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Timestamp: 2018-05-20 11:49:00
Document Index: 343190439

Matched Legal Cases: ['§ 164', '§ 20', '§ 23', '§ 23', '§ 23', '§ 10', '§ 174', '§ 174', '§ 10', '§ 10', '§ 23', '§ 10', '§ 10', '§ 23', '§ 46', '§ 174', '§ 174', '§ 181', '§ 10', '§ 46', '§ 23', '§ 10', '§ 10', '§ 175', '§ 23', '§ 175', '§ 10', '§ 23', '§ 10', '§ 10', '§ 52', '§ 10', '§ 23', '§ 10', '§ 10', '§ 23', '§ 10', '§ 23', '§ 10', '§ 23', '§ 10', '§ 23', '§ 10', '§ 23', '§ 10', '§ 23', '§ 10', '§ 44', '§ 10', '§ 10', '§ 23', '§ 23', '§ 10', '§ 172', '§ 172', '§ 23', '§ 10', '§ 10', '§ 10', '§ 23', '§ 10', '§ 10', '§ 164', '§ 172', '§ 10', '§ 23', '§ 10', '§ 10', '§ 10', '§ 173', '§ 10', '§ 23', '§ 10', '§ 10', '§ 23', '§ 171', '§ 10', 'Art. 1', '§ 52', '§ 136', '§ 137', '§ 135', '§ 151', '§ 708', '§ 115']

FG München, Urteil v. 14.09.2017 – 10 K 2312/16 - Bürgerservice
FG München, Urteil v. 14.09.2017 – 10 K 2312/16
Verlustfeststellungsbescheid, Verbleibender Verlustvortrag, Private Veräußerungsgeschäfte, Einkommensteuerbescheid, Private Veräußerungsverluste, Gesonderte Feststellung, Einkommensteuererklärung
Änderung eines bestandskräftigen Verlustfeststellungsbescheids, Auslegung von Rechtsbehelfen, Verlustabzug, Verlustfeststellungsbescheid, Festsetllungsverjährung
StEd 2017, 741
EFG 2017, 1889
BeckRS 2017, 130740
LSK 2017, 130740
1. Unter Aufhebung des Bescheids vom 21. September 2016 und der Einspruchsentscheidung vom 16. Januar 2017 wird der Beklagte verpflichtet, die Bescheide über die gesonderte Feststellung des verbleibenden Verlustvortrags zur Einkommensteuer zum 31. Dezember 2006 und 31. Dezember 2007, jeweils vom 9. März 2011, dahin gehend zu ändern, dass der verbleibende Verlustvortrag für die Einkünfte aus privaten Veräußerungsgeschäften um weitere Verluste aus privaten Veräußerungsgeschäften in Höhe von 1.347.303,74 € zum 31. Dezember 2006 und 2.261.319,60 € zum 31. Dezember 2007 erhöht wird.
2. Die Kosten des Verfahrens tragen der Kläger zu 1/3 und der Beklagte zu 2/3.
Streitig ist, ob der Kläger eine Änderung der Bescheide über die gesonderte Feststellung des verbleibenden Verlustvortrags zur Einkommensteuer zum 31. Dezember 2006 und 31. Dezember 2007 dahin gehend beanspruchen kann, dass weitere Verluste aus privaten Veräußerungsgeschäften Berücksichtigung finden.
Der Kläger wurde in den Streitjahren getrennt zur Einkommensteuer veranlagt.
Der Kläger investierte 2005 bis 2007 über D. Bank AG in fremdfinanzierte Anlagen der „DAX Seitwärtsstrategie“ und der „Value Select III Strategie B“ und erzielte daraus 2006 bis 2008 Verluste. Die Verluste standen im Zusammenhang mit dem Erwerb von Optionsrechten und der Veräußerung der durch deren Ausübung erlangten Inhaberschuldverschreibungen. Eine gegenläufige Veräußerung von Optionsscheinen erfolgte jeweils außerhalb der einjährigen Spekulationsfrist. Aus den im Einspruchsverfahren vorgelegten Verträgen und Bankbescheinigungen, auf die hinsichtlich der weiteren Einzelheiten verwiesen wird, ergeben sich folgende Kauf- und Verkaufsvorgänge:
2006 Kauf von sechs Optionsscheinen Wertpapierkennnummer (WKN) A0HXHV am 8. Dezember 2005 für 1,365 Mio. €.
Kauf von sechs Optionsscheinen WKN A0HXHW am 9. Dezember 2005 für 1,365 Mio. €.
Finanziert mit dem Darlehen Nr. 221 0288878 02 D. Bank.
Kauf von sechs Inhaberschuldverschreibungen WKN DB2EAA unter Verwendung der Optionsscheine WKN A0HXHW am 14. März 2006.
Verkauf am 25. Juli 2006 237.450 €
Abzgl. Anschaffungskosten 1.545.000 € Verlust 1.307.550 €.
Verkauf der Optionsscheine WKN A0HXHV am 11. Dezember 2006 für 2.506.704 €.
2007 Kauf von fünf Optionsscheinen WKN A0KQJN am 11. Dezember 2006 für 2,275 Mio. €.
Kauf von fünf Optionsscheinen WKN A0KQJJ am 12. Dezember 2006 für 2,275 Mio. €.
Finanziert mit dem Darlehen Nr. 221 0288878 03 D. Bank.
Kauf von fünf Inhaberschuldverschreibungen WKN DB1EA4 unter Verwendung der Optionsscheine WKN A0KQJN am 13. April 2007.
Verkauf am 30. Oktober 2007 398.850 €
Abzgl. Anschaffungskosten 2.575.000 € Verlust 2.176.150 €.
Verkauf der Optionsscheine WKN A0KQJJ am 17. Dezember 2007 für 4.111.570 €.
Mit geändertem Bescheid vom 1. März 2011 stellte das beklagte Finanzamt (FA) den verbleibenden Verlustvortrag zum 31. Dezember 2005 für die privaten Veräußerungsgeschäfte auf 110.842 € fest.
Die Einkommensteuer- und Verlustfeststellungserklärungen des Klägers gingen für 2006 am 2. März 2007 und für 2007 am 29. Juli 2009 beim FA ein.
Für 2006 erklärte der Kläger u. a. Verluste aus verzinslichen Wertpapieren in Höhe von 1.307.550 € (Anlage KAP) sowie nicht dem Halbeinkünfteverfahren unterliegende Veräußerungsverluste in Höhe von 1.307.673 € (Anlage SO). Nach einer korrigierten Anlage SO (eingegangen am 7. August 2008) beliefen sich die nicht dem Halbeinkünfteverfahren unterliegenden Veräußerungsverluste nur noch auf 3.213 €.
Für 2007 erklärte der Kläger u. a. Verluste aus verzinslichen Wertpapieren in Höhe von 2.176.150 € (Anlage KAP) und Veräußerungsgewinne in steuerpflichtiger Höhe von 64.813 € (Anlage SO).
Aufgrund einer Außenprüfung (Prüfungsbericht vom 3. Februar 2011) erließ das FA am 9. März 2011 nach § 164 Abs. 2 Abgabenordnung (AO) geänderte Bescheide, jeweils unter Aufhebung des Vorbehalts der Nachprüfung:
Die Einkommensteuer 2006 setzte das FA auf 469.756 € (bisher 0 €) fest, ausgehend von Einkünften aus Kapitalvermögen von 192.464 € (bisher -1.113.716 €) und sonstigen Einkünften von 0 € (unverändert Einkünfte aus privaten Veräußerungsgeschäften von -3.231 € abzüglich nicht verrechenbare Verluste in gleicher Höhe).
Den verbleibenden Verlustvortrag zum 31. Dezember 2006 für Einkünfte aus privaten Veräußerungsgeschäften stellte das FA auf 114.073 € (bisher 1.418.515 €) fest (3.231 € verbleibende negative Einkünfte aus privaten Veräußerungsgeschäften zuzüglich 110.842 € zum Vorjahresende).
Die Einkommensteuer 2007 setzte das FA auf 530.819 € (bisher 0 €) fest, ausgehend von Einkünften aus Kapitalvermögen von 175.306 € (bisher -2.000.093 €) und sonstigen Einkünften von 0 € (unverändert Einkünfte aus privaten Veräußerungsgeschäften von 64.813 € abzüglich Verrechnung von Vorträgen in gleicher Höhe).
Den verbleibenden Verlustvortrag zum 31. Dezember 2007 für Einkünfte aus privaten Veräußerungsgeschäften stellte das FA auf 49.260 € (bisher 1.353.702 €) fest (114.073 € zum Vorjahresende abzüglich Verlustabzug 2007 64.813 €).
Dabei ging das FA davon aus, dass hinsichtlich der streitgegenständlichen Finanzanlagen Einkünfte aus Kapitalvermögen vorlägen, hinsichtlich derer wegen hoher Refinanzierungszinsen keine Einkünfteerzielungsabsicht vorliege.
Mit Schriftsatz vom 12. April 2011 legten die Prozessbevollmächtigten des Klägers Einsprüche „gegen die Bescheide für 2006 und 2007 über Einkommensteuer“ ein. Die Veräußerungsverluste seien als Verluste aus der Rückzahlung von Finanzinnovationen nach § 20 Abs. 2 Satz 1 Nr. 4 Satz 2 Einkommensteuergesetz in der für die Streitjahre geltenden Fassung (EStG) abziehbar.
Am 3. November 2011 ergingen (aus nicht streitgegenständlichen Gründen) geänderte Bescheide, mit denen das FA die Einkommensteuer für 2006 auf 468.592 € und für 2007 auf 523.190 € festsetzte.
Die Einspruchsverfahren ruhten zunächst in Hinblick auf das beim Bundesfinanzhof (BFH) anhängige Verfahren Az. VIII R 28/11. Nach Ergehen des BFH-Urteils vom 5. November 2014, BFHE 248, 5, BStBl II 2015, 276, beantragte der Kläger mit Schreiben vom 25. Juni 2015 eine Berücksichtigung der streitigen Verluste als Veräußerungsverluste nach § 23 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 EStG und – soweit diese nicht ausgleichsfähig seien – die gesonderte Feststellung.
Ferner übersandte der Kläger mit Schreiben vom 24. März 2016 geänderte Anlagen SO, in denen die streitigen Verluste als solche i. S. d. § 23 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 EStG eingetragen waren. Zu berücksichtigen seien Verluste aus privaten Veräußerungsgeschäften in Höhe von 1.347.303,74 € (= Erlöse 237.450 € abzüglich Anschaffungskosten 1.545.000 € und ½ des Zinsaufwands aus 2005 und 2006 in Höhe von insgesamt 79.507,47 €) in 2006 und 2.261.319,60 € (= Erlöse 398.850 € abzüglich Anschaffungskosten 2.575.000 € und ½ des Zinsaufwands aus 2006 und 2007 in Höhe von insgesamt 170.339,20 €) in 2007.
Mit Einspruchsentscheidung vom 7. Juli 2016 wies das FA die „Einsprüche gegen die Bescheide über Einkommensteuer 2006 und 2007“ als unbegründet zurück.
Nach dem BFH-Urteil vom 5. November 2014 VIII R 28/11 lägen bei dem strittigen Steuergestaltungsmodell zwar keine negativen Einkünfte aus Kapitalvermögen vor, sondern Veräußerungsverluste i. S. von § 23 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 EStG. Die Bescheide über die gesonderte Feststellung des verbleibenden Verlustvortrags zum 31. Dezember 2006 und zum 31. Dezember 2007 vom 9. März 2011 seien jedoch mangels Anfechtung bestandskräftig geworden. Die Einsprüche vom 12. April 2011 gegen die Einkommensteuerbescheide 2006 und 2007 seien eindeutig bezeichnet und damit begründet, dass die negativen Einkünfte aus Kapitalvermögen nach der Betriebsprüfung nicht berücksichtigt worden seien. Sie könnten nicht in Einsprüche gegen die Verlustfeststellungsbescheide der betreffenden Jahre umgedeutet werden.
Dagegen erhob der Kläger Klage (Az. des Gerichts 10 K 2312/16).
Weiter legte der Kläger Einspruch ein gegen die Ablehnung des Antrags auf Änderung der Verlustfeststellungen, die mit der Einspruchsentscheidung vom 7. Juli 2016 erfolgt sei. Nach Mitteilung des FA, dass der Einspruch unzulässig sei, da das FA in der Einspruchsentscheidung vom 7. Juli 2016 keinen Änderungsantrag bezüglich der Verlustfeststellungsbescheide abgelehnt habe, beantragte der Kläger mit Schreiben vom 4. August 2016 eine Änderung der Verlustfeststellungsbescheide.
Mit Bescheid vom 21. September 2016 lehnte das FA den Änderungsantrag ab.
Der dagegen eingelegte Einspruch blieb ohne Erfolg (Einspruchsentscheidung vom 16. Januar 2017). Zur Begründung führte das FA aus, eine Änderung der Verlustfeststellungen nach der anzuwendenden alten Fassung des § 10d Abs. 4 Satz 4 EStG scheide aus, da nicht der Einkommensteuerbescheid Bezugspunkt für eine Änderung der Verlustfeststellungsbescheide sei, sondern der Verlustfeststellungsbescheid. Die Verlustfeststellungen seien wegen Bestandskraft nicht änderbar. Eine Änderung nach § 174 Abs. 3 AO komme nicht in Betracht. § 174 Abs. 3 AO sei kein Auffangtatbestand für eine andere rechtliche Beurteilung eines Sachverhalts.
Auch dagegen erhob der Kläger Klage (Az. des Gerichts 10 K 475/17).
In der mündlichen Verhandlung vom 14. September 2017 hat das Gericht das Verfahren 10 K 475/17 zum vorliegenden Verfahren 10 K 2312/16 hinzuverbunden.
„Die Verlustfeststellungsbescheide seien nach § 10d Abs. 4 EStG in der Fassung des Jahressteuergesetzes (JStG) 2010 vom 8. Dezember 2010 (BGBl I 2010, 1768) zu ändern. Richtigerweise habe der Kläger die Einkommensteuerbescheide angefochten, um eine Änderung der Verlustfeststellungsbescheide zu erreichen. Denn im Streitfall sei § 10d Abs. 4 Sätze 4 und 5 EStG n. F. anzuwenden, da die Verluste nach § 23 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 EStG erst durch Übersendung der Anlagen SO mit Schreiben vom 24. März 2016 erklärt worden seien. Nach neuer Rechtslage sei der Einkommensteuerbescheid Bezugspunkt für die Änderung der nicht ausgleichbaren Veräußerungsverluste. Unerheblich sei, dass sich die Höhe der Einkommensteuerfestsetzung nicht ändere. In den Einkommensteuerbescheiden änderten sich die Zeilen „Einkünfte aus privaten Veräußerungsgeschäften“ und „abzüglich nicht verrechenbare Verluste“. Zudem seien im Einkommensteuerbescheid 2007 bisher positive sonstige Einkünfte in Höhe von 64.813 € (aus privaten Veräußerungsgeschäften) mit Verlustvorträgen aus privaten Veräußerungsgeschäften ausgeglichen worden. Richtigerweise seien die 2007 entstandenen Verluste aus privaten Veräußerungsgeschäften in Höhe von 2.261.319,60 € vorrangig zum Ausgleich heranzuziehen. Dies führe zu einer Änderung des Einkommensteuerbescheids 2007, wodurch sich nach § 10d Abs. 4 Sätze 4 und 5 EStG auch die Möglichkeit der Änderung des Verlustfeststellungsbescheids zum 31. Dezember 2007 eröffne. In diesem seien nach Verrechnung mit den 64.813 € verbleibende weitere Veräußerungsverluste in Höhe von 2.196.507 € festzustellen. Die Feststellungsfrist sei gem. § 10d Abs. 4 Satz 6 EStG nicht abgelaufen, da die Einkommensteuerbescheide 2006 und 2007 noch nicht bestandskräftig seien.“
Hilfsweise seien die 2011 eingelegten Einsprüche gegen die Einkommensteuerbescheide als Einsprüche gegen die Verlustfeststellungen auszulegen.
Aus der Begründung der Einsprüche ergebe sich, dass die Veräußerungsverluste als negative Einkünfte aus Kapitalvermögen geltend gemacht werden, die – mangels ausreichender positiver Einkünfte – zu einer Änderung der Verlustfeststellungsbescheide geführt hätten. Das Begehren habe auch das „Weniger“ der Berücksichtigung als nur eingeschränkt ausgleichbare Veräußerungsverluste umfasst. Zudem sei in der Einspruchsbegründung auf bei Finanzgerichten (FG) anhängige Verfahren verwiesen worden, die hilfsweise auch die Anerkennung als Verluste nach § 23 EStG zum Gegenstand gehabt hätten. Zudem sei eine rechtsschutzgewährende Auslegung in erhöhtem Maße geboten. Denn das bereits komplexe Verhältnis zwischen Einkommensteuerbescheid und Verlustfeststellung werde durch die Rechtsprechung (BFH-Urteil vom 11. November 2008 IX R 44/07, BFHE 223, 395, BStBl II 2010, 31) weiter verkompliziert, wonach der Einkommensteuerbescheid keinen Bezugspunkt für die Änderung der privaten Veräußerungsverluste darstellen solle. Allerdings gelte diese Rechtsprechung nach Auffassung des Klägers nur für den erstmaligen Erlass eines Verlustfeststellungsbescheids und nicht für die Änderung eines solchen.
Die Klage gegen die Verlustfeststellungsbescheide sei als Untätigkeitsklage gem. § 46 Finanzgerichtsordnung (FGO) zulässig. In der Begründung der Einspruchsentscheidung habe das FA eine Annahme von Einsprüchen gegen die Verlustfeststellungsbescheide abgelehnt. Das FA habe von diesem Ausgangspunkt her keine Entscheidung über Einsprüche gegen Verlustfeststellungen treffen können. Der Kläger habe die Untätigkeit mit dem Änderungsantrag vom 25. Juni 2015 bzw. mit der 2016 eingereichten weiteren Einspruchsbegründung in Sachen Einkommensteuer gerügt.
Jedenfalls seien die Verlustfeststellungen nach § 174 Abs. 3 AO zu ändern. Denn die Verluste aus den Optionsgeschäften seien bisher in den Verlustfeststellungsbescheiden nicht berücksichtigt in der Annahme, dass sie in den Einkommensteuerbescheiden als Verluste aus Kapitalvermögen angesetzt werden sollten. Diese Annahme habe sich nachträglich als falsch herausgestellt, wobei unerheblich sei, worauf die Fehlbeurteilung beruhte. Die Festsetzungsfrist für die Einkommensteuerbescheide sei noch nicht abgelaufen (§ 174 Abs. 3 Satz 2 AO).
1. unter Änderung der Einkommensteuerbescheide für 2006 und 2007 vom 3. November 2011 in Gestalt der Einspruchsentscheidung vom 7. Juli 2016 bei den sonstigen Einkünften weitere Verluste aus privaten Veräußerungsgeschäften in Höhe von 1.347.303,74 € in 2006 und 2.261.319,60 € in 2007 zu berücksichtigen
mit der Folge, dass die Bescheide über die gesonderte Feststellung des verbleibenden Verlustvortrags zur Einkommensteuer zum 31. Dezember 2006 und 31. Dezember 2007, jeweils vom 9. März 2011, entsprechend geändert werden,
hilfsweise, die Bescheide über die gesonderte Feststellung des verbleibenden Verlustvortrags zur Einkommensteuer zum 31. Dezember 2006 und zum 31. Dezember 2007, jeweils vom 9. März 2011, dahin gehend zu ändern, dass der verbleibende Verlustvortrag für die Einkünfte aus privaten Veräußerungsgeschäften um weitere Verluste aus privaten Veräußerungsgeschäften in Höhe von 1.347.303,74 € zum 31. Dezember 2006 und 2.261.319,60 € zum 31. Dezember 2007 erhöht wird,
2. hilfsweise, unter Aufhebung des Bescheids vom 21. September 2016 und der Einspruchsentscheidung vom 16. Januar 2017 den Beklagten zu verpflichten, die Bescheide über die gesonderte Feststellung des verbleibenden Verlustvortrags zur Einkommensteuer zum 31. Dezember 2006 und 31. Dezember 2007, jeweils vom 9. März 2011, dahin gehend zu ändern, dass der verbleibende Verlustvortrag für die Einkünfte aus privaten Veräußerungsgeschäften um weitere Verluste aus privaten Veräußerungsgeschäften in Höhe von 1.347.303,74 € zum 31. Dezember 2006 und 2.261.319,60 € zum 31. Dezember 2007 erhöht wird,
3. sowie, hilfsweise, die Revision zuzulassen.
Das FA verweist zur Klageerwiderung auf die Einspruchsentscheidungen vom 7. Juli 2016 und vom 16. Januar 2017 und betont, eine Änderung der Verlustfeststellungsbescheide scheitere an deren Bestandskraft und am Eintritt der Feststellungsverjährung. § 181 Abs. 5 AO sei nur anwendbar, wenn die Feststellung gänzlich unterlassen worden sei. Es bestehe nach der im Streitfall anzuwendenden alten Fassung des § 10d Abs. 4 EStG keine Bindungswirkung zwischen Einkommensteuerbescheid und Verlustfeststellungsbescheid. Die Rechtsbehelfe gegen die Einkommensteuerbescheide blieben daher wirkungslos. Die Klage wegen Verlustfeststellung sei unzulässig mangels Durchführung eines Vorverfahrens. Gegen die Ablehnung des Änderungsantrags vom 4. August 2016 sei vor Erhebung der Klage noch kein Einspruch eingelegt worden, so dass die Voraussetzungen des § 46 FGO nicht vorlägen. Der Kläger habe gegen die Verlustfeststellungsbescheide keine Einsprüche eingelegt. Ein Einspruch sei dann auslegungsfähig, wenn er auslegungsbedürftig sei; dies sei im Streitfall nicht gegeben.
Wegen des weiteren Vorbringens der Beteiligten wird auf die ausgetauschten Schriftsätze, die vorgelegten Akten und die Niederschrift über die mündliche Verhandlung vom 14. September 2017 verwiesen.
Die Klage ist teilweise erfolgreich.
1. Die Klage wegen Einkommensteuer 2006 und 2007 hat keinen Erfolg.
Der Kläger hat ein berechtigtes Interesse daran, die Einkommensteuerfestsetzungen für 2006 und 2007 offen zu halten in Hinblick auf die Voraussetzungen einer Änderung der Verlustfeststellungen gem. § 23 Abs. 3 Satz 9 zweiter Halbsatz i. V. m. § 10d Abs. 4 Sätze 4 und 5 EStG in der Fassung bis zum JStG 2010 sowie Satz 6 EStG in der für die Streitjahre anzuwendenden Fassung (vgl. hierzu unter 3.).
Die Klage ist jedoch unbegründet, da die geltend gemachten Veräußerungsverluste keine Auswirkung auf die Höhe der mit den angefochtenen Bescheiden festgesetzten Einkommensteuer haben und zudem im Streitfall die alte Fassung des § 10d Abs. 4 Sätze 4 und 5 EStG Anwendung findet, nach der keine inhaltliche Bindungswirkung des jeweiligen Einkommensteuerbescheids für die Verlustfeststellungen entsprechend § 175 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 AO – wie nach der neuen Fassung – bestand.
a) Die streitigen Veräußerungsverluste haben keine Auswirkung auf die Höhe der mit den angefochtenen Bescheiden festgesetzten Einkommensteuer. Denn § 23 Abs. 3 Satz 8 (für 2007: Satz 7) erster Halbsatz EStG schließt einen vertikalen Verlustausgleich zwischen Veräußerungsverlusten und positiven Einkünften aus anderen Einkunftsarten aus (BFH-Urteil vom 11. November 2008 IX R 44/07, BFHE 223, 395, BStBl II 2010, 31). Auch innerhalb der privaten Veräußerungsgewinne bzw. –verluste findet kein Verlustausgleich mit einer Auswirkung auf die Einkommensteuerfestsetzung statt.
b) Der Kläger kann keine Änderung der Besteuerungsgrundlagen im Einkommensteuerbescheid beanspruchen, weil er damit eine Änderung der Verlustfeststellung entsprechend § 175 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 AO – wie nach der neuen Fassung des § 10d Abs. 4 Satz 4 EStG – nicht erreichen könnte.
aa) Im Streitfall findet § 23 Abs. 3 Satz 9 zweiter Halbsatz i. V. m. § 10d Abs. 4 Sätze 4 und 5 EStG in der Fassung bis zum JStG 2010 Anwendung.
Denn § 10d Absatz 4 Sätze 4 und 5 EStG i. d. F. des JStG 2010 gilt erstmals für Verluste, für die nach dem 13. Dezember 2010 eine Erklärung zur Feststellung des verbleibenden Verlustvortrags abgegeben wird (§ 52 Abs. 25 Satz 5 EStG i. d. F. des JStG 2010).
Der Kläger hat aber die streitgegenständlichen Verluste vor 2010 erklärt (Einkommensteuererklärung für 2006 eingegangen am 2. März 2007, für 2007 am 29. Juli 2009). Dabei spielt keine Rolle, bei welcher Einkunftsart die Verluste erklärt wurden (vgl. FG Köln, Urteil vom 16. Februar 2016 10 K 2574/15, EFG 2016, 1109, FG Münster, Urteil vom 21. Juli 2016 9 K 3457/15 E,F, EFG 2016, 1871, Hallerbach in: Herrmann/Heuer/Raupach, EStG/KStG, Stand Mai 2017, § 10d EStG Rn. 4, BFH-Urteil vom 8. April 2014 IX R 32/13, BFH/NV 2014, 1206).
Auch mit einem Antrag auf Änderung eines Verlustfeststellungsbescheids wird der Anwendungsbereich des neuen Rechts nicht eröffnet (BFH-Beschluss vom 4. April 2014 IX B 137/13, BFH/NV 2014, 1042).
bb) Gemäß § 23 Abs. 3 Satz 9 (für 2007: Satz 8) zweiter Halbsatz EStG (Fassung vom 13. Dezember 2006 JStG 2007, BGBl I 2006, 2878) gilt § 10d Abs. 4 EStG für Verluste aus privaten Veräußerungsgeschäften entsprechend. Gemäß § 10d Abs. 4 Satz 1, § 23 Abs. 3 Satz 9 zweiter Halbsatz EStG ist der am Schluss eines Veranlagungszeitraums verbleibende Verlustvortrag gesondert festzustellen. Verbleibender Verlustvortrag sind die nicht ausgleichbaren Veräußerungsverluste, vermindert um die nach § 10d Abs. 1, § 23 Abs. 3 Satz 9 EStG abgezogenen und die nach § 10d Abs. 2, § 23 Abs. 3 Satz 9 EStG abziehbaren Beträge und vermehrt um den auf den Schluss des vorangegangenen Veranlagungszeitraums festgestellten verbleibenden Verlustvortrag (§ 10d Abs. 4 Satz 2, § 23 Abs. 3 Satz 9 zweiter Halbsatz EStG). Nach § 10d Abs. 4 Satz 4, § 23 Abs. 3 Satz 9 zweiter Halbsatz EStG sind Feststellungsbescheide zu erlassen, aufzuheben oder zu ändern, soweit sich die nach Satz 2 zu berücksichtigenden Beträge ändern und deshalb der entsprechende Steuerbescheid zu erlassen, aufzuheben oder zu ändern ist (BFH-Urteil vom 11. November 2008 IX R 44/07, BFHE 223, 395, BStBl II 2010, 31). Nach § 10d Abs. 4 Satz 5, § 23 Abs. 3 Satz 9 zweiter Halbsatz EStG ist Satz 4 entsprechend anzuwenden, wenn der Erlass, die Aufhebung oder die Änderung des Steuerbescheids mangels steuerlicher Auswirkungen – wie im Streitfall – unterbleibt.
cc) Danach sind im Streitfall die vom Kläger geltend gemachten Veräußerungsverluste auch nicht in Hinblick auf eine Bindungswirkung der Besteuerungsgrundlagen des Einkommensteuerbescheids als Bezugsgröße – wenn auch ohne Auswirkung auf die festgesetzte Einkommensteuer – zu ändern. Anders als nach der Regelung des § 10d Abs. 4 Satz 4 EStG i. d. F. des JStG 2010 (vgl. dazu BFH-Urteil vom 12. Juli 2016 IX R 31/15, BFHE 255, 1) besteht nach der a. F. keine inhaltliche Bindung des Verlustfeststellungsbescheids an den Einkommensteuerbescheid ähnlich einem Grundlagenbescheid, sondern nur eine verfahrensrechtliche (s. dazu unten unter Nr. 3).
2. Auch die (hilfsweise für den Fall einer Abweisung der Klage wegen Einkommensteuer 2006 und 2007 erhobene) Klage wegen gesonderter Feststellung des verbleibenden Verlustabzugs zur Einkommensteuer zum 31. Dezember 2006 und 31. Dezember 2007 hat keinen Erfolg.
a) Die Klage ist zulässig. Das FA hat zwar die lt. Kläger insoweit erhobenen Einsprüche nicht durch Einspruchsentscheidung verbeschieden. Bei seiner Einspruchsentscheidung wegen Einkommensteuer 2006 und 2007 vom 7. Juli 2016 ging das FA aber davon aus, dass mangels Einspruchseinlegung keine Einspruchsverfahren gegen die Verlustfeststellungen anhängig seien. Die Erfolglosigkeit des Einspruchsbegehrens aufgrund dieser inhaltlichen Auseinandersetzung genügt für ein abgeschlossenes Vorverfahren i. S. d. § 44 FGO (vgl. BFH-Urteile vom 8. Februar 1974 III R 140/70, BFHE 112, 6, BStBl II 1974, 417; vom 13. Dezember 1994 VII R 46/94, BFH/NV 1995, 758).
b) Die Klage ist aber unbegründet. Denn die Verlustfeststellungsbescheide zum 31. Dezember 2006 und zum 31. Dezember 2007 vom 9. März 2011 sind bestandskräftig geworden. Die mit Schriftsatz der Prozessbevollmächtigten des Klägers vom 12. April 2011 eingelegten Einsprüche können nicht als solche gegen die Verlustfeststellungen ausgelegt werden.
aa) Prozessuale und außerprozessuale Rechtsbehelfe sind unter Beachtung des verfassungsrechtlichen Gebots zur Gewährung effektiven Rechtsschutzes auszulegen, wenn es an einer eindeutigen und zweifelsfreien Erklärung fehlt. Dies gilt grundsätzlich auch für Erklärungen rechtskundiger Personen. Der Umfang einer Einspruchseinlegung ist anhand des Einspruchsschreibens und ggf. der damals gegebenen Gesamtumstände zu beurteilen (BFH-Beschluss vom 24. August 2006 XI B 149/05, BFH/NV 2006, 2035).
bb) Anders als in den vom BFH mit Beschluss vom 6. Juli 2005 XI B 45/03, BFH/NV 2005, 2029, und vom FG München mit Gerichtsbescheid vom 14. April 2003 6 K 3609/01, juris, entschiedenen Fällen lässt schon die eindeutige Formulierung des Einspruchs der Prozessbevollmächtigten der Kläger keine Auslegung zu. Die Einkommensteuerbescheide 2006 und 2007 sind ausdrücklich als Anfechtungsgegenstand bezeichnet. Etwas anderes ergibt sich auch nicht aus der Begründung des Einspruchs, dass eine Berücksichtigung der Veräußerungsverluste als negative Einkünfte aus Kapitalvermögen begehrt werde, die – mangels ausreichender positiver Einkünfte – zu einer Änderung der Verlustfeststellungsbescheide geführt hätte. Denn die Einspruchseinlegung gegen die Einkommensteuerbescheide enthält ein selbständiges Begehren mit hoher steuerlicher Auswirkung. So lauteten die Einkommensteuerfestsetzungen 2006 und 2007 vor der Betriebsprüfung jeweils auf 0 €, nach der Betriebsprüfung hat das FA jedoch die Einkommensteuer in jeweils 6-stelliger Höhe festgesetzt.
Dieser Sachverhalt ist mit dem vom BFH mit Beschluss vom 6. Juli 2005 XI B 45/03, BFH/NV 2005, 2029 entschiedenen nicht vergleichbar, in dem der Einspruch gegen den Einkommensteuerbescheid schon unzulässig gewesen wäre. Im dortigen Sachverhalt hatte das FA einen geänderten Einkommensteuerbescheid erlassen, der indes unverändert auf 0 DM lautete, woraus die Steuerpflichtigen und ihre Berater entnehmen konnten, dass es für die Korrektur des Feststellungsbescheids nach Auffassung des FA auf die Änderung des Einkommensteuerbescheids und deren Rechtmäßigkeit maßgeblich ankomme (so auch in dem vom BFH mit Beschluss vom 24. August 2006 XI B 149/05, BFH/NV 2006, 2035 entschiedenen Fall).
Im Streitfall waren sogar in den vor der Betriebsprüfung ergangenen Verlustfeststellungsbescheiden zum 31. Dezember 2006 und zum 31. Dezember 2007 bereits ausdrücklich Verlustvorträge für die Einkünfte aus privaten Veräußerungsverlusten (darunter die vorgetragenen Verluste aus 2006, die in 2007 entstandenen Verluste waren hingegen nicht enthalten) aufgeführt. Diese Verluste aus 2006 wurden in den nach der Betriebsprüfung geänderten Verlustfeststellungsbescheiden nicht mehr berücksichtigt. Die in den geänderten Verlustfeststellungen liegende Beschwer war damit für die Prozessbevollmächtigten unmittelbar erkennbar und angreifbar.
Zwar ergibt sich nach BFH-Beschluss vom 6. Juli 2005 XI B 45/03, BFH/NV 2005, 2029 die Verpflichtung des FA und des FG zu einer rechtsschutzgewährenden Auslegung des Einspruchsschreibens in erhöhtem Maße aus der Unübersichtlichkeit und Komplexität der verfahrensrechtlichen Lage hinsichtlich des Verhältnisses zwischen dem Einkommensteuerbescheid einerseits und dem Bescheid über die gesonderte Feststellung des verbleibenden Verlustabzugs nach § 10d Abs. 4 EStG andererseits. Die Prozessbevollmächtigten des Klägers weisen aber selbst auf die Rechtsprechung des BFH mit Urteil vom 11. November 2008 IX R 44/07, BFHE 223, 395, BStBl II 2010, 31, hin, wonach der Einkommensteuerbescheid im Verfahren der gesonderten Feststellung nach § 10d Abs. 4, § 23 Abs. 3 Satz 9 zweiter Halbsatz EStG nicht Bezugspunkt für eine Änderung der nicht ausgleichbaren Veräußerungsverluste sein kann. Gerade vor diesem Hintergrund kann ein von einer rechtskundigen Person eindeutig formulierter Einspruch nicht dahin gehend ausgelegt werden, dass er sich (zumindest auch) gegen die Verlustfeststellungen richtet, selbst wenn sich die Frage stellt, ob diese Rechtsprechung nur für die erstmalige Verlustfeststellung gilt (vgl. FG München, Urteil vom 8. Juli 2010 5 K 465/10, juris). Dabei ist auch zu berücksichtigen, dass eine Einspruchseinlegung unschwer möglich ist.
3. Der Kläger beansprucht jedoch zu Recht die Änderung der Verlustfeststellungsbescheide zum Schluss der Veranlagungszeiträume 2006 und 2007 nach § 23 Abs. 3 Satz 9 zweiter Halbsatz i. V. m. § 10d Abs. 4 Sätze 4 und 5 EStG a. F. Dabei handelt es sich um eine Änderungsvorschrift i. S. d. § 172 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 Buchst. d AO (Loose in: Tipke/Kruse, AO/FGO, Stand Juli 2017, § 172 AO, Rn. 45).
a) Die Verlustfeststellungsbescheide zum Schluss der Veranlagungszeiträume 2006 und 2007 sind nach § 23 Abs. 3 Satz 9 zweiter Halbsatz i. V. m. § 10d Abs. 4 Satz 4 und 5 EStG a. F. zu ändern.
aa) Zwar ist nach der Rechtsprechung zu dieser Gesetzesfassung das Verfahren der gesonderten Feststellung nach § 10d Abs. 4 EStG gegenüber dem Festsetzungsverfahren selbständig (BFH-Beschluss vom 26. August 2010 X B 219/09, BFH/NV 2011, 50). Der Einkommensteuerbescheid kann zudem im Verfahren der gesonderten Feststellung nach § 10d Abs. 4, § 23 Abs. 3 Satz 9 zweiter Halbsatz EStG nicht Bezugspunkt für eine Änderung der nicht ausgleichbaren Veräußerungsverluste sein, da diese Beträge für die Festsetzung der Einkommensteuer irrelevant sind (BFH-Urteil vom 11. November 2008 IX R 44/07, BFHE 223, 395, BStBl II 2010, 31).
Nach der zum Fall der Änderung eines Verlustfeststellungsbescheids ergangenen Rechtsprechung verlangt § 10d Abs. 4 Satz 4 und Satz 5 EStG aber, dass wegen der Änderung der nach § 10d Abs. 4 Satz 2 EStG zu berücksichtigenden Beträge der entsprechende Steuerbescheid - hier der Einkommensteuerbescheid für 2006 bzw. 2007 - verfahrensrechtlich - d. h. gemäß §§ 164 f., §§ 172 ff. AO - zu ändern ist oder dies allein wegen fehlender steuerlicher Auswirkung unterbleibt (BFH-Urteile vom 21. August 2013 X R 20/10, BFH/NV 2014, 524; vom 22. Januar 2013 IX R 11/12, BFH/NV 2013, 1069).
bb) Im Streitfall haben sich in 2006 und 2007 die der Verlustfeststellung zugrunde liegenden nicht ausgleichbaren Verluste aus privaten Veräußerungsgeschäften und in 2007 zudem der Verlustabzug, somit nach § 10d Abs. 4 Satz 2, § 23 Abs. 3 Satz 9 zweiter Halbsatz EStG zu berücksichtigende Beträge geändert.
aaa) Grund der Änderung des Feststellungsbescheids ist die Fehlerhaftigkeit auch nur einer der in Abs. 4 Satz 2 genannten Bezugsgrößen, unabhängig von den Gründen. Der Fehler kann im Rechtlichen wie im Tatsächlichen liegen (vgl. v. Groll in Kirchhof/ Söhn/ Mellinghoff, EStG, Stand April 1995, § 10d Rn. D 100; Hallerbach in Herrmann/ Heuer/ Raupach, EStG Stand Oktober 2005, § 10d Rn. 127; vgl. auch die den BFH-Urteilen vom 21. August 2013 X R 20/10, BFH/NV 2014, 524, dort unter II.3.a, vom 22. Januar 2013 IX R 11/12, BFH/NV 2013, 1069 zugrunde liegenden Fälle). Denn schon aus dem Wortlaut des § 10d Abs. 4 Sätze 4 und 5 EStG ergibt sich keine Einschränkung der Änderungsmöglichkeit (vergleichbar dem Wortlaut anderer Korrekturvorschriften wie z. B. § 173 AO). Nach Auffassung des Senats hängt lediglich dann, wenn – anders als hier – die Einkommensteuerfestsetzung bestandskräftig ist, eine Änderung der Verlustfeststellung (mittelbar) davon ab, dass andere Korrekturvorschriften erfüllt sind. Denn in diesem Fall muss die Einkommensteuerfestsetzung nach einer Korrekturvorschrift änderbar sein, damit die Verlustfeststellung gem. § 10d Abs. 4 Sätze 4 und 5 EStG zu ändern ist.
bbb) Dies zugrunde gelegt, sind nach Ergehen der BFH-Urteile vom 20. August 2013 IX R 38/11, BFHE 242, 386, BStBl II 2013, 1021, und vom 5. November 2014 VIII R 28/11, BFHE 248, 5, BStBl II 2015, 276, im Streitfall – materiell-rechtlich und auch der Höhe nach unstreitig – (weitere) Verluste aus privaten Veräußerungsgeschäften in Höhe von 1.347.303,74 € zum 31. Dezember 2006 und 2.261.319,60 € zum 31. Dezember 2007 zu berücksichtigen.
cc) Die Einkommensteuerfestsetzungen für 2006 und 2007 sind wegen der gegen sie erhobenen Klage (10 K 2312/16) noch nicht bestandskräftig geworden und damit im Zeitpunkt der Entscheidung noch verfahrensrechtlich änderbar. Nachdem § 23 Abs. 3 Satz 8 (für 2007: Satz 7) erster Halbsatz EStG einen vertikalen Verlustausgleich zwischen Veräußerungsverlusten und positiven Einkünften aus anderen Einkunftsarten ausschließt, eine Auswirkung auf die Höhe der Einkommensteuer also ausscheidet (BFH-Urteil vom 11. November 2008 IX R 44/07, BFHE 223, 395, BStBl II 2010, 31), kommt insofern eine Änderung der Verlustfeststellungsbescheide nach § 10d Abs. 4 Satz 5 EStG in Betracht.
b) In Bezug auf die streitigen Verlustfeststellungsbescheide ist noch keine Feststellungsverjährung eingetreten.
Nach § 10d Abs. 4 Satz 6 erster Halbsatz, § 23 Abs. 3 Satz 9 zweiter Halbsatz EStG endet die Feststellungsfrist nicht, bevor die Festsetzungsfrist für den Veranlagungszeitraum abgelaufen ist, auf dessen Schluss der verbleibende Verlustvortrag gesondert festzustellen ist. Im Streitfall ist die Feststellungsverjährung nach dieser Vorschrift gehemmt. Denn wegen des im Zeitpunkt der Entscheidung anhängigen Klageverfahrens gegen die Einkommensteuerbescheide 2006 und 2007 (10 K 2312/16) war die Festsetzungsfrist gem. § 171 Abs. 3a AO noch nicht abgelaufen. § 10d Abs. 4 Satz 6 wurde durch Art. 1 Nr. 9 JStG 2007 vom 13. Dezember 2006 (BGBl I 2006, 2878) mit Wirkung vom 19. Dezember 2006 eingefügt; nach § 52 Abs. 25 Satz 5 EStG (i. d. F. des JStG 2007) gilt diese Regelung für alle bei Inkrafttreten dieses Gesetzes noch nicht abgelaufenen Feststellungsfristen – wie hier für die Streitjahre 2006 und 2007.
4. Die Kostenentscheidung beruht auf § 136 Abs. 1, § 137 Satz 2 FGO (vgl. Ratschow in Gräber, FGO, 8. Aufl. 2015, vor § 135 Rn. 160 „Gesonderte Feststellung“). Die Kosten der Klage wegen Einkommensteuer 2006 und 2007 waren dem FA aufzuerlegen, da der Kläger die Änderung der Verlustfeststellungen zum 31. Dezember 2006 und zum 31. Dezember 2007 schon 2015 beantragt hatte und die Einkommensteuerfestsetzungen nicht mehr hätte offen halten müssen, wenn das FA entsprechend seiner gesetzlichen Verpflichtung die Verlustfeststellungen geändert hätte.
5. Der Ausspruch über die vorläufige Vollstreckbarkeit hinsichtlich der Kosten und über den Vollstreckungsschutz folgt aus § 151 Abs. 1 Satz 1 Halbsatz 1, Abs. 3 FGO i. V. m. §§ 708 Nr. 10, 711 Zivilprozessordnung.
6. Die Revision war zuzulassen gem. § 115 Abs. 2 Nr. 1 FGO.