Source: https://www.anwalt24.de/urteile/bgh/2015-01-23/v-zr-184_14
Timestamp: 2018-01-23 23:47:15
Document Index: 271290606

Matched Legal Cases: ['BGH', '§ 1020', 'BGH', '§ 1020', '§ 1004', '§ 1020', 'BGH', 'BGH', '§ 562']

BGH, 23.01.2015 - V ZR 184/14 - Anspruch des Eigentümer eines mit einer Grunddienstbarkeit belasteten Grundstücks auf Verschließen eines auf dem Weg angebrachten Tores | anwalt24.de
Urt. v. 23.01.2015, Az.: V ZR 184/14
Anspruch des Eigentümer eines mit einer Grunddienstbarkeit belasteten Grundstücks auf Verschließen eines auf dem Weg angebrachten Tores
Referenz: JurionRS 2015, 15722
Aktenzeichen: V ZR 184/14
OLG Karlsruhe - 25.07.2014 - AZ: 12 U 155/13
§ 1020 S. 1 BGB
FStBW 2016, 32-33
FStHe 2016, 127-128
GV/RP 2016, 215-216
JurBüro 2015, 502
JZ 2015, 337-338
MDR 2015, 642-643
NJW-RR 2015, 785-786
NJW-Spezial 2015, 419
NotBZ 2015, 379-380
NZM 2015, 467-468
RdW 2015, 608
WM 2015, 1432-1434
ZAP EN-Nr. 500/2015
ZAP 2015, 649
ZNotP 2015, 142-143
Der V. Zivilsenat des Bundesgerichtshofs hat auf die mündliche Verhandlung vom 23. Januar 2015 durch die Vorsitzende Richterin Dr. Stresemann, die Richterin Prof. Dr. Schmidt-Räntsch und die Richter Dr. Czub, Dr. Kazele und Dr. Göbel
1. Über die Revision des Widerklägers ist durch Versäumnisurteil zu entscheiden. Inhaltlich beruht das Urteil jedoch nicht auf der Säumnis, sondern auf einer Sachprüfung (vgl. Senat, Urteil vom 4. April 1962 - V ZR 110/60, BGHZ 37, 79, 82).
aa) Gemäß § 1020 Satz 1 BGB hat der Berechtigte bei der Ausübung einer Grunddienstbarkeit das Interesse des Eigentümers des belasteten Grundstücks tunlichst zu schonen. Verstößt er gegen diese Pflicht, stellt dies eine Eigentumsbeeinträchtigung im Sinne des § 1004 Abs. 1 BGB dar (vgl. Senat, Urteil vom 19. September 2008 - V ZR 164/07, NJW 2008, 3703, 3704). Entsprechendes gilt für die Personen, die wie die Widerbeklagten ihr Besitzrecht von dem Dienstbarkeitsberechtigten ableiten (Senat, Urteil vom 21. Mai 1971 - V ZR 8/69, WM 1971, 960, 962).
bb) Bei der Prüfung, ob eine Dienstbarkeit schonend ausgeübt wird, sind das Interesse des Grundstückseigentümers an der ungehinderten Nutzung seines Grundstücks und das Interesse des Begünstigen an der sachgemäßen Ausübung seines Rechts gegeneinander abzuwägen (Senat, Urteil vom 6. Februar 2004 - V ZR 196/03, NotBZ 2004, 307, 310 mwN). Das Ergebnis hängt von den Umständen des Einzelfalls ab (RGRK/Rothe, BGB, 12. Aufl., § 1020 Rn. 3); hierzu zählen auch individuelle, in der Person des Dienstbarkeitsberechtigten bzw. des Dienstbarkeitsverpflichteten begründete Gegebenheiten.
cc) Die Abwägung ist daher eine Frage der tatrichterlichen Würdigung und revisionsrechtlich nur darauf überprüfbar, ob der Tatrichter wesentliche Umstände übersehen oder nicht vollständig gewürdigt, Denkgesetze oder Erfahrungssätze verletzt oder von der Revision gerügte Verfahrensfehler begangen hat (vgl. zur Kündigung aus wichtigem Grund BGH, Urteil vom 1. Dezember 1993 - VIII ZR 129/92, NJW 1994, 443, 444; BGH, Urteil vom 25. März 1993 - X ZR 17/92, NJW 1993, 1972, 1973). Ein solcher Fehler liegt hier aber vor. Das Berufungsgericht hat wesentliche Abwägungsgesichtspunkte nicht berücksichtigt.
Das Berufungsurteil ist wegen des aufgezeigten Rechtsfehlers im Umfang der Anfechtung aufzuheben. Die Sache ist an das Berufungsgericht zurückzuverweisen (§§ 562 Abs. 1, 563 Abs. 1 Satz 1 ZPO), damit die notwenigen weiteren Feststellungen getroffen werden können. Den Parteien ist zuvor Gelegenheit zu ergänzendem Vortrag zu geben.
Verkündet am: 23. Januar 2015