Source: https://www.rechtslupe.de/zivilrecht/vollstreckung/anwaltsgebuehren-fuer-die-einholung-einer-drittauskunft-ueber-den-schuldner-3143206?pk_campaign=feed&pk_kwd=anwaltsgebuehren-fuer-die-einholung-einer-drittauskunft-ueber-den-schuldner
Timestamp: 2019-10-16 21:57:13
Document Index: 303822583

Matched Legal Cases: ['§ 802', '§ 802', '§ 18', '§ 802', '§ 802', '§ 18', '§ 802', '§ 802', '§ 802', '§ 802', '§ 802', '§ 802', '§ 802', '§ 802', '§ 18', '§ 25', '§ 802', '§ 802', '§ 18', '§ 25', '§ 802', '§ 25', '§ 802', '§ 802', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH']

Nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs 1 ist der Antrag des Gläu­bi­gers auf Ein­ho­lung von Dritt­aus­künf­ten gemäß § 802a Abs. 2 Satz 1 Nr. 3, § 802l ZPO eine beson­de­re Ange­le­gen­heit im Sin­ne von § 18 Abs. 1 Nr. 1 RVG, für die dem Rechts­an­walt eine 0, 3Ver­fah­rens­ge­bühr gemäß Nr. 3309 VV RVG zusteht.
In dem Beschluss vom 20.09.2018 1 hat der Bun­des­ge­richts­hof aus­führ­lich begrün­det, war­um der Antrag des Gläu­bi­gers auf Ein­ho­lung von Dritt­aus­künf­ten gemäß § 802a Abs. 2 Satz 1 Nr. 3, § 802l ZPO eine beson­de­re Ange­le­gen­heit im Sin­ne von § 18 Abs. 1 Nr. 1 RVG ist, für die dem Rechts­an­walt eine 0, 3Verfahrensgebühr gemäß Nr. 3309 VV RVG zusteht 2. Der vor­lie­gen­de Fall gibt zu einer abwei­chen­den Beur­tei­lung kei­nen Anlass.
Die Voll­stre­ckungs­maß­nah­me der Ein­ho­lung der Ver­mö­gens­aus­kunft ist mit der Ertei­lung oder Ver­wei­ge­rung der Aus­kunft durch den Schuld­ner been­det. Erst danach wird die Ein­ho­lung der Dritt­aus­kunft zuläs­sig. Damit kann die Voll­stre­ckungs­maß­nah­me des § 802l ZPO kei­ne Fort­set­zung der Ein­ho­lung der Ver­mö­gens­aus­kunft nach § 802c ZPO sein 3. Wie auch die Auf­zäh­lung der Regel­be­fug­nis­se des Gerichts­voll­zie­hers in § 802a Abs. 2 Satz 1 Nr. 2 und 3 ZPO zeigt, steht die Mög­lich­keit zur Ein­ho­lung von Dritt­aus­künf­ten gemäß § 802l ZPO sys­te­ma­tisch selb­stän­dig neben der Ein­ho­lung der Ver­mö­gens­aus­kunft des Schuld­ners gemäß § 802c ZPO 4. Fer­ner ent­behr­te es sach­li­cher Recht­fer­ti­gung, Gläu­bi­gern, die sich erst­mals mit einem Antrag auf Dritt­aus­kunft im Voll­stre­ckungs­ver­fah­ren betei­li­gen, eine Rechts­an­walts­ver­gü­tung für den Antrag auf Dritt­aus­kunft zu ver­sa­gen 5.
Die Voll­stre­ckungs­maß­nah­men des § 802c ZPO und des § 802l ZPO unter­schei­den sich nach ihrem kon­kre­ten Zweck im Gesamt­zu­sam­men­hang der Zwangs­voll­stre­ckung erheb­lich. Wäh­rend die Ver­mö­gens­aus­kunft auf eine umfas­sen­de, kei­ner Über­prü­fung unter­zo­ge­ne Selbst­aus­kunft des Schuld­ners zielt, holt der Gerichts­voll­zie­her im Ver­fah­ren nach § 802l ZPO Aus­künf­te über das Ver­mö­gen des Schuld­ners bei Drit­ten ein. Wer­den die Ver­fah­ren der Ver­mö­gens­aus­kunft und der Dritt­aus­kunft von unter­schied­li­chen Gläu­bi­gern bean­tragt, wird außer­dem die Voll­stre­ckung unter­schied­li­cher For­de­run­gen erstrebt 6.
Die Dritt­aus­kunft ist auch nicht unab­ding­ba­re Vor­aus­set­zung für das Ziel des Gläu­bi­gers, die Erfül­lung sei­ner For­de­rung zu erzwin­gen 7.
Schließ­lich recht­fer­tigt es der mit ande­ren Voll­stre­ckungs­maß­nah­men zumin­dest ver­gleich­ba­re Auf­wand des Rechts­an­walts, den Antrag auf Ein­ho­lung von Fremd­aus­künf­ten als beson­de­re Ange­le­gen­heit im Sin­ne von § 18 Abs. 1 Nr. 1 RVG anzu­se­hen 8.
Soweit in § 25 Abs. 1 Nr. 4 RVG eine Begren­zung des Gegen­stands­werts auf höchs­tens 2.000 € ledig­lich für Ver­fah­ren über die Ertei­lung der Ver­mö­gens­aus­kunft nach § 802c ZPO vor­ge­se­hen ist, nicht jedoch für Anträ­ge auf Ein­ho­lung von Dritt­aus­künf­ten gemäß § 802l ZPO, kann dies die Aus­le­gung des Begriffs der beson­de­ren Ange­le­gen­heit in § 18 Abs. 1 Nr. 1 RVG nicht maß­geb­lich bestim­men. Die beson­de­re Wert­gren­ze des § 25 Abs. 1 Nr. 4 RVG ist auch nicht ana­log auf Ver­fah­ren zur Ein­ho­lung von Dritt­aus­künf­ten nach § 802l ZPO anzu­wen­den. Nach dem kla­ren Wort­laut ist § 25 Abs. 1 Nr. 4 RVG allein auf die Ver­mö­gens­aus­kunft gemäß § 802c ZPO begrenzt. Es gibt kei­nen Anhalts­punkt dafür, dass der Gesetz­ge­ber bei Schaf­fung die­ser Rege­lung die Mög­lich­keit ihrer Erstre­ckung auf § 802l ZPO über­se­hen hat. Viel­mehr spricht alles dafür, dass der Gesetz­ge­ber bewusst davon abge­se­hen hat 9.
BGH, Beschluss vom 20.09.2018 – I ZB 120/​17, WM 2019, 33 Gebühr für Dritt­aus­kunft[↩][↩]
BGH, WM 2019, 33 Rn. 10 ff.[↩]
BGH, WM 2019, 33 Rn. 12[↩]
BGH, WM 2019, 33 Rn. 13[↩]
BGH, WM 2019, 33 Rn. 15[↩]
BGH, WM 2019, 33 Rn. 17[↩]
BGH, WM 2019, 33 Rn. 18[↩]
BGH, WM 2019, 33 Rn.19[↩]
vgl. BGH, WM 2019, 33 Rn. 21 f.[↩]