Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Text=2%20BvR%201957/94
Timestamp: 2019-08-18 06:01:30
Document Index: 92104188

Matched Legal Cases: ['§ 53', '§ 55', 'Art. 16', '§ 53', '§ 10', '§ 2', '§ 1']

BVerfG, 03.07.1996 - 2 BvR 1957/94 - dejure.org
https://dejure.org/1996,1451
BVerfG, 03.07.1996 - 2 BvR 1957/94 (https://dejure.org/1996,1451)
BVerfG, Entscheidung vom 03.07.1996 - 2 BvR 1957/94 (https://dejure.org/1996,1451)
BVerfG, Entscheidung vom 03. Juli 1996 - 2 BvR 1957/94 (https://dejure.org/1996,1451)
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AuslG § 53 Abs. 1 § 55 Abs. 2; GG Art. 16a Abs. 1
Asylrecht - Folter - Rechtliches Gehör
VG Hamburg, 22.02.1994 - 11 A 9319/93
OVG Hamburg, 15.08.1994 - V 80/94
NVwZ 1996, 93
DVBl 1996, 1250
Dies ist etwa dann der Fall, wenn objektive Umstände - z.B. eine gesteigerte Verfolgungsintensität in Form einer härteren Bestrafung - darauf schließen lassen, daß der Betroffene gleichwohl wegen eines asylerheblichen Merkmals verfolgt wird (vgl. BVerfGE 80, 315 ; 1. Kammer des Zweiten Senats des Bundesverfassungsgerichts, Beschlüsse vom 8. Oktober 1990 - 2 BvR 508/86 -, InfAuslR 1991, 18 , vom 25. April 1991 - 2 BvR 1437/90 -, InfAuslR 1991, 257 und vom 3. Juli 1996 - 2 BvR 1957/94 -, DVBl 1996, S. 1250).
Dem nach § 53 Abs. 4 AuslG geschützten Ausländer hingegen steht allenfalls ein Anspruch auf Duldung und gegebenenfalls auf ermessensfehlerfreie Prüfung der Erteilung einer Aufenthaltsbefugnis zu, woran anknüpfend gleichartige Positionen jedoch entweder nur aufgrund einer Ermessensentscheidung oder nach längeren Wartezeiten oder gar nicht entstehen können (…vgl. dazu Kanein/Renner, Kommentar zum Ausländerrecht, 6. Aufl., 1993, § 10 AuslG, Rn. 114-157 und § 2 AsylVfG, Rn. 22-29, vgl. insoweit auch Beschlüsse der erkennenden Kammer vom 28. Dezember 1994 - 2 BvR 1205/94 -, NVwZ Beilage 7/95, S. 52 und vom 3. Juli 1996 - 2 BvR 1957/94 -, DVBl 1996, S. 1250).
Folter wird weltweit und so auch in der Türkei erfahrungsgemäß in besonderem Umfang und mit besonderer Härte gegenüber dem politischen Gegner praktiziert und dient somit in aller Regel der Ausgrenzung aus der innerstaatlichen Friedensordnung (vgl. dazu BVerfG, 10.07.1989 - 2 BvR 502/86 u. a. -, BVerfGE 80, 315 = EZAR 201 Nr. 20; BVerfG-Kammer, 28.01.1993 - 2 BvR 1803/92 -, InfAuslR 1993, 142; BVerfG-Kammer, 03.07.1996 - 2 BvR 1957/94 -, EZAR 201 Nr. 27 = InfAuslR 1996, 318; BVerfG-Kammer, 24.09.1998 - 2 BvR 2470/96 -).
Die überschießende Intensität kann darauf hindeuten, dass über die bloße Bekämpfung der Rechtsgutverletzung hinaus auf die Person des Rechtsgutverletzers selbst und seine abweichende politische Überzeugung (bzw. Volkszugehörigkeit) zugegriffen werden soll (siehe auch BVerfG, Beschluss der 1. Kammer des 2. Senats - 2 BvR 1957/94 -, DVBl. 1996, 1250, 1251).
Die Asylerheblichkeit der Folter kann in diesen Fällen nur verneint werden, wenn präzise Feststellungen vorliegen, daß selbst derart massive Maßnahmen auch bei der Ahndung anderer "normaler" krimineller Taten regelmäßig angewandt werden (BVerfG (Kammer), B.v. 09.01.1991 - 2 BvR 935/90 -, InfAuslR 1992, 59 (62); B.v. 25.04.1991 - 2 BvR 1437/90 -, InfAuslR 1991, 257 (261); B.v. 20.05.1992 - 2 BvR 205/92 -, InfAuslR 1992, 283 (287); B.v. 03.07.1996 - 2 BvR 1957/94 -, InfAuslR 1996, 318 (321); vgl. auch BVerwG, U.v. 10.01.1995 - 9 C 276.94 -, Buchholz 402.25 § 1 AsylVfG Nr. 175).
Die Anwendung der Folter ist insoweit die intensivste Form der Ausgrenzung aus der staatlichen Friedensordnung (BVerfG, Beschlüsse vom 3. Juli 1996 - 2 BvR 1957/94 -, Juris Rn. 19;… vom 27. April 2004 - 2 BvR 1318/03 -, http://www.bundesverfassungsgericht.de Rn. 16; BVerwG…, Urteil vom 5. März 2009 - BVerwG 10 C 51.07 -, http://www.bverwg.de Rn. 11).