Source: https://www.hensche.de/Arbeitsrecht_Urteile_Befristung_mit_wissenschaftlichen_Mitarbeitern_Arbeitsgericht_Hamburg_27Ca307-13.html
Timestamp: 2020-02-28 21:45:19
Document Index: 246602222

Matched Legal Cases: ['§ 30', '§ 27', '§ 2', '§ 1', '§ 11', '§ 17', '§ 1', '§ 1', '§ 2', 'Art. 12', 'Art. 12', '§ 1', '§ 1', '§ 1', '§ 1', '§ 1', '§ 1', '§ 1', 'Art. 5', 'Art. 12', '§ 1', '§ 1', '§ 57', '§ 1', '§ 1', '§ 1', '§ 11', '§ 11', '§ 11', '§ 11', '§ 61', '§ 3', '§ 42', '§ 64', '§ 64', '§ 64']

ArbG Hamburg, Urteil vom 26.02.2014, 27 Ca 307/13 - HENSCHE Arbeitsrecht
ArbG Ham­burg, Ur­teil vom 26.02.2014, 27 Ca 307/13
Schlagworte: Befristung, Wissenschaft
Aktenzeichen: 27 Ca 307/13
auf die münd­li­che Ver­hand­lung vom 5. Fe­bru­ar 2014
durch den Rich­ter Dr. Ley­de­cker als Vor­sit­zen­den
eh­ren­amt­li­cher Rich­ter Herr .....
eh­ren­amt­li­che Rich­tern Frau .....
1. Es wird fest­ge­stellt, dass das Ar­beits­verhält­nis zwi­schen den Par­tei­en nicht auf­grund der am 07.10.2010 ver­ein­bar­ten Be­fris­tung am 30.09.2014 be­en­det wird.
Herr W. K. wird ab 16.10.2010 gemäß § 30 TV-L in Ver­bin­dung mit dem Wis­sen­schafts­zeit­ver­trags­ge­setz vom 12.04.2007 (Wiss­Zeit­VG) als wis­sen­schaft­li­cher Mit­ar­bei­ter mit ¾ der durch­schnitt­li­chen re­gelmäßigen wöchent­li­chen Ar­beits­zeit ei­nes Voll­beschäftig­ten gemäß §§ 27, 28 Abs. 3 Hmb­HG ein­ge­stellt.
Das Ar­beits­verhält­nis ist auf der Ba­sis von § 2 Abs. 1 Wiss­Zeit­VG be­fris­tet bis 30.09.2014.
Der Kläger trägt vor, dass die Be­fris­tung des Ar­beits­verhält­nis­ses un­wirk­sam sei. Es feh­le an ei­nem Sach­grund für die Be­fris­tung im Sin­ne des Tz­B­fG. Auf die Be­fris­tung nach dem Wiss­Zeit­VG könne sich die Be­klag­te nicht be­ru­fen, da der Kläger kein wis­sen­schaft­li­cher Mit­ar­bei­ter im Sin­ne des Ge­set­zes sei. Fremd­spra­chen­lek­to­ren, zu de­nen der Kläger gehöre,
sei­en nicht dem wis­sen­schaft­li­chen Per­so­nal zu­zu­rech­nen. Maßgeb­lich sei da­bei die Durchführung des Ver­trags. Der Kläger müsse zwölf Lehr­stun­den pro Wo­che un­ter­rich­ten, und zwar die Kur­se Thai I, II und III. Je­de Un­ter­richts­stun­de sei von ihm mit 90 Mi­nu­ten vor­zu­be­rei­ten. Zwar ha­be er ein Skript für den Un­ter­richt er­stellt. Hier­bei ha­be es sich je­doch nicht um ei­ne wis­sen­schaft­li­che Tätig­keit ge­han­delt. Viel­mehr ha­be der Kläger ein Skript als fort­lau­fen­de Samm­lung von Un­ter­richts-Hand-Outs nach ent­spre­chen­der Wei­sung von Herrn Prof. G. er­stellt. Er ha­be da­bei le­dig­lich Übun­gen aus Büchern für die thailändi­sche Spra­che ko­piert und aus ca. 40 ver­schie­de­nen Büchern - pädago­gi­sche Wer­ke für die Fremd­spra­chen­di­dak­tik oder spe­zi­el­le Lehrbücher für Thai - Gram­ma­tik­mus­ter - Bei­spielsätze und Auf­ga­ben ent­nom­men. Zwar ha­be er da­bei die Quel­len an­ge­ge­ben, je­doch an­sons­ten kei­ne Zi­tie­run­gen vor­ge­nom­men. Dem­ent­spre­chend ha­be es sich nicht um ein wis­sen­schaft­li­ches Werk ge­han­delt. Das Skript sei von Herrn Prof. G. so­wie ei­ner As­sis­tenz­pro­fes­so­rin, Frau Dr. B., kor­ri­giert wor­den. Zu Be­ginn des Se­mes­ters sei das Skript an die Stu­den­ten aus­ge­teilt wor­den. In­so­fern sei der Kläger in sei­ner Un­ter­richtstätig­keit nicht frei ge­we­sen.
Im Übri­gen ver­blei­be ihm kei­ne Zeit für ei­ge­ne For­schung oder Re­fle­xi­on. Zusätz­lich zum Un­ter­richt be­rei­te er die Haus­auf­ga­ben und die wöchent­li­chen Leis­tungs­tests vor und kor­ri­gie­re die­se, wofür er drei St­un­den pro Wo­che benöti­ge. Die Be­ra­tung und Be­ant­wor­tung von Nach­fra­gen der Stu­den­ten neh­me zwei St­un­den pro Wo­che in An­spruch. Für die Raum­be­schaf­fung, Raum­vor­be­rei­tung, Aus­dru­cke von Büchern, Un­terstützung ausländi­scher Stu­den­ten bei Behördengängen etc. fie­len vier St­un­den pro Wo­che an. Hin­zu kämen wöchent­li­che Be­spre­chun­gen mit Herrn Prof. G. und Film­aben­de so­wie ei­ne As­sis­tenztätig­keit für Herrn Prof. G., so­dass der Kläger in den 24 Wo­chen der Vor­le­sungs­zeit 52 St­un­den pro Wo­che tätig sei. Es ver­blei­be kei­ne Ge­le­gen­heit zur selbständi­gen wis­sen­schaft­li­chen Tätig­keit in­ner­halb der re­gelmäßigen Ar­beits­zeit.
Die Be­klag­te trägt vor, dass die Be­fris­tung wirk­sam sei nach § 1 Wiss­Zeit­VG. Auf die vom Kläger an­ge­stell­te ex-post-Be­trach­tung kom­me es nicht an, so­dass die Be­trach­tung der Ar­beits­er­geb­nis­se nicht zulässig sei. Zweck des Wiss­Zeit­VG sei es, den Aus­tausch des wis­sen­schaft­li­chen Per­so­nals zu ermögli­chen und die In­no­va­ti­onsfähig­keit der Hoch­schu­le zu fördern. Auch ei­ne rei­ne Lehrtätig­keit könne da­bei ei­ne wis­sen­schaft­li­che Dienst­leis­tung sein. Der For­schungs­an­teil müsse da­bei nicht zu den Dienst­auf­ga­ben gehören. Ent­schei­dend sei, dass die Art der Wis­sens­ver­mitt­lung ei­nen Er­kennt­nis­ge­winn ermögli­che. Der Kläger sei frei in der Ge­stal­tung sei­nes Un­ter­richts. Er ha­be selbständig ein Cur­ri­cu­lum ent­wi­ckelt und ein Skript er­stellt, wo­bei er auf ei­ne große Men­ge an Fachbüchern zurück­ge­grif­fen ha­be. Das Skript ha­be der Kläger nicht „zu­sam­men­ko­piert“ oder die ein­zel­nen Tei­le ab­ge­schrie­ben. Herr Prof. G. ha­be da­bei le­dig­lich Vor­schläge un­ter­brei­tet, je­doch kei­ne Wei­sun­gen er­teilt, wel­cher As­pekt im Un­ter­richt wie viel Raum ein­neh­men soll­te. Die As­sis­tenz­pro­fes­so­rin sei hin­ge­gen über­haupt nicht wei­sungs­be­fugt ge­we­sen. So­weit ei­ne Kor­rek­tur, Kri­tik oder ein kri­ti­scher Dia­log über das Skript er­folgt sei, sei dies ty­pisch für wis­sen­schaft­li­ches Ar­bei­ten. Während der Vor­le­sungs­zeit und ins­be­son­de­re in der vor­le­sungs­frei­en Zeit ver­blei­be dem Kläger auch aus­rei­chend Zeit zur Re­fle­xi­on. Die vom Kläger auf­geführ­ten Zei­ten für die sons­ti­gen Tätig­kei­ten wie ins­be­son­de­re die Un­ter­richts­vor­be­rei­tung sei­en über­trie­ben. Außer­dem be­nen­ne der Kläger pri­va­te Ak­ti­vitäten wie die Un­terstützung bei Behördengängen oder Film­ver­an­stal­tun­gen, auf die es je­doch nicht an­kom­me. Was der Kläger mit der vor­le­sungs­frei­en Zeit an­ge­fan­gen ha­be, ha­be er im Übri­gen nicht vor­ge­tra­gen.
Dass der Kläger wei­sungs­frei sei­nen Un­ter­richt ha­be durchführen können, fol­ge aus § 11 Abs. 1 S. 1 Hmb­HG. Sch­ließlich er­lang­ten die Stu­den­ten, die den Un­ter­richt des Klägers be­such­ten, mit dem Ba­che­lor ei­nen wis­sen­schaft­li­chen Ab­schluss, wes­halb auch der Un­ter­richt des Klägers wis­sen­schaft­lich sein müsse.
2. Die Kla­ge wur­de in­ner­halb der Frist des § 17 KSchG er­ho­ben. Ei­ne Be­fris­tungs­kon­troll­kla­ge kann be­reits vor dem ver­ein­bar­ten En­de des Ar­beits­verhält­nis­ses er­ho­ben wer­den.
3. Die Kla­ge hat in der Sa­che Er­folg. Es fehlt an ei­nem Sach­grund für die Be­fris­tung. Auch gehört der Kläger nicht zum „wis­sen­schaft­li­chen Per­so­nal“ im Sin­ne von § 1 Abs. 1 S. 1 Wiss­Zeit­VG.
aa. Der be­trieb­li­che An­wen­dungs­be­reich des Wiss­Zeit­VG ist eröff­net. Bei dem Ar­beits­ver­trag vom 07.10.2010 (Bl. 3 f. d.A.) han­delt es sich um ei­nen Ver­trag mit ei­ner Ein­rich­tung des Bil­dungs­we­sens, die nach Lan­des­recht ei­ne staat­li­che Hoch­schu­le ist (vgl. § 1 Abs. 1 Nr. 1 Hmb­HG).
Im Ar­beits­ver­trag wur­de auch aus­drück­lich Be­zug ge­nom­men auf dass Wiss­Zeit­VG, so­dass das Zi­tier­ge­bot des § 2 Abs. 4 S. 1 Wiss­Zeit­VG be­ach­tet wur­de.
Auf der an­de­ren Sei­te be­ste­hen aber zu­guns­ten der Ar­beit­neh­mer, de­ren Ar­beits­verhält­nis­se oh­ne Sach­grund be­fris­tet wer­den können, Schutz­pflich­ten. Das In­ter­es­se des Ar­beit­neh­mers an der Er­hal­tung sei­nes Ar­beits­plat­zes ist durch Art. 12 Abs. 1 GG geschützt. Art. 12 Abs. 1 GG gewährt zwar kei­nen un­mit­tel­ba­ren Schutz ge­gen den Ver­lust des Ar­beits­plat­zes auf­grund pri­va­ter Dis­po­si­ti­on. In­so­fern ob­liegt dem Staat aber ei­ne aus dem Grund­recht fol­gen­de Schutz­pflicht (BVerfG v. 21.06.2006 - 1 BvR 1659/04 -, ju­ris Rn. 12).
Der Be­griff des „wis­sen­schaft­li­chen und künst­le­ri­schen Per­so­nals“ be­stimmt sich in­halt­lich-auf­ga­ben­be­zo­gen. An­knüpfungs­punkt ist die Art der zu er­brin­gen­den Dienst­leis­tung. Zum „wis­sen­schaft­li­chen Per­so­nal“ nach § 1 Abs. 1 Satz 1 Wiss­Zeit­VG gehört der­je­ni­ge Ar­beit­neh­mer, der wis­sen­schaft­li­che Dienst­leis­tun­gen er­bringt. Es kommt nicht auf die for­mel­le Be­zeich­nung des Ar­beit­neh­mers an, son­dern auf den wis­sen­schaft­li­chen Zu­schnitt der von ihm aus­zuführen­den Tätig­keit. Bei Mischtätig­kei­ten ist er­for­der­lich, dass die wis­sen­schaft­li­chen Dienst­leis­tun­gen zeit­lich über­wie­gen oder zu­min­dest das Ar­beits­verhält­nis prägen. Wis­sen­schaft­li­che Tätig­keit ist al­les, was nach In­halt und Form als ernst­haf­ter planmäßiger Ver­such zur Er­mitt­lung der Wahr­heit an­zu­se­hen ist (vgl. BVerfG v. 29.05.1973 - 1 BvR 424/71, 1 BvR 325/72 -, ju­ris Rn. 92). Sie ist nach Auf­ga­ben­stel­lung und an­zu­wen­den­der Ar­beits­me­tho­de dar­auf an­ge­legt, neue Er­kennt­nis­se zu ge­win­nen und zu ver­ar­bei­ten, um den Er­kennt­nis­stand der je­wei­li­gen wis­sen­schaft­li­chen Dis­zi­plin zu si­chern oder zu er­wei­tern (BAG v. 01.06.2011 - 7 AZR 827/09 -, ju­ris Rn. 35 m.w.N.). Zur wis­sen­schaft­li­chen Dienst­leis­tung kann auch die Ver­mitt­lung von Fach­wis­sen und prak­ti­schen Fer­tig­kei­ten an Stu­die­ren­de und de­ren Un­ter­wei­sung in der An­wen­dung wis­sen­schaft­li­cher Me­tho­den gehören. Leh­re ist die wis­sen­schaft­lich fun­dier­te Über­mitt­lung der durch For­schung ge­won­ne­nen Er­kennt­nis­se (BVerfG 29.05.1973 - 1 BvR 424/71 -, ju­ris Rn. 93). Wis­sen­schaft­li­che Betäti­gung i.S.d. Wiss­Zeit­VG ist nach der Recht­spre­chung des BAG ei­ne Lehrtätig­keit aber nur dann, wenn dem Leh­ren­den die Möglich­keit zur ei­genständi­gen For­schung und Re­fle­xi­on ver­bleibt; die wis­sen­schaft­li­che Lehrtätig­keit ist in­so­fern von ei­ner un­ter­rich­ten­den Lehrtätig­keit oh­ne Wis­sen­schafts­be­zug ab­zu­gren­zen (BAG v. 01.06.2011 - 7 AZR 827/09 -, ju­ris Rn. 35 m.w.N.; ähn­lich KR-Tre­ber, 10. Aufl. 2013, § 1 Wiss­Zeit­VG Rn. 43, nach dem die Leh­re auf der ei­ge­nen For­schung auf­bau­en muss).
Maßge­bend für die Be­ur­tei­lung der Fra­ge, ob ei­ne wis­sen­schaft­li­che Dienst­leis­tung vor­liegt, ist grundsätz­lich der Ar­beits­ver­trag, ggf. in Ver­bin­dung mit der ge­setz­li­chen Auf­ga­ben­be­schrei­bung (Preis, Wiss­Zeit­VG, 2008 § 1 Rn. 15). Auf die prak­ti­sche Durchführung des Ar­beits­verhält­nis­ses kommt es nur so­weit an, wie hier­aus Rück­schlüsse auf die wah­re Na­tur der von den Ar­beits­ver­trags­par­tei­en ge­trof­fe­nen Ver­ein­ba­rung ge­zo­gen wer­den können (vgl. BAG v. 14.12.1994 - 7 AZR 342/94 -, ju­ris Rn. 29). Wird der Ar­beit­neh­mer funk­ti­ons­wid­rig als nicht­wis­sen­schaft­li­cher Mit­ar­bei­ter beschäftigt und war dies im Rah­men der bei Ver­trags­schluss an­zu­stel­len­den Pro­gno­se be­reits ab­seh­bar, kann der Ar­beit­ge­ber die Be­fris­tung nicht auf das Wiss­Zeit­VG stützen (APS-Schmidt, 4. Aufl. 2012, § 1 Wiss­Zeit­VG Rn. 17).
cc. Der Kläger gehört nicht zum „wis­sen­schaft­li­chen Per­so­nal“ im Sin­ne des § 1 Abs. 1 S. 1 Wiss­Zeit­VG.
(1) Die Be­klag­te hat nicht dar­ge­legt, wie die Stel­le des Klägers im Zeit­punkt des Ver­trags­schlus­ses aus­ge­stal­tet war, d.h. wel­che Auf­ga­ben dem Kläger mit wel­chen Zeit­an­tei­len über­tra­gen wer­den soll­ten.
Das BAG geht da­von aus, dass über­wie­gend mit der bloßen Ver­mitt­lung von Sprach­kennt­nis­sen be­trau­te Fremd­spra­chen­lek­to­ren in der Re­gel nicht dem Be­griff des wis­sen­schaft­li­chen Per­so­nals nach § 1 Abs. 1 S. 1 Wiss­Zeit­VG un­ter­fal­len (BAG v. 01.06.2011 -
Die Be­klag­te hat auch nicht vor­ge­tra­gen, dass die Ver­trags­par­tei­en bei Ver­trags­schluss da­von aus­ge­gan­gen sind, dass sich der Kläger während sei­ner Lehrtätig­keit an der Hoch­schu­le qua­li­fi­zie­ren soll­te im Sin­ne des Wiss­Zeit­VG. Die Tätig­keit als wis­sen­schaft­li­cher Mit­ar­bei­ter muss nicht zwin­gend der Vor­be­rei­tung ei­ner Pro­mo­ti­on die­nen. Auch das Sam­meln von Er­fah­run­gen durch die Er­brin­gung von wis­sen­schaft­li­chen Dienst­leis­tun­gen in For­schung und Leh­re für ei­ne späte­re Be­rufs­ausübung kann ei­ne Qua­li­fi­zie­rung dar­stel­len (Preißler, in: Leu­ze/Ep­ping, HG NRW, 12. EL Sep­tem­ber 2013, § 1 Wiss­Zeit­VG Rn. 17). Dass dem Kläger mit der Stel­le die Er­lan­gung ei­ner wei­te­ren Qua­li­fi­ka­ti­on über die bloße Sprach­ver­mitt­lung hin­aus ermöglicht wer­den soll­te, ist nicht er­sicht­lich. Die Be­klag­te hat selbst dar­auf hin­ge­wie­sen, dass es der Zweck des Wiss­Zeit­VG ist, den Aus­tausch des wis­sen­schaft­li­chen Per­so­nals zu ermögli­chen, um dem Per­so­nal die Möglich­keit zu ge­ben, die Lehr- und For­schungstätig­keit in ver­schie­de­nen For­men und un­ter ver­schie­de­nen As­pek­ten ken­nen­zu­ler­nen. Mit der Stel­le des Klägers ist die Ver­pflich­tung ver­bun­den, den Stu­den­ten mit
den Kur­sen Thai I, II und III ein aus­rei­chen­des Sprach­verständ­nis zu ver­mit­teln, um ih­nen ei­nen Stu­di­en­auf­ent­halt in Thai­land zu ermögli­chen. Dass der Kläger darüber hin­aus die Lehrtätig­keit in ver­schie­de­nen, al­so an­de­ren Be­rei­chen ken­nen­ler­nen soll­te, ist nicht er­sicht­lich.
Auch hat die Be­klag­te nicht dar­ge­legt, dass durch ei­nen un­be­fris­te­ten Ver­trag des Klägers die In­no­va­ti­onsfähig­keit der Hoch­schu­le be­trof­fen wäre. Wie be­reits dar­ge­legt, soll das Wiss­Zeit­VG die In­no­va­ti­onsfähig­keit der Hoch­schu­le fördern, in­dem das wis­sen­schaft­li­che Per­so­nal in re­gelmäßigen Abständen aus­ge­tauscht und da­mit der Nach­wuchs gefördert wird. Durch die­sen As­pekt wer­den die grund­recht­lich geschütz­te Wis­sen­schafts­frei­heit (Art. 5 Abs. 3 GG) und die Be­rufs­frei­heit (Art. 12 GG) zu ei­nem scho­nen­den Aus­gleich ge­bracht. Nach der Recht­spre­chung des BAG fehlt es bei der Be­fris­tung der Verträge mit Lek­to­ren, die Fremd­spra­chen ver­mit­teln und an de­ren Tätig­keit es ei­nen dau­er­haf­ten Be­darf gibt, so­wohl an der Nach­wuchsförde­rung als auch an der Si­che­rung der Funk­ti­onsfähig­keit der For­schung (BAG v. 16.04.2008 - 7 AZR 85/07 -, ju­ris Rn. 16). Dass in Be­zug auf den Kläger et­was an­de­res gilt, hat die Be­klag­te nicht vor­ge­tra­gen. Für die Kam­mer war es in­so­fern nicht er­kenn­bar, dass durch die be­fris­te­te Ein­stel­lung des Klägers der wis­sen­schaft­li­che Nach­wuchs gefördert wer­den und sich nach dem Aus­lau­fen des Ver­tra­ges ein an­de­rer wis­sen­schaft­li­cher Mit­ar­bei­ter mit die­ser Stel­le qua­li­fi­zie­ren soll­te. Wel­che In­no­va­tio­nen und wel­cher Aus­tausch mit der For­schung und Pra­xis durch den ständi­gen Wech­sel der sprach­ver­mit­teln­den Mit­ar­bei­ter wie dem Kläger ein­her­ge­hen soll, konn­te die Kam­mer nicht er­ken­nen.
(2) Aber auch un­ter Berück­sich­ti­gung der von der Be­klag­ten dar­ge­leg­ten Auf­ga­ben und Tätig­kei­ten des Klägers er­gibt sich nicht, dass der Kläger als wis­sen­schaft­li­cher Mit­ar­bei­ter im Sin­ne von § 1 Abs. 1 S. 1 Wiss­Zeit­VG ein­ge­stellt und beschäftigt wur­de.
Auch in die­sem Fall fehlt es an der Dar­le­gung, wel­che Qua­li­fi­ka­ti­on der Kläger er­lan­gen soll­te. Al­lein der Um­stand, dass der Kläger nach dem Vor­trag der Be­klag­ten mit den Lehr­ver­an­stal­tun­gen und de­ren Vor­be­rei­tung nicht aus­ge­las­tet war und ihm ins­be­son­de­re während der Se­mes­ter­fe­ri­en aus­rei­chend Zeit zur Re­fle­xi­on bleibt, erfüllt noch nicht das Tat­be­stands­merk­mal der „For­schung und Re­fle­xi­on“. Bei der Re­fle­xi­on han­delt es sich nicht um ei­nen Selbst­zweck. Viel­mehr muss die­se mit der For­schung Hand in Hand ge­hen. Un­ter­stellt, der Vor­trag der Be­klag­ten zu den Auf­ga­ben des Klägers so­wie de­ren Zeit­an­tei­len trifft zu, führt dies nicht au­to­ma­tisch da­zu, dass der Kläger auf sei­ner Stel­le wis­sen­schaft­lich ar­bei­tet oder zu­min­dest ar­bei­ten soll. Ent­spre­chend ist nicht er­kenn­bar, aus wel­chem Grund die Be­fris­tung des Ar­beits­ver­trags des Klägers der In­no­va­ti­onsfähig­keit der Hoch­schu­le die­nen soll. Die Be­klag­te hat nicht dar­ge­legt, dass die Be­fris­tung der Stel­le des Klägers dem Aus­tausch des wis­sen­schaft­li­chen Per­so­nals dient, um dem Per­so­nal die Möglich­keit zu ge­ben, die Lehr- und
For­schungstätig­keit in ver­schie­de­nen For­men und un­ter ver­schie­de­nen As­pek­ten ken­nen­zu­ler­nen. Der aus­rei­chen­de Kon­takt zur Mut­ter­spra­che und die Si­cher­stel­lung ei­nes ak­tua­litäts­be­zo­ge­nen Un­ter­richts reicht als Ziel je­den­falls nicht mehr aus (vgl. Preißler, in: Leu­ze/Ep­ping, HG NRW, 12. EL Sep­tem­ber 2013, § 1 Wiss­Zeit­VG Rn. 34). Die­se Be­fris­tungsmöglich­keit nach § 57b Abs. 3 HRG a.F., auf­grund de­rer die Lehr­zeit an ei­ner deut­schen Hoch­schu­le be­grenzt wer­den konn­te (vgl. BVerfG v. 14.04.1996 - 1 BvR 712/86 -, ju­ris Rn. 125), wur­de in das Wiss­Zeit­VG nicht über­nom­men.
In der prak­ti­schen Durchführung des Ar­beits­verhält­nis­ses ist es nicht aus­rei­chend, dass der Kläger das Cur­ri­cu­lum ent­wor­fen und um­fang­rei­che Skrip­te er­stellt hat. Das Ar­beits­verhält­nis des Klägers un­ter­schei­det sich trotz die­ser Auf­ga­ben nicht so weit­ge­hend von dem vom BAG auf­ge­stell­ten Re­gel­fall, dass der Kläger, der über­wie­gend mit der Ver­mitt­lung von Fremd­spra­chen be­fasst war, als wis­sen­schaft­li­cher Mit­ar­bei­ter im Sin­ne von § 1 Abs. 1 S. 1 Wiss­Zeit­VG an­zu­se­hen wäre. Die Be­klag­te stützt ih­re An­sicht dar­auf, dass der Kläger den Un­ter­richt ge­plant, ein Skript - auch als Lehr­buch be­zeich­net - zu­sam­men­ge­stellt und im Übri­gen aus­rei­chend Zeit zur Re­fle­xi­on hat. Der Kläger hat das von ihm er­stell­te Skript da­hin­ge­hend be­schrie­ben, dass es sich nicht um ein Lehr­buch han­de­le, das zum Selbst­stu­di­um ge­eig­net sei. Viel­mehr ha­be er aus an­de­ren Thai-Un­ter­richtsbüchern für Le­se- und Schreib­anfänger ab dem 7. Le­bens­jahr Bei­spie­le über­nom­men. Dem ist die Be­klag­te nicht sub­stan­ti­iert ent­ge­gen ge­tre­ten. Al­lein der Um­fang des Skripts von ca. 159 Sei­ten (Thai I) und 70 Sei­ten (Thai II und III) oder die An­zahl an Lehrbüchern, auf die sich der Kläger bei der Er­stel­lung gestützt hat, genügt nicht, um auf ei­ne wis­sen­schaft­li­che Ar­beit zu schließen. Dies gilt un­abhängig da­von, ob das Skript „zu­sam­men­ko­piert“ wur­de - so der Vor­trag des Klägers - oder aber vom Kläger „ei­genhändig auf dem Text­ver­ar­bei­tungs­pro­gramm“ - so die Be­klag­te - er­stellt wur­de. Die Be­klag­te hat nicht vor­ge­tra­gen, dass der Kläger ei­genständi­ge For­schun­gen be­trie­ben hätte oder mit dem Skript den Stu­den­ten sprach­wis­sen­schaft­li­che Me­tho­den näher­brin­gen woll­te. Dies ist auch nicht er­kenn­bar, da es zu den Auf­ga­ben des Klägers gehört, den Stu­den­ten aus­rei­chen­de Sprach­kennt­nis­se zu ver­mit­teln und mit ih­nen ein­zuüben. Al­lein die Auf­nah­me ei­nes lan­des­kund­li­chen Teils in das Skript spricht nicht dafür, dass auf wis­sen­schaft­li­chem Ni­veau ge­forscht wur­de oder wis­sen­schaft­li­che Er­kennt­nis­se den Stu­den­ten ver­mit­telt wur­den.
Ei­ne Un­terstützung des Lehr­stuhl­in­ha­bers bei des­sen For­schungs­auf­ga­ben, die als wis­sen­schaft­li­che Dienst­leis­tung ei­ne Be­fris­tung recht­fer­ti­gen könn­te (vgl. Preißler, in: Leu­ze/Ep­ping, HG NRW, 12. EL Sep­tem­ber 2013, § 1 Wiss­Zeit­VG Rn. 31), hat die Be­klag­te nicht vor­ge­tra­gen. Al­len­falls ha­ben Rück­spra­chen und ge­mein­sa­me Pla­nun­gen bei der
An­hand die­ser Erwägun­gen wird deut­lich, wo die Gren­ze zwi­schen der wis­sen­schaft­li­chen Ver­mitt­lung von In­hal­ten (Leh­re) und der
(4) Die wei­te­ren von der Be­klag­ten be­nann­ten As­pek­te genügen we­der für sich noch im Zu­sam­men­hang mit den übri­gen Auf­ga­ben des Klägers, um ihn als wis­sen­schaft­li­chen Mit­ar­bei­ter im Sin­ne von § 1 Abs. 1 S. 1 Wiss­Zeit­VG an­zu­se­hen.
Aus der An­wen­dung des § 11 Abs. 1 Hmb­HG folgt nicht, dass der Kläger wis­sen­schaft­li­cher Mit­ar­bei­ter im Sin­ne des Wiss­Zeit­VG ist. Der Be­griff des wis­sen­schaft­li­chen Mit­ar­bei­ters ist aus dem Wiss­Zeit­VG zu ent­wi­ckeln. Zu­tref­fend ist zwar, dass sich aus § 11 Hmb­HG die Frei­heit er­ge­ben kann zur wis­sen­schaft­li­chen Ar­beit, da die Wei­sungs­be­fug­nis­se der Be­klag­ten ein­ge­schränkt wer­den. So ist in § 11 Abs. 1 Hmb­HG ge­re­gelt: „So­weit die selbständi­ge Ab­hal­tung von Lehr­ver­an­stal­tun­gen zu den dienst­li­chen Auf­ga­ben von An­gehöri­gen des wis­sen­schaft­li­chen und künst­le­ri­schen Per­so­nals gehört, um­fasst die Frei­heit der Leh­re (Ar­ti­kel 5 Ab­satz 3 Satz 1 des Grund­ge­set­zes), un­be­scha­det des Ar­ti­kels 5 Ab­satz 3 Satz 2 des Grund­ge­set­zes, im Rah­men der zu erfüllen­den Lehr­auf­ga­ben ins­be­son­de­re die Ab­hal­tung von Lehr­ver­an­stal­tun­gen und de­ren in­halt­li­che und me­tho­di­sche Ge­stal­tung so­wie das Recht auf Äußerung von wis­sen­schaft­li­chen und künst­le­ri­schen Lehr­mei­nun­gen.“ Da­mit wird in § 11 Abs. 1 Hmb­HG die wis­sen­schaft­li­che Tätig­keit im Sin­ne des Grund­ge­set­zes vor­aus­ge­setzt. Zur Frei­heit der Leh­re gehört nach der ge­setz­li­chen Re­ge­lung die in­halt­li­che und me­tho­di­sche Ge­stal­tung der Lehr­ver­an­stal­tun­gen, so­dass es sich um ei­ne Re­ge­lung zur Aus­ge­stal­tung der
Die Ent­schei­dung über den Wert des Streit­ge­gen­stan­des be­ruht auf den Vor­schrif­ten der § 61 Abs. 1 ArbGG, § 3 ZPO. Die Kam­mer hat für den Fest­stel­lungs­an­trag drei Brut­to­mo­nats­gehälter an­ge­setzt in ent­spre­chen­der An­wen­dung des § 42 Abs. 3 GKG. Den Wei­ter­beschäfti­gungs­an­spruch hat die Kam­mer mit ei­nem Brut­to­mo­nats­ge­halt be­wer­tet.
Ei­ner ge­son­der­ten Zu­las­sung der Be­ru­fung be­durf­te es nicht. Die Be­ru­fungsmöglich­keit er­gibt sich für die Be­klag­te be­reits aus § 64 Abs. 3 lit. c ArbGG, da es um ei­ne Be­stands­schutz­strei­tig­keit geht, so­wie aus § 64 Abs. 2 lit. b ArbGG hin­sicht­lich des An­trags auf Wei­ter­beschäfti­gung. Im Übri­gen la­gen die Vor­aus­set­zun­gen ei­ner Be­ru­fungs­zu­las­sung nach § 64 Abs. 3 ArbGG nicht vor.
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