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Timestamp: 2016-10-26 02:24:31
Document Index: 69817979

Matched Legal Cases: ['Art. 95', 'Art. 95', 'Art. 97', 'Art. 105', 'BGE', 'Art. 66', 'Art. 68']

9C_191/2015 (01.06.2015)
9C_191/2015 � � Urteil vom 1. Juni 2015
A.________, geboren 1978, ist gelernter Automonteur und war zuletzt von 2002 bis 2007 in der Firma B.________ AG als Mitarbeiter in der Montage t�tig. Er meldete sich am 13. Mai 2008 wegen starker Panikattacken bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an. Die �rztinnen der Psychiatrischen-Dienste diagnostizierten eine Agoraphobie mit Panikst�rungen (Schreiben vom 30. April 2008). Die IV-Stelle des Kantons St. Gallen kl�rte die medizinischen, pers�nlichen und beruflich-erwerblichen Verh�ltnisse des Versicherten ab. Nach gescheiterten Eingliederungsbem�hungen der Arbeitslosenversicherung gab sie bei der MEDAS ein Gutachten (vom 4. November 2010) in Auftrag. Die Experten diagnostizierten mit Auswirkungen auf die Arbeitsf�higkeit eine Agoraphobie mit Panikattacken (ICD-10 F40.01), den Status nach H�ft-Arthrodese wegen angeborener H�ftdysplasie und Korrektur-Osteotomie, Beinverk�rzung links (ICD-10 Q65.8 / M24.6) und ein rezidivierendes lumbovertebrales Syndrom (ICD-10 M54.5). Sie befanden A.________ in einer leidensangepassten T�tigkeit psychiatrischerseits zu 70 % arbeitsf�hig. Mit Vorbescheid vom 1. Dezember 2011 und Verf�gung vom 4. Dezember 2012 wies die IV-Stelle das Rentengesuch ab (Invalidit�tsgrad von 30 %).
Die gegen die Verf�gung erhobene Beschwerde hiess das Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen mit Entscheid vom 20. Februar 2015 teilweise gut. Es gew�hrte A.________ einen leidensbedingten Abzug von 10 % und sprach ihm bei einem Invalidit�tsgrad von 42 % eine Viertelsrente zu und wies die Sache zur Festsetzung des Rentenbeginns und zur Ausrichtung der geschuldeten Leistungen an die IV-Stelle zur�ck.
Die IV-Stelle des Kantons St. Gallen f�hrt Beschwerde in �ffentlich-rechtlichen Angelegenheiten. Sie beantragt die Aufhebung des kantonalen Entscheides und die Best�tigung der Verf�gung vom 4. Dezember 2012. Der Beschwerde sei die aufschiebende Wirkung zu erteilen.
A.________ und die Vorinstanz beantragen die Abweisung der Beschwerde, der Versicherte zudem die Abweisung des Gesuches um aufschiebende Wirkung. Das Bundesamt f�r Sozialversicherungen verzichtet auf eine Vernehmlassung.
1.1.�Nachdem der angefochtene R�ckweisungsentscheid lediglich der Umsetzung der zugesprochenen Viertelsrente dient, ist er als Endentscheid zu qualifizieren (vgl. statt vieler Urteil 9C_684/2007 vom 27. Dezember 2007 E. 1.1).
1.2.�Mit der Beschwerde in �ffentlich-rechtlichen Angelegenheiten kann u.a. die Verletzung von Bundesrecht ger�gt werden (Art. 95 lit. a BGG). Die Feststellung des Sachverhalts kann nur ger�gt werden, wenn sie offensichtlich unrichtig ist oder auf einer Rechtsverletzung im Sinne von Art. 95 BGG beruht und wenn die Behebung des Mangels f�r den Ausgang des Verfahrens entscheidend sein kann (Art. 97 Abs. 1 BGG). Das Bundesgericht legt seinem Urteil den Sachverhalt zugrunde, den die Vorinstanz festgestellt hat (Art. 105 Abs. 1 BGG).
Streitig und zu pr�fen ist, ob ein leidensbedingter Abzug zu gew�hren ist.
2.1.�Ob und in welcher H�he statistische Tabellenl�hne herabzusetzen sind, h�ngt von s�mtlichen pers�nlichen und beruflichen Umst�nden des Einzelfalles ab, die nach pflichtgem�ssem Ermessen gesamthaft zu sch�tzen sind. Relevante Merkmale sind leidensbedingte Einschr�nkung, Alter, Dienstjahre, Nationalit�t/Aufenthaltskategorie und Besch�ftigungsgrad (BGE 126 V 75 E. 5b/bb S. 80). Ob ein Abzug vom Invalideneinkommen vorzunehmen sei, ist eine frei �berpr�fbare Rechtsfrage.
2.2.�Die Vorinstanz begr�ndete den Abzug von 10 % damit, der Beschwerdegegner verm�ge seine Arbeitsf�higkeit nur noch in einem eingeengten Spektrum m�glicher Bereiche zu verwerten. Aus psychiatrischer Sicht d�rfe er in seiner Arbeit nicht unter Druck gesetzt werden. Er m�sse die M�glichkeit erhalten, in einem gr�sseren Raum mit direktem Weg ins Freie zu arbeiten. Auch brauche er ein Umfeld mit einem v�terlichen Chef, der bestimmt und klar f�hre. Ebenso seien die k�rperlichen Beschwerden zu ber�cksichtigen, denn die T�tigkeit m�sse wechselbelastend sein und d�rfe kein l�ngeres Knien erfordern.
2.3.�Die Beschwerdef�hrerin r�gt, der Tabellenlohn umfasse eine Vielzahl von leichten und mittelschweren T�tigkeiten. Dem Beschwerdegegner seien solche, sofern sie zumindest teilweise oder �berwiegend sitzend ausgef�hrt w�rden, ohne wesentliche Einschr�nkung der Arbeitsf�higkeit m�glich. Dass die T�tigkeit wechselbelastend sein m�sse und kein l�ngeres Knien erforderlich sein d�rfe, rechtfertige somit keinen Abzug vom Tabellenlohn. Eine Behinderung d�rfe auch nicht mit einem reduzierten Pensum und zus�tzlich mit einem Abzug doppelt ber�cksichtigt werden. Eine psychisch bedingte verst�rkte R�cksichtnahme seitens Vorgesetzter und Arbeitskollegen gelte nicht als eigenst�ndiger abzugsf�higer Umstand.
3.1.�Die Vorinstanz hat f�r das Bundesgericht verbindlich festgestellt, dass in somatischer Hinsicht f�r leichte bis mittelschwere T�tigkeiten - zumindest teilweise oder �berwiegend sitzend - keine wesentliche Einschr�nkung der Arbeitsf�higkeit besteht. Demgegen�ber ist die Arbeitsf�higkeit des Beschwerdegegners aus psychiatrischen Gr�nden in einer k�rperlich leidensangepassten T�tigkeit zu 30 % eingeschr�nkt. Wie sich dem massgebenden MEDAS-Gutachten vom 4. November 2010 entnehmen l�sst, bezieht sich diese Einschr�nkung auf eine ganzt�gige Besch�ftigung mit reduzierter Leistung.
3.2.�Dass der Beschwerdegegner die M�glichkeit erhalten sollte, in einem gr�sseren Raum mit direktem Weg ins Freie arbeiten zu k�nnen, h�ngt unmittelbar mit dem psychiatrisch diagnostizierten Leiden (Agoraphobie mit Panikst�rung) zusammen. Der Vorgabe, dass der Versicherte nicht unter Druck gesetzt wird, wird Rechnung getragen, indem der Beschwerdegegner seine eingeschr�nkte Arbeitsf�higkeit in Form einer ganzt�gigen Besch�ftigung erbringen kann. Dieser Umstand wie auch das Krankheitsbild machen einen erheblichen Unterschied zu den von der Vorinstanz zitierten Urteilen 9C_796/2013 vom 28. Januar 2014 E. 3.4 und 9C_236/2014 vom 29. September 2014 E. 4 aus. Mit anderen Worten sind hier die psychischen Aspekte der gesundheitlichen Beeintr�chtigung bereits bei der Sch�tzung der zumutbaren Arbeitsf�higkeit ber�cksichtigt worden und k�nnen nicht nochmals mit einem Abzug angerechnet werden. Zudem gilt eine psychisch bedingte verst�rkte R�cksichtnahme seitens Vorgesetzter und Arbeitskollegen nicht als eigenst�ndiger abzugsf�higer Umstand (vgl. statt vieler Urteil 8C_97/2014 vom 16. Juli 2014 E. 4.2 mit weiteren Hinweisen). Schliesslich schr�nkt das �rztlich umschriebene Anforderungsprofil (wechselbelastende T�tigkeiten ohne l�ngeres Knien) die Einsatzm�glichkeiten des Beschwerdegegners nicht weiter ein. Abgesehen davon, dass er w�hrend 6-7 Jahren eine solche T�tigkeit in einem Beschichtungsbetrieb ausge�bt hat, wie aus dem MEDAS-Gutachten erhellt, und keine Anhaltspunkte daf�r bestehen, dass der Versicherte dabei unterdurchschnittlich entl�hnt worden ist, enth�lt der Tabellenlohn im Anforderungsniveau 4 eine Vielzahl von leichten und mittelschweren T�tigkeiten, wie eine solche hier in Frage kommt (vgl. statt vieler 8C_924/2014 vom 2. April 2015 E. 5.2.2 mit weiteren Hinweisen). Der von der Vorinstanz vorgenommene Abzug verletzt demnach Bundesrecht.
3.3.�Es ist unbestritten, dass sich der Invalidit�tsgrad ohne Abzug auf 35 % bel�uft, was keinen Rentenanspruch vermittelt. Die Beschwerde erweist sich als begr�ndet und ist gutzuheissen.
Dem Verfahrensausgang entsprechend gehen die Gerichtskosten zu Lasten des Beschwerdegegners (Art. 66 Abs. 1 BGG). Eine Parteientsch�digung ist nicht geschuldet (Art. 68 Abs. 3 BGG).
Die Beschwerde wird gutgeheissen. Der Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 20. Februar 2015 wird aufgehoben und die Verf�gung der IV-Stelle des Kantons St. Gallen vom 4. Dezember 2012 best�tigt.