­kom­men­steu­er­zah­lun­gen kei­ne Nach­lass­ver­bind­lich­kei­ten nach § 10 Abs. 5 Nr. 1 ErbStG sind. Obwohl der Erb­las­ser die Grund­la­ge für den Zufluss von Ein­nah­men gesetzt hat, wird der Steu­er­tat­be­stand in die­sen Fäl­len erst mit dem Zufluss der Ein­nah­men durch den Erben als Steu­er­pflich­ti­gen ver­wirk­licht 10.
Auf das Erfor­der­nis einer wirt­schaft­li­chen Belas­tung des Erb­las­sers im Todes­zeit­punkt 11 kommt es daher bei Schä­den, die erst nach dem Tod des Erb­las­sers in Erschei­nung tre­ten, nicht an.
vgl. auch Wein­mann in Moench/​Weinmann, § 10 ErbStG Rz 52[↩]
vgl. BFH, Urteil vom 11.07.1990 – II R 153/​87, BFH/​NV 1991, 97, und BFH, Beschluss vom 19.02.2009 – II B 132/​08, BFH/​NV 2009, 966, unter II. 1.c[↩]
vgl. BFH, Urteil in BFH/​NV 1991, 97[↩]
vgl. BFH, Urteil in BFH/​NV 1991, 97; Gebel in Troll/​Gebel/​Jülicher/​Gottschalk, ErbStG, § 10 Rz 157; Jüpt­ner, in Fischer/​Pahlke/​Wachter, ErbStG, 6. Auf­la­ge § 10 Rz 144; Wein­mann in Moench/​Weinmann, a.a.O., § 10 ErbStG Rz 52; Jochum in Wilms/​Jochum, Erb­schaft­steu­er- und Schen­kungsteu­er­ge­setz, § 10 Rz 128[↩]
vgl. auch Jochum in Wilms/​Jochum, a.a.O., § 10 Rz 128; Brüggemann/​Stirnberg, Erb­schaft­steu­er und Schen­kungsteu­er, 9. Aufl., 2012, 5.1 Steu­er­pflich­ti­ger Erwerb – § 10 ErbStG, S. 553[↩]
vgl. z.B. BFH, Urteil vom 02.03.2006 – II R 57/​04, BFH/​NV 2006, 1480[↩]
vgl. BFH, Beschluss in BFH/​NV 2009, 966, unter II. 1.c[↩]
BFH, Urteil vom 04.07.2012 – II R 15/​11, BFHE 238, 233, BSt­Bl II 2012, 790[↩]
vgl. BFH, Urteil in BFHE 238, 233, BSt­Bl II 2012, 790, Rz 15[↩]
vgl. BFH, Urteil in BFHE 238, 233, BSt­Bl II 2012, 790, Rz 22[↩]
vgl. BFH, Urteil vom 28.10.2015 – II R 46/​13, BFHE 252, 448, BSt­Bl II 2016, 477, Rz 13[↩]