Source: https://www.arbeitsinspektion.gv.at/inspektorat/Arbeitsstaetten_Arbeitsplaetze/Allgemeines/Telearbeitsplaetze_Home_Office
Timestamp: 2019-10-15 18:33:34
Document Index: 297805304

Matched Legal Cases: ['§ 2', '§ 19', '§ 76', '§ 67', '§ 68', '§ 1157', '§ 4', '§ 12']

Bei Arbeiten in Telearbeit/Home Office handelt es sich um Arbeiten in „auswärtigen Arbeitsstellen“. Die Beschäftigten sind – wenn die sonstigen Voraussetzungen vorliegen – Arbeitnehmer/innen im Sinn des § 2 Abs. 1 ASchG. Sie sind nicht in einer Arbeitsstätte des Unternehmens tätig, sondern leisten Bildschirmarbeit in ihrer Privatwohnung.
Arbeitsstättenbezogene Arbeitnehmerschutzvorschriften (§§ 19 ff ASchG und Arbeitsstättenverordnung – AStV) gelten allerdings nicht für Arbeiten in der eigenen Privatwohnung.
Arbeitgeber/innen und Präventivdienste haben kein Zutrittsrecht in Privatwohnungen („Hausrecht“). Der Zutritt ist nur möglich, wenn die Arbeitnehmer/innen ausdrücklich zustimmen (bzw. auf deren Wunsch zu Beratungszwecken oder zur Evaluierungsdurchführung).
Folgende Regelungen für Bildschirmarbeit gelten ausdrücklich für Arbeiten in Telearbeit/Home Office
Arbeitgeber/innen sind verpflichtet Tele-Bildschirmarbeitsplätze ergonomisch zu gestalten.
Es sind die dem Stand der Technik und den ergonomischen Anforderungen entsprechenden Bildschirmgeräte - Monitore, Tastaturen, sonstige Steuerungseinheiten oder Zusatzgeräte - mit einer benutzerfreundlichen Software zur Verfügung zu stellen.
Für Arbeitgeber/innen besteht keine Verpflichtung, geeignete Arbeitstische, Arbeitsflächen und Sitzgelegenheiten zur Verfügung zu stellen. Werden sie zur Verfügung gestellt, müssen sie die erforderlichen ergonomischen Anforderungen erfüllen.
Dies gilt unabhängig von der Dauer der Telearbeit.
§ 76 Abs. 1, 2 und 4
§ 67 Abs. 6 und § 68 Abs. 7 ASchG (samt Bildschirmarbeitsverordnung BS-V)
Telearbeit und Laptops
Die Bildschirmgeräte und Zusatzeinrichtungen müssen auch bei Telearbeit dem Stand der Technik und den ergonomischen Anforderungen entsprechen. Es ist daher ausreichend, wenn Arbeitgeber/innen jenen Arbeitnehmer/innen, die übliche Büroanwendungen durchführen, Laptops mit einer Bildschirmgröße ab etwa 15 Zoll Bilddiagonale zur Verfügung stellen. Müssen Arbeitnehmer/innen jedoch mit Zeichen- bzw. Bildbearbeitungsprogrammen arbeiten, sind größere Monitore erforderlich. Zusätzlich sind jedenfalls den ergonomischen Anforderungen entsprechende getrennte Tastaturen, Computermäuse und Unterlagen für den Laptop (um diesen höher zu stellen) notwendig, weshalb Arbeitgeber/innen auch diese Ausstattung zur Verfügung stellen müssen.
Für Tele-Bildschirmarbeit sind die Regelungen über Pausen, Augenuntersuchungen und Sehhilfen nach ASchG und BS-V nicht anwendbar.
Ein Anspruch auf Augenuntersuchungen und Sehhilfen kann aber aus der allgemeinen arbeitsrechtlichen Fürsorgepflicht (§ 1157 ABGB) abgeleitet werden.
Sonstige (nicht arbeitsstättenbezogene) ASchG-Regelungen gelten, soweit sie auf Telearbeit/Home Office anwendbar sind, wie z.B.
Ermittlung und Beurteilung von Gefahren sowie die Festlegung von Maßnahmen (Arbeitsplatzevaluierung nach §§ 4, 5 ASchG)
Im Rahmen der Evaluierung der Arbeitsstätte sind grundsätzlich auch die organisatorisch zugerechneten auswärtigen Arbeitsstellen zu evaluieren. Da eine Besichtigung der auswärtigen Arbeitsstelle (Privatwohnung) im Regelfall nicht möglich ist, kann eine entsprechende Musterevaluierung für Tele-Arbeitsplätze ausgearbeitet und den Arbeitnehmer/innen zur Verfügung gestellt werden. Unter diesem Aspekt ist auch auf Unterweisung und Information bei Teleworker/innen ein verstärktes Augenmerk, soweit für Bildschirmarbeitsplätze relevant, zu legen.
Information und Unterweisung (§§ 12, 14 ASchG)
Sicherheitstechnische und arbeitsmedizinische Betreuung (Präventivdienstbetreuung, 7. Abschnitt ASchG)
Arbeitnehmer/innen auswärtiger Arbeitsstellen sind für die Präventivdienstbetreuung organisatorisch einer Arbeitsstätte zuzurechnen, im Zweifel dem Unternehmenssitz.
Verwendungsschutz (AZG, ARG, MSchG)
Soweit es sich um Arbeitnehmer/innen im Sinn dieser Regelungen handelt, gelten die Verwendungsschutzbestimmungen auch für Teleworker/innen.
Die Teleworker/innen sind einer Arbeitsstätte zugerechnet, d.h. relevante Unterlagen (z.B. Arbeitszeit-aufzeichnungen, Sicherheits- und Gesundheitsschutzdokumente, Unterweisung) – auch für Home-Office-Arbeitsplätze – müssen in dieser Arbeitsstätte vorhanden sein.
Letzte Änderung am: 05.07.2017