Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Text=XII%20ZR%2024/93
Timestamp: 2019-07-17 23:52:57
Document Index: 283568142

Matched Legal Cases: ['BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 6', '§ 6', '§ 14', '§ 1031', '§ 13', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 1', 'BGH', 'BGH', 'EuG', 'BGH', 'BGH', '§ 6', 'BGH', 'BGH', '§ 6', 'EuG', 'BGH', '§ 312', 'BGH', 'BGH', '§ 312', '§ 1']

BGH, 04.05.1994 - XII ZR 24/93 - dejure.org
https://dejure.org/1994,923
BGH, 04.05.1994 - XII ZR 24/93 (https://dejure.org/1994,923)
BGH, Entscheidung vom 04.05.1994 - XII ZR 24/93 (https://dejure.org/1994,923)
BGH, Entscheidung vom 04. Mai 1994 - XII ZR 24/93 (https://dejure.org/1994,923)
Tipp: Um den Kurzlink (hier: https://dejure.org/1994,923) schnell in die Zwischenablage zu kopieren, können Sie die Tastenkombination Alt + R verwenden - auch ohne diesen Bereich zu öffnen.
Haustürgeschäft - Widerruf - Vertrag über selbständige Erwerbstätigkeit - Schutzwürdige Interessen - Überrumpelungssituation
HWiG § 6
Kein Widerrufsrecht nach Hausbesuch bei Erweiterung der Erwerbstätigkeit
HWiG § 6 Nr. 1 Alt. 1
Anwendung der HWiG auf Verträge zur Vorbereitung einer weiteren, bisher nicht ausgeübten selbständigen Erwerbstätigkeit
Haustürwiderrufsgesetz; Anwendung nur auf Verträge im privaten Bereich
NJW 1994, 2759
ZIP 1994, 1189
NJ 1995, 32
WM 1994, 1390
BB 1994, 1518
DB 1994, 1976
b) Unternehmer- (§ 14 BGB) und nicht Verbraucherhandeln (§ 1031 Abs. 5 Satz 1 ZPO i.V.m. § 13 BGB) liegt schon dann vor, wenn das Geschäft, das Gegenstand der Streitigkeit ist, im Zuge der Aufnahme einer gewerblichen oder selbständigen beruflichen Tätigkeit (sogenannte Existenzgründung) geschlossen wird (h.M.: OLG Rostock OLGR 2003, 505, 506 ff ; OLG Oldenburg NJW-RR 2002, 641 f ; s. auch BGH, Urteil vom 4. Mai 1994 - XII ZR 24/93 - NJW 1994, 2759 f ; Staudinger/Weick, BGB Neubearb.
Das Gesetz stellt nicht auf das Vorhandensein oder Nichtvorhandensein geschäftlicher Erfahrung, etwa aufgrund einer bereits ausgeübten gewerblichen oder selbständigen beruflichen Tätigkeit, ab (vgl. BGH, Urteil vom 4. Mai 1994 aaO S. 2760;… OLG Rostock aaO S. 506 f;… abweichend OLG Koblenz aaO).
Diese ist bei der Auslegung der nationalen Rechtsvorschriften über das Widerrufsrecht des Verbrauchers bei Haustürgeschäften ergänzend heranzuziehen (vgl. BGH, Urt. v. 4.5.1994 - XII ZR 24/93, NJW 1994, 2759, 2760), wobei Divergenzen zu der Richtlinie so weit wie möglich zu vermeiden sind (…vgl. BGH, Urt. v. 26.9.1995 - XI ZR 199/94, NJW 1996, 55, 56;… Staudinger/Werner, BGB [1998], Vorbem. zum HWiG Rdn. 42;… MünchKomm.BGB/Ulmer, 3. Aufl., Vor § 1 HausTWG Rdn. 6-8 und 21; Roth, ZIP 1996, 1285, 1286).
Diese gemeinschaftsrechtliche Dimension der Auslegung hat auch der Bundesgerichtshof gerade beim Haustürwiderrufsgesetz wiederholt hervorgehoben (Senatsurteil vom 9. März 1993 - XI ZR 179/92, WM 1993, 683, 684; BGH, Urteil vom 4. Mai 1994 - XII ZR 24/93, WM 1994, 1390, 1391; BGH, Beschluß vom 11. Januar 1996 - IX ZR 56/95, WM 1996, 384, 386).
Das gilt auch für das Haustürwiderrufsgesetz im Hinblick auf die EG-Richtlinie vom 20. Dezember 1985 (…EuGH, Urt. v. 14. Juli 1994 - Rs. C-91/92, EuzW 1994, 498, 500; BGH, Urt. v. 4. Mai 1994 - XII ZR 24/93, WM 1994, 1390, 1391).
Auch wenn der Kläger beabsichtigt haben sollte, mit eventuellen Gewinnen seine auf dem landwirtschaftlichen Anwesen lastenden Schulden zu vermindern, diente die Darlehensaufnahme für den Wertpapierkauf nicht der Bewirtschaftung des landwirtschaftlichen Betriebes, da der erforderliche Zusammenhang des Vertragsschlusses mit der Erwerbstätigkeit fehlte (vgl. zu diesem Erfordernis BGH, Urteil vom 4. Mai 1994 - XII ZR 24/93, NJW 1994, 2759, 2760).
Deshalb setzt sich der erkennende Senat mit der vorliegenden Entscheidung nicht in Widerspruch zu dem Urteil des XII. Zivilsenats des Bundesgerichtshofs vom 4. Mai 1994 (XII ZR 24/93 = WM 1994, 1390), soweit darin ausgesprochen wurde, die Vorschriften über den Widerruf von Haustürgeschäften seien nach § 6 Nr. 1, 1. Alternative HWiG selbst dann nicht anzuwenden, wenn ein selbständig erwerbstätiger Kunde den Vertrag zur Vorbereitung einer weiteren, bisher nicht ausgeübten Erwerbstätigkeit abschließe.
Dies entspreche der das Verbraucherrecht kennzeichnenden Differenzierung zwischen geschäftlichem und privatem Bereich (BGH, NJW 1994, 2759, 2760).
Angesichts der Ausstrahlungswirkungen zur Ausdehnung des europäischen Gemeinschaftsrechts auf die nationalen Rechtsordnungen (vgl. zu diesen Wirkungen auch BGH, NJW 1994, 2759 ff. bei der Auslegung von § 6 HausTWG a.F.) kommt dieser Entscheidung starke Bedeutung auch für die Behandlung des Verbraucherbegriffs nach der Rechtsordnung der Bundesrepublik Deutschland zu (so wohl auch Mankowski, Anmerk. zum EuGH JZ 1998, 898 [899]; OLG Oldenburg, NJW-RR 2002, 641 [642]).
Die von der Beklagten angeführte 'Kaffeemaschinen'-Entscheidung des BGH (NJW 1994, 2759 f.) gibt hierzu indessen aus Sicht des Senats nichts Zwingendes für die Position der Beklagten her, denn dort wurde die selbständige Erwerbstätigkeit bei Anmietung einer Kaffeemaschine zum gewerblichen Verkauf von Kaffee durch einen Bäcker namentlich darauf gestützt, dass der Anschaffungszweck durch die ohnehin schon bestehende Unternehmereigenschaft des Bäckers gewerblich begründet war.
Eine ausdehnende Auslegung oder Analogie des gesetzlichen Widerrufsrechts zugunsten des Klägers (entspr. § 312 i S. 2 BGB) kommt mangels Erweiterung des persönlichen Anwendungsbereichs durch den Gesetzgeber nicht in Betracht (vgl. BGH NJW 1994, 2759 (2760 aE.).
Keiner Entscheidung bedarf dabei die Frage, ob der Geschäftsraum eines freiberuflich oder selbstständig Tätigen zuzurechnen ist (offengelassen in BGH NJW 1994, 2759;… bejahend Palandt/Heinrichs, BGB, 63 Aufl., § 312 Rn. 14 m.w.N.;… a.A. noch Palandt/Putzo, BGB, 58. Aufl., § 1 HTWG Rn. 9 m.w.N.).
Widerrufsbelehrung, fehlerhafte - Widerruf - Verwirkung
OLG Köln, 15.12.1995 - 3 U 241/94
LG Berlin, 07.10.1994 - 64 S 97/94
Schutzwürdiges Interesse an der richterlichen Feststellung des Nichtbestehens …