Source: http://ergonomie-online.de/site.aspx?url=html/organisation_arbeitsschutz/schulung_information/unterrichtung_unterweisung.htm
Timestamp: 2018-12-19 02:11:13
Document Index: 103633346

Matched Legal Cases: ['§ 6', '§ 4', '§ 12', '§ 3', '§ 14', '§ 74', '§ 4', '§ 87', '§ 12', '§ 5', '§ 4', '§ 15', '§ 87']

Bildquelle: Bild 1: BGW; Bild 2: DGUV Bilddatenbank
Wer informiert ist und sich auskennt, kann auch selbst etwas tun, um sich am Arbeitsplatz vor Gesundheitsgefahren zu schützen. Damit das funktioniert, gibt es im Arbeitsschutzgesetz die Pflicht des Arbeitgebers, Beschäftigte zu unterweisen.
Ziel einer Unterweisung im Arbeits- und Gesundheitsschutz ist es, Wissen zu vermitteln, Fertigkeiten zu trainieren und Beschäftigte dazu zu motivieren, Risiken zu vermeiden, auf Sicherheit zu achten und gesundheitsfördernde Ressourcen zu nutzen. Es kann bei einer Unterweisung zum Beispiel darum gehen, wie der Bildschirm aufgestellt werden muss, damit Beschäftigte nicht unter Augenbrennen, Kopf- und Nackenschmerzen oder Schmerzen in Schultern, Armen und Händen leiden. Wie die Unterweisungen zu erfolgen hat, wer sie durchführt und in welchen Abständen, ist festgelegt. Unterweisungen sind als Anweisungen des Arbeitgebers zu verstehen, sie nicht zu beachten, kann arbeitsrechtliche Folgen nach sich ziehen.
Der Gesetzgeber hat die große Bedeutung der Information und Beteiligung der Beschäftigen für die Prävention von Gesundheitsgefahren erkannt und die Pflicht des Arbeitgebers/Unternehmers zur Unterweisung oder Unterrichtung im Arbeitsschutzgesetz festgeschrieben.
Ergänzt werden diese Regelungen durch das Betriebsverfassungsgesetz mit der Pflicht zur Unterrichtung der Beschäftigten über ihre Arbeitsaufgaben und ihre Verantwortung sowie ihre Belehrung zu den Unfall- und Gesundheitsgefahren, den Maßnahmen zu ihrer Abwendung und den Erste-Hilfe- und Notfallmaßnahmen.
Das Jugendarbeitsschutzgesetz, die Gefahrstoffverordnung, die Betriebssicherheitsverordnung und die Unfallverhütungsvorschrift DGUV Vorschrift 1 „Grundsätze der Prävention" konkretisieren und erweitern die Unterweisungspflicht für spezielle Bereiche. Auch die Arbeitsstättenverordnung fordert: „Der Arbeitgeber hat den Beschäftigten ausreichende und angemessene Informationen anhand der Gefährdungsbeurteilung in einer für die Beschäftigten verständlichen Form und Sprache zur Verfügung zu stellen… und sie anhand dieser Informationen zu unterweisen.“ (ArbStättV von 2016 § 6 )
Unterweisungen müssen so organisiert werden, dass sie wirksam sind und Beschäftigte sie in ihrem Arbeitsalltag umsetzen. Wichtig für die Wirksamkeit der Unterweisungen sind das Umfeld, die Erwartungen und die Reaktionen der Führungskräfte. Eine Unterweisung kann erfolgreich sein, wenn die folgenden Anforderungen beachtet werden.
Anforderungen an wirksame Unterweisung
Information über alle gesundheits- und sicherheitsrelevanten Fragen des Arbeitsplatzes und des Aufgabenbereiches.
Beispielsweise für Bildschirmarbeit die Bildschirmaufstellung, die ergonomische Einstellung des Arbeitsstuhls, der Prävention von Rückenschmerz und auch zu Fragen der Stressprävention, wenn das zu den Belastungen am Arbeitsplatz gehört.
Praxis- und tätigkeitsbezogene Informationen, die an die Aufgaben, den Arbeitsplatz und die speziellen Gefahren- und Belastungsmomente angepasst sind, etwa die Sensibilisierung über die Blendung am Bildschirm.
Verständliche und der Zielgruppe angemessene Informationen, wenn notwendig, auch die Unterweisung in der Muttersprache. Vorkenntnisse und Sprache sowie Grundsätze der Erwachsenenbildung müssen berücksichtigt werden. Informationen und praktische Übungen direkt an einem Beispielarbeitsplatz sind ebenso empfehlenswert wie Videos, Bildmaterial und Fachreferenten.
Information über die Ergebnisse der Gefährdungsbeurteilung und die daraus folgenden Maßnahmen zur Vermeidung oder Minderung von Gefährdungen und Belastungen.
Informationen und Übungen zum individuellen gesundheitsfördernden Verhalten, wie ergonomisches Sitzen oder Tipps zur Stressvermeidung. Durchführung in einer ungestörten, entspannten Lernatmosphäre.
Spezielle gesetzliche Regelungen zu Inhalten
Der Mutterschutz fordert Besonderheiten für die Unterweisungen zu speziellen Gefährdungen für werdende Mütter, ebenso das Jugendarbeitsschutzgesetz.
Die Lastenhandhabungsverordnung § 4 fordert bei der Unterweisung genaue Angaben zur sachgemäßen manuellen Handhabung von Lasten und der Gefahren bei unsachgemäßer Ausführung der Tätigkeit. Die Betriebssicherheitsverordnung § 12 fordert angemessene Informationen anhand der Gefährdungsbeurteilung in einer für die Beschäftigten verständlichen Form und Sprache vor der erstmaligen Benutzung von Arbeitsmitteln, dazu gehören Maschinen und Werkzeuge und auch Bildschirmgeräte.
Die Benutzerverordnung für Persönliche Schutzausrüstungen § 3 fordert zur sicherheitsgerechten Nutzung, etwa von Sicherheitsschuhen, eine Unterweisung, die Biostoffverordnung § 14 zu Hygieneregeln und Umgang mit Spritzen im Gesundheitsbereich.
Die Erstunterweisung neueingestellter Mitarbeiter/innen soll allgemeine und arbeitsplatzbezogene Inhalte haben. Die Ziele, die Organisation sowie die Ansprechpartner des Arbeits- und Gesundheitsschutzes im Betrieb müssen bekannt sein, über Erste Hilfe, Rettungswege, Brandschutz, Warnsignale, Unfallschwerpunkte muss ein neuer Kollege und eine neue Kollegin Bescheid wissen.
Arbeitsplatzbezogen geht es in der Erstunterweisung um die Arbeitsverfahren, die Arbeitsmittel, Umgebungseinflüsse und insgesamt um die speziellen Gefährdungen und Belastungen am jeweiligen Arbeitsplatz.
Auf die Erstunterweisung sollte besonderes Augenmerk gelegt werden, weil dem Beschäftigten die Arbeitsbedingungen neu und die Gefährdungen für die Gesundheit unbekannt und noch schwer einschätzbar sind.
Betriebsanweisungen sind schriftliche Informationen und Anweisungen, die in einer genormten Form für bestimmte Gefahren erstellt werden müssen und am Arbeitsplatz oder an der Maschine ausgehängt werden. Sie sind dann Teil der Unterweisung. Vorgeschrieben ist das für den Einsatz von Maschinen, elektrischen Geräten, Einsatz von Biostoffen oder Gefahrstoffen bei der Arbeit. Betriebsanweisungen fassen die wichtigsten Sicherheitsaspekte zusammen. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter können jederzeit wichtige Schutzmaßnahmen und Verhaltensregeln nachlesen.
Unterrichtung meint die allgemeine Informationspflicht des Arbeitgebers gegenüber dem Beschäftigten, dazu können Betriebsanweisungen, Unterweisungen oder Anweisungen und sonstige Informationsmaßnahmen gehören.
Die Unterweisung bezieht sich immer auf die tätigkeitsbezogene und handlungsorientierte Information über mögliche Gefahren, sicherheits- und gesundheitsgerechtes Verhalten und sowie Schutzmaßnahmen am Arbeitsplatz. Sie umfasst Information und aufgabenbezogenes Training.
Die Unterweisung der Leiharbeitnehmer/innen erfolgt durch den Entleiher zu den spezifischen Bedingungen am Arbeitsplatz. Der Verleiher ist verantwortlich für die Erstunterweisung und Unterweisung zu allen Grundfragen, und auch für die Erstunterweisung.
Die Unterweisung der Telearbeiter/innen und von Beschäftigten in „mobiler Arbeit im Homeoffice, unterwegs und bei Kunden“ sollte die sichere und gesundheitsgerechte Gestaltung des Heimarbeitsplatzes und des Arbeitens unterwegs enthalten.
Unterweisungen von Jugendlichen müssen halbjährlich erfolgen und pädagogische Regeln und spezifische Verhaltensweisen in diesem Alter beachten. Mutterschutzbezogene Unterweisungen müssen für alle infrage kommenden Frauen erfolgen, nicht erst wenn eine Frau ihre Schwangerschaft meldet. Sie sind bei besonderen Gefährdungen und Beschäftigungsverboten notwendig, auch zu Sommerhitze.
bei Veränderung im Arbeitsbereich, etwa bei der Einführung neuer Geräte, Software oder einer veränderten Arbeitsorganisation, wenn sich Gefährdungen und Belastungen ändern. Die Anpassung der Unterweisung an die Gefährdungsentwicklung setzt dabei immer die Aktualisierung der Gefährdungsbeurteilung bei sicherheitswidrigem Verhalten, Unfällen und Erkrankungsschwerpunkten voraus.
Unterweisungen sollen als Dialog geführt werden. Die Grundlage ist immer das Ergebnis der Gefährdungsbeurteilung. Das haben Urteile des Bundesarbeitsgerichts bestätigt. Jede nachfolgende Unterweisung kann im Sinne der Wirkungskontrolle von Verbesserungsmaßnahmen aus der Gefährdungsbeurteilung organisiert werden.
Für die Durchführung der Unterweisung sind der Arbeitgeber und - je nach Pflichtenübertragung - die Führungskräfte in ihrem Bereich verantwortlich. Führungskräfte haben Anweisungskompetenz, dies kann die Wirksamkeit der Unterweisung erhöhen. Nicht immer ist es sinnvoll, dass die Führungskräfte selbst die Unterrichtung vornehmen. Ihnen stehen dazu beratend die Fachkraft für Arbeitssicherheit oder der Betriebsarzt zur Verfügung. Diese können Teile der Unterweisung übernehmen.
Verordnung zum Schutze der Mütter am Arbeitsplatz MuSchArbV
§ 74 (1) Nr.6 Mitbestimmung bei Maßnahmen zur Verhütung von Dienst- und Arbeitsunfällen und sonstigen Gesundheits¬ schädigungen,
Unfallverhütungsvorschrift DGUV Vorschrift 1: Grundsätze der Prävention
§ 4 Unterweisung des Versicherten
DGUV Information 211-005 - Unterweisung - Bestandteil des betrieblichen Arbeitsschutzes (bisher: BGI 527)
Bundesarbeitsgericht: BAG vom 11.1.2011, AZ: 1 ABR 104/09 Unterweisung zum Arbeitsschutz, Mitbestimmung des Betriebsrates nach BetrVG § 87 (1) Nr. 7:
HESSISCHES-LAG: 28.10.2010 Aktenzeichen: 5 TaBV 43/10
Regelung der Unterweisung setzt Gefährdungsbeurteilung voraus.
Eine Betriebsvereinbarung mit allgemeinen Regelungen über die Unterweisung zu Gefahren am Arbeitsplatz (§ 12 ArbSchG) ohne vorherige Gefährdungsanalyse (§ 5 ArbSchG) ist unwirksam.
Hamburg 2012, (Kurzbroschüre)
in: Arbeit und Gesundheit spezial, 01/2010
Gruber/Mierdel:
Unterweisung Gefährdungsbezogen.
Bochum (Verlag Technik&Information) 2009
inqa pflege – Initiativkreis gesund pflegen(Hrsg.):
Initiative Neue Qualität der Arbeit/c/o Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin, Dortmund o.J.
Berufsgenossenschaft BG ETEM (Hrsg.):
Unterweisung planen und durchführen.
Köln o.J.
Initiative Neue Qualität der Arbeit /Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (Hrsg.):
Berlin/Dortmund/Dresden 2005
Mit Checklisten und CD-ROM, 2. Auflage
Wiesbaden (Universum Verlagsanstalt) 2006
Bundesanstalt für für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (Hrsg.):
Dortmund 2004, download www.baua.de
Gestaltung von lernförderlichen Unternehmenskulturen zu Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit.
Fachbeitrag, Dortmund 2011
Handlungshilfe 1 - Planungshilfe Unterweisung
Handlungshilfe 2 - Betriebsanweisung Tonerwechsel
Handlungshilfe 3 - Betriebsanweisung Elektrische Geräte
Mutterschutz-Arbeitsplatzverordnung MuSchArbV
Berufsgenossenschaftliche Vorschrift (Unfallverhütungsvorschrift) BGV A1: Grundsätze der Prävention
Unfallverhütungsvorschrift GUV-V A1: Grundsätze der Prävention (Unfallkassen des öffentlicher Dienstes)
§ 4 Auslegen von Unfallverhütungsvorschriften, Unterweisung der Versicherten
§ 15, 16 Allgemeine und besondere Unterstützungspflichten
Bundesarbeitsgericht: Unterweisung zum Arbeitsschutz, Mitbestimmung des Betriebsrates nach BetrVG § 87 (1) Nr. 7 - BAG vom 11.1.2011, AZ: 1 ABR 104/09
21. Auflage, Offenbach (Gabal Verlag) 2004
Psychologische Grundlagen für Beratungsgespräche zur Arbeitssicherheit.
Qualifizierung 3, hg. v. Bundesanstalt für Arbeitschutz und Arbeitsmedizin, Dortmund 2001
QUALIFIZIERUNG 2, hg. v. Bundesanstalt für Arbeitschutz und Arbeitsmedizin, Dortmund 2000
QUALIFIZIERUNG 12, hg. v. Bundesanstalt für Arbeitschutz und Arbeitsmedizin, Dortmund 2004, download www.baua.de
Die folgenden Materialien sind zwar technisch orientiert, ihre Grundprinzipien allerdings übertragbar auf Büroarbeit.
Berufsgenossenschaftliche Information BGI 527:
Sicherheit durch Unterweisung,
Die Erstunterweisung: Ein Instrument für Motivation,
Qualität und Sicherheit, in: Brücke 3/2003, hg, v. Berufgenossenschaft für Feinmechanik und Elektrotechnik
Unterweisung im Kleinbetrieb,
in: Brücke 3/2000, hg. von Berufgenossenschaft für Feinmechanik und Elektrotechnik
www.vbg.de Themenseite Büro/Praxishilfen
Unterweisung. Wiesbaden 2006