Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Text=II%20ZR%20234/09
Timestamp: 2020-07-10 13:34:19
Document Index: 9601880

Matched Legal Cases: ['BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 93', '§ 116', 'Art. 1', '§ 205', '§ 93', '§ 116', '§ 205', '§ 272', '§ 20', '§ 117', '§ 93', '§ 93', '§ 116', '§ 205', '§ 93', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 93', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 249', '§ 249', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 278', 'BGH']

BGH, 20.09.2011 - II ZR 234/09 - dejure.org
https://dejure.org/2011,160
BGH, 20.09.2011 - II ZR 234/09 (https://dejure.org/2011,160)
BGH, Entscheidung vom 20.09.2011 - II ZR 234/09 (https://dejure.org/2011,160)
BGH, Entscheidung vom 20. September 2011 - II ZR 234/09 (https://dejure.org/2011,160)
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AktG § 93 Abs. 3 Nr. 4, § 116 Satz 1; AktG (i. d. F. des Art. 1 Nr. 4 des StückAG vom 25. März 1998, BGBl. I S. 590) § 205 Abs. 4
§ 93 Abs 3 Nr 4 AktG, § 116 S 1 AktG, § 205 Abs 4 AktG vom 25.03.1998
Haftung des Vorstands und des Aufsichtsrats einer Aktiengesellschaft: Fehlerhafte Festsetzung einer untauglichen Sacheinlage; Sorgfaltsanforderung an nicht sachkundiges Vorstandsmitglied; erhöhter Sorgfaltsmaßstab bei als Rechtsanwalt tätigem Aufsichtsratsmitglied
HGB § 272; EGAktG § 20; BGB §§ 117, 705; AktG §§ 93, 116, 205 Abs. 4
Eigene Aktien sind kein tauglicher Sacheinlagegegenstand
Gleichstehen eines Verzichts auf den Anspruch auf Rückerstattung von darlehensweise an die Gesellschaft überlassenen Aktien mit dem Einbringen als Sacheinlage
Keine eigenen Aktien als Sacheinlage
Keine Einbringung eigener Aktien der Gesellschaft als Sacheinlage
Verzicht auf den Anspruch auf Rückerstattung von darlehensweise an die Gesellschaft überlassenen Aktien im unmittelbaren zeitlichen Zusammenhang mit der Darlehensgewährung kein tauglicher Gegenstand einer Sacheinlage; zu den Anforderungen an die Sorgfaltspflichten von ...
Einbringen eigener Aktien als Sacheinlage nicht möglich
Eigene Aktien als Sacheinlage
Aktienrecht, eigene Aktien, Gesellschaftsrecht, Sacheinlage
AktG § 93 Abs. 3 Nr. 4, § 116; AktG a. F. § 205 Abs. 4
Haftung von Vorstand und Aufsichtsrat (Managerhaftung)
Haftung von Aufsichtsrat und Vorstand bei Rechtsirrtum
AktG §§ 93, 9, 116, 205 a. F.
Anforderungen an die Sorgfaltspflicht von organschaftlichen Vertretern einer Gesellschaft, die selbst nicht über die erforderliche Sachkunde verfügen, und von Aufsichtsratsmitgliedern mit beruflich erworbenen Spezialkenntnissen
Höhere Sorgfaltspflichten für Experten im Aufsichtsrat
LG Hamburg, 11.10.2006 - 404 O 157/05
LG Hamburg, 08.12.2006 - 404 O 157/05
OLG Hamburg, 18.09.2009 - 11 U 183/07
NJW-RR 2011, 1670
ZIP 2011, 2097
MDR 2012, 171
WM 2011, 2092
BB 2011, 2960
DB 2011, 2484
NZG 2011, 1271
Der dem Mandanten erteilte Rat kann sogar ein Verschulden des Vertreters ausschließen, sofern auf der Grundlage des Rats ein unverschuldeter Rechtsirrtum beim Vertreter bestand (vgl. etwa zur Entlastung eines Vorstands BGH, Urteil vom 20. September 2011 - II ZR 234/09, ZIP 2011, 2097 Rn. 16, 18;… vom 28. April 2015 - II ZR 63/14, ZIP 2015, 1220 Rn. 28; allgemein zum unverschuldeten Rechtsirrtum BGH…, Urteil vom 30. April 2014 - VIII ZR 103/13, BGHZ 201, 91 Rn. 23).
Insbesondere bei komplexen Sachverhalten und erkennbar schwierigen Rechtsfragen ist regelmäßig ein detailliertes, schriftliches Gutachten erforderlich, um einen unvermeidbaren Verbotsirrtum zu begründen (…BGH, Urteile vom 21. Dezember 2016 - 1 StR 253/16, NJW 2017, 1487 Rn. 59; vom 4. April 2013 - 3 StR 521/12, NStZ 2013, 461; vgl. auch BGH…, Beschluss vom 24. November 2010 - III ZR 260/09, juris Rn. 11; Urteile vom 20. September 2011 - II ZR 234/09, NJW-RR 2011, 1670 Rn. 16 ff.;… vom 28. Mai 2013 - II ZR 83/12, NZG 2013, 1028 Rn. 21 ff.).
Ein Vorstandsmitglied einer Aktiengesellschaft kann sich nur ausnahmsweise wegen eines Rechtsirrtums entlasten, wenn es sich unter umfassender Darstellung der Verhältnisse der Gesellschaft und Offenlegung der erforderlichen Unterlagen von einem unabhängigen, für die zu klärende Frage fachlich qualifizierten Berufsträger beraten lässt und den erteilten Rechtsrat einer sorgfältigen Plausibilitätskontrolle unterzieht (BGH, Urteil vom 20. September 2011 - II ZR 234/09, ZIP 2011, 2097 Rn. 18).
Der selbst nicht hinreichend sachkundige Geschäftsführer ist nur dann entschuldigt, wenn er sich unter umfassender Darstellung der Verhältnisse der Gesellschaft und Offenlegung der erforderlichen Unterlagen von einer unabhängigen, für die zu klärenden Fragestellungen fachlich qualifizierten Person hat beraten lassen (BGH…, Urteil vom 14. Mai 2007 - II ZR 48/06, ZIP 2007, 1265 Rn. 16; vgl. auch BGH, Urteil vom 20. September 2011 - II ZR 234/09, ZIP 2011, 2097 Rn. 18) und danach keine Insolvenzreife festzustellen war.
Die Sorgfalt eines ordentlichen und gewissenhaften Geschäftsleiters gebietet es zudem, das Prüfergebnis einer Plausibilitätskontrolle zu unterziehen (BGH…, Urteil vom 14. Mai 2007 - II ZR 48/06, ZIP 2007, 1265 Rn. 18; vgl. auch BGH, Urteil vom 20. September 2011 - II ZR 234/09, ZIP 2011, 2097 Rn. 18).
Die Grundsätze der Vorteilsausgleichung sind auf den Schadensersatzanspruch nach § 93 Abs. 2 AktG anzuwenden (BGH, Urteil vom 20. September 2011 - II ZR 234/09, ZIP 2011, 2097 Rn. 31).
Die Gesellschaft soll sich nicht aufgrund eines Fehlers der Organmitglieder auf deren Kosten bereichern (BGH, Urteil vom 20. September 2011 - II ZR 234/09, ZIP 2011, 2097 Rn. 31).
Der Ersatzpflichtige ist für die dem Geschädigten zugeflossenen Vorteile darlegungs- und beweispflichtig (BGH, Urteil vom 20. September 2011 - II ZR 234/09, ZIP 2011, 2097 Rn. 34;… Urteil vom 31. Mai 2010 - II ZR 30/09, ZIP 2010, 1397 Rn. 26).
Dem hinzugezogenen Berater ist dabei der relevante Sachverhalt umfassend mitzuteilen und die erteilte Auskunft einer sorgfältigen Plausibilitätskontrolle zu unterziehen (BGH…, Urteil vom 14. Mai 2007 - II ZR 48/06, ZIP 2007, 1265 Rn. 16; Urteil vom 20. September 2011 - II ZR 234/09, ZIP 2011, 2097 Rn. 18;… Urteil vom 23. Oktober 2012 - II ZR 45/11, juris Rn. 22;… Urteil vom 14. Mai 2013 - XI ZR 335/11, juris Rn. 46).
Dem hinzugezogenen Berater ist dabei der relevante Sachverhalt umfassend mitzuteilen und die erteilte Auskunft einer Plausibilitätskontrolle zu unterziehen (BGH…, Urteil vom 14. Mai 2007 - II ZR 48/06, ZIP 2007, 1265 Rn. 16; Urteil vom 20. September 2011 - II ZR 234/09, ZIP 2011, 2097 Rn. 18;… Urteil vom 23. Oktober 2012 - II ZR 45/11, juris Rn. 22;… Urteil vom 14. Mai 2013 - XI ZR 335/11, juris Rn. 46).
Das Landgericht geht zutreffend davon aus, dass die Schadenshöhe sich nach der Differenzhypothese gemäß § 249 Abs. 1 BGB bemisst, die um normative Wertungen zu ergänzen sein kann (…siehe zum Ganzen: Palandt/Grüneberg, Bürgerliches Gesetzbuch, 75. Auflage, Vorbemerkung zu § 249, Rn.10 ff), wobei auch Vorteile durch eine "nützliche Pflichtverletzung" zu berücksichtigen sind (Schmidt/Schantz NZS 2014 5 ff, 6; BGH ZIP 2011, 2097 ff, Rn.31).
Dem hinzugezogenen Berater ist dabei der relevante Sachverhalt umfassend mitzuteilen und die von ihm erteilte Auskunft einer Plausibilitätskontrolle zu unterziehen (BGH…, Urteil vom 14. Mai 2013 - XI ZR 335/11, juris Rn. 46;… Beschluss vom 29. Juli 2014 - II ZB 1/12, ZIP 2014, 2121 Rn. 77; vgl. auch BGH…, Urteil vom 14. Mai 2007 - II ZR 48/06, ZIP 2007, 1265 Rn. 16, 18; Urteil vom 20. September 2011 - II ZR 234/09, ZIP 2011, 2097 Rn. 18).
Nach der Rechtsprechung des Senats zur Haftung des Organs entlastet eine der Gesellschaft gegebene unzutreffende Auskunft zur Insolvenzreife - ebenso wie zu einer Rechtsfrage - ein Organ nur, wenn es sich unter umfassender Darstellung der Verhältnisse der Gesellschaft und Offenlegung der erforderlichen Unterlagen von einer unabhängigen, für die zu klärenden Fragestellungen fachlich qualifizierten Person hat beraten lassen, danach keine Insolvenzreife festzustellen war und das Prüfergebnis einer Plausibilitätskontrolle unterzogen wurde (BGH…, Urteil vom 27. März 2012 - II ZR 171/10, ZIP 2012, 1174 Rn. 16;… Urteil vom 14. Mai 2007 - II ZR 48/06, ZIP 2007, 1265 Rn. 18; zur Rechtsauskunft Urteil vom 20. September 2011 - II ZR 234/09, ZIP 2011, 2097 Rn. 18).
Wenn der Gesellschafter für sich in seinem eigenen Pflichtenkreis Rat sucht, muss er sich jedenfalls entsprechend dem Rechtsgedanken des § 278 BGB eine fehlerhafte Auskunft zurechnen lassen und kann sich nicht auf einen durch die fehlerhafte Auskunft hervorgerufenen Irrtum berufen (vgl. zum Gesellschaftsorgan BGH, Urteil vom 20. September 2011 - II ZR 234/09, ZIP 2011, 2097 Rn. 17).
LG München I, 13.02.2020 - 5 HKO 2393/19
Bestehen von Schadensersatzansprüchen gegen einen Aufsichtsratsvorsitzenden
Berücksichtigung eines Wachstumsabschlags