Source: http://www.gesr.de/52075.htm
Timestamp: 2019-03-21 09:33:40
Document Index: 148142077

Matched Legal Cases: ['§ 140', '§ 115', '§ 115', '§ 115', '§ 116', '§ 117', '§ 116', '§ 116', '§ 2', '§ 116', '§ 116', '§ 116', '§ 2', '§ 90']

I. Vorteile der ambulanten Leistungserbringung an und durch Kliniken
II. Rechtliche Gestaltungsoptionen und ihre Umsetzung
1. Ambulante spezialfachÃ¤rztliche Versorgung
a) Leistungskatalog und Leistungserbringer
b) LeistungsvergÃ¼tung
c) Anzeigeverfahren
e) Rechtliche HÃ¼rden
2. Besondere Versorgung, Â§ 140a Abs. 1 S. 2 SGB V
c) Umfang der VertrÃ¤ge und VergÃ¼tung
3. Vor- und nachstationÃ¤re Behandlung im Krankenhaus, Â§ 115a SGB V
c) Kooperation mit niedergelassenen VertragsÃ¤rzten
d) Fristen des Â§ 115a Abs. 2 SGB V
4. Ambulantes Operieren im Krankenhaus, Â§ 115b SGB V
a) Normzweck und Voraussetzungen
b) Kooperation mit niedergelassenen VertragsÃ¤rzten
5. ErmÃ¤chtigungen, Â§Â§ 116 ff. SGB V
a) Hochschul- und andere Ambulanzen, Â§Â§ 117 ff. SGB V
b) Ambulante Behandlung durch KrankenhausÃ¤rzte
c) ErmÃ¤chtigung eines Krankenhauses bzw. KrankenhaustrÃ¤gers Â§ 116a SGB V
6. GrÃ¼ndung eines MVZ am Krankenhaus
b) Bedarfsplanungsrelevante Vertragsarztsitze bzw. Arztstellen
c) Praxiserwerb
d) Ãœbertragung bestehender Anstellungsgenehmigungen
e) Ãœbertragung sonstiger Genehmigungen
7. Arztpraxis am Krankenhaus
a) Ãœberlassung von RÃ¤umlichkeiten
b) Ãœberlassung von GerÃ¤ten
Zwar kann sich wegen des sektoralen Trennungssystems die Frage aufdrÃ¤ngen, weshalb eine VerknÃ¼pfung sinnvoll sein sollte; die Vorteile, die eine ambulante Leistungserbringung an und durch Kliniken bewirken kann, sind bei nÃ¤herer Betrachtung allerdings mannigfaltig. Kliniken kÃ¶nnen sich hierdurch zusÃ¤tzliche Leistungsbereiche und Einnahmequellen erschlieÃŸen, die ihnen bei rein stationÃ¤rer Leistungsausrichtung verwehrt bleiben wÃ¼rden. Die bessere Auslastung von RÃ¤umen, GerÃ¤ten und Personal optimiert die VorgÃ¤nge im Krankenhaus und kann die Wirtschaftlichkeit steigern. Auch aus der Perspektive des Patienten ist eine umfassende Leistung aus einer Hand an einem Ort oft sinnvoll. GegenÃ¼ber anderen Leistungserbringern kann sich die ambulant tÃ¤tige Klinik dadurch Wettbewerbsvorteile erarbeiten; das eigene Personal und Nachwuchsmediziner finden attraktivere BeschÃ¤ftigungsmodelle und Weiterbildungsangebote vor. Hierdurch kann insbesondere dem Facharztmangel entgegengewirkt werden. Sinnvolle und dauerhafte Kooperationen mit niedergelassenen Ã„rzten zum beiderseitigen Nutzen schaffen Vertrauen, pflegen auÃŸerdem die NÃ¤hebeziehung und Zuweiserstruktur.
Die in diesem Beitrag nÃ¤her beleuchteten rechtlichen Gestaltungsoptionen erstrecken sich von der ambulanten spezialfachÃ¤rztlichen Versorgung (ASV) Ã¼ber die VertrÃ¤ge zur Besonderen Versorgung bis hin zur vor- und nachstationÃ¤ren Behandlung im Krankenhaus. Ebenso werden die MÃ¶glichkeiten zum ambulanten Operieren im Krankenhaus und die Vorgaben zur ErmÃ¤chtigung, sei es die ErmÃ¤chtigung von Hochschul- und anderen Ambulanzen, zur ErmÃ¤chtigung einzelner KrankenhausÃ¤rzte oder ganzer KrankenhÃ¤user beleuchtet. DarÃ¼ber hinaus kann sich das Krankenhaus aber auch als GrÃ¼nderin Medizinischer Versorgungszentren (MVZ) betÃ¤tigen oder durch das Modell der Arztpraxis am Krankenhaus ambulante Leistungserbringer in ihrem Umfeld ansiedeln.
Mit Â§ 116b SGB V hat der Gesetzgeber die MÃ¶glichkeit zur ASV geschaffen. Normzweck ist hier die Etablierung eines sektorenverbindenden Versorgungsbereichs als neuem eigenstÃ¤ndigem Bereich im GKV-Versorgungssystem. KrankenhausÃ¤rzte und niedergelassene FachÃ¤rzte Ã¼bernehmen dabei unter gleichen Qualifikationsvoraussetzungen und einheitlichen Bedingungen die Versorgung von Patienten mit komplexen, schwer therapierbaren Krankheiten.
Die relevanten Krankheitsbilder konkretisiert der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) in einem Katalog komplexer, schwer therapierbarer Krankheiten innerhalb der Kategorien Erkrankungen mit besonderen KrankheitsverlÃ¤ufen, seltene Erkrankungen und ErkrankungszustÃ¤nde mit entsprechend geringen Fallzahlen sowie hochspezialisierte Leistungen. Zur Teilnahme an der ASV berechtigte Leistungserbringer (sog. ASV-Berechtigte, Â§ 2 ASV-RL) sind gem. Â§ 116b Abs. 2 S. 1 SGB V zugelassene KrankenhÃ¤user, ermÃ¤chtigte Ã„rzte bzw. Einrichtungen und VertragsÃ¤rzte sowie MVZ, sofern die maÃŸgeblichen Anforderungen und Voraussetzungen der ASV-RL erfÃ¼llt sind. MÃ¶glich ist daher auch die ASV-Leistungserbringung durch ein MVZ eines Krankenhauses.
Die Abrechnung der Leistungen der ASV erfolgt nach Â§ 116b Abs. 6 S. 8 und 9 SGB V derzeit noch in erster Linie auf der Grundlage des Einheitlichen BewertungsmaÃŸstabs (EBM). Zudem sieht ein zwischen dem GKV-Spitzenverband, der Deutschen Krankenhausgesellschaft und der KBV vereinbartes Abrechnungsverfahren vor, dass Leistungen, die noch nicht Bestandteil des EBM sind, aber im Rahmen der ASV angewendet werden dÃ¼rfen, mit bundeseinheitlichen Pseudoziffern gekennzeichnet werden. Dieses Verfahren wird so lange angewendet, bis die Leistungen in das neue EBM-Kapitel 50 aufgenommen sind und eine eigene GebÃ¼hrenordnungsposition erhalten. Auch Krankenhausleistungen kÃ¶nnen wie im ambulanten Bereich als Einzelleistungen unmittelbar durch die Krankenkasse vergÃ¼tet werden, Â§ 116b Abs. 6 S. 1 SGB V. HierfÃ¼r muss eine arztgenaue Abrechnung erfolgen, also ein bestimmtes Teammitglied fÃ¼r jede einzelne Leistungserbringung benannt werden. Langfristiges Ziel ist jedoch ein eigenes VergÃ¼tungssystem der ASV im EBM mit diagnosebezogener VergÃ¼tungssystematik.
Das Verfahren sieht vor, dass potentielle Leistungserbringer eine Anzeige der Teilnahme an der ASV-Versorgung gegenÃ¼ber dem zustÃ¤ndigen erweiterten Landesausschuss abgeben, Â§ 2 Abs. 2 ASV-RL und Â§Â§ 90 Abs. 1 bzw. 116b Abs. 3 SGB V. Hierin mÃ¼ssen sie den Nachweis der ErfÃ¼llung aller Anforderungen und Voraussetzungen der ASV-Richtlinie erbringen. GrundsÃ¤tzlich ist dies der Nachweis der ErfÃ¼llung personeller, sÃ¤chlicher und organisatorischer Anforderungen, insbesondere im Wege von Kooperationen. In personeller Hinsicht sind eine spezielle Qualifikation und eine Zusammenarbeit in einem interdisziplinÃ¤ren Team erforderlich, (...)
Verlag Dr. Otto Schmidt vom 16.05.2018 11:23