Source: http://docplayer.org/2269471-Rechtliche-probleme-mit-otc-derivaten-in-russland-anmerkungen-eines-aussenstehenden.html
Timestamp: 2016-12-09 06:35:19
Document Index: 265038676

Matched Legal Cases: ['Art. 39', 'Art. 111', 'Art. 1062', 'Art. 34', 'Art. 431', 'Art. 8', 'Art. 421', 'Art. 34', 'Art. 34', 'Art. 34', 'Art. 301', 'Art. 27', 'Art. 6', 'Art. 6', 'Art. 39', 'Art. 1120', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH']

⭐Rechtliche Probleme mit OTC-Derivaten in Russland: Anmerkungen eines Außenstehenden
Rechtliche Probleme mit OTC-Derivaten in Russland: Anmerkungen eines Außenstehenden
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1 Günter Reiner * Rechtliche Probleme mit OTC-Derivaten in Russland: Anmerkungen eines Außenstehenden (Правовые проблемы ОТС дериватов в России: замечания постороннего) Erstveröffentlichung in: Siberian Federal University, Institute of Law (Hrsg.), Russian Financial System: experience and prospects of legal regulation, materials of International Scientific Practical Conference, Krasnoyarsk (Russia), September 4-5, 2008, Krasnoyarsk 2008, ISBN , S [Финансовая система России: опыт и перспективы правового регулирования: материалы международ. науч.-практич. конф., Красноярск, 4-5 сентября, 2008 г./ Сиб. Федер. юрид. ин-т. Красноярск: ИПК СФУ, 2008, ISBN , c ] Übersicht A. Funktionsweise und Bedeutung von Derivaten... 2 B. Derivate und Spieleinwand (Verbindlichkeit der Einzelverträge)... 7 I. Ausgangslage: Art a.f. ZGB... 7 II. Reform III. Bewertung Kreis der erfassten Instrumente a. Russische Regelung b. Vergleich mit dem deutschen Recht Persönlicher Anwendungsbereich a. Russische Regelung b. Vergleich mit dem deutschen Recht Rechtssystematische Einordnung der Neuregelung a. Zweckverfehlungsansatz b. Deutsche Regelung c. Russische Regelung C. Derivate und Insolvenzgesetze (Wirksamkeit von Beendigungs- und Verrechnungsklauseln in Rahmenverträgen) I. Ziele der üblichen Verrechnungsabreden in Rahmenverträgen II. Insolvenzrechtliche Ausgangslage in Russland Insolvenzverwalterwahlrecht Aufrechnungsverbote in der Insolvenz Möglichkeit der Insolvenzanfechtung Ergebnis III. Bewertung Insolvenzrechtliche Besonderheiten von Derivaten Berücksichtigung im deutschen Recht * Dr. jur., Professor an der Helmut-Schmidt-Universität Universität der Bundeswehr Hamburg, Richter am Hanseatischen Oberlandesgericht Hamburg.2 3. Übertragbarkeit auf das russische Recht? a. Behandlung einzelner Derivate b. Behandlung von Rahmenverträgen c. Regelungsbedarf für den Gesetzgeber d. Vergleich mit Reformentwurf aa. Gesetzestechnische Ansatzpunkte bb. Arten der erfassten Geschäfte Zusammenfassung Аннотация Vor rund dreieinhalb Jahren ist in Moskau die russische Übersetzung meiner 2002 in Deutschland veröffentlichten Habilitationsschrift Derivative Finanzinstrumente im Recht erschienen. 1 Schon damals gab es in Russland intensive Bemühungen, mit Hilfe einer geeigneten Gesetzgebung den aufstrebenden Terminmarkt international konkurrenzfähig zu machen. Bis dahin jedenfalls galt es für ausländische Unternehmen unter verschiedenen Gesichtspunkten als rechtlich riskant, außerbörsliche ( over the counter, kurz: OTC) Termingeschäfte (Derivate) mit russischen Vertragspartnern abzuschließen. Die ausgesprochen ehrenvolle Einladung der Sibirischen Föderalen Universität nach Krasnoyarsk zur Konferenz mit dem Thema Russian Financial System: Experience and Prospects of Legal Regulation gibt mir Gelegenheit zu schauen, wie sich der rechtliche Rahmen für den Abschluss von OTC-Derivaten in Russland in den letzten Jahren entwickelt hat und ob vielleicht sogar die eine oder andere meiner Ideen dort auf fruchtbaren Boden oder zumindest auf fruchtbareren Boden als zuhause! gestoßen ist. Leider bin ich der russischen Sprache (noch) nicht mächtig. Meine Erkenntnisse zum russischen Recht stützen sich weitgehend auf von dritter Seite übersetzte Quellen, teils vom Russischen ins Englische und teils direkt vom Russischen ins Deutsche. 2 Ferner fehlt mir (noch) ein Gesamtüberblick über die russische Rechtsordnung. Auch von daher stehen meine nachfolgenden Ausführungen, soweit sie sich auf das russische Recht beziehen, unter dem Vorbehalt der Nachprüfung. A. Funktionsweise und Bedeutung von Derivaten Ein funktionierender Terminmarkt ist Voraussetzung für die Entwicklung der Kredit- und Finanzmärkte und für die Versorgung der Unternehmen mit modernen Risikomanagement- Instrumenten und somit ein Muss für jede aufstrebende Volkswirtschaft. Seit der russischen Finanzkrise im Jahre 1998 und ausgehend von einem schwachen Niveau haben vor allem die börsengehandelten, aber auch die außerbörslichen Derivate in Russland einen enormen Zuwachs erfahren. 3 Allein im Zeitraum vom bis zum hat sich die Gesamtsumme der Ansprüche und Verbindlichkeiten russischer Kreditinstitute aus 1 Reiner, Derivative Finanzinstrumente im Recht, Baden-Baden 2002, reiner2002_derivative-finanzinstrumente-im-recht.pdf; ders. Деривативы и право, Moskau Soweit im vorliegenden Beitrag auf diese Arbeit Bezug genommen wird, beziehen sich die Seitenangaben auf das deutsche Original. Die Paginierung der russischen Übersetzung ist allerdings fast identisch, so dass die betreffenden Stellen auch dort leicht zu finden sind. 2 Meiner Mitarbeiterin Frau Ref. jur. Liubov Dvoskina danke ich für die Unterstützung bei der Auswertung der russischen Quellen sowie für die Übersetzung der Zusammenfassung ins Russische. 3 Näheres siehe bei Rotfuß, Options, Futures, and Other Derivatives in Russia: An Overview, ZEW Discussion Paper No , ftp://ftp.zew.de/pub/zew-docs/dp/dp07059.pdf, S. 3 ff., Abruf vom3 Termingeschäften fast vervierfacht. Im darauffolgenden Zeitraum bis zum Ende Februar 2008 sind die Ansprüche aus Derivaten nochmals um den Faktor 1,4 auf ca. 3,6 Billionen Rubel (ca. 100 Mrd. Euro) gewachsen. 4 Das sind beeindruckende Zahlen, ein Vergleich etwa mit den deutschen Banken, die im Dezember 2007 OTC-Derivate mit einem Marktwert von fast 1,2 Billionen Euro hielten, zeigt aber, dass es für Russland noch erhebliches Steigerungspotential gibt. 5 Diesbezüglich kommt dem Rechtsrahmen für den russischen Terminmarkt eine entscheidende Bedeutung zu. Bevor ich näher darauf eingehe, möchte ich denjenigen, die bislang bei Derivaten eher an chemische als an Finanzprodukte denken, noch so knapp wie möglich darlegen, um was es eigentlich geht. Unter Derivaten oder derivativen Finanzinstrumenten versteht man im wohl allgemeinsten Sinne gegenseitige Verträge (bzw. durch Verbriefung verselbstständigte Rechte aus solchen Verträgen), deren Leistungspflichten bewusst so bestimmt sind, dass ihr wirtschaftlicher Ertrag für beide Seiten von einem Zufallselement in Gestalt eines zukünftigen quantifizierbaren Ereignisses abhängt, also stochastisch bedingt ist. 6 Bei den ersten unter der Bezeichnung Derivate bekannt gewordenen Finanzinstrumenten dienten als zukünftige Ereignisse, an die zumindest eine der gegenseitigen Leistungspflichten anknüpften bzw. von denen deren Werthaltigkeit abhing, die Entwicklung von Wechselkursen (Währungsbzw. Devisen-Derivate), von Zinssätzen (Zins-Derivate) und später auch von Aktienkursen (Aktien-Derivate) und Marktpreisen börsengehandelter Waren (Waren-Derivate). Die Gegenstände, auf die sich die betreffenden Ereignisse beziehen, damit sie quantifizierbar sind (z.b. Wechselkurse, Zinssätze, Aktienkurse, Warenpreise), nennt man Basiswerte (englisch: underlyings ). Der wirtschaftliche Erfolg eines Derivats hängt somit von dem Wert (z.b. Aktienkurs) ab, den so ein Basiswert (z.b. Aktie) zum vertraglichen definierten Termin annimmt. Insoweit ist der Wert des Derivats vom Wert des Basiswerts deriviert (abgeleitet). Diesem Umstand verdankt das Derivat seine Bezeichnung. Wegen des Zukunftselements, das darin zum Ausdruck kommt, dass mindestens eine Vertragsseite ihre Leistung erst zu einem zukünftigen Zeitpunkt erbringen muss, spricht man auch von Termingeschäft. Die Grundformen der Termingeschäfte sind der Terminkauf (z.b. eines Zinstitels, einer Devise etc.) mit einmaligem (ein- oder beidseitigem) Leistungszeitpunkt, der Termintausch mit periodischen Zahlungsterminen (allgemein bekannt unter seiner englischen Bezeichnung Swap ) und die potestativ bedingte Option, bei der der einmalige oder periodische Leistungsaustausch (zu den vorher bestimmten Bedingungen) allein vom Willen einer Vertragsseite (des Käufers der Option) abhängt. 7 Während sich Terminkäufe und Swaps durch beiderseitig fest vereinbarte (wenn auch vom Umfang oder Wert her zufallabhängige) zukünftige Leistungspflichten und spiegelbildliche (symmetrische) Gewinn- und Verlustchancen auf beiden Seiten des Vertrags auszeichnen (sog. Festgeschäfte ), ist das Risikoprofil bei Optionen asymmetrischer Natur. Dort ist auf der einen Vertragsseite (Optionskäufer) der mögliche Verlust und auf der anderen Seite (sog. Stillhalter ) der mögliche Gewinn von vornherein auf einen bestimmten Betrag (die sog. Optionsprämie) beschränkt. 4 Quelle: Russische Zentralbank, 5 Quelle: Deutsche Bundesbank, 6 Für einen engeren, ausschließlich auf Verträge über Geldleistungspflichten abstellenden und den Derivaten die derivateähnlichen Geschäfte gegenüberstellenden Begriff siehe Reiner, S. 12, Näheres zu Arten und Funktionsweise von Derivaten z.b. bei Reiner, S. 1 ff., mit Beispielen, oder in fast jedem anderen Buch über Derivate; jüngst z.b. Schüwer/Steffen, Funktionen und Einsatz von Finanzderivaten, in: Zerey (Hrsg.), Außerbörsliche (OTC) Finanzderivate: Rechtshandbuch, 2008, S. 33 ff. 34 Die einfachste Art, den wirtschaftlichen Erfolg eines Geschäfts von der Entwicklung eines Basiswertes abhängig zu machen, ist das Differenzgeschäft (Termingeschäft mit Barausgleich). Im Beispiel des Terminkaufs einer Aktie mit Differenzausgleich ist nicht etwa die Aktie zum Termin gegen Zahlung des fest vereinbarten Preises zu liefern (Termingeschäft mit Erfüllung in Natur), sondern der Terminkäufer verspricht dem Terminverkäufer, dass er ihm bei Fälligkeit (zum Termin) die Differenz zwischen dem vereinbarten Preis (Terminpreis) und dem Kassapreis der Aktie zum Termin bezahlt, soweit sie über Null liegt. Da sich der Terminpreis am Kassapreis zum Zeitpunkt des Vertragsschlusses und an den damaligen Erwartungen zur Entwicklung des Kassakurses orientiert, wird dieser Fall immer dann eintreten, wenn der tatsächliche Kassapreis zum Termin niedriger ausfällt als der Terminkäufer erwartet hat. Gleichzeitig verspricht der Terminverkäufer dem Terminkäufer seinerseits, die aus seiner Sicht nun negative Differenz zwischen dem vereinbarten Preis und dem Kassapreis zum Termin zu bezahlen, sollte der Aktienpreis entgegen den Erwartungen des Terminverkäufers - über den Terminpreis hinaus gestiegen sein. Zum gleichen wirtschaftlichen Ergebnis abgesehen von den höheren Transaktionskosten würden die Parteien auch bei Vereinbarung einer Erfüllung in Natur (Leistungsaustausch Aktien gegen Geld) gelangen, wenn der Terminkäufer seine vom Verkäufer bezogene Aktie anschließend am (notwendigerweise liquiden) Kassamarkt wieder veräußert und sich der Terminkäufer seinerseits nach der Lieferung am Kassamarkt wieder mit einer Aktie des gleichen Typs eindeckt. Ebenfalls zu dem gleichen finanzwirtschaftlichen Ergebnis (einschließlich des Hebeleffekts) würde der Terminkäufer gelangen, wenn er die Aktie nicht auf Termin, sondern sofort kassa kauft, wobei er sich den hierzu erforderlichen, sofort zahlbaren Kaufpreis am Kreditmarkt ausleiht, in seinem Depot lagert und später bei Eintritt des Termins aus obigen Beispiel ebenfalls kassa wieder verkauft, wobei er mit dem Erlös das Darlehen zurückzahlt. Die Laufzeit des Darlehens würde dabei der Laufzeit des Termingeschäfts entsprechen ( synthetischer Terminkauf). Die spiegelbildliche Position des Terminverkäufers ließe sich ebenfalls am Kassamarkt durch eine Wertpapierleihe in Verbindung mit einer Darlehensgewährung darstellen ( synthetischer Terminverkauf). Diese Beispiele zeigen bereits die Zusammenhänge, die zwischen dem Kassa- und dem Terminmarkt für ein und denselben Basiswert bestehen können und auf denen zwei wichtige finanzwirtschaftliche Eigenschaften von Derivaten beruhen: ihre Reproduzierbarkeit durch Geschäfte am Kassamarkt (sofern so ein Markt vorhanden ist) und damit zusammenhängend der Umstand, dass der positive oder negative Marktwert ( fair value ) von Derivaten für jeden Zeitpunkt ihrer Laufzeit theoretisch auf der Grundlage des Erlöses aus einer finanzwirtschaftlich gleichwertigen Transaktion am Kassamarkt bzw. der Kosten für so eine Transaktion, d.h. auf der Grundlage des Kassapreises für den Basiswert und des Marktzinses errechnet werden kann. 8 Daraus folgt, dass die Risikostruktur von Derivaten einschließlich des Hebeleffekts für sich genommen im Vergleich zur Risikostruktur von (kreditfinanzierten) Anlagen am Kassamarkt keine Besonderheiten aufweist und insoweit unter Risikoschutzgesichtspunkten auch keine rechtliche Sonderbehandlung erfordert. Die europäische Finanzmarkt-Richtlinie 2004/39/EG, 9 8 Näheres z.b. bei Reiner, S. 60 ff. 9 Richtlinie 2004/39/EG des Europäischen Parlaments und des Rates über Märkte für Finanzinstrumente, zur Änderung der Richtlinien 85/611/EWG und 93/6/EWG des Rates und der Richtlinie 2000/12/EG des Europäischen Parlaments und des Rates und zur Aufhebung der Richtlinie 93/22/EWG des Rates vom , ABlEU Nr. L 145/1 vom5 die in allen EU-Mitgliedstaaten umzusetzen ist, 10 berücksichtigt diesen Zusammenhang speziell unter dem Gesichtspunkt des Anlegerschutzes. Die Werthaltigkeit laufender Derivate unterscheidet Ansprüche bzw. Verpflichtungen aus solchen Verträgen dagegen von unsicheren Positionen anderer Art (z.b. Spielen, hierzu unten unter B., insbesondere III.) und stellt ein Kriterium dar, dem wie ich in meiner Habilitationsschrift für das deutsche Recht darzulegen versucht habe eine maßgebliche Bedeutung für die rechtliche Behandlung dieser Instrumente zukommen kann. In dem Maße, wie sich Derivate auf Basiswerte beziehen, die Markt- bzw. Kreditpreisschwankungen unterliegen, eignen sie sich zur Übertragung von Markt- oder Kreditrisiken von einem Vertragspartner auf den anderen. Dies ist ein Effekt, der sowohl zur Absicherung als auch zur Spekulation verwendet werden kann. Ein Investor, der ausländische Aktien kaufen und eine Zeit lang halten, aber das Währungsrisiko vermeiden möchte, kann schon zu Beginn seines Aktienengagements ausländische Währung in passender Höhe zu einem festen (am gegenwärtigen Wechselkurs orientierten) Preis auf Termin zum Ende der geplanten Investition verkaufen. Durch die Kombination beider Verträge (Aktienkauf, Währungsverkauf) schafft er eine synthetische Anlage in die gewünschten Aktien, ohne dem Währungsrisiko ausgesetzt zu sein. Der Vertragspartner, der die ausländische Aktie auf Termin kauft, sichert sich damit möglicherweise seinerseits gegen Währungsrisiken ab, etwa wenn er zum selben Termin eine Zahlungspflicht in dieser Währung gegenüber einem Dritten erfüllen muss. Es könnte aber auch sein, dass er die zum Terminpreis auf Termin gekaufte Währung gar nicht benötigt, sondern nur darauf spekuliert, sie später mit Gewinn zum zukünftigen (höheren) Kassapreis wieder zu verkaufen. Diese Ambivalenz zwischen risikomindernder Absicherung und riskanter Spekulation, noch zu ergänzen durch die Möglichkeit einer bewusst risikoneutralen Finanzarbitrage, und die fehlende Erkennbarkeit des Zwecks, zu dem Derivate eingesetzt werden, für Dritte außerhalb des Unternehmens, insbesondere wenn die Instrumente Teil komplexer Portfolios sind, führt immer in solchen Rechtsgebieten zu besonderen Schwierigkeiten, wo es auf die Risikobewertung ankommt (siehe z.b. im Rechnungslegungsrecht bei der Abbildung von Risiken; im Finanzinstitutsaufsichtsrecht bei der Eigenkapitalunterlegung von Risiken). Im Laufe der Zeit nahm und nimmt die Vielfalt der Basiswerte weiter zu, der Phantasie sind in diesem Bereich kaum Grenzen gesetzt. Beispielhaft sei hier auf die Aufzählung in Anhang I Abschnitt C Nr. 10 der Finanzmarkt-Richtlinie und in Art. 39 der Durchführungsverordnung (EG) 1287/2006 zu dieser Richtlinie 11 verwiesen. In der Richtlinie werden als Basiswerte u.a. auch Klimavariablen, Frachtsätze, Emissionsberechtigungen, Inflationsraten und andere offizielle Wirtschaftsstatistiken, Vermögenswerte, Rechte, Obligationen, Indizes und Messwerte genannt. Die Verordnung ergänzt diese Liste um die folgenden Größen: Telekommunikations-Bandbreite, Lagerkapazität für Waren, Übertragungs- oder Transportkapazität in Bezug auf Waren, sei es nun über Kabel, Rohrleitung oder auf sonstigem Wege, eine Erlaubnis, ein Kredit, eine Zulassung, ein Recht oder ein ähnlicher Vermögenswert, der bzw. die direkt mit der Lieferung, der Verteilung oder dem Verbrauch von Energie in Verbindung stehen, die aus erneuerbaren Energiequellen gewonnen wird, eine geologische, eine umweltbedingte oder eine sonstige physikalische Variable, ein 10 In Deutschland geschehen durch das Finanzmarkt-Richtlinie-Umsetzungsgesetz ( FRUG ) vom , BGBl. I 2007, 1330 vom , das größtenteils am in Kraft getreten ist und einige Änderungen im Wertpapierhandelsgesetz (WpHG) und Kreditwesengesetz (KWG) mit sich brachte, auf die bezüglich des WpHG noch zurückzukommen sein wird. 11 Verordnung (EG) Nr. 1287/2006 der Kommission vom zur Durchführung der Richtlinie 2004/39/EG des Europäischen Parlaments und des Rates betreffend die Aufzeichnungspflichten für Wertpapierfirmen, die Meldung von Geschäften, die Markttransparenz, die Zulassung von Finanzinstrumenten zum Handel und bestimmte Begriffe im Sinne dieser Richtlinie", ABlEU Nr. L 241/1 vom6 sonstiger Vermögenswert oder ein sonstiges Recht fungibler Natur, bei dem es sich nicht um ein Recht auf Dienstleistung handelt, der bzw. das übertragbar ist, und schließlich einen Index oder ein Maßstab, der mit dem Preis, dem Wert oder dem Volumen von Geschäften mit einem Vermögenswert, einem Recht, einer Dienstleistung oder einer Verpflichtung in Verbindung steht. Dabei stellt sich die Frage, inwieweit Derivate über Basiswerte der genannten Art, für die zum Teil keine liquiden oder gar keine Kassamärkte bestehen (Wo kann man z.b. Inflationsraten kaufen?), überhaupt noch die bis dato Derivate prägende finanzwirtschaftliche Eigenschaft der jederzeitigen Bewertbarkeit aufweisen, und verneinendenfalls, welche Konsequenzen sich für die nationalen Rechtsordnungen daraus ergeben oder richtigerweise ergeben müssten. Darauf werde ich nachstehend nur noch am Rande eingehen. Den Fokus will ich auf zwei für das russische Recht besonders praktische Probleme legen, die zunächst einmal alle Derivate unabhängig von ihrem Basiswert betreffen oder zumindest zu betreffen scheinen und die von der internationalen Finanzpraxis, nicht zuletzt vertreten von ihrer mitgliedermäßig größten und im Bereich der Derivate wichtigsten Organisation, der International Swaps and Derivatives Association, Inc. ( ISDA ), 12 seit Anfang des Jahrzehnts (und Jahrtausends) beanstandet werden bzw. wurden: - die Wirksamkeit der Verträge vor dem Hintergrund des Spieleinwands (Art des russischen Zivilgesetzbuchs ZGB) und - die Wirksamkeit bestimmter Vertragsklauseln in Rahmenverträgen über Derivate, die das Ausfallrisiko (Kreditrisiko) in der Insolvenz einer Vertragspartei reduzieren sollen. Bezüglich des ersten Problems hat der russische Gesetzgeber Anfang 2007 mit der Ergänzung des Art ZGB um einen Absatz 2 durch das Gesetz 5-FZ vom reagiert. Die Marktteilnehmer, insbesondere die ausländischen, sind damit aber noch nicht vollständig zufrieden gestellt. Zur Lösung des zweiten Problems gibt es bisher nur einige gescheiterte Reformvorschläge. Ziel meiner nachstehenden Ausführungen ist es, die Probleme und soweit vorhanden die Lösungsversuche näher darzustellen und, freilich aus Sicht eines Außenstehenden zu bewerten. Als Außenstehender sehe ich mich aus zweierlei Gründen: Zum einen bin ich Deutscher und Kenner des deutschen, nicht aber des russischen Rechts. Das deutsche Recht ist in Bezug auf Spezialgesetze für Termingeschäfte anders als das US-amerikanische keineswegs führend, 13 es gibt aber immerhin schon jahre-, bzw. jahrzehnte lange Erfahrungen und Diskussionen in Bezug auf die angesprochenen Probleme. Zum anderen geht es mir entgegen einer weit verbreiteten Tendenz nicht um gesetzgeberischen Aktionismus und Symbolpolitik, sondern um Systembildung. Die wesentliche Aufgabe der Juristen sehe ich darin, die immer komplexere soziale Wirklichkeit 12 Näheres unter 13 Allerdings soll es in Art. 111 des kroatischen Insolvenzgesetzes eine Regelung geben, die dem deutschen Netting -Gesetz ( 104 InsO) ähnelt (berichtet nach Falke, Insolvency Law Reform in Transition Economies, Diss. Frankfurt (Oder) 2003, S. 208, Fn. 850, InsolvencyLawReforminTransitionEconomies.pdf). 67 auf möglichst einfache Grundstrukturen zurückzuführen. Bevor nach dem Gesetzgeber gerufen wird, sollte aus meiner Sicht sorgfältigst geprüft werden, ob sich neue soziale Phänomene nicht ebenso gut oder sogar besser mit dem vorhandenen Instrumentarium bewältigen lassen. Vor diesem Hintergrund sehe ich übrigens keinerlei Bedarf für ein Gesetz, das versucht, Derivate als Vertragstyp von ihrem Zustandekommen bis zu ihrer Beendigung inklusiver haftungsrechtlich sanktionierter Aufklärungspflichten professioneller gegenüber unerfahrenen Vertragspartnern und (sonstiger) aufsichtsrechtlicher Verhaltenspflichten professioneller Vertragspartner durchzunormieren. 14 B. Derivate und Spieleinwand (Verbindlichkeit der Einzelverträge) Die Frage, ob es Derivaten mit russischen Vertragspartnern wegen Art ZGB an der rechtlichen Durchsetzbarkeit in Russland oder gar an der Wirksamkeit fehlt, 15 hat die Finanzpraxis wegen der Sonderanknüpfung zwingender Normen nach Art ZGB unabhängig von dem kollisionsrechtlich anwendbaren Vertragsstatut - jahrelang beschäftigt. I. Ausgangslage: Art a.f. ZGB Die Vorschrift des Art ZGB ( Anforderungen an die Veranstaltung von Spielen und Wetten und an die Teilnahme daran ) befindet sich im 1995 verabschiedeten zweiten Teil, Abschnitt IV ( Besondere Arten von Pflichten ), Kapitel 58 ( Spiel und Wette ) des Gesetzes. Absatz 1, bis zur Gesetzesreform 2007 einziger Absatz und Satz des Artikels, lautet wie folgt: Ansprüche von natürlichen und juristischen Personen in Zusammenhang mit der Veranstaltung von Spielen und Wetten oder der Teilnahme daran sind gerichtlich nicht durchsetzbar mit Ausnahme der Ansprüche solcher Personen, die an Spielen und Wetten aufgrund von Täuschung, Gewalt, Drohung oder Kollusion ihres Vertreters mit dem Veranstalter der Spiele oder Wetten teilgenommen haben, sowie mit Ausnahme der Ansprüche nach Art Nr. 5 dieses Gesetzes. Derivate mit Erfüllung in Natur fallen nach wohl einhelliger Meinung nicht unter diese Vorschrift. 16 Solche Verträge werden als normale Handelsgeschäfte behandelt und genießen als solche uneingeschränkten rechtlichen Schutz. Ausnahmen, in denen solche Geschäfte von der Rechtsprechung mangels ernsthafter Lieferabsicht als verdeckte Spiele ( Differenzgeschäfte, vgl. 764 Sätze 1 und 2 des deutschen Bürgerlichen Gesetzbuchs alter Fassung - BGB a.f. 17 ) behandelt worden wären, sind nicht bekannt. Beginnend mit dem Jahre 1999 wurden mehrere letztinstanzliche Gerichtsentscheidungen bekannt, die außerbörslichen Terminkäufen (sog. Forwards im Gegensatz zu 14 Siehe den unter diesem Aspekt unabhängig von einer inhaltlichen Bewertung - durchaus zu Recht gescheiterten Entwurf eines Bundesgesetzes über Derivate (Федеральный закон «О производных финансовых инструментах») des Duma Ausschusses für Eigentum unter Leitung von Victor S. Pleskachevsky vom Zur Unterscheidung zwischen der bloßen fehlenden Verbindlichkeit und der in Bezug auf die Eignung des Vertrags als Rechtsgrund im Sinne der Rechtsfigur der ungerechtfertigten Bereicherung ( 812 Abs. 1 Satz 1 Fall 1 BGB) weiter gehenden Unwirksamkeit sowie dem damit verbundenen Meinungsstreit bei 762 BGB siehe Reiner, S. 85 f. 16 Siehe Davidovski/Runova, Derivatives and insolvency in Russia: recent developments, EBRD, Law in transition online, Ausgabe Oktober 2007, S.2, ohne Nachweis. 17 Hierzu Reiner, S. 104 ff. 78 börsennotierten Futures ) mit Barausgleich unter Berufung auf Art ZGB die gerichtliche Durchsetzbarkeit versagten. - Zu nennen ist hier z.b. die Entscheidung des Präsidiums des Oberhandelsgerichts (wörtlich: Oberschiedsgericht 18 ) der Russischen Föderation Nr. 5347/98 vom Es ging um eine beim Moskauer Handelsgericht ( Schiedsgericht ) eingereichte Klage der Moskauer Bank Moskomprivatbank gegen die Bank Russkij Bank Razvitija (Russische Entwicklungsbank) mit dem Antrag, den fälligen Saldo aus einer Reihe von Devisen- Forwards (Ankauf und Verkauf der Währungseinheiten) in Höhe von insgesamt ca. 9 Mio USD zuzüglich Zinsen zu begleichen. Den Einzeltransaktionen lag eine Rahmenvereinbarung zugrunde, die festlegte, dass der Differenzausgleich einheitlich in Rubel zu bezahlen war. Mit Entscheidung vom hatte bereits das erstinstanzliche Gericht die Klage mit der Begründung abgewiesen, die zwischen den Parteien geschlossene Vereinbarung falle unter den Begriff der Wette und unterliege aufgrund 1062 ZGB nicht dem gerichtlichen Schutz. Das Berufungsgericht hatte diese Entscheidung am aus den gleichen Gründen bestätigt. Das Oberhandelsgericht folgte den Vorinstanzen und stellte fest, die Parteien hätten mit dem Abschluss eines solchen Geschäftes bewusst Risiken auf sich genommen. Es fehlen Anhaltspunkte und Beweise für die Annahme, dass das Geschäft der Sicherung, Investitionen oder sonstigen (schutzwürdigen) Zielen diente. In dieser Argumentation kommt das auch im deutschen Recht in Zusammenhang mit 762 BGB 19 bekannte, durchaus umstrittene Merkmal des berechtigten Zwecks zum Ausdruck, der den Spieleinwand ausschließt. 20 Die Qualifizierung als Wette überrascht demgegenüber aus deutscher Sicht, weil man hierzulande die Wette als Bekräftigung eines ernst gemeinten Meinungsstreits definiert, dessen Gewinner durch einen Vorteil belohnt werde. 21 Soweit man in russischen Kommentierungen zur Abgrenzung zwischen Spiel und Wette gerne auf das Schneckenbeispiel zurückgreift, scheint durchaus ein ähnliches Unterscheidungskriterium zugrunde zu liegen. Danach handelt es sich um eine Wette, wenn zwei Leute, die jeweils eine Schnecke besitzen, sich gegenseitig Geld für den Fall versprechen, dass die Schnecke des anderen das Ziel erreicht, aber um ein Spiel, wenn derjenige bezahlen muss, dessen Schnecke als letzte das Ziel erreicht. 22 Bei genauer Betrachtung erscheint das Differenzierungskriterium des Meinungsstreits ungeeignet, denn auch beim typischen Spiel (z.b. Würfeln) rechnet jede Partei damit zu gewinnen, so dass hier ebenfalls Meinungsstreit herrscht. 23 Praktisch relevant ist die Unterscheidung zwischen Spiel und Wette im vorliegenden Kontext des Art Abs. 1 ZGB (oder 762 Satz 1 BGB) allerdings nicht. - Zwischenzeitlich befand das Verfassungsgericht der Russischen Föderation in der Entscheidung Nr vom auf die Beschwerde der Bank Société Générale Vostok gegen zwei vorausgegangene letztinstanzliche Urteile in zwei Zivilverfahren gegen die Avtobank und gegen die Oneksim Bank, dass Art ZGB mit der Verfassung der Russischen Föderation vereinbar ist und verfassungsgemäß ausgelegt wurde und damit die Rechtsprechung der Handelsgerichte zur Qualifizierung von Forwards als Spiel oder Wette bestätigt. In den Zivilverfahren, die Gegenstand der Beschwerde waren, waren die auf 18 Bei den russischen Арбитражные Суды handelt es sich um staatliche Gerichte, weshalb die Übersetzung als Schiedsgericht aus deutscher Sicht irreführend ist. 19 Eine aktuelle Fassung des BGB findet sich unter 20 Z.B. Erman/Terlau, Kommentar zum BGB, 12. Aufl. 2008, 762, Rz. 2, mit weiteren Nachweisen. 21 So z.b. MünchKommBGB/Habersack, 4. Aufl. 2004, 762, Rz Z.B. Abova/Kabalkin, Kommentar zum Zivilgesetzbuch der Russischen Föderation, 3. Aufl. 2006, Art. 1062, Anm So schon Reiner, S. 133, Fn9 Forward-Vereinbarungen gestützten Klagen der Bank Société Générale Vostok jeweils mit Hinweis auf Art ZGB abgewiesen worden. Gerügt wurde die Verletzung des Art. 34 Abs. 1 der Verfassung ( Jeder hat das Recht auf freie Nutzung seiner Fähigkeiten und seines Vermögens für die unternehmerische und sonstige dem Gesetz nicht widersprechende wirtschaftliche Tätigkeit ). Das Verfassungsgericht stellte fest, im Zivilrecht gebe es bislang keine besonderen Regelungen für Forward-Geschäfte, die Handelsgerichte hätten aber durch Auslegung der dem jeweiligen Geschäft zugrunde liegenden Vereinbarungen und Ermittlung des gemeinsamen Willens der Parteien und des Geschäftszieles gemäß Art. 431 ZGB ( Auslegung eines Vertrags) in nicht zu beanstandender Weise darauf erkannt, dass die Geschäfte als Wette oder Spiel im Sinne des Art ZGB zu qualifizieren seien. Damit seien die Gerichte den Anforderungen des Art. 8 Abs. 1 der Verfassung ( Grundlagen der Entstehung der bürgerlichen Rechte und Pflichten ) und des Art. 421 Abs. 2 ( Vertragsfreiheit ) ZGB gerecht geworden. 24 Ein Eingriff in Art. 34 Abs. 1 der Verfassung liege nicht vor. Schließlich erteilt das Föderale Verfassungsgericht dem Gesetzgeber sogar einen Gestaltungsauftrag: Ausgehend vom Entwicklungsstand des Finanzmarktes, von seinem Bedarf an Kontrolle sowie von der Bedeutung von Forwards für die Besteuerung und für die Stabilität des Rubel solle er den Zugang der Teilnehmer zum Terminmarkt regeln und Formerfordernisse sowie Kontroll- und Sicherungsmechanismen schaffen. 25 In einer ergänzenden Stellungnahme des Verfassungsrichters Gadzhieva heißt es unter anderem, Forwardgeschäfte fielen unter den Begriff der unternehmerischen Tätigkeit im Sinne des Art. 34 Abs. 1 der Verfassung. Es stehe den Handelsgerichten im Rahmen ihrer Zuständigkeit frei, Forwardgeschäfte unter dem Begriff Spiel, Wette zu subsumieren. Die momentane Versagung des Rechtsschutzes für die Forwardgeschäfte schränke die Freiheiten des Art. 34 Abs. 1 aber durchaus ein. Dabei wird auch die Tatsache berücksichtigt, dass die Klagen aus den Jahren 1998/99 stammten und das Verfassungsgericht erst im Jahr 2002 angerufen wurde. Der Entwicklungsstand des Terminmarktes habe sich in diesem Zeitraum stark verändert, womit auch das nunmehr größere finanzwirtschaftliche Know How und damit verbundenen die geringere Schutzwürdigkeit der Banken angesprochen zu sein scheint. Außerdem entwickelt Gadzhieva eine bemerkenswerte gesetzessystematische Argumentation: Diese Geschäfte würden mittlerweile vom Gesetzgeber (an einer anderen Stelle der Rechtsordnung) durchaus anerkannt, wie Art. 301 des Steuergesetzbuches der Russischen Föderation ( Termingeschäfte: besondere Voraussetzungen der Besteuerung ) zeige, wo unter anderen Finanzinstrumenten auch Forwardgeschäfte genannt würden. Die Finanzpraxis bedauerte die auch nach der Entscheidung des Verfassungsgerichts verbleibende Rechtsunsicherheit. 26 Ihr fehlten eindeutige Kriterien zur Beurteilung der Frage, ob Termingeschäfte als Spiele zu qualifizieren sind Bestätigung fand der Eindruck der fortdauernden Rechtsunsicherheit etwa durch die Entscheidung des föderalen Handelsgerichts ( Schiedsgerichts ) des Moskauer Bezirkes vom (N КГ-А40/ ). Hier hatte die Nezavisimaja strahovaja Kompanija Aktiengesellschaft (unabhängige Versicherungsgesellschaft) gegen die Nefteprombank auf Auszahlung von Gewinnen aus Forwards geklagt, die auf dem Konto der Klägerin bei der 24 Punkt 3 der Entscheidung. 25 Unter Punkt 4, Abs. 2 der Entscheidung. 26 Siehe Davidovski/Runova (Fn. 16), S Zur Qualifizierung von Optionen mit Barausgleich als Spiele im Sinne des Art ZGB siehe Menshenin, Optionsvertrag, Recht und Wirtschaft (Право и экономика), Heft Mai 2008, Nr. 5. 910 beklagten Bank hätten gutgeschrieben werden müssen. In der zitierten Entscheidung weist das föderale Handelsgericht die Klage wie bereits die beiden Vorinstanzen ab, weil es die am zustande gekommene Vereinbarung mit der Bank als Wette bzw. Spielvertrag einstuft. II. Reform 2007 Nach einer Reihe von vergeblichen Anläufen trat schließlich das Reformgesetz Nr. 5-FZ vom mit Wirkung zum in Kraft. Inhalt der Reform ist die Ergänzung des Art ZGB um einen Abs. 2. Wörtlich lautet der neue Absatz wie folgt: На требования, связанные с участием в сделках, предусматривающих обязанность стороны или сторон сделки уплачивать денежные суммы в зависимости от изменения цен на товары, ценные бумаги, курса соответствующей валюты, величины процентных ставок, уровня инфляции или от значений, рассчитываемых на основании совокупности указанных показателей, либо от наступления иного обстоятельства, которое предусмотрено законом и относительно которого неизвестно, наступит оно или не наступит, правила настоящей главы не распространяются. Указанные требования подлежат судебной защите, если хотя бы одной из сторон сделки является юридическое лицо, получившее лицензию на осуществление банковских операций или лицензию на осуществление профессиональной деятельности на рынке ценных бумаг, либо хотя бы одной из сторон сделки, заключенной на бирже, является юридическое лицо, получившее лицензию, на основании которой возможно заключение сделок на бирже. Требования, связанные с участием граждан в указанных в настоящем пункте сделках, подлежат судебной защите только при условии их заключения на бирже. Auf Deutsch sollte dies annähernd wie folgt lauten: Die Regelungen dieses Kapitels sind nicht anwendbar auf Forderungen aus Geschäften, die Zahlungsverpflichtungen einer Partei oder beider Parteien in Abhängigkeit von Waren- und Wertpapierpreisen, Wechselkursen, Zinssätzen, Inflationsraten, Indices, die auf der Basis einer Verbindung der vorausgehenden Indikatoren berechnet werden, oder in Abhängigkeit vom Eintritt eines anderen von einem Gesetz vorgesehenen Umstands, in Bezug auf den unklar ist, ob er eintritt oder nicht. Die genannten Forderungen unterliegen gerichtlichem Schutz, wenn zumindest eine der Parteien juristische Person ist, die über eine Erlaubnis, Bankoperationen durchzuführen oder Wertpapiergeschäfte abzuschließen, oder zumindest über eine Börsenzulassung verfügt. Forderungen in Zusammenhang mit der Teilnahme natürlicher Personen [wörtlich: mit Teilnahme der Bürger, с участием граждан] an den vorstehend aufgeführten Geschäften unterliegen nur gerichtlichem Schutz, wenn das Geschäft an einer Böse zustande gekommen ist. Die Vorschrift birgt, wie noch zu zeigen ist, an mehreren Stellen Auslegungsschwierigkeiten. Je nach Auslegung gibt sie darüber hinaus mit allen durch meine Außenseiterrolle verbundenen Vorbehalten Anlass zu rechtssystematischer und rechtspolitischer Kritik. 1011 III. Bewertung 1. Kreis der erfassten Instrumente a. Russische Regelung Zunächst hat sich die Reform wegen des Kreises der erfassten Transaktionen der Kritik der Finanzpraxis ausgesetzt. So wird kritisiert, die Vorschrift decke bezüglich ihres sachlichen Anwendungsbereichs nicht alle Transaktionen ab, die russische Banken oder russische Unternehmen benötigten, um ihre Finanz- und Warenpreisrisiken abzudecken, und sei insbesondere im Hinblick auf zukünftige Entwicklungen des Marktes nicht flexibel genug. 28 Unabhängig davon wird gerügt, der Anwendungsbereich der Vorschrift sei nicht ausreichend klar definiert. Die Formulierung any event governed under this Law 29 lasse offen, ob mit Gesetz lediglich die eingefügte Vorschrift, der ganze Art oder gar das gesamte ZGB gemeint sei. 30 Tatsächlich scheint die Bedeutung des gesamten zugehörigen Merkmals oder vom Eintritt eines anderen von einem Gesetz vorgesehenen Umstands, in Bezug auf den unklar ist, ob er eintritt oder nicht ( либо от наступления иного обстоятельства, которое предусмотрено законом и относительно которого неизвестно, наступит оно или не наступит ) auch für russische Juristen nicht auf Anhieb verständlich. Die einschlägigen Kommentierungen zum ZGB geben hierzu, jedenfalls soweit sie mir über elektronische Datenbanken zugänglich sind, keinen Aufschluss. Einen plausiblen Anhaltspunkt für das Verständnis liefert ein ebenfalls 2007 vorgelegter Gesetzesvorschlag für eine Reform des Art. 27 des Bankeninsolvenzgesetzes Nr. 40-FZ, der eine insolvenzrechtliche Sonderbehandlung von Rahmenverträgen über Derivate vorsieht (zum Reformvorschlag noch eingehend unten unter C.I. und III.). Dessen Definition des Begriffs Rahmenvertrag lehnt sich begrifflich erkennbar an Art Abs. 2 Satz 1 ZGB an, und hier kann man das Merkmal des anderen von einem Gesetz vorgesehenen Umstands wiederfinden, allerdings in einem Kontext, der es erst verständlich macht und sich mangels einer besseren Erklärungsmöglichkeit für die Auslegung des Art nutzbar machen lässt. Dem fraglichen Merkmal geht nämlich als möglicher Basiswert für die in einem Rahmenvertrag im Sinne dieser Vorschrift zusammengefassten Derivate der Umstand voraus, dass eine Rechtsperson gemäß den Verfahrensvorschriften der maßgeblichen Rechtsordnung für insolvent erklärt worden ist. Dieses Merkmal zielt erkennbar auf die Erfassung von Kreditderivaten nach Art etwa eines Credit Default Swap ab, bei dem ein Vertragspartner das Kreditrisiko eines zuvor bestimmten Referenzschuldners übernimmt und dafür eine in der Regel ratenweise Zahlung erhält. 31 Demnach spricht einiges dafür, dass unter die anderen von einem Gesetz vorgesehenen Umstände im Sinne des Art Abs. 2 Satz 1 ZGB ebenfalls gesetzliche Insolvenztatbestände sowie vergleichbare normative Tatbestandsmerkmale fallen. Dabei erschließt sich mir die Ratio des Abstellens speziell auf gesetzlich definierte Umstände und damit der Maßstab der Vergleichbarkeit allerdings zugegebenermaßen nicht vollständig. Sollte dahinter die Überlegung stecken, dass gesetzliche Tatbestandsmerkmale im Rahmen des Kreises möglich Basiswerte eine größere Rechtssicherheit bieten als andere Umstände, 28 Siehe die Stellungnahme der ISDA zum entsprechenden Gesetzentwurf, Schreiben vom (S. 3) an Vladislav Reznik, Vorsitzender des Duma-Ausschusses für Banken und Finanzmärkte. 29 Die englische Übersetzung dürfte insoweit fehlerhaft sein, als sie die Worte которое предусмотрено законом mit any event governed under this Law [Hervorhebung durch Verf.] wiedergibt. Zutreffender erscheint die hier gewählte Übersetzung ein anderer von einem Gesetz vorgesehener Umstand. 30 ISDA, Stellungnahme vom , S Zur Funktionsweise von Credit Default Swaps siehe z.b. Brandt, Kreditderivate: Zentrale Aspekte innovativer Kapitalmarktprodukte, BKR 2002, 243 (243). 1112 wäre dies sicherlich ein Trugschluss, denn Tatbestandsmerkmale können ziemlich unscharf (z.b. die von Art wohl erfasste Zahlungsunfähigkeit als Basiswert) und nicht verrechtliche Begriffe sehr präzise sein (z.b. das wohl nicht erfasste Ergebnis eines Fußballspiels als Basiswert). b. Vergleich mit dem deutschen Recht Das deutsche Vertragsrecht der Termingeschäfte hat sich seit Erscheinen meiner Habilitationsschrift 2002 in zwei Etappen weiterentwickelt. Wie bereits im Vorwort der Arbeit angesprochen stand noch 2002 die Aufhebung des bisherigen Börsentermineinwands und der Rechtsfigur der Börsentermingeschäftsfähigkeit an. Danach waren alle Geschäfte zwischen Kaufleuten im speziellen börsenrechtlichen Sinn (= Kaufleute im handelsrechtlichen Sinn und Profis im Terminhandel) und Geschäfte von Nicht-Kaufleuten mit Finanzinstituten, wenn sie von den Finanzinstituten zuvor eine standardisierte Risikoaufklärung erhalten hatten, vom Spiel- und vom speziellen Börsentermineinwand befreit ( 52, 53 und 58 Börsengesetz alter Fassung - BörsG a.f.). 32 Statt dessen eingeführt wurde ein Regelungsansatz, der dem Art ZGB rechtstechnisch insoweit ähnelte, als er mit 37e Wertpapierhandelsgesetz alter Fassung (WpHG a.f.) nunmehr formal unabhängig von der vollzogenen Risikoaufklärung bestimmte, enumerativ über eine Reihe von Basiswerten (Wertpapiere, Geldmarktinstrumente, Zinssätzen oder andere Erträge, Waren oder Edelmetalle, Devisen) definierte sog. Finanztermingeschäfte ( 2 Abs. 2a WpHG a.f.) bzw. - als Teilmenge hiervon - Derivate ( 2 Abs. 2 WpHG a.f.) mit qualifizierten Vertragspartnern vom Spieleinwand befreite. Mindestens auf einer Seite des Vertrags musste ein Unternehmen (qualifizierter Vertragspartner) stehen, das gewerbsmäßig oder in einem Umfang, der einen in kaufmännischer Weise eingerichteten Geschäftsbetrieb erfordert, Finanztermingeschäfte abschließt oder deren Abschluss vermittelt oder die Anschaffung, Veräußerung oder Vermittlung von Finanztermingeschäften betreibt. Nicht de jure, aber de facto bestand wie zuvor schon beim Informationsmodell des Börsentermineinwands insoweit eine Verbindung zwischen der Befreiung vom Spieleinwand und dem Informationsstand speziell von Verbrauchern als Unterfall der Gruppe der nichtqualifizierten Vertragspartner, als die qualifizierten Vertragspartner nach 37d WpHG a.f. vor Vertragsschluss aufsichtsrechtlich dazu verpflichtet waren, Verbrauchern eine Risikoinformation zu erteilen, die mit derjenigen nach dem alten 53 Abs. 2 BörsG wörtlich fast übereinstimmte. Wurde die Risikoinformation versäumt, konnte daraus für den Verbraucher nach 37d Abs. 4 WpHG a.f. ein Schadensersatzanspruch entstehen, der ihm ein Leistungsverweigerungsrecht bzw. ein Recht auf Rückabwicklung des Geschäfts verschaffte. Wirtschaftlich betrachtet hatte das ähnliche Folgen wie die Versagung der Börsentermingeschäftsfähigkeit mangels Information und damit zusammenhängend die Unverbindlichkeit des Vertrags nach dem alten Modell. Im Rahmen der jüngsten WpHG-Reform durch das Finanzmarkt-Richtlinie- Umsetzungsgesetz 2007 (FRUG) wurde 37d WpHG gestrichen, der Befreiungstatbestand des 37e WpHG blieb aber im Wortlaut unverändert. Lediglich die bisher in 2 Abs. 2a WpHG a.f. enthaltene Definition des Finanztermingeschäfts wurde in 37e (Satz 2) WpHG n.f. verlagert, weil dort der Kern des Anwendungsbereichs dieser Vorschrift liegt. 33 Eine beträchtliche inhaltliche Ausweitung des Anwendungsbereichs der Vorschrift ergibt sich aber durch die Neufassung des Derivatebegriffes in 2 Abs. 2 WpHG und seine Ergänzung um die zahlreichen vorgenannten (siehe oben unter A.) Basiswerte der Finanzmarkt-Richtlinie, da 32 Näheres bei Reiner, S. 86 ff. 33 Eine aktuelle Fassung des WpHG findet sich unter 1213 Finanztermingeschäfte nach 37e Satz 2 WpHG Derivate im Sinne des 2 Abs. 2 und Optionsscheine sind. 34 Diese Erweiterung erfolgte sozusagen auf kaltem Wege als gesetzessystematisch bedingte automatische Nebenfolge der Erweiterung des Derivatebegriffs, bei der der deutsche Gesetzgeber primär den aufsichtsrechtlichen Anlegerschutz der Finanzmarktrichtlinie im Blick hatte, die er umzusetzen hatte. Die Bundesregierung bezeichnet in ihrer Begründung des Gesetzentwurfs die Auswirkungen der Ausweitung des Begriffs der Derivate auf den Anwendungsbereich anderer Vorschriften seltsamerweise als nur geringfügig. 35 Ein einheitlicher Begriff der Finanzinstrumente erleichtere die Anwendung des Gesetzes und stärke somit das Anlegervertrauen. Diese Begründung ist im Hinblick auf die Einschränkung des Spieleinwands doch etwas leichtgewichtig, zumal 37e WpHG gar nicht auf Sammelbegriff des Finanzinstruments ( 2 Abs. 2b WpHG ) abstellt. 2. Persönlicher Anwendungsbereich a. Russische Regelung Der persönliche Anwendungsbereich des russischen Befreiungstatbestands wird durch Art Abs. 2 Satz 2 ZGB definiert. Danach muss auf mindestens einer Seite des Geschäfts eine juristische Person stehen, die über eine Erlaubnis, Bankoperationen durchzuführen oder Wertpapiergeschäfte abzuschließen, oder zumindest über eine Börsenzulassung verfügt. Geschäfte mit Privatpersonen sind selbst dann nur wirksam, wenn sie über die Börse abgeschlossen werden. Der Sinn dieser Regelung ist zum einen Verhinderung von Spekulationen durch Nicht- Banken, zum anderen der besondere Schutz von Privatanlegern, der dadurch hergestellt werden soll, dass sie Termingeschäfte nur mit hoheitlich beaufsichtigten Vertragspartnern und nur an hoheitlich beaufsichtigten Märkten (Börsen) abgeschlossen werden dürfen. 36 Sie mag zwar der bisherigen russischen Finanzpraxis gerecht werden, nach der Derivate fast ausschließlich über russische Finanzinstitute oder Börsenunternehmen abgeschlossen wurden. Auf Dauer ist sie aber zu eng, denn schon heute besteht Bedarf nach direkten Verträgen zwischen Industrieunternehmen (Nicht-Banken und Nicht-Börsenunternehmen). Die Anwendung der Vorschrift bereitet zudem in Bezug auf ihren persönlichen Anwendungsbereich Auslegungsschwierigkeiten. Zunächst ist unklar, ob auch ausländische Finanzinstitute von der Regelung profitieren. Als Mindestvoraussetzung ist zu verlangen, dass sie nach russischem Kollisionsrecht als juristische Personen anerkannt werden. Gemäß Art ZGB folgt Russland der Gründungstheorie. Darüber hinaus stellt sich die Frage, ob eine ausländische Bank- oder Börsenlizenz genügt, oder ob es eine russische sein muss. Das Gesetz bestimmt nicht, wo die Lizenz erworben werden muss. Es wäre aber merkwürdig davon auszugehen, dass eine internationale Bank, die bereits über eine Lizenz verfügt, eine weitere in Russland bekommen müsste. 37 Teilweise wird bezüglich ausländischer Institute auch eine Analogie (ausdrücklich zugelassen in Art. 6 ZGB) zu Art ins Spiel gebracht Optionsscheine wurden aus gesetzessystematischen Gründen separat genannt, weil sie nach 2 Abs. 1 Nr. 1 WpHG unter den Wertpapierbegriff fallen (Begr. RegE 4. FinMFG, BT-Drucks 14/8017, S Begr. RegE FRUG BT-Drucks. 16/4028, S Davidovski/Runova (Fn. 16), S So Yury Kovschov auf einem Vortrag der Konferenz vom zu Zustand und Entwicklungsperspektiven des Terminmarktes in Russland, zit. nach Smirnov I. E., Neues auf dem Termingeschäftsmarkt in Russland, in: Reglementierung der Bankoperationen: Dokumente und Kommentierungen, November- Dezember 2007, Nr. 6, S. 9 f. 38 Kovschov, siehe vorausgehende Fn. 1314 Dieser Gedanke geht aber, zumindest nach deutschem Methodenverständnis fehl, weil eine Analogie nur dann erforderlich ist, wenn der noch mögliche Wortlaut überschritten ist, was aber - jedenfalls in der deutschen Übersetzung - nicht der Fall ist. Auch ausländische Lizenzen sind Lizenzen. Dennoch besteht durchaus die Gefahr, dass die Gerichte diese Norm so auslegen, dass der Schutz ausländischen Unternehmen, die über eine ausländische Lizenz verfügen, versagt wird. Bezeichnenderweise nicht durch den Gesetzgeber übernommen wurde eine von der ISDA in das Gesetzgebungsverfahren eingebrachte Empfehlung dahingehend, klarzustellen, dass auch ausländische und internationale (völkerrechtliche) Finanzinstitute erfasst werden ( including any such legal entity licensed under the laws of a foreign jurisdiction or an international financial institution ). 39 Im Übrigen ist unklar, ob Geschäfte mit der russischen Zentralbank oder mit Gebietskörperschaften privilegiert sind. Hier dürfte der Wortlaut der Vorschrift tatsächlich überschritten sein, so dass man an eine Analogie (Art. 6 ZGB) denken könnte. b. Vergleich mit dem deutschen Recht 37e WpHG setzt wie gesehen voraus, dass mindestens ein Vertragspartner ein Unternehmen ist, das gewerbsmäßig oder in einem Umfang, der einen in kaufmännischer Weise eingerichteten Geschäftsbetrieb erfordert, Finanztermingeschäfte abschließt oder deren Abschluss vermittelt oder die Anschaffung, Veräußerung oder Vermittlung von Finanztermingeschäften betreibt (vgl. Satz 1 der Vorschrift). Sinn einer solchen Einschränkung ist die Stärkung des Verkehrsschutzes 40 bei gleichzeitiger Marktöffnung gegenüber Privatanlegern. 41 Vergleichbar mit dem russischen Recht ist dabei der Ansatz, dass Geschäfte nur befreit sind, wenn ein in bestimmter Weise qualifiziertes Unternehmen an ihnen teilnimmt. Unterschiede gibt es bei der Art der erforderlichen Qualifikation. Die russische Regelung ist im Detail aber formaler, indem er auf die Lizenzen bzw. bei Privatanlegern zusätzlich auf den Handelsort (Börse) abstellt, 42 der deutsche Ansatz ist - um den Preis der Unschärfe - inhaltlich zielgenauer, indem er auf das Vorliegen von Erfahrungen speziell im Bereich des Terminhandels abstellt. Privatanleger genießen im deutschen (und europäischen) Recht als nicht professionelle Kunden (vgl. die Definition in 31a Abs. 2 WpHG) genauso wie kleinere Unternehmen den Schutz der aufsichtsrechtlichen Informationspflichten nach den 31 ff. WpHG. Speziell bei Termingeschäften über Waren und Emissionsberechtigungen oder sonstige Vermögenswerte mit Erfüllung in Natur kommt das deutsche dem russischen Recht in Bezug auf den Handelsort besonders nahe, denn Derivate im Sinne des 2 Abs. 2 WpHG und damit auch des 37e Satz 2 WpHG liegen hier im Hinblick auf die besonderen Schwierigkeiten der Glattstellung von Liefer- und Abnahmepflichten nur vor, wenn die Geschäfte an einem organisierten Markt oder in einem multilateralen Handelssystem geschlossen werden. Im Gegensatz zu Art Abs. 2 Satz 3 ZGB gilt diese Beschränkung (der Befreiung vom Spieleinwand) aber nicht nur für Privatanleger, sondern für Akteure aller Art. 39 ISDA, Stellungnahme zum Memorandum of Working Group on Legal Matters of the ARB Committee for Standards and Uniform Rights of the Forward Market ("ARB Memorandum"), Schreiben vom an Dr. Ekaterina Sidorova und Oleg Ivanov, S. 2 f.; ebenso ISDA, Schreiben vom (siehe oben Fn. 28), S Roth, Kölner Kommentar zum WpHG, 37e, Rz Vgl. Metzger, Der Begriff des Finanztermingeschäfts, BKR 2003, 366, Hierzu Ambarzymjan, Novelle über die Regulierung der Derivative: Derivative bekommen den gerichtlichen Schutz, Theorie und Praxis ( ТЕОРИЯ И ПРАКТИКА ) 2007, Nr. 5/43, S. 20 f.: Sinn des Börsenzwangs Art Abs. 2 Satz 2 sei der Gedanke, dass eine Privatperson nicht über hinreichende Kenntnisse verfüge. Dabei stellt sich allerdings die Frage, inwieweit speziell der Börsenhandel dazu in der Lage ist, dieses Informationsdefizit auszugleichen. 1415 Der Kreis der qualifizierten Unternehmen ist im deutschen Recht begrifflich weiter gezogen, weil es dort keine Beschränkung auf Finanz- oder Börseninstitute gibt. Allerdings ist das Kriterium des Abschlusses von Finanztermingeschäften in gewerbsmäßigem Umfang bzw. das dem Handelsrecht entlehnte Kriterium eines Umfangs, der einen in kaufmännischer Weise eingerichteten Geschäftsbetrieb erfordert, letztlich unklar, 43 erfasst aber unstreitig auch Nicht- Finanzinstitute. Regelmäßig allerdings werden doch nur Finanzinstitute die Tatbestandsvoraussetzungen (Unternehmerbegriff; Umfang der Geschäftstätigkeit in Finanztermingeschäften bzw. Derivaten) erfüllen, 44 so dass insoweit eine Konvergenz mit dem russischen Recht feststellbar ist. Allerdings gibt es im deutschen Recht bezüglich der qualifizierten Vertragspartner keine Beschränkung auf juristische Personen; im Unterschied zum russischen Recht können also auch Einzelunternehmer erfasst sein, sofern sie eine ausreichende Professionalität im Umgang mit Derivaten vorzuweisen haben. Auch eine Beschränkung auf inländische Unternehmen, die möglicherweise in die russische Regelung hineininterpretiert werden könnte, ist 37e WpHG fremd. Schon wegen des europarechtlichen Diskriminierungsverbots kann sich durch die jüngste Streichung der speziell für den Vertrieb von Finanztermingeschäften geschaffenen Aufklärungspflicht nach 37d, dessen personellem Anwendungsbereich 37e nachgebildet war und der in seinem Abs. 6 ausdrücklich ausländische Unternehmen in die Pflicht nahm, 45 nichts geändert haben. Insgesamt wurde das (erklärte) Ziel, Rechtssicherheit herbeizuführen, in beiden Rechtsordnungen nur teilweise erreicht. 3. Rechtssystematische Einordnung der Neuregelung Sind die geltenden Beschränkungen des Spieleinwands in Deutschland und Russland aus Sicht meines spezifischen Ansatzes zur Deutung der Unverbindlichkeit bestimmter Risikoverträge sachgerecht? a. Zweckverfehlungsansatz In meiner Habilitationsschrift hatte ich dargelegt, dass die Unverbindlichkeit des Spiels, die soweit überschaubar in allen wichtigen Rechtsordnungen unabhängig vom politischen System bekannt ist, frei von jeder rechtspolitischen und moralischen Bewertung bereits auf den Willen der Parteien und die Grundstrukturen der Vertragsautonomie selbst zurückzuführen ist. 46 Ausgangspunkt der Überlegungen war die Erkenntnis, dass ein Spiel unweigerlich immer einen Verlierer hat und für diese Partei daher ebenso unweigerlich seinen Zweck verfehlt. Dadurch entfällt auf Seiten des Verlierers der Rechtsgrund (causa) für die Teilnahme am Spiel, weshalb es sachgerecht ist, ihn nicht am Spielvertrag festzuhalten (causa-ansatz, Zweckverfehlungsansatz). Man kann es auch so beschreiben: Die Besonderheit des Spielvertrags besteht in dem Umstand, dass sich zwar beide Parteien wie beim normalen Austauschvertrag gegenseitig verpflichten, um aus der Auszahlung des Gewinns einen Vorteil zu ziehen (Leistungszweck), dass aber wegen der sich gegenseitig ausschließenden Struktur der beiderseitigen Leistungspflichten ein Leistungsaustausch nicht möglich ist. Aus diesem Dilemma kommt 43 Siehe zu diesen Merkmalen die 13-seitige, eng bedruckte Kommentierung von Roth im Kölner Kommentar zum WpHG, 2007, 37e, Rz Roth, a.a.o., 37d, Rz Hierzu Roth, in: Kölner Kommentar zum WpHG, 37e, Rz Siehe zusammenfassend Reiner, S. 181 f. 1516 der aleatorische Vertrag nur dann heraus, wenn die beiden wechselseitigen Verpflichtungen schon für sich genommen einen subjektiven Wert für die Parteien, insbesondere einen Marktwert besitzen. Dann kommt es bereits auf dieser Ebene zu einem erfolgreichen Leistungsaustausch unabhängig davon, wie das Spiel später ausgeht. Bei Termingeschäften mit liquidem Sekundärmarkt oder aber bei Derivaten mit liquidem und lagerfähigem Basiswert, die sich jederzeit am Kassamarkt reproduzieren lassen, ist diese Voraussetzung erfüllt. Hier haben die Vertragsparteien anders als beim Spiel bereits mit Vertragsschluss eine Position erlangt, die sie durch Glattstellung zu Geld machen können. Dazu muss - freilich wie immer im Vertragsrecht in einer nach außen erkennbaren, objektivierten Weise - sichergestellt sein, dass die Vertragsparteien aufgrund ihrer persönlichen Qualifikation in der Lage sind, diese Vorteile ihrer stochastischen Position auch tatsächlich zu nutzen. Eine gründliche Auseinandersetzung mit diesem Ansatz zur Unterscheidung zwischen verbindlichen und unverbindlichen Risikoverträgen hat, soweit überschaubar, bislang in der deutschen Rechtswissenschaft nicht stattgefunden. Chalioulias beschäftigt sich in seiner Untersuchung über den Swap-Vertrag 47 zwar durchaus ambitioniert mit den Grundlagen der Vertragstheorie und geht dabei auch kurz im Fußnotenbereich auf meinen Ansatz ein, scheint ihn aber nicht wirklich verstanden zu haben. Ansonsten hätte er sich nicht damit begnügt, meinen Gedankengang sprachlich auf einen Satz höchst kondensiert in eine (angesichts der sonstigen Zitate eher beliebig wirkende) Fußnote in Zusammenhang mit dem Grundsatz casum sentit dominus zu packen, ohne Stellung zu beziehen. Kind 48 hält mir auf wenigen Zeilen entgegen, es sei eine sehr gekünstelte Vorstellung, der Spieler schließe den Spielvertrag um des sicheren Gewinns willen ab. Wer spiele wisse, dass er nicht sicher gewinne, sondern nur die Chance auf den Gewinn habe. Natürlich weiß der Spieler, dass er nicht sicher gewinnen wird. Dennoch lässt sich nicht bestreiten, dass der Vertrag (mit Ausnahme von unechten Spielen, bei denen der Unterhaltungswert dominiert) aus seiner Sicht gescheitert ist, wenn er verliert, und dass er den Vertrag nicht abgeschlossen hätte, wenn er das gewusst hätte. Im Unterschied zu einem normalen Umsatzvertrag mit Risikoelementen (z.b. im Rahmen der Gefahrtragung für den Zustand der Kaufsache), wo es gelegentlich auch zur Verfehlung des Vertragszwecks kommen kann, wenn sich die zu tragende Gefahr realisiert (z.b. Kaufsache wird direkt nach der Übergabe zerstört), steht beim Spiel wie schon gesagt immer unweigerlich von vornherein fest, dass einer der beiden Vertragspartner den angestrebten Zweck nicht erreichen wird. Im Übrigen lässt sich auch unabhängig vom inneren Grund für die Differenzierung nach der Werthaltigkeit jedenfalls nicht bestreiten, dass es verbindliche und unverbindliche aleatorische Verträge gibt, und dass die Werthaltigkeit der von den Vertragsparteien übernommenen Positionen ein griffigeres Unterscheidungskriterium darstellt als die Gefährlichkeit des Spiels sowie das Fehlen eines ernsthaften sittlichen oder wirtschaftlichen Zwecks. Mehr noch: Gemessen an den gesetzlich geregelten Risikoverträgen (insbesondere dem Versicherungsvertrag) ist das Kriterium der Werthaltigkeit auch treffsicherer, wenn es darum geht, ohne Blick in das Gesetz vorherzusagen, ob ein Risikovertrag wohl wirksam ist oder nicht. 47 Chalioulias, Der Swap im System aleatorischer Verträge, Baden-Baden 2007, S. 133 ff., insb. 152 f., Fn. 537: anders: Reiner Kind, Börsen- und Finanztermingeschäfte: zur Neuregelung des Rechts der Termingeschäfte in den 37d. WpHG sowie zur Rückabwicklung unverbindlicher Börsentermingeschäfte und dem verbleibenden Anwendungsbereich unverbindlicher Spekulationsgeschäfte nach der Terminrechtsreform 2002, 2004, S. 62 f. 1617 Auch das zweite Argument Kinds, der Rückforderungsausschluss nach 762 Abs. 1 Satz 2 BGB, bereite meiner Zweckverfehlungstheorie Erklärungsnot, schlägt nicht durch. Der Umstand nämlich, dass sich die Rechtsfolge des 762 Abs. 1 Satz 2 BGB auch mit 814 BGB erklären lässt und daher streng genommen überflüssig ist, spricht genauso wenig gegen meine Deutung dieser Vorschrift wie der Umstand, dass sich die Rechtsfolge des 762 Abs. 1 Satz 1 auch auf 812 Abs. 1 BGB zurückführen lässt. Es ist gängige Gesetzgebungspraxis, allgemeine Grundprinzipien ggf. in speziellen Anwendungsbereichen zur Klarstellung nochmals speziell zu normieren, obwohl es eigentlich nicht notwendig wäre. Im Übrigen behaupte ich gar nicht, dass dem Gesetzgeber der systematische Zusammenhang zwischen Spiel und Bereicherungsrecht bewusst war, sondern stelle lediglich fest, dass sich der Gesetzgeber im Ergebnis (wohl im Wege einer intuitiven Mustererkennung) bei der Ausgestaltung des Spieleinwands an der Interessenabwägung des Bereicherungsrechts orientiert hat. b. Deutsche Regelung Das vierte Finanzmarktförderungsgesetz (FinMFG) hatte bereits auf Ebene der Rechtsfolgen eine Trennung zwischen dem termingeschäftsspezifischen Risikoschutz der Anleger vom systematischen Umfeld des Spieleinwands und teilweise eine die Beseitigung der dem Börsentermineinwand eigenen norminternen Zielkonflikte erreicht. Es verblieb die Verknüpfung auf Tatbestandsebene, denn der Ausschluss des Spieleinwands - in seiner herkömmlichen Auslegung - beim Terminhandel hing nach wie vor von der Verwirklichung desselben Tatbestandsmerkmals ab, das auch die Pflicht zur Risikoaufklärung auslöste, nämlich eines gemeinsamen Begriffs des Termingeschäfts (jetzt Finanztermingeschäft anstatt Börsentermingeschäft ). Durch die Beseitigung der verbraucherschützenden und derivatespezifischen Aufklärungspflicht gemäß 37d WpHG a.f. im Zuge der jüngsten Gesetzesreform wurde diese angesichts unterschiedlicher Normzwecke ungute tatbestandliche Verknüpfung zwar entfernt; Zielkonflikte bestehen aber nach wie vor zwischen 37e WpHG einerseits und den zahlreichen, teilweise europarechtliche Vorgaben umsetzenden aufsichtsrechtlichen Verhaltenspflichten andererseits, die allgemein an den Vertrieb von Finanzinstrumenten und damit gemäß der Definition des Finanzinstruments in 2 Abs. 2b WpHG auch denselben Derivatebegriff ( 2 Abs. 2 WpHG) anknüpfen, auf dem auch 37e (Satz 2) WpHG aufbaut. Daher überrascht es kaum, dass die jüngste massive Ergänzung des Derivatebegriffs im Bereich der möglichen Basiswerte entsprechend den Vorgaben der Finanzmarkt-Richtlinie die Befreiung 49 vom Spieleinwand in einem Maße ausdehnt, das vom Gesetzgeber quasi als Nebenfolge der vorhandenen Gesetzessystematik eher hingenommen, als beabsichtigt wurde (siehe oben unter B.III.1.b.). Während die früheren Regelungen zur Unvollkommenheit bzw. Verbindlichkeit von Börsentermingeschäften sich dank des noch ungeklärten Begriffs des Börsentermingeschäfts einigermaßen in die von mir entwickelte Systematik einordnen ließ und mein Modell sogar Auslegungshilfe bei der Abgrenzung der möglichen Basiswerte leistete, 50 lässt sich angesichts der gesetzgeberischen Flurbereinigung im Bereich der möglichen Basiswerte nur noch feststellen, dass die Kriterien der Liquidität des Marktes und 49 Aus Sicht des Zweckverfehlungsansatzes ist es eigentlich keine echte Befreiung, weil sich die fehlende Anwendbarkeit des Spieleinwands schon von selbst ergibt. Der Vorteil einer gesetzlichen Regelung besteht aber, da dieser Ansatz noch weit davon entfernt ist, sich durchgesetzt zu haben, in der dadurch bewirkten Rechtssicherheit. 50 Reiner, S. 163 f., zum Merkmal der Möglichkeit der Glattstellung. 1718 der Lagerfähigkeit in Zukunft offensichtlich keine Rolle mehr spielen. Der deutsche Gesetzgeber ist in Bezug auf den Kreis der erfassten Instrumente meinem Konzept nicht gefolgt, sondern hatte, wenn überhaupt, bei der Privilegierung vom Spieleinwand allein die Erwartungen der Marktteilnehmer im Blick. Zum personellen Anwendungsbereich (Kreis der privilegierten Marktteilnehmer) ist Folgendes zu sagen: Die mit der Rechtsfigur der Börsentermingeschäftsfähigkeit (einschließlich des sog. Informationsmodells des 53 Abs. 2 BörsG a.f. 51 ) verbundenen personengebundenen Einschränkungen der Befreiung vom Spieleinwand (früher: 58 BörsG; jetzt: 37e WpHG) ließen sich als freilich stark typisierte Ausprägungen des Gedankens der von mir so genannten Qualifikation der Vertragsparteien deuten. Diese Eigenschaft der Vertragsparteien ist vorauszusetzen, damit sie auch tatsächlich dazu in der Lage sind, den theoretischen Marktwert der erhaltenen Gegenleistung, nämlich des stochastisch bedingten Zahlungsanspruchs, jederzeit zu realisieren. 52 Die Reform 2002 gemäß dem 4. FinMFG setzte den Ansatz des Informationsmodells insoweit fort, als Verträge von (nicht professionellen) Privatleuten nur dann vom Börsentermin- bzw. Spieleinwand ausgenommen wurden, wenn sie mit Unternehmen abgeschlossen werden, die als Finanzinstitut (so der Ansatz nach 53 Abs. 2 BörsG) bzw. als Profi im Bereich von Termingeschäften ( 37d Abs. 1 WpHG a.f. 2002) aufsichtsrechtlich dazu verpflichtet sind, ihre Vertragspartner über die Risiken dieser Geschäfte zu informieren. Dazu gehörte auch eine Aufklärung darüber, dass Geschäfte, mit denen die Risiken aus eingegangenen Geschäften ausgeschlossen oder eingeschränkt werden sollen, möglicherweise nicht oder nur zu einem verlustbringenden Preis getätigt werden können ( 53 Abs. 2, Satz 1 dritter Spiegelstrich BörsG alter Fassung; 37d Abs. 1 Satz 1 Nr. 3 WpHG in der Fassung des 4. FinMFG). Das berührt zwar die Frage der Glattstellung; eine umfassende theoretische und marktpraktische Aufklärung über die Möglichkeiten zur jederzeitigen Realisierung des Marktwertes dieser Geschäfte war damit aber nicht verbunden. 53 Die jüngste Neuregelung durch FRUG führte nun bekanntlich zu einer Aufhebung des 37d WpHG, der inhaltlich dem 53 Abs. 2 BörsG weitgehend entsprach; nach dem Willen des Gesetzgebers sollte damit aber keine Einschränkung der Informationspflichten gegenüber Verbrauchern in Bezug auf Termingeschäfte verbunden sein. Die Vorschrift sei aufgehoben worden, so heißt es in der Regierungsbegründung, 54 da die Anforderungen an eine ordnungsgemäße Beratung von Anlegern auch im Bereich des Handels mit Derivaten bereits mit den durch die Umsetzung der Finanzmarktrichtlinie erweiterten Verhaltenspflichten von Wertpapierdienstleistungsunternehmen nach 31 ff. [WpHG n.f.] hinreichend bestimmt seien. Die Streichung der Vorschrift diene dem Bürokratieabbau [!] und der Flexibilisierung im Bereich der Anlageberatung durch Wertpapierdienstleistungsunternehmen. Durch die Reform wurde aber der personelle Anwendungsbereich der aufsichtsrechtlichen Aufklärungspflichten (früher 37d WpHG, jetzt 31 31e WpHG) vom personellen Anwendungsbereich der Befreiung vom Spieleinwand gemäß 37e WpHG abgekoppelt. Dadurch ist zumindest aufsichtsrechtlich nicht mehr möglicherweise im Rahmen des 242 BGB aber noch vertragsrechtlich sichergestellt, dass bei vom Spieleinwand befreiten Termingeschäften zwischen Unternehmen und Verbrauchern in jedem Fall dem Verbraucher eine aufsichtrechtlich gebotene Risikoaufklärung nach 31 WpHG zuteil wurde. Denn die 51 Hierzu Reiner, S. 87 f., 149 ff., 156 ff. 52 Reiner, S. 147 ff., insbesondere S. 149 ff. 53 Kritisch schon Reiner, S BT-Drucks. 16/4028, S19 Informationsverpflichtung nach den 31 ff. WpHG n.f. trifft nur (noch) Wertpapierdienstleistungsunternehmen und nicht mehr alle in 37e WpHG genannten qualifizierten Personen. Der Gedanke des obligatorischen Informationstransfers zwischen Profi und Kunden als Rechtfertigung für die Befreiung speziell von Geschäften mit Profis vom Spieleinwand entfällt damit. Aus systematischer Sicht besitzt die de facto weitgehend bewirkte Beschränkung der Befreiung auf Geschäfte mit Finanzinstituten immerhin den Vorteil, dass professionelle Finanzintermediäre bereits aufsichtsrechtlich dazu verpflichtet sind, ihre Vertragspartner umfassend über Risiken und damit immerhin zum Teil wohl auch über Glattstellungsmöglichkeiten aufzuklären (insbesondere 31 Abs. 3 und 5 WpHG n.f.), so dass bei Beteiligung solcher Vertragspartner typisierend sichergestellt ist, dass letztlich beide Seiten die erforderliche Qualifikation aufweisen. Soweit sich der Anwendungsbereich des 37e WpHG nunmehr auf Instrumente erstreckt, die angesichts ihrer Basiswerte (siehe weiter oben in diesem Abschnitt) und mangels eines ausreichend liquiden Sekundärmarktes keinen jederzeit realisierbaren Marktwert aufweisen, liegt die Vorschrift ohnehin außerhalb des durch meinen systematischen Ansatz erklärbaren Bereichs, so dass sich die weitere Frage, ob auch der personelle Anwendungsbereich der Vorschrift systemkonform ist, dann gar nicht mehr stellt. c. Russische Regelung Ohne die Details zu kennen, denke ich, dass meine Überlegungen zur Rechtsnatur des Spieleinwands so eng mit dem überall gleichen Wesen des vertraglichen Leistungsaustausches verknüpft sind, dass sie sich auf das russische Recht übertragen lassen müssten. Art Abs. 1 ZGB drückt den Grundsatz aus, dass Leistungen, die ohne Rechtsgrundlage erlangt werden, keinen rechtlichen Bestand haben und zurückzugeben sind. Diese Regelung kann -selbstverständlich - auch angewendet werden, wenn - wie in meinem Modell aus Sicht des Verlierers - der rechtliche Grund später wegfällt, 55 und eignet sich daher als Baustein in meiner Argumentationskette. Weiter, und ohne diese Frage mit den mir momentan zugänglichen Quellen vertiefen zu können, gehe ich davon aus, dass auch nach Art Abs. 1 ZGR jede Art von Leistung einschließlich Leistungsversprechen kondiziert werden kann. Damit wären die wichtigsten Grundlagen für die Übertragung meines Zweckverfehlungsansatzes bereits vorhanden. Aus der systematischen Sicht des Zweckverfehlungsansatzes ist die russische Befreiungsvorschrift der deutschen in Bezug auf den deutlich engeren Kreis der ausdrücklich genannten Basiswerte (Waren- und Wertpapierpreise, Wechselkurse, Zinssätze, Inflationsrate, Indices) überlegen, die mit Ausnahme der Inflationsrate, vielleicht - je nach Auslegung - auch bestimmter Indices, sämtlich die für eine Werthaltigkeit der davon abgeleiteten Termingeschäfte aufzustellenden Anforderungen an Liquidität und Lagerfähigkeit erfüllen. Diese Aussage steht freilich unter dem Vorbehalt der Auslegungsschwierigkeiten bezüglich des Merkmals des von einem Gesetz vorgesehenen Umstands, die für mich im Rahmen meiner bislang nur recht flüchtigen Beschäftigung mit dem einschlägigen Schrifttum verbleiben. Jedenfalls soweit dieses Merkmal, wie dargelegt (oben B.III.1.a.), den Umstand der Eröffnung des Insolvenzverfahrens über eine bestimmte Person und damit einen für Kreditderivate typischen Basiswert abdeckt, geht es über den Zweckverfehlungsansatz, nicht aber über die deutsche Regelung hinaus. In der Derivatedefinition des 2 Abs. 2 WpHG 55 Abova/Kabalkin, Kommentar zum Zivilgesetzbuch der Russischen Föderation, 3. Aufl. 2006, Art. 1120, unter 1. 1920 werden Kreditderivate sogar ausdrücklich genannt und definiert ( Derivate im Sinne dieses Gesetzes sind als Kauf, Tausch oder anderweitig ausgestaltete Festgeschäfte oder Optionsgeschäfte, die zeitlich verzögert zu erfüllen sind und dem Transfer von Kreditrisiken dienen (Kreditderivate);... ). Der Gesichtspunkt der Existenz eine liquiden Sekundärmarktes für die betreffenden Derivate, unter dem sich die für die Rechtfertigung der Wirksamkeit solcher Geschäfte erforderliche Werthaltigkeit selbst bei nicht liquidem und nicht lagerfähigem Basiswert ergeben kann, findet weder in 37e, 2 Abs. 2 WpHG noch in Art Abs. 2 Satz 1 ZGB Berücksichtigung. In dem Maße, wie sich die Terminmärkte in Zukunft weiter entwickeln, wird er aber dazu beitragen, dass sich die Einbeziehung von Derivaten mit nicht liquiden und nicht lagerfähigen Basiswerten in die deutsche Regelung nach und nach besser in das System des Vertragsrechts aus Sicht meines Zweckverfehlungsansatzes einordnen lassen. Die weitere Frage ist, inwieweit sich für das russische Recht die Beschränkungen des personellen Anwendungsbereichs der Befreiung vom Spieleinwand auf den Gesichtspunkt der Qualifikation zurückführen lassen. Juristische Personen mit aufsichtsrechtlicher Erlaubnis zum Betreiben von Bank-, Wertpapier- oder Börsengeschäften besitzen zweifelsohne ein Mindestmaß an Professionalität im Finanzbereich, die ihnen das Verständnis der finanzwirtschaftlichen Eigenschaften von Termingeschäften und des Terminmarktes erleichtert. Dass sie die für eine Realisierung des Marktwertes aus Derivaten erforderlichen Kenntnisse auch tatsächlich besitzen, ist aber keineswegs sichergestellt. Insofern erscheint der bisherige und immer noch gültige deutsche Ansatz, der eine nicht auf Finanzinstitute beschränkte Professionalität speziell im Bereich der Termingeschäfte voraussetzt, zielführender. Zugunsten der russischen Regelung mag aber der Gesichtspunkt sprechen, dass die (von mir so genannten) qualifizierten Vertragspartner nach Art Abs. 1 Satz 2 ZGB möglicherweise aufsichtsrechtlich bereits dazu verpflichtet sind oder zumindest dazu verpflichtet werden können, ihre Vertragspartner über die Möglichkeiten der Glattstellung aufzuklären. Inwieweit das geltende russische Aufsichtsrecht entsprechende Informationspflichten bereits enthält, habe ich bislang nicht überprüft. In personeller Hinsicht erinnert das russische Recht an das frühere deutsche Informationsmodell des inzwischen aufgehobenen 53 (Abs. 2 Satz 1) BörsG a.f., nach dem Privatleute nur durch Finanzinstitute per Aufklärung börsentermingeschäftsfähig gemacht werden konnten. Die Beschränkung der (vertragsrechtlich wirksamen) Teilnahme natürlicher Personen am Terminhandel auf Börsengeschäfte nach Art Abs. 2 Satz 3 ZGB lässt sich mit dem Aspekt der Qualifikation gut begründen, denn typisierend betrachtet kennen sich Privatanleger im Bereich der Termingeschäfte nicht aus, so dass der Möglichkeit, zur Glattstellung an der Börse jederzeit passgenaue Gegengeschäfte abschließen zu können, eine besondere Bedeutung zukommt. Überhaupt nicht mit rechtssystematischen, zumindest vertragsrechtlichen Argumenten zu rechtfertigen wäre eine Beschränkung der Befreiung in Art Abs. 2 Satz 2 ZGB auf russische Finanzinstitute, sollte man die Vorschrift tatsächlich in diesem Sinne auslegen wollen. C. 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