Source: https://www.bke.de/content/html/statistik/faq.show.html?item_type=V2VpdGVyZSBGcmFnZW4%3D
Timestamp: 2020-07-04 11:40:15
Document Index: 275692920

Matched Legal Cases: ['§ 27', '§ 22', '§ 1671', '§ 1666', '§ 27', '§ 28', '§ 27', '§ 8', '§ 8', '§ 28', '§ 8', '§ 17', '§ 27', '§ 28', '§ 18', '§ 28', '§ 27', '§ 28', '§ 35']

92. In der Erziehungsberatung sind Settingwechsel üblich. Werden dann unterschiedliche „Arten der Hilfe“ zum Jahresende und zum Ende der Beratung gemeldet?
Im Schlüssel 1 sind drei unterschiedliche Konstellationen berücksichtigt, in denen die Beratung erbracht wird, nämlich:
•	Erziehungsberatung vorrangig mit der Familie (Eltern und Kind)
•	Erziehungsberatung vorrangig mit den Eltern (zusammen oder einzeln)
•	Erziehungsberatung vorrangig mit dem jungen Menschen.
Zum Zeitpunkt der Meldung ist jeweils anzugeben, in welcher dieser drei Konstellationen aktuell gearbeitet wird. Es wird die aktuelle Situation zum Erhebungszeitpunkt erfasst.
93. Trifft es zu, dass bei einem Wechsel der Hilfeart eine Hilfe statistisch beendet wird und ein neuer Fall mit anderer Hilfeart angelegt werden muss?
Für das Merkmal Art der Hilfe sind im Erhebungsbogen nicht nur die Hilfearten nach § 27ff. SGB VIII als Antwortkategorien vorgegeben. Ein Wechsel zwischen diesen Hilfearten beendet die eine Hilfe und eröffnet eine weitere, statistisch zu erfassende Hilfe zur Erziehung. Der Erhebungsbogen stellt für einzelne Hilfearten mehrere Konstellationen zur Verfügung, in denen die Hilfe durchgeführt wird. In der Erziehungsberatung sind dies:
Solange innerhalb einer Beratung diese Konstellationen miteinander abwechseln, ist eine statistische Beendigung der Hilfe und die Meldung einer neuen Hilfe nicht vorgesehen.
94. Wenn ein junger Mensch eine Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie erhält und zugleich Beratung mit den Eltern erfolgt, wie soll dass erfasst werden?
Wenn sowohl der junge Mensch wie ein Elternteil bzw. beide Eltern eine Unterstützung erhalten, dann ist die Hilfeart „Erziehungsberatung vorrangig mit der Familie (Eltern und Kind)“ anzugeben. Für diese Hilfeart ist entscheidend, dass die Eltern und das Kind zugleich eine Hilfe erhalten. Es ist nicht erforderlich, dass sie die Hilfe innerhalb desselben Settings (Familienberatung oder Familientherapie) erhalten.
95. Wie soll eine die aktuelle Hilfe anregende Institution oder Person zum Zeitpunkt der Meldung angegeben werden? Zu diesem Zeitpunkt wird die Hilfe ja oft schon beendet. Das ist doch ein Widerspruch.
Die Anregung, eine Hilfe in Anspruch zu nehmen, geht der Hilfe selbst voraus. Insofern bezieht sich diese Angabe auf den Beginn der Hilfe. Aber im Verlauf einer Beratungen kann eine differenzierte Kenntnis darüber entstehen, wer die aktuelle Hilfe, in der der junge Mensch sich befindet, vor ihrem Beginn angeregt hat. Deshalb wird der Kenntnisstand zum Zeitpunkt der Meldung erhoben.
Beispiel: Ein Elternpaar sucht die Erziehungsberatung auf, um die Scheidungsfolgen für ihr Kind abzumildern. Zu kodieren wäre also: „Eltern bzw. Personensorgeberechtigte/r“. Im Verlauf der Beratung wird deutlich, dass das Familiengericht die Empfehlung zur Beratung gegeben hat. Also ist „Gericht/Staatsanwaltschaft/Polizei“ anzugeben.
96. Wenn während oder zum Ende einer Beratung von Dritten eine andere Hilfeart als besser geeignet angeregt wird, ist auch diese Anregung zu erfassen?
Wenn während der Beratung angeregt wird, die Hilfe zu wechseln, so ist dies nicht der aktuellen Hilfe zuzuordnen, sondern derjenigen Hilfe, die nachfolgend geleistet wird. Die in der Bundesstatistik erfasste Anregung zur Hilfe muss sich also immer auf diejenige Hilfe beziehen, die statistisch erhoben wird.
97. Was versteht man unter „Kindertagesbetreuung“? Bei uns gibt es Kindergärten.
Kindertagesbetreuung ist der gesetzestechnische Begriff. Das SGB VIII sieht Leistungen der Kindertagesbetreuung in Tageseinrichtungen und in Tagespflege vor. Die Bundesstatistik stellt bei dem hauptsächlichen Ort der Durchführung auf Einrichtungen ab, also auf Tageseinrichtungen entsprechend §§ 22, 22a SGB VIII. Hierzu zählen Kinderkrippen, Kindergärten und Horte sowie altersgemischte Tagesbetreuungseinrichtungen.
Wird allerdings ein Hort in schulischer Regie durchgeführt und nicht in Trägerschaft der Jugendhilfe, dann ist als Ort der Durchführung „Schule“ anzugeben.
98. Bei den Institutionen, die die aktuelle Hilfe/Beratung angeregt haben, fehlt die Erziehungsberatungsstelle. Wie kann sie angegeben werden?
Wenn eine Erziehungsberatungsstelle eine Beratung um eines jungen Menschen willen leistet, geht dem in der Regel die eigene Initiative der Eltern oder des jungen Volljährigen oder einer dritten Person oder Institution voraus. Wenn aber die Beratung tatsächlich (etwa am Rande eines Elternabends) durch die Beratungsstelle selbst angeregt worden ist, die auch die Hilfe leistet, dann muss hier „Sozialer Dienst und andere Institution(en)“ angegeben werden.
99. Wenn einem Elternteil die Alleinsorge übertragen wird, ist dies als teilweiser/vollständiger Entzug der elterlichen Sorge für den anderen Elternteil zu erfassen?
Nein. Die Regelung der elterlichen Sorge in der geschilderten Konstellation erfolgt auf der Grundlage von §§ 1671, 1672 BGB. Hier ist nur ein Entzug der elterlichen Sorge wegen einer Gefährdung des Kindeswohls (§ 1666 BGB) zu kodieren.
100. Wenn einem Elternteil während der Beratung das Sorgerecht ganz oder teilweise entzogen wird, muss dies in der Statistik angegeben werden?
Die familien- bzw. vormundschaftsgerichtliche Entscheidung, die erhoben werden soll, muss mit der aktuellen Hilfe in Zusammenhang stehen. Dies tut sie in der Regel in der Weise, dass die Gerichtsentscheidung der Hilfe vorhergeht (z.T. auch die rechtliche Voraussetzung der Hilfe darstellt). Erfasst wird deshalb bei diesem Merkmal die Situation zu Beginn der Hilfe. Eine Änderung der sorgerechtlichen Situation im Verlauf der Hilfeerbringung ist im Rahmen der Statistik nicht zu berücksichtigen.
101. Wie ist mit Beratungen zu verfahren, die nach einer Meldung in die Bundesstatistik wieder aufgenommen werden?
Wenn eine Beratung beendet worden ist und in die Bundesstatistik gemeldet wurde, so muss bei einer Wiederaufnahme ein neuer Fall angelegt und nach Beendigung in die Statistik gemeldet werden.
Nur dann, wenn einem Ratsuchenden anheim gestellt worden ist, die Beratungsstelle noch einmal aufzusuchen und er innerhalb von sechs Monaten weiteren Beratungsbedarf hat, kann die noch nicht zur Bundesstatistik gemeldete Beratung (statistisch gesehen) fortgesetzt werden und später als eine beendete Beratung gemeldet werden.
102. Wie sind Leistungen in der Gruppe anzugeben? Ist die Dauer der Gruppensitzung auf jeden Teilnehmenden aufzuteilen?
Wenn Beratungen im Gruppensetting erfolgen, ist für jede teilnehmende Person ein eigener Erhebungsbogen auszufüllen. Jede Person erhält dabei die erbrachte Leistung im vollen Zeitumfang zugeordnet.
Das kann zwar dazu führen, dass bei einer internen Auswertung in der Beratungsstelle mehr Beratungskontakte erbracht worden sind als Beratungskapazität zur Verfügung gestanden hat. Aber die Bundesstatistik dient nicht dem Arbeitsnachweis der Fachkräfte, sondern sie dokumentiert die Leistungen, die für Hilfeempfänger erbracht wurden. Und diese Leistung hat jeder Gruppenteilnehmer/jede -teilnehmerin in vollem Zeitumfang erhalten.
103. Wenn in einer Beratungsstelle Erziehungsberatung und andere erzieherische Hilfen, z.B. Sozialpädagogische Familienhilfe, angeboten werden, wer meldet zur Bundesstatistik?
Für die Meldung der Erziehungsberatungen sind die Fachkräfte der Erziehungs- und Familienberatungsstelle verantwortlich. Jede weitere Hilfe zur Erziehung, die in der Beratungsstelle erbracht wird, ist von dem Jugendamt zu melden, das diese Hilfe gewährt hat. (Siehe auch: Frage 5.)
104. Können mit der Bundesstatistik wirklich Bedarfe der Bevölkerung abgebildet werden?
Nein. Die Bundesstatistik erfasst nicht den Unterstützungsbedarf von Familien. Denn der Bedarf ist zu trennen von den Leistungen, mit denen ein Bedarf befriedigt wird. Die Bundesstatistik erfasst nur die tatsächlich erbrachten Leistungen. Es wird also immer Bedarfe geben, die nicht gedeckt werden. Sie müssen durch gesonderte Untersuchungen erhoben werden.
Allerdings kann angesichts des Umstandes, dass eine Leistung wie Erziehungsberatung beinahe ausschließlich auf freiwilliger Basis in Anspruch genommen wird, angesichts der z.Zt. stetig steigenden Inanspruchnahme von Erziehungsberatung durchaus geschlossen werden, dass sich in der Statistik ein zugrunde liegender Beratungsbedarf der Familien abbildet.
105. Was sind „familienorientierte Hilfen“ nach § 27 Abs. 2 SGB VIII? Gehört Erziehungsberatung dazu?
Das SGB VIII zählt in den §§ 28 bis 35 unterschiedliche Arten von Hilfen zur Erziehung auf. Diese Liste ist nicht abschließend. Es können auch andere, für den Einzelfall konzipierte Hilfen zum Einsatz kommen. Sie werden in der Fachdiskussion oft als „flexible“ erzieherische Hilfen bezeichnet. Diese sind hier mit „familienorientierte Hilfen“ gemeint. Ihre Bewilligung erfolgt auf der Grundlage von § 27 Abs. 2 SGB VIII. Diese vom Jugendamt gewährten Hilfen werden auch vom Jugendamt zur Statistik gemeldet.
Erziehungsberatung zählt in diesem Sinne nicht zu den „familienorientierten Hilfen“, weil Erziehungsberatung bereits eine gesetzlich geregelte Hilfeart darstellt.
106. Was heißt „zugehende“ Beratung?
Erziehungsberatung wird üblicherweise in den Räumen der Beratungsstelle geleistet. Manchen Adressaten fällt das Aufsuchen einer Beratungsstelle jedoch nicht leicht. Sie können eine Hilfe eher in Anspruch nehmen, wenn sie in einer ihnen vertrauten Umgebung erbracht wird. Die Beraterinnen und Berater gehen dann auf die zu Beratenen zu und sprechen mit ihnen in deren eigener häuslichen Umgebung oder in einer ihnen schon bekannten Einrichtung (z.B. Kindertagsstätte).
107. Werden die Angaben, die zum Bestand am Ende eines Jahres gemacht worden sind, automatisch in die Meldung zum Beratungsende übernommen?
Wenn die Meldung zur Bundesstatistik in der Beratungsstelle computergestützt durchgeführt wird, können die Daten der Bestandsmeldung grundsätzlich für die Meldung zum Beratungsende übernommen werden. Dabei ist jedoch zu beachten, dass auch für den zweiten Meldezeitpunkt gilt: Die Erhebung erfasst den Kenntnisstand zum Zeitpunkt der Meldung. Deshalb muss geprüft werden, ob sich relevante Änderungen bzw. Erkenntnisverbesserungen ergeben haben, z.B. bei:
•	Art der Hilfe
•	(Hauptsächlicher) Ort der Durchführung
•	Hilfe/Beratung anregende(n) Institution(en) oder Person(en)
•	Gründe der Hilfegewährung.
108. Wenn ein junger Mensch neben der Erziehungsberatung noch eine andere Hilfe zur Erziehung erhält (z.B. im Heim untergebracht ist), dann ergibt sich doch eine Doppelzählung. Wie kann sie vermieden werden?
Es ist richtig, dass dieser junge Mensch zwei Mal in die Statistik eingeht. Aber es wird keine Empfängerstatistik in dem Sinne geführt, dass Hilfen jeweils den Personen zugeordnet werden. Die Statistik der Hilfen zur Erziehung ist eine Leistungsstatistik. Wenn junge Menschen also mehrere Hilfen gleichzeitig oder nacheinander erhalten, übertrifft die Zahl der Leistungen notwendig die Zahl der Leistungsempfänger.
109. Ein junger Mensch wird entsprechend § 8 Abs. 3 SGB VIII ohne Kenntnis der Personensorgeberechtigten beraten. Ist dieser Fall in der Bundesstatistik zu erfassen?
Durch § 8a Abs. 3 SGB VIII wird ein rechtliches Problem gelöst: Er erlaubt, eine(n) Minderjährige(n) in einer Not- und Konfliktlage zu unterstützen, auch wenn die Eltern davon nichts wissen. Die Beratung, die der junge Mensch erhält, wird jeweils die Leistung des Dienstes sein, den er anspricht: im Allgemeinen Sozialen Dienst z.B. eine formlose erzieherische Betreuung. In der Erziehungsberatungsstelle erhält der junge Mensch dementsprechend eine Beratung nach § 28 SGB VIII.
Zwar wirkt diese gesetzliche Befugnis aus der Perspektive des Kindes als Leistungsanspruch gegen das Jugendamt. Aber § 8 Abs. 3 formuliert keine inhaltliche Leistung der Jugendhilfe, die von anderen gesetzlich geregelten Beratungsleistungen (wie § 17 oder 18) unterschieden werden könnte. Sie stellt lediglich – wie §§ 27 und 41 – ein anderes rechtliches Tor zur Erziehungsberatung nach § 28 dar.
Nur dann, wenn diese Beratung sich allein auf die Ausübung des Umgangsrechts bezieht (§ 18 Abs. 3 Satz 1 SGB VIII) kommt eine Erfassung in der Bundesstatistik nicht in Betracht (Siehe auch: Frage 34.)
110. Eine Beratungsstelle leistet aufsuchende Familientherapie. Wird diese in der Bundesstatistik erfasst?
Während Familientherapie zum üblichen Leistungsspektrum von Erziehungsberatungsstellen zählt, reagiert aufsuchende Familientherapie in der Regel auf den Umstand, dass Personen, die zur Beratung eine Einrichtung nicht aufsuchen würden, einer intensiven Unterstützung bedürfen, die auch methodisch die Besonderheiten dieser Klientel berücksichtigt. Diese Leistung ist in der Regel mit einem besonderen Zeitaufwand verbunden und wird vom Jugendamt auch gesondert finanziert. Deshalb ist es sachgerecht, diese Form der Therapie in der Jugendhilfe als eine Hilfe einzustufen, die zusätzlich zu dem kodifizierten Leistungskatalog (§§ 28 – 35) auf der Grundlage von § 27 Abs. 2 SGB VIII erbracht wird. Aufsuchende Familientherapie ist deshalb nicht als Erziehungsberatung nach § 28 in die Bundesstatistik zu melden. Ihr liegt vielmehr eine förmliche Gewährung durch das Jugendamt zugrunde, das diese Hilfe selbst zur Bundesstatistik melden muss.
111. Eine Beratung wird als ambulante Eingliederungshilfe erbracht. Wird die Leistung in die Bundesstatistik gemeldet?
Eingliederungshilfe nach § 35a kann auch als Erziehungsberatung geleistet werden. Da die Leistungen der Eingliederungshilfe in die Erhebung zur Bundesstatistik einbezogen sind, ist die Beratung auch statistisch zu erfassen. Die Meldung in die Statistik erfolgt jedoch durch das Jugendamt, da dieses alle Hilfen, auch die Eingliederungshilfe melden muss.