Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Text=1%20MN%20130/10
Timestamp: 2019-11-15 10:14:43
Document Index: 374687420

Matched Legal Cases: ['§ 1', '§ 12', '§ 12', '§ 214', '§ 1', '§ 12']

OVG Niedersachsen, 04.01.2011 - 1 MN 130/10 - dejure.org
https://dejure.org/2011,2875
OVG Niedersachsen, 04.01.2011 - 1 MN 130/10 (https://dejure.org/2011,2875)
OVG Niedersachsen, Entscheidung vom 04.01.2011 - 1 MN 130/10 (https://dejure.org/2011,2875)
OVG Niedersachsen, Entscheidung vom 04. Januar 2011 - 1 MN 130/10 (https://dejure.org/2011,2875)
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Baurecht: Abwägungsentscheidung hinsichtlich des Erlasses eines "Angebotsplans" für eine von einem Investor projektierte Biogasanlage; städtebaulicher Vertrag über die Bebauungsmöglichkeiten für ein Plangebiet
Anforderungen an die Abwägungsentscheidung für eine Biogasanlage bei Erlass eines "Angebotsplans"; Bedeutung von städtebaulichen Verträgen über die Einschränkung von Bebauungsmöglichkeiten für ein Plangebiet außerhalb des Planungsverfahrens für die Überprüfung eines ...
Abwägungsentscheidung bei Biogasanlage
Bebauungsplan für "Technologie-Zentrum Biogas" in Lohne außer Vollzug gesetzt
Quasi-Vorhabenbezogene Bauleitplanung durch städtebaulichen Vertrag? (IBR 2011, 372)
NVwZ-RR 2011, 226 (Ls.)
BauR 2011, 805
ZfBR 2011, 154
vgl. insoweit OVG NRW, Urteil vom 26. Juni 2009 - 10 D 16/08.NE -, juris Rn. 20; Nds. OVG, Beschluss vom 4. Januar 2011 - 1 MN 130/10 -, BauR 2011, 805 = juris Rn. 79.
Auch wenn die Gemeinde mit dem Bebauungsplan das Vorhaben eines bestimmten Vorhabenträgers planungsrechtlich ermöglichen will, ist sie aufgrund von § 1 Abs. 3 Satz 1 BauGB nicht gezwungen, einen mit einer Durchführungsverpflichtung des Vorhabenträgers und dem Gebot zur Aufhebung des Bebauungsplans bei Nichtdurchführung des Projekts (§ 12 Abs. 1 Satz 1 und Abs. 6 Satz 1 BauGB) gekoppelten vorhabenbezogenen Bebauungsplan aufzustellen (vgl. OVG NRW…, Urteil vom 13. September 2012 - 2 D 38/11.NE -, BauR 2013, 1408 und juris, Rn. 52 und 55; OVG Nds., Urteil vom 4. Januar 2011 - 1 MN 130/10 -, BauR 2011, 805 und juris, Rn. 77; auch: BVerwG, Beschluss vom 25. Februar 2015 - 4 VR 5/14 - ["projektbezogener Angebotsbebauungsplan"]).
Will man parallele Nutzungseinschränkungen überhaupt zur Rechtfertigung der bauleitplanerischen Abwägung heranziehen (verneint für parallele städtebauliche Verträge außerhalb des Anwendungsbereichs von § 12 BauGB: OVG Nds., Urteil vom 4. Januar 2011, a.a.O., juris, Rn. 78 f.), verlangt das Gebot fehlerfreier Abwägung (unter Beteiligung der Öffentlichkeit) aber jedenfalls, dass zum maßgeblichen Zeitpunkt des Satzungsbeschlusses (§ 214 Abs. 3 Satz 1 BauGB) hinreichend sicher feststeht, bis zu welchen Grenzen der künftige Grundstückseigentümer von der bauleitplanerisch eingeräumten Flexibilisierung Gebrauch machen darf, und dass dieser Nutzungsspielraum von den Abwägungserwägungen gedeckt ist.
Auch wenn die Gemeinde mit dem Bebauungsplan das Vorhaben eines bestimmten Vorhabenträgers planungsrechtlich ermöglichen will, ist sie aufgrund von § 1 Abs. 3 Satz 1 BauGB nicht gezwungen, einen mit einer Durchführungsverpflichtung des Vorhabenträgers nach § 12 Abs. 1 Satz 1 BauGB gekoppelten vorhabenbezogenen Bebauungsplan aufzustellen (vgl. OVG NRW…, Urteil vom 13. September 2012 - 2 D 38/11.NE -, BauR 2013, 1408 und juris, Rn. 55; OVG Nds., Urteil vom 4. Januar 2011 - 1 MN 130/10 -, BauR 2011, 805 und juris, Rn. 77; auch: BVerwG, Beschluss vom 25. Februar 2015 - 4 VR 5/14 - ["projektbezogener Angebotsbebauungsplan"]).
vgl. insofern im Einzelnen OVG NRW, Beschluss vom 14. Juni 2012 - 2 B 379/12.NE -, S. 7 f. des amtlichen Umdrucks, Urteil vom 26. Juni 2009 - 10 D 16/08.NE -, juris Rn. 20; Nds. OVG, Beschluss vom 4. Januar 2011 - 1 MN 130/10 -, BauR 2011, 805 = juris Rn. 79 f.
Die Antragsgegnerin hat aufgrund der verbindlichen Planungsangebote eines Investors, an denen sie sich bei der auch hier gebotenen realistischen Betrachtung orientieren durfte, vgl. zu den Anforderungen an den Plangeber bei sog. projektbezogenen Bebauungsplänen allgemein OVG NRW, Urteil vom 26. Juni 2009 - 10 D 16/08.NE -, juris Rn. 20; Beschluss vom 14. Juni 2012 - 2 B 379/12.NE -, juris Rn. 33; Nds. OVG, Beschluss vom 4. Januar 2011 - 1 MN 130/10 -, BauR 2011, 805 = juris Rn. 79 f.
vgl. insoweit OVG NRW, Urteil vom 26. Juni 2009 - 10 D 16/08.NE -, juris Rn. 20; Beschluss vom 14. Juni 2012 - 2 B 379/12.NE -, juris Rn. 33; Nds. OVG, Beschluss vom 4. Januar 2011 - 1 MN 130/10 -, BauR 2011, 805 = juris Rn. 79 f.
Angesichts der unmittelbaren Nachbarschaft seines Grundstücks zum Plangebiet und der Tatsache, dass der nördliche Teil ebenso wie ein erheblicher Teil des Plangebiets im Überschwemmungsgebiet liegt, war die Antragsgegnerin indes verpflichtet, diese Belange des Antragstellers - gegebenenfalls mit Ausnahme der Verkehrsbelastung - in ihre Abwägung einzustellen (vgl. zum Schutz vor Überschwemmungen insbesondere Senat, Beschl. v. 4.1.2011 - 1 MN 130/10 -, juris Rn. 73 = BauR 2011, 805 = BRS 78 Nr. 45).
Das gerät in einer die Antragsbefugnis gleichfalls begründenden Weise möglicherweise in Konflikt mit dem Senatsbeschluss vom 4. Januar 2011 (- 1 MN 130/10 -, ZfBR 2011, 154 = BauR 2011, 805 = AUR 2011, 167 = RdL 2011, 175).
Nur ergänzend ist daher anzuführen, es sei zumindest sehr bedenkenswert, ob nicht die Ausführungen im Senatsbeschluss vom 4. Januar 2011 (- 1 MN 130/10 - ZfBR 2011, 154 = BauR 2011, 805 = AUR 2011, 167 = RdL 2011, 175) auch für diesen Fall gälten.
Dies gilt jedenfalls dann, wenn eine Gemeinde - wie hier - ausdrücklich die Ansiedlung auch eines anderen Betriebs der Edelmetall und Nichteisenmetallverarbeitung (und -herstellung) - gleichsam als "Reservenutzung" - in Betracht zieht, weil sie ein "Abspringen" des ursprünglichen Investors für möglich hält (vgl. hierzu Nds. OVG, Beschl. v. 04.01.2011, a.a.O.).
vgl. insoweit OVG NRW, Urteil vom 26. Juni 2009 - 10 D 16/08.NE -, juris Rn. 20; Nds. OVG, Beschluss vom 4. Januar 2011 - 1 MN 130/10 -, BauR 2011, 805 = juris Rn. 79 f.