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Timestamp: 2018-11-18 22:56:13
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Listenhunde – wovon spricht man eigentlich? – Die Schweizer Plattform für kostenlose Tierinserate – Petyo
Listenhunde – wovon spricht man eigentlich? – Die Schweizer Plattform für kostenlose Tierinserate
Listenhunde, im Volksmund auch «Kampfhunde» genannt, sind Hunde, denen ein übermässiges Aggressionsverhalten bzw. ein erhöhtes Gefahrpotenzial zugeschrieben wird. Seit diversen unschönen Begebenheiten zwischen solchen Hunden und Menschen sind gewisse Arten als besonders gefährlich aufgelistet und ihre Haltung entweder bewilligungspflichtig oder sogar gänzlich verboten. Deshalb die Bezeichnung Listenhunde.
Historische Untersuchungen und Funde belegen, dass bereits im Altertum grosse, schwere Hunde zu Jagd-, Wach- und Kriegszwecken verwendet wurden. Mächtige doggenartige Hunde wurden schon rund 2000 Jahre v.Chr. von Babyloniern und Assyrern in den Kriegen um Vorderasien eingesetzt. Unter dem achämenidischen Grosskönig und ägyptischen Pharao Xerxes gelangte 480 v.Chr. eine grosse Anzahl so genannter Molosser nach Europa, von denen viele Tiere als Beutegut in die Hände der Römer fielen. Diese nutzten sie zur Bewachung der Lager und Reichsgrenzen, schätzten sie als Jagd- und Meldehunde – und hetzten sie in den Arenen auf Tier und Mensch.
Die Tierkämpfe, die über viele Jahrhunderte als Volksbelustigung fortgeführt wurden, hatten im England des 17. und 18. Jahrhunderts ihre Blütezeit. Gesetzlich gefördert, führten vor allem die Bullenkämpfe zur Zucht speziell gebauter Hunde, den English Bulldogs. Aus ihnen hervorgegangen sind Züchtungen der uns heute bekannten «Kampfhunde­rassen».
Im Jahr 1835 wurden in England durch parlamentarischen Beschluss alle Arten von Tierkämpfen verboten. Was zur Folge hatte, dass Hundekämpfe in unüberschaubare Hinterhöfe verlegt und von eher dubiosen Gestalten durchgeführt wurden. Die hierfür gezüchteten Bull Terrier und Staffordshire Bull Terrier waren leichter und wendiger als ihre Vorgänger. Diese wohnten oft in sehr kleinen, engen Wohnungen, wo sie den spärlich bemessenen Platz meist mit einer grossen menschlichen Sippschaft teilen mussten und wegen ihrer ursprünglichen Grösse perfekt ins enge Umfeld passten. Die Weiterzüchtungen besassen ein ansprechenderes Aussehen, sodass Liebhaber begannen, einheitliche Rassekriterien festzulegen und organisiert auf äussere Merkmale zu züchten. Als die englische Regierung rigoros gegen die weiterhin durchgeführten illegalen Hundekämpfe vorging, konnten sich die neu gezüchteten Rassen mehr und mehr als Ausstellungshunde etablieren.
Mitte des 19. Jahrhunderts brachten viele Auswanderer aus den industriellen Ballungszentren Englands ihre Hunde nach Amerika, mit denen sie – vor allem im Nordosten des Landes – Hundekämpfe abhielten. Gegen Ende des Zweiten Weltkrieges spalteten sich auch hier die Interessen der Hundehalter- und Züchter. Die Liebhaber des Hundekampfes orientierten ihre Zucht streng nach den Regeln der «Leistungsfähigkeit» (American Pit Bull Terrier), während die Verfechter des Ausstellungshundes (American Staffordshire Terrier) sich eindeutig vom Hundekampf distanzierten. Seit dem Jahr 1936 werden beide Rassen in zwei unabhängigen Zuchtbüchern geführt. Bis in die heutige Zeit werden Hundekämpfe illegal abgehalten und – gemessen an der Gesamthundepopulation – einige wenige Vertreter verschiedenster Hunderassen für diese Zwecke missbraucht. Die Ausbildung der Hunde an lebenden Tieren, in der Regel an Hähnen oder Katzen, verursacht meist starke und irreversible Störungen im Sozialverhalten und stellt in jeder Hinsicht einen Verstoss gegen das Tierschutzgesetz dar.
Fragwürdige Pauschalisierung
Mit dem Begriff «Kampfhund» werden heute vor allem Dobermänner, Rottwei­ler, Mastiffs und verschiedene Doggen- und Terrierarten bezeichnet. Diese finden in Zusammenhang mit aggressiven Auseinandersetzungen häufig Erwähnung. Wobei die Pauschalisierung grund­sätzlich unkorrekt ist. Denn im Prinzip kann jeder Hund bei der Begegnung mit Menschen und Artgenossen feindselig reagieren und ungehemmt beissen. Unabhängig von Rasse und Grösse. Die Gefährlichkeit eines Hundes ist vor allem von Umweltreizen abhängig. Dabei ist die Dauer zwischen der dritten und zwanzigsten Woche im Leben der Welpen entscheidend. Für das Verhalten eines Hundes ist nicht oder nicht nur die Rasse prägsam – Pitbull Terrier und Dogo Argentino sind in vielen Fällen weit sanftere Gesellen als mancher Mischling –, sondern die Erfahrungen der ersten Lebenswochen. Kurz: Verhaltensgestörte Tiere ohne gesellschaftliche Verträglichkeit werden in erster Linie durch sogenannte Aggressionszucht und eine soziale Fehlentwicklung in der Welpenaufzucht «geschaffen».
Der tödliche Angriff in Hamburg im Jahre 2000, bei welchem ein 7-jähriger Knabe von zwei Pitbulls getötet wurde, erregte europaweit grosses Aufsehen. Danach wurde in Deutschland in vielen Bundesländern ein Verbot dieser und anderer Rassen eingeführt. In der Schweiz war es der Kanton Basel, der bereits 2003 Restriktionen für bestimmte Rassen eingeführt hat.
In der Schweiz hat der tödliche Pitbull-Angriff von Oberglatt im Dezember 2005 besonders im Kanton Zürich für Schlagzeilen gesorgt. Was dazu führte, dass auch der Kanton Zürich eine Rasseliste mit verbotenen Rassen und eine weitere umfassende Liste von Hunderassen, deren Haltung mit Auflagen verbunden ist, erstellte.
Auf Bundesebene existiert kein schweizweites Gesetz. Nach dem Vorfall in Oberglatt wurde auch eine parlamentarische Initiative lanciert, aber eine einheitliche Gesetzeslösung auf Bundesebene wurde abgelehnt. Es ist im Tierschutzgesetz geregelt, dass Aggressionszuchten verboten sind. Es wurde aber darauf verzichtet, Rassen zu diskriminieren. Weitergehende strengere Auflagen oder Gesetze sind in der Hoheit der Gesetzgebung der Kantone.
Für Hundehalter ist die Situation recht verwirrend, da in jedem Kanton andere Regelungen gelten. Die meisten Kantone haben keine Verbote oder Auflagen. Man müsste aber immer wissen, was im Nachbarkanton gilt, wenn man irgendwo die Kantonsgrenze beim Spazieren oder Wandern überquert oder jemanden besucht.
So gesehen existiert der Listenhund nicht. Welche Hunde als Listenhunde gelten, ist je nach Kanton unterschiedlich. In den meisten Kantonen gibt es ausserdem gar keine Listen, wiederum andere wie der Kanton Basel Land haben diese schon vor zehn Jahren eingeführt.
Vielen Leuten ist zwar bewusst, dass der Pitbull Terrier auf den meisten Listen steht. Sie kennen aber nicht den Unterschied zu American Staffordshire Terrier, Bullterrier oder Staffordshire Bull Terrier. Im Tessin ist zum Beispiel auch der Schäferhund oder die Dogge ein Listenhund.
In anderen Ländern stehen andere Rassen auf den Listen. Die Auflistung der Rassen in Deutschland nach Gefährlichkeit sieht teilweise etwas nach «Gebietsschutz» aus, da etwa bei unseren nördlichen Nachbarn deutsche Hunde bei der Aufstellung fehlen, während sie in Spanien sehr wohl aufgeführt werden – wobei in Spanien dann wiederum heimische Rassen nicht aufgelistet sind?…
Hier einige Beispiele der unterschiedlichen Handhabung der Kantone:
Der Kanton Zürich führt von allen Kantonen in der Schweiz die umfassendste Liste. Neben der Rassetypenliste II gibt es die Rassetypenliste I, zu denen alle grossen und massigen Hunde gehören, die nicht auf der Liste II stehen oder zu den kleinwüchsigen Hunden gehören. Die Liste der kleinwüchsigen Hunde findet man im Anhang der Hundeverordnung (HuV) des Kantons Zürich.
Das am 1. Januar 2010 in Kraft getretene neue Zürcher Hundegesetz (HuG) sieht ein Rasseverbot von Hunden mit erhöhtem Gefährdungspotenzial vor (§8 HuG). Verboten sind der Erwerb, die Zucht sowie der Zuzug mit entsprechen­den Hunden (§8 Abs.1 HuG i.V.m. §6 HuV). Zu den Hunden dieser Rassetypenliste II gehören der American Pit Bull Terrier, American Staffordshire Terrier, Bull Terrier, Staffordshire Bull Terrier, American Bull Terrier, Pitbull Terrier, Bandog und Basicdog (beides Pitbull-Varianten). Verboten sind auch Mischlinge mit mehr als 10 Prozent Blutanteil der verbotenen Rassen (§?5 HuV). Das Bundesgericht hat in einem Entscheid vom 13. Januar 2010 die Rechtmässigkeit eines solchen Rasseverbots bestätigt (Urteil 2C_52/2009).
Für die Haltung potenziell gefährlicher Hunde bedarf es vor der geplanten Anschaffung einer Bewilligung (§2a Abs.1 Hundegesetz/BL). Diese wird erteilt, wenn der Hundehalter handlungsfähig ist, einen Auszug aus dem schweizerischen Strafregister vorlegt, den Nachweis ausreichender kynologischer Fachkenntnisse erbringt sowie dass die Tiere aus einer Zucht stammen, die den kynologischen Ansprüchen genügt und die Anforderungen der schweizerischen Tierschutzgesetzgebung erfüllt. Als potenziell gefährliche Hunde gelten Bullterrier, Staffordshire Bull Terrier, American Staffordshire Terrier, American Pit Bull Terrier, Rottweiler, Dobermann, Dogo Argentino, Fila Brasileiro, Kreuzungen mit diesen Rassen und Hunde, die in Bezug auf die äussere Gestalt diesen Rassen und Kreuzungen ähnlich sind, sowie andere Hunde, die aufgrund ihres Verhaltens als potenziell gefährlich aufgefallen sind (§1 Verordnung für das Halten potenziell gefährlicher Hunde). Neu ist in Haushalten, in denen ein potenziell gefährlicher Hund lebt, die Haltung eines zweiten Hundes – ausser in bewilligten Ausnahmefällen – verboten (§2b Hundegesetz/BL).
Diese spezielle Regelung des Kantons Basel-Land, dass nur noch ein Listenhund gehalten werden darf, kann durchaus Sinn machen, da viele Hundeführer mit zwei Hunden überfordert sind, wenn die «Rudeldynamik» zum Tragen kommt. Diese kann sich aber auch unter «befreundeten» Hunden von verschiedenen Haltern entwickeln. Diese Dynamik hat vermutlich auch zu dem Vorfall in Oberglatt beigetragen.
Im Kanton Aargau ist am 1. Mai 2012 das neue Hundegesetz in Kraft getreten. Demnach bedarf das Halten von Hunden mit erhöhtem Gefährdungspotenzial einer vorgängigen Bewilligung (§10 Abs.1 HuG). Zu diesen Hunden gehören American Staffordshire Terrier, Bull Terrier und American Bull Terrier, Staffordshire Bull Terrier, Pit Bull Terrier und American Pit Bull Terrier, Rottweiler sowie Hunde aus Kreuzungen dieser Rassen und Hunde, deren äusseres Erscheinungsbild vermuten lässt, dass sie von einem Rassetyp mit erhöhtem Gefährdungspotenzial abstammen (§11 HuV). Im Zweifelsfall entscheidet das Veterinäramt. Eine Bewilligung müssen auch Hundehalter beantragen, die zum Zeitpunkt des Inkrafttretens (1. Mai 2012) bereits einen Listenhund besessen haben, und Personen, die aus anderen Kantonen zuziehen. Wurde in einem anderen Kanton bereits ein Ausbildungskurs besucht, kann ein Gesuch um Anerkennung der besuchten Ausbil­dungsgänge gestellt werden (§13 HuG).
Am 1. April 2009 ist im Kanton Tessin ein neues Hundegesetz in Kraft getreten, das für 30 Rassen eine Bewilligungspflicht vorsieht. Der Bewilligungspflicht unterliegen folgende 30 Hunderassen: Rottweiler, Amerikanischer Bulldog, Deutsche Dogge, Fila Brasileiro, Dogo Argentino, Mastiff, Mastino Napoletano,
Bordeauxdogge, Bullmastiff, Tosa Inu, Ciarplanina, Tibetmastiff, Anatolischer Schäferhund, Kaukasischer Schäferhund, Schäferhund von Zentralasien, Cane Corso, Deutscher Schäferhund, die vier Belgischen Schäferhunde, Holländischer Schäferhund, der Tschechoslowakische Wolfshund, Beauceron, Komondor, Kuvasz, Südrussischer Schäferhund, Schäferhund der Tatra, Dobermann, Bull Terrier, American Pitbull, Staffordshire Bull Terrier, American Staffordshire Terrier und ihre Mischlinge.
Gemäss der Tessiner Liste sind also auch Schäferhunde «Listenhunde», und mit dieser Liste dürfte auch ein ziemlich grosser Teil der gehaltenen Hunde betroffen sein.
Eine vollständige Übersicht über die Gesetzeslage in den einzelnen Kantonen finden Sie auf den Internet-Seiten der Listenhunde-Hilfe Schweiz () sowie von der Stiftung für das Tier im Recht ()
Vor rund 250 Jahren tauchten in England zum ersten Mal Hunde auf, die man offiziell für die Vorfahren der heutigen Staffordshire Bull Terrier hält. Diese kleinen bulligen Hunde lebten mit ihren Besitzern in engen Bergarbeiterwohnungen in Mittel­england um Birmingham und in der Grafschaft Staffordshire und durften deshalb nicht allzu gross sein. Gehalten wurden sie ursprünglich zum Rattentöten. Später war diese Rasse sehr beliebt für Hundekämpfe. Dank Wetteinsätzen und -gewinnen bei Rennen und Hundekämpfen sowie mit dem Verkauf von Welpen konnten die Bergarbeiter ihr karges Einkommen etwas aufbessern. 1935 wurde diese Rasse vom Verband der englischen Hundezüchter als eigene Rasse anerkannt. Laut Rasse­standard gehören Intelligenz sowie eine ausgesprochene Menschen- und Kinderfreundlichkeit zu den primären Zuchtzielen.
In Grossbritannien zählt der Staffordshire Bull Terrier heute zu den häufigsten Hunderassen und gilt als Familienhund schlechthin.
Unter dem Namen American Staffordshire Terrier ist diese Rasse seit dem 1. Januar 1972 international anerkannt. Zuvor herrschte keine einheitliche Namensgebung. Die Hunde waren bekannt als «Pit Bull Terrier», «American Bull Terrier», «Yankee Terrier» oder «Stafford Terrier». Der American Staffordshire Terrier entwickelte sich aus dem Staffordshire Bull Terrier, ist aber etwas grösser als dieser. Er kam mit britischen Einwanderern nach Übersee und wurde für Hundekämpfe eingesetzt. Nachdem auch in den USA Hundekämpfe verboten wurden, begannen Züchter damit, diese Rasse für Ausstellungen interessant zu machen. Der American Staffordshire Terrier ist grundsätzlich ausdauernd, intelligent, wachsam, anhänglich und sehr verspielt.
Der Bull Terrier ist eine Kreuzung alter Terrierschläge zwischen dem mittlerweile ausgestorbenen weissen Terrier und der Bulldogge. Mitte des 19. Jahrhunderts wurde aus dem Kampfhund ein beliebter und salonfähiger Begleiter von Gross und Klein, denn diese Rasse gilt als sehr menschenfreundlich. Der Bull Terrier verfügt über einen selbstbewussten Charakter, ist sehr robust und dennoch ein sehr empfindsames Wesen (wie alle Hunde natürlich!). Er benötigt jedoch eine konsequente Erziehung, da er zwar selber selten angreift, aber bis zum Töten des «Gegners» alles verteidigt, was er als ihm anvertraut erachtet.
Der American Pit Bull Terrier ist auf Kreuzungen von Bulldogge und Terrier zurückzuführen. Auch er wurde gerne für Hundekämpfe eingesetzt. Als Pit wird übrigens die Arena bezeichnet, in welcher sich die Kämpfe Hund gegen Hund abspielten. Die amerikanische Tierschutzorganisation ASPCA (American Society for the Prevention of Cruelty to Animals) beschreibt den Pit Bull als einen intelligenten und sanftmütigen Hund. Der UKC (United Kennel Club) bezeichnet ihn gar als exzellenten Familienhund, aber wenig geeignet als Wachhund. Um seine positiven Eigenschaften zu erhalten, muss eine sehr sorgfältige Sozialisation vorangehen. Und trotz seiner liebenswürdigen Seite gehört ein American Pit Bull Terrier nur in fachkundige Hände. Zu wenig Strenge in der Erziehung kann bewirken, dass sich das Verhalten des Hundes ins Gegenteil verkehren kann.
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