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Timestamp: 2020-07-07 18:14:04
Document Index: 139660691

Matched Legal Cases: ['§ 836', '§ 836', 'BGH', '§ 823', '§ 823', 'BGH', '§ 823', '§ 1', '§ 2']

AG Brandenburg, Urteil vom 23. August 2012, 34 C 127/11 - Gaius AG Brandenburg, Urteil vom 23. August 2012, 34 C 127/11 - Gaius
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AG Brandenburg, Urteil vom 23. August 2012, 34 C 127/11
34 C 127/11
Dieses Urteil ist vorläufig vollstreckbar. Der Kläger kann die Vollstreckbarkeit im Kostenpunkt durch Sicherheitsleistung in Höhe von 600,00 Euro abwenden, wenn nicht die Beklagte zuvor bereits Sicherheit in gleicher Höhe geleistet hat.
Der Kläger fordert von der beklagten Kirchengemeinde als Eigentümerin des Kirchengebäudes … – gelegen … in … – die Zahlung von Schadenersatz wegen seines unstreitig beschädigten Pkws vom Typ Opel Corsa mit dem amtlichen Kennzeichen: …, welcher ebenso unstreitig durch eine Dachlawine aus Schnee und Eis beschädigt wurde, nebst Verzugszinsen und einer Unkostenpauschale.
Der Kläger behauptet, dass er am 17.01.2010 gegen 18:30 Uhr die Kirchgasse in 14776 Brandenburg an der Havel – vorbei an dem Kirchengebäude … – befahren habe. Zu diesem Zeitpunkt habe sich dann aber in ca. 20 Metern Höhe Schnee und Eis vom Dach der Kirche gelöst und sei auf sein Fahrzeug gestürzt. Der Aufprall dieser Dachlawine sei mit so großer Wucht erfolgt, dass die Frontscheibe seines Pkws sofort auf einem Durchmesser von ca. 40 Zentimetern gerissen sei. Zudem seien auch das Dach und die Motorhaube seines Pkws hierdurch beschädigt worden.
die Beklagte zu verurteilen, an ihn 1.025,00 Euro nebst Zinsen hieraus in Höhe von 5 Prozentpunkten über dem jeweiligen Basiszinssatz seit dem 17.08.2010 zu zahlen
die Beklagte zu verurteilen, ihm alle weiteren Schäden zu ersetzen, die ihm aus dem Dachlawinenereignis vom 17.01.2010 gegen 18:30 Uhr in der Kirchgasse in 14776 Brandenburg an der Havel noch entstehen werden
festzustellen, dass die Beklagte verpflichtet ist, ihm die vorgerichtlichen nicht anrechenbare Anwaltskosten in Höhe von 229,55 Euro sowie Kosten für die Einholung der Deckungszusage in Höhe von 182,07 Euro bei Fälligkeit zu zahlen.
Das Gericht hat den Kläger im Termin vom 26.06.2012 persönlich angehört und nach Maßgabe des Beweisbeschlusses vom 26.06.2012 Beweis erhoben. Hinsichtlich der uneidlich gebliebenen Aussagen der Zeugin S… K. wird auf die Feststellungen in der Sitzungsniederschrift vom 26.06.2012 (Blatt 158 bis 162 der Akte) verwiesen.
Zwar hat der Kläger hier nach Überzeugung des Gerichts aufgrund der durchgeführten Beweisaufnahme – insbesondere der Vernehmung der Zeugin S… K. – den Nachweis dafür erbracht, dass sich am 17.01.2010 gegen 18:30 Uhr vom Dach des ca. 20 Meter hohen Kirchengebäudes … Schnee und Eis gelöst hatten und dann auf seinen vorbeifahrenden Pkw stürzten, wodurch sein Fahrzeug – entsprechend dem Schadensgutachten der DEKRA vom 24.01.2011 und der Rechnung der Firma CARGLASS vom 18.01.2010 – beschädigt wurde, so dass ihm entsprechend dem Schadensgutachten und der Berechnung des Kaskoversicherers hinsichtlich der Schadensmehrbelastung durch die Rückstufung im Schadensfall hier auch tatsächlich ein Schaden entstanden ist.
Eis- und Schneebrocken bzw. Dachlawinen sind nicht Bestandteil eines Gebäudes im Sinne des § 836 BGB (Reichsgericht, bei Soergel Rspr. 1913, Nr. 8 zu § 836 BGB;Reichsgericht, DR 1942, Seite 1759; BGH, Urteil vom 08.12.1954, VI ZR 289/53, u. a. in: NJW 1955, Seiten 300 f. = VersR 1955, Seite 82 = BB 1955, Seiten 49 f. = DB 1955, Seite 46 = VRS Band 8, Seite 99 = LM Nr. 4 zu § 823 BGB; OLG Jena, Urteil vom 20.12.2006, Az.: 4 U 865/05, u. a. in: OLG-Report 2007, Seiten 173 f.; OLG Düsseldorf, VersR 1961, Seite 911; OLG Hamm, NJW-RR 1987, Seite 412; OLG Stuttgart, MDR 1983, Seite 316; OLG München, VersR 1972, Seite 1176; OLG Karlsruhe, Justiz 1972, Seite 355; OLG München, HRR 1941, Nr. 481; LG Köln, Beschluss vom 29.03.2012, Az.: 13 S 4/12; LG Berlin, Urteil vom 23.02.1966, Az.: 54 S 5/66, u. a. in: VersR 1967, Seite 69; LG Kempten, VersR 1963, Seite 1088; LG Traunstein, VersR 1963, Seite 1088; LG Augsburg, VersR 1952, Seite 183; Gaisbauer, VersR 1971, Seiten 199 ff.; Birk, NJW 1983, Seiten 2911 ff.; Beuermann, Grundeigentum 2010, Seite 146; Strauch, NZM 2012, Seiten 524 ff.).
Bestehen im Einzelfall jedoch besondere Bestimmungen über die Sicherungsmaßnahmen (z. B. in Bauvorschriften), so handelt es sich bei ihnen in der Regel um Schutzgesetze im Sinne des § 823 Abs. 2 BGB, so dass Schadenersatzforderungen in solchen Fällen auch unter diesem Gesichtspunkt erhoben werden können (Birk, NJW 1983, Seiten 2911 ff.; Gaisbauer, VersR 1971, Seiten 199 ff.; Gaisbauer, DWW 1967, Seite 345).
Diese allgemeine Verkehrssicherungspflicht gilt auch, wenn die Gefahr besteht, dass die Benutzer einer öffentlichen Straße oder eines öffentlichen Weges durch Dachlawinen von einem unmittelbar an der Straße stehenden Gebäudes – wie hier der …kirche – geschädigt werden, da diese Rechtsgrundsätze auch für Kirchengebäude gelten (vgl. OLG Karlsruhe, NJW-RR 1986, Seite 1404 = Justiz 1987, Seite 21 = VersR 1987, Seite 107; LG Memmingen, NJW-RR 1989, Seiten 986 f.; LG Kempten, Urteil vom 10.04.1968, Az.: S 211/66, u. a. in: VersR 1969, Seiten 743 f.).
Als solch „besondere Umstände” wurden von den Gerichten u. a. angesehen: allgemeine Schneelage des Ortes, allgemeine Beschaffenheit des Gebäudes, allgemein ortsübliche Sicherheitsvorkehrungen, allgemeine örtliche Verkehrsverhältnisse, die konkreten Schneeverhältnisse, die konkrete Witterungslage, die konkreten Informationen der Beteiligten und die konkrete Verkehrseröffnung (BGH, Urteil vom 08.12.1954, VI ZR 289/53, u. a. in: NJW 1955, Seiten 300 f. = VersR 1955, Seite 82 = BB 1955, Seiten 49 f. = DB 1955, Seite 46 = VRS Band 8, Seite 99 = LM Nr. 4 zu § 823 BGB; OLG Jena, Beschluss vom 28.03.2012, Az.: 4 U 966/11; OLG Düsseldorf, Urteil vom 17.02.2012, u. a. in: NJW-RR 2012, Seiten 780 ff.; OLG Brandenburg, Urteil vom 23.08.2011, Az.: 2 U 55/10, u. a. in: NJW-RR 2012, Seiten 96 f.; OLG Naumburg, NJW-RR 2011, Seiten 1535 f.; OLG Saarbrücken, VersR 1985, Seite 299; OLG Karlsruhe, NJW 1983, Seite 2946; OLG Stuttgart, MDR 1983, Seite 316; OLG Karlsruhe, Urteil vom 24.07.1980, Az.: 9 U 291/78; OLG Stuttgart, VersR 1973, Seiten 324 f.; OLG Stuttgart, VersR 1973, Seite 356; OLG München, VersR 1965, Seite 908; OLG Düsseldorf, VersR 1961, Seite 911; OLG Köln, VersR 1958, Seite 114; OLG Karlsruhe, VersR 1956, Seite 542; LG Bückeburg, Urteil vom 07.12.2011, Az.: 1 S 49/11; LG Konstanz, Urteil vom 29.05.1981, Az.: 6 O 323/80; LG Koblenz, VersR 1974, Seite 814; LG Kempten, VersR 1963, Seite 1088; AG Halle/Saale, Urteil vom 21.07.2011, Az.: 93 C 4596/10, u. a. in: „juris“; AG Wangen, VersR 1979, Seite 923). Es sind insbesondere somit die konkreten örtlichen Verhältnisse, die besonderen Witterungsumstände, die Lebhaftigkeit des örtlichen Verkehrs zu oder vor dem Gebäude, die Bauart des betreffenden Gebäudes/Daches und die zumutbare Absicherung durch den Gebäudeeigentümer zu berücksichtigen (Birk, NJW 1983, Seiten 2911 ff.; Gaisbauer, VersR 1971, Seiten 199 ff.).
– Berlin (LG Berlin, Beschluss vom 29.03.2011, Az.: 49 S 178/10, u. a. in: SVR 2012, Seite 141) und vor allem auch
– das Land Brandenburg (OLG Brandenburg, Urteil vom 23.08.2011, Az.: 2 U 55/10, u. a.
in: NJW-RR 2012, Seiten 96 f.; LG Potsdam, Beschluss vom 06.02.2012, Az.: 7 S 118/11;AG Brandenburg an der Havel, Urteil vom 21.10.2011, Az.: 32 C 47/11), da das Land Brandenburg im Bundesvergleich als eher schneearmes Gebiet einzuschätzen ist und in durchschnittlichen Wintern somit gerade nicht regelmäßig mit Dachlawinen oder Eiszapfen hier zu rechnen ist (OLG Brandenburg, Urteil vom 23.08.2011, Az.: 2 U 55/10, u. a. in: NJW-RR 2012, Seiten 96 f.).
Etwas anderes folgt auch nicht allein aus dem von der Klägerseite behaupteten Umstand, dass das Dach der …-Kirche eine Neigung von etwa 45 Grad bis 50 Grad aufweisen soll. Wann die Steilstellung des Daches als besonderer Umstand zu berücksichtigen ist, ist in der Rechtsprechung und Literatur teilweise sehr umstritten (LG Karlsruhe, Urteil vom 22.01.1999; Az.: 9 S 440/98, u. a. in: BWGZ 1999, Seite 682). Dabei kann allerdings nicht davon ausgegangen werden, dass bei einer Neigung unter 45 Grad nach dem Parallelogramm der Kräfte die Kraft, die den Schnee dachabwärts treiben will, geringer ist als die, welche ihn lotrecht gegen das Dach drückt. Ein Ball rollt auch über ein 20-Grad-Dach ab; es kommt allein auf die Gesamtumstände an (z. B. die Stabilität des Schnees auf dem Dach in dessen Verbindung), die sich sehr schnell ändern können (z. B. infolge von Temperaturschwankungen) und jeglichen Halt des Schnees entziehen können. Insofern wird in der herrschenden Rechtsprechung aber wohl doch davon ausgegangen, dass eine Dachneigung bis 45 Grad in aller Regel noch kein Umstand ist, der allein schon zu Vorsorgemaßnahmen – wie z. B. der Anbringung eines Gitters – Anlass gibt (OLG Düsseldorf, NJW-RR 2012, Seiten 780 ff.; OLG Zweibrücken, OLG-Report 2000, Seiten 7 f.; OLG Karlsruhe, Justiz 1972, Seite 355; LG Berlin, SVR 2012, Seite 141;LG Karlsruhe, Urteil vom 22.01.1999; Az.: 9 S 440/98, u. a. in: BWGZ 1999, Seite 682; LG Baden-Baden, Urteil vom 28.05.1982, Az.: 2 O 90/82; LG Gießen, VersR 1966, Seite 198; LG Konstanz, VersR 1965, Seite 1013; AG Mosbach, Urteil vom 14.12.1981, Az.: C 516/81; AG Stockach, Urteil vom 11.10.1977, Az.: C 85/77).
Andererseits ist aber auch bei einer Dachneigung von 50 Grad und mehr oder einer ungewöhnlichen Dachkonstruktion nicht immer eine Entschädigung zuzubilligen. Wenn nämlich Schneefanggitter für das Dach eines Gebäudes baurechtlich nicht vorgeschrieben und im Hinblick auf die Schneearmut der Region auch nicht ortsüblich sind, stellen auch die durch eine starke Dachneigung von bis zu 53 Grad und das Hineinragen der Dachtraufen in den öffentlichen Verkehrsraum noch keine besonderen baulichen Verhältnisse des Gebäudes dar, die den Gebäudeeigentümer verpflichten würden, ein Schneefanggitter zum Schutz vor Dachlawinen zu installieren (OLG Zweibrücken, Urteil vom 09.07.1999, Az.: 1 U 181/98, u. a. in: OLG-Report 2000, Seiten 7 f.). Nur der Umstand, dass ein Dach eine Neigung von ca. 50 Grad aufweißt, reicht somit für sich allein in der Regel noch nicht aus (OLG Düsseldorf, NJW-RR 2012, Seiten 780 ff.; LG Baden-Baden, Urteil vom 28.05.1982, Az.: 2 O 90/82; AG Stockach, Urteil vom 11.10.1977, Az.: C 85/77), d. h. wenn keine weiteren besonderen Umstände sichtbar waren.
Sind allerdings Schneefanggitter – so wie hier – nicht vorgeschrieben, so kann der Gebäudebesitzer ggf. verpflichtet sein, die Verkehrsteilnehmer vor der drohenden Gefahr des Abrutschens von Schnee von seinem Gebäude zu warnen (z. B. kann dies geschehen durch das Anbringen von Hinweisschildern; LG Augsburg, DAR 1965, Seite 96; Gaisbauer, VersR 1971, Seiten 199 ff.). Eine Pflicht zur Warnung vor Dachlawinen ist aber immer erst dann gegeben, wenn der Gebäudeeigentümer Anhaltspunkte für eine Gefahrenlage haben kann. Hierfür trägt jedoch der Geschädigte die Beweislast (OLG Zweibrücken, OLG-Report 2000, Seiten 7 f.).
Einem Gebäudeeigentümer kann insoweit also grundsätzlich im Land Brandenburg – und insbesondere in der Stadt Brandenburg an der Havel – in der Regel nicht der Vorwurf gemacht werden, auf die Gefahr von Dachlawinen nicht (ausreichend) hingewiesen zu haben, es sei denn, es liegen besondere Umstände vor, die ihm bei zumutbarer Beobachtung der Verhältnisse anzeigen, dass mit einem Niedergehen von Schneemassen an der Dachschräge alsbald zu rechnen ist (OLG Düsseldorf, OLG-Report 1993, Seite 119; OLG Karlsruhe, NJW 1983, Seite 2946; LG Karlsruhe, MDR 1998, Seiten 161 f. = NZM 1998, Seiten 154 f.). Eine Warnpflicht in schneearmen Gebieten besteht nämlich nur dort, wo eine konkrete Gefahrenquelle vorliegt, mit welcher der Verkehrsteilnehmer nach den konkret gegebenen Umständen nicht zu rechnen braucht (LG Berlin, VersR 1967, Seite 69). Notwendig ist also eine über das Maß des zu Erwartenden hinausgehende Gefahrenlage (OLG Düsseldorf, VersR 1953, Seite 70; LG Berlin, VersR 1967, Seite 69), z. B. wenn die Schneemassen auf dem Dach erheblich sind und zudem auch mit einem baldigen Abrutschen in stärkerem Maße gerechnet werden muss und deshalb eine über den gewöhnlichen Umfang hinausgehende Verkehrsgefährdung konkret zu besorgen ist (OLG München, VersR 1965, Seite 1037; Gaisbauer, VersR 1971, Seiten 199 ff.). Allein dass es zuvor heftig geschneit hatte und unmittelbar vor dem Schadenszeitpunkt Tauwetter einsetzte, zeigt aber noch keine im Winter ganz ungewöhnlichen Umstände auf. Hieraus lässt sich zwar eine generell-abstrakte Dauergefahr, nicht aber eine konkret drohende, den üblichen Rahmen verlassende außergewöhnliche Gefahrlage begründen (LG Köln, Beschluss vom 29.03.2012, Az.: 13 S 4/12; AG Halle/Saale, Urteil vom 21.07.2011, Az.: 93 C 4596/10, u. a. in: „juris“). Für das Vorliegen einer solchen besonderen Gefahrenlage trifft im Übrigen den geschädigten Kläger hier die Beweislast (LG Karlsruhe, MDR 1998, Seiten 161 f. = NZM 1998, Seiten 154 f.).
Hat der Gebäudebesitzer erkannt oder hätte er erkennen müssen, dass aus dem auf dem Dach liegenden Schnee eine konkrete baldige Gefahr für dritte Personen droht (z. B. wenn bereits am Tage vor dem Unfall eine Schneelawine von dem Gebäude herabgestürzt ist, oder der Gebäudeeigentümer aus anderen Umständen mit dem Herabstürzen einer solchen Schneelawine von seinem Dach ganz konkret rechnen musste), so kann man zwar von dem Gebäudeeigentümer in der Regel nicht verlangen, dass er den auf dem (hier zudem ca. 20 m hohen) Dache liegenden Schnee beseitigt, wohl aber, dass er wenigstens dritte Personen auf die bestehende Gefahr aufmerksam macht (OLG Karlsruhe, VersR 1956, Seite 542; LG Aschaffenburg, Urteil vom 27.01.1980, Az.: S 179/80; LG Augsburg, VersR 1952, Seite 183). Das bloße Vorhandensein aufgestauten, aber nicht wesentlich überhängenden Schnees oberhalb der Dachrinne gibt aber insofern noch keine Veranlassung der Gefahrabwendung, da ein Gebäudeeigentümer davon ausgehen darf, dass der Schnee allmählich schmilzt und abfließt und nicht etwa in so großer Menge auf einmal herabstürzen wird, dass dadurch der Straßenverkehr ernsthaft geschädigt werden könnte (OLG Düsseldorf, VersR 1961, Seite 911; LG Köln, Beschluss vom 29.03.2012, Az.: 13 S 4/12). Insofern hat die Klägerseite hier aber dafür, dass die beklagte Kirchengemeinde erkannt oder hätte erkennen müssen, dass aus dem auf dem Dach liegenden Schnee eine konkrete baldige Gefahr für andere droht, weder etwas vorgetragen noch den geringsten Beweis hierfür erbracht.
Eine Pflicht, den Schnee vom Dach des Gebäudes zu beseitigen, könnte den Gebäudeeigentümer somit grundsätzlich nur dann treffen, wenn bereits längere Zeit zuvor ein Abrutschen des Schnees vom Dach aufgrund besonderer Umstände (z. B. allmähliches Abrutschen u. ä.) zu erwarten war (OLG Düsseldorf, VersR 1961, Seite 911; LG Hamburg, ZMR 1968, Seite 115), wobei den Gebäudeeigentümer aber selbst in diesem Falle ein Verschulden nur dann treffen würde, wenn er dies auch hätte voraussehen können (OLG Düsseldorf, VersR 1961, Seite 911; LG Hamburg, ZMR 1968, Seite 115).
Auch würde es eine Überspannung der an den Gebäudebesitzer zu stellenden Sorgfaltsanforderungen bedeuten, dass er schon früher mit einem Witterungsumschlag rechnen, die daraus entstehende besondere Gefahr erkennen und deshalb das Dach räumen oder Warntafeln aufstellen lassen müsse; denn mit Witterungsumschlägen (z. B. eine durch Einbruch von Föhn verursachte Schneeschmelze) ist bekanntlich stets zu rechnen. Wollte man – wie hier wohl die Klägerseite – die allgemeine Möglichkeit des überraschenden Eintrittes von Tauwetter genügen lassen, um den Gebäudeeigentümer zu besonderen Maßnahmen zur Vermeidung von Dachlawinengefahr für verpflichtet zu halten, so wäre damit der oben erwähnte Grundsatz, dass nur das Vorliegen einer akuten und konkreten Gefahr zu besonderen Maßnahmen Anlass geben könnte, aber durchbrochen, und es würde schon die Gefahr einer akuten Gefahr für ausreichend erklärt werden (OLG München, VersR 1967, Seite 88; Gaisbauer, VersR 1971, Seiten 199 ff.).
Selbst wenn eine entsprechende Gefahrenlage mit der Verpflichtung zur Abwendung einer solchen Gefahr hier angenommen werden würde, hätte die diesbezügliche Pflicht zur Gefahrenabwehr jedoch nicht der Beklagten oblegen, sondern vielmehr der Stadt Brandenburg an der Havel. Diese ist nämlich gemäß § 1 Abs. 1 i. V. m. § 2 Abs. 1 Ziff. 1 BbgBKG (Brand- und Katastrophenschutzgesetz) verpflichtet, in Gefahrensituationen in ihrem Stadtgebiet die erforderlichen Maßnahmen zu deren Beseitigung zu ergreifen.
Die Verpflichtung zur Entfernung von Schnee und Eisüberständen auf Dächern steht darüber hinaus unter der von der Rechtsprechung im Rahmen der Verkehrssicherungspflicht allgemein gemachten Einschränkung, dass geeignete Maßnahmen möglich und zumutbar sein müssen (OLG Brandenburg, Urteil vom 23.08.2011, Az.: 2 U 55/10; OLG Celle, Urteil vom 28.10.1987, Az.: 9 U 227/86). Daher sind – wie bereits dargelegt – die Umstände des Einzelfalles entscheidend. So gelten dann aber für Eigentümer von Einfamilienhäusern – für die eine Entfernung von Schneelasten oder Eiszapfen gegebenenfalls vom Erdboden unter Zuhilfenahme eines Stockes oder einer Leiter möglich ist – andere Maßstäbe, als für die Eigentümer mehrstöckiger, unter Umständen sehr hoher Miets- und Geschäftshäuser. Die …-Kirche verfügt über große und hoch gelegene Dachflächen, die teilweise an den Verkehrsraum grenzen. Insbesondere an der Teildachfläche, von der hier die Schneelawine abging, welche dann den klägerischen Pkw beschädigte, liegt die Dachkante in einer Höhe von ca. 20 Metern. Unter diesen Umständen aber war es den Mitgliedern der beklagten Kirchengemeinde hier auch nicht möglich ohne besondere Maßnahmen die von dem Schnee auf der Dachfläche ausgehenden Gefahren zu beseitigen.