Source: https://www.koordination.ch/de/online-handbuch/atsg/unfallbegriff/t-z/zahnschaden/
Timestamp: 2019-05-23 19:06:26
Document Index: 34092323

Matched Legal Cases: ['BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'Art. 4', 'BGE', 'BGE']

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Unfallbegriff > Zahnschaden / Kauschaden / Zahnunfall
Kauschaden
Fremdkörper verschluckt = Beweislosigkeit für Unfallhergang = Keine Deckung
Bedeutung eines vorgeschädigten Zahnes
Zahn am Trinkglas anschlagen
Zahnschaden nach Sprung
Expertensystem Zahnschaden
Diese Applikation beurteilt, ob der Unfallbegriff im Rahmen des Zahnschadens (Kauschaden) vorliegt.
Wenn beim Kauen ein Zahn abbricht, ist die Voraussetzung des ungewöhnlichen Faktors nur dann gegeben, wenn der harte Gegenstand, auf welchen man beisst, den Rahmen des Alltäglichen überschreitet. Wurde der harte Gegenstand verschluckt, kann der Unfallhergang nicht nachgewiesen werden; d. h. es besteht keine Deckung.
Der ungewöhnliche äussere Faktor liegt vor:
Stein in entkernter Kirschen-Konfitüre
Olivenstein in entkerntem Oliven-Beutel
Nussschale im Nussbrot (BGE 114 V 169), im Nussgebäck, in einer Nussschokolade
Knochensplitter in einer Wurst (RKUV 1992 S. 82)Wenn beim Kauen ein Zahn abbricht, ist die Voraussetzung des ungewöhnlichen Faktors nur dann gegeben, wenn der harte Gegenstand (Beweis desselben), auf welchen man beisst, den Rahmen des Alltäglichen überschreitet.
Der ungewöhnliche äussere Faktor liegt nicht vor:
Steine im gekauften Salat mit Oliven ohne Hinweis auf dem Beutel bezüglich Olivensteine
Steinchen in Morchelsauce
Nüsse im Salat
Olive mit Stein im grünen Salat
Griottes aus Kirsch
Tiefgekühlte Pizza mit Oliven
Schrot im Wild
Hartem Biskuit, wie z. B. Totenbeinli
Einer Dekorationsperle im Kuchen, die zum Essen bestimmt ist (BGE 112 V 201)
Poulet- oder Kotelettknochen (BGE 112 V 105)
Nicht aufgeplatztem, hartem Maiskorn im Popcorn (BGE vom 16.1.1992)
Knorpel in grober Wurst (RKUV 1992 S. 84)
Selbstgebackenen Kirschenkuchens, der mit nicht entsteinten Früchten zubereitet wurde (BGE 112 V 201)
Beim Essen von Tuttifrutti auf einen Zwetschgenstein gebissen hat - wobei er wissen musste, dass diese Zwetschgen nicht entsteint sind (BGE 112 V 201)
Das Beissen auf eine gedörrte Zwetschge, von der man weiss, dass sie nicht entsteint ist (BGE 112 V 201)
Weitere Kauschaden-Urteile in chronologischer Reihenfolge:
Urteil 8C_191/2018 vom 21.12.2018 (Volltext): Steine im gekauften Salat mit Oliven ohne Beutelhinweis
Der Unfallbegriff ist nicht erfüllt.
Der Versicherte kaufte einen abgepacken, essfertigen Salat mit Oliven. Auf der Verpackung war kein Hinweis, dass die enthaltenen Oliven entsteint oder nicht entsteint sind. Der Versicherte biss auf einen Olivenstein und beschädigte einen Zahn. Das Gericht verneinte den Unfallbegriff infolge fehlender Ungwöhnlichkeit; der Versicherte musste infolge fehlendem Verpackungshinweis mit Steinen in den Oliven rechnen.
Anders verhält es sich, wenn der Versicherte einen Beutel mit ausdrücklich entsteinten Oliven kauft: Urteil 8C_985/210 vom 20.04.2011
Urteil 8C_53/2016 vom 09.11.2016 (Volltext): Morchelsauce
Versicherte kaufte einen Beutel getrocknete Morcheln. Zahnschaden beim Biss auf ein Kieselsteinchen in der Morchelsauce. Der Unfallbegriff ist nicht erfüllt. Obwohl die Morcheln in einer verschlossenen Verpackung gekauft wurden, ist der ungewöhnliche äusserer Faktor nicht erfüllt.
Urteil 8C_750/2015 vom 18.01.2016 (Volltext): Nüsse im Salat
5. ... Ausschlaggebend ist dabei nach der Rechtsprechung zu den Zahnverletzungen beim Essen, ob der fragliche äussere Faktor, der zur Zahnverletzung geführt hat, üblicher Bestandteil des verarbeiteten Materials ist. Nüsse sind weder im Brot noch im Salat - als Dekoration beziehungsweise geschmackliche Anreicherung - grundsätzlich unüblich. Jedenfalls war die Nuss im Salat zum Essen bestimmt, und es geht entgegen der vorinstanzlichen Auffassung nicht über das Alltägliche und Übliche hinaus (BGE 134 V 72 E. 4.1 S. 76), wenn Nüsse in einem Salat verwendet werden. Daran vermag auch nichts zu ändern, dass er im Restaurant offenbar als "Caesar-Salat" angeboten wurde und solche Salate nicht regelmässig mit Nüssen gereicht werden. Nicht massgebend ist, ob der Versicherte persönlich davon ausging, dass der Salat keine Nüsse enthalte. - Die Walnuss im Salat lässt sich daher nicht als ungewöhnlicher äusserer Faktor und damit der erlittene Zahnschaden nicht als Unfall qualifizieren.
Urteil 8C_893/2014 vom 27.01.2014 (Volltext): Olive mit Stein im grünen Salat
3.5. Zusammenfassend lässt sich die grüne Olive mit Stein im grünen Salat nicht als ungewöhnlicher äusserer Faktor und damit der erlittene Zahnschaden nicht als Unfall qualifizieren.
Urteil 9C_553/2013 vom 17.10.2013 (Volltext): Kirschen-Konfitüre
Der Unfallbegriff ist erfüllt.
Wer sich an einem Stein in der entkernten Kirschen-Konfitüre einen Zahn ausbeisst.
Ob es sich um hausgemachte oder industriell gefertigte Konfitüre handelt, spielt dabei keine Rolle. Sie habe schon früher von deren Kirschen-Konfitüre gegessen und nie einen Stein darin gefunden. Darauf habe sie vertrauen dürfen.
Urteil 9C_985/2010 vom 20.04.2011 (Volltext): Olivenbrot (Beutel mit entkerten Oliven)
Versicherte kaufte Beutel mit entkernten Oliven, welche sie zum Backen eines Olivenbrots verwendete. Biss beim Verzehr eines selbstgebackenen Brots auf einen Olivenstein und Bruck eines Zahnes. Entkernte Oliven sollten keine Steine enthalten. Anders könnte das Resultat aussehen, wenn auf der Packung gut sichtbar eine entsprechende Warnung gewesen wäre.
Sehen Sie Urteil 8C_191/2018 vom 20.04.2011: Fehlender Hinweis auf der Verpackung führte zur Verneinung des Unallbegriffs.
Urteil U 8/06 vom 13.03.2006 (Volltext): Griottes aus Kirsch
Ungewöhnlich war somit nicht der Biss auf den Kirschstein in der "Griotte au Kirsch", sondern die dadurch verursachte Schädigung des Backenzahns. Weil sich das Merkmal der Ungewöhnlichkeit nur auf den äusseren Faktor selbst, nicht aber auf dessen Wirkungen auf den menschlichen Körper bezieht, liegt kein Unfall im Sinne von Art. 4 ATSG vor.
Urteil U 454/04 vom 14.02.2006 (Volltext) : Pizza mit Oliven
Beim Verzehr einer tiefgekühlten Pizza mit Oliven: Man muss damit rechnen, dass sich noch Kerne in den Oliven befinden.
Urteil U 367/04 vom 18.10.2005 (Volltext): Wild essen
Beim Essen von Wild in einem Restaurant muss damit gerechnet werden, dass sich Reste von Schrot bzw. Projektilen im Fleisch befinden. Ein ungewöhnlicher äusserer Faktor ist zu verneinen.
Urteil 8C_250/2016 vom 20.06.2018 (Volltext): Vermutung eines Steinchens genügt nicht
Sachverhalt: Beim Essen von Kartoffelgratin auf einen harten Gegenstand gebissen; diesen jedoch verschluckt.
4.1. Die blosse Vermutung, der Zahnschaden sei durch einen Fremdkörper verursacht worden, genügt für die Annahme eines ungewöhnlichen äusseren Faktors nicht genügt (vgl. etwa Urteile 8C_215/2013 vom 4. Juni 2013 E. 3, 8C_1034/2009 vom 28. Juli 2010 E. 4.4.3, 9C_1095/2009 vom 31. März 2010, 8C_1059/2008 vom 27. Februar 2009 E. 4.3, K 155/05 vom 23. November 2005 E. 3, RKUV 2004 Nr. U 515 S. 418, U 64/02 E. 2.2, je mit Verweis auf TURTÈ BAER, Die Zahnschädigung als Unfall in der Sozialversicherung, SJZ 1992, S. 324, mit Hinweisen).
Dies treffe insbesondere auch dann zu, wenn der fragliche Gegenstand zwar benannt werde, der entsprechende Nachweis aber nicht erbracht werden könne (Urteil K 155/05 vom 23. November 2005 E. 3 mit Hinweisen). Da die versicherte Person den fraglichen Gegenstand verschluckte und deshalb lediglich die Vermutung anstellen konnte, es habe sich um ein kleines Steinchen gehandelt, ist nicht zu beanstanden, dass die Vorinstanz eine Zahnschädigung durch ein Steinchen als nicht überwiegend wahrscheinlich erachtete.
Urteil 8C_215/2013 vom 04.06.2013 (Volltext): Gegenstand muss vorliegen
Beim Nussbrot-Sandwich-Essen Zahn abgebrochen. Unfallbegriff nicht erfüllt: Fremdkörper (Nussschale) nicht rechtsgenügend nachgewiesen.
3 ... Die blosse Vermutung, der Zahnschaden sei durch einen Fremdkörper verursacht worden, nicht genügt für die Annahme eines ungewöhnlichen äusseren Faktors ( Turtè Baer, Die Zahnschädigung als Unfall in der Sozialversicherung, SJZ 1992, S. 324, mit Hinweisen). In diesen Fällen liegt Beweislosigkeit vor, deren Folgen die versicherte Person zu tragen hat, welche aus dem unbewiesen gebliebenen Sachverhalt Rechte ableiten wollte (BGE 138 V 218 E. 6 S. 221 f.; 117 V 261 E. 3b S. 264 mit Hinweisen), und es besteht keine Leistungspflicht des Unfallversicherers. Eine blosse Vermutung, dass der Schaden durch einen ungewöhnlichen äusseren Faktor eingetreten sei, liegt nach der Rechtsprechung insbesondere auch dann vor, wenn der fragliche Gegenstand zwar benannt wurde, der entsprechende Nachweis aber nicht erbracht werden konnte (RKUV 2004 Nr. U 515 S. 418, U 64/02 E. 2.2.2; RKUV 2004 Nr. U 518 S. 433, U 252/02 E. 6.3).
Urteil 9C_19/2008 vom 03.06.2008 (Volltext): Beweislosigkeit = Unfallbegriff nicht erfüllt.
Der Versicherte hat beim Essen von Butterzopf mit Aprikosenkonfitüre auf einen harten Gegenstand gebissen und sich dadurch einen Zahnschaden zugezogen. Er hat den Fremdkörper, welcher die Schädigung der Zähne verursachte, verschluckt.
Es kann nicht mehr rechtsgenüglich festgestellt werden, ob der Zahnschaden durch einen ungewöhnlichen äusseren Faktor verursacht wurde, was für die Bejahung eines Unfalls im Rechtssinne jedoch vorausgesetzt wäre. Es liegt Beweislosigkeit vor. Der Versicherte hat die Folgen aus dem unbewiesen gebliebenen Sachverhalt - der Verursachung der Zahnschädigung durch einen Fremdkörper - selber zu tragen. - Der Unfallbegriff ist nicht erfüllt.
Urteil 8C_750/2015 vom 18.01.2016 (Volltext)
Nicht massgeblich ist, dass der am 29. Juli 2014 verletzte Zahn vorgeschädigt war. Die Annahme eines Unfalles darf nach der Rechtsprechung nicht mit der Begründung ausgeschlossen werden, ein völlig intakter Zahn hätte die Belastung überstanden. Es genügt, dass ein sanierter Zahn für den normalen Kauakt funktionstüchtig ist (BGE 112 V 201 E. 3a S. 204).
Urteil U 243 vom 8.2.1996 (RKUV 3/1996)
Das Anschlagen eines Schneidezahns mit einem Glas beim Trinken stellt nichts Ungewöhnliches dar, selbst wenn dies mit einer gewissen Heftigkeit erfolgt (E. 2b).
Urteil 8C_718/2009 vom 30.11.2009 (Volltext)
Der Unfallbegriff ist nicht erfüllt bei einem Versicherten, der anlässlich eines Baustellenbesuchs in eine 80 cm tiefe Grube springt und dabei durch einen Kugelschreiber, den er sich vor dem Sprung in den Mund gesteckt hat, einen vorschädigten, mit einer Amalgamfüllung sanierten Zahn beschädigt.