Source: https://www.unternehmenssteuern.de/vorsteuerpauschalierung-vorsteuererstattung-ohne-rechnungen/
Timestamp: 2019-06-27 07:04:25
Document Index: 235351201

Matched Legal Cases: ['§ 23', '§ 4', '§ 69', '§ 69', '§ 69', '§ 4', '§ 69', '§ 60', '§ 70', '§ 4', '§ 70', '§ 70', '§ 69', '§ 60']

Vorsteuerpauschalierung: Vorsteuererstattung ohne Rechnungen - unternehmenssteuern.de
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erstellt am 04.02.19 von Redaktion unternehmenssteuern.de
Normalerweise müssen Unternehmer zur Vorsteuererstattung im Besitz einer Rechnung mit ausgewiesener Umsatzsteuer sein. Doch unter bestimmten Umständen haben Unternehmer ein Wahlrecht, bei dem die Vorsteuererstattung nach der Vorsteuerpauschalierung erfolgt. Ganz ohne Rechnung und Nachweise bringt die Vorsteuerpauschalierung je nach Branche und Umsatz hohe Vorsteuererstattungen.
Voraussetzungen für die Vorsteuer-pauschalierung
Eine Vorsteuererstattung ohne Rechnungen im Rahmen der Vorsteuerpauschalierung nach § 23 Abs. 1 UStG funktioniert immer dann, wenn Sie folgende Voraussetzungen erfüllen:
Berechtigung: Sie müssen zum Vorsteuerabzug berechtigt sein
Keine Buchführungspflicht: Sie sind nicht verpflichtet Bücher zu führen und aufgrund jährlicher Bestandsaufnahmen regelmäßig Abschlüsse zu machen. Mit anderen Worten: Sie ermitteln Ihren Gewinn nach der Einnahmen-Überschussrechnung gemäß § 4 Abs. 3 EStG.
Gewerbezweig: Sie müssen einem bestimmten Berufs- bzw. Gewerbezweig angehören. Welche Branchen von der Vorsteuerpauschalierung profitieren kann den Anlagen zu den §§ 69 und 70 UStDV entnommen werden.
Vorjahresumsatz: Der Umsatz im vorangegangenen Kalenderjahr darf nicht über 61.356 Euro gelegen haben (§ 69 Abs. 3 UStDV).
Die ersten drei Voraussetzungen sind relativ einfach zu prüfen bzw. zu bejahen. Bei der dritten Voraussetzung zum Limit beim Vorjahresumsatz müssen Sie wissen, wie sich der Umsatz berechnet. Sie können Ihren Umsatz nach dem folgenden Schema ermitteln (§ 69 Abs. 2 UStDV):
Umsätze im Inland aus dem begünstigten Berufs- und Gewerbezweig ……… Euro
– Umsätze aus Einfuhren ……… Euro
– Innergemeinschaftliche Erwerbe ……… Euro
– Steuerfreie Umsätze nach § 4 Nr. 8, 9 Buchstabe a, 10 und 21 UStG ……… Euro
= Maßgeblicher Umsätze für die Frage, ob die Vorsteuerpauschalierung im Folgejahr zulässig ist. ……… Euro
So wird bei der Vorsteuerpauschalierung gerechnet
Erfüllen Sie alle Voraussetzungen für die Vorsteuerpauschalierung, geht es an die Ermittlung der Vorsteuern, die Ihnen das Finanzamt pauschal erstattet. Die
Schritt 1: Ermitteln Sie die Nettoumsätze des laufenden Jahres, die im Zusammenhang mit dem begünstigten Berufs- bzw. Gewerbezweig erzielt wurden.
Schritt 2: Suchen Sie in den Tabellen in der Anlage zu den §§ 69 und 70 UStG den Prozentsatz für Ihre Branche zur Vorsteuerpauschalierung heraus.
Schritt 3: Wenden Sie den Prozentsatz auf den Nettoumsatz aus Schritt 1 an.
Befindet sich Ihr Berufs- bzw. Gewerbezweig in Abschnitt A der Anlage zu §§ 60 und 70 UStDV, dürfen Sie in Ihrer Umsatzsteuererklärung nur die Vorsteuererstattung laut Vorsteuerpauschalierung beantragen. Darüber hinaus kann keine weitere Vorsteuererstattung beantragt werden. Finden Sie Ihren Berufs- bzw. Gewerbezweig dagegen in Abschnitt B, profitieren Sie von der Vorsteuerpauschalierung und dürfen für daneben aus folgenden Rechnungen zusätzlich Vorsteuern geltend machen (§ 70 Abs. 2 UStDV):
Aus Rechnungen über den Kauf von Umlaufvermögen (Waren zum Wiederverkauf) und aus Rechnungen zu Rohstoffen, Halberzeugnissen, Hilfsstoffen und Zutaten.
Aus Rechnungen über Lieferung von Gebäuden, Grundstücken und Grundstücksteilen.
Aus Rechnungen über Ausbauten, Einbauten, Umbauten und Instandsetzungen an Gebäuden, Grundstücken und Grundstücksteilen.
Rechnungen über Leistungen im Sinn des § 4 Abs. 12 UStG (u.a. Miete für Grundstücke)
Da Sie im Berufs- und Gewerbezweig in Abschnitt B zusätzliche tatsächliche Vorsteuern geltend machen dürfen, sind die Prozentsätze zur Vorsteuerpauschalierung deutlich niedriger als für die Berufs- und Gewerbezweige in Abschnitt A.
Sie sind selbständiger Handwerker im Bereich Elektroinstallation. Ihr Gewinn 2018 ermitteln Sie nach der Einnahmen-Überschussrechnung gemäß 4 Abs. 3 EStG. Der Gesamtumsatz 2017 (Vorjahr!) im Sinn von § 70 Abs. 2 UStDV betrug netto 55.000 Euro. Im Jahr 2018 haben Sie einen Nettoumsatz von 59.000 Euro erzielt. Der bisher in den Umsatzsteuervoranmeldungen geltend gemachte Vorsteuerabzug anhand der Eingangsrechnungen betrug 2018 2.300 Euro. Sie sollten prüfen, ob Sie für 2018 von der Vorsteuerpauschalierung profitieren.
Schritt 1: Voraussetzungen zur Vorsteuer-pauschalierung erfüllt?
Voraussetzungen zur Vorsteuerpauschalierung Ja Nein
Sie sind zum Vorsteuerabzug berechtigt X
Ermittlung des Gewinns nach der Einnahmen-Überschussrechnung X
Der Umsatz im Sinn von § 70 Abs. 2 UStDV im Vorjahr betrug nicht mehr als 61.356 Euro X
Sie gehören einem Berufszweig an, der bei der Vorsteuerpauschalierung begünstigt ist X (Anlage zu §§ 69, 70 UStDV, Abschnitt A, Nr. 6
Fazit: Da Sie alle Fragen mit ja beantworten konnten, profitieren Sie im Jahr 2018 von der Vorsteuerpauschalierung.
Schritt 2: Ermittlung des Vorsteuerabzugs für 2018
Nettoumsatz 2018 59.000 Euro
x Für Elektroinstallation steht Ihnen laut Abschnitt A, Nr. 6 in der Anlage zu §§ 60, 70 UStDV ein Prozentsatz für die Vorsteuerpauschalierung von 9,1% zu. x 9,1%
= Vorsteuerabzug 2018 im Rahmen der Vorsteuerpauschalierung (59.000 Euro x 9,1%) 5.369 Euro
+ Weitere Vorsteuern 0 Euro (bei Abschnitt A kein weiterer Vorsteuerzug erlaubt)
= Vorsteuerabzug 2018 im Rahmen der Vorsteuerpauschalierung gesamt 5.369 Euro
Fazit: Würden Sie in der Umsatzsteuererklärung 2018 nur die Vorsteuererträge anhand der Eingangsrechnungen beantragen (= 2.300 Euro), würden Sie im Vergleich zur Vorsteuerpauschalierung Erstattungen in Höhe von 3.069 Euro verschenken (Vorsteuer nach Vorsteuerpauschalierung 5.369 Euro abzgl. Vorsteuern anhand von Belegen 2.300 Euro).
Übereifrige Finanzbeamte könnten an dieser Stelle Ihr Veto einreichen und die Vorsteuerpauschalierung wegen der hohen Abweichung zu den tatsächlichen Vorsteuern verweigern. Doch hier können Sie elegant kontern. Im Umsatzsteueranwendungserlass steht schwarz auf weiß, dass die Anwendung der Vorsteuerpauschalierung selbst dann nicht zu beanstanden ist, wenn im Einzelfall eine erhebliche Abweichung zu den tatsächlichen Vorsteuern nach Belegen festgestellt wird (Abschnitt 23.1 Abs. 1 Satz 3 UStAE). Weisen Sie den Finanzbeamten dezent auf diese für ihn bindende Aussage hin.
Ausübung des Wahlrechts zur Vorsteuer-pauschalierung
Erfüllen Sie die Voraussetzung für die Vorsteuerpauschalierung, haben Sie in der Umsatzsteuerjahreserklärung ein echtes Wahlrecht. Sie entscheiden sich entweder für die Vorsteuern nach der Vorsteuerpauschalierung oder für die tatsächlichen Vorsteuern aus den vorhandenen Eingangsrechnungen. Sie können sich für die für Sie steuerlich günstigste Variante entscheiden. Die Vorsteuerpauschalierung kann bis zur Unanfechtbarkeit der Steuerfestsetzung beantragt werden.
Nehmen Sie die Vorsteuerpauschalierung in einem Jahr in Anspruch und im nächsten Jahr wechseln Sie wegen hoher Investitionen und daraus resultierenden hohen Vorsteuern zum Vorsteuerabzug nach den tatsächlichen Vorsteuern, können Sie im nächsten Jahr nicht wieder zur Vorsteuerpauschalierung wechseln. Geben Sie die Vorsteuerpauschalierung freiwillig auf, ist eine erneute Vorsteuerpauschalierung frühestens nach Ablauf von fünf Kalenderjahren wieder zulässig.
So beantragen Sie die Vorsteuerpauschalierung
Entscheiden Sie nach dem Vergleich mit den tatsächlichen Vorsteuern für die Vorsteuerpauschalierung, müssen Sie das dem Finanzamt in der Umsatzsteuerjahreserklärung mitteilen. Sie müssen keinen extra Antrag stellen. Es genügt, wenn Sie die Vorsteuern in die richtigen Zeilen eintragen. Das ist in der Umsatzsteuerjahreserklärung 2018 die Zeile 127.