Source: http://feuerwehrmuseum-nuernberg.de/Geschichte/Feuerloeschwesen-1400-bis-heute/Grndung-BF-Nuernberg.html
Timestamp: 2017-06-24 05:18:12
Document Index: 144812418

Matched Legal Cases: ['Art. 2', '§ 7', 'Art. 50', '§ 21', '§ 23', '§ 41', '§ 32', '§ 7', '§ 7', '§ 21', 'Art. 4']

Gruendung Berufsfeuerwehr Nuernberg : Geschichte : Feuerloeswesen :: Foerderverein Nuernberger Feuerwehrmuseum
Geschichte	Feuerlöschwesen 1400 bis heute	Feuerschutzpolizei 1933 -1945 Persönlichkeiten der Feuerwehr Nürnberg
Brände und Unglücke
Zweiradgeschichte
Die Gründung der Berufsfeuerwehr Nürnberg (BFN) im Jahre 1875
Eine Zusammenfassung des historischen „Gründungsverlaufs“ von Helmut Adler August 2005 Vorbemerkung
Als Gründungsdatum der BFN wird der 1.April 1875 angegeben. Allerdings- erst seit 1925 werden die „runden“ Jubiläen regelmäßig begangen, zuletzt im Jahre 2000 mit den Feierlichkeiten „125 Jahre Berufsfeuerwehr Nürnberg“. Im Stadtlexikon Nürnberg (1999, Verlag W. Tümmels, Nürnberg) findet man unter „Berufsfeuerwehr“ (auf Seite 138) neben einem Bild der Feuerwache West, folgende Textinformation:
“Die städtische B. wurde 1875 gegründet. Bis 1916 war sie dem → Bauamt zugeordnet. Zu dieser Zeit war das Stadtgebiet in zwei Löschbezirke geteilt: Der Feuerschutz oblag im ersten Bezirk der Hauptfeuerwache am → Maxtor und neun freiwilligen Vorortsfeuerwehren, im zweiten Bezirk der Feuerwache West und weiteren neun freiwilligen Wehren. 1915 wurde die Leitung der B. einem Brandinspektor übertragen und 1916 die Verwaltung des Feuerlöschwesens vom Bauamt abgetrennt. Die Branddirektion wurde Bestandteil des Polizeireferats. 1939 wurde die B. in Feuerschutzpolizei umbenannt und ihre Organisation im nationalsozialistischen Sinn umgestaltet (paramilitärische Struktur, Zuordnung zum Oberbürgermeister). 1951 siedelte man das Feuerwehr- und Feuerschutzamt bei der Tiefbauverwaltung an die 1958 dem Direktorium B unterstellt wurde.
Heute ist die B. auf vier Standorte im Stadtgebiet verteilt: Feuerwache 1 (West) Reutersbrunnenstraße 24, Feuerwache 2 (Ost) Veilhofstraße 30, Feuerwache 3 (Mitte) Jakobsplatz 20, Feuerwache 4 (Hafen) Regenstraße 4. Die städtische Dienststelle Feuerwehr ist heute dem Geschäftsbereich der → Bürgermeisterin zugeordnet, hat ihren in der Regenstraße 4 und umfaßt insgesamt 419 Stellen (Stand 1999). Sie ist in fünf Abteilungen untergliedert: Einsatz und Organisation, Technik, Aus- und Fortbildung, Vorbeugender Brandschutz, Verwaltung.”
L: Das städtische Verwaltungswesen, Heft Sicherheit, Reinlichkeit, Gesundheitspflege, N 1906. - VB 1896, 1916, 1945/49. - Schramm, G. W., Der zivile Luftschutz in N 1933-1945, N 1983. - Sozial-Atlas. SRi Die nachfolgende Darlegung des Entstehungsverlaufes soll zum einen der Ergänzung und Präzisierung des historischen „Herausbildungsprozesses“ der BFN im Stadtlexikon dienen, zum anderen aber auch diesen komplexen, fast vier Jahrzehnte währenden Vorgang, an Hand damaliger Ereignisse veranschaulichen helfen.
Vorwort in der Festschrift (im Jahr 2000) von Dipl.Ing. Günter Bumiller, Leitender Branddirektor und damaliger Amtsleiter der BF Nürnberg
„Die Feuerwehr Nürnberg wird 125 Jahre alt!
Vor 125 Jahren haben verantwortungsbewußte und vorausschauende Personen an der Spitze unserer Stadt mit dem Beschluß, eine Berufsfeuerwehr einzurichten, eine weitreichende Entscheidung getroffen. Verheerende Brände, die ganze Stadtteile in Schutt und Asche legten sowie vielen Bürgern das Leben kosteten, hatten zu der Einsicht geführt, dass Brandschutz in einer Großstadt nur durch eine derartige Einrichtung gewährleistet werden kann ...“ 1875 gab es in Nürnberg weder einen Beschluss (eine Berufsfeuerwehr einzurichten) „verantwortungsbewußter und vorausschauender Personen an der Spitze unserer Stadt“ noch waren „verheerende Brände, die ganze Stadteile in Schutt und Asche legten“ zu vermelden. Nun sollte man ein „Jubiläumsvorwort“ nicht mit zu strengem historischem Maßstab messen, ist doch hinlänglich bekannt, dass hierbei allzu oft - nach 125 Jahren zumal tagespolitische Erfordernisse die Feder führen. Ein Blick in die überlieferten Niederschriften (Festschriften, Verwaltungsberichte etc.) welche sich die Entwicklung des Löschwesens in Nürnberg zum Gegenstandnehmen zeigt uns, dass die Gründung der BFN im Jahre 1875 so nie stattgefunden hat. Allerdings, ganz als beliebig oder willkürlich kann diese nachträgliche Setzung (erst im Jahre 1925, von BD Sandberg) auch nicht bezeichnet werden, denn dieses Jahr stellt schon eine gewisse Zäsur in der Entwicklung der hiesigen Löschanstalten als auch der Stadt dar, nehmen wir uns deshalb erst einmal der Ereignisse dieser Zeit an.
Der historische Gründungsverlauf Die alte Reichsstadt Nürnberg kann auf eine lange Zeit gut organisierten, vom Rat der Stadt streng reglementieren, Brandschutz zurückblicken.
“Einen Ruhmestitel in der inneren Geschichte unserer Stadt bildet die Sorge für das Feuerlöschwesen. Die Nürnberger Feuerordnungen reichen in eine sehr frühe Zeit zurück. Einiges davon stammt wohl schon aus dem 13. Jahrhundert. Bis in die kleinsten Einzelheiten gehen die Bestimmungen des “Feuerpüchels” vom Jahre 1449, das also zu einer Zeit abgefaßt wurde, als der drohende Krieg mit den Markgrafen, die Gefahr einer Brandstiftung näher legte. (...) Große Stadtbrände kamen überhaupt nicht vor. (...) Die im ganzen solide Bauart, die gute Feuerordnung und der Umstand, daß Nürnberg in alter Zeit niemals eingenommen und, wenn auch nur zum Teil ausgebrannt wurde, haben bewirkt, daß sich hier im Verhältnis zu anderen Städten noch so viel Altertümliches erhalten hat. Selbst die alten Fachwerkbauten leben noch fort in unseren Mauern.”
- Geschichte der Reichsstadt Nürnberg - Dr. Emil Reicke reprint 1983 Mit dem Übergang der Reichstadt an das Königreich Bayern (1806) endet Reickes Stadtchronik. Vor allem im süddeutschen Raum, so auch in Nürnberg, entstanden um das Revolutionsjahr 1848 aus der bürgerlichen Turnerbewegung heraus sog. „freiwillige Feuerwehrkorps“, in Nürnberg darf als Gründer Dr. Schüler mit seiner Turnerfeuerwehr genannt werden. Diese neue (neben den mittelalterlichen „Feuergehorsam“ den „Rußigen“, aus Bauhandwerkern und Feuerarbeitern bestehenden Löschmannschaften) Löschorganisation wurde in Zeiten der Reaktion aus politischen Gründen (1851) von den Behörden wieder verboten. Sicher ist, dass diese Ereignisse einer eigene Betrachtung wert wären, allerdings würde dies hier zu weit führen, deshalb wird zum besseren Verständnis der historischen Vorgänge lediglich darauf verwiesen. Festzuhalten bleibt, dass es seit 1853 wieder mehrere freiwillige Feuerwehrabteilungen in Nürnberg gab die, neben und mit den althergebrachten Löschmannschaften, den Feuerschutz in der Stadt sicher stellten. Schon bald waren die freiwilligen Feuerwehrmänner unverzichtbarer Bestandteil der städtischen Löschmannschaften. Ab Nov. 1864 wurden die verschiedenen Abteilungen (drückt aus, ist ein Bestandteil der Löschmannschaft) mit Nummern bezeichnet, welche damals waren:
Abteilung 1 Freiwillige Turn- und Feuerwehr Nürnberg.
Abteilung 2 Freiwillige Turn- und Feuerwehr Wöhrd.
Abteilung 3 Feuerwehr der Bauhandwerker.
Abteilung 4 Freiwillige Feuerwehr des Turnvereins.
- Festschrift für den 17. Deutschen Feuerwehrtag - Wolfermann 1909
Eine bedeutende Verbesserung in der Löschtechnik und im Brandschutz brachte der Aufbau einer öffentlichen Wasserversorgung, die neben hygienischen Versorgungsgesichtspunkten vor allem aus feuerpolizeilichen Gründen unter Baurat Solger in Angriff genommen wurde. Das Jahr 1868 stellte, mit der Inbetriebnahme eines Hochbehälters am Burgberg (Fassungsvermögen 1.800 qm), einen vorläufigen Abschluss (Das Jahr 1885 brachte eine der allerwichtigsten Verbesserungen für das Löschwesen durch die Fertigstellung der neuen Ursprungwasserleitung“) dieser Maßnahme dar und beendete damit ein Jahrhundert altes Problem, nämlich die ausreichende und sofortige Versorgung mit Löschwasser in der Stadt.
Zur 50jährigen Gedenkfeier ...- Wolfermann 1903)
“Darüber hinaus konnte in Brandfällen aus dem Hochbehälter im Bedarfsfall Wasser mit erhöhtem Druck den Leitungen zugeführt werden, sodaß aus den Notpfosten der Löschwasserstrahl Dachhöhe erreichte.” *
* Stadt AN CII/I Schreiben der Kämmereikommission
- Nürnberg 1850-1892 C. Bühl-Gramer - Werkstücke Band 62
Die dritte, den Brandschutz der aufstrebenden Industriestadt entscheidend verbessernde Maßnahme, war die Errichtung ständiger Feuerwachen, die über die Stadt verteilt, zuerst nachts, von Feuerwehrmännern besetzt wurden. Neben der sofortigen Verfügbarkeit von geübten Löschkräften war es von nun an nicht mehr ständig nötig in jedem Brandfalle sofort (mit öffentlichem Alarm) die ganze Stadtgemeinde, besser alle zum Löschen verpflichteten Bewohner meist Handwerker, zu mobilisieren.
“Im April 1853 bildete sich eine andere freiwillige Feuerwehr, welche als Abteilung I heute noch besteht. Sie begann ihre öffentliche Tätigkeit mit dem Bezug der neu eingerichteten Nachtfeuerwache im Fünferhaus am 1. Oktober 1854. Zu derselben Zeit wurde noch eine zweite Feuerwache im Bauhof eingerichtet, welche von sechs Mann der neu gebildeten Bauhandwerker- Kompagnie besetzt wurde. Die Feuerlöschabteilungen bestanden damals aus der Bauhandwerker-Kompagnie, 150 Mann stark, den vier Kompagnien der Feuerarbeiter und der 59 Mann starken freiwilligen Feuerwehr.”
Weitere Feuerwachen auf beide Stadthälften verteilt wurden eingerichtet. Das Löschwesen (Gerätschaften und Organisation) ständig verbessert. Für diese Entwicklung ebenfalls nur ein kurzer Verweis, denn uns interessiert die Zeit und die Ereignisse vor und um 1875. Die gesetzlichen Bestimmungen für den Brandschutz veränderten sich in dieser Zeit (Reichsgründung) ebenfalls:
„Das Feuerlöschwesen wurde durch eine ortspolizeiliche Vorschrift zu Art. 2 Ziff. 14 des Po.-Str.- Ges.-Buches vom 26. Dez. 1871 neu geregelt. Hervorzuheben ist aus derselben § 7, in welchem im Allgemeinen der Art. 50 des Gemeindegesetzes bezeichneten Einwohner als besonders zur Hilfeleistung bei Bränden bezeichnet wurden, dann § 21, in welchen aus diesen Verpflichteten alle diejenigen, welche das 40. Lebensjahr noch nicht zurückgelegt haben, und zwar nach später Auswahl gemäß § 23 die Hausbesitzer zum Eintritt in die zu bildenten Compagnien berufen wurden. Diese auf Basis neuer Gesetze gebildete Pflichtfeuerwehr war um so nöthiger, als mit Aufhebung der Gewerbeinnungen die aus älterer Zeit überkommenen Feuerkompagnien der Handwerker ihrer Auflösung entgegengeführt worden waren. Der Wachdienst der Feuerwehren fand in § 41 die Thätigkeit derselben am Brandplatze oder in der Reserve, dann die Thätigkeit der 4 Stadtviertel – Compagnien in § 32 der Feuerlöschordnung neue Reglung. Außer der Pflichtfeuerwehr der Bauhandwerker bestanden die nunmehr nach § 7 der Feuerlöschordnung zum Dienst verpflichteten freiwilligen Feuerwehren, nämlich:
1) die freiw. Turn- und Feuerwehr mit (Abt.I)* 160 Mann
2) die freiwillige Feuerwehr des Turnvreins mit (Abt.III) * 147 Mann
3) die Turn- und Feuerwehr in Wöhrd mit (Abt.II) * 75 Mann
[* damalige Abteilungsbezeichnung zugefügt von H.A.] -VB 1874 Stadt Nürnberg- Stadt AN
Eine „Pflichtfeuerwehr“ trat an die Stelle der „aus älterer Zeit überkommenen Feuerkompagnien der Handwerker“ auch „Feuergehorsam“ genannt und begründete (siehe auch oben, § 7 und § 21 Gemeindegesetz sowie Po.-Str.- Ge. - Buche) sich wie folgt: „Nachdem die Verpflichtung der Mitglieder der Stadtviertel-Kompagnien stattgefunden hatte und die zahlreich eingelaufenen Erinnerungen und Beschwerden beseitigt waren, wurde am 31. Januar 1875 bekannt gegeben, daß auf Grund der Feuerlöschordnung vom 2. Juni 1874 die Pflichtfeuerwehr gebildet wurde und die Mitglieder derselben folgendes zu beachten haben.“
-Die Entwicklung des Feuerlöschwesens der Stadt Nürnberg- Wolfermann 1878 Weitere Ereignisse der Jahre 1874/1875
Am 1. September 1874 wurde die von der Abteilung, des Turnvereins bezogene Feuerwache im Gostenhofer Schulhaus in das Schrannengebäude am Kornmarkt verlegt. Bei Beratung, des Voranschlages für 1875 über das Löschwesen durch den Verwaltungsrat der Feuerwehr wurde am 12. Oktober 1874 beschlossenen, beim Magistrat zu beantragen, dass ein eigener Brandmeister anzustellen sei. Dieser Antrag wurde in der Plen.- Sitzung vom 22. Januar 1875 genehmigt und ausserdem noch: „Die Errichtung einer Centralfeuerwache im Schrannengebäude mit einer Besetzung von 30 Mann und einer Bespannung von 10 event. 12 Peuntpferden“.
Die zeitweilige Belassung, zweier Nebenfeuerwachen (im Rathaus und Laufertor mit je 9 Mann Besatzung, jedoch ist bei Beratung des nächstjährigen Voranschlages zu erwägen, ob nicht die eine oder andere dieser Nebenwachen oder beide aufgehoben werden können. Dieser Antrag fand einstimmige Genehmigung in der Sitzung des Gemeinde- Kollegiums vom 26. Februar 1875. Durch diese Beschlüsse wurde ein ganz wesentlicher Fortschritt in der Verbesserung des hiesigen Löschwesens und die Grundlage der heute noch bestehenden Einrichtungen geschaffen. In einem am 31. März 1875 beim Magistrat eingelaufenen Schreiben kündigte die Feuerwehrabteilung der Bauhandwerker ihren Dienst und erklärte, denselben vom 1. April d. J. ab einzustellen. Durch Polizeisenatsbeschluss vom 31. März d. J. wurde die Kündigung genehmigt. Als Ersatz dafür wurde einstweilen aus den im Bauamt beschäftigten Bauhandwerkern eine kleine Abteilung von 18 Mann gebildet, von welchen jede Nacht 4 Mann die Wache im Bauhof bezogen. An demselben Tag erklärte die Abteilung des Turnvereins für die dadurch beim Wachtdienst entstandene Lücke einzuspringen, indem sie bis auf weiteres den Dienst der Feuerwache in der Schranne von 9 auf 15 Mann erhöhte und ausserdem die Theaterfeuerwache mit 4 Mann Besetzung übernahm.
Am 14. Juli 1875 wurde der neuernannte Brandmeister Ziegler eingeführt und sämtlichen Abteilungen auf der Insel Schütt vorgestellt. Im Laufe des Jahres wurde die Einrichtung der Zentralfeuerwache im ehemaligen Schrannengebäude am Kornmarkt vollzogen. Brandmeister Ziegler musste am 1. Mai 1876 abtreten, weil er seiner Aufgabe nicht gewachsen war und es ihm nicht gelang, ein Einverständnis mit den einzelnen Abteilungen zu erzielen. An seine Stelle wurde Ingenieur Wolfermann berufen, welcher jedoch erst am 1. Sept. d. J. den Dienst übernahm und heute noch als Branddirektor dem Löschwesen als technischer Oberleiter vorsteht. Während der Zwischenzeit vom 1. Mai bis 1. Sept. d. J. versah in vorübergehender Weise der städt. Ingenieur Wagner den betr. Dienst.
-Die Entwicklung des Feuerlöschwesens der Stadt Nürnberg- Wolfermann 1878
(...) das gesamte Löschwesen wurde einen Brandmeister unterstellt und im bisherigen Schrannenlokale eine Centralfeuerwache eingerichtet.
-VB 1876 Stadt Nürnberg- Stadt AN
Da haben wir den „Gründungsakt“, kurz und bündig: „Kündigte die Feuerwehrabteilung der Bauhandwerker “, diese Abteilung war salopp ausgedrückt, ein Überbleibsel aus dem mittelalterlichen Feuergehorsam und somit eine Säule, lediglich ein Teil der Nürnberger Feuerwehrmannschaften und nur diese kündigte ihre Mitwirkung auf, die noch laut „Polizeisenatsbeschluss vom 31. März d. J.“ genehmigt werden musste.
Der Stadtmagistrat verpflichtet daraufhin 18 städtische Arbeiter, von denen jeweils 4 zur Nachtwache (die ständige Besetzung der Wachen auch am Tage erfolgte erst am 13. August 1883) im Bauhof anzutreten haben, deshalb auch die Bezeichnung städtische Feuerwehr. Die Abteilungen der freiwilligen Feuerwehr gleichen 1875 ebenfalls durch Aufstockung ihrer nächtlichen Wachmannschaften, diesen personellen Engpass aus und stellen damit den weitaus größten Teil der Nürnberger Feuerwehrmänner.
Die Feuerwehren hatten Ende 1876 einen Mannschaftsstand:
1) freiwillige Turn- und Feuerwehr 170 Mann
2) freiwillige Feuerwehr des Turnvereins 112 Mann
3) städtische Feuerwehr 80 Mann
Summa 362 Mann
4) Pflichtfeuerwehr 860 Mann
Summa 1222 Mann
Der Mannschaftsstand der Feuerwehren Nürnbergs änderte sich bis 1913 nicht wesentlich, einmal abgesehen davon, dass auf Grund der Stadterweiterung (Einverleibungen), weitere Abteilungen der freiwilligen Feuerwehr hinzukamen (die freiwillige Feuerwehr Wöhrd ehemals Abt. II am 1.Juli 1879 aufgelöst) und die Pflichtfeuerwehr am 2.Oktober 1891 aufgehoben wurde.
Die Abteilung der städtischen Feuerwehr wurde etwa von 1900 an auch Berufsfeuerwehr betitelt. „Der Branddienst wurde wie bisher durch die Berufsfeuerwehr in Gemeinschaft mit der freiwilligen Feuerwehr ausgeübt“. -VB 1912 Stadt Nürnberg- Stadt AN
Es herrschte praktisch ein Mix (gemischte Wachbesetzung) der verschiedenen Feuerwehrabteilungen, die freiwilligen und die städtischen Feuerwehrmänner stellten gemeinsam die Mannschaften für die Feuerwachen (Auf die zahlreichen Feuerwachen in der Stadt ,deren Einrichtung und den weiteren Veränderungen, wird nicht näher eingegangen.)
Organisation und Personal Die Leitung des Feuerlöschwesens in Nürnberg ist einem städtischen Beamten - Branddirektor – übertragen. Der Löschdienst wird durch die städtische Berufsfeuerwehr und zwei Abteilungen der freiwilligen Feuerwehr ausgeübt. Die städtische Berufsfeuerwehr ist nicht ausschließlich im Feuerwehrdienst beschäftigt, vielmehr sind die Berufsfeuerwehrleute in erster Linie als Handwerker und Taglöhner für die Stadt im Dienst genommen und zwar als Schlosser, Schmiede, Zimmerleute, Arbeiter für Telegraphen- und Blitzschutzanlagen sowie als Straßenreiniger. Die Stadtgemeinde, welche eine eigene Reparaturwerkstätte hat und auch die Reinigung in einem großen Teil der Straßen durch städtische Arbeiter ausüben läßt, bedarf Arbeiter der genannten Art in ziemlicher Anzahl, und es ist hierbei die Einrichtung getroffen, dass alle diese von der Stadt eingestellten Arbeiter als Feuerwehrleute ausgebildet werden und eine hinreichende Anzahl derselben im Brandfalle sofort dienstbereit sind.
Die Reparaturwerkstätte und die Straßenreinigung wird gleichfalls von dem städtischen Branddirektor geleitet. Als Arbeiter bezeichneter Arten werden - abgesehen von den Taglöhnern - nur Facharbeiter eingestellt. Jeder Neueingetretene muß als Soldat gedient und darf das 30. Lebensjahr nicht überschritten haben.
Die Abteilung I der freiwilligen Feuerwehr (freiwillige Turn- und Feuerwehr) besteht aus hiesigen Einwohnern verschiedener Klassen ohne besondere Zusammengehörigkeit, der Abteilung II (freiwillige Feuerwehr des Turnvereins) gehören nur Mitglieder des Turnvereins an.
-VB 1896 Stadt Nürnberg- Stadt AN
Dieses Mixsystem, das noch keine eindeutige Dominanz der „Berufsfeuerwehr“ kannte, war reichsweit, z.B. in Berlin, München, Aachen verbreitet, dennoch:
Zu Beginn des Jahres 1906 betrug der Personalstand 164*[zu hoch angegeben, vermutlich auch rückwärtig Beschäftigte mit berechnet, Genaues siehe VB Stadt Nürnberg].
Mann städtische Berufsfeuerwehr und 1383 Mann freiwillige Feuerwehr in insgesamt 23 Abteilungen. Mit dieser Zahl steht Nürnberg an der Spitze aller deutschen Städte. Nach Stadistischen Jahrbuch wies die Stadt bereits 1902 nicht weniger als 1760 Feuerwehrmannschaften auf gegen 1036 bzw. 874 von München und Berlin.
-Die Entwicklung des Nürnberger Stadthaushalts von 1806 bis 1906- S. Bing, Leipzig 1908
Nürnbergs Löschanstalten waren stets auf der Höhe der Zeit und man darf auch nicht außer acht lassen, dass das Löschsystem der gemischten Wachbesetzung, in welcher die städtischen Feuerwehrleute ihren Beruf in den Werkstätten nachgingen (Ausnahme Einsatz) und die Freiwilligen ehrenamtlich (wurden auch bezahlt), neben ihrer beruflichen Tätigkeit, des Nachts, den Sonn- und Feiertagen und bei Großeinsätzen beim Löschen halfen, was die Kostenseite betraf, für den “Stadtsäckel” überaus günstig war. Beispiel: Ausgaben für die Feuerwehr pro Kopf der Einwohner in Mark. (1902 alle Zahlen) Bremen 2.00 – Stettin 1.10 – Frankfurt/M. und Lübeck 1.00 – Berlin 0,97 - München 0,90 – Kiel 0,76 – Halle 0,64; Nürnberg 0,48 und das ist an:“den eigentümlichen, nur hier* bestehenden Einrichtungen zu suchen. Die Tageswachen belasten nämlich den Voranschlag für das Löschwesen nicht, weil das Personal derselben in den Werkstätten der Haupt- und Nebenwache als Schlosser, Schmiede usw. arbeitet und diese ihr Tagegeld verdienen müssen,” [*gemeint ist die Stadt Nürnberg H.A.]
- Denkschrift zur 50-jährigen Stiftungsfeier der Abt. I – Wolfermann 1903
Personalstand Ende 1912.
1 Branddirektor, 2 Brandmeister, 3 Oberführer, 20 Oberfeuerwehrmännern, 62 Feuerwehrmännern, zusammen aus 71 Köpfen, dazu kommen 3 Turmwärter.
Die Fahrer für die Löschgeräte sowie die Pferde werden im Wechsel vom städtischen Fuhrparkgestellt.
Das Bureaupersonal bestand aus: 10 Offizianten, 3 Bureaubeamten und 1 Boten.
Die Oberfeuerwehrmänner und Feuerwehrmänner sind als ständige Arbeiter bei der
Stadtgemeinde beschäftigt. Sie erhalten Stundenlohn für Dienstleistungen außerhalb der üblichen Arbeitszeit sowie Sonntags besondere Entschädigungen.
Der Mannschaftsstand der Freiwilligen Feuerwehr war Ende 1912:
1. Freiwillige Feuerwehr Abteilung I 143 Mann
2. Freiwillige Feuerwehr des Turnvereins, Abteilung II 92 Mann
3. Freiwillige Feuerwehren der einverleibten Vororte, 9 Kopagnien 636 Mann
4. Fabrikfeuerwehren: Abteilung der Kammfabrik Probst in
Schweinau, der Elektrizitäts-Aktiengesellschaft Siemens
Schuckert und der Bleistiftfabrik AG Johann Faber 127 Mann
zusammen 998 Mann
-VB 1912 Stadt Nürnberg- Stadt AN
Die Einrichtung von Feuerwachen mit zuerst nur des Nachts, dann ganzzeitlich besetzten Löschkräften ist das eigentliche Kriterium einer Entwicklung im Löschwesen, das zur Herausformung der (erst später so benannten) „Berufsfeuerwehr“ führte. Speziell ausgebildetes, gut geschultes Personal, das im Brandfalle sofort einsatzbereit war, löste (zuerst und vor allem in den politischen Zentren und wirtschaftlich aufstrebenden Städten) die mittelalterliche Löschorganisation (= öffentliche Mobilisierung großer Teile der Einwohnerschaft) ab.
„Nächtliche Feuerwachen, mit je 9 Mann besetzt, bestanden im Rathaus, am Lauferthor, am Spittlerthor, im Unschlitthause, im Bauhofe. Neu errichtet wurde eine Feuerwache amThiergärtnerthor. (...) Brände fanden 9 statt, von den 7 sofort ohne Feueralarm durch die herbeigerufenen Feuerwachen gedämpft wurden.“ -VB 1871 Stadt Nürnberg- Stadt AN
Trotzdem, nach heutigen Maßstäben gab es in Nürnberg in der letzten Hälfte des 19. Jahrhunderts noch keine Berufsfeuerwehr, obwohl das Löschwesen vorbildlich organisiert war. Die Feuerwehr der großen aufstrebenden Industriestadt Süddeutschlands gehörte nicht nur personell, sondern auch technisch und logistisch mit zu den Führenden im Deutschen Reich.
Der Begriff „Berufsfeuerwehr“ im Wandel der Zeit
Auszug aus: - Merkblatt vfdb 11/02- (Existenz- und Altersbestimmung einer Berufsfeuerwehr) Diskussion um den Begriff Berufsfeuerwehr
1881 definierte Döhring die Berufsfeuerwehr „als eine Truppe mit straffer Disziplin, die die Bekämpfung des Feuers als ihr ausschließliches Geschäft betreibt“. Ohne nähere Zuordnung war vor der Jahrhundertwende die Definition für „Berufsfeuerwehr“ wie folgt zu lesen: „Gewöhnlich sieht man eine solche Feuerwehr als Berufsfeuerwehr an, bei der sich etwa acht Mann ständig im Dienst befinden, die nur als Feuerwehrleute angestellt und in der Lage sind, ein Feuer mit einem Rohre abzulöschen“.
1897 spricht Krameyer in seinem Werk „Die Organisation der Feuerwehren“ dann von einer Berufsfeuerwehr, „wenn die Leute ausschließlich auf Zeit oder lebenslänglich angestellt sind“.
1902 berichtete Molitor in „Feuer, Schutz und Trutz“ über eine beachtenswerte, auf den damaligen Branddirektor Reichel aus Hannover zurückgehende Zusammenstellung von Berufsfeuerwehren (29) und Berufsfeuerwachen (8) sowie gemischtem System mit Berufs- und bezahlten Feuerwehren (6) und nur nachts besetzten Berufsfeuerwachen (2). Das gemischte System und die nur nachts besetzten Berufsfeuerwachen führten erneut zur Diskussion über die Abgrenzung der Berufsfeuerwehren von anderen Feuerwehren.
Dr. Burckhardt vertritt 1917 in seiner Schrift „Die Rechtsverhältnisse des Feuerlöschwesens in Preußen“ die folgende Definition: „Das Hauptmerkmal ist die straffe Organisation und die Ständigkeit der Bereitschaft“.
1919 stellt Brandmeister Scheele im Artikel „über Berufsfeuerwehren, die es sind und die es sein wollen“ die Frage, „wo soll nach unten die Grenze gezogen werden, d.h., welche kleinste Löscheinheit soll noch als Berufsfeuerwehr gelten?“ Scheele kommt nach einigen Betrachtungen zu folgenden Überlegungen: „Meines Erachtens ist erst dann von einer Berufsfeuerwehr zu reden, wenn die Löschmacht so groß und in der Lage ist, ein Rohr gegen das Feuer vorzunehmen und gleichzeitig ein Rettungsmanöver auszuführen oder ein wirkliches Feuer mit zwei Rohren abzulöschen. Auch ein Angriffsfahrzeug zur Beförderung der Mannschaften, eine Feuermelde und Alarmanlage sind nötig“. Das Thema wird auf Betreiben Scheeles auch auf dem Verbandstag 1920 des Reichsvereins der Deutschen Feuerwehringenieure in Eisenach behandelt, endet aber nur mit dem Auftrag, alle Städte über 30.000 Einwohner, ausgerichtet am Dreier-System Wehr/Wache/Posten, zu befragen. Diese Liste erscheint 1922 in der Zeitschrift „Feuerschutz“ und ist die umfangreichste Sammlung von Angaben, die zu diesem Thema veröffentlicht worden ist. Es sei aber angemerkt, dass praktisch alle Städte, die dort einen Berufsfeuerwehrposten meldeten, später für ihre Berufsfeuerwehr ein jüngeres Gründungsdatum angaben. Der Berufsfeuerwehrposten ist also selbst von der eigenen Stadt nicht als Berufsfeuerwehr angesehen worden. Unter Hinweis auf den Grundsatz „Aufgabe der Technik ist es, mit den geringsten Mitteln das genau bezeichnete Ziel zu erreichen“, wird mit dem Normentwurf DIN FEN 180 „Der Löschzug der Berufsfeuerwehr“ vom November 1933 erneut eine Diskussion aufgrund folgenden Vorschlags ausgelöst: „Die Einheit für die Einteilung der Berufsfeuerwehren ist „der Löschzug“. Als Löschzug gilt eine Abteilung der Feuerwehr, die als selbstständige Truppe ein Schadenfeuer erfolgreich bekämpfen kann und mit den dazu erforderlichen Geräten ausgerüstet ist. (...) Die Aufgabe des Löschzugs ist die gleichzeitige Ausführung einer Lösch- und einer Rettungsarbeit. Kommt eine Rettungsmaßnahme nicht zur Ausführung, so muss auf Durchschnittsbrandstellen der Löschzug „drei Schlauchleitungen hintereinander entwickeln können“. Zur Normierung kommt es aber nicht, weil „der Entwurf für den Einheitslöschzug wegen einer Reihe von Schwierigkeiten, die durch die bisher nicht einheitliche Organisation der deutschen Feuerwehr bedingt sind“ (Normenstelle), nicht angenommen wird. Die Frage wird schließlich mit dem (Reichs-)Gesetz über das Feuerlöschwesen vom 3.11.1938 geregelt: Der Reichsminister des Innern wird zu entsprechenden Verordnungen ermächtigt, mit denen er die Berufsfeuerwehren durch einfache Nennung in Feuerschutzpolizeien umwandeln lässt und die nicht Umgewandelten zum Bestandteil Freiwilliger Feuerwehren macht. Nach dem Zweiten Weltkrieg setzt sich bei Vorhandensein von beruflichem Feuerwehrpersonal aufgrund der alleinigen Zuständigkeit der Länder und dem dadurch bedingten Wegfall von Sonderwegen für gemeindliche Feuerwehren die ausschließliche Unterteilung in Berufsfeuerwehren und Freiwillige Feuerwehren mit hauptamtlichen Kräften durch. Jetzt gehen die Länder den Weg, die Gemeinden mit Berufsfeuerwehr namentlich durch Gesetz zu bestimmen bzw. durch Einwohnerzahlen das Einrichten einer Berufsfeuerwehr vorzuschreiben.
Artikel 14: Berufsfeuerwehr
(1) Reicht eine Freiwillige Feuerwehr oder Pflichtfeuerwehr zur Erfüllung der Aufgaben nach Art. 4 Abs.9 1 und 2 nicht aus, hat die Gemeinde eine Berufsfeuerwehr aufzustellen. (2) Der Einsatzdienst der Berufsfeuerwehren besteht aus Beamten des feuerwehrtechnischen Dienstes; das schon vor der Aufstellung einer Berufsfeuerwehr vorhandene Personal kann weiterverwendet werden. Leiter der Berufsfeuerwehr muss ein Beamter des gehobenen oder höheren feuerwehrtechnischen Dienstes sein.
(3) Berufsfeuerwehren müssen mindestens in Stärke eines Zuges ständig einsatzbereit sein. Ihre Kräfte dürfen grundsätzlich für andere Aufgaben der Gemeinde nicht eingesetzt werden.
(4) Die Berufsfeuerwehr nimmt die Aufgaben der Gemeinde im Vorbeugenden Brandschutz wahr, soweit nicht andere Rechtsvorschriften entgegenstehen.
-Bayerisches Feuerwehrgesetz (BayFwG)- 23. Dez. 1981
09.07.2017Ebermannstadt10:00 UhrDFS, Oldtimertreffen Schiene/Strasse 07.08.2017Nürnberg18:00 UhrVereinsstammtisch in der Gaststätte Gartenheim in der Gartenkolonie Hintere Marktstraße gegenüber Hausnr. 7. Jeder Interessierte ist herzlich willkommen. 1505247 Impressum