Source: https://www.hbz.uzh.ch/de/open-access-und-open-science/urheberrecht-copyright/rechtsgutachten/faqs-zum-rechtsgutachten/selbstarchivierung.html
Timestamp: 2019-02-21 19:37:18
Document Index: 6100749

Matched Legal Cases: ['Art. 382', 'Art. 382', 'Art. 382', 'Art. 382', 'Art. 7', 'Art. 10']

UZH - HBZ - Selbstarchivierung von Publikationen
Universität Zürich Hauptbibliothek Data Services & Open Access Urheberrecht/Copyright Rechtsgutachten FAQs Rechtsgutachten Selbstarchivierung von Publikationen
1. Darf ich meine bereits in einer Zeitschrift veröffentlichten Artikel auf dem Dokumentenserver meiner Einrichtung, auf einem fachlichen Dokumentenserver oder auf meiner Homepage veröffentlichen?
Andernfalls kommen die Bestimmungen des Verlagsvertragsrechts des schweizerischen Obligationenrechts zur Anwendung. Dort lautet Art. 382 Abs. 3 OR: „Beiträge an Sammelwerke oder grössere Beiträge an Zeitschriften darf der Verlaggeber nicht vor Ablauf von drei Monaten nach dem vollständigen Erscheinen des Beitrages weiter veröffentlichen.“ Daher darf der Autor wissenschaftliche Aufsätze wie etwa Zeitschriftenartikel, soweit sie vertieft ein Thema behandeln, drei Monate nach dem vollständigen Erscheinen in einem Repositorium oder anderen Server veröffentlichen. Dabei ist sicher die Autorenversion (akzeptiertes Manuskript) zulässig. Nach Meinung des Rechtsgutachtens von Reto Hilty und Matthias Seemann kann auch die vom Verlag publizierte Version verwendet werden (Verlags-PDF), allerdings ohne kennzeichenrechtlich geschützte Verlagslogos. Es gibt zu dieser Frage des Formats aber keine gefestigte Gerichtspraxis.
Zu beachten ist, dass bei internationalen Verhältnissen, beispielsweise bei einem Dokumentenserver im Ausland, eventuell eine ausländische Rechtsordnung zur Anwendung gelangt (Abschnitt D).
2. Darf ich Beiträge, die ich in Sammelwerken (z.B. Festschriften) veröffentlicht habe, auf dem Dokumentenserver meiner Einrichtung, auf einem fachlichen Dokumentenserver oder auf meiner Homepage veröffentlichen?
Andernfalls kommen die Bestimmungen des Verlagsvertragsrechts des schweizerischen Obligationenrechts zur Anwendung. Dort lautet Art. 382 Abs. 3 OR: „Beiträge an Sammelwerke oder grössere Beiträge an Zeitschriften darf der Verlaggeber nicht vor Ablauf von drei Monaten nach dem vollständigen Erscheinen des Beitrages weiter veröffentlichen.“ Daher darf der Autor wissenschaftliche Aufsätze wie etwa Buchbeiträge, soweit sie vertieft ein Thema behandeln, drei Monate nach dem vollständigen Erscheinen in einem Repositorium oder anderen Server veröffentlichen. Dabei ist sicher die Autorenversion (akzeptiertes Manuskript) zulässig. Nach Meinung des Rechtsgutachtens von Reto Hilty und Matthias Seemann kann auch die vom Verlag publizierte Version verwendet werden (Verlags-PDF), allerdings ohne kennzeichenrechtlich geschützte Verlagslogos. Es gibt zu dieser Frage des Formats aber keine gefestigte Gerichtspraxis.
3. Darf ich Aufsätze, die ich in einer Zeitung veröffentlicht habe, auf dem Dokumentenserver meiner Einrichtung, auf einem fachlichen Dokumentenserver oder auf meiner Homepage veröffentlichen?
Andernfalls kommen die Bestimmungen des Verlagsvertragsrechts des schweizerischen Obligationenrechts zur Anwendung. Dort lautet Art. 382 Abs. 2 OR: „Zeitungsartikel und einzelne kleinere Aufsätze in Zeitschriften darf der Verlaggeber jederzeit weiter veröffentlichen.“ Das bedeutet, dass aktualitätsbezogene Berichte, z.B. Zeitungsartikel, vom Autor jederzeit in einem Repositorium oder anderen Server veröffentlicht werden dürfen. Dabei ist sicher die Autorenversion (akzeptiertes Manuskript) zulässig. Nach Meinung des Rechtsgutachtens von Reto Hilty und Matthias Seemann kann auch die vom Verlag publizierte Version verwendet werden (Verlags-PDF), allerdings ohne kennzeichenrechtlich geschützte Verlagslogos. Es gibt zu dieser Frage des Formats aber keine gefestigte Gerichtspraxis.
4. Was ist rechtlich bei der Open-Access-Selbstarchivierung bereits veröffentlichter Monografien zu beachten?
Andernfalls kommen die Bestimmungen des Verlagsvertragsrechts des schweizerischen Obligationenrechts zur Anwendung. Dort lautet Art. 382 Abs. 1 OR: „Solange die Auflagen des Werkes, zu denen der Verleger berechtigt ist, nicht vergriffen sind, darf der Verlaggeber weder über das Werk im Ganzen noch über dessen einzelne Teile zum Nachteile des Verlegers anderweitig verfügen.“ Daher darf der Autor Werke wie Monografien oder Lehrbücher nicht in Konkurrenz zum Verlag in einem Repositorium offen hinterlegen, solange die Auflage nicht vergriffen ist. Nicht korrekt zitierfähige Versionen, die keine echte Konkurrenz bedeuten, sind erlaubt, z.B. Files ohne Originalseitenzahlen in Fächern, in denen seitengenau zitiert wird.
5. Wie kann ich meine Dissertation mit Open Access veröffentlichen?
Die meisten schweizerischen Universitäten ermöglichen die elektronische Publikation von Dissertationen. Zuständig für die digitale Publikation sind in der Regel die Hochschulbibliotheken, dort erhalten Sie die notwendigen Informationen. Als Autor haben Sie das Recht, ihre Dissertation unter eine freie Lizenz zu stellen.
6. Reicht es bei einem Artikel mit mehreren Autor/innen aus, wenn ein/e von ihnen der Veröffentlichung auf einem Dokumentenserver zustimmt?
Wurde ein Verlagsvertrag abgeschlossen, so ist zuerst abzuklären, ob eine solche Hinterlegung des Werks auf einem Repositorium zulässig ist. Ist dies der Fall, so müssen für die Veröffentlichung auf einem Dokumentenserver, wie für die Rechteübertragung an die jeweilige Institution, alle Urheber zustimmen. Möglicherweise haben jedoch die Autoren einen unter ihnen beauftragt, der für alle zusammen sprechen kann. Dann ist diese Person berechtigt, Rechte zu übertragen (Art. 7 Abs. 2 URG).
7. Darf man Werke, die vom Verlag frei zugänglich im Internet angeboten werden, offen in einem Repositorium hinterlegen?
Nein. Eine Erlaubnis zur Zugänglichmachung dieser Werke kann aus einem solchen Verhalten des Verlags nicht abgeleitet werden (Art. 10 Abs. 2 lit. c URG).
8. Darf der Autor seine Werke, wenn sie urheberrechtlich dem Verlag gehören, in einer leicht veränderten Form auf einem Repositorium offen hinterlegen?
Nein. Insbesondere darf auch die Nutzung des Werks in einem anderen Layout, z.B. unter Weglassen der Verlagslogos und Verlagsseitenzahlen, nicht ohne Zustimmung des Verlags erfolgen.
9. Ein Artikel aus einer Zeitschrift oder Sammelband enthält Bilder, dessen Rechte nicht beim Verlag, sondern einer Verwertungsgesellschaft wie Pro Litteris liegen. Wie muss der Autor vorgehen, um den Artikel in einem Repositorium zu veröffentlichen?
Zusätzlich zu den in Fragen 1 und 2 beschriebenen Aspekten ist abzuklären, ob die Verwertungsgesellschaft den Verlag ermächtigt hat, die Rechte an den Bildern für weitere Veröffentlichungen zu gewähren, und ob der Verlag dem Autor diese Rechte einräumt. In der Regel ist dies nicht der Fall, sodass der Autor häufig eine Erlaubnis bei der Verwertungsgesellschaft einholen muss, was mit Kosten verbunden ist. Aus diesen Gründen kann es angebracht sein, auf dem Repositorium den Text ohne Bilder zu veröffentlichen.