Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Text=1%20C%2019.97
Timestamp: 2019-07-16 01:11:50
Document Index: 203510856

Matched Legal Cases: ['§ 12', '§ 12', 'Art. 43', '§ 12', '§ 12', '§ 42', '§ 2', '§ 2', '§ 12', '§ 14', '§ 184', '§ 2', '§ 2', '§ 12']

BVerwG, 27.10.1998 - 1 C 19.97 - dejure.org
https://dejure.org/1998,494
BVerwG, 27.10.1998 - 1 C 19.97 (https://dejure.org/1998,494)
BVerwG, Entscheidung vom 27.10.1998 - 1 C 19.97 (https://dejure.org/1998,494)
BVerwG, Entscheidung vom 27. Januar 1998 - 1 C 19.97 (https://dejure.org/1998,494)
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Industrie- und Handelskammer; Mitgliedschaft; Beitrag; Kammerbeitrag; Betriebsstätte; Gewerbesteuerveranlagung; Zerlegungsbescheid; Automat; Kinderreitautomat; Bindung; Erlaß.
Industrie- und Handelskammer - Mitgliedschaft - Beitrag - Kammerbeitrag - Betriebsstätte - Gewerbesteuerveranlagung - Zerlegungsbescheid - Automat - Kinderreitautomat - Bindung - Erlaß
VG Düsseldorf, 12.08.1994 - 3 K 5561/94
OVG Nordrhein-Westfalen, 24.02.1997 - 25 A 4720/94
NVwZ-RR 1999, 243
DVBl 1998, 722
DVBl 1999, 1062 (Ls.)
Dies würde einer möglichst einfachen Ausgestaltung und Handhabung des Kammerrechts widersprechen (zum Ganzen Urteil vom 27. Oktober 1998 - BVerwG 1 C 19.97 - Buchholz 451.09 IHKG Nr. 13 = GewArch 1999, 73).
Über das Tatbestandsmerkmal der Betriebsstätte entscheiden die Kammern in ihrem jeweiligen Bezirk und im Streitfall die Verwaltungsgerichte ohne Bindung an Feststellungen der Steuerbehörden (vgl. BVerwG, Urt. v. 27.10.1998 - 1 C 19.97 -, NVwZ-RR 1999, 243; Jahn, Betriebsstättenerfordernis und IHK-Mitgliedschaft, in: GewArch 2010, 394 f.).
Das verdeutlichen die in § 12 Abs. 2 Nr. 6 und 8 AO genannten Beispiele (vgl. BVerwG, Urt. v. 27.10.1998, a.a.O.).
Demgemäß kann auch eine nur saisonal für wenige Monate unterhaltene Eisdiele in einem Badeort oder ein Skigeschäft in einer Wintersportgemeinde (…vgl. BFH, Urt. v. 17.9.2003 - I R 12/02 -, juris Rn. 22), ein Verkaufsstand auf einem Wochenmarkt (…vgl. BFH, Urt. v. 18.9.1991 - XI R 34/90 -, juris Rn. 14;… BFH, Urt. v. 9.10.1974 - I R 128/73 -, BFHE 114, 47, einschränkend BFH, Urt. v. 17.9.2003 - I R 12/02 -, juris Rn. 19), ein angemieteter Raum, der nur an 80 Tagen im Jahr von einem angestellten Außendienstmitarbeiter für Ordertermine genutzt wird (…vgl. VG Leipzig, Urt. v. 15.11.1999 - 6 K 812/98 -), ein nur zeitweise von einem Schulungsleiter oder Trainer genutzter Unterrichts- oder Sportraum (…vgl. BFH, Urt. v. 31.7.1996 - XI R 5/95 -, juris Rn. 27), eine nicht bestimmte Teilfläche eines Parkplatzes aufgrund einer unregelmäßigen Benutzung durch einen Lkw (…vgl. BFH, Urt. v. 18.3.2009 - III R 2/06 -, juris Rn. 16 ff.) oder ein Kinderreitautomat, der vor oder in einem Ladengeschäft aufgestellt und vom Personal dieses Geschäftes täglich an den konkreten Betriebsort gebracht wird (vgl. BVerwG, Urt. v. 27.10.1998, a.a.O.), eine Betriebsstätte im Sinne des § 12 AO sein.
Gegen die damit gegebene Pflichtmitgliedschaft der Klägerin bei der Beklagten bestehen weder unter Berücksichtigung ihrer Rechtsform als Limited englischen Rechts (…vgl. zur Vereinbarkeit der Pflichtmitgliedschaft einer englischen Limited in der Industrie- und Handelskammer mit Art. 43 und 48 EG-Vertrag (EGVtr): VG Darmstadt, Urt. v. 7.11.2006 - 9 E 793/05 -, GewArch 2007, 85 f.) noch angesichts ihrer Doppelmitgliedschaft in mehreren Industrie- und Handelskammern (vgl. zur Zulässigkeit der Pflichtmitgliedschaft im mehreren Industrie- und Handelskammern: BVerwG, Urt. v. 27.10.1998, - 1 C 19.97 -, NVwZ-RR 1999, 243 f.) grundlegende Bedenken.
Die Feststellung der Gewerbesteuerpflicht hat damit für die Kammer kraft gesetzlicher Anordnung Tatbestandswirkung, BVerwG, Urteil vom 27. Oktober 1998 - 1 C 19.97 - GewArch 1999, 73.
Maßgebend ist insoweit, wie sich aus systematischen Erwägungen ergibt, der steuerrechtliche Betriebsstättenbegriff des § 12 AO, vgl. BVerwG, Urteil vom 19. Januar 2005, a.a.O., m.w.N., ohne dass eine Bindung an eine finanzbehördliche Feststellung bestünde, vgl. BVerwG, Urteil vom 27. Oktober 1998 a.a.O..
Dies würde einer möglichst einfachen Ausgestaltung und Handhabung des Kammerrechts widersprechen, Vgl. zum Ganzen BVerwG, Urteil vom 27. Oktober 1998 a.a.O..
Maßgebend ist insoweit der steuerrechtliche Betriebsstättenbegriff des § 12 AO (BVerwG, Urteil v. 27.10.1998 - 1 C 19/97 -, NVwZ-RR 1999, 243 f. m.w.N.).
Hierüber entscheiden die Kammern und im Streitfall die Verwaltungsgerichte ohne Bindung an Feststellungen der Steuerbehörden, mag auch regelmäßig kein Anlass zu einer abweichenden Beurteilung bestehen (BVerwG, Urteil v. 27.10.1998, NVwZ-RR 1999, 243 f.).
Es genügt auch eine vorübergehende Verbindung durch die eigene Schwere; eine stets punktgenaue Aufstellung an demselben Ort ist nicht erforderlich (BVerwG, Urteil v. 27.10.1998, NVwZ-RR 1999, 243 f.).
Es stellt ein legitimes Ziel des Gesetzgebers dar, die Vertretung der Interessen von Handel und Industrie auf eine möglichst breite Grundlage zu stellen, um den Kammern die Erfüllung der ihnen obliegenden Aufgaben zu ermöglichen, namentlich das Gesamtinteresse der Gewerbetreibenden des Bezirks wahrzunehmen (BVerwG, Urteil v. 27.10.1998, NVwZ-RR 1999, 243 f.; Urteil vom 21. Juli 1998, NJW 1998, 3510).
Zum anderen besteht insoweit über das Satzungsrecht der Kammern die Möglichkeit der "Feinregulierung" durch Erlass, Stundung oder Niederschlagung (BVerwG, Urteil v. 27.10.1998, NVwZ-RR 1999, 243 f.).
Diese Auslegung ergibt sich aus einem Rückgriff auf § 42 Abs. 2 GewO, vgl. BVerwG, Urteil vom 27. Oktober 1998 - 1 C 19/97 -, GewArch 1999, 73; VGH Bad.-Württ., Urteil vom 20. April 1990 - 14 S 586/89 -, (juris); Frentzel/Jäkel/Junge, IHKG, Kommentar zum Kammerrecht des Bundes und der Länder, 6. Auflage 1999, § 2 Rn. 76.
Der Unternehmer muss dort jedenfalls auch aktiv handeln, vgl. BVerwG, Urteil vom 27. Oktober 1998 - 1 C 19/97 -, GewArch 1999, 73; VGH Bad.-Württ., Urteil vom 20. April 1990 - 14 S 586/89 -, (juris); VG Leipzig, Urteil vom 13. Juni 2002 - 5 A 880/99 -, GewArch 2002, 479; Frentzel/Jäkel/Junge, § 2 Rn. 80.
Über das Bestehen einer Betriebsstätte entscheidet die jeweilige Industrie- und Handelskammer ohne Bindung an die Feststellung der Steuerbehörden, vgl. BVerwG, Urteil vom 27. Oktober 1998 - 1 C 19/97 -, GewArch 1999, 73; VGH Bad.-Württ., Urteil vom 20. April 1990 - 14 S 586/89 -, (juris).
Die durch die Veranlagung zur Gewerbesteuer nach entsprechender Prüfung durch die Finanzbehörden begründete Vermutung ist mangels entsprechender gesetzlichen Regelung indes nicht unwiderleglich, vgl. BVerwG, Urteil vom 27. Oktober 1998 - 1 C 19/97 -, GewArch 1999, 73; VGH Bad.-Württ., Urteil vom 20. April 1990 - 14 S 586/89 -, (juris).
Die vorläufige Festsetzung des Kammerbeitrags kann auf diese Vorschrift gestützt werden, wenn die Beitragspflicht bereits entstanden, eine endgültige Festsetzung des Kammerbeitrags aber wegen Fehlens aktueller Bemessungsgrundlagen noch nicht möglich ist (vgl. auch BVerwG, Urteil vom 27. Oktober 1998 - 1 C 19.97 - Buchholz 451.09 IHKG Nr. 12).
Unter Betriebsstätte ist im Hinblick darauf, dass das Industrie- und Handelskammerrecht insoweit dem Sprachgebrauch der Abgabenordnung folgt (vgl. BVerwG, Urteil vom 27. Oktober 1998 - 1 C 19.97 - Buchholz 451.09 IHKG Nr. 12), gemäß § 12 Abs. 1 AO jede feste Geschäftseinrichtung oder Anlage zu verstehen, die der Tätigkeit eines Unternehmens dient.
Der Zweck dieser Regelung besteht darin, das Beitragsverfahren nach dem IHKG zu vereinfachen und zu entlasten, indem bestimmten gewerbesteuerrechtlichen Tatbeständen insoweit Bindungswirkung beigelegt wird (vgl. BVerwG, Urteil vom 27. Oktober 1998 - 1 C 19.97 - Buchholz 451.09 IHKG Nr. 12).
Soweit durch Gewerbesteuermessbescheid nach § 14 GewStG i.V.m. § 184 Abs. 1 Satz 2 Abgabenordnung (AO) über die persönliche und sachliche Gewerbesteuerpflicht entschieden wird, hat dies nach § 2 Abs. 1 IHKG Tatbestandswirkung für die Festsetzung von Kammerbeiträgen (Urteil vom 27. Oktober 1998 - BVerwG 1 C 19.97 - Buchholz 451.09 IHKG Nr. 12).
Die Industrie- und Handelskammern und in der Konsequenz im Streitfall auch die Gerichte sind daran gebunden (vgl. BVerwG, Urteil vom 27. Oktober 1998 - BVerwG 1 C 19.97 -, NVwZ-RR 1999, 243).
§ 2 Abs. 1 IHKG enthält keine eigene Definition des Begriffs der Betriebsstätte; maßgebend ist insoweit der steuerrechtliche Betriebsstättenbegriff des § 12 AO (BVerwG, Urteile vom 19. Januar 2005 - BVerwG 6 C 10.04 - BVerwGE 122, 344, und vom 27. Oktober 1998 a.a.O.; s. auch schon Beschluss des Senats vom 15. Januar 2010 - OVG 1 S 211.09 - S. 5 des Entscheidungsabdrucks).
BVerwG, 10.10.2006 - 8 C 23.05
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VG Dessau, 12.10.2005 - 1 A 6/05
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