Source: https://www.rechtslupe.de/steuerrecht/einkommensteuer/gewerbesteuer/die-zur-insolvenztabelle-angemeldete-forderung-aus-gewerbesteuerhaftung-361454
Timestamp: 2020-01-21 03:32:34
Document Index: 382743742

Matched Legal Cases: ['§ 179', '§ 69', '§ 302', '§ 826', '§ 823', '§ 302', '§ 826', '§ 823', '§ 302', '§ 69', '§ 179', '§ 302', '§ 823', '§ 826', '§ 69', '§ 823', '§ 823', '§ 185', '§ 185', '§ 251', '§ 37', '§ 37', '§ 251', 'BGH', '§ 12', '§ 40', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 69', '§ 69', 'BGH', '§ 185', 'BGH', '§ 179']

Die zur Insol­venz­ta­bel­le ange­mel­de­te For­de­rung aus Gewer­be­steu­er­haf­tung | Rechtslupe
Der im Ver­fah­ren nach §§ 179 ff. InsO iso­liert aus­zu­tra­gen­de Fest­stel­lungs­streit um die recht­li­che Ein­ord­nung einer zur In­sol­venz­ta­bel­le an­ge­mel­de­ten For­de­rung auf Ge­wer­be­steu­er­haf­tung (§ 69 AO) als For­de­rung aus vor­sätz­lich be­gan­ge­ner un­er­laub­ter Hand­lung im Sin­ne des § 302 Nr. 1 InsO ist im Zi­vil­rechts­weg zu füh­ren 1.
In dem vor­lie­gend vom Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt ent­schie­de­nen Fall begehrt die Klä­ge­rin die Fest­stel­lung, dass es sich bei der im In­sol­venz­ver­fah­ren an­ge­mel­de­ten Haf­tungs­schuld um eine Ver­bind­lich­keit des Be­klag­ten, dem Geschäfts­fü­her einer eben­falls insol­ven­ten GmbH, aus einer vor­sätz­lich be­gan­ge­nen un­er­laub­ten Hand­lung gem. § 826 BGB bzw. § 823 Abs. 2 BGB han­delt mit dem Ziel, die­sen Zah­lungs­an­spruch von der Rest­schuld­be­frei­ung nach § 302 Nr. 1 InsO aus­zu­neh­men. Das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt sah für die­sen Rechts­streit den Rechts­weg zu den ordent­li­chen Gerich­ten als eröff­net:
Die Art einer Strei­tig­keit – öffent­lich- oder bür­ger­lich-recht­lich – bestimmt sich, wenn wie hier eine aus­drück­li­che Rechts­weg­zu­wei­sung des Gesetz­ge­bers fehlt, nach der Natur des Rechts­ver­hält­nis­ses, aus dem der Kla­ge­an­spruch her­ge­lei­tet wird 2. Es kommt dar­auf an, ob der zur Kla­ge­be­grün­dung vor­ge­tra­ge­ne Sach­ver­halt für die aus ihm her­ge­lei­te­te Rechts­fol­ge von Rechts­sät­zen des Zivil- oder des öffent­li­chen Rechts geprägt wird, ob die an der Strei­tig­keit Betei­lig­ten zuein­an­der in einem hoheit­li­chen Ver­hält­nis der Über- und Unter­ord­nung ste­hen und ob sich der Trä­ger hoheit­li­cher Gewalt der beson­de­ren, ihm zuge­ord­ne­ten Rechts­sät­ze des öffent­li­chen Rechts bedient oder ob er sich den für jeder­mann gel­ten­den zivil­recht­li­chen Rege­lun­gen unter­stellt 3. Die in die­ser Wei­se vor­zu­neh­men­de Abgren­zung weist das Streit­ver­hält­nis in die­je­ni­ge Ver­fah­rens­ord­nung, die ihm nach der gesetz­ge­be­ri­schen Wer­tung in der Sache am bes­ten ent­spricht, und bewirkt zugleich, dass regel­mä­ßig die­je­ni­gen Gerich­te anzu­ru­fen sind, die durch ihre Sach­kun­de und Sach­nä­he zur Ent­schei­dung über den in Fra­ge ste­hen­den Anspruch beson­ders geeig­net sind 4.
Danach liegt hier eine bür­ger­lich-recht­li­che Strei­tig­keit vor. Denn die Fra­ge, ob der­je­ni­ge scha­dens­er­satz­pflich­tig ist, der in einer gegen die guten Sit­ten ver­sto­ßen­den Wei­se einem ande­ren vor­sätz­lich Scha­den zufügt (§ 826 BGB), ist in glei­cher Wei­se nach Maß­ga­be des Zivil­rechts zu beur­tei­len wie die Fra­ge, ob der­je­ni­ge zum Scha­dens­er­satz ver­pflich­tet ist, der gegen ein den Schutz eines ande­ren bezwe­cken­des Gesetz ver­stößt (§ 823 Abs. 2 Satz 1 BGB). An die­ser Beur­tei­lung ändert sich nichts dadurch, dass die Klä­ge­rin, wie sie in der Beschwer­de­be­grün­dung her­vor­hebt, kei­nen Zah­lungs­an­spruch aus uner­laub­ter Hand­lung erhe­ben, son­dern – wie in § 302 Nr. 1 InsO vor­ge­se­hen – den delik­ti­schen Rechts­grund ihres mit Haf­tungs­be­scheid fest­ge­setz­ten und zur Insol­venz­ta­bel­le ange­mel­de­ten steu­er­recht­li­chen Haf­tungs­an­spruchs aus § 69 AO gel­tend machen will. Das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt schließt sich der Auf­fas­sung des Bun­des­ge­richts­hofs 5 an, wonach der im Ver­fah­ren nach §§ 179 ff. InsO iso­liert aus­zu­tra­gen­de Streit um die recht­li­che Ein­ord­nung der ange­mel­de­ten For­de­rung als For­de­rung (auch) aus vor­sätz­lich began­ge­ner uner­laub­ter Hand­lung zivil­recht­li­cher Natur und daher vor den Zivil­ge­rich­ten zu füh­ren ist. Denn die für die Fest­stel­lung einer Aus­nah­me von der Rest­schuld­be­frei­ung nach § 302 Nr. 1 InsO maß­geb­li­chen Bestim­mun­gen (§ 823 Abs. 1, § 826 BGB) sind zivil­recht­li­cher Art und berüh­ren das öffent­lich-recht­lich gepräg­te Grund­ver­hält­nis der Betei­lig­ten zuein­an­der nicht 6.
Uner­heb­lich ist für die Bestim­mung des Rechts­wegs, ob die Rege­lun­gen des öffent­li­chen Rechts über den Haf­tungs­an­spruch (§ 69 AO) die ergän­zen­de Anwen­dung der §§ 823 ff. BGB zulas­sen 7. Ob Grün­de des öffent­li­chen Rechts den delik­ti­schen Anspruch aus­schlie­ßen, ist eine Vor­fra­ge, die die Qua­li­fi­zie­rung des Rechts­streits als zivil­recht­lich nicht berührt 8. Glei­ches gilt für die Fra­ge, ob der Ver­stoß gegen steu­er­recht­li­che Pflich­ten, ins­be­son­de­re die Steu­er­hin­ter­zie­hung, über­haupt in den Schutz­be­reich des § 823 Abs. 2 BGB fällt 9.
Die Zuläs­sig­keit des Ver­wal­tungs­rechts­wegs kann für den vor­lie­gen­den Rechts­streit auch nicht dar­aus her­ge­lei­tet wer­den, dass mit der Rechts­grund­fest­stel­lungs­kla­ge eine Aus­ein­an­der­set­zung vor­weg­ge­nom­men wird, die sonst im Rah­men der Voll­stre­ckung statt­zu­fin­den hät­te und ihrer­seits im Ver­wal­tungs­rechts­weg aus­zu­tra­gen wäre. Der Umstand, dass die delik­ti­sche Qua­li­tät der gel­tend gemach­ten Ver­bind­lich­keit in einem ande­ren Rechts­be­helfs­ver­fah­ren den Cha­rak­ter einer zivil­recht­li­chen Vor­fra­ge haben könn­te, ändert nichts dar­an, dass sie in der hier gege­be­nen Kon­stel­la­ti­on die Natur des Rechts­ver­hält­nis­ses und damit den Rechts­weg bestimmt.
Die Zuord­nung zum öffent­li­chen Recht folgt auch nicht aus § 185 Satz 1 InsO. Danach ist die Fest­stel­lung einer For­de­rung, wenn für sie der Rechts­weg zum ordent­li­chen Gericht nicht gege­ben ist, bei dem zustän­di­gen ande­ren Gericht zu betrei­ben oder von der zustän­di­gen Ver­wal­tungs­be­hör­de vor­zu­neh­men. Unter die­se Son­der­vor­schrift fällt die Fest­stel­lung der Delik­t­ei­gen­schaft einer For­de­rung nicht. Zwar ist die Ver­wal­tungs­be­hör­de nach § 185 Satz 1 InsO i.V.m. § 251 Abs. 3 AO berech­tigt, einen im Insol­venz­ver­fah­ren als Insol­venz­for­de­rung gel­tend gemach­ten Anspruch aus dem Steu­er­schuld­ver­hält­nis durch Ver­wal­tungs­akt fest­zu­stel­len. Das Steu­er­schuld­ver­hält­nis betrifft nach § 37 AO den Steu­er­an­spruch, den Steu­er­ver­gü­tungs­an­spruch, den Haf­tungs­an­spruch, den Anspruch auf eine steu­er­li­che Neben­leis­tung, den Erstat­tungs­an­spruch nach § 37 Abs. 2 AO sowie die in den Steu­er­ge­set­zen gere­gel­ten Steu­er­erstat­tungs­an­sprü­che. Die Befug­nis zum Erlass des Ver­wal­tungs­ak­tes beschränkt sich aber auf die Anspruchs­fest­stel­lung als sol­che; die Fest­stel­lung des (auch) delik­ti­schen Rechts­grun­des eines Anspruchs aus dem Steu­er­schuld­ver­hält­nis wird von § 251 Abs. 3 AO nicht gedeckt 10.
Zu einer ande­ren Ent­schei­dung ver­an­lasst auch nicht die Begrün­dung des Gesetz­ent­wurfs zur Ände­rung der Insol­venz­ord­nung vom 28.03.2001 11. Dort ist das Gläu­bi­ger­pri­vi­leg bei Vor­lie­gen des Schuld­grunds der uner­laub­ten Hand­lung nur ver­fah­rens­tech­nisch mit der Behand­lung eines Kon­kurs­vor­rechts nach altem Recht ver­gli­chen wor­den. Der Gläu­bi­ger sowohl der Insol­venz­ord­nung wie auch der Kon­kurs­ord­nung nach altem Recht soll­te ein bean­spruch­tes Vor­recht unter Anga­be der Tat­sa­chen, auf die sich gestützt wird, mit anmel­den müs­sen, um bei der Fest­stel­lung der For­de­rung berück­sich­tigt zu wer­den. Eine Aus­sa­ge zum Rechts­weg im Fal­le eines Streits um die Fest­stel­lung der uner­laub­ten Hand­lung lässt sich der Geset­zes­be­grün­dung nicht ent­neh­men 12.
Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Beschluss vom 12. April 2013 – 9 B 37.12
im An­schluss an BGH, Be­schluss vom 02.12.2010 – IX ZB 271/​09, WM 2011, 142[↩]
GmS-OBG, Beschluss vom 04.06.1974 – GmS-OGB 2/​73, NJW 1974, 2087; BVerwG, Urtei­le vom 06.11.1986 – 3 C 72.84, BVerw­GE 75, 109, 112; und vom 19.05.1994 – 5 C 33.91, BVerw­GE 96, 71, 73 = Buch­holz 436.0 § 12 BSHG Nr. 24 S. 2 f.; Beschlüs­se vom 30.05.2006 – 3 B 78.05, NJW 2006, 2568; und vom 02.05.2007 – 6 B 10.07, BVerw­GE 129, 9 = Buch­holz 310 § 40 VwGO Nr. 298, jeweils Rn. 4; BGH, Beschluss vom 07.12.1999 – XI ZB 7/​99, NJW 2000, 1042[↩]
GmsS-OBG, Beschlüs­se vom 10.04.1986 – GmS-OGB 1/​85, BGHZ 97, 312, 314; und vom 29.10.1987 – GmS-OGB 1/​86, BGHZ 102, 280, 283; BVerwG, Beschluss vom 30.05.2006 a.a.O.[↩]
BGH, Urtei­le vom 10.01.1984 – VI ZR 297/​81, BGHZ 89, 250, 252; und vom 23.02.1988 – VI ZR 212/​87, BGHZ 103, 255, 257[↩]
BGH, Beschluss vom 02.12.2010 – IX ZB 271/​09, WM 2011, 142[↩]
in die­sem Sin­ne auch BGH, Beschluss vom 02.12.2010 a.a.O., unter Hin­weis auf VG Schles­wig, Beschluss vom 25.05.2009 – 15 A 56/​09, NZI 2009, 699; und LG Ver­den, Beschluss vom 16.09.2009 – 6 T 146/​09, NZI 2009, 775[↩]
ver­nei­nend: BFH, Urteil vom 19.08.2008 – VII R 6/​07, BFHE 222, 199, 201 f., wonach Steu­er- und Haf­tungs­an­sprü­che eigen­stän­di­ge öffent­lich-recht­li­che Ansprü­che aus dem Steu­er­schuld­ver­hält­nis und kei­ne Scha­dens­er­satz­an­sprü­che aus uner­laub­ter Hand­lung sind; vgl. auch FG Baden-Würt­tem­berg, Urteil vom 25.09.1991 – 2 K 141/​85, NVwZ-RR 1993, 61, 62 f.; dem fol­gend Loo­se, in: Tipke/​Kruse, Abga­ben­ord­nung, Stand Novem­ber 2012, § 69 Rn. 2; Boeker, in: Hübschmann/​Hepp/​Spitaler, AO, Stand Dezem­ber 2012, § 69 Rn. 8[↩]
vgl. BGH, Beschluss vom 02.12.2010 a.a.O.[↩]
zur feh­len­den Schutz­ge­set­z­ei­gen­schaft der Steu­er­hin­ter­zie­hungs­straf­tat­be­stän­de: BFH, Urtei­le vom 24.10.1996 – VII R 113/​94, BFHE 181, 552, 557 ff.; und vom 19.08.2008 a.a.O.[↩]
Sinz, in: Uhlen­bruck, InsO, 13. Aufl.2010, § 185 Rn. 5; wohl auch BGH, Urteil vom 18.12.2008 – IX ZR 124/​08, NJW 2009, 1280, der ansons­ten die Kla­ge man­gels Rechts­schutz­be­dürf­nis­ses hät­te abwei­sen müs­sen; eben­so für Ansprü­che auf Sozi­al­ver­si­che­rungs­bei­trä­ge LG Frei­burg (Breis­gau), Beschluss vom 13.04.2011 – 3 T 23/​11; a.A. für einen Anspruch auf Zah­lung von Sozi­al­ver­si­che­rungs­bei­trä­gen: LG Itze­hoe, Beschluss vom 18.07.2008 – 9 T 27/​08[↩]
so zutref­fend LG Frei­burg, Beschluss vom 13.04.2011 a.a.O. Rn. 15[↩]
Gewerbesteuer Vollstreckung und Insolvenz
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