Source: https://www.schleswig-holstein.de/DE/Schwerpunkte/Fortschreibung_LEP/FAQ/faq_node.html
Timestamp: 2020-07-12 22:18:15
Document Index: 311567086

Matched Legal Cases: ['§ 3', '§ 6', '§ 4', '§ 3', '§ 24', '§ 13']

schleswig-holstein.de - Häufig gestellte Fragen zur Fortschreibung des Landesentwicklungsplans
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Zum Entwurf der Fortschreibung des Landesentwicklungsplans gibt es ein öffentliches Beteiligungsverfahren. Im Rahmen dieses Verfahrens können neben den sogenannten Trägern öffentlicher Belange (TÖB), wie zum Beispiel Kommunen, Verbänden und anderen Behörden, auch alle Bürgerinnen und Bürger eine Stellungnahme zum Planentwurf abgeben.
Wann, wo und wie kann ich mich beteiligen und eine Stellungnahme abgeben?
Zurzeit können keine Stellungnahmen abgegeben werden. Das öffentliche Beteiligungsverfahren zum ersten Entwurf der Fortschreibung des Landesentwicklungsplans fand in der Zeit vom 18. Dezember 2018 bis zum 31. Mai 2019 statt.
Voraussichtlich wird es nach der Überarbeitung des ersten Planentwurfs ein zweites Beteiligungsverfahren geben, in dem die Möglichkeit besteht, eine Stellungnahme zum zweiten Planentwurf abzugeben. Das Beteiligungsverfahren wird ebenfalls internetgestützt über das Online-Beteiligungsportal BOB.SH erfolgen.
Wo finde ich die Planungsunterlagen zur Fortschreibung des Landesentwicklungsplans?
Alle Unterlagen, die zum ersten Entwurf der Fortschreibung des Landesentwicklungsplans gehören, finden Sie im Internet im Online-Beteiligungsportal BOB.SH.
Wählen Sie dort das Verfahren „Fortschreibung Landesentwicklungsplan Schleswig-Holstein 2010“ aus. Anschließend können Sie alle Planungsdokumente öffnen, lesen und als PDF herunterladen. Die Planungsunterlagen umfassen den Text (Entwurf Teil A und B), die Hauptkarte (Entwurf Teil C) sowie den Umweltbericht (Entwurf Teil D) mit den voraussichtlichen Umweltauswirkungen der Fortschreibung des Landesentwicklungsplans. Außerdem finden Sie in BOB.SH den Entwurf der Landesverordnung zur Fortschreibung des LEP 2010, Informationen auf Dänisch, und Sie können dort die Geodaten der Hauptkarte im Shape-Format oder im Datenaustauschformat XPlanung herunterladen.
Das Beteiligungsverfahren zum ersten Entwurf der Fortschreibung wurde internetgestützt durchgeführt. Alle abgegebenen Stellungnahmen wurden im Online-Beteiligungsportal gesammelt. Auch Stellungnahmen, die per E-Mail oder Post eingegangen sind, wurden in das Online-Portal eingepflegt. Derzeit werden die Stellungnahmen von der Landesplanungsbehörde ausgewertet und in die Abwägung einbezogen.
Was passiert nach dem Beteiligungsverfahren?
Alle fristgerecht eingegangenen Stellungnahmen werden von der Landesplanungsbehörde ausgewertet und in die Abwägung einbezogen. Das kann mehrere Monate dauern. Über Änderungen des Entwurfs der LEP-Fortschreibung wird anschließend innerhalb der Landesregierung entschieden. Gegebenenfalls erfolgt danach ein weiteres öffentliches Beteiligungsverfahren zum überarbeiteten Planentwurf.
Die Fortschreibung des Landesentwicklungsplans Schleswig-Holstein 2010 wird abschließend durch die Landesregierung als Rechtsverordnung mit Zustimmung des Landtags beschlossen. Aufgrund aller notwendigen Verfahrensschritte wird dies voraussichtlich erst nach 2020 möglich sein.
Allgemeines zum Landesentwicklungsplan
Was sind Ziele und Grundsätze der Raumordnung und was bedeuten sie?
Im Landesentwicklungsplan sind die einzelnen Absätze im Teil B mit den Buchstaben G oder Z gekennzeichnet. G steht für einen Grundsatz der Raumordnung und Z für ein Ziel der Raumordnung. Grundsatz bedeutet, dass die Vorgaben bei Abwägungs- oder Ermessensentscheidungen über raumbedeutsame Planungen und Maßnahmen berücksichtigt werden sollen. Verbindlicher sind Ziele der Raumordnung, denn diese sind von der Landesplanungsbehörde bereits abschließend abgewogen und daher in jedem Fall zu beachten (§§ 3,4 ROG). Für die kommunale Bauleitplanung bedeutet dies zum Beispiel, dass sie ihre Bauleitpläne an die im Landesentwicklungsplan aufgestellten Ziele anpassen muss. Abweichungen sind nur im Rahmen von Zielabweichungsverfahren möglich oder wenn sie vorab festgelegt worden sind (§ 6 ROG).
Warum wird ein Landesentwicklungsplan aufgestellt?
Nach dem Raumordnungsgesetz des Bundes (ROG) ist jedes Land verpflichtet, einen landesweiten Raumordnungsplan aufzustellen. In Schleswig-Holstein ist das der Landesentwicklungsplan (LEP). Mittels der räumlichen Festlegungen, die in diesem Plan getroffen werden, sollen die unterschiedlichen Nutzungsmöglichkeiten von Flächen (zum Beispiel Wohnen, Gewerbe, Tourismus, Rohstoffabbau, Erhalt von Natur und Umwelt) aufeinander abgestimmt werden und Konflikte minimiert werden.
Was ist Inhalt eines Landesentwicklungsplans und was legen die Regionalpläne fest?
Um die unterschiedlichen Nutzungsmöglichkeiten des Raums, das heißt der Land- und Meeresfläche aufeinander abzustimmen und Konflikte zu minimieren, treffen Raumordnungspläne (Landesentwicklungsplan und Regionalpläne) Festlegungen zur angestrebten Siedlungs- und Freiraumstruktur und zur Infrastruktur. Im Landesentwicklungsplan beziehen sich diese auf das gesamte Land und den Kartenmaßstab 1:300.000.
Zu den Festlegungen im Landesentwicklungsplan gehören zum Beispiel
Schwerpunkte für Wohnen und Gewerbe;
Regelungen zum Wohnungsbau (wohnbaulicher Entwicklungsrahmen) und zur gewerblichen Entwicklung in Nicht-Schwerpunktgemeinden;
Raumkategorien (Ordnungsräume, Ländliche Räume, Stadt- und Umlandbereiche in ländlichen Räumen;
Schwerpunkträume und Entwicklungsräume für Tourismus und Erholung;
Vorbehaltsräume für Natur und Landschaft.
Der Landesentwicklungsplan enthält außerdem Ziele und Grundsätze zu Verkehrs- und Kommunikationsinfrastruktur, Einrichtungen der Daseinsvorsorge, Energieversorgung, Rohstoffsicherung, Land- und Forstwirtschaft und Fischerei, Klimaschutz und Klimaanpassung, Binnenhochwasser- und Küstenschutz sowie zu Wirtschaft, Wissenschaft und zu Vernetzung und Kooperation.
Der Landesentwicklungsplan gibt außerdem vor, welche Inhalte und konkreten Festlegungen in den drei Regionalplänen zu treffen sind, die im Maßstab 1:100.000 erstellt werden. Hierzu gehören beispielsweise die verbindliche Abgrenzung von Siedlungsachsen und Baugebietsgrenzen, Regionale Grünzüge und Grünzäsuren, Standorte für Gewerbegebiete von überregionaler Bedeutung an Landesentwicklungsachsen, besondere Funktionen von Gemeinden ohne zentralörtliche Einstufung, Entwicklungs- und Entlastungsorte, Vorrang- und Vorbehaltsgebiete für die Rohstoffsicherung sowie für Grundwasserschutz und Vorbehaltsgebiete für Natur und Landschaft.
Wohnbaulicher Entwicklungsrahmen
Was ist der wohnbauliche Entwicklungsrahmen?
Der wohnbauliche Entwicklungsrahmen ist ein Instrument zur räumlichen Steuerung des Wohnungsbaus im Land. In allen Gemeinden in Schleswig-Holstein können in den nächsten Jahren neue Wohnungen gebaut werden. Die meisten Wohnungen sollen aber in den Schwerpunkten für den Wohnungsbau entstehen, das heißt in den Städten und Gemeinden, die über eine gute Infrastruktur und Einrichtungen der Daseinsvorsorge verfügen, wie zum Beispiel Schulen, Einkaufsmöglichkeiten oder Ärzte . Die Nachfrage nach Wohnungen ist in diesen Orten zudem am höchsten, denn die Bürgerinnen und Bürger schätzen kurze Wege und wollen an ihrem Wohnort gut versorgt sein.
Zur Steuerung des Wohnungsbaus im Land unterscheidet der Landesentwicklungsplan deshalb zwischen Schwerpunkten für den Wohnungsbau, deren Wohnungsbau nicht quantitativ begrenzt wird, und allen anderen Gemeinden, die beim Bau neuer Wohnungen einen vorgegebenen maximalen Entwicklungsrahmen beachten müssen. Schwerpunkte für den Wohnungsbau sind alle Zentralen Orte und Stadtrandkerne, Gemeinden/Ortsteile auf den Siedlungsachsen und Gemeinden mit einer ergänzenden überörtlichen Versorgungsfunktion.
Die anderen Gemeinden können auf Basis der Fortschreibung des Landesentwicklungsplans im Zeitraum 2018 bis 2030 und bezogen auf ihren Wohnungsbestand am 31.12.2017 bis zu 10 Prozent neue Wohnungen bauen, wenn sie in den ländlichen Räumen liegen, und bis zu 15 Prozent in den Ordnungsräumen (Umland der Oberzentren Hamburg, Kiel und Lübeck).
Der wohnbauliche Entwicklungsrahmen gibt den Gemeinden auf Basis der aktuellen Prognosen die Möglichkeit, in bedarfsgerechtem Umfang neue Wohnungen zu bauen. Gleichzeitig wird durch die Begrenzung auf maximal 10 Prozent bzw. 15 Prozent Fehlentwicklungen entgegengewirkt, die aufgrund absehbarer demografischer Veränderungen in den Gemeinden in einigen Jahren zu Leerständen, hohen Infrastrukturfolgekosten für die Gemeinden und Wertverlusten bei Immobilien führen können.
Was wurde beim wohnbaulichen Entwicklungsrahmen geändert?
Der wohnbauliche Entwicklungsrahmen, der für Gemeinden gilt, die keine Schwerpunkte für den Wohnungsbau sind, wurde im Rahmen der Fortschreibung des Landesentwicklungsplans aktualisiert und flexibilisiert.
Aktualisierung bedeutet, dass der wohnbauliche Entwicklungsrahmen jetzt für den Zeitraum 2018 bis 2030 gilt (bisher 2010 bis 2025). Außerdem beziehen sich die Werte 10 Prozent (für Gemeinden in den ländlichen Räumen) und 15 Prozent (für Gemeinden in den Ordnungsräumen) jetzt auf den Wohnungsbestand am 31.12.2017 (bisher 31.12.2009).
Die Aktualisierung hat zur Folge, dass die Gemeinden nun wieder 10 Prozent bzw. 15 Prozent neue Wohnungen bauen können, da ihre Baufertigstellungen der Jahre 2010 bis 2017 nicht mehr auf den Rahmen angerechnet werden. Da sich die Werte 10 Prozent bzw. 15 Prozent aufgrund des neuen Stichtags 31.12.2017 zudem meist auf einen höheren Wohnungsbestand beziehen, können in den Gemeinden auch absolut mehr neue Wohnungen gebaut als nach dem LEP 2010.
Der wohnbauliche Entwicklungsrahmen wurde außerdem flexibilisiert. Das heißt, es wurden neue Ausnahmemöglichkeiten definiert, unteren denen der Rahmen geringfügig überschritten werden kann. Möglich ist dies jetzt für bestimmte Maßnahmen der Innenentwicklung und zur Deckung von Wohnungsbedarfen der örtlichen Bevölkerung. Außerdem ist es weiterhin möglich, im Rahmen von interkommunalen Vereinbarungen abzuweichen. (siehe auch Frage "Kann vom wohnbaulichen Entwicklungsrahmen abgewichen werden?" ). Diese sollen zukünftig möglichst auch auf Ämterebene geschlossen werden.
Kann vom wohnbaulichen Entwicklungsrahmen abgewichen werden?
Ja, das ist unter bestimmten Voraussetzungen möglich. Neu in den Plan aufgenommen wurde, dass der wohnbauliche Entwicklungsrahmen geringfügig überschritten werden kann bei Maßnahmen der Innentwicklung, die auf Flächen von städtebaulicher und ortsplanerischer Bedeutung erfolgen. Voraussetzung dafür ist, dass
ein gemeindliches Steuerungserfordernis durch die Bauleitplanung vorliegt, oder
ein städtebaulicher Missstand vorliegt, der durch eine Bauleitplanung vermieden oder beseitigt werden soll, oder
ein besonderer Wohnungsbedarf zu decken ist.
Außerdem ist es jetzt möglich, den wohnbaulichen Entwicklungsrahmen geringfügig zu überschreiten, wenn er zuvor vor allem durch Maßnahmen der Innenentwicklung ausgeschöpft wurde und es nachweislich einen dringenden Wohnungsneubaubedarf für die örtliche Bevölkerung gibt, für den die Gemeinde ein neues Wohngebiet braucht.
Weiterhin können einzelne Gemeinden im Rahmen von interkommunalen Vereinbarungen mit Nachbargemeinden den Rahmen überschreiten. Voraussetzung dafür ist, dass eine Gemeinde zum Beispiel aufgrund ihrer Infrastruktur hierfür besonders geeignet ist, der Wohnungsneubaubedarf für den Kooperationsraum aus einer aktuellen Bedarfsprognose ermittelt wird und der Umfang des zukünftigen Wohnungsbaus in der Vereinbarung verbindlich festlegt wird.
Ab wann gelten die Änderungen beim wohnbaulichen Entwicklungsrahmen?
Die Änderungen beim wohnbaulichen Entwicklungsrahmen werden seit 17. Dezember 2018 angewendet (siehe hierzu Bekanntmachung der Fortschreibung des Landesentwicklungsplans im Amtsblatt Schleswig-Holstein 2018, Seite 1.118). Rechtlich handelt es sich um "in Aufstellung befindliche Ziele" , die bei Abwägungs- und Ermessensentscheidungen berücksichtigt werden können, um sie zu sichern (§ 4 Abs. 1 in Verbindung mit § 3 Abs. 1 Nr. 4 ROG).
Warum enthält die Fortschreibung des Landesentwicklungsplans keine Aussagen zum Thema Windenergie?
Zum Thema Windenergie gibt es eine eigenständige Teilfortschreibung des Landesentwicklungsplans 2010. Diese ist kein Bestandteil des Verfahrens zur Fortschreibung des übrigen Landesentwicklungsplans 2010. Die sachliche Teilfortschreibung zum Thema Windenergie wurde bereits im Jahr 2015 begonnen. Seitdem gab es drei öffentliche Beteiligungsverfahren zu den Entwürfen des Plans. Im Herbst 2020 soll die Teilfortschreibung des Landesentwicklungsplans zum Thema Windenergie dann endgültig von der Landesregierung beschlossen werden. Mehr Informationen zu dem Thema finden Sie hier:
BOB SH Wind
Im Rahmen des Beteiligungsverfahrens zur Fortschreibung des Landesentwicklungsplans 2010 (ohne das Thema Windenergie), das in der Zeit vom 18. Dezember 2018 bis 31. Mai 2019 lief, konnten keine Stellungnahmen zum Thema Windenergie abgegeben werden.
Warum wurden die Siedlungsachsen nicht verändert?
Die Siedlungsachsen werden erst in den Regionalplänen verbindlich abgegrenzt. Änderungen an den derzeit abgegrenzten Siedlungsachsen, zum Beispiel im Umland von Hamburg, können daher erst im Zuge der Neuaufstellung des Regionalplans erfolgen. Im Landesentwicklungsplan werden in der Hauptkarte nur die Grundrichtungen und die äußeren Schwerpunkte der Siedlungsachsen dargestellt. Diese wurden im Rahmen der Fortschreibung des Landesentwicklungsplans nicht verändert.
Neu geschaffen wurde die Möglichkeit, bei Bedarf in den Regionalplänen zukünftig auch Siedlungsachsen in den Stadt- und Umlandbereichen der Oberzentren Flensburg und Neumünster abgrenzen zu können. Bislang gibt es Siedlungsachsen nur in den Ordnungsräumen Kiel, Lübeck und Hamburg.
Ziel der Siedlungsachsen ist es, im Umland der großen Städte eine weiträumige, ringförmige Ausbreitung von Siedlungsflächen zu verhindern. Stattdessen soll die Siedlungsentwicklung entlang von leistungsfähigen, insbesondere schienengebundenen Verkehrswegen punktaxial auf Schwerpunkte ausgerichtet werden. Durch Grünzäsuren auf den Siedlungsachsen und Regionale Grünzüge zwischen den Siedlungsachsen werden gleichzeitig wichtige Freiräume gesichert.
Warum gibt es keine Änderungen bei den Zentralen Orten und Stadtrandkernen?
Die Zentralen Orte und Stadtrandkerne werden mit ihren Versorgungsbereichen in einer eigenen Landesverordnung (Verordnung zum Zentralörtlichen System) festgelegt (§ 24 Absatz 3 Landesplanungsgesetz). Deshalb ist es nicht möglich, sie im Zuge der Fortschreibung des Landesentwicklungsplans zu ändern, wo sie nur nachrichtlich dargestellt sind.
Am 30.September 2019 ist eine neue Landesverordnung zum Zentralörtlichen System in Kraft getreten. Dieser Stand wird nachrichtlich in den nächsten Entwurf beziehungsweise die Endfassung der Fortschreibung des Landesentwicklungsplans 2010 übernommen.
Wie unterstützten der Landesentwicklungsplan und die nachfolgenden Regionalpläne eine qualitative Wachstumsstrategie für Schleswig-Holstein?
Qualitative Wachstumsstrategie bedeutet, dass Schleswig-Holstein seine Entwicklungspotenziale, insbesondere die im engeren und weiteren Verflechtungsraum mit Hamburg, noch besser nutzen will. Gleichzeitig soll die Lebens- und Umweltqualität auf hohem Niveau erhalten bleiben und zudem eine nachhaltige und ausgewogene Entwicklung aller Teilräume des Landes erreicht werden. Der Landesentwicklungsplan und die Regionalpläne mit ihrem Leitbild einer "dezentralen Konzentration" schaffen dafür die raumplanerischen Voraussetzungen. Sie legen sowohl Entwicklungsschwerpunkte mit guten Standortvoraussetzungen für Wohnen und Gewerbe fest, als auch Räume, die frei von Bebauung und wirtschaftlicher Nutzung bleiben sollen und Lebens- und Umweltqualität sichern.
Durch die Anpassung der Siedlungsachsen und die Festlegung von Entwicklungs- und Entlastungsorten, überregional bedeutsamen Gewerbestandorten an Landesentwicklungsachsen und weiteren Gemeinden mit besonderen Funktionen für Wohnen oder für Gewerbe und Dienstleistungen sollen mehr Entwicklungsmöglichkeiten für Wohnungsbau und Gewerbe, insbesondere im Umland von Hamburg, geschaffen werden. Konkret werden diese Festlegungen allerdings erst im Zuge der Neuaufstellung des jeweiligen Regionalplans getroffen, während der Landesentwicklungsplan dafür zunächst die Grundlage schafft. Mit der Aktualisierung des wohnbaulichen Entwicklungsrahmens im Zuge der Fortschreibung des Landesentwicklungsplans können bereits Gemeinden, die keine Schwerpunkte für den Wohnungsbau sind, mehr neue Wohnungen bauen und damit stärker zum Wachstum beitragen.
Warum soll eine Experimentierklausel eingeführt werden?
Der Landesentwicklungsplan ist auf einen Planungszeitraum von rund 15 Jahren ausgerichtet. Da aber nicht heute schon auf alle Herausforderungen der nächsten Jahre Antworten gegeben werden können, ist es wichtig, dass die Landesplanung bei allen notwendigen raumordnerischen Festlegungen auch flexibel genug ist, um auf neue, noch nicht absehbare Entwicklungen und Herausforderungen reagieren zu können.
Deshalb ist geplant, dem Landesentwicklungsplan eine so genannte "raumordnerische Experimentierklausel" zur Seite stellen, die im Landesplanungsgesetz verankert werden soll. Besonders innovative und möglichst interkommunale Entwicklungsansätze, die im Zusammenhang mit Digitalisierung, Siedlungsentwicklung, Energiewende, Klimawandel, Mobilität oder Daseinsvorsorge stehen, sollen darüber modellhaft und experimentell in der Praxis erprobt werden können. Sollten bei Innovationen zu diesen Themen Ziele der Raumordnung entgegenstehen, könnten in herausragenden Fällen über die Experimentierklausel zeitlich oder räumlich begrenzt Abweichungen von Zielen der Raumordnung ermöglicht werden. Der Schleswig-Holsteinische Landtag berät zurzeit eine entsprechende Ergänzung (§ 13a) im Landesplanungsgesetz (Drs. 19/1952).
Zum Landesplanungsgesetz
Warum sind Vernetzung und Kooperation so wichtig für die Landesentwicklung?
Die rund 1.100 Gemeinden in Schleswig-Holstein prägen das Land und sind die Keimzelle des Gemeinwesens. Sie stiften Identität und schaffen Verbundenheit. Gleichzeitig agieren die Menschen und Unternehmen in Schleswig-Holstein längst nicht mehr nur lokal, sondern vor allem regional, landesweit und zunehmend global. Viele Aufgaben und Herausforderungen lassen sich daher nicht auf der Ebene einzelnen Kommunen bewältigen, sondern erfordern, dass in funktionalen Räumen gedacht und gehandelt wird. Dafür sind Vernetzung und Kooperation der Akteure unerlässlich.
Der Landesentwicklungsplan unterstützt mit seinen Vorgaben Zusammenarbeit auf interkommunaler, regionaler, überregionaler und internationaler Ebene. Schleswig-Holstein soll dadurch zum Beispiel im internationalen Wettbewerb sichtbarer werden, Standortqualitäten sollen verbessert werden, um neue Entwicklungspotenziale erschließen zu können, und durch Kooperationen bei Siedlungsentwicklung und Daseinsvorsorge sollen eine hohe Lebensqualität für die hier lebenden Menschen und eine nachhaltige Entwicklung von Natur und Umwelt erreicht werden.
Welche Festlegungen trifft der LEP zum Thema Tourismus und Erholung und welche werden in den Regionalplänen getroffen?
In Übereinstimmung mit der Tourismusstrategie des Landes stärkt der LEP Tourismus an den Küsten, im Binnenland und Städtetourismus. Grundsätzlich kann sich Tourismus aber im ganzen Land weiterentwickeln.
Im LEP sind sogenannte Schwerpunkträume für Tourismus und Erholung ausgewiesen. Dort soll Tourismus und Erholung bei raumbedeutsamen Planungen ein besonderes Gewicht beigemessen werden. Außerdem sind im LEP großflächige Entwicklungsräume für Tourismus und Erholung dargestellt, die sich aufgrund ihrer naturräumlichen und landschaftlichen Voraussetzungen, ihrer Potenziale und ihrer Infrastruktur für Tourismus und Erholung besonders eignen.
Der LEP legt außerdem fest, dass die Entwicklungsräume in den Regionalplänen weiter konkretisiert werden sollen, indem dort Entwicklungsgebiete für Tourismus und Erholung dargestellt werden. Wichtige Grundlagen hierfür liefern die Landschaftsrahmenpläne, die zurzeit neu aufgestellt werden. Innerhalb der Entwicklungsgebiete können in den Regionalplänen außerdem Kernbereiche für Tourismus und/oder Erholung ausgewiesen werden. Die Kernbereiche sollen sich qualitativ und quantitativ von den übrigen Entwicklungsgebieten abheben und eine ergänzende räumliche Schwerpunktbildung ermöglichen.
Wurden die Schwerpunkträume für Tourismus und Erholung durch die Fortschreibung geändert?
Auf der Grundlage eines Gutachtens des Instituts für Tourismus- und Bäderforschung in Nordeuropa (NIT) wurden die Schwerpunkträume für Tourismus und Erholung im Raum Plön erweitert sowie zwischen Waabs und Eckernförde an der Eckernförder Bucht, bei Kappeln und im Bereich der Gemeinde Steinbergkirche an der Flensburger Förde. In der Regel erfolgte die Zuordnung, wenn Gemeinden drei von fünf angebots- und nachfrageorientierten Kriterien erfüllten.
Wie berücksichtigt die Landesplanung die Belange des Tourismus beim Küstenschutz?
Da es an den Küsten und in den hochwassergefährdeten Flussgebieten zu Konflikten zwischen den Belangen des Tourismus und Belangen des Küsten- und Binnenhochwasserschutzes kommen kann, sollen einerseits Maßnahmen des Tourismus in räumlicher Nähe zu Flüssen und Küsten die Belange des Hochwasser- und Küstenschutzes berücksichtigten. Andererseits sollen innerhalb der „Vorranggebiete für den Küstenschutz und die Klimafolgenanpassung im Küstenbereich“ berechtigte Anforderungen an den Küstenraum ermöglicht werden, zu denen ausdrücklich auch der Tourismus zählt. Die Landesplanung unterstützt hierzu den Dialog der Fachplanungen.