Source: http://www.juralit.com/2012/12/01/mediation-in-der-praxis-des-anwalts/
Timestamp: 2017-11-22 13:02:11
Document Index: 157494362

Matched Legal Cases: ['§ 1', '§ 4', '§ 6', '§ 7', '§ 9', '§ 10', '§ 11']

Schmidt/Lapp/Monßen, Mediation in der Praxis des Anwalts, 2012, C.H.Beck
Frank H. Schmidt/Thomas Lapp/Hans - Georg Monßen
Mediation in der Praxis des Rechtsanwalts
München: C.H.Beck, 2012, 346 S., 55 Euro
ISBN 978-3-406-57399-6
Es gibt inzwischen eine weltweiten Trend zum Einsatz von - sehr unterschiedlichen - Verfahren der außergerichtlichen Streitbeilegung, deren Einsatz im Jahre 2007 vom Bundesverfassungsgericht ausdrücklich empfohlen wurde. 2008 erging eine EU - Richtlinie für die grenzüberschreitende Mediationen in Europa, die u.a. Österreich und Deutschland zum Anlass genommen haben, die Verfahren der Mediation weitgehend zu institutionalisieren und in wesentlichen auch zu regulieren. Für Rechtsanwälte sollte es selbstverständlich sein, sich für diesen Bereich zu interessieren und zur Konfliktbewältigung beizutragen wie dies auch in Deutschland aus § 1 Abs.3 BORA folgt. Inzwischen ist das neue deutsche Mediationsgesetz in Kraft getreten, um dessen Regelungen lange politisch gerungen worden ist. In die Vertragspraxis - gerade im wirtschaftsrechtlichen Bereich - hatten zuvor Mediations - und Schiedsgerichtsklauseln seit langem Einzug gehalten, so dass die Rechtsordnung in gewisser Weise die internationale Vertragspaxis als Vorbild genommen hat.
Dieses neue Handbuch arbeitet die neuen Anforderungen an die Anwaltschaft systematisch auf und gibt der Praxis zahlreiche Hilfestellungen. Es ist das ausdrückliche Anliegen dieses interessanten Handbuches Anwälte eingehender über Mediation zu informieren, wobei gerade auch Informationen zu den außerjuristischen Quellen der Mediation gehören, die interdisziplinär operiert. Die möglichen Verfahren werden anhand von Praxisbeispielen in Ablauf und Methodik dargestellt und die unterschiedlichen Arbeitsweisen herausgearbeitet.
Die Gliederung des Bandes zeigt, dass hier eine umfassende Information beabsichtigt ist, die eine gewisse Vollständigkeit in der Übersicht anstrebt. So wird zunächst der aktuelle Stand der Entwicklung skizziert, um sodann näher auf die Einsatzmöglichkeiten für Rechtsanwälte einzugehen und Vorteile und Risiken zu schildern. Gerade das Letztere ist wichtig, weil Mediationen auch scheitern können und diese Verfahren keine “implizite Erfolgsgarantie” beeinhalten, zumal es Beteiligten auch freisteht, ein solches Verfahren nicht zu wollen, mag dies auch selten sinnvoll sein.
§ 4 des Werkes beeinhaltete eine sehr strukturierte und übersichtliche Darstellung der Praxis der Mediation aus anwaltlicher Sicht, die alle wesentlichen Aspekte von der Entscheidung der Parteien für eine Mediation über deren Durchführung bis hin zur Lösung des zugrundeliegenden Konfliktes beeinhalten. Das folgende Kapitel geht eingehend auf den Mediationsvertrag ein und zwar selbstredend auch unter dem Aspekt der AGB - Inhaltskontrolle. In § 6 werden die unterschiedlichen Methoden der Mediation dargestellt, die sehr pschologisch und kommunikationstheoretisch geprägt sind und ihre US - amerikanische Herkunft schon angesichts der Begrifflichkeiten nicht verleugnen können. Kenntnisse im Harvard - Verhandlungskonzept sind in derartigen Kontexten selten ein Fehler. Hier wird deutlich, was ein Mediator können muss, was üblicherweise von ihm erwartet werden kann, wie er eine Supervision einsetzt und welche Techniken zum Erfolg dieses Verfahrens beitragen können. Die Bezüge zum Coaching werden insoweit sehr deutlich. Allerdings werden hier auch die Grenzen deutlich, da der Mediator kein Richter ist und sich mit rechtlichen Bewertungen zurückhalten sollte, jedoch verpflichtet ist, beide Parteien über die Rechtslage zu informieren, ohne aber einen Urteilsspruch zu kommunizieren. Ohnehin haben nicht alle Mediationen einen rechtlichen Bezug.
In § 7 werden die Besonderheiten der Mediationen in bestimmten Gebieten herausgearbeitet und zwar für alle relevanten Rechtsgebiete. Es folgt eine interessante Darstellung der “Güterichter - Mediation” nach bayerischem Vorbild. Je nachdem welche Mediationsrichtlinien zugrunde gelegt werden, lässt sich durchaus bezweifeln, ob der Güterichter wirklich Mediator ist, aber dieses Verfahren kann sehr dazu verhelfen, etliche Konflikte ohne Urteilsspruch zu regeln. In § 9 wird die Tätigkeit des Anwaltsmediators näher vorgestellt und zwar auch unter wirtschaftlichen Aspekten. Es lag nahe in § 10 Vergütungs- und Kostenfragen darzustellen, deren Regelung weitgehend den Beteiligten überlassen ist. § 11 behandelt Ausbildungsfragen. Der Anhang enthält das Mediationsgesetz, einen Vorschlag für einen Mediationsvertrag und weitere interessante Vorlagen.
Das Handbuch bietet insbesondere Rechtsanwälten eine fundierte Darstellung über Mediationsverfahren, deren Einsatzmöglichkeiten und die künftige Praxis der Mediation in Deutschland. Die sehr systematische Darstellung ist sehr gut lesbar und enthält zahlreiche zahlreiche Hinweise für die Mediationspraxis.
Dezember 1st, 2012 Posted by admin | Allgemein, Vermischtes, Wirtschaft, Gesellschaft, Politik | no comments