Source: https://www.rechtslupe.de/sozialrecht/krankengeld-bei-arbeitslosigkeit-341411
Timestamp: 2019-12-08 14:11:14
Document Index: 113530637

Matched Legal Cases: ['§ 19', '§ 144', '§ 44', '§ 48', '§ 46', '§ 49', '§ 44', '§ 10', '§ 44', '§ 5', '§ 5', '§ 5', '§ 190', '§ 44', '§ 5', '§ 5', '§ 144', '§ 143', '§ 144', '§ 144', '§ 5', '§ 144', '§ 144', '§ 144', '§ 5', '§ 144', '§ 5', '§ 192', '§ 192', '§ 192', '§ 19', '§ 19', '§ 19', '§ 10', '§ 10', '§ 19', '§ 19', 'Art 3', 'Art 6', 'Art 100', '§ 19', 'Art 3', '§ 19', '§ 19', '§ 19', '§ 10', '§ 19', '§ 192', '§ 19', '§ 5', '§ 44', '§ 19', 'Art 6', 'Art 6', 'Art 28', '§ 10', 'Art 6', '§ 38', '§ 144', '§ 19', '§ 44', '§ 44', '§ 46', '§ 192', '§ 5', '§ 19', '§ 27']

Kran­ken­geld bei Arbeits­lo­sig­keit | Rechtslupe
Eine Fami­li­en­ver­si­che­rung hat nach § 19 Abs 2 Satz 2 SGB V Vor­rang vor dem nach­ge­hen­den Leis­tungs­an­spruch. Die­se in Kennt­nis der gegen­tei­li­gen Recht­spre­chung des Bun­des­so­zi­al­ge­richts 1 mit Wir­kung vom 1. Janu­ar 2004 in das Fünf­te Buch Sozi­al­ge­setz­buch ein­ge­führ­te Vor­schrift ver­stößt nicht gegen das Grund­ge­setz.
So die Ent­schei­dung des Lan­des­so­zi­al­ge­richts Baden-Würt­tem­berg in dem hier vor­lie­gen­den Fall eines Streits über die Gewäh­rung von Kran­ken­geld. Die 1959 gebo­re­ne, ver­hei­ra­te­te Klä­ge­rin war auf­grund ihrer ver­si­che­rungs­pflich­ti­gen Beschäf­ti­gung bei der Metz­ge­rei Z. Mit­glied bei der Beklag­ten. Am 15.11.2009 erhielt sie die Kün­di­gung zum 31.12.2009. Sie mel­de­te sich des­halb am 30.11.2009 bei der Agen­tur für Arbeit (AA) Mann­heim zum 01.01.2010 arbeits­los. Die­se stell­te für die Zeit vom 01. bis 07.01.2010 den Ein­tritt einer Sperr­zeit wegen ver­spä­te­ter Mel­dung nach § 144 Abs 1 Satz 2 Nr 7 Drit­tes Buch Sozi­al­ge­setz­buch (SGG III) fest und bewil­lig­te ab dem 08.01.2010 Arbeits­lo­sen­geld. Mit Bescheid vom 25.01.2010 hob sie die Ent­schei­dung über Bewil­li­gung von Arbeits­lo­sen­geld ab dem 08.01.2010 auf. Zur Begrün­dung wur­de „Ende der Leis­tungs­fort­zah­lung im Krank­heits­fall“ ange­ge­ben. Arbeits­lo­sen­geld wur­de für den Zeit­raum vom 05.01. bis 05.02.2010 nicht aus­ge­zahlt (Beschei­ni­gung der AA Mann­heim vom 05.05.2010). Erst ab dem 08.02.2010 erhielt die Klä­ge­rin Arbeits­lo­sen­geld. Ab dem 05.01.2010 attes­tier­te die Gemein­schafts­pra­xis Dres. St./R. Arbeits­un­fä­hig­keit (AU) wegen Unwohl­sein und Ermü­dung (ICD-10: R53 G), die vor­aus­sicht­lich bis 17.01.2010 bestehe. Mit Fol­ge­be­schei­ni­gun­gen vom 18.01.2010 (vor­aus­sicht­li­che Dau­er der AU: 23.01.2010) und 22.01.2010 (vor­aus­sicht­li­che Dau­er der AU: 05.02.2010) beschei­nig­ten die­se wei­ter­hin AU. Im Aus­zah­lungs­schein vom 01.02.2010 wur­de ange­ge­ben, die Klä­ge­rin sei wei­ter­hin wegen Unwohl­sein und Ermü­dung bis ein­schließ­lich 05.02.2010 arbeits­un­fä­hig. Mit Bescheid vom 03.02.2010 lehn­te die Beklag­te die Gewäh­rung von Krg ab, da bei Beginn der Arbeits­un­fä­hig­keit am 05.01.2010 kei­ne Ver­si­che­rungs­pflicht bestan­den habe und sie dem Grun­de nach mit Anspruch auf Fami­li­en­ver­si­che­rung über ihren Ehe­mann ver­si­chert gewe­sen sei. Sie sei des­halb ab dem 01.01.2010 ohne Anspruch auf Krg ver­si­chert. Nach erfolg­lo­sem Wider­spruchs­ver­fah­ren hat die Klä­ge­rin Kla­ge vor dem Sozi­al­ge­richt Mann­heim erho­ben. Mit Urteil vom 22. Juli 2011 hat das Sozi­al­ge­richt die Kla­ge abge­wie­sen.
Die beim Lan­des­so­zi­al­ge­richt Baden-Würt­tem­berg ein­ge­leg­te Beru­fung ist mit fol­gen­der Begrün­dung abge­wie­sen wor­den: Nach der stän­di­gen Recht­spre­chung des Bun­des­so­zi­al­ge­richts bestimmt allein das bei Ent­ste­hen eines Kran­ken­geld-Anspruchs bestehen­de Ver­si­che­rungs­ver­hält­nis, wer in wel­chem Umfang als Ver­si­cher­ter Anspruch auf Kran­ken­geld hat 2. Gemäß § 44 Abs 1 Satz 1 SGB V haben „Ver­si­cher­te“ Anspruch auf Kran­ken­geld, wenn – abge­se­hen von den Fäl­len sta­tio­nä­rer Behand­lung – Krank­heit sie arbeits­un­fä­hig macht. Das Kran­ken­geld wird ohne zeit­li­che Begren­zung, für den Fall der AU wegen der­sel­ben Krank­heit jedoch längs­tens 78 Wochen inner­halb von drei Jah­ren, gerech­net vom Tage des Beginns der AU an, gezahlt (§ 48 Abs 1 Satz 1 SGB V). Der Anspruch auf Kran­ken­geld ent­steht gemäß § 46 Satz 1 Nr 2 SGB V von dem Tag an, der auf den Tag der ärzt­li­chen Fest­stel­lung der AU folgt. Grund­sätz­lich setzt daher der Anspruch auf Kran­ken­geld die vor­he­ri­ge ärzt­li­che Fest­stel­lung der AU vor­aus. Dem Attest des behan­deln­den Arz­tes mit der Fest­stel­lung der AU kommt ledig­lich die Bedeu­tung einer gut­acht­li­chen Stel­lung­nah­me zu, wel­che die Grund­la­ge für den über den Kran­ken­geld-Bezug zu ertei­len­den Ver­wal­tungs­akt der Kran­ken­kas­se bil­det, ohne dass Kran­ken­kas­se und Gerich­te an den Inhalt der ärzt­li­chen Beschei­ni­gung gebun­den sind 3. Vor­lie­gend käme daher allen­falls ein Kran­ken­geld-Anspruch ab dem 06.01.2010 – und nicht wie bean­tragt bereits seit dem 05.01.2010 – in Betracht. Denn erst am 05.01.2010 wur­de AU durch die Gemein­schafts­pra­xis Dres. St./R. beschei­nigt. Die Vor­aus­set­zun­gen eines Kran­ken­geld-Anspruchs, also nicht nur die AU son­dern auch die ärzt­li­che Fest­stel­lung der AU, müs­sen bei zeit­lich befris­te­ter AU-Fest­stel­lung und dem­entspre­chen­der Krg-Gewäh­rung für jeden Bewil­li­gungs­ab­schnitt jeweils erneut vor­lie­gen 4. Zudem muss der Ver­si­cher­te die AU und deren Fort­dau­er grund­sätz­lich recht­zei­tig ärzt­lich fest­stel­len las­sen und sei­ner Kran­ken­kas­se gemäß § 49 Abs 1 Nr 5 SGB V mel­den 5.
Die Ver­si­che­rungs­ver­hält­nis­se, die die Gewäh­rung von Kran­ken­geld nicht ein­schlie­ßen, sind in § 44 Abs 2 SGB V auf­ge­führt. Danach kön­nen ins­be­son­de­re gemäß § 10 SGB V Fami­li­en­ver­si­cher­te Kran­ken­geld nicht bean­spru­chen (§ 44 Abs 2 Satz 1 Nr 1 SGG V), wäh­rend Mit­glie­dern der Kran­ken­ver­si­che­rung der Beschäf­tig­ten (§ 5 Abs 1 Nr 1 SGB V) und der Arbeits­lo­sen (§ 5 Abs 1 Nr 2 SGB V) bei AU Kran­ken­geld zusteht.
Vor­lie­gend war die Klä­ge­rin nur bis zum 31.12.2009 mit Anspruch auf Kran­ken­geld ver­si­chert. Sie gehör­te zwar ursprüng­lich in ihrer Eigen­schaft als ver­si­che­rungs­pflich­tig Beschäf­tig­te gemäß § 5 Abs 1 Nr 1 SGB V zum Kreis der Ver­si­che­rungs­pflich­ti­gen mit Anspruch auf Kran­ken­geld. Die­ser Ver­si­che­rungs­schutz ende­te aber mit dem Ende des ent­gelt­li­chen Beschäf­ti­gungs­ver­hält­nis­ses am 31.12.2009 (vgl § 190 Abs 2 SGB V).
Ein Kran­ken­geld-Anspruch der Klä­ge­rin lässt sich ab dem 06.01.2010, dem Tag, der auf die ärzt­li­che Fest­stel­lung der Arbeits­un­fä­hig­keit am 05.01.2010 folg­te, nicht aus § 44 Abs 1 SGB V iVm §§ 5 Abs 1 Nr 2, 47b SGB V her­lei­ten (Pflicht­ver­si­che­rung in der Kran­ken­ver­si­che­rung der Arbeits­lo­sen, KVdA). Nach § 5 Abs 1 Nr 2 SGB V sind ver­si­che­rungs­pflich­tig Per­so­nen in der Zeit, für die sie Arbeits­lo­sen­geld oder Unter­halts­geld nach dem SGB III bezie­hen oder nur des­halb nicht bezie­hen, weil der Anspruch ab Beginn des zwei­ten Monats bis zur 12. Woche einer Sperr­zeit (§ 144 SGB III) oder ab Beginn des zwei­ten Monats wegen einer Urlaubs­ab­gel­tung (§ 143 Abs 2 SGB III) ruht; dies gilt auch, wenn die Ent­schei­dung, die zum Bezug der Leis­tung geführt hat, rück­wir­kend auf­ge­ho­ben oder die Leis­tung zurück­ge­for­dert oder zurück­ge­zahlt wor­den ist. Das Gesetz unter­schei­det mit­hin eine Ver­si­che­rungs­pflicht bei Leis­tungs­be­zug (das Bestehen eines Anspruchs ist inso­weit nicht erfor­der­lich, aber auch nicht aus­rei­chend 6) und eine Ver­si­che­rungs­pflicht ohne Leis­tungs­be­zug. Letz­te­re tritt nur ein für die Zeit ab dem zwei­ten Monat einer Sperr­zeit nach § 144 SGB III. Erfasst sind damit (bis zu) zwölf­wö­chi­ge Sperr­zei­ten (vor allem) wegen Arbeits­auf­ga­be, Arbeits­ab­leh­nung, bei unzu­rei­chen­den Eigen­be­mü­hun­gen oder Abbruch einer beruf­li­chen Ein­glie­de­rungs­maß­nah­me im Sin­ne des § 144 Abs 1 Satz 2 Nr 1, 2, 3 und 5 SGB III. In die­sen Fäl­len besteht Ver­si­che­rungs­pflicht aber nur für die Zeit ab Beginn des zwei­ten Sperr­zeit­mo­nats, nicht jedoch für den vom Gesetz aus­drück­lich aus­ge­nom­me­nen ers­ten Sperr­zeit­mo­nat. Der Ver­si­che­rungs­pflicht­tat­be­stand des § 5 Abs 1 Nr 2 2. Alter­na­ti­ve SGB V ist über sei­nen Wort­laut hin­aus nicht, auch nicht ent­spre­chend, auf die Sperr­zeit bei ver­spä­te­ter Arbeits­su­chend­mel­dung nach § 144 Abs 1 Satz 2 Nr 7 SGB III anwend­bar, da die­se gemäß § 144 Abs 6 SGB III nur eine Woche beträgt und damit in den von der Ver­si­che­rungs­pflicht aus­ge­nom­me­nen ers­ten Sperr­zeit­mo­nat fällt 7.
Vor­lie­gend hat die Klä­ge­rin weder ab dem 01.01.2010 noch zu einem spä­te­ren Zeit­punkt im hier strei­ti­gen Zeit­raum Arbeits­lo­sen­geld oder Unter­halts­geld bezo­gen. Zum Zeit­punkt des Ein­tritts der AU am 05.01.2010 ruh­te näm­lich der Anspruch auf Arbeits­lo­sen­geld gemäß § 144 Abs 1 Satz 2 Nr 7 SGB III. Wie bereits dar­ge­legt, kann die Rege­lung des § 5 Abs 1 Nr 2 2. Alter­na­ti­ve SGB V in den Fäl­len einer ein­wö­chi­gen Sperr­zeit nach § 144 Abs 1 Satz 2 Nr 7 SGB III aber nicht ange­wen­det wer­den. Eine Pflicht­ver­si­che­rung in der Kran­ken­ver­si­che­rung der Arbeits­lo­sen nach § 5 Abs 1 Nr 2 SGB V ist daher im hier strei­ti­gen Zeit­raum nicht begrün­det wor­den.
Die auf­grund des frü­he­ren Beschäf­ti­gungs­ver­hält­nis­ses basie­ren­de Mit­glied­schaft der Klä­ge­rin bei der Beklag­ten bestand auch nicht nach § 192 Abs 1 Nr 2 SGB V über den 31.12.2009 hin­aus fort, weil es an einem Tat­be­stand fehlt, der die Mit­glied­schaft ver­län­ger­te. Nach § 192 Abs 1 Nr 2 SGB V bleibt die Mit­glied­schaft Ver­si­che­rungs­pflich­ti­ger erhal­ten, solan­ge ein Anspruch auf Kran­ken­geld besteht oder die­se Leis­tung in Anspruch genom­men wird. Die Klä­ge­rin bezog aber weder ab dem 01.01.2010 Kran­ken­geld noch hat­te sie für die­sen Tag Anspruch hier­auf. Ihre AU wur­de ent­spre­chend der Beschei­ni­gung der Dres. St./R. erst am 05.01.2010 beschei­nigt.
Ist die Mit­glied­schaft auch unter Berück­sich­ti­gung der Erhal­tungs­tat­be­stän­de in § 192 SGB V been­det, besteht gemäß § 19 Abs 2 Satz 1 SGB V noch ein nach­ge­hen­der Leis­tungs­an­spruch (ggf auch auf Kran­ken­geld) längs­tens für einen Monat nach dem Ende der Mit­glied­schaft, solan­ge kei­ne Erwerbs­tä­tig­keit aus­ge­übt wird. Der bei­trags­freie, nach­wir­ken­de Ver­si­che­rungs­schutz dient der Ver­mei­dung sozia­ler Här­ten. Er soll ver­hin­dern, dass Betrof­fe­ne bei kurz­zei­ti­gen Beschäf­ti­gungs­lü­cken, etwa wegen eines Arbeits­platz­wech­sels, vor­über­ge­hend kei­nen Kran­ken­ver­si­che­rungs­schutz haben 8. Da § 19 Abs 2 Satz 1 eine Aus­nah­me­vor­schrift zur Ver­mei­dung sozia­ler Här­ten dar­stellt, ent­fal­len die Schutz­be­dürf­tig­keit und damit der gesetz­ge­be­ri­sche Grund für die Gewäh­rung eines über das Mit­glied­schafts­en­de hin­aus­rei­chen­den, begrenz­ten, bei­trags­frei­en Ver­si­che­rungs­schut­zes, wenn es kei­ne Siche­rungs­lü­cke (mehr) gibt. Eine sol­che Lücke ist nicht gege­ben, wenn ent­we­der unmit­tel­bar im Anschluss eine bis­he­ri­ge Pflicht­mit­glied­schaft oder zu einem spä­te­ren Zeit­punkt inner­halb der Monats­frist des § 19 Abs 2 Satz 2 SGB V ein neu­es Ver­si­che­rungs­ver­hält­nis begrün­det wird 9. Das aktu­el­le Ver­si­che­rungs­ver­hält­nis hat mit­hin Vor­rang gegen­über dem nach­ge­hen­den Anspruch. Eine Ver­si­che­rung nach § 10 SGB V (Fami­li­en­ver­si­che­rung) hat des­we­gen Vor­rang vor dem )(grund­sätz­lich sub­si­diä­ren, vgl BSG 20.08.1986 – 8 RK 74/​84)) nach­ge­hen­den Leis­tungs­an­spruch. Dies hat der Gesetz­ge­ber mit Wir­kung vom 01.01.2004 durch die Ein­fü­gung von Satz 2 in Kennt­nis der ent­ge­gen­ste­hen­den Recht­spre­chung des Bun­des­so­zi­al­ge­richts 1 aus­drück­lich nor­miert. Mit­glie­der, deren eige­ne Mit­glied­schaft endet, die aber nach § 10 SGB V Fami­li­en­ver­si­cher­te sind oder wer­den kön­nen, sind daher auf den Fami­li­en­ver­si­che­rungs­schutz ver­wie­sen. Sie haben (man­gels Schutz­be­dürf­tig­keit) kei­nen nach­ge­hen­den Leis­tungs­an­spruch aus § 19 Abs 2 Satz 1 SGB V 10.
Im Gegen­satz zur Auf­fas­sung der Klä­ge­rin ver­letzt § 19 Abs 2 Satz 2 SGB V nicht Art 3 Abs 1, Art 6 Abs 1 GG. Das Ver­fah­ren war inso­weit nicht gemäß Art 100 Abs 1 GG aus­zu­set­zen, um die Ent­schei­dung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts ein­zu­ho­len.
Die Rege­lung des § 19 Abs 2 Satz 2 SGB V ver­stößt nicht gegen Art 3 Abs 1 GG. Die­ses Grund­recht gebie­tet, alle Men­schen vor dem Gesetz gleich zu behan­deln. Damit ist dem Gesetz­ge­ber aller­dings nicht jede Dif­fe­ren­zie­rung ver­wehrt. Er ver­letzt aber das Grund­recht, wenn er eine Grup­pe von Normadres­sa­ten anders als eine ande­re behan­delt, obwohl zwi­schen bei­den Grup­pen kei­ne Unter­schie­de von sol­cher Art und von sol­chem Gewicht bestehen, dass sie die unglei­che Behand­lung recht­fer­ti­gen könn­ten 11. Die von der Klä­ge­rin geschil­der­te Ungleich­be­hand­lung zwi­schen ver­hei­ra­te­ten und unver­hei­ra­te­ten Mit­glie­dern in der gesetz­li­chen Kran­ken­ver­si­che­rung ist jedoch sach­lich gerecht­fer­tigt. Denn durch den nach­ge­hen­den Leis­tungs­an­spruch des § 19 Abs 2 Satz 1 SGB V wird kein neu­es (vor­ran­gi­ges) Ver­si­che­rungs­ver­hält­nis begrün­det. Das Gegen­teil ist viel­mehr der Fall. Sobald ein vor­ran­gi­ges gesetz­li­ches Ver­si­che­rungs­ver­hält­nis besteht, schei­det eine Anwen­dung des inso­weit nach­ran­gi­gen § 19 Abs 2 Satz 1 SGB V aus. Denn es han­delt sich bei die­ser Rege­lung – wie bereits dar­ge­legt – um eine Aus­nah­me­vor­schrift zur Ver­mei­dung sozia­ler Här­ten. Die Schutz­be­dürf­tig­keit und damit der gesetz­ge­be­ri­sche Grund für die Gewäh­rung eines über das Mit­glied­schafts­en­de hin­aus­ge­hen­den, begrenz­ten, bei­trags­frei­en Ver­si­che­rungs­schut­zes ent­fällt jedoch, wenn es kei­ne Siche­rungs­lü­cke (mehr) gibt. Eine sol­che Siche­rungs­lü­cke liegt dann nicht vor, wenn nach dem Ende der Mit­glied­schaft inner­halb der Monats­frist des § 19 Abs 2 Satz 1 ein neu­es gesetz­li­ches Ver­si­che­rungs­ver­hält­nis begrün­det wird. Ein sol­ches Ver­si­che­rungs­ver­hält­nis wird jedoch durch die Fami­li­en­ver­si­che­rung nach § 10 SGB V begrün­det. Die Klä­ge­rin ver­kennt bei ihrer Argu­men­ta­ti­on, dass § 19 Abs 2 Satz 1 SGB V nicht pri­mär dazu die­nen soll, Ent­gel­ter­satz­leis­tun­gen (Kran­ken­geld) in Anspruch zu neh­men. Hier­für hat der Gesetz­ge­ber viel­mehr – bei Vor­lie­gen der ent­spre­chen­den Vor­aus­set­zun­gen – die Zah­lung von Arbeits­lo­sen­geld sowie die Wei­ter­zah­lung von Krg nach § 192 Abs 1 Nr 2 SGB V nor­miert. § 19 Abs 2 Satz 1 SGB V soll viel­mehr die Leis­tun­gen eines all­ge­mei­nen Kran­ken­ver­si­che­rungs­schut­zes, wor­un­ter auch (aber nicht in ers­ter Linie) Kran­ken­geld fal­len kann, sicher­stel­len. Einen sol­chen gesetz­li­chen Kran­ken­ver­si­che­rungs­schutz haben jedoch – im Gegen­satz zur den Fami­li­en­ver­si­cher­ten – Unver­hei­ra­te­te nach Ende ihrer Mit­glied­schaft nach § 5 Abs 1 Nr 1 SGB V nicht. Die­se müs­sen sich viel­mehr ent­we­der frei­wil­lig wei­ter­ver­si­chern oder einen ande­ren Ver­si­che­rungs­pflicht begrün­den­den Tat­be­stand erfül­len. Aus die­sen Aus­füh­run­gen folgt auch, dass der Gesetz­ge­ber nicht ver­pflich­tet war, § 44 Abs 2 SGB V – wie von der Klä­ge­rin gel­tend gemacht – zu ändern.
Dar­über hin­aus ver­stößt die Rege­lung des § 19 Abs 2 Satz 2 SGB V auch nicht gegen Art 6 Abs 1 GG. Nach Art 6 Abs 1 GG ste­hen Ehe und Fami­lie unter dem beson­de­ren Schutz des Staa­tes. Aus der in die­ser Rege­lung getrof­fe­nen Wert­ent­schei­dung zuguns­ten von Ehe und Fami­lie iVm dem Sozi­al­staats­prin­zip (Art 28 GG) ergibt sich aber ledig­lich eine all­ge­mei­ne Pflicht des Staa­tes zu einem Fami­li­en­las­ten­aus­gleich, nicht aber eine kon­kre­te Ent­schei­dung dar­über, in wel­chem Umfang und in wel­cher Wei­se ein sol­cher sozia­ler Aus­gleich vor­zu­neh­men ist; viel­mehr besteht inso­weit grund­sätz­lich eine Gestal­tungs­frei­heit des Gesetz­ge­bers 12. Im Bereich des Sozi­al­rechts hat der Gesetz­ge­ber grund­sätz­lich einen wei­ten Gestal­tungs­spiel­raum. Mit der bei­trags­frei­en Fami­li­en­ver­si­che­rung gemäß § 10 SGB V hat der Gesetz­ge­ber eine deut­li­che finan­zi­el­le Ent­las­tung von Ehen und Fami­li­en im Sinn von Art 6 Abs 1 GG geschaf­fen. Es besteht kei­ne ver­fas­sungs­recht­li­che Ver­pflich­tung des Gesetz­ge­bers, die­sen Fami­li­en­ver­si­cher­ten in jedem Leis­tungs­be­reich Ansprü­che zu gewäh­ren, die den Ansprü­chen der ande­ren gesetz­li­chen Kran­ken­ver­si­cher­ten im Umfang min­des­tens gleich­wer­tig sind. Es ist daher von Ver­fas­sungs wegen nicht zu bean­stan­den, dass Fami­li­en­ver­si­cher­te kei­nen Anspruch auf Krg haben.
Im Gegen­satz zur Auf­fas­sung der Klä­ge­rin liegt auch kei­ne Rege­lungs­lü­cke vor. Denn der Umstand, dass sie ab dem 1. Janu­ar 2010 kein Arbeits­lo­sen­geld erhal­ten hat, liegt in ihrem eige­nen Ver­hal­ten begrün­det. Sie hat sich näm­lich – nach ihrem eige­nen Vor­brin­gen – ent­ge­gen ihrer Ver­pflich­tung nach § 38 Abs 1 SGB III nicht inner­halb von drei Tagen nach Kennt­nis des Been­di­gungs­zeit­punk­tes ihres Beschäf­ti­gungs­ver­hält­nis­ses bei der Arbeits­agen­tur Mann­heim arbeit­su­chend gemel­det. Des­we­gen ruh­te der Anspruch auf Arbeits­lo­sen­geld vom 01. bis 07.01.2010 gemäß § 144 Abs 1 Satz 2 Nr 7 SGB III. Eine gesetz­li­che Rege­lungs­lü­cke liegt mit­hin nicht vor.
Lan­des­so­zi­al­ge­richt Baden-Würt­tem­berg, Beschluss vom 12. März 2012 – L 11 KR 3638/​11
Ende des Arbeits­ver­hält­nis­ses – aber Kran­ken­geld Wird ein Arbeit­neh­mer am letz­ten Tag sei­nes Arbeits­ver­hält­nis­ses von einem Arzt krank­ge­schrie­ben, erhält er ab dem Fol­ge­tag Kran­ken­geld, auch wenn mit dem Arbeits­ver­hält­nis die Ver­si­che­rung…
BSG, Urteil vom 07.05.2002 – B 1 KR 24/​01 R, SozR 3 – 2500 § 19 Nr 5[↩][↩]
vgl BSG, 05.05.2009 – B 1 KR 20/​08 R und vom 02.11.2007 – B 1 KR 38/​06 R[↩]
BSG 08.11.2005 – B 1 KR 18/​04 R, SozR 4 – 2500 § 44 Nr 7[↩]
BSG, 26.06.2007 – B 1 KR 8/​07 R, SozR 4 – 2500 § 44 Nr 12 mwN[↩]
BSG, 08.11.2005 – B 1 KR 30/​04 R, SozR 4 – 2500 § 46 Nr 1[↩]
vgl BSG, 05.05.2009 – B 1 KR 20/​08 R, SozR 4 – 2500 § 192 Nr 4 RdNr 11 mwN; Peters in Kas­se­ler Kom­men­tar, § 5 SGB V RdNr 40, Stand 01/​2009[↩]
vgl LSG Baden-Würt­tem­berg 14.12.2011 – L 5 KR 119/​11, nv[↩]
vgl nur Brandts in Kas­se­ler Kom­men­tar, § 19 SGB V RdNr 33, Stand 07/​2010[↩]
BSG 26.06.2007 – B 1 KR 2/​07 R[↩]
vgl auch LSG Hes­sen, 26.10.2010 – L 1 KR 84/​10 sowie LSG Baden-Würt­tem­berg, Urteil vom 28.06.2011 – L 11 KR 3181/​09 und LSG Baden-Würt­tem­berg 14.12.2011, L 5 KR 119/​11[↩]
BVerfG 28.02.2007 – 1 BvL 5/​03, SozR 4 – 2500 § 27a Nr 11[↩]
BVerfGE 87, 1, 35f, 40, SozR 3 – 5761 Allg Nr 1[↩]
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