Source: http://www2.lubw.baden-wuerttemberg.de/public/abt2/dokablage/oac_12/vo/2/2216.htm
Timestamp: 2018-11-21 08:43:19
Document Index: 218743802

Matched Legal Cases: ['§ 2', '§ 4', '§ 4', '§ 6', '§ 4', '§ 24', '§ 64', '§ 4']

Verordnung des Regierungspräsidiums Karlsruhe über das Naturschutzgebiet "Stollhofener Platte" (Gemeinde Rheinmünster, Landkreis Rastatt) vom 21. Dez.1998 (GBl. v. 17.02.1999, S. 69).
Die in § 2 näher bezeichneten Flächen auf dem Gebiet der Gemeinde Rheinmünster, Gemarkungen Söllingen und Stollhofen, werden zum Naturschutzgebiet erklärt. Das Naturschutzgebiet führt die Bezeichnung "Stollhofener Platte".
(1) Das Naturschutzgebiet hat eine Größe von rund 207 ha. Es umfasst Flächen südwestlich, südlich und südöstlich des Flughafens Karlsruhe/Baden-Baden. Es wird im wesentlichen begrenzt im Westen entlang der Gewanne Viehweg, Jägerstück, Wolfackerfeld und Giereneck, im Süden und Osten entlang der K 3761 mit Ausnahme des Gewanns Wirbelfeld und weiter im Norden entlang der ehemaligen Zufahrtsstraße zum Schiftunger Tor. Von dort verläuft die Grenze am Rande des südlichen Dispersals und des inneren Flugplatzzaunes.
(2) Die Grenzen des Naturschutzgebietes sind in einer Übersichtskarte im Maßstab 1:25000 flächig rot sowie in einer Detailkarte im Maßstab 1:5000 mit durchgezogener roter Linie eingetragen. Die Karten sind Bestandteil dieser Verordnung. Die Verordnung mit Karten wird beim Regierungspräsidium Karlsruhe und beim Landratsamt Rastatt auf die Dauer von zwei Wochen, beginnend am Tag nach Verkündung dieser Verordnung im Gesetzblatt, zur kostenlosen Einsicht durch jedermann während der Sprechzeiten öffentlich ausgelegt.
Schutzzweck des Naturschutzgebietes ist die Erhaltung und Förderung eines großflächigen Biotopkomplexes auf der Niederterrasse, der aufgrund einer über Jahrzehnte sehr extensiven Nutzung eines militärischen Sperrgebiets entstanden ist. Dazu gehören:
1. die landesweit in ihrer Größe und Qualität einzigartigen Grünland- und Trockenrasen-Biotoptypen unterschiedlicher Ausprägungen wie Silbergrasfluren, Sandrasen und Straußgraswiesen sowie Heidekrautbestände;
2. die von diesen Offenlandbiotopen hochgradig abhängige und darauf spezialisierte Flora und Fauna mit der landesweit höchsten Anzahl der in Sandgebieten vorkommenden Stechimmenarten sowie einem einzigartigen Vorkommen von Großschmetterlingen und vieler anderer gefährdeter Insektenarten;
3. die im Wald liegenden Trockenrasen, Heidekrautflächen und Sukzessionsflächen, insbesondere als Lebensraum für teilweise vom Aussterben bedrohte Vogelarten.
4. Pflanzenschutzmittel oder Düngemittel zu verwenden;
5. neu aufzuforsten oder Christbaum- und Schmuckreisigkulturen und Vorratspflanzungen von Sträuchern und Bäumen anzulegen.
5. organisierte Veranstaltungen durchzuführen.
(1) Abweichend von § 4 ist es zulässig, die forstwirtschaftliche Bodennutzung auszuüben, wenn sie in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang und ordnungsgemäß im Sinne des Naturschutzgesetzes erfolgt. Voraussetzung ist weiter, daß die gesetzlich geschützten Biotope im Wald erhalten bleiben.
(2) Abweichend von § 4 ist e s zulässig, die Jagd auszuüben, wenn sie ordnungsgemäß im Sinne des Naturschutzgesetzes erfolgt. Voraussetzung ist weiter, daß:
1. Hochsitze nur außerhalb von trittempfindlichen Bereichen und nur landschaftsgerecht aus naturbelassen Hölzern errichtet werden;
3. für die natürliche Wiederverjüngung der vorkommenden Waldgesellschaften angepaßte Wildbestände angestrebt werden;
(3) Unberührt bleiben auch die sonstige bisher rechtmäßigerweise ausgeübte Nutzung der Grundstücke und Gewässer, der rechtmäßigerweise bestehenden Einrichtungen in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang und deren Unterhaltung und Instandsetzung sowie von der höheren Naturschutzbehörde zugelassene Schutz- und Pflegemaßnahmen.
§ 6 Besondere Vorschriften für den Flughafen Karlsruhe/Baden-Baden
(1) Der Betrieb des Flughafens Karlsruhe/Baden-Baden ist zu gewährleisten. Dies gilt insbesondere für Maßnahmen zur Sicherheit des Flugbetriebs sowie für Unterhaltungs- und Instandsetzungsmaßnahmen. § 4 dieser Verordnung ist insoweit nicht anzuwenden.
(2) Die nach Absatz 1 erforderlichen Maßnahmen sind unter größtmöglicher Beachtung des Schutzzwecks durchzuführen. Sie sind der höheren Naturschutzbehörde rechtzeitig vorher anzuzeigen, soweit sie nicht nach anderen gesetzlichen Vorschriften einer Gestattung bedürfen. Der Biotopschutz nach § 24a NatSchG bleibt unberührt.
Ordnungswidrig im Sinne des § 64 Abs. 1 Nr. 2 NatSchG handelt, wer vorsätzlich oder fahrlässig im Naturschutzgebiet nach §§ 4 oder 5 dieser Verordnung verbotene Handlungen vornimmt.
Karlsruhe , den 21.Dez.1998