Source: http://m.hensche.de/Schwerbehindertenvertretung_Schwerbehindertenvertretung.html
Timestamp: 2017-04-26 23:24:13
Document Index: 316331426

Matched Legal Cases: ['§ 94', '§ 71', '§ 94', '§ 95', '§ 95', '§ 102', '§ 83', '§ 93', '§ 15', '§ 626', '§ 103', '§ 96', '§ 96', '§ 96', '§ 96', '§ 37', '§ 96']

Au­ßer­dem fin­den Sie Hin­wei­se da­zu, wel­che Auf­ga­ben und wel­che Rech­te die Schwer­be­hin­der­ten­ver­tre­tung hat, was in ei­ner In­te­gra­ti­ons­ver­ein­ba­rung ge­re­gelt wer­den soll­te und wie die Mit­glie­der der Schwer­be­hin­der­ten­ver­tre­tung vor ei­ner Kün­di­gung ge­schützt sind.
Die Schwer­be­hin­der­ten­ver­tre­tung ver­tritt die be­son­de­ren In­ter­es­sen der schwer­be­hin­der­ten Ar­beit­neh­mer im Be­trieb. Die Schwer­be­hin­der­ten­ver­tre­tung be­steht aus ei­ner Ver­trau­ens­per­son und ih­rem Stell­ver­tre­ter, der die Ver­trau­ens­per­son bei Ver­hin­de­rung durch Ab­we­sen­heit oder Wahr­neh­mung an­de­rer Auf­ga­ben ver­tritt.
In welchen Betrieben ist eine Schwerbehindertenvertretung zu wählen?
Gemäß § 94 Abs.1 Satz 1 Neun­tes Buch So­zi­al­ge­setz­buch (SGB IX) ist ei­ne Schwer­be­hin­der­ten­ver­tre­tung in Be­trie­ben und Dienst­stel­len zu wählen, in de­nen we­nigs­tens fünf schwer­be­hin­der­te Men­schen nicht nur vorüber­ge­hend beschäftigt sind.
Erfüllt der Ar­beit­ge­ber sei­ne Beschäfti­gungs­pflicht gemäß § 71 SGB IX und be­setzt da­her fünf Pro­zent sei­ner Ar­beitsplätze mit schwer­be­hin­der­ten Ar­beit­neh­mern, ist ei­ne Schwer­be­hin­der­ten­ver­tre­tung ab ei­ner Be­triebs­größe von 100 Ar­beit­neh­mern zu wählen.
Wer wählt zur Schwerbehindertenvertretung und wer ist wählbar?
Wahl­be­rech­tigt zur Schwer­be­hin­der­ten­ver­tre­tung sind gemäß § 94 Abs.2 SGB IX al­le in dem Be­trieb oder der Dienst­stel­le beschäftig­ten schwer­be­hin­der­ten Men­schen.
Wähl­bar sind al­le nicht nur vorüber­ge­hend beschäftig­ten Be­triebs­an­gehöri­gen, die min­des­tens 18 Jah­re alt sind und dem Be­trieb bzw. der Dienst­stel­le min­des­tens sechs Mo­na­ten an­gehören. Bei der Wahl zur Schwer­be­hin­der­ten­ver­tre­tung können sich auch Ar­beit­neh­mer be­wer­ben, die selbst nicht schwer­be­hin­dert sind, d.h. die Schwer­be­hin­der­ten­ver­tre­tung muss nicht aus schwer­be­hin­der­ten Men­schen be­ste­hen.
Die Amts­zeit der Schwer­be­hin­der­ten­ver­tre­tung eben­so wie die des Be­triebs­rats beträgt vier Jah­re.
Die Schwer­be­hin­der­ten­ver­tre­tung hat die Auf­ga­be, die Ein­glie­de­rung schwer­be­hin­der­ter Men­schen in den Be­trieb oder die Dienst­stel­le zu fördern. Sie ver­tritt die In­ter­es­sen ih­rer schwer­be­hin­der­ten Ar­beits­kol­le­gen und steht ih­nen be­ra­tend und hel­fend zur Sei­te (§ 95 Abs.1 Satz 1 SGB IX).
Ähn­lich wie der Be­triebs­rat hat sie darüber zu wa­chen, dass die zu­guns­ten schwer­be­hin­der­ter Men­schen gel­ten­den Ge­set­ze, Ver­ord­nun­gen, Ta­rif­verträge, Be­triebs- oder Dienst­ver­ein­ba­run­gen und Ver­wal­tungs­an­ord­nun­gen durch­geführt wer­den und dass der Ar­beit­ge­ber sei­ne Pflicht zur Beschäfti­gung schwer­be­hin­der­ter Men­schen nach­kommt (§ 95 Abs.1 Satz 2 Nr.1 SGB IX).
Außer­dem soll die Schwer­be­hin­der­ten­ver­tre­tung Maßnah­men, die den schwer­be­hin­der­ten Men­schen die­nen, bei den zuständi­gen Stel­len be­an­tragt, ins­be­son­de­re präven­ti­ve Maßnah­men.
Sch­ließlich hat die Schwer­be­hin­der­ten­ver­tre­tung die Auf­ga­be, An­re­gun­gen und Be­schwer­den von schwer­be­hin­der­ten Men­schen ent­ge­gen­zu­neh­men. Falls sie be­rech­tigt er­schei­nen, soll die Schwer­be­hin­der­ten­ver­tre­tung durch Ver­hand­lung mit dem Ar­beit­ge­ber auf ei­ne Lösung hin­wir­ken. Da­bei hat sie den be­trof­fe­nen Schwer­be­hin­der­ten über den Stand ih­rer Ver­hand­lun­gen zu in­for­mie­ren.
Welche Rechte hat die Schwerbehindertenvertretung?
Mit­be­stim­mungs­rech­te wie ein Be­triebs­rat hat die Schwer­be­hin­der­ten­ver­tre­tung nicht. Al­ler­dings hat sie das Recht, an al­len Sit­zun­gen des Be­triebs- bzw. Per­so­nal­rats so­wie an den Sit­zun­gen der Ausschüsse die­ser Gre­mi­en be­ra­tend teil­zu­neh­men. Da­bei kann sie be­an­tra­gen, dass An­ge­le­gen­hei­ten, die schwer­be­hin­der­ten Men­schen be­son­ders be­tref­fen, auf die Ta­ges­ord­nung der nächs­ten Sit­zung ge­setzt wer­den.
Wei­ter­hin hat die Schwer­be­hin­der­ten­ver­tre­tung auch Re­de­recht auf Be­triebs­ver­samm­lun­gen und das Recht, ein­mal im Jahr ei­ne ei­ge­ne Ver­samm­lung der schwer­be­hin­der­ten Men­schen im Be­trieb bzw. der Dienst­stel­le durch­zuführen.
Darüber hin­aus hat der Ar­beit­ge­ber die Schwer­be­hin­der­ten­ver­tre­tung in al­len An­ge­le­gen­hei­ten, die ei­nen ein­zel­nen Schwer­be­hin­der­ten oder die schwer­be­hin­der­ten Men­schen als Grup­pe berühren, „un­verzüglich und um­fas­send zu un­ter­rich­ten und vor ei­ner Ent­schei­dung an­zuhören“. So­dann hat der Ar­beit­ge­ber der Schwer­be­hin­der­ten­ver­tre­tung die ge­trof­fe­ne Ent­schei­dung un­verzüglich mit­zu­tei­len.
Verstößt der Ar­beit­ge­ber ge­gen die­ses Recht der Schwer­be­hin­der­ten­ver­tre­tung auf Un­ter­rich­tung und Anhörung, ist die vom Ar­beit­ge­ber ge­trof­fe­ne Maßnah­me zwar nicht un­wirk­sam, wie das z.B. bei ei­ner oh­ne Anhörung des Be­triebs­rats aus­ge­spro­che­nen Kündi­gung der Fall ist (§ 102 Abs.1 Satz 3 Be­triebs­ver­fas­sungs­ge­setz - Be­trVG). Al­ler­dings sind Maßnah­men des Ar­beit­ge­bers, die rechts­wid­rig oh­ne Un­ter­rich­tung und Anhörung der Schwer­be­hin­der­ten­ver­tre­tung ge­trof­fen wur­den, aus­zu­set­zen. Nach Aus­set­zung der Maßnah­me ist die un­ter­las­se­ne Be­tei­li­gung der Schwer­be­hin­der­ten­ver­tre­tung in­ner­halb von sie­ben Ta­gen nach­zu­ho­len. Da­nach ist die endgülti­ge Ent­schei­dung zu tref­fen.
Was sollte in einer Integrationsvereinbarung geregelt werden?
§ 83 Abs.1 SGB IX schreibt dem Ar­beit­ge­ber vor, mit der Schwer­be­hin­der­ten­ver­tre­tung und dem Be­triebs­rat ei­ne ver­bind­li­che In­te­gra­ti­ons­ver­ein­ba­rung ab­zu­sch­ließen. Die Schwer­be­hin­der­ten­ver­tre­tung kann dem­ent­spre­chend vom Ar­beit­ge­ber ver­lan­gen, über ei­ne sol­che Ver­ein­ba­rung Ver­hand­lun­gen zu führen.
Die In­te­gra­ti­ons­ver­ein­ba­rung muss Re­ge­lun­gen zur Ein­glie­de­rung schwer­be­hin­der­ter Men­schen ent­hal­ten. Das be­trifft die Per­so­nal­pla­nung, die Ar­beits­platz­ge­stal­tung, die Ge­stal­tung des Ar­beits­um­felds, die Ar­beits­or­ga­ni­sa­ti­on, die Ar­beits­zeit und be­inhal­tet auch die prak­ti­sche Um­set­zung die­ser Re­ge­lun­gen. Über die­sen Min­des­tin­halt hin­aus können in ei­ner In­te­gra­ti­ons­ver­ein­ba­rung auch wei­te­re Re­ge­lun­gen ge­trof­fen wer­den. Das Ge­setz zählt hier bei­spiel­haft ei­ni­ge The­men auf wie z.B. Re­geln zur Be­set­zung frei­er, frei wer­den­der oder neu­er Stel­len mit schwer­be­hin­der­ten Men­schen,
Wie sind die Mitglieder der Schwerbehindertenvertretung vor einer Kündigung geschützt?
Mit­glie­der der Schwer­be­hin­der­ten­ver­tre­tung, d.h. die Ver­trau­ens­per­so­nen der schwer­be­hin­der­ten Ar­beit­neh­mer des Be­triebs, ha­ben gemäß § 93 Abs.3 SGB IX den­sel­ben Kündi­gungs­schutz wie Be­triebs­rats­mit­glie­der. Sie können da­her or­dent­lich nur im Fal­le der Still­le­gung des Be­triebs oder ei­ner Be­triebs­ab­tei­lung gekündigt wer­den (§ 15 Abs.4 und Abs.5 Kündi­gungs­schutz­ge­setz - KSchG). Liegt ein sol­cher Fall nicht vor, kann der Ar­beit­ge­ber die Mit­glie­der der Schwer­be­hin­der­ten­ver­tre­tung nur außer­or­dent­lich kündi­gen. Da­zu braucht er aber ei­nen wich­ti­gen Grund im Sin­ne von § 626 Bürger­li­ches Ge­setz­buch (BGB) und außer­dem die vor­he­ri­ge Zu­stim­mung des Be­triebs­rats zu der be­ab­sich­tig­ten außer­or­dent­li­chen Kündi­gung (§ 103 Be­trVG).
Haben Mitglieder der Schwerbehindertenvertretung einen Anspruch auf Freistellung?
Ja, ein sol­cher An­spruch be­steht. Gemäß § 96 Abs.4 Satz 1 SGB IX wer­den Ver­trau­ens­per­so­nen von ih­rer be­ruf­li­chen Tätig­keit oh­ne Min­de­rung der Vergütung be­freit, "wenn und so­weit es zur Durchführung ih­rer Auf­ga­ben er­for­der­lich ist". Die­ses Recht auf be­zahl­te Frei­stel­lung von der Ar­beit ist an­lass­be­zo­gen: Wer als Mit­glied der Schwer­be­hin­der­ten­ver­tre­tung tätig wird, z.B. im Rah­men ei­nes BEM oder ei­ner Sit­zung des Be­triebs­rats, kann sich von sei­ner Ar­beit ab­mel­den und muss die lie­gen­ge­blie­be­ne Ar­beit auch nicht nach­ar­bei­ten.
Darüber hin­aus ha­ben Ver­trau­ens­per­so­nen ähn­lich wie Be­triebs­rats­mit­glie­der in größeren Be­trie­ben das Recht, ei­ne dau­er­haf­te Frei­stel­lung von der Ar­beits­pflicht zu ver­lan­gen. Die­ses Recht be­steht gemäß § 96 Abs.4 Satz 2 SGB IX in den Be­trie­ben und Dienst­stel­len, in de­nen in der Re­gel 200 oder mehr schwer­be­hin­der­te Men­schen beschäftigt sind.
Können Mitglieder der Schwerbehindertenvertretung Fortbildungen verlangen?
Das Recht auf an­lass­be­zo­ge­ne be­zahl­te Frei­stel­lung von der Ar­beit gemäß § 96 Abs.4 Satz 1 SGB IX gilt gemäß § 96 Abs.4 Satz 3 SGB IX ent­spre­chend auch für die Teil­nah­me an Schu­lungs­ver­an­stal­tun­gen, wenn die­se Kennt­nis­se ver­mit­teln, die für die Ar­beit der Schwer­be­hin­der­ten­ver­tre­tung er­for­der­lich sind. Auf­grund die­ser Vor­schrif­ten ha­ben die Ver­trau­ens­per­so­nen der schwer­be­hin­der­ten Ar­beit­neh­mer ähn­lich wie Be­triebs­rats­mit­glie­der ei­nen ge­setz­li­chen An­spruch auf Schu­lun­gen, nur dass die­ser bei Be­triebs­rats­mit­glie­dern aus § 37 Abs.6 Satz 1 Be­trVG folgt und bei Ver­trau­ens­per­so­nen aus § 96 Abs.4 Satz 3 SGB IX. Ähn­lich wie bei Be­triebs­rats­mit­glie­dern be­steht der An­spruch auf Schu­lun­gen, die Grund­la­gen­kennt­nis­se ver­mit­teln, im­mer dann bzw. oh­ne wei­te­re Be­gründung der "Er­for­der­lich­keit", wenn das be­tref­fen­de Mit­glied der Schwer­be­hin­der­ten­ver­tre­tung ei­ne sol­che Schu­lung noch nicht be­sucht hat oder wenn der letz­te Be­such ei­ner sol­chen Ver­an­stal­tung be­reits recht lang zurück­liegt. Bei der Fort­bil­dungs­ver­an­stal­tun­gen, die kei­ne Grund­kennt­nis­se, son­dern Spe­zi­al­wis­sen ver­mit­teln, muss die Schwer­be­hin­der­ten­ver­tre­tung dar­le­gen, war­um die­ses Spe­zi­al­wis­sen er­for­der­lich für die Ar­beit der Ver­trau­ens­per­son ist, die die Ver­an­stal­tung be­su­chen soll.
Außer­dem auch Nachrücker ei­nen An­spruch auf Teil­nah­me an not­wen­di­gen Schu­lungs­ver­an­stal­tun­gen, wenn sie re­gelmäßig an der Gre­mi­en­ar­beit teil­neh­men. Der An­spruch auf Teil­nah­me an Schu­lungs- und Bil­dungs­ver­an­stal­tun­gen be­inhal­tet ei­nen An­spruch auf be­zahl­te Frei­stel­lung während der Dau­er der be­such­ten Ver­an­stal­tung und zum an­de­ren ei­nen An­spruch auf Über­nah­me der Kurs­gebühren so­wie mögli­cher­wei­se an­fal­len­der Rei­se- und Über­nach­tungs­kos­ten durch den Ar­beit­ge­ber.
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Bewertung: Schwer­be­hin­der­ten­ver­tre­tung