Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Text=NJW%202008,%202647
Timestamp: 2019-02-21 08:56:48
Document Index: 115764934

Matched Legal Cases: ['BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 313', '§ 253', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 665', '§ 287', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 256', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH']

BGH, 20.03.2008 - IX ZR 104/05 - dejure.org
Beweispflicht eines Steuerpflichtigen hinsichtlich der in Erwägung gezogenen Maßnahme zur Vermeidung nachteiliger Folgen einer Betriebsaufspaltung bei sachgerechter steuerlicher Beratung; Anwendbarkeit der strengen Beweisregeln oder der erleichterten Regeln eines Anscheinsbeweises bei der Beweispflicht; Unentgeltliche Übertragung dauerhafter und rechtlich irreversibler erheblicher Vermögenswerte zum Zwecke der Steuerersparnis auf Familienangehörige als beweispflichtige Tatsache
Im Haftungsprozess gegen den Steuerberater Beweislast des Mandanten für die Steuerschädlichkeit einer Betriebsaufspaltung, die mangels sachgerechter steuerlicher Beratung nicht vermieden worden sei
Unzulässige Vermutung beratungsgerechten Verhaltens
Beweisrecht - Anscheinsbeweis bei vermeintlich falscher Beratung
Zusammenfassung von "Anmerkung zum Urteil des BGH v. 20.03.2008, Az.: IX ZR 104/05 (Anscheinsbeweis bei vermeintlich falscher Beratung)" von der PA-Redaktion, original erschienen in: PA 2008, 108.
Kurznachricht zu "Anmerkung zum Urteil des BGH vom 20.03.2008, Az.: IX ZR 104/05 (Vermutung beratungsgerechten Verhaltens bei Handlungsalternativen)" von Notarassessor Dr. Dirk-Ulrich Otto, original erschienen in: NotBZ 2008, 341 - 343.
Zusammenfassung von "Anmerkung zum Urteil des BGH vom 20.03.2008, Az.: IX ZR 104/05 (Unzulässige Vermutung beratungsgerechten Verhaltens)" von RA Raimond Janssen, original erschienen in: NJW 2008, 2549.
LG Darmstadt, 17.02.2004 - 4 O 270/02
OLG Frankfurt, 18.05.2005 - 13 U 77/04
NJW 2008, 2647
MDR 2008, 799
FamRZ 2008, 1171
WM 2008, 1042
DB 2008, 1038
b) Keinen rechtlichen Bedenken begegnet die Urteilsformel (§ 313 Abs. 1 Nr. 4 ZPO) des vom Berufungsgericht bestätigten landgerichtlichen Urteils, die den Anforderungen an die Bestimmtheit des Klageantrags (§ 253 Abs. 2 Nr. 2 ZPO) zu genügen hat (BGH, Urteil vom 20. März 2008 - IX ZR 104/05, NJW 2008, 2647 Rn. 21 mwN).
Kommen danach mehrere objektiv gleich vernünftige Verhaltensweisen in Betracht, hat der Mandant grundsätzlich den Weg zu bezeichnen, für den er sich entschieden hätte (BGH, Urteil vom 20. März 2008 - IX ZR 104/05, WM 2008, 1042 Rn. 12;… vom 10. Mai 2012 - IX ZR 125/10, BGHZ 193, 193 Rn. 36, jeweils mwN).
Ihn trifft in einem solchen Fall die volle Beweislast, weil der Anscheinsbeweis bei der Möglichkeit alternativer Verhaltensweisen nicht durchgreift (BGH, Urteil vom 20. März 2008 - IX ZR 104/05, WM 2008, 1042 Rn. 12).
aa) Die Frage, wie sich der Mandant auf eine gemäß § 665 Satz 2 BGB geschuldete Rückfrage verhalten hätte, gehört ebenso wie diejenige nach der Reaktion auf eine pflichtgemäße Beratung hin zur haftungsausfüllenden Kausalität, die nach § 287 Abs. 1 ZPO zu beurteilen ist (BGH, Urteil vom 11. Mai 1995 - IX ZR 140/94, BGHZ 129, 386, 399; vom 20. März 2008 - IX ZR 104/05, WM 2008, 1042 Rn. 12;… G. Fischer, aaO Rn. 1100;… Gehrlein, Anwalts- und Steuerberaterhaftung, 2. Aufl., S. 65).
Es handelt sich um einen Anwendungsfall des Anscheinsbeweises (BGH, Urteil vom 30. September 1993 - IX ZR 73/93, BGHZ 123, 311, 314 ff; vom 20. März 2008 - IX ZR 104/05, WM 2008, 1042 Rn. 12;… Beschluss vom 15. Mai 2014 - IX ZR 267/12, WM 2014, 1379 Rn. 2;… G. Fischer, aaO Rn. 1113).
a) Nach der Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs hängt die Zulässigkeit einer Feststellungsklage bei reinen Vermögensschäden von der Wahrscheinlichkeit eines auf die Verletzungshandlung zurückzuführenden Schadenseintritts ab (BGH, Urteil vom 15. Oktober 1992 - IX ZR 43/92, WM 1993, 251, 259 f;… vom 24. Januar 2006 - XI ZR 384/03, BGHZ 166, 84 Rn. 27 mwN; vom 20. März 2008 - IX ZR 104/05, WM 2008, 1042 Rn. 8).
Hat die Verjährung etwaiger Ansprüche des Mandanten wegen fehlerhafter Beratung mit der Beendigung des Auftrags begonnen, folgt daraus ohne weiteres ein rechtliches Interesse des Mandanten an der alsbaldigen Klärung der Haftungsfrage (BGH, Urteil vom 29. April 1993 - IX ZR 109/92, WM 1993, 1511, 1512;… vom 21. Juli 2005, aaO;… vom 7. Februar 2008 - IX ZR 149/04, WM 2008, 946 Rn. 9; vom 20. März 2008 - IX ZR 104/05, aaO).
Das Berufungsgericht verkennt eklatant die ständige Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs, wonach schon mit Rücksicht auf eine drohende Verjährung das Feststellungsinteresse nicht abgesprochen werden darf (BGH, Urteil vom 20. März 2008 - IX ZR 104/05, NJW 2008, 2647 m.w.N.; vgl. auch BGH, Urteil vom 25. Januar 1972 - V ZR 20/71, VersR 1972, 459, 460; Urteil vom 7. April 1952 - III ZR 194/51, NJW 1952, 741;… Zöller/Greger, ZPO, 28. Aufl., § 256 Rdn. 8 a).
Dies ist anzunehmen, wenn bei zutreffender rechtlicher Beratung vom Standpunkt eines vernünftigen Betrachters aus allein eine Entscheidung nahegelegen hätte (BGH, Urteil vom 30. September 1993 - IX ZR 73/93, BGHZ 123, 311, 314.ff; vom 30. März 2000 - IX ZR 53/99, NJW 2000, 2814, 2815; vom 20. März 2008 - IX ZR 104/05, NJW 2008, 2647 Rn. 12;… Beschluss vom 15. Mai 2014 - IX ZR 267/12, NJW 2014, 2795 Rn. 2).
Die Regeln des Anscheinsbeweises sind aber unanwendbar, wenn unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten unterschiedliche Schritte in Betracht kommen und der Anwalt dem Mandanten lediglich die erforderliche Information für eine sachgerechte Entscheidung zu geben hat (BGHZ 123, 311, 314;… BGH, Urt. v. 15. Juli 2004 - IX ZR 256/03, NJW 2004, 2817, 2818; v. 7. Februar 2008 - IX ZR 149/04, WM 2008, 946, 947 Rn. 20, vgl. ferner Urt. v. 20. März 2008 - IX ZR 104/05, WM 2008, 1042, 1043 Rn. 12).
a) In ständiger Rechtsprechung ist daher anerkannt, dass in einer - etwa im Interesse der Steuerersparnis - gewollten und gewünschten Vermögensübertragung zugunsten von Familienangehörigen ohne gleichwertige Gegenleistung kein Schaden im Rechtssinn und in ihrem Unterbleiben kein mit dem Steuerschaden verrechenbarer Vermögensvorteil gesehen werden kann (vgl. BGH, Urteil vom 20. März 2008 - IX ZR 104/05, WM 2008, 1042 Rn. 15, 18 mwN;… vom 5. Februar 2015, aaO Rn. 10).
In einer solchen Vermögensverschiebung kann jedenfalls dann kein Schaden im Rechtssinn, in ihrem Unterbleiben kein mit dem Steuerschaden verrechenbarer Vermögensvorteil gesehen werden, wenn sie - etwa im Interesse der Steuerersparnis - gewollt und gewünscht ist (vgl. BGH, Urteil vom 20. März 2008 - IX ZR 104/05, WM 2008, 1042 Rn. 15, 18 mwN).
BGH, 14.06.2012 - IX ZR 149/10
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