Source: https://ordnungderwissenschaft.de/2020/die-digitalisierung-von-forschung-und-lehre-auf-dem-weg-in-eine-oeffentliche-rechtswissenschaft/
Timestamp: 2020-08-09 14:47:22
Document Index: 370198099

Matched Legal Cases: ['Art 5', 'Art. 5', 'Art. 5', 'Art. 14', '§ 38', '§ 106', '§ 60', '§ 2', '§ 51', '§ 60', '§ 60', '§ 60', '§ 38', 'Art. 5', 'Art. 5', '§ 44', '§ 38', '§ 38', 'Art. 70', '§ 38', 'Art. 71', '§ 15', 'Art. 5', 'Art. 5', 'Art. 12', 'Art. 5', '§ 38', '§ 44', '§ 48', 'Art. 5', '§ 2', 'Art. 5', 'Art. 5', 'Art. 5', 'Art. 5', 'Art. 33', '§ 38', '§ 4', '§ 44', 'Art. 5', 'Art. 5', 'Art.5', 'Art. 14', 'Art. 5', 'Art. 5', 'Art. 5', '§ 38', '§ 42', '§ 38', '§ 38', '§ 38']

Die Digitalisierung von Forschung und Lehre – auf dem Weg in eine „öffentliche“ Rechtswissenschaft? | Ordnung der Wissenschaft
I. Der Stand der Digi­ta­li­sie­rung von For­schung und Leh­re: Eine kri­ti­sche Bestands­auf­nah­me
II. Die Digi­ta­li­sie­rung als Weg in eine „öffent­li­che“ Rechts­wis­sen­schaft?
Was ist öffent­li­che Wis­sen­schaft?
b) Open Edu­ca­tio­nal Resour­ces
Initia­ti­ven zur För­de­rung öffent­li­cher Wis­sen­schaft
Rezep­ti­on in der Rechts­wis­sen­schaft
a) Offe­ne Lehr­ma­te­ria­li­en in der Rechts­wis­sen­schaft
b) Offe­ne For­schung in der Rechts­wis­sen­schaft
c) Vor­be­hal­te
aa) Fach­kul­tur und Repu­ta­ti­on
bb) Öko­no­mi­sche Erwä­gun­gen
III. Lösungs­an­sät­ze
Zwang durch Open-Access-Zweit­ver­wer­tungs­pflich­ten
a) Zustän­dig­keit der Lan­des­ge­setz­ge­ber
b) Ver­ein­bar­keit mit Art 5 Abs. 3 S. 1 GG
aa) Schutz­be­reich
bb) Ein­griff
cc) Recht­fer­ti­gung
(1) Art. 5 Abs. 3 GG in sei­ner objek­tiv-recht­li­chen Dimen­si­on
(2) Art. 5 Abs. 3 GG als Grund­recht ande­rer Wissenschaftler*innen
(3) Infor­ma­ti­ons­frei­heit
(4) Staat­li­che Finan­zie­rung
(5) Abwä­gung
c) Ver­ein­bar­keit mit Art. 14 Abs. 1 und 12 Abs. 1 GG
d) Ver­ein­bar­keit mit der Urhe­ber­rechts­richt­li­nie
Frei­wil­lig­keit: § 38 Abs. 4 UrhG
Mit den Hoch­schu­len gerät auch die Rechts­wis­sen­schaft in Zug­zwang, sich ver­stärkt in digi­ta­len Räu­men zu bewe­gen. Mit der Digi­ta­li­sie­rung eng ver­knüpft ist die For­de­rung nach einer wei­ter­rei­chen­den Öff­nung der (Rechts-)Wissenschaft. Neben Initia­ti­ven der Euro­päi­schen Kom­mis­si­on und des Bun­des haben die Län­der im Ver­bund mit ihren Hoch­schu­len und For­schungs­or­ga­ni­sa­tio­nen weit­rei­chen­de Stra­te­gien zur Öff­nung der Wis­sen­schaft auf­ge­setzt. Indes scheint die Ent­wick­lung in der Rechts­wis­sen­schaft nur sehr zöger­lich anzu­kom­men. Der Bei­trag spürt der Digi­ta­li­sie­rung von rechts­wis­sen­schaft­li­cher For­schung und Leh­re nach und sucht nach den Grün­den für die gerin­ge Ver­brei­tung offe­ner Publi­ka­tio­nen. Zugleich setzt er sich auch mit den Gren­zen einer zwangs­wei­sen Öff­nung rechts­wis­sen­schaft­li­cher For­schung und Leh­re aus­ein­an­der.
Die Digi­ta­li­sie­rung als Gegen­stand der For­schung ist ein Groß­the­ma der letz­ten Jahre.1 Die Hoch­schu­len reagie­ren und rich­ten immer mehr Lehr­stüh­le mit dem Schwer­punkt Digi­ta­li­sie­rung ein: drei von zehn im Jahr 2018 neu­be­ru­fe­ne Pro­fes­so­ren beschäf­ti­gen sich mit The­men der Digitalisierung.2
Die Hoch­schu­len selbst haben indes Nach­hol­be­darf was ihre eige­ne Digi­ta­li­sie­rung angeht. Dies betrifft zunächst die Digi­ta­li­sie­rung als Lehrinhalt.3 Aber auch für die umfas­sen­de Digi­ta­li­sie­rung der Infra­struk­tu­ren der Hoch­schu­len braucht es nach Auf­fas­sung der Hoch­Ni­ko­las
Eisen­traut
Die Digi­ta­li­sie­rung von For­schung und Leh­re – auf dem Weg in eine „öffent­li­che“ Rechts­wis­sen­schaft?
Der Bei­trag beruht auf einem Vor­trag, den der Ver­fas­ser auf der 60. Assis­ten­ten­ta­gung 2020 in Trier gehal­ten hat; er erscheint in einer gekürz­ten Fas­sung auch im Tagungs­band. Soweit ein Open-Access-Zugang besteht, wer­den in den Fuß­no­ten Links zu den Bei­trä­gen ange­ge­ben. Die­se wur­den zuletzt am 9.6.2020 auf ihre Gül­tig­keit über­prüft.
1 Stifterverband/Heinz Nix­dorf Stif­tung, Hoch­schul­ba­ro­me­ter 2019, S. 22, abruf­bar unter https://www.stifterverband.org/medien/hochschul-barometer-2019; die Digi­ta­li­sie­rung berührt auch das Öffent­li­che Recht auf einer Viel­zahl von Ebe­nen, so ins­be­son­de­re unter dem Aspekt des E‑Government, dazu zuletzt Sie­gel, E‑Government und das Ver­wal­tungs­ver­fah­rens­ge­setz, DVBl 2020, S. 552; Guckel­ber­ger, Öffent­li­che Ver­wal­tung im Zeit­al­ter der Digi­ta­li­sie­rung, 2019; Seckel­mann, Digi­ta­li­sier­te Ver­wal­tung, Ver­netz­tes E‑Government, 2. Aufl. 2019, in Hin­blick auf das Daten­schutz­recht, s. nur Schmidt-Jor­zig, IT-Revo­lu­ti­on und Daten­schutz, DÖV 2018, S. 10 und auch in Hin­blick auf das Ver­fas­sungs­recht, s. nur die Bei­trä­ge aus jün­ge­rer Zeit von Gol­la, In Wür­de vor Ampel und Algo­rith­mus – Ver­fas­sungs­recht im tech­no­lo­gi­schen Wan­del, DÖV 2019, S. 673; Här­tel, Digi­ta­li­sie­rung im Lich­te des Ver­fas­sungs­rechts – Algo­rith­men, Pre­dic­ti­ve Poli­cing, auto­no­mes Fah­ren, LKV 2019, S. 49 und Schlies­ky, Digi­ta­li­sie­rung – Her­aus­for­de­rung für den demo­kra­ti­schen Ver­fas­sungs­staat, NVwZ 2019, S. 693.
2 Stifterverband/Heinz Nix­dorf Stif­tung (Fn. 1), S. 23.
3 Zu den neu­en digi­ta­len Aus­bil­dungs­in­hal­ten Zwi­ckel, Jura­stu­di­um 4.0.? – Die Digi­ta­li­sie­rung des juris­ti­schen Leh­rens und Ler­nens, JA 2018, S. 881 (881 ff.).
1 7 8 O R D N U N G D E R WI S S E N S C H A F T 3 ( 2 0 2 0 ) , 1 7 7 — 1 9 0
4 Stifterverband/Heinz Nix­dorf Stif­tung (Fn. 1), S. 17 und spe­zi­fisch
für die Leh­re S. 19; Inves­ti­ti­ons­be­dar­fe wird auch die Block­chain-
Tech­no­lo­gie aus­lö­sen, dazu Schür­mei­er, Block­chain-Anwen­dun­gen
in der Hoch­schu­le, DVP 2019, S. 409 sowie Camilleri/
Werner/Hoffknecht/Sorge, Block­chain in der Hoch­schul­bil­dung,
2019, abruf­bar unter https://www.stifterverband.org/blockchainin-
der-hoch­schul­bil­dung.
5 Näher zum Stand der Imple­men­tie­rung von CMS- und LMS­Sys­te­men
Exper­ten­kom­mis­si­on For­schung und Inno­va­ti­on (Hrsg.),
Digi­ta­li­sie­rung der Hoch­schu­len, 2019, S. 47, Stu­die abruf­bar
unter https://www.e‑fi.de/fileadmin/Innovationsstudien_2019/
StuDIS_14_2019.pdf ; Zu den daten­schutz­recht­li­chen Fra­gen
bei E‑Lear­ning-Platt­for­men Bot­ta, Daten­schutz bei E‑Lear­ning-
Platt­for­men, 2020 pas­sim.
6 Zwi­ckel (Fn. 3), S. 881 (884); Rei­ner, Juris­ti­sche Didak­tik und
E‑Lernen: Theo­re­ti­sche Kon­zep­ti­on und Anwen­dungs­bei­spie­le,
Jur­PC Web-Dok 160/2007, Abs. 1, abruf­bar unter https://www.
jurpc.de/jurpc/show?id=20070160; ein posi­ti­ves Bild zeich­net
Mey­er, Urhe­ber­recht und Wis­sens­ge­sell­schaft – inno­va­ti­ve und
zeit­ge­mä­ße Lehr- und Lern­for­men im Spie­gel des Urhe­ber­rechts­schut­zes,
WissR 2018, S. 224 (224) ; Die Coro­na-Kri­se
hat der Digi­ta­li­sie­rung der Leh­re einen Schub gege­ben, des­sen
lang­fris­ti­ge Wir­kung sich aber erst zei­gen wird, hier­zu Eisen­traut,
Coro­na als Chan­ce für die Digi­ta­li­sie­rung rechts­wis­sen­schaft­li­cher
For­schung und Leh­re, JuWiss­Blog Nr. 30/2020 v. 20.3.2020,
abruf­bar unter https://www.juwiss.de/30–2020/.
7 Zu die­sem Ergeb­nis kam eine gemein­sa­me Stu­die von Han­ser
Fach­buch und Stu­die­ren­den der Uni­ver­si­tät Han­no­ver, deren
Ergeb­nis­se hier dar­ge­stellt wer­den: https://www.boersenblatt.
net/2019–02-06-artikel-gemeinsame_studie_von_hanser_fachbuch_
und_medienmanagement-studenten.1593210.html; zu
mög­li­chen künf­ti­gen Qua­li­täts­kri­te­ri­en für offen ver­füg­ba­re
Bil­dungs­ma­te­ria­li­en Bart­hel­meß, E‑Learning – beju­belt und
ver­teu­felt, 2015, S. 73.
8 Ein Grund für die zöger­li­che Digi­ta­li­sie­rung mag die Wah­rung
der Urhe­ber­rech­te im digi­ta­len Raum dar­stel­len, vgl. Gercke,
in: Spindler/Schuster, Recht der elek­tro­ni­schen Medi­en, 4. Aufl.
2019, Vor­be­mer­kung zu §§ 106 ff. Rn. 5; die Gefahr des Inter­nets
als „Platt­form für die ille­gi­ti­me Aneig­nung frem­der Schöp­fun­gen“
adres­siert auch Bäu­er­le, Open Access zu hoch­schu­li­schen
For­schungs­er­geb­nis­sen?, in: Britz (Hrsg.), For­schung in Frei­heit
und Risi­ko, 2012, S. 1 (3); s. auch Braun, Die Rück­kehr der
Autoren, Blät­ter für deut­sche und inter­na­tio­na­le Poli­tik 1/2011,
S. 101 (101) sowie Stein­hau­er, Die Nut­zung einer „Schat­ten­bi­blio­thek“
im Licht des Urhe­ber­rechts, 2016, abruf­bar unter https://
ub-deposit.fernuni-hagen.de/receive/mir_mods_00000825#.
9 Eine Über­sicht über alle ver­füg­ba­ren Repo­si­to­ri­en und ihre
jewei­li­ge insti­tu­tio­nel­le Anbin­dung fin­det sich unter https://dini.
de/­diens­te-pro­jek­te/­di­ni-zer­ti­fi­ka­t/­lis­te-der-repo­si­to­ri­en/; zur Imple­men­ta­ti­on
einer digi­ta­len Infra­struk­tur durch die Hoch­schu­len
Exper­ten­kom­mis­si­on For­schung und Inno­va­ti­on (Hrsg.) (Fn. 5), S.
schul­lei­tun­gen umfas­sen­der Investitionen.4 Wo bereits
digi­ta­le Infra­struk­tu­ren für For­schung und Leh­re bestehen,
wer­den sie bis­her zudem kaum genutzt.
In Hin­blick auf die Leh­re hal­ten die Hoch­schu­len zwar
digi­ta­le Lern­platt­for­men vor.5 Auf die­sen Lern­platt­for­men
wer­den jedoch meist nur Basis-Lehr­ma­te­ria­li­en
ange­bo­ten wie Vor­le­sungs­skrip­te, Prä­sen­ta­tio­nen, For­schungs­li­te­ra­tur
im Rah­men des § 60a UrhG (etwa der
ein oder ande­re zur Ver­tie­fung gedach­te Auf­satz oder
ein Lehr­buch­aus­zug) und Fall­lö­sun­gen. Meist sind die
digi­ta­len Lern­um­ge­bun­gen zudem ver­schlos­sen: Nur die
Kursteilnehmer*innen erhal­ten Zugang zu den Mate­ria­li­en.
Dar­über­hin­aus­ge­hen­de E‑Lear­ning-Ange­bo­te, die
For­men klas­si­scher Leh­re erset­zen könn­ten, fin­den sich
bis­her nur in Ansätzen.6
Umfas­sen­de­res und wis­sen­schaft­lich auf­be­rei­te­tes
Lehr­ma­te­ri­al wie Lehr- und Fall­bü­cher, aber auch Auf­sät­ze
in Aus­bil­dungs­zeit­schrif­ten wer­den bis­her hin­ge­gen
weit­ge­hend „pri­va­ti­siert“ und unter­lie­gen kom­mer­zi­el­len
Inter­es­sen. Kos­ten­pflich­ti­ge Lehr­bü­cher wer­den
zur Lek­tü­re für die Klau­sur- und Examens­vor­be­rei­tung
anemp­foh­len und genie­ßen den Sta­tus seriö­ser Lehr­ma­te­ria­li­en,
wäh­rend frei im Inter­net zir­ku­lie­ren­den Skrip­ten
wenig Ver­trau­en in die Qua­li­tät ent­ge­gen­ge­bracht
wird.7
Die­se bis­her über­wie­gend als Print­fas­sung ver­füg­ba­ren
kom­mer­zi­el­len Lehr­ma­te­ria­li­en tre­ten nur lang­sam
den Weg ins digi­ta­le Zeit­al­ter an: Lehr­bü­cher erschei­nen
zuletzt ver­mehrt auch als digi­ta­le Aus­ga­ben in den For­ma­ten
epub und pdf und ste­hen bei Kauf der Print­ver­si­on
zum Down­load zur Ver­fü­gung. Die Ver­la­ge schaf­fen
zudem Platt­for­men, auf denen Lite­ra­tur ein­ge­se­hen und
her­un­ter­ge­la­den wer­den kann, etwa Aus­bil­dungs­zeit­schrif­ten,
soweit sie denn von der jewei­li­gen Uni­ver­si­täts­bi­blio­thek
auch im digi­ta­len For­mat lizen­ziert
wurden.8
Im Bereich der For­schung bie­tet sich ein ganz ähn­li­ches
Bild: Die Hoch­schu­len hal­ten zwar Publi­ka­ti­ons­ser­ver
vor, die einen ein­fa­chen und kos­ten­lo­sen Upload von
For­schungs­er­geb­nis­sen ermög­li­chen würden.9 Wei­te
Tei­le juris­ti­scher For­schungs­er­geb­nis­se wer­den indes
„pri­va­ti­siert“ und blei­ben dabei im Ana­lo­gen ver­haf­tet.
Dies zeigt sich schon an den Scan- und Kopier­ar­bei­ten,
die die eige­ne For­schung regel­mä­ßig erfor­der­lich macht.
Wo digi­ta­le Ver­lags­an­ge­bo­te vor­han­den sind, hängt der
Zugang von der Lizen­zie­rung durch die Uni­ver­si­täts­bi­blio­the­ken
ab. Ansons­ten ver­schwin­den digi­ta­le For­schungs­er­geb­nis­se
hin­ter Bezahl­schran­ken.
II. Die Digi­ta­li­sie­rung als Weg in eine „öffent­li­che“
Rechts­wis­sen­schaft?
Han­delt es sich bei der Digi­ta­li­sie­rung von For­schung
und Leh­re also eigent­lich nur um alten Wein in neu­en
Schläu­chen? Wird der „beschwer­li­che“ Weg der ana­lo­gen
Lite­ra­tur­re­cher­che im digi­ta­len Raum nun­mehr
durch Bezahl­schran­ken ver­sperrt?
Eisen­traut · Die Digi­ta­li­sie­rung von For­schung und Leh­re 1 7 9
10 S. auch zu den wei­ter­ge­hen­den Gehal­ten des Begriffs Hamann/
Goller/Havemann u.a., Hand­buch Open Sci­ence, erschie­nen auf
Wiki­books, abruf­bar unter https://de.wikibooks.org/wiki/Handbuch_
Open_Science.
11 Bäu­er­le (Fn. 8), S. 1 (3); Dobusch/Heimstädt, Erst Offen­heit gibt
digi­ta­ler Bil­dung Rich­tung, Forum Wis­sen­schaft 4/16, S. 21
(21), abruf­bar unter http://www.dobusch.net/pub/uni/Dobusch-
Heimstaedt(2016)Forum_Wissenschaft-BDWI-OER.pdf; Baer,
Braucht das Grund­ge­setz ein Update?, Blät­ter für deut­sche und
inter­na­tio­na­le Poli­tik 1/2011, S. 92 (92); All­ge­mein zum The­ma
Gemein­gü­ter näher Helfrich, Wem gehört die Welt? Zur Wie­der­ent­de­ckung
der Gemein­gü­ter, 2009, abruf­bar unter https://www.
boell.de/sites/default/files/assets/boell.de/images/download_de/
Netzausgabe_Wem_gehoert_die_Welt.pdf; s. auch Hof­mann
(Hrsg.), Wis­sen und Eigen­tum, 2006, abruf­bar unter https://www.
bpb.de/shop/buecher/schriftenreihe/36112/wissen-und-eigentum.
12 S. nur Schul­ze, in: Dreier/Schulze, Urhe­ber­rechts­ge­setz, 6. Aufl.
2018, § 2 Rn. 41 sowie 93 ff.; Schmidt, Open Access, 2016, S. 160
13 Die Aus­wir­kun­gen die­ser Vor­schrif­ten auf die Hoch­schul­leh­re
unter­sucht Mey­er (Fn. 6), S. 224 pas­sim.
14 Zum Begriff des Open Access Eisen­traut, Open Access in der
Rechts­wis­sen­schaft, RBD 2018, 87 (87), abruf­bar unter http://
dx.doi.org/10.17169/refubium-26494; Haug, Open Access in
Baden-Würt­tem­berg: Rechts­wid­ri­ger Zweit­ver­öf­fent­li­chungs­zwang
zwi­schen Urhe­ber- und Hoch­schul­recht, OdW 2019, S.
89 (89), abruf­bar unter https://ordnungderwissenschaft.de/wpcontent/
uploads/2019/11/12_02_2019_haug_open_access_odw.
pdf; zur His­to­rie näher Bäu­er­le (Fn. 8), S. 1 (1 f.); näher mit den
mög­li­chen Nut­zungs­rech­ten setzt sich aus­ein­an­der Peu­kert, Ein
wis­sen­schaft­li­ches Kom­mu­ni­ka­ti­ons­sys­tem ohne Ver­la­ge – zur
recht­li­chen Imple­men­tie­rung von Open Access als Gold­stan­dard
wis­sen­schaft­li­chen Publi­zie­rens, Goe­the Uni­ver­si­tät Frank­furt,
Fach­be­reich Rechts­wis­sen­schaft, Arbeits­pa­pier Nr. 6/2013, S.
10 ff., abruf­bar unter http://publikationen.ub.uni-frankfurt.de/
frontdoor/index/index/docId/29488.
15 Ulmer/Eilfort/Obergfell, Ver­lags­recht, 2013, Kapi­tel L Rn. 15;
Haug (Fn. 14), S. 89 (89); Göt­tin­g/Lau­ber-Röns­berg, Open
Access und Urhe­ber­recht, OdW 2015, S. 137 (137 f.), abruf­bar
unter https://ordnungderwissenschaft.de/wp-content/uploads/
2020/03/19_­goe­t­tin­g_lau­ber-roens­ber­g_o­pen-acces­s_un­d_
urheberrecht_2015.pdf.
16 Kraus­nick, Offe­ne Wis­sen­schaft? – Öffent­lich-recht­li­che Aspek­te
der Dis­kus­si­on um Open Access und Open Data, in: Fest­schrift
Fried­helm Hufen, 2015, S. 367 (369).
17 Bäu­er­le (Fn. 8), S. 1 (5).
Eine – in der Rechts­wis­sen­schaft bis­her nicht aus­rei­chend
gewür­dig­te – Bewe­gung drängt auf eine alter­na­ti­ve
Nut­zung der Mög­lich­kei­ten der Digi­ta­li­sie­rung. Stel­len
wir uns eine Welt vor, in der jeder Auf­satz, jede
Mono­gra­phie und jedes Lehr­buch digi­tal frei zugäng­lich
ver­füg­bar ist. Ver­link­te Fuß­no­ten und Lite­ra­tur­lis­ten
wür­den so zu inter­ak­ti­ven Land­kar­ten, die mit einem
Klick den Ein­tritt in ein gan­zes Wis­sen­schafts­uni­ver­sum
ermög­lich­ten. Lehr­bü­cher stün­den zur Nach­nut­zung
offen, sodass kurs­be­glei­ten­de Mate­ria­li­en ohne Kon­flik­te
mit dem Urhe­ber­recht den Stu­die­ren­den bereit­ge­stellt
und um rele­van­te Quel­len ergänzt wer­den könn­ten.
Als Ober­be­griff einer sol­cher­ma­ßen ver­stan­de­nen Wis­sen­schaft
hat sich der Ter­mi­nus „Open Sci­ence“ oder
auch „Öffent­li­che (auch: offe­ne) Wis­sen­schaft“ eta­bliert.
Die Idee einer öffent­li­chen Wis­sen­schaft betont die
Bedeu­tung von Wis­sen als kul­tu­rel­lem Gemein­gut und
ist damit anschluss­fä­hig an die Debat­te um Gemein­gü­ter.
11 Das Kon­zept gerät dadurch in eine Span­nungs­la­ge
zum Schutz wis­sen­schaft­li­cher Wer­ke als geis­ti­ges Eigen­tum
durch das Urheberrecht.12 Das UrhG reagiert auf
die­se Span­nungs­la­ge mehr­fach und ent­hält Rege­lun­gen,
die einen Aus­gleich zwi­schen urhe­ber­recht­li­chem Eigen­tum
und dem Inter­es­se der All­ge­mein­heit an der
Nut­zung wis­sen­schaft­li­cher Leis­tun­gen schaf­fen sol­len,
s. das Zitat­recht in § 51 UrhG, § 60a UrhG spe­zi­ell für die
Hoch­schul­leh­re sowie § 60c und § 60d UrhG für die
Nut­zung urhe­ber­recht­lich geschütz­ter Inhal­te im Rah­men
der Forschung.13 Kon­zep­te öffent­li­cher Wis­sen­schaft
stre­ben jedoch eine Öff­nung über die Schran­ken­re­ge­lun­gen
des UrhG hin­aus an.
Eine zen­tra­le Rol­le kommt in den Rechts­wis­sen­schaf­ten
der Idee einer frei­en Ver­füg­bar­keit von For­schungs­li­te­ra­tur
zu, die unter dem Schlag­wort „Open Access“ fir­miert.
Open Access zeich­net aus, dass mit der Ver­öf­fent­li­chung
allen die Erlaub­nis erteilt wird, das Open-
Access-ver­öf­fent­lich­te Doku­ment zu lesen,
her­un­ter­zu­la­den, zu spei­chern, es zu ver­lin­ken, zu dru­cken
und damit ent­gelt­frei zu nutzen.14 Unter­schie­den
wird zwi­schen dem sog. gol­de­nen und dem grü­nen Weg:
Wäh­rend beim gol­de­nen Weg bereits die Erst­ver­öf­fent­li­chung
Open Access erfolgt, wird beim grü­nen Weg –
häu­fig nach einer klas­si­schen Ver­lags­ver­öf­fent­li­chung –
auch ein Open-Access-Zugang eröffnet.15
§ 38 Abs. 4 UrhG räumt hier­für ein Recht zur nicht­kom­mer­zi­el­len
Zweit­ver­öf­fent­li­chung ein.
Open Access ver­folgt die Idee neu­er Finan­zie­rungs­for­men
für wis­sen­schaft­li­che Lite­ra­tur. Wäh­rend bis­her
eine Nut­zer­fi­nan­zie­rung vor­herr­schend ist, soll die Leser­schaft
künf­tig von Zugriffs­kos­ten befreit werden.16
Open Access ist damit auch eine Reak­ti­on auf immer
wei­ter anstei­gen­de Abon­ne­ment-Gebüh­ren für juris­ti­sche
Zeit­schrif­ten, die die Biblio­thek­setats zu erschöp­fen
dro­hen und soll die Mehr­fach­sub­ven­tio­nie­rung hoch­schu­li­scher
For­schung beenden.17 Open Access for­dert
1 8 0 O R D N U N G D E R WI S S E N S C H A F T 3 ( 2 0 2 0 ) , 1 7 7 — 1 9 0
18 Bäu­er­le (Fn. 8), S. 1 (8); die Mög­lich­keit nach­hal­ti­ger Open-
Access-Geschäfts­mo­del­le betont Rux, Open Access im rechts­wis­sen­schaft­li­chen
Ver­lag, in: Hamann/Hürlimann, Open
Access in der Rechts­wis­sen­schaft, Son­der­heft der Zeit­schrift
„Rechts­wis­sen­schaft“, 2019, abruf­bar unter https://doi.
org/10.5771/9783748903659; jeden­falls zugangs­kon­trol­lier­te
Daten­ban­ken wer­den in einer Open-Access-Zukunft kei­ne Rol­le
mehr spie­len, vgl. Peu­kert (Fn. 14), S. 6.
19 Im Sin­ne des ver­fas­sungs­recht­li­chen Wis­sen­schafts­be­griffs (vgl.
dazu BVerfG, Urt. v. 29.5.1973, Az.: 1 BvR 424/71 und 325/72 =
BVerfGE 35, 79, abruf­bar unter http://www.servat.unibe.ch/dfr/
bv035079.html Rn. 129), soll­ten auch Open Access und Open
Edu­ca­tio­nal Resour­ces als Aus­prä­gun­gen ein und des­sel­ben Gegen­stan­des
ver­stan­den wer­den; zum Ver­hält­nis von Open Edu­ca­tio­nal
Resour­ces und Open Access Dei­man­n/­Neu­man­n/­Muuß-
Mer­holz, White­pa­per Open Edu­ca­tio­nal Resour­ces (OER) an
Hoch­schu­len in Deutsch­land – Bestands­auf­nah­me und Poten­tia­le
2015, S. 32, abruf­bar unter https://open-educational-resources.
de/wp-content/uploads/Whitepaper-OER-Hochschule-2015.pdf.
20 Eisen­traut, Open Edu­ca­tio­nal Resour­ces in der Rechts­wis­sen­schaft,
RBD 2018, S. 93, abruf­bar unter http://dx.doi.
org/10.17169/refubium-26489; Dei­man­n/­Neu­man­n/­Muuß-Mer­holz
(Fn. 19), S. 10.
21 Näher zu den Defi­ni­ti­ons­an­sät­zen Dei­man­n/­Neu­man­n/­Muuß-
Mer­holz (Fn. 19), S. 10.
22 Eck­hoff, OER in der Hoch­schul­bil­dung, OER­in­fo – Infor­ma­ti­ons­stel­le
OER, abruf­bar unter https://open-educational-resources.de/
dossierseite/?praxis=allgemein&bereich=hochschule.
23 Wiki­me­dia Deutsch­land e.V. (Hrsg.), Pra­xis­rah­men für Open
Edu­ca­tio­nal Resour­ces (OER) in Deutsch­land, 2016, S. 7, abruf­bar
unter http://mapping-oer.de/wp-content/uploads/2016/02/
Praxisrahmen-fu%CC%88r-OER-in-Deutschland_Online.pdf.
24 Als wei­te­re Teil­men­gen offe­ner Wis­sen­schaft kommt den The­men
Open Data und Wis­sen­schafts­kom­mu­ni­ka­ti­on für die Rechts­wis­sen­schaft
Bedeu­tung zu, s. zu Open Data näher Kraus­nick
(Fn. 16), S. 367 (368); Eisentraut/Hamann, Hand­buch­bei­trag
Open Sci­ence und Rechts­wis­sen­schaft, Abschnitt Open Data
als Pra­xis der Rechts­wis­sen­schaft, in: Hand­buch Open Sci­ence,
erschie­nen auf Wiki­books, abruf­bar unter https://de.wikibooks.
org/wiki/Handbuch_Open_Science/_Rechtswissenschaft und zur
Wis­sen­schafts­kom­mu­ni­ka­ti­on Weitze/Heckl, Wis­sen­schafts­kom­mu­ni­ka­ti­on,
2016 – pas­sim. Zur zuneh­men­den Bedeu­tung von
Open Data s. die „Sor­bon­ne-Erklä­rung für offe­ne For­schungs­da­ten“,
abruf­bar unter https://www.german-u15.de/presse/ressourcen-
2020/20200130_­Sor­bon­ne-Decla­ra­ti­on-on-Rese­arch-Data-
Rights.pdf; für die Bedeu­tung der Wis­sen­schafts­kom­mu­ni­ka­ti­on
s. das Grund­satz­pa­pier des Bun­des­mi­nis­te­ri­ums für Bil­dung und
For­schung zur Wis­sen­schafts­kom­mu­ni­ka­ti­on, Novem­ber 2019,
S. 3, abruf­bar unter https://www.bmbf.de/upload_filestore/pub/
Grundsatzpapier_zur_Wissenschaftskommunikation.pdf.
25 Die Lis­te der Insti­tu­tio­nen ist abruf­bar unter https://openaccess.
mpg.de/3883/Signatories.
26 Stifterverband/Heinz Nix­dorf Stif­tung (Fn. 1), S. 26.
27 S. nur bei­spiel­haft die Open-Access-Stra­te­gie 2018 – 2020
der Frei­en Uni­ver­si­tät Ber­lin, abruf­bar unter http://dx.doi.
org/10.17169/FUDOCS_document_000000028882; zu sog.
„Open-Access-Man­da­tes“ der Hoch­schu­len Göt­tin­g/Lau­ber-
Röns­berg (Fn. 15), S. 137 (138 f.).
28 Die Posi­tio­nen fin­den sich ver­linkt unter https://www.fu-berlin.
de/sites/open_access/weiteres/oa_positionen/index.html.
29 Zuletzt etwa Kar­li­c­zek, Rede der Bun­des­mi­nis­te­rin für Bil­dung
und For­schung anläss­lich des For­schungs­gip­fels 2018 in Ber­lin,
abruf­bar unter https://anja-karliczek.de/rede-der-bundesministerin-
fuer-bil­dung-und-for­schung-anja-kar­li­c­zek-anla­ess­lich-des­for­schungs­gip­fels-
2018-in-ber­lin/.
30 Die Stra­te­gien sind ver­linkt unter https://www.fu-berlin.de/sites/
open_access/weiteres/oa_positionen/index.html.
damit zugleich die her­ge­brach­ten Geschäfts­mo­del­le der
eta­blier­ten Ver­la­ge heraus.18
Eine wei­te­re Teil­men­ge öffent­li­cher Wissenschaft19 stel­len
sog. „Open Edu­ca­tio­nal Resources“20 (OER) dar, die
auf eine Öff­nung der Leh­re im Sin­ne einer frei­en Ver­füg­bar­keit
von Lehr- und Lern­ma­te­ria­li­en abzielen.21 Für die
Hoch­schul­leh­re wer­den OER gro­ße Poten­tia­le zuge­mes­sen.
22 Mit ihnen las­sen sich einer­seits die Poten­tia­le digi­ta­ler
Bil­dung ent­fal­ten, ande­rer­seits ermög­li­chen OER
eine neue Form der Zugäng­lich­keit von Bil­dungs­an­ge­bo­ten:
Sie erlau­ben die kol­la­bo­ra­ti­ve Er- und Bear­bei­tung
von Lehr- und Lern­ma­te­ria­li­en durch Leh­ren­de
und Stu­die­ren­de gemein­sam und füh­ren zu Qua­li­tätsund
Effi­zi­enz­ge­win­nen durch eine sinn­vol­le Nach­nut­zung
bereits erstell­ter Materialien.23 Dadurch kann die
auch an Hoch­schu­len oft­mals nur knapp bemes­se­ne Zeit
in die Ver­bes­se­rung von Lern- und Lehr­ma­te­ria­li­en
inves­tiert wer­den, anstatt in die Aus­ar­bei­tung immer
wie­der der­sel­ben grund­le­gen­den Mate­ria­li­en. Die freie
Nach­nutz­bar­keit ermög­licht es zudem, dass die Mate­ria­li­en
in eine Viel­zahl unter­schied­li­cher Lern­an­ge­bo­te ein­ge­bun­den
wer­den kön­nen: Vom klas­si­schen Ler­nen mit
einem gedruck­ten Lehr­buch, über das Ler­nen mit einer
intel­li­gent ver­link­ten Online-Res­sour­ce, bis hin zur Aus­ein­an­der­set­zung
mit dem Lern­stoff in inter­ak­ti­ven
Online­kur­sen oder über eine App.24
Gera­de das The­ma Open Access ist sowohl in der Poli­tik
als auch an den Uni­ver­si­tä­ten dabei, Main­stream zu wer­den.
Aus­ge­hend von der Ber­li­ner Erklä­rung über den
offe­nen Zugang zu wis­sen­schaft­li­chem Wis­sen v.
22.10.2003, die mitt­ler­wei­le von 654 Insti­tu­tio­nen unter­zeich­net
wurde,25 befür­wor­tet heu­te eine gro­ße Mehr­heit
der Hoch­schul­lei­tun­gen eine Öff­nung ihrer For­schung
i.S.v. Open Access: 93,8 % der Hoch­schul­lei­tun­gen stim­men
zu, dass sie Open Access als Stan­dard künf­tig för­dern
werden.26 Aus­druck fin­det die Öff­nung zudem in
den Open-Access-Stra­te­gien der Hochschulen.27 Auch
die gro­ßen For­schungs­or­ga­ni­sa­tio­nen haben sich zu
Open Access bekannt.28
Und auch in der Poli­tik ist das The­ma Open Access
ange­kom­men. Eine Öff­nung der For­schung wird von
Sei­ten der Poli­tik nicht nur stär­ker geför­dert, son­dern
zuneh­mend auch gefordert.29 Meh­re­re Bun­des­län­der haben
eige­ne Open-Access-Stra­te­gien verabschiedet.30 Die
Eisen­traut · Die Digi­ta­li­sie­rung von For­schung und Leh­re 1 8 1
31 Senat von Ber­lin, Open-Access-Stra­te­gie für Ber­lin, Druck­sa­che
17/2512 v. 21.10.2015, S. 5, abruf­bar unter http://dx.doi.
org/10.17169/refubium-26319.
32 Open Access in Deutsch­land – Die Stra­te­gie des Bun­des­mi­nis­te­ri­ums
für Bil­dung und For­schung 2016, abruf­bar unter https://
www.bmbf.de/upload_filestore/pub/Open_Access_in_Deutschland.
33 Die euro­päi­schen und inter­na­tio­na­len Posi­tio­nen zu Open Access
fin­den sich ver­linkt unter https://www.fu-berlin.de/sites/open_
access/weiteres/oa_positionen/index.html.
34 S. die Gui­de­li­nes to the Rules on Open Access to Sci­en­ti­fic
Publi­ca­ti­ons and Open Access to Rese­arch Data in Hori­zon 2020
v. 21.3.2017, abruf­bar unter https://ec.europa.eu/research/participants/
data/­re­f/h2020/­grants_­ma­nu­al/hi/o­a_­pi­lo­t/h2020-hi-oapi­lot-
guide_en.pdf.
35 Nähe­re Infor­ma­tio­nen zum Fel­low Pro­gramm fin­den sich unter
https://de.wikiversity.org/wiki/Wikiversity:Fellow-Programm_
Freies_Wissen.
36 Erreich­bar unter https://www.hoou.de/.
37 S. https://www.vhb.org/open-vhb/; wei­te­re Platt­for­men sind
benannt in der Ant­wort der Bun­des­re­gie­rung auf eine klei­ne
Anfra­ge zur Pla­nung und Aus­ge­stal­tung einer euro­päi­schen
Platt­form für digi­ta­le Hoch­schul­bil­dung, BT-Drs. 19/10106 v.
10.5.2019, S. 6, abruf­bar unter https://dip21.bundestag.de/dip21/
btd/19/101/1910106.pdf.
38 Akti­ons­plan für digi­ta­le Bil­dung, Mit­tei­lung der Euro­päi­schen
Kom­mis­si­on v. 17.1.2018, COM(2018) 22 final, abruf­bar unter
https://eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/TXT/HTML/?uri=CE
LEX:52018DC0022&from=DE.
39 Bäu­er­le (Fn. 8), S. 1 (4); Gur­lit, Trans­pa­renz in der Hoch­schul­for­schung,
in: Fest­schrift Fried­helm Hufen, 2015,
S. 343 (343); Ruf­fert, Grund und Gren­zen der Wis­sen­schafts­frei­heit,
VVDStRL 65 (2006), 142 (184 ff.), abruf­bar
unter https://www.degruyter.com/downloadpdf/boo
ks/9783110927832/9783110927832.146/9783110927832.146.pdf;
Wein­gart, Die Wis­sen­schaft der Öffent­lich­keit, 2005, S. 9 ff.; auf
das Wesen der Wis­sen­schaft als „Gespräch, das über alle räum­li­chen
und zeit­li­chen Gren­zen hin­weg geführt wird“ weist bereits
hin Kim­mi­nich, Das Ver­öf­fent­li­chungs­recht des Wis­sen­schaft­lers,
Wis­sen­schafts­recht, Wis­sen­schafts­ver­wal­tung, Wis­sen­schafts­för­de­rung
1985, S. 116 (117).
40 Gär­ditz, in: Maunz/Dürig, GG, 88. EL August 2019, Art. 5 Abs. 3
Rn. 111 (Stand: 88. Lfg. August 2019).
41 S. nur Stein­hau­er, Das Recht auf Sicht­bar­keit, 2010, S. 55,
abruf­bar unter https://www.infodata-edepot.de/volltext/aueintrag/
10497.pdf.
42 Dei­man­n/­Neu­man­n/­Muuß-Mer­holz (Fn. 19), S. 15; s. auch Eisen­traut
(Fn. 20), S. 93.
43 Zwi­ckel (Fn. 3), S. 881 (884); der zeit­wei­se pre­kä­re Zugang zu
Aus­bil­dungs­li­te­ra­tur wäh­rend der Coro­na-Kri­se hat die Bedeu­tung
offen zugäng­li­cher Lehr­ma­te­ria­li­en unter­stri­chen, vgl.
Eisen­traut (Fn. 6).
Ziel­vor­ga­be des Lan­des Ber­lin für den Umfang an Open-
Access publi­zier­ten Zeit­schrif­ten­ar­ti­keln liegt in die­sem
Jahr bei 60 %.31 In Baden-Würt­tem­berg wer­den die
Hoch­schu­len sogar im Hoch­schul­ge­setz dazu ange­hal­ten,
ihr wis­sen­schaft­li­ches Per­so­nal zu Open-Access-
Zweit­ver­öf­fent­li­chun­gen zu ver­pflich­ten. Auch das Bun­des­mi­nis­te­ri­um
für Bil­dung und For­schung hat eine
Open-Access-Stra­te­gie veröffentlicht.32
Dar­über hin­aus rich­tet sich auch die euro­päi­sche
Wis­sen­schafts­land­schaft auf eine Öff­nung ein.33 In der
For­schungs­för­de­rung Hori­zont 2020 ist die
Open-Access-Publi­ka­ti­on der geför­der­ten Pro­jekt­er­geb­nis­se
verpflichtend.34
Schließ­lich ent­ste­hen auch auf gesell­schaft­li­cher Ebe­ne
För­der­pro­gram­me für Wissenschaftler*innen, die
eine Öff­nung ihrer Wis­sen­schaft for­cie­ren, etwa das von
Wiki­me­dia, dem Stif­ter­ver­band und der Volks­wa­gen-
Stif­tung getra­ge­ne Open Sci­ence Fel­low­ship, des­sen Fel­low
der Autor die­ses Bei­trags im letz­ten Jahr sein
durfte.35
Im Bereich OER ent­steht zur­zeit eine weit­rei­chen­de
digi­ta­le Infra­struk­tur für das Ange­bot offe­ner Bil­dungs­ma­te­ria­li­en.
Aktu­ell exis­tie­ren sie­ben hoch­schul­über­grei­fen­de
Platt­for­men, die das Poten­ti­al haben, zu digi­ta­len
Hoch­schu­len zu wer­den. Her­aus­ge­ho­ben sei­en an
die­ser Stel­le die Platt­form „Ham­burg Open Online Uni­ver­si­ty“,
die sich als offe­ne Platt­form für hoch­schul­über­grei­fen­de
Ange­bo­te und Lern­pro­jek­te der Ham­bur­ger
Hoch­schu­len begreift36 und die VHB, die vir­tu­el­le Hoch­schu­le
Bay­ern, auf der ein­ge­schrie­be­nen Stu­die­ren­den
kos­ten­freie, digi­ta­le Ergän­zungs­kur­se ange­bo­ten wer­den
und die sich kürz­lich auch für die All­ge­mein­heit geöff­net
hat.37 Auch die Euro­päi­sche Kom­mis­si­on plant eine
Platt­form für digi­ta­le Hoch­schul­bil­dung, eine Art „Euro­pean
Digi­tal University“.38
Dass Wis­sen­schaft und Öffent­lich­keit zwei Sei­ten einer
Medail­le sind, ist eigent­lich auch in der Rechts­wis­sen­schaft
kei­ne neue Idee: In der Grund­rechts­dog­ma­tik
wird die „Öffent­lich­keit von Wis­sen­schaft“ gar als Funk­ti­ons­be­din­gung
für den wis­sen­schaft­li­chen Dis­kurs qua­li­fi­ziert,
um Über­prüf­bar­keit und Kri­ti­sier­bar­keit zu
gewährleisten.39 Die Wis­sen­schafts­frei­heit in
Art. 5 Abs. 3 S. 1 GG wird inso­fern als Kom­mu­ni­ka­ti­ons­grund­recht
verstanden40 und Wis­sen­schaft als Kom­mu­ni­ka­ti­ons­zu­sam­men­hang.
Den­noch grei­fen die Rechts­wis­sen­schaft­lerinnen bei den neu­en Instru­men­ten der Digi­ta­li­sie­rung nicht beherzt zu, um ihre For­schung und Leh­re nun end­lich einer wei­ter­rei­chen­den Öffent­lich­keit zuzu­füh­ren. a) Offe­ne Lehr­ma­te­ria­li­en in der Rechts­wis­sen­schaft Offe­ne Lehr­ma­te­ria­li­en sind bis­her „nicht aus der ‚idea­lis­ti­schen Wol­ke‘ in der Pra­xis der Hoch­schu­len ange­kom­men (…), wenn auch enga­gier­te Ein­zel­per­so­nen und bestimm­te Insti­tu­tio­nen dar­an arbeiten“42. Die digi­ta­li­sier­te Leh­re fris­tet ein Nischendasein.43 Wirk­lich offe­ne Lehr­pro­jek­te las­sen sich bis­her an einer Hand abzäh­len. Ers­te Leucht­turm­pro­jek­te zei­gen indes die Potentia1 8 2 O R D N U N G D E R WI S S E N S C H A F T 3 ( 2 0 2 0 ) , 1 7 7 — 1 9 0 44 Die Vide­os kön­nen hier abge­ru­fen wer­den: https://www.youtube. com/playlist?list=PLPJgLCEwWmcNR6yf5VaN8AdrxAdGEe5jM; es steht nicht zu befürch­ten, dass Video­an­ge­bo­te die klas­si­sche Leh­re im Hör­saal voll­stän­dig ver­drän­gen wer­den, allein schon weil auf­ge­zeich­ne­te Vor­le­sun­gen eine Inter­ak­ti­on mit dem Dozie­ren­den nicht erlau­ben; viel­mehr erwei­tern sol­che Ange­bo­te die Mög­lich­kei­ten medi­en­über­grei­fen­den Ler­nens, vgl. Zwi­ckel (Fn. 3), S. 881 (885). 45 Das Ange­bot fin­det sich unter https://www.jura.uni-muenchen. de/studium/e‑learning/index.html; die Ver­knüp­fung zur Vir­tu­el­len Hoch­schu­le Bay­ern weist jedoch noch kei­ner­lei Kurs­an­ge­bo­te auf. 46 Abruf­bar unter https://www.unirep-online.de/goto_unirep_ cat_591.html. 47 S. näher zur Digi­tal Stu­dy 2019 https://lex-superior.com/digitalstudy/. 48 Das Lehr­buch „Ver­wal­tungs­recht in der Klau­sur“ kann kos­ten­los über die Ver­lags­home­page von De Gruy­ter unter https://www. degruyter.com/view/title/565392?tab_body=toc-62810 und das Fall­re­pe­ti­to­ri­um über die Ver­lags­home­page des Carl Gross­mann Ver­lags unter http://www.carlgrossmann.com/?p=11914 her­un­ter­ge­la­den wer­den. 49 Abruf­bar unter https://de.wikibooks.org/wiki/Verwaltungsrecht_ in_der_Klausur. 50 Zwi­ckel (Fn. 3), S. 881 (884 f.); kri­tisch aber in Hin­blick auf die oft restrik­ti­ve Lizen­zie­rung Dobusch/Heimstädt, (Fn. 11) S. 21 (24); s. zum The­ma MOOCs auch ein­füh­rend Bot­ta (Fn. 5), S. 37 ff. 51 S. nur Hamann/Hürlimann, Open Access in der Rechts­wis­sen­schaft, Son­der­heft der Zeit­schrift „Rechts­wis­sen­schaft“, 2019, abruf­bar unter https://doi.org/10.5771/9783748903659; Wild­gans, Zucker­brot oder Peit­sche? – Ein Plä­doy­er für Open Access im juris­ti­schen Publi­ka­ti­ons­we­sen, ZUM 2019, 21, abruf­bar unter https://osf.io/e5v7w/; Eisen­traut (Fn. 14), S. 87; Schmidt (Fn. 12) – pas­sim; Kraus­nick (Fn. 16), S. 367; Bäu­er­le (Fn. 8), S. 1, Stein­hau­er (Fn. 41) pas­sim. 52 Eine Lis­te fin­det sich bei Eisentraut/Hamann (Fn. 24), Abschnitt Open Access als Pra­xis der Rechts­wis­sen­schaft. 53 Erfolg­rei­che Open-Access-Zeit­schrif­ten stellt der von Hamann/ Hür­li­mann her­aus­ge­ge­be­ne Tagungs­band „Open Access in der Rechts­wis­sen­schaft“ (Fn. 51) vor. 54 Erreich­bar unter https://www.juwiss.de/. 55 Erreich­bar unter https://verfassungsblog.de/. 56 Erreich­bar unter https://voelkerrechtsblog.org/; dazu Kunz/ Riegner/Schmalz, Dis­kur­se öff­nen, Gren­zen über­win­den: Der Völ­ker­rechts­blog als Platt­form für glo­ba­le Wis­sen­schafts­kom­mu­ni­ka­ti­on im digi­ta­len Zeit­al­ter, in: Hamann/Hürlimann (Fn. 51). 57 In den Natur­wis­sen­schaf­ten spielt der Pre­print­ser­ver arXiv.org eine bedeu­ten­de Rol­le; zum Auf­schwung der Pre­print-Ser­ver Schme­ja, Bei­trag auf dem TIB-Blog v. 27.3.2017, abruf­bar unter https://blogs.tib.eu/wp/tib/2017/03/27/der-aufschwung-derpreprint- server/. le offe­ner Leh­re für die Rechts­wis­sen­schaft auf: Ein Pro­jekt an der Buce­ri­us Law School etwa hat offen lizen­zier­te Lehr­vi­de­os zu Grund­fra­gen des Ver­wal­tungs­rechts pro­du­ziert und offen lizen­ziert online gestellt.44 Über die Vide­os hin­aus haben die Stu­die­ren­den Wis­sens­tests und teil­wei­se auch Skrip­ten erstellt, sodass eine medi­en­über­grei­fen­de Lern­um­ge­bung ent­steht. Die Lud­wig-Maxi­mi­li­ans-Uni­ver­si­tät Mün­chen bie­tet ein Por­tal für E‑Learning an, das ins­be­son­de­re mit online abruf­ba­ren Pod­casts von Vor­le­sun­gen heraussticht.45 Die WWU Müns­ter bie­tet mit dem Modul „uni­rep PLUS“ digi­ta­le Lern­res­sour­cen ein­schließ­lich Online- Lek­tio­nen an, die jedoch nur für Stu­die­ren­de der WWU zugäng­lich sind.46 Bei­de Uni­ver­si­tä­ten wur­den dafür kürz­lich mit dem Digi­tal Award 2019 ausgezeichnet.47 Der Ver­fas­ser die­ses Bei­trags ist Her­aus­ge­ber des ers­ten offen lizen­zier­ten und damit zur Nach­nut­zung kos­ten­los zur Ver­fü­gung ste­hen­den Lehr­buchs und eines das Lehr­buch beglei­ten­den Fall­re­pe­ti­to­ri­ums zum Ver­wal­tungs­recht. Neben der Ver­lags­ver­öf­fent­li­chung im Print und zum kos­ten­lo­sen digi­ta­len Download48 sind bei­de Bücher auch online auf Wiki­books verfügbar,49 was es mög­lich macht, die von der Buce­ri­us Law School erstell­ten Vide­os in den Lehr­buch­con­tent ein­zu­bin­den. Sol­chen sog. MOOCS (Mas­si­ve Open Online Cour­ses) wer­den gro­ße Poten­tia­le für die Hoch­schul­bil­dung zugemessen.50 b) Offe­ne For­schung in der Rechts­wis­sen­schaft Wäh­rend das The­ma Open Access immer­hin in den rechts­wis­sen­schaft­li­chen Debat­ten ange­kom­men ist,51 fehlt es auch hier noch einem nen­nens­wer­ten Rück­griff auf die­se Form der Publi­ka­ti­on. Es gibt zwar Open- Access-Zeitschriften;52 nur den wenigs­ten ist es jedoch bis­her gelun­gen, ein den eta­blier­ten, im Sub­skrip­ti­ons­mo­dell erschei­nen­den Zeit­schrif­ten ver­gleich­ba­res Stan­ding zu erlangen.53 Erfolg­rei­cher sind neue For­ma­te wie Blogs und Pod­casts, die von Beginn an auf eine weit­rei­chen­de Öffent­lich­keit im Digi­ta­len gesetzt haben. Im öffent­li­chen Recht konn­ten sich etwa der JuWissBlog,54 der Verfassungsblog55 sowie der Völkerrechtsblog56 eta­blie­ren. Dane­ben exis­tie­ren Pre­print­ser­ver und uni­ver­si­tä­re Repo­si­to­ri­en, die in der Rechts­wis­sen­schaft jedoch bis­her weit­ge­hend ein Schat­ten­da­sein führen.57 c) Vor­be­hal­te War­um tut sich die Rechts­wis­sen­schaft so schwer mit dem Auf­bruch ins neue digi­ta­le Zeit­al­ter? aa) Fach­kul­tur und Repu­ta­ti­on Einen zen­tra­len Fak­tor bil­det die bis­her feh­len­de Fach­kul­tur: Open Sci­ence ist trotz aller poli­ti­schen Bemü­hun­gen in der Rechts­wis­sen­schaft bis­her ein Nischen­the­ma; offe­ne Ver­öf­fent­li­chungs­for­men sind nicht bereits Eisen­traut · Die Digi­ta­li­sie­rung von For­schung und Leh­re 1 8 3 58 „Umdenk­pro­zes­se“ hält auch für erfor­der­lich Gur­lit (Fn. 39), S. 343 (353); skep­tisch gegen­über einem grund­le­gen­den Wan­del Bäu­er­le (Fn. 8), S. 1 (7); einen flä­chen­de­cken­den Sys­tem­wech­sel hält erst lang­fris­tig für mög­lich Peu­kert (Fn. 14), S. 5; vom „Hen­ne- Ei-Pro­blem“ spricht Sos­nitza, Goog­le Book Search, Crea­ti­ve Com­mons und Open Access – Neue For­men der Wis­sens­ver­mitt­lung in der digi­ta­len Welt, RW 2010, S. 225 (238). 59 Haug (Fn. 14), S. 89 (90); der Begriff Repu­ta­ti­on dient inso­fern als „Chif­fre für die fach­li­che Qua­li­tät eines Wis­sen­schaft­lers“, Schul­ze-Fie­litz, Staats­rechts­leh­re als Mikro­kos­mos, 2013, S. 188; Bäu­er­le (Fn. 8), S. 1 (7). 60 Schul­ze-Fie­litz (Fn. 59), S. 369 f.; von Pfad- und Struk­tur­ab­hän­gig­kei­ten spricht Peu­kert (Fn. 14), S. 4; zur Bedeu­tung des Publi­ka­ti­ons­or­tes auch Lutz, Zugang zu wis­sen­schaft­li­chen Infor­ma­tio­nen in der digi­ta­len Welt, 2012, S. 174 f. 61 Haug (Fn. 14), S. 89 (90); vgl. auch Müßig, „Ein Knauf als Tür“: Open-Access-Ver­pflich­tung durch For­schungs­för­de­rung vs. Gemein­frei­heits­gren­zen digi­ta­ler Wis­sen­schafts­kom­mu­ni­ka­ti­on, JZ 2015, S. 221 (227). 62 Zieg­ler, Die Bedeu­tung der Ver­la­ge wan­delt sich, Forschung&Lehre v. 8.6.2019, abruf­bar unter https://www.forschung-und-lehre.de/zeitfragen/die-bedeutungder- ver­la­ge-wan­delt-sich-1841/. 63 Näher zur Rele­vanz von Metri­ken für juris­ti­sche Kar­rie­ren Hamann/ Hür­li­mann, Open Access – Was soll das?, in: dies. (Fn. 51), S. 3 (11 ff.). 64 Schul­ze-Fie­litz (Fn. 59), S. 192. 65 Die­sen Punkt betont auch Rux (Fn. 18), S. 70 (71). 66 Über die bis­her bestehen­den Geschäfts­mo­del­le für Open-Access- Publi­ka­tio­nen infor­miert https://open-access.net/informationenzu- open-acces­s/­ge­scha­efts­mo­del­le/. eta­bliert und set­zen daher ein pro­ak­ti­ves Ver­hal­ten vor­aus. Die­ser Kul­tur­wan­del voll­zieht sich nur langsam.58 Denn die kom­mer­zi­el­le Ver­öf­fent­li­chung in eta­blier­ten Ver­la­gen und Zeit­schrif­ten bil­det auch heu­te noch einen wesent­li­chen Fak­tor für die Repu­ta­ti­on von Rechts­wis­sen­schaft­lerinnen.59 Obwohl es für die fach­li­che
Qua­li­tät einer Ver­öf­fent­li­chung natür­lich nicht dar­auf
ankommt, wo sie ver­öf­fent­licht wird, spielt für die
Repu­ta­ti­on auch der Publi­ka­ti­ons­ort eine zen­tra­le
Bedeu­tung. Denn nicht allein die wis­sen­schaft­li­che Qua­li­tät
einer Ver­öf­fent­li­chung ent­schei­det über ihren
Erfolg; ganz wesent­lich kommt es auch auf die sozia­le
Akzep­tanz im wis­sen­schaft­li­chen Dis­kurs an.60 Hier­bei
erfül­len die schon eta­blier­ten und tra­di­tio­nell im Clo­sed
Access publi­zie­ren­den Ver­la­ge und Zeit­schrif­ten eine
„Gate­kee­per“- oder auch Filterfunktion:61 Wer dort ver­öf­fent­licht,
wird von der „sci­en­ti­fic com­mu­ni­ty“ wahrund
ernst genom­men. Zuge­spitzt for­mu­liert: „Jour­na­le
machen Karrieren!“62 Der ins­be­son­de­re in den Natur­wis­sen­schaf­ten
sogar mathe­ma­tisch berech­ne­te sog.
Impact Fak­tor einer Zeit­schrift wirkt in der Rechts­wis­sen­schaft
auch ganz ohne Zahlenunterbau:63 Wäh­rend
für Stu­die­ren­de noch im Wesent­li­chen zählt, wel­ches
Lehr­buch einen Inhalt am bes­ten erklä­ren kann, sind
Rechts­wis­sen­schaft­lerinnen schnell in der Lage, eine rein an Repu­ta­ti­on aus­ge­rich­te­te „Rang­lis­te“ der ange­se­hens­ten Ver­la­ge und Zeit­schrif­ten zu erstellen.64 Ver­la­ge funk­tio­nie­ren inso­weit wie Mar­ken: Der Mar­ken­na­me allein reicht bereits, damit sich eine Ver­öf­fent­li­chung unter der Viel­zahl kon­kur­rie­ren­der Publi­ka­tio­nen absetzt, mehr Auf­merk­sam­keit erhält und zu einem Repu­ta­ti­ons­ge­winn führt. bb) Öko­no­mi­sche Erwä­gun­gen Ein wei­te­rer zen­tra­ler Ein­wand gegen Open Access und OER in der Rechts­wis­sen­schaft ist die öko­no­mi­sche Ratio­na­li­tät der Wis­sen­schaft­lerinnen: Für Auf­satz­pu­bli­ka­tio­nen
gibt es häu­fig ein Hono­rar, wäh­rend die Publi­ka­ti­on
in Open-Access-Zeit­schrif­ten ent­we­der kos­ten­los
erfolgt oder von den Autorinnen sogar zusätz­li­che Mit­tel für die Ver­öf­fent­li­chung ein­ge­wor­ben wer­den müs­sen. Zur guten Finanz­aus­stat­tung der tra­di­tio­nel­len Ver­la­ge tra­gen dabei nicht nur die Biblio­the­ken bei, son­dern auch die Rechts­pra­xis, also Anwalt­schaft und Gerich­te. Es ist kein Grund ersicht­lich, war­um die Rechts­pra­xis nicht wei­ter­hin zuguns­ten der Wis­sen­schaft­lerinnen an der Finan­zie­rung der For­schung
betei­ligt wer­den sollte.65 Open Access auf dem
gol­de­nen Weg wird sich des­halb nur dann durch­set­zen
kön­nen, wenn gemein­sam mit der Rechts­pra­xis neue
For­men der Finan­zie­rung von Open-Access-Publi­ka­tio­nen
gefun­den wer­den, bei der auch die Autorinnen für ihre Arbeit finan­zi­ell ent­lohnt werden.66 Auch für die Pro­duk­ti­on von Aus­bil­dungs­li­te­ra­tur wer­den die Wis­sen­schaft­lerinnen an den Ver­lags­ge­win­nen
betei­ligt. Auch hier besteht inso­fern ein mone­tä­rer
Anreiz zum Ver­har­ren in her­ge­brach­ten Struk­tu­ren, soweit
kei­ne neu­en Anrei­ze geschaf­fen wer­den, auf eine
Kom­mer­zia­li­sie­rung zulas­ten der Stu­die­ren­den zu
ver­zich­ten.
Wie also könn­te auf die­se Vor­be­hal­te reagiert und die
Rechts­wis­sen­schaft zur digi­ta­len Öff­nung bewegt wer­den?
Um dem Über­tritt in das neue Zeit­al­ter einer öffent­li­chen
Wis­sen­schaft den nöti­gen Spinn zu geben, kam
man in Baden-Würt­tem­berg auf die Idee, die Hoch­schu­len
qua Ände­rung des Baden-Würt­tem­ber­gi­schen Hoch­schul­ge­set­zes
nach § 44 Abs. 6 BWLHG dazu anzu­hal­ten,
Zweit­ver­wer­tun­gen in Anleh­nung an die
1 8 4 O R D N U N G D E R WI S S E N S C H A F T 3 ( 2 0 2 0 ) , 1 7 7 — 1 9 0
67 Näher zum Hin­ter­grund Hart­mann, Zwang zum Open
Access-Publi­zie­ren? Der recht­li­che Prä­ze­denz­fall ist schon da!,
LIBREAS. Libra­ry Ide­as, 32 (2017), S. 1, abruf­bar unter https://
edoc.hu-berlin.de/bitstream/handle/18452/19845/hartmann.
pdf?sequence=1&isAllowed=y; s. auch Höpfner/Amschewitz,
Die Zweit­ver­öf­fent­li­chungs­pflicht im Span­nungs­feld von Open-
Access-Kul­tur und Urhe­ber­recht, NJW 2019, S. 2966 (2966).
68 Dar­auf hin­wei­send Schul­ze (Fn. 12), § 38 Rn. 25.
69 Sat­zung zur Aus­übung des wis­sen­schaft­li­chen Zweit­ver­öf­fent­li­chungs­rechts
gem. § 38 IV UrhG, Sat­zung Nr. 90/2015; abruf­bar
unter https://www.uni-konstanz.de/typo3temp/secure_downlo
ads/60959/0/4dba8009a4125316f7fa4c33872edd6f0ff01669/SatzungZweitveroeffentlichungsrecht.
70 Der offe­ne Brief von Thei­le im Namen des Pro­fes­so­ri­ums des
Fach­be­reichs Rechts­wis­sen­schaft der Uni­ver­si­tät Kon­stanz ist
abge­druckt in Löwisch, Kon­stan­zer Juris­ten­fa­kul­tät ver­wei­gert
sich der Pflicht zur Zweit­ver­öf­fent­li­chung, OdW 2016, 135,
abruf­bar unter https://ordnungderwissenschaft.de/wp-content/
upload­s/2019/11/14_­lo­e­wisch_­kon­stan­zer-juris­ten­fa­kul­ta­e­t_­ver­wei­ger­t_
zweitveroeffentlichungspflicht_odw_2016.pdf.
71 VGH Mann­heim, Beschluß v. 26.9.2017, Az.: 9 S 2056/16, abruf­bar
unter http://lrbw.juris.de/cgi-bin/laender_rechtsprechung/document.
py?Gericht=bw&nr=22843 = VBlBW 2018, 166 = ZUM
2018, 211.
72 S. Hartmer/Detmer, Hoch­schul­recht, 3. Aufl. 2017, 4. Kapi­tel
Rn. 165; Bäu­er­le (Fn. 8), S. 1 (16); Stein­hau­er (Fn. 41), S. 57 f.;
dif­fe­ren­zie­rend hin­ge­gen Schmidt (Fn. 12), S. 81 ff., die die Pflich­ten­re­ge­lung
im Ber­li­ner Hoch­schul­ge­setz für unver­hält­nis­mä­ßig
73 Zur Schwer­punkt­theo­rie des BVerfG vgl. BVerfG, Urt. v.
17.2.1998, Az.: 1 BvF 1/91 = BVerfGE 97, 228, 251 ff., abruf­bar
unter http://www.servat.unibe.ch/dfr/bv097228.html.
74 VGH Mann­heim (Fn. 71), Rn. 77 ff.; eben­so Haug (Fn. 14), S. 89
(92); Schmidt (Fn. 12), S. 246 f.; Kraus­nick (Fn. 16), S. 367 (375
und 378).
75 VGH Mann­heim (Fn. 71), Rn. 81; dies bezwei­felt jedoch die
Antrags­geg­ne­rin, a.a.O. Rn. 44; Hin­ter­grund die­ser Rechts­auf­fas­sung
ist die im Urhe­ber­recht ver­tre­te­ne Dif­fe­ren­zie­rung zwi­schen
Form und Inhalt bei der Gewäh­rung von Urhe­ber­rechts­schutz,
näher Schmidt (Fn. 12), S. 163 ff. sowie Göt­tin­g/Lau­ber-Röns­berg
(Fn. 15), S. 137 (141).
76 LT-Drs. 15/4684, S. 215 f., abruf­bar unter https://www.
landtag-bw.de/files/live/sites/LTBW/files/dokumente/WP15/
Drucksachen/4000/15_4684_D.pdf.
77 Zur Zuwei­sung der Aus­ge­stal­tung von For­schung und Leh­re zur
Lan­des­kom­pe­tenz Uhle, in: Maunz/Dürig, GG, Art. 70 Rn. 103
(Lfg. 53 Okto­ber 2008).
Schran­ken­re­ge­lung des § 38 Abs. 4 UrhG und damit zum
grü­nen Weg zu verpflichten.67 Das Hoch­schul­ge­setz
spricht selbst von Zweit­ver­öf­fent­li­chung, was jedoch
unge­nau ist, weil das urhe­ber­recht­lich geschütz­te Recht
zur Ver­öf­fent­li­chung nur die Erst­ver­öf­fent­li­chung
erfasst; wei­ter­ge­hen­de Ver­wen­dun­gen des ein­mal publi­zier­ten
Inhalts stel­len urhe­ber­recht­lich nur noch Ver­wer­tun­gen
der Erst­pu­bli­ka­ti­on dar, sodass im Fol­gen­den
von Zweit­ver­wer­tung die Rede sein soll.68
Der Auf­for­de­rung des Lan­des­ge­setz­ge­bers ist die
Uni­ver­si­tät Kon­stanz mit einer Sat­zungs­re­ge­lung nach­ge­kom­men.
69 Danach wer­den die Vor­aus­set­zun­gen erfül­len­de
Publi­ka­tio­nen nach Ablauf der Jah­res­frist auf
dem uni­ver­si­täts­ei­ge­nen Repo­si­to­ri­um hoch­ge­la­den sowie
kos­ten­los und öffent­lich zugäng­lich der All­ge­mein­heit
zur Ver­fü­gung gestellt. Gegen die Rege­lung haben
meh­re­re Pro­fes­so­ren der Uni­ver­si­tät Konstanz70 einen
Nor­men­kon­troll­an­trag vor dem VGH Mann­heim gestellt,
der vom VGH nun­mehr dem BVerfG vor­ge­legt
wurde.71
Die Ver­pflich­tung, wis­sen­schaft­li­che Ergeb­nis­se zugäng­lich
zu machen, ist zwar kei­ne gänz­lich neue Idee
des Gesetz­ge­bers: Die Hoch­schul­ge­set­ze der Län­der sehen
schon jetzt ver­fas­sungs­recht­lich unbe­denk­li­che Publi­ka­ti­ons­pflich­ten
vor, ins­be­son­de­re für Dritt­mit­tel­for­schung,
aber auch dar­über hinaus.72
Beson­de­re Auf­merk­sam­keit erfährt die Baden-Würt­tem­ber­ger
Rege­lung jedoch des­halb, weil die Zweit­ver­wer­tung
Open Access erfol­gen muss. Den
Wis­sen­schaft­lerinnen wird also einer­seits das Recht genom­men, über die Zweit­ver­wer­tung auto­nom zu ent­schei­den; ande­rer­seits wird zugleich eine Ent­schei­dung über die Form der Ver­wer­tung getrof­fen, wonach der Inhalt jedem offen zur Ver­fü­gung gestellt wer­den muss. Der so als Zwang for­mu­lier­te Anspruch der Poli­tik an eine freie Ver­brei­tung von steu­er­fi­nan­zier­ten wis­sen­schaft­li­chen Erkennt­nis­sen gerät in Kon­flikt mit zen­tra­len grund­recht­li­chen Ver­bür­gun­gen und auch mit dem Euro­päi­schen Uni­ons­recht. a) Zustän­dig­keit der Lan­des­ge­setz­ge­ber Eine ers­te Achil­les­fer­se lan­des­recht­li­cher Zweit­ver­wer­tungs­pflich­ten ist die grund­ge­setz­li­che Kom­pe­tenz­ord­nung. Dies des­halb, weil der Schwer­punkt der Regelung73 vom VGH im Urhe­ber­recht gese­hen wird, das nach den Art. 71, 73 Abs. 1 Nr. 9 GG der aus­schließ­li­chen Bun­des­kom­pe­tenz zuge­wie­sen ist.74 Wohl nicht zu bezwei­feln ist, dass mit einer Zweit­ver­wer­tungs­pflicht über­haupt das Urhe­ber­recht berührt wird, weil die Rege­lung die sich an die Urhe­ber­schaft anschlie­ßen­den Ver­wer­tungs­rech­te der §§ 15 ff. UrhG betrifft.75 Die Norm ist jedoch im Schwer­punkt – wie auch vom Lan­des­ge­setz­ge­ber angenommen76 – dem in der Lan­des­kom­pe­tenz lie­gen­den Recht des Hoch­schul­we­sens zuzu­ord­nen. Denn sie betrifft schwer­punkt­mä­ßig die Ver­brei­tung der von dem wis­sen­schaft­li­chen Per­so­nal der Hoch­schu­len ver­öf­fent­lich­ten Wer­ke. Es geht bei der Rege­lung zwar auch um das Ver­wer­tungs­recht der Wis­sen­schaft­lerinnen, im Schwer­punkt jedoch um eine
Aus­ge­stal­tung der Forschungspraxis,77 wenn mit dem
Gesetz der Zugang zu wis­sen­schaft­li­chen Infor­ma­tio­nen
erleich­tert wer­den soll. Zugleich wer­den Pflich­ten der
Eisen­traut · Die Digi­ta­li­sie­rung von For­schung und Leh­re 1 8 5
78 S. das Vor­brin­gen der Antrags­geg­ne­rin im Ver­fah­ren vor dem
VGH Mann­heim (Fn. 71), Rn. 42 ff.; Peu­kert (Fn. 14), S. 7 f.; i.E.
eben­so Stein­hau­er (Fn. 41), S. 34 f.
79 Gär­ditz (Fn. 40), Art. 5 Abs. 3 Rn. 111.
80 Vgl. Gär­ditz (Fn. 40), Rn. 111 ff.; Schmidt (Fn. 12), S. 50; Feh­ling,
Ver­fas­sungs­kon­for­me Aus­ge­stal­tung von DFG-För­der­be­din­gun­gen
zur Open-Access-Publi­ka­ti­on, OdW 2014, S. 179 (191),
uploads/2019/11/24_fehling_dfg_odw_ordnung_der_wissenschaft_
2014.pdf; anders aber Pflüger/Ertmann, E‑Publishing
und Open Access – Kon­se­quen­zen für das Urhe­ber­recht im
Hoch­schul­be­reich, ZUM 2004, S. 436 (441), die nur Publi­ka­ti­ons­pflich­ten
an wis­sen­schafts­i­nad­äqua­ten Ver­öf­fent­li­chungs­or­ten als
schutz­be­reichs­er­öff­nend anse­hen; anders auch Peu­kert (Fn. 14), S.
81 Feh­ling (Fn. 80), S. 179 (191); Gär­ditz (Fn. 40), Rn. 103 sowie Rn.
113; auch dies ist nicht unbe­strit­ten geblie­ben, den Streit­stand
stellt dar Schmidt (Fn. 12), S. 50 ff.; s. zur a.A. Bäu­er­le (Fn. 7), S. 1
(14) sowie Per­ni­ce, in: Drei­er, GG, 2. Aufl. 2004, Art. 5 III Rn. 28.
82 Peu­kert (Fn. 14), S. 19; so wohl auch Feh­ling (Fn. 80), S. 179 (212).
83 A.A., aber ohne nähe­re Begrün­dung Kraus­nick (Fn. 16), S. 367
(378); undeut­lich Haug (Fn. 14), S. 89 (92 f.).
84 Die­se Gefahr sehen aber Haug (Fn. 14), S. 89 (93); Kraus­nick (Fn.
16), S. 367 (379); Stein­hau­er (Fn. 41), S. 60.
85 Feh­ling (Fn. 80), S. 179 (191).
86 Feh­ling (Fn. 80), S. 179 (191).
87 Vgl. Stein­hau­er (Fn. 41), S. 59.
88 Gär­ditz (Fn. 40), Rn. 151; Feh­ling (Fn. 80), S. 179 (197).
89 Zum Erfor­der­nis Gär­ditz (Fn. 40), Rn. 152.
90 Feh­ling (Fn. 80), S. 179 (197).
91 Hier nicht ver­tieft, weil bis­her nicht rea­li­siert, wird die Recht­fer­ti­gung
einer Ver­pflich­tung zur Open-Access-Bereit­stel­lung von
Lehr­ma­te­ria­li­en; hier­für kommt Art. 12 Abs. 1 GG als legi­ti­mie­ren­des
Grund­recht der Stu­die­ren­den in Betracht, vgl. Gär­ditz
(Fn. 40), Rn. 162; BVerfG, Beschl. v. 17.2.2016, Az.: 1 BvL 8/10
= BVerfGE 141, 143, Rn. 58, abruf­bar unter http://www.servat.
unibe.ch/dfr/bv141143.html ; s. zur Ver­fas­sungs­mä­ßig­keit der
Ver­pflich­tung zu digi­ta­len Lehr­ver­an­stal­tun­gen in Zei­ten von
Coro­na auch Dorf/Hartmer, Ist elek­tro­ni­sche Leh­re Dienst­pflicht?,
Forschung&Lehre v. 3.4.2020, abruf­bar unter https://
www.forschung-und-lehre.de/recht/ist-elektronische-lehredienstpflicht-
2667/.
Hoch­schul­mit­glie­der sta­tu­iert, wofür allein das Hoch­schul­recht
der Län­der beru­fen ist.78
In mate­ri­el­ler Hin­sicht gera­ten Open-Access-Zweit­ver­wer­tungs­pflich­ten
in eine Span­nungs­la­ge mit Art. 5 Abs.
3 S. 1 GG.
Die Wis­sen­schafts­frei­heit schützt auch die sog. „Publi­ka­ti­ons­frei­heit“,
also die Frei­heit nach eige­ner Beur­tei­lung
der Ver­öf­fent­li­chungs­rei­fe, des Ver­öf­fent­li­chungs­or­gans
und des Ver­öf­fent­li­chungs­zeit­punk­tes dar­über zu ent­schei­den,
wis­sen­schaft­li­che Erkennt­nis­se der Öffent­lich­keit
zugäng­lich zu machen.79 Davon umfasst ist die Ent­schei­dung
über das „wie“ und „wann“, über das „wo“
sowie über das „ob“ der Veröffentlichung.80 In ihrer Aus­ge­stal­tung
als Abwehr­recht umfasst die Publi­ka­ti­ons­frei­heit
zudem das Recht, nicht zu publizieren.81
Weder Open-Access-Erst­ver­öf­fent­li­chungs‑, noch
Zweit­ver­wer­tungs­pflich­ten grei­fen in die­se nega­ti­ve
Publi­ka­ti­ons­frei­heit ein.82 Denn die Open-Access-Ver­pflich­tung
trifft kei­ne Aus­sa­ge über eine gene­rel­le Pflicht
zur Ver­öf­fent­li­chung, sagt also nicht, „ob“ ver­öf­fent­licht
wer­den muss, son­dern knüpft nur an das „wie“ der Ver­öf­fent­li­chung
die Bedin­gung, dass die­se Open Access zu
erfol­gen habe.83
Auch auf das „wie“ der Erst­ver­öf­fent­li­chung wirkt
sich die Zweit­ver­wer­tungs­pflicht nicht aus. Eine mit der
Pflich­ten­re­ge­lung begrün­de­te ver­lags­sei­ti­ge Ableh­nung
eines Publi­ka­ti­ons­wun­sches wäre in Hin­blick auf
§ 38 Abs. 4 UrhG unzulässig.84 Auf­grund die­ses Zweit­ver­wer­tungs­rechts
müs­sen alle Ver­la­ge eine poten­ti­el­le
Zweit­ver­wer­tung bereits in ihre Kal­ku­la­ti­on ein­be­zie­hen,
sodass durch die baden-würt­tem­ber­gi­sche Rege­lung
auch nicht die Gefahr besteht, dass den von der
Pflicht betrof­fe­nen Wis­sen­schaft­lerinnen schlech­te­re finan­zi­el­le Kon­di­tio­nen für die Publi­ka­ti­on gebo­ten werden.85 Ein Ein­griff kann jedoch des­halb bejaht wer­den, weil sich eine Zweit­ver­wer­tungs­pflicht auf die Publi­ka­ti­ons­re­zep­ti­on aus­wir­ken kann.86 Eine Open-Access-Zweit­ver­wer­tungs­pflicht berührt zudem das „wo“ der Publi­ka­ti­ons­frei­heit, weil in das Recht der Wis­sen­schaft­lerinnen
ein­ge­grif­fen wird, über den Ort der Zweit­ver­wer­tung frei
zu dis­po­nie­ren, wenn ein Upload des Bei­trags auf dem
uni­ver­si­tä­ren Repo­si­to­ri­um erfolgt.87
Damit ist die Fra­ge nach den Mög­lich­kei­ten einer Recht­fer­ti­gung
von Open-Access-Zweit­ver­wer­tungs­pflich­ten
auf­ge­wor­fen. Die Wis­sen­schafts­frei­heit steht nur unter
dem Vor­be­halt ver­fas­sungs­im­ma­nen­ter Schranken.88 Als
ein­griffs­le­gi­ti­mie­ren­des Par­la­ments­ge­setz steht
§ 44 Abs. 6 LHG BW Pate,91 in dem jedoch auch ver­fas­sungs­im­ma­nen­te
Wer­tun­gen zum Aus­druck kom­men
müss­ten. Nicht aus­rei­chend wäre es daher, wenn mit der
Norm bloß gesell­schafts­po­li­ti­sche Zie­le ver­folgt wür­den.
90 Der Idee der frei­en Ver­füg­bar­keit von For­schungs­li­te­ra­tur
müss­te viel­mehr ver­fas­sungs­recht­li­cher Rang
zukom­men, um eine Ver­pflich­tung der Wis­sen­schaft
recht­fer­ti­gen zu können.91
1 8 6 O R D N U N G D E R WI S S E N S C H A F T 3 ( 2 0 2 0 ) , 1 7 7 — 1 9 0
92 Gär­ditz (Fn. 40), Rn. 154; Feh­ling (Fn. 80), S. 179 (197); zurück­hal­tend
hin­ge­gen Kraus­nick (Fn. 16), S. 367 (374); eben­so Sand­ber­ger,
Die Zukunft wis­sen­schaft­li­chen Publi­zie­rens, Open Access
und Wis­sen­schafts­schran­ke, Anmer­kun­gen zu den Kon­tro­ver­sen
über die Wei­ter­ent­wick­lung des Urhe­ber­rechts, OdW 2017, S. 75
(80) bruf­bar unter https://ordnungderwissenschaft.de/wp-content/
upload­s/2019/11/11_2017_02_­sand­ber­ger_­die-zukunft-des­wis­sen­schaft­li­chen-
publizierens_odw.pdf.
93 Haug (Fn. 14), S. 89 (94); Gär­ditz (Fn. 40), Rn. 154.
94 Haug (Fn. 14), S. 89 (93).
95 So aber Haug (Fn. 14), S. 89 (94); im Ein­zel­nen ist umstrit­ten, ab
wann die objek­tiv-recht­li­che Dimen­si­on der Wis­sen­schafts­frei­heit
Ein­grif­fe in das Abwehr­recht legi­ti­mie­ren kann; dif­fe­ren­zie­rend
Feh­ling (Fn. 80), S. 179 (197).
96 Vgl. BVerfG, Beschl. v. 17.2.2016, Az.: 1 BvL 8/10 = BVerfGE
141, 143 Rn. 58, abruf­bar unter http://www.servat.unibe.ch/
dfr/bv141143.html; Gär­ditz (Fn. 40), Rn. 155; zur grund­sätz­li­chen
Zuläs­sig­keit von Eva­lua­ti­ons­pflich­ten auch zuletzt VGH
BW, Urt. v. 19.12.2019, Az.: 9 S 838/18, abruf­bar unter http://
lrbw.juris.de/cgi-bin/laender_rechtsprechung/document.
py?Gericht=bw&nr=30323.
97 Dies jeden­falls für För­der­be­din­gun­gen beja­hend Feh­ling (Fn. 80),
S. 179 (198), a.A. Haug (Fn. 14), S. 89 (93).
98 Hamann/Hürlimann (Fn. 63), S. 3 (28); Bäu­er­le (Fn. 8), S. 1 (11).
99 Bäu­er­le (Fn. 8), S. 1 (10 f.); Vgl. auch Peu­kert (Fn. 14), S. 20.
100 Stein­hau­er (Fn. 41), S. 71 f. spricht hier von „Recher­chefrei­heit“;
Die­ses Inter­es­se refe­ren­ziert auch Schul­ze (Fn. 12), § 48 Rn. 25;
Peu­kert (Fn. 14), S. 21; Bäu­er­le (Fn. 8), S. 1 (14), der die­se Pro­ble­ma­tik
auf der Ebe­ne des Schutz­be­reichs der Wis­sen­schafts­frei­heit
ansie­delt; a.A. Schmidt (Fn. 12), S. 93.
101 Gra­ben­war­ter, in: Maunz/Dürig, GG, Art. 5 Abs. 1, 2 Rn. 1021
(Stand: 85. Lfg. Novem­ber 2018); Kraus­nick (Fn. 16), S. 367 (375);
Feh­ling (Fn. 80), S. 179 (198).
102 Feh­ling (Fn. 80), S. 179 (198 f.); enger Gra­ben­war­ter (Fn. 101),
Rn. 1022, der demo­kra­tie­ge­fähr­den­de Kon­zen­tra­ti­ons­ten­den­zen
103 Vgl. Rux (Fn. 18), S. 70 (71); Die Anwend­bar­keit der Infor­ma­ti­ons­frei­heit
den­noch befür­wor­tend Feh­ling (Fn. 80), S. 179 (199);
von einer Mono­pol­struk­tur gehen aus Hamann/Hürlimann
(Fn. 63) S. 3 (22), die die jewei­li­gen Arti­kel bzw. die gesam­te
Fach­zeit­schrift als Mono­pol­pro­dukt qua­li­fi­zie­ren; indes sind die
jewei­li­gen recht­li­chen Inhal­te gera­de nicht unter dem Urhe­ber­recht
mono­po­li­sier­bar, vgl. Schul­ze (Fn. 12), § 2 Rn. 93; dass die
Biblio­the­ken Zeit­schrif­ten mög­lichst umfas­send erwer­ben, liegt
an ihrem Auf­ga­ben­zu­schnitt.
(1) Art. 5 Abs. 3 GG in sei­ner objek­tiv-recht­li­chen
Dimen­si­on
Dafür in Betracht kommt Art. 5 Abs. 3 GG selbst in sei­ner
objek­tiv-recht­li­chen Dimension.92 In die­ser Dimen­si­on
schützt die Wis­sen­schafts­frei­heit die Funk­ti­ons­fä­hig­keit
und Effi­zi­enz der Wis­sen­schaft und kann dafür
auch Frei­heits­be­ein­träch­ti­gun­gen gegen­über den
Wis­sen­schaft­lerinnen legitimieren.93 Aus­prä­gung der Schutz­funk­ti­on ist auch die För­de­rung der Ver­brei­tung wis­sen­schaft­li­cher Erkenntnisse.94 Nicht erfor­der­lich ist es dafür jedoch, dass ohne Zweit­ver­wer­tungs­pflicht erheb­li­che Funk­ti­ons- und Effi­zi­enz­ein­bu­ßen droh­ten und die wis­sen­schaft­li­che Kom­mu­ni­ka­ti­on über For­schungs­er­geb­nis­se ein­zu­bre­chen droht.95 Auch für die Recht­fer­ti­gung von Eva­lua­ti­ons­pflich­ten ist nicht etwa erfor­der­lich, dass Leh­re nahe­zu nicht mehr ord­nungs­ge­mäß statt­fin­de, son­dern „nur“, dass die Qua­li­tät der Leh­re sicher­ge­stellt wer­den soll.96 Den frei­en Fluss for­schungs­re­le­van­ter Infor­ma­tio­nen för­dern­de Maß­nah­men kön­nen schon dann auf die objek­tiv- recht­li­che Dimen­si­on der Wis­sen­schafts­frei­heit gestützt werden,wenn eine Open-Access-Ver­pflich­tung die Wis­sen­schafts­frei­heit in Hin­blick auf die Zugäng­lich­keit for­schungs­re­le­van­ter Publi­ka­tio­nen stär­ken kann. 97 Der Umweg über eine kom­mer­zi­el­le Ver­lags­ver­öf­fent­li­chung führt sowohl zu zeit­li­chen und öko­no­mi­schen Restrik­tio­nen bei der Publi­ka­ti­on als auch bei der Rezep­ti­on, gera­de auch in Anbe­tracht der im juris­ti­schen Publi­ka­ti­ons­we­sen zu beob­ach­ten­den Preis­stei­ge­run­gen. 98 Maß­nah­men zuguns­ten einer frei­en Zugäng­lich­keit von For­schungs­li­te­ra­tur kön­nen somit auf die objek­tiv-recht­li­che Dimen­si­on der Wis­sen­schafts­frei­heit gestützt werden.99 (2) Art. 5 Abs. 3 GG als Grund­recht ande­rer Wis­sen­schaft­lerinnen
Auch das aus der Wis­sen­schafts­frei­heit der ande­ren
Wis­sen­schaft­lerinnen flie­ßen­de Recht auf Zugang zu For­schungs­er­geb­nis­sen kann als recht­fer­ti­gen­de Ver­fas­sungs­wer­tung her­an­ge­zo­gen werden.100 (3) Infor­ma­ti­ons­frei­heit Frag­lich ist hin­ge­gen, inwie­weit die aus Art. 5 Abs. 1 S. 1 GG flie­ßen­de Infor­ma­ti­ons­frei­heit zuguns­ten von Open-Access-Ver­pflich­tun­gen effek­ti­viert wer­den kann. Zwar wird dem Grund­recht über­wie­gend kein Anspruch auf Zugäng­lich­ma­chung von Infor­ma­tio­nen entnommen.101 Den Gesetz­ge­ber trifft aber jeden­falls dann eine Schutz­pflicht, wenn es zu Struk­turund Kon­zen­tra­ti­ons­ef­fek­ten auf dem Medi­en­markt kommt, die Infor­ma­ti­ons­mo­no­po­le befürch­ten lassen.102 Ob ein sol­cher die Schutz­pflicht aus­lö­sen­der Sta­tus für die Rechts­wis­sen­schaft indes erreicht ist, ist zu bezwei­feln. Die Ver­lags­land­schaft kann als (noch) hin­rei­chend diver­si­fi­ziert gelten.103 Mit­hin lässt sich die Infor­ma­ti­ons­frei­heit (vor­erst) nicht her­an­zie­hen, um Open-Access- Ver­pflich­tun­gen zu recht­fer­ti­gen. (4) Staat­li­che Finan­zie­rung Frag­lich ist auch, ob die staat­li­che Finan­zie­rung der For­schung als Gegen­spie­ler der Wis­sen­schafts­frei­heit herEi­sen­traut · Die Digi­ta­li­sie­rung von For­schung und Leh­re 1 8 7 ange­zo­gen wer­den kann.104 Zwar ver­lan­gen die her­ge­brach­ten Grund­sät­ze des Berufs­be­am­ten­tums nach Art. 33 Abs. 5 GG auch Gel­tung gegen­über ver­be­am­te­ten Hoch­schul­leh­rerinnen und kom­men als Recht­fer­ti­gungs­grund
in Betracht.105 Dies gilt jedoch nur in Hin­blick
auf nicht­wis­sen­schaft­li­che Dienst­auf­ga­ben, die
äuße­re Form der Dienst­er­fül­lung und die Ein­hal­tung all­ge­mei­ner
Regeln, wäh­rend der Zugriff auf Wis­sen­schafts­in­hal­te
ver­wehrt ist.106 Eine Ver­fü­gungs­be­fug­nis
des Staa­tes über die For­schungs­er­geb­nis­se der
Wis­sen­schaft­lerinnen ist daher abzulehnen;107 glei­ches gilt für eine Anbie­tungs­pflicht gegen­über dem Dienst­herrn von in der Dienst­zeit ent­stan­de­nen Werken.108 (5) Abwä­gung Die kol­li­die­ren­den Ver­fas­sungs­gü­ter (also die Wis­sen­schafts­frei­heit im Drei­ecks­ver­hält­nis Autorin – ande­re
Wis­sen­schaft­lerinnen – objek­tiv-recht­li­che Dimen­si­on) sind im Wege prak­ti­scher Kon­kor­danz in Aus­gleich zu bringen.109 Frag­lich ist dabei ins­be­son­de­re, ob Open-Access- Zweit­ver­wer­tungs­pflich­ten zum Schutz der Funk­ti­ons­fä­hig­keit der Wis­sen­schaft erfor­der­lich und ange­mes­sen sind. So wird bezwei­felt, ob eine Open-Access-Zwei­ver­wer­tungs­pflicht über­haupt nötig sei, da sich der Sta­tus quo in den Rechts­wis­sen­schaf­ten deut­lich von der Situa­ti­on in ande­ren Fach­be­rei­chen unter­schei­de: Wäh­rend etwa in den Natur­wis­sen­schaf­ten der Zugang zu For­schungs­li­te­ra­tur auf­grund von Mono­pol­struk­tu­ren als mit­un­ter pre­kär qua­li­fi­ziert wer­den könne,110 sei in der Rechts­wis­sen­schaft bis­her die Funk­ti­ons­fä­hig­keit gewahrt. 111 Die­ser The­se ist jedoch begrün­det ent­ge­gen getre­ten wor­den: Eine Erhe­bung unter 35 rechts­wis­sen­schaft­li­chen Fach­zeit­schrif­ten hat erge­ben, dass auch in der deut­schen Rechts­wis­sen­schaft erheb­li­che und schnel­le Stei­ge­run­gen der Zeit­schrif­ten­prei­se erfolgt sind.112 Dies hat auch Aus­wir­kun­gen auf die Biblio­thek­setats, wes­halb Biblio­the­ken durch­aus in der Bereit­stel­lung des Zugangs zu Fach­li­te­ra­tur ein­ge­schränkt sind.113 In Hin­blick auf die Ange­mes­sen­heit ist zu berück­sich­ti­gen, dass es sich bei der Pflicht nur um eine Zweit­ver­wer­tungs­pflicht han­delt. Der Ein­griff in die Wis­sen­schafts­frei­heit wiegt also weni­ger schwer, als wenn eine Open-Access-Erst­ver­öf­fent­li­chungs­pflicht nor­miert wor­den wäre. Für ein nur sehr leich­tes Gewicht des Ein­griffs spricht zudem, dass von der Zweit­ver­wer­tungs­pflicht betrof­fe­ne Ver­öf­fent­li­chun­gen zuvor in Clo­sed- Access-Zeit­schrif­ten publi­ziert wur­den; hier­bei wer­den in der Regel sämt­li­che Ver­wer­tungs­rech­te an den Ver­lag abge­tre­ten. Die von der Zweit­ver­wer­tungs­pflicht betrof­fe­nen Wis­sen­schaft­lerinnen hät­ten also auch ohne die
Pflicht gar nicht das Recht, außer­halb der Rege­lung des
§ 38 Abs. 4 UrhG über die Zweit­ver­wer­tung zu
dis­po­nie­ren.
Ande­rer­seits muss eine Open-Access-Zweit­ver­wer­tungs­pflicht
aber den berech­tig­ten Inter­es­sen der
Wissenschaftler*innen Rech­nung tra­gen und darf etwa
dann nicht sta­tu­iert wer­den, wenn erst­ver­öf­fent­lich­te Erkennt­nis­se
über­holt sind oder sich als falsch her­aus­ge­stellt
haben, die Erst­pu­bli­ka­ti­on auf­grund gesetz­li­cher
Vor­schrif­ten zurück­ge­zo­gen wor­den ist oder die Publi­ka­ti­on
Rech­te Drit­ter ver­letzt; hier­auf nimmt § 4 Abs. 1
der Kon­stan­zer Sat­zung auch Rück­sicht.
§ 44 Abs. 6 S. 2 LHG BW schafft die Grund­la­ge, um den
in der Wis­sen­schaft Täti­gen die von Art. 5 Abs. 3 S. 1 GG
gefor­der­te Mit­wir­kung bei der Aus­ge­stal­tung einer ent­spre­chen­den
Rege­lung im Rah­men des Erlas­ses einer
Hoch­schul­sat­zung zu ermöglichen.114 Auch wur­den mitt­ler­wei­le
mit den Repo­si­to­ri­en der Hoch­schu­len wis­sen­schafts­ad­äqua­te
Open-Access-Publi­ka­ti­ons­in­fra­struk­tu­ren
– jeden­falls für Open-Access-Zweit­ver­öf­fent­li­chun­gen
– geschaffen.115 Damit stellt sich die Open-Access-
Zweit­ver­wer­tungs­pflicht – jeden­falls in der Aus­ge­stal­tung
104 Dass die Finan­zie­rung durch Per­so­nal- und Sach­mit­tel der
öffent­li­chen Hand erfolgt, ist ein regel­mä­ßig zuguns­ten von Open
Access vor­ge­tra­ge­nes Argu­ment, s. nur Bäu­er­le (Fn. 8), S. 1 (5).
105 Gär­ditz (Fn. 40), Rn. 176.
106 Gär­ditz (Fn. 40), Rn. 176.
107 Haug (Fn. 14), S. 89 (93).
108 Höpfner/Amschewitz (Fn. 67), S. 2966 (2970); Schmidt (Fn. 12),
Teil Kapi­tel 2 und 3 sowie 2. Teil Kapi­tel 1 pas­sim; Stein­hau­er
(Fn. 41), S. 26 ff.; ver­tie­fend auch Lutz (Fn. 60), S. 207 ff.
109 Zur prak­ti­schen Kon­kor­danz all­ge­mein Schla­de­bach, Prak­ti­sche
Kon­kor­danz als ver­fas­sungs­recht­li­ches Kol­li­si­ons­prin­zip – Eine
Ver­tei­di­gung, Der Staat 2014, 263; für Art. 5 Abs. 3 GG s. Per­ni­ce,
in: Drei­er, GG, 2. Aufl. 2004, Art.5 III Rn. 42; Schüb­ler-Pfis­ter, in:
Gärditz/Pahlow (Hrsg.), Hoch­schul­erfin­der­recht, 2011, Teil 1 Rn.
110 Zah­len fin­den sich bei Pflüger/Ertmann (Fn. 80), S. 436 (437).
111 In die­se Rich­tung für die Rechts­wis­sen­schaft Gär­ditz (Fn. 40), Rn.
158 Fn. 9; eben­so Haug (Fn. 14), S. 89 (94).
112 Hamann/Hürlimann (Fn. 63) S. 3 (22 ff.).
113 Hamann/Hürlimann (Fn. 63) S. 3 (29).
114 Zu den Mit­wir­kungs­rech­ten vgl. zuletzt BVerfG, Beschl. v.
5.2.2020, Az.: 1 BvR 1586/14 Rn. 16, abruf­bar unter https://www.
bundesverfassungsgericht.de/e/rk20200205_1bvr158614.html.
115 Die­se For­de­rung, jedoch in Hin­blick auf eine Open-Access-Erst­pu­bli­ka­ti­ons­pflicht,
for­mu­liert Peu­kert (Fn. 14), S. 23 ff.; als Fach­re­po­si­to­ri­um
in der Rechts­wis­sen­schaft fun­giert ²Dok[§],
erreich­bar unter https://intr2dok.vifa-recht.de/content/index.xml;
zum Repo­si­to­ri­um Mathieu, Open Access für die Rechts­wis­sen­schaft:
Pflicht oder Pri­vat­sa­che? Eine biblio­the­ka­ri­sche Per­spek­ti­ve,
in: Hamann/Hürlimann (Fn. 51), S. 203 (205 f.).
1 8 8 O R D N U N G D E R WI S S E N S C H A F T 3 ( 2 0 2 0 ) , 1 7 7 — 1 9 0
durch die Uni­ver­si­tät Kon­stanz im Zusam­men­spiel mit
dem baden-würt­tem­ber­gi­schen Gesetz­ge­ber – als gerecht­fer­tig­ter
Ein­griff in die Wis­sen­schafts­frei­heit dar.116
Wäh­rend die Pro­duk­ti­on und Publi­ka­ti­on von For­schungs-
und Lehr­ma­te­ria­li­en der Wis­sen­schafts­frei­heit
unter­fällt, wird deren wirt­schaft­li­che Ver­wer­tung über­wie­gend
den Schutz­be­rei­chen der Eigen­tums- und
Berufs­frei­heit zugeordnet.117
Der Urhe­ber genießt den Schutz des
Art. 14 Abs. 1 GG.118 Als Inhalts- und Schran­ken­be­stim­mung
bedarf die Open-Access-Zweit­ver­wer­tungs­pflicht
der Recht­fer­ti­gung, dies erst Recht, als das Gesetz kei­nen
aus­glei­chen­den Ver­gü­tungs­an­spruch des Urhe­bers vor­sieht.
119 Beschrän­kun­gen des Ver­wer­tungs­rechts kön­nen
dabei nur durch ein gestei­ger­tes öffent­li­ches Inter­es­se
gerecht­fer­tigt werden,120 das jedoch in Anbe­tracht des
Inter­es­ses an best­mög­li­cher Wis­sen­schafts­kom­mu­ni­ka­ti­on
anzu­neh­men ist.121 Die Rege­lung stellt sich auch als
ver­hält­nis­mä­ßig dar, da bei der Erst­ver­öf­fent­li­chung typi­scher­wei­se
bereits über die wei­ter­ge­hen­den Ver­wer­tungs­rech­te
abschlie­ßend dis­po­niert wurde.122
Auch in Hin­blick auf die Berufs­frei­heit lässt sich ein Ein­griff
im Sin­ne einer Berufs­aus­übungs­re­ge­lung auf­grund
der Reduk­ti­on der Erwerbs­chan­cen zwar anneh­men.
Die­ser ist in Hin­blick auf die zugleich ermög­lich­te
erleich­ter­te Wis­sen­schafts­kom­mu­ni­ka­ti­on jedoch eben­falls
als gerecht­fer­tigt anzusehen.123
Schließ­lich sind Zwei­fel an der Ver­ein­bar­keit von Open-
Access-Zweit­ver­wer­tungs­pflich­ten mit der euro­päi­schen
Urheberrechtsrichtlinie124 ange­mel­det worden.125 Dies
des­halb, weil die Urhe­ber­rechts­richt­li­nie in Art. 5 einen
abschließenden126 Schran­ken­ka­ta­log für Ein­grif­fe in das
aus­schließ­li­che Recht des Urhe­bers zur öffent­li­chen
Zugäng­lich­ma­chung vor­sieht. Bezwei­felt wor­den ist, ob
Open-Access-Zweit­ver­wer­tungs­pflich­ten von die­sem
Schran­ken­ka­ta­log erfasst wer­den können.127 Nach
Art. 5 Abs. 3 lit. a der Richt­li­nie kön­nen die Mit­glied­staa­ten
Aus­nah­men oder Beschrän­kun­gen für Zwe­cke der
wis­sen­schaft­li­chen For­schung zulas­sen, sofern die Quel­le,
ein­schließ­lich des Namens des Urhe­bers ange­ge­ben
wird und soweit dies zur Ver­fol­gung nicht kom­mer­zi­el­ler
Zwe­cke gerecht­fer­tigt ist. Genau hier­um han­delt es
sich im Fal­le der Zweit­ver­wer­tungs­pflicht, wenn bereits
publi­zier­te Arti­kel auf uni­ver­si­täts­ei­ge­nen Repo­si­to­ri­en
online gestellt werden.128 Auch den wei­ter­hin nach
Art. 5 Abs. 5 der Richt­li­nie erfor­der­li­chen „Drei­stu­fen­test“
besteht die Open-Access-Zweit­ver­wer­tungs­pflicht,
weil sie legi­ti­me Zwe­cke ver­folgt, weder die nor­ma­le
Ver­wer­tung des Wer­kes beein­träch­tigt, noch die berech­tig­ten
Inter­es­sen des Rechts­in­ha­bers unge­bühr­lich
beein­träch­tigt wer­den. § 38 Abs. 4 UrhG sieht ja bereits
jetzt schon ein Zweit­ver­öf­fent­li­chungs­recht vor, sodass
ver­lags­sei­ti­ge Ver­wer­tungs­rech­te nicht tan­giert
sind.129Auch eine unge­bühr­li­che Beein­träch­ti­gung der
116 Anders stell­te sich die Bewer­tung einer Open-Access-Erst­ver­öf­fent­li­chungs­pflicht
dar, weil hier­durch den Wissenschaftler*innen
weit­rei­chend auch die Mög­lich­keit zur frei­en Dis­po­si­ti­on über
den Ort der Erst­ver­öf­fent­li­chung genom­men wäre.
117 Höpfner/Amschewitz (Fn. 67), S. 2966 (2969); Bäu­er­le (Fn. 8), S. 1
(10); dif­fe­ren­zie­rend hin­ge­gen Gär­ditz (Fn. 40), Rn. 90 ff.
118 Haug (Fn. 14), S. 89 (94); Drei­er, in: Dreier/Schulze, Urhe­ber­rechts­ge­setz,
Aufl. 2018, Ein­lei­tung Rn. 39; nicht jedoch die
Ver­la­ge, vgl. Haug (Fn. 14), S. 89 (94 f.); eben­so Höpfner/Amschewitz
(Fn. 67), S. 2966 (2970); Feh­ling (Fn. 80), S. 179 (186);
Peu­kert (Fn. 14), S. 16 f.
119 Ein sol­cher wur­de vom BVerfG in der Ent­schei­dung zum
Schul­buch­pri­vi­leg für erfor­der­lich erach­tet, s. BVerfG, Beschluß
v. 7.7.1971, Az.: 1 BvR 765/66 = BVerfGE 31, 229, abruf­bar unter
http://www.servat.unibe.ch/dfr/bv031229.html.
120 Drei­er (Fn. 18), Rn. 39.
121 Haug (Fn. 14), S. 89 (94); a.A. aber Höpfner/Amschewitz (Fn. 67),
S. 2966 (2970), die eine Ver­gü­tungs­re­ge­lung for­dern.
122 I.E. eben­so Kraus­nick (Fn. 16), S. 367 (374).
123 Haug (Fn. 14), S. 89 (95); Höpfner/Amschewitz (Fn. 67), S. 2966
(2971); Kraus­nick (Fn. 16), S. 367 (375); anders läge die Sache
hin­ge­gen im Fal­le einer Open-Access-Erst­ver­öf­fent­li­chungs­pflicht,
weil eine sol­che den Urhe­bern die Kom­mer­zia­li­sie­rung
der Publi­ka­ti­on gänz­lich unmög­lich machen wür­de; a.A. aber
Peu­kert (Fn. 14), S. 30; erfor­der­lich wäre dann zumin­dest eine
Ver­gü­tungs­re­ge­lung wie etwa in § 42 Nr. 4 Arb­nErfG.
124 RL 2001/29/EG des Euro­päi­schen Par­la­ments und des Rates vom
22.5.2001 zur Har­mo­ni­sie­rung bestimm­ter Aspek­te des Urhe­ber­rechts
und der ver­wand­ten Schutz­rech­te der Infor­ma­ti­ons­ge­sell­schaft,
abruf­bar unter https://eur-lex.europa.eu/LexUriServ/
LexUriServ.do?uri=OJ:L:2001:167:0010:0019:DE:PDF.
125 Haug (Fn. 14), S. 89 (91 f.); im Ergeb­nis auch, aber dif­fe­ren­zie­ren­der
Höpfner/Amschewitz (Fn. 67), S. 2966 (2971 ff.); zu den
grund­frei­heit­li­chen Impli­ka­tio­nen näher Kraus­nick (Fn. 16), S.
367 (371 ff.).
126 S. Erwä­gungs­grund 32 der Richt­li­nie.
127 Es wur­de schon in Hin­blick auf § 38 Abs. 4 UrhG dis­ku­tiert, ob
es sich hier­bei um einen Ver­stoß gegen die Schran­ken­re­ge­lung
han­de­le; dies leh­nen rich­ti­ger­wei­se ab Höpfner/Amschewitz (Fn.
67), S. 2966 (2972).
128 Zwei­fel in Hin­blick auf die Aus­schließ­lich­keit der wis­sen­schaft­li­chen
Zweck­rich­tung ver­fängt nicht, so über­zeu­gend Höpfner/
Amsche­witz (Fn. 67), S. 2966 (2972).
129 Anders, dabei aber die­sen Aspekt unbe­rück­sich­tigt las­send Höpfner/
Eisen­traut · Die Digi­ta­li­sie­rung von For­schung und Leh­re 1 8 9
Inter­es­sen des Rechts­in­ha­bers ist nicht fest­zu­stel­len,
inso­fern kann auf die Erwä­gun­gen zur Ange­mes­sen­heit
der Grund­rechts­be­ein­träch­ti­gung ver­wie­sen werden.130
Ein Ver­stoß gegen die Urhe­ber­rechts­richt­li­nie schei­det
damit eben­falls aus.
Auch wenn Open-Access-Zweit­ver­wer­tungs­pflich­ten
dem­nach aus ver­fas­sungs- und uni­ons­recht­li­cher Sicht
als zuläs­sig zu bewer­ten sind, soll­te die Öff­nung der
Rechts­wis­sen­schaft kei­ne erzwun­ge­ne sein, son­dern auf
die freie Ent­schei­dung der Wis­sen­schaft­lerinnen zurück­ge­führt werden.131 Um einen Kul­tur­wan­del zu errei­chen, soll­te die Poli­tik dafür das Anrei­z­in­stru­men­ta­ri­um effek­ti­vie­ren und die Wis­sen­schafts­för­de­rung geziel­ter als bis­her dazu nut­zen, um ihr Inter­es­se an einer Öff­nung der Rechts­wis­sen­schaft Gewicht zu ver­lei­hen. For­schungs­för­de­rung an die Bedin­gung einer Open-Access-Publi­ka­ti­on der For­schungs­er­geb­nis­se und an das For­schungs­pro­jekt beglei­ten­de Wis­sen­schafts­kom­mu­ni­ka­ti­on zu knüpfen,132 wird auf weit­aus grö­ße­re Ein­sicht der Rechts­wis­sen­schaft­lerinnen sto­ßen
und kommt auch weit­ge­hend ohne Kon­flikt­la­ge zu
grund­recht­li­chen Ver­bür­gun­gen aus.133
Dafür rei­chen die bis­he­ri­gen Bemü­hun­gen jedoch
nicht. Mitt­ler­wei­le haben die Hoch­schu­len zwar von der
DFG geförderte134 Open Access-För­der­fonds auf­ge­setzt,
aus denen nicht nur Publi­ka­ti­ons­ge­büh­ren für Open-
Access-Zeit­schrif­ten­ar­ti­kel, son­dern teil­wei­se auch die
Kos­ten für Open-Access-Mono­gra­phien erstat­tet wer­den
können.135 Indes wider­spre­chen die För­der­be­din­gun­gen
den in der Rechts­wis­sen­schaft eta­blier­ten Fach­kul­tu­ren
und fin­den daher nur wenig Inter­es­se: So flie­ßen
die För­der­gel­der voll­stän­dig den Ver­la­gen zu, wäh­rend
die Wissenschaftler*innen leer aus­ge­hen. Auch eine
För­de­rung von Open-Access-Ver­öf­fent­li­chun­gen in eta­blier­ten
Clo­sed-Access-Zeit­schrif­ten wird häu­fig aus­ge­schlos­sen,
was der Repu­ta­ti­ons­kul­tur in der Rechts­wis­sen­schaft
zuwiderläuft.136
Auch die Dritt­mit­tel­for­schung wird bis­her nicht voll­stän­dig
von Open-Access-Ver­öf­fent­li­chungs­pflich­ten
abhän­gig gemacht.137 Die DFG etwa for­dert dies zwar,
zwingt aber nicht dazu.138 Öffent­li­che För­der­mit­tel für
OER-Pro­jek­te sind zudem rar.139
Wen abseits von Kom­mer­zia­li­sie­rungs­in­ter­es­sen die
Idee einer offe­nen Wis­sen­schaft über­zeugt und wer
130 Anders wie­der­um Höpfner/Amschewitz (Fn. 67), S. 2966 (2972 f.),
die die Zah­lung einer ange­mes­se­nen Ver­gü­tung an den Urhe­ber
für erfor­der­lich erach­ten.
131 So auch Stein­hau­er (Fn. 41), S. 48.
132 Zum Modell des Wis­sen­schafts­för­de­rungs­rechts in den USA und
dem Ver­ei­nig­ten König­reich Peu­kert (Fn. 14), S. 5 f.; För­de­rung
eben­falls befür­wor­tend Sand­ber­ger (Fn. 2), S. 75 (80); wei­te­re
Anrei­z­in­stru­men­te fin­den sich bei Schmidt (Fn. 12), S. 249:
Mit­tel­ver­ga­be ori­en­tiert an Open-Access-Ver­öf­fent­li­chun­gen;
Open-Access-Ver­öf­fent­li­chun­gen als Gegen­stand von Beru­fungs­ver­ein­ba­run­gen.
133 Eine grund­recht­li­che Bin­dung pri­va­ter For­schungs­för­de­rer
schei­det von vor­ne­her­ein aus; eine Span­nungs­la­ge zu den grund­recht­li­chen
Ver­bür­gun­gen der Wissenschaftler*innen kann nur
dort ent­ste­hen, wo die Grund­aus­stat­tung betrof­fen ist; ansons­ten
han­delt es sich bei der For­schungs­för­de­rung näm­lich schon um
kei­nen Grund­rechts­ein­griff, son­dern um eine frei­heits­er­wei­tern­de
Leis­tung, vgl. umfas­send zu die­ser Fra­ge Feh­ling (Fn. 80), S.
179; Schmidt (Fn. 12), S. 119 ff. sowie 249 f.; vgl. auch Gär­ditz
(Fn. 40), Rn. 104 sowie Stein­hau­er (Fn. 41), S. 73 ff.
134 För­der­pro­gramm „Open Access Publi­zie­ren“, https://www.dfg.de/
foerderung/programme/infrastruktur/lis/lis_foerderangebote/
open_access/.
135 So ko-finan­ziert bspw. die Freie Uni­ver­si­tät Ber­lin nun­mehr
in einer Pilot­pha­se auch Publi­ka­ti­ons­kos­ten für Open-Access-
Mono­gra­phien und –Sam­mel­bän­de; nähe­re Infor­ma­tio­nen
unter https://www.fu-berlin.de/sites/open_access/finanzierung/
monogr-sammelbaende/index.html.
136 Auch wenn die Kri­tik am „dou­ble dipping“ bei sog. hybri­den
Open-Access-Model­len durch­aus berech­tigt sein mag, vgl. hier­zu
näher Mit­ter­mai­er, Dou­ble Dipping beim Hybrid Open Access –
Chi­mä­re oder Rea­li­tät?, Infor­ma­ti­ons­pra­xis Bd. 1, Nr. 1 (2015), 1,
abruf­bar unter http://dx.doi.org/10.11588/ip.2015.1.18274.
137 Zwangs­mo­del­le sind bereits auf euro­päi­scher Ebe­ne im Rah­men
des För­der­pro­gramms Hori­zon 2020 (s. bereits Fn. 49 sowie
https://www.horizont2020.de/einstieg-open-access.htm) rea­li­siert;
auch am „Plan S“ betei­lig­te natio­na­le För­der­or­ga­ni­sa­tio­nen
wol­len For­schungs­för­de­rung von Open-Access-Ver­pflich­tun­gen
abhän­gig machen.
138 DFG-Vor­druck 2.00 – 12/15, S. 44, abruf­bar unter https://www.
dfg.de/formulare/2_00/v/dfg_2_00_de_v1215.pdf.
139 Wiki­me­dia Deutsch­land e.V. (Hrsg.) (Fn. 23), S. 60; einen ers­ten
Bei­trag leis­ten För­der­pro­jek­te wie das Fel­low-Pro­gramm Frei­es
Wis­sen; Finan­zie­rungs­for­men wie Crowd-Sourcing könn­ten eine
Alter­na­ti­ve dar­stel­len, vgl. Dei­man­n/­Neu­man­n/­Muuß-Mer­holz
(Fn. 19), S. 35.
1 9 0 O R D N U N G D E R WI S S E N S C H A F T 3 ( 2 0 2 0 ) , 1 7 7 — 1 9 0
140 Hamann/Hürlimann (Fn. 63), S. 3 (13).
141 Vor Erlass der Norm wur­de inten­siv um die Zuläs­sig­keit die­ser
als Recht aus­ge­stal­te­ten Rege­lung gerun­gen; s. dazu Kraus­nick
(Fn. 16), S. 367 (376 ff.); Feh­ling (Fn. 80), S. 179 (183 f.); Bäu­er­le
(Fn. 8), S. 1 (16); Sand­ber­ger, Zweit­ver­wer­tungs­recht, ZUM 2013,
466; die Rege­lung für uni­ons- und ver­fas­sungs­wid­rig erach­tend
hin­ge­gen Müßig (Fn. 61), S. 221 (229 ff.); Sprang, Zweit­ver­öf­fent­li­chungs­recht
– ein Plä­doy­er gegen § 38 Abs. 4 UrhG‑E, ZUM
2013, 461.
142 S. Stein­hau­er, Zur Sicht­bar­keit und Ver­brei­tung rechts­wis­sen­schaft­li­cher
Dis­ser­ta­tio­nen, in: Hamann/Hürlimann (Fn. 51), S.
143 Kant, Beant­wor­tung der Fra­ge: Was ist Auf­klä­rung, Ber­li­ni­sche
Monats­schrift, Dezem­ber 1784, S. 481, abruf­bar unter http://
www.deutschestextarchiv.de/book/show/kant_aufklaerung_1784.
einen Bei­trag zur Idee glo­bal ver­füg­ba­ren, frei zugäng­li­chen
Wis­sens bei­steu­ern will, kann auch heu­te schon
ganz ein­fach sei­nen Bei­trag leis­ten.
Auf­satz­pu­bli­ka­tio­nen wer­den sich künf­tig auch repu­ta­ti­ons­för­dernd
in Open-Access-Zeit­schrif­ten unter­brin­gen
lassen.140 Wer bis­her in Clo­sed-Access-Jour­na­len
ver­öf­fent­licht und davon erst ein­mal nicht abse­hen
möch­te, kann bis dahin sei­ne Auf­sät­ze auf dem grü­nen
Weg der All­ge­mein­heit zur Ver­fü­gung stel­len. Zeit­schrif­ten­auf­sät­ze
dür­fen im Rah­men der Rege­lung des
§ 38 Abs. 4 UrhG141 nach einer Embargo­frist von einem
Jahr Open Access zugäng­lich gemacht wer­den. Die Erfah­run­gen
des Autors die­ses Bei­trags zei­gen, dass die
Zeit­schrif­ten häu­fig damit ein­ver­stan­den sind, dafür
auch die gesetz­te Manu­skript­ver­si­on zur Ver­fü­gung zu
stel­len. Die Datei lässt sich ein­fach auf einem uni­ver­si­täts­ei­ge­nen
Repo­si­to­ri­um hoch­la­den und ist dann – auf
dem sog. grü­nen Weg – Open Access ver­füg­bar.
Dis­ser­ta­tio­nen und ande­re Mono­gra­phien müs­sen
nicht im Ver­lag, son­dern kön­nen auch auf den uni­ver­si­tä­ren
Repo­si­to­ri­en kos­ten­los Open Access ver­öf­fent­licht
wer­den. Für alle, die auf eine Ver­lags­ver­öf­fent­li­chung
aus Repu­ta­ti­ons­grün­den nicht ver­zich­ten kön­nen, bie­ten
immer mehr Ver­la­ge auch Open-Access-Model­le an.
Die damit häu­fig ver­bun­de­nen höhe­ren Kos­ten wer­den
durch eine umfas­sen­de Sicht­bar­keit der eige­nen For­schung
ausgeglichen.142
In Hin­blick auf Lehr­ma­te­ria­li­en stel­len alle mit Lehr­auf­ga­ben
Betrau­ten auch heu­te schon sehr viel Mate­ri­al
kos­ten­los zur Ver­fü­gung. Über eine offe­ne Lizen­zie­rung
und einen Upload außer­halb der geschlos­se­nen Lern­platt­for­men
der Uni­ver­si­tä­ten könn­ten die­se einem weit
grö­ße­ren Nut­zer­kreis zur Ver­fü­gung gestellt wer­den.
Die Digi­ta­li­sie­rung öff­net einen Weg, in der all unser
Wis­sen frei im digi­ta­len Raum ver­füg­bar sein könn­te.
Ob wir die­sen Weg gehen oder Wis­sen wei­ter hin­ter
Bezahl­schran­ken ver­ste­cken wol­len, liegt in der Hand
eines jeden von uns. Neh­men wir also mit Kant den Aus­gang
aus der selbst­ver­schul­de­ten Unmündigkeit143 und
ent­schei­den künf­tig bewusst dar­über, wie wir For­schungs­er­geb­nis­se
und Lehr­ma­te­ria­li­en ver­öf­fent­li­chen
möch­ten. Dass in der Rechts­wis­sen­schaft bis­her wenig
von den Mög­lich­kei­ten öffent­li­cher For­schung und Leh­re
Gebrauch gemacht wird, hat Grün­de, die nicht durch
Zwangs­sys­te­me über­spielt, son­dern im kon­struk­ti­ven
Dia­log mit der Poli­tik besei­tigt wer­den soll­ten. Gleich­zei­tig
soll­ten wir uns nicht hin­ter vor­ge­scho­be­nen Grün­den
ver­ste­cken, son­dern bewusst mit den Poten­tia­len
einer öffent­li­chen Rechts­wis­sen­schaft aus­ein­an­der­set­zen
und von den schon heu­te bestehen­den Mög­lich­kei­ten
muti­ger Gebrauch machen.
Der Autor ist Wis­sen­schaft­li­cher Mit­ar­bei­ter am Fach­be­reich
Rechts­wis­sen­schaft der Frei­en Uni­ver­si­tät Ber­lin
sowie Rechts­re­fe­ren­dar am Kam­mer­ge­richt Ber­lin.
Er ist Her­aus­ge­ber des ers­ten offen lizen­zier­ten Lehr­buchs
zum Ver­wal­tungs­recht „Ver­wal­tungs­recht in der
Klau­sur“ sowie des Open-Access-Fall­re­pe­ti­to­ri­ums „Fäl­le
zum Ver­wal­tungs­recht“.