Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Text=BGHZ%20104,%20337
Timestamp: 2020-07-09 12:09:21
Document Index: 242712337

Matched Legal Cases: ['BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 628', 'BGH', 'BGH', '§ 497', '§ 497', 'BGH', 'BGH', '§ 497', '§ 497', '§ 609', 'BGH', '§ 628', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 11', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 628', 'BGH', 'BGH', '§ 286', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 288', '§ 557', 'BGH', '§ 301', 'BGH', 'BGH', '§ 812', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 488', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH']

BGH, 28.04.1988 - III ZR 57/87 - dejure.org
https://dejure.org/1988,135
BGH, 28.04.1988 - III ZR 57/87 (https://dejure.org/1988,135)
BGH, Entscheidung vom 28.04.1988 - III ZR 57/87 (https://dejure.org/1988,135)
BGH, Entscheidung vom 28. April 1988 - III ZR 57/87 (https://dejure.org/1988,135)
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Verzugszins - Bankkreditvertrag - Nichterfüllungsschaden - Berechnung - Beweisfragen
Anspruch der Bank bei Verzug des Darlehensnehmers auf den Marktzins oder bis zum nächsten Kündigungstermin auf den Vertragszins
Zur Berechnung des Verzugsschadens bei Zahlungsverzögerung des Kreditnehmers
BGHZ 104, 337
NJW 1988, 1967
NJW-RR 1988, 1074 (Ls.)
ZIP 1988, 759
MDR 1988, 758
WM 1988, 929
BB 1988, 1481
DB 1988, 1894
Stattdessen steht ihr ein Anspruch auf Ersatz des Verzögerungsschadens zu, wobei sie ihren Verzugsschaden konkret oder abstrakt berechnen kann (vgl. nur BGH, Urteile vom 28. April 1988 - III ZR 57/87, BGHZ 104, 337, 338 f. und III ZR 120/87, WM 1988, 1044, 1045).
Anstelle dieses Verzögerungsschadens kann die Bank in entsprechender Anwendung des Rechtsgedankens des § 628 Abs. 2 BGB aber auch den bisherigen Vertragszins als Schadensersatz wegen Nichterfüllung des vorzeitig beendeten Darlehensvertrags verlangen, wobei sich dieser Zinsanspruch nur auf das noch offene Darlehenskapital bezieht und auf den Umfang beschränkt ist, in dem der Darlehensgeber eine rechtlich geschützte Zinserwartung hatte (vgl. BGH, Urteile vom 28. April 1988 - III ZR 57/87, BGHZ 104, 337, 341 f. und vom 8. Februar 2000 - XI ZR 313/98, WM 2000, 718, 719).
Knüpft, wie oben ausgeführt, die in beide Richtungen widerlegliche Vermutung normativ spiegelbildlich an die Regelungen an, die die von den Banken beanspruchbaren Verzugszinsen normieren (…Senatsurteil vom 12. Juli 2016 - XI ZR 564/15, WM 2016, 1930 Rn. 58), muss Grundlage einer abweichenden konkreten Berechnung so wie nach § 497 Abs. 1 Satz 3 BGB in der bis zum 10. Juni 2010 geltenden Fassung bzw. § 497 Abs. 1 Satz 2 BGB in der seit dem 11. Juni 2010 geltenden Fassung die Verwendung des konkret vorenthaltenen Geldbetrages sein (vgl. BGH, Urteile vom 28. April 1988 - III ZR 57/87, BGHZ 104, 337, 349 und vom 8. November 1973 - III ZR 161/71, WM 1974, 128, 129;… MünchKommBGB/Schürnbrand, 7. Aufl., § 497 Rn. 14 ff.;… Bülow/Artz, Verbraucherkreditrecht, 9. Aufl., § 497 Rn. 36 ff.).
Da der Beklagte den Darlehensvertrag nach § 609 a Abs. 1 Nr. 3 BGB frühestens nach zehn Jahren mit einer Frist von sechs Monaten kündigen konnte, entspricht dies dem Zeitraum der rechtlich geschützten Zinserwartung (BGHZ 104, 337, 343; 136, 161, 170).
Anstelle dieses Verzögerungsschadens kann die Bank in entsprechender Anwendung des Rechtsgedankens des § 628 Abs. 2 BGB aber auch den bisherigen Vertragszins als Schadensersatz wegen Nichterfüllung des vorzeitig beendeten Darlehensvertrags verlangen, wobei sich dieser Zinsanspruch nur auf das noch offene Darlehenskapital bezieht und auf den Umfang beschränkt ist, in dem der Darlehensgeber eine rechtlich geschützte Zinserwartung hatte (vgl. BGH, Urteile vom 28. April 1988 - III ZR 57/87, BGHZ 104, 337, 341 ff. und III ZR 120/87, WM 1988, 1044, 1045 und vom 8. Februar 2000 - XI ZR 313/98, WM 2000, 718, 719).
Der Gesetzgeber wollte damit die aufgrund der beiden Urteile des Bundesgerichtshofs vom 28. April 1988 (III ZR 57/87, BGHZ 104, 337 und III ZR 120/87, WM 1988, 1044) für zulässig erachteten Schadensberechnungsmöglichkeiten einer einfachen und praktikablen Neuregelung zuführen, weil die vom Bundesgerichtshof entwickelte Lösung zwar zu befriedigenden Ergebnissen führe, aber von der Kreditwirtschaft als unpraktikabel und schwer umsetzbar bemängelt worden sei (…BT-Drucks. 11/5462, S. 13 f.).
Soweit der Rechtsausschuss die von ihm empfohlene Streichung des § 11 Abs. 3 der Entwurfsfassung allerdings auch damit begründet hat, dass diese Regelung durch das Urteil des Bundesgerichtshofs vom 28. April 1988 (III ZR 57/87, BGHZ 104, 337) überholt sei (…vgl. BT-Drucks. 11/8274, S. 22), beruht dies auf einem Missverständnis dieser Rechtsprechung.
Endet dieses Recht infolge Zeitablaufs oder Kündigung und verlangt der Darlehensgeber Zahlung in einer Weise, die den Darlehensnehmer in Schuldnerverzug setzt und die Annahme einer stillschweigend fortgesetzten Darlehensvereinbarung ausschließt, so entfällt für die Folgezeit der Anspruch des Darlehensgebers auf Weiterzahlung des Vertragszinses (vgl. BGH, Urteil vom 28. April 1988 - III ZR 57/87, BGHZ 104, 337, 338 f.).
Soweit der Bundesgerichtshof diesen - in der Zeit vor Inkrafttreten des Schuldrechtsmodernisierungsgesetzes so bezeichneten - Anspruch auf Schadensersatz wegen Nichterfüllung auf eine entsprechende Anwendung des Rechtsgedankens des § 628 Abs. 2 BGB gestützt hat (vgl. BGH, Urteile vom 28. April 1988 - III ZR 57/87, BGHZ 104, 337, 341 f. und III ZR 120/87, WM 1988, 1044, 1045; Senatsurteil vom 8. Februar 2000 - XI ZR 313/98, WM 2000, 718, 719), bedarf es dessen nicht mehr.
Mit der bisherigen Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs ist davon auszugehen, daß der Kreditgeber nach §§ 286 ff. BGB als Verzugsschaden eine Verzinsung nicht nur des im Zeitpunkt der Fälligstellung und Anmahnung offenen Kapitalrestes, sondern auch der Rückstände vertraglicher Zinsen, also des gesamten Schlußsaldos verlangen kann (BGHZ 104, 337, 344 ff.; 110, 336, 341 [BGH 13.03.1990 - XI ZR 252/89];… Senatsurteil vom 13. November 1990 aaO. S. 63).
a) Nach Auffassung des Senats ist auch bezüglich des Zinseszinses davon auszugehen, daß ein Kreditinstitut einen ihm vorenthaltenen Geldbetrag im Rahmen seines Geschäftsbetriebs gewinnbringend durch Abschluß neuer Kreditverträge mit anderen Kreditnehmern zu den im fraglichen Zeitraum banküblichen Zinssätzen genutzt hätte (BGHZ 104, 337, 344 f.).
b) Für die Berechnung des Verzugsschadens aus verzögerter Zinszahlung sind die Grundsätze heranzuziehen, die der Bundesgerichtshof (BGHZ 104, 337, 344 ff.) allgemein für die Ermittlung des Verzugsschadens von Banken bei abstrakter Schadensberechnung aufgestellt hat.
Diese Schätzung ist nicht zu beanstanden (vgl. BGHZ 104, 337, 349 f.).
Der erkennende Senat folgt insoweit der Rechtsprechung des - früher für das Darlehensrecht zuständigen - III. Zivilsenats: Danach kann sich eine Bank weder in ihren AGB das Recht ausbedingen, ohne Rücksicht auf ihren Verzugsschaden die unveränderte Weiterzahlung der Vertragszinsen zu verlangen (BGHZ 104, 337, 339/340), noch steht ihr ein gesetzlicher Anspruch darauf aus §§ 288 Abs. 1 Satz 2 BGB, 301 BGB oder analog § 557 Abs. 1 BGB zu (…BGHZ aaO. S. 340/341).
Insoweit gilt das gleiche wie für § 301 BGB (vgl. BGHZ 104, 341 [BGH 28.04.1988 - III ZR 57/87]): Früher hielt sich der Marktzins in der Nähe des gesetzlichen Verzugszinsen und war keinen starken Schwankungen ausgesetzt.
Ob und in welchem Umfang die §§ 812, 818 BGB einen Zinsanspruch des Kreditgebers für die Zeit rechtfertigen, in der ihm das Kapital ohne Rechtsgrund vorenthalten wird, ist im Schrifttum umstritten und auch von der Rechtsprechung bisher nicht abschließend geklärt (BGHZ 104, 337, 343/344 m.w.Nachw.).
Bei abstrakter Schadensberechnung kann die Bank nach der Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs den marktüblichen Wiederanlagezins verlangen, den sie bei rechtzeitiger Zahlung des Kreditnehmers hätte erzielen können; dabei ist ein institutsspezifischer Durchschnittszinssatz zugrunde zu legen, der sich nach der Zusammensetzung des gesamten Aktivkreditgeschäfts der Bank richtet (BGHZ 104, 337, 344 f.).
Zwar wird im Urteil BGHZ 104, 337, 348 für die Ermittlung der marktüblichen Sollzinsen auf die Statistik der Deutschen Bundesbank verwiesen.
Mit Recht verweist die Klägerin darauf, daß schon in der Entscheidung des III. Zivilsenats BGHZ 104, 337 ausgeführt ist, einer Bank, der sogar eine prozentuale Aufschlüsselung ihres Aktivkreditvolumens nach Kreditarten unzumutbar erscheine, stehe als Schadensersatz wenigstens der marktübliche Zinssatz der Anlageart zu, die den geringsten Zinsertrag erbringe (…aaO. S. 348).
Zur Begründung führte der Rechtsausschuss aus, die dort vorgeschlagene Regelung sei durch die Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs (BGH, Urteil vom 28.04.1988 = NJW 1988, 1967) überholt.
In der vom Rechtsausschuss in Bezug genommenen Entscheidung vom 28.04.1988 (III ZR 57/97, BGHZ 104, 337, 338 f. = NJW 1988, 1967) hat der Bundesgerichtshof seine Rechtsprechung bestätigt, dass der Kreditgeber keinen pauschalen Verzugszins in Höhe des vertraglichen Zinssatzes geltend machen könne (BGH, Urteil vom 07.11.1985 - III ZR 128/84, NJW-RR 1986, 205, 207; vom 16.10.1986 - III ZR 92/95, NJW 1987, 184, 185; vom 21.05.1987 - III ZR 56/86, NJW-RR 1987, 1186; vom 09.07.1987 - III ZR 229/85, WM 1987, 1125, 1126; vom 22.10.1987 - IX ZR 267/86, NJW 1988, 3205, 3207).
Dies folgt auch aus der vom Rechtsausschuss des Bundestags herangezogenen Entscheidung des Bundesgerichtshofs vom 28.04.1988, in welcher ausgeführt worden ist, der Kreditnehmer schulde bei von ihm verschuldeter Vorfälligkeit den bisherigen Vertragszins als Schadensersatz wegen Nichterfüllung des vorzeitig beendeten Vertrags, begrenzt auf die Verzinsung des Darlehenskapitals bis zum Zeitpunkt des vorgesehenen Rückzahlungszeitpunkts (III ZR 57/87, BGHZ 104, 337, 342 f.).
Bei konkreter Schadensberechnung tritt daher an die Stelle des durch die Kündigung untergegangenen Primärleistungsanspruch auf den Vertragszins ein sekundärer Schadensersatzanspruch wegen Nichterfüllung in gleicher Höhe, so lange die Valuta nicht zurückgeführt ist (vgl. BGH, Urteil vom 28.04.1988 - III ZR 57/87, BGHZ 104, 337, 342 f.; vom 08.02.2000 - XI ZR 313/98, NJW 2000, 1408, 1409; Wehrt, WM 2004, 401, 408).
Nach dem Zeitpunkt des Wirksamwerdens der Kündigung des Darlehensvertrages - zu dem das Berufungsgericht keine Feststellungen getroffen hat - kann der vertraglich vereinbarte Zins auf das Darlehenskapital nicht mehr verlangt werden (BGHZ 104, 337, 338 f. = NJW 1988, 1967, 1968; BGH Urteil vom 26. Januar 1999 - XI ZR 83/98 - BeckRS 1999 30044005;… BeckOK-BGB/Rohe [Stand: 1. August 2015] § 488 Rn. 65).
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