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Timestamp: 2017-05-27 14:14:07
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Matched Legal Cases: ['§ 319', '§ 319', '§ 22', '§ 23', '§ 271', '§ 318', '§ 111', '§ 96', '§ 111']

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11.1 Unabhängigkeit des Prüfers www.uni-graz.at/iufwww/EU www.wiwi.uni-frankfurt.de/Professoren/Ewert/EU Wagenhofer/Ewert 2003. Alle Rechte vorbehalten.
Veröffentlicht von:Ansobert Borsch
Präsentation zum Thema: "11.1 Unabhängigkeit des Prüfers www.uni-graz.at/iufwww/EU www.wiwi.uni-frankfurt.de/Professoren/Ewert/EU Wagenhofer/Ewert 2003. Alle Rechte vorbehalten."— Präsentation transkript:
11.2 Ziele n Aufzeigen der Bedeutung von Anreizen bei der Berichterstattung über das Prüfungsergebnis und Darstellung institutioneller Grundlagen n Erklärung des Entstehens von Quasirenten, low balling und fee cutting auf der Basis alternativer Ansätze n Kritische Diskussion möglicher Implikationen von Quasirenten für die Unabhängigkeit des Prüfers n Darstellung expliziter Ansätze zur integrativen Analyse von Quasirenten und Unabhängigkeit
11.3 Einführung und institutioneller Rahmen (1) n Ökonomische Überlegungen des Prüfers beeinflussen seine Berichterstattung über das Prüfungsergebnis n eine unangenehme Berichterstattung könnte mit Risiken hinsichtlich der künftigen Wiederwahl verbunden sein => Verlust von Überschüssen aus dem Mandat nDie Drohung einer Nichtwiederwahl braucht in der Regel nicht ausgesprochen zu werden. Die Gefahr, dass ein Abschlussprüfer, der in einem strittigen Punkt nicht nachgibt, von der Verwaltung nicht zur Wiederwahl vorgeschlagen wird, ist jedem der Beteiligten stets bewusst. (Leffson (1988), S. 82)
11.4 Einführung und institutioneller Rahmen (2) n Eine wahrheitsgemäße Berichterstattung ist damit keineswegs selbstverständlich n Die Höhe des finanziellen Nachteils aus dem Mandatsverlust ist abhängig von der Prüfungsgebühr, die von folgenden Faktoren beeinflusst wird: Prüfungskosten Folgeprüfungen Wettbewerb mit Konkurrenten
11.5 Einführung und institutioneller Rahmen (3) n Diese Probleme betreffen letztlich einen der zentralen Berufsgrundsätze der Wirtschaftsprüfer, nämlich den Grundsatz der Unabhängigkeit und Unbefangenheit n Gesetzliche und berufsständische Regelungen zur Sicherung der Unabhängigkeit Fokus auf beobachtbaren Faktoren (Verifizierbarkeit nötig) Sichtweise eines externen Adressaten: vertrauenswürdiges Urteil des Prüfers Prüfer muss seine Tätigkeit bereits dann versagen, wenn schon die Vermutung der Befangenheit besteht
11.6 Einführung und institutioneller Rahmen (4) n Beispiel für Unabhängigkeitsregeln: § 319 dHGB (Ausschlussgründe): Besitz von Anteilen der zu prüfenden Gesellschaft, Tätigkeit des Prüfers als gesetzlicher Vertreter, Aufsichtsratsmitglied oder Arbeitnehmer der zu prüfenden Gesellschaft im Jahr der Prüfung oder im Laufe der letzten drei Jahre vor seiner Bestellung, Analoge Tätigkeiten bei Unternehmen, die mit der zu prüfenden Gesellschaft verbunden sind oder von dieser Gesellschaft mehr als 20 Prozent der Anteile besitzen, Mitwirkung bei der Buchführung oder der Aufstellung des Jahresabschlusses über die eigentliche Prüfungstätigkeit hinaus, Beschäftigung einer Person im Rahmen der Prüfung, die nach den vorstehenden Gründen nicht Abschlussprüfer sein darf, Einnahmen aus Prüfung und Beratung der zu prüfenden Gesellschaft sowie von Unternehmen, an denen die Gesellschaft zu mehr als 20 Prozent beteiligt ist, überschreiten 30 Prozent der Gesamteinnahmen während der letzten fünf Jahre, und es ist zu erwarten, dass diese Grenze auch im laufenden Jahr überschritten wird.
11.7 Das Modell von DeAngelo (1) n Annahmen: Direkte Prüfungskosten einer erstmaligen Prüfung sind höher als Kosten einer regulären Folgeprüfung => Kostenvorteil des amtierenden Prüfers Keine technischen Unterschiede zwischen Prüfern => Qualität der von verschiedenen Anbietern erbrachten Prüfungsleistungen ist gleich Das Unternehmen wählt in jeder Periode denjenigen Prüfer, der die gewünschten Prüfungsleistungen zu den günstigsten Bedingungen anbietet Es herrscht vollständige Konkurrenz auf dem Prüfungsmarkt (Auf dem Markt für Prüfungsleistungen geht es derzeit zu wie auf dem Bau: Verdient wird in erster Linie mit Zusatzleistungen. (Müller/Pfitzer (2002), S. 25))
11.8 Das Modell von DeAngelo (2) n Zweiperiodiges Modell n Optimale Gebühr der 2. Periode: Kostenvorteil des amtierenden Prüfers mit PG 2 : Prüfungsgebühr der 2. Periode K: Prüfungskosten EPK: Erstprüfungkosten TR: Transaktionskosten
11.9 Das Modell von DeAngelo (3) n Optimale Gebühr der 1. Periode: vollständige Konkurrenz => Low Balling In reifen Märkten wächst die Neigung, mit Low Balling, was besser klingt als brutale Preisunterbietung, an gute und zukunftsweisende Mandate zu gelangen. Das muss man sehen. So sind die Marktbedingungen im Prüfungsbereich. Es hat gar keinen Zweck, davor die Augen zu verschließen. (Schmidt (1997), S. 236 f)
11.10 Das Modell von DeAngelo (4) n Fee Cutting: n Ursache für Low Balling und Fee Cutting: Optimale Gebühr für die Folgeprüfung, die aus dem Kostenunterschied zwischen Erst- und Folgeprüfung sowie aus der Existenz unternehmensbezogener Transaktionskosten bei einem Prüferwechsel resultiert Daraus entsteht ein Überschuss für den amtierenden Prüfer: Quasirente
11.11 Das Modell von DeAngelo (5) n Drei Perioden: Periode 0 vorgeschaltet Gebühr des Konkurrenzprüfers in Periode 1: Gebühr des amtierenden Prüfers in Periode 1: Barwert der Quasirenten in Periode 1:
11.12 Das Modell von DeAngelo (6) n Gebühr in Periode 0: n Gesamtspielraum aus dem Auftrag ist stets EPK + TR. n Er wird bei Verlängerung der betrachteten Perioden unterschiedlich auf die Folgeperioden verteilt. n Im Dreiperiodenmodell ergibt sich daraus zugleich ein beständiger Anstieg der Prüfungsgebühren über die Zeit, denn es gilt PG 0 < PG 1 < PG 2. n Mehrere Perioden: Die Prüfungsgebühr für alle Perioden außer der Start- und Schlussperiode ist für mehr als 3 Perioden gleich
11.13 Implikationen (1) n Beschränkungen der Mandatslaufzeit: Betrachtung eines 3-Periodenmodells, Beschränkung der Mandatslaufzeit auf 2 Perioden Gebühr in Periode 1: Konkurrenzprüfer: analog zu oben Amtierender Prüfer: kann nur maximal noch eine Periode im Amt bleiben, d.h. die Kosten in Höhe von EPK + TR fallen spätestens zu Beginn der Periode 2 an Barwert der Überschüsse des Konkurrenzprüfers = 0, deshalb zahlt das Unternehmen bei einem Wechsel in Periode 1
11.14 Implikationen (2) Gebühr des amtierenden Prüfers in Periode 1: Barwert der Quasirenten in Periode 1: Dies ist niedriger als der bisherige Barwert der Quasirenten EPK + TR. Weil es aber nach wie vor positive Quasirenten gibt, resultiert auch weiterhin low balling in der Periode 0, allerdings in einem geringeren Ausmaß als ohne Mandatsbeschränkung Die Einführung einer beschränkten Mandatslaufzeit ist für das Unternehmen mit höheren Prüfungskosten verbunden
11.15 Alternative Erklärung von Low Balling (1) n Modell von Kanodia/Mukherji Die Verhandlungsmacht liegt vollständig bei dem zu prüfenden Unternehmen Es gibt eine asymmetrische Informationsverteilung über die regulären Prüfungskosten K. Diese sind unsicher und unterliegen einer Wahrscheinlichkeitsverteilung Die Informationen über die (sicheren) Erstprüfungskosten EPK und die (sicheren) Transaktionskosten TR sind weiterhin symmetrisch verteilt Nachdem ein Prüfer die Erstprüfung durchgeführt hat, weiß er genau um die realisierten laufenden Kosten K, die ebenfalls für die Folgeperioden gelten. Weder das zu prüfende Unternehmen noch die Konkurrenzprüfer besitzen nach der ersten Periode diese Informationen
11.16 Alternative Erklärung von Low Balling (2) Unternehmen: Gebührenangebot an den vorhandenen Prüfer zu Beginn der zweiten Periode Ablehnung durch den vorhandenen Prüfer, wenn die tatsächlichen Prüfungskosten höher als die angebotene Gebühr sind Signal für das Unternehmen und die Konkurrenzprüfer Das Unternehmen muss bei seinem Gebührenangebot die verschiedenen Effekte gegeneinander abwägen Das optimale Gebührenangebot wird vom vorhandenen Prüfer im Gleichgewicht nie mit Sicherheit akzeptiert Im Fall der Auftragsannahme erzielt der vorhandene Prüfer eine positive Rente Beginn der Periode 1: Gebühr ist um den Barwert dieser künftig erwarteten Überschüsse niedriger als der Erwartungswert der Prüfungskosten => Low Balling
11.17 Spezialisierte Prüfer n Modell von Gigler/Penno Zwei verschiedene Typen von Prüfern, Unterschied bei den Prüfungskosten K ist größer als EPK + TR (Kostenmatching) Das Kostenmatching kann im Zeitablauf wechseln und ist dem Unternehmen bekannt Falls amtierender Prüfer derjenige mit dem geeigneten Kostenmatching ist: kein Wechsel, aber der amtierende Prüfer kann eine Gebühr in Höhe der Kosten des teuren Prüfers verlangen Zu Beginn der Periode 1 ist die Wahl des Prüfers mit den geringeren Prüfungskosten mit einem verringerten Barwert der Vorteile aus einem künftigen Prüferwechsel verbunden => Minderung der Erstprüfungsgebühr Echte Renten, kein Low Balling, aber Fee Cutting Konkurrenzaspekte nicht untersucht
11.18 Quasirenten und Unabhängigkeit n Wegfall eines Prüfungsmandats: Verlust der Quasirenten n Management: mögliche Drohung eines Wechsels bei unerwünschter Berichterstattung n Gegeneffekt: Quasirenten der anderen Prüfungsmandate Andere Mandate können durch Reputationsverlust wegfallen Ergänzung um eventuelle Haftungsfolgen n Größere Prüfungsunternehmen sind tendenziell unabhängiger als kleinere und bieten ceteris paribus eine bessere Prüfungsqualität an
11.19 Low Balling und Unabhängigkeit n Die Überschüsse aus den Folgeprüfungen sind notwendig, um die Verluste aus der Erstprüfung wieder auszugleichen n Es scheint, dass eigentlich low balling die Ursache für mögliche Probleme bei der Unabhängigkeit ist n Tatsächlich ist low balling die Folge antizipierter künftiger Preissetzungen rational handelnder Akteure n Eine Gebührenregulierung, die low balling verhindert, hätte bezüglich der Unabhängigkeit keinerlei Konsequenzen, sie würde nur zu echten Renten führen
11.20 Beurteilung regulativer Vorschläge (1) n Sinn von Umsatzgrenzen für Prüfungsaufträge § 319 (2) Nr 8 dHGB: Obergrenze von 30% für Umsätze, die der Prüfer mit einem bestimmten Mandanten erzielt Eigentlich Quasirenten relevant, aber deren Messung ist kaum von außen nachvollziehbar Annahme, dass die Höhe der Gebühren positiv mit den Quasirenten korreliert ist => die Umsätze können als Ersatzgröße zur Messung der Quasirenten herangezogen werden Eine Begründung des Prozentsatzes von 30% ist allerdings aus der Quasirentenlogik nicht abzuleiten
11.21 Beurteilung regulativer Vorschläge (2) n Prüfung und Beratung Der Prüfer hat evt. Sachverhalte zu prüfen, an deren Entstehen er durch Beratungsaufträge mitgewirkt hat § 22 der Berufssatzung: eine gemeinsame Prüfungs- und Beratungstätigkeit ist nur dann möglich, wenn keine Besorgnis der Befangenheit besteht § 23 der Berufssatzung: ein Prüfer darf einen Sachverhalt nur dann beurteilen, wenn er an dessen Zustandekommen über die Tätigkeit als Gutachter oder Prüfer hinaus selbst nicht maßgeblich mitgewirkt hat
11.22 Beurteilung regulativer Vorschläge (3) n Prüfung und Beratung Beratungstätigkeiten können analog zum Prüfungsmarkt modelliert werden (Beck/Frecka/Solomon (1988)) Gemeinsames Angebot von Prüfung und Beratung: Die Quasirenten aus einem Unternehmen steigen Verstärkung durch Spillover-Effekte Wichtig ist aber der Anteil an den gesamten Quasirenten, deshalb ist das Ergebnis offen Es ist auch relevant, ob aufgedeckte Unabhängigkeitsprobleme eine Signalwirkung nur auf andere Prüfungsaufträge oder auch auf andere Beratungsaufträge ausüben. Es können sich sogar Effekte zur Erhöhung der Unabhängigkeit ergeben
11.23 Beurteilung regulativer Vorschläge (4) n Empirische Studien zu Prüfung und Beratung Scheiner (1984): Publikationspflicht (Gebührenanteil für bestimmte Beratungsleistungen) => keine signifikanten Effekte Frankel/Johnson/Nelson (2002) und Dee/Lulseged/ Nowlin (2002): Gegenüberstellung der discretionary accruals und dem Anteil der Beratungsumsätze an den Gesamtumsätzen => signifikant positive Beziehung (verminderte Unabhängigkeit bei einem umfangreicheren simultanen Angebot von Prüfung und Beratung)
11.24 Beurteilung regulativer Vorschläge (5) n Empirische Studien zu Prüfung und Beratung Chung/Kallapur (2001): insignifikante Ergebnisse DeFond/Raghunandan/Subramanyam (2002): Kritik an der Aussagefähigkeit dieses Tests; Prüfungsberichte (Going-Concern- Status, financially distressed) => keine signifikanten Beziehungen zwischen der Höhe der Beratungsumsätze und der Wahrscheinlichkeit für einen negativen Going-Concern-Bericht Sharma/Sidhu (2001): Beziehung zwischen den Beratungsumsätzen und der Wahrscheinlichkeit für einen negativen Going-Concern- Bericht (insolvente Unternehmen) => signifikant negative Beziehung (kleine Stichprobe)
11.25 Beurteilung regulativer Vorschläge (6) n Rotation des Prüfers § 271 öHGB: Abschlussprüfer darf nicht sein, wer [...] die Gesellschaft schon in den dem zu prüfenden Geschäftsjahr vorhergehenden sechs Geschäftsjahren geprüft hat; dies gilt in den Fällen, in denen die Abschlussprüfung nicht von einer natürlichen Person als Abschlussprüfer durchgeführt wurde, auch für die Person, die den Bestätigungsvermerk unterfertigt hat. (tritt ab 2004 in Kraft) Eine Begrenzung der Mandatslaufzeit führt zu einer Minderung der Quasirenten, so dass sich daraus ein verringerter Anreiz zur Berichtsverzerrung ergeben könnte Relevant ist aber die Quasirentenrelation, die unverändert bleiben kann Es erhöht sich der Barwert der Prüfungskosten, ohne dass ein überzeugender Einfluss auf die Unabhängigkeit gegeben ist
11.26 Empirische Studien n Quasirententheorie: Die Größe einer Prüfungsgesellschaft ist tendenziell positiv mit der Unabhängigkeit des Prüfers und daher mit der Prüfungsqualität verknüpft Die Größe eines Prüfungsunternehmens ist ein empirisch beobachtbarer Tatbestand n Teoh/Wong (1993): Die Kapitalmarktreaktionen der Anleger auf die Veröffentlichung unerwarteter Gewinnänderungen sollten um so größer sein, je verlässlicher die Rechnungslegung ist Eine wichtige Determinante für die Verlässlichkeit der Rechnungslegung ist die Prüfungsqualität => Größe der beauftragten Prüfungsgesellschaft als Proxygröße Die empirisch festgestellten Reaktionskoeffizienten hängen signifikant positiv davon ab, ob die jeweiligen Unternehmen von einem (damaligen) Big 8–Prüfer geprüft wurden
11.27 Auslegungsspielräume (1) n Modell von Magee/Tseng n Annahmen: Verhandlungsmacht beim Prüfer Existenz von zusätzlichen Erstprüfungs- und Transaktionskosten Zwei Ausprägungen des Prüfungsergebnisses (für den Mandanten günstig: G; ungünstig: U) Zwei Prüfertypen: Typ 1: hält unter Berücksichtigung der Auslegungsspielräume bei GoB und GoA einen Bericht von G für ordnungsgemäß, auch wenn sein Prüfungsergebnis U gewesen sein sollte Typ 2: sieht dagegen beim Erhalt eines Ergebnisses U Probleme, falls er den Bericht G abgeben würde Die beiden Prüfer unterscheiden sich nur hinsichtlich dieses Aspekts, nicht aber bezüglich fachlicher und prüfungstechnischer Kompetenz. Außerdem kann sich die Frage, wer Typ 1 oder Typ 2 ist, je nach relevantem Bilanzierungssachverhalt ändern
11.28 Auslegungsspielräume (2) n Keine Auslegungsspielräume => sämtliche Prüfer sind vom Typ 2, und dies sei auch dem Manager bekannt : Der Prüfer berichtet am Ende der zweiten Periode stets unverzerrt, andernfalls würde er subjektive Kosten zu tragen haben In Periode 1 gibt es für den vorhandenen Prüfer Quasirenten in Höhe von EPK + TR, mit deren Entzug der Manager drohen könnte Der Vorteil könnte nur darin bestehen, dass der künftige Bericht am Ende der zweiten Periode günstiger ausfällt, doch diesbezüglich wurde gezeigt, dass ein Prüfer am Ende der Periode 2 stets unverzerrt berichten wird, und annahmegemäß gibt es keine Prüfer vom Typ 1 => Eine Drohung des Managements ist nicht sequenziell rational
11.29 Auslegungsspielräume (3) n Auslegungsspielräume, einperiodiges Bilanzierungsproblem, Manager erkennt die Prüfertypen vor der Auftragserteilung nicht: Zu diesem Zeitpunkt ist keine gezielte Prüferauswahl möglich, und am Ende der Periode ist das Problem für die Folgeperioden irrelevant Die neuen Bilanzierungsfragen sind jetzt noch nicht sicher bekannt, und sofern die Position des vorhandenen Prüfers keine Rückschlüsse auf seine Position hinsichtlich der künftig stochastisch auftretenden Bilanzierungsfragen liefert, braucht er eine Drohung des Mandatsentzugs nicht wirklich zu fürchten
11.30 Auslegungsspielräume (4) n Beeinträchtigung der Unabhängigkeit: Auslegungsspielräume mehrperdiodiges Bilanzierungsproblem Manager erkennt die Prüfertypen vor der Auftragserteilung nicht => Er kann nicht rechtzeitig zum gewünschten Prüfertyp wechseln (Opinion Shopping) Ein Prüferwechsel darf nicht mit weiteren Nachteilen für den Mandanten verknüpft sein Die Prüfer wissen bei der Abgabe ihrer Angebote für die Erstprüfung noch nicht, welche Bilanzierungsprobleme künftig eine Rolle spielen. Andernfalls könnten sie ihren Typ durch ihr Gebührenangebot signalisieren, denn wegen der beim Typ 1 fehlenden subjektiven Kosten hat er grundsätzlich einen Preisvorteil beim Bieten
11.31 Asymmetrische Informationen über Prüfertypen (1) n Modell von Stefani n Annahmen: Einperiodige Investitionsprojekte Die Finanzierungskonditionen hängen von den Erwartungen der Investoren ab, doch können diese den Projekttyp nicht genau einschätzen Zwei Projekttypen Typ 1 weist einen höheren Marktwert als Typ 2 auf Nur Typ 2 kann bestimmte niedrige Überschüsse erzielen, aus deren Vorliegen dann ex post eindeutig der Typ 2 erkennbar wird (moving support) Prüfer: Durchführung einer Lageprüfung (Bericht über den Projekttyp) Nach Vorlage des Berichts setzen die Anleger ihre Finanzierungskonditionen fest
11.32 Asymmetrische Informationen über Prüfertypen (2) n Annahmen: Weitgehend analog zum Modell von DeAngelo Zwei Prüfertypen S-Typ: berichtet stets wahrheitsgemäß O-Typ: macht seinen Bericht davon abhängig, welche finanziellen Konsequenzen daraus resultieren Im Zeitpunkt der erstmaligen Beauftragung des Prüfers kennen weder der Manager noch die Anleger den Prüfertyp moving-support-Eigenschaft der Projekttypen Der Prüfertyp wird dann offenbar, wenn er den Projekttyp 1 berichtet hat, sich aus den eingetretenen Überschüssen aber ergibt, dass tatsächlich Typ 2 vorgelegen hat Die Anleger werden daher Berichte dieses Prüfers in folgenden Perioden bezüglich der Verlässlichkeit anders interpretieren und ihre Finanzierungskonditionen entsprechend anpassen
11.33 Asymmetrische Informationen über Prüfertypen (3) n Berichtsverhalten des O-Prüfers: Die erzielten Quasirenten haben in diesem Modell keine besondere Bedeutung für die Unabhängigkeitsproblematik Es kann zu einer asymmetrischen Informationsverteilung zwischen Insidern und Outsidern hinsichtlich des Prüfertyps kommen: Bericht: Projekttyp 1 Manager: weiß, dass eigentlich Typ 2 vorliegt Am Periodenende tritt kein trennscharfer Projektüberschuss auf Das Management weiß, dass es sich eindeutig um einen O-Prüfer handelt, doch die Investoren besitzen dieses genaue Wissen nicht Die Finanzierungskonditionen der Anleger sind zu günstig Der Prüfer wird diesen Vorteil in seine Prüfungsgebühren für die Folgeprüfung einrechnen Dies lohnt sich, wenn die Vorteile größer als die zu erwartenden Nachteile bei aufgedeckter Berichtsverzerrung sind Voraussetzung: Die Prüfungsgebühren werden nicht veröffentlicht
11.34 Asymmetrische Informationen über Prüfertypen (4) n Der Prüfer wird in diesem Modell zum aktiven Spieler, der auch ohne Drohung des Managements versucht, durch seine Berichtspolitik Vorteile zu erzielen n Dies erfordert die Einbeziehung des Kapitalmarkts in die Untersuchung n Die Quasirenten spielen hier für die Unabhängigkeit keine Rolle, so dass die Wirkung einer Umsatzgrenze fraglich ist n Stattdessen folgt der Vorschlag einer Publikationspflicht der Prüfungsgebühren
11.35 Verhinderung von Kollusionen (1) n Modell von Lee/Gu (1998) n Annahmen: Die Eigner haben die alleinige Kompetenz, einem Prüfer das Mandat zu entziehen Der Erfolg der Aktivitäten des Managers ist nicht beobachtbar, der Prinzipal kann aber eine perfekte Prüfungstechnologie einsetzen Die Prüfung durch einen Wirtschaftsprüfer ist günstiger als diese Prüfungstechnologie Vorteil der Prüfung: Minderung der dem Prinzipal insgesamt entstehenden Kosten zur Beobachtung des Erfolgs des Unternehmens Es gibt keine Erstprüfungskosten, keine Transaktionskosten und keine regulären Prüfungskosten
11.36 Verhinderung von Kollusionen (2) n Überlegungen des Eigners: Die Berichterstattung des Prüfers ist ggf nicht völlig verlässlich, weil der Manager einen Anreiz hat, dem Prüfer aktiv Seitenzahlungen anzubieten, um einen günstigen Bericht zu erhalten Dadurch ist es möglich, eine hohe Kompensation auch ohne Arbeitseinsatz zu erlangen Wenn der Eigner niemals seine eigene Kontrolltechnologie einsetzt, dann bräuchten weder Manager noch Prüfer jemals eine Aufdeckung dieser Kollusion zu befürchten, aber dann wäre die Prüfung für den Eigner wertlos Deshalb muss der Eigner auch bei Engagierung eines Prüfers seine Kontrolltechnologie mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit einsetzen Der Einsatz eines Prüfers ist dennoch vorteilhaft, wenn die Wahrscheinlichkeit des Einsatzes der Kontrolltechnologie gegenüber dem Basisszenario ohne Prüfer genügend reduziert werden kann
11.37 Verhinderung von Kollusionen (3) n Prüfungsgebühren: Derjenige Prüfer wird den Zuschlag erhalten, der dem Prinzipal bei gegebenem Gebührenbarwert den kostengünstigsten Kontrakt anbietet Zwei Kontrakttypen: flat fee-Kontrakt: in jeder Periode die gleiche Gebühr fee cutting-Kontrakt: für die erste Periode ist die Gebühr niedriger als für die Folgeperioden Eine fee cutting-Struktur ist genau dann für die Eigner besser als ein flat fee-Kontrakt, wenn bei gleichem Gebührenbarwert die Wahrscheinlichkeit für den notwendigen Einsatz der Kontrolltechnologie gesenkt werden kann
11.38 Verhinderung von Kollusionen (4) n Einsatz der Kontrolltechnologie: Keine Kollusion: Der Prüfer berichtet wahrheitsgemäß und wird im Falle des Einsatzes der Kontrolltechnologie durch diese bestätigt Der Manager wird gemäß dem Entlohnungskontrakt eine hohe Arbeitsintensität leisten, die dazu passende Kompensation erhalten, und der Prüfer erhält seine Gebühr auf Basis des vereinbarten Kontrakts Kollusion: Sie wird genau dann entdeckt, wenn die Kontrolltechnologie eingesetzt wurde Der Prinzipal wird sowohl den Manager als auch den Prüfer abberufen, und beide werden mit Strafen zu rechnen haben
11.39 Verhinderung von Kollusionen (5) n Verhandlungsspielraum für das Entstehen einer Kollusion: Der Manager kann maximal denjenigen Betrag als Seitenzahlung bieten, bei dem er gerade indifferent ist zwischen hoher Arbeitsleistung und der erwarteten Zielerreichung bei Kollusion Der Prüfer muss wenigstens denjenigen Betrag erhalten, der seine Indifferenzbedingung erfüllt und mithin gerade ausreicht, die erwarteten Nachteile bei entdeckter Kollusion auszugleichen Eine Kollusion kommt nicht zustande, wenn die Preisuntergrenze des Prüfers größer als die Preisobergrenze des Managers ist
11.40 Verhinderung von Kollusionen (6) n Problem des Prüfers: Indifferenzbedingung in Periode 2: mit: p t : Wahrscheinlichkeit für den Einsatz der Kontrolltechnologie in Periode t PG 2 : Prüfungsgebühr der zweiten Periode SZ 2 : Seitenzahlung H: Haftungsfolgen Kritischer Wert:
11.41 Verhinderung von Kollusionen (7) n Problem des Prüfers: Indifferenzbedingung in Periode 1: Wegen der Marktgegebenheiten muss der Gebührenbarwert gleich Null sein. Daraus folgt: Also:
11.42 Verhinderung von Kollusionen (8) n Vergleich von flat fee- versus fee cutting-Struktur : Erste Periode: Die Kontrollwahrscheinlichkeit p 1 wird davon nicht beeinflusst, weil jeder Kontrakt zum gleichen Gebührenbarwert führt Die notwendige Seitenzahlung SZ 1 muss vom Prinzipal durch Wahl von p 1 daher unabhängig von der Gebührenstruktur so gewählt werden, dass SZ 1 die Preisobergrenze des Managers übersteigt Zweite Periode Eine höhere Prüfungsgebühr PG 2 erlaubt eine Senkung der Kontrollwahrscheinlichkeit p 2, um eine bestimmte Preisuntergrenze SZ 2 zu erreichen Schlüssel für die Vorteilhaftigkeit der fee cutting-Gebührenstruktur: Bei gegebener Kontrollwahrscheinlichkeit p 1 und gegebenem Gebührenbarwert erlaubt sie eine Reduzierung der Kontrollwahrscheinlichkeit für die Folgeperioden und induziert damit für die Eigner erwartete Kostenersparnisse gegenüber einem flat fee-Kontrakt
11.43 Verhinderung von Kollusionen (9) n Quasirenten sind hier das zweckmäßige Mittel, um eine Kollusion zwischen Manager und Prüfer kostengünstig zu verhindern n Die Konkurrenz auf dem Prüfungsmarkt sorgt dafür, dass Prüfer diese Kontrakte aus Eigeninteresse heraus anbieten n Grund: kostengünstigste Angebote für die Eigner, um künftige Kollusionen zu verhindern
11.44 Diskussion n Die Rolle der Eigner bei der Bestellung und Abberufung des Prüfers: § 318 (1) dHGB: Die Gesellschafter wählen den Prüfer, und dies bei einer Aktiengesellschaft auf Vorschlag des Aufsichtsrats. Dieser erteilt auch dem Prüfer unmittelbar den Prüfungsauftrag § 111 (1) dAktG: Die Aufgabe des Aufsichtsrats besteht darin, die Geschäftsführung zu überwachen Aufsichtsrat: Annahme: perfekter Agent aktive Involvierung der Eigner bei Wahl und Abberufung der Prüfer Tatsächlich ist er dies aber nicht, denn: § 96 dAktG: Zusammensetzung des Aufsichtsrats (Vertreter der Aktionäre, Vertreter der Arbeitnehmer und weitere Mitglieder § 111 (4) dAktG: Der Aufsichtsrat kann eine Liste von Geschäften aufstellen, die zustimmungspflichtig sind Praxis: zwischen diesen beiden Extremen
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