Source: https://beauftragter-missbrauch.de/presse-service/glossar/
Timestamp: 2020-02-22 11:05:56
Document Index: 75617623

Matched Legal Cases: ['§ 176', '§ 1626', 'Art. 2', '§ 183', '§ 176', '§ 174', '§ 35', '§ 184', '§177']

Glossar – UBSKM
Vorübergehende Störung nach traumatischen Ereignissen wie sexueller Gewalt, die im Gegensatz zur posttraumatischen Belastungsstörung meist innerhalb von Tagen oder Stunden abklingt. Sie beginnt häufig mit einer Art von „Betäubung“ und zeigt sich in Symptomen wie beispielsweise Reizbarkeit, Stimmungsschwankungen, Ängsten, Aggressionen oder Wahrnehmungsveränderungen. Diese Symptome sind normale, nicht behandlungsbedürftige, psychische Reaktionen nach Extrembelastungen, die zeigen, dass ein Mensch mit der Verarbeitung des Erlebten vorübergehend überlastet ist.
Es gibt in Deutschland weder für das Opfer noch für andere Privatpersonen eine gesetzliche Pflicht, bei dem Verdacht auf begangene oder geplante Sexualstraftaten Strafanzeige gegen den Täter oder die Täterin zu stellen. Behörden und Amtsträger, die im Bereich der Strafverfolgung tätig sind (z. B. Polizei und Staatsanwaltschaften) sind aber verpflichtet, ihnen dienstlich bekannt gewordene Straftaten anzuzeigen. Behörden, die keine Strafverfolgung betreiben (z. B. Jugendämter) sind hierzu nicht verpflichtet.
Vorbereitung und Anbahnung von Missbrauchshandlungen mittels digitaler Medien. Dazu zählen die Identifizierung potenzieller Opfer, das Gewinnen ihres Vertrauens durch besondere Aufmerksamkeit, das Verstricken in Abhängigkeit, Bestechung, Zwang sowie die Gewöhnung an sexuell gefärbte Kommunikation. Cybergrooming ist strafbar (§ 176 Absatz 4 Nr. 3 StGB).
Psychische Störung, die sich dadurch auszeichnet, dass sich die Psyche infolge schwerster Traumata, beispielsweise frühkindlichen sexuellen Missbrauchs, in mindestens zwei, als unabhängig empfundene Persönlichkeitsanteile aufspaltet, die abwechselnd die Kontrolle über Körper und Psyche übernehmen und sich gegenseitig nicht wahrnehmen. Durch Abspalten (=Dissoziieren) von Persönlichkeitsanteilen wird die Traumatisierungen auf verschiedene Teilpersönlichkeiten verteilt, da nur eine Persönlichkeit das schwere traumatische Erleben nicht aushalten könnte.
Straftaten, die den staatlichen Behörden nicht bekannt werden und folglich „im Dunkeln“ bleiben. Bei der Erstellung von Kriminalstatistiken geht man davon aus, dass die eigentliche Anzahl von Straftaten (z. B. auch Sexualdelikte) weit höher liegt als bekannt (siehe Hellfeldstatistik), da viele Taten nicht angezeigt oder entdeckt werden.
Bei sexueller Gewalt gilt das Dunkelfeld als besonders groß, da die Gründe von einer Anzeige abzusehen, vielfältig sind; u.a. kommt es nicht zur Anzeige, weil Betroffene ein Strafverfahren nicht möchten oder das konkrete Geschehen als strafrechtlich nicht relevant gilt.
Die Eltern haben die Pflicht und das Recht, für das minderjährige Kind zu sorgen. Die elterliche Sorge umfasst die Sorge für die Person des Kindes (Personensorge) und das Vermögen des Kindes (Vermögenssorge) in Abhängigkeit vom Entwicklungsstand des Kindes (§ 1626 BGB). Das Kindeswohl muss die oberste Richtschnur der elterlichen Pflege und Erziehung sein. Über diese elterliche Verantwortung wacht die staatliche Gemeinschaft (s.g. staatliches Wächteramt, Art. 2 Abs. 2 GG).
Psychotherapieform zur Behandlung von Traumafolgestörungen, insbesondere der Posttraumatischen Belastungsstörung. Durch angeleitete Augenbewegungen wird das Gehirn stimuliert, die eigenen Selbstheilungskräfte zu aktivieren und die belastenden Erinnerungen zu verarbeiten. Seit 2014 wird EMDR als Methode und Kassenleistung anerkannt.
siehe Führungszeugnis.
Zwanghaftes Verhalten der Entblößung der eigenen Geschlechtsteile vor anderen (fremden) Personen, um deren Abscheu und Erschrecken zu erregen. § 183 StGB stellt exhibitionistische Handlungen von Männern unter Strafe. Exhibitionistische Handlungen vor Kindern und Jugendlichen stellen sogenannte Missbrauchshandlungen ohne Körperkontakt dar. Strafbar sind sie nach § 176 Absatz 4 Nr. 1 beziehungsweise § 174 Absatz 3 Nr. 1 StGB.
Fachberatungsstellen gegen sexuellen Missbrauch unterstützen betroffene Kinder und Jugendliche als Erstanlaufstelle sowie durch langfristige Beratung und therapeutische Begleitung. Viele erwachsene Betroffene, die in ihrer Kindheit ohne Hilfe blieben, können im Erwachsenenalter Unterstützung durch eine Fachberatungsstelle erhalten. Auch Eltern, Fachkräfte und andere Menschen, die sich um Kinder sorgen machen, können sich zu Prävention, zum Umgang mit Verdacht und zur Unterstützung betroffener Mädchen und Jungen beraten lassen. Die meisten Fachberatungsstellen arbeiten vertraulich und auf Wunsch anonym. Sie unterliegen weder einer Meldepflicht an Strafverfolgungsbehörden noch an Jugendämter. Beratungen erfolgen kostenfrei, in seltenen Fällen auf freiwilliger Spendenbasis.
Das Führungszeugnis gibt Auskunft darüber, ob eine bestimmte Person vorbestraft ist oder nicht, allerdings werden nur bestimmte Vorstrafen in das Führungszeugnis eingetragen. Im erweiterten Führungszeugnis sind weitgehende Angaben zu Vorstrafen bei Sexualdelikten an Kindern und Jugendlichen eingetragen.
Bei einem Glaubhaftigkeitsgutachten handelt es sich um eine aussagepsychologische Begutachtung, deren Gegenstand die Frage ist, ob Angaben zu einem bestimmten Geschehen – beispielsweise sexuellem Missbrauch –auf einem tatsächlichen Erleben der untersuchten Person beruhen. Glaubhaftigkeitsgutachten werden im Rahmen von Ermittlungs- und Strafverfahren eingesetzt. Sie werden von aussagepsychologischen Sachverständigen der Psychologie oder Medizin durchgeführt.
(engl. anbahnen, vorbereiten) Strategisches Vorbereiten einer sexuellen Grenzüberschreitungen/eines sexuellen Missbrauchs, das in der Regel folgende Aspekte umfasst: Vertrauen gewinnen, Bevorzugung des Opfers, Isolierung des Opfers, Bewirken von Geheimhaltung, Desensibilisierung des Opfers durch schrittweise Grenzüberschreitung.
Gewaltstraftaten zwischen Erwachsenen in einer partnerschaftlichen Beziehung oder nach Trennung. Das Miterleben von häuslicher Gewalt stellt eine Erscheinungsform der Kindeswohlgefährdung dar, weil Mädchen und Jungen, die im Haushalt einer der betroffenen Personen leben, stets in Mitleidenschaft gezogen werden. Kinder erleben als Zeugen dieser Partnergewalt neben der eigenen Angst die Angst des misshandelten Elternteils (meist der Mutter), den Zorn des Täters und starke Ohnmachtsgefühle, weil sie selbst den misshandelten Elternteil nicht schützen können. Beim Versuch einzugreifen werden sie mitunter selbst zum Opfer der Gewalt.
Hellfeldstatistik
Statistik, in der alle Straftaten erfasst werden, die bei der Polizei zur Anzeige gebracht werden. Man geht davon aus, dass die eigentliche Anzahl von Straftaten (z.B. auch Sexualdelikte) weit höher liegt, viele Taten jedoch „im Dunkeln“ bleiben (siehe Dunkelfeld).
Alle Bemühungen und Handlungsschritte, die der Beendigung sexuellen Missbrauchs dienen. Der Begriff „sekundäre Prävention“ wird synonym verwendet.
Geschlechtsverkehr unter Verwandten, der in gerader Linie (Groß-Eltern mit Kindern oder Enkelkindern) und unter volljährigen Geschwistern strafbar ist. Die Verwendung des Begriffs für innerfamiliären Missbrauch ist problematisch und ungenau, weil er eher den (Liebes-)Beziehungsaspekt als den Aspekt der sexuellen Gewalt betont. Zudem umfasst er keine anderen Formen sexueller Gewalt als Geschlechtsverkehr und berücksichtigt keine familiären Missbrauchskonstellationen ohne Blutsverwandtschaft.
Verharmlosender und ungenauer, aber weithin gebräuchlicher Begriff für Missbrauchsdarstellungen. Er kann darüber hinwegtäuschen, dass jede derartige Darstellung ein Verbrechen zum Gegenstand hat.
Der Begriff wird auch im Strafrecht zur Definition von Missbrauchsdarstellungen weiterhin gebraucht.
Gefahr für die körperlichen, geistigen oder seelischen Bedürfnisse eines Kindes, die eine erhebliche Schädigung verursacht oder bei der weiteren Entwicklung eine erhebliche Schädigung mit ziemlicher Sicherheit vorhersehen lässt. Zu unterscheiden sind vier Erscheinungsformen der Kindeswohlgefährdung: Misshandlung, Vernachlässigung, sexueller Missbrauch und häusliche Gewalt.
Zuhälter, die meist selbst noch Jugendliche oder junge Erwachsene sind und minderjährige Mädchen im Teenager-Alter in die Prostitution zwingen. Sie sprechen die Mädchen gezielt vor der Schule, in der Nähe von Jugendtreffs oder im Internet an. Sie manipulieren ihre Opfer, indem sie ihnen eine Liebesbeziehung vorgaukeln und ihr Vertrauen durch Aufmerksamkeit, Komplimente und Geschenke gewinnen. Die Mädchen befinden sich relativ rasch in einer emotionalen Abhängigkeit und werden zudem oft durch Drogen und Gewalt gefügig gemacht.
Abbildungen, Filme oder Texte, die sexuellen Missbrauch an Mädchen oder Jungen unter 14 Jahren darstellen. Die Traumaverarbeitung ist für Opfer von Missbrauchsdarstellungen erschwert, weil der Missbrauch nach Beendigung bildlich (oft auch im Internet) weiter existiert. Gebraucht (auch strafrechtlich) wird nach wie vor der Begriff Kinderpornografie, der aber das Geschehen verharmlost und nicht verwendet werden sollte.
Physische oder psychische Gewalt gegen Kinder, die zu einer Kindeswohlgefährdung führen kann. Zu den physischen Gewaltformen zählen beispielsweise Schläge, Tritte, Stöße, Stiche, das Schlagen mit Gegenständen, Vergiftungen, Einklemmen oder das Schütteln insbesondere bei Säuglingen und Kleinkindern. Psychische Misshandlung ist ein Verhalten, bei dem die Erziehungsperson dem Kind dauerhaft das Gefühl vermittelt, es sei wertlos, ungewollt oder nicht liebenswert.
Sonderform der Misshandlung, bei der Bezugspersonen über nicht eigentlich existierende Krankheitssymptome beim Kind berichten, Informationen verfälschen (deshalb die Bezeichnung nach dem Lügenbaron Münchhausen) oder verschweigen und damit komplizierte somatische Abklärungen auslösen. Häufig werden dabei absichtlich Krankheitssymptome erzeugt, indem das Kind gesundheitlich geschädigt wird.
Frühere Bezeichnung der Dissoziativen Identitätsstörung.
Systematische Anwendung schwerer sexualisierter Gewalt in Verbindung mit körperlicher und psychischer Gewalt durch mehrere Täter und Täterinnen bzw. Täternetzwerke. Häufig ist dies mit kommerzieller sexueller Ausbeutung verbunden. Dient eine Ideologie zur Begründung oder Rechtfertigung der Gewalt, wird dies als rituelle Gewalt bezeichnet.
Pädophilie / Pädosexualität / Pädokriminalität
Störung der Sexualpräferenz, die sich in einer Fixierung auf Kinder ausdrückt. Bezieht sie sich auf pubertierende Mädchen oder Jungen, spricht man von Hebephilie. In den Sozialwissenschaften ist der medizinische Begriff Pädophilie umstritten, weil „-philie“ (griech.) Liebe bedeutet. Als angemessener gilt der Begriff Pädosexualität, weil er das sexuelle Begehren in den Vordergrund rückt. Von Pädokriminalität spricht man, wenn die pädosexuellen Wünsche umgesetzt werden, denn jede sexuelle Handlung von Erwachsenen und Jugendlichen an oder mit Kindern ist als Missbrauch strafbar.
Sogenannte Posingbilder sind sexualisierte Darstellungen von Kindern und Jugendlichen. Teilweise werden darunter auch Nacktaufnahmen von Kindern in natürlichen Positionen verstanden. Der Begriff ist daher unscharf. Seit Januar 2015 ist im Strafgesetzbuch klargestellt, dass die Abbildung von Kindern in unnatürlicher geschlechtsbetonter Körperhaltung als Kinderpornographie gilt. Auch das Nacktfoto in natürlicher Situation darf nicht gehandelt oder getauscht, oder zu diesem Zwecke hergestellt oder angeboten werden.
Mögliche Folgereaktion auf das Erleben eines Traumas, die im Gegensatz zur akuten Belastungsstörung über lange Zeit anhält. Typische Symptome: anhaltende Erinnerungen oder Wiedererleben durch Nachhallerinnerungen (Flashbacks), teilweise Erinnerungslücken, Übererregungssymptome, Vermeidungsverhalten bezüglich Umständen, die mit dem Trauma assoziiert werden, (emotionaler) Rückzug, im Kindesalter teilweise veränderte Symptomausprägungen wie beispielsweise wiederholtes Durchspielen des traumatischen Erlebens. Die Symptomatik kann unmittelbar oder auch mit zum Teil mehrjähriger Verzögerung nach dem traumatischen Geschehen auftreten.
Anzahl der Personen (ausgedrückt als Anteil einer Gruppe), die über eine bestimmte Zeitdauer hinweg (über ein Jahr oder auch über das ganze Leben) von sexuellem Missbrauch betroffen waren oder sind. (Begriff wird auch bei Krankheiten oder anderen belastenden Erfahrungen verwendet.)
Pädagogische und instituelle Maßnahmen (siehe Schutzkonzepte), die zur Vorbeugung, Verhinderung und Beendigung von sexueller Gewalt gegen Mädchen und Jungen beitragen. Es wird zwischen Primär-, Sekundär- und Tertiärprävention unterschieden. Primärprävention umfasst vorbeugende Maßnahmen, Sekundärprävention bezieht sich auf das Erkennen und Beenden sexueller Gewalt und Tertiärprävention meint (therapeutische) Hilfen zur Verarbeitung erlittener sexueller Gewalt mit dem Ziel, weitere derartige Erfahrungen zu verhindern.
Psychische Widerstandskraft, die als Schutzfaktor wirkt. Als fördernde Faktoren gelten beispielsweise sichere Bindungserfahrung (wobei es sich nicht um einen Elternteil handeln muss), positives Selbstwertgefühl, eigene positive Erfahrungen im Umgang mit Krisen. Kinder (oder Erwachsene) mit hoher Resilienz können nach Traumatisierung leichter Strategien zur Bewältigung entwickeln.
Form der institutionellen Prävention, die in einem Organisationsentwicklungsprozess Risiken analysiert und strukturelle Veränderungen, Vereinbarungen und Absprachen konzeptionell festlegt sowie Haltung und Kultur einer Organisation in präventiver Hinsicht weiterentwickelt.
Sexueller Missbrauch kann für Kinder und Jugendliche zu einer Traumatisierung und in der Folge zu einer seelischen Behinderung führen. Soziale Beziehungen und Handlungskompetenzen, die schulische und persönliche Entwicklung können beeinträchtigt und die spätere berufliche Integration kann gefährdet sein. § 35a Achtes Sozialgesetzbuch regelt die Eingliederungshilfe für seelisch behinderte Kinder und Jugendliche.
Neben Beratung und Therapie durch professionelle Fachkräfte ist Selbsthilfe eine Form der Hilfe nach sexueller Gewalt. In Selbsthilfegruppen setzen sich Betroffene gemeinsam mit anderen Betroffenen in selbst bestimmtem Rahmen über die individuell erlebte Gewalt, aber auch über die gesellschaftlichen Umstände, die diese Gewalt möglich machen, auseinander. Zentral in der Selbsthilfearbeit ist die Eigenverantwortung. Über den Kontakt und den Austausch kann die Isolation und die Vereinzelung als Folge der Gewalt überwunden werden. Von anderen zu hören, ihr Erleben und die von ihnen entwickelten Strategien und Auswege kennenzulernen, kann für die eigene Reflexion und Bewältigung hilfreich sein.
Digitales Versenden von erotischen und sexuellen Fotos von sich selbst, oder auch sexualisierten Textbotschaften. Sexting birgt die Gefahr, dass der Empfänger die Fotos oder Botschaften missbräuchlich verwendet, indem er sie ins Internet stellt bzw. sie anderen zusendet.
Straftaten wie beispielweise Vergewaltigung, sexueller Missbrauch von Kindern oder sexueller Missbrauch von Schutzbefohlenen, die gegen die sexuelle Selbstbestimmung beziehungsweise gegen das Recht auf ungestörte sexuelle Entwicklung verstoßen. Sie sind im 13. Abschnitt des Strafgesetzbuches geregelt.
Zur Sexualpädagogik gehört neben Sexualaufklärung, d.h. der Wissensvermittlung zur menschlichen Sexualität auch die Sexualerziehung, d. h. die Thematisierung von Werten und Normvorstellungen innerhalb der Gesellschaft. Sexualpädagogik begleitet Kinder (aber auch Erwachsene) bei ihrer sexuellen Bildung, mit der sie sich die Welt der Sexualität aneignen und ihre Identität darin finden. Sexualpädagogik ist ein zentraler Baustein der Prävention von sexuellem Missbrauch, weil Sexualität aussprechbar wird, so dass Betroffene von sexueller Gewalt eher über Geschehenes sprechen können. Zudem stellt sexuelles Wissen einen Schutz vor sexueller Gewalt dar.
Andere Begrifflichkeit für sexuellen Missbrauch, die betont, dass nicht Sexualität, sondern Gewalt im Vordergrund steht. Der Begriff „sexualisierte Gewalt“ verdeutlicht, dass Sexualität zur Gewaltausübung funktionalisiert wird.
Sexuelle Belästigung ist jedes sexuelle Verhalten, das von den Betroffenen nicht erwünscht und von ihnen als beleidigend und abwertend empfunden wird. Sie kann sich in Worten, Gesten und Handlungen ausdrücken, durch ausfallende Bemerkungen über Aussehen oder Privatleben, Erzählen anzüglicher Witze, Zeigen von pornographischen Darstellungen, taxierende Blicke, unerwünschte Berührungen und Annäherungsversuche bis hin zu strafrechtlich relevanten Tatbeständen wie Stalking, sexueller Nötigung und Vergewaltigung. Weil es ein einseitiges Verhalten ist, das von den Betroffenen als entwürdigend erlebt wird, unterscheidet es sich grundlegend von Flirts oder Komplimenten. Die vorsätzliche, körperliche sexuelle Belästigung ist strafbar (§ 184i StGB). Gegen sexuelle Belästigungen am Arbeitsplatz schützt das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG).
Verhaltensweisen, die die körperlichen, psychischen oder auch Scham-Grenzen anderer überschreiten, ohne bereits einen sexuellen Übergriff oder strafrechtlich relevante Formen sexualisierter Gewalt darzustellen. Grenzverletzungen werden meist unabsichtlich verübt, können subjektiv aber als sehr unangenehm erlebt werden, wie beispielsweise das Betreten von Duschräumen.
Sexuelle Übergriffe im sozialwissenschaftlichen Sinn sind ein absichtliches Überschreiten von körperlichen oder sexuellen Grenzen unterhalb der Strafbarkeitsgrenze, wie z.B. das Taxieren von Po, Brust oder Geschlechtsteilen, aber auch verbale sexuelle Belästigung. Der Begriff „Sexueller Übergriff“ findet auch im Strafrecht Verwendung, bezeichnet dort jedoch sexuelle Handlungen gegen den erkennbaren Willen einer anderen Person (§177 Abs. 1 StGB).
Sexueller Missbrauch von Kindern (Sexueller Kindesmissbrauch)
Kinder (nach strafrechtlichem Kriterium unter 14 Jahren) können aufgrund ihrer Entwicklung grundsätzlich sexuellen Handlungen nicht zustimmen. Dies bedeutet, dass ein Missbrauch auch dann vorliegt, selbst wenn ein Kind damit einverstanden wäre oder die Handlung aktiv herbeigeführt hätte. In der psychosozialen Fachpraxis und Wissenschaft wird häufig der Begriff „sexuelle oder sexualisierte Gewalt an Kindern bzw. Jugendlichen“ statt sexueller Missbrauch verwendet. Zur Strafbarkeit von sexuellem Missbrauch von Kindern.
Umgangssprachlich häufig verwendeter Begriff für die „elterliche Sorge“.
Nach der Weltgesundheitsorganisation WHO ein belastendes Ereignis oder eine Situation kürzerer oder längerer Dauer, mit außergewöhnlicher Bedrohung oder katastrophenartigem Ausmaß, die bei fast jedem eine tiefe Verzweiflung hervorrufen würde (ICD-10, Klassifikationssystem der WHO). Dazu gehören beispielsweise gewalttätige Angriffe auf die eigene Person, sexueller Missbrauch, Naturkatastrophen, Unfälle oder die Diagnose einer lebensbedrohlichen Krankheit. Traumatische Ereignisse überwältigen alle Anpassungsstrategien von Menschen, mit dem Leben fertig zu werden, und können zu einer akuten Belastungsreaktion, zu einzelnen Störungsbildern wie beispielsweise Ängsten oder Depressionen sowie zu einer Posttraumatischen Belastungsstörung führen. Sexueller Missbrauch ist in der Regel ein sehr traumatisches Ereignis.
Die Traumapädagogik berücksichtigt Erkenntnisse aus der Traumaforschung in pädagogischen Ansätzen, insbesondere in stationären Einrichtungen der Jugendhilfe, und bemüht sich um die soziale und emotionale Stabilisierung von traumatisierten Kindern und Jugendlichen, um ihr Vertrauen zu sich selbst und zu anderen zu stärken. Die Basis dieser Arbeit sind institutionelle Strukturen und pädagogische Grundhaltungen, die von Gewaltfreiheit, Partizipation, Wertschätzung und Transparenz geprägt sind.
Sammelbegriff für unterschiedliche therapeutische Ansätze, Modelle und Methoden. Die großen psychotherapeutischen Schulen haben eigene Ansätze zur Behandlung traumatischer Störungen entwickelt, beispielsweise Verfahren der kognitiven Verhaltenstherapie beziehungsweise Verhaltenstherapie und psychoanalytische Verfahren.
Für Straftaten aus dem Bereich des sexuellen Missbrauchs von Kindern und Jugendlichen kommen laut Strafgesetzbuch Verjährungsfristen zwischen fünf und 30 Jahren in Betracht, in den meisten Fällen verjährt die Tat jedoch nach zehn oder 20 Jahren. Die Verjährung beginnt dabei generell mit der Beendigung der Tat, ruht jedoch seit Januar 2015 bei schweren Sexualstraftaten bis zur Vollendung des 30. Lebensjahres des Opfers.
Die zivilrechtlichen Verjährungsregelungen wurden im Juni 2013 von bisher drei Jahren auf nunmehr 30 Jahre verlängert. Ansprüche auf Schadenersatz und Schmerzensgeld können 30 Jahre nach Kenntnis von Tat und Täter bzw. Täterin geltend gemacht werden. Die Verjährung von Ansprüchen ist bis zur Vollendung des 21. Lebensjahrs des Opfers oder bis zur Beendigung der häuslichen Gemeinschaft von Täter bzw. Täterin und Opfer gehemmt.
Als Vernachlässigung wird das andauernde oder wiederholte Fehlen von fürsorglichem Handeln von Sorgeverantwortlichen (Eltern oder andere Betreuungspersonen) bezeichnet, das notwendig wäre, um die physischen und psychischen Grundbedürfnisse des Kindes zu befriedigen. Man unterscheidet vier Unterformen der Vernachlässigung: Körperliche Vernachlässigung (unzureichende Versorgung mit Nahrung, Flüssigkeit, witterungsangemessener Kleidung oder mangelhafte Hygiene, medizinische Versorgung, Wohnverhältnisse), erzieherische und kognitive Vernachlässigung (fehlende Kommunikation und erzieherische Einflussnahme, fehlende Anregung zu Spiel und Leistung), emotionale Vernachlässigung (Mangel an Wärme, Geborgenheit und Wertschätzung) und unzureichende Aufsicht. Vernachlässigung gilt als häufigste Form der Kindeswohlgefährdung .
Begriff, der in der Psychologie, in den Sozialwissenschaften und der Kriminologie verwendet wird. Er beschreibt, dass eine Person Opfer von Gewalterfahrungen wie Misshandlung, Missbrauch, Mobbing, Diskriminierung wird.
Kindbezogene Faktoren und Bedingungen, die das Risiko erhöhen, sexuellen Missbrauch zu erleben, wie beispielsweise mangelndes Sexualwissen, geringes Selbstwertgefühl, Vorbelastungen durch (sexuelle) Gewalt.