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Timestamp: 2019-01-18 03:59:31
Document Index: 334204950

Matched Legal Cases: ['§16', '§1', '§ 14', '§13', '§12', '§12']

Aachen Münchener Berufsunfähigkeitsversicherung – wirklich die beste BU, wie die Deutsche Vermögensberatung (DVAG) es behauptet? : PKV BU Blog
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Auch bei der Frage des Ausscheidens hat man sich nicht so recht an den besseren Mitbewerbern orientiert. Hier wird nur dann nicht von einem Ausscheiden ausgegangen, wenn höchstens 3 Jahre dazwischen liegen. In der Kombination von Elternzeit und anschließender Arbeitslosigkeit kann das durchaus eng werden.
Bei der Anerkennung der Berufsunfähigkeit im Leistungsfall wird hier auch nicht auf das befristete Anerkenntnis verzichtet. Der Versicherer kann (einmalig) ein Anerkenntnis seiner Leistung von max. 12 Monaten aussprechen. Das ist für den Versicherten eher schlecht, denn danach muss dieser die BU neu beantragen und hoffen, das auch diese dann anerkannt wird. Bei einem unbefristeten Anerkenntnis ist das jedoch anders. Dieses wird auch im Rahmen einer Nachprüfung überprüft, jedoch muss der Versicherer dann das Nichtbestehen der BU beweisen. So heißt es dazu weiter unter §16 wie folgt:
„Bei einem befristeten Anerkenntnis stellen wir die Leistungen zum Ende des Befristungszeitraums ein. Nach Ablauf des Leistungszeitraumes prüfen wir die Voraussetzungen des Anspruchs auf ihren Antrag hin neu. Als Voraussetzung für eine weitere Leistungspflicht ist uns nachzuweisen, dass nach dem zu diesem Zeitpunkt aktuellen medizinischen und beruflichen Verhältnissen der versicherten Person Berufsunfähigkeit im Sinne von §1 besteht.“
Eine Leistungsprüfung in der Berufsunfähigkeitsversicherung ist zudem meist langwierig und mit vielen Vorgaben verbunden. Einige davon regeln die so genannten Mitwirkungspflichten, welche die Aachen Münchner im § 14 geregelt hat. Hier werden all die Unterlagen aufgezählt, welche die Kunden zu besorgen haben und was sonst noch an Voraussetzungen zu erfüllen ist. Erst wenn diese Nachweise erbracht sind und alle nötigen Beteiligten von der Schweigepflicht entbunden sind, kann es zu einer Anerkennung der BU kommen. Diese kann aber auch verhindert werden, indem der Versicherte bestimmte Heilbehandlungen „ertragen“ und Hilfsmittel tragen muss. So regelt der Abs. 4 des §13 genau, das „geeignete Hilfsmittel“ zu tragen sind. Das umfasst aber nicht nur die beispielhaft genannten Brillen und Prothesen, auch alle anderen „geeigneten Hilfsmittel“ sind zu nutzen. Was auch immer im Fall der Fälle als „geeignet“ eingestuft wird und vor allem von wem. Deutlich schlechter als viele Mitbewerber sind aber die folgenden Sätze:
„Zumutbar sind Heilbehandlungen, die gefahrlos und nicht mit besonderen Schmerzen verbunden sind. Heilbehandlungen, die mit einem operativen Eingriff verbunden sind, sehen wir in diesem Zusammenhang nicht als zumutbar an.“
Auf telefonische Nachfrage konnte mir niemand erklären, wie man denn „besondere Schmerzen“ definiert. Ist eine täglich zu verabreichende Spitze mit einem Wirkstoff schon „besonders“? Für mich vielleicht nicht, für jemanden mit Angst vor Spritzen wohl schon- doch wer will das entscheiden?
Vollkommender Nonsens für all die, die gut verdienen ist jedoch die so genannte Nachversicherungsgarantie in §12. Dort wird die Möglichkeit geschaffen, seinen Versicherungsschutz ohne neue Gesundheitsprüfung an die aktuellen Gegebenheiten anzupassen. Das ist besonders bei beruflichen Veränderungen und neuer privater oder beruflicher Situation wichtig. So werden zwar 11 Ereignisse genannt, einige sind jedoch fast nicht zu erreichen.
„Gehaltssteigerung um mindestens 10% gegenüber dem Vorjahr“
Spätestens 6 Monate nach dem Ereignis muss es dem Versicherer angezeigt werden. Bis jetzt klingt noch alles gut, aber im folgenden Teil des §12 folgen die Beschränkungen. So geht das ganze Anpassen nur bis zum 50. Lebensjahr, nur wenn der Vertrag nicht betragsfrei gestellt war, die Person noch nicht berufsunfähig ist und -jetzt kommst- das Recht erlischt bei einer bestehenden jährlichen Rente von 24.000 EUR. Für gut verdienende Angestellte und auch Selbstständige ist das eher ein Witz. Wer als Angestellter privat krankenversichert ist und demnach mehr als knapp 50.000 EUR brutto verdienst, dem ist mit 2.000 EUR monatlicher Rente nicht geholfen. Zudem ist die Erhöhung der Rente noch auf einen Betrag von 300 EUR monatlich oder 1.000 EUR monatlich binnen 5 Jahren begrenzt. Selbst dem Studenten mit einer kleinen Rente, ist somit eine vernünftige Anpassung bei dem ersten und gut bezahltem Job nicht möglich. Vielleicht ist aber dieses Klientel, also gut verdienende Angestellte, Selbstständige und Studenten auch einfach nicht das angestrebte Kundenpotential.
Besonderheit für Ärzte und Zahnärzte:
Bei Medizinern kann eine Leistung auch dann erfolgen, wenn diese im eigentlichen Sinne noch gar nicht berufsunfähig sind. Durch die Vereinbarung einer so genannten Infektionsklausel ist eine Leistung auch dann gegeben, wenn eine behördliche Anordnung eine Tätigkeit verbietet. Dieses kann zum Beispiel bei bestehender Hepatitis der Fall sein. Der Arzt könnte also in seinem Beruf arbeiten, darf aber nicht. Warum diese Klausel nicht auch bei den Tierärzten gilt ist nicht ganz klar, tut sie aber nicht.
Die Dynamische Anpassung:
Auch bei der Dynamik hat der Versicherer einige Grenzen eingebaut. Ab einem Betrag von 3.000 EUR monatlicher Rente bei der Aachen Münchener können vor weiteren Erhöhungen Nachweise verlangt werden, die eine Angemessenheit prüfen können. Wer dann- oder vorher- zweimal hintereinander die dynamische Erhöhung ablehnt, bei dem wird diese ausgeschlossen. Bei den meisten Unternehmen am Markt findet sich diese Klausel, die Alte Leipziger hat diese vor Kurzem geändert und verzichtet nun auf einen Ausschluss der Dynamik nach zwei Ablehnungen.
Die Berufsunfähigkeitsversicherung der Aachen Münchener Lebensversicherung (Stand 2012) ist ein Tarif eher im Mittelfeld. Von der „besten BU“ sind diese jedoch weit entfernt und enthalten einige Regelungen die die Leistungserlangung mehr als schwer machen können. Doch genau solche schwammigen Formulierungen und Regelungen sollten nicht enthalten sein, damit man sich im Fall der Fälle nicht noch damit rumärgern muss, was denn mit bestimmten Worten nun gemeint ist oder schlimmer, gemeint sein könnte.
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Dieser Artikel wurde am Montag, 30. Juli 2012 um 07:00 veröffentlicht und ist abgelegt unter Berufsunfähigkeit.
12 Antworten zu “Aachen Münchener Berufsunfähigkeitsversicherung – wirklich die beste BU, wie die Deutsche Vermögensberatung (DVAG) es behauptet?”
Thomas Kobert Says:
09. August 2012 um 11:57
Ein wirklich klasse Artikel! Und die Bedingungen gekonnt und auch für Nicht-Fachleute erklärt. wirklich klasse.
Mario Bartosch Says:
09. August 2012 um 14:03
Ist doch gut wenn man mal genauer und auch ausführlicher bei der Berufsunfähigkeitsversicherung hinschaut als Finanztest. Die haben die Aachen Münchener ja regelmäig auf Platz 1 in Ihren Rankings. Mir persönlich zusätzlich ein Dorn im Auge ist in diesem Zusammenhang, dass mit Steuergeldern (dadurch finanziert sich ja Finanztest) einem strukturiertem Vertrieb zusätzlich Kunden in die Arme getrieben wird.Da wird es dann im Zwiefel nicht bei der „besten Berufsunfähigkeitsversicherung“ bleiben und der Kunde bekommt auch noch eine GENERALI-Rente, eine CENRAL Krabkenversicherung und eine ARAG-Rechtsschutz umgehängt.
Ronny Ahlsleben Says:
17. August 2012 um 22:55
Zur Meinung Punkt 2:
Dass der Kunde noch eine Rechtsschutz der ARAG „umgehängt“ bekommt, ist ja sogar nützlich, denn die Quote der Rechtsstreitigkeiten ist bei der BU ja bekanntlich sehr hoch. Das bedeutet andererseits aber auch, dass die ARAG gegen ein Konzernmitglied klagt. Ob das im Sinne des klagenden Versicherten ist, bliebt auch bei Finanztest unbewertet!
Zu dem wirklich sehr guten Bewertungsbeitrag füge ich hinzu, dass die schwammigen, also nicht eindeutig definierten Begriffe einen weiten Spielraum für die Auslegung durch die Aachen Münchener zulassen. So könnte er stets die für ihn günstigste, also für den Versicherten ungünstigste „Definition“ angeben. Wäre der Versicherte damit nicht einverstanden, obliegt ihm die Beweislast und er muß klagen, also nicht der Versicherer. Und wer dann keine Rechtsschutz hat, hat echt ein Problem… So kann man als Versicherer natürlich auch Kosten auf den Versicherten „umlegen“.
07. Dezember 2012 um 00:42
Vielen Dank für diese Infos !!!!
Bin gespannt auf weitere… 🙂
Vielleicht Alte Leipziger und/ oder Condor?
01. März 2013 um 10:47
hier auch nochmal die Frage: Hat jemand belastbare Zahlen/Links zur Höhe der Quote der Rechtsstreitigkeiten bei Eintritt einer Berufsunfähigkeit (egal welche Vers. aber gerne auch nach Versicherer aufgeschlüsselt)?
klerol Says:
09. November 2013 um 16:33
…und wenn der Leistungsfall eintritt, bezahlt die Aachen Münchener sowieso nicht. Wenn man dann nicht das Geld sowie die notwendige Ausdauer hat, hat man leider verloren. Selbst vor Erpressung schrecken diese Gauner nicht zurück.
Das berichte ich aus eigener, leidvoller Erfahrung.
Armin Gevelmann Says:
Sehr gut recherchierter Beitrag:-)
Allerdings ist das Rechtsschutz Anhängsel der Dvag nicht die Arag sondern Advocard!
bitte Hilfen Sie mir ich möchte VASP Aachen-münschner kündigen, ich habe den Vertrag vor drei Monaten durch DVAG abgeschloßen.
Bertram Schmitt Says:
02. November 2015 um 21:41
Wenn ich als Versicherungsmakler dieses Versicherungsunternehmen nicht mehr anbieten dürfte, würde ich auch in den Krümeln suchen und statt dessen ein Unternehmen hervorheben, dass zwar einen geringeren finanziellen Background (Rücklagen für Schadenfälle) hat, aber höhere Provisionen zahlt. Für den Laien ist es immer sinnvoll sich die Frage zu stellen: Wer sagt was? Warum?
03. November 2015 um 09:13
Guten Tag Hr. Schmitt,
wenn ich als Vertreter der DVAG nur dieses eine Unternehmen verkaufen müsste und keine Alternativen hätte, so würde ich es auch in den Himmel heben. Die von mir angesprochenen Fakten sind keine Krümel, sondern schlichtweg nachlesbare Fakten. Was nützt ein Unternehmen wenn es nicht zahlt.
Immer aufpassen wer was sagt. 🙂
Frank Potthoff Says:
03. November 2015 um 17:40
Natürlich versucht jeder, das eigene Produkt in den Himmel zu loben. Als Kunde muss man sich aber selbst fragen: welcher Versicherungsvermittler ist objektiver ? Der, der nur eine einzige Gesellschaft anbieten kann oder derjenige, der auf mehrere Gesellschaften zurückgreifen kann ?
Bei einem freien Makler bekommt der Kunde i.d.R. mehrere Vergleichsangebote und diese werden mit dem Kunden gemeinsam besprochen ….
Wenn dem Versicherungsvertreter die Argumente ausgehen kommt immer der Satz „Der Makler bietet nur das an wo er viel verdient“.
Im Übrigen geht es hier um nichts als Fakten, und diese wurden wunderbar herausgearbeitet.
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