Source: http://m.hensche.de/Arbeitsrecht_Urteile_Elterngeld_fuer_Zwillinge_Vater_und_Mutter_gleichzeitig_in_Elternzeit_BSG_B10EG3_12R.html
Timestamp: 2018-02-23 08:20:39
Document Index: 129077186

Matched Legal Cases: ['§ 4', '§ 1', '§ 1', '§ 3', '§ 2', '§ 2', '§ 2', 'Art 3', '§ 1', '§ 1', '§ 1', '§ 2', '§ 2', '§ 2', '§ 2', '§ 3', '§ 10', '§ 11', '§ 3', '§ 15', '§ 15', '§ 15', '§ 1', '§ 3', '§ 3', '§ 4', 'Art 3', '§ 2', '§ 4', '§ 2', '§ 160', '§ 164', '§ 2', '§ 1', '§ 1', '§ 2', '§ 2', '§ 1', '§ 4', '§ 1', '§ 3', '§ 1', '§ 2', '§ 3', '§ 1', '§ 3', '§ 3', '§ 1', '§ 2', '§ 2', '§ 2', '§ 1', '§ 3', '§ 3', '§ 3', '§ 4', '§ 4']

Schlag­worte: Elternzeit, Elterngeld
Akten­zeichen: B 10 EG 3/12 R
Ent­scheid­ungs­datum: 27.06.2013
Vor­ins­tan­zen: Sozialgericht Bayreuth - S 10 EG 16/07
L 12 EG 27/08 (Baye­ri­sches LSG)
S 10 EG 16/07 (SG Bay­reuth)
Pro­zess­be­vollmäch­tig­te: ..............,
Frei­staat Bay­ern,
ver­tre­ten durch das Zen­trum Bay­ern Fa­mi­lie und
So­zia­les, He­gel­s­traße 2, 95447 Bay­reuth,
Be­klag­ter und Re­vi­si­onskläger.
Der 10. Se­nat des Bun­des­so­zi­al­ge­richts hat auf die münd­li­che Ver­hand­lung vom 27. Ju­ni 2013 durch den Vor­sit­zen­den Rich­ter Prof. Dr. L o y t v e d , die Rich­ter K r u s c h i n s k y und O t h m e r so­wie den eh­ren­amt­li­chen Rich­ter C o s s m a n n und die eh­ren­amt­li­che Rich­te­rin T h e o b a l d für Recht er­kannt:
Die Re­vi­si­on des Be­klag­ten ge­gen das Ur­teil des Baye­ri­schen Lan­des­so­zi­al­ge­richts vom 23. No­vem­ber 2011 wird zurück­ge­wie­sen.
Der Be­klag­te hat der Kläge­rin die außer­ge­richt­li­chen Kos­ten für das Re­vi­si­ons­ver­fah­ren zu er­stat­ten.
Die Be­tei­lig­ten strei­ten über die Be­zugs­dau­er des der Kläge­rin zu­ste­hen­den El­tern­gel­des nach dem Bun­des­el­tern­geld- und El­tern­zeit­ge­setz (BEEG).
Die Kläge­rin und ihr Ehe­mann (Kläger im Rechts­streit B 10 EG 8/12 R) sind El­tern der am 9.2.2007 ge­bo­re­nen Zwil­lin­ge E. und R. . Bei­de wa­ren bis zur Ge­burt der Kin­der als Be­am­te voll er­werbstätig. Die Kläge­rin be­fand sich in der Zeit vom 9.2.2007 bis 22.6.2007 in Mut­ter­schutz und er­hielt hier­bei Bezüge nach be­am­ten­recht­li­chen Vor­schrif­ten. Da­nach nahm sie vom 25.6.2007 bis 11.4.2008, ihr Ehe­mann vom 12.3.2007 bis 20.3.2008 El­tern­zeit.
Mit Schrei­ben vom 12.4.2007 be­an­trag­ten bei­de El­tern­tei­le El­tern­geld. Die Kläge­rin be­an­spruch­te hier­bei El­tern­geld für den ers­ten bis zwölf­ten Le­bens­mo­nat ih­rer Toch­ter E. so­wie für die Le­bens­mo­na­te 13 und 14 ih­res Soh­nes R. . Ihr Ehe­mann be­gehr­te El­tern­geld für den zwei­ten bis zwölf­ten Le­bens­mo­nat von R. so­wie für die Le­bens­mo­na­te 13 und 14 von E. . Nach­dem der Be­klag­te dar­auf hin­ge­wie­sen hat­te, dass bei Mehr­lings­ge­bur­ten El­tern­geld nur ein­mal gewährt wer­de, hiel­ten die Kläge­rin und ihr Ehe­mann in ers­ter Li­nie an der be­gehr­ten Auf­tei­lung des El­tern­geld­be­zu­ges fest, erklärten je­doch hilfs­wei­se, dass die Kläge­rin für den ers­ten bis sechs­ten Le­bens­mo­nat und der Ehe­mann für den zwei­ten bis neun­ten Le­bens­mo­nat der Zwil­lin­ge El­tern­geld er­hal­ten sol­le.
Mit Be­scheid vom 21.6.2007 gewähr­te der Be­klag­te der Kläge­rin El­tern­geld für den ers­ten bis sechs­ten Le­bens­mo­nat bei­der Kin­der un­ter An­rech­nung der während des Mut­ter­schut­zes er­hal­te­nen Bezüge. Er zahl­te für den fünf­ten Le­bens­mo­nat 774,48 Eu­ro und für den sechs­ten Le­bens­mo­nat 1659,62 Eu­ro, je­weils ein­sch­ließlich des mo­nat­li­chen Erhöhungs­be­tra­ges für das Zwil­lings­kind in Höhe von 300 Eu­ro. Mit Be­scheid vom sel­ben Ta­ge be­wil­lig­te er dem Ehe­mann vorläufig El­tern­geld für den zwei­ten bis neun­ten Le­bens­mo­nat der Kin­der nebst Erhöhungs­be­trag von 300 Eu­ro. Den Wi­der­spruch der Kläge­rin wies der Be­klag­te mit Wi­der­spruchs­be­scheid vom 4.10.2007 zurück.
Das So­zi­al­ge­richt (SG) Bay­reuth hat die Kla­ge mit Ge­richts­be­scheid vom 14.4.2008 ab­ge­wie­sen. Das Baye­ri­sche Lan­des­so­zi­al­ge­richt (LSG) hat den Ge­richts­be­scheid so­wie die an­ge­grif­fe­nen Be­schei­de ab­geändert und den Be­klag­ten zur Be­wil­li­gung von wei­te­ren sechs Mo­na­ten El­tern­geld für das Kind E. (sieb­ter bis zwölf­ter Le­bens­mo­nat) an die Kläge­rin ver­pflich­tet. Im Übri­gen hat es die Be­ru­fung zurück­ge­wie­sen (Ur­teil vom 23.11.2011). Es hat sei­ne Ent­schei­dung im We­sent­li­chen auf fol­gen­de Erwägun­gen gestützt:
Den An­spruch auf Gewährung von zwei wei­te­ren Mo­na­ten El­tern­geld für ih­ren Sohn R. ha­be die Kläge­rin aus­weis­lich des zu­letzt in der münd­li­chen Ver­hand­lung ge­stell­ten An­tra­ges nicht
mehr auf­recht er­hal­ten. Die wei­ter­ver­folg­te Kla­ge sei nur zum Teil be­gründet. Die Kläge­rin ha­be An­spruch auf wei­te­re sechs Mo­na­te El­tern­geld für ih­re Toch­ter E. , denn die­se Mo­na­te sei­en nicht durch ih­ren Ehe­mann ver­braucht wor­den.
Die Kläge­rin ha­be während des Mut­ter­schut­zes vom 9.2. bis 22.6.2007 Dienst­bezüge nach be­am­ten­recht­li­chen Vor­schrif­ten er­hal­ten. Nach § 4 Abs 3 S 2 BEEG gälten da­her die ers­ten fünf Le­bens­mo­na­te bei­der Zwil­lin­ge als Mo­na­te, für die sie El­tern­geld be­zie­he. Die­se Fik­ti­on er­fas­se im Hin­blick auf das im El­tern­geld­recht gel­ten­de Le­bens­mo­nats­prin­zip je­weils auch dann den gan­zen Le­bens­mo­nat des Kin­des, wenn wie hier nicht für den gan­zen Mo­nat Mut­ter­schafts­geld bzw die ent­spre­chen­den Dienst­bezüge zustünden. Darüber hin­aus könne die Kläge­rin für E. zusätz­lich zu den be­reits be­wil­lig­ten sechs Mo­na­ten wei­te­re sechs Mo­na­te El­tern­geld bis zu ei­ner Ge­samt­be­zugs­dau­er von zwölf Mo­na­ten be­an­spru­chen. Dem ste­he nicht ent­ge­gen, dass dem Ehe­mann der Kläge­rin für die Zwil­lin­ge be­reits acht Mo­na­te El­tern­geld be­wil­ligt wor­den sei­en. Die­se Mo­nats­beträge ha­be der Ehe­mann für den Sohn R. und nicht für die Toch­ter E. be­zo­gen.
El­tern­geld ste­he den El­tern für den Fall, dass bei­de Part­ner auf Er­werbstätig­keit ver­zich­te­ten, für je­den der bei­den Zwil­lin­ge zu. Un­abhängig da­von, ob das Wort "ein" in § 1 Abs 1 BEEG als Zahl­wort oder als un­be­stimm­ter Ar­ti­kel ge­braucht wer­de, las­se sich dem Wort­laut des § 1 Abs 1 BEEG nicht ent­neh­men, dass bei zwei oder mehr Kin­dern der An­spruch auf El­tern­geld nur ein-mal be­ste­he. Viel­mehr be­zie­he sich der An­spruch des Be­rech­tig­ten auf El­tern­geld bei Vor­lie­gen der Vor­aus­set­zun­gen des Abs 1 auf ein be­stimm­tes (na­ment­lich zu be­nen­nen­des) Kind. Dies sei bei der Kläge­rin ih­re Toch­ter E. . Dass das BEEG kei­ne dem § 3 Abs 1 S 2 Ge­setz zum Er­zie­hungs­geld und zur El­tern­zeit (BErzGG) ent­spre­chen­de Re­ge­lung be­inhal­te, führe zu kei­nem an­de­ren Er­geb­nis. Denn dar­aus könne nur der Schluss ge­zo­gen wer­den, dass nach dem BEEG ei­ner ein­zel­nen be­treu­en­den Per­son nicht für je­den Mehr­ling je­weils ein An­spruch auf El­tern­geld zu­ste­he. Dies sei aber nicht die hier strei­ti­ge Fra­ge.
Dem ste­he auch nicht § 2 Abs 6 BEEG ent­ge­gen, der für Mehr­lings­ge­bur­ten ei­nen mo­nat­li­chen Zu­schlag von 300 Eu­ro vor­se­he. Die­se Re­ge­lung sol­le nach der Ge­set­zes­be­gründung (BT-Drucks 16/1889 S 21) ähn­lich dem Ge­schwis­ter­bo­nus nach § 2 Abs 4 S 1 BEEG den zusätz­li­chen Be­treu­ungs­auf­wand ab­gel­ten, der bei ei­ner be­rech­tig­ten Per­son auf­tre­te, die gleich-zei­tig zwei oder mehr Kin­der glei­chen Al­ters be­treue. So­fern wie im vor­lie­gen­den Fall bei­de El­tern­tei­le für je­weils ein Kind El­tern­geld be­an­trag­ten, ent­fal­le die­se Mehr­be­las­tung, so­dass der Mehr­lings­zu­schlag ent­ge­gen der Auf­fas­sung der Kläge­rin nicht zu gewähren sei.
Die Be­rech­nung des El­tern­gel­des un­ter Berück­sich­ti­gung der Kir­chen­steu­er sei hin­ge­gen rechtmäßig. Der Ab­zug der Kir­chen­steu­er von dem Ein­kom­men aus nicht­selbstständi­ger Ar­beit er­ge­be sich aus § 2 Abs 7 S 1 und 3 BEEG. Bei der El­tern­geld­be­rech­nung sol­le das Ein­kom­men berück­sich­tigt wer­den, dass der an­spruchs­be­rech­tig­ten Per­son zu­letzt tatsächlich mo­nat­lich zur Verfügung ge­stan­den ha­be und das nun we­gen der Un­ter­bre­chung oder Ein­stel­lung der Er­werbstätig­keit nicht mehr zur Verfügung ste­he. Ei­nen Ver­s­toß ge­gen Art 3 Abs 1 GG se­he der Se­nat nicht.
Ge­gen die­ses Ur­teil hat der Be­klag­te die vom LSG zu­ge­las­se­ne Re­vi­si­on ein­ge­legt. Er rügt ei­ne Ver­let­zung der §§ 1 bis 4, 10 und 11 BEEG. Da­zu trägt er vor:
Die Auf­fas­sung des LSG, dass El­tern­geld den El­tern von Zwil­lin­gen für den Fall, dass bei­de El­tern­tei­le auf Er­werbstätig­keit ver­zich­te­ten, für je­den der bei­den Zwil­lin­ge zu­ste­he, sei nicht zu­tref­fend. Aus dem Ge­set­zes­wort­laut des § 1 Abs 1 BEEG er­ge­be sich kein Hin­weis dar­auf, dass bei mehr­fa­cher Erfüllung der An­spruchs­vor­aus­set­zun­gen meh­re­re Ansprüche entstünden. Die Ent­schei­dung des LSG ste­he auch mit der Ge­set­zes­sys­te­ma­tik nicht im Ein­klang. Die Be­stim­mung des § 1 BEEG ent­hal­te kei­ne Re­ge­lung über den An­spruchs­um­fang; die­ser sei viel-mehr in den §§ 2 bis 4 BEEG ge­re­gelt. Für Mehr­lings­ge­bur­ten sei ei­ne ein­deu­ti­ge Re­ge­lung in § 2 Abs 6 BEEG vor­ge­se­hen, die kei­ne Grund­la­ge mehr ha­be, wenn bei­de El­tern­tei­le für je­den Zwil­ling ei­nen ei­genständi­gen An­spruch auf El­tern­geld hätten. Aus § 2 Abs 6 BEEG er­ge­be sich ein­deu­tig und zwin­gend ei­ne Erhöhung des El­tern­gel­des bei Mehr­lings­ge­bur­ten für das zwei­te und je­des wei­te­re Kind; ei­ne Aus­le­gung, wo­nach die­se Erhöhung nicht zu gewähren sei, wenn sich bei­de El­tern­tei­le um die Mehr­lin­ge kümmer­ten, sei an­ge­sichts des kla­ren Wort­lauts nicht möglich. Fer­ner hätte das LSG nach sei­ner Ar­gu­men­ta­ti­on die Gewährung des Ge­schwis­ter­bo­nus nach § 2 Abs 4 BEEG be­ja­hen müssen. Zu­dem ver­weh­re das LSG den El­tern mit sei­ner Aus­le­gung die Vergüns­ti­gun­gen nach § 3 Abs 2 S 1 Halbs 2, § 10 Abs 4 und § 11 S 3 BEEG und ver­let­ze auch die­se Vor­schrif­ten.
Das LSG set­ze sich mit § 3 Abs 1 S 2 BErzGG aus­ein­an­der, über­se­he hier­bei je­doch, dass für den Be­reich der El­tern­zeit in § 15 Abs 2 S 3 BEEG - wie be­reits zu­vor in § 15 Abs 2 S 3 BErzGG - ei­ne aus­drück­li­che Re­ge­lung er­folgt sei, wo­nach bei meh­re­ren Kin­dern für je­des Kind An­spruch auf El­tern­zeit be­ste­he. Ei­ner sol­chen Re­ge­lung hätte es nicht be­durft, wenn sich be-reits aus § 15 Abs 1 BErzGG bzw BEEG, der dem § 1 Abs 1 BEEG ent­spre­che, bei Mehr­lin­gen
ein An­spruch auf El­tern­zeit für je­den Mehr­ling ergäbe. Zu­dem las­se sich aus dem Um­stand, dass die Be­stim­mung des § 3 Abs 1 S 2 BErzGG nicht in das BEEG über­nom­men wor­den sei, al­lein der Schluss zie­hen, dass ge­ra­de nicht für je­den Mehr­ling je­weils ein An­spruch auf El­tern­geld zu­ste­hen sol­le. Das LSG las­se hier­bei auch un­be­ach­tet, dass Er­zie­hungs­geld nach § 3 Abs 1 S 1 und Abs 2 S 1 BErzGG nur ei­ner be­rech­tig­ten Per­son ge­zahlt wor­den sei.
Fer­ner er­ge­be sich aus der Ge­set­zes­be­gründung zu § 4 BEEG ein­deu­tig ei­ne Be­schränkung des El­tern­geld­be­zugs auf 14 Mo­nats­beträge; ei­ne Ver­viel­fa­chung bei Mehr­facherfüllung ei­ner An­spruchs­vor­aus­set­zung sei da­mit aus­ge­schlos­sen. Dies wer­de durch den Ge­set­zes­zweck bestätigt, wo­nach das BEEG in ers­ter Li­nie die fi­nan­zi­el­le Si­tua­ti­on der El­tern in den ers­ten 14 Mo­na­ten nach der Ge­burt si­chern sol­le. Bei Mehr­lin­gen sei der Ein­kom­mens­ver­lust nicht größer.
Ent­ge­gen der Auf­fas­sung des LSG lie­ge kein Ver­s­toß ge­gen Art 3 Abs 1 GG vor, da die vom LSG ge­bil­de­ten Grup­pen be­reits nicht mit­ein­an­der ver­gleich­bar sei­en. Maßstab hierfür sei das Ziel des BEEG, El­tern bei der Si­che­rung der Le­bens­grund­la­ge in den ers­ten 14 Le­bens­mo­na­ten des Kin­des zu un­terstützen. Ab­ge­stellt wer­de da­her auf die Frühpha­se des neu­ge­bo­re­nen Kin-des. Der Zeit­raum der Frühpha­se bei ei­ner Mehr­lings­ge­burt un­ter­schei­de sich vom Zeit­raum der Frühpha­sen bei kur­zen Ge­bur­ten­fol­gen. Denn bei ei­ner Mehr­lings­ge­burt lie­ge ei­ne ge­mein­sa­me Frühpha­se vor, während bei Ge­bur­ten­fol­gen meh­re­re Frühpha­sen bestünden. Da­her bestünden ge­wich­ti­ge Un­ter­schie­de zwi­schen die­sen Grup­pen, die de­ren Un­gleich­be­hand­lung recht­fer­tig­ten. Auch das Ge­setz un­ter­schei­de zwi­schen die­sen Grup­pen, da es in § 2 Abs 4 S 2 BEEG ei­nen Ge­schwis­ter­bo­nus vor­se­he, auf den bei ei­nem Fol­ge­kind ein An­spruch be­ste­he. Ein wei­te­rer Un­ter­schied be­ste­he hin­sicht­lich des Ver­brauchs von Mo­nats­beträgen durch den Be­zug von Mut­ter­schafts­geld nach § 4 Abs 3 S 2 BEEG, da sich die­se Zeiträume bei kur­zen Ge­bur­ten­fol­gen ad­dier­ten, bei Mehr­lings­ge­bur­ten hin­ge­gen ein ein­heit­li­cher Zeit­raum vor­lie­ge. El­tern die gleich­zei­tig Kin­der mit dem Ziel der An­nah­me als Kind in den Haus­halt auf­ge­nom­men hätten, würden nicht bes­ser ge­stellt, da auf sie § 2 Abs 6 BEEG ent­spre­chend an­zu­wen­den sei.
das Ur­teil des Baye­ri­schen Lan­des­so­zi­al­ge­richts vom 23. No­vem­ber 2011 auf­zu­he­ben, so­weit es die Gewährung von El­tern­geld für wei­te­re sechs Mo­na­te be­trifft, und die Be­ru­fung der Kläge­rin ge­gen den Ge­richts­be­scheid des So­zi­al­ge­richts Bay­reuth vom 14. April 2008 vollständig zurück­zu­wei­sen.
die Re­vi­si­on des Be­klag­ten zurück­zu­wei­sen.
Sie hält das an­ge­grif­fe­ne Ur­teil für zu­tref­fend.
Die Re­vi­si­on des be­klag­ten Frei­staa­tes ist zulässig. Sie ist vom LSG zu­ge­las­sen wor­den und da­mit statt­haft (§ 160 Abs 1 SGG). Der Be­klag­te hat bei der Ein­le­gung und Be­gründung der Re­vi­si­on For­men und Fris­ten ein­ge­hal­ten. Die Re­vi­si­ons­be­gründung erfüllt die Vor­aus­set­zun­gen des § 164 Abs 2 S 3 SGG.
Der Be­klag­te hat der Kläge­rin El­tern­geld nebst Mehr­lings­zu­schlag (§ 2 Abs 6 BEEG) für den ers­ten bis sechs­ten Le­bens­mo­nat der Zwil­lin­ge gewährt. Das LSG hat die­se Be­wil­li­gung - ent­spre­chend dem An­trag der Kläge­rin - auf das Kind E. be­zo­gen und der Kläge­rin El­tern­geld oh­ne Mehr­lings­zu­schlag für den sieb­ten bis zwölf­ten Le­bens­mo­nat von E. zu­ge­spro­chen. Im Übri­gen hat es die - auf Nicht­berück­sich­ti­gung der Kir­chen­steu­er bei der Be­rech­nung des El­tern­gel­des ge­rich­te­te - Be­ru­fung zurück­ge­wie­sen. Da al­lein der Be­klag­te ge­gen das Be­ru­fungs­ur­teil Re­vi­si­on ein­ge­legt hat, ist der kla­ge­ab­wei­sen­de Ge­richts­be­scheid des SG vom 14.4.2008 rechts­kräftig ge­wor­den, so­weit er wei­ter­ge­hen­de Ansprüche der Kläge­rin be­trifft. Dem­ent­spre­chend ist ins­be­son­de­re über die Höhe des El­tern­gel­des der Kläge­rin nicht zu ent­schei­den.
1. Der An­spruch der Kläge­rin auf El­tern­geld rich­tet sich nach den am 1.1.2007 in Kraft ge­tre­te­nen Vor­schrif­ten des BEEG vom 5.12.2006 (BGBl I 2748). So­weit die späte­ren Ände­run­gen des BEEG (erst­mals durch das Ge­setz vom 19.8.2007 - BGBl I 1970) über­haupt die den strei­ti­gen An­spruch berühren­den Be­stim­mun­gen der §§ 1, 2 und 4 BEEG be­tref­fen, sind sie im vor­lie­gen­den Ver­fah­ren nicht an­wend­bar. Die durch das Ge­setz vom 19.8.2007 er­folg­te Ände­rung be­zieht sich auf den hier nicht ein­schlägi­gen Abs 7 des § 1 BEEG. Bei der ers­ten Ände­rung der §§ 2 und 4 BEEG durch das Ge­setz vom 17.1.2009 (BGBl I 61) mit Wir­kung zum 24.1.2009 war der El­tern­geld­zah­lungs­zeit­raum be­reits ab­ge­schlos­sen (vgl BSG Ur­teil vom 18.8.2011 - B 10 EG 5/11 R - SozR 4-7837 § 2 Nr 11 Rd­Nr 27 mwN), so­dass die­se Neu­re­ge­lung des Ge­set­zes den vor­lie­gend zu be­ur­tei­len­den An­spruch der Kläge­rin nicht er­fasst.
2. Nach § 1 Abs 1 BEEG hat An­spruch auf El­tern­geld, wer ei­nen Wohn­sitz oder sei­nen gewöhn­li­chen Auf­ent­halt in Deutsch­land hat (Nr 1), mit sei­nem Kind in ei­nem Haus­halt lebt (Nr 2), die­ses Kind selbst be­treut und er­zieht (Nr 3) und kei­ne oder kei­ne vol­le Er­werbstätig­keit ausübt
(Nr 4). Die­se Vor­aus­set­zun­gen erfüllt die Kläge­rin für den strei­ti­gen Zeit­raum (sie­ben­ter bis zwölf­ter Le­bens­mo­nat der Kin­der). Dass bei ihr die in­so­weit be­deut­sa­men Tat­sa­chen vor­lie­gen, hat das LSG fest­ge­stellt.
3. Der Um­fang des Leis­tungs­an­spruchs der Kläge­rin er­gibt sich aus § 4 BEEG. Dar­in ist ge­re­gelt:
(1) El­tern­geld kann in der Zeit vom Tag der Ge­burt bis zur Voll­endung des 14. Le­bens­mo­nats des Kin­des be­zo­gen wer­den. Für an­ge­nom­me­ne Kin­der und Kin­der iS des § 1 Abs 3 Nr 1 kann El­tern­geld ab Auf­nah­me bei der be­rech­tig­ten Per­son für die Dau­er von bis zu 14 Mo­na­ten, längs­tens bis zur Voll­endung des ach­ten Le­bens­jah­res des Kin­des be­zo­gen wer­den.
(2) El­tern­geld wird in Mo­nats­beträgen für Le­bens­mo­na­te des Kin­des ge­zahlt. Die El­tern ha­ben ins­ge­samt An­spruch auf zwölf Mo­nats­beträge. Sie ha­ben An­spruch auf zwei wei­te­re Mo­nats­beträge, wenn für zwei Mo­na­te ei­ne Min­de­rung des Ein­kom­mens aus Er­werbstätig­keit er­folgt. Die El­tern können die je­wei­li­gen Mo­nats­beträge ab­wech­selnd oder gleich­zei­tig be­zie­hen.
(3) Ein El­tern­teil kann höchs­tens für zwölf Mo­na­te El­tern­geld be­zie­hen. Le­bens­mo­na­te des Kin­des, in de­nen nach § 3 Abs 1 oder 3 an­zu­rech­nen­de Leis­tun­gen zu­ste­hen, gel­ten als Mo­na­te, für die die be­rech­tig­te Per­son El­tern­geld be­zieht. ...
a) Eben­so wie sich die An­spruchs­be­rech­ti­gung nach § 1 Abs 1 BEEG auf ein be­stimm­tes Kind be­zieht, ist der Be­zugs­zeit­raum auf Le­bens­mo­na­te des Kin­des aus­ge­rich­tet. Dar­aus er­gibt sich für den er­ken­nen­den Se­nat, dass je­der El­tern­teil für je­des Kind die An­spruchs­vor­aus­set­zun­gen für El­tern­geld erfüllen kann und ihm dann grundsätz­lich - zu­sam­men mit dem an­de­ren El­tern­teil - für die ers­ten 14 Le­bens­mo­na­te des be­tref­fen­den Kin­des - un­ter Berück­sich­ti­gung von zwei Part­ner­mo­na­ten - bis zu 14 Mo­nats­beträge El­tern­geld zu­ste­hen. Da­bei kann er al­lein für die­ses Kind höchs­tens zwölf Mo­nats­beträge er­hal­ten. Für El­tern von Mehr­lin­gen gilt in­so­weit nichts an­de­res. § 2 Abs 6 BEEG sieht bei Mehr­lings­ge­bur­ten le­dig­lich ei­ne Erhöhung des El­tern­gel­des für das zwei­te und je­des wei­te­re Kind vor, ver­drängt je­doch nicht ei­nen auf Ein­kom­mens­er­satz ge­rich­te­ten El­tern­geld­an­spruch für Mehr­lings­kin­der. Ein mehr­fa­cher Ein­kom­mens­aus­gleich für den­sel­ben Be­rech­tig­ten wird durch § 3 Abs 2 BEEG aus­ge­schlos­sen. Für die­ses Ge­setz­verständ­nis sind fol­gen­de Erwägun­gen maßge­bend:
Ab dem 1.1.2007 ist das Bun­des­el­tern­geld an die Stel­le des Bun­des­er­zie­hungs­gel­des ge­tre­ten, das von im We­sent­li­chen übe­rein­stim­men­den Vor­aus­set­zun­gen abhängig war (§ 1 Abs 1 Bun-
de­ser­zie­hungs­geld­ge­setz - BErzGG - vom 6.12.1985, BGBl I 2154). In der ursprüng­li­chen Fas­sung des § 3 Abs 1 BErzGG war un­ter der Über­schrift "Zu­sam­men­tref­fen von Ansprüchen" ge­re­gelt, dass Er­zie­hungs­geld - un­abhängig von der Zahl der be­treu­ten Kin­der - nur ein­mal an ei­ne Per­son gewährt wird (vgl da­zu BSG Ur­teil vom 16.2.1989 - 4 REg 6/88 - BS­GE 64, 296, 298 ff = SozR 7833 § 3 Nr 1 S 2 ff). Die­se Be­stim­mung lässt er­ken­nen, dass es der Ge­setz­ge­ber als er­for­der­lich an­ge­se­hen hat, die Leis­tungs­gewährung aus­drück­lich zu be­schränken, weil sonst bei Erfüllung der An­spruchs­vor­aus­set­zun­gen durch meh­re­re Per­so­nen für meh­re­re Kin­der auch ent­spre­chend vie­le Ansprüche be­ste­hen würden (vgl da­zu BT-Drucks 10/3926 S 2; BT-Drucks 10/3792 S 15 f; BT-Drucks 10/4039 S 2).
Auch der Be­klag­te geht da­von aus, dass bei kur­zer Ge­bur­ten­fol­ge (auf­grund er­neu­ter Schwan­ger­schaft) und bei ei­ner während des El­tern­geld­be­zu­ges er­folg­ten Auf­nah­me ei­nes wei­te­ren Kin­des in den Haus­halt zum Zwe­cke der An­nah­me als Kind (§ 1 Abs 3 Nr 1 BEEG) grundsätz­lich ein neu­er El­tern­geld­an­spruch für zwölf bzw 14 Le­bens­mo­na­te des Kin­des ent­steht. Die Re­ge­lung des § 2 Abs 6 BEEG reicht nicht aus, um bei Mehr­lin­gen - oh­ne ein­deu­ti­ge Be­schränkung des An­spruchs­um­fangs - ei­ne ab­wei­chen­de Hand­ha­bung zu recht­fer­ti­gen. Denn die­se Vor­schrift be­trifft auch im Hin­blick auf ih­re Einfügung in § 2 BEEG al­lein die Höhe des An­spruchs. So­weit der Be­klag­te in Ad­op­ti­onsfällen die zeit­glei­che Erfüllung der An­spruchs­vor­aus-
set­zun­gen für meh­re­re Kin­der ei­ner Mehr­lings­ge­burt gleich­be­han­deln will, fin­det dies im gel­ten-den Recht kei­ne hin­rei­chen­de Stütze.
Der Mehr­lings­zu­schlag eig­net sich schon des­halb nicht für ei­ne tragfähi­ge sys­te­ma­ti­sche Aus­le­gung, weil er als sol­cher eher ei­ne Fehl­kon­struk­ti­on ist. Sei­ne An­bin­dung an den El­tern­geld­an­spruch führt da­zu, dass er in ei­nem Le­bens­mo­nat der Mehr­lin­ge dop­pelt gewährt wird, für den bei­de El­tern­tei­le El­tern­geld be­an­spru­chen, ob­wohl die el­ter­li­che Be­las­tung, die der Zu­schlag berück­sich­ti­gen soll, in die­sen Mo­na­ten si­cher nicht dop­pelt so groß ist wie in an­de­ren Le­bens­mo­na­ten. Ei­ne wort­laut­ge­treue An­wen­dung des § 2 Abs 6 BEEG führt auch zu ei­ner sach­wid­ri­gen Bes­ser­stel­lung von Mehr­lings­el­tern ge­genüber El­tern, die na­he­zu zeit­gleich meh­re­re Kin­der zum Zwe­cke der An­nah­me als Kind in den Haus­halt auf­neh­men (§ 1 Abs 3 Nr 1 BEEG) und ent­spre­chend eben­falls er­heb­li­che Be­las­tun­gen zu bewälti­gen ha­ben.
Mehr­fa­che El­tern­geld­ansprüche bei Mehr­lings­kin­dern wi­der­spre­chen auch sonst nicht der Sys­te­ma­tik des BEEG. Ein mehr­fa­cher Ein­kom­mens­er­satz für den­sel­ben Be­rech­tig­ten wird durch § 3 Abs 2 BEEG aus­ge­schlos­sen. Die­ser lau­tet:
So­weit Be­rech­tig­te an Stel­le des vor der Ge­burt des Kin­des er­ziel­ten Ein­kom­mens aus Er­werbstätig­keit nach der Ge­burt an­de­re Ein­nah­men er­zie­len, die nach ih­rer Zweck­be­stim­mung die­ses Ein­kom­men aus Er­werbstätig­keit ganz oder teil­wei­se er­set­zen, wer­den die­se Ein­nah­men auf das für das er­setz­te Ein­kom­men zu­ste­hen­de El­tern­geld an­ge­rech­net, so­weit letz­te­res den Be­trag von 300 Eu­ro über­steigt; die­ser Be­trag erhöht sich bei Mehr­lings­ge­bur­ten um je 300 Eu­ro für das zwei­te und je­des wei­te­re Kind. ...
Da­nach wird bei der be­rech­tig­ten Per­son auch das dem Ein­kom­mens­er­satz die­nen­de El­tern­geld für das ers­te Kind auf das El­tern­geld für das zwei­te Kind in der Wei­se an­ge­rech­net, dass in­so­weit nur der erhöhte Ba­sis­be­trag ver­bleibt. § 3 Abs 1 Nr 4, Abs 2 BEEG idF vom 10.9.2012 (BGBl I 1878) sieht dies jetzt auch aus­drück­lich vor. Mit­hin er­hal­ten El­tern von Dril­lin­gen, die bei­de zur Be­treu­ung der Kin­der ih­re Er­werbstätig­keit un­ter­bre­chen, ma­xi­mal nur je­weils ein El-
tern­geld mit Ein­kom­mens­er­satz, während sie für die ers­ten 14 Le­bens­mo­na­te des drit­ten Kin­des zu­sam­men ma­xi­mal nur 14 Mo­nats­beträge in Höhe des erhöhten Ba­sis­be­tra­ges be­an­spru­chen können.
dd) Sch­ließlich ent­spricht die Auf­fas­sung des er­ken­nen­den Se­nats auch dem Sinn und Zweck des El­tern­gel­des.
Es ist zwar rich­tig, wenn der Be­klag­te dar­auf hin­weist, dass bei meh­re­ren Kin­dern nur der Be­treu­ungs­auf­wand, aber nicht der Ein­kom­mens­ver­lust des ver­sor­gen­den El­tern­teils größer wird. Da­bei wird je­doch un­berück­sich­tigt ge­las­sen, dass das BEEG, an­ders als das BErzGG (vgl § 3 Abs 1 S 1 BErzGG), nicht nur ei­nem El­tern­teil, son­dern bei­den El­tern­tei­len die Möglich­keit bie­tet, ei­nen Aus­gleich für den durch Be­treu­ung der Kin­der ent­ste­hen­den Ein­kom­mens­ver­lust in An­spruch zu neh­men. Ha­ben die El­tern zu­sam­men nur höchs­tens 14 Mo­nats­beträge zur Verfügung, ver­brau­chen sie die­se al­ler­dings bei gleich­zei­ti­ger In­an­spruch­nah­me ent­spre­chend schnel­ler. Können sie bei Zwil­lin­gen für je­des Kind grundsätz­lich 14 Mo­nats­beträge be­an­spru­chen, sind sie in der La­ge, den vom BEEG be­ab­sich­tig­ten Ein­kom­mens­aus­gleich ent­spre­chend länger zu nut­zen. Im Hin­blick auf die bei Zwil­lin­gen be­ste­hen­de stärke­re Be­las­tung steht die­se Aus­wir­kung mit dem Sinn und Zweck des El­tern­gel­des im Ein­klang.
b) Ge­mes­sen an die­sem Verständ­nis des § 4 BEEG hat das LSG den zeit­li­chen Um­fang des Leis­tungs­an­spruchs der Kläge­rin zu­tref­fend be­stimmt. Die da­ge­gen ge­rich­te­te Re­vi­si­on des Be­klag­ten ist un­be­gründet.
Da der Ehe­mann der Kläge­rin nur für den 13. und 14. Le­bens­mo­nat von E. El­tern­geld be­an­sprucht hat, steht der Kläge­rin El­tern­geld für die ers­ten zwölf Le­bens­mo­na­te die­ses Kin­des zu (§ 4 Abs 1 S 1, Abs 2 BEEG).