Source: https://urteile-gesetze.de/rechtsprechung/7-abr-68-08
Timestamp: 2020-01-20 19:54:30
Document Index: 358952118

Matched Legal Cases: ['§ 40', '§ 78', '§ 823', '§ 12', '§ 314', '§ 794', '§ 779', '§ 278', '§ 257', '§ 78', '§ 37', '§ 78', '§ 78', '§ 8', '§ 46', '§ 46', '§ 134', '§ 78', '§ 78', '§ 78', '§ 78', '§ 78', '§ 78', '§ 38', '§ 40']

7 ABR 68/08 - Urteil BAG vom 20.01.2010
BAG 20.01.2010 - 7 ABR 68/08
vorgehend ArbG Frankfurt, 7. August 2007, Az: 4 BV 47/07, Beschlussvorgehend Hessisches Landesarbeitsgericht, 10. April 2008, Az: 9 TaBV 236/07, Beschluss
§ 40 Abs 1 BetrVG
§ 78 S 2 BetrVG
§ 823 Abs 2 S 1 BGB
§ 12a Abs 1 S 1 ArbGG
§ 314 Abs 2 S 1 BGB
§ 794 Abs 1 Nr 1 ZPO
§ 779 Abs 1 BGB
§ 278 Abs 6 S 1 ZPO
§ 257 S 1 BGB
a) Nach § 78 Satz 2 BetrVG dürfen Mitglieder des Betriebsrats wegen ihrer Tätigkeit nicht benachteiligt oder begünstigt werden. Die Regelung dient - ebenso wie das Ehrenamtsprinzip (§ 37 Abs. 1 BetrVG) - der inneren und äußeren Unabhängigkeit der Betriebsratsmitglieder (BAG 12. Februar 1975 - 5 AZR 79/74 - zu III 1 der Gründe, AP BetrVG 1972 § 78 Nr. 1 = EzA BetrVG 1972 § 78 Nr. 4; vgl. zur inhaltsgleichen Bestimmung in § 8 BPersVG: BAG 16. Februar 2005 - 7 AZR 95/04 - zu I 1 der Gründe, AP BPersVG § 46 Nr. 26 = EzA BPersVG § 46 Nr. 3). Jedes Betriebsratsmitglied soll ohne Furcht vor Maßregelungen und Sanktionen des Arbeitgebers sein Amt ausüben können (BAG 12. Februar 1975 - 5 AZR 79/74 - aaO). Vereinbarungen, die gegen das Begünstigungs- oder Benachteiligungsverbot verstoßen, sind nach § 134 BGB nichtig (BAG 16. Februar 2005 - 7 AZR 95/04 - aaO).
aa) Eine Benachteiligung iSv. § 78 Satz 2 BetrVG ist jede Schlechterstellung im Vergleich zu anderen Arbeitnehmern, die nicht auf sachlichen Gründen, sondern auf der Tätigkeit als Betriebsratsmitglied beruht. Eine Benachteiligungsabsicht ist nicht erforderlich. Es genügt die objektive Schlechterstellung gegenüber Nichtbetriebsratsmitgliedern (vgl. etwa Fitting 25. Aufl. § 78 Rn. 17; GK-BetrVG/Kreutz 9. Aufl. § 78 Rn. 46; Richardi/Thüsing BetrVG 12. Aufl. § 78 Rn. 20). Eine unzulässige Benachteiligung eines Betriebsratsmitglieds kann daher auch darin liegen, dass das Betriebsratsmitglied allein aufgrund seiner Amtsstellung endgültig mit Vermögensaufwendungen belastet wird, die im Falle eines sonstigen Arbeitnehmers in einer im Übrigen vergleichbaren Situation im Ergebnis nicht den Arbeitnehmer, sondern den Arbeitgeber treffen würden. Bei einer solchen Fallgestaltung ist dem Benachteiligungsverbot des § 78 Satz 2 BetrVG dadurch Rechnung zu tragen, dass auch dem Betriebsratsmitglied unter denselben Voraussetzungen und in demselben Umfang ein Erstattungsanspruch gegen seinen Arbeitgeber gewährt wird (BAG 31. Januar 1990 - 1 ABR 39/89 - zu II 2 a der Gründe, BAGE 65, 28). Aus § 78 Satz 2 BetrVG ergibt sich jedoch nicht, dass jedweder im Zusammenhang mit der Betriebsratstätigkeit entstehende „Nachteil“ auszugleichen ist (BAG 13. Juni 2007 - 7 ABR 62/06 - Rn. 14, AP BetrVG 1972 § 38 Nr. 31 = EzA BetrVG 2001 § 40 Nr. 13).