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Timestamp: 2020-04-02 14:12:01
Document Index: 242786101

Matched Legal Cases: ['§ 3', '§ 13', '§ 14', '§3', '§3', '§ 13', '§ 13', '§ 13']

Download Software nicht EU - Umsatzsteuer? im Forum für Steuerrecht u. Steuerstrafrecht
Download Software nicht EU - Umsatzsteuer?
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Beitrag von Mary-Anne » 14.12.18, 08:09
ein Unternehmer in D kauft online Software bei einem nicht-EU Anbieter. Die Kaufabwicklung geht einfach über einen bekannten Bezahldienst und der Downloadlink samt Lizenz-Key wird per Mail geschickt.
Auf der Rechnung (zB aus Australia) steht nun eine "EU VAT Number" und auf der Rechnung sind viele Einzelpositionen aufgeführt (z.B. Regular License, 6 month Support) und für jede dieser Einzelpositionen wird gesondert Mehrwertsteuer ausgewiesen, z.B. VAT 19,0% $x.y
Vom Konto abgebucht wird durch den Bezahldienst jedoch nur ein einzelner Gesamtbetrag in Euro.
- Habe ich das richtig verstanden, dass der Anbieter 19% Steuer an das deutsche Finanzamt überwiesen hat?
- Kann sich der deutsche Unternehmer diese Steuer als Vorsteuer abziehen?
- Wenn ja: Einfach alle Einzelbeträge addieren und laut Kurs vom Rechnungsdatum umrechnen?
Ehrlich: Ich habe versucht, mich schlau zu googlen, aber nach ein paar Artikeln über das Thema Onlinehandel in Drittländern hat mein Kopf so dermaßen geraucht, dass schlimme Folgeschäden zu befürchten waren
Daher frage ich nun hier nach und hoffe auf euren Rat.
Danke fürs Lesen und viele Grüße!
Registriert: 18.02.09, 22:07
Re: Download Software nicht EU - Umsatzsteuer?
Beitrag von pepto2601 » 15.12.18, 14:05
Mary-Anne hat geschrieben: - Habe ich das richtig verstanden, dass der Anbieter 19% Steuer an das deutsche Finanzamt überwiesen hat?
Mary-Anne hat geschrieben: - Kann sich der deutsche Unternehmer diese Steuer als Vorsteuer abziehen?
Mary-Anne hat geschrieben: - Wenn ja: Einfach alle Einzelbeträge addieren und laut Kurs vom Rechnungsdatum umrechnen?
Alles aufaddieren und mit dem offiziellen USt-Umrechnungskurs des entsprechenden Monats umrechnen. Die USt-Kurse werden monatlich vom Finanzministerium veröffentlicht.
Beitrag von Mary-Anne » 16.12.18, 07:34
Hallo pepto,
Beitrag von Hertha1892 » 16.12.18, 14:43
Die Leistung fällt m. E. unter § 3a Abs.2 UStG. Da der Leistende ausländischer Unternehmer ist, kommt gem. § 13b Abs. 2 Nr. 1 iVm Abs.5 UStG das Reverse Charge Verfahren zur Anwendung.
Die Rechnung ist damit falsch, die USt wird nach § 14c UStG geschuldet und die Vorsteuer ist daher nicht abzugsfähig.
Beitrag von ktown » 16.12.18, 15:07
Heißt wenn ich als australischer Unternehmer Ware nach Deutschland verkaufe, dann muss ich die dortigen Steuergesetze kennen um die Rechnung korrekt auszustellen?
Beitrag von Hertha1892 » 16.12.18, 17:24
Genau das. Zumindest, wenn nach deutschem Recht ein in Deutschland steuerbarer und Steuerpflichtiger Umsatz entsteht, muss er diesen auch korrekt handhaben. Führt er die Umsatzsteuer ab, wird das zuständige Amt im Einzelfall vielleicht nicht sehen, dass seine Rechnung falsch ist, aber eher das Finanzamt des Leistungsempfängers, falls es sehen will, wo die geltend gemachte Vorsteuer her kommt.
Beitrag von Carrington » 16.12.18, 22:14
ktown hat geschrieben: Heißt wenn ich als australischer Unternehmer Ware nach Deutschland verkaufe, dann muss ich die dortigen Steuergesetze kennen um die Rechnung korrekt auszustellen?
Als Unternehmer sollte man sich generell mit den relevanten Gesetzen aller Rechtsordnungen, in denen er tätig wird, auseinandersetzen. Das ist halt eine Holschuld, wenn man nicht auf die Schnauze fallen will.
Beitrag von ktown » 17.12.18, 07:31
Carrington hat geschrieben: Als Unternehmer sollte man sich generell mit den relevanten Gesetzen aller Rechtsordnungen, in denen er tätig wird, auseinandersetzen. Das ist halt eine Holschuld, wenn man nicht auf die Schnauze fallen will.
Ich will keinem Unternehmer auf der Welt (insbesondere die Klein bzw. Mittelständigen Unternehmen) zu nahe treten, aber ich glaube in 99% aller Erstfälle geht das schief, weil sich diese Unternehmen der Tragweite nicht bewusst sind. Ich behaupte sogar, dass mind. 2/3 aller falsch ausgestellten Rechnungen nicht korrigiert werden, weil absolutes Unverständnis herrscht.
Beitrag von bavarian tax collector » 19.12.18, 09:12
Ich stolpere ehrlich gesagt noch über folgendes:
Mary-Anne hat geschrieben: Auf der Rechnung (zB aus Australia) steht nun eine "EU VAT Number"
Das die Rechnung aus Australien kommt heißt nicht zwingend, dass auch die Leistung aus Australien kommt! Da mit dem Ausdruck "EU VAT Number" wahrscheinlich eine UStIDNr gemeint ist, kann man unterstellen, dass die Leistung innerhalb der EU erbracht wurde, egal woher die Rechnung kommt!
Unterstellt man weiter, dass sich das Unternehmen in D nicht als Unternehmer "geoutet" hat, in der Annahme, dass die Software aus einem Drittland kommt, so wären wir nicht im §3a Abs.2 UStG, sondern im §3a Abs.5 UStG und dem MOSS-Verfahren!
Beitrag von Mary-Anne » 26.01.19, 08:44
bavarian tax collector hat geschrieben: Ich stolpere ehrlich gesagt noch über folgendes:
Ich habe noch mal nachgeschaut. Im Absender steht:
"Firmenname XY
Adresse Z
EU VAT Number: 123XYZ"
Woher weiss man denn, wo die "Leistung erbracht" wurde bei einer Software, die man übers Internet kauft und herunterlädt?
Und nun für mich die interessanteste Frage: Kann sich der Käufer die Umsatzsteuer zurückholen oder nicht?
Beitrag von ktown » 26.01.19, 10:36
Beitrag von Hertha1892 » 26.01.19, 10:44
Siehe meinen Beitrag vom 14.12.18.
Den Anbieter auffordern, die Rechnung zu korrigieren.
Alternativ den Fall an das Finanzamt Neukölln in Berlin melden, dort müsste er den Umsatz nämlich versteuern.
Da die Umsatzsteuer nicht gesetzlich geschuldet ist, kann sie nicht als Vorsteuer geltend gemacht werden.
Beitrag von Mary-Anne » 26.01.19, 13:49
ktown hat geschrieben: Hier mal was zum lesen.
Ja, ich habe es durch den Übersetzer gejagt und beim Lesen nicht annähernd die Hälfte verstanden.
Der andere hat so eine VAT Nummer, ich habe auch so eine Umsatz-Steuer_ID und nun? Wo ist dann das Problem?
Beitrag von Mary-Anne » 26.01.19, 13:52
Hertha1892 hat geschrieben: Siehe meinen Beitrag vom 14.12.18.
"Den Anbieter auffordern, die Rechnung zu korrigieren. " - das fällt mir extrem schwer, weil ich selber nicht kapiert habe, was da eigentlich falsch gemacht wurde.
"Alternativ den Fall an das Finanzamt Neukölln in Berlin melden, dort müsste er den Umsatz nämlich versteuern." Aha - aber auf der Rechnung wurde doch eine Mehrwertsteuer ausgewiesen? Wie kann man behaupten, dass dieser Betrag nur auf dem Papier aufgeführt, nicht jedoch überwiesen wurde?
"Da die Umsatzsteuer nicht gesetzlich geschuldet ist, kann sie nicht als Vorsteuer geltend gemacht werden." Sorry, diesen Satz verstehe ich überhaupt nicht. Die Formulierung "Umsatzsteuer nicht gesetzlich geschuldet" klingt in meinen Ohren chinesisch
Beitrag von Hertha1892 » 26.01.19, 14:28
Korrekt wäre gewesen, der Australier hätte in seiner Rechnung KEINE Umsatzsteuer ausgewiesen und stattdessen auf die Steuerschuldnerschaft des Leistungsempfängers gem.
§ 13b UStG hingewiesen.
Der deutsche Unternehmer muss dann sowohl den Umsatz versteuern und kann dann die nach § 13b UStG geschuldete USt als Vorsteuer geltend machen.
So wie hier beschrieben schuldet der Australier bei korrekter Rechnung KEINE Umsatzsteuer (sondern der deutsche Kunde).
Nun hat der Australier aber falsch Umsatzsteuer ausgewiesen und deshalb schuldet er sie auch dem deutschen Fiskus.
Er schuldet sie aber nicht, weil er vom Gesetz her verpflichtet ist Umsatzsteuer zu erheben (=gesetzlich nicht geschuldet), sondern weil er bei der Erstellung der Rechnung einen Fehler gemacht hat.
Diese fehlerhaft in Rechnung gestellte Umsatzsteuer darf der deutsche Unternehmer nicht als Vorsteuer geltend machen, weil diese Steuer gesetzlich nicht geschuldet ist (sondern nur wegen eines Fehlers).
Der Fehler ist nur aus der Welt zu bekommen, wenn der australische Unternehmer wie in Abs. 1 oben beschrieben die Rechnung korrigiert und die 19% USt, die er unrechtmäßig kassiert hat, wieder an den deutschen Unternehmer auszahlt. Dann versteuert der deutsche Unternehmer den Umsatz und macht die Vorsteuer geltend (Nullsummenspiel).
Sinn dieser Vorschrift (§ 13b UStG) ist übrigens genau der, dass das Finanzamt nicht dem Australier hinterher pfänden muss und der Inländer sich die Vorsteuer zieht und damit ein Steuerschaden entsteht.