Source: https://www.rechtslupe.de/wirtschaftsrecht/kapitalanlagerecht/der-atypisch-stille-anleger-schadensersatzklage-und-kuendigung-389386
Timestamp: 2020-07-07 07:45:22
Document Index: 5622898

Matched Legal Cases: ['§ 140', '§ 139', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 139']

Der atypisch stille Anleger - Schadensersatzklage und Kündigung | Rechtslupe
Der atypisch stille Anleger - Schadensersatzklage und Kündigung
Der aty­pisch stil­le Anle­ger – Scha­dens­er­satz­kla­ge und Kün­di­gung
Der Geschä­dig­te ist nicht ohne Wei­te­res an eine von ihm ursprüng­lich gewähl­te Art der Scha­dens­be­rech­nung gebun­den. Der (aty­pi­sche) stil­le Gesell­schaf­ter kann sein Kla­ge­vor­brin­gen viel­mehr grund­sätz­lich umstel­len und Scha­dens­er­satz unter Anrech­nung sei­nes Abfin­dungs­gut­ha­bens ver­lan­gen. Die hier­für not­wen­di­ge Kün­di­gung des Gesell­schafts­ver­hält­nis­ses kann übli­cher­wei­se in der Erhe­bung der Kla­ge auf Rück­ab­wick­lung gese­hen wer­den, da der Gesell­schaf­ter mit der Erklä­rung, sei­nen Bei­tritt mit rück­wir­ken­der Kraft besei­ti­gen zu wol­len, in der Regel sei­nen Wil­len zum Aus­druck bringt, die Bin­dung an die Gesell­schaft und die Mit­ge­sell­schaf­ter jeden­falls mit sofor­ti­ger Wir­kung zu been­den [1].
Da im vor­lie­gen­den Fall die Kla­ge aber nicht vom Anle­ger/​Gesellschafter selbst erho­ben wur­de, son­dern von sei­ner Ehe­frau, an die er etwai­ge Scha­dens­er­satz­an­sprü­che aus der Betei­li­gung abge­tre­ten hat, kommt die Annah­me einer sol­chen Umstel­lung des Kla­ge­be­geh­rens schon auf der Grund­la­ge der Kla­ger­he­bung als sol­cher nicht in Betracht. Die Abtre­tung der Scha­dens­er­satz­an­sprü­che berech­tigt die Klä­ge­rin als Zes­sio­na­rin nicht zur Been­di­gung der Betei­li­gung. Ihr Kla­ge­be­geh­ren kann daher nicht dahin ver­stan­den wer­den, dass hilfs­wei­se still­schwei­gend die Kün­di­gung des Gesell­schafts­ver­hält­nis­ses erklärt wer­den sol­le. Dass sie vom Zeden­ten zur Kün­di­gung sei­nes Gesell­schafts­ver­hält­nis­ses ermäch­tigt wor­den ist, hat die Klä­ge­rin eben­so wenig vor­ge­tra­gen wie eine Kün­di­gung durch den Zeden­ten selbst.
Rechts­feh­ler des Beru­fungs­ge­richts im Rah­men sei­ner tatrich­ter­li­chen Wür­di­gung, dass eine Umdeu­tung der Wider­rufs­er­klä­rung des Zeden­ten in eine Kün­di­gung aus wich­ti­gem Grund aus­ge­schlos­sen sei, sind nicht zu erken­nen. Das Beru­fungs­ge­richt hat zutref­fend dar­auf abge­stellt, dass eine Umdeu­tung nach § 140 BGB nur in Betracht kommt, wenn der Kün­di­gungs­wil­le in der umzu­deu­ten­den Wil­lens­er­klä­rung erkenn­bar zum Aus­druck kommt [2]. Dies hat das Beru­fungs­ge­richt nicht fest­stel­len kön­nen, da die umzu­deu­ten­de Wider­rufs­er­klä­rung aus­drück­lich und aus­schließ­lich dar­auf gestützt wor­den ist, dass dem Zeden­ten auf­grund einer feh­ler­haf­ten Wider­rufs­be­leh­rung ein gesetz­li­ches oder ver­trag­li­ches Wider­rufs­recht (noch) zuste­he. Ein für den Emp­fän­ger der Wider­rufs­er­klä­rung erkenn­ba­rer sach­li­cher Zusam­men­hang mit einer Auf­klä­rungs­pflicht­ver­let­zung als Kün­di­gungs­grund bestehe nicht. Die­se tatrich­ter­li­che Wür­di­gung des Beru­fungs­ge­richts ist aus Rechts­grün­den zu bean­stan­den. Ins­be­son­de­re legt die Bezug­nah­me auf ein "ver­trag­li­ches" Wider­rufs­recht nicht nahe, dass damit eine ver­trag­li­che Pflicht­ver­let­zung gel­tend gemacht wer­den sol­le, son­dern bringt ledig­lich die Auf­fas­sung des Zeden­ten zum Aus­druck, ihm sei durch den Abdruck einer Wider­rufs­be­leh­rung auf dem Zeich­nungs­schein unab­hän­gig von den gesetz­li­chen Vor­aus­set­zun­gen jeden­falls ver­trag­lich ein nicht an bestimm­te Grün­de gebun­de­nes Wider­rufs­recht ein­ge­räumt wor­den.
Die Fra­ge, ob das Beru­fungs­ge­richt die Klä­ge­rin gem. § 139 ZPO dar­auf hät­te hin­wei­sen müs­sen, dass eine Umdeu­tung der Wider­rufs­er­klä­rung des Zeden­ten in eine Kün­di­gung aus wich­ti­gem Grund nicht in Betracht kom­me, kann dahin­ste­hen. Eine etwai­ge Ver­let­zung des Ver­fah­rens­grund­rechts der Klä­ge­rin auf recht­li­ches Gehör ist jeden­falls nicht ent­schei­dungs­er­heb­lich, weil die Revi­si­on nur gel­tend macht, dass im Fal­le eines Hin­wei­ses (ledig­lich) die Klä­ge­rin eine Kün­di­gungs­er­klä­rung abge­ge­ben hät­te. Eine sol­che Erklä­rung der Klä­ge­rin wäre aus den oben genann­ten Grün­den jedoch wir­kungs­los gewe­sen.
Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 23. Sep­tem­ber 2014 – II ZR 373/​13
vgl. BGH, Urteil vom 19.11.2013 – II ZR 383/​13, BGHZ 199, 104 Rn. 32[↩]
BGH, Urteil vom 12.01.1998 – II ZR 98/​96, ZIP 1998, 509, 510; Urteil vom 14.02.2000 – II ZR 285/​97, ZIP 2000, 539, 540[↩]
§ 139 zpoAtypische stille GesellschaftKündigungSchadensersatz