Source: https://www.rechtslupe.de/zivilrecht/grenzueberschreitender-versendungskauf-310995
Timestamp: 2020-01-26 10:36:22
Document Index: 108238755

Matched Legal Cases: ['Art. 43', 'Art. 43', 'Art. 43', '§ 985', 'BGH', 'Art. 43', 'BGH', '§ 929', 'Art. 43', 'Art. 43', '§ 293', 'BGH', '§ 929', '§ 366', '§ 932', 'Art. 43', '§ 293', 'BGH', 'BGH', 'Art. 43', 'Art. 43', '§ 447', 'BGH', 'Art. 43', 'Art. 43', '§ 30', 'BGH', 'BGH', 'Art. 43', 'Art. 43', 'Art. 43', '§ 366', '§ 366', 'BGH']

Grenz­über­schrei­ten­der Ver­sen­dungs­kauf | Rechtslupe
Bei einem grenz­über­schrei­ten­den Ver­sen­dungs­kauf in das Aus­land erfolgt die für einen Eigen­tums­über­gang nach deut­schem Recht erfor­der­li­che Besitz­ver­schaf­fung am Kauf­ge­gen­stand in aller Regel erst mit des­sen Ablie­fe­rung am Bestim­mungs­ort. Wird der nach deut­schem Recht im Inland ein­ge­lei­te­te Erwerbs­tat­be­stand bis zum Grenz­über­tritt nicht mehr voll­endet, beur­teilt sich die Fra­ge, ob und zu wel­chem Zeit­punkt das Eigen­tum am Kauf­ge­gen­stand über­geht, gemäß Art. 43 Abs. 1 EGBGB nach dem dann für das Recht des Lage­or­tes zustän­di­gen aus­län­di­schen Sach­recht. Das gilt auch für die Vor­aus­set­zun­gen, unter denen Eigen­tums­er­werb vom Nicht­be­rech­tig­ten kraft guten Glau­bens mög­lich ist.
Anlass für die­se Ent­schei­dung des Bun­des­ge­richts war ein von Deutsch­land nach Frank­reich ver­kauf­tes Kraft­fahr­zeug. In dem Kauf­ver­trag hat­ten die Par­tei­en zwar die (voll­stän­di­ge) Gel­tung deut­schen Rechts ver­ein­bart, dabei aber (wie auch das in der Vor­in­stanz täti­ge OLG Jena) Art. 43 EGBGB über­se­hen, des­sen Anwend­bar­keit nicht zur Dis­po­si­ti­on der Par­tei­en steht und der auch im Revi­si­ons­ver­fah­ren von Amts wegen zu prü­fen ist 1. Art. 43 EGBGB führt hier dazu, dass ein Eigen­tums­er­werb der Klä­ge­rin nach Maß­ga­be der Bestim­mun­gen des fran­zö­si­schen Rechts zu klä­ren gewe­sen wäre. Glei­ches gilt für einen anschlie­ßen­den Eigen­tums­er­werb des fran­zö­si­schen Abneh­mers der Klä­ge­rin, den das Beru­fungs­ge­richt – nach sei­nem Stand­punkt fol­ge­rich­tig – nicht mehr geprüft hat.
Das OLG Jena hat in sei­nem Beru­fungs­ur­teil den erkann­ten Scha­dens­er­satz­an­spruch auf §§ 985, 989 BGB und damit auf deut­sches Sach­recht gestützt. Dies begeg­net nach Ansicht des BGH kei­nen recht­li­chen Beden­ken. Zwar han­delt es sich sowohl bei der Aus­fuhr des strei­ti­gen Fahr­zeugs nach Frank­reich wie auch bei sei­ner erneu­ten Ein­fuhr zum Zwe­cke der Nach­bes­se­rung um grenz­über­schrei­ten­de Sach­ver­hal­te, die die deut­sche wie die fran­zö­si­sche Sachen­rechts­ord­nung berüh­ren. Jedoch unter­lie­gen die auf Eigen­tum gestütz­ten Her­aus­ga­be­an­sprü­che des (ver­meint­li­chen) Eigen­tü­mers eben­so wie die aus dem Eigen­tü­mer-Besit­zer-Ver­hält­nis kom­men­den Fol­ge­an­sprü­che wegen Unmög­lich­keit einer Her­aus­ga­be dem in Art. 43 Abs. 1 EGBGB gere­gel­ten Sach­sta­tut und damit dem Recht des Staa­tes, in dem sich die Sache befin­det 2. Das ist hier das deut­sche Recht als das Recht des Ortes, an dem sich das her­aus­zu­ge­ben­de Fahr­zeug bei der ander­wei­ti­gen Ver­äu­ße­rung durch die Beklag­te befun­den hat.
Ob der von der Klä­ge­rin gel­tend gemach­te Anspruch begrün­det ist, hängt davon ab, ob die Klä­ge­rin selbst oder ihr fran­zö­si­scher Abneh­mer im Zeit­punkt der Wei­ter­ver­äu­ße­rung Eigen­tü­mer des Fahr­zeugs war und die­ses Eigen­tum durch die Wei­ter­ver­äu­ße­rung des Fahr­zeugs ver­lo­ren hat.
Ob die Klä­ge­rin das Eigen­tum am Fahr­zeug von sei­nem Ver­käu­fer, der Fa.DBD, erwor­ben hat, ist indes­sen nach Ansicht des BGH nicht nach deut­schem Recht zu beur­tei­len. Denn ein sol­cher Erwerb hät­te nach deut­schem Recht nicht im Inland statt­ge­fun­den, weil die DBD der Klä­ge­rin vor Grenz­über­tritt weder den Besitz noch eine zum Eigen­tums­er­werb erfor­der­li­che besitz­glei­che Posi­ti­on am Fahr­zeug im Sin­ne von §§ 929 ff. BGB ein­ge­räumt hat. Der zwi­schen der DBD und der Klä­ge­rin geschlos­se­ne Kauf­ver­trag ist viel­mehr in der Wei­se aus­ge­führt wor­den, dass der Klä­ge­rin das Fahr­zeug erst an deren Sitz in Frank­reich durch den von der DBD ein­ge­setz­ten Fracht­füh­rer aus­ge­hän­digt wor­den ist. Da die für einen Eigen­tums­über­gang nach deut­schem Sachen­recht erfor­der­li­che Besitz­ver­schaf­fung bei einem Ver­sen­dungs­kauf in aller Regel erst mit Ablie­fe­rung der Sache am Bestim­mungs­ort erfolgt 3 und kein Anhalt besteht, dass es sich vor­lie­gend anders ver­hal­ten hat, ist nach deut­schem Recht der im Inland ein­ge­lei­te­te Erwerbs­tat­be­stand bis zum Grenz­über­tritt nicht mehr voll­endet wor­den. Ob und zu wel­chem Zeit­punkt anschlie­ßend das Eigen­tum am Fahr­zeug auf die Klä­ge­rin über­ge­gan­gen ist, beur­teilt sich des­halb gemäß Art. 43 Abs. 1 EGBGB nach fran­zö­si­schem Recht als dem für das Recht des Lage­or­tes zustän­di­gen Sach­recht 4. Die­ses knüpft eben­falls an das Recht des Lage­or­tes an 5 und nimmt so die Ver­wei­sung auf.
Den Sta­tu­ten­wech­sel in das fran­zö­si­sche Sach­recht, wie er auch in Art. 43 Abs. 2 EGBGB zum Aus­druck kommt, hat das Beru­fungs­ge­richt nicht berück­sich­tigt und dem­entspre­chend nicht den Inhalt der­je­ni­gen Rechts­nor­men gemäß § 293 ZPO ermit­telt, nach denen im fran­zö­si­schen Recht ein Eigen­tums­er­werb erfolgt. Eben­so wenig hat das Beru­fungs­ge­richt beach­tet, dass das Sach­sta­tut des Lage­or­tes die Mög­lich­kei­ten und Vor­aus­set­zun­gen für einen Eigen­tums­er­werb vom Nicht­be­rech­tig­ten kraft guten Glau­bens bestimmt 6. Es hat des­halb bei sei­ner Beur­tei­lung außer Betracht gelas­sen, dass sich unge­ach­tet des für den Kauf­ver­trag maß­geb­li­chen Ver­trags­sta­tuts ein im Inland noch nicht voll­ende­ter Eigen­tums­er­werb mit Grenz­über­tritt nach Frank­reich nach Maß­ga­be des fran­zö­si­schen Rechts voll­zieht, das in die­sem Fall auch Art und Umfang des Schut­zes eines gut­gläu­bi­gen Besit­zers bei einem Erwerb vom Nicht­be­rech­tig­ten regelt 7.
Das OLG Jena hät­te sich mit­hin in sei­nem Beru­fungs­ur­teil, so der BGH, zur Beja­hung eines gut­gläu­bi­gen Eigen­tums­er­werbs durch die Klä­ge­rin nicht auf die §§ 929 ff. BGB und hier­bei ins­be­son­de­re auch nicht auf § 366 HGB stüt­zen dür­fen. Die­se Bestim­mung ent­hält sach­lich eine Erwei­te­rung des in den §§ 932 ff. BGB gere­gel­ten Ver­kehrs­schut­zes und bestimmt damit zugleich die Vor­aus­set­zun­gen eines Eigen­tums­über­gangs in Fäl­len, in denen nach dem Wil­len des Gesetz­ge­bers die bür­ger­lich-recht­li­chen Gut­glau­bens­vor­schrif­ten wegen der bestehen­den Bedürf­nis­se des Han­dels­ver­kehrs nach einer gewis­sen Rei­bungs­lo­sig­keit der Geschäfts­ab­wick­lung bereits bei einem guten Glau­ben an die Ver­fü­gungs­be­fug­nis des Ver­äu­ße­rers zur Anwen­dung kom­men sol­len 8. Die Vor­schrift hät­te daher nur ange­wandt wer­den dür­fen, wenn Art. 43 Abs. 1 EGBGB zu einer – hier aber nicht gege­be­nen – Anwend­bar­keit inlän­di­schen Rechts geführt hät­te.
Einen Über­gang des Eigen­tums am Fahr­zeug auf die Klä­ge­rin hät­te das Beru­fungs­ge­richt daher am Maß­stab des fran­zö­si­schen Rechts beur­tei­len müs­sen. Dazu bedarf es gemäß § 293 ZPO wei­te­rer tatrich­ter­li­cher Ermitt­lun­gen zur fran­zö­si­schen Rechts­pra­xis, wie sie ins­be­son­de­re in der Recht­spre­chung der fran­zö­si­schen Gerich­te ihren Aus­druck gefun­den hat 9. Das­sel­be gilt für die Fra­ge, ob zumin­dest der fran­zö­si­sche Abneh­mer der Klä­ge­rin von die­ser (gut­gläu­big) das Eigen­tum an dem Fahr­zeug erlangt hat.
Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 10. Juni 2009 – VIII ZR 108/​07
Grenz­über­schrei­ten­der Ver­sen­dungs­kauf Bei einem grenz­über­schrei­ten­den Ver­sen­dungs­kauf in das Aus­land erfolgt die für einen Eigen­tums­über­gang nach deut­schem Recht erfor­der­li­che Besitz­ver­schaf­fung am Kauf­ge­gen­stand in aller Regel erst mit des­sen…
BGHZ 177, 237, Tz. 8; 136, 380, 386, jeweils m.w.N.[↩]
BGH, Urteil vom 25. Sep­tem­ber 1997 – II ZR 113/​96, NJW 1998, 1321, unter II 1 a; MünchKommBGB/​Wendehorst, 4. Aufl., Art. 43 EGBGB Rdnr. 96, 100; Bamberger/​Roth/​Spickhoff, BGB, 2. Aufl., Art. 43 EGBGB Rdnr. 8, jeweils m.w.N.[↩]
Palandt/​Weidenkaff, BGB, 68. Aufl., § 447 Rdnr. 14[↩]
vgl. BGH, Urteil vom 30. Janu­ar 1980 – VIII ZR 197/​78, WM 1980, 410, unter II 2; RGZ 103, 30, 31; KG, NJW 1988, 341 f.; Palandt/​Thorn, aaO, Art. 43 EGBGB (IPR) Rdnr. 7; Erman/​Hohloch, BGB, 12. Aufl., Art. 43 EGBGB Rdnr. 23 m.w.N.[↩]
Hübner/​Constantinesco, Ein­füh­rung in das fran­zö­si­sche Recht, 4. Aufl., § 30, 2 b bb[↩]
BGHZ 100, 321, 324; BGH, Urteil vom 29. Mai 2000 – II ZR 334/​98, NJW-RR 2000, 1583, unter II 1, III 2; Erman/​Hohloch, aaO, Art. 43 EGBGB Rdnr. 12; Staudinger/​Stoll, BGB (1996), Int­Sa­chenR Rdnr. 300; MünchKommBGB/​Wendehorst, aaO, Art. 43 Rdnr. 80; Palandt/​Thorn, aaO, Art. 43 EGBGB (IPR) Rdnr. 3, jeweils m.w.N.[↩]
Sonnenberger/​Dammann, Fran­zö­si­sches Han­dels- und Wirt­schafts­recht, 3. Aufl., Rdnr. IX 41 m.w.N.[↩]
vgl. MünchKommHGB/​Welter, 2. Aufl., § 366 Rdnr. 22 f.; Ensthaler/​Weber, GK-HGB, 7. Aufl., § 366 Rdnr. 1[↩]
vgl. BGH, Urtei­le vom 30. Janu­ar 2001 – XI ZR 357/​99, WM 2001, 502, unter II 2 b aa; vom 23. Juni 2003 – II ZR 305/​01, NJW 2003, 2685, unter II 2 a[↩]
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