Source: http://www.uni-protokolle.de/foren/viewt/313181,0.html
Timestamp: 2018-06-24 11:28:10
Document Index: 359164359

Matched Legal Cases: ['§ 212', '§ 212', '§212', '§ 212', '§ 12', '§212', '§223', '§212']

Verständnisproblem "Error in Persona"
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Verfasst am: 24 Dez 2016 - 14:30:33 Titel: Verständnisproblem "Error in Persona"
ich habe ein Verständnisproblem hinsichtlich des Error in Persona bei gleichwertigen Objekten.
T will O umbringen. Er legt sich vor O´s Haus auf die Lauer, um ihn zu erschießen. Als A vor dem Haus des O auftaucht, hält T den A für O und erschießt A.
T irrt hier in der Person, hat aber trotzdem Vorsatz einen Menschen zu töten. Der Vorsatz bezieht sich also auf das „töten eines anderen Menschen“, somit ist es unerheblich, um welchen Menschen es sich handelt. Also begeht T einen Totschlag nach § 212 StGB an A.
Soweit die Literatur. Soweit hab ich es auch verstanden. Meine Frage ist nun, hat T nicht auch einen Versuchten Totschlag an O begangen nach § 212, 22 StGB? In der Literatur wird darauf nicht eingegangen. Wäre im Sachverhalt bspw. niemand am Haus aufgetaucht und der T hätte vergeblich gewartet, würde es doch einen Versuch darstellen? Oder nicht?
Bei der Prüfung des Sachverhaltes hinsichtlich des Versuchs nach §212,22 StGB , komme ich auf folgendes Ergebnis:
Der Versuch des Totschlags ist strafbar, da § 212 ein Verbrechen (vgl. §§ 12, 23) ist.
Es hat keine Vollendung stattgefunden, da O noch lebt (Nur A ist tot)
Def. Vorsatz: „Vorsätzlich handelt, wer wissentlich und willentlich die objektiven Tatumstände verwirklicht“
Verwirklichung des Objektiver Tatumstandes ist, dass O für T ein anderer Mensch ist. Das wusste T auch.
T wollte O töten, denn deshalb legt er sich ja vor O´s Haus auf die Lauer. T wollte also den objektiven Tatumstand „töten“ verwirklichen.
T hält es zumindest für möglich, dass seine Schussabgabe den O tötet, denn er plant ja den O vor dessen Haus zu töten. T hält es also zumindest für möglich, dass der Tatumstand „töten“ verwirklicht wird.
Obj. TB = unmittelbares Ansetzen ist gegeben.
Schwelle zum Jetzt-geht-es-los ist überschritten und aus obj. Sicht sind mit auf der Lauer legen des T keine wesentlichen Zwischenschritte mehr erforderlich.
Somit würde sich T doch auch des versuchten Totschlags an O strafbar gemacht haben? Oder nicht. Wie gesagt, in der Literatur habe ich dazu noch nichts gefunden.
Viele Grüß und frohe Weihnachtstage
Fry 2000
Verfasst am: 27 Dez 2016 - 20:56:20 Titel:
Wenn man sich für einen Standpunkt entscheidet, muss man diesen
auch konsequent zu Ende denken.
Du hast richtig erwähnt, dass es im Hinblick auf den Vorsatz für die eine Ansicht keine Rolle spielt, ob es sich bei den anvisierten Tatopfer um einen bestimmten Menschen handelt, entscheidend ist demnach nur, dass es sich um einen Menschen handelt, der Täter dies erkannt hat und schießt.
Nach dieser Ansicht spielt die nähere Konkretisierung der Person tatbestandsmäßig keine Rolle, sondern in objektiver Hinsicht nur, dass ein Mensch getötet wird.
Konsequenterweise handelt vorsätzlich, wer wissentlich und willentlich den objektiven Tatbestand, "einen Menschen tötet", verwirklicht.
Welche weiteren Gedanken sich der Täter zu konkreten Person des Opfers macht, ist nicht mehr relevant, denn nach dem genannten Verständnis differenziert der §212 nicht nach der konkreten Person des Opfers.
(Mit einer Ausnahme: Es darf sich nicht um die Person des Handelnden selbst drehen. Ein Schluss, den man in systematischer Hinsicht aus §223 "andere" (als sich selbst) zieht).
Der Täter demonstriert indem er schießt, den Menschen töten zu wollen, den er vor sich hat.
Gedanken (nicht über das Menschsein, sondern) über die konkrete Person gehören (natürlich nur nach dieser Ansicht) nicht mehr zum Vorsatz über den Tatbestand.
Deine Idee, versuchten Totschlag an O zu prüfen, läßt sich ernsthaft diskutieren, wenn du dich auf den Standpunkt der Gegenansicht stellst und tatbestandsmäßig nach der Person des Opfers differenzierst.
Die Argumente für diese Ansicht erscheinen, soweit ersichtlich, allerdings nicht besonders überzeugend. Im Grunde müßte man, wenn man die konkrete Identität des Opfers zu Tatbestandsmäßigkeit im Sinne des §212 zählt, attestieren, dass T hinblicklich des Menschen, auf den er geschoßen und lethal verwundet hat, unvorsätzlich handelte, da er eigentlich eine andere Person töten wollte. Es bliebe eine (die Prüfung einer) Fahrlässigkeitstat und eben den von dir angedachten versuchten Totschlag an O - mit dann tateinheitliche Verwirklichung.
Gemerkt? Einmal für eine Ansicht entschieden, darfst du nicht mehr springen, sondern mußt auf der Linie der gewählten Ansicht weiterargumentieren. ( Alles andere wäre inkonsequent, unlogisch und letzten Endes willkürlich).
Verfasst am: 29 Dez 2016 - 19:38:29 Titel:
Unter unzulässige Vorsatzverdopplung müsstest du fündig werden
Verfasst am: 30 Dez 2016 - 23:47:24 Titel:
Vielen Dank für eure beiden Antworten. Die haben mir sehr weitergeholfen
Verfasst am: 31 Dez 2016 - 01:37:51 Titel: