Source: https://www.rechtslupe.de/verwaltungsrecht/melderechtlicher-berichtigungsanspruch-3103983
Timestamp: 2019-12-14 19:03:05
Document Index: 288307031

Matched Legal Cases: ['Art. 75', 'Art. 125', '§ 23', '§ 7', '§ 9', '§ 8', '§ 2', 'Art. 8', 'Art. 10', 'Art. 9', 'Art. 3', 'Art. 13', 'Art. 13', '§ 42', '§ 7', '§ 9', 'Art. 8', 'Art. 10', '§ 9', 'Art. 10', '§ 4', 'Art. 10']

Mel­de­recht­li­cher Berich­ti­gungs­an­spruch | Rechtslupe
Melderechtlicher Berichtigungsanspruch
Der mel­de­recht­li­che Berich­ti­gungs­an­spruch ist dar­auf gerich­tet, eine unrich­ti­ge Ein­tra­gung durch die rich­ti­ge zu erset­zen.
Das Mel­de­rechts­rah­men­ge­setz, das der Bun­des­ge­setz­ge­ber auf­grund sei­ner mit Wir­kung ab 1.09.2006 auf­ge­ho­be­nen Rah­men­kom­pe­tenz für das Mel­de­we­sen nach Art. 75 Nr. 5 GG a.F. erlas­sen hat, gilt nach Art. 125b Abs. 1 Satz 1 GG noch bis zum Inkraft­tre­ten des Bun­des­mel­de­ge­set­zes vom 03.05.2013 1 am 1.11.2015 fort. Es hat eine Ver­pflich­tung der Län­der zur Anpas­sung ihrer Lan­des­mel­de­ge­set­ze begrün­det (vgl. § 23 Abs. 1 MRRG). Soweit der Bun­des­ge­setz­ge­ber von einer durch die Rah­men­kom­pe­tenz gedeck­ten Befug­nis zum Erlass inhalt­lich abschlie­ßen­der mel­de­recht­li­cher Rege­lun­gen Gebrauch gemacht hat, sind die Lan­des­ge­setz­ge­ber ver­pflich­tet gewe­sen, die­se Rege­lun­gen inhalt­lich unver­än­dert in das Lan­des­mel­de­ge­setz zu über­neh­men. Hier­zu gehö­ren die Rege­lun­gen des Mel­de­rechts­rah­men­ge­set­zes, die sich mit dem Inne­ha­ben meh­re­rer Woh­nun­gen befas­sen 2.
Nach § 7 Nr. 2, § 9 Satz 1 MRRG haben die Lan­des­ge­setz­ge­ber Betrof­fe­nen gegen­über der Mel­de­be­hör­de ein Recht auf Berich­ti­gung oder Ergän­zung ein­zu­räu­men, wenn das Mel­de­re­gis­ter unrich­tig oder unvoll­stän­dig ist. Betrof­fe­ner ist der­je­ni­ge, zu des­sen Per­son die Daten und Hin­wei­se gespei­chert sind (§ 8 Abs. 1 Nr. 1 MRRG). Nach § 2 Abs. 1 Nr. 12 MRRG gehö­ren zu die­sen per­so­nen­be­zo­ge­nen Daten gegen­wär­ti­ge und frü­he­re Anschrif­ten sowie Haupt- und Neben­woh­nung. Das baye­ri­sche Mel­de­ge­setz hat die­se Rege­lun­gen inhalts­gleich umge­setzt (Art. 8 Nr. 2; Art. 10 Abs. 1 Satz 1; Art. 9 Abs. 1 Nr. 1; Art. 3 Abs. 1 Nr. 11 BayMG).
Der Baye­ri­sche Ver­wal­tungs­ge­richts­hof 3 hat den Vater für berech­tigt gehal­ten, Ansprü­che sei­ner Kin­der im Wege der gesetz­li­chen Pro­zess­stand­schaft im eige­nen Namen zu ver­fol­gen. Er hat der Rege­lung des Art. 13 Abs. 3 Satz 2 zwei­ter Halb­satz BayMG, der den Woh­nungs­in­ha­ber zur Mel­dung des Ein- und Aus­zugs einer sei­ner Per­so­nen­sor­ge unter­lie­gen­den, noch nicht sech­zehn­jäh­ri­gen Per­son ver­pflich­tet, zugleich des­sen Befug­nis ent­nom­men, im eige­nen Namen auf eine Berich­ti­gung der Woh­nungs­da­ten des Min­der­jäh­ri­gen im Mel­de­re­gis­ter hin­zu­wir­ken (gesetz­li­che Pro­zess­stand­schaft). An die­se Aus­le­gung des Lan­des­mel­de­ge­set­zes ist das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt gebun­den, weil sich die Fra­ge nach der Ver­ein­bar­keit mit dem Mel­de­rechts­rah­men­ge­setz nicht stellt. Die­ses ent­hält kei­ne ent­spre­chen­de Rege­lung über die Mel­de­pflicht per­so­nen­sor­ge­be­rech­tig­ter Woh­nungs­in­ha­ber. In der wei­ten Aus­le­gung des Ver­wal­tungs­ge­richts­hofs stellt Art. 13 Abs. 3 Satz 2 zwei­ter Halb­satz BayMG eine ande­re gesetz­li­che Bestim­mung im Sin­ne des § 42 Abs. 2 VwGO dar, die eine Kla­ge ohne Betrof­fen­heit in eige­nen Rech­ten zulässt. Die Lan­des­ge­setz­ge­ber sind befugt, der­ar­ti­ge Rege­lun­gen zu tref­fen 4.
Ein Anspruch auf Berich­ti­gung des Mel­de­re­gis­ters nach § 7 Nr. 2, § 9 Satz 1 MRRG (Art. 8 Nr. 2, Art. 10 Abs. 1 Satz 1 BayMG) besteht unter zwei Vor­aus­set­zun­gen, die kumu­la­tiv vor­lie­gen müs­sen:
Nach dem Wort­laut des § 9 Satz 1 MRRG (Art. 10 Abs. 1 Satz 1 BayMG) muss zum einen ein Datum im Mel­de­re­gis­ter unrich­tig oder unvoll­stän­dig ein­ge­tra­gen sein. Dies ist der Fall, wenn der Inhalt des Mel­de­re­gis­ters nicht den mel­de­recht­li­chen Vor­schrif­ten ent­spricht.
Hin­zu­kom­men muss, dass der Anspruch dar­auf gerich­tet ist, anstel­le des unrich­ti­gen Datums das rich­ti­ge, d.h. das mel­de­rechts­ge­mä­ße Datum ein­zu­tra­gen. Es gibt kei­nen Anspruch, eine unrich­ti­ge Ein­tra­gung durch eine ande­re, eben­falls unrich­ti­ge Ein­tra­gung zu erset­zen. Durch eine der­ar­ti­ge Ein­tra­gung wür­de das Mel­de­re­gis­ter nicht berich­tigt, d.h. mel­de­recht­lich rich­tig gestellt, viel­mehr wür­de sei­ne Unrich­tig­keit fort­ge­schrie­ben. Der Berich­ti­gungs­an­spruch des Betrof­fe­nen tritt neben die von Amts wegen bestehen­de Pflicht der Mel­de­be­hör­de, die Rich­tig­keit des Mel­de­re­gis­ters von Amts wegen sicher­zu­stel­len (§ 4a Abs. 1 Satz 1 MRRG, Art. 10 Abs. 1 Satz 1 BayMG).
BGBl. I S. 1084[↩]
BVerwG, Urteil vom 20.03.2002 – 6 C 12.01 – NJW 2002, 2579[↩]
BayVGH, Urteil vom 19.12.2013 – VGH 5 BV 12.721[↩]
stRspr; vgl. BVerwG, Urteil vom 29.04.1993 – 7 A 3.92, BVerw­GE 92, 263, 264[↩]
BerichtigungsanspruchMelderechtMelderegister