Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Text=NJW%201999,%202883
Timestamp: 2019-09-22 00:55:37
Document Index: 111774063

Matched Legal Cases: ['BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH']

BGH, 29.06.1999 - XI ZR 277/98 - dejure.org
https://dejure.org/1999,440
BGH, 29.06.1999 - XI ZR 277/98 (https://dejure.org/1999,440)
BGH, Entscheidung vom 29.06.1999 - XI ZR 277/98 (https://dejure.org/1999,440)
BGH, Entscheidung vom 29. Juni 1999 - XI ZR 277/98 (https://dejure.org/1999,440)
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Missbrauch der Vertretungsmacht; Anspruch auf Auszahlung eines Sparguthabens
Haftung der Bank bei evidentem Missbrauch einer umfassenden Kontovollmacht
Objektive Evidenz des Mißbrauchs
Voraussetzungen des Vollmachtsmißbrauchs
Mißbrauch einer umfassenden Kontovollmacht
Haftung der Bank bei evidentem Mißbrauch einer umfassenden Kontovollmacht
Geschäftsführer, Geschäftsführungsmaßnahme, objektive Evidenz, Rechtsmissbrauch, Vertretungsbefugnis
Verbindlichkeit eines Rechtsgeschäftes bei Mißbrauch der Vertretungsmacht
Mißbrauch einer Vollmacht; Erkennbarkeit für den Geschäftsgegner; Mitverschulden des Vertretenen
Evidenz des Missbrauchs einer umfassenden Kontovollmacht
NJW 1999, 2883
ZIP 1999, 1303
MDR 1999, 1279
WM 1999, 1617
DB 1999, 1850
Eine Warnpflicht besteht unter den genannten Voraussetzungen erst dann, wenn die Bank ohne nähere Prüfung im Rahmen der normalen Bearbeitung eines Zahlungsverkehrsvorgangs aufgrund einer auf massiven Verdachtsmomenten beruhenden objektiven Evidenz (vgl. für den Vollmachtsmissbrauch: Senat, Urteile vom 28. April 1992 - XI ZR 164/91, WM 1992, 1362, 1363, vom 19. April 1994 - XI ZR 18/93, WM 1994, 1204, 1206 und vom 29. Juni 1999 - XI ZR 277/98, WM 1999, 1617, 1618) den Verdacht einer Veruntreuung schöpft.
Notwendig ist dabei eine sich aus massiven Verdachtsmomenten ergebende objektive Evidenz des Missbrauchs (BGH, Urteile vom 19. April 1994 - XI ZR 18/93, NJW 1994, 2082 unter II 2 a; vom 29. Juni 1999 - XI ZR 277/98, NJW 1999, 2883 unter I 2 a; vom 15. Juni 2004 - XI ZR 220/03, NJW 2004, 2517 unter II 2 c), die vorliegend nicht gegeben ist.
Entgegen der Ansicht der Beklagten bestand auch keine diesbezügliche Erkundigungspflicht der Klägerin; das Risiko eines Vollmachtmissbrauchs hat grundsätzlich vielmehr der Vertretene zu tragen (…BGH, Urteile vom 19. April 1994 - XI ZR 18/93, aaO; vom 29. Juni 1999 - XI ZR 277/98, aaO;… vom 15. Juni 2004 - XI ZR 220/03, aaO).
Ein entsprechender Missbrauch kann zwar vorliegen, wenn der Vertreter von seiner Vertretungsmacht in ersichtlich verdächtiger Weise Gebrauch macht, so dass beim Vertragspartner begründete Zweifel entstehen müssen, ob nicht ein Treueverstoß des Vertreters gegenüber dem Vertretenen gegeben ist (BGH, Urteile vom 30. Januar 2002 - IV ZR 23/01, NJW 2002, 1497 unter II 3 c mwN;… vom 15. Juni 2004 - XI ZR 220/03, aaO; vom 29. Juni 1999 - XI ZR 277/98, aaO).
Zwar ist ein Vertrag nichtig, wenn der Vertreter des einen Teils seine Vollmacht missbraucht und dies ojektiv evident ist (BGHZ 127, 239, 241 f.; BGH, Urt. v. 29. Juni 1999, XI ZR 277/98, NJW 1999, 2883;… Urt. v. 30. Januar 2002, IV ZR 23/01, NJW 2002, 1497, 1498).
Notwendig ist dabei eine massive Verdachtsmomente voraussetzende objektive Evidenz des Missbrauchs, die insbesondere dann gegeben ist, wenn sich nach den gegebenen Umständen die Notwendigkeit einer Rückfrage bei dem Vertretenen geradezu aufdrängt (BGH, Urteil vom 29. Juni 1999 - XI ZR 277/98 - NJW 1999, 2883 f., juris Rn. 12; OLG Stuttgart…, Urteil vom 16. Dezember 2008 - 12 U 172/08 - DB 2009, 445 ff., juris Rn. 55, jeweils m. w. N.).
Diese Voraussetzungen, deren Feststellung als tatrichterliche Würdigung im Revisionsverfahren nur beschränkt überprüfbar ist (Senat, Urteil vom 29. Juni 1999 - XI ZR 277/98, WM 1999, 1617, 1618), hat das Berufungsgericht rechtsfehlerfrei verneint.
Die objektive Evidenz ist insbesondere dann gegeben, wenn sich nach den gegebenen Umständen die Notwendigkeit einer Rückfrage des Geschäftsgegners bei dem Vertretenen geradezu aufdrängt (vgl. BGH, Urteil vom 29. Juni 1999 - XI ZR 277/98, WM 1999, 1617, 1618 m.w.N.).
(1) Nach ständiger Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs hat grundsätzlich der Vertretene das Risiko eines Missbrauchs der Vertretungsmacht zu tragen (vgl. BGH, Urteil vom 29. Juni 1999 - XI ZR 277/98, WM 1999, 1617, 1618;… vom 9. Mai 2014 - V ZR 305/12, WM 2014, 1964 Rn. 18;… vom 14. Juni 2016 - XI ZR 74/14, BKR 2016, 383 Rn. 21).
a) Nach ständiger Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs hat grundsätzlich der Vertretene das Risiko eines Missbrauchs der Vertretungsmacht zu tragen (vgl. BGH, Urteile vom 29. Juni 1999 - XI ZR 277/98, WM 1999, 1617, 1618…, vom 1. Juni 2010 - XI ZR 389/09, WM 2010, 1218 Rn. 29 …und vom 9. Mai 2014 - V ZR 305/12, WM 2014, 1964 Rn. 18).
Den Vertragspartner trifft keine Prüfungspflicht, ob und inwieweit der Vertreter im Innenverhältnis gebunden ist, von seiner nach außen unbeschränkten Vertretungsmacht nur begrenzten Gebrauch zu machen (vgl. Senatsurteile vom 29. Juni 1999 - XI ZR 277/98, WM 1999, 1617, 1618 …und vom 1. Juni 2010 - XI ZR 389/09, WM 2010, 1218 Rn. 29).
Notwendig ist dabei eine massive Verdachtsmomente voraussetzende objektive Evidenz des Missbrauchs (vgl. BGH, Urteile vom 25. Oktober 1994 - XI ZR 239/93, BGHZ 127, 239, 241, vom 29. Juni 1999 - XI ZR 277/98, WM 1999, 1617, 1618…, vom 1. Februar 2012 - VIII ZR 307/10, WM 2012, 2020 Rn. 21 …und vom 9. Mai 2014 - V ZR 305/12, WM 2014, 1964 Rn. 18, jeweils mwN).
Die objektive Evidenz ist insbesondere dann gegeben, wenn sich nach den gegebenen Umständen die Notwendigkeit einer Rückfrage des Geschäftsgegners bei dem Vertretenen geradezu aufdrängt (Senatsurteil vom 29. Juni 1999 - XI ZR 277/98, aaO).
Ist das - wie hier - der Fall, kann das Revisionsgericht die Beurteilung selbst vornehmen, wenn die Feststellungen des Berufungsgerichts - wie hier - ein abgeschlossenes Tatsachenbild ergeben (vgl. dazu Senatsurteil vom 29. Juni 1999 - XI ZR 277/98, WM 1999, 1617, 1618 mwN).
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