Source: https://www.rechtslupe.de/steuerrecht/einkommensteuer/einkommensteuer-privat/gebaeudesanierung-und-die-schoenheitsreparaturen-3114461
Timestamp: 2020-04-06 18:23:34
Document Index: 323844068

Matched Legal Cases: ['§ 6', '§ 6', '§ 6', '§ 6', '§ 255', '§ 6', '§ 6', '§ 6', '§ 6', '§ 255', '§ 6', '§ 6', '§ 6', '§ 6', '§ 6', '§ 6', '§ 6', '§ 6']

Gebäu­de­sa­nie­rung – und die Schön­heits­re­pa­ra­tu­ren | Rechtslupe
Zu den Auf­wen­dun­gen i.S. von § 6 Abs. 1 Nr. 1a Satz 1 EStG gehö­ren unab­hän­gig von ihrer han­dels­recht­li­chen Ein­ord­nung sämt­li­che Auf­wen­dun­gen für bau­li­che Maß­nah­men, die im Rah­men einer im Zusam­men­hang mit der Anschaf­fung des Gebäu­des vor­ge­nom­me­nen Instand­set­zung und Moder­ni­sie­rung anfal­len und nicht nach Satz 2 der Vor­schrift aus­drück­lich aus­ge­nom­men sind. Hier­zu gehö­ren auch Kos­ten für Schön­heits­re­pa­ra­tu­ren.
Von einer Reno­vie­rung und Moder­ni­sie­rung im Zusam­men­hang mit der Anschaf­fung des Gebäu­des kann im Regel­fall aus­ge­gan­gen wer­den, soweit bau­li­che Maß­nah­men inner­halb von drei Jah­ren nach der Anschaf­fung durch­ge­führt wer­den. Auf­wen­dun­gen, die mit den Moder­ni­sie­rungs- und Instand­set­zungs­maß­nah­men nicht im Zusam­men­hang ste­hen, kön­nen als sofort abzugs­fä­hi­ge Wer­bungs­kos­ten zu berück­sich­ti­gen sein.
Der Bun­des­fi­nanz­hof führt inso­weit sei­ne Recht­spre­chung zur Ein­be­zie­hung von Schön­heits­re­pa­ra­tu­ren in die anschaf­fungs­na­hen Her­stel­lungs­kos­ten i.S. von § 6 Abs. 1 Nr. 1a Satz 1 EStG fort 4. Soweit der BFH in sei­nem Urteil in BFHE 226, 256, BSt­Bl II 2010, 125 noch einen engen räum­li­chen, zeit­li­chen und sach­li­chen Zusam­men­hang der Schön­heits­re­pa­ra­tu­ren zu einer als ein­heit­lich zu wür­di­gen­den Instand­set­zung und Moder­ni­sie­rung des Gebäu­des gefor­dert hat, hält der Bun­des­fi­nanz­hof hier­an indes nicht mehr fest.
Für die­se Aus­le­gung spricht auch der vom Gesetz­ge­ber mit der Rege­lung des § 6 Abs. 1 Nr. 1a Satz 1 EStG ver­folg­te Zweck, einer­seits die bis zur Recht­spre­chungs­än­de­rung des Bun­des­fi­nanz­hofs durch die Urtei­le vom 12.09.2001 – IX R 39/​97 6 und – IX R 52/​00 7 bestehen­de Rechts­la­ge zum anschaf­fungs­na­hen Auf­wand gesetz­lich fest­zu­schrei­ben und ande­rer­seits aus Grün­den der Rechts­ver­ein­fa­chung und –sicher­heit eine typi­sie­ren­de Rege­lung zu schaf­fen 8. Die­ser gesetz­li­chen Inten­ti­on einer Typi­sie­rung wür­de es aber wider­spre­chen, wenn man im Rah­men einer im Anschluss an den Erwerb vor­ge­nom­me­nen Instand­set­zung und Moder­ni­sie­rung des Gebäu­des ein­zel­ne Arbei­ten iso­liert und damit stets den kon­kre­ten statt den typi­schen Fall betrach­ten müss­te 9.
Zu den Auf­wen­dun­gen i.S. von § 6 Abs. 1 Nr. 1a Satz 1 EStG gehö­ren dar­über hin­aus auch Auf­wen­dun­gen für eine über den ursprüng­li­chen Zustand hin­aus­ge­hen­de wesent­li­che Ver­bes­se­rung des Gebäu­des i.S. von § 255 Abs. 2 Satz 1 HGB, wenn sie im Rah­men einer Reno­vie­rung und Moder­ni­sie­rung im Zusam­men­hang mit dem Erwerb des Gebäu­des anfal­len 10.
Ob Auf­wen­dun­gen für bau­li­che Maß­nah­men im Rah­men einer im Zusam­men­hang mit dem Erwerb eines Gebäu­des vor­ge­nom­me­nen Instand­set­zung und Moder­ni­sie­rung ange­fal­len sind, ist vom Finanz­ge­richt im Rah­men sei­ner tatrich­ter­li­chen Wür­di­gung zu beant­wor­ten. Dabei kann im Regel­fall von einer Reno­vie­rung und Moder­ni­sie­rung im Zusam­men­hang mit der Anschaf­fung des Gebäu­des aus­ge­gan­gen wer­den, soweit bau­li­che Maß­nah­men inner­halb von drei Jah­ren nach der Anschaf­fung durch­ge­führt wer­den. Inso­weit ent­hält die Vor­schrift des § 6 Abs. 1 Nr. 1a EStG eine Regel­ver­mu­tung für das Vor­lie­gen anschaf­fungs­na­her Her­stel­lungs­kos­ten, ohne dass es einer Ein­zel­fall­prü­fung bedarf. Uner­heb­lich ist in die­sem Zusam­men­hang, ob die Reno­vie­rungs­maß­nah­men in die­sem Zeit­raum unmit­tel­bar im Anschluss an den Erwerb des Gebäu­des oder im Zuge eines Mie­ter­wech­sels vor­ge­nom­men wer­den. Über­stei­gen die hier­für ange­fal­le­nen Auf­wen­dun­gen ohne die Umsatz­steu­er 15 % der für den Erwerb des Gebäu­des auf­ge­wand­ten Anschaf­fungs­kos­ten, sind die­se ins­ge­samt als anschaf­fungs­na­he Her­stel­lungs­kos­ten i.S. des § 6 Abs. 1 Nr. 1a Satz 1 EStG zu behan­deln.
Die Zurech­nung von anschaf­fungs­na­hen Auf­wen­dun­gen zu den Her­stel­lungs­kos­ten bedeu­tet aller­dings nicht, dass es in die­sen Jah­ren über­haupt kei­nen sofort abzugs­fä­hi­gen Erhal­tungs­auf­wand geben könn­te. Auf­wen­dun­gen, die mit den Umbau, Moder­ni­sie­rungs- und Instand­set­zungs­maß­nah­men nicht im Zusam­men­hang ste­hen, kön­nen als sofort abzugs­fä­hi­ge Wer­bungs­kos­ten zu berück­sich­ti­gen sein. Hier­un­ter fal­len ins­be­son­de­re Erhal­tungs­auf­wen­dun­gen, die jähr­lich übli­cher­wei­se anfal­len und daher nach Satz 2 der Vor­schrift aus­drück­lich nicht zu den Auf­wen­dun­gen für Instand­set­zungs- und Moder­ni­sie­rungs­maß­nah­men gehö­ren. Zu den jähr­lich übli­cher­wei­se anfal­len­den Erhal­tungs­auf­wen­dun­gen in die­sem Sin­ne gehö­ren ins­be­son­de­re Auf­wen­dun­gen für regel­mä­ßi­ge War­tungs­ar­bei­ten wie lau­fen­de Hei­zungs- oder Auf­zugs­war­tun­gen, Besei­ti­gung von Rohr­ver­stop­fun­gen und ‑ver­kal­kun­gen oder Able­se­kos­ten 11.
Bei der Prü­fung, ob die Auf­wen­dun­gen für Instand­set­zungs- und Moder­ni­sie­rungs­auf­wen­dun­gen zu anschaf­fungs­na­hen Her­stel­lungs­kos­ten i.S. von § 6 Abs. 1 Nr. 1a Satz 1 EStG füh­ren, ist bei einem aus meh­re­ren Ein­hei­ten bestehen­den Gebäu­de dann auf das Gebäu­de ins­ge­samt abzu­stel­len, wenn das Gesamt­ge­bäu­de nicht in unter­schied­li­cher Wei­se genutzt wird und somit nicht in ver­schie­de­ne Wirt­schafts­gü­ter auf­zu­tei­len ist 12. Maß­geb­lich ist inso­weit, ob zwi­schen den Gebäu­de­tei­len ein ein­heit­li­cher Nut­zungs- und Funk­ti­ons­zu­sam­men­hang besteht 13.
Nach die­sen Grund­sät­zen hat das Finanz­ge­richt im hier ent­schie­de­nen Streit­fall zutref­fend die für die durch­ge­führ­ten Umbau, Reno­vie­rungs- und Moder­ni­sie­rungs­maß­nah­men ange­fal­le­nen Auf­wen­dun­gen ins­ge­samt als anschaf­fungs­na­he Her­stel­lungs­kos­ten i.S. von § 6 Abs. 1 Nr. 1a Satz 1 EStG beur­teilt. Der Grund­stücks­ei­gen­tü­mer hat inner­halb von drei Jah­ren nach der Anschaf­fung des Gebäu­des suk­zes­si­ve auf sämt­li­chen Eta­gen Reno­vie­rungs- und Moder­ni­sie­rungs­maß­nah­men durch­ge­führt. Dem Umstand, dass die Arbei­ten teil­wei­se im Zuge eines Mie­ter­wech­sels vor­ge­nom­men wor­den sind, ist kei­ne Bedeu­tung bei­zu­mes­sen. Die­se Instand­set­zungs- und Moder­ni­sie­rungs­ar­bei­ten führ­ten zu Kos­ten von ins­ge­samt 38.227 € ohne Umsatz­steu­er, die über 15 % der Anschaf­fungs­kos­ten des Gebäu­des (162.781 €) lie­gen. Dabei ist auf das gesam­te Gebäu­de abzu­stel­len, da das aus fünf Woh­nun­gen bestehen­de Mehr­fa­mi­li­en­haus vor­lie­gend ein­heit­lich zu Ver­mie­tungs­zwe­cken genutzt wird. Auch ist es uner­heb­lich, ob ein­zel­ne Bau­maß­nah­men zu einer wesent­li­chen Ver­bes­se­rung des Gebäu­des geführt haben und damit als Her­stel­lungs­kos­ten i.S. von § 255 Abs. 2 Satz 1 HGB zu beur­tei­len sind.
Die für die War­tung der Hei­zungs­an­la­ge ange­fal­le­nen Kos­ten kön­nen dage­gen nicht den anschaf­fungs­na­hen Her­stel­lungs­kos­ten zuge­ord­net wer­den. Inso­weit han­delt es sich um regel­mä­ßig jähr­lich anfal­len­de War­tungs­ar­bei­ten i.S. von § 6 Abs. 1 Nr. 1a Satz 2 EStG, die nicht im Zusam­men­hang mit etwai­gen Umbau, Reno­vie­rungs- und Moder­ni­sie­rungs­maß­nah­men ste­hen. Die hier­für ent­stan­de­nen Kos­ten kön­nen daher in den jewei­li­gen Streit­jah­ren als Wer­bungs­kos­ten abge­zo­gen wer­den.
Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 14. Juni 2016 – IX R 22/​15
vgl. hier­zu BFH, Urteil in BFH/​NV 2010, 846[↩]
eben­so Wendt, in: Fest­schrift für Wolf­gang Spind­ler, Steu­er­recht im Rechts­staat, 2011, S. 879, 890; für eine gene­rel­le Ein­be­zie­hung sol­cher Auf­wen­dun­gen Blümich/​Ehmcke, § 6 EStG Rz 416; Schmidt/​Kulosa, a.a.O., § 6 Rz 385, sowie Stob­be in Herrmann/​Heuer/​Raupach, § 6 EStG Rz 482; ableh­nend dage­gen Werndl, in: Kirchhof/​Söhn/​Mellinghoff, EStG, § 6 Rz Ba 15, Ba 34; Söf­fing, DB 2004, 946, 947; Fah­len­bach, DStR 2014, 1902, 1906[↩]
Tros­sen, DStR 2012, 447, 449; ähn­lich Schmidt/​Kulosa, a.a.O., § 6 Rz 386; Spind­ler, DB 2004, 507, 510; Pez­zer, DStR 2004, 525, 528[↩]
Umkehr­schluss aus BFH, Urteil vom 25.09.2007 – IX R 28/​07, BFHE 219, 96, BSt­Bl II 2008, 218; vgl. auch Wendt, in: Fest­schrift für Wolf­gang Spind­ler, a.a.O., S. 879, 893; Schmidt/​Kulosa, a.a.O., § 6 Rz 382; Blümich/​Ehmcke, § 6 EStG Rz 427[↩]
Anschaffungsnahme HerstellungskostenGebäudesanierungSchönheitsreparaturWerbungskosten