Source: http://esb.bezreg-arnsberg.nrw.de/a_3/a_3_010/a_3_010_005/a_3_010_01_F24_10_1.html
Timestamp: 2017-07-27 22:51:30
Document Index: 157775770

Matched Legal Cases: ['§ 5', '§ 1', '§ 4', '§ 13', '§ 4', '§ 4']

Zul.-Nr. F-24/10/1 /
Auf den Antrag der SIEMAG TECBERG GmbH - vom 08.07.2009 unter Hinzuziehung des Prüfberichtes des Sachverständigen der DMT Fachstelle für Sicherheit-Seilprüfstelle- vom 08.03.2010 erteilt die Bezirksregierung Arnsberg gemäß § 5 Abs. 1 der Bergverordnung für Schacht- und Schrägförderanlagen (BVOS) vom 04.12.2003 hiermit die Genehmigung für den Fahrtregler vom Typ STB-SC01 der Firma SIEMAG TECBERG GmbH:
F-24/10/1
Gültigkeitsdauer: 5 Jahre (bis zum 01.06.2015)
STB-SC01Fahrtregler für von Hand bediente eintrümige Trommel- förderanlagen mit geregelten Antriebsmaschinen zum Abteufen von Schächten (Anlagen nach § 1, Pkt. 1, Abs. 1 c der BVOS) mit einer zulässigen Fahrge- schwindigkeit bis zu 12 m/s
- Ordner 1 bestehend aus 12 Registern mit der Beschreibung der verwendeten Hardware und der implementierten Software sowie den jeweils zugehörigen technischen Unterlagen für die Komponenten des Fahrtreglers des Typs STB-SC01 sowie eine CD mit weiteren Unterlagen
- Ordner 2 mit den vollständigen Stromlaufplänen der Trommelförderanlage zum Abteufen des Schachtes Draa Lasfar III (Marokko)
- Ordner 3 mit der Dokumentation der Anwender- Software des programmierbaren elektronischen Systems S7-400 (Kanal A des Gesamtsystems)
DMT-Prüfbericht Nr. P 10-00025 vom 08.03.2010Der Prüfbericht ist Bestandteil dieser Genehmigung.
Der Kern des Fahrtreglers besteht aus einem zweikanaligen, teildiversitären Auswerte-/Steuerungssystem Kanal A und Kanal B mit speicherprogrammierbaren Steuerungen des Typs S7-400 der Fa. Siemens mit unterschiedlichen CPU-Baugruppen in den beiden Kanälen. Kanal A und Kanal B, die in separaten Baugruppenträgern aufgebaut sind, sind zum Daten- und Signalaustausch über ein Busübertragungssystem miteinander gekoppelt. In beiden Kanälen werden software-mäßig Sicherheitskreise realisiert, die auf Ausgangs-Schütze wirken. An das zweikanalige Auswertesystem sind zwei unterlagerte Positioniersteuerungen des Typs SIMOTION C230-2 der Fa. Siemens (SIMOTION A und SIMOTION B) getrennt voneinander über Profibus-DP-Verbindungen zum Signalaustausch an die übergeordneten S7-Steuerungen angebunden. In den SIMOTION-Systemen wird der Führungsteil des Fahrtreglers realisiert. In SIMOTION A (Achse 1, reelle Achse) wird die Soll-Geschwindigkeit in Abhängigkeit von der Teufe des Seilscheibengebers für verschiedene Betriebsarten und für beide Drehrichtungen berechnet, hinterlegt und über eine weitere Profibus-DP-Schnittstelle an den Leistungsteil des Antriebs mit integrierter Strom- und Drehzahlregelung (Frequenzumrichter, Gleichstromrichter u.a.) übergeben. Über einen motorseitigen Geber wird der Leistungsteil mit dem aktuellen Drehzahl-Istwert zur Strom- und Drehzahlregelung versorgt.
Zur Überwachung der in SIMOTION A berechneten/hinterlegten Fahrkurve wird in SIMOTION B eine Referenzfahrkurve berechnet und hinterlegt (mitlaufende Referenzachse, virtuelle Achse). In den SIMOTION-Systemen werden Überwachungs-funktionen (interne Überwachungen, Grenzwertüberwachungen der parametrierten Geschwindigkeiten usw.) realisiert, die ebenfalls auf Ausgangs-Schütze wirken.
Als Geber sind sowohl an der Antriebsseite/Motorseite, am Seilträger als auch an der Seilscheibe/Ablenkscheibe zweispurige Drehimpulsgeber montiert, die die SIMOTION-Positioniersteuerungen A und B getrennt voneinander mit Signalen zur internen Berechnung der Teufenwerte, der Geschwindigkeiten und der Sollwerte für den Antrieb versorgen. Die berechneten Teufenwerte und Geschwindigkeiten werden unabhängig voneinander von SIMOTION A zur SPS A und von SIMOTION B zur SPS B zur weiteren Verarbeitung übertragen. Die Werte werden weiterhin zwischen SPS A und SPS B zur Überwachung auf Gleichlauf ausgetauscht.
Durch zwei unterbrechungsfreie Stromversorgungen (USV 1 und USV 2) wird der Betrieb der Steuerungs- und Regelungssysteme bei einem Spannungsausfall aufrecht erhalten. Im Schachtbereich sind ortsfeste Magnetschalter für die Synchronisierung der berechneten Teufen in den SIMOTION-Systemen, für die Einsatzüberwachung der Geschwindigkeitsüberwachungskurven sowie zur Fahrwegbegrenzung (Endschalter) vorgesehen. Weiterhin ist ein Schachtschalter an der verfahrbaren Bühnenanlage (z. B. Schlittenaufsetzpunkt) beim Abteufen vorgesehen, um die genaue Position der Teufbühne zu ermitteln.
Sowohl in SIMOTION A und B als auch im zweikanaligen teildiversitären S7-Auswertesystem werden neben Selbsttestfunktionen und Funktionen zur gegenseitigen Überwachung auch software-mäßig Sicherheitskreise realisiert, die zweikanalig, einmal über Relais-Kontakte und zum anderen über Busübertragungssysteme an die Sicherheits-kreise der Fördermaschine bzw. der Bremsensteuerung übergeben werden. Weitere Kontakte dieser Relais werden zur Überwachung auf Plausibilität an das jeweils zweite System zurückgemeldet.
Die Teufenanzeige sowie das Störmelde- und Visualisierungssystem mit integrierter Prüfeinrichtung wird realisiert durch zwei PC mit Bildschirmen (PC 1 und PC 2), die über Busschnittstellen zur Datenübertragung an das zweikanalige S7-System angeschlossen sind. Vorgesehen sind für das Abteufen von Schächten ein Handbetrieb und eine eingeschränkte Handsteuerung. Im Handbetrieb gibt der Maschinenführer über den Fahrhebel (analoges Signal, welches in beiden Steuerungen verarbeitet wird) die Fahrtrichtung und die Geschwindigkeit vor. In den einzelnen Fahrabschnitten wird die Fahrgeschwindigkeit durch die in den Positioniersteuerungen hinterlegte Fahrkurve begrenzt (Führungsteil des Fahrtreglers). Die Fahrkurve wird in SIMOTION A und in SIMOTION B parametriert und in beiden S7-Steuerungen auf Gleichlauf überwacht. Entsprechend TAS 3.6.16 ist ein erzwungener Haltepunkt oberhalb der Abteufbühne vorgesehen. Wenn sich das Fördermittel der Bühne nähert, retardiert der Antrieb auf Drehzahl Null; die Sicherheits-bremse wird zeitverzögert ausgelöst, wenn der Fördermaschinist anschließend die Fahr-bremse nicht schließt. Eine Weiterfahrt durch die Bühne ist mit reduzierter Geschwindigkeit nur möglich, wenn der Fahrweg frei ist (z. B. Greifer in Parkposition, Bühnenklappen geöffnet).
Beim eingeschränkten Handbetrieb ist ein Befahren des Schachtes mit einer maximalen Fahrgeschwindigkeit von 2 m/s innerhalb der Grenzen der Fahrkurve möglich, damit im Fehlerfall der Antrieb noch verfahren werden kann. Ist der eingeschränkte Handbetrieb vorgewählt, lassen sich weitere Überwachungsfunktionen überbrücken.
Der Hersteller beabsichtigt, das Gesamtsystem nicht nur für die Realisierung von Teilfunktionen des Fahrtreglers (Führungs- und Überwachungsteil), sondern getrennt davon auch für weitere betriebliche Aufgaben einzusetzen, z. B. für die Umsetzung von Steuerungs-, Automatisierungs-, Visualisierungs- und Diagnoseaufgaben des Gesamtsystems. Dieser Teil ist nicht Bestandteil des Antrags auf Genehmigung, sondern muss im Rahmen der Genehmigung von Schachtförderanlagen nach § 4 der BVOS geprüft und beurteilt werden.
Zum Genehmigungsumfang des Fahrtreglers gehören:
die beiden SIMOTION C230-2-Systeme mit den zugehörigen Baugruppen, den Programmen und den Software-Bausteinen des Führungs- und Überwachungsteils mit der Einbindung in den Sicherheitskreis einer Fördermaschine,
die Peripherie mit Schachtschaltern, Impulsgebern, die Struktur des Fahrtreglerkonzeptes mit der Anschaltung der Peripherieknoten sowie die Kopplung der Steuerungssysteme,
Sprungüberwachung der in SIMOTION A bzw. B errechneten und zu Kanal A bzw. Kanal B übertragenen Teufenwerte des Motorgebers, des Seilscheibengebers und des Seilträgergebers Überwachung der errechneten Teufenwerte (Schlupfüberwachung) von Kanal A bzw. B auf Gleichlauf Teufenwert Motorgeber – Teufenwert Seilträgergeber Teufenwert Motorgeber – Teufenwert Seilscheibengeber Teufenwert Seilträgergeber – Seilscheibengeber Gegenseitiger Vergleich der Teufenwerte Kanal A/Kanal B
Teufenwert Motor A – Teufenwert Motor B
Teufenwert Seilscheibe A – Teufenwert Seilscheibe B
Teufenwert Seilträger A – Teufenwert Seilträger B Überwachung der errechneten Geschwindigkeiten von Kanal A bzw. B auf Gleichlauf Geschwindigkeit Motor – Geschwindigkeit Seilträger Geschwindigkeit Motor – Geschwindigkeit SeilscheibeGeschwindigkeit Seilträger – Geschwindigkeit Seilscheibe Gegenseitiger Vergleich der Geschwindigkeiten Kanal A/Kanal B Geschwindigkeit Motor A – Geschwindigkeit Motor BGeschwindigkeit Seilscheibe A – Geschw. Seilscheibe BGeschwindigkeit Seilträger A – Geschwindigkeit Seilträger B Übergeschwindigkeitsüberwachung durch Vergleich der Geschwindigkeits-Istwerte Seilträger/Seilscheibe/Motor mit den in den SIMOTION parametrierten Sollwerten, erhöht um einen Grenzwert Überwachung der Geschwindigkeitsreduzierung in den Schachtendbereichen mit ortsfesten Schachtmagnetschaltern (Einsatzüberwachung) Drehrichtungsüberwachung durch Vergleich der von den SIMOTION vorgegebenen Soll-Drehrichtung mit der Ist-Drehrichtung der Seilscheibe Überwachung der Geschwindigkeit durch eine stufige Hüllkurve in beiden Verzögerungsbereichen; die Lage der Überwachungskurve im unteren Schachtbereich (oberhalb der Teufbühne) ist dabei abhängig von der Position der Bühne, die über den Teufenwert des Schlittenaufsetzpunktes (Bühnenbezugspunkt) ermittelt wird. Überwachung der Stellung der Schachtschalter auf ordnungsgemäßes Schalten (Fördermittel-/Teufenvergleich, Fensterüberwachung). Sind mehrere Schachtschalter vorgesehen, ist ebenfalls eine Reihenfolgeüberwachung vorhanden. Überwachung der Fahrkurven-Sollwerte von SIMOTION A und SIMOTION B auf Gleichlauf.
Bei der Errichtung und Inbetriebnahme des Fahrtreglers mit der Typenbezeichnung STB-SC01 sind die nachfolgend genannten Punkte a) bis l) zu beachten:
Für die regelmäßigen Prüfungen des Fahrtreglers gemäß § 13 der BVOS vom 04.12.2003 ist anlagenabhängig eine Prüfanwei­sung des Herstellers zu erstellen. Dabei ist vom Hersteller für den jeweiligen Anwendungsfall eine anlagenbezogene Prüfanweisung beizuliefern, die ggf. gesonderte, speziell auf die Förderanlage bezogene Prüfhinweise beinhaltet.
Die anlagenspezifische Konfiguration der SIMOTION-Systeme sowie der stufigen Hüllkurvenüberwachung muss im Rahmen der Genehmigung von Schachtförderanlagen nach § 4 der BVOS dokumentiert (mit Angabe der Position der Schachtschalter, der Anzahl der verwendeten Schachtschalter, der eingestellten Ansprechmarken der Überwachung), anlagenspezifisch geprüft und beurteilt werden. Sie ist in diesen Antragsunterlagen beispielhaft an die Ausführung der Trommelanlage zum Abteufen des Schachtes Draa Lasfar 3 angelehnt.
Dem Antrag auf Genehmigung einer Schachtförderanlage nach § 4 BVOS ist eine vollständige Stückliste beizulegen, in der die verwendeten Baugruppen/Komponenten des Fahrtreglers dokumentiert sind. Es dürfen nur die in diesen Antragsunterlagen dokumentierten Systeme und Baugruppen eingesetzt werden. Ist der Einsatz anderer, aber funktionsgleicher Geräte geplant, ist dies nur nach Rücksprache und mit Zustimmung der Abteilung 6 Bergbau und Energie in NRW der Bezirksregierung Arnsberg und nach Prüfung durch die Prüfstelle, der DMT GmbH & Co. KG, Fachstelle für Sicherheit - Seilprüfstelle, zulässig.
Bei der Errichtung und auch beim Betrieb des Fahrtreglers in einer Anlage sind die einschlägigen EMV-Richtlinien zu beachten. Werden elektrische Schaltungen eingesetzt, bei denen die Funktionen, aber nicht die technischen Ausführungen durch die Genehmigung festgelegt sind, so sind bei der Errichtung dieser Schaltungen die Anforderungen gemäß TAS 3.8.7. zu beachten.
Im eingebauten Zustand müssen die zum Fahrtreglersystem gehörenden Baugruppen und Komponenten hard- und software-mäßig eindeutig identifizierbar sein, z.B. bei der Hardware auf der Frontseite der Baugruppen.
Nach dem Austauschen von Baugruppen oder Komponenten durch identische Bauteile sind diese auf ihre ordnungsgemäße Funktion hin zu prüfen. Durch organisatorische Maßnahmen ist sicherzustellen, dass die in Betrieb befindlichen anlagenunabhängigen Softwareteile (Programme und zugehörige Dokumente sowie Daten) bei der Wartung und bei der Übertragung der Programme ggf. nach dem Austausch von Baugruppen nicht durch ungeprüfte Softwareteile ersetzt werden können.