Source: http://docplayer.org/1310285-Menschenrechte-der-frau.html
Timestamp: 2017-12-14 15:34:13
Document Index: 54783064

Matched Legal Cases: ['Art. 1', 'Art. 8', 'Art. 23', 'Art. 25', 'Art. 3', 'Art. 1', 'Art. 7', 'Art. 1', 'Art. 1', 'Art. 2', 'Art. 141', 'Art. 3', 'Art. 7']

MENSCHENRECHTE DER FRAU - PDF
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1 RECHT AUF GESUNDHEIT 173 MENSCHENRECHTE DER FRAU DIE GENDERPERSPEKTIVE DER MENSCHENRECHTE FRAUENRECHTE ALS ERMÄCHTIGUNGSRECHTE Die Einbeziehung der Frau in die wirtschaftliche und soziale Entwicklung, ihre Chancengleichheit sowie die volle und gleichberechtigte Teilhabe von Frauen und Männern als Träger und Nutznießer einer auf den Menschen ausgerichteten bestandsfähigen Entwicklung ist Voraussetzung für die Beseitigung der Armut auf der Grundlage eines nachhaltigen Wirtschaftswachstums, einer sozialen Entwicklung, des Umweltschutzes und sozialer Gerechtigkeit ist. Erklärung und Aktionsplattform der Pekinger Weltfrauenkonferenz
2 174 MENSCHENRECHTE DER FRAU GESCHICHTE ZUR ILLUSTRATION Die Geschichte von Maria da Penha Maia Fernandes Am 29. Mai 1983 wurde Maria da Penha Maia Fernandes von ihrem Ehemann, Marco Antonio Heredia Viveiros, im Schlaf angeschossen. Sie überlebte glücklicherweise, trug aber ernste Verletzungen davon und litt neben anderen physischen und psychischen Traumata auch unter irreversibler Querschnittslähmung. Nur zwei Wochen, nachdem sie aus dem Krankenhaus entlassen worden war, versuchte sie ihr Ehemann zu durch einen Stromschlag zu töten, während sie ein Bad nahm. Nach diesem zweiten Anschlag legte das Büro des Staatsanwaltes eine Akte mit den gegen Herrn Viveiros erhobenen Anschuldigungen an. Es dauerte acht Jahre, bis das Bezirksgericht von Fortalezza zu einer Entscheidung kam. Am 4. Mai 1991 befanden die Geschworenen Herrn Viveiros der Körperverletzung und des versuchten Mordes für schuldig und verurteilten ihn zu zehn Jahren Gefängnis. Nach einer Berufung fand 1996 ein zweiter Prozess statt, in dem Herr Viveiros zu zehn Jahren und sechs Monaten Haft verurteilt wurde. Die Verteidigung erhob neuerlich Einspruch. Jedoch war es auf Grund der Verzögerungen im Rechtssystem nicht möglich, ein endgültiges Urteil über dieses Verbrechen zu fällen. Am 20. August 1998 stellten Maria da Penha Maia Fernandes, das Zentrum für Gerechtigkeit und Völkerrecht (CEJIL) und das Lateinamerikanische und Karibische Komitee für die Verteidigung der Frauenrechte (CLADEM) einen Antrag an die Inter-Amerikanische Kommission für Menschenrechte, in dem sie die Republik Brasilien beschuldigten, 15 Jahre lang keine wirkungsvollen Maßnahmen zur Verfolgung und Bestrafung Herrn Viveiros gesetzt zu haben. Verletzungen der folgenden Artikel wurden angeklagt: Art. 1 (1) (Verpflichtung der Achtung der Rechte), Art. 8 (Recht auf eine faires Verfahren), Art. 23 (Recht auf gleichen Schutz) und Art. 25 (Recht auf gerichtlichen Schutz) der Amerikanischen Konvention der Menschenrechte; Art. II und XVIII der Amerikanischen Erklärung der Rechte und Pflichten des Menschen; Art. 3, 4, 5 und 7 der Inter- Amerikanischen Konvention zur Prävention, Sanktionierung und Beseitigung der Gewalt gegen Frauen (Konvention von Belém do Pará). Wie in anderen Fällen kommentierte der Staat Brasilien diesen Antrag nicht. In ihrem Bericht vom 16. April 2001 befand die Inter-Amerikanische Kommission, dass Maria da Penha Maia Fernandes Recht auf ein faires Verfahren und gerichtlichen Schutz vom Staat Brasilien verletzt wurde. Als Ergebnis dieses Berichts wurde Herr Viveiros im Jahr 2002 dauerhaft inhaftiert, beinahe 20 Jahre, nachdem er erstmals versucht hatte, seine Frau zu töten. Diskussionsfragen 1. Was sind die in dieser Geschichte angesprochenen Hauptthemen? 2. Wie kann Gerechtigkeit geübt werden, wenn der Zugang zum Gericht und die Einhaltung der gesetzlichen Vorschriften zum Verfahrensablauf vom Geschlecht des Opfers abhängig sind? 3. Sind Gesetze und Verordnungen ausreichend, um gleiche Chancen für alle Menschen zu garantieren? Wodurch kann darüber hinaus die Gleichbehandlung von Mann und Frau gesichert werden? 4. Können ähnliche Vorfälle verhindert werden? Überlegen Sie, welche Mechanismen auf lokaler, regionaler oder internationaler Ebene verwendet werden können, um dies zu erreichen.
3 MENSCHENRECHTE DER FRAU 175 WAS MAN WISSEN MUSS 1. Menschenrechte der Frau Frauen mussten sehr lange um ihre Anerkennung als vollwertige Menschen und für die Zuerkennung fundamentaler Menschenrechte kämpfen. Unglücklicherweise ist dieser Kampf noch lange nicht vorbei. Obwohl sich die Situation von Frauen beinahe weltweit deutlich gebessert hat, behindern gesellschaftliche Strukturen und Vorurteile die vollständige und unverzügliche Umsetzung der Menschenrechte der Frau auf der ganzen Welt. Das 20. Jahrhundert brachte neben vielen Verbesserungen auch einige Rückschläge, und sogar in Zeiten des Friedens und des Fortschritts wurde Frauen und ihren Menschenrechten keine spezielle Aufmerksamkeit zuteil. Nichtsdestotrotz kämpften Heldinnen zu allen Zeiten für ihre Rechte, mit Waffen oder Worten. Eleanor Roosevelt beharrte darauf, dass die Formulierung alle Menschen sind gleich, den ursprünglichen Art. 1 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte von 1948, alle Männer sind Brüder, ersetzen sollte. Diese Änderungen brachten zum Ausdruck, dass Menschenrechte allen Menschen gebühren, egal ob männlich oder weiblich, und formulierte Gleichberechtigung als Grundprinzip der Menschenrechte. Das Prinzip der Gleichberechtigung, wie es im Gesetz geregelt ist, unterscheidet zwar nicht vordergründig zwischen Frau und Mann ist aber oft die Quelle für die versteckte Diskriminierung von Frauen. Wegen der unterschiedlichen Positionen und Rollen von Männern und Frauen in der Gesellschaft führt gesetzliche Gleichberechtigung oft zu tatsächlicher Diskriminierung. Diese Situation zwang Aktivistinnen für die Menschenrechte der Frau, die Unterscheidung zwischen formaler und inhaltlicher Gleichberechtigung voran zu treiben. In vielen Situationen konnten formale Ansätze, die auf der Annahme der Gleichheit aller Menschen basierten, benachteiligten Menschen nicht helfen. Notwendig ist eine inhaltliche Definition von Gleichberechtigung, die Mehrheiten, Unterschiede, Nachteile und Diskriminierung mit einbezieht. Dairian Shanti betont in ihrem Artikel Equality and the Structures of Discrimination, dass Neutralität kein Gefühl für Benachteiligung zulässt, die einige Menschen vom Genuss der Gleichbehandlung abhält. Deshalb muss der Schwerpunkt auf gleichen Ergebnissen oder gleichem Nutzen liegen. Echte Gleichberechtigung von Frau und Mann kann nur durch die Verwirklichung von formaler und inhaltlicher Gleichberechtigung erzielt werden. Gender und das weitverbreitete Missverständnis der Menschenrechte der Frau Das Konzept Gender betrifft nicht nur Frauen und ihre Menschenrechte, sondern ist komplexer und bezieht sich auch auf Männer. Es wurde erstmals in den 1970ern benutzt und von Susan Moller als die tief eingegrabene Die Umsetzung der numerischen Mehrheit in die handelnde Mehrheit für Frauen, durch Frauen, in Partnerschaft mit den Männern, ist der Inhalt des nächsten Millenniums. (Übersetzung) Azza Karam
4 176 MENSCHENRECHTE DER FRAU Institutionalisierung des Geschlechterunterschiedes, die unsere Gesellschaft durchdringt definiert. Seitdem entwickelte es sich aber durch die dynamischen politischen, sozialen und wirtschaftlichen Änderungen ständig weiter. Art. 7 des Römischen Statuts des Internationalen Strafgerichtshofes aus dem Jahr 1998 definiert Gender als die beiden Geschlechter, Mann und Frau, im Kontext unserer Gesellschaft, nachdem die StaatenvertreterInnen das Konzept Gender intensiv diskutiert hatten, wobei etliche von ihnen eine Ausweitung auf die sexuelle Orientierung ablehnten. Noch immer ist die Einstellung weit verbreitet, dass Frauen als spezifische Gruppe benannt werden anstatt als Hälfte der Weltbevölkerung, jedes Landes, jedes Stammes und vieler Gesellschaften akzeptiert zu werden. Diese Auffassung zeigen auch Dokumente, in denen Frauen in einem Absatz oder einem Kapitel zusammen mit anderen gefährdeten Gruppen wie Eingeborenen, älteren Personen, Menschen mit Behinderung und Kinder auftauchen. All diese Gruppen verbindet, dass sie immer wieder Ziel von Diskriminierungen waren und noch immer sind, und ihre Rechte nach wie vor nicht voll in Anspruch nehmen können. Gender ist eine nützliche Analysekategorie, die dabei hilft, die unterschiedlichen Verantwortungen, Rollen und Positionen in der Gesellschaft, die von Frauen und Männern eingenommen werden, zu verstehen. Eine Genderanalyse in Theorie und Praxis der Menschenrechte einzuführen, sensibilisiert für die Unterschiede von Frauen und Männern in der Gesellschaft und für die unterschiedlichen Arten von Verletzungen der Menschenrechte der Frau. Es ist offenkundig, dass eine gendersensitive Denkweise gefördert werden sollte, damit alle Menschen ohne Rücksicht auf Geschlecht, Hautfarbe, Rasse oder Religion dieselben Rechte genießen können. Menschliche Sicherheit und Frauen Menschliche Sicherheit und der Status von Frauen sind eng miteinander verbunden, da Konflikte tendenziell Ungleichheiten und Unterschiede zwischen den Geschlechtern vertiefen. Frauen, Kinder und ältere Menschen bilden die Mehrheit der Flüchtlinge und Binnenvertriebenen und sollten spezielle Aufmerksamkeit und effektiv Schutz genießen. Menschliche Sicherheit bedeutet aber auch in Friedenszeiten die Sicherung des Zugangs zu Bildung, sozialen Einrichtungen und Arbeit für alle Menschen. Frauen wird der Zugang zu diesen Bereichen sehr oft erschwert. Frauen und Kinder im Besonderen können von einer menschenrechtlichen Interpretation der Menschlichen Sicherheit profitieren, was auch bedeutet, dass Menschliche Sicherheit ohne bedingungslose Anerkennung aller Menschenrechte für alle nicht verwirklicht werden kann. Deshalb sollte die Eliminierung jeglicher Form von Diskriminierung von Frauen und Kindern auf dem Forderungskatalog der Menschlichen Sicherheit an oberster Stelle stehen. Von besonderem Interesse für die Menschliche Sicherheit ist aber natürlich auch die Situation von Frauen in bewaffneten Konflikten. 2. Definition und Beschreibung des Themas Um die Forderung von Frauen nach ihren Menschenrechten heute zu verstehen, hilft es, einen Blick auf die Geschichte der Frauenbewegung zu werfen.
5 MENSCHENRECHTE DER FRAU 177 Ein Rückblick auf die Geschichte Die Französische Revolution markiert den Anfang des Kampfes der Frauen für ihre Anerkennung als gleichwertige menschliche Wesen. In dieser Epoche entstand nicht nur die generelle Forderung nach bürgerlichen und politischen Rechten, es entwickelten sich auch die ersten Frauenbewegungen für Befreiung und Gleichstellung. Eine der berühmtesten Verfechterinnen war die Französin Olympe de Gouges, die die Erklärung der Rechte der Frau und Bürgerin schrieb. Wie viele andere ihrer Mitstreiterinnen bezahlte sie ihr Engagement auf der Guillotine. Die Frau ist frei geboren und bleibt dem Manne gleich in allen Rechten. Art. 1, Erklärung der Rechte der Frau und Bürgerin Auch Großbritannien kann auf eine lange und einflussreiche Geschichte der Frauenbewegung für Gleichberechtigung zurückschauen. Nicht zu Unrecht wird es oft als Mutterland des Feminismus bezeichnet. Bereits in den 1830er Jahren verlangten die britischen Frauen das Wahlrecht für sich. Ihr Kampf um das Wahlrecht dauerte mehr als 70 Jahre und wurde mit unterschiedlichen Mitteln geführt. Der erste Erfolg kam 1918, als britischen Frauen über 30 das aktive Wahlrecht zuerkannt wurde. Andere Handlungsbereiche waren der Zugang zu Bildung, das Recht verheirateter Frauen auf Eigentum und das Recht von Frauen, öffentliche Ämter zu bekleiden. Besonders in Großbritannien und den USA griffen Frauen auch zu drastischen Maßnahmen wie Hungerstreik, um ihre Forderungen durchzusetzen. Die berühmte Suffragette Emily Davison wählte den Tod, als sie sich 1913 bei einem Pferderennen vor das Pferd von König George V. warf. Der International Council of Women wurde bereits 1888 gegründet und existiert auch heute noch. Er hat seinen Sitz in Paris und trägt aktiv zum Prozess der Sicherung der Menschenrechte der Frau bei. Zu seinen Aktivitäten gehören internationale Treffen, regionale und subregionale sowie nationale Seminare und Arbeitsgruppen, ein intensives Entwicklungsprogramm in Kooperation mit internationalen Agenturen, Resolutionen, die in der UNO-Generalversammlung vorgeschlagen und angenommen wurden, Kooperation auf allen Ebenen mit NGOs und die dreijährigen Aktionspläne seiner fünf ständigen Komitees. Die erste zwischenstaatliche Organisation, die sich mit den Menschenrechten der Frau befasste, war die American Commission on Women (CIM), die 1928 für Lateinamerika gegründet wurde. Sie war verantwortlich für den Entwurf des Inter-Amerikanischen Übereinkommens zur Staatsbürgerschaft der Frauen, welche 1933 von der Organisation Amerikanischer Staaten (OAS) angenommen wurde. Dieses Übereinkommen startete eine Debatte über die Möglichkeiten der Region, ein generelles menschenrechtliches Übereinkommen auszuarbeiten. Seit den frühen Anfängen der UNO 1945 versuchten Frauen innerhalb deren Struktur mitzuarbeiten und ihre Teilnah-
6 178 MENSCHENRECHTE DER FRAU me auch im Inhalt und der Umsetzung von menschenrechtlichen Instrumenten und Mechanismen nachvollziehbar zu machen. Die Kommission für den Status der Frauen (Commission for the Status of Women, kurz: CSW) wurde 1946 mit dem Mandat der globalen Förderung der Menschenrechte der Frau gegründet. Den ersten Vorsitz hatte Bodil Boegstrup aus Belgien inne. Die CSW betrieb Lobbying für die ausdrückliche Nennung der Menschenrechte der Frau in der AEMR. Obwohl Frauen von Anfang an gleichermaßen zur Entwicklung des internationalen politischen, wirtschaftlichen und sozialen Systems beigetragen hatten, wurde den Angelegenheiten von Frauen minimale Aufmerksamkeit geschenkt. Jahrzehnte der Geschlechterblindheit in menschenrechtlichen Dokumenten machten die Menschen ebenfalls blind. Die Grundrechte von mehr als der Hälfte der Menschheit wurden unter den Teppich gekehrt und vergessen, was zu dem Schluss führt, dass es keine Geschlechterneutralität in internationalen und nationalen Gesetzen geben kann, solange Gesellschaften auf der ganzen Welt nicht geschlechterneutral sind und weiterhin Frauen diskriminieren. Erst in den 1970er Jahren führten die Ungleichheit in vielen Bereichen des täglichen Lebens, die Armut unter Frauen und die Diskriminierung von Mädchen zum Entschluss der UNO, von 1976 bis 1985 die UNO-Dekade für Frauen: Gleichberechtigung, Entwicklung und Frieden zu proklamieren. Diese Dekade gipfelte 1979 in der Annahme des Übereinkommens zur Beseitigung jeder Form der Diskriminierung der Frau (CEDAW). Dieses gilt als das wichtigste Menschenrechtsinstrument für den Schutz und die Förderung der Menschenrechte der Frau. Erstmals werden Frauen darin als vollwertige Menschen anerkannt. Die CEDAW beinhaltet bürgerliche und politische Rechte ebenso wie wirtschaftliche, soziale und kulturelle Rechte, wobei hier zwei Kategorien, die ansonsten getrennt betrachtet werden, in einem Dokument vereint sind. Das Übereinkommen reguliert Themen, die das öffentliche wie das private Leben von Frauen betreffen. Etliche Artikel beschäftigen sich mit der Rolle der Frau in Familie und Gesellschaft, der Notwendigkeit geteilter Verantwortung innerhalb der Familie und der Dringlichkeit der Umsetzung von Änderungen in sozialen und kulturellen Systemen, die zur untergeordneten Position der Frauen führen. Nur durch solche elementare Änderungen kann die weltweite Anerkennung der Menschenrechte der Frau erzielt werden. Sobald ein Staat Vertragspartei der CEDAW geworden ist, ist er dazu verpflichtet, unverzüglich mit allen ihm zur Verfügung stehenden Mitteln eine Strategie zur Beseitigung der Diskriminierung von Frauen entwickeln und durchsetzen. In diesem Übereinkommen bezeichnet der Ausdruck Diskriminierung der Frau jede mit dem Geschlecht begründete Unterscheidung, Ausschließung oder Beschränkung, die zur Folge oder zum Ziel hat, dass die auf die Gleichberechtigung von Mann und Frau gegründete Anerkennung, Inanspruchnahme oder Ausübung der Menschenrechte und Grundfreiheiten durch die Frau ungeachtet ihres Familienstandes im politischen, wirtschaftlichen, sozialen, kulturellen, staatsbürgerlichen oder jedem sonstigen Bereich beeinträchtigt oder vereitelt wird. Art. 1, CEDAW.
7 MENSCHENRECHTE DER FRAU 179 Außerdem verlangt CEDAW von den Vertragsparteien die Einhaltung folgender Punkte: Aufnahme des Prinzips der Gleichberechtigung von Frau und Mann in die nationalen Verfassungen und einschlägigen Gesetzen; Sicherung der tatsächlichen Umsetzung des Prinzips der Gleichberechtigung; Annahme einschlägiger Gesetzgebung und passender Maßnahmen, inklusive Sanktionen, wenn angemessen, zum Verbot jeglicher Diskriminierung von Frauen; Einführung desselben gesetzlichen Schutzes für Frauen wie für Männer; Abstandnahme von jeglicher Diskriminierung von Frauen und entsprechende Durchsetzung dieser Verpflichtung durch alle Behörden und öffentlichen Institutionen; Setzung aller angemessenen Maßnahmen zur Beseitigung jeder Diskriminierung von Frauen durch Privatpersonen, Organisationen oder Unternehmen; Aufhebung aller nationalen Strafbestimmungen, die eine Diskriminierung der Frauen darstellen können; Gewährleistung der vollen Entwicklung und Förderung von Frauen, damit sie ihre Menschenrechte und Grundfreiheiten im gleichen Ausmaß wie Männer genießen und ausüben können; Änderung sozialer und kultureller Handlungsmuster von Frauen und Männern; Verwirklichung der Beseitigung von Vorurteilen, Gewohnheiten und anderer Handlungsweisen, die auf der Annahme der Minderwertigkeit oder Unterordnung eines Geschlechtes oder auf stereotypen Rollen von Frauen und Männern basieren; Gewährleistung einer Erziehung durch die Familie, die ein geeignetes Verständnis der Mutterschaft als soziale Funktion und die Anerkennung der gemeinsamen Verantwortung von Frauen und Männern für die Erziehung ihrer Kinder beinhaltet, wobei das Wohl des Kindes das Maß der Dinge darstellt; Ergreifung aller angemessenen Maßnahmen zur Unterdrückung aller Formen von Frauenhandel und Ausbeutung von Frauen durch Prostitution; Gewährleistung des aktiven und passiven Wahlrechts von Frauen in allen Wahlen und Abstimmungen; Gewährleistung desselben Rechts zur Erlangung, Änderung oder Beibehaltung der Staatsbürgerschaft für Frauen und Männer; Gewährleistung derselben Rechte auf dem Gebiet der Bildung für Frauen und Männer. Am 6. Oktober 1999 nahm die UNO-Generalversammlung das Fakultativprotokoll zum Übereinkommen zur Beseitigung jeder Form von Diskriminierung der Frau, welches 21 Artikel enthält, in einer für Frauen bahnbrechenden Abstimmung einstimmig an. Nunmehr ist eine Individualbeschwerde an den CEDAW-Ausschuss möglich. Mit 1. Oktober 2008 hatte das Protokoll 92 Mitgliedsstaaten. Das Komitee zur Beseitigung jeder Form von Diskriminierung der Frau bearbeitete bis Juli 2008 bisher zehn Individualbeschwerden,
8 180 MENSCHENRECHTE DER FRAU führte eine Untersuchung durch und legte einen Bericht über das untersuchte Land Mexiko vor. Quelle: CEDAW-Ausschuss, ohchr.org/english/bodies/cedaw/index.htm Die Wiener Weltkonferenz über Menschenrechte im Juni 1993 brachte tausende MenschenrechtsaktivistInnen und ExpertInnen zusammen. Die Wiener Erklärung und der Aktionsplan betonen die Förderung und den Schutz der Menschenrechte von Frauen und Mädchen generell sowie die Prävention von Gewalt gegen Frauen. Es wird auch festgelegt, dass die Menschenrechte von Frauen und Mädchen unveräußerlicher, unteilbarer und wesentlicher Bestandteil des universellen Menschenrechtssystems sind. Die volle und gleichberechtigte Teilnahme von Frauen am politischen, bürgerlichen, wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Leben sowie die Beseitigung jeglicher Form der Diskriminierung aufgrund des Geschlechts werden als vorrangige Zielsetzungen der internationalen Gemeinschaft genannt. Die Kommission für den Status der Frauen (CSW) organisierte als Teil ihres Mandates vier große, globale Konferenzen mit dem Ziel des Mainstreaming der Frauenrechte als Menschenrechte: Mexiko City, 1975 Kopenhagen, 1980 Nairobi, 1985 Peking, 1995 Zusätzlich wurde im Jahr 2000 eine Sondersitzung der UNO-Generalversammlung zum Thema Frauen 2000: Geschlechtergleichberechtigung, Entwicklung und Friede für das 21. Jahrhundert in New York abgehalten. Ziel dieser Sitzung war die Beurteilung der Fortschritte bei den Eintrittsverpflichtungen, welche die Regierungen bei der 4. Weltfrauenkonferenz 1995 in Peking abgegeben hatten. Deshalb wird diese Sondersitzung auch Peking+5 genannt. Die Pekinger Aktionsplattform wurde 1995 bei der 4. Weltfrauenkonferenz angenommen und ist von außerordentlicher Bedeutung, weil sie in der Präambel und zwölf Kapiteln das umfassendste Programm der Menschenrechte der Frau mit einer Analyse der Situation der Frauen und einer Untersuchung der Politiken, Strategien und Maßnahmen zur Förderung von Frauen weltweit enthält. Folgende zwölf Gebiete wurden darin behandelt: Armut, Bildung, Gesundheit, Gewalt, bewaffneter Konflikt, Wirtschaft, Entscheidungsfindung, institutionelle Mechanismen, Menschenrechte, Medien, Umwelt, Mädchen sowie institutionelle und finanzielle Maßnahmen. Frauen und Armut Um die unterschiedlichen Auswirkungen von Armut auf Frauen und Männer zu verstehen, muss man die Aufteilung des Arbeitsmarktes aufgrund des Geschlechts beachten. Allzu oft arbeiten Frauen im Haushalt, erfüllen ihre Pflichten bei der Pflege von Kindern, Kranken und Alten, ohne Bezahlung zu erhalten und ohne Versicherung, obwohl ihr Beitrag wirtschaftlich und sozial notwendig ist und deshalb hoch angesehen sein sollte. Die Arbeitsteilung aufgrund des Geschlechts ist eine jener strukturellen Dimensionen von Armut, die Frauen betreffen. Die biologische Funktion der Mutterschaft ist eine weitere strukturelle Dimension, die aber auch als soziale Funktion der Elternschaft und als soziale Verantwortung gesehen wird. Armut wird auch durch ungleiche Bezahlung für gleiche Arbeit sowie verweigerten oder be-
9 MENSCHENRECHTE DER FRAU 181 Während Armut ganze Haushalte betrifft, tragen Frauen aufgrund der geschlechterbedingten Arbeitsteilung und der Verantwortung für den Haushalt eine unverhältnismäßig große Belastung, indem sie den Konsum des und die Produktion durch den Haushalt unter immer dürftiger werdenden Bedingungen zu managen versuchen. (Übersetzung) Pekinger Aktionsplattform schränkten Zugang zu Bildung, öffentlichen und sozialen Einrichtungen, Erbrechten oder Eigentumsrechten an Grund und Boden hervorgerufen. Die politische Dimension der Armut zeigt die ungleiche Verteilung der Rechte zwischen Mitgliedern unserer Gesellschaft und stellt ein wesentliches Hindernis für den Zugang zu bürgerlich-politischen, sozialen, kulturellen und wirtschaftlichen Rechten dar. Außerdem werden der Zugang zu Informationen und die Teilnahme an öffentlichen Organisationen und Entscheidungsprozessen eingeschränkt. Im Zusammenhang mit Migration führt Armut auch zu einem Anstieg des Frauenhandels, speziell in Lateinamerika, Asien und Osteuropa. Frauen und Gesundheit Die Gesundheit von Frauen beinhaltet ihr emotionales, soziales und körperliches Wohlbefinden und wird durch die sozialen, politischen und wirtschaftlichen Zustände ihres Lebens sowie die Biologie bestimmt. Reproduktive Gesundheit bedeutet das komplette körperliche, geistige und soziale Wohlbefinden sowie sexuelle Gesundheit, mit dem Ziel der Verbesserung des Lebens und der persönlichen Beziehungen. Gleichberechtigte Beziehungen zwischen Frauen und Männern in punkto sexueller Beziehung und Fortpflanzung verlangen wechselseitigen Respekt, Einverständnis und geteilte Verantwortung. Die Realität ist aber oft anders, wie dieses Beispiel von den Philippinen zeigt: Die Hauptursache für den Tod von Frauen im gebärfähigen Alter hängt mit Schwangerschaft und Geburt zusammen. Schwere Blutungen nach der Geburt führen diese Liste an, gefolgt von blutdruckbedingten Schwangerschaftserkrankungen (Präeklampsie und Eklampsie). Chilenische Statistiken aus dem Jahr 1996 zeigen, dass Männer 63% der Wirtschaftsleistung erarbeiten und keine einzige Haushaltsarbeit erledigen, während Frauen 37% der Wirtschaftsleistung und 100% der Haushaltsaufgaben zu erledigen haben. Das Ausmaß dieser unbezahlten Arbeit stützt die Gesellschaft und bildet die strukturelle Basis für weibliche Armut. (Übersetzung) Rosa Bravo
10 182 MENSCHENRECHTE DER FRAU Eine von sechs Schwangerschaften auf den Philippinen wird mit einer illegalen Abtreibung beendet, weil sie entweder ungewollt oder ungeplant ist. Viele der bis illegalen Abtreibungen pro Jahr führen zu Sepsis oder zum Tod. Zumindest 2 Millionen Frauen im gebärfähigen Alter möchten Familienplanung betreiben, aber können dies aus einer Reihe von Gründen wie mangelndem Zugang zu Familienplanungseinrichtungen nicht. 7 Millionen Frauen tragen hohe Schwangerschaftsrisiken, da sie entweder zu jung sind (unter 18 Jahren), bereits vier oder mehr Schwangerschaften hinter sich haben oder mehrfach in kurzer Folge schwanger wurden und damit zusammenhängend erkrankten... und trotz dieser Risiken werden jedes Jahr 2,6 Millionen Frauen schwanger. Die Sterberate unter Müttern beträgt 172 Tote auf Lebendgeburten, und die Säuglingssterblichkeit von 36 Toten auf Geburten gehört zu den höchsten Raten der Welt. (Übersetzung) Quelle: Domini M. Torrevillas Gesundheit Frauen und Gewalt In vielen Gesellschaften werden Frauen und Mädchen Opfer von körperlicher, sexueller und psychischer Gewalt, unabhängig von ihrem Einkommen, ihrem gesellschaftlichen Status und der Kultur, in der sie leben. Frauen fallen Vergewaltigungen, sexueller Misshandlung, sexuellen Schmähungen und Einschüchterungen zum Opfer. Sexuelle Sklaverei, erzwungene Schwangerschaft, erzwungene Prostitution, Sterilisierung und Abtreibung, pränatale Geschlechterselektion und Mord an weiblichen Babys gehören ebenfalls zu den Gewalttaten gegen Frauen. Alle diese Taten verletzen und behindern den Genuss der Menschenrechte und Grundfreiheiten der Frau, oder machen sie zunichte. Deshalb war die im Konsens erfolgte Annahme der Erklärung über die Beseitigung der Gewalt gegen Frauen durch die UNO-Generalversammlung 1993 ein äußerst wichtiges Signal. Außerdem wurde 1994 eine Sonderberichterstatterin zu Gewalt gegen Frauen ernannt. Durchsetzung und Umsetzung Unter Gewalt gegen Frauen sind, ohne darauf beschränkt zu sein, die folgenden Handlungen zu verstehen: a. körperliche, sexuelle und psychische Gewalt in der Familie, einschließlich körperlicher Misshandlungen, des sexuellen Missbrauchs von Mädchen im Haushalt, Gewalttätigkeit im Zusammenhang mit der Mitgift, Vergewaltigung in der Ehe, weibliche Beschneidung und andere für Frauen schädliche Praktiken, Gewalt außerhalb der Ehen und Gewalttätigkeit im Zusammenhang mit Ausbeutung; b. körperliche, sexuelle und psychische Gewalt im Umfeld der Gemeinschaft, einschließlich der Vergewaltigung, sexueller Missbrauch, sexuelle Belästigung und Einschüchterung am Arbeitsplatz, in Bildungseinrichtungen und anderenorts; Frauenhandel und Zwangsprostitution; c. staatliche oder staatlich geduldete körperliche, sexuelle und psychische Gewalt, gleichviel wo sie vorkommt. Art. 2, Erklärung über die Beseitigung von Gewalt gegen Frauen Neben dem internationalen System widmen sich auch einige regionale Organisationen der Prävention und möglichst vollständigen
11 MENSCHENRECHTE DER FRAU Frauen aus Polen, Russland, Italien, Albanien und der Türkei wurden von der Polizei bei einer Razzia in einem deutschen Bordell, in dem sie als Sklavinnen und Prostituierte festgehalten worden waren, befreit. 2 der Frauen waren 7 Monate lang ohne Tageslicht eingesperrt gewesen. Eine kriminelle Gruppe mit 16 Verdächtigen aus der Türkei, Italien und Albanien wurde verhaftet. Die Polizei sucht nach weiteren sechs. Drei Polizeibeamte aus Lüdenscheid werden verdächtigt, mit dem Menschenhändlernetzwerk zusammen gearbeitet zu haben. Die Operation war eine der größten gegen einen organisierten Verbrecherring in Deutschland. Erich Reimann Beseitigung von Gewalt gegen Frauen. So sieht zum Beispiel das Inter-Amerikanische Menschenrechtssystem den Schutz durch das Inter-Amerikanische Übereinkommen über die Prävention, Bestrafung und Beseitigung von Gewalt gegen Frauen von Belém do Pará von 1995 vor. Good Practices Am 16. Mai 2005 verabschiedete der Europarat das Übereinkommen zur Bekämpfung des Menschenhandels mit dem Ziel, Menschenhandel vorzubeugen, Opfer und auch potentielle Opfer zu schützen sowie die TäterInnen zur Rechenschaft zu ziehen. Am 1. Februar 2008 ist das Übereinkommen in Kraft getreten Es bringt wichtige Fortschritte auf dem Gebiet der Opferhilfe wie verpflichtende psychologische Betreuung der vorwiegend weiblichen Opfer des Menschenhandels. Frauen und bewaffneter Konflikt Frauen sind oft unter den ersten Opfern eines Krieges oder eines bewaffneten Konfliktes. In ihrem Aufsatz The Second Front: The Logic of Sexual Violence beschreibt Ruth Seifert, dass in vielen Fällen die militärische Strategie auf Frauen abzielt, um so den Feind zu zerstören. Vergewaltigung, häufig vorkommend in bewaffneten Konflikten, ist ein Verbrechen und kann sogar Völkermord sein, wenn Vergewaltigung mit dem Ziel begangen wurde, eine Gruppe in ihrer Gesamtheit oder einem Teil zu zerstören so das Ad-hoc-Tribunal für Ruanda im Fall Akayesu: Ethnische Säuberungen als Kriegsstrategie und Vergewaltigung als eine der verwendeten Methoden müssen ins Visier genommen werden und dürfen nicht mehr in der Grauzone der Straflosigkeit versinken. Das Statut des Internationalen Strafgerichtshofs von 1998 bringt zum ersten Mal in der Geschichte eine explizite Äußerung zu Verbrechen wie Vergewaltigung, erzwungene Schwangerschaft oder erzwungene Prostitution und sieht ein System vor, das sowohl den Tätern als auch den Opfern Gerechtigkeit bringen soll. Nur selten spielen Frauen eine aktive Rolle bei den Entscheidungen, die zu bewaffneten Konflikten führen, vielmehr versuchen sie die soziale Ordnung inmitten dieser Konflikte aufrecht zu erhalten und mit all ihren Kräften ein relativ normales Leben zu sichern.
12 184 MENSCHENRECHTE DER FRAU Zusätzlich haben Frauen einen unverhältnismäßig großen Anteil an den Folgen eines bewaffneten Konfliktes zu tragen, wie das Internationale Zentrum zur Frauenforschung in seinem Informationsblatt zum postkonfliktuellen Wiederaufbau anführt. Viele Frauen sind als Witwen mit der extrem belastenden Aufgabe konfrontiert, ihre Familien zu erhalten und gleichzeitig mit ihrem eigenen Trauma, ausgelöst durch Gewalt gegen sie selbst, fertig zu werden. All diese Faktoren müssen bei der Planung zukünftiger Friedensmissionen einkalkuliert werden, um Frauen und ihren besonderen Bedürfnissen möglichst große Unterstützung zu kommen zu lassen. Frauen und natürliche Ressourcen Der Ausschnitt von Monocultures, Monopolies, Myths and the Masculinisation of Agriculture von Vandana Shiva zeigt, dass Frauen in Indien eine große Rolle bei der Bewahrung von Wissen über natürliche Ressourcen und Umwelt spielen. Dass Frauen jahrtausendelang Saatgut gesammelt und vermehrt haben, trifft aber nicht nur auf Indien zu, sondern auf die gesamte Welt. Durch Gebrauch und sorgsame Verwaltung natürlicher Ressourcen sorgen Frauen für den Lebensunterhalt ihrer Familien und Gemeinden. Die Zerstörung natürlicher Ressourcen wirkt sich negativ auf die Gesundheit, das Wohlbefinden und die Lebensqualität der Bevölkerung im Allgemeinen, aufgrund der gesellschaftlichen Arbeitsteilung aber besonders auf Frauen aus. Zudem werden ihr Wissen, ihre Fähigkeiten und Erfahrungen von den zumeist männlichen Entscheidungsträgern nicht berücksichtigt. Das Phänomen der Biopiraterie, wodurch westliche Unternehmen den Frauen der Dritten Welt ihr kollektives Wissen und die Innovation von Jahrhunderten stehlen, nimmt epidemische Auswüchse an. Diese Biopiraterie wird nun als Partnerschaft zwischen der Agrarindustrie und den Frauen der Dritten Welt gerechtfertigt. Für uns kann aber Diebstahl nicht Basis einer Partnerschaft sein. (Übersetzung) Vandana Shiva Mädchen In vielen Ländern sind Mädchen von frühester Kindheit an mit Diskriminierung konfrontiert. Wegen schädigender Haltungen und Handlungen wie weiblicher Beschneidung, Bevorzugung von Söhnen, sexueller Ausbeutung und Gesundheitsgefährdung sowie ungleicher Lebensmittelzuteilung erreichen weniger Mädchen als Buben das Erwachsenenalter. In Gesellschaften, die Söhne bevorzugen, ist Kindsmord an Mädchen weit verbreitete Praxis. Durch den Mangel an Schutzgesetzen oder Fehler bei ihrer Umsetzung sind Mädchen gefährdeter, Gewalt, im speziellen sexueller Gewalt, zum Opfer zu fallen. In vielen Regionen der Welt werden Mädchen beim Zugang zu Bildung und Weiterbildung diskriminiert. Ein Beispiel aus einer indischen Zeitung: In einem neuerlichen Fall von Kindsmord in einem Dorf dieses Distriktes wurde ein neugeborenes Mädchen von seinen Eltern und Großeltern durch Gift getötet. Die Eltern und Großeltern wurden verhaftet und eine Anzeige gem. IPC Section 302 (Mord) gegen sie erstattet, wie Bezirkspolizeisuperintendent M.N. Manjunatha den Journalisten am Samstag berichtete. Der Verwaltungsbeamte von Mollahallo
13 MENSCHENRECHTE DER FRAU 185 Pudur reichte eine Beschwerde ein, dass Kavitha ihr drittes Kind zur Welt gebracht hatte, es aber vergiftet worden ist. (Übersetzung) Quelle: India Info, , 2000/12/17/17female.html 3. Interkulturelle Perspektiven und strittige Themen Das Konzept der Universalität ist von zentraler Bedeutung für die Menschenrechte und besonders unverzichtbar für die Menschenrechte der Frau. Kulturelle Vielfalt wird allzu oft als Entschuldigung oder Hindernis bei der Umsetzung der Menschenrechte der Frau herangezogen. Das folgende Dokument wurde während der Wiener Weltkonferenz zu den Menschenrechten 1993 als essentielle Errungenschaft für die Frauen angenommen: Die Aktionsplattform bekräftigt, dass alle Menschenrechte die bürgerlichen, kulturellen, wirtschaftlichen, politischen und sozialen Rechte, einschließlich des Rechts auf Entwicklung gemäß der Erklärung und dem Aktionsprogramm von Wien, die von der Weltkonferenz über Menschenrechte verabschiedet wurden, allgemeingültig und unteilbar sind, einander bedingen und miteinander verknüpft sind. Die Konferenz bekräftigt, dass die Menschenrechte der Frauen und Mädchen ein unveräußerlicher, integraler und unteilbarer Bestandteil der allgemeinen Menschenrechte sind. Der volle und gleichberechtigte Genuss aller Menschenrechte und Grundfreiheiten durch Frauen und Mädchen ist ein vorrangiges Anliegen der Regierungen und der Vereinten Nationen und für die Förderung der Frau von wesentlicher Bedeutung. Wiener Weltkonferenz über Menschenrechte Trotz des weit verbreiteten Konzepts der Universalität sind viele Bereiche des alltäglichen Lebens der Frau Quelle für Kontroversen. In manchen Religionen genießen Frauen nicht dieselbe Behandlung wie Männer. Die Verweigerung von gleichem Zugang zu Bildung und Arbeitsmöglichkeiten sowie der ausdrückliche Ausschluss von politischen Entscheidungen werden als normal betrachtet. In extremen Fällen stellen diese Politiken und Auffassungen eine Gefahr für die persönliche Sicherheit und das Recht auf Leben der Frauen dar wurde eine nigerianische Frau durch ein Scharia-Gericht zum Tod durch Steinigung verurteilt. Nach Amnesty International Australien war das vermutlich begangene Verbrechen die Geburt eines unehelichen Kindes. Das Urteil verursachte großen Aufruhr und stellt die Kompatibilität von manchen kulturellen und religiösen Praktiken mit der Universalität der Menschenrechte in Frage. Eine andere religiöse Praktik, die das tägliche Leben der Frauen beeinflusst, ist die Hindu-Tradition der Sati oder Suttee, wobei die Witwe mit ihrem verstorbenen Ehemann verbrannt wurde. Diese Praxis wurde zwar bereits 1829 von der britischen Regierung verboten, der letzte bekannte Fall stammt jedoch aus dem Jahr Heutzutage wird der politischen Beteiligung von Frauen größere Bedeutung als je zuvor zugemessen, da Frauen ihre eigenen Interes-
14 186 MENSCHENRECHTE DER FRAU sen am besten vertreten können. In den letzten 50 Jahren wurde den Frauen in immer mehr Staaten das aktive und passive Wahlrecht zugestanden. Das sollte hoffentlich zu einer gendersensitiven Politik weltweit führen. Demokratie Seit dem Fall des Kommunismus verdienen Frauen in postkommunistischen Ländern ein Drittel weniger als ihre männlichen Kollegen im selben Job mit denselben Qualifikationen. Innerhalb der Europäischen Union setzt Art. 141 des EG-Vertrages den Grundsatz der gleichen Bezahlung für gleiche Arbeit mit der gleichen Qualifikation fest. In der Realität sind aber noch viele EU-Mitgliedsstaaten weit vom Erreichen dieses Zieles entfernt. Arbeit Auch Gewohnheiten und Traditionen bilden eine Gefahrenquelle für Mädchen. Die weibliche Genitalverstümmelung (Female Genital Mutilation/FGM), wurde bislang an 135 Millionen Frauen und Mädchen weltweit ausgeführt. Weitere zwei Millionen Mädchen sind dem großen Risiko ausgesetzt, verstümmelt zu werden, d.h. täglich sind Mädchen betroffen. Im Wesentlichen wird die weibliche Genitalverstümmelung in Teilen Afrikas und einigen Ländern im Mittleren Osten praktiziert. Migra tionsbewegungen haben sie aber auch nach Asien, in den pazifischen Raum, nach Nord- und Lateinamerika und Europa gebracht. Die Tradition der Kinderheirat führt bei Mädchen auch zu Gesundheitsproblemen. Weit verbreitet in Asien, führt frühe Verheiratung zu früher Schwangerschaft und verursacht damit eine Müttersterblichkeit, die bei Mädchen zwischen 10 und 14 fünf mal so hoch ist wie bei Frauen zwischen 20 und 24, so der Bericht zur Gesundheit von Mädchen des NGO-Komitees zur UNICEF. In dem ebenfalls von diesem Komitee stammenden Bericht zu Mädchen und HIV/Aids wird weiters festgestellt, dass Mädchen ein großes Risiko tragen, entweder durch ihre Mütter oder durch sexuelle Gewalt mit HIV infiziert zu werden. 4. Durchsetzung und Überwachung Die volle Umsetzung der Menschenrechte der Frau braucht spezielle Anstrengungen zur Neuinterpretation vieler Menschenrechtsinstrumente und zur Entwicklung neuer Mechanismen zur Gewährleistung von Geschlechtergleichberechtigung. Die Umsetzung der Menschenrechte der Frau betreffend gibt es verschiedene Ansätze, die nicht nur von Regierungen, sondern auch von der Zivilgesellschaft befolgt werden sollten. Der grundlegende Ansatz ist die Verbreitung des Wissens über Instrumente und Mechanismen zu den Menschenrechten der Frau durch Menschenrechtsbildung im formalen und im informellen Bildungssystem. Frauen können ihre Rechte nur ausüben, wenn sie auch darüber Bescheid wissen. Ein weiterer Schritt ist die Ermutigung der Frauen, ihre Staaten bei der Erfüllung ihrer Verpflichtungen aus den von ihnen ratifizierten Menschenrechtsinstrumenten zu überwachen. Sollten diese Staatenverpflichtungen nicht erfüllt werden, können NGOs einen Parallel- oder Schattenbericht an den betreffenden Ausschuss richten. Frauen sollten auch darin bestärkt werden, Parallelberichte an den CEDAW-Ausschuss und andere Organisationen zu schicken. Schattenberichte erlauben es der Zivilgesellschaft, ihre Regierungen für die Einhaltung der Verpflichtungen und Zugeständnisse auf der internationalen Ebene verantwortlich zu machen. Außerdem tragen sie zur Erhö-
15 MENSCHENRECHTE DER FRAU 187 hung des Bekanntheitsgrades des CEDAW- Berichtssystems bei. In Ländern, die das Fakultativprotokoll zur CEDAW noch nicht ratifiziert haben, sollten Kampagnen für seine rasche Ratifizierung durchgeführt werden. Die Ratifizierung bedeutet, dass diese Länder dadurch die Kompetenz des Ausschusses über die Beseitigung jeder Form von Diskriminierung der Frau für den Erhalt und die Bearbeitung von Individualbeschwerden aus ihren Ländern anerkennen. Der Ausschuss überwacht auch die Einhaltung der Verpflichtungen aus der CEDAW. Ein wichtiger Schritt für die volle Umsetzung der Menschenrechte der Frau ist auch das Training von FrauenanwältInnen im Gebrauch von menschenrechtlichen Instrumenten. Denn noch immer kennen nur wenige Frauen die internationalen Menschenrechtsinstrumente, und noch weniger Frauen wissen um ihre daraus resultierenden Möglichkeiten. Die Wiener Weltkonferenz über Menschenrechte 1993 unterstützte die Einführung eines neuen Mechanismus, der Sonderberichterstatterin zur Gewalt gegen Frauen. Nach Radhika Coomaraswamy aus Sri Lanka bekleidet seit August 2003 Yakin Ertürk aus der Türkei diese Funktion. Als Teil ihrer Aufgaben besucht sie Länder und untersucht dort den Grad der Gewalt gegen Frauen. Sie gibt aber auch Empfehlungen ab, wie Länder ihre Praxis mit internationalen Normen auf dem Gebiet der Menschenrechte in Einklang bringen können. Trotz deutlicher Verbesserungen auf dem Gebiet der Menschenrechte der Frau in den letzten 30 Jahren brachte der Aufstieg von ultrakonservativem und fundamentalistischem Gedankengut in vielen Gesellschaften einen enormen Rückschritt für die Menschenrechte der Frau mit sich. Das betont aber nur die enorme Bedeutung einer konstanten Forderung nach der vollen Umsetzung der Menschenrechte, koste es was es wolle. Die Beteiligung von Frauen an der Politik kann nicht länger als Gefallen durch die noch immer weitgehend männerdominierten Institutionen gesehen werden, sondern als Verantwortung und Verpflichtung, eine demokratischere und egalitärere Welt zu schaffen. (Übersetzung) Bengt Save-Soderberg, Generalsekretär von IDEA International.
16 188 MENSCHENRECHTE DER FRAU Was man wissen sollte 1. Good Practices In den letzten Jahren widmeten sich Regierungen und NGOs dem schwierigen Prozess der Ausarbeitung von rechtlich verbindlichen Normen zur Sicherung der Menschenrechte der Frau und Projekten, die von praktischer Bedeutung für die darin niedergeschriebenen Standards und Zielsetzungen sind. Die neue gendersensitive Auslegung internationaler Menschenrechtsinstrumente hat bereits begonnen, wie das Beispiel der Annahme des General Comments Nr. 28 des UNO- Menschenrechtsausschusses vom März 2000 zeigt. Unter Anwendung des Art. 3 des ICCPR über das gleiche Recht von Mann und Frau zur Ausübung all ihrer bürgerlichen und politischen Rechte überprüfte der Ausschuss alle Artikel des Paktes. CLADEM, der Lateinamerikanische und Karibische Ausschuss für die Verteidigung der Frauenrechte, setzte 1992 eine Kampagne zur Erarbeitung einer Allgemeinen Menschenrechtserklärung mit einer Genderperspektive in Gang, an der Organisationen aus der ganzen Welt beteiligt waren. Diese wird nun als Schattenerklärung für Lehrzwecke genutzt. Das Ziel ist es, Frauen nicht nur Menschenrechte zu lehren, sondern auch in diesen Rahmen ihre eigenen Erfahrungen, Bedürfnisse und Wünsche, in ihrer eigenen Sprache, mit einfließen zu lassen. Die Annahme des Inter-Amerikanischen Übereinkommens über die Prävention, Bestrafung und Beseitigung von Gewalt gegen Frauen in Belém do Pará von 1995 stellt einen der bedeutendsten Meilensteine in der Geschichte der Menschenrechte der Frau dar. In einem fünfjährigen Prozess wurde diese vom Interamerikanischen Frauenkomitee vorbereitet. Das Übereinkommen bietet einen politischen und rechtlichen Rahmen für eine schlüssige Strategie zur Bekämpfung des Gewaltproblems, indem es alle Mitgliedsstaaten verpflichtet, offizielle Strategien zur Gewaltprävention und Opferhilfe zu ergreifen. Fast alle Länder der Region haben das Übereinkommen bereits ratifiziert. Im Rahmen der Afrikanischen Charta der Rechte des Menschen und der Völker wurde zur Sicherung einer gendersensitiven Leseart der Charta ein Zusatzprotokoll zu den Rechten der Frauen in Afrika erarbeitet. Es wurde am 11. Juli 2003 von der Afrikanischen Union angenommen, trat am 25. November 2005 in Kraft und wurde bis 1. Juli 2008 von insgesamt 23 Staaten ratifiziert. Die NGO People s Movement for Human Rights Learning (PDHRE) trug mit ihrem Buch Passport to Dignity und dem dazugehörigen Video Women hold up the Sky Frauen tragen den Himmel zur Förderung der Menschenrechte der Frau bei. Der Passport enthält eine weltweite Untersuchung der zwölf Bereiche von Peking und vergleicht rechtliche Verpflichtungen mit der Realität in vielen Ländern, einerseits durch ExpertInnenberichte und andererseits durch Erfahrungsberichte aus erster Hand. Ein weiteres Handbuch, Between their Stories and our Realities, wurde 1999 vom Wiener Institut für Entwicklung und Zusammenarbeit und der Abteilung für Entwicklungszusammenarbeit im österreichischen Ministerium für Auswärtige Angelegenheiten anlässlich des 20. Jubiläums
17 MENSCHENRECHTE DER FRAU 189 der CEDAW und als Teil der Serie Women hold up the Sky produziert. Diese Beiträge stellen wichtige Unterlagen für das Training von Aktivistinnen für die Menschenrechte der Frau dar. Die deutsche NGO Terre des Femmes organisierte 2002 eine Kampagne gegen Menschenhandel von Frauen und unterstützte das Malinowka-Projekt in Minsk, Weißrussland, das Frauen informiert und vor der Gefahr, dem Menschenhandel in die Prostitution und sexuelle Misshandlung zum Opfer zu fallen, warnt. Öffentliche Aufmerksamkeit erreichte die Medienkampagne gegen Zwangsprostitution rund um die Fußballweltmeisterschaft Die Jahreskampagne 2007 stand unter dem Motto Gewalt gegen Frauen ist Alltag. Quelle: 2. Trends Im letzten Jahrzehnt wurden Frauen-NGOs zu einer Vielzahl von menschenrechtlichen und humanitären Themen aktiv nahm eine Gruppe von Frauen an der Rom-Konferenz zur Erarbeitung eines Statuts für den Internationalen Strafgerichtshof teil, um sicherzustellen, dass die Angelegenheiten der Frauen ernsthaft in Betracht gezogen und in das Statut aufgenommen würden. Schnell wurde diesen Frauen aber klar, dass Frauenanliegen ohne einen organisierten Ausschuss nicht verteidigt und gefördert werden konnten. Das Römische Statut, das am 1. Juli 2002 in Kraft trat, zeigt aber, dass sie dennoch erfolgreich waren. Mit dem Statut des Internationalen Strafgerichtshofes erreichte humanitäres Völkerrecht einen neuen Meilenstein. Die Entwicklungen auf dem Gebiet des ehemaligen Jugoslawien und in Ruanda bezüglich des Schutzes von Frauen zeigten die Notwendigkeit eines Internationalen Strafgerichtshofes. Mit 1. Juli 2008 haben es 107 Staaten ratifiziert, und insgesamt 139 Staaten haben das Statut unterschrieben. Im Römischen Statut werden bestimmte Verbrechen, die zumeist gegen Frauen begangen werden, zum ersten Mal ausdrücklich unter Strafe gestellt. So stellt Art. 7 (1) fest, dass Vergewaltigung, sexuelle Sklaverei, Nötigung zur Prostitution, erzwungene Schwangerschaft, Zwangssterilisation und alle anderen Formen sexueller Gewalt ähnlichen Ausmaßes Verbrechen gegen die Menschlichkeit sind. Außerdem kommt Opfern und ZeugInnen spezielle Aufmerksamkeit zu, da ihre An diesem Punkt möchte ich den Frauen des Ausschusses für Geschlechtergerechtigkeit Tribut zollen, die Erfahrungen von Frauen in Kriegszeiten eingebracht, Strategien zur Behandlung von Verletzungen identifiziert, intensive Opposition von vielen VertreterInnen bei den Verhandlungen zum Internationalen Strafgerichtshof überwunden und es geschafft haben, dass Vergewaltigung, sexuelle Sklaverei, erzwungene Schwangerschaft und andere Formen sexueller und auf Gender basierender Gewalt im Statut des ICC enthalten sind. (Übersetzung) Mary Robinson, ehemalige UNO-Menschenrechtshochkommissarin.
18 190 MENSCHENRECHTE DER FRAU Sicherheit, ihr körperliches und seelisches Wohlbefinden, ihre Würde und ihre Privatsphäre gesichert sein müssen. Die Möglichkeiten des nichtöffentlichen Verfahrens sowie die Aussage über Videolink sind ebenfalls vorgesehen. All diese Vorkehrungen wurden auch durch die Erfahrungen der beiden Ad-hoc-Tribunale für das ehemalige Jugoslawien und Ruanda beeinflusst. Quelle: http//:www.iccnow.org Auch auf nationaler Ebene waren Frauenbewegungen bei der Durchsetzung ihrer Forderungen erfolgreich. In Uganda konnten weibliche Parlamentarierinnen eine Landreform durchsetzen, die Frauen das Recht gab, ihre verstorbenen Ehemänner zu beerben. Frauen können sich so auch nach dem Tod ihrer Ehemänner selbst ihren Unterhalt sichern. Nach diesem Erfolg wurden nun neue Unternehmungen in Angriff genommen, wie zum Beispiel ein Gesetz, das häusliche Gewalt und Polygamie unter Strafe stellt. Quelle: 98/17_03_046.html Die meisten dokumentierten Fälle passierten zwischen Herbst 1991 und Ende 1993, mit einer Konzentration von Fällen zwischen April und November Obwohl von Vergewaltigungen moslemischer, kroatischer und serbischer Frauen berichtet wurde, betraf die Mehrheit der Fälle die Vergewaltigungen von moslemischen Bosnierinnen durch serbische Männer. Die Täter waren Soldaten, Paramilitärs, lokale Polizisten und Zivilisten. Die Anzahl der Vergewaltigungen ist umstritten. Eine Delegation der Europäischen Gemeinschaft nannte die Zahl ; das bosnische Innenministerium berichtete von ; die Expertenkommission lehnt es ab, über eine Zahl zu spekulieren. (Übersetzung) Catherine N. Niarchos Zeittafel 1791 Erklärung der Rechte der Frau und Bürgerin von Olympe de Gouges 1888 Einrichtung des International Council of Women (ICW) 1921 Internationale Übereinkunft zur Bekämpfung des Frauen- und Kinderhandels mit Zusatzprotokoll 1933 Internationales Übereinkommen zur Unterdrückung des Handels mit volljährigen Frauen 1950 Konvention zur Unterdrückung von Menschenhandel und Ausbeutung von Prostituierten 1953 Übereinkommen über die politischen Rechte der Frauen 1957 Übereinkommen über die Staatsangehörigkeit verheirateter Frauen 1962 Übereinkommen über die Erklärung des Ehewillens, das Heiratsmindestalter und die Registrierung von Eheschließungen 1967 Erklärung über die Beseitigung jeder Form von Diskriminierung der Frauen 1975 Erste Weltfrauenkonferenz in Mexiko-Stadt 1976 Start der UNO-Dekade zu den Frauen: Gleichberechtigung, Entwicklung und Friede 1979 Übereinkommen über die Beseitigung jeder Form der Diskriminierung der Frauen (CEDAW)
19 MENSCHENRECHTE DER FRAU Zweite Weltfrauenkonferenz in Kopenhagen 1985 Dritte Weltfrauenkonferenz in Nairobi 1985 Annahme der Nairobi Forward- Looking-Strategies 1993 Wiener Weltkonferenz zu den Menschenrechten 1993 Erklärung über die Beseitigung der Gewalt gegen Frauen 1995 Vierte Weltfrauenkonferenz in Peking 1995 Interamerikanisches Übereinkommen über die Prävention, Bestrafung und Beseitigung von Gewalt gegen Frauen von Belém do Pará 1998 Römisches Statut des Internationalen Strafgerichtshofes 1999 Fakultativprotokoll zur CEDAW Sondersitzung der UNO-Generalversammlung zu Frauen 2000: Geschlechtergleichberechtigung, Entwicklung und Friede für das 21. Jahrhundert 2003 Zusatzprotokoll zu den Rechten der Frauen in Afrika 2005 Peking+10: Revision und Bestandsaufnahme der Ergebnisse der Pekinger Weltfrauenkonferenz von 1995 und der 23. Sondersitzung der Generalversammlung von 2000 Ausgewählte Übungen Übung I: Die CEDAW für Normalsterbliche Teil I: Einleitung Ziel dieser Übung ist es, ein besseres Verständnis der CEDAW zu bewirken insbesondere bei NichtjuristInnen, die mit juristischer Terminologie nicht vertraut sind. Teil II: Allgemeine Information Art der Übung: Diskussion Ziele: Bewusstsein für die Rechte von Frauen wecken, sich mit juristischer Terminologie vertraut machen, verschiedene Gesichtspunkte zu Frauenrechten Herausarbeiten, juristische Instrumente für die Arbeit mit Frauenrechten diskutieren Zielgruppe: Jugendliche und Erwachsene Gruppengröße/Sozialform: 20-25; Arbeit in Kleingruppen und Plenardiskussion Zeit: ca. 60 Minuten Materialien: Kopien der CEDAW, Papier, Stifte Fertigkeiten: Juristische Terminologie lesen und beschreiben, Kommunizieren, Kooperation, Bewerten verschiedener Gesichtspunkte. Teil III: Spezifische Information Beschreibung der Übung/Anleitung: Nach einer Einführung in die CEDAW teilt die/der TrainerIn die TeilnehmerInnen in Kleingruppen zu jeweils vier oder fünf Personen ein. Jede Gruppe erhält einen Teil der CEDAW mit der Aufgabe, diesen ins Nichtjuristische, also in die Alltagssprache, zu übersetzen. Es kön-
20 192 MENSCHENRECHTE DER FRAU nen auch alle Gruppen den oder die gleichen Artikel bekommen, was die Diskussion um Details spannender macht, weil unterschiedliche Auffassungen bestimmter Formulierungen auftreten können. Das Resultat der Übersetzungen wird in der Großgruppe präsentiert und diskutiert. Danach sollten die TeilnehmerInnen die Situation in ihrem eigenen Land betrachten. Eine Diskussion zumindest einiger der folgenden Fragen könnte bei der Beurteilung möglicher Veränderungen hilfreich sein: Trennt Ihre Gesellschaft Frauenrechte von Menschenrechten? Wie wird diese Unterscheidung vorgenommen: Durch das Gesetz? Durch Gewohnheit? Ist diese Trennung offen? Ist sie eine Lebenswirklichkeit, über die man nicht spricht? Betrifft sie alle Frauen? Wenn nicht, welche Frauen sind am meisten betroffen? Beschreiben Sie Beispiele von Geschlechtertrennung. Wie reagieren Frauen auf diese Trennung? Gibt es Menschenrechte, in deren Genuss Männer selbstverständlich kommen, während sich Frauen besonders anstrengen müssen, um sie zu erlangen? Gibt es Lebensbereiche, in denen von Frauen erwartet wird, nur durch die Vermittlung von Männern zu agieren? Welche Hindernisse gibt es für die Autonomie von Frauen? Was sagt die Verfassung Ihres Landes über Frauenrechte? Gibt es Unterschiede zwischen Realität und Verfassung? Wissen Sie von einer aktuellen Klage betreffend die Menschenrechte von Frauen? Was ist der Gegenstand? Welche Rechte sind betroffen? Kennen JuristInnen im Allgemeinen die CEDAW und andere rechtliche Instrumente, die sich mit Frauenrechten befassen? Praktische Hinweise: Die Arbeit in Kleingruppen von vier oder fünf Personen ermöglicht intensivere Diskussionen und gibt darüber hinaus auch stillen oder schüchternen TeilnehmerInnen die Möglichkeit, sich zu beteiligen. Die Resultate der Gruppenarbeit sollten allerdings immer in der Großgruppe präsentiert und diskutiert werden, um den gleichen Informationsstand für alle TeilnehmerInnen sicherzustellen. Variationsvorschläge: Die Übung kann, je nach Interessenslage der TeilnehmerInnen und Thema des Seminars, mit jedem Rechtsdokument durchgeführt werden. Teil IV: Follow-up Eine passende Follow-up-Aktivität könnte das Organisieren einer Frauenrechtskampagne sein. Verwandte Rechte und Themen: Menschenrechte im Allgemeinen, Minderheitenrechte Übung II: Körpersprache von Frauen und Männern Teil I: Einleitung Was du sagst, ist 10% der Botschaft wie du es sagst 90%. Die meisten Menschen sind sich kaum dessen bewusst, wie sehr Körpersprache Erscheinung und Kommunikation beeinflusst, noch weniger bekannt ist die Tatsache, dass Frauen und Männer nicht nur mit Worten, sondern auch in Bewegungen und Gesten unterschiedlich agieren. Teil II: Allgemeine Information Art der Übung: Selbsterfahrung Ziele: Sensibilisierung für Formen der Kommunikation, Förderung von Empathie, Verstehen von Geschlechtsrollen Zielgruppe: Jugendliche und Erwachsene; Mädchen und Burschen ab 12