Source: https://zwa-holzland.de/home/?c=erlauterungsbericht-abk-azv
Timestamp: 2019-02-21 15:08:18
Document Index: 124874432

Matched Legal Cases: ['§ 58', '§ 58', '§ 58', '§ 2016', '§ 2020', '§ 2021', '§ 2013', '§ 2016', '§ 2015', '§ 2013', '§ 2014', '§ 2018', '§ 2016', '§ 2019', '§ 2017', '§ 2014', '§ 2015']

Erlauterungsbericht | ZWA "Thüringer Holzland"
Abwasserbeseitigungskonzept AZV - Erläuterungsbericht
des Abwasserzweckverbandes Gleistal
Öffentliche Bekanntmachung-
Bestätigungsvermerk-
Stellungnahmen der beteiligten Behörden gemäß ThürWG
§ 58a Abs. 1
1 Aufgabenträger und Entsorgungsgebiet
2 Wesentliche Ergebnisse der bisherigen Arbeit
3 Prämissen für die weitere Tätigkeit
4 Erläuterung der geplanten Maßnahmen
5 Stand der Umsetzung der Maßnahmen aus dem ABK i. d. F. der 2. Fortschreibung vom
31.03.2010 im Zeitraum 2010 bis 2012
6 Gründe für die Befreiung von der Abwasserbeseitigungspflich
Anlage 1a: Aktueller Stand der Abwasserentsorgung
und Anschlussgradentwicklung
Anlage 1b: Demografiecheck
Anlage 2a: Investitionen im Zeitraum von 2013 bis 2021
Anlage 2b: Prioritätenliste zur Sanierung von grundstückseigenen Kleinkläranlagen
Anlage 3: Investitionskosten bisheriger und zukünftiger Abwassermaßnahmen
Anlage 4: Wirtschaftlichkeitsbetrachtungen
Anlage 5: Planzeichen
Anlage 6: Karte des Gesamtkonzepts
Anlage 7: Karten der Einzelkonzepte
Bestätigungsvermerk (Beschluss der Verbandsversammlung des Abwasserzweckverbands Gleistal)
§ 58 a Abs. 1
Das vorliegende Abwasserbeseitigungskonzept ist die dritte Fortschreibung des Abwasserbeseitigungskonzeptes (ABK) des Abwasserzweckverbands Gleistal (AZV Gleistal) in der Folge der von der Verbandsversammlung am 04.03.2010 beschlossenen zweiten Fortschreibung aus dem Jahre 2009.Diese Fortschreibung wurde zum einen aufgrund der Anforderungen aus dem Thüringer Wassergesetz § 58 a, zum anderen infolge weiterentwickelter Rechtsgrundlagen (Wasserrahmenrichtlinie, Fördermittelrichtlinien, Kleinkläranlagenverordnung) und wirtschaftlicher Rahmenbedingungen (Fördermittel, Kostenentwicklung) erforderlich.Das ABK entwickelt zunehmend Bedeutung für die Abwasserbehandlung in ländlich strukturierten Regionen. Die hier als Anlage 4 beigefügten Ergebnisse der Kostenvergleichsrechnung dokumentieren die Entscheidungsgrundlagen für die betroffenen Orte aus Sicht der Anschaffungs- und Herstellungskosten sowie der Betriebskosten. Entsprechend den Maßgaben aus dem Informationsbrief Abwasser Nr. 4 / 2012, Pkt. 2.2.1. werden in den nachfolgenden Punkten a) bis f) die Angaben zum Aufgabenträger, die bisherigen Ergebnisse, die Prämissen der zukünftigen Tätigkeit, geplante Einzelmaßnahmen, Änderungen gegenüber der 2. Fortschreibung 2009 als auch Gründe für eine Befreiung von der Abwasserbeseitigungspflicht dargestellt.
Der Abwasserzweckverband Gleistal ist Aufgabenträger der öffentlichen Abwasserbeseitigung in seinem Verbandsgebiet. Dieses befindet sich im Saale-Holzland-Kreis im Osten Thüringens.
Im Abwasserzweckverband Gleistal sind 4 politisch selbständige Gemeinden (1 Stadt und 3 Gemeinden) zusammengeschlossen. Diese gliedern sich in 18 Siedlungspunkte mit je mehr als 25 Einwohnern: Stadt Bürgel mit den Ortsteilen Beulbar, Droschka, Gerega, Gniebsdorf,Göritzberg, Hetzdorf, Hohendorf, Ilmsdorf, Lucka, Nischwitz, Rodigast, Silberthal, Taupadel,Thalbürgel
Gemeinde Graitschen
Die Gesamtfläche des Verbandsgebietes beträgt insgesamt ca. 37,2 km².
Laut Erhebung des Thüringer Landesamtes für Statistik (TLS) leben in den Gemeinden des Abwasserzweckverbandes Gleistal insgesamt 3.637 Einwohner (Stand 31.12.2012).Nach einem rasanten Bevölkerungszuwachs von jährlich ca. 3% im Zeitraum 1993 bis 1998 und einer annähernden Bevölkerungskonstanz bis 2003 ist seit dem Jahr 2004 ein Rückgang der Bevölkerung um jährlich 0,9% zu verzeichnen.
Die Gewässerteileinzugsgebiete mit Darstellung des Maßnahmenbedarfs zur Reduzierung von organischen Belastungen (Ammonium, BSB5) sowie zur Nährstoff-Reduzierung (Phosphor) sind in den nachfolgenden Abbildungen dargestellt:
Die nachfolgende Tabelle zeigt die Fluss-Gebiete, die Einzelgewässer, die Messstellen und den Maßnahmenbedarf zur Belastungsreduzierung entsprechend der Klassifizierung der Thüringer Landesanstalt für Umwelt und Geologie (TLUG). Diese Angaben wurden durch die aktuellen Einwohnerzahlen in den Einzugsgebieten und die Anzahl der Einwohner, deren Abwasser derzeit in kommunale Kläranlagen, die dem Stand der Technik entsprechen, behandelt wird, ergänzt:
Aus diesen Angaben der TLUG ist abzuleiten, dass aus Sicht der chemischen Qualität der das gereinigte Abwasser aufnehmenden Gewässer, bezüglich des biochemischen Sauerstoffbedarfs und des Ammonium-Gehaltes, für keines der Einzugsgebiete weitere Maßnahmen erforderlich sind. Allerdings besteht für das Einzugsgebiet der Gleise, an die ca. 97% der Einwohner des Verbandsgebietes angeschlossen sind, Handlungsbedarf zur Verminderung des Phosphateintrags.
Zum Zeitpunkt der erstmaligen Gründung der Thüringer Zweckverbände existierten auf dem Territorium des heutigen Verbandsgebietes keine kommunalen Kläranlagen. Das anfallende Abwasser wurde ausschließlich in grundstückseigenen Kleinkläranlagen mechanisch vorgereinigt. Vollbiologische Kleinkläranlagen waren nicht vorhanden.
Seither wurden bedeutende Investitionsmaßnahmen im Abwasserbereich durchgeführt.
Mit den Orten bzw. Ortsteilen Bürgel (ca. 1.500 Einwohner), Thalbürgel (ca. 300 Einwohner), Gniebsdorf und Graitschen (jeweils ca. 400 Einwohner) verfügen die vier größten Siedlungspunkte im Verbandsgebiet über einen Anschluss an die zentrale Kläranlage Graitschen, die dem Stand der Technik entspricht. Der Anschlussgrad der Bevölkerung an Kläranlagen nach dem Stand der Technik beträgt damit heute ca. 68%. Darüber hinaus wird das Abwasser von weiteren ca. 6% der Einwohner in 60 vollbiologischen Kleinkläranlagen nach dem Stand der Technik behandelt.
In die Anlagen zur Abwasserableitung (Sammlerbau) wurde zielgerichtet investiert, sodass einerseits eine anforderungsgerechte Ableitung stattfindet und andererseits der Anschlussgrad der Kläranlagen auf eine wirtschaftlich effektive Größe erhöht werden konnte. Das im Rahmen der EU-Kommunalabwasserrichtlinie aufgelegte Programm aus dem Jahr 2000 betraf nicht die Siedlungspunkte des Abwasserzweckverbandes Gleistal einerseits aufgrund zu geringer Größe und andererseits durch die bereits erfüllten Anforderungen (in Bürgel).
In den Jahren 2005 bis 2012 wurden neben umfangreichen Maßnahmen zur Erneuerung der Kanalnetze in den Mitgliedsgemeinden vor allem folgende Schwerpunktmaßnahmen zur anforderungsgerechten Mischwasserentlastung, zum Anschluss von Grundstücken an die zentrale Kläranlage und zur Ausgrenzung von Gewässern sowie Außengebietswasser umgesetzt:
o Mischwasserkanal Hintergasse, 1. und 2. BA
o Mischwasserkanal Oststraße, 1. BA
o Mischwasserkanal Baderplatz-Badertor, 1. und 2. BA
o Mischwasserkanal An der Stadtmauer
o Mischwasserkanal Hospitalweg 1. BA
o Bürgel, OT Droschka – Mischwasserkanal im Zuge Erneuerung der B7 OD Droschka
o Bürgel, OT Thalbürgel, Mischwasserkanal „Am Hahn“
o Mischwasserkanal im Zuge Dorferneuerung, 1. und 2. BA
- Graitschen
o Schmutzwasserkanal „An der alten Schule“
o Schmutzwasserkanal „Hinter der Gleise“
o Regenwasserkanal im Zuge Landesstraßenbau
o Neuanschluss von 3 Grundstücken (bisher Direkteinleiter)
o KA Graitschen, Erneuerung Rührwerk
Durch diese Maßnahmen wurden bis zum Jahr 2012 etwa 35 Einwohnerwerte (EW) an die zentrale Kläranlage angeschlossen.
Weiterhin wurden durch umfangreiche Ersatzinvestitionen im Kanalnetz, insbesondere in den Orten bzw. Ortsteilen Bürgel, Droschka, Poxdorf und Graitschen hydraulische und statische Probleme beseitigt und damit die Entsorgungssicherheit erhöht.
Im Jahr 2009 fanden auf der Kläranlage Graitschen umfassende Untersuchungen zur Optimierung des Energiebedarfs statt.Die daraus abgeleiteten Maßnahmen wurden in den Folgejahren umgesetzt. Der Ersatz des Rührwerkes im Belebungsbecken und die Erneuerung der Belüfter führten zu einer Senkung des Energieverbrauchs um ca. 25%.
Darüber hinaus fanden größere Maßnahmen zur Trockenlegung des Betriebsgebäudes, zum Erhalt der Bausubstanz und zur Erneuerung der Brauchwasseranlage statt.
Für die weitere investive Tätigkeit des Abwasserzweckverbandes Gleistal gelten folgende Prämissen:
o Ausgrenzung von Gewässern und Außengebietswasser in
Mischsystemen
- Erhöhung des Anschlussgrades an die bestehende zentrale Kläranlage (ZKA)
- Berücksichtigung der Fördermittelstrategie des Landes Thüringen im Hinblick auf die Unterstützung zentraler oder grundstücksbezogener Entwässerungslösungen
- Energetische Optimierung der Kläranlage und der Abwasserpumpwerke
- Erneuerung von den an die zentrale Kläranlage angeschlossenen Ortsnetzen als Vor-aussetzung für den Kurzschluss von grundstückseigenen Kleinkläranlagen
- Fördermittelstrategie des Landes Thüringen
Die Europäische Wasserrahmenrichtlinie, das Wasserhaushaltsgesetz, das Thüringer Wassergesetz, die Thüringer Kleinkläranlagenverordnung, der Thüringer Kleinkläranlagenerlass und die Entwässerungssatzung des Abwasserzweckverbands Gleistal bestimmen auf verschiedenen Ebenen den rechtlichen Rahmen für die Einleitung von Abwasser in die Gewässer. Hierbei wird klar, dass eine Gewässerbenutzung künftig nur gestattet ist, wenn die Abwasserbehandlung nach dem Stand der Technik erfolgt. Die Fortentwicklung der landesrechtlichen Regelungen ermöglicht die Ausweisung von Gebieten, in denen die Abwasserbehandlung dauerhaft durch Grundstückskleinkläranlagen nach dem Stand der Technik erfolgt.
Der Abwasserzweckverband Gleistal verfolgt die Zielstellung, die wasserrechtlichen Anforderungen im Rahmen seiner wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit in einem angemessenen Zeitraum umzusetzen. Bei der Beurteilung seiner wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit steht die Begrenzung der öffentlichen Abgaben (Gebühren und Beiträge) im Vordergrund. Auch heute schon beeinflussen die kalkulatorischen Kosten des Anlagevermögens (kalkulatorische Abschreibungen und Zinsen) die Abgabenhöhe maßgeblich. Daneben spielen die Betriebskosten für bestehende Anlagen eine große Rolle.
Aus diesen Gründen weist der Abwasserzweckverband Gleistal seit der Erstaufstellung des ABK im Jahr 2005 in besonders ländlich geprägten Gebieten die Abwasserbehandlung durch grundstückseigene Kleinkläranlagen und den Erhalt der Teilortskanalisation für die Abwasserableitung aus.
Die Fördermittelstrategie des Landes Thüringen wird seitens des Abwasserzweckverbandes Gleistal als Steuerungsinstrument aufgefasst, das ebenfalls dazu dient, die Abgabenhöhe auf ein vernünftiges Maß zu reduzieren. Die drastische Reduzierung der Fördermittel für zentrale Lösungen und die Auflage eines Förderprogramms für Kleinkläranlagen bringt dies deutlich zum Ausdruck.
In der Tabelle „Aktueller Stand der Abwasserentsorgung und Anschlussgradentwicklung“ (Anlage 1a) und in der Abbildung 5 “Verhältnis der Anschlussgrade“ ist dargestellt, dass mit der Umsetzung der bisherigen und künftigen Maßnahmen etwa 73% der Bevölkerung (ca. 2.800 Einwohner) an eine zentrale Abwasserbehandlungsanlage angeschlossen sind oder werden. Hierfür wurden zum Stichtag 31.12.2012 bislang etwa 3.109 € pro Einwohner an Anschaffungs- und Herstellungskosten aufgewendet. Bringt man die gewährten Fördermittel in Ansatz, so bedeutet dies einen Eigenmitteleinsatz von etwa 2.076 € pro Einwohner.
Gemäß dem ABK 2010 werden etwa 30% der Bevölkerung (ca. 1.150 Einwohner) das Abwasser mindestens bis Ende 2024 als Teil- oder Direkteinleiter entsorgen. Im Rahmen dieser 3. Fortschreibung des ABK ist zu untersuchen, ob dies als Dauerlösung zu bestätigen ist.
Im Rahmen von Wirtschaftlichkeitsberechnungen war zu überprüfen, inwieweit im Vergleich dazu die Errichtung zentraler Entwässerungslösungen im ländlichen Raum wirtschaftlich vertretbar und zeitlich umsetzbar ist.
Dabei ist davon auszugehen, dass die Einwohnerzahl, wie im Mittel der vergangenen zehn Jahre, auch zukünftig um 0,8 … 1,0% pro Jahr sinkt. Weiterhin muss davon ausgegangen werden, dass die Baupreise zwischen 2,6 … 2,9% pro Jahr steigen werden.
Im Gebiet des Abwasserzweckverbandes Gleistal haben die 13 Siedlungspunkte, die nicht über einen Anschluss an die zentrale Verbandskläranlage verfügen und für die bis 2024 auch kein Anschluss geplant ist, Einwohnerzahlen zwischen 27 und 132 zum Stichtag 31.12.2012. Dabei ist der Verteilung der Siedlungspunkte zu entnehmen, dass der Schwerpunkt hinsichtlich Anzahl der Orte und Einwohnerzahl in Dörfern zwischen 50 und 100 Einwohnern liegt (siehe Abbildungen 6 und 7).
Für die beiden Orte mit mehr als 100 Einwohnern sowie die Gemeinde Hetzdorf (z. Zt. 96 Einwohner) wurde je eine Projektskizze angefertigt. Die Projektskizze besteht aus einem grafischen und aus einem tabellarischen Teil. Im grafischen Teil werden die Grundzüge einer denkbaren zentralen Entwässerungslösung in einer topografischen Karte dargestellt. Im tabellarischen Teil werden die für eine zentrale Abwasserbeseitigung notwendigen Anlagen, im Hinblick auf die Anschaffungs- und Herstellungskosten mit Preisstand 2012, bewertet. Diese Kosten werden einerseits dem bisherigen Eigenmitteleinsatz des Verbands für zentrale Lösungen und andererseits den Aufwendungen für grundstückseigene Kleinkläranlagen sowie Erhalt der Teilortskanäle gegenübergestellt.
Es wurde darauf verzichtet, für diese Untersuchungen externe Dienstleister (Ingenieurbüros) in Anspruch zu nehmen. Überschlägig hätten derartige Untersuchungen für die drei Orte nach aktuell geltender HOAI (Leistungsphasen 1 und 2) etwa 40 T€ gekostet.
Zur Ermittlung der Herstellungskosten wurden für Kanäle und Abwasserdruckleitungen Durchschnittspreise nach Günther/Reicherter 2001 „Investitionskosten der Abwasserentsorgung“ und für Sonderbauwerke und Kläranlagen eigene Kostenpositionen zugrunde gelegt. Diese Herstellungskosten wurden mit dem durch das Statistische Bundesamt geführten Preisindex Ortskanäle (Statistisches Bundesamt, Fachserie 17, Reihe 4, 11/2012) fortentwickelt.
Das Preisniveau des Jahres 2005 liegt demnach bei 100% und ist bis zum Jahr 2012 auf 120,2% angestiegen. Die bisher in den Orten durchgeführten Maßnahmen wurden gemäß Anlagespiegel (Jahresabschluss zum 31.12.2012) in die Variantenuntersuchungen einbezogen, da sie ein Bestandteil der untersuchten Varianten sind. Weiterhin wurden für einen Überschlag der Betriebskosten die Anzahl der Betriebspunkte und die Längen von Freispiegelkanälen und Abwasserdruckleitungen ermittelt.
Für die Einwohnerzahlen und die Anzahl der Grundstücke wurden die Angaben des Thüringer Landesamts für Statistik zum Stichtag 31.12.2012 bzw. die Angaben des Jahresabschlusses zum 31.12.2012 herangezogen.
e) Ergebnis der Wirtschaftlichkeitsbetrachtungen
Das Szenario „Vollanschluss für alle“ ergibt aus heutiger Sicht eine fiktive Investitionssumme von mehr als 6 Millionen Euro, zusätzlich zu den derzeit ausgewiesenen Investitionsmaßnahmen. Dieser Betrag streut relativ breit, da einerseits keine detaillierten Planungen und andererseits eine deutliche Abhängigkeit von Investitionszeitpunkt und -geschwindigkeit besteht. Alle untersuchten Orte weisen deutlich höhere spezifische Anschaffungs- und Herstellungskosten als die bisher realisierten Entwässerungslösungen aus. Eine Aussicht auf Förderung zentraler Entwässerungslösungen durch das Land Thüringen besteht nach heutigem Kenntnisstand nicht.
Bei der Umsetzung des Szenarios „Vollanschluss für alle“ würde sich die mengenabhängige Einleitungsgebühr für alle Volleinleiter drastisch erhöhen. Damit ist die Umsetzung dieses Szenarios bereits aus wirtschaftlichen Gründen nicht vertretbar.
Infolge der seit 2010 in Erfüllung der Thüringer Kleinkläranlagenverordnung durchgeführten Zustandskontrollen der Kleinkläranlagen und der sich hieraus ergebenden Sanierungsanforderungen fanden mehrere Abstimmungen mit der Unteren Wasserbehörde des Saale-Holzland-Kreis (UWB) sowie eine Beratung mit dem Thüringer Ministeriums für Landwirtschaft, Forsten, Umwelt und Naturschutz (TMLFUN) im Dezember 2011 zur weiteren Vorgehensweise statt. Es wurde vereinbart, entsprechend wasserwirtschaftlicher Erfordernisse eine Prioritätenliste zur Sanierung von Abwassereinleitungen, die nicht dem Stand der Technik entsprechen, zu erarbeiten. Diese Prioritätenliste soll dem Abwasserzweckverband Gleistal und der zuständigen UWB eine planmäßige Umsetzung der notwendigen Sanierungen der Kleinkläranlagen ermöglichen und den betroffenen Grundstückseigentümern weitestgehend die Inanspruchnahme von Landeszuschüssen gewährleisten.
Die Prioritätenliste wurde durch den Abwasserzweckverband Gleistal unter den Aspekten
-Zustand des Gewässers (biologisch, chemisch, hydraulische Leistungsfähigkeit)
- Anschlussmöglichkeit an die vorhandene kommunale Kläranlage
erstellt (s. Anlage 2b). Nach der Bestätigung durch die UWB wurde sie in der gemeinsamen Informationsbroschüre des ZWA „Thüringer Holzland“ und des AZV Gleistal „Kleinkläranlagen im ländlichen Raum“ im März 2013 veröffentlicht und an alle Grundstückseigentümer, deren Schmutzwasser noch nicht nach dem Stand der Technik behandelt wird, versendet. Damit bildet die Prioritätenliste nunmehr die Handlungsgrundlage für den Abwasserzweckverband Gleistal und die UWB für die zukünftige schrittweise Sanierung aller nicht dem Stand der Technik entsprechenden Schmutzwassereinleitungen.
Mit Schreiben der TLUG Jena vom 22.08.2013 wurden dem Abwasserzweckverband Gleistal für die in seinem Verantwortungsbereich liegenden Abwassereinleitungen in den Oberflächenwasserkörper Gleise die im Ergebnis des Gewässermonitorings berechneten notwendigen Pges.-Fracht-Reduzierungen mitgeteilt. Gleichzeitig wurden Vorschläge zur Pges.-Fracht-Minderung unterbreitet, die zum Großteil überhaupt nicht bzw. wirtschaftlich nicht vertretbar zu realisieren sind.
Eine Übersicht aller Anforderungen ist in der nachfolgenden Tabelle dargestellt:
zusätzlich zur Errichtung P-Elimination auf der KA Graitschen mit gefordertem Zielwert 1,0 mg/l
Die vom Abwasserzweckverband Gleistal vorgesehenen Maßnahmen zur Einhaltung der Pges.-Reduktionsziele werden im Punkt 4 näher beschrieben. Im Punkt 4.12. werden die durch die nachfolgenden Maßnahmen prognostizierten Minderungen der in die Gewässer eingetragenen Pges.-Frachten den seitens der TLUG errechneten Reduktionszielen gegenüber gestellt.
In der Darstellung werden Maßnahmen zum Ausbau und Erhalt der öffentlichen Entwässerungseinrichtung bezogen auf verschiedene Siedlungspunkte dargestellt. Die Gliederung der Erläuterung der Einzelkonzepte bezieht sich auf die Vorgaben aus dem Informationsbrief 4/2012 des Thüringer Ministeriums für Landwirtschaft, Forsten, Umwelt und Naturschutz vom 17.12.2012, Punkt 2.2.1 (d). Dabei werden Maßnahmen in den Zeitspannen bis Ende 2021 („kurzfristig“) und bis Ende 2030 („mittelfristig“) dargestellt. Auf eine Darstellung über 2030 hinaus wird verzichtet, da sich der Schwerpunkt der Investitionsmaßnahmen zunehmend hin zu Ersatzinvestitionen verschieben wird, die dem langfristigen Erhalt der öffentlichen Einrichtung dienen sollen.
Darüber hinaus werden im Ergebnis der Wirtschaftlichkeitsbetrachtungen auch die Siedlungspunkte aufgeführt, in denen die Abwasserbehandlung dauerhaft grundstücksbezogen und die Abwasserableitung im Wesentlichen über Teilortskanalabschnitte gestaltet werden sollen. Dabei wird jeweils ein Zeitpunkt benannt, in dem alle Teil- und Direkteinleiter eines Ortes zur Sanierung ihrer grundstückseigenen Kleinkläranlage aufgefordert werden. Die Wirtschaftlichkeitsberechnung ist Bestandteil dieses Abwasserbeseitigungskonzepts.
4.1. OWK Wethau
4.1.1. Bürgel, OT Göritzberg
§ 2016 – 2021 Umrüstung aller Kleinkläranlagen auf Stand der
Technik sowie punktuelle zustandsbezogene Sanierung der TOKs
4.1.2. Bürgel, OT Hohendorf
§ 2020 – 2025 Umrüstung aller Kleinkläranlagen auf Stand der Technik sowie punktuelle zustandsbezogene Sanierung der TOKs
- Mittelfristige Entwicklung bis 2030: siehe kurzfristige Maßnahmen
4.1.3. Bürgel, OT Nischwitz
§ 2021 – 2026 Umrüstung aller Kleinkläranlagen auf Stand der Technik sowie punktuelle zustandsbezogene Sanierung der TOKs
Für das Einzugsgebiet der Wethau wurde keine Notwendigkeit zur Pges.-Fracht-Reduzierung ausgewiesen. Durch die geplanten Maßnahmen in Verbindung mit der prognostizierten Bevölkerungsentwicklung wird neben einer wesentlichen Reduzierung der organischen Belastung (Ammoniumstickstoff, BSB5) die Pges.-Fracht voraussichtlich um 5 kg/a verringert.
4.2. OWK Gleise
4.2.1. Stadt Bürgel
§ 2013 Ersatzneubau Mischwasserkanal Oststraße, 2. BA
§ 2016 Ersatzneubau Mischwasserkanal Hospitalweg, 2. BA
4.2.2. Bürgel, OT Beulbar
§ 2015 – 2020 Umrüstung aller Kleinkläranlagen auf Stand der Technik sowie punktuelle zustandsbezogene Sanierung der TOKs
4.2.3. Bürgel, OT Droschka
§ 2013– 2018 Umrüstung aller Kleinkläranlagen auf Stand der Technik sowie punktuelle zustandsbezogene Sanierung der TOKs
- Mittelfristige Entwicklung bis 2030 keine
4.2.4. Bürgel, OT Gerega
§ 2014 – 2019 Umrüstung aller Kleinkläranlagen auf Stand der Technik sowie punktuelle zustandsbezogene Sanierung der TOKs
4.2.5. Bürgel, OT Gniebsdorf
o Ab 2022 Umrüstung aller Kleinkläranlagen bis dahin nicht an ZKA angeschlossener Grundstücke auf Stand der Technik sowie punktuelle zustandsbezogene Sanierung der TOKs
4.2.6. Bürgel, OT Hetzdorf
4.2.7. Bürgel, OT Ilmsdorf
4.2.8. Bürgel, OT Lucka
§ 2018 – 2023 Umrüstung aller Kleinkläranlagen auf Stand der Technik sowie punktuelle zustandsbezogene Sanierung der TOKs
4.2.9. Bürgel, OT Rodigast
§ 2016 – 2021 Umrüstung aller Kleinkläranlagen auf Stand der Technik sowie punktuelle zustandsbezogene Sanierung der TOKs
4.2.10. Bürgel, OT Silberthal
§ 2019 – 2024 Umrüstung aller Kleinkläranlagen auf Stand der Technik sowie punktuelle zustandsbezogene Sanierung der TOKs
4.2.11. Bürgel, OT Taupadel
§ 2017– 2022 Umrüstung aller Kleinkläranlagen auf Stand der Technik sowie punktuelle zustandsbezogene Sanierung der TOKs
4.2.12. Bürgel, OT Thalbürgel
o Ab 2024 Umrüstung aller Kleinkläranlagen bis dahin nicht an ZKA angeschlossener Grundstücke auf Stand der Technik sowie punktuelle zustandsbezogene Sanierung der TOKs
4.2.13. Graitschen
§ 2014 - Phosphatelimination KA Graitschen
§ Mittelfristige Entwicklung bis 2030: keine
4.2.14. Nausnitz
§ 2015 – Neubau Ortsentwässerung und Anschluss an Kläranlage Graitschen
4.2.15. Poxdorf
Für das Einzugsgebiet der Gleise wurde für die Anliegergemeinden des Abwasserzweckverbands Gleistal zusätzlich zu der sich aus der Installation einer P-Fällung auf der KA Graitschen (Pges.-Zielwert: 1,0 mg/l) ergebenden Pges.-Fracht-Minderung eine weitere Pges.-Fracht-Reduzierung von 117 kg/a gefordert. Durch die geplante Umrüstung aller Kleinkläranlagen auf den Stand der Technik in Verbindung mit der prognostizierten Bevölkerungsentwicklung wird neben einer wesentlichen Reduzierung der organischen Belastung (Ammoniumstickstoff, BSB5) die in die Gleise eingeleitete Pges.-Fracht voraussichtlich um ca. 87 kg/a verringert. Somit ist durch zusätzliche Maßnahmen eine weitere Pges.-Fracht-Minderung von 30 kg/a notwendig. Nach der Realisierung einer P-Fällung auf der KA Graitschen im Jahr 2014 wird der Abwasserzweckverband Gleistal alle Anstrengungen unternehmen, um durch Optimierung der P-Fällung in den Folgejahren die aus der KA Graitschen in die Gleise ausgetragene Pges.-Fracht so weit zu reduzieren, dass die Gesamtzielstellung bis 2020 erreicht werden kann (bei annähernd gleichbleibender Abwassermenge entspräche das einer erforderlichen Pges.-Konzentration von ca. 0,75 mg/l am Ablauf der KA Graitschen).
4.3. Zusammenfassende Betrachtung OWK hinsichtlich Pges.-Reduzierung
In der nachfolgenden Tabelle werden die durch die vorgenannten Maßnahmen prognostizierten Minderungen der in die Gewässer eingetragenen Pges.-Frachten den seitens der TLUG errechneten Reduktionszielen gegenüber gestellt.
nach Optimierung P-Fällung auf KA Graitschen
Zusammenfassend kann festgestellt werden, dass für das Einzugsgebiet der Saale oberhalb Jena bei einer geforderten Pges.- Reduzierung von 117 kg/a Maßnahmen zur Frachtminderung um 127 kg/a vorgesehen sind.
5.1. Bürgel
Die Baumaßnahme Ersatzneubau Mischwasserkanal An der Stadtmauer wurde, wie geplant, im Jahr 2010 realisiert.
Der Abwasserzweckverband Gleistal wird die Befreiung von der Abwasserbeseitigungspflicht prinzipiell für alle Außengebietsgrundstücke beantragen. Für im Zusammenhang bebaute Siedlungspunkte wird die Befreiung von der Abwasserbeseitigungspflicht für die bisher direkt in ein Gewässer einleitenden Grundstücke in den Orten nach Punkt 4 des Erläuterungsberichts, die dauerhaft nicht an eine zentrale Abwasserbehandlungsanlage angeschlossen werden, beantragt.
Die Beantragung der Befreiung von der Abwasserbeseitigungspflicht ist mit der Lage der betroffenen Grundstücke, die einen unverhältnismäßig hohen Aufwand für einen Anschluss an die öffentliche Entwässerungseinrichtung nach sich ziehen würde, begründet.
Aktueller Stand der Abwasserentsorgung und Anschlussgradentwicklung
Änderung 10 Jahre
% (2003=100%)
Entwicklung E
Anzahl E aktuell
Investitionen im Zeitraum von 2013 bis 2021
Prioritätenliste zur Sanierung von grundstückseigenen Kleinkläranlagen
Jahr der Aufforderung
Investitionskosten bisheriger und zukünftiger Abwassermaßnahmen
Investitionskosten bisheriger und zukünftiger Investitionsmaßnahmen
(im Verbands- bzw. Entsorgungsgebiet)
a) bisheriges Investitionsvolumen 1990 - 2012 (für 23 Jahre):
11.308.291 €
b) durchschnittliche jährliche Investitionsrate 1990 - 2012:
491.665 €/a
c) in a) enthaltenes Fördermittelvolumen 1990 - 2012:
3.753.747 €
d) durchschnittliche Fördermittelquote 1990 - 2012:
e) vorhandene Einwohner im Verbands- bzw. Entsorgungsgebiet:
f) spezifische Investitionshöhe 1990 - 2012 je Einwohner
3.109 €/E
geplantes Investitionsvolumen lauf Abwasserbeseitigungskonzept:
a) kurzfristiges Investitionsvolumen bis 2021:
b) mittelfristiges Investitionsvolumen 2022 bis 2030:
513.818 €
c) Investitionsvolumen 2031 bis Endausbau:
aktuelle Gebühren und Beiträge:
a) Grundgebühr bis Nenndurchfluss 2,5 m³/h):
55,20 €/a
b) Abwasser-/Schmutzwassergebühr (Volleinleiter):
2,76 €/m³
c) Abwasser-/Schmutzwassergebühr (Teileinleiter):
d) Abwasser-/Schmutzwassergebühr (Direkteinleiter):
0,79 €/m³
e) Regenwassergebühr:
f) Gebühr für Schlamm aus Kleinkläranlage:
25,15 €/m³
g) Gebühr für Schlamm aus ablussloser Grube:
17,79 €/m³
h) weitere Gebühr für ...
i) weitere Gebühr für ...
j) durchschnittlicher Frischwasserverbrauch:
k) Beitragssatz (gewichtete Grundstücksfläche):
l) durchschnittliche Grundstücksgröße:
m) weiterer Beitragssatz:
n) bisheriges vereinnahmtes Beitragsvolumen:
2.073.964 €
o) zukünftiges und ausstehendes Beitragsvolumen:
Ergebnisse der Wirtschaftlichkeitsbetrachtung
Siedlungspunkt
spez. Kosten pro Einwohner zentral
spez. Kosten pro Einwohner dezentral
Kostenverhältnis zentral / dezentral
- Grenze Verbands-/Entsorgungsgebiet orange 1,5 mm
- Gemeindegrenze orange 1,0 mm
- Ortsteilgrenze orange 0,5 mm
- Grenze Trinkwasserschutzgebiet schwarz 0,7 mm
(unter Angabe der TWSZ, hier: III)
- Bäche / Flüsse blau 1,0 mm
- verrohrte Bäche blau (gestrichelt) 1,0 mm
Bereiche der Abwasserentsorgung
Für die flächenhafte Darstellung sind helle und transparente Farbtöne zu verwenden, damit die darunter liegende Topografie nicht überdeckt wird. In den Karten der Konzepte sind für die Abwasserbeseitigung die Bereiche vollflächig darzu­stel­len,
a) die bereits an eine kommunale Kläranlage angeschlossen sind oder dem Stand der Technik anderweitig (z. B. vollbiologische Kleinkläranlagen) entsprechen,
b) in denen ein Anschluss an eine kommunale Kläranlage in den nächsten 5 Jahren erfolgen soll,
c) in denen ein Anschluss an eine kommunale Kläranlage innerhalb von 15 Jahren erfolgen soll,
d) die derzeit über Teilortskanalisationen entwässern und innerhalb von 15 Jahren nicht an eine kommunale Kläranlage angeschlossen werden sollen,
e) die derzeit über Teilortskanalisationen entwässern und die auch nach 15 Jahren nicht an eine kommunale Kläranlage angeschlossen werden sollen,
f) die derzeit über Kleinkläranlagen direkt in ein Gewässer einleiten bzw. über abflusslose Gruben entsorgt werden und die erst nach 15 Jahren an eine kommunale Kläranlage angeschlossen werden sollen,
g) die derzeit über Kleinkläranlagen direkt in ein Gewässer einleiten bzw. über abflusslose Gruben entsorgt werden und die auch nach 15 Jahren nicht an eine kommunale Kläranlage angeschlossen werden sollen.
Die Abwasserbeseitigung von Kleingartenanlagen, Wochenend- und Ferienhaus­sied­lungen u. ä. ist in den oben genannten Farben schraffiert darzustellen.
In den Fällen f) und g) hat die Flächenabgrenzung grundstücksgenau zu erfolgen. Grund­stücke mit abflusslosen Gruben sind in diesen Bereichen durch schwarze Umrandung zu kennzeichnen.
Die farbliche Gestaltung der Flächen und Begrenzungen kann zur besseren Darstellung von den genannten Farbvorschlägen abweichen. Die Bedeutungen der Symbole, Flächen- und Grenz­­kenn­zeichnungen sind in einer Legende darzustellen.
Kläranlagen (mit Ausbaugröße in EW)
(schwarz ausgefüllt)
(rot ausgefüllt)
(zusätzlich rot ausgefüllt)
(durchkreuzt)
bis 1.000 EW (GK 1) Kreis von 5 mm Durchmesser
1.001 bis 5.000 EW (GK 2) Kreis von 7 mm Durchmesser
5.001 bis 10.000 EW (GK 3) Kreis von 9 mm Durchmesser
10.001 bis 100.000 EW (GK 4) Kreis von 11 mm Durchmesser
> 100.000 EW (GK 5) Kreis von 13 mm Durchmesser
Grad der Abwasserreinigung:
nur mechanisch biologische Grundreinigung zusätzlich Phosphor- und /oder
(CSB, BSB5) Stickstoffeliminierung
Karte des Gesamtkonzepts
Karten der Einzelkonzepte