Source: https://www.rechtslupe.de/verwaltungsrecht/rechtliches-gehoer-und-die-verfassungsbeschwerde-gegen-eine-gerichtliche-entscheidung-3201549
Timestamp: 2020-04-04 20:46:07
Document Index: 40418514

Matched Legal Cases: ['Art. 103', 'Art. 103', 'Art. 103', 'Art. 103', '§ 172', 'Art. 103', '§ 559', '§ 240', '§ 240', '§ 240']

Recht­li­ches Gehör – und die Ver­fas­sungs­be­schwer­de gegen eine gericht­li­che Ent­schei­dung | Rechtslupe
Rechtliches Gehör - und die Verfassungsbeschwerde gegen eine gerichtliche Entscheidung
Art. 103 Abs. 1 GG ver­pflich­tet das Gericht (ledig­lich) dazu, die Aus­füh­run­gen der Betei­lig­ten zur Kennt­nis zu neh­men und in Erwä­gung zu zie­hen 1, nicht jedoch, deren (Rechts-)Auffassung zu fol­gen.
Abs. 1 GG ist nur dann ver­letzt, wenn sich im Ein­zel­fall klar ergibt, dass das Gericht die­ser Pflicht nicht nach­ge­kom­men ist 2. Grund­sätz­lich geht das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt davon aus, dass die Gerich­te das von ihnen ent­ge­gen­ge­nom­me­ne Vor­brin­gen auch zur Kennt­nis genom­men und in Erwä­gung gezo­gen haben 3. Die Gerich­te sind dabei nicht ver­pflich­tet, sich mit jedem Vor­brin­gen in den Ent­schei­dungs­grün­den aus­drück­lich zu befas­sen 4. Des­halb müs­sen, wenn das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt einen Ver­stoß gegen Art. 103 Abs. 1 GG fest­stel­len soll, im Ein­zel­fall beson­de­re Umstän­de deut­lich erge­ben, dass tat­säch­li­ches Vor­brin­gen eines Betei­lig­ten ent­we­der über­haupt nicht zur Kennt­nis genom­men oder bei der Ent­schei­dung nicht erwo­gen wor­den ist 5. Geht das Gericht auf den wesent­li­chen Kern des Tat­sa­chen­vor­trags einer Par­tei zu einer Fra­ge, die für das Ver­fah­ren von zen­tra­ler Bedeu­tung ist, in den Ent­schei­dungs­grün­den nicht ein, so lässt dies auf die Nicht­be­rück­sich­ti­gung des Vor­trags schlie­ßen, sofern er nicht nach dem Rechts­stand­punkt des Gerichts uner­heb­lich oder aber offen­sicht­lich unsub­stan­ti­iert war 6.
Inhalt und Gren­zen einer auf Art. 103 Abs. 1 GG gestütz­ten Ver­fas­sungs­be­schwer­de wer­den zudem maß­geb­lich durch die im fach­ge­richt­li­chen Ver­fah­ren erho­be­ne Anhö­rungs­rü­ge bestimmt 7. Sinn und Zweck der Anhö­rungs­rü­ge, die Kor­rek­tur von Gehörs­ver­let­zun­gen vor­ran­gig inner­halb des fach­ge­richt­li­chen Ver­fah­rens zu ermög­li­chen, könn­ten jeden­falls dann nicht erfüllt wer­den, wenn die Rüge von Gehörs­ver­stö­ßen mit der Ver­fas­sungs­be­schwer­de allein davon abhin­ge, dass über­haupt ein als Anhö­rungs­rü­ge bezeich­ne­ter Rechts­be­helf ein­ge­legt wur­de, ohne dass ein ernst­haf­ter Ver­such unter­nom­men wird, die gerüg­te Ver­let­zung inhalt­lich zu bele­gen 8.
An die­sen Anfor­de­run­gen gemes­sen war in der hier ent­schie­de­nen Ver­fas­sungs­be­schwer­de eine mög­li­che Ver­let­zung von Art. 103 Abs. 1 GG nicht dar­ge­tan. Die Ver­fas­sungs­be­schwer­de erschöpft sich – wie schon die Anhö­rungs­rü­ge – dar­in, eine gegen­über dem Ober­lan­des­ge­richt abwei­chen­de recht­li­che Bewer­tung der Dar­le­gungs­an­for­de­run­gen aus § 172 Abs. 3 Satz 1 StPO bei der Wür­di­gung des Antrags auf gericht­li­che Ent­schei­dung vor­zu­neh­men.
Soweit der Beschwer­de­füh­rer mit Blick auf den Beschluss vom 26.09.2018 vor­trägt, das Ober­lan­des­ge­richt habe den an ver­schie­de­nen – näher bezeich­ne­ten – Stel­len im Kla­ge­er­zwin­gungs­an­trag ent­hal­te­nen Vor­trag zur sub­jek­ti­ven Hal­tung der Beschul­dig­ten über­gan­gen, über­sieht er nicht nur, dass die­ser unter dem Blick­win­kel von Art. 103 Abs. 1 GG durch den Beschluss vom 26.10.2018 über die Anhö­rungs­rü­ge über­holt ist. Er ver­mag auch nicht dar­zu­le­gen, dass das Ober­lan­des­ge­richt ent­schei­dungs­er­heb­li­chen 9 Vor­trag ins­be­son­de­re zum sub­jek­ti­ven Tat­be­stand der Nöti­gung nicht zur Kennt­nis genom­men hät­te.
Schließ­lich genügt die Anhö­rungs­rü­ge nicht den mate­ri­el­len Sub­si­dia­ri­täts­an­for­de­run­gen, indem zum Beru­hen ledig­lich kon­sta­tiert wird, dass der Beschwer­de­füh­rer man­gels einer antrags­ge­mä­ßen Ent­schei­dung beschwert sei.
Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt, Beschluss vom 31. Janu­ar 2020 – 2 BvR 2592/​18
Das nicht begrün­de­te Ableh­nungs­ge­such Ein Ableh­nungs­ge­such, das kei­ne Begrün­dung oder ledig­lich Aus­füh­run­gen ent­hält, die zur Begrün­dung der Besorg­nis der Befan­gen­heit gänz­lich unge­eig­net sind, ist offen­sicht­lich unzu­läs­sig. Bei offen­sicht­li­cher Unzu­läs­sig­keit…
Die aus­nahms­wei­se zuläs­si­ge Kla­ge­än­de­rung in der… Nach § 559 Abs. 1 ZPO ist eine Kla­ge­än­de­rung in der Revi­si­ons­in­stanz grund­sätz­lich aus­ge­schlos­sen. Der Schluss der münd­li­chen Ver­hand­lung in zwei­ter Instanz bil­det nicht nur…
vgl. BVerfGE 42, 364, 367 f.; 47, 182, 187; BVerfG, Beschluss vom 29.08.2017 – 2 BvR 863/​17, Rn. 15; Beschluss vom 19.06.2019 – 2 BvR 2579/​17, Rn. 23; Beschluss vom 18.07.2019 – 2 BvR 1082/​18, Rn. 14; Beschluss vom 01.10.2019 – 1 BvR 552/​18, Rn. 8[↩]
vgl. BVerfGE 25, 137, 140; 34, 344, 347; 47, 182, 187[↩]
vgl. BVerfGE 40, 101, 104 f.; 47, 182, 187[↩]
vgl. BVerfGE 13, 132, 149; 42, 364, 368; 47, 182, 187[↩]
vgl. BVerfGE 27, 248, 251 f.; 42, 364, 368; 47, 182, 187 f.[↩]
vgl. BVerfGE 47, 182, 189; 86, 133, 146; BVerfG, Beschluss vom 22.05.2017 – 2 BvR 1107/​16, Rn.19[↩]
vgl. BVerfG, Beschluss vom 27.06.2007 – 1 BvR 1470/​07, Rn. 14; Beschluss vom 22.05.2017 – 2 BvR 1107/​16, Rn. 13; Beschluss vom 28.11.2018 – 2 BvR 882/​17, Rn. 12[↩]
vgl. BVerfG, Beschluss vom 22.05.2017 – 2 BvR 1107/​16, Rn. 13[↩]
vgl. dazu Toe­pel, in: Kindhäuser/​Neumann/​Paeffgen, StGB, 5. Aufl.2017, § 240 Rn.195; Fischer, StGB, 66. Aufl.2019, § 240 Rn. 54; Vale­ri­us, in: v. Heint­schel-Hein­egg, Beck‘scher Online-Kom­men­tar StGB, § 240 Rn. 43, 1.11.2019[↩]
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