Source: https://www.rechtslupe.de/arbeitsrecht/interessenausgleich-und-die-teil-namensliste-391527
Timestamp: 2019-08-19 16:53:57
Document Index: 159903132

Matched Legal Cases: ['§ 111', '§ 1', '§ 1', '§ 1', '§ 1', '§ 111', '§ 17', '§ 1', '§ 1', '§ 1', '§ 1', '§ 111', '§ 144', '§ 1', '§ 1', '§ 1', '§ 1', '§ 111', '§ 1', '§ 1', '§ 1', '§ 1', '§ 1', '§ 1', '§ 249', '§ 1', '§ 1', '§ 1', '§ 112', '§112', '§ 112', '§ 1', '§ 112', '§ 1', '§ 1']

Inter­es­sen­aus­gleich – und die Teil-Namens­lis­te | Rechtslupe
Interessenausgleich - und die Teil-Namensliste
Eine Teil-Namens­lis­te ist als inte­gra­ler Bestand­teil eines Inter­es­sen­aus­glei­ches gem. § 111 BetrVG jeden­falls dann eine aus­rei­chen­de Basis für die Rechts­wir­kun­gen des § 1 Abs. 5 KSGchG, wenn der durch die Namens­lis­te erfass­te Bereich so deut­lich abgrenz­bar von dem nicht erfass­ten Bereich ist, dass die Sozi­al­aus­wahl nicht beein­flusst wer­den kann und er dar­über hin­aus wesent­lich grö­ßer ist.
Zuguns­ten der Arbeit­ge­be­rin wird gem. § 1 Abs. 5 KSGchG ver­mu­tet, dass die streit­ge­gen­ständ­li­che gegen­über dem Arbeit­neh­mer aus­ge­spro­che­ne Kün­di­gung durch drin­gen­de betrieb­li­che Erfor­der­nis­se, die einer Wei­ter­be­schäf­ti­gung in die­sem Betrieb ent­ge­gen­ste­hen, bedingt ist. Die Kün­di­gung ist sozi­al gerecht­fer­tigt i.S. von § 1 Abs. 2 KSGchG.
Der Tat­be­stand des § 1 Abs. 5 S. 1 KSGchG ist im hier vom Lan­des­ar­beits­ge­richt Nie­der­sach­sen ent­schie­de­nen Fall gege­ben. Ins­be­son­de­re haben die Betriebs­part­ner einen wirk­sa­men Inter­es­sen­aus­gleich mit dazu­ge­hö­ren­der Namens­lis­te unter­zeich­net:
Die­se Namens­lis­te ent­hielt den Namen des Arbeit­neh­mers. Auch betrifft der Inter­es­sen­aus­gleich eine Betriebs­än­de­rung gem. § 111 BetrVG in Form eines Per­so­nal­ab­bau­es, der das in § 17 KSGchG genann­te Zah­len­ver­hält­nis unter Berück­sich­ti­gung der zusätz­li­chen Anfor­de­run­gen des BAG (mehr als 5 % in Betrie­ben mit mehr als 500 Arbeit­neh­mern) bei wei­tem über­steigt. Dies ist zwi­schen den Par­tei­en unstrei­tig.
Ist in einem Inter­es­sen­aus­gleich die Ent­las­sung einer Viel­zahl von Arbeit­neh­mern vor­ge­se­hen, ent­hält die Namens­lis­te jedoch nicht die Namen sämt­li­cher der zur Ent­las­sung anste­hen­den Arbeit­neh­mer, so wird unter dem recht­li­chen Gesichts­punkt der soge­nann­ten Teil-Namens­lis­te die Fra­ge, ob eine sol­che Lis­te dem Tat­be­stand des § 1 Abs. 5 KSGchG ent­spricht und zuguns­ten des kün­di­gen­den Arbeit­ge­bers die dort vor­ge­se­he­nen Kün­di­gungs­er­leich­te­run­gen aus­löst, durch­aus kon­tro­vers erör­tert.
Die Ent­schei­dung vom 26.03.2009 1 ent­hielt kei­ne grund­le­gen­de Klä­rung der Fra­ge, ob eine „Teil-Namens­lis­te” eine aus­rei­chen­de Grund­la­ge für die Ver­mu­tungs­wir­kung des § 1 Abs. 5 KSGchG dar­stellt. In die­sem Zusam­men­hang hat das BAG aus­ge­führt, der Zweck des § 1 Abs. 5 KSGchG bestehe vor allem dar­in, bei betriebs­be­ding­ten Kün­di­gun­gen einer grö­ße­ren Zahl von Arbeit­neh­mern die Sozi­al­aus­wahl für alle Betei­lig­ten recht­si­cher zu gestal­ten. Der Wort­laut des § 1 Abs. 5 KSGchG sei nicht ein­deu­tig. Es kom­me auf den Sinn und Zweck die­ser Vor­schrift an. Es spre­che Eini­ges dafür, Grund­la­ge der Namens­lis­te sei eine Betriebs­än­de­rung i.S. des § 111 BetrVG, der regel­mä­ßig ein geschlos­se­nes unter­neh­me­ri­sches Kon­zept zugrun­de lie­ge. Die Namens­lis­te stel­le die kon­kre­te Umset­zung die­ses unter­neh­me­ri­schen Kon­zep­tes dar. Sie müs­se des­halb, um in sich schlüs­sig zu sein, das unter­neh­me­ri­sche Kon­zept voll­stän­dig erfas­sen und umset­zen. Im kon­kre­ten Streit­fall hat das Bun­des­ar­beits­ge­richt die gene­rel­le Klä­rung die­ser Fra­ge offen gelas­sen, weil die Betriebs­part­ner bei ihrer Eini­gung Erwä­gun­gen hät­ten durch­schla­gen las­sen, die außer­halb des Geset­zes­zwe­ckes lagen. Denn dort sei­en Arbeit­neh­mer nur des­halb in die Lis­te auf­ge­nom­men wor­den, um bei dem von die­sen Mit­ar­bei­tern gewünsch­ten frei­wil­li­gen Aus­schei­den dro­hen­de Sperr­zei­ten gem. § 144 SGB III nach Mög­lich­keit aus­zu­schlie­ßen.
Auch in den Ent­schei­dun­gen vom 19.07.2012 2; und vom 27.09.2012 3 hat das Bun­des­ar­beits­ge­richt die grund­sätz­li­che Eig­nung einer Teil-Namens­lis­te als Grund­la­ge für die Rechts­wir­kun­gen des § 1 Abs. 5 S. 1 KSGchG nicht geklärt.
In der Lite­ra­tur wird weit über­wie­gend eine Teil-Namens­lis­te als Grund­la­ge der Rechts­wir­kung des § 1 Abs. 5 KSGchG abge­lehnt, weil es der Zweck die­ser Norm gebie­te, den Namen der zu kün­di­gen­den Arbeit­neh­mer voll­stän­dig auf­zu­füh­ren, dem ent­spre­che eine Teil-Namens­lis­te nicht. Auch bestehe kei­ne Gewähr, dass nach schlüs­si­gen sozia­len Kri­te­ri­en ent­schie­den wer­de. Der Zweck der Pri­vi­le­gie­rung ver­lan­ge die abschlie­ßen­de Auf­nah­me der gekün­dig­ten Arbeit­neh­mer in die Namens­lis­te 4.
Dem­ge­gen­über hält eine abwei­chen­de Lite­ra­tur­mei­nung eine Teil-Namens­lis­te für grund­sätz­lich geeig­net, die Rechts­fol­gen des § 1 Abs 5 KSGchG aus­zu­lö­sen 5.
Die vor­ste­hen­de Pro­ble­ma­tik der Teil-Namens­lis­te als Grund­la­ge für die Rechts­wir­kun­gen des § 1 Abs. 5 KSGchG ist auch ent­schei­dungs­er­heb­lich. Ent­ge­gen der Rechts­auf­fas­sung der Arbeit­ge­be­rin las­sen sich die kon­kre­ten in dem Inter­es­sen­aus­gleich vom 18.07.2013 vor­ge­nom­me­nen Rege­lun­gen als Teil-Namens­lis­te cha­rak­te­ri­sie­ren: Die Ent­las­sun­gen der Arbeit­neh­mer im Pro­duk­ti­ons­be­reich und die Ent­las­sun­gen der Ange­stell­ten im Bereich der NESD-Zen­tral­funk­tio­nen sind gegen­ständ­lich in ein und dem­sel­ben Inter­es­sen­aus­gleich als unter­neh­me­ri­sche Maß­nah­me zusam­men­ge­fasst wor­den. Sie bil­den die Betriebs­än­de­rung gem. § 111 S. 3 Nr. 1 BetrVG ab, die Grund­la­ge der Pri­vi­le­gie­rung des § 1 Abs. 5 KSGchG sind. Dar­über hin­aus las­sen sich die in III des Inter­es­sen­aus­glei­ches unter NESD-Zen­tral­funk­tio­nen beschrie­be­nen unter­neh­me­ri­schen Maß­nah­men unpro­ble­ma­tisch als die in der Vor­be­mer­kung zum Inter­es­sen­aus­gleich genann­ten Restruk­tu­rie­rungs­maß­nah­men ver­ste­hen. Schluss­end­lich ent­spricht es auch einem ganz all­ge­mei­nen grund­le­gen­den Ver­ständ­nis, dass der Abbau von mehr als 100 Arbeits­plät­zen im Pro­duk­ti­ons­be­reich regel­mä­ßig auch zu einer Ver­schlan­kung des admi­nis­tra­ti­ven Berei­ches führt.
Der Ein­wand der Arbeit­ge­be­rin, betriebs­be­ding­te Kün­di­gun­gen sei­en im Bereich des Abbau­es vor­ge­nann­ter Arbeits­plät­ze nicht vor­ge­se­hen, führt nicht zu einer abwei­chen­den Beur­tei­lung. Denn der Inter­es­sen­aus­gleich ent­hält kei­ne ver­bind­li­che Fest­le­gung, in wel­cher Wei­se die Ent­las­sun­gen durch­ge­führt wer­den sol­len. Soweit es dort vor­ran­gig um Auf­lö­sungs­ver­ein­ba­run­gen geht, sind betriebs­be­ding­te Kün­di­gun­gen nicht aus­ge­schlos­sen. Ohne Auf­lö­sungs­ver­ein­ba­run­gen wären betriebs­be­ding­te Ent­las­sun­gen erfor­der­lich gewe­sen. Die Pro­gno­se der Arbeit­ge­be­rin, zum Zeit­punkt des Abschlus­ses des Inter­es­sen­aus­glei­ches sei abseh­bar gewe­sen, sämt­li­che Ent­las­sun­gen hät­ten im Wege von Auf­lö­sungs­ver­ein­ba­run­gen erfol­gen kön­nen, war zum sei­ner­zei­ti­gen Zeit­punkt kei­nes­wegs zwin­gend. Allein posi­tiv ver­lau­fen­de Ver­hand­lun­gen, die noch nicht zum Abschluss geführt haben, recht­fer­ti­gen eine sol­che Annah­me nicht.
Obwohl durch die Her­aus­nah­me der Ent­las­sun­gen im NESD-Zen­tral­funk­tio­nen­be­reich aus der Namens­lis­te die mit dem Inter­es­sen­aus­gleich ver­bun­de­ne Namens­lis­te als soge­nann­te Teil-Namens­lis­te zu qua­li­fi­zie­ren ist, begrün­det sie die Ver­mu­tungs­wir­kung des § 1 Abs. 5 KSGchG und ist die Grund­la­ge für die Anwen­dung die­ser Norm.
Hier­bei hält die Beru­fungs­kam­mer eine Teil-Namens­lis­te nicht gene­rell für eine taug­li­che Grund­la­ge des § 1 Abs. 5 KSGchG, son­dern nur in einer eng umgrenz­ten Fall­kon­stel­la­ti­on, die vor­lie­gend jedoch anzu­er­ken­nen ist: Die­se Fall­kon­stel­la­ti­on ist zum einen dadurch gekenn­zeich­net, dass der Bereich, in dem die Betriebs­part­ner eine Namens­lis­te erstel­len, von dem Bereich, für den kei­ne Namens­lis­te exis­tiert, so deut­lich abgrenz­bar ist, dass nicht die ent­fern­te Mög­lich­keit besteht, die Sozi­al­aus­wahl des einen Berei­ches könn­te die Sozi­al­aus­wahl in dem ande­ren Bereich in irgend­ei­ner Form beein­flus­sen. Mit ande­ren Wor­ten: Es ist aus­ge­schlos­sen, dass die Arbeit­neh­mer der Namens­lis­te mit den übri­gen Arbeit­neh­mern aus dem Bereich der NESD-Zen­tral­funk­ti­on ver­gleich­bar sein könn­ten.
Der Arbeit­neh­mer hat die Ver­mu­tungs­wir­kung der Namens­lis­te auch nicht durch kon­kre­ten Sach­vor­trag wider­legt. Sein sum­ma­ri­scher Vor­trag bezüg­lich des feh­len­den Weg­falls sei­ner Beschäf­ti­gungs­mög­lich­keit ist zum einen unprä­zi­se und zum ande­ren nicht unter Beweis gestellt wor­den.
Zuguns­ten des Arbeit­neh­mers greift auch nicht die Aus­nah­me des § 1 Abs. 5 S. 3 KSGchG ein. Allein die feh­len­de Umset­zung der Namens­lis­te bezüg­lich 9 Per­so­nen, denen gegen­über kei­ne Kün­di­gung aus­ge­spro­chen wor­den ist, hat die Sach­la­ge nach Zustan­de­kom­men des Inter­es­sen­aus­glei­ches nicht wesent­lich geän­dert.
Die sozia­le Aus­wahl ist nicht grob feh­ler­haft gem. § 1 Abs. 5 S. 1 und Abs. 3 KSGchG.
Die Arbeit­ge­be­rin hat trotz der Pri­vi­le­gie­rung in § 1 Abs. 5 KSGchG und der Über­prü­fung der Sozi­al­aus­wahl nur auf gro­be Feh­ler­haf­tig­keit ord­nungs­ge­mäß Aus­kunft über die Kri­te­ri­en zu geben. nach denen die Sozi­al­aus­wahl durch­ge­führt wor­den ist.
Dem ist sie bereits mit ihrer Kla­ge­er­wi­de­rung, der Dar­stel­lung der Ver­gleichs­grup­pen und dem Hin­weis dar­auf, dass alle Arbeit­neh­mer der Ver­gleichs­grup­pe „Anlern­tä­tig­keit” ent­las­sen wor­den sind, nach­ge­kom­men.
Die Arbeit­ge­be­rin hat die Ver­gleichs­grup­pe der Anlern­tä­tig­keit sach­ge­recht gebil­det und hier­bei ent­spre­chend dem Bedürf­nis der Rechts­si­cher­heit und Rechts­klar­heit bei Mas­sen­ent­las­sun­gen auf die Tätig­keit der Arbeit­neh­mer zum nicht will­kür­lich gewähl­ten Stich­tag am 01.06.2014 abge­stellt. Der Arbeit­neh­mer war auch die­ser Grup­pe zuzu­ord­nen, er hat nach der unwi­der­spro­che­nen Dar­stel­lung der Arbeit­ge­be­rin „am 01.06.2013 Tei­le ein­ge­legt und hän­disch mon­tiert”. Jeden­falls vor dem Hin­ter­grund der Prü­fung der Sozi­al­aus­wahl ledig­lich auf „gro­be Feh­ler­haf­tig­keit” ist die­se Vor­ge­hens­wei­se nicht zu bean­stan­den.
Lan­des­ar­beits­ge­richt Nie­der­sach­sen, Urteil vom 22. Janu­ar 2015 – 5 Sa 1013/​14
Selbst­le­se­ver­fah­ren – und die unzu­rei­chen­de… Eine unzu­rei­chen­de Pro­to­kol­lie­rung des Selbst­le­se­ver­fah­rens (§ 249 Abs. 1 StPO) kann zur Auf­he­bung des Urteils füh­ren. In dem hier vom Ober­lan­des­ge­richt Naum­burg ent­schie­de­nen Fall hat­te das Amts­ge­richt Sten­dal den Ange­klag­ten…
BAG 26.03.2009 – 2 AZR 296/​07 – AP Nr.19 zu § 1 KSGchG 1969 Namens­lis­te↩
BAG 19.07.2012 – 2 AZR 352/​11 – AP Nr. 22 zu § 1 KSGchG 1969 Namens­lis­te↩
BAG 27.09.2012 – 2 AZR 516/​11 – EZA § 1 KSGchG Inter­es­sen­aus­gleich Nr. 25↩
GK-Oet­ker, 10. Aufl., §§ 112, 112a, Rn. 27; Richar­di, 13. Aufl., §112, Rn. 22 b; Fit­ting. 27. Aufl. §§ 112, 112a Rn. 55; H/​B/​K‑Quecke, 5. Aufl., § 1 KSGchG Rn. 424; DKK-Däub­ler, 13. Aufl., §§ 112, 112a Rn. 32; ErfK-Oet­ker, 14. Aufl., § 1 KSGchG Rn. 360a↩
Rich­ter/​Riem: Ganz oder gar nicht ? – Rechts­fol­gen von Teil-Namens­lis­ten in NZA 2011, 1254 ff.↩
BAG Urteil vom 23.10.2008 2 AZR 163/​07 – AP Nr. 18 zu § 1 KSGchG 1969 Namens­lis­te↩