Source: https://unternehmerkanal.de/papierkram/gewerbe-anmelden-anleitung/
Timestamp: 2019-04-23 13:53:22
Document Index: 304640210

Matched Legal Cases: ['§1', '§14', '§18', '§34', '§14', '§3']

ᐅ Gewerbeanmeldung: Gewerbe anmelden von A-Z mit Videoanleitung!
Im nachfolgenden Artikel erfährst du alles, was du zu deiner Gewerbeanmeldung wissen musst. Du lernst alles wichtige von A wie Anmeldung, bis Z wie Zulassungsbeschränkung. Wir gehen nicht nur darauf ein wer überhaupt ein Gewerbe anmelden darf und es tun sollte, sondern auch ab wann es Sinn macht, wie es konkret funktioniert und was dabei zu beachten ist.
Wer darf überhaupt ein Gewerbe anmelden?
Nach §1 GewO darf Grundsätzlich jeder ein Gewerbe anmelden, so lange es sich nicht um eine beschränkte Tätigkeit oder verbotene Tätigkeiten handelt. Auf die beschränkten Tätigkeiten (wie z.B. Handwerker, die einen Meisterbrief benötigen) gehen wir im weiteren Verlauf ein. Wenn deine Tätigkeit also erlaubt ist kannst du die Frage „darf ich das überhaupt“ schon einmal mit „Ja“ beantworten. Wenn du noch nicht volljährig bist sieh dir bitte unser Tutorial zur Gewerbeanmeldung unter 18 Jahren an.
Eine der am häufigsten gestellten Fragen in unserer Unternehmer-Community ist, wer überhaupt eine Gewerbe anmelden muss. Das ist genauer definiert in §14 GewO. Die Formulierung klingt recht kompliziert, bedeutet aber grundsätzlich: Jeder, der eine gewerbliche Tätigkeit ausführt, hat diese auch beim Gewerbeamt zu melden. Eine gewerbliche Tätigkeit hat folgende Kriterien:
Selbstständige Tätigkeit (auf eigene Rechnung ausgeführt, kein Angestelltenverhältnis)
Gewinnerzielungsabsicht (planmäßig ausgeführt um Profit zu machen)
Auf Dauer ausgelegt (ab dem 3. mal gilt es bei vielen Urteilen als „regelmäßig”)
Die Tätigkeit ist nicht gesetzlich verboten
Wenn du dich also in deiner Freizeit gerne mit Schallplatten beschäftigst, sie auf dem Flohmarkt kaufst, 2 Jahre lang anhörst und danach wieder verkaufst, handelt es sich in der Regel um keine gewerbliche Tätigkeit, selbst wenn du dabei einen Gewinne erwirtschaftest. Diese Angelegenheit war nicht darauf ausgerichtet, und auch nicht auf Dauer angelegt. Wenn du allerdings jedes Wochenende Schallplatten gebraucht einkaufst, sie immer wieder direkt bei einem Online-Auktionshaus einstellst und damit konstant Gewinne erwirtschaftest sieht das ganze schon anders aus. Die „Faustregel“ lautet, dass ab dem 3. Verkauf in Folge mit Gewinn von einer Gewinnerzielungsabsicht gesprochen werden kann. Mehr Details, ab wann man ein Gewerbe anmelden muss erfährst du weiter unten.
Treffen alle der oben genannten Faktoren auf dich zu? Dann könnte man denken, dass du auf jeden Fall eine gewerbliche Tätigkeit ausführst. Aber zu früh gefreut, ein paar Ausnahmen gibt es noch (wir leben schließlich in Deutschland ? ): Die freiberuflichen Tätigkeiten.
Der Status des „Freiberuflers“ wird in §18 EStG genauer definiert. Umgangssprachlich werden die dort aufgezählten Berufe auch als „Katalogberufe“ bezeichnet. Grundsätzlich kann man sagen, dass ein „Freiberufler“ auf Basis von besonderen beruflichen Qualifikationen oder schöpferische Begabungen persönliche, eigenverantwortliche und fachlich unabhängige Dienstleistungen erbringt. Das klingt höchst komplex, ist es aber nicht. Zu den freiberuflichen Tätigkeiten gehören lt. Gesetz
oder erzieherische
Tätigkeiten. Dazu zählen zum Beispiel Ärzte, Steuerberater, Rechtsanwälte, Ingenieure, Architekten, beratende Volks- oder Betriebswirte, aber auch Künstler (auch Videokünstler bei YouTube oder Fotografen), und Buchautoren.
Bist du dir nicht ganz sicher, ob deine Tätigkeit als Freier beruf anerkannt werden kann, oder du doch lieber ein Gewerbe anmelden sollst? Am besten gehst du zu deinem lokalen Finanzamt, und lässt dir dort von einer Fachkraft weiterhelfen wie im Einzelfall zu entscheiden ist. Bitte lasse dir das Ergebnis auf jeden Fall schriftlich gebend Amit du auch in Zukunft immer belegen kannst, dass du dich ausführlich informiert hast und die Einstufung von deinem Finanzamt so gewollt ist.
Der Grund: Freiberufler zahlen keine Gewerbesteuer, und unterliegen auch nicht der Gewerbeordnung. Da die Gewerbesteuern direkt an die lokale Gemeinde oder Stadt gehen untersuchen einige Städte und Gemeinden sehr genau (und teilweise im Nachhinein), ob sie nicht doch den ein oder anderen Euro als Nachzahlung erhalten können – aus deiner Tasche. Deshalb ist es so wichtig sich den Termin und das Ergebnis der Einstufung genau zu notieren und unterschreiben zu lassen. Mehr Details zur Gewerbesteuer findest du übrigens in unserem Video zur Berechnung der Gewerbesteuer.
Wenn deine Tätigkeit zu den Katalogberufen gehört, musst du lediglich den Fragebogen zur steuerlichen Erfassung ausfüllen, bevor du starten kannst.
Die Zulassungsbeschränkung für einige Berufe:
Wie wir bereits zuvor erwähnt haben benötigen einige Berufe eine Zulassung, bevor sie ihr Gewerbe anmelden können. Nachfolgend findest du ein paar Beispiele:
Handwerker wie Maurer, Dachdecker, Maler
Versicherungsmakler (§34d GewO)
Ob deine Tätigkeit zulassungsbeschränkt ist erfährst du bei deiner Industrie- und Handelskammer bzw. der Handwerkskammer in deiner Region.
Das ist eine der mistgestellten Fragen an uns, und in der Unternehmer-Community Dabei ist die Frage ganz leicht zu beantworten: Bei Beginn der Tätigkeit. Das ist natürlich sehr streng, und wenn man es realistisch betrachtet fangen viele an ihre Idee zu testen, bevor sie es entsprechend anmelden. Das macht aus unserer Sicht sogar Sinn, sich erst mit der Umsetzung und den ersten Schritten zu befassen, da nicht jede Idee sofort den Jackpot-Gewinn bedeutet.
Sobald allerdings die ersten Verdienste auf dein Konto fließen, oder du die ersten nennenswerten Ausgaben tätigst solltest du dein Gewerbe anmelden. Viele zögern diesen (einfachen) Schritt heraus, obwohl es realistisch betrachtet in vielen Fällen früher oder später sowieso notwendig ist. Der Aufwand den du damit zusätzlich hast erhöht sich nur minimal, und deshalb empfehlen wir dir hier auf Nummer sicher zu gehen und keine Strafen zu riskieren. Der Vorteil von einer recht frühen Gewerbeanmeldung liegt außerdem darin, dass auch Ausgaben in der ersten Zeit (Website Hosting, Materialien, Fachbücher und Informationen in anderer Form) schon als Kosten eingerechnet werden, die man sonst eventuell nicht mehr angeben kann. Einnahmen und Ausgaben können nämlich maximal 3 Monate rückwirkend berücksichtigt werden.
Worauf wartest du eigentlich noch? Achso, stimmt ja – ein paar Infos fehlen noch.
Beim Gewerbeamt in deiner Gemeinde bzw. Stadt. Bei mir ist das Gewerbeamt direkt in der Gemeindeverwaltung, in größeren Städten eventuell auch ausgelagert. Eine einfache Google-Suche mit dem Suchwort „Gewerbeamt + [Name deiner Stadt]“ liefert dir in wenigen Sekunden die Antwort, wo du hin musst.
Teilweise kann man auch schon sein Gewerbe online oder per Brief anmelden, das variiert jedoch von Ort zu Ort. In persönlicher Anwesenheit ist es aber auf jeden Fall in jeder Stadt bzw. Gemeinde möglich. Wie geht es weiter, nachdem du am richtigen Ort bist?
Zu Beginn musst du deine Stammdaten, also Name und Adresse und das gewünschte Startdatum angeben. Nachfolgend kannst du (optional) noch einen Fantasie-Namen für dein Einzelunternehmen wählen. Wichtig ist hierbei zu wissen, dass trotz des Fantasienamens immer zusätzlich dein echter Name im öffentlichen Geschäftsverkehr genannt werden muss. Du kannst dein Unternehmen also „KFZ-Schuppen Castrop-Rauxel“ in dieser Zeile eintragen lassen, musst aber immer erkennbar machen wer dahinter steckt. In deinem Impressum für die Website müsste also stehen:
KFZ-Schuppen Castrop Rauxel Max Mustermann
12345 Castrop-Rauxel
KFZ-Schuppen Castop-Rauxel
Ein Auftreten nur mit dem „Firmennamen“ wie bei einer Körperschaft (GmbH, UG etc) ist als Einzelunternehmer nicht möglich. Danach folgt die Tätigkeitsbeschreibung, die zutreffend sein sollte, aber genügend Freiraum lässt für kleinere Änderungen im Geschäftsbetrieb. Wenn du beispielsweise mit Nischenseiten im Internet über Affiliate-Marketing Geld verdienen möchtest solltest du nicht „Affiliate Marketing“ dort eintragen lassen, sondern zum Beispiel „Online-Marketing“. Der Grund ist, dass du nach kleineren Änderungen (z.B. ein eigener Online Kurs zu diesem Thema wird erstellt) nicht noch einmal zum Gewerbeamt musst, um eine kostenpflichtige Änderung an deiner Beschreibung vorzunehmen.
Die Kosten für eine Gewerbeanmeldung sind mit 10€ bis 50€ recht günstig. Die Kosten schwanken je nach Ort, im Schnitt betragen sie etwa 25€ (einmalige Bearbeitungsgebühr).
Handelt es sich um ein Hauptgewerbe oder Nebengewerbe?
Diese Frage führt teilweise ebenfalls zu Verwirrungen, da der Unterschied zwischen einem Hauptgewerbe und einem Nebengewerbe nicht immer klar ist. Ein Hauptgewerbe zeichnet sich dadurch aus, dass es die Haupteinkommensquelle der Person ist, also finanziell den größten Anteil am Einkommen der Person ausmacht (oder das in Zukunft tun soll). Rein zeitlich gesehen wird von einem Hauptgewerbe gesprochen, sobald man 18 oder mehr Stunden pro Woche mit dafür einsetzt (auch wenn das nur sehr schwer überprüfbar ist bei vielen Bereichen).
Beim Nebengewerbe ist es genau umgekehrt. Es sollte den kleineren Anteil am Einkommen des Gründers ausmachen, und weniger als 18 Std. pro Woche von der Person abverlangen.
Warum ist diese Unterscheidung so wichtig? Weil diese Entscheidung sich stark auf andere Bereiche auswirkt, zum Beispiel auf die Sozialbeiträge, wie Krankenkasse, Rentenversicherung und Arbeitslosenversicherung. Während bei einem Nebengewerbe der Hauptarbeitgeber (zum Beispiel in einem Angestelltenverhältnis) für die Abführung der Lohnnebenkosten verantwortlich ist, ist es bei einem Hauptgewerbe der Unternehmer selbst. Da dieses Thema sehr umfassend ist wird es in einem separaten Artikel behandelt, hier bekommst du einen Überblick über die Krankenversicherung für Unternehmer.
Gewerbeanmeldung erledigt – Wie geht es weiter?
Bevor alles weitere in die Wege geleitet wird erfolgt eine Prüfung auf Richtigkeit der Angaben (Name, Adresse etc. wird abgeglichen). Natürlich wird die Tätigkeitsangabe noch einmal vom Mitarbeiter des Gewerbeamts geprüft, ob die Zulassungsbeschränkungen ggfs. erfüllt werden (Zulassungen, Zertifikate, Führungszeugnisse) oder Verbote für die Tätigkeit bestehen.
Nachdem das abgeschlossen ist erfolgt er endlich: Der Ausdruck des Gewerbescheins, mit der Überschrift „Gewerbeanmeldung“ (bzw. Zusendung an dich per Brief, wenn du es Online oder per Brief angemeldet hast). Dieser Gewerbeschein dient dir in Zukunft dafür nachzuweisen, dass du ein Gewerbetreibender bist. Ab jetzt kannst du starten, und deine Idee umsetzen!
Im Hintergrund passiert aber noch etwas mehr, denn diese Neuigkeit wird an weitere Behörden weitergeleitet (definiert in §14 GewO). Zum Beispiel an
Zoll (Schwarzarbeitsbekämpfung)
Registergericht (wenn Handelsregister-Eintragung vorgenommen wurde)
Falls du also mit dem Gedanken gespielt hast die gewerblichen Einkünfte bei deinem Bafög-Antrag zu erwähnen, oder der Krankenkasse zu verschweigen muss ich dich leider enttäuschen. Wir leben im 21. Jahrhundert, und die verschiedenen Behörden arbeiten hier immer besser zusammen.
Wichtig zu wissen: Bei deiner Gewerbeanmeldung weist dich keiner darauf hin, wenn du einen Namen nicht verwenden darfst (z.B. aus Markenrechtlichen Gründen). Das ist deine Aufgabe im Voraus, teilweise findet es im Nachgang bei der IHK/HWK statt.
Muss ich mehrere Gewerbeanmeldungen machen, wenn ich verschiedene Tätigkeiten ausführe?
Nein, mehrere Tätigkeiten können in einem Gewerbe ausgeführt werden (genauer erklärt in §3 GewO)
Wir wünschen dir viel Erfolg bei deiner Gewerbeanmeldung, und der Umsetzung deiner Idee! Haben wir etwas vergessen, oder offen gelassen? Konnte dir dieser Artikel weiterhelfen? Schreib es uns in die Kommentare!
Fantastisch beschrieben…und sooo viel nachvollziehbarer als die vom AA finanzierten Kurse…
Danke für dein Lob, es freut uns sehr wenn es dir weitergeholfen hat!
Ich finde den Beitrag auch klasse, danke! Aber eine Frage noch bzgl. der haupt- bzw. nebenberuflichen Selbstständigkeit.
Wenn das Gewerbe die Haupteinnahmequelle ist und man aber nicht mehr als 18h/Woche arbeitet, was ist es dann, Haupt- oder Nebenberuflich? (als Nicht-Student)