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Timestamp: 2020-01-22 01:30:38
Document Index: 384650984

Matched Legal Cases: ['§ 14', '§ 14', '§ 14', '§ 14', '§ 14', '§ 190', '§ 14', '§ 14', '§ 14']

Dötsch/Pung/Möhlenbrock (D/P/M), Kommentar zum KStG und ... / 4.4.9.2.3 Steuerlich wichtiger Grund | Steuer Office Gold | Steuern | Haufe
Nach § 14 Abs 1 S 1 Nr 3 S 2 KStG ist eine vorzeitige Beendigung des GAV durch Kündigung stlich unschädlich, wenn ein wichtiger Grund die Kündigung rechtfertigt. Die stlich wichtigen Kündigungsgründe sind in R 14.5 Abs 6 KStR 2015 bzw im UmwSt-Erl 2011 (s UmwSt-Erl 2011, Rn Org 12 und 26) definiert.
Der BFH (s Urt des BFH v 13.11.2013, BStBl II 2014, 486, Urt-Begr II 3a; und s Urt des BFH v 27.11.2013, BStBl II 2014, 651, Urt-Begr A III 3.b, bb) hat klargestellt, dass der wichtige Grund iSd § 14 Abs 1 S 1 Nr 3 S 2 KStG normspezifisch zu verstehen ist und dass der stlich wichtige Grund von dem zivilrechtlich wichtigen Grund abweichen kann.
Lange (GmbHR 2011, 806) weist zutr darauf hin, dass der Wortlaut des § 14 Abs 1 S 1 Nr 3 KStG den wichtigen Grund nur im Zusammenhang mit der Kündigung des GAV erwähnt, während R 14.5 Abs 6 KStR 2015 und die hM die vorzeitige Beendigung eines GAV durch einen wichtigen Grund – uE zutr – gleich behandeln (so inzwischen auch s Urt des BFH v 13.11.2013, BStBl II 2014, 486). Wann ein wichtiger Grund vorliegt, ist weder im Gesetz noch in den KStR beschrieben, die KStR erläutern den Begriff lediglich durch Bsp.
Wenn der gesellschaftsrechtlich und der stlich wichtige Beendigungsgrund auseinanderfallen, kommt es auf den stlich wichtigen Grund an. Insbes kann nicht im GAV selbst bestimmt werden, was ein stlich wichtiger Grund ist. GlA s Urt des BFH v 13.11.2013 (BStBl II 2014, 486) und s Urt des FG Hessen v 28.05.2015 (DB 2015, 2783, mit Anm Philipp/Kröger). Danach kann zwar für zivilrechtliche, nicht jedoch auch für stliche Zwecke bestimmt werden, was ein wichtiger Grund ist. Zweifelnd s Stahl/Fuhrmann (NZG 2003, 257) und s Walter (in B/W, § 14 KStG Rn 781). Zweifelnd auch s Frotscher (in F/D, § 14 KStG Rn 343), nach dessen Auff ein vertrag lich vereinbarter wichtiger Grund auch stlich beachtlich ist, wenn er gewichtig ist und in seiner Bedeutung den ges normierten Kündigungsgründen entspricht. Noch weitgehender s Heurung/Engel/Müller-Thomczik (GmbHR 2012, 1227, 1233), die die stliche Anerkennung eines vertraglich vereinbarten wichtigen Grundes nur dann stlich nicht anerkennen wollen, wenn die Vereinbarung lediglich dem Ziel dient, die Mindestlaufzeit des GAV auszuhebeln.
Im Einzelfall kann das Zusammenspiel der Regelung in R 14.5 Abs 6 S 2 KStR 2015 mit dem ZivR problematisch sein. Die Regelung in den KStR setzt die Vertragskündigung voraus. Diese kann aber uU zivilrechtlich nicht erfolgen. Nach Auff von Lange (GmbHR 2011, 806) ist es für stliche Zwecke unschädlich, wenn in einem Fall, in dem ein stlich wichtiger Grund vorliegt, nicht jedoch auch ein zivilrechtlich wichtiger Kündigungsgrund, der GAV kurzfristig um diesen wichtigen Kündigungsgrund erweitert wird.
Die Regelung des R 14.5 Abs 6 KStR als Selbstbindung der Fin-Verw?
R 14.5 Abs 6 S 3 KStR 2015 benennt als stlich wichtige Beendigungsgründe des GAV die Veräußerung oder Einbringung der Organbeteiligung durch den OT, die Verschmelzung, Spaltung oder Liquidation des OT oder der OG, wobei die KStR dies mit "kann insbes" formulieren. Nach dem UmwSt-Erl 2011 (Rn Org 12 und 26) sind die Umwandlung des OT (mit Ausnahme des Formwechsels iSd § 190 UmwG) und die Umwandlung der OG (mit Ausnahme des Formwechsels in eine Kap-Ges anderer Rechtsform) ein wichtiger Grund iSd § 14 Abs 1 S 1 Nr 3 S 2 KStG. Nach uE zutr Auff von Neumann (in Gosch, 3. Aufl, § 14 KStG Rn 278) und Ott (Ubg 2019, 129, 141) liegt auch in dem Fall, in dem eine OT-PersGes auf ihre OG verschmolzen und dabei gem Rn 20.09 des UmwSt-Erl 2011 die Organbeteiligung zurückbehalten wird, ein wichtiger Kündigungsgrund vor; die Organschaft erlischt durch Konfusion.
Während in der Vergangenheit diese Regelung in den KStR trotz Verwendung des Wortes "kann" iSe Selbstbindung der Fin-Verw verstanden wurde, sind seit Ergehen des Urt des BFH v 13.11.2013 (BStBl II 2014, 486) Zweifel aufgetreten, ob dies weiterhin so gilt (s Rödder/Liekenbrock, in R/H/N, § 14 KStG Rn 352).
Das genannte BFH-Urt betraf die Veräußerung einer Organbeteiligung innerhalb eines Konzerns. Der BFH hat, der Entscheidung der Vorinstanz (s Urt des Nds FG v 10.05.2012, EFG 2012, 1591) folgend, das Vorliegen eines wichtigen Grundes in einem Fall verneint, in dem der GAV vorzeitig aufgehoben wurde, weil er aus der Sicht der Parteien seinen Zweck der Konzernverlustverrechnung erfüllt hatte.
Der BFH sah in dem Streitfall keine Veranlassung, die Feststellungen der Vorinstanz zur Motivation des Abschlusses und der Aufhebung des GAV revisionsrechtlich zu beanstanden. Der Urteilssachverhalt war vereinfacht Folgender:
In einem internationalen Konzern mit britischer Konzernmutter bestand zwischen zwei dt Konzerngesellschaften ein GAV mit Laufzeit ab dem 01.07.2005. Der einzige Grund, warum der OT die Anteile an der OG hielt und mit...