Source: https://www.haufe.de/recht/weitere-rechtsgebiete/allg-zivilrecht/zbr-auch-bei-nur-gerinfuegigem-lackschaden-am-neuwagen_208_384178.html
Timestamp: 2020-04-01 21:47:24
Document Index: 312456313

Matched Legal Cases: ['BGH', 'BGH', '§ 273', '§ 320', '§ 433', '§ 433']

ZBR auch bei nur gerinfügigem Lackschaden am Neuwagen | Recht | Haufe
News 04.11.2016 Käuferrechte
Bild: Michael Bamberger Abnahme des Neuwagens bei geringfügigem Lackschaden zu recht verweigert?
Der Käufer eines Neufahrzeugs kann die Abnahme auch dann verweigern, wenn dieses bloß einen geringfügigen, behebbaren Sachmangel aufweist. Der Verkäufer ist verpflichtet, diesen auf eigene Kosten und auf eigenes Risiko zu beheben, so der Bundesgerichtshof in einer aktuellen Entscheidung.
Der Beklagte hatte bei der Händlerin im Januar 2013 einen neuen PKW der Marke Fiat zum Preis von knapp 21.500 € bestellt. Bei der vertragsgemäßen Auslieferung an den Käufer durch die Spedition wies das Fahrzeug einen geringfügigen Lackschaden auf. Im Lieferschein war vermerkt, dass an der Fahrertür eine kleine Delle vorhanden wäre und die Klägerin für die Kosten der Ausbesserung aufkommen würde. Der Beklagte wies jedoch das Fahrzeug zurück und erklärte, dass er den Kaufpreis nicht bezahlen werde. Die Klägerin wiederum verlangte den vollständigen Kaufpreis und argumentierte, es liege nur ein Bagatellschaden vor.
Käufer verweigerte Abnahme wegen des Lackschadens
Daraufhin sendete der Käufer der Klägerin einen Kostenvoranschlag in Höhe von 528,30 € für die entstehenden Lackierarbeiten zu. Hieran wollte sie sich jedoch nur mit maximal 300 € ohne Anerkennung einer Rechtspflicht beteiligen. Nachdem sich die Parteien nicht einig wurden, holte die Klägerin das Auto wieder ab, behob den Lackschaden und lieferte das Fahrzeug im Oktober 2013 wieder aus. Der Beklagte nahm nun das Fahrzeug ab und zahlte den Kaufpreis, weigerte sich jedoch, die in Rechnung gestellten „Standgebühren“ sowie die Kosten für Rückholung und Wiederauslieferung in Höhe von knapp 1.200 € zu bezahlen.
Auch bei bloß geringfügigem Sachmangel: Abnahme zu Recht verweigert
Der BGH hat nun wie die Vorinstanzen entschieden, dass der Käufer auch bei geringfügigen behebbaren Mängeln grundsätzlich nicht verpflichtet ist, den Kaufpreis zu bezahlen bzw. das Fahrzeug abzunehmen. Zwar könnte ein solches Zurückbehaltungsrecht unter besonderen Umständen im Ausnahmefall ausgeschlossen sein, vorliegend sei ein solcher aber nicht gegeben. Die Klägerin habe nicht einmal angeboten, den Schaden selbst zu beheben, sondern sich lediglich zur Kostenübernahme bereit erklärt, so dass der Käufer das Risiko der Werkstattkosten einschließlich eines etwaigen unsachgemäßen Arbeitens der Werkstatt getragen hätte. Es sei jedoch die Pflicht der Verkäuferin gewesen, einen Reparaturauftrag auf eigenes Risiko und eigene Kosten zu erteilen. Zudem handelte es sich bei den von der Verkäuferin geltend gemachten Kosten um Kosten, welche die Klägerin ohnehin aufgrund ihrer Pflicht zur ordnungsgemäßen Erfüllung des Kaufvertrages hätte tragen müssen.
(BGH, Urteil v. 26.10.2016, III ZR 211/15)
Gewährleistung: Wann kann der Käufer zwischen Reparatur und Neulieferung wählen?
Bei einem Sachmangel kann der Käufer zwischen Reparatur und Neulieferung wählen. Er ist dabei nicht an sein erstes Nacherfüllungsverlangen gebunden, sondern kann sich vor Erfüllung noch die andere Art der Nachbesserung aussuchen. Diese starke Position des Käufers kann vertraglich abgeschwächt werden.
zfs 4/2017, Zurückbehaltungsrecht des Käufers bei Lieferung eines Neuwagens mit geringfügigen Lackschäden
BGB § 273 Abs. 1 § 320 Abs. 1 § 433 Abs. 1 S. 2 Leitsatz Im Hinblick auf die Verpflichtung des Verkäufers zur Verschaffung einer von Sach- und Rechtsmängeln freien Sache (§ 433 Abs. 1 S. 2 BGB) ist der Käufer bei behebbaren Mängeln, auch wenn sie geringfügig ...