Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Text=NVwZ%202008,%20521
Timestamp: 2018-10-20 18:20:08
Document Index: 144381458

Matched Legal Cases: ['Art. 2', 'Art. 1', 'Art. 10', 'Art. 13', 'Art. 19', '§ 5', 'Art. 2', 'Art. 2', 'Art. 1', 'Art. 10', '§ 5', 'Art. 2', 'Art. 1', 'Art. 10', 'Art. 13', '§ 823', 'BGH', 'Art. 10', 'Art. 10', '§ 20', '§ 20', 'Art. 10', '§ 20', '§ 20', '§ 20', '§ 20', '§ 113', 'Art. 10', 'Art. 2', 'Art. 1', 'Art. 1', 'BGH', '§ 21', 'BGH']

BVerfG, 27.02.2008 - 1 BvR 370/07 und 1 BvR 595/07 - dejure.org
BVerfG, 27.02.2008 - 1 BvR 370/07 und 1 BvR 595/07
Art. 2 Abs. 1 i.V.m. Art. 1 Abs. 1 GG; Art. 10 Abs. 1 GG; Art. 13 GG, Art. 19 Abs. 1 S. 2 GG; § 5 Abs. 2 Nr. 11 VerfSchG-NRW
Heimliche Infiltration informationstechnischer Systeme (Zulässigkeit als präventive Maßnahme; "Online-Durchsuchung"; Richtervorbehalt; Kernbereich privater Lebensgestaltung); allgemeines Persönlichkeitsrecht (Grundrecht auf Gewährleistung der Vertraulichkeit und Integrität informationstechnischer Systeme); Unverletzlichkeit der Wohnung (beschränkte Anwendbarkeit); Kommunikation im Rechnernetz (Anwendbarkeit des Fernmeldegeheimnisses; Sprachtelefonie); staatliche Teilnahme an öffentlicher Kommunikation (kein Grundrechtseingriff); Gesetz über den Verfassungsschutz in Nordrhein-Westfalen
Online-Durchsuchung - Das allgemeine Persönlichkeitsrecht umfasst auch das Grundrecht auf Gewährleistung der Vertraulichkeit und Integrität informationstechnischer Systeme.
Bonitätsprüfung - Datenbankschutz - Datenschutz - Datenvernichtung - IP-Adresse
Online-Durchsuchungen nur in engen Ausnahmefällen zulässig - Grundrecht auf Gewährleistung der Vertraulichkeit und Integrität informationstechnischer Systeme
GG Art. 2 Abs. 1, 1 Abs. 1, 10 Abs. 1
Zulässigkeit von Online-Durchsuchungen
Verfassungsmäßigkeit der Regelungen zur Internetaufklärung bzw. Online-Durchsuchung im nordrhein-westfälischen Verfassungsschutzgesetz (VSG NRW) - Grundrecht auf Gewährleistung der Vertraulichkeit und Integrität informationstechnischer Systeme als Ausprägung des allgemeinen Persönlichkeitsrecht (Computergrundrecht) - Verfassungsmäßige Anforderungen an eine Rechtsgrundlage für die heimliche Infiltration eines informationstechnischen Systems - Abgrenzung zwischen den Schutzbereichen des Grundrechts der Vertraulichkeit und Integrität informationstechnischer Systeme und dem Schutzbereich des Fernmeldegeheimnisses - Verfassungsmäßige Anforderungen an die Ermächtigung von Nachrichtendiensten zur Internetaufklärung
Mein Computer gehört (meistens) mir - Onlinedurchsuchung
Online-Durchsuchung bei der Terrorismusbekämpfung
Zur Verfassungsmäßigkeit von Online-Durchsuchungen
Verfassungsmäßigkeit der Vorschriften über die Online-Durchsuchung durch den Verfassungsschutz in NRW
»Neues« Grundrecht auf Gewährleistung der Vertraulichkeit und Integrität informationstechnischer Systeme
Online-Durchsuchung vom Verfassungsschutz NRW
luther-services.com , S. 6 (Kurzinformation)
archive.is (Pressebericht, 27.02.2008)
Online-Durchsuchungen nur unter strengen Auflagen zulässig
Vorschriften zur Online-Durchsuchung und zur Aufklärung des Internet im Verfassungsschutzgesetz NRW nichtig
Online-Durchsuchung und Überwachung des Internets unzulässig
BVerfG beschränkt Online-Durchsuchung
Neues Grundrecht im Zeitalter des Internets
Das neue "Computergrundrecht" und die "Bundestrojaner"
Die in NRW geregelte "Online-Durchsuchung" und das heimliche Aufklären über das Internet erhält eine Absage
Das neue Computergrundrecht - Gewährleistung der Vertraulichkeit und Integrität informationstechnischer Systeme - und die Bundestrojaner
Bundestrojaner ist verfassungskonform - Einsatz muss allerdings von einem Richter erlaubt werden
Online-Durchsuchung gekippt
Das neue "Computergrundrecht und die "Bundestrojaner"
Art. 2 GG; Art. 1 GG; Art. 10 GG; § 5 Abs. 2 Nr. 11 VSG
(Prof. Dr. Mark Deiters / Wiss. Mitarbeiterin Anna Helena Albrecht, Münster; ZJS 2008, 319)
Nachrichtendienste dürfen Daten aus elektronischer Überwachung nicht verwenden
faz.net (Essay mit Bezug zur Entscheidung)
Datenschutz: Das vergessene Grundrecht
Verfassungsmäßigkeit von Maßnahmen im Zuge einer "Online-Durchsuchung"
Art. 2 Abs. 1 i.V.m Art. 1 Abs. 1, Art. 10, Art. 13 GG
Online-Durchsuchung verstößt gegen das Grundrecht auf Gewährleistung der Vertraulichkeit und Integrität informationstechnischer Systeme
Das Grundrecht auf Computerschutz (Prof. Dr. Axel Tschentscher; AJP 4/2008, S. 383 - 393)
Bundesverfassungsgericht kippt Online-Durchsuchung
Strenge Grenzen für Onlinedurchsuchungen
Die Online-Durchsuchung im Lichte der Rechtsprechung (Marc Schramm, Kathrin Jansen)
mohr.de (Entscheidungsbesprechung)
Auf dem Weg zur elektronischen Privatsphäre (Dr. Thomas Böckenförde; JZ 2008, 925)
beck.de , S. 13 (Aufsatz mit Bezug zur Entscheidung)
Rechtlicher Schutz vor Staatstrojanern? Verfassungsrechtliche Analyse einer Regierungs-Malware (Hendrik Skistims, Prof. Dr. Alexander Roßnagel; ZD 1/2012, S. 3-7)
linksnet.de (Entscheidungsbesprechung)
Radikal wie Karlsruhe - Das Bundesverfassungsgericht und der Konformismus der deutschen Bürgerrechtsbewegung
Vor fünf Jahren: Bundesverfassungsgericht postuliert das "IT-Grundrecht"
HRR Strafrecht (Dokument mit Bezug zur Entscheidung)
Verfahrensdokumentation (Beschwerdeschriften, Stellungnahmen)
Kurznachricht zu "Arbeitnehmer-E-Mails: Vertrauen ist gut - Kontrolle ist schlecht. Auswirkungen der neuesten Rechtsprechung des BVerfG auf das Arbeitsverhältnis" von Wiss. Mit. René Hoppe und Dr. Frank Braun, original erschienen in: MMR 2010, 80 - 84.
Zusammenfassung von "Anmerkung zum Urteil des BVerfG vom 27.02.2008, Az.: 1 BvR 370/07 und 1 BvR 595/07 (Vorschriften im Verfassungsschutzgesetz NRW zur Online-Durchsuchung und zur Aufklärung des Internet nichtig)" von Prof. Dr. Uwe Volkmann, original erschienen in: DVBl 2008, 590 - 593.
Kurznachricht zu "Anmerkung zum Urteil des BVerfG vom 27.02.2008, Az.: 1 BvR 370/07 (Verfassungsrechtliche Anforderungen an Gesetze zur heimlichen Online-Durchsuchung)" von RA Christian Lorenz, original erschienen in: StRR 2008, 143.
Zusammenfassung von "Anmerkung zum Urteil des BVerfG v. 27.02.2008, Az.: 1 BvR 370/07 und 1 BvR 595/07 (BVerfG: Verfassungsmäßigkeit der Online-Durchsuchung und anderer verdeckter Ermittlungsmaßnahmen in Datennetzen)" von RiOLG Dr. Wolfgang Bär, original erschienen in: MMR 2008, 325 - 327.
Kurznachricht zu "Bundestag: Online-Durchsuchung nach BVerfG-Urteil?" von Jörn Heckmann, original erschienen in: CR 2008 Heft 4.
Kurznachricht zu "Ein neues Grundrecht - Der verfassungsrechtliche Schutz der "Vertraulichkeit und Integrität informationstechnischer Systeme"" von Dr. Gerrit Hornung, LL.M., original erschienen in: CR 2008, 299 - 306.
Kurznachricht zu "Das Ende des gläsernen IT-Users" von Sigrid Averesch, original erschienen in: DRiZ 2008, 115.
Kurznachricht zu "Enge Fesseln für "Landes- und Bundestrojaner" - Anforderungen an die Zulässigkeit einer (sicherheitsrechtlichen) Online-Durchsuchung" von Prof. Dr. Hans-Kudlich, original erschienen in: JA 2008, 478.
Zusammenfassung von "Auf dem Weg zur elektronischen Privatsphäre" von RA Dr. Thomas Böckenförde, original erschienen in: JZ 2008, 925 - 939.
Kurznachricht zu "Die "Vertraulichkeit und Integrität informationstechnischer Systeme" als sonstiges Recht nach § 823 Abs. 1 BGB" von RA Prof. Dr. Michael Bartsch, original erschienen in: CR 2008, 613 - 617.
Zusammenfassung von "Mehr Schutz von Computerdaten durch ein neues Grundrecht?" von Prof. Dr. Martin Kutscha, original erschienen in: NJW 2008, 1042 - 1044.
Zusammenfassung von "Informationelle Selbstbestimmung im Internet" von Prof. Dr. Martin Eifert, original erschienen in: NVwZ 2008, 521 - 523.
Zusammenfassung von "Vertraulichkeit und Integrität informationstechnischer Systeme - Einige Fragen zu einem "neuen Grundrecht"" von Prof.in Dr. Gabriele Britz, original erschienen in: DÖV 2008, 411 - 415.
Zusammenfassung von "Mehr Schutz von Computerdaten durch ein neues Grundrecht?" von Prof. Dr. Martin Kutscha, original erschienen in: NJW Beilage 2008, 1042 - 1044.
Kurznachricht zu "Bundesverfassungsgericht versus Politik. Eine kommentierende Dokumentation der jüngsten Entscheidungen zu drei Sicherheitsgesetzen" von Rainer Erd, original erschienen in: Kritische Justiz 2008, 118 - 133.
Kurznachricht zu "Staatlicher Zugriff auf elektronische Medien" von Oberstaatsanwalt beim BGH Dr. Andreas Hornick, original erschienen in: StraFO 2008, 281 - 286.
Zusammenfassung von "Die Entwicklung des Datenschutzrechts in den Jahren 2007/2008" von Prof. Peter Gola und RA Christoph Klug, original erschienen in: NJW 2008, 2481 - 2487.
Kurznachricht zu "Der "virtuelle verdeckte Ermittler" in sozialen Netzwerken und Internetboards" von OStA Carsten Rosengarten und StA Dr. Sebastian Römer, original erschienen in: NJW 2012, 1764 - 1767.
Kurznachricht zu "Eingriffe in informationstechnische Systeme nach dem Polizeirecht des Bundes und der Länder" von Dr. Michael Soiné, original erschienen in: NVwZ 2012, 1585 - 1589.
Kurznachricht zu "Zum Begriff der "laufenden Kommunikation" bei der Quellen-Telekommunikationsüberwachung ("Quellen-TKÜ")" von RiLG Ulf Buermeyer, original erschienen in: StV 2013, 470 - 476.
BVerfG, 27.07.2007 - 1 BvR 370/07
BVerfGE 120, 274
NJW 2008, 822
NVwZ 2008, 521
StV 2008, 169 (Ls.)
WM 2008, 503
MMR 2008, 315
MIR 2008, Dok. 093
DVBl 2008, 582
DÖV 2008, 459
ZUM 2008, 301
Dies entspricht dem verfassungsrechtlichen Schutz nach Art. 10 Abs. 1 GG, dessen Träger die - auch minderjährigen - tatsächlichen Kommunikationsteilnehmer sind (BVerfGE 120, 274, 340; 85, 386, 398 f;… Maunz/Dürig/Durner, GG, Stand Januar 2018, Art. 10 Rn. 100 f jew mwN).
Die Bereitstellung von wirksamen Aufklärungsmitteln zu ihrer Abwehr ist ein legitimes Ziel und für die demokratische und freiheitliche Ordnung von großem Gewicht (vgl. BVerfGE 115, 320 ; 120, 274 ; 133, 277 ).
Die Geschehnisse können in harmlosen Zusammenhängen verbleiben, aber auch den Beginn eines Vorgangs bilden, der in eine Gefahr mündet (vgl. BVerfGE 120, 274 ; vgl. auch BVerfGE 110, 33 ; 113, 348 ).
Der Zugriff auf informationstechnische Systeme und die Wohnraumüberwachung dürfen sich unmittelbar nur gegen diejenigen als Zielperson richten, die für die drohende oder dringende Gefahr verantwortlich sind (vgl. BVerfGE 109, 279 ; 120, 274 ).
Zur Entfaltung der Persönlichkeit im Kernbereich privater Lebensgestaltung gehört die Möglichkeit, innere Vorgänge wie Empfindungen und Gefühle sowie Überlegungen, Ansichten und Erlebnisse höchstpersönlicher Art zum Ausdruck zu bringen (vgl. BVerfGE 109, 279 ; 120, 274 ; stRspr).
Können sie typischerweise zur Erhebung kernbereichsrelevanter Daten führen, muss der Gesetzgeber Regelungen schaffen, die einen wirksamen Schutz normenklar gewährleisten (vgl. BVerfGE 109, 279 ; 113, 348 ; 120, 274 ).
Angesichts der Handlungs- und Prognoseunsicherheiten, unter denen Sicherheitsbehörden ihre Aufgaben wahrnehmen, kann ein unbeabsichtigtes Eindringen in den Kernbereich privater Lebensgestaltung im Rahmen von Überwachungsmaßnahmen nicht für jeden Fall von vornherein ausgeschlossen werden (vgl. BVerfGE 120, 274 ).
Zum anderen sind auf der Ebene der nachgelagerten Auswertung und Verwertung die Folgen eines dennoch nicht vermiedenen Eindringens in den Kernbereich privater Lebensgestaltung strikt zu minimieren (vgl. BVerfGE 120, 274 ; 129, 208 ).
d) In diesem Rahmen kann der Gesetzgeber den Schutz des Kernbereichs privater Lebensgestaltung in Abhängigkeit von der Art der Befugnis und deren Nähe zum absolut geschützten Bereich privater Lebensgestaltung für die verschiedenen Überwachungsmaßnahmen verschieden ausgestalten (vgl. BVerfGE 120, 274 ; 129, 208 ).
Auf der Ebene der Datenerhebung ist bei verletzungsgeneigten Maßnahmen durch eine vorgelagerte Prüfung sicherzustellen, dass die Erfassung von kernbereichsrelevanten Situationen oder Gesprächen jedenfalls insoweit ausgeschlossen ist, als sich diese mit praktisch zu bewältigendem Aufwand im Vorfeld vermeiden lässt (vgl. BVerfGE 109, 279 ; 113, 348 ; 120, 274 ).
In jedem Fall ist der Abbruch der Maßnahme vorzusehen, wenn erkennbar wird, dass eine Überwachung in den Kernbereich privater Lebensgestaltung eindringt (vgl. BVerfGE 109, 279 ; 113, 348 ; 120, 274 ).
Auf der Ebene der Auswertung und Verwertung hat der Gesetzgeber für den Fall, dass die Erfassung von kernbereichsrelevanten Informationen nicht vermieden werden konnte, in der Regel die Sichtung der erfassten Daten durch eine unabhängige Stelle vorzusehen, die die kernbereichsrelevanten Informationen vor deren Verwendung durch die Sicherheitsbehörden herausfiltert (vgl. BVerfGE 109, 279 ; 120, 274 ).
Die Löschung ist in einer Weise zu protokollieren, die eine spätere Kontrolle ermöglicht (vgl. BVerfGE 109, 279 ; 113, 348 ; 120, 274 ).
Angesichts der schon grundsätzlich hohen Anforderungen an die Anordnung solcher Maßnahmen und der großen Bedeutung einer effektiven Terrorismusabwehr für die demokratische und freiheitliche Ordnung (vgl. BVerfGE 115, 320 ; 120, 274 ; 133, 277 ), die Sicherheit der Menschen sowie mit Blick auf die Vielgestaltigkeit der in Ausgleich zu bringenden Gesichtspunkte und zugleich die Notwendigkeit, Missbrauchsmöglichkeiten zu begrenzen, ist der Gesetzgeber in der Regel nicht verpflichtet, bestimmte Personengruppen von Überwachungsmaßnahmen von vornherein gänzlich auszunehmen (vgl. BVerfGE 129, 208 ).
Mit dieser eigenständigen Ausprägung des allgemeinen Persönlichkeitsrechts trägt die Verfassung der heute weit in die Privatsphäre hineinreichenden Bedeutung der Nutzung informationstechnischer Systeme für die Persönlichkeitsentfaltung Rechnung (vgl. BVerfGE 120, 274 ).
aa) Eingriffe in das Recht auf Gewährleistung der Vertraulichkeit und Integrität informationstechnischer Systeme stehen allerdings unter strengen Bedingungen (vgl. BVerfGE 120, 274 ).
Insbesondere müssen die Maßnahmen davon abhängig sein, dass tatsächliche Anhaltspunkte für eine im Einzelfall drohende konkrete Gefahr für ein überragend wichtiges Rechtsgut vorliegen (vgl. BVerfGE 120, 274 ).
Die in dieser Vorschrift eröffnete Möglichkeit, auch schon im Vorfeld einer konkreten Gefahr Maßnahmen durchzuführen, wenn bestimmte Tatsachen auf eine im Einzelfall erst drohende Gefahr einer Begehung terroristischer Straftaten hinweisen, ist dahingehend auszulegen, dass Maßnahmen nur erlaubt sind, wenn die Tatsachen den Schluss auf ein wenigstens seiner Art nach konkretisiertes und zeitlich absehbares Geschehen zulassen, und wenn erkennbar ist, dass bestimmte Personen beteiligt sein werden, über deren Identität zumindest so viel bekannt ist, dass die Überwachungsmaßnahme gezielt gegen sie eingesetzt und weitgehend auf sie beschränkt werden kann (vgl. BVerfGE 120, 274 ).
Da § 20k Abs. 1 Satz 2 BKAG in enger Anlehnung an die Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts formuliert ist (vgl. BVerfGE 120, 274 ), ist davon auszugehen, dass der Gesetzgeber hierauf Bezug nehmen wollte.
Insbesondere regelt § 20k Abs. 2 BKAG, dass die durch den Zugriff bedingten Veränderungen an dem informationstechnischen System zu minimieren, deren Nutzbarkeit durch Dritte zu vermeiden und sie nach Beendigung soweit möglich rückgängig zu machen sind (vgl. hierzu BVerfGE 120, 274 ).
Die Anordnung einer Maßnahme ist nur durch den Richter möglich und dabei sachhaltig zu begründen (vgl. BVerfGE 120, 274 ; siehe oben C IV 2).
aa) Da der heimliche Zugriff auf informationstechnische Systeme typischerweise die Gefahr einer Erfassung auch höchstvertraulicher Daten in sich trägt und damit eine besondere Kernbereichsnähe aufweist, bedarf es ausdrücklicher gesetzlicher Vorkehrungen zum Schutz des Kernbereichs privater Lebensgestaltung (vgl. BVerfGE 120, 274 ).
Die diesbezüglichen Anforderungen sind dabei mit denen der Wohnraumüberwachung nicht in jeder Hinsicht identisch und verschieben den Schutz ein Stück weit von der Erhebungsebene auf die nachgelagerte Aus- und Verwertungsebene (vgl. BVerfGE 120, 274 ).
Insbesondere sind verfügbare informationstechnische Sicherungen einzusetzen; können mit deren Hilfe höchstvertrauliche Informationen aufgespürt und isoliert werden, ist der Zugriff auf diese untersagt (vgl. BVerfGE 120, 274 ).
Entscheidende Bedeutung hierfür kommt dabei einer Sichtung durch eine unabhängige Stelle zu, die kernbereichsrelevante Informationen vor ihrer Kenntnisnahme und Nutzung durch das Bundeskriminalamt herausfiltert (vgl. BVerfGE 120, 274 ).
Von daher ist sie nicht am Grundrecht auf Gewährleistung der Vertraulichkeit und Integrität informationstechnischer Systeme, sondern an Art. 10 Abs. 1 GG zu messen (vgl. BVerfGE 120, 274 ).
Weiter reicht die Zweckbindung allerdings für Daten aus Wohnraumüberwachungen und Online-Durchsuchungen: Hier ist jede weitere Nutzung der Daten nur dann zweckentsprechend, wenn sie auch aufgrund einer den Erhebungsvoraussetzungen entsprechenden dringenden Gefahr (vgl. BVerfGE 109, 279 ) oder im Einzelfall drohenden Gefahr (vgl. BVerfGE 120, 274 ) erforderlich ist.
Für die Übermittlung von Daten aus Online-Durchsuchungen bedarf es darüber hinaus - ebenso wie für die vom Gesetzgeber insoweit bereits gesondert geregelten Daten aus Wohnraumüberwachungen - des Vorliegens der für die Datenerhebung maßgeblichen Eingriffsschwelle selbst, das heißt einer im Einzelfall drohenden Gefahr (vgl. BVerfGE 120, 274 ).
Strenger sind insoweit die Voraussetzungen für die Übermittlung von Daten aus Wohnraumüberwachungen und Online-Durchsuchungen, für die die für die Datenerhebung maßgeblichen Eingriffsschwellen vollständig vorliegen müssen (siehe oben D I 2 b bb; vgl. ferner BVerfGE 109, 279 ; 120, 274 ).
Indem sie zur Übermittlung von Daten unterschiedslos dann ermächtigt, wenn "Anhaltspunkte" für eine künftige Straftatenbegehung bestehen, erlaubt sie auch eine Übermittlung von Daten aus Wohnraumüberwachungen und Online-Durchsuchungen, ohne eine dringende Gefahr (vgl. BVerfGE 109, 279 zur Wohnraumüberwachung) oder eine im Einzelfall hinreichend konkretisiert drohende Gefahr (vgl. BVerfGE 120, 274 zur Online-Durchsuchung) zur Voraussetzung zu machen.
Der Gesetzgeber trägt damit dem Grundsatz Rechnung, dass der Einzelne sich im Rechtsstaat auf effektiven Schutz durch den Staat ebenso verlassen können muss wie auf den Schutz seiner Freiheitsgewährleistungen vor dem Staat (vgl. meine abw. Meinung in BVerfGE 125, 364 ; siehe zur Schutzpflicht bei terroristischen und anderen Bestrebungen auch der Senat in BVerfGE 120, 274 ).
Das ändert jedoch nichts daran, dass sich die Betroffenen im Grundsatz "in der Öffentlichkeit" bewegen, nicht jedoch in besonders geschützten Zonen der Privatheit (vgl. BVerfGE 120, 274 ).
Damit geht der Senat über die bisher an den nachgelagerten Kernbereichsschutz gestellten verfassungsrechtlichen Anforderungen weit hinaus (vgl. nur BVerfGE 120, 274 zum Verfassungsschutzgesetz Nordrhein-Westfalen).
Entgegen dieser Auffassung halte ich die derzeitige Regelung, die die Sachleitung und mithin auch die Entscheidungsverantwortung des anordnenden Richters vorsieht oder jedenfalls einschließt (§ 20h Abs. 3 Satz 1, Abs. 5 Satz 4, § 20k Abs. 7 Satz 3 BKAG) sowie die Pflicht zur unverzüglichen Löschung von kernbereichsrelevanten Inhalten und die Protokollierung der Löschung zum Zwecke der Kontrolle vorschreibt (§ 20h Abs. 5 Satz 7, § 20k Abs. 7 Satz 5 BKAG) für genügend (so für die unverzügliche Löschung kernbereichsrelevanter Inhalte auch noch der Senat in BVerfGE 120, 274 zu Daten aus informationstechnischen Systemen).
Insbesondere gilt dies auch für die Speicherung der Daten zu Diensten der elektronischen Post gemäß § 113a Abs. 3 TKG, deren Vertraulichkeit gleichfalls durch Art. 10 Abs. 1 GG geschützt wird (vgl. BVerfGE 113, 348 ; 120, 274 ).
Die diesbezüglichen Ausführungen des Senats zu den Anforderungen an Online-Durchsuchungen gelten hier entsprechend (vgl. BVerfGE 120, 274 ).
Dass Polizei- und Verfassungsschutzbehörden unterschiedliche Aufgaben und Befugnisse haben und in der Folge Maßnahmen mit unterschiedlicher Eingriffstiefe vornehmen können, ist für die Gewichtung einer Verwendung von vorsorglich flächendeckend und langfristig gespeicherten Telekommunikationsverkehrsdaten grundsätzlich ohne Belang (vgl. BVerfGE 120, 274 ).
Zwar können Differenzierungen zwischen den Ermächtigungen der verschiedenen Behörden mit präventiven Aufgaben vor der Verfassung Bestand haben (vgl. BVerfGE 100, 313 ; 120, 274 ).
Jedoch ist der Gesetzgeber auch bei der Regelung der einzelnen Befugnisse von Sicherheitsbehörden, deren Aufgabe in der Vorfeldaufklärung besteht, an die verfassungsrechtlichen Vorgaben gebunden, die sich aus dem Verhältnismäßigkeitsgrundsatz ergeben (vgl. BVerfGE 120, 274 ).
Dies liegt jedoch in der Art ihrer Aufgaben als Vorfeldaufklärung und begründet keinen verfassungsrechtlich hinnehmbaren Anlass, die sich aus dem Verhältnismäßigkeitsgrundsatz ergebenden Voraussetzungen für einen Eingriff der hier vorliegenden Art abzumildern (vgl. BVerfGE 120, 274 ).
Dies gilt insbesondere, wenn der Grundrechtseingriff heimlich erfolgt und für den Betroffenen unmittelbar nicht wahrnehmbar ist (vgl. BVerfGE 120, 274 ).
Richter können aufgrund ihrer persönlichen und sachlichen Unabhängigkeit und ihrer ausschließlichen Bindung an das Gesetz die Rechte des Betroffenen im Einzelfall am besten und sichersten wahren (vgl. BVerfGE 77, 1 ; 103, 142 ; 120, 274 ).
Diese Einschränkung betrifft allein das ebenfalls von Art. 2 Abs. 1 iVm. Art. 1 Abs. 1 GG geschützte Grundrecht auf Gewährleistung der Vertraulichkeit und Integrität informationstechnischer Systeme, dem ggf. eine lückenfüllende Funktion zukommt (BVerfG 27. Februar 2008 - 1 BvR 370/07 ua. - Rn. 201 und Rn. 206, BVerfGE 120, 274) .
Mithin hat der Gesetzgeber Anlass, Zweck und Grenzen des Eingriffs hinreichend bereichsspezifisch, präzise und normenklar festzulegen (vgl. nur BVerfG, Urteil vom 27. Februar 2008 - 1 BvR 370/07, u.a. -, BVerfGE 120, 274 [316] = juris, Rn. 209, m.w.N.).
Etwas anderes ergibt sich auch nicht aus der Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts v. 27. Februar 2008, 1 BvR 370/07 (BVerfGE 120, 274).
Das allgemeine Persönlichkeitsrecht schützt indessen nur solche Elemente der Persönlichkeitsentfaltung, die - ohne bereits Gegenstand der besonderen Freiheitsgarantien des Grundgesetzes zu sein - diesen in ihrer konstituierenden Bedeutung für die Persönlichkeit nicht nachstehen (vgl. BVerfGE 79, 256 ; 99, 185 ; 120, 274 ; stRspr).
a) Aus Art. 1 Abs. 1 GG ergibt sich, dass ein Kernbereich privater Lebensgestaltung als absolut unantastbar geschützt ist (vgl. BVerfGE 119, 1 ; 120, 274 ; 124, 43 ).
Selbst sehr schwerwiegende Interessen der Allgemeinheit können einen Eingriff in ihn nicht rechtfertigen; eine Abwägung findet nicht statt (vgl. BVerfGE 34, 238 ; 80, 367 ; 109, 279 ; 120, 274 ).
Den Kernbereich betreffende Informationen dürfen nicht verwendet und damit auch nicht in einem Urteil verwertet werden (vgl. BVerfGE 109, 279 ; 120, 274 ).
Dieses Zitiergebot erfüllt - bei nachkonstitutionellen Gesetzen - eine Warn- und Besinnungsfunktion (vgl. BVerfGE 64, 72 ; 113, 348 ; 120, 274 ; BVerfG, Beschluss des Zweiten Senats vom 12. Oktober 2011 - 2 BvR 236/08 u.a. -).
Durch diese Formulierung soll zum Ausdruck gebracht werden, dass der verfassungsrechtliche Persönlichkeitsschutz (vgl. BVerfGE 109, 279 ; 113, 348 , Urteil des Ersten Senats vom 27. Februar 2008 - 1 BvR 370/07, 1 BvR 595/07 -, JURIS, Rn. 252 ff.) enger ist als der einfachrechtlich gesicherte.
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Akteneinsichtsrecht für Dienstvorgesetzten eines Nachfolgeunternehmens der …
BVerwG, 16.02.2018 - 6 B 66.17
Nichtbestehen einer Hausarbeit in der zweiten Wiederholungsprüfung wegen …
VGH Bayern, 18.03.2013 - 9 CE 12.2753
Veröffentlichung von lebensmittelrechtlichen Verstößen im Internet
VGH Bayern, 18.03.2013 - 9 CE 13.80
Veröffentlichung von lebensmittelrechtlichen Verstößen im Internet (nur) bei …
AG Bayreuth, 17.09.2009 - Gs 911/09
Überwachung der Telekommunikation: Zulässigkeit der Quellen-TK-Überwachung bei …
VG Bayreuth, 28.01.2015 - B 4 S 14.677
Anordnung des Ruhens der ärztlichen Approbation wegen Zweifeln an der …
VG München, 17.12.2008 - M 6b K 08.1214
Neuartige Rundfunkempfangsgeräte; gewerblich genutzter internetfähiger …
VG Würzburg, 14.03.2011 - W 6 E 11.153
Einstweilige Anordnung; Aufschüttung; Bau eines Radweges; zivilrechtlicher …
LG Regensburg, 29.11.2016 - 5 Qs 116/16
Durchsuchung bei Dritten und Beschlagnahme eines privaten Laptops
VG München, 18.12.2009 - M 6a K 09.677
Neuartige Rundfunkempfangsgeräte; hier: privat genutzter internetfähiger PC; …
VG München, 17.12.2008 - M 6b K 08.3504
Neuartige Rundfunkempfangsgeräte; beruflich genutzter internetfähiger …
VG München, 17.12.2008 - M 6b K 08.465
VG München, 17.12.2008 - M 6b K 08.2826
VG München, 20.03.2008 - M 15 K 06.3340
Rückforderung von Ausbildungsförderung; Zulässigkeit des automatisierten …