Source: http://www.dr-recker.com/service/information/immobilienrechtssprechung/nachtragliche-vertragsanderungen-und-inhaltskontrolle-vii-zr-16212/nachtragliche-vertragsanderungen-und-inhaltskontrolle-vii-zr-16212-langfassung/
Timestamp: 2018-07-19 15:36:39
Document Index: 388267860

Matched Legal Cases: ['BGH', '§ 371', '§ 371', '§ 371', '§ 325', '§ 281']

Nachträgliche Vertragsänderungen und Inhaltskontrolle › Dr. Recker
Zudem ist in den "All­ge­mei­nen Geschäfts­be­din­gun­gen" der Beklag­ten, die dem Ver­trag bei­ge­fügt waren, in Ziff. VI Abs. 1 bestimmt:
Lie­fe­rung und Ein­bau der Küche erfolg­ten Ende März 2010. Unstrei­tig erfolg­te der Ein­bau nicht voll­stän­dig fach­ge­recht. Mit E-Mail vom 23. April 2010 lis­te­te die Beklag­te die Män­gel und not­wen­di­gen Nach­ar­bei­ten auf und sicher­te umge­hen­de Abhil­fe zu, sobald alle benö­tig­ten Tei­le gelie­fert wor­den sei­en. In der Fol­ge­zeit kam es zu meh­re­ren Ter­mi­nen in der Woh­nung der Klä­ge­rin und des Dritt­wi­der­be­klag­ten, in denen die Küche wie­der­holt aus­ge­mes­sen wur­de. Zu einer Besei­ti­gung der Män­gel kam es nicht. Ab Juni 2010 ver­han­del­ten die erst­in­stanz­li­chen Pro­zess­be­voll­mäch­tig­ten über die Abwick­lung des Ver­tra­ges. Im Zuge die­ser Ver­hand­lun­gen zahl­ten die Klä­ge­rin und der Dritt­wi­der­be­klag­te wei­te­re 13.550 € ohne Aner­ken­nung einer Rechts­pflicht und erwar­te­ten die Män­gel­be­sei­ti­gung bis 6. August 2010.
Mit Schrei­ben vom 31. Juli 2010 lehn­te der Bevoll­mäch­tig­te der Beklag­ten eine Män­gel­be­sei­ti­gung bis 6. August 2010 ab. Auf­grund der "Ver­zö­ge­run­gen bei Leis­tung der Teil­zah­lung" und wei­te­rer Umstän­de bestün­den "Zwei­fel an der Zah­lungs­fä­hig­keit und -wil­lig­keit". Des­halb wer­de ein nach dem 6. August 2010 lie­gen­der Ter­min von den Mit­ar­bei­tern nur wahr­ge­nom­men, "wenn ihnen der noch offe­ne Rest­be­trag der Gesamt­sum­me des Ver­trags vor­ab in bar über­ge­ben wer­de". Das Schrei­ben endet mit dem Hin­weis des Bevoll­mäch­tig­ten, im Kla­ge­fal­le zustel­lungs­be­voll­mäch­tigt zu sein.
bb) Nach die­sen Grund­sät­zen sind die All­ge­mei­nen Geschäfts­be­din­gun­gen der Beklag­ten zur Zah­lungs­pflicht der Klä­ge­rin und des Dritt­wi­der beklag­ten durch die Ver­ein­ba­rung vom 11. März 2010 nicht aus­ge­han­delt wor­den. Aus dem E-Mail-Ver­kehr der Par­tei­en vom 11. März 2010 folgt, dass die Par­tei­en vor dem 11. März 2010 tele­fo­nisch erör­tert hat­ten, inwie­weit die Klä­ge­rin und der Dritt­wi­der­be­klag­te berech­tigt sein soll­ten, einen Teil­be­trag zurück­zu­be­hal­ten. Dar­auf nimmt die E-Mail des Dritt­wi­der­be­klag­ten vom 11. März 2010, 9.15 Uhr, Bezug, wonach ein Betrag von 2.500 € bis zum man­gel­frei­en Ein­bau der Küche zurück­ge­hal­ten wer­den soll­te. Die­sen Vor­schlag hat die Beklag­te mit E-Mail vom 11. März 2010, 15.45 Uhr, unter Hin­weis auf die Rege­lun­gen im "Kauf­ver­trag" abge­lehnt. Wört­lich heißt es: "Bit­te haben Sie Ver­ständ­nis, dass wir auf die Ein­hal­tung der ver­ein­bar­ten Zah­lungs­be­din­gun­gen bestehen müs­sen." Damit stell­te die Beklag­te den Kern­ge­halt ihrer Klau­seln nicht in Fra­ge. Ande­res ergibt sich nicht aus dem Ange­bot der Beklag­ten, zur Absi­che­rung der Klä­ge­rin und des Dritt­wi­der­be­klag­ten eine Bank­bürg­schaft zu stel­len. Die­ses Ange­bot bezog sich auf "Beden­ken, die kom­plet­te Sum­me zu über­wei­sen", d.h. auf den Teil­be­trag von 2.500 €, den der Dritt­wi­der­be­klag­te zurück­hal­ten woll­te. Im Anschluss an die­se E-Mail einig­ten sich die Par­tei­en tele­fo­nisch auf den Vor­schlag des Dritt­wi­der­be­klag­ten, der dies mit E-Mail vom 11. März 2010, 18.19 Uhr, bestä­tig­te. Es erge­ben sich kei­ne Anhalts­punk­te dafür, dass die Beklag­te über den Teil­be­trag von 2.500 € hin­aus bereit war, in den am 11. März 2010 nach­mit­tags geführ­ten Gesprä­chen ihre Zah­lungs­be­din­gun­gen grund­le­gend zur Dis­po­si­ti­on zu stel­len. Es ver­blieb im Wesent­li­chen bei der unglei­chen Ver­hand­lungs­si­tua­ti­on, in der die Beklag­te ihre Ver­trags­be­din­gun­gen ein­sei­tig durch­setz­te.
b) Die­se Vor­aus­set­zun­gen sind rechts­feh­ler­frei fest­ge­stellt. Durch das Schrei­ben vom 31. Juli 2010 in Ver­bin­dung mit den dem Schrei­ben vor­her­ge­hen­den Ver­hand­lun­gen hat die Beklag­te ein­deu­tig zum Aus­druck gebracht, zur Män­gel­be­sei­ti­gung nicht bereit zu sein. Die Beklag­te hat in dem Schrei­ben mit­ge­teilt, die Män­gel­be­sei­ti­gungs­ar­bei­ten nur durch­zu­füh­ren, wenn der noch aus­ste­hen­de Rest­be­trag bar an ihre Mit­ar­bei­ter vor Beginn der Arbei­ten gezahlt wer­de. Ansons­ten wür­den die Mit­ar­bei­ter wie­der abrei­sen. Da der Beklag­ten, wie aus­ge­führt, nicht das Recht zustand, die Män­gel­be­sei­ti­gung an die Bezah­lung des Werk­lohns oder Kauf­prei­ses zu knüp­fen, hat sie die Män­gel­be­sei­ti­gung zu Unrecht ver­wei­gert. Die­se Ver­wei­ge­rung muss­ten die Klä­ge­rin und der Dritt­wi­der­be­klag­te als end­gül­tig ver­ste­hen. Denn über die Fra­ge der Män­gel­be­sei­ti­gung in Ver­knüp­fung mit der Bezah­lung hat­ten die Par­tei­en umfas­send kor­re­spon­diert und ver­han­delt. Die Män­gel waren seit dem Ein­bau der Küche Ende März 2010 im Wesent­li­chen bekannt und unstrei­tig. Die Par­tei­en hat­ten über eine wei­te­re Zah­lung der Klä­ge­rin und des Dritt­wi­der­be­klag­ten ver­han­delt, die — ohne Aner­ken­nung einer Rechts­pflicht — im Umfang von 13.550 € am 20. Juli 2010 erfolg­te. Weil die­se mit Schrei­ben vom 14. Juli 2010 ange­kün­dig­te Zah­lung aus Sicht der Beklag­ten nicht "unmit­tel­bar" nach Ver­sand des Schrei­bens vom 14. Juli 2010 erfolgt war, die Bevoll­mäch­tig­ten der Klä­ge­rin und des Dritt­wi­der­be­klag­ten am Män­gel­be­sei­ti­gungs­ter­min vom 6. August 2010 fest­hiel­ten und auf den Umfang der Män­gel­be­sei­ti­gungs­ar­bei­ten hin­wie­sen, ver­lang­te die Beklag­te — zu Unrecht und ange­sichts der soeben erfolg­ten Zah­lung von 13.550 € für die Klä­ge­rin und den Dritt­wi­der­be­klag­ten nicht nach­voll­zieh­bar — voll­stän­di­ge Zah­lung vor Män­gel-besei­ti­gungs­be­ginn wegen "Zwei­feln an der Zah­lungs­fä­hig­keit und -wil­lig­keit". Zugleich wies der Bevoll­mäch­tig­te der Beklag­ten am Ende des Schrei­bens vom 31. Juli 2010 dar­auf hin, im Kla­ge­fal­le zustel­lungs­be­voll­mäch­tigt zu sein. Damit hat die Beklag­te ein­deu­tig zum Aus­druck gebracht, nicht län­ger ver­hand­lungs­be­reit zu sein. Die Klä­ge­rin und der Dritt­wi­der­be­klag­te durf­ten des­halb sicher davon aus­ge­hen, dass die Set­zung einer Nach­frist kei­nen Ein­druck auf die Beklag­te machen wür­de.
aa) Das Beru­fungs­ge­richt hat sei­ne Fest­stel­lun­gen in ver­fah­rens­recht­lich ord­nungs­ge­mä­ßer Wei­se auf der Grund­la­ge der vor­ge­leg­ten Licht­bil­der getrof­fen. Soweit die Beklag­te bereits erst­in­stanz­lich bean­tragt hat, hin­sicht­lich der Sicht­bar­keit der Män­gel ein Sach­ver­stän­di­gen­gut­ach­ten ein­zu­ho­len und die Küche in Augen­schein zu neh­men, muss­te das Beru­fungs­ge­richt dem nach Vor­la­ge der aus­sa­ge­kräf­ti­gen Licht­bil­der nicht nach­ge­hen. Die Revi­si­on legt nicht dar, wel­che zusätz­li­chen Erkennt­nis­se sich durch eine Inau­gen­schein­nah­me vor Ort zuguns­ten der Beklag­ten erge­ben hät­ten (vgl. BGH, Urteil vom 23. Juni 1987 — VI ZR 296/86, MDR 1988, 42; MünchKommZPO/Zimmermann, 4. Aufl., § 371 Rn. 2; Musielak/Huber, ZPO, 9. Aufl., § 371 Rn. 3; Hk-ZPO/Ei­che­le, 5. Aufl., § 371 Rn. 5).
7. Die Klä­ge­rin kann ent­spre­chend ihrem Begeh­ren als gro­ßen Scha­dens­er­satz die Rück­ab­wick­lung des Ver­tra­ges mit der Beklag­ten und zusätz­lich (§ 325 BGB) die Erstat­tung von (Folge-)Kosten ver­lan­gen, die mit dem Ein­bau einer gleich­wer­ti­gen Küche zusam­men­hän­gen (Palandt/Grüneberg, aaO, § 281 Rn. 18, 21). Im Ter­min vor dem Beru­fungs­ge­richt haben die Par­tei­en sich dar­auf ver­stän­digt, die­se Kos­ten mit 2.000 € anzu­set­zen. Die Revi­si­on macht gel­tend, die Ver­ein­ba­rung bezie­he sich aus­schließ­lich auf die Scha­dens­hö­he, sage aber noch nichts dar­über aus, ob ein haf­tungs­be­grün­den­der Ursa­chen­zu­sam­men­hang bestehe, da noch nicht fest­ste­he, ob die der Scha­dens­fest­le­gung zugrun­de lie­gen­den Arbei­ten tat­säch­lich durch­ge­führt wür­den. Dem ver­mag der Senat nicht zu fol­gen. Mit der Fest­le­gung der Fol­ge­scha­dens­hö­he auf 2.000 € haben die Par­tei­en not­wen­di­ger­wei­se ihren Streit über die Fra­ge bei­ge­legt, ob und in wel­chem Umfang Fol­ge­kos­ten anfal­len. Das Beru­fungs­ge­richt soll­te — offen­sicht­lich zur Ver­mei­dung wei­te­rer Kos­ten — davon ent­bun­den wer­den, die Berech­ti­gung der Scha­dens­po­si­tio­nen auf­zu­klä­ren. Auf die von der Revi­si­on auf­ge­wor­fe­ne Fra­ge kommt es des­halb für die Ent­schei­dung die­ses Fal­les nicht an.