Source: https://www.duv-verband.de/BFH-Entscheidung-Keine-pauschal-besteuerte-Betriebsveranstaltung-bei-geschlossenem-Teilnehmerkrei/
Timestamp: 2019-09-22 00:13:13
Document Index: 300269257

Matched Legal Cases: ['§ 40', '§ 40', '§ 19', '§ 40', '§ 40', '§ 40', '§ 40', '§ 40', 'Art. 3']

BFH Entscheidung: Keine pauschal besteuerte "Betriebsveranstaltung" bei geschlossenem Teilnehmerkreis | DUV Deutscher Unternehmenssteuer Verband e.V.
(Kiel) Eine nur Füh­rungs­kräf­ten eines Unter­neh­mens vor­be­hal­te­ne Abend­ver­an­stal­tung stellt man­gels Offen­heit des Teil­neh­mer­krei­ses kei­ne Betriebs­ver­an­stal­tung i.S. des § 40 Abs. 2 Satz 1 Nr. 2 EStG dar. Die Mög­lich­keit der Lohn­steu­er-Pau­scha­lie­rung mit einem fes­ten Steu­er­satz von 25 % schei­det aus.
Dar­auf ver­weist der der Kie­ler Steu­er­be­ra­ter Jörg Pas­sau, Vize­prä­si­dent und geschäfts­füh­ren­des Vor­stands­mit­glied des DUV Deut­scher Unter­neh­mens­steu­er Ver­band e. V. mit Sitz in Kiel, unter Hin­weis auf ein am 25.03.2009 ver­öf­fent­lich­tes Urteil des Bun­des­fi­nanz­hofs (BFH) vom 15.01.2009 — AZ.: VI R 22/06 -.
In dem Fall war die Klä­ge­rin eine part­ner­schaft­lich orga­ni­sier­te, inter­na­tio­nal täti­ge Bera­tungs­ge­sell­schaft. Die Füh­rung des Unter­neh­mens obliegt neben dem Vor­stand auch der Gesamt­heit der als Arbeit­neh­mer beschäf­tig­ten Part­ner. Die­se ver­an­stal­te­te in den Jah­ren 1997 bis 2001 ver­schie­de­ne Part­ner­tref­fen mit anschlie­ßen­den Abend­ver­an­stal­tun­gen. Letz­te­re waren zum Teil mit musi­ka­li­schen und künst­le­ri­schen Dar­bie­tun­gen ver­bun­den. Zu ein­zel­nen Ver­an­stal­tun­gen waren auch die Ehe­gat­ten der Part­ner ein­ge­la­den. Die Klä­ge­rin sah die Abend­ver­an­stal­tun­gen als Betriebs­ver­an­stal­tun­gen i.S. des § 40 Abs. 2 Satz 1 Nr. 2 des Ein­kom­men­steu­er­ge­set­zes (EStG) an. Sie ver­steu­er­te des­halb die den Part­nern zuge­flos­se­nen geld­wer­ten Vor­tei­le pau­schal mit einem fes­ten Steu­er­satz von 25 %.
Das Finanz­amt ver­trat die Auf­fas­sung, die für die Part­ner arran­gier­ten Abend­ver­an­stal­tun­gen könn­ten nicht als Betriebs­ver­an­stal­tun­gen im genann­ten Sin­ne ange­se­hen wer­den; eine pau­scha­le Besteue­rung der geld­wer­ten Vor­tei­le mit einem Steu­er­satz von 25 % schei­de aus. Der Ein­spruch dage­gen blieb erfolg­los, woge­gen sich die Kla­ge beim Finanz­ge­richt rich­te­te, die eben­falls abschlä­gig ent­schie­den wur­de.
Auch die dage­gen ein­ge­leg­te Revi­si­on wur­de nun vom BFH zurück­ge­wie­sen, so Pas­sau.
Die Über­nah­me der Kos­ten für die Abend­ver­an­stal­tun­gen durch die Klä­ge­rin stel­le einen geld­wer­ten Vor­teil für die Part­ner (Arbeit­neh­mer) i.S. des § 19 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 EStG dar. Ent­ge­gen der Auf­fas­sung der Klä­ge­rin lägen die Vor­aus­set­zun­gen des § 40 Abs. 2 Satz 1 Nr. 2 EStG, wonach Arbeits­lohn aus Anlass von Betriebs­ver­an­stal­tun­gen mit einem fes­ten Pausch­steu­er­satz von 25 % besteu­ert wer­den kann, nicht vor. Betriebs­ver­an­stal­tun­gen rich­te­ten sich an die Beleg­schaft in ihrer Gesamt­heit. Es ent­spre­che des­halb stän­di­ger und gefes­tig­ter Recht­spre­chung des BFH, dass der Begriff der Betriebs­ver­an­stal­tung i.S. des § 40 Abs. 2 Satz 1 Nr. 2 EStG nur dann erfüllt sei, wenn die Teil­nah­me allen Betriebs­an­ge­hö­ri­gen offen ste­he. Die Begren­zung des Teil­neh­mer­krei­ses dür­fe sich nicht als Bevor­zu­gung bestimm­ter Arbeit­neh­mer­grup­pen erwei­sen. Hin­sicht­lich des Teil­neh­mer­krei­ses müs­se folg­lich sicher­ge­stellt sein, dass weder die Stel­lung des Arbeit­neh­mers, noch sei­ne Gehalts- bzw. Lohn­grup­pe, die Dau­er der Betriebs­zu­ge­hö­rig­keit oder beson­de­re Leis­tun­gen maß­ge­bend sei­en. Der Ein­wand der Klä­ge­rin, es han­de­le sich bei ihrem Unter­neh­men um einen welt­weit ope­rie­ren­den Kon­zern mit einer beson­de­ren Orga­ni­sa­ti­ons­struk­tur, so dass für den Begriff der Betriebs­ver­an­stal­tung ande­re Maß­stä­be gel­ten müss­ten, recht­fer­tig­te nicht die Anwen­dung des § 40 Abs. 2 Satz 1 Nr. 2 EStG.
Glei­ches gel­te für die Aus­füh­run­gen der Klä­ge­rin, die Glo­ba­li­sie­rung und die Not­wen­dig­keit, Netz­wer­ke über Gren­zen hin­weg unter bestimm­ten Arbeit­neh­mern zu knüp­fen, erfor­der­ten zusätz­lich zu den Fach­ta­gun­gen zwin­gend auch die Durch­füh­rung gesel­li­ger (Abend-) Ver­an­stal­tun­gen. Denn der Klä­ge­rin blei­be es natur­ge­mäß zwar unbe­nom­men, sol­che Ver­an­stal­tun­gen durch­zu­füh­ren. Aber ange­sichts des Rege­lungs­zwecks des § 40 Abs. 2 Satz 1 Nr. 2 EStG, mit dem Durch­schnitts­steu­er­satz von 25 % die “ver­ti­ka­le Betei­li­gung” aller Arbeit­neh­mer sach- und rea­li­täts­ge­recht abzu­bil­den und zu besteu­ern, kön­ne der Vor­teil aus der Teil­nah­me an — wie hier — ledig­lich Füh­rungs­kräf­ten vor­be­hal­te­nen geschlos­se­nen Abend­ver­an­stal­tun­gen mit der Anwen­dung des typi­sie­ren­den Durch­schnitts­steu­er­sat­zes nicht rea­li­täts­ge­recht erfasst und besteu­ert wer­den. Die Pau­schal­be­steue­rung mit einem fes­ten Steu­er­satz von 25 % anstel­le des — mate­ri­ell-recht­lich an die indi­vi­du­el­le Lohn­steu­er der Arbeit­neh­mer anknüp­fen­den — varia­blen Net­to­steu­er­sat­zes (§ 40 Abs. 1 EStG) ver­feh­le in die­sem Fall das in Art. 3 Abs. 1 des Grund­ge­set­zes ver­an­ker­te Prin­zip der Besteue­rung nach der finan­zi­el­len Leis­tungs­fä­hig­keit und das Gebot der Fol­ge­rich­tig­keit.