Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Gericht=BFH&Datum=21.06.1994&Aktenzeichen=VIII%20R%2054/92
Timestamp: 2019-07-19 00:51:49
Document Index: 191962711

Matched Legal Cases: ['§ 193', '§ 3', '§ 193', '§ 194', '§ 4', '§ 118', '§ 193', 'Art. 3', '§ 3', '§ 3', '§ 193', '§ 2', '§ 193', '§ 4', '§ 193', '§ 193']

BFH, 21.06.1994 - VIII R 54/92 - dejure.org
https://dejure.org/1994,379
BFH, 21.06.1994 - VIII R 54/92 (https://dejure.org/1994,379)
BFH, Entscheidung vom 21.06.1994 - VIII R 54/92 (https://dejure.org/1994,379)
BFH, Entscheidung vom 21. Juni 1994 - VIII R 54/92 (https://dejure.org/1994,379)
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AO 1977 §§ 193 Abs. 1, 194 Abs. 1 und 2, 196, 367 Abs. 2 Satz 1, 368 Abs. 2 Satz 2; BpO(St) 1987 §§ 3, 4 Abs. 1- 4, 32 Abs. 4
Stichtag bei Außenprüfung
§§ 193, 196 AO
Außenprüfung; zeitlicher Umfang einer Außenprüfung
BFH, 21.09.1994 - VIII R 54/92
BFHE 174, 397
NVwZ 1995, 416 (Ls.)
BB 1994, 2134
DB 1994, 1760
BStBl II 1994, 678
Eine Erweiterungs-Prüfungsanordnung nach § 194 Abs. 1 Satz 2 AO 1977 i.V.m. § 4 Abs. 3 Satz 2 BpO(St) --vgl. dazu Urteile des erkennenden Senats vom 14. September 1993 VIII R 56/92, BFH/NV 1994, 677; vom 21. Juni 1994 VIII R 54/92, BFHE 174, 397, BStBl II 1994, 678-- ist unstreitig nicht ergangen, ebensowenig eine sonstige Aufforderung (Auskunftsersuchen), die die Voraussetzungen eines gesondert anfechtbaren Verwaltungsaktes erfüllte (vgl. auch § 118 Satz 1 AO 1977).
Die Regelung in § 193 Abs. 1 AO 1977 geht davon aus, daß die Heranziehung der dort genannten Steuerpflichtigen zu einer routinemäßigen Außenprüfung in aller Regel ermessensgerecht ist, es sei denn, es lägen Anhaltspunkte für ein unverhältnismäßiges, sachwidriges oder willkürliches Verhalten der Finanzbehörde vor (Urteil des BFH vom 21. Juni 1994 VIII R 54/92, BFHE 174, 397, BStBl II 1994, 678, m. w. N.).
Eine solche Selbstbeschränkung des Ermessens ist auch im gerichtlichen Verfahren zu beachten (vgl. Urteil des BFH vom 21. Juni 1994, a. a. O., m. w. N.).
Diese in der BpO getroffene Regelung ist nach Art. 3 Abs. 1 GG nicht zu beanstanden (vgl. dazu Urteil des BFH vom 21. Juni 1994, a. a. O., m. w. N.).
Sie würde vielmehr dessen Zweck, eine zuverlässige Planung des Personaleinsatzes zu Beginn des Prüfungsturnus zu ermöglichen (vgl. dazu Urteil des BFH vom 21. Juni 1994, a. a. O.), eindeutig zuwiderlaufen.
Die Gefahr von Steuerausfällen ist hier größer als bei anderen Betrieben (Urteil des BFH vom 21. Juni 1994, a. a. O.).
Diese Ermessensbindung ist auch im gerichtlichen Verfahren ebenso zu beachten, wie die hiernach erforderliche Einordnung der Betriebe in Größenklassen (§ 3 Satz 1 BpO 2000), die die obersten Finanzbehörden der Länder im Benehmen mit dem BMF entsprechend § 3 Satz 2 BpO 2000 für den im Streitfall maßgebenden, ab 1. Januar 1998 laufenden 16. Prüfungsturnus durch BMF-Schreiben in BStBl I 1997, 576 festgelegt haben (vgl. nur BFH in BFHE 174, 397, BStBl II 1994, 678).
Das FA kann grundsätzlich den zeitlichen Umfang der Außenprüfung nach seinem Ermessen bestimmen (BFH-Urteile vom 10. Februar 1983 IV R 104/79, BFHE 137, 404, BStBl II 1983, 286; vom 23. Juli 1985 VIII R 48/85, BFHE 145, 3, BStBl II 1986, 433; vom 10. April 1990 VIII R 415/83, BFHE 160, 409, BStBl II 1990, 721; vom 21. Juni 1994 VIII R 54/92, BFHE 174, 397, BStBl II 1994, 678).
Sie ist in aller Regel ermessensgerecht, wenn sie dem Gesetzeszweck, d.h. der Kontrolle der Einhaltung der Vorschriften des MiLoG dient, es sei denn, es lägen Anhaltspunkte für ein unverhältnismäßiges, sachwidriges oder willkürliches Verhalten der Finanzbehörde vor (FG Berlin-Brandenburg, Urteil vom 4. November 2009 - 7 K 7024/07, EFG 2010, 463 unter Hinweis auf das Urteil des BFH vom 21. Juni 1994 - VIII R 54/92, BFHE 174, 397, BStBl II 1994, 678, 679 zu einer Außenprüfung nach den §§ 193 ff. AO; ebenso BFH…, Beschluss vom 15. Februar 2008 - II B 79/07, BFH/NV 2008, 1102, der die Grenze für eine Prüfung nach §§ 2 ff. SchwarzArbG ebenfalls im Willkürverbot sieht).
BFH, 07.12.2005 - I B 76/05
a) Nach ständiger Rechtsprechung folgt aus der Regelung in § 193 Abs. 1 der Abgabenordnung (AO 1977), dass die Anordnung einer routinemäßigen Außenprüfung bei Steuerpflichtigen, die einen gewerblichen Betrieb unterhalten, in aller Regel ermessensgerecht ist, es sei denn, es lägen Anhaltspunkte für ein unverhältnismäßiges, sachwidriges oder willkürliches Verhalten der Finanzbehörde vor (Urteil des Bundesfinanzhofs --BFH-- vom 21. Juni 1994 VIII R 54/92, BFHE 174, 397, BStBl II 1994, 678, m.w.N.).
b) Auch die zu prüfenden Besteuerungszeiträume kann der Beklagte und Beschwerdegegner (das Finanzamt --FA--) nach seinem Ermessen festlegen (BFH-Urteil in BFHE 174, 397, BStBl II 1994, 678).
Ferner hat er allein in der Anordnung einer Prüfung über einen solch langen Prüfungszeitraum kein unverhältnismäßiges, sachwidriges oder willkürliches Verhalten des FA gesehen (BFH-Urteil in BFHE 174, 397, BStBl II 1994, 678, m.w.N.).
Das Auswahlermessen ist lediglich durch das Übermaß- sowie das Willkür- und Schikaneverbot begrenzt (…BFH a.a.O.; FG Baden-Württemberg, Beschluss vom 7. November 2005, 10 V 16/05, DStRE 2006, 633 ; offen gelassen im BFH-Urteil vom 21.06.1994, VIII R 54/92, BFHE 174, 397 , BStBl. II 1994, 678).
Die Regelung in § 4 Abs. 2 BpO 2000 wird durch die Rechtsprechung des BFH, der der Senat folgt, allgemein als ermessensfehlerfrei anerkannt, weil es sachgerecht ist, wegen der erfahrungsgemäß umfangreichen und schwierigen Beurteilung der steuerlichen Verhältnisse von Großbetrieben insoweit eine Anschlussprüfung vorzusehen (BFH-Urteil vom 21. Juni 1994, VIII R 54/92, BFHE 174, 397 , BStBl II 1994, 678 ).
In derartigen Fällen wäre auch in der Anordnung einer Prüfung über sechs Jahre für sich genommen kein unverhältnismäßiges, sachwidriges oder willkürliches Verhalten des Finanzamtes zu sehen (…BFH-Beschluss vom 7. Dezember 2005, I B 76/05, BFH/NV 2006, 486 ; BFH-Urteil vom 21. Juni 1994, VIII R 54/92, BFHE 174, 397 , BStBl II 1994, 678 ).
Die Gerichte haben solche Verwaltungsanweisungen bei der Überprüfung von behördlichen Ermessensentscheidungen grundsätzlich ebenfalls zu berücksichtigen (BFH-Urteile in BFHE 168, 226, BStBl II 1992, 784, unter II. 2.; vom 21. Juni 1994 VIII R 54/92, BFHE 174, 397, BStBl II 1994, 678, unter II. 1. b).
Da den Finanzbehörden bei ihrer Ermessensentscheidung hinsichtlich der Anordnung einer Außenprüfung oder deren Erweiterung eine Wahlmöglichkeit nach den §§ 193, 194 AO eingeräumt worden ist, handeln die Finanzbehörden grundsätzlich nicht rechtswidrig, wenn sie gleich gelagerte Sachverhalte schon wegen ihrer begrenzten sachlichen und personellen Mittel unterschiedlich behandeln, sofern die Entscheidungen von dem Zweck des Ermessens gedeckt werden und Anhaltspunkte für ein unverhältnismäßiges, sachwidriges oder willkürliches Verhalten nicht vorliegen (vgl. z. B. BFH-Urteil vom 21. Juni 1994 VIII R 54/92, BFHE 174, 397, BStBl II 1994, 678).
Diese Selbstbeschränkung ist auch im gerichtlichen Verfahren zu beachten (vgl. z. B. BFH-Urteil vom 21. Juni 1994 VIII R 54/92, BFHE 174, 397, BStBl II 1994, 678).
Aus § 193 Abs. 1 AO folgt die Wertung, dass eine Außenprüfung bei Steuerpflichtigen, die im Prüfungszeitraum einen gewerblichen Betrieb unterhalten haben oder freiberuflich tätig waren, in den Grenzen des Verhältnismäßigkeitsprinzips und des Willkürverbots unbeschränkt zulässig ist (BFH-Urteil vom 21. Juni 1994 VIII R 54/92, BFHE 174, 397, BStBl II 1994, 678;… BFH-Beschlüsse vom 23. Juni 2003 X B 165/02, BFH/NV 2003, 1147, …und vom 14. März 2006 IV B 14/05, BFH/NV 2006, 1253).
BFH, 16.02.2001 - IV B 74/00
Betriebsprüfungsanordnung - Rechtmäßigkeit - Zahnarztpraxis - Betriebsgröße - …
FG Köln, 27.11.2013 - 12 K 3723/11
Frage der Rechtmäßigkeit einer Prüfungsanordnung