Source: https://toros.de/alpine-capital-ag-muenchen/
Timestamp: 2019-09-22 00:07:28
Document Index: 36779213

Matched Legal Cases: ['§ 135', '§ 5', '§ 32', '§ 92', '§135', '§ 135', '§ 263']

Alpine Capital AG, München - TOROS
Alpine Vorstand Peter B., Jahrgang 1966, war nach seiner Banklehre tätig bei der Bayerischen Hypotheken und Wechselbank, Bank Julius Bär und der Deutschen Bank. Danach war er Mitgründer und Mitglied der erweiterten Geschäftsleitung der MainFirst Bank AG in Frankfurt. Danach, im Jahr 2007, gründete er die Alpine Capital AG und versuchte vergeblich, eine BaFin-Lizenz zu erlangen. Das Motto seiner Firma Alpine Capital AG hiess: “What a difference a day makes” (von Dinah Washington). Um mit der Alpine Capital AG im Finanzbereich tätig werden zu können, schloss er im Jahr 2009 für die Alpine AG einen Tied Agent Vertrag mit einem BaFin-Lizenzierten Finanzdienstleistungsinstitut.
Im Jahr 2011 treten die ersten Zahlungsschwierigkeiten auf. Zu Ende September 2011 kündigt ein wichtiger Geschäftspartner die Verträge mit der Alpine Capital AG.
Im April 2012 wird Insolvenzantrag für die Alpine Capital AG gestellt und das Gericht beauftragt die Erstellung eines Insolvenzgutachtens.
Der Insolvenzgutachter kommt unter anderem zu folgenden Schlüssen:
Die Schuldnerin ist infolge der fälligen Verbindlichkeiten seit Oktober 2011 zahlungsunfähig.
Eine Haftung des Vorstandes wegen verspäteter Insolvenzantragsstellung ist damit an sich anzunehmen.
Der Aktionär und Vorstand B. erhielt Rückzahlungen auf ein von ihm gewährtes Gesellschafterdarlehen.
Im Ergebnis kam es zu einer Besserstellung des Aktionärs B. gegenüber anderen Gläubigern.
Sinn und Zweck des § 135 InsO ist es gerade, Vermögensrückflüsse an die Gesellschafter innerhalb eines letzten Jahres vor Insolvenzantragsstellung rückgängig zu machen.
Im Ergebnis ist eine Rückforderung von Herrn B. aber wirtschaftlich nicht möglich.
Später war Herr B. u.a. für die Firma CM Equity AG in München tätig, vorher für die Hammer Partners AG in der Schweiz.
Inzwischen hat er seine persönliche Insolvenz erklärt, da er offenbar nicht gewillt ist, seine Schulden zu begleichen.
Zitate aus dem Gutachten im Insolvenzantragsverfahren der Alpine Capital AG, Robert-Koch-Strasse 22, 80538 München, Az. 1542 IN 1377/12, datierend vom 30.01.2013
„…Mit Beschluss des Amtsgerichts München – Insolvenzgericht – vom 19.04. 2012 wurde der Unterzeichner beauftragt, ein Gutachten darüber zu erstellen,
–	ob die Schuldnerin überschuldet und zahlungsunfähig ist bzw. ob die Zahlungsunfähigkeit droht;
–	welche Aussichten für eine Fortführung des schuldnerischen Unternehmens bestehen;
–	ob das Vermögen zur Deckung der Kosten des Insolvenzverfahrens ausreicht, § 5 Abs. 1 2 InsO.
Grundkapital: € 250.000,00, vollständig einbezahlt
Anzahl der ausgegebenen Aktien: 250.000 Nennbetragsaktien zu je € 1,00
Insolvenzantrag: mit Schreiben vom 16.04.2012
Gutachterbeschluss: 19.04.2012
Die Sacheinlage wurde durch die Einbringung eines PKW Porsche Cayenne aus dem Vermögen des Herrn …… erbracht. …Der heutige Aufsichtsrat setzt sich daher zusammen aus den Herren …………….
Die Schuldnerin ist eine kleine Beratungs- und Vermittlungsgesellschaft für Geldanlagen. Sie hatte im Wesentlichen einen einzigen Investmentfonds namens „Alpine Alpha Active“ initiiert, organisiert und betreut…..Die Schulderin bemühte sich bereits seit Januar 2008 zunächst um eine Erlaubnis der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) zum Betreiben von Finanzdienstleistungen der Anlagevermittlung und Anlageberatung gemäß § 32 KWG, verfolgte das aufwändige Erlaubnisverfahren dann jedoch nicht weiter……
Die wirtschaftliche Entwicklung der Schuldnerin war von Anfang an negativ, da die mit dem Fonds erzielten Provisionen, die Betriebskosten nicht deckten….
Den geringen Provisionen standen hohe Fixkosten..gegenüber…..Im Ergebnis hat die Schulderin permanent Verluste produziert….
Mit Aufkündigung der Zusammenarbeit durch Hauck und Aufhäuser zum 30.09.2011 hatte die Schuldnerin weder Büroräume noch die technischen und finanziellen Mittel, den Fonds weiter zu betreuen.
Der Geschäftsbetrieb kam zum Erliegen, ohne dass sämtliche Dauerschuldverhältnisse aus der Fondsverwaltung beendet werden konnten.
Der Vorstand….. gab …zuletzt an, er werde die laufenden Kosten privat begleichen…..
Haftungsansprüche gem. § 92/93 AktG
Die Schuldnerin ist infolge der fälligen Verbindlichkeiten seit Oktober 2011 zahlungsunfähig. Eine Haftung des Vorstandes wegen verspäteter Insolvenzantragsstellung ist damit an sich anzunehmen…. Geschäftsunterlagen befanden sich ausschliesslich beim ..Vorstand ..B.…..Der Vorstand …B. gibt an, wegen seiner Erkrankung nicht in der Lage gewesen zu sein, für die Schuldnerin zu handeln. Im Ergebnis kann dies jedoch offen bleiben, denn Haftungsansprüche wegen verspäteter Insolvenzantragsstellung sind gegen ihn jedenfalls nicht erfolgreich wirtschaftlich durchsetzbar. Ein Schwerpunkt in der Begutachtung wurde auf die wirtschaftlichen Verhältnisse des Herrn B. gelegt. Er erklärte sich bereit, ein privates Vermögensverzeichnis schriftlich hereinzureichen.…….
Anfechtung nach §135 InsO
Der Aktionär und Vorstand… B….. erhielt Rückzahlungen auf ein von ihm gewährtes Gesellschafterdarlehen…Auf diese Darlehen erhielt er seit November 2010 diverse Teilrückzahlungen.
Rückzahlungen innerhalb des letzten Jahres vor Insolvenzantragsstellung sind gemäß § 135 Abs. 1 Nr. 2 InsO anfechtbar. Die Rückzahlungen ab dem 18.04.2011 betrugen bis zum 31.12.2011 …insgesamt € 41.325,00…
Im Ergebnis kam es zu einer Besserstellung des Aktionärs B…… gegenüber anderen Gläubigern.
Hypothetische Kausalverläufe, wie eine mögliche Umqualifizierung der Zahlungen als Gehaltszahlungen haben im Anfechtungsrecht ausser Betracht zu bleiben….
E-Mails von B., die bestätigen, dass er mit dem Inhalt des Insolvenzgutachtens einverstanden ist:
„…im April 2012 wurde für die Alpine Capital AG Antrag auf Insolvenz gestellt.
Die Anwaltskanzlei SBL in München wurde vom zuständigen Amtsgericht beauftragt ein Insolvenzgutachten zu erstellen. Im Januar 2013 wurde dieses Gutachten fertiggestellt mit dem Hinweis an das Amtsgericht, das Insolvenzverfahren nicht zu eröffnen mangels Masse. Durch rechtskräftigen Beschluss des Amtsgerichts München (Az. 1542 IN 1377/12) vom 01.03.2013 ist die Eröffnung des Insolvenzverfahrens über das Vermögen der Gesellschaft mangels Masse abgelehnt. Die Gesellschaft ist aufgelöst. Von Amts wegen eingetragen nach § 263 AktG. Somit können auch keine offenen Rechnungen beglichen werden.
….B.
Desweiteren habe ich dem Gutachten von Herrn RA Siebert zum Sachverhalt, nichts hinzu zu fügen.
Markus Ross	2019-07-11T16:10:57+02:00	Categories: Nachrichten|Tags: Alpine Capital AG|