Source: https://www.blja.bayern.de/unterstuetzung/kindertagesbetreuung/pflege/index.php
Timestamp: 2018-10-20 07:26:33
Document Index: 70872263

Matched Legal Cases: ['§ 22', '§ 16', '§ 24', '§ 79', '§ 43', 'Art. 9', '§ 23', 'Art.9', 'Art. 20', '§ 23', '§ 20']

Die Kindertagespflege hat in den letzten Jahren unter anderem durch das Tages­be­treu­ungs­aus­bau­gesetz (TAG), das Kinder- und Jugend­hilfe­wei­ter­ent­wick­lungs­ge­setz (KICK), das Kinderförderungsgesetz (KiföG), sowie durch das Bayerische Kin­der­bil­dungs- und -be­treu­ungs­ge­setz (BayKiBiG) eine grundlegende Neu­kon­zep­tion erfahren. Sie hat sich dadurch zu einem verlässlichen und qualifizierten An­ge­bot der Kinder­ta­ges­betreuung entwickelt.
Im Mittelpunkt der Kindertagespflege steht unverändert die Entwicklung des Kindes zu einer eigenverantwortlichen und gemeinschaftsfähigen Persönlichkeit. We­sent­li­che Grundlage der pädagogischen Arbeit in den staatlich geförderten baye­ri­schen Kin­der­ta­ges­einrichtungen bildet der Bayerische Bildungs- und Erziehungsplan.
Tagespflege findet meistens im Haushalt der Tagesmutter/des Ta­ges­vaters statt. Aber der bayerische Gesetzgeber ermöglicht die Be­treu­ung auch in geeigneten anderen Räumen und im Zu­sammen­schluss von zwei bis drei Tages­be­treu­ungs­per­so­nen.
§§ 22 -24 SGB VIII
Artikel 2, 9, 18, 20, 20a, 26 BayKiBiG
§§ 16, 18, 22 Verordnung zur Ausführung des Bayerischen Kinderbildungs- und -betreuungsgesetzes (AVBayKiBiG)
Kindertagespflege soll Eltern dabei unterstützen, Erwerbstätigkeit und Kin­der­er­zie­hung besser miteinander zu vereinbaren. Daher hat die Ju­gend­hilfe den Auftrag, ein be­darfs­ge­rechtes Angebot an Plätzen in Kin­der­tages­ein­richtungen und Kin­der­ta­ges­pflege vorzuhalten (§ 24 SGB VIII). Die Gesamtverantwortung für die Planung obliegt nach den §§ 79, 80 SGB VIII den Trägern der öffentlichen Jugendhilfe.
Pflegeerlaubnis (§ 43 SGB VIII)
Tagesmütter/-väter benötigen bereits vor dem Tätigwerden und ab dem ersten Ta­ges­kind eine Pflegeerlaubnis, wenn sie ein Kind mehr als 15 Stunden außerhalb des El­tern­hau­ses, länger als drei Monate und gegen Entgelt betreuen möchten. Diese ist auf fünf Jahre befristet und berechtigt zur Betreuung von bis zu fünf Kindern gleich­zeitig.
Im Einzelfall kann die Erlaubnis auf weniger als fünf Kinder beschränkt werden (z. B. wenn die Räumlichkeiten für fünf Kinder zu klein sind). Der Landesgesetzgeber hat mit der Novellierung des BayKiBiG zum 1. Januar 2013 zudem die Anzahl der insgesamt zu betreuenden Kinder auf acht Be­treu­ungs­ver­hält­nisse beschränkt, bei der Groß­ta­ges­pflege auf 16 Be­treuungs­verhält­nisse (Art. 9 BayKiBiG).
Eignung (§ 23 SGB VIII)
Tagesbetreuungspersonen, die eine Pflegeerlaubnis benötigen und / oder vom Ju­gend­amt vermittelt werden, müssen für die Tätigkeit der Tagespflege geeignet sein. Neben persönlichen Eigenschaften wie Zuverlässigkeit, Belastbarkeit sowie Achtung, In­te­res­se und Ein­füh­lungs­vermö­gen gegenüber dem Kind und seiner Familie um­fas­sen die Eignungskriterien auch fachliche, methodische und kooperative Kom­petenzen, wie z. B. die Fähigkeit zur Reflexion und zum Dialog.
Darüber hinaus muss die Tagespflegeperson vertiefte Kenntnisse über die An­for­de­rungen der Kindertagespflege haben, die sie in qualifizierten Lehrgängen er­wor­ben oder in anderer Weise – beispielsweise durch eine (sozial-)pädagogische Ausbildung – nachgewiesen hat. Schließ­lich müssen kindgerechte Räumlichkeiten nachgewiesen werden.
Die Förderung in Kindertagespflege umfasst darüber hinaus:
Qualifizierung und Fortbildung der Tagespflegepersonen
Der bayerische Gesetzgeber hat als staatliche Förder­vor­aus­setzung seit 31. August 2013 einen Mindestumfang der Qualifizierung von 100 Unter­richts­ein­heiten (à 45 Minuten) festgelegt. Im Interesse einer Gleich­be­hand­lung aller Tagesbetreuungspersonen in Bayern und eines ein­heit­li­chen Qualitätsstandards für die Kindertagespflege ist dieser Umfang für alle öffentlich geförderten Tages­pflege­personen zu empfehlen. Aus­ge­nom­men sind Personen, die eine pädagogische Ausbildung vorweisen können.
Vermittlung des Kindes
Das zuständige Jugendamt übernimmt die Vermittlung des Kindes an eine geeignete Tages­pfle­ge­person, soweit diese nicht von der er­ziehungs­be­rechtigten Person selbst ge­fun­den wurde.
Für Kinder unter einem Jahr muss ein Platz in einer Kinder­tages­ein­richtung oder in Kindertagespflege an­ge­boten wer­den, wenn diese Leistung für die Ent­wick­lung des Kindes zu einer eigenverantwortlichen und ge­mein­schafts­fä­hi­­gen Per­sönlichkeit geboten ist, die Eltern einer Er­werbs­tätig­keit nachgehen, arbeitssuchend sind, sich in einer beruflichen Bil­dungs­maß­nahme, einer Schul- oder Hoch­schul­aus­bil­dung befinden oder an einer Maßnahme nach SGB II teil­neh­men. Einen Anspruch auf die Vermittllung einer Tages­pflege­person haben Kinder ab dem ersten Lebensjahr grund­sätz­lich, bei Kindern ab dem dritten Lebensjahr be­steht dieser Anspruch eher ergänzend zur Betreuung in Kinder­tages­ein­rich­tungen.
Geldleistungen an Tagespflegepersonen
Bei der Gewährung einer laufenden Geld­leistung an die Tages­pflege­person handelt es sich um einen An­spruch der Tagespflegeperson gegenüber dem Träger der öffentlichen Jugendhilfe. Diese umfasst neben der Erstattung an­ge­mes­se­ner Kosten für den Sachaufwand einen lei­stungs­ge­rech­ten Beitrag zur Anerkennung der Förder­lei­stung. Erstattet werden zur Hälfte auch die nach­ge­wie­senen Bei­träge zu einer angemessenen Al­ters­siche­rung, zur Krankenversicherung sowie die Aufwendungen für die Unfall­ver­siche­rung.
Eine private Zuzahlung der Eltern an die Tagespflegeperson ist in der Rechts­sys­te­ma­tik nicht vorgesehen. Die Träger der öffentlichen Ju­gend­hil­fe sind dazu aufgefordert, dies entsprechend in einer Satzung oder durch eine vertragliche Regelung mit den Tagespflegepersonen auszuschließen.
Sowohl Tagespflegeperson als auch Erziehungsberechtigte haben in allen Fragen der Kinder­tages­pflege Anspruch auf Beratung. Tages­pflege­per­so­nen haben darüber hinaus Anspruch auf fachliche Begleitung.
Falls die Tages­be­treuungs­per­son ausfällt, habenTräger der öffentlichen Jugendhilfe die Pflicht, für eine Ersatzbetreuung zu sorgen. Damit soll Tagespflege zu einem ver­läss­li­chen Betreuungsangebot für Eltern werden.
Bei der Großtagespflege handelt es sich um eine Form der Kin­der­ta­ges­pflege, bei der mehrere Kindertagespflegepersonen in ge­mein­sa­men Räumen (der Groß­tages­pfle­ge­stelle) jeweils die Kinder be­treuen, vgl. dazu das Rechtsgutachten des Deutschen Instituts für Jugend­hilfe und Familienrecht e. V. (DIJUF) vom 26. Juni 2013 (das Do­ku­ment ist nicht barrierefrei), die ihnen vertraglich und persönlich zugeordnet sind. Grundsätzlich dürfen in der Groß­ta­ges­pflege in Bayern nicht mehr als drei Ta­ges­pfle­ge­per­so­nen dauerhaft tätig sein und nicht mehr als zehn gleichzeitig anwesende Kinder betreuen bei insgesamt 16 Be­treu­ungs­verhältnissen. Werden mehr als acht Kinder gleichzeitig betreut, muss min­de­stens eine Tages­pflege­person eine päda­go­gi­sche Fachkraft sein (Art.9 BayKibiG). Die Tagespflege­per­sonen werden über die laufende Geldleistung fi­nan­ziert (zur Förderung Großtagespflege siehe unten).
Förderung durch das Land Bayern
In Bayern fördert der Gesetzgeber die qualitativ gut aufgestellte Kindertagespflege kind- und nutzungszeitbezogen nach dem BayKiBiG.
Anteilige Förderung
Die Förder­vor­aus­setzungen sind in Art. 20 BayKiBiG und der ent­spre­chen­den Durch­füh­rungs­ver­ord­nung ge­re­gelt. Die staatlichen För­der­mit­tel erhält der Träger der öffentlichen Jugendhilfe, der diese bei der zuständigen Re­gie­rung beantragen kann. Der Förderbetrag errechnet sich nach dem ein­heit­li­chen Gewichtungsfaktor 1,3 und der Betreuungszeit des Kindes, die mindestens zehn Stunden wöchentlich betragen muss. In Aus­nahme­fäl­len wird auch eine Betreuungszeit unter zehn Stunden gefördert, wenn es sich um Randzeiten im Anschluss an eine Kinder­tages­stätte oder Schu­le han­delt.
Die in § 23 SGB VIII festgelegten Qua­li­täts­kriterien für die Kindertagespflege wie Beratung, Be­glei­tung, Qualifizierung und Ersatzbetreuung sind zu ge­währ­lei­sten. Diese Kri­te­rien werden im BayKiBiG konkretisiert und teil­wei­se erweitert: Qualifizierung hat im Umfang von 100 Unter­richts­ein­heiten (à 45 Minuten, siehe Qualifizierungsplan des BLJA), Fort­bil­dung im Umfang von 15 Unterrichtseinheiten jährlich statt­zu­finden. Die Geld­leis­tun­gen an die Tagesmutter / den Tagesvater enthalten zusätzlich einen differenzierten Quali­fi­zie­rungs­zuschlag. Die Tagespflegeperson darf mit dem Kind bis zum 3. Grad nicht verwandt oder verschwägert sein.
Förderung der Großtagespflege
Seit 1. Januar 2013 gibt es für Gemeinden die Möglichkeit, Groß­tages­pflege direkt mit staatlichen und kommunalen Mitteln zu fördern (§ 20a BayKiBiG). Das setzt voraus, dass die Gemeinde die staatliche Förderung beantragt und zu­sam­men mit dem Eigenanteil an den Träger der Groß­tages­pflege weiter reicht. Weitere För­der­vor­aus­set­zungen sind die Anwesenheit einer pädagogischen Fachkraft an min­destens vier Tagen und min­de­stens 20 Stunden pro Woche und die Qualifizierung der anderen Tages­pflege­per­sonen im Umfang von 160 Stunden. Für den Fall, dass die Ta­ges­pfle­ge­per­sonen ihren Anspruch auf eine laufende Geldleistung an den Träger der öffentlichen Jugendhilfe geltend machen, darf die Groß­tages­pflege von den Eltern keine zusätzlichen Leistungen erheben.
Förderung der inklusiven Kindertagespflege
Seit 1. Juli 2014 fördert der Freistaat Bayern die Betreuung von behinderten oder von Behinderung bedrohten Kindern in der Kindertagespflege mit dem Gewichtungsfaktor 4,5.
Vor­aus­setzungen dafür sind, dass
mindestens ein weiteres Regelkind in der Tagespflege betreut wird
maximal drei Kinder und in der Großtagespflege maxi­mal sieben Kinder jeweils inklusive dem behinderten Kind gleichzeitig betreut werden
die Tagespflegeperson eine erhöhte Geldleistung erhält, wobei die Erhöhung mindestens der um den Faktor 4,5 erhöhten staatlichen Förderung ent­spre­chen muss
die Behinderung vom Bezirk oder bei seelisch be­hin­derten Kindern vom Jugendamt festgestellt ist
die Tagespflegeperson eine Pflegeerlaubnis hat, mindestens 100 Stunden Qualifizierung nachweisen kann und für die Aufgabe geeignet ist.
Das Landesjugendamt trägt durch Information, Beratung und Fort­bildung der Fach­kräf­te in den Jugendämtern und Ver­mitt­lungs­stellen der freien Träger der Ju­gend­hil­fe so­wie Pfle­ge­eltern­ver­einen zur Qualitätssicherung und -entwicklung der Tagespflege bei. In Bayern wurde eine flächendeckende Vernetzungsstruktur für die Fachkräfte auf­ge­baut. Unter anderem wurden sieben regionale Arbeitskreise etabliert, die re­gel­mäßig tagen und vom Landesjugendamt begleitet werden. Für die Qua­li­fi­zie­rung von Tages­be­treu­ungs­per­sonen wurde vom Landesjugendamt ein Qualifizierungsplan erarbeitet. Im Rahmen des Aktionsprogramms des Bundes vergibt das Landesjugendamt ein Gütesiegel für Bildungsträger. Voraussetzung ist die Teilnahme des Trägers der öffentlichen Jugendhilfe am Aktionsprogramm.
Veröffentlichungen des Landesjugendamtes
Bayerisches Staatsministerium für Familie, Arbeit und Soziales: Kindertageseinrichtungen und Kindertagespflege
Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (Hrsg.): Handbuch Kindertagespflege
Institut für Frühpädagogik (Hrsg.):Eingewöhnung und Abschied in der Kindertagespflege, Familienhandbuch
Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (Hrsg.): Aktionsprogramm Kindertagespflege Festanstellung, berufsbegleitende Weiterbildung von Tagespflegepersonen u.a. Themen
Deutsches Jugendinstitut: Praxismaterialien Informationen für Eltern, zukünftige Tagespflegepersonen, Jugendämter, Unternehmen, freie Träger & andere Partner, u.a. zur Eignung, passgenauen Vermittlung, Fachberatung
Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend; Deutsches Jugendinstitut: Tätigkeitsbegleitende Fortbildung für Tagespflegepersonen, Qualifizierungsmodul
Bundesarbeitsgemeinschaft Mehr Sicherheit für Kinder e.V.: Unfallverhütung und Kindersicherheit in der Kindertagespflege
Publikationen des Deutsches Jugendinstituts