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Timestamp: 2020-02-19 11:15:43
Document Index: 42016465

Matched Legal Cases: ['§ 55', '§ 11', '§ 12', '§ 13', '§ 16', '§\u200913']

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Unterstützung von Veränderungsprozessen: Auswahl externer Berater – Vergabeverfahren
Cornelia Vonhof: Unterstützung von Veränderungsprozessen: Auswahl externer Berater – Vergabeverfahren (In: Erfolgreiches Management von Bibliotheken und Informationseinrichtungen, hrsg. von Prof. Dr. Konrad Umlauf • Prof. Cornelia Vonhof, Hamburg: Dashöfer 2011, Abschn. 3.6.3.3)
Der Beruf des Unternehmensberaters unterliegt in Deutschland keiner gesetzlich fixierten Berufsordnung und keinem Berufsbezeichnungsschutz. Die Berufsbezeichnung Unternehmensberater, Wirtschaftsberater, Betriebsberater o.ä. kann jeder führen, unabhängig von Qualifikation und Erfahrung. Berater-Fehlentscheidungen bedeuten aber oft nicht nur erhebliche finanzielle Verluste. Darüber hinaus besteht die Gefahr, dass Mitarbeiter schlechte Erfahrungen, die mit einem Beratungsprojekt gemachten wurden, auf Veränderungsprozesse allgemein übertragen. Umso wichtiger ist es, eine fundierte und tragfähige Entscheidung zu treffen.
Die Mitgliedschaft im BDU* kann ein Hinweis auf die Seriosität eines Anbieters sein. So weit als möglich sollte außerdem auf die Erfahrungen anderer Bibliotheks- und Informationseinrichtungen mit Beratern oder Beratungshäusern zurückgegriffen werden. Dabei ist allerdings zu bedenken, dass das Erfahrungspotenzial in Bibliotheken insgesamt recht schmal ist und, dass Beratung ein „People-Business“ ist, d.h. außerordentlich stark von den konkret handelnden Personen abhängt. Das bedeutet, dass positive oder negative Erfahrungen bezogen auf ein Beratungshaus X nur eine eingeschränkte Aussagekraft haben. Natürlich prägt die Philosophie eines Hauses dessen Berater. Der „McKinsey-Stil“ ist allgemein bekannt! Viel wichtiger für den Erfolg oder Misserfolg eines Projektes sind aber die Personen, die als Berater in die Bibliothek kommen. Hierauf sollte bei der Auswahl ein besonderes Augenmerk gelegt werden. Das komplexe und aufwändige Vergabeverfahren, das für die öffentliche Hand vorgeschrieben ist, steckt für die Auswahl der externen Berater den Rahmen.
Bibliotheken und Informationseinrichtungen in öffentlicher Trägerschaft, d.h., getragen von Kommunen, den Ländern oder vom Bund, unterliegen grundsätzlich bei Beschaffungen dem Vergaberecht für öffentliche Aufträge*.
Hintergrund dieser Regelungen für den Einkauf von Gütern und Dienstleistungen ist die Tatsache, dass die dafür ausgegebenen Mittel aus Steuern, Beiträgen und Gebühren stammen, was die öffentliche Hand zu einem möglichst wirtschaftlichen und effizienten Umgang verpflichtet. Die Wirtschaftlichkeit des Einkaufs soll durch Wettbewerb sichergestellt werden. Außerdem soll verhindert werden, dass der Staat als großer Nachfrager auf dem Markt seine Marktstärke* missbraucht. Ein weiteres Ziel ist die Öffnung der öffentlichen Beschaffungsmärkte in der EU durch transparente und nichtdiskriminierende Verfahren für alle potenziellen europäischen Bewerber um öffentliche Aufträge.
Die Rechtsgrundlage für den Einkauf der öffentlichen Hand und damit auch die Vorbereitung und Abwicklung der Vergabe eines Beratungsauftrags ist komplex, verschachtelt und unübersichtlich*. In der Regel wird das gesamte Verfahren von der Vergabestelle des Bibliotheksträgers gesteuert. Kennt die Bibliothek jedoch die Regeln des Verfahrens, so kann sie es nutzen, um an entscheidenden Stellen Einfluss zu nehmen:
So können die Aufgaben- und Leistungsbeschreibung qualifiziert nur von der Bibliothek bereitgestellt werden. Damit können maßgeblich die Qualität der Bewerbungen und damit die Qualität der ausgewählten Berater bestimmt sowie die Inhalte und der Verlauf des Projektes beeinflusst werden.
Es können bestimmte Elemente des Vergabeverfahrens eingefordert werden, die für die qualifizierte Bewerberauswahl hilfreich sind wie Bietergespräche oder ein vorgeschalteter Teilnahmewettbewerb.
Die rechtlichen Grundlagen für die Beschaffung der öffentlichen Hand sind
das Haushaltsrecht* (Haushaltsgrundsätzegesetz (HGrG) und die Haushaltsverordnungen der Länder und Kommunen)
das Vergaberechtsänderungsgesetz (VgRÄG)
die so genannten Verdingungsordnungen bzw. Vergabe- und Vertragsordnung (VOB, VOF, VOL) und
zusätzliche rechtliche Bestimmungen auf Ebene der Bundesländer (in Baden-Württemberg zum Beispiel Verwaltungsvorschriften sowie die Bestimmungen im Mittelstandsförderungsgesetz).
Schaubild 4: Aufbau des Vergaberechts
Die einschlägigen Regelungen für das Vergabeverfahren sind in den Verdingungsordnungen festgeschrieben:
VOB – Vergabe- und Vertragsordnung für Bauleistungen Diese Verdingungsordnung regelt die Vergabe öffentlicher Aufträge über Bauleistungen und ist damit für Beratungsaufträge nicht relevant.
VOL – Verdingungsordnung für Leistungen außer Bauleistungen*
Sie regelt die Vergabe öffentlicher Dienstleistsaufträge (hier sind ausdrücklich von freiberuflich Tätigen erbrachte Dienstleistungen ausgenommen) und Lieferleistungen (entgeltliche Kauf-, Miet-, Pacht- oder Leasingverträge über Waren)*.
VOF – Verdingungsordnung für freiberufliche Leistungen Hier ist die Auftragsvergabe an Freiberufler niedergelegt. Dabei muss der Gegenstand dieser Dienstleistung eine Aufgabe sein, deren Lösung vorab nicht eindeutig und erschöpfend beschrieben werden kann. Da dies auf Beratungen in der Regel zutrifft, ist die VOF die bei der Vergabe von Beratungsaufträgen anzuwendende Verdingungsordnung. Die VOF gilt allerdings erst ab einem Schwellenwert von € 130.000 bzw. 200.000 Auftragsvolumen.
Die Verdingungsordnungen regeln auch die Art der Vergabeverfahren. Es werden drei unterschiedlich aufwändige Verfahren unterschieden:
Die „öffentliche Ausschreibung“ (europaweit: „offenes Verfahren“), die einen unbeschränkten Kreis von Unternehmen zur Abgabe von Angeboten auffordert.
Die „beschränkte Ausschreibung“, die vorsieht, dass nur ein beschränkter Kreis von Unternehmen zur Angebotsabgabe aufgefordert wird (europaweit: „nicht offenes Verfahren“), weil z.B. außergewöhnliche Fachkunde, Leistungsfähigkeit oder Zuverlässigkeit erforderlich ist.
Die dritte Art ist die „freihändige Vergabe“ (europaweit: „Verhandlungsverfahren“), das als einziges Verfahren Verhandlungen mit den anbietenden Unternehmen zulässt. Dieses Verfahren ist die große Ausnahme und kommt nur zur Anwendung, wenn für Leistungen (z.B. aufgrund der Erfahrung, Fachkunde etc.) nur ein Unternehmen in Frage kommt oder wegen Gefahr im Verzug eine besondere Dringlichkeit besteht.
Vorrangig sind öffentliche Auftraggeber zur öffentlichen Ausschreibung verpflichtet, da diese den potenziell größten Wettbewerb organisiert. Nur unter engen Voraussetzungen dürfen die anderen Verfahren gewählt werden. Um zusätzlich die Gefahr der Wettbewerbsbeschränkung bei den beiden nicht-öffentlichen Verfahren möglichst klein zu halten, ist vor einer beschränkten Ausschreibung oder freihändigen Vergabe ein „Teilnahmewettbewerb“ durchzuführen. Dies ist ein stark formalisiertes Verfahren, in dem die Anbieter – also die Beratungshäuser – unter Vorlage von Angaben zur Leistungsfähigkeit ihres Unternehmens das Interesse bekunden, an der nicht-öffentlichen Ausschreibung beteiligt zu werden. In der Regel werden von den Interessenten drei bis maximal zehn Unternehmen aufgefordert, ein ausführliches Angebot abzugeben.
Die Bekanntmachung öffentlicher Aufträge erfolgt in den verschiedenen Ausschreibungsblättern, in Tageszeitungen oder im Amtsblatt der Europäischen Union.
Der erwähnte Aspekt der Öffnung des Marktes für europäische Anbieter schlägt sich in den Regelungen zu den „Schwellenwerten“ nieder: Die europaweite Ausschreibung eines Auftrages hat immer dann zu erfolgen, wenn bestimmte Auftragswerte überschritten werden. Für Liefer- und Dienstleistungsaufträge der Bundesstellen gilt dies ab 130.000 €, für Liefer- und Dienstleistungsaufträge aller anderen Auftraggeber ab 200.000 € und für Bauaufträge ab 5 Mio. €.
Für Bibliotheken und Informationseinrichtungen haben diese Schwellenwerte bei der Vergabe von Beratungsaufträgen große Bedeutung:
Geht die Bibliothek (zusammen mit der Vergabestelle des Trägers) davon aus, dass das Beratungsvolumen unter 130.000 bzw. 200.000 € (ohne Umsatzsteuer) liegt, so ist
die VOL/A nicht anzuwenden, weil Beratung als „freiberufliche Tätigkeit“ erbracht wird und dafür die VOL nicht gilt,
die VOF nicht anzuwenden, weil sie erst ab den definierten Schwellwerten gilt.
Hier würden dann die Bestimmungen der Haushaltsordnungen des Trägers greifen. Die Vergabe freiberuflicher Leistungen kann danach wegen ihrer besonderen intellektuellen und kreativen Natur entweder in Form einer beschränkten Ausschreibung oder seltener einer freihändigen Vergabe erfolgen. Dabei sind jedoch immer die spezifischen Regelungen und Wertgrenzen der einzelnen Bundesländer oder Kommunen zu beachten, mit denen diese den vorgegebenen gesetzlichen Rahmen ausgestalten.
Gemäß den Ausführungsvorschriften zur Berliner Landeshaushaltsordnung vom 10.2.2003 (AV LHO § 55) dürfen bei Unterschreitung bestimmter Wertgrenzen die Berliner Vergabestellen vom Grundsatz der öffentlichen Ausschreibung abweichen. Die Wertgrenzen liegen für Liefer- und Dienstleistungen bei 25.000 € (beschränkte Ausschreibung) und 2.500 € (freihändige Vergabe). Auch bei freihändiger Vergabe sind im Allgemeinen mindestens drei Angebote einzuholen. Bei einem Auftrag mit einem voraussichtlichen Wert bis zu 500 € ist ein formloser Preisvergleich ausreichend.
Die aufgeregten Diskussionen der letzten Jahre über angebliche und tatsächliche Unregelmäßigkeiten bei öffentlichen Vergabeverfahren haben jedoch dazu geführt, dass viele öffentliche Auftraggeber bei ihren Vergaben überkorrekt agieren und auch unterhalb der Schwellenwerte trotz vorhandener Regelungen in den Haushaltsordnungen die aufwändigeren Verdingungsordnungen anwenden.
Zwingend anzuwenden ist die VOF allerdings dann, wenn die Bibliothek (zusammen mit der Vergabestelle des Trägers) davon aus geht, dass das Beratungsvolumen mit 130.000 bzw. 200.000 € (ohne Umsatzsteuer) über dem Schwellenwert liegt. Hier muss eine europaweite Ausschreibung nach VOF erfolgen. Das bedeutet ein zeit- und arbeitsintensives Auswahlverfahren.
Die Formalien des Vergabeprozesses sind in den Verdingungsordnungen festgeschrieben. Diese Grundlinien auch auf Vergaben unterhalb des Schwellenwertes anzuwenden, ist jedoch empfehlenswert. Dies macht das gesamte Verfahren transparent und stellt sicher, dass Kritik und Angriffe aufgrund formaler Fehler ausgeschlossen werden können. Darüber hinaus können die formalen Regeln der Verdingungsordnungen gerade bei Einrichtungen, die keine Erfahrung und Routine mit Vergabe von komplexen Aufträgen haben, eine hilfreiche Leitlinie sein.
Schritt 1: Aufgaben- und Leistungsbeschreibung
Auf die Bedeutung einer klaren und präzisen Verständigung auf die Ziele und Inhalte eines Beratungsprojektes wurde bereits hingewiesen.
Die Leistungsbeschreibung ist auch formal der Kernpunkt des Ausschreibungsverfahrens:
Sie legt den Vertragsinhalt fest.
Sie ist die Grundlage für die Bewertung der Angebote.
Sie muss deshalb eindeutig sein und erschöpfend das gesamte zu erbringende Leistungsspektrum beschreiben. Damit liegt hier auch der zentrale Schalthebel der Bibliothek, um auf Inhalt und Verlauf eines Beratungsprojektes Einfluss zu nehmen. Soweit die Initiative für die Vergabe einer externen Beratung vom Träger ausgeht, wird er zwar sein Ziel formulieren (Abbau von x Stellen, Fusion von Abteilung x und y, umfassende Organisationsanalyse, etc.). Dieses generelle Ziel aber für die Bibliothek zu präzisieren, sollte sich die Bibliothek nicht aus der Hand nehmen lassen. Im Rahmen der Leistungsbeschreibung ist es z.B. möglich zu definieren, wo interne und wo externe Ressourcen eingesetzt werden sollen.
Schritt 2: Ermittlung des Auftragsvolumens
In der Regel wird der Bibliothek ein bestimmtes kaum veränderbares Budget für eine externe Beratung zur Verfügung stehen. Damit ist die Frage des Schwellenwertes schnell geklärt. Deshalb ist ausgehend von dem vorhandenen Budget zu prüfen, ob alle in der Aufgabenbeschreibung formulierten Ziele auch finanziell abgedeckt werden können, bzw. wie umfassend und wie tief die externe Beratung eingebunden werden kann. Hier ist abzuwägen, ob bestimmte Projektschritte oder -phasen mit internen Ressourcen bearbeitet werden und bei anderen dann eine intensive externe Beratung erfolgt, oder ob der externe Berater z.B. im Sinn der Rolle „Prozessberater“ das Projekt über sämtliche Phasen zwar steuert, die Bibliothek aber wesentliche Inhalte selbst erarbeitet.
Die Ermittlung des Auftragsvolumens ergibt sich aus der Multiplikation des angenommenen Zeitvolumens in Tagen mit dem Tageshonorar („Tagessatz“).
Die Ermittlung des Zeitvolumens ist für beratungsunerfahrene Auftraggeber schwierig. Hier helfen oft nur Erfahrungswerte aus anderen Einrichtungen oder die Befragung von Experten.
Das Honorar wird üblicherweise als Zeithonorar in Personentagen berechnet. Unter einem Personentag versteht man die Arbeit eines Beraters an einem Tag. Ein Personentag sind acht bis zehn Zeitstunden. Werden in einem Projekt 5 Berater jeweils 10 Tage benötigt, kommt man auf 50 Personentage. Die durchschnittliche Spannbreite für das Honorar pro Personentag im öffentlichen Bereich liegt zur Zeit bei 800 bis 1.500 €.
Je nach Vertragsabschluss müssen hierzu noch Nebenkosten (Reisekosten, Übernachtung, Tagegeld, Bürokosten) addiert werden. Außerdem darf die Umsatzsteuer nicht vergessen werden, die für die Verwaltung Kosten darstellt, da sie meist nicht vorsteuerabzugsberechtigt ist. Damit erhält man das ungefähre Projektvolumen.
Schritt 3: Bekanntmachung
In Abhängigkeit vom ermittelten oder zur Verfügung stehenden Projektvolumen wird nun die Ausschreibungsart gewählt. Europaweite Ausschreibungen müssen im Amtsblatt der Europäischen Gemeinschaften und in der Datenbank TED (http://ted.publications.eu.int) veröffentlicht werden. Bei nationalen Ausschreibungen können Amtsblätter (z.B. Bundesausschreibungsblatt: http://www.bundesausschreibungsblatt.de), Fachliteratur oder die Tagespresse genutzt werden. Die Verdingungsordnungen beinhalten Formulare, mit deren Hilfe eine Ausschreibung formgerecht erfolgen kann.
Darüber hinaus legt die VOF die Vergabekriterien fest, die den Bewerbern bekannt gemacht werden müssen:
Ausschlusskriterien (§ 11),
Kriterien zur Prüfung der wirtschaftlichen und finanziellen Leistungsfähigkeit (§ 12),
Kriterien zur allgemeinen Prüfung der fachlichen Eignung (§ 13).
In § 16 werden mögliche Kriterien zur Beurteilung der Angebote benannt.
Neben der Aufforderung, ein ausführliches und strukturiertes schriftliches Angebot abzugeben, sollte auch schon sehr früh im Verfahren Termine für „Bietergespräche“ geplant werden. Bietergespräche dienen dazu, offene Fragen, die sich aus der Ausschreibung ergeben, zwischen Auftraggeberin (Bibliothek) und Auftragnehmer (Berater) so zu klären, dass das Angebot möglichst genau den Anforderungen entspricht. In der Praxis hat sich herausgestellt, dass es nicht sinnvoll ist, die Bietergespräche so zu gestalten, dass alle Bieter in einem Raum sitzen und jeder Fragen stellen kann, oder dass über die Einzelgespräche ein Wortprotokoll geführt wird, das alle Bieter erhalten.
Wirklich zielführende Fragen stellen die Berater nur dann, wenn die Mitbewerber nicht bereits aus ihren Fragen erkennen können, in welche Richtung die Angebote der Kollegen gehen werden. Lediglich Fragen, die das Projekt als Ganzes berühren, sollten allen Bietern transparent gemacht werden.
Es ist ratsam, in diesen Vorgesprächen von Seiten der Bibliothek sehr offen mit Informationen umzugehen und Erwartungen und Anforderungen an den Berater klar zu formulieren. Denn je mehr Informationen ein Berater vorab hat, desto passgenauer kann auch sein Angebot sein. Ob diese Informationen von den Beratern auch aufgenommen und vor allem verstanden wurden, kann so zu einem Prüfstein für die Angebote werden.
Wichtige Eckpunkte des Vertrages, wie z.B. Zahlungsregelungen, Präsenzzeiten vor Ort, Verpflichtung zur Unterhaltung eines Projektbüros vor Ort in der Bibliothek, müssen den Bietern ebenfalls bereits mit der Angebotsaufforderung bekannt gemacht werden, denn dies sind Leistungen, die einen Einfluss auf den Angebotspreis haben.
Um die Vergleichbarkeit der Angebote sicherzustellen und den Auswertungsaufwand in überschaubarem Rahmen zu halten, kann in der Ausschreibung eine Struktur für den Aufbau des Angebots vorgegeben werden. Außerdem können Vorgaben zum Umfang des Angebots gemacht werden.
Eine der schwierigsten Aufgaben ist es, unter den Angeboten das optimale auszuwählen. Die Entscheidung sollte von einer Arbeitsgruppe getroffen bzw. vorbereitet werden, die sich bereits intensiv mit der Zielfindung für das Beratungsprojekt und dem vorangegangenen Vergabeprozess beschäftigt hat. Für die Vergabe sollte nicht allein die Gesamtsumme des Auftrags den Ausschlag geben*. Es empfiehlt sich, ein Punktesystem für die Bewertung aufzubauen, in dem die Entscheidungskriterien transparent gemacht werden. Eventuell ist es zudem hilfreich, die einzelnen Kriterien zu gewichten. Von den beteiligten Personen wird dann unabhängig voneinander eine Punktbewertung der einzelnen Angebote vorgenommen. Das Ergebnis wird dann in der Gruppe diskutiert, um zu einer endgültigen Entscheidung zu kommen. Folgende Kriterien können dabei bewertet bzw. bepunktet werden:
Checkliste 3: Beraterauswahl
Ist ein umfassendes Verständnis für die Ziele, Problemstellungen und spezifischen Rahmenbedingungen der Bibliothek zu erkennen?
Stimmt der angebotene „Output“, d.h. die zugesicherten Teilergebnisse und Ergebnisse, mit der Leistungsbeschreibung sowie den Informationen aus dem Bietergespräch überein oder handelt es sich um ein Standardangebot?
Hat der Berater – auch auf Basis der Informationen des Bietergesprächs – die Lage der Bibliothek und die Ziele des Projektes verstanden und spiegelt sich das im Vorgehenskonzept und den vorgeschlagenen Methoden wider?
Ist das Vorgehen methodisch und inhaltlich fundiert, nachvollziehbar und glaubwürdig?
Entspricht die fachliche und berufliche Qualifikation der Berater den Anforderungen?
Überzeugt der Berater/das Beratungsteam persönlich? Sprechen er und die Bibliothek die „gleiche Sprache“?
Hat der Berater nachweisbare Umsetzungskompetenzen durch andere Projekte nachgewiesen?
Ist die Kontinuität des Beraterteams während des gesamten Projekts gewährleistet?
Entspricht die Qualität der überprüfbaren Referenzen den Anforderungen? Wurden ausgewählte Referenzen durch persönliche Kontaktaufnahmen überprüft?
Sind branchenspezifische und -übergreifende Kenntnisse nachgewiesen?
Ist die Unabhängigkeit des Beratungshauses glaubhaft nachgewiesen?
Ist die Terminplanung (Detaillierung, Abschätzung des Zeitrahmens) nachvollziehbar und mit dem laufenden Betrieb vereinbar?
Liegen Honorar und Nebenkosten im Rahmen?
Sind die Zahlungstermine mit den Vorgaben der Verwaltung kompatibel?
Die aufgeführten Kriterien decken die für die Unternehmensberaterbranche geeigneten Nachweise zur fachlichen Eignung ( § 13 VOF) ab.
Schritt 5: Präsentation der Angebote
Die persönliche Präsentation der Angebote ist ein üblicher und außerordentlich wichtiger Verfahrensschritt, der neben die Bewertung der schriftlichen Angebote tritt.
Es empfiehlt sich, an den Angebotspräsentationen ausgewählte Mitarbeiter zu beteiligen, die später in das Projekt einbezogen sein werden. Wichtig für den Projekterfolg ist es, dass die „Chemie“ zwischen dem Projektteam der Bibliothek und dem Berater stimmt. Vernünftige Beratung kann nur auf der Basis gegenseitigen Vertrauens erfolgen.
Wichtig ist deshalb auch, dass diejenigen Berater bei der Präsentation anwesend sind und sich vorstellen, die auch für den Projekteinsatz vorgesehen sind und nicht „Vertriebler“ das Projekt verkaufen. In der Präsentation steht neben den Personen das Projektverständnis, das Vorgehenskonzept und die Methodik im Mittelpunkt.
Bei einer öffentlichen Ausschreibung ist für die Bibliothek als Auftraggeberin nicht absehbar, wie viele Angebote eingehen werden. In diesem Fall ist es sinnvoll, auf Grundlage der schriftlichen Angebote eine Vorauswahl zu treffen und nur eine kleine Anzahl von Bewerbern zu einer persönlichen Präsentation einzuladen.
Hat ein vorgeschalteter Teilnahmewettbewerb stattgefunden, so werden üblicherweise alle die Berater zur Präsentation eingeladen, die auch zur Abgabe eines Angebots aufgefordert wurden.
In der öffentlichen Verwaltung sind – durchaus zum Ärger der Berater – oft mehrstufige Präsentationsmarathons üblich, weil die gesamte Verwaltungshierarchie einschließlich der politischen Gremien in den Entscheidungsprozess eingebunden werden muss.
Schritt 6: Bewertung der Angebote
Die Auswertung der Ergebnisse aus Schritt 4 (Auswahl der Angebote) und Schritt 5 (Angebotspräsentation) kann getrennt nach inhaltlichen und preislichen Kriterien erfolgen. Wahrscheinlich wird es zwei Sieger geben, nämlich einen mit der besten Leistung und einen mit dem besten Preis. Es bietet sich also an, mit dem Leistungssieger über den Preis zu verhandeln. Mit dem Preissieger über die Leistung zu verhandeln ist meist weniger effektiv.
Schritt 7: Auftragserteilung
Die Auftragserteilung erfolg selbstverständlich schriftlich. Soweit die Vergabestelle über keine geeigneten Vorlagen verfügt, stellt z.B. der BDU Musterverträge zur Verfügung.
Üblicherweise enthalten die Verträge folgende Punkte:
Ziel- und Aufgabenbeschreibung
(z.B. Regeln bei Leistungsänderungen).
Den unterlegenen Anbietern muss der Auftraggeber auf Wunsch mitteilen, an wen der Auftrag vergeben wurde und welche Gründe für die Ablehnung ihrer Bewerbung vorlagen. Eine Dokumentation der Entscheidungsfindung ist schon aus diesem Grund notwendig.