Source: https://www.juraforum.de/lexikon/umgangsrecht
Timestamp: 2018-02-21 05:12:32
Document Index: 149105636

Matched Legal Cases: ['§ 1626', '§ 1684', '§ 1685', '§ 1685', '§ 1686', '§ 163', 'BGH', '§ 823']

ᐅ Umgangsrecht: Definition, Begriff und Erklärung im JuraForum.de
Erklärung zum Begriff Umgangsrecht
Der Begriff „Umgangsrecht“ stammt aus dem Familienrecht und beschreibt den Anspruch auf Umgang, welchen ein minderjähriges Kind mit seinen Eltern besitzt – und umgekehrt. In der Praxis kommt das Umgangsrecht überwiegend in jenen Fällen zum Tragen, in denen die Eltern eines Kindes getrennt voneinander leben. Dann kann es nämlich passieren, dass das Kind zu sehr auf den betreuenden Elternteil fixiert ist und somit kaum oder nur sehr eingeschränkten Kontakt zu dem anderen Elternteil hat.
Leben Eltern eines gemeinsamen Kindes voneinander getrennt, kommt es in der Praxis immer wieder vor, dass das Kind zu sehr auf den betreuenden Elternteil fixiert ist und somit kaum oder nur sehr eingeschränkten Kontakt zu dem anderen Elternteil hat. Zu einer ungestörten Entwicklung eines Kindes gehört aber der Kontakt zu beiden Elternteilen, was gemäß § 1626 Abs. 3 BGB definiert wird:
„Zum Wohl des Kindes gehört in der Regel der Umgang mit beiden Elternteilen. Gleiches gilt für den Umgang mit anderen Personen, zu denen das Kind Bindungen besitzt, wenn ihre Aufrechterhaltung für seine Entwicklung förderlich ist.“
Damit diese Regelung auch tatsächlich in die Tat umgesetzt wird, wird in § 1684 Abs. 1 BGB dieses Umgangsrecht konkret definiert:
Dies bedeutet, dass der betreuende Elternteil (also der Elternteil, bei dem das Kind wohnt) dem Kind den Umgang mit dem anderen Elternteil nicht verbieten darf. Allerdings bedeutet dies auch, dass der andere Elternteil nicht nur das Recht auf Umgang mit seinem Kind hat, sondern auch die Pflicht dazu. Die Umgangspflicht schließt auch ungewohnte Situationen für den umgangsberechtigten Elternteil wie etwa eine Übernachtung bei diesem, mit ein [OLG Zweibrücken, 21.07.2008, 5 UF 74/08].
I. Durchsetzung des Umgangsrechts
In der Theorie ist der betreuende Elternteil dazu verpflichtet, seinem Kind den Umgang mit dem anderen Teil zu ermöglichen [OLG Frankfurt am Main, 03.09.2002, 1 UF 103/00]. In der Praxis hingegen kommt es immer wieder zu Fällen, in denen der betreuende Elternteil genau diesen Umgang versucht zu verhindern, was im schlimmsten Fall zum Verlust des Sorgerechts des betreuenden Elternteils führen kann. Der umgangsberechtigte Elternteil hat dann das Recht, seinen Anspruch gerichtlich durchzusetzen. Zu diesem Zweck muss er sich an das zuständige Familiengericht wenden, welches den Umfang des Umgangs regeln wird. Relevant ist bei der Entscheidung des Familiengerichtes in erster Linie das Kindeswohl; das bedeutet, dass abgewogen wird, ob und in welchem Maße ein Umgang mit dem umgangsberechtigten Elternteil stattfinden soll.
Welche Möglichkeiten bleiben dem umgangsberechtigten Elternteil, seinen Anspruch auf Umgang mit dem Kind durchzusetzen?
Zunächst muss sich der umgangsberechtigte Elternteil an das zuständige Familiengericht wenden, welches den Umfang des Umgangs regeln wird. Relevant ist bei der Entscheidung des Familiengerichtes in erster Linie das Kindeswohl; das bedeutet, dass abgewogen wird, ob und in welchem Maße ein Umgang mit dem umgangsberechtigten Elternteil stattfinden soll. In schwerwiegenden Verstößen gegen das Kindeswohl, etwa bei Missbrauch, kann das Familiengericht den Umgang mit dem Kind komplett verbieten.
Auch darf das Umgangsrecht nicht gegen den Willen durchgesetzt werden [OLG Hamm, 08.09.2009, 2 UF214/08, II 2 UF 214/08].
Diese Regelungen finden nicht nur Anwendung bei leiblichen, also biologischen, umgangsberechtigten Elternteilen, sondern gemäß § 1685 Abs. 1 BGB bei den Großeltern, sowie gemäß § 1685 Abs. 2 BGB auch für jene Personen, zu denen das Kind eine enge sozial-familiäre Bindung aufgebaut hat, etwa ein Expartner des betreuenden Elternteils.
II. Umgangsrecht für nichtrechtliche Väter
Aktuell ist es so, dass leiblichen Vätern, die nicht mit den Müttern ihres Kindes zusammenwohnen und auch die Vaterschaft rechtlich nicht anerkannt haben, nur ein Umgangsrecht zusteht, wenn sie eine sozial-familiäre Bindung zu dem Kind aufgebaut haben, sich um das Kind kümmern und das Verhältnis zwischen ihnen und dem Kind dem Kindeswohl dient. Des Weiteren dürfen leibliche, nichtrechtliche Väter aktuell auch keine Auskünfte über die persönlichen Verhältnisse des Kindes erhalten, die gemäß § 1686 Satz 1 BGB ein Elternteil dem anderen Elternteil nicht vorenthalten darf – sofern es sich dabei um rechtliche Elternteile handelt.
Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte urteilte, dass biologische Väter Anspruch auf Umgang mit ihren Kindern haben [EuropGMR, 21.12.2010, 20578/07] und bemängelte, dass in Einzelfällen einem biologischen Vater ein Auskunfts- und Umgangsrecht verweigert wird, ohne dass das Kindeswohl geprüft wird und legte im Jahre 2012 einen Gesetzesentwurf vor, um die Rechte der leiblichen Väter zu stärken:
Voraussetzung des Umgangs- und Auskunftsrechts ist, dass der Anspruchsteller auch wirklich der biologische Vater ist. Die leibliche Vaterschaft des Antragstellers ist dabei im Rahmen des Umgangs- oder Auskunftsverfahrens zu prüfen und gegebenenfalls im Rahmen einer Beweiserhebung zu klären. Um die Feststellung der biologischen Vaterschaft in streitigen Fällen zu ermöglichen, stellt der Gesetzentwurf eine verfahrensrechtliche Flankierung zur Verfügung. Nach der neuen Vorschrift im FamFG (§ 163a FamFG-E) müssen unter bestimmten Voraussetzungen Untersuchungen zur Klärung der Vorfrage nach der biologischen Abstammung geduldet werden. Das soll verhindern, dass die Mutter des Kindes oder eine sonstige Person den Anspruch des biologischen Vaters vereiteln kann, indem sie die erforderliche Untersuchung verweigert.
Umgangsrecht: Kann KM dem KV vorschreiben, wie die Umgangszeit/Besuchszeit genutzt wird? Mr. Justus schrieb am 29.03.2017, 18:37 Uhr:
Hallo zusammen,ich hätte eine kurze Frage zum Thema Besuchszeit/Umgangszeit beim Umgangsrecht.Aktuelle Situation: Die Kindsmutter hat das alleinige Sorgerecht, der Kindsvater hat das Umgangsrecht. Vereinbart wurde zwischen KM und KV, dass der Vater das Kind (unter 12 Monate) 2-mal im Monat für je 3h stehen darf.(Allgemeine) Frage: Gibt... » weiter lesen
Umgangsrecht wird behindert Samson2014 schrieb am 05.03.2016, 19:22 Uhr:
Folgende Situation nehmen wir an.Person Vater V und Mutter M sind Eltern von Kind K (unter 2 Jahre).Beide haben vor Geburt gemeinsames Sorgerecht beantragt.Es kam vor 3 Monaten zur Trennung zwischen M und V. Das Kind lebt jetzt bei M und V zahlt Unterhalt.Für das Umgangsrecht von V stellt sich M manchmal quer und anfangs hat M das Kind... » weiter lesen
Umgangsrecht auch für nicht leibliche Kinder? ekiM schrieb am 27.05.2015, 18:46 Uhr:
Mal angenommen: Herr A lernt Frau B kennen und Frau B hat zu der Zeit schon einen drei Monate alten Sohn. Herr A hat diesen Jungen immer als seinen Sohn akzeptiert und der Junge sagt von Anfang an auch Papa zu Herrn A. Als Herr A und Frau B heiraten nimmt der Junge sogar den Nachnamen von Herrn A an. Während der Ehe wird noch eine... » weiter lesen
Unterbindung Umgangsrecht ReflaxYuri schrieb am 08.03.2014, 13:36 Uhr:
Darf eine Frau dem Mann sein Kind verweigern auch wenn nix vom Gericht und Jugendamt festgelegt wurde? Macht die Frau sich strafbar dagegen, wenn ja? wie kann man dagegen vorgehen? » weiter lesen
Umgangsrecht woorabinda schrieb am 16.04.2012, 21:09 Uhr:
Mal angenommen Mutter und Vater trennen sich ca. 3 Wochen nach der Geburt der gemeinsamen Tochter. Anschließend weigert sich die Mutter das gemeinsame Sorgerecht eintragen zu lassen und außerdem vereitelt sie äußert konsequent und erfolgreich Umganskontakte. Zeitnah reicht der Vater einen Antrag auf das gemeinsame Sorgerecht sowie... » weiter lesen
Hausrecht kontra Umgangsrecht benazir schrieb am 10.02.2009, 11:29 Uhr:
Liebes Forum, Mal angenommen eine Tochter A holt ihren dementen Vater B aus dem Pflegeheim zu sich. Ein Pflegevertrag wurde mit dem Berufsbetreuer BT erarbeitet und vom Gericht genehmigt. Unter der Fürsorge der Familie von T ist für B, eingebettet durch Besuch der Tagesstätte, durch Zuhilfenahme eines amb. Pflegedienstes und der... » weiter lesen
Post von der Familienhelferin bekommen,Umgangsrecht Albina schrieb am 01.09.2008, 07:59 Uhr:
Am Wochenende bekam der Kindsvater post vom Amtsgericht,wo die Verfahrenspflegerin,nachdem sie alle Parteien gesprochen hat,ihr Statement abgegeben hat. Die Kindesmutter erzählt,der Vater würde Terror ausüben.Für die Kindsmutter ist es wohl Terror,wenn ein Vater sein Kind sehen will aber nicht kann.Sie möchte am liebsten gar keinen... » weiter lesen
Umgangsrecht der Väter - Theorie und Realität Cassiopeia schrieb am 08.11.2007, 18:31 Uhr:
Hallo zusammen! Angeregt durch verschiedene Fälle von Streit zwischen getrennten Eltern eines Kindes in meinem Bekanntenkreis stelle ich mir seit ein paar Tagen folgende Frage: Welche Möglichkeiten hat ein Vater eines uneheleichen Kindes bezüglich des Umgangsrechts nach Trennung von der Mutter? Und fallen da Theorie und Realität... » weiter lesen
23.08.2017 | Familie & Erben
Karlsruhe (jur). Liegen Großeltern ständig mit den Eltern in Streit, kann ihnen aus Kindeswohlgründen der Umgang mit den Enkeln verboten werden. Sie können den Umgang dann auch nicht gerichtlich erzwingen, da dies nicht dem Kindeswohl dient und die Kinder in Loyalitätskonflikte stürzen könne, stellte der Bundesgerichtshof (BGH) in Karlsruhe in einem am Dienstag, 22. August 2017, veröffentlichten Beschluss klar (Az.: XII ZB 350/16).Konkret ging... » weiter lesen
17.03.2017 | Familie & Erben
Oldenburg (jur). Fördert ein getrennt lebender Vater mit Manipulationen der Kinder den Konflikt mit der Mutter, kann das Umgangsrecht beschränkt werden. Denn führen die Manipulationen zu einer Gefährdung des Kindeswohls, darf ein Gericht den Umgang des Vaters mit seinen Kindern nur unter Aufsicht des Jugendamts anordnen, entschied das Oberlandesgericht (OLG) Oldenburg in einem am Mittwoch bekanntgegebenen Hinweisbeschluss (Az.: 4 UF 5/17).Das... » weiter lesen
Mutter muss nach Seitensprung Vaterschaftsfeststellung dulden
09.03.2017 | Familie & Erben
Oldenburg (jur). Ist ein Kind die mögliche Folge eines Seitensprungs gewesen, muss die verheiratete Mutter die Untersuchung der biologischen Vaterschaft des ehemaligen Liebhabers grundsätzlich dulden. Die Mutter kann das Verfahren nicht einfach mit dem Argument verweigern, dass mit der Vaterschaftsfeststellung die bestehende intakte Familie und damit das Kindeswohl gefährdet sei, entschied das Oberlandesgericht (OLG) Oldenburg in einem am... » weiter lesen
Umgangsrecht Urteile und Entscheidungen
Dem leiblichen Vater eines Kindes steht auch nach neuem Recht kein Umgangsrecht zu, wenn das Kind (noch) als eheliches Kind des früheren Ehemannes der Mutter gilt und der leibliche Vater keine enge Bezugsperson des Kindes ist.
» OLG-CELLE, 26.07.2004, 10 UF 147/04
Zur Inanspruchnahme des Jugendamtes (vermittelnde Hilfe in Sorgerechts- und Umgangsauseinandersetzungen) vor der Bewilligung von PKH für ein gerichtliches Umgangsrechtsverfahren.
» OLG-SCHLESWIG, 21.05.2007, 15 WF 92/07
Ein Prozesskostenhilfegesuch für ein gerichtliches Umgangsrechtsverfahren kann mutwillig sein, wenn der Antragsteller nicht zuvor versucht hat, die erstrebte Erweiterung des Umgangsrechts ohne Inanspruchnahme des Gerichtes ggf. mit Hilfe des Jugendamtes zu regeln.
» OLG-SCHLESWIG, 04.10.2007, 15 WF 261/07
Sicherheitsfrage 14 + Zw;/ei =
Nico Zischke (19.11.2015 17:50 Uhr):
Ich will das Umgangsrecht mit meinen gesetzlichen Kindern bei Familiengericht beantragen, kann es aber nicht tun, da ich die Adresse der Mutter meinen Kindern nicht kenne und kann an die Adresse nicht rankommen - die Mutter hat eine Auskunftssperre eingerichtet. Was soll ich tun? Da ich zum Umgang verpflichtet bin, kann das Familiengericht eine Selbstanzeige aufnehmen, da ich dem Umgang, zu dem ich verpflichtet bin, nicht nachgehe? Bin ratlos.
meloony (12.04.2015 08:26 Uhr):
unsere kinder, 2 und 6 jahre, hatten nie kontakt, bzw. bindung zu den eltern meines mannes. aufgrund von üblen eingriffsversuchen in die erziehung und einer für mich und unser erstes kind bedrohlichen situation, kam es zum kontaktabbruch. nun lassen wir uns scheiden. mein mann droht aufgrund des gemeinsamen sorgerechts, dann mit den kindern einfach dorthin zu fahren und urlaube dort zu verbringen. gesundheitlich haben die große tochter und ich lange nach der bedrohlichen situation der schwiegereltern gelitten.
Umgangsrecht – Weitere Begriffe im Umkreis
Das Umgangsrecht beschreibt den Anspruch eines minderjährigen Kindes auf regelmäßigen Kontakt mit seinen Eltern. Gleichfalls das Recht der Eltern auf Umgang mit ihrem Kind. Insbesondere in den Fällen, in denen die Eltern getrennt voneinander...
Absolut geschützte Rechtsgüter zeichnen sich dadurch aus, dass sie gegenüber jedermann schadensersatz- und grundsätzlich auch strafrechtlich geschützt sind. Im Schadensersatzrecht findet sich dieser Schutz in § 823 Absatz 1 BGB. Dieser...
Ein absolutes Recht wirkt gegen alle (erga omnes) und ermöglicht dem Rechtsinhaber eine ausschließliche, rechtlich geschützte Herrschaft über einen festgelegten Bereich. Dadurch sind sie sie gegenüber jedermann schadensersatz- und grundsätzlich...