Source: https://www.anwalt24.de/urteile/bag/2015-01-06/6-azb-105_14
Timestamp: 2017-11-19 18:42:00
Document Index: 140631276

Matched Legal Cases: ['Art. 20', 'Art. 2', '§ 66', '§ 77', 'Art. 20', 'Art. 2', '§ 77', '§ 72', '§ 77', '§ 77', '§ 72', '§ 72', '§ 72', '§ 77', '§ 574', '§ 78', '§ 77', '§ 522', 'Art. 101', 'Art. 101', 'Art. 101', 'Art. 101', '§ 160', '§ 169', 'Art. 101', 'Art. 101']

BAG, 06.01.2015 - 6 AZB 105/14 - Zulässigkeit der Nichtzulassungsbeschwerde gegen die Verwerfung der Berufung als unzulässig | anwalt24.de
Beschl. v. 06.01.2015, Az.: 6 AZB 105/14
Referenz: JurionRS 2015, 10157
Aktenzeichen: 6 AZB 105/14
LAG Baden-Württemberg - 15.09.2014 - AZ: 4 Sa 23/14
ArbG Heilbronn - 06.02.2014 - AZ: 3 Ca 384/13
GG Art. 20 Abs. 3 i.V.m.. Art. 2 Abs. 1
ArbGG § 66 Abs. 2 S. 2 Hs. 2
ArbGG § 77
GG Art. 20 Abs. 3 i.V.m. Art. 2 Abs. 1
ArbR 2015, 86
EzA-SD 3/2015, 15-16
FA 2015, 96
FA 2015, 118
MDR 2015, 474-475
NJW 2015, 896
NZA 2015, 316-319
Beklagter, Berufungskläger und Beschwerdeführer,
hat der Sechste Senat des Bundesarbeitsgerichts am 6. Januar 2015 beschlossen:
1. Gemäß § 77 Satz 1 ArbGG findet die Rechtsbeschwerde als Revisionsbeschwerde gegen den Beschluss des Landesarbeitsgerichts, der die Berufung als unzulässig verwirft, nur statt, wenn das Landesarbeitsgericht sie in dem Beschluss zugelassen hat. Für die Zulassung der Rechtsbeschwerde gilt § 72 Abs. 2 ArbGG nach § 77 Satz 2 ArbGG entsprechend. Nach ständiger Rechtsprechung des Bundesarbeitsgerichts ist aufgrund dieses eindeutigen Wortlauts der gesetzlichen Vorgabe die Revisionsbeschwerde nicht eröffnet, wenn das Landesarbeitsgericht - wie im vorliegenden Fall - sie nicht zugelassen hat. § 77 Satz 2 ArbGG verweist nur auf § 72 Abs. 2 ArbGG und nicht auf die in § 72a ArbGG ausdrücklich geregelte Nichtzulassungsbeschwerde. § 72a ArbGG ist auch nicht entsprechend anwendbar. Die in § 77 Satz 4 ArbGG in Bezug genommenen Vorschriften der Zivilprozessordnung über die Rechtsbeschwerde (§§ 574 f. ZPO) sehen gegen die Nichtzulassung der Beschwerde eine Nichtzulassungsbeschwerde ebenfalls nicht vor (BAG 23. Juni 2014 - 6 AZB 25/14 - Rn. 1; 5. September 2007 - 3 AZB 41/06 - Rn. 7; vgl. bereits BVerfG 10. August 1978 - 2 BvR 415/78 -; BAG 13. Januar 1975 - 5 AZB 2/75 -; 8. März 1978 - 2 AZB 32/77 -; 25. Oktober 1979 - 5 AZB 43/79 -; 8. November 1979 - 3 AZB 40/79 -; 23. Mai 2000 - 9 AZB 21/00 -; zu § 78 ArbGG19. Dezember 2002 - 5 AZB 54/02 - zu II der Gründe, BAGE 104, 239). Die Spezialregelung des § 77 ArbGG geht § 522 Abs. 1 Satz 4 ZPO vor. Im arbeitsgerichtlichen Verfahren ist die Nichtzulassung der Revisionsbeschwerde daher unanfechtbar.
(1) Dieses prozessuale Grundrecht schützt den Anspruch des Bürgers auf eine Entscheidung seiner Rechtssache durch den hierfür von Gesetzes wegen vorgesehenen Richter, indem es eine sachfremde Einflussnahme auf die rechtsprechenden Organe verbietet. Adressaten des Verbots sind neben der Exekutive auch die Judikative und die Legislative. Für den Gesetzgeber folgt aus Art. 101 Abs. 1 Satz 2 GG die Pflicht, Normen, die gerichtliche Zuständigkeiten bestimmen, so zu fassen, dass aus ihnen der im Einzelfall zuständige Richter möglichst eindeutig erkennbar wird. Dabei darf ein Gesetz, mit dem das zuständige Gericht bezeichnet wird, durchaus auslegungsbedürftige Rechtsbegriffe verwenden, sofern es unzulässigen Einflüssen generell vorbeugen kann (BVerfG 14. Juni 2007 - 2 BvR 1447/05, 2 BvR 136/05 - Rn. 106, BVerfGE 118, 212; 8. April 1997 - 1 PBvU 1/95 - zu C I 4 der Gründe, BVerfGE 95, 322 [BVerfG 08.04.1997 - 1 PBvU 1/95]). Der Gesetzgeber kann dem Richter daher im gesetzlich vorgegebenen Rahmen einen Ermessenspielraum einräumen (vgl. Pieroth in Jarass/Pieroth GG 13. Aufl. Art. 101 Rn. 9 mwN; kritisch zum Ermessen der Übertragung auf einen Einzelrichter Classen in v. Mangoldt/Klein/Starck GG III 6. Aufl. Art. 101 Abs. 1 Rn. 43; Leuze in Friauf/Höfling Berliner Kommentar zum GG Stand November 2009 C Art. 101 Rn. 13). Hinsichtlich der Ausgestaltung des Nichtzulassungsbeschwerdeverfahrens in § 160a Abs. 4 iVm. § 169 SGG hat das Bundesverfassungsgericht entschieden, dass es mit Art. 101 Abs. 1 Satz 2 GG grundsätzlich vereinbar sei, dass die ehrenamtlichen Richter an Entscheidungen über Nichtzulassungsbeschwerden nur dann mitwirken, wenn über deren Begründetheit zu befinden ist. Dies setze allerdings voraus, dass die Abgrenzung zwischen Zulässigkeitsvoraussetzungen und Begründetheitsfragen nach eindeutigen und sachgerechten Kriterien erfolge (BVerfG 14. Juni 1994 - 1 BvR 1022/88 - zu C III der Gründe, BVerfGE 91, 93 [BVerfG 14.06.1994 - 1 BvR 1022/88]; zustimmend Müller-Terpitz in Schmidt-Bleibtreu/Hofmann/Henneke GG 13. Aufl. Art. 101 Rn. 17).