Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Text=BFH/NV%202015,%20177
Timestamp: 2019-12-13 06:09:44
Document Index: 217602560

Matched Legal Cases: ['§ 4', '§ 4', '§ 52', '§ 4', '§ 35', '§ 126', '§ 4', 'Art. 3', '§ 4', '§ 4', '§ 4', '§ 4', '§ 118', '§ 135', '§ 4', '§ 4', '§ 52', 'Art 2', 'Art 20', '§ 4', '§ 4', '§ 4', '§ 4', '§ 4', '§ 4']

BFH, 16.07.2014 - X R 49/11 - dejure.org
https://dejure.org/2014,40104
BFH, 16.07.2014 - X R 49/11 (https://dejure.org/2014,40104)
BFH, Entscheidung vom 16.07.2014 - X R 49/11 (https://dejure.org/2014,40104)
BFH, Entscheidung vom 16. Juli 2014 - X R 49/11 (https://dejure.org/2014,40104)
Tipp: Um den Kurzlink (hier: https://dejure.org/2014,40104) schnell in die Zwischenablage zu kopieren, können Sie die Tastenkombination Alt + R verwenden - auch ohne diesen Bereich zu öffnen.
Häusliches Arbeitszimmer bei mehreren Einkunftsarten - Mittelpunkt der gesamten betrieblichen und beruflichen Betätigung - Teleologische Reduktion von § 4 Abs. 5 Satz 1 Nr. 6b EStG i. d. F. des JStG 2010
§ 4 Abs. 5 Satz 1 Nr. 6b Satz 2 des Einkommensteuergesetzes, § ... 4 Abs. 5 Satz 1 Nr. 6b Satz 3 Halbsatz 2 EStG, § 52 Abs. 12 Satz 9 EStG, § 4 Abs. 5 Satz 1 Nr. 6b Satz 2 EStG, § 35 EStG, § 126 Abs. 2 der Finanzgerichtsordnung (FGO), § 4 Abs. 5 Satz 1 Nr. 6b EStG, Art. 3 Abs. 1 des Grundgesetzes, § 4 Abs. 5 Satz 1 Nr. 6b Sätze 1 bis 3 EStG, EStG, § 4, § 4 EStG, § 4 Abs. 5 Satz 1 Nr. 6b Satz 3 EStG, § 118 Abs. 2 FGO, § 135 Abs. 2 FGO
Häusliches Arbeitszimmer bei mehreren Einkunftsarten - Mittelpunkt der gesamten betrieblichen und beruflichen Betätigung - Teleologische Reduktion von § 4 Abs. 5 Satz 1 Nr. 6b EStG i.d.F. des JStG 2010
§ 4 Abs 5 S 1 Nr 6b EStG 2009 vom 08.12.2010, § 52 Abs 12 S 9 EStG 2009 vom 08.12.2010, EStG VZ 2007, Art 2 Abs 1 GG, Art 20 Abs 3 GG
FG Düsseldorf, 08.09.2011 - 16 K 3070/10
BFH/NV 2015, 177
Soweit der Kostenabzug für eine oder mehrere Tätigkeiten möglich ist, kann der Steuerpflichtige diese anteilig insgesamt bis zum Höchstbetrag abziehen (vgl. BFH-Urteile vom 14. Dezember 2004 XI R 13/04, BFHE 208, 239, BStBl II 2005, 344;… vom 3. August 2005 XI R 42/02, BFH/NV 2006, 504, unter II.3.; vom 18. August 2005 VI R 39/04, BFHE 211, 447, BStBl II 2006, 428; vom 16. Juli 2014 X R 49/11, BFH/NV 2015, 177, unter II.3.; Schreiben des Bundesministeriums der Finanzen vom 2. März 2011, BStBl I 2011, 195, Rz. 20; Schmidt/Heinicke, EStG, 36. Aufl., § 4 Rz 598).
Er kann durch die dem Grunde nach abzugsfähigen Aufwendungen in voller Höhe ausgeschöpft werden (Anschluss an BFH-Urteil vom 16. Juli 2014 X R 49/11, BFH/NV 2015, 177).
Nach der Entscheidung des X. Senats des BFH vom 16. Juli 2014 X R 49/11 (BFH/NV 2015, 177, Rz 57) gibt es keinen gesetzlichen Anhaltspunkt und keinen Grund, den Höchstbetrag einkünftebezogen zu verstehen.
Somit ist der Höchstbetrag von 1.250 EUR einem Steuerpflichtigen einerseits nicht mehrfach zu gewähren, wenn ein Arbeitszimmer im Rahmen mehrerer Einkunftsarten genutzt wird, für die jeweils kein anderer Arbeitsplatz zur Verfügung steht (BFH-Urteil in BFH/NV 2015, 177; BMF-Schreiben in BStBl I 2011, 195, Rz 20).
Der nicht einkünfte-, wohl aber personenbezogene Höchstbetrag in § 4 Abs. 5 Satz 1 Nr. 6b Satz 3 EStG (vgl. BFH-Urteile in BFHE 256, 143, und vom 15. Dezember 2016 VI R 86/13, BFHE 256, 150 zur Frage der Personenbezogenheit des Höchstbetrages; vom 16. Juli 2014 X R 49/11, BFH/NV 2015, 177 zur Frage der Einkünftebezogenheit des Höchstbetrages) beschränkt den Abzug der Betriebsausgaben für den Steuerpflichtigen in typisierender Weise und damit unabhängig von der Zahl der tatsächlich genutzten häuslichen Arbeitszimmer auf 1.250 EUR.
Dabei kommt es entscheidend darauf an, ob die Tätigkeit im Arbeitszimmer für das Berufsbild prägend ist (vgl. BFH 16.07.2014 - X R 49/11, BFH/NV 2015, 177;… BFH 29.04.2003 - VI R 34/01, BFH/NV 2004, 319;… BFH 15.03.2007 - VI R 65/05, BFH/NV 2007, 1133).
Der Mittelpunkt der Betätigung liegt vielmehr dort, wo der Steuerpflichtige diejenigen Handlungen vornimmt und diejenigen Leistungen erbringt, die für den konkret ausgeübten Beruf wesentlich und prägend sind (vgl. BFH 16.07.2014 - X R 49/11, BFH/NV 2015, 177; BFH 26.06.2003 - IV R 9/03, BStBl. II 2004, 50;… Frotscher, in: Frotscher, EStG, § 4 Rn. 803a, Stand März 2011).
In diesem Zusammenhang ist sodann nach der BFH-Rechtsprechung der Mittelpunkt der Gesamttätigkeit nach dem Mittelpunkt der Haupttätigkeit zu bestimmen (vgl. BFH 16.07.2014 - X R 49/11, BFH/NV 2015, 177; BFH 09.08.2011 - VIII R 5/09, zitiert nach juris; BFH 16.12.2004 - IV R 19/03, BStBl. II 2005, 212).
Fehlt für die Feststellung einer solchen Haupttätigkeit eine insoweit indizielle nichtselbständige Vollzeitbeschäftigung auf Grund privat- oder öffentlich-rechtlicher Arbeits- oder Dienstverhältnisse, so ist in Zweifelsfällen zur Feststellung der Haupttätigkeit auf die Höhe der jeweils erzielten Einnahmen, das den einzelnen Tätigkeiten nach der Verkehrsauffassung zukommende Gewicht und den auf die jeweilige Tätigkeit insgesamt entfallenden Zeitaufwand abzustellen (BFH 16.07.2014 - X R 49/11, BFH/NV 2015, 177; BFH 09.08.2011 - VIII R 5/09, zitiert nach juris).
Die Gewichtung dieser einzelnen Indizien ist nach den Umständen des Einzelfalls zu bestimmen (BFH 16.07.2014 - X R 49/11, BFH/NV 2015, 177; BFH 09.08.2011 - VIII R 5/09, zitiert nach juris; BFH 16.12.2004 - IV R 19/03, BStBl. II 2005, 212).
Aus dem BFH-Urteil vom 16. Juli 2014 X R 49/11, BFH/NV 2015, 177 folge nicht, dass das Vorhandensein eines anderen Arbeitsplatzes den Ausgabenabzug ausschließe.
Dies habe der Bundesfinanzhof mit Urteil vom 16. Juli 2014 X R 49/11, BFH/NV 2015, 177 bestätigt.
Der BFH habe mit Urteil vom 16. Juli 2014 - X R 49/11, BFH/NV 2015, 177 klargestellt, dass nach dem Wortlaut des § 4 Abs. 5 Satz 1 Nr. 6b EStG das Vorhandensein eines anderen Arbeitsplatzes den Werbungskostenabzug auch dann ausschließe, wenn das häusliche Arbeitszimmer den Tätigkeitsmittelpunkt bilde.
Die Kläger können ihr Begehren nicht auf das BFH-Urteil vom 16. Juli 2014 X R 49/11, BFH/NV 2015, 177 stützen.
Soweit der Kläger geltend macht, dass durch das Jahressteuergesetz 2010 die Absetzbarkeit des häuslichen Arbeitszimmers nicht eingeschränkt, sondern erweitert werden sollte, ist dem lediglich für Zeiträume vor dem Inkrafttreten dieses Gesetzes zu folgen (vgl. BFH- Urteil vom 16. Juli 2014 X R 49/11, BFH/NV 2015, 177).
Unerheblich ist in diesem Zusammenhang dagegen, wo sich der inhaltliche Schwerpunkt der beruflichen oder betrieblichen Betätigung des Steuerpflichtigen befindet (vgl. auch BFH-Urteile vom 13. November 2002 VI R 28/02, BFHE 201, 106, BStBl II 2004, 59, und vom 16. Juli 2014 X R 49/11, BFH/NV 2015, 177 zum unterschiedlichen Regelungsgehalt der Mittelpunktsregelung des § 4 Abs. 5 Satz 1 Nr. 6b Satz 3 EStG und der 50 %-Regelung in § 4 Abs. 5 Satz 1 Nr. 6b Satz 2 EStG).
Abzustellen ist dabei auf das Gesamtbild der Verhältnisse und auf die Verkehrsanschauung, nicht auf die Vorstellung des betroffenen Steuerpflichtigen (st. Rspr. des BFH, vgl. Urteil vom 16.07.2014 X R 49/11, BFH/NV 2015, 177, II. 1. c) bb), cc) der Gründe m. w. N.).
Das FG knüpft somit an die ständige Rechtsprechung des BFH an, dass bei mehreren Erwerbstätigkeiten eines Steuerpflichtigen der Mittelpunkt der Gesamttätigkeit nach dem Mittelpunkt der Haupttätigkeit zu bestimmen ist (BFH-Urteile vom 16. Juli 2014 X R 49/11, BFH/NV 2015, 177, unter Rz 39;… vom 11. November 2014 VIII R 3/12, BFH/NV 2015, 559, unter Rz 32).
Abzustellen ist dabei auf das Gesamtbild der Verhältnisse und auf die Verkehrsanschauung, nicht auf die Vorstellung des betroffenen Steuerpflichtigen (BFH-Urteil in BFH/NV 2015, 177, unter Rz 40).
Im Zweifelsfall ist zur Feststellung der Haupttätigkeit auf die Höhe der jeweils erzielten Einnahmen, das den einzelnen Tätigkeiten nach der Verkehrsauffassung zukommende Gewicht und den auf die jeweilige Tätigkeit insgesamt entfallenden Zeitaufwand abzustellen (BFH-Urteil vom 16.7.2014 X R 49/11, BFH/NV 2015, 177).
Maßgebend ist, ob - unter Berücksichtigung der Verkehrsanschauung - das qualitativ für eine bestimmte steuerbare Tätigkeit Typische im häuslichen Arbeitszimmer ausgeübt wird (BFH, Urteile vom 16.07.2014 X R 49/11, BFH/NV 2015, 177 und vom 11.11.2014 VIII R 3/12, BStBl. II 2015, 382 und Beschluss vom 24.04.2015 VIII B 100/14, bei juris).