Source: https://www.wirtschaftslupe.de/innergemeinschaftliche-lieferung-bzst-4118495/
Timestamp: 2019-11-15 12:13:08
Document Index: 120610067

Matched Legal Cases: ['§ 2', '§ 27', 'Art. 214', '§ 6', '§ 17', '§ 6', '§ 17', '§ 6', '§ 6', '§ 17', '§ 6', 'EuG', 'EuG']

Innergemeinschaftliche Lieferung — und die vom BZSt bestätigte USt-Id-Nr. | Wirtschaftslupe
Innergemeinschaftliche Lieferung — und die vom BZSt bestätigte USt-Id-Nr.
Das BZSt bestätigt auf Anfrage dem Unternehmer i.S. des § 2 UStG die Gültigkeit ein­er USt-Id-Nr. sowie den Namen und die Anschrift der Per­son, der die USt-Id-Nr. von einem anderen Mit­glied­staat erteilt wurde.
Die USt-Id-Nr. (§ 27a UStG) bzw. die Mehrw­ert­s­teuer-Iden­ti­fika­tion­snum­mer (Art. 214 der Richtlin­ie des Rates vom 28.11.2006 über das gemein­same Mehrw­ert­s­teuer­sys­tem 2006/112/EG) sind zwar keine materiell-rechtlichen Voraus­set­zun­gen der innerge­mein­schaftlichen Liefer­ung1, sie erlan­gen aber Bedeu­tung für die Steuer­frei­heit auf­grund des Beleg- und Buch­nach­weis­es (§ 6a Abs. 3 UStG i.V.m. §§ 17a ff. USt­DV) sowie für die Steuer­frei­heit auf­grund Ver­trauenss­chutzes (§ 6a Abs. 4 UStG).
Die USt-Id-Nr. des Abnehmers (§ 17c Abs. 1 Satz 1 USt­DV) ist Teil des vom Unternehmer zu führen­den Buch­nach­weis­es. Aufzuze­ich­nen ist die richtige USt-Id-Nr. des wirk­lichen Abnehmers; diese muss im Zeit­punkt der Liefer­ung noch gültig sein2. Im Stre­it­fall hat die Klägerin zwar die bei Liefer­ung noch gültige USt-Id-Nr. des MP aufgeze­ich­net. Da es sich aber bei dieser Fir­ma ‑was unstrit­tig ist- um keinen Unternehmer han­delt, ent­fällt die Beweiskraft dieser buch­mäßi­gen Aufze­ich­nung. Es kann daher insoweit nicht zu ein­er Inanspruch­nahme der Steuer­frei­heit auf formeller Beweis­grund­lage kom­men3.
Die Steuer­frei­heit auf­grund Ver­trauenss­chutzes nach § 6a Abs. 4 UStG set­zt u.a. voraus, dass der Unternehmer den Nach­weispflicht­en nach § 6a Abs. 3 UStG i.V.m. §§ 17a ff. USt­DV ihrer Art nach nachgekom­men ist4. Maßge­blich hier­für ist die formelle Voll­ständigkeit, nicht aber auch die inhaltliche Richtigkeit der Beleg- und Buchangaben, da § 6a Abs. 4 UStG das Ver­trauen auf unrichtige Abnehmerangaben schützt5. Dafür genügt die Aufze­ich­nung ein­er im Zeit­punkt der Liefer­ung gülti­gen USt-Id-Nr. des Abnehmers, sodass die ‑im Stre­it­fall erfol­gte- rück­wirk­ende Löschung dieser USt-Id-Nr. nach Aus­führung der Liefer­ung nicht zulas­ten des gut­gläu­bi­gen Lief­er­ers berück­sichtigt wer­den kann. Denn es wider­spräche dem Grund­satz der Ver­hält­nis­mäßigkeit, den Verkäufer allein deshalb zur Mehrw­ert­s­teuer her­anzuziehen, weil die Mehrw­ert­s­teuer-Iden­ti­fika­tion­snum­mer des Erwer­bers rück­wirk­end aus dem Reg­is­ter gelöscht wurde6.
Selb­st wenn ganz erhe­bliche und auf den ersten Blick erkennbare Unter­schiede hin­sichtlich der Unter­schrift auf den Abhol­bele­gen für drei PKW und dem Reisep­a­ss vorhan­den sind7 und diese Abwe­ichun­gen allein oder zusam­men mit den ver­schiede­nen Angaben der Klägerin über den Abholvor­gang für die vier am 31.08.2010 verkauften PKW geeignet wären, Zweifel hin­sichtlich der Per­son des tat­säch­lichen Abnehmers und der unternehmerischen Ver­wen­dung der verkauften PKW im übri­gen Gemein­schafts­ge­bi­et zu begrün­den, sind kein­er­lei Anhalt­spunk­te dafür fest­gestellt, dass die Klägerin bere­its bei dem davor liegen­den Verkauf vom 18.08.2010 und dem danach erfol­gten Verkauf vom 23.10.2010 die Sorgfalt eines ordentlichen Kauf­manns nicht beachtet hätte. Die bloße Ver­mu­tung, dass die Geschehnisse am 31.08.2010 zwis­chen der Klägerin und MP “möglicher­weise” bere­its am 18.08.2010 abge­sprochen wor­den seien, ist jeden­falls nicht aus­re­ichend, um einem Steuerpflichti­gen den auf­grund der sein­erzeit gülti­gen USt-Id-Nr. beste­hen­den Ver­trauenss­chutz auch für solche Liefer­un­gen zu ver­sagen, in denen zu beson­der­er Sorgfalt ver­an­lassende Umstände wed­er fest­gestellt noch offen­sichtlich sind.
Bun­des­fi­nanzhof, Beschluss vom 2. Novem­ber 2016 — V B 72/16
vgl. hierzu EuGH, Urteil Plöckl vom 20.10.2016 — C‑24/15, EU:C:2016:791, Rz 41 [↩]
BFH, Beschluss vom 02.04.1997 — V B 159/96, BFH/NV 1997, 629 [↩]
BFH, Urteil vom 10.08.2016 — V R 45/15, Deutsches Steuer­recht ‑DStR- 2016, 2402 [↩]
BFH, Urteile in DStR 2016, 2402, sowie vom 12.05.2011 — V R 46/10, BFHE 234, 436, BSt­Bl II 2011, 957, Rz 30 [↩]
BFH, Urteile in BFHE 234, 436, BSt­Bl II 2011, 957; und vom 15.02.2012 — XI R 42/10, BFH/NV 2012, 1188 [↩]
EuGH, Urteile vom 09.10.2014 — C‑492/13, EU:C:2014:2267, Rz 36, sowie Mec­sek-Gabona vom 06.09.2012 — C‑273/11, EU:C:2012:547, Rz 63 und 64 [↩]
vgl. BFH, Urteil vom 14.11.2012 — XI R 17/12, BFHE 239, 516, BSt­Bl II 2013, 407, Leit­satz 1 sowie Rz 26 [↩]