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Timestamp: 2016-10-28 08:40:30
Document Index: 273126292

Matched Legal Cases: ['Art. 350', 'Art. 350', 'BGE', 'Art. 140', 'Art. 350', 'Art. 140', 'Art. 185', 'Art. 140', 'Art. 350', 'Art. 140', 'BGE', 'Art. 184', 'Art. 140', 'Art. 140', 'Art. 185', 'Art. 140']

A.________ wird beschuldigt, mit weiteren Beteiligten zwei Raub�berf�lle begangen zu haben. Der erste ereignete sich am 7. Juli 2001 in Pf�ffikon im Kanton Schwyz und der zweite am 7. Oktober 2001 in Meisterschwanden im Kanton Aargau.
Die Staatsanwaltschaft des Kantons Aargau wendet sich mit Eingabe vom 11. April 2003 an die Anklagekammer des Bundesgerichts und beantragt, es seien die Beh�rden des Kantons Schwyz zur gesamthaften Verfolgung und Beurteilung der Beschuldigten A.________, B.________, C.________, D.________, E.________ und F.________ f�r berechtigt und verpflichtet zu erkl�ren (act. 1).
Die Staatsanwaltschaft des Kantons Schwyz beantragt in ihrer Vernehmlassung vom 28. April 2003, in Abweisung des Gesuches seien die Beh�rden des Kantons Aargau zur gesamten Verfolgung und Beurteilung der Beschuldigten f�r berechtigt und verpflichtet zu erkl�ren (act. 6).
Wird jemand wegen mehrerer, an verschiedenen Orten ver�bter strafbarer Handlungen verfolgt, so sind die Beh�rden des Ortes, wo die mit der schwersten Strafe bedrohte Tat ver�bt worden ist, auch f�r die Verfolgung und Beurteilung der anderen Taten zust�ndig (Art. 350 Ziff. 1 Abs. 1 StGB). Sind die strafbaren Handlungen mit der gleichen Strafe bedroht, so sind die Beh�rden des Ortes zust�ndig, wo die Untersuchung zuerst angehoben wird (Art. 350 Ziff. 1 Abs. 2 StGB). Bei der Beurteilung der Gerichtsstandsfrage ist von der Verdachtslage auszugehen, wie sie sich nach den Akten im Zeitpunkt des Entscheids durch die Anklagekammer darbietet (BGE 116 IV 83 E. 2 mit Hinweis).
Die Staatsanwaltschaft des Kantons Aargau stellt sich auf den Standpunkt, dass in beiden F�llen zur Hauptsache ein Schuldspruch wegen qualifizierten Raubes gem�ss Art. 140 Ziff. 4 StGB und damit dieselbe strafbare Handlung in Frage komme, weshalb gest�tzt auf Art. 350 Ziff. 1 Abs. 2 StGB die Beh�rden des Kantons Schwyz, wo die Untersuchung zuerst angehoben wurde, zust�ndig seien (act. 1 S. 4/5). Demgegen�ber macht die Staatsanwaltschaft des Kantons Schwyz geltend, w�hrend beim Fall in Meisterschwanden ein qualifizierter Raub im Sinne von Art. 140 Ziff. 4 StGB sowie eine qualifizierte Geiselnahme gem�ss Art. 185 Ziff. 2 StGB in Frage k�men, sei beim Fall in Pf�ffikon die Verdachtslage auf einen weniger schweren Raub im Sinne von Art. 140 Ziff. 3 StGB beschr�nkt; folglich sei gem�ss der Regel von Art. 350 Ziff. 1 Abs. 1 StGB der Kanton Aargau, wo die mit der schwereren Strafe bedrohte Tat ver�bt worden sei, f�r zust�ndig zu erkl�ren (act. 6 S. 2/3).
Gem�ss Art. 140 Ziff. 4 StGB wird wegen qualifizierten Raubes mit Zuchthaus nicht unter f�nf Jahren bestraft, wer das Opfer in Lebensgefahr bringt, ihm eine schwere K�rperverletzung zuf�gt oder es grausam behandelt. Grausam ist die Behandlung, wenn dem zum Widerstand unf�higen Opfer besondere physische oder psychische Leiden zugef�gt werden, die der vom T�ter verfolgte Zweck, die Beraubung des Opfers, nicht erfordert (Urteil 6S.531/2000 vom 27. Dezember 2000, E. 1d; BGE 119 IV 49 S. 52 zur grausamen Vergewaltigung; Delnon/R�dy, in: Niggli/Wipr�chtiger, Strafgesetzbuch II, Basel 2003, Art. 184 N 14 f.).
Zu pr�fen ist, ob die Beschuldigten im Fall im Kanton Schwyz diesen qualifizierten Tatbestand erf�llt haben k�nnten. Ihnen wird vorgeworfen, sie seien mindestens zu Dritt maskiert und mit Pistolen bewaffnet in die Wohnung der gesch�digten Familie eingedrungen und h�tten das Ehepaar und dessen beiden Kinder im Schlaf �berrascht. Der Sohn sei gezwungen worden, sich ins Zimmer seiner Schwester zu begeben und sich dort aufs Bett zu legen. Beide Kinder seien mit Stofft�chern an H�nden und F�ssen gefesselt worden. Die gefesselten Kinder seien auf dem Bauch liegend auf dem Bett belassen und durch die Beschuldigten bewacht worden. Die Mutter hat ausgesagt, dass sie ihre Tochter habe schreien h�ren. Zudem sei der gefesselten und auf dem Bauch liegenden Mutter die Pistole an den Hals gehalten worden. Sp�ter seien ihr mit einem Tuch der Mund verbunden und mit Klebeband der Kopf umwickelt worden. Der ebenfalls gefesselte und mit einer Pistole bedrohte Ehemann will von einem der T�ter einen Schlag ins Gesicht erhalten haben. Seine Handschellen h�tten sp�ter durch die Polizei gel�st werden m�ssen. Der �berfall habe �ber eine Stunde gedauert (act. 1 S. 2; Beilage 5 zu act. 1 S. 2/3; Beilage 9 zu act. 6 S. 8 und 12).
Bei dieser Verdachtslage ist davon auszugehen, dass die T�ter die wehrlosen Eltern und �berdies auch noch deren Kinder w�hrend der Dauer einer Stunde �ber das f�r ihre Absicht erforderliche Mass hinaus in Angst und Schrecken versetzt und damit richtiggehend terrorisiert haben k�nnten. Es liegt in rechtlicher Hinsicht nahe, den Fall deshalb unter dem Gesichtswinkel der grausamen Behandlung der Gesch�digten im Sinne von Art. 140 Ziff. 4 StGB zu pr�fen. Folglich ist die Auffassung der Staatsanwaltschaft des Kantons Schwyz, die gegenw�rtige Verdachtslage lasse einen Schuldspruch gem�ss Art. 140 Ziff. 4 StGB von vornherein nicht zu, unbegr�ndet.
Gem�ss Art. 185 Ziff. 2 StGB wird wegen qualifizierter Geiselnahme mit Zuchthaus nicht unter drei Jahren bestraft, wer damit droht, das Opfer zu t�ten, k�rperlich schwer zu verletzen oder grausam zu behandeln. Im Gegensatz zur Auffassung der Staatsanwaltschaft des Kantons Schwyz ist es von vornherein unerheblich, ob dieser Tatbestand eventuell auf den �berfall in Meisterschwanden zur Anwendung gelangen k�nnte, denn die Tat ist mit einer geringeren Mindeststrafe bedroht als der qualifizierte Raub im Sinne von Art. 140 Ziff. 4 StGB.
Aus den genannten Gr�nden ist das Gesuch gutzuheissen.
Das Gesuch der Staatsanwaltschaft des Kantons Aargau wird gutgeheissen, und die Beh�rden des Kantons Schwyz werden berechtigt und verpflichtet erkl�rt, die A.________, B.________, C.________, D.________, E.________ und F.________ vorgeworfenen strafbaren Handlungen zu verfolgen und zu beurteilen.