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Timestamp: 2017-06-27 22:38:57
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Matched Legal Cases: ['de lege ferenda', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH']

COMPLIANCE UND DATENSCHUTZ DER FALL DEUTSCHE BAHN AG - PDF
COMPLIANCE UND DATENSCHUTZ DER FALL DEUTSCHE BAHN AG
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1 COMPLIANCE UND DATENSCHUTZ DER FALL DEUTSCHE BAHN AG von cand. Wirtsch.-Ing. Christina Katherina Tobescu Ass. jur. Stefan Holzner, LL.M.2 Die hier vorgelegte Untersuchung beruht auf eigenen Recherchen der Bearbeiter und zwar nach bestem Wissen und Gewissen. Der Fall Deutsch Bahn AG ist nur exemplarisch, um das Grundproblem Compliance und Datenschutz aufzuarbeiten.3 Inhaltsverzeichnis Literaturverzeichnis... 5 Abkürzungsverzeichnis A. Einleitung B. Darstellung des Sachverhalts C. Compliance im Unternehmen I. Begriff der Compliance II. Funktionen von Compliance III. Rechtspflicht zur Compliance Pflichten des Vorstandes a) Legalitätspflicht b) Organisationspflicht Pflichten des Aufsichtsrates Zusammenarbeit von Vorstand und Aufsichtsrat IV. Organisation eines effektiven Compliance Systems Aufgabenzuweisung Aufstellen von Standards Schulungen und Trainingsprogramme Kontrolle und Überwachung Helpline und Whistleblowing Sanktionen Dokumentation V. Stellung des Compliance Officers Aufgaben eines Compliance Officers Tätigkeitsvoraussetzungen D. Compliance bei der Bahn I. Aufgabenzuweisung II. Aufstellung von Standards und Schulungen III. Überwachung IV. Whistleblowing und Sanktionen V. Dokumentation E. Complinance Maßnahmen in der Datenaffäre I. Ermittlungen bei Verdacht II. Ermittlungen als Überwachungsmaßnahmen F. Zwischenergebnis G. Datenabgleich I. Erhebung von Daten II. Verarbeitung von Daten Zulässigkeit nach BDSG a) Zulässigkeit nach 28 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 BDSG b) Zulässigkeit nach 28 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 BDSG c) Zulässigkeit nach 28 Abs. 1 Satz 1 Nr. 3 BDSG Zulässigkeit durch andere Rechtsvorschriften a) Tarifverträge oder Betriebsvereinbarung b) Compliance Einwilligung des Betroffenen III. Weitergabe von Daten IV. Allgemeines Persönlichkeitsrecht... 614 V. Verhältnismäßigkeit Geeignetheit Erforderlichkeit Angemessenheit VI. Betriebsrat Mitbestimmung bei Fragen der Betriebesordnung, 87 Abs. 1 Nr. 1 BetrVG Mitbestimmung bei der Arbeitnehmerüberwachung durch technische Einrichtungen nach 87 Abs. 1 Nr. 6 BetrVG VII. Informationspflichten H. E Mail I. Kontrolle von E Mails a) Überwachung von Verbindungsdaten b) Inhaltskontrolle von E Mails II. Zurückhalten von E Mails der Gewerkschaft I. Zusammenarbeit mit externen Dienstleistern J. Datenschutz als Compliance Aufgabe K. Fazit I. Compliance II. Datenabgleich III. E Mail Kontrolle und Verhinderung der Weiterleitung IV. Zusammenarbeit mit Dienstleistern L. Ausblick I. Allgemein II. 32 BDSG n.f III. Gesetzgebung de lege ferenda... 905 Literaturverzeichnis LITERATURVERZEICHNIS Adam, Dirk: Die Begrenzung der Aufsichtspflichten in der Vorschrift des 130 OWiG, in: Wistra 2003, S Barton, Dirk-M.: Risiko-/Complinace-Management und Arbeitnehmerdatenschutz eine nach wie vor unbefriedigende Kollisionslage Anmerkung zu 32 BDSG, in: RDV 2009, S Beckschulze, Martin: Internet-, Intranet- und -Einsatz am Arbeitsplatz, in: BB 2007, S Beckschulze, Martin/ Henkel, Wolfram: Der Einfluss des Internets auf das Arbeitsrecht, in: DB 2001, S Bergmann, Lutz/ Möhrle, Roland/ Herb, Armin: Datenschutzrecht, Loseblattsammlung, Boorberg Verlag, Stuttgart. Biermann, Kai: Nur Ordnungswidrigkeiten, in: Zeit Online, , abrufbar unter (Stand: ). Bisges, Marcel: Rasterfahndung im Unternehmen zur Aufdeckung von Korruptionskriminalität, in: MMR 2009, Heft 4, S. XX-XXII. 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CCZ DB DUD FAZ GDL GG GmbHR HGB Absatz Die Aktiengesellschaft (Zeitschrift) Aktiengesetz Arbeitsrechtliche Praxis (Zeitschrift) Der Arbeits-Rechts-Berater (Zeitschrift) Arbeit und Arbeitsrecht (Zeitschrift) Auflage Bundesarbeitsgericht Betriebsberater (Zeitschrift) Bundesdatenschutzgesetz Betriebsverfassungsgesetz Beschluss Bürgerliches Gesetzbuch Bundesgerichtshof Bundesverfassungsgericht beziehungsweise Corporate Compliance Zeitschrift Der Betrieb (Zeitschrift) Datenschutz und Datensicherheit (Zeitschrift) Frankfurter Allgemeine Zeitung Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer Grundgesetz GmbH Rundschau (Zeitschrift) Handelsgesetzbuch17 Abkürzungsverzeichnis Hrsg. Kap. MMR NJOZ NJW Nr. NStZ NZA NZG Herausgeber Kapitel Multimedia und Recht (Zeitschrift) Neue juristische Online Zeitschrift Neue Juristische Wochenschrift Nummer Neue Zeitschrift für Strafrecht Neue Zeitschrift für Arbeitsrecht Neue Zeitschrift für Gesellschaftsrecht o. Fußn. obere Fußnote OWiG Rn. StGB TKG TMG Urt. Gesetz über Ordnungswidrigkeiten Randnummer Strafgesetzbuch Telekommunikationsgesetz Telemediengesetz Urteil v. von / vom VW WiSt Wistra WM WpHG ZFO ZIP ZIR Versicherungswirtschaft (Zeitschrift) Wirtschaftswissenschaftliches Studium (Zeitschrift) Zeitschrift für Wirtschafts- und Steuerstrafrecht Zeitschrift für Wirtschafts- und Bankrecht Wertpapierhandelsgesetz Zeitschrift Führung und Organisation Zeitschrift für Wirtschaftsrecht und Insolvenzpraxis Zeitschrift interne Revision18 Einleitung A. EINLEITUNG Presseberichten zufolge soll die Deutsche Bahn AG (im Folgenden einfach Bahn) über Jahre hinweg Mitarbeiterdaten abgeglichen, betrieblich s kontrolliert sowie Mitarbeiter mit Hilfe von Detekteien überwacht haben. 1 Dabei soll es u.a. in größerem Umfang zu Abgleichen diverser Mitarbeiterdaten, wie etwa Kontodaten, mit Daten von Zulieferern u.ä. gekommen sein (sog. Screening 2 ). Ziel dieser Arbeit ist es zu untersuchen, ob dabei die insbesondere datenschutzbezogenen Rechte von Arbeitnehmern der Bahn missachtet wurden oder ob die Bahn lediglich im Rahmen ihrer Aufsichtspflichten als Arbeitgeber handelte. Mit dem Zusammentreffen von Compliance-Pflichten von Unternehmen und den von entsprechenden Compliance-Maßnahmen, wie etwa internal investigations, betroffenen Rechten Dritter, also regelmäßig der Arbeitnehmer, kommt es zu neuen, bisher wenig beleuchteten und daher noch ungeklärten Rechtsfragen im Bereich der Compliance und des Datenschutzes. Es mag auf den ersten Blick den Anschein haben, dass Compliance-Pflichten und der Datenschutz zueinander in einem unüberbrückbaren Widerspruch stehen. Dies jedoch soviel sei vorweggenommen ist nicht der Fall, auch wenn es durchaus diverse Reibungspunkte zwischen den verschiedenen Interessen gibt. Diese Arbeit kann möglicherweise dazu beitragen, die Problemfelder und Kollisionspunkte aufzuzeigen. Zunächst soll der so genannte Datenskandal bei der Bahn soweit möglich dargestellt werden. Dabei ist zu berücksichtigen, dass die Informationen dazu überwiegend der Tagespresse entnommen werden mussten; in geringem Umfang konnten durch Auswertung von Eigenberichten der Bahn entsprechende Schlüsse gezogen werden. Daher ist eine Analyse nur immer so weit möglich, wie auch die Informationen über den Sachverhalt verfügbar waren. Im Anschluss daran wird geklärt, was zunächst unter Compliance zu verstehen ist, welche Pflichten und Rechte sich daraus für Unternehmen ergeben und wie eine effektive Compliance-Organisation aussehen kann. Anschließend soll die Effektivität der Compliance-Organisation bei der Bahn untersucht werden. Dazu werden die 1 Biermann, Zeit online v Bei einem sog. Screening vergleicht der Arbeitgeber computergestützt systematisch die erfassten Stammdaten der Arbeitnehmer, wie etwa Kontonummern, Adressen, etc., mit denen von Vertragspartnern wie etwa Zulieferern.19 Einleitung Compliance-Strukturen der Bahn, sofern entsprechende Informationen zu erheben waren, dargestellt und im Anschluss mit den Empfehlungen zur Einrichtung und Ausgestaltung von Compliance-Organisationen aus der Literatur verglichen. Der zweite Teil der Arbeit befasst sich mit den Rechten und Pflichten, die Arbeitnehmern sowie Arbeitgebern durch das Bundesdatenschutzgesetz (BDSG) eingeräumt werden. Hierbei sollen die rechtlichen Aspekte beim Datenabgleich, den -Kontrollen sowie der Zusammenarbeit mit externen Dienstleistern getrennt untersucht werden. Nach einem Fazit werden zum Schluss noch die wichtigsten Neuerungen des Bundesdatenschutzgesetzes (BDSG) im Arbeitsverhältnis dargestellt und ihre möglichen Auswirkungen aufgezeigt.20 Darstellung des Sachverhalts B. DARSTELLUNG DES SACHVERHALTS Laut einem Zwischenbericht der Bahn vom 10. Februar 2009 habe das Unternehmen seine Mitarbeiter insgesamt fünfmal einem sogenannten Datenabgleich unterzogen. Dabei sollen Namen, Adressen und Kontonummern maschinell mit denen von Lieferanten des Unternehmens verglichen worden sein. Von den Abgleichen seien im Jahr 1998 eine nicht mehr rekonstruierbare Anzahl an Mitarbeitern betroffen gewesen, 2002/2003 sollen Mitarbeiter und in den Jahren 2005/2006 sogar Personalstammdatensätze überprüft worden sein. 3 Des Weiteren wurden laut Bericht die Datensätze von knapp 800 Führungskräften des Unternehmens zweimal untersucht, wohl in den Jahren 2003/ 2004 sowie 2005/ Weiterhin räumte der neue Vorstandsvorsitzende der Bahn Dr. Rüdiger Grube ein, dass teilweise auch die Angehörigen von Mitarbeitern in die Abgleiche einbezogen worden wären. 5 Nach Erkenntnissen von Sonderermittlern, die vom Aufsichtsrat der Bahn eingesetzt wurden, sollen zudem s von Mitarbeitern gezielt nach Kontakten zu Journalisten und Kritikern der Bahn durchsucht worden sein. So sollen im Jahr s nach bestimmten Namen oder Internetdomänen ohne Wissen der betroffenen Mitarbeiter durchsucht und bei Auffinden bestimmter Begriffe automatisch an eine interne Kontrollinstanz weitergeleitet worden sein. Dabei soll es jedoch nur in konkreten Verdachtsfällen zu detaillierten Inhaltskontrollen der s gekommen sein. 6 Darüber hinaus sollen während des Tarifkonflikts mit den Lokführern im Jahr 2007 auch s der Gewerkschaft GDL mit der Begründung abgefangen worden sein, dass durch die Masse der versandten s ein Server zusammengebrochen sei. 7 Weiterhin äußerte sich der Vorstand dahingehend, dass er nicht über die konrete Vorgehensweise der Compliance-Abteilung informiert gewesen sei, sondern lediglich über die ermittelten Ergebnisse. 8 Hier stellt sich die Frage, welche Be- 3 Deutsche Bahn AG, Zwischenbericht Überprüfung der Ordnungsmäßigkeit von Maßnahmen der Korruptionsbekämpfung in den Jahren , 2009, S. 17 ff. 4 FAZ v , S.1 f. 5 Pressekonferenz v mit Dr. Rüdiger Grube, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Bahn, Berlin, S FAZ v , S Schwenn, FAZ v , S FAZ v , S. 17.21 Darstellung des Sachverhalts fugnisse die Compliance-Abteilung hatte und damit auch, ob mögliche Verletzungen des Datenschutzrechts auch dem Vorstand oder ausschließlich dem Compliance-Officer zuzurechnen sind. Auch über die Arbeitsweise von externen Dienstleistern, die im Zusammenhang mit den Datenabgleichen eingeschaltet wurden, sei dem Vorstand der Bahn nichts bekannt gewesen. Dabei handele es sich vor allem um zwei Unternehmen, die Firma Argen GmbH sowie die Network Deutschland GmbH. Nachfolgend sollen daher auch Sachverhalte in Bezug auf die Zusammenarbeit der Bahn mit externen Dienstleistern bei Durchführung von Compliance-Maßnahmen dargestellt werden. Der Bahn sollen Hinweise auf Verstöße bei der Ausführung und Abrechnung von Leistungen vorgelegen haben. Im Rahmen der internen Untersuchungen habe das Unternehmen eine Rechtsanwaltskanzlei beauftragt, die ihrerseits die Firma Argen eingeschaltet habe, um Kontobewegungsdaten der verdächtigten Bahn-Mitarbeiter sowie einer weiteren in den Fall verwickelten Firma zu ermitteln. Zudem sei die Firma Argen von einem Ombudsmann, der Hinweise auf Scheckzahlungen an Bahn-Mitarbeiter erhalten hatte, beauftragt gewesen, die Kontobewegungsdaten des betroffenen Bahn-Mitarbeiters zu recherchieren. 9 Im Rahmen von sieben Projekten, die in Zusammenarbeit mit der Firma Network stattfanden, sollen Informationen über Kraftfahrzeughalter, Immobilien, Verwandtschaftsbeziehungen und ähnlichem beschafft und der Bahn zugänglich gemacht worden sein. 10 Im Jahr 2002 seien die Büroräume von vier Bahn-Mitarbeitern, die aufgrund eines anonymen Hinweises in den Verdacht der Vorteilsannahme gerieten, in Zusammenarbeit der Konzernrevision mit der Firma Network durchsucht und Firmenrechner der Mitarbeiter sichergestellt und ausgewertet worden. Auf den Rechnern hätten sich auch private Dateien über Kontobewegungen, Reisetätigkeiten und Familienverhältnisse befunden, die, soweit sie in Verbindung mit den Vorwürfen standen, ebenfalls ausgewertet wurden. Des Weiteren sollen die von 9 Deutsche Bahn AG, Zwischenbericht, (siehe o. Fußn. 2), S Deutsche Bahn AG, Zwischenbericht, (siehe o. Fußn. 2), S. 27.22 Darstellung des Sachverhalts den Bahn-Mitarbeitern mit ihren dienstlichen PCs besuchten Internetseiten überprüft worden sein. 11 Im Jahr 2003 trat der Verdacht auf, dass es sich bei einem US-amerikanischen Unternehmen, mit dem die Bahn kooperieren wollte, um eine Scheinfirma handele. Diese sei daraufhin durch die Network Deutschland GmbH überprüft worden und der daraus resultierende Bericht soll auch den Verlauf von Geldbewegungen eines der Konten der verdächtigten US-Firma enthalten haben. Nach Angaben der Konzernrevision wurde dieser Bericht jedoch zurückgewiesen, da die Recherche solcher Daten von der Bahn nicht beauftragt worden sei. 12 Daneben sollen vier weitere externe Dienstleister, die bislang noch nicht benannt wurden, beauftragt worden sein, die Vermögensverhältnisse von Bahn- Mitarbeitern im In- und Ausland aufzuklären. Zusätzlich sollten diese in Verdachtsfällen sogenannte Nähebeziehungen zwischen Mitarbeitern der Bahn und Auftragnehmern ermitteln. Außerdem sollte dem Verdacht nachgegangen werden, Bahn-Mitarbeiter würden nicht genehmigten Nebentätigkeiten nachgehen Deutsche Bahn AG, Zwischenbericht, (siehe o. Fußn. 2), S Deutsche Bahn AG, Zwischenbericht, (siehe o. Fußn. 2), S Deutsche Bahn AG, Zwischenbericht, (siehe o. Fußn. 2), S. 36.23 Compliance im Unternehmen C. COMPLIANCE IM UNTERNEHMEN Fraglich im Fall der Bahn ist, ob sich das Unternehmen bei seinem Bemühen, Korruption durch Compliance-Maßnahmen zu verhindern, rechtmäßig verhalten hat. Dazu soll zunächst geklärt werden, was der Begriff der Compliance umfasst und welche Funktionen Compliance erfüllt. Im Anschluss wird geprüft, welche Gesetze und Regeln einer Compliance-Organisation zugrunde liegen und wie eine solche Organisation aussehen sollte. Des Weiteren wird dargestellt, welche Aufgaben dem Compliance-Officer zufallen und welche Stellung er im Unternehmen einnehmen sollte, um den Anforderungen seiner Arbeit gerecht werden zu können. Im Anschluss wird die Compliance-Struktur bei der Bahn dargestellt und der Frage nachgegangen, ob sie ordnungsgemäß eingerichtet wurde und das Unternehmen rechtmäßig gehandelt hat. I. Begriff der Compliance Der Begriff Compliance wurde aus dem angloamerikanischen übernommen und bedeutet im engen Sinne zunächst lediglich, dass sich ein Unternehmen selbst, sowie alle seine Organe und Mitarbeiter an die Gesetze halten. 14 Damit ist zunächst keine eigenständige Funktion con Compliance zu erkennen, denn es ist in einem Rechtsstaat üblich, dass Unternehmen und deren Organe im Rahmen des rechtlich erlaubten agieren. Dennoch umfasst der Begriff inhaltlich weitere Aspekte. Compliance geht über schlichte Gesetzes- und Normentreue hinaus und beinhaltet zudem die Einhaltung von weiteren nationalen und internationalen Standards, wie etwa die Befolgung der Prinzipien des Corporate Governance. 15 Compliance beschreibt weiterhin die persönlichen Verhaltenspflichten der Organmitglieder und Mitarbeiter, die Organisationspflichten der geschäftsführenden Organe, sowie deren Deliktverhinderungs- und Schadensabwehrpflicht. 16 Prägnanter formuliert es Kiethe, 14 Hauschka, ZIP 2004, Kort, NZG 2008, 81, Uwe H. Schneider/Sven H. Schneider, ZIP 2007, 2061, 2062.24 Compliance im Unternehmen der Corporate Compliance als Haftungsvermeidung durch bestmögliche Organisation des Unternehmens beschreibt. 17 In Deutschland existiert der Begriff, der ohne Übersetzung übernommen wurde, seit etwa Mitte der 90er Jahre. 18 Zu seiner Durchsetzung in Deutschland hat auch die ARAG/Garmenbeck -Entscheidung des BGH beigetragen. Dort heißt es, dass der Aufsichtsrat Schadensersatzansprüche gegen den Vorstand zu verfolgen hat, falls er nach Prüfung des Sachverhaltes zu dem Schluss kommt, dass diese Ansprüche durchsetzbar sind. 19 Durch diese Entscheidung wird der Aufsichtsrat bei Kenntnis entsprechender Sachverhalte praktisch zum Handeln gezwungen. Von daher muss es schon originäres Interesse der handelnden Organe eines Unternehmens sein, durch eine effektive Compliance-Organisation auf die Einhaltung des gesetzlich Gebotenen und Erlaubten hinzuwirken, um dadurch eventuelle Haftungsansprüche nicht nur gegen das Unternehmen sondern auch eine persönliche Haftung zu vermeiden. Weiter verstärkt wurde die Tendenz, Organe durch Einführung neuer Regelungen stärker in Haftung zu nehmen, etwa mit dem Gesetz zur Kontrolle und Transparenz im Unternehmensbereich (1998), dem Transparenz- und Publizitätsgesetz (2002), dem Deutschen Corporate Governance Kodex (zuletzt 2007 geändert) sowie dem Gesetz zur Unternehmensintegrität und Modernisierung des Anfechtungsrechts (2005). 20 Um sich vor künftigen Haftungsansprüchen zu schützen, ist neben dem Vorstand auch der Aufsichtsrat gehalten, entsprechend sorgfältig seinen Aufgaben nachzukommen. II. Funktionen von Compliance Seit einigen Jahren werden Unternehmen, die gegen geltendes Recht verstoßen, mit erheblich empfindlicheren Bußgeldern belegt als früher. Im Jahr 2001 hat die Europäische Kommission allein wegen Kartellverstößen Bußgelder in Höhe von 17 Kiethe, GmbHR 2007, Hauschka, in: Hauschka (Hrsg.), Corporate Compliance, 1 Rn BGH, Urt. v II ZR 175/95, NJW 1997, 1926 f. 20 Hauschka, in: Hauschka (Hrsg.), Corporate Compliance, 1 Rn. 19. Mehr anzeigen
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