Source: https://www.rechtslupe.de/steuerrecht/einkommensteuer/einkommensteuer-betrieb/baukostenzuschusse-furs-altenpflegeheim-314098
Timestamp: 2019-12-12 00:14:43
Document Index: 267784292

Matched Legal Cases: ['Art. 52', '§ 21', 'Art. 52', 'Art. 52', '§ 9', 'Art. 52', '§ 9', '§ 82', 'Art. 52', 'Art. 1', 'Art. 52', '§ 82', '§ 255', 'Art. 52']

Bau­kos­ten­zu­schüs­se fürs Alten­pfle­ge­heim | Rechtslupe
Bau­kos­ten­zu­schüs­se auf­grund von Art. 52 Pfle­geVG min­dern die Anschaf­fungs- oder Her­stel­lungs­kos­ten. Der­ar­ti­ge Bau­kos­ten­zu­schüs­se für das Alten­pfle­ge­heim sind damit – anders als Bau­kos­ten­zu­schüs­se im Rah­men des Drit­ten För­der­we­ges – nicht als Ein­nah­men aus Ver­mie­tung und Ver­pach­tung behan­delt, son­dern min­dern ledig­lich Her­stel­lungs­kos­ten – und damit die Grund­la­ge für die zukünf­ti­gen AfA-Abschrei­bun­gen – für das Alten­pfle­ge­heim.
Zuschüs­se sind als Leis­tun­gen eines Drit­ten Ein­nah­men i.S. des § 21 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 EStG, wenn sie das Über­las­sen des Gebrauchs oder der Nut­zung des Grund­stücks ent­gel­ten sol­len. Sie kön­nen z.B. bei einer Miet­preis­bin­dung oder einem Bele­gungs­recht recht­lich und wirt­schaft­lich mit der Gebrauchs- oder Nut­zungs­über­las­sung unmit­tel­bar zusam­men­hän­gen 1.
Rechts­grund­la­ge für die Zuschüs­se ist Art. 52 Abs. 1 Pfle­geVG. Danach wer­den Finanz­hil­fen zur zügi­gen und nach­hal­ti­gen Ver­bes­se­rung der Qua­li­tät der ambu­lan­ten, teil­sta­tio­nä­ren und sta­tio­nä­ren Ver­sor­gung der Bevöl­ke­rung in den neu­en Bun­des­län­dern und zur Anpas­sung an das Ver­sor­gungs­ni­veau im übri­gen Bun­des­ge­biet gewährt. Sie dür­fen nur dazu ver­wen­det wer­den, die für den Betrieb von Pfle­ge­ein­rich­tun­gen not­wen­di­gen Gebäu­de und sons­ti­gen abschrei­bungs­fä­hi­gen Anla­ge­gü­ter her­zu­stel­len, anzu­schaf­fen, wie­der­zu­be­schaf­fen, zu ergän­zen, instand zu hal­ten oder instand zu set­zen sowie die Erst­aus­stat­tung mit den betriebs­not­wen­di­gen Wirt­schafts­gü­tern zu finan­zie­ren.
Wenn der Gesetz­ge­ber auf die­se Wei­se die Inves­ti­ti­ons­maß­nah­men legal defi­niert, so zeigt sich schon auf­grund des Wort­lauts der Vor­schrift ("Her­stel­len oder Anschaf­fen abschrei­bungs­fä­hi­ger Anla­ge­gü­ter") und des in ihr zum Aus­druck kom­men­den Zwecks (zügi­ge und nach­hal­ti­ge Ver­bes­se­rung der Pfle­ge­ein­rich­tun­gen), dass die Zuschüs­se nicht –jeden­falls nicht vor­ran­gig– gewährt wur­den, um der Klä­ge­rin als Emp­fän­ge­rin im Sin­ne einer Gegen­leis­tung die lau­fen­den finan­zi­el­len Nach­tei­le aus­zu­glei­chen, die ihr auf­grund ein­ge­schränk­ter Ver­wen­dungs­mög­lich­kei­ten ent­ste­hen. Viel­mehr soll­te nda­mit –was auch die Höhe der Finan­zie­rungs­hil­fen bis zu den gesam­ten Inves­ti­ti­ons­kos­ten (also z.B. den gesam­ten Her­stel­lungs­kos­ten) indi­ziert– die not­wen­di­ge erst­ma­li­ge flä­chen­de­cken­de Errich­tung in den neu­en Bun­des­län­dern sicher­ge­stellt wer­den. Dass mit die­ser Objekt­för­de­rung zugleich bewirkt wer­den soll, die finan­zi­el­len Belas­tun­gen der Pfle­ge­be­dürf­ti­gen zu sen­ken und damit das Risi­ko der Pfle­ge­be­dürf­tig­keit sozi­al abzu­si­chern, ändert dar­an nichts.
Ein Bele­gungs­recht als Gegen­leis­tung für die Finan­zie­rungs­hil­fen ergibt sich weder aus dem Bewil­li­gungs­be­scheid noch aus den ihn flan­kie­ren­den lan­des­recht­li­chen Rege­lun­gen. Wenn die Klä­ge­rin in 5.3. der Neben­be­stim­mun­gen zum Bewil­li­gungs­be­scheid in Über­ein­stim­mung mit der Lan­des­richt­li­nie IVP ver­pflich­tet wird, alte, kran­ke und behin­der­te Men­schen mit einem beson­de­ren Pfle­ge- und Betreu­ungs­be­darf auf Anfor­de­rung des zustän­di­gen ört­li­chen Trä­gers der Sozi­al­hil­fe unver­züg­lich auf­zu­neh­men, so mag man dar­in ledig­lich eine Siche­rung der Zweck­be­stim­mung für das Alten­pfle­ge­heim sehen kön­nen und kein Bele­gungs­recht. Die­se Aus­le­gung der Neben­be­stim­mung grün­det auf die Dau­er der Zweck­bin­dung für 30 Jah­re, auf die in Art. 52 Abs. 1 Pfle­geVG zum Aus­druck kom­men­de Inten­ti­on, in die Alten­pfle­ge-Infra­struk­tur zu inves­tie­ren sowie auf den mit der Neben­be­stim­mung gleich­lau­ten­den, in der Lan­des­richt­li­nie IVP for­mu­lier­ten För­der­zweck.
Indes­sen kann dahin­ste­hen, ob die Neben­be­stim­mung 5.3. ein Bele­gungs­recht über­haupt begrün­det. Jeden­falls steht die­ses Recht in kei­ner syn­al­lag­ma­ti­schen Bezie­hung zu den der Klä­ge­rin gewähr­ten Finan­zie­rungs­hil­fen. Denn ein der­ar­ti­ges Bele­gungs­recht, wie es sich nun­mehr aus §§ 9, 10 LPfle­geG aus­drück­lich ergibt, ver­wirk­licht im sozi­al­recht­li­chen Kon­text ledig­lich den in Art. 52 Abs. 1 Pfle­geVG zum Aus­druck kom­men­den Geset­zes­zweck einer Objekt­för­de­rung.
Die öffent­li­che För­de­rung der Inves­ti­tio­nen ermög­licht einer­seits die Errich­tung von Pfle­ge­ein­rich­tun­gen, womit die Län­der ihrer Infra­struk­tur­ver­ant­wor­tung aus § 9 SGB XI nach­kom­men. Zum ande­ren bezweckt sie, sozu­sa­gen als Reflex, die Pfle­ge­sät­ze von den Inves­ti­ti­ons­kos­ten zu ent­las­ten (vgl. § 82 Abs. 3 Satz 2 SGB XI), so dass die Pfle­ge­be­dürf­ti­gen nur für Unter­kunft und Ver­pfle­gung selbst auf­kom­men müs­sen. Dies führt dazu, dass auch Pfle­ge­be­dürf­ti­ge mit einem gerin­gen (aber über der Sozi­al­hil­fe­be­dürf­tig­keit lie­gen­den) Ein­kom­men eher in der Lage sind, die Pfle­ge­sät­ze aus dem eige­nen Ein­kom­men zu bestrei­ten. Die­se Inten­ti­on ver­folgt nament­lich das Pfle­ge-Ver­si­che­rungs­ge­setz, des­sen Art. 52 Finanz­hil­fen für Inves­ti­tio­nen in Pfle­ge­ein­rich­tun­gen im Bei­tritts­ge­biet anord­net und als des­sen Art. 1 das Sozi­al­ge­setz­buch –Elf­tes Buch– (Sozia­le Pfle­ge­ver­si­che­rung) ver­kün­det wur­de. Ziel des Geset­zes ist die sozia­le Absi­che­rung des Risi­kos der Pfle­ge­be­dürf­tig­keit 2, und die­sem Zweck dient auch das Bele­gungs­recht des Staa­tes, mit dem gewähr­leis­tet wird, dass die geför­der­ten Pfle­ge­plät­ze vor­ran­gig sozi­al schwa­chen Lan­des­bür­gern zugu­te kom­men und mit dem der Sozi­al­hil­fe­trä­ger ent­las­tet wer­den soll (Ver­min­de­rung von Sozi­al­hil­fe­leis­tun­gen), der ansons­ten den (höhe­ren) Pfle­ge­satz zah­len müss­te 3.
Zuvör­derst sol­len die in Art. 52 Pfle­geVG gere­gel­ten Finanz­hil­fen des Bun­des als zeit­lich auf die Jah­re 1995 bis 2002 beschränk­te Anschub­fi­nan­zie­rung für Inves­ti­ti­ons­vor­ha­ben im Bei­tritts­ge­biet aber dafür sor­gen, die dor­ti­gen Pfle­ge­ein­rich­tun­gen an das Ver­sor­gungs­ni­veau im übri­gen Bun­des­ge­biet anzu­pas­sen 4. Des­halb die­nen die Finanz­hil­fen vor­ran­gig dazu, ent­spre­chen­de Alten­pfle­ge­ein­rich­tun­gen zu errich­ten. Sie schaf­fen die finan­zi­el­le Grund­la­ge dafür, die für den Betrieb von Pfle­ge­ein­rich­tun­gen not­wen­di­gen Gebäu­de und sons­ti­gen abschreib­ba­ren Anla­gen her­zu­stel­len oder anzu­schaf­fen, und zwar auch inso­weit, als sie nicht die vom Bele­gungs­recht Begüns­tig­ten betref­fen.
Dem­entspre­chend ist auch die in § 82 Abs. 3 SGB XI ent­hal­te­ne Rege­lung, wonach nur die nicht durch öffent­li­che För­de­rung abge­deck­ten Inves­ti­ti­ons­kos­ten auf die Heim­be­woh­ner umge­legt und von ihnen im Rah­men der mit ihnen bestehen­den Rechts­ver­hält­nis­se bean­sprucht wer­den kön­nen (vgl. dazu ein­ge­hend Bun­des­so­zi­al­ge­richt, Urteil vom 6. Sep­tem­ber 2007 B 3 P 3/​07 R, BSGE 99, 57), kei­ne Miet­preis­bin­dung, son­dern eine Fol­ge der öffent­li­chen För­de­rung und ver­mei­det eine dop­pel­te Begüns­ti­gung des Berech­tig­ten, die ein­trä­te, wenn er die von der öffent­li­chen Hand finan­zier­ten Her­stel­lungs­kos­ten zusätz­lich auf die Pfle­ge­ver­gü­tung umle­gen könn­te. Die­se Rege­lung soll letzt­lich bewir­ken, dass über gerin­ge­re Pfle­ge­sät­ze ein grö­ße­rer Anteil von Pfle­ge­be­dürf­ti­gen (die regel­mä­ßig nicht Nutz­nie­ßer des Bele­gungs­rechts sind) die Auf­wen­dun­gen aus den Alters­ein­künf­ten finan­zie­ren kann, ohne Sozi­al­hil­fe­leis­tun­gen in Anspruch neh­men zu müs­sen 5.
Die als Bau­kos­ten­zu­schüs­se emp­fan­ge­nen Finan­zie­rungs­hil­fen min­dern die Her­stel­lungs­kos­ten der Gebäu­de i.S. von § 255 Abs. 2 HGB. Weil die Mit­tel vor­nehm­lich gewährt wur­den, um Pfle­ge­ein­rich­tun­gen im Bei­tritts­ge­biet erst zu schaf­fen, sind sie auf die Nut­zungs­dau­er der damit errich­te­ten Gebäu­de zu ver­tei­len, deren Zweck­bin­dung auf drei­ßig Jah­re ange­legt ist.
Damit tritt der Bun­des­fi­nanz­hof, wie er selbst aus­drück­lich fest­stellt, nicht in Wider­spruch zu sei­ner Recht­spre­chung zum Drit­ten För­der­weg. Wenn er dort emp­fan­ge­ne Mit­tel als Ein­nah­men aus Ver­mie­tung und Ver­pach­tung behan­delt, so des­halb, weil das Gesetz mit der För­de­rung von Miet­wohn­raum bedürf­ti­ge Haus­hal­te unter­stützt, die sich am Markt nicht ange­mes­sen mit Wohn­raum ver­sor­gen kön­nen 6. Dem­ge­gen­über geht der Geset­zes­zweck des Art. 52 Pfle­geVG dar­über hin­aus. Zwar will auch das Pfle­ge-Ver­si­che­rungs­ge­setz und mit ihm das SGB XI sozi­al und finan­zi­ell schwa­che Men­schen z.B. mit dem Bele­gungs­recht begüns­ti­gen. Die För­de­rung ist jedoch –vor allem im Bei­tritts­ge­biet– ein­ge­bet­tet in eine Struk­tur­för­de­rung, die auf die erst­ma­li­ge Errich­tung von Pfle­ge­ein­rich­tun­gen auf "West­ni­veau" gerich­tet ist und die auch Pfle­ge­plät­ze für die­je­ni­gen schafft, die sich am Markt ohne wei­te­res einen Pfle­ge­platz beschaf­fen kön­nen. Über­dies sind die Begüns­tig­ten die­ser Art von För­de­rung eigent­lich weni­ger die pfle­ge­be­dürf­ti­gen Men­schen selbst als viel­mehr die Trä­ger der Sozi­al­hil­fe, da durch die Finan­zie­rungs­hil­fen Sozi­al­hil­fe­kos­ten ver­min­dert und/​oder ver­mie­den wer­den.
Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 14. Juli 2009 – IX R 7/​08
stän­di­ge Recht­spre­chung, vgl. BFH, Urtei­le vom 14.10.2003 – IX R 60/​02, BFHE 203, 382, BSt­Bl II 2004, 14, und vom 26.03.1991 – IX R 104/​86, BFHE 164, 263, BSt­Bl II 1992, 999[↩]
vgl. BT-Drs. 12/​5262, S. 1 f. und BT-Drs. 12/​5617, S. 1 f.[↩]
vgl. zum Zweck des Bele­gungs­rechts ein­ge­hend BVerfG, Beschluss vom 17.10.2007 – 2 BvR 1095/​05, DVBl 2007, 1555, m.w.N.[↩]
BVerwG, Beschluss vom 19.08.2008 – 3 B 11.08, DöV 2008, 1001[↩]
zum Zweck der Ver­mei­dung von Sozi­al­hil­fe­ab­hän­gig­keit: BVerfG, DVBl 2007, 1555, m.w.N.[↩]
so BFHE 203, 382, BSt­Bl II 2004, 14[↩]
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