Source: http://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Gericht=BGH&Datum=05.07.1995&Aktenzeichen=3%20StR%20605/94
Timestamp: 2013-05-22 21:16:49
Document Index: 94782785

Matched Legal Cases: ['BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'Art. 103', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'Art. 103', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'Art. 13', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'Art. 315', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH']

Rechtsprechung BGH, 05.07.1995 - 3 StR 605/94 Volltextver�ffentlichungen (2)
� 336 StGB; � 244 StGB-DDRM�gliche Rechtsbeugung durch Arbeitsrichter in der DDR bei �berpr�fung der fristlosen Entlassung von ausreisewilligen Lehrern und Erziehern.
Wird zitiert von ... (18) BGH, 15.09.1995 - 5 StR 713/94 Rechtsbeugung von Richtern und Staatsanw�lten der DDR bei Anwendung "politischen …Zur Rechtsbeugung von Richtern und Staatsanw�lten der DDR bei Anwendung "politischen Strafrechts" (im Anschluss an BGH, Urteil vom 13. Dezember 1993, 5 StR 76/93, BGHSt 40, 30, BGH, Urteil vom 9. Mai 1994, 5 StR 354/93, BGHSt 40, 169; BGH, Urteil vom 6. Oktober 1994, 4 StR 23/94, BGHSt 40, 272 und BGH, Urteil vom 5. Juli 1995, 3 StR 605/94, BGHSt 41, 157).Richter oder Staatsanw�lte der DDR k�nnen in der Bundesrepublik Deutschland wegen Rechtsbeugung verfolgt werden (vgl. BGHSt 40, 30; 40, 169; 40, 272; BGH, Urteil vom 5. Juli 1995 - 3 StR 605/94 -, zum Abdruck in BGHSt bestimmt).Im Einklang mit diesen Grunds�tzen steht auch das Urteil des 3. Strafsenats vom 5. Juli 1995 - 3 StR 605/94 - (zur Ver�ffentlichung in BGHSt bestimmt) zur Behandlung fristlos entlassener Ausreiseantragsteller durch DDR-Arbeitsrichter.Dieser Ma�stab ist an Beschr�nkungen orientiert, die sich aus Grundprinzipien des Schuldstrafrechts ergeben, entspricht der Struktur des Rechtsbeugungstatbestandes und tr�gt insbesondere dem Gesichtspunkt des Vertrauensschutzes Rechnung, der im Rechtsstaatsprinzip, speziell auch in Art. 103 Abs. 2 GG, verankert ist (vgl. BGH, Urteil vom 5. Juli 1995 - 3 StR 605/94 - s. auch BVerfG NJW 1995, 1811, 1813).Aus demselben Grund darf das geschriebene Recht der DDR nicht nach einer am Grundgesetz orientierten Auslegung interpretiert und damit das Handeln eines T�ters an ihm fremden Ma�st�ben, n�mlich denen eines Rechtsstaats und seiner Wertordnung, gemessen werden (vgl. BGH, Urteil vom 5. Juli 1995 - 3 StR 605/94 -).Solches mu� wegen des hohen Wertes der Rechtssicherheit auf extreme Ausnahmef�lle beschr�nkt bleiben (zuletzt BGH, Urteil vom 5. Juli 1995 - 3 StR 605/94 -).Vor diesem Hintergrund erlangen die f�r den Rechtsanwender in der DDR verbindlichen Beschl�sse und Richtlinien des Obersten Gerichts (� 20 Abs. 2 GVG-DDR), aber auch sonstige Verlautbarungen, namentlich unter Beteiligung des Obersten Gerichts herausgegebene "Standpunkte" und "Orientierungen" (vgl. BGHSt 40, 30, 37 f., 41;… vgl. dazu im einzelnen Rottleuthner, Steuerung der Justiz in der DDR 1994, S. 33 f.; Behlert ebenda S. 287, 323 ff.; ferner - auch zur "Anleitungst�tigkeit" des Ministeriums der Justiz - BGH, Urteil vom 5. Juli 1995 - 3 StR 605/94 -) besondere Bedeutung.
BGH, 16.11.1995 - 5 StR 747/94 Rechtsbeugung durch DDR-Richter wegen Verh�ngung von TodesstrafenNach inzwischen gefestigter Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs k�nnen Richter der DDR wegen Rechtsbeugung (� 336 StGB, � 244 StGB-DDR) und damit tateinheitlich zusammentreffender Delikte verfolgt werden (vgl. BGHSt 40, 30; 40, 125; 40, 169; 40, 272; BGH NJW 1995, 2734; Senatsurteile vom 15. September 1995 - 5 StR 642 und 713/94 sowie 23, 68 und 168/95 -).Das Recht der DDR darf mit R�cksicht auf das Prinzip des Vertrauensschutzes, auch im Blick auf Art. 103 Abs. 2 GG, nicht nach einer am Grundgesetz orientierten Auslegung interpretiert werden; sonst w�rde das Handeln eines T�ters an ihm fremden Ma�st�ben, n�mlich denen eines Rechtsstaats und seiner Wertordnung, gemessen werden (…vgl. Senatsurteil a.a.O.; BGH NJW 1995, 2734).
BGH, 05.02.1996 - NotZ 42/94 Amtsenthebung einer NotarinDabei war zun�chst zu ber�cksichtigen, da� sich die Voraussetzungen f�r die Feststellung eines Versto�es gegen die Grunds�tze der Menschlichkeit oder der Rechtsstaatlichkeit mit den Anforderungen nicht v�llig decken, von denen die Annahme rechtsbeugenden Handelns von DDR-Strafrichtern nach der Rechtsprechung der Strafsenate des Bundesgerichtshofs abh�ngt (vgl. BGHSt 40, 30; 40, 169; 40, 272; BGH NJW 1995, 2734; BGH, Urteile vom 15. September 1995 - 5 StR 713/94 - zum Abdruck in BGHSt bestimmt = NJ 1995, 653 und vom 15. November 1995 - 3 StR 527/94 - zur Ver�ffentlichung bestimmt, ferner vom 30. November 1995 - 4 StR 777/94).Sie war neben arbeitsrechtlichen Mitteln (vgl. BGHSt 40, 30; BGH NJW 1995, 2734) und Methoden gesellschaftlicher �chtung Teil eines Systems von Ma�nahmen und Regelungen, die alle dazu dienten, bei den B�rgern der DDR den Willen zur Ausreise von vornherein zu unterdr�cken.Das Handeln der DDR-Beh�rden im Umgang mit ausreisewilligen B�rgern war zwar von der Furcht vor Ansehensverlusten in der westdeutschen und ausl�ndischen �ffentlichkeit gepr�gt (vgl. BGH NJW 1995, 2734, 2738).
BGH, 16.03.1998 - NotZ 18/97 Amtsenthebung einer zu Zeiten der ehemaligen DDR als Richterin t�tigen NotarinDabei ist allerdings zu ber�cksichtigen, da� sich die Voraussetzungen f�r die Feststellung eines Versto�es gegen die Grunds�tze der Menschlichkeit oder Rechtsstaatlichkeit mit den Anforderungen an die Erf�llung des Tatbestands der Rechtsbeugung nicht v�llig decken (Senat, Beschl. vom 5. Februar 1996 - NotZ 42/94 - DtZ 1996, 272, 273; zu den Anforderungen an die Verurteilung von DDR-Richtern bzw. Staatsanw�lten wegen Rechtsbeugung vgl. BGH, Urteile vom 13. Dezember 1993 - 5 StR 76/93 - NJW 1994, 529 = BGHSt 40, 30; 9. Mai 1994 - 5 StR 354/93 - NJW 1994, 3238 = BGHSt 40, 169; 5. Juli 1995 - 3 StR 605/94 - NJW 1995, 2734 = BGHSt 40, 272; 15. September 1995 - 5 StR 713/94 - NJ 1995, 653 = BGHSt 41, 247 und 15. November 1995 - 3 StR 527/94 - MDR 1996, 404).Sie war neben arbeitsrechtlichen Mitteln (vgl. BGH, Urteile vom 13. Dezember 1993 - 5 StR 76/93 - NJW 1994, 529 = BGHSt 40, 30 und 5. Juli 1995 - 3 StR 605/94 - NJW 1995, 2734 = BGHSt 40, 272) und Methoden gesellschaftlicher �chtung Teil eines Systems von Ma�nahmen und Regelungen, die alle dazu dienten, bei den B�rgern der DDR den Willen zur Ausreise von vornherein zu unterdr�cken.Diese Rechtsanwendungswirklichkeit in der DDR stand im Widerspruch zur Ausreisefreiheit, so wie sie durch den von der DDR ratifizierten (wenn auch nicht in innerstaatliches Recht transformierten) Internationalen Pakt �ber b�rgerliche und politische Rechte vom 19. Dezember 1966 (IPb�rgR) als Menschenrecht anerkannt war, das zwar gesetzlichen Einschr�nkungen unterliegen konnte, aber nicht im Kern, wie dies in der DDR geschehen ist (vgl. auch Art. 13 der Allgemeinen Erkl�rung der Menschenrechte vom 10. Dezember 1948; vgl. ferner BGH, Urteile vom 5. Juli 1995 - 3 StR 605/94 - NJW 1995, 2734, 2735 = BGHSt 40, 272, 278 und vom 15. September 1995 - 5 StR 713/94 - NJ 1995, 653, 656).
KG, 28.07.1998 - 5 Ws 594/97 Jedoch diente die Geheimhaltung nicht dazu, die Betroffenen �ber den wahren Entlassungsgrund im Unklaren zu Tassen und gerade dadurch ihre Verfahrensrechte zu verk�rzen (vgl. BGHSt 41, 157, 175).Da die Orientierungen des Obersten Gerichts der DDR in F�llen der K�ndigung wegen eines Ausreiseantrags eine feststehende Rechtsprechungspraxis begr�ndeten (vgl. BGHSt 41, 157, 167 f.), war von einer Durchf�hrung der m�ndlichen Verhandlung ein Einflu� auf das Verfahrensergebnis nicht zu erwarten gewesen.Die gek�ndigten Arbeitsverh�ltnisse setzten ein gewisses Ma� an politischer Zuverl�ssigkeit voraus, weil Aufgaben in einer politisch exponierten Position (vgl. BGHSt 40, 30, 43) oder im erzieherischen Bereich (vgl. BGHSt 41, 157, 174 f.) zu erf�llen waren.Wenn dort das unerw�nschte Verhalten der Arbeitnehmer, die selbst einen Ausreiseantrag gestellt hatten, als ausreichender Grund f�r eine K�ndigung angesehen wurde, so wurde damit zwar eindeutig gegen rechtsstaatliche Grunds�tze versto�en (vgl. BGHSt 41, 157, 173); die wesentlich strengeren Voraussetzungen f�r einen Rechtsversto�, der einen Rechtsbeugungsvorwurf zu begr�nden vermag, sind jedoch nicht erf�llt.
BGH, 15.11.1995 - 3 StR 527/94 StGB � 336; StGB-DDR � 244Bei ihrer �berpr�fung ist der Senat - ebenso wie bei der Pr�fung des Freispruchs aufgrund des Rechtsmittels der Staatsanwaltschaft - von den Grunds�tzen ausgegangen, die in der Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs zur Rechtsbeugung durch Richter und Staatsanw�lte der DDR entwickelt worden sind (vgl. BGHSt 40, 30; 40, 169; 40, 272; BGH, Urteile vom 5. Juli 1995 - 3 StR 605/94 -, NJW 1995, 2734 und vom 15. September 1995 - 5 StR 713/94 - jeweils zum Abdruck in BGHSt bestimmt).Wegen der grundlegenden Bedeutung der in Artikel 103 Abs. 2 GG konkretisierten Anforderungen zur Wahrung der Rechtssicherheit mu� jedoch die Annahme, die Anwendung von Normen des DDR-Rechts habe in einem offensichtlichen unertr�glichen Widerspruch zu den auch in der DDR verbindlichen Grundgeboten der Gerechtigkeit und des Menschenrechtsschutzes gestanden und sei deswegen gesetzwidrig im Sinne des � 244 StGB-DDR gewesen, auf extreme Ausnahmen beschr�nkt bleiben (vgl. Senatsurteil vom 5. Juli 1995 - 3 StR 605/94 -, NJW 1995, 2734, 2735, im Anschlu� an BGHSt 39, 1, 15 und BGH, Urteil vom 20. M�rz 1995 - 5 StR 111/94 -, NJW 1995, 2728; ferner BGH, Urteil vom 15. September 1995 - 5 StR 713/94 - s�mtlich zum Abdruck in BGHSt bestimmt).
BGH, 15.09.1995 - 5 StR 642/94 Rechtsbeugung in politischen Strafsachen der DDRVor dem Hintergrund der Furcht des SED-Regimes vor Ansehensverlusten in der westdeutschen und ausl�ndischen �ffentlichkeit (vgl. BGH, Urteil vom 5. Juli 1995 - 3 StR 605/94 -, zur Ver�ffentlichung in BGHSt bestimmt) m�gen die St�ndige Vertretung der Bundesrepublik und das Bundesministerium f�r Innerdeutsche Beziehungen zudem problematische Nachrichtenempf�nger gewesen sein.
BGH, 22.04.1998 - 5 StR 5/98 Freispruch vom Vorwurf der Erpressung wegen Vermittlung der Ausreise aus der DDR …Arbeitsrechtliche Einschr�nkungen f�r ausreisewillige DDR-B�rger sind ebenso als beachtlich anzusehen (BGHSt 40, 30, 43; 41, 157, 164 f.) wie die P�nalisierung einer Mi�achtung der Grenzregelung der DDR (BGHSt 40, 272, 278 ff., 285 f.; 41, 247, 259, 266 ff.).
BGH, 30.11.1995 - 4 StR 777/94 StGB � 336Diese k�nnen nur dann keine Geltung beanspruchen, wenn sie in einem offensichtlichen und unertr�glichen Widerspruch standen zu elementaren Geboten der Gerechtigkeit, wie sie in v�lkerrechtlich gesch�tzten Menschenrechten ihren Ausdruck gefunden haben (vgl. BGHSt 40, 272, 277, 278; BGH, Urteil vom 20. M�rz 1995 - 5 StR 111/94 - und Urteil vom 5. Juli 1995 - 3 StR 605/94 -, jeweils zum Abdruck in BGHSt bestimmt).Dieses System war besonders gepr�gt durch ein starkes Bem�hen, den "demokratischen Zentralismus" sozialistischer Pr�gung auch auf dem Gebiet der Rechtspflege sicherzustellen (vgl. hierzu BGH, Urteil vom 5. Juli 1995 - 3 StR 605/94 -).
BGH, 30.11.1995 - 4 StR 714/94 StGB � 336Zwar k�nnen Staatsanw�lte der ehemaligen DDR, die im Ermittlungsverfahren Haftbefehle beantragt oder Anklage erhoben haben (vgl. insoweit BGH, Urteil vom 15. September 1995 - 5 StR 713/94 -, zum Abdruck in BGHSt bestimmt) in der Bundesrepublik Deutschland grunds�tzlich wegen Rechtsbeugung und wegen tateinheitlich verwirklichter Delikte verfolgt werden, da die nach Art. 315 Abs. 1 EGStGB i.V.m. � 2 StGB erforderliche Unrechtskontinuit�t zwischen � 244 StGB -DDR und � 336 StGB trotz unterschiedlicher Ausgestaltung des Schutzguts Rechtspflege in der Bundesrepublik Deutschland und der DDR noch gewahrt ist (vgl. BGHSt 40, 30, 33; 40, 169, 174; 40, 272, 275; BGH, Urteil vom 5. Juli 1995 - 3 StR 605/94 - zum Abdruck in BGHSt bestimmt); jedoch hat der Angeklagte die Voraussetzungen des zur Tatzeit geltenden, gegen�ber � 336 StGB milderen und damit f�r die Pr�fung seiner Strafbarkeit ma�geblichen � 244 StGB -DDR nicht erf�llt.Vielmehr ist - mit der unter II 1 a dargestellten Einschr�nkung - auf das Rechtssystem der DDR abzustellen, dessen Verst�ndnis von "sozialistischer Gerechtigkeit" insbesondere in den Verlautbarungen des Obersten Gerichts und den Auslegungsrichtlinien des Justizministeriums in den von ihm herausgegebenen einschl�gigen Kommentaren seinen Ausdruck gefunden hat (vgl. BGHSt 40, 272, 280; BGH, Urteil vom 5. Juli 1995 - 3 StR 605/94 - mit zahlr. Nachw.; Urteil vom 30. November 1995 - 4 StR 777/94 -).
BGH, 15.09.1995 - 5 StR 68/95 StGB � 336
BGH, 11.04.1997 - 3 StR 576/96 Freispruch von DDR-Richtern und DDR-Staatsanwalt aufgehoben
BGH, 21.08.1997 - 5 StR 403/96 Rechtsbeugung von DDR-Richtern und -Staatsanw�lten bei der Anwendung politischen …
BGH, 15.05.1997 - 5 StR 580/96 StGB � 336
BGH, 22.04.1998 - 3 StR 644/97 StGB � 336
BGH, 19.02.1998 - 5 StR 631/97 KG, 08.02.1999 - 3 Ws 751/98 Was ist dejure.org?