Source: https://www.duv-verband.de/Leasingtypische-Ausgleichsansprueche-sind-nicht-nur-bei-vorzeitiger-Beendigung-des-Leasingverhaeltnisses-sondern-auch-bei-ordentlicher-Beendigung-des-Leasingverhaeltnisses-nach-Ablauf-der-vereinbarten/
Timestamp: 2018-07-16 18:14:42
Document Index: 312970765

Matched Legal Cases: ['§ 1', '§ 10', 'Art. 2', 'Art. 6', 'Art. 5', 'EuG', 'Art. 2', '§ 1', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 288', '§ 286', '§ 288', '§ 823', '§ 823', '§ 859']

Lea­sing­ty­pi­sche Aus­gleichs­an­sprü­che sind nicht nur bei vor­zei­ti­ger Been­di­gung des Lea­sing­ver­hält­nis­ses, son­dern auch bei ordent­li­cher Been­di­gung des Lea­sing­ver­hält­nis­ses nach Ablauf der ver­ein­bar­ten Lea­sing­dau­er ohne Umsatz­steu­er zu berech­nen, weil ihnen | DUV Deutscher Unternehmenssteuer Verband e.V.
1. Auf die Beru­fung des Beklag­ten wird das Urteil der Ein­zel­rich­te­rin der 4. Zivil­kam­mer des Land­ge­richts Tübin­gen vom 27. Mai 2009 — 4 O 44⁄08 — teil­wei­se abge­än­dert und in Zif­fer 1 des Tenors wie folgt neu gefasst:
Der Beklag­te wird — unter Abwei­sung der Kla­ge im Übri­gen — ver­ur­teilt, an…
(duv) … den Klä­ger 1.669,69 EUR nebst Zin­sen in Höhe von 5 Pro­zent­punk­ten über dem jewei­li­gen Basis­zins­satz aus 1.556,50 EUR seit 2.2.2009 zu bezah­len.
Am 22./30.1.2009 — wäh­rend des bereits lau­fen­den Rechts­streits — einig­te sich der Klä­ger mit dem von der Lea­sing­ge­be­rin ein­ge­schal­te­ten Inkas­so­bü­ro dar­auf, dass mit der Zah­lung von 2.500,– EUR kei­ne Ansprü­che mehr gel­tend gemacht wer­den. Die Zah­lung von 2.500,– EUR erfolg­te dann am 2.2.2009.
Der Beklag­te hat­te vor dem Klä­ger die Werk­statt­räu­me ange­mie­tet, die dann vom Klä­ger „über­nom­men“ wur­den. Mit­ver­mie­tet oder fak­tisch mit­ge­nutzt wur­de — bereits in der Miet­zeit des Beklag­ten — auch ein Abstell­raum, der mit der Werk­statt über eine Schie­be­tü­re ver­bun­den war, aber auch über eine oder zwei Außen­tü­ren ver­fügt. In die­sem Abstell­raum lager­te der Beklag­te auch nach der Über­ga­be der Werk­statt an den Klä­ger — min­des­tens zunächst ein­ver­nehm­lich — ver­schie­de­ne Gegen­stän­de (einen Pick-Up, Rei­fen, Werk­zeu­ge, u. a. ein Schweiß­ge­rät).
Das Land­ge­richt hat der Kla­ge nach Ein­ho­lung eines münd­li­chen Sach­ver­stän­di­gen­gut­ach­tens und Ver­neh­mung von Zeu­gen im Umfang des zuletzt noch ver­folg­ten Zah­lungs­an­spruchs statt­ge­ge­ben. Wegen des Antrags auf Fest­stel­lung der Erle­di­gung des Rechts­streits im übri­gen und wegen eines Teils der Zins­an­sprü­che sowie der vor­ge­richt­li­chen Rechts­an­walts­kos­ten des Klä­gers hat es die Kla­ge — inso­weit inzwi­schen rechts­kräf­tig — abge­wie­sen. Die Hilfs­auf­rech­nung hat es nicht berück­sich­tigt, da der Beklag­te kei­ne auf­re­chen­ba­ren Gegen­an­sprü­che habe.
Die­ser Betrag ent­spre­che auch der berech­tig­ten For­de­rung, die die Lea­sing­ge­be­rin gegen den Klä­ger gehabt habe. Die Wert­min­de­rung des Fahr­zeugs zum Zeit­punkt der Been­di­gung des Lea­sing­ver­tra­ges betra­ge — was die Beweis­auf­nah­me erge­ben habe — 3.900 EUR. Die Mehr­wert­steu­er sei hin­zu­zu­rech­nen, da es sich um ein umsatz­steu­er­pflich­ti­ges Geschäft gehan­delt habe und der Beklag­te für sei­ne Behaup­tung, der Klä­ger sei vor­steu­er­ab­zugs­be­rech­tigt, kei­nen Beweis ange­tre­ten habe. Damit sei ein Brut­to­be­trag von 4.641 EUR als Wert­min­de­rung des Fahr­zeu­ges im Rück­ga­be­zeit­punkt zu berück­sich­ti­gen. Die­se Wert­min­de­rung sei nach dem Ergeb­nis der Beweis­auf­nah­me in vol­lem Umfang auch den Scha­dens­er­eig­nis­sen zuzu­rech­nen, die in der Nut­zungs­zeit des Beklag­ten vor­ge­fal­len sei­en.
Der Anspruch der Lea­sing­ge­be­rin auf Aus­gleich des Min­der­wer­tes des Fahr­zeu­ges ergibt sich aus Abschnitt XVI 2 und 3 der wirk­sam in den Ver­trag ein­be­zo­ge­nen Lea­sing­be­din­gun­gen. Hier­nach hat der Lea­sing­neh­mer — neben dem hier nicht inter­es­sie­ren­den Aus­gleich für Mehr- oder Min­der­ki­lo­me­ter — einen Min­der­wert aus­zu­glei­chen, der sich dar­aus ergibt, dass das Fahr­zeug nicht in einem dem Alter und der ver­trags­ge­mä­ßen Fahr­leis­tung ent­spre­chen­den Zustand sowie frei von Schä­den, unter die nor­ma­le Ver­schleiß­schä­den nicht fal­len, zurück­ge­ge­ben wird.
Die­se Fest­stel­lun­gen sind wider­spruchs­frei und ver­sto­ßen — ent­ge­gen der Auf­fas­sung des Beklag­ten — auch nicht gegen Denk­ge­set­ze. Zwar kann nicht von vor­ne­her­ein aus­ge­schlos­sen wer­den, dass zufäl­lig die glei­chen Bau­tei­le des Fahr­zeu­ges auch in der Nut­zungs­zeit des Klä­gers beschä­digt wur­den, hier­für feh­len aber jeg­li­che Anhalts­punk­te. Es ist ledig­lich bewie­sen, dass an den bei­den Stoß­fän­gern und an der hin­te­ren rech­ten Tür jeweils fach­lich nicht bean­stan­de­te Repa­ra­tu­ren in die­ser Zeit durch­ge­führt wur­den. Die Höhe des Min­der­werts ist dadurch nicht beein­flusst wor­den, im Gegen­teil dürf­te durch die Neu­la­ckie­rung der Stoß­fän­ger sogar ein Fahr­zeug­mehr­wert ein­ge­tre­ten sein.
a) Für die vor­zei­ti­ge (nicht vom Lea­sing­neh­mer zu ver­tre­ten­de) Been­di­gung eines Lea­sing­ver­tra­ges hat der Bun­des­ge­richts­hof (Urteil vom 14. März 2007 — VIII ZR 68⁄06) inzwi­schen ent­schie­den, dass kei­ne Umsatz­steu­er auf den Aus­gleich des Min­der­wer­tes anfällt, da die­sem eine steu­er­ba­re Leis­tung des Lea­sing­ge­bers nicht gegen­über­steht. Dies gilt nach Auf­fas­sung des erken­nen­den Senats in glei­cher Wei­se auch für den Aus­gleichs­an­spruch des Lea­sing­ge­bers bei ver­trags­ge­mä­ßer Been­di­gung des Lea­sing­ver­hält­nis­ses nach Ablauf der ver­ein­bar­ten Ver­trags­lauf­zeit.
aa) Ein umsatz­steu­er­pflich­ti­ges Geschäft liegt nach § 1 Abs. 1 UStG vor, wenn eine Lie­fe­rung oder eine sons­ti­ge Leis­tung eines Unter­neh­mers im Inland gegen Ent­gelt im Rah­men sei­nes Unter­neh­mens aus­ge­führt wird. Ent­gelt ist alles, was der Leis­tungs­emp­fän­ger auf­wen­det, um die Leis­tung zu erhal­ten, jedoch abzüg­lich der Umsatz­steu­er (§ 10 Abs. 1 Satz 2 UStG). Die­se Vor­schrif­ten beru­hen auf den Bestim­mun­gen der Sechs­ten Richt­li­nie des Rates vom 17. Mai 1977 zur Har­mo­ni­sie­rung der Rechts­vor­schrif­ten der Mit­glieds­staa­ten über die Umsatz­steu­ern (77÷388 EWG — ABl. L 145 vom 13. Juni 1977, S. 1). Gemäß deren Art. 2 Nr. 1 unter­lie­gen der Mehr­wert­steu­er Lie­fe­run­gen von Gegen­stän­den und Dienst­leis­tun­gen, die ein Steu­er­pflich­ti­ger als sol­cher im Inland gegen Ent­gelt aus­führt. Als Dienst­leis­tung gilt nach Art. 6 Abs. 1 der Richt­li­nie jede Leis­tung, die kei­ne Lie­fe­rung eines Gegen­stands im Sin­ne des Art. 5 ist.
Nach der stän­di­gen Recht­spre­chung des Euro­päi­schen Gerichts­ho­fes (EuGH) wird eine Leis­tung nur dann im Sin­ne von Art. 2 Nr. 1 der oben bezeich­ne­ten Richt­li­nie gegen Ent­gelt erbracht, wenn zwi­schen dem Leis­ten­den und dem Leis­tungs­emp­fän­ger ein Rechts­ver­hält­nis besteht, in des­sen Rah­men gegen­sei­ti­ge Leis­tun­gen aus­ge­tauscht wer­den, wobei die vom Leis­ten­den emp­fan­ge­ne Ver­gü­tung den tat­säch­li­chen Gegen­wert für die dem Leis­tungs­emp­fän­ger erbrach­te Leis­tung bil­det (Urteil vom 3. März 1994 — Rs. C-16/93 (Tols­ma), Slg. 1994, I S. 743, Rn. 14 = NJW 1994, 1941, 1942; Urteil vom 5. Juni 1997 — Rs. C-2/95 (SDC), Slg. 1997, I 3017, Rn. 45; Urteil vom 26. Juni 2003 — Rs. C-305/01 (MKG), Slg. 2003, I 6729, Rn. 47). Dem haben sich der Bun­des­fi­nanz­hof (BFHE 182, 413, 415; 184, 137, 139; UR 2002, 217, 218, m.w.N.; BFHE DSt­RE 2003, 681, 682, m.w.N.) und der Bun­des­ge­richts­hof (Urteil vom 3. Novem­ber 2005 — IX ZR 140⁄04, WM 2005, 2399 = NJW-RR 2006, 189 unter II 1 b) ange­schlos­sen.
bb) Danach sind soge­nann­te Ent­schä­di­gun­gen oder Scha­dens­er­satz­zah­lun­gen kein Ent­gelt im Sin­ne des Umsatz­steu­er­rechts, wenn die Zah­lung nicht für eine Lie­fe­rung oder sons­ti­ge Leis­tung an den Zah­len­den erfolgt, son­dern weil der Zah­len­de nach Gesetz oder Ver­trag für einen Scha­den und sei­ne Fol­gen ein­zu­ste­hen hat. Die Ent­schei­dung dar­über, ob es sich steu­er­recht­lich um nicht umsatz­steu­er­pflich­ti­gen ech­ten Scha­dens­er­satz oder um eine steu­er­ba­re sons­ti­ge Leis­tung han­delt, hängt davon ab, ob die Zah­lung mit einer Leis­tung des Steu­er­pflich­ti­gen in Wech­sel­be­zie­hung steht, ob also ein Leis­tungs­aus­tausch statt­ge­fun­den hat. Grund­la­ge des Leis­tungs­aus­tauschs ist dabei eine inne­re Ver­knüp­fung von Leis­tung und Gegen­leis­tung. Maß­ge­bend ist der tat­säch­li­che Gesche­hens­ab­lauf. Lässt die­ser erken­nen, dass die “Ersatz­leis­tung” die Gegen­leis­tung für eine emp­fan­ge­ne Lie­fe­rung oder sons­ti­ge Leis­tung im Sin­ne des § 1 Abs. 1 Nr. 1 UStG dar­stellt, liegt kei­ne nicht­steu­er­ba­re Scha­dens­er­satz­leis­tung, son­dern steu­er­pflich­ti­ges Ent­gelt vor (BGH, Urteil vom 14.3.2007 — VIII ZR 68⁄06, Juris-Rn. 13).
cc) In Über­ein­stim­mung damit hat der BGH daher bereits zu Scha­dens­er­satz­leis­tun­gen, die nach außer­or­dent­li­cher Kün­di­gung des Lea­sing­ver­tra­ges zu erbrin­gen sind, ent­schie­den, dass die­se ohne Umsatz­steu­er zu berech­nen sind, da ihnen eine steu­er­ba­re Leis­tung nicht gegen­über­steht (BGH Urt. vom 11.2.1987 — VIII ZR 27⁄86, WM 1987, 562 = NJW 1987, 1690; BGHZ 104, 285, 291; Urt. vom 22.10.1997 — XII ZR 142⁄95, NJW-RR 1998, 803 unter II 1 b bb). Dies hat der BGH im Urteil vom 14.3.2007 — VIII ZR 68⁄06, Juris-Rn. 14 auf sol­che Aus­gleichs­an­sprü­che erstreckt, die bei nicht schuld­haft vom Lea­sing­neh­mer ver­an­lass­ten vor­zei­ti­gen Ver­trags­be­en­di­gun­gen, etwa auf­grund ordent­li­cher Kün­di­gung des Lea­sing­ver­tra­ges, ent­ste­hen.
(1) In der Lite­ra­tur wur­de die Ent­schei­dung des BGH vom 14.3.2007 — VIII ZR 68⁄06 über­wie­gend dahin ver­stan­den, dass auch in die­sem Fall kei­ne Umsatz­steu­er anfal­le (Mose­schus, EWiR 2007, 649; Mül­ler-Sar­now­ski, DAR 2007, 519, 520; de Weerth, DStR 2008, 392, 393; a.A. Reinking/Eggert, Der Auto­kauf, 10. Aufl. 2009, Rn. L533, aller­dings ohne Aus­ein­an­der­set­zung mit der Ent­schei­dung vom 14.3.2007). Das Land­ge­richt Mün­chen I hat in einem Urteil vom 7.8.2008 (34 S 24052⁄07, DAR 2008, 591) sogar die Auf­fas­sung ver­tre­ten, der Fall der ordent­li­chen Been­di­gung des Lea­sing­ver­tra­ges sei vom Bun­des­ge­richts­hof bereits abschlie­ßend in dem Sin­ne ent­schie­den wor­den, dass ein umsatz­steu­er­pflich­ti­ger Leis­tungs­aus­tausch nicht vor­lie­ge.
(2) Dem gegen­über ver­tritt das Bun­des­mi­nis­te­ri­um der Finan­zen in sei­ner inter­nen Dienst­an­wei­sung vom 22. Mai 2008, IV B 8 — S 7100÷07÷10007, unver­än­dert die Auf­fas­sung, die Zah­lung des Min­der­wert­aus­glei­ches sei, da es sich nicht um einen Scha­dens­er­satz-, son­dern um einen Erfül­lungs­an­spruch hand­le, ein umsatz­steu­er­pflich­ti­ges Ent­gelt für die ver­ein­bar­te Gebrauchs­über­las­sung.
(3) Der Senat schließt sich der über­wie­gend in der Lite­ra­tur und vom Land­ge­richt Mün­chen I ver­tre­te­nen Auf­fas­sung an, dass auf den Aus­gleichs­an­spruch des Lea­sing­ge­bers auch bei ordent­li­cher Been­di­gung des Lea­sing­ver­hält­nis­ses nach Zeit­ab­lauf Umsatz­steu­er nicht anfällt. Zwar han­delt es sich bei die­sem Anspruch auf Aus­gleich des Fahr­zeug­min­der­wer­tes um einen ver­trag­li­chen Erfül­lungs­an­spruch (BGHZ 97, 65; BGH Urteil vom 1.3.2000 — VIII ZR 177⁄99 = WM 2000, 1009 = NJW-RR 2000, 1303); die zivil­recht­li­che Ein­ord­nung ist für die Fra­ge der Steu­er­bar­keit jedoch uner­heb­lich. Die­se Ein­ord­nung kann schon des­we­gen nicht ent­schei­dend sein, weil die Fra­ge der Umsatz­steu­er­pflich­tig­keit nach Maß­ga­be der oben (unter I 3 a aa) bezeich­ne­ten Umsatz­steu­er-Richt­li­nie in allen Mit­glieds­staa­ten ein­heit­lich zu beant­wor­ten ist. Inso­weit ist viel­mehr ent­schei­dend, dass der Aus­gleichs­zah­lung — nicht anders als einer Scha­dens­er­satz­zah­lung — nach Been­di­gung des Lea­sing­ver­tra­ges und Rück­ga­be, Ver­lust oder Unter­gang der Lea­sing­sa­che kei­ne steu­er­ba­re Leis­tung des Lea­sing­ge­bers mehr gegen­über­steht.
Der Beru­fung ist zwar dar­in zu fol­gen, dass dies in ers­ter Instanz vom Klä­ger so jeden­falls nicht aus­drück­lich vor­ge­tra­gen wor­den ist, son­dern ledig­lich eine „wei­te­re“ Zah­lung von 2.500,– EUR ange­ge­ben wur­de. Dass der Klä­ger zunächst 2.500,– EUR bezahlt haben muss, ergibt sich aber — wie das Land­ge­richt zutref­fend fest­ge­stellt hat — aus der Dif­fe­renz des ursprüng­lich gefor­der­ten Aus­gleichs­be­tra­ges von 8.764,29 EUR und dem vom Inkas­so­bü­ro gefor­der­ten Haupt­sa­che­be­trag von 6.264,29 EUR (Anl. K12, Bl. 89). Die For­de­rung wur­de zum 22.1.2009 vom Inkas­so­bü­ro auf 7.143,51 EUR bezif­fert (Anl. K13, Bl. 152), per 15.3.2008 war sie ein­schließ­lich der Neben­for­de­run­gen auf 6.687,03 EUR bezif­fert wor­den (Anl. K12, Bl. 89). Die­se Dif­fe­renz erschließt sich zwang­los aus den wei­ter auf­ge­lau­fe­nen Zin­sen und den monat­li­chen Kon­to­füh­rungs­ge­büh­ren, die das Inkas­so­un­ter­neh­men dem Klä­ger in Rech­nung gestellt hat.
Zu erstat­ten sind Zin­sen aus 1.400,– EUR vom 26.1.2008 bis 22.1.2009 in Höhe von 5 Pro­zent­punk­ten über dem jewei­li­gen Basis­zins­satz. Ein höhe­rer Zins­scha­den ist weder sei­tens der Lea­sing­ge­be­rin dar­ge­legt noch ist hier­zu irgend etwas im Rechts­streit vor­ge­tra­gen wor­den. Da ein Ent­gelt im Sin­ne von § 288 Abs. 2 BGB nicht Gegen­stand des Aus­gleichs­an­spru­ches ist — Ent­gelt­for­de­run­gen sind nur sol­che, denen als Äqui­va­lent die Lie­fe­rung von Gütern oder die Erbrin­gung von Dienst­leis­tun­gen gegen­über­steht (Palandt/Grüneberg, aaO., § 286 BGB, Rn. 27 m.w.N.), was bereits bei der Fra­ge der Umsatz­steu­er­pflich­tig­keit ver­neint wor­den ist — ist nicht der höhe­re Zins­satz des § 288 Abs. 2 BGB von 8 Pro­zent­punk­ten über dem Basis­zins­satz anzu­wen­den. Die Höhe der geschul­de­ten Zin­sen beträgt 113,19 EUR.
a) Der Klä­ger hat dem Beklag­ten aller­dings durch ver­bo­te­ne Eigen­macht min­des­tens den Mit­be­sitz an dem Abstell­raum ent­zo­gen. Der Besitz — auch der Mit­be­sitz (Palandt/Sprau, 68. Aufl. 2009, § 823 BGB, Rn. 13) — gehört zu den durch § 823 Abs. 1 BGB geschütz­ten abso­lu­ten Rech­ten.
d) Es fehlt jedoch an der Kau­sa­li­tät zwi­schen der Besitz­ver­let­zung durch ver­bo­te­ne Eigen­macht und den Rechts­ver­fol­gungs­kos­ten für die Durch­set­zung der mit der Ein­rei­chung der Haupt­sa­che­kla­ge beim Land­ge­richt Tübin­gen gel­tend gemach­ten Ansprü­che. Der Beklag­te ver­lang­te mit die­ser Kla­ge — über den Antrag auf Erlass einer einst­wei­li­gen Ver­fü­gung hin­aus­ge­hend — Ein­räu­mung von Allein­be­sitz, indem er Her­aus­ga­be des Abstell­rau­mes an sich und eine Unter­sa­gung des Betre­tens durch den Klä­ger bean­tra­gen ließ. Dies geht über die Besitz­kehr­an­sprü­che der §§ 859, 861 BGB hin­aus und beinhal­tet weit mehr als ledig­lich die Wie­der­ein­räu­mung des ver­wehr­ten Zutritts und des Mit­be­sit­zes durch den Klä­ger.
e) Im Übri­gen schei­ter­te der Hilfs­auf­rech­nungs­an­spruch — selbst wenn die Ursäch­lich­keit des schä­di­gen­den Tuns für den Scha­den in Form der Rechts­ver­fol­gungs­kos­ten bejaht wer­den wür­de — auch dar­an, dass der Beklag­te — wie das Land­ge­richt zutref­fend und rechts­feh­ler­frei fest­ge­stellt hat — nicht bewei­sen konn­te, dass ihm Allein­be­sitz an dem Abstell­raum zustand. Der Zeu­ge W. hat näm­lich aus­ge­sagt, dass ursprüng­lich der Abstell­raum an eine Dritt­fir­ma ver­mie­tet gewe­sen sei. Nach deren Aus­zug habe der Beklag­te als dama­li­ger Inha­ber der Fa. Auto­kos­me­tik­stu­dio Sxxx den leer ste­hen­den Raum als Abstell­raum genutzt, womit er (Wag­ner) als Ver­mie­ter ein­ver­stan­den gewe­sen sei. Bei Abschluss des Miet­ver­tra­ges mit dem Klä­ger sei über die­sen Raum nicht gespro­chen wor­den, er habe sich hier­über auch kei­ne Gedan­ken gemacht. Damit ist einer­seits mög­lich, dass die Behaup­tung des Beklag­ten zutrifft, der Raum sei nicht mit­ver­mie­tet wor­den, wie ande­rer­seits auch die Behaup­tung des Klä­gers rich­tig sein könn­te, der Raum sei mit­ver­mie­tet wor­den.
Die Kla­ge hät­te des­we­gen kei­nen Erfolg gehabt, da der Klä­ger nur Ein­räu­mung von Mit­be­sitz schul­de­te und des­we­gen nicht zur Her­aus­ga­be, son­dern nur zu der — im Zeit­punkt der Ein­rei­chung der Haupt­sa­che­kla­ge bereits erfüll­ten — Zutritts­ge­wäh­rung und der Ein­räu­mung des durch ver­bo­te­ne Eigen­macht ent­zo­ge­nen Mit­be­sit­zes ver­pflich­tet war. Der Beklag­te hat­te auch kei­nen Anspruch auf Unter­sa­gung des Zutritts durch den Klä­ger, da er den hier­für erfor­der­li­chen Allein­be­sitz nicht bewei­sen konn­te.
OLG Stutt­gart Urteil vom 8.12.2009, 6 U 99⁄09