Source: https://www.jusmeum.de/urteil/bverwg/bverwg_4-BN-28-04
Timestamp: 2019-06-20 10:10:33
Document Index: 192384599

Matched Legal Cases: ['§ 132', '§ 132', '§ 47', '§ 1', '§ 133', '§ 14', '§ 13']

BVerwG, 4 BN 28.04: Gemeinde, Sicherheit, Beteiligter, Wirtschaftsrecht
Urteil des BVerwG vom 01.07.2004, 4 BN 28.04
4 BN 28.04
Gemeinde, Sicherheit, Beteiligter, Wirtschaftsrecht
Gemeinde, Sicherheit, Beteiligter, Wirtschaftsrecht, Beweisantrag, Nichtigerklärung, Rechtsschutzinteresse, Angriff, Verordnung, Sucht
BVerwG 4 BN 28.04 OVG 3a D 25/00.NE
hat der 4. Senat des Bundesverwaltungsgerichts am 1. Juli 2004 durch den Vorsitzenden Richter am Bundesverwaltungsgericht Dr. P a e t o w , den Richter am Bundesverwaltungsgericht Dr. J a n n a s c h und die Richterin am Bundesverwaltungsgericht Dr. P h i l i p p
Die Beschwerde des Antragsgegners gegen die Nichtzulassung der Revision in dem Urteil des Oberverwaltungsgerichts für das Land Brandenburg vom 26. Februar 2004 wird zurückgewiesen.
Die auf § 132 Abs. 2 Nrn. 2 und 3 VwGO gestützte Beschwerde bleibt ohne Erfolg.
1. Die geltend gemachte Abweichung des angegriffenen Urteils von der Entscheidung des Bundesverwaltungsgerichts vom 7. Juni 2001 - BVerwG 4 CN 1.01 -
(BVerwGE 114, 301) liegt nicht vor. Der Revisionszulassungsgrund der Abweichung
(§ 132 Abs. 2 Nr. 2 VwGO) ist nur gegeben, wenn die Vorinstanz in Anwendung derselben Rechtsvorschrift mit einem ihre Entscheidung tragenden Rechtssatz zu einen
BVerwG, Beschluss vom 22. Dezember 1995 - BVerwG 6 B 35.95 - NVwZ-RR 1996,
a) Nach Ansicht der Beschwerde hat das Bundesverwaltungsgericht in der genannten Entscheidung den Rechtssatz aufgestellt, dass die Antragsbefugnis nur so weit
reicht, wie auch die Gemeinde in ihrer Planungshoheit verletzt ist. Das Normenkontrollgericht habe demgegenüber die Antragsbefugnis der Antragstellerin nicht nur
hinsichtlich der in ihrem Gemeindegebiet liegenden Teile, sondern hinsichtlich des
gesamten Geltungsbereichs der Landschaftsschutzverordnung bejaht.
Einen Rechtssatz zum Umfang der Antragsbefugnis einer Gemeinde gegenüber einer über ihr Gemeindegebiet hinausgehenden Landschaftsschutzverordnung enthält
die genannte Entscheidung des Bundesverwaltungsgerichts nicht. Das Bundesverwaltungsgericht hat ausgeführt, dass sich eine Gemeinde bei einem Angriff gegen
eine naturschutzrechtliche Verordnung zur Begründung ihrer Antragsbefugnis gemäß
§ 47 Abs. 2 Satz 1 VwGO grundsätzlich auf ihr Selbstverwaltungsrecht berufen kann
(vgl. BVerwGE 114, 301, 304). Zum Umfang der Antragsbefugnis brauchte es keine
Ausführungen zu machen, denn die Gemeinde hatte ihren Antrag auf bestimmte, ihr
Gemeindegebiet betreffende Regelungen der Landschaftsschutzverordnung beschränkt (vgl. BVerwGE 114, 301, 303).
b) Entgegen dem Vorbringen der Beschwerde hat das Bundesverwaltungsgericht in
der genannten Entscheidung auch nicht den Rechtssatz aufgestellt, dass eine Kommune, welche ihre lokalen Belange im Rahmen der kommunalen Selbstverwaltung
gegenüber staatlichen Maßnahmen zu verteidigen sucht, dies als Gemeinde, nicht
aber als Behörde unternimmt. Das Gericht hat die Frage, ob eine Kommune insoweit
in erster Linie als Gemeinde oder aber als Behörde tätig wird, als überdenkenswert
bezeichnet, im Ergebnis aber offen gelassen (vgl. BVerwGE 114, 301, 308).
c) Hinsichtlich des Rechtsschutzbedürfnisses liegt die geltend gemachte Divergenz
Das Bundesverwaltungsgericht hat entschieden, dass für einen Antrag der Gemeinde
auf Prüfung der Gültigkeit von Festlegungen in einer ihr Gebiet erfassenden Naturschutzverordnung im Hinblick auf die damit verbundene Beschränkung der ihr in
den §§ 1 ff. BauGB eröffneten planerischen Möglichkeiten grundsätzlich ein Rechtsschutzinteresse besteht. Es genügt dafür in aller Regel die Annahme, der Normgeber
werde im Fall der Rechtsfehlerhaftigkeit der angegriffenen Vorschrift jedenfalls eine
neue, der antragstellenden Gemeinde möglicherweise günstigere Regelung treffen.
Etwas anderes gilt dann, wenn der Antragsteller selbst im Falle einer ihm günstigen
Entscheidung in absehbarer Zeit daraus keine ihm günstigen Maßnahmen ableiten
könnte und die erstrebte Entscheidung in diesem Sinne für ihn letzten Endes mutmaßlich "wertlos" ist (BVerwGE 114, 301, 307). Einen hiervon abweichenden
Rechtssatz hat das Normenkontrollgericht weder ausdrücklich noch sinngemäß aufgestellt. Es ist vielmehr ersichtlich davon ausgegangen, dass der Antragsgegner im
Falle der Nichtigerklärung der Landschaftsschutzverordnung möglicherweise einer
der Antragstellerin günstigere Regelung treffen werde. Im Übrigen war die Feststellung, dass eine Umsetzung der Planungen, an denen sich die Antragstellerin durch
die Landschaftsschutzverordnung gehindert sah, in realistischer Zeit zu erwarten sei,
entgegen der Auffassung der Beschwerde zur Bejahung des Rechtsschutzbedürfnisses nicht erforderlich. Es genügt, dass eine Verwirklichung der Ziele der Antragstelle-
rin jedenfalls nicht mit hinreichender Sicherheit ausgeschlossen werden kann (vgl.
BVerwGE 114, 301, 308). Umstände, die eine derartige Annahme rechtfertigen würden, hat die Beschwerde nicht dargelegt.
2. Die Aufklärungsrüge genügt nicht den Darlegungserfordernissen des § 133 Abs. 3
seine Pflicht zur erschöpfenden Sachverhaltsaufklärung grundsätzlich nicht, wenn es
von einer sich nicht aufdrängenden Beweiserhebung absieht, die ein anwaltlich vertretender Beteiligter nicht ausdrücklich beantragt hat (vgl. BVerwG, Beschluss vom
5. August 1997 - BVerwG 1 B 144.97 - NJW-RR 1998, 784; Beschluss vom
18. November 1996 - BVerwG 3 B 73.95 - Buchholz 451.90 Europäisches Wirtschaftsrecht Nr. 162 m.w.N.). Die Beschwerde legt weder dar, dass die Antragstellerin in Richtung der Beschwerde zielende Beweisanträge gestellt habe, noch zeigt sie
auf, warum sich dem Normenkontrollgericht auf der Grundlage seiner materiellen
Rechtsauffassung eine weitere Sachverhaltsermittlung auch ohne Beweisantrag hätte aufdrängen müssen.
auf § 14 Abs. 1 und 3 sowie auf § 13 Abs. 1 Satz 1 GKG.