Source: http://www.hensche.de/Rechtsanwalt_Arbeitsrecht_Urteile_Befristung_Schriftform_BAG_7AZR1048-06.html
Timestamp: 2017-11-24 07:29:18
Document Index: 210913870

Matched Legal Cases: ['§ 14', '§ 125', '§ 16', '§ 14', '§ 125', '§ 14', '§ 14', '§ 14', '§ 623', '§ 16', '§ 126', '§ 14', '§ 14', '§ 14', '§ 126', '§ 154', '§ 154', '§ 14', '§ 126', '§ 154', '§ 14', '§ 126', '§ 125', '§ 154', '§ 14', '§ 14', '§ 14']

BAG, Urteil vom 16.04.2008, 7 AZR 1048/06 - HENSCHE Arbeitsrecht
BAG, Ur­teil vom 16.04.2008, 7 AZR 1048/06
Schlagworte: Befristung: Schriftform
Aktenzeichen: 7 AZR 1048/06
Vorinstanzen: Arbeitsgericht Reutlingen, Urteil vom 23.02.2006, 2 Ca 305/05
hat der Sieb­te Se­nat des Bun­des­ar­beits­ge­richts auf Grund der münd­li­chen Ver­hand­lung vom 16. April 2008 durch den Vi­ze­präsi­den­ten des Bun­des­ar­beits­ge­richts Dörner, die Rich­te­rin am Bun­des­ar­beits­ge­richt Gräfl, den Rich­ter
am Bun­des­ar­beits­ge­richt Dr. Koch so­wie die eh­ren­amt­li­chen Rich­ter Dr. Spie und Vor­bau für Recht er­kannt:
Die Ein­stel­lung er­folgt be­fris­tet nach § 14 Abs. 1 Teil­zeit-und Be­fris­tungs­ge­setz, auf­grund des Be­su­ches der Tech­ni­ker­schu­le ei­ner un­se­rer Mit­ar­bei­ter (Per­so­nal­num­mer: 6194906).
1. fest­zu­stel­len, dass das Ar­beits­verhält­nis zwi­schen den Par­tei­en auf Grund Be­fris­tung nicht be­en­det ist und über dem 30. Ju­ni 2005 un­be­fris­tet fort­be­steht,
Bei­de Vor­in­stan­zen ha­ben die Kla­ge ab­ge­wie­sen. Mit der Re­vi­si­on ver­folgt der Kläger sei­ne Anträge wei­ter, während die Be­klag­te die Zurück­wei­sung der Re­vi­si­on be­an­tragt.
1. Nach § 125 Satz 1 BGB ist ei­ne Be­fris­tungs­ab­re­de, die dem ge­setz­lich nor­mier­ten Schrift­for­mer­for­der­nis nicht genügt, nich­tig mit der Fol­ge, dass der Ar­beits­ver­trag nach § 16 Satz 1 Tz­B­fG als auf un­be­stimm­te Zeit ge­schlos­sen gilt. Ver­ein­ba­ren die Par­tei­en vor Ver­trags­be­ginn zunächst nur münd­lich die Be­fris­tung des Ar­beits­ver­trags und hal­ten sie die münd­lich ge­trof­fe­ne Be­fris­tungs­ab­re­de in ei­nem nach Ver­trags­be­ginn un­ter­zeich­ne­ten Ar­beits­ver­trag schrift­lich fest, ist die zunächst münd­lich ver­ein­bar­te Be­fris­tung nach § 14 Abs. 4 Tz­B­fG, § 125 Satz 1 BGB nich­tig, so dass bei Ver­trags­be­ginn ein un­be­fris­te­tes Ar­beits­verhält­nis ent­steht. Die späte­re schrift­li­che Nie­der­le­gung der zunächst nur münd­lich ver­ein­bar­ten Be­fris­tung führt nicht da­zu, dass die zu-
nächst form­nich­ti­ge Be­fris­tung rück­wir­kend wirk­sam wird (vgl. hier­zu ausführ­lich BAG 16. März 2005 - 7 AZR 289/04 - BA­GE 114, 146 = AP Tz­B­fG § 14 Nr. 16 = EzA Tz­B­fG § 14 Nr. 17, zu I 2 der Gründe; 1. De­zem­ber 2004 - 7 AZR 198/04 - BA­GE 113, 75 = AP Tz­B­fG § 14 Nr. 15 = EzA BGB 2002 § 623 Nr. 3, zu B I 4 a und b der Gründe). Da­durch kann al­len­falls das bei Ver­trags­be­ginn nach § 16 Satz 1 Tz­B­fG ent­stan­de­ne un­be­fris­te­te Ar­beits­verhält­nis nachträglich be­fris­tet wer­den, was bei Vor­lie­gen ei­nes die Be­fris­tung recht­fer­ti­gen­den sach­li­chen Grun­des zulässig ist (BAG 1. De­zem­ber 2004 - 7 AZR 198/04 - aaO, zu B I 4 b der Gründe). Hier­zu sind al­ler­dings auf die Her­beiführung die­ser Rechts­fol­ge ge­rich­te­te Wil­lens­erklärun­gen der Par­tei­en er­for­der­lich. Dar­an fehlt es in der Re­gel, wenn die Par­tei­en nach Ver­trags­be­ginn le­dig­lich ei­ne be­reits zu­vor münd­lich ver­ein­bar­te Be­fris­tung in ei­nem schrift­li­chen Ar­beits­ver­trag nie­der­le­gen. Da­durch wol­len sie im All­ge­mei­nen nur das zu­vor Ver­ein­bar­te schrift­lich fest­hal­ten und kei­ne ei­genständi­ge rechts­ge­stal­ten­de Re­ge­lung tref­fen (BAG 1. De­zem­ber 2004 - 7 AZR 198/04 - aaO). An­ders verhält es sich, wenn die Par­tei­en vor Ver­trags­be­ginn und vor Un­ter­zeich­nung des schrift­li­chen Ar­beits­ver­trags münd­lich kei­ne Be­fris­tung ver­ein­bart ha­ben oder wenn sie ei­ne münd­li­che Be­fris­tungs­ab­re­de ge­trof­fen ha­ben, die in­halt­lich mit der in dem später un­ter­zeich­ne­ten schrift­li­chen Ar­beits­ver­trag ent­hal­te­nen Be­fris­tung nicht übe­rein­stimmt. In die­sem Fall wird in dem schrift­li­chen Ar­beits­ver­trag nicht le­dig­lich ei­ne zu­vor ver­ein­bar­te münd­li­che Be­fris­tung schrift­lich nie­der­ge­legt, son­dern ei­ne da­von ab­wei­chen­de und da­mit ei­genständi­ge Be­fris­tungs­ab­re­de ge­trof­fen, durch die das zunächst bei Ver­trags­be­ginn un­be­fris­tet ent­stan­de­ne Ar­beits­verhält­nis nachträglich be­fris­tet wird. Ent­spricht die Ver­trags­ur­kun­de den Vor­aus­set­zun­gen des § 126 BGB, ist die Be­fris­tung nicht we­gen ei­nes Ver­s­toßes ge­gen das Schrift­for­mer­for­der­nis des § 14 Abs. 4 Tz­B­fG un­wirk­sam (BAG 13. Ju­ni 2007 - 7 AZR 700/06 - Rn. 18, AP Tz­B­fG § 14 Nr. 39 = EzA Tz­B­fG § 14 Nr. 40).
2. Die Rechts­la­ge ist wie­der­um an­ders zu be­ur­tei­len, wenn der Ar­beit­ge­ber den Ab­schluss ei­nes be­fris­te­ten Ar­beits­ver­trags von der Un­ter­zeich­nung der Ver­trags­ur­kun­de durch den Ar­beit­neh­mer abhängig ge­macht hat. Ein ihm ge­genüber bis zur Ar­beits­auf­nah­me ab­ge­ge­be­nes schrift­li­ches Ver­trags­an­ge­bot
kann der Ar­beit­neh­mer nur durch ei­ne den An­for­de­run­gen des § 126 Abs. 2 BGB genügen­de An­nah­me­erklärung an­neh­men.
An­nah­me ei­nes ver­meint­li­chen Ver­trags­an­ge­bots des Ar­beit­neh­mers. Der Ar­beit­neh­mer kann das schrift­li­che An­ge­bot des Ar­beit­ge­bers dann noch nach der Ar­beits­auf­nah­me durch die Un­ter­zeich­nung des Ar­beits­ver­trags an­neh­men.
nicht aus der ent­spre­chen­den An­wen­dung der Aus­le­gungs­re­gel des § 154 Abs. 2 BGB. Da­nach ist bei Ver­ein­ba­rung ei­ner Ver­trags­be­ur­kun­dung im Zwei­fel an­zu­neh­men, dass kei­ne Ver­trags­bin­dung ent­steht, so­lan­ge die Be­ur­kun­dung nicht er­folgt ist. § 154 Abs. 2 BGB ist vor­lie­gend nicht un­mit­tel­bar an­wend­bar, da die Be­fris­tungs­ab­re­de nicht der Be­ur­kun­dung be­darf, son­dern nach § 14 Abs. 4 Tz­B­fG dem Schrift­for­mer­for­der­nis des § 126 Abs. 2 BGB un­ter­liegt. § 154 Abs. 2 BGB ist ent­ge­gen ei­ner im Schrift­tum (Gau­mann FA 2002, 40, 41 ff.) ver­tre­te­nen Auf­fas­sung auch nicht ent­spre­chend auf den Ab­schluss ei­ner Be­fris­tungs­ab­re­de nach dem Tz­B­fG her­an­zu­zie­hen. Hier­ge­gen spricht schon, dass es sich bei § 14 Abs. 4 Tz­B­fG nicht um ein ge­willkürtes, son­dern um ein ge­setz­li­ches Schrift­for­mer­for­der­nis iSd. § 126 BGB han­delt. Der Form­zwang für das Rechts­geschäft be­ruht nicht auf ei­ner Ab­spra­che der Par­tei­en, son­dern auf ei­ner ge­setz­li­chen An­ord­nung. Über die sich aus der Ver­let­zung ei­nes kon­sti­tu­ti­ven ge­setz­li­chen Schrift­for­mer­for­der­nis­ses er­ge­ben­den Rechts­fol­gen können die Ver­trags­par­tei­en re­gelmäßig nicht dis­po­nie­ren (§ 125 Satz 1 BGB). Sch­ließlich be­trifft § 154 Abs. 2 BGB die Be­ur­kun­dung des ge­sam­ten Ver­trags, während sich das Schrift­form­ge­bot des § 14 Abs. 4 Tz­B­fG nicht auf den ge­sam­ten Ar­beits­ver­trag, son­dern nur auf die Ver­ein­ba­rung sei­ner zeit­lich be­grenz­ten Dau­er er­streckt.
Nach den Fest­stel­lun­gen des Lan­des­ar­beits­ge­richts hat die Be­klag­te dem Kläger mit ih­rem Schrei­ben vom 6. De­zem­ber 2004 ei­nen be­fris­te­ten Ar­beits­ver­trag für die Zeit vom 1. Ja­nu­ar 2005 bis zum 30. Ju­ni 2005 an­ge­bo­ten. Die­ses An­ge­bot muss­te der Kläger we­gen der gleich­zei­ti­gen Über­sen­dung des be­reits von der Be­klag­ten un­ter­zeich­ne­ten Ar­beits­ver­trags­ent­wurfs und der im An­schrei­ben geäußer­ten Bit­te um des­sen bal­di­ge Rück­ga­be
da­hin­ge­hend ver­ste­hen, dass die Be­klag­te die An­nah­me ih­res Ver­trags­an­ge­bots an die Un­ter­zeich­nung des Ar­beits­ver­trags durch den Kläger ge­bun­den hat­te. Be­son­de­re Umstände, die im Streit­fall ei­ne an­de­re Aus­le­gung der zum Ver­trags­schluss führen­den Erklärun­gen der Par­tei­en ge­bie­ten würden, hat das Lan­des­ar­beits­ge­richt nicht fest­ge­stellt. Auch nach sei­ner ein­zel­fall­be­zo­ge­nen Würdi­gung kam es der Be­klag­ten auf die Un­ter­zeich­nung des über­sand­ten Ar­beits­ver­trags­ent­wurfs durch den Kläger vor sei­nem Ar­beits­an­tritt an. Die Re­vi­si­on hat die­se An­nah­me zwar in Zwei­fel ge­zo­gen, da­bei aber kei­nen re­vi­si­ons­recht­lich er­heb­li­chen Rechts­feh­ler des Be­ru­fungs­ge­richts auf­ge­zeigt. Es ver­letzt nicht Denk­ge­set­ze, wenn das Lan­des­ar­beits­ge­richt aus der Bit­te der Be­klag­ten um als­bal­di­ge Rück­ga­be des be­reits von ihr un­ter­zeich­ne­ten Ar­beits­ver­trags­ent­wurfs ge­schlos­sen hat, dass es der Be­klag­ten da­bei um die Ein­hal­tung der Schrift­form vor der Ar­beits­auf­nah­me des Klägers ging. Viel­mehr ist sein Aus­le­gungs­er­geb­nis nach dem maßgeb­li­chen Empfänger­ho­ri­zont we­gen der sich für den Ar­beit­ge­ber aus der Miss­ach­tung des Schrift­for­mer­for­der­nis­ses des § 14 Abs. 4 Tz­B­fG er­ge­ben­den Rechts­fol­gen na­he­lie­gend. Da­nach konn­te der Kläger das An­ge­bot der Be­klag­ten nicht durch die Auf­nah­me der ihm zu­ge­wie­se­nen Ar­beit an­neh­men, son­dern nur durch die Un­ter­zeich­nung der Ver­trags­ur­kun­de.
II. Der Kläger hat in der Re­vi­si­ons­in­stanz wie be­reits in der Be­ru­fungs­in­stanz nicht in Fra­ge ge­stellt, dass die Be­fris­tung bis zum 30. Ju­ni 2005 durch
den in § 14 Abs. 1 Satz 2 Nr. 3 Tz­B­fG ent­hal­te­nen Sach­grund der Ver­tre­tung ge­recht­fer­tigt ist.
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