Source: https://www.finanztip.de/bezugsdauer-arbeitslosengeld/
Timestamp: 2018-12-16 04:26:59
Document Index: 66677287

Matched Legal Cases: ['§ 136', '§ 147', '§ 142', '§ 147', '§ 142', '§ 147', '§148', '§ 148']

Arbeitslos: Wie lang kann ich Arbeitslosengeld beziehen? Bezugsdauer ALG - Finanztip
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Sind Sie jünger als 50, bekommen Sie höchstens 12 Monate lang Arbeitslosengeld.
Melden Sie sich umgehend nach Erhalt der Kündigung oder nachdem Sie wissen, dass Ihr Arbeitsverhältnis beendet wird, bei der Agentur für Arbeit arbeitssuchend.
Wenn Sie arbeitslos sind, melden Sie sich persönlich bei der Agentur und stellen einen Antrag auf ALG I.
Stehen Sie zu Beginn der Arbeitslosigkeit kurz vor Ihrem 50., 55. oder 58. Geburtstag, sollten Sie prüfen, ob Sie den Antrag nicht erst nach Ihrem Geburtstag stellen. Sie können dann eventuell über einen längeren Zeitraum Arbeitslosengeld beziehen.
Weisen Sie Ihren Sachbearbeiter darauf hin, wenn Sie in den letzten fünf Jahren schon einmal Arbeitslosengeld bekommen und die Anspruchsdauer nicht voll ausgeschöpft haben. Ihr Anspruch kann sich dadurch verlängern.
Vermeiden Sie unbedingt eine Sperrzeit für Ihr Arbeitslosengeld.
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Wer seinen Job verliert, steht oft erst einmal unter Schock. Allerdings ist es ratsam, sich zügig nach Erhalt der Kündigung bei der Agentur für Arbeit zu melden. Das gilt auch, wenn Ihr befristeter Arbeitsvertrag ausläuft. Sie müssen sich spätestens drei Monate vor Beendigung des Arbeitsverhältnisses persönlich arbeitssuchend melden. Ein Telefonanruf reicht nicht (Sächsisches LSG, Urteil vom 17. August 2014, Az. L 3 AL 1/13 B PKH) Erfahren Sie von Ihrem Jobverlust weniger als drei Monate vorher, müssen Sie sich innerhalb von drei Tagen melden. Sie riskieren ansonsten eine Sperrzeit von einer Woche bei Ihrem Arbeitslosengeld.
Wenn Sie arbeitslos sind, haben Sie Anspruch auf Arbeitslosengeld I (ALG I). Voraussetzung ist, dass Sie sich bei der Arbeitsagentur arbeitslos gemeldet haben und innerhalb der letzten zwei Jahre mindestens zwölf Monate lang versicherungspflichtig gearbeitet haben (§§ 136 SGB III, 137 SGB III). Die Antragsunterlagen für das Arbeitslosengeld erhalten Sie bei Ihrer Agentur für Arbeit oder als Online-Variante auf der Website der Agentur für Arbeit.
Wie lange zahlt die Agentur für Arbeit Arbeitslosengeld I ?
Wie lange Sie Arbeitslosengeld I bekommen, hängt davon ab, wie lange Sie vor der Arbeitslosigkeit als Arbeitnehmer beschäftigt waren und in welchem Alter Sie arbeitslos werden (§ 147 SGB III).
Waren Sie innerhalb der zweijährigen Rahmenfrist zwölf Monate lang versicherungspflichtig beschäftigt, haben Sie die Anwartschaftszeit erfüllt. Sie bekommen sechs Monate Arbeitslosengeld gezahlt.
Anspruchsdauer für Arbeitslose unter 50
Mindestens versicherungspflichtig beschäftigt in Monaten Anspruchsdauer in Monaten
Beispiel 1: Frau A, 35 Jahre alt, war in den letzten fünf Jahren vor der Arbeitslosmeldung 16 Monate versicherungspflichtig beschäftigt. Sie hat somit Anspruch auf acht Monate Arbeitslosengeld.
Beispiel 2: Herr B, 35 Jahre alt, war in den letzten fünf Jahren vor der Arbeitslosmeldung 30 Monate versicherungspflichtig beschäftigt. Er hat einen Anspruch auf zwölf Monate Arbeitslosengeld.
Wer 50 Jahre alt oder älter ist und länger als 24 Monate in einem Versicherungspflichtverhältnis gestanden hat, kann länger Arbeitslosengeld beziehen. Arbeitslose ab 58 Jahren erhalten höchstens 24 Monate Arbeitslosengeld, je nach Dauer der Versicherungspflichtverhältnisse. Ihre Anspruchsdauer entsprechend Ihrem Alter und der Dauer Ihrer Beschäftigung entnehmen Sie dieser Tabelle:
Anspruchsdauer für Arbeitslose über 50
Vollendetes Lebensjahr Mindestens versicherungspflichtig beschäftigt in Monaten Anspruchsdauer in Monaten
Beispiel 1: Frau C, 52 Jahre alt, war in den letzten fünf Jahren vor Arbeitslosmeldung 36 Monate versicherungspflichtig beschäftigt. Sie hat einen Anspruch auf 15 Monate Arbeitslosengeld, nicht auf 18 Monate, da sie das 55. Lebensjahr noch nicht vollendet hat.
Beispiel 2: Herr D, 57 Jahre alt, war in den letzten fünf Jahren vor Arbeitslosmeldung 38 Monate beschäftigt. Er hat einen Anspruch auf 18 Monate Arbeitslosengeld.
Beispiel 3: Frau E, 58 Jahre alt, war in den letzten fünf Jahren vor Arbeitslosmeldung 20 Monate beschäftigt. Sie hat einen Anspruch auf 10 Monate Arbeitslosengeld.
Zeitpunkt für den Antrag clever wählen
In bestimmten Fällen kann es von Vorteil sein, den Antrag auf ALG I etwas verzögert zu stellen. Stehen Sie zu Beginn der Arbeitslosigkeit zum Beispiel kurz vor Ihrem 58. Geburtstag, sollten Sie den Antrag erst nach Ihrem Geburtstag stellen. Sie können dann 24 Monate Arbeitslosengeld beziehen. Stellen Sie den Antrag noch vor Ihrem 58. Geburtstag, bekommen Sie nur 18 Monate lang Arbeitslosengeld.
Gibt es verkürzte Anwartschaften?
Selbst wenn Sie in den letzten zwei Jahren weniger als zwölf Monate versicherungspflichtig tätig waren, haben Sie unter Umständen Anspruch auf Arbeitslosengeld. Diese verkürzte Anwartschaftszeit kann erfüllt sein, wenn
Sie in den letzten zwei Jahren vor der Arbeitslosmeldung mindestens sechs Monate in Versicherungspflichtverhältnissen gestanden haben und
Ihr Bruttoarbeitsentgelt in den letzten zwölf Monaten die Bezugsgröße von derzeit 34.020 Euro nicht überstiegen hat.
Die Regelung zur kurzen Anwartschaftszeit soll vor allem Beschäftigte im Kulturbereich absichern, etwa Schauspieler oder Musiker, die nur kurzfristige Engagements haben. Davon profitieren aber auch andere Personen wie Aushilfen und Saisonkräfte, die kurzfristig beschäftigt werden.
Die Regelung endet nach derzeit geltendem Recht am 31. Juli 2018 (§ 142 Abs. 2 SGB III). Das Bundeskabinett hat eine Verlängerung bereits beschlossen, so dass der erleichterte Zugang zum ALG I bis zum Sommer 2021 gelten soll.
Erfüllen Sie die Voraussetzungen für die verkürzte Anwartschaftszeit, ist die Zeit, für die Sie Arbeitslosengeld erhalten können, davon abhängig, wie lange Sie in den letzten zwei Jahren insgesamt beschäftigt waren (§ 147 Abs. 3 SGB III). Die Anspruchsdauer ergibt sich aus dieser Tabelle:
Anspruchsdauer bei verkürzter Anwartschaft
Quelle: § 142 Abs. 2 SGB III
Kann sich die Anspruchsdauer verlängern?
Haben Sie in den letzten fünf Jahren schon einmal einen Anspruch auf Arbeitslosengeld erworben und die Anspruchsdauer nicht voll ausgeschöpft, dann erhöht sich Ihr neuer Anspruch um diesen unverbrauchten Rest. Jedoch nur bis maximal auf die Höchstdauer des neuen Anspruchs (§ 147 Abs. 4 SGB III). Darauf sollten Sie die Agentur unbedingt hinweisen.
Beispiel: Herr F, 44 Jahre alt, erhält ab 01. Juni 2014 erstmals Arbeitslosengeld für zwölf Monate. Nach zehn Monaten nimmt er eine neue Beschäftigung an. Ihm steht ein Restanspruch von zwei Monaten zu. Wird er nach zwölf Monaten wieder arbeitslos, hat er einen neuen Anspruch auf sechs Monate Arbeitslosengeld. Zu diesen sechs Monaten werden die zwei Monate Restanspruch hinzugerechnet. Die aktuelle Anspruchsdauer beläuft sich also auf acht Monate.
Der erworbene Anspruch auf Arbeitslosengeld bleibt Ihnen nach seiner Entstehung fünf Jahre lang erhalten. Das bedeutet, dass Sie innerhalb dieser Frist auf eine nicht verbrauchte Anspruchsdauer zurückgreifen können, falls Sie durch eine neue Beschäftigung nicht erneut die Anwartschaftszeit erfüllen.
Sind fünf Jahre vergangen, kann der Restanspruch nicht mehr geltend gemacht werden und er verfällt.
Alle wichtigen Informationen zum Bestandsschutz und zu den Auswirkungen auf die Höhe des Arbeitslosengelds finden Sie in unserem Artikel Bestandsschutz.
Wann kann die Agentur die Anspruchsdauer verkürzen?
Ob Sie tatsächlich einen vollständigen Anspruch auf ALG I haben, hängt davon ab, ob die Anspruchsdauer nicht gemindert wird (§148 SGB III). Wichtigster Grund für eine Minderung ist eine von der Arbeitsagentur verhängte Sperrzeit.
Die kann eine Woche, aber auch drei Monate dauern. In Fällen von einer Sperrzeit von 12 Wochen, mindert sich die Dauer des ALG I um mindestens ein Viertel. Hat ein Arbeitnehmer, der 58 Jahre alt ist, grundsätzlich einen Anspruch von 24 Monaten ALG I, dann kürzt sich sein Anspruch um 6 Monate, falls die Agentur eine Sperrzeit von 12 Wochen verhängt hat.
Die Minderung wird direkt von der Anspruchsdauer abgezogen. Wie Sie eine Sperrzeit vermeiden können, lesen Sie in unserem Ratgeber Sperrzeit.
Dies sind Gründe für eine Sperrzeit:
Sperrzeiten und deren Gründe
Eigenkündigung, Aufhebungsvertrag, selbstverschuldete Kündigung 12 Wochen (1)
Arbeitsablehnung, Ablehnung/Abbruch Eingliederungsmaßnahme 1. Verstoß: 3 Wochen,                                              2. Verstoß: 6 Wochen,                       dann 12 Wochen
Meldeversäumnis, verspätete Arbeitssuchendmeldung 1 Woche
(1) Bei einer Sperrzeit von 12 Wochen mindert sich die Anspruchsdauer um mindestens ein Viertel. Hat ein Arbeitnehmer, der älter als 58 Jahre alt ist, einen Anspruch auf 24 Monate ALG I, kann die Agentur diesen Anspruch um ein Viertel, also sechs Monate kürzen, sofern die Agentur eine Sperrzeit von 12 Wochen verhängt hat (§ 148 Abs. 1 Nr. 3 SGB III).
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