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Timestamp: 2020-07-13 19:24:39
Document Index: 201002311

Matched Legal Cases: ['§ 23', '§ 17', 'Art. 67', 'Art. 267', 'Art. 1', 'Art. 67', 'EuG', '§ 23', '§ 17', '§ 23', 'EuG', 'Art. 1', 'EuG']

Kündigung bei den Stationierungsstreitkräften - und der Kündigungsschutz | Rechtslupe
Kündigung bei den Stationierungsstreitkräften - und der Kündigungsschutz
Kün­di­gung bei den Sta­tio­nie­rungs­streit­kräf­ten – und der Kün­di­gungs­schutz
Nach § 23 Abs. 2 Satz 1 KSchG gel­ten die Vor­schrif­ten des Drit­ten Abschnitts des Geset­zes für Betrie­be, die von einer öffent­li­chen Ver­wal­tung geführt wer­den, soweit sie wirt­schaft­li­che Zwe­cke ver­fol­gen. Zur öffent­li­chen Ver­wal­tung zäh­len auch die Sta­tio­nie­rungs­streit­kräf­te [1]. Wirt­schaft­li­che Zwe­cke wer­den ver­folgt, wenn die Dienst­stel­le sich wie ein pri­vat­wirt­schaft­lich geführ­ter Betrieb am – pri­va­ten – Wirt­schafts­le­ben betei­ligt [2]. Unter die­sen Umstän­den soll die öffent­li­che Ver­wal­tung nicht anders behan­delt wer­den als Unter­neh­men der Pri­vat­wirt­schaft [3]. Öffent­li­che Betrie­be, die kei­ne wirt­schaft­li­chen Zwe­cke ver­fol­gen, unter­fal­len hin­ge­gen nicht den §§ 17 bis 22 KSchG [4].
Im vor­lie­gen­den Fall wur­den in der Beschäf­ti­gungs­dienst­stel­le wur­den kei­ne wirt­schaft­li­chen Zwe­cke ver­folgt. Die dort betrie­be­nen Ein­rich­tun­gen dien­ten aus­schließ­lich der Ver­sor­gung von Mit­glie­dern der Streit­kräf­te und ihren Ange­hö­ri­gen. Gemäß Art. 67 Abs. 1 Satz 3 ZA-NTS wer­den Lie­fe­run­gen und Leis­tun­gen der Trup­pe an ihre Mit­glie­der, an die Mit­glie­der des zivi­len Gefol­ges sowie an deren Ange­hö­ri­ge aus­drück­lich nicht als Betei­li­gung am deut­schen Wirt­schafts­ver­kehr ange­se­hen.
Das Uni­ons­recht gibt kein ande­res Ergeb­nis vor. Das kann das Bun­des­ar­beits­ge­richt ohne Vor­la­ge an den Gerichts­hof der Euro­päi­schen Uni­on nach Art. 267 AEUV ent­schei­den.
Buchst. b der Richt­li­nie 98/​59/​EG des Rates vom 20.07.1998 zur Anglei­chung der Rechts­vor­schrif­ten der Mit­glied­staa­ten über Mas­sen­ent­las­sun­gen [5] nimmt Arbeit­neh­mer öffent­li­cher Ver­wal­tun­gen oder von Ein­rich­tun­gen des öffent­li­chen Rechts nach sei­nem Wort­laut ohne Ein­schrän­kung vom Anwen­dungs­be­reich der Richt­li­nie aus. Die MERL bean­sprucht des­halb nach der Recht­spre­chung des Euro­päi­schen Gerichts­hofs schlech­ter­dings kei­ne Gel­tung für die Streit­kräf­te von Dritt­staa­ten und deren zivi­le Mit­ar­bei­ter [6].
Nach einer im Schrift­tum ver­tre­te­nen Auf­fas­sung wird unter Hin­weis auf Art. 1 Abs. 1 Buchst. c der Richt­li­nie 2001/​23/​EG des Rates vom 12.03.2001 zur Anglei­chung der Rechts­vor­schrif­ten der Mit­glied­staa­ten über die Wah­rung von Ansprü­chen der Arbeit­neh­mer beim Über­gang von Unter­neh­men, Betrie­ben oder Unter­neh­mens- oder Betriebs­tei­len (Betriebs­über­gangs-Richt­li­nie) [7] ange­nom­men, dass in die MERL eine den Anwen­dungs­be­reich eröff­nen­de Rück­aus­nah­me für sol­che Betrie­be der öffent­li­chen Hand hin­ein­zu­le­sen sei, die wirt­schaft­li­che Tätig­kei­ten aus­üben [8].
Es kann dahin­ste­hen, ob dem für Betrie­be der öffent­li­chen Ver­wal­tung im All­ge­mei­nen und für sol­che von Sta­tio­nie­rungs­streit­kräf­ten im Beson­de­ren zu fol­gen ist. Die in der Betriebs­über­gangs-Richt­li­nie ent­hal­te­ne Rück­aus­nah­me wäre jeden­falls nur eröff­net, wenn in dem betref­fen­den Betrieb oder der Dienst­stel­le kei­ne Tätig­kei­ten auf­grund hoheit­li­cher Befug­nis­se aus­ge­übt wer­den, bei denen in hin­rei­chend qua­li­fi­zier­ter Wei­se von Son­der­rech­ten, Hoheits­pri­vi­le­gi­en oder Zwangs­be­fug­nis­sen Gebrauch gemacht wird, son­dern sol­che Tätig­kei­ten, die im Wett­be­werb mit den Dienst­leis­tun­gen von Wirt­schafts­teil­neh­mern ste­hen, die ihrer­seits einen Erwerbs­zweck ver­fol­gen [9]. Danach wäre die Beschäf­ti­gungs­dienst­stel­le des Arbeit­neh­mers nicht in den Gel­tungs­be­reich der MERL gefal­len, weil die Streit­kräf­te die dor­ti­gen Ver­sor­gungs­ein­rich­tun­gen gemäß Art. 67 ZA-NTS unter Inan­spruch­nah­me erheb­li­cher Son­der­rech­te und Pri­vi­le­gi­en hin­sicht­lich von Zöl­len und Ein­fuhr­ab­ga­ben und bezüg­lich der Umsatz­steu­er betrie­ben haben.
Bun­des­ar­beits­ge­richt, Urteil vom 15. Dezem­ber 2016 – 2 AZR 867/​15
EuGH 18.10.2012 – C‑583/​10 – [Nolan] Rn. 34; BAG 21.05.1970 – 2 AZR 294/​69, zu I 3 c der Grün­de, BAGE 22, 336[↩]
BAG 22.09.2005 – 2 AZR 544/​04, zu B V 2 der Grün­de; APS/​Moll 4. Aufl. § 23 KSchG Rn. 43; ErfK/​Kiel 16. Aufl. § 17 KSchG Rn. 5[↩]
Löwisch/​Spinner/​Wertheimer/​Löwisch 10. Aufl. § 23 Rn. 43[↩]
BAG 6.07.2006 – 2 AZR 442/​05, Rn. 63[↩]
MERL – ABl. L 225 vom 12.08.1998 S. 16[↩]
EuGH 18.10.2012 – C‑583/​10 – [Nolan] Rn. 32 ff.[↩]
ABl. L 82 vom 22.03.2001 S. 16[↩]
EUArbR/​Spelge RL 98/​59/​EG Art. 1 Rn. 3[↩]
st. Rspr. EuGH 6.09.2011 – C‑108/​10 – [Scat­to­lon] Rn. 44, Slg. 2011, I‑7491[↩]
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