Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Text=DStR%202005,%201686
Timestamp: 2019-12-16 01:53:57
Document Index: 215970103

Matched Legal Cases: ['§ 36', '§ 37', '§ 36', '§ 37', '§ 36', '§ 37', 'BGH', '§ 36', '§ 34', '§ 34', '§ 34', '§ 52', 'Art. 14', '§ 37', 'Art. 14', 'Art. 14', '§ 30', 'BGH']

BFH, 31.05.2005 - I R 107/04 - dejure.org
https://dejure.org/2005,1011
BFH, 31.05.2005 - I R 107/04 (https://dejure.org/2005,1011)
BFH, Entscheidung vom 31.05.2005 - I R 107/04 (https://dejure.org/2005,1011)
BFH, Entscheidung vom 31. Mai 2005 - I R 107/04 (https://dejure.org/2005,1011)
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KStG n. F. § 36, § 37
KStG n.F. § 36, § 37
KStG (n.F.) § 36 § 37
Verfassungsmäßigkeit der körperschaftsteuerrechtlichen Umgliederungsregelungen beim Übergang vom Anrechnungs- zum Halbeinkünfteverfahren
Körperschaftsteuerrechtliche Umgliederungsvorschriften
Vereinbarkeit der körperschaftsteuerrechtlichen Umgliederungsregelungen im Zusammenhang mit dem Übergang vom Anrechnungsverfahren zum Halbeinkünfteverfahren mit dem Grundgesetz; Ermittlung der Endbestände der Teilbeträge des verwendbaren Eigenkapitals; Gründe für eine ...
Kurznachricht zu "Anmerkung zum Urteil des BGH vom 31.05.2005, Az.: I R 107/04 (Körperschaftsteuerrechtliche Umgliederungsvorschriften sind verfassungsgemäß)" von RA Dr. Burkhard Binnewies, FASteuerR, original erschienen in: GmbHR 2005, 1446 - 1451.
BFHE 210, 256
BB 2005, 2229
BStBl II 2005, 884
DStR 2005, 1686
In dem Verfahren über die Verfassungsbeschwerde der P ... AG - Bevollmächtigte: Rechtsanwälte Berthold Goerdeler, Martin Schnurr, c/o Bayerische Treuhandgesellschaft AG, Ganghoferstraße 29, 80339 München und Rechtsanwalt Hans-Jochen Gutike, c/o Deutsche Treuhand-Gesellschaft AG, Marie-Curie-Straße 30, 60439 Frankfurt - 1. unmittelbar gegen a) das Urteil des Bundesfinanzhofs vom 31. Mai 2005 - I R 107/04 -, b) den Gerichtsbescheid des Finanzgerichts München vom 9. September 2004 - 7 K 2991/03 -, c) den Feststellungsbescheid des Finanzamts München für Körperschaften vom 31. März 2004 - Steuernummer: ... -, 2. mittelbar gegen § 36 Abs. 3 und 4 KStG in der Fassung des Steuersenkungsgesetzes vom 23. Oktober 2000 (BGBl I Seite 1433) hat das Bundesverfassungsgericht - Erster Senat - unter Mitwirkung der Richterin und Richter Präsident Papier, Hohmann-Dennhardt, Bryde, Gaier, Eichberger, Schluckebier, Kirchhof, Masing am 17. November 2009 beschlossen:.
Das Urteil des Bundesfinanzhofs vom 31. Mai 2005 - I R 107/04 -, der Gerichtsbescheid des Finanzgerichts München vom 9. September 2004 - 7 K 2991/03 - und der Feststellungsbescheid des Finanzamts München für Körperschaften vom 31. März 2004 - Steuernummer 802/32110 - verletzen die Beschwerdeführerin in Artikel 3 Absatz 1 des Grundgesetzes.
Die Revision wurde vom Bundesfinanzhof als unbegründet zurückgewiesen (BFHE 210, 256).
Im Übrigen ist daran zu erinnern, dass die erwünschte und zur Vermeidung von Vermögensnachteilen sogar gebotene (vgl. Senatsurteil in BFHE 210, 256, BStBl II 2005, 884) "Mobilisierung" der Körperschaftsteuerguthaben sich gemeinhin nur erreichen ließ, wenn genügend Liquidität vorhanden war.
Unter bestimmten Voraussetzungen - je nach der Struktur des Eigenkapitals der Körperschaft und der persönlichen Steuersituation des Ausschüttungsempfängers - war das alte Körperschaftsteuerrecht für die Gesellschafter günstiger als das neue Recht (vgl. im Einzelnen BFH DStR 2005, 1686, 1687).
(1) Obwohl bei kalendergleichem Wirtschaftsjahr das KStG n.F. für die Kapitalgesellschaft bereits ab dem Veranlagungszeitraum 2001 gilt (§ 34 Abs. 1 KStG i.d.F. des StSenkG 2001/2002), ist das Anrechnungsverfahren bei offenen Gewinnausschüttungen des Veranlagungszeitraums 2001 für abgelaufene Wirtschaftsjahre (2000 und früher) sowohl auf der Stufe der Kapitalgesellschaft (§ 34 Abs. 10 a Satz 1 Nr. 1 KStG i.d.F. des StSenkG 2001/2002; heute: § 34 Abs. 12, Satz 1 Nr. 1 KStG; dazu --einschließlich der Möglichkeit sog. Leerausschüttungen-- BFH-Urteil vom 31. Mai 2005 I R 107/04, BFHE 210, 256, BStBl II 2005, 884) als auch auf der Stufe des Anteilseigners noch anzuwenden (§§ 52 Abs. 4 a Nr. 1, 36 und 50b EStG i.d.F. des StSenkG 2001/2002; s. hierzu BRDrucks 90/00, S. 185, 171 f.).
Zudem stellt sich vom Zeitpunkt des Gesetzesbeschlusses an ein etwa bestehendes Vertrauen des Betroffenen auf das (noch) geltende, aber nach dem Gesetzesbeschluss rückwirkend zu ändernde Recht letztlich als Vertrauen in den unveränderten Fortbestand dieses Rechts dar, das verfassungsrechtlich nicht geschützt ist (BVerfG-Urteil vom 5. Februar 2004 2 BvR 2029/01, BVerfGE 109, 133, 180 f.; Senatsurteil vom 31. Mai 2005 I R 107/04, BFHE 210, 256, BStBl II 2005, 884, m.w.N.).
Dem könnte entgegenstehen, dass das Vertrauen des Steuerpflichtigen auf den unveränderten Fortbestand des geltenden Rechts verfassungsrechtlich nicht geschützt ist (BVerfG-Beschlüsse vom 28. November 1984 1 BvR 1157/82, BVerfGE 68, 287, 307, BStBl II 1985, 181; in BVerfGE 105, 17; Senatsurteile vom 31. Mai 2005 I R 107/04, BFHE 210, 256, BStBl II 2005, 884;… in BFH/NV 2007, 616).
Unabhängig davon, ob das auf den Regelungen des Anrechnungsverfahrens beruhende "Körperschaftsteuerminderungspotential" als verfassungsrechtlich geschützte Eigentumsposition i.S. des Art. 14 Abs. 1 Satz 1 GG anzusehen ist (offenlassend auch Senatsurteil vom 31. Mai 2005 I R 107/04, BFHE 210, 256, BStBl II 2005, 884), läge in der Regelung des § 37 KStG 1999 n.F. aus den vorgenannten Gründen jedenfalls eine verfassungsrechtlich zulässige Bestimmung der Schranken jenes Eigentumsrechts i.S. des Art. 14 Abs. 1 Satz 2 GG.
Daraus kann ein Verstoß gegen den Gleichheitssatz aber schon deshalb nicht abgeleitet werden, weil die konkreten Auswirkungen einer Übergangsregelung stets von den individuellen Rahmendaten der betroffenen Unternehmen abhängen und der Gesetzgeber nicht verpflichtet ist, Unternehmen ohne für Ausschüttungen ausreichendes Eigenkapital ebenso wie Unternehmen mit ausreichender Eigenkapitalausstattung zu behandeln (Senatsurteil vom 31. Mai 2005 I R 107/04, BFHE 210, 256, 264, BStBl II 2005, 884, 888).
Insoweit muss erneut nicht näher erörtert werden, ob das in belastetem vEK angelegte "Körperschaftsteuerminderungspotential" dem Eigentumsbegriff des Art. 14 GG unterfällt (ebenso schon Senatsurteil in BFHE 210, 256, 260, BStBl II 2005, 884, 886; BVerfG-Beschluss in BVerfGE 125, 1, dort unter A.III.3.3. Abs.).
Es trifft zwar zu, dass der Senat die gesetzlichen Vorschriften zur Umgliederung des verwendbaren Eigenkapitals i.S. des § 30 KStG 1999 u.a. deshalb für mit dem Grundgesetz vereinbar erachtet hat, weil die davon betroffenen Unternehmen ihnen hierdurch drohende Nachteile durch rechtzeitige Gestaltungsmaßnahmen abwenden konnten (Senatsurteil vom 31. Mai 2005 I R 107/04, BFHE 210, 256, BStBl II 2005, 884).
Dabei hat er aber darauf hingewiesen, dass der Gesetzgeber bei der Systemumstellung nicht alle denkbaren Fallgestaltungen berücksichtigen musste, sondern sich am Regelfall orientieren durfte; dieser ist in dem hier interessierenden Bereich dadurch gekennzeichnet, dass ein steuerrechtlich ausgewiesenes Eigenkapital auch handelsrechtlich vorhanden ist oder kurzfristig beschafft werden kann (Senatsurteil in BFHE 210, 256, 262, BStBl II 2005, 884, 887).
Gerade weil die Steuerpflichtigen die Möglichkeit gehabt hätten, durch entsprechende Ausschüttungen in 2000 und 2001 den Verlust von Anrechnungspotential zu verhindern, sei nach dem BFH-Urteil vom 31. Mai 2005 I R 107/04 (BStBl II 2005, 884) der vom Gesetzgeber herbeigeführte Systemwechsel verfassungsrechtlich nicht zu beanstanden.
Die Möglichkeiten sind sämtlich im Anrechnungssystem angelegt und seitens des BFH wiederholt unbeanstandet geblieben (zum sog. Leg-ein-Hol-zurück-Verfahren BFH-Urteil vom 8. August 2001 I R 25/00, BStBl II 2003, 923 sowie -ausdrücklich als probate und kautelarjuristisch sogar gebotene Ausweggestaltung zur Vermeidung von Vermögensnachteilen - BFH-Urteil vom 31. Mai 2005 I R 107/04, BStBl II 2005, 884, sowie zur sog. Anteilsrotation-aus Sicht der Gesellschaft - BFH-Urteile vom 23. Oktober 1996 I R 55/95 BStBl II 1998, 90; vom 18. Juli 2001 I R 48/97, DStR 2001, 1883 mit Anm. Gosch und-aus Sicht des Gesellschafters - BFH-Urteil vom 19. August 2003 VIII R 44/01, DStR 2004, 948 sowie BFH-Urteil vom 28. Juni 2006 I R 97/05, DStR 2006, 1938 zum sog. Rücklagenmanagement).
Eben diese Möglichkeit der Ausweggestaltung hat dazu geführt, dass die Umstellung zum Halbeinkünfteverfahren als mit dem Grundgesetz vereinbar anzusehen ist (Einzelheiten s. BFH in BStBl II 2005, 884).
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