Source: https://www.rechtslupe.de/zivilrecht/das-grundstueck-der-gbr-der-tod-eines-gesellschafters-und-die-zwangsversteigerung-3103677
Timestamp: 2019-11-12 21:44:17
Document Index: 26486259

Matched Legal Cases: ['§ 1148', '§ 1192', '§ 800', '§ 1148', '§ 1192', '§ 727', '§ 1148', '§ 1192', '§ 727', '§ 727', '§ 730', '§ 730', '§ 1148', '§ 1192', '§ 750', '§ 709', '§ 730', '§ 170', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 730', '§ 730', '§ 730', 'BGH', '§ 730', '§ 730', 'BGH', 'BGH', '§ 727', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH']

Das Grund­stück der GbR, der Tod eines Gesell­schaf­ters – und die Zwangs­ver­stei­ge­rung | Rechtslupe
Das Grund­stück der GbR, der Tod eines Gesell­schaf­ters – und die Zwangs­ver­stei­ge­rung
Bei der Voll­stre­ckung in das Grund­stück einer Gesell­schaft bür­ger­li­chen Rechts gel­ten die (noch) im Grund­buch ein­ge­tra­ge­nen (bis­he­ri­gen) Gesell­schaf­ter grund­sätz­lich auch dann in ent­spre­chen­der Anwen­dung von § 1148 Satz 1, § 1192 Abs. 1 BGB als Gesell­schaf­ter der Schuld­ne­rin, wenn die­se durch den Tod eines ein­ge­tra­ge­nen Gesell­schaf­ters auf­ge­löst wor­den ist 1.
Ist eine Grund­schuld, die eine GbR ihrer Gläu­bi­ge­rin bestellt hat, nach § 800 ZPO voll­streck­bar, ist es ohne Bedeu­tung, ob die erfor­der­li­che Unter­wer­fung unter die Zwangs­voll­stre­ckung in den belas­te­ten Grund­be­sitz von der GbR als Ver­band oder von den für sie han­deln­den (sämt­li­chen) Gesell­schaf­tern per­sön­lich erklärt wor­den ist. Die Voll­stre­ckung in das Gesell­schafts­ver­mö­gen der GbR ist auch auf Grund einer durch ihre Gesell­schaf­ter per­sön­lich erklär­ten Unter­wer­fung unter die Zwangs­voll­stre­ckung in das Gesell­schafts­ver­mö­gen mög­lich 2.
Auch bedarf es zur Zwangs­voll­stre­ckung nicht einer Rechts­nach­fol­ge­klau­sel auf­grund des Todes eines der GbR-Gesell­schaf­ter.
Nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs gel­ten bei der Voll­stre­ckung in das Grund­stück einer GbR in ent­spre­chen­der Anwen­dung von § 1148 Satz 1, § 1192 Abs. 2 BGB die ein­ge­tra­ge­nen Gesell­schaf­ter zuguns­ten des Gläu­bi­gers als Gesell­schaf­ter der Schuld­ne­rin, wenn ein Gesell­schaf­ter­wech­sel noch nicht in das Grund­buch ein­ge­tra­gen wor­den ist. Einer Rechts­nach­fol­ge­klau­sel ana­log § 727 ZPO bedarf es nicht, wenn die in dem Titel auf­ge­führ­ten Gesell­schaf­ter der GbR bei Anord­nung der Zwangs­ver­stei­ge­rung mit den im Grund­buch ein­ge­tra­ge­nen Gesell­schaf­tern über­ein­stim­men 3. Dies hat der Bun­des­ge­richts­hof jeden­falls unter der Vor­aus­set­zung ange­nom­men, dass die GbR wei­ter­hin besteht 4.
Die (noch) im Grund­buch ein­ge­tra­ge­nen (bis­he­ri­gen) Gesell­schaf­ter gel­ten grund­sätz­lich auch dann in ent­spre­chen­der Anwen­dung von § 1148 Satz 1, § 1192 Abs. 1 BGB als Gesell­schaf­ter der Schul­de­rin, wenn die­se durch den Tod eines ein­ge­tra­ge­nen Gesell­schaf­ters gemäß § 727 Abs. 1 BGB auf­ge­löst wor­den ist.
Die Fol­gen einer Auf­lö­sung der GbR gemäß § 727 Abs. 1 BGB rich­ten sich nach den §§ 730 ff. BGB. Gemäß § 730 Abs. 2 Satz 1 BGB gilt die Gesell­schaft bis zum Abschluss der Liqui­da­ti­on als fort­be­stehend. Ent­ge­gen dem Wort­laut der Norm han­delt es sich nicht ledig­lich um eine Fik­ti­on 5. Viel­mehr bewahrt die Gesell­schaft ihre Iden­ti­tät in per­so­nen- und ver­mö­gens­recht­li­cher Hin­sicht. Auch ihre Rechts­fä­hig­keit als Außen­ge­sell­schaft besteht unver­än­dert fort 6. Ledig­lich der Gesell­schafts­zweck ver­än­dert sich, da er nun­mehr auf Aus­ein­an­der­set­zung gerich­tet ist 7. Im Ver­hält­nis zu Drit­ten tre­ten des­halb, abge­se­hen von den Aus­wir­kun­gen auf Geschäfts­füh­rung und Ver­tre­tung, kei­ne Ände­run­gen durch die Auf­lö­sung ein 8.
Da die GbR fort­be­steht, ver­än­dern sich die Anfor­de­run­gen an den Nach­weis ihrer Iden­ti­tät nicht. Es geht nicht um den Nach­weis ihrer Exis­tenz; nur inso­weit hat der Bun­des­ge­richts­hof die ent­spre­chen­de Anwen­dung von § 1148 Satz 1, § 1192 Abs. 2 BGB zuguns­ten des Gläu­bi­gers als zwei­fel­haft bezeich­net, ohne dies jedoch abschlie­ßend zu ent­schei­den 9.
Dar­an gemes­sen ist hier die Iden­ti­tät der Gesell­schaft nach­ge­wie­sen, weil der aus dem Grund­buch ersicht­li­che Gesell­schaf­ter­be­stand mit dem­je­ni­gen über­ein­stimmt, der aus dem Titel her­vor­geht, und zwei Gesell­schaf­ter ver­blie­ben sind. Wie es sich bei einer nur aus zwei Per­so­nen bestehen­den GbR ver­hiel­te, wenn der ver­stor­be­ne von dem ver­blie­be­nen Gesell­schaf­ter beerbt wird und infol­ge­des­sen die Gesell­schaft been­det wird 10, bedarf kei­ner Ent­schei­dung; dies gilt auch für die Fra­ge, wie zu ver­fah­ren wäre, wenn das Grund­buch den frü­he­ren und der Titel den aktu­el­len Gesell­schaf­ter­be­stand aus­wie­se 11.
Vor­lie­gend ver­fing auch die Rüge nicht, dass der (hier: zwi­schen­zeit­lich auf eine neue Gläu­bi­ge­rin umge­schrie­be­ne) Titel nicht gemäß § 750 Abs. 2 ZPO ord­nungs­ge­mäß zuge­stellt wor­den sei. Die Zustel­lung ist an vor­lie­gend an die bei­den übri­gen GbR-Gesell­schaf­ter erfolgt, dar­un­ter auch an den einen Gesell­schaf­ter, der zugleich Gesamt­rechts­nach­fol­ger des ver­stor­be­nen Gesell­schaf­ters ist. Man­gels beson­de­rer ver­trag­li­cher Ver­ein­ba­run­gen waren sowohl vor (§ 709 Satz 1 BGB) als auch nach der Auf­lö­sung (§ 730 Abs. 2 Satz 2 Halb­satz 2 BGB) der GbR alle Gesell­schaf­ter geschäfts­füh­rungs­be­fugt. Infol­ge­des­sen genüg­te gemäß § 170 Abs. 3 ZPO jeden­falls die Zustel­lung an die­sen einen Gesell­schaf­ter 12.
Aus den­sel­ben Grün­den ist auch der Anord­nungs­be­schluss wirk­sam zuge­stellt wor­den.
Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 19. Novem­ber 2015 – V ZB 201/​14
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im Anschluss an BGH, Beschluss vom 02.12 2010 – V ZB 84/​10, BGHZ 187, 344 ff.; BGH, Beschluss vom 24.02.2011 – V ZB 253/​10, NJW 2011, 1449 ff.[↩]
näher BGH, Beschluss vom 02.12 2010 – V ZB 84/​10, BGHZ 187, 344 Rn. 6 mwN[↩]
näher zum Gan­zen BGH, Beschluss vom 02.12 2010 – V ZB 84/​10, BGHZ 187, 344 Rn. 21; Beschluss vom 24.02.2011 – V ZB 253/​10, NJW 2011, 1449 Rn. 14 ff.[↩]
BGH, Beschluss vom 24.02.2011 – V ZB 253/​10, NJW 2011, 1449 Rn. 16, 18 a.E.[↩]
Henssler/​Strohn/​Kilian, Gesell­schafts­recht, 2. Aufl., § 730 BGB Rn. 6; Soergel/​Hadding/​Kießling, BGB, 13. Aufl., § 730 Rn. 1[↩]
Münch­Komm-BGB-Schä­fer, 6. Aufl., § 730 Rn. 24[↩]
vgl. BGH, Urteil vom 08.03.1966 – V ZR 32/​64, WM 1966, 639, 640[↩]
vgl. Münch­Komm-BGB-Schä­fer, 6. Aufl., § 730 Rn. 24; Soergel/​Hadding/​Kießling, BGB, 13. Aufl., § 730 Rn. 18[↩]
vgl. BGH, Beschluss vom 24.02.2011 – V ZB 253/​10, NJW 2011, 1449 Rn. 16, 18 a.E.[↩]
vgl. BGH, Beschluss vom 24.02.2011 – V ZB 253/​10, NJW 2011, 1449 Rn. 13; Soergel/​Hadding/​Kießling, BGB, 13. Aufl., § 727 Rn. 1[↩]
offen gelas­sen in BGH, Beschluss vom 23.10.2013 – V ZB 166/​11[↩]
vgl. BGH, Beschluss vom 06.04.2006 – V ZB 158/​05, DNotZ 2006, 777, 778[↩]
BGH, Urteil vom 08.11.1965 – II ZR 223/​64, BGHZ 44, 229, 231[↩]
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