Source: https://www.rechtslupe.de/wirtschaftsrecht/versicherungsrecht/der-angestellte-der-versicherung-als-vorgeblich-sachverstaendiger-388290
Timestamp: 2020-01-19 13:18:17
Document Index: 273102792

Matched Legal Cases: ['BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 84', '§ 84', '§ 84', '§ 84', '§ 84', '§ 84', '§ 84']

Der Ange­stell­te der Ver­si­che­rung als vor­geb­lich Sach­ver­stän­di­ger | Rechtslupe
Der Ange­stell­te der Ver­si­che­rung als vor­geb­lich Sach­ver­stän­di­ger
Ein Mit­ar­bei­ter einer Par­tei (hier: der Lei­ter der Sach­ver­stän­di­gen­ab­tei­lung der Ver­si­che­rung) ist kein Sach­ver­stän­di­ger im Rah­men des Sach­ver­stän­di­gen­ver­fah­rens nach A.02.18 AKB. Das ergibt für den Bun­des­ge­richts­hof die Aus­le­gung von A.02.18.1 und A.02.18.2 AKB.
Wel­che Anfor­de­run­gen an die Per­son und die Sach­kun­de eines Sach­ver­stän­di­gen zu stel­len sind, rich­tet sich nach den zugrun­de lie­gen­den AKB.
All­ge­mei­ne Ver­si­che­rungs­be­din­gun­gen sind nach stän­di­ger Bun­des­ge­richts­hofs­recht­spre­chung so aus­zu­le­gen, wie ein durch­schnitt­li­cher Ver­si­che­rungs­neh­mer sie bei ver­stän­di­ger Wür­di­gung, auf­merk­sa­mer Durch­sicht und Berück­sich­ti­gung des erkenn­ba­ren Sinn­zu­sam­men­hangs ver­ste­hen muss. Dabei kommt es auf die Ver­ständ­nis­mög­lich­kei­ten eines Ver­si­che­rungs­neh­mers ohne ver­si­che­rungs­recht­li­che Spe­zi­al­kennt­nis­se und damit auch sei­ne Inter­es­sen an 1.
All­ge­mei­ne Ver­si­che­rungs­be­din­gun­gen sind aus sich her­aus zu inter­pre­tie­ren. In ers­ter Linie ist dabei vom Wort­laut aus­zu­ge­hen 2. Die­sem ent­nimmt der Ver­si­che­rungs­neh­mer, dass nach A.02.18.1 AKB bei Mei­nungs­ver­schie­den­hei­ten über die Höhe des Scha­dens ein Sach­ver­stän­di­gen­aus­schuss ent­schei­det und die­ser Aus­schuss nach A.02.18.2 Satz 1 AKB gebil­det wird, indem Ver­si­che­rungs­neh­mer und Ver­si­che­rer je einen "Kraft­fahr­zeugsach­ver­stän­di­gen" benen­nen. Im Übri­gen sind in den Ver­si­che­rungs­be­din­gun­gen kei­ne Anfor­de­run­gen an die Per­son und Sach­kun­de des Sach­ver­stän­di­gen genannt. Der Ver­si­che­rungs­neh­mer kann aus dem Wort­laut nur erse­hen, dass es sich bei dem Aus­schuss­mit­glied um einen Kraft­fahr­zeugsach­ver­stän­di­gen han­deln muss, maß­geb­lich also der tech­ni­sche Sach­ver­stand der Per­son ist. Es erscheint daher zwei­fel­haft, ob er bereits dem Wort­laut der Rege­lung eine Ein­schrän­kung dahin ent­neh­men wird, dass ein Mit­ar­bei­ter des Ver­si­che­rers nicht als Aus­schuss­mit­glied benannt wer­den kann, weil nach dem übli­chen Ver­ständ­nis des Begriffs ein Sach­ver­stän­di­ger sei­ne "gut­ach­ter­li­chen Leis­tun­gen per­sön­lich, unab­hän­gig, unpar­tei­isch, gewis­sen­haft und wei­sungs­frei erbringt". Ein durch­schnitt­li­cher Ver­si­che­rungs­neh­mer kennt die­se Defi­ni­ti­on nicht. Mit dem Begriff "Kraft­fahr­zeugsach­ver­stän­di­ger" wird er ledig­lich ein beson­de­res Fach­wis­sen ver­bin­den. Da jede Par­tei einen Sach­ver­stän­di­gen zu benen­nen hat, wird er dem Wort­laut der Klau­sel nicht ent­neh­men, dass der jeweils benann­te Sach­ver­stän­di­ge neu­tral sein muss.
Dem mit der Rege­lung ver­folg­ten Sinn und Zweck – soweit die­se für den Ver­si­che­rungs­neh­mer erkenn­bar sind 3 wird er aber ent­neh­men, dass ein Mit­ar­bei­ter einer der Par­tei­en, also auch ein Mit­ar­bei­ter des Ver­si­che­rers, nicht als Sach­ver­stän­di­ger auf­tre­ten kann. Mit dem Sach­ver­stän­di­gen­ver­fah­ren wird ersicht­lich bezweckt, dass die Scha­den­re­gu­lie­rung mög­lichst rasch mit sach­ver­stän­di­ger Hil­fe erle­digt wird und kein – mög­li­cher­wei­se lang­wie­ri­ger und kost­spie­li­ger – Streit vor den staat­li­chen Gerich­ten um die oft­mals kom­pli­zier­te Scha­den­fest­stel­lung aus­ge­tra­gen wird 4. Damit ist es unver­ein­bar, dass der Ver­si­che­rer oder der Ver­si­che­rungs­neh­mer einen Mit­ar­bei­ter benennt. Für den Ver­si­che­rungs­neh­mer erkenn­bar soll durch die Betei­li­gung von Sach­ver­stän­di­gen eine drit­te, durch Sach­kun­de aus­ge­wie­se­ne Mei­nung, jen­seits der Ansich­ten der Par­tei­en, den Scha­den bewer­ten. Das Ziel, die Hin­zu­zie­hung eines sach- und fach­kun­di­gen Drit­ten, wird durch die Aus­wahl eines Mit­ar­bei­ters einer Par­tei als Sach­ver­stän­di­gen nicht erreicht. Auf den Ein­wand des Beklag­ten, der von ihm benann­te Lei­ter sei­ner Sach­ver­stän­di­gen­ab­tei­lung sei bei der Erstel­lung von Sach­ver­stän­di­gen­gut­ach­ten wei­sungs­frei, kommt es nicht an. Der Lei­ter der Sach­ver­stän­di­gen­ab­tei­lung ist viel­mehr schon des­halb kein Sach­ver­stän­di­ger im Sin­ne der AKB, weil es sich bei dem Mit­ar­bei­ter einer Par­tei nicht um einen Drit­ten im oben genann­ten Sin­ne han­delt 5.
Etwas ande­res ergibt sich auch nicht dar­aus, dass bei­de Par­tei­en einen Sach­ver­stän­di­gen stel­len müs­sen und nach A.02.18.3 AKB ein wei­te­rer Kraft­fahr­zeugsach­ver­stän­di­ger als Obmann ent­schei­det, soweit sich der Aus­schuss nicht einigt. Die­sem Rege­lungs­zu­sam­men­hang ent­nimmt der Ver­si­che­rungs­neh­mer gera­de das Gewicht, das der Bewer­tung durch Drit­te bei­gemes­sen wird. Der Ver­si­che­rungs­neh­mer wird aus dem Umstand, dass bei­de Par­tei­en einen Sach­ver­stän­di­gen zu benen­nen haben, zwar schlie­ßen, dass der jeweils Benann­te in einem gewis­sen Nähe­ver­hält­nis zum Benen­nen­den ste­hen kann 6. Kei­nes­falls wird er aber zu der Ansicht gelan­gen, dass er in einem unmit­tel­ba­ren Abhän­gig­keits­ver­hält­nis ste­hen darf, denn damit ist er nicht mehr außer­halb der Par­tei­en ste­hen­der Drit­ter.
Mit dem Lei­ter sei­ner Sach­ver­stän­di­gen­ab­tei­lung hat der Ver­si­che­rer damit inner­halb der Zwei­wo­chen­frist kei­nen Sach­ver­stän­di­gen im Sin­ne der maß­geb­li­chen AKB benannt. Dies hat zur Fol­ge, dass das Bestim­mungs­recht nach Ablauf der Frist auf den Ver­si­che­rungs­neh­mer über­ge­gan­gen ist.
Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 10. Dezem­ber 2014 – IV ZR 281/​14
Innen­haf­tungs­fäl­le in der D&O‑Versicherung – und das… Eine in den Ver­si­che­rungs­be­din­gun­gen einer eine Ver­si­che­rung für Orga­ne und lei­ten­de Ange­stell­te (im Fol­gen­den: D&O‑Versicherung) ent­hal­te­ne Bestim­mung, dass der Frei­stel­lungs­an­spruch des Ver­si­cher­ten vor einer end­gül­ti­gen…
vgl. zum Maß­stab der Aus­le­gung all­ge­mei­ner Ver­si­che­rungs­be­din­gun­gen BGH, Urteil vom 23.06.1993 – IV ZR 135/​92, BGHZ 123, 83, 85; st. Rspr.[↩]
BGH, Urteil vom 25.07.2012 – IV ZR 201/​10, VersR 2012, 1149 Rn. 21 m.w.N.; st. Rspr.[↩]
vgl. BGH, Urteil vom 25.07.2012 – IV ZR 201/​10, VersR 2012, 1149 Rn. 21 m.w.N.; st. Rspr.[↩]
BGH, Urteil vom 01.04.1987 IVa ZR 139/​85, VersR 1987, 601 unter 1 b[↩]
vgl. eben­so zur Fra­ge der Befan­gen­heit eines Sach­ver­stän­di­gen: Vol­ze, VersR 2006, 627, 630 unter – V 7 c; ähn­lich Voit in Prölss/​Martin, VVG 28. Aufl. § 84 Rn. 16; Münch­Komm-VVG/Hal­bach, § 84 Rn. 28, 30; vgl. auch Lang­heid in Römer/​Langheid, VVG 4. Aufl. § 84 Rn. 27, 29; Rüf­fer in Rüffer/​Halbach/​Schimikowski, HK-VVG 2. Aufl. § 84 Rn. 14; Schwintowski/​Brömmelmeyer/​Kloth/​Neuhaus, PK-VersR 2. Aufl. § 84 Rn. 21 ff., 24; Schmidt-Kes­sel in Looschelders/​Pohlmann, VVG 2. Aufl. § 84 Rn. 25, 28[↩]
Schwintowski/​Brömmelmeyer/​Kloth/​Neuhaus, PK-VersR 2. Aufl. § 84 Rn. 23[↩]
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