Source: http://www.ferner-alsdorf.de/rechtsanwalt/strafrecht/hacker-aus-aldenhoven-mit-webcams-madchen-ausgespaht/2636/
Timestamp: 2016-12-04 08:10:06
Document Index: 246185418

Matched Legal Cases: ['§202', '§202', '§303', '§201', '§202', '§184', 'BGH', 'BGH']

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Hacker aus Aldenhoven: Mit Webcams Mädchen ausgespäht	Startseite > News und Urteile > Strafrecht > Artikel
Gestern wurde bekannt, dass sich ein „Hacker“ mittels eines Trojaners Zugriff auf Webcams in Laptops von Kindern – wohl vornehmlich Mädchen – verschafft haben soll. Ich hatte schon via Twitter darauf hingewiesen, dass der Tatverdächtige aus der Region Aachen kommen soll. Heute morgen bringt die Aachener Zeitung (Seiten 1 und 5) noch einige Details: Demzufolge soll der Tatverdächtige aus Aldenhoven kommen und keinerlei Vorstrafen in diesem Bereich haben. Die Staatsanwaltschaft Aachen ermittelt laut Aachener Zeitung wegen des Ausspähens von Daten (§202a StGB), daneben werden aber sicherlich das Abfangen von Daten (§202b StGB) sowie die Sabotagedelikte der §§303a-303c StGB zu prüfen sein. Warum der naheliegende §201a StGB („Verletzung des höchstpersönlichen Lebensbereichs durch Bildaufnahmen“) noch keine Erwähnung findet, ist mir dabei nicht klar.
Die Tat wurde laut Zeitung wie folgt begangen: Der Täter konnte (auf Grund eines schwachen Passwortes) den ICQ-Account eines Schülers „hacken“ – was eine weitere strafbare Handlung darstellt – und unter dessen Namen einen selbst programmierten Virus („Trojaner“, getarnt als Bilddatei) an weibliche Kontakte des Schülers verbreiten. Vertrauensselig öffneten die Schülerinnen das vermeintliche Bild und ermögichtem dem Trojaner den Zugriff auf den Rechner. Von da an konnte der Tatverdächtige über den Trojaner selbstständig die Webcam des Rechner ein- und ausschalten. Einigen Mädchen fiel auf, dass eine vorhandene Lampe der Webcam hin und wieder einen eingeschalteten Zustand signalisierte – obwohl die Kinder diese gar nicht nutzten. Neben der strafrechtlichen Frage werden letztlich auch zivilrechtliche Ansprüche (speziell Schmerzensgeld) zu prüfen sein, die Opfer müssen dabei erfahren, ob ihre Dateien alleine auf dem Rechner des tatverdächtigen gespeichert – oder auf entsprechenden Webseiten verbreitet wurden. Laut Aachener Zeitung ergibt sich dabei zur Zeit das Problem, dass die Bilder unter Alias-Namen gespeichert wurden und die Opfer noch nicht umfänglich identifiziert seien.
Für den Tatverdächtigen wird dabei die Frage der Bewertung der Delikte eine Rolle spielen: Während die Daten-Delikte zwischen einem (201a StGB) und drei Jahren (§202a StGB) Freiheitsstrafe im Höchstfall vorsehen, wäre er beim §184b StGB bei bis zu 5 Jahren – sofern die Bilder (oder ein Teil davon) kinderpornographischen Inhalts wären. Dies wird an einer genauen Bewertung der Bilder liegen, wobei hier der Hinweis reichen soll, dass in diesem Bereich „haarklein“ differenziert wird.
Hinweis: Zu dem Thema wird nächste Woche eine detailliertere rechtliche Analyse auf unserer Webseite zum Internet-Strafrecht erscheinen.
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