Source: https://www.anwalt24.de/urteile/bgh/2011-04-13/5-str-97_11
Timestamp: 2017-09-25 15:49:33
Document Index: 16832046

Matched Legal Cases: ['BGH', 'EuG', '§ 67', 'BGH', 'BGH', '§ 121', '§ 132']

BGH, 13.04.2011 - 5 StR 97/11 - Rechtfertigung einer weiteren Unterbringung in der Sicherungsverwahrung nach zehnjährigem Vollzug in Ausnahmefällen höchster Gefahr | anwalt24.de
Beschl. v. 13.04.2011, Az.: 5 StR 97/11
Rechtfertigung einer weiteren Unterbringung in der Sicherungsverwahrung nach zehnjährigem Vollzug in Ausnahmefällen höchster Gefahr
Referenz: JurionRS 2011, 15000
Aktenzeichen: 5 StR 97/11
Gegen den Verurteilten wird die Maßregel der Unterbringung in der Sicherungsverwahrung aus dem Urteil des Landgerichts München I vom 11. November 1994 vollstreckt, in dem er wegen schweren Raubes in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung zu einer Freiheitsstrafe von sechs Jahren verurteilt worden war. Zehn Jahre der Unterbringung waren am 20. September 2010 vollzogen.
Nach Rechtskraft des Urteils des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte vom 17. Dezember 2009 (Individualbeschwerde 19359/04, EuGRZ 2010, 25) zur rückwirkenden Anwendung des § 67d Abs. 3 Satz 1 StGB hat das Landgericht Regensburg durch Beschluss vom 27. Januar 2011 die Fortdauer der Sicherungsverwahrung über zehn Jahre hinaus angeordnet, wobei es die Vorgaben des Senats in seinem Anfragebeschluss vom 9. November 2010 (5 StR 394, 440, 474/10, NJW 2011, 240 [BGH 09.11.2010 - 5 StR 394/10]; zur Veröffentlichung in BGHSt bestimmt) in Bezug genommen hat. Das Oberlandesgericht Nürnberg möchte die hiergegen gerichtete sofortige Beschwerde des Verurteilten verwerfen. Im Blick auf entgegenstehende Rechtsprechung anderer Oberlandesgerichte hat es die Sache dem Bundesgerichtshof gemäß § 121 Abs. 1 Nr. 2, Abs. 2 Nr. 3 GVG vorgelegt.
Bis zur Erledigung des Verfahrens nach § 132 GVG, das auch nach Eingang der Antworten der anderen Senate voraussichtlich noch längere Zeit in Anspruch nehmen wird, sind die Akten - nicht anders als in den Ausgangsverfahren und weiteren Parallelsachen - dem vorlegenden Oberlandesgericht zurückzugeben. Erscheint wegen konkreter höchster Gefährlichkeit des Verurteilten für die Allgemeinheit eine weitere Vollstreckung der Maßregel unerlässlich, gelten die Maßgaben unter Ziffer VII 3 (Rn. 65) des Anfragebeschlusses.
Die im Vorlagebeschluss näher bezeichnete Rückfallwahrscheinlichkeit von lediglich 40 bis 50 % gibt dem Senat Anlass darauf hinzuweisen, dass die weitere Unterbringung in der Sicherungsverwahrung nach zehnjährigem Vollzug demgegenüber nur in Ausnahmefällen höchster Gefahr gerechtfertigt werden kann (Rn. 42 bis 46 des Vorlagebeschlusses).