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Timestamp: 2019-06-19 03:04:31
Document Index: 73863486

Matched Legal Cases: ['§ 242', '§ 242', '§ 242', '§ 264', '§ 264', '§ 264']

von Berkan Bilibay (Autor)
2 Die Bilanz
2.1 Pflicht zur Aufstellung von Bilanzen
2.2 Aufgaben der Bilanz
3 Bilanzanalysen
3.2 Arten von Bilanzanalysen
3.3 Externe Bilanzanalysen
4 Grenzen einer externen Bilanzanalyse
4.1 Allgemeine Grenzen einer externen Bilanzanalyse
4.2 Mangelhaftigkeit der Informationsquellen
4.2.1 Bilanzpolitische Manipulation
4.2.1.1 Einschränkung des Bilanzpolitischen Spielraumes durch Gesetzgebung
4.2.1.2 Transparenz durch Kenntnis der handels- und steuerlichen Bilanzierungs- und Bewertungsvorschriften
4.2.2 Verzerrung des Jahresabschlusses durch
die Gläubiger schützende GoB
4.2.3 Steuerpolitische Einflüsse auf den Jahresabschluss
4.2.4 Vergangenheitsbezogenheit und geringer Detaillierungsgrad des Jahresabschlusses
4.2.5 Unvollständigkeit des Jahresabschlusses
4.2.5.1 Mangelhafte Differenzierung
4.2.5.2 Geringe oder keine Berücksichtigung von qualitativen Informationen
Nach § 242 Abs. 1 HGB muss jeder Kaufmann für den Schluss eines jeden Geschäftsjahres eine Bilanz erstellen, die das Verhältnis seines Vermögens und seiner Schulden darstellt.1 § 242 Abs. 1 HGB schreibt ferner vor, dass ein Kaufmann zu Beginn seines Handelsgewerbes eine Eröffnungsbilanz aufzustellen hat.2 Zusätzlich muss ein Kaufmann gemäß § 242 Abs.2 HGB am Ende eines jeden Geschäftsjahres die Aufwendungen und Erträge in einer Gewinn- und Verlustrechnung gegenüberstellen. Die Bilanz und die Gewinn- und Verlustrechnung bilden zusammen den Jahresabschluss. Kapitalgesellschaften müssen den Jahresabschluss um einen Anhang erweitern.3 Zusätzlich zum Jahresabschluss müssen Kapitalgesellschaften gemäß § 264 Abs. 1 Satz 1 einen Lagebericht aufstellen; kleine Kapitalgesellschaften brauchen gemäß § 264 Abs. 1 Satz 3 keinen Lagebericht aufzustellen.4
„Die Bilanz ist zweckbestimmt, d.h. es gibt keine Bilanz schlechthin, sondern sie wird stets unter bestimmten Gesichtspunkten erstellt. Aus diesem Grunde lassen sich nur schwer allgemeine Aufgaben nennen, die sich für alle Bilanzen gleichermaßen stellen“.5 Eine generelle Aufgabe der Jahresbilanz ist es, Informationen über die Lage und die zukünftige Entwicklung eines Unternehmens zu geben. Konkret fordert § 264 Abs. 2 HGB für Kapitalgesellschaften, die Darstellung der Vermögenslage, Finanzlage und Ertragslage. Daraus lassen sich einige Aufgaben der Bilanz ableiten, wie beispielsweise der Erfolgsausweis und der Kapitalausweis.
Bei dem Erfolgsausweis wird der Erfolg nach handels- oder steuerrechtlichen Vorschriften ausgewiesen, wobei zu beachten ist, dass dieser durch geeignete Bilanzierungs- und Bewertungsmaßnahmen beeinflusst werden kann. Ein weiterer Mangel besteht darin, dass zwar die Höhe, aber nicht die Zusammensetzung und Herkunft des Erfolges erkennbar ist. Diese Informationen sind nur aus der Gewinn- und Verlustrechnung zu entnehmen.6 Der Kapitalausweis wird weiter in zwei Teilaufgaben unterteilt, und zwar der Kennzeichnung des Kapitalaufbaus und dem Nachweis der Kapitalerhaltung. Bei dem zuerst genannten wird eine Gegenüberstellung von Eigen- und Fremdkapital durchgeführt, um eine Aussage über den Eigenkapitalanteil machen zu können. Banken und Gläubiger könnte diese Zusammensetzung interessieren, da das finanzielle Risiko bei geringer Eigenkapitalbasis erhöht ist. Der Nachweis der Kapitalerhaltung hat ebenfalls eine große Bedeutung. Sein Nachteil ist seine Beeinflussbarkeit durch geeignete Bewertungs- und Abschreibungsmaßnahmen.7
„Unter dem Begriff der Bilanzanalyse versteht man die Analyse eines Unternehmens ausschließlich anhand publizierter Informationsquellen. Nur im Umfang der Informationsquellen, nicht etwa auch in der Zielsetzung, unterscheidet sich die Bilanzanalyse von der (internen) Bilanzanalyse“.8
Folgende Arten der Bilanzanalysen sind zu unterscheiden: Interne Bilanzanalysen, Externe Bilanzanalysen, Formelle Bilanzanalysen, Materielle Bilanzanalysen. Die Interne Bilanzanalyse wird innerhalb eines Unternehmens erstellt und dient vor allem der Informationsverdichtung, Urteilsbildung und Entscheidungsfindung. Dem Bilanzanalytiker stehen nicht nur die veröffentlichten Daten über den Jahresabschluss zur Verfügung, sondern das gesamte Zahlenmaterial der Unternehmung.9 Die formelle Bilanzanalyse hat die Aufgabe, die formellen Übereinstimmungen des Jahresabschlusses mit den gesetzlichen Vorschriften festzustellen.10 Bei der materiellen Bilanzanalyse werden die Informationen des Jahresabschlusses analysiert. Es wird beispielsweise geprüft, ob die Rücklagen getrennt vom gezeichneten Kapital ausgewiesen sind.11
Die Externe Bilanzanalyse wird von Außenstehenden der jeweils bilanzierenden Unternehmung vorgenommen. Diese können Anteilseigner, Lieferanten, Kunden, Kreditgeber, Arbeitnehmer und interessierte Öffentlichkeit sein.12
Ziel der Bilanzanalyse ist es im allgemeinen, einen möglichst umfassenden Einblick in die Wirtschaftliche Lage eines Unternehmens zu erhalten.13 Kreditgeber haben beispielsweise Interesse an der Kreditwürdigkeit eines Unternehmens. Deshalb ist bei kurzfristigen Krediten insbesondere die Kenntnisse über die gegenwärtige Liquidität, Vermögens- und Kapitalstruktur sowie Umsatzsituation von besonderer Bedeutung. Kreditgeber des langfristigen Kapitals konzentrieren sich dagegen viel mehr auf die zukünftigen Erwartungen, die Ertragskraft und die Rentabilität des Kreditnehmers.14
1 Vgl. Olfert, K.: Bilanzen. 9. Auflage. Leipzig 2000, S.78.
2 Vgl. A.a.O., S.77.
3 Vgl. A.a.O., S.237.
4 Vgl. A.a.O., S.78.
5 A.a.O., S.26.
7 Vgl. A.a.O., S.27.
8 Schult, E.: Bilanzanalyse. 10. Auflage. Berlin 1999, S.5.
9 Vgl. Olfert, Klaus, a.a.O., S.339.
10 Vgl. A.a.O., S.341.
11 Vgl. A.a.O., S.342.
12 Vgl. A.a.O., S.339f.
13 Vgl. Schult, Eberhard, a.a.O., S.5.
14 Vgl. Olfert, Klaus, a.a.O., S.340.
9783638159586
University of Sheffield – Universität für Wirtschaft und Politik
Grenzen Bilanzanalyse Bilanzen
Berkan Bilibay (Autor)