Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Gericht=BFH&Datum=08.12.1988&Aktenzeichen=IV%20R%2024/87
Timestamp: 2019-12-14 21:30:34
Document Index: 373910690

Matched Legal Cases: ['§ 122', '§ 122', '§ 122', '§ 9', '§ 9', '§ 122', '§ 9', '§ 9', '§ 9', '§ 8', 'Art. 1', 'Art. 4', '§ 8']

BFH, 08.12.1988 - IV R 24/87 - dejure.org
https://dejure.org/1988,275
BFH, 08.12.1988 - IV R 24/87 (https://dejure.org/1988,275)
BFH, Entscheidung vom 08.12.1988 - IV R 24/87 (https://dejure.org/1988,275)
BFH, Entscheidung vom 08. Dezember 1988 - IV R 24/87 (https://dejure.org/1988,275)
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AO 1977 §§ 122, 124
AO (1977) §§ 122, 124
§§ 122, 124 AO
Abgabenordnung; Heilung von Bekanntgabemangel
BFHE 154, 472
BFHE 155, 472
NJW 1989, 2496
BB 1989, 1259
BStBl II 1989, 346
Wird der Zweck der Zustellung, nämlich die Tatsache des Zugangs und dessen Zeitpunkt sicher nachweisen zu können, auch ohne Einhaltung der Vorschriften des VwZG erreicht, so sollen die Verstöße dagegen ohne Rechtsfolge bleiben (BFH-Urteil vom 8. Dezember 1988 IV R 24/87, BFHE 155, 472, BStBl II 1989, 346;… Engelhardt/App, Verwaltungsvollstreckungsgesetz-Verwaltungszustellungsgesetz, 3. Aufl., § 9 VwZG Anm. 2;… Frotscher, a. a. O., § 9 VwZG Tz. 1).
Hinsichtlich der Rechtsfolgen ist zwischen einem --heilbaren-- Bekanntgabemangel (vgl. grundlegend BFH-Urteile vom 8. Dezember 1988 IV R 24/87, BFHE 155, 472, BStBl II 1989, 346;… vom 4. Oktober 1989 V R 39/84, BFH/NV 1990, 409 unter Ziff. 5 a) und einem --nicht heilbaren-- Adressierungsmangel zu unterscheiden (vgl. dazu BFH-Urteil vom 25. September 1990 IX R 84/88, BFHE 162, 4, BStBl II 1991, 120 unter Ziff. B. III. 1. a der Gründe).
Die Zustellung wird aber geheilt, wenn der Bescheid an den Empfangsbevollmächtigten weitergeleitet wird (ständige Rechtsprechung, vgl. BFH-Urteile vom 8. Dezember 1988 IV R 24/87, BFHE 155, 472, BStBl II 1989, 346;… vom 12. Mai 2009 IX R 37/08, BFH/NV 2009, 1610) und diesem zugeht (vgl. Beschluss des Großen Senats des BFH vom 25. November 2002 GrS 2/01, BFHE 201, 1, BStBl II 2003, 548).
Die Einspruchsfrist beginnt mit dem Erhalt des Bescheids durch den Bevollmächtigten (BFH-Urteil in BFHE 155, 472, BStBl II 1989, 346).
Dementsprechend hat die Rechtsprechung des BFH dem FA bei der nach § 122 Abs. 1 Satz 3 AO 1977 gebotenen Ermessensentscheidung in der Regel nur dann kein Wahlrecht eingeräumt, wenn der Steuerpflichtige ihr ausdrücklich mitgeteilt hat, dass er einen bestimmten Vertreter (gerade auch) zur Entgegennahme von Verwaltungsakten ermächtige (…vgl. Senatsurteil vom 23. November 1999 VII R 38/99, BFH/NV 2000, 549;… BFH-Urteile vom 28. Februar 1990 I R 82/87, BFH/NV 1990, 686; vom 8. Dezember 1988 IV R 24/87, BFHE 155, 472, BStBl II 1989, 346;… vom 22. Juli 1987 I R 180, 181/84, BFH/NV 1988, 274 --Leitsatz--;… BFH-Beschlüsse vom 12. März 1998 IX B 112/97, BFH/NV 1998, 941, …und vom 24. April 1985 I S 1/85, BFH/NV 1986, 320).
aa) Auch ein Verwaltungsakt, der mit einfachem Brief einer nicht zur Empfangnahme berechtigten Person bekannt gegeben wurde, gilt in analoger Anwendung des § 9 Abs. 1 des Verwaltungszustellungsgesetzes (in der bis zum 30. Juni 2002 geltenden Fassung) in dem Zeitpunkt als bekannt gegeben, in dem der richtige Empfänger den Bescheid erhält (BFH-Urteile vom 8. Dezember 1988 IV R 24/87, BFHE 155, 472, BStBl II 1989, 346, …und vom 14. Dezember 1989 III R 49/89, BFH/NV 1991, 288, unter 2. c).
Die Rechtsauffassung des FG, daß auch außerhalb der förmlichen Zustellung (vgl. § 9 des Verwaltungszustellungsgesetzes) Bekanntgabemängel durch den tatsächlichen Zugang des Schriftstücks geheilt werden können, steht im Einklang mit der Rechtsprechung des BFH (vgl. Urteil vom 8. Dezember 1988 IV R 24/87, BFHE 155, 472, BStBl II 1989, 346).
aa) Nach dem BFH-Urteil vom 8. Dezember 1988 IV R 24/87 (BFHE 155, 472, BStBl II 1989, 346) wird dann, wenn ein Steuerbescheid dem betroffenen Steuerpflichtigen bekannt gegeben und dadurch eine von ihm erteilte Bekanntgabevollmacht zugunsten seines Steuerberaters nicht beachtet wird, der Bekanntgabemangel durch die Weiterleitung des Steuerbescheids an den Bevollmächtigten geheilt.
Im Übrigen ist die Bezugnahme auf § 9 Abs. 1 VwZG a.F. im BFH-Urteil in BFHE 155, 472, BStBl II 1989, 346 insofern überholt, als mit Wirkung vom 1. Februar 2006 an die Stelle dieser Vorschrift § 8 VwZG i.d.F. des Art. 1 des Gesetzes zur Novellierung des Verwaltungszustellungsrechts vom 12. August 2005 (BGBl I 2005, 2354) getreten ist (Art. 4 Abs. 1 dieses Gesetzes) und es nach dem Wortlaut des § 8 VwZG für die Heilung von Zustellungsmängeln darauf ankommt, dass das zuzustellende Dokument dem Empfangsberechtigten "tatsächlich zugegangen ist".
Die Rechtsfolgewirkung nach dieser Vorschrift ist nur davon abhängig, daß der Empfangsberechtigte das Schriftstück tatsächlich erhält (vgl. Urteil in BFHE 155, 472, BStBl II 1989, 346).
Entscheidend sei, dass der am 29. Dezember 1999 zur Post gegebene Bescheid nach den Grundsätzen des Urteils des Bundesfinanzhofs (BFH) vom 8. Dezember 1988 IV R 24/87 (BFHE 155, 472, BStBl II 1989, 346) jedenfalls spätestens am 5. Januar 2000 durch die Weiterleitung an die jetzigen Prozessbevollmächtigten wirksam geworden sei.
Nach der gefestigten Rechtsprechung des BFH wird ein Bekanntgabemangel, der darin liegt, dass der Bescheid dem Steuerpflichtigen persönlich und nicht seinem Zustellungsbevollmächtigten bekannt gegeben wird, dadurch geheilt, dass er an den Bevollmächtigen weitergeleitet wird (vgl. BFH-Urteile in BFHE 155, 472, BStBl II 1989, 346; vom 3. Dezember 1998 III R 5/98, BFHE 187, 503, BStBl II 1999, 227).
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