Source: https://www.rechtslupe.de/zivilrecht/berufungsbegruendung-und-die-eingescannte-unterschrift-3201426
Timestamp: 2020-08-12 04:47:17
Document Index: 273567127

Matched Legal Cases: ['§ 520', '§ 130', '§ 78', '§ 233', '§ 85', '§ 130']

Berufungsbegründung - und die eingescannte Unterschrift | Rechtslupe
Beim Gericht im Ori­gi­nal ein­ge­reich­te, aber ledig­lich mit einer ein­ge­scann­ten Unter­schrift ver­se­he­ne Schrift­sät­ze zur Beru­fungs­be­grün­dung genü­gen den Forman­for­de­run­gen nicht.
Als bestim­men­der Schrift­satz muss die Beru­fungs­be­grün­dung gemäß § 520 Abs. 5, § 130 Nr. 6, § 78 Abs. 1 Satz 1 ZPO grund­sätz­lich durch einen pos­tu­la­ti­ons­fä­hi­gen Pro­zess­be­voll­mäch­tig­ten unter­zeich­net sein [1]. Die ledig­lich ein­ge­scann­te Unter­schrift genügt die­sen Forman­for­de­run­gen bei einem im Ori­gi­nal ein­ge­reich­ten Schrift­satz nicht [2].
Zum Nach­weis der Urhe­ber­schaft reicht allein der per­sön­li­che Ein­wurf in den Gerichts­brief­kas­ten nicht aus [3].
Schließ­lich hat das Beru­fungs­ge­richt im vor­lie­gen­den Fall dem Beklag­ten zutref­fend eine Wie­der­ein­set­zung in die ver­säum­te Frist zur Begrün­dung der Beru­fung ver­sagt (§ 233 Satz 1 ZPO) [4], da weder vor­ge­tra­gen noch sonst ersicht­lich ist, dass die Beru­fungs­be­grün­dungs­frist ohne Ver­schul­den ver­säumt wor­den ist.
Wird die Beru­fungs­be­grün­dungs­frist ver­säumt, weil wie vor­lie­gend inner­halb der lau­fen­den Frist ein nicht unter­schrie­be­ner und damit zur Ein­hal­tung der Frist nicht geeig­ne­ter Schrift­satz bei dem Gericht ein­ge­gan­gen ist, ist grund­sätz­lich von einem dem Beru­fungs­klä­ger nach § 85 Abs. 2 ZPO zuzu­rech­nen­den Anwalts­ver­schul­den aus­zu­ge­hen, da es zur Pflicht eines Rechts­an­walts gehört, für einen man­gel­frei­en Zustand der aus­ge­hen­den Schrift­sät­ze zu sor­gen, wozu die gemäß § 130 Nr. 6 ZPO zu leis­ten­de Unter­schrift gehört [5].
Die­ses Ver­schul­den ist jedoch dann nicht recht­lich erheb­lich, wenn alle erfor­der­li­chen Schrit­te unter­nom­men wur­den, die bei nor­ma­lem Ablauf der Din­ge mit Sicher­heit dazu füh­ren wür­den, dass die Frist gewahrt wer­den kann. In der Recht­spre­chung ist des­halb aner­kannt, dass bei feh­len­der Unter­zeich­nung der bei Gericht frist­ge­recht ein­ge­reich­ten Rechtsmittel(Begründungs)schrift Wie­der­ein­set­zung in den vori­gen Stand gewährt wer­den kann, wenn der Pro­zess­be­voll­mäch­tig­te sein Büro­per­so­nal all­ge­mein ange­wie­sen hat­te, sämt­li­che aus­ge­hen­den Schrift­sät­ze vor der Absen­dung auf das Vor­han­den­sein der Unter­schrift zu über­prü­fen. Da die Unter­schrif­ten­kon­trol­le die der Rechts­an­walt zuver­läs­si­gen Büro­kräf­ten über­las­sen darf [6] gera­de der Ver­mei­dung eines erfah­rungs­ge­mäß nicht gänz­lich aus­schließ­ba­ren Anwalts­ver­se­hens bei der Unter­schrifts­leis­tung dient, ist bei einem Ver­sa­gen einer sol­chen Kon­trol­le ein Rück­griff auf ein Anwalts­ver­se­hen im Zusam­men­hang mit der Unter­zeich­nung aus­ge­schlos­sen [7].