Source: https://www.frag-einen-anwalt.de/Aufloesung-einer-Erbengemeinschaft-und-Teilversteigerung--f37250.html
Timestamp: 2019-11-12 08:03:25
Document Index: 124942768

Matched Legal Cases: ['§ 2042', 'BGH', '§ 66', '§ 74', '§ 85', '§ 74', '§ 85', '§ 765']

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| 27.02.2008 19:42 |
Wir sind eine Erbengemeinschaft von 6 Personen und haben zusammen eine Immobilie , sowie mehrere Grundstücke zu je gleichen Teilen , aufgrund gesetzlicher Erbfolge , geerbt.
Alle , mit Ausnahme eines Erben , sind sich einig die Immobilie sowie einige der Grundstücke zu verkaufen um die Erbschaft aufteilen zu können.
Der Erbe , welcher nicht zum Verkauf bereit ist , bewohnt derzeit als einziger die Immobilie.
Wir wissen , dass jeder der Erben jederzeit eine Teilungsversteigerung beim zuständigen Amtsgericht beantragen kann. Hierzu haben wir folgende Fragen :
1.Muss bei der Teilungsversteigerung durch das Amtsgericht automatisch alles versteigert werden , oder können z.B. einzelne Grundstücke weiterhin in der Erbengemeinschaft verbleiben ?
2.Wir wollen vermeiden , dass infolge einer Zwangsversteigerung ein zu niedriger Preis erzielt wird. Deshalb ,
.. können die , sich einigen , Erben selbst einen Interessenten suchen und diesen dem Amtsgericht als Käufer vorstellen und damit eine Versteigerung umgehen ?
.. können die , sich einigen , Erben , im Falle einer Zwangsversteigerung , ein Mindestgebot bestimmen ?
3.Können die Erben den Auszug des noch in der Immobilie lebenden Erben verlangen ?
4.Wie kann der noch in der Immobilie wohnende Erbe zum Auszug bewegt werden ?
5.Gibt es darüber hinaus weitere Optionen , evtl. mit Hilfe Fach-Juristischer Unterstützung , um die Teilung ohne unnötige Verluste zu erreichen ?
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1. Grundsätzlich kann bei einer Auseinandersetzung gemäß § 2042 BGB auch lediglich eine Teilauseinandersetzung erfolgen. Dies ist bei einer gegenständlichen beschränkten Auseinandersetzung in der Regel stets möglich, wenn alle Miterben zustimmen. Ausnahmsweise kann sie sogar gegen den Willen eines Miterben dann verlangt werden, wenn besondere Gründe dies rechtfertigen, z.B. keine Nachlassverbindichkeiten mehr bestehen und dadurch berechtigte Belange der Erbengemeinschaft oder der einzelnen Miterben nicht beeinträchtigt werden (BGH FamRZ 84, 688). Der übrige Nachlass bleibt ungeteilt und die Erbengemeinschaft besteht fort. Somit können auch einzelne Grundstücke weiter bei der Erbengemeinschaft verbleiben, wenn die eben genannten Voraussetzungen für eine Teilauseinandersetzung vorliegen.
2. Die sich einigen Miterben können im Falle einer Zwangsversteigerung kein Mindestgebot bestimmen. Der Gefahr, dass das Grundstück verschleudert wird, wird dadurch Rechnung getragen, dass das Versteigerungsgericht von Amts wegen den Verkehrswert des Grundstücks auf Grundlage eines Wertgutachtens per Beschluss festsetzt. Nach Anhörung der im Versteigerungstermin anwesenden Verfahrensbeteiligten wird das geringste Gebot gemäß § 66 I ZVG per Beschluss festgestellt. Es erfolgt somit lediglich eine Anhörung aber es besteht kein Recht auf Bestimmung eines Mindestgebotes.
Auch besteht hierbei Schutz nach § 74 a ZVG und § 85 a ZVG. Nach § 74 a ZVG kann ein Berechtigter die Versagung des Zuschlages beantragen, wenn das Meistgebot unter 7/10 des festgesetzten Verkehrswertes bleibt. Nach § 85 a ZVG ist der Zuschlag von Amts wegen zu versagen, wenn das Meistgebot unter 5/10 des festgesetzten Wertes bleibt.
Die Benennung eines Käufers wird hierbei nicht viel bringen, da ja kein Einverständnis des einen Erben besteht und somit doch wohl eine Teilungsversteigerung durchgeführt werden muss.
3.Solange die Teilungsversteigerung noch nicht angeordnet ist, kann auch nicht der Auszug des Miterben aus der Immobilie verlangt werden. Dem in der Immobilie wohnenden Miterben bleibt immer noch die Möglichkeit die einstweilige Einstellung der Versteigerung nach § 765 a ZPO zu beantragen. Hierbei werden die Anforderungen sehr hoch gesteckt und der Vollstreckungsschutz ist in der Regel nur zu gewähren, wenn wegen ganz besonderer Umstände eine mit den guten Sitten nicht zu vereinbarende Härte eintreten würde. Ob dies hier der Fall ist, kann ich aufgrund der Angaben nicht sagen. Ansonsten muss der Miterbe nach vollzogener Versteigerung ausziehen.
4. Der in der Immobilie wohnende Erbe kann vielleicht durch ein vernünftiges Gespräch oder Anbieten von Geld dazu bewegt werden, auszuziehen, dies kann ich nicht sagen.
5. Wenn einer der Erben nicht mitspielt, bleiben wohl nicht viel mehr Möglichkeiten. Da z.B. eine Versteigerung unter den Miterben auch nur unter Einverständnis aller beantragt werden kann.
Ich hoffe, Ihnen eine erste Einschätzung bezüglich Ihrer Fragestellung gegeben zu haben.
"Prompt , kompetent und kundenfreundlich !
Vielen Dank ! "