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Timestamp: 2018-05-27 14:13:01
Document Index: 369064068

Matched Legal Cases: ['Art. 13', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'Art 6', 'BGH']

Bundesvereinigung Mittelständiger Bauunternehmen e.v. - PDF
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1 Bundesvereinigung Mittelständiger Bauunternehmen e.v. Straf- und bußgeldrechtliche Praxisfragen OSNABRÜCK Rechtsanwalt Markus Schmuck Fachanwalt für Strafrecht Rechtsanwälte Dr. Caspers, Mock & Partner Koblenz Frankfurt - Saarbrücken Folie 1
2 Überblick 1. Straf- und bußgeldrechtliche Normen 2. Prüfung oder Durchsuchung? - Abgrenzungsfragen 3. Mögliche Ziele eines Verfahrens; mögliche Mittel? 4. Rechte im Straf- / Bußgeldverfahren 5. Mögliche Rechtsfolgen 6. Folgerungen Folie 2
3 1. Relevante Normen (Auszug) - SchwarzArbG ( 8) - AÜG ( 16) - AEntG ( 5) - AO ( 370 f.) - AuslG (Beihilfe zum ill. Aufenthalt) - StGB 263 (Betrug), 266 (Untreue: Stichwort schwarze Kasse ) 266a (Sozialversicherungsbeiträge) Folie 3
4 2. Prüfung oder Durchsuchung a) allgemeines: - Gesetze (AÜG/SchwarzArbG/AEntG u.a.) sind normativ einzuhalten. Ob alle Gebotsnormen befolgt werden, hat die verantwortliche Behörde zu überwachen. - Bei Nichteinhaltung hat die Sanktionierung des Verhaltens zu beginnen. - Das Verfahren wechselt vom Prüfungs- in einen Verfolgungsbzw. Ahndungsmodus. Hier ändern sich Rechte und Pflichten der Beteiligten - Folgerung: wichtig den jeweiligen Verfahrensstatus zu kennen, um entsprechend agieren zu können Folie 4
5 2. Prüfung oder Durchsuchung b) Prüfung: - FKS führt verdachtstunabhängige Kontrollen durch. Prüfungen erfolgen stichprobenweise bzw. nach risikoorientierter Analyse. (auch bei anonymen Hinweisen!) - Kontrolle von: Sozialleistungen SGB II und SGB III (Missbrauch?) Arbeitsgenehmigungen bei ausländischen AN? Arbeitsbedingungen bei ausländischen AN Meldepflicht der AG eingehalten? Arbeitsbedingungen nach ArbnEntG - Mitwirkungspflichten Auskunftserteilungspflicht AG und AN ( 3,4 SchwarzArbG) Unterlagen Betretungsrecht Grundstück und Geschäftsräume (nicht Wohnräume) Folie 5
6 2. Prüfung oder Durchsuchung - Die Beamten der FKS sind bei Prüfung Polizeivollzugsbeamten des Bundes gleichgestellt. - Nicht Erlaubt: Durchsuchung (Richtervorbehalt Art. 13 GG) Kein Betretungsrecht für Wohnräume - Erlaubt: Prüfung der Personen Betretungsrecht Grundstück und Geschäftsräume Einsicht in Geschäftsunterlagen Einsicht in Buha des Generalunternehmers ( 4 SchwarzArbG) Folie 6
7 2. Prüfung oder Durchsuchung - Verweigerung der Duldungs- und Mitwirkungspflicht begründet i.d.r. einen hinreichenden Tatverdacht für das Vorliegen von Straftaten oder OWiG`s. - Dann Rollenänderung der FKS hin zur Hilfsperson der StA. (StPO/OWiG). Ebenso bei Auffinden von Beweisen/Indizien. FKS hat jetzt Ermittlungsauftrag! - Sämtliche Mitwirkungspflichten entfallen. Anwesende sind als Beschuldigte zu belehren. - Gefahr in Verzug rechtfertigt angeblich die sofort stattfindende Durchsuchung und Beschlagnahme. Folie 7
8 2. Prüfung oder Durchsuchung b) Durchsuchung: - gemäß 102, 103 StPO beim Täter oder bei Dritten - richterlicher Beschluss notwendig, nicht älter als 6 Monate - Ausnahme: Gefahr in Verzug, dann sofort möglich. G.i.V. dann, wenn die richterliche Anordnung nicht eingeholt werden kann, ohne den Zweck der Maßnahme zu gefährden - Auch Wohnräume und die Räume Dritter sind einbeziehbar - Beschwerde gegen Beschluss möglich. Folge rechtswidriger Durchsuchung: Verwertungsverbot und Rückgabe Wichtig: Sicherstellungsprotokoll anfertigen lassen. Beschlagnahmte Unterlagen konkret bezeichnen lassen. Kein Einverständnis für Beschlagnahme/Sicherstellung erklären - Verteidiger erscheinen lassen!, Aussageverweigerung! Folie 8
9 3. Mögliches Ziel eines Verfahrens - jeder handelnde Täter - Geschäftsführer als natürliche Personen (als Organ eines Unternehmens) - alle Mitarbeiter im Unternehmen soweit irgendwie eingebunden (Buha, Abt.Ltr., Vorarbeiter u.a.) (psychische Beihilfe: schon bei bewusstem zustimmenden oder bestätigendem Handeln BGH NStZ 2002, 139; ständ. Rspr) - Unternehmen als jur. Person (d.h. GmbH, AG) Folie 9
10 3. Mögliches Mittel eines Verfahrens 29 a OWiG: die neue Waffe der Verfolger? I. Hat der Täter für eine mit Geldbuße bedrohte Handlung (...) etwas erlangt und wird (...) eine Geldbuße nicht festgesetzt, so kann gegen ihn der Verfall (...) bis zur Höhe des Erlangten festgesetzt werden II. (...) für einen anderen gehandelt und hat dieser dadurch etwas erlangt, so kann gegen ihn (...) Folie 10
11 3. Mögliches Mittel eines Verfahrens 29 a OWiG: die neue Waffe der Verfolger? - keine parallelen Verfahren gegen handelnde Personen zulässig - mind. eine Person muss deliktisch gehandelt haben (streitig ist wer und wann) - was ist das Erlangte? (unterschiedliche Berechnungsmodelle) OLG Koblenz: muss spiegelbildlich dem Vorteil entsprechen, der aus der Tat gezogen wurde. Unmittelbare Kausalbeziehung notwendig (z.b: Genehmigungsfähig > nur ersparte Kosten, nicht voller Umsatz) Beschl. Vom Ss 247/06 SVR 2007, 405 f. - Höhe des Verfalls? Bruttoprinzip: - es kann alles was unmittelbar erlangt wurde ohne Abzug gewinnmindernder Kosten abgeschöpft werden (BGH NStZ 03, 37) (entwickelt aus der Bekämpfung von BtM-Geschäften) - Schätzung des Erlangten hinsichtlich Höhe grds. zulässig Folie 11
12 4. Rechte im Straf- / Bußgeldverfahren - Aussageverweigerungsrecht StPO: dann, wenn man sich belasten könnte, nicht erst wenn man sich bei korrekter Antwort belasten müsste 2. Mosaiktheorie des BGH (keine Verpflichtung Teilstücke an Informationen herauszugeben aus denen sich ein ganzes Bild ergibt/ergeben kann) - Verteidigerkonsultation Mehrfachverteidigung verboten; d.h. jeder braucht eigenen Verteidiger Umsetzung Sockelverteidigung notwendig; Koordinierung erforderlich Alle zur Aussageverweigerung bewegen. Aufklärung über Rechte notwendig. - Akteneinsichtsrecht Verteidiger haben gem. 147 StPO Recht auf AE. Grundsatz der Aktenvollständigkeit. Zudem Ansichtsrecht amtlich verwahrter Beweistücke (Asservate) Folie 12
13 5. Mögliche Rechtsfolgen - 263, 266, 266a StGB, 370 AO: mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder Geldstrafe Abs. 3 StGB, 370 Abs. 3 AO (schwere Fälle): Freiheitsstrafe bis zu 10 Jahren - SchwarzArbG Bußgeld: 8 SchwarzArbG bis EUR Straftat: 9 und 10 bis 3 Jahre oder Geldstrafe Ausschluss bis 3 Jahre, 21 (>3 M FS,>90 TS, >EUR 2500) - AÜG: 16 bis EUR ArbEntG: 5 bis EUR Ausschluss (ab EUR 2500) für angemessene Zeit a StPO: Einstellung des Verfahrens wegen geringer Schuld Rechtsnatur: keine Schuldfeststellung! Unschuldsvermutung (Art 6 Abs.2 EMRK) keine Verfahrenskosten keine Eintragungen (VZR, BZR, GewZR) Folie 13
14 5. Mögliche Rechtsfolgen insbesondere Steuerrechtlich: 370 f. AO: Lohnsteuer-, EKSt-, Ust-, Gewerbesteuerhinterziehung usw. - Für natürliche Personen: 153 /a StPO / Geld- oder Haftstrafe Entscheidung BGH vom StR 416/08: Höhe des Hinterziehungsbetrages ist ein Strafzumessungsumstand von bedeutendem Gewicht.(...) Bis EUR Geldstrafe (...) spätestens ab EUR Freiheitsstrafe (...) Hinterziehung ab 1 Mio. Aussetzung zur Bewährung nur im Ausnahmefall. - Steuerrechtliche Folgen für natürliche Person: persönliche Haftung 71 AO wer eine S. begeht oder teilnimmt, haftet Verfall 73 Abs. 1 und 2 StGB; Wertersatzverfall 73a StGB - Für juristische Personen: 73 Abs 3. StGB f. Verfall oder Einziehung - Steuerrechtliche Folgen: Unternehmen haftet steuerrechtlich ohnehin Folie 14
15 6. Folgerungen - relevante Normen regelmäßig aktualisieren und den verantwortlichen Mitarbeitern aushändigen - Unternehmen auf Normeneinhaltung einstellen - Unternehmen und Mitarbeiter auf Kontrollen vorbereiten - Verhaltensmuster für Durchsuchungen erarbeiten - Checklisten erstellen (Verhalten bei...) - Risikoanalyse für das Unternehmen sowie die jeweils handelnden Personen erstellen - bei Eröffnung eines Straf- Bußgeldverfahrens klaren Kopf behalten Folie 15
16 Dabei sein ist achtzig Prozent des Erfolges. (Woody Allen) Die restlichen 20 % bestehen aus vorausschauender Planung und koordinierter Verteidigung Folie 16
17 Danke für die Aufmerksamkeit Folie 17
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