Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Gericht=BSG&Datum=18.01.2011&Aktenzeichen=B%204%20AS%2029/10%20R
Timestamp: 2019-11-13 19:52:10
Document Index: 99098566

Matched Legal Cases: ['§ 37', '§ 37', '§ 41', '§ 27', '§ 39', '§ 37', '§ 37', '§ 14', '§ 21', '§ 14', '§ 37', '§ 14', '§ 14', '§ 37', '§ 37', '§ 14', '§ 27', '§ 37', '§ 14', '§ 54', '§ 14', '§ 37', '§ 37', '§ 44', '§ 193', '§ 14', '§ 323', '§ 115']

BSG, 18.01.2011 - B 4 AS 29/10 R - dejure.org
https://dejure.org/2011,1955
BSG, 18.01.2011 - B 4 AS 29/10 R (https://dejure.org/2011,1955)
BSG, Entscheidung vom 18.01.2011 - B 4 AS 29/10 R (https://dejure.org/2011,1955)
BSG, Entscheidung vom 18. Januar 2011 - B 4 AS 29/10 R (https://dejure.org/2011,1955)
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Grundsicherung für Arbeitsuchende - Antragserfordernis - keine Fortwirkung des ursprünglichen Leistungsantrages - keine Wiedereinsetzung - Hinweis auf Folgeantrag - sozialrechtlicher Herstellungsanspruch
Grundsicherung für Arbeitsuchende; Antragserfordernis; keine Fortwirkung des ursprünglichen Leistungsantrages; keine Wiedereinsetzung in den vorigen Stand; Hinweis auf Folgeantrag; sozialrechtlicher Herstellungsanspruch
§ 37 Abs 1 SGB 2, § 37 Abs 2 S 1 SGB 2, § 41 SGB 2, § 27 Abs 1 S 1 SGB 10, § 39 SGB 10
SG Frankfurt - S 33 AS 1252/06
SG Frankfurt/Main, 09.06.2009 - S 33 AS 1252/06
SG Frankfurt/Main, 19.06.2009 - S 33 AS 1252/06
NJW 2011, 2907
NZS 2011, 913
NJ 2012, 172
Überwiegend wird in der Rechtsprechung der Instanzgerichte die Auffassung vertreten, dass es sich bei § 37 SGB II nicht um eine gesetzliche Frist handele (s nur LSG Baden-Württemberg Urteil vom 26.11.2008 - L 2 AS 6052/07; LSG Nordrhein-Westfalen Urteil vom 17.4.2008 - L 9 AS 69/07; Hessisches LSG Urteil vom 18.12.2009 - L 7 AS 413/09, anhängig beim BSG unter B 4 AS 29/10 R) .
Zwar kann es eine sich aus dem speziellen Sozialrechtsverhältnis des SGB II ergebende Pflicht des Grundsicherungsträgers sein, den Hilfebedürftigen vor dem Ablauf des letzten Bewilligungszeitraums über das Erfordernis eines Fortzahlungsantrags zu beraten (s hierzu Entscheidung des Senats vom selben Tag B 4 AS 29/10 R).
Nach der Rechtsprechung des erkennenden Senats gilt das Antragserfordernis nicht nur für das erstmalige Begehren der Leistungsgewährung, sondern ebenso im Fortzahlungsfalle (…, Urteil vom 18.1.2011 - B 4 AS 99/10 R - SozR 4-4200 § 37 Nr. 5; Urteil vom 18.1.2011 - B 4 AS 29/10 R, SozR 4-1200 § 14 Nr. 15;… so wohl auch BSG Urteil vom 24.2.2011 - B 14 AS 49/10 R, SozR 4-4200 § 21 Nr. 10 RdNr 20) .
Zwar kann es eine sich aus dem speziellen Sozialrechtsverhältnis des SGB II ergebende Pflicht des Grundsicherungsträgers sein, den Hilfebedürftigen vor dem Ablauf des letzten Bewilligungszeitraums über das Erfordernis eines Fortzahlungsantrags zu beraten (s hierzu Entscheidung des Senats vom 18.1.2011 - B 4 AS 29/10 R, SozR 4-1200 § 14 Nr. 15) .
Insoweit kommt es nicht mehr darauf an, dass es für die Bewilligung von Leistungen ab dem 1.6.2007 bereits an einem Fortzahlungsantrag fehlte (vgl § 37 Abs. 1 SGB II, hierzu jüngst BSG Urteile vom 18.1.2011 - B 4 AS 99/10 R und B 4 AS 29/10 R) .
Denn Voraussetzung des sozialrechtlichen Herstellungsanspruchs ist unter anderem, dass die Behörde eine ihr aufgrund Gesetzes oder aufgrund des Sozialrechtsverhältnisses obliegende Pflicht verletzt hat, insbesondere zur Auskunft und Beratung (BSG, Urteil vom 18.01.2011, B 4 AS 29/10 R, juris, Rn. 12;… Beschluss vom 16.12.2008, B 4 AS 77/08 B, juris, Rn. 8;… Urteil vom 31.10.2007, B 14/11b AS 63/06 R, juris, Rn. 13).
Für die Beratung gemäß § 14 Satz 1 SGB I ist zwar anerkannt, dass diese im Einzelfall auch ohne konkretes Ersuchen zu leisten ist (sog Spontanberatung, vgl nur BSG vom 18.1.2011 - B 4 AS 29/10 R - SozR 4-1200 § 14 Nr. 15 RdNr 14 mwN) .
Allerdings ist eine Spontanberatung erst geboten, wenn der Mitarbeiter eines Leistungsträgers anhand des konkreten Vorgangs Gestaltungsmöglichkeiten erkennen kann, die so offensichtlich zweckmäßig sind, dass ein verständiger Bürger sie mutmaßlich nutzen würde (BSG vom 18.1.2011, aaO) .
Die von dem Sozialgericht geäußerte Rechtsauffassung hat nunmehr mit Urteilen des 4. Senats des BSG vom 18.01.2011 (B 4 AS 99/10 R und B 4 AS 29/10 R, s. Terminbericht Nr. 1/11) ihre höchstrichterliche Bestätigung gefunden.
Ferner hat das BSG ausweislich des Terminberichts Nr. 1/11 in seinen Urteilen vom 18.01.2011 (B 4 AS 99/10 R und B 4 AS 29/10 R, letzteres mittlerweile im Volltext veröffentlicht, s. Juris) keinerlei verfassungsrechtliche Bedenken gegen die Regelung des § 37 SGB II artikuliert, sondern diese Vorschrift richtigerweise auch auf Folgeanträge erstreckt, was mit verfassungsrechtlichen Vorbehalten schlechterdings nicht zu vereinbaren wäre.
Die Rechtsfrage, ob § 37 Abs. 1 SGB II auch auf Folgeanträge bei vorausgegangenem Leistungsbezug Anwendung findet und dem Antrag auf Gewährung von Leistungen konstitutive Bedeutung zukommt, ist nunmehr höchstrichterlich mit den zitierten Urteilen des 4. Senats des BSG vom 18.01.2011 (B 4 AS 99/10 R und B 4 AS 29/10 R) entschieden.
Das unter dem Az. L 3 AS 310/10 geführte Verfahren ist im Hinblick auf das Revisionsverfahren beim Bundessozialgericht mit dem Az. B 4 AS 29/10 R mit Beschluss vom 26. November 2010 ruhend gestellt worden.
Das Antragserfordernis gilt nicht nur für das erstmalige Begehren der Leistungsgewährung, sondern ebenso im Fortzahlungsfalle (vgl. z. B. BSG, Urteil vom 18. Januar 2011, a. a. O., Rdnr. 15, m. w. N.; BSG, Urteil vom 18. Januar 2011 - B 4 AS 29/10 R = SozR 4-1200 § 14 Nr. 15 Rdnr. 11 = JURIS-Dokument Rdnr. 11.
Wiedereinsetzung in den vorigen Stand nach § 27 des Sozialgesetzbuches Zehntes Buch - Sozialverwaltungsverfahren und Sozialdatenschutz - (SGB X) kann den Klägern nicht gewährt werden (vgl. BSG…, Urteil vom 18. Januar 2011 - B 4 AS 99/10 R = SozR 4-4200 § 37 Nr. 5 Rdnr. 23 = JURIS-Dokument Rdnr. 23, m. w. N.; BSG, Urteil vom 18. Januar 2011 - B 4 AS 29/10 R = SozR 4-1200 § 14 Nr. 15 Rdnr. 11 = JURIS-Dokument Rdnr. 11).
Aus dem Schreiben ging auch nach dem Empfängerhorizont eines verständigen Beteiligten (vgl. BSG…, Urteil vom 6. April 2011 - B 4 AS 119/10 R - BSGE 108, 86 ff. Rdnr. 18 = SozR 4-1500 § 54 Nr. 21 Rdnr. 18 = JURIS-Dokument Rdnr. 18) in einer verständlichen Sprache und mit hinreichender Deutlichkeit hervor, dass im Falle des Fortbestehens der Hilfebedürftigkeit über den Bewilligungszeitraum hinaus Leistungen nur auf einen Fortzahlungsantrag hin und erst ab dem Zeitpunkt des Eingangs des Antrags beim Grundsicherungsträger zu gewähren sind (vgl. zu diesen Anforderungen: BSG, Urteil vom 18. Januar 2011 - B 4 AS 29/10 R = SozR 4-1200 § 14 Nr. 15 Rdnr. 15 = JURIS-Dokument Rdnr. 15).
Am 30. April 2008 hat der Kläger Klage vor dem Sozialgericht Hildesheim erhoben und im Laufe des Verfahrens unter Bezugnahme auf die Entscheidung des Bundessozialgerichts vom 18. Januar 2011 - B 4 AS 29/10 R - vorgetragen, der Beklagte habe auch im vorliegenden Fall seine Beratungspflicht verletzt, weil dieser ihn nicht in unmittelbarem Zusammenhang mit dem Ende des Bewilligungszeitraums auf die neue Antragstellung hingewiesen habe.
Es ist zwischenzeitlich nach früheren abweichenden instanzgerichtlichen Urteilen durch das Bundessozialgericht geklärt, dass - anders als früher im Recht der Arbeitslosenhilfe - nach Beendigung des Bewilligungszeitraums für die Weitergewährung von Leistungen gemäß § 37 Abs. 1 SGB II ein Fortzahlungsantrag erforderlich ist (BSG 18. Januar 2011 - B 4 AS 29/10 R -, SozR 4 - 4200 § 37 Nr. 5; BSG 18. Januar 2011 - B 4 AS 99/10 R -).
Dies folgt eindeutig aus dem Urteil des BSG vom 18. Januar 2011 - B 4 AS 29/10 R -.
Denn der Beklagte kann verpflichtet werden, den Antrag nach § 44 SGB X vom 31. Dezember 2010 als innerhalb des Vorverfahrens hinreichend konkretisiert und somit als zulässig zu behandeln (vgl. BSG, Urteil vom 18. Januar 2011, B 4 AS 29/10 R (16): wenn ein Weiterzahlungsantrag zu spät gestellt wird und dies kausal auf eine fehlerhafte Belehrung des Beklagten zurückzuführen ist, ist der Leistungsberechtigte so zu stellen, als wäre sein Antrag rechtzeitig gestellt worden).
LSG Sachsen, 13.06.2019 - L 3 AL 199/16
Anspruch eines privaten Arbeitsvermittlers auf Zahlung einer …
Schließlich muss der durch das pflichtwidrige Verwaltungshandeln eingetretene Nachteil durch eine zulässige Amtshandlung beseitigt werden können (vgl. BSG…, Urteil vom 20. Oktober 2010 - B 13 R 15/10 R - SozR 4-1500 § 193 Nr. 6 = juris, jeweils Rdnr. 39, m. w. N.; BSG, Urteil vom 18. Januar 2011 - B 4 AS 29/10 R - SozR 4-1200 § 14 Nr. 15 = juris, jeweils Rdnr. 12; m. w. N.; vgl. auch Sächs. LSG…, Urteil vom 12. Juli 2018 - L 3 AL 76/16 - info also 2019, 62 ff. = juris Rdnr. 44, m. w. N.;… Hassel, in: Brand, SGB III [8. Aufl., 2018], § 323 Anh Rdnr. 28, ff.).
LSG Berlin-Brandenburg, 31.08.2011 - L 19 AS 842/11
Einstweiliger Rechtsschutz - Beschwerdeverfahren - Beschränkung des Antrags auf …
LSG Berlin-Brandenburg, 12.07.2016 - L 2 R 172/12
Schaden durch verspätete Rentenantragstellung - Sinn und Zweck des § 115 Abs 6 …
LSG Sachsen, 04.05.2016 - L 3 AL 123/14
Abschluss eines Vermittlungsvertrages; Aktivierungs- und Vermittlungsgutschein; …
LSG Nordrhein-Westfalen, 27.03.2015 - L 14 R 122/13
Berechnung der Regelaltersrente (hier: Streit um die Berücksichtigung weiterer …
LSG Bayern, 02.06.2014 - L 7 AS 392/14
Grundsicherung, Arbeitsuchender, einstweiliger Rechtsschutz, Streitgegenstand, …
LSG Sachsen, 24.09.2015 - L 3 AL 175/13
Nichtbefassung mit dem Rechtsschutzbegehren des Klägers; Sozialgerichtliches …
LSG Sachsen, 12.07.2018 - L 3 AL 210/16
LSG Sachsen, 29.11.2018 - L 3 AS 170/18
LSG Bayern, 15.03.2013 - L 7 AS 71/13
Ein sozialrechtlicher Herstellungsanspruch kann - wenn dessen Voraussetzungen …
LSG Sachsen, 04.05.2016 - 3 AL 123/14
LSG Sachsen, 24.09.2015 - 3 AL 175/13
SG Kassel, 07.07.2016 - S 8 KR 75/15