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Timestamp: 2020-08-08 15:38:41
Document Index: 245098324

Matched Legal Cases: ['§ 130', '§ 130', '§ 85', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH']

Die elektronisch von der Angestellten übermittelte Berufungsbegründung | Rechtslupe
Die elektronisch von der Angestellten übermittelte Berufungsbegründung
Die elek­tro­nisch von der Ange­stell­ten über­mit­tel­te Beru­fungs­be­grün­dung
Bei einer elek­tro­nisch über­mit­tel­ten Beru­fungs­be­grün­dung muss die qua­li­fi­zier­te elek­tro­ni­sche Signa­tur grund­sätz­lich durch einen zur Ver­tre­tung bei dem Beru­fungs­ge­richt berech­tig­ten Rechts­an­walt erfol­gen. Die­ses Form­erfor­der­nis ist jeden­falls dann nicht gewahrt, wenn die Signa­tur von einem Drit­ten unter Ver­wen­dung der Signa­tur­kar­te des Rechts­an­walts vor­ge­nom­men wird, ohne dass die­ser den Inhalt des betref­fen­den Schrift­sat­zes geprüft und sich zu eigen gemacht hat.
Im elek­tro­ni­schen Rechts­ver­kehr müs­sen bestim­men­de Schrift­sät­ze von der ver­ant­wor­ten­den Per­son mit einer qua­li­fi­zier­ten elek­tro­ni­schen Signa­tur nach dem Signa­tur­ge­setz ver­se­hen wer­den [1]. Nach § 130a Abs. 1 Satz 2 ZPO hat die das Doku­ment zu ver­ant­wor­ten­de Per­son die elek­tro­ni­sche Signa­tur vor­zu­neh­men. Dar­an fehl­te es in dem hier vom Bun­des­ge­richt­hof ent­schie­de­nen Fall, weil die Signa­tur gege­be­nen­falls nicht von einem der Pro­zess­be­voll­mäch­tig­ten des Klä­gers, son­dern von der Rechts­an­walts­ge­hil­fin L. unter Ver­wen­dung der Signa­tur­kar­te des Rechts­an­walts M. vor­ge­nom­men wor­den ist.
Wird die Beru­fungs­be­grün­dung im Ori­gi­nal oder per Fax ein­ge­reicht, muss sie als bestim­men­der Schrift­satz nach stän­di­ger Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs grund­sätz­lich von einem zur Ver­tre­tung bei dem Beru­fungs­ge­richt berech­tig­ten Rechts­an­walt eigen­hän­dig unter­schrie­ben sein [2]. Als Ersatz für die bei elek­tro­ni­scher Über­mitt­lung tech­nisch nicht mög­li­che Unter­zeich­nung erlaubt § 130a Abs. 1 Satz 2 ZPO die Ver­wen­dung einer qua­li­fi­zier­ten elek­tro­ni­schen Signa­tur. Die­se muss, um einer eigen­hän­di­gen Unter­zei­chung gleich­wer­tig zu sein, von dem­je­ni­gen vor­ge­nom­men wer­den, des­sen Unter­schrift dem Form­erfor­der­nis genü­gen wür­de [3]. Bei einer elek­tro­nisch über­mit­tel­ten Beru­fungs­be­grün­dung muss die qua­li­fi­zier­te elek­tro­ni­sche Signa­tur des­halb grund­sätz­lich durch einen zur Ver­tre­tung bei dem Beru­fungs­ge­richt berech­tig­ten Rechts­an­walt erfol­gen. Die­ses Form­erfor­der­nis ist jeden­falls dann nicht gewahrt, wenn die Signa­tur von einem Drit­ten unter Ver­wen­dung der Signa­tur­kar­te des Rechts­an­walts vor­ge­nom­men wird, ohne dass die­ser den Inhalt des betref­fen­den Schrift­sat­zes geprüft und sich zu eigen gemacht hat.
Die von der Rechts­an­walts­ge­hil­fin L. gege­be­nen­falls vor­ge­nom­me­ne Signa­tur wäre auch nicht nach den für Blan­ko-Unter­schrif­ten gel­ten­den Grund­sät­zen als form­ge­recht zu bewer­ten. Ein mit­tels Blan­ko-Unter­schrift des Rechts­an­walts wei­sungs­ge­mäß erstell­ter bestim­men­der Schrift­satz erfüllt die gesetz­li­chen Form­erfor­der­nis­se nur, wenn der Anwalt den Inhalt des Schrift­sat­zes so genau fest­ge­legt hat, dass er des­sen eigen­ver­ant­wort­li­che Prü­fung bestä­ti­gen kann. Das kann im Ein­zel­fall bei einem weit­ge­hend for­ma­li­sier­ten Text der Fall sein [4], schei­det jedoch bei Rechts­mit­tel­be­grün­dun­gen regel­mä­ßig aus, weil der Anwalt die ihm oblie­gen­de eigen­ver­ant­wort­li­che Prü­fung hier nur bestä­ti­gen kann, wenn er den Text im Ein­zel­nen kennt [5]. Dazu reicht das Dik­tat des Schrift­sat­zes grund­sätz­lich nicht aus. Da Über­tra­gungs­feh­ler nicht aus­ge­schlos­sen wer­den kön­nen, muss der Rechts­an­walt jeden­falls den Text län­ge­rer Schrift­sät­ze nach deren Aus­druck prü­fen. Nach die­sen Grund­sät­zen wäre vor­lie­gend die gesetz­lich vor­ge­schrie­be­ne Unter­zei­chung der mehr­sei­ti­gen Beru­fungs­be­grün­dungs­schrift im Fal­le einer Blan­ko-Unter­schrift nicht gewahrt. Ent­spre­chen­des gilt für eine elek­tro­ni­sche Signa­tur.
Der Bun­des­ge­richts­hof konn­te daher die Fra­ge, ob die in elek­tro­ni­scher Form über­mit­tel­te Beru­fungs­be­grün­dungs­schrift mit einer Signa­tur ver­se­hen war, dahin­ste­hen. Das Vor­brin­gen des Klä­gers dazu, dass sei­ne Pro­zess­be­voll­mäch­tig­ten ange­sichts der ihnen zuge­gan­ge­nen Ein­gangs­be­stä­ti­gung auf die erfolg­rei­che Signa­tur des Schrift­sat­zes ver­traut hät­ten, ver­mag die vor­sorg­lich begehr­te Wie­der­ein­set­zung in den vori­gen Stand im Er-geb­nis näm­lich nicht zu recht­fer­ti­gen. Der Klä­ger hat nicht hin­rei­chend vor­ge­tra­gen, dass, wenn sei­ne Pro­zess­be­voll­mäch­tig­ten die Ein­gangs­be­stä­ti­gung nicht erhal­ten hät­ten oder ihnen mit­ge­teilt wor­den wäre, dass eine unsi­gnier­te Beru­fungs­be­grün­dung bei Gericht ein­ge­gan­gen sei, eine unter­zeich­ne­te oder ord­nungs­ge­mäß elek­tro­nisch signier­te Beru­fungs­be­grün­dung recht­zei­tig beim Land­ge­richt ein­ge­gan­gen wäre. Nach sei­nem Vor­brin­gen ist nicht aus­zu­schlie­ßen, dass Frau L. am sel­ben Tag noch­mals eine elek­tro­ni­sche Über­mitt­lung ver­sucht und die­se Erfolg gehabt hät­te. Damit wäre aber wie­der­um die vor­ge­schrie­be­ne Form nicht gewahrt wor­den, weil es dafür an der erfor­der­li­chen ord­nungs­ge­mä­ßen, näm­lich von einem pos­tu­la­ti­ons­fä­hi­gen Rechts­an­walt vor­ge­nom­me­nen Signa­tur fehl­te. Dass auch die Mög­lich­keit bestan­den hät­te, den Schrift­satz recht­zei­tig im Ori­gi­nal ein­zu­rei­chen oder per Fax zu über­mit­teln, besagt nicht, dass die­ser Weg – statt einer noch­ma­li­gen elek­tro­ni­schen Über­mitt­lung – beschrit­ten wor­den wäre.
Dass die Rechts­an­walts­ge­hil­fin L. die elek­tro­ni­sche Signa­tur wei­sungs­wid­rig selbst vor­ge­nom­men habe, macht der Klä­ger nicht gel­tend. Mit­hin ist inso­weit von einem anwalt­li­chen Orga­ni­sa­ti­ons­feh­ler aus­zu­ge­hen. Die­sen muss sich der Klä­ger als eige­nes Ver­schul­den sei­ner Pro­zess­be­voll­mäch­tig­ten zurech­nen las­sen (§ 85 Abs. 2 ZPO).
Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 21. Dezem­ber 2010 – VI ZB 28/​10
vgl. BGH, Beschluss vom 14.01.2010 – VII ZB 112/​08, BGHZ 184, 75 Rn. 15[↩]
BGH, Beschluss vom 23.06.2005 – V ZB 45/​04, NJW 2005, 2709; Ver­säum­nis­ur­teil vom 20.07.2010 – KZR 9/​09, NJW 2010, 3661 Rn. 11 m.w.N.[↩]
vgl. BVerwG, Beschluss vom 14.09.2010 – 7 B 15/​10[↩]
vgl. BGH, Beschlüs­se vom 20.12.1965 – VIII ZB 33/​65, VersR 1966, 168; und vom 23.06.2005 – V ZB 45/​04, aaO S. 2710[↩]
vgl. BAG NJW 1983, 1447[↩]
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