Source: https://www.flugrechte.eu/7005/sunexpress-flugzeiten%C3%A4nderung-von-13-stunden
Timestamp: 2019-06-17 13:34:30
Document Index: 347949160

Matched Legal Cases: ['§ 651', '§ 651', '§ 651', '§ 651', '§ 651', '§ 651', 'BGH', '§ 651', '§ 651', '§ 651', '§ 651']

SunExpress Flugzeitenänderung von 13 Stunden - FLUGGASTRECHTE
Geplanter Hinflug: 18:50 - 23:30
Neuer Hinflug: 05:50 - 10:30
Statt der gebuchten Sunexpress fliegt jetzt die Condort.
Wir haben extra diesen Flug gebucht, da mein mann erst Nachts heimkommt. Der Reiseveranstalter kann uns nur Alternativen mit einem teuren Reisepreis anbieten. Wir können diese mit diesen Flugzeiten nicht antreten..
Ist das rechtlich in Ordnung.
Bearbeitet 9, Mai 2016 von admin
Sie haben eine Pauschalreise mit Sunexpress in die Türkei gebucht. Ihr geplanter Hinflug startete um 18:50, und wurde auf 5:50 am Morgen verschoben. Darüber hinaus änderte sich die Airline. Sie fragen nun nach Ihren Möglichkeiten.
> Verschiebung der Flugzeiten
Leider ist Ihrer Nachricht zu den AGB Ihrer Pauschalreise keine Information zu entnehmen.
Deshalb soll im Folgenden der Fall dargestellt werden, dass die Flugzeiten kein fester Vertragsbestandteil geworden sind: Die Verschiebung Ihrer Flüge um knapp 13 Stunden könnte Ihnen objektiv nicht zumutbar sein, auch und gerade weil diese Verschiebung Ihre Nachtruhe beeinträchtigen könnte, da Sie sehr früh zum Flughafen aufbrechen müssten. Es könnte sich hier also nicht nur um eine bloße Unannehmlichkeit handeln. Im Gegenteil, dies könnte einen Mangel darstellen, der einen Anspruch auf Reisepreisminderung im Sinne von § 651d Absatz 1 BGB begründen könnte, oder sie befähigen könnte den Vertrag nach § 651e BGB zu kündigen.
Der erste Schritt für Sie ist die Anzeige des möglichen Mangels Ihrem Reiseveranstalter gegenüber, und das Verlangen einer Abhilfe. Ändert der Reiseveranstalter die Flugzeiten dann nicht so, dass sie Ihnen wieder zumutbar sind, oder reagiert gar nicht, dann können Sie den Vertrag nach § 651e Absatz 2 BGB kündigen. Diese Möglichkeit könnte Ihnen möglicherweise auch offenstehen soweit Ihr Reiseveranstalter Ihnen keine anderen Möglichkeiten ohne nicht zumutbare Zuzahlungen anbieten kann.
Falls Ihr Reiseveranstalter Ihnen gegenüber nicht kooperativ handelt haben Sie natürlich noch die Möglichkeit sich an einen Anwalt zu wenden.
Beantwortet 11, Mai 2016 von KatjaG (11,820 Punkte)
Bearbeitet 10, Mai 2016 von KatjaG
du hast eine Pauschalreise in die Türkei gebucht. Der Flug zum Zielort sollte mit der Fluggesellschaft Sun Express zu folgender Zeit durchgeführt werden.
Abflug um 18:50 Uhr// Landung um 23:30 Uhr
Nun kam es jedoch zu folgender Änderung:
Abflug um 05:50 Uhr// Landung um 10:30 Uhr
Des Weiteren wird der Flug nicht mehr von Sun Express durchgeführt, sondern nun von der Condor übernommen.
Du fragst dich, ob du dies so hinnehmen musst, da dein Mann zu der neuen Flugzeit noch arbeiten muss und somit den früheren Flug nicht wahrnehmen könnte.
Da du eine Pauschalreise gebucht hast, kommen hier Ansprüche aus dem Reisevertragsrecht des BGB in Betracht. Wenn ein fester Vertragsbestandteil erheblich verändert wird, kann diese Änderung verschiedene Rechtsfolgen nach sich ziehen. Dies ist immer davon abhängig, was genau der Reisende abstrebt. Im Zuge dessen sind zunächst die Änderungen zu unterscheiden.
I. Änderung der ausführenden Airline
Die Änderung der Airline könnte verschiedene Ansprüche begründen. Dies kann in der Regel aber nur bejaht werden, wenn dem Reisenden eine bestimmte Airline bei der Buchung zugesichert worden ist.
Folgende Urteile sind in diesem Zusammenhang empfehlenswert:
Ein Mangel könne demnach nur angenommen werden, wenn die Ersatzairline Technische Mängel oder Sicherheitsrisiken aufweist. Dies müsstest du jedoch darlegen und beweisen.
Deinen Ausführungen ist nicht zu entnehmen, dass dir Sun Express als Airline zugesichert worden ist. Des Weiteren ist auch nicht davon auszugehen, dass die Standards bei der Condor niedriger sind, als bei der Sun Express, zumal Condor nicht auf der schwarzen Liste steht. Ich gelange daher zu der Ansicht, dass die Änderung der Airline keine Ansprüche begründen kann.
II. Änderung der Flugzeiten
Möglicherweise könnte jedoch die Flugzeitenverlegung um 13 Stunden Ansprüche begründen. Da die Flexibilität des Flugverkehrs gewahrt bleiben muss, kann nicht jede Änderung der Flugzeiten Ansprüche begründen. Da eine Verlegung um 13 Stunden jedoch hoch ist, könnte eine Erheblichkeit der Änderung bejaht werden. Auf der anderen Seite wird euch durch die Änderung der Flugzeiten keine Urlaubszeit genommen, sondern sogar noch hinzugefügt. Des Weiteren gelten der erste und der letzte Tag der Reise grundsätzlich als An- und Abreisetage, die sich der Reisende freizuhalten hat. Auch die Annahme einer Störung der Nachtruhe könnte hier abzulehnen sein, da die Nachtruhe durch den frühen Abflug nicht "mehr" gestört wäre, als durch die geplante späte Ankunft.
Das Entfallen der Nachtruhe durch Vorverlegung des Rückfluges stelle demnach einen Reisemangel gemäß § 651 c BGB dar und berechtige zur Reisepreisminderung.
Mir ist daher leider nicht ersichtlich inwiefern Ihr Ansprüche begründen könntet.
Ich wünsche natürlich trotzdem viel Erfolg bei eurem weiteren Vorgehen. Vielleicht kann euch der Reiseveranstalter ja noch eine andere Flugmöglichkeit anbieten, sodass ein Kompromiss gefunden wird.
du hast eine Pauschalreise gebucht und wurdest nun über eine Änderung der Flugzeiten informiert. Ursprünglich war der Abflug von Deutschland in die Türkei nach um 18:50 Uhr geplant gewesen. Es kam jedoch zu einer erheblichen Vorverlegung, sodass dein Flug nun schon um 5:50 Uhr starten soll. Diese Zeit passt dir leider überhaupt nicht, da dein Mann zu diesem Zeitpunkt noch arbeiten muss.
Ich bin ebenfalls der Meinung, dass grundsätzlich das Reisevertragsrecht des BGB heranzuziehen ist. Da die Flexibilität des Flugverkehrs jedoch gewährleistet werden muss, sind aber zumutbare Flugzeitenverlegungen von den Fluggästen hinzunehmen. Du wurdest schon jetzt über die Vorverlegung informiert, sodass du nun entsprechende Maßnahmen ergreifen kannst und gegebenenfalls den Arbeitgeber um einen weiteren Urlaubstag bitten kannst. Des Weiteren entsteht dir auf den ersten Blick kein unmittelbarer Schaden, da du durch die Flugzeitenverlegung sogar noch mehr Zeit am Urlaubsort erhältst.
Die Änderung der Abflugzeit könnte dir jedoch wegen ihres einschneidenden Charakters unzumutbar sein. Als Anspruchsgrundlage kommt hier ein Rücktritt vom Reisevertrag ohne Stornokosten vor Reisebeginn in Betracht. Dies ist dann anzunehmen, wenn eine erhebliche Änderung einer wesentlichen Reiseleistung gemäß § 651a V BGB vorliegt. Die wesentliche Pflicht des Reiseveranstalters besteht darin, die Reise so zu erbringen, dass sie die zugesicherten Eigenschaften besitzt und nicht mit Mängeln behaftet ist. Eine Flugbeförderung stellt eine wesentliche Reiseleistung dar, da der Transport in der Regel einen der wichtigen Bestandteile eines Pauschalreisevertrages ausmacht. Eine erhebliche Änderung der Flugzeiten kann daher meiner Ansicht nach zum Rücktritt gemäß § 651 a V BGB berechtigen. Dies kann vom Reiseveranstalter auch nicht grundsätzlich durch die AGB ausgeschlossen werden:
Vgl. BGH Urteil vom 10.12.2013 AZ: X ZR 24/13 (einfach bei Google „reise-recht-wiki BHG X ZR 24/13 eingeben und das Urteil im Volltext durchlesen)
„In der Entscheidung, die aufgrund der Klage einer Verbraucherschutzorganisation erging, erklärte das Gericht die nachfolgende Klausel des Reiseveranstalters für unzulässig: "Die endgültige Festlegung der Flugzeiten obliegt dem Veranstalter mit den Reiseunterlagen. Informationen über Flugzeiten durch Reisebüros sind unverbindlich." Die beanstandete Klausel erlaube es dem Reiseveranstalter, die Flugzeiten beliebig und unabhängig davon zu ändern, ob hierfür ein sachlicher Grund vorliegt. Dies sei dem Reisenden, auch unter Abwägung der berechtigten Interessen des Reiseveranstalters, nicht zuzumuten.“
Daher kann der Reisende von einem Vertrag zurücktreten, wenn eine Änderung der wesentlichen Reiseleistungen vorliegt und diese nicht zumutbar sind.
Vgl. AG München Urteil vom 06. Mai 2009 Az: 212 C 1623/09 (auch ganz einfach bei „reise-recht-wiki“ zu finden)
„Hier entschied das Gericht zu Gunsten des Reisenden. Dieser klagte da er der Ansicht war, dass die Verlängerung der Flugzeit um 5 Stunden und 15 Minuten bei einer Fernostreise unzumutbar sei. Da das Gericht die Nachtruhe beeinträchtigt sah und die Reisezeit um 25 % verlängert wurde stimmte es dem Begehren des Klägers zu, sodass dieser vom Vertrag zurücktreten konnte, ohne die vereinbarte Stornopauschale zu schulden.“
Ich könnte mir vorstellen, dass dein Fall mit dem genannten vergleichbar ist, sodass ein Rücktritt ohne Zahlung der Stornogebühren denkbar ist. Falls sich der Reiseveranstalter weigert auf deine Forderungen einzugehen, könnte es hilfreich sein einen Anwalt zu kontaktieren.
Beantwortet 25, Mai 2016 von Kaktum (4,860 Punkte)
in dem von Ihnen geschilderten Fall ergeben sich Ihre Rechte gegen den Reiseveranstalter grundsätzlich aus §§ 651a ff BGB. Im Fall der Flugzeitenänderung durch den Reiseveranstalter kommen insbesondere zwei Rechte für Sie in Betracht:
Minderung des Reisepreises gem. § 651d BGB
kostenloser Rücktritt von der Reise gem. § 651a Abs. 5 BGB
D.h. zunächst für Sie, Sie müssen eine Entscheidung darüber treffen, ob Sie die Reise überhaupt mit den geänderten Flugzeiten antreten möchten oder nicht.
Haben Sie diese Entscheidung getroffen ist in beiden Fällen entscheidend, dass Ihnen die beiden Rechte nur dann zustehen, wenn die vorgenommene Flugzeitenänderung einen Mangel der Reise iSd § 651c Abs. 1 BGB darstellt. Dies dürfte in Ihrem Fall jedoch unproblematisch gegeben sein, da ein solcher Mangel sowohl für den Fall, dass der Flug um mehr als 8 Std verschoben wird, als auch für den Fall anerkannt wird, indem durch die Verschiebung der Flugzeiten eine Beeinträchtigung der Nachtruhe entsteht. Vergleiche hierzu z.B.:
AG Düsseldorf, Urteil v. 21.01.1997, Az: 38 C 17568/96
AG Hamburg, Urteil v. 22.08.1996, Az: 22b C 672/96
Diese Urteile können Sie bei Interesse vollständig nachlesen, indem Sie in die Googlesuche jeweils Reise-Recht-Wiki.de plus das jeweilige Aktenzeichen eingeben. Für die Entscheidung des AG Düsseldorfs z.B. "Reise-Recht-Wiki.de 38 C 17568/96"
​Aufgrund dieses Mangels haben Sie grundsätzlich beide oben beschriebenen Rechte. Sollten Sie sich für den Fall der Minderung entscheiden, sollten Sie auf jeden Fall beachten, dass Sie auf jeden Fall unverzüglich den Mangel anzeigen und Abhilfe verlangen. Abhilfe würde in diesem Fall grundsätzlich in dem Angebot eines alternativen Fluges bestehen, der nicht selbst einen Mangel der Reise darstellt. D.h. insbesondere keine größere Abweichung vom geplanten Flug um mehr als 8 Std, ein Flug an einem gänzlich anderen Tag oder ein Flug, der die Nachtruhe des Reisenden erheblich beeinträchtigt.
Alternativ können Sie sich jedoch auch dafür entscheiden, die Reise unter den geänderten Zeiten gar nicht anzutreten und den kompletten Reisepreis zurück zu fordern.
Beantwortet 13, Jun 2016 von Bugrad (24,480 Punkte)