Source: http://hartz.info/index.php?PHPSESSID=6lgdalfhco76laqr36m4upfffk&topic=106948.msg1218144
Timestamp: 2017-10-18 09:15:49
Document Index: 114295748

Matched Legal Cases: ['§ 15', '§ 55', '§ 15', '§ 15', '§ 15', '§ 15', '§ 59', '§ 15']

Hartz IV Forum - EinV mit unbefristetem Gültigkeitszeitraum
EinV mit unbefristetem Gültigkeitszeitraum (Begonnen von: oldhoefi)
Autor Thema: EinV mit unbefristetem Gültigkeitszeitraum (Gelesen 5740 mal)
EinV mit unbefristetem Gültigkeitszeitraum
« am: 16. Januar 2017, 14:14:54 »
Nachstehend eine Zusammenfassung aus diversen Threads, um die Verlinkung zu vereinfachen - wird bei Bedarf von mir laufend ergänzt.
BT-Drs 18/8041 Seite 37 --> https://www.juris.de/jportal/docs/news_anlage/nlsr/pdf/1808041.pdf
zusätzliche Infos --> http://hartz.info/index.php?topic=102986.msg1141824#msg1141824
Man beachte auch den darin enthaltenen Querverweis zu den Ausführungen von @Ottokar, die sich mit der „Fortschreibung“ einer EinV-Vertrag befassen.
Zitat von @Ottokar am 13.01.2017
"Die EinV kann unbefristet geschlossen werden, wenn in der EinV gesetzeskonform eine Überprüfung und Fortschreibung nach spätestens 6 Monaten vereinbart wird. So lese ich die Gesetzesbegründung sowie die FH der BA dazu.
Re: EinV mit unbefristetem Gültigkeitszeitraum
« Antwort #1 am: 16. Januar 2017, 16:13:48 »
« Antwort #2 am: 07. Februar 2017, 10:17:51 »
> EGV eines Bekannten erstellt am 22.08.2016 tragbar
> Folgegespräch zur o.g. EGV am 06.02.2017 = m. E. Fortschreibung / Anpassung
Danke an @ Oldhoefi für die präzisen Erklärungen & Aktualisierungen.
« Antwort #3 am: 18. Februar 2017, 14:50:22 »
§ 15 Abs. 3 SGB II regelt nach dem Neunten Gesetz zur Änderung des Zweiten Buches Sozialgesetzbuch - Rechtsvereinfachung - sowie zur vorübergehenden Aussetzung der Insolvenzantragspflicht vom 26.07.2016 (BGBl I 2016, 1824) die Pflicht des Leistungsträgers, die Eingliederungsvereinbarung regelmäßig, spätestens jedoch nach Ablauf von sechs Monaten, gemeinsam zu überprüfen und fortzuschreiben. Dabei sind bei jeder folgenden Eingliederungsvereinbarung die bisher gewonnenen Erfahrungen zu berücksichtigen. Abweichend zur Vorgängerregelung ist die Laufzeit der Eingliederungsvereinbarungen nun nicht mehr regelhaft auf sechs Monate festgelegt, sondern der späteste Zeitpunkt für eine Überprüfung (und ggf. Modifizierung) der Vereinbarung. Hierdurch soll auch unterstrichen und hervorgehoben werden, dass die Eingliederungsvereinbarung das maßgebliche Werkzeug zur Planung und Gestaltung des Eingliederungsprozesses und zur Festlegung gegenseitiger Rechte und Pflichten ist (BT-Drs. 18/8041, S. 37).
Die Pflicht zur laufenden Aktualisierung der Eingliederungsvereinbarung stellt eine zentrale Vorgabe des Änderungsgesetzes dar. Dabei ist die bisherige Laufzeitvorgabe von sechs Monaten entfallen. Nach dem Willen des Gesetzgebers soll spätestens nach Ablauf von sechs Monaten eine Überprüfung und ggf. Anpassung der Eingliederungsvereinbarung erfolgen. Soweit wesentliche Änderungen vor Ablauf von sechs Monaten eintreten, muss die Überprüfung entsprechend früher vorgenommen werden. Das Gesetz sieht ausdrücklich vor, dass die Überprüfung und Fortschreibung der Eingliederungsvereinbarung gemeinsam erfolgen soll. Das ist folgerichtig und berücksichtigt den Vertragscharakter der Eingliederungsvereinbarung als unechter Austauschvertrag i.S.v. § 55 SGB X. Das bedeutet, dass die Überprüfung zusammen mit der erwerbsfähigen hilfebedürftigen Person zu erfolgen hat und zumindest ein entsprechendes Gespräch geführt werden muss. Ergibt sich die Notwendigkeit von Modifikationen oder zusätzlichen Regelungen, sind diese vertraglich ebenso zu vereinbaren wie die ursprüngliche Eingliederungsvereinbarung. Das beinhaltet die schriftliche Dokumentation der Änderungsregelungen. Im Gegensatz zur Vorgängerregelung ist jedoch keine Neufassung der Eingliederungsvereinbarung erforderlich, sondern diese soll immer weiter angepasst oder modifiziert werden.
(Sonnhoff in: Schlegel/Voelzke, jurisPK-SGB II, 4. Aufl. 2015, § 15, Rn. 141.1, 141.2)
Quelle --> http://hartz.info/index.php?topic=107440.msg1160121#msg1160121
Emule72
« Antwort #4 am: 07. Juni 2017, 18:09:05 »
Einfacher wird es nicht Ich finde das auch schon etwas komisch.
Reicht das dann wenn in der "unbefristeten EGV" auf § 15 SGB II hingewiesen wird, aber nirgends etwas von einer 6 Monatsfrist zur Überprüfung und Fortschreibung steht?
« Antwort #5 am: 09. Juni 2017, 00:54:08 »
Zitat von: Emule72 am 07. Juni 2017, 18:09:05
Die Beantwortung dieser Frage kann bereits aus dem Thread entnommen werden.
« Antwort #6 am: 09. Oktober 2017, 00:48:13 »
Die neue (unbefristete?) Eingliederungsvereinbarung
Mit dem am 1. August 2016 in Kraft getretenen Neunten Gesetz zur Änderung des Zweiten Buches Sozialgesetzbuch wurden auch die Regelungen zur Eingliederungsvereinbarung (EinV) überarbeitet. Im SGB II ist seither geregelt, dass eine EinV spätestens nach 6 Monaten fortgeschrieben werden soll.
Der Begriff Fortschreibung ist jedoch nicht definiert, weshalb die Bundesagentur für Arbeit (BA) die Rechtsauffassung vertritt, dass es nunmehr zulässig sei, eine EinV für mehr als 6 Monate oder gar unbefristet abzuschließen bzw. zu erlassen (vgl. Fachliche Weisungen der BA zu § 15 SGB II).
Die gesetzliche (Neu)Regelung findet sich in § 15 Abs. 3 SGB II. Betrachtet man Satz 1 dieser Regelung isoliert, steht dahinter scheinbar der Gedanke, dass die EinV i. S. d. § 59 Abs. 1 SGB X nur angepasst werden und trotz inhaltlicher Änderungen weiterbestehen soll, was zunächst die Auslegung der BA stützt.
Lies man jedoch weiter, erkennt man zwangsläufig, dass diese Auslegung mit Satz 2 dieser Regelung kollidiert, in welchem der Gesetzgeber weiterhin ausdrücklich von der jeweils „folgenden Eingliederungsvereinbarung“ ausgeht. Würde eine EinV unbefristet gelten, gäbe es keine „folgende“ EinV mehr. Stattdessen würde mit Beginn des Leistungsbezuges eine EinV abgeschlossen, die bis zum Ende des Leistungsbezuges gilt. In der Praxis würden die Regelungen des Satz 2 damit regelmäßig ins Leere gehen.
Auch die Gesetzesbegründung (BR-Drs 66/16, BT-Drs 18/8041) stützt die von der BA vertretene Rechtsauffassung nicht. Dort führt der Gesetzgeber unmissverständlich aus, dass er lediglich die bisherige starre Frist durch eine Höchstfrist von ebenfalls 6 Monaten ersetzen will, so das früher auf Änderungen im Eingliederungsprozesses reagiert werden kann.
Somit ergibt sich aus der Gesamtbetrachtung der gesetzlichen (Neu)Regelung und der Gesetzesbegründung unter Beachtung der Gesetzessystematik, dass lediglich die bisherige starre 6-Monatsfrist durch eine Höchstfrist von 6 Monaten ersetzt wurde, nach der - wie bisher - eine neue aktualisierte und angepasste EinV der bisherigen folgen soll.
Für die o. g. Rechtsauffassung der BA, die offensichtlich aus der isolierten und infolge dessen rechtsirrtümlichen Interpretation des Satz 1 dieser Regelung resultiert, ist hingegen kein Raum. (F. M.)
02.10.2017 / Zitat und Quelle --> http://www.gegen-hartz.de/nachrichtenueberhartziv/achtung-neue-eingliederungsvereinbarung.php
« Antwort #7 am: 11. Oktober 2017, 22:02:31 »
Ein Bayerische LSG Urteil aus München vom 13.06.2017 dazu (bis auf weiteres):
„Der Senat bezweifelt, dass diese Neuregelung für Eingliederungsvereinbarungen auch Eingliederungsverwaltungsakte gemäß § 15 Abs. 3 Satz 3 SGB II n.F. betrifft. Aus dem Wortlaut des Gesetzes und der Gesetzesbegründung ergeben sich hierfür keine Anhaltspunkte.
Quelle: L 16 AS 291/17 B ER
http://www.gesetze-bayern.de/Content/Document/Y-300-Z-BECKRS-B-2017-N-114692?hl=true --->> RZ 20