Source: https://www.ra-kotz.de/geldtransfer_ins_ausland.htm
Timestamp: 2018-08-20 22:29:51
Document Index: 69247004

Matched Legal Cases: ['§ 12', '§ 261', '§ 12', '§ 12', '§ 261', '§ 1', '§ 209', '§ 1', '§ 808', '§ 12']

OLG KARLSRUHE – 2. Senat für Bußgeldsachen
Az.: 2 Ss 226/00
Vorinstanz: Amtsgericht Freiburg – Az.: 23 0Wi AK 56/00
Wer auf die Frage eines Zollbeamten: „Ob Bargeld oder sonstige Wertgegenstände von 30.000 DM oder mehr mitgeführt werden“, nicht wahrheitsgemäß antwortet, wenn er aus der Bundesrepublik Deutschland ausreist, kann zu einem erheblichen Bußgeld (hier 140.000 DM Bußgeld – bei 1,4 Mio. DM im Auto) verurteilt werden. Nach Ansicht des Oberlandesgerichts Karlsruhe (Az.: 2 Ss 226/00 – rechtskräftig!) gilt dies auch dann, wenn das mitgeführte Geld nicht aus „illegalen Quellen“ stammt.
Im Gegensatz zu den Regelungen in den USA oder in Frankreich wird bei der Ausfuhr von Bargeld aus der BRD weder eine vorherige schriftliche Anmeldung noch eine Selbstanmeldung mitgeführter Bargeldbeträge verlangt. Erforderliche Angaben müssen erst auf Verlangen eines Zollbeamten getätigt werden.
Bußgeldsache gegen XX wegen Verstoßes gegen das Finanzverwaltungsgesetz
Oberlandesgericht Karlsruhe Karlsruhe, 06. April 2001
Mit viel Geld ins Ausland kann teuer werden Festsetzung einer Geldbuße von DM 140.000 rechtskräftig
Die Frage von Zollbeamten bei der Ausreise aus der Bundesrepublik Deutschland, ob Bargeld oder sonstige Wertgegenstände von DM 30.000 oder mehr mitgeführt wird, sollte wahrheitsgemäß beantworten t Ansonsten droht ein erhebliches Bußgeld.
Dies bekam jetzt ein 62 jähriger Unternehmer aus Nordrhein-Westfalen zu spüren, der im Dezember 1999 Gelder in Höhe von DM 1.400.000 in die Schweiz transferieren wollte. Die an ihn von Zollbeamten beim Grenzübergang Weil am Rhein/Autobahn gerichtete Frage, „führen Sie Bargeld oder sonstige Wertgegenstände von mehr als DM 30.000 mit sich“, verneinte der Betroffene, obwohl er tatsächlich unter der Teppichverkleidung im Fußbodenbereich seines Fahrzeugs DM 1.100.000 und in dem Hohlraum eines Lautsprechers weitere DM 300.000 versteckt hatte. Die Beamten glaubten dies nicht und entdeckten bei der Durchsuchung des Kraftfahrzeugs die Geldscheine. Nachdem der Betroffene die Herkunft der Zahlungsmittel mittels eines Bankauszahlungsbeleges nachweisen konnte, durfte er seine Fahrt fortsetzen. Von dem aufgefundenen Geld behielt die Zollbehörde allerdings einen Betrag von DM 353.000 als Sicherheitsleistung ein.
Nach den getroffenen Feststellungen wollte der Betroffene die Gelder unkontrolliert aus der Bundesrepublik Deutschland herausschaffen und in der Schweiz anlegen, um künftige Erträge hieraus nicht versteuern zu müssen. Der Betroffene habe – so das Amtgericht entgegen der ihm ausdrücklich bekannt gegebenen gesetzlichen Verpflichtung die bei sich geführten Geldbeträge auf Frage der Zollbeamten verschwiegen und deshalb eine Ordnungswidrigkeit nach §§ 12 a Abs. 2 , 12 c FVG begangen. Dass das Geld nicht aus illegalen Geschäften stamme, sondern aus dem Verkauf eines Hauses bzw. den Erlösen aus einer Versicherung herrühre, sei unerheblich; denn die Pflicht zur Offenbarung mitgeführter Gelder und Wertgegenstände von mehr als DM 30.000 bestehe auch dann, wenn diese Beträge nicht aus illegalen Geschäften, wie etwa der Geldwäsche (§ 261 StGB), stammten. Hinsichtlich der Höhe des Bußgeldes hat das Amtsgericht einen besonders schweren Fall angenommen, weil der Betroffene die Zahlungsmittel im Auto versteckt hatte, und deshalb eine Geldbuße von 10% des mitgeführten Betrages, mithin also DM 140.000 von DM 1.400.000, als angemessen angesehen.
Oberlandesgericht Karlsruhe, Beschluss vom 20.03.2001, – 2 Ss 226100 Hinweis: Die Bestimmungen der §§ 12 a, 12 c FVG wurden durch das Gesetz zur Verbesserung der Bekämpfung der Organisierten Kriminalität vom 04.Mai 1998 eingeführt (Bundesgesetzblatt 1998, Band I, Seite 845 ff.). Sie sind seit 09.Mai 1998 in Kraft. Hintergrund der Novellierung waren kriminalpolizeiliche Erkenntnisse, dass gerade im Bereich der Organisierten Kriminalität Bargeld in erheblichem Umfang und mit zunehmender Häufigkeit durch Kuriere transportiert wird (Quelle: Jürgen Meyer NJW 1998, 1017 ff.). Den Zollämtern wurde damit auch die Aufgabe zugewiesen, die international organisierte Geldwäsche sowie damit zusammenhängende Straftaten zu erforschen. Im Gegensatz zu den Regelungen in den USA oder in Frankreich wird bei der Ausfuhr von Bargeld aber weder eine vorherige schriftliche Anmeldung noch eine Selbstanmeldung mitgeführter Bargeldbeträge verlangt, vielmehr sind die erforderliche Angaben erst auf Verlangen von Zollbediensteten abzugeben.
§ 12 a FVG (Aufgaben und Befugnisse der Zollbehörden bei der Überwachung des grenzüber
schreitenden Bargeldverkehrs)
(1) Zur Verhinderung und Verfolgung der Geldwäsche nach § 261 StPO wird unbeschadet der
§§ 1,10,11,12 des Zollverwaltungsgesetzes und der §§ 209 bis 211 der Abgabenordnung die Einfuhr, Ausfuhr und Durchfuhr in das, aus dem und durch das Zollgebiet der europäischen Gemeinschaften sowie das sonstige Verbringen von Bargeld oder gleichgestellten Zahlungsmitteln in den, aus dem und durch den Geltungsbereich dieses Gesetzes zollamtlich überwacht. Dem Bargeld gleichgestellte Zahlungsmittel sind Wertpapiere im Sinne des § 1 Abs.1 des Depotgesetzes und § 808 des Bürgerlichen Gesetzbuches, Schecks, Wechsel, Edelmetalle und Edelsteine.
(2) Auf Verlangen der Zollbediensteten haben Personen Bargeld oder gleichgestellte Zahlungsmittel im Wert von 30.000 Deutsche Mark oder mehr, die sie in die, aus den oder durch die in Absatz 1 bezeichneten Gebiete verbringen oder befördern, nach Art, Zahl und Wert anzuzeigen sowie die Herkunft, den wirtschaftlich Berechtigten und den Verwendungszweck darzulegen.
(1) Ordnungswidrig handelt, wer vorsätzlich oder fahrlässig entgegen § 12 a Abs.2 Satz 1 das
mitgeführte Bargeld oder die gleichgestellten Zahlungsmittel auf Verlangen des zuständigen Beamten des Zolldienstes oder des Bundesgrenzschutzes nicht oder nicht vollständig anzeigt.
(3) In besonders schweren Fällen kann die Ordnungswidrigkeit mit einer Geldbuße bis zur Höhe
des Betrages des Wertes der mitgeführten, nicht angezeigten Zahlungsmittel geahndet werden. Ein besonders schwerer Fall liegt in der Regel vor, wenn der Täter
1. das Zahlungsmittel am Körper, in der Kleidung, im Gepäck, in einem Transportmittel
oder sonst auf schwer zu entdeckende Weise verbirgt,
2. bei der Beförderung der Zahlungsmittel eine Schusswaffe bei sich führt, 3. bei der Beförderung der Zahlungsmittel eine Waffe oder sonst ein Werkzeug oder Mittel
bei sich führt, um den Widerstand eines anderen durch Gewalt oder Drohung mit Gewalt zu verhindern oder zu überwinden.