Source: http://www.protection-of-minors.eu/de/IT_overview.php
Timestamp: 2017-04-24 22:54:50
Document Index: 107545705

Matched Legal Cases: ['§ 1', '§ 2', 'Art. 1', 'Art. 30', 'Art.\n718', 'Art. 110', 'Art. 6', 'Art. 44', 'Art.\n609', 'Art. 3']

Kinder- und Jugendschutz in Italien
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Bis zu welchen Alter gilt man als Kind und Jugendlicher?
Regelungen zum Aufenthalt auf öffentlichen Plätzen
Regelungen zum Aufenthalt in Gaststätten und Diskos
Regelungen zu Nachtbars, Nachtclubs, Spielhallen, gefährlichen Orten
Abgabe und Genuss von Alkohol
Beschränkungen bei öffentlichen Filmveranstaltungen
Zugang zu Internetcafés
Bestimmungen zum Mitführen von Waffen
Bestimmungen zu sexuellen Kontakten
Regelungen zur Arbeit von Jugendlichen im Ausland
Hilfreiche Institutionen bei Problemen
Es existieren keine spezifischen Normen, welche die Altersabschnitte für Kinder, Halbwüchsige und Jugendliche definieren. Im Allgemeinen pflegt man diese Zeitspannen
mit der Schullaufbahn zu verbinden und sie dem Reifeprozess bis zum Erreichen der
Volljährigkeit zuzuordnen, die per Gesetz mit Vollendung des 18. Lebensjahres festgelegt ist. Folgt man der Schullaufbahn, identifiziert man die Kindheit („Bambini/bam-
bine“ - Buben/Mädchen) üblicherweise mit dem Zeitabschnitt von der Geburt bis 10 Jahre (frühe oder „erste“ Kindheit 0-6, „zweite“ Kindheit 6-10); die Prä-Adolezenz
(„ragazzi/ragazze“ - halbwüchsige „Jungs/Mädels“) mit dem Alter von 11 bis 13
und die Jugend (ital. selber Terminus „ragazzi/ragazze“ - dt. früher vielleicht
„Jüngling/Mädchen, heute Jugendliche) mit dem Alter von 14 bis 17 Jahren.
Dieses Schema entspricht jedoch nur zum Teil einer Definition der psychologischen Gesamtentwicklung.
Im italienischen Bürgerlichen Gesetzbuch gibt es keine Definition für Minderjährige, es finden sich jedoch die Begriffe der Rechtsfähigkeit und
der Geschäfts- oder Handlungsfähigkeit in den Artikeln § 1 bzw. § 2 des
genannten Gesetzbuches. Erstere, die Rechtsfähigkeit, wird im Augenblick der Geburt erworben, während die Zweite, die Geschäfts-/
Handlungsfähigkeit mit Erlangen der Volljährigkeit (18 Jahre) erworben wird und damit die Fähigkeit, alle Handlungen vorzunehmen, für die kein anderweitiges Alter vorgeschrieben ist.
Obgleich eine ausdrückliche Definition für Minderjährige nicht vorliegt, hat Italien mit der Ratifizierung des Übereinkommens der Vereinten Nationen über die Rechte des Kindes von 1989 durch Gesetz
Nr. 176/1999 automatisch die Definition von Kind („fanciullo“) als Synonym für Minderjährigen übernommen, wie sie im Art. 1 des Übereinkommens enthalten ist.
Hingewiesen sei ferner darauf, dass das Gesetz Nr. 977/67 „Arbeitsschutz für Kinder und Jugendliche“, wie geändert mit Rechtsverordnung 345/99, in Artikel 1 eine Unterscheidung zwischen Kind (bambino) und Jugendlicher (adolescente) vornimmt, indem es klärt, dass für
die Ziele des Gesetzes als Kind der Minderjährige verstanden wird, der
noch keine 15 Jahre alt ist oder noch der Schulpflicht unterliegt und als
Jugendlicher der Minderjährige zwischen 15 und 18 Jahren, der nicht mehr der Schulpflicht untersteht.
Ja, er ist gestattet, obzwar auf Ebene des gesunden Menschenverstandes diese Möglichkeit natürlich von den erwachsenen Bezugspersonen
geregelt wird, auf der Grundlage des Alters der Kinder und auf der Basis
des Urteils, das die Erwachsenen vom Grad der Selbstständigkeit der
Kinder und Halbwüchsigen haben, unter Berücksichtigung ferner ihrer Regelungen zum gesetzlichen Kinder- und Jugendschutz in Einschätzung der von den Kindern frequentierten Gegenden im Hinblick auf dort bestehende Risikofaktoren. Das Bürgerliche Gesetzbuch bestimmt, dass der Minderjährige
stets der Verantwortung der erwachsenen Bezugspersonen untersteht (s. Art. 30 der
Verfassung und Artikel 147, 316, 333 des Bürgerlichen Gesetzbuches). Dieser Grundsatz
verbietet den Minderjährigen nicht ausdrücklich, sich frei und unabhängig zu bewegen,
weist aber dennoch der erwachsenen Bezugsperson die Pflicht zu, den Jugendlichen zu
schützen und folglich sich für den Fall der eigenen Abwesenheit zu vergewissern, dass
keine Umstände vorliegen, die dem Minderjährigen Schaden bringen könnten.
Gasstätten:
machen die öffentlichen Lokale, zu denen Minderjährige keinen Zutritt haben,
dieses Verbot am Eingang deutlich sichtbar, auch unter Angabe der Altersgrenze.
Es besteht keine spezifische Vorschrift, die eine Altersbeschränkung festlegt
für den Besuch - alleine oder in
Begleitung - von Lokalen des Gaststättenbereichs (Restaurants, Pizzerias,
Fastfood Häusern, Steh-Cafés, Pubs). Im Allgemeinen besuchen die Heranwachsenden
auch unbegleitet Fastfood Lokale, Pizzerias, Pubs, Coffee Shops. Diskos:
von Tanzsälen und Örtlichkeiten, wo Tanzunterricht erteilt wird, so verlangt
der gesunde Menschenverstand für Letztere ein bestimmtes Zugangsalter. Jedenfalls
aber gilt auch hier der Grundsatz, wonach die öffentlichen Lokale, zu denen
Minderjährige keinen Zutritt haben, dieses Verbot am Eingang deutlich sichtbar
machen, auch unter Angabe der jeweiligen Altersgrenze. Was
Diskotheken anbelangt, so verbietet das Gesetz den Zutritt ohne Begleitung für
Jugendliche unter 16 Jahren; tatsächlich kommt es aber vor, dass auch 14-Jährige
eingelassen werden; die genaue Bestimmung liegt uns jedoch nicht vor. nach oben ↑
Ist Kindern und Jugendlichen der Aufenthalt in Nachtbars, Nachtclubs oder vergleichbaren Vergnügungsbetrieben oder an jugendgefährdenden Orten (z.B. an Drogenumschlagplätzen oder an Orten, an denen sich Prostituierte aufhalten) gestattet? Ist Kindern und Jugendlichen der Besuch öffentlicher Spielhallen gestattet?
Der Aufenthalt in Nachtklubs und Nachtlokalen ist für Jugendliche unter 16
Jahren verboten; vor allem am Wochenende besuchen die jungen Leute in den frühen
Abendstunden (17-20 Uhr) oder am späteren Abend (21-23 Uhr) Kinos, Pubs,
Pizzerias und Theater. Jugendgefährdende Orte:
wird, dass man sich auf öffentliche Orte im Freien bezieht, wie Parks, die von
zwielichtigen Händlern, Prostituierten etc. frequentiert werden, und dass der
Begriff „gefährdend“ weitreichende Interpretationen und vielfältige
Definitionen erlaubt; tatsächlich ist die Auflistung von „Orten“, die für die
Jugend als gefährlich angesehen werden, einerseits lang und gleichzeitig
reduktiv, wenn man sie auf Orte der Prostitution, der Gaunerwelt, des
Drogenhandels oder ähnlicher Milieus begrenzt, wo doch auch viele andere
Gegebenheiten eingeschlossen sein müssten wie z. B. die unmittelbare Nähe einer
Bahnlinie, einer Straße, der Besuch auf Internet-Seiten, die Gesellschaft
„falscher“ Freunde usw. Gemäß dem
gesunden Menschenverstand gilt das Prinzip des „Achtens auf Gefahren“, das die
Erwachsenen aufgrund verschiedener Befugnis (als Eltern, Erzieher,
gesellschaftliche Animateure, Reisebegleiter, Sporttrainer etc.) den ihrer
Verantwortung unterstellten Minderjährigen einschärfen, wenn sie in einer
Situation Gründe zu erkennen meinen, die Risiken oder Schäden herbeiführen können
für die Gesundheit, für die körperliche Unversehrtheit, oder die das Erlernen
von bzw. den Anreiz zu Verhaltensweisen fördern können, die mit den
Wertvorstellungen und dem kulturellen Hintergrund der Zugehörigkeitsfamilie
nicht vereinbar sind. Dieses Kriterium verbindet sich im Übrigen mit dem der
Einschätzung des Grades der Eigenständigkeit, den man den Kindern und
Jugendlichen zuerkennt. Im Allgemeinen tendiert man dahin, mit zunehmendem
Alter größere Bewegungsfreiheit zu gewähren und mehr Urteilsfähigkeit
vorauszusetzen. Spielhallen:
italienische Ordnung verbietet das Glücksspiel in allen seinen Formen nach Art.
718 des Strafgesetzbuchs und die Spielkasinos sind für Personen unter 18 Jahren
Gemäß Art. 110, Absatz 8, der Königlichen Verordnung Nr. 773 vom 18. Juni
1931*, Genehmigung des Einheitstextes der Gesetze für öffentliche Sicherheit,
ist der Gebrauch von Apparaten und Vorrichtungen laut Absatz 6 (1) den Minderjährigen
unter 18 Jahren untersagt. Spielkasinos sind für Personen unter 18 Jahren nicht
zugänglich. Es gibt öffentliche Spielsäle mit Videospielen für Jugendliche, für
die der Eintritt ab 14 Jahren erlaubt ist, wobei jedoch die Kontrolle dem Geschäftsführer
der Spielstätte überlassen ist. nach oben ↑
Der Konsum und Erwerb von Alkohol ist seit dem 13.09.2012 erst ab 18 Jahren gestattet. Mit der Gesetztesänderung traten außerdem Geldbußen bis zu 2000€ für Verstöße in Kraft.
► Legge 08 novembre 2012, n. 189 (Quelle: http://www.salute.gov.it/alcol/newsAlcol.jsp?id=2297&menu=inevidenza&lingua=italiano)
Laut Dekret des Präsidenten
der Republik Nr. 2029 vom 11. November 1963, Durchführungsverordnung zum Gesetz Nr. 161 vom 21.
April 1962 über die Prüfung von
Filmen und Theaterstücken, sind
die filmischen und theatralischen Werke als für Minderjährige verboten anzusehen, die - obzwar sie keine
Verletzung der guten Sitten darstellen (nach Art. 6 des Gesetzes) - vulgäre Bemerkungen oder Gesten enthalten,
amoralischen Verhaltensweisen gegenüber
nachsichtig sind, erotische oder gewalttätige
Szenen mit Menschen oder Tieren zeigen, oder auch Szenen über chirurgische Eingriffe oder
hypnotische und mediumistische Phänomene,
wenn diese in besonders eindringlicher Form gebracht werden; ferner
Filme und Theaterstücke, die
Hass oder Rachegefühle anstacheln oder
Verbrechen in einer Weise darbieten, dass zur Nachahmung oder zum
Freitod in suggestiver Form verleitet wird. Es bestehen Zugangsbeschränkungen für die Projektion und das
Ansehen von Filmen und Theaterarbeiten für Jugendliche unter 14 und unter 18
Jahren auf der Grundlage des Gesetzes Nr. 161 vom 21. April 1962, Prüfung von Filmen und Theaterstücken sowie
nachfolgender Änderungen
(Gesetzesdekret Nr. 3 vom 8. Januar 1998). Diese Beschränkungen werden von Mal zu Mal von
einer Ad-hoc- Kommission bestimmt, welche die sog. Zensurtätigkeit ausübt.
Der Konsum und Erwerb von Tabak ist seit dem 13.09.2012 erst
ab 18 Jahren gestattet. Mit der Gesetztesänderung traten außerdem Geldbußen bis
zu 2000€ für Verstöße in Kraft.
► Legge 08 novembre 2012 , n. 189 (Quelle: http://www.salute.gov.it/alcol/newsAlcol.jspid=2297&menu=inevidenza&lingua=italiano)
Ist der Zugang zu Internet-Cafés Kindern und Jugendlichen gestattet?
Wie werden Kinder und Jugendliche dort vor jugendgefährdenden Inhalten geschützt?
Nach der italienischen Rechtsordnung werden als Waffen angesehen:
Schusswaffen und alle anderen, deren natürliche
Bestimmung der tätliche Angriff auf eine Person ist, ferner alle für Verletzungen geeigneten Instrumente,
Sprengstoffe, Tränen- und
Giftgase, Bomben und jegliches Gerät oder Behältnis, das mit explosivem
Material und Erstickungs- oder Tränengas
gefüllt ist, s. Artikel 585 und 704 des Strafgesetzbuches. Laut Königlicher Verordnung Nr. 773 vom 18. Juni
1931, Genehmigung des Einheitstextes der Gesetze für öffentliche Sicherheit, Art. 44,
kann der Waffenschein einem nicht aus der väterlichen
Gewalt entlassenen Minderjährigen nicht erteilt werden. Der Präfekt ist jedoch berechtigt, den
Waffenschein für die lange Feuerwaffe,
allein zu Jagdzwecken, dem Minderjährigen
zu erteilen, der das 16. Lebensjahr vollendet hat und das schriftliche
Einverständnis des
Erziehungsberechtigten oder dessen, der die gesetzliche Vormundschaft
ausübt, vorlegt und den Beweis
erbringt, im Umgang mit der Waffe erfahren zu sein. nach oben ↑
Verboten sind sexuelle Beziehungen und Kontakte zwischen Erwachsenen und Minderjährigen unter 14 oder 16 Jahren. Zugelassen sind sexuelle Beziehungen unter Minderjährigen, sofern der Altersunterschied zwischen den beiden Personen keine 3 Jahre beträgt und jedenfalls vorausgesetzt, dass keiner der beiden unter 13 Jahre alt ist, s. Art.
609 quater des Strafgesetzbuches.
Das Mindestalter für die Arbeitsaufnahme ist 15 Jahre, zusammenfallend mit dem Ende
der Schulpflicht; diese Grenze wird in besonderen Fällen auf 16 Jahre angehoben, wie
vorgesehen in Art. 3 des Gesetzes Nr. 977 vom 17. Oktober 1967 Arbeitsschutz für Kinder
Für ausländische Jugendliche gilt derselbe Grundsatz, vorbehaltlich der Notwendigkeit,
ihren Aufenthalt im Staatsgebiet unter Beachtung der geltenden Bestimmungen zu regeln. Es besteht die Möglichkeit, Erfahrungen in „Arbeits-Camps“ ohne Bezahlung zu
machen, die von den Vereinigungen der Freiwilligendienste organisiert werden.
An wen/welche Einrichtung(en) können Jugendliche sich bei auftretenden Problemen in Ihrem Land wenden?
Im Falle von Verletzungen der Jugendschutzvorschriften kann man sich für eine Anzeigeerstattung an die Polizeiorgane wenden wie z. B. an die Carabinieri, an die Staatspolizei, die ein eigenes Büro für Angelegenheiten Minderjähriger bei den Polizeipräsidien
der Provinzen unterhält sowie an die Gemeindepolizei.
Für Probleme im Zusammenhang mit Beziehungsschwierigkeiten, Probleme psychologischer oder sozialer Natur kann man sich an den Sozialdienst wenden, der in jeder
Gemeinde besteht oder bei jeder örtlichen soziosanitären Bezirksvertretung der lokalen
Gesundheitseinheiten.
Um einen Ansprechpartner in solchen Fragen zu finden, ist auch eine nationale öffentliche Telefonleitung geschaltet, die Meldungen über familiäre Probleme verbunden mit
Misshandlungen und sexuellem Missbrauch entgegennimmt (die Rufnummer ist die 114); ebenso bestehen Telefonleitungen im Rahmen des Vereinswesens, darunter das
„Hellblaue Telefon“ (Telefono Azzurro).
Italienische Botschaft Berlin, Abteilung für Soziales, 2012
Für die Richtigkeit, Vollständigkeit und Aktualität der Angaben übernehmen wir keine Gewähr. ein Projekt der BAJ - Bundesarbeitsgemeinschaft Kinder- und Jugendschutz e. V. | 10178 Berlin | Tel. +49 30 400 40 300 | e-Mail: info@bag-jugendschutz.de