Source: https://offenegesetze.de/veroeffentlichung/bgbl1/1953/63
Timestamp: 2019-05-19 08:45:58
Document Index: 128663424

Matched Legal Cases: ['§ 1', '§ 6', '§ 2', '§ 3', '§ 4', '§ 17', '§ 41', '§ 2', '§ 3', '§ 4', '§ 47', '§ 73', '§ 3', '§ 79', '§ 4', '§ 83', '§ 12', '§ 110', '§ 112', '§ 121', '§ 124', '§ 19', '§ 20', '§ 21', '§ 1', '§ 2', '§ 3', '§ 2', '§ 4', '§ 1', '§ 5', '§ 1', '§ 6', '§ 7', '§ 8', '§ 2', '§ 8', '§ 7', '§ 9', '§ 10', '§ 11', '§ 12', '§ 9', '§ 13', '§ 11', '§ 14', '§ 11', '§ 13', '§ 11', '§ 13', '§ 11', '§ 15', '§ 1', '§ 14', '§ 9', '§ 4', '§ 7', '§ 16', '§ 21', '§ 17', '§ 18', '§ 18', '§ 20', '§ 84', '§ 22', '§ 23', '§ 24', '§ 25', '§ 26', '§ 27', '§ 28', '§ 1415', '§ 30', '§ 31', '§ 30', '§ 33', '§ 35', '§ 31', '§ 36', '§ 37', '§ 38', '§ 39', '§ 40', '§ 41', '§ 42', '§ 43', '§ 34', '§ 45', '§ 37', '§ 46', '§ 1', '§ 44', '§ 47', '§ 48', '§ 50', '§ 49', '§ 51', '§ 47', '§ 49', '§ 52', '§ 54', '§ 55', '§ 49', '§ 57', '§ 58', '§ 59', '§ 57', '§ 2', '§ 49', '§ 49', '§ 60', '§ 61', '§ 62', '§ 49', '§ 49', '§ 49', '§ 49', '§ 63', '§ 64', '§ 65', '§ 1421', '§ 41', '§ 67', '§ 68', '§ 70', '§ 71', '§ 13', '§ 74', '§ 50', '§ 75', '§ 76', '§ 77', '§ 50', '§ 54', '§ 56', '§ 39', '§ 41', '§ 73', '§ 78', '§ 74', '§ 81', '§ 82', '§ 48', '§ 50', '§ 50', '§ 51', '§ 54', '§ 55', '§ 55', '§ 56', '§ 58', '§ 67', '§ 47', '§ 79', '§ 80', '§ 83', '§ 84', '§ 6', '§ 21', '§ 38', '§ 33', '§ 45', '§ 86', '§ 87', '§ 60', '§ 88', '§ 89', '§ 6', '§ 90', '§ 91', '§ 89', '§ 92', '§ 94', '§ 89', '§ 92', '§ 95', '§ 96', '§ 93', '§ 97', '§ 98', '§ 99', '§ 100', '§ 86', '§ 86', '§ 84', '§ 84', '§ 84', '§ 87', '§ 98', '§ 101', '§ 102', '§ 104', '§ 86', '§ 101', '§ 105', '§ 109', '§ 106', '§ 107', '§ 107', '§ 110', '§ 17', '§ 46', '§ 111', '§ 1', '§ 15', '§ 16', '§ 26', '§ 29', '§ 21', '§ 21', '§ 21', '§ 112', '§ 113', '§ 6', '§ 114', '§ 9', '§ 116', '§ 30', '§ 130', '§ 117', '§ 41', '§ 133', '§ 1427', '§ 118', '§ 33', '§ 38', '§ 119', '§ 44', '§ 44', '§ 120', '§ 121', '§ 122', '§ 103', '§ 148', '§ 129', '§ 148', '§ 4', '§ 3', '§ 3', '§ 5', '§ 123', '§ 30', '§ 81', '§ 148', '§ 128', '§ 148', '§ 150', '§ 4', '§ 3', '§ 1', '§ 124', '§ 49', '§ 13', '§ 14', '§ 125', '§ 89', '§ 91', '§ 2', '§ 89', '§ 91', '§ 6', '§ 3', '§ 4', '§ 5', '§ 3', '§ 6', '§ 8', '§ 9', '§ 10', '§ 90', '§ 92', '§ 12', '§ 8', '§ 91', '§ 11', '§ 2', '§ 12', '§ 13', '§ 14', '§ 15', '§ 16', '§ 17', '§ 109', '§ 18', '§ 20', '§ 21', '§ 18', '§ 22', '§ 13', '§ 13']

BGBl. Teil 1: Nr. 63 (1953) - OffeneGesetze.de – Freier Zugang zu unseren Gesetzen
BGBl. Teil 1: Nr. 63 (1953)
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Gesetz zur Ordnung des Handwerks (Handwerksordnung) (Seite 1)
1411 Bundesgesetzblatt Teil I 1953 Ausgegeben zu Bonn am 23. September 1953 Nr. 63 Tag lnhal t: Seite 17. 9. 53 Gesetz zur Ordnung des Handwerks (Handwerksordnung).............................. 1411 Gesetz zur Ordnung des Handwerks (Handwerksordnung). Vom 17. September 1953. Inhaltsübersicht I. TEIL: Ausübung eines Handwerks 1. Abschnitt: Berechtigung zum selbstän- ANLAGE A: Verzeichnis der Gewerbe, die als Handwerk betrieben wer- den können digen Betrieb eines Hand- werks ................... §§ 1- 5 L 2. Abschnitt: Handwerksrolle . . . . . . . . . . §§ 6- 16 2. Gruppe: Metallgewerbe . . . . . . . . . . . . . Nr. 14-38 3. Gruppe: Holzgewerbe . . . . . . . . . . . . . . Nr. 39-48 4. Gruppe: Bekleidungs-, Textil- und Le- dergewerbe . . . . . . . . . . . . . . . . Nr. 49-62 II. TEIL: Berufsausbildung in Betrieben selb- ständiger Handwerker (Handwerksbetriebe) 1. Abschnitt: Berechtigung zum Halten und Anleiten von Lehrlin- gen ...... ; . . . . . . . . . . . . . . §§ 2. Abschnitt: Lehrverhältnis . . . . . . . . . . . §§ 3. Abschnitt: Lehrzeitdauer ............ §§ 4. Abschnitt: Gesellenprüfung ......... §§ 17- 20 21- 29 30, 31 32- 40 III. TEIL: Meisterprüfung, Meistertitel 1. Abschnitt: Meisterprüfung .......•.. §§ 41- 45 2. Abschnitt: Meistertitel . . . . . . . . . . . . . . 46 § Gruppe: Bau- und Ausbaugewerbe . . . Nr. 1-13 5. Gruppe: Nahrungsmittelgewerbe . . . . Nr. 63-68 6. Gruppe: Gewerbe für Gesundheits- und Körperpfleg~ sowie chemische und Reinigungsge- werbe . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Nr. 69-78 7. Gruppe: Glas-, Papier-, keramische und sonstige Gewerbe . . . . . . . . . . Nr. 79-93 ANLAGE B: Wahlordnung für die Wahlen der Mitglieder der HandwerksQ kammern 1. Abschnitt: Zeitpunkt der Wahl, Wahl- leiter und Wahlausschuß .. §§ 2. Abschnitt: Wahlbezirk ............ . § 3 3. Abschnitt: Stimmbezirke .......... . § 4 1, 2 IV. TEIL: Organisation des Handwerks 1. Abschnitt: Handwerksinnungen ..... §§ 47- 72 2. Abschnitt: Innungsverbände .. ; . . . . . . §§ 73- 78 4. Abschnitt: Abstimmungsvorstand ... . §§ 3. Abschnitt: Kreishandwerkerschaften §§ 79- 82 5. Abschnitt: Wahlvorschläge ......... . §§ 4. Abschnitt: Handwerkskammern ..... §§ 83-109 6. Abschnitt: Wahl ................... . §§ 12-18 V. TEIL: Straf-, Ubergangs- bestimmungen und Scbluß- 1. Abschnitt: Strafbestimmungen ....... §§ 110, 111 2. Abschnitt: Ubergangsbestimmungen §§ 112-120 3. Abschnitt: Schlußbestimmungen ..... §§ 121-123 4. Abschnitt: Berlin-Klausel und Inkraft- treten ................... §§ 124, 125 5, 6 7-11 7. Abschnitt: Engere Wahl ............ . § 19 8. Abschnitt: Wegfall der Wahlhandlung § 20 9. Abschnitt: Beschwerdeverfahren, Kosten ................. . Anlage zur Wahlordnung: Muster des Wahlausweises für Wahl- männer §§ 21, 22
1412 Bundesgesetzblatt, Jahrgang 1953, Teil I Der Bundestag hat mit Zustimmung des Bundes- rates das folgende Gesetz beschlossen: ERSTER TEIL Ausübung eines Handwerks ERSTER ABSCHNITT Berechtigung zum selbständigen Betrieb eines Handwerks § 1 (1) Der selbständige Betrieb eines Handwerks als stehendes Gewerbe ist nur den in der Handwerks- rolle eingetragenen natürlichen und juristischen Personen (selbständige Handwerker) gestattet. (2) Ein Gewerbebetrieb ist Handwerksbetrieb im Sinne dieses Gesetzes, wenn er handwerksmäßig be- trieben wird und zu einem Gewerbe gehört, das in der Anlage A zu diesem Gesetz aufgeführt ist. § 2 Die Vorschriften dieses Gesetzes für selbständige Handwerker gelten auch 1. für gewerbliche Betriebe des Bundes, der Län- der, der Gemeinden und der sonstigen juristi- schen Personen des öffentlichen Rechtes, in denen Waren zum Absatz an Dritte handwerks- mäßig hergestellt oder Leistungen für Dritte handwerksmäßig bewirkt werden, 2. für handwerkliche Nebenbetriebe, die mit einem Versorgungs- oder sonstigen Betrieb der in Nummer 1 bezeichneten öffentlich-recht- lichen Stellen verbunden sind, 3. für handwerkliche Nebenbetriebe, die mit einem Unternehmen der Industrie, des Handels, der Landwirtschaft oder sonstiger Wirtschafts- und Berufszweige verbunden sind. § 3 (1) Ein handwerklicher Nebenbetrieb im Sinne des § 2 Nr. 2 und 3 liegt vor, wenn in ihm Waren zum Absatz an Dritte handwerksmäßig hergestellt oder Leistungen für Dritte handwerksmäßig bewirkt wer- den, es sei denn, daß eine solche Tätigkeit nur in unerheblichem Umfange ausgeübt wird, oder daß es sich um einen Hilfsbetrieb handelt. (2) Eine Tätigkeit im Sinne des Absatzes 1 ist un- erheblich, wenn sie den durchschnittlichen Umsatz und die durchschnittliche Arbeitszeit eines ohne Hilfskräfte arbeitenden Betriebes des betreffenden Handwerkszweiges nicht übersteigt. (3) Hilfsbetriebe im Sinne des Absatzes 1 sind un- selbständige, der wirtschaftlichen Zweckbestimmung des Hauptbetriebes dienende Handwerksbetriebe, wenn sie 1. Arbeiten für den Hauptbetrieb oder für an- dere dem Inhaber des Hauptbetriebes ganz oder überwiegend gehörende Betriebe aus- führen oder 2. Leistungen an Dritte bewirken, die a) als handwerkliche Arbeiten untergeord- neter Art zur gebrauchsfertigen Uber- lassung üblich sind oder b) in unentgeltlichen Pflege-, Instandhal- tungs- oder Instandsetzungsarbeiten be- stehen oder c) in entgeltlichen Pflege-, Instandhaltungs- oder Instandsetzungsarbeiten an solchen Gegenständen bestehen, die in dem Hauptbetrieb selbst erzeugt worden sind, sofern die 'Obernahme dieser Arbei- ten bei der Lieferung vereinbart worden ist, oder d) auf einer vertraglichen oder gesetzlichen Gewährleistungspflicht beruhen. § 4 (1) Nach dem Tode eines selbständigen Handwer- kers darf der Ehegatte den Betrieb fortführen. (2) Das gleiche gilt für minderjährige Erben wäh- rend der Minderjährigkeit sowie für den Nachlaß- verwalter, Nachlaßpfleger oder Testamentsvoll- strecker während einer Nachlaßverwaltung, Nach- laßpflegschaft oder Testamentsvollstreckung. (3) Nach Ablauf eines Jahres seit dem Tode des selbständigen Handwerkers ist die Fortführung des Betriebes gemäß den Absätzen 1 und 2 nur gestattet, wenn er von einem Handwerker geleitet wird, der den Vorau~setzungen des § 1 Abs. 1 oder 2 genügt. § 5 Wer ein Handwerk nach§ 1 betreibt, kann hierbei auch die mit diesem Handwerk technisch oder fach- lich zusammenhängenden Arbeiten in anderen Hand- werken ausführen. ZWEITER ABSCHNITT Handwerksrolle § 6 (1) Die Handwerkskammer hat ein Verzeichnis zu führen, in welches die selbständigen Handwerker ihres Bezirks mit dem von ihnen betriebenen Hand- werk oder bei Ausübung mehrerer Handwerke mit diesen Handwerken einzutragen sind (Handwerks- rolle). (2) Die Einsicht in die Handwerksrolle ist jedem gestattet, der ein berechtigtes Interesse nachweist. (3) Der Bundesminister für Wirtschaft bestimmt durch Rechtsverordnung, wie die Handwerksrolle einzurichten ist. § 7 (1) In die Handwerksrolle wird eingetragen, wer in dem von ihm zu betreibenden Handwerk die Mei- sterprüfung bestanden hat. (2) In die Handwerksrolle wird in Ausnahmefäl- len ferner eingetragen, wer, ohne den Voraussetzun- gen des Absatzes 1 zu entsprechen, die zur selbstän-
Nr. 63 - Tag der Ausgabe: Bonn, den 23. September 1953 digen Ausübung des von ihm zu betreibenden Hand- werks als stehendes Gewerbe notwendigen Kennt- nisse und Fertigkeiten nachweist und hierüber eine Ausnahmebewilligung gemäß § 8 besitzt. (3) Eine juristische Person wird in die Handwerks- rolle eingetragen,· wenn der Betriebsleiter den Vor- aussetzungen der Absätze 1 oder 2 genügt. (4) Der Inhaber eines handwerklichen Nebenbe- triebes (§ 2 Nr. 2 und 3) wird in die Handwerksrolle eingetragen, wenn der Leiter des Nebenbetriebes den Voraussetzungen der Absätze 1 oder 2 gei:-ügt. § 8 (1) Die in§ 7 Abs. 2 vorgesehene Ausnahmebewil- ligung wird auf Antrag des Gewerbetreibenden von der höheren Verwaltungsbehörde erteilt; die Hand- werkskammer und die Berufsvereinigung, welcher der Antragsteller angehört oder die er benennt, sind zu hören. (2) Die Ausnahmebewilligung kann auch bedingt oder befristet erteilt werden. (3) Gegen die Entscheidung steht neben dem An- tragsteller auch der Handwerkskammer der Ver- waltungsrechtsweg offen; als beteiligt gelten die Handwerkskammer und die in Absatz 1 erwähnte Berufsvereinigung. § 9 (1) Die Eintragung in die Handwerksrolle erfolgt auf Antrag oder von Amts wegen. (2) Dber die Eintragung in-der Handwerksrolle hat die Handwerkskammer eine Bescheinigung auszu- stellen (Handwerkskarte). Der Bundesminister für Wirtschaft bestimmt den Wortlaut der Handwerks- karte und die Höhe der für ihre Ausstellung an die Handwerkskammer zu entrichtenden Verwaltungs- gebühr. (3) Wird der selbständige Handwerker in der Handwerksrolle gelöscht, so ist die Handwerkskarte zurückzugeben. § 10 Die Handwerkskammer hat dem Gewerbetreiben- den die beabsichtigte Eintragung in die Handwerks- rolle gegen Empfangsbescheinigung mitzuteilen; in gleicher Weise hat sie dies der Industrie- und Han- delskammer mitzuteilen, wenn der Gewerbetrei- bende in dem Handelsregister eingetragen ist oder wenn er, ohne in diesem eingetragen zu sein, der Industrie- und Handelskammer angehört. § 11 Gegen die Entscheidung über die Eintragung in qie Handwerksrolle steht dem Gewerbetreibenden der Verwaltungsrechtsweg offen, ebenso der Industrie- und Handelskammer, wenn der Gewerbetreibende in dem Handelsregister eingetragen ist oder wenn er, ohne in diesem eingetragen zu sein, der Industrie- und Handelskammer angehört. § 12 Auf die Löschung in der Handwerksrolle finden die §§ 9 bis 11 entsprechende Anwendung. 1413 § 13 Ein selbständiger Handwerker, der in der Hand- werksrolle eingetragen ist, ohne daß ein Verfahren nach § 11 durchgeführt worden ist, kann eine Löschung aus dem Grunde, daß der Betrieb kein Handwerksbetrieb sei, erst nach Ablauf eines Jahres seit der Eintragung und nur dann beantragen, wenn eine wesentliche Veränderung in den für die Ein- tragung maßgeblichen Verhältnissen eingetreten ist. Ist der selbständige Handwerker in dem Handels• register eingetragen oder in dieses einzutragen oder betreibt er den Gewerbebetrieb nicht mehr hand werksmäßig, so kann auch die Industrie- und Han- delskammer nach Ablauf eines Jahres seit der Ein- tragung die Löschung in der Handwerksrolle be- antragen. § 14 (1) Ist in einem Verfahren nach § 11 unanfechtbar über die Eintragung in die Handwerksrolle entschie- den worden, so kann der Gewerbetreibende bei der Handwerkskammer eine Löschung aus dem Grunde, daß der Betrieb kein Handwerksbetrieb sei, erst nach Ablauf eines Jahres seit der Rechtskraft und nur dann beantragen, wenn seit der Entscheidung eine wesentliche Veränderung in den betrieblichen Ver- hältnissen eingetreten ist. § 13 Satz 2 findet ent- sprechende Anwendung. (2) Ist in einem Verfahren nach § 11 unanfechtbar die Eintragung abgelehnt worden, so gilt das gleidie, wenn eine Eintragung des Gewerbetreibenden in die· Handwerksrolle erfolgen soll, weil der Betrieb nun- mehr ein handwerksmäßiger sei. (3) Lehnt die Handwerkskammer im Falle der §§ 13 und 14 Abs. 1 den Antrag auf Löschung ab, so findet § 11 entsprechende Anwendung. § 15 (1) Wer den Betri'1b eines Handw_erks nach § 1 anfängt, hat gleichzeitig mit der nach § 14 der Ge- werbeordnung zu erstattenden Anzeige der hiernach zuständigen Behörde die über die Eintragung in der Handwerksrolle ausgestellte Handwerkskarte (§ 9 Abs. 2) vorzulegen. (2) Der selbständige Handwerker hat ferner der Handwerkskammer, in deren Bezirk seine gewerb- liche Niederlassung liegt, unverzüglich den Beginn und die Beendigung seines Betriebes und in den Fäl- len des § 4 Abs. 3 und des § 7 Abs. 3 und 4 die Be- stellung und Abberufung des Betriebsleiters anzu- zeigen; bei juristischen Personen sind auch die Namen der gesetzlichen Vertreter anzuzeigen. § 16 Die in der Handwerksrolle eingetragenen oder in diese einzutragenden Gewerbetreibenden sind ver- pflichtet, der Handwerkskammer die für die Eintra- gung in die Handwerksrolle erforderliche Auskunft über Art und Umfang ihres Betriebes, über die Zahl der im Betrieb beschäftigten gelernten und ungelern- ten Personen und über handwerkliche Prüfungen des Betriebsinhabers und des Betriebsleiters zu geben.
1414 Bundesgesetzblatt, Jahrgang 1953, Teil I ZWEITER TEIL (3) Nach Ablauf eines Jahres kann sie die nach Berufsausbildung in Betrieben selbständiger Handwerker (Handwerksbetriebe) Absatz 1 oder 2 entzogene Befugnis wieder ein- räumen. ERSTER ABSCHNITT Lehrverhältnis Berechtigung zum Halten und Anleiten von Lehrlingen § 21 § 17 Personen, welche die bürgerlichen Ehrenrechte nicht besitzen, dürfen Lehrlinge weder halten noch anleiten. § 18 (1) Lehrlinge können in einem Handwerk nur von Personen angeleitet werden, die das vierundzwan- zigste Lebensjahr vollendet und die Meisterprüfung in dem Handwerk, in welchem die Anleitung erfol- gen soll, abgelegt haben. (2) Die höhere Verwaltungsbehörde kann Per- sonen, die den Voraussetzungen des Absatzes 1 nicht entsprechen, die Befugnis, Lehrlinge anzuleiten, nach Anhörung der Handwerkskammer widerruflich ver- leihen. (3) In Handwerksbetrieben, die nach dem Tode des selbständigen Handwerkers für Rechnung des Ehegatten oder minderjähriger Erben fortgeführt werden, können bis zum Ablauf eines Jahres nach dem Tode des Lehrherrn auch Personen Lehrlinge anleiten, welche die Meisterprüfung nicht abgelegt haben, sofern sie in diesem Handwerk die Gesellen- prüfung bestanden haben oder mindestens fünf Jahre selbständig oder als Werkmeister oder in ähnlicher Stellung tätig gewesen sind. Die höhere Verwaltungs- behörde kann die Dauer dieser Berechtigung in be- sonders begründeten Fällen nach Anhörung der Handwerkskammer verlängern. 19 Die oberste Landesbehörde kann den Prüfungs- zeugnissen von Lehrwerkstätten, gewerblichen Un- terrichtsanstalten oder von Prüfungsbehörden, die vom Staat für einzelne Handwerke oder zum Nach- weis der Befähigung zur Anstellung in staatlichen Betrieben eingesetzt sind, die Wirkung der Ver- leihung der im § 18 Abs. 1 genannten Befugnis für bestimmte Handwerke zuerkennen. Der Eintritt die- ser Wirkung ist davon abhängig zu machen, daß der Besitzer des Prüfungszeugnisses in dem Handwerk, in dem die Anleitung der Lehrlinge erfolgen soll, mindestens drei Jahre tätig gewesen ist. § 20 (1) Die höhere Verwaltungsbehörde kann nach Anhörung der Handwerkskammer Personen, die ihre Pflichten gegen die ihnen anvertrauten Lehrlinge wiederholt gröblich verletzt haben oder gegen die Tatsachen vorliegen, die sie in sittlicher Beziehung zum Halten und Anleiten von Lehrlingen ungeeig- net erscheinen lassen, die Befugnis, Lehrlinge zu hal- ten oder anzuleiten, ganz oder auf Zeit entziehen. § (2) Die höhere Verwaltungsbehörde kann ferner Personen, die wegen geistiger oder körperlicher Ge- brechen zur ordnungsmäßigen Anleitung von Lehr- lingen nicht geeignet sind, die Befugnis, Lehrlinge anzuleiten, entziehen. ZWEITER ABSCHNITT (1) Der Lehrherr hat mit dem Lehrling binnen vier Wochen nach Beginn der Lehre einen Lehrver- trag schriftlich abzuschließen. Dieser muß enthalten 1. die Bezeichnung des Handwerks, in welchem die Ausbildung erfolgen soll, 2. die Dauer der Lehrzeit, 3. die gegenseitigen Leistungen, 4. die gesetzlichen und sonstigen Voraus- setzungen, unter denen die einseitige Auf- lösung des Lehrvertrages zulässig ist. (2) Der Lehrvertrag ist von dem Lehrherrn oder seinem Stellvertreter, dem Lehrling und dessen ge- setzlichem Vertreter zu unterschreiben. (3) Auf Lehrverhältnisse zwischen Eltern und ihren Kindern finden die Bestimmungen der Ab- sätze 1 und 2 keine Anwendung; der Handwerks- kammer ist jedoch das Bestehen des Lehrverhält- nisses, der Tag seines Beginns, das Handwerk, in welchem die Ausbildung erfolgen soll, und die Dauer der Lehrzeit schriftlich anzuzeigen. (4) Der Lehrherr hat den Lehrvertrag binnen zwei Wochen nach Abschluß des Vertrages der Handwerkskammer zur Eintragung in die Lehrlings- rolle (§ 84 Abs. 1 Nr. 4) einzureichen. (5) Der Lehrvertrag ist gebühren- und stempel- frei. § 22 (1) Der Lehrherr ist verpflichtet, für die beruf- liche Ausbildung des Lehrlings in dem zu erlernen- den Handwerk nach den Vorschriften der Hand- werkskammer über die Lehrlingsausbildung zu sor• gen, ihn zum Besuch der Berufs- oder Fachschule anzuhalten und den Schulbesuch zu überwachen. Er muß entweder selbst oder durch einen anleitungs- berechtigten Vertreter die Ausbildung des Lehr- lings leiten und ihn hierbei zu Fleiß und gutem Be- tragen anhalten. Dem Lehrling dürfen nicht Arbeits- verrichtungen zugewiesen werden, die seinen kör- perlichen Kräften nicht angemessen sind. (2) Der Lehrherr hat ferner Lehrlingen, die in die häusliche Gemeinschaft aufgenommen sind, eine an- gemessene Unterkunft, eine ausreichende Kost und bei Erkrankung die erforderliche Pflege zu gewäh- ren. (3) Dem Lehrling dürfen nur solche Verrichtungen übertragen werden, die dem Ausbildungszweck ent- sprechen. § 23 (1) Nach Beendigung des Lehrverhältnisses hat der Lehrherr dem Lehrling ein Zeugnis (Lehrzeug- nis) auszustellen, das Angaben über das erlernte Handwerk und die Dauer der Lehrzeit, über die erworbenen Kenntnisse und Fertigkeiten sowie auf Wunsch des Erziehungsberechtigten über das Betra- gen enthalten muß. Das Lehrzeugnis ist von der Gemeindebehörde gebühren- und stempelfrei zu be- glaubigen.
Nr. 63 - Tag der Ausgabe: Bonn, den 23. September 1953 (2) Der Lehrherr hat den Lehrling zur Ablegung der Zwischenprüfungen und der Gesellenprüfung anzuhalten, ihm die hierzu erforderliche Zeit zu ge- währen und die notwendigen Werkstoffe und Werk- zeuge kostenfrei zur Verfügung zu stellen. § 24 (1) Der Lehrling ist verpflichtet, die Vorschriften der Handwerkskammer über die Lehrlingsaus- bildung zu befolgen, die im Betriebe bestehende Ordnung zu beachten und die ihm übertragenen Arbeiten gewissenhaft auszuführen. Er hat für die Dauer der Lehrzeit die Berufsschule regelmäßig zu besuchen und sich den Zwischenprüfungen nach den von der Handwe~kskammer erlassenen Vorschriften zu unterziehen. (2) Der Lehrling ist der väterlichen Obhut des Lehrherrn anvertraut und dem Lehrherrn und den Personen, die für den Lehrherrn die· Ausbildung lei- ten, zu Folgsamkeit, Fleiß und zu anständigem Be- tragen verpflichtet. Körperliche Züchtigung sowie jede die Gesundheit des Lehrlings gefährdende Behandlung sind verboten. § 25 (1) Das Lehrverhältnis beginnt mit der Probezeit; sie darf nicht weniger als einen Monat und nicht mehr als drei Monate betragen. Während der Probezeit kann das Lehrverhältnis jederzeit durch einseitigen Rücktritt aufgelöst werden. (2) Nach Ablauf der Probezeit kann das Lehrver- hältnis ohne Einhaltung einer Frist gekündigt wer- den, wenn ein wichtiger Grund vorliegt. Die Kün- digung ist nicht mehr zulässig, wenn die zugrunde liegenden Tatsachen dem zur Kündigung Berechtig- ten länger als zwei Wochen bekannt sind. (3) Das Lehrverhältnis gilt im Falle des Todes des Lehrherrn, sofern die Aufhebung des Lehrvertrages binnen vier Wochen schriftlich geltend gemacht wird, mit der Abgabe der Auflösungserklärung als be- endet. § 26 Wird von dem gesetzlichen Vertreter für den Lehrling oder, wenn der letztere volljährig ist, von ihm selbst dem Lehrherrn die schriftliche Erklärung abgegeben, daß der Lehrling zu einem anderen Ge- werbe oder Beruf übergehen werde, so gilt das Lehr- verhältnis, falls der Lehrling nicht früher entlassen wird, nach Ablauf von vier Wochen als gelöst. Bin- nen drei Monaten nach der Auflösung darf der Lehr- ling in demselben Handwerk von einem anderen Arbeitgeber ohne Zustimmung des früheren Lehr- herrn nicht beschäftigt werden. § 27 Wird das Lehrverhältnis durch einen Umstand, den einer der Vertragschließenden zu vertreten hat, nach Ablauf der Probezeit vorzeitig gelöst, so kann der andere Teil von ihm Schadensersatz verlangen. § 28 Das Lehrverhältnis endigt mit dem Ablauf der Lehrzeit. § 1415 29 Wenn der Lehrherr eine im Mißverhältnis zu dem Umfang oder der Art seines Handwerksbetriebes stehende Zahl von Lehrlingen hält und dadurch die Ausbildung der Lehrlinge gefährdet erscheint, kann die höhere Verwaltungsbehörde im Benehmen mit der Handwerkskammer dem Lehrherrn aufgeben, eine entsprechende Zahl von Lehrlingen zu ent- lassen; es kanri ihm ferner untersagt werden, Lehr- linge über eine bestimmte Zahl hinaus zu halten. DRITTER ABSCHNITT Lehrzeitdauer § 30 Die Lehrzeit soll in der Regel drei Jahre und darf nicht länger als vier Jahre dauern. Der Bundes- minister für Wirtschaft kann in diesem Rahmen durch Rechtsverordnung ~lie Dauer der Lehrzeit für einzelne Handwerke festsetzen. § 31 (1) Die Handwerkskammer kann auf Antrag ge- nehmigen, daß in einem Lehrvertrag eine kürzere als die nach § 30 Satz 2 festgesetzte Lehrzeit verein- bart wird. (2) Die Handwerkskammer kann auf Antrag die vertraglich vereinbarte Lehrzeit abkürzen. (3) Die Handwerkskammer kann auf Antrag vom Nachweis der Lehre zwecks Ablegung der Gesellen- prüfung ganz oder teilweise befreien. Die Befreiung ist auszusprechen, wenn der Antragsteller eine staatliche oder eine nach Anhörung der Hand- werkskammer staatlich anerkannte Lehrwerkstatt oder eine sonstige gewerbliche Unterrichtsanstalt mit Erfolg besucht hat. (4) In den Fällen der Absätze 1 bis 3 hat die Hand- werkskammer vor ihrer Entscheidung die Hand- werksinnung zu hören. VIERTER ABSCHNITT Gesellenprüfung 32 (1) Der Lehrling soll bei Ablauf der Lehrzeit die Gesellenprüfung ablegen. § (2) Durch die Gesellenprüfung ist fest~ustellen, ob der Lehrling die in seinem Handwerk gebräuchlichen Handgriffe und Fertigkeiten mit genügender Sicher- heit verrichten kann und die notwendigen Fach- kenntnisse über den Wert, die Beschaffenheit, die Behandlung und die Verwendung der Roh- und Hilfsstoffe besitzt. Sie hat ferner darzutun, ob er mit den im Berufsschulunterricht vermittelten Kennt- nissen vertraut ist. § 33 (1) Die Gesellenprüfung wird durch Gesellenprü- fungsausschüsse abgenommen. (2) Die Gesellenprüfungsausschüsse werden von den Handwerksinnungen errichtet, denen die Hand- werkskammer die Ermächtigung zur Abnahme der Gesellenprüfung erteilt; im übrigen · hat sie die erforderlichen Gesellenprüfungsausschüsse selbst zu errichten.
Bundesgesetzblatt, Jahrgang 1953, Teil I 1416 (3) Der Gesellenprüfungsausschuß der Hand- werksinnung ist für die Abnahme der Gesellenprü- fung aller Lehrlinge der in ihr vertretenen Hand- werke zuständig, soweit nicht die Handwerks- kammer etwas anderes bestimmt. 34 (1) Der Gesellenprüfungsausschuß besteht aus einem Vorsitzenden und mindestens zwei Beisit- zern; für jedes Mitglied ist ein Stellvertreter zu bestellen. Die Mitglieder und ihre Stellvertreter müssen deutsche Staatsangehörige sein. § (2) Der Vorsitzende und sein Stellvertreter wer- den auf Vorschlag der Handwerksinnung von der Handwerkskammer bestellt. (3) Die Beisitzer müssen je zur Hälfte selbständige Handwerker und Gesellen sein. Die selbständigen Handwerker werden von der Innungsversammlung, die Gesellen von dem Gesellenausschuß gewählt. Bei den von der Handwerkskammer errichteten Ge- sellenprüfungsausschüssen werden auch die Bei- sitzer von der Handwerk~karnmer bestellt. (4) Die selbständigen Handwerker müssen die M~i~~rprüfung abgelegt haben oder das Recht zum Anleiten von Lehrlingen in dem Handwerk besitzen, für das der Gesellenprüfungsausschuß errichtet ist. Sie müssen ferner in der Regel Gesellen oder Lehr- linge beschäftigen. Die Gesellen müssen das ein- undzwanzigste Lebensjahr vollendet, die Gesellen- prüfung in dem Handwerk, für das der Gesellen- prüfungsausschuß errichtet ist, abgelegt haben und in dem Betrieb eines selbständigen Handwerkers beschäftigt sein. (5) Für die Abnahme der Prüfung in dem Unter- richtsstoff der Berufsschule kann ein Mitglied des Lehrkörpers der Berufsschule als Sachverständiger hinzugezogen werden. (6) Die Mitglieder des Gesellenprüfungsausschus- ses werden auf drei Jahre bestellt. Sie verwalten ihr Amt als Ehrenamt. Für bare Auslagen und für Zeit- versäumnis wird ihnen eine Entschädigung gewährt, die von der Handwerkskammer mit Genehmigung der obersten Landesbehörde festgesetzt wird. § 35 Zur Gesellenprüfung. ist zugelassen, 1. wer in dem Handwerk, in dem die Ge- sellenprüfung abgelegt werden soll, eine ordnungsmäßige Lehrzeit in einem Hand- werks- oder sonstigen Gewerbebetrieb zu- rückgelegt hat oder 2. wer eine Bescheinigung der Handwerks- kammer beibringt, daß er gemäß§ 31 Abs. 3 vom Nachweis der Lehre befreit ist. § 36 . (1) Liegen die Zulassungsvoraussetzungen vor, so kann der Vorsitzende des Gesellenprüfungsaus- schusses die Zulassung zur Gesellenprüfung aus- sprechen. Für die Ablehnung des Zulassungs- gesuches ist die Entscheidung des Gesellenprüfungs- ausschusses erforderlich; die Mitteilung über eine ablehnende Entscheidung muß eine Belehrung über das zulässige Rechtsmittel enthalten. (2) Gegen die ablehnende Entscheidung des Ge- sellenprüfungsausschusses steht dem Antragsteller der Verwaltungsrechtsweg offen. § 37 (1) Die durch die Abnahme der Gesellenprüfung entstehenden Kosten trägt, sofern die Prüfung von dem Gesellenprüfungsausschuß einer Handwerks- innung abgenommen wird, die Handwerksinnung, im übrigen die Handwerkskammer. Für die Ab- nahme der Gesellenprüfung ist eine Gesellen- prüfungsgebühr zu entrichten. (2) Das Gesellenprüfungszeugnis ist gebühren- und stempelfrei. § 38 Das Verfahren vor dem Gesellenprüfungsaus- schuß, der Gang der Gesellenprüfung, die Prüfungs- anforderu:qgen und die Höhe der Prüfungsgebühren werden durch eine von der Handwerkskammer mit Genehmigung der obersten Landesbehörde zu er- lassende Gesellenprüfungsordnung geregelt. § 39 Die höhere Verwaltungsbehörde kann Prüfungen, bei denen erhebliche Verstöße gegen die Prüfungs- bestimmungen festgestellt werden, nach Anhörung der Handwerkskammer für ungültig .erklären. Sie kann ferner Mitglieder des Gesellenprüfungsaus- schusses, die sich in Ausübung des ihnen übertrage- nen Amtes einer schwerwiegenden Pflichtverletzung schuldig machen, ihres Amtes entheben. § 40 Die oberste Landesbehörde kann den Prüfungs- zeugnissen von Lehrwerkstätten, gewerblichen Unterrichtsanstalten oder von Prüfungsbehörden, die vorn Staat für einzelne Handwerke oder zum Nachweis der Befähigung zur AnsteUung in staat~ liehen Betrieben eingesetzt sind, die Wirkung der Zeugnisse über das Bestehen der Gesellenprüfung beilegen. DRITTER TEIL Meisterprüfung, Meistertitel ERSTER ABSCHNITT Meisterprüfung § 41 Durch die Meisterprüfung ist festzustellen, ob der Prüfling befähigt ist, einen Handwerksbetrieb selb- ständig zu führen und Lehrlinge ordnungsgemäß an- zuleiten; sie hat insbesondere darzutun, ob der Prüf- ling die in seinem Handwerk gebräuchlichen Arbei- ten meisterhaft verrichten kann und die notwen- digen Fachkenntnisse sowie die erforderlichen betriebswirtschaftlichen, kaufmännischen und all- gerneintheoretischen Kenntnisse besitzt. § 42 (1) Die Meisterprüfung wird durch Meister- prüfungsausschüsse abg~nornrnen. Für jedes Hand- werk wird ein Meisterprüfungsausschuß am Sitz der Handwerkskammer für ihren Bezirk errichtet. Die oberste Landesbehörde kann in besonderen Fällen die Errichtung eines Meisterprüfungsausschusses
Nr. 63 - Tag der Ausgabe: Bonn, den 23. September 1953 1417 für mehrere Handwerkskammerbezirke anordnen und hiermit die für den Sitz des Meisterprüfungs- ausschusses zuständige höhere Verwaltungsbehörde beauftragen. (4) Der Meisterprüfungsausschuß kann in Aus- nahmefällen Personen zur Meisterprüfung zulassen, die den Voraussetzungen der Absätze 1 bis 3 nicht entsprechen. (2) Die höhere Verwaltungsbehörde errichtet die Meisterprüfungsausschüsse nach Anhörung der Handwerkskammer und ernennt auf Grund ihrer Vorschläge die Mitglieder auf die Dauer von drei Jahren. (5) Liegen die Zulassungsvoraussetzungen vor, so kann der Vorsitzende des Meisterprüfungsausschus- ses die Zulassung zur Meisterprüfµng aussprechen. Für die Ablehnung des Zulassungsgesuches ist die Entscheidung des Meisterprüfungsausschusses erfor- derlich; die Mitteilung über eine ablehnende Ent- scheidung muß eine Belehrung über das zulässige Rechtsmittel enthalten. (6) Gegen die ablehnende Entscheidung des Mei- sterprüfungsausschusses steht dem Antragsteller der Verwaltungsrechtsweg offen. Die in diesem Verfahren vor Erhebung der Klage erforderliche Entscheidtuig trifft die höhere Verwaltungsbehörde. § 43 (1) Der Meisterprüfungsausschuß besteht aus fünf Mitgliedern; für jedes Mitglied ist ein Stellvertreter zu bestellen. Die Mitglieder sollen das dreißigste Lebensjahr vollendet haben und müssen deutsche Staatsangehörige sein. (2) Der Vorsitzende braucht nicht Handwerker zu sein; er soll dem Handwerk, für welches der Meister- prüfungsausschuß errichtet ist, nicht angehören. (3) Zwei Beisitzer müssen die Meisterprüfung in dem Handwerk, für das der Meisterprüfungsaus- schuß errichtet ist, abgelegt haben und dieses Hand- werk seit mindestens einem Jahr selbständig als stehendes Gewerbe betreiben. (4) Ein Beisitzer soll ein Geselle sein, der die Meisterprüfung in dem Handwerk, für das der Mei- sterprüfungsausschuß gebildet ist, abgelegt hat und in einem Handwerksbetrieb tätig ist. (5) Für die Abnahme der Prüfung in der wirt- schaftlichen Betriebsführung sowie in den kauf- männischen und allgemeintheoretischen Kennt- nissen soll ein Beisitzer bestellt werden, der in die- sen Prüfungsgebieten besonders sachkundig ist und dem Handwerk nicht anzugehören braucht. (6) · § 34 Abs. 6 Satz 2 und 3 gilt entsprechend. § 45 Die durch die Abnahme der Meisterprüfung ent- stehenden Kosten trägt die Handwerkskammer. Im übrigen finden die §§ 37 bis 39 entsprechende An- wendun~ · ZWEITER ABSCHNITT Meistertitel § 46 Die Bezeichnung Meister in Verbindung mit einem Handwerk (§ 1 Abs. 2) oder in Verbindung mit einer anderen Bezeichnung, die auf eine Tätigkeit in einem Handwerk oder in mehreren Handwerken hinweist, darf nur führen, wer für dieses Handwerk oder für diese Handwerke die Meisterprüfung be- standen hat. VIERTER TEIL Organisation des Handwerks ERSTER ABSCHNITT § 44 (1) Zur Meisterprüfung sind in der Regel nur Per- sonen zuzulassen, die in dem Handwerk, in dem sie die Meisterprüfung ablegen wollen, die Gesellen- prüfung bestanden und eine mehrjährige Tätigkeit als Geselle zurückgelegt haben oder zum Anleiten von Lehrlingen in diesem Handwerk befugt sind. Für die nach Satz 1 nachzuweisende Zeit der Ge- sellentätigkeit sollen nicht weniger als drei Jahre und dürfen nicht mehr als fünf Jahre gefordert werden. (2) Zur Meisterprüfung ist ferner zuzulassen, wer in dem Handwerk, in dem die Meisterprüfung ab- gelegt werden soll, das Prüfungszeugnis über die vor einem Prüfungsausschuß der Industrie- und Handelskammer abgelegte Facharbeiterprüfung be- sitzt, sofern er im übrigen die Voraussetzungen des Absatzes 1 erfüllt. (3) Der Besuch einer Fachschule kann ganz oder teilweise, höchstens jedoch mit zwei Jahren, auf die nachzuweisende Gesellentätigkeit angerechnet wer- den. Ist der Prüfling in dem Handwerk, in dem er die Meisterprüfung ablegen will, als selbständiger Handwerker oder als Werkmeister oder in ähn- licher Stellung tätig gewesen, so ist diese Zeit auf die Gesellentätigkeit anzurechnen. Handwerksinnungen § 47 (1) Selbständige Handwerker des gleichen Hand- werks oder solcher Handwerke, die sich fachlich oder wirtschaftlich nahestehen, können zur För- derung ihrer gemeinsamen gewerblichen Interessen inp.erhalb eines bestimmten Bezirks zu einer Hand- werksinnung zusammentreten. Für jedes Handwerk kann in dem gleichen Bezirk nur eine Handwerks- innung gebildet werden; sie ist allein berechtigt, die Bezeichnung Innung in Verbindung mit dem Handwerk zu führen, für das sie errichtet ist. (2) Der Innungsbezirk soll unter Berücksichtigung einheitlicher Wirtschaftsgebiete so abgegrenzt sein, daß die Zahl der Innungsmitglieder ausreicht, um die Handwerksinnung leistungsfähig zu gestalten, und daß die Mitglieder an dem Leben und den Ein- richtungen der Handwerksinnung teilnehmen kön- nen. Der Innungsbezirk soll sich in der Regel mit einem Stadt- oder Landkreis decken. (3) Der Innungsbezirk soll sich nicht über den Bezirk einer Handwerkskammer hinaus erstrecken. Soll der Innungsbezirk über den Bezirk einer Hand- werkskammer hinaus erstreckt werden, so bedarf die Bezirksabgrenzung der Genehmigung durch die oberste Landesbehörde.
Bundesgesetzblatt, Jahrgang 1953, Teil l 1418 § 48 Die Handwerksinnung ist eine Körperschaft des öffentlichen Rechtes. Sie wird mit Genehmigung der Satzung rechtsfähig. (5) Die Errichtung und die Rechtsverhältnisse der Innungskrankenkassen richten sich nach den hierfür geltenden bundesrechtlichen Bestimmungen. § 50 § 49 (1) Aufgabe der Handwerksinnung ist, die ge- meinsamen gewerblichen Interessen ihrer Mitglie- der zu fördern. Insbesondere hat sie 1. den Gemeingeist und die Berufsehre zu pflegen, 2. ein gutes Verhältnis zwischen Meistern, Gesellen und Lehrlingen anzustreben, 3. entsprechend den Vorschriften der Hand- werkskammer die Lehrlingsausbildung zu regeln und zu überwachen sowie für die technische, gewerbliche und sittliche Aus- bildung der Lehrlinge zu sorgen, 4. Gesellenprüfungen mit Ermächtigung der Handwerkskammer abzunehmen und hier- für einen Gesellenprüfungsausschuß zu er- richten, 5. das handwerkliche Können der Meister und Gesellen zu fördern; zu diesem Zweck kann sie insbesondere Fachschulen errichten oder unterstützen, 6. bei der Verwaltung der Berufsschulen ge- mäß den bundes- und landesrechtlichen Be- stimmungen mi tzu wirken, 7. das Genossenschaftswesen im Handwerk zu fördern, 8. über Angelegenheiten der in ihr vertrete- nen Handwerke der Behörden Gutachten und Auskünfte zu erstatten, 9. die sonstigen handwerklichen Organisa- tionen und Einrichtungen in der Erfüllung ihrer Aufgaben zu unterstützen. (2) Die Handwerksinnung soll 1. zwecks Erhöhung der Wirtschaftlichkeit der Betriebe ihrer Mitglieder Einrichtungen zur Verbesserung der Arbeitsweise und der Betriebsführung schaffen und fördern, 2. bei der Vergebung öffentlicher Lieferungen und Leistungen die Vergebungsstellen be- raten, 3. das handwerkliche Pressewesen unter- stützen. (1) Die Aufgaben Verwaltung und die glieder sind, soweit stimmt ist, durch die der Handwerksinnung, ihre Rechtsverhältnisse ihrer Mit- gesetzlich nichts darüber be- Satzung zu regeln. (2) Die Satzung muß Bestimmungen enthalten über 1. den Namen, den Sitz und den Bezirk der Handwerksinnung sowie die Handwerke, für welche die Handwerksinnung errichtet ist, 2. die Aufgaben der Handwerksinnung, 3. den Eintritt, den Austritt und den Aus- schluß· der Mitglieder, 4. die Rechte und Pflichten der Mitglieder so- wie die Bemessungsgrundlage für die Er- hebung der Mitgliedsbeiträge, 5. die Einberufung der Innungsversammlung, das Stimmrecht in ihr und die Art der Be- schlußfassung, 6. die Bildung des Vorstandes, 7. die Bildung des Gesellenausschusses, 8. die Beurkundung der Beschlüsse der Innungsversammlung und des Vorstandes, 9. die Aufstellung des Haushaltsplanes sowie die Aufstellung und Prüfung der Jahres- rechnung, 10. die Voraussetzungen für die Änderung der Satzung und für die Auflösung der Hand- werksinnung sowie den Erlaß und die Änderung der Nebensatzungen, 11. die Verwendung des bei der Auflösung der Handwerksinnung verbleibenden Ver- mögens. § 51 (1) Die Satzung der Handwerksinnung bedarf der Genehmigung durch die Handwerkskammer des Be- zirks, in dem die Handwerksinnung ihren Sitz nimmt. (2) Die Genehmigung ist zu versagen, wenn 1. die Satzung den gesetzlichen Vorschriften nicht entspricht, 2. die durch die Satzung vorgesehene Begren- zung des Innungsbezirks die nach § 47 Abs. 3 Satz 2 erforderliche Genehmigung nicht er- halten hat. (3) Die Handwerksinnung kann 1. Tarifverträge abschließen, soweit und so- lange solche Verträge nicht durch den Innungsverband für den Bereich der Hand- werksinnung geschlossen sind, 2. für ihre Mitglieder und deren Angehörige Unterstützungskassen für Fälle der Krank- heit, des Todes, der Arbeitsunfähigkeit oder sonstiger Bedürftigkeit errichten, 3. bei Streitigkeiten zwischen den Innungs- mitgliedern und ihren Auftraggebern auf Antrag vermitteln. (1) Soll in der Handwerksinnung eine Einrichtung der im § 49 Abs. 3 Nr. 2 vorgesehenen Art getroffen werden, so sind die dafür erforderlichen Bestimmun- gen in Nebensatzungen zusammenzufassen. Diese bedürfen der Genehmigung der höheren Ver- waltungsbehörde. (4) Die Handwerksinnung kann auch sonstige Maßnahmen zur Förderung der gemeinsamen ge- werblichen Interessen der Innungsmitglieder durch- führen. (2) Dber die Einnahmen und Ausgaben solcher Einrichtungen ist getrennt Rechnung zu führen und das hierfür bestimmte Vermögen gesondert von dem Innungsvermögen. zu verwalten. Das getrennt ver- § 52
Nr. 63 - Tag der Ausgabe: Bonn, den 23. September 1953 waltete Vermögen darf für andere Zwecke nicht ver- wandt werden. Die Gläubiger haben das Recht auf gesonderte Befriedigung aus diesem Vermögen. 53 (1) Mitglied bei der Handwerksinnung kann jeder selbständige Handwerker werden, der das Handwerk ausübt, für welches die Handwerksinnnung ge- bildet ist. § (2) Ubt ein selbständiger Handwerker mehrere Handwerke aus, so kann er allen für diese Hand- werke gebildeten Handwerksinnungen angehören. (3) Selbständigen Handwerkern, die den gesetz- lichen und satzungsmäßigen Vorschriften entspre- chen, darf der Eintritt in die Handwerksinnung nicht versagt werden. (4) Von der Erfüllung der gesetzlichen und satzungsmäßigen Bedingungen kann zugunsten ein- zelner nicht abgesehen werden. § 54 Die Organe der Handwerksinnung sind 1. die Innungsversarnrnlung, 2. der Vorstand, 3. die Ausschüsse. § 55 (1) Die Mitglieder der Handwerksinnung bilden die Innungsversammlung. Sie beschließt über alle Angelegenheiten der Handwerksinnung, soweit sie nicht vorn Vorstand oder den Ausschüssen wahrzu- nehmen sind. (2) Der lnnungsversammlung obliegt im beson- deren 1. die Feststellung des Haushaltsplanes und die Bewilligung von Ausgaben, die im Haushaltsplan nicht vorgesehen sind; 2. die Beschlußfassung über die Höhe der Innungsbeiträge und über die Festsetzung von Gebühren; 3. die Prüfung und Abnahme der Jahres- rechnung; 4. die Wahl des Vorstandes und derjenigen Mitglieder der Ausschüsse, die der Zahl der Innungsmitglieder zu entnehmen sind; 5. die Einsetzung besonderer Ausschüsse zur Vorbereitung einzelner Angelegenheiten; 6. der Erlaß von Vorschriften über die Lehr- lingsausbildung (§ 49 Abs. 1 Nr. 3) 1 . 7. die Beschlußfassung über a) den Erwerb, die Veräußerung oder die dingliche Belastung von Grundeigentum, b) die Veräußerung von Gegenständen, die einen geschichtlichen, wissenschaftlichen oder Kunstwert haben, c) die Aufnahme von Anleihen, d) den Abschluß von Verträgen, durch wel- che der Handwerksinnung fortlaufende Verpflichtungen auferlegt werden, e) die Anlegung des Innungsvermögens; 1419 8. die Beschlußfassung über die Änderung der Satzung und die Auflösung der Handwerks- innung; 9. die Beschlußfassung über den Erwerb und die Beendigung der Mitgliedschaft beirn Landesinnungsverband. (3) Die nach Absatz 2 Nummern 6, 7 und 8 ge- faßten Beschlüsse bedürfen der Genehmigung durch die Handwerkskammer. 56 (1) Zur Gültigkeit eines Beschlusses der Innungs- versammlung ist erforderlich, daß der Gegenstand bei ihrer Einberufung bezeichnet ist, es sei denn, daß er in der lnnungsversammlung mit Zustimmung von drei Vierteln der erschienenen Mitglieder nach- träglich auf die Tagesordnung gesetzt wird, sofern es sich nicht um einen Beschluß über eine Satzungs- änderung oder Auflösung der Handwerksinnung handelt. (2) Beschlüsse der Innungsversammlung werden mit einfacher Mehrheit der erschienenen Mitglieder gefaßt. Zu Beschlüssen über Änderungen der Satzung der Handwerksinnung ist eine Mehrheit von drei Vierteln der erschienenen Mitglieder erforderlich. Der Beschluß auf Auflösung der Handwerksinnung kann nur rnit einer Mehrheit von drei Vierteln der stimmberechtigten Mitglieder gefaßt werden. Sind in der ersten Innungsversammlung drei Viertel der Stimmberechtigten nicht erschienen, so ist binnen vier Wochen eine zweite Innungsversammlung ein- zuberufen, in welcher der Auflösungsbeschluß mit einer Mehrheit von drei Vierteln der erschienenen Mitglieder gefaßt werden kann. (3) Die Innungsversammlung ist in den durch die Satzung bestimmten Fällen sowie darin einzuberufen, wenn das Interesse der Handwerksinnung es erfor- dert. Sie ist ferner einzuberufen, wenn der durch die Satzung bestimmte Teil oder in Ermangelung einer Bestimmung der zehnte Teil der Mitglieder die Ein- berufung schriftlich unter Angabe des Zweckes und der Gründe verlangt; wird dem Verlangen nicht entsprochen, so kann die Handwerkskammer die Innungsversammlung einberufen und leiten. § 57 Stimmberechtigt in der Innungsversammlung sind die der Handwerksinnung angehörenden natürlichen und juristischen Personen. Für eine juristische Person kann nur eine Stimme aqgegeben werden, auch wenn mehrere gesetzliche Vertreter vorhanden sind. § § 58 Ein Mitglied ist nicht stimmberechtigt, wenn die Beschlußfassung die Vornahme eines Rechtsgeschäf- tes oder die Einleitung oder Erledigung eines Rechts- streites zwischen ihm und der Handwerksinnung betrifft. § 59 (1) Ein gemäß.§ 57 stimmberechtigtes Mitglied, das Inhaber eines Nebenbetriebes im Sinne des § 2 Nr. 2 oder 3 ist, kann sein Stimmrecht auf den Leiter des Nebenbetriebes übertragen, falls dieser die Pflichten übernimmt, die seinen Vollmachtgebern gegenüber der Handwerksinnung obliegen.
Bundesgesetzblatt, Jahrgang 1953, Teil I 1420 (2) Die Satzung kann die Ubertragung der in Ab- 4. bei Maßnahmen zur Förderung des hand- satz 1 bezeichneten Rechte unter den dort gesetzten Voraussetzungen auch in anderen Ausnahmefällen zulassen. werklichen Könnens der Gesellen, insbeson- dere bei der Errichtung oder Unterstützung der zu dieser Förderung bestimmten Fach- schulen (§ 49 Abs. 1 Nr. 5), 5. bei der Mitwirkung an der Verwaltung der Berufsschulen gemäß den Vorschriften der Unterrichtsverwaltungen (§ 49 Abs. 1 Nr. 6),· 6. bei der Begründung und Verwaltung aller Einrichtungen, für welche die Gesellen Bei- träge entrichten oder eine besondere Mühe- waltung übernehmen, oder die zu ihrer Un- terstützung bestimmt sind. (3) Die Beteiligung des Gesellenausschusses hat mit der Maßgabe zu erfolgen, daß 1. bei der Beratung und Beschlußfassung des Vorstandes der Handwerksinnung· minde- stens ein Mitglied des Gesellenausschusses mit vollem Stimmrecht zuzulassen ist, 2. bei der Beratung und Beschlußfassung der Innungsversammlung seine sämtlichen Mit- glieder mit vollem Stimmrecht zuzulassen sind, 3. bei der Verwaltung von Einrichtungen, für welche die Gesellen Aufwendungen zu machen haben, vom Gesellenausschuß ge- wählte Gesellen in gleicher Zahl zu beteili- gen sind wie die Innungsmitglieder. (3) Die Ubertragung und die Ubernahme der Rechte bedarf der schriftlichen Erklärung gegenüber der Handwerksinnung. § 60 (1) Der Vorstand der Handwerksinnung wird von der Innungsversammlung für die in der Satzung bestimmte Zeit in geheimer Wahl gewählt. Die Wahl durch Zuruf ist zulässig, wenn niemand widerspricht. Uber die Wahlhandlung ist eine Niederschrift anzu- fertigen. Die Wahl des Vorstandes ist der Hand- werkskammer binnen einer Woche anzuzeigen. (2) Die Satzung kann bestimmen, daß die Bestel- lung des Vorstandes jederzeit widerruflich ist. Die Satzung kann ferner bestimmen, daß der Widerruf nur zulässig ist, wenn ein wichtiger Grund vorliegt; ein solcher Grund ist insbesondere grobe Pflicht- verletzung oder Unfähigkeit. (3) Der Vorstand vertritt die Handwerksinnung gerichtlich und außergerichtlich. Als Ausweis genügt bei allen Rechtsgeschäften die Bescheinigung der Handwerkskammer, daß die darin bezeichneten Personen zur Zeit den Vorstand bilden. (4) Die Mitglieder des Vorstandes verwalten ihr Amt als Ehrenamt unentgeltlich; es kann ihnen nach näherer Bestimmung der Satzung Ersatz barer Aus- lagen und eine Entschädigung für Zeitversäumnis gewährt werden. § 61 (1) Die Handwerksinnung kann zur Wahrnehmung einzelner Angelegenheiten Ausschüsse bilden. (2) Zur Förderung der Berufsausbildung der Lehr- linge ist ein Ausschuß zu bilden. Er besteht aus einem Vorsitzenden und mindestens vier Beisitzern, von denen die Hälfte Innungsmitglieder, die in der Regel Gesellen oder Lehrlinge beschäftigen, und die andere Hälfte Gesellen sein müssen. § 62 (1) Zur Herbeiführung eines guten Verhältnisses zwischen den Innungsmitgliedern und bei den ihnen beschäftigten Gesellen (§ 49 Abs. 1 Nr. 2) wird bei der Handwerksinnung ein Gesellenausschuß errich- tet. Der Gesellenausschuß hat die Gesellenmitglieder der Ausschüsse zu wählen, bei denen die Mitwirkung der Gesellen durch Gesetz oder Satzung vorge- sehen ist. (2) Der Gesellenausschuß ist zu beteiligen 1. bei Erlaß von Vorschriften über die Rege- lung der Lehrlingsausbildung (§ 49 Abs. 1 Nr. 3), 2. bei Maßnahmen zur Fürsorge für die tech- nische, gewerbliche und sittliche Ausbildung der Lehrlinge (§ 49 Abs. 1 Nr. 3), 3. bei der Abnahme der Gesellenprüfungen (§ 49 Abs. 1 Nr. 4), (4) Zur Durchführung von Beschlüssen der In- nungsversammlung in den in Absatz 2 bezeichneten Angelegenheiten bedarf es der Zustimmung des Ge- sellenausschusses. Wird die Zustimmung versagt, so kann die Handwerksinnung die Entscheidung der Handwerkskammer binnen eines Monats beantragen. (5) Die Beteiligung des Gesellenausschusses ent- fällt in den Angelegenheiten, die Gegenstand eines von der Handwerksinnung oder von dem Innungs- verband abgeschlossenen oder abzuschließenden Tarifvertrages sind. § 63 (1) Der Gesellenausschuß besteht aus dem Vor- sitzenden (Altgesellen) und einer weiteren Zahl von Mitgliedern. (2) Für die Mitglieder des Gesellenausschusse.s sind Ersatzmänner zu wählen, die im Falle der Be- hinderung oder des Ausscheidens für den Rest der Wahlzeit in der Reihenfolge der Wahl eintreten. (3) Die Mitglieder des Gesellenausschusses wer- den in geheimer und direkter Wahl gewählt. Die näheren Bestimmungen über die Zusammensetzung des Gesellenausschusses und die Wahlen zu ihm sind durch die Satzung zu regeln. § 64 Berechtigt zur Wahl des Gesellenausschusses sind die bei einem Innungsmitglied beschäftigten Ge- sellen. § 65 (1) Wählbar ist jeder Geselle, der 1. die deutsche Staatsangehörigkeit besitzt, 2. das einundzwanzigste Lebensjahr vollendet hat,
Nr. 63 - Tag der Ausgabe: Bonn, den 23. September 1953 3. eine Gesellenprüfung abgelegt hat und 4. seit mindestens drei Monaten in dem Betrieb eines der Handwerksinnung angehörenden selbständigen Handwerkers beschäftigt ist. (2) Uber die Wahlhandlung ist eine Niederschrift anzufertigen. 66 Mitglieder des Gesellenausschusses behalten, auch · wenn sie nicht mehr bei Innungsmitgliedern be- schäftigt sind, solange sie im Bezirk der Handwerks- innung verbleiben, die Mitgliedschaft noch bis zum Ende der Wahlzeit, jedoch höchstens für drei Monate. § 1421 {2) Der Vorstand hat im Falle der Uberschuldung die Eröffnung des Konkursverfahrens oder des gerichtlichen Vergleichsverfahrens zu beantragen. Wird die Stellung des Antrages verzögert, so sind die Vorstandsmitglieder, denen ein Verschulden zur Last fällt, den Gläubigern für den daraus entstehen- den Schaden verantwortlich; sie haften als Gesamt- schuldner. ~ 72 Wird die Handwerksinnung durch Beschluß der Innungsversammlung oder durch die Handwerks- kammer aufgelöst, so wird das Innungsvermögen in entsprechender Anwendung der§§ 41 bis 53 des Bür- gerlichen Gesetzbuchs liquidiert. § 67 (1) Die der Handwerksinnung und ihrem Gesellen- ausschuß erwachsenden Kosten sind, soweit sie aus den Erträgen des Vermögens oder aus anderen Ein- nahmen keine Deckung finden, von den Mitgliedern durch Beiträge aufzubringen. (1) Der Landesinnungsverband ist der Zusammen- (2) Die Handwerksinnung kann für die Benutzung der von ihr getroffenen Einrichtungen Gebühren er- heben. schluß von Handwerksinnungen des gleichen Hand- werks oder sich fachlich oder wirtschaftlich nahe- stehender Handwerke im Bezirk eines Landes. (3) Die Beiträge und Gebühren werden auf An- trag des Innungsvorstandes nach den für die Bei- treibung von Gemeindeabgaben geltenden landes- rechtlichen Vorschriften beigetrieben. {2) Innerhalb eines Landes kann in der Regel nur ein Landesinnungsverband für dasselbe Handwerk oder für sich fachlich oder wirtschaftlich nahe- stehende Handwerke gebildet werden. Ausnahmen können von der obersten Landesbehörde zugelassen werden. § 68 Die Handwerksinnung ist für den Schaden verant- wortlich, den der Vorstand, ein Mitglied des Vor- standes oder ein anderer satzungsmäßig berufener Vertreter durch eine in Ausführung der ihm zu- stehenden Verrichtungen begangene, zum Schadens- ersatz verpflichtende Handlung einem Dritten zufügt. 69 Die Aufsicht über die Handwerksinnung führt die Handwerkskammer, in deren Bezirk die Handwerks- innung ihren Sitz hat. Die Aufsicht erstreckt sich dar- auf, daß Gesetz und Satzung beachtet, insbesondere daß die der Handwerksinnung übertragenen Auf- gaben erfüllt werden. § § 70 Die Handwerksinnung kann durch die Handwerks- kammer nach Anhörung des Landesinnungsverban- des aufgelöst werden, 1. wenn sie durch einen gesetzwidrigen Beschluß der Mitgliederversammlung oder durch gesetz- widriges Verhalten des Vorstandes das Ge- meinwohl gefährdet, 2. wenn sie andere als die gesetzlich oder satzungsmäßig zulässigen Zwecke verfolgt, 3. wenn die Zahl ihrer Mitglieder so weit zurück.- geht, daß die Erfüllung der gesetzlichen und satzungsmäßigen Auf gaben gefährdet erscheint. § 71 (1) Die Eröffnung des Konkursverfahrens über das Vermögen der Handwerksinnung hat die Auflösung kraft Gesetzes zur Folge. ZWEITER ABSCHNITT Innungsverbände § 13 (3) Durch die Satzung kann bestimmt werden, daß selbständige Handwerker dem Landesinnungsver- band ihres Handwerks als Einzelmitglieder beitreten können. § 74 Der Landesinnungsverband ist eine juristische Person des privaten Rechtes; er wird mit Genehmi- gung der Satzung rechtsfähig. Die Satzungs und ihre Änderung bedürfen der Genehmigung durch die oberste Landesbehörde. Die Satzung muß den Be- stimmungen des § 50 Abs. 2 entsprechen. § 75 (1) Der Landesinnungsverband hat die Aufgabe, 1. die Interessen des Handwerks wahrzuneh- men, für das er gebildet ist, 2. die angeschlossenen Handwerksinnungen in der Erfüllung ihrer gesetzlichen und sat- zungsmäßigen Aufgaben zu unterstützen, 3. den Behörden Anregungen und Vorschläge zu unterbreiten sowie ihnen auf Verlangen Gutachten zu erstatten. (2) Er ist befugt, Fachschulen und Fachkurse ein- zurichten oder zu fördern. § 76 Der Landesinnungsverband kann ferner die wirt- schaftlichen und sozialen Interessen der den Hand- werksinnungen angehörenden Mitglieder fördern. Zu diesem Zweck kann er insbesondere 1. Einrichtungen zur Erhöhung der Leistungs- fähigkeit der Betriebe, vor allem in technischer und betriebswirtschaftlicher Hinsicht schaffen oder unterstützen,
1422 Bundesgesetzblatt, Jahrgang 1953, Teil I 2. die gemeinschaftliche Ubernahme von Liefe- rungen und Leistungen durch die Bildung von Genossenschaften, Arbeitsgemeinschaften oder auf sonstige Weise im Rahmen der allgemeinen Gesetze fördern, 3. Tarifverträge abschließen. § 77 (1) Auf den Landesinnungsverband finden ent- sprechende Anwendung: 1. § 50 Abs. 1 und Abs. 2 Nr. 1 bis 6, 8 bis 9 und hinsichtlich der Voraussetzungen für die Änderung der Satzung und für die Auf- lösung des Landesinnungsverbandes Num- mer 10 sowie Nummer 11, 2. §§ 54, 55 Abs. 1 und Abs. 2 Nr. 1 und hin- sichtlich der Beschlußfassung über die Höhe der Beiträge zum Landesinnungsverband Nummer 2 sowie Nummern 3 bis 5 und 7 bis 8, 3. §§ 56, 58, 60 und 68, 4. § 39 und §§ 41 bis 53 des Bürgerlichen Ge- setzbuchs. (2) Die Mitgliederversammlung besteht aus den Vertretern der angeschlossenen Handwerksinnungen und im Falle des § 73 Abs. 3 auch aus den von den Einzelmitgliedern nach näherer Bestimmung der Satzung gewählten Vertretern. § 78 (1) Der Bundesinnungsverband ist der Zusammen- schluß von Landesinnungsverbänden des gleichen Handwerks oder sich fachlich oder wirtschaftlich uahestehender Handwerke im Bundesgebiet. (2) Auf den Bundesinnungsverband finden die Vorschriften dieses Abschnitts sinngemäß Anwen- dung. Die nach § 74 erforderliche Genehmigung der Satzung und ihrer Änderung erfolgt durch den Bundesminister für Wirtschaft. 5. die Geschäfte der Handwerksinnungen auf deren Ansuchen zu führen. § 81 Die Mitgliederversammlung der Kreishandwerker• schaft besteht aus Vertretern der Handwerksinnun• gen. Die Vertreter oder ihre Stellvertreter üben das Stimmrecht für die von ihnen vertretenen Hand• werksinnungen aus. Jede Handwerksinnung hat eine Stimme. Die Satzung kann bestimmen, daß den Hand- werksinnungen nach der Zahl der Mitglieder bis höchstens zwei Zusatzstimmen zuerkannt werden, die Stimmen einer Handwerksinnung können nur einheitlich abgegeben werden. § 82 (1) Auf die Kreishandwerkerschaft finden entspre- chende Anwendung: 1. § 48 und § 50 mit Ausnahme des Absatzes 2 Nummern 3 und 7 sowie hinsichtlich der Voraussetzungen für die Änderung der Satzung § 50 Abs. 2 Nr. 10, 2. § 51 Abs. 1 und Abs. 2 Nr. 1, 3. § 54 und § 55 Abs. 1, Abs. 2 Nr. 1 bis 5, 1 und hinsichtlich der Beschlußfassung über die Änderung der Satzung Nummer 8; die nach § 55 Abs. 2 Nr. 1 bis 3, 7 und 8 gefaßten Beschlüsse bedürfen der Genehmigung der Handwerkskammer, 4. § 56 Abs. 1, Abs. 2 Sätze 1 und 2 sowie Absatz 3, 5. §§ 58, 60, 61 Abs. 1 und §§ 67 bis 71. (2) Wird die Kreishandwerkerschaft durch die Handwerkskammer aufgelöst, so wird das Ver- mögen der Kreishandwerkerschaft in entsprechender Anwendung der§§ 47 bis 53 des Bürgerlichen Gesetz- buchs liquidiert. VIERTER ABSCHNITT Handwerkskammern DRITTER ABSCHNITT Kreishandwerkerschaften § 79 Die Handwerksinnungen, die in einem Stadt- oder Landkreis ihren Sitz haben, bilden die Kreishand- werkerschaft. § 80 Die Kreishandwerkerschaft hat die Aufgabe, 1. die Gesamtinteressen des selbständigen Hand- werks und die gemeinsamen Interessen der Handwerksinnungen ihres Bezirks wahrzu- nehmen, 2. die Handwerksinnungen bei der Erfüllung ihrer Aufgaben zu unterstützen, 3. Einrichtungen zur Förderung und Vertretung der gewerblichen, wirtschaftlichen und sozialen Interessen der Mitglieder der Handwerks- innungen zu schaffen oder zu unterstützen, 4. die Behörden bei den das selbständige Hand- werk ihres Bezirks berührenden Maßnahmen zu unterstützen und ihnen Anregungen, Aus- künfte und Gutachten zu erteilen, § 83 (1) Zur Vertretung der Interessen des Handwerks werden Handwerkskammern errichtet; sie sind Körperschaften des öffentlichen Rechtes. (2) Die Handwerkskammern werden von der obersten Landesbehörde errichtet; diese bestimmt deren Bezirk, der sich in der Regel mit dem der höheren Verwaltungsbehörde decken soll. Die oberste Landesbehörde kann den Bezirk der Hand- werkskammer ändern; in diesem Falle muß eine Vermögensauseinandersetzung erfolgen, welche der Genehmigung durch die oberste Landesbehörde be- darf. Können sich die beteiligten Handwerkskammern hierüber nicht einigen, so entscheidet die oberste Landesbehörde. § 84 (1) Aufgabe der Handwerkskammer ist insbe- sondere, 1. die Interessen des Handwerks zu fördern und für einen gerechten Ausgleich der In- teressen der einzelnen Handwerke und ihrer Organisationen zu sorgen,
Nr. 63 - Tag der Ausgabe: Bonn, den 23. September 1953 2. die Behörden in der Förderung des Hand- werks durch Anregungen, Vorschläge und durch Erstattung von Gutachten zu unter- stützen und regelmäßig Berichte über die Verhältnisse des Handwerks zu erstatten, 3. die Handwerksrolle (§ 6) zu führen, 4. die Berufsausbildung der Lehrlinge zu regeln, Vorschriften hierfür zu erlassen und ihre Durchführung zu überwachen so- wie eine Lehrlingsrolle (§ 21 Abs. 4) zu führen, 5. Gesellenprüfungsordnungen für die ein- zelnen Handwerke zu erlassen (§ 38) und Prüfungsausschüsse zur Abnahme der Ge- sellenprüfungen zu errichten (§ 33), 6. Meisterprüfungsordnungen für die einzel- nen Handwerke zu erlassen (§ 45), 1. die technische und betriebswirtschaftliche Fortbildung der Meister und Gesellen zur Erhaltung und Steigerung der Leistungs- fähigkeit des Handwerks in Zusammen- arbeit mit den Innungsverbänden zu för- dern, die erforderlichen Einrichtungen hier- für zu schaffen oder zu unterstützen und zu diesem Zweck eine Gewerbeförderungs- stelle zu unterhalten, 8. Sachverständige zur Erstattung von Gut- achten über die Güte der von Handwerkern gelieferten Waren oder bewirkten Leistun- gen und über die Angemessenheit der Preise zu bestellen und zu vereidigen, 9. die wirtschaftlichen Interessen des Hand- werks und die ihnen dienenden Einrich- tungen, .insbesondere das Genossenschafts- wesen zu fördern, · 10. Vermittlungsstellen zur Beilegung von Streitigkeiten zwischen selbständigen Hand- werkern und ihren Auftraggebern einzu- richten, 11. Ursprungszeugnisse über in Handwerks- betrieben gefertigte Erzeugnisse auszu- stellen, 12. Maßnahmen zur Unterstützung notleiden- der· Handwerker und Gesellen zu treffen oder zu unterstützen. (2) Die Handwerkskammer ist befugt, im Beneh- men mit der Industrie- und Handelskammer das Ausbildungs- und Prüfungswesen solcher Lehrlinge In Handwerksbetrieben, die keine Handwerkslehr- linge sind, zu regeln. (3) Die Handwerkskammer soll in allen wichtigen das Handwerk berührenden Angelegenheiten gehört werden. 85 Die Handwerksinnungen und die Kreishandwer- kerschaften sind verpflichtet, die von der Hand- werkskammer innerhalb ihrer Zuständigkeit erlasse- nen Vorschriften und Anordnungen durchzuführen. § § 86 (1) Die Handwerkskammer besteht aus gewählten Mitgliedern. Ein Drittel der Mitglieder müssen Ge- 1423 sellen sein, die in dem Betrieb eines selbständigen Handwerkers beschäftigt sind. (2) Die Zahl der Mitglieder der Handwerkskam- mer wird durch die Satzung bestimmt; sie bestimmt ferner die Zahl der Stellvertreter, die im Behin- derungsfalle und im Falle des Ausscheidens der Mit- glieder einzutreten haben, sowie die Reihenfolge ihres Eintritts. Auf die Stellvertreter finden die für die Mitglieder geltenden Vorschriften entsprechende Anwendung. (3) Die Satzung hat die Zahl der Mitglieder auf die im Bezirk der Handwerkskammer vertretenen Handwerke zu verteilen. (4) Die Handwerkskammer kann sich nach näherer Bestimmung der Satzung bis zu einem Fünftel der Mitgliederzahl durch Zuwahl von sachverständigen Personen unter Wahrung der im Absatz l festgeleg- ten Verhältniszahl ergänzen. § 87 Die Mitglieder der Handwerkskammer sind Ver- treter des gesamten Handwerks und als solche an Aufträge und Weisungen nicht gebunden. § 60 Abs. 4 gilt entsprechend. § 88 (1) Die Mitglieder der Handwerkskammer und ihre Stellvertreter werden durch Listen in allgemei- ner, gleicher und geheimer Wahl gewählt. (2) Das Wahlverfahren regelt sich nach der die- sem Gesetz als Anlage B beigefügten Wahlordnung. § 89 (l) Berechtigt zur Wahl der Vertreter des selb- ständigen Handwerks sind die in der Handwerks- rolle (§ 6) eingetragenen natürlichen und juristischen Personen; erstere und die gesetzlichen Vertreter juristischer Personen müssen das einundzwanzigste Lebensjahr vollendet haben. Für eine juristische Person kann nur eine Stimme abgegeben werden, auch wenn mehrere gesetzliche Vertreter vorhanden sind. (2) Nicht wahlberechtigt sind Personen, l. denen die bürgeriichen Ehrenrechte oder die Fähigkeit zur Bekleidung öffentlicher Ämter aberkannt worden sind, 2. gegen die das Hauptverfahren wegen eines Verbrechens oder Vergehens eröffnet ist, das die Aberkennung der bürgerlichen Ehrenrechte oder der Fähigkeit zur Beklei- dung &iffentlicher Ämter zur Folge haben kann, 3. die infolge gerichtlicher Anordnung in der Verfügung über ihr Vermögen beschränkt sind. (3) An der Ausübung des Wahlrechts ist be- hindert, l. wer wegen Geisteskrankheit oder Geistes- schwäche in einer Heil- oder Pflegeanstalt untergebracht ist, 2. wer sich in Straf- oder Untersuchungshaft befindet, 3. wer infolge gerichtlicher oder polizeilicher Anordnung in Verwahrung gehalten wird.
Bundesgesetzblatt, Jahrgang 1953, Teil I 1424 § 90 (1) Wählbar als Vertreter des selbständigen Hand- werks sind 1. die wahlberechtigten natürlichen Personen, sofern sie a) im Bezirk der Handwerkskammer seit mindestens einem Jahre ohne Unter- brechung ein Handwerk selbständig be- treiben, b) die Befugnis zum Anleiten von Lehr- lingen besitzen, c) am Wahltag das fünfundzwanzigste Lebensjahr vollendet haben und d) die deutsche Staatsangehörigkeit be- sitzen; 2. die gesetzlichen Vertreter der wahlberech- tigten juristischen Personen, sofern a) die von ihnen gesetzlich vertretene juristische Person im Bezirk der Hand- werkskammer seit mindestens einem Jahre ein Handwerk selbständig betreibt und b) sie im Bezirk der Handwerkskammer seit mindestens einem Jahre ohne Unterbrechung gesetzliche Vertreter einer in der Handwerksrolle eingetra- genen juristischen Person sind, am Wahltag das fünfundzwanzigste Lebens- jahr vollendet haben und die deutsche Staatsangehörigkeit besitzen. (2) Für die Berechnung der Fristen in Absatz 1 Nummer 1 Buchstabe a und Nummer 2 Buchstabe b sind die Tätigkeiten als selbständige Handwerker und als gesetzliche Vertreter einer in der.Handwerks- rolle eingetragenen juristischen Person gegenseitig anrechenbar. § 91 (1) Die V· ttreter der Gesellen in der Handwerks- kammer (Gesellenmitglieder) werden von WahJ- männern gewählt. In jedem Betriebe eines selbstän- digen Handwerkers entfällt auf ein bis fünf Wahl- berechtigte ein Wahlmann und auf jede weitere volle und angefangene Zahl von fünf Wahlberech- tigten je ein weiterer Wahlmann. (2) Berechtigt zur Wahl der Wahlmänner sind die in dem Betriebe eines selbständigen Handwer- kers beschäftigten Gesellen. § 89 Abs. 2 und 3 findet Anwendung. (3) Wählbar zum Wahlmann ist jeder wahlbe- rechtigte Geselle, der das einundzwanzigste Lebens- jahr vollendet hat. § 92 Wählbar zum Gesellenmitglied der Handwerks- kammer sind die wahlberechtigten Gesellen, sofern sie 1. am Wahltag das fünfundzwanzigste Le- bensjahr vollendet, 2. eine Gesellenprüfung abgelegt haben und 3. die deutsche Staatsangehörigkeit besitzen. klärt sie die Wahl eines Mitgliedes für ungültig, so steht dem Betroffenen binnen zwei Wochen nach Bekanntgabe der Entscheidung an ihn die Be- schwerde an die oberste Landesbehörde zu. (2) Das Ergebnis der Wahl ist öffentlich be- kanntzumachen. § 94 (1) Gegen die Rechtsgültigkeit der Wahl kann je- der Wahlberechtigte Einspruch erheben; der Ein- spruch eines selbständigen Handwerkers kann sich nur gegen die Wahl der Vertreter des selbständigen Handwerks, der Einspruch eines Gesellen nur gegen die Wahl der Vertreter der Gesellen richten. (2) Der Einspruch gegen die Wahl eines Gewähl- ten kann nur auf eine Verletzung der Vorschriften der §§ 89, 90, 91 Abs. 2 und 3 und des § 92 gestützt werden. Erklärt die Handwerkskammer den Ein- spruch für begründet, so steht dem Betroffenen, lehnt sie den Einspruch ab, so steht dem Einsprechenden - binnen zwei Wochen nach Bekanntgabe der Entschei- dung an ihn die Beschwerde an die oberste Landes- behörde zu. (3) Richtet sich der Einspruch gegen die Wahl ins- gesamt, so ist er binnen vier Wochen nach der Be- kanntgabe des Wahlergebnisses bei der obersten Landesbehörde einzulegen. Er kann nur darauf ge- stützt werden, daß 1. gegen das Gesetz oder gegen die auf Grund des Gesetzes erlassenen Wahlvorschriften verstoßen worden ist und 2. der Verstoß geeignet war, das Ergebnis der Wahl zu beeinflußen. § 95 (1) Der Gewählte kann die Annahme der Wahl nur ablehnen, wenn er 1. das sechzigste Lebensjahr vollendet hat oder 2. durch Krankheit oder Gebrechen verhindert ist, das Amt ordnungsmäßig zu führen. (2) Ablehnungsgründe sind nur zu berücksichtigen, wenn sie binnen zwei Wochen nach der Bekanntgabe des Wahlergebnisses bei der Handwerkskammer gel- tend gemacht worden sind. Erklärt diese die Ableh- nung nicht für begründet, so kann der Betroffene ge- gen diesen Beschluß binnen zwei Wochen nach der Bekanntgabe an ihn Beschwerde bei der obersten Landesbehörde erheben. (3) Lehnt der Gewählte die Wahl verspätet oder ohne zulässigen Grund ab und weigert er sich, das Amt anzutreten, so kann er auf Antrag des Vorstan- des der Handwerkskammer von der obersten Landes- behörde mit einer Geldbuße bis zu zweihundert Deutsche Mark belegt werden. (4) Mitglieder der Handwerkskammer können nach Vollendung des sechzigsten Lebensjahres ihr Amt niederlegen. § 96 § 93 (1) Die Wahl zur Handwerkskammer erfolgt auf fünf Jahre. Eine Wiederwahl ist zulässig. (1) Die Handwerkskammer prüft die Gültigkeit der Wahl ihrer Mitglieder von Amts wegen. Er- (2) Nach Ablauf der Wahlzeit bleiben die Gewähl- ten solange im Amt, bis ihre Nachfolger eintreten.
Nr. 63 - Tag der Ausgabe: Bonn, den 23. September 1953 (3) Gesellenmitglieder behalten, auch wenn sie nicht mehr im Betriebe eines selbständigen Handwer- kers beschäftigt sind, solange sie im Bezirk der Hand- werkskammer verbleiben, das Amt noch bis zum Ende der Wahlzeit, jedoch höchstens für ein Jahr. § 97 (1) Mitglieder der Handwerkskammer haben aus dem Amt auszuscheiden, wenn sie durch Krankheit oder Gebrechen verhindert sind, das Amt ordnungs- mäßig zu führen oder wenn Tatsachen eintreten, die ihre Wählbarkeit ausschließen. (2) Gesetzliche Vertreter juristischer Personen· haben ferner aus dem Amt auszuscheiden, 1. wenn sie die Vertretungsbefugnis verloren haben, 2. wenn die juristische Person in der Hand- werksrolle gelöscht worden ist, 3. wenn die juristische Person durch gericht- liche Anordnung in der Verfügung über ihr Vermögen beschränkt ist. · (3) Weigert sich das Mitglied auszuscheiden, so ist es von der obersten Landesbehörde nach Anhö~ rung der Handwerkskammer seines Amtes zu ent- heben. § 98 (1) Für die Handwerkskammer ist von der ober- sten Landesbehörde eine Satzung zu erlassen. Uber eine Änderung der Satzung beschließt die Hand- werkskammer; der Beschluß bedarf der Genehmi- gung durch die oberste Landesbehörde. (2) Die Satzung muß Bestimmungen enthalten über 1. den Namen, den Sitz und den Bezirk der Handwerkskammer, 2. die Zahl der Mitglieder der Handwerkskam-, mer und der Stellvertreter sowie die Reihen- folge ihres Eintritts im Falle der Behinde- rung oder des Ausscheidens der Mitglieder, 3. die Verteilung der Mitglieder und der Stell- vertreter auf die im Bezirk der Handwerks- kammer vertretenen Handwerke, 4. die Zuwahl zur Handwerkskammer, 5. die Wahl des Vorstandes und seine Befug- nisse, 6. die Einberufung der Handwerkskammer und ihrer Organe, 7. die Form der Beschlußfassung und die Be- u·rkundung der Beschlüsse der Handwerks- kammer und des Vorstandes, 8. die Aufstellung und Genehmigung des Haushai tsplanes, 9. die Aufstellung und Abnahme der Jahres- rechnung, 10. die Voraussetzungen und die Form einer Änderung der Satzung, 11. die Organe, in denen die Bekanntmachun- gen der Handwerkskammer zu veröff ent- lichen sind. (3) Die Satzung darf keine Bestimmung enthalten, die mit den in diesem Gesetz bezeichneten Aufgaben 1425 der Handwerkskammer nicht in Verbindung steht oder gesetzlichen Vorschriften zuwiderläuft. (4) Die Satzung und ihre Änderungen sind in dem amtlichen Organ der für den Sitz der Handwerks- kammer zuständigen höheren Verwaltungsbehörde bekanntzumachen. § 99 Die Organe der Handwerkskammer sind 1. die Mitgliederversammlung (Vollversamm- lung), 2. der Vorstand, 3. die Ausschüsse. § 100 (1) Die in die Handwerkska'mmer gewählten Mit- glieder (§ 86 Abs. 1) bilden die Mitgliederversamm- lung {Vollversammlung). Ihrer Beschlußfassung bleibt vorbehalten 1. die Wahl des Vorstandes und der Aus- schüsse, 2. die Zuwahl von sachverständigen Personen (§ 86 Abs. 4), 3. die Wahl des Geschäftsführers, bei meh- reren Geschäftsführern des Hauptgeschäfts- führers und der Geschäftsführer, 4. die Feststellung des Haushaltsplanes, die Festsetzung der Beiträge zur Handwerks- kammer und die Erhebung von Gebühren, 5. die Prüfung und Abnahme der J ahresrech- nung, 6. die Bewilligung von Ausgaben, die nicht im Haushaltsplan vorgesehen sind, und die Aufnahme von Anleihen, 7. der Erwerb, die Veräußerung und die ding- liche Belastung von Grundeigentum, 8. der Erlaß von Vorschriften über die Lehr- lingsausbildung (§ 84 Abs. 1 Nr. 4 und Abs. 2), 9. der Erlaß der Gesellen- und Meisterprü- fungsordnungen (§ 84 Abs. 1 Nr. 5 und 6), 10. der Erlaß der Vorschriften über die öffent- liche Bestellung und Vereidigung von Sach- - verständigen (§ 84 Abs. 1 Nr. 8), 11. die Festsetzung der den Mitgliedern zu ge- währenden Entschädigung (§ 87), 12. die Änderung der Satzung. (2) Die nach Absatz 1 Nummern 3 bis 12 gefaßten Beschlüsse bedürfen der Genehmigung durch die oberste Landesbehörde; die Beschlüsse zu Nummern 4, 8, 9, 10 und 12 sind in den für die Bekanntmachun:.. gen der Handwerkskammer bestimmten Organen {§ 98 Abs. 2 Nr. 11) zu veröffentlichen. § 101 Die Handwerkskammer. kann zu ihren Verhand- lungen Sachverständige mit beratender Stimme zu- ziehen. § 102 (1) Die Vollversammlung wählt aus ihrer Mitte den Vorstand. Ein Drittel der Mitglieder müssen Gesellen sein.
Bundesgesetzblatt, Jahrgang 1953, Teil I 1426 (2) Der Vorstand besteht nach näherer Bestimmung der Satzung aus dem Vorsitzenden (Präsidenten), zwei Stellvertretern, von denen einer Geselle sein muß, und einer weiteren Zahl von Mitgliedern. (3) Die Wahl des Präsidenten und seiner Stellver- treter ist der obersten Landesbehörde binnen einer Woche anzuzeigen. (4) Als Ausweis des Vorstandes genügt eine Be- scheinigung der obersten Landesbehörde, daß die darin bezeichneten Personen zur Zeit den Vorstand bilden. 103 Dem Vorstand obliegt nach näherer Bestimmung der Satzung die Verwaltung. Er vertritt die Hand- werkskammer gerichtlich und außergerichtlich. Durch die Satzung kann die Vertretung einem Mitglied oder mehreren Mitgliedern übertragen werden. § 104 Die Vollversammlung kann unter Wahrung der im § 86 Abs.1 bestimmten Verhältniszahl aus ihrer Mitte Ausschüsse bilden und sie mit besonderen regel- mäßigen oder vorübergehenden Aufgaben betrauen .. § 101 findet entsprechende Anwendung. § § 105 Die Handwerkskammer kann Beauftragte bestel- len und sie mit Feststellungen, Ermittlungen und Be- triebsbesichtigungen zur Durchführung der von ihr erlassenen Vorschriften und Anordnungen oder der sonstigen von ihr getroffenen Maßnahmen betrauen. Die selbständigen Handwerker sind verpflichtet, den Beauftragten die für die Erfüllung ihres Auftrages notwendigen Auskünfte zu erteilen und die Besich- tigung der Betriebsräume sowie der für den Aufent- halt und die Unterkunft der Lehrlinge und Gesellen bestimmten Räume und Einrichtungen zu gestatten. Handwerkskammer mit Genehmigung der obersten Landesbehörde festgesetzten Beitragsmaßstab ge- tragen. (2) Die Beiträge der selbständigen Handwerker werden von den Gemeinden auf Grund einer von der Handwerkskammer aufzustellenden Aufbrin- gungsliste nach den für Gemeindeabgaben geltenden landesrechtlichen Vorschriften eingezogen und bei- getrieben. Die Gemeinden können für ihre Tätigkeit eine angemessene Vergütung von der Handwerks- kammer beanspruchen, deren Höhe im Streitfall die höhere Verwaltungsbehörde festsetzt. (3) Die Handwerkskammer kann für die Inan- spruchnahme besonderer Einrichtungen oder Tätig- keiten mit Genehmigung der obersten Landes- behörde Gebühren erheben. Für ihre Beitreibung gilt Absatz 2 Satz 1. (4) Streitigkeiten wegen Entrichtung von Beiträgen und Gebühren entscheidet die höhere Verwaltungs- behörde. Gegen ihre Entscheidung ist der Verwal- tungsrechtsweg zulässig. 108 Die Behörden sind innerhalb ihrer Zuständigkeit verpflichtet, den _im Vollzug dieses Gesetzes an sie ergehenden Ersuchen der Handwerkskammern zu entsprechen. Die gleiche Verpflichtung obliegt den Handwerkskammern untereinander. § § 109 (1) Die oberste Landesbehörde führt die Aufsicht über die Handwerkskammer. (2) Die Aufsichtsbehörde kann die Handwerks- kammer auflösen und Neuwahlen anordnen, wenn die Handwerkskammer trotz wiederholter Aufforde- rung die Erfüllung ihrer Aufgaben vernachlässigt oder durch Zuwiderhandlungen oder Unterlassungen das Gemeinwohl gefährdet oder wenn sie andere als die gesetzlich zulässigen Zwecke verfolgt. § 106 (1) Die Handwerkskammer kann bei Zuwider- handlungen gegen die von ihr innerhalb ihrer Zu- ständigkeit erlassenen Vorschriften oder Anordnun- gen _Ordnungsstrafen bis zu eintausend Deutsche Mark festsetzen. (2) Die Ordnungsstrafe muß vorher schriftlich an- gedroht werden. Die Androhung und die Festsetzung der Ordnungsstrafe sind dem Betroffenen zuzu- stellen. (3) Gegen die Androhung und die Festsetzung der Ordnungsstrafe steht dem Betroffenen der Verwal- tungsrechtsweg offen. (4) Die Ordnungsstrafen fließen der Handwe:i;ks- kammer zu. Sie werden auf Antrag des Vorstandes der Handwerkskammer nach Maßgabe des § 107 Abs. 2 Satz 1 beigetrieben. § 107 (1) Die durch die Errichtung und Tätigkeit der Handwerkskammer entstehenden Kosten werden, soweit sie nicht anderweitig gedeckt sind, von den &elbständigen Handwerkern nach einem von der FUNFTER TEIL Straf-, Ubergangs- und Schlußbestimmringen ERSTER ABSCHNITT Strafbestimmungen § 110 Mit Geldstrafe wird bestraft, wer 1. den Bestimmungen der §§ 17 bis 20 zuwider Lehrlinge hält, anleitet oder anleiten läßt, 2. der Vorschrift des § 46 zuwider die Bezeich- nung Meister führt. § 111 (1) Eine Ordnungswidrigkeit begeht, wer 1. entgegen der Vorschrift des § 1 ein Hand- werk als stehendes Gewerbe selbständig betreibt, 2. die nach § 15 Abs. 2 erforderlichen Anzei- gen nicht unverzüglich erstattet, 3. die nach § 16 erforderliche Auskunft ver- weigert,
Nr. 63 - Tag der Ausgabe: Bonn, den 23. September 1953 4. der Bestimmung des § 26 Satz 2 zuwider einen Lehrling beschäftigt, 5. der nach § 29 getroffenen Anordnung der höheren Verwaltungsbehörde nicht nach- kommt. (2) Eine Ordnungswidrigkeit begeht ferner, wer vorsätzlich oder fahrlässig 1. die gesetzlichen Pflichten gegen die ihm an- vertrauten Lehrlinge verletzt, 2. den Lehrvertrag nicht ordnungsgemäß ab- schließt (§ 21 Abs. 1) oder es unterläßt, den Lehrvertrag fristgemäß einzureichen (§ 21 Abs. 4) oder die nach § 21 Abs. 3 erforder- liche Anzeige zu erstatten. (3) Die Ordnungswidrigkeit kann mit einer Geld- buße geahndet werden. ZWEITER ABSCHNITT Ubergangsbestimmungen § 112 (1) Die bei Inkrafttreten dieses Gesetzes vorhan- dene Berechtigung eines Gewerbetreibenden, ein Handwerk als stehendes Gewerbe selbständig zu betreiben, bleibt bestehen. Soweit die Berechtigung zur Ausübung eines selbständigen Handwerks an- deren bundesrechtlichen Beschränkungen als den in diesem Gesetz bestimmten unterworfen ist, bleiben diese Vorschriften unberührt. (2) Ist ein nach Absatz 1 Satz 1 berechtigter Ge- werbetreibender bei Inkrafttreten dieses Gesetzes nicht in der Handwerksrolle eingetragen, so ist er auf Antrag oder von Amts wegen binnen drei Mo- naten in die Handwerksrolle einzutragen. § 113 Bis zum Erlaß von Bestimmungen gemäß § 6 Abs. 3 bleibt die Verordnung des Reichswirtschaftsministers über die Einrichtung und Anlegung der Handwerks- rolle vom 25. April 1929 (Reichsgesetzbl. I S. 87) nebst den hierzu ergangenen Ausführungsbestimmungen der Länder in Kraft. § 114 Bis zum Erlaß einer Bestimmung des Bundesmini- sters für Wirtschaft gemäß § 9 Abs. 2 gilt insoweit die Bekanntmachung des Deutschen Handwerks- und Gewerbekammertages über den Wortlaut der Hand- werkskarte vom 15. Mai 1936. 115 Die bei Inkrafttreten dieses Gesetzes vorhandene Befugnis zum Halten oder Anleiten von Lehrlingen in Handwerksbetrieben bleibt bestehen. § 116 Bis zum Erlaß von Bestimmungen gemäß § 30 ver- bleibt es bei der für die einzelnen Handwerke auf Grund des§ 130 a der Gewerbeordnung festgesetzten Lehrzeit. § 117 Der Meisterprüfung im Sinne des § 41 bleiben die in § 133 Abs. 10 der Gewerbeordnung bezeichneten Prüfungen gleichgestellt, sofern sie vor Inkrafttreten dieses Gesetzes abgelegt worden sind. § 1427 § 118 (1) Die bei Inkrafttreten dieses Gesetzes beste- henden Gesellen- und Meisterprüfungsausschüsse für die Abnahme der Gesellen- und Meisterprüfun- gen sind nach den Bestimmungen dieses Gesetzes bis zum 31. Dezember 1953 umzubilden; bis dahin gelten sie als Prüfungsausschüsse im Sinne der §§ 33 und 42. (2) Die für die einzelnen Handwerke geltenden Gesellen- und Meisterprüfungsvorschriften sind bis zum Erlaß der in §§ 38 und 45 vorgesehenen Prü- fungsordnungen anzuwenden, soweit sie nicht mit diesem Gesetz in Widerspruch stehen. § 119 Beantragt ein Gewerbetreibender, der bei Inkraft- treten dieses Gesetzes berechtigt ist, ein Handwerk als stehendes Gewerbe selbständig zu betreiben, in diesem Handwerk zur Meisterprüfung zugelassen zu werden, so gelten für die Zulassung zur Prüfung die Bestimmungen der §§ 44 und 45 mit folgender Maß- gabe: 1. der Nachweis einer Lehrzeit oder einer Gesel- lenprüfung ist nicht erforderlich; 2. es genügt der Nachweis einer fünfjährigen Tä- tigkeit als Facharbeiter oder selbständiger Ge- werbetreibender in dem Handwerk, in welchem die Meisterprüfung abgelegt werden soll; ist die Gesellenprüfung oder eine Facharbeiter- prüfung (§ 44 Abs. 2) in diesem Handwerk ab- gelegt, so genügt der Nachweis einer zweijäh- rigen Tätigkeit. § 120 (1) Die bei Inkrafttreten dieses Gesetzes bestehen- den Handwerksinnungen oder Handwerkerinnungen, Kreishandwerkerschaften oder Kreisinnungsver- bände, Innungsverbände und Handwerkskammern sind nach den Bestimmungen dieses Gesetzes bi.s zum 31. Dezember 1953 umzubilden; bis zu ihrer Um- bildung gelten sie als Handwerksinnungen, Kreis- handwerkerschaften, Innungsverbände und Hand- werkskammern im Sinne dieses Gesetzes. Wenn sie sich nicht bis zum 31. Dezember 1953 umgebildet haben, sind sie aufgelöst. (2) Die nach diesem Gesetz umgebildeten Hand- werksinnungen, Kreishandwerkerschaften, Innungs- verbände und Handwerkskammern gelten als Rechts- nachfolger der entsprechenden bisher bestehenden Handwerksorganisationen. (3) Soweit für die bisher bestehenden Handwerks- organisationen eine Rechtsnachfolge nicht eintritt, findet eine Vermögensauseinandersetzung nach den für sie bisher geltenden gesetzlichen Bestimmungen statt. ßei Meinungsverschiedenheiten entscheidet die nach dem geltenden Recht zuständige Aufsichtsbe- hörde. DRITTER ABSCHNITT Schlußbestimmungen § 121 (1) Gesetze und Verordnungen des Reiches, des Bundes und der Länder, die mit diesem Gesetz in Widerspruch stehen, werden mit den zu ihrer Durch- führung, Änderung und Ergänzung ergangenen Ver-
1428 Bundesgesetzblatt, Jahrgang 1953, Teil I ordnungen, Durchführungsbestimmungen, nungen und Erlassen aufgehoben. Anord- (2) Insbesondere werden aufgehoben: 1. das Gesetz über den vorläufigen Aufbau · des deutschen Handwerks vom 29. Novem- ber 1933 (Reichsgesetzbl. I S. 1015), 2. die Erste Verordnung über den vorläufigen Aufbau des deutschen Handwerks vom 15. Juni 1934 (Reichsgesetzbl. I S. 493), 3. die Zweite Verordnung über den vorläufi- gen Aufbau des deutschen Handwerks vo1:1 18. Januar 1935 (Reichsgesetzbl. I S. 14) mit den hierzu ergangenen Verordnungen vom 7. Oktober 1936 (Reichsgesetzbl. I S. 905) und vom 8. Februar 1939 (Rekhsgesetzbl. I s. 166), 4. die Dritte Verordnung über den vorläufi- gen Aufbau des deutschen Handwerks vom 18. Januar 1935 (Reichsgesetzbl. I S. 15) in der Fassung der Verordnung vom 22. Ja- nuar 1936 (Reichsgesetzbl. I S. 42), 5. die Verordnung über Maßnahmen auf dem Gebiet des Handwerksrechts vom 17. Okto- ber 1939 (Reichsgesetzbl. I S. 2046), 6. die Verordnung über die Durchführung des Vierjahresplanes auf dem Gebiet der Hand- werkswirtschaft vom 22. Februar 1939 (Reichsgesetzbl. I S. 327), 7. die Verordnung über die Zuständigkeit der in Preußen bei Eintragung und Löschung in der Handwerksrolle im Einspruchsverfah- ren entscheidenden Behörden vom 19. März· 1935 (Ministerialblatt für Wirtschaft und Arbeit S. 125), 6. die Verordnung über Maßnahmen auf dem Gebiet der Berufsausbildung im Handwerk vom 6. Januar 1940 (Reichsgesetzbl. I S. 32), 9. die Vierte Verordnung zur Durchführung der Verordnung über die Vereinfachung und Vereinheitlichung der Organisation der gewerblichen Wirtschaft (Handwerks- rollenverordnung) vom 13. August 1942 (Reichsgesetzbl. I S. 519), 10. die Sechste Verordnung zur Durchführung der Verordnung über die Vereinfachung . und Vereinheitlichung der Organisation der gewerblichen Wirtschaft vom 23. März 1943 (Reichsgesetzbl. I S. 158), 11. die Verordnung des Zentralamtes für Wirt- schaft in der britischen Zone über den Auf- bau des Handwerks vom 6. Dezember 1946 (Gesetz- und Verordnungsblatt für das Land Nordrhein-Westfalen 1947 S. 21, Amts- blatt für Niedersachsen 1947 S. 7, Amts- blatt für Schleswig.-Holstein 1947 S. 13, Amtlicher Anzeiger Beiblatt zum Hambur- gischen Gesetz- und Verordnungsblatt 1947 s. 17), 12. die Verordnung des Verwaltungsamtes für Wirtschaft des amerikanischen und briti- schen Besatzungsgebietes über die Wahlen zur Handwerkskammer vom 24. Juli 1947 (Gesetz- und Verordnungsblatt für das Land Nordrhein-Westfalen 1948 S. 25, Amtsblatt für Niedersachsen 1947 S. 228, Amtsblatt für Schleswig-Holstein 1947 S. 531, Amtlicher Anzeiger Beiblatt zum Hamburgischen Ge- setz- und Verordnungsblatt 1947 S. 471), 13. das Landesgesetz des Landes Rheinland- Pfalz über die Neufassung des Handwerks- rechts (Handwerksordnung) vom 2. Septem- ber 1949 (Gesetz- und Verordnungsblatt der Landesregierung Rheinland-Pfalz Teil I s. 379), 14. die Rechtsanordnung des Landes Württem- berg-Hohenzollern zur Ordnung des Hand- werks (Handwerksordnung) vom 5. No- vember 1946 (Amtsblatt des Staatssekreta- riats für das französisch besetzte Gebiet Württembergs und Hohenzollerns 1947 s. 1), 15. die Bekanntmachung des Reichswirtschafts- ministers vom 6. Dezember 1934 betr. Ver- zeichnis der Gewerbe, die handwerksmäßig betrieben werden können, (Reichsanzeiger und Preußischer Staatsanzeiger Nr. 287 vom 8. Dezember 1934) mit den hierzu er- gangenen Änderungen und Ergänzungen, 16. die Wahlordnung für die Wahlen der Mitglieder der Handwerkskammern vom 16. Mai 1929 (Reichsgesetzbl. I S. 102). § 122 Es werden ferner aufgehoben: 1. aus der Gewerbeordnung für das Deutsche Reich vom 21. Juni 1869 / 26. Juli 1900 (Bundes- gesetzbl. S. 245 / Reichsgesetzbl. S. 871) in der gegenwärtig geltenden Fassung die §§ 103 bis 103 r, 129 bis 132 a, 133 Abs. 1 und Abs. 3 bis 10, sowie § 148 Abs. 1 Nr. 9 b, soweit in ihm auf die §§ 129 und 130 Bezug genommen wird, und § 148 Abs. 1 Nr. 9 c, 2. der § 4 der Verordnung über die Ubertragung von Verwaltungsentscheidungen in der Wirt- schaftsverwaltung vom 30. Januar 1941 (Reichs- gesetzbl. I S. 87), 3. der § 3 des Gesetzes des Landes Niedersachsen über die Zulassung und Schließung von Ge- werbebetrieben (Gewerbezulassungsgesetz) vom 29. Dezember 1948 (Niedersächsisches Gesetz- und Verordnungsblatt S. 188) sowie Artikel 3 und Artikel 10 Abs. 2 der Verord- nung des Niedersächsischen Staatsministeriums zur Durchführung des Gesetzes über die Zu- lassung und Schließung von Gewerbebetrie- ben (Gewerbezulassungsgesetz) vom 7. Januar 1949 (Niedersächsisches Gesetz- und Verord- nungsblatt S. 15, 36) in der Fassung der Verord- nung vom 23. Januar 1951 (Niedersächsisches Gesetz- und Verordriungsblatt S. 11), 4. der § 3 der Verordnung der Freien Hansestadt Bremen zur Änderung der Zweiten Durchfüh- rungsverordnung zum Ubergangsgesetz zur Regelung der Gewerbefreiheit vom 26. August 1949 (Gesetzblatt der Freien Hansestadt Bre- men S. 203), 5. der § 5 des Gesetzes der Freien Hansestadt Bremen über die Ubertragung der öffentlich-
Nr. 63 - Tag der Ausgabe: Bonn, den 23. September 1953' rechtlichen Aufgaben der Kammern auf staat- liche Behörden vom 26. Januar 1949 (Gesetz- blatt der Freien Hansestadt Bremen S. 21). § 123 (1) Sind in Gesetzen und Verordnungen des Rei- ches, des Bundes und der Länder Vorschriften ent- halten, die mit diesem Gesetz nicht in Einklang ste- hen, so sind sie insoweit nicht mehr anzuwenden. (2) Insbesordere sind insoweit nicht mehr anzu- wenden: 1. das Gesetz zur Vorbereitung des organi- schen Aufbaus der deutschen Wirtschaft vom 27. Februar 1934 (Reichsgesetzbl. I S. 185) und die Verordnung über die Ver- einfachung und Vereinheitlichung der Orga- nisation der gewerblichen Wirtschaft vom 20. April 1942 (Reichsgesetzbl. I S. 189) nebst den zur Durchführung, Änderung und Ergänzung des Gesetzes und der Verord- nung ergangenen Verordnungen, Durchfüh- rungsbestimmungen, Anordnungen und Er- lassen, 2. Abschnitt I des Gesetzes zur Erhaltung und Hebung der Kaufkraft (Beiträgegesetz) vom 24. März 1934 (Reichsgesetzbl. I S. 235). (3) Es sind ferner insoweit nicht mehr anzuwen- den: 1. aus der Gewerbeordnung für das Deutsche Reich vom 21. Juni 1869 / 26. Juli 1900 (Bun- desgesetzbl. S. 245 / Reichsgesetzbl. S. 871) in der gegenwärtig geltenden Fassung der § 30 c, die §§ 81 bis 99, 104 bis 104 n, 126 bis 128, 144 a, 148 Abs. 1 Nr. 9, 9 a und§ 148 Abs. 1 Nr. 9b, soweit in ihm auf§ 128 Bezug genommen wird, sowie § 148 Abs. l Nr. 10 und § 150 Abs. 1 Nr. 4 a, 1429 2. die §§ 4 und 7 der Zweiten Durchführungs- verordnung der Freien Hansestadt Bremen zum Ubergangsgesetz zur Regelung der Gewerbefreiheit vom 14. Februar 1949 (Ge- setzblatt der Freien Hansestadt Bremen s. 31), 3. die §§ 3 a und 8 der Verordnung der Freien Hansestadt Bremen zur Änderung der Zwei- ten Durchführungsverordnung zum Uber- gangsgesetz zur Regelung der Gewerbe- freiheit vom 26. August 19.49 (Gesetzblatt der Freien Hansestadt Bremen S. 203), 4. die §§ 1, 6, 7 und 8 des Gesetzes der Freien Hansestadt Bremen über die Ubertragung der öffentlich-rechtlichen Aufgaben der Kammern auf staatliche Behörden vom 26. Januar 1949 (Gesetzblatt der Freien Hansestadt Bremen S. 21). VIERTER ABSCHNITT Berlin-Klausel und Inkrafttreten § 124 Mit Ausnahme des § 49 Abs. 5 gilt dieses Gesetz nach Maßgabe des § 13 Abs. 1 des Gesetzes über die Stellung des Landes Berlin im Finanzsystem des Bundes (Drittes Uberleitungsgesetz) vom 4. Januar 1952 (Bundesgesetzbl. I S. 1) auch im Land Berlin. Rechtsverordnungen, die auf Grund der in diesem Gesetz enthaltenen Ermächtigung erlassen werden, gelten im Land Berlin nach § 14 des Dritten Uber- lei tungsgesetzes. § 125 Das Gesetz tritt am Tage nach der Verkündung in Kraft. Das vorstehende Gesetz wird hiermit verkündet. Bonn, den 11. September 1953. Der Bundespräsident Theodor Heuss Der Bundeskanzler Adenauer Der Bundesminister für Wirtschaft Ludwig Erhard
1430 Bundesgesetzblatt, Jahrgang 1953, Teil I Anlage A zu dem Gesetz zur Ordnung des Handwerks (Handwerksordnung} Verzeichnis der Gewerbe, die als Handwerk betrieben werden können (Die zu einem Handwerk gehörenden Handwerkszweige sind eingeklammert; die mundartlichen Bezeichnungen sind kursiv gedruckt) I Gruppe der Bau- und Ausbaugewerbe Nr. 1 Maurer, Beton- und Stahlbetonbauer, Feue- rungs- und Schornsteinbauer; Backofenbauer 2 Zimmerer 3 Dachdecker (Schiefer-, Schindel-, Stroh- [Rohr-] und Ziegeldecker) 4 Straßenbauer (Pflasterer) 5 Wärme-, Kälte- und Schallschutzisolierer 6 Mosaik-, Platten- und Fliesenleger 7 Betonstein- und Terrazzohersteller; Steinholz- leger 8 Brunnenbauer 9 Steinmetzen und Steinbildhauer 10 Stukkateure 11 Maler Anstreicher (Tüncher, Weißbinder); Lackierer 12 Ofensetzer 13 Schornsteinfeger Kaminkehrer II Gruppe der Metallgewerbe 14 15 16 17 18 19 20 21 22 23 24 25 26 27 28 Schmiede Schlosser (Blitzableiterbauer) Maschinenbauer; Werkzeugmacher; Dreher Mühlenbauer Mechaniker (Näh-, Sprechmaschinen- und Fahr- radmechaniker); Büromaschinenmechaniker Kraftfahrzeugmechaniker; Kraftfahrzeugelek- triker Landmaschinenme_chaniker Feinmechaniker und Feinoptiker Büchsenmacher Klempner Spengler, Flaschner, (Kühlerher- steller, Kühlerreparateure); Gas- und Wasser- installateure Zentralheizungs- und Lüftungsbauer Kupferschmiede Elektroinstallateure (Blitzableiterbauer); Elek- tro- und Fernmeldemechaniker Elektromaschinenbauer Radio- und Fernsehtechniker Nr. 29 Uhrmacher 30 Graveure (Damaszierer, Formstecher) 1Ziseleure 31 Galvaniseure und Metallschleifer 32 Gürtler und Metalldrücker 33 Metallformer und Metallgießer 34 Glockengießer 35 Schweißer 36 Messerschmiede 37 Gold- und Silberschmiede 38 Gold-, Silber- und Aluminiumschläger III Gruppe der Holzgewerbe 39 Tischler Schreiner (Segelflugzeugbauer, Kegel- bahnbauer) 40 Rolladen- und Jalousiebauer 41 Bootsbauer; Schiffbauer 42 Modellbauer 43 Stellmacher Wagner; Karosseriebauet 44 Drechsler; Schirmmacher 45 Holzbildhauer 46 Böttcher Kübler, Schäffler; Weinküfer 47 Bürsten- und Pinselmacher (Drahtbürsten- macher) 48 Korbmacher IV Gruppe der ,.Bekleidungs-, Textil- und Ledergewerbe 49 50 51 52 53 54 55 56 57 58 Herrenschneider Damenschneider Wäscheschneider Sticker; Stricker Putzmacher Weber Seiler (Netzmacher); Segelmacher Kürschner; Mützenmacher Handschuhmacher Schuhmacher (Schäftemacher); Orthopädie- schuhmacher
Nr. 63 - Tag der Ausgabe: Bonn, den 23. September 1953 Nr. 59 Holzschuhmacher 60 Gerber 61 Sattler; Feintäschner 62 Polsterer und Dekorateure Tapezierer V Gruppe der Nahrungsmittelgewerbe 63 Bäcker (Brezel-, Schwarzbrot- und Lebkuchen- bäcker, Feinbackwarenhersteller) 64 Konditoren 65 Fleischer Metzger, Schlachter 66 Roßschlachter 67 Müller 68 Brauer und Mälzer VI Gruppe der Gewerbe für Gesundheits- und Körperpflege sowie der chemischen und Reinigungsgewerbe 69 70 71 72 Augenoptiker Bandagisten Orthopädiemechaniker Chirurgie-Instrumentenmacher und Chirurgie- mechaniker 73 Zahntechniker 74 Friseure (:?erückenmacher) 75 Färber und Chemischreiniger 1431 Nr. 76 Seifensieder (Kerzenzieher) 77 Wäschereibetriebe; Plättereibetriebe 78 Gebäudereiniger VII Gfuppe d~r Glas-, Papier-, keramischen und sonstigen Gewerbe 79 Glaser 80 Glasschleifer und Glasätzer 81 Glasbläser und Glasinstrumentenmacher 82 Glas- und Porzellanmaler 83 Edelsteinschleifer 84 Photographen (Phototechniker) 85 Buchbinder 86 Buchdrucker: Schriftsetzer; Drucker 87 Steindrucker; Lithographen; Xylographen 88 Chemigraphen; Stereotypeure und Galvano- plastiker 89 Töpfer Hafner, Häfner 90 Orgelbauer; Klavier- und Harmoniumbauer; Geigenbauer; Metallblasinstrumenten- und Schlagzeugmacher; Holzblasinstrumenten- macher; Zupfinstrumentenmacher 91 Vergolder 92 Schilder- und Lichtreklamehersteller 93 Vulkaniseure
1432 Bundesgesetzblatt, Jahrgang 1953, Teil I Anlage B zu dem Gesetz zur Ordnung des Handwerks (Handwerksordnung) Wahlordnung für die Wahlen der Mitglieder der Handwerkskammern ERSTER ABSCHNITT Zeitpunkt der Wahl, Wahlleiter und Wahlausschuß 1 Der Vorstand der Handwerkskammer bestimmt den Tag der Wahl, der ein Sonntag oder öffentlicher Ruhetag sein muß, und die Abstimmungszeit; erbe- stellt einen Wahlleiter sowie einen Stellvertreter, die nicht zu den Wahlberechtigten gemäß § 89 Abs. 1 und§ 91 Abs. 2 des Gesetzes zur Ordnung des Hand- werks (Handwerksordnung) vom . . . gehören und nicht Beamte der Handwerkskammer sein dürfen. § § 2 (1) Der Wahlleiter beruft aus der Zahl der Wahl- berechtigten vier Beisitzer und die erforderliche Zahl von Stellvertretern, die je zur Hälfte selbstänqige Handwerker und Gesellen sein müssen. Der Walil- leiter und die Beisitzer bilden den Wahlausschuß; den Vorsitz führt der Wahlleiter. (2) Der Wahlausschuß ist beschlußfähig, wenn außer dem Wahlleiter oder seinem Stellvertreter mindestens ein selbständiger Handwerker und ein Geselle als Beisitzer anwesend sind. Er beschließt mit Stimmenmehrheit; bei Stimmengleichheit ent- scheidet die Stimme des Wahlleiters. (3) Die in den Wahlausschuß berufenen Beisitzer und Stellvertreter werden von dem Vorsitzenden auf unparteiische und gewissenhafte Erfüllung ihres Amtes durch Handschlag verpflichtet. (4) Die Stellvertreter werden für abwesende oder ausgeschiedene Beisitzer herangezogen. (5) Zu den Verhandlungen des Wahlausschusses bestellt der Vorsitzende einen Schriftführer, den er auf unparteiische und gewissenhafte Erfüllung seines Amtes durch Handschlag verpflichtet; der Schrift- führer ist nicht stimmberechtigt und soll nicht zu den Wahlberechtigten gemäß § 89 Abs. 1 und § 91 Abs. 2 der Handwerksordnung gehören. (6) Ort und Zeit der Sitzungen bestimmt der Vor- sitzende. Die Beisitzer und der Schriftführer werden zu den Sitzungen eingeladen. (7) Der Wahlausschuß entscheidet in öffentlicher Sitzung. (8) Offentlich sind diese Sitzungen auch dann, wenn Zeit, Ort und Gegenstand der Sitzung vorher durch Aushang am Eingang des Sitzungshauses mit dem Hinweis bekanntgegeben worden sind, daß der Zutritt zur Sitzung den Stimmberechtigten offen steht. (9) Die Beisitzer des Wahlausschusses erhalten keine Vergütung; es wird ihnen für bare Auslagen und Zeitversäumnis eine Entschädigung nach den für die Mitglieder der Handwerkskammer festgesetzten Sätzen gewährt. Die Entschädigung für Zeitversäum- nis der Gesellenmitglieder muß so bemessen sein, daß sie mindestens den ihnen entstandenen Lohnaus- fall deckt. (10) Auf die Beisitzer des Wahlausschusses finden die Bestimmungen des § 6 Anwendung. ZWEITER ABSCHNITT Wahlbezirk § 3 Der Handwerkskammerbezirk bildet einen Wahl- bezirk. DRITTER ABSCHNITT Stimmbezirke § 4 (1) Der Vorstand der Handwerkskammer hat den Wahlbezirk in Stimmbezirke einzuteilen, die nach den örtlichen Verhältnissen so abgegren·zt sein sol- len, daß den Stimmberechtigten die Teilnahme an der Abstimmung möglichst erleichtert wird. (2) Der Vorstand der Handwerkskammer hat fer• ner für jeden Stimmbezirk den Raum zu bestimmen, in dem die Abstimmung vorzunehmen ist. In den Ab· stimmungsräumen müssen die erforderlichen Ein- richtungen vorhanden sein, die das Wahlgeheimnis sichern. (3) Die Einteilung der Stimmbezirke und die Ab- stimmungsräume sind spätestens eine Woche vor dem Wahltag in den fur die Bekanntmadiungen der Handwerkskammer bestimmten Organen zu ver- öffentlichen. VIERTER ABSCHNITT Abstimmungsvorstand § 5 (1) Der Vorst._and der Handwerkskammer ernennt für jeden Stimmbezirk einen Abstimmungsvorsteher und einen Stellvertreter, von denen einer ein wahl- berechtigter selbständiger Handwerker und einer ein wahlberechtigter Geselle sein muß. Der Ab- stimmungsvorsteher ernennt aus den Wahlberech- tigten des Stimmbezirks zwei Beisitzer, und zwar einen selbständigen Handwerker und einen Gesellen sowie einen Schriftführer; der Abstimmungsvor- steher, sein Stellvertreter und die Beisitzer bilden den Abstimmungsvorstand. (2) Die Mitglieder des Abstimmungsvorstandes erhalten keine Vergütung. (3) Der Abstimmungsvorstand wird vom Abstim- mungsvorsteher eingeladen und tritt am Abstim- mungstag zu Beginn der Abstimmungshandlung in
Nr. 63 - Tag der Ausgabe: Bonn, den 23. September 1953 1433 dem Abstimmungsraum zusammen. Fehlende Bei- sitzer werden durch anwesende Stimmberechtigte ersetzt. (§ 3); sie sind getrennt für die Wahl der Vertreter (4) Der Stellvertreter, die Beisitzer und der Schrift- führer unterstützen den Abstimmungsvorsteher bei der Dberwachung und ·Durchführung der Abstim- mungshandlung sowie bei der Ermittlung des Ab- stimmungsergebnisses. des selbständigen Handwerks und für die Wahl der Vertreter der Gesellen in Form von Listen einzu- reichen und müssen die Namen von so vielen Be- werbern enthalten, als Mitglieder und Stellvertreter in dem Wahlbezirk zu wählen sind. (5) Der Abstimmungsvorstand berät und beschließt über die einzelnen Abstimmungshandlungen. Er faßt seine Beschlüsse mit Stimmenmehrheit in Anwesen- heit des Abstimmungsvorstehers oder seines Stell- vertreters und zweier Beisitzer; der Schriftführer ist nicht stimmberechtigt. Die Nachprüfung im Wahl- prüfungsverfahren bleibt vorbehalten. (2) Die Bewerber sind mit Vor- und Zunamen, Be- ruf, Wohnort und Wohnung so deutlich zu bezeich- nen, daß über ihre Persönlichkeit kein Zweifel be- steht. In gleicher Weise ist für jedes einzelne Mit- glied ein Stellvertreter deutlich zu bezeichnen, so daß zweifelsfrei hervorgeht, wer als Mitglied und wer als Stellvertreter vorgeschlagen wird. (6) Bei der Abstimmungshandlung müssen der Abstimmungsvorsteher oder sein Stellvertreter so- wie zwei Beisitzer des Abstimmungsvorstandes, und zwar ein selbständiger Handwerker und ein Geselle, außerdem der Schriftführer anwesend sein. (3) Die Verteilung der Bewerber des selbständi- gen Handwerks und der Gesellen auf die im Bezirk der Handwerkskammer in Gruppen zusammengefaß- ten Handwerker muß den Bestimmungen der Satzung der Handwerkskammer entsprechen. § 6 (1) Jeder Wähler ist verpflichtet, die ehrenamt- liche Tätigkeit eines Abstimmungsvorstehers, Stell- vertreters des Abstimmungsvorstehers, Beisitzers oder Schriftführers im Abstimmungsvorstar,.~ zu übernehmen. (2) Die Berufung zu einer.:1 Wahlehrenamt dürfen ablehnen !., W'iihler, die als Bewerber auf einem Wahl- vorschlag benannt sind, 2. Wähler, die das sechzigste Lebensjahr voll- endet haben, 3. Wähler, die glaubhaft machen, daß sie aus dringenden beruflichen Gründen oder durch Krankheit oder durch Gebrechen verhindert sind, das Amt ordnungsmäßig zu führen, 4. Wähler, die sich am Wahltag aus zwingen- den Gründen außerhalb ihres. Wohnortes aufhalten, 5. weibliche Wähler, die glaubhaft machen, daß ihnen die Fürsorge für ihre Familie die Ausübung des Amtes in besonderem Maße erschwert. (3) Wähler, weJche ein Wahlehrenamt ohne Vor- liegen eines im Absatz 2 genannten Grundes ableh- nen, können auf Antrag des Vorstandes der Hand- werkskammer von der obersten Landesbehörde mit· einer Geldbuße bis zu zweihundert Deutsche Mark belegt werden. § 8 (1) Die Wahlvorschläge gelten für den Wahlbezirk (4) Auf jedem Wahlvorschla.g '!;ollen ein Ver- trauensmann und eiil SteHvertreter bezeichnet sein, die bevollmächtigt 'sind, ·dem Wahlleiter gegenüber Erk1ärungerr abzugeben. Fehlt diese Bezeichnung, sq t1it der erste Unterzeichnete als Vertrauensmann, der zweite als sein Stellvertreter. (5) Jeder Wahlvorschlag muß vori mindestens 100 Wahlberechtigten unterzeichnet sein. (6) Die Unterzeichner der Wahlvorschläge müssen bei der Unterschrift auch Beruf, Wohnort und Woh- nung angeben. Die Unterschriften müs~en leserlich sein. § 9 Die Wahlvorschläge müssen spätestens am fünf- unddreißigsten Tage vor dem Wahltage bei dem Wahlleiter eingereicht sein. § 10 (1) Mit jedem Wahlvorschlag sind einzureichen 1. die Erklärung der Bewerber, daß sie der Aufnahme ihrer Namen in den Wahlvor- schlag zustimmen, 2. die Bescheinigung der Handwerkskammer, daß bei den Bewerbern die Voraussetzun- gen a) auf seiten der selbständigen Handwer- ker des § 90, b) auf seiten der Gesellen des § 92 der Handwerksordnung vorliegen und 3. die Bescheinigung der Handwerkskammer, FUNFTER ABSCHNITT daß die Unterzeichner des Wahlvorschlages Wahlvorschläge a) bei den selbständigen Handwerkern in die Wählerliste (§ 12 Abs. 1) eingetragen sind, 1 Der Wahlleiter hat spätestens drei Monate vor dem Wahltag in den für die Bekanntmachungen der Handwerkskammer bestimmten Organen zur Ein- reichung von Wahlvorschlägen aufzufordern und da- bei di,e Erfordernisse dieser Wahlvorschläge (§§ 8 bis 10) bekanntzugeben. § b) bei den Gesellen die Voraussetzungen für die Wahlberechtigung (§ 91 Abs. 2 der Handwerksordnung) erfüllen. (2) Die Bescheinigungen sind gebührenfrei auszu- stellen.
1434 Bundesgesetzblatt, Jahrgang 1953, Teil I § 11 (1) Weisen die Wahlvorschläge Mängel auf, so fordert der Wahlleiter die Vertrauensleute unter Setzung einer angemessenen Frist zu deren Beseiti- gung auf. (2) Spätestens am zwanzigsten Tage vor dem Wahltage entscheidet der Wahlausschuß (§ 2) über die Zulassung der Wahlvorschläge. (3) Die Vertrauensmänner der Wahlvorschläge sind möglichst über Ort, Zeit und Gegenstand der Sitzung zu benachrichtigen. (4) Nicht zuzulassen sind Wahlvorschläge, die zu spät eingereicht sind oder den gesetzlichen Voraus- setzungen nicht entsprechen. (5) Nachdem die Wahlvorschläge festgesetzt sind, können sie nicht mehr geändert werden. (6) Der Wahlleiter veröffentlicht spätestens am fünfzehnten Tage vordem Wahltage die zugelassenen Wahlvorschläge in den für die Bekanntmachung der Handwerkskammer bestimmten Organen in der zu- gelassenen Form, aber ohne die Namen der Unter- zeichner. Jeder Wahlvorschlag soll eine fortlaufende Nummer und ein Kennwort erhalten, das ihn von allen anderen Wahlvorschlägen deutlich unter- scheidet. SECHSTER ABSCHNITT Wahl § 12 (1) Für die Wahl der Vertreter des selbständigen Handwerks dient als Wahlunterlage ein von der Handwerkskammer herzustellender und zu beglau- bigender Auszug aus der Handwerksrolle, der alle am Wahltage Wahlberechtigten des betreffenden Stimmbezirks enthält (Wählerliste). Wählen kann nur, wer in der Wählerliste eingetragen ist. (2) Die Wählerliste ist öffentlich auszulegen. Die Auslegungszeit und den Ort bestimmt der Wahl- leiter. (3) Wer die Wählerliste für unrichtig oder unvoll- ständig hält, kann dagegen bis zum Ablauf der Auslegungsfrist bei der Handwerkskammer oder einem von ihr ernannten Beauftragten schriftlich oder zur Niederschrift Einspruch einlegen. Soweit die Richtigkeit seiner Behauptung nicht offenkundig ist, hat er für sie Beweismittel beizubringen. (4) Wenn der Einspruch nicht für begründet er- achtet wird, entscheidet über ihn die höhere Ver- waltungsbehörde. (5) Die Entscheidung muß spätestens am vorletz- ten Tage vor dem Abstimmungstage gefällt und den Beteiligten bekanntgegeben sein. (6) Wenn die Auslegungsfrist abgelaufen ist, kön- nen Stimmberechtigte nur auf rechtzeitig ange- brachte Einsprüche aufgenommen oder gestrichen werden. (7) Wird die Wählerliste berichtigt, so sind die Gründe der Streichungen in Spalte „Bemerkungen" anzugeben. Wenn das Stimmrecht ruht oder der Stimmberechtigte in der Ausübung des Stimmrechts behindert ist, so ist dies in der Wählerliste besonders zu bezeichnen. Ergänzungen sind als Nachtrag auf- zunehmen. § 13 (1) Die wahlberechtigten Gesellen wählen die ·wahlmänner durch Abstimmung in den Betrieben der selbständigen Handwerker. Die Abstimmung in Betrieben, in denen ein Betriebsrat vorhanden ist, wird von diesem, in allen übrigen Betrieben von dem Betriebsinhaber oder seinem Stellvertreter geleitet. (2) Die Abstimmung kann, sofern kein Wahlbe- rechtigter widerspricht, mündlich vorgenommen wer- den. Erfolgt Widerspruch, ist sie geheim mit SHmm- zetteln durchzuführen. Ergibt die Abstimmung Stim- mengleichheit, so entscheidet das Los. (3) In Betrieben, in denen nur ein wahlberechtigter Geselle vorhanden ist, gilt er als Wahlmann. (4) Der Wahlmann ist zur Ausübung der Wahl der Gesellenmitglieder der Handwerkskammer ver- pflichtet. Zur Vornahme der Wahl bedarf er einer Bescheinigung nach anliegendem Muster (Wahlaus- weis), durch die seine Berechtigung zur Stimmabgabe nachgewiesen wird. § 14 (1) Bei der Wahl sind nur solche Stimmen gültig, die unverändert auf einen der vom Wahlausschuß zugelassenen und vom Wahlleiter veröffentlichten Vorschläge lauten. (2) Zur Gültigkeit des Stimmzettels genügt es, daß er den Wahlvorschlag nach der vom Wahlleiter veröffentlichten Nummer und dem Kennwort be- zeichnet. § 15 Bei der Wahl dürfen nur von der Handwerkskam- mer amtlich hergestellte Stimmzettel verwendet wer- den; sie sollen für die Wahl der selbständigen Hand- werker und Gesellen in verschiedener Farbe her- gestellt sein. Die Umschläge sind von der Hand- werkskammer zu beschaffen und mit ihrem Stempel zu versehen. § 16 (1) Der Tisch des Abstimmungsvorstandes muß von allen Seiten zugänglich sein. (2) An dem Tisch werden getrennt voneinander zwei Stimmurnen aufgestellt, und zwar die eine für die Stimmabgabe der selbständigen Handwerker und die andere für die Stimmabgabe der Wahlmänner der Gesellen. Vor Beginn der Abstimmung hat sich der Abstimmungsvorstand davon zu überzeugen, daß die Stimmurnen leer. sind. Sie dürfen bis zum Schluß der Abstimmung nicht wieder geöffnet wer- den. (3) Stimmzettel und Umschläge sind in ausreichen- der Zahl bereitzuhalten. (4} Der Abstimmungsvorsteher hat bei Beginn der Abstimmungshandlung seihen Stellvertreter, den Schriftführer und die Beisitzer auf unparteiische und gewissenhafte Erfüllung ihres Amtes durch Handschlag zu verpflichten. (5) Jeder Stimmberechtigte hat Zutritt zum Ab- stimmungsraum. Ansprachen dürfen nicht gehalten
Nr. 63 - Tag der Ausgabe: Bonn, den 23. September 1953 werden. Nur der Abstimmungsvorstand darf über die Abstimmungshandlung beraten und beschließen. (6) Der Abstimmungsvoi:stand kann jeden aus dem Abstimmungsr.awn verweisen, der die Ruhe und Ord- nung der Abstimmungshandlung stört; ist es ein Stimmberechtigter des Stimmbezirks, so darf er vor- her seine Stimme abgeben. (7) Der Abstimmungsvorsteher leitet die Abstim- mung und läßt bei Andrang den Zutritt zu dem Ab- stimmungsraum ordnen. (8) Der Stimmberechtigte erhält beim Betreten des Abstimmungsraumes Umschlag und Stimmzettel. Er begibt sich hiermit in den Nebenraum oder an den mit einer Vorrichtung gegen Sicht geschützten Ne- bentisch. (9) Danach tritt er an den Vorstandstisch, nennt seinen Namen und auf Erfordern seine Wohnung und übergibt, sobald der Schriftführer - bei einem selb- ständigen Handwerker - den Namen in der Wähler- liste festgestellt hat, den Umschlag mit de~ Stimm- zettel dem Abstimmungsvorsteher, der ihn unge- öffnet sofort in die Urne legt. Ist der Stimmberech- tigte Wahlmann der Gesellen, so übergibt er dem Abstimmungsvorsteher zunächst den Wahlausweis und alsdann den Umschlag mit dem Stimmzettel, den dieser nach Prüfung des Wahlausweises ungeöffnet sofort in die Wahlurne legt. (10) Auf Verlangen hat sich der Stimmberechtigte dem Abstimmungsvorstand über seine Person aus- zuweisen. (11) Stimmberechtigte, die des Schreibens unkun- dig oder durch körperliche Gebrechen behindert sind, ihre Stimmzettel eigenhändig auszufüllen oder in den Umschlag zu legen und diesen dem Abstim- mungsvorsteher zu übergeben, dürfen sich im Ab- stimmungsraum der Hilfe einer Vertrauensperson bedienen. (12) Abwesende können sich weder vertreten las- sen noch schriftlich oder auf andere Weise an der Abstimmung teilnehmen. (13) Stimmzettel, die nicht in einem abgestempel- ten Umschlag oder die in einem mit einem Kenn- zeichen versehenen Umschlag abgegeben werden oder denen ein durch den Umschlag deutlich fühl- barer Gegenstand beigefügt ist, ha~ der Abstim- mungsvorsteher zurückzuweisen. 1435 mungsraum schon anwesend waren. Alsdann erklärt der Abstimmungsvorsteher die Abstimmung für ge- schlossen. § 17 (1) Nach Schluß der Abstimmung hat der Abstim- mungsvorstand unverzüglich das Ergebnis der Wahl zu ermitteln und es unter Beifügung aller Unterlagen dem Wahlleiter zu übersenden. (2) Ungültig sind Stimmzettel, 1. die nicht in einem amtlich abgestempelten Umschlag oder die in einem mit Kennzeichen versehenen Umschlag übergeben worden sind, 2. die als nichtamtlich hergestellte erkennbar sind, 3. aus deren Beantwortung oder zulässiger Kennzeichnung der Wille des Abstimmen- den nicht unzweifelhaft zu erkennen ist, 4. denen ein durch den Umschlag deutlich fühl- barer Gegenstand beigefügt ist, 5. die mit Vermerken oder Vorbehalten ver- sehen sind. (3) Mehrere in einem Umschlag enthaltene Zettel gelten als eine Stimme, wenn sie gleichlautend sind oder wenn nur einer von ihnen eine Stimmabgabe enthält; sonst sind sie ungültig. (4) Die Stimmzettel, über deren Gültigkeit oder Ungültigkeit der Abstimmungsvorstand Beschluß ge- faßt hat, sind mit fortlaufender Nummer zu versehen und der Niederschrift beizufügen. In der Nieder- schrift sind die Gründe kurz anzugeben, aus denen die Stimmzettel für gültig oder ungültig erklärt wor- den sind. (5) Ist ein Stimmzettel wegen der Beschaffenheit des Umschlages für ungültig erklärt worden, so ist auch der Umschlag beizufügen. · (6) Alle gültigen Stimmzettel, die nicht nach den Absätzen 4 und 5 der Abstimmungsniederschrift bei- gefügt sind, hat der Abstimmungsvorsteher in Papier einzuschlagen, zu versiegeln und dem Wahlleiter zu übergeben, der sie verwahrt, bis die Abstimmung für gültig erklärt oder eine neue Wahl angeordnet ist. Das gleiche gilt für die Wahlausweise der Wahl- männer. (7) Die Wählerliste wird dem Wahlleiter über- geben. (14) Der Abstimmungsvorsteher hat darüber zu wachen, daß die Stimmberechtigten die amtlichen Stimmzettel erhalten und daß sie in dem Nebenraum oder an dem Nebentisch nur so lange verweilen, als unbedingt erforderlich ist. (8) Uber die Abstimmungshandlung ist eine Nie- derschrift (Abstimmungsniederschrift) aufzunehmen und dem Wahlleiter zu übergeben. (15) Der Schriftführer vermerkt die Stimmabgabe des stimmberechtigten selbständigen Handwerkers neben dessen Namen in der Wählerliste in der dafür vorgesehenen Spalte. Die von den Wahlmännern abgegebenen Wahlausweise werden von ihm ge- sammelt. (1) Der Wahlleiter beruft alsbald, nachdem er im Besitz der Unterlagen der einzelnen Stimmbezirke ist, den Wahlausschuß. Dieser ermittelt das Gesamt-· ergebnis der Wahl, das durch den Wahlleiter in den für die Bekanntmachungen der Handwerkskammer bestimmten Organen öffentlich bekanntzumachen und der Aufsichtsbehörde (§ 109 der Handwerksord- nung) unter Beifügung sämtlicher Wahlunterlagen anzuzeigen ist. (16) Nach Schluß der Abstimmungszeit dürfen nur noch die Stimmberechtigten zur Stimmabgabe zuge- lassen werden, die in diesem Zeitpun.kt im Abstim- § 18
Bundesgesetzblatt, Jahrgang 1953, Teil I 1436 (2) Als gewählt gelten die Bewerber desjenigen, Wahlvorschlages, der mehr als die Hälfte der abge- gebenen Stimmen erhalten hat. Hauptwahl benutzt worden sind. Eine Einreichung neuer Wahlvorschläge findet nicht statt. ACHTER ABSCHNITT Wegfall der Wahlhandlung SIEBENTER ABSCHNITT Eng~re Wahl § 20 Wird für den Wahlbezirk nur ein Wahlvorschlag 19 § zugelassen, so gelten die darauf bezeichneten Bewer· (1) Hat kein Wahlvorschlag mehr als die Hälfte ber als gewählt, ohne daß es einer Wahlhandlung aller abgegebenen Stimmen erhalten, so findet eine ' bedarf. engere Wahl zwischen den Bewerbern derjenigen NEUNTER ABSCHNITT beiden Wahlvorschläge statt, auf welche die meisten Beschwerdeverfahren, Kosten Stimmen entfallen sind. Als gewählt gelten die Be- werber desjenigen Wahlvorschlages, auf den die § 21 meisten Stimmen entfallen sind. Bei Stimmengleich- Beschwerden über die Abgrenzung der Stimm- heit entscheidet das Los, das vom Wahlleiter in einer bezirke, die Ernennung der Mitglieder der Abstim- Sitzung des Wahlausschusses zu ziehen ist. mungsvorstände und der Beisitzer des Wahlaus~ (2) Auf die engere Wahl finden im übrigen die gleichen Vorschriften Anwendung, die für die Haupt· wahl gelten; die Wahl hat innerhalb eines Monats nach der Bekanntmachung des Ergebnisses der Haupt- wahl durch den Wahlleiter (§ 18 Abs. 1) stattzufin- den; als Unterlagen dienen die gleichen, die bei der schusses sowie über die Bestimmung der Abstim- mungsräume entscheidet die höhere Verwaltungs- behörde. § 22 Die Kosten der Wahl trägt die Handwerks~ kammer.
Nr. 63 - Tag der Ausgabe: Bonn, den 23. September 1953 1437 Muster Anlage zur Wahlordnung für die Wahlen der Mitglieder der Handwerkskammern Wahlausweis für Wahlmänner zur Vornahme der Wahl der Gesellenmitglieder der Handwerkskammer (§ 13 Abs. 4 der Wahlordnung für die Wahlen der Mitglieder der Handwerkskammern) Der Inhaber dieses Ausweises ...................... Geselle in ............. . Krs ................... , ......................... Str. Nr..... . ist berechtigt und verpflichtet, als Wahlmann der Gesellen des .................... Betriebes .............. in ............. . Krs. . ................. , ........................ Str. Nr ...... . das Stimmrecht zur Wahl der Gesellenmitglieder der Handwerks- kammer ................................... auszuüben . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . , den ............ 195 .. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . *) •) Unterschrift des Betriebsrates (Betriebsratsvorsitzenden oder Betriebsobmanns), soweit dieser in den Betrieben vorhanden ist, in allen übrigen Betrieben des Betriebsinhabers oder seines gesetzlichen Vertreters (§ 13 Abs. 1 der Wahlordnung).
1438 Bundesgesetzblatt, Jahrgang 1953, Teil I Soeben in Neufassung erschienen: Bundesversorgungsgesetz mif Verwallungsvorschrillen DIN A 4, 64 Seiten, broschiert. Preis DM 1.- einschließlich Porto und Verpackungskosten. Verlag des Bundesanzeigers, Köln/ Rh. 1, Postfach Der Einfachheit halber empfiehlt es sich, den Betrag auf Postscheckkonto Köln 834 00 unter Angabe der Bestellung auf dem Postscheckabschnitt einzu- zahlen. Eine gesonderte Bestellung erübrigt sich in diesem Falle. Herausgeber : Der Bundesminister der Justiz. - Ver I a g : Bundesanzeiger-Verlags-GmbH., Bonn/Köln. - Druck : Bundesdruckerei, Bonn Das Bundesgesetzblatt erscheint in zwei gesonderten Teilen, Teil I und Teil II. Laufend er Bezug nur durch die Post. Bezugspreis: vierteljährlich für Teil I = DM 4,-, für Teil II = DM 3,- (zuzüglich Zustellgebühr). Einzelstücke je angefangene 24 Seiten DM 0,40 (zuzüglich Versandgebühren DM 0,10) - Zusendung einzelner Stücke per Streifband gegen Voreinsendung des erforderlichen Betrages auf Postscheckkonto „Bundesanzeiger-Verlags-GmbH.-Bundesgesetzbl.att" Köln 3 99