Source: https://bussgeldcheck.bild.de/c/fahranfaenger/
Timestamp: 2019-06-16 02:48:57
Document Index: 305665526

Matched Legal Cases: ['§ 142', '§ 222', '§ 240', '§ 315', '§ 323', '§ 21', '§ 316', '§ 24']

Fahranfänger: Infos zur Probezeit & Tipps ||| Bußgeldcheck von BILD
Fahranfänger: Wie lange gelten Sie offiziell als Führerscheinneuling?
Aufgrund der fehlenden Fahrpraxis und erforderlichen Routine sind gerade junge Fahrer und Fahranfänger zwischen 18 und 24 Jahren statistisch gesehen vergleichsweise häufig in Unfälle verwickelt, nicht selten als Hauptverursacher. Unsicherheiten im Straßenverkehr, bezüglich der Verkehrsregeln, verhältnismäßig hohe Risikobereitschaft und bei dem einen oder anderen auch relative Sorglosigkeit: Zahlreiche Gründe führen dazu, dass Fahranfänger – ob im Auto oder auf Roller & Co. – regelmäßig unter besonderer Beobachtung stehen und bei gravierenden Verkehrsverstößen auch mit strengeren Sanktionen rechnen müssen. Doch wie lange ist man eigentlich offiziell Fahranfänger?
Diese Probezeitmaßnahmen können einem Fahranfänger drohen
... in der re­gu­lä­ren Pro­be­zeit
ein A- oder zwei B-Ver­stö­ße Ver­län­ger­ung der Pro­be­zeit (+ 2 Jah­re)
Auf­bau­se­mi­nar
... in der ver­län­ger­ten Pro­be­zeit
ein A- oder zwei B-Ver­stö­ße Ver­war­nung
Emp­feh­lung der Teil­nah­me an ei­ner ver­kehrs­psy­cho­lo­gi­schen Be­ra­tung
zwei­ter A- oder zwei wei­te­re B-Ver­stö­ße Fahr­er­laub­nis­ent­zug
Sperr­frist (min­des­tens 6 Mo­na­te)
Wie lange gilt man als Fahranfänger? Infos zur Probezeit
Mit Bestehen der Führerscheinprüfung und Aushändigung des Führerscheins treten alle Fahranfänger zunächst in eine Bewährungszeit ein. Diese Probezeit für alle Fahranfänger wurde 1986 eingeführt und geht mit besonderen Maßnahmen einher, die bei Verkehrsverstößen auf die Führerscheinneulinge neben den üblichen Sanktionen hinzukommen können. Diese sehen z. B. auch vor, dass den Neulingen am Steuer auch schneller als bei erfahreneren Kfz-Fahrern die Fahrerlaubnis wieder abgenommen werden kann.
Bis wann ist man offiziell Fahranfänger? Die Probezeit ist für alle Betroffenen zunächst auf einen Zeitraum von zwei Jahren festgesetzt. Diese kann sich jedoch einmalig um weitere zwei Jahre verlängern, wenn der Fahrlaubnisinhaber sich in der Bewährungsphase einen A- oder zwei B-Verstöße zuschulden kommen lässt.
Nach Ablauf der zwei- oder ggf. vierjährigen Probezeit werden Sie offiziell nicht mehr als Fahranfänger geführt und müssen auch mit keinen gesonderten Maßnahmen mehr rechnen. Dennoch steigt erst mit zunehmender Fahrpraxis die Sicherheit hinterm Steuer, sodass erst Jahre nach der Beeindigung der Bewährungsphase bei den Führerscheininhabern statistisch gesehen auch das Unfallrisiko erheblich sinkt.
Einzelne Verkehrsverstöße sind im Bußgeldkatalog für Fahranfänger an gegebener Stelle zusätzlich als A- bzw. B-Verstoß gekennzeichnet. Welche Ordnungswidrigkeiten und Straftatbestände im Einzelnen hierunter fallen, ergibt sich maßgeblich aus Anlage 12 der Fahrerlaubnis-Verordnung (FeV). In der folgenden tabellarischen Übersicht finden Sie einige Beispiele:
Fahrer­flucht (§ 142 StGB) Fahren ohne Winter­reifen, ob­wohl witterungs­bedingt erfor­derlich
Fahr­lässige Körper­verletz­ung oder Töt­ung (§§ 222, 229 StGB) Abstands­verstoß mit einem Lkw bei mehr als 50 km/h
Nöti­gung im Straßen­verkehr (§ 240 StGB) Parken an enger/un­über­sicht­licher Stelle bei mög­licher Behin­derung von Einsatz­fahrzeugen
Gefähr­licher Ein­griff in den/Gefähr­dung des Straßen­verkehrs oder Teil­nahme an verbot­enen Auto­rennen (§§ 315b, c, d StGB) Zu­parken einer Feuer­wehr­zufahrt mit Behin­derung von Einsatz­fahrzeugen
Unter­lassene Hilfe­leistung (§ 323c StGB) Abblend­licht am Tage trotz Sicht­behin­derung durch Schnee, Regen oder Nebel außer­orts nicht ein­ge­schaltet
Fahren ohne Fahr­erlaub­nis oder trotz Fahr­verbots (§ 21 StVG) Parken auf Auto­bahn/Kraft­fahr­straße
Trunken­heits­fahrt oder Fahren im Voll­rausch (§§ 316, 323a StGB) Unfall­stelle oder Pannen­fahr­zeug nicht ord­nungs­gemäß ab­ge­sichert
Alkohol- oder Drogen am Steuer (§ 24c StVG)* Un­ge­nü­gende La­dungs­sicherung
Rotlicht­verstoß Über­ladung um mehr als 5 %
Handy am Steuer Kind/Kinder als Ver­ant­wort­licher im Auto nicht aus­reichend ge­sichert
Geschwindig­keits­über­schreit­ungen ab 21 km/h Kind/Kinder ohne Schutz­helm auf Kraft­rad mitgenommen
Verbots­widrige Nutz­ung des Seiten­streifens Nicht vor­schrifts­mäßiges Fahr­zeug ge­führt (bei Be­ein­träch­tigung der Verkehrs­sicher­heit)
Verstoß gegen das Rechts­fahr­gebot (bei Gefähr­dung oder Unfall) Gefähr­dung von Fuß­gängern in einem verkehrs­beruhig­ten Be­reich
Abstands­verstöße bei mehr als 80 km/h Miss­achtung eines Wende­verbots in einem Tunnel
Überhol­vorgang bei un­klarer Verkehrs­lage Haupt­unter­suchung mehr als acht Monate über­fällig (bei erforderlicher Sicher­heits­prüfung bereits bei mehr als vier Monaten)
Miss­achtung eines Über­hol­verbots Nutz­ung eines Radar­warners o. ä.
Miss­achtung der Vor­fahrt Fahr­zeug ohne Betriebs­erlaubnis geführt (bei Be­ein­trächti­gung der Verkehrs­sicherheit)
bei BF17: Fahren ohne ein­ge­tragene Begleit­person Fahren trotz erheb­licher und verkehrs­gefährdender Mängel an den Bremsen
* Für Fahr­an­fänger in der Probe­zeit und Personen unter 21 Jahren gilt ein striktes Alkohol­verbot am Steuer.
Bei einem A-Verstoß bzw. zwei B-Verstößen in der zweijährigen Probezeit kommen auf Fahranfänger neben den Sanktionen aus dem Tatbestandskatalog auch die Verlängerung der Bewährungsphase auf insgesamt vier Jahre sowie ein Aufbauseminar zu. Ein A-Verstoß bzw. zwei B-Verstöße in der verlängerten Probezeit münden in einer kostenpflichtigen Verwarnung sowie der Empfehlung, an einer verkehrspsychologischen Beratung teilzunehmen. Ein weiterer A- oder zwei weitere B-Verstößen führen dann letztlich zum Entzug der Fahrerlaubnis und der Verhängung einer Sperrfrist von mindestens sechs Monaten.
Das Aufbauseminar ist für Fahranfänger zudem mit zusätzlichem Geld- und Zeitaufwand verbunden: Bei einer Teilnahmedauer bis zu vier Wochen können Zusatzkosten bis etwa 400 Euro entstehen, die der Betroffene selbst tragen muss. Verweigert ein Fahranfänger die Teilnahme an dem ihm auferlegten Aufbauseminar, kann die Fahrerlaubnis eingezogen werden.
Im Übrigen: Verursachen Fahranfänger einen Unfall, so ist der zugrunde liegende Verkehrsverstoß ausschlaggebend dafür, ob dies als A- oder B-Verstoß zu werten ist.
7 Tipps für Fahranfänger: So kommen Sie gut durch die Probezeit!
Auch als Fahranfänger sicher im Auto unterwegs: Diese Tipps sollten Sie beherzigen.
Fahranfänger können einige Tipps beherzigen, um ihr Auto möglichst gut durch die Bewährungsphase zu steuern. Im Folgenden haben wir einige Empfehlungen zusammengestellt:
Um die notwendige Routine, Ruhe und Sicherheit hinterm Steuer zu erwerben, bleibt jedem Fahranfänger nur eines: üben. Je öfter Sie fahren, desto mehr Erfahrung sammeln Sie im Straßenverkehr und desto besser können Sie die zahlreichen Abläufe während des Autofahrens koordinieren. Auch Konzentrationsfähigkeit, Ausdauer und die Einschätzung einzelner Verkehrssituationen müssen trainiert werden.
Streckenlänge langsam steigern
Auf den ersten eigenständigen Kilometern im Auto sollten Fahranfänger sich nicht selbst überschätzen und lieber kleine Schritte machen. Beginnen Sie am besten mit kurzen Strecken, die Ihnen bereits aus der Fahrschule oder Ihrer Zeit als Beifahrer bekannt sind. Danach können Sie erste unbekannte Strecken wählen und die Streckenlänge langsam erweitern, je sicherer Sie sich hinterm Steuer fühlen.
Mögliche Störquellen vermeiden
Ablenkung am Steuer kann auch noch dem erfahrensten Fahrer zum Verhängnis werden. Doch besonders Fahranfänger, denen die nötige Routine und Sicherheit fehlen, sollten die größten Störquellen von vornherein aus dem Auto ausschließen, die Ihre Konzentrationsfähigkeit negativ beeinträchtigen können. Dazu gehören u. a.:
Musik oder das Umschalten des Radios
Handys und andere technische Geräte
Rauchen, Essen, Trinken usf.
emotionale Aufgewühltheit (auch durch Streitgespräche mit Mitfahrern)
aufgeregte, aufgedrehte, überängstliche, besserwissende Beifahrer
Prüfen Sie sich schon vor dem Einsteigen in Ihren Wagen, ob Sie sich tatsächlich körperlich und geistig dazu in der Lage fühlen, dem Verkehrsgeschehen konzentriert zu folgen. Sollte ein Beifahrer der Erfahrung nach Sie regelmäßig aufwühlen oder nervös machen, fahren Sie zunächst lieber allein. Und vermeiden Sie sämtliche Tätigkeiten während der Fahrt, die Sie dazu zwingt, mindestens eine Hand vom Lenkrad zu nehmen (Betätigung von Blinker, Schaltung & Co. sind natürlich ausgenommen).
Pedant am Gaspedal
Als Fahranfänger einmal zu schnell gefahren, schon kann die Probezeitverlängerung drohen. Geschwindigkeitsüberschreitungen gehören statistisch gesehen zu den häufigsten Ordnungswidrigkeiten im Straßenverkehr, nicht nur bei den 18- bis 24-Jährigen. Achten Sie daher ganz besonders auf die die Einhaltung der vorgegebenen Tempolimits.
Fahranfänger sollten nach dem Genuss von Alkohol aufs Auto verzichten: Für sie gilt die 0,0-Promillegrenze.
Don’t drink and drive – wirklich!
Alkohol hat hinterm Steuer nichts zu suchen. Doch gerade Fahranfänger sollten hier besonders achtsam sein und auch nach dem spontanen Feierabendbier die Finger vom Lenkrad lassen. Anders als für erfahrenere Autofahrer, die die 0,5-Promillegrenze beachten müssen, gilt für Fahranfänger und Fahrer unter 21 Jahren nämlich grundsätzlich ein striktes Alkoholverbot. Auch ein Promillewert von 0,1 kann damit für sie schon zum Verhängnis werden.
Lassen Sie sich von anderen Verkehrsteilnehmern nicht unter Druck setzen. Brauchen Sie zum Abbiegen, Anfahren, Ein- oder Ausparken mal etwas länger, da die notwendige Routine fehlt oder fahren Sie in der Innenstadt nicht die vermeintlich obligatorischen 10 km/h zu schnell? Einige Autofahrer ergehen sich dann ob ihrer Ungeduld gegenüber einem Fahranfänger schon einmal in Hupkonzerten oder drängeln. Lassen Sie sich jedoch davon nicht in Panik versetzen, sondern konzentrieren Sie sich auf die Verkehrssituation und die Einhaltung der Straßenverkehrsregeln. Lassen Sie sich nicht provozieren und damit zu vermeidbaren Fehlern hinreißen.
Lebenslänglich auf Bewährung!
Nicht nur in der Probezeit ist die Einhaltung der gerade erlernten Verkehrsvorschriften von Bedeutung. Fahranfänger sollen in dieser Bewährungsphase vielmehr deren Einhaltung trainieren und eine gewisse Routine im Straßenverkehr entwickeln. Die drohenden Probezeitmaßnahmen sollen dem Nachdruck verleihen und bieten zugleich eine zusätzliche Motivation. Das heißt nun aber nicht, dass Fahranfänger nach der Probezeit frei sind, denn auch dann noch kann der Verlust der Fahrerlaubnis vergleichsweise schnell drohen. Gefährdung, Nötigung, fahrlässige Körperverletzung, Trunkenheitsfahrten: Schon eine dieser Straftaten kann den umgehenden Fahrerlaubnisentzug nach sich ziehen – spätestens jedoch die Ansammlung zu vieler Punkte in Flensburg.
Auch nach der Probezeit müssen Kfz-Fahrer immer wieder aufs Neue ihre Eignung für das Führen von Fahrzeugen unter Beweis stellen. Ob Fahranfänger oder erfahrener Berufskraftfahrer, die Bewährungszeit endet per se nie.