Source: https://www.rechtslupe.de/sozialrecht/zulassung-einer-logopaedischen-oder-ergotherapeutischen-praxis-325698
Timestamp: 2020-01-28 03:42:36
Document Index: 87712839

Matched Legal Cases: ['§124', 'Art 1', '§ 86', '§ 86', '§ 86', '§ 86', '§ 96', '§ 124', '§ 124', '§ 124', '§ 124', '§ 124', '§ 124', '§ 124', '§ 124', '§ 124', '§ 125', '§ 124', 'Art 12', '§ 95', '§ 124', '§ 124', '§ 95', '§ 126', '§ 124', '§ 125', '§ 124']

Zulas­sung einer logo­pä­di­schen oder ergo­the­ra­peu­ti­schen Pra­xis | Rechtslupe
Die Zulas­sung für den Betrieb einer logo­pä­di­schen oder ergo­the­ra­peu­ti­schen Zweig­pra­xis kann nicht von der Beschäf­ti­gung eines bestimm­ten, nament­lich benann­ten Mit­ar­bei­ters abhän­gig gemacht wer­den. Vor­aus­set­zung für eine sol­che Zulas­sung ist ledig­lich, dass die Fili­al­pra­xis durch­ge­hend unter der Lei­tung von Per­so­nen steht, wel­che die Vor­aus­set­zun­gen des §124 Abs 2 Satz 1 Nr 1 SGB V nach­wei­sen.
Wider­spruch und Kla­ge gegen den Wider­ruf der Zulas­sung zum Betrei­ben einer logo­pä­di­schen oder ergo­the­ra­peu­ti­schen Pra­xis haben kraft Geset­zes auf­schie­ben­de Wir­kung.
Der Wider­spruch und die Kla­ge der Antrag­stel­le­rin haben bereits kraft Geset­zes auf­schie­ben­de Wir­kung. Nach Abs 1 des mit Wir­kung ab 2. Janu­ar 2002 durch Art 1 Nr 36 des Sechs­ten Geset­zes zur Ände­rung des Sozi­al­ge­richts­ge­set­zes (6. SGGÄndG) vom 17. August 2001 1 ein­ge­füg­ten § 86 a SGG haben Wider­spruch und Anfech­tungs­kla­ge grund­sätz­lich auf­schie­ben­de Wir­kung. Bis zu die­sem Zeit­punkt galt der umge­kehr­te Grund­satz, wonach Rechts­mit­tel im sozi­al­ge­richt­li­chen Ver­fah­ren nur auf­schie­ben­de Wir­kung hat­ten, wenn dies im Gesetz aus­drück­lich ange­ord­net war 2. Die auf­schie­ben­de Wir­kung ent­fällt nach § 86 a Abs 2 SGG nur bei Ent­schei­dun­gen über Versicherungs‑, Bei­trags- und Umla­ge­pflich­ten sowie der Anfor­de­rung von Bei­trä­gen, Umla­gen und sons­ti­gen öffent­li­chen Abga­ben ein­schließ­lich der dar­auf ent­fal­len­den Neben­kos­ten (Nr 1), in Ange­le­gen­hei­ten des sozia­len Ent­schä­di­gungs­rechts und der Bun­des­agen­tur für Arbeit bei Ver­wal­tungs­ak­ten, die eine lau­fen­de Leis­tung ent­zie­hen oder her­ab­set­zen (Nr 2), für die Anfech­tungs­kla­ge in Ange­le­gen­hei­ten der Sozi­al­ver­si­che­rung bei Ver­wal­tungs­ak­ten, die eine lau­fen­de Leis­tung her­ab­set­zen oder ent­zie­hen (Nr 3), in ande­ren durch Bun­des­ge­setz vor­ge­schrie­be­nen Fäl­len (Nr 4) und in Fäl­len, in denen die sofor­ti­ge Voll­zie­hung im öffent­li­chen Inter­es­se oder im über­wie­gen­den Inter­es­se eines Betei­lig­ten ist und die Stel­le, die den Ver­wal­tungs­akt erlas­sen oder über den Wider­spruch zu ent­schei­den hat, die sofor­ti­ge Voll­zie­hung mit schrift­li­cher Begrün­dung des beson­de­ren Inter­es­ses an der sofor­ti­gen Voll­zie­hung anord­net (Nr 5). Nach § 86 b Abs 1 Satz 1 Nr 2 SGG kann das Gericht der Haupt­sa­che auf Antrag in den Fäl­len, in denen Wider­spruch oder Anfech­tungs­kla­ge kei­ne auf­schie­ben­de Wir­kung haben, die auf­schie­ben­de Wir­kung ganz oder teil­wei­se anord­nen. Haben der Wider­spruch bzw die Anfech­tungs­kla­ge nach § 86 a SGG bereits auf­schie­ben­de Wir­kung, miss­ach­tet aber die Ver­wal­tung oder ein Drit­ter die­se oder droht eine Miss­ach­tung (fak­ti­sche Voll­zie­hung), so kann der durch den rechts­wid­ri­gen Voll­zug Belas­te­te beim Gericht die Fest­stel­lung bean­tra­gen, dass sein Wider­spruch bzw sei­ne Anfech­tungs­kla­ge auf­schie­ben­de Wir­kung hat 3.
Das Bun­des­so­zi­al­ge­richt hat bereits in sei­ner Ent­schei­dung vom 6. Febru­ar 2008 4 dar­auf hin­ge­wie­sen, dass sich Wider­spruch und Anfech­tungs­kla­ge im Fal­le der Been­di­gung der Zulas­sung wegen Errei­chens der Alters­gren­ze von Rechts­be­hel­fen gegen die Ent­zie­hung einer Zulas­sung gemäß § 96 Abs 6 SGB V unter­schei­den. Es hat hier­bei aus­drück­lich fest­ge­stellt, dass Rechts­be­hel­fe gegen die „Ent­zie­hung“ einer Zulas­sung auf­schie­ben­de Wir­kung ent­fal­ten 5. Dies gilt nur dann nicht, wenn der ange­grif­fe­ne Ver­wal­tungs­akt eine durch Gesetz ein­tre­ten­de Rechts­fol­ge ledig­lich dekla­ra­to­risch fest­stellt, wie dies bei Been­di­gung der Zulas­sung wegen Errei­chens der Alters­gren­ze der Fall ist 6.
Das Aus­schei­den von Mit­ar­bei­tern in Pra­xis­fi­lia­len ist auch nicht mit dem Errei­chen der Alters­gren­ze oder mit dem Tod des Leis­tungs­er­brin­gers bei per­sön­li­cher Zulas­sung ver­gleich­bar. Dies ergibt sich aus Fol­gen­dem: Nach § 124 Abs 2 Satz 2 SGB V ist ein zuge­las­se­ner Leis­tungs­er­brin­ger von Heil­mit­teln in einem wei­te­ren Heil­mit­tel­be­reich zuzu­las­sen, sofern er für die­sen Bereich die Vor­aus­set­zun­gen des Sat­zes 1 Nr 2 und 3 erfüllt und eine oder meh­re­re Per­so­nen beschäf­tigt, die die Vor­aus­set­zun­gen des Satz 1 Nr 1 nach­wei­sen. Die Rege­lung in § 124 Abs 2 Satz 2 SGB V soll bei der Grün­dung bereichs­über­grei­fen­der Pra­xen Rechts­si­cher­heit schaf­fen. Der Gesetz­ge­ber woll­te mit die­ser Rege­lung die Mög­lich­keit eröff­nen, bereichs­über­grei­fen­de Pra­xen von meh­re­ren Berufs­grup­pen im Heil­mit­tel­be­reich grün­den zu kön­nen, da die­se Pra­xis­form betriebs­wirt­schaft­li­che Vor­tei­le bie­ten und somit auch für die Bei­trags­zah­ler vor­teil­haft sein kann 7. Die Grün­dung eines Fili­al­be­trie­bes durch einen zuge­las­se­nen Leis­tungs­er­brin­ger ist dadurch grund­sätz­lich zuläs­sig 8.
Da der Leis­tungs­er­brin­ger nach der gesetz­li­chen Kon­struk­ti­on die Leis­tun­gen nicht per­sön­lich erbrin­gen muss, kann er sei­ner Ver­ant­wor­tung gegen­über den Kran­ken­kas­sen auch dadurch gerecht wer­den, dass er den Fili­al­be­trieb unter die Lei­tung eines Mit­ar­bei­ters stellt, der die Vor­aus­set­zun­gen des § 124 Abs 2 Satz 1 Nr 1 SGB V erfüllt und, wür­de er über eine ent­spre­chen­de Pra­xis ver­fü­gen, selbst als Leis­tungs­er­brin­ger zuge­las­sen wer­den könn­te. Mit­hil­fe die­ser Rege­lung wird mit­hin sicher­ge­stellt, dass auch in einem Fili­al­be­trieb die fach­li­chen Vor­aus­set­zun­gen für die Erbrin­gung von Heil­mit­tel­leis­tun­gen erfüllt sind. Im Gegen­satz zur Auf­fas­sung der Antrags­geg­ne­rin ist die Grün­dung und Füh­rung eines Fili­al­be­triebs jedoch nicht von einer höchst­per­sön­li­chen Bin­dung an einen bestimm­ten Mit­ar­bei­ter abhän­gig. Denn § 124 Abs 2 Satz 2 SGB V sieht ledig­lich vor, dass eine oder meh­re­re Per­so­nen beschäf­tigt wer­den, die die Vor­aus­set­zun­gen des § 124 Abs 2 Satz 1 Nr 1 SGB V nach­wei­sen. Vor­aus­set­zung ist danach nur, dass ent­spre­chen­de Per­so­nen (durch­ge­hend) beschäf­tigt wer­den. Wür­de hin­ge­gen die Ansicht der Antrags­geg­ne­rin zutref­fen, so wür­de jedes Mal die Zulas­sung kraft Geset­zes ent­fal­len, wenn die Antrag­stel­le­rin einem bis­he­ri­gen Mit­ar­bei­ter kün­di­gen und einen neu­en Mit­ar­bei­ter ein­stel­len woll­te. Die­ses Ergeb­nis wird jedoch durch die Rege­lun­gen des § 124 Abs 2 Satz 2 SGB V nicht gedeckt. Danach ist – wie bereits dar­ge­legt – ledig­lich erfor­der­lich, dass durch­ge­hend eine oder meh­re­re Per­so­nen beschäf­tigt wer­den, die die Vor­aus­set­zun­gen des § 124 Abs 2 Satz 1 Nr 1 SGB V nach­wei­sen. Hier­von unbe­rührt bleibt jedoch die Ver­pflich­tung der Antrag­stel­le­rin, ent­spre­chen­de Ver­än­de­run­gen der Antrags­geg­ne­rin mit­zu­tei­len. Die Ver­let­zung etwai­ger Mit­tei­lungs­pflich­ten führt jedoch nicht zu einem auto­ma­ti­schen Ende der Zulas­sung. Die Antrags­geg­ne­rin kann dies ledig­lich zum Anlass neh­men, von der Ermäch­ti­gung des § 124 Abs 6 SGB V Gebrauch zu machen und die Zulas­sung zu wider­ru­fen. Etwas ande­res könn­te nur dann gel­ten, wenn die Antrag­stel­le­rin auch in Zukunft kei­ne fach­lich geeig­ne­ten Mit­ar­bei­ter mit ent­spre­chen­der Aus­bil­dung beschäf­ti­gen will und mit­hin von der end­gül­ti­gen Auf­ga­be des wei­te­ren Heil­mit­tel­be­reichs aus­zu­ge­hen ist 9.
Vor die­sem Hin­ter­grund ist bereits frag­lich, ob die Antrags­geg­ne­rin in der Ver­gan­gen­heit berech­tigt war, die Ertei­lung der Zulas­sung für die Antrag­stel­le­rin von der Beschäf­ti­gung einer bestimm­ten (eben­falls zuge­las­se­nen) Mit­ar­bei­te­rin abhän­gig zu machen oder ob sie nicht nur berech­tigt gewe­sen wäre, die Zulas­sung unter der Bedin­gung zu ertei­len, dass eine nach § 124 Abs 2 Satz 1 Nr 1 SGB V ent­spre­chen­de Fach­kraft beschäf­tigt wird (wobei dann die Antrag­stel­le­rin die Pflicht getrof­fen hät­te, nach­zu­wei­sen, dass sie ent­spre­chen­de Per­so­nen beschäf­tigt).
Dar­über hin­aus wird dar­auf hin­ge­wie­sen, dass nach der Recht­spre­chung des Bun­des­so­zi­al­ge­richts in den Rah­men­ver­trä­gen nach § 125 Abs 2 Satz 1 SGB V Zulas­sungs­be­din­gun­gen nicht ver­ein­bart wer­den dür­fen 10. Dar­aus ergibt sich aber auch im Umkehr­schluss, dass kei­ne – über den zuläs­si­gen Rah­men des § 124 Abs 6 SGB V hin­aus­ge­hen­de – Rege­lun­gen zum Wider­ruf oder zum auto­ma­ti­schen Ende einer Zulas­sung ver­ein­bart wer­den dür­fen. Sie wären ange­sichts ihrer die Berufs­aus­übung ein­schrän­ken­den Wir­kung mit dem Grund­recht der Berufs­frei­heit nach Art 12 GG unver­ein­bar 11.
Lan­des­so­zi­al­ge­richt Baden-Würt­tem­berg, Beschluss vom 7. Okto­ber 2010 – L 11 KR 4173/​10 ER‑B
Min­dest­fall­zah­len für Kas­sen­ärz­te Mit der Ent­zie­hung sei­ner Zulas­sung hat ein Ver­trags­arzt dann zu rech­nen, wenn er sei­ne ver­trags­ärzt­li­che Tätig­keit auf­grund von pri­va­ten Ver­pflich­tun­gen nicht mehr aus­übt. An der…
BGBl I S. 2144[↩]
Tim­me NZS 2004, 292, 293[↩]
vgl. Adolf , aaO, Rdnr 12[↩]
BSG, Urteil vom 06.02.3008 – B 6 KA 41/​06 R, BSG 100, 43 = SozR 4 – 2500 § 95 Nr 14, jeweils Rdnr. 26[↩]
eben­so im Hin­blick auf den Wider­ruf von Zulas­sun­gen im Rah­men des § 124 SGB V Knit­tel in Kraus­kopf, Sozia­le Kran­ken­ver­si­che­rung/​Pfle­ge­ver­si­che­rung, § 124 Rdnr 30, Stand März 2010[↩]
zum nur dekla­ra­to­risch-fest­stel­len­den Cha­rak­ter die­ses Ver­wal­tungs­akts sie­he z.B.: BSG SozR 4 – 2500 § 95 Nr 2 RdNr 12[↩]
vgl. BT-Drs 12/​6998 S 20[↩]
vgl. hier­zu auch BSG, Urteil vom 29.11.1995 – 3 RK 25/​94 = SozR 3 – 2500 § 126 Nr 1[↩]
vgl zum Ende einer per­so­nen­ge­bun­de­nen Zulas­sung durch end­gül­ti­ge Auf­ga­be der Tätig­keit: Hencke, in: Peters, Hand­buch der Kran­ken­ver­si­che­rung, § 124 SGBV Rdnr 16, Stand Sep­tem­ber 2008[↩]
vgl. hier­zu BSG, Urteil vom 22.07.2004 – B 3 KR 12/​04 R, SozR 4 – 2500 § 125 Nr 2 Rdnr 20[↩]
vgl all­ge­mein hier­zu auch Knit­tel , aaO, § 124 Rdnr 6[↩]
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