Source: http://helfer-in-steuersachen.de/index.php/steuertipps/04-tipps-zur-anlage-vorsorgeaufwand-versicherungsbeitr%C3%A4ge/722-tipp-27-f%C3%BCnf-praktische-f%C3%A4lle.html
Timestamp: 2018-05-27 21:41:11
Document Index: 184891121

Matched Legal Cases: ['§ 10', '§ 10', '§ 3', '§ 10', '§ 10', '§ 10', '§ 10', '§ 10', '§ 10']

Tipp 27 Vorsorgeaufwendungen: Fünf praktische Fälle - Helfer in Steuersachen
Aktuelle Seite: Home > Steuertipps > 04 - Tipps zur Anlage - Vorsorgeaufwand - Versicherungsbeiträge > Tipp 27 Vorsorgeaufwendungen: Fünf praktische Fälle
Tipp 27 Vorsorgeaufwendungen: Fünf praktische Fälle
In konkreten Fällen wird vielfach schneller deutlich, wie sich die Regelungen im Einzelnen auswirken.
Fall 1: Gewerbetreibender / Freiberufler, verheiratet
Der Steuerzahler ist Gewerbetreibender / Freiberufler, wohnt in den Alten Bundesländern, ist verheiratet und hat in 2018 Altersvorsorgebeiträge in Höhe von 14.469 € geleistet:
Höchstbetrag für Ehepartner (Alte Bundesländer) 47.424 €
Davon 86 % (Zwischenergebnis 1) 40.785 €
Beiträge in ein berufliches Versorgungswerk 5.469 €
+ Beiträge in einen Basisrentenvertrag (Rürup-Rente) 9.000 €
Summe 14.469 €
Davon 86 % (Zwischenergebnis 2) 12.444 €
Der niedrigere Betrag ist absetzbar (Endergebnis) 12.444 €
Fall 2: Arbeitnehmer, alleinstehend
Der Steuerzahler ist Arbeitnehmer, ledig und wohnt in den Alten Bundesländern. Als Beiträge zur Altersvorsorge werden angesetzt der Arbeitnehmer- und der Arbeitgeberanteil zur gesetzlichen Rentenversicherung. Der Arbeitgeberanteil wird zunächst mit erfasst (§ 10 Abs. 1 Nr. 2 Buchst. a EStG), dann aber wieder in voller Höhe abgezogen (§ 10 Abs. 3 Satz 3 EStG, abgesegnet durch BFH 18.11.2009 - X R 6/08).
Dadurch ist im folgenden Beispiel der Arbeitnehmeranteil zur gesetzlichen Rentenversicherung im Jahre 2018 tatsächlich nur mit (2.150 € : 2.985 € x 100 =) 72 % absetzbar.
In die Berechnung der Vorsorgeaufwendungen wird - mit einem Teilbetrag - neben dem Arbeitnehmeranteil auch der nach § 3 Nr. 62 EStG steuerfreie Arbeitgeberanteil einbezogen (§ 10 Abs. 1 Nr. 2 Buchst. a EStG), der indessen abschließend zu 100 % wieder abgezogen wird (§ 10 Abs. 3 Satz 3 EStG, abgesegnet durch BFH 18.11.2009 - X R 6/08).
Höchstbetrag für Alleinstehende 23.712 €
Davon 86 % (Zwischenergebnis 1) 20.393 €
Arbeitnehmeranteil lt. Nr. 23 der Lohnsteuerbescheinigung 2.985 €
+ Arbeitgeberanteil lt. Nr. 22 der Lohnsteuerbescheinigung 2.985 €
Aufwendungen insgesamt 5.970 €
Davon 86 % 5.135 €
- Arbeitgeberanteil 100 % 2.985 €
Verbleiben (Zwischenergebnis 2) 2.150 €
Absetzbar ist der niedrigere Betrag (Endergebnis) 2.150 €
Variante für Beamte
Bei Beamten und anderen rentenversicherungsfreien Personen wird der Höchstbetrag von 23.362 / 46.724 € (Alte Bundesländer) zunächst um einen fiktiven Gesamtbeitrag zur gesetzlichen Rentenversicherung gekürzt und erst dann mit 86 % angesetzt. Der Kürzungsbetrag beträgt 18,6 %.
Fall 3: Arbeitnehmer-Ehepaar
Heribert Muster, wohnhaft in den Alten Bundesländern, stellt fest, dass er für sich und seine Ehefrau folgende Vorsorgeaufwendungen in seiner Steuererklärung eintragen kann:
Heribert Muster hat eine Rürup-Rentenversicherung abgeschlossen und dafür 1.500 € eingezahlt. Sowohl von seinem Arbeitslohn als auch vom Arbeitslohn seiner Ehefrau sind Sozialversicherungsbeiträge einbehalten worden. Die Arbeitgeber haben die Arbeitnehmer- und Arbeitgeberanteile zur gesetzlichen Rentenversicherung in Nr. 23 und 22 der Lohnsteuerbescheinigungen ausgewiesen. Herr Muster übernimmt diese Beträge und trägt sie gesondert für sich und seine Ehefrau in die > Zeilen 4 und 8 der Anlage Vorsorgeaufwand ein. Entsprechend hat er die Arbeitnehmeranteile zur Krankenversicherung lt. Nr. 25 der Lohnsteuerbescheinigung und zur Pflegeversicherung lt. Nr. 26 der Lohnsteuerbescheinigung in die > Zeilen 12 und 15 und den Arbeitnehmeranteil zur Arbeitslosenversicherung lt. Nr. 27 der Lohnsteuerbescheinigung in > Zeile 46 eingetragen. Wahlleistungen zur Krankenversicherung sind nicht vertraglich vereinbart.
Herr Muster hat sowohl eine Insassen- als auch eine Freizeitunfallversicherung abgeschlossen. Für beide Versicherungen hat er insgesamt 118 € überwiesen. Die Kfz-Haftpflichtversicherung hat Herrn Muster 240 € an Beiträgen gekostet. Die Beträge für die Kasko-Versicherung sind hierin nicht enthalten. Außerdem hat er 49 € für eine private Haftpflichtversicherung bezahlt. Die Summe dieser Beträge (407 €) trägt er in > Zeile 48 ein.
Zeile 4 ArbN Rentenvers. 2.985 € 1.520 €
Zeile 7 Rürup-Rentenvers. 1.500 €
Zeile 8 ArbG Rentenvers. 2.985 € 1.520 €
Zeile 11 Anspruch auf… 1 1 = Ja 1 1 = Ja
Zeile 12 ArbN Krankenvers. 2.460 € 1.320 €
Zeile 15 ArbN Pflegevers. 304 € 163 €
Zeile 30 Wahlleist. zur Krankenvers. 0 € 0 €
Zeile 46 Arbl.-Versicherung 457 € 233 €
Zeile 50 Unfall- und Haftpflichtvers. 407€
In welcher Höhe sind die Aufwendungen absetzbar?
Höchstbetrag 47.424 €
Rürup-Rentenversicherung 1.500 €
Arbeitnehmer Rentenvers. 4.505 €
Arbeitgeber Rentenvers. 4.505 €
Zusammen 10.510 €
Davon 86 % 9.039 €
Abzüglich Arbeitgeberanteil 4.505 €
Verbleiben (Zwischenergebnis 2) 4.534 €
Absetzbar niedrigerer Betrag 4.534 €
b) Beiträge zur sonstigen Daseinsvorsorge
Arbeitnehmer Krankenvers. 3.780 €
- 4 % wegen Krankengeld 151 €
Verbleiben 3.629 €
+ Gesetzliche Pflegeversicherung 467 €
Summe Basisabsicherung 4.096 €
+ Wahlleistungen Krankenversicherung 0 €
+ Weitere sonstige Vorsorgeaufwendungen 407 €
+ Arbeitslosen-Versicherung 690 €
Zwischensumme 5.193 €
Höchstbetrag 3.800 €, mindestens Basisabsicherung 4.096 €
Insgesamt (4.534 € + 4.096 € =) 8.630 €
Fall 4: Beamten-Ehepaar
Der Gemeindebeamte Max Muster, wohnhaft in den Alten Bundesländern, ist verheiratet. Seine Beamtenbezüge haben in 2018 insgesamt 48.000 € betragen. An Vorsorgeaufwendungen hat er geleistet:
Beiträge in eine Rürup-Rentenversicherung 1.100 €
Beiträge in eine private Basis-Krankenversicherung
(Absicherung mit 30 % seiner Krankheitskosten) 3.551 €
Wahlleistungen zur KV 0 €
Beiträge in die gesetzliche Pflegeversicherung 216 €
Privathaftpflicht 51 €
Kfz-Haftpflicht, Haftpflicht als Tierhalter und Jollen-Segler 540 €
Risikolebensversicherung (Sterbekasse) Max Muster 86 €
Ausbildungsvers. Sohn Leo Muster, Vertragsabschluss 2004* 365 €
Insgesamt 6.009 €
*Der Betrag geht nur mit 88 % in die Berechnung ein (§ 10 Abs. 1 Satz 2 EStG 2004).
Zeile 7 Rürup-Rentenversicherung 1.100 €
Zeile 11 Anspruch auf steuerfreie Zuschuss 1 1 = Ja
Zeile 31 Krankenversicherung Allianz 3.551 €
Zeile 32 Pflegeversicherung Allianz 216 €
Zeile 35 Wahlleistungen zur KV 0 €
Zeile 50 Privathaftpflicht, Kfz-Haftpflicht, 677 €
Tierhalter, Jollen-Segler-Haftpflicht, Sterbekasse
Zeile 51 Ausbildungsversicherung Sohn Leo 365 €*
* Der Beitrag geht mit 88 % in die Berechnung ein (§ 10 Abs. 1 Satz 2 EStG 2004).
a) Beiträge zur Altersvorsorge
- fiktiver Gesamtbeitrag RV 18.6 % (Wert ab 2018)
von 48.000 € der Bruttobezüge = 8.928 €
Gekürzter Höchstbetrag 38.496 €
Davon 86 % (Zwischenergebnis 1) 33.107 €
Aufwendungen Rürup-Rentenversicherung 1.100 €
Davon 86 % (Zwischenergebnis 2) 946 €
Zu berücksichtigen niedrigerer Betrag 946 €
Basis-Krankenversicherung 3.551 €
Gesetzliche Pflegeversicherung 216 €
Summe Basisabsicherung 3.767 €
Wahlleistungen Krankenversicherung 0 €
Weitere sonstige Vorsorgeaufwendungen 1.042 €
Zwischensumme 4.809 €
Höchstbetrag 3.800 € 3.800 €
Insgesamt (946 € + 3.800 € =) 4.746 €
Die Summe Basisabsicherung in Höhe von 3.767 € übersteigt nicht den Höchstbetrag von 3.800 €. Also sind von den weiteren sonstigen Vorsorgeaufwendungen (1.042 €) noch (3.800 € - 3.767 € =) 33 € absetzbar.
Fall 5: Freiberufler, verheiratet
Felix Steuerknecht ist freiberuflicher Rechtsanwalt, wohnhaft in den Alten Bundesländern. An seine berufsständische Versorgungseinrichtung hat der 12.000 € eingezahlt, weitere 4.000 € in eine private Rürup-Rentenversicherung.
Für seine private Krankenversicherung (Basisabsicherung) hat er 5.750 €, plus 250 € für gesetzliche Pflegeversicherung gezahlt.
Seine Ehefrau Lucie ist Beamtin und ebenfalls privat krankenversichert. Der von Lucie als Versicherungsnehmerin zu leistende Jahresbeitrag zur Basisversicherung beträgt 3.300 €, weitere 200 € zahlt sie für die Pflegeversicherung.
Beide Eheleute haben für Wahlleistungen zur Krankenversicherung jeweils 400 € aufgewendet.
Der gemeinsame Sohn Leo ist im Vertrag von Lucie mitversichert. Der hierfür zu leistende Jahresbeitrag zur Basisversicherung beträgt 1.000 €.
Die Tochter Elke (24 Jahre alt) ist in der studentischen Krankenversicherung (KVdS) versichert und zahlt als Versicherungsnehmerin einen Jahresbeitrag zu ihrer Basisversicherung in Höhe von 2.000 € (davon 1 810 € KV, 190 € PV). Ihr Vater Felix erstattet Elke den von ihr geleisteten Jahresbeitrag im Rahmen seiner Unterhaltsverpflichtung.
An weiteren sonstigen Vorsorgeaufwendungen sind 1.200 € für Haftpflicht und 3.600 € in eine Kapitallebensversicherung angefallen (Abschluss im Jahr 2000).
Die Eheleute Steuerknecht tragen ein:
Zeile 5 Berufsst. Versorgungseinrichtung 12.000 €
Zeile 7 Rürup-Rente 4.000 €
Zeile 11 Anspruch auf steuerfreie Zuschuss 2 Nein 1 = Ja
Zeile 31 Basiskrankenversicherung 5.750 € 4.300 €
Zeile 32 Pflegeversicherung 250 € 200 €
Zeile 35 Wahlleistungen zur Krankenversicherung 400 € 400 €
Zeile 40 Identifikationsnummer Tochter Elke 12345678901
Zeile 41 Steuerknecht, Elke 2.2.1988
Zeile 42 Krankenversicherung (Basis) 1.810 €
Zeile 41 Pflegeversicherung 190 €
Zeile 50 Haftpflicht etc. 1.200 €
Zeile 51 Kapitallebensversicherung* 3.600 €*
* Der Beitrag geht mit 88 % automatisch in die Berechnung ein (§ 10 Abs. 1 Satz 2 EStG 2004).
Höchstbetrag 2018 47.424 €
Aufwendungen 16.000 €
Davon 86 % (Zwischenergebnis 2) 13.760 €
Absetzbar niedrigerer Betrag 13.760 €
Der Höchstbetrag für Beiträge zur sonstigen Daseinsvorsorge beträgt für Felix 2.800 €, da er seine Krankenversicherung vollständig aus eigenen Mitteln finanziert und auch keine steuerfreien Leistungen zu seinen Krankheitskosten erhält. Dies wird gesteuert über die Eintragung in > Zeile 11 2 2= Nein der Anlage Vorsorgeaufwand.
Lucie erhält den gekürzten Höchstbetrag von 1.900 €, da Lucie einen Anspruch auf steuerfreie Beihilfen zu ihren Krankheitskosten hat, ebenfalls gesteuert über die Eintragung in > Zeile 11 2 2= Nein der Anlage Vorsorgeaufwand. Zusammen steht ihnen ein Höchstbetrag von 4.700 zu.
Private Krankenversicherung / Ehemann Basis 5.750 €
Ehefrau Basis 3.300 €
Sohn Leo Basis 1.000 €
Tochter Elke Basis 1.810 €
Pflegeversicherung Felix, Lucie u. Elke 640 €
Zwischensumme Basis / Versicherung 12.500 €
Wahlleistungen KV Felix u. Lucie 800 €
Haftpflichtversicherung 1.200 €
Kapitalversicherung (88 % von 3.600 € =)* 3.168 €
Zwischensumme (12.500 € + 3.168 €) 17.668 €
Höchstbetrag 4.700 €
Mindestens Basisabsicherung 12.500 €
Insgesamt (13.760 € + 12.500 € =) 26.260 €
*Der Beitrag geht mit 88 % automatisch in die Berechnung ein (§ 10 Abs. 1 Satz 2 EStG 2004).
Die Aufwendungen zur Basisabsicherung sind in vollem Umfang abzugsfähig. Weil die Aufwendungen die Höchstbeträge von (2.800 € für Felix, 1.900 € für Lucie =) 4.700 übersteigen, scheidet ein weiterer Abzug der sonstigen Vorsorgeaufwendungen für Wahlleistungen zur Krankenversicherung, Haftpflicht und Kapitalversicherung aus.