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Timestamp: 2016-10-27 09:07:39
Document Index: 333924359

Matched Legal Cases: ['Art. 9', 'Art. 4', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'Art. 9', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE']

8C_189/2010 (09.07.2010)
Rechtsdienst, 8085 Z�rich,
R.________, geboren 1958, war an einer Primarschule als Lehrerin besch�ftigt, als sie sich am 12. September 2008 beim Jiu-Jitsu-Training an der Halswirbels�ule verletzte. Sie berichtete in der Schadenmeldung vom 24. September 2008, dass sie anl�sslich einer Weiterbildung im Selbstverteidigungskurs bei einer R�ckw�rtsrolle nicht �ber die Schulter, sondern �ber das Genick gerollt sei, worauf es geknackt und ein ziehender und stechender Schmerz sie durchfahren habe. Gem�ss Bericht des Spital G.________, Klinik f�r Chirurgie, wo R.________ notfallm�ssig hospitalisiert und �ber Nacht beobachtet worden war, hatte sie sich eine Zerrung des Plexus brachialis links mit Kribbelpar�sthesien/Hyp�sthesien Dermatome C7-8 zugezogen (Bericht vom 13. September 2008); im Spital M.________ wurde nach ambulanter Untersuchung vom 24. Oktober 2008 ein Zervikovertebralsyndrom diagnostiziert (Bericht vom 30. Oktober 2008). Die Z�rich Versicherungs-Gesellschaft AG, bei welcher R.________ f�r die Folgen von Berufs- und Nichtberufsunf�llen sowie Berufskrankheiten versichert war, lehnte ihre Leistungspflicht mit Verf�gung vom 16. Dezember 2008 und Einspracheentscheid vom 21. April 2009 ab mit der Begr�ndung, dass es sich beim gemeldeten Ereignis nicht um einen Unfall im Rechtssinne handle und auch keine unfall�hnliche K�rpersch�digung vorliege.
R.________ l�sst Beschwerde in �ffentlich-rechtlichen Angelegenheiten f�hren mit dem Antrag, es sei der angefochtene Entscheid aufzuheben und die Sache an den Unfallversicherer zur�ckzuweisen.
W�hrend die Z�rich Versicherungs-Gesellschaft AG auf Abweisung der Beschwerde schliesst, verzichtet das Bundesamt f�r Gesundheit auf eine Vernehmlassung.
Zu pr�fen ist, ob das Ereignis vom 12. September 2008 als Unfall im Rechtssinne zu qualifizieren ist. Letztinstanzlich nicht mehr bestritten ist dagegen nach Lage der Akten zu Recht, dass eine Leistungspflicht der Beschwerdegegnerin wegen unfall�hnlicher K�rpersch�digung (Art. 9 Abs. 2 UVV) ausser Betracht f�llt.
3.1 Unfall ist die pl�tzliche, nicht beabsichtigte sch�digende Einwirkung eines ungew�hnlichen �usseren Faktors auf den menschlichen K�rper, die eine Beeintr�chtigung der k�rperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit oder den Tod zur Folge hat (Art. 4 ATSG). Der �ussere Faktor ist ungew�hnlich, wenn er - nach einem objektiven Massstab - nicht mehr im Rahmen dessen liegt, was f�r den jeweiligen Lebensbereich allt�glich und �blich ist (BGE 134 V 72 E. 4.1 S. 76).
Vorliegend steht fest, dass vier der f�nf Tatbestandsmerkmale des Unfallbegriffs - K�rperverletzung, �ussere Einwirkung, Pl�tzlichkeit und fehlende Absicht - gegeben sind. Fraglich ist, wie es sich mit der erforderlichen Ungew�hnlichkeit der �usseren Einwirkung verh�lt.
3.2 Nach Lehre und Rechtsprechung kann das Merkmal des ungew�hnlichen �usseren Faktors in einer unkoordinierten Bewegung bestehen. Bei K�rperbewegungen gilt dabei der Grundsatz, dass das Erfordernis der �usseren Einwirkung lediglich dann erf�llt ist, wenn ein in der Aussenwelt begr�ndeter Umstand den nat�rlichen Ablauf einer K�rperbewegung gleichsam "programmwidrig" beeinflusst hat (BGE 130 V 117 E. 2.1 S. 118). Bei Sch�digungen, die sich auf das K�rperinnere beschr�nken, unterliegt der Nachweis eines Unfalls indessen insofern strengen Anforderungen, als die unmittelbare Ursache der Sch�digung unter besonders sinnf�lligen Umst�nden gesetzt werden muss; denn ein Unfallereignis manifestiert sich in der Regel in einer �usserlich wahrnehmbaren Sch�digung, w�hrend bei deren Fehlen eine erh�hte Wahrscheinlichkeit rein krankheitsbedingter Ursachen besteht (BGE 99 V 136 E. 1 S. 138).
3.3 Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung ist das Merkmal der Ungew�hnlichkeit ohne besonderes Vorkommnis daher auch bei einer Sportverletzung zu verneinen (BGE 130 V 117 E. 2.2 S. 118; in BGE 130 V 380 nicht publ. E. 3.2 des Urteils U 199/03 vom 10. Mai 2004). Es finden sich folgende Beispiele f�r die Bejahung des Unfallbegriffs: das Ausgleiten des Skifahrers auf einer vereisten Stelle in buckligem Gel�nde mit anschliessendem harten Aufschlagen auf dem Boden bei verdrehter Oberk�rperhaltung (RKUV 1999 Nr. U 345 S. 420), ein Bandencheck im Eishockey (BGE 130 V 117), ein Aufschlagen mit dem Steissbein auf der harten Schneepiste beim Snow-Tubing (SVR 2008 UV Nr. 4 S. 13, U 411/05) oder ein Sturz beim Kampfsporttraining (Urteil 8C_826/2008 vom 2. April 2009 E. 5.1).
3.4 Das Bundesgericht hat sich zuletzt einl�sslich in BGE 134 V 72 zum Begriffsmerkmal der Ungew�hnlichkeit ge�ussert. Der �ussere Faktor ist ungew�hnlich, wenn er - nach einem objektiven Massstab - nicht mehr im Rahmen dessen liegt, was f�r den jeweiligen Lebensbereich allt�glich und �blich ist. Der �ussere Faktor ist zentrales Begriffscharakteristikum eines jeden Unfallereignisses; er ist Gegenst�ck zur - den Krankheitsbegriff konstituierenden - inneren Ursache. Die Bezeichnung der massgebenden Genese wird aber erst durch die weiter erforderliche Ungew�hnlichkeit des �usseren Faktors erm�glicht. Die meisten Krankheiten beruhen auf einer Wechselwirkung von inneren und �usseren Faktoren; oft ist die letztlich pathogene innere Ursache ihrerseits ohne Umwelteinfl�sse nicht denkbar. Das Begriffsmerkmal der Ungew�hnlichkeit wurde entwickelt, um die "tausendf�ltigen kleinen und kleinsten Insulte des t�glichen Lebens, die als solche g�nzlich unkontrollierbar sind und deshalb nur beim Hinzutreten von etwas Besonderem Ber�cksichtigung finden sollen", aus dem Unfallbegriff auszuscheiden. Das Merkmal des Ungew�hnlichen macht den allt�glichen Vorgang zum einmaligen Vorfall. Einwirkungen, die aus allt�glichen Vorg�ngen resultieren, taugen in aller Regel nicht als Ursache einer Gesundheitssch�digung. Liegt der Grund somit allein im Innern des K�rpers, ist Krankheit gegeben. Daran �ndert die blosse Ausl�sung des Gesundheitsschadens durch einen �usseren Faktor nichts; Unfall setzt vielmehr begrifflich voraus, dass das exogene Element so ungew�hnlich ist, dass eine endogene Verursachung ausser Betracht f�llt (BGE 134 V 72 E. 4.1 S. 76 f.).
Nach der Rechtsprechung bezieht sich das Begriffsmerkmal der Ungew�hnlichkeit nicht auf die Wirkung des �usseren Faktors, sondern nur auf diesen selber. Ohne Belang f�r die Pr�fung der Ungew�hnlichkeit ist insoweit, dass der �ussere Faktor allenfalls schwerwiegende, unerwartete Folgen nach sich zog. Ausschlaggebend ist also, dass sich der �ussere Faktor vom Normalmass an Umwelteinwirkungen auf den menschlichen K�rper abhebt. Ungew�hnliche Auswirkungen allein begr�nden keine Ungew�hnlichkeit. Hingegen ist die Wirkung, das heisst die Natur des Gesundheitsschadens, mit Blick auf die Bedeutung des Abgrenzungskriteriums im Einzelfall durchaus beachtlich. Ein gesteigertes Abgrenzungsbed�rfnis besteht dort, wo der Gesundheitsschaden seiner Natur nach auch andere Ursachen als eine pl�tzliche sch�digende Einwirkung haben kann, also keine gesicherte Zuordnung zum exogenen Faktor erlaubt. Dies gilt nach der Rechtsprechung insbesondere dann, wenn die Gesundheitssch�digung erfahrungsgem�ss auch als alleinige Folge von Krankheit, insbesondere von vorbestandenen degenerativen Ver�nderungen eines K�rperteils, innerhalb eines durchaus normalen Geschehensablaufs auftreten kann. In solchen F�llen muss die unmittelbare Ursache der Sch�digung unter besonders "sinnf�lligen" Umst�nden gesetzt worden sein. Ist eine Verletzung wiederholten Mikrotraumata des t�glichen Lebens zuzuschreiben, welche zu einer allm�hlichen Abn�tzung gef�hrt haben, so ist sie (im Bereich der obligatorischen Unfallversicherung unter Vorbehalt von Art. 9 Abs. 2 UVV) als Krankheitsfolge zu betrachten. Somit wird eine Einwirkung ohne offensichtliche Schadensneigung erst durch das Hinzukommen eines zus�tzlichen Ereignisses, eines schadensspezifischen Zusatzgeschehens, zum ungew�hnlichen �usseren Faktor (BGE 134 V 72 E. 4.3.1 u. 4.3.2 S. 79 ff.).
Zur Beurteilung der Frage, ob ein Unfall angenommen werden kann, ist daher zu pr�fen, ob es um einen im betreffenden Lebensbereich allt�glichen und �blichen Vorgang geht, zu dem nichts Besonderes ("Programmwidriges" oder "Sinnf�lliges") hinzugetreten ist, oder ob ein solches Zusatzgeschehen - und mit diesem das Merkmal des ungew�hnlichen �usseren Faktors im Sinne einer den normalen Bewegungsablauf st�renden Programmwidrigkeit - gegeben ist (vgl. BGE 134 V 72 E. 4.3.2.1 S. 80 f.).
Mit dem kantonalen Gericht ist zun�chst davon auszugehen, dass sich das Ereignis vom 12. September 2008 so zugetragen hat, wie von der Beschwerdef�hrerin in der Schadenmeldung vom 24. September 2008 geschildert: "Bei der schulint. Weiterbildung im Selbstverteidigungskurs rollte ich bei einer R�ckw�rtsrolle nicht �ber die Schulter, sondern �ber das Genick. Es knackte und ein ziehender und stechender Schmerz durchfuhr mich, sodass ich f�r einen Moment liegen blieb. Ich konnte mich dann hinsetzen. Sp�ter beim Gehen wurde mir schwindlig und hatte Brechreiz. Meine linke Gesichtsh�lfte u. mein linker Arm kribbelten und beim Ber�hren Empfindungstaubheit bis in die Fingerspitzen." Dass die Versicherte dagegen, wie in der Einsprache geltend gemacht, bei einer Kampf�bung aus dem Stand ungl�cklich nach hinten gest�rzt und auf das Genick gefallen sei beziehungsweise gestossen worden sei, kann nicht als erstellt gelten. Bei sich widersprechenden Angaben der versicherten Person �ber den Unfallhergang ist auf die Beweismaxime abzustellen, wonach die so genannten spontanen "Aussagen der ersten Stunde" in der Regel unbefangener und zuverl�ssiger sind als sp�tere Darstellungen, die bewusst oder unbewusst von nachtr�glichen �berlegungen versicherungsrechtlicher oder anderer Art beeinflusst sein k�nnen (BGE 121 V 45 E. 2a S. 47; 115 V 133 E. 8 S. 143; RKUV 2004 Nr. U 524 S. 546, U 236/03 E. 3.3.4; RKUV 2004 Nr. U 502 S. 183, U 322/02 E. 4). Beschwerdeweise wird weiter darauf hingewiesen, dass bei einer Kampfsport�bung Zusammenst�sse derart �blich seien, dass nicht eigens darauf hingewiesen werden m�sse. Damit ist jedoch nicht mit der erforderlichen �berwiegenden Wahrscheinlichkeit (BGE 126 V 353 E. 5b S. 360; 125 V 193 E. 2 S. 195) erstellt, dass die Versicherte tats�chlich gestossen worden ist.
5.1 Gest�tzt auf die massgebliche erste Schilderung des Ereignisses steht fest, dass der Beschwerdef�hrerin die R�ckw�rtsrolle beim Jiu-Jitsu-Training misslungen ist. Da sie �ber eine Gesundheitssch�digung klagt, die sich auf das K�rperinnere beschr�nkt, m�sste nach der dargelegten Rechtsprechung zur Annahme des erforderlichen Begriffsmerkmals der Ungew�hnlichkeit ein schadensspezifisches Zusatzgeschehen erstellt sein. An einem solchen besonderen Vorkommnis fehlt es indessen. Nicht ein in der Aussenwelt begr�ndeter Umstand hat den nat�rlichen Ablauf der K�rperbewegung programmwidrig gest�rt, denn es hat nicht etwa ein Sturz oder ein Ausgleiten dazu gef�hrt, dass die �bung nicht so abgelaufen ist wie geplant. Wenn die Beschwerdef�hrerin nicht �ber die Schulter, sondern �ber das Genick gerollt ist, so f�llt dies vielmehr noch in die gew�hnliche Bandbreite der Bewegungsmuster dieses Sports (vgl. in BGE 130 V 380 nicht publ. E. 4.2 des Urteils U 199/03 vom 10. Mai 2004).
5.2 So verhielt es sich etwa auch im vergleichbaren Fall einer Versicherten, die ohne besondere Vorkommnisse einen R�ckw�rtspurzelbaum ausgef�hrt und sich dabei im Nacken-/Schulterbereich verletzt hatte. Das Eidgen�ssische Versicherungsgericht, heute Bundesgericht, f�hrte dazu aus, dass kein Unfallereignis vorliegt, wenn sich das einer sportlichen �bung inh�rente Risiko einer Verletzung verwirklicht oder wenn die �bung zwar nicht ideal verl�uft, die Art der Ausf�hrung sich aber noch in der Spannweite des �blichen bewegt. Eine relevante Programmwidrigkeit l�ge im Falle der Versicherten dann vor, wenn sie gest�rzt oder ausgeglitten w�re, eben ein sinnf�lliges Ereignis vorgefallen w�re (RKUV 2004 Nr. U 502 S. 183, U 322/02 E. 4.4). Zum gleichen Schluss kam das Gericht im Fall eines Versicherten, der bei einer Turnvorf�hrung einen Salto r�ckw�rts vom circa 1,60 Meter hohen "Schwedenkasten" auf eine weiche, etwa 40 Zentimeter dicke Matte absolviert und bei der Landung einen stechenden Schmerz im linken Knie versp�rt hatte. An besonders sinnf�lligen Umst�nden fehlte es insoweit, als der Versicherte beim Sprung samt Landung weder stolperte, ausglitt noch st�rzte. Nicht jede noch so geringf�gige Abweichung vom optimalen Verlauf einer turnerischen Darbietung - allenfalls verbunden mit der unbestimmten Qualifikation "misslungen" - begr�ndet einen Unfall im Rechtssinne (Urteil U 134/00 vom 21. September 2001 E. 2b).
5.3 Dass die Beschwerdef�hrerin bei der R�ckw�rtsrolle im Jiu-Jitsu-Training nicht �ber die Schulter, sondern �ber das Genick gerollt ist, kann daher nicht als ungew�hnlich bezeichnet werden, weshalb das Ereignis vom 12. September 2008 nicht als Unfall im Rechtssinne zu qualifizieren ist und eine Leistungspflicht der Beschwerdegegnerin entf�llt.