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Timestamp: 2019-01-21 19:12:36
Document Index: 276803096

Matched Legal Cases: ['§ 3', '§ 9', '§ 9', '§ 9', '§ 9', '§ 9', '§ 3', '§ 19', '§ 9']

§ 3 Nr. 32 EStG
R 9.10 LStR
Aufwendungen, die Arbeitnehmern für Fahrten zwischen Wohnung und regelmäßiger Arbeitsstätte bzw. ab 2014 erster Tätigkeitsstätte entstehen, sind gem. § 9 Abs. 1 Satz 3 Nr. 4 EStG in eingeschränktem Umfang als Werbungskosten abzugsfähig. Die Aufwendungen werden über die verkehrsmittelunabhängige Entfernungspauschale berücksichtigt.
Eine Fahrt i.S.d. § 9 Abs. 1 Satz 3 Nr. 4 EStG i.V.m. § 9 Abs. 2 EStG liegt daher nur vor, wenn sie sowohl die Wohnung als auch die regelmäßige Arbeitsstätte bzw. erste Tätigkeitsstätte des Arbeitnehmers berührt.
Verfügt der Arbeitnehmer über mehrere Wohnungen, so sind die Fahrten von der weiter entfernten Wohnung nur abzugsfähig, wenn der Arbeitnehmer dort als Verheirateter seinen Familienwohnsitz oder als Lediger den Mittelpunkt seiner Lebensinteressen, d.h. die überwiegenden persönlichen Bindungen (BFH, 13.12.1985 - VI R 7/83, BStBl II 1986, 221) hat und mindestens 6 Fahrten im Jahr von dieser Wohnung zur Arbeitsstätte unternimmt (BFH, 10.11.1978 - VI R 21/76, BStBl II 1979, 219; R 9.10 Abs. 1 Satz 5 LStR).
M aus Hamburg hat vor Jahren eine Arbeitsstelle in München angenommen und dort auch eine Wohnung gemietet. Gleichzeitig hat er seine Wohnung in Hamburg behalten, da dort seine Eltern, Geschwister, Freunde und Bekannte wohnen und er in mehreren Vereinen ehrenamtlich tätig ist. M fährt alle 2-3 Wochen über das Wochenende nach Hamburg und verbringt dort auch den überwiegenden Teil seines Urlaubs.
Die Fahrten des M von seiner Münchener Wohnung zur Arbeitsstelle sind ohne Zweifel abzugsfähig. Da er aufgrund der persönlichen Bindungen offensichtlich seinen Lebensmittelpunkt weiter in Hamburg hat, sind auch die gelegentlichen Fahrten von Hamburg zurück zu seiner Arbeitsstelle nach München abzugsfähig.
Die Aufwendungen des Arbeitnehmers für die Wege zwischen Wohnung und regelmäßiger Arbeitsstätte bzw. erster Tätigkeitsstätte werden pauschal abgegolten. Vgl. hierzu Entfernungspauschale.
Neben der Entfernungspauschale können keine (atypischen) weiteren Fahrten zwischen Wohnung und regelmäßiger Arbeitsstätte bzw. erster Tätigkeitsstätte berücksichtigt werden, z.B. bei Lehrern für zusätzliche Fahrten. Das BVerfG hat durch Beschluss v. 26.10.2005 - 2 BvR 2085/03 einen entsprechenden Fall nicht zur Entscheidung angenommen ("Opernsängerfall": BFH, 11.09.2003 - VI B 101/03). Wegen der Besonderheiten bei Behinderten siehe Ausführungen unter Gliederungspunkt 4.
Die Entfernungspauschale wird auf die einfache Entfernung zwischen Wohnung und Arbeit angewendet. Die Pauschbeträge sind zwingend anzusetzen, auch wenn die tatsächlichen Kosten des Fahrzeugs höher oder niedriger sind. Wegen der Besonderheiten bei behinderten Arbeitnehmern siehe unten.
Nutzt der Arbeitnehmer einen Firmenwagen und versteuert den geldwerten Vorteil für die Fahrten zur Arbeit, kann er im Gegenzug dafür im Rahmen seiner Einkommensteuerveranlagung hierfür Werbungskosten mit der Entfernungspauschale geltend machen. Der Werbungskostenabzug ist in diesem Fall nicht von der Höhe des geldwerten Vorteils für Fahrten zwischen Wohnung und Arbeitsstätte (0,03 %-Methode) abhängig.
Er ist auch dann ungekürzt möglich, wenn die ermittelten Werbungskosten höher sind als der versteuerte Nutzungswert. Eine solche Differenz ergibt sich z.B., wenn der Arbeitnehmer eine überdurchschnittlich hohe Zahl von Fahrten zwischen Wohnung und Arbeit durchführt oder einen Firmenwagen mit vergleichsweise niedrigen Anschaffungskosten nutzt.
Maßgebend für die Berechnung der Entfernung zwischen Wohnung und regelmäßiger Arbeitsstätte bzw. erster Tätigkeitsstätte ist grds. die kürzeste benutzbare Straßenverbindung; dies gilt für sämtliche Verkehrsmittel. Eine längere Strecke kann ausnahmsweise dann zugrunde gelegt werden, wenn sie offensichtlich verkehrsgünstiger ist und vom Arbeitnehmer regelmäßig für die Fahrten zwischen Wohnung und Arbeitsstätte genutzt wird. Es gelten die Grundsätze des BMF, 03.01.2013 - IV C 5 - S 2351/09/10002, ersetzt ab 2014 durch BMF, 31.10.2013 - IV C 5 - S 2351/09/10002:002.
In all diesen Fällen kann von einer verkehrsgünstigeren Verbindung ausgegangen werden, wenn sie zu einer Zeitersparnis führt oder wegen des Straßenzustandes und des Verkehrsaufkommens auf der kürzeren Strecke verkehrssicherer ist (BFH, 16.11.2011 - VI R 19/11 (BStBl II 2012, 520) und BFH, 16.11.2011 - VI R 46/10 (BStBl II 2012, 470).
Ab 2014 wird für ständige Fahrten zu einem vom Arbeitgeber vorgegeben Stelle nur der Ansatz der Entfernungspauschale zugelassen. Hat ein Arbeitnehmer keine erste Tätigkeitsstätte, hat er aber nach den dienst- oder arbeitsrechtlichen Festlegungen sowie den diese ausfüllenden Absprachen und Weisungen zur Aufnahme seiner beruflichen Tätigkeit dauerhaft denselben Ort typischerweise arbeitstäglich aufzusuchen, sind die Aufwendungen für die Fahrten von der Wohnung zu diesem Ort gemäß § 9 Abs. 1 Satz 3 Nr. 4a Satz 3 EStG lediglich mit der Entfernungspauschale zu berücksichtigen. Dasselbe gilt für Fahrten zu einer weiträumigen Tätigkeitsstätte.
Zu der steuerfreien Erstattung von Fahrtkosten als Reisekosten siehe auch Fahrtätigkeit, Doppelte Haushaltsführung bzw. Auswärtstätigkeit.
Für den Abzug der Fahrtkosten als Reisekosten im Rahmen einer Auswärtstätigkeit findet sich ab 2014 erstmals in § 9 Absatz 1 Satz 3 Nr. 4a EStG eine gesetzliche Grundlage. Bei beruflich veranlassten Fahrten, die nicht Fahrten zwischen Wohnung und erster Tätigkeitsstätte oder Familienheimfahrten sind, können die Fahrtkosten mit den tatsächlich entstandenen Aufwendungen berücksichtigt werden.
Der pauschal berücksichtigungsfähige Kilometersatz entspricht dabei dem für das jeweils benutzte Beförderungsmittel als höchste Wegstreckenentschädigung nach dem Bundesreisekostengesetz festgesetzten Betrag. Wird der pauschale Kilometersatz angesetzt, ist eine Prüfung der tatsächlichen Kilometerkosten entbehrlich. Bei der Nutzung eines Kfz können dabei bis 2013 und auch ab 2014 0,30 Euro je gefahrenen Kilometer steuerfrei berücksichtigt werden.
Fahrzeug Pauschaler Kilometersatz
(EUR pro gefahrenen km) bis 2013 Pauschaler Kilometersatz
(EEU pro gefahrenen km) ab 2014
Für Fahrten zwischen Wohnung und regelmäßiger Arbeitsstätte bzw. erster Tätigkeitsstätte gilt Folgendes:
Steuerfrei sind Vergütungen nur dann, wenn es sich ausnahmsweise um Reisekosten oder Familienheimfahrten im Rahmen einer beruflich veranlassten doppelten Haushaltsführung handelt. Steuerfreiheit besteht außerdem dann, wenn der Arbeitgeber ein Fahrzeug für die Sammelbeförderung seiner Arbeitnehmer zwischen Wohnung und Arbeitsstätte zur Verfügung stellt (§ 3 Nr. 32 EStG). Einzelheiten regelt R 3.32 LStR.
bei Fahrten zur regelmäßigen Arbeitsstätte bzw. ersten Tätigkeitsstätte
bei doppelter Haushaltsführung: Fahrten zwischen Zweitwohnung und Arbeitsstelle sowie zusätzliche Familienheimfahrten.
Die Pauschalierung der Lohnsteuer auf den Fahrtkostenersatz empfiehlt sich nur, wenn der Arbeitnehmer nicht bereits aus anderen Gründen den Arbeitnehmer-Pauschbetrag von 1.000 EUR erreicht oder durch die Pauschalierung Sozialversicherungsbeiträge eingespart werden. Die Pauschalierung führt insbesondere bei Arbeitnehmern mit Arbeitslöhnen über den Beitragsbemessungsgrenzen der Sozialversicherung und hohen anderen Werbungskosten zu unnötigen Steuerbelastungen auf Seiten des Arbeitgebers.
individuelle Besteuerung pauschale Besteuerung
= steuerpflichtige Einkünfte 48.700 EUR 48.700 EUR
lfd. Arbeitslohn 50.000 EUR 50.000 EUR
+ Fahrgelderstattung 1.800 EUR
––––––- ––––––-
= Einnahmen i.S.d. § 19 EStG 51.800 EUR 50.000 EUR
- übrige Werbungskosten 1.300 EUR 1.300 EUR
- Fahrtkosten 1.800 EUR
können für Fahrten zwischen Wohnung und regelmäßiger Arbeitsstätte bzw. erster Tätigkeitsstätte statt der Entfernungspauschale die tatsächlichen Kosten für das benutzte Fahrzeug als Werbungskosten geltend machen.
2002 bis 2013* ab 2014*
Pkw, Kombi, etc 0,60 EUR 0,60 EUR
Motorrad / Motorroller 0,26 EUR 0,40 EUR
Moped / Mofa 0,16 EUR 0,40 EUR
Fahrrad 0,10 EUR * 0,00 EUR
Neben diesen Pauschbeträgen können ausnahmsweise auch die Parkgebühren als Werbungskosten berücksichtigt werden. Dasselbe gilt für Straßenbenutzungsgebühren und Schadensersatzleistungen infolge von Verkehrsunfällen auf dem Weg zur Arbeit oder zurück.
Aufwendungen für den behindertengerechten Umbau eines Fahrzeugs sind bei der Ermittlung der tatsächlichen PKW-Kosten (hier: AfA) für Fahrten zwischen Wohnung und Arbeitsstätte gem. § 9 Abs. 2 Satz 3 EStG nur abzüglich eines gewährten Zuschusses anzusetzen (BFH, 14.06.2012 - VI R 89/10).
EntfernungspauschaleFahrgemeinschaftFamilienheimfahrtFirmenwagen