Source: http://m.hensche.de/Fristlose_Kuendigung_wegen_Drogenkonsums_Kraftfahrer_LAG_Nuernberg_7Sa124-15_u.html
Timestamp: 2018-04-23 09:33:29
Document Index: 98230153

Matched Legal Cases: ['§ 170', '§ 64', '§ 66', '§ 626', '§ 241', '§ 626', '§ 24', '§ 24', '§ 24', '§ 72']

HENSCHE Arbeitsrecht: 7 Sa 124/15
Schlag­worte: Drogen, Kündigung: Drogen, Kündigung: Fristlos
Akten­zeichen: 7 Sa 124/15
Ent­scheid­ungs­datum: 06.07.2015
Leit­sätze: Das Führen ei­nes Lkw un­ter der Wir­kung ei­ner Dro­ge recht­fer­tigt grundsätz­lich ei­ne außer­or­dent­li­che Kündi­gung. Bei der Abwägung im Ein­zel­fall ist zu berück­sich­ti­gen, ob der Ar­beit­neh­mer ein­ma­lig Dro­gen kon­su­miert hat und ob die Fahrtüch­tig­keit bei den kon­kre­ten Fahr­ten be­ein­träch­tigt war (hier: Abwägung zu­guns­ten des Ar­beit­neh­mers).
Vor­ins­tan­zen: Arbeitsgericht Weiden, Urteil vom 04.02.2015, 4 Ca 699/14
Nachgehend Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 20.10.2016, 6 AZR 471/15
7 Sa 124/15
4 Ca 699/14
ArbG Wei­den
Ent­schei­dung vom 06.07.2015
1. Die Be­ru­fung des Be­klag­ten ge­gen das En­dur­teil des Ar­beits­ge­richts Wei­den vom 04.02.2015 wird kos­ten­pflich­tig zurück­ge­wie­sen.
Die Par­tei­en strei­ten um die Wirk­sam­keit ei­ner außer­or­dent­li­chen Kündi­gung.
Der Be­klag­te be­treibt ein Trans­port­ge­wer­be. Er beschäftigt nicht mehr als 10 Ar­beit­neh­mer.
Der Kläger war beim Be­klag­ten seit 05.11.2013 als Lkw - Fah­rer beschäftigt. Der Kläger wur­de am Nach­mit­tag des 14.10.2014, als er mit sei­nem pri­va­ten PKW un­ter­wegs war, von der Po­li­zei im Rah­men ei­ner Schlei­er­fahn­dung kon­trol­liert. Die Po­li­zei nahm ei­nen Dro­gen­wisch­test vor, der sich als po­si­tiv er­wies. Die dar­auf­hin er­folg­te Blut­un­ter­su­chung er­gab, dass der Kläger Am­phet­amin und Me­tham­phet­amin (Crys­tal Meth) kon­su­miert hat­te. Ein ein­ge­lei­te­tes Straf­ver­fah­ren wur­de gemäß § 170 St­PO we­gen der ge­rin­gen fest­ge­stell­ten Men­ge ein­ge­stellt, die Tat als Ord­nungs­wid­rig­keit wei­ter­ver­folgt.
Der Kläger nahm am 15.10.2014 um 4:00 Uhr sei­ne Ar­beit als Lkw - Fah­rer auf.
Am 27.10.2014 fand zwi­schen den Par­tei­en ein Gespräch statt.
Mit Schrei­ben vom 28.10.2014 kündig­te der Be­klag­te das Ar­beits­verhält­nis mit so­for­ti­ger Wir­kung.
Der Kläger er­hob ge­gen die Kündi­gung am 06.11.2014 die vor­lie­gen­de Kla­ge zum Ar­beits­ge­richt Wei­den.
Mit Ur­teil vom 04.02.2015 stell­te das Ar­beits­ge­richt Wei­den fest, dass das Ar­beits­verhält­nis zwi­schen den Par­tei­en durch die Kündi­gung vom 28.10.2014 nicht frist­los be­en­det wor­den sei, son­dern bis 30.11.2014 fort­be­stan­den ha­be.
Das Ur­teil wur­de dem Be­klag­ten am 03.03.2015 zu­ge­stellt.
Der Be­klag­te leg­te ge­gen das Ur­teil am 02.04.2015 Be­ru­fung ein und be­gründe­te sie am 30.04.2015.
Der Be­klag­te trägt vor, der Kläger ha­be ihn am 14.10.2014 um 21:30 Uhr an­ge­ru­fen und erklärt, er fin­de sei­nen Führer­schein nicht und dürfe lt. Po­li­zei nicht fah­ren. Er, der Be­klag­te, ha­be die­ser Ar­gu­men­ta­ti­on nicht fol­gen können. Dar­auf­hin ha­be der Kläger erzählt, er sei von der Po­li­zei an­ge­hal­ten wor­den und dürfe nicht mehr fah­ren, weil er sei­nen Führer­schein ver­lo­ren ha­be. Der Be­klag­te führt aus, in dem Gespräch am 27.10.2014 sei er auf das Te­le­fo­nat am 14.10.2014 zurück­ge­kom­men. Der Kläger ha­be ein­geräumt, dass er bei ei­nem Dro­gen­wisch­test po­si­tiv ge­tes­tet wor­den sei. Auf sei­ne, des Be­klag­ten Fra­ge, ob bei dem Dro­gen­test noch et­was her­aus­kom­men wer­de, ha­be der Kläger erklärt, das könne sein, er ha­be am Sams­tag (11.10.2014) Dro­gen kon­su­miert. Der Be­klag­te trägt vor, er ha­be dem Kläger erklärt, dass al­le Fah­rer sich jähr­lich beim Ge­sund­heits­dienst der Be­rufs­ge­nos­sen­schaft ei­ner Ge­sund­heits­un­ter­su­chung un­ter­zie­hen müss­ten, bei der auch Blut­un­ter­su­chun­gen vor­ge­nom­men würden. Der Kläger ha­be im Hin­blick dar­auf, dass er Dro­gen in sich hin­ein­ge­zo­gen ha­be, dar­um ge­be­ten, nicht zu ei­ner sol­chen Un­ter­su­chung ge­hen zu müssen. Er ha­be of­fen­sicht­lich die Befürch­tung ge­habt, dass sein Dro­gen­kon­sum er­neut auf­kom­me.
Der Be­klag­te führt aus, nach den Be­kun­dun­gen der Po­li­zei wer­de den po­si­tiv ge­tes­te­ten Fah­rern auf­er­legt, in­ner­halb von 48 St­un­den kein Kraft­fahr­zeug zu führen.
Der Be­klag­te macht gel­tend, es wäre un­ver­ant­wort­lich ge­we­sen, den Kläger als Fah­rer wei­ter­zu­beschäfti­gen. Der Kläger ha­be of­fen­sicht­lich Pro­ble­me mit Dro­gen. Er ha­be vom 11.10.2014 bis zur po­li­zei­li­chen Kon­trol­le am 14.10.2014 un­ter Dro­gen­ein­fluss ge­stan­den. Ei­ner Un­ter­su­chung durch den me­di­zi­ni­schen Dienst der Be­rufs­ge­nos­sen­schaft ha­be er sich ent­zie­hen wol­len. Hätte er ihn wei­ter als Kraft­fah­rer ein­ge­setzt und wäre es zu ei­nem Un­fall ge­kom­men, wäre nicht aus­zu­den­ken, wel­che Fol­gen dies für dann Geschädig­te ge­habt hätte.
Der Be­klag­te macht gel­tend, er fah­re aus­sch­ließlich für die Fir­ma B…. Die­se be­ste­he auf zu­verlässi­gen Fah­rern. Bei Un­zu­verlässig­keit des Spe­di­teurs führe dies nicht nur zu Ver­trags­stra­fen, son­dern auch zur Aufkündi­gung des Ver­trags.
1. Das En­dur­teil des Ar­beits­ge­richts Wei­den i.d.OPf. vom 04.02.2015, Az. 4 Ca 699/14, wird in Zif­fer 1, Satz 1, auf­ge­ho­ben und die Kla­ge auch in­so­weit ab­ge­wie­sen.
2. Der Kläger hat die Kos­ten des Rechts­streits zu tra­gen.
1. Die Be­ru­fung der Be­klag­ten und Be­ru­fungskläge­rin wird zurück­ge­wie­sen.
2. Die Be­klag­te hat die Kos­ten bei­der Rechtszüge zu tra­gen.
Der Kläger trägt vor, im Ver­lauf des Ar­beits­verhält­nis­ses ha­be es kein gleich­ar­ti­ges vor­an­ge­gan­ge­nes Er­eig­nis ge­ge­ben. Es hätten kei­ne An­halts­punk­te für ei­ne Be­ein­träch­ti­gung sei­ner Fahrtüch­tig­keit oder ei­ne Gefähr­dung Drit­ter vor­ge­le­gen. Der ein­ma­li­ge Dro­gen­kon­sum recht­fer­ti­ge nicht ei­ne frist­lo­se Kündi­gung. We­gen des wei­ter­ge­hen­den Vor­brin­gens der Par­tei­en wird auf die zwi­schen ih­nen ge­wech­sel­ten Schriftsätze Be­zug ge­nom­men.
Mit Be­schluss vom 23.06.2015 ist die Straf­ak­te der Staats­an­walt­schaft Wei­den - Az.: 24 Js 983/14 bei­ge­zo­gen wor­den.
Die Be­ru­fung ist zulässig. Sie ist statt­haft, § 64 Ab­satz 2 c) ArbGG, so­wie form- und frist­ge­recht ein­ge­legt und be­gründet wor­den, § 66 Ab­satz 1 Satz 1 und 2 ArbGG.
Die Be­ru­fung ist un­be­gründet.
Ge­gen­stand der Be­ru­fung ist le­dig­lich die Fra­ge, ob das Ar­beits­verhält­nis zwi­schen den Par­tei­en durch die Kündi­gung vom 28.10.2014 mit so­for­ti­ger Wir­kung be­en­det wor­den ist.
Dies ist, wie das Erst­ge­richt zu Recht aus­geführt hat, nicht der Fall.
Nach ständi­ger Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts, der das er­ken­nen­de Ge­richt folgt, kann das Ar­beits­verhält­nis gemäß § 626 Ab­satz 1 BGB aus wich­ti­gem Grund oh­ne Ein­hal­tung ei­ner Kündi­gungs­frist gekündigt wer­den, wenn Tat­sa­chen vor­lie­gen, auf­grund de­rer dem Kündi­gen­den un­ter Berück­sich­ti­gung al­ler Umstände des Ein­zel­falls und un­ter Abwägung der In­ter­es­sen bei­der Ver­trags­tei­le die Fort­set­zung des Ar­beits­verhält­nis­ses selbst bis zum Ab­lauf der Kündi­gungs­frist nicht zu­ge­mu­tet wer­den kann. Da­bei ist zunächst zu un­ter­su­chen, ob der Sach­ver­halt oh­ne sei­ne be­son­de­ren Umstände „an sich“ und da­mit ty­pi­scher­wei­se als wich­ti­ger Grund ge­eig­net ist. Als­dann be­darf es der wei­te­ren Prüfung, ob dem Kündi­gen­den die Fort­set­zung des Ar­beits­verhält­nis­ses un­ter Berück­sich­ti­gung der kon­kre­ten Umstände des Falls und un­ter Abwägung der In­ter­es­sen bei­der Ver­trags­tei­le je­den­falls bis zum Ab­lauf der Kündi­gungs­frist zu­mut­bar war oder nicht. Als wich­ti­ger Grund kann ne­ben der Ver­let­zung ver­trag­li­cher Haupt­pflich­ten auch die schuld­haf­te Ver­let­zung von Ne­ben­pflich­ten „an sich“ ge­eig­net sein, ei­ne frist­lo­se Kündi­gung zu recht­fer­ti­gen. Zu die­sen Ne­ben­pflich­ten zählt ins­be­son­de­re die Pflicht der Ar­beits­ver­trags­par­tei­en zur Rück­sicht­nah­me auf die be­rech­tig­ten In­ter­es­sen des je­weils an­de­ren Teils, § 241 Ab­satz 2 BGB. Da­nach hat der Ar­beit­neh­mer sei­ne Ar­beits­pflich­ten so zu erfüllen und die im Zu­sam­men­hang mit dem Ar­beits­verhält­nis ste­hen­den In­ter­es­sen des Ar­beit­ge­bers so zu wah­ren, wie dies von ihm un­ter Berück­sich­ti­gung sei­ner Stel­lung und Tätig­keit im Be­trieb, sei­ner ei­ge­nen In­ter­es­sen und der In­ter­es­sen der an­de­ren Ar­beit­neh­mer des Be­triebs nach Treu und Glau­ben ver­langt wer­den kann (vgl. Bun­des­ar­beits­ge­richt - Ur­teil vom 18.12.2014 - 2 AZR 265/14; ju­ris).
Ge­mes­sen an die­sen Kri­te­ri­en er­weist sich die außer­or­dent­li­che Kündi­gung des Be­klag­ten als un­wirk­sam.
Al­ler­dings hat der Kläger ge­gen die ihm ob­lie­gen­den Pflich­ten aus dem Ar­beits­verhält­nis mit dem Be­klag­ten ver­s­toßen. Der Kläger war als Lkw - Fah­rer tätig. Es gehört zu den Pflich­ten ei­nes Lkw - Fah­rers, den ihm an­ver­trau­ten Lkw mit­samt der La­dung aus­sch­ließlich in ei­nem Zu­stand un­ein­ge­schränk­ter Fahrtüch­tig­keit zu führen. Ge­gen die­se Pflicht hat der Kläger ver­s­toßen. Er hat am je­den­falls am 13.10.2014, 14.10.2014 und 15.10.2014 den Lkw des Be­klag­ten un­ter Dro­gen­ein­fluss ge­fah­ren. Nach dem nicht be­strit­te­nen Vor­brin­gen des Be­klag­ten hat­te der Kläger in der streit­ge­genständ­li­chen Wo­che Frühschicht, d. h., er be­gann sei­ne Fahr­ten um 4:00 Uhr. Der Kläger be­strei­tet we­der, dass er ab Mon­tag­mor­gen ge­fah­ren ist, noch, dass er am 11.10.2014 Dro­gen ge­nom­men hat. Da­bei han­del­te es sich um Am­phet­amin und Me­tham­phet­amin (Crys­tal Meth). Dies er­gibt sich aus der bei­ge­zo­ge­nen Straf­ak­te.
Da der am 14.10.2014 um 15:00 Uhr durch­geführ­te Dro­gen­test po­si­tiv war und der Kläger nicht vorträgt, er ha­be nach dem 11.10.2014 wei­te­re Dro­gen ein­ge­nom­men, müssen die am 14.10.2014 fest­ge­stell­ten Wer­te auf dem Dro­gen­kon­sum am 11.10.2014 be­ru­hen. Dies be­deu­tet zwangsläufig, dass der Kläger bei den Fahr­ten am Mon­tag bis Mitt­woch un­ter Dro­gen­ein­fluss fuhr.
In die­sem Ver­hal­ten liegt ein Ver­trags­ver­s­toß, der grundsätz­lich als wich­ti­ger Grund im Sin­ne des § 626 Ab­satz 1 BGB ge­wer­tet wer­den kann.
Nach Abwägung al­ler Umstände des vor­lie­gen­den Fal­les kommt das er­ken­nen­de Ge­richt zu dem Er­geb­nis, dass die außer­or­dent­li­che Kündi­gung des Be­klag­ten un­verhält­nismäßig war.
Es lie­gen kei­ne Umstände vor, die den Schluss zu­las­sen, der Kläger sei an den ge­nann­ten Ta­gen ge­fah­ren, ob­wohl er fahr­untüch­tig ge­we­sen sei. Ins­be­son­de­re ist nicht be­kannt, ob der Kläger we­gen der ein­ge­nom­me­nen Dro­gen nicht in der La­ge war, den Lkw noch si­cher zu führen. Er­kenn­ba­re Be­ein­träch­ti­gun­gen der Fahrtüch­tig­keit hat der Be­klag­te nicht gel­tend ge­macht.
Dass der Kläger je­den­falls am 15.10.2014 ei­ne Ord­nungs­wid­rig­keit gemäß § 24 a Ab­satz 2 St­VG be­gan­gen hat, be­deu­tet nicht zwin­gend, dass der Kläger an die­sem und an den zwei Ta­gen zu­vor den Lkw we­gen dro­gen­be­ding­ter Fahr­untüch­tig­keit nicht führen konn­te, ins­be­son­de­re ei­ne kon­kre­te Gefähr­dung vor­lag.
Gemäß § 24 a Ab­satz 2 St­VG han­delt ord­nungs­wid­rig, wer un­ter der Wir­kung be­stimm­ter, na­ment­lich auf­geführ­ter be­rau­schen­der Mit­tel im Straßen­ver­kehr ein Kraft­fahr­zeug führt. Die Wir­kung wird kraft ge­setz­li­cher Re­ge­lung an­ge­nom­men, wenn ein sol­ches Mit­tel un­abhängig von der Kon­zen­tra­ti­on im Blut nach­ge­wie­sen wird. Ge­ahn­det wird be­reits die abs­trak­te Gefähr­dung. In­so­weit wird kei­ne Aus­sa­ge darüber ge­trof­fen, ob ei­ne tatsächli­che Be­ein­träch­ti­gung der Fahrtüch­tig­keit vor­ge­le­gen hat, die zu ei­ner Ge­fahr vor al­lem auch für das Fahr­zeug des Be­klag­ten und der La­dung führ­te.
Der Kläger hat zwei­fels­oh­ne ge­gen § 24 a Ab­satz 2 St­VG ver­s­toßen. Dies al­lein stellt in­des kei­nen Kündi­gungs­grund dar.
Das Recht des Ar­beit­ge­bers, das Ar­beits­verhält­nis zu kündi­gen, setzt vor­aus, dass ei­ne nicht be­heb­ba­re Störung des Ar­beits­verhält­nis­ses, ins­be­son­de­re der In­ter­es­sen des Ar­beit­ge­bers vor­liegt. Da­ge­gen ist der Ar­beit­ge­ber grundsätz­lich nicht Sach­wal­ter der Be­lan­ge der All­ge­mein­heit.
Ein ein­ma­li­ger Ver­s­toß ge­gen die St­VG oh­ne ei­ne kon­kre­te Ge­fahr für die In­ter­es­sen des Ar­beit­ge­bers ist nach Auf­fas­sung des er­ken­nen­den Ge­richts oh­ne das Vor­lie­gen wei­te­rer Umstände nicht als ei­ne so schwer­wie­gen­de Ver­trags­ver­let­zung an­zu­se­hen, dass es dem Ar­beit­ge­ber nicht zu­zu­mu­ten ist, die Kündi­gungs­frist ein­zu­hal­ten. Da­bei kann vor­lie­gend un­ent­schie­den blei­ben, ob ei­ne or­dent­li­che Kündi­gung ei­ne vor­he­ri­ge ver­geb­li­che Ab­mah­nung vor­aus­set­zen würde. Im vor­lie­gen­den Fall wur­de das Ar­beits­verhält­nis nach der Um­deu­tung des Erst­ge­richts der außer­or­dent­li­chen in ei­ne or­dent­li­che Kündi­gung zum 30.11.2014 be­en­det.
Et­was an­de­res er­gibt sich nicht aus der An­nah­me des Be­klag­ten, es ha­be sich nicht nur um ei­nen ein­ma­li­gen Dro­gen­kon­sum ge­han­delt, son­dern der Kläger neh­me dau­er­haft Dro­gen zu sich. Al­ler­dings wäre die­ser Um­stand ge­eig­net, die persönli­che Eig­nung des Klägers für die Tätig­keit ei­nes Lkw - Fah­rers in Fra­ge zu stel­len. Ob dies ei­ne außer­or­dent­li­che Kündi­gung be­din­gen könn­te, kann da­hin ste­hen. In­so­weit liegt kei­ne ge­si­cher­te Tat­sa­che vor. Ins­be­son­de­re er­gibt sich dies nicht aus dem Gespräch, das der Be­klag­te und der Kläger am 27.10.2014 geführt ha­ben.
Der Be­klag­te macht in­so­weit gel­tend, der Kläger ha­be sich ei­ner Un­ter­su­chung durch den me­di­zi­ni­schen Dienst der Be­rufs­ge­nos­sen­schaft ent­zie­hen wol­len. Es be­ste­hen kei­ne An­halts­punk­te dafür, dass der Kläger ei­ne Un­ter­su­chung ge­ne­rell ver­wei­ger­te, wor­aus un­ter Umständen der Schluss ge­zo­gen wer­den könn­te, der Kläger kon­su­mie­re re­gelmäßig ver­bo­te­ne Dro­gen. Der Be­klag­te hat nicht vor­ge­tra­gen, wann ei­ne Un­ter­su­chung hätte statt­fin­den sol­len, ins­be­son­de­re ob es um die ge­ne­rel­len Un­ter­su­chun­gen ging. Viel­mehr er­gibt sich aus dem Kündi­gungs­schrei­ben, dass es um ei­ne ak­tu­el­le Un­ter­su­chung ging. Da­nach wur­de dem Kläger in dem Gespräch mit ei­ner Un­ter­su­chung ge­droht. Im Kündi­gungs­schrei­ben heißt es: „Die Ein­nah­me von Dro­gen ga­ben Sie nach mehr­ma­li­gen Nach­fra­gen und An­dro­hung auf ei­ne Un­ter­su­chung über den ASD der BG - Ver­kehr zu.“
Man­gels des Nach­wei­ses ei­ner kon­kre­ten Be­ein­träch­ti­gung durch den Dro­gen­kon­sum des Klägers am 11.10.2014 ist die frist­lo­se Kündi­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses dem­gemäß nicht ge­recht­fer­tigt.
Es be­stand da­her kei­ne Ver­an­las­sung, das Erst­ur­teil ab­zuändern.
Die Zu­las­sung der Re­vi­si­on er­folg­te we­gen grundsätz­li­cher Be­deu­tung der Rechts­fra­ge, ob und un­ter wel­chen Vor­aus­set­zun­gen ein ein­ma­li­ger Dro­gen­kon­sum die außer­or­dent­li­che Kündi­gung ei­nes Be­rufs­kraft­fah­rers be­gründen kann, § 72 Ab­satz 2 ArbGG.
Die Re­vi­si­on muss beim Bun­des­ar­beits­ge­richt, Hu­go-Preuß-Platz 1, 99084 Er­furt Post­an­schrift: Bun­des­ar­beits­ge­richt 99113 Er­furt Te­le­fax-Num­mer: 0361 2636-2000 ein­ge­legt und be­gründet wer­den.
- wenn die ju­ris­ti­sche Per­son aus­sch­ließlich die Rechts­be­ra­tung und Pro­zess­ver­tre­tung die­ser Or­ga­ni­sa­ti­on und ih­rer Mit­glie­der oder an­de­rer Verbände oder Zu­sam­men­schlüsse mit ver­gleich­ba­rer Aus­rich­tung und de­ren Mit­glie­der ent­spre­chend de­ren Sat­zung durchführt
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