Source: http://m.hensche.de/arbeitsrecht-urteile-lag-koeln-12-sa-991-15-17.05.2016-Befristung-Kuenstler-u.html
Timestamp: 2018-04-27 04:17:26
Document Index: 45645792

Matched Legal Cases: ['§ 313', '§ 313', 'BGH', '§ 17', '§ 53', '§ 2', '§ 104', '§ 14', '§ 2', '§ 69', '§ 28']

HENSCHE Arbeitsrecht: 12 Sa 991/15
Schlag­worte: Befristung des Arbeitsvertrags, Befristung: Künstler, künstlerische Tätigkeit
Akten­zeichen: 12 Sa 991/15
Ent­scheid­ungs­datum: 17.05.2016
1. Ei­ne Be­ru­fung ist nicht be­reits we­gen der feh­len­den Wie­der­ga­be der eh­ren­amt­li­chen Rich­ter im Ur­teils­kopf be­gründet. Zwar han­delt es sich hier­bei um ei­nen we­sent­li­chen Teil des Ur­teils - § 313 Abs. 1 Nr. 2 ZPO. Al­ler­dings können sich die Na­men der eh­ren­amt­li­chen Rich­ter aus­rei­chend aus dem Verkündungs­pro­to­koll und der un­ter­schrie­be­nen Ur­teils­for­mel er­ge­ben (vgl. hier­zu Reichold in Tho­mas/Putzo ZPO 36. Aufl. § 313 Rn. 6 mwN). Die Un­ter­schrif­ten der Rich­ter er­set­zen die zusätz­li­che Na­mens­an­ga­be im Kopf des Ur­teils je­den­falls in den Fällen, in de­nen kein Zwei­fel be­ste­hen kann, dass die Rich­ter, die die Ent­schei­dung un­ter­zeich­net ha­ben, auch an der Ent­schei­dung mit­ge­wirkt ha­ben; dann kann von ei­ner still­schwei­gen­den Ver­wei­sung auf die Un­ter­schrif­ten aus­ge­gan­gen wer­den (BGH 1. März 2016 - VIII ZB 57/15 -).
2. Will ein Ar­beit­neh­mer - im An­wen­dungs­be­reich des NV-Bühne - die Un­wirk­sam­keit ei­ner Be­fris­tungs­ab­re­de ne­ben der Un­wirk­sam­keit der Nicht­verlänge­rungs­mit­tei­lung gel­tend ma­chen, hat er in­ner­halb der ge­setz­li­chen 3-Wo­chen-Frist ei­ne Be­fris­tungs­kon­troll­kla­ge zum Bühnen­schieds­ge­richt nach § 17 Satz 1 Tz­B­fG zu er­he­ben - ge­rich­tet auf die Fest­stel­lung, dass das Ar­beits­verhält­nis auf­grund der Be­fris­tung nicht be­en­det wor­den ist (vgl. BAG 15. Mai 2013 - 7 AZR 665/11 - Rn. 29, BA­GE 145, 142; 24. Sep­tem­ber 1970 - 5 AZR 54/70 - BA­GE 22, 441). Nach § 53 NV-Bühne (Bühnen­schieds­ge­richts­bar­keit) sind für al­le bürger­li­chen Rechts­strei­tig­kei­ten im Sin­ne des § 2 ArbGG zwi­schen den Ar­beits­ver­trags­par­tei­en un­ter Aus­schluss der Ar­beits­ge­richts­bar­keit aus­sch­ließlich die von den ver­trags­sch­ließen­den Par­tei­en die­ses Ta­rif­ver­trags nach Maßga­be der ver­ein­bar­ten Bühnen­schieds­ge­richts­ord­nun­gen ein­ge­setz­ten Schieds­ge­rich­te zuständig. Zwar führt die An­ru­fung des Schieds­ge­richts nicht zur An- oder Rechtshängig­keit im pro­zes­sua­len Sin­ne, ma­te­ri­ell-recht­lich kommt dem An­trag al­ler­dings die­sel­be Wir­kung zu (GK-ArbGG/Mi­kosch Stand Ju­li 2013 § 104 Rn. 16 mwN).
3. Für die Be­ant­wor­tung der Fra­ge, ob der Ar­beit­neh­mer dem künst­le­ri­schen Per­so­nal zu­zu­ord­nen ist, kommt es maßgeb­lich auf den In­halt des Ar­beits­ver­trags an (HWK/Renn­pferdt 7. Aufl. § 14 Tz­B­fG Rn. 40). Die ar­beits­ver­trag­li­che Ver­ein­ba­rung be­stimmt den In­halt der ar­beits­ver­trag­lich ge­schul­de­ten Tätig­keit und da­mit den Rah­men und die Gren­zen des ar­beit­ge­ber­sei­ti­gen Di­rek­ti­ons­rechts (BAG 25. Fe­bru­ar 2009 - 7 AZR 942/07 -; 28. Ja­nu­ar 2009 - 4 AZR 987/07 - BA­GE 129, 225).
4. Die ar­beits­ver­trag­li­che Ver­ein­ba­rung be­stimmt den In­halt der ar­beits­ver­trag­lich ge­schul­de­ten Tätig­keit und da­mit den Rah­men und die Gren­zen des ar­beit­ge­ber­sei­ti­gen Di­rek­ti­ons­rechts. Sieht der Ar­beits­ver­trag - der gem. § 2 Abs. 1 Satz 2 NV-Bühne der Schrift­form be­darf - vor, dass der Ar­beit­neh­mer als Bühnen­tech­ni­ker über­wie­gend künst­le­risch tätig ist, dann ist die über­wie­gend künst­le­ri­sche Tätig­keit In­halt der übe­rein­stim­men­den Wil­lens­erklärun­gen der Ar­beits-ver­trags­par­tei­en. Die Ta­rif­ver­trags­par­tei­en ha­ben die­se - ein­zel­ver­trag­lich nach dem Grund­satz der Ver­trags­frei­heit je­der­zeit be­ste­hen­de - Ge­stal­tungsmöglich­keit der Präzi­sie­rung und Ein­gren­zung der ge­schul­de­ten Tätig­keit auf­ge­grif­fen.
5. Ma­chen die Ar­beits­ver­trags­par­tei­en von die­ser Möglich­keit ei­ner ver­trag­li­chen Ein­gren­zung Ge­brauch, dann ist der maßge­ben­de Tätig­keits­be­reich schon auf­grund die­ser Wil­lensübe­r­ein­kunft als über­wie­gend künst­le­risch an­zu­se­hen und da­mit auch sach­lich ge­eig­net, den be­son­de­ren Re­ge­lun­gen des spe­zi­ell für den künst­le­ri­schen Be­reich ge­schaf­fe­nen Ta­rif­ver­trags NV-Bühne zu un­ter­fal­len.
6. Die ta­rif­li­che Ein­ord­nung der Mas­ken­bild­ner in das künst­le­ri­sche Per­so­nal be­ruht auf ei­ner Wer­tent­schei­dung der Ta­rif­ver­trags­par­tei­en. Die Ver­ein­ba­rung ei­ner über­wie­gend künst­le­ri­schen Tätig­keit ist ein wei­te­res Ta­rif­merk­mal, das ne­ben die grundsätz­li­che Ein­ord­nung der Ta­rif­ver­trags­par­tei­en für be­stimm­te Tätig­keits­grup­pen tritt, die­se je­doch nicht oh­ne ei­ge­ne Wer­tent­schei­dung er­setzt. Der NV-Bühne stellt eben nicht al­lein auf die ver­trag­li­che Ver­ein­ba­rung ab. Auf die­ser Grund­la­ge ist es schwie­rig, die Mas­ken­bild­ner per se und oh­ne Be­gründung aus dem künst­le­ri­schen Be­reich her­aus­zu­neh­men.
7. § 69 Abs. 4 Satz 2 NV-Bühne ver­langt vom kla­ren Wort­laut her nur ei­ne schrift­li­che Ein­la­dung fünf Ta­ge vor dem Ter­min der Anhörung. Es ist da­nach ge­ra­de nicht er­for­der­lich, dass die Gründe für ei­ne mögli­che Nicht­verlänge­rung be­reits in der Ein­la­dung zur Anhörung zum Aus­druck kom­men. Die An­ga­be der Gründe würde das of­fe­ne Gespräch über die Nicht­verlänge­rung unnötig be­las­ten.
8. Der Ar­beit­ge­ber trägt sei­ne Gründe für ei­ne Nicht­verlänge­rung vor, wor­auf der Ar­beit­neh­mer sei­ne Einwände oder auch nur sei­ne Sicht der Din­ge schil­dern kann. Mehr for­dert die Anhörung nicht. So ist et­wa auch bei § 28 VwVfG, der eben­falls ei­ne Anhörungs­pflicht vor­sieht, an­er­kannt, dass die Anhörung des Be­tei­lig­ten da­zu dient, sei­ne sub­jek­ti­ven Rech­te und Be­lan­ge zu wah­ren und zu­gleich im In­ter­es­se der öffent­li­chen Ver­wal­tung Feh­ler bei der Tat­sa­che­nermitt­lung zu ver­mei­den.
Vor­ins­tan­zen: Arbeitsgericht Köln, Urteil vom 03.09.2015, 5 Ha 7/15