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Timestamp: 2020-01-24 11:04:38
Document Index: 361552347

Matched Legal Cases: ['§ 1', '§ 1', '§ 1045', '§ 2', '§ 1', '§ 5', '§ 10', '§ 5', '§ 2', '§ 1', '§ 1', '§ 2', '§ 3', '§ 3', '§ 4', '§ 10', '§ 12', '§ 1045', '§ 1']

Stellt der nachträgliche Wechsel von (bereits parifizierten) Tiefgaragenabstellplätzen in einer Wohnungseigentumsanlage einen Tauschvorgang (Grundstückstausch) dar. - Findok Internet
Berufungsentscheidung - Steuer (Referent) des UFSI vom 14.07.2003, RV/0526-I/02
Stellt der nachträgliche Wechsel von (bereits parifizierten) Tiefgaragenabstellplätzen in einer Wohnungseigentumsanlage einen Tauschvorgang (Grundstückstausch) dar.
Der Bw. hatte auf Grund des Kaufvertrages vom 3. April 1997 an der im Wohnungseigentum stehenden Liegenschaft in EZ. GB. K. einen (grundbücherlich einverleibten) Mindestanteil von 138/4766- Anteilen verbunden mit dem Wohnungseigentum an der Wohneinheit Top W 1 erworben. Zu dieser Wohneinheit zählte auch der Tiefgargagenabstellplatz P 1.
In dem von den 14 Wohnungseigentümer abgeschlossenen gegenständlichen Vertrag vom 21. Februar 2002 wurde unter Voranstellung des bisherigen Grundbuchstandes (auszugsweise) folgende Vereinbarungen getroffen:
Wohnflächen im Erdgeschoss Block A; als Zubehör:Terrasse 1, Terrasse 2, Garten, Garten, Kellerraum K1, Tiefgaragenabstellplatz P 1 jetzt P 5
Tiefgargagenab-stellplatz P1 jetzt P5
Anteil 4- Top W1 138/4764 "
Das Finanzamt Innsbruck wertete diesen Rechtsvorgang als Tausch und schrieb dem Bw. ausgehend von einer geschätzten Bemessungsgrundlage von € 7.267,28 (S 100.000) eine Grunderwerbsteuer von € 254,35 vor. Die Begründung lautete wie folgt:
Die gegenständliche Berufung bekämpft diesen Grunderwerbsteuerbescheid mit dem Vorbringen, der Bw. habe vor ca. 4 Jahren eine Wohnung mit Tiefgaragenabstellplatz gekauft. Dieser Tiefgaragenabstellplatz sei zu klein gewesen und habe nicht benützt werden können. Er habe nun einen anderen Tiefgaragenabstellplatz bekommen. Er habe für den ursprünglichen Erwerb bereits Grunderwerbsteuer in Höhe von 99.900 S bezahlt und werde diese nicht noch einmal begleichen.
Die abweisliche Berufungsvorentscheidung wurde damit begründet, es stehe fest, dass dem Bw. ein anderer als der bisher zugeteilte und grundbücherlich einverleibt gewesene Garagenabstellplatz mit dem in Frage stehenden Vertrag übereignet worden sei.
Während die betragsmäßige Höhe der für den Fall eines Tausches angesetzten Bemessungsgrundlage unbestritten blieb, bildet im Gegenstandsfall die vom Finanzamt vertretene Rechtsansicht, die mit dem in Frage stehenden Vertrag vereinbarte "geänderte Zuteilung von Tiefgaragenabstellplätzen" stelle einen Tausch dar, den alleinigen Streitpunkt. Den vorliegenden Berufungsfall entscheidet daher letztlich, ob das Finanzamt zu Recht davon ausgegangen ist, dass mit diesem Vertrag ein Tausch von Tiefgaragenabstellplätzen rechtlich vereinbart worden ist. Im Hinblick auf das Berufungsvorbringen wird einleitend festgehalten, dass der seinerzeitige Erwerbsvorgang (Erwerb der Miteigentumsanteile 138/4766 verbunden mit der Eigentumswohnung Top W 1 und den Tiefgaragenabstellplatz P 1, Kaufvertrag vom 3. April 1997), für den die angeführte Grunderwerbsteuer in Höhe von 99.900 S bereits bezahlt worden ist, von dem streitgegenständlichen Rechtsvorgang (Tausch von Tiefgaragenabstellplätzen, Vertrag vom 21. Februar 2002) auseinander zu halten ist, stellen doch diese zwei getrennt zu beurteilende Rechtsvorgänge (Kauf, Tausch) dar, wodurch jeweils ein eigenständiger grunderwerbsteuerpflichtiger Tatbestand verwirklicht worden war. Der Umstand, dass vom Bw. für den ersten Erwerbsvorgang bereits Grunderwerbsteuer bezahlt worden ist, schließt daher eine Grunderwerbsteuervorschreibung für den Tauschvorgang nicht aus.
Gemäß § 1 Abs. 1 Z 1 GrEStG 1987 unterliegen der Grunderwerbsteuer (soweit sie sich auf inländische Grundstückes beziehen) ein Kaufvertrag oder ein anderes Rechtsgeschäft, das den Anspruch auf Übereignung begründet.
Zu diesen anderen Rechtsgeschäften gehört auch der Tauschvertrag (vgl. Fellner, Gebühren und Verkehrsteuern, Band II, Grunderwerbsteuer, Rz 195 zu § 1 GrEStG und die dort zitierte hg. Rechtsprechung). Nach § 1045 ABGB ist der Tausch ein Vertrag, wodurch eine Sache gegen eine andere Sache überlassen wird. Gegenstand des Tauschvertrages kann der Austausch zweier Grundstücke (sogenannter Grundstückstausch) sein. Bei einem Austausch von zwei Grundstücken liegen zwei grunderwerbsteuerpflichtige Erwerbsvorgänge vor. Haben die Vertragspartner näher bezeichnete Anteile an Liegenschaften, also Grundstücke im Sinne des § 2 GrEStG, gegen andere Liegenschaftsanteile überlassen, somit ausgetauscht, werden damit (insgesamt zwei) Erwerbsvorgänge im Sinne des § 1 GrEStG verwirklicht (VwGH vom 29. Jänner 1996, Zl. 94/16/0039). Bei einem Grundstückstausch ist nach § 5 Abs. 1 Z 2 GrEStG dieTauschleistung des anderen Vertragsteiles einschließlich einer vereinbarten zusätzlichen Leistung die Gegenleistung. Als Gegenleistung ist dabei der gemeine Wert (§ 10 BewG) des für das erworbene Grundstück hingegebenen Tauschgrundstückes zuzüglich einer allfälligen Tauschaufgabe heranzuziehen (siehe Fellner, Gebühren und Verkehrsteuern, Band II, Grunderwerbsteuer, Rz 109 zu § 5 GrEStG).
Wohnungseigentum ist gemäß § 2 Abs. 1 Wohnungseigentumsgesetz 2002, BGBl. Nr. I 2002/70, ( = § 1 Abs. 1 Wohnungseigentumsgesetz 1975) das dem Miteigentümer einer Liegenschaft eingeräumte dingliche Recht, ein Wohnungseigentumsobjekt ausschließlich zu nutzen und allein darüber zu verfügen. Es ist also kein Eigentumsrecht an Teilen, kein realgeteiltes Eigentum (vgl. VwGH 26.3.1992, 90/16/0211, 0212, zu § 1 Abs. 1 Wohnungseigentumsgesetz 1975 und VwGH 18.6.2002, 2001/16/0409). Der Mindestanteil ist nach § 2 Abs. 9 Wohnungseigentumsgesetz 2002 (= § 3 Wohnungseigentumsgesetz 1975) jener Miteigentumsanteil an der Liegenschaft, der zum Erwerb von Wohnungseigentum an einem Wohnungseigentumsobjekt erforderlich ist. Wird der Nutzwert nach § 3 Abs. 2 Z 1 neu festgesetzt, so haben gem. § 4 Abs. 2 Wohnungseigentumsgesetz 1975 (entspricht in etwa § 10 Abs. 2 Wohnungseigentumsgesetz 2002) die Miteigentümer gegenseitig diejenigen Miteigentumsanteile zu übernehmen oder zu übertragen, die notwendig sind, damit jedem Wohnungseigentümer der nach der Festsetzung der Nutzwerte zur Begründung des Wohnungseigentums erforderliche Mindestanteil zukommt. Nach § 12 Wohnungseigentumsgesetz 1975 wird das Wohnungseigentum durch Einverleibung in das Grundbuch erworben.
An Sachverhalt war unbedenklich davon auszugehen, dass der Bw. mit Kaufvertrag vom 3. April 1997 einen Mindestanteil von 138/4766 an der Liegenschaft verbunden mit dem Wohnungseigentum an der Wohnung Top W 1 und dem Tiefgaragenabstellplatz P 1 käuflich erwarb und dieser Mindestanteil im Grundbuch einverleibt worden war. Auf Grund der obigen Begriffsbestimmung des Wohnungseigentums stand ihm daher das dingliche Recht zu, diese Wohnung und diesen genau bezeichneten Tiefgargagenabstellplatz ausschließlich zu nutzen und hierüber allein zu verfügen. An dieser zivilrechtlichen Rechtslage ändert auch der Umstand nichts, dass in der Berufung eingewendet wird, der alte Tiefgaragenplatz P 1 sei zu klein gebaut gewesen und er habe deshalb einen anderen bekommen, wird doch damit selbst eingeräumt, dass nach der Parifizierung mit der erworbenen Wohnung der Tiefgaragenabstellpatz P 1 verbunden war und der Bw. nunmehr den Tiefgaragenplatz P 5 hat. Wenn in der Berufung im Ergebnis damit argumentiert wird, entgegen der Rechtsansicht des Finanzamtes liege deshalb kein Tausch vor, habe er doch durch den gegenständlichen Vertrag lediglich einen anderen Tiefgagargenabstellplatz erhalten, dann lässt dieses Vorbringen unberücksichtigt, dass eben diese "Änderung" des zivilrechtlichen Wohnungseigentumes eines bestimmten Rechtstitels und damit zivilrechtlichen Erwerbsvorganges für diese mit diesem Vertrag laut Pkt II und III angestrebten und rechtlich herbeigeführten Änderungen der Zuteilung der Tiefgaragenabstellplätze bedurfte. Diese Änderung der Zuteilung der Tiefgaragenabstellplätze wurde mit diesem Vertrag rechtlich vereinbart, was in der Folge auch zu einer entsprechenden Neufeststellung des Nutzwertes und des geänderten Mindestwertes führte und auch ihren grundbücherlichen Niederschlag lt. Pkt. V und VI des Vertrages finden musste. Der Tausch ist nach § 1045 ABGB ein Vertrag, durch den eine Sache gegen eine andere überlassen wird. Gerade dies lag aber bezogen auf die Tiefgaragenabstellplätze vor, wurde doch im Ergebnis durch diesen Vertrag vereinbart, dass der Bw. den ihm bisher laut Parifizierung zukommenden Tiefgaragenabstellplatz abgibt und dafür -unter Neufestellung des Nutzwertes und des Mindestanteiles (bisher: 138/4766 neu: 138/4764) - einen anderen Tiefgaragenabstellplatz erhält. Die in der Berufung eingewendete "Änderung" wird somit durch den im gegenständlichen Vertrag festgelegten Tauschvorgang rechtlich umgesetzt. Das Finanzamt ist daher zu Recht davon ausgegangen, dass durch diesen Vertrag ein Grundstückstausch als Erwerbsvorgang vereinbart und damit der Erwerbstatbestand des § 1 Abs. 1 Z 1 GrEStG verwirklicht worden ist. Die betragsmäßige Höhe der vom Finanzamt im Schätzungswege ermittelten Bemessungsgrundlage als solche blieb im Berufungsverfahren unbestritten und stand damit außer Streit, weshalb für die Abgabenbehörde zweiter Instanz keine Veranlassung besteht, die Angemessenheit und sachliche Richtigkeit der geschätzen Gegenleistung (gemeiner Wert des vom Bw. hingegebenen Tiefgaragenabstellplatzes) in Zweifel zu ziehen. Es war daher wie im Spruch ausgeführt die Berufung als unbegründet abzuweisen.
Innsbruck, 14. Juli 2003
parifizierte Tiefgaragenabstellplätze, Grundstückstausch, Erwerbsvorgang, Nutzwertfeststellung, Mindestanteil
Findok-Nr: 5020.1, aufgenommen am: 25.07.2003 09:57:27, zuletzt geändert am: 12.04.2006, Dokument-ID: 06d5bbf7-9535-4cea-b26a-c53ed191b05a, Segment-ID: 0094217c-5337-4728-9474-3d716b2c451a