Source: http://www2.lubw.baden-wuerttemberg.de/public/abt2/dokablage/oac_13/vo/4/84350000040.htm
Timestamp: 2018-12-11 19:11:14
Document Index: 170239747

Matched Legal Cases: ['§ 22', '§ 2', 'Art;\n5', 'Art;\n13', '§ 4', '§ 5', '§ 5']

4.35.040 Eiszeitliche Ränder des Argentals mit Argenaue
Verordnung des Landratsamtes Bodenseekreis über das Landschaftsschutzgebiet "Eiszeitliche Ränder des Argentals mit Argenaue" vom 16. Dezember 1997
Aufgrund der §§ 22, 58 Abs. 3 des Naturschutzgesetzes (NatSchG) in der Fassung vom 29. März 1995 (GB1. S.385) wird verordnet:
Die in § 2 näher bezeichneten Flächen auf dem Gebiet der Stadt Tettnang, Gemarkungen Tannau und Langnau, und der Gemeinden Kressbronn, Langenargen und Neukirch, jeweils Bodenseekreis, werden zum Landschaftsschutzgebiet erklärt. Das Landschaftsschutzgebiet führt die Bezeichnung "Eiszeitliche Ränder des Argentals mit Argenaue".
(1) Das Landschaftsschutzgebiet hat eine Größe von rund 1 621 ha.
Das Schutzgebiet besteht aus verschiedenen Teilflächen nordwestlich der Argen und einer Teilfläche südöstlich des Flusses.
Die Grenze der nordwestlichen Teile des Landschaftsschutzgebietes verläuft in Langenargen nordöstlich der Einmündung des Bleichweges in die Landesstraße (L) 334 beginnend, zunächst, die Bahnlinie querend, nach Norden, dann der Bahnlinie in Richtung Westen folgend zum Mühlkanal, welcher unter Ausgrenzung des Grundstücks Flst.Nr. 1673 bis zum Richtungswechsel seines Kanalbettes nach Osten die Grenze bildet. Bis zur Bundesstraße (B) 31 erstreckt sich nun die Grenze entlang der Kanalstraße und der Kreisstraße (K) 7706. Danach verläuft die Grenze in südöstlicher Richtung entlang der B 31 bis zum Mühlbach, von dort, östlich der Ortschaft Oberdorf unter Umfahrung des Sägewerkgeländes im Gewann "Untere Mittelwiesen" entlang des Mühlbaches bis zum Gewann "Obere Mittelwiesen" und weiter in westlicher Richtung, die K 7706 querend bis zum Gewann "Oberer Mittelesch", von dem sie sich Richtung Süden bis zur B 31 und dann entlang der Bundesstraße nach Westen bis zum Waldrand erstreckt. Dieser bildet nun bis "Mückle" die Landschaftsschutzgebietsgrenze. Von dort zieht sich die Grenze zur K 7706, dieser zunächst bis zum Gewann "Eschle" folgend, weiter entlang der Gemarkungsgrenze bis zum Reichenbühlweg. Dem dortigen Weg folgend erstreckt sich die Grenze bis ins Gewann "Oberesch". Von dort verläuft sie, sich in weiten Bereichen am flußbegleitenden Galeriewald orientierend, entlang der Argen in deren Fließrichtung zurück zur L 334.
In östlicher Richtung wird als weiterer Teilbereich das Gewann "Husarenplatz" in das Landschaftsschutzgebiet einbezogen.
Östlich des "Bollenbaches" verläuft die Grenze südlich von Laimnau durch die Gewanne "Auesch" und "Korlehen" zur K 7711. Diese bildet die Grenze bis zum Gewann "Lohenesch". Danach folgt die Schutzgebietsgrenze der Gemeindeverbindungsstraße nach Rappertsweiler bis zum Gewann '~ornach". Der Weiler "Wellmutsweiler" ist von der Verordnung ausgenommen. Vom Gewann "Dornach" verläuft die Grenze durch die Gewanne "Ebene", "Egg", "Unteresch", "Blasenberg", "Bachtobel", "Mittelesch", "Mühlbachs Einöde" und "Oberesch" zur L 331 und zur K 7778. Die Ortschaft "Steinenbach" ist vom Schutzgebiet ausgenommen. Weiter erstreckt sich die Grenze entlang der Kreisstraße unter südlicher Umfahrung der Ortschaft "Summerau" bis zum Gewann "Einöde von Liebenweiler". Neben diesem Gewann werden die Gewanne "Meßners Einöde" und "Kehlers Einöde" in das Schutzgebiet einbezogen. Im weiteren Verlauf zieht sich die Schutzgebietsgrenze, sich wiederum weitgehend am Galeriewald orientierend, entlang der "Argen" zurück zum "Bollenbach" in Laimnau, wobei der Weiler "Flunau" und der Bereich "Badhütten" vom Schutzgebiet ausgenommen sind.
Im weiteren Verlauf der Argen in nordöstlicher Richtung gehören das Gewann "Sack" und Teile des Gewanns "Schrunten" zum Landschaftsschutzgebiet. Des weiteren südlich von Goppertsweiler die Gewanne "Burg", "Vorderburg", "Unterer Brühl", "Burgstock", "Brühl", "Grichten" und "Bauerneinöde". Die Ortslage von Goppertsweiler und die Kläranlage Pflegelberg sind vom Schutzgebiet ausgenommen.
Die südöstliche Grenze des Landschaftsschutzgebiets verläuft an der L 334 beginnend, westlich der Ortschaft "Gohren" in nördliche Richtung zur Bahnlinie und nördlich entlang der Bahnlinie weiter Richtung Osten zur L 334, welche mit Ausnahme der Umfahrung einer Fläche im Gewann "Heidach" zusammen mit der B 467, der B 31, der K 7707 und der K 7776 bis nördlich von Betznau die Grenze bildet. Von dort zieht sich die Grenze in Richtung Osten zur K 7707 und weiter in südlicher Richtung entlang des Ortsrandes von Betznau bis nahezu zur Straße "Betzhofer Halde". Nun verläuft die Grenze zunächst parallel entlang der "Betzhofer Halde" und dann dem Waldrand folgend in nördlicher Richtung durch die Gewanne "Mühlenberg", "Brühl", "Bachtobel", "Ettenberg", "Lohman" bis zur Gemeindeverbindungsstraße am "Heiligenhof", welche bis westlich von "Unterwolfertsweiler" das Schutzgebiet begrenzt. Von hier erstreckt sich die Grenze durch die Gewanne "Tobelhalde", "Tobel", "Egg", "Unter Gitzensteig" und "Kau" zur Gemeindeverbindungsstraße Rattenweiler‑Hiltensweiler. Diese stellt die Grenze bis zum Waldrand westlich von Hiltensweiler dar, wobei Rattenweiler vom Schutzgebiet ausgenommen ist. Über die L 331 hinaus bilden nun der Waldrand nördlich von Hiltensweiler bis zum östlichen Ortsrand und ab dort die Gemeindeverbindungsstraße Hiltensweiler‑Bleichnau unter nordwestlicher Umfahrung von "Bleichnau" die Grenze. Diese folgt ab dem Gewann "Grund" zunächst der K 7703 in nordöstlicher Richtung und dann der Gemarkungsgrenze bis zur Argen. Zurück zur L 334 verläuft die Grenze in Fließrichtung der Argen, weitgehend dem Galeriewald folgend, entlang des Flusses. Vom Geltungsbereich dieser Verordnung sind dabei die Ortschaften "Oberlangnau", "Unterlangnau", "Apflau" und das in der Gemeinde Tettnang im Gewann Butzenwinkel liegende Gewerbegebiet ausgenommen.
(3) Die Grenzen des Landschaftsschutzgebietes sind in vier Detailkarten, im Maßstab 1 : 5 000, kombiniert mit einer Übersichtskarte im Maßstab 1 : 50 000, gekennzeichnet und grün angelegt. Die Innengrenzen des Landschaftsschutzgebietes entlang der Argen entsprechen, soweit nicht anders dargestellt, den ebenfalls in den Karten abgebildeten Grenzen des Naturschutzgebiets "Argen". Die Grenzen des Naturschutzgebiets sind rot angelegt. Die Karten vom 17. Oktober 1997 sind Bestandteil dieser Verordnung.
(4) Im Falle des Widerspruchs zwischen der textlichen Beschreibung und der zeichnerischen Darstellung gelten die in der Karte getroffenen Festlegungen.
(5) Die Verordnung mit Karten wird beim Landratsamt Bodenseekreis ‑ Umweltschutzamt ‑, Glärnischstr. 1‑3, Friedrichshafen, zur kostenlosen Einsicht für jedermann während der Sprechzeiten niedergelegt.
Die Erhaltung der während der letzten Eiszeit geschaffenen geologischen Einheit des Urstromtals der Argen vom Delta im Süden bis zur östlichen Kreisgrenze.
Die Bewahrung der bisher in weiten Teilen von menschlichen Eingriffen verschont gebliebenen charakteristischen Topographie des Argentals, mit ihren artenreichen Hängen und Terrassen sowie den in der Talaue vorhandenen typischen Erosionsrändern, Böschungen und Rinnen. Dabei soll nicht nur die prägnante Topographie des im Ober‑ und Mittellauf scharf in die umgebende Drumlinlandschaft eingeschnittenen Tals mit seinen steil abfallenden Hängen gesichert werden, sondern auch der sich nach und nach weitende und ab Gießenbrücke zu einem weiten deltaartigen Trichter mit im östlichen Bereich zunächst noch weich geschwungenen Hängen ausdehnende Unterlauf der Argen.
Darüber hinaus gilt es auch die weniger prägnanten, jedoch ebenfalls zu der Einheit des Argentals mit seinen eiszeitlichen Rändern gehörenden Terrassen und am Rand gelegenen nur flach geneigten Bereiche zu schützen.
Die Sicherung der vielfältigen und strukturreichen Landschaft mit ihren artenreichen, weitgehend intakten Steilhängen und Terrassen, den Prallhängen, den Hangquellmooren und Halbtrockenrasen, den in weiten Teilen naturnahen Mischwaldbeständen, den naturnahen Bachläufen, den im Talgrund vorhandenen Feldgehölzen, den Wiesen‑, Acker‑, Hopfen‑ und Obstbauflächen.
Die Erhaltung der Leistungsfähigkeit des Naturhaushaltes. Dabei soll der Naturhaushalt als Wirkungsgefüge von Boden, Wasser, Luft, Klima, Tieren und Pflanzen so gesichert werden, daß die das Argental prägenden biologischen Funktionen, Stoff‑ und Energieflüsse sowie landschaftlichen Strukturen zumindest erhalten werden können.
Die Nutzungsfähigkeit der Naturgüter und die Erhaltung der natürlichen Ressourcen, sowohl der extensiv als auch der intensiv genutzten Flächen, durch die Offenhaltung der Kulturlandschaft für künftige Generationen zu sichern.
Die Fortsetzung des noch weitgehend unbebauten und im dicht besiedelten Bodenseeufer als Zäsur deutlich erkennbaren Mündungsbereichs der Argen sowie die Sicherung des Argentals in seiner biotopvernetzenden Funktion zwischen Mündungsbereich der Argen und dem Hinterland bis zur Kreisgrenze und die Bewahrung vor weiteren natur‑ und landschaftsunverträglichen Nutzungen.
Das vielfältige Landschaftsbild des Argentals mit seinen kleinen Ortschaften, Weilern und Gehöften, den unterschiedlichen land‑ und forstwirtschaftlichen Nutzungen in seiner Eigenart und Schönheit vor Beeinträchtigungen zu schützen.
Die dauerhafte Erhaltung der reizvollen Landschaft mit ihrem Erholungswert für die Allgemeinheit, insbesondere als Naherholungsgebiet, zur ruhigen, natur‑ und landschaftsverträglichen Erholung und zum Erleben und Genuß von Natur und Landschaft.
3. Errichtung von Einfriedungen, Zäunen und lebenden Hecken, sofern es sich nicht um einheimische, freiwachsende Hecken mit Laubgehölzen handelt, auch wenn sie keiner Baugenehmigung bedürfen;
4. Verlegen ober‑ oder unterirdischer Leitungen aller Art oder die Änderung von Anlagen dieser Art;
5. Abbau, Entnahme oder Einbringung von Steinen, Kies, Sand, Lehm oder anderen Bodenbestandteilen oder die Veränderung der Bodengestalt auf andere Weise, insbesondere durch Auffüllungen und Abgrabungen;
8. Anlage oder Veränderung von Stätten für Sport und Spiel, einschl. Motor‑ und Wassersportanlagen;
9. Anlage oder Veränderung von Flugplätzen, von Geländen für das Starten und Landen von Luftsportgeräten (z.B. Hängegleiter, Gleitflugzeuge, Gleitfallschirme) sowie von Geländen für den Aufstieg von Flugmodellen, die der luftverkehrsrechtlichen Erlaubnis bedürfen.
12. Betrieb von Bootsmodellen und Modellflugzeugen aller Art;
13. Betrieb von Motorsport sowie von motorgetriebenen Schlitten;
14. Fahren mit Fahrzeugen aller Art außerhalb von Straßen und befestigten Wegen;
15. Aufstellen und Abstellen von Wohnwagen, Wohnmobilen, Kraftfahrzeugen, Anhängern, Bootstrailern und Verkaufsständen außerhalb der zugelassenen Plätze sowie das Zelten und Lagern;
16. Entzünden oder Unterhalten von Feuer außerhalb von eingerichteten und gekennzeichneten Feuerstellen;
17. Aufstellung und Anbringung von Plakaten, Bild‑ oder Schrifttafeln, mit Ausnahme behördlich zugelassener Beschilderungen;
19. Anlage von Kleingartenanlagen;
20. Anlage von Christbaum‑ und Schmuckreisigkulturen sowie von Baumschulen in der freien Landschaft, Neuaufforstungen, Umwandlung von Wald oder die wesentliche Änderung der Bodennutzung auf andere Weise;
21. Pflanzenschutzmittel außerhalb land‑ und forstwirtschaftlich genutzter Grundstücke zu verwenden;
22. Art und Umfang der bisherigen Grundstücksnutzung entgegen dem Schutzzweck zu ändern, soweit die Änderung nicht im Rahmen einer ordnungsgemäßen land‑ und forstwirtschaftlichen Nutzung erfolgt;
23. Beseitigung, Veränderung oder Zerstörung von wesentlichen Landschaftsbestandteilen wie Bäumen, Hecken, Gebüsch, Feld‑ und Ufergehölzen, Schilf‑ und Rohrbeständen, Felsen und ähnlichen Naturerscheinungen, soweit diese zum Bild und zur Belebung der Landschaft beitragen oder im Interesse der Tierwelt Erhaltung verdienen.
Verbote und Erlaubnisvorbehalte der §§ 4 und 5 gelten nicht
2. für die sonstige, bisher rechtmäßigerweise ausgeübte Nutzung der Grundstücke, Gewässer, Straßen, Wege und Eisenbahnanlagen sowie der rechtmäßigerweise beste­henden Einrichtungen in der bisherigen Art und in dem bisherigen Umfang sowie deren Unterhaltung und Instandsetzung, ausgenommen Maßnahmen nach § 5 Abs. 2 Nr. 23;
2. im Landschaftsschutzgebiet entgegen § 5 Abs. 2 dieser Verordnung ohne vorherige schriftliche Erlaubnis Handlungen vornimmt, die den Charakter des Gebietes verändern oder dem Schutzzweck zuwiderlaufen können.
(2) Mit dem Inkrafttreten dieser Verordnung treten für deren Geltungsbereich Teile der "Verordnung des Landratsamtes Tettnang vom 10. September 1954 über den Schutz von Landschaftsteilen entlang der Argen in den Gemeinden Kressbronn, Langnau, Neukirch und Tannau" außer Kraft.
Im wesentlichen handelt es sich um folgende Teile:
Abschnitt A) ‑ Gemarkung Kressbronn:
Nr. 1 Steilränder der Argen von Gießen bis zum Kochermühlebach;
Nr. 2 Steilrand des Argentals südlich der Kochermühle (teilweise);
Nr. 3Teile der Hochwacht im Tettnanger Wald;
Nr. 4Teile des Krüntenbühls im Tettnanger Wald;
Abschnitt B) ‑ Gemarkung Langnau:
Nr. 1 Teile des Krüntenbühl und Reihenbühl im Tettnanger Wald;
Nr. 2 Argenaue östlich Wiesach, Unterösch und Husarenplatz bei Laimnau (teilweise);
Nr. 4 Ränder dreier eiszeitlicher Terrassen, östlich von Laimnau bei Badhütten und Wellmutsweiler (teilweise);
Nr. 9 Ränder eiszeitlicher Terrassen bei Steinenbach;
Nr. 10 Orchideenstandort südlich Laimnau (teilweise)
Abschnitt C) ‑ Gemarkung Neukirch
Nr. 1 Das Argenufer rechts der Argen von Pflegelberg bis Summerau, die Argeninsel bei Pflegelberg und der Zusammenfluß beider Argen (teilweise);
Nr. 2 Die Halde Flunau‑Reisenbronn mit Ruine Neu‑Summerau (teilweise);
Nr. 3 Der Grichten bei Goppertsweiler
Friedrichshafen, den 16. Dezember1997