Source: https://www.rechtslupe.de/steuerrecht/einkommensteuer/einkommensteuer-betrieb/blockheizkraftwerk-betrieb-wohnungseigentuemergemeinschaft-3136805
Timestamp: 2019-06-25 01:31:21
Document Index: 23598409

Matched Legal Cases: ['§ 15', '§ 16', '§ 743', 'BGH', '§ 10', '§ 10', '§ 1', '§ 1', '§ 23', '§ 26', '§ 10', '§ 27', '§ 21', '§ 10', '§ 180', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 10', '§ 27', '§ 27', 'BGH', '§ 16', 'BGH', '§ 10', 'BGH', '§ 34', '§ 34', '§ 34', '§ 34', '§ 27', '§ 27', '§ 27', '§ 29', '§ 21', '§ 15']

Blockheizkraftwerk – und sein Betrieb durch eine Wohnungseigentümergemeinschaft | Rechtslupe
Der BFH hat bereits für den Fall der Vermietung des Sondereigentums auf Grundlage einer Gebrauchsregelung nach § 15 WoEigG entschieden, dass die Mitglieder der Wohnungseigentümergemeinschaft gemeinschaftlich unternehmerisch tätig sein können, ohne dass sie sich dazu zusätzlich zu einer GbR zusammenschließen müssten. Dies gelte unabhängig davon, ob diese Gemeinschaft als Bruchteilsgemeinschaft oder -wegen ihrer höheren Organisationsform- als vereinsähnliches Gebilde anzusehen sei. Denn das Gesetz verweise hinsichtlich der Zuordnung der gemeinsamen Einkünfte auf die für Bruchteilsgemeinschaften geltende Regelung (§ 16 Abs. 1 WoEigG, § 743 Abs. 1 BGB)6. An dieser Möglichkeit der gemeinschaftlichen Einkünfteerzielung hat sich durch den Beschluss des Bundesgerichtshofs vom 02.06.20057 und den mit Wirkung zum 1.07.2007 eingefügten -diesen BGH-Beschluss bestätigenden- § 10 Abs. 6 Satz 1 WoEigG8 nichts geändert9. § 10 Abs. 6 Satz 1 WoEigG bestimmt zwar, dass die Gemeinschaft der Wohnungseigentümer im Rahmen der gesamten Verwaltung des gemeinschaftlichen Eigentums gegenüber Dritten und Wohnungseigentümern selbst Rechte erwerben und Pflichten eingehen kann. Diese Teilrechtsfähigkeit führt aber nicht dazu, dass die Wohnungseigentümergemeinschaft ein nach § 1 Abs. 1 KStG steuerpflichtiges Gebilde ist. Auch wenn sie ein sich von der GbR in wesentlichen Punkten unterscheidender, Elemente verschiedener Verbandstypen vereinigender “Verband sui generis” ist10 und sich damit zivilrechtlich keinem bestehenden Typus einer Personengesellschaft oder juristischen Person zuordnen lässt11, unterfällt die Wohnungseigentümergemeinschaft keinem der in § 1 Abs. 1 Nrn. 1 bis 5 KStG genannten Körperschaftsteuersubjekte.
Mit der Bezeichnung “nicht rechtsfähig” sind solche Personenvereinigungen und Vermögensmassen gemeint, die keine juristischen Personen sind, aber Träger steuerrechtlicher Rechte und Pflichten (wie z.B. OHG, KG, GbR) sein können26. Der Begriff “Geschäftsführer” ist nicht i.S. des BGB oder des Handelsgesetzbuchs (HGB) zu verstehen. Er regelt das Verhältnis zur Finanzbehörde27. Gemeint sind damit -unabhängig von der Bezeichnung- alle Personen, die dazu berufen sind, die Geschäfte von nicht rechtsfähigen Personenvereinigungen und Vermögensmassen zu führen27. Zu diesen Personen können auch die von der Wohnungseigentümergemeinschaft bestellten Verwalter gehören (vgl. § 23, § 26 Abs. 1 Satz 1 WoEigG). Dies gilt jedenfalls dann, wenn der Verwalter gegenüber den Finanzbehörden in den Grenzen des § 10 Abs. 6 Satz 1, § 27 WoEigG als geschäftsführungs- und vertretungsberechtigtes Organ auftritt.
Jedenfalls erfolgte eine ausreichende Ermächtigung der WEG-Verwalterin in der Eigentümerversammlung am 26.08.2010 und damit noch vor Abgabe der Feststellungserklärung 2009. Dort wurde mehrheitlich beschlossen, dass die Umsatzsteuererklärungen von einem selbständigen Berater gefertigt und die Erträge aus der Einspeisung des Stroms aus dem BHKW in die Rücklage eingestellt werden sollen. Hieraus ergibt sich, dass die Wohnungseigentümer die steuerlichen Pflichten gegenüber den Finanzbehörden im Zusammenhang mit dem BHKW -auch wenn in dem Beschluss ausdrücklich nur die Umsatzsteuererklärungen genannt sind- nicht selbst erfüllen wollten. Eine andere Auslegung erscheint dem Bundesfinanzhof lebensfremd. In diesem Sinne hat auch die WEG-Verwalterin die Ermächtigung verstanden. Sie hat dem Finanzamt im Juni 2011 mitgeteilt, dass die Steuererklärungen von E abgegeben werden. Zudem wird (nochmals) deutlich, dass die Wohnungseigentümer den Betrieb des BHKW als eine in den Zuständigkeitsbereich der WEG-Verwalterin fallende Verwaltungsangelegenheit betrachtet haben. So sollen die Erträge aus der Stromeinspeisung in die “Rücklage” -damit ist offensichtlich die Instandhaltungsrückstellung nach § 21 Abs. 5 Nr. 4 WoEigG gemeint- eingestellt werden. Diese “Rücklage” gehört zum Verwaltungsvermögen, das nach § 10 Abs. 7 Satz 1 WoEigG der WEG zusteht32.
z.B. BFH, Urteil vom 30.11.2017 – IV R 33/14, Rz 22, m.w.N. [↩]
z.B. BFH, Urteil vom 13.07.2017 – IV R 41/14, BFHE 258, 459, BStBl II 2017, 1133, Rz 19 [↩]
Söhn in Hübschmann/Hepp/Spitaler -HHSp-, § 180 AO Rz 175 f. [↩]
z.B. BFH, Urteil vom 25.09.2008 – IV R 16/07, BFHE 224, 490, BStBl II 2009, 989, unter II. 2., m.w.N. [↩]
BFH, Urteil vom 10.04.1997 – IV R 73/94, BFHE 183, 127, BStBl II 1997, 569, unter 1.b, zur Wohnungseigentümergemeinschaft als Besitzunternehmen im Rahmen einer Betriebsaufspaltung [↩]
BGH, Beschluss vom 02.06.2005 – V ZB 32/05, BGHZ 163, 154 [↩]
vgl. Gesetz zur Änderung des Wohnungseigentumsgesetzes und anderer Gesetze vom 26.03.2007, BGBl I 2007, 370 [↩]
gleicher Ansicht Kahlen, ZMR 2006, 838, 840 [↩]
BGH, Beschluss in BGHZ 163, 154, unter III. 8.c; Suilmann in Bärmann, WEG, 14. Aufl., § 10 Rz 201 f. [↩]
Krampen-Lietzke, RNotZ 2013, 575, 576 [↩]
zu diesen beiden Merkmalen z.B. BFH, Urteil in BFHE 258, 459, BStBl II 2017, 1133, Rz 20, m.w.N. [↩]
vgl. Becker in Bärmann, a.a.O., § 27 Rz 5 [↩]
Engelhardt in MünchKommBGB, Band 7, 7. Aufl., § 27 WEG Rz 1 [↩]
vgl. BGH, Urteil vom 11.10.2013 – V ZR 271/12, Rz 7; Timme in Beck`scher Online-Kommentar, § 16 WEG Rz 6 [↩]
BGH, Urteil vom 18.03.2016 – V ZR 75/15, Rz 27, m.w.N. [↩]
weiter gehend für uneingeschränkte Rechtsfähigkeit z.B. Suilmann in Bärmann, a.a.O., § 10 Rz 210; Weber, Zeitschrift für Wohnungseigentumsrecht -ZWE- 2017, 68, 69 [↩]
vgl. BGH, Urteil vom 18.03.2016 – V ZR 75/15, Rz 27 [↩]
Suilmann, ZWE 2014, 302, 304 [↩]
so im Ergebnis auch Richter/Haats, Infrastrukturrecht 2011, 125, 127; Schmidt, Neue Wirtschafts-Briefe 2012, 1140, 1146; Krampen-Lietzke, RNotZ 2013, 575, 595; Suilmann, ZWE 2014, 302, 303; anderer Ansicht wohl die Finanzverwaltung [↩]
dazu BFH, Urteil vom 07.02.2018 – X R 10/16, BFHE 260, 490, BStBl II 2018, 630, Rz 43 ff. [↩]
BFH, Urteil vom 09.06.2015 – X R 38/12, Rz 32 [↩]
BMF, Schreiben vom 20.12 2012 – IV C 1 – S 2401/08/10001:008, BStBl I 2013, 36, Tz 18; vgl. auch Kahlen, ZMR 2006, 838, 840 [↩]
BFH, Urteil vom 12.04.2016 – VIII R 24/13, Rz 15 [↩]
Boeker in HHSp, § 34 AO Rz 32; Loose in Tipke/Kruse, Abgabenordnung, Finanzgerichtsordnung, § 34 AO Rz 10 [↩]
Boeker in HHSp, § 34 AO Rz 35; Jatzke in Gosch, AO § 34 Rz 14 [↩] [↩]
Becker in Bärmann, a.a.O., § 27 Rz 187 [↩]
Becker in Bärmann, a.a.O., § 27 Rz 189, Rz 253 [↩]
Becker in Bärmann, a.a.O., § 27 Rz 1, m.w.N. [↩]
vgl. Becker in Bärmann, a.a.O., § 29 Rz 90 [↩]
Merle in Bärmann, a.a.O., § 21 Rz 146 [↩]
BFH, Beschluss vom 08.10.2010 – II B 111/10, Rz 16, m.w.N. [↩]
BFH, Urteil vom 10.03.2015 – VII R 12/14, BFHE 249, 572, BStBl II 2016, 246 [↩]
BFH, Urteil vom 25.01.1994 – IX R 97, 98/90, BFHE 174, 386, BStBl II 1994, 738, unter 2.a [↩]
Heidner in Bunjes, UStG, 17. Aufl., § 15 Rz 355 [↩]
vgl. BFH, Urteile vom 18.12 2008 – V R 80/07, BFHE 225, 163, BStBl II 2011, 292, Rz 24 ff.; vom 12.12 2012 – XI R 3/10, BFHE 239, 377, BStBl II 2014, 809, Rz 16; s.a. Urteil des Gerichtshofs der Europäischen Union Finanzamt Freistadt Rohrbach Urfahr vom 20.06.2013 – C-219/12, EU:C:2013:413, Rz 16 ff. [↩]
vgl. BFH, Urteil vom 31.05.2017 – XI R 2/14, BFHE 258, 191, BStBl II 2017, 1024 [↩]
vgl. BFH, Urteil vom 13.01.2011 – V R 12/08, BFHE 232, 261, BStBl II 2012, 61, Rz 26 [↩]
BFH, Urteil vom 16.11.2016 – V R 1/15, BFHE 255, 354, Rz 23 ff. [↩]