Source: https://www.rechtslupe.de/familienrecht/verpflichtung-zur-auskunftserteilung-in-einer-gueterrechtssache-und-die-beschwer-3169743?pk_campaign=feed&pk_kwd=verpflichtung-zur-auskunftserteilung-in-einer-gueterrechtssache-und-die-beschwer
Timestamp: 2020-07-09 12:39:10
Document Index: 175816356

Matched Legal Cases: ['§ 61', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH']

Verpflichtung zur Auskunftserteilung in einer Güterrechtssache - und die Beschwer | Rechtslupe
Verpflichtung zur Auskunftserteilung in einer Güterrechtssache - und die Beschwer
Mit dem Wert der Beschwer bei der Ver­pflich­tung zur Aus­kunfts­er­tei­lung in einer Güter­rechts­sa­che hat­te sich erneut [1] der Bun­des­ge­richts­hof zu befas­sen:
Der Wert der Beschwer eines Rechts­mit­tels gegen die Ver­pflich­tung zur Aus­kunfts­er­tei­lung bemisst sich nach stän­di­ger Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs nicht nach dem mit dem Aus­kunfts­an­spruch vor­be­rei­te­ten beab­sich­tig­ten Leis­tungs­an­spruch, son­dern nach dem Inter­es­se des Rechts­mit­tel­füh­rers, die Aus­kunft nicht ertei­len zu müs­sen. Abge­se­hen von dem hier ersicht­lich nicht vor­lie­gen­den Fall eines beson­de­ren Geheim­hal­tungs­in­ter­es­se­sist dafür auf den Auf­wand an Zeit und Kos­ten abzu­stel­len, den die sorg­fäl­ti­ge Ertei­lung der geschul­de­ten Aus­kunft erfor­dert [2].
Hier­für ist nach stän­di­ger Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs zur Bewer­tung des vom Aus­kunfts­pflich­ti­gen auf­zu­wen­den­den Zeit­auf­wands grund­sätz­lich auf die Stun­den­sät­ze zurück­zu­grei­fen, die der Aus­kunfts­pflich­ti­ge als Zeu­ge in einem Zivil­pro­zess erhal­ten wür­de, wenn er mit der Ertei­lung der Aus­kunft weder eine berufs­ty­pi­sche Leis­tung erbringt noch einen Ver­dienst­aus­fall erlei­det. Dabei ist regel­mä­ßig davon aus­zu­ge­hen, dass die zur Aus­kunfts­er­tei­lung erfor­der­li­chen Tätig­kei­ten in der Frei­zeit erbracht wer­den kön­nen. Der Aus­kunfts­pflich­ti­ge, der in Abwei­chung hier­von behaup­tet, dass ihm dies nicht mög­lich sei, hat die Grün­de hier­für im Ein­zel­nen dar­zu­le­gen und glaub­haft zu machen [3].
Zwar hat der Bun­des­ge­richts­hof bereits ent­schie­den, dass die für die Erfül­lung der Aus­kunftsund ins­be­son­de­re der Beleg­vor­la­ge­ver­pflich­tung erfor­der­li­chen Kopier­kos­ten frag­los zu dem Auf­wand gehö­ren, nach dem sich das hier maß­geb­li­che Inter­es­se des das Rechts­mit­tel füh­ren­den Aus­kunfts­ver­pflich­te­ten bemisst [4]. In jenem Fall war der Antrags­geg­ner vom Amts­ge­richt ver­pflich­tet wor­den, für jeweils drei Jah­re sei­ne "Ein­kom­mens­steu­er­erklä­run­gen mit allen Anla­gen" sowie zu den Ein­künf­ten aus selb­stän­di­ger Tätig­keit und Gewer­be "sämt­li­che Ein­nah­menund Über­schuss­rech­nun­gen, Bilan­zen mit Gewin­nund Ver­lust­rech­nun­gen, Kon­ten­nach­wei­sen und Anla­ge­spie­geln, Gewinn­ermitt­lun­gen und Jah­res­ab­schlüs­se" vor­zu­le­gen. Der Aus­kunfts­pflich­ti­ge hat­te belegt durch ein Schrei­ben sei­ner Steu­er­be­ra­ter­kanz­lei dar­auf hin­ge­wie­sen, dass pro Ein­kom­mens­steu­er­erklä­rung wegen der jeweils umfang­rei­chen Anla­gen rund 1.000 Sei­ten zu kopie­ren sei­en, und zudem aus­ge­führt, für die Vor­la­ge der Jah­res­ab­schlüs­se der ver­schie­de­nen Gesell­schaf­ten, an denen er betei­ligt sei, müss­ten rund 700 Sei­ten pro Jahr kopiert wer­den. Dem ist der vor­lie­gen­de Fall nicht ver­gleich­bar.
Der Antrags­geg­ner hat vor dem Beschwer­de­ge­richt Kopier­kos­ten selbst dann nicht gel­tend gemacht, als das Beschwer­de­ge­richt dar­auf hin­ge­wie­sen hat, dass der nach § 61 Abs. 1 FamFG erfor­der­li­che Beschwer­de­wert nicht erreicht sein dürf­te. Viel­mehr hat der Antrags­geg­ner auf den Hin­weis ledig­lich vor­ge­tra­gen, dass er frei­be­ruf­lich als bera­ten­der Betriebs­wirt tätig sei und die erfor­der­li­chen Aus­künf­te nicht ohne Hin­zu­zie­hung sei­ner Steu­er­be­ra­tungs­ge­sell­schaft ertei­len kön­ne, deren Kos­ten in jedem Fall über dem Min­dest­ge­gen­stands­wert von 600 € lägen. Die­ser Ein­wand wird mit der Rechts­be­schwer­de zutref­fend nicht wei­ter­ver­folgt. 13 (2) Auch die zur Erfül­lung der Beleg­vor­la­ge­ver­pflich­tung erfor­der­li­chen Kos­ten für die Grund­buch­aus­zü­ge gehö­ren grund­sätz­lich eben­so wie die Kopier­kos­ten zu dem Auf­wand, nach dem sich das hier maß­geb­li­che Inter­es­se des das Rechts­mit­tel füh­ren­den Aus­kunfts­ver­pflich­te­ten bemisst. 14 Aller­dings hat der Antrags­geg­ner auch der­ar­ti­ge Kos­ten vor dem Beschwer­de­ge­richt nicht gel­tend gemacht. Ent­spre­chen­der Vor­trag kann im Rechts­be­schwer­de­ver­fah­ren auch nicht nach­ge­holt wer­den. Denn das Rechts­be­schwer­de­ge­richt hat grund­sätz­lich von dem Sach­ver­halt aus­zu­ge­hen, den das Beschwer­de­ge­richt auf der Grund­la­ge des ihm vor­lie­gen­den Vor­trags fest­stel­len konn­te [5], und kann hin­sicht­lich der Wert­fest­set­zung nur über­prü­fen, ob das Beschwer­de­ge­richt die Gren­zen sei­nes Ermes­sens über­schrit­ten hat oder von sei­nem Ermes­sen in einer dem Zweck der Ermäch­ti­gung nicht ent­spre­chen­den Wei­se Gebrauch gemacht hat [6].
Auch kann nicht davon aus­ge­gan­gen wer­den, dass die Ver­pflich­tung zur Beleg­vor­la­ge in erheb­li­chem Umfan­ge kei­nen voll­stre­ckungs­fä­hi­gen Inhalt habe, so dass ein wei­te­rer Kos­ten­auf­wand des Antrags­geg­ners ent­ste­he, ent­we­der durch den Auf­wand an Zeit und Kos­ten für die Erstel­lung nicht vor­han­de­ner Bele­ge oder für die Abwehr der Voll­stre­ckung aus dem nicht voll­stre­ckungs­fä­hi­gen Titel. 16 Aller­dings hat der Bun­des­ge­richts­hof bereits ent­schie­den, dass es sich wert­er­hö­hend aus­wir­ken kann, wenn der Ver­pflich­te­te nicht exis­ten­te Bele­ge erstel­len [7] oder gewär­ti­gen muss, auf die Erfül­lung der inso­weit unmög­li­chen Leis­tung in Anspruch genom­men zu wer­den und sich hier­ge­gen oder gegen die Zwangs­voll­stre­ckung aus einem Titel ohne voll­streck­ba­ren Inhalt zur Wehr set­zen zu müs­sen [8]. Der Bun­des­ge­richts­hof hat dazu indes­sen wie­der­holt aus­ge­führt, dass erst nach Vor­nah­me der gebo­te­nen Aus­le­gung des Titels fest­ge­stellt wer­den kann, ob der Titel einen nicht voll­streck­ba­ren Inhalt hat, die Beleg­vor­la­ge­ver­pflich­tung auch die Erstel­lung nicht exis­ten­ter Unter­la­gen umfasst oder eine Aus­kunfts­ver­pflich­tung in einem sol­chen Fall tat­säch­lich auf eine unmög­li­che Leis­tung gerich­tet ist [9]. Ergibt die Aus­le­gung aber, dass nur die bereits exis­ten­ten Bele­ge bezie­hungs­wei­se die­je­ni­gen vor­zu­le­gen sind, die einen kon­kre­ten Bezug zu der zu ertei­len­den Aus­kunft haben, fehlt es an einer Unmög­lich­keit der Beleg­vor­la­ge. So liegt es aber hier. 17 Das Amts­ge­richt hat den Antrags­geg­ner einer­seits ver­pflich­tet, Aus­kunft über sein Anfangs­ver­mö­gen zum 9.09.1999, sein Tren­nungs­ver­mö­gen zum 2.03.2015 und sein End­ver­mö­gen zum 30.06.2016 zu ertei­len, und zwar durch Vor­la­ge eines geord­ne­ten Ver­mö­gens­ver­zeich­nis­ses bezo­gen auf die jewei­li­gen Ein­satz­ta­ge, wel­ches die vor­han­de­nen ein­zel­nen Ver­mö­gens­po­si­tio­nen in ihren wert­bil­den­den Fak­to­ren kon­kre­ti­siert. Ande­rer­seits hat das Amts­ge­richt den Antrags­geg­ner ver­pflich­tet, sei­ne Aus­kunft zu bele­gen. Sowohl hin­sicht­lich der Aus­kunfts­ver­pflich­tung als auch bezüg­lich der Beleg­vor­la­ge­ver­pflich­tung wer­den dabei zahl­reich spe­zi­fi­sche Ein­zel­po­si­tio­nen auf­ge­zählt. Tat­säch­li­che Anhalts­punk­te dafür, dass die­se Auf­zäh­lun­gen auch tat­säch­lich nicht vor­han­de­ne Ver­mö­gens­po­si­tio­nen umfas­sen soll­te, sind weder dar­ge­legt noch ersicht­lich. Der Antrags­geg­ner ver­mag selbst kei­ne Posi­ti­on und kei­nen Beleg kon­kret zu benen­nen, deren Anga­be bezie­hungs­wei­se Vor­la­ge ihm unmög­lich sein soll. Eben­so wenig sind Anhalts­punk­te dafür dar­ge­legt oder ersicht­lich, dass der Teil­ver­säum­nis­be­schluss des Amts­ge­richts kei­nen voll­streck­ba­ren Inhalt haben soll­te.
Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 26. Juni 2019 – XII ZB 11/​19
im Anschluss an BGH, Beschluss vom 04.07.2018 XII ZB 82/​18 FamRZ 2018, 1529[↩]
vgl. BGH, Beschluss vom 13.02.2019 XII ZB 499/​18 FamRZ 2019, 818 Rn. 9 mwN[↩]
vgl. BGH, Beschlüs­se vom 04.07.2018 XII ZB 82/​18 FamRZ 2018, 1529 Rn. 6; und vom 16.08.2017 XII ZB 429/​16 FamRZ 2017, 1947 Rn. 11 mwN[↩]
BGH, Beschluss vom 21.11.2018 XII ZB 351/​18 FamRZ 2019, 464 Rn. 5[↩]
vgl. inso­weit BGH Beschluss vom 16.04.2013 – VI ZB 50/​12 NJW-RR 2013, 1077 Rn. 4, 9[↩]
vgl. BGH Beschluss vom 28.04.2008 – II ZB 27/​07 NJW-RR 2008, 1455 Rn. 4 mwN[↩]
vgl. BGH, Beschlüs­se vom 18.07.2018 XII ZB 637/​17 FamRZ 2018, 1762 Rn. 11; und vom 11.03.2015 XII ZB 317/​14 FamRZ 2015, 838 Rn. 13 ff.[↩]
BGH, Beschluss vom 02.09.2015 XII ZB 132/​15 FamRZ 2015, 2142 Rn. 13 mwN[↩]
BGH, Beschlüs­se vom 12.09.2018 XII ZB 588/​17 FamRZ 2018, 1934 Rn. 25 mwN[↩]