Source: https://www.anwalt24.de/urteile/bfh/2013-02-06/x-k-11_12
Timestamp: 2017-11-22 04:15:24
Document Index: 249905231

Matched Legal Cases: ['§ 198', '§ 198', 'Art. 47', '§ 62', '§ 198', '§ 155', '§ 62', '§ 155', '§ 155', '§ 155', '§ 155', '§ 63', 'EGMR', 'Art. 6', 'EGMR']

BFH, 06.02.2013 - X K 11/12 - Geltungsbereich des Vertretungszwangs bei Entschädigungsklagen wegen überlanger Verfahrensdauer gem. § 198 GVG | anwalt24.de
Urt. v. 06.02.2013, Az.: X K 11/12
Geltungsbereich des Vertretungszwangs bei Entschädigungsklagen wegen überlanger Verfahrensdauer gem. § 198 GVG
Referenz: JurionRS 2013, 33748
Art. 47 Abs. 2 EUGrdRCh
BFHE 240, 219 - 223
AnwBl 2013, 186
AO-StB 2013, 207
BFH/NV 2013, 849-851
BFH/PR 2013, 260
BStBl II 2013, 447-449
DStRE 2013, 686-687
HFR 2013, 504-505
KP 2013, 113
NJW 2013, 2784
NVwZ-RR 2013, 702-704
NWB 2013, 1144
NWB direkt 2013, 348
StB 2013, 142
StBW 2013, 388-389
StX 2013, 250-251
Mit Schreiben vom 16. Oktober 2012 hat der Kläger, der nicht zu den in § 62 Abs. 2 Satz 1 der Finanzgerichtsordnung (FGO) bezeichneten Personen gehört, beantragt, das Land Berlin zu verurteilen, ihm wegen der unangemessenen Dauer des von ihm geführten finanzgerichtlichen Verfahrens 4 K 4012/11 eine Entschädigung zu gewähren. Er wurde durch das Schreiben der Geschäftsstelle des für Entschädigungsklagen zuständigen Senats des Bundesfinanzhofs (BFH) vom 29. Oktober 2012 darauf hingewiesen, dass wegen des beim BFH bestehenden Vertretungszwangs bereits die Klageschrift von einer vertretungsberechtigten Person oder Gesellschaft verfasst sein müsse, da die Klage ansonsten unzulässig sei.
Die Entschädigungsklage ist unzulässig.
b) Dieser Vertretungszwang gilt auch bei Entschädigungsklagen wegen überlanger Verfahrensdauer gemäß §§ 198 ff. GVG, für die in Bezug auf die finanzgerichtlichen Verfahren ausschließlich der BFH zuständig ist (§ 155 Satz 2 FGO). Auch bei den Entschädigungsklagen sind die allgemeinen Verfahrensvorschriften des Zweiten Teils der FGO, zu denen der in § 62 Abs. 4 FGO geregelte Vertretungszwang gehört, anzuwenden (allgemeine Meinung, vgl. Steinbeiß-Winkelmann/Ott, Rechtsschutz bei überlangen Gerichtsverfahren, Teil 2 E. § 155 Rz 9; Brandis in Tipke/ Kruse, Abgabenordnung, Finanzgerichtsordnung, § 155 FGO Rz 17; Schwarz in Hübschmann/Hepp/Spitaler, § 155 FGO Rz 129; Mack/ Wollweber, Steuerberatung 2012, 7; Steinhauff, [...] PraxisReport Steuerrecht 48/2012, Anm. 4, D; siehe ausdrücklich zum Vertretungszwang bei Entschädigungsverfahren vor den Oberlandesgerichten und dem Bundesgerichtshof Gesetzentwurf des ÜberlVfRSchG, BTDrucks 17/3802, 25). Die in § 155 Satz 2 Halbsatz 2 FGO angeordnete entsprechende Anwendung der Vorschriften über das Verfahren im ersten Rechtszug bezieht sich nur auf die §§ 63 bis 94a FGO. Diese explizite Anordnung war notwendig geworden, weil der BFH bislang erstinstanzlich nicht zuständig war.
Der Anwaltszwang für bestimmte Verfahren bzw. bei bestimmten Gerichten ist auch vom EGMR als unbedenklich angesehen worden (vgl. Urteile vom 24. November 1986 9063/80 --Gillow/ Großbritannien--, Entscheidungen des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte 3, 306, Rz 69, und vom 10. Mai 2007 76680/01 --A.S./Deutschland--, [...], Rz 107 ff.). Das gilt nicht nur für Berufungs- oder Revisionsverfahren, sondern auch für den Vertretungszwang in einem --wie im Streitfall gegebenen-- erstinstanzlichen Verfahren (vgl. die bei Frowein/ Peukert, a.a.O., Art. 6 Rz 65 in Fußnote 191 zitierte EGMR-Rechtsprechung).