Source: https://www.rechtslupe.de/europarecht/schulgeld-furs-englische-internat-32535
Timestamp: 2019-08-24 11:21:58
Document Index: 61303439

Matched Legal Cases: ['§ 10', '§ 10', '§ 10', '§ 32', 'Art. 7', 'EuG', 'Art. 49', 'Art. 18', '§ 10', 'EuG', 'Art. 7', '§ 52', '§ 10', 'EuG']

Schul­geld fürs eng­li­sche Inter­nat | Rechtslupe
Schul­geld fürs eng­li­sche Inter­nat
Wie der Bun­des­fi­nanz­hof jetzt ent­schie­den hat, kann auch Schul­geld für den Besuch eines eng­li­schen Inter­nats (unter den Vor­aus­set­zun­gen des § 10 Abs. 1 Nr. 9 EStG) als Son­der­aus­ga­be abzieh­bar sein.
Der 1981 gebo­re­ne Sohn der Klä­ger besuch­te ab 1. Sep­tem­ber 1998 die C‑School in Eng­land. Die Klä­ger bean­trag­ten, das Schul­geld von 18 726 DM gemäß § 10 Abs. 1 Nr. 9 EStG als Son­der­aus­ga­ben abzu­zie­hen. Das Finanz­amt lehn­te den Abzug mit der Begrün­dung ab, dass die Beträ­ge nicht für den Besuch einer gesetz­lich aner­kann­ten Schu­le gezahlt wor­den sei­en. Die Kla­ge vor dem Finanz­ge­richt (FG) hat­te kei­nen Erfolg.
Abzieh­bar sind gemäß § 10 Abs. 1 Nr. 9 EStG 30 % des Ent­gelts, das der Steu­er­pflich­ti­ge für ein Kind, für das er Anspruch auf einen Frei­be­trag nach § 32 Abs. 6 EStG oder auf Kin­der­geld hat, für den Besuch einer gemäß Art. 7 Abs. 4 des Grund­ge­set­zes (GG) staat­lich geneh­mig­ten oder nach Lan­des­recht erlaub­ten Ersatz­schu­le sowie einer nach Lan­des­recht aner­kann­ten all­ge­mein bil­den­den Ergän­zungs­schu­le ent­rich­tet.
Der BFH stütz­te sei­ne Ent­schei­dung vor allem auf zwei Erwä­gun­gen:
Zum einen habe der Gerichts­hof der Euro­päi­schen Gemein­schaf­ten (EuGH) in der Sache „Schwarz und Goot­jes-Schwarz” – C 76/​05 – ent­schie­den, dass Art. 49 des EG-Ver­trags bzw. Art. 18 des EG-Ver­trags einer Rege­lung ent­ge­gen­stün­den, nach der – im Unter­schied zum Inland – Schul­geld­zah­lun­gen an Schu­len in ande­ren Mit­glied­staa­ten nicht abge­zo­gen wer­den könn­ten. Dem­entspre­chend sei § 10 Abs. 1 Nr. 9 EStG euro­pa­rechts­kon­form aus­zu­le­gen. Im Ver­hält­nis des Gemein­schafts­rechts zum natio­na­len Recht bestehe ein Vor­rang des Gemein­schafts­rechts; die­ser Vor­rang des Gemein­schafts­rechts habe zur Fol­ge, dass gemein­schafts­rechts­wid­ri­ge Vor­schrif­ten des natio­na­len Steu­er­rechts nicht anzu­wen­den sei­en, ohne dass es einer Vor­la­ge an das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt oder den EuGH bedür­fe.
Zu ande­ren habe im Streit­fall das FG nicht näher geprüft, ob und in wel­chem Umfang in den Zah­lun­gen Kos­ten für Ver­pfle­gung und Unter­brin­gung ent­hal­ten sei­en. Wei­ter set­ze der Abzug von Schul­geld­zah­lun­gen nach Art. 7 Abs. 4 Satz 3 GG vor­aus, dass durch die Höhe der gezahl­ten Beträ­ge kei­ne Son­de­rung der Schü­ler nach den Besitz­ver­hält­nis­sen der Eltern geför­dert wer­de; mög­li­cher­wei­se kom­me den Klä­gern inso­weit aber auch § 52 Abs. 24b EStG in der Fas­sung des Jah­res­steu­er­ge­set­zes 2009 (Regie­rungs­ent­wurf) zugu­te.
Auch Schul­geld für den Besuch eines eng­li­schen Inter­nats kann unter den Vor­aus­set­zun­gen des § 10 Abs. 1 Nr. 9 EStG abzieh­bar sein.
Der Vor­rang des Gemein­schafts­rechts gegen­über dem natio­na­len Recht hat ins­be­son­de­re zur Fol­ge, dass gemein­schafts­rechts­wid­ri­ge Vor­schrif­ten des natio­na­len Steu­er­rechts nicht anzu­wen­den sind, ohne dass es einer Vor­la­ge an das BVerfG oder den EuGH bedarf (Anwen­dungs­vor­rang).
Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 17. Juli 2008 – X R 62/​04
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