Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Gericht=VGH%20Baden-W%C3%BCrttemberg&Datum=07.11.2003&Aktenzeichen=14%20S%20275/03
Timestamp: 2019-10-21 03:46:53
Document Index: 271582453

Matched Legal Cases: ['Art 12', '§ 8', '§ 9', '§ 8', '§ 8', '§ 8', '§ 8', '§ 8', '§ 8', '§ 7']

VGH Baden-Württemberg, 07.11.2003 - 14 S 275/03 - dejure.org
https://dejure.org/2003,5107
VGH Baden-Württemberg, 07.11.2003 - 14 S 275/03 (https://dejure.org/2003,5107)
VGH Baden-Württemberg, Entscheidung vom 07.11.2003 - 14 S 275/03 (https://dejure.org/2003,5107)
VGH Baden-Württemberg, Entscheidung vom 07. November 2003 - 14 S 275/03 (https://dejure.org/2003,5107)
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Meisterprüfung: Ausnahmebewilligung - Nachweis von notwendigen Kenntnissen und Fertigkeiten
Art 12 Abs 1 GG, § 8 Abs 1 HwO, § 9 HwO
Meisterprüfung, Ausnahmebewilligung, Notwendige Kenntnisse und Fertigkeiten
Ausübung eines Handwerksberufes ohne Meisterbrief bzw. ohne Eintragung in die Handwerksrolle; Erteilung einer Ausnahmegenehmigung zur Eintragung in die Handwerksrolle; Inländerdiskriminierung eines deutschen Handwerkes im Vergleich zu europäischen Berufskollegen; ...
ESVGH 54, 186 (Ls.)
OVG Nordrhein-Westfalen, 28.11.2013 - 4 E 880/13
Anspruch auf Bewilligung zur Eintragung in die Handwerksrolle; Unmöglichkeit der …
vgl. BVerwG, Urteile vom 5. Mai 1959 - VII C 66.59 -, BVerwGE 6, 287, 290 und vom 26. Januar 1962 - VII C 68.59 -, BVerwGE 13, 317, 318 f. sowie Beschluss vom 14. Februar 1994 - 1 B 152.93 -, GewArch 1994, 250; VGH Baden-Württemberg, Urteil vom 7. November 2003 - 14 S 275/03 -, GewArch 2004, 21, 23.
vgl. VGH Baden-Württemberg, Urteil vom 7. November 2003 - 14 S 275/03 -, GewArch 2004, 21, 23; Stork in: Schwannecke, Die Deutsche Handwerksordnung, Loseblatt-Kommentar, Stand: Mai 2013, § 8 HwO, Rdn. 24.
vgl. VGH Baden-Württemberg, Beschluss vom 7. November 2003 - 14 S 275/03 -, GewArch 2004, 21, 24; Stork in: Schwannecke, § 8 HwO, Rdn. 33.
vgl. BVerwG, Urteil vom 25. Februar 1992 - 1 C 56.88 -, GewArch 1992, 242, 244; VGH Baden-Württemberg, Urteil vom 7. November 2003 - 14 S 275/03 -, GewArch 2004, 21, 24; Detterbeck, § 8 HwO, Rdn. 20.
§ 8 Abs. 1 Satz 1 HwO normiert nicht die Durchbrechung des dem Handwerksrecht zu Grunde liegenden Befähigungsprinzips, sondern setzt nur die Anforderungen an die Form des Nachweises in Ausnahmefällen herab (VGH Bad.-Württ., Urteil vom 07.11.2003 - 14 S 275/03 -, GewArch 2004, 21).
Anhand von Referenzobjekten können allenfalls die praktischen Fertigkeiten des Klägers beurteilt werden, nicht jedoch die ebenfalls erforderlichen fachtheoretischen Kenntnisse (vgl. VGH Bad.-Württ., Urteil vom 07.11.2003, a.a.O.).
Denn in der obergerichtlichen Rechtsprechung ist geklärt, dass das Gesetz mit den für eine Ausnahmebewilligung vorausgesetzten Kenntnissen und Fähigkeiten etwa die gleiche Befähigung fordert, wie sie in der Meisterprüfung nachgewiesen werden muss (vgl. BVerwG…, Beschluss vom 1. April 2004 - BVerwG 6 B 5.04 -, a.a.O. unter Hinweis auf Beschluss vom 14. Februar 1994 - BVerwG 1 B 152.93 -, NVwZ 1994, 1014; Verwaltungsgerichtshof Baden-Württemberg, Urteil vom 7. November 2003 - 14 S 275/03 -, GewArch 2004, 21).
Da der Kläger in den betreffenden Handwerken keine Ausbildung absolviert hat und eine langjährige berufliche Tätigkeit - wie sie der Kläger geltend macht - allein zum Nachweis der erforderlichen Kenntnisse und Fertigkeiten nicht ausreicht (vgl. Verwaltungsgerichtshof Baden-Württemberg, Urteil vom 7. November 2003 - 14 S 275/03 -, a.a.O.) hat das Verwaltungsgericht vor diesem Hintergrund zu Recht angenommen, dass der Nachweis der meistergleichen Fähigkeiten nicht erbracht ist.
26 Da der Kläger bereits die notwendigen handwerklichen Kenntnissen und Fähigkeiten nicht nachgewiesen hat, bedarf es keiner Entscheidung, ob die Erteilung einer Ausnahmebewilligung entgegen der von dem Kläger auf Seiten 26 f. der Antragsbegründung vertretenen Auffassung auch den Nachweis des zur ordnungsgemäßen Betriebsführung in eigener Verantwortung erforderlichen Mindestmaßes fachtheoretischen, betriebswirtschaftlichen, kaufmännischen und rechtlichen Grundlagenwissens voraussetzt (vgl. BVerwG…, Beschluss vom 14. Februar 1994 - BVerwG 1 B 152.93 - a.a.O.; Verwaltungsgerichtshof Baden-Württemberg, Urteil vom 7. November 2003 - 14 S 275/03 -, a.a.O.).
OVG NRW, Urteil vom 22. Dezember 1995 - 23 A 3460/94 -, GewArch 1996, 287 ; VGH Bad-Württ., Urteil vom 7. November 2003 - 14 S 275/03 -, GewArch 2004, 21, 25.
Allgemein zur Untauglichkeit solcher Bescheinigungen Detterbeck, Kommentar zur HwO, 4. Aufl. 2008, § 8 Rn. 19; BVerfG, Beschluss vom 4. April 1990 - 1 BvR 185/89 -, GewArch 1991, 137; BVerwG, Urteil vom 5. Mai 1959 - VII C 66.59 -, BVerwGE 8, 287, 290; OVG NRW, Urteil vom 25. Januar 1979 - 13 A 1504/77 -, GewArch 1979, 309; Urteil vom 14. März 1975 - 4 A 732/74 -, GewArch 1976, 268; VGH Bad-Württ., Urteil vom 7. November 2003 - 14 S 275/03 -, GewArch 2004, 21, 25.
§ 8 Abs. 1 Satz 1 HandwO normiert nicht eine Durchbrechung des dem Handwerksrecht zu Grund liegenden und verfassungsrechtlich nicht zu beanstandenden Befähigungsprinzips, sondern setzt nur die Anforderungen an die Form des Nachweises in Ausnahmefällen herab (vgl. VGH Baden-Württemberg, Urt. v. 7. November 2003 - 14 S 275/03 -, juris Rz. 25).
Letztlich wird bei der erforderlichen Gesamtschau aber beispielsweise zu berücksichtigen sein, inwieweit die vom Bewerber ausgeübte Tätigkeit in ihrer konkreten Form geeignet war, ihm die notwendige Befähigung zu vermitteln, ob sich der Bewerber im Laufe seines beruflichen Werdegangs einer Ausbildung oder einer berufsorientierten Prüfung mit Erfolg unterzogen hat, ob erworbene Kenntnisse durch Zeugnisse belegt sind oder Nachweise über fachliche Fortbildungen etc. vorliegen (vgl. zum Vorstehenden VGH Baden-Württemberg, Urt. v. 7. November 2003 - 14 S 275/03 -, juris Rz. 26 ff.).
Letztlich wird bei der erforderlichen Gesamtschau aber beispielsweise zu berücksichtigen sein, inwieweit die vom Bewerber ausgeübte Tätigkeit in ihrer konkreten Form geeignet war, ihm die notwendige Befähigung zu vermitteln (VGH BW, U.v. 7.11.2003 - 14 S 275/03 - juris Rn. 29 f.).
Bestätigungen von Kunden, die als Beweis für die Qualität der Arbeiten des Klägers angeboten wurden, reichen insofern als Nachweis auch nicht aus, da die Kunden zwar bestätigen können, dass sie mit der Arbeit des Klägers zufrieden sind, jedoch nicht dessen handwerklichen Qualifikationen beurteilen können (vgl. auch VGH BW, U.v. 7.11.2003 - 14 S 275/03 - juris Rn. 30).
Die Unterschiede in den Zulassungsvoraussetzungen von Inländern und EU/EWR-Ausländern lassen sich hiernach auch unter der Geltung des neuen Handwerksrechts sachlich rechtfertigen und stellen somit keinen Verstoß gegen den allgemeinen Gleichheitssatz dar (vgl. BVerwG vom 1.4. 2004, GewArch 2004, 488/489; vom 27.5. 1998, GewArch 1998, 470; VGH BW vom 7.11.2003, GewArch 2004, 21/22; krit. zuletzt Beaucamp, DVBl 2004, 1458/1461 f.).
Ausübungsberechtigung für das Maler- und Lackiererhandwerk; Altgesellenregelung; …
GewArch 1962, 251, OVG NRW, U.v. 22.12.1995 - 23 A 3460/94 - GewArch 1996, 287 ff.; Detterbeck, a.a.O., § 7 b Rn. 27; a.A. VGH Baden-Württemberg, U.v. 7.11.2003 - 14 S 275/03 - GewArch 2004, 21 ff.).
Auch im Beschluss vom 7. April 2003 (GewArch 2003, 243) hat das Bundesverfassungsgericht diese Rechtsprechung nicht in Frage gestellt (vgl. auch VGH BW vom 7.11.2003 GewArch 2004, 21).
Letztlich wird bei der erforderlichen Gesamtschau aber beispielsweise zu berücksichtigen sein, inwieweit die vom Bewerber ausgeübte Tätigkeit in ihrer konkreten Form geeignet war, ihm die notwendige Befähigung zu vermitteln (VGH Baden-Württemberg, U.v. 7.11.2003 - 14 S 275/03 - GewArch 2004, 21).