Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Text=VI%20ZR%2043/74
Timestamp: 2019-03-25 13:02:21
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Matched Legal Cases: ['BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 823', '§ 831', '§ 43', '§ 831', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 831', 'BGH', '§ 18', 'BGH', '§ 823', '§ 1', 'BGH', '§ 1004', '§ 1004', 'BGH', 'BGH', 'BGH']

BGH, 07.10.1975 - VI ZR 43/74 - dejure.org
BGH, 07.10.1975 - VI ZR 43/74
Industrieabfall - Umweltgefahr - Verkehrssicherungspflicht des Unternehmers - Lagerung und Vernichtung der Abfälle - Abfallbeseitigungsunternehmen
NJW 1976, 46
VersR 1976, 62
DB 1975, 2434
Es wäre daher Aufgabe des Beklagten als des für die Organisation in erster Linie Verantwortlichen der GmbH gewesen, solchen Kollisionen durch dafür geeignete organisatorische Maßnahmen, etwa durch entsprechende Anweisungen an die mit dem Einkauf der Baustoffe und die mit den Bauaufträgen befaßten Sachbearbeiter bzw. durch Koordination dieser beiden Bereiche in diesem Punkt vorzubeugen (vgl. BGH Urteile vom 19. März 1957 - VI ZR 263/55 = NJW 1957, 1145 [BVerfG 28.05.1957 - 2 BvO 5/56] , vom 12. Juni 1968 - I ZR 70/66 = GRUR 1969, 51, 52 und vom 7. Oktober 1975 - VI ZR 43/74 = NJW 1976, 46 [BGH 07.10.1975 - VI ZR 43/74];… von Bar, Verkehrspflichten 1980, S. 255 f., 258, 259;… Mertens in MünchKomm 2. Aufl. § 823 Rdn. 321;… § 831 Rdn. 8 f.;… Scholz/Schneider, GmbHG 7. Aufl. § 43 Rdn. 38).
Das Verhalten dieser Firmen ist der Beklagten daher nicht über § 831 BGB zurechenbar (vgl. Senat, Urteil vom 7. Oktober 1975 - VI ZR 43/74 - VersR 1976, 62, 64; OLG Düsseldorf, VersR 1995, 1363, 1364 mit Nichtannahmebeschluss des erkennenden Senats vom 19. März 1996 - VI ZR 272/95; dasselbe RuS 1997, 194, 195 mit Nichtannahmebeschluss des erkennenden Senats vom 19. November 1996 - VI ZR 136/96; Wilmowsky, NuR 1991, 253, 257), so dass sich insoweit die Frage eines Auswahl- und Überwachungsverschuldens der beauftragten Firma R. S. nicht stellt.
Dabei nehmen die Anforderungen an die Sorgfalt bei Lagerung und Vernichtung mit der Gefährlichkeit der Abfallstoffe zu (vgl. Senat, Urteil vom 7. Oktober 1975 - VI ZR 43/74 - aaO; OLG Hamm, VersR 1988, 804 mit Nichtannahmebeschluss des erkennenden Senats vom 10. Mai 1988 - VI ZR 236/87; OLG Stuttgart, VersR 1991, 1375, 1376 mit Nichtannahmebeschluss des erkennenden Senats vom 9. Oktober 1990 - VI ZR 54/90; OLG Düsseldorf, VersR 1995, 1363, 1364 mit Nichtannahmebeschluss des erkennenden Senats vom 19. März 1996 - VI ZR 272/95).
Eine Kontrolle auf Schritt und Tritt kann nicht verlangt werden (vgl. Senatsurteile vom 7. Oktober 1975 - VI ZR 43/74 - aaO;… vom 12. März 1985 - VI ZR 215/83 - aaO; vom 30. September 1986 - VI ZR 247/85 - RuS 1987, 130, 131).
Ihn treffen dann abgestufte Auswahl- und Überwachungspflichten, die nach den jeweiligen Umständen des Einzelfalls zu bestimmen sind und umso strenger werden, je gefährlicher die Abfälle für die Umwelt sind und je geringer die Gewähr ist, dass das eingeschaltete Unternehmen die erforderlichen Sicherheitsvorschriften beachtet (vgl. Senat, Urteil vom 7. Oktober 1975 - VI ZR 43/74 - aaO, 64 f.; OLG Düsseldorf, VersR 1995, 1363, 1364 f. mit Nichtannahmebeschluss des erkennenden Senats vom 19. März 1996 - VI ZR 272/95;… Wilmowsky aaO; vgl. auch OLG Frankfurt, NJW 1974, 285, 286).
Die allgemeine Verkehrssicherungspflicht eines Produzenten von Industrieabfällen soll verhindern, dass sich Umweltgefahren zum Schaden Dritter auswirken (vgl. Senat, Urteil vom 7. Oktober 1975 - VI ZR 43/74 - aaO, 64).
Zum einen bestehen aufgrund des Ermittlungsergebnisses hinreichende Anhaltspunkte für ein Verschulden des Angeklagten durch Auswahl eines Unternehmens, welches keine Gewähr für die zuverlässige Ausübung der ihm übertragenen Verkehrssicherungspflichten bot (vgl. BGH, Urteil vom 7.10.1975 - VI ZR 43/74, NJW 1976, 46).
Vor diesem Hintergrund, insbesondere aber auch in Kenntnis der bestehenden baulichen Mängel und der erheblichen Gefährdung für Leib und Leben der Fahrgäste am Bahnhof Stadt2, wäre er spätestens am XX.XX.2010 selbst zur Schaffung von Abhilfe oder einer anderen Maßnahme zur Gefahrenabwehr verpflichtet gewesen (vgl. BGH, Urteil vom 31.05.1994 - VI ZR 233/93, NJW 1994, 2232; BGH, Urteil vom 07.10.1975 - VI ZR 43/74, NJW 1976, 46).
Er muß deshalb, mag der Dritte mangels der hierfür erforderlichen Abhängigkeit auch nicht als sein Verrichtungsgehilfe im Sinne von § 831 BGB gelten, den Beauftragten in dem erforderlichen Maße überwachen und notfalls selbst eingreifen (vgl. zum Abfallrecht BGH, Urteil vom 7. Oktober 1975 - VI ZR 43/74 - NJW 1976, 46, 47;… zum Abwasserrecht auch Czychowski, § 18 a Rn. 16).
Zu einem eigenen Eingreifen hat der erkennende Senat einen technisch nicht vorgebildeten Auftraggeber nur dann für verpflichtet gehalten, wenn ihm Gefahren sichtbar geworden sind bzw. ihm schädigende Auswirkungen der Handlungsweise des Beauftragten nicht entgehen konnten (Senatsurteil vom 30. November 1965 - VI ZR 145/64 - VersR 1966, 145) oder wenn er Anlaß zu Zweifeln hätte haben müssen, daß der Beauftragte den Gefahren und Sicherheitserfordernissen nicht in der gebührenden Weise Rechnung trägt (vgl. Senatsurteil vom 7. Oktober 1975 - VI ZR 43/74 - aaO).
Er bleibt weiterhin zur Überwachung dieses Dritten verpflichtet und ist insofern neben diesem selbst noch verantwortlich (vgl. BGH NJW 76, 46; 85, 270; 99, 3633).
Diese Erwägung geht schon deshalb fehl, weil die Schadensersatzpflicht der Beklagten auf dem Verstoß gegen eine sie selbst treffende, auf § 823 BGB gegründete Verpflichtung als Gastwirtin beruht und der Beklagten deshalb eine aus dieser Vorschrift herzuleitende erhöhte Überwachungspflicht oblag, wenn und soweit sie die Streupflicht ihren Bediensteten übertrug (st. Rspr., vgl. Senatsurteile vom 6. November 1956 - VI ZR 71/56 - VersR 1957, 62 = MDR 1957, 214 f m. Anm. Esser S. 215 f und vom 8. Oktober 1974 - VI ZR 43/74 - VersR 1975, 42 f m.w.N.).
Bei den streitgegenständlichen Altfarben, Lösungsmitteln und Farbschlemmen handelt es sich um Abfall i.S. von § 1 Abs. 1 AbfG , bei welchem die Störereigenschaft des gewerblichen Abfallerzeugers angesichts der Umweltgefährdung nicht bereits mit der Übergabe und Übereignung, sondern erst mit der Entsorgung oder Wiederaufbereitung des Abfalls entfällt: In gleicher Weise wie die aus der Verkehrssicherungspflicht folgende deliktische Verantwortlichkeit des Abfallerzeugers nicht ohne weiteres durch die Übergabe und ggf. Übereignung des Abfalls an ein Entsorgungsunternehmen endet (…LG Düsseldorf, Urt. v. 23.6. 1992 - 10 O 61/91; vgl. weiterhin Birn, NJW 1976, 1880; Ekrutt, NJW 1976, 885; zur Rechtslage vor Inkrafttreten des AbfG: BGH, NJW 1976, 46), wird auch die aus § 1004 Abs. 1 BGB abgeleitete Störerhaftung des Abfallerzeugers nicht durch die Aufgabe der rechtlichen und tatsächlichen Verfügungsbefugnis beseitigt.
Allerdings strahlen die zur Entsorgung und Verwertung von Abfall ergangenen gesetzlichen Vorschriften nicht unmittelbar auf § 1004 Abs. 1 BGB aus (offengelassen in BGH, NJW 1976, 46 für deliktische Verantwortlichkeit).
Dies kann zwar bei sorgfältiger Auswahl des Vertragspartners und bei Einhaltung der öffentlichrechtlichen Vorschriften die deliktische Verkehrssicherungspflicht entfallen lassen (vgl. BGH, NJW 1976, 46 für Rechtslage vor Inkrafttreten des AbfG).
OLG Düsseldorf, 13.07.1995 - 10 U 5/95
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