Source: https://www.rechtslupe.de/steuerrecht/einkommensteuer/einkommensteuer-betrieb/die-gepachtete-jagd-und-ihr-zusammenhang-mit-einem-land-und-forstwirtschaftlichen-betrieb-3174827
Timestamp: 2020-05-31 22:36:51
Document Index: 300914876

Matched Legal Cases: ['§ 13', '§ 7', '§ 7', '§ 13', '§ 11', '§ 13', '§ 5', '§ 7', 'BGH', 'BGH']

Die gepachtete Jagd - und ihr Zusammenhang mit einem land- und forstwirtschaftlichen Betrieb | Rechtslupe
Nach § 13 Abs. 1 Nr. 3 EStG gehö­ren zu den Ein­künf­ten aus Land- und Forst­wirt­schaft u.a. Ein­künf­te und damit auch Ver­lus­te aus einer Jagd, wenn die­se mit dem Betrieb einer Land­wirt­schaft oder einer Forst­wirt­schaft im Zusam­men­hang ste­hen. Die­ser im Gesetz nicht näher erläu­ter­te Zusam­men­hang besteht nach der Recht­spre­chung des Bun­des­fi­nanz­hofs (BFH), wenn die Jagd des Land- und Forst­wirts dem eige­nen land- und forst­wirt­schaft­li­chen Betrieb der­ge­stalt dient, dass sie den land- und forst­wirt­schaft­lich genutz­ten Grund­flä­chen des Betriebs zugu­te­kommt [1]. Die Beja­hung eines sol­chen Zusam­men­hangs setzt vor­aus, dass die Jagd zumin­dest über­wie­gend auf den eige­nen oder gepach­te­ten Grund­stü­cken des betref­fen­den land- und forst­wirt­schaft­li­chen Betriebs aus­ge­übt wird [2].
Einen sol­chen betrieb­li­chen Zusam­men­hang hat der BFH stets bejaht, wenn der Land- und Forst­wirt in einem Eigen­jagd­be­zirk (§ 7 BJagdG) die Jagd selbst aus­übt. Nach § 7 Abs. 1 BJagdG bil­den zusam­men­hän­gen­de Grund­flä­chen mit einer land, forst- oder fische­rei­wirt­schaft­lich nutz­ba­ren Flä­che von 75 ha an, die im Eigen­tum ein und der­sel­ben Per­son oder einer Per­so­nen­ge­mein­schaft ste­hen, einen Eigen­jagd­be­zirk. Die Jagd­aus­übung durch den Eigen­tü­mer der Flä­chen dient nicht nur der Ver­hin­de­rung von Wild­schä­den, sei es nun in der Land­wirt­schaft oder aber in einem rein forst­wirt­schaft­li­chen Betrieb, son­dern auch der gebo­te­nen Abstim­mung erfor­der­li­cher land- und forst­wirt­schaft­li­cher Arbei­ten mit der Hege und Pfle­ge des Wil­des sowie dem Wild­ab­schuss [3].
Wer­den neben einer Eigen­jagd noch wei­te­re Jagd­flä­chen zuge­pach­tet, besteht der betrieb­li­che Zusam­men­hang nur dann, wenn die Zupach­tung aus zwin­gen­den öffent­lich-recht­li­chen Grün­den erfolgt oder zur ord­nungs­ge­mä­ßen Bewirt­schaf­tung des land- und forst­wirt­schaft­li­chen Betriebs erfor­der­lich ist oder wenn die zuge­pach­te­ten Jagd­flä­chen über­wie­gend eigen­be­trieb­lich genutzt wer­den [4]. Zwin­gen­de öffent­lich-recht­li­che Grün­de lie­gen nach der Recht­spre­chung des BFH vor, wenn dem Besit­zer der Eigen­jagd ent­we­der durch behörd­li­chen Akt frem­de Jagd­flä­chen zur Beja­gung zuge­wie­sen wer­den oder der Steu­er­pflich­ti­ge zur Ver­mei­dung einer hoheit­li­chen Maß­nah­me einen Pacht­ver­trag abschließt. Bedin­gung für die zwei­te Alter­na­ti­ve ist, dass die Vor­aus­set­zun­gen für eine ent­spre­chen­de hoheit­li­che Maß­nah­me vor­la­gen und ihre Durch­füh­rung ernst­lich droh­te [4].
Die­se Grund­sät­ze gel­ten glei­cher­ma­ßen für den Päch­ter eines land- und forst­wirt­schaft­li­chen Betriebs, der einen Eigen­jagd­be­zirk pach­tet, der sich auf die von ihm bewirt­schaf­te­ten Pacht­flä­chen erstreckt. Denn § 13 Abs. 1 Nr. 3 EStG stellt nicht auf einen Zusam­men­hang der Jagd mit einem land- und forst­wirt­schaft­li­chen Eigen­tums­be­trieb ab, son­dern ledig­lich auf einen Zusam­men­hang mit dem Betrieb einer Land- und Forst­wirt­schaft. Ent­spre­chend kann auch das von einem Jagd­päch­ter wahr­ge­nom­me­ne Jagd­aus­übungs­recht sei­nen land- und forst­wirt­schaft­lich genutz­ten Pacht­flä­chen zugu­te­kom­men und damit sei­nem land- und forst­wirt­schaft­li­chen Pacht­be­trieb die­nen [5].
a)) Bei Anwen­dung die­ser Grund­sät­ze ist das Nie­der­säch­si­sche Finanz­ge­richt [6] des­halb zunächst zu Recht davon aus­ge­gan­gen, dass der erfor­der­li­che Zusam­men­hang der Jagd­auf­wen­dun­gen mit dem land- und forst­wirt­schaft­li­chen Betrieb der GbR nicht schon des­halb zu ver­nei­nen ist, weil die GbR nicht Eigen­tü­me­rin der land- und forst­wirt­schaft­li­chen Flä­chen und damit auch nicht Inha­be­rin des Jagd­rechts ist. Denn nach den vor­ste­hen­den Aus­füh­run­gen kann auch das von einem Jagd­päch­ter wahr­ge­nom­me­ne Jagd­aus­übungs­recht sei­nem gepach­te­ten land- und forst­wirt­schaft­li­chen Betrieb der­ge­stalt die­nen, dass die Jagd den land- und forst­wirt­schaft­lich genutz­ten Flä­chen des Betriebs zugu­te­kommt. Hier­von gehen letzt­lich auch die Betei­lig­ten aus, da die Abzugs­fä­hig­keit der Auf­wen­dun­gen für Jagd­steu­er und Jagd­pacht unstrei­tig ist, soweit die­se auf die im Eigen­tum des Klos­ter­fonds ste­hen­den und von der GbR gepach­te­ten land­wirt­schaft­li­chen (Jagd-)Flächen ent­fal­len.
Die ver­trag­lich ver­ein­bar­te Abrun­dung führ­te dabei zu einem Wech­sel des Inha­bers des Jagd­aus­übungs­rechts. Durch die Anglie­de­rung der Teil­flä­chen ent­stand zwi­schen der Klos­ter­kam­mer als Eigen­tü­me­rin des Eigen­jagd­be­zirks und dem Land … als Eigen­tü­mer der ange­glie­der­ten Flä­chen in Bezug auf das Jagd­aus­übungs­recht ein pacht­ähn­li­ches Ver­hält­nis [7]. Das auf die­se Wei­se neu defi­nier­te Jagd­aus­übungs­recht konn­te wie­der­um gemäß dem in § 11 Abs. 1 und 2 BJagdG näher aus­ge­form­ten Prin­zip der ‑sach­li­chen und räum­li­chen- Unteil­bar­keit des Jagd­aus­übungs­rechts nur in sei­ner Gesamt­heit Gegen­stand eines (spä­te­ren) Jagd­pacht­ver­trags sein [8].
Der von § 13 Abs. 1 Nr. 3 EStG vor­aus­ge­setz­te Zusam­men­hang des Jagd­aus­übungs­rechts mit der Land- und Forst­wirt­schaft kann aber für die ange­glie­der­ten Teil­flä­chen nicht anders beur­teilt wer­den als für die gepach­te­ten und von der GbR bewirt­schaf­te­ten Flä­chen des "Klos­ter­gut X", die den ursprüng­li­chen Eigen­jagd­be­zirk bil­de­ten. Dafür spricht ins­be­son­de­re, dass die Anglie­de­rung von Flä­chen nach § 5 Abs. 1 BJagdG vor­aus­setzt, dass sie den not­wen­di­gen Erfor­der­nis­sen der Jagd­pfle­ge und Jagd­aus­übung im Eigen­be­zirk dient. Inso­weit dient auch die Jagd auf den ange­glie­der­ten Flä­chen der Ver­hin­de­rung von Wild­schä­den im land- und forst­wirt­schaft­li­chen Betrieb des Jagd­päch­ters sowie der gebo­te­nen Abstim­mung erfor­der­li­cher land- und forst­wirt­schaft­li­cher Arbei­ten mit der Hege und Pfle­ge des Wil­des sowie dem Wild­ab­schuss. Ange­sichts des­sen bejaht der Bun­des­fi­nanz­hof den Zusam­men­hang der auf die ange­glie­der­ten Flä­chen ent­fal­len­den Jagd­auf­wen­dun­gen mit der Land- und Forst­wirt­schaft jeden­falls dann noch, wenn, wie im Streit­fall, die ange­glie­der­ten Flä­chen die bewirt­schaf­te­ten Pacht­flä­chen, die den ursprüng­li­chen Eigen­be­zirk bil­de­ten, nicht über­wie­gen [9].
BFH, Urtei­le vom 13.07.1978 – IV R 35/​77, BFHE 126, 152, BStBl II 1979, 100, 102; vom 11.07.1996 – IV R 71/​95, BFH/​NV 1997, 103; und vom 16.05.2002 – IV R 19/​00, BFHE 199, 266, BStBl II 2002, 692[↩]
BFH, Urteil in BFHE 126, 152 , BStBl II 1979, 100[↩]
BFH, Urteil in BFHE 199, 266, BStBl II 2002, 692[↩]
BFH, Urteil in BFH/​NV 1997, 103[↩][↩]
s. BFH, Urteil in BFHE 126, 152, BStBl II 1979, 100; eben­so Gmach, Finanz-Rund­schau 1994, 381, 384[↩]
Nds. Finanz­ge­richt, Urteil vom 25.01.2017 – 11 K 80/​16[↩]
vgl. Rose, Jagd­recht in Nie­der­sach­sen, 33. Aufl.2015, § 7 NJagdG, Rz 2[↩]
vgl. BGH, Urteil vom 04.07.1991 – III ZR 101/​90, BGHZ 115, 116[↩]
s. dazu BFH, Urteil in BFHE 126, 152 , BStBl II 1979, 100[↩]