Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Gericht=BVerwG&Datum=18.05.1995&Aktenzeichen=4%20C%2020.94
Timestamp: 2019-05-24 16:02:12
Document Index: 309254009

Matched Legal Cases: ['Art. 103', '§ 108', '§ 108', '§ 15', '§ 22', '§ 22', '§ 15', 'Art. 14', '§ 22', '§ 3', '§ 15', '§ 4', '§ 4']

BVerwG, 18.05.1995 - 4 C 20.94 - dejure.org
https://dejure.org/1995,14
BVerwG, 18.05.1995 - 4 C 20.94 (https://dejure.org/1995,14)
BVerwG, Entscheidung vom 18.05.1995 - 4 C 20.94 (https://dejure.org/1995,14)
BVerwG, Entscheidung vom 18. Mai 1995 - 4 C 20.94 (https://dejure.org/1995,14)
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Baurechtlicher Nachbarschutz - Allgemeines Wohngebiet - Wohngebietsverträgliche gewerbliche Nutzung - Bestandsschutz - Betriebsunterbrechung - Gewerbliche Immissionen - Zumutbarkeit - Faktische Vorbelastung - Interessenabwägung - Wahrung gesunder Wohnverhältnisse - Immissionsschutzrechtliche Betreiberpflichten
Autolackiererei in einer Wohngegend
Baurecht; wohngebietsverträgliche gewerbliche Nutzung
Autolackiererei im allgemeinen Wohngebiet? (IBR 1996, 73)
VG Regensburg, 23.11.1992 - RO 8 K 91.2099
VGH Bayern, 18.04.1994 - 2 B 92.3691
BVerwGE 98, 235
NJW 1996, 1769 (Ls.)
NVwZ 1996, 379
DVBl 1996, 250
DVBl 1996, 40
DÖV 1996, 42
BauR 1995, 807
ZfBR 1995, 316
Da das Oberverwaltungsgericht das gegenteilige Vorbringen der Klägerin entweder nicht zur Kenntnis genommen oder zumindest nicht in Erwägung gezogen hat, hat es ihr das rechtliche Gehör vorenthalten (Art. 103 Abs. 1 GG, § 108 Abs. 2 VwGO); zugleich hat es seine Pflicht zur ordnungsgemäßen Begründung seiner Entscheidung (§ 108 Abs. 1 Satz 2 VwGO) verletzt (vgl. Urteil vom 18. Mai 1995 - BVerwG 4 C 20.94 - Buchholz 406.12 § 15 BauNVO Nr. 25).
Die dem zur Rücksichtnahme verpflichteten Kläger insoweit zumutbaren Maßnahmen bestimmen sich nach § 22 Abs. 1 Satz 1 BImSchG (Urteil vom 18. Mai 1995 - BVerwG 4 C 20.94 - BVerwGE 98, 235 m.w.N).
Auf die bestandskräftige Genehmigung seines Betriebs kann sich der Kläger gegenüber seinen dynamisch angelegten Grundpflichten aus § 22 Abs. 1 Satz 1 BImSchG nicht berufen (vgl. Urteil vom 18. Mai 1995 a.a.O).
2.1 Wie der Senat in seinem Urteil vom 18. Mai 1995 BVerwG 4 C 20.94 (BVerwGE 98, 235 Autolackierei) ausgeführt hat, stellt sich § 15 Abs. 1 Satz 2, 2. Alt. BauNVO als eine besondere Ausprägung des Rücksichtnahmegebots und als eine zulässige Bestimmung des Eigentumsinhalts (Art. 14 Abs. 1 Satz 2 GG) dar.
Ist die Grundstücksnutzung aufgrund der konkreten örtlichen Gegebenheiten mit einer spezifischen gegenseitigen Pflicht zur Rücksichtnahme belastet, so führt dies nicht nur zu einer Pflichtigkeit desjenigen, der Immissionen verursacht, sondern auch zu einer Duldungspflicht desjenigen, der sich solchen Immissionen aussetzt (vgl. Urteil vom 18. Mai 1995, a.a.O., S. 243 m.w.N.).
Der erkennende Senat hat bereits mehrfach entschieden, daß das Bundesimmissionsschutzgesetz die Grenze der Zumutbarkeit von Umwelteinwirkungen für Nachbarn und damit das Maß der gebotenen Rücksichtnahme mit Wirkung auch für das Baurecht im Umfang seines Regelungsbereiches grundsätzlich allgemein festlegt (BVerwG, Urteil vom 30. September 1983 BVerwG 4 C 74.78 BVerwGE 68, 58 ; Urteil vom 30. September 1983 - BVerwG 4 C 18.80 - NJW 1984, 250; Urteil vom 18. Mai 1995 a.a.O., S. 246 m.w.N.).
3.1 Im Falle eines baurechtlich zulässigen Nebeneinanders von Wohnen und Sportanlage (hier: gemeindlicher Fußballplatz) können zunächst faktische Vorbelastungen dazu führen, daß dem Schutz des Wohnens ein geringerer Stellenwert zukommt und Beeinträchtigungen im weitergehenden Maße zumutbar sind als sie sonst in dem betreffenden Baugebiet hinzunehmen wären (vgl. BVerwG, Urteil vom 18. Mai 1995, a.a.O., S. 244 m.w.N.; vgl. auch Urteil vom 23. Mai 1991 BVerwG 7 C 19.90 BVerwGE 88, 210 m.w.N. zum Schießlärm eines Truppenübungsplatzes).
Die Grundpflichten aus § 22 Abs. 1 Satz 1 BImSchG i.V.m. § 3 der 18. BImSchV sind nicht nur im Zeitpunkt der Errichtung der Anlage, sondern in der gesamten Betriebsphase zu erfüllen (vgl. auch Senatsurteil vom 18. Mai 1995, a.a.O., S. 247).
vgl. BVerwG, Urteil vom 18. Mai 1995 - 4 C 20.94 -, BVerwGE 98, 235 = BRS 57 Nr. 67 = juris Rn. 21 (speziell zu § 15 Abs. 1 Satz 2 2. Alt. BauNVO), Beschlüsse vom 27. Dezember 1984 - 4 B 278.84 -, BRS 42 Nr. 183 = juris Rn. 2, Urteil vom 5. August 1983 - 4 C 96.79 -, BVerwGE 67, 334 = BRS 40 Nr. 48 = juris Rn. 26, Beschluss vom 11. Juli 1983 - 4 B 123.83 -, juris Rn. 15; OVG NRW, Beschlüsse vom 19. Januar 2009 - 10 B 1687/08 -, BRS 74 Nr. 29 = juris Rn. 27, vom 21. Dezember 2006 - 7 B 2193/06 -, BRS 70 Nr. 181 = juris Rn. 25, vom 21. Dezember 2006 - 10 B 2402/06 -, juris Rn. 13, und vom 21. Februar 2005 - 10 B 1269/04 -, BRS 69 Nr. 89 = juris Rn. 6 ff.
Nachdem der Kläger seinen Betrieb nach eigenem Bekunden - zuletzt ausdrücklich im Ortstermin am 20. Dezember 2010 - lediglich während der Tagzeit von 6 Uhr bis 22 Uhr unterhält - weswegen eine über diese Betriebszeiten hinausreichende Baugenehmigung im Übrigen zwischenzeitlich mangels Ausübung erloschen wäre -, vgl. dazu etwa BVerwG, Urteil vom 18. Mai 1995 - 4 C 20.94 -, BVerwGE 98, 235 = BRS 57 Nr. 67 = juris Rn. 15, kann es vorliegend hinsichtlich der Immissionsorte außerhalb des Gebäudes im Ansatz allein um die Einhaltung des Tagesrichtwerts von 55 dB(A) gehen.
Der Bauherr hat besondere Gründe dafür darzulegen, dass die Zerstörung des Gebäudes noch keinen als endgültig erscheinenden Zustand herbeigeführt hat (BVerwG, Urteil vom 18. Mai 1995 - BVerwG 4 C 20.94 -, BVerwGE 98, 235, juris Rn. 15).
Für den Bereich des § 4 BauNVO wäre dies beispielsweise der Fall, wenn das Vorhaben ein störender Gewerbebetrieb ist (vgl. BVerwG, Urteil vom 18. Mai 1995 - BVerwG 4 C 20.94 - BVerwGE 98, 235); denn ein derartiger Betrieb könnte auch durch Gewährung einer Ausnahme nach § 4 Abs. 3 BauNVO bauplanungsrechtlich nicht zugelassen werden.
VGH Bayern, 14.10.2014 - 12 BV 14.1629
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