Source: https://www.rechtslupe.de/zivilrecht/ratenzahlungsvereinbarung-und-keine-ruhendstellung-einer-kontopfaendung-3105298
Timestamp: 2020-08-15 17:20:49
Document Index: 234994412

Matched Legal Cases: ['§ 843', 'BGH', 'BGH', '§ 704', '§ 704', '§ 704', '§ 753', 'BGH', '§ 753', '§ 754', '§ 704', '§ 775', '§ 704', '§ 804', '§ 843', '§ 704', '§ 704945']

Ratenzahlungsvereinbarung - und keine Ruhendstellung einer Kontopfändung | Rechtslupe
Ratenzahlungsvereinbarung - und keine Ruhendstellung einer Kontopfändung
Schlie­ßen Gläu­bi­ger und Schuld­ner im Rah­men der Zwangs­voll­stre­ckung ohne Ein­ver­ständ­nis des Dritt­schuld­ners eine Raten­zah­lungs­ver­ein­ba­rung, in der sich der Gläu­bi­ger gegen­über dem Schuld­ner ver­pflich­tet, die Kon­to­pfän­dung einst­wei­len aus­zu­set­zen, kommt eine gericht­li­che Anord­nung gegen­über dem Dritt­schuld­ner mit dem Inhalt, dass der Schuld­ner über die vom Gläu­bi­ger durch Pfän­dungs- und Über­wei­sungs­be­schluss gepfän­de­te und zur Ein­zie­hung über­wie­se­ne For­de­rung ver­ein­ba­rungs­ge­mäß vor­läu­fig bis zu einem vom Gläu­bi­ger erklär­ten Wider­ruf oder der Zustel­lung einer ander­wei­ti­gen Pfän­dung eines nach­ran­gi­gen Gläu­bi­gers ver­fü­gen kann, nicht in Betracht.
Eine Ruhend­stel­lung der Zwangs­voll­stre­ckung aus einem Pfän­dungs- und Über­wei­sungs­be­schluss durch gericht­li­che Fest­stel­lung mit der von der Gläu­bi­ge­rin begehr­ten Rechts­fol­ge, dass die Schuld­ne­rin über die gepfän­de­te und der Gläu­bi­ge­rin zur Ein­zie­hung über­wie­se­ne For­de­rung vor­läu­fig bis zu einem von ihr erklär­ten Wider­ruf oder der Zustel­lung einer ander­wei­ti­gen Pfän­dung ver­fü­gen kann, kommt nicht in Betracht, weil für eine sol­che einst­wei­li­ge Aus­set­zung der Pfän­dungs­wir­kun­gen eines Pfän­dungs- und Über­wei­sungs­be­schlus­ses eine gesetz­li­che Grund­la­ge nicht gege­ben ist.
Das Zwangs­voll­stre­ckungs­recht ist als for­ma­li­sier­tes Ver­fah­rens­recht öffent­lich­recht­li­cher Natur [1]. Der Gläu­bi­ger ist aller­dings grund­sätz­lich berech­tigt, über das Voll­stre­ckungs­ver­fah­ren zu dis­po­nie­ren, soweit nicht zwin­gen­des Recht ent­ge­gen­steht [2]. Dies bedeu­tet, dass der Gläu­bi­ger grund­sätz­lich sowohl die Art der Voll­stre­ckungs­maß­nah­me, den Gegen­stand, in den voll­streckt wer­den soll, als auch den Zeit­punkt bestim­men kann, zu dem die Voll­stre­ckung gegen den Schuld­ner erfol­gen soll, soweit nicht zwin­gen­de Pfän­dungs­schutz­vor­schrif­ten oder sons­ti­ge zwin­gen­de gesetz­li­che Vor­schrif­ten ent­ge­gen­ste­hen [3]. Der Gläu­bi­ger kann danach eine bean­trag­te Voll­stre­ckungs­maß­nah­me inhalt­lich beschrän­ken oder zurück­neh­men, die Auf­he­bung einer Voll­stre­ckungs­maß­nah­me oder die einst­wei­li­ge Ein­stel­lung der Zwangs­voll­stre­ckung ganz oder teil­wei­se bewil­li­gen oder auf die durch eine bewirk­te Pfän­dung erlang­ten Rech­te ganz oder teil­wei­se ver­zich­ten, § 843 ZPO. Der Gläu­bi­ger ist jedoch nicht befugt, die Rechts­wir­kun­gen der nach dem Gesetz vor­ge­se­he­nen Zwangs­voll­stre­ckungs­maß­nah­men durch eine ein­sei­ti­ge Anord­nung dahin zu modi­fi­zie­ren, dass unter Auf­recht­erhal­tung der Ver­stri­ckung die sich aus dem Pfand­recht erge­ben­den Rechts­wir­kun­gen vor­über­ge­hend ent­fal­len. Die in der Zivil­pro­zess­ord­nung vor­ge­se­he­nen Mög­lich­kei­ten der Beschrän­kung oder Ein­stel­lung der Zwangs­voll­stre­ckung durch das Voll­stre­ckungs­ge­richt oder ein ande­res Voll­stre­ckungs­or­gan sind im Hin­blick auf das streng for­ma­li­sier­te Zwangs­voll­stre­ckungs­ver­fah­ren als abschlie­ßend anzu­se­hen [4].
Der Gläu­bi­ge­rin geht es im vor­lie­gen­den Fall um eine vor­läu­fi­ge Aus­set­zung der Wir­kun­gen der Pfän­dung mit dem Ziel, dass die­se im Fal­le eines von ihr erklär­ten Wider­rufs oder einer ander­wei­ti­gen Pfän­dung der For­de­rung durch einen nach­ran­gi­gen Gläu­bi­ger wie­der auf­le­ben. Eine sol­che teil­wei­se Aus­set­zung der mit dem erwirk­ten Pfän­dungs- und Über­wei­sungs­be­schluss ein­her­ge­hen­den Rechts­wir­kun­gen ist nach den Vor­schrif­ten über die Pfän­dung von Geld­for­de­run­gen des Schuld­ners nicht in der Wei­se mög­lich, dass unter Wah­rung des Rangs der Gläu­bi­ge­rin die Pfän­dungs­wir­kun­gen im Übri­gen vor­läu­fig ent­fal­len. Hier­für besteht kei­ne gesetz­li­che Grund­la­ge [5]. Ein einst­wei­li­ger Ver­zicht auf die Wir­kun­gen des Pfand­rechts ohne Auf­he­bung der mit der Pfän­dung bewirk­ten Ver­stri­ckung ist wegen des Zusam­men­hangs von Beschlag­nah­me und Pfand­recht aus­ge­schlos­sen [6].
Die Gläu­bi­ge­rin kann die Anord­nung einer Ruhend­stel­lung der Pfän­dung mit dem bean­trag­ten Inhalt auch nicht im Hin­blick dar­auf ver­lan­gen, dass es um die Fest­stel­lung der Wir­kung einer zwi­schen ihr und der Schuld­ne­rin geschlos­se­nen voll­stre­ckungs­be­schrän­ken­den Ver­ein­ba­rung geht. Die Gläu­bi­ge­rin erstrebt eine Fest­stel­lung des Voll­stre­ckungs­ge­richts des Inhalts, dass die zwi­schen ihr und der Schuld­ne­rin geschlos­se­ne voll­stre­ckungs­be­schrän­ken­de Ver­ein­ba­rung von der Dritt­schuld­ne­rin zu beach­ten ist. Für eine sol­che Fest­stel­lung gibt es kei­ne gesetz­li­che Grund­la­ge.
Die Dritt­schuld­ne­rin ist zur Beach­tung einer voll­stre­ckungs­be­schrän­ken­den Ver­ein­ba­rung, durch die ihr Mit­wir­kungs­pflich­ten auf­er­legt wer­den, nur ver­pflich­tet, wenn sie ihr zuge­stimmt hat [7]. Es kann dahin­ste­hen, ob der Auf­fas­sung des Beschwer­de­ge­richts zu fol­gen ist, wonach die zwi­schen der Gläu­bi­ge­rin und der Schuld­ne­rin getrof­fe­ne voll­stre­ckungs­be­schrän­ken­de Ver­ein­ba­rung des­we­gen einen unzu­läs­si­gen Ver­trag zu Las­ten Drit­ter dar­stellt, weil die Dritt­schuld­ne­rin durch die­sen ver­pflich­tet wer­den soll­te, die Ein­hal­tung der zwi­schen der Gläu­bi­ge­rin und der Schuld­ne­rin getrof­fe­nen Raten­zah­lungs­ver­ein­ba­rung zu über­wa­chen. Eine sol­che Ver­pflich­tung ergibt sich aus der Ver­ein­ba­rung zwi­schen der Gläu­bi­ge­rin und der Schuld­ne­rin nicht mit hin­rei­chen­der Deut­lich­keit.
Die Dritt­schuld­ne­rin trifft indes im vor­lie­gen­den Fall jeden­falls eine Mit­wir­kungs­pflicht dahin­ge­hend, dass sie bei einem Wider­ruf der Gläu­bi­ge­rin oder einer Pfän­dung durch einen nach­ran­gi­gen Gläu­bi­ger die Aus­zah­lung des Kon­to­gut­ha­bens an die Schuld­ne­rin ein­zu­stel­len hat­te. Eine sol­che Mit­wir­kungs­pflicht kann der Dritt­schuld­ne­rin nur mit ihrem Ein­ver­ständ­nis auf­er­legt wer­den. Nach den von den Par­tei­en unbe­an­stan­de­ten Fest­stel­lun­gen des Beschwer­de­ge­richts liegt ein sol­ches Ein­ver­ständ­nis der Dritt­schuld­ne­rin nicht vor.
Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 2. Dezem­ber 2015 – VII ZB 42/​14
vgl. BGH, Urteil vom 25.01.1978 – VIII ZR 137/​76, BGHZ 70, 206, 210 24; Zöller/​Stöber, ZPO, 31. Aufl., Vor § 704 Rn. 24[↩]
vgl. Zöller/​Stöber, aaO, Vor § 704 Rn.19, 24; Musielak/​Voit/​Lackmann, ZPO, 12. Aufl., Vor § 704 Rn. 17; Stein/​Jonas/​Münzberg, ZPO, 22. Aufl., § 753 Rn. 9; Schuschke/​Walker/​Schuschke, ZPO, 5. Aufl., Einf. Rn. 10; Ehlenz/​Joeres, Jur­Bü­ro 2010, 62, 63; Wie­ser, NJW 1988, 665, 669[↩]
vgl. BGH, Urteil vom 02.04.1991 – VI ZR 241/​90, NJW 1991, 2295, 2296 13; Münch­Komm-ZPO/Heß­ler, 4. Aufl., § 753 Rn. 25, § 754 Rn. 24; Stein/​Jonas/​Münzberg, aaO, Vor § 704 Rn. 100 m.w.N.[↩]
vgl. Zöller/​Stöber, aaO, § 775 Rn. 3; Schuschke/​Walker/​Schuschke, ZPO, 5. Aufl., Einf. Rn. 10; Ehlenz/​Joeres, Jur­Bü­ro 2010, 62, 63[↩]
vgl. Ehlenz/​Joeres, Jur­Bü­ro 2010, 62, 63; LG Mün­chen, Beck­RS 2014, 13746; a.A. Wieczorek/​Schütze/​Paulus, ZPO, 4. Aufl., Vor § 704 ZPO Rn. 28; LG Köln, Beschluss vom 25.10.2006 13 T 214/​06 3; LG Mön­chen­glad­bach, Jur­Bü­ro 2005, 499 10; LG Ber­lin, Rpfle­ger 2006, 329, 330 9[↩]
vgl. Zöller/​Stöber, ZPO, 31. Aufl., § 804 Rn. 13 a.E.; Schuschke/​Walker/​Schuschke, aaO, § 843 Rn. 4 m.w.N.[↩]
vgl. BAG, NJW 1975, 1575, 1576 10; Stein/​Jonas/​Münzberg, aaO, Vor § 704 Rn. 99; Hk-ZPO/­Kindl, 6. Aufl., Vor §§ 704945 Rn. 9; Suder­gat, Kon­to­pfän­dung und P-Kon­to, 3. Aufl., Rn. 1208[↩]
Ansprü­che einer „Influ­en­ce­rin“ – nach ihrem Aus­schei­den als… Sind kei­ne ver­trag­li­chen Rege­lun­gen für die Hono­rie­rung der Geschäfts­füh­rer­tä­tig­keit bei einer UG bzw. GmbH getrof­fen wor­den, ist die­se Rege­lungs­lü­cke durch eine ergän­zen­de Ver­trags­aus­le­gung auf der…
Miet­preis­brem­se vor dem Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt Die mit dem Miet­rechts­no­vel­lie­rungs­ge­setz geschaf­fe­nen Vor­schrif­ten zur Regu­lie­rung der Miet­hö­he bei Miet­be­ginn im nicht preis­ge­bun­de­nen Wohn­raum (soge­nann­te „Miet­preis­brem­se“) sind nicht ver­fas­sungs­wid­rig. Sie ver­sto­ßen nicht gegen…
BankkontoGirokontoKontopfändungRatenzahlungsvereinbarung