Source: http://edoc.hu-berlin.de/dissertationen/dippel-carsten-2004-06-08/HTML/chapter2.html
Timestamp: 2013-12-12 11:34:11
Document Index: 138457194

Matched Legal Cases: ['EuG', 'EGMR', 'EuG', 'EuG', 'EGMR', 'EGMR', 'EuG', 'EuG', 'Art. 30', 'EuG', 'Art. 10', 'Art. 30', 'EuG', 'Art. 10', 'EuG', 'Art. 10', 'EGMR', 'Art. 6', 'EuG', 'EuG']

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II. Rechtsprechung von EuGH und EGMR betreffend die Aus­le­gung der EMRK
Im Laufe seiner Rechtsprechung hatte der EuGH öfter Gelegenheit, sich zur Auslegung diverser EMRK - Normen zu äußern. Da hier, wie bereits darge­legt, ein gehöriges Maß an Konfliktpotential zwischen EuGH und EGMR besteht, soll nun untersucht werden, ob und wenn ja inwieweit die beiden Ge­richtshöfe hier unterschiedliche Entscheidungen gefällt haben.
Zunächst sollen ausgewählte Entscheidungen beider Gerichtshöfe betrachtet werden, in denen Normen der EMRK eine weitgehend identische Auslegung erfahren haben. 1. Berücksichtigung der Rechtsprechung des EGMR durch den EuGH
a. Entscheidung betreffend die Freiheit der Meinungs­äußerung
Im Fall „Familiapress“ klagte ein österreichischer Presseverlag gegen den Vertrieb einer Konkurrenzzeitschrift, die darin unter Verletzung der öster­reichischen Bestimmungen zum Schutze gegen unlauteren Wettbewerb Kreuz­worträtsel mit Geldpreisen anbot. Diese Konkurrenzzeitschrift unterfiel jedoch dem deutschen UWG, das ein solches Verhalten nicht verbietet. Dem EuGH wurde daher die Frage vorgelegt, ob das österreichische Verbot mit Art. 30 EGV vereinbar sei. Hierzu musste der EuGH auch prüfen, ob Art. 10 EMRK auch Einfluss auf die „zwingenden Erfordernisse“ i.S. von Art. 30 EGV hat.
In seinem Urteil rechtfertigte der EuGH unter Bezugnahme auf Art. 10 EMRK Maßnahmen zur Sicherung pluralistischer Strukturen im Zeitschriftensektor und sah in dieser Bestimmung einen objektivrechtlichen Gehalt dergestalt, dass hierfür erforderliche Maßnahmen zur Pluralismussicherung durchaus zulässige Eingriffe in die Warenverkehrsfreiheit darstellen können248. In seiner Entscheidung „Familiapress“249 bezog sich der EuGH ausdrücklich an dieser Stelle bei der Auslegung von Art. 10 EMRK auf ein Urteil des EGMR, nämlich das im Fall „Informationsverein Lentia“250. b. Entscheidung betreffend Art. 6 Abs. 1 EMRK
In einem kartellrechtlichen Fall wurde die „Baustahlgewebe GmbH“ von der Eu­ro­päischen Kommission zu einer Geldbuße verurteilt. Gegen diese Geld­buße erhob die „Baustahlgewebe GmbH“ Klage vor dem EuG. Das EuG erklärte in seinem Urteil einen Teil der Feststellung der von der Kommission der „Baustahlge