Source: http://www.steuerlinks.de/richtlinie/aeao/abs176.html
Timestamp: 2019-02-17 15:13:46
Document Index: 324317354

Matched Legal Cases: ['§ 234', '§ 234', '§ 234', '§ 175', '§ 234', '§ 157', '§ 87', '§ 175', '§ 239', '§ 131', '§ 175', '§ 239', '§ 238', '§ 234', '§ 108', '§ 238', '§ 41', '§ 238', '§ 238', '§ 37', '§ 233', '§ 129', '§ 239', '§ 239', '§ 238', '§ 239', '§ 239', '§ 239', '§ 233', '§ 234', '§ 233', '§ 347', '§ 234', '§ 37']

Abschnitt 176 AEAO hier in der aktuellen Fassung
> Abschnitt 176 AEAO AEAO zu § 234 - Stundungszinsen:
Abschnitt 176 AEAO
AEAO zu § 234 - Stundungszinsen:
[ Abschnitt 175 AEAO ]
[ Abschnitt 177 AEAO ]
Stundungszinsen werden für die Dauer der gewährten Stundung erhoben. Die Höhe der Zinsen ändert sich nicht, wenn der Steuerpflichtige vor oder nach dem Zahlungstermin zahlt, der in der Stundungsverfügung festgelegt ist (Sollverzinsung).
Eine vorzeitige Tilgung führt nicht automatisch zu einer Ermäßigung der Stundungszinsen. Soweit der gestundete Anspruch allerdings mehr als einen Monat vor Fälligkeit getilgt wird, kann auf bereits festgesetzte Stundungszinsen für den Zeitraum ab Eingang der Leistung auf Antrag verzichtet werden ( § 234 Abs. 2 AO ). Eine verspätete Zahlung löst zusätzlich Säumniszuschläge aus.
Wird die gestundete Steuerforderung vor Ablauf des Stundungszeitraums herabgesetzt, ist der Zinsbescheid nach § 175 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 AO entsprechend zu ändern. Eine Aufhebung, Änderung oder Berichtigung der Steuerfestsetzung nach Ablauf der Stundung hat keine Auswirkungen auf die Stundungszinsen ( § 234 Abs. 1 Satz 2 AO ). Werden Vorauszahlungen gestundet, sind Stundungszinsen nur im Hinblick auf eine Änderung der Vorauszahlungsfestsetzung, nicht aber im Hinblick auf die Festsetzung der Jahressteuer herabzusetzen.
Die Stundungszinsen werden regelmäßig zusammen mit der Stundungsverfügung durch Zinsbescheid festgesetzt. Die Formvorschriften für Steuerbescheide (§ 157 Abs. 1, ggf. § 87a Abs. 4 AO ) gelten entsprechend.
Sofern nicht besondere Umstände des Einzelfalls eine andere Regelung erfordern, sind die Stundungszinsen zusammen mit der letzten Rate zu erheben. Bei einer Aufhebung der Stundungsverfügung (Rücknahme oder Widerruf) sind auch die auf ihr beruhenden Zinsbescheide aufzuheben oder zu ändern; §§ 175 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 , 171 Abs. 10 AO gelten gem. § 239 Abs. 1 Satz 1 AO entsprechend.
Das Finanzamt hat am 10.3.2004 eine am 25.2.2004 fällige Einkommensteuerforderung von 3.600 € ab Fälligkeit gestundet. Der Betrag ist in 12 gleichen Monatsraten von 300 €, beginnend am 1.4.2004 zu zahlen. Die Zinsen von 117 € sind zusammen mit der letzten Rate am 1.3.2005 zu erheben.
Das Finanzamt erfährt im August 2004, dass eine wesentliche Verbesserung der Vermögensverhältnisse des Schuldners eingetreten ist. Es widerruft deshalb die Stundung nach § 131 Abs. 2 Nr. 3 AO und stellt den gesamten Restbetrag von 2.100 € zum 1.9.2004 fällig.
Der Zinsbescheid ist nach § 175 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 AO zu ändern. Die Zinsen i. H. v. insgesamt 85 € (gerundet nach § 239 Abs. 2 Satz 1 AO ) sind zum 1.9.2004 zu erheben.
Der Zinslauf beginnt bei den Stundungszinsen an dem ersten Tag, für den die Stundung wirksam wird (§ 238 Abs. 1 Satz 2 i. V. m. § 234 Abs. 1 Satz 1 AO ). Bei einer Stundung ab Fälligkeit beginnt der Zinslauf am Tag nach Ablauf der ggf. nach § 108 Abs. 3 AO verlängerten Zahlungsfrist.
Der Zinslauf endet mit Ablauf des letzten Tages, für den die Stundung ausgesprochen worden ist. Ist dieser Tag ein Sonnabend, ein Sonntag oder ein gesetzlicher Feiertag, endet der Zinslauf erst am nächstfolgenden Werktag. Wegen der Berechnung vgl. AEAO zu § 238, Nr. 1.
In Insolvenzverfahren endet der Zinslauf spätestens mit Eröffnung des Insolvenzverfahrens, da zu diesem Zeitpunkt die gestundete Steuerforderung fällig wird ( § 41 Abs. 1 InsO ). Eine bereits erfolgte Festsetzung von Stundungszinsen ist ggf. zu korrigieren.
Stundungszinsen sind nur für volle Monate zu zahlen; angefangene Monate bleiben außer Ansatz ( § 238 Abs. 1 Satz 2 AO ); vgl. AEAO zu § 238, Nr. 1.
Ende der ursprünglichen Zahlungsfrist Beginn des Zinslaufs Ablauf der Stundung nach Stundungsverfügung Ende des Zinslaufs Voller Monat
13.5.2004 (Do) 14.05.2004 (Fr) 13.06.2004 (So) 14.06.2004 (Mo) ja
13.5.2004 (Do) 14.05.2004 (Fr) 11.06.2004 (Fr) 11.06.2004 (Fr) nein
31.1.2005 (Mo) 01.02.2005 (Di) 28.02.2005 (Mo) 28.02.2005 (Mo) ja
Zu verzinsen ist der jeweils gestundete Anspruch aus dem Steuerschuldverhältnis ( § 37 AO ) mit Ausnahme der Ansprüche auf steuerliche Nebenleistungen ( § 233 Satz 2 AO ). Die Zinsen sind für jeden Anspruch (Einzelforderung) besonders zu berechnen. Bei der Zinsberechnung sind die Ansprüche zu trennen, wenn Steuerart, Zeitraum (Teilzeitraum) oder der Tag des Beginns des Zinslaufs voneinander abweichen.
die erstmalige Festsetzung der Einkommensteuer 2004 durch Bescheid vom 3.5.2006 führt zu einer Abschlusszahlung i. H. v. 4.290 €; nach Berichtigung einer offenbaren Unrichtigkeit ( § 129 AO ) durch Steuerbescheid vom 1.6.2006 fordert das Finanzamt weitere 850 €.
Die Kleinbetragsregelung des § 239 Abs. 2 Satz 2 AO (Zinsen unter zehn Euro werden nicht festgesetzt) ist auf die für eine Einzelforderung berechneten Zinsen anzuwenden.
Es werden ab Fälligkeit jeweils für einen Monat folgende Einzelforderungen gestundet: Zinsen: Abgerundet (§ 239 Abs. 2 Satz 1)
Einkommensteuervorauszahlung 1.950,00 € 9,75 € 9,00 €
Solidaritätszuschlag 200,00 € 1,00 € 1,00 €
Umsatzsteuerabschlusszahlung 600,00 € 3,00 € 3,00 €
Bei Gewährung von Ratenzahlungen sind Stundungszinsen nach § 238 Abs. 2 AO wie folgt zu berechnen:
Ein Anspruch i. H. v. 4.215 € wird in drei Monatsraten zu 1.400 €, 1.400 € und 1.415 € gestundet.
Raten: Zinsen:
1. Rate 1.400 € 7,00 €
2. Rate 1.400 € 14,00 €
3. Rate 1.415 € 21,00 €
festzusetzende Zinsen 42,00 €
Die Zinsberechnung erfolgt von 1.415 € ./. 15 € = 1.400 €
Ein Anspruch i. H. v. 4.215 € wird in drei gleichen Monatsraten zu jeweils 1.405 € gestundet.
1. Rate 1.405 € 7,02 €
2. Rate 1.405 € 14,05 €
3. Rate 1.405 € 20,85 €
Summe 41,92 €
festzusetzende Zinsen (abgerundet nach § 239 Abs. 2 Satz 1) 41,00 €
Die Zinsberechnung erfolgt von 1.405 € ./. 15 € = 1.390 €
Sollen mehrere Ansprüche in Raten gestundet werden, so ist bei der Festlegung der Raten möglichst zunächst die Tilgung der Ansprüche anzuordnen, für die keine Stundungszinsen erhoben werden. Sodann sind die Forderungen in der Reihenfolge ihrer Fälligkeit zu ordnen; bei gleichzeitig fällig gewordenen Forderungen soll die niedrigere Forderung zuerst getilgt werden. Dies gilt nicht, wenn die Sicherung der Ansprüche eine andere Tilgungsreihenfolge erfordert.
Das Finanzamt stundet die Einkommensteuervorauszahlung IV/04 i. H. v. 850 € (erstmals fällig am 10.12.2004), die Einkommensteuervorauszahlung I/05 i. H. v. 300 € (erstmals fällig am 10.3.2005), die Einkommensteuer-Abschlusszahlung für 2003 i. H. v. 11.150 € (erstmals fällig 20.5.2005), die Umsatzsteuer-Abschlusszahlung für 2003 i. H. v. 7.800 € (erstmals fällig am 20.5.2005) sowie Verspätungszuschläge i. H. v. 650 € (erstmals fällig am 10.6.2005) in insgesamt drei Raten.
Gestundeter Anspruch Erstmals fällig am Betrag in € 1. Rate in € (14.7.2005) Rest in € 2. Rate in € (14.8.2005) Rest in € 3. Rate in € (14.9.2005) Rest in €
ESt IV/04 10.12.2004 850 850 0 - - - -
ESt I/05 10.03.2005 300 300 0 - - - -
ESt 2003 18.05.2005 11.150 0 11.150 0 11.150 11.150 0
USt 2003 18.05.2005 7.800 800 7.000 3.000 4.000 4.000 0
Verspätungszuschlag 10.06.2005 650 650 0 - - - -
Summen 20.750 2.600 18.150 3.000 15.150 15.150 0
Gestundeter Anspruch Fällig am Zahlungs- termin Betrag in € Zins- monate % Zinsen in € Festzusetzende Zinsen in €
ESt IV/04 10.12.2004 14.07.2005 850 7 3,5 29,75 29,00
ESt I/05 10.03.2005 14.07.2005 300 4 2,0 6,00 0,00
ESt 2003 18.05.2005 14.09.2005 11.150 3 1,5 167,25 167,00
USt 2003 18.05.2005 14.07.2005 800 1 0,5 4,00 94,00
USt 2003 18.05.2005 14.08.2005 3.000 2 1,0 30,00
USt 2003 18.05.2005 14.09.2005 4.000 3 1,5 60,00
Verspätungszuschlag 10.06.2005 14.07.2005 650 - - - -
= 29,75 € werden auf 29,00 € und 167,25 € werden auf 167 € zugunsten des Steuerpflichtigen gerundet (§ 239 Abs. 2 Satz 1 AO).
= Kleinbetrag unter 10 € (§ 239 Abs. 2 Satz 2 AO).
= Ansprüche auf steuerliche Nebenleistungen werden nicht verzinst (§ 233 Satz 2 AO).
Auf die Erhebung von Stundungszinsen kann gem. § 234 Abs. 2 AO im Einzelfall aus Billigkeitsgründen verzichtet werden. Ein solcher Verzicht kann z. B. in Betracht kommen bei Katastrophenfällen, bei länger dauernder Arbeitslosigkeit des Steuerschuldners, bei Liquiditätsschwierigkeiten allein infolge nachweislicher Forderungsausfälle im Konkurs-/Insolvenzverfahren und in ähnlichen Fällen, im Rahmen einer Sanierung, sofern allgemein ein Zinsmoratorium gewährt wird, sowie im Hinblick auf belegbare, demnächst fällig werdende Ansprüche des Steuerschuldners aus einem Steuerschuldverhältnis, soweit hierfür innerhalb des Stundungszeitraums keine Erstattungszinsen gem. § 233a AO anfallen. Auch wird eine Stundung i. d. R. dann zinslos bewilligt werden können, wenn sie einem Steuerpflichtigen gewährt wird, der bisher seinen steuerlichen Pflichten, insbesondere seinen Zahlungspflichten, pünktlich nachgekommen ist und der in der Vergangenheit nicht wiederholt Stundungen in Anspruch genommen hat; in diesen Fällen kommt ein Verzicht auf Stundungszinsen i. d. R. nur in Betracht, wenn für einen Zeitraum von nicht mehr als drei Monaten gestundet wird und der insgesamt zu stundende Betrag 5.000 € nicht übersteigt. Zum Rechtsbehelfsverfahren gegen die Entscheidung über eine Billigkeitsmaßnahme vgl. AEAO zu § 347, Nr. 4.
Wird ein Anspruch auf Rückforderung von Arbeitnehmer-Sparzulage, Eigenheimzulage, Investitionszulage, Wohnungsbau-Prämie oder Bergmanns-Prämie gestundet, so sind - da die Vorschriften über die Steuervergütung entsprechend gelten - Stundungszinsen zu erheben (§ 234 i. V. m. § 37 Abs. 1 AO ).