Source: https://www.bbsr.bund.de/BBSR/DE/FP/MORO/Forschungsfelder/2014/MORORisiko/01_Start.html
Timestamp: 2018-12-15 20:57:41
Document Index: 235317212

Matched Legal Cases: ['§ 1', '§ 1', '§ 8', '§ 3', '§ 1', '§ 1']

Raumbedeutsame Risiken betreffen fast alle Bereiche des gesellschaftlichen Lebens. Sie nehmen gerade in Ballungsräumen mit hohen Bevölkerungsdichten und einer Bündelung von (kritischen) Infrastrukturen sowie in Zeiten des Klimawandels zu.
Bisher dominiert in Deutschland beim Umgang mit Risiken eine sektorale Perspektive, die zudem primär auf eine Abwehr von einzelnen Gefahren abzielt. Die Verwundbarkeit als wesentliche Komponente wird kaum mitbetrachtet und auch eine raumbezogene Multi-Risiko-Betrachtung ausgeblendet, die jedoch angesichts der vielfältigen Wechselwirkungen und kumulativen Effekte geboten wäre.
Ein vorsorgendes Risikomanagement sollte daher sektoren- und ebenenübergreifend entwickelt und in einen strategischen wie dynamischen Ansatz integrierter Regionalentwicklung eingebettet werden. Hier kommt die Raumplanung ins Spiel: Sie verfolgt eine integrierte Perspektive, um die vielfältigen Raumfunktionen und Raumnutzungen im Sinne einer nachhaltigen Raumentwicklung gemäß § 1 ROG in Einklang zu bringen. Ihrem gesetzlichen Auftrag folgend kann sie eine wichtige Rolle in Bezug auf die Risikovorsorge übernehmen.
Aus der Perspektive der Raumordnung zielen mögliche Handlungsoptionen im Risikomanagement
auf den Bestand und die Planung von Raumnutzungen und kritischen Infrastrukturen, etwa durch Information und Kommunikation über gebietsbezogene Risiken: Liegt die Einrichtung/Organisation in einem gefährdeten Gebiet? Wie stark ist die Gefährdung (Frequenz und Magnitude) unter Berücksichtigung der für diese Infrastrukturen typischen Anlagensicherheit?
auf vorbeugende Maßnahmen: flächen- und gebietsbezogene Schutzanforderungen gegenüber Gefährdungen für definierte Schutzgüter, d.h. Raumnutzungen oder -funktionen, die gegenüber den Gefährdungen verwundbar sind. Dies schließt kritische Infrastrukturen wie auch Gefährdungen, die von diesen im Versagensfall ausgehen, mit ein.
Regionalplanerisch relevant sind dabei Risiken aus solchen Gefährdungen, die im Sinne des § 1 Abs. 1 bzw. § 8 Abs. 6 ROG raumbedeutsam sind (also eine überörtliche, überfachliche Betrachtung erfordern, weil ihre Auswirkungen bzw. Vermeidungs- und/oder Bewältigungsstrategien von überörtlicher Bedeutung sind). Dies bedeutet nach § 3 Abs. 6 ROG, dass Raum in Anspruch genommen oder die räumliche Entwicklung oder Funktion eines Gebiets durch Risiken beeinflusst wird, einschließlich des Einsatzes der hierfür vorgesehenen öffentlichen Finanzmittel.
Die sich aus diesen Risiken ergebenden Anforderungen an den Raum sind gemäß § 1 Abs. 1 Nr. 1 ROG aufeinander abzustimmen und die auf der jeweiligen Planungsebene auftretenden Konflikte auszugleichen sowie nach Nr. 2 Vorsorge für einzelne Nutzungen und Funktionen des Raums zu treffen. Maßgabe dafür ist die Leitvorstellung der nachhaltigen Raumentwicklung, die die sozialen und wirtschaftlichen Ansprüche an den Raum mit seinen ökologischen Funktionen in Einklang bringt und zu einer dauerhaften, großräumig ausgewogenen Ordnung mit gleichwertigen Lebensverhältnissen in den Teilräumen führt (§ 1 Abs. 2 ROG).
Das MORO "Vorsorgendes Risikomanagement in der Regionalplanung" hatte zum Ziel, den Risikomanagementansatz für die Raumordnung zu operationalisieren und die Ergebnisse als Empfehlungen für andere Planungsregionen wie auch zur Konkretisierung des weiteren Forschungs- und Erprobungsbedarfs aufzubereiten.
Auftragnehmer des Forschungsprojekts waren agl | Hartz · Saad · Wendl
angewandte geographie, landschafts- stadt- und raumplanung
plan + risk consult – Prof. Dr. Greiving & Partner
Ingenieurgesellschaft für Raumplanung und Umweltforschung.