Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Text=1%20BvR%202724/14
Timestamp: 2019-04-22 09:09:30
Document Index: 177845361

Matched Legal Cases: ['Art 103', '§ 93', '§ 611', '§ 330', '§ 331', 'Art. 103', 'Art. 103', 'BGH', '§ 331', 'Art. 103', 'BGH', '§ 227']

BVerfG, 06.05.2015 - 1 BvR 2724/14 - dejure.org
Übergehen von Parteivortrag im Zivilprozess ohne prozessrechtliche Grundlage verletzt Anspruch auf rechtliches Gehör
Art 103 Abs 1 GG, § 93c Abs 1 S 1 BVerfGG, § 611 Abs 1 BGB, § 330 ZPO, § 331a ZPO
Stattgebender Kammerbeschluss: Nichtberücksichtigung von Parteivortrag im Zivilprozess ohne prozessuale Grundlage verletzt Anspruch auf rechtliches Gehör - hier: kontradiktorisches Endurteil im Zivilprozess trotz Säumnis einer Partei
Der übergangene Parteivortrag
AG Peine, 26.06.2014 - 5 C 132/14
AG Peine, 08.09.2014 - 5 C 132/14
Die Nichtberücksichtigung erheblichen Vortrags verstößt jedoch dann gegen Art. 103 Abs. 1 GG, wenn sie im Prozessrecht keine Stütze mehr findet (st. Rspr.; vgl. nur BVerfGE 65, 305, 307; 69, 141, 143 f.;… BVerfG, Beschlüsse vom 26. Juni 2012 - 2 BvR 1013/11, juris Rn. 32; vom 6. Mai 2015 - 1 BvR 2724/14, JZ 2015, 1053 Rn. 8; jeweils mwN).
Die Nichtberücksichtigung eines solchen Beweisangebotes verstößt daher dann gegen Art. 103 Abs. 1 GG, wenn sie im Prozessrecht keine Stütze findet (…BVerfG, WM 2012, 492 Rn. 14; JZ 2015, 1053 Rn. 8;… BGH, Beschlüsse vom 22. März 2016 - VI ZR 163/14, juris Rn. 4;… vom 23. August 2016 - VIII ZR 178/15, WuM 2016, 628 Rn. 10; jeweils mwN).
Danach lässt der Senat ausdrücklich offen, ob der Sachverhalt für eine Entscheidung nach Lage der Akten i.S.v. § 331a S. 1 ZPO überhaupt hinreichend geklärt war (vgl. BVerfG, JZ 2015, 1053f, bei juris Langtext Rn 10).
Die Nichtberücksichtigung eines erheblichen Beweisangebots, die im Prozessrecht keine Stütze findet, verstößt gegen Art. 103 Abs. 1 GG (vgl. nur BVerfG JZ 2015, 1053; NJW 2003, 1655; NJW 2001, 1565; WM 2009, 671, 672;… BGH, Beschlüsse vom 21. Februar 2017 - VIII ZR 1/16, WuM 2017, 194 Rn. 10 mwN;… vom 18. Mai 2017 - I ZR 205/16, juris Rn. 7 mwN).
Das Urteil beruht auf dem Gehörsverstoß, wenn nicht ausgeschlossen werden kann, dass es ohne diesen anders ausgefallen wäre (st. Rspr. des BVerfG - s. zuletzt B. v. 06.05.2015 - 1 BvR 2724/14 - bei Juris Tz. 11; SenE v. 27.02.2015 - III-1 RBs 56/15 - Juris; SenE v. 19.03.2013 - III-1 RBs 80/13).
Die Vorschrift des § 227 Abs. 1 Satz 1 ZPO, wonach ein Termin aus erheblichen Gründen aufgehoben oder verlegt werden kann, dient unter anderem dazu, den Beteiligten die sachgerechte Wahrnehmung ihrer Rechte im Prozess durch Äußerung in der mündlichen Verhandlung (BVerfG, B. v. 6.5.2015 - 1 BvR 2724/14 - JZ 2015, 1053) oder schriftsätzlichen und mündlichen Vortrag (BVerwG, U. v. 26.1.1989 - 6 C 66.86 - BVerwGE 81, 229 = NVwZ 1989, 650) zu ermöglichen.