Source: https://www.rechtslupe.de/strafrecht/unterbringung-in-einem-psychiatrischen-krankenhaus-wegen-onanierens-in-der-oeffentlichkeit-3139272?pk_campaign=feed&pk_kwd=unterbringung-in-einem-psychiatrischen-krankenhaus-wegen-onanierens-in-der-oeffentlichkeit
Timestamp: 2020-03-29 22:17:26
Document Index: 224665712

Matched Legal Cases: ['§ 176', '§ 183', '§ 183', '§ 67', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 63', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH']

Bei den zu erwar­ten­den Taten muss es sich um sol­che han­deln, die geeig­net erschei­nen, den Rechts­frie­den schwer zu stö­ren sowie das Gefühl der Rechts­si­cher­heit erheb­lich zu beein­träch­ti­gen, und damit zumin­dest dem Bereich der mitt­le­ren Kri­mi­na­li­tät zuzu­ord­nen sind 1.
Zudem ist eine Wahr­schein­lich­keit höhe­ren Gra­des für die Bege­hung sol­cher Taten erfor­der­lich 2.
Die zu stel­len­de Pro­gno­se ist auf der Grund­la­ge einer umfas­sen­den Wür­di­gung der Per­sön­lich­keit des Täters, sei­nes Vor­le­bens und der von ihm began­ge­nen Anlas­s­tat zu ent­wi­ckeln 3.
Das Land­ge­richt hat rechts­feh­ler­frei in den Blick genom­men, dass es sich bei den Anlas­s­ta­ten um exhi­bi­tio­nis­ti­sche Hand­lun­gen vor Kin­dern han­delt, die zwar dem Straf­tat­be­stand des sexu­el­len Miss­brauchs von Kin­dern gemäß § 176 Abs. 4 Nr. 1 StGB unter­fal­len, für die der Gesetz­ge­ber aber mit § 183 Abs. 3 und 4 Nr. 2 StGB hin­sicht­lich der Bewäh­rungs­aus­set­zung eine Son­der­re­ge­lung geschaf­fen hat. Die­se Rege­lung erlaubt eine Aus­set­zung der Voll­stre­ckung einer Frei­heits­tra­fe auch dann, wenn dem Täter erst nach län­ge­rer Heil­be­hand­lung eine güns­ti­ge Pro­gno­se gestellt wer­den kann. Für einen län­ge­ren Zeit­raum wird daher die Gefahr einer Wie­der­ho­lung der­ar­ti­ger Taten hin­ge­nom­men. In Über­ein­stim­mung mit der Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs ist das Land­ge­richt davon aus­ge­gan­gen, dass es mit die­ser gesetz­li­chen Wer­tung unver­ein­bar wäre, exhi­bi­tio­nis­ti­sche Hand­lun­gen vor Kin­dern stets als erheb­li­che, für die All­ge­mein­heit gefähr­li­che Straf­ta­ten anzu­se­hen 4. Dass die­se Wer­tung der § 183 Abs. 3 und 4 Nr. 2 StGB auch für die Beant­wor­tung der Fra­ge Bedeu­tung hat, ob die Voll­stre­ckung einer ange­ord­ne­ten Unter­brin­gung gemäß § 67b StGB zur Bewäh­rung aus­zu­set­zen ist, führt hin­sicht­lich der Anord­nungs­vor­aus­set­zun­gen der Unter­brin­gung zu kei­nem ande­ren Ergeb­nis.
Hier­von aus­ge­hend hat das Land­ge­richt die von dem Beschul­dig­ten zukünf­tig zu erwar­ten­den Hand­lun­gen in der zu befürch­ten­den kon­kre­ten Aus­ge­stal­tung 5 rechts­feh­ler­frei als Taten gewer­tet, die nicht in den Bereich der mitt­le­ren Kri­mi­na­li­tät hin­ein­ra­gen und des­halb auch nicht geeig­net sind, den Rechts­frie­den schwer zu stö­ren.
Das Land­ge­richt durf­te bei der Bewer­tung des Gewichts der Taten auch dem Umstand Bedeu­tung bei­mes­sen, dass der Beschul­dig­te in kei­nem Fall die Nähe von Kin­dern such­te und auch nicht Orte auf­such­te, an denen sich übli­cher­wei­se Kin­der auf­hal­ten 6. Nach den Urteils­fest­stel­lun­gen war es auch bei der Anlas­s­tat in der Kir­che ledig­lich Zufall, dass an die­sem Tag Kon­fir­man­den­got­tes­dienst war und sich die Mäd­chen neben den Beschul­dig­ten setz­ten. Eben­so durf­te das Land­ge­richt für die Gefähr­lich­keits­pro­gno­se berück­sich­ti­gen, dass es bei den Anlas­s­ta­ten zu kei­nem kör­per­li­chen Kon­takt des Beschul­dig­ten mit den Kin­dern kam, dass er die Kin­der nicht ansprach, sowie, dass er in kei­ner Wei­se den Kin­dern nach­stell­te oder in sons­ti­ger Wei­se ver­such­te, ihre Beob­ach­tung zu erzie­len. Bei der Bewer­tung des Gewichts der Hand­lung in der SBahn durf­te das Land­ge­richt schließ­lich berück­sich­ti­gen, dass sich der Beschul­dig­te auf einen frei­en Platz setz­te und sich bei den Ona­nier­be­we­gun­gen über der Hose eine Stoff­ta­sche vor­hielt.
Soweit nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs die ver­mut­li­che Häu­fig­keit neu­er­li­cher Delik­te und die Inten­si­tät der zu erwar­ten­den Rechts­guts­be­ein­träch­ti­gun­gen wich­ti­ge Gesichts­punk­te bei der Ein­zel­fall­er­ör­te­rung sind 7, wird eine Lücke in der Gesamt­wür­di­gung des Land­ge­richts eben­falls nicht auf­ge­zeigt. Die Urteils­grün­de las­sen hin­rei­chend deut­lich erken­nen, dass das Land­ge­richt davon aus­ge­gan­gen ist, das wie­der­hol­te und in der Häu­fig­keit zuneh­men­de Ona­nie­ren im öffent­li­chen Raum wer­de auch in der Zukunft häu­fig statt­fin­den. Eine zu erwar­ten­de Stei­ge­rung der Inten­si­tät der sexu­el­len Hand­lun­gen hat das Land­ge­richt mit trag­fä­hi­gen Erwä­gun­gen abge­lehnt.
Der Tötungs­vor­satz in der Beweis­wür­di­gung Eine recht­lich feh­ler­freie Beweis­wür­di­gung 8 erfor­dert die sorg­fäl­ti­ge…
st. Rspr.; vgl. BGH, Urtei­le vom 11.10.2018 – 4 StR 195/​18, NStZ-RR 2019, 41, 42; vom 26.07.2018 – 3 StR 174/​18, Rn. 12; und vom 10.04.2014 – 4 StR 47/​14, Rn. 14; Beschlüs­se vom 31.10.2018 – 3 StR 432/​18, Rn. 6; und vom 04.07.2012 – 4 StR 224/​12, NStZ-RR 2012, 337, 338, jeweils mwN[↩]
vgl. BGH, Beschlüs­se vom 30.05.2018 – 1 StR 36/​18, Rn. 25; und vom 16.01.2013 – 4 StR 520/​12, NStZ-RR 2013, 141, 142 mwN; Urteil vom 21.02.2017 – 1 StR 618/​16, Rn. 9 [inso­weit nicht abge­druckt in BGHR StGB § 63 Beweis­wür­di­gung 2][↩]
vgl. BGH, Urteil vom 11.10.2018 – 4 StR 195/​18, aaO; Beschluss vom 26.09.2012 – 4 StR 348/​12, Rn. 10 [inso­weit nicht abge­druckt in NStZ 2013, 424], jeweils mwN[↩]
vgl. BGH, Beschlüs­se vom 22.08.2007 – 2 StR 263/​07, NStZ 2008, 92; und vom 25.02.1999 – 4 StR 690/​98, NStZ-RR 1998, 298; Urteil vom 24.03.1998 – 1 StR 31/​98, NStZ 1998, 408, 409[↩]
vgl. BGH, Beschluss vom 24.11.2004 – 1 StR 493/​04, NStZ-RR 2005, 72, 73[↩]
vgl. BGH, Beschluss vom 22.08.2007 – 2 StR 263/​07, NStZ 2008, 92 f.[↩]
BGH, Urteil vom 26.06.2012 – 1 StR 163/​12, Rn. 27, mwN[↩]