Source: https://www.frag-einen-anwalt.de/Steuer-Deutschland-oder-Schweiz,-Entfernungen,-Grenzgaenger,-Haupt-od-2-Wohnsitz--f252980.html
Timestamp: 2020-04-06 11:06:43
Document Index: 394891925

Matched Legal Cases: ['§ 1', 'Art. 15', '§ 15', 'Art. 4', 'Art. 3', 'Art. 26']

www.frag-einen-anwalt.deSteuerrechtDeutschlandSteuer Deutschland oder Schweiz, E...
| 20.01.2014 13:22 |
Zusammenfassung: Ein deutscher Staatsbürger, der in der Schweiz arbeitet und dort ansässig, wird wegen seiner Lohneinkünfte in der Schweiz besteuert.
Ich bin Grenzgänger. Mein Hauptwohnsitz ist im Stuttgarter Raum. Ich arbeite in der Schweiz. Ich habe einen 2. Wohnsitz am Bodensee Deutschland. Mehr als 60 Tage hat mir der Arbeitgeber bescheinigt, da übernachte ich bei einer Kollegin. Das Quellenstueramt meinte "Es ist zumutbar an meinem 2.Wohnsitz zurück zu kehren (45 km Weg von der Arbeitsstelle). Würde gerne in der Schweiz meine Stuern zahlen.
Meine Frage: Wie kann ich das Problem lösen? Welcher Wohnsitz ist massgebend für die Schweiz und welches für Deutschland?
Wo muss ich welche Unterlagen einreichen?
Es gilt das Doppelbesteuerungsabkommen zwischen der Schweiz und Deutschland vom 11.08.1971 [nachfolgend abgekürzt: "DBA Schweiz"]. (Das Nachfolge-Abkommen vom 21.09.2011 ist bisher von Deutschland nicht ratifiziert worden und damit nicht in Kraft getreten.)
Sie haben zwei Wohnsitze, die sich aber beide in Deutschland befinden. Da Sie nur in Deutschland ständige Wohnstätten unterhalten und dort auch Ihren gewöhnlichen Aufenthalt haben´, sind Sie nach § 1 Abs. 1 Satz 1 EStG im Inland unbeschränkt steuerpflichtig.
Es gilt Art. 15 DBA Schweiz:
"(1) Vorbehaltlich der Artikel 15 a bis 19 können Gehälter, Löhne und ähnliche Vergütungen, die eine in einem Vertragstaat ansässige Person aus unselbständiger Arbeit bezieht, nur in diesem Staat besteuert werden, es sei denn, daß die Arbeit in dem anderen Vertragstaat ausgeübt wird. Wird die Arbeit dort ausgeübt, so können die dafür bezogenen Vergütungen in dem anderen Staat besteuert werden.
c) die Vergütungen nicht von einer Betriebstätte oder einer festen Einrichtung getragen werden, die der Arbeitgeber in dem anderen Staat hat."
Für Grenzgänger gilt ergänzend § 15a DBA Schweiz:
"(1) [2] Ungeachtet des Artikels 15 können Gehälter, Löhne und ähnliche Vergütungen, die ein Grenzgänger aus unselbständiger Arbeit bezieht, in dem Vertragstaat besteuert werden, in dem dieser ansässig ist. Zum Ausgleich kann der Vertragstaat, in dem die Arbeit ausgeübt wird, von diesen Vergütungen eine Steuer im Abzugsweg erheben. Diese Steuer darf 4,5 vom Hundert des Bruttobetrages der Vergütungen nicht übersteigen, wenn die Ansässigkeit durch eine amtliche Bescheinigung der zuständigen Finanzbehörde des Vertragstaates, in dem der Steuerpflichtige ansässig ist, nachgewiesen wird. Artikel 4 Absatz 4 bleibt vorbehalten.
(4) Die zuständigen Behörden der Vertragstaaten verständigen sich über die weiteren Einzelheiten sowie die verfahrensmäßigen Voraussetzungen für die Anwendung der vorstehenden Absätze."
Wenn Sie in der Schweiz besteuert werden wollen, müssen Sie eine ständige Wohnstätte in der Schweiz unterhalten, in der Sie sich gewöhnlich aufhalten und die den Mittelpunkt ihrer Lebensinteressen bildet (neben den deutschen Wohnstätten), d.h. zu der sie die engeren persönlichen und wirtschaftlichen Beziehungen haben (Art. 4 Abs. 2 Buchstabe a. und b. DBA Schweiz). Sind diese Voraussetzungen erfüllt, gelten Sie steuerrechtlich als in der Schweiz ansässig und werden dort besteuert.
Nach Art. 3 Abs. 1 Buchstabe i. DBA Schweiz bedeutet der Ausdruck „zuständige Behörde":
Sobald Sie in der Schweiz ansässig sind, können Sie den Antrag auf Besteuerung durch die Schweiz nach Art. 26 Abs. 1 DBA Schweiz der zuständigen Schweizer Behörde unterbreiten. Die Behörde wird Ihnen auch mitteilen, welche Unterlagen Sie im einzelnen einreichen müssen.
Nachfrage vom Fragesteller	20.01.2014 | 15:28
Guten Tag, besten Dank für die Antwort. Nich einfach zu lesen...
Von meinem Hauptwohnsitz aus (seit 35 J. mein Lebensmittelpunkt und Wohnsitz meiner Familie. Dahin kehre ich jedes Wochenende zurück)sind es ca. 180 Km. Mein 2.Wohnsitz habe ich nur weil Die Stecke nicht täglich fahren kann. Von meinem Arbeitgeber aus(Schweizer Firma) habe ich der Bereitschaftdienst zu absolvieren an mehr als 60 Tage im Jahr, daher übernachte ich in der Schweiz und dies hat mir der Arbeitgeber bestätigt. Wie werde ich besteuert? (möchte erst einmal die jetztige Wohnsituatiion so belassen)Ich habe erfahren dass es eine Regel gibt wenn die Entfernung mehr als 110 km beträgt und der Arbeitsplatz im Ausland sich befindet. Bei mir kommt der Frühdienst hinzu...
Wäre schön eine Antwort mit einfache Worte...
Antwort auf die Nachfrage vom Anwalt 21.01.2014 | 19:24
dass die Rechtslage kompliziert ist, liegt am Deutsch-Schweizer Doppelbesteuerungsabkommen (DBA).
Nach Ihren Angaben werden Sie in Deutschland nach deutschem Steuerrecht besteuert.
Wenn Sie in der Schweiz nach Schweizer Steuerrecht besteuert werden wollen, benötigen Sie in der Schweiz eine ständige Wohnstätte, in der Sie sich gewöhnlich aufhalten, und die den Schwerpunkt Ihrer Lebensinteressen bildet. Dass Sie an mehr als 60 Tagen im Jahr in der Schweiz zwecks Bereitschaftsdienst übernachten, lässt zwar Ihre Eigenschaft als Grenzgänger entfallen, reicht aber für eine Besteuerung in der Schweiz nach Schweizer Steuerrecht nicht aus.
Von einer "110-km-Regel" ist mir nichts bekannt. Diese ergibt sich auch nicht aus dem DBA.
Bewertung des Fragestellers 23.01.2014 | 11:33
FRAGESTELLER 23.01.2014 5/5,0