Source: https://papers.ssrn.com/sol3/papers.cfm?abstract_id=2622998
Timestamp: 2019-04-20 10:50:35
Document Index: 153997224

Matched Legal Cases: ['EGMR', 'EGMR', 'Art. 370', 'Art. 8', 'EGMR', 'Art. 8', 'Art. 8', 'EGMR', 'Art. 370', 'EGMR']

Die Einwirkung der Europäischen Konvention für Menschenrechte auf das Internationale Privatrecht am Beispiel der Rezeption der Kafala in Europa – Besprechung der Entscheidung des EGMR Nr. 43631/09 vom 4.10.2012, Harroudj ./. Frankreich (The Impact of the European Convention on Human Rights on Private International Law as Illustrated by the Reception of Kafala in Europe – Reflections on ECHR, Harroudj v. France (No. 43631/09, 4 October 2012)) by Imen Gallala-Arndt :: SSRN
Rabel Journal of Comparative and International Private Law (RabelsZ), Vol. 79, No. 2, pp. 405-428, April 2015; DOI: 10.1628/003372515X14274601496505
25 Pages Posted: 14 Jul 2015
Deutsche Zusammenfassung: Am 4. Oktober 2012 hat der Europäische Gerichthof für Menschenrechte (EGMR) eine Entscheidung gefällt, die sich mit der Kafala befasst. Diese islamrechtliche Institution ist eine freiwillige Verpflichtung, ein Kind zu beschützen und zu erziehen, ohne dass dadurch eine Eltern-Kind-Beziehung entsteht. Da die Adoption in den meisten islamischen Ländern verboten ist, stellt die Kafala einen Ersatz dafür dar. Das Gerichtshof hielt die französische Kollisionsnorm (Art. 370-3 Abs. 2 Code civil), die die Adoption von fremden Kindern untersagt, wenn ihr Heimatrecht diese verbietet, für vereinbar mit Art. 8 der Europäischen Konvention für Menschenrechte.
Dieser Aufsatz betrachtet die Entscheidung des Gerichtshofes als einen positiven Beitrag zu der Frage der Einwirkung der Menschenrechte auf das Internationale Privatrecht. Der Aufsatz geht zunächst kurz auf die Problematik der Beziehung zwischen Menschenrechten und Internationalem Privatrecht ein. Danach wird der Status der Kafala innerhalb und außerhalb des europäischen Zusammenhanges untersucht. Anschließend wird die Rezeption der Kafala in Frankreich erörtert.
Der EGMR vertritt die Meinung, dass eine auf der Kafala beruhende Beziehung unter Art. 8 EMRK geschützt werden kann, solange sie die Bedingungen der Kontinuität und Stabilität erfüllt. Dennoch erinnert das Gericht daran, dass Art. 8 kein Recht auf Adoption enthält. Die Stellungnahme des Gerichts entspricht seiner Rechtsprechung in ähnlichen Angelegenheiten: Bestimmte Beziehungen sollen als Teil des Familienlebens geschützt werden. Das Gericht hat aber nicht das Recht für den Beschwerdeführer anerkannt, die fragliche Beziehung in ein bestimmtes Rechtsverhältnis wie das Eltern-Kind Verhältnis umzuwandeln. Zwei Argumente waren maßgeblich in der Gerichtsentscheidung: Der fehlende Konsens unter den Mitgliedstaaten über den Status der Kafala und die Anerkennung der Kafala durch internationale Konventionen als eine angebrachte Alternative zur Adoption. Der Aufsatz vertritt die Meinung, dass der EGMR die Praxis der anderen Vertragsstaaten bezüglich der Rezeption der Kafala missverstanden hat, da nur Frankreich die Umwandlung der Kafala in eine Adoption ausdrücklich verboten hat.
English Abstract: On 4 October 2012, the European Court of Human Rights (ECHR) rendered a decision dealing with Kafala. This Islamic law-based institution is an undertaking of an adult person to support and educate a minor without creating a formal parent-child relationship. Since adoption, as understood in western legal systems, is prohibited in most Muslim jurisdictions, Kafala is employed as a substitute. The Court considered the French conflicts-of-law rule (Art. 370-3 para. 2 of the Civil Code) prohibiting adoption of foreign children whose national laws prohibit the institution as compatible with Article 8 of the European Convention on Human Rights.
Keywords: Kafala, Europäischer Gerichtshof für Menschenrechte, islamisches Recht, Adoption, Europäische Konvention für Menschenrechte
Gallala-Arndt, Imen, Die Einwirkung der Europäischen Konvention für Menschenrechte auf das Internationale Privatrecht am Beispiel der Rezeption der Kafala in Europa – Besprechung der Entscheidung des EGMR Nr. 43631/09 vom 4.10.2012, Harroudj ./. Frankreich (The Impact of the European Convention on Human Rights on Private International Law as Illustrated by the Reception of Kafala in Europe – Reflections on ECHR, Harroudj v. France (No. 43631/09, 4 October 2012)). Rabel Journal of Comparative and International Private Law (RabelsZ), Vol. 79, No. 2, pp. 405-428, April 2015; DOI: 10.1628/003372515X14274601496505; Max Planck Private Law Research Paper No. 15/12. Available at SSRN: https://ssrn.com/abstract=2622998