Source: https://verdi-bub.de/wissen/wahlen/pr-wahl-bayern/nach-der-wahl
Timestamp: 2019-10-17 11:36:22
Document Index: 381122334

Matched Legal Cases: ['Art. 25', 'Art. 28', 'Art. 29', 'Art. 25', 'Art. 34', 'Art. 32', 'Art. 36', 'Art. 28', '§ 18', 'Art. 26', '§ 188', 'Art. 27', 'Art. 27', 'Art. 46']

Grundsätzlich haben sowohl die Dienststellenleitung als auch die Beschäftigten das Ergebnis der Wahl zu akzeptieren. Wenn es aber Hinweise darauf gibt, dass vom Wahlvorstand schwere Fehler gemacht wurden oder es Manipulationen während der Wahl oder beim Ergebnis gegeben hat, können die Wahlberechtigten, jede in der Dienststelle vertretene Gewerkschaft und der Leiter/die Leiterin der Dienststelle die Wahl beim Verwaltungsgericht anfechten (Art. 25 BayPVG).
Diese Anfechtung wird aber nur erfolgreich sein, wenn nachgewiesen wird, dass gegen wesentliche Vorschriften über das Wahlrecht, die Wählbarkeit oder das Wahlverfahren verstoßen worden ist und eine Berichtigung nicht erfolgt ist. Für eine wirksame Anfechtung ist es erforderlich, dass durch den Verstoß das Wahlergebnis geändert oder beeinflusst werden konnte. Antragsberechtigt sind (mindestens) drei Wahlberechtigte als gemeinsame Antragsteller/-innen, eine in der Dienststelle vertretene Gewerkschaft oder der Dienststellenleiter. Die Wahlanfechtung muss innerhalb von 14 Tagen nach dem Tag der Bekanntgabe des Wahlergebnisses erfolgen.
Die Wahlanfechtung kann sich auch auf die Wahl innerhalb einer Gruppe beschränken. Wird diese erfolgreich angefochten, kommt es innerhalb der Gruppe zu Neuwahlen; die Vertreter/-innen der anderen Gruppe bleiben im Amt.
Wird die Wahl nicht innerhalb der Frist oder nicht erfolgreich angefochten, hat sie Bestand, auch wenn sich nachträglich doch Fehler herausstellen. Der Gesetzgeber wollte, dass der neu gewählte Personalrat möglichst schnell und sicher seine Arbeit aufnehmen kann. Später kann der Personalrat oder einzelne Mitglieder nur noch wegen grober Vernachlässigung der Befugnisse oder Pflichten durch Gerichtsbeschluss ausgeschlossen oder aufgelöst werden (Art. 28 BayPVG).
Wenn aber nach der Wahl und der Anfechtungsfrist festgestellt wird, dass ein Personalratsmitglied gar nicht wählbar war, so kann das während der gesamten Wahlperiode gerichtlich überprüft werden. Damit wird aber nicht die Wahl angefochten, sondern das betreffende Mitglied verliert sein Mandat, und ein/-e Nachrücker/-in tritt ein (Art. 29 Abs. 1 g) BayPVG).
Ja, der Personalrat bleibt während der gesamten Dauer des Verwaltungsgerichtsprozesses, in dem es um die Wahlanfechtung geht, im Amt. Selbst nach einer rechtskräftigen Entscheidung führt er die Geschäfte des Personalrats weiter, bis das Ergebnis der neuen Wahl festgestellt ist. Erst dann endet die Amtszeit des Personalrats und damit auch das einzelne Personalratsmandat. Der Beschluss des Verwaltungsgerichts wird erst dann rechtskräftig, wenn keine zulässigen Rechtsmittel mehr eingelegt werden können. Insofern ist es möglich, dass mehrere Instanzen der Verwaltungsgerichtsbarkeit durchlaufen werden müssen. Ein Verfahren, das mehrere Jahre in Anspruch nehmen kann. Es passiert sogar nicht selten, dass ein rechtskräftiger Beschluss erst dann ergeht, wenn erneut die regelmäßigen Personalratswahlen anstehen. Die Beschlüsse, die der Personalrat in dieser Zeit gefasst hat, sind und bleiben rechtskräftig, auch wenn die Wahl erfolgreich angefochten wurde.
Eine Personalratswahl ist immer dann wirksam anfechtbar, wenn durch Fehler oder Manipulationen das Wahlergebnis beeinflusst wurde oder die Wahl anders hätte ausgehen können, wobei nach der Rechtsprechung die hypothetische Möglichkeit eines anderen Wahlergebnisses für eine erfolgreiche Anfechtung ausreicht. Das Verwaltungsgericht hat also festzustellen, ob es tatsächlich Mängel gab, wie schwer diese waren und ob deswegen die Wahl gültig oder ungültig war. Auch wenn das Verwaltungsgericht entscheidet, dass die Anfechtung rechtens ist, so hat der Personalrat gleichwohl bis zum Zeitpunkt der rechtskräftigen Entscheidung wirksam bestanden. D.h. alle seine Entscheidungen (auch abgeschlossene Dienstvereinbarungen) bleiben gültig. Nur für die Zukunft existiert der Personalrat nicht mehr. Die Dienststelle ist aber nicht völlig personalratslos: Bis zur Feststellung des Ergebnisses der Wiederholungswahl führt der alte Personalrat die Geschäfte weiter, die dann vom neugewählten Personalrat übernommen werden.
Nein. Es muss ein neuer Wahlvorstand bestellt werden. Dies kann der noch geschäftsführend im Amt befindliche „alte“ Personalrat tun. Wurde nur die Wahl innerhalb einer Gruppe angefochten, dürfen in dem Wahlvorstand nur Angehörige dieser Gruppe sein. Dem neuen Wahlvorstand können aber Mitglieder des alten Wahlvorstands angehören. Meistens sind die Fehler ja nicht vorsätzlich geschehen, sondern aus Unwissenheit; nach der „Aufklärung“ durch das Gericht sollten diese Fehler nicht noch einmal passieren.
Die Wahl muss zwar von Anfang an neu durchgeführt werden (also nicht nur die angefochtenen Teile), es ist aber eine Wiederholungswahl und keine echte Neuwahl (Art. 25 Abs. 2 Satz 1 BayPVG). D.h. es bleibt bei der Größe des Personalrats und der Sitzverteilung auf die Gruppen, wahlberechtigt sind auch nur die Beschäftigten, die das schon bei der angefochtenen Wahl waren. Neu eingestellte Beschäftigte können nicht mitwählen.
Der Wahlvorstand lädt die gewählten Personalratsmitglieder spätestens zwei Wochen nach dem Wahltag zur konstituierenden Sitzung des Personalrats ein (Art. 34 Abs. 1 BayPVG). Diese Sitzung leitet bis zur Wahl eines Wahlleiters/einer Wahlleiterin aus den Reihen des Personalrats der/die Wahlvorstandsvorsitzende. Der/die Wahlleiter/-in führt die Wahlen nach Art. 32 und 33 BayPVG durch. Andere Beschlüsse können in dieser Sitzung nicht gefasst werden, die/der neugewählte Vorsitzende muss dazu zu einer neuen Sitzung einladen. Teilnahmeberechtigt an dieser Sitzung sind auch die Schwerbehindertenvertretung und ein/-e Vertreter/-in der Jugend- und Auszubildendenvertretung. Eine Teilnahme von Gewerkschaftsbeauftragten ist möglich, wenn ein entsprechender Antrag nach Art. 36 Abs. 1 BayPVG gestellt wird (strittig).
Eine förmliche Anfrage, ob die Gewählten die Wahl annehmen, ist im BayPVG jedoch nicht vorgesehen. Ein Personalratsmitglied kann aber jederzeit seinen Rücktritt vom Amt erklären. Dann rückt dafür das entsprechende Ersatzmitglied nach.
Nein, das ist nicht möglich. Entweder der/die gewählte Kandidat/-in nimmt sein Mandat wahr und ist dann verpflichtet, sich an der Personalratsarbeit zu beteiligen, oder aber er/sie tritt zurück. Dann rückt das nächste gewählte Ersatzmitglied nach. Ein „freiwilliges“ Zurücktreten zu den Nachrückern geht nicht. Dies würde einerseits nicht dem Wählerwillen entsprechen, andererseits könnten dadurch gezielt die Mehrheitsverhältnisse im Personalrat beeinflusst werden.
Wenn die/der „unlustige“ Gewählte durch beliebiges, grundloses Nicht-Teilnehmen an den Sitzungen und der sonstigen Arbeit des Personalrats doch noch ihre/seine Funktion boykottiert, ohne zurückzutreten, muss der Personalrat ggf. den Ausschluss aus dem Gremium beim Verwaltungsgericht beantragen (Art. 28 Abs. 1 Satz 2 BayPVG).
Die Wahlunterlagen (Niederschriften, Bekanntmachungen und Wahlvorschläge, Stimmzettel usw.) übergibt der Wahlvorstand in der konstituierenden Sitzung dem neu gewählten Personalrat. Sie sind von diesem mindestens bis zur nächsten Personalratswahl aufzubewahren. Die nicht geöffneten Briefwahlumschläge sind vom Personalrat für die Dauer eines Monats nach der Bekanntmachung des Ergebnisses aufzubewahren und dann zu vernichten, wenn die Wahl nicht angefochten wurde (siehe dazu auch § 18 Abs. 2 WO BayPVG).
Wann beginnt die Amtszeit des neuen Personalrats
Es kommt darauf an, ob bereits vor der Wahl ein Personalrat bestanden hat oder nicht. War vorher kein Personalrat vorhanden, so beginnt die Amtszeit des gewählten Personalrats sofort mit dem (letzten) Tag der Wahl. Handlungsfähig wird er jedoch erst wenn er sich konstituiert, also eine/-n Vorsitzende/-n und eine Stellvertreterin bzw. einen Stellvertreter gewählt hat.
Sofern bereits ein Personalrat besteht, beginnt die Amtszeit des neuen Personalrats mit dem Ende der Amtszeit des alten Personalrats. Die Amtszeit des alten Personalrats endet fünf Jahre nach ihrem Beginn (Art. 26 BayPVG).
Beispiel: Die Amtszeit begann am 18.06.2016, entweder mit dem Tag der Wahl oder am Tag nach dem Ende der Amtszeit des vorigen Personalrats, dann endet sie am 17.06.2021 (§ 188 Abs. 2, 2. Halbsatz BGB). Am 18.06.2021 würde dann die Amtszeit des neuen Personalrats beginnen, die Wahl sollte also rechtzeitig vorher stattfinden. Findet sie später statt, gibt es vorübergehend keinen Personalrat.
Ausnahmen: Der Personalrat wurde außerhalb des üblichen Turnus gewählt (Art. 27 BayPVG), z.B. am 20. Juni 2017, dann ist er am 01.05.2021 zwar weniger als fünf Jahre im Amt, seine Amtszeit endet aber dennoch am 31.07.2021 und die des dann neugewählten Personalrats beginnt am 01.08.2021. Wurde der Personalrat am 19.06.2020 gewählt, so ist er am 01.05.2021 weniger als ein Jahr im Amt; dann wird erst 2026 neu gewählt und die Amtszeit endet am 31.07.2026. Dieser Personalrat ist also länger als fünf Jahre im Amt (Art. 27 Abs. 5 BayPVG). In jedem Fall soll gewährleistet sein, dass bei Wahlen außerhalb des Turnus im nächsten oder übernächsten Wahlzeitraum wieder der Anschluss an die regelmäßigen Wahlen stattfindet.
Um das Personalratsmandat pflichtgemäß ausüben zu können, müssen die Mitglieder des Personalrats Kenntnis des Personalvertretungsgesetzes und des allgemeinen Arbeitsrechts haben. Dafür muss die Dienststellenleitung die Personalratsmitglieder (und mindestens die ersten Nachrücker/-innen) unter Fortzahlung der Bezüge von der Arbeit freistellen und auch die entstehenden Kosten übernehmen (Art. 46 Abs. 5 BayPVG). Danach haben alle erstmals gewählten Personalratsmitglieder mindestens Anspruch auf eine einwöchige Grundschulung. Sie brauchen sich nicht auf Billigangebote von kurzer Dauer verweisen zu lassen. Der Personalrat muss dazu aber einen Beschluss fassen, in dem das Mitglied, die Veranstaltung und die Kosten benannt werden. Ein Personalratsmitglied kann also nicht einfach mal eben zu einem Seminar fahren. Weigert sich die Dienststellenleitung, Personalratsmitglieder freizustellen oder die Kosten zu übernehmen, kann der Personalrat das beim Verwaltungsgericht erzwingen.
ver.di b+b bietet allen Personalratsmitgliedern ein vielfältiges Angebot an erforderlichen Grundlagen- und Aufbauseminaren. Angebote finden Sie hier. Dort bekommt man auch Tipps, wenn es mit der Freistellung durch die Dienststelle nicht hinhaut.