Source: https://www.kontolino.de/dokumentation/umsatzsteuer/umsatzsteuer-bei-auslandsgeschaften/umsatzsteuer-im-eu-wirtschaftsraum/
Timestamp: 2017-09-26 21:41:42
Document Index: 150664152

Matched Legal Cases: ['§1', '§6', '§1', '§4', '§6', '§4', '§4', '§4', '§13']

Umsatzsteuer im EU-Wirtschaftsraum | Kontolino! Ihre Buchhaltungssoftware in der Cloud, Made in Germany
Umsatzsteuer im EU-Wirtschaftsraum
Reverse-Charge-Verfahren bei Geschäften mit Firmen im EU-Ausland
Bei grenzüberschreitenden Geschäften innerhalb der EU findet das so genannte Abzugsverfahren (Reverse-Charge – Verfahren) Anwendung.
In erster Linie soll durch die Reverse-Charge-Regelung dem „Verschwinden von Umsatzsteuer“ durch falsch oder nicht deklarierte grenzüberschreitende Geschäfte vorgebeugt werden.
Innergemeinschaftlicher Erwerb (§1a UStG) und Innergemeinschaftliche Lieferung (§6a UStG)
Wenn Sie einen Gegenstand oder eine Dienstleistung von einem Unternehmer aus dem EU-Gebiet kaufen, und dem Lieferanten Ihre UST-ID vorlegen, nennt der Gesetzgeber dies einen Innergemeinschaftlichen Erwerb. Dabei geht die Pflicht zur Entrichtung der Umsatzsteuer auf Sie über, d.h. Sie müssen die Umsatzsteuer nach dem in seinem Land gültigen Satz abzuführen. Sie können jedoch im selben Zuge diese wieder als Vorsteuer geltend machen. Es entsteht also, wenn beide beteiligten an einem grenzüberschreitenden Geschäft eine UST-ID besitzen, für keinen eine zu begleichende Steuerforderung.
Beim innergemeinschaftlichen Erwerb wird beim Import von Waren nach den verschiedenen Steuersätzen (19 %, 7 % oder steuerfrei) unterschieden. Werden dagegen Dienstleistungen aus dem Ausland bezogen und im Inland erbracht, spricht man von einem innergemeinschaftlichen Erwerb von sonstigen Leistungen, die pauschal mit dem Steuersatz von 19 % erfasst werden. In beiden Fällen wird in der Umsatzsteuervoranmeldung zuerst die Steuerschuld erfasst und dann unter einer anderen Kennziffer die dafür abzuziehende Vorsteuer.
Das Gegeteil ist dazu die Innergemeinschaftliche Lieferung. Hier tritt Ihr Unternehmen als Verkäufer von Waren oder Dienstleistungen ins EU-Ausland auf, d.h. Sie verkaufen z. B. als deutscher Unternehmer Waren an Frankreich oder ein anderes EU-Land. Werden Waren innerhalb der EU über Landesgrenzen hinweg verkauft spricht der Gesetzgeber von Innergemeinschaftlicher Lieferung. Werden statt Waren Dienstleistungen in einem anderen EU-Land erbracht, spricht man von einer Innergemeinschaftlichen sonstigen Leistung.
Berücksichtigung in der Umsatzsteuervoranmeldung sowie der Zusammenfassenden Meldung
Umsätze zwischen Unternehmen in zwei EU-Mitgliedsstaaten müssen in beiden Ländern angezeigt werden. In Deutschland dienen dazu bestimmte Angaben in der Umsatzsteuervoranmeldung sowie der Zusammenfassenden Meldung.
Die Hauptlast liegt hier beim Käufer, der ja durch Angabe seiner UST-IdNr. das Reverse Charge-Verfahren anstößt. Er muss in der Umsatzsteuer-Voranmeldung seine Einkäufe im Bereich „Innergemeinschaftliche Erwerbe“ anzeigen, sowie den sofortigen Wieder-Abzug der Vorsteuer unter den „Abziehbaren Vorsteuerbeträgen“ aufführen.
Der Verkäufer muss allerdings regelmäßig in seinem EU-Land eine Zusammenfassende Meldung abliefern, die alle Umsätze (sogenannte innergemeinschaftliche Lieferungen) umfasst, die er im Meldungszeitraum an Unternehmen in der EU geleistet hat.
Diese Zusammenfassende Meldung schließt den Kreis, um Karusselbetrug zu verhindern bzw. zu entdecken.
Keine Sorge: So kompliziert das alles klingen mag, Kontolino! Macht das alles ganz einfach!
Wichtige Voraussetzungen für dieses Verfahren
Besitz einer Umsatzsteuer-Identifikationsnummer sowie deren Angabe auf der Rechnung
Sie müssen eine Umsatzsteuer-Identifikations-Nummer (VAT-ID) besitzen. Sollten Sie noch keine VAT-ID besitzen, können Sie diese beim BZSt online anfordern.
Tipp: Es empfiehlt sich, wenn Sie in Ihrer Geschäftspost stets Ihre eigene Umsatzsteuer-Identifikationsnummer angeben, vor allem natürlich in Angeboten und Anfragen an Lieferanten. Diese werden Ihre USt-ID für eine Rechnungsstellung benötigen.
Angabe der USt-ID des Käufers auf der Rechnung
Wenn Sie eine Rechnung an einen Unternehmer im EU-Ausland stellen, setzen Sie dessen Umsatzsteuer-Identifikationsnummer auf die Rechnung. Fehlt diese, liegt die Umsatzsteuerschuld bei Ihnen als Verkäufer! Hier drohen hohe Nachzahlungen ans heimische Finanzamt, also achten Sie unbedingt darauf, diese Nummer von Ihren Kunden zu erfragen und sie zu prüfen (dies ist z.B. online möglich beim Bundeszentralamt für Steuern), wenn Sie den Kunden nicht kennen.
Mindestumsatz (Erwerbsschwelle) für innergemeinschaftlichen Erwerb: 12.500 Euro p.a.
Laut §1a, Abs. 3 Nr. 2 UStG kann auf die Anwendung des Reverse-Charge-Verfahrens verzichtet werden, wenn der Umsatz mit dem Europäischen Ausland im vorigen Kalenderjahr unterhalb 12.500 Euro lag, und auch im laufenden Jahr nicht von mit einem höheren Umsatz zu rechnen ist.
Haben Sie also nur geringe Umsätze mit ausländischen Unternehmen im EU-Gebiet, muss kein Reverse-Charge-Verfahren angewandt werden. Wenn Sie es jedoch einmal anwenden, ist dies für 2 Jahre verpflichtend. Sie können nicht auf einer Fall-zu-Fall-Basis das eine oder andere Verfahren wählen.
Pflichtangaben auf einer Rechnung bei innergemeinschaftlicher Lieferung
Umsatzsteuer-Identifikations-Nummer (VAT-ID) des Verkäufers
Umsatzsteuer-Identifikations-Nummer (VAT-ID) des Käufers im Ausland
Hinweis auf die Steuerbefreiung z.B.
„Steuerschuldnerschaft des Leistungsempfängers (Reverse Charge)“
„steuerfrei nach §4 Nr. 1b i.V.m §6a UStG“
Verbuchung einer innergemeinschaftlichen Lieferung in Kontolino!
Die innergemeinschaftliche Lieferung ist für den Verkäufer grundsätzlich steuerfrei. In der Buchführung bzw. den zugrunde liegenden Belegen sind jedoch einige Zusatzangaben zum Geschäftsvorfall festzuhalten, die auch in Kontolino! erfasst werden sollten. So können die erfassten Daten dann auch für eine automatisierte Erstellung der Zusammenfassenden Meldung genutzt werden. Die innergemeinschaftliche steuerfreie Lieferung ist in der Umsatzsteuer-Voranmeldung in Kennziffer 60 anzugeben.
Daher gibt es in Kontolino! den Mehrwertsteuer-Code „Innergemeinschaftliche Lieferung gem. §4 Nr. 1 b UStG„.
D.h. als Beispiel Sie verkaufen an eine Firma in Österreich eigene Produkte, dann buchen Sie den Beleg in Kontolino! mit dem Mehrwertsteuer-Code „Innergemeinschaftliche Lieferung gem. §4 Nr. 1 b UStG“.
Verbuchung einer innergemeinschaftlichen sonstigen Leistung in Kontolino!
Im Gegensatz zur innergemeinschaftlichen Lieferung spricht man von einer innergemeinschaftlichen sonstigen Leistung, wenn Dienstleistungen im Ausland erbracht werden. Z. B. Installieren und Setzen Sie eine Maschine in Betrieb, die in Frankreich aufgebaut wird. Bei diesen Dienstleistungen spricht man von „sonstigen Leistungen“. Diese werden zum einen zusammen mit den innergemeinschaftlichen Lieferungen in der Umsatzsteuervoranmeldung in der Kennziffer 21 eingetragen. In der Zusammenfassenden Meldung hat diese Leistung auch einen getrennten Schlüssel zur Unterscheidung zur innergemeinschaftlichen Lieferung.
Dies richtige Kennzeichnung und Zuordnung der Steuer erreichen Sie, wenn Sie in Kontolino! den Mehrwertsteuer-Code „Innergemeinschaftliche sonst. Leistungen gem. §4 Nr. 1 b UStG“ in jedem Buchungssatz, der den Voraussetzungen genügt hinterlegen.
Verbuchung eines innergemeinschaftlichen Erwerbs in Kontolino!
Um einen innergemeinschaftlichen Erwerb in Kontolino! so zu verbuchen, dass es in der Umsatzsteuer-Voranmeldung korrekt erscheint, müssen Sie lediglich den richtigen Mehrwertsteuer-Code auswählen. Bitte beachten Sie, dass es nicht ausreicht, die Buchung als Nettoumsatz zu verbuchen, als einfach gar keinen Umsatzsteuer-Zusammenhang herzustellen. Nur mit dem richtigen Mehrwertsteuer-Code kann Kontolino! die Umsatzsteuer-Voranmeldung für Sie korrekt ausfüllen.
D.h. Sie müssen, wenn Sie Waren aus dem EU-Ausland beziehen, wissen ob diese in Deutschland normalerweise mit 19 % oder dem reduzierten Satz von 7 % oder bei uns steuerfrei wäre. Dementsprechend wählen Sie dann in Kontolino! den Mehrwertsteuer-Code „Innergemeinschaftlicher Erwerb (steuerfrei)„, bzw. „Innergemeinschaftlicher Erwerb (ermäßigter Steuersatz 7 %)„, bzw. „Innergemeinschaftlicher Erwerb (allgemeiner Steuersatz) 19 %„, in jedem Buchungssatz, der den Voraussetzungen genügt aus. Daraufhin werden die Beträge in der Umsatzsteuervoranmeldung in den Kennziffern 89 bzw. 93 bzw. 91 aufgeführt und als Gegenposition wieder unter der Kennziffer 61 gegengerechnet.
Sollten Sie keine Waren sondern Dienstleistungen aus dem EU-Ausland beziehen (z. B. Web-Space), dann wird dies in der Umsatzsteuervoranmeldung getrennt erfasst und fällt unter die Kennziffern 46, 47 und als Gegenrechnung unter die Kennziffer 67. Diese richtige Ausweisung erreichen Sie, wenn Sie in Kontolino! den Mehrwertsteuer-Code „Innergemeinschaftlicher Erwerb von sonst. Leistungen (19%) “ auswählen. Eine Trennung in die verschiedenen Mehrwertsteuercodes entfällt hier, da Dienstleistungen generell dem allgemeinen Steuersatz von 19% unterliegen.
§13b Umsatzsteuergesetz
Themenseite „Abzugsverfahren (Reverse Charge)“ bei Wikipedia.de
Informationssammlung zur Umsatzsteuer-Identifikationsnummer beim Bundeszentralamt für Steuern (BZSt)
Lieferungen an Privatpersonen im EU-Ausland
An Privatpersonen im EU Ausland stellen Sie die Mehrwertsteuer ganz normal in Rechnung und nutzen zur Verbuchung den selben Mehwersteuer-Code wie für inländische Kunden. Diese Regelung gilt auch für Unternehmer, die Ihnen keine UST-ID vorlegen oder die in ihrem Sitzland nicht zum Vorsteuerabzug berechtigt sind.
Umsatzsteuer bei Auslandsgeschäften ausserhalb der EU
Dauerfristverlängerungen verbuchen