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Timestamp: 2016-10-23 20:32:33
Document Index: 366286311

Matched Legal Cases: ['Art. 57', 'Art. 19', 'BGE', 'Art. 47', 'Art. 54', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'in fine', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE']

U 377/01 (07.11.2002)
U 377/01
Pr�sident Sch�n, Bundesrichterin Widmer und nebenamtlicher Richter B�hler; Gerichtsschreiber Signorell
D.________, 1948, Beschwerdegegnerin, vertreten durch Rechtsanwalt Dr. Bruno H�fliger, Schwanen-platz 7, 6004 Luzern
Die 1948 geborene D.________ war ab Februar 1974 bei der Firma C.________ + Co., als Telefonistin und ab 1977 als Mitglied der Gesch�ftsleitung der Firma E.________ AG, t�tig und gest�tzt auf diese Arbeitsverh�ltnisse bei der Schweizerischen Unfallversicherungsanstalt (SUVA) gegen die Folgen von Berufs- und Nichtberufsunf�llen obligatorisch versichert.
Am 1. Oktober 1975 erlitt D.________ bei einem Selbstunfall mit ihrem PW eine commotio cerebri, eine Oberschenkelkontusion links sowie eine Subluxation auf H�he C5/6. Die SUVA �bernahm die Kosten der Heilbehandlung und richtete Taggelder aus. Ab 15. M�rz 1976 war D.________ wieder zu 50 % und ab 3. Mai 1976 wieder vollst�ndig arbeitsf�hig. Da sie weiterhin �ber Beschwerden klagte, wurde sie vom 18. Oktober bis 26. November 1976 im Nachbehandlungszentrum X.________ der SUVA nochmals station�r behandelt. Im M�rz 1977 liess D.________ einen R�ckfall melden, worauf die SUVA die Unfallkausalit�t der geklagten Beschwerden gutachterlich abkl�ren liess. Weitere R�ckf�lle liess D.________ der SUVA im August und Dezember 1981 melden.
Am 8. Oktober 1995 st�rzte D.________ auf einer Bergwanderung zirka zwei Meter einen Hang hinunter und schlug dabei mit dem Kopf zweimal auf der rechten Seite auf. Der Hausarzt der Versicherten diagnostizierte eine schwere commotio cerebri und �berwies sie an den Neurochirurgen Dr. S.________, der zwei Diskushernien C5/6 und C6/7 diagnostizierte und diese am 25. Oktober 1995 operativ behandelte. Mit Verf�gung vom 17. Juni 1996 �bernahm die SUVA die "direkten Sturzfolgen", lehnte aber ihre weitere Leistungspflicht mit Wirkung ab 25. Oktober 1995 ab. D.________ liess dagegen Einsprache erheben, worauf die SUVA die von ihrem Hausarzt veranlassten Berichte von PD Dr. Y.________/Dr. W.________ von der Klinik R.________ vom 29. Juli 1997 und des Neurologen Dr. H.________, vom 3. Oktober 1997 beizog sowie ein neuropsychologisches Gutachten der Neurologischen Klinik des Spitals Z.________ vom 16. Dezember 1997 und ein interdisziplin�res Gutachten des Zentrums f�r Medizinische Begutachtung (ZMB), Basel, vom 22. Oktober 1998 einholte. Nachdem die Gutachter des ZMB mit Erg�nzungsgutachten vom 22. April 1999 zu den vom Rechtsvertreter der Versicherten gestellten Zusatzfragen und der anstaltseigene Spezialarzt f�r Orthop�dische Chirurgie, Dr. M.________, zur Frage der Dauer der unfallbedingten Arbeitsunf�higkeit (Bericht vom 9. Juni 1999) Stellung genommen hatten, widerrief die SUVA mit Verf�gung vom 23. Juni 1999 jene vom 17. Juni 1997, �bernahm die Kosten der Heilbehandlung sowie Taggeldleistungen f�r eine Arbeitsunf�higkeit von 100 % bis 10. M�rz 1996 und von 65 % bis 22. Oktober 1998 und lehnte ihre Leistungspflicht mit Wirkung ab diesem Zeitpunkt ab. Die dagegen erhobene Einsprache wies sie nach Einholung erg�nzender Berichte von Dr. M.________ vom 22. November 1999 und der anstaltseigenen Spezial�rztin f�r Psychiatrie, Dr. A.________, vom 7. Januar 2000 mit Einspracheentscheid vom 21. August 2000 ab.
Beschwerdeweise liess D.________ die Ausrichtung von Heilungskosten und Taggeldern f�r eine Arbeitsunf�higkeit von 65 % ab 22. Oktober 1998, einer Invalidenrente f�r einen Invalidit�tsgrad von 75 % und einer Integrit�tsentsch�digung von 30 % beantragen. Zusammen mit ihrer Beschwerde liess sie ein Privatgutachten des neurologischen Spezialarztes Dr. B.________, vom 27. Sep-tember 2000 verurkunden. Mit Entscheid vom 28. Juni 2001 hob das Verwaltungsgericht des Kantons Nidwalden den angefochtenen Einspracheentscheid auf und wies die Streitsache "zur Neubegutachtung im Sinne der Erw�gungen und zur Neubeurteilung" an die SUVA zur�ck.
Mit Verwaltungsgerichtsbeschwerde beantragt die SUVA die Aufhebung des vorinstanzlichen Entscheides; eventuell sei die Sache zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zur�ckzuweisen.
D.________ l�sst in ihrer Vernehmlassung die Abweisung der Verwaltungsgerichtsbeschwerde beantragen; eventuell sei die "grunds�tzliche" Leistungspflicht der SUVA ab 22. Oktober 1998 zu best�tigen und die Streitsache zur "Leistungsfestsetzung" an die SUVA zur�ckzuweisen. Die Vorinstanz hat auf eine Vernehmlassung verzichtet.
2.1 Formellrechtlich macht die SUVA geltend, mit dem von der Beschwerdegegnerin eingeholten und im vorinstanzlichen Verfahren verurkundeten Privatgutachten sei ihr Anspruch auf rechtliches Geh�r verletzt worden, weil ihre Mitwirkungsrechte bei der Bestellung des Privatgutachters und bei der Formulierung der ihm unterbreiteten Fragen nicht gewahrt worden seien. Zudem verstosse die Einholung von Privatgutachten im Administrativverfahren regelm�ssig gegen den Untersuchungsgrundsatz, der die Pflicht des Versicherers mitumfasse, �berfl�ssige Abkl�rungsmassnahmen abzulehnen. Dem Privatgutachten von Dr. B.________ vom 27. September 2000 sei daher keinerlei Beweiskraft beizu-messen.
2.2.1 Medizinische Privatgutachten stellen gleich wie vom Unfallversicherer bei verwaltungsunabh�ngigen �rzten eingeholte Administrativgutachten Beweismittel dar, welche die Feststellung und Kl�rung rechtserheblicher, medizinischer Sachverhalte und Zusammenh�nge bezwecken. Verfahrensrechtlich besteht allerdings ein wesentlicher Unterschied insofern, als der Unfallversicherer bei der Einholung eines Administrativgutachtens die Mitwirkungs- und Parteirechte des Versicherten gem�ss Art. 57 ff. BZP i.V.m. Art. 19 VwVG sinngem�ss zu beachten hat (BGE 125 V 353 Erw. 3b/bb mit Hinweis), w�hrenddem dies umgekehrt f�r den Versicherten bei Einholung eines Privatgutachtens nicht gilt. Es kann daher keine Rede davon sein, dass durch Einholung eines Privatgutachtens die aus dem Untersuchungsgrundsatz fliessende Pflicht des Unfallversicherers zur richtigen und vollst�ndigen Abkl�rung des rechtserheblichen Sachverhaltes (Art. 47 UVG i.V.m. Art. 54 ff. UVV) verletzt werde. Im Gegenteil, Privatgutachten sind geeignet, zur Sachverhaltsabkl�rung Wesentliches beizutragen, indem sie je nach Kompetenz des Gutachters und Qualit�t seiner Ausf�hrungen und Untersuchungen die Auffassungen und Schlussfolgerungen eines f�rmlich bestellten Gerichts- oder Administrativgutachters zu ersch�ttern verm�gen (AHI 2001 S. 115 Erw. 3c). Der Umstand allein, dass ein medizinisches Gutachten vom Versicherten selbst eingeholt und in das Verfahren eingebracht worden ist, rechtfertigt daher weder dessen Beweistauglichkeit noch dessen Beweiswert grunds�tzlich in Frage zu stellen (BGE 125 V 353 Erw. 3b/dd mit Hinweis).
2.2.2 Soweit die SUVA eine Geh�rsverletzung geltend macht, weil das Privatgutachten Dr. B.________ erst im vorinstanzlichen und nicht bereits im Administrativverfahren verurkundet worden ist, kann ihr ebenfalls nicht beigepflichtet werden. Denn die SUVA hatte sowohl im Rahmen der vorinstanzlichen Vernehmlassung als auch in ihrer Verwaltungsgerichtsbeschwerde Gelegenheit, Einreden gegen die Beweiskraft des Privatgutachtens zu erheben. Ihr Anspruch auf rechtliches Geh�r ist damit bez�glich dieses nicht von ihr selbst eingeholten Beweismittels gewahrt worden.
Im Rahmen des durch die Verf�gung vom 23. Juni 1999 und den Einspracheentscheid vom 29. August 2000 sowie den angefochtenen Gerichtsentscheid bestimmten, die Leistungspflicht der SUVA ab 23. Oktober 1998 beinhaltenden Streitgegenstandes bilden die Anspruchsvoraussetzungen des nat�rlichen und ad�quaten Kausalzusammenhanges zwischen den von der Beschwerdegegnerin geklagten, ihre Arbeits- und Erwerbsf�higkeit beeintr�chtigenden Beschwerden und den beiden Unfallereignissen vom 1. Oktober 1975 und 8. Oktober 1995 die beiden im letztinstanzlichen Verfahren zu beurteilenden Teilelemente.
3.1 Die Leistungspflicht eines Unfallversicherers gem�ss UVG setzt zun�chst voraus, dass zwischen dem Unfallereignis und dem eingetretenen Schaden (Krankheit, Invalidit�t, Tod) ein nat�rlicher Kausalzusammenhang besteht. Ursachen im Sinne des nat�rlichen Kausalzusammenhangs sind alle Umst�nde, ohne deren Vorhandensein der eingetretene Erfolg nicht als eingetreten oder nicht als in der gleichen Weise bzw. nicht zur gleichen Zeit eingetreten gedacht werden kann. Entsprechend dieser Umschreibung ist f�r die Bejahung des nat�rlichen Kausalzusammenhangs nicht erforderlich, dass ein Unfall die alleinige oder unmittelbare Ursache gesundheitlicher St�rungen ist; es gen�gt, dass das sch�digende Ereignis zusammen mit anderen Bedingungen die k�rperliche oder geistige Integrit�t der versicherten Person beeintr�chtigt hat, der Unfall mit andern Worten nicht weggedacht werden kann, ohne dass auch die eingetretene gesundheitliche St�rung entfiele (BGE 119 V 337 Erw. 1, 118 V 289 Erw. 1b, je mit Hinweisen).
3.2.1 Die Gutachter des ZMB haben als die Arbeitsf�higkeit der Versicherten beeintr�chtigende Gesundheitssch�den eine protrahiert verlaufende, posttraumatische Anpassungsst�rung bei histrionischer Pers�nlichkeitsst�rung einerseits und ein rezividierendes, anfallsartiges Nacken-/Kopfschmerzsyndrom ohne begleitende, neurologische Symptome im Rahmen der psychiatrischen Diagnosen anderseits festgestellt. Zur Unfallkausalit�t dieser beiden Krankheiten haben sie in ihren Schlussfolgerungen ausgef�hrt, es h�tten keine relevante, organische Befunde gefunden werden k�nnen, welche die von der Versicherten geklagten Beschwerden erkl�ren k�nnten. Die diagnostizierte Pers�nlichkeitsst�rung sei wahrscheinlich vorbestehend, aber durch die beiden Unfallereignisse, insbesondere durch den Unfall vom 8. Oktober 1995 "in ihrer Symptomatik deutlich akzentuiert" worden.
Die Gutachter des ZMB haben damit eine unfallkausale, somatische Ursache f�r die von der Beschwerdegegnerin geklagten, vielf�ltigen Beschwerden vollst�ndig, d.h. auch im Sinne einer blossen Teilkausalit�t verneint, eine solche hingegen f�r den diagnostizierten, geistigen Gesundheitsschaden bejaht. Diese Beurteilung der medizinischen Situation und Zusammenh�nge ist von den Gutachtern eingehend begr�ndet worden, ist gut nachvollziehbar und leuchtet ohne weiteres ein. Es kommt ihr daher Beweiskraft zu (vgl. BGE 125 V 352 Erw. 3a mit Hinweis).
3.2.2 Die Beschwerdegegnerin hat namentlich in ihrer vorinstanzlichen Beschwerde auf die abweichenden, somatischen Befunde und Diagnosen der von ihr selbst bzw. ihrem Hausarzt beauftragen Privatgutachter Dr. B.________ und Dr. H.________ hingewiesen. Dr. B.________ hat u.a. ein m�ssig ausgepr�gtes, linksbe-tontes, insbesondere auch oberes Cervicalsyndrom diagnostiziert und als dieser Diagnose zu Grunde liegenden, objektiven, pathologischen Befund identische Rotationsumf�nge C0/1 nach links im Sinne von "funktionellen Blockwirbeln" festgehalten. Dabei st�tzte er sich auf das Ergebnis der vom R�ntgenologen Dr. G.________, durchgef�hrten, funktionellen, computertomografischen Untersuchung des craniocervicalen �berganges vom 10. Dezember 1999. Mit derselben Untersuchungstechnik hatte der Neurologe Dr. H.________ am 5. Mai 1997 gerade gegenteilig eine leichte Hypermobilit�t des ersten Halswirbels nach rechts (3�) und eine erh�hte segmentale Gesamtrotation C1/2 (13�) festgestellt und dies als Indiz f�r eine Instabilit�t in diesem Segment gewertet. Die Gutachter des ZMB konnten demgegen�ber bei den im September 1998 durchgef�hrten, umfassenden Untersuchungen weder auf eine Hypermobilit�t noch auf Blockwirbel hinweisende, klinische und r�ntgenologische Befunde im Bereich der Kopfgelenke oder dort lokalisierte Schmerzen feststellen. In ihrem Erg�nzungsgutachten vom 22. April 1999 haben sie zum gegenteiligen Befund von Dr. H.________ ausgef�hrt, aufgrund j�ngster Untersuchungen best�nden erhebliche Zweifel an der Signifikanz und Pr�zision funktioneller, computertomografischer Untersuchungen. Jedenfalls m�ssten dem Ergebnis einer solchen Untersuchung entsprechende klinische Befunde und subjektive Beschwerden vorhanden und objektivierbar sein, was bei der Explorandin nicht der Fall gewesen sei. Diese Relativierung der Ergebnisse einer funktionellen, computertomografischen Untersuchung der Halswirbels�ule gilt auch f�r die von Dr. B.________ beigezogene, r�ntgenologische Diagnose. Deren Richtigkeit und Verl�sslichkeit ist ebenso fraglich wie die von Dr. H.________ - zwar nur im Sinne eines Indizies - gestellte Verdachtsdiagnose. Abgesehen davon stehen die von den beiden Privatgutachtern gestellten, das oberste und unterste Segment der Halswirbels�ule betreffenden Diagnosen in diametralem Widerspruch und lassen unber�cksichtigt, dass die Halswirbels�ule jedenfalls beim Unfall vom 8. Oktober 1995 weder direkt noch indirekt betroffen waren.
3.3 Zusammenfassend vermag deshalb weder das Privatgutachten von Dr. B.________ noch dasjenige von Dr. H.________ die Schl�ssigkeit und damit die Beweiskraft des Administrativgutachtens des ZMB in der Frage der (fehlenden) nat�rlichen Unfallkausalit�t der von der Beschwerdegegnerin geklagten, somatischen Beschwerden zu ersch�ttern. Es ist demgem�ss davon auszugehen, dass keine k�rperliche Gesundheitsst�rung vorhanden ist, die urs�chlich auch nur teilweise auf einen der bei den beiden Unf�llen erlittenen Gesundheitsschaden zur�ckgef�hrt werden k�nnte. Hingegen ist ein teilweiser, medizinischer Zusammenhang zwischen der vorbestandenen, psychischen Gesundheitsst�rung der Beschwerdegegnerin und den beiden Unf�llen, namentlich demjenigen vom 8. Oktober 1995, im Sinne einer Verschlimmerung (Akzentuierung) durch die fach�rztlichen Feststellungen im Gutachten des ZMB ausgewiesen, weshalb die diesbez�gliche nat�rliche Unfallkausalit�t auch aus rechtlicher Sicht als nachgewiesen gelten kann.
4.1 Die Leistungspflicht des Unfallversicherers setzt im Weiteren voraus, dass zwischen dem Unfallereignis und dem eingetretenen Schaden ein ad�quater Kausalzusammenhang besteht. Nach der Rechtsprechung hat ein Ereignis dann als ad�quate Ursache eines Erfolges zu gelten, wenn es nach dem gew�hnlichen Lauf der Dinge und nach der allgemeinen Lebenserfahrung an sich geeignet ist, einen Erfolg von der Art des eingetretenen herbeizuf�hren, der Eintritt dieses Erfolges also durch das Ereignis allgemein als beg�nstigt erscheint (BGE 125 V 461 Erw. 5a mit Hinweisen).
4.2 Bei der Beurteilung der Ad�quanz von psychischen Unfallfolgen ist wie folgt zu differenzieren:
Zun�chst ist festzustellen, ob der Versicherte beim Unfall ein Schleudertrauma der Halswirbels�ule oder einen �quivalenten Verletzungsmechanismus (RKUV 2000 Nr. U 395 S. 317 Erw. 3; SVR 1995 UV Nr. 23 S. 67 Erw. 2) oder ein Sch�del-Hirntrauma erlitten hat, dessen Folgen sich mit jenen eines Schleudertraumas vergleichen lassen (BGE 117 V 382 Erw. 4a), oder ob es sich um einen Unfall mit anderen somatischen Verletzungen und gesundheitlichen Folgen handelt. Im letzteren Fall erfolgt die Ad�quanzbeurteilung psychischer Unfallfolgen nach den in BGE 115 V 133 ff. entwickelten Kriterien. Bei Unf�llen mit Schleudertrauma oder mit einer diesem gleichgestellten Verletzung der HWS oder einem Sch�del-Hirntrauma ist hingegen die Ad�quanz gem�ss BGE 117 V 359 ff. zu beurteilen. Der Unterschied besteht darin, dass bei Unf�llen mit Schleudertrauma der HWS oder einer �quivalenten Verletzung auf eine Differenzierung zwischen physischen und psychischen Unfallfolgen verzichtet wird (BGE 117 V 367 Erw. 6a in fine), w�hrenddem bei den �brigen Unf�llen f�r die Beurteilung der Ad�quanz psychischer Fehlentwicklungen lediglich das Unfallereignis als solches und die dabei erlittenen k�rperlichen Gesundheitssch�den sowie deren objektive Folgen massgebend sind (BGE 115 V 140 Erw. 6c/aa).
Als Ausnahme von diesen Regeln greift allerdings die auf die objektiven, physischen Unfallfolgen beschr�nkte Ad�quanzbeurteilung auch bei Unf�llen mit Schleudertrauma oder einer �quivalenten Verletzung Platz, wenn die zum hief�r typischen Beschwerdebild geh�renden Beeintr�chtigungen zwar teilweise gegeben sind, im Vergleich zur vorliegenden, ausgepr�gten psychischen Problematik aber ganz in den Hintergrund treten (BGE 123 V 99 Erw. 2a mit Hinweisen). Dieselbe Ausnahme von der Regel gilt, wenn es sich bei der nach einem Unfall aufgetretenen, psychischen Fehlentwicklung nicht um eine mit dem organisch-psychischen Beschwerdebild nach Schleudertrauma oder schleudertrauma�hnlicher Verletzung eng verflochtene Entwicklung handelt, sondern um einen selbstst�ndigen (sekund�ren), psychischen Gesundheitsschaden (RKUV 2001 Nr. U 412 S. 80) oder um einen durch den Unfall verschlimmerten Vorzustand (RKUV 2000 Nr. U 397 S. 328 Erw. 3c).
4.3 Bei der Beurteilung der Ad�quanz von psychischen Unfallfolgen ist wie folgt zu differenzieren:
4.4 Die Beschwerdegegnerin macht geltend, sie haben bei beiden Unf�llen ein Schleudertrauma der HWS oder eine diesem gleichzustellende Verletzung erlitten, weshalb die Ad�quanzbeurteilung unter Einbezug der psychischen Unfallfolgen gem�ss BGE 117 V 359 ff. erfolgen m�sse.
4.4.1 Nach dem Unfall vom 8. Oktober 1995 hat der Hausarzt der Beschwerdegegnerin eine schwere commotio cerebri, somit eine Sch�del-Hirnverletzung diagnostiziert, weshalb die Ad�quanzbeurteilung nach der zum Schleudertrauma entwickelten Rechtsprechung erfolgen m�sste, falls die aufgetretenen Unfallfolgen mit denjenigen nach einem Schleudertrauma vergleichbar w�ren (BGE 117 V 382 Erw. 4b). Indessen handelt es sich bei der von den Gutachtern des ZMB diagnostizierten histrionischen Pers�nlichkeitsst�rung um einen vorbestehenden Gesundheitsschaden, der durch den zweiten Unfall lediglich verschlimmert worden ist ("... Symptomatik deutlich akzentuiert"). An der Richtigkeit und Schl�ssigkeit dieser psychiatrischen Beurteilung vermag nichts zu �ndern, dass die anstaltseigene Psychiaterin, Dr. A.________, in ihrem Bericht vom 7. Januar 2000 die Zul�ssigkeit der Diagnose einer Pers�nlichkeitsst�rung in Frage gestellt und eine somatoforme Schmerzst�rung (F 45.4 nach ICD-10) diagnostiziert hat. Die Fach�rztin der SUVA hat dabei nicht oder zu wenig beachtet, dass die Versicherte - wie noch darzulegen ist - bereits nach dem ersten Unfall psychisch auff�llig reagierte und bei der mehrt�gigen Untersuchung im ZMB Basel gegen�ber mehreren Untersuchern ein Verhalten an den Tag legte, das durchaus mit einer histrionischen Pers�nlichkeitsst�rung korrelliert.
Ist aber durch den Unfall vom 8. Oktober 1995 eine vorbestandene, psychische Gesundheitsst�rung lediglich verschlimmert worden, hat die diesbez�gliche Ad�quanzbeurteilung nach den Kriterien gem�ss BGE 115 V 140 Erw. 6c/aa zu erfolgen.
4.4.2 Nach dem ersten Unfall vom 1. Oktober 1975 hat der damalige Hausarzt der Versicherten anl�sslich der Erstuntersuchung vom 3. Oktober 1975 eine commotio cerebri und eine Distorsion der HWS diagnostiziert sowie die Verdachtsdiagnose einer Subluxation C5/6 gestellt. Diese Verdachtsdiagnose ist in der Folge durch die im Spital F.________ durchgef�hrte, r�ntgenologische Untersuchung best�tigt worden. Es kann somit auch f�r diesen Unfall von einer schleudertrauma�hnlichen Verletzung ausgegangen werden. Indessen trat bereits nach dem ersten Unfall rasch eine auff�llige Diskrepanz zwischen den guten klinischen Befunden und einem bunten Beschwerdebild ohne objektivierbare, pathologische Grundlage ein. Bereits im Austrittsbericht des Spitals F.________, wo die Beschwerdegegnerin vom 10. Oktober bis 25. November 1975 station�r behandelt wurde, wurde festgehalten, dass sich hinsichtlich der Subluxation in der unteren HWS ein komplikationsloser Verlauf ergeben habe, die Versicherte aber dennoch �ber verschiedenste Beschwerden am ganzen K�rper geklagt habe. Dieses bunte Beschwerdebild wurde einer Carcinophobie einerseits und einer vegetativen Dystonie anderseits zugeschrieben. In gleicher Weise kam auch der Neurologe PD Dr. G.________ in seinem Bericht vom 23. Juni 1976 zum Schluss, gewisse Restbeschwerden im Bereich des Seg-mentes C7 seien durch eine wahrscheinliche Kompressionssch�digung der dortigen Nervenwurzel beim Unfall erkl�rbar, doch imponiere die Versicherte durch ein sehr auff�lliges Verhalten sowie eine erhebliche �berbewertung ihrer Beschwerden. Dementsprechend empfahl er eine psychopharmazeutische Behandlung und eine "geschickte psychotherapeutische F�hrung". Im Rahmen der nach der ersten R�ckfallmeldung durchgef�hrten Nachuntersuchung konnte er erneut keine klinisch-neurologischen, pathologischen Befunde erheben und empfahl den Fallabschluss.
Selbst wenn angenommen wird, nach dem ersten Unfall seien die zum typischen Beschwerdebild einer schleudertrauma�hnlichen Verletzung geh�renden Beeintr�chtigungen teilweise vorhanden gewesen, traten diese somit im Vergleich zur dargestellten, psychischen Problematik im Anschluss an das Unfallereignis vom 1. Oktober 1975 rasch derart in den Hintergrund, dass die Beurteilung des ad�quaten Kausalzusammenhanges praxisgem�ss ebenfalls nach den Kriterien zu erfolgen hat, wie sie in BGE 115 V 140 Erw. 6c/aa entwickelt worden sind.
5.1 F�r die Beurteilung der Ad�quanz einer psychischen Fehlentwicklung nach einem mittelschweren Unfall sind folgende objektive, unfallbezogene Kriterien massgebend:
- die Schwere oder besondere Art der erlittenen Verletzungen, insbesondere ihre erfahrungsgem�sse Eignung, psychische Fehlentwicklungen auszul�- sen;
- schwieriger Heilungsverlauf und erheblich Komplikationen;
Kommt bei einem Unfall aus dem mittleren Schwerebereich einem dieser Kriterien nicht besonderes bzw. ausschlaggebendes Gewicht zu, m�ssen die weiteren zu ber�cksichtigenden Kriterien in geh�ufter oder auffallender Weise erf�llt sein, damit die Ad�quanz einer psychischen Fehlentwicklung bejaht werden kann (BGE 117 V 367 Erw. 6b mit Hinweis).
5.2.1 Dem Kriterium der besonders dramatischen Begleitumst�nde oder der besonderen Eindr�cklichkeit des Unfalles liegt der Gedanke zu Grunde, dass solche Umst�nde geeignet sind, beim Betroffenen w�hrend des Unfallgeschehens oder nachher psychische Abl�ufe in Gang zu setzen, die f�r eine psychische Fehlentwicklung urs�chlich oder miturs�chlich sind. Dabei ist gleich wie bei der Einteilung der Unf�lle in leichte bzw. banale, mittlere und schwere eine objektive Betrachtungsweise massgebend. Nicht was beim Versicherten beim Unfall oder danach psychisch im Einzelnen vorgeht, ist entscheidend, sondern die objektive Eignung der Begleitumst�nde des Unfalles, beim Betroffenen psychische Vorg�nge der genannten Art auszul�sen (RKUV 1999 Nr. U 335 S. 209 Erw. 3b/cc).
Nach der Darstellung des �usseren Geschehensablaufes, so wie ihn die Beschwerdegegnerin dem SUVA-Inspektor am 6. November 1975 geschildert hat, kam sie beim ersten Unfall vom 1. Oktober 1975 mit ihrem Kleinwagen auf einer Naturstrasse ins Schleudern, worauf der PW zuerst auf die rechte, dann auf die linke Seite st�rzte und jeweils wieder auf die R�der "zur�ckgespickt" wurde. Dass sich das Auto �berschlagen habe, wie in den Berichten des Spitals F.________ vom 20. November und 27. November 1975 festgehalten wurde, hat die Beschwerdegegnerin gegen�ber dem SUVA-Inspektor nicht best�tigt.
Beim zweiten Unfall vom 8. Oktober 1995 verlor die Beschwerdegegnerin auf einer Bergwanderung das Gleichgewicht und st�rzte zirka zwei Meter einen Hang hinunter, wobei sie zweimal mit dem Kopf auf der rechten Seite aufschlug. Ihr Lebenspartner und ihre Tochter halfen ihr wieder auf die Beine. Mit ihrer Hilfe konnte sie sich aus eigener Kraft zu Tal und nach Hause begeben.
Weder beim einen noch beim anderen Unfall liegt eine besondere Eindr�cklichkeit des Unfallherganges vor noch waren die beiden Unf�lle von besonders dramatischen Umst�nden begleitet, welche objektiv geeignet gewesen w�ren, eine psychische Gesundheitsst�rung der genannten Art auszul�sen.
5.2.2 Nach dem Unfall vom 1. Oktober 1975 war die �rztliche Behandlung der somatischen Unfallfolgen anfangs Mai 1976 abgeschlossen und die Beschwerdegegnerin war ab 2. Mai 1976 wieder zu 100 % arbeitsf�hig. Wohl kam es in den Jahren 1976 und 1977 zu weiteren Arbeitsunterbr�chen, doch konnten - wie dargelegt (Erw. 4.4.2) - keine objektiven, pathologischen Befunde mehr erhoben werden.
Aufgrund des Unfalles vom 8. Oktober 1995 f�hrte der Neurochirurge Dr. S.________ eine operative Behandlung der bereits im April 1992 diagnosti-zierten Diskushernie C6/7 und Bandscheibenprotrusion C5/6 durch. Anl�sslich der Kontrolluntersuchung vom 7. Februar 1996 beurteilte der Operateur die cervikovertebrale "Restproblematik" als im "Normbereich" liegend, fand stabile radiologische Verh�ltnisse vor und schlug die Wiederaufnahme der ange-stammten Arbeit zu 50 % ab 12. Februar 1996 vor. In der Folge nahm die Beschwerdegegnerin ihre gesch�ftsleitenden Funktionen ab 11. M�rz 1996 wieder zu 35 % auf, um sie dann im August 1997 ganz aufzugeben. In vorstehender Erw. 3.2 ist im Einzelnen dargelegt worden, dass sp�testens ein Jahr nach dem Unfall vom 8. Oktober 1995 keine somatischen Unfallfolgen mehr vorlagen, die es gerechtfertigt h�tten, die �rztliche Behandlung (soweit ersichtlich) ununterbrochen weiterzuf�hren und die vorhandene Arbeitsf�higkeit bis August 1997 nur in geringf�gigem Ausmass und dann gar nicht mehr zu verwerten. Dasselbe gilt f�r die von der Beschwerdegegnerin seither geklagten Dauerschmerzen.
F�r beide Unf�lle sind daher weder das Kriterium der ungew�hnlich langen Dauer der physisch bedingten Arbeitsunf�higkeit noch der entsprechenden �rztlichen Behandlung noch der k�rperlichen Dauerschmerzen erf�llt.
5.2.3 Die beiden Ad�quanzkriterien des schwierigen Heilungsverlaufs mit erheblichen Komplikationen sowie der �rztlichen Fehlbehandlung sind offensichtlich ebenfalls nicht gegeben. Es ist verfehlt, wenn die Beschwerdegegnerin im Zusammenhang mit dem letzteren Kriterium auf die gesundheitssch�dlichen Folgen des ihr vom Hausarzt verordneten Schmerzmittels Betnesol verweist, auf welche die Gutachter des ZMB hingewiesen haben. Denn, sie haben zugleich festgehalten, dass die Beschwerdegegnerin die ("zum Teil h�here") Dosierung dieses Medikamentes selbst vorgenommen hat und daher die Verdachtsdiagnose "Medikamentenabusus" gestellt. Der �bertriebene Konsum dieses Schmerzmittels f�llt daher der Beschwerdegegnerin selbst und nicht dem behandelnden Hausarzt zur Last.
5.2.4 Die Beschwerdegegnerin hat sowohl beim ersten wie beim zweiten Unfall schleudertrauma�hnliche Verletzungen im Halswirbel- bzw. Sch�del-Hirnbereich erlitten, welche nach ihrer Art erfahrungsgem�ss geeignet sind, psychische Fehlentwicklungen auszul�sen. Ist aber, wie im vorliegenden Fall (Erw. 4.4.1. und 4.4.2), eine vorbestandene psychische Gesundheitsst�rung durch einen Unfall (hier durch denjenigen vom 8. Oktober 1995) lediglich verschlimmert worden oder sind die nach einer solchen schleudertrauma�hnlichen Verletzung eingetretenen, gesundheitlichen Beeintr�chtigungen im Vergleich zur psychischen Problematik von eindeutig untergeordneter Bedeutung (hier nach dem Unfall vom 1. Oktober 1975), so bedeutet dies, dass es sich bei der psychischen Fehlentwicklung nicht mehr um eine mit der erlittenen schleudertrauma�hnlichen, organischen Sch�digung eng verflochtenen Gesundheitsschaden, sondern um eine selbstst�ndige (sekund�re) Gesundheitsst�rung handelt. In solchen F�llen kann daher auch das Ad�quanzkriterium der besonderen Art der erlittenen Verletzung und ihrer erfahrungsgem�ssen Eignung, psychische Fehlentwicklungen auszul�sen, nicht bejaht werden.
Gesamthaft betrachtet ist weder ein einziges der rechtsprechungsgem�ss zu ber�cksichtigenden, objektiven Ad�quanzkriterien in besonderes ausgepr�gter oder auffallender Weise verwirklicht noch sind mehrere davon in geh�ufter oder auffallender Weise erf�llt. Somit kommt beiden Unf�llen weder einzeln noch in ihrer Gesamtwirkung massgebende Bedeutung f�r die Entstehung und Entwicklung des psychischen Gesundheitsschadens der Beschwerdegegnerin und der dadurch bewirkten Arbeits- und Erwerbsunf�higkeit zu. Die SUVA hat daher ihre Leistungspflicht mit Wirkung ab 23. Oktober 1998 zu Recht abgelehnt.
Der angefochtene Entscheid der Vorinstanz h�lt aus diesen Gr�nden vor dem massgebenden Bundesrecht nicht Stand und ist aufzuheben.
In Gutheissung der Verwaltungsgerichtsbeschwerde wird der Entscheid des Verwaltungsgerichts des Kantons Nidwalden vom 28. Juni 2001 aufgehoben.