Source: https://www.rechtslupe.de/arbeitsrecht/lebenspartnerschaften-und-die-vbl-hinterbliebenenrente-und-sterbegeld-320851
Timestamp: 2020-08-04 14:01:15
Document Index: 332600408

Matched Legal Cases: ['Art. 3', '§ 38', '§ 85', 'Art. 3', 'Art. 3', 'Art. 3', '§ 38', '§ 38', '§ 38', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'EuG']

Lebenspartnerschaften und die VBL - Hinterbliebenenrente und Sterbegeld | Rechtslupe
Lebenspartnerschaften und die VBL - Hinterbliebenenrente und Sterbegeld
Die Ungleich­be­hand­lung von Ehe und ein­ge­tra­ge­ner Lebens­part­ner­schaft im Bereich der betrieb­li­chen Hin­ter­blie­be­nen­ver­sor­gung für Arbeit­neh­mer des öffent­li­ches Diens­tes, die bei der Ver­sor­gungs­an­stalt des Bun­des und der Län­der zusatz­ver­si­chert sind, ist mit Art. 3 Abs. 1 GG unver­ein­bar [1]. Dem Part­ner einer ein­ge­tra­ge­nen Lebens­part­ner­schaft steht jeden­falls seit dem 1. Janu­ar 2005 ein Anspruch auf Hin­ter­blie­be­nen­ren­te nach § 38 Abs. 1 VBLS sowie auf Ster­be­geld gemäß § 85 Satz 1 VBLS zu.
Das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt hat am 7. Juli 2009 [2] ent­schie­den, dass die Ungleich­be­hand­lung von Ehe und ein­ge­tra­ge­ner Lebens­part­ner­schaft im Bereich der betrieb­li­chen Hin­ter­blie­be­nen­ver­sor­gung für Arbeit­neh­mer des öffent­li­chen Diens­tes, die bei der VBL zusatz­ver­si­chert sind, mit Art. 3 Abs. 1 GG unver­ein­bar ist. Wie es im Ein­zel­nen aus­ge­führt hat, las­sen sich jeden­falls seit dem Inkraft­tre­ten des Geset­zes zur Über­ar­bei­tung des Lebens­part­ner­schafts­rechts vom 15. Dezem­ber 2004 [3] (im Fol­gen­den: Über­ar­bei­tungs­ge­setz) am 1. Janu­ar 2005, mit dem das Recht der ein­ge­tra­ge­nen Lebens­part­ner­schaf­ten noch näher an das Ehe­recht ange­gli­chen wor­den ist und das (unter ande­rem) die Ein­be­zie­hung der ein­ge­tra­ge­nen Lebens­part­ner in die Hin­ter­blie­be­nen­ver­sor­gung der gesetz­li­chen Ren­ten­ver­si­che­rung regelt, kei­ne sach­be­zo­ge­nen und gemein­sa­men Grün­de der Tarif­ver­trags­par­tei­en für eine Ungleich­be­hand­lung im Bereich der betrieb­li­chen Hin­ter­blie­be­nen­ver­sor­gung bele­gen. Auch objek­tiv sei­en kei­ne trag­fä­hi­gen sach­li­chen Grün­de für eine Ungleich­be­hand­lung gege­ben. Unter Berück­sich­ti­gung der mit der Hin­ter­blie­be­nen­ver­sor­gung ver­folg­ten Zie­le sei­en kei­ne ein­fach­recht­li­chen oder tat­säch­li­chen Unter­schie­de erkenn­bar, die es recht­fer­tig­ten, ein­ge­tra­ge­ne Lebens­part­ner in Bezug auf die Hin­ter­blie­be­nen­ver­sor­gung der VBL schlech­ter zu behan­deln als Ehe­gat­ten.
Zu den Rechts­fol­gen des Ver­sto­ßes gegen Art. 3 Abs. 1 GG hat das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt aus­ge­führt: Ver­sto­ßen All­ge­mei­ne Ver­si­che­rungs­be­din­gun­gen – wie hier die Sat­zung der VBL – gegen Art. 3 Abs. 1 GG, so führt dies nach der ver­fas­sungs­recht­lich nicht zu bean­stan­den-den Recht­spre­chung der Zivil­ge­rich­te zur Unwirk­sam­keit der betrof­fe­nen Klau­seln [4]. Hier­durch ent­ste­hen­de Rege­lungs­lü­cken kön­nen im Wege ergän­zen­der Aus­le­gung der Sat­zung geschlos­sen wer­den [5]. Auch im vor­lie­gen­den Fall ist es zwar nicht durch den bewuss­ten Aus­schluss der Lebens­part­ner bei der For­mu­lie­rung des § 38 VBLS, wohl aber durch die Fest­stel­lung der Unwirk­sam­keit die­ser Ver­trags­ge­stal­tung aus ver­fas­sungs­recht­li­chen Grün­den zu einer unge­woll­ten Rege­lungs­lü­cke bei der Hin­ter­blie­be­nen­ver­sor­gung gekom­men. Der Gleich­heits­ver­stoß kann nicht durch blo­ße Nicht­an­wen­dung des § 38 VBLS besei­tigt wer­den, weil ansons­ten ent­ge­gen der zugrun­de lie­gen­den Kon­zep­ti­on Hin­ter­blie­be­nen­ren­ten auch für Ehe­gat­ten aus­ge­schlos­sen wären. Der mit der Hin­ter­blie­be­nen­ver­sor­gung nach § 38 VBLS ver­folg­te Rege­lungs­plan lässt sich mit­hin nur dadurch ver­voll­stän­di­gen, dass die für Ehe­gat­ten gel­ten­de Rege­lung mit Wir­kung ab dem 1. Janu­ar 2005 auch auf ein­ge­tra­ge­ne Lebens­part­ner Anwen­dung fin­det. Dies ent­spricht auch dem hypo­the­ti­schen Wil­len sowohl der VBL wie auch der Tarif­ver­trags­par­tei­en, die die ein­ge­tra­ge­nen Lebens­part­ner in die Hin­ter­blie­be­nen­ver­sor­gung ein­be­zo­gen hät­ten, wäre ihnen der hier fest­ge­stell­te Gleich­heits­ver­stoß bewusst gewe­sen.
Den Erwä­gun­gen des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts hat sich der Bun­des­ge­richts­hof in sei­ner Ent­schei­dung vom 7. Juli 2010 [6] ange­schlos­sen. Hier­mit im Ein­klang steht die Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts, wonach ein­ge­tra­ge­ne Lebens­part­ner in der betrieb­li­chen Alters­ver­sor­gung hin­sicht­lich der Hin­ter­blie­be­nen­ver­sor­gung ab dem Jah­re 2005 Ehe­gat­ten gleich­zu­stel­len sind [7], sowie des Gerichts­hofs der Euro­päi­schen Gemein­schaf­ten [8].
Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 7. Juli 2010 – IV ZR 16/​09
Bun­des­ge­richts­hof, Teil­ur­teil vom 7. Juli 2010 – IV ZR 267/​04
Auf­ga­be von BGH, Urteil vom 14.02.2007 – IV ZR 267/​04, VersR 2007, 676; im Anschluss an BVerfG, Beschluss vom 07.07.2009 – 1 BvR 1164/​07, VersR 2009, 1607[↩]
BVerfG, VersR 2009, 1607[↩]
vgl. BGHZ 174, 127, 175[↩]
BGHZ 174, 127, 177[↩]
IV ZR 267/​04[↩]
vgl. dazu BAGm Urteil vom 14.01.2009 – 3 AZR 20/​07, MDR 2009, 698[↩]
vgl. EuGH, Urteil vom 01.04.2008 – C‑267/​06, NJW 2008, 1649[↩]
Kein Sozi­al­plan bei Zwangs­schlie­ßung einer Betriebs­kran­ken­kas­se Die bei einer Betriebs­kran­ken­kas­se gebil­de­te Eini­gungs­stel­le ist nicht berech­tigt, im Fal­le der Schlie­ßung der Kas­se durch das Bun­des­ver­si­che­rungs­amt einen Sozi­al­plan zu beschlie­ßen. Im April 2010…
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