Source: https://www.rechtslupe.de/wirtschaftsrecht/kapitalanlagerecht/verjaehrungshemmung-durch-gueteantrag-in-anlageberatungsfaellen-2-3108097
Timestamp: 2020-01-20 14:11:04
Document Index: 266040436

Matched Legal Cases: ['§ 199', 'Art. 229', '§ 6', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH']

Ein Güte­an­trag genügt die­sen Anfor­de­run­gen nicht, wenn er zwar den Namen und die Anschrift der Klä­ger (als "antrag­stel­len­de Par­tei"), die Fonds­ge­sell­schaft, die Ver­trags­num­mer und die Sum­me der Ein­la­gen (zuzüg­lich 5 % Agio) sowie eine Rei­he angeb­li­cher Bera­tungs- bezie­hungs­wei­se Pro­spekt­män­gel nennt, der Name des Bera­ters sowie der Zeit­raum der Bera­tung und Zeich­nung jedoch nicht erwähnt wer­den.
Der Fonds­be­zeich­nung "D. " lässt sich im vor­lie­gen­den Fall eben­falls kei­ne nähe­re zeit­li­che Ein­ord­nung ent­neh­men.
Vor allem aber blieb in dem hier vom Bun­des­ge­richts­hof ent­schie­de­nen Ver­jäh­rungs­fall das ange­streb­te Ver­fah­rens­ziel (Art und Umfang der For­de­rung) im Dun­keln. Im Güte­an­trag ist davon die Rede, dass die antrag­stel­len­de Par­tei so zu stel­len sei, als ob kei­ne Betei­li­gung zustan­de gekom­men wäre. Der gefor­der­te Scha­dens­er­satz umfas­se "sämt­li­che auf­ge­brach­ten Kapi­tal­be­trä­ge sowie ent­gan­ge­nen Gewinn und ggf. vor­han­de­ne sons­ti­ge Schä­den (z.B. aus Dar­le­hens­fi­nan­zie­rung oder Steu­er­rück­zah­lun­gen)" sowie Rechts­an­walts­kos­ten und "künf­tig noch aus der Betei­li­gung ent­ste­hen­de Schä­den". Dabei bleibt offen ("ggf."), ob und inwie­weit das ein­ge­brach­te Betei­li­gungs­ka­pi­tal im vor­lie­gen­den Fall fremd­fi­nan­ziert war, so dass ein etwai­ger Scha­den auch oder gar – wie hier – zu einem gro­ßen Teil in den auf­ge­brach­ten Zins- und Til­gungs­leis­tun­gen bestan­den hät­te 3. Auch die wei­te­ren Schä­den (ent­gan­ge­ner Gewinn und sons­ti­ge Schä­den) blei­ben voll­ends unbe­stimm­bar. Die Grö­ßen­ord­nung des gel­tend gemach­ten Anspruchs ist für die Beklag­te (als Antrags­geg­ne­rin und Schuld­ne­rin) und für die Güte­stel­le hier­nach aus dem Güte­an­trag nicht zu erken­nen und auch nicht wenigs­tens im Gro­ben ein­zu­schät­zen gewe­sen.
Nach alle­dem erweist sich die Ver­jäh­rungs­ein­re­de als durch­grei­fend und die Kla­ge­for­de­rung des Anle­gers somit ins­ge­samt als unbe­grün­det. Man­gels wirk­sa­mer vor­he­ri­ger Hem­mung ist die kennt­nis­un­ab­hän­gi­ge zehn­jäh­ri­ge Ver­jäh­rungs­frist nach § 199 Abs. 3 Satz 1 Nr. 1 BGB, die gemäß Art. 229 § 6 Abs. 4 Satz 1 EGBGB am 1.01.2002 begon­nen hat, am Ende des 2.01.2012 (Mon­tag) und somit vor Ein­rei­chung der Kla­ge im Juni 2013 abge­lau­fen.
Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 4. Febru­ar 2016 – III ZR 356/​14
BGH, Urtei­le vom 18.06.2015 – III ZR 198/​14, NJW 2015, 2407, 2409 Rn. 25 mwN, zur Ver­öf­fent­li­chung in BGHZ vor­ge­se­hen; vom 20.08.2015 – III ZR 373/​14, NJW 2015, 3297, 3298 Rn. 18; vom 03.09.2015 – III ZR 347/​14, BeckRS 2015, 16019 Rn. 17; und vom 15.10.2015 – III ZR 170/​14, WM 2015, 2181, 2182 Rn. 17; BGH, Beschlüs­se vom 13.08.2015 – III ZR 380/​14, BeckRS 2015, 15051 Rn. 14 und – III ZR 358/​14, BKR 2015, 527 Rn. 3 sowie vom 28.01.2016 – III ZB 88/​15, jew. mwN[↩]
vgl. dazu auch BGH, Urtei­le vom 20.08.2015 aaO S. 3299 Rn. 22; und vom 03.09.2015 aaO Rn. 18[↩]