Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Text=BFH/NV%202006,%20544
Timestamp: 2019-10-18 12:45:37
Document Index: 34456894

Matched Legal Cases: ['§ 3', '§ 3', '§ 850', 'BGH', 'BGH', '§ 850']

BFH, 02.12.2005 - VI R 16/03 - dejure.org
https://dejure.org/2005,5252
BFH, 02.12.2005 - VI R 16/03 (https://dejure.org/2005,5252)
BFH, Entscheidung vom 02.12.2005 - VI R 16/03 (https://dejure.org/2005,5252)
BFH, Entscheidung vom 02. Dezember 2005 - VI R 16/03 (https://dejure.org/2005,5252)
Tipp: Um den Kurzlink (hier: https://dejure.org/2005,5252) schnell in die Zwischenablage zu kopieren, können Sie die Tastenkombination Alt + R verwenden - auch ohne diesen Bereich zu öffnen.
Arbeitgeberbeiträge für angestellten Gesellschafter
BFH/NV 2006, 544
Allerdings sind Gesellschafter-Geschäftsführer, die mindestens 50% des Stammkapitals der GmbH innehaben, regelmäßig Selbständige im Sinne des Sozialversicherungsrechts (Anschluss an BFH-Urteil vom 2. Dezember 2005 VI R 16/03, BFH/NV 2006, 544).
Die Auffassung steht insbesondere nicht im Widerspruch zu der Entscheidung des BFH vom 2. Dezember 2005 VI R 16/03 (BFH/NV 2006, 544), in der der erkennende Senat ausgeführt hat, dass GmbH-Gesellschafter regelmäßig dann, wenn sie zugleich Geschäftsführer der Gesellschaft sind und mindestens 50% des Stammkapitals innehaben, Selbständige sind.
Damit hat der BFH in seinem Urteil in BFH/NV 2006, 544 lediglich entschieden, dass Gesellschafter-Geschäftsführer, die mindestens 50% des Stammkapitals der GmbH innehaben, regelmäßig Selbständige im Sinne des Sozialversicherungsrechts sind.
a) Die Frage, ob ein Steuerpflichtiger eine Tätigkeit selbständig oder nichtselbständig ausübt, ist anhand einer Vielzahl in Betracht kommender Merkmale nach dem Gesamtbild der Verhältnisse zu beurteilen (ständige Rechtsprechung, vgl. u.a. BFH-Urteile vom 14. April 2010 XI R 14/09, BFHE 230, 245; vom 25. Juni 2009 V R 37/08, BFHE 226, 415, BStBl II 2009, 873; vom 23. April 2009 VI R 81/06, BFHE 225, 33; vom 14. Mai 2008 XI R 70/07, BFHE 221, 517, BStBl II 2008, 912; vom 2. Dezember 2005 VI R 16/03, BFH/NV 2006, 544; vom 10. März 2005 V R 29/03, BFHE 209, 162, BStBl II 2005, 730; vom 9. Oktober 1996 XI R 47/96, BFHE 182, 384, BStBl II 1997, 255; vom 14. Juni 1985 VI R 150-152/82, BFHE 144, 225, BStBl II 1985, 661, jeweils m.w.N.).
GmbH-Gesellschafter sind regelmäßig Selbständige, wenn sie zugleich Geschäftsführer der Gesellschaft sind und mindestens 50 v.H. des Stammkapitals innehaben (BFH-Urteil in BFH/NV 2006, 544).
Der BFH darf als Revisionsgericht seine eigene Würdigung nicht an die Stelle der noch vertretbaren Würdigung des FG setzen (z.B. BFH-Urteil vom 2. Dezember 2005 VI R 16/03, BFH/NV 2006, 544).
Die Frage, ob der Arbeitgeber gesetzlich zur Zahlung von Arbeitgeberanteilen zur Sozialversicherung verpflichtet ist, entscheidet sich nach sozialversicherungsrechtlichen Vorschriften (BFH-Urteil vom 2. Dezember 2005 VI R 16/03, BFH/NV 2006, 544; Bergkemper in Herrmann/Heuer/Raupach, § 3 Nr. 62 EStG Rz 2).
Der BFH darf als Revisionsgericht seine eigene Würdigung nicht an die Stelle der noch vertretbaren Würdigung des FG setzen (z.B. BFH-Urteile vom 2. Dezember 2005 VI R 16/03, BFH/NV 2006, 544, und in BFHE 221, 182, BStBl II 2008, 933).
b) Es ist auch nicht entscheidend in welchem Verhältnis der Geschäftsführer an der GmbH beteiligt ist (a. A. wohl BFH vom 02.12.2005, VI R 16/03, BFH/NV 2006, 544, HFR 2006, 47, wonach GmbH-Gesellschafter regelmäßig dann, wenn sie zugleich Geschäftsführer der Gesellschaft sind und mindestens 50 v.H. des Stammkapitals innehaben, Selbständige sind).
In seinem Urteil vom 2. Dezember 2005 (VI R 16/03, BFH/NV 2006, 544) hat der VI. Senat lediglich entschieden, dass Gesellschafter-Geschäftsführer, die mindestens 50 % des Stammkapitals der GmbH innehaben, regelmäßig Selbständige im Sinne des Sozialversicherungsrechts sind.
Ausgenommen sind hiervon die gesetzlich geschuldeten Arbeitgeberanteile zur Gesamtsozialversicherung, weil deren Entrichtung nicht als Gegenleistung für die Arbeitsleistung zu beurteilen ist (Bundesfinanzhof -BFH-Urteil vom 2. Dezember 2005 VI R 16/03, BFH/NV 2006, 544).
Dieser Rechtsansicht folgt auch die finanzgerichtliche Rechtsprechung (BFH-Urteil vom 2. Dezember 2005, a.a.O.; Hessisches Finanzgericht Urteil vom 2. Juli 1996, 2 K 1187/94, EFG 1996, 1201; Finanzgericht Baden-Württemberg Urteil vom 8. September 1994, 3 K 285/88, EFG 1995, 194).
Insoweit hat § 3 Nr. 62 EStG nur deklaratorische Bedeutung, denn hinsichtlich des Arbeitgeber-Anteils am Gesamtsozialversicherungsbeitrag sind die Ausgaben des Arbeitgebers für die Zukunftssicherung des Arbeitnehmers aus Sicht des Arbeitnehmers schon nicht steuerbar, da sie nicht Bestandteil des Arbeitslohns sind (BFH-Urteile vom 27.3.1992 VI R 35/89, BStBl II 1992, 663; vom 2.12.2005 VI R 16/03, BFH/NV 2006, 544 und in BStBl II 2003, 34).
Alleingesellschafter und Geschäftsführer einer GmbH - wie im Streitfall der Kläger - sind aber als Selbständige zu behandeln (BFH-Urteile vom 2. Dezember 2005 VI R 16/03, BFH/NV 2006, 544; vom 20. Oktober 2010 VIII R 34/08, n.v. juris; BSG-Urteil vom 23. Juni 1994 12 RK 72/92, NJW 1994, 2974) und diese genießen den Pfändungsschutz für Arbeitnehmereinkommen gemäß § 850 Abs. 3 Buchst. b ZPO nicht (BGH-Beschluss vom 15. November 2007 IX ZB 34/06, ZInsO 2008, 40; BGH-Urteil vom 15. Juli 2010 IX ZR 132/09; ZInsO 2010, 1485;… Baumbach/Lauterbach/Albers/Hartmann, ZPO, 67. Aufl. 2009, § 850 Rz. 14).