Source: http://docplayer.org/2269503-Die-goldene-aktien-thematik-in-deutschland-nach-dem-eugh-urteil-vom-23-10-2007-volkswagen-reformplaene-zum-vw-gesetz-und-aussenwirtschaftsgesetz.html
Timestamp: 2017-07-28 09:18:25
Document Index: 369364282

Matched Legal Cases: ['EuG', 'EuG', 'EuG', 'EuG', 'EuG', 'Art. 56', 'Art. 43', 'Art. 56', 'EuG', 'Art. 56', 'EuG', 'EuG', 'Art. 58', 'EuG', 'EuG', 'EuG', 'EuG', 'EuG', 'EuG', 'Art. 56', 'Art. 56', 'EuG', 'Art. 43', 'EuG', 'EuG', 'EuG', 'EuG', 'BGE', 'EuG', 'Art. 3', 'Art. 12', 'Art. 19', 'EuG', 'EuG', 'Art. 56', 'Art. 45', 'Art. 34', 'Art. 49', 'de lege lata', 'EuG', 'EuG', 'Art. 39', 'Art. 141', 'EuG', 'EuG']

Die Goldene-Aktien-Thematik in Deutschland nach dem EuGH-Urteil vom (Volkswagen) Reformpläne zum VW-Gesetz und Außenwirtschaftsgesetz - PDF
Die Goldene-Aktien-Thematik in Deutschland nach dem EuGH-Urteil vom (Volkswagen) Reformpläne zum VW-Gesetz und Außenwirtschaftsgesetz
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1 Die Goldene-Aktien-Thematik in Deutschland nach dem EuGH-Urteil vom (Volkswagen) Reformpläne zum VW-Gesetz und Außenwirtschaftsgesetz Rechtsanwalt Dr. Michael Pießkalla, LL.M.Eur., München - Vortrag an der Eötvös-Lóránd-Universität (Budapest),2 Gliederung Einführung: Goldene Aktien und freier Kapitalverkehr 1. Themenkomplex: Das VW-Urteil des Europäischen Gerichtshofes Reformpläne der Bundesregierung zum VW-Gesetz 2. Themenkomplex: Gefahr durch ausländische Staatsfonds Reformvorschläge zum Außenwirtschaftsrecht (AWG, AWV)3 Goldene Aktien und freier Kapitalverkehr (1) Was sind Goldene Aktien : Goldene Aktien = Beschränkungen der Satzungsautonomie durch staatliche Eingriffsrechte in die Unternehmensverfassung. Existenz vorwiegend in privatisierten Staatsunternehmen. Formelle Ausgestaltung: Sonderrecht in Form eines starken Anteils oder hoheitlicher Eingriffsrechte (Gesetz, Verordnung). Besserstellung des Staates gegenüber anderen Anteilseignern.4 Goldene Aktien und freier Kapitalverkehr (2) EG-rechtliche Probleme: Europäischer Binnenmarkt schützt den freien Austausch von Kapital und die freie Niederlassung (einschließlich Unternehmenserwerb). Goldene Aktien verleihen dem Staat Machtbefugnisse, die - Investoren beim Erwerb von Anteilen behindern (direkte Erwerbsbeschränkung) oder - die Rechtsausübung nach Anteilserwerb (z.b. Stimmrecht) erschweren können ( indirekte Erwerbsbeschränkung ). EuGH: Gefahr, dass Investoren abgeschreckt werden, daher Kollision mit den Grundfreiheiten des EG-Vertrages. Folge: Goldene Aktien weitestgehend unzulässig.5 Goldene Aktien und freier Kapitalverkehr (3) Schutzbereich der Kapitalverkehrsfreiheit: Art. 56 EG schützt den freien Kapitalverkehr im Binnenmarkt sowie mit Drittländern. Kapitalverkehr im EG-Vertrag nicht definiert Rückgriff auf die Richtlinie 88/361/EWG: Portfolio- und Direktinvestitionen. Abgrenzung zur Niederlassungsfreiheit: Art. 43 EG erfasst nur Direktinvestitionen, d.h. unternehmerische Beteiligungen (i.d.r. > 25%). Art. 56 und 43 EG nach wohl überwiegender Meinung parallel anwendbar, (EuGH, Rs. C-302/97 -Konle-). Art. 56 EG ist allgemeines Beschränkungsverbot, d.h. es werden auch nicht diskriminierende Eingriffe untersagt.6 Goldene Aktien und freier Kapitalverkehr (4) Eingriff in den Schutzbereich: Entsprechende Anwendung der Dassonville -Formel des EuGH: Eingriff liegt vor, wenn eine staatliche Maßnahme geeignet ist, den Kapitalverkehr unmittelbar oder mittelbar, tatsächlich oder potenziell zu beschränken (EuGH, Rs. 8/74). Keine Prüfung, ob die Maßnahme im Einzelfall wirklich beschränkend ist. Der Eingriff muss i.d.r. auf einer staatlichen Maßnahme beruhen. Keine staatliche Flucht ins Privatrecht (Umgehungsgefahr effet utile ).7 Goldene Aktien und freier Kapitalverkehr (5) Rechtfertigung: EG-Recht lässt eine Rechtfertigung von Eingriffen im Ausnahmefall zu Art. 58 EG: Öffentliche Sicherheit und Ordnung (z.b. Versorgung mit überragend wichtigen Grundversorgungsgütern). Allgemeininteresse (EuGH, Rs. 120/78 - Cassis de Dijon -). Aber Interessenabwägung: Maßnahme muss zum Schutz o.g. Güter geeignet, erforderlich und verhältnismäßig sein. Vorschriften müssen hinreichend bestimmt sein (Rechtssicherheit), Ermessen der Behörden auf ein Minimum zu reduzieren. Effektiver Rechtsschutz. Verfolgung allgemeinwirtschaftlicher Ziele unbeachtlich.8 Das VW-Urteil des EuGH (1) Historisches: Besitzverhältnisse am Volkswagenwerk nach dem 2. Weltkrieg unklar. Auseinandersetzung zwischen Bund, Niedersachsen und Belegschaft. Vergleich aus dem Jahr 1959 führte zu einer Beteiligung von Bund und Land, VW-Gesetz regelte die Umwandlung von einer GmbH in eine AG und klärte die künftige Machtverteilung im Unternehmen. Motive: Beschränkung der Macht von Großaktionären ( Volksaktie ), starke Mitsprache von Belegschaft und Politik, Schutz vor ausländischen Investoren.9 Das VW-Urteil des EuGH (2) Das VW-Gesetz vor dem EuGH: Entsenderecht für Bund und Land (je zwei Mitglieder des Aufsichtsrates). Höchststimmrecht (maximal 20% des Grundkapitals). Herabsetzung der Sperrminorität von 25% auf 20% (bei gleichzeitiger Beteiligung des Landes Niedersachsen in Höhe von ca. 20%). EuGH sieht potenziell abschreckende Wirkung auf Investoren. Rechtfertigung wurde verneint (v.a. im Hinblick auf Arbeitsplatzsicherung und Schutz vor Übernahmen). Verbot der Stimmrechtsvertretung nicht Verfahrensgegenstand ( 3VW-G).10 Reformpläne (1) Reaktion Deutschlands auf das Urteil: Die vom EuGH für unzulässig erklärten Paragraphen werden nicht mehr angewendet. Wirtschaftsministerium befürwortet Abschaffung auch der besonderen Sperrminorität, Justizressort will Teile des Gesetzes erhalten. Porsche AG besitzt 30,9% der Anteile an VW. Möchte die Sperrminorität auf 25% anheben. Niedersachsen beharrt auf 20%-Sperrminorität und hat sich im Regierungsentwurf vom durchgesetzt.11 Reformpläne (2) Inhalt der Reform: Höchststimmrecht wird gestrichen. Das auch in der Satzung verankerte Höchststimmrecht beruht auf dem Gesetz, Beibehaltung unzulässig ( staatliche Maßnahme ). Sperrminorität bei Satzungsänderungen soll bleiben: Bund ist der Ansicht, dass nur die Kombination von Sperrminorität und Höchststimmrecht EGrechtswidrig sei. Kritik: Herabsetzung der Sperrminorität begünstigt Niedersachsen, Satzungsänderung schwerer als im Normalfall. Entsenderechte für Bund und Land in den Aufsichtsrat werden gestrichen. Verbot der Stimmrechtsvertretung bleibt bestehen.12 Reformpläne (3) Bewertung: 20% - Sperrminorität sollte gestrichen werden. Es handelt sich um eine Abweichung vom Aktienrecht, Mehrheitsaktionäre werden benachteiligt Eingriff liegt vor. Deutschland scheint erneute Klage aus Brüssel zu befürchten: Nach einer Protokollnotiz im neuen Gesetz soll die Sperrminorität abgeschafft werden, wenn die EU-Kommission erneut rechtliche Schritte einleitet. Verbot der Stimmrechtsvertretung ebenfalls problematisch. Die Kommission hat bereits ein erneutes Verfahren angekündigt!13 Gefahr durch Staatsfonds (1) Einführung: Investmentfonds rohstoffreicher Länder verfügen über beachtliche Kapitalreserven, die auf den globalen Finanzmärkten angelegt werden. Vermögen ca Mrd. US-Dollar. Anstieg auf Mrd. US-Dollar im Jahr 2015 möglich (Quelle: IWF). Größter Staatsfonds: Abu Dhabi Investment Authority (875 Mrd. US-$ Anlagevolumen), gefolgt von Singapur, Norwegen, China und Russland. EU befürchtet Risiken für die öffentliche Sicherheit und Ordnung, wenn einzelne Staatsfonds geopolitischen Einfluss ausüben. Kritiker der Fonds betonen Defizite im Bereich Demokratie und die Expansionspolitik der russischen Gazprom. Besonders schutzwürdig sind Versorger und nationale Schlüsselindustrien.14 Gefahr durch Staatsfonds (2) Lösungsvorschläge der EU-Kommission: EU-Kommission befürwortet die beschränkte Einführung Goldener Aktien in einzelnen Sektoren der Wirtschaft, um den Einstieg von Staatsfonds aus Drittländern zu kontrollieren. Offene Haltung gegenüber Investitionen wird betont. Als Kernanliegen werden Transparenz und Berechenbarkeit herausgestellt. Vorsichtige Haltung gegenüber Russland wird in neueren Rechtsakten deutlich. Beispiel: Entwurf der Erdgasbinnenmarkt-Richtlinie enthält Verbot des Erwerbs von Leitungsnetzen durch Personen aus Drittländern, sog. Gazprom-Klausel ). Wichtig: Verordnungen und Richtlinien in diesem Bereich müssen die Grenzen des EG-Vertrages (insbesondere Art. 56 EG) einhalten.15 Reformvorschläge zum AWG (1) Nationaler Lösungsvorschlag Deutschlands: Reform von Außenwirtschaftsgesetz und Außenwirtschafts-VO Derzeitige Rechtslage: Nach 7 Abs. 1 Nr. 1, Abs. 2 Nr. 5 AWG kann der Erwerb bestimmter Unternehmen (Rüstung, Verschlüsselungstechnik) durch Gebietsfremde beschränkt werden. Erwerb ist meldepflichtig. Reformvorschlag (Frühjahr 2008): Erweiterung des 7 AWG um Abs. 2 Nr. 6. Demnach sollen beschränkt werden können 6. Rechtsgeschäfte über den Erwerb gebietsansässiger Unternehmen oder von Anteilen an solchen Unternehmen, wenn infolge des Erwerbs die öffentliche Sicherheit und Ordnung der Bundesrepublik Deutschland gefährdet ist. 53 AWV soll Eingriffsrecht konkretisieren. Erforderlich für eine Prüfung ist ein Kapitalanteil von mindesten 25% der Stimmrechte.16 Reformvorschläge zum AWG (2) Verfahrensrecht: Bundeswirtschaftsministerium hat das Recht, den Erwerb innerhalb von drei Monaten zu prüfen. Während dieser Zeit ist der Erwerb schwebend unwirksam. Der Erwerber hat die notwendigen Unterlagen zur Verfügung zu stellen. Ergibt die Prüfung, dass die öffentliche Sicherheit und Ordnung beeinträchtigt ist, kann das Geschäft untersagt werden.17 Reformvorschläge zum AWG (3) Kritikpunkte: Begriff öffentliche Sicherheit und Ordnung entstammt dem EG-Recht. Zweifelhaft, ob die Formulierung hinreichend bestimmt ist. Die Vorschrift kommt einer Generalklausel gleich, die vom Ministerium sehr weit ausgelegt werden könnte Gefahr, dass Geschäfte verzögert werden und deshalb ganz unterbleiben (vor einer gerichtlichen Klärung). Zudem soll eine Untersagung auch dann möglich sein, wenn Arbeitsplätze gefährdet sind. Beteiligt sind Bundeswirtschaftsministerium, Auswärtiges Amt und ggf. das Ressort Arbeit und Soziales. Eine klare Bezugnahme (z.b.) auf Versorgungsbranche ist EG-rechtlich geboten. AWG-Reform betrifft nicht nur Drittländern, sondern Gebietsfremde, d.h. auch EU-Ausländer Maßstab des Art. 56 EG gilt. Warum sind Minderheitsbeteiligungen gefährlich?18 Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit! RAe Pießkalla & Leitgeb Nymphenburger Str D München Tel: Fax: Ähnliche Dokumente
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