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Timestamp: 2020-02-20 01:02:39
Document Index: 158946354

Matched Legal Cases: ['§ 240', '§ 240', '§ 240', '§ 240', '§ 237', '§ 234', '§ 240', '§ 208', '§ 240', '§ 251', '§ 39', '§ 208', '§ 209', '§ 53', '§ 210', '§ 209', '§ 208', '§ 240', '§ 210', '§ 209', '§ 240', '§ 240', '§ 38', '§ 210', 'BGH', 'BGH', '§ 210']

Säum­nis­zu­schlä­ge trotz Anzei­ge der Mas­seun­zu­läng­lich­keit | Rechtslupe
Säumniszuschläge trotz Anzeige der Masseunzulänglichkeit
Säum­nis­zu­schlä­ge ent­ste­hen gemäß § 240 Abs. 1 Satz 1 AO auch nach Anzei­ge der Mas­seun­zu­läng­lich­keit kraft Geset­zes.
Wird eine Steu­er nicht bis zum Ablauf des Fäl­lig­keits­ta­ges ent­rich­tet, ent­ste­hen gemäß § 240 Abs. 1 Satz 1 AO (grund­sätz­lich, § 240 Abs. 3 Satz 1 AO) für jeden ange­fan­ge­nen Monat der Säum­nis Säum­nis­zu­schlä­ge in Höhe von 1 Pro­zent des abge­run­de­ten rück­stän­di­gen Steu­er­be­trags.
Säum­nis­zu­schlä­ge fal­len nach dem Gesetz unab­hän­gig davon an, ob eine Steu­er zutref­fend fest­ge­setzt wird. Sie blei­ben gemäß § 240 Abs. 1 Satz 4 AO von einer Kor­rek­tur der Steu­er­fest­set­zung (wie sie im hier ent­schie­de­nen Streit­fall erfolgt ist) unbe­rührt 1. Sie sind nicht mit Ver­zugs­zin­sen des BGB gleich­zu­set­zen, son­dern ein Druck­mit­tel eige­ner Art, das den Steu­er­pflich­ti­gen zur recht­zei­ti­gen Zah­lung anhal­ten soll, sie haben also eine Druck­funk­ti­on 2. Sie die­nen außer­dem dem Aus­gleich für die unter­blie­be­ne oder ver­spä­te­te Zah­lung fäl­li­ger Steu­ern und für Ver­wal­tungs­auf­wen­dun­gen, die bei den ver­wal­ten­den Kör­per­schaf­ten dadurch ent­ste­hen, dass eine fäl­li­ge Steu­er nicht oder nicht frist­ge­mäß gezahlt wird. Sie haben somit also auch eine Aus­gleichs­funk­ti­on. In die­ser zwei­ten Funk­ti­on ent­spre­chen Säum­nis­zu­schlä­ge den Aus­set­zungs- (§§ 237, 238 AO) oder Stun­dungs­zin­sen (§ 234 AO), die unab­hän­gig von einem Ver­schul­den des Steu­er­schuld­ners anfal­len 3.
Der Tat­be­stand des § 240 Abs. 1 Satz 1 AO kann trotz Anzei­ge der Mas­seun­zu­läng­lich­keit erfüllt sein. Wie bereits aus­ge­führt, ent­ste­hen Säum­nis­zu­schlä­ge nach die­ser Vor­schrift kraft Geset­zes. Eine Vor­schrift, wonach für die Dau­er der Mas­seun­zu­läng­lich­keit gemäß §§ 208 ff. InsO ent­ge­gen § 240 AO kei­ne Säum­nis­zu­schlä­ge anfal­len, gibt es nicht.
§ 251 Abs. 2 Satz 1 AO ent­hält einen Insol­venz­vor­be­halt für die Voll­stre­ckung von Ansprü­chen aus dem Steu­er­schuld­ver­hält­nis, nicht für deren Ent­ste­hung.
Im regu­lä­ren Insol­venz­ver­fah­ren kön­nen Säum­nis­zu­schlä­ge anfal­len, wenn Mas­se­ver­bind­lich­kei­ten nicht begli­chen wer­den (vgl. § 39 Abs. 1 Nr. 1 InsO) 4.
Die Anzei­ge der Mas­seun­zu­läng­lich­keit gemäß § 208 Abs. 1 InsO führt gemäß § 209 Abs. 1 InsO ledig­lich dazu, dass sich die Rang­fol­ge der For­de­run­gen ändert. Die Vor­schrift ver­bie­tet es dem Insol­venz­ver­wal­ter jedoch nicht, sons­ti­ge Mas­se­for­de­run­gen i.S. des § 53 InsO zu erfül­len, son­dern regelt im Gegen­teil, in wel­cher Rei­hen­fol­ge sie zu berich­ti­gen sind, also ‑soweit mög­lich- erfüllt wer­den müs­sen 5. Die Ände­rung der Rang­fol­ge wird durch § 210 InsO abge­si­chert, wonach Alt­mas­segläu­bi­gern die Voll­stre­ckung wegen einer Mas­se­ver­bind­lich­keit i.S. des § 209 Abs. 1 Nr. 3 InsO unter­sagt ist. Hier­durch sol­len die Fort­set­zung der Ver­wal­tung und Ver­wer­tung der Mas­se trotz Mas­seun­zu­läng­lich­keit ermög­licht und der Insol­venz­ver­wal­ter geschützt wer­den, des­sen Pflicht zur Ver­wal­tung und Ver­wer­tung der Mas­se fort­be­steht (§ 208 Abs. 3 InsO) und dem dies nicht ohne Aus­sicht auf eine Ent­loh­nung zuge­mu­tet wer­den kann. Die­se Rege­lung dient einer geord­ne­ten Ver­mö­gens­ver­wer­tung wäh­rend der Zeit der Mas­seun­zu­läng­lich­keit mit dem Ziel einer Schul­den­til­gung bzw. Zah­lung (soweit trotz Mas­seun­zu­läng­lich­keit mög­lich), bezweckt also das Gegen­teil eines Zah­lungs­ver­bots.
Ein Grund für die Annah­me des Insol­venz­ver­wal­ters, dass nach Anzei­ge der Mas­seun­zu­läng­lich­keit ent­ge­gen dem Wort­laut des § 240 Abs. 1 Satz 1 AO kei­ne Säum­nis­zu­schlä­ge kraft Geset­zes ent­ste­hen, ist somit nicht ersicht­lich.
Eine sys­tem­wid­ri­ge Son­der­stel­lung des Fis­kus oder ein Wider­spruch zum Prin­zip der Gleich­be­hand­lung der Gläu­bi­ger ist nicht erkenn­bar. Zum einen kön­nen auch zivi­le Gläu­bi­ger nach Anzei­ge der Mas­seun­zu­läng­lich­keit einen Zins­an­spruch haben, z.B. soweit der Insol­venz­ver­wal­ter die Ver­tei­lungs­mas­se schuld­haft ver­zö­gert aus­schöpft 6. Zum ande­ren kann der Anfall der Säum­nis­zu­schlä­ge im Erlass­ver­fah­ren zu kor­ri­gie­ren sein.
Nach die­sen Grund­sät­zen sind im Streit­fall trotz Anzei­ge der Mas­seun­zu­läng­lich­keit Säum­nis­zu­schlä­ge in der von der Vor­ent­schei­dung ange­nom­me­nen Höhe ange­fal­len.
Infol­ge der Steu­er­an­mel­dung unter der Mas­se­steu­er­num­mer in der vom Insol­venz­ver­wal­ter abge­ge­be­nen Umsatz­steu­er­vor­anmel­dung ist (hier:) für Juni 2011 eine Mas­se­ver­bind­lich­keit ent­stan­den. Beden­ken im Hin­blick dar­auf, dass nach Anzei­ge der Mas­seun­zu­läng­lich­keit grund­sätz­lich nur noch Fest­stel­lungs­kla­gen statt­haft sind 7, bestehen nicht, da das Finanz­amt kei­nen Steu­er­be­scheid erlas­sen, son­dern der Insol­venz­ver­wal­ter die Steu­er ange­mel­det hat. Zudem gilt das aus § 210 InsO abge­lei­te­te Ver­bot der Leis­tungs­kla­ge nur für Alt­mas­se­schul­den gemäß § 209 Abs. 1 Nr. 3 InsO 8 und nicht über die Dau­er der Mas­seun­zu­läng­lich­keit hin­aus.
Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 17. Sep­tem­ber 2019 – VII R 31/​18
Erleich­te­run­gen bei Grün­dern und Unter­neh­mern Zum Jah­res­be­ginn 2020 hat es eini­ge Geset­zes­än­de­run­gen gege­ben: So ist die Klein­un­ter­neh­mer­gren­ze ab dem 1. Janu­ar 2020 von 17.500 € auf 22.000 € ange­ho­ben wor­den.…
BFH, Urteil vom 18.09.2018 – XI R 36/​16, BFHE 262, 297, BSt­Bl II 2019, 87[↩]
vgl. z.B. BFH, Urteil vom 09.07.2003 – V R 57/​02, BFHE 203, 8, BSt­Bl II 2003, 901, und BFH, Urteil vom 13.01.2000 – VII R 91/​98, BFHE 191, 5, BSt­Bl II 2000, 246, Rz 20 f.[↩]
vgl. etwa BFH, Beschluss vom 02.03.2017 – II B 33/​16, BFHE 257, 27, BSt­Bl II 2017, 646, Rz 32; BFH, Urtei­le vom 30.03.2006 – V R 2/​04, BFHE 212, 23, BSt­Bl II 2006, 612, Rz 17; und vom 18.04.1996 – V R 55/​95, BFHE 180, 516, BSt­Bl II 1996, 561[↩]
Heuermann/​Hepp/​Spitaler ‑HHSp‑, § 240 AO Rz 97; Klein/​Rüsken, AO, 14. Aufl., § 240 Rz 49; Sinz in Uhlen­bruck, Insol­venz­ord­nung, 15. Aufl., § 38 Rz 67 ff., 71; BFH, Urteil in BFHE 180, 516, BSt­Bl II 1996, 561, zur KO[↩]
vgl. BFH, Urteil vom 16.12.2003 – VII R 42/​01, BFH/​NV 2004, 908, Rz 37, zur KO[↩]
vgl. Ries in Uhlen­bruck, a.a.O., § 210 Rz 21[↩]
z.B. BGH, Urteil vom 03.04.2003 – IX ZR 101/​02, BGHZ 154, 358; vgl. außer­dem BFH, Urteil vom 29.08.2007 – IX R 58/​06, BFHE 218, 432, BSt­Bl II 2008, 322, Rz 12 f.; und vom 29.01.2009 – V R 64/​07, BFHE 224, 24, BSt­Bl II 2009, 682[↩]
z.B. Kieß­ner in Braun, Insol­venz­ord­nung, 7. Aufl.2017, § 210 InsO, Rz 4[↩]
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