Source: https://www.rechtslupe.de/zivilrecht/zwangsvollstreckung-in-ein-grundstueck-in-gbr-eigentum-325071
Timestamp: 2020-01-24 20:03:04
Document Index: 309067825

Matched Legal Cases: ['§ 1148', '§ 727', '§ 899', '§ 800', '§ 727', '§ 47', '§ 15', '§ 899', '§ 47', '§ 82', 'Art. 229', '§ 21', 'BGH', 'BGH', '§ 146', '§ 17', '§ 727', '§ 750', 'BGH', '§ 800', '§ 6', '§ 6', '§ 1148', '§ 1192', '§ 899', '§ 1148', '§ 1192', '§ 146', '§ 17', 'BGH', 'BGH', 'BGH']

Zwangs­voll­stre­ckung in ein Grund­stück in GbR-Eigen­tum | Rechtslupe
Die Zwangs­ver­wal­tung des Grund­stücks einer Gesell­schaft bür­ger­li­chen Rechts darf nur ange­ord­net wer­den, wenn deren Gesell­schaf­ter sämt­lich aus dem Titel her­vor­ge­hen und mit den im Grund­buch ein­ge­tra­ge­nen Gesell­schaf­tern über­ein­stim­men. Hin­sicht­lich der Gesell­schaf­ter gilt § 1148 Satz 1 BGB ent­spre­chend. Ver­än­de­run­gen im Gesell­schaf­ter­be­stand sind durch eine Rechts­nach­fol­ge­klau­sel ana­log § 727 ZPO nach­zu­wei­sen.
Der erwei­ter­te öffent­li­che Glau­be des Grund­buchs nach § 899a BGB bezieht sich nur auf die Gesell­schaf­ter­stel­lung, nicht auf die Geschäfts­füh­rungs­be­fug­nis.
In dem jetzt vom Bun­des­ge­richts­hof ent­schie­de­nen Fall erlaubt die Grund­schuld­be­stel­lungs­ur­kun­de die Voll­stre­ckung in das Ver­mö­gen der Schuld­ne­rin, die Grund­schuld, die die Schuld­ne­rin dar­in der Gläu­bi­ge­rin bestellt hat, ist nach § 800 ZPO voll­streck­bar. Ob die dazu erfor­der­li­che Unter­wer­fung unter die Zwangs­voll­stre­ckung in den belas­te­ten Grund­be­sitz von der Schuld­ne­rin als Ver­band oder von den für sie han­deln­den bei­den ein­zi­gen Gesell­schaf­tern per­sön­lich erklärt wor­den ist, ist dafür ohne Bedeu­tung. Die Voll­stre­ckung in das Gesell­schafts­ver­mö­gen ist näm­lich auch auf Grund eines Titels gegen die Gesell­schaf­ter und damit auch auf Grund einer durch sie per­sön­lich erklär­ten Unter­wer­fung unter die Zwangs­voll­stre­ckung in das Gesell­schafts­ver­mö­gen mög­lich 1.
Nach­weis der Gesell­schaf­ter­stel­lung durch eine Rechts­nach­fol­ge­klau­sel
Der Titel war ana­log § 727 ZPO mit einer Rechts­nach­fol­ge­klau­sel zu ver­se­hen, die dem geän­der­ten Bestand der Gesell­schaf­ter ent­sprach. Die­ser liegt auch vor.
Rich­tig ist zwar, dass das Ver­mö­gen einer GbR nach der Aner­ken­nung der Teil­rechts­fä­hig­keit der GbR dem Ver­band und nicht den Gesell­schaf­tern zusteht 2. Es trifft auch zu, dass das Eigen­tum der GbR von einem Wech­sel im Bestand der Gesell­schaf­ter nicht berührt wird. An die­ser Rechts­la­ge hat die Ände­rung von § 47 GBO und § 15 GBV durch das Gesetz zur Ein­füh­rung des elek­tro­ni­schen Rechts­ver­kehrs und der elek­tro­ni­schen Akte im Grund­buch­ver­fah­ren sowie zur Ände­rung wei­te-rer grundbuch‑, regis­ter- und kos­ten­recht­li­cher Vor­schrif­ten 3 (ERVGBG) nichts geän­dert. Danach ist eine GbR zwar unter Nen­nung sämt­li­cher Gesell­schaf­ter ein­zu­tra­gen. Eigen­tü­mer bleibt aber die GbR als Ver­band. Des­halb begrün­det die gleich­zei­tig ein­ge­führ­te Vor­schrift des § 899a BGB öffent­li­chen Glau­ben nicht für das Eigen­tum der Gesell­schaf­ter an dem Gesell­schafts­ver­mö­gen, son­dern nur dafür, dass die­se Gesell­schaf­ter der GbR sind.
Der Zwang zur Ein­tra­gung einer GbR unter – not­falls nach­träg­li­cher – Ein­tra­gung ihrer Gesell­schaf­ter nach § 47 Abs. 2, § 82 Satz 3 GBO (Art. 229 § 21 EGBGB) führt aber dazu, dass die Zwangs­ver­stei­ge­rung oder – wie hier – die Zwangs­ver­wal­tung nur ange­ord­net wer­den darf, wenn in dem Titel die Gesell­schaf­ter auf­ge­führt sind und wenn die­se mit den im Grund­buch ein­ge­tra­ge­nen über­ein­stim­men.
Das hat der Gesetz­ge­ber für die Ein­tra­gung einer Zwangs­si­che­rungs­hy­po­thek zuguns­ten einer GbR bestimmt. Sie soll unter aus­drück­li­cher Abkehr 4 von der gegen­tei­li­gen Ent­schei­dung des Bun­des­ge­richts­hofs (BGH. Beschluss vom 04.12.2008 – V ZB 74/​08, BGHZ 179, 102, 111 f.)) nur unter Nen­nung ihrer Gesell­schaf­ter ein­ge­tra­gen wer­den kön­nen. Das setzt vor­aus, dass der Titel sie aus­weist. Denn das iden­ti­täts­stif­ten­de Merk­mal einer GbR ist seit der Ein­füh­rung des Zwangs zur Ein­tra­gung ihrer Gesell­schaf­ter nicht mehr die gewähl­te Bezeich­nung der GbR als Ver­band, son­dern die Nen­nung ihrer Gesell­schaf­ter 5. Wel­che GbR Gläu­bi­ge­rin des Titels ist, ist des­halb nur fest­zu­stel­len, wenn der Titel selbst die GbR durch die Nen­nung ihrer Gesell­schaf­ter aus­weist.
Das ist bei der Anord­nung der Zwangs­ver­stei­ge­rung oder der Zwangs­ver­wal­tung nicht anders. Hier ergibt sich die Not­wen­dig­keit der Aus­wei­sung der Gesell­schaf­ter in dem Titel zwar nicht aus den grund­buch­recht­li­chen Vor­ga­ben für die Ein­tra­gung einer GbR, weil sie ja ein­ge­tra­gen ist. Sie ergibt sich aber dar­aus, dass die (Zwangs­ver­stei­ge­rung oder) Zwangs­ver­wal­tung nach § 146 Abs. 1, § 17 Abs. 1 ZVG nur ange­ord­net wer­den darf, wenn der Schuld­ner Eigen­tü­mer des Grund­stücks ist, das (zwangs­ver­stei­gert oder) zwangs­ver­wal­tet wer­den soll. Die­se Iden­ti­tät lässt sich nur fest­stel­len, wenn die Bezeich­nung der GbR im Grund­buch mit der im Titel über­ein­stimmt. Das ist nur der Fall, wenn der Titel die Gesell­schaf­ter aus­weist und die­se mit den im Grund­buch ein­ge­tra­ge­nen über­ein­stim­men. Hat sich der Gesell­schaf­ter­be­stand geän­dert, muss die­se Ände­rung des­halb nicht nur im Grund­buch nach­voll­zo­gen wer­den, son­dern auch auf dem Titel.
Die­ser Nach­weis kann in ent­spre­chen­der Anwen­dung von § 727 ZPO durch Ertei­lung einer Rechts­nach­fol­ge­klau­sel erbracht wer­den.
Der Wech­sel der Gesell­schaf­ter der GbR ist aller­dings kein Fall einer Rechts­nach­fol­ge, weil Schuld­ne­rin des Titels die GbR ist und ihre Stel­lung als Schuld­ne­rin durch den Wech­sel der Gesell­schaf­ter kei­ne Ände­rung erfährt. Die Vor­schrif­ten über die Ertei­lung der Voll­stre­ckungs­klau­sel ent­hal­ten aber seit der Ein­füh­rung des Zwangs zur Ein­tra­gung der Gesell­schaf­ter einer GbR in das Grund­buch eine Lücke. Die Gesell­schaf­ter sind näm­lich, anders als bei den regis­ter­fä­hi­gen rechts­fä­hi­gen Per­so­nen­ge­sell­schaf­ten nicht in ein Gesell­schafts­re­gis­ter ein­zu­tra­gen, son­dern, aller­dings nur im Zusam­men­hang mit der Ein­tra­gung von Ver­fü­gun­gen über Grund­stü­cke oder ande­ren Ein­tra­gun­gen in Bezug auf Grund­stü­cke 6, in das Grund­buch. Ände­run­gen im Gesell­schaf­ter­be­stand wer­den damit nicht als Ände­rung der inter­nen gesell­schafts­recht­li­chen Ver­hält­nis­se behan­delt, was sie eigent­lich sind, son­dern wie eine Ände­rung der recht­li­chen Ver­hält­nis­se am Grund­stück, was sie nicht sind. Für die­sen Son­der­fall sehen die Vor­schrif­ten über die Ertei­lung der Voll­stre­ckungs­klau­sel kei­ne Rege­lun­gen vor.
Die­se Lücke ist nicht beab­sich­tigt. Der Gesetz­ge­ber hat die geän­der­ten Rege­lun­gen für die Ein­tra­gung der GbR nicht geschaf­fen, um ihre Ein­tra­gung in das Grund­buch zu erschwe­ren, son­dern um den Rechts­ver­kehr, ins­be­son­de­re durch die Erstre­ckung des öffent­li­chen Glau­bens des Grund­buchs auf die­ses Gesell­schafts­in­ter­num, zu erleich­tern 7. Er hät­te die­se Lücke, wäre sie auf­ge­fal­len, geschlos­sen. Das wäre mit den Vor­schrif­ten gesche­hen, die der gewähl­ten Rege­lungs­tech­nik am ehes­ten ent­spre­chen. Das sind die Vor­schrif­ten über die Ertei­lung der Voll­stre­ckungs­klau­sel bei einer Rechts­nach­fol­ge. Denn wie die­se wird eine Ver­än­de­rung im Gesell­schaf­ter­be­stand der GbR grund­buch­tech­nisch behan­delt 8.
Die Zustel­lung an eine GbR hat zwar nicht stets an alle Gesell­schaf­ter zu erfol­gen, son­dern nur an einen der zur Geschäfts­füh­rung befug­ten Gesell­schaf­ter 9. Eine wirk­sa­me Zustel­lung an eine GbR wird aber auch erreicht, wenn die Zustel­lung nicht nur an ein­zel­ne, son­dern an alle Gesell­schaf­ter und damit im Ergeb­nis auch an einen zur Geschäfts­füh­rung beru­fe­nen Gesell­schaf­ter erfolgt.
Dabei ändert es an der Wirk­sam­keit der Zustel­lung nichts, dass nur die mit der Rechts­nach­fol­ge­klau­sel ver­se­he­ne Aus­fer­ti­gung des Titels und nicht auch die Urkun­de zuge­stellt wor­den ist, aus der sich die "Rechts­nach­fol­ge", also der Gesell­schaf­ter­wech­sel, ergab. Das wäre zwar nach § 750 Abs. 2 ZPO bei einer Rechts­nach­fol­ge­klau­sel not­wen­dig. Ob das auch dann gilt, wenn mit einer sol­chen Voll­stre­ckungs­klau­sel der Gesell­schaf­ter­wech­sel einer GbR doku­men­tiert wer­den soll, ist zwei­fel­haft.
Denn die Bei­fü­gung der Rechts­nach­fol­geur­kun­de soll dem Schuld­ner die Prü­fung einer wirk­li­chen Rechts­nach­fol­ge erlau­ben ((BGH, Beschlüs­se vom 21.09.2006 – V ZB 76/​06, NJW-RR 2007, 358, 359 Rn. 8 und vom 18. März 2010 – V ZB 124/​09, NJW-RR 2010, 1100, 1102 Rn. 28), um die es in der Sache nicht geht. Die­se Fra­ge kann hier offen blei­ben. Für die Zustel­lung der Urkun­de einer voll­streck­ba­ren Grund­schuld gilt das nach § 800 Abs. 2 ZPO gene­rell nicht, wenn die Rechts­nach­fol­ge, hier der Gesell­schaf­ter­wech­sel, im Grund­buch voll­zo­gen ist.
Erb­fall unpro­ble­ma­tisch
Durch das nach­träg­li­che Able­ben eines Gesell­schaf­ters ist weder die Ertei­lung einer neu­en Rechts­nach­fol­ge­klau­sel noch eine neue oder eine Zustel­lung des mit einer sol­chen Klau­sel ver­se­he­nen Titels not­wen­dig gewor­den.
So war im ent­schie­de­nen Fall der geschäfts­füh­ren­de Gesell­schaf­ter der GbR und vor dem Antrag auf Anord­nung der Zwangs­ver­wal­tung ver­stor­ben. Sein Able­ben hat nach § 6 des Gesell­schafts­ver­trags auch nicht zu einem Anwach­sen sei­nes Anteils an dem Mit­ge­sell­schaf­ter und damit zum Erlö­schen der Gesell­schaft geführt. Viel­mehr ist nach § 6 Abs. 1 des Gesell­schafts­ver­trags an der Stel­le des Ver­stor­be­nen des­sen Erbe Gesell­schaf­ter gewor­den. Die­sen Wech­sel der Gesell­schaf­ter brauch­te die Gläu­bi­ge­rin aber nicht durch eine wei­te­re Rechts­nach­fol­ge­klau­sel doku­men­tie­ren und den Titel auch nicht mit einer sol­chen neu­en Klau­sel erneut zustel­len zu las­sen.
Der Gesell­schaf­ter­wech­sel war bei Anord­nung der Zwangs­ver­wal­tung näm­lich noch nicht in das Grund­buch ein­ge­tra­gen wor­den. Das führ­te in ent­spre­chen­der Anwen­dung von § 1148 Satz 1, § 1192 Abs. 1 BGB dazu, dass für die Gläu­bi­ge­rin die (noch) ein­ge­tra­ge­nen (bis­he­ri­gen) Gesell­schaf­ter als Gesell­schaf­ter der Schuld­ne­rin gal­ten. Unmit­tel­bar bezieht sich die genann­te Vor­schrift zwar nur auf die Ein­tra­gung des Eigen­tü­mers, hier also die Ein­tra­gung der Schuld­ne­rin als Eigen­tü­me­rin. Sie ist aber auf die Ein­tra­gung der Gesell­schaf­ter einer GbR ent­spre­chend anzu­wen­den. Die Vor­schrift hat den Zweck, dem Gläu­bi­ger die Ermitt­lung des Rechts­nach­fol­gers sei­nes Schuld­ners im Inter­es­se einer effek­ti­ven Voll­stre­ckung zu erspa­ren, wenn der bis­he­ri­ge Schuld­ner (noch) im Grund­buch ein­ge­tra­gen ist. Die­sen Zweck könn­te die Vor­schrift bei einer GbR seit der Ein­füh­rung des Zwangs zur Ein­tra­gung auch ihrer Gesell­schaf­ter nur noch ein­ge­schränkt erfül­len, wäre sie wei­ter­hin nur auf die Ein­tra­gung des Eigen­tü­mers anzu­wen­den. Dann näm­lich müss­te der Gläu­bi­ger aus­fin­dig machen, wel­che Gesell­schaf­ter sei­ne Schuld­ne­rin hat, und gege­be­nen­falls ver­su­chen, deren Ein­tra­gung zu errei­chen. Eine sol­che Erschwe­rung des Voll­stre­ckungs­zu­griffs war durch die­se Rechts­än­de­rung nicht beab­sich­tigt. Wie die mit § 899a BGB bewirk­te Erstre­ckung des öffent­li­chen Glau­bens des Grund­buchs auf die­se Ein­tra­gung belegt, soll­te sich der Rechts­ver­kehr im Gegen­teil auf die Ein­tra­gung der Gesell­schaf­ter einer GbR ver­las­sen kön­nen. Dem ent­spricht es, § 1148 Satz 1, § 1192 Abs. 1 BGB auch auf die Ein­tra­gung der Gesell­schaf­ter einer GbR anzu­wen­den. Das hat hier zur Fol­ge, dass die bis­he­ri­gen Gesell­schaf­ter trotz des Todes eines von ihnen wei­ter­hin als Gesell­schaf­ter der GbR gal­ten. Damit aber ent­fällt die Grund­la­ge für die Ertei­lung einer wei­te­ren Rechts­nach­fol­ge­klau­sel und die Not­wen­dig­keit einer erneu­ten Zustel­lung.
Dar­aus folgt wei­ter, dass auch die nach § 146 Abs. 1 i.V.m. § 17 Abs. 1 ZVG zu prü­fen­de Iden­ti­tät nicht nur der Schuld­ne­rin und der Eigen­tü­me­rin, son­dern auch ihrer Gesell­schaf­ter gege­ben war.
Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 2. Dezem­ber 2010 – V ZB 84/​10
BGH, Beschluss vom 04.12.2008 – V ZB 74/​08, BGHZ 179, 102, 107 f. Rn. 11 f.; Krü­ger, NZG 2010, 801, 802 f.[↩]
vom 11. August 2009, BGBl. I S. 2713[↩]
Beschluss­emp­feh­lung zum ERVGBG in BT-Drs. 16/​13437 S. 24[↩]
so Beschluss­emp­feh­lung zum ERVGBG in BT-Drs. 16/​13437 S. 24, l. Sp.[↩]
Krü­ger, NZG 2010, 801, 805 f.[↩]
Beschluss­emp­feh­lung zum ERVGBG in BT-Drs. 16/​13437 S. 24, 26 f.[↩]
Beschluss­emp­feh­lung zum ERVGBG in BT-Drs. 16/​13437 S. 25[↩]
BGH, Beschluss vom 06.04.2006 – V ZB 158/​05, NJW 2006, 2191 f. Rn. 11, 13[↩]
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