Source: https://www.rechtslupe.de/wirtschaftsrecht/auswirkungen-allgemeinverfuegung-abs-3129646
Timestamp: 2020-02-21 07:18:11
Document Index: 329936254

Matched Legal Cases: ['§ 4', '§ 4', '§ 31', '§ 31', '§ 31', '§ 31', '§ 31', '§ 31']

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Aus­wir­kun­gen der All­ge­mein­ver­fü­gung gemäß § 4 b Abs. 1 WpHG
CFD-Anbie­ter müs­sen die Nach­schuss­pflicht für Pri­vat­an­le­ger in ihren Geschäfts­be­din­gun­gen aus­drück­lich und bedin­gungs­los aus­schlie­ßen.
Dar­auf hat die BaFin in einer Pres­se­mit­tei­lung vom 29. Novem­ber 2017 noch ein­mal hin­ge­wie­sen und auf die Ver­öf­fent­li­chung der "Leit­li­ni­en für den Han­del mit finan­zi­el­len Dif­fe­renz­kon­trak­ten (Con­trac­ts for Dif­fe­rence – CFDs)" auf­merk­sam gemacht. Mit einer All­ge­mein­ver­fü­gung hat­te die BaFin bereits am 8. Mai 2017 den Anle­ger­schutz die Ver­mark­tung, den Ver­trieb und den Ver­kauf von CFDs beschränkt. Begrün­det wur­de das mit Beden­ken für den Anle­ger­schutz. Bis zum 10. August 2017 bestand noch eine Art Karenz­frist. Ab die­sem Zeit­punkt dür­fen Pri­vat­an­le­gern kei­ne neu­en CFD-Kon­trak­te mit Nach­schuss­pflicht mehr ange­bo­ten wer­den. Mit den Leit­li­ni­en wird nach Mit­tei­lung der BaFin den Händ­lern auf­ge­zeigt, wie die­se ihre Ver­trags­be­din­gun­gen dem­entspre­chend anpas­sen kön­nen.
Für ande­re Pro­duk­te, die wirt­schaft­lich einem CFD mit einem Wäh­rungs­paar als Basis­wert ent­spre­chen (z. B. gehe­bel­te Forex-Pro­duk­te), gilt eine Hebel­be­schrän­kung auf maxi­mal 50. Die Natio­nal Futures Asso­cia­ti­on (NFA) hat im Auf­trag der Com­mo­di­ty Futures Tra­ding Com­mis­si­on (CFTC) die zuläs­si­gen Hebel bei Forex Pro­duk­ten mit beson­ders vola­ti­len Basis­wer­ten dar­über hin­aus auf 20 beschränkt. Dar­über wird nicht jeder Forex-Tra­der begeis­tert sein. Beson­ders die­je­ni­gen, die mit ihrem eige­nen Geld tra­den und dabei so gro­ße Gewin­ne gene­rie­ren, dass sie davon leben kön­nen, sog. Forex Dayt­ra­der, möch­ten ja das Opti­mum her­aus­ho­len. Die­se Dayt­ra­der ver­fü­gen oft über umfang­rei­che Kennt­nis­se, so dass sie sich als pro­fes­sio­nel­le Tra­der betrach­ten.
Nach Auf­fas­sung der BaFin steht der Schutz der Pri­vat­an­le­ger im abso­lu­ten Vor­der­grund. So ste­hen die Pro­dukt­an­bie­ter, deren Geschäfts­mo­del­le auf dem Ver­trieb von Pro­duk­ten beru­hen, die den Pri­vat­an­le­ger jeder­zeit in den wirt­schaft­li­chen Ruin trei­ben kön­nen, immer hin­ter den Ver­brau­cher­inter­es­sen zurück.
Ande­rer­seits soll jeder Pri­vat­an­le­ger sein eige­ner Herr blei­ben und unter Berück­sich­ti­gung sei­ner indi­vi­du­el­len Lebens­si­tua­ti­on und Finanz­la­ge über die für ihn geeig­ne­te Anla­gen selbst ent­schei­den. So bleibt der Han­del von CFDs mit Nach­schuss­pflicht für den Pri­vat­an­le­ger nicht völ­lig ver­sperrt: Es besteht die Mög­lich­keit, dass sich ein Pri­vat­kun­de als pro­fes­sio­nel­ler Kun­de ein­stu­fen lässt. Damit steht ihm dann der Zugang zu unli­mi­tier­ten CFDs offen. Maß­ge­bend ist nach § 31a Abs. 7 Satz 2 WpHG für die Hoch­stu­fung zum pro­fes­sio­nel­len Kun­den, dass er auf­grund sei­ner Erfah­run­gen, Kennt­nis­se und sei­nes Sach­ver­stan­des in der Lage ist, eine Anla­ge­ent­schei­dung zu tref­fen und die damit ver­bun­de­nen Risi­ken ange­mes­sen zu beur­tei­len. Min­des­tens zwei der in § 31a Abs. 7 Satz 3 Num­mer 1 – 3 WpHG genann­ten Kri­te­ri­en sind zu erfüllt, damit eine Ände­rung der Ein­stu­fung mög­lich ist. Erfüllt ein Pri­vat­kun­de z.B. das Kri­te­ri­um zum Han­dels­um­fang nach § 31a Abs. 7 Satz 3 Num­mer 1 WpHG und auch das Kri­te­ri­um zum Gut­ha­ben nach § 31a Abs. 7 Satz 3 Num­mer 2 WpHG, kann er sich zum pro­fes­sio­nel­len Kun­den hoch­stu­fen las­sen. Das Glei­che gilt, wenn er eine ent­spre­chen­de beruf­li­che Erfah­rung nach § 31a Abs. 7 Satz 3 Num­mer 3 WpHG sowie einen bestimm­ten Han­dels­um­fangs nach § 31a Abs. 7 Satz 3 Num­mer 3 WpHG vor­wei­sen kann. Dann ist eine Hoch­stu­fung mög­lich, ohne dass der Kun­de dabei über ein Bank­gut­ha­ben und Finanz­in­stru­men­te im Wert von mehr als 500.000 Euro ver­fü­gen muss. Denn bei einem sol­chen Anle­ger wird vor­aus­ge­setzt, dass er auf­grund sei­ner Erfah­run­gen, Kennt­nis­se und sei­nes Sach­ver­stan­des in der Lage ist, die unkal­ku­lier­ba­ren Risi­ken eines CFDs ange­mes­sen beur­tei­len und finan­zi­ell tra­gen kann.