Source: https://www.rechtslupe.de/arbeitsrecht/betriebsuebergang-317433
Timestamp: 2020-07-09 13:03:15
Document Index: 111176369

Matched Legal Cases: ['§ 613', '§ 4', '§ 613', 'Art. 1', '§ 613', '§ 613', '§ 613', '§ 613', '§ 613', '§ 613', '§ 613', '§ 613', '§ 613', '§ 613', '§ 613', '§ 613', '§ 613', '§ 613', '§ 613', '§ 613', 'EuG', '§ 613', '§ 613', '§ 613', '§ 613', '§ 613', '§ 613', '§ 613', '§ 613', '§ 613', '§ 613', '§ 613', '§ 613', '§ 613', '§ 1', '§ 613', 'EuG', '§ 613', 'EuG', '§ 613', '§ 613', '§ 613', '§ 613', '§ 613', '§ 613', '§ 613', '§ 613', 'EuG', 'EuG', 'EuG', '§ 613', '§ 613', '§ 613', '§ 613']

Betriebsübergang | Rechtslupe
Geht ein Betrieb oder Betriebs­teil durch Rechts­ge­schäft auf einen ande­ren Inha­ber über, so tritt die­ser Erwer­ber in die Rech­te und Pflich­ten aus den bestehen­den Arbeits­ver­hält­nis­sen ein., § 613 a BGB. Doch wann liegt ein sol­cher Betriebs­über­gang vor? Und wann ein hin­rei­chend selb­stän­di­ger Betriebs­teil, der eigen­stän­dig über­ge­hen kann? Das Bun­des­ar­beits­ge­richt hat jetzt die­se Defi­ni­tio­nen gelie­fert:
Betriebs­teil
Auch für die Abgren­zung von Betrieb und Betriebs­teil ist eine Gesamt­be­trach­tung maß­geb­lich, bei der die wirt­schaft­li­che Ein­heit und ihre Iden­ti­tät im Mit­tel­punkt steht [1]. Damit ver­liert die eigen­stän­di­ge Inter­pre­ta­ti­on des Begriffs „Betriebs­teil“ grund­sätz­lich an Bedeu­tung. Denn auch beim Erwerb eines Betriebs­teils ist es erfor­der­lich, dass die wirt­schaft­li­che Ein­heit ihre Iden­ti­tät wahrt. Daher muss eine Teil­ein­heit des Betrie­bes auch bereits beim frü­he­ren Betriebs­in­ha­ber die Qua­li­tät eines Betriebs­teils gehabt haben [2]. Schon beim bis­he­ri­gen Betriebs­in­ha­ber muss also – in Anleh­nung an § 4 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 BetrVG – eine selb­stän­dig abtrenn­ba­re orga­ni­sa­to­ri­sche Ein­heit gege­ben sein, mit der inner­halb des betrieb­li­chen Gesamt­zwecks ein Teil­zweck ver­folgt wur­de [3]. Das Merk­mal des Teil­zwecks dient zur Abgren­zung der orga­ni­sa­to­ri­schen Ein­heit; im Teil­be­trieb müs­sen aber nicht anders­ar­ti­ge Zwe­cke als im übri­gen Betrieb ver­folgt wer­den. Ergibt die Gesamt­be­trach­tung eine iden­ti­fi­zier­ba­re wirt­schaft­li­che und orga­ni­sa­to­ri­sche Teil­ein­heit, so muss die­se beim Erwer­ber im Wesent­li­chen unver­än­dert fort­be­stehen [4]. Im Rah­men der Gesamt­be­trach­tung kön­nen wesent­li­che Ände­run­gen in der Orga­ni­sa­ti­on, der Struk­tur und im Kon­zept einer Iden­ti­täts­wah­rung ent­ge­gen­ste­hen [5]. Aller­dings muss der über­tra­ge­ne Unter­neh­mens- oder Betriebs­teil sei­ne orga­ni­sa­to­ri­sche Selb­stän­dig­keit beim Betriebs­er­wer­ber nicht voll­stän­dig bewah­ren, es genügt, dass die­ser die funk­tio­nel­le Ver­knüp­fung zwi­schen den über­tra­ge­nen Pro­duk­ti­ons­fak­to­ren bei­be­hält und es ihm der­art ermög­licht wird, die­se Fak­to­ren zu nut­zen, um der­sel­ben oder einer gleich­ar­ti­gen wirt­schaft­li­chen Tätig­keit nach­zu­ge­hen [6].
Ein Betriebs­über­gang im Sin­ne des § 613a BGB setzt die Wah­rung der Iden­ti­tät einer auf gewis­se Dau­er ange­leg­ten, hin­rei­chend struk­tu­rier­ten und selb­stän­di­gen wirt­schaft­li­chen Ein­heit vor­aus. Die Wah­rung der Iden­ti­tät kann sich aus dem Über­gang sach­li­cher und imma­te­ri­el­ler Betriebs­mit­tel, aber auch aus dem Über­gang von Per­so­nal, Füh­rungs­kräf­ten, der Über­nah­me von Arbeits­or­ga­ni­sa­ti­on und Betriebs­me­tho­den her­lei­ten [7]. Dabei kommt es auf eine Gesamt­wür­di­gung aller Umstän­de an [8]. Es muss eine im Wesent­li­chen unver­än­der­te Fort­füh­rung der bis­her in die­ser abgrenz­ba­ren Ein­heit geleis­te­ten Tätig­keit mög­lich sein [9]. Die blo­ße Mög­lich­keit allein, den Betrieb selbst unver­än­dert fort­füh­ren zu kön­nen, reicht nicht für die Annah­me eines Betriebs­über­gangs, viel­mehr muss der Betrieb auch tat­säch­lich wei­ter­ge­führt wer­den [10]. Kei­ne unver­än­der­te Fort­füh­rung liegt vor, wenn der neue Betrei­ber eine ande­re Leis­tung erbringt, den Betriebs­zweck ändert oder ein ande­res Kon­zept ver­folgt [11]. Eben­so reicht eine blo­ße Funk­ti­ons­nach­fol­ge nicht aus, bei der nur die Tätig­keit aus­ge­übt oder die Funk­ti­on am Markt über­nom­men wird, ohne Über­nah­me der Betriebs­mit­tel oder der Beleg­schaft [12].
Nach der Recht­spre­chung des Euro­päi­schen Gerichts­hofs ist eine Gesamt­ab­wä­gung vor­zu­neh­men, bei der je nach Ein­zel­fall fol­gen­de rele­van­te Umstän­de in Betracht zu zie­hen sind: die Art des Betrie­bes oder Unter­neh­mens; der Über­gang der mate­ri­el­len Betriebs­mit­tel wie Gebäu­de, Maschi­nen und beweg­li­che Güter sowie deren Wert und Bedeu­tung; der Wert der über­nom­me­nen imma­te­ri­el­len Betriebs­mit­tel und der vor­han­de­nen Orga­ni­sa­ti­on; die Wei­ter­be­schäf­ti­gung der Haupt­be­leg­schaft durch den neu­en Inha­ber, also des nach Zahl und Sach­kun­de wesent­li­chen Teils des Per­so­nals; der etwai­ge Über­gang der Kund­schaft und der Lie­fe­ran­ten­be­zie­hun­gen; der Grad der Ähn­lich­keit zwi­schen den vor und nach dem Über­gang ver­rich­te­ten Tätig­kei­ten; die Dau­er einer even­tu­el­len Unter­bre­chung die­ser Tätig­keit [13]. In der Ent­schei­dung vom 12. Febru­ar 2009 [14] hat der Euro­päi­sche Gerichts­hof bestä­tigt, dass grund­sätz­lich die Orga­ni­sa­ti­on zu den Kri­te­ri­en für die Bestim­mung der Iden­ti­tät einer wirt­schaft­li­chen Ein­heit gehört. Nach Art. 1 Abs. 1 Buchst. b RL 2001/​23/​EG wird die Iden­ti­tät einer wirt­schaft­li­chen Ein­heit einer­seits über das Merk­mal der Orga­ni­sa­ti­on der über­tra­ge­nen Ein­heit, ande­rer­seits über das Merk­mal der Ver­fol­gung ihrer wirt­schaft­li­chen Tätig­keit defi­niert. Es sei für einen Betriebs­über­gang nicht erfor­der­lich, dass der Über­neh­mer die kon­kre­te Orga­ni­sa­ti­on der ver­schie­de­nen über­tra­ge­nen Pro­duk­ti­ons­fak­to­ren bei­be­hal­te, son­dern, dass die funk­tio­nel­le Ver­knüp­fung der Wech­sel­be­zie­hung und gegen­sei­ti­gen Ergän­zung der Pro­duk­ti­ons­fak­to­ren bei­be­hal­ten wer­de. Die­se erlau­be näm­lich bereits dem Erwer­ber, die Pro­duk­ti­ons­fak­to­ren in ihrer Wech­sel­be­zie­hung und gegen­sei­ti­gen Ergän­zung zu nut­zen, selbst wenn sie nach der Über­tra­gung in eine neue, ande­re Orga­ni­sa­ti­ons­struk­tur ein­ge­glie­dert wer­den, um der­sel­ben oder einer gleich­ar­ti­gen wirt­schaft­li­chen Tätig­keit nach­zu­ge­hen [15]. Dies sieht das Bun­des­ar­beits­ge­richt nicht anders [16].
BAG 16.05.2002 – 8 AZR 319/​01, AP BGB § 613a Nr. 237 = EzA BGB § 613a Nr. 210; ErfK/​Preis 9. Aufl. § 613a BGB Rn. 7; HWK/​Willemsen 3. Aufl. § 613a BGB Rn. 32[↩]
BAG 16.02. 2006 – 8 AZR 204/​05 – AP BGB § 613a Nr. 300 = EzA BGB 2002 § 613a Nr. 46; 16.02.2006 – 8 AZR 211/​05, AP BGB § 613a Nr. 301 = EzA BGB 2002 § 613a Nr. 47[↩]
BAG 26.08.1999 – 8 AZR 718/​98, AP BGB § 613a Nr. 196 = EzA BGB § 613a Nr. 185[↩]
BAG 24.08.2006 – 8 AZR 556/​05, AP BGB § 613a Nr. 315 = EzA BGB 2002 § 613a Nr. 59[↩]
BAG 04.05.2006 – 8 AZR 299/​05, BAGE 118, 168 = AP BGB § 613a Nr. 304 = EzA BGB 2002 § 613a Nr. 51; 06.04.2006 – 8 AZR 249/​04, BAGE 117, 361 = AP BGB § 613a Nr. 303 = EzA BGB 2002 § 613a Nr. 52[↩]
EuGH 12.02.2009 – C‑466/​07 (Kla­ren­berg), AP Richt­li­nie 2001/​23/​EG Nr. 4 = EzA EG-Ver­trag 1999 Richt­li­nie 2001/​23 Nr. 2[↩]
BAG 26.06.1997 – 8 AZR 426/​95, BAGE 86, 148 = AP BGB § 613a Nr. 165 = EzA BGB § 613a Nr. 151; 12.11.1998 – 8 AZR 282/​97, BAGE 90, 163 = AP BGB § 613a Nr. 186 = EzA BGB § 613a Nr. 170; 22.01.1998 – 8 AZR 775/​96, AP BGB § 613a Nr. 174 = EzA BGB § 613a Nr. 162[↩]
BAG 02.12.1999 – 8 AZR 796/​98, AP BGB § 613a Nr. 188 = EzA BGB § 613a Nr. 188[↩]
BAG 27.04.1995 – 8 AZR 197/​94, BAGE 80, 74 = AP BGB § 613a Nr. 128 = EzA BGB § 613a Nr. 126[↩]
BAG 13.07.2006 – 8 AZR 331/​05 – AP BGB § 613a Nr. 313[↩]
BAG 4. Mai 2006 – 8 AZR 299/​05 – BAGE 118, 168 = AP BGB § 613a Nr. 304 = EzA BGB 2002 § 613a Nr. 51[↩]
BAG 24.08.2006 – 8 AZR 317/​05, AP KSchG 1969 § 1 Betriebs­be­ding­te Kün­di­gung Nr. 152 = EzA BGB 2002 § 613a Nr. 60; EuGH 11.03.1997 – C‑13/​95 (Ayse Süzen), Slg. 1997, I‑1259 = AP EWG-Richt­li­nie Nr. 77/​187 Nr. 14 = EzA BGB § 613a Nr. 145[↩]
EuGH 24.01.2002 – C‑51/​00, Slg. 2002, I‑969 = AP EWG-Richt­li­nie Nr. 77/​187 Nr. 32 = EzA EG-Ver­trag 1999 Richt­li­nie 77/​187 Nr. 1; BAG 22.05.1997 – 8 AZR 101/​96, BAGE 86, 20 = AP BGB § 613a Nr. 154 = EzA BGB § 613a Nr. 149; 13.11.1997 – 8 AZR 295/​95, BAGE 87, 115 = AP BGB § 613a Nr. 169 = EzA BGB § 613a Nr. 154; 13.11.1997 – 8 AZR 375/​96, BAGE 87, 120 = AP BGB § 613a Nr. 170 = EzA BGB § 613a Nr. 156; 25.05.2000 – 8 AZR 416/​99, BAGE 95, 1 = AP BGB § 613a Nr. 209 = EzA BGB § 613a Nr. 190[↩]
EuGH, 12.02.2009 – C‑466/​07 (Kla­ren­berg), AP Richt­li­nie 2001/​23/​EG Nr. 4 = EzA EG-Ver­trag 1999 Richt­li­nie 2001/​23 Nr. 2[↩]
EuGH, aaO; EuGH 14.04.1994 – C‑392/​92, Slg. 1994, I‑1311 = AP BGB § 613a Nr. 106 = EzA BGB § 613a Nr. 114[↩]
22.01.2009 – 8 AZR 158/​07, AP BGB § 613a Nr. 367 = EzA BGB 2002 § 613a Nr. 107[↩]
Natu­ral­leis­tun­gen des Arbeit­ge­bers an den Insol­venz­schuld­ner Hat der Dritt­schuld­ner bei der Berech­nung des pfänd­ba­ren Teils des Arbeits­ein­kom­mens Geld- und Natu­ral­leis­tun­gen zusam­men­ge­rech­net, kann der Schuld­ner eine nied­ri­ge­re Bewer­tung der Natu­ral­leis­tun­gen nur im…
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