Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Gericht=BGH&Datum=17.11.1994&Aktenzeichen=IX%20ZR%20208/93
Timestamp: 2019-05-26 04:20:55
Document Index: 109254448

Matched Legal Cases: ['BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 675', '§ 254', '§ 65', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH']

BGH, 17.11.1994 - IX ZR 208/93 - dejure.org
https://dejure.org/1994,1737
BGH, 17.11.1994 - IX ZR 208/93 (https://dejure.org/1994,1737)
BGH, Entscheidung vom 17.11.1994 - IX ZR 208/93 (https://dejure.org/1994,1737)
BGH, Entscheidung vom 17. November 1994 - IX ZR 208/93 (https://dejure.org/1994,1737)
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Versicherungsschutzklage - Aufklärungspflicht des Anwalts - Fristwahrung - Mitverschulden des Mandanten - Zeitpunkt der Klage
BGB § 675, § 254; GKG § 65 Abs. 7 Nr. 4
Belehrungspflichten des mit einer Versicherungsschutzklage beauftragten Rechtsanwalts; Rechtsfolgen und Schadensersatz bei Versäumung der Klagefrist
NJW-RR 1995, 252
MDR 1995, 315
VersR 1995, 336
WM 1995, 212
Anders ist dies jedoch, wenn eine Schadensursache im Bereich der Eigenverantwortung des Geschädigten entstanden ist und dieser diejenige Sorgfalt außer acht gelassen hat, die nach der Sachlage erforderlich erschien, um sich selbst vor Schaden zu bewahren (BGH, Urt. v. 17. November 1994 - IX ZR 208/93, WM 1995, 212, 213 f, m.w.N.).
Nach Klärung der dafür maßgeblichen tatsächlichen Umstände wird das Berufungsgericht die beiderseitigen Schadensbeiträge gegeneinander abzuwägen haben (vgl. dazu BGH, Urt. v. 17. November 1994 - IX ZR 208/93, WM 1995, 212, 214).
Deshalb kommt ein Mitverschulden auch eines rechtskundigen Mandanten grundsätzlich nicht in Betracht, soweit es um die rechtliche Bearbeitung des dem Anwalt anvertrauten Falles geht (…BGH, Urt. v. 19. Dezember 1991 - IX ZR 41/91, NJW 1992, 820; v. 17. November 1994 - IX ZR 208/93, WM 1995, 212, 213 f).
Regelmäßig trifft jedoch denjenigen, der sich auf den Rat eines Fachmanns verlassen hat, auch dann kein Mitverschulden, wenn er die Unrichtigkeit oder Unzulässigkeit des von diesem vorgeschlagenen oder in die Wege geleiteten Vorgehens bei genügender Sorgfalt hätte erkennen können (Senatsurteil vom 17. November 1994 - IX ZR 208/93, WM 1995, 212, 213 f).
Wenn der Kläger dem Beklagten gegenüber diese Behauptungen aufgestellt hat, die Behauptungen falsch waren und der Kläger dies erkennen konnte, kann ihn deswegen ein Mitverschuldensvorwurf treffen (…vgl. hierzu BGH, Urt. v. 28. Oktober 1993 - IX ZR 252/92, NJW 1994, 217, 218; v. 17. November 1994 - IX ZR 208/93, WM 1995, 212, 214).
Wenn der Beklagte die Klägerin zutreffend über die rechtlichen und wirtschaftlichen Risiken der verschiedenen denkbaren Handlungsweisen belehrt hätte, wäre sie - entsprechend dem Grundsatz vom beratungsrichtigen Verhalten (BGHZ 123, 311, 314 ff; BGH, Urt. v. 17. November 1994 - IX ZR 208/93, WM 1995, 212, 213) - bestrebt gewesen, die Voraussetzungen für das Zustandekommen des Vertrages mit DC und dessen Durchführung zu schaffen.
Daß der Kläger zu 2 selbst Jurist ist und damals bei der Finanzverwaltung tätig war ändert daran nichts (vgl. BGH, Urt. v. 17. November 1994 - IX ZR 208/93, WM 1995, 212, 213 f m.w.N.).
Es besteht eine tatsächliche Vermutung dafür, dass derjenige, der einen anderen wegen seiner besonderen Sachkunde um Rat fragt, sich beratungsgemäß verhalten hätte, wenn er von diesem zutreffend aufgeklärt und beraten worden wäre (…vgl. BGH, Urt. v. 30.03.2000, Az.: IX ZR 53/99; Urt. v. 17.11.1994, Az.: IX ZR 208/93).
Etwas anderes gilt nur dann, wenn er etwas versäumt, was in den Bereich seiner Eigenverantwortung fällt (Senatsurt. v. 17. Oktober 1991 - IX ZR 255/90, WM 1992, 62, 66, insoweit in BGHZ 115, 382 nicht abgedruckt; v. 17. November 1994 IX ZR 208/93, WM 1995, 212, 214), insbesondere wenn er es unterläßt, den Berater wahrheitsgemäß und vollständig über den maßgeblichen Sachverhalt zu unterrichten (Senatsurt. v. 20. Juni 1996 - IX ZR 106/95, WM 1996, 1832, 1835 f).
Nach der höchstrichterlichen Rechtsprechung kann ein haftpflichtiger Berater seinem geschädigten Mandanten im Allgemeinen kein Mitverschulden vorwerfen, soweit er den entstandenen Schaden nach dem Vertragsinhalt - vor allem im rechtlichen Bereich - zu verhindern hatte (BGH, Urt. v. 17. November 1994 - IX ZR 208/93, WM 1995, 212, 213; v. 17. Januar 2002 - IX ZR 182/00, NJW 2002, 1048, 1049; v. 24. Mai 2005 - IX ZR 276/03, WM 2005, 1902, 1903).