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Timestamp: 2019-02-21 03:13:34
Document Index: 272998633

Matched Legal Cases: ['§ 132', '§ 132', '§ 132', '§ 132', '§ 132', '§ 132', '§ 132', '§ 132']

Von »Advance Care Planning« zur »Gesundheitlichen Versorgungsplanung« - Anfänge, Entwicklungen und Adaptionen eines neuen Konzepts
Das Konzept »Advance Care Planning« entsteht im Jahr 1993 im Kontext der Diskussionen über den US-amerikanischen Patient Self-Determination Act von 1990 und wird von dort ausgehend zu einem Rahmenbegriff für die Beforschung der weiteren Entwicklung (1993 auf der Squam Lake Conference). Die Idee, die Situation schwerstkranker und sterbender Patienten durch Unterstützung bei der Kommunikation zu verbessern, wurde durch die Ergebnisse der SUPPORT-Studie zwar zunächst in Frage gestellt, führte aber auch dazu, dass die Voraussetzungen für das Modell der Entscheidungsfindung selbst hinterfragt wurden. Ein Ergebnis dessen war, dass das primär Autonomie-basierte Verständnis von ACP zu einem stärker Sorge-orientierten Ansatz hin weiterentwickelt wurde. Das »Respecting Choices«-Programm in La Crosse war dazu die praktische Umsetzung, deren Erfolg auch empirisch belegt werden konnte und international Nachahmung fand. In Deutschland wurde das Konzept durch das Modellprojekt »beizeiten begleiten« (2008-2011) aufgegriffen. 2015 verabschiedete der Deutsche Bundestag das Hospiz- und Palliativgesetz und verankerte damit die Möglichkeit einer Refinanzierung von ACP für Pflegeeinrichtungen. Seit Ende 2017 liegt auch die Rahmenvereinbarung zwischen Krankenversicherern und Trägern vor. Einige der Schwierigkeiten, die in der Rahmenvereinbarung für den Implementierungsprozess von ACP in Deutschland angelegt sind, werden am Ende des Aufsatzes kritisch diskutiert.
Advance Care Planning (ACP) - Wider die ethischen Reduktionismen am Lebensende
Schuchter, Patrick • Brandenburg, Hermann • Heller, Andreas
Advance Care Planning (ACP) zielt darauf, erstens Menschen durch einen organisierten Kommunikationsprozess dabei zu unterstützen, künftige Behandlungsentscheidungen zu antizipieren und zu planen für den Fall, dass sie einmal nicht mehr in der Lage sein sollten, selbst entscheiden zu können. Zweitens geht es darum, die Zusammenarbeit und Kultur im professionellen Versorgungssystem so zu verändern, dass Entscheidungen/Patientenverfügungen tatsächlich auch respektiert werden (respecting choices). ACP-Initiativen haben im deutschen Sprachraum Konjunktur. Es scheint, diese werden wie selbstverständlich als »gut« qualifiziert und alternativlos dargestellt. In unserem Beitrag setzen wir uns kritisch mit einigen Dimensionen und Entwicklungen von ACP auseinander. Vier »ethische Reduktionismen«, die in Konzept und Praxis von ACP (implizit) transportiert werden, können beobachtet werden: 1) folgenschwere Verkürzung des »Care«-Begriffs auf »Behandlung« und von »Vorsorge« auf »Planung«; 2) Verengung des möglichen Gesamtbereichs ethischer Fragen und ethischer Inhalte auf moralische Dilemmata bei Behandlungsentscheidungen (am Lebensende); 3) überzogene Vorstellung der Bedeutung von Autonomie; 4) Ausblenden strukturell und institutionell bedingter Machteffekte. Abschließend verweisen wir auf den Ansatz der »Sorge-Gespräche« (Care-Dialogs) und den »Caring-Community«-Ansatz, die als grundsätzlich alternative Denkrahmen, aber  um realistisch zu bleiben  zumindest auch als komplementär ergänzende Ideen gesehen und in produktiver Verknüpfung mit ACP mitentwickelt werden könnten.
Beratung als Eckstein und Kernelement von ACP
Beratung stellt neben der Implementierung im Versorgungssystem das Kernstück von ACP als Weiterentwicklung der Patientenverfügung dar. Durch die Gesetzgebung in § 132g SGB V wurde nicht nur das Versorgungssystem für die dokumentierte ACP positiv verändert, sondern auch die Beratung refinanzierbar gemacht und damit ein starker systemischer Anreiz für die Entwicklung von Beratungsangeboten im Wohlfahrtssystem gesetzt. Der Beitrag stellt diese systemischen Änderungen dar und diskutiert beratungswissenschaftlich die kritischen Implikationen von § 132g SGB V für die sehr vulnerablen Zielgruppen einer »aufsuchenden Beratung« und die professionellen Erfordernisse von Beratung in diesem ethisch hoch sensiblen Feld. Am Ende werden Aufgaben für die christlichen Dienste, Einrichtungen und Verbände in der Pluralität des Wohlfahrtswesens benannt, mit dem Ziel, den Menschen in der letzten Lebensphase gerechter zu werden und eine »palliative Kultur« weiterzuentwickeln: in ihren Dienstleistungen, in ihren Fort- und Weiterbildungen, in sozialpolitischer Anwaltschaft und zivilgesellschaftlicher Solidaritätsstiftung.
Das Hospiz- und Palliativgesetz von 2015 will u. a. Pflegeheimbewohnern eine individuelle Versorgungsplanung für die letzte Lebensphase ermöglichen. Damit hält das Konzept des Advance Care Planning Einzug in das deutsche Gesundheitswesen. Der Beitrag stellt die Vorsorgemöglichkeiten vor, wie sie im deutschen Recht durch Gesetz und Rechtsprechung ausgeformt sind. Auf dieser Grundlage untersucht er die vorausschauende Behandlungsplanung auf der Grundlage des neuen § 132g SGB V im Rahmen der GKV und fragt, inwieweit dieses Konzept und seine Umsetzung gelungen und wo sie misslungen sind.
Bethke-Meltendorf, Christina
Durch das Gesetz zur Verbesserung der Hospiz- und Palliativversorgung in Deutschland wurde zum 08.12.2015 in § 132g SGB V erstmals eine Regelung zur gesundheitlichen Versorgungsplanung für die letzte Lebensphase eingeführt. Der Beitrag beleuchtet unter Berücksichtigung der aktuellen rechtswissenschaftlichen Diskussion kritisch die inhaltlichen sozialrechtlichen Vorgaben des § 132g SGB V nebst der auf § 132g Abs. 3 SGB V basierenden Vereinbarung über die Inhalte und Anforderungen der gesundheitlichen Versorgungsplanung. Erst in der zukünftigen praktischen Umsetzung von § 132g SGB V wird sich zeigen, ob sich die mit der Einführung des § 132g SGB V verbundenen Hoffnungen der Stärkung der Selbstbestimmung und Autonomie des Patienten am Lebensende und der verbesserten Wirkkraftentfaltung einer Patientenverfügung realisieren werden.
Gnade des Todes - Gewagte Fragen an unsere christliche Tradition
Artifizielle Keimzellen - natürliche Keimbahn: eine interdisziplinäre Verhältnisbestimmung
Advena-Regnery, Barbara • Enghofer, Franziska • Sgodda, Susan
Seit einigen Jahren ist es möglich, aus reprogrammierten somatischen Zellen der Maus Keimzellen zu generieren. Solche artifiziellen Keimzellen können in vitro befruchtet werden und sich nachfolgend zu gesunden und fertilen Nachkommen entwickeln. Eine Übertragung der Technologie auf den Menschen ist denkbar. In diesem Fall würden Embryonen nicht aus Keimzellen (Ei- und Samenzellen) der Eltern entstehen, sondern aus von ihnen gespendeten Körperzellen. Daraus ergibt sich die Notwendigkeit einer biologischen wie auch normativen Einordnung solcher neuartiger Keimzellen. Können diese als Zellen der menschlichen Keimbahn verstanden werden und inwieweit könnte ihre reproduktive Verwendung als rechtlich verbotene menschliche Fortpflanzung zu begreifen sein?
Wolfgang Raible (Hrsg.), Beistand bis zuletzt. Erfahrungen und Hilfen bei der Begleitung sterbender Menschen, Freiburg u. a. (Herder) 2015, 167 Seiten.
Pennington, Laura • Schmidt, Benedikt
Ulrich H. J. Körtner/Christian Kopetzki/Sigrid Müller (Hrsg.), Hirntod und Organtransplantation. Zum Stand der Diskussion (Ethik und Recht in der Medizin Band 12), Wien (Verlag Österreich) 2016, 220 Seiten.