Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Text=BGHZ%20107,%20222
Timestamp: 2019-07-17 23:49:19
Document Index: 141614903

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BGH, 25.04.1989 - VI ZR 175/88 - dejure.org
https://dejure.org/1989,727
BGH, 25.04.1989 - VI ZR 175/88 (https://dejure.org/1989,727)
BGH, Entscheidung vom 25.04.1989 - VI ZR 175/88 (https://dejure.org/1989,727)
BGH, Entscheidung vom 25. April 1989 - VI ZR 175/88 (https://dejure.org/1989,727)
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Arzthaftung - Aufklärungspflicht - Angehörige
Zur sog. therapeutischen Aufklärung durch den Arzt
LG Osnabrück, 30.11.1987 - 2 O 284/84
OLG Oldenburg, 08.06.1988 - 3 U 17/88
BGHZ 107, 222
NJW 1989, 2318
VersR 1989, 702
Der Umstand, dass die vom Arzt geschuldete therapeutische Beratung zu den selbstverständlichen ärztlichen Behandlungspflichten gehört (Senatsurteil BGHZ 107, 222, 227 m.w.N.), rechtfertigt es für sich allein nicht, der Behandlungsseite die Beweislast dafür aufzuerlegen, dass die Verletzung dieser Pflicht für die eingetretene Gesundheitsschädigung nicht ursächlich geworden ist.
Die Frage, ob in dem unterlassenen Hinweis auf die Notwendigkeit und Dringlichkeit weiterer diagnostischer Maßnahmen ein grober Behandlungsfehler zu sehen ist, unterliegt vielmehr der gesonderten Beurteilung im jeweiligen Einzelfall (vgl. Senatsurteil vom 25. April 1989 - VI ZR 175/88, BGHZ 107, 222, 225 f.).
Bei einem Klinikaufenthalt muß der Krankenhausarzt den Patienten auf die von einem Mitpatienten ausgehende Ansteckungsgefahr hinweisen (BGH…, Urteil vom 22. Januar 1960 aaO.), er darf den Patienten mit Rücksicht auf mögliche - auch seltene - Komplikationen nicht ohne ausreichende zusätzliche Vorkehrungen vorzeitig entlassen (BGH, Urteil vom 16. Juni 1981 - VI ZR 38/80 - NJW 1981, 2513 [BGH 16.06.1981 - VI ZR 38/80]), und er hat ihn erforderlichenfalls auf die Dringlichkeit weiterer Untersuchungen und Kontrollen, auch anderer durch die Behandlung etwa gefährdeter Organe, aufmerksam zu machen (BGHZ 107, 222, 226 [BGH 25.04.1989 - VI ZR 175/88]/227; BGH…, Urteil vom 12. Januar 1988 aaO.).
Es ist ein (schwerer) ärztlicher Behandlungsfehler, wenn der Patient über einen bedrohlichen Befund, der Anlass zu umgehenden und umfassenden ärztlichen Maßnahmen gibt, nicht informiert und ihm die erforderliche ärztliche Beratung versagt wird (Senatsurteile vom 25. April 1989 - VI ZR 175/88, BGHZ 107, 222, 225 f.;… vgl. vom 11. April 2017 - VI ZR 576/15, NJW 2018, 621 Rn. 19 f.;… vom 17. November 2015 - VI ZR 476/14, NJW 2016, 563 Rn. 15, 18 auch OLG Köln, Beschluss vom 13. Oktober 1989 - 27 W 23/89, NJW 1990, 772 f.).
Der Bundesgerichtshof bejaht eine Ersatzpflicht für solche psychisch vermittelten Beeinträchtigungen daher nur dort, wo es zu gewichtigen psychopathologischen Ausfällen von einiger Dauer kommt, die diese auch sonst nicht leichten Nachteile eines schmerzlich empfundenen Trauerfalls für das gesundheitliche Allgemeinbefinden erheblich übersteigen und die deshalb auch nach der allgemeinen Verkehrsauffassung als Verletzung des Körpers oder Gesundheit betrachtet werden (BGH NJW 1989, 2318 linke Spalte m.w.N.).
Dazu zählen die zur Sicherstellung eines Behandlungserfolgs notwendigen Schutz- und Warnhinweise, aber auch die Hinweise, die zur Vermeidung möglicher Selbstgefährdung dienen (std. Rechtsprechung, etwa BGHZ 107, 222; BGHZ 126, 386 ff.).
OLG Frankfurt, 11.03.2004 - 3 U 89/03
Deckungsklage des Arztes gegen seine Berufshaftpflichtversicherung: Haftung des …
"Therapieaufklärung" stellt sich als ärztlicher Behandlungsfehler dar (vgl. BGHZ 107, 222;… Geiß/Greiner, Arzthaftpflichtrecht, 4. Aufl., Rdnr. 221).
Der Behandlungsfehler im Rahmen des stationären Aufenthaltes war ­ebenso wie der vom 3.1.90- mitursächlich für die Niereninsuffizienz vom 12.1.90. Dabei kann dahinstehen, ob der unterlassene Hinweis als schwerer Behandlungsfehler zu qualifizieren ist, mit der Folge, dass die Kläger vom Nachweis der Kausalität entlastet wären (so im Fall von BGHZ 107, 222).
Er soll sein Selbstbestimmungsrecht sinnvoll wahrnehmen und über die Inkaufnahme der damit verbundenen Risiken frei entscheiden können (BGHZ 107, 222; Wussow VersR 2002, 1337).