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Timestamp: 2020-02-28 01:07:11
Document Index: 83186628

Matched Legal Cases: ['Art. 14', 'Art. 103', 'Art. 14', 'Art. 103', 'Art. 158', 'Art. 14']

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2008_5_100
WARUM LÄßT DIE POLIZEI DAS VERBRECHEN ZU UND LÄßT _ Wix - 05. Dezember 2012
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Beschlsse der Kultusministerkonferenz Einheitliche Prfungsanforderungen in der Abiturprfung
Die Lnder werden gebeten, die neu gefassten Einheitlichen Prfungsanforderungen fr das Fach Recht sptestens zur Abiturprfung im Jahr 2010 umzusetzen.
Einheitliche Prfungsanforderungen in der Abiturprfung Recht
(Beschluss der Kultusministerkonferenz vom 01.12.1989 i.d.F. vom 16.11.2006)
Inhaltsverzeichnis Seite: Fachprambel ..................................................................................................................................... 5 I. Allgemeiner Teil ................................................................................................................... 7 1 Kompetenzen und Grundstruktur rechtlicher Inhalte............................................................. 7 1.1 Kompetenzen......................................................................................................................... 7 1.2 Grundstruktur rechtlicher Inhalte .......................................................................................... 7 1.3 Grundlegendes und erhhtes Anforderungsniveau ................................................................ 8 2 Anforderungsbereiche ........................................................................................................... 9 2.1 Allgemeine Hinweise ............................................................................................................ 9 2.2 Fachspezifische Beschreibung der Anforderungsbereiche .................................................... 9 2.2.1 Anforderungsbereich I......................................................................................................... 10 2.2.2 Anforderungsbereich II ....................................................................................................... 11 2.2.3 Anforderungsbereich III ...................................................................................................... 12 3 Schriftliche Prfung ............................................................................................................ 13 3.1 Gliederung in Fach- bzw. Themengebiete und Teilaufgaben .............................................. 13 3.2 Aufgabenformen.................................................................................................................. 14 3.3 Hinweise zum Erstellen einer Prfungsaufgabe .................................................................. 14 3.4 Beschreibung der erwarteten Prfungsleistungen (Erwartungshorizont)............................. 15 3.5 Bewertung von Prfungsleistungen ..................................................................................... 15 4 4.1 4.2 5 5.1 5.2 II. 1 1.1 1.2 1.2.1 1.2.2 1.2.3 2 2.1 2.2 2.2.1 2.2.2 2.2.3 Mndliche Prfung.............................................................................................................. 17 Aufgabenstellung ................................................................................................................ 17 Anforderungen und Bewertung ........................................................................................... 18 Prfung im Rahmen der Besonderen Lernleistung .......................................................... 18 Themenstellung fr die Besondere Lernleistung, Arbeits- und Lernformen .................... 19 Anforderungen an das Kolloquium ..................................................................................... 20 Aufgabenteil........................................................................................................................ 21 Aufgabenbeispiele fr die schriftliche Abiturprfung ......................................................... 21 Allgemeine Hinweise .......................................................................................................... 21 Aufgabenbeispiele............................................................................................................... 21 Aufgabe 1............................................................................................................................ 21 Aufgabe 2............................................................................................................................ 27 Aufgabe 3............................................................................................................................ 34 Aufgabenbeispiele fr die mndliche Abiturprfung .......................................................... 41 Allgemeine Hinweise .......................................................................................................... 41 Aufgabenbeispiele............................................................................................................... 41 Aufgabe 1............................................................................................................................ 41 Aufgabe 2............................................................................................................................ 45 Aufgabe 3............................................................................................................................ 48
Fachprambel
Das Fachgebiet Recht wird in den verschiedenen Bundeslndern in unterschiedlichen Fchern bzw. Fachkombinationen im Rahmen des gesellschaftswissenschaftlichen Aufgabenfeldes unterrichtet. Dieses Aufgabenfeld zeichnet sich dadurch aus, dass gesellschaftliche Sachverhalte in struktureller und historischer Sicht erkennbar gemacht werden und durch geeignete, auch fachbergreifende und fcherverbindende Themenwahl Einsichten in historische, politische, geographische, wirtschaftliche und rechtliche Sachverhalte sowie insbesondere in den gesellschaftlichen Wandel seit dem industriellen Zeitalter und in die gegenwrtigen internationalen Beziehungen und deren Voraussetzungen vermittelt werden. Eine wesentliche Triebfeder des gesellschaftlichen Wandels sind die auf regionaler, nationaler, europischer und globaler Ebene zunehmende Arbeitsteilung und eine intensivere Vernetzung von Menschen und Mrkten. Die dadurch ausgelsten Koordinationsprozesse und Interessenkonflikte ziehen hufig auch die Setzung neuer Rechtsnormen nach sich, so dass die Entwicklung in Politik und Gesellschaft, aber auch die Lebensgestaltung jedes Einzelnen in steigendem Mae von rechtlichen Regelungen bestimmt werden. Eine rechtliche Grundbildung ist damit elementarer Teil der Allgemeinbildung und Voraussetzung zum Verstndnis der Welt. Dabei kann es aber nicht die Aufgabe der gymnasialen Oberstufe sein, die Schlerinnen und Schler mit den Besonderheiten und Details vieler Rechtsgebiete vertraut zu machen. Um die Schlerinnen und Schler auf die aktuellen und zuknftigen Qualifikationsanforderungen in Studium, Beruf und Gesellschaft vorzubereiten, kommt dem Erwerb folgender Fhigkeiten besondere Bedeutung zu:
Verstndnis sozialer, konomischer und politischer Zusammenhnge; Denken in bergreifenden, komplexen Strukturen; Fhigkeit, Wissen in unterschiedlichen Kontexten anzuwenden; Fhigkeit zur Selbststeuerung des Lernens und der Informationsbeschaffung; Fhigkeit zur realistischen Einschtzung der eigenen Kompetenz und Mglichkeiten; Kommunikations- und Teamfhigkeit; Entscheidungsfhigkeit.
Diese Fhigkeiten werden im Rechtskundeunterricht der Oberstufe in besonderer Weise gefrdert (vgl. die in 1.1 dargestellten Kompetenzen). Darber hinaus sollen die Schlerinnen und Schler die Notwendigkeit rechtlicher Regelungen und deren Bindung an grundlegende Werte erkennen. Ein Oberziel des Unterrichts ist die Erziehung zum mndigen Staatsbrger, der Rechtsnormen versteht und reflektiert. Orientierungswissen im positiven Recht und die Beschftigung mit exemplarischen Problemstellungen einzelner Rechtsgebiete helfen den jungen Erwachsenen, die Komplexitt rechtlicher Sachverhalte und Strukturen zu erfassen und die fr eine rechtliche Bewertung notwendigen Informationen mit Hilfe fachspezifischer Quellen zielgerichtet zu beschaffen. Dabei lernen sie auch, Rechtsnormen auf gegebene Lebenssituationen anzuwenden und die Rechtslage sachkundig und abgewogen zu beurteilen. Zugleich erwerben sie berufs- und studienorientierte Handlungs- und Entscheidungskompetenzen.
Der Unterricht in der Oberstufe zeichnet sich durch wissenschaftspropdeutisches Arbeiten aus, das exemplarisch in rechtswissenschaftliche Fragestellungen, Kategorien und Methoden einfhrt. Von groer Bedeutung fr die Studierfhigkeit ist die sprachliche Ausdrucksfhigkeit. Dazu gehrt die Fhigkeit, sich strukturiert, zielgerichtet und sprachlich korrekt zu artikulieren. Hierzu gehren auch der angemessene Umgang mit Texten, insbesondere Textverstndnis, Texterschlieung, Textinterpretation sowie zeitkonomische Bearbeitung und das schriftliche bzw. mndliche Darstellen komplexer Zusammenhnge. Die Auseinandersetzung mit Rechtsnormen und ihre Anwendung leisten einen bedeutenden Beitrag zur Frderung dieser Fhigkeiten. Zur Sicherung eines einheitlichen und angemessenen Anforderungsniveaus in den Prfungsaufgaben enthalten die Einheitlichen Prfungsanforderungen fr das Fach Recht eine Beschreibung der nachzuweisenden Kompetenzen, Kriterien, mit deren Hilfe berprft werden kann, ob eine Prfungsaufgabe das anzustrebende Anspruchsniveau erreicht, Hinweise und Aufgabenbeispiele fr die Gestaltung der schriftlichen und mndlichen Prfung.
Die im Folgenden aufgefhrten Kompetenzen gelten fr alle Prfungen des Faches Recht, unabhngig davon, ob der Rechtskundeunterricht im Rahmen eines eigenstndigen Faches oder im Rahmen eines Fcherverbundes unterrichtet wird und welche spezifischen Rechtsgebiete in den Lehrplnen vorgesehen sind.
Kompetenzen und Grundstruktur rechtlicher Inhalte Kompetenzen
Bereits Schlerinnen und Schler werden hufig mit rechtlichen Sachverhalten konfrontiert und beurteilen die jeweilige Rechtslage auf der Grundlage ihrer Einstellungen und ihres Vorwissens; dies ist vielfach von Verwechslungen und Vermutungen geprgt. Im Rechtskundeunterricht werden juristische Kenntnisse erarbeitet, vertieft und systematisiert sowie Entscheidungs- bzw. Urteilskompetenz entwickelt. Die jungen Erwachsenen erwerben und vertiefen dabei eine umfassende Handlungskompetenz mit den Dimensionen der fachlichen, methodischen, sozialen und personalen Kompetenz. Ein besonderes Gewicht kommt im Rechtskundeunterricht der Entwicklung der sprachlichen Kompetenz zu. Rechtstexte sind aufgrund ihrer umfassenden, aber dennoch eindeutigen und knappen Formulierungen hufig abstrakt, komplex und zunchst schwer erfassbar. Die genaue Analyse und Interpretation solcher Texte, die Notwendigkeit einer strukturierten und logischen Argumentation bei der Anwendung von Rechtsnormen auf konkrete Lebenssachverhalte und das Formulieren der rechtlich relevanten Schlussfolgerungen leisten daher einen wichtigen Beitrag zur Herausbildung der Sprachkompetenz. Fr das Bearbeiten der Abituraufgaben im Rahmen der schriftlichen und mndlichen Prfungen sind im Wesentlichen folgende Kompetenzen erforderlich, wobei nicht alle hier aufgefhrten Kompetenzen in jeder Abiturprfung nachzuweisen sind: 1. 2. Lebenssachverhalte in rechtliche Zusammenhnge einordnen, dabei Ordnungen und Strukturen des Rechts bestimmen sowie einschlgige Rechtsnormen aufsuchen und zitieren, unterschiedliche rechtliche Positionen wrdigen, Werthaltungen vor dem Hintergrund rechtlicher Normen und ethisch-moralischer Vorstellungen reflektieren sowie Normen hinsichtlich ihrer Zielsetzungen und Wirkungen einschtzen und im Hinblick auf unterschiedliche Interessen und Gerechtigkeitsvorstellungen bewerten, abstrakte Rechtsnormen bei der Beurteilung von Fallbeispielen anwenden sowie Rechtsstreitigkeiten des tglichen Lebens beurteilen und hierzu in juristischen Informationsquellen (z. B. Gesetze, Kommentare, Urteile, Fachliteratur, Datenbanken) recherchieren und die Quellen adquat auswerten, dabei grundlegende juristische Arbeitstechniken (z. B. Normenanalyse, Subsumtion, Gutachtenstil) beherrschen, Sachverhalte und Falllsungen sprachlich angemessen und berzeugend dokumentieren und prsentieren, dabei grundlegende Kommunikationsregeln (z. B. themenbezogene Argumentation, Kompromissbereitschaft, Kooperations- und Interaktionsfhigkeit; Wahrnehmung, Bercksichtigung und Vertretung eigener und fremder Standpunkte) beachten.
Grundstruktur rechtlicher Inhalte
Die Lehrplne und der Unterricht mssen unabhngig von ihrer inhaltlichen und methodischen Ausgestaltung folgende grundlegende Aspekte der Analyse von Rechtsfragen bzw. von Problemstellungen rechtlicher Relevanz (Grundstruktur rechtlicher Inhalte) widerspiegeln: Fundierung des Rechts (z. B. Abgrenzung zu Brauch, Sitte und Moral, Recht und Gerechtigkeit, Naturrecht und positives Recht, Wandelbarkeit des Rechts, Auslegung von Generalklauseln versus Rechtssicherheit)
Ordnungen des Rechts (z. B. ffentliches und privates Recht, Rechtsgebiete, Normenhierarchie, nationales und europisches Recht, geschriebenes und ungeschriebenes Recht) Begriffe des Rechts (z. B. Freiheit und Gleichheit, Rechtssubjekte und Rechtsobjekte, Schuldverhltnis, Rechtsgeschft, Vertrag, Anspruch, Besitz und Eigentum, Straftat und Ordnungswidrigkeit, Verhltnismigkeit) Methoden des Rechts (z. B. Systematik von Gesetzen, Zitierweise, Normenanalyse, Subsumtion, Gutachten, Abstraktion, Reduktion, Analogie)
Diese Grundstruktur kann in den einzelnen Bundeslndern an unterschiedlichen Rechtsgebieten erarbeitet und geprft werden, wobei mindestens ein Teilgebiet des ffentlichen und des privaten Rechts Unterrichtsgegenstand sein muss.
Gem der Vereinbarung zur Gestaltung der gymnasialen Oberstufe in der Sekundarstufe II (Beschluss der Kultusministerkonferenz vom 07.07.1972 i. d. F. vom 02.06.2006) wird der Fachunterricht auf unterschiedlichen Anspruchsebenen erteilt. Unter Bercksichtigung der im Kapitel 1.1 beschriebenen Kompetenzbereiche und der im Kapitel 1.2 beschriebenen Grundstrukturen soll der Kurs mit grundlegendem Anforderungsniveau eine wissenschaftspropdeutisch orientierte Grundbildung vermitteln. Im Kurs mit erhhtem Anforderungsniveau erfolgt eine systematische, vertiefte und reflektierte wissenschaftspropdeutische Arbeit. Die Anforderungen fr die beiden Kurstypen mssen sich deutlich voneinander unterscheiden, aber trotzdem alle Anforderungsbereiche umfassen. Der Kurs mit grundlegendem Anforderungsniveau soll in wesentliche Gegenstnde, Probleme und Zusammenhnge des Faches Recht einfhren, unter Anwendung grundlegender Arbeitsmethoden der Rechtswissenschaft Einsichten in unterschiedliche Rechtsgebiete vermitteln, exemplarisch fachbergreifende Zusammenhnge erarbeiten, zur wertgebundenen und interessenorientierten Reflexion ber rechtliche Regelungen anleiten.
Der Kurs mit erhhtem Anforderungsniveau soll darber hinaus an ausgewhlten Inhalten bei der Prfung komplexer Sachverhalte detaillierte Kenntnisse vermitteln, die Arbeitsmethoden der Rechtswissenschaft und ihre selbststndige Anwendung vertiefen und den Transfer in andere Rechtsgebiete ermglichen, die differenzierte Erkenntnis fachbergreifender Zusammenhnge zum Ziel haben, zur wertgebundenen und interessenorientierten Reflexion ber Rechtsnormen, Urteile und juristische Kommentare anleiten.
Unterschiede ergeben sich u. a. aus dem Grad der Vorstrukturierung, dem Komplexittsgrad, dem Grad der Selbststndigkeit und Reflexion, dem Umfang der Arbeitsmethoden, Materialien und Themen, dem Grad der Methodenkompetenz.
Die Abiturprfung soll das Leistungsvermgen der Prflinge mglichst differenziert erfassen. Dazu werden im Folgenden drei Anforderungsbereiche unterschieden. Nicht immer lassen sich die Anforderungsbereiche genau gegeneinander abgrenzen. Bei der Lsung einer Prfungsaufgabe sind die erforderlichen Teilleistungen auch nicht in jedem Fall eindeutig einem bestimmten Anforderungsbereich zuzuordnen. Die Bercksichtigung der Anforderungsbereiche und deren Umsetzung mit Hilfe von Operatoren knnen aber dazu beitragen, zu hohe oder zu niedrige Anforderungen zu vermeiden; Prfungsaufgaben sowie die Bewertung der Prfungsleistungen sind besser zu vergleichen. Anforderungsbereiche ermglichen eine differenzierte Beschreibung der Kenntnisse, Fhigkeiten und Einsichten, die fr die Lsung einer Aufgabe im Fach Recht vorausgesetzt werden. Die Zuordnung der Teilleistungen zu den einzelnen Anforderungsbereichen hngt davon ab, ob die Lsung eine Auswahl von Methoden in einem gebten, bekannten Zusammenhang erfordert oder ob selbststndiges Erarbeiten, Anwenden und Bewerten in komplexen und neuartigen Zusammenhngen erwartet wird. Die Zuordnung ist daher abhngig vom vorangegangenen Unterricht, von den in den Lehrplnen/Richtlinien/Standards verbindlich vorgeschriebenen Zielen und Inhalten sowie von den zugelassenen Arbeitsmitteln. Fragestellungen sollten einem Anforderungsbereich zugeordnet werden knnen, wobei nicht auszuschlieen ist, dass auch mehr als ein Bereich berhrt wird bzw. Teilleistungen des Prflings mehreren Bereichen zugeordnet werden knnen.
Jede Prfungsaufgabe fr die schriftliche und mndliche Abiturprfung muss sich auf alle im Folgenden beschriebenen Anforderungsbereiche erstrecken. Das Schwergewicht der zu erbringenden Prfungsleistungen liegt mit ca. 40 Prozent im Anforderungsbereich II. Die Anforderungsbereiche I und III sind mit je ca. 30 Prozent zu bercksichtigen. In den folgenden Beschreibungen der Kenntnisse und Fhigkeiten sind die angegebenen Beispiele nicht verbindlich, aber in der Gesamtheit exemplarisch fr das Anspruchsniveau. Die Beispiele orientieren sich an den unter 1.1 beschriebenen Kompetenzen.
Der Anforderungsbereich I umfasst die Wiedergabe von Inhalten aus einem begrenzten Gebiet im gelernten Zusammenhang, die Beschreibung und Verwendung gelernter und gebter Arbeitsweisen in einem begrenzten Gebiet und einem wiederholenden Zusammenhang.
Dazu gehren im Rechtskundeunterricht u. a.: Beschreiben von Strukturen (z. B. Gliederung des Rechts, Aufbau der Gerichtsbarkeit), sachgerechtes und sprachlich korrektes Wiedergeben fachwissenschaftlicher Begriffe (z. B. Willenserklrung, Verwaltungsakt, Rechts- und Geschftsfhigkeit), Zuordnung eines Sachverhalts zu einem Rechtsgebiet (z. B. Brgschaftsversprechen Schuldrecht/BGB, Grundkapital Aktiengesetz), Auffinden einschlgiger Rechtsnormen in einem bekannten Zusammenhang, genaues Zitieren von Rechtsnormen (z. B. Definition einer bestimmten Art des Sachmangels, 434 Abs. 1 S. 2 Nr. 1 BGB), Wiedergeben der Analyse im Unterricht erarbeiteter Rechtsnormen (z. B. Schadensersatzpflicht, 823 Abs. 1 BGB) fachsprachlich korrekte Lsungen einfacher Flle in einem gebten Zusammenhang (z. B. Prfung der Geschftsfhigkeit)
Dem Anforderungsbereich I entsprechen u. a. folgende Operatoren: Operatoren nennen aufzhlen wiedergeben zusammenfassen beschreiben schildern kennzeichnen darstellen ermitteln bekannte Anspruchsnormen finden wesentliche Aspekte eines Sachverhaltes unter Verwendung der Fachsprache darlegen Erluterung/Beispiele gelernte Fachbegriffe, Rechtsnormen und Definitionen angeben
Der Anforderungsbereich II umfasst den selbststndigen Transfer der im Unterricht erarbeiteten Inhalte sowie die Anwendung eingebter Methoden
auf neue, aber hnliche Gegenstnde. Dazu gehren im Rechtskundeunterricht u. a.: Einordnen von Sachverhalten in Strukturen (z. B. Ermittlung der korrekten Gerichtsinstanz, Einordnung in die Systematik der Rechtsgeschfte), sachgerechtes und sprachlich korrektes Abgrenzen oder Anwenden fachwissenschaftlicher Begriffe (z. B. Vorliegen der Einsichtsfhigkeit bei einem bedingt Deliktsfhigen, Abgrenzen von Geflligkeits- und Schuldverhltnis), den rechtlichen Hintergrund eines Lebenssachverhaltes verdeutlichen und verschiedenen Rechtsgebieten zuordnen (z. B. Verkehrsunfall: Zivilrecht, Strafrecht, Polizeirecht) Auffinden einschlgiger Rechtsnormen in einem unbekannten Zusammenhang, eigenstndige Analyse von Rechtsnormen mit komplexerem Aufbau (z. B. Bewirken der Leistung mit eigenen Mitteln, 110 BGB, Inhaltskontrolle von AGB, 307 BGB), Erlutern komplexer Falllsungen und fachwissenschaftlicher Literaturmeinungen (z. B. Analyse hchstrichterlicher Rechtsprechung) fachsprachlich korrekte Falllsungen mit bekannter Grundstruktur (z. B. Prfung der Geschftsfhigkeit und Anwendung der 107 ff. BGB).
Dem Anforderungsbereich II entsprechen u. a. folgende Operatoren: Operatoren erklren erlutern aufzeigen begrnden Erluterung/Beispiele komplexe Fachbegriffe (wie Vertragsfreiheit, Straftat u. a.) definieren, abgrenzen, an Beispielen verdeutlichen ob einzelne Tatbestandsmerkmale (wie Fahrlssigkeit) erfllt sind in einem begrenzten Zusammenhang auf der Basis einzelner Rechtsnormen entscheiden (z. B. warum eine Nachfrist nicht hinreichend bestimmt ist, 308 Nr. 2 BGB) Aufzeigen des Normzwecks (z. B. Vorschriften zur Geschftsfhigkeit) errtern Fr und Wider rechtlicher Standpunkte darstellen Vor- und Nachteile einer rechtlichen Regelung aufzeigen (z. B. Formzwang beim Grundstckskauf)
Operatoren analysieren herausarbeiten vergleichen abgrenzen subsumieren bestimmen festhalten
Erluterung/Beispiele rechtlich relevante Informationen aus komplexen Sachverhalten herausarbeiten und strukturieren unbekannte Rechtsnormen in Tatbestandsmerkmale und Rechtsfolgen gliedern Rechtsnormen gegenberstellen, um Gemeinsamkeiten und Unterschiede herauszuarbeiten (z. B. Abgrenzen von Diebstahl und Unterschlagung) darstellen, inwiefern in einem Sachverhalt die Tatbestandsmerkmale einer Rechtsnorm erfllt sind beschreiben der Rechtsfolgen bzw. des juristischen Ergebnisses, wenn bestimmte Tatbestandsmerkmale erfllt sind (z. B. V hat einen Anspruch auf Herausgabe nach 812 I, Alt. 1 BGB)
Der Anforderungsbereich III umfasst die planmige Analyse komplexer Sachverhalte mit dem Ziel, zu selbststndigen Begrndungen, Folgerungen, Lsungsanstzen, Deutungen und Wertungen zu gelangen und das selbststndige Anwenden fachspezifischer Arbeitsmethoden und Darstellungsformen in neuen Situationen und das Beurteilen der Ergebnisse.
Dazu gehren im Rechtskundeunterricht u. a.: selbststndiges Auslegen unbestimmter Rechtsbegriffe und Interpretieren von Rechtsnormen, Reflektieren von Normen hinsichtlich des Normzwecks bzw. zugrunde liegender Gerechtigkeitsvorstellungen, Bewertung z. B. von eigenen Falllsungen, Rechtsprechung und herrschender Meinung im Hinblick auf Grundwerte der Bundes- und Lnderverfassungen, insbesondere in vielschichtigen Entscheidungssituationen, sachlogisch strukturierte und fachsprachlich korrekte Argumentation bei der Lsung von komplexen Problemstellungen, Prfung eines komplexen, unbekannten Falles im Gutachtenstil, Entwickeln eigener Fallbeispiele und Entwerfen von Alternativen zu geltenden Normen.
Dem Anforderungsbereich III entsprechen u. a. folgende Operatoren: Operatoren prfen untersuchen beurteilen abwgen diskutieren Stellung nehmen bewerten wrdigen entwickeln zu einem Sachverhalt oder einer Problemstellung einen eigenen Regelungsentwurf begrndet entwerfen zu einer unbekannten Rechtsnorm ein passendes Fallbeispiel darstellen unter Einbeziehung individueller Wertmastbe ein begrndetes eigenes Werturteil darstellen ausgehend von einer kriterienorientierten Pro- und ContraDarstellung unter Einbeziehung individueller Wertmastbe ein begrndetes eigenes Werturteil darstellen Erluterung/Beispiele Subsumtion ausgewhlter Tatbestandsmerkmale
widerlegen prfen im Gutachtenstil untersuchen im Gutachtenstil prfen nach Prfschema
eingehen auf vorgegebene Argumente und eine begrndete Gegenposition formulieren Aufwerfen der Fallfrage (Wer will was von wem woraus?), dabei Nennen der Anspruchsgrundlage und systematisches Prfen der Tatbestandsmerkmale und Subsumtion
Schriftliche Prfung Gliederung in Fach- bzw. Themengebiete und Teilaufgaben
Die gesamte Prfungsaufgabe eines Faches gliedert sich in Fachgebiete bzw. Themengebiete. Diese bestehen wiederum aus verschiedenen Teilaufgaben. Die Fach- bzw. Themengebiete der schriftlichen Prfung sind abhngig von der lnderspezifischen Einbindung rechtlicher Inhalte in Fcher und der unterschiedlichen Kombination der rechtlichen Teilgebiete in den Lehrplnen der Lnder. Unabhngig davon muss eine Prfungsaufgabe aus einem Fachoder Themengebiet die in der Qualifikationsphase erworbenen Kompetenzen (vgl. 1.1) angemessen bercksichtigen und die Grundstruktur rechtlicher Inhalte (vgl. 1.2) abbilden. Jedes Fach- bzw. Themengebiet kann in Teilaufgaben gegliedert sein, die in einem inneren Zusammenhang stehen sollen. Durch die Gliederung in Teilaufgaben knnen gezielt unterschiedliche Anforderungsbereiche angesprochen,
verschiedene Aspekte einer Problemstellung geprft, das Herstellen von Zusammenhngen gefordert und Differenzierungen zwischen grundlegendem und erhhtem Anforderungsniveau ermglicht werden.
Die Aufgliederung in Teilaufgaben darf jedoch nicht so detailliert sein, dass dadurch ein Lsungsweg zwingend vorgezeichnet wird oder durch eine zu groe Kleinschrittigkeit in der Formulierung und Zahl der Teilaufgaben die Anforderung an eine eigenstndige und komplexe Argumentationsentwicklung hinsichtlich eines Gesamtzusammenhangs beeintrchtigt wird. Die Teilaufgaben sollen so gestellt werden, dass eine vom Erwartungshorizont abweichende Lsung nicht die weitere Bearbeitung des Fach- bzw. Themengebiets unmglich macht. Falls es aus diesem Grund erforderlich ist, knnen Zwischenergebnisse in der Aufgabenstellung enthalten sein.
Aufgabenformen zur berprfung der formulierten Kompetenzen (vgl. 1.1) und der Kenntnisse in der Grundstruktur rechtlicher Inhalte (vgl. 1.2) sind das Prfen von Sachverhalten hinsichtlich einzelner Tatbestandsmerkmale bzw. im Gutachtenstil und das Feststellen der Rechtsfolgen, das Auswerten von Quellen (fachwissenschaftliche Quellen wie Gesetzestexte, Kommentare, Urteile oder populrwissenschaftliche Darstellungen sowie Zeitungsartikel, Karikaturen etc.).
In beiden Fllen ist darauf zu achten, dass wesentliche Teile der Aufgabenstellung eine grndliche Auseinandersetzung mit dem Material erfordern. Die Lsung der Aufgabe soll von den Schlern eine selbststndige Leistung fordern, die auf den im Unterricht erarbeiteten Kenntnissen und Fhigkeiten aufbaut.
Eine Aufgabe zu einem Fach- bzw. Themengebiet muss sich auf alle drei in Kapitel 2.2 beschriebenen Anforderungsbereiche erstrecken. Die Aufgaben sowohl fr das grundlegende und das erhhte Anforderungsniveau sind angemessen, wenn das Schwergewicht der zu erbringenden Prfungsleistungen im Anforderungsbereich II (ca. 40 Prozent) liegt und daneben die Anforderungsbereiche I und III (mit je ca. 30 Prozent) bercksichtigt werden. Entsprechende Anteile der Anforderungsbereiche knnen insbesondere durch geeignete Wahl der nachzuweisenden Kompetenzen, durch die Struktur der Aufgabe sowie durch entsprechende Formulierung der Aufgabenstellung mit Hilfe geeigneter Operatoren erreicht werden (vgl. Kapitel 2.2). Fcherbergreifende Bezge methodischer oder inhaltlicher Art ergeben sich u. a. zu den Fchern Betriebs- und Volkswirtschaftslehre, Religionslehre/Ethik/Philosophie, Deutsch, Sozialkunde/Geschichte. Zu jeder Teilaufgabe wird die erwartete Prfungsleistung beschrieben und der Bezug zu den drei Anforderungsbereichen hergestellt. Um die Transparenz der Aufgabenstellung und Bewertung zu gewhrleisten, sollen Angaben zum Gewichtungsverhltnis der Teilaufgaben enthalten sein.
Das grundlegende und das erhhte Anforderungsniveau unterscheiden sich vor allem im Hinblick auf die Komplexitt des Stoffes, den Grad der Differenzierung und Abstraktion der Inhalte und Begriffe, im Anspruch an die Methodenbeherrschung und die Selbststndigkeit der Lsung von Problemen (vgl. 1.3).
Den Aufgaben der schriftlichen Prfung muss eine Beschreibung der von den Schlerinnen und Schlern erwarteten Leistungen einschlielich der Angabe von Bewertungskriterien beigegeben werden. Dabei sind von der zustndigen Schulaufsichtsbehrde gegebene Hinweise fr die Bewertung zu beachten und auf die gestellten Aufgaben anzuwenden. Die erwarteten Prfungsleistungen sind stichwortartig darzustellen. Werden Prfungsergebnisse nicht zentral gestellt, so ist der vorangegangene Unterricht, aus dem die Prfungsaufgabe erwachsen ist, so weit zu erlutern, wie dies zur Einschtzung des Schwierigkeitsgrads der Aufgabe notwendig ist. Damit soll zugleich der Bezug zu den Anforderungsbereichen einsichtig gemacht werden. Zugelassene Hilfsmittel sind anzugeben. In diesen Hilfsmitteln sind Hervorhebungen (Markierungen und Unterstreichungen), Querverweise zu anderen Normen (lediglich Zahlenhinweise und Gesetzesnennung) und Registerfhnchen (mit Gesetzesbezeichnung und Paragrafennummern) zulssig. Nicht erlaubt sind systematische Auflistungen, Kommentierungen und Bemerkungen durch die Schler.
Aus der Korrektur und Beurteilung der schriftlichen Arbeit soll hervorgehen, welcher Wert den von den Schlerinnen und Schlern vorgebrachten Lsungen, Untersuchungsergebnissen oder Argumenten beigemessen wird und wie weit die Schlerinnen und Schler die Lsung der gestellten Aufgaben durch gelungene Beitrge gefrdert oder durch sachliche oder logische Fehler beeintrchtigt haben. Die zusammenfassende Beurteilung schliet mit einer Bewertung gem Ziffer 9.1 und 9.2 der Vereinbarung vom 07.07.1972 i. d. F. vom 02.06.2006. Das Beurteilen der von den Prflingen erbrachten Prfungsleistung erfolgt unter Bezug auf die beschriebene erwartete Gesamtleistung. Den Beurteilenden steht dabei ein Beurteilungsspielraum zur Verfgung. Im Erwartungshorizont nicht angefhrte aber gleichwertige Lsungen sind zu bercksichtigen. Bercksichtigt wird die Art der Bearbeitung in den verschiedenen Anforderungsbereichen unter den Aspekten der Qualitt, Quantitt und der Darstellungsweise. Zum Aspekt der Qualitt gehren u. a.: Erfassung der Aufgabe, Genauigkeit der Kenntnisse und Einsichten, Stimmigkeit und Differenziertheit der Aussage, Herausarbeitung des Wesentlichen, Anspruchsniveau der Problemerfassung und Sicherheit in der Beherrschung der Methoden und der Fachsprache.
Zum Aspekt der Quantitt gehren u. a.: Umfang der Kenntnisse und Einsichten, Breite der Argumentationsbasis und Vielfalt der Aspekte und Bezge
Zum Aspekt der Darstellungsweise gehren u. a.: Klarheit und Eindeutigkeit der Aussage, Angemessenheit der Darstellung , bersichtlichkeit der Stoffanordnung, Eigenstndigkeit und Schlssigkeit der Gliederung und des Aufbaus der Arbeit
Darber hinaus sind schwerwiegende und gehufte Verste gegen die sprachliche Richtigkeit in der Muttersprache (Unterrichtssprache) oder gegen die uere Form gem 6 Absatz 5 der Vereinbarung ber die Abiturprfung der gymnasialen Oberstufe der Sekundarstufe II (Beschluss der Kultusministerkonferenz vom 13.12.1973 i.d.F. vom 16.06.2000) in die Bewertung einzubeziehen. Gut (11 Punkte): Die Note soll erteilt werden, wenn ca. 75 Prozent der erwarteten Gesamtleistung und auch Leistungen im Anforderungsbereich III erbracht worden sind. Die Note soll erteilt werden, wenn zentrale Aussagen und bestimmende Merkmale von Materialien und Sachverhalten differenziert erfasst und umfassend bearbeitet werden, die Aussagen przise und umfassend auf die Aufgabe bezogen sind, selbststndige Bezge und eigenstndiges Arbeiten erkennbar sind, fachspezifische Verfahren und Begriffe sicher angewendet werden, die Darstellung in gedanklicher Ordnung und sprachlicher Gestaltung berzeugt, komplexe Gedankengnge entfaltet und eigenstndige Urteile dargestellt werden, die Arbeit klare Strukturen aufweist und eindeutige Verbindungen herstellt.
Ausreichend (05 Punkte): Die Note soll erteilt werden, wenn ca. 45 Prozent der erwarteten Gesamtleistung erbracht worden sind. Die Note soll erteilt werden, wenn: zentrale Aussagen und bestimmende Merkmale von Materialien und Sachverhalten in Grundzgen erfasst sind, die Aussagen insgesamt auf die Aufgaben bezogen sind, grundlegende Verfahren und Begriffe angewendet werden,
die Darstellung verstndlich ausgefhrt und erkennbar geordnet ist, die mutter- und fachsprachlichen Anforderungen im Ganzen erfllt sind, erkennbare Strukturen und Verbindungen vorhanden sind.
Mndliche Prfung Aufgabenstellung
Jede Aufgabe fr die mndliche Abiturprfung muss sich auf alle im Abschnitt 2.2 beschriebenen Anforderungsbereiche erstrecken. In der mndlichen Prfung sollen die Prflinge Kenntnisse und Fhigkeiten ber Inhalte und Methoden des Faches Recht nachweisen, die sich an der im Abschnitt 1.2 aufgezeigten Grundstruktur rechtlicher Inhalte orientieren. Fcherbergreifende Kompetenzen sollen dabei angewandt und Zusammenhnge hergestellt werden. Dabei sollen die Prflinge rechtliche Sachverhalte analysieren, die jeweilige Rechtslage in freiem Vortrag darstellen und sie gegebenenfalls beurteilen, sich im Gesprch begrndet mit einzelnen Rechtspositionen auseinandersetzen und dazu vor dem Hintergrund der Werteordnung der Bundesrepublik Deutschland Stellung nehmen knnen.
Dies kann innerhalb von Einzel- bzw. Gruppenprfungen ber verschiedene Prfungsverfahren geschehen, wie zum Beispiel: freier Vortrag, Rollenspiel, Zwiegesprch, Diskussion und Pro-und-Kontra-Darstellung.
Geeignete Medien sollen diese Prfungsformen untersttzen. Nach der vom Prfling bzw. von den Prflingen selbststndig gestalteten Prfungsphase werden in der Regel in einem anschlieenden Prfungsgesprch die Ausgangsproblemstellungen vertieft. Dabei mssen u. a. einzelne Sachverhalte oder Probleme fachsprachlich angemessen in bergeordnete Zusammenhnge eingeordnet sowie Lsungswege unter Rckgriff auf juristische Methoden aufgezeigt und ggf. visualisiert werden. Fr die selbststndig zu gestaltende Prfungsphase erhlt jeder Prfling eine angemessene Vorbereitungszeit. Bei Gruppenprfungen und Prfungen mit besonderem Medieneinsatz ist die Prfungsvorbereitungszeit und die Prfungszeit in angemessenem Umfang zu verlngern. Grundlage fr die mndliche Prfung ist eine juristische Problemstellung, die zu Beginn der Vorbereitungszeit unter Hinweis und ggf. Bereitstellung der zugelassenen Hilfsmittel (vgl. 3.4) schriftlich vorgelegt wird. Das Problem soll unter Vorgabe von geeignetem Arbeitsmaterial so formuliert werden, dass bei der Lsung alle drei Anforderungsbereiche erreicht werden knnen. Die Prfung soll verschiedenar-
tige Kompetenzen (vgl. 1.1) ansprechen und darf sich nicht ausschlielich auf Lerngebiete eines Kurshalbjahres beschrnken. Aufgabenstellungen, die im Rahmen des vorangegangenen Unterrichts sowie in der schriftlichen Abiturprfung behandelt worden sind, drfen nicht Gegenstand der mndlichen Prfung sein. Den Prflingen muss anhand von Angaben zu Aufgabengewichtungen eine Orientierung fr die Bearbeitung der mndlichen Prfungsaufgabe geboten werden.
Bei der Bewertung der mndlichen Prfungsleistung sollen neben den beschriebenen Kompetenzen vor allem folgende fachlichen Kriterien bercksichtigt werden: sachliche Richtigkeit und Umfang des beim Vortrag, Rollenspiels o. . und beim anschlieenden Prfungsgesprch geforderten Fachwissens; dabei sind die Komplexitt der Inhalte und der Grad an Selbststndigkeit der Prfungsleistung zu beachten; Beherrschung der juristischen Arbeitstechniken (sicherer Umgang mit Gesetzestexten, Subsumtion, Gutachtenstil, Nutzung juristischer Informationsquellen) Fhigkeit, einen rechtlichen Sachverhalt und die ggf. zugehrige Falllsung sprachlich verstndlich darzulegen und das Wesentliche herauszustellen; Fhigkeit, beim Prfungsgesprch sachgerecht zu argumentieren, auf Fragen und Einwnde einzugehen und gegebene Hilfen aufzugreifen.
Fr die Bewertung gelten zustzlich folgende berfachliche Kriterien: Art und Strukturierung des Vortrages, Fhigkeit zu verbaler und nonverbaler Kommunikation unter Verwendung der Fachsprache, Eingehen auf Gesprchsimpulse, situationsbezogene Argumentations- und Urteilsfhigkeit und Angemessenheit der gewhlten Darstellung.
Die Notenfindung sollte unter Beachtung der fachlichen und berfachlichen Kompetenzen erfolgen, wobei die fachlichen im Vordergrund stehen.
Prfung im Rahmen der Besonderen Lernleistung
Nach der Vereinbarung zur Gestaltung der gymnasialen Oberstufe in der Sekundarstufe II (Beschluss der Kultusministerkonferenz vom 07.07.1972 i. d. F. vom 02.06.2006, Ziff. 9.3.4 i. V. m. 7.6) kann im Rahmen der Abiturprfung bei fnf Prfungsfchern anstelle der Prfungsleistung in einem Prfungsfach oder bei vier Prfungsfchern zustzlich als fnftes Prfungselement
eine Besondere Lernleistung angerechnet werden.
Die Besondere Lernleistung ist schriftlich von den Schlerinnen und Schlern zu dokumentieren. Die Ergebnisse werden im Rahmen eines Kolloquiums dargestellt und erlutert. Die Besondere Lernleistung wird im Rahmen bzw. im Umfang von mindestens zwei Schulhalbjahren erbracht . Die Besondere Lernleistung frdert projektorientiertes und wissenschaftspropdeutisches Lernen und Arbeiten, die Einbeziehung grerer fachlicher Zusammenhnge, die fcherverbindende Vernetzung des Erlernten und die kommunikative Kompetenz in unterschiedlichen Lernsituationen. Dabei sollen die Schlerinnen und Schler Kompetenzen zeigen, die im Rahmen des Unterrichts erworben werden knnen, jedoch durch die herkmmlichen mndlichen Prfungen nur unzureichend berprfbar sind, z. B.: eine angemessene, vollstndige und aussagekrftige Dokumentation erstellen, eine selbststndige Problembearbeitung zeigen (z. B. in der Dokumentation und im Kolloquium), eine mediengesttzte und einfallsreiche Prsentation erstellen (z. B. bei einer Prsentationsaufgabe), fachlich berzeugend, kontrovers und souvern argumentieren (z. B. bei einem Streitgesprch), angemessene Selbstreflexion zum Ausdruck bringen (z. B. nach einem Rollenspiel, Streitgesprch).
Sofern die Besondere Lernleistung dem Referenzfach Recht zugeordnet ist, gelten die Abschnitte 1 bis 4.2 sinngem. Im Folgenden werden fr die Aufgabenstellung der Besonderen Lernleistung mit dem Referenzfach Recht Festlegungen getroffen, die ber die Bestimmungen der Abschnitte 1 bis 4.2 hinausgehen.
Themenstellung fr die Besondere Lernleistung, Arbeits- und Lernformen
Die Themenwahl soll folgende Kriterien bercksichtigen: Bercksichtigung der Grundstruktur rechtlicher Inhalte (vgl. 1.2), Bezge zu den Kompetenzen (vgl. 1.1) und Inhalten des Referenzfachs und mgliche fachbergreifende Anstze, angemessener Umfang und Komplexitt des zu bearbeitenden Themas, Notwendigkeit der eigenstndigen fachspezifischen Recherche, Interessenlage der Schlerinnen und Schler.
Es bieten sich in besonderer Weise Themen an, die die Mglichkeit zur Informationserhebung, z. B. in Form von Erkundungen, Expertenbefragungen oder Umfragen, bieten, einen lokalen oder regionalen Bezug aufweisen, bei Gruppenprfungen eine Aufteilung in Unterthemen zulassen.
Die Umsetzung der Themen kann z. B. in folgenden Arbeits- und Lernformen realisiert werden: Praktika, Experteninterviews und Erkundungen,
Projekte, Seminararbeit, Schlerwettbewerbe.
Art und Umfang der schriftlichen Dokumentation sind von der gewhlten Arbeits- und Lernform und der Themenstellung abhngig.
Im Rahmen des Kolloquiums stellt der Schler oder die Schlerin die Ergebnisse der Besonderen Lernleistung dar, erlutert sie und beantwortet Fragen (vgl. Vereinbarung zur Gestaltung der gymnasialen Oberstufe in der Sekundarstufe II, v. 07.07.1972 i. d. F. vom 02.06.2006). Dabei erhlt die Prsentation einen besonderen Stellenwert. Sie geht von der vorzulegenden schriftlichen Dokumentation aus. Die Einordnung und Diskussion in grere fachliche Zusammenhnge sowie die Errterung weiterfhrender Fragen, z. B. fcherbergreifende Aspekte schlieen sich an die Prsentation an. Bei der Vorbereitung des Kolloquiums sind insbesondere die verfgbaren technischen Mglichkeiten, z. B. Folien, Simulationssoftware, Prsentationssoftware zu beachten. Fr Gruppenprfungen im Fach Recht eignen sich insbesondere Prfungsaufgaben, bei denen z. B. unterschiedliche Perspektiven und Interessenlagen sowie Aspekte eines Falles behandelt werden. Bei Gruppenprfungen ist auf eine gerechte Chancenverteilung zu achten. Durch die Begrenzung der Gruppengre, die Aufgabenstellung und die Gestaltung des Kolloquiums ist dafr Sorge zu tragen, dass die individuelle Leistung deutlich erkennbar und bewertbar ist. Die Ausfhrungen in Abschnitt 4 zu Prfungsformen, Anforderungen und Bewertung gelten sinngem.
Aufgabenbeispiele fr die schriftliche Abiturprfung Allgemeine Hinweise
Die folgenden Aufgabenbeispiele greifen auf bewhrte Aufgabenstellungen zurck und bercksichtigen neuere fachdidaktische Entwicklungen, die im Teil I dieser EPA eingearbeitet wurden. Die Stellung des Fachgebietes Recht in den Unterrichtsfchern (z. B. Wirtschaft und Recht in Bayern, Rechtslehre in Mecklenburg-Vorpommern, Recht in Berlin) und die inhaltliche Gestaltung der Lehrplne sind in den einzelnen Lndern sehr unterschiedlich. Darber hinaus liegen jeweils andere unterrichtliche Voraussetzungen (z. B. Stundenausstattung, Kurse mit grundlegendem und erhhtem Anforderungsniveau) sowie eine uneinheitliche Prfungsdauer vor. Daher knnen die einzelnen Aufgabenbeispiele nur exemplarisch das erwartete Anforderungsniveau und die Bercksichtigung der Grundstruktur rechtlicher Inhalte (vgl. Teil I, Abschnitt 1.2) abbilden. Die Darstellung ist folgendermaen gegliedert: a) bersicht ber die unterrichtlichen Voraussetzungen b) Aufgabenstellung c) Lsungshinweise Die Zuordnung der Bewertungseinheiten der Teilaufgaben zu den Anforderungsbereichen I, II und III (vgl. allgemeiner Teil I, Abschnitt 2.2) wird in den Aufgaben 1 und 2 aufgezeigt.
Aufgabenbeispiele Aufgabe 1
a) bersicht ber die unterrichtlichen Voraussetzungen Bezeichnung des Unterrichtsfachs Fachgebiet dieser Aufgabe Lerninhalte Wirtschaft und Recht (grundlegendes Anforderungsniveau) Recht Grundtatsachen des Rechts, Rechtsordnung, Rechtsquellen, rechtstechnische Grundlagen, rechtlich bedeutsame Lebensaltersstufen, Vertragsfreiheit, Besitz und Eigentum, Eigentumserwerb, Kaufvertrag und Leistungsstrungen, weitere Rechtsgeschfte des tglichen Lebens, zivilrechtliche Anspruchsgrundlagen, Strafrecht: Funktonen, Strafzwecke, Strukturprinzipien, Aufbau einer Straftat, Rechtsfolgesystem Textausgaben BGB, StGB, GG, BayVerf
b) Aufgabenstellung FACHGEBIET RECHT Smtliche Aufgaben sind, soweit mglich, unter Angabe der entsprechenden Normen des BGB zu bearbeiten. Aus einem Zeitungsbericht (bearbeitet): Rentnerin um wertvolle Kunstwerke gebracht Wohnung in Brand gesteckt Mnchen. Bse betrogen wurde eine Mnchner Rentnerin von einem Gaunerprchen: Nach einem Brand in ihrer Wohnung gab Maria R., 72, gegenber der Polizei an, dass ein wertvolles Gemlde durch das Feuer vernichtet worden sei. Dabei handelte es sich um das Aquarell Katze und Maus von Wasilinsky aus dem Jahr 1940. Sein Wert wird auf ca. 50.000 Euro geschtzt. Zweifel an dieser Version hegte die Kripo erst, als das Bild letzte Woche in der Nrnberger Galerie von Peter P. aufgetaucht war. Nach Aussage von Peter P. erwarb er das Gemlde von dem Mnchner Galeristen Ludwig L. Bei der Durchsuchung der Mnchner Geschftsrume des L. an der Brienner Strae wurde ein Schriftstck sichergestellt, wonach der Kunststudent Josef S., 25, das Gemlde fr 20.000 an L. verkauft hatte. Josef S. erwies sich im Zuge der polizeilichen Ermittlungen als Freund der Altenbetreuerin Ulla G., 18, die die Rentnerin R. regelmig betreute. Die Polizei fand heraus, dass Josef S. bereits einen Monat vor dem Brand das Aquarell an L. verkauft hatte. Die Aussage von Maria R., dass das Bild beim Brand vernichtet worden sei, galt aber als sehr glaubwrdig. Die Kripo stand zunchst vor einem Rtsel. Bei der anschlieenden Durchsuchung der gemeinsamen Wohnung von Ulla G. und Josef S. in Mnchen wurde ein hoher Geldbetrag sichergestellt. In weiteren Vernehmungen gestand das Paar, in der Wohnung der Rentnerin R. das Gemlde aus dem Rahmen entfernt und durch eine Farbkopie ersetzt zu haben. Die Rentnerin, die an einer Sehschwche leidet, bemerkte den Betrug nicht. Aus Angst vor der Entdeckung hatte Josef S. ein paar Wochen spter die Wohnung von Maria R. in Brand gesteckt. Der Sachschaden belief sich auf 40.000 Euro. Die Rentnerin blieb unverletzt. Ulla G., die Verdacht geschpft hatte, dass ihr Freund Josef S. einen Brand legen wollte, brachte die Rentnerin noch rechtzeitig in Sicherheit.
1.1 Untersuchen Sie, wer Eigentmer des Gemldes Katze und Maus ist. Gehen Sie dabei chronologisch vor. Prfen Sie im Gutachtenstil die Ansprche der Rentnerin Maria R. gegenber dem Galeristen Peter P. 1.2 Zeigen Sie unter Bezugnahme auf konkrete Rechtsnormen auf, dass Eigentum in unserer Rechtsordnung besonders geschtzt ist, und gehen Sie dabei auch auf die Grenzen des Eigentumsschutzes ein. [22 Bewertungseinheiten] Die Rentnerin Maria R. muss nach dem Brand ihre Wohnung renovieren lassen. Unter anderem beauftragt sie einen Handwerker mit der Verlegung eines Parkettbodens. Fr die Badeinrichtung kauft sie eine komplett neue Sanitrausstattung. Die Gesamtkosten der Renovierung belaufen sich auf 40.000 . Der Rechtsanwalt von Maria R. empfiehlt eine Klage gegen Josef S. Dieser lehnt eine Kostenbernahme mit dem Hinweis ab, die Wohnung der Maria R. sei vor dem Brand recht heruntergekommen gewesen. Maria R. habe teure Parkettbden verlegen lassen, whrend sie frher einen einfachen PVC-Boden gehabt hatte. Auch die neue Badausstattung sei wesentlich wertvoller als die alte. 2 Prfen Sie im Gutachtenstil, ob ein Anspruch von Maria R. gegen Josef S. auf Begleichung der Kosten in der geforderten Hhe besteht. [10 Bewertungseinheiten]
Maria R. berweist Rechnungen fr die Renovierung der Wohnung in Hhe von 20.000 nicht, da sie auf die Zahlungen von Josef S. wartet und keinen Kredit aufnehmen mchte. 3 Stellen Sie dar, unter welchen rechtlichen Voraussetzungen und gegebenenfalls ab welchem Zeitpunkt Maria R. Verzugszinsen ( 288) zahlen muss. [14 Bewertungseinheiten]
Aus einem spteren Zeitungsbericht (bearbeitet): Milde Strafen fr Gaunerprchen Jahren verurteilt. Er hatte versucht, durch den Mnchen. Gestern fand am Amtsgericht MnBrand den Diebstahl des Bildes zu vertuschen. chen die Gerichtsverhandlung gegen Ulla G. Als die Rentnerin von dem Urteil gegen ihre statt. Die Achtzehnjhrige hatte zusammen mit frhere Pflegerin Ulla G. erfuhr, uerte sie sich ihrem damaligen Freund Josef S., 25, einer emprt: Die jungen Leute knnen sich heute Rentnerin ein wertvolles Gemlde gestohlen. Sie alles erlauben, ohne dass sie ordentlich bestraft wurde zu 20 Stunden gemeinntziger Arbeit in werden. Das htte es zu meiner Zeit nicht gegeeiner sozialen Einrichtung verurteilt. Josef S. ben. Sie hatte fest mit einer Gefngnisstrafe fr wurde vergangenen Monat wegen Diebstahls beide gerechnet. und schwerer Brandstiftung am Landgericht Mnchen I zu einer Freiheitsstrafe von vier
Erklren Sie unter Einbeziehung der Zeitungsberichte die Voraussetzungen fr die Strafbarkeit einer Handlung und erlutern Sie, welche Aspekte fr die Richter bei der Strafzumessung fr Ulla G. und Josef S. eine wesentliche Rolle gespielt haben knnten. [14 Bewertungseinheiten] [Summe: 60 BE]
c) Lsungshinweise Die Lsungsvorschlge lassen sachlichen Gehalt, Art und Niveau der Beantwortung erkennen, ohne den Anspruch zu erheben, die einzig mgliche Lsung zu sein. 1.1 Untersuchen der Eigentumsverhltnisse:
Ursprnglich war R die Eigentmerin des Gemldes. Durch den Diebstahl wurden Ulla G. und Josef S. zwar Besitzer ( 854 I), nicht aber Eigentmer. L knnte gem. 929 I, 932 I das Eigentum am Gemlde erworben haben: Josef S. veruert das Gemlde an L ( 145, 147, 929 i. V. m. 854 I). Josef S. war zwar nicht Eigentmer des Gemldes, aber L ist in gutem Glauben gem. 932 II, da er laut Sachverhalt die wahren Eigentumsverhltnisse nicht kannte bzw. ihm keine grob fahrlssige Unkenntnis anzulasten ist. 935 I schliet jedoch den gutglubigen Erwerb aus, da das Gemlde der Eigentmerin R. gestohlen worden war. L veruert das Gemlde an P ( 145, 147, 929 i. V. m. 854 I). Ein gutglubiger Eigentumserwerb ( 932 I) des P ist dabei auch hier nicht mglich ( 935 I, Arg. s. o.). Ergebnis: Eigentmerin ist immer noch R.
Prfen der Ansprche der R gegenber P gem 985 f.: R ist Eigentmerin des Bildes und P Besitzer ( 854 I). P kann keinerlei Einwendungen nach 986 machen, da er gegenber R nicht zum Besitz berechtigt ist. Damit besteht ein Anspruch von R gegenber P auf Herausgabe des Bildes.
1.2 Aufzeigen des Eigentumsschutzes, z. B.: Der Schutz des Eigentums wird u. a. durch folgende Rechtsnormen festgeschrieben:
Das Recht auf Eigentum wird sowohl im Grundgesetz (Art. 14 GG) als auch in der bayerischen Verfassung (Art. 103 BV) gewhrleistet. Gem 903 BGB kann der Eigentmer mit der Sache nach Belieben verfahren und andere von jeder Einwirkung ausschlieen. 985 BGB ermglicht dem Eigentmer, sein Eigentum jederzeit von einem unberechtigten Besitzer herauszufordern. 823 BGB regelt, dass der Eigentmer bei Verletzung seines Eigentums Schadensersatz verlangen kann. ggf.: Auch das Strafrecht sorgt fr einen Eigentumsschutz, z. B. durch 242 StGB (Diebstahl).
Eingehen auf Grenzen des Eigentumsschutzes, z. B.:
Grenzen erfhrt der Eigentumsschutz z. B. durch die Sozialpflichtigkeit des Eigentums (Art. 14 II GG, Art. 103 II, Art. 158 BV). In bestimmten Fllen sind Enteignungen zum Wohle der Allgemeinheit mglich (Art. 14 III GG). 903 schrnkt die Eigentumsrechte dann ein, wenn ein Gesetz oder die Rechte Dritter entgegenstehen.
Einschrnkungen ergeben sich z. B. durch die Regelungen zum gutglubigen Erwerb (z. B. 932 BGB). Weiter kann das Eigentum durch ffentliches Recht, z. B. das Bau-, das Forst- oder das Wasserrecht eingeschrnkt werden. 823 gewhrt kein Recht auf Schadensersatz, wenn die Eigentumsverletzung nicht widerrechtlich erfolgt.
Prfen des Anspruchs der R gegen Josef S. auf Schadensersatz aus 823 I: Handlung des Josef S.: Er hat Feuer in der Wohnung der R gelegt. Rechtsgutverletzung: Josef S. hat das Eigentum von R verletzt, denn die Wohnungseinrichtung war nach dem Brand schwer beschdigt. Schaden: Kosten fr die Wiederherstellung der Wohnung Kausalitt: Der entstandene Schaden ist auf die Brandstiftung von Josef S. zurckzufhren. Widerrechtlichkeit: Die Handlung des Josef S. war widerrechtlich, da keine Rechtfertigungsgrnde (z. B. Notstand) vorliegen. Verschulden: Josef S. handelte vorstzlich ( 276), da er durch den Brand den begangenen Diebstahl vertuschen wollte.
Damit ist Josef S. zum Schadensersatz gem. 823 I verpflichtet. Dieser ergibt sich ebenso aus 823 II (Versto gegen ein Schutzgesetz, hier: schwere Brandstiftung nach 306a StGB) Die Hhe des Schadensersatzes bestimmt sich nach 249. Josef S. muss also nach 249 I den Zustand der Wohnung herstellen, wie er vor dem Brand bestanden hat. Nach 249 II kann die Glubigerin R auch den dazu erforderlichen Geldbetrag verlangen. Das wre der Betrag fr die Beschaffung eines vergleichbaren PVC-Bodens und einer vergleichbaren Badausstattung.
Darstellen, z. B.:
Voraussetzung fr die Bezahlung von Verzugszinsen nach 288 I ist, dass sich Maria R. im Zahlungsverzug befindet. Der Verzugsbeginn ist in 286 I bis III geregelt. Nach 286 I kommt Maria R. mit der Mahnung der Glubiger in Verzug, wenn sie fllige Rechnungen (ggf. 271) nicht bezahlt. In 286 II Nr. 1- 4 sind Voraussetzungen genannt, die eine Mahnung entbehrlich machen wrden: Wenn z. B. im Vertrag mit den Handwerkern ein bestimmtes Kalenderdatum als Zahlungstermin festgelegt worden wre ( 286 II Nr. 1), msste Maria R. bereits ab diesem Zeitpunkt Verzugszinsen bezahlen. Liegt keine der Voraussetzungen nach 286 II vor, so kommt R nach 286 III sptestens 30 Tage nach Flligkeit und Zugang der Rechnung in Verzug. Da sie Verbraucherin ( 13) ist, kommt sie aber nur dann in Verzug, wenn sie vom Glubiger in der Rechnung auf die Folgen des Verzugs hingewiesen wurde. Sie kommt allerdings nach 286 IV nicht in Verzug, solange die Zahlung der Rechnungen auf Grund eines Umstandes unterbleibt, den sie nicht zu vertreten hat. Sie bezahlt aber vorstzlich die Rechnungen nicht.
Dass sie das Geld von Josef S. erst spter bekommt, spielt hier keine Rolle, da sie fr ihre finanzielle Leistungsfhigkeit in jedem Fall einzutreten hat.
Erklren, z. B.:
Eine Straftat ist eine tatbestandsmige, rechtswidrige und schuldhafte Handlung, an die das Gesetz eine Strafandrohung knpft.
Tatbestandsmigkeit ist gegeben, wenn die Tat die im Strafgesetz festgelegten objektiven und subjektiven (Vorsatz, Fahrlssigkeit) Tatbestandsmerkmale erfllt (im vorliegenden Fall kommen z. B. die Tatbestandsmerkmale des Diebstahls, 242 StGB, und der schweren Brandstiftung, 306 a StGB, in Betracht). Rechtswidrigkeit ist gegeben, wenn keine Rechtfertigungsgrnde (z. B. Notwehr, Notstand) fr die mit Strafe bedrohte Tat vorliegen. Dies ist im vorliegenden Fall gegeben. Schuldhaft handelt ein Tter, wenn ihm die Tat persnlich vorwerfbar ist, er also z. B. schuldfhig ist (der Sachverhalt liefert keine Anhaltspunkte fr eine gegenteilige Einschtzung).
Erlutern, z. B.: Entlastende Aspekte bei der Strafzumessung:
Ulla G. ist mit 18 Jahren strafmndig als Heranwachsende. Die Anwendung des milden Jugendgerichtsgesetzes ist mglich. Ulla G. hat R beim Brand in Sicherheit gebracht. Ulla G. wurde evtl. nur durch ihre Beziehung zu Josef S. zu dem Diebstahl verfhrt.
Belastende Aspekte bei der Strafzumessung:
Ulla G. hat eine Vertrauensstellung missbraucht. Josef S. versuchte, durch den Brand eine andere Straftat zu vertuschen. Josef S. ist 25 Jahre alt und damit nach dem Erwachsenen-Strafrecht zu verurteilen. Er nimmt bei der Brandstiftung die Verletzung oder sogar Ttung der Rentnerin in Kauf.
Hinweis: Die hier aufgefhrten Aspekte haben exemplarischen Charakter. Zuordnung zu den Anforderungsbereichen Teilaufgabe 1.1 1.2 2 3 4 Anforderungsbereiche (Angabe der BE) I II III ca. 6 ca. 6 ca. 10 ca. 5 ca. 5 ca. 7 ca. 7 ca. 7 ca. 7 ca. 17 ca. 25 ca. 18 Summe (BE) 12 10 10 14 14 60
Da durch Komplexitt der Aufgabenstellung hufig mehr als ein Anforderungsbereich mit einer Aufgabe erreicht wird, ist die Zuordnung der Bewertungseinheiten zu den Anforderungsbereichen nicht immer eindeutig. Sie hngt auch davon ab, welche Schwerpunkte und Beispiele die unterrichtende Lehrkraft in ihrem Unterricht gewhlt hat. 1.2.2 Aufgabe 2
a) bersicht ber die unterrichtlichen Voraussetzungen Bezeichnung des Unterrichtsfachs Lerninhalte Wirtschaft und Recht (erhhtes Anforderungsniveau) Grundtatsachen des Rechts, Rechtsordnung, Rechtsquellen, rechtstechnische Grundlagen, Rechtssubjekte und Rechtsgeschfte, rechtlich bedeutsame Lebensaltersstufen, Vertragsfreiheit, Besitz und Eigentum, Eigentumserwerb, Kaufvertrag und Leistungsstrungen, weitere Rechtsgeschfte des tglichen Lebens, zivilrechtliche Anspruchsgrundlagen, Bearbeitung von Rechtsfllen Textausgaben BGB, StGB, GG, BayVerf, HGB, AktG, GmbHG
Hilfsmittel b) Aufgabenstellung
FACHGEBIET RECHT Smtliche Aufgaben sind, soweit mglich, unter Angabe der entsprechenden Normen des BGB zu bearbeiten. Die 17-jhrige Belinda (B) mchte mit ihrem neuen Freund, dem volljhrigen Studenten Peter Baumann (P), zusammenziehen. Deshalb sucht sie seit einigen Wochen eine 2-Zimmer-Wohnung. Da sie Peter ihren Eltern noch nicht vorgestellt hat, erzhlt sie ihnen zunchst nichts von diesen Plnen. Frau Dorn (D), eine ltere Dame, bietet ihr eine Wohnung an. Am 12.03.2005 besichtigt Belinda die Wohnung und ist begeistert. Frau Dorn, die Belinda fr volljhrig hlt und sie sich auch als Mieterin vorstellen kann, verlangt von ihr nur einen Nachweis ber ein festes Einkommen. Belinda schliet daher zum Schein mit ihrem Bekannten Lukas (L), der als Elektromeister selbststndig ist, einen Arbeitsvertrag ab und legt diesen Frau Dorn vor. Am 15.03.2005 schlieen Frau Dorn und Belinda einen schriftlichen Mietvertrag ab. Die Miete ist jeweils am Ersten des Monats im Voraus fllig. Frau Dorn ist einverstanden, dass Peter in die Wohnung mit einziehen wird und Anfang April beziehen Belinda und Peter die Wohnung. Am 02.04.2005 kauft Peter im Mbelhaus Holzinger (H) ein rotes Schlafsofa mit Kunstlederbezug zum Preis von 299 . Peter vereinbart mit Holzinger, dass er das Sofa am Nachmittag selbst abholen und dann auch bezahlen wird. Peter mietet sich dafr fr eine Stunde einen Kleintransporter fr 19 . Bei der Abholung unterluft Holzinger ein Fehler: Er verwechselt die Artikelnummer und bergibt Peter ein Schlafsofa mit einem echten Lederbezug (Preis 888 ). Belinda bemerkt dies und flstert Peter zu: Sei blo still, das Ding kostet mindestens das Dreifache, wenn ich mich recht erinnere.
Am 12.04.2005 erreicht Peter folgender Brief, den er sofort liest: Mbelhaus Holzinger Lindenstrae 69 81545 Mnchen
Herrn Peter Baumann ......................... ....... Mnchen
Unser Zeichen Hol
Falschlieferung eines Schlafsofas Sehr geehrter Herr Baumann, bei unserer heutigen routinemigen Lagerbestandsprfung haben wir leider feststellen mssen, dass wir Ihnen aufgrund eines Versehens am 02.04.2005 ein falsches Schlafsofa ausgehndigt haben. Wir wrden diesen Fehler, fr den wir uns bei Ihnen in aller Form entschuldigen, gerne korrigieren. Wir werden das von Ihnen gekaufte Schlafsofa (Art. Nr. 171183, Kaufpreis: 299 ) gegen das irrtmlich ausgelieferte Sofa (Art. Nr. 171138, Kaufpreis: 888 ) am Freitag, 15. April 2005, gegen 10.00 Uhr austauschen. Sollten Sie an diesem Termin verhindert sein, bitten wir um eine kurze telefonische Terminabsprache unter der Nummer 089/8154711.
Mit freundlichen Gren Holzinger Holzinger (Inhaber) 1.1 Erklren Sie die rechtliche Bedeutung des Schreibens von Holzinger an Baumann und prfen Sie im Gutachtenstil die mglichen gegenseitigen Ansprche, die sich fr beide Vertragsparteien daraus ergeben. 1.2 Erlutern Sie anhand von zwei konkreten Beispielen aus dem gegebenen Sachverhalt, wie die Wirksamkeit von Willenserklrungen bzw. von Vertrgen beeintrchtigt sein kann. [18 Bewertungseinheiten]
Gehen Sie nun von folgender Fallvariante aus: Peter erhlt zwar das Modell zu 299 , aber in einer anderen Farbe. Er stellt dies allerdings erst zu Hause beim Auspacken fest. 2 Prfen Sie im Gutachtenstil, ob Peter einen schuldrechtlichen Anspruch auf Austausch hat. [10 Bewertungseinheiten]
Bereits am 03.04.2005 hatte Peter Besuch von seinem Freund Jrgen (J) gehabt. Dieser hatte sich sehr interessiert an Peters neuem Leder-Schlafsofa gezeigt: Genau so ein Sofa wollte ich bei Holzinger kaufen, doch leider war es nicht mehr lieferbar. Sowohl fr Peter als auch fr Jrgen hatte sich dadurch die Chance fr ein gutes Geschft geboten und Peter hatte das Sofa fr 700 an Jrgen verkauft. Es war verabredet worden, dass Jrgen das Sofa gegen Barzahlung am Freitag, den 15.04.2005 gegen 13:00 Uhr bei Peter abholen sollte. Als Jrgen nun zum vereinbarten Termin bei Peter vorbeikommt, um das Sofa in Empfang zu nehmen, muss ihm dieser gestehen, dass das gute Stck bereits am Vormittag von Holzinger wieder abgeholt worden ist. Jrgen ist darber sehr verrgert. Er erklrt Peter, dass er extra deswegen fr das ganze Wochenende einen groen Umzugswagen gemietet habe, und fordert ihn auf, sich das Schlafsofa bei Holzinger wieder zu beschaffen. Da ihm dies nur zum Preis von 888 mglich wre, lehnt Peter diese Forderung kategorisch ab. Jrgen verlangt nun die Kosten fr seinen gemieteten LKW in Hhe der Wochenendpauschale von 79 . Gehen Sie davon aus, dass Jrgen im vorliegenden Fall gegen Peter einen Anspruch auf Schadensersatz statt der Leistung gem der 281 I, 280 hat. 3.1 Prfen Sie im Gutachtenstil, ob Jrgens Forderung nach Erstattung der 79 gem. 284, 281, 280, gerechtfertigt ist. Gehen Sie dabei insbesondere auf den Aspekt der Billigkeit der Forderung ein. 3.2 Erklren Sie, wodurch bei der abgebildeten Justitia der Aspekt der Billigkeit symbolisiert wird, und erlutern Sie die Bedeutung weiterer dargestellter Symbole.
[20 Bewertungseinheiten]
Mitte April kommt es zu einem Klteeinbruch mit heftigen Schneefllen. Am 16.04.2005, gegen 17.30 Uhr ist der 35-jhrige Passant Heinz Schnell (S) auf dem Weg zur Bushaltestelle. Zwar erkennt er die Gefahr, doch um seinen Bus noch zu erreichen, sprintet er den spiegelglatten Gehweg vor dem Haus von Frau Dorn entlang. Er rutscht aus, fllt und zieht sich dabei einen komplizierten Unterarmbruch zu. Frau Dorn, die Hauseigentmerin, hatte weder gerumt noch gestreut, weil sie davon ausging, dass in dieser Jahreszeit der Schnee ohnehin nicht lange liegen bleiben wrde. Heinz Schnell verlangt von Frau Dorn die volle Erstattung der Arztkosten in Hhe von 3000 Euro. Auszug aus der Stdtischen Verordnung ber die Reinigung und Sicherung der ffentlichen Wege, Straen und Pltze: Bei winterlichen Wetterverhltnissen muss die Gehbahn auf einer ausreichenden Breite von Schnee und Eis freigehalten und bei Gltte mit Splitt, Sand oder Asche gestreut werden. (...) Von Montag bis Samstag muss bis 7.00 Uhr (an Sonn- und Feiertagen bis 8.00 Uhr) gerumt und gestreut sein, dies ist bis 20.00 Uhr so oft zu wiederholen, wie es fr die Sicherheit der Fugnger erforderlich ist. 4 Prfen Sie im Gutachtenstil, ob der Anspruch Schnells nach 823 I gerechtfertigt ist. Bercksichtigen Sie dabei auch die Regelungen des 254 I. [12 BE] ______________ Summe [60 BE]
c) Lsungshinweise Die Lsungsvorschlge lassen sachlichen Gehalt, Art und Niveau der Beantwortung erkennen, ohne den Anspruch zu erheben, die einzig mgliche Lsung zu sein. 1.1 Erklren, z. B.: Das Schreiben von H ist rechtlich gesehen eine Anfechtungserklrung in schriftlicher Form nach 143 I:
Da H bei der bereignung des Schlafsofas nach 145, 147, 929 i. V. m. 854 I bei der Artikelnummer ein Irrtum unterlief, liegt hier bei der Abgabe seiner Willenserklrung zur bereignung ein Erklrungsirrtum vor ( 119 I, 2. Alternative). H htte bei Kenntnis der Sachlage die Willenserklrung nicht abgegeben (erheblicher Preisunterschied). Die Anfechtung durch H erfolgt unverzglich gem. 121 I, da der Brief, der als Anfechtungserklrung im Sinne des 143 I dem Anfechtungsgegner Paul zugeht, sofort nach Bemerken des Irrtums bei der Lagerbestandsberprfung abgeschickt wird.
Somit ist die bereignung des Schlafsofas nach 142 I von Anfang an nichtig. Prfen: Mglicher Anspruch des H gegen P auf Herausgabe des Schlafsofas nach 985 f.:
H ist immer noch Eigentmer des Schlafsofas, da die bereignung nach 142 I von Anfang an nichtig ist. P ist Besitzer des Schlafsofas durch bergabe nach 854 I. Ggf.: P ist gegenber H nicht gem. 986 zum Besitz berechtigt.
Somit kann H von P die Herausgabe des Schlafsofas verlangen. Mglicher Anspruch von P gegen H auf Schadensersatz i. H. v. 19 gem. 122:
Paul erleidet keinen Schaden, da er die 19 in jedem Fall ausgegeben htte und der Austausch lt. Sachverhalt keine Kosten verursacht. Ggf.: Zudem hat Belinda ihn auf den Irrtum schon bei der bergabe hingewiesen, wodurch er den Grund der Anfechtung kannte ( 122 II).
P hat somit keinen Anspruch auf Schadensersatz.
1.2 Erlutern anhand von zwei Beispielen, z. B.: Nichtigkeit: Der Antrag Belindas zum Arbeitsvertrag zwischen Belinda und Lukas ist nichtig nach 117 I, da der Arbeitsvertrag ein Scheingeschft darstellt. Schwebende Unwirksamkeit: Der von der beschrnkt geschftsfhigen Belinda ( 2, 106, sie ist erst 17 Jahre alt) ohne Einwilligung der Eltern abgeschlossene Mietvertrag ist fr sie auch mit rechtlichen Nachteilen verbunden ( 107) und deshalb schwebend unwirksam ( 108 I). Anfechtbarkeit: Die Willenserklrung zur bereignung des Schlafsofas von H an P ist anfechtbar nach 119 I (vgl. 1.1). Ggf. (fr den Fall, dass der Mietvertrag durch Genehmigung der Eltern wirksam wrde): Die Erklrung von D zum Abschluss des Mietvertrages ist wegen arglistiger Tuschung ber die Einkommensverhltnisse von B gem. 123 I anfechtbar.
Prfen: Schuldverhltnis: Es besteht ein wirksamer Kaufvertrag nach 145, 147, 433 zwischen H und P. Die Pflichtverletzung besteht in einer Aliud-Lieferung (falsche Farbe), also einem Sachmangel nach 434 III. Der Mangel bestand schon bei Gefahrbergang nach 446 (bei der bergabe des Sofas). P hatte bei Vertragsschluss keine Kenntnis ber die falsche Farbe des Sofas ( 442).
Somit hat P Anspruch auf Nacherfllung ( 437 Nr. 1, 439).
Der Anspruch des P ist auch noch nicht verjhrt, da seit der bergabe noch keine zwei Jahre vergangen sind ( 438 I, Nr. 3).
Gem. 439 I kann P den Austausch des Sofas (Lieferung einer mangelfreien Sache) verlangen. 3.1 Prfen: J hat laut Sachverhalt einen Anspruch auf Schadensersatz statt der Leistung gem. 281, 280 I, III.
Der Anspruch auf Schadensersatz statt der Leistung knnte J auch dazu berechtigen, stattdessen den Ersatz vergeblicher Aufwendungen zu verlangen ( 284), die er im Vertrauen auf den Erhalt der Leistung gemacht hat und billigerweise machen durfte, es sei denn deren Zweck wre auch ohne die Pflichtverletzung des P nicht erreicht worden.
Jrgen hat einen LKW fr 79 gemietet, mit dem er das Sofa transportieren wollte. Dabei hat er darauf vertraut, dass er das Sofa auch erhlt. Diese Aufwendungen waren vergeblich, da Peter das Sofa nicht bereithlt. Der Zweck der Aufwendungen nmlich der Transport des Sofas wre ohne die Pflichtverletzung des P erreicht worden.
Eingehen auf den Aspekt der Billigkeit:
Einerseits bleibt es J berlassen, welches Fahrzeug zu welchem Preis er mietet, um das Sofa zu transportieren. Unter Umstnden hat er einen gnstigen Wochenendtarif genutzt, ohne sich um Vergleichsangebote zu bemhen. Andererseits hat P dasselbe Sofa mit einem LKW fr 19 transportiert. J htte also ebenfalls einen gnstigeren LKW mieten knnen (lt. Sachverhalt hatte er einen groen Umzugswagen gemietet), insbesondere nur fr wenige Stunden am Freitagnachmittag und nicht fr ein ganzes Wochenende.
Mgliches Fazit: Im vorliegenden Fall ist es nicht billig, fr den Transport eines Schlafsofas 79 zu veranschlagen. Die Forderung des J nach Erstattung von 79 vergeblicher Aufwendungen scheint demnach nicht gerechtfertigt zu sein.
3.2 Erklren, z. B.:
Der Aspekt der Billigkeit (Gerechtigkeit im Einzelfall) wird symbolisiert durch die Waage, die im Einzelfall abwgen soll, welches Urteil recht und billig ist. Die verbundenen Augen sind der Hinweis auf das Gebot, ohne Ansehen der Person zu richten, unbeeinflusst und unparteiisch (Gleichheit, Gerechtigkeit im Allgemeinen). Das Schwert stellt die rechtlich geregelte Macht dar. Erst durch die Macht der Staatsgewalt wird das Recht erzwingbar und damit wirksam und verlsslich. Wer das Recht bricht, muss mit staatlichem Zwang rechnen. Dem Berechtigten gibt der Staat eine verlssliche Mglichkeit, sein Recht durchzusetzen.
Hinweis: Andere sinnvolle Interpretationen sind mglich.
Prfen:
S knnte gegen D Anspruch auf Schadensersatz gem. 823 I haben.
Unterlassung: D hatte aus einer allgemeinen Verkehrssicherungspflicht und aus der stdtischen Verordnung die Verpflichtung, den Gehweg vor ihrem Haus zu rumen und zu streuen. Dieser Verpflichtung ist D nicht nachgekommen.
Rechtsgutverletzung: Durch den erlittenen Armbruch wurde der Krper des S verletzt. Der Schaden des S beluft sich auf die Behandlungskosten in Hhe von 3.000 Adquate Kausalitt: Htte D die Unterlassung nicht begangen, htte sie also gerumt und gestreut, wre S nicht gefallen und htte sich nicht den Arm gebrochen, womit die Arztkosten nicht entstanden wren. Widerrechtlichkeit: D hatte keinen Rechtfertigungsgrund fr ihr Unterlassen. Verschulden: D handelte fahrlssig ( 276 II), denn sie hat nicht auf die Schneemenge geachtet und damit die im Verkehr bliche Sorgfalt nicht aufgebracht.
Ergebnis: S kann von D Schadensersatz gem. 823 I verlangen. Ggf.: Anspruch auf Schadensersatz gem. 823 II Der Umfang des Schadensersatzes ergibt sich aus den 249 ff.:
Aus 254 I ergibt sich, dass die Verpflichtung zum Ersatz sowie der Umfang des zu leistenden Schadensersatzes davon abhngen, inwieweit der Beschdigte eine Mitschuld am entstandenen Schaden hat. Es ist unumstritten, dass D zumindest einen Teil der Schuld am entstanden Schaden trgt. Eine Mitschuld des S drfte hier gegeben sein, da er, obwohl er die Gefahr des Ausrutschens erkannt hatte, fr die Verhltnisse viel zu schnell gelaufen war.
Ergebnis: Gem. 249 I, II, 254 I muss D dem S zumindest einen Teil der Behandlungskosten erstatten. Zuordnung zu den Anforderungsbereichen: Teilaufgabe 1.1 1.2 2 31 3.2 4 Anforderungsbereiche (Angabe der BE) I II III ca. 6 ca. 6 ca. 4 ca. 2 ca. 3 ca. 7 ca. 5 ca. 9 ca. 6 . ca. 4 ca. 6 ca. 2 ca. 17 ca. 26 ca. 17 Summe (BE) 12 6 10 14 6 12 60
Da durch Komplexitt der Aufgabenstellung hufig mehr als ein Anforderungsbereich mit einer Aufgabe erreicht wird, ist die Zuordnung der Bewertungseinheiten zu den Anforderungsbereichen nicht immer eindeutig. Sie hngt auch davon ab, welche Schwerpunkte und Beispiele die unterrichtende Lehrkraft in ihrem Unterricht gewhlt hat.
a) bersicht ber die unterrichtlichen Voraussetzungen Bezeichnung des Unterrichtsfaches Gliederung der Aufgabe Lerninhalte Recht (grundlegendes Anforderungsniveau) 2 Aufgabenteile aus 2 Semestern Verbraucherrecht, Arbeitsrecht, Mietrecht, Familienrecht und ffentliches Recht (Verfassungs- und Europarecht) Aktuelle BGB-Textausgabe Anlage zum Fall 1: Auszug Mutterschutzgesetz, Taschenkalender fr 2004 Anlage zum Fall 2: Anzeige aus einer Tageszeitung, Textauszug: Gegenberstellung altes - neues Mietrecht
b) Aufgabenstellung 3. Prfungsfach: Recht Fall 1 Manuela Rupp bewirbt sich bei der Fa. Hoch- und Tiefbau Zock GmbH als Sekretrin. Einen Betriebsrat gibt es im Unternehmen nicht. Im Einstellungsgesprch stellt ihr der Geschftsfhrer Wilfried Mller verschiedene Fragen. Unter anderem wird nach einer eventuell vorhandenen Schwangerschaft gefragt. Frau Rupp verneint die Frage wider besseres Wissen. Sie wird zum 15. Mai 2004 von Herrn Mller eingestellt. Drei Monate spter ist ihr Zustand nicht mehr zu bersehen. Herr Mller fhrt mit ihr am 12. August 2004 ein Gesprch, in dem sie ihre Schwangerschaft zugibt. Herr Mller erklrt ihr, Schwangere oder Lgner knne er nicht beschftigen. Manuela Rupp bergibt Herrn Mller daraufhin ein Attest, das ihre Schwangerschaft besttigt. Herr Mller behauptet, er htte sich rechtlich sachkundig gemacht: Er spreche nunmehr ausdrcklich die fristlose Kndigung aus; hilfsweise wrde er den Vertrag mit sofortiger Wirkung anfechten. Frau Rupp verlangt ein entsprechendes Schriftstck zur Vorlage bei der Bundesagentur fr Arbeit, das ihr Herr Mller verweigert. 1.1 Stellen Sie begrndet mittels Abgrenzung der Vertragsarten dar, ob Frau Rupp einen Werk-, Dienstoder Arbeitsvertrag mit Herrn Mller abgeschlossen hat. (10 Punkte) 1.2 Prfen Sie im juristischen Gutachtenstil, ob Herr Mller den Vertrag mit Frau Rupp rechtswirksam gekndigt oder angefochten hat. (30 Punkte)
ANLAGE zum Fall 1 Mutterschutzgesetz (MuSchG) vom 24. Januar 1952 (BGBl. I 1952, 69), neugefasst durch Bekanntmachung vom 20. 6.2002 (BGBl. I 2318), zuletzt gendert am 14.11.2003 (BGBl. I, 2190) 9 Kndigungsverbot (1) Die Kndigung gegenber einer Frau whrend der Schwangerschaft und bis zum Ablauf von vier Monaten nach der Entbindung ist unzulssig, wenn dem Arbeitgeber zur Zeit der Kndigung die Schwangerschaft oder Entbindung bekannt war oder innerhalb zweier Wochen nach Zugang der Kndigung mitgeteilt wird; das berschreiten dieser Frist ist unschdlich, wenn es auf einem von der Frau nicht zu vertretenden Grund beruht und die Mitteilung unverzglich nachgeholt wird. Die Vorschrift des Satzes 1 gilt fr Frauen, die den in Heimarbeit Beschftigten gleichgestellt sind, nur, wenn sich die Gleichstellung auch auf den Neunten Abschnitt - Kndigung - des Heimarbeitsgesetzes vom 14. Mrz 1951 (BGBl. I S. 191) erstreckt. (2) Kndigt eine schwangere Frau, gilt 5 Abs. 1 Satz 3 entsprechend. (3) Die fr den Arbeitsschutz zustndige oberste Landesbehrde oder die von ihr bestimmte Stelle kann in besonderen Fllen, die nicht mit dem Zustand einer Frau whrend der Schwangerschaft oder ihrer Lage bis zum Ablauf von vier Monaten nach der Entbindung in Zusammenhang stehen, ausnahmsweise die Kndigung fr zulssig erklren. Die Kndigung bedarf der schriftlichen Form und sie muss den zulssigen Kndigungsgrund angeben. (4) In Heimarbeit Beschftigte und ihnen Gleichgestellte drfen whrend der Schwangerschaft und bis zum Ablauf von vier Monaten nach der Entbindung nicht gegen ihren Willen bei der Ausgabe von Heimarbeit ausgeschlossen werden; die Vorschriften der 3, 4, 6 und 8 Abs. 5 bleiben unberhrt.
Fall 2 Frau Mamann schliet am 13. Mai 2004 mit Herrn Bartsch folgende Vereinbarung ab: Sie zieht am 1. Juni 2004 in die 35,5 qm groe Erdgeschosswohnung (1 Zimmer) des Herrn Bartsch ein. Die Wohnung hat Kche, Bad und Zentralheizung. Sie zahlt eine monatliche Miete in Hhe von 250 zuzglich 80 Nebenkosten. Ein schriftlicher Mietvertrag existiert nicht. Beraten Sie Frau Mamann zu den nachfolgenden Fragen, indem Sie jeweils die Rechtslage wiedergeben bzw. errtern. Die Anwendung des Gutachtenstils ist nicht erforderlich. 2.1 Frau Mamann ist unsicher, ob sie berhaupt einen gltigen Mietvertrag abgeschlossen hat. (5 Punkte) 2.2 Sie fragt, welche Pflichten sie als Mieterin hat. Insbesondere mchte sie wissen, ob sie ihren YorkshireTerrier mitnehmen darf. (15 Punkte) 2.3 Frau Mamann hat eine schwer krebskranke Tochter. Es ist mglich, dass sie ihre Tochter nach dem nchsten Krankenhausaufenthalt fr einige Monate in ihre Wohnung zur Pflege aufnehmen muss. Sie fragt, ob sie dazu von Herrn Bartsch eine Erlaubnis bentigt. (5 Punkte) 2.4 Da Frau Mamann selbst an Hftgelenkarthrose leidet, kann es sein, dass sie in einiger Zeit auf die Nutzung eines Rollstuhls angewiesen sein wird. Die Trzarge der Toilettentr wre fr einen Rollstuhl jedoch zu schmal. Sie wei nicht genau, ob sie von Herrn Bartsch dem Umbau verlangen kann. (10 Punkte)
2.5 In einer Berliner Tageszeitung hat Frau Mamann die beiliegende Anzeige des Berliner Mietervereins e. V. gelesen und nicht verstanden. Untersuchen Sie mithilfe des wiedergegebenen Gesetzesauszugs, welches Problem der Mieterverein bemngelt und ob Frau Mamann davon betroffen ist. (20 Punkte) ANLAGE zum Fall 2 Anzeige aus einer Berliner Tageszeitung vom 30./31. Mai 2004
Tief erschttert nehmen wir Abschied von der Mietrechtsreform 2001 * 1. September 2001 V 27. Mai 2004
Als hoffnungsfrohes Kind geboren, krnkelte es alsbald an einem Geburtsfehler. Inkompetenz und Ignoranz schufen eine verunglckte Gesetzesformulierung. Der Gesetzgeber schlug alle Warnungen in den Wind und es kam, wie es kommen musste: der Bundesgerichtshof kassierte im Juni 2003 die wichtigste Regelung. Fr Alt-Mietvertrge bleibt es bei den langen Kndigungsfristen. Die Bundesjustizministerin versprach eine rasche Heilung durch ein neues Gesetz. Dies gibt es noch immer nicht und ist offenkundig fr immer gestorben.
Die trauernden Mieter/Innen der Bundesrepublik Deutschland Berliner Mieterverein e. V. Landesverband Berlin im Deutschen Mieterbund Hartmann Vetter Hauptgeschftsfhrer Die Verblichene wurde in einer feierlichen Zeremonie vor dem Bundesministerium fr Justiz in Berlin unter groer Anteilnahme der ffentlichkeit gewrdigt. Die Urne wurde anschlieend im engsten Familienkreis auf dem Friedhof fr gebrochene Regierungsversprechen beigesetzt. Bilder von der Trauerzeremonie unter www.berliner-mieterverein.de
Bis 31. August 2001 geltendes Mietrecht 565 BGB (2) Bei einem Mietverhltnis ber Wohnraum ist die Kndigung sptestens am dritten Werktag eines Kalendermonats fr den Ablauf des bernchsten Monats zulssig. Nach fnf, acht und zehn Jahren seit der berlassung des Wohnraums verlngert sich die Kndigungsfrist um jeweils drei Monate. c) Lsungshinweise Fall 1: Erwartungshorizont in Stichworten 1.1
Seit 1. September 2001 geltendes Mietrecht 573 c BGB Fristen der ordentlichen Kndigung (1) Die Kndigung ist sptestens am dritten Werktag eines Kalendermonats zum Ablauf des bernchsten Monats zulssig. Die Kndigungsfrist fr den Vermieter verlngert sich nach fnf und acht Jahren seit der berlassung des Wohnraums um jeweils drei Monate.
Werkvertrag, 635 BGB, erfolgsabhngig, hier nicht gegeben Dienstvertrag und Arbeitsvertrag, 611 BGB, erfolgsunabhngig Arbeitsvertrag: Weisungsgebundenheit bzgl. Zeit, Ort, Art und Weise der Ttigkeit; Dienstvertrag demgegenber ohne Weisungen 10 Punkte
Fazit: Hier liegt ein Arbeitsvertrag vor. 1.2 Fraglich ist, ob Herr Mller den Arbeitsvertrag mit Frau Rupp gem 611 BGB nach 626 BGB kndigen kann. Wirksamkeit der auerordentlichen/fristlosen Kndigung vom 12.08.2004:
Kndigungserklrung liegt vor Zugang erfolgt, 130 BGB Schriftform jedoch nicht eingehalten, 623 BGB Kndigung unwirksam, 125 BGB, auerdem: Kndigung wegen 9 I MuSchG unzulssig (in Ausnahmefllen kann die zustndige Landesbehrde die Kndigung fr zulssig erklren, 9 III MuSchG, liegt hier nicht vor) 15 Punkte
Zwischenergebnis: auerordentliche Kndigung unzulssig, ebenso ordentliche Zu prfen ist, ob Herr Mller das Arbeitsverhltnis durch Anfechtung beenden kann.
Anfechtungsrecht wird nicht durch 9 MuSchG ausgeschlossen Anfechtungserklrung liegt vor, am 12.8. Anfechtungsgrund wegen verkehrswesentlicher Eigenschaft der Person, 119 II BGB? Die Schwangerschaft ist keine verkehrswesentliche Eigenschaft einer Arbeitnehmerin, sondern lediglich vorbergehender Zustand. D. h., eine Anfechtung ist nicht mglich.
Anfechtung wegen arglistiger Tuschung, 123 BGB? Tuschung liegt vor, es besteht aber in diesem Fall ein Recht zur Lge, da eine Frage nach Schwangerschaft unzulssig ist. D. h., eine Anfechtung ist nicht mglich
Herr Mller kann das Arbeitsverhltnis nicht beenden. Kndigung und Anfechtung sind unwirksam. 15 Punkte Summe Fall 1: 40 Punkte
Fall 2: Erwartungshorizont in Stichworten 2.1.
Form fr lnger als ein Jahr befristete Mietvertrge gem. 550 BGB: Schriftform Hier: Mietvertrag fr unbestimmte Zeit abgeschlossen, wirksam 5 Punkte
Grundlegende Pflicht ergibt sich aus 535 BGB: Miete entrichten, sptestens am 3. Werktag (Grundmiete und Betriebskostenvorauszahlung) (Schnheitsreparaturen mssen vom Mieter nur dann bernommen werden, wenn es vertraglich vereinbart wurde, liegt hier nicht vor) (Sicherheitsleistung/Kaution gem. 551 BGB wurde nicht vereinbart) Obhutspflichten: vertragsgemer Gebrauch der Mietsache, Mietsache vor Schden bewahren Anzeigepflichten, 536 c BGB: Mangel der Mietsache, Gefahr fr die Mietsache Duldungspflichten, 554 I, II BGB: Erhaltungs-, Verbesserungsmanahmen Rckgabe der Mietsache in ordnungsgemem Zustand, 546 BGB Fr Tierhaltung wird Genehmigung des Vermieters bentigt, auer bei Kleintieren (Hamster, Vgel, Fische), Haltung eines Hundes genehmigungspflichtig, geht ber den gewhnlichen Gebrauch hinaus 15 Punkte
( 553 BGB gilt nicht, Tochter gehrt zum Kreis der Mitmieter gem. 563 BGB) Tochter ist kein Untermieter, Verwandte in gerader Linie lediglich Anzeigepflicht gegenber dem Vermieter 5 Punkte
554 a BGB: Frau Mamann kann Zustimmung zur baulichen Vernderung verlangen, wenn sie ein berechtigtes Interesse daran hat; dies wrde wegen Gehbehinderung vorliegen,
sofern nicht berwiegende berechtigte Interessen des Vermieters entgegenstehen; dies wre zu prfen (z. B. tragende Wand?). Die bauliche Vernderung muss Frau Mamann jedoch selbst bezahlen. Ggf. verlangt der Vermieter Sicherheitsleistung/Kaution fr die Wiederherstellung 10 Punkte
Die Mietrechtsreform 2001 brachte Verkrzung der Kndigungsfristen fr Mieter gem 573 c I BGB auf drei Monate, whrend die Kndigungsfristen fr Vermieter sich je nach Dauer des Mietverhltnisses jeweils um drei Monate bis auf 9 Monate verlngern. Die Neuregelung bringt eine Besserstellung des Mieters mit sich. Im bisherigen Mietrecht waren Kndigungsfristen fr Mieter und Vermieter gleich, je nach Dauer des Mietverhltnisses maximal 12 Monate. Der Bundesgerichtshof hat nunmehr entschieden, dass fr Altmieter die langen Kndigungsfristen gelten: Das problematisiert der Mieterverein, da es eine Ungleichbehandlung von Alt- und Neumietern darstellt. Frau Mamann hat einen Mietvertrag nach neuem Mietrecht abgeschlossen, fr sie gelten die neuen Kndigungsfristen. 25 Punkte Summe Fall 2: 60 Punkte Gesamt: 100 Punkte
Zuordnung zu den Anforderungsbereichen Teilaufgabe 1.1 1.2 2.1 2.2 2.3 2.4 2.5 Anforderungsbereiche (Angabe der Punkte) I II III ca. 10 ca. 10 ca. 10 ca. 5 ca. 10 ca. 5 ca. 5 ca. 10 ca. 5 ca. 35 ca. 35 Summe (Punkte) ca. 10 10 30 5 15 5 10 25 100
ca. 20 ca. 30
Begrndung der Zuordnungen zum Anforderungsbereich III: Die Aufgabe 1.2 verlangt eine selbststndige, stringent aufgebaute gutachterliche Prfung; die aufgeworfenen inhaltlichen Probleme sind jedoch den Anforderungsbereichen I und II zuzuordnen. In der Aufgabe 2.5 soll der Prfling zeigen, dass er zur Reflexion eines rechtlichen Problems in der Lage ist, das wesentlich ber die Inhalte des erteilten Unterrichts hinausgeht. Hinweis: Da durch Komplexitt der Aufgabenstellung hufig mehr als ein Anforderungsbereich mit einer Aufgabe erreicht wird, ist die Zuordnung der Bewertungseinheiten bzw. Punkte zu den Anforderungsbereichen nicht immer eindeutig
Aufgabenbeispiele fr die mndliche Abiturprfung Allgemeine Hinweise
In Abgrenzung zur schriftlichen Prfung sollen die Prflinge zeigen, dass sie ber juristische Sachverhalte in freiem Vortrag berichten und im Gesprch zu rechtlichen Fragestellungen begrndet Stellung nehmen knnen. Dabei sollen sie insbesondere auch ihre kommunikativen und methodischen Kompetenzen nachweisen. Dies kann innerhalb von Einzel- bzw. Gruppenprfungen ber verschiedene prfungsmethodische Verfahren geschehen. Grundlage fr die mndliche Prfung ist eine konkrete Problemstellung, die zu Beginn der Vorbereitungszeit schriftlich vorgelegt wird. Das Problem soll unter Vorgabe von geeignetem Arbeitsmaterial ohne kleinschrittigen Fragenkatalog so formuliert werden, dass bei der Lsung alle drei Anforderungsbereiche erreicht werden knnen. Das Material muss dem Prfling die Gelegenheit zu einer eigenstndigen Strukturierung des Prfungsgesprches geben. Der Prfer greift im Gesprch die dargestellten Aspekte auf. Die folgenden Aufgabenbeispiele greifen auf bewhrte Aufgabenstellungen zurck und bercksichtigen neuere fachdidaktische Entwicklungen, die im Teil I dieser EPA eingearbeitet wurden. Die Stellung des Fachgebietes Recht in den Unterrichtsfchern (z. B. Wirtschaft und Recht in Bayern, Rechtslehre in Mecklenburg-Vorpommern, Recht in Berlin) und die inhaltliche Gestaltung der Lehrplne sind in den einzelnen Lndern sehr unterschiedlich. Darber hinaus liegen jeweils andere unterrichtliche Voraussetzungen (z. B. Stundenausstattung, Kurse mit grundlegendem und erhhtem Anforderungsniveau) sowie eine uneinheitliche Prfungsdauer vor. Daher knnen die einzelnen Aufgabenbeispiele nur exemplarisch das erwartete Anforderungsniveau und die Bercksichtigung der Grundstruktur rechtlicher Inhalte (vgl. Teil I, Abschnitt 1.2) abbilden. 2.2 2.2.1 Aufgabenbeispiele Aufgabe 1
a) bersicht ber die unterrichtlichen Voraussetzungen Bezeichnung des Unterrichtsfaches Wirtschaft und Recht (grundlegendes Anforderungsniveau); Schultyp: allgemeinbildendes Gymnasium Recht Grundtatsachen des Rechts, Rechtsordnung, Rechtsquellen, rechtstechnische Grundlagen, rechtlich bedeutsame Lebensaltersstufen, Vertragsfreiheit, Besitz und Eigentum, Eigentumserwerb, Kaufvertrag und Leistungsstrungen, weitere Rechtsgeschfte des tglichen Lebens, zivilrechtliche Anspruchsgrundlagen, Strafrecht: Funktonen, Strafzwecke, Strukturprinzipien, Aufbau einer Straftat, Rechtsfolgesystem Textausgaben BGB, StGB, GG, BayVerf
Fachgebiet dieser Aufgabe Lerninhalte
b) Prfungsaufgabe Kolloquiumsprfung am Kandidat: Schwerpunkt aus dem Khj. 13/2: Funktionen und Grundstze des Strafrechts in der Bundesrepublik Deutschland Aus einem Zeitungsartikel: Milde Haftstrafen fr jugendliche Bankruber Fast 50.000 Euro Beute bei berfall auf Sparkassen-Filiale AKT aufzumachen. AKT steht fr den AutoGerade mal 16, 19 und 21 Jahre alt waren die matischen Kassen-Tressor und dass ein 19drei Bankruber, die am ersten September des jhriger diesen Fachausdruck kannte, lste beim vergangen Jahres die Sparkassenfiliale berGericht durchaus leichtes Erstaunen aus. fallen und mit knapp 50.000 Euro kurzfristig das Nach der Tat - einer der Drei hatte mit laufenWeite gesucht hatten. Gestern stand das Trio aus dem Motor vor der Bank gewartet - hat das Trio dem Landkreis Leipzig vor dem Memminger das gestohlene Tatfahrzeug in einem Nachbarort Landgericht und im Zuge der Verhandlungen abgestellt und war wieder ins eigene Auto umerwies sich nach und nach, dass die drei ihren gestiegen. Anschlieend mischte man sich unter Coup trotz ihrer Jugend fast wie alte Hasen die Besucher eines Baggerseestrands, denn, wie durchgezogen hatten. Dennoch kamen sie mit der Oberstaatsanwalt es formulierte: Wer sucht berraschend milden Haftstrafen davon. schon einen Bankruber in Badehose? Zum Wer wei, ob die Drei jemals gefasst worden Verhngnis wurde ihnen letztlich ihr Dialekt wren, htten sie nicht einen verhngnisvollen der Anwalt des 21-jhrigen wertete dies als Fehler gemacht: Whrend des berfalls nmIndiz dafr, dass es sich wohl doch nicht um lich, den sie mit Hilfe zweier Gaspistolen verGewohnheitskriminelle handeln knne. bten, hatten sie sich mit dem unverkennbaren Dieser Ansicht war auch das Gericht, dessen Dialekt ihrer Heimat unterhalten. Dies fhrte vorsitzender Richter an den Einlassungen der dazu, dass ihre zunchst geglckte Flucht schon Angeklagten allerdings manches auszusetzen wenige Stunden nach der Tat an der Landkreishatte. Diese hatten nmlich hohe Schulden grenze ein jhes Ende fand: Die Polizei hatte durch Drogenkonsum und Spielsucht als naturgem nach schsischen Autokennzeichen Hauptmotiv genannt, doch der Richter verwies Ausschau gehalten und das Fahrzeug mit Leipin der Urteilsbegrndung darauf, dass finanzielle ziger Nummernschild gezielt herausgepickt. Probleme keine Rechtfertigung fr ein derart Professioneller berfall schweres Delikt sein drften. Er verurteilte den 21-jhrigen Haupttter zu fnf Jahren und zwei Im brigen jedoch waren die jungen Mnner Monaten Haft und die beiden Jngeren zu dreihchst professionell vorgegangen. Die Filiale einhalb bzw. zwei Jahren und 10 Monaten war gezielt ausgespht worden, zur eigentlichen Jugendgefngnis. Tatbegehung hatte man in der Nacht zuvor noch ein Auto entwendet und whrend des berfalls Damit blieb das Gericht deutlich unter den wirkte das Trio zwar hektisch, aber nicht ber Antrgen des Oberstaatsanwalts. Die BegrnGebhr nervs. Bankangestellte und Kundin dung: Es handle sich bei den Dreien, trotz einimussten sich auf den Boden legen und eine ger Vorstrafen, noch nicht um gefestigte VerKassiererin wurde aufgefordert schleunigst den Kurs: wr
brecher, so dass mglicherweise noch erzieherisch auf sie eingewirkt werden knne. hnlich hatte zuvor auch der Vertreter der Jugendgerichtshilfe argumentiert. Vom Lebensretter zum Ruber Fr den heute 17-jhrigen Benni G. ging mit diesem Urteil im brigen ein uerst turbulentes Jahr zu Ende. Im Mai des vergangenen Jahres hatte er sich in seiner schsischen Heimatstadt noch als Lebensretter bettigt, indem er ein 12(Quelle: Neu-Ulmer Zeitung vom 27.03.1998, bearbeitet)
jhriges Mdchen vor dem Ertrinken bewahrte die entsprechende Urkunde hatte sein Verteidiger ins Prozessgeschehen eingebracht. Nur knappe drei Monate spter wurde Benni G. vom ffentlich belobigten Helden zum Verbrecher, doch den Worten des Anwalts wollte sich das Gericht offensichtlich nicht verschlieen: Mein Mandant hat mit der Rettung des Mdchens gezeigt, dass sein Charakter auch gute Seiten hat. Eine lange Gefngnisstrafe knnte dies zunichte machen.
Erlutern Sie, welche Strafzwecke und theorien im vorliegenden Fall zur Geltung kamen und welche Strafrechtsprinzipien in einem solchen Verfahren angewendet werden mssen! Gehen Sie dabei insbesondere auch auf das Alter der Straftter ein! I b) Mgliche Fragen zum Referat:
1. Entnehmen Sie dem Text, inwiefern fr eine Verurteilung die Tatsache eine Rolle spielt, dass die Tter besonders professionell vorgegangen sind. 2. Legen Sie dar, wie hier ein Tter-Opfer-Ausgleich verwirklicht werden knnte! 3. Erlutern Sie weitere Strafrechtsgrundstze!
Fragen zum anderen Ausbildungsabschnitt mit dem Fachgebiet Recht:
(Hinweis: Die Prfungsfragen zum Fachgebiet Volkswirtschaft sind hier nicht dargestellt.) 1. Erlutern Sie knapp die Regelungen fr Vertragsschlsse von Minderjhrigen! 2. Einem Studenten wird im Nachhinein sein Abitur aberkannt, da ein Jahr nach der Korrektur festgestellt wird, dass er seine Facharbeit wortwrtlich abgeschrieben hatte und diese Arbeit daher mit 0 Punkten zu bewerten gewesen wre. Wgen Sie ab, inwiefern diese Entscheidung gerecht ist! 3. Fall: (aus der Begleitlektre) Die 9-jhrige M erhlt von ihren Eltern tglich 1,30 um damit eine Busfahrkarte zur Schule zu lsen. Eines Tages vergisst sie, einen Fahrschein zu lsen und wird beim Schwarzfahren erwischt. Die Stadtwerke verlangen von ihr das erhhte Befrderungsentgelt von 30 . Die Eltern waren mit der Schwarzfahrt der Tochter nicht einverstanden. Erlutern Sie, ob M den erhhten Preis bezahlen muss! 4. Zeigen Sie die Funktionen des Rechts an diesem Fall auf!
c) Lsungshinweise I.a) zum Referat:
Der Kandidat soll in freier Rede die Straftheorien anhand des vorliegenden Falles erlutern:
absolute Straftheorie: Strafe dient als Schuldausgleich; relative Straftheorien (Individual- und Generalprvention): Durch die Strafe solle eine Wiederholung der Straftat verhindert werden.
Bei der Verurteilung der beiden jngeren Tter steht die Individualprvention (Resozialisierung, Erziehungsgedanke des Jugendstrafrechts) im Vordergrund. Der 21-jhrige wird nicht mehr nach dem Jugendstrafrecht verurteilt, sondern bereits nach dem Strafgesetzbuch, so dass die Strafe deutlich hher ausfiel. Hier spielt die absolute Straftheorie eine grere Rolle. Er soll aber in die Rechtsgemeinschaft zurckgefhrt (resozialisiert) werden, da es sich nach Auffassung der Richter nicht um einen gefestigten Straftter handelt. Durch die Freiheitsentziehung soll er aber auch zeitweilig an weiteren Straftaten gehindert wird (Individualprvention). Die Urteile sollen andere von entsprechenden Taten abschrecken und das Rechtsbewusstsein der Bevlkerung besttigen (Generalprvention). Insofern liegen der Urteilsfindung relative Straftheorien und absolute Straftheorien zu Grunde, wie dies in der Rechtspraxis heute hufig der Fall ist (sog. Vereinigungstheorie). I.b) Fragen zum Referat:
1. Das besonders professionelle Vorgehen der Tter spielt bei der Verurteilung der Tter nach der Darstellung in diesem Artikel kaum eine Rolle, da offenbar die Tatsache im Vordergrund stand, dass es sich doch nicht um Gewohnheitskriminelle und gefestigte Straftter handelt. 2. Das Opfer ist hier die rtliche Sparkasse und damit eine juristische Person. Ein persnlicher TterOpfer-Ausgleich wie er bei Straftaten gegen natrlich Personen zum Tragen kommen kann (z. B. durch Dienstleistungen des Tters fr das Opfer zur Wiedergutmachung) kommt hier nicht also kaum in Frage. Die Wiedergutmachung kann aber einfach darin bestehen, dass die geraubte Geldsumme zurckgegeben wird. Darauf hat die Sparkasse aber ohnehin einen zivilrechtlichen Anspruch. 3. Erluterung weiterer Strafrechtsgrundstze, z. B. Schuld-, Tat-, Erfolgsstrafrecht, Rckwirkungsverbot, Gesetzlichkeit II. Fragen zum anderen Ausbildungsabschnitt mit dem Fachgebiet Recht:
1. Die entsprechenden Regelungen ( 104/106/107/110/108 I ggf. 112/113 BGB) sollen in freier Rede und sinnvoll gegliedert erlutert werden. 2. Erwartet wird eine Abwgung anhand elementarer Grundstze der Gerechtigkeit: Rechtssicherheit, Gleichheit und Billigkeit. 3. M wre zur Zahlung des erhhten Befrderungsentgelts nur verpflichtet, wenn zwischen ihr und den Stadtwerken wirksam ein Befrderungsvertrag zustande gekommen wre. Mit der Benutzung des Busses hat M konkludent ein Angebot zum Abschluss eines Befrderungsvertrags abgegeben. Diese Willenserklrung bedurfte gem. 107 BGB der Einwilligung ihrer Eltern. Es knnte eine Generaleinwilligung fr smtliche Busfahrten zur Schule - also auch fr die Schwarzfahrt vorliegen. Dies widersprche aber dem Willen der Eltern und den Interessen der M. Die Eltern hatten ihre Einwilligung auf die Fahrten beschrnkt, bei denen M den Fahrpreis auch tatschlich bezahlt. Schwarzfahren war von der Einwilligung ausgenommen. Auch ber 110 wird der Befrderungsvertrag nicht wirksam, da M die vertragsgeme Leistung nicht bewirkt hat. Da kein Befrderungsvertrag abgeschlossen wurde, hat M
die Befrderung ohne rechtlichen Grund erlangt. Dafr muss sie gem 812 I S. 1, 818 II Wertersatz in Hhe des normalen Fahrpreises leisten. Das erhhte Befrderungsentgelt muss M dagegen nicht bezahlen. (vgl. Rthers, B.: Allgemeiner Teil des BGB, S.114, Mnchen, 1991, 8. Auflage) 4. Relevant ist hier insbesondere die Schutzfunktion fr die Minderjhrige, aber auch Ordnungs- und Friedensfunktion. Zuordnung zu den Anforderungsbereichen: Im Prfungsteil I (Referat und Zusatzfragen) kann der Schler gelerntes Wissen wiedergeben, aber den Sachverhalt auch in grere Zusammenhnge stellen und damit verbundene Probleme aufzeigen. Abhngig von den Inhalten des Referates muss durch die Zusatzfragen sichergestellt werden, dass die Anforderungsbereiche I, II und III in angemessenem Verhltnis erreicht werden. Im Prfungsteil II sind die Fragen 1 und 3 den Anforderungsbereichen I und II zuzuordnen, whrend mit den Fragen 2 und 4 die Anforderungsbereiche II und III erreicht werden. Durch eine entsprechende Gewichtung bei der Bewertung muss gewhrleistet werden, dass die Anforderungsbereiche I, II und III ungefhr im Verhltnis 30/40/30 bercksichtigt werden.
a) bersicht ber die unterrichtlichen Voraussetzungen Bezeichnung des Unterrichtsfachs Gliederung der Aufgabe Lerninhalte Recht (grundlegendes Anforderungsniveau) 2 Aufgabenteile aus 2 Semestern Verbraucherrecht, Arbeitsrecht, Mietrecht, Familienrecht und ffentliches Recht (Verfassungs- und Europarecht) Aktuelle BGB-Textausgabe, Kopien der Betriebskostenverordnung, Auszug Heizkostenverordnung (der Aufgabenstellung beigefgt)
b) Aufgabenstellung Recht Teilaufgabe I (insgesamt 50 %) Verlobte sollen Zeugnis nicht verweigern drfen Frankfurt, 29. April. Der Bundesrat will das Zeugnisverweigerungsrecht fr Verlobte abschaffen. Der Hamburger Justizsenator Kusch (CDU) begrndete die Gesetzesinitiative auf Antrag von Hamburg, Niedersachsen und Thringen mit dem Missbrauch des Rechts durch Kriminelle. Die Gerichte htten keine Mglichkeit, ein behauptetes Verlbnis zu widerlegen. Die Folge sei, dass mitunter auch Tter, denen schweres Unrecht zur Last gelegt werde, nicht verurteilt werden knnten. Der rheinland-pflzische Justizminister Mertin (FDP) uerte Widerspruch. Das Verlbnis sei ein bewhrtes Institut des Familienrechts. Alle ernsthaften Verlbnisse kommen mit unters Messer, nur weil es einzelne gibt, die ein Verlbnis nur vortuschen. Aus einer berregionalen Tageszeitung vom 30. April 2005
52 Strafprozessordnung (1) Zur Verweigerung des Zeugnisses sind berechtigt 1. der Verlobte des Beschuldigten oder die Person, mit der der Beschuldigte ein Versprechen eingegangen ist, eine Lebenspartnerschaft zu begrnden; ... 1. Erlutern Sie den Sinn von Zeugnisverweigerungsrechten im Strafprozess. (15 %) 2. Geben Sie Zustandekommen und Rechtswirkungen des Verlbnisses sowie Ansprche bei Auflsung des Verlbnisses wieder. (20 %) 3. Errtern Sie die Motive der Initiatoren des Gesetzesvorhabens kurz und nehmen Sie dazu Stellung. (15 %) Teilaufgabe 2 (insgesamt 50 %) Ein unbefristeter Wohnungsmietvertrag ber eine Einzimmerwohnung in Berlin-Steglitz wurde zum 1. Januar 2003 abgeschlossen. Im Vertrag ist eine monatliche Grundmiete von 300 zuzglich eines Betriebskostenvorschusses von 50 vereinbart. 1. Die Nebenkosten fr die Wohnung sind erheblich gestiegen. Erlutern Sie dem Vermieter Voraussetzungen und Mglichkeiten einer Umlage der Betriebskosten bzw. der Erhhung der Vorauszahlung. Welche Formen und Fristen sind einzuhalten, welche Abrechnungsmastbe sind vorzusehen? (20 %) 2. Der Vermieter will u. a. folgende Positionen anteilig auf seinen Mieter umlegen: Prmien fr die Gebudefeuerversicherung, Kosten fr die Schneebeseitigung, Aufwendungen fr Reparaturen durch den Hausmeister.
Ist die Umlage mglich? Prfen Sie jeweils. (20 %) 3. Eine Vernderung des Abrechnungsmastabes ist dem Mieter in Textform mitzuteilen. Grenzen Sie die Textform von der Schriftform ab! (10 %) c) Lsungshinweise Teilaufgabe 1 1. Wahrheitsermittlung wird bei der Zeugenaussage vor Gericht angestrebt Es soll keinen Zwang zur Lge unter Verwandten geben, familire Konflikte sollen vermieden werden; Schutz von Ehe und Familie (Zeugnisverweigerungsrecht auch bei bestimmten Berufsgruppen, deren Verschwiegenheit schtzenswert ist: rzte, Rechtsanwlte, Journalisten) 2. Zustandekommen: Verlbnis ist nach herrschender Meinung ein Vertrag (hchstpersnliches Rechtsgeschft), kommt durch zwei bereinstimmende Willenserklrungen zustande, bei beschrnkt Geschftsfhigen ist die Zustimmung der Eltern notwendig, 1297, 106, 107 BGB.
nicht einklagbar und vollstreckbar, keine Konventionalstrafe, 1297 BGB. bei Scheitern des Verlbnisses: Schadensersatz/Aufwendungsersatz fr Verlobte, Eltern und Dritte bei Rcktritt ohne wichtigen Grund, 1298 BGB, bei Rcktritt aufgrund des Verschuldens des anderen Verlobten, 1299 BGB Herausgabe der Geschenke bei unterbliebener Eheschlieung, 1301 BGB (sonstige Rechtsfolgen: Ehe- und Erbvertrge sind mglich, Zeugnisverweigerungsrecht im Zivilprozess)
3. Gesetzesinitiative: 51 I 1 StPO soll offensichtlich gestrichen werden. Vertretbare Abwgung von Argumenten bei Begrndung des eigenen Standpunkts, z. B.:
Pro: Gesetzesvorhaben: da Verlbnis formlos zustande kommt, entsteht Missbrauchsgefahr; (Verlbnis wird hufig erst im Strafprozess geltend gemacht, Aussagen werden unbrauchbar, Beweiserschwernis, auerdem Benachteiligung nichtehelicher Lebensgemeinschaft ohne Eheversprechen) Contra: Generalverdacht gegen alle Verlobten, Konflikt zwischen Wahrheitszwang und Beziehung zum Verlobten
Teilaufgabe 2 1. Umlage muss im Mietvertrag vereinbart sein, 556 I BGB
Vorauszahlungen mssen jhrlich abgerechnet werden, sptestens 12 Monate nach Ende des Abrechnungszeitraums, 566 III BGB (bei Abrechnungszeitraum 2003 also sptestens Ende 2004) Erhhung der Vorauszahlung nach Vereinbarung in Textform, 560 IV BGB Mastab nach Vereinbarung, grundstzlich Wohnflche, 566 a BGB (Wrme und Warmwasser sind zwischen 50 u. 70 % verbrauchsabhngig abzurechnen)
2. Feuerversicherung: ja, Umlage mglich, da Sachversicherung, Betriebskostenverordnung 2 Nr. 13;
Schneebeseitigung: ja, Nr. 8 (Straenreinigung) oder 10 (Gartenpflege) BetrKV Reparaturen durch den Hauswart: nein, keine Umlage, da Instandhaltung zur Hauptpflicht des Vermieters gehrt, 535 BGB, Nr. 14 BetrKV gilt insofern nicht
3. Textform, 126 b BGB: Schriftstck mit Namensnachbildung, z. B. Fax, einfache E-Mail, Schreiben mit Faksimile-Unterschrift - im Gegensatz zur Schriftform mit Originalunterschrift, 126 BGB Zuordnung zu den Anforderungsbereichen: Die Aufgabenstellung soll so formuliert sein, dass bei der Lsung alle drei Anforderungsbereiche erreicht werden knnen. Die untenstehende Zuordnung der Teilaufgaben zu den Anforderungsbereichen ist nicht zwingend erforderlich.
Teilaufgabe I. 1. 2. 3. II 1. 2. 3. Summe
Anforderungsbereiche (Angabe der Aufgabengewichtungen in Prozent) I II III ca.15 ca. 20 ca. 15 ca. 10 ca. 10 ca. 20 ca. 10 ca. 30 ca. 35 ca. 35
2.2.3 Aufgabe 3 a) bersicht ber die unterrichtlichen Voraussetzungen Bezeichnung des Unterrichtsfachs Rechtslehre (grundlegendes Anforderungsniveau) Gliederung der Aufgabe 2 Aufgabenteile aus 2 Semestern Lerninhalte Arbeitsvertrag; Pflichten der Arbeitnehmer, Pflichten der Arbeitgeber, Beendigung von Arbeitsverhltnissen; ordentliche Kndigung, Kndigungsschutz; Durchsetzung des Strafanspruchs durch den Staat: Grundstze und Ablauf des Strafverfahrens Hilfsmittel Gesetzestexte (hier: BGB, Arbeitsgesetze; StGB, StPO) b) Aufgabenstellung I. Arbeitsrecht Michael Ferber ist LKW-Fahrer im Kieswerk Lohmann. Das Unternehmen beschftigt insgesamt neun Mitarbeiter. In seiner Freizeit spielt Ferber Handball in der Regionalliga. Als er am 1.12.04 von einem Punktspiel nach Hause fhrt, kommt er mit seinem PKW von der Fahrbahn ab und berschlgt sich. Ferber kommt mit schweren Verletzungen ins Krankenhaus, wo er bis zum 15.3.05 bleibt. Anschlieend ist er vier Wochen krank geschrieben. Erst am 18.4.05 kann er wieder im Kieswerk arbeiten. Wie sich herausstellte, war der Unfall deshalb passiert, weil Ferber einen Moment nicht auf die Strae, sondern auf seinen neuen CDWechsler geachtet hatte; auerdem betrug sein Blutalkoholwert 0,9 Promille. Bei einem Trainingsspiel seiner Mannschaft verletzt sich Ferber am 2.5.05 so schwer, dass er erneut ins Krankenhaus muss. Sein Aufenthalt dauert zwei Wochen, anschlieend ist er weitere zwei Wochen krank geschrieben. Am 3.6.05 knickt Ferber beim Einsteigen in seinen LKW so unglcklich um, dass er von seinem Hausarzt zwei Wochen krankgeschrieben wird. Am 20.12.05 hat Ferber starke Schmerzen in seinem Fu. Der Arzt diagnostiziert Ablagerungen am Sprunggelenk, was auf seine Verletzung vom 3.6.05 zurckzufhren sei. Ferber wird wieder fr zwei Wochen krankgeschrieben.
Seinem Arbeitgeber Lohmann reicht es jetzt. Er kndigt Ferber a) telefonisch und b) schriftlich am 21.12.05 mit Wirkung zum 15.1.06.
Aufgabe: 1. Prfen Sie ausfhrlich, ob Michael Ferber in den einzelnen Fllen Anspruch auf Entgeltfortzahlung hat! 2. Nehmen Sie Stellung zur Wirksamkeit der Kndigung! 3. Erlutern Sie, was man unter gesetzlichem Kndigungsschutz versteht und unter welchen Voraussetzungen Kndigungsschutzklage mglich und sinnvoll ist!
II. Strafrecht Auszug aus einem Zeitungsartikel: Wegen Totschlags wurde der 36jhrige Inhaber eines Baumarkts vom Landgericht Itzehoe zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und drei Monaten, ausgesetzt zu einer zweijhrigen Bewhrungsstrafe, verurteilt. Der Mann hatte im Dezember ... seinen Vater im familieneigenen Geschft whrend eines Streits mit einem Zimmermannshammer niedergeschlagen. Der Vater erlag fnf Tage spter im Krankenhaus seinen schweren Verletzungen. ... Als der Vater ihn whrend der Auseinandersetzung mit einem Axtstiel bedrohte, griff der 36jhrige zum Hammer und schlug zu 15 Mal. Whrend der Verhandlung berichteten zahlreiche Zeugen, wie der Tter ber Jahre hinweg von seinem Vater gedemtigt und schlecht behandelt worden sei. ... Aufgabe: 1. Schildern Sie den Ablauf eines Strafverfahrens! 2. Prfen Sie unter Bercksichtigung des strafrechtlichen Deliktsaufbaus, wie der Richter zu seinem Urteil gekommen sein knnte! 3. Erlutern Sie, inwiefern der Fall anders zu beurteilen gewesen wre, wenn es sich bei dem Tter um einen 17-jhrigen gehandelt htte!
c) zu I.
Lsungshinweise Arbeitsrecht
1. Ferber knnte Ansprche auf Entgeltfortzahlung nach dem Entgeltfortzahlungsgesetz haben. Zu prfen ist nach EntgeltfortzG: - 1: Arbeitnehmer, hier gegeben - 3: - arbeitsunfhig - infolge Krankheit - nicht verschuldet
Zeitraum 1.12.04 17.4.05 - Arbeitsunfhigkeit (AU) liegt vor (Krankenhaus; Krankschreibung durch Arzt) - Krankheit kann Folge eines Unfalls sein wie hier - nicht verschuldet ist die AU, wenn keine grobe Fahrlssigkeit vorliegt (Wechseln CD fraglich; Alkohol mehr als 0,5 Promille ist jedoch ein eindeutiger Versto gegen Straenverkehrsordnung!) Ferber hat also Unfall, der zur Krankheit fhrte, verschuldet und hat deshalb keinen Anspruch auf Entgeltfortzahlung fr die Zeit vom 1.12.04 17.4.05. Zeitraum 3.6.05 17.6.05 - Arbeitsunfhigkeit (Krankschreibung) - Krankheit als Folge eines Unfalls (bei der Arbeit) - nicht verschuldet (keine grobe Fahrlssigkeit) Ferber hat also Anspruch auf Entgeltfortzahlung fr die Zeit vom 3.6.05 17.6.05. Zeitraum ab 20.12.05 - Folge der Krankheit vom 3.6.05 - 3 (1) EntgeltfortzG zu prfen: ... wenn AN ...vor der erneuten AU mindestens sechs Monate nicht infolge derselben Krankheit arbeitsunfhig....verliert er nicht den Anspruch auf Entgeltfortzahlung liegt hier vor (17.6. bis 20.12. mehr als sechs Monate) - Hinweis auf sechs Wochen maximal 2. - Die Arbeitsunfhigkeiten ab 3.6. und 20.12. sind auf das Umknicken beim Einsteigen in den Lkw zurck zu fhren. Dabei handelt es sich um einen Arbeitsunfall. In diesen Fllen sind bei der Prfung der Zulssigkeit von Kndigungen strengere Mastbe anzulegen. - Kndigung ist empfangsbedrftige Willenserklrung (Zugang, 130 ff BGB) - Schriftform erforderlich ( 623 BGB), ansonsten unwirksam ( 125 BGB) - Bei Vorhandensein eines Betriebsrats Anhrung erforderlich ( 102 BetrVG) - Fristen sind ( 622 BGB) einzuhalten (Abweichungen in Tarifvertrag oder Arbeitsvertrag mglich); im Fall nicht eingehalten (obwohl nhere Angaben zum Alter und zur Betriebszugehrigkeit fehlen).
3. Einhaltung der gesetzlichen Kndigungsfristen ( 622 BGB); zustzlich: Kndigungsschutzgesetz (Kndigung sozial gerechtfertigt? 1 KSchG) wenn Voraussetzungen gegeben sind: Personenkreis, Arbeitsverhltnis lnger als sechs Monate, Anzahl der Arbeitnehmer im Betrieb, 23 KSchG.) Kndigungsschutzklage mglich, wenn Kndigung z. B. nicht sozial gerechtfertigt; Frist (3 Wochen) einzuhalten ... 4, 7 KSchG
1. Ablauf eines Strafverfahrens schildern: Ermittlungsverfahren, Anklageerhebung, Erffnungsverfahren, Hauptverhandlung (Beweisaufnahme, Antrge, Urteil)
2. Deliktsaufbau: 1. Tatbestandsmigkeit - objektiver TB (strafbare Handlung?) - subjektiver TB (Vorsatz?) 2. Rechtswidrigkeit - TB liegt vor - keine Rechtfertigungsgrnde 3. Schuld: keine Schuldunfhigkeit Anwenden auf den Sachverhalt: - Totschlag 212 analysieren - unterschiedliche Vorsatzformen diskutieren (dolus directus, dolus eventualis...) - Notwehr als Rechtfertigungsgrund diskutieren - Schuldunfhigkeit prfen - Urteil begrnden 3. Grundlagen des Jugendstrafrechts darlegen und Notwendigkeit begrnden Zuordnung zu den Anforderungsbereichen: Die Aufgabenstellung soll so formuliert sein, dass bei der Lsung alle drei Anforderungsbereiche erreicht werden knnen. Die untenstehende Zuordnung der Teilaufgaben zu den Anforderungsbereichen ist nicht zwingend erforderlich. Teilaufgabe I. 1. 2. 3. Summe I II 1. 2. 3. Summe II Anforderungsbereiche (Angabe der Aufgabengewichtungen in Prozent) I II III ca. 20 ca. 15 ca. 10 ca. 15 ca. 30 ca. 10 ca. 30 ca. 40 ca. 30 ca. 15 ca. 25 ca. 20 ca. 15 ca. 15 ca. 10 ca. 30 ca. 40 ca. 30
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