Source: http://www.bverfg.de/entscheidungen/rs19981110_2bvr105791.html
Timestamp: 2016-09-28 03:26:16
Document Index: 357948316

Matched Legal Cases: ['§ 33', '§ 32', 'Art 6', 'Art. 6', 'Art. 6', 'Art. 6', '§ 33', '§ 53', '§ 32', '§ 33', '§ 52', '§ 32', '§ 33', '§ 32', '§ 33', '§ 32', '§ 33', '§ 32', '§ 32', '§ 33', '§ 32', '§ 33', 'Art. 3', 'Art. 1', '§ 32', '§ 33', 'Art. 1', 'Art. 1', '§ 32', '§ 32', '§ 26', '§ 26', '§ 32', '§ 32', '§ 26', '§ 26', '§ 33', '§ 33', '§ 33', '§ 33', '§ 33', '§ 33', '§ 33', '§ 33', '§ 33', '§ 33', '§ 33', '§ 33', '§ 33', 'Art. 3', 'Art. 6', 'Art. 3', 'Art. 6', 'Art.\n2', 'Art. 12', '§ 33', 'Art. 3', 'Art. 3', 'Art. 6', 'Art. 2', 'Art. 3', 'Art. 6', 'Art. 6', '§ 10', 'Art. 3', '§ 33', '§ 32', '§ 33', '§ 33', 'Art. 3', 'Art. 6', '§ 32', '§ 33', 'Art. 3', 'Art. 6', 'Art. 6', 'Art.\n6', '§ 33', '§ 33', 'Art. 6', '§ 93', 'Art. 6', 'Art. 6', 'Art. 6', 'Art. 6', 'Art. 7', 'Art. 6', 'Art. 6', 'Art. 6', 'Art. 6', 'Art.\n6', 'Art. 6', 'Art. 1', 'Art. 20', 'Art. 6', 'Art. 6', '§ 33', 'Art.\n6', 'Art. 6', '§ 33', '§ 33', '§ 33', '§ 33', '§ 33', '§ 33', '§ 33', 'Art. 6', '§ 33', '§ 33', '§ 33', '§ 33', '§ 33', 'Art. 6', '§ 1570', '§ 33', '§ 33', '§ 33', 'Art. 6', 'Art. 6', 'Art. 6', '§ 33', '§ 33', '§ 33', '§ 33', '§ 33', '§ 33', '§ 10', '§ 33', '§ 10', '§ 32', '§ 32', 'Art. 6', '§ 79', '§ 80', 'Art. 6', '§ 32', '§ 32', '§ 32', 'Art.\n6', '§ 26', '§ 26', 'Art. 6', 'Art. 6', '§ 33', '§ 32', '§ 33', '§ 33', '§ 33', '§ 12', '§ 22', '§ 1', '§ 22', 'Art. 11', '§ 12', '§ 12', '§ 33', '§ 370', '§ 33', '§ 32', '§ 32', '§ 95', '§ 79', 'Art. 6', '§ 33', '§ 32', '§ 32', '§ 33', '§ 2', 'Art. 6', '§ 62', '§ 115', '§ 163', '§ 33', '§ 32', '§ 32', '§ 34']

Bundesverfassungsgericht - Entscheidungen - Gesetzliche Regelungen des EStG § 33c Abs 1 - 4, § 32 Abs 3, Abs 4 u Abs 7 in den für die ab VZ 1983 geltenden Fassungen sind mit GG Art 6 Abs 1 u Abs 2 insoweit unvereinbar, als die in ehelicher Gemeinschaft lebenden, unbeschränkt steuerpflichtigen Eltern vom Abzug der Kinderbetreuungskosten wegen Erwerbstätigkeit und von der von der Gewährung des Haushaltsfreibetrags ausgeschlossen werden
Beschluss vom 10. November 1998 - 2 BvR 1057/91
L e i t s ä t z e zum Beschluß des Zweiten Senats vom 10.
November 1998 - 2 BvR 1057/91 - - 2 BvR 1226/91 - - 2 BvR 980/91 - Art. 6 Abs. 1 GG enthält einen besonderen
Gleichheitssatz. Er verbietet, Ehe und Familie gegenüber
anderen Lebens- und Erziehungsgemeinschaften schlechter zu
stellen. Dieses Benachteiligungsverbot steht jeder
belastenden Differenzierung entgegen, die an die Existenz
einer Ehe (Art. 6 Abs. 1 GG) oder die Wahrnehmung des
Elternrechts in ehelicher Erziehungsgemeinschaft (Art. 6
Abs. 1 und 2 GG) anknüpft. Die Leistungsfähigkeit von Eltern wird, über
den existentiellen Sachbedarf und den erwerbsbedingten
Betreuungsbedarf des Kindes hinaus, generell durch den
Betreuungsbedarf gemindert. Der Betreuungsbedarf muß als
notwendiger Bestandteil des familiären Existenzminimums
(vgl. BVerfGE
82, 60 <85>; 87,
153 <169 ff.>)
einkommensteuerlich unbelastet bleiben, ohne daß danach
unterschieden werden dürfte, in welcher Weise dieser Bedarf
gedeckt wird. a) Der Gesetzgeber muß bei der gebotenen
Neugestaltung des Kinderleistungsausgleichs auch den
Erziehungsbedarf des Kindes unabhängig vom Familienstand
bei allen Eltern, die einen Kinderfreibetrag oder ein
Kindergeld erhalten, berücksichtigen. b) Soweit das Familienexistenzminimum sich nach
personenbezogenen Daten wie Familienstand, Anzahl der
Kinder und Alter bestimmt, muß - nach dem rechtsstaatlichen
Gebot der Voraussehbarkeit und Berechenbarkeit - dieser
Tatbestand so gefaßt werden, daß die bloße Angabe dieser
Daten die Anwendung des Gesetzes möglich macht. Bundesverfassungsgericht - 2 BvR 1057/91 - - 2 BvR 1226/91 - - 2 BvR 980/91 - Im Namen des Volkes In den Verfahren über die Verfassungsbeschwerden 1. der Frau B..., - Bevollmächtigter:
Rechtsanwalt Dr. Gerhard Knaus, Bahnhofstraße 57, Kempten -
a) das Urteil des
Bundesfinanzhofs vom 15. März 1991 - III R 97/89 -, b) das Urteil des
Finanzgerichts München vom 18. September 1989 - 13 K
13158/85 -, c) den Bescheid des Finanzamts
Augsburg-Land vom 4. Juni 1985, mittelbar gegen § 33c EStG i.V.m.
§ 53b Abs. 1 und § 32 Abs. 3 und 4 EStG i.d.F. der
Bekanntmachung vom 12. Juni 1985 ( BGBl
I S. 977) - 2 BvR 1057/91 -, 2. a) der Frau L..., b) des Herrn B... - L..., - Bevollmächtigte zu 2. a):
Rechtsanwälte Michael Böhlk-Lankes und Kollegen, Elsenheimer Straße 43, München -
a) den Beschluß des
Bundesfinanzhofs vom 14. Mai 1991 - III B 88/89 -, b) das Urteil des
Finanzgerichts München vom 15. Juni 1989 - X 188/87 E, X
209/87 E, 10 K 2652/88, 10 K 2651/88, 10 K 3078/88, 10 K
3353/88, 10 K 844/88 und 10 K 845/88 -, mittelbar gegen § 33c EStG i.V.m.
§ 52 Abs. 23b und § 32 Abs. 3 und 4 EStG i.d.F. der
I S. 977) sowie § 33c und
§ 32 Abs. 7 EStG i.d.F. der Bekanntmachung vom 15. April
1986 ( BGBl
I S. 441) - 2 BvR 1226/91 - und 3. a) der Frau Dr. U..., b) des Herrn Dr. U... - Bevollmächtigte:
Rechtsanwälte Bernd Meisterernst und Kollegen, Geiststraße 2, Münster -
Bundesfinanzhofs vom 22. März 1991 - III B 517/90 -, b) das Urteil des
Finanzgerichts Münster vom 30. Mai 1990 - II 5109/88 E
-, mittelbar gegen § 33c und § 32 Abs.
7 EStG i.d.F. der Bekanntmachung vom 15. April 1986 ( BGBl
I S. 441) - 2 BvR 980/91 - hat das Bundesverfassungsgericht - Zweiter
Senat - unter Mitwirkung der Richterinnen und Richter Präsidentin Limbach, Kirchhof, Winter, Sommer, Jentsch, Hassemer, Broß, Osterloh am 10. November 1998 beschlossen: § 33c Absätze 1 bis 4 des
Einkommensteuergesetzes ist seit seiner Einführung durch
Artikel 3 Nummer 19 des Steuerbereinigungsgesetzes 1985 vom
14. Dezember 1984 (Bundesgesetzbl. I Seite 1493)
einschließlich aller nachfolgenden Fassungen mit Artikel 6
Absatz 1 und Absatz 2 des Grundgesetzes unvereinbar, soweit
er die in ehelicher Gemeinschaft lebenden, unbeschränkt
steuerpflichtigen Eltern vom Abzug der
Kinderbetreuungskosten wegen Erwerbstätigkeit
ausschließt. § 32 Absatz 3 und Absatz 4 des
Einkommensteuergesetzes seit der Fassung der Bekanntmachung
der Neufassung des Einkommensteuergesetzes vom 24. Januar
1984 (Bundesgesetzbl. I Seite 113) bis zur Änderung durch
Artikel 1 Nummer 8 des Gesetzes zur leistungsfördernden
Steuersenkung und zur Entlastung der Familie
(Steuersenkungsgesetz 1986/1988) vom 26. Juni 1985
(Bundesgesetzbl. I Seite 1153) sowie § 32 Absatz 7 des
der Neufassung des Einkommensteuergesetzes vom 15. April
1986 (Bundesgesetzbl. I Seite 441), einschließlich aller
nachfolgenden Fassungen, sind mit Artikel 6 Absatz 1 und
Absatz 2 des Grundgesetzes unvereinbar, soweit sie die in
ehelicher Gemeinschaft lebenden, unbeschränkt
steuerpflichtigen Eltern von der Gewährung des
Haushaltsfreibetrags ausschließen. Die Urteile des Finanzgerichts München vom
18. September 1989 - 13 K 13158/85 -, vom 15. Juni 1989 - X
188/87 E, X 209/87 E, 10 K 2652/88, 10 K 2651/88, 10 K
3078/88, 10 K 3353/88, 10 K 844/88 und 10 K 845/88 - und
das Urteil des Finanzgerichts Münster vom 30. Mai 1990 - II
5109/88 E - sowie das Urteil des Bundesfinanzhofs vom 15. März 1991 - III R
97/89 - und die Beschlüsse des Bundesfinanzhofs vom 14. Mai 1991 - III B 88/89 - und
vom 22. März 1991 - III B 517/90 - verletzen die Beschwerdeführer in ihrem
Grundrecht aus Artikel 6 Absatz 1 und Absatz 2 des
Grundgesetzes, soweit sie die Beschwerdeführer von der
Anwendung der unter 1. und 2. mit dem Grundgesetz für
unvereinbar erklärten Vorschriften ausschließen. Die
Entscheidungen des Bundesfinanzhofs werden aufgehoben und
die Verfahren an den Bundesfinanzhof zurückverwiesen. Die Verfassungsbeschwerden zu 2. und 3.
werden im übrigen nicht zur Entscheidung angenommen. Der Gesetzgeber ist verpflichtet, spätestens
mit Wirkung zum 1. Januar 2000 eine Neuregelung
hinsichtlich der unter 1. und spätestens mit Wirkung zum 1.
Januar 2002 hinsichtlich der unter 2. für verfassungswidrig
erklärten Vorschriften zu treffen. Bis zu diesem Zeitpunkt
bleiben die bisherigen Regelungen weiter anwendbar. Die Bundesrepublik Deutschland hat den
Beschwerdeführern die notwendigen Auslagen der
Verfassungsbeschwerdeverfahren zu erstatten. Gründe: A. 1 Die Verfassungsbeschwerden betreffen die
Frage, ob es mit dem Grundgesetz vereinbar ist, daß in
ehelicher Gemeinschaft lebende Eltern von dem Recht,
Kinderbetreuungskosten wegen Erwerbstätigkeit als
außergewöhnliche Belastungen von der
einkommensteuerrechtlichen Bemessungsgrundlage abzuziehen,
sowie von der Gewährung eines Haushaltsfreibetrags
ausgeschlossen werden. I. 2 1. Über den Begriff und die Voraussetzungen
der steuerlichen Abzugsmöglichkeit von Kinderbetreuungskosten
trifft § 33c EStG in den hier maßgeblichen Fassungen
folgende Regelung: 3 Kinderbetreuungskosten
Alleinstehender 4 (1) Aufwendungen für Dienstleistungen zur
Betreuung eines zum Haushalt eines Alleinstehenden gehörenden
Kindes (§ 32 Abs. 4 Satz 1), das unbeschränkt
einkommensteuerpflichtig ist und zu Beginn des Kalenderjahrs
das 16. Lebensjahr noch nicht vollendet hat, gelten als
außergewöhnliche Belastung im Sinne des § 33, soweit die
Aufwendungen wegen Erwerbstätigkeit erwachsen. Die
Aufwendungen können nur berücksichtigt werden, soweit sie den
Umständen nach notwendig sind und einen angemessenen Betrag
nicht übersteigen. Aufwendungen für Unterricht, die
Vermittlung besonderer Fähigkeiten, sportliche und andere
Freizeitbetätigungen werden nicht berücksichtigt. 5 (2) Alleinstehend sind Unverheiratete sowie
Verheiratete, die von ihrem Ehegatten dauernd getrennt leben.
Als alleinstehend gelten auch Verheiratete, deren Ehegatte
nicht unbeschränkt einkommensteuerpflichtig ist. 6 (3) Der nach Absatz 1 abzuziehende Betrag darf
bei Alleinstehenden mit einem Kind (Absatz 1 Satz 1) 4 000
Deutsche Mark im Kalenderjahr nicht übersteigen. Dieser
Betrag erhöht sich für jedes weitere Kind um 2 000 Deutsche
Mark. Für jeden vollen Kalendermonat, in dem die
Voraussetzungen des Absatzes 1 nicht vorgelegen haben,
ermäßigt sich der für das Kind in Betracht kommende
Höchstbetrag oder Erhöhungsbetrag um ein Zwölftel. Gehörte
das Kind gleichzeitig zum Haushalt von zwei Alleinstehenden,
so steht jedem von ihnen der maßgebende Höchstbetrag oder
Erhöhungsbetrag zur Hälfte zu. 7 (4) Für Aufwendungen im Sinne des Absatzes 1
wird bei Alleinstehenden mit einem Kind (Absatz 1 Satz 1)
mindestens ein Pauschbetrag von 480 Deutsche Mark im
Kalenderjahr abgezogen. Der Pauschbetrag erhöht sich für
jedes weitere Kind um 480 Deutsche Mark. Absatz 3 Sätze 3 und
4 gilt entsprechend. 8 Diese aufgrund des Art. 3 Nr. 19 des
Steuerbereinigungsgesetzes 1985 vom 14. Dezember 1984 ( BGBl
I S. 1493) eingeführte Vorschrift
wurde durch Art. 1 Nr. 13 des Steuersenkungsgesetzes
1986/1988 vom 26. Juni 1985 ( BGBl
I S. 1153) erweitert und lautete
nun: 9 (1) Aufwendungen für Dienstleistungen zur
unbeschränkt einkommensteuerpflichtigen Kindes, das nach
§ 32 Abs. 1 bis 3 zu berücksichtigen ist, gelten als
Aufwendungen wegen 10 1. Erwerbstätigkeit oder 11 2. körperlicher, geistiger oder seelischer
Behinderung oder 12 3. Krankheit 13 des Steuerpflichtigen erwachsen. Im Fall der
Nummer 3 muß die Krankheit innerhalb eines zusammenhängenden
Zeitraums von mindestens drei Monaten bestanden haben. Satz 2
gilt nicht, wenn der Krankheitsfall unmittelbar im Anschluß
an eine Erwerbstätigkeit eintritt. Die Aufwendungen können
nur berücksichtigt werden, soweit sie den Umständen nach
notwendig sind und einen angemessenen Betrag nicht
übersteigen. Aufwendungen für Unterricht, die Vermittlung
besonderer Fähigkeiten, sportliche und andere
Freizeitbetätigungen werden nicht berücksichtigt. 14 (2) Alleinstehend sind Unverheiratete sowie
nicht unbeschränkt einkommensteuerpflichtig ist. 15 (3) Der nach Absatz 1 abzuziehende Betrag darf
so ist bei jedem von ihnen der maßgebende Höchstbetrag oder
Erhöhungsbetrag zur Hälfte anzusetzen. 16 (4) Für Aufwendungen im Sinne des Absatzes 1
4 gilt entsprechend. 17 (5) Bei Ehegatten, die beide unbeschränkt
einkommensteuerpflichtig sind und nicht dauernd getrennt
leben, gelten Absatz 1, Absatz 3 Sätze 1 bis 3 und Absatz 4
entsprechend, soweit die Aufwendungen wegen 18 1. körperlicher, geistiger oder seelischer
Behinderung oder 19 2. Krankheit 20 eines Ehegatten erwachsen, wenn der andere
Ehegatte erwerbstätig oder ebenfalls krank oder behindert
ist. 21 Die Bundesregierung hatte bei den Vorarbeiten
zu § 33c EStG 1985 zunächst erwogen, Ehepaare in die für
die Alleinstehenden vorgesehene Abzugsmöglichkeit
einzubeziehen. Dies sollte jedoch im Zusammenhang mit der
beabsichtigten Verbesserung der Familienbesteuerung geprüft
und verwirklicht werden (vgl. BTDrucks 10/1636, S.
55 ff.). 22 Im Rahmen späterer Änderungen war von der
Bundesregierung erneut erwogen worden, die steuerliche
Entlastung der Kinderbetreuungskosten wegen Erwerbstätigkeit
generell auf verheiratete Eltern zu erweitern. Nach
Auffassung der Bundesregierung erschien dies jedoch
verfassungsrechtlich nicht geboten. Die Zwangsläufigkeit des
Betreuungsaufwandes sei bei Alleinerziehenden evidenter als
bei Ehepaaren, die Kinder zu betreuen hätten. Außerdem seien
Eheleute im Regelfall jedenfalls durch das Splitting so
gestellt, daß typischerweise zusätzlicher Betreuungsaufwand
entweder nicht anfalle oder leichter getragen werden könne
als bei Alleinerziehenden (vgl. BTDrucks 10/2884, S.
96 f.). 23 Auch die Änderungen durch Art. 1 Nr. 31 des
Steuerreformgesetzes 1990 vom 25. Juli 1988 ( BGBl
I S. 1093) und durch Art. 1 Nr. 5
des Steueränderungsgesetzes 1991 vom 24. Juni 1991 ( BGBl
I S. 1322) haben verheiratete Eltern
nicht generell in die steuerliche Entlastung einbezogen. 24 2. Zum Ausgleich der Nachteile alleinstehender
Steuerpflichtiger mit Kindern sieht das Einkommensteuergesetz
weiterhin einen besonderen Freibetrag wegen erhöhter
Aufwendungen für Wohnung und Haushalt vor. 25 Für die Veranlagungsjahre 1983 und 1984 galt
die Regelung des § 32 Abs. 3 und Abs. 4 EStG i.d.F. der
Bekanntmachung der Neufassung des Einkommensteuergesetzes vom
24. Januar 1984 ( BGBl
I S. 113): 26 Abs. 3: 27 Einem Steuerpflichtigen, für den die
Voraussetzungen des § 32a Abs. 5 oder 6 nicht erfüllt
sind und der nicht nach den §§ 26, 26a getrennt zur
Einkommensteuer zu veranlagen ist, wird ein
Haushaltsfreibetrag von 4 212 Deutsche Mark gewährt, wenn er
im Veranlagungszeitraum mindestens ein Kind hat. 28 Abs. 4: 29 Kinder im Sinne des Absatzes 3 sind: 30 1. Kinder, die im ersten Grad mit dem
Steuerpflichtigen verwandt sind, 31 2. Pflegekinder, 32 3. Stiefkinder, die der Steuerpflichtige in
seinen Haushalt aufgenommen hat, solange die Ehe besteht,
durch die das Stiefkindschaftsverhältnis begründet worden
ist. 33 Ein Kind eines unbeschränkt
einkommensteuerpflichtigen Elternpaares, bei dem die
Voraussetzungen des § 26 Abs. 1 Satz 1 nicht vorliegen,
wird dem Elternteil zugeordnet, in dessen Wohnung es erstmals
im Kalenderjahr mit Hauptwohnung gemeldet war. War das Kind
nicht in einer Wohnung eines Elternteils oder war es in einer
gemeinsamen Wohnung der Eltern mit Hauptwohnung gemeldet, so
wird es der Mutter zugeordnet; es wird dem Vater zugeordnet,
wenn dieser durch eine Bescheinigung der zuständigen Behörde
nachweist, daß es zu seinem Haushalt gehört hat. 34 In den Veranlagungsjahren 1986 und 1987 galt
§ 32 Abs. 7 EStG i.d.F. der Bekanntmachung der
Neufassung des Einkommensteuergesetzes vom 15. April 1986 ( BGBl
I S. 441): 35 Ein Haushaltsfreibetrag von 4 536 Deutsche Mark
wird bei einem Steuerpflichtigen, für den die Voraussetzungen
des § 32a Abs. 5 oder 6 nicht erfüllt sind und der nicht
nach den §§ 26, 26a getrennt zur Einkommensteuer zu
veranlagen ist, vom Einkommen abgezogen, wenn er einen
Kinderfreibetrag erhält. Ist auch der andere Elternteil
unbeschränkt einkommensteuerpflichtig, so erhält der
Steuerpflichtige den Haushaltsfreibetrag nur, wenn das Kind,
für das ein Kinderfreibetrag abgezogen wird, ihm zuzuordnen
ist. Ein Kind eines unbeschränkt einkommensteuerpflichtigen
Elternpaares, bei dem die Voraussetzungen des § 26 Abs.
1 Satz 1 nicht vorliegen, ist dem Elternteil zuzuordnen, in
dessen Wohnung es erstmals im Kalenderjahr mit Hauptwohnung
gemeldet war. War das Kind nicht in einer Wohnung eines
Elternteils oder war es in einer gemeinsamen Wohnung der
Eltern mit Hauptwohnung gemeldet, so ist es der Mutter
zuzuordnen; es wird statt der Mutter dem Vater zugeordnet,
nachweist, daß das Kind zu seinem Haushalt gehört hat. II. 36 1. In den streitigen Veranlagungsjahren 1983,
1984, 1986 und 1987 lebten die Beschwerdeführer in einer
ehelichen Familiengemeinschaft mit ihren Kindern unter 16
Jahren. In dieser Zeit waren jeweils beide Elternteile
zumindest vorübergehend erwerbstätig und wurden steuerlich
zusammenveranlagt. Die Beschwerdeführer beantragten, die
Aufwendungen, die in diesen Zeiträumen für die Betreuung
ihrer Kinder entstanden waren, gemäß § 33c EStG in der
jeweils geltenden Fassung zu berücksichtigen. Diese Anträge
wurden von den zuständigen Finanzämtern abgelehnt. Die
dagegen erhobenen Klagen hatten keinen Erfolg. Die
Finanzgerichte sahen sich gehindert, die Beschwerdeführer in
die Regelung über den Abzug von Kinderbetreuungskosten gemäß
§ 33c EStG und in die Regelung des Haushaltsfreibetrags
einzubeziehen, weil diese Bestimmungen jeweils ausschließlich
alleinstehende Eltern mit Kindern berechtigten. Dadurch
würden verheiratete und berufstätige Eltern auch nicht
verfassungswidrig benachteiligt, weil das Splittingverfahren
diesen die Betreuung ihrer Kinder und auch die finanzielle
Belastung durch Betreuungsaufwendungen in besonderem Maße
erleichtere. 37 2. Die hiergegen zusammen mit ihrem inzwischen
verstorbenen Ehemann erhobene Revision der Beschwerdeführerin
zu 1. wurde durch Urteil des Bundesfinanzhofs vom 15. März
1991 als unbegründet zurückgewiesen: Ungeachtet der Frage, ob
§ 33c EStG verfassungswidrig sei, käme ein Abzug der
Kinderbetreuungskosten für die Kläger auch dann nicht in
Frage, wenn § 33c EStG auf beiderseits erwerbstätige
Ehegatten Anwendung fände. Denn die Kinderbetreuungskosten
i.S. des § 33c EStG seien um die zumutbare Belastung
gemäß § 33 Abs. 3 EStG zu kürzen, so daß in den
Streitjahren die Kläger schon aus diesem Grund einen Abzug
nicht hätten geltend machen können. 38 Der Gesetzgeber sei auch nicht verpflichtet
gewesen, Kinderbetreuungskosten allgemein zum Abzug
zuzulassen. Das Bundesverfassungsgericht habe zwar in seinem
Beschluß vom 11. Oktober 1977 ( BVerfGE
47, 1) ausdrücklich offengelassen,
ob der Gesetzgeber Betreuungskosten berufstätiger Eltern
berücksichtigen müsse. Später aber habe das
Bundesverfassungsgericht ( BVerfGE
61, 319) ausgeführt, daß es einer
solchen Regelung für verheiratete Eltern nicht bedürfe, weil
derartige Aufwendungen nach ständiger Rechtsprechung des
Bundesfinanzhofs durch Kinderfreibetrag und Kindergeld
abgegolten seien und Ehepaaren zusätzlich der Splittingtarif
zugute komme. An dieser Auffassung werde nach erneuter
Prüfung festgehalten. 39 Eine Benachteiligung beiderseits
erwerbstätiger Ehegatten mit Kindern könne sich zwar insoweit
ergeben, als Alleinstehenden und damit auch Partnern einer
eheähnlichen Gemeinschaft mit Kindern die Pauschbeträge gemäß
§ 33c Abs. 4 EStG zu gewähren seien und diese
Pauschbeträge die Auswirkungen des Ehegattensplittings
überstiegen. Dies gelte auch für den Fall, daß die
Aufwendungen im Rahmen der Höchstbeträge des § 33c Abs.
3 EStG ohne Ansatz einer zumutbaren Belastung zu
berücksichtigen seien, weil - mit einem Teil des Schrifttums
- im Wege verfassungskonformer Auslegung § 33 Abs. 1 und
Abs. 3 EStG nicht zur Anwendung komme. Damit wäre zwar der in
der Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts ( BVerfGE
61, 319) erhobenen Forderung, die
Neuregelung des § 33c EStG dürfe Alleinstehende mit
Kindern steuerlich nicht besser stellen als Ehepaare mit
Kindern, nicht Genüge getan; eine etwaige
Gleichheitswidrigkeit sei jedoch nicht
entscheidungserheblich, weil die Einbeziehung der Kläger in
den nach der streitigen Vorschrift begünstigten Personenkreis
schlechthin ausgeschlossen sei (unter Hinweis auf BVerfGE
65, 160 <169>; 74,
182). Die lediglich entfernte
Möglichkeit einer Begünstigung der Kläger durch eine
rückwirkende Neuregelung könne die Entscheidungserheblichkeit
einer Vorlagefrage nach der Rechtsprechung des
Bundesfinanzhofs nicht begründen (BStBl II 1989 S. 836). 40 Bei einer Neuregelung könne sich der
Gesetzgeber auf die Abgeltungswirkung der Kinderfreibeträge
berufen, die bei ihrer Wiedereinführung 1983 auch die
Abschaffung des Kinderbetreuungsbetrags und des Höchstbetrags
für die kinderbedingte Beschäftigung einer Haushaltshilfe
(§ 33a Abs. 3 Satz 1 Nr. 1 EStG 1980 bis 1982,
§ 33a Abs. 3 Nr. 2 EStG 1979) rechtfertigen sollten
(unter Hinweis auf BTDrucks 9/2140, S. 67). 41 3. Die in den Verfahren der Beschwerdeführer
zu 2. und 3. eingelegten Nichtzulassungsbeschwerden wurden
als unbegründet zurückgewiesen. Der Bundesfinanzhof nahm zur
Begründung auf sein Urteil vom 15. März 1991 (vgl. soeben
A.II.2.) Bezug und sah von einer weiteren Begründung ab. III. 42 Mit ihren Verfassungsbeschwerden wenden sich
die Beschwerdeführer gegen die finanzgerichtlichen Urteile
sowie gegen das Urteil und die Beschlüsse des
Bundesfinanzhofs. Die Beschwerdeführerin zu 1. greift auch
den Ausgangsbescheid des Finanzamts an. Mittelbar wenden sich
alle Beschwerden gegen § 33c EStG in den jeweils
geltenden Fassungen. 43 1. Die Beschwerdeführer rügen die Verletzung
ihrer Grundrechte aus Art. 3 Abs. 1 i.V.m. Art. 6 Abs. 1 GG
durch die jeweils angegriffenen Entscheidungen. Die
Beschwerdeführer zu 3. machen außerdem eine Verletzung ihrer
Grundrechte aus Art. 3 Abs. 2, Art. 6 Abs. 2 und 4, aus Art.
2 Abs. 1 GG und sinngemäß aus Art. 12 Abs. 1 GG geltend. Der
Gesetzgeber dürfe bei der steuerlichen Berücksichtigung
zwangsläufiger Unterhaltsaufwendungen keine realitätsfremden
Grenzen ziehen (unter Hinweis auf BVerfGE
68, 143 <153>). Weiterhin
dürfe er bei der steuerlichen Berücksichtigung zwangsläufiger
Kinderbetreuungsaufwendungen Alleinstehende nicht gegenüber
den in ehelicher Gemeinschaft lebenden Eltern bevorzugen
(unter Hinweis auf BVerfGE
61, 319). 44 Aus diesen verfassungsrechtlichen Vorgaben
folge, daß § 33c EStG gegen Art. 3 Abs. 1 GG verstoße,
wenn er verheiratete und alleinstehende Eltern beim Abzug von
Kinderbetreuungskosten ohne sachlichen Grund ungleich
behandele. Die Nichtberücksichtigung von
Kinderbetreuungskosten bei Verheirateten verstoße
gleichzeitig gegen Art. 3 Abs. 1 GG und gegen Art. 6 Abs. 1
GG. Diese Ungleichbehandlung könne auch nicht mit dem Hinweis
auf das Ehegattensplitting verfassungsrechtlich
gerechtfertigt werden, weil das Ehegattensplitting die
eheliche Gemeinschaft nicht gegenüber Alleinerziehenden
besserstelle. Diesen komme zunächst ebenfalls ein weiterer
Grundfreibetrag in Form des Haushaltsfreibetrags zugute. Die
Kappung der Progression wirke sich dagegen nur bei einem
deutlichen Auseinanderklaffen von Ehegatteneinkünften
vorteilhaft aus. Schließlich decke eine etwaige
Entlastungswirkung des Splittings nicht den gesteigerten
Betreuungsbedarf für Kinder. Das Splittingverfahren stelle
nur die am Leistungsfähigkeitsprinzip orientierte Besteuerung
der ehelichen Einkommens- und Wirtschaftsgemeinschaft sicher,
berücksichtige aber nicht deren Bedarf bei der
Kinderbetreuung. 45 Auch die Gewährung des Haushaltsfreibetrags
nur für nicht verheiratete Eltern sei eine verfassungswidrige
Benachteiligung von Ehegatten mit Kindern gegenüber sonstigen
Eltern. 46 2. Die Beschwerdeführer zu 3. halten das nur
für Ehen, nicht für Familien gewährte Splittingverfahren für
verfassungswidrig, weil es Ehen mit Kindern und Ehen ohne
Kinder völlig gleichbehandele. Die Kinderfreibeträge seien
zudem in keiner Weise ausreichend. Ihre weitergehenden Rügen
begründen sie vor allem mit Überlegungen zur
Gleichberechtigung von Mann und Frau: 47 Die Annahme, Kinderbetreuungskosten seien bei
einer ehelichen Gemeinschaft nicht zwangsläufig, wenn ein
Ehepartner bereits genügend Einkommen erziele, verstoße
sowohl gegen Art. 2 als auch gegen Art. 3 und gegen Art. 6
GG. Zur freien Entfaltung der Persönlichkeit von Mann und
Frau gehöre auch eine Berufstätigkeit, die, soweit kleine
Kinder vorhanden seien, deren Betreuung voraussetze, so daß
entsprechende Aufwendungen zwangsläufig anfielen. Der
Einwand, diese Aufwendungen seien vermeidbar, weil einer der
Ehegatten auf die Berufstätigkeit verzichten könne, verstoße
gegen den Grundsatz der Gleichberechtigung von Mann und Frau.
In 99 % aller Fälle sei die Frau diejenige, die dann zu Hause
bleibe. Schließlich würden die Kinderbetreuungskosten
regelmäßig mit dem Erwerbseinkommen der Mutter verrechnet, so
daß die fehlende Abzugsmöglichkeit von
Kinderbetreuungsaufwendungen einer der Gründe sei, weswegen
ihre Erwerbstätigkeit wirtschaftlich sinnlos werde. 48 Da Kindererziehung und Kinderbetreuung eine
gesellschaftliche Aufgabe von allerhöchstem Rang seien, sei
der Gesetzgeber aufgrund von Art. 6 Abs. 2 und Abs. 4 GG
aufgefordert, bei der Einkommenbesteuerung auch die
wirtschaftliche Belastung von Eltern durch
Unterhaltsverpflichtungen gegenüber den Kindern zu
berücksichtigen. 49 3. Darüber hinaus machen die Beschwerdeführer
zu 2. eine Verletzung ihrer Grundrechte durch § 10 Abs.
1 Nr. 1 und Abs. 3 Nr. 2 EStG sowie durch die Rückforderung
der Arbeitnehmersparzulage geltend. Die Beschwerdeführer zu
3. rügen weiterhin eine Verletzung des Art. 3 Abs. 1 GG durch
den angegriffenen Beschluß des Bundesfinanzhofs. IV. 50 In den Verfahren hat der Präsident des
Bundesfinanzhofs Stellungnahmen zweier Senate vorgelegt. Für
die Bundesregierung hat sich der Bundesminister der Finanzen
geäußert. 51 1. a) Der III. Senat des Bundesfinanzhofs
verweist auf seine Urteile vom 15. März 1991 (BFHE 164, 65 -
die angegriffene Entscheidung im Verfahren 2 BvR 1057/91 -),
vom 10. April 1992 (BFHE 167, 436) und vom 8. März 1996 (BFHE
179, 422). 52 Zwar könne in Einzelfällen die steuerliche
Entlastung durch die Abzugsbeträge nach § 33c Abs. 3 und
4 EStG zusammen mit dem Haushaltsfreibetrag die
Splittingentlastung übersteigen. Dies führe jedoch nicht zur
Verfassungswidrigkeit der Regelung. Die Festlegung der
Höchstbeträge trage typisierend auch dem Anliegen Rechnung,
daß alleinstehende Eltern nicht besser zu stellen seien als
Ehegatten mit Kindern. Weiterhin seien die Betreuungslasten
der Ehegatten in der Regel durch das Splittingverfahren
hinreichend berücksichtigt. Außer in den Fällen
beiderseitiger zwangsläufiger Erwerbstätigkeit ermögliche
dieses Verfahren den Eheleuten, ihre Lebensführung so
einzurichten, daß zusätzlicher Betreuungsaufwand für die
Kinder nicht entstehe. 53 Ein Fall zwangsläufiger Erwerbstätigkeit
beider Ehegatten liege bei den Beschwerdeführern nicht vor.
In den übrigen Fällen sei es Ehegatten auch im Hinblick auf
ihre gegenseitige Absicherung durch die Ehe eher möglich,
zeitweise ihre Erwerbstätigkeit zugunsten der Kinderbetreuung
einzuschränken. 54 Zudem könnten Alleinstehende weitere, neben
dem Splittingverfahren bestehende Vorteile der
Zusammenveranlagung nicht in Anspruch nehmen, insbesondere
nicht die Verdoppelung bestimmter Abzugsbeträge, die
Abziehbarkeit von Ausgaben ohne Rücksicht auf die Person des
Leistenden und eine geringere Bemessung der zumutbaren
Belastung. Auch gebe es keine Abzugsmöglichkeit von
Unterhaltsleistungen an den Partner einer eheähnlichen
Gemeinschaft als außergewöhnliche Belastung. Die
Abzugsbeträge nach §§ 32 Abs. 7, 33c EStG schließlich
dienten der Förderung Alleinerziehender, die nicht
typischerweise in eheähnlicher Gemeinschaft lebten. Soweit es
hierdurch in untypischen Fällen zu einer Benachteiligung der
ehelichen Gemeinschaft mit Kindern komme, führe diese - auch
im Hinblick auf ihre geringe Intensität - nicht zur
Gleichheitswidrigkeit der entsprechenden Besteuerung. 55 b) Der IX. Senat des Bundesfinanzhofs geht -
in Anlehnung an den III. Senat und die dort zitierten
Entscheidungen - davon aus, daß der Abzug von
Kinderbetreuungskosten nach § 33c EStG nicht um die
zumutbare Belastung (§ 33 Abs. 1 und 3 EStG) zu kürzen
sei. Im übrigen ist er aber der Ansicht, daß die
Abzugsmöglichkeit von Kinderbetreuungskosten auch auf
beiderseits berufstätige Eheleute erweitert werden müsse,
wenn diese zur beiderseitigen Berufstätigkeit wirtschaftlich
gezwungen seien oder sich der Splittingtarif in ihrem Falle
nicht oder nur ganz geringfügig auswirke. Das geltende Recht
benachteilige beiderseits erwerbstätige, in ehelicher
Gemeinschaft lebende Eltern und sei mit Art. 3 Abs. 1 und 2
i.V.m. Art. 6 GG nicht vereinbar. Dies zeige sich deutlich,
wenn man zwei Alleinerziehende betrachte, denen jeweils ein
Kind zugerechnet werde und die in einer eheähnlichen
Lebensgemeinschaft zusammenlebten. In diesem Fall könne jeder
Elternteil einen Haushaltsfreibetrag (§ 32 Abs. 7 EStG)
und außerdem für jedes Kind die Betreuungskosten nach
§ 33c EStG geltend machen. Wenn diese Alleinerziehenden
heirateten, fielen diese Abzugsmöglichkeiten weg, ohne daß
das Splittingverfahren ihnen für die beiderseitige
Erwerbstätigkeit annähernd gleiche Vorteile brächte. 56 Zudem sei zweifelhaft, ob berufstätigen
Ehefrauen nach Einführung des Art. 3 Abs. 2 Satz 2 GG auch
heute noch entgegengehalten werden dürfe, sie könnten ihre
Ehe arbeitsteilig so gestalten, daß Betreuungsaufwand für die
Kinder nicht entstehe (unter Hinweis auf BVerfGE
61, 319 <350 f.>). Auch
im Hinblick auf die durch Art. 6 Abs. 1 GG geschützte
Entscheidungsfreiheit der Ehegatten dürfe kein
wirtschaftlicher Druck zur Verhinderung der Erwerbstätigkeit
der Frau ausgeübt werden (unter Hinweis auf BVerfGE
6, 55 <79 ff.>). Dies
geschehe jedoch faktisch, wenn bei der Besteuerung der
Einkünfte der verheirateten Mutter die notwendigerweise zur
Erzielung dieser Einkünfte eingesetzten
Kinderbetreuungsaufwendungen von einem Abzug ausgeschlossen
würden. 57 2. Der Bundesminister der Finanzen hält es von
Verfassungs wegen nicht für geboten, in den zu entscheidenden
Fällen Aufwendungen für die Kinderbetreuung als
Werbungskosten oder Betriebsausgaben, als außergewöhnliche
Belastung oder in sonstiger Weise steuerlich zum Abzug
zuzulassen. Der Schutzbereich des Art. 6 Abs. 4 GG sei nicht
berührt. Dagegen müsse berücksichtigt bleiben, daß nach Art.
6 Abs. 2 GG Pflege und Erziehung der Kinder die zuvörderst
den Eltern obliegende Pflicht sei. 58 Es stelle auch keine verfassungswidrige
Benachteiligung der Beschwerdeführer dar, wenn § 33c
EStG eine Abzugsmöglichkeit für Fremdbetreuungskosten nur für
Alleinerziehende vorsehe. Für diese Gruppe müßten wegen der
typischerweise vorliegenden Besonderheiten andere Maßstäbe
gelten. Dies ergebe sich vor allem aus der Entscheidung des
Bundesverfassungsgerichts zur Besteuerung Alleinerziehender (
61, 319), die zur Einführung dieser
Vorschrift geführt habe. Die gegen diese Entscheidung in der
Literatur vorgebrachte Kritik könne nicht überzeugen. Sie
beachte insbesondere nicht das geringe Gewicht einer
möglichen Besserstellung von unverheiratet zusammenlebenden
Eltern gegenüber Ehepaaren mit Kindern. Auch fehle eine
Auseinandersetzung mit der Frage, in welcher Weise bei mehr
als 30 Millionen Lohn- und Einkommensteuerpflichtigen (Stand:
1992) überprüft werden solle, ob und inwieweit Personen in
einer eheähnlichen Gemeinschaft zusammenlebten. 59 Eine gleichzeitige Inanspruchnahme der
§§ 33a Abs. 1 und 33c Abs. 1 EStG durch alleinstehende
Elternteile sei aus tatsächlichen Gründen auszuschließen. Bei
beiderseitiger Erwerbstätigkeit fehle es regelmäßig an einer
gemeinschaftsbedingten Bedürftigkeit, die eine steuerliche
Anerkennung der Unterhaltsleistungen des Partners
ermögliche. B. 60 Die - zur gemeinsamen Entscheidung verbundenen
- Verfassungsbeschwerden sind, soweit sie sich gegen den
Ausschluß der Beschwerdeführer vom Abzug der
Kinderbetreuungskosten und eines Haushaltsfreibetrags wenden,
zulässig und begründet. In diesem Umfang sind die
angegriffenen Gerichtsentscheidungen und die ihnen insoweit
zugrundeliegenden gesetzlichen Bestimmungen mit Art. 6 Abs. 1
und Abs. 2 GG unvereinbar. 61 Im übrigen werden die Verfassungsbeschwerden
nicht zur Entscheidung angenommen (§§ 93a Abs. 2, 93b
Satz 2, 93d Abs. 1 Satz 3 BVerfGG). I. 62 1. a) Die Pflege und Erziehung der Kinder sind
das natürliche Recht der Eltern und die zuvörderst ihnen
obliegende Pflicht (Art. 6 Abs. 2 Satz 1 GG). Die Eltern
erfüllen diese Pflicht in der Familie, die vor allem
Erziehungsgemeinschaft (vgl. BVerfGE
80, 81 <90 ff.>), aber
auch Wirtschaftsgemeinschaft ist (vgl. BVerfGE
80, 81 <90>; 82,
60 <87>). Die Eltern schulden
den Kindern Sachleistungen, die den wirtschaftlichen Bedarf
der Kinder decken, ebenso aber Betreuungs- und
Erziehungsleistungen, die dem kindlichen Bedürfnis nach
Unterstützung, Anleitung sowie Vermittlung praktischer und
kultureller Erfahrungen genügen. Art. 6 GG begründet eine
umfassende Elternverantwortlichkeit für die Entwicklung des
Kindes, die es zu einem verantwortlichen Leben in dieser
Gesellschaft befähigt (vgl. BVerfGE
57, 170 <178>; 80,
81 <91>). 63 b) Die Erziehungspflicht (Art. 6 Abs. 2 Satz 1
GG) trifft die Eltern als höchstpersönliche Verantwortung,
die von ihnen jedoch nicht ausschließlich in eigener Person
wahrgenommen werden muß. Art. 6 Abs. 1 GG garantiert als
Abwehrrecht die Freiheit, über die Art und Weise der
Gestaltung des ehelichen und familiären Zusammenlebens selbst
zu entscheiden (vgl. BVerfGE
61, 319 <347> m.w.N.). Deshalb
hat der Staat die Familiengemeinschaft sowohl im
immateriell-persönlichen als auch im
materiell-wirtschaftlichen Bereich in ihrer jeweiligen
eigenständigen und selbstverantwortlichen Ausgestaltung zu
respektieren ( BVerfGE
61, 319 <347> m.w.N.).
Demgemäß dürfen die Eltern ihr familiäres Leben nach ihren
Vorstellungen planen und verwirklichen und insbesondere in
ihrer Erziehungsverantwortung entscheiden, ob und in welchem
Entwicklungsstadium das Kind überwiegend von einem Elternteil
allein, von beiden Eltern in wechselseitiger Ergänzung oder
von einem Dritten betreut werden soll. Die Eltern bestimmen,
vorbehaltlich des Art. 7 GG, in eigener Verantwortung
insbesondere, ob und inwieweit sie andere zur Erfüllung ihres
Erziehungsauftrags heranziehen wollen (vgl. BVerfGE
47, 46 <70>). 64 c) Nach Art. 6 Abs. 1 GG steht die Familie
unter dem besonderen Schutze der staatlichen Ordnung. Das
Wächteramt des Staates (Art. 6 Abs. 2 Satz 2 GG) berechtigt
den Staat aber nicht, die Eltern zu einer bestimmten Art und
Weise der Erziehung ihrer Kinder zu drängen. Das Grundgesetz
überläßt die Entscheidung über das Leitbild der Erziehung den
Eltern (vgl. BVerfGE
24, 119 <143>; 47,
46 <69 f.>), die über die
Art und Weise der Betreuung des Kindes, seine Begegnungs- und
Erlebensmöglichkeiten sowie den Inhalt seiner Ausbildung
bestimmen. Diese primäre Entscheidungsverantwortlichkeit der
Eltern beruht auf der Erwägung, daß die Interessen des Kindes
in aller Regel am besten von den Eltern wahrgenommen werden
72, 122 <139 f.>). 65 2. a) Art. 6 Abs. 1 GG enthält auch einen
besonderen Gleichheitssatz. Er verbietet, Ehe und Familie
gegenüber anderen Lebens- und Erziehungsgemeinschaften
schlechter zu stellen (Diskriminierungsverbot, vgl. BVerfGE
76, 1 <72>). Art. 6 Abs. 1 GG
untersagt eine Benachteiligung von Ehegatten gegenüber
Ledigen (vgl. BVerfGE
28, 324 <347>; 69,
188 <205 f.>), von Eltern
gegenüber Kinderlosen (vgl. BVerfGE
82, 60 <80>; 87,
1 <37>) sowie von ehelichen
gegenüber anderen Erziehungsgemeinschaften (vgl. BVerfGE
61, 319 <355>). Dieses
Benachteiligungsverbot steht jeder belastenden
Differenzierung entgegen, die an die Existenz einer Ehe (Art.
6 Abs. 1 GG) oder die Wahrnehmung des Elternrechts in
ehelicher Erziehungsgemeinschaft (Art. 6 Abs. 1 und Abs. 2
GG) anknüpft. 66 b) Eine Benachteiligung liegt auch vor, wenn
Ehepartner oder Eltern wegen ihrer Ehe oder Familie und deren
Gestaltung von Steuerentlastungen ausgeschlossen werden (vgl.
12, 151 <167>). Das Gebot der
Steuergleichheit fordert zumindest für die direkten Steuern
eine Belastung nach der finanziellen Leistungsfähigkeit (vgl.
43, 1 <8 ff.>; 61,
319 <343>; 66,
214 <222>; 82,
60 <86>; 89,
346 <352>). Das
Bundesverfassungsgericht verdeutlicht das
verfassungsrechtliche Prinzip der Einkommenbesteuerung nach
Leistungsfähigkeit in der Pflicht des Steuergesetzgebers, das
zur Bestreitung des familiären Existenzminimums benötigte,
nicht disponible Einkommen von der Besteuerung
auszunehmen. 67 3. a) Aus Art. 1 Abs. 1 GG in Verbindung mit
dem Sozialstaatsgrundsatz des Art. 20 Abs. 1 GG folgt das
verfassungsrechtliche Gebot, daß der Staat das Einkommen dem
Steuerpflichtigen insoweit steuerfrei belassen muß, als es
Mindestvoraussetzung eines menschenwürdigen Daseins ist -
"Existenzminimum" - (vgl. BVerfGE
82, 60 <85>). Bei der
Besteuerung einer Familie gilt dies - unter zusätzlicher
Berücksichtigung von Art. 6 Abs. 1 GG - für das
Existenzminimum sämtlicher Familienmitglieder (vgl. BVerfGE
153 <169>). Bei der
Beurteilung der steuerlichen Leistungsfähigkeit muß der Staat
daher den Unterhaltsaufwand für Kinder des Steuerpflichtigen
in dem Umfang als besteuerbares Einkommen außer Betracht
lassen, in dem dieses zur Gewährleistung des Existenzminimums
der Kinder erforderlich ist (vgl. BVerfGE
82, 60 <87>). Dieses
Existenzminimum wird nach dem Bedarf, nicht nach einem
tatsächlichen Aufwand bemessen (vgl. BVerfGE
82, 60 <91>; 87,
153 <170>). Darüber
hinausgreifend betont das Gericht, daß der Kindesunterhalt
nicht mit der privaten Bedürfnisbefriedigung rechtlich
gleichgestellt werden, der Steuergesetzgeber deshalb auf die
Mittel, die zur Pflege und Erziehung der Kinder unerläßlich
sind, nicht in der Weise zugreifen dürfe wie auf finanzielle
Mittel, die zur Befriedigung beliebiger Bedürfnisse
eingesetzt werden (vgl. BVerfGE
82, 60 <87>; 84,
348 <359 f.>; 87,
1 <38>; 87,
153 <170>). 68 Die Leistungsfähigkeit von Eltern wird
demnach, über den existentiellen Sachbedarf und den
erwerbsbedingten Betreuungsbedarf des Kindes hinaus, generell
durch den Betreuungsbedarf gemindert. Dieser Betreuungsbedarf
ist als Bestandteil des kindbedingten Existenzminimums
steuerlich zu verschonen. Steuerpflichtige mit Kindern sind
wegen ihrer Betreuungspflichten, die ihre Arbeitskraft oder
ihre Zahlungsfähigkeit beanspruchen, im Vergleich zu
Steuerpflichtigen ohne Kinder steuerlich weniger
leistungsfähig. Würde dieser auf der elterlichen Pflicht zur
Erziehung und Betreuung ihrer Kinder beruhende Bedarf bei der
Bemessung der Einkommensteuer außer Betracht gelassen, wären
die Eltern gegenüber kinderlosen Steuerpflichtigen
benachteiligt, deren Leistungsfähigkeit nicht durch die
Erfüllung elterlicher Pflichten gemindert wird. Das Gebot der
horizontalen Gleichheit (vgl. BVerfGE
82, 60 <89 f.>) wäre
verletzt. 69 b) Der Betreuungsbedarf muß als notwendiger
Bestandteil des familiären Existenzminimums (vgl. BVerfGE
gedeckt wird. Das Einkommensteuergesetz hat den
Betreuungsbedarf eines Kindes stets zu verschonen, mögen die
Eltern das Kind persönlich betreuen, mögen sie eine
zeitweilige Fremdbetreuung des Kindes, z.B. im Kindergarten,
pädagogisch für richtig halten oder mögen sich beide Eltern
für eine Erwerbstätigkeit entscheiden und deshalb eine
Fremdbetreuung in Anspruch nehmen. 70 4. Neben der Pflicht, die von den Eltern im
Dienst des Kindeswohls getroffenen Entscheidungen
anzuerkennen und daran keine benachteiligenden Rechtsfolgen
zu knüpfen, ergibt sich aus der Schutzpflicht des Art. 6 Abs.
1 GG auch die Aufgabe des Staates, die Kinderbetreuung in der
jeweils von den Eltern gewählten Form in ihren tatsächlichen
Voraussetzungen zu ermöglichen und zu fördern. Die
Kinderbetreuung ist eine Leistung, die auch im Interesse der
Gemeinschaft liegt und deren Anerkennung verlangt (vgl. BVerfGE
87, 1 <38 f.>; 88,
203 <258 f.>). Der Staat
hat dementsprechend dafür Sorge zu tragen, daß es Eltern
gleichermaßen möglich ist, teilweise und zeitweise auf eine
eigene Erwerbstätigkeit zugunsten der persönlichen Betreuung
ihrer Kinder zu verzichten wie auch Familientätigkeit und
Erwerbstätigkeit miteinander zu verbinden. Der Staat muß auch
Voraussetzungen schaffen, daß die Wahrnehmung der familiären
Erziehungsaufgabe nicht zu beruflichen Nachteilen führt, daß
eine Rückkehr in eine Berufstätigkeit ebenso wie ein
Nebeneinander von Erziehung und Erwerbstätigkeit für beide
Elternteile einschließlich eines beruflichen Aufstiegs
während und nach Zeiten der Kindererziehung ermöglicht und
daß die Angebote der institutionellen Kinderbetreuung
verbessert werden (vgl. BVerfGE
88, 203 <260>). II. 71 1. a) Nach diesem Maßstab verletzen die
Regelungen des § 33c Abs. 1 bis 4 EStG über die
steuerliche Berücksichtigung von Kinderbetreuungskosten wegen
Erwerbstätigkeit die Beschwerdeführer in ihrem Recht aus Art.
6 Abs. 1 und Abs. 2 GG. Sie benachteiligen die eheliche
Erziehungsgemeinschaft erwerbstätiger Eltern gegenüber
anderen Erziehungsgemeinschaften und widersprechen damit dem
Diskriminierungsverbot des Art. 6 Abs. 1 und Abs. 2 GG. 72 § 33c EStG läßt für "alleinstehende"
Steuerpflichtige (§ 33c Abs. 2 EStG) den Abzug von
Kinderbetreuungskosten wegen Erwerbstätigkeit zu. Dabei
definiert § 33c Abs. 2 EStG als alleinstehend die
Unverheirateten, die verheirateten, aber dauernd
getrenntlebenden Ehegatten sowie die Verheirateten, deren
Ehegatte nicht unbeschränkt einkommensteuerpflichtig ist.
Unverheiratete sind auch dann "alleinstehend", wenn sie
innichtehelicher Lebensgemeinschaft leben. Die Unterscheidung
des § 33c Abs. 2 EStG zwischen abzugsberechtigten
"Alleinstehenden" und nichtabzugsberechtigten Verheirateten
läßt sich damit nicht auf eine unterschiedliche steuerliche
Leistungsfähigkeit beider Gruppen zurückführen. Die
Bestimmung des Abzugsberechtigten greift über die Gruppe der
ausschließlich auf sich selbst angewiesenen Alleinerziehenden
hinaus und bezieht auch zusammenlebende und einander
Unterhalt zahlende unverheiratete Eltern in die
Steuerentlastung ein. Lediglich unbeschränkt
steuerpflichtige, in ehelicher Gemeinschaft lebende Eltern
werden - abgesehen von Fällen des § 33c Abs. 5 EStG -
mit ihren Betreuungskosten der Einkommensteuer
unterworfen. 73 Damit ist zunächst festgestellt, daß der
Ausschluß der ehelichen Erziehungsgemeinschaft von der
Pauschbetragsregelung des § 33c Abs. 4 EStG, die nicht
auf notwendige Aufwendungen begrenzt ist (vgl. Borggreve in:
Littmann/Bitz/Hellwig, Das Einkommensteuerrecht, Bd. 3,
Losebl., Stand: März 1997, § 33c Rn. 51), zu einer mit
Art. 6 Abs. 1 und Abs. 2 GG nicht zu vereinbarenden
Benachteiligung führt. 74 b) Im übrigen können Betreuungskosten - über
den Pauschbetrag hinaus - nach § 33c Abs. 1 Satz 2
(später: § 33c Abs. 1 Satz 4) EStG nur geltend gemacht
werden, soweit sie den Umständen nach notwendig sind. An
diesem Tatbestandsmerkmal soll es fehlen, wenn der
Steuerpflichtige mit dem anderen Elternteil des Kindes
zusammenlebt und dieser nicht erwerbstätig ist (vgl.
Bundesminister der Finanzen, Erlaß vom 10. Mai 1985, BStBl I
S. 189 <190 Rn. 8>; Scheurmann-Kettner/Lantau,
Einkommensteuerrechtliche Berücksichtigung von
Kinderbetreuungskosten Alleinstehender nach § 33c des
Einkommensteuergesetzes, BB 1985, S. 915 <917>). Zudem
wird eine Notwendigkeit der Betreuungskosten verneint, wenn
und soweit dem betreuten Kind oder dem Alleinstehenden Bezüge
zufließen, mit denen Kinderbetreuungskosten bestritten werden
sollen (vgl. Dankmeyer/Klöckner, DB 1985, S. 68; Glanegger
in: Schmidt, EStG, 17. Aufl., 1998, § 33c Anm. 16). Auch
bei dieser Auslegung dürfen alleinstehende Steuerpflichtige
i.S. des § 33c Abs. 2 EStG aber Kinderbetreuungskosten
von der einkommensteuerlichen Bemessungsgrundlage auch dann
abziehen, wenn sie nicht zur Erwerbstätigkeit gezwungen sind,
weil sie für ihren eigenen Unterhalt Leistungen von dem
anderen Elternteil in ausreichender Höhe erhalten. Die
Kinderbetreuungskosten solcher "Alleinstehender" sind jedoch
nicht mehr oder weniger zwangsläufig als diejenigen der in
ehelicher Gemeinschaft lebenden Eltern. 75 Vielmehr ist nach dem Schutzbereich des Art. 6
Abs. 2 GG verfassungsrechtlich geboten, den Betreuungsaufwand
für Kinder bei allen Eltern steuerrechtlich zu
berücksichtigen. Er entsteht unabhängig davon, ob und wenn
ja, in welchem zeitlichen Rahmen die Kinderbetreuung durch
Dritte wahrgenommen wird. Dies findet seinen Ausdruck schon
in den gesetzlichen Regelungen zum Kindererziehungsgeld, zum
Erziehungsurlaub und zur rentenrechtlichen Berücksichtigung
von Kindererziehungszeiten. Der Betreuungsaufwand ist -
ebenso wie der Versorgungsaufwand - in das Existenzminimum
des Kindes einzurechnen. Dieser Gedanke liegt auch den
Regelungen der §§ 1570, 1615l BGB zugrunde. Sie gewähren
dem betreuenden Elternteil Unterhalt, auf den dieser nicht
soll verzichten können (vgl. F.W. Bosch,
Unterhaltsverzichtsvereinbarungen, in: Festschrift für
Walther J. Habscheid 1989, S. 23 <29 ff.>). 76 Die Beschränkung der Abziehbarkeit der
Kinderbetreuungskosten (§ 33c Abs. 1 EStG) und der
Pauschalierung dieser Kosten (§ 33c Abs. 4 EStG) auf
Alleinstehende i.S. des § 33c Abs. 2 EStG verletzt somit
die - unbeschränkt steuerpflichtige - eheliche
Erziehungsgemeinschaft in ihrem Gleichbehandlungsanspruch aus
Art. 6 Abs. 1 und Abs. 2 GG. Das Gesetz versagt den Abzug
allein wegen des Tatbestandes der Ehe und verstößt insoweit
gegen das Diskriminierungsverbot des Art. 6 Abs. 1 GG. 77 c) Die Verletzung des Benachteiligungsverbots
des Art. 6 Abs. 1 und Abs. 2 GG trifft auch die
Beschwerdeführerin zu 1. sowie die Beschwerdeführer zu 2. in
den Veranlagungsjahren 1986 und 1987. Zwar überschreiten die
insoweit geltend gemachten Betreuungsaufwendungen nicht die
Grenze der "zumutbaren Belastung" i.S. des § 33 Abs. 1
und Abs. 3 EStG. Kinderbetreuungskosten sind aber nicht um
eine solche zumutbare Belastung zu kürzen. Die
Kinderbetreuungskosten mindern regelmäßig - als stetige
Wahrnehmung der elterlichen Erziehungsverantwortung durch
Drittbetreuung - die steuerliche Leistungsfähigkeit in einem
existenznotwendigen Bedarf und stehen deshalb für eine
Einkommenbesteuerung nicht zur Verfügung (vgl. BVerfGE
61, 319 <343 f.>; 66,
60 <86>). Dementsprechend kam
- anders als bei außergewöhnlichen Aufwendungen im Einzelfall
- der Abzug einer zumutbaren Belastung hier nicht in
Betracht. Die in § 33c EStG enthaltene pauschale
Verweisung auf § 33 EStG rechtfertigte keine Anrechnung
der zumutbaren Belastung, da diese zur Verfassungswidrigkeit
der Regelung geführt hätte. Die Betreuungskosten
Alleinerziehender waren grundsätzlich in der notwendigen Höhe
als Minderung des Einkommens zu berücksichtigen. Die
Anrechnung der zumutbaren Belastung hätte dagegen zur Folge
gehabt, daß schon bei sogenannten Durchschnittsverdienern ein
großer Teil der nachgewiesenen Aufwendungen nicht abziehbar
gewesen wäre (vgl. BFHE 167, 436, bestätigt in BFHE 179, 422;
181, 25). 78 Bei den hier maßgeblichen Fassungen des
§ 33c Abs. 1 EStG vor der Änderung durch das
Jahressteuergesetz 1997 vom 20. Dezember 1996 ( BGBl
I S. 2049) war insoweit allerdings
eine verfassungskonforme Auslegung möglich. Diese Möglichkeit
ist erst mit dem Jahressteuergesetz 1997 vom 20. Dezember
1996 ( BGBl
I S. 2049) entfallen. § 33c
Abs. 1 Satz 1 EStG bestimmt nunmehr ausdrücklich, daß
Kinderbetreuungskosten nur so weit zu berücksichtigen sind,
als "sie die zumutbare Belastung nach § 33 Abs. 3
übersteigen". Die Vereinbarkeit dieser Regelungen mit dem
Grundgesetz ist freilich nicht Gegenstand des vorliegenden
Verfahrens. 79 d) An der Verfassungswidrigkeit der
beanstandeten Rechtslage hat sich auch durch die Einführung
des Abzugsbetrags nach § 10 Abs. 1 Nr. 8 EStG nichts
geändert. Nach dieser Vorschrift konnte die eheliche
Erziehungsgemeinschaft Aufwendungen bis zu 12.000 DM im
Kalenderjahr für hauswirtschaftliche
Beschäftigungsverhältnisse als Sonderausgaben geltend machen,
wenn sie zwei Kinder hatte, die zum Beginn des Kalenderjahres
das 10. Lebensjahr noch nicht vollendet hatten.
Alleinstehende i.S. des § 33c Abs. 2 EStG konnten von
dieser Abzugsmöglichkeit bereits dann Gebrauch machen, wenn
sie nur ein Kind unter 10 Jahren hatten. Damit hat auch diese
Regelung die eheliche Erziehungsgemeinschaft mit einem Kind
gegenüber anderen Erziehungsgemeinschaften mit einem Kind
benachteiligt. 80 In der seit dem 28. Dezember 1996 geltenden
Fassung des § 10 Abs. 1 Nr. 8 EStG ist diese
Differenzierung zwar weggefallen. Dafür steht diese
Abzugsmöglichkeit steuerpflichtigen Eltern und kinderlosen
Steuerpflichtigen nun in gleicher Weise offen. Sie ist
bereits aus diesem Grund kein Ausgleich für
Kinderbetreuungskosten. 81 2. Auch die Regelung des § 32 Abs. 3 und
Abs. 4 EStG 1984 (später: § 32 Abs. 7 EStG) über den
Abzug eines Haushaltsfreibetrags verstößt gegen Art. 6 Abs. 1
und Abs. 2 GG, weil sie die eheliche gegenüber anderen
Erziehungsgemeinschaften benachteiligt. Der Gesetzgeber
gewährt den nichtehelichen Erziehungsgemeinschaften einen
Haushaltsfreibetrag auch dann, wenn jedem Elternteil ein
Grundfreibetrag zusteht, während der Haushaltsfreibetrag den
Ehegatten grundsätzlich vorenthalten wird. 82 Der Haushaltsfreibetrag soll die erhöhten
Aufwendungen alleinstehender Steuerpflichtiger ausgleichen,
die wegen ihrer Kinder zur Erweiterung von Wohnung und
Haushalt gezwungen sind. Alleinstehende Personen mit Kindern
sollen einen zusätzlichen Freibetrag ähnlich einem weiteren
Grundfreibetrag erhalten und damit im Proportionalbereich der
Einkommensteuer ebenso besteuert werden wie zusammen
veranlagte Ehegatten (vgl. BTDrucks 7/1470, S. 283 zu
§ 79 und § 80 des Entwurfs, sowie S. 222). Der
Haushaltsfreibetrag knüpft allein an den Haushalt des
alleinstehenden Steuerpflichtigen an, erhöht sich aber nicht
mit der Anzahl der Kinder. 83 Dieser zweite Grundfreibetrag für
unverheiratete Eltern ist mit Art. 6 Abs. 1 und Abs. 2 GG
nicht vereinbar, weil er der ehelichen Erziehungsgemeinschaft
vorenthalten, unverheirateten Eltern dagegen auch dann
gewährt wird, wenn sie eine Erziehungsgemeinschaft bilden und
beide steuerpflichtig sind. In diesem Fall wird das jeweilige
Einkommen steuerlich bereits in Höhe des Grundfreibetrags
verschont (vgl. § 32a Abs. 1 Satz 2 Nr. 1 EStG). Durch
den Haushaltsfreibetrag als "drittem Grundfreibetrag" werden
damit solche Erziehungsgemeinschaften der ehelichen
Erziehungsgemeinschaft gegenüber bevorzugt. 84 Diese unterschiedliche Behandlung läßt sich in
diesem Fall auch nicht auf eine größere kindbedingte
Verteuerung der Haushaltsführung der abzugsberechtigten
nichtehelichen Erziehungsgemeinschaft gegenüber einer
ehelichen Erziehungsgemeinschaft zurückführen. Grundsätzlich
erhöht das Hinzutreten eines Kindes den
Haushaltsführungsaufwand der Eltern. Dieser ist für jeden
gemeinsamen Haushalt der Eltern gleich. Mag der Aufwand zur
Gründung eines Hausstandes auch bei verheirateten Eltern
ehebedingt, bei Alleinerziehenden hingegen zumindest
teilweise kindbedingt entstanden sein, so ist dieser
einmalige Bedarf weder Gegenstand noch Anlaß der Regelung des
§ 32 Abs. 7 (früher: § 32 Abs. 3 und Abs. 4) EStG.
Der in jedem Veranlagungsjahr wiederkehrende steuererhebliche
allgemeine Haushaltsmehrbedarf hingegen, der hier zum Abzug
zugelassen wird, ist bei verheirateten wie bei
unverheirateten Eltern gleich, so daß eine unterschiedliche
steuerliche Berücksichtigung nicht gerechtfertigt ist. 85 Lebt ein Kind nicht bei den Eltern, sondern an
einem dritten Ort, so ist ebenfalls nicht ersichtlich, warum
dennoch entstehende kindbedingte Mehraufwendungen nicht in
gleicher Weise in der ehelichen Erziehungsgemeinschaft
anfallen. Der Einwand, die Unterbringung eines Kindes in
einem Internat, in medizinischen oder sonstigen
Betreuungseinrichtungen sei im Falle der ehelichen
Gemeinschaft der Eltern vermeidbar, ist mit dem sich aus Art.
6 Abs. 1 und Abs. 2 GG ergebenden Recht der Eltern auf die
freie Gestaltung des familiären Zusammenlebens nicht
vereinbar. 86 3. Auch die Möglichkeit der
Zusammenveranlagung (§§ 26, 26b EStG), die den in
ehelicher Gemeinschaft lebenden Eltern zur Verfügung steht,
mindert deren Benachteiligung durch die angegriffenen
Regelungen nicht. Die Zusammenveranlagung kann von allen
Ehegatten in Anspruch genommen werden, unabhängig davon, ob
sie unterhaltsberechtigte Kinder haben oder nicht; die
Zusammenveranlagung setzt eine Ehe, nicht einen kindbedingten
Bedarf voraus. Eine Berücksichtigung der Rechtsfolgen der
§§ 26, 26b EStG zur Kompensation der steuerlichen
Schlechterstellung kommt somit schon deshalb nicht in
Betracht, weil sie verheiratete Eltern gegenüber Ehegatten
ohne unterhaltsberechtigte Kinder benachteiligen würde. Im
übrigen hängt die Entlastungswirkung der Zusammenveranlagung
von der Höhe der jeweiligen Einkünfte beider Ehegatten und
vom Progressionssatz ab. Die Zusammenveranlagung wirkt sich
kaum aus, wenn beide Ehegatten erwerbstätig sind und
Einkünfte in ähnlicher Höhe erzielen. C. 87 Neben diesen mit Art. 6 Abs. 1 und Abs. 2 GG
nicht zu vereinbarenden Benachteiligungen der ehelichen
gegenüber anderen Erziehungsgemeinschaften bleibt die
steuerliche Berücksichtigung verminderter Leistungsfähigkeit
von Eltern insgesamt hinter dem verfassungsrechtlich nach
Art. 6 Abs. 1 und Abs. 2 GG Gebotenen zurück und
benachteiligt Eltern, die nicht die steuerlichen Entlastungen
der § 33c, § 32 Abs. 7 EStG in Anspruch nehmen
können, auch gegenüber kinderlosen Steuerpflichtigen. I. 88 Kinderfreibeträge und Kindergeld decken im
wesentlichen nur das sächliche Existenzminimum des Kindes.
Der Betreuungsbedarf jedes Kindes wird bisher -
gleichheitswidrig (vgl. oben B.II.1.) - lediglich
berücksichtigt, wenn er bei Alleinstehenden i.S. des
§ 33c Abs. 2 EStG im Zusammenhang mit der
Erwerbstätigkeit, mit Krankheit oder Behinderung entstanden
ist oder wenn ein in ehelicher Gemeinschaft lebender
Elternteil krank oder behindert und der andere entweder
erwerbstätig oder ebenfalls krank oder behindert ist
(§ 33c Abs. 1 bis Abs. 3 und Abs. 5 EStG). Diese
Regelungen genügen nicht der Tatsache, daß der
Betreuungsbedarf des Kindes unabhängig von Krankheit,
Behinderung oder Erwerbstätigkeit der Eltern besteht und auch
nicht von der Art und Weise der Erbringung der
Betreuungsleistungen abhängt. 89 Bei der Neuregelung der einkommensteuerlichen
Verschonung des Betreuungsbedarfs wird der Gesetzgeber daher
eine gleiche betreuungsbedingte Minderung der steuerlichen
Leistungsfähigkeit bei allen Eltern - unabhängig von der Art
der Betreuung und von konkreten Aufwendungen - zu
berücksichtigen und dementsprechend den Kinderfreibetrag oder
das Kindergeld zu erhöhen haben. II. 90 Das Einkommensteuergesetz vernachlässigt neben
dem Betreuungsbedarf (§ 33c EStG) auch die Aufwendungen
der Eltern, die dem Kind die persönliche Entfaltung, seine
Entwicklung zur Eigenständigkeit und Eigenverantwortlichkeit
ermöglichen (Erziehungsbedarf). Es berücksichtigt zwar im
"Haushaltsfreibetrag" - unter unzutreffender Bezeichnung und
gleichheitswidriger Beschränkung (vgl. oben B.II.2.) - einen
kindbedingten Zusatzbedarf, der diesen Bedarf des Kindes im
rechnerischen Ergebnis abdeckt. Dabei bleibt aber außer
Betracht, daß alle Eltern diesen Mehrbedarf des Kindes zu
befriedigen haben. Der Gesetzgeber muß deshalb bei der
gebotenen Neugestaltung des Kinderleistungsausgleichs (vgl.
Beschluß des Zweiten Senats vom 10. November 1998 - 2 BvL
42/93 - <Kinderleistungsausgleich>) diesen
Erziehungsbedarf des Kindes unabhängig vom Familienstand bei
allen Eltern, die einen Kinderfreibetrag oder ein Kindergeld
erhalten, berücksichtigen. 91 Auch dieser Erziehungsbedarf wird durch
Kinderfreibetrag und Kindergeld nicht ausreichend befriedigt.
Zwar umfaßt der für die Gewährung von Sozialhilfe und damit
für die Festlegung des allgemeinen steuerlichen
Existenzminimums maßgebliche notwendige Lebensunterhalt neben
Ernährung, Unterkunft, Kleidung, Körperpflege, Hausrat und
Heizung auch persönliche Bedürfnisse des täglichen Lebens
(§ 12 Abs. 1 Satz 1, § 22 Abs. 1 BSHG i.V.m.
§ 1 Abs. 1 Satz 1 der Verordnung zur Durchführung des
§ 22 des Bundessozialhilfegesetzes
<Regelsatzverordnung> vom 20. Juli 1962 <BGBl
I S. 515>, zuletzt geändert durch
Art. 11 des Gesetzes zur Reform des Sozialhilferechts vom 23.
Juli 1996 <BGBl
I S. 1088>). Zu diesem Minimum
gehören in vertretbarem Umfange auch Beziehungen zur Umwelt
und eine Teilnahme am kulturellen Leben (vgl. § 12 Abs.
1 Satz 2 BSHG). Für Kinder und Jugendliche umfaßt der
notwendige Lebensunterhalt auch den besonderen, vor allem den
durch ihre Entwicklung und ihr Heranwachsen bedingten Bedarf
(vgl. § 12 Abs. 2 BSHG i.d.F. des Gesetzes zur Reform
des Sozialhilferechts vom 23. Juli 1996 <BGBl
I S. 1088> sowie hierzu die
Begründung des Gesetzentwurfs <BTDrucks 13/3904, S.
44>). 92 Bei der Quantifizierung dieses Bedarfs sind
jedoch die allgemeinen Kosten noch nicht hinreichend
berücksichtigt, die Eltern aufzubringen haben, um dem Kind
eine Entwicklung zu ermöglichen, die es zu einem
verantwortlichen Leben in dieser Gesellschaft befähigt (vgl. BVerfGE
81 <91>). Hierzu gehört
gegenwärtig z.B. - entgegen § 33c Abs. 1 Satz 5 EStG -
die Mitgliedschaft in Vereinen sowie sonstige Formen der
Begegnung mit anderen Kindern oder Jugendlichen außerhalb des
häuslichen Bereichs, das Erlernen und Erproben moderner
Kommunikationstechniken, der Zugang zu Kultur- und
Sprachfertigkeit, die verantwortliche Nutzung der Freizeit
und die Gestaltung der Ferien. 93 Für die Bemessung dieses von allen Eltern zu
befriedigenden Erziehungsbedarfs von Kindern gibt der
bisherige Haushaltsfreibetrag eine zahlenmäßige Orientierung,
die allerdings je nach Kinderzahl abzustufen ist. III. 94 Es wird Aufgabe des Gesetzgebers sein, die
kindbedingte Minderung der Leistungsfähigkeit
steuerpflichtiger Eltern im Vergleich zu kinderlosen
Steuerpflichtigen in jedem weiteren Reformschritt zu
berücksichtigen. Das rechtsstaatliche Gebot der
Voraussehbarkeit und Berechenbarkeit der Steuerlasten und die
Besteuerungsgleichheit fordern eine Einfachheit und Klarheit
der gesetzlichen Regelungen, die dem nicht
steuerrechtskundigen Pflichtigen erlauben, seinen -
strafbewehrten (§ 370 AO) - Erklärungspflichten
sachgerecht zu genügen. Soweit ein Steuertatbestand sich nach
personenbezogenen Daten wie Familienstand, Anzahl der Kinder
und Alter bestimmt, kann der steuererhebliche Tatbestand so
definiert werden, daß die bloße Angabe dieser Daten die
Anwendung des Gesetzes möglich macht. Da die kindbedingte
Minderung der einkommensteuerlichen Leistungsfähigkeit zudem
von konkreten Aufwendungen unabhängig ist, sie auch
unabhängig von Anträgen und sonstigen formalen
Voraussetzungen gewährt werden kann, ist es möglich, die
gesamte kindbedingte Minderung der steuerlichen
Leistungsfähigkeit in einem Grundtatbestand zu erfassen, der
alle kinderbezogenen Entlastungen umfaßt und dessen
Voraussetzungen allein durch die Angabe familienbezogener
Daten dargelegt werden können. Der Steuerpflichtige würde
dadurch in die Lage versetzt, die ihm abverlangten
Erklärungen aufgrund eigenen Wissens verläßlich abzugeben.
Außerdem kann ein vereinheitlichter Entlastungstatbestand des
Betreuungs- und Erziehungsbedarfs dazu dienen, komplizierte
Lebenssachverhalte übersichtlicher und verständlicher zu
machen, um so den steuerlichen Belastungsgrund zu
verdeutlichen und in das Bewußtsein zu rücken (vgl. auch BVerfGE
96, 1 <6 f.>). D. - I. 95 Die Verfassungswidrigkeit der den
angegriffenen gerichtlichen Entscheidungen zugrundeliegenden
Regelungen des Abzugs von Kinderbetreuungskosten wegen
Erwerbstätigkeit (§ 33c Abs. 1 bis 4 EStG) und des
Haushaltsfreibetrags (§ 32 Abs. 3 und Abs. 4 EStG 1984;
später: § 32 Abs. 7 EStG) erfaßt diese Vorschriften in
den jeweils geltenden Fassungen. 96 Die verfassungswidrigen Vorschriften, auf
denen die mit den Verfassungsbeschwerden angegriffenen
Entscheidungen beruhen, sind nur für mit dem Grundgesetz
unvereinbar zu erklären (vgl. § 95 Abs. 3 Sätze 2 und 3,
§ 79 BVerfGG). Eine Nichtigerklärung ließe die
verfassungsrechtlich gebotene Berücksichtigung des
Betreuungsaufwandes und eines Haushaltsfreibetrags gänzlich
entfallen und würde damit eine Rechtslage schaffen, die mit
Art. 6 Abs. 1 und Abs. 2 GG noch weniger vereinbar wäre als
die Regelungen des § 33c Abs. 1 bis Abs. 4 und des
§ 32 Abs. 3 und Abs. 4 EStG 1984 (später: § 32 Abs.
7 EStG). Die verfassungswidrigen Normen bleiben deshalb
vorübergehend weiterhin anwendbar. 97 1. Die für verfassungswidrig erkannten
Regelungen des § 33c EStG sind bis zum 31. Dezember 1999
weiterhin anzuwenden. Bis zu diesem Zeitpunkt hat der
Gesetzgeber in einem ersten Reformschritt die Besteuerung der
Familie in der Weise neu zu regeln, daß der Betreuungsbedarf
jedes Kindes als verminderte Leistungsfähigkeit seiner Eltern
berücksichtigt wird. Dieser erste Schritt wird aufgrund der
in dieser Entscheidung festgestellten Diskriminierung der
ehelichen Erziehungsgemeinschaft erforderlich. Im Rahmen
dieser Neuregelung hat der Gesetzgeber die Berücksichtigung
dieses Betreuungsbedarfs auf alle Eltern auszudehnen,
unabhängig davon, in welcher Weise sie diesen Bedarf ihrer
Kinder decken. 98 2. Die Regelung über den Haushaltsfreibetrag
bleibt bis zum 31. Dezember 2001 weiterhin anwendbar. Bis zu
diesem Zeitpunkt hat der Gesetzgeber die Diskriminierung der
ehelichen Erziehungsgemeinschaft durch den Ausschluß vom
Abzug eines Haushaltsfreibetrags zu korrigieren. Dieser
zweite notwendige Reformschritt gibt Anlaß für eine
Neuregelung des Kinderleistungsausgleichs, in der die
verminderte steuerliche Leistungsfähigkeit von Eltern durch
den Erziehungsbedarf ihrer Kinder berücksichtigt wird. II. 99 Sollte der Gesetzgeber mit Wirkung bis zum 1.
Januar 2000 noch keine Neuregelung der Kinderbetreuungskosten
in Kraft gesetzt haben, sind ab diesem Zeitpunkt von
Verfassungs wegen 4.000 DM im Jahr bei der Feststellung des
zu versteuernden Einkommens - als Erhöhung des
Kinderfreibetrags - vom Einkommen i.S. des § 2 Abs. 4
EStG abzuziehen, wenn der Steuerpflichtige für ein Kind einen
Kinderfreibetrag oder Kindergeld erhält. Der Betrag erhöht
sich pro Veranlagungsjahr um 2.000 DM für jedes weitere Kind,
für das der Steuerpflichtige einen Kinderfreibetrag oder
Kindergeld erhält. Entsprechendes gilt im Rahmen des
staatlichen Förderungsauftrags gemäß Art. 6 Abs. 1 GG (vgl. BVerfGE
82, 60 <81>; 87,
1 <35>) für Leistungsansprüche
nach §§ 62 ff. EStG. 100 Sollte die Neuregelung für die unter Nr. 2 des
Tenors bezeichneten Vorschriften nicht spätestens mit Wirkung
zum 1. Januar 2002 in Kraft getreten sein, so fehlt aufgrund
der festgestellten Unvereinbarkeit der Regelung über den
Haushaltsfreibetrag mit dem Grundgesetz für die Besteuerung
des Einkommens der Eltern, denen ein Kinderfreibetrag oder
Kindergeld für ein oder mehrere Kinder zusteht, in Höhe von
5.616 DM (vgl. C.II.) die gesetzliche Grundlage. III. 101 Die Ausgangsverfahren der
Verfassungsbeschwerden waren an den Bundesfinanzhof
zurückzuverweisen. In den Beschwerdeverfahren gegen die
Nichtzulassung der Revision der Beschwerdeführer zu 2. und 3.
ist zwar mit dieser Entscheidung die von ihnen ursprünglich
geltend gemachte grundsätzliche Bedeutung als Zulassungsgrund
entfallen; der Zugang zur Revision ist aber aufgrund der nun
vorliegenden Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts auch
für diese Beschwerdeführer eröffnet, weil die angegriffenen
Entscheidungen der Finanzgerichte von dieser Entscheidung
abweichen (nachträgliche Divergenz, vgl. § 115 Abs. 2
Nr. 2 FGO). 102 Im Blick auf die verfassungsrechtlich gebotene
stufenweise Angleichung des geltenden Rechts haben die
Beschwerdeführer in den Verfahren 2 BvR 1057/91, 2 BvR
1226/91 und 2 BvR 980/91 einen Anspruch darauf, daß der
Erfolg ihrer Verfassungsbeschwerden sich für sie auch für die
jeweils anhängigen Veranlagungszeiträume in einer den
verfassungsrechtlichen Vorgaben entsprechenden
einkommensteuerlichen Entlastung auswirkt. Der
Bundesfinanzhof, an den die Verfahren zurückverwiesen werden,
hat deshalb zu prüfen, ob durch eine erweiternde Anwendung
der beanstandeten Vorschriften des Einkommensteuergesetzes
oder durch entsprechende Anwendung des Rechtsgedankens der
§§ 163, 227 AO (vgl. dazu BVerfG, Beschluß des Zweiten
Senats vom 10. November 1998 - 2 BvL 42/93 -
<Kinderleistungsausgleich>) sichergestellt werden kann,
daß die in § 33c, § 32 Abs. 3 und Abs. 4 EStG 1984
und § 32 Abs. 7 EStG 1986 vorgesehenen Entlastungen in
den konkreten Fällen den Beschwerdeführern zugute kommen.
Anderenfalls müßte der Gesetzgeber insoweit eine rückwirkende
Regelung treffen. E. 103 Die Entscheidung über die Erstattung der
notwendigen Auslagen beruht auf § 34a Abs. 2
BVerfGG. F. 104 Diese Entscheidung ist zu Nr. 5 der
Entscheidungsformel mit 7:1 Stimmen, im übrigen im Ergebnis
einstimmig ergangen. Limbach Kirchhof Winter Sommer Jentsch Hassemer Broß Osterloh Zusatzinformationen
ECLI:DE:BVerfG:1998:rs19981110.2bvr105791Zitiervorschlag:BVerfG, Beschluss des Zweiten Senats vom 10. November 1998 - 2 BvR 1057/91 - Rn. (1-104),http://www.bverfg.de/e/rs19981110_2bvr105791.htmlFundstelle(n)BVerfGE 99, 216 - 246