Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Gericht=BVerfG&Datum=26.02.1969&Aktenzeichen=1%20BvR%20619/63
Timestamp: 2020-04-04 00:11:02
Document Index: 234565375

Matched Legal Cases: ['Art. 5', '§ 823', 'Art. 5', '§ 22', '§ 823', '§ 823', 'Art. 5', 'Art. 5', 'BGH', 'BGH', 'Art. 5', 'Art. 5', '§ 823', '§ 32', 'BGH']

BVerfG, 26.02.1969 - 1 BvR 619/63 - dejure.org
https://dejure.org/1969,48
BVerfG, 26.02.1969 - 1 BvR 619/63 (https://dejure.org/1969,48)
BVerfG, Entscheidung vom 26.02.1969 - 1 BvR 619/63 (https://dejure.org/1969,48)
BVerfG, Entscheidung vom 26. Februar 1969 - 1 BvR 619/63 (https://dejure.org/1969,48)
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Art. 5 Abs. 1 Satz 2 GG, Boykottmaßnahmen des Springer-Verlags gegen kleine westdeutsche Zeitschrift, die DDR-Fernsehprogramm abdruckte, verfassungsrechtlich unzulässig
Blinkfür
Fall Blinkfüer
BGB § 823 Abs. 1; GG Art. 5 Abs. 1 S. 1
Boykottaufruf gegen ein Presseunternehmen - Fall "Blinkfüer"
Blinkfüer-Entscheidung
BVerfGE 25, 256
NJW 1969, 1161
MDR 1969, 636
DVBl 1969, 497
DB 1969, 916
DÖV 1969, 460
a) Die Vorschriften der §§ 22 ff. KUG und die in § 823 Abs. 1 BGB verankerten Rechtsgrundsätze des zivilrechtlichen Persönlichkeitsschutzes sind allgemeine Gesetze in diesem Sinne (vgl. BVerfGE 7, 198 ; 25, 256 ; 34, 269 ; 35, 202 ).
Der Begriff der objektiven Wertentscheidung ist in der verfassungsgerichtlichen Rechtsprechung zunächst entwickelt worden, um den grundrechtlich geschützten Freiheitsbereich vor einer Relativierung durch solche Regelungen zu sichern, die nicht speziell das Verhältnis zwischen dem Staat und dem Grundrechtsträger, sondern die Beziehungen der Bürger untereinander betreffen (vgl. BVerfGE 7, 198 (204); 25, 256 (263)).
§ 823 Abs. 1 BGB ist ein "allgemeines Gesetz" im Sinne des Art. 5 Abs. 2 GG (BVerfGE 7, 198 [211]; 25, 256 [263 ff.]).
Sie behält ihr Gewicht bei der Abwägung, die stattzufinden hat, wenn ein Konflikt zwischen den verfassungsrechtlich geschützten Interessenbereichen der Parteien eines Zivilrechtsverhältnisses zu lösen ist (BVerfGE 25, 256 [263]; 30, 173 [196 f.]).
Demgegenüber handelt es sich nicht um den Fall einer grundsätzlich unzulässigen Prozessstandschaft, bei der fremde Rechte im eigenen Namen geltend gemacht werden (vgl. BVerfGE 25, 256 ; 31, 275 ; 56, 296 ).
Auch der Aufruf zu einer Boykottmaßnahme, dem eine bestimmte Meinungskundgabe zu Grunde liegt, kann in den Schutzbereich des Art. 5 Abs. 1 Satz 1 GG fallen (BVerfGE 25, 256, 264 - Blinkfüer; 62, 230, 243 f.; BVerfGK 12, 272, 275; BGH…, Urteil vom 6. Februar 2014 - I ZR 75/13, VersR 2015, 717 Rn. 17).
Das ist grundsätzlich der Fall, wenn der Aufrufende sich gegenüber dem Adressaten auf den Versuch geistiger Einflussnahme und Überzeugung, also auf Mittel beschränkt, die den geistigen Kampf der Meinungen gewährleisten, nicht aber, wenn zusätzlich Machtmittel eingesetzt werden, die der eigenen Meinung etwa durch Androhung oder Ankündigung schwerer Nachteile und Ausnutzung sozialer oder wirtschaftlicher Abhängigkeit Nachdruck verleihen sollen und so die innere Freiheit der Meinungsbildung zu beeinträchtigen drohen (BVerfGE 25, 256, 264 f. - Blinkfüer; 62, 230, 244 f.; BVerfGK 12, 272, 276; BGH…, Urteil vom 6. Februar 2014 - I ZR 75/13, VersR 2015, 717 Rn. 24).
Durch die Ausübung von Druck soll ihre Entscheidungsfreiheit in Wahrheit aufgehoben und die gewünschte Meinung erzwungen werden (BVerfGE 25, 256, 265 und 266 - Blinkfüer; 62, 230, 246 und 248; OLG Düsseldorf, AfP 1985, 213, 215;… Dreier/Schulze-Fielitz, GG, 3. Aufl., Art. 5 Abs. 1, 2 Rn. 73;… Degenhart in Bonner Kommentar zum GG, Art. 5 Abs. 1 und 2 Rn. 152 [Stand: Juli 2006];… Lerche, Festschrift Gebhard Müller, 1970, S. 197, 209;… MünchKomm-BGB/Mertens, 3. Aufl., § 823 Rn. 505 und 506;… Wegner in Götting/Schertz/Seitz, Handbuch des Persönlichkeitsrechts, 2008, § 32 Rn. 159).
Umgekehrt werden unzulässige Machtmittel nicht eingesetzt, wenn dem Aufrufer keinerlei Zwangsmittel zur Verfügung stehen, um seiner Aufforderung Nachdruck zu verleihen, und er sich nur an das Verantwortungsbewusstsein und die sittliche Haltung der Angesprochenen wenden kann (BVerfGE 7, 198, 221 - Lüth; 25, 256, 267 - Blinkfüer).
Mit Blick auf die Eigenart und Eindeutigkeit der Fälle, in denen das Bundesverfassungsgericht den Einsatz unzulässiger Machtmittel angenommen hat (BVerfGE 25, 256, 265 und 266 - Blinkfüer; 62, 230, 246 und 248), ist für die Einordnung des Machtmittels als von vornherein unzulässig maßgeblich, ob es sich um Druckmittel innerhalb oder außerhalb des geistigen Meinungskampfes handelt, ob es also die Macht der Argumente oder die Macht und die Intensität des ausgeübten Drucks sind, durch die die Willensentschließung des Aufgerufenen wesentlich bestimmt wird (…vgl. Lerche, Festschrift Gebhard Müller, 1970, S. 197, 209;… Beisenwenger, Der nichtwettbewerbliche Boykott, 1998, S. 414 ff.).
Im Übrigen kennt das Verfassungsbeschwerde-Verfahren keine (gewillkürte) Prozessstandschaft (vgl. BVerfGE 25, 256 ; 72, 122 ).
Würde man in diesen Fällen das Rechtsschutzinteresse verneinen, so würde der Grundrechtsschutz der Beschwerdeführer in Unzumutbarer Weise verkürzt (vgl. BVerfGE 9, 89 [93 f.] ; siehe auch BVerfGE 25, 256 [262] und 33, 247 [257 f.]).
VerfGH Sachsen, 12.12.2019 - 97-IV-19
BVerfG, 19.07.1995 - 2 BvR 1023/95
BGH, 24.11.1983 - I ZR 192/81
LG Berlin, 10.01.1995 - 16 O 788/94
Urheberrechtlicher Werkschutz an Briefen ; Veröffentlichungsrecht des Urhebers ; …
LG München I, 08.06.2001 - 30 O 21972/00
BSG, 26.03.1976 - 6 RKa 12/75
BSG, 24.01.1974 - 6 RKa 17/73
Zahnbehandler - Zulassung - Mundschleimhautbehandlungen
BSG, 06.10.1981 - 6 RKa 5/81
BSG, 11.06.1980 - 12 RK 15/79
BSG, 26.03.1976 - 6 RKa 20/75
Ausübung der Zahnheilkunde - Berechtigung - Unrechtmäßig geführte …
BSG, 19.07.1973 - 6 RKa 18/72
Besitzstand - Zahnheilkunde - Dentistische Grundausbildung - Dentistenpraktikant …
BSG, 19.07.1973 - 6 RKa 1/73
Kassenzahnärzte - Ehrenamtlicher Richter - Angelegenheiten der Kassenzahnärzte - …
BSG, 06.10.1981 - 6 RKa 27/80
BSG, 18.11.1980 - 12 RK 25/80
VGH Baden-Württemberg, 10.05.1976 - IX 802/76
VG Karlsruhe, 10.01.1973 - III 319/72
Rechtmäßigkeit eines vom Prodekan einer Hochschule ausgesprochenen Hausverbots …