Source: https://www.rechtslupe.de/strafrecht/anklage-strafbefehlsantrag-und-die-bezeichnung-von-tat-sowie-zeit-und-ort-ihrer-begehung-3143345
Timestamp: 2019-10-14 18:04:08
Document Index: 18932682

Matched Legal Cases: ['§ 264', '§ 200', '§ 407', '§ 170', '§ 409', '§ 52', '§ 52', '§ 42', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 154', '§ 200', '§ 200', 'BGH', 'BGH', '§ 200', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 411', '§ 411']

Ankla­ge, Straf­be­fehls­an­trag – und die Bezeich­nung von Tat sowie Zeit und Ort ihrer Bege­hung | Rechtslupe
Anklage, Strafbefehlsantrag - und die Bezeichnung von Tat sowie Zeit und Ort ihrer Begehung
Die Ankla­ge­schrift hat die dem Ange­klag­ten zur Last geleg­te Tat sowie Zeit und Ort ihrer Bege­hung so genau zu bezeich­nen (§ 264 StPO), dass die Iden­ti­tät des geschicht­li­chen Vor­gangs klar­ge­stellt und erkenn­bar wird, wel­che bestimm­te Tat gemeint ist (§ 200 Abs. 1 Satz 1 StPO); sie muss sich von ande­ren gleich­ar­ti­gen Hand­lun­gen des­sel­ben Täters unter­schei­den las­sen (Umgren­zungs­funk­ti­on) 1.
Dabei muss die Schil­de­rung umso kon­kre­ter sein, je grö­ßer die all­ge­mei­ne Mög­lich­keit ist, dass der Ange­klag­te ver­wech­sel­ba­re wei­te­re Straf­ta­ten glei­cher Art ver­übt hat 2.
Die Iden­ti­tät des geschicht­li­chen Vor­gangs muss fest­ste­hen; es darf kein Zwei­fel über die ver­fah­rens­ge­gen­ständ­li­chen Taten im pro­zes­sua­len Sinn ein­tre­ten. Wel­che Anga­ben hier­für erfor­der­lich sind, lässt sich aller­dings nicht für alle Fäl­le in glei­cher Wei­se sagen. Die ein­zel­nen Fak­to­ren der Tat­kon­kre­ti­sie­rung kön­nen von Fall zu Fall unter­schied­li­ches Gewicht besit­zen und durch grö­ße­re Genau­ig­keit jeweils ande­rer Umstän­de ersetzt oder ver­drängt wer­den 3. Fehlt es an einer hin­rei­chen­den Kon­kre­ti­sie­rung, so ist die Ankla­ge unwirk­sam 4.
Dies gilt glei­cher­ma­ßen für den Antrag auf Erlass eines Straf­be­fehls. Durch ihn wird – von § 407 Abs. 1 Satz 4 StPO gesetz­lich klar­ge­stellt – im Straf­be­fehls­ver­fah­ren die öffent­li­che Kla­ge erho­ben (§ 170 Abs. 1 StPO); die Antrags­schrift steht der Ankla­ge­schrift gleich 5. Nach antrags­ge­mä­ßem Erlass des Straf­be­fehls über­nimmt die­ser für die Haupt­ver­hand­lung die Funk­ti­on des Eröff­nungs­be­schlus­ses 6, so dass mit Blick auf die­se Funk­ti­ons­gleich­heit und auch zur Bestim­mung des Umfangs einer mög­li­chen spä­te­ren Rechts­kraft an die uner­läss­li­che Tat­kon­kre­ti­sie­rung im Straf­be­fehls­ver­fah­ren (vgl. § 409 Abs. 1 Satz 1 Nr. 3 StPO) regel­mä­ßig kei­ne gerin­ge­ren Anfor­de­run­gen als an den Ankla­ge­satz zu stel­len sind.
Hier­an gemes­sen erwies sich im hier vom Bun­des­ge­richts­hof ent­schie­de­nen Fall der Straf­be­fehls­an­trag wegen feh­len­der tat­kon­kre­ti­sie­ren­der Anga­ben als unwirk­sam. Die für sich genom­men bereits wenig spe­zi­fisch beschrie­be­ne Tat­hand­lung wird hier weder durch kon­kre­te Anga­ben zum Tat­ort noch durch sol­che zu einer näher bestimm­ten Tat­zeit indi­vi­dua­li­siert. Der Antrag beschränkt sich inso­weit auf die Mit­tei­lung des Namens einer Groß­stadt und eines Datums. Auch die gebo­te­ne Gesamt­schau von Ankla­ge­satz und sons­ti­gem Inhalt des Straf­be­fehls­an­trags ermög­licht hier kei­ne Tat­kon­kre­ti­sie­rung. Die mit­ge­teil­ten ange­wen­de­ten Vor­schrif­ten sind wider­sprüch­lich. Ihnen ist aus­drück­lich der Tat­vor­wurf nach § 52 Abs. 3 Nr. 8 WaffG zu ent­neh­men; zugleich schei­nen sie aller­dings auch auf § 52 Abs. 3 Nr. 9 WaffG Bezug zu neh­men und damit ein voll­stän­dig ande­res Tat­ge­prä­ge – Füh­ren von Waf­fen bei öffent­li­chen Ver­an­stal­tun­gen (§ 42 WaffG) – nahe­zu­le­gen. Indi­vi­dua­li­sie­ren­de Hin­wei­se sind schließ­lich auch der Anga­be zum Augen­scheins­ob­jekt in der Beweis­mit­tel­lis­te nicht zu ent­neh­men ("Ein­hand­mes­ser").
Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 13. März 2019 – 2 StR 380/​18
st. Rspr.; vgl. nur BGH, Urtei­le vom 11.01.1994 – 5 StR 682/​93, BGHSt 40, 44, 45; und vom 25.09.2014 – 4 StR 69/​14, BGHR StPO § 154 Abs. 2 Ver­fah­rens­hin­der­nis 1; MeyerGoßner/​Schmitt, StPO, 61. Aufl., § 200 Rn. 7; KKStPO/​Schneider, 8. Aufl., § 200 Rn. 3 jeweils mwN[↩]
vgl. u. a. BGH, Beschluss vom 08.08.1996 – 4 StR 344/​96, BGHR StPO § 200 Abs. 1 Satz 1 Tat 20[↩]
vgl. BGH, Urtei­le vom 11.01.1994 – 5 StR 682/​93, BGHSt 40, 44, 45 ff.; und vom 29.07.1998 – 1 StR 94/​98, BGHSt 44, 153, 155[↩]
vgl. nur BGH, Urtei­le vom 11.01.1994 – 5 StR 682/​93, BGHSt 40, 44, 45; vom 22.08.2001 – 5 StR 431/​00, NStZ 2001, 656, 657; BGH, Urteil vom 28.04.2006 – 2 StR 174/​05, NStZ 2006, 649 f.; BGH, Urtei­le vom 28.10.2009 – 1 StR 205/​09, NJW 2010, 308; und vom 09.08.2011 – 1 StR 194/​11, BeckRS 2011, 21849; fer­ner KKStPO/​Schneider, aaO[↩]
vgl. BT-Drs. 10/​1313, S. 35; OLG Düs­sel­dorf, Beschluss vom 26.05.1988 – 3 Ws 85/​87, JR 1989, 435, 437 mit Anm. Rieß; OLG Stutt­gart, Beschluss vom 12.07.1996 – 2 Ss 292/​96, NJW 1996, 2879; OLG Olden­burg, Beschluss vom 15.08.2006 – Ss 247/​06 [I 80], BeckRS 2006, 09761; OLG Nürn­berg, Beschluss vom 22.02.2012 – 1 St OLG Ss 240/​11, BeckRS 2012, 5180; BayO­bLG, Beschluss vom 09.02.2001 – 5 St RR 21/​01, StV 2002, 356; OLG Karls­ru­he, Urteil vom 26.04.2004 – 1 Ss 189/​04, StV 2005, 598[↩]
vgl. BT-Drs. aaO; fer­ner nur MeyerGoßner/​Schmitt, aaO, § 411 Rn. 3; KKStPO/​Maur, aaO, § 411 Rn. 8[↩]
AnklageschriftStrafbefehlTat