Source: https://www.bfg.gv.at/module/newsletter/web/NL2017-02.html
Timestamp: 2020-04-09 13:39:12
Document Index: 386020396

Matched Legal Cases: ['§ 18', '§ 30', '§ 30', '§ 18', '§ 2', '§ 18', '§ 30', 'Art. 1', '§ 6', '§ 3', '§ 3', '§ 23', '§ 6', '§ 3', '§ 3', '§ 19', '§ 3', 'Art. 3', 'Art. 6', 'Art. 7', 'Art. 3', '§ 11', '§ 12', 'EuG', '§ 1', '§ 3', '§ 3', '§ 3', '§ 23', '§ 184', '§ 23', '§ 209', '§ 209', '§ 1', '§ 3', '§ 3', 'EuG', 'EuG', 'EuG', 'Art. 296', '§ 86', '§ 293', '§ 22', '§ 85', '§ 6', '§ 12', '§ 11', '§ 11', '§ 270', '§ 17', 'EuG', '§ 17', 'EuG', '§ 17', '§ 7', '§ 9', '§ 80', '§ 224', '§ 248', '§ 20', '§ 78', '§ 21', '§ 21', '§ 15', '§ 21', '§ 40', '§ 11', 'Art. 28', 'Art. 7', 'Art. 7', '§ 12', '§ 11', '§ 11', '§ 11', '§ 188', '§ 184', '§ 81', '§ 2', 'Art. 28', '§ 274', '§ 1175', '§ 863', '§ 22', '§ 21', 'Art. 267', '§ 22', '§ 4', '§ 2', '§ 183', '§ 2', '§ 2', 'Art. 28', '§ 21', '§ 253', '§ 85', '§ 85', '§ 92', '§ 260', '§ 267', '§ 25', '§ 282', '§ 295', '§ 295', '§ 209', 'Art. 133', '§ 256', 'Art. 10', 'Art. 296', '§ 2', '§ 279', 'EuG', '§ 267', 'Art. 133', '§ 53', '§ 52', '§ 35', '§ 24', '§ 28', '§ 31', '§ 35', '§ 90', '§ 90', '§ 90', '§ 90', '§ 90', '§ 90', '§ 90', 'Art. 20', 'Art. 20', '§ 90', '§ 90', '§ 53', '§ 50', '§ 53', '§ 60', '§ 90', '§ 30', '§ 6', '§ 90', '§ 284', '§ 217', '§ 217', '§ 283', '§ 283', '§ 231', '§ 231', '§ 231', '§ 283', '§ 201', '§ 20', '§ 235', '§ 262', '§ 262', '§ 323', '§ 262', '§ 205', '§ 205', '§ 17', '§ 17', '§ 17', '§ 17', '§ 264', '§ 97', '§ 97', '§ 260', '§ 264', '§ 9', '§ 80', '§ 80', '§ 9', '§ 217', '§ 217', '§ 217', '§ 9', '§ 80', '§ 26', '§ 89', '§ 146', '§ 7', '§ 12', '§ 144', '§ 26', '§ 7', '§ 12', '§ 144', '§ 46', '§ 166', '§ 217', '§ 217', '§ 217', '§ 217', 'Art. 6', 'Art. 7', 'Art. 6', 'Art. 7', '§ 108', 'Art. 220', '§ 279', '§ 108', '§ 205']

BFG - BFG-Newsletter 2017/02
BFG vom 09.06.2017, RV/7100102/2017 (teilweise Stattgabe; Revision zugelassen)
§ 18 Abs. 1 Z 3 EStG 1988, § 30 Abs. 2 Z 1 EStG 1988
BFG vom 08.06.2017, RV/5100561/2017 (Abweisung; Revision nicht zugelassen)
Durch die Anknüpfung des § 30 Abs. 2 Z 1 EStG 1988 an den Begriff der Eigentumswohnung iSd § 18 Abs. 1 Z 3 lit b EStG 1988 stellt die Hauptwohnsitzbefreiung iZm privaten Grundstücksverkäufen auf das Vorliegen einer Eigentumswohnung nach § 2 Abs. 2 WEG 2002 ab. Nach der Judikatur liegt eine Eigentumswohnung iSd § 18 Abs. 1 Z 3 lit b EStG 1988 nur dann vor, wenn das Gebäude im Eigentum oder Miteigentum des Errichters bzw. Erwerbers steht. Das außerbücherliche Eigentum muss zumindest über­gegangen oder der Vertrag über die Einräumung des Wohnungseigentums abgeschlossen sein (VwGH 24.6.1999, 94/15/0213).
Wenn aber das Eigentum am Grundstück ein zwingender Definitionsbestandteil einer Eigentumswohnung ist, ist dies auch für die Hauptwohnsitzbefreiung iZm privaten Grundstücksveräußerungen erforderlich. Während beim Sonderausgabenabzug das Eigentum des Errichters bzw. Erwerbers relevant ist, stellt im Bereich der privaten Grundstücksbefreiungen die Hauptwohnsitzbefreiung auf den Veräußerer ab, womit für die Inanspruchnahme des Befreiungstatbestandes dessen Eigentum am veräußerten Grundstück (der Eigentumswohnung) vorliegen muss. Ein bloß durch einen Bestandvertrag begründeter Hauptwohnsitz vermag somit – selbst bei grundsätzlichem Vorliegen der Fristen gemäß § 30 Abs. 2 Z 1 EStG 1988 – mangels Eigentümerstellung eine Hauptwohnsitzbefreiung nicht zu begründen.
Art. 1 UStG 1994 – Anhang (Binnenmarkt)
BFG vom 20.06.2017, RV/5100333/2015 (teilweise Stattgabe; Revision nicht zugelassen)
Keine Leistungseinheit bei Eintrittsberechtigungen in Österreich und steuerfreien grenzüberschreitenden Flusskreuzfahrten
§ 6 Abs. 1 Z 3 lit. d UStG 1994, § 3a Abs. 11a UStG 1994, § 3a Abs. 4 UStG 1994
BFG vom 25.04.2017, RV/2100445/2016 (Abweisung; Revision zugelassen)
Rechtssatz 1: Führt ein im Gemeinschaftsgebiet ansässiges Unternehmen echt steuerfreie grenzüberschreitende Flusskreuzfahrten an Unternehmer aus, dann stellt die Besorgung von Eintrittsberechtigungen in Österreich im Zusammenhang mit Landausflügen keine einheitliche Leistung dar. Verschiedene Reiseleistungen an Unternehmer fallen nicht unter § 23 UStG 1994 alte Fassung. Jede Leistung ist umsatzsteuerlich für sich zu beurteilen.
Die im § 6 Abs. 1 Z 3 lit. d UStG 1994 geregelte echte Steuerfreiheit für grenzüberschreitende Personenbeförderung auf Schiffen stellt einen Gesetzesvorbehalt Österreichs anlässlich des Beitritts zur Union dar. Derartige Vorbehalte, die vom Gemeinschaftsrecht abweichen, dürfen nur sehr eng ausgelegt werden. Eine Ausweitung auf andere Tatbestände wie etwa Eintrittsberechtigungen ist nicht zulässig.
Rechtssatz 2: Die Besorgung von Eintrittsberechtigungen in ein österreichisches Stift oder Schloss stellt steuerbare und steuerpflichtige sonstige Leistungen in Österreich dar.
Verfahren für die Erstattung der abziehbaren Vorsteuern, BGBl. Nr. 279/1995;
§ 3a Abs. 6 UStG 1994, § 3a Abs. 11a UStG 1994, § 19 Abs. 1 UStG 1994
BFG vom 07.04.2017, RV/2101546/2015 (Abweisung; Revision nicht zugelassen)
§ 3 Abs. 8 UStG 1994, Art. 3 Abs. 8 UStG 1994, Art. 6 Abs. 1 UStG 1994, Art. 7 Abs. 1 UStG 1994
BFG vom 11.05.2017, RV/2101813/2014 (Abweisung; Revision nicht zugelassen)
Der Ort des innergemeinschaftlichen Erwerbs nach Art. 3 Abs. 8 UStG 1994 liegt dabei im Mitgliedstaat, in welchem die Beförderung endet, und nicht im Mitgliedstaat, in welchem der Zwischenstopp zur Neutrali­sierung der Ware erfolgte.
§ 11 Abs. 1 UStG 1994, § 12 UStG 1994
BFG vom 01.06.2017, RV/2100294/2015 (Stattgabe; Revision zugelassen)
Folgerechtssatz (wie RV/2100032/2016-RS1): Eine Rechnungsberichtigung ist in jedem Stadium des offenen Verfahrens für Zwecke des Vorsteuerabzugs zu berücksichtigen. Eine Beschränkung auf die Außenprüfung wäre unsachlich. Diese Rechtsfolge ergibt sich aus den Urteilen des EuGH vom 15.08.2016, Rs. C-516/14 - Barlis 06 und Rs. C-518/14 - Senatex.
§ 1 Abs. 1 Z 1 UStG 1994, § 3 Abs. 1 UStG 1994, § 3a Abs. 1 UStG 1994, § 3a Abs. 6 UStG 1994, § 23 Abs. 1 UStG 1994, § 184 Abs. 1 BAO, § 23 Abs. 9 UStG 1994, § 209 Abs. 3 BAO, § 209a Abs. 1 BAO
BFG vom 19.06.2017, RV/1100141/2013 (teilweise Stattgabe; Revision nicht zugelassen)
Demontage und Montage einer schweren Maschine in verschiedenen Mitgliedstaaten – einheitliche Leistung?
§ 1 Abs. 1 Z 1 UStG 1994, § 3a Abs. 6 UStG 1994, § 3a Abs. 8 lit. c UStG 1994
BFG vom 28.02.2017, RV/4100175/2012 (Stattgabe; Revision zugelassen)
Wird eine Anlage an einem Standort demontiert und an einem anderen Standort wieder montiert, wobei nur derjenige, der die Demontage durchgeführt hat, auch die Montage durchführen kann und wobei die Demontage nur der Durchführung der darauf folgenden Montage dient, so ist die Demontage die unselbstständige Nebenleistung der Montage (vgl. EuGH vom 12.6.1979, Rs 126/78 Nederlandse Spoorwegen; vgl. EuGH 11.1.2001, Rs C-76/99 Kommission/Frankreich; vgl. EuGH vom 15.5.2001, C-34/99 Primback; vgl. VwGH 24.6.2004, 2000/15/0140; vgl. VwGH 30.3.2006, 2002/15/0075).
1. Verzicht auf die Kleinunternehmerregelung als Antrag auf Regelbesteuerung gemäß 22 Abs. 6 UStG 1994
Art. 296 RL 2006/112/EG, § 86a Abs. 1 BAO, § 293b BAO, § 22 Abs. 6 UStG 1994, § 85 Abs. 1 BAO, § 6 Abs. 3 UStG 1994
BFG vom 08.02.2017, RV/5100087/2015 (Abweisung; Revision nicht zugelassen)
§ 12 Abs. 1 Z 1 UStG 1994, § 11 Abs. 1 UStG 1994, § 11 Abs. 1 Z 3 UStG 1994, § 270 BAO
BFG vom 09.05.2017, RV/7102673/2013 (teilweise Stattgabe; Revision nicht zugelassen)
§ 17 Abs. 1 UStG 1994
BFG vom 27.04.2017, RV/7102827/2016 (Abweisung; Revision zugelassen)
Nach Ansicht des BMF (UStR 2000 Rz 2452) ergibt sich (auch unter Hinweis auf EuGH 16.10.2008,
Rs C-253/07, Canterbury Hockey Club), dass in unionsrechtskonformer Interpretation auch planende Baumeister, die ihr Unternehmen in Form einer Kapitalgesellschaft führen, die Istbesteuerung iSd § 17 Abs. 1 UStG dann in Anspruch nehmen können, wenn die Gesellschaft ausschließlich eine unmittelbar ziviltechnikerähnliche Tätigkeit ausübt.
Die von der Bf. durchgeführte Bauträgertätigkeit, insbesondere die Vermarktung und Verwertung der von ihr errichteten Gebäude, geht über eine ziviltechnikerähnliche Tätigkeit hinaus. Deshalb erübrigt sich eine weitere Auseinandersetzung damit, ob nicht bereits die aus EuGH 16.10.2008, Rs C-253/07, abgeleitete Interpretation des § 17 Abs .1 UStG durch die UStR zu weit gefasst ist.
Ausführliche Besprechung mit Praxishinweisen in BFGjournal 2017, 276
§ 7 BAO, § 9 Abs. 1 BAO, § 80 Abs. 1 BAO, § 224 Abs. 1 BAO, § 248 BAO, § 20 BAO, § 78 Abs. 3 EStG 1988, § 21 Abs. 3 UStG 1994, § 21 Abs. 5 UStG 1994, § 15 Abs. 1 AVOG
BFG vom 15.03.2017, RV/5100950/2013 (teilweise Stattgabe; Revision nicht zugelassen)
Bei Selbstbemessungsabgaben wie der Umsatzsteuer ist nach der Judikatur des Verwaltungsgerichtshofes maßgebend, wann die Abgaben bei ordnungsgemäßer Selbstberechnung abzuführen gewesen wären (VwGH 17.8.1998, 98/17/0038); maßgebend ist daher ausschließlich der Zeitpunkt ihrer Fälligkeit (VwGH 25.10.1996, 93/17/0280). Gemäß der im gegenständlichen Fall zur Anwendung kommenden Bestimmung des § 21 Abs. 5 UStG 1994 wird durch eine Nachforderung auf Grund der Veranlagung keine von Abs. 1 und 3 abweichende Fälligkeit begründet. Das bedeutet, dass nicht der Zeitpunkt der bescheidmäßigen Fest­setzung der Umsatzsteuernachzahlung für die Fälligkeit relevant ist, sondern die entsprechende gesetzliche Bestimmung, die besagt, dass sich im Fall rückständiger Vorauszahlungen der 15. des auf den betreffenden Voranmeldungszeitraum zweitfolgenden Kalendermonates als Fälligkeitstag ergibt.
Kein Vorsteuerabzug, wenn neben einer Gutschrift des Leistungsempfängers eine (mangelhafte) Rechnung ausgestellt und kein Einvernehmen hergestellt wird
§ 40 BWG, § 11 Abs. 1 UStG 1994, Art. 28 Abs. 2 UStG 1994, Art. 7 Abs. 4 UStG 1994, Art. 7 Abs. 1 UStG 1994, § 12 Abs. 1 Satz 3 UStG 1994, § 11 UStG 1994, § 11 Abs. 8 Z 2 UStG 1994
BFG vom 03.02.2017, RV/7101808/2013 (Abweisung; Revision nicht zugelassen)
Erstellt der Empfänger einer Leistung eine Gutschrift i.S.d. UStG und erhält er kurz danach vom Leistungserbringer eine (wenn auch mangelhafte) Rechnung, so ist von keinem Einvernehmen zwischen Gutschrifts­aussteller und Leistenden i.S.d. § 11 (8) Z 2 UStG 1994 auszugehen.
§ 188 BAO, § 184 BAO, § 81 Abs. 2 BAO, § 2 UStG 1994, Art. 28 Abs. 1 UStG 1994, § 274 BAO, § 1175 ABGB, § 863 ABGB, § 22 BAO, §§ 21 bis 24 BAO, Art. 267 AEUV, § 22 UStG 1994, § 4 Abs. 1 Z 3 KontRegG, § 2a BAO, § 183 Abs. 2 Satz 2 BAO, § 2 Abs. 1 Z 1 KontRegG, § 2 Abs. 1 Z 3 KontRegG, Art. 28 UStG 1994, § 21 EStG 1988, § 253 BAO, § 85 Abs. 1 BAO, § 85a BAO, § 92 BAO, § 260 Abs. 1 lit. a BAO, § 267 BAO, § 25 Abs. 1 BFGG, § 282 BAO, § 295 Abs. 1 BAO, § 295 Abs. 4 BAO, § 209a Abs. 2 BAO, Art. 133 Abs. 4 B-VG, § 256 Abs. 3 BAO, Art. 10 RL 2006/112/EG, Art. 296 RL 2006/112/EG, § 2 Abs. 3 EStG 1988
BFG vom 27.03.2017, RV/7103204/2012 (Stattgabe; Revision zugelassen)
Rechtssatz 1: Zufolge des Urteiles des Gerichtshofs der Europäischen Union vom 12. 10. 2016, C-340/15, ECLI:EU:C:2016:764 liegen im gegenständlichen Fall drei GesBR als mehrwertsteuerpflichtige eigen­ständige Unternehmer vor.
Zusatztext: Da nicht eine "Gesamtgesellschaft", sondern die drei "Einzelgesellschaften" Unternehmer sind, sind die an die vom Finanzamt angenommene "Gesamtgesellschaft" ergangenen Umsatzsteuerjahresbescheide 2005,2006, 2007, 2008, 2009, 2010, 2011 und 2012 gemäß § 279 BAO ersatzlos aufzu­heben.
Rechtssatz 2: Ist die Beschwerdeführerin zufolge des Urteiles des Gerichtshofs der Europäischen Union vom 12. 10. 2016, C-340/15, ECLI:EU:C:2016:764 als mehrwertsteuerpflichtige eigenständige Unter­nehmerin anzusehen und liegen die übrigen Voraussetzungen für die Erteilung einer Umsatzsteueridentifikationsnummer unstrittig vor, ist der Beschwerdeführerin eine Umsatzsteueridentifikationsnummer zu erteilen bzw. die Begrenzung der Umsatzsteueridentifikationsnummer aufzuheben.
Rechtssatz 3: Betrieb ist zusammengefasst eine wirtschaftliche Einheit, die sich aus der Summe aller Wirtschaftsgüter bzw. sachlicher Produktionsmittel und Tätigkeiten bzw. menschlicher Arbeitskraft zusammensetzt, die in einer organisatorisch zusammengefassten Form einem bestimmten erwerbswirtschaftlichen totalgewinnfähigen Zweck im Bereich der Land- und Forstwirtschaft, eines freien Berufes oder einer sonstigen selbständigen Arbeit oder im gewerblichen Bereich dienen. Der Betrieb kann aus verschiedenen relativ selbständigen Untereinheiten (Teilbetrieben) zusammengesetzt sein. Mehrere im äußeren Erscheinungsbild von Betrieben unterhaltene wirtschaftliche Einheiten eines Steuerpflichtigen sind nach objektiven Kriterien i.S.d. Verkehrsauffassung auf eine Betriebseinheit oder -mehrheit zu prüfen.
Rechtssatz 4: Ob mehrere Betätigungen zu einer steuerlichen Einheit zusammenzufassen sind, hängt davon ab, ob die Bindungen zwischen den Betrieben nach objektiv gegebenen Merkmalen (der wirtschaftlichen, technischen oder organisatorischen Verflechtung) so eng sind, dass die Betriebe nach der Verkehrsauffassung als eine Einheit anzusehen sind.
Rechtssatz 5: Eine Mitunternehmerschaft muss zwischen den Mitunternehmern ausdrücklich oder schlüssig vertraglich begründet werden. Die Annahme einer rein faktischen Mitunternehmerschaft ohne zumindest einem konkludenten Gemeinschaftsverhältnis ist der Steuerrechtsordnung grundsätzlich fremd. Gegen den erklärten Willen der vermeintlichen Mitunternehmer kommt daher keine Mitunternehmerschaft zustande, es sei denn, die Willenserklärung ist als bloß zum Schein abgegeben anzusehen.
Rechtssatz 6: Auch wenn das Urteil des Gerichtshofs der Europäischen Union vom 12. 10. 2016, C-340/15, ECLI:EU:C:2016:764 zur Umsatzsteuer ergangen ist, hat dieser damit klar ausgesprochen, dass die getrennte Bewirtschaftung eigener oder – ebenfalls getrennt – zugepachteter Weingärten, die Verwendung so gut wie ausschließlich eigener Produktionsmittel der "Einzelgesellschaften", die Beschäftigung eigener Arbeitnehmer sowie der eigenständige Auftritt gegenüber ihren Lieferanten, gegenüber öffentlichen Stellen und zu einem gewissen Grad gegenüber ihren Kunden davon zeuge, "dass jede dieser Gesellschaften eine Tätigkeit im eigenen Namen, auf eigene Rechnung und in eigener Verantwortung ausübt". Das Bestehen einer gewissen Zusammenarbeit zwischen solchen Gesellschaften bürgerlichen Rechts und einer Kapital­gesellschaft u. a. hinsichtlich des Vertriebs ihrer Produkte unter einer gemeinsamen Marke reiche nicht aus, um die Eigenständigkeit dieser Gesellschaften bürgerlichen Rechts in Frage zu stellen. Weder die Über­tragung eines Teils ihrer Tätigkeiten auf Dritte noch die bestimmende Rolle eines Mitglieds einer (oder mehrerer) dieser Gesellschaften bei der Vinzifizierung und der Vertretung dieser Gesellschaften stehe dem Vorliegen eigenständiger "Einzelgesellschaften" entgegen. Damit hat der EuGH die maßgebende Verkehrs­auffassung auch in Bezug auf das Vorliegen von Einkünften aus Land- und Forstwirtschaft klar dargelegt.
Rechtssatz 7: Es ist denkunmöglich, dass ein einziger (ertragsteuerlicher) Betrieb sich aus mehreren (umsatzsteuerlichen) Unternehmen zusammensetzt. Steht fest, dass mehrere umsatzsteuerliche Unternehmen vorliegen, dann sind ertragsteuerlich zumindest so viele Betriebe gegeben als Unternehmen bestehen.
Rechtssatz 8: Wurden Bescheide an "[Vorname] [Zuname] und Mitges." oder an alle (vermeintlichen) mit ihrem Namen angeführten Mitgesellschafter erlassen und existieren, wenngleich in anderer Zusammensetzung als von der Behörde angenommen, Mitunternehmerschaften dieser Gesellschafter als Steuersubjekte, ist im Sinne der Rechtssicherheit von einer Wirksamkeit der Bescheide auszugehen. Diese Bescheide können daher Gegenstand eines Rechtsmittelverfahrens sein.
Rechtssatz 9: Mit Einverständnis aller Parteien des verwaltungsgerichtlichen Verfahrens kann auch über den Anwendungsbereich des § 267 BAO hinausgehend eine einzige Entscheidung des Verwaltungsgerichts als Sammelentscheidung erlassen werden, die allen Parteien zuzustellen ist.
Rechtssatz 10: Nach Ansicht des Bundesfinanzgerichts ist Art. 133 Abs. 4 B-VG dahingehend teleologisch zu reduzieren, dass in dem Fall, dass eine Rechtsfrage eindeutig und keinen Zweifel offenlassend vom Gerichtshofs der Europäischen Union beantwortet wurde, ab diesem Zeitpunkt eine Rechtsfrage von grundsätzlicher Bedeutung nicht mehr vorliegt.
Beachte: Amtsrevision eingebracht. Beim VwGH anhängig zur Zahl Ro 2017/13/0012.
Ausführliche Besprechung mit Praxishinweisen in BFGjournal 2017, 184; siehe auch BFGjournal 2017, 238
Das Verfahren betreffend eine Maßnahmenbeschwerde wegen einer vorläufigen Beschlagnahme von Glücksspielgeräten ist nach Ergehen des Beschlagnahmebescheides einzustellen
§ 53 Abs. 2 GSpG, § 52 Abs. 1 GSpG, § 35 VwGVG, § 24 Abs. 2 VwGVG, § 28 Abs. 1 VwGVG, § 31 Abs. 1 VwGVG
BFG vom 22.05.2017, RM/2100002/2017 (Einstellung; Revision nicht zugelassen)
Rechtssatz 1: Eine Beschwerde gegen einen Akt verwaltungsbehördlicher Befehls- und Zwangsgewalt in Form der vorläufigen Beschlagnahme von Gegenständen (Spielapparaten) ist einzustellen, wenn der die Beschlagnahme anordnende Bescheid nachfolgend erlassen wird.
Durch die Bescheiderlassung ist die faktische Amtshandlung als solche rechtlich nicht mehr selbständig existent und daher auch nicht mehr unmittelbar Objekt einer Maßnahmenbeschwerde.
Rechtssatz 2: Folge der Gegenstandslosigkeit einer Maßnahmenbeschwerde ist die Einstellung des Verfahrens. In einem solchen Fall steht kein Kostenersatz gemäß § 35 Abs. 3 VwGVG zu, weil es keine obsiegende Partei gibt.
§ 90 Abs. 2 BAO
BFG vom 15.03.2017, RV/1100662/2016 (Stattgabe; Revision zugelassen)
Im konkreten Fall kann es dahin gestellt bleiben, ob § 90 BAO im Sinne der von der Bf. zitierten Rechtsmeinungen (Ritz, BAO5, § 90 Tz 8; BMF 5.11.2003, Gz. 05 0701/1-IV/5/03; Ellinger/Iro/Kramer/Sutter/Urtz, BAO3 § 90 Anm 16) eher weit oder im Sinne von Stoll (BAO-Kommentar 897) ein wenig enger auszulegen ist. Denn auch bei etwas engerer Auslegung von § 90 BAO und selbst unter der Annahme, dass es auch einem Amt (insbesondere einer hierarchisch strukturierten, letztlich in Ministerverantwortung geführten Behörde) erlaubt sein soll, vorbereitende Gedanken und Meinungen im Sinne eines Brainstormings frei, ohne Wertung und Prüfung durch die Partei, ohne Pflicht zur Dokumentation bzw. späteren Offenlegung, sowohl horizontal als auch vertikal, auszutauschen, soll § 90 BAO nach Überzeugung des Gerichts zumindest nach Beendigung des Abgabenverfahrens einem Abgabepflichtigen die Möglichkeit bieten, alle bezughabenden Aktenteile einzusehen und im Hinblick auf deren Relevanz (somit auch im Hinblick auf deren Irrelevanz) für ein Amtshaftungsverfahren zu prüfen.
Anmerkungen: Zum Umfang des Rechts auf Akteneinsicht gemäß § 90 BAO gibt es keine höchst­gerichtliche Judikatur, die auf die Novellierung des Art. 20 Abs. 3 B-VG durch BGBl 285/1987 Bezug nimmt. Auch wenn das Gericht die restriktive Auslegung durch die belangte Behörde im angefochtenen Bescheid nicht teilt und als überholt erachtet, so vermag sich dieser Standpunkt doch auf höchstgerichtliche Judikatur, ergangen nach der Novellierung von Art. 20 Abs. 3 B-VG (VwGH 25.6.1992, 91/16/0057), auf eine Entscheidung des Unabhängigen Finanzsenates (UFS 2.2.2010, RV/1371-L/09), auf Fischerlehner (Abgabenverfahren2 2016) § 90 Anm.3) und nicht zuletzt auf den aktuell gültigen Wortlaut des § 90 Abs. 2 BAO zu berufen. Im Hinblick darauf kann der entschiedenen Rechtsfrage eine grundsätzliche Bedeutung nicht abgesprochen werden.
Beachte: Revision eingebracht (Amtsrevision). Beim VwGH anhängig zur Zahl Ro 2017/15/0021.
1. Abtransport vorläufig beschlagnahmter Glücksspielgeräte, obwohl vorerst deren Verbleib an Ort und Stelle verfügt worden war, als Teil der vorläufigen Beschlagnahme durch die Finanzpolizei
2. Einstellung des diesbezüglichen Beschwerdeverfahrens nach Ergehen eines Beschlagnahmebescheides
§ 53 Abs. 2 GSpG, § 50 Abs. 3 GSpG, § 53 Abs. 4 GSpG, § 60 Abs. 25 Z 2 GSpG
BFG vom 28.03.2017, RM/7100034/2015 (Einstellung; Revision nicht zugelassen)
Wird hinsichtlich vorläufig beschlagnahmter Glücksspielgeräte durch die einschreitende Finanzpolizei vorerst verfügt, dass diese an Ort und Stelle belassen werden, dann aber doch noch während der Amtshandlung oder in unmittelbarem Anschluss daran der Abtransport der Geräte zur behördlichen Verwahrung ange­ordnet, wird mit dem Abtransport nicht mehr in Rechte des vormaligen Inhabers der Geräte (vor der vor­läufigen Beschlagnahme) eingegriffen.
Der Vorgang selbst ist noch ein Teil des Handlungsablaufes anlässlich einer vorläufigen Beschlagnahme, weshalb ein diesbezügliches Beschwerdeverfahren nach Ergehen eines Beschlagnahmebescheides (hier: durch die LPD Wien) einzustellen ist.
§ 90 BAO, § 30 Abs. 2 VwGG, § 6 Abs. 1 AHG
BFG vom 11.05.2017, AW/1100002/2017 (Stattgabe; Revision nicht zugelassen)
BFG vom 21.04.2017, RS/7100047/2017 (Zurückweisung; Revision nicht zugelassen)
Rechtssatz 1: Wenn zwei rechtswirksame Bescheide im Widerspruch stehen, dann derogiert bei Identität der Sache der spätere Bescheid den früher erlassenen (VwGH 22.5.2014, Ro 2014/15/0008; VwGH 18.9.2007, 2007/16/0078).
Rechtssatz 2: Ein Antrag auf Zustellung eines unwirksamen Bescheides unterliegt nicht der Entscheidungspflicht, da faktische Amtshandlungen nicht erzwungen werden können (vgl. VwGH 22.6.2001, 2001/13/0146).
§ 90 BAO, § 284 BAO
BFG vom 04.05.2017, RS/3100007/2017 (Zurückweisung; Revision nicht zugelassen)
§ 217 Abs. 1 BAO, § 217 Abs. 7 BAO
BFG vom 02.05.2017, RV/7105504/2016 (Abweisung; Revision nicht zugelassen)
1. Mitteilung über die Wiederaufnahme einer Einbringung kein Gegenstand einer Maßnahmenbeschwerde nach § 283 BAO: Zurückweisung der Beschwerde
§ 283 BAO, § 231 Abs. 2 BAO
BFG vom 24.03.2017, RM/7100013/2016 (Zurückweisung; Revision nicht zugelassen)
Die Nachricht an einen Abgabepflichtigen mittels Buchungsmitteilung über den Umstand, dass sich eine Abgabenbehörde mittels interner Willensbildung entschlossen hat, hinsichtlich diesen die nach § 231 Abs. 1 BAO ausgesetzt gewesene Einbringung des Abgabenrückstandes für einen bestimmten Teil wiederaufzunehmen (§ 231 Abs. 2 BAO), ist keine ausgeübte unmittelbare abgabenbehördliche Befehls- und Zwangsgewalt im Sinne des § 283 BAO.
§ 201 Abs. 1 BAO, § 20 BAO, § 235 BAO
BFG vom 18.05.2017, RV/5100622/2013 (Stattgabe; Revision nicht zugelassen)
Unzuständigkeit des BFG wegen unterlassener Beschwerdevorentscheidung – Verfassungs- oder Gesetzwidrigkeit einer Norm nicht in Beschwerde geltend gemacht
§ 262 Abs. 2 BAO, § 262 Abs. 1 BAO, § 323 Abs. 42 BAO
BFG vom 05.04.2017, RV/7100636/2014 (Einstellung; Revision nicht zugelassen)
Für das Absehen von der Erlassung einer Beschwerdevorentscheidung nach § 262 Abs. 3 BAO reicht es nicht, dass in der Beschwerde neben eines Widerspruches zur ständigen Rechtsprechung des Verwaltungsgerichtshofes auch eine verfassungswidrige Vorgehensweise des Finanzamtes gerügt wird, da damit keine verfassungsrechtlichen Bedenken gegen eine dem Bescheid zugrundeliegende Norm geltend gemacht werden.
Ausführliche Besprechung mit Praxishinweisen in BFGjournal 2017, 236
Rechtsmittelverfahren: Keine Beschwerdezinsen für strittige (erst mit Rechtsmittel­erledigung) gewährte Abgabengutschriften
§ 205a Abs. 1 BAO
BFG vom 29.05.2017, RV/2100484/2013 (Abweisung; Revision zugelassen)
Es ist dem Beschwerdeführer beizupflichten, dass er für die Dauer des Rechtsmittelverfahrens durch das Warten auf die Abgabengutschrift in gleichem Maße wirtschaftlich belastet ist wie ein Abgabepflichtiger, der einen strittigen Abgabenbetrag entrichtet hat. Nicht beipflichten kann das erkennende Gericht jedoch der Meinung des Beschwerdeführers, dass es sich um eine sprachliche Ungenauigkeit im Gesetzestext handle. Denn auch wenn aus den Erläuternden Bemerkungen zum Gesetzestext herauszulesen ist, dass das "ungerechte" einseitige Zinsrisiko des Abgabenpﬂichtigen durch § 205a BAO habe beseitigt werden sollen und der Abgabenpﬂichtige nicht durch eine falsche Beurteilung eines Sachverhaltes durch die Abgaben­behörde, der er nur mit einer Berufung entgegentreten kann, finanziell geschädigt werden sollte, so findet diese herauszulesende Intention im Fall des Beschwerdeführers aufgrund des diesbezüglich klaren Wortlauts des Gesetzes ("bereits entrichtete Abgabenschuldigkeit") ihre Grenze.
§ 17 Abs. 1 ZustG, § 17 Abs. 2 ZustG, § 17 Abs. 3 ZustG, § 17 Abs. 4 ZustG, § 264 Abs. 1 BAO, § 97 BAO, § 97 Abs. 1 BAO, § 260 Abs. 1 BAO, § 264 Abs. 4 BAO
BFG vom 14.06.2017, RV/3100396/2017 (Zurückweisung; Revision nicht zugelassen)
§ 9 BAO, § 80 Abs. 1 BAO
BFG vom 26.06.2017, RV/7400024/2017 (Abweisung; Revision nicht zugelassen)
Behauptet jemand, im Firmenbuch nur "proforma" als Geschäftsführer eingetragen zu sein, so haftet dieser dennoch nach ständiger Rechtsprechung des VwGH (z.B. VwGH vom 19.3.2015, 2013/16/0166) gem. § 80 Abs. 1 BAO iVm § 9 BAO für alle ihn treffenden abgabenrechtlichen Verpflichtungen.
BFG vom 22.06.2017, RV/7104588/2016 (Abweisung; Revision nicht zugelassen)
§ 217 Abs. 1 BAO, § 217 Abs. 7 BAO, § 217 Abs. 2 BAO
BFG vom 09.06.2017, RV/2100632/2016 (Abweisung; Revision nicht zugelassen)
Auch Abgabennachforderungen auf Grund eines Sicherheitszuschlages sind haftungs­relevant
§ 9 BAO, § 80 BAO
BFG vom 20.06.2017, RV/2100151/2016 (teilweise Stattgabe; Revision nicht zugelassen)
Kommt es zur rechtskräftigen Festsetzung von Steuernachforderungen auf Grund von Sicherheits­zuschlägen, kann die Geschäftsführerin nicht erfolgreich entgegenhalten, dass die Höhe dieser Abgaben­nachforderungen zum Fälligkeitszeitpunkt noch nicht bekannt gewesen wäre und sie deshalb für deren Entrichtung nicht Vorsorge habe leisten können.
Abgaben, die auf Schätzungen oder Sicherheitszuschlägen beruhen, sind jedenfalls auch haftungsrelevant.
§ 26 Abs. 2 AuslBG, § 89 Abs. 3 EStG 1988, § 146 BAO, § 7b Abs. 6 AVRAG, § 12 Abs. 1 AVOG, § 144 Abs. 2 BAO
BFG vom 09.06.2017, RM/7100007/2016 (Zurückweisung bzw. Abweisung; Revision nicht zugelassen)
Rechtssatz 1: Wird für Zwecke einer Baustellenkontrolle durch Organe der Finanzpolizei ein Grundstück betreten, ist dies eine Ausübung einer unmittelbaren verwaltungsbehördlichen Befehls- und Zwangsgewalt. Der Liegenschaftseigentümer ist zur Erhebung einer Maßnahmenbeschwerde berechtigt. Die formal zulässige Beschwerde ist aber in Anbetracht der gesetzlichen Ermächtigung (§§ 26 Abs. 2 AuslBG, § 7b Abs. 6 AVRAG, § 12 Abs. 1 AVOG, § 144 BAO) bei zweckdienlicher und verhältnismäßiger Ausübung des Betretungsrechtes der Beamten als unbegründet abzuweisen.
Rechtssatz 2: Werden im Zuge einer Amtshandlung (bspw. im Zuge einer Baustellenkontrolle durch Organe der Finanzpolizei) zur Dokumentation der am Einsatzort vorgefundenen relevanten Umstände bzw. für Beweiszwecke (§ 46 AVG, § 166 BAO) in den sich anschließenden Verwaltungsverfahren Fotos angefertigt, ohne dass zur Durchsetzung der Aufnahmen etwa Körperkraft eingesetzt oder Gewalt angedroht werden muss, liegt im "schlichten Fotografieren" noch keine Ausübung einer unmittelbaren verwaltungsbehördlichen Befehls- und Zwangsgewalt.
§ 217 Abs. 5 BAO, § 217 Abs. 1 BAO, § 217 Abs. 2 BAO, § 217 Abs. 7 BAO
BFG vom 01.06.2017, RV/2100798/2011 (Abweisung; Revision nicht zugelassen)
Art. 6 Abs. 3 UStG 1994, Art. 7 Abs. 1 UStG 1994
BFG vom 29.05.2017, RV/1200036/2014 (Stattgabe; Revision nicht zugelassen)
Die Befreiung von der Einfuhrumsatzsteuer nach Art. 6 Abs. 3 UStG 1994 (BMR) kann nicht allein aus dem Grund versagt werden, dass in der Zollanmeldung eine unrichtige UID-Nr. und/oder kein Hinweis auf den Beförderungsnachweis angegeben worden ist, wenn keine konkreten Anhaltspunkte für eine Steuerhinterziehung bestehen und feststeht, dass die materiell-rechtlichen Voraussetzungen nach Art. 7 UStG 1994 für die Befreiung von der Umsatzsteuer der innergemeinschaftlichen Anschlusslieferung erfüllt sind.
Beachte: Revision eingebracht (Amtsrevision). Beim VwGH anhängig zur Zahl Ra 2017/16/0121.
§ 108 Abs. 1 ZollR-DG, Art. 220 Abs. 1 ZK
BFG vom 11.05.2017, RV/6200004/2017 (Stattgabe; Revision nicht zugelassen)
Folgerechtssatz (wie RV/1200073/2015-RS1): Das Bundesfinanzgericht hat grundsätzlich auf Grund der zum Zeitpunkt ihrer Entscheidung gegebenen Sach- und Rechtslage zu entscheiden (§ 279 BAO), soweit sich nicht insbesondere aus dem Grundsatz der Zeitbezogenheit von Abgabenvorschriften das Gebot zur Anwendung der zu einem bestimmten früheren Zeitpunkt maßgebenden Rechtslage ergibt oder ein Sachverhalt zu einem in der Vergangenheit liegenden Zeitpunkt zugrunde zu legen ist. Im Falle einer Festsetzung einer Abgabenerhöhung (nach dem früheren § 108 Abs. 1 ZollR-DG) hat das Verwaltungs­gericht von der Sach- und Rechtslage im Zeitpunkt seiner Entscheidung auszugehen, da der Abgaben­anspruch der Abgabenerhöhung erst mit der Festsetzung entsteht.
Beachte: Revision eingebracht (Amtsrevision). Beim VwGH anhängig zur Zahl Ra 2017/16/0103.
Anspruchszinsen – keine analoge Anwendung auf Altlastenbeiträge
BFG vom 21.02.2017, RV/7200073/2014 (Abweisung; Revision nicht zugelassen)
Folgerechtssatz (wie RV/7200053/2015-RS1): Es war die eindeutige und unzweifelhafte Absicht des Gesetzgebers, mit der Bestimmung des § 205 BAO (Gewährung von Anspruchszinsen) eine speziell auf die Besonderheiten der Einkommen- und Körperschaftsteuer zugeschnittene Regelung zu schaffen, weshalb mangels Vorliegens einer echten Gesetzeslücke eine analoge Anwendung dieser Bestimmung auf andere Abgaben nicht zulässig ist.