Source: https://www.rechtslupe.de/steuerrecht/massgebliche-sach-und-rechtslage-bei-einer-anfechtungsklage-366032
Timestamp: 2020-01-18 14:02:48
Document Index: 389648886

Matched Legal Cases: ['§ 175', '§ 175', '§ 100', '§ 100', '§ 367', '§ 367', '§ 101', '§ 100']

Maß­geb­li­che Sach- und Rechts­la­ge bei einer Anfech­tungs­kla­ge | Rechtslupe
Maß­geb­li­che Sach- und Rechts­la­ge bei einer Anfech­tungs­kla­ge
Für die Beur­tei­lung der Recht­mä­ßig­keit eines gebun­de­nen Ver­wal­tungs­akts kommt es auf die Sach- und Rechts­la­ge im Zeit­punkt der finanz­ge­richt­li­chen Ent­schei­dung an, wenn der ange­foch­te­ne Bescheid im Ver­lau­fe des Gerichts­ver­fah­rens –etwa durch ein rück­wir­ken­des Ereig­nis i.S. des § 175 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 AO– recht­mä­ßig wird.
Anders als das Finanz­ge­richt meint, kommt es für die Beur­tei­lung der Recht­mä­ßig­keit eines gebun­de­nen Ver­wal­tungs­akts grund­sätz­lich auf die Sach- und Rechts­la­ge im Zeit­punkt der finanz­ge­richt­li­chen Ent­schei­dung an. Das gilt nicht nur für Ver­pflich­tungs­kla­gen 1, son­dern auch in Anfech­tungs­fäl­len, in denen der ange­foch­te­ne Bescheid wäh­rend des Gerichts­ver­fah­rens –etwa durch ein rück­wir­ken­des Ereig­nis i.S. des § 175 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 AO– recht­mä­ßig wird. Denn nach § 100 Abs. 1 Satz 1 FGO hebt das Gericht den ange­foch­te­nen Ver­wal­tungs­akt auf, wenn er rechts­wid­rig ist. Der Erfolg im Anfech­tungs­pro­zess hängt also davon ab, dass der in § 100 Abs. 1 Satz 1 FGO umschrie­be­ne "Anspruch auf Auf­he­bung des VA" im Zeit­punkt der Ent­schei­dung des Gerichts nach mate­ri­el­lem und for­mel­lem Recht besteht. Das Finanz­ge­richt hat die­se Sach- und Rechts­la­ge bei sei­ner Ent­schei­dung zu berück­sich­ti­gen 2.
Dem steht auch nicht die BFH-Ent­schei­dung vom 24.04.2008 3 ent­ge­gen. Zwar fin­det sich dort die For­mu­lie­rung, dass für die Beur­tei­lung der Sach- und Rechts­la­ge grund­sätz­lich auf den Zeit­punkt der letz­ten Behör­den­ent­schei­dung, vor­lie­gend also der Ein­spruchs­ent­schei­dung abzu­stel­len ist. Aus dem Kon­text der Ent­schei­dung und der Bezug­nah­me auf § 367 Abs. 2 Satz 1 AO ergibt sich aber zwei­fels­frei, dass die­se Aus­sa­ge nur den dort beur­teil­ten Sach­ver­halt betrifft, in dem es um die Hei­lung eines ursprüng­lich bei sei­nem Erlass man­gel­haf­ten Bescheids durch die Ein­spruchs­ent­schei­dung ging. Wenn die so ver­stan­de­ne Aus­sa­ge im Hin­blick auf die kla­re Rege­lung des § 367 Abs. 1 AO offen­sicht­lich zutref­fend ist, so ist sie eben­so offen­sicht­lich nicht auf den anders gela­ger­ten Streit­fall zu über­tra­gen.
vgl. dazu u.a. Gräber/​von Groll, Finanz­ge­richts­ord­nung, 7. Aufl., § 101 Rz 6, m.w.N.[↩]
vgl. BFH, Urteil vom 27.05.2009 – II R 53/​07, BFHE 225, 493, BSt­Bl II 2009, 852; Bran­dis in Tipke/​Kruse, Abgabenordnung/​Finanzgerichtsordnung, § 100 FGO Rz 6, 7; für den Fall, dass ein Anspruch das Nicht­be­stehen von Aus­schluss­tat­be­stän­den vor­aus­setzt: BVerwG, Urteil vom 31.03.2004 – 8 C 5.03, BVerw­GE 120, 246, m.w.N.[↩]
BFH, Urteil vom 24.04.2008 – IV R 50/​06, BFHE 220, 324, BSt­Bl II 2009, 35[↩]
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