Source: http://jugend.dgb.de/ausbildung/beratung/dr-azubi/?fp.l=t&fp.d=99357
Timestamp: 2017-09-21 04:50:34
Document Index: 119367479

Matched Legal Cases: ['§14', '§102', '§8', '§ 14', '§ 13', '§15', '§16', '§17', '§17', '§22']

Putzen obwohl Abgestemmpelt
Liebes Dr. Azubi Team, ich bin 17 und im 2.Lehrjahr als KFZ-Mechatroniker. Gestern mussten wir(3 Lehrlinge), bis um 17.45 Uhr die Werkstatt Putzen, obwohl um 17.00 Feierabend gewesen wäre. Nach getahhener "Arbeit" sagt der Meister unserer Werkstatt er habe uns bereits um 17.00 Uhr abgestempelt. Als ich ihn darauf ansprach ,was dass denn soll, antwortete er: "Diskutier nicht ,sonst kannst du gleich gehen und brauchst nicht wieder kommen". Ich werde aufjedenfall ein Gespräch mit unserem Betriebsleiter suchen und ihn freundlich daraufhinweisen. Desweiteren sagte der Meister auch noch wir währen faul und wenn die Werkstatt nicht jeden Tag so aussieht werden wir jeden Tag um 17.00 Uhr abgestempelt und müssen bis 17.45 Uhr putzen. Ich hoffe ihr könnt mich beraten und mir Tipps zu meinem weiteren Vorgehen geben.
Mechaniker 98
Mechaniker98: 13.07.2017 18:21:04 |
RE: Putzen obwohl Abgestemmpelt
Hallo Mechaniker98,
Gut das du dich erkundigst. ☺
Außerhalb der Arbeitszeit die Werkstatt zu putzen gehört nicht zu den Aufgaben eines Auszubildenden! Ich versuche dir hier ein paar hilfreiche Infos und Tipps diesbezüglich zu geben.
Beginnen wir mit dem putzen der Werkstatt.
Klar mag dies zur Tätigkeit eines KFZ-Mechatronikers/-Mechatronikerin gehören und somit auch zur Ausbildung. Aber dies darf NICHT dauernd und ausschließlich durch die Azubis geschehen! Schon gar nicht nach der Arbeitszeit!
Denn es ist so: Für jeden Beruf gibt es einen allgemeinen Ausbildungsrahmenplan, in dem genau steht, was du wann in deiner Ausbildung lernen sollst (Ausbildungsordnungen und Rahmenpläne findest du im Netz hier: http:/​/​www.bibb.de/​de/​berufesuche.php). Außerdem muss deinem Ausbildungsvertrag ein grober Ausbildungsplan angefügt werden, in dem der Verlauf deiner Ausbildung in deinem Betrieb aufgezeigt wird. Der Ausbilder darf dir nur Arbeiten auftragen, die dem Ausbildungszweck dienen (§14 Berufsbildungsgesetz). Leider passiert es relativ häufig, dass Auszubildende mit ausbildungsfremden Tätigkeiten beauftragt werden. Ausbildungsfremde Tätigkeiten (also Arbeiten, die nicht dem Ausbildungszweck dienen) sind z. B. regelmäßiges Putzen oder Botengänge. Alle diese Tätigkeiten sind verboten! Übrigens dienen auch unnötige Wiederholungen bereits gelernter Fähigkeiten – so genannte ausbildungsfremde Routinearbeiten – nicht dem Ausbildungszweck! Alle Verstöße gegen diese Ausbilderpflicht sind eine Ordnungswidrigkeit und können nach §102 Berufsbildungsgesetz mit einem Bußgeld geahndet werden!
IG Metall Geschäftsstelle Regensburg
Strasse / Nr.:	Richard-Wagner-Str. 2
PLZ, Ort:	93055 Regensburg
Telefon:	0941/60396-0
Fax:	0941/60396-19
E-Mail:	•	regensburg@igmetall.de
Homepage: www.igmetall-regensburg.de
Außerdem könntest du dich an eine_n Ausbildungsberater_in der Kammer/Innung wenden und mit ihm ein persönliches Gespräch vereinbaren, denn die sind dafür da, die Ausbildung in den Betrieben zu kontrollieren.
Dr. Azubi: 17.07.2017 12:48:47
Nun zur Arbeitszeit und Überstunden:
Für Minderjährige gilt das Jugendarbeitsschutzgesetz. Die Arbeitszeit für Jugendliche ist nach Jugendarbeitsschutzgesetz auf acht Stunden täglich und auf vierzig Stunden in der Woche begrenzt. Beträgt die Arbeitszeit an einzelnen Tagen weniger als acht Stunden, können minderjährige Azubis an den anderen Arbeitstagen derselben Woche bis zu achteinhalb Stunden beschäftigt werden (§8 Jugendarbeitsschutzgesetz). Das gilt auch, wenn für Azubis eine Gleitzeitregelung gilt.
Zwischen 20 und 6 Uhr darfst du nicht beschäftigt werden. Es gibt jedoch Ausnahmen für bestimmte Gewerbezweige - zum Beispiel im Gastgewerbe und Bäcker - und für den Schichtbetrieb (§ 14 Jugendarbeitsschutzgesetz). Zwischen Arbeitsende und Arbeitsbeginn müssen mindestens zwölf Stunden ununterbrochener Ruhezeit liegen (§ 13 Jugendarbeitsschutzgesetz)
Für Jugendliche gilt grundsätzlich die Fünf-Tage-Woche (§15 Jugendarbeitsschutzgesetz). Der Samstag ist arbeitsfrei (§16 Jugendarbeitsschutzgesetz). Das gilt selbstverständlich auch für den Sonntag und für Feiertage (§17,18 Jugendarbeitsschutzgesetz). Ausnahmen von diesem Arbeitsverbot gibt es in Branchen wie der Gastronomie und der Landwirtschaft. Hier gelten spezielle Regelungen: Wirst du an einem Sonntag beschäftigt, muss dir in derselben Woche ein Ersatzruhetag gewährt werden. Wirst du an einem Feiertag beschäftigt, der auf einen Werktag fällt, muss dir innerhalb derselben oder der folgenden Woche ein Ersatzruhetag gewährt werden. Und: Am 25. Dezember, am 1. Januar, am ersten Osterfeiertag und am 1. Mai dürfen Jugendliche unter keinen Umständen beschäftigt werden!
Nach der offiziellen Arbeitszeit noch Tätigkeiten zu verrichten ist nicht okay.
Denn Überstunden müssen dir selbstverständlich vergütet oder in Freizeit ausgeglichen werden (§17 Berufsbildungsgesetz).
Zudem musst du als Azubi – im Gegensatz zu normalen Mitarbeitern - Überstunden nur freiwillig machen. Warum? Du machst keine Ausbildung, um zu arbeiten, sondern um zu lernen, und die normale vereinbarte Arbeitszeit reicht aus, um die Lerninhalte zu vermitteln. Daraus ergibt sich auch folgender Grundsatz: Auch die Überstunden müssen immer dem Zweck der Ausbildung dienen, das heißt dein Ausbilder oder eine ausbildungsbeauftragte Person müssen anwesend sein, wenn du Überstunden leistest!
Was tun um keine Überstunden mehr machen zu müssen?
Dann solltest du 1. zunächst um ein Gespräch mit deinem Ausbilder bitten. Nimm, falls möglich, ein Betriebsrat-Mitglied mit. Sage im Gespräch, dass du nicht bereit bist, weiter so viele Überstunden zu leisten, und berufe dich auf die festgelegte Ausbildungszeit.
2. Eine schriftliche Aufforderung schreiben. Hebe die Kopie des Schreibens auf: Musterbrief: Adresse Azubi Adresse Betrieb
Ort/Datum Hinweis auf die vertraglich festgelegte Ausbildungszeit
Die Überstunden dienen oft nicht dem Ausbildungszweck. Während der Überstunden ist häufig kein Ausbilder anwesend. Diese Arbeitszeiten verstoßen zudem gegen das JArbSchG/ArbZG.
Mit freundlichen Grüßen, Unterschrift Azubi …...................
4. Falls das alles nicht hilft kannst du den Rechtsweg einschlagen. Falls du es bis zu diesem Zeitpunkt noch nicht getan hast, wende dich nun an deine Gewerkschaft.
Kurz noch ein paar Infos zur angedrohten Kündigung.
Nach der Probezeit kann das Berufsausbildungsverhältnis vom Ausbilder nur noch außerordentlich und fristlos gekündigt werden, wenn ein wichtiger Grund vorliegt (§22 Berufsbildungsgesetz). Ein wichtiger Grund liegt vor, wenn die Fortsetzung des Ausbildungsverhältnisses bis zum Ablauf der Ausbildungszeit für den Ausbilder unzumutbar geworden ist. Wichtige Gründe sind zum Beispiel:
•	Wiederholtes Schwänzen der Berufsschule
•	Häufiges Zu-Spät-Kommen in der Arbeit
•	Eigenständiger Urlaubsantritt
•	Mehrmaliges unentschuldigtes Fehlen in der Arbeit
•	Trotz Aufforderung nicht geführte schriftliche Ausbildungsnachweise
•	Nachgewiesener Diebstahl
Bei der Prüfung des wichtigen Grundes muss der besondere Charakter des Ausbildungsverhältnisses berücksichtigt werden. Das bedeutet, dass bei Pflichtverletzungen, schlechten Leistungen oder leichten Vergehen eine fristlose Kündigung des Azubis erst dann zulässig ist, wenn trotz aller Erziehungsmaßnahmen - zum Beispiel Ermahnungen und Abmahnungen - keine Besserung eintritt. Der Kündigung müssen deshalb normalerweise mindestens zwei Abmahnungen für das gleiche Vergehen (!) vorausgehen. Es gibt hier aber keine generelle Regelung. Je nach Schwere des Pflichtverstoßes kann auch eine Abmahnung ausreichend sein. Ausnahme: Bei besonders gravierenden Verfehlungen wie zum Beispiel nachweislicher Diebstahl oder ein tätlicher Angriff auf den Ausbilder kann auch ohne Abmahnung gekündigt werden.
Aber: Fehlerhafte Leistungen des Azubis gehören in der Regel zum Risiko des Ausbilders. Auch schlechte Leistungen in der Berufsschule berechtigen nicht zur außerordentlichen Kündigung. Auch das Durchfallen durch die Zwischenprüfung ist kein Kündigungsgrund. Der Ausbilder muss zusammen mit der Berufsschule versuchen, den Azubi zur ordnungsgemäßen Erledigung seiner Aufgaben anzuhalten. Nur wenn diese Bemühungen erfolglos bleiben, und keine Aussicht auf Erreichung des Ausbildungsziels besteht, ist die Kündigung zulässig.
Je weiter die Ausbildungszeit fortgeschritten ist, umso strengere Anforderungen werden an den Kündigungsgrund gestellt. Kurz vor dem Ende der Ausbildung ist eine Kündigung im Allgemeinen ausgeschlossen.
Somit ist ganz klar, dass euch euer Chef aufgrund der geschilderten Situation natürlich nicht kündigen darf.
Ich wünsche dir noch alles Gute für die Ausbildung und hoffe die Infos helfen dir etwas weiter!
Dr. Azubi: 17.07.2017 12:49:07