Source: https://lexwiki.de/faq/finanz-buchfuehrung/zwangsthesaurierung/
Timestamp: 2019-02-19 02:56:46
Document Index: 386138550

Matched Legal Cases: ['§ 5', '§ 5', '§ 242', '§ 275', '§ 5', '§5', '§5']

Zwangsthesaurierung | LexWIKI
Unter einer Thesaurierung versteht man die Zuführung des Jahresgewinns in eine Gewinnrücklage. Das Gegenteil davon ist die Ausschüttung, also die Auszahlung des Gewinns an die Gesellschafter.
Bei der Unternehmergesellschaft (haftungsbeschränkt) ist eine Thesaurierung von mindestens 25% des Jahresgewinns gesetzlich vorgeschrieben. Rechtsgrundlage hierfür ist § 5a Abs. 3 des Gesetzes betreffend die Gesellschaften mit beschränkter Haftung (GmbHG). Es können aber auch mehr – bis zu 100% – thesauriert werden. Deshalb ist die UG ja als Komplementärgesellschaft sehr attraktiv, denn hier wird sowieso keine Gewinnausschüttung erwartet, während bei einer GmbH als Komplementärgesellschaft mindestens 25000,00 € auf dem Konto liegen bleiben müssen, die nicht in den Betrieb (KG) invenstiert werden können. Unattraktiv aufgrund dieser Zwangsthesaurierung ist die UG dagegen für betriebsfremde Geldgeber, da sie keine oder nur eine geringe Gewinnausschüttung für ihre Einlage zu erwarten haben. Gesellschafter dieser Gesellschaftsform sind deshalb entweder nur die Gesellschafter-Geschäftsführer (als Einmann-Gesellschaft) oder ihre Strohmänner; Fremdgeschäftsführer sind hier selten anzutreffen – daher der Name „Unternehmergesellschaft“.
In diesem § 5a Abs. 3 heißt es u.a. In der Bilanz des nach den §§ 242, 264 des Handelsgesetzbuchs aufzustellenden Jahresabschlusses ist eine gesetzliche Rücklage zu bilden… (also in der Schlussbilanz).
In Lexware und einigen anderen Programmen läßt sich das so aber nicht in die Tat umsetzen, denn dies bedeutet faktisch die Aufstellung eines Jahresabschlusses unter teilweiser Verwendung des Jahresüberschusses. Gemäß § 275 Abs. 4 HGB müsste hierzu in der GUV nach Ausweisung des Jahresüberschusses noch eine Rücklagenzuführung erfolgen, was technisch nicht möglich ist, da die Variable <Ergebnis> in die Bilanzauswertung übertragen wird. Deshalb kann man hier nur den Jahresabschluss ohne die Rücklagenzuführung durchführen und (zunächst) den gesamten Gewinn auf das Konto „Gewinnvortrag vor Verwendung“ vortragen. Die Zwangsthesaurierung ist jedoch unbedingt im Bilanz-Anhang anzugeben – sowohl nominal als auch prozentual. Anderenfalls wäre der Jahresabschluss unvollständig.
In der Eröffnungsbilanz lässt sich dies jedoch nachholen, indem man das Konto 9000 zwischenschaltet. Man bucht per 01.01. mit dem Buchungstext Zwangsthesaurierung gemäß § 5a Abs. 3 GmbHG 25%:
Gewinnvortrag vor Verwendung an 9000
9000 an Gesetzliche Rücklage (oder besser ein Unterkonto davon)
Hierdurch wird die Eröffnungsbilanz so aufgestellt, als sei bereits in der Schlussbilanz die Zwangsthesaurierung vorgenommen worden.
◀ Debitorenkonto im Infoblock
Nicht durch Eigenkapital gedeckter Fehlbetrag ▶
Daniel Thema sagt:
Wir sind bisher Ihrer Argumentation hinsichtlich des Ausweises der gesetzlichen Rücklage im Anhang gefolgt. Nachdem wir nun eine UG in eine GmbH wandeln wollen, hat unser Wirtschaftsprüfer hier bedenken angemeldet. Letztendlich wird die in §5a GmbH geforderte Rücklagenbildung in Lexware erst im Folgejahr gebildet und nicht im Jahr des Jahresabschlusses. Haben Sie bereits weitere Erkenntnisse zu dieser Thematik? Ansonsten würde Lexware für UGs die ihren Jahresabschluss selbst erstellen nicht nutzbar sein. Ich kann mir schwer vorstellen, dass der Marktführer eine solche Lücke hat.
Rainer Froböse sagt:
letzten Endes ist es sowieso Schnee von gestern, da die alten Bilanzen Geschichte sind und es künftig keine UG mehr ist. Der Wirtschaftsprüfer kann es nur als seine Meinung zum Ausdruck bringen, aber deswegen keinesfalls die Umwandlung in eine GmbH versagen. Dazu müssten aktuelle Bilanzansätze falsch sein. Da der Anhang aber zum Jahresabschluss gehört und §5a nicht explizit sagt, dass dies in der Gliederung zu erfolgen hat, würde ich seinen Worten nicht folgen.
Buche ich jetzt den gesamten Betrag auf das Sachkonto oder lediglich die 25%?
Natürlich nur die 25 Prozent. Über den restlichen Gewinn können Sie frei verfügen.
Gedruckt am 17. Februar 2019 um 01:23 Uhr von Seite https://lexwiki.de/faq/finanz-buchfuehrung/zwangsthesaurierung