Source: https://www.stbwill.de/lexikon/gewerbesteuer/
Timestamp: 2019-09-20 18:22:38
Document Index: 297792764

Matched Legal Cases: ['§69', '§ 10', '§ 6', '§ 11', '§ 11', '§ 10', '§ 35']

Steuerlexikon: Gewerbesteuer
Die Gewerbesteuer ist eine Ertragsteuer für Unternehmen. Nur gewerbliche Unternehmen müssen die direkte Steuer zahlen.
Die Gewerbesteuer fließt der Gemeinde oder Stadt zu, in dem das Gewerbe betrieben wird. Die Gemeinde / Stadt legt die Höhe der Steuer selbst fest. Das erfolgt durch einen Hebesatz.
Steuerschuldner der Gewerbesteuer
Steuerschuldner ist der Unternehmer. Bei Personengesellschaften und Kapitalgesellschaften (GbR, OHG, KG, UG (haftungsbeschränkt), GmbH, AG) ist die Gesellschaft selbst Steuerschuldner.
Sind Merkmale vorhanden wie:
Gewinnerzielungsabsichten
vorhanden, liegt ein Gewerbebetrieb vor.
Für Land- und Forstwirte, freiberufliche Unternehmer gem. EStG oder die Vermögensverwaltung besteht keine Gewerbesteuerpflicht.
Erhebung und Verwaltung der Gewerbesteuer
Verwaltet wird die Gewerbesteuer von der Landesfinanzbehörde. Diese Verwaltung kann auch auf die Gemeinde übertragen werden.
Die Erhebung, Festsetzung, Stundung und der Erlass erfolgt grundsätzlich durch die Gemeinde bzw. durch die Stadt.
Ablauf der Besteuerung
Beim Finanzamt ist die Gewerbesteuererklärung einzureichen. Das Finanzamt setzt nur den Gewerbesteuermessbetrag fest. Dieser wird dem Unternehmer bekannt gegeben. Auf diesem Messbescheid sind noch keine Steuern zu zahlen. Gegen den Messbescheid kann Einspruch eingelegt werden.
Die Gemeinde setzt die Gewerbesteuer fest und erlässt den Gewerbesteuerbescheid. Auf diesen Bescheid sind Steuern zu zahlen. Der Rechtsbehelf gegen diesen Bescheid ist bei der Gemeinde einzulegen. Der Rechtsbehelf ist in diesem Fall der Widerspruch (§§69 ff VwGO) und nicht der Einspruch.
Die Besteuerungsgrundlage ist der Gewerbeertrag. Der Gewerbeertrag ist nicht identisch mit dem Gewinn des Unternehmens. Durch Hinzurechnungen und Kürzungen des Gewinns wird der Gewerbeertrag ermittelt.
Gewinn gem. EStG oder KStG
- Verlustvorträge (§ 10a GewStG)
= Gewerbeertrag (§ 6 GewStG)
≈ abzurunden auf volle 100 € (§ 11 (1) S.3 GewStG)
- Freibetrag 24.500 € für Einzelunternehmen und Personengesellschaften
x Gewerbesteuermesszahl 3,5 % (§ 11 (2) GewStG)
Hinzugerechnet werden hauptsächlich Betriebsausgaben, die zur Finanzierung (Zinsen) von Betriebsmitteln aufgewendet wurden. Denn besteuert werden soll der Reinertrag ohne das diese Zinsen berücksichtigt werden. Durch Zinsen und auch Lizenzen ist es nämlich Unternehmen möglich, Gewinn von einem Land auf ein anderes, niedrig besteuertes Land zu verschieben.
Gekürzt wird der Gewinn z. B. aus Gewinnanteilen von Unternehmensbeteiligungen. Diese Gewinne sind nämlich schon von dem anderen Unternehmen besteuert worden. Ohne die Kürzung würde es zu einer Doppelbesteuerung kommen.
Die A-GmbH ist zu 100 % an der B-GmbH beteiligt. Die B-GmbH schüttet den Gewinn an die A-GmbH aus.
Die B-GmbH muss ihren Gewinn mit der Gewerbesteuer besteuern. Bei der A-GmbH ist dieser Gewinn eine Betriebseinnahme. Würde keine Kürzung vorgenommen werden, müsste die A-GmbH diesen Gewinn noch einmal besteuern.
Hat ein Gewerbebetrieb einen Verlust erzielt, kann dieser Verlust auf die nächsten Jahre vorgetragen werden § 10a GewStG und § 35b (2) GewStG.
Der Verlust ist gesondert festzustellen und kann nur auf dasselbe Unternehmen vorgetragen werden.
Personengesellschaften: Die Mitunternehmer / Gesellschafter einer Personengesellschaft dürfen nicht wechseln, da sonst der Verlust nicht mehr übertragbar ist R 10a.2 GewStR.
Höhe des Vortrags: Der Vortrag ist auf 1 Mio. € + 60 % des restlichen Verlustes jährlich begrenzt.
Beispiel: Die A-GmbH hat in 2015 einen Verlust von 3 Mio. € erzielt. 2016 einen Gewinn von 4 Mio Euro.
Auf 2016 sind insgesamt die 3 Mio. Euro übertragbar. Aber es sind nur 1 Mio. Euro + 60 % von dem restlichen Verlust (3 Mio. € - 1 Mio. € = 2 Mio € x 60 % = 1.2 Mio. Euro) abziehbar. Damit nochmals 1.2 Mio. Euro. Insgesamt sind damit 2.2 Mio. Euro abzugsfähig. Die verbleibenden 800.000 € können in den Folgejahren (ab 2017) angerechnet werden.