Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Gericht=BFH&Datum=11.12.2013&Aktenzeichen=XI%20R%2021%2F11
Timestamp: 2019-04-25 17:03:35
Document Index: 220743632

Matched Legal Cases: ['§ 13', '§ 13', 'Art 199', 'Art 199', '§ 4', '§ 13', '§ 27', '§ 13', '§ 13', '§ 27', '§ 13', '§ 27']

BFH, 11.12.2013 - XI R 21/11 - dejure.org
§ 13b Abs 1 S 1 Nr 4 UStG 2005, § 13b Abs 2 S 2 UStG 2005, Art 199 Abs 1 Buchst a EGRL 112/2006, Art 199 Abs 2 EGRL 112/2006, UStG VZ 2007
Einschränkende Auslegung des Übergangs der Steuerschuldnerschaft auf Leistungsempfänger bei Bauleistungen
Wann ist der Leistungsempfänger (hier: Bauträger) Schuldner der Umsatzsteuer?
Voraussetzungen der Umsatzsteuerpflicht von Bauleistungen eines Bauträgers
Verlagerung der Steuerschuldnerschaft auf Leistungsempfänger nur bei Verwendung einer Lieferung für Bauleistung
kanzlei-nickert.de (Leitsatz)
Neues Whitepaper zur Steuerschuldnerschaft des Leistungsempfängers bei Bauleistungen
Eingangsleistung nicht bautypisch verwendet: Kein Reverse-Charge-Verfahren! (IBR 2014, 379)
Eingangsleistung nicht bautypisch verwendet: Kein Reverse-Charge-Verfahren! (IMR 2014, 270)
Kurznachricht zu "Anmerkung zum Urteil vom BFH vom 11.12.2013, Az.: XI R 21/11 (Steuerschuldnerschaft des Leistungsempfängers bei Bauleistungen)" von Regierungsdirektor Christian Sterzinger, original erschienen in: UR 2014, 276 - 282.
Kurznachricht zu "Anmerkung zur Entscheidung des BFH vom 11.12.2013, Az.: XI R 21/11 (Steuerschuldnerschaft bei Bauleistungen)" von Dipl.-Finw. Frank Fritsch, original erschienen in: UStB 2014, 99 - 100.
BFHE 244, 115
NZBau 2014, 288
DB 2014, 582
BStBl II 2014, 425
BauR 2014, 1188
Der Übergang der Steuerschuldnerschaft steht dabei nicht zur Disposition der Vertragsparteien (BFH-Urteile vom 11. Dezember 2013 XI R 21/11, BFHE 244, 115, BStBl II 2014, 425; vom 22. August 2013 V R 37/10, BFHE 243, 20, BStBl II 2014, 128).
Ein Wechsel der Steuerschuldnerschaft kommt nach diesen Vorschriften nicht in Betracht, wenn der Leistungsempfänger keine steuerpflichtigen bauwerksbezogenen sonstigen Leistungen oder Werklieferungen erbringt, weil er als Bauträger die empfangenen Leistungen (ausschließlich) für nach § 4 Nr. 9 Buchst. a UStG steuerfreie Grundstückslieferungen verwendet (BFH-Urteile vom 22. August 2013 BFH V R 37/10, BFHE 243, 20, BStBl II 2014, 28; vom 11. Dezember 2013 XI R 21/11, BFHE 244, 115, BStBl II 2014, 425;… Heuermann in Sölch/Ringleb, UStG, § 13b Rz. 128;… Klenk in Sölch/Ringleb, UStG, § 27 Rz. 54).
Danach fallen jedenfalls die Erstellung eines Wohnhauses (BFH-Urteil in BFHE 243, 20, BStBl II 2014, 128, Rz 32 und 36) sowie Rohbauarbeiten (BFH-Urteil vom 11. Dezember 2013 XI R 21/11, BFHE 244, 115, BStBl II 2014, 425, UR 2014, 276, Rz 3 und 37) in den Anwendungsbereich des § 13b Abs. 2 Nr. 4 Satz 1 UStG (bis zum 30. Juni 2010 § 13b Abs. 1 Satz 1 Nr. 4 Satz 1 UStG).
§ 27 Abs. 19 UStG greift in die im Zeitpunkt seiner Verkündung bereits entstandene Steuerschuld für 2011 nachträglich ein, so dass eine unzulässige echte Rückwirkung jedenfalls nicht ausgeschlossen erscheint (so auch Hammerl/Fietz, Neue Wirtschaftsbriefe für Steuer- und Wirtschaftsrecht - NWB - 2014, 2688; Schneider/Mann NWB 2014, 3911; Fleckenstein-Weiland, Betriebsberater - BB - 2014, 2391; Langer DStR 2014, 1897; Neeser Umsatzsteuer und Verkehrsteuerrecht - UVR - 2014, 333; Prätzler, Mehrwertsteuerrecht - MwStR - 2014, 680; a.A. Widmann MwStR 2014, 495; Sterzinger UR 2014, 276; differenzierend Listl/Baumgartner, Umsatzsteuerrundschau - UR - 2014, 913).
cc) § 13b Abs. 2 Satz 2 UStG 2008 ist aber einschränkend dahingehend auszulegen, dass die Steuerschuld nur dann in der Person des Leistungsempfängers entsteht, wenn er die an ihn erbrachte Werklieferung oder sonstige Leistung, die der Herstellung, Instandsetzung, Instandhaltung, Änderung oder Beseitigung von Bauwerken dient, seinerseits zur Erbringung einer derartigen Leistung verwendet (BFH-Urteil vom 11.12.2013 XI R 21/11, BStBl II 2014, 425, für das UStG i. d. F. des Jahres 2007; BFH-Urteil vom 22.08.2013 V R 37/10, BStBl II 2014, 128, für das UStG i. d. F. des Jahres 2005).
Im Jahr 2014 ergaben sich aufgrund vorangegangener Entscheidungen des Bundesfinanzhofes (…BFH Urt. v. 22.08.2013 - VR 37/10, DStR 2013, 2560 und Urt. v. 11.12.2013 - VR 21/11, NZBau 2014, 288), hierauf folgender Schreiben der Finanzverwaltung (BMF-Schreiben vom 05.02.2014 und 08.05.2014) sowie einer Gesetzesänderung durch das sog. Kroatiengesetz (Gesetz zur Anpassung der nationalen Vorschriften an den Beitritt Kroatiens zur EU und zur Änderung weiterer steuerlicher Vorschriften vom 27.07.2014, BGBl I 2014, 1266) bei der Erbringung von Bauleistungen drei Zeiträume mit unterschiedlichen Rechtslagen (vergl. Langer, Übergang der Umsatzsteuerschuld bei Bauleistungen, DStR 2014, 1887 ff, 1902):.
§ 27 Abs. 19 UStG greift in die im Zeitpunkt seiner Verkündung bereits entstandene Steuerschuld für 2011 und 2012 nachträglich ein, so dass eine unzulässige echte Rückwirkung jedenfalls nicht ausgeschlossen erscheint (so auch Hammerl/Fietz, Neue Wirtschaftsbriefe für Steuer- und Wirtschaftsrecht - NWB - 2014, 2688; Schneider/Mann NWB 2014, 3911; Fleckenstein-Weiland, Betriebsberater - BB - 2014, 2391; Langer DStR 2014, 1897; Neeser Umsatzsteuer und Verkehrsteuerrecht - UVR - 2014, 333; Prätzler, Mehrwertsteuerrecht - MwStR - 2014, 680; a.A. Widmann MwStR 2014, 495; Sterzinger UR 2014, 276; differenzierend Listl/Baumgartner, Umsatzsteuerrundschau - UR - 2014, 913).