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Timestamp: 2019-07-20 05:03:55
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Matched Legal Cases: ['§ 105', '§ 62', 'Art. 8', 'Art. 18', 'Art. 137', 'Art. 125', '§ 39']

Squeeze-out • Definition | Gabler Wirtschaftslexikon
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Bei einem Squeeze-out (engl. Hinausquetschen) handelt es sich um den zwangsweisen Ausschluss von Minderheitsaktionären aus einer Aktiengesellschaft durch den Mehrheitsaktionär. Abhängig von der jeweiligen Rechtsordnung gibt es verschiedene Formen des Squeeze-out, die unter verschiedenen Voraussetzungen und in unterschiedlichen Situationen durchgeführt werden können.
1 Squeeze-out in Deutschland
1.1 Der aktienrechtliche Squeeze-out
1.1.1 Recht des Hauptaktionärs
1.1.2 Abfindung
1.1.3 Verfahren
1.1.4 Rechtsschutz der Minderheitsaktionäre beim Squeeze-out
1.2 Der übernahmerechtliche Squeeze-out
1.3 Der finanzmarktstabilisierungsrechtliche Squeeze-out
1.4 Der verschmelzungsrechtliche Squeeze-out
1.4.1 Nutzen
1.5 Squeeze-Out bei anderen Rechtsformen
1.6 Liste von Squeeze-outs nach deutschem Recht
2 Squeeze-out in der Schweiz
3 Squeeze-out in den USA
4 Squeeze-out im Vereinigten Königreich
5.1 Deutsches Recht
Squeeze-out in Deutschland
Hauptaktionär kann jede deutsche oder ausländische natürliche oder juristische Person sein. Auch eine BGB-Außengesellschaft kommt in Betracht. Diese muss jedoch selbst Inhaberin der Aktienmehrheit sein. Eine bloße Willensbildungsgesellschaft kommt nicht in Betracht, da sie mangels Aktien nicht Hauptaktionär sein kann.[5] Erwägenswert ist die Gründung einer oHG nach § 105 Abs. 2 HGB. Denn die eingetragene und damit registergerichtlich geprüfte oHG hat den Anschein der Dauerhaftigkeit für sich, der – wie noch zu zeigen sein wird – von erheblicher Bedeutung ist.
Der finanzmarktstabilisierungsrechtliche Squeeze-out
Für weitere Details zum finanzmarktstabilisierungsrechtlichen Squeeze-out und Fragen einer eventuellen Enteignung vgl. Königshausen – Squeeze-out in den USA und Deutschland, ISBN 978-3-8300-6636-1.
Der verschmelzungsrechtliche Squeeze-out
Seit dem 15. Juli 2011 gibt es eine vierte Form, nämlich den sogenannten verschmelzungsrechtlichen Squeeze-out. Hiermit wurden europarechtliche Vorgaben im Umwandlungsgesetz umgesetzt. Mit dem verschmelzungsrechtlichen Squeeze-out wurden auch die Möglichkeiten eines Mehrheitsaktionärs erweitert, die Minderheitsaktionäre gegen Zahlung einer Barabfindung aus einer Gesellschaft auszuschließen. Der Anwendungsbereich des verschmelzungsrechtlichen Squeeze-out ist im Vergleich zum aktienrechtlichen Squeeze-out allerdings eingeschränkt. Über den neu eingefügten § 62 Abs. 5 UmwG kann ein solcher Squeeze-out bereits dann stattfinden, wenn die Muttergesellschaft als Hauptaktionärin 90 % der Anteile der Tochtergesellschaft hält und die Tochtergesellschaft im Anschluss mit der Muttergesellschaft verschmolzen wird. Die bisherigen aktien- oder übernahmerechtlichen Mehrheitserfordernisse bleiben davon unberührt. Zudem müssen für einen verschmelzungsrechtlichen Squeeze-out 90 % der Aktien dem Hauptaktionär selbst gehören. Eine Zurechnung der Aktien, die von abhängigen Unternehmen oder Treuhändern gehalten werden, ist im Gegensatz zum aktien- oder übernahmerechtlichen Squeeze-out nicht möglich. Besitzt der Hauptaktionär noch nicht die zum Squeeze-out erforderliche Aktienmehrheit, muss zuvor eine Übertragung der Aktien auf den Hauptaktionär stattfinden. Die zu verschmelzende Gesellschaft und der Mehrheitsaktionär müssen die Rechtsform einer AG, KGaA oder deutschen SE aufweisen. Die Verschmelzung der Gesellschaft auf den Mehrheitsaktionär muss tatsächlich erfolgen.
Liste von Squeeze-outs nach deutschem Recht
Altana 760080 27. August 2010 SKion GmbH 15,01 € Spruchverfahren läuft: LG Düsseldorf – 39 O 50/10
BERU AG 507210 1. Oktober 2009 BorgWarner Germany GmbH 73,39 € nein[18]
BHW Holding[19] 522390 12. Februar 2008 Postbank AG 15,11 € 16,90 €
Brainpool[20] 518890 28. Juni 2002 VIVA Media 3,70 € 3,98 €
buch.de[21] 520460 16. Mai 2014 Thalia Holding 8,76 € 9,00 €
Buderus[22] 527800 23. Juli 2004 Robert Bosch GmbH 34,00 € 47,00 €
Cinemaxx[23] 508570 6. Februar 2014 Vue Beteiligung GmbH 7,86 € 9,76 €
Consors[24] 542700 19. Dezember 2002 BNP Paribas 11,75 € 12,61 €
CyBio 541230 7. Juli 2014 Analytik Jena 1,75 € Spruchverfahren läuft: LG Gera – 2 HK O 116/14
DAB Bank 507230 27. Juli 2015 BNP Paribas 4,78 € Spruchverfahren läuft: LG München I – 5 HK O 13182/15[25]
debitel[26] 540800 12. Mai 2005 Swisscom 11,79 €
Degussa[27] 542190 14. September 2006 RAG Aktiengesellschaft 42,66 € Spruchverfahren läuft: LG Düsseldorf – 31 O 89/06 (AktE)
Deutsche Pfandbriefbank[28] 804700 7. Februar 2005 Depfa Bank 71,61 € 81,00 €
Derby Cycle Werke[29] A1H6HN 28. Dezember 2012 Pon Holding Germany GmbH 31,56 € nein
Dresdner Bank[30] 535000 Allianz AG 51,50 €
Elster Group[31] A1DAJC 8. November 2013 Mintford GmbH 70,32 € 98,00 €
Epcos 512800 20. Mai 2009 TDK 18,14 € nein[32]
Heidelberger Lebensversicherung[33] 842860, 842863 3. November 2014 Heidelberger Leben Holding AG 28,26 € 34,76 €
Hotel.de[34] 691093 22. Oktober 2013 HRS 28,75 € Spruchverfahren läuft: LG Nürnberg-Fürth – 1 HK O 8584/13[35]
Hoechst[36] 575800 12. Juli 2005 sanofi-aventis 56,50 € 63,80 €
Hypo Real Estate[37] 802770 13. Oktober 2009 Bundesanstalt für Finanzmarktstabilisierung (SoFFin) 1,30 € nein
HypoVereinsbank[38] 802200 15. September 2008 UniCredit Group 38,26 € Spruchverfahren läuft: LG München I – 5 HK O 16226/08
Interhyp[39] 7. Juli 2011 ING Direct N.V. 68,13 € 76,95 €
Jerini[40] 678747 15. Dezember 2009 Shire Deutschland Investments GmbH 7,53 € 8,35 €
Kamps[41] 628060 2. April 2004 Finba Bakery (Barilla) 12,14 €
Mannesmann[42] 656030 21. August 2002 Vodafone 217,91 € Spruchverfahren läuft[43]
net-m Privatbank 1891[44] 5. Februar 2013 Net Mobile 6,49 € 7,80 €
Novasoft[45] 677890 4. August 2006 Ciber Holding 3,89 € 4,45 €
Postbank[46][47] 800100 21. Dezember 2015 Deutsche Bank 35,05 € Spruchverfahren läuft: LG Köln – 82 O 2/16
Rathgeber[48] 31. Juli 2012 F.X. Meiller Beteiligungs-GmbH 1385,00 € 1708,00 €
Schering AG[49] 717200 27. Oktober 2006 Bayer AG 98,98 € 118,00 €
Sky Deutschland SKYD00 15. September 2015 Sky plc 6,68 € Spruchverfahren läuft: LG München I – 5 HK O 16585/15
Solarparc 635253 5. Juli 2012 Solarworld 8,59 € nein[50]
Steigenberger Hotels[51] 26. August 2011 Brierly Gardens Investments Limited 538,06 € 649,58 €
tecis[52] 621160 24. Januar 2003 AWD Holding 31,50 € 32,50 €
Triumph Adler[53] 749500 13. Oktober 2010 Kyocera Mita (heute Kyocera Document Solutions) 1,90 € 2,13 €
VIVA Media[54] 617106 14. Juni 2005 Viacom 12,65 € 13,65 €
WMF AG 780300, 780303 13. März 2015 Finedining Capital AG 58,37 € Spruchverfahren läuft: LG Stuttgart – 1 O 53/15 KfH SpruchG
Squeeze-out in der Schweiz
Das Schweizer Gesellschaftsrecht kennt nur zwei Formen des Squeeze-Outs. Einerseits handelt es sich hierbei um den Squeeze-out nach einem öffentlichen Kaufangebot im Sinne des Finanzmarktinfrastrukturgesetzes. Andererseits gibt es den Squeeze-out bei einer Fusion zweier oder mehrerer Gesellschaften im Sinne des am 1. Juli 2004 in Kraft getretenen Fusionsgesetzes.
Nach Art. 8 Abs. 2 FusG in Verbindung mit Art. 18 Abs. 5 FusG können 90 % der Aktionäre der übertragenden Gesellschaft beschließen, dass sie bei der Fusion der Gesellschaft anstatt von Beteiligungsrechten eine Abfindung erhalten.[55]
Nach Art. 137 FinfraG kann ein Aktionär, der nach einem öffentlich Kaufangebot gemäß Art. 125 FinfraG zumindest über 98 % der Stimmrechte einer Gesellschaft verfügt, beim Richter binnen drei Monate Klage auf Kraftloserklärung der übrigen Aktien erheben. Die betreffenden Aktien werden ungültig und neu an den Mehrheitsaktionär emittiert. Dieser hat die „enteigneten“ Aktionäre zu entschädigen.[56]
Squeeze-out in den USA
Diese sind besser bekannt unter der Bezeichnung Freeze-Outs und werden durch die Gesetze der einzelnen Bundesstaaten geregelt, in dem die Aktiengesellschaft ihren Sitz hat, deren Minderheitsaktionäre herausgedrängt werden sollen. In Delaware z. B. erlauben die Gesetze der Muttergesellschaft unter bestimmten Bedingungen, wenn sie mindestens 90 % der Aktien einer Tochtergesellschaft besitzt, ihre Aktien mit der der Tochtergesellschaft zusammenzuführen, dies ist eine spezielle Form des Parent-Subsidiary-Merger (sog. Short Form Merger).[57] Die Zustimmung der Minderheitsaktionäre ist nicht erforderlich. Sie sind lediglich berechtigt, einen angemessenen Ausgleich in bar für ihre Aktien zu erhalten. Im Übrigen ist der größte Unterschied zum Deutschen Recht, dass ein Squeeze-out in den USA bereits ab 50 % + 1 Aktie möglich ist und stets eine Transaktion erforderlich ist, um ein Squeeze-out durchzuführen, während es in Deutschland bereits aufgrund Gesetzes stattfindet. Zu weiteren Details zum US-amerikanischen Squeeze-out Recht vgl. Königshausen – Squeeze-out in den USA und Deutschland, ISBN 978-3-8300-6636-1.
Squeeze-out im Vereinigten Königreich
Im Vereinigten Königreich ist der übernahmerechtliche Squeeze-out in Section 979–982 des Companies Act 2006 geregelt.[58] Das Minimum zum Starten eines Squeeze-out durch den Mehrheitsaktionär beträgt 90 % der Aktien. Als Besonderheit ist Section 983 des Companies Act 2006 zu erwähnen, der umgekehrt den Minderheitsaktionären das Recht gibt, den Aufkauf ihrer Aktien zu verlangen (Sell-out).
↑ otto-schmidt.de LG Frankfurt am Main, Az. 3–5 O 15/08; Kießling, Der übernahmerechtliche Squeeze-Out gemäß §§ 39a, 39b WpÜG, ISBN 978-3-631-58490-3.
↑ LG Frankfurt am Main, Az. 3–5 O 15/08.
↑ Beschluss des LG Stuttart (rechtskräftig)
↑ Datumsangabe: xxx. Barabfindung und erhöhte Barabfindung: Bekanntmachung der Thalia Bücher GmbH im Bundesanzeiger vom 23. Dezember 2016
↑ Beschluß OLG München vom 11. Dezember 2017, Az.: 31 Wx 142/15 gem. Bekanntgabe im Bundesanzeiger vom 14. Februar 2018
↑ bowne.com (Memento des Originals vom 25. September 2010 im Internet Archive) Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.bowne.com