Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Text=4%20StR%20338/11
Timestamp: 2019-02-21 20:58:46
Document Index: 236178648

Matched Legal Cases: ['BGH', '§ 179', '§ 174', '§ 174', '§ 179', '§ 179', '§ 261', '§ 179', '§ 179', '§ 179', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH']

BGH, 10.08.2011 - 4 StR 338/11 - dejure.org
§ 179 Abs. 1 Nr. 2, Abs. 5 Nr. 1 StGB; § 174c StGB
Schwerer sexueller Missbrauch einer widerstandsunfähigen Person (Begriff der Widerstandsunfähigkeit); sexueller Missbrauch unter Ausnutzung eines Behandlungsverhältnisses
§ 174c StGB, § 179 Abs 1 Nr 2 StGB, § 179 Abs 5 Nr 1 StGB, § 261 StPO
Sexueller Missbrauch Widerstandsunfähiger: Feststellung der Widerstandsunfähigkeit im Rahmen eines Behandlungsverhältnisses; Bedeutung eines Sachverständigengutachtens in der Beweiswürdigung
Schwerer sexueller Missbrauch einer widerstandsunfähigen Person trotz Vorliegens von Handlungsalternativen und Abwägung darüber in der Person des Opfers
StGB § 179 Abs. 1 Nr. 2; StGB § 179 Abs. 5 Nr. 1
Die Widerstandsunfähigkeit iSd § 179 StGB
LG Bielefeld, 25.02.2011 - 10 KLs 26/09
NStZ 2012, 150
StV 2012, 538
Die Feststellung der Widerstandsunfähigkeit ist eine normative Entscheidung (BGH, Beschluss vom 1. Oktober 2008 - 2 StR 385/08, NStZ-RR 2009, 14, 15); sie erfordert die Überzeugung des Tatrichters, dass das Opfer zum Widerstand gänzlich unfähig war (vgl. BGH, Beschlüsse vom 28. Oktober 2008 - 3 StR 88/08, NStZ 2009, 324, 325; vom 10. August 2011 - 4 StR 338/11, NStZ 2012, 150 f.).
Das Landgericht hat seine Überzeugungsbildung zutreffend darauf bezogen, ob sich feststellen lässt, dass die Nebenklägerin zum Widerstand gänzlich unfähig war (vgl. dazu BGH, Beschlüsse vom 28. Oktober 2008 - 3 StR 88/08, NStZ 2009, 324, 325; vom 10. August 2011 - 4 StR 338/11, NStZ 2012, 150 f.).
Die Feststellung der Widerstandsunfähigkeit erfordert eine normative Entscheidung, die der Tatrichter auf der Grundlage einer Gesamtbetrachtung zu treffen hat, in die auch das aktuelle Tatgeschehen und etwaige Beeinträchtigungen des Tatopfers durch die Tatsituation infolge Überraschung, Schreck oder Schock einzubeziehen sind (st. Rspr.; vgl. Senat, Urteil vom 15. März 1989 - 2 StR 662/88, BGHSt 36, 145, 147; BGH, Beschluss vom 23. September 1997 - 4 StR 433/97, NStZ 1998, 83; Beschluss vom 10. August 2011 - 4 StR 338/11, NStZ 2012, 150; Urteil vom 5. November 2014 - 1 StR 394/14, NStZ-RR 2015, 44, 45; Beschluss vom 9. Mai 2017 - 4 StR 366/16, NStZ-RR 2017, 240, 241).
Als widerstandsunfähig im Sinne der Vorschrift wurde angesehen, wer aus einem der dort genannten Gründe - wenn auch nur vorübergehend - keinen zur Abwehr ausreichenden Widerstandswillen gegen das sexuelle Ansinnen des Täters bilden, äußern oder durchsetzen konnte (st. Rspr.; vgl. nur BGH, Urteil vom 15. März 1989 - 2 StR 662/88, BGHSt 36, 145, 147; Beschlüsse vom 23. November 2010 - 3 StR 410/10, NStZ 2011, 210; vom 10. August 2011 - 4 StR 338/11, NStZ 2012, 150; Urteil vom 5. November 2014 - 1 StR 394/14, NStZ-RR 2015, 44, 45).