Source: https://verdi-bub.de/wissen/wahlen/pr-wahl-brandenburg/nach-der-wahl
Timestamp: 2019-07-23 21:37:46
Document Index: 125352592

Matched Legal Cases: ['§ 25', '§ 28', '§ 29', '§ 25', '§ 27', '§25', '§ 21', '§ 27', '§ 25', '§ 25', '§ 34', '§ 33', '§ 36', '§ 23', '§ 28', '§ 25', '§ 19', '§ 26', '§ 188', '§ 27', '§ 27', '§ 46', '§ 46']

Grundsätzlich haben sowohl die Dienststellenleitung als auch die Beschäftigten das Ergebnis der Wahl zu akzeptieren. Wenn es aber Hinweise darauf gibt, dass vom Wahlvorstand Fehler gemacht wurden oder es Manipulationen während der Wahl oder beim Ergebnis gegeben hat, können die Wahlberechtigten, jede in der Dienststelle vertretene Gewerkschaft und der Leiter/die Leiterin der Dienststelle die Wahl beim Verwaltungsgericht anfechten (§ 25 PersVG Bbg).
Diese Anfechtung wird aber nur erfolgreich sein, wenn nachgewiesen wird, dass gegen wesentliche Vorschriften über das Wahlrecht, die Wählbarkeit oder das Wahlverfahren verstoßen worden ist und eine Berichtigung nicht erfolgt ist. Für eine wirksame Anfechtung ist es erforderlich, dass durch den Verstoß das Wahlergebnis geändert oder beeinflusst werden konnte. Antragsberechtigt sind die Wahlberechtigten, die im Personalrat vertretenen Gewerkschaft sowie solche, die Wahlvorschläge eingereicht haben oder die Dienststellenleitung. Die Wahlanfechtung muss innerhalb von zehn Arbeitstagen nach dem Tag der Bekanntgabe des Wahlergebnisses erfolgen.
Wird die Wahl nicht innerhalb der Frist oder nicht erfolgreich angefochten, hat sie Bestand, auch wenn sich nachträglich doch Fehler herausstellen. Der Gesetzgeber wollte, dass der neu gewählte Personalrat möglichst schnell und sicher seine Arbeit aufnehmen kann. Später kann der Personalrat oder einzelne Mitglieder nur noch wegen grober Vernachlässigung der Befugnisse oder Pflichten durch Gerichtsbeschluss amtsenthoben werden (§ 28 PersVG Bbg).
Wenn aber nach der Wahl und der Anfechtungsfrist festgestellt wird, dass ein Personalratsmitglied gar nicht wählbar war, so kann das während der gesamten Wahlperiode gerichtlich überprüft werden. Damit wird aber nicht die Wahl angefochten, sondern das betreffende Mitglied verliert sein Mandat, und ein/-e Nachrücker/-in tritt ein (§ 29 Abs. 1 PersVG Bbg).
Ja, der Personalrat bleibt während der gesamten Dauer des Verwaltungsgerichtsverfahrens, in dem es um die Wahlanfechtung geht, im Amt, es sei denn, das Verwaltungsgericht trifft eine andere Entscheidung (§ 25 Abs. 3 PersVG Bbg). Erst nach einer rechtskräftigen Entscheidung endet ggf. die Amtszeit des Personalrats und damit auch das einzelne Personalratsmandat. Der Beschluss des Verwaltungsgerichts wird erst dann rechtskräftig, wenn keine zulässigen Rechtsmittel mehr eingelegt werden können. Insofern ist es möglich, dass mehrere Instanzen der Verwaltungsgerichtsbarkeit durchlaufen werden müssen. Ein Verfahren, das mehrere Jahre in Anspruch nehmen kann. Es passiert sogar nicht selten, dass ein rechtskräftiger Beschluss erst dann ergeht, wenn erneut die regelmäßigen Personalratswahlen anstehen. Die Beschlüsse, die der Personalrat in dieser Zeit gefasst hat, sind und bleiben rechtskräftig, auch wenn die Wahl erfolgreich angefochten wurde.
Eine Personalratswahl ist immer dann wirksam anfechtbar, wenn durch Fehler oder Manipulationen das Wahlergebnis beeinflusst wurde oder die Wahl anders hätte ausgehen können, wobei nach der Rechtsprechung die hypothetische Möglichkeit eines anderen Wahlergebnisses für eine erfolgreiche Anfechtung ausreicht. Das Verwaltungsgericht hat also festzustellen, ob es tatsächlich Mängel gab, wie schwer diese waren und ob deswegen die Wahl gültig oder ungültig war. Auch wenn das Verwaltungsgericht entscheidet, dass die Anfechtung rechtens ist, so hat der Personalrat gleichwohl bis zum Zeitpunkt der rechtskräftigen Entscheidung wirksam bestanden. D.h. alle seine Entscheidungen (auch abgeschlossene Dienstvereinbarungen) bleiben gültig. Nur für die Zukunft existiert der Personalrat nicht mehr. Die Dienststelle ist aber nicht völlig personalratslos: Der Wahlvorstand, der die Neuwahlen des Personalrats durchführt, nimmt bis zu dessen Wahl die Rolle eines Personalrats ein (§ 27 Abs. 3 PersVG Bbg).
Anders verhält es sich bei ganz schwerwiegenden Verstößen gegen die Wahlvorschriften des Personalvertretungsgesetzes oder der Wahlordnung. Dann ist die Wahl des Personalrats von Anfang an „nichtig“ gewesen, ein Personalrat hat eigentlich nicht bestanden. Alle Entscheidungen und Beschlüsse, auch alle Dienstvereinbarungen, die vor der rechtskräftigen Feststellung der Nichtigkeit getroffen wurden, bleiben jedoch wirksam (§25 Abs. 3 Satz 3 PersVG Bbg). Nichtig ist eine Personalratswahl z.B. dann, wenn ein Personalrat auf einer Versammlung durch Zuruf gewählt wurde oder eine Wahl ohne Wahlvorstand stattgefunden hat.
Nein. Die Amtszeit des alten Wahlvorstands ist mit der konstituierenden Sitzung des Personalrats unwiderruflich beendet. Es muss ein neuer Wahlvorstand in einer Personalversammlung nach § 21 PersVG Bbg bestellt werden. Dem neuen Wahlvorstand können aber Mitglieder des alten Wahlvorstands angehören. Wurde nur die Wahl innerhalb einer Gruppe angefochten, dürfen in dem Wahlvorstand nur Angehörige dieser Gruppe sein. Meistens sind die Fehler ja nicht vorsätzlich geschehen, sondern aus Unwissenheit; nach der „Aufklärung“ durch das Gericht sollten diese Fehler nicht noch einmal passieren.
Im Gegensatz zu den Regelungen im Bund und in den LPVG Baden-Württemberg, Bayern und Rheinland-Pfalz, wird die Personalratswahl nach dem PersVG Bbg im Falle der erfolgreichen Anfechtung nicht auf der Basis der Feststellungen des alten Wahlvorstands wiederholt, sondern es wird komplett neu gewählt (§ 27 Abs. 2 Nr. 4 PersVG Bbg). Der anderen Auffassung von Seidl in Personalvertretungsgesetz Brandenburg, Basiskommentar im Bund-Verlag, 6. Aufl., Rn. 4 zu § 25, kann nicht gefolgt werden. Vgl. auch Altvater/Baden/Berg/Kröll/Noll/Seulen, BPersVG, 9. Aufl., § 25 Rn. 28.
Der Wahlvorstand lädt die gewählten Personalratsmitglieder innerhalb von zehn Arbeitstagen nach dem Wahltag zur konstituierenden Sitzung des Personalrats ein (§ 34 Abs. 1 PersVG Bbg). Diese Sitzung leitet bis zur Wahl eines/einer Wahlleiters/Wahlleiterin aus den Reihen des Personalrats der/die Wahlvorstandsvorsitzende. Der/die Wahlleiter/-in führt dann, nachdem der Personalrat über die Größe seines zu bildenden Vorstands entschieden hat, dessen Wahlen durch (§ 33 PersVG Bbg). Andere Beschlüsse können in dieser Sitzung nicht gefasst werden, die/der Vorsitzende muss dazu zu einer neuen Sitzung einladen. Teilnahmeberechtigt an dieser Sitzung sind auch die Schwerbehindertenvertretung und ein/-e Vertreter/-in der Jugend- und Auszubildendenvertretung. Eine Teilnahme von Gewerkschaftsbeauftragten ist möglich, wenn ein entsprechender Antrag nach § 36 PersVG Bbg gestellt wird (strittig). Der Antrag kann, wenn überhaupt, dann nur in dieser Sitzung von den neu gewählten Personalratsmitgliedern gestellt werden.
Ein Personalratsmitglied, das die Wahl nicht innerhalb von drei Arbeitstagen ablehnt (§ 23 WO PersVG Bbg), kann dennoch jederzeit durch Rücktritt sein Amt niederlegen. Die Erklärungsfrist ist also eine bloße Formsache.
Wenn die/der „unlustige“ Gewählte durch beliebiges, grundloses Nicht-Teilnehmen an den Sitzungen und der sonstigen Arbeit des Personalrats doch noch ihre/seine Funktion boykottiert, ohne zurückzutreten, muss der Personalrat ggf. den Ausschluss aus dem Gremium beim Verwaltungsgericht beantragen (§ 28 Abs. 1 PersVG Bbg).
Die Wahlunterlagen (Niederschriften, Bekanntmachungen, Wahlvorschläge, Stimmzettel und Briefwahlumschläge) übergibt der Wahlvorstand auf der konstituierenden Sitzung dem neu gewählten Personalrat. Sie sind von diesem bis zum Abschluss der nächsten Personalratswahl aufzubewahren und dann zu vernichten (§ 25 WO PersVG Bbg). Zu spät eingegangene Briefwahlunterlagen sind vom Wahlvorstand für die Dauer eines Monats nach der Bekanntmachung des Ergebnisses in verschlossenem Umschlag aufzubewahren und dann zu vernichten, sofern die Wahl nicht angefochten wurde (§ 19 Abs. 2 WO PersVG Bbg).
Sofern bereits ein Personalrat besteht, beginnt die Amtszeit des neuen Personalrats mit dem Ende der Amtszeit des alten Personalrats. Die Amtszeit des alten Personalrats endet vier Jahre nach ihrem Beginn (§ 26 PersVG Bbg).
Beispiel: Die Amtszeit begann am 18.05.2014, entweder mit dem Tag der Wahl oder am Tag nach dem Ende der Amtszeit des vorigen Personalrats, dann endet sie am 17.05.2018 (§ 188 Abs. 2, 2. Halbsatz BGB). Am 18.05.2018 würde dann die Amtszeit des neuen Personalrats beginnen, die Wahl sollte also rechtzeitig vorher stattfinden. Findet sie später statt, gibt es vorübergehend keinen Personalrat.
Ausnahmen: Der Personalrat wurde außerhalb des üblichen Turnus gewählt (§ 27 Abs. 2 PersVG Bbg), z.B. am 20.06.2015, dann ist er am 01.03.2018 zwar weniger als vier Jahre im Amt, seine Amtszeit endet aber dennoch am 31.05.2018 und die des dann neugewählten Personalrats beginnt am 01.06.2018. Wurde der Personalrat am 19.06.2017 gewählt, so ist er am 01.03.2018 weniger als ein Jahr im Amt; dann wird erst 2022 neu gewählt und die Amtszeit endet am 31.05.2022. Dieser Personalrat ist also länger als vier Jahre im Amt (§ 27 Abs. 4 Satz 2 PersVG Bbg). In jedem Fall soll gewährleistet sein, dass bei Wahlen außerhalb des Turnus im nächsten oder übernächsten Wahlzeitraum wieder der Anschluss an die regelmäßigen Wahlen stattfindet.
Um das Personalratsmandat pflichtgemäß ausüben zu können, müssen die Mitglieder des Personalrats Kenntnis des Personalvertretungsgesetzes und des allgemeinen Arbeitsrechts haben. Dafür muss die Dienststellenleitung die Personalratsmitglieder unter Fortzahlung der Bezüge von der Arbeit freistellen und auch die entstehenden Kosten übernehmen (§ 46 Abs. 1 PersVG Bbg). Nach der Rechtsprechung haben alle Personalratsmitglieder mindestens Anspruch auf eine einwöchige Grundschulung. Sie brauchen sich nicht auf Billigangebote von kurzer Dauer verweisen zu lassen. Der Personalrat muss dazu aber einen Beschluss fassen, in dem das Mitglied, die Veranstaltung und die Kosten benannt werden. Ein Personalratsmitglied kann also nicht einfach mal eben zu einem Seminar fahren. Weigert sich die Dienststellenleitung, Personalratsmitglieder freizustellen oder die Kosten zu übernehmen, muss sie dazu ohne vorheriges Stufenverfahren direkt die Einigungsstelle anrufen. Deren Entscheidung gilt dann verbindlich für beide Parteien.
Für Ersatzmitglieder (Nachrücker), die regelmäßig als Vertreter/-innen tätig werden, besteht ein vergleichbarer Anspruch auf Schulung.
Zusätzlich zu diesem Anspruch auf Freistellung mit Übernahme der Kosten hat jedes Personalratsmitglied weiteren Anspruch auf drei bis vier Wochen bezahlte Freistellung für die Teilnahme an weiteren anerkannten Schulungs- und Bildungsveranstaltungen (§ 46 Abs. 2 PersVG Bbg).
Nach der Wahl muss der neue Personal­rat schnell seine Geschäfte aufnehmen. Von der Sitzungs­vor­bereitung bis zur korrekten Beschluss­fassung im Personalrat ist Vieles zu beachten. Ohne die Kenntnis des Personal­ver­tretungs­gesetzes und Grund­­kenntnisse des Arbeits­rechts geht es nicht. Um sich auf die neuen Aufgaben gut vorzu­bereiten, sollte sich der Personal­rat gezielt qualifizieren. ver.di b+b bietet hierzu Seminare an.