Source: https://fsdr.at/de/plagiate
Timestamp: 2018-12-15 15:32:47
Document Index: 164864524

Matched Legal Cases: ['§2', '§3', '§46', '§7', '§7', '§3', '§2']

Plagiate | www.fsdr.at
Während deiner Dissertation wirst du unter anderem lernen wie du selbstständig wissenschaftlich arbeitest. Dazu gehört es auch, dass du dich mit den Themen Urheberrecht und Plagiate auseinandersetzt. Wir haben aus diesem Grund hier ein paar Informationen dazu zusammengestellt. Diese Zusammenfassung repräsentiert die Rechtsmeinung der Fachschaft Doktorat. Die Information ist gewissenhaft recherchiert mit dem Anspruch verlässliche und belastbare Leitlinien zu geben. Wir sind aber keine Anwälte und diese Information ist auch keine verbindliche Rechtsauskunft.
Ansprüche des Code of Conduct
Ansprüche des Urheberrechts
Aber man kann den selben Sachverhalt nur auf endlich viele Arten erklären!
Verwendung von eigenen Papers in der Dissertation
Arten von Plagiaten
Können Plagiate passieren?
Darf ich Inhalte aus von mir betreuten Diplomarbeiten übernehmen?
Besondere Regeln für Abbildungen
Software zur automatische Plagiatsüberprüfung
Was passiert Plagiatorinnen und Plagiatoren?
Ich bin plagiiert worden! Was jetzt?
Eine Studentin / ein Student unter meiner Aufsicht hat plagiiert! Was jetzt?
Es gibt zwei grundlegende Rechtsquellen für die Plagiatsproblematik: Code of Conduct / Gute wissenschaftliche Praxis
Fazit: Du sollst nicht fremde Leistungen als deine eigenen darstellen. Des weiteren ergeben sich daraus Zitierregeln, die Problematik Erstautoren vs. Mitautoren, etc. Rechtswirksam im Bezug auf das Doktoratsstudium wird der Code of Conduct durch die Prüfungsordnung und die Satzungen der TU Wien.
Ebenfalls von Bedeutung ist das Urheberrechtsgesetz.
Fazit: Du sollst nicht Verwertungsrechte von anderen verletzen. Zu unterscheiden sind Verwertungsrechte an fremden Arbeiten und Verwertungsrechte Dritter an deinen eigenen Arbeiten (Problematik des Selbstplagiats). Relevant sind das Gesetz, gesetzlich definierte Ausnahmen, sowie die Autorenverträge und Lizenzen der beteiligten Verlage.
Die Einhaltung des Code of Conduct ist verpflichtend für Studierende und MitarbeiterInnen der TU Wien. Der Text ist insgesamt nicht lang und gut lesbar, die Lektüre hiermit eindringlich empfohlen.
Wissenschaftliches Fehlverhalten (§2) liegt insbesondere vor bei unbefugter Verwendung oder Anmaßung der Autorenschaft von:
Texten, Abbildungen und anderen urheberrechtlich schützbaren Werken
wissenschaftl. Erkenntnissen, Forschungsansätzen, Ideen, Hypothesen
Weitere relevante Verfehungen sind Inanspruchnahme der Mitautorenschaft ohne Einwilligen der/des Betroffenen, Mitwisserschaft und grobe Verletzungen der Aufsichtspflicht (§3).
Verstöße gegen den Code of Conduct werden zwar nicht strafrechtlich verfolgt, können dennoch gravierende Konsequenzen haben:
Arbeitsrecht - Mitarbeiter der TU
Zivilrecht - Aberkennung von Förderungen
Rückwirkende Aberkennung von akademischen Titeln
Das Urheberrecht regelt und begrenzt die Wirtschaftsbeziehungen zwischen Urhebenden, Verlagen und Bibliotheken im Bezug auf Reproduktion und Veröffentlichung von Werken. Bloße Ideen sind nicht geschützt.
Zunächst verweilen alle Verwertungsrechte (Vervielfältigung, Verbreitung, ...) mit der Urheberin / dem Urheber. In der Folge können diese Rechte vertraglich an Dritte abgetreten werden. Das sind in der Regel Verlage, aber bei Open Access Journalen und Wikipedia werden bestimmte Verwertungsrechte an die Allgemeinheit abgetreten (Creative Commons Lizenzen). Klassische Verlage erwarten bei Publikation von Journalpapers und Conferece-Proceedings die Übertragung der exklusiven Verwertungsrechte an Text und Abbildungen von der Urheberin / dem Urheber zum Verlag.
Die Autorenverträge sind in der Regel relativ der Rechtsordnung des Herkunftslandes des Verlages gestaltet. Im Zuge der WIPO-Verträge sind die Regelungen aber weitgehend harmonisiert.
Plagiate verstoßen gegen folgende Rechte:
Das Urheberrecht der eigentlichen Autorin / des eigentlichen Autors
Das Verwertungsrecht des Verlages welcher das plagiierte Werk publiziert hat
PlagiatorInnen täuschen den eigenen Verlag, indem sie die Übertragung der vermeintlich eigenen Verwertungsrechte versprechen, welche aber bei der ursprünglichen Autorin / dem ursprünglichen Autor liegen.
Im Falle der Entdeckung des Plagiats wird die Plagiatorin / der Plagiator allen Geschädigten Schadensersatzpflichtig.
Außerhalb der durch das Urheberrecht geregelten Ausnahmen (z.B. Zitate), ist deshalb für jeden Fall einer Publikation eines Werkes durch Nicht-Urhebende eine Einzelfallprüfung der rechtlichen Lage erforderlich. Das ist insbesondere beim "Übernehmen" von Abbildungen ein Problem. Das selbe gilt für mehrfache Publikation von eigenen Werken, da man Exklusivrechte nur einmal abtreten kann (Selbstplagiat).
In den Vertragswerken der meisten Verlage gibt es Klauseln, die die Zweitverwertung der eigenen Publikation in Diplomarbeiten, Dissertationen und Habilitationsschriften regeln.
Open Access Journale stehen oft unter Creative Commons Lizenzen, die die faire Wiederverwendung von Quellenmaterial ausdrücklich zulassen. In der Praxis ändert das aber wenig, da die Lizenzen die kommerzielle Nutzung gesondert regeln und sich die Verlage die kommerzielle Nutzung vorbehalten.
Grundsätzlich: Die gute wissenschaftliche Praxis verlangt, dass alles was nicht eigene wissenschaftliche Leistung ist, mittels Zitaten transparent gemacht wird. Die Anmaßung der Urheberschaft von Forschungsinhalten wie Ideen, Konzepten, Algorithmen, Forschungsfragen, Formeln, Ableitungen, Abbildungen, Textteilen, etc. gilt als Plagiat.
Ausnahme: wissenschaftliche Grundlagen, wie sie in Lehrbüchern der Disziplin zu finden sind, müssen inhaltlich nicht durch Literaturzitate belegt werden.
Inhaltliches Zitat: Ein Gedankengang wir mit eigenen Worten erklärt.
Wörtliches Zitat: Ein Teil des fremden Werkes wird in das eigene Werk übernommen. Dieses muss durch geeignete Formatierung transparent gemacht werden.
Wörtliche Zitate sind vorzuziehen, wenn eine Literaturstelle einen Sachverhalt besser darlegt, als man es selbst könnte und es auch in den Kontext passt. In allen anderen Fällen ist der Inhalt der Literaturstelle in eigenen Worten zu erklären.
Für den Umfang von wörtlichen Zitaten gilt §46 Urheberrechtsgesetz: Fremde Werkteile dürfen in einem durch den Zweck gerechtfertigten Umfang in ein die Hauptsache bildendes wissenschaftliches Werk aufgenommen werden. In der US-Amerikanischen Rechtstradition "fair use" genannt. Wenn der Zweck also die wissenschaftliche Auseinandersetzung, Weiterentwicklung oder Kritik ist, können fremde Werkteile in einem durch diesen Zweck gerechtfertigten Umfang in Wort oder Bild übernommen werden.
Umgang mit Sekundärliteratur: Manchmal ist man verleitet ein berühmtes Paper (Primärliteratur) zu zitieren, welches man in einer zweiten weniger prestigeträchtigen Arbeit (Sekundärliteratur) gefunden hat. Die Praxis ist so lange akzeptabel, als man sich dadurch nicht Leistungen der Sekundärquelle anmaßt. Das bloße Finden einer Primärquelle stellt in der Regel keine Leistung dar. Beweisführung, Argumentation, In-Bezug-Setzen, etc. hingegen schon. In diesen Fällen verlangt die Rechtslage das Zitieren der Sekundärquelle. Im Zweifel sei an die Fairness appeliert, auch jungen Nachwuchswissenschaftern den Zuwachs an Impact-Faktor zu gönnen, auch wenn die Sekundärquelle eine Dissertation, Diplomarbeit o.ä. ist.
Die Details, was ein korrektes Zitat darstellt, sind von Disziplin zu Disziplin leicht unterschiedlich. Die Arbeitsgruppen und Institute wissen am Besten bescheid.
Anders als in den Geisteswissenschaften, wo es bei wissenschaftlichen Arbeiten sehr stark auf die literarische Qualität des Werkes ankommt, geht es in den technischen Disziplinen um Ergebnisse, Versuche, Theorien, etc. Bearbeiten mehrere Publikationen die selbe Thematik, kommt es vor allem in den Einleitungen der Papers zu sehr ähnlichen oder identischen Formulierungen. Diese sind meistens nicht als Zitat ausgeführt, da die ursprüngliche Quelle dieser Standardformulierungen nur schwer ausfindig zu machen wäre. Es hätte auch keinen Mehrwert für die Leserinnen und Leser. Es gibt eben nur endlich viele Möglichkeiten die Leser an die gemeinsame Thematik der Papers heran zu führen. Es liegt kein Mehrwert darin, sich jedes Mal eine neue Formulierung zu überlegen.
Solange sich die identischen Passagen im Rahmen halten (1 bis 2 Absätze in der Einleitung) und jedes der Paper natürlich trotzdem einen eigenständigen und neuartigen Beitrag zur Wissenschaft leistet, ist diese Vorgangsweise in den technischen Disziplinen weit verbreitet und akzeptiert. Sie ist auch vertretbar im Bezug auf den Code of Conduct.
Identische, nicht als Zitat erkennbare Passagen widersprechen natürlich trotzdem dem Urheberrechtsgesetz. Es gilt jedoch: Wo kein Kläger da kein Richter. Es ist in niemandes Interesse einander wegen unbedeutender Einleitungssätze zu drangsalieren. Im Normalfall ist deshalb bei kurzen, im Bezug auf auf den wissenschaftlichen Beitrag unbedeutenden Passagen nichts zu befürchten. Es gibt in diesem Fall einfach eine gewisse Diskrepanz zwischen dem Gesetz und der gelebten Praxis.
Code of Conduct: Wiederverwertung der eigenen Papers ist sogar erwünscht. Es wird von Promovierenden erwartet, dass die Ergebnisse bereits anderwertig veröffentlicht sind. Leistungen von Mitautoren sind durch entsprechende Zitate offenzulegen.
Urheberrecht: per se ist kein Problem, man kann nicht sein eigenes Urheberrecht verletzen. Mitautorinnen und Mitautoren müssen genannt werden.
Verwertungsrechte der Verlage sind der Knackpunkt, insbesondere was kumulative Dissertationen betrifft. Zur Anwendung kommen die Autorenverträge der Verlage. Diese regeln die Zweitverwertung der Papers. Zu unterscheiden ist Publikation im Web und Publikation in der Bibliothek.
Doktorandinnen und Doktoranden, die eine kumulative Dissertation anstreben, sei empfohlen die Gestaltung der Autorenverträge bei der Auswahl der Journale zu berücksichtigen.
Gekürzt nach GutenPlag:
Komplettplagiat: Textteile oder Abbildungen komplett übernommen, ohne Kennzeichnung, ohne Zitat
Verschleierung: Textteile umformuliert übernommen, ohne Kennzeichnung, ohne Zitat; Fremde Ideen als die eignen dargestellt
Übersetzungsplagiat: Fremdsprachige Texte übersetzt und ohne weitere Kennzeichnung und Zitat als Eigenleistung ausgewiesen
Bauernopfer: Ein unbedeutender Teil des Originalwerkes korrekt zitiert, ein größerer Teil ohne Kennzeichnung übernommen
Verschärftes Bauernopfer: Eigenständige, über das Originalzitat hinausgehende Leistung suggeriert, in Wirklichkeit gesamte Passage übernommen
Kopiertes Zitat: Primärliteratur korrekt zitiert, Gedanken- und Beweisführung der betreffenden Passage indes ohne Kennzeichnung und Zitat aus der Sekundärliteratur übernommen
Bei der Bewertung von Verdachtsfällen kommt es nicht nur auf die technische Ausführung des Plagiats an, sondern auch auf die Vorsätzlichkeit und Täuschungsabsicht. Eine solche sieht z.B. das zuständige Gremium der Universität Düsseldorf im Fall Anette Schavan gegeben, siehe die Pressemitteilung.
Das Einreichen einer von einem Ghostwriter geschrieben Arbeit ist Vortäuschung von Urheberschaft und damit klar gegen den Code of Conduct und die Prüfungsordnung. Bei Aufdeckung ist mit Aberkennung des Titels zu rechnen.
Zulässig dürfte die entgeltliche Auslagerung von Hilfsleistungen sein, wie Recherche, Lektorat, Übersetzung, Formatierung, etc.
Ein Selbstplagiat ist die mehrfache Publikation des selben Inhaltes. Es ist unzulässig, weil
von jeder Publikation ein vorher unveröffentlichter Beitrag zur Wissenschaft gefordert wird.
die exklusiven Verwertungsrechte eines Werkes nur einmal abgetreten werden können.
Die Rechtslage zu Selbstplagiaten stellt sich wie folgt dar:
Urheberrecht (UrhG): dieses spielt keine Rolle, weil es dort um den Schutz fremden geistigen Eigentums geht. Die Vervielfältigung von Druckfahnen („proofs“) und gedruckten Versionen von Artikeln kann aber gegen Verwertungsrechte des Verlages verstoßen.
Universitätsgesetz (UG 2002): verbietet keine Selbstplagiate, man könnte aber aus den Kriterien für eine Habilitation ableiten, dass dort Selbstplagiate untersagt sind (siehe dazu A. Gamper, Zeitschrift für Hochschulrecht 8:2-10, 2009).
Code of Conduct untersagt Selbstplagiate:
§7. Bereits früher veröffentlichte Ergebnisse sollen nur in klar ausgewiesener Form und nur insoweit wiederholt werden, als es für das Verständnis des Zusammenhangs notwendig ist.
Die Verwendung von eigenen Publikationen im Rahmen einer kumulativen Dissertation ist kein Selbstplagiat. Bei der Kopie von gedruckten Artikel sind Verwertungsrechte des Verlages zu beachten, wobei die meisten Verlage explizit die Vervielfältigung der veröffentlichten Version in der Druckversion der Dissertation erlauben.
In vielen Feldern ist es verbreitete wissenschaftliche Praxis, Artikel auch in Monografien als Kapitel zu übernehmen und als solche zu kennzeichnen. Dies war lange Zeit kein Problem, doch die Wissenschafts-Ethik hat sich seitdem dahingehend entwickelt, dass es nun nicht mehr universell akzeptiert wird. Insbesondere ist umstritten, ob eine solche Verwendung gegen den Code of Conduct verstößt, und ob der Code of Conduct hier überhaupt anwendbar ist, weil die Arbeit durch ihre Aufstellung in der Bibliothek kaum einer breiten Öffentlichkeit bekannt wird (siehe dazu A. Gamper, Zeitschrift für Hochschulrecht 8:2-10, 2009). Hier sollte man auf jeden Fall mit der Betreuerin bzw. dem Betreuer Rücksprache halten.
"Zufällige" Text- oder Bildplagiate gibt es nicht. Ohne zumindest grobe Fahrlässigkeit ist die zufällige Entstehung eines Plagiates auszuschließen.
Der Code of Conduct verlangt von wissenschaftlich tätigen Personen ein sehr hohes, überdurchschnittliches Maß an Sorgfalt. Wer schlampig arbeitet, z.B. die Nennung von Mitautoren verabsäumt, "veraltete Textteile" in der neuen Publikation übersieht, oder vergisst eine Passage "umzuschreiben", der hat in der Wissenschaft nichts verloren.
Etwas komplizierter ist es mit Ideen - Vor ähnliche Probleme gestellt kommen Wissenschafterinnen und Wissenschafter natürlich auf ähnliche oder identische Lösungen. Das sollte durch gründliche Literaturrecherche in den meisten Fällen auffallen, spätestens während des Peer-Reviews. Das aus zufällig gleichen Ideen ein ernstzunehmender Plagiatsvorwurf konstruiert werden könnte ist praktisch auszuschließen, da selbst bei identischen Ideen das daraus resultierende Paper sich in Aufbau, Argumentation und Stil unterscheiden wird.
Anmaßung von fremden Leistungen läuft eindeutig dem Code of Conduct zuwider. Nun entstehen Diplomarbeiten natürlich unter Anleitung. D.h. die Leistungen sind geteilt zwischen der Diplomandin / dem Diplomanden und der Betreuerin / dem Betreuer. Das macht die Sache ein wenig komplizierter:
Entsteht aufgrund einer Diplomarbeit ein Paper, ist die Diplomandin / der Diplomand als Mitautor zu nennen. Keine Ausnahmen, vgl. Code of Conduct §7. Werden Teile der Diplomarbeit in einem die Materie streifenden Paper verwendet, insbesondere Abbildungen, so ist statt der Mitautorenschaft auch ein Zitat der Diplomarbeit möglich.
Sollen Teile einer Diplomarbeit in die eigene Dissertation einfließen, so ist folgende Vorgangsweise möglich:
Fußnote oder Hinweis am Anfang des betreffenden Kapitels. Z.B.: "Die technische Umsetzung des folgenden Kapitels wurde unter Anleitung der Autorin / des Autors von XY im Rahmen ihrer / seiner Diplomarbeit durchgeführt".
Unabhängig davon sind wörtlich übernommene Passagen und Abbildungen dennoch korrekt zu zitieren.
Im Urheberrecht gibt es zwar leicht abweichende Regelungen für Lichtbilder (z.B. Fotos), diese sind im Zusammenhang mit wissenschaftlichen Arbeiten aber von untergeordneter Relevanz. Bildliche Darstellungen in Werken wissenschaftlicher Art zählen laut §3 Urheberrechtsgesetz nämlich wie alle wissenschaftlichen Text zu den Werken der Literatur. Es gelten daher für Abbildungen die selben Regeln wie für Texte.
Abbildungen transportieren in kompakter Form sehr viel Information. Im Extremfall kann die Arbeit von Jahren in einer Abbildung kumulieren. Eine fremde Abbildung mit Quellenangabe ist also das Äquivalent eines extrem langen wörtlichen Zitats.
Im Rahmen eines wissenschaftlichen Zitats dürfen fremde Werkteile in einem durch den Zweck gerechtfertigten Umfang wiedergegeben werden. Die eigene Arbeit durch fremde Abbildungen auflockern ist offenkundlich kein adäquater Zweck. Wenn der Zweck aber z.B. die inhaltliche Kritik an einer fremden Abbildung ist, so kann das durchaus einen gerechtfertigten Umfang darstellen und durch das Urheberrecht gedeckt sein, vgl. US-Amerikanisches "fair use".
Abzeichnen von Abbildungen:
Ohne Quellenangabe sind abgezeichnete Abbildungen aufgrund des Code of Conduct §2 in jeden Fall als Plagiat zu werten. Mit Quellenangabe kommen wir in den Graubereich: Das Urheberrecht schützt das Werk und nicht die Idee. Es läuft auf die Frage hinaus, ob es sich bei der Abbildung um eine neue Abbildung oder um eine Vervielfältigung der ursprünglichen Abbildung handelt. Ersteres kann nur der Fall sein, wenn in der neuen Abbildung ein eigener Schöpfungsanteil steckt (neu zeichnen allein reicht nicht).
Im Zweifel ist eine abgezeichnete Abbildung also eine Vervielfältigung der ursprünglichen Abbildung. Es gilt die selbe Regel wie für direkt kopierte Abbildungen: Unter Umständen zulässig, so lange es in einem durch den Zweck gerechtfertigten Umfang geschieht.
De facto unproblematisch sind Abbildungen, die in der selben oder ähnlichen Form bereits in vielen unterschiedlichen Quellen zu finden sind: Keine der Quellen wird plausibel machen können einer beliebigen weiteren Kopie als Vorlage gedient zu haben und daraus Schaden erlitten zu haben.
Mehrere Fakultäten der TU setzen Software zur Plagiatsprüfung verpflichtend für alle Bachelor-, Masterarbeiten und Dissertationen ein. Die Programme basieren im wesentlichen auf dem fehlertoleranten Vergleich von Zeichenketten mit wissenschaftlichen Datenbanken, markieren betroffene Textteile in der untersuchten Arbeit und verlinken mit den betreffenden Textteilen in der gefundenen Literatur. Bei einer typischen Arbeit gibt es 5-10% gefundene Übereinstimmungen, insbesondere z.B. das Literaturverzeichnis (Titel der zitierten Arbeiten) sowie allfällige wörtliche Zitate. Auch kleinere Wortgruppen mit zufälligen Übereinstimmungen werden in der Regel gefunden, das betrifft insbesondere sogenannte Füllsätze.
Die Interpretation des Ergebnisses obliegt der Person die die Plagiatsprüfung durchführt. Korrekte Arbeiten sind dabei eindeutig zu unterscheiden von Texten mit schlampiger Zitierweise und Texten die hauptsächlich plagiiert sind.
Plagiat und Strafrecht ist umstritten und an anderer Stelle ausführlich behandelt. Z.B.: Die Presse 26.6.2007: Zwischen Zitat und Plagiat, Parlamentarische Anfrage und Antwort von BM Beatrix Karl, 2011.
Zivilrechtlich ist jedenfalls möglich: Schadensersatz wegen Verletzung von Verwertungsrechten, Rückforderung von Förderungen aufgrund diverser Vertragsverletzungen.
Arbeitsrechtlich relevant sind Verletzungen des Code of Conduct für Angestellte der TU Wien.
Die Universität kann unrechtmäßig erworbene Titel aberkennen.
Fachspezifische Interessengemeinschaften wie z.B. der IEEE pflegen Sperrlisten für des Plagiierens überführte Personen. Diesen ist für mehrere Jahre oder auf Lebenszeit das Publizieren in allen Publikationen der jeweiligen Organisation verwehrt.
Seit kurzem gibt es einen Leitfaden zum Umgang mit Plagiaten in studentischen Arbeiten an der Technischen Universität Wien. Du findest ihn hier.
Ein guter Text zu diesem Thema ist Guidelines for a Victim: Dealing with Plagiarism (Association for Information Systems).
Text zum Thema von Thomas Hainzel, basierend auf einem Vortrag von Dr. Michael Tesar, E-Learning Zentrum der TU: "Wer abschreibt, ..." - Über den Umgang mit studentischen Plagiaten in der universitären Lehre (PDF).
Teaching Support der TU Wien
Auch bei diesem Thema kann der Leitfaden zum Umgang mit Plagiaten in studentischen Arbeiten an der Technischen Universität Wien hilfreich sein. Du findest ihn hier.