Source: http://www.geschichtswerkstatt-dueren.de/dokumentation/juedisches-leben/fundstellen/33-von-1850-bis-1899
Timestamp: 2019-06-25 04:35:05
Document Index: 152587079

Matched Legal Cases: ['§ 50', '§ 185', '§ 71', '§ 71', '§ 41', '§ 71', '§ 21']

Von 1850 bis 1899
Es besteht eine jüdische Elementarschule.
STAD, RP 1851 Febr. 21, in: Domsta/Krebs/Krobb, Zeittafel, S. 98
Die Regierung, Abt. des Innern, an das Israelitische Konsitorium zu Krefeld, betr. die Bildung der Synagogen-Gemeinden im Regierungsbezirk Aachen. Konzept
Die Ausführung jenes Gesetzes, bei welchem man vorzugsweise die Verhältnisse der Judenschaften in den älteren Landestheilen im Auge gehabt zu haben scheint, ist für den diesseitigen Bezirk deßhalb mit Schwierigkeiten verknüpft, weil die jüdische Bevölkerung nur in sehr wenigen Orten in größerer Anzahl vorhanden, vielmehr, namentlich auf dem platten Lande, eine sehr zerstreute und vereinzelte ist. Nach der Letzten, im Dezbr. v.J. bewirkten Volkszählung waren vorhanden
1. im Stadtkreis Aachen 361
2. im Landkreis Aachen 317
3. im Kreise Düren 668
4. im Kreise Erkelenz 145
5. im Kreise Eupen 1
6. im Kreise Geilenkirchen 195
7. im Kreise Heinsberg 230
8. im Kreise Jülich 652
9. im Kreise Malmedy 6
10. im Kreise Montjoie -
11. im Kreise Schleiden 244
zusammen im ganzen Bezirk 2819 Israeliten
Zunächst würde der Anschluß der Juden des Kreises Schleiden an den Dürener Synagogenbezirk unseres Er. eine lebensunfähige Einrichtung bleiben, indem einem solchen Anschluße die thatsächliche Möglichkeit der Theilnahme am Cultus wegen der weiten Entfernung und Ausdehnung des Kreises Schleiden fehlt. […]
Hiernach würde sich die Gliedrung der diesseitigen Judenschaft zu einem corporativ-kirchlichen Verbande folgendermaaßen gruppiren:
2. Dürener Synagogenbezirk für den Landkreis Düren in Düren […]
HStAD, RAA 2477. Abdruck in: Lepper I, S. 722 f.
12.05.1853
Das Israelitische Consistorium zu Krefeld (Oberrabbiner Dr. Bodenheimer) an die Regierung, Abt. des Innern, betr. die Bildung von Synagogenbezirken im Regierungsbezirk Aachen
Auf das verehrliche Schreiben vom 13. April a.c. haben wir Folgendes zu erwiedern. -
Der Kreis Düren macht aber hier keine Ausnahme, denn die Israeliten von Langerwehe und Weisweiler können, da sie die Eisenbahnen, wie gesagt, an den betreffenden Tagen nicht in Anspruch nehmen dürfen, unmöglich dem Gottesdienste zu Düren beiwohnen und haben beide Gemeinden für die Erhaltung ihrer eigenen herrlichen Synagogen besondere Verpflichtungen, während die Kreishauptstadt Düren ein unansehnliches Betzimmer besitzt, das kaum die israelitischen Einwohner Düren’s aufzunehmen vermag.
HStAD, RAA Nr. 2477. Abdruck in: Lepper I, S. 723 f.
30. Juni 1855
Die Regierung, Abt. des Innern, an den Oberpräsidenten der Rheinprovinz von Kleist-Retzow, betr. die Bildung der Synagogengemeinden im Regierungsbezirk
Auf die seitwärts bezogenen hohen Verfügungen beehren wir uns Ew. p. gehorsamst zu berichten, daß gemäß dem zur Ausführung des Gesetzes v. 23. Juli 1847 entworfenen Organisationsplan […] die jüdische Bevölkerung des hiesigen Bezirks in nachbemerkte fünf Synagogenbezirke abgetheilt worden ist.
2. Dürener Synagogenbezirk für den Kreis Düren in Düren;
Die Wahl der Repräsentanten und Vorstände hat für die oben stehenden - sub 1 und 2 - benannten Synagogen-Bezirke vorschriftsmäßig Statt gefunden […]
Was die Abfassung der Statuten betrifft, so war bei Eingang des Erlasses v. 27. März c. der diesfällige Entwurf für den Aachener Synagogenbezirk bereits vorgelegt, jedoch behufs der Berichtigung einzelner Punkte zurückgegeben worden.
Im Dürener Synagogen-Bezirk stießen die für den gleichen Zweck getroffenen Einleitungen auf Widerspruch. Es ist daher nach Maaßgabe der im § 50 des Ges. v. 23. Juli 1850 enthaltenen Bestimmungen der betreffende Landrath beauftragt worden, für die Entwerfung der Statuten eine provisorische Frist dem Vorstande und den Repräsentanten zu bestimmen, bei deren fruchtlosem Verlauf eventuell das in der bezogenen Gesetzes-Bestimmung vorgesehene Reglement erlassen werden wird.
Nach Inhalt dieses Erlasses sind die, mit der Leitung der Organisation in den resp. Synagogenbezirken beauftragten Landräthe angewiesen worden, die Anfertigung der Statuten-Entwürfe bewirken zu lassen. Die Erledigung dieser Aufgabe wird für diejenigen Synagogen-Bezirke, wo die Wahl der Repräsentanten und Vorstände noch [zu] bewirken bleibt, längere Zeit erheischen. Aber auch, was die Synagogenbezirke Aachen und Düren betrifft, dürfte nach der bisherigen Erfahrung kaum zu erwarten seyn, daß die anderweit bearbeiteten Entwürfe hinsichtlich der Form und Vollständigkeit bei der nunmehr zu gewärtigenden Vorlage den Anforderungen genügend entsprechen werden, um ohne jegliche weitere Erörterung mit dem betreffenden Vorstande Ewer p. zur Hochgeneigten Bestätigung unterbreitet werden zu können.
Konzept. HStAD, RAA, Nr. 2477 (o. Blz.), in: Lepper I, S. 752
Volkszählung. Die Stadt hat 8.500 Einwohner, 7.835 Katholiken, 602 Evangelische, 63 Juden, 849 Feuerstellen.
Die Regierung, Abt. des Innern, an den Ober-Präsidenten der Rheinprovinz, betr. Änderungen des Normal-Statuts für die Synagogen-Gemeinden
Euer p. ermangeln wir nicht mit Bezug auf den Schlußsatz der seitwärts rubrizirten Hochverehrlichen Verfügung vom 30. v. M. gehorsamst anzuzeigen, daß die Constituirung der 5 Synagogen-Bezirke Aachen, Jülich, Düren, Geilenkirchen-Heinsberg-Erkelenz und Gemünd, welche den ganzen hiesigen Regierungs-Bezirk umfaßen, durch Feststellung der Gemeinde-Bezirke und Wahl der Repräsentanten und der Vorstände stattgefunden hat, weshalb diesseits der Auflösungdes jüdischen Consistorii zu Crefeld ein Bedenken nicht entgegensteht.
Konzept. HStAD, RAA Nr. 2478 (o. Blz.), in: Lepper I, S. 779
Die Israeliten des ganzen Kreises sind zu einer Synagogen-Gemeinde (in Düren) vereinigt, welche aber an 8 verschiedenen Orten einzelne Bethäuser hat und darnach in Unterabtheilungen zerfällt. […]
Nach den Confessionen zerfällt die Bevölkerung [des Kreises Düren] in:
Evangelische 966,
Katholiken 55,117,
Juden 647.
Darstellung der statistischen und sonstigen Verhältnisse, insbesondere der Resultate der Verwaltung des Kreises Düren. Unter Zugrundelegung der statistischen Aufnahme von 1858, Düren 1860, S. 5, 6
Nideggen im Januar 1858
Bei Gelegenheit ihrer israelitischen Hochzeit wird am Mittwoch den 27. Januar beim Wirthe Herrn Wilhelm Nolden in Drove ein
Familien-Ball
stattfinden, wozu alle Freunde, Bekannten und Familien höflichst eingeladen werden.
Hermann Gordon aus Gürzenich Daniel Imdorf aus Drove
Henriette Schwarz aus Embken Gudula Simon aus Bleibuir.
Müller, S. 87
03.-05.12.1858
Volkszählung: Die Stadt hat 8.792 Einwohner, 8.016 Katholiken, 698 Evangelische, 78 Juden
Geuenich, Straßennamen, S. 224; Verkündiger 1859 Dez. 17, in: Domsta/Krebs/Krobb, Zeittafel, S. 105
Würdenträger der 1. Bürgerschützengesellschaft Rölsdorf
[…] 1860 Isaak Keusch
125 Jahre Schützenbruderschaft Constantia 1877 e.V. Düren-Rölsdorf, Düren 2002, S. 44
Nach den Religions-Verhältnissen zerfällt die Bevölkerung
Stadt Land Summe
Evangelische Christen 689 265 954
Katholische 8715 48519 57234
Juden 75 561 636
9479 49345 58824
[…] Die Israeliten sind fast über alle Bürgermeistereien verteilt. Nur in Füssenich und Nothberg wohnen gar keine Juden.
Statistik des Kreises Düren nach der Aufnahme de 1861, Düren 1863, S. 8
3.-5.12.1861
Volkszählung: Die Stadt hat 9.479 Einwohner, 8.715 Katholiken, 689 Evangelische, 75 Juden.
Geuenich, Straßennamen, S. 224
[Jacob Schwarz aus Lechenich]
Jacob Schwarz war 1864 in Kelz bei Trier geboren worden. […] und heiratete 1890 eine Elisabeth Menko. […]
Jacob Schwarz scheint zunächst einmal eine Metzgerei in Derichsweiler aufgebaut zu haben. 1901 mietete er sich ein Zimmer in Lechenich, 1906 zog er in die Neustrasse um und eröffnete in einem Eckhaus zum Markt eine Metzgerei […]
Er starb am 7. Februar 1924 in Lechenich. […]
Bormann, S. 66
Die Stadt hat 10.259 Einwohner, 9.346 Katholiken, 835 Evangelische, 78 Juden
DA 1865 Nov. 29, in: Domsta/Krebs/Krobb, Zeittafel, S. 111
Die Stadt hat 10.259 Einwohner, 9.346 Katholiken, 835 Evangelische, 78 Juden ??, s. 1864)
Die Stadt hat 10.496 Einwohner, 9.539 Katholiken, 876 Evangelische, 81 Juden.
„So erscheint eine förmliche Schul-Abtrennung der jüdischen Bevölkerung, wie solche in den Paragraphen 64 bis 66 des Gesetzes als zulässig bezeichnet ist, in den größeren Orten wenigstens vorbereitet und wird vielleicht in nicht allzu ferner Zeit bei hinlänglicher Erstarkung des Gemeindelebens auch in dieser Beziehung zur größeren Gleichstellung mit den Einrichtungen der christlichen Bevölkerung fortgeschritten werden können.
Die vorhandenen Schulen sind in der Tabelle entsprechenden Ortes aufgeführt.
2. Namen der Synagogengemeinden, Circumscription und
Verwaltung, Einnahme und Ausgabe pro 1865, Hauptort
Düren, umfassend den Kreis gleichen Namens
Vorstand von 3, Repräsentation von 9 Mitgliedern.
Einnahme und Ausgabe circa 60 Thlr.
Hauptort Düren
3. Conf. Seelenzahl 648
4. Anstalten
Gemiethetes Versammlungs-Lokal
5. Filiale nebst Bering resp. Zugehörigkeit und Vertretung
Einnahme und Ausgabe pro 1865
1. Filialgemeinde Düren, mit Düren, Arnoldsweiler, Ellen, Morschenich, Binsfeld, Rommelsheim, Krauthausen, Lendersdorf, Boisdorf, Rölsdorf, Birkesdorf, Huchem, Stammeln, Distelrath, Hoven, Mariaweiler, Mercken, Girbelsrath, Golzheim, Merzenich, Niederzier, Oberzier, Niederau.
Einnahme und Ausgabe circa 186 Thlr.
6. Seelenzahl 144
7. Anstalten der Filialen
Ad 1. Gemiethete Synagoge. Religions- und Privat-Elementarschule, letztere mit Gürzenich gemeinschaftlich.
Forts. 5. Filiale ...
2. Filialgemeinde Gürzenich, mit den Ortschaften Gürzenich, Birgel, Berzbuir, Kufferath, Merode, Schlich, Derichsweiler, Echtz, Contzendorf, Geich, Obergeich, D’horn.
Einnahme und Ausgabe circa 40 Thlr.
Forts. 6 56
3. Düren-Gürzenicher Schulgemeinde
Einnahme und Ausgabe circa 345 Thlr.
Forts. 7.
Confessionelle Religions- und Privat-Elementarschule
ad Filiale 1 bis 3. Die Filialen Düren und Gürzenich bilden zusammen einen besonderen gemeinschaftlichen Schulverband, der als solcher im Etat figuriert.
4. Filialgemeinde Drove mit Drove, Lorsbach, Franzenheim, Solle, Obenden, Thurn, Uedingen, Brück, Hetzingen, Niedeggen, Rath, Kreuzau, Stockheim
Einnahme und Ausgabe circa 50 Thlr.
Forts. 6
Forts. 7
Eine im Bau begriffene Synagoge; Begräbnisplatz
5. Filialgemeinde Embken mit Embken, Bürvenich, Froitzheim, Ginnick, Füssenich, Jüntersdorf, Pissenheim, Wollersheim, Eppenich, Berg.
Betstube mit Begräbnisplatz zu Embken
Forts. 8
Die Filialen ad 5., 6., 7. und 8. sind bis jetzt noch nicht zur etatmäßigen Absonderung fortgeschritten. Mit Embken ist dieses jetzt im Werk, indem eine Synagoge daselbst projektirt ist.
6. Filialgemeinde Weisweiler, mit Weisweiler, Frentz, Lamersdorf, Langerwehe, Jüngersdorf, Nothberg, Luchem, Lucherberg, Pier, Hücheln, Hastenrath, Heistern, Stütgerloch, Schophoven, Scherpenseel, Hamich, Volkenrath, Pommenich, Vilvenich.
Synagoge und Begräbnisplatz zu Weisweiler. (Religions- und Privat-Elementarschule augenblicklich nicht in Benutzung).
7. Filialgemeinde Lüxheim, mit Lüxheim, Eggersheim, Irresheim, Frauwüllesheim, Jacobwüllesheim, Kettenheim, Vettweiß, Gladbach, Kelz, Nörvenich, Wissersheim, Disternich, Mödersheim, Sievernich, Hochkirchen, Poll.
Betlokal
8. Filialgemeinde Maubach, mit Maubach, Obermaubach, Boichheim, Bergheim, Bilstein, Hamgenberg, Bergstein, Roland, Zercall, Brandenburg, Gey, Kleinhau, Großhau, Roßbroich, Hürtgen, Germet, Straß, Horm, Kleinhocherbach, Langenbroich.
Jede Filiale hat an dem Hauptort einen Vorstands-Kommissar.
Amtsblatt der Regierung zu Aachen, Jahrgang 1866, S. 8-11;
Die Stadt hat 10.813 Einwohner, 9.832 Katholiken, 898 Evangelische, 83 Juden.
Geuenich, Straßennamen, S. 224; DA 1867 Dez. 25, in: Domsta/Krebs/Krobb, Zeittafel, S. 113
Die Stadt hat 11311 Einwohner, 10.328 Katholiken, 881 Evangelische, 102 Juden.
Die Stadt hat 11.486 Einwohner, 10.398 Katholiken, 658 Reformierte, 352 Lutheraner, 78 Juden.
Geuenich, Straßennamen, S. 225
Volkszählung: Ortsanwesende Bevölkerung 12.862 Personen, 11.720 Katholiken, 1.000 Evangelische, 136 Juden
STAD, VW 1872, S. 3-4, in: Domsta/Krebs/Krobb, Zeittafel, S. 121
Einweihung des 1868 begonnenen Synagogenneubaus mit einer nicht der städtischen Verwaltung unterstehenden Elementarschule an der Schützenstraße.
DA 1868 Nr. 22, 99; 1871 Nr. 50; 1872 Nr. 42, 45; STAD, VW 1871, S. 29, in: Domsta/Krebs/Krobb, Zeittafel, S. 122
Zur Synagogenweihe in Düren am 16/17 Ijar 5632 (Abschrift im Archiv)
Dürener Anzeiger und Unterhaltungsblatt 42/55 v. 25.5.1872
24.-26.05.1872
Nachdem [!] die Zahl der Juden in Düren von 78 im Jahre 1870 auf 161 im Jahre 1875 und sogar auf 252 im Jahre 1882 gestiegen war, errichtete die jüdische Gemeinde eine Synagoge, die bereits 1871 in der Schützenstraße im Bau war und vom 24. bis 26.5.1872 feierlich eröffnet wurde.
Geuenich, Straßennamen, S. 59
Düren, 8. Oct. (Privatm.) Ein Beispiel seltenen Edelsinnes verdient durch die Vermittelung Ihres vielgelesenen Blattes in weiteren Kreisen Verbreitung zu finden als Sporn zur Nachahmung.
Selten wohl forderte die Nothwendigkeit gebieterischer und unabweisbarer eine Gemeinde zum Baue einer neuen Synagoge auf, selten aber auch hatte eine Gemeinde gegen unüberwindlich scheinende Hindernisse härter zu ringen, um zum endlichen Ziele zu gelangen, als die unserige. Von den vielen Mißgeschicken sei nur das Unglück erwähnt, welches uns nach Fertigstellung der Umfassungsmauern traf, als der vor einigen Jahren durch einen großen Theil Europa’s wüthende Orkan die Front- und eine Seitenmauer in einen Schutthaufen verwandelte, das kurz nachher erfolgende Falliment des Bauunternehmers, welches erst vor Kurzem zum Abschluß gelangte, die Hemmung, welche der letzte Krieg dem endlich der Vollendung nahen Bau entgegenstellte, dazu die beschränkte Leistungsfähigkeit der Gemeinde. Die edelmüthige Bestimmung unserer christlichen Mitbürger, welche theils in Form von Geschenken, theils von Actienzeichnung unsere Sache förderten, sodann eine Verloosung, deren Ertrag durch die Huld Ihrer Majestät unserer Kaiserin, welche zwei Geschenke als Gewinngegenstände übersendete, eine nicht geahnte Höhe erreichte, trugen im Vereine mit der Opferwilligkeit der Gemeindemitglieder dazu bei, einen in seiner Einfachheit erhabenen, der Stadt zur Zierde gereichenden Tempel zu vollenden, dessen herrliche Fronte und innere Ausstattung wir dem Geschmacke und dem Genie unseres Landsmannes, des bei dem Baue der neuen Kliniken in Bonn thätigen Baumeisters Herrn Roland Brauweiler verdanken. – Die in diesem Frühjahre von dem würdigen und beredten Rabbiner Herrn Dr. Wolfssohn aus Aachen vollzogene Einweihung gestaltete sich durch die Mitwirkung des bewährten aachener Synagogenchors, welcher bei ausgezeichneten Stimmmitteln unter der Leitung seines unermüdlichen Dirigenten, Herrn Dr. R. Marx, es zu wahrer Meisterschaft künstlerischer Leistung gebracht hat, zu einem nicht nur für die Angehörigen der Gemeinde, sondern auch für die zum Theil durch die Genüsse der cölner Gesellschaftsconcerte und der rheinischen Musikfeste verwöhnten Gäste zu einer unvergeßlichen Feier: so sehr fühlten sich Alle durch die ergreifende Wirkung der Choräle der Alltäglichkeit entrückt und zur Andacht erhoben.
Doch was frommt ein schönes neues Gotteshaus, eine noch so erhebende Einweihungsfeier, wenn, wie Dies leider meist der Fall ist, bei dem ohne Wirkung auf das Gemüth der heutigen Generation ganz und gar in der alten Form celebrirten Gottesdienste der Eindruck einer Feier nur zu bald sich mehr und mehr schwächt und die alte Unordnung Platz greift? Dann ist der Contrast eines schönen Gotteshauses mit dem unschönen Gottesdienste um so greller.
Was nun unsere Gemeinde betrifft, so zeigte sich die, die Gemüther tief rührende Wirkung der bei der Einweihung unter Begleitung des Harmoniums von dem gemischten Chore vorgetragenen hebräischen Gebete und deutschen Psalmen als eine so nachhaltige, daß Verbesserungen des Gottesdienstes von einer Seite herbeigewünscht wurden, von welcher es am Wenigsten zu erwarten war. Eher als man es zu hoffen wagte, erfüllte sich der in einem Trinkspruche ausgesprochene Wunsch, daß an Stelle der nur für die Einweihungsfeier hergerichteten Chortribüne einst eine definitive erstehen möge. Ein von seltenem Charakteradel beseelter Mann, der schon erwähnte Dirigent des Synagogenchores zu Aachen, Herr D. R. Marx, erbot sich, unserer Gemeinde unter der Bedingung, daß dieselbe die Bildung eines Chores beschließe, ein Harmonium zum Geschenke zu machen, und mit freudigem Danke gingen Vorstand und Repräsentanten diese Bedingung ein. Alsbald bildete sich ein jetzt aus 27 Damen und Herren bestehender Chor und übte fleißig die Gesänge ein, durch welche fernerhin der Gottesdienst eine würdigere Gestalt annehmen sollte. Vor etwa einem Monat langte dann aus der Fabrik zu Stuttgart das wahrhaft fürstliche Geschenk eines neuen Harmoniums von mächtiger Tonfülle an, und nachdem an dem hohen Neujahrsfeste zum ersten Male seine Harmonien sich mit den Gesängen des jungen Chores vereinten, finden wir, mirabile dictu, da wo sich am meisten Abneigung hätte befürchten lassen, Theilnahme, ja Begeisterung.
Um die Hochherzigkeit des Gebers recht zu würdigen, muß hervorgehoben werden, daß Herr Marx keineswegs in irgendwelcher Beziehung zur hiesigen Gemeinde oder zu Mitgliedern derselben steht; er kannte vor der Synagogeneinweihung kaum Einen derselben. Seine That erfließt nur dem edlen Streben, das Judenthum in seinen Bekennern und in der Achtung der außer ihm Stehenden zu heben.
Möge der Allmächtige ihn und sein Haus segnen!
Allgemeine Zeitung des Judenthums, Jg. 36, 1872, Nr. 43 v. 22.10.1872, S. 851-852
[Veröffentlichung der neuen Feuerlösch-Ordnung, im Anhang:]
A. Schutzmannschaft
54. Levy, Leopold, Kfm.
82. Ullmann, Jacob, Händler
108. Ullmann, Sußmann, Händler
147. Falk, Jakob, Metzger
B. Rettungs-Kompagnie
22. Bendix, Alexander, Kfm.
Zeitungsbericht, s. Unterlagen FF Düren
31.07.1874
Zu der am Freitag den 31. Juli stattfindenden
der neuen Synagoge in Langerwehe sind Eintrittskarten zur Synagoge unentgeltlich bis zum 30. Abends bei dem Vorsteher Sa. Kaufmann zu haben. Ohne Einlaßkarte ist der Eintritt Niemandem außer den Geladenen gestattet.
Dürener Anzeiger und Unterhaltungsblatt v. 25.07.1874
01./02.08.1874
zu Langerwehe
findet Samstag den 1. und Sonntag den 2. August in meinem Saale großer
statt. Anfang 8 Uhr Abends.
Sonntag den 2. August findet außerdem von 4 Uhr an Concert statt.
Pet. Jos. Spielmanns.
Verkündiger für Düren und Eschweiler v. 29.07.1874
Volkszählung: Die Stadt hat 14.516 (14.488) Einwohner, 13.270 Katholiken, 1057 Evangelische, 161 Juden [eine unwahrscheinliche Angabe, s. 1870: 78 Juden]
Geuenich, Straßennamen, S. 225; STAD, VW 1875, S. 1, in: Domsta/Krebs/Krobb, Zeittafel, S. 126
„Urtheils-Auszug.
Durch das von der correctionellen Kammer des Königlichen Landgerichts zu Aachen vom 23. November 1877 erlassene Erkenntniß wurde
Fanny Schwarz, Ehefrau Abraham Klaber, 29 Jahre alt, zu Embken wohnend, für überführt erklärt:
am 2. September 1877 zu Embken den Postverwalter Elvenich und Postboten Wollersheim öffentlich beleidigt zu haben
und auf Grund der §§ 185 und 200 des Strafgesetzbuches, sowie des Artikels 194 der Criminalprozeßordnung zu einer Geldbuße von fünf und zwanzig Mark, im Nichtzahlungsfalle zu drei Tagen Gefängniß und in die Kosten verurtheilt; […]“
Zeitungsanzeige, Slg. Schnitzler
[...] Ullmann Jakob, Düren [...]
Festschrift zur Hundertjahrfeier des Realgymnasiums mit Realschule in Düren, Düren 1928, S. 156
[...] Kaufmann Herm., Langerwehe [...]
28.02.1879
"Bekanntmachung", betr. die teilweise Aufhebung des § 71 des "Gesetzes über die Verhältnisse der Juden" vom 23. Juli 1847
Der Minister des Innern hat sich in einem Erlaß vom 10. Januar d.Js. den Ausführungen des Ober-Tribunals in dem Erkenntnisse vom 24. Mai v.Js., wonach der § 71 des Gesetzes über die Verhältnisse der Juden vom 23. Juli 1847, insoweit derselbe zur Annahme ausländischer Juden als Gewerksgehülfen, Gesellen oder Lehrlinge eine besondere Genhmigung erfordert, in Folge des § 41 der Reichs-Gewerbe-Ordnung vom 21. Juni 1869 für aufgehoben zu erachten ist, angeschlossen.
Demgemäß sei an dem Erfordernisse einer besonderen Genehmigung zur Annahme ausländischer Juden für die oben bezeichneten Berufsarten im diesseitigen Staatsgebiete fernerhin nicht mehr festzuhalten.
Dagegen müsse es bezüglich der Annahme ausländischer Juden als Rabbiner oder Synagogenbeamte, oder als Dienstboten bei der Vorschrift des § 71 des Gesetzes vom 23. Juli 1847 bis auf Weiteres bewenden.
Deutscher Reichs- und Königlich Preußischer Staats-Anzeiger v. 28.2.1879, in: Lepper II, S. 935
[...] Mayer Josef, Gürzenich [...]
Festschrift zur Hundertjahrfeier des Realgymnasiums mit Realschule in Düren, Düren 1928, S. 157
Volkszählung: Die Stadt hat 15.741 Einwohner, 17.368 ortsanwesende, davon 17.151 ortsangehörige Personen, 15.674 Katholiken, 1.408 Evangelische, 252 Juden [...].
Anm. v. Geuenich: 17151 - 15741: Die Differenz besteht in der Zahl der hier vorübergehend anwesenden Geisteskranken in der Rhein. Irrenanstalt und der Arbeiter der Flachsspinnerei (Verw.-Ber. 1881/82)
10./11.09.1882
Namens der israelitischen Gemeinde [brachten] die Herren Dr. Oestreich und Lambert Capell ihre Glückwünsche dar.
Das 60-jährige Priester-Jubiläum des hochwürdigen Herrn Dechanten und Oberpfarrers zu St. Anna Anton Vassen [...] [10./11.09.1882] veröffentlicht im Auftrage des Fest-Comité's von dem Mitglied desselben Dr. Heinr. Brüll, Gymnasial-Religionslehrer, Düren, Hamel'sche Buchhandlung 1882, S. 28
Die vor einiger Zeit in unserer Zeitung besprochene Gründung einer mit der freiwilligen Feuerwehr verbundenen Ambulanz-Compagnie wurde am Dienstag den 21. d., Abends durch deren definitive Constituirung vollzogen. Im großen Rathhaussaale, wo sich ungefähr 25 Compagniemitglieder eingefunden hatten, hielt Herr Dr. Oestreich den ersten und Eröffnungsvortrag, der sich über den Zweck des Ambulanz-Dienstes, sodann über die Organisation und den Bau des menschlichen Körpers verbreitete. Veranschaulicht wurde der interessante Vortrag durch anatomische Tafeln. Von nun ab wird jeden Dienstag Abend 7 Uhr von Herrn Dr. Oestreich ein Vortrag gehalten werden. Im speziellen wie im allgemein humanitären Interesse ist diesen "Abenden" ein zahlreicher Besuch zu wünschen.
"Der dem Israel Marx zu Güsten pro 1883 ertheilte Legitimations- und Gewerbeschein, ausgefertigt am 16. Dezember v. Jahres unter Nr. 2762 zu 6 Mark und berechtigend zum Sammeln von Lumpen und Knochen, ist dem p. Marx angeblich abhanden gekommen. Nachdem wir eine Duplikat-Ausfertigung dieses Scheines erhteilt haben, erklären wir das Original hierdurch für ungültig und fordern die Polizeibehörden auf, dasselbe, falls es vorgezeigt werden sollte, anzuhalten und uns zurückzureichen. Aachen, den 11. Juni 1883."
Amtsblatt der Regierung zu Aachen, Stück 25, Donnerstag, 14.6.1883, S. 146
"Der Herr Ober-Präsident der Rheinprovinz hat durch Erlaß vom 17. September d. J. dem Vorstande der israelitischen Gemeinde Dinslaken die Erlaubniß ertheilt, Behufs Aufbringung der Mittel zur Errichtung eines für die ganze Provinz dienenden jüdischen Waisenhauses eine Hauscollecte bei den jüdischen Bewohnern der Rheinprovinz bis ultimo September k. J. abhalten zu lassen. Indem wir dies hiermit zur öffentlichen Kenntniß bringen, bemerken wir, daß für den Umfang des diesseitigen Regierungs-Bezirkes die nachgenannten Personen mit Abhaltung dieser Collecte beauftragt sind: 1. Markus Moses, 2. M. S. Moses, 3. Leopold Wormser, 4. Simon Jacobs, sämmtlich von Dinslaken. Aachen, den 25. October 1884."
Amtsblatt der Regierung zu Aachen, Stück 46, Donnerstag, 30.10.1884, S. 331
"Der dem Joseph Jakobs, wohnhaft zu Birkesdorf pro 1884 ertheilte Wandergewerbeschein, ausgefertigt am 24. Januar d. J. unter Nr. 1054 zu 24 Mark und berechtigend zum Handel mit Papier, Schreibfedern, Couverts und Schreibmaterialien überhaupt, sowie mit Cigarren, ist dem p. Jakobs angeblich abhanden gekommen. Nachdem wir eine Duplikat-Ausfertigung dieses Scheines erhteilt haben, erklären wir das Original hierdurch für ungültig und fordern die Polizeibehörden auf, dasselbe, falls es vorgezeigt werden sollte, anzuhalten und uns zurückzureichen. Aachen, den 31. October 1884."
Amtsblatt der Regierung zu Aachen, Stück 47, Donnerstag, 6.11.1884, S. 339
[13.07.1885]
Statut des freiwilligen Armen-Vereins zu Düren. [...]
§ 21. Gegenwärtig bilden folgende Personen den Vorstand des Vereins: [...] Alex. Bendix, Schriftführer, [...]
Dürener Bürgerbuch. Sammlung von Gesetzen, Regulativen, Statuten und Verordnungen für die Stadt Düren. Zusammengestellt von P. Hoffacker, Stadtsecretair, Düren 1896, S. 25
Volkszählung: Die Stadt hat 19.802 Einwohner, 17.892 Katholiken, 1.628 Evangelische, 278 Juden [...]
Geuenich, Straßennamen, S. 225; STAD, VW 1885/86, S. 3, in: Domsta/Krebs/Krobb, Zeittafel, S. 139
[...] Ullmann David, Düren [...]
Festschrift zur Hundertjahrfeier des Realgymnasiums mit Realschule in Düren, Düren 1928, S. 158
"Die freiwillige Feuerwehr beging den Tag [Feier Sr. Majestät Regierungs-Jubiläum] am Montag mit einem Fackelzug [...] In zündender Rede feierte sodann Herr Bendix das deutsche Vaterland und brachte ihm ein brausend aufgenommenes Hoch [...]"
Die Regierung in Aachen verfügt die Schließung des israelitischen Friedhofes an der Arnoldsweiler Straße. Anlage eines neuen Friedhofes an der Binsfelder Straße, seit 1888 Juli 1 in Benutzung.
STAD, VW 1871, S. 32, 1887/88, S. 46; RP 1887 Aug. 25; Dürener Zeitung 1888 Juli 4, in: Domsta/Krebs/Krobb, Zeittafel, S. 141
[...] Oestreich Siegfried, Düren, Düren [...]
Reglement für die Benutzung des Friedhofes der Spezial-Synagogen-Gemeinde zu Düren
Der Vorstand der Synagogen-Gemeinde Düren
gesehen und einverstanden
Düren, den 8. März 1888
Reglement für die Benutzung des Friedhofs der Special-Synagogen-Gemeinde zu Düren
1.) Der Israelitische Friedhof zu Düren, an der Düren - Erper Provinzialstrasse gelegen [...]
Dieses Reglement tritt vom 1. Juli ds. Js. ab in Krafft. Von demselben Tage ab darf der frühere israelitische Begräbnisplatz an der Arnoldsweilerstrasse zu Beerdigungen nicht mehr benutzt werden.
Düren, den 27. Juni 1888
gez. Werners
Das Fest der Freiw. Feuerwehr am 19. August
Für zehnjährige Dienstzeit wurden mit der broncenen Medaille ausgezeichnet folgende 21 Herren: [...] Schutzmann Bendix [...]
[...] Falk Adolf, Düren [...]
**Wir wollen nicht unterlassen, unsere Mitbürger nochmals auf das am 1. und 2. Juni in unserer Stadt stattfindende 27. Rheinisch-Westfälische Feuerwehr-Verbandsfest aufmerksam zu machen. [...] 7. Empfangs-Ausschuß: [...] A. Bendix [...]
Unsere freiwillige städtische Feuerwehr brachte gestern Abend ihrem verehrten und verdienstvollen Branddirektor, Herrn Wilh. Dietzler, aus Anlaß seines heutigen Namensfestes ein Ständchen. [...] Herr Bendix gedachte in längerer Rede der verdienstvollen und aufopfernden Thätigkeit des Herrn Branddirektors um der Wehr und forderte zu einem kräftigen "Gut Schlauch" auf den Gefeierten auf, welchem selbstredend begeistert entsprochen wurde. [...]
Die seit Jahrzehnten bestehende israelitische Elementarschule erhält die Rechte und Eigenschaften einer öffentlichen Schule.
STAD, VW 1890/91, S. 28, in: Domsta/Krebs/Krobb, Zeittafel, S. 144
Volkszählung: Die Stadt hat 21.263 Einwohner, 19.498 Katholiken, 1.984 Evangelische, 245 Juden
Geuenich, Straßennamen, S. 225; STAD, VW 1890/91, S. 1, in: Domsta/Krebs/Krobb, Zeittafel, S. 144
[...] Ullmann Alfons, Düren [...]
[...] Löwenstein Hermann, Düren
Ullmann Sally, Düren [...]
Festschrift zur Hundertjahrfeier des Realgymnasiums mit Realschule in Düren, Düren 1928, S. 159
Die Jubelfeier des zwanzigjährigen Gedenktages der Gründung der städtischen freiwilligen Feuerwehr in Düren
[...] Den Toast auf die anwesenden Damen brachte Herr Bendix in seiner bekannten humorvollen Weise aus. [...]
Zeitungsbericht (DVZ?), s. Unterlagen FF Düren
[...] Oestreich Josef, Düren [...]
Die Kaisergeburtstagsfeier unserer wackeren städtischen freiwilligen Feuerwehr [...]
Herr Bendix widmete einen formvollendeten Trinkspruch unserer verehrten Kaiserin Victoria Augusta. [...]
Zu Ostern auf Anordnung der Regierung Umbildung der städtischen katholischen Volksschulsysteme: [...]. Außer diesen bestehen [...] und eine israelitische mit 50 Schülern.
STAD, VW 1892/93, S. 26, in: Domsta/Krebs/Krobb, Zeittafel, S. 148
Die Festlichkeiten der
zu Lüxheim
finden am 2., 3. und 4. Juni dss. Js. statt, wozu ergebenst einladet
das Fest-Comite
Zeitungsanzeige unbek. Provenienz, Slg. Schnitzler
S. 1. Die Synagogen-Einweihung zu Lüxheim am 2., 3. und 4. Juni. Nachdem die in den 30er jahren erbaute Synagoge baufällig geworden, sah sich die israelitische Gemeinde zu Lüxheim, welche auch die Ortschaften Gladbach, Müddersheim, Kelz, Eggersheim, Irresheim, Nörvenich und Hochkirchen umfaßt, in die Nothwendigkeit versetzt, zur Erbauung einer neuen Synagoge zu schreiten. Die Gemeinde war damit vor eine schwere Aufgabe gestellt, deren Lösung nur durch eine außergewöhnlich große Opferwilligkeit ihrer Mitglieder ermöglicht worden ist. Die neue Synagoge, nach den Plänen des Kgl. Bauführers Herrn Dorst zu Vettweiß in gothischer Bauart aufgeführt, dürfte zu den schönsten zählen, die je auf dem Lande erbaut worden sind. Die Einweihungsfeierlichkeiten derselben nahmen Freitag den 2. Juni unter Theilnahme der Ortsbehörden, der von Nah und fern zahlreich erschienenen Gäste, sowie, was besonders wohlthuend auffiel, der nicht jüdischen Ortsbevölkerung, ihren Anfang. Ein hübsch arrangirter Festzug durch den schön geschmückten Ort eröffnete die Feier. Nachdem derselbe vor der neuen Synagoge angelangt war, überreichte Frl. Frida Herrmanns mit einer poetischen Ansprache dem Herrn Bürgermeister Keller den Schlüssel derselben, welcher ihn dem die religiöse Feier leitenden Rabbiner Herrn Dr. Frank aus Köln zur Eröffnung des Gotteshauses übergab. Die nun folgende Festpredigt des Herrn Rabbiners, der die Bibelworte: "Liebe Deinen Nächsten wie Dich selbst" zu Grunde gelegt waren, war eine oratorische Musterleistung; derselbe hob besonders das schöne harmonische Zusammenleben aller Confessionen in hiesiger Gegend hervor und dankte zum Schluß im Namen der festgebenden Gemeinde den anwesenden Behörden für deren wohlwollendes Entgegenkommen während des Neubauens. Mit dem samstägigen Fest-Gottesdienste endigte der religiöse Weiheakt. – Die Reihe der Vergnügungen wurde Samstag Abend durch einen großen Festball in den beiden, eigens dazu aufgestellten, festlich geschmückten Zelten eröffnet, in welchen bis zum späten Morgen nach den Klängen der Kapelle der Jülicher Unterofficierschule das Tanzbein kräftig geschwungen wurde. Sonntag Nachmittag fand großes Militär-Concert statt, zu welchem sich die Honoratioren der Umgegend ein Stelldichein gaben. Abends war wiederum großer Festball, der noch zahlreicher wie derjenige am vorhergehenden Abend besucht war. – Damit endigten die vom herrlichsten Wetter begünstigten und durch keinen Mißton gestörten Festtage, welche allen Theilnehmern noch lange in angenehmer Erinnerung bleiben dürften. W.A.G.H.J.
Zeitungsbericht unbekannter Provenienz, Slg. Schnitzler
Gestern hielt die städtische freiwillige Feuerwehr ihre diesjährige Schlußübung ab. [...] Goldene Medaillen erhielten [...], die silberne Medaille die Herren [...] A. Bendix [...]
[13.12.1893]
Auch in Düren – dem anderen jüdischen Zentrum der Voreifel – erreichten die Antisemiten nicht das, was sie erhofft hatten. Die 'Dürener Rurzeitung' teilte mit, daß hier die gleichen Redner zum Zuge kommen sollten, die für Euskirchen vorgesehen waren. Aber keiner der Redner war da. 'Oder waren einige Redner unpünktlich?' Auf jeden Fall waren die 'Interims-Redner' sehr langweilig, und natürlich fehlte der bei solchen Versammlungen übliche Radau auch in Düren nicht.
'Der die Versammlung leitende Lehrer Willems geriet vom Hundertsten ins Tausendste, alles das auftischend, was hundert- und tausendmal gegen die Juden als Waffe gebraucht worden ist.'
Euskirchener Zeitung vom 13.12.1893, in: Arntz, Judaica, S. 117
[...] Bendix Paul, Düren
Mayer Julius, Düren [...]
Hermann Heumann, Gürzenich 172, meldet eine Metzgerei als neues Gewerbe an; am 31.12.1928 eingestellt.
Emanuel Heimann, Gürzenich 33, meldet die Übernahme von Metzgerei und stehendem Viehhandel von seinem Vater Abraham. Dieser ist sub H Nr. 38 der Gewerbesteuerrolle zu 12 M. veranlagt.
Düren, 9. März. Heute Morgen um 4 Uhr entstand in der Lohgerberei von Napp u. Cie. in Rölsdorf Feuer, welches die Lohmühle nebst Maschinen vernichtete. Kurz nach 5 Uhr wurde die Dürener Wehr mit der Dampfspritze alarmiert und war schnell marschfertig, doch kam bald Gegenordre, so daß ihr Ausrücken nicht erforderlich wurde.
Löwenstein-Freudenberg
General-Anzeiger für Stadt und Kreis Düren, Dürener Zeitung, Mittwoch, 13.3.1895
[Kleinanzeige:]
Seid willkommen auf Alpenau
Zum ersten Mal als Mann und Frau
Unserem allverehrten Vereinsmitgliede Herrn
und seiner lieben Braut
zu ihrer Vermählung
Gürzenich, den 12. März 1895
Freitag, 15.03.1895
Leonhard Tietz,
eröffnet demnächst in
Düren, Wirtelstrasse 31,
eine Niederlage seines
Garn-, Kurz-, Posamentier-,
Putz-, Tricotagen-, Wäsche-, Weiss-, Woll-, Stapel-
Manufactur-Waaren-Geschäfts
in grösstem Sortiment
Dürener Anzeiger, Freitag, 15.3.1895
2 2spaltige Anzeigen
Tuchhandlung J. Bendix & Co., Holzthor Nr. 8
Mittwoch, 20.03.1895
Mit dem heutigen Tage eröffne ich am hiesigen Platze
Weierstrasse 26 a
(bisherigem Geschäftslocal der Firma Hartoch & Salmang)
ein großes, der Neuzeit entsprechendes Manufactur-, Modewaren-,
Damen- u. Herren-Confections-Geschäft.
General-Anzeiger für Stadt und Kreis Düren, Dürener Zeitung, Mittwoch, 20.3.1895
Hermann Josef Cohsmann, Gürzenich 227, meldet eine Feuerversicherungsagentur als neues Gewerbe an.
Leonhard Tietz, Elberfeld, eröffnet in der Wirtelstraße 31 ein "Garn-, Kurz-, Posamentier-, Putz-, Tricotagen-, Wäsche-, Weiss-, Woll-, Stapel-Manufactur-Waaren-Geschäft"; später auf die gegenüberliegende Straßenseite verlegt, heute Kaufhof.
RZ 1895 März 16, 27, in: Domsta/Krebs/Krobb, Zeittafel, S. 151
[02.12.1895]
Ergebnisse der Volkszählung 2. Dezember
Gesamtbevölkerung 24531
Juden 252
Geburten 2 männl., 3 weibl.
Eheschließungen 1 jüd. Mann mit 1 jüd. Frau
Sterbefälle 1 männl., (Febr.)
5 weibl. (2 Jan., 1 März, 2 Okt.)
Die Durchschnitts-Schülerzahl betrug im Schuljahre 1895/96 320; davon waren katholisch 300, evangelisch 18 und jüdisch 2 (...).
Evang. Oberrealschule
Dieselbe wurde während des Schuljahres 1895/96 durchschnittlich von 165 Schülern besucht. Davon waren 91 evangelischer, 64 katholischer und 10 israelitischer Confession, (...).
Städt. Töchterschule
(...) stieg dieselbe sofort bei Beginn des neuen Schuljahres 1895/96 auf die für die hiesigen Verhältnisse ansehnliche Zahl von 92. Hiervon waren 74 evangelischer, 13 katholischer und 5 israelitischer Confession; (...).
Dieselbe wurde von 39 Schülern israelitischer Confession – 21 Knaben und 18 Mädchen – besucht. Der städtische Zuschuß zu den Kosten der Schule betrug pro 1895/96 Mk. 1258.14.
STAD, Verwaltungsbericht 1895/96
[...] Mayer, Julius, Düren [...]
Moritz Eckstein, Gürzenich 227/4, meldet einen stehenden Viehhandel als neues Gewerbe an. 500 Mark Anlage- und Betriebskapital. Gewinn [?] 1500 Mark.
Moritz Eckstein, Gürzenich 227/4, meldet eine Metzgerei als neues Gewerbe an.
O. Düren, 18. Juni. Die hiesige Synagogengemeinde feierte an den vergangenen Pfingsttagen das fünfundzwandzigjährige Bestehen der Synagoge. Verbunden hiermit wurde die Feier der Konfirmation und die Einweihung einer neuen Thora (Gesetzesrollen). Zu dem Feste, an welchem die Spitzen der staatlichen und städtischen Behörden sowie viele Angehörige der christlichen Gemeinden theilnahmen, hatten sich die Freunde und Verwandten der israelitischen Familien in großer Zahl eingefunden. – Am Sonntag Morgen, 9 Uhr, begann der festliche Gottesdienst. Eröffnet wurde derselbe mit Gesang des Synagogenchors unter Orgelbegleitung. Herr Lehrer Friedländer hielt die Festpredigt. Nach dem Vortrage des Chorgesanges "Harre meine Seele" folgte der Konfirmationsakt. Dem Gesange "Vater Du in Himmelshöhn" folgte das Schlußgebet. Am Sonntag Abend 7 Uhr fand wiederum Gottesdienst statt, welcher der Thoraweihe galt. Der Andrang zu demselben war ein großer. Derselbe vollzog sich in eindrucksvoller Weise. Auch hier wirkte der Synagogenchor mit. Eine der Konfirmandinnen sprach ein auf die Weihe bezügliches Gebet. Nach dem Chorgesang "Herr, Deine Güte" hielt Herr Friedländer die Predigt, welche ebenso wie die Ansprache bei dem Morgengottesdienst auf alle Zuhörer tiefen Eindruck machte. Mit Gebet schloß auch diese Feier. Bemerkt sei noch, daß die Damen der Gemeinde für den Aufbewahrungsschrein der Gesetzesrollen einen werthvollen Vorhang in schwerem blauen Sammet mit prachtvoller Goldstickerei gestiftet haben. Der Abend dieses Tages war der weltlichen Feier vorbehalten. Für Abhaltung derselben war der Saal von Klein-Tivoli gewählt. Die Herren Landrath von Breuning und Bürgermeister Klotz beehrten das Fest durch ihr Erscheinen. Die Spitze des Vorstandes der israelitischen Gemeinde, Herr Alexander Bendix, begrüßte in warm empfundenen Worten die Gäste und brachte ein Hoch auf unseren Kaiser aus, das mit Begeisterung aufgenommen wurde. Herr Landrath von Breuning hielt eine Ansprache, in welcher er auf die Pflicht der Treue zum Vaterlande hinwies, welche allen Konfessionen in gleicher Weise obliege, in der er hervorhob, daß die hiesige israelitische Gemeinde dieser Pflicht stets nachgekommen sei. Der Herr Landrath schloß mit einem Hoch auf die Gemeinde. Auch Herr Bürgermeister Klotz nahm das Wort, um das Zusammenwirken aller Bürger Dürens zum Wohle der Stadt zu feiern und die israelitischen Bürger der Förderung ihrer Bestrebungen zu versichern. Das Programm, das für den Abend aufgestellt, war außerordentlich reich und fand in allen seinen Theilen eine vorzügliche Erledigung. Einen Glanzpunkt der abwechslungsreichen Aufführungen bildeten die Klaviervorträge einer sehr talentvollen jungen Künstlerin aus Köln, Fräulein Sophie Herzberg, welche in der freundlichsten Weise ihr künstlerisches Können in den Dienst des Festes gestellt hatte. Mit großem Interesse wurden auch die Gesangsvorträge des Fräulein J. L. von hier aufgenommen, welche die Zuhörerschaft ebenfalls zu lebhaftem Applaus hinrissen. An dem den Schluss des Festes bildenden Balle betheiligte sich Jung und Alt.
Allgemeine Zeitung des Judenthums, Nr. 26/1897 vom 25.06.1897
Josef Fromm jun., Gürzenich 169, meldet einen Viehhandel als neues Gewerbe an.
Moses Fromm, Rölsdorf, meldet Verkauf von Rindfleisch und einen Viehhandel als neues Gewerbe an.
Die Witwe von Andreas Fromm, Gürzenich 163, führt die Geschäfte ihres verstorbenen Mannes fort. [Ergänzende Eintragung:] ... ist verstorben, der Sohn führt das Geschäft weiter.
In unser Gesellschaftsregister wurde heute unter Nr. 211 die Firma Geschw. Schwarz mit dem Sitze in Embken eingetragen. Die Gesellschafter sind 1. Jakob Schwarz, Handelsmann, 2. Isidor Schwarz, Handelsmann, 3. Clara Schwarz, ohne Geschäft, 4. Gustav Schwarz, Handelsmann, alle zu Embken wohnend, 5. Philipp Schwarz, Kaufmann zu Frankfurt am Main, 6. Wilhelm Markus Schwarz, ohne Geschäft, 7. Heinrich Schwarz, ohne Geschäft, beide letzteren minderjährig und gesetzlich durch ihren Vormund, den ad 1 genannten Jakob Schwarz vertreten und bei diesem domiziliert. Die Gesellschaft hat am 12. September 1898 begonnen und sind zur Vertretung derselben nur Jakob Schwarz und Isidor Schwarz berechtigt und zwar jeder einzeln.
Düren, den 12. Sept. 1898
Moses Fromm, Rölsdorf 50, meldet stehenden Viehhandel und Fleischverkauf an. [siehe 03.01.1898]
Jakob Roer, Lendersdorf 98, meldet ein Gewerbe als Güter-Mäkler an.
21./22.07.1899
K. Düren, 28. Juli. Synagogen-Jubiläum zu Langerwehe. Am 21. und 22. cr. feierten die Israeliten Langerwehes das 25jährige Bestehen ihrer s. Z. unter großen Opfern errichteten Synagoge durch je einen Festgottesdienst am Freitag Abend und Samstag Morgen, woran sich Sonntag den 23. cr. ein zum Besten der Synagoge durch ein Privatcomitee veranstalteter Festball im de Haan'schen Saale anschloß. Der Dürener Synagogenchor hatte schon früh durch das freundschaftliche Anerbieten seines völlig unentgeltlichen Mitwirkens zu der Feier sein Interesse für dieselbe bekundet, welchem die Langerweher Gemeinde durch Gewinnung des Herrn Musikdirektors Necke für die Harmoniumsbegleitung und des Chordirigenten Herrn Lehrers Friedländer für die Festpredigten, sowie durch eine spontan und darum freudig geübte Gastfreundlichkeit entgegenkam. So konnte der schon in einer früheren Generation zur vollen Höhe seiner Aufgabe emporgestiegene Dürener Synagogenchor im fremden Gotteshause einer andächtigen und empfänglichen Festgemeinde, welche sich aus der ganzen Gegend zusammengefunden hatte, die Erhabenheit der uralten Synagogengesänge in ihrer meisterhaften modernen Bearbeitung offenbaren. Daneben wurden auch deutsche Choräle – zumal die beiden unmittelbar vor und nach der wohldurchdachten und eindrucksvollen Morgenpredigt des Herrn Friedländer –, sehr wirkungsvoll zu Gehör gebracht, sodaß nicht nur die Hörer, sondern auch die Sänger selbst mit Fug und Recht befriedigt auf die durch sie erst zu harmonischer Rundung gediehene Feier zurückblicken dürfen, denn: "Der Ton, der in der Kehle klingt, ist Lohn, der reichlich lohnet!" – Bemerkenswert war auch die vom Herrn Bürgermeister Beckers, dem energischen Förderer und pflichtliebenden Theilnehmer jedweder zu löblichem Zwecke getroffenen Festveranstaltung, an die Versammlung gerichtete Ansprache, in welcher er seiner Befriedigung darüber Ausdruck gab, in den Langerweher Israeliten nicht nur treue Staatsbürger, sondern zum Theil auch tüchtige Mitglieder des Kriegervereins, der Samariterabtheilung u. s. w. begrüßen zu können, welche mit ihren christlichen Mitbürgern im besten Einvernehmen lebten. Daß Letzteres der Fall, bewies übrigens zur Genüge die sympathische und antheilnehmende Haltung, welche unsere christliche Einwohnerschaft dem Feste gegenüber beobachtete und wofür derselben der herzliche Dank ihrer jüdischen Mitbürger gebührt.
Rur-Zeitung v. 28.07.1899
Witwe Jakob Fromm, Gürzenich 66, meldet ein Manufakturgeschäft als Gewerbe an.