Source: http://www.uni-protokolle.de/foren/viewt/239378,0.html
Timestamp: 2019-09-20 09:01:22
Document Index: 124497087

Matched Legal Cases: ['§1922', '§2088', '§1922', '§ 2087', '§ 1922', '§ 2088', '§ 2305', '§ 2048', '§2088']

Verständnisfrage zum Erbrecht
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Verfasst am: 04 Jul 2009 - 15:16:38 Titel: Verständnisfrage zum Erbrecht
Im Erbrecht gilt ja die Gesamtrechtsnachfolge §1922 was bedeutet, dass das Vermögen als Ganzes beim Erbfall auf die Erben übergeht. Wenn nun der Erblasser seinen Freund mit der Hälfte seines Vermögens einsetzt und die andere Hälfe nicht erwähnt so geht diese doch auf die Gesetzlichen Erben über(Einsetzung nach Bruchteilen §2088).
Geht in dem Fall beim Erbfall dann das gesamte Vermögen zuerst auf die Erben über (§1922) und hat der Freund dann nur einen Schuldrechtlichen Anspruch gegen die Erbengemeinschaft? Weil die Erbeinsetzung ja kein Vermächtnis ist.
Verfasst am: 04 Jul 2009 - 19:15:29 Titel:
Du hast die Frage ka quasi lebst beantwortet (zumindest so ungefähr):
Es entsteht eine Erbengemeinschaft bestehend aus allen Erben mit der Quote Freund 50%, Rest gestzlich.
Verfasst am: 04 Jul 2009 - 22:06:34 Titel:
Ja aber wie ist das dann mit dem Grundsatz der Universallsukzession vereinbar? Der sagt ja dass das Vermögen als Ganzes auf die Erben übergeht und nicht als Bruchteil aber dann würde es in dem Fall 50% als Bruchteil übergehen. Das wäre doch ein Widerspruch?
Und wenn es so ist wie ich sage dass der Freund einen schuldrechtlichen Anspruch hat dann wäre das auch nicht genau da bei der Erbeinsetzung kein schuldrechtlicher Anspruch entsteht!?!
Verfasst am: 04 Jul 2009 - 23:50:35 Titel:
Die Vermächtnisnehmer haben einen schuldrechtlichen Anspruch gegen die Erben.
Die Erben sind erstmal eine Erbengemeinschaft. Erst bei der Auseinandersetzung bekommt jeder seine Quote. Wenn sich auseinandergesetzt wurde ist man aber keine Gemeinschaft mehr.
Verfasst am: 05 Jul 2009 - 08:49:09 Titel:
Es geht hier aber nicht um ein Vermächtnis. § 2087 BGB besagt, dass im Zweifel eine Erbeinsetzung vorliegt. Der Erblasser kann jeden, den er möchte, als Erbe einsetzen, zu welchem Teil auch immer (Testierfreiheit!). Probleme gibt es nur, wenn Pflichtteilsberechtigte zu einem Anteil unter ihrem Pflichtteil eingesetzt werden.
Die vom Threadsteller geschilderte Lage:
- Gesetzliche Erben: 50 %
- Eingesetzter Erbe: 50 %
Ist der Anteil, den jeder einzelne Erbe erhält, über seinem jeweiligen Pflichtteil, so gibt es keine Probleme: Alle zusammen (die gesetzlichen Erben und der Freund) bilden eine Erbengemeinschaft, § 1922 BGB. Durch die Anordnung bestimmter Erbquoten hat der Erblasser nur von seiner Testierfreiheit gebrauch gemacht; dadurch ist je die Gesamtrechtsnachfolge nicht beeinträchtigt, denn die Erbengemeinschaft besteht ja mit allen Erben.
Der Freund ist zu 50 % Erbe, zu den anderen 50 % tritt gesetzliche Erbfolge ein (auch wenn dies nicht ausdrücklich bestimmt ist, § 2088 BGB).
Erhält ein Pflichtteilsberechtigert dadurch weniger als sein Pflichtteil beträgt, so hat er einen Pflichtteilsrestanspruch gegen die Erbengemeinschaft, § 2305 BGB.
Der Erblasser kann z.B. auch Gegenstände innerhalb der Erbengemeinschaft zuteilen (Teilungsanordnung, § 2048 S. 1 BGB). Diese ist dann abzugrenzen vom Vermächtnis und von der Auflage.
Verfasst am: 05 Jul 2009 - 10:49:10 Titel:
@ Marina85 Danke für die Klarstellung ich weiß nicht warum es so schwer war zu verstehen worum es mir geht
Fazit: Der Subsidiaritätsgrundsatz wird durch §2088 durchbrochen, so dass die Gewillkürte neben der Gesetzlichen Erbfolge bestehen kann.