Source: http://www.hensche.de/arbeitsrecht-urteile-eugh-c-103-16-22.02.2018-kuendigungsschutz-schwangerschaft-Massenentlassung.html
Timestamp: 2020-04-06 11:28:15
Document Index: 210174631

Matched Legal Cases: ['Art. 2', 'Art. 10', 'Art. 1', 'Art. 267', 'Art. 10', 'Art. 1', 'Art. 1', 'Art. 2', 'Art. 10', 'Art. 1', 'Art. 2', 'Art. 51', 'Art. 52', 'Art. 51', 'Art. 53', 'Art. 52', 'Art. 52', 'Art. 45', 'Art. 37', 'Art. 46', 'Art. 55', 'Art. 45', 'Art. 37', 'Art. 46', 'Art. 13', 'Art. 51', 'Art. 68', 'Art. 10', 'Art. 122', 'Art. 51', 'Art. 45', 'Art. 37', 'Art. 46', 'Art. 51', 'Art. 10', 'Art. 10', 'Art. 1', 'Art. 10', 'Art. 10', 'Art. 10', 'Art. 10', 'Art. 267', 'Art. 2', 'Art. 267', 'Art. 267', 'Art. 94', 'Art. 10', 'Art. 10', 'Art. 10', 'Art. 1', 'Art. 10', 'Art. 1', 'Art. 10', 'Art. 1', 'Art. 10', 'Art. 10', 'Art. 10', 'Art. 10', 'Art. 10', 'Art. 1', 'Art. 10', 'Art. 10', 'Art. 1', 'Art. 10', 'Art. 10', 'Art. 1', 'Art. 10', 'Art. 10', 'Art. 288', 'Art. 10', 'Art. 10', 'Art. 10', 'Art. 10', 'Art. 10', 'Art. 10', 'Art. 10', 'Art. 10', 'Art. 10', 'Art. 10', 'Art. 10', 'Art. 1', 'Art. 10', 'Art. 10', 'Art. 10', 'Art. 1', 'Art. 10', 'Art. 10', 'Art. 10']

22. Fe­bru­ar 2018(*)
„Vor­la­ge zur Vor­ab­ent­schei­dung - So­zi­al­po­li­tik - Richt­li­nie 92/85/EWG - Maßnah­men zur Ver­bes­se­rung der Si­cher­heit und des Ge­sund­heits­schut­zes von schwan­ge­ren Ar­beit­neh­me­rin­nen, Wöch­ne­rin­nen und stil­len­den Ar­beit­neh­me­rin­nen am Ar­beits­platz - Art. 2 Buchst. a - Art. 10 Nrn. 1 bis 3 - Ver­bot der Kündi­gung ei­ner Ar­beit­neh­me­rin während der Zeit vom Be­ginn ih­rer Schwan­ger­schaft bis zum En­de ih­res Mut­ter­schafts­ur­laubs - An­wen­dungs­be­reich - Νicht mit dem Zu­stand der be­trof­fe­nen Ar­beit­neh­me­rin in Zu­sam­men­hang ste­hen­de Aus­nah­mefälle - Richt­li­nie 98/59/EG - Mas­sen­ent­las­sun­gen - Art. 1 Abs. 1 Buchst. a - Gründe, die nicht in der Per­son der Ar­beit­neh­mer lie­gen - Im Rah­men ei­ner Mas­sen­ent­las­sung ent­las­se­ne schwan­ge­re Ar­beit­neh­me­rin - Be­gründung der Ent­las­sung - Vor­ran­gi­ge Wei­ter­beschäfti­gung der Ar­beit­neh­me­rin - Vor­ran­gi­ge an­der­wei­ti­ge Ver­wen­dung“
In der Rechts­sa­che C-103/16
be­tref­fend ein Vor­ab­ent­schei­dungs­er­su­chen nach Art. 267 AEUV, ein­ge­reicht vom Tri­bu­nal Su­pe­ri­or de Jus­ti­cia de Ca­ta­luña (Obers­tes Ge­richt von Ka­ta­lo­ni­en, Spa­ni­en) mit Ent­schei­dung vom 20. Ja­nu­ar 2016, beim Ge­richts­hof ein­ge­gan­gen am 19. Fe­bru­ar 2016, in dem Ver­fah­ren
Jes­si­ca Por­ras Gu­i­sa­do
Ban­kia SA,
Sección Sin­di­cal de Ban­kia de CCOO,
Sección Sin­di­cal de Ban­kia de UGT,
Sección Sin­di­cal de Ban­kia de AC­CAM,
Sección Sin­di­cal de Ban­kia de SA­TE,
Sección Sin­di­cal de Ban­kia de CSI­CA,
Fon­do de Ga­rantía Sala­ri­al (Fo­ga­sa),
un­ter Mit­wir­kung des Kam­mer­präsi­den­ten L. Bay Lar­sen so­wie der Rich­ter J. Ma­le­n­ovský, M. Saf­jan (Be­richt­er­stat­ter), D. Šváby und M. Vil­a­ras,
auf­grund des schrift­li­chen Ver­fah­rens und auf die münd­li­che Ver­hand­lung vom 26. Ja­nu­ar 2017,
- der Ban­kia SA, ver­tre­ten durch C. Ro­dríguez Eli­as und V. García González, aboga­dos,
- der spa­ni­schen Re­gie­rung, ver­tre­ten durch M.-J. García-Val­de­ca­sas Dor­re­go und A. Ga­ve­la Llo­pis als Be­vollmäch­tig­te,
- der Eu­ropäischen Kom­mis­si­on, ver­tre­ten durch C. Va­le­ro, A. Sz­myt­kow­s­ka und S. Par­do Quin­tillán als Be­vollmäch­tig­te,
nach Anhörung der Schluss­anträge der Ge­ne­ral­anwältin in der Sit­zung vom 14. Sep­tem­ber 2017
1 Das Vor­ab­ent­schei­dungs­er­su­chen be­trifft die Aus­le­gung von Art. 10 Nrn. 1 und 2 der Richt­li­nie 92/85/EWG des Ra­tes vom 19. Ok­to­ber 1992 über die Durchführung von Maßnah­men zur Ver­bes­se­rung der Si­cher­heit und des Ge­sund­heits­schut­zes von schwan­ge­ren Ar­beit­neh­me­rin­nen, Wöch­ne­rin­nen und stil­len­den Ar­beit­neh­me­rin­nen am Ar­beits­platz (zehn­te Ein­zel­richt­li­nie im Sin­ne des Ar­ti­kels 16 Ab­satz 1 der Richt­li­nie 89/391/EWG) (ABl. 1992, L 348, S. 1) und von Art. 1 Abs. 1 Buchst. a der Richt­li­nie 98/59/EG des Ra­tes vom 20. Ju­li 1998 zur An­glei­chung der Rechts­vor­schrif­ten der Mit­glied­staa­ten über Mas­sen­ent­las­sun­gen (ABl. 1998, L 225, S. 16).
2 Es er­geht im Rah­men ei­nes Rechts­streits zwi­schen Frau Jes­si­ca Por­ras Gu­i­sa­do auf der ei­nen und der Ban­kia SA, ver­schie­de­nen Be­triebs­grup­pen von Ge­werk­schaf­ten und dem Fon­do de Ga­rantía Sala­ri­al (Fo­ga­sa) (Lohn­aus­gleich­kas­se, Spa­ni­en) auf der an­de­ren Sei­te be­tref­fend die Rechtmäßig­keit der Kündi­gung von Frau Por­ras Gu­i­sa­do, die im Rah­men ei­ner Mas­sen­ent­las­sung vor­ge­nom­men wur­de, während sie schwan­ger war.
3 Die Erwägungs­gründe 1, 7, 8 und 15 der Richt­li­nie 92/85 ha­ben fol­gen­den Wort­laut:
„Ar­ti­kel 118a des [EWG-]Ver­tra­ges sieht vor, dass der Rat durch Richt­li­ni­en Min­dest­vor­schrif­ten erlässt, um die Ver­bes­se­rung ins­be­son­de­re der Ar­beits­um­welt zu fördern und so die Si­cher­heit und die Ge­sund­heit der Ar­beit­neh­mer zu schützen.
Gemäß Ar­ti­kel 15 der Richt­li­nie 89/391/EWG des Ra­tes vom 12. Ju­ni 1989 über die Durchführung von Maßnah­men zur Ver­bes­se­rung der Si­cher­heit und des Ge­sund­heits­schut­zes der Ar­beit­neh­mer bei der Ar­beit [(ABl. 1989, L 183, S. 1)] müssen be­son­ders gefähr­de­te Ri­si­ko­grup­pen ge­gen die spe­zi­ell sie be­dro­hen­den Ge­fah­ren geschützt wer­den.
Die Ge­fahr, aus Gründen ent­las­sen zu wer­den, die mit ih­rem Zu­stand in Ver­bin­dung ste­hen, kann sich schädlich auf die phy­si­sche und psy­chi­sche Ver­fas­sung von schwan­ge­ren Ar­beit­neh­me­rin­nen, Wöch­ne­rin­nen oder stil­len­den Ar­beit­neh­me­rin­nen aus­wir­ken; da­her ist es er­for­der­lich, ih­re Kündi­gung zu ver­bie­ten“.
4 Art. 1 („Ziel“) der Richt­li­nie 92/85 sieht in sei­nem Abs. 1 vor:
5 Art. 2 („De­fi­ni­tio­nen“) der Richt­li­nie 92/85 lau­tet:
a) „schwan­ge­re Ar­beit­neh­me­rin“ je­de schwan­ge­re Ar­beit­neh­me­rin, die den Ar­beit­ge­ber gemäß den ein­zel­staat­li­chen Rechts­vor­schrif­ten und/oder Ge­pflo­gen­hei­ten von ih­rer Schwan­ger­schaft un­ter­rich­tet;
b) „Wöch­ne­rin“ je­de Ar­beit­neh­me­rin kurz nach ei­ner Ent­bin­dung im Sin­ne der ein­zel­staat­li­chen Rechts­vor­schrif­ten und/oder Ge­pflo­gen­hei­ten, die den Ar­beit­ge­ber gemäß die­sen Rechts­vor­schrif­ten und/oder Ge­pflo­gen­hei­ten von ih­rer Ent­bin­dung un­ter­rich­tet;
c) „stil­len­de Ar­beit­neh­me­rin“ je­de stil­len­de Ar­beit­neh­me­rin im Sin­ne der ein­zel­staat­li­chen Rechts­vor­schrif­ten und/oder Ge­pflo­gen­hei­ten, die den Ar­beit­ge­ber gemäß die­sen Rechts­vor­schrif­ten und/oder Ge­pflo­gen­hei­ten darüber un­ter­rich­tet, dass sie stillt.“
6 Art. 10 („Ver­bot der Kündi­gung“) der Richt­li­nie 92/85 be­stimmt:
Richt­li­nie 98/59
7 Die Erwägungs­gründe 2 bis 4 und 7 der Richt­li­nie 98/59 lau­ten:
(3) Trotz ei­ner kon­ver­gie­ren­den Ent­wick­lung be­ste­hen wei­ter­hin Un­ter­schie­de zwi­schen den in den Mit­glied­staa­ten gel­ten­den Be­stim­mun­gen hin­sicht­lich der Vor­aus­set­zun­gen und des Ver­fah­rens für Mas­sen­ent­las­sun­gen so­wie hin­sicht­lich der Maßnah­men, die die Fol­gen die­ser Ent­las­sun­gen für die Ar­beit­neh­mer mil­dern könn­ten.
(4) Die­se Un­ter­schie­de können sich auf das Funk­tio­nie­ren des Bin­nen­mark­tes un­mit­tel­bar aus­wir­ken.
(7) Da­her muss auf die­se An­glei­chung auf dem We­ge des Fort­schritts im Sin­ne des Ar­ti­kels 117 EG-Ver­trag hin­ge­wirkt wer­den“.
8 Art. 1 („Be­griffs­be­stim­mun­gen und An­wen­dungs­be­reich“) der Richt­li­nie 98/59 be­stimmt in sei­nem Abs. 1 Buchst. a:
„Für die Durchführung die­ser Richt­li­nie gel­ten fol­gen­de Be­griffs­be­stim­mun­gen:
9 Art. 2 („In­for­ma­ti­on und Kon­sul­ta­ti­on“) die­ser Richt­li­nie sieht in sei­nen Abs. 1 bis 3 vor:
„(1) Be­ab­sich­tigt ein Ar­beit­ge­ber, Mas­sen­ent­las­sun­gen vor­zu­neh­men, so hat er die Ar­beit­neh­mer­ver­tre­ter recht­zei­tig zu kon­sul­tie­ren, um zu ei­ner Ei­ni­gung zu ge­lan­gen.
Die Mit­glied­staa­ten können vor­se­hen, dass die Ar­beit­neh­mer­ver­tre­ter gemäß den in­ner­staat­li­chen Rechts­vor­schrif­ten und/oder Prak­ti­ken Sach­verständi­ge hin­zu­zie­hen können.
(3) Da­mit die Ar­beit­neh­mer­ver­tre­ter kon­struk­ti­ve Vor­schläge un­ter­brei­ten können, hat der Ar­beit­ge­ber ih­nen recht­zei­tig im Ver­lauf der Kon­sul­ta­tio­nen
a) die zweck­dien­li­chen Auskünf­te zu er­tei­len und
b) in je­dem Fall schrift­lich Fol­gen­des mit­zu­tei­len:
i) die Gründe der ge­plan­ten Ent­las­sung;
ii) die Zahl und die Ka­te­go­ri­en der zu ent­las­sen­den Ar­beit­neh­mer;
iii) die Zahl und die Ka­te­go­ri­en der in der Re­gel beschäftig­ten Ar­beit­neh­mer;
iv) den Zeit­raum, in dem die Ent­las­sun­gen vor­ge­nom­men wer­den sol­len;
v) die vor­ge­se­he­nen Kri­te­ri­en für die Aus­wahl der zu ent­las­sen­den Ar­beit­neh­mer, so­weit die in­ner­staat­li­chen Rechts­vor­schrif­ten und/oder Prak­ti­ken dem Ar­beit­ge­ber die Zuständig­keit dafür zu­er­ken­nen;
vi) die vor­ge­se­he­ne Me­tho­de für die Be­rech­nung et­wai­ger Ab­fin­dun­gen, so­weit sie sich nicht aus den in­ner­staat­li­chen Rechts­vor­schrif­ten und/oder Prak­ti­ken er­ge­ben.
Der Ar­beit­ge­ber hat der zuständi­gen Behörde ei­ne Ab­schrift zu­min­dest der in Un­ter­ab­satz 1 Buch­sta­be b) Zif­fern i) bis v) ge­nann­ten Be­stand­tei­le der schrift­li­chen Mit­tei­lung zu über­mit­teln.“
10 Art. 51 des Tex­to re­fundi­do de la Ley del Es­ta­tu­to de los Tra­ba­ja­do­res, apro­ba­do por el Re­al De­cre­to Le­gis­la­tivo 1/1995 (Neu­fas­sung des Ge­set­zes über das Sta­tut der Ar­beit­neh­mer durch das Re­al De­cre­to Le­gis­la­tivo 1/1995), vom 24. März 1995 (BOE Nr. 75 vom 29. März 1995, S. 9654) in sei­ner auf den Sach­ver­halt des Aus­gangs­ver­fah­rens zeit­lich an­wend­ba­ren Fas­sung (im Fol­gen­den: Ar­beit­neh­mer­sta­tut) re­gelt Mas­sen­ent­las­sun­gen wie folgt:
„1. Als Mas­sen­ent­las­sung im Sin­ne [des Ar­beit­neh­mer­sta­tuts] gilt die Be­en­di­gung von Ar­beits­verträgen aus wirt­schaft­li­chen, tech­ni­schen, or­ga­ni­sa­to­ri­schen oder pro­duk­ti­ons­be­ding­ten Gründen, wenn sich die Be­en­di­gung in­ner­halb ei­nes Zeit­raums von 90 Ta­gen min­des­tens aus­wirkt auf
Wirt­schaft­li­che Gründe lie­gen vor, wenn das Un­ter­neh­mens­er­geb­nis ei­ne ne­ga­ti­ve wirt­schaft­li­che La­ge wi­der­spie­gelt, et­wa im Fall von be­reits rea­li­sier­ten oder zu er­war­ten­den Ver­lus­ten oder bei ei­nem an­hal­ten­den Rück­gang der gewöhn­li­chen Ein­nah­men oder der Umsätze. Von ei­nem an­hal­ten­den Rück­gang ist je­den­falls dann aus­zu­ge­hen, wenn während drei auf­ein­an­der­fol­gen­der Quar­ta­le das Ni­veau der gewöhn­li­chen Ein­nah­men oder des Um­sat­zes ei­nes je­den Quar­tals nied­ri­ger ausfällt als das im glei­chen Quar­tal des Vor­jah­res ver­zeich­ne­te Ni­veau.
2. Der Mas­sen­ent­las­sung müssen Kon­sul­ta­tio­nen der ge­setz­li­chen Ar­beit­neh­mer­ver­tre­ter für ei­ne Dau­er von nicht mehr als 30 Ka­len­der­ta­gen oder – bei Un­ter­neh­men mit we­ni­ger als 50 Ar­beit­neh­mern – 15 Ka­len­der­ta­gen vor­aus­ge­hen. Die Kon­sul­ta­tio­nen der ge­setz­li­chen Ar­beit­neh­mer­ver­tre­ter er­stre­cken sich zu­min­dest auf die Möglich­keit, Mas­sen­ent­las­sun­gen zu ver­mei­den oder zu be­schränken, so­wie auf die Möglich­keit, ih­re Fol­gen durch so­zia­le Be­gleit­maßnah­men wie Ver­la­ge­rungs­maßnah­men oder Maßnah­men zur be­ruf­li­chen Wei­ter­bil­dung oder Um­schu­lung zwecks Ver­bes­se­rung der Beschäfti­gungsfähig­keit zu mil­dern. Die Kon­sul­ta­tio­nen wer­den in ei­nem ein­zi­gen Ver­hand­lungs­gre­mi­um durch­geführt, wo­bei sich die­ses bei Be­ste­hen meh­re­rer Be­triebsstätten auf die­je­ni­gen be­schränkt, die von dem Mas­sen­ent­las­sungs­ver­fah­ren be­trof­fen sind. …
Die Mit­tei­lung über die Eröff­nung des Kon­sul­ta­ti­ons­zeit­raums er­folgt durch Schrei­ben des Ar­beit­ge­bers an die ge­setz­li­chen Ar­beit­neh­mer­ver­tre­ter, von dem ei­ne Ab­schrift der Ar­beits­behörde zu über­mit­teln ist. Das Schrei­ben muss fol­gen­de An­ga­ben ent­hal­ten:
a) die ge­naue An­ga­be der Gründe der Mas­sen­ent­las­sung nach Abs. 1;
b) die Zahl der von der Ent­las­sung be­trof­fe­nen Ar­beit­neh­mer und die Be­rufs­grup­pen, de­nen sie an­gehören;
c) die Zahl der während des letz­ten Jah­res in der Re­gel beschäftig­ten Ar­beit­neh­mer und die Be­rufs­grup­pen, de­nen sie an­gehören;
d) den Zeit­raum, in dem die Ent­las­sun­gen vor­ge­nom­men wer­den sol­len;
e) die Kri­te­ri­en, die bei der Aus­wahl der von der Ent­las­sung be­trof­fe­nen Ar­beit­neh­mer berück­sich­tigt wur­den;
f) ei­ne Ab­schrift der von der Un­ter­neh­mens­lei­tung an die Ar­beit­neh­mer oder ih­re Ver­tre­ter ge­rich­te­ten Mit­tei­lung über die Ab­sicht, ein Mas­sen­ent­las­sungs­ver­fah­ren ein­zu­lei­ten;
g) die Iden­tität der Ar­beit­neh­mer­ver­tre­ter, die dem Ver­hand­lungs­gre­mi­um an­gehören, oder ge­ge­be­nen­falls den Hin­weis dar­auf, dass das Gre­mi­um nicht in­ner­halb der ge­setz­li­chen Fris­ten ge­bil­det wor­den ist;
5. Die ge­setz­li­chen Ver­tre­ter der Ar­beit­neh­mer sind in den in die­sem Ar­ti­kel ge­re­gel­ten Fällen vor­ran­gig im Un­ter­neh­men wei­ter­zu­beschäfti­gen. Durch Ta­rif­ver­trag oder in ei­ner während des Kon­sul­ta­ti­ons­zeit­raums ge­trof­fe­nen Ver­ein­ba­rung kann ein An­spruch auf vor­ran­gi­ge Wei­ter­beschäfti­gung für an­de­re Grup­pen wie Ar­beit­neh­mer mit fa­mi­liären Be­las­tun­gen, älte­re Ar­beit­neh­mer mit ei­nem be­stim­men Al­ter oder Be­hin­der­te ver­ein­bart wer­den.
11 Art. 52 des Ar­beit­neh­mer­sta­tuts über die Be­en­di­gung des Ver­trags aus sach­li­chen Gründen sieht vor:
„Der Ar­beits­ver­trag kann be­en­det wer­den,
c) wenn ei­ner der in Art. 51 Abs. 1 [des Ar­beit­neh­mer­sta­tuts] ge­nann­ten Gründe vor­liegt und die Be­en­di­gung ei­ne ge­rin­ge­re als die dort ge­nann­te Zahl von Ar­beit­neh­mern be­trifft.
12 In Art. 53 des Ar­beit­neh­mer­sta­tuts über die Form und die Wir­kun­gen der Be­en­di­gung des Ar­beits­ver­trags aus sach­li­chen Gründen heißt es:
„1. Die An­nah­me der Be­en­di­gungs­ver­ein­ba­rung nach dem vor­ste­hen­den Ar­ti­kel un­ter­liegt fol­gen­den Vor­aus­set­zun­gen:
a) Dem Ar­beit­neh­mer ist der Grund schrift­lich mit­zu­tei­len.
b) Dem Ar­beit­neh­mer ist gleich­zei­tig mit der Überg­a­be der schrift­li­chen Mit­tei­lung ei­ne Ab­fin­dung in Höhe von 20 Ta­ges­ent­gel­ten je Dienst­jahr zur Verfügung zu stel­len, wo­bei Zei­ten von we­ni­ger als ei­nem Jahr an­tei­lig auf Mo­nats­ba­sis be­rech­net wer­den und die Ober­gren­ze bei zwölf Mo­nats­ent­gel­ten liegt.
Be­ruht die auf Art. 52 Buchst. c [des Ar­beit­neh­mer­sta­tuts] gestütz­te Kündi­gungs­ent­schei­dung auf wirt­schaft­li­chen Gründen und kann die im vor­aus­ge­hen­den Un­ter­ab­satz ge­nann­te Ab­fin­dung auf­grund der wirt­schaft­li­chen Si­tua­ti­on nicht aus­ge­zahlt wer­den, kann der Ar­beit­ge­ber von ih­rer Zah­lung ab­se­hen und weist in der schrift­li­chen Mit­tei­lung dar­auf hin, das ihm dies unmöglich ist; das Recht des Ar­beit­neh­mers, die Zah­lung der Ab­fin­dung bei Wirk­sam­wer­den der Kündi­gung zu ver­lan­gen, bleibt hier­von un­berührt.
c) Es ist ei­ne Kündi­gungs­frist von 15 Ta­gen, be­rech­net ab der Überg­a­be der persönli­chen Mit­tei­lung an den Ar­beit­neh­mer bis zur Be­en­di­gung des Ar­beits­ver­trags, zu gewähren. Im Fal­le des Art. 52 Buchst. c er­hal­ten die ge­setz­li­chen Per­so­nal­ver­tre­ter zu In­for­ma­ti­ons­zwe­cken ei­ne Ab­schrift des Kündi­gungs­schrei­bens.
3. Ge­gen die Kündi­gungs­ent­schei­dung kann im Kla­ge­we­ge wie ge­gen ei­ne Kündi­gung aus dis­zi­pli­na­ri­schen Gründen vor­ge­gan­gen wer­den.
4. Ist das Mo­tiv der Kündi­gungs­ent­schei­dung des Ar­beit­ge­bers ei­ner der in der Ver­fas­sung oder im Ge­setz ver­bo­te­nen Dis­kri­mi­nie­rungs­gründe oder ist die Kündi­gung un­ter Ver­s­toß ge­gen die Grund­rech­te und Grund­frei­hei­ten des Ar­beit­neh­mers er­folgt, ist die Kündi­gungs­ent­schei­dung un­wirk­sam. Das Ge­richt stellt die Un­wirk­sam­keit von Amts we­gen fest.
Außer­dem ist ei­ne Kündi­gungs­ent­schei­dung in fol­gen­den Fällen un­wirk­sam:
a) wenn sie er­geht, während der Ar­beits­ver­trag we­gen Mut­ter­schaft, Gefähr­dung während der Schwan­ger­schaft, Gefähr­dung während des natürli­chen Stil­lens, ei­ner durch die Schwan­ger­schaft, die Ge­burt oder das natürli­che Stil­len ver­ur­sach­ten Krank­heit, ei­ner Ad­op­ti­on, Auf­nah­me ei­nes Pfle­ge­kin­des oder Va­ter­schaft im Sin­ne von Art. 45 Abs. 1 Buchst. d aus­ge­setzt ist oder wenn sie zeit­lich so zu­ge­stellt wird, dass die Kündi­gungs­frist während die­ses Aus­set­zungs­zeit­raums en­det;
b) wenn sie ei­ne schwan­ge­re Ar­beit­neh­me­rin zwi­schen dem Be­ginn ih­rer Schwan­ger­schaft und dem Be­ginn des Aus­set­zungs­zeit­raums im Sin­ne des Buchst. a be­trifft oder wenn sie ei­nen Ar­beit­neh­mer, der ei­ne Frei­stel­lung nach Art. 37 Abs. 4, 4a und 5 be­an­tragt hat oder in An­spruch nimmt oder der ei­ne Be­ur­lau­bung nach Art. 46 Abs. 3 die­ses Ge­set­zes be­an­tragt hat oder in An­spruch nimmt, be­trifft; wenn sie ei­ne Ar­beit­neh­me­rin, die Op­fer ge­schlechts­spe­zi­fi­scher Ge­walt ist, we­gen der Ausübung ih­rer Rech­te auf ei­ne Ver­rin­ge­rung oder Um­or­ga­ni­sie­rung ih­rer Ar­beits­zeit, auf geo­gra­fi­sche Mo­bi­lität, auf ei­ne Ände­rung des Ar­beits­orts oder auf ei­ne Aus­set­zung des Ar­beits­ver­trags nach den vom [Ar­beit­neh­mer­sta­tut] an­er­kann­ten Be­din­gun­gen be­trifft;
c) wenn sie ei­nen Ar­beit­neh­mer nach Wie­der­auf­nah­me sei­ner Beschäfti­gung nach der Aus­set­zung des Ar­beits­ver­trags we­gen Mut­ter­schaft, Ad­op­ti­on, Auf­nah­me ei­nes Pfle­ge­kin­des oder Va­ter­schaft be­trifft, so­fern we­ni­ger als neun Mo­na­te seit der Ge­burt, der Ad­op­ti­on oder der Auf­nah­me als Pfle­ge­kind ver­gan­gen sind.
Die Be­stim­mun­gen der vor­ste­hen­den Absätze fin­den An­wen­dung, so­fern nicht in die­sen Fällen fest­ge­stellt wird, dass die Kündi­gungs­ent­schei­dung aus Gründen rechtmäßig ist, die nicht mit der Schwan­ger­schaft oder der Ausübung des Rechts auf die oben ge­nann­te Frei­stel­lung oder Be­ur­lau­bung in Ver­bin­dung ste­hen.
Die Kündi­gungs­ent­schei­dung gilt als be­gründet, wenn der Grund, auf dem sie be­ruht, nach­ge­wie­sen wird und die Vor­aus­set­zun­gen nach Abs. 1 des vor­lie­gen­den Ar­ti­kels erfüllt sind. An­de­ren­falls wird sie für un­be­gründet erklärt.
Das Un­ter­las­sen ei­ner Frist­set­zung oder ein ent­schuld­ba­rer Feh­ler bei der Be­rech­nung der Ab­fin­dung führen al­ler­dings nicht zur Un­be­gründet­heit der Kündi­gung, un­be­scha­det der Pflicht des Ar­beit­ge­bers, die die­sem Zeit­raum ent­spre­chen­den Gehälter oder den kor­rek­ten Be­trag der Ab­fin­dung zu zah­len, und zwar un­abhängig von den an­de­ren sich hier­aus er­ge­ben­den Wir­kun­gen.
5. Die Ent­schei­dung des Ge­richts, mit der die Un­wirk­sam­keit, die Be­gründet­heit oder die feh­len­de Be­gründung der Kündi­gungs­ent­schei­dung fest­ge­stellt wird, zieht vor­be­halt­lich der fol­gen­den Ab­wei­chun­gen die­sel­ben Wir­kun­gen nach sich wie die­je­ni­gen, die für Kündi­gun­gen aus dis­zi­pli­na­ri­schen Gründen vor­ge­se­hen sind:
a) wird die Kündi­gungs­ent­schei­dung für be­gründet erklärt, hat der Ar­beit­neh­mer An­spruch auf die Ab­fin­dung nach Abs. 1 des vor­lie­gen­den Ar­ti­kels, die bei ihm ver­bleibt, wenn er sie be­reits er­hal­ten hat, und gilt als ar­beits­los aus ihm nicht zu­re­chen­ba­ren Gründen;
b) wird die Kündi­gungs­ent­schei­dung für un­be­gründet erklärt und nimmt der Ar­beit­neh­mer sei­ne Beschäfti­gung beim Ar­beit­ge­ber wie­der auf, ist der Ar­beit­neh­mer zur Rück­zah­lung der er­hal­te­nen Ab­fin­dung ver­pflich­tet. Wird die Wie­der­ein­glie­de­rung in den Be­trieb durch ei­ne wirt­schaft­li­che Entschädi­gung er­setzt, wird die­se um den Be­trag der Ab­fin­dung ver­rin­gert.“
13 Art. 55 des Ar­beit­neh­mer­sta­tuts über die Form und die Wir­kun­gen der Kündi­gung aus dis­zi­pli­na­ri­schen Gründen be­stimmt in sei­nen Abs. 5 und 6:
„5. Ei­ne Kündi­gung, die auf ei­nem der in der Ver­fas­sung oder im Ge­setz ver­bo­te­nen Dis­kri­mi­nie­rungs­gründe be­ruht oder un­ter Ver­s­toß ge­gen die Grund­rech­te und Grund­frei­hei­ten des Ar­beit­neh­mers er­folgt, ist un­wirk­sam.
Außer­dem ist ei­ne Kündi­gung in fol­gen­den Fällen un­wirk­sam:
a) wenn sie er­folgt, während der Ar­beits­ver­trag we­gen Mut­ter­schaft, Gefähr­dung während der Schwan­ger­schaft, Gefähr­dung während des natürli­chen Stil­lens, ei­ner durch die Schwan­ger­schaft, die Ge­burt oder das natürli­che Stil­len ver­ur­sach­ten Krank­heit, ei­ner Ad­op­ti­on, Auf­nah­me ei­nes Pfle­ge­kin­des oder Va­ter­schaft im Sin­ne von Art. 45 Abs. 1 Buchst. d [des Ar­beit­neh­mer­sta­tuts] aus­ge­setzt ist, oder wenn sie zeit­lich so zu­ge­stellt wird, dass die Kündi­gungs­frist in­ner­halb die­ses Aus­set­zungs­zeit­raums en­det;
b) wenn sie schwan­ge­re Ar­beit­neh­me­rin­nen zwi­schen dem Be­ginn der Schwan­ger­schaft und dem Be­ginn des Aus­set­zungs­zeit­raums im Sin­ne des vor­ste­hen­den Ab­sat­zes oder ei­nen Ar­beit­neh­mer, der ei­ne Frei­stel­lung nach Art. 37 Abs. 4, 4a und 5 be­an­tragt hat oder in An­spruch nimmt oder der ei­ne Be­ur­lau­bung nach Art. 46 Abs. 3 be­an­tragt hat oder in An­spruch nimmt, be­trifft; wenn sie ei­ne Ar­beit­neh­me­rin, die Op­fer ge­schlechts­spe­zi­fi­scher Ge­walt ist, we­gen der Ausübung ih­rer Rech­te auf ei­ne Ver­rin­ge­rung oder Um­or­ga­ni­sie­rung ih­rer Ar­beits­zeit, auf geo­gra­fi­sche Mo­bi­lität, auf ei­ne Ände­rung des Ar­beits­or­tes oder auf ei­ne Aus­set­zung des Ar­beits­ver­trags nach den vom [Ar­beit­neh­mer­sta­tut] an­er­kann­ten Be­din­gun­gen be­trifft;
c) wenn sie ei­nen Ar­beit­neh­mer be­trifft, der nach der Aus­set­zung des Ar­beits­ver­trags we­gen Mut­ter­schaft, Ad­op­ti­on, Auf­nah­me ei­nes Pfle­ge­kin­des oder Va­ter­schaft sei­ne Beschäfti­gung wie­der auf­ge­nom­men hat, so­fern we­ni­ger als neun Mo­na­te seit der Ge­burt, der Ad­op­ti­on oder der Auf­nah­me als Pfle­ge­kind ver­gan­gen sind.
Die Re­ge­lung der vor­ste­hen­den Absätze gilt, so­fern nicht in die­sen Fällen fest­ge­stellt wird, dass die Kündi­gung aus Gründen rechtmäßig ist, die nicht mit der Schwan­ger­schaft oder der Ausübung des Rechts auf die oben ge­nann­te Frei­stel­lung oder Be­ur­lau­bung zu­sam­menhängen.
6. Ei­ne für un­wirk­sam erklärte Kündi­gung be­wirkt die so­for­ti­ge Wie­der­her­stel­lung des Beschäfti­gungs­verhält­nis­ses und die Zah­lung des nicht er­hal­te­nen Ar­beits­ent­gelts.“
14 Art. 13 des Re­al De­cre­to 1483/2012 por el que se aprue­ba el Re­gla­men­to de los pro­ce­di­mi­en­tos de de­s­pi­do colec­tivo y de sus­pen­sión de con­tra­tos y re­duc­ción de jor­na­da (Re­al De­cre­to 1483/2012 zur An­nah­me der Ver­ord­nung über Mas­sen­ent­las­sungs­ver­fah­ren, die Aus­set­zung von Verträgen und Kurz­ar­beit) vom 29. Ok­to­ber 2012 (BOE Nr. 261 vom 30. Ok­to­ber 2012, S. 76292) be­stimmt:
„1. Gemäß den Re­ge­lun­gen von Art. 51 Abs. 5 und Art. 68 Buchst. b des [Ar­beit­neh­mer­sta­tuts] so­wie Art. 10 Abs. 3 der Ley Orgáni­ca 11/1985 de Li­ber­tad Sin­di­cal [(Ley Orgáni­ca 11/1985 über die Ver­ei­ni­gungs­frei­heit)] vom 2. Au­gust 1985 sind die ge­setz­li­chen Ar­beit­neh­mer­ver­tre­ter im Verhält­nis zu den an­de­ren vom Mas­sen­ent­las­sungs­ver­fah­ren be­trof­fe­nen Ar­beit­neh­mer vor­ran­gig wei­ter­zu­beschäfti­gen.
2. Zu an­de­ren Grup­pen gehören­de Ar­beit­neh­mer wer­den eben­falls vor­ran­gig wei­ter­beschäftigt, wenn dies in ei­nem Ta­rif­ver­trag oder in der während des Kon­sul­ta­ti­ons­zeit­raums ge­schlos­se­nen Ver­ein­ba­rung ver­ein­bart wird, wie et­wa Ar­beit­neh­mer mit fa­mi­liären Be­las­tun­gen, Ar­beit­neh­mer mit ei­nem be­stimm­ten Al­ter oder Be­hin­der­te.
3. Das Un­ter­neh­men muss in der endgülti­gen Ent­schei­dung über die Mas­sen­ent­las­sung im Sin­ne von Ar­ti­kel 12 die Kündi­gung von Ar­beit­neh­mern, die An­spruch auf vor­ran­gi­ge Wei­ter­beschäfti­gung im Un­ter­neh­men ha­ben, recht­fer­ti­gen.“
15 Art. 122 Abs. 2 der Ley 36/2011, re­gu­la­do­ra de la ju­ris­dic­ción so­ci­al (Ge­setz 36/2011 über die Ar­beits- und So­zi­al­ge­richts­ord­nung), vom 10. Ok­to­ber 2011 (BOE Nr. 245 vom 11. Ok­to­ber 2011, S. 106584) in sei­ner auf den Sach­ver­halt des Aus­gangs­ver­fah­rens an­wend­ba­ren Fas­sung sieht vor:
„Die Kündi­gungs­ent­schei­dung ist un­wirk­sam:
b) wenn sie rechts­miss­bräuch­lich durch Um­ge­hung der für Mas­sen­ent­las­sun­gen gel­ten­den Be­stim­mun­gen in den Fällen des Art. 51 Abs. 1 letz­ter Un­ter­ab­satz [des Ar­beit­neh­mer­sta­tuts] ge­trof­fen wur­de;
c) wenn sie er­geht, während der Ar­beits­ver­trag we­gen Mut­ter­schaft, Gefähr­dung während der Schwan­ger­schaft, Gefähr­dung während des natürli­chen Stil­lens, ei­ner durch die Schwan­ger­schaft, die Ge­burt oder das natürli­che Stil­len ver­ur­sach­ten Krank­heit, ei­ner Ad­op­ti­on, Auf­nah­me ei­nes Pfle­ge­kin­des oder Va­ter­schaft im Sin­ne von Art. 45 Abs. 1 Buchst. d [des Ar­beit­neh­mer­sta­tuts] aus­ge­setzt ist, oder zeit­lich so zu­ge­stellt wird, dass die Kündi­gungs­frist in­ner­halb die­ses Aus­set­zungs­zeit­raums en­det;
d) wenn sie schwan­ge­re Ar­beit­neh­me­rin­nen zwi­schen dem Be­ginn der Schwan­ger­schaft und dem Be­ginn des Aus­set­zungs­zeit­raums im Sin­ne von Buchst. c oder ei­nen Ar­beit­neh­mer, der ei­ne Frei­stel­lung nach Art. 37 Abs. 4, 4a und 5 [des Ar­beit­neh­mer­sta­tuts] be­an­tragt hat oder in An­spruch nimmt oder der ei­ne Be­ur­lau­bung nach Art. 46 Abs. 3 die­ses Sta­tuts be­an­tragt hat oder in An­spruch nimmt, be­trifft; wenn sie ei­ne Ar­beit­neh­me­rin, die Op­fer ge­schlechts­spe­zi­fi­scher Ge­walt ist, we­gen der Ausübung ih­rer Rech­te auf ei­ne Ver­rin­ge­rung oder Um­or­ga­ni­sie­rung ih­rer Ar­beits­zeit, auf geo­gra­fi­sche Mo­bi­lität, auf ei­ne Ände­rung des Ar­beits­orts oder auf ei­ne Aus­set­zung des Ar­beits­ver­trags gemäß den vom [Ar­beit­neh­mer­sta­tut] an­er­kann­ten Be­din­gun­gen, be­trifft;
e) wenn sie ei­nen Ar­beit­neh­mer be­trifft, der nach der Aus­set­zung des Ar­beits­ver­trags we­gen Mut­ter­schaft, Ad­op­ti­on, Auf­nah­me ei­nes Pfle­ge­kin­des oder Va­ter­schaft sei­ne Beschäfti­gung wie­der auf­ge­nom­men hat, so­fern we­ni­ger als neun Mo­na­te seit der Ge­burt, der Ad­op­ti­on oder der Auf­nah­me als Pfle­ge­kind ver­gan­gen sind.
Die Re­ge­lung in den Buchst. c, d und e gilt, so­fern nicht in die­sen Fällen fest­ge­stellt wird, dass die Kündi­gung auf Gründen be­ruht, die nicht mit der Schwan­ger­schaft oder der Ausübung des Rechts auf die oben ge­nann­te Frei­stel­lung oder Be­ur­lau­bung zu­sam­menhängen.
16 Frau Por­ras Gu­i­sa­do wur­de am 18. April 2006 von Ban­kia ein­ge­stellt.
17 Am 9. Ja­nu­ar 2013 be­gan­nen we­gen ei­ner ge­plan­ten Mas­sen­ent­las­sung Kon­sul­ta­tio­nen zwi­schen Ban­kia und den Ar­beit­neh­mer­ver­tre­tern, nämlich den Be­triebs­grup­pen der Ge­werk­schaf­ten CCOO, UGT, AC­CAM, SA­TE und der CSI­CA.
18 Am 8. Fe­bru­ar 2013 er­ziel­te das Ver­hand­lungs­gre­mi­um im Sin­ne von Art. 51 Abs. 2 des Ar­beit­neh­mer­sta­tuts ei­ne Ver­ein­ba­rung, die u. a. die vor­zu­neh­men­de Mas­sen­ent­las­sung, die Ände­rung der Ar­beits­be­din­gun­gen und die funk­tio­na­le und geo­gra­fi­sche Mo­bi­lität re­gel­te (im Fol­gen­den: Ver­ein­ba­rung vom 8. Fe­bru­ar 2013).
19 Aus der Vor­la­ge­ent­schei­dung er­gibt sich, dass nach dem Pro­to­koll zu die­ser Ver­ein­ba­rung bei der Aus­wahl der Per­so­nen, die von der un­mit­tel­bar vom Un­ter­neh­men ge­trof­fe­nen Kündi­gungs­ent­schei­dung be­trof­fen sind, fol­gen­de Kri­te­ri­en berück­sich­tigt wer­den:
„1. An­wen­dungs­be­reich ist die Pro­vinz oder die funk­tio­na­len Grup­pen oder Ein­hei­ten der zen­tra­len Diens­te, in de­nen die Ar­beit­neh­mer beschäftigt sind.
2. In die­sem Sin­ne trifft das Un­ter­neh­men nach Ab­zug der Ar­beitsplätze, die das Un­ter­neh­men mit­tels des Ver­fah­rens der Teil­nah­me [des Pro­gramms der Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses ge­gen Ab­fin­dung] ab­baut, und der­je­ni­gen Per­so­nen, die von geo­gra­fi­scher Mo­bi­lität und Ar­beits­platz­wech­seln zur De­ckung des Be­darfs, der aus der von den Beschäftig­ten … be­an­trag­ten Teil­nah­me an dem Pro­gramm ent­steht, be­trof­fen sind, die Aus­wahl der im je­wei­li­gen An­wen­dungs­be­reich von der Mas­sen­ent­las­sung be­trof­fe­nen Ar­beit­neh­mer und berück­sich­tigt da­bei das Er­geb­nis der vom Un­ter­neh­men durch­geführ­ten Ver­fah­ren zur Be­wer­tung des Kom­pe­tenz­pro­fils und der In­di­ka­to­ren für das Po­ten­ti­al.“
20 In die­sem Pro­to­koll sind auch die Kri­te­ri­en für ei­nen An­spruch auf vor­ran­gi­ge Wei­ter­beschäfti­gung nie­der­ge­legt, nämlich:
„1. Bei Ehe­gat­ten oder Part­nern ei­ner nicht­ehe­li­chen Le­bens­ge­mein­schaft darf nur ei­ner der Part­ner nach de­ren Wahl im Ein­klang mit dem funk­tio­na­len Be­darf und der ge­for­der­ten Pro­fi­le be­trof­fen sein, wo­bei zur Erfüllung die­ser Vor­aus­set­zung ei­ne ört­li­che Ver­set­zung er­for­der­lich sein kann.
2. Bei Strei­chung der Ar­beitsplätze von Ar­beit­neh­mern mit ei­nem Be­hin­de­rungs­grad von mehr als 33 %, der von den zuständi­gen Behörden je­der Au­to­no­men Ge­mein­schaft an­er­kannt und be­schei­nigt ist, wird das Un­ter­neh­men, so­fern der neue Ar­beits­platz de­ren Pro­fil ent­spricht, ih­re Wei­ter­ver­wen­dung an ei­nem an­de­ren Ar­beits­platz in Be­tracht zie­hen.“
21 Am 13. No­vem­ber 2013 stell­te Ban­kia Frau Por­ras Gu­i­sa­do ihr Kündi­gungs­schrei­ben zu. In die­sem hieß es:
„Im kon­kre­ten Fall der Pro­vinz Bar­ce­lo­na [(Spa­ni­en)], in der Sie beschäftigt sind, ist es nach Durchführung des Ver­fah­rens zur Teil­nah­me am Pro­gramm der Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses ge­gen Ab­fin­dung und nach Ab­zug der von Fällen der geo­gra­fi­schen Mo­bi­lität und Ar­beits­platz­wech­seln be­trof­fe­nen Per­so­nen er­for­der­lich ge­wor­den, wei­te­re Per­so­nal­an­pas­sun­gen vor­zu­neh­men und nach Maßga­be der [Ver­ein­ba­rung vom 8. Fe­bru­ar 2013] Ar­beits­verhält­nis­se im We­ge der un­mit­tel­ba­ren Aus­wahl durch das Un­ter­neh­men zu be­en­di­gen.
In die­sem Sin­ne beträgt Ihr Be­wer­tungs­er­geb­nis in dem vom Un­ter­neh­men durch­geführ­ten Be­wer­tungs­ver­fah­ren, das in der Kon­sul­ta­ti­ons­pha­se aus­ge­han­delt wur­de und ei­nen maßgeb­li­chen Be­stand­teil für den Ab­schluss der Ver­ein­ba­rung vom 8. Fe­bru­ar 2013 bil­de­te, 6 Punk­te und gehört zu den Be­wer­tun­gen mit der nied­rigs­ten Punkt­zahl in der Pro­vinz Bar­ce­lo­na, in der Sie beschäftigt sind.
Da­her müssen wir Ih­nen mit­tei­len, dass nach An­wen­dung der dar­ge­leg­ten Be­wer­tungs­kri­te­ri­en und aus den ge­nann­ten Gründen ent­schie­den wur­de, Ih­ren Ar­beits­ver­trag mit Wir­kung zum 10. De­zem­ber 2013 zu kündi­gen.“
22 Am sel­ben Tag wie dem der Zu­stel­lung ih­rer Kündi­gung er­hielt Frau Por­ras Gu­i­sa­do von Ban­kia ei­nen Geld­be­trag als Ab­fin­dung.
23 Frau Por­ras Gu­i­sa­do war zum Kündi­gungs­zeit­punkt schwan­ger.
24 Am 9. Ja­nu­ar 2014 be­an­trag­te sie ei­ne Güte­ver­hand­lung, die er­folg­los ver­lief.
25 Am 3. Fe­bru­ar 2014 reich­te Frau Por­ras Gu­i­sa­do ge­gen ih­re Kündi­gung beim Juz­ga­do So­ci­al No 1 de Ma­taró (So­zi­al­ge­richt Nr. 1 von Ma­taró, Spa­ni­en) ei­ne Kla­ge ein. Mit Ur­teil vom 25. Fe­bru­ar 2015 wies das Ge­richt ih­re Kla­ge ab.
26 Hier­ge­gen leg­te Frau Por­ras Gu­i­sa­do ein Rechts­mit­tel zum vor­le­gen­den Ge­richt, dem Tri­bu­nal Su­pe­ri­or de Jus­ti­cia de Ca­ta­luña (Obers­tes Ge­richt von Ka­ta­lo­ni­en, Spa­ni­en), ein.
27 Die­ses Ge­richt be­tont, dass sein Vor­ab­ent­schei­dungs­er­su­chen nicht den Schutz vor Dis­kri­mi­nie­run­gen nach der Richt­li­nie 2006/54/EG des Eu­ropäischen Par­la­ments und des Ra­tes vom 5. Ju­li 2006 zur Ver­wirk­li­chung des Grund­sat­zes der Chan­cen­gleich­heit und Gleich­be­hand­lung von Männern und Frau­en in Ar­beits- und Beschäfti­gungs­fra­gen (ABl. 2006, L 204, S. 23) be­trifft. Viel­mehr ge­he es dar­in um die Fra­ge, ob durch die spa­ni­sche Re­ge­lung Art. 10 der Richt­li­nie 92/85 kor­rekt um­ge­setzt wur­de, der es außer in Aus­nah­mefällen ver­bie­te, schwan­ge­ren Ar­beit­neh­me­rin­nen zu kündi­gen.
28 Un­ter die­sen Umständen hat das Tri­bu­nal Su­pe­ri­or de Jus­ti­cia de Ca­ta­luña (Obers­tes Ge­richt von Ka­ta­lo­ni­en) be­schlos­sen, das Ver­fah­ren aus­zu­set­zen und dem Ge­richts­hof die fol­gen­den Fra­gen zur Vor­ab­ent­schei­dung vor­zu­le­gen:
1. Ist Art. 10 Nr. 1 der Richt­li­nie 92/85 da­hin aus­zu­le­gen, dass der Tat­be­stand der „nicht mit ih­rem Zu­stand in Zu­sam­men­hang ste­hen­den Aus­nah­mefälle, die ent­spre­chend den ein­zel­staat­li­chen Rechts­vor­schrif­ten und/oder Ge­pflo­gen­hei­ten zulässig sind“ als Aus­nah­me vom Ver­bot der Kündi­gung von schwan­ge­ren Ar­beit­neh­me­rin­nen, Wöch­ne­rin­nen und stil­len­den Ar­beit­neh­me­rin­nen nicht mit dem Tat­be­stand „aus ei­nem oder meh­re­ren Gründen, die nicht in der Per­son der Ar­beit­neh­mer lie­gen“ im Sin­ne des Art. 1 Abs. 1 Buchst. a der Richt­li­nie 98/59 ver­gleich­bar ist, son­dern ei­nen en­ge­ren Tat­be­stand dar­stellt?
2. Ist es bei ei­ner Mas­sen­ent­las­sung für die Be­ur­tei­lung der Fra­ge, ob Aus­nah­mefälle vor­lie­gen, die die Kündi­gung von schwan­ge­ren Ar­beit­neh­me­rin­nen, Wöch­ne­rin­nen und stil­len­den Ar­beit­neh­me­rin­nen im Sin­ne von Art. 10 Nr. 1 der Richt­li­nie 92/85 recht­fer­ti­gen, er­for­der­lich, dass die be­trof­fe­ne Ar­beit­neh­me­rin nicht auf ei­ner an­de­ren Stel­le wei­ter­beschäftigt wer­den kann, oder genügt der Nach­weis wirt­schaft­li­cher, tech­ni­scher und pro­duk­ti­ons­be­ding­ter Gründe, die ih­ren Ar­beits­platz be­tref­fen?
3. Steht mit Art. 10 Nr. 1 der Richt­li­nie 92/85, der die Kündi­gung von schwan­ge­ren Ar­beit­neh­me­rin­nen, Wöch­ne­rin­nen und stil­len­den Ar­beit­neh­me­rin­nen ver­bie­tet, ei­ne Re­ge­lung wie die spa­ni­sche in Ein­klang, die die­ses Ver­bot um­setzt, in­dem sie gewähr­leis­tet, dass bei un­ter­blie­be­nem Nach­weis der Gründe, die ih­re Kündi­gung recht­fer­ti­gen, de­ren Un­wirk­sam­keit fest­ge­stellt wird (Schutz durch Wie­der­gut­ma­chung), die aber kein Kündi­gungs­ver­bot vor­sieht (präven­ti­ver Schutz)?
4. Steht mit Art. 10 Nr. 1 der Richt­li­nie 92/85 ei­ne Re­ge­lung wie die spa­ni­sche in Ein­klang, die für schwan­ge­re Ar­beit­neh­me­rin­nen, Wöch­ne­rin­nen und stil­len­de Ar­beit­neh­me­rin­nen bei ei­ner Mas­sen­ent­las­sung kei­nen An­spruch auf vor­ran­gi­ge Wei­ter­beschäfti­gung im Un­ter­neh­men vor­sieht?
5. Steht mit Art. 10 Nr. 2 der Richt­li­nie 92/85 ei­ne na­tio­na­le Re­ge­lung in Ein­klang, nach der ein Kündi­gungs­schrei­ben wie das im vor­lie­gen­den Fall frag­li­che, das ne­ben den Gründen für die Mas­sen­ent­las­sung kei­ner­lei Be­zug­nah­me auf das Vor­lie­gen ei­nes Aus­nah­me­falls enthält, aus­rei­chend ist, um die Ent­schei­dung über ei­ne Mas­sen­ent­las­sung auf die schwan­ge­re Ar­beit­neh­me­rin zu er­stre­cken?
Zur Ein­hal­tung der na­tio­na­len Ver­fah­rens­vor­schrif­ten
Nach Auf­fas­sung von Ban­kia ist das Vor­ab­ent­schei­dungs­er­su­chen un­zulässig, weil das vor­le­gen­de Ge­richt die na­tio­na­len Ver­fah­rens­vor­schrif­ten nicht ein­ge­hal­ten ha­be. Im Rah­men des Aus­gangs­rechts­streits ha­be nämlich Frau Por­ras Gu­i­sa­do den Ver­s­toß ge­gen die Richt­li­nie 92/85 nur im Rechts­mit­tel gerügt. Nach den na­tio­na­len Ver­fah­rens­vor­schrif­ten könne je­doch ein neu­er, an­de­rer Kla­ge­grund als die­je­ni­gen Kla­ge­gründe, die in der Kla­ge­schrift gel­tend ge­macht wur­den, nicht zu­ge­las­sen wer­den.
30 In je­dem Fall feh­le Frau Por­ras Gu­i­sa­do nach der Recht­spre­chung der spa­ni­schen Ge­rich­te die Be­fug­nis, die zwi­schen Ban­kia und den Ar­beit­neh­mer­ver­tre­tern in der Ver­ein­ba­rung vom 8. Fe­bru­ar 2013 nie­der­ge­leg­ten Kri­te­ri­en für ei­nen An­spruch auf vor­ran­gi­ge Wei­ter­beschäfti­gung im Rah­men ih­rer in­di­vi­du­el­len Kündi­gungs­schutz­kla­ge zu be­an­stan­den.
31 In­so­weit ist zum ei­nen dar­an zu er­in­nern, dass der Ge­richts­hof im Rah­men von Art. 267 AEUV we­der zur Aus­le­gung in­ner­staat­li­cher Rechts- oder Ver­wal­tungs­vor­schrif­ten noch zu Äußerun­gen über de­ren Ver­ein­bar­keit mit dem Uni­ons­recht be­fugt ist, und zum an­de­ren, dass es nicht Sa­che des Ge­richts­hofs ist, nach­zu­prüfen, ob die Vor­la­ge­ent­schei­dung den na­tio­na­len Vor­schrif­ten über die Ge­richts­or­ga­ni­sa­ti­on und das Ge­richts­ver­fah­ren ent­spricht (Ur­teil vom 7. Ju­li 2016, Gen­en­tech, C-567/14, EU:C:2016:526, Rn. 22 und die dort an­geführ­te Recht­spre­chung).
32 Folg­lich kann das Vor­brin­gen, dass die na­tio­na­len Ver­fah­rens­vor­schrif­ten nicht be­ach­tet wor­den sei­en, im vor­lie­gen­den Fall nicht da­zu führen, dass das Vor­ab­ent­schei­dungs­er­su­chen als un­zulässig zurück­zu­wei­sen ist.
Zum hy­po­the­ti­schen Cha­rak­ter der Vor­la­ge­fra­gen
33 Ban­kia macht gel­tend, dass Frau Por­ras Gu­i­sa­do sie zum Zeit­punkt der Kündi­gung nicht über ih­re Schwan­ger­schaft un­ter­rich­tet ha­be. Un­ter die­sen Umständen sei die Richt­li­nie 92/85 an­ge­sichts der De­fi­ni­ti­on des Be­griffs „schwan­ge­re Ar­beit­neh­me­rin“ in ih­rem Art. 2 Buchst. a im Aus­gangs­rechts­streit nicht an­wend­bar. Da­her sei­en die vom vor­le­gen­den Ge­richt ge­stell­ten Fra­gen hy­po­the­ti­scher Na­tur.
34 Hier­zu ist dar­auf hin­zu­wei­sen, dass im Rah­men des In­stru­ments der Zu­sam­men­ar­beit zwi­schen dem Ge­richts­hof und den na­tio­na­len Ge­rich­ten, das das in Art. 267 AEUV ge­schaf­fe­ne Ver­fah­ren dar­stellt, ei­ne Ver­mu­tung für die Ent­schei­dungs­er­heb­lich­keit der Fra­gen zum Uni­ons­recht spricht. Der Ge­richts­hof kann die Ent­schei­dung über ei­ne von ei­nem na­tio­na­len Ge­richt gemäß Art. 267 AEUV zur Vor­ab­ent­schei­dung vor­ge­leg­te Fra­ge nur dann ab­leh­nen, wenn et­wa die in Art. 94 der Ver­fah­rens­ord­nung des Ge­richts­hofs auf­geführ­ten An­for­de­run­gen an den In­halt ei­nes Vor­ab­ent­schei­dungs­er­su­chens nicht erfüllt sind oder of­fen­sicht­lich ist, dass die Aus­le­gung oder die Be­ur­tei­lung der Gültig­keit ei­ner Uni­ons­vor­schrift, um die das vor­le­gen­de Ge­richt er­sucht, in kei­nem Zu­sam­men­hang mit der Rea­lität oder dem Ge­gen­stand des Aus­gangs­rechts­streits steht oder wenn das Pro­blem hy­po­the­ti­scher Na­tur ist (Ur­teil vom 28. März 2017, Ros­neft, C-72/15, EU:C:2017:236, Rn. 50 und die dort an­geführ­te Recht­spre­chung).
35 Im vor­lie­gen­den Fall hat das vor­le­gen­de Ge­richt, wie oben in Rn. 27 die­ses Ur­teils aus­geführt wor­den ist, klar­ge­stellt, dass es in dem Vor­ab­ent­schei­dungs­er­su­chen um die Fra­ge ge­he, ob durch die spa­ni­sche Re­ge­lung Art. 10 der Richt­li­nie 92/85 kor­rekt um­ge­setzt wur­de, der es außer in Aus­nah­mefällen ver­bie­te, schwan­ge­ren Ar­beit­neh­me­rin­nen zu kündi­gen.
36 Es steht fest, dass Frau Por­ras Gu­i­sa­do zum Zeit­punkt ih­rer Kündi­gung schwan­ger war. Darüber hin­aus er­gibt sich aus den dem Ge­richts­hof vor­lie­gen­den Ak­ten, dass sie im Rah­men des na­tio­na­len Ver­fah­rens gel­tend ge­macht hat, da­mals ih­re Kol­le­gen und Vor­ge­setz­ten von ih­rer Schwan­ger­schaft in Kennt­nis ge­setzt zu ha­ben.
37 Un­ter die­sen Umständen und man­gels je­der ge­gen­tei­li­gen An­ga­be des vor­le­gen­den Ge­richts ist fest­zu­stel­len, dass die­ses von der An­wend­bar­keit des Art. 10 der Richt­li­nie 92/85 auf Frau Por­ras Gu­i­sa­do aus­geht.
Da­her ist es nicht of­fen­sicht­lich, dass die Vor­la­ge­fra­gen hy­po­the­ti­scher Na­tur sind oder in kei­nem Zu­sam­men­hang mit der Rea­lität oder dem Ge­gen­stand des Aus­gangs­rechts­streits ste­hen.
39 Vor die­sem Hin­ter­grund ist das Vor­ab­ent­schei­dungs­er­su­chen für zulässig zu erklären.
40 Mit sei­ner ers­ten Fra­ge möch­te das vor­le­gen­de Ge­richt wis­sen, ob Art. 10 Nr. 1 der Richt­li­nie 92/85 da­hin aus­zu­le­gen ist, dass der Tat­be­stand der „nicht mit ih­rem Zu­stand in Zu­sam­men­hang ste­hen­den Aus­nah­mefälle, die ent­spre­chend den ein­zel­staat­li­chen Rechts­vor­schrif­ten und/oder Ge­pflo­gen­hei­ten zulässig sind“, als Aus­nah­me vom Ver­bot der Kündi­gung von schwan­ge­ren Ar­beit­neh­me­rin­nen, Wöch­ne­rin­nen und stil­len­den Ar­beit­neh­me­rin­nen nicht mit dem Tat­be­stand „aus ei­nem oder meh­re­ren Gründen, die nicht in der Per­son der Ar­beit­neh­mer lie­gen“, im Sin­ne von Art. 1 Abs. 1 Buchst. a der Richt­li­nie 98/59 ver­gleich­bar ist, son­dern ei­nen en­ge­ren Tat­be­stand dar­stellt.
41 Nach Art. 10 Nr. 1 der Richt­li­nie 92/85 tref­fen die Mit­glied­staa­ten die er­for­der­li­chen Maßnah­men, um die Kündi­gung der Ar­beit­neh­me­rin­nen während der Zeit vom Be­ginn der Schwan­ger­schaft bis zum En­de des Mut­ter­schafts­ur­laubs zu ver­bie­ten; da­von aus­ge­nom­men sind die nicht mit ih­rem Zu­stand in Zu­sam­men­hang ste­hen­den Aus­nah­mefälle, die ent­spre­chend den ein­zel­staat­li­chen Rechts­vor­schrif­ten und/oder Ge­pflo­gen­hei­ten zulässig sind, wo­bei ge­ge­be­nen­falls die zuständi­ge Behörde ih­re Zu­stim­mung er­tei­len muss.
42 Nach Art. 1 Abs. 1 Buchst. a der Richt­li­nie 98/59 sind un­ter dem Be­griff der Mas­sen­ent­las­sung sol­che Ent­las­sun­gen zu ver­ste­hen, die ein Ar­beit­ge­ber aus ei­nem oder meh­re­ren Gründen, die nicht in der Per­son der Ar­beit­neh­mer lie­gen, vor­nimmt, so­fern be­stimm­te quan­ti­ta­ti­ve und zeit­li­che Vor­aus­set­zun­gen erfüllt sind (vgl. Ur­teil vom 10. De­zem­ber 2009, Ro­dríguez Ma­yor u. a., C-323/08, EU:C:2009:770, Rn. 35).
43 Wenn ei­ner schwan­ge­ren Ar­beit­neh­me­rin, stil­len­den Ar­beit­neh­me­rin oder Wöch­ne­rin im Rah­men ei­nes Mas­sen­ent­las­sungs­ver­fah­rens gekündigt wird, gehört sie gleich­zei­tig zu der von der Richt­li­nie 92/85 und zu der von der Richt­li­nie 98/59 geschütz­ten Grup­pe von Ar­beit­neh­mern. Da­her müssen ihr die in bei­den Richt­li­ni­en vor­ge­se­he­nen Rech­te zu­gu­te­kom­men, die sich, wie die Ge­ne­ral­anwältin in Nr. 53 ih­rer Schluss­anträge aus­geführt hat, ergänzen.
44 Im Hin­blick auf die kom­bi­nier­te An­wen­dung der ge­nann­ten Richt­li­ni­en möch­te das vor­le­gen­de Ge­richt wis­sen, ob Art. 10 Nr. 1 der Richt­li­nie 92/85 ei­ner na­tio­na­len Re­ge­lung ent­ge­gen­steht, nach der die Kündi­gung ei­ner schwan­ge­ren Ar­beit­neh­me­rin auf­grund ei­ner Mas­sen­ent­las­sung im Sin­ne von Art. 1 Nr. 1 der Richt­li­nie 98/59 zulässig ist.
45 Hier­zu ist dar­auf hin­zu­wei­sen, dass das Kündi­gungs­ver­bot in Art. 10 Nr. 1 der Richt­li­nie 92/85 aus­weis­lich ih­res 15. Erwägungs­grun­des ver­hin­dern soll, dass sich die Ge­fahr, aus Gründen ent­las­sen zu wer­den, die mit ih­rem Zu­stand in Ver­bin­dung ste­hen, schädlich auf die phy­si­sche und psy­chi­sche Ver­fas­sung von schwan­ge­ren Ar­beit­neh­me­rin­nen, Wöch­ne­rin­nen oder stil­len­den Ar­beit­neh­me­rin­nen aus­wirkt.
46 Ge­ra­de in An­be­tracht der Ge­fahr, die ei­ne mögli­che Ent­las­sung für die phy­si­sche und psy­chi­sche Ver­fas­sung von schwan­ge­ren Ar­beit­neh­me­rin­nen, Wöch­ne­rin­nen oder stil­len­den Ar­beit­neh­me­rin­nen dar­stellt, ein­sch­ließlich des be­son­ders schwer­wie­gen­den Ri­si­kos, dass ei­ne schwan­ge­re Ar­beit­neh­me­rin zum frei­wil­li­gen Ab­bruch ih­rer Schwan­ger­schaft ver­an­lasst wird, hat der Uni­ons­ge­setz­ge­ber in Art. 10 der Richt­li­nie 92/85 ei­nen be­son­de­ren Schutz für die Frau vor­ge­se­hen, in­dem er das Ver­bot der Kündi­gung während der Zeit vom Be­ginn der Schwan­ger­schaft bis zum En­de des Mut­ter­schafts­ur­laubs verfügt hat, außer in nicht mit ih­rem Zu­stand in Zu­sam­men­hang ste­hen­den Aus­nah­mefällen und un­ter der Vor­aus­set­zung, dass der Ar­beit­ge­ber die Gründe für die Kündi­gung schrift­lich an­gibt (vgl. in die­sem Sin­ne Ur­teil vom 11. No­vem­ber 2010, Da­no­sa, C-232/09, EU:C:2010:674, Rn. 60 und 61).
47 Wenn al­so die Kündi­gungs­ent­schei­dung aus Gründen er­ging, die we­sent­lich mit der Schwan­ger­schaft der Be­trof­fe­nen zu­sam­menhängen, ist sie mit dem Kündi­gungs­ver­bot nach Art. 10 der Richt­li­nie 92/85 un­ver­ein­bar (vgl. in die­sem Sin­ne Ur­teil vom 11. No­vem­ber 2010, Da­no­sa, C-232/09, EU:C:2010:674, Rn. 62).
48 Da­ge­gen ver­stieße ei­ne Kündi­gungs­ent­schei­dung in der Zeit vom Be­ginn der Schwan­ger­schaft bis zum En­de des Mut­ter­schafts­ur­laubs aus Gründen, die nichts mit der Schwan­ger­schaft der Ar­beit­neh­me­rin zu tun ha­ben, nicht ge­gen Art. 10 der Richt­li­nie 92/85, vor­aus­ge­setzt al­ler­dings, der Ar­beit­ge­ber führt schrift­lich be­rech­tig­te Kündi­gungs­gründe an und die Kündi­gung der Be­trof­fe­nen ist nach den be­tref­fen­den ein­zel­staat­li­chen Rechts­vor­schrif­ten und/oder Ge­pflo­gen­hei­ten zulässig, wie es in Art. 10 Nrn. 1 und 2 der Richt­li­nie 92/85 ge­re­gelt ist (vgl. in die­sem Sin­ne Ur­teil vom 11. No­vem­ber 2010, Da­no­sa, C-232/09, EU:C:2010:674, Rn. 63).
49 Hier­aus folgt, dass der oder die nicht in der Per­son der Ar­beit­neh­mer lie­gen­den Gründe, aus de­nen Mas­sen­ent­las­sun­gen im Sin­ne von Art. 1 Nr. 1 der Richt­li­nie 98/59 vor­ge­nom­men wer­den, un­ter die nicht mit dem Zu­stand der Ar­beit­neh­me­rin­nen in Zu­sam­men­hang ste­hen­den Aus­nah­mefälle im Sin­ne von Art. 10 Nr. 1 der Richt­li­nie 92/85 fal­len.
50 Nach al­le­dem ist auf die ers­te Vor­la­ge­fra­ge zu ant­wor­ten, dass Art. 10 Nr. 1 der Richt­li­nie 92/85 da­hin aus­zu­le­gen ist, dass er nicht ei­ner na­tio­na­len Re­ge­lung ent­ge­gen­steht, nach der die Kündi­gung ei­ner schwan­ge­ren Ar­beit­neh­me­rin auf­grund ei­ner Mas­sen­ent­las­sung im Sin­ne von Art. 1 Nr. 1 Buchst. a der Richt­li­nie 98/59 zulässig ist.
51 Mit sei­ner fünf­ten Fra­ge, die an zwei­ter Stel­le zu prüfen ist, möch­te das vor­le­gen­de Ge­richt wis­sen, ob Art. 10 Nr. 2 der Richt­li­nie 92/85 da­hin aus­zu­le­gen ist, dass er ei­ner na­tio­na­len Re­ge­lung ent­ge­gen­steht, wo­nach der Ar­beit­ge­ber ei­ner schwan­ge­ren Ar­beit­neh­me­rin im Rah­men ei­ner Mas­sen­ent­las­sung kündi­gen kann, oh­ne ihr wei­te­re Gründe zu nen­nen als die­je­ni­gen, die die Mas­sen­ent­las­sung recht­fer­ti­gen, und oh­ne auf das Vor­lie­gen ei­nes Aus­nah­me­falls Be­zug zu neh­men.
52 Nach dem Wort­laut von Art. 10 Nr. 2 der Richt­li­nie 92/85 muss der Ar­beit­ge­ber dann, wenn ei­ner Ar­beit­neh­me­rin während der Zeit vom Be­ginn der Schwan­ger­schaft bis zum En­de des Mut­ter­schafts­ur­laubs gekündigt wird, schrift­lich be­rech­tig­te Kündi­gungs­gründe anführen.
53 So­mit muss der Ar­beit­ge­ber ei­ner schwan­ge­ren Ar­beit­neh­me­rin, der zu kündi­gen er im Be­griff ist oder der er be­reits gekündigt hat, die nicht in ih­rer Per­son lie­gen­den Gründe schrift­lich dar­le­gen, aus de­nen er ei­ne Mas­sen­ent­las­sung im Sin­ne von Art. 1 Abs. 1 Buchst. a der Richt­li­nie 98/59 vor­nimmt. Sol­che Gründe können u. a. wirt­schaft­li­che oder tech­ni­sche Gründe sein oder Gründe, die sich auf Or­ga­ni­sa­ti­on oder Pro­duk­ti­on des Un­ter­neh­mens be­zie­hen.
54 Darüber hin­aus muss der Ar­beit­ge­ber der schwan­ge­ren Ar­beit­neh­me­rin die sach­li­chen Kri­te­ri­en für die Aus­wahl der zu ent­las­sen­den Ar­beit­neh­mer nen­nen.
55 Un­ter die­sen Umständen ist auf die fünf­te Fra­ge zu ant­wor­ten, dass Art. 10 Nr. 2 der Richt­li­nie 92/85 da­hin aus­zu­le­gen ist, dass er nicht ei­ner na­tio­na­len Re­ge­lung ent­ge­gen­steht, nach der ein Ar­beit­ge­ber ei­ner schwan­ge­ren Ar­beit­neh­me­rin im Rah­men ei­ner Mas­sen­ent­las­sung kündi­gen kann, oh­ne ihr wei­te­re Gründe zu nen­nen als die­je­ni­gen, die die Mas­sen­ent­las­sung recht­fer­ti­gen, so­lan­ge die sach­li­chen Kri­te­ri­en für die Aus­wahl der zu ent­las­sen­den Ar­beit­neh­mer an­ge­ge­ben wer­den.
56 Mit sei­ner drit­ten Fra­ge möch­te das vor­le­gen­de Ge­richt wis­sen, ob Art. 10 Nr. 1 der Richt­li­nie 92/85 da­hin aus­zu­le­gen ist, dass er ei­ner na­tio­na­len Re­ge­lung ent­ge­gen­steht, nach der die Kündi­gung von schwan­ge­ren Ar­beit­neh­me­rin­nen, Wöch­ne­rin­nen und stil­len­den Ar­beit­neh­me­rin­nen nicht grundsätz­lich präven­tiv ver­bo­ten ist und bei ei­ner wi­der­recht­li­chen Kündi­gung le­dig­lich de­ren Un­wirk­sam­keit als Wie­der­gut­ma­chung vor­ge­se­hen ist.
57 Zunächst ist dar­auf hin­zu­wei­sen, dass die Mit­glied­staa­ten nach Art. 288 AEUV ver­pflich­tet sind, bei der Um­set­zung ei­ner Richt­li­nie de­ren vollständi­ge Wirk­sam­keit zu gewähr­leis­ten, wo­bei sie aber über ei­nen wei­ten Wer­tungs­spiel­raum hin­sicht­lich der Wahl der Mit­tel und We­ge zu ih­rer Durchführung verfügen. Die­se Frei­heit lässt die Ver­pflich­tung der ein­zel­nen Mit­glied­staa­ten un­berührt, al­le er­for­der­li­chen Maßnah­men zu er­grei­fen, um die vollständi­ge Wirk­sam­keit der Richt­li­nie ent­spre­chend ih­rer Ziel­set­zung zu gewähr­leis­ten (Ur­tei­le vom 6. Ok­to­ber 2010, Ba­se u. a., C-389/08, EU:C:2010:584, Rn. 24 und 25, und vom 19. Ok­to­ber 2016, Or­maet­xea Ga­rai und Lo­ren­zo Al­men­d­ros, C-424/15, EU:C:2016:780, Rn. 29).
58 Nach dem Wort­laut von Art. 10 Nr. 1 der Richt­li­nie 92/85 tref­fen die Mit­glied­staa­ten zum ei­nen die er­for­der­li­chen Maßnah­men, um die Kündi­gung der ge­nann­ten Ar­beit­neh­me­rin­nen grundsätz­lich zu ver­bie­ten. Zum an­de­ren tref­fen die Mit­glied­staa­ten aus­weis­lich von Art. 10 Nr. 3 die­ser Richt­li­nie die er­for­der­li­chen Maßnah­men, um die Ar­beit­neh­me­rin­nen vor den Fol­gen ei­ner nach Art. 10 Nr. 1 wi­der­recht­li­chen Kündi­gung zu schützen.
59 Art. 10 der Richt­li­nie 92/85 un­ter­schei­det al­so aus­drück­lich zwi­schen dem präven­ti­ven Schutz vor der Kündi­gung selbst und dem Schutz vor den Fol­gen der Kündi­gung als Wie­der­gut­ma­chung. Da­her ist zur ord­nungsmäßigen Um­set­zung die­ses Ar­ti­kels er­for­der­lich, dass die Mit­glied­staa­ten die­sen dop­pel­ten Schutz gewähr­leis­ten.
60 Dem präven­ti­ven Schutz schwan­ge­rer Ar­beit­neh­me­rin­nen, Wöch­ne­rin­nen und stil­len­der Ar­beit­neh­me­rin­nen vor ei­ner Kündi­gung kommt im Rah­men der Richt­li­nie 92/85 be­son­de­re Be­deu­tung zu.
61 Nach dem 15. Erwägungs­grund die­ser Richt­li­nie kann sich nämlich die Ge­fahr, aus Gründen ent­las­sen zu wer­den, die mit ih­rem Zu­stand in Ver­bin­dung ste­hen, schädlich auf die phy­si­sche und psy­chi­sche Ver­fas­sung von schwan­ge­ren Ar­beit­neh­me­rin­nen, Wöch­ne­rin­nen oder stil­len­den Ar­beit­neh­me­rin­nen aus­wir­ken; da­her ist es er­for­der­lich, ih­re Kündi­gung zu ver­bie­ten.
62 In An­be­tracht der Ge­fahr, die ei­ne mögli­che Ent­las­sung für die phy­si­sche und psy­chi­sche Ver­fas­sung von schwan­ge­ren Ar­beit­neh­me­rin­nen, Wöch­ne­rin­nen oder stil­len­den Ar­beit­neh­me­rin­nen dar­stellt, ein­sch­ließlich des be­son­ders schwer­wie­gen­den Ri­si­kos, dass ei­ne schwan­ge­re Ar­beit­neh­me­rin zum frei­wil­li­gen Ab­bruch ih­rer Schwan­ger­schaft ver­an­lasst wird, hat der Uni­ons­ge­setz­ge­ber in Art. 10 der Richt­li­nie 92/85 ei­nen be­son­de­ren Schutz für die Frau vor­ge­se­hen, in­dem er das Ver­bot der Kündi­gung während der Zeit vom Be­ginn der Schwan­ger­schaft bis zum En­de des Mut­ter­schafts­ur­laubs verfügt hat (Ur­tei­le vom 14. Ju­li 1994, Webb, C-32/93, EU:C:1994:300, Rn. 21, und vom 11. No­vem­ber 2010, Da­no­sa, C-232/09, EU:C:2010:674, Rn. 60).
63 An­ge­sichts der mit der Richt­li­nie 92/85 und ins­be­son­de­re mit ih­rem Art. 10 ver­folg­ten Zie­le schließt der Schutz, der schwan­ge­ren Ar­beit­neh­me­rin­nen, Wöch­ne­rin­nen oder stil­len­den Ar­beit­neh­me­rin­nen durch die­se Be­stim­mung gewährt wird, so­wohl aus, dass ei­ne Kündi­gungs­ent­schei­dung ge­trof­fen wird, als auch, dass Vor­be­rei­tun­gen für ei­ne Kündi­gung ge­trof­fen wer­den wie et­wa die Su­che und Pla­nung ei­nes endgülti­gen Er­sat­zes für die be­trof­fe­ne An­ge­stell­te auf­grund der Schwan­ger­schaft und/oder der Ge­burt ei­nes Kin­des (vgl. in die­sem Sin­ne Ur­teil vom 11. Ok­to­ber 2007, Paquay, C-460/06, EU:C:2007:601, Rn. 33).
64 Un­ter Berück­sich­ti­gung der Ge­fahr, die ei­ne mögli­che Ent­las­sung für die phy­si­sche und psy­chi­sche Ver­fas­sung von schwan­ge­ren Ar­beit­neh­me­rin­nen, Wöch­ne­rin­nen oder stil­len­den Ar­beit­neh­me­rin­nen dar­stellt, ver­mag ein Schutz im We­ge der Wie­der­gut­ma­chung selbst dann, wenn er zur Wie­der­ein­glie­de­rung der ent­las­se­nen Ar­beit­neh­me­rin und zur Zah­lung der we­gen der Ent­las­sung nicht er­hal­te­nen Gehälter führt, den präven­ti­ven Schutz nicht zu er­set­zen.
65 Um ei­ne ge­treue Um­set­zung von Art. 10 der Richt­li­nie 92/85 so­wie den Schutz schwan­ge­rer Ar­beit­neh­me­rin­nen, Wöch­ne­rin­nen oder stil­len­der Ar­beit­neh­me­rin­nen zu gewähr­leis­ten, dürfen sich die Mit­glied­staa­ten folg­lich nicht dar­auf be­schränken, bei ei­ner un­ge­recht­fer­tig­ten Kündi­gung le­dig­lich de­ren Un­wirk­sam­keit als Wie­der­gut­ma­chung vor­zu­se­hen.
66 Nach al­le­dem ist auf die drit­te Fra­ge zu ant­wor­ten, dass Art. 10 Nr. 1 der Richt­li­nie 92/85 da­hin aus­zu­le­gen ist, dass er ei­ner na­tio­na­len Re­ge­lung ent­ge­gen­steht, nach der die Kündi­gung von schwan­ge­ren Ar­beit­neh­me­rin­nen, Wöch­ne­rin­nen und stil­len­den Ar­beit­neh­me­rin­nen nicht grundsätz­lich präven­tiv ver­bo­ten ist und im Fall ei­ner wi­der­recht­li­chen Kündi­gung nur de­ren Un­wirk­sam­keit als Wie­der­gut­ma­chung vor­ge­se­hen ist.
Zur zwei­ten und zur vier­ten Fra­ge
67 Mit sei­ner zwei­ten und sei­ner vier­ten Fra­ge, die als Letz­tes zu­sam­men zu prüfen sind, möch­te das vor­le­gen­de Ge­richt wis­sen, ob Art. 10 Nr. 1 der Richt­li­nie 92/85 da­hin aus­zu­le­gen ist, dass er ei­ner na­tio­na­len Re­ge­lung ent­ge­gen­steht, die im Rah­men ei­ner Mas­sen­ent­las­sung im Sin­ne der Richt­li­nie 98/59 für schwan­ge­re Ar­beit­neh­me­rin­nen, Wöch­ne­rin­nen oder stil­len­de Ar­beit­neh­me­rin­nen we­der ei­nen Vor­rang der Wei­ter­beschäfti­gung noch ei­nen Vor­rang der an­der­wei­ti­gen Ver­wen­dung vor die­ser Ent­las­sung vor­sieht.
68 Nach Art. 10 Nr. 1 der Richt­li­nie 92/85 „tref­fen [die Mit­glied­staa­ten] die er­for­der­li­chen Maßnah­men“, um die Kündi­gung der Ar­beit­neh­me­rin­nen während der Zeit vom Be­ginn der Schwan­ger­schaft bis zum En­de des Mut­ter­schafts­ur­laubs grundsätz­lich zu ver­bie­ten.
69 Zum Be­ste­hen ei­nes An­spruchs auf vor­ran­gi­ge Wei­ter­beschäfti­gung ei­ner schwan­ge­ren Ar­beit­neh­me­rin, Wöch­ne­rin oder stil­len­den Ar­beit­neh­me­rin führt das vor­le­gen­de Ge­richt in sei­ner Ent­schei­dung aus, dass nach den spa­ni­schen Vor­schrif­ten die Ar­beit­neh­mer­ver­tre­ter im Verhält­nis zu den an­de­ren vom Mas­sen­ent­las­sungs­ver­fah­ren be­trof­fe­nen Ar­beit­neh­mer vor­ran­gig wei­ter beschäftigt würden und dass Ar­beit­neh­mer, die zu an­de­ren Grup­pen gehörten, auch ei­nen An­spruch auf vor­ran­gi­ge Wei­ter­beschäfti­gung hätten, wenn dies im Ver­hand­lungs­we­ge ver­ein­bart wor­den sei, wie et­wa Ar­beit­neh­mer mit fa­mi­liären Be­las­tun­gen, älte­re Ar­beit­neh­mer mit ei­nem be­stimm­ten Al­ter oder Be­hin­der­te.
70 Aus die­ser Re­ge­lung lei­tet das vor­le­gen­de Ge­richt ab, dass schwan­ge­re Ar­beit­neh­me­rin­nen nur dann ei­nen An­spruch auf vor­ran­gi­ge Wei­ter­beschäfti­gung im Un­ter­neh­men ha­ben, wenn dies ta­rif­ver­trag­lich ver­ein­bart wor­den ist. Im Übri­gen könn­ten auch vor­ran­gig wei­ter­zu­beschäfti­gen­de Ar­beit­neh­mer ent­las­sen wer­den, al­ler­dings müsse der Ar­beit­ge­ber in die­sem Fall außer­or­dent­li­che Gründe an­ge­ben, die sich von den Gründen, auf de­nen die Mas­sen­ent­las­sung be­ruht, un­ter­schei­den.
71 Im vor­lie­gen­den Fall ist nach der Ant­wort auf die ers­te Vor­la­ge­fra­ge Art. 10 Nr. 1 der Richt­li­nie 92/85 da­hin aus­zu­le­gen, dass er nicht ei­ner na­tio­na­len Re­ge­lung ent­ge­gen­steht, nach der die Kündi­gung ei­ner schwan­ge­ren Ar­beit­neh­me­rin auf­grund ei­ner Mas­sen­ent­las­sung im Sin­ne von Art. 1 Nr. 1 Buchst. a der Richt­li­nie 98/59 zulässig ist.
72 In­so­weit trifft es zu, dass, wie die Eu­ropäische Kom­mis­si­on aus­geführt hat, die Richt­li­nie 92/85, ins­be­son­de­re ihr Art. 10 Nr. 1, die Mit­glied­staa­ten nicht ver­pflich­tet, für schwan­ge­re Ar­beit­neh­me­rin­nen, Wöch­ne­rin­nen oder stil­len­de Ar­beit­neh­me­rin­nen ei­nen vor der Mas­sen­ent­las­sung an­wend­ba­ren An­spruch auf vor­ran­gi­ge Wei­ter- oder an­der­wei­ti­ge Beschäfti­gung vor­zu­se­hen.
73 Die­se Richt­li­nie, die le­dig­lich Min­dest­vor­schrif­ten enthält, schließt je­doch kei­nes­wegs die für Mit­glied­staa­ten be­ste­hen­de Möglich­keit aus, schwan­ge­ren Ar­beit­neh­me­rin­nen, Wöch­ne­rin­nen oder stil­len­den Ar­beit­neh­me­rin­nen ei­nen wei­ter ge­hen­den Schutz zu gewähren (vgl. in die­sem Sin­ne Ur­teil vom 4. Ok­to­ber 2001, Jiménez Mel­gar, C-438/99, EU:C:2001:509, Rn. 37).
74 Da­her ist auf die zwei­te und die vier­te Vor­la­ge­fra­ge zu ant­wor­ten, dass Art. 10 Nr. 1 der Richt­li­nie 92/85 da­hin aus­zu­le­gen ist, dass er nicht ei­ner na­tio­na­len Re­ge­lung ent­ge­gen­steht, die im Rah­men ei­ner Mas­sen­ent­las­sung im Sin­ne der Richt­li­nie 98/59 für schwan­ge­re Ar­beit­neh­me­rin­nen, Wöch­ne­rin­nen oder stil­len­de Ar­beit­neh­me­rin­nen we­der ei­nen Vor­rang der Wei­ter­beschäfti­gung noch ei­nen Vor­rang der an­der­wei­ti­gen Ver­wen­dung vor die­ser Ent­las­sung vor­sieht. Dies schließt je­doch nicht die für Mit­glied­staa­ten be­ste­hen­de Möglich­keit aus, schwan­ge­ren Ar­beit­neh­me­rin­nen, Wöch­ne­rin­nen oder stil­len­den Ar­beit­neh­me­rin­nen ei­nen wei­ter ge­hen­den Schutz zu gewähren.
75 Für die Par­tei­en des Aus­gangs­ver­fah­rens ist das Ver­fah­ren ein Zwi­schen­streit in dem beim vor­le­gen­den Ge­richt anhängi­gen Rechts­streit; die Kos­ten­ent­schei­dung ist da­her Sa­che die­ses Ge­richts. Die Aus­la­gen an­de­rer Be­tei­lig­ter für die Ab­ga­be von Erklärun­gen vor dem Ge­richts­hof sind nicht er­stat­tungsfähig.
1. Art. 10 Nr. 1 der Richt­li­nie 92/85/EWG des Ra­tes vom 19. Ok­to­ber 1992 über die Durchführung von Maßnah­men zur Ver­bes­se­rung der Si­cher­heit und des Ge­sund­heits­schut­zes von schwan­ge­ren Ar­beit­neh­me­rin­nen, Wöch­ne­rin­nen und stil­len­den Ar­beit­neh­me­rin­nen am Ar­beits­platz (zehn­te Ein­zel­richt­li­nie im Sin­ne des Ar­ti­kels 16 Ab­satz 1 der Richt­li­nie 89/391/EWG) ist da­hin aus­zu­le­gen, dass er nicht ei­ner na­tio­na­len Re­ge­lung ent­ge­gen­steht, nach der die Kündi­gung ei­ner schwan­ge­ren Ar­beit­neh­me­rin auf­grund ei­ner Mas­sen­ent­las­sung im Sin­ne von Art. 1 Nr. 1 Buchst. a der Richt­li­nie 98/59/EG des Ra­tes vom 20. Ju­li 1998 zur An­glei­chung der Rechts­vor­schrif­ten der Mit­glied­staa­ten über Mas­sen­ent­las­sun­gen zulässig ist.
2. Art. 10 Nr. 2 der Richt­li­nie 92/85 ist da­hin aus­zu­le­gen, dass er nicht ei­ner na­tio­na­len Re­ge­lung ent­ge­gen­steht, nach der ein Ar­beit­ge­ber ei­ner schwan­ge­ren Ar­beit­neh­me­rin im Rah­men ei­ner Mas­sen­ent­las­sung kündi­gen kann, oh­ne ihr wei­te­re Gründe zu nen­nen als die­je­ni­gen, die die Mas­sen­ent­las­sung recht­fer­ti­gen, so­lan­ge die sach­li­chen Kri­te­ri­en für die Aus­wahl der zu ent­las­sen­den Ar­beit­neh­mer an­ge­ge­ben wer­den.
3. Art. 10 Nr. 1 der Richt­li­nie 92/85 ist da­hin aus­zu­le­gen, dass er ei­ner na­tio­na­len Re­ge­lung ent­ge­gen­steht, nach der die Kündi­gung von schwan­ge­ren Ar­beit­neh­me­rin­nen, Wöch­ne­rin­nen und stil­len­den Ar­beit­neh­me­rin­nen nicht grundsätz­lich präven­tiv ver­bo­ten ist und im Fall ei­ner wi­der­recht­li­chen Kündi­gung nur de­ren Un­wirk­sam­keit als Wie­der­gut­ma­chung vor­ge­se­hen ist.
4. Art. 10 Nr. 1 der Richt­li­nie 92/85 ist da­hin aus­zu­le­gen, dass er nicht ei­ner na­tio­na­len Re­ge­lung ent­ge­gen­steht, die im Rah­men ei­ner Mas­sen­ent­las­sung im Sin­ne der Richt­li­nie 98/59 für schwan­ge­re Ar­beit­neh­me­rin­nen, Wöch­ne­rin­nen oder stil­len­de Ar­beit­neh­me­rin­nen we­der ei­nen Vor­rang der Wei­ter­beschäfti­gung noch ei­nen Vor­rang der an­der­wei­ti­gen Ver­wen­dung vor die­ser Ent­las­sung vor­sieht. Dies schließt je­doch nicht die für Mit­glied­staa­ten be­ste­hen­de Möglich­keit aus, schwan­ge­ren Ar­beit­neh­me­rin­nen, Wöch­ne­rin­nen oder stil­len­den Ar­beit­neh­me­rin­nen ei­nen wei­ter ge­hen­den Schutz zu gewähren.
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