Source: http://m.hensche.de/Bezugnahmeklausel_Gleichstellungsabrede_Bezugnahmeklauseln_in_Altvertraegen_sind_als_Gleichstellungsabrede_auszulegen_LAG_Berlin-Brdbg_16Sa1228-09-u.html
Timestamp: 2018-06-21 12:08:01
Document Index: 360151589

Matched Legal Cases: ['§ 3', '§ 305', '§ 611', '§ 3', 'Art. 229', '§ 5', 'Art. 229', '§ 5', '§ 305', 'Art. 229', '§ 5', '§ 18', '§ 25', '§ 8', '§ 519', '§ 66', '§ 3', '§ 18', '§ 9', '§ 3', '§ 22', '§ 22', '§ 3', '§ 9', '§ 2', '§ 18', '§ 5', '§ 4', '§ 133', '§ 3', '§ 4', '§ 613', 'Art. 229', '§ 5', '§ 307', 'Art. 229', '§ 5', 'Art. 229', '§ 5', 'Art. 229', '§ 5', 'Art. 229', '§ 5', '§ 305', 'Art. 229', '§ 5', 'Art. 229', '§ 5', '§ 305', '§ 3', 'BGH', '§ 524', '§ 64', '§ 521', '§ 66', '§ 533', '§ 64', '§ 523', '§ 523', '§ 263', '§ 264', '§ 264', '§ 263', 'BGH', '§ 256', '§ 3', '§ 18', '§ 280', '§ 72']

Akten­zeichen: 16 Sa 1228/09
Ent­scheid­ungs­datum: 03.11.2009
Vor­ins­tan­zen: Arbeitsgericht Cottbus, Urteil vom 29.04.2009, 2 Ca 1884/08
am 03. No­vem­ber 2009
hat das Lan­des­ar­beits­ge­richt Ber­lin-Bran­den­burg, 16. Kam­mer,
auf die münd­li­che Ver­hand­lung vom 3. No­vem­ber 2009
durch die Vor­sit­zen­de Rich­te­rin am Lan­des­ar­beits­ge­richt P. als Vor­sit­zen­de
so­wie die eh­ren­amt­li­chen Rich­ter Sch. und B.
Auf die Be­ru­fung der Be­klag­ten wird das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts Cott­bus vom
29. April 2009 – 2 Ca 1884/08 – teil­wei­se ab­geändert.
Die Be­klag­te wird ver­ur­teilt, an die Kläge­rin 613,56 Eu­ro brut­to (sechs­hun­dert­drei­zehn 56/100) nebst Zin­sen in Höhe von 5 Pro­zent­punk­ten über dem Ba­sis­zins­satz
aus 102,26 Eu­ro seit dem 16. Ju­li 2008,
aus 102,26 Eu­ro seit dem 16. Au­gust 2008,
aus 102,26 Eu­ro seit dem 16. Sep­tem­ber 2008,
aus 102,26 Eu­ro seit dem 16. Ok­to­ber 2008,
aus 102,26 Eu­ro seit dem 17. No­vem­ber 2008 und
aus 102,26 Eu­ro seit dem 16. De­zem­ber 2008
Auf die An­schluss­be­ru­fung der Kläge­rin wird
die Be­klag­te ver­ur­teilt, an die Kläge­rin 613,56 Eu­ro brut­to (sechs­hun­dert­drei­zehn 56/100) nebst Zin­sen in Höhe von 5 Pro­zent­punk­ten über dem Ba­sis­zins­satz
aus 102,26 Eu­ro seit dem 16. Ja­nu­ar 2009,
aus 102,26 Eu­ro seit dem 16. Fe­bru­ar 2009,
aus 102,26 Eu­ro seit dem 16. März 2009,
aus 102,26 Eu­ro seit dem 16. April 2009,
aus 102,26 Eu­ro seit dem 16. Mai 2009 und
aus 102,26 Eu­ro seit dem 16. Ju­ni 2009
fest­ge­stellt, dass die Be­klag­te ver­pflich­tet ist, der Kläge­rin ab dem 1. Ju­ni 2009 mo­nat­lich ei­ne über­ta­rif­li­che Zu­la­ge in Höhe von 102,26 Eu­ro brut­to (ein­hun­dert­zwei 26/100) zu zah­len.
Von den Kos­ten des Rechts­streits I. In­stanz hat bei ei­nem Kos­ten­streit­wert von
18.730,19 Eu­ro die Kläge­rin 97 % und die Be­klag­te 3 % zu tra­gen.
Von den Kos­ten der Be­ru­fung hat bei ei­nem Kos­ten­streit­wert von 23.025,11 Eu­ro die Kläge­rin 79 % und die Be­klag­te 21 % zu tra­gen.
Die Par­tei­en strei­ten im Rah­men ei­ner Zah­lungs­kla­ge über die Aus­le­gung ei­ner ar­beits­ver­trag­li­chen Be­zug­nah­me­klau­sel.
Die Kläge­rin wur­de von der Be­klag­ten auf der Grund­la­ge des An­stel­lungs­ver­tra­ges vom 7. Au­gust 1992 ab dem 20. Au­gust 1992 als stell­ver­tre­ten­de Fi­li­al­lei­te­rin ein­ge­stellt. In § 3 des An­stel­lungs­ver­tra­ges ver­ein­bar­ten die Par­tei­en ein Ge­halt in Höhe von 1.743,00 DM brut­to so­wie ei­ne über­ta­rif­li­che Zu­la­ge in Höhe vom 200,00 DM brut­to „un­ter Ver­ein­ba­rung der Ta­rif­grup­pe K 2, 5. Bj.“. Fer­ner ist dort ge­re­gelt, dass sich im Übri­gen das An­stel­lungs­verhält­nis nach den je­weils gel­ten­den Ta­rif­verträgen der in Fra­ge kom­men­den Spar­te rich­tet. We­gen der Ein­zel­hei­ten des Ar­beits­ver­tra­ges wird auf die Ab­lich­tung Blatt 4 der Ak­te Be­zug ge­nom­men. Im Zeit­punkt des Ab­schlus­ses des An­stel­lungs­ver­tra­ges gehörte die Be­klag­te dem Ein­zel­han­dels­ver­band an. Die Kläge­rin war und ist nicht Mit­glied der den Ta­rif­ver­trag für den Ein­zel­han­del des Lan­des Bran­den­burg schließen­den Ge­werk­schaft. Die Geschäfts­an­tei­le an der Be­klag­ten wur­den 1997 von der Z. tex­ti­elSu­pers-Grup­pe über­nom­men. Die Be­klag­te ver­leg­te ih­ren Sitz nach Kle­ve und trat aus dem Ar­beit­ge­ber­ver­band des Ein­zel­han­dels aus.
Die Be­klag­te zahl­te der Kläge­rin bis Ju­ni 2008 ein Ge­halt in Höhe von 1.697,00 EUR brut­to und seit dem 1. Ju­li 2008 ein Ge­halt in Höhe von 1.747,00 EUR brut­to. Mit Schrei­ben vom 3. März 2008 bat die Kläge­rin die Be­klag­te um Zah­lung ih­res Ge­hal­tes ent­spre­chend dem gel­ten­den Ta­rif­recht des Lan­des Bran­den­burg. We­gen der Ein­zel­hei­ten des Schrei­bens wird auf die Ab­lich­tung Blatt 5 der Ak­te Be­zug ge­nom­men. In ih­rem Ant­wort­schrei­ben vom 17. April 2008 teil­te die Be­klag­te der Kläge­rin mit, dass „ih­re Ge­halts­ein­stu­fung ent­spre­chend des für all­ge­mein­ver­bind­lich erklärten Ta­rif­ver­tra­ges des Lan­des Bran­den­burg er­fol­ge“. We­gen der Ein­zel­hei­ten wird auf die Ab­lich­tung Blatt 6 der Ak­te ver­wie­sen. Die Kläge­rin for­der­te die Be­klag­te mit Schrei­ben vom 6. Mai 2008 zur Zah­lung des ta­rif­li­chen Ent­gel­tes auf. Die Be­klag­te wies im Schrei­ben vom 15. Mai 2008 dar­auf hin, dass sie nach Aus­tritt aus dem Ein­zel­han­dels­ver­band Ände­run­gen und Erhöhun­gen des ta­rif­li­chen Ent­gel­tes nicht be­ach­ten müsse. Mit an­walt­li­chem Schrei­ben vom 16. Sep­tem­ber 2008 for­der­te die Kläge­rin die Be­klag­te zur Zah­lung ei­nes mo­nat­li­chen Brut­to­ge­hal­tes nach der Ge­halts­grup­pe K 2 nach dem 7. Be­rufs­jahr nebst Zah­lung der über­ta­rif­li­chen Zu­la­ge in Höhe
von 102,26 EUR auf und be­zif­fer­te ih­re For­de­rung für den Zeit­raum De­zem­ber 2007 bis Ju­ni 2008 auf 2.675,82 EUR brut­to und für Ju­li bis Sep­tem­ber 2008 auf 1.324,71 EUR brut­to. Für den Zeit­raum ab Ok­to­ber 2008 be­gehr­te sie die Zah­lung ei­nes mo­nat­li­chen Brut­to­ent­gel­tes (ein­sch­ließlich der über­ta­rif­li­chen Zu­la­ge in Höhe von 102,26 EUR) in Höhe von 2.138,57 EUR. We­gen der Ein­zel­hei­ten des Schrei­bens wird auf die Ab­lich­tung Blatt 9 ff. der Ak­te Be­zug ge­nom­men.
Mit ih­rer am 17. De­zem­ber 2008 beim Ar­beits­ge­richt Cott­bus ein­ge­gan­ge­nen Kla­ge hat die Kläge­rin von der Be­klag­ten die Zah­lung rückständi­ger Vergütung für die Mo­na­te De­zem­ber 2007 bis No­vem­ber 2008 so­wie die Fest­stel­lung be­gehrt, dass sie ab dem 1. De­zem­ber 2008 Vergütung nach der Vergütungs­grup­pe K 2 nach dem 7. Be­rufs­jahr des Ta­rif­ver­trags Löhne, Gehälter, Aus­bil­dungs­vergütun­gen für den Ein­zel­han­del im Bun­des­land Bran­den­burg zu be­an­spru­chen hat.
Sie hat die Auf­fas­sung ver­tre­ten, die Be­zug­nah­me­klau­sel sei nicht als Gleich­stel­lungs­ab­re­de zu wer­ten. Ei­ne sol­che Aus­le­gung der Klau­sel ver­s­toße ge­gen § 305c Abs. 2 BGB, nach den Über­g­angs­vor­schrif­ten fin­det die­se Norm auch auf so­ge­nann­te Alt­verträge An­wen­dung. Die Be­klag­te ha­be durch die Zah­lung der Son­der­zu­wen­dung bis 2007 zum Aus­druck ge­bracht, dass sie die ar­beits­ver­trag­li­che Be­zug­nah­me­klau­sel für wirk­sam er­ach­te.
1. Die Be­klag­te wird ver­ur­teilt, an die Kläge­rin 4.633,67 EUR brut­to nebst Zin­sen in Höhe von 5 Pro­zent­punk­ten über dem Ba­sis­zins­satz aus 382,26 EUR seit dem 16.01.2008, aus 382,26 EUR seit dem 16.02.2008, aus 382,26 EUR seit dem 16.03.2008, aus 382,26 EUR seit dem 16.04.2008, aus 382,26 EUR seit dem 16.05.2008, aus 382,26 EUR seit dem 16.06.2008, aus 382,26 EUR seit dem 16.07.2008, aus 391,57 EUR seit dem 16.08.2008, aus 391,57 EUR seit dem 16.09.2008, aus 391,57 EUR seit dem 16.10.2008, aus 391,57 EUR seit dem 16.11.2008 und aus 391,57 EUR seit dem 16.12.2008 zu zah­len.
2. Es wird fest­ge­stellt, dass die Kläge­rin ab dem 1. De­zem­ber 2008 Vergütung nach Vergütungs­grup­pe K 2 nach dem 7. Be­rufs­jahr des Ta­rif­ver­tra­ges Löhne, Gehälter, Aus­bil­dungs­vergütun­gen für den Ein­zel­han­del im Bun­des­land Bran­den­burg zu be­an­spru­chen hat.
Sie hat die Auf­fas­sung ver­tre­ten, dass es sich bei der ar­beits­ver­trag­li­chen Be­zug­nah­me­klau­sel um ei­ne so­ge­nann­te Gleich­stel­lungs­ab­re­de han­de­le. Da sie bei Ver­trags­schluss dem Ar­beit­ge­ber­ver­band an­gehört ha­be, und das Bun­des­ar­beits­ge­richt für vor dem 1. Ja­nu­ar 2002 ver­ein­bar­te Be­zug­nah­me­klau­seln an sei­ner bis­he­ri­gen Recht­spre­chung zur Gleich­stel­lungs­ab­re­de fest­hal­te, gel­te der im Zeit­punkt des Ver­bands­aus­tritts 1997 maßgeb­li­che Ta­rif­ver­trag sta­tisch wei­ter.
Das Ar­beits­ge­richt hat mit Ur­teil vom 29. April 2009 der Kla­ge im vol­len Um­fang statt­ge­ge­ben. Zur Be­gründung hat es im We­sent­li­chen Fol­gen­des aus­geführt: Der Kläge­rin ste­he die rückständi­ge Vergütung nach der Vergütungs­grup­pe K 2 nach dem 7. Be­rufs­jahr des Ta­rif­ver­tra­ges Löhne, Gehälter, Aus­bil­dungs­vergütun­gen für den Ein­zel­han­del im Bun­des­land Bran­den­burg nach § 611 BGB i.V.m. § 3 des Ar­beits­ver­tra­ges zu. Bei der ar­beits­ver­trag­li­chen Be­zug­nah­me­klau­sel han­de­le es sich um ei­ne dy­na­mi­sche Ver­wei­sungs­klau­sel. Die Klau­sel sei von der Ta­rif­ge­bun­den­heit der Ar­beit­ge­be­rin un­abhängig. Denn die Klau­sel könne nicht als Ge­stel­lungs­ab­re­de im Sin­ne der frühe­ren Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts ver­stan­den wer­den. Nach der neue­ren Recht­spre­chung des BAG sei­en Klau­seln wie die von der Be­klag­ten ver­wen­de­te Klau­sel von ih­rem Wort­laut her zu ver­ste­hen. Die Klau­sel, nach der sich das An­stel­lungs­verhält­nis nach den je­weils gel­ten­den Ta­rif­verträgen der in Fra­ge kom­men­den Spar­te rich­te, könne auch nicht un­ter dem Ge­sichts­punkt des Ver­trau­ens­schut­zes als Gleich­stel­lungs­ab­re­de ver­stan­den wer­den. Hier wei­che die Kam­mer von der Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­rich­tes ab und schließe sich der Ent­schei­dung des LAG Hes­sen vom 4. De­zem­ber 2008 an. Ver­trau­ens­schutz könne im Hin­blick auf die Aus­le­gung ar­beits­ver­trag­li­cher dy­na­mi­scher Be­zug­nah­me­klau­seln als Gleich­stel­lungs­ab­re­den auch bei feh­len­der Er­kenn­bar­keit des Gleich­stel­lungs­zwe­ckes für Alt­verträge je­den­falls nicht zeit­lich un­be­grenzt gewährt wer­den. Dies wi­derspräche der ge­setz­li­chen Wer­tung des Art. 229 § 5 EGBGB. Der Rechts­ge­dan­ke des Art. 229 § 5 EGBGB müsse zu ei­ner zeit­li­chen Be­gren­zung des Ver­trau­ens­schut­zes für Alt­verträge führen. Die Fra­ge ei­ner Über­g­angs­re­ge­lung hin­sicht­lich sol­cher Re­ge­lun­gen in Dau­er­schuld­verhält­nis­sen wie dem Ar­beits­ver­trag, die nach der vor der Schuld­rechts­re­form gel­ten­den Rechts­la­ge wirk­sam ge­we­sen sei­en, durch die Einführung der §§ 305 ff. BGB aber un­wirk­sam ge­wor­den sei­en, ha­be der Ge­setz­ge­ber mit Art. 229 § 5 EGBGB da­hin­ge­hend gelöst, dass er den Ar­beits­ver­trags­par­tei­en ei­ne zeit­li­che Frist von ei­nem Jahr zur Ver­trags­an­pas­sung ein­geräumt ha­be. Dies stel­le ei­ne ge­setz­li­che Re­ge­lung des Ver­trau­ens­schut­zes für Alt­verträge dar. Die Kläge­rin ha­be den An­spruch auf die Dif­fe­renz ge­genüber der Be­klag­ten
auch in­ner­halb der Ver­fall­frist des § 18 des Man­tel­ta­rif­ver­tra­ges für den Ein­zel­han­del des Lan­des Bran­den­burg gel­tend ge­macht. Sie ha­be in ih­rem Schrei­ben vom 3. März 2008 all­ge­mein Ansprüche auf Zah­lung nach dem Ta­rif­ver­trag gel­tend ge­macht. Da­mit ha­be sie noch nicht ver­fal­le­ne Ansprüche nach der Vergütungs­grup­pe K 2 Al­ters­stu­fe 7 ein­ge­for­dert. Mit die­sem Gel­tend­ma­chungs­schrei­ben ha­be sie au­to­ma­tisch die noch mögli­chen Ansprüche, al­so die nicht ver­fal­le­nen Ansprüche, gel­tend ma­chen wol­len. Ei­ne an­de­re Aus­le­gung wäre nicht fol­ge­rich­tig, denn die Kläge­rin ha­be das Schrei­ben nicht be­grenzt auf die Zu­kunft. Außer­dem sei der Fest­stel­lungs­an­trag zur Fest­stel­lung des Ge­hal­tes nach dem ak­tu­el­len Ta­rif­ver­trag und der Vergütungs­grup­pe K 2 nach dem 7. Be­rufs­jahr zulässig und be­gründet. We­gen der wei­te­ren Ein­zel­hei­ten der Be­gründung wird auf das an­ge­foch­te­ne Ur­teil Be­zug ge­nom­men.
Ge­gen die­ses der Be­klag­ten am 22. Mai 2009 zu­ge­stell­te Ur­teil rich­tet sich ih­re Be­ru­fung, die sie mit ei­nem beim Lan­des­ar­beits­ge­richt am 18. Ju­ni 2009 ein­ge­gan­ge­nen Schrift­satz ein­ge­legt und mit ei­nem beim Lan­des­ar­beits­ge­richt am 20. Ju­li 2009 ein­ge­gan­ge­nen Schrift­satz be­gründet hat.
Die Be­klag­te und Be­ru­fungskläge­rin ver­tritt die Auf­fas­sung, die ar­beits­ver­trag­li­che Be­zug­nah­me­klau­sel sei nach der bis­he­ri­gen Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­rich­tes als Gleich­stel­lungs­ab­re­de aus­zu­le­gen, da der Ver­trag vor dem 1. Ja­nu­ar 2002 ge­schlos­sen wur­de und ihr nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts Ver­trau­ens­schutz zu gewähren sei. Zu­dem sei der An­spruch der Kläge­rin teil­wei­se ver­fal­len, denn die Kläge­rin ha­be mit Schrei­ben vom 3. März 2008 nicht zurück­lie­gen­de Ansprüche gel­tend ge­macht.
das Ur­teil des Ar­beits­ge­rich­tes Cott­bus vom 29. April 2009, Az.: 2 Ca 1884/08, auf­zu­he­ben und die Kla­ge ab­zu­wei­sen.
2. kla­ge­er­wei­ternd die Be­klag­te zu ver­ur­tei­len, an die Kläge­rin 613,56 EUR brut­to nebst Zin­sen in Höhe von 5 Pro­zent­punk­ten über dem Ba­sis­zins­satz aus 102,26 EUR seit dem 16. Ja­nu­ar 2009, aus 102,26 EUR seit dem 16. Fe­bru­ar 2009, aus 102,26 EUR
seit dem 16. März 2009, aus 102,26 EUR seit dem 16. April 2009, aus 102,26 EUR seit dem 16. Mai 2009 und 102,26 EUR seit dem 16. Ju­ni 2009 zu zah­len und
fest­zu­stel­len, dass die Be­klag­te ver­pflich­tet ist, der Kläge­rin ab dem 1. Ju­ni 2009 mo­nat­lich ei­ne über­ta­rif­li­che Zu­la­ge in Höhe von 102,26 EUR brut­to zu zah­len.
Die Kläge­rin und Be­ru­fungs­be­klag­te ver­tei­digt die an­ge­foch­te­ne Ent­schei­dung un­ter Wie­der­ho­lung und Ver­tie­fung ih­res erst­in­stanz­li­chen Vor­brin­gens. Mit ih­rer im Be­ru­fungs­ver­fah­ren er­folg­ten Kla­ge­er­wei­te­rung be­gehrt sie von der Be­klag­ten die Zah­lung der über­ta­rif­li­chen Zu­la­ge in Höhe von 102,26 EUR brut­to (= 200,00 DM) für den Zeit­raum ab 1. De­zem­ber 2008.
Sie ist der Auf­fas­sung, die im Be­ru­fungs­ver­fah­ren gel­tend ge­mach­ten Ansprüche auf Zah­lung der Zu­la­ge sei­en gemäß § 25 MTV ver­fal­len, da sie erst­mals mit Schrift­satz vom 2. Ju­li 2009, ihr zu­ge­stellt am 14. Ju­li 2009, gel­tend ge­macht wor­den sei­en.
We­gen der wei­te­ren Ein­zel­hei­ten des Vor­brin­gens der Par­tei­en wird auf die Schriftsätze der Be­klag­ten und Be­ru­fungskläge­rin vom 20. Ju­li 2009 (Bl. 68 ff. d.A.) und vom 11. Au­gust 2009 (Bl. 78 ff. d.A.) so­wie auf die Schriftsätze der Kläge­rin und Be­ru­fungs­be­klag­ten vom 2. Ju­li 2009 (Bl. 58 ff d.A.) und vom 21. Au­gust 2009 (Bl. 83 ff. d.A.) Be­zug ge­nom­men.
Die gemäß §§ 8 Abs. 2, 64 Abs. 1 und 2 Ar­beits­ge­richts­ge­setz statt­haf­te von der Be­klag­ten form- und frist­ge­recht ein­ge­leg­te und be­gründe­te Be­ru­fung (§§ 519, 520 Abs. 1 und 3 ZPO, § 66 Abs. 1 Satz 1 und 2 ArbGG) ist zulässig und über­wie­gend be­gründet.
A. Die Zah­lungs­kla­ge ist zulässig und teil­wei­se be­gründet.
1. Der Kläge­rin steht ge­genüber der Be­klag­ten ein An­spruch auf Zah­lung der über­ta­rif­li­chen Zu­la­ge in Höhe von 102,26 EUR brut­to gemäß § 3 des Ar­beits­ver­tra­ges für den Zeit­raum Ju­ni 2008 bis No­vem­ber 2008 und so­mit in Höhe von 613,56 EUR brut­to zu.
Die Par­tei­en ha­ben in dem Ar­beits­ver­trag die Zah­lung ei­ner über­ta­rif­li­chen Zu­la­ge in die­ser Höhe ver­ein­bart.
Die Ansprüche wur­den von der Kläge­rin auch in­ner­halb der ta­rif­li­chen Ver­fall­frist gel­tend ge­macht.
Ob auf das Ar­beits­verhält­nis der Par­tei­en der Man­tel­ta­rif­ver­trag für den Ein­zel­han­del im Bun­des­land Bran­den­burg (im Fol­gen­den: MTV) vom 30. Ok­to­ber 1997 in der Fas­sung der 7. Ände­rungs­ver­ein­ba­rung vom 4. Sep­tem­ber 2008, gültig ab 1. Ja­nu­ar 2007, oder der Man­tel­ta­rif­ver­trag vom 30. Ok­to­ber 1997 (in der 1. Fas­sung) zur An­wen­dung ge­langt, kann an die­ser Stel­le da­hin­ste­hen, da bei­de Ta­rif­verträge je­weils in § 18 ei­ne schrift­li­che Gel­tend­ma­chung bin­nen drei Mo­na­ten nach Ab­lauf des Ab­rech­nungs­zeit­rau­mes vor­se­hen. Gemäß § 9 Nr. 9 des MTV hat die mo­nat­li­che Ge­halts­zah­lung spätes­tens am Mo­nats­letz­ten zu er­fol­gen. Die Zah­lung der über­ta­rif­li­chen Zu­la­ge für Ju­ni 2008 war da­her am 30. Ju­ni 2008 fällig und wur­de von der Kläge­rin mit Schrei­ben vom 16. Sep­tem­ber 2008 in­ner­halb von drei Mo­na­ten nach dem Fällig­keits­zeit­punkt und so­mit recht­zei­tig gel­tend ge­macht. Die Zah­lung der Zu­la­ge wur­de dort ei­ner­seits für den Zeit­raum bis Ju­ni 2008 und so­mit für Ju­ni 2008 und ab dem Mo­nat Ju­li 2008 gel­tend ge­macht, denn die Kläge­rin for­der­te die Be­klag­te in die­sem Schrei­ben zur Zah­lung ei­ner von ihr be­zif­fer­ten mo­nat­li­chen Vergütung auf, wo­bei sie die Zu­sam­men­set­zung erläuter­te und aus­drück­lich die Zu­la­ge nann­te und be­zif­fer­te. Da­mit hat die Kläge­rin den An­for­de­run­gen an ei­ne schrift­li­che Gel­tend­ma­chung genügt.
2. Der Kläge­rin steht kein An­spruch auf Zah­lung der über­ta­rif­li­chen Zu­la­ge in Höhe von 613,56 EUR brut­to für die Mo­na­te De­zem­ber 2007 bis Mai 2008 gemäß § 3 des Ar­beits­ver­tra­ges zu, da sie die­se Ansprüche nicht frist­ge­recht gel­tend ge­macht hat.
Zur Gel­tend­ma­chung im Sin­ne ta­rif­li­cher Aus­schluss­fris­ten gehört, die an­de­re Sei­te zur Erfüllung ei­nes be­stimm­ten An­spruchs auf­zu­for­dern. Der An­spruch­in­ha­ber muss un­miss­verständ­lich zum Aus­druck brin­gen, dass er In­ha­ber ei­ner näher be­stimm­ten
For­de­rung ist und auf de­ren Erfüllung be­steht. Dies setzt vor­aus, dass der An­spruch sei­nem Grun­de nach hin­rei­chend deut­lich be­zeich­net und die Höhe des An­spruchs so­wie der Zeit­raum, für den er ver­folgt wird, mit der für den Schuld­ner not­wen­di­gen Deut­lich­keit er­sicht­lich ge­macht wird (vgl. BAG, Ur­teil vom 3. Au­gust 2005 – 10 AZR 559/04 – zi­tiert nach ju­ris, dort Rz. 20; BAG, Ur­teil vom 22. April 2004 – 8 AZR 652/02 – AP Nr. 28 zu §§ 22, 23 BAT-O; BAG, Ur­teil vom 10. De­zem­ber 1997 – 4 AZR 228/96 – AP Nr. 234 zu §§ 22, 23 BAT).
Die­sen An­for­de­run­gen genügt das Schrei­ben der Kläge­rin vom 3. März 2008 nicht, da dort we­der die Zah­lung der über­ta­rif­li­chen Zu­la­ge ge­for­dert wird, noch die Höhe ei­nes sol­chen An­spru­ches be­zif­fert wird noch der Zeit­raum ge­nannt wird, für den Ansprüche be­gehrt wer­den. In­dem die Kläge­rin dort die Be­klag­te zur Zah­lung des Ge­hal­tes nach dem Ta­rif­recht des Lan­des Bran­den­burg un­ter Hin­weis auf die ver­ein­bar­te K 2 und den je­weils gel­ten­den Ta­rif­ver­trag auf­for­dert, macht sie nicht zu­gleich über­ta­rif­li­che Ansprüche gel­tend.
3. Die Kläge­rin kann von der Be­klag­ten nicht die Zah­lung von 3.506,55 EUR brut­to gemäß § 3 des Ar­beits­ver­tra­ges i. V. m. § 9 MTV und § 2 des Ta­rif­ver­tra­ges über Gehälter, Löhne und Aus­bil­dungs­vergütun­gen für den Ein­zel­han­del im Bun­des­land Bran­den­burg vom 12. Ja­nu­ar 2006 (im Fol­gen­den: ETV) als Vergütungs­dif­fe­renz für die Mo­na­te De­zem­ber 2007 bis No­vem­ber 2008 be­an­spru­chen.
a) Ob der Kläge­rin ein An­spruch auf Zah­lung von Vergütungs­dif­fe­ren­zen für die Mo­na­te De­zem­ber 2007 bis Fe­bru­ar 2008 in Höhe von 840,00 EUR brut­to zu­steht, kann da­hin ste­hen, da die Kläge­rin ei­nen sol­chen An­spruch nicht in­ner­halb der Frist des § 18 MTV schrift­lich gel­tend ge­macht hat.
In dem Schrei­ben der Kläge­rin vom 3. März 2008 for­dert die­se die Be­klag­te nicht zur Zah­lung von ei­ner be­zif­fer­ten Vergütungs­dif­fe­renz für ei­nen von ihr be­zeich­ne­ten Zeit­raum auf. Man­gels An­ga­be ei­nes Zeit­rau­mes, für den Ansprüche gel­tend ge­macht wer­den, und auf Grund des feh­len­den Hin­wei­ses, dass al­le jetzt fälli­gen und noch nicht ver­fal­le­ne Ansprüche gel­tend ge­macht wer­den, kann das Schrei­ben nicht als Gel­tend­ma­chung von Ansprüchen für ei­nen zurück­lie­gen­den Zeit­raum ver­stan­den wer­den. Das Schrei­ben genügt nicht den von der Recht­spre­chung ent­wi­ckel­ten Be­stimmt­heits­an­for­de­run­gen.
b) Der Kläge­rin steht ge­genüber der Be­klag­ten kein An­spruch auf Zah­lung rest­li­cher Vergütung für die Mo­na­te März 2008 bis No­vem­ber 2008 in Höhe von 2.666,55 EUR brut­to zu, denn der ETV vom 12. Ja­nu­ar 2006, gültig ab 1. Ju­li 2005, ist auf das Ar­beits­verhält­nis der Par­tei­en nicht an­wend­bar.
Der ETV vom 12. Ja­nu­ar 2006 fin­det nicht gemäß § 5 Abs. 4 TVG An­wen­dung, denn der Ta­rif­ver­trag wur­de nicht für all­ge­mein­ver­bind­lich erklärt. Er ist auch nicht gemäß § 4 Abs. 1 TVG an­wend­bar, denn we­der die Kläge­rin noch die Be­klag­te sind ta­rif­ge­bun­den.
Der ETV vom 12. Ja­nu­ar 2006 ist auch nicht auf Grund ar­beits­ver­trag­li­cher Ver­ein­ba­rung auf das Ar­beits­verhält­nis der Par­tei­en an­wend­bar.
Im Ar­beits­ver­trag vom 7. Au­gust 1992 ha­ben die Par­tei­en die Ta­rif­grup­pe K 2 5. Bj. so­wie ver­ein­bart, dass sich das An­stel­lungs­verhält­nis im Übri­gen nach den je­weils gel­ten­den Ta­rif­verträgen der in Fra­ge kom­men­den Spar­te rich­tet.
Nach der bis­he­ri­gen Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­rich­tes ist ei­ne sol­che Ver­ein­ba­rung als so ge­nann­te Gleich­stel­lungs­ab­re­de aus­zu­le­gen. Nach der bis­he­ri­gen ständi­gen Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­rich­tes ist die Be­zug­nah­me in ei­nem von ei­nem ta­rif­ge­bun­de­nen Ar­beit­ge­ber vor­for­mu­lier­ten Ar­beits­ver­trag auf die für das Ar­beits­verhält­nis ein­schlägi­gen Ta­rif­verträge in der je­wei­li­gen Fas­sung re­gelmäßig als Gleich­stel­lungs­ab­re­de aus­zu­le­gen, wenn an­de­re für die Aus­le­gung die­ser ver­trag­li­chen Be­zug­nah­me gemäß §§ 133, 157 BGB be­deut­sa­me Umstände dem nicht ent­ge­gen­ste­hen (vgl. BAG, Ur­teil vom 14. De­zem­ber 2005 – 4 AZR 536/04 – zi­tiert nach ju­ris, dort Rz. 13). Die­se Aus­le­gungs­re­gel be­ruht auf der Vor­stel­lung, dass mit ei­ner sol­chen Ver­trags­klau­sel nur die et­wa feh­len­de Ta­rif­ge­bun­den­heit des Ar­beit­neh­mers er­setzt wer­den soll. Die Klau­sel soll zur schuld­recht­li­chen An­wen­dung der Ta­rif­verträge auf das Ar­beits­verhält­nis mit dem In­halt führen, wie er für die ta­rif­ge­bun­de­nen Ar­beit­neh­mer gilt. Der Ar­beit­neh­mer nimmt auf Grund ei­ner Gleich­stel­lungs­ab­re­de grundsätz­lich an der Ta­ri­fent­wick­lung der in Be­zug ge­nom­me­nen ein­schlägi­gen Ta­rif­verträge teil. Die­se ver­trag­li­che An­bin­dung an die dy­na­mi­sche Ent­wick­lung der ta­rif­lich ge­re­gel­ten Ar­beits­be­din­gun­gen en­det aber, wenn sie ta­rif­recht­lich auch für ei­nen ta­rif­ge­bun­de­nen Ar­beit­neh­mer en­det, z. B. durch den Aus­tritt des Ar­beit­ge­bers aus dem zuständi­gen Ar­beit­ge­ber­ver­band, durch das Her­aus­fal­len des Be­trie­bes aus dem Gel­tungs­be­reich oder durch den Über­gang des Be­trie­bes oder Teil­be­trie­bes, in dem die be­trof­fe­nen Ar­beit­neh­mer beschäftigt sind, auf ei­nen nicht
ta­rif­ge­bun­de­nen neu­en Ar­beit­ge­ber. Eben­so wie nach den ein­schlägi­gen ta­rif­recht­li­chen Be­stim­mun­gen (§ 3 Abs. 3, § 4 Abs. 5 TVG, § 613 Abs. 1 Satz 2 BGB) in sol­chen Fall­kon­stel­la­tio­nen für den tairft­ge­bun­de­nen Ar­beit­neh­mer die wei­te­ren Ände­run­gen oder Ergänzun­gen der ein­schlägi­gen Ta­rif­verträge man­gels bei­der­sei­ti­ger Ta­rif­ge­bun­den­heit ta­rif­recht­lich nicht mehr gel­ten, fin­den die­se auf Grund der Gleich­stel­lungs­ab­re­de auch nicht mehr in den Ar­beits­verhält­nis­sen der nicht ta­rif­ge­bun­de­nen Ar­beit­neh­mer An­wen­dung (vgl. BAG, Ur­teil vom 14. De­zem­ber 2005, a.a.O.). Die­se Aus­le­gungs­re­gel wur­de von dem Bun­des­ar­beits­ge­richt in sei­nen Ent­schei­dun­gen u. a. da­mit be­gründet, dass sich die nicht primär auf den Wort­laut ab­stel­len­de Aus­le­gung dar­aus recht­fer­ti­ge, dass der Ar­beit­ge­ber bei Ver­trags­schluss das Be­ste­hen ei­ner Mit­glied­schaft in der zuständi­gen Ge­werk­schaft und ei­ne da­durch be­gründe­te Ta­rif­ge­bun­den­heit des Ar­beit­neh­mers in der Re­gel nicht ken­ne und nicht er­fra­gen dürfe. Das ha­be zur Fol­ge, dass der Ar­beit­ge­ber, um die Gleich­stel­lung der bei ihm beschäftig­ten Ar­beit­neh­mer zu er­rei­chen, in al­le Ar­beits­verträge die Be­zug­nah­me­klau­sel auf­neh­me. Nach die­sen durch das Ar­beits­recht vor­struk­tu­rier­ten Be­din­gun­gen bei Ver­trags­schluss sei es ge­bo­ten, bei der Aus­le­gung ei­ner Be­zug­nah­me­klau­sel, so­weit sich aus den kon­kre­ten For­mu­lie­run­gen oder Umständen nichts an­de­res er­ge­be, auf die ty­pi­scher­wei­se vor­lie­gen­den Zweck­be­stim­mun­gen und In­ter­es­sen ab­zu­stim­men. Der Zweck der Be­zug­nah­me­klau­sel in ei­nem von ei­nem ta­rif­ge­bun­de­nen Ar­beit­ge­ber vor­for­mu­lier­ten Ar­beits­ver­trag be­ste­he re­gelmäßig in der Gleich­stel­lung von ta­rif­ge­bun­de­nen und nicht ta­rif­ge­bun­de­nen Ar­beit­neh­mern, d. h. in der gleichmäßigen An­wen­dung der ein­schlägi­gen Ta­rif­verträge, die für die ta­rif­ge­bun­de­nen Ar­beit­neh­mer un­mit­tel­bar und zwin­gend gel­ten, auf al­le Beschäftig­ten. Der Gleich­stel­lungs­zweck be­schränke sich ty­pi­scher­wei­se dar­auf, die mögli­cher­wei­se feh­len­de Ta­rif­ge­bun­den­heit des Ar­beit­neh­mers zu er­set­zen, d. h. ihn ei­nem nicht ta­rif­ge­bun­de­nen Ar­beit­neh­mer gleich­zu­stel­len. Es ge­he mit ei­ner sol­chen Ver­trags­klau­sel nicht dar­um, die­sem Ar­beit­neh­mer un­abhängig von der ta­rif­recht­li­chen Bin­dung des Ar­beit­ge­bers an die Ta­rif­verträge ei­ne dau­ern­de Teil­ha­be an der Ta­ri­fent­wick­lung zu si­chern. Man könne nicht an­neh­men, dass mit der Be­zug­nah­me­klau­sel, die auf die Gleich­stel­lung ab­zie­le, ei­ne dy­na­mi­sche An­wend­bar­keit der Ta­rif­verträge auf Dau­er fest­ge­schrie­ben wer­den sol­le, die über die nor­ma­ti­ve Gel­tung für ta­rif­ge­bun­de­ne Ar­beit­neh­mer hin­aus­ge­he. Eben­so we­nig könne da­von aus­ge­gan­gen wer­den, dass den ta­rif­ge­bun­de­nen Ar­beit­neh­mern, de­ren Ar­beits­ver­trag aus den ge­nann­ten Gründen re­gelmäßig eben­falls ei­ne Be­zug­nah­me­klau­sel ent­hal­te, ar­beits­ver­trag­lich im Sin­ne ei­ner fest­ge­schrie­be­nen dy­na­mi­schen Be­zug­nah­me ei­ne wei­ter­ge­hen­de Be­tei­li­gung an der Ta­ri­fent­wick­lung zu­ge­stan­den wer­den sol­le, als die­se ihm ta­rif­recht­lich zu­ste­he. Die Aus­le­gung ei­ner dy­na­mi­schen Be­zug­nah­me­klau­sel als
Gleich­stel­lungs­ab­re­de schei­de al­ler­dings von vorn­her­ein aus, wenn der Ar­beit­ge­ber selbst nicht ta­rif­ge­bun­den sei oder wenn der Ar­beits­ver­trag auf nach ih­rem Gel­tend­be­reich nicht ein­schlägi­ge Ta­rif­verträge ver­wei­se. In sol­chen Fällen, in de­nen die im Be­zug ge­nom­me­nen Ta­rif­verträge schon bei Ver­trags­schluss auch für ta­rif­ge­bun­de­ne Ar­beit­neh­mer nicht nor­ma­tiv gal­ten, ge­be es für die An­nah­me ei­ner das Aus­le­gungs­er­geb­nis prägen­den Gleich­stel­lungs­ab­sicht kei­ne Grund­la­ge (vgl. BAG, Ur­teil vom 14. De­zem­ber 2005 – 4 AZR 536/04 – zi­tiert nach ju­ris, dort Rz. 16).
Für nach dem 31. De­zem­ber 2001 ab­ge­schlos­se­ne Ar­beits­verträge hat das Bun­des­ar­beits­ge­richt die­se Grundsätze zur Aus­le­gung auf­ge­ge­ben (vgl. Ur­teil vom 18. April 2007 – 4 AZR 652/05 – zi­tiert nach ju­ris, dort Rz. 29). Für Verträge aus der Zeit zu­vor wen­det das BAG die­se Aus­le­gungs­re­geln aus Gründen des Ver­trau­ens­schut­zes wei­ter an. Ei­ne ent­spre­chen­de An­wen­dung der Re­ge­lung in Art. 229 § 5 EGBGB im Sin­ne ei­ner zeit­li­chen be­grenz­ten Klar­stel­lungsmöglich­keit der Klau­sel­ver­wen­der durch ein­zel­ver­trag­li­che Abände­rungs­ge­bo­te hat das Bun­des­ar­beits­ge­richt in sei­nem Ur­teil vom 14. De­zem­ber 2005 (a.a.O., dort Rz. 27) u. a. we­gen der da­durch be­wirk­ten Ver­un­si­che­rung in den Be­trie­ben ver­wor­fen. Das Bun­des­ar­beits­ge­richt hat sich in sei­ner Ent­schei­dung vom 18. April 2007 (– 4 AZR 652/05 – zi­tiert nach ju­ris, dort Rz. 43 ff.) mit der in der Li­te­ra­tur geäußer­ten Kri­tik an dem von ihm gewähl­ten Stich­tag aus­ein­an­der­ge­setzt und an sei­ner im Ur­teil vom 14. De­zem­ber 2005 geäußer­ten An­sicht fest­ge­hal­ten. Es hat u. a. aus­geführt, dass die vor­ge­nom­me­ne ty­pi­sier­te In­ter­es­sen­abwägung im Er­geb­nis zu ei­ner Stich­tags­re­ge­lung führe, die auch im In­ter­es­se von Rechts­si­cher­heit und Rechts­klar­heit zur Gewährung ei­nes Ver­trau­ens­schut­zes und zu sei­ner zeit­li­chen Be­gren­zung er­for­der­lich und ge­eig­net sei (BAG, Ur­teil vom 18. April 2007, a.a.O., dort Rz. 57). Mit dem In­kraft­tre­ten der Schuld­rechts­re­form zum 1. Ja­nu­ar 2002 ist ein Ein­schnitt vor­ge­nom­men wor­den, der zu ei­ner Ände­rung der Ri­si­ko­ver­tei­lung hin­sicht­lich der Fol­gen der Recht­spre­chungsände­rung führen muss. Es ist in­so­weit nicht nur die ma­te­ri­el­le Rechts­la­ge hin­sicht­lich der In­halts­kon­trol­le von vor­for­mu­lier­ten Ar­beits­verträgen erst­mals ge­setz­lich ko­di­fi­ziert wor­den, son­dern es hat da­durch ei­nen er­kenn­ba­ren Pa­ra­dig­men­wech­sel statt­ge­fun­den (BAG, Ur­teil vom 18. April 2007, a.a.O., m.w.N.). Die Aus­le­gung von all­ge­mei­nen Ar­beits­ver­trags­be­din­gun­gen war da­mit auf ein neu­es Fun­da­ment ge­stellt wor­den, auch wenn ein­zel­ne Grundsätze der nun­mehr ge­setz­lich ge­re­gel­ten In­halts­kon­trol­le be­reits vor­her in der höchst­rich­ter­li­chen Recht­spre­chung an­ge­wandt wor­den wa­ren. Da­bei ist nicht nur die Po­si­ti­on der Ver­wen­der von ar­beits­ver­trag­li­chen For­mu­la­ren deut­lich ge­schwächt, son­dern im Ge­gen­zug die Leit­li­nie ei­ner auf den Empfänger- bzw. Ver­brau­cher­ho­ri­zont ab­ge­stell­ten
Sicht­wei­se we­sent­lich gestärkt wor­den, so­dass die Ar­gu­men­te ge­gen die Über­zeu­gungs­kraft der bis­he­ri­gen Recht­spre­chung an Be­deu­tung ge­won­nen ha­ben (BAG, a.a.O.). Die da­mit ver­bun­de­ne Fest­le­gung des Zeit­punk­tes ei­nes re­le­van­ten Wer­te­wan­dels ist zwar nicht für die nun voll­zo­ge­ne Recht­spre­chungsände­rung als sol­che ent­schei­dend. Sie mar­kiert aber die Zeit­gren­ze, die auch und ge­ra­de im Ar­beits­recht bei der Fest­le­gung von Ver­trau­ens­schutz zu ei­ner neu­en Ge­wich­tung der bei­der­sei­ti­gen be­rech­tig­ten In­ter­es­sen führen muss. Der Ge­setz­ge­ber hat mit der Schuld­rechts­no­vel­le u. a. ei­ne er­neu­te nach­hal­ti­ge Auf­for­de­rung an die Ver­wen­der von For­mu­lar­verträgen er­ho­ben, das von ih­nen ge­woll­te auch in der ent­spre­chen­den verständ­li­chen (§ 307 Abs. 1 Satz 2 BGB) Form ein­deu­tig zum Aus­druck zu brin­gen. Das Bun­des­ar­beits­ge­richt sieht es des­halb un­ter die­sem Ge­sichts­punkt un­ter Berück­sich­ti­gung der ge­genläufi­gen und nun­mehr ab dem 1. Ja­nu­ar 2002 wei­ter gestärk­ten be­rech­tig­ten In­ter­es­sen der Ar­beit­neh­mer für die Ar­beit­ge­ber ab In­kraft­tre­ten der Schuld­rechts­re­form nicht mehr als un­zu­mut­ba­re Härte an, wenn sie die Rechts­fol­gen der von ih­nen selbst nach die­sem Zeit­punkt her­vor­ge­brach­ten Dif­fe­renz zwi­schen dem Erklärten und dem Ge­woll­ten auch selbst zu tra­gen ha­ben (BAG, a.a.O. Rz. 58).
Auch in sei­nem Ur­teil vom 10. De­zem­ber 2008 (4 AZR 881/07 – zi­tiert nach ju­ris, dort Rz. 18) hat das Bun­des­ar­beits­ge­richt auf den im dort ent­schie­de­nen Fall 1992 ab­ge­schlos­se­nen Ar­beits­ver­trag aus Gründen des Ver­trau­ens­schut­zes sei­ne bis­he­ri­ge Recht­spre­chung zu der Aus­le­gung von Be­zug­nah­me­klau­seln als Gleich­stel­lungs­ab­re­den an­ge­wandt.
Dem ge­genüber hat das Hes­si­sche Lan­des­ar­beits­ge­richt in sei­nem Ur­teil vom 4. De­zem­ber 2008 – 20 Sa 638/08 – zi­tiert nach ju­ris, dort Rz. 34) aus­geführt, der Ver­trau­ens­schutz im Hin­blick auf die Aus­le­gung ar­beits­ver­trag­li­cher dy­na­mi­scher Be­zug­nah­me­klau­seln als Gleich­stel­lungs­ab­re­den auch bei Feh­len der Er­kenn­bar­keit des Gleich­stel­lungs­zwecks für Alt­verträge könne je­den­falls zeit­lich nicht un­be­grenzt gewährt wer­den. Dies wi­der­spre­che der ge­setz­li­chen Wer­tung, die Art. 229 § 5 EGBGB zu­grun­de lie­ge. Der Rechts­ge­dan­ke des Art. 229 § 5 EGBGB müsse viel­mehr zu ei­ner zeit­li­chen Be­gren­zung des Ver­trau­ens­schut­zes für Alt­verträge bis höchs­tens zum 14. De­zem­ber 2006 führen. Nach der für die Gewährung von Ver­trau­ens­schutz vor­zu­neh­men­den Abwägung zwi­schen dem Rechts­staats­ge­bot ei­ner­seits und dem Ge­bot ma­te­ri­el­ler Ge­rech­tig­keit an­de­rer­seits könne und müsse dem Ar­beit­ge­ber in An­leh­nung an Art. 229 § 5 EGBGB zu­ge­mu­tet wer­den, bin­nen ei­nes Jah­res nach Ankündi­gung der Recht­spre­chungsände­rung durch das Bun­des­ar­beits­ge­richt in der Ent­schei­dung vom 14. De­zem­ber 2005 ei­ne ent­spre­chen­de Ver­tragsände­rung zu be­wir­ken. Die Kon­se­quenz der Ar­gu­men­ta­ti­on
des Bun­des­ar­beits­ge­rich­tes in sei­ner Ent­schei­dung vom 18. April 2007 müsse je­doch die zeit­li­che Be­gren­zung des Ver­trau­ens­schut­zes für Alt­verträge in An­leh­nung an Art. 229 § 5 EGBGB sein. Die Fra­ge der Über­g­angs­re­ge­lung hin­sicht­lich sol­cher Re­ge­lun­gen in Dau­er­schuld­verhält­nis­sen wie den Ar­beits­ver­tra­ges, die nach der vor der Schuld­rechts­re­form gel­ten­den Rechts­la­ge wirk­sam wa­ren, durch die Einführung der §§ 305 ff. BGB aber un­wirk­sam ge­wor­den sind, ha­be der Ge­setz­ge­ber mit Art. 229 § 5 EGBGB da­hin­ge­hend gelöst, dass er den Ar­beits­ver­trags­par­tei­en ei­ne zeit­li­che Frist von ei­nem Jahr zur Ver­trags­an­pas­sung ein­geräumt ha­be. Dies stel­le ei­ne ge­setz­li­che Re­ge­lung des Ver­trau­ens­schut­zes für Alt­verträge be­tref­fend Dau­er­schuld­verhält­nis­sen dar. Im Hin­blick auf die Fra­ge der Wirk­sam­keit von Aus­schluss­fris­ten in For­mu­lar­ar­beits­verträgen ver­wei­se das Bun­des­ar­beits­ge­richt fol­ge­rich­tig dar­auf, der Ge­setz­ge­ber ha­be sich mit Art. 229 § 5 EGBGB für die An­wend­bar­keit der §§ 305 ff. BGB auch auf Verträge ent­schie­den, die bei ih­rem Ab­schluss noch nicht dem An­wen­dungs­be­reich des Rechts all­ge­mei­ner Geschäfts­be­din­gun­gen un­ter­fie­len und ha­be den Ar­beits­ver­trags­par­tei­en da­mit ei­nen zeit­li­chen Spiel­raum eröff­net, sich auf die geänder­te La­ge ein­zu­stel­len. Es stel­le ei­nen Wer­tungs­wi­der­spruch dar, wenn ei­ner­seits vom Ar­beit­ge­ber ver­langt wer­de, bin­nen ei­nes Jah­res ei­ne Ar­beits­ver­tragsände­rung zu be­wir­ken, um ei­ne Klau­sel ab­zuändern, die erst durch die im Rah­men der Schuld­rechts­re­form geänder­te Rechts­la­ge un­wirk­sam ge­wor­den sei, an­de­rer­seits aber zeit­lich völlig un­be­grenz­ten Ver­trau­ens­schutz für ei­ne bloße höchst­rich­ter­li­che Aus­le­gungs­re­gel zu gewähren, die be­reits seit lan­gem ge­wich­ti­ger Kri­tik in Recht­spre­chung und Li­te­ra­tur aus­ge­setzt ge­we­sen sei und für de­ren Ände­rung sich die höchst­rich­ter­li­che Recht­spre­chung ne­ben all­ge­mei­nen zi­vil­recht­li­chen Grundsätzen der Ver­trags­aus­le­gung auf die im Rah­men der Schuld­rechts­re­form geänder­te Rechts­la­ge stütze (Hes­si­sches LAG, a.a.O. Rz. 35).
Die Kam­mer schließt sich den über­zeu­gen­den Ausführun­gen des Bun­des­ar­beits­ge­richts zur Gewährung ei­nes Ver­trau­ens­schut­zes und zu sei­ner zeit­li­chen Be­gren­zung an. Die von dem Hes­si­schen Lan­des­ar­beits­ge­richt geäußer­ten Be­den­ken an ei­ner zeit­lich un­be­fris­te­ten Gewährung ei­nes Ver­trau­ens­schut­zes für vor dem 1. Ja­nu­ar 2002 ab­ge­schlos­se­ne Verträge teilt die Kam­mer nicht.
Da­nach ist bei der Aus­le­gung der Be­zug­nah­me­re­ge­lung im § 3 des An­stel­lungs­ver­tra­ges der Par­tei­en von der bis­he­ri­gen Aus­le­gungs­re­gel des BAG zur Be­zug­nah­me­klau­sel aus­zu­ge­hen.
In An­wen­dung die­ser Grundsätze han­delt es sich bei die­ser Klau­sel um ei­ne Gleich­stel­lungs­ab­re­de. Die Be­klag­te war bei Ab­schluss des Ar­beits­ver­tra­ges ta­rif­ge­bun­den. Mit der For­mu­lie­rung „je­weils gel­ten­de Ta­rif­verträge der in Fra­ge kom­men­den Spar­te“ sind die Ta­rif­verträge für den Ein­zel­han­del im Land Bran­den­burg ge­meint. Der MTV und der ETV für den Ein­zel­han­del im Bun­des­land Bran­den­burg gel­ten in der zur Zeit des Aus­tritts aus dem Ar­beit­ge­ber­ver­band gel­ten­den Fas­sung. Die­se Ta­rif­verträge gel­ten sta­tisch fort. Die nach dem Ver­bands­aus­tritt ge­schlos­se­nen Ent­gelt­ta­rif­verträge kom­men der Kläge­rin nicht zu Gu­te, sie sind auf das Ar­beits­verhält­nis nicht an­wend­bar.
So­weit sich die Kläge­rin dar­auf be­ruft, dass die Be­klag­te durch die Zah­lung der Son­der­zu­wen­dung bis 2001 von der Maßgeb­lich­keit der ak­tu­el­len Ta­rif­verträge für den Ein­zel­han­del im Bun­des­land Bran­den­burg aus­ge­gan­gen sei, führt dies zu kei­ner an­de­ren Be­ur­tei­lung.
Ta­rif­verträge können auf Grund be­trieb­li­cher Übung zur An­wen­dung ge­lan­gen. Die Zah­lung ei­ner Son­der­zu­wen­dung auf Grund ei­nes Ta­rif­ver­tra­ges be­gründet je­doch kei­ne auf die An­wen­dung des Ent­gelt­ta­rif­ver­tra­ges ge­rich­te­te be­trieb­li­che Übung.
B. Die zulässi­ge Fest­stel­lungs­kla­ge ist nicht be­gründet. In­so­weit wird auf das oben un­ter I.A.3 b Aus­geführ­te Be­zug ge­nom­men.
Die An­schluss­be­ru­fung der Kläge­rin ist zulässig und be­gründet.
1. Die im Be­ru­fungs­ver­fah­ren vor­ge­nom­me­ne Er­wei­te­rung der Kla­ge durch die Kläge­rin stellt ei­ne An­schluss­be­ru­fung dar. Der in ers­ter In­stanz voll ob­sie­gen­de Kläger kann zum Zwe­cke der Kla­ge­er­wei­te­rung An­schluss­be­ru­fung ein­le­gen (vgl. BAG, Ur­teil vom 30. Mai 2006 - 1 AZR 111/05 - zi­tiert nach ju­ris, Rz. 42; BAG, Ur­teil vom 29. Sep­tem­ber 1993 - 4 AZR 693/92 - zi­tiert nach ju­ris). Ei­ner Be­zeich­nung der An­schluss­be­ru­fung als sol­cher be­darf es nicht (vgl. BGH, Ur­teil vom 3. No­vem­ber 1989 - V ZR 143/87 - NJW 1990, S. 447).
Die An­schluss­be­ru­fung ist frist­ge­recht ein­ge­legt wor­den und ist auch im Übri­gen zulässig. Nach § 524 Abs. 2 Satz 2 ZPO i.V.m. § 64 Abs. 6 Satz 1 ArbGG ist ei­ne An­schluss­be­ru­fung
zulässig bis zum Ab­lauf der dem Be­ru­fungs­be­klag­ten ge­setz­ten Frist zur Be­ru­fungs­er­wi­de­rung. Im ar­beits­ge­richt­li­chen Ver­fah­ren wird zwar an­ders als nach § 521 Abs. 2 Satz 1 ZPO dem Be­ru­fungs­be­klag­ten - vom Ge­richt - kei­ne Frist zur Be­ru­fungs­er­wi­de­rung „ge­setzt“; viel­mehr gilt für die Be­ru­fungs­be­ant­wor­tung die durch § 66 Abs. 1 Satz 3 ArbGG be­stimm­te ge­setz­li­che Frist. Ei­ne nicht in­ner­halb ei­nes Mo­nats nach Zu­stel­lung der Be­ru­fungs­be­gründung ein­ge­leg­te An­schluss­be­ru­fung ist grundsätz­lich un­zulässig (vgl. BAG, Ur­teil vom 30. Mai 2006 - 1 AZR 111/05 - zi­tiert nach ju­ris, Rz. 45 m.w.N.).
Im Zeit­punkt der Ein­le­gung am 4. Ju­li 2009 war die Frist zur Be­ru­fungs­be­ant­wor­tung noch nicht ab­ge­lau­fen, da die Be­ru­fungs­be­gründung der Kläge­rin erst nach Ein­gang der An­schluss­be­ru­fung am 28. Ju­li 2009 zu­ge­stellt wor­den war.
2. Die An­schluss­be­ru­fung ist auch be­gründet.
a. Die von der Kläge­rin in zwei­ter In­stanz vor­ge­nom­me­ne Kla­ge­er­wei­te­rung ist gemäß § 533 ZPO zulässig. Sie ist auch sach­dien­lich.
Wer­den im Be­ru­fungs­ver­fah­ren mit zusätz­li­chen Anträgen von Be­ru­fungsführern neue Streit­ge­genstände in den Pro­zess ein­geführt, liegt dar­in ei­ne nachträgli­che ob­jek­ti­ve Kla­gehäufung gemäß § 64 Abs. 6 ArbGG i.V.m. §§ 523, 260 ZPO, die ei­ne Kla­geände­rung dar­stellt bzw. ent­spre­chend zu be­han­deln ist. Nach § 523 ZPO sind auf das Be­ru­fungs­ver­fah­ren grundsätz­lich die im ers­ten Rechts­zug für das Ver­fah­ren vor den Land­ge­rich­ten gel­ten­den Vor­schrif­ten ent­spre­chend an­zu­wen­den. Kla­geände­run­gen sind da­her un­ter den Vor­aus­set­zun­gen des § 263 ZPO zulässig (vgl. BAG, Ur­teil vom 6. De­zem­ber 2001 – 2 AZR 733/00 – zi­tiert nach ju­ris, Rz. 32).
Gemäß § 264 Nr. 2 ZPO ist es nicht als ei­ne Ände­rung der Kla­ge an­zu­se­hen, wenn der Kla­ge­an­trag in der Haupt­sa­che oder in Be­zug auf Ne­ben­for­de­run­gen er­wei­tert oder be­schränkt wird. Vor­lie­gend hat die Kläge­rin die Kla­ge im Sin­ne des § 264 Nr. 2 ZPO er­wei­tert, denn sie hat be­reits in ers­ter In­stanz von der Be­klag­ten die Zah­lung der über­ta­rif­li­chen Zu­la­ge für ei­nen be­stimm­ten Zeit­raum be­gehrt und macht im Be­ru­fungs­ver­fah­ren für ei­nen wei­te­ren Zeit­raum die­sen An­spruch gel­tend.
Da­ne­ben lie­gen auch die Vor­aus­set­zun­gen des § 263 ZPO vor. Da­nach ist ei­ne Ände­rung der Kla­ge zulässig, wenn der Be­klag­te ein­wil­ligt oder das Ge­richt sie für sach­dien­lich er­ach­tet.
Bei­de Vor­aus­set­zun­gen lie­gen vor. Die Be­klag­te hat zwar nicht aus­drück­lich, je­doch zu­min­dest kon­klu­dent in die Kla­geände­rung ein­ge­wil­ligt, denn sie hat sich schriftsätz­lich auch zu die­sem An­trag ein­ge­las­sen und die Zurück­wei­sung der Be­ru­fung auch in­so­weit be­an­tragt. Die Kla­geände­rung ist zu­dem sach­dien­lich. Die Sach­dien­lich­keit ist dann zu be­ja­hen, wenn die Kla­ge zwar be­reits in ers­ter In­stanz hätte geändert wer­den können, durch Zu­las­sung der Kla­geände­rung in der zwei­ten In­stanz aber ein neu­er Pro­zess ver­mie­den wird. Der Zulässig­keit der Kla­ge­er­wei­te­rung steht auch nicht ent­ge­gen, dass auf­grund der Kla­geände­rung neue Par­tei­erklärun­gen und Be­weis­er­he­bun­gen not­wen­dig wer­den und die Er­le­di­gung des Pro­zes­ses verzögert wird. Eben­so ist nicht al­lein ent­schei­dend, dass ei­ne Tat­sa­chen­in­stanz ver­lo­ren geht. Die Sach­dien­lich­keit ist im All­ge­mei­nen erst dann zu ver­nei­nen, wenn in der Be­ru­fungs­in­stanz ein völlig neu­er Streitstoff in den Rechts­streit ein­geführt wird, bei des­sen Be­ur­tei­lung das Er­geb­nis der bis­he­ri­gen Pro­zessführung nicht ver­wer­tet wer­den kann (vgl. BAG, Ur­teil vom 6. De­zem­ber 2001, a.a.O., Rz. 34; BGH, Ur­teil vom 19. No­vem­ber 1999 – V ZR 321/98 – NJW 2000, S. 803 ff.).
Die vor­lie­gen­de Kla­ge­er­wei­te­rung ist ge­eig­net, ei­nen zwi­schen den Par­tei­en strei­ti­gen Punkt zu er­le­di­gen und da­durch ei­nen neu­en Pro­zess zu ver­mei­den.
b. So­wohl die Zah­lungs­kla­ge als auch die Fest­stel­lungs­kla­ge sind zulässig. Das nach § 256 ZPO für den Fest­stel­lungs­an­trag er­for­der­li­che Fest­stel­lungs­in­ter­es­se liegt vor.
c. Der Kläge­rin steht auch für den Zeit­raum De­zem­ber 2008 bis Mai 2009 ein An­spruch auf Zah­lung der mo­nat­li­chen über­ta­rif­li­chen Zu­la­ge in Höhe von 102,26 Eu­ro gemäß § 3 des An­stel­lungs­ver­tra­ges zu.
Dei Par­tei­en ha­ben im Ar­beits­ver­trag die Zah­lung ei­ner sol­chen über­ta­rif­li­chen Zu­la­ge ver­ein­bart.
Der An­spruch der Kläge­rin ist nicht gemäß § 18 MTV ver­fal­len, denn die Kläge­rin hat mit an­walt­li­chem Schrei­ben vom 16. Sep­tem­ber 2008 die Be­klag­ten zur Zah­lung ei­nes mo­nat­li­chen Brut­to­loh­nes in Höhe von 2.138,57 Eu­ro ab Ok­to­ber 2008 auf­ge­for­dert. Da die
Kläge­rin in die­sem Schrei­ben die Zu­sam­men­set­zung die­ses Brut­to­be­tra­ges erläutert hat und dar­in auch die über­ta­rif­li­che Zu­la­ge ent­hal­ten ist, genügt die Gel­tend­ma­chung in dem an­walt­li­chen Schrei­ben vom 16. Sep­tem­ber 2008 den von der Recht­spre­chung für die Gel­tend­ma­chung von Ansprüchen ent­wi­ckel­ten An­for­de­run­gen.
Der Zins­an­spruch folgt aus §§ 280, 286 Abs. 2, 288 BGB.
d. Die Fest­stel­lungs­kla­ge ist aus den Gründen der Zah­lungs­kla­ge be­gründet. In­so­weit wird auf das oben un­ter II. 2. c Aus­geführ­te Be­zug ge­nom­men.
Die Re­vi­si­on war für die Kläge­rin gemäß § 72 Abs. 2 Nr. 1 ArbGG we­gen grundsätz­li­cher Be­deu­tung zu­zu­las­sen.