Source: http://www.hensche.de/Arbeitsrecht_Urteile_Verfassungsmaessigkeit_Nichtgewaehrung_Familienzuschlag_Lebenspartnerschaft_BVerfG_2BvR855-06_u.html
Timestamp: 2019-05-19 22:44:33
Document Index: 395168311

Matched Legal Cases: ['§ 93', '§ 93', '§ 39', '§ 39', '§ 40', '§ 40', 'Art. 3', '§ 10', '§ 1', 'Art. 2', 'Art 3', '§ 6', '§ 40', '§ 40', 'Art. 3', 'Art. 6', 'Art. 33', '§ 40', '§ 40', '§ 40', 'Art. 3', 'Art. 101', 'Art. 3', 'Art. 6', 'Art. 101', 'Art. 234', '§ 40', 'Art. 3', 'Art. 1', 'Art. 2', '§ 93', '§ 90', 'Art 3', '§ 40', '§ 40', '§ 40', '§ 40', '§ 90', 'Art. 3', 'Art. 33', 'Art. 101', '§ 40', 'Art. 6', 'Art. 3', '§ 40', 'Art. 6', 'Art. 3', 'Art. 3', '§ 40', 'Art. 3', 'Art. 3', '§ 40', 'Art. 3', 'Art. 6', 'Art. 3', 'Art. 6', 'Art. 12', 'Art. 3', 'Art. 6', '§ 40', 'Art. 3', 'Art. 6', '§ 40', '§ 40', '§ 40', '§ 40', '§ 40', '§ 1', '§ 1360', '§ 5', '§ 5', '§ 1360', '§ 1360', '§ 1360', '§ 1', 'Art. 6', 'Art. 6', 'Art. 3', '§ 40', '§ 40', 'Art. 33', 'Art. 33', 'Art. 33', 'Art. 6', 'Art. 33', 'Art. 6', 'Art. 6', 'Art. 33', '§ 40', 'Art. 101', 'Art. 101', 'Art. 234', 'Art. 101', 'Art. 234', 'Art. 101', 'Art. 101', 'Art. 234', '§ 40', 'EuG', 'Art. 119', 'Art. 141', 'EuG', 'EuG', 'Art. 1', 'Art. 1', 'EuG', 'Art. 1', 'Art. 3', 'Art. 2', 'BGH', 'Art. 101', '§ 40', 'Art. 3', 'EuG', 'EuG']

- Be­vollmäch­tig­te: Rechts­anwälte Dirk Sieg­fried und An­drea Würdin­ger, Motz­s­traße 1, 10777 Ber­lin -
ge­gen das Ur­teil des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts vom 26. Ja­nu­ar 2006 –
a) BVerwG 2 C 43.04 -,
b) das Ur­teil des Ver­wal­tungs­ge­richts­hofs Ba­den-Würt­tem­berg vom 13. Ok­to­ber 2004 - 4 S 1243/03 -,
c) das Ur­teil des Ver­wal­tungs­ge­richts Stutt­gart vom 13. Ja­nu­ar 2003 - 17 K 3906/02 -
hat die 1. Kam­mer des Zwei­ten Se­nats des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts durch
den Vi­ze­präsi­den­ten Has­se­mer,
die Rich­ter Di Fa­bio
gemäß § 93b in Ver­bin­dung mit § 93a BVerfGG in der Fas­sung der Be­kannt­ma­chung vom 11. Au­gust 1993 ( BGBl I S. 1473 ) am 20. Sep­tem­ber 2007 ein­stim­mig be­schlos­sen:
Die Ver­fas­sungs­be­schwer­de be­trifft die Fra­ge, ob es mit dem Grund­ge­setz ver­ein­bar ist, den Be­am­ten, die ei­ne ein­ge­tra­ge­ne Le­bens­part­ner­schaft ge­schlos­sen ha­ben, den Fa­mi­li­en­zu­schlag der Stu­fe 1, den ver­hei­ra­te­te Be­am­te er­hal­ten, nicht oder nur un­ter wei­ter­ge­hen­den Vor­aus­set­zun­gen zu gewähren.
1. Be­am­ten wird gemäß § 39 Abs. 1 Satz 1 Bun­des­be­sol­dungs­ge­setz (BBesG) ne­ben ih­rem Grund­ge­halt ein Fa­mi­li­en­zu­schlag gewährt. Sei­ne Höhe rich­tet sich nach der Be­sol­dungs­grup­pe und der Stu­fe, die den Fa­mi­li­en­verhält­nis­sen ent­spricht, § 39 Abs. 1 Satz 2 BBesG. Zur Stu­fe 1 gehören gemäß § 40 Abs. 1 Nr. 1 BBesG ver­hei­ra­te­te Be­am­te, außer­dem ver­wit­we­te (Nr. 2) und ge­schie­de­ne Be­am­te be­zie­hungs­wei­se sol­che, de­ren Ehe auf­ge­ho­ben oder für nich­tig erklärt ist, so­weit sie aus der Ehe zum Un­ter­halt ver­pflich­tet sind (Nr. 3). An­de­re Be­am­te er­hal­ten nach § 40 Abs. 1 Nr. 4 BBesG den Fa­mi­li­en­zu­schlag der Stu­fe 1, wenn sie ei­ne an­de­re Per­son nicht nur vorüber­ge­hend in ih­re Woh­nung auf­ge­nom­men ha­ben und ihr Un­ter­halt gewähren, weil sie ge­setz­lich oder sitt­lich da­zu ver­pflich­tet sind oder aus be­ruf­li­chen oder ge­sund­heit­li­chen Gründen ih­rer Hil­fe bedürfen, und das Ein­kom­men die­ser Per­son ei­ne be­stimm­te Höhe nicht über­schrei­tet.
2. Im Ent­wurf des Le­bens­part­ner­schafts­ge­set­zes (LPartG) vom 4. Ju­li 2000 (BT­Drucks 14/3751) war in Art. 3 § 10 Nr. 1 ei­ne Ände­rung des Bun­des­be­sol­dungs­ge­set­zes durch ei­nen neu­en § 1 Abs. 1a BBesG vor­ge­se­hen, wo­nach Be­stim­mun­gen die­ses Ge­set­zes, die sich auf Ehe­gat­ten be­zie­hungs­wei­se das Be­ste­hen ei­ner Ehe be­zie­hen, auf ein­ge­tra­ge­ne Le­bens­part­ner be­zie­hungs­wei­se das Be­ste­hen ei­ner ein­ge­tra­ge­nen Le­bens­part­ner­schaft sinn­gemäß an­zu­wen­den sein soll­ten. Die­se Vor­schrift wur­de im Ver­lauf des Ge­setz­ge­bungs­ver­fah­rens zu­sam­men mit an­de­ren, der Zu­stim­mung des Bun­des­rats bedürf­ti­gen Vor­schrif­ten aus dem Ent­wurf des Le­bens­part­ner­schafts­ge­set­zes her­aus­gelöst und in Art. 2
Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt - Ent­schei­dun­gen - Kei­ne Ver­let­zung von Art 3 Abs 1 G... Sei­te 2 von § 6 Nr. 1 des Ent­wurfs für ein Le­bens­part­ner­schafts­ge­set­zergänzungs­ge­setz (LPart­GErgG) auf­ge­nom­men (BRDrucks 739/00). Das Le­bens­part­ner­schafts­ge­set­zergänzungs­ge­setz fand nicht die Zu­stim­mung des Bun­des­rats (BT­Drucks 14/4875).
Durch das Ge­setz zur Übe­r­ar­bei­tung des Le­bens­part­ner­schafts­rechts vom 15. De­zem­ber 2004 ( BGBl I S. 3396 ) wur­den wei­te­re An­glei­chun­gen zwi­schen Ehe und Le­bens­part­ner­schaft in ver­schie­de­nen Rechts­be­rei­chen vor­ge­nom­men, je­doch nicht im Be­am­ten­be­sol­dungs­recht.
Die Be­schwer­deführe­rin war bis zum 31. Ju­li 2004 Be­am­tin im Diens­te des Lan­des Ba­den- Würt­tem­berg. Am 5. No­vem­ber 2001 hat­te sie ei­ne ein­ge­tra­ge­ne Le­bens­part­ner­schaft be­gründet. Ih­re Kla­ge auf Zah­lung des Fa­mi­li­en­zu­schlags der Stu­fe 1 wies das Ver­wal­tungs­ge­richt Stutt­gart mit Ur­teil vom 13. Ja­nu­ar 2003 ab. Der Ver­wal­tungs­ge­richts­hof Ba­den-Würt­tem­berg wies die Be­ru­fung mit Ur­teil vom 13. Ok­to­ber 2004 zurück. Die Re­vi­si­on der Be­schwer­deführe­rin wies das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt mit Ur­teil vom 26. Ja­nu­ar 2006 zurück. § 40 Abs. 1 Nr. 1 BBesG gewähre der Be­schwer­deführe­rin we­der in di­rek­ter noch in ana­lo­ger An­wen­dung ei­nen An­spruch auf den Fa­mi­li­en­zu­schlag der Stu­fe 1. Die ein­ge­tra­ge­ne Le­bens­part­ner­schaft sei kei­ne Ehe, son­dern ein ei­genständi­ger Fa­mi­li­en­stand. Ei­ne ana­lo­ge An­wen­dung be­sol­dungs­recht­li­cher Vor­schrif­ten wi­der­spre­che be­reits dem We­sen des Be­sol­dungs­rechts. Es sei auch kei­ne plan­wid­ri­ge Lücke im Re­ge­lungs­sys­tem des Bun­des­be­sol­dungs­ge­set­zes ent­stan­den. Der Ab­lauf des Ge­setz­ge­bungs­ver­fah­rens zum Le­bens­part­ner­schafts­ge­setz zei­ge viel­mehr, dass der Ge­setz­ge­ber die Fra­ge nach der be­sol­dungs­recht­li­chen Re­le­vanz die­ses neu ge­schaf­fe­nen Fa­mi­li­en­stan­des er­kannt, aber be­wusst von der Schaf­fung ei­ner An­spruchs­be­rech­ti­gung ab­ge­se­hen ha­be. Des­we­gen ließen sich auch die Über­le­gun­gen nicht über­tra­gen, mit de­nen das Bun­des­ar­beits­ge­richt in sei­nem Ur­teil vom 29. April 2004 (BA­GE 110, 277) die ana­lo­ge An­wen­dung der ta­rif­ver­trag­li­chen Re­ge­lung über die Gewährung ei­nes Ver­hei­ra­te­ten­zu­schlags für ver­hei­ra­te­te An­ge­stell­te auf sol­che An­ge­stell­te, die ei­ne Le­bens­part­ner­schaft ein­ge­gan­gen sei­en, be­jaht ha­be. Der Aus­schluss der in ei­ner ein­ge­tra­ge­nen Le­bens­part­ner­schaft le­ben­den Be­am­ten aus dem Kreis der nach § 40 Abs. 1 Nr. 1 BBesG An­spruchs­be­rech­tig­ten ver­let­ze nicht Art. 3 Abs. 1 GG. Der Un­ter­schied zwi­schen dem Fa­mi­li­en­stand „ver­hei­ra­tet“ und dem Fa­mi­li­en­stand „ein­ge­tra­ge­ne Le­bens­part­ner­schaft“ recht­fer­ti­ge un­ter­schied­li­che Rechts­fol­gen. Der be­son­de­re ver­fas­sungs­recht­li­che Schutz der Ehe nach Art. 6 Abs. 1 GG stel­le be­reits den Un­ter­schied dar, der die Ver­schie­den­be­hand­lung recht­fer­ti­ge. Es sei nicht er­for­der­lich, dass die Begüns­ti­gung des Ver­hei­ra­te­ten auch durch sei­ne Si­tua­ti­on im Übri­gen, bei­spiels­wei­se durch ei­ne im Ver­gleich zu Le­di­gen höhe­re Un­ter­halts­pflicht, ge­recht­fer­tigt sei. Auch das durch Art. 33 Abs. 5 GG gewähr­leis­te­te Ali­men­ta­ti­ons­prin­zip sei nicht ver­letzt. Die Ali­men­ta­ti­ons­pflicht des Dienst­herrn als her­ge­brach­ter Grund­satz des Be­rufs­be­am­ten­tums er­stre­cke sich auf den Ehe­gat­ten und die Kin­der des Be­am­ten, nicht auf den Part­ner an­de­rer Le­bens­ge­mein­schaf­ten. Die Richt­li­nie 2000/78/EG des Ra­tes vom 27. No­vem­ber 2000 ste­he der An­wen­dung von § 40 Abs. 1 Nr. 1 BBesG nicht ent­ge­gen. Die Richt­li­nie las­se nach Nr. 22 der Be­gründungs­erwägun­gen ein­zel­staat­li­che Rechts­vor­schrif­ten über den Fa­mi­li­en­stand und da­von abhängi­ge Leis­tun­gen un­berührt. Die­se Be­gründungs­erwägung sei mit­ent­schei­dend für die Aus­le­gung. Das gel­te auch dann, wenn die Be­gründungs­erwägung nicht in den Text der Richt­li­nie auf­ge­nom­men wor­den sei. Auch nach der Recht­spre­chung des Eu­ropäischen Ge­richts­hofs sei die Ver­schie­den­be­hand­lung von Ehe­leu­ten und ein­ge­tra­ge­nen Le­bens­part­nern bei der Gewährung von Vergütungs­be­stand­tei­len, die ge­zahlt würden, weil der Beschäftig­te in ei­ner Ge­mein­schaft mit ei­ner wei­te­ren Per­son le­be, kei­ne Dis­kri­mi­nie­rung auf­grund des Ge­schlechts oder der se­xu­el­len Ori­en­tie­rung. Ein An­spruch auf den Fa­mi­li­en­zu­schlag der Stu­fe 1 nach § 40 Abs. 1 Nr. 4 BBesG kom­me zwar grundsätz­lich in Be­tracht, da die Be­schwer­deführe­rin seit März 2001 die Kos­ten der ge­mein­sa­men Woh­nung al­lei­ne tra­ge. § 40 Abs. 1 Nr. 4 Satz 2 BBesG ver­sa­ge die­sen An­spruch je­doch, wenn für den Un­ter­halt der in die Woh­nung auf­ge­nom­me­nen Per­son Mit­tel zur Verfügung stünden, die das Sechs­fa­che des Be­trags des Fa­mi­li­en­zu­schlags der Stu­fe 1 über­stie­gen. Ei­ne tatrich­ter­li­che Fest­stel­lung, ob und wel­che Ei­gen­mit­tel der Le­bens­part­ne­rin der Be­schwer­deführe­rin zur Verfügung stünden, sei nicht möglich, da die Be­schwer­deführe­rin es ab­leh­ne, zu die­sem Punkt An­ga­ben zu ma­chen.
Das Re­vi­si­ons­ur­teil wur­de den Pro­zess­be­vollmäch­tig­ten der Be­schwer­deführe­rin am 22. März 2006 zu­ge­stellt.
Mit der hier­ge­gen am 20. April 2006 er­ho­be­nen Ver­fas­sungs­be­schwer­de rügt die Be­schwer­deführe­rin ei­ne Ver­let­zung ih­rer Rech­te aus Art. 3 Abs. 1 und Art. 101 Abs. 1 Satz 2 GG.
1. Sie ist der Auf­fas­sung, es ver­s­toße ge­gen Art. 3 Abs. 1 GG, der Be­schwer­deführe­rin im Ge­gen­satz zu ver­hei­ra­te­ten Be­am­ten die Zah­lung des Fa­mi­li­en­zu­schlags der Stu­fe 1 zu ver­wei­gern. Dies sei ei­ne – zu­min­dest mit­tel­ba­re – Un­gleich­be­hand­lung der Be­schwer­deführe­rin we­gen ih­rer se­xu­el­len Ori­en­tie­rung. An die Un­gleich­be­hand­lung auf­grund ei­nes per­so­nen­be­zo­ge­nen, für die Be­schwer­deführe­rin nicht veränder­ba­ren Merk­mals sei­en erhöhte Recht­fer­ti­gungs­an­for­de­run­gen zu stel­len. Die­se Un­gleich­be­hand­lung sei nicht ge­recht­fer­tigt, da es sich bei Ehe und ein­ge­tra­ge­ner Le­bens­part­ner­schaft glei­cher­maßen um auf Dau­er an­ge­leg­te Le­bens­ge­mein­schaf­ten han­de­le, die durch ei­nen staat­li­chen Be­gründungs­akt ge­schlos­sen würden und mit ge­gen­sei­ti­gen ge­setz­li­chen Un­ter­halts­pflich­ten der Part­ner ein­her­gin­gen. Die Un­gleich­be­hand­lung könne nicht durch den Hin­weis auf Art. 6 Abs. 1 GG oh­ne zusätz­li­che sach­li­che Recht­fer­ti­gung be­gründet wer­den. Es ge­be kei­nen sach­li­chen Grund dafür, die Ehe bei der Gewährung des Fa­mi­li­en­zu­schlags der Stu­fe 1, der auf­grund der ty­pi­scher­wei­se mit der Ehe ver­bun­de­nen Un­ter­halts­las­ten gewährt wer­de, ge­genüber der ein­ge­tra­ge­nen Le­bens­part­ner­schaft zu pri­vi­le­gie­ren, da die Un­ter­halts­pflich­ten in bei­den Fällen die­sel­ben sei­en. Der Fa­mi­li­en­zu­schlag der Stu­fe 1 wer­de un­abhängig da­von gewährt, ob aus der Ehe auch Kin­der her­vor­ge­gan­gen sei­en. Da­durch würden kin­der­lo­se Ehen grund­los pri­vi­le­giert. Außer­dem sei auch Le­bens­part­nern in­zwi­schen die Stief­kin­da­d­op­ti­on möglich, so dass in ei­ner Le­bens­part­ner­schaft wie in ei­ner Ehe auch Kin­der auf­wach­sen könn­ten.
2. Das Recht auf den ge­setz­li­chen Rich­ter gemäß Art. 101 Abs. 1 Satz 2 GG sei ver­letzt, da das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt sei­ne Pflicht zur Vor­la­ge an den Eu­ropäischen Ge­richts­hof zur Vor­ab­ent­schei­dung gemäß Art. 234 Abs. 3 EGV nicht erfüllt ha­be. Die Richt­li­nie 2000/78/EG des Ra­tes zur Fest­le­gung ei­nes all­ge­mei­nen Rah­mens für die Ver­wirk­li­chung der Gleich­be­hand­lung in Beschäfti­gung und Be­ruf vom 27. No­vem­ber 2000 (ABl. L 303/16 vom 2. De­zem­ber 2000) ver­bie­te Dis­kri­mi­nie­run­gen in­ner­halb von Beschäfti­gungs­verhält­nis­sen auf­grund der se­xu­el­len Aus­rich­tung. Nach­dem die Frist zur Um­set­zung die­ser Richt­li­nie ab­ge­lau­fen sei, oh­ne dass der deut­sche Ge­setz­ge­ber hier zunächst tätig ge­wor­den sei, sei die Richt­li­nie seit dem 2. De­zem­ber 2003 un­mit­tel­bar an­wend­bar. Die Be­schränkung des Fa­mi­li­en­zu­schlags nach § 40 Abs. 1 Nr. 1 BBesG auf Ver­hei­ra­te­te un­ter Aus­schluss von ein­ge­tra­ge­nen Le­bens­part­ner­schaf­ten sei ei­ne un­mit­tel­ba­re Dis­kri­mi­nie­rung we­gen der se­xu­el­len Aus­rich­tung im Be­reich des Ar­beits­ent­gelts gemäß Art. 3 Abs. 1 c in Ver­bin­dung mit Art. 1, Art. 2 Abs. 2 a der Richt­li­nie. Da­her hätte der Fa­mi­li­en­zu­schlag als Teil des Ar­beits­ent­gelts auch den Be­am­ten in ein­ge­tra­ge­ner Le­bens­part­ner­schaft gewährt wer­den müssen. Ei­ne Dis­kri­mi­nie­rung we­gen der se­xu­el­len Aus­rich­tung könne nicht durch die Be­gründungs­erwägung Nr. 22 der Richt­li­nie ge­recht­fer­tigt wer­den, da die­se im Richt­li­ni­en­text kei­nen Nie­der­schlag ge­fun­den ha­be. Da es kei­ne Recht­spre­chung des Eu­ropäischen Ge­richts­hofs zu der Fra­ge ge­be, ob auch sol­che Be­gründungs­erwägun­gen den An­wen­dungs­be­reich der Richt­li­nie ein­schränken könn­ten, hätten die letzt­in­stanz­li­chen Ge­rich­te, die mit die­ser Be­gründung die Nicht­an­wen­dung der Richt­li­nie recht­fer­tig­ten, die­se Fra­ge dem Eu­ropäischen Ge­richts­hof zur Vor­ab­ent­schei­dung vor­le­gen müssen.
Die Ver­fas­sungs­be­schwer­de wird nicht zur Ent­schei­dung an­ge­nom­men, weil die Vor­aus­set­zun­gen des § 93a Abs. 2 BVerfGG nicht vor­lie­gen. Der Ver­fas­sungs­be­schwer­de kommt we­der grundsätz­li­che Be­deu­tung zu noch ist ih­re An­nah­me zur Durch­set­zung der in § 90 Abs. 1 BVerfGG ge­nann­ten Rech­te an­ge­zeigt (vgl. BVerfGE 90, 22 <24 ff.>; 96, 245 <248>). Sie hat kei­ne hin­rei­chen­de Aus­sicht auf Er­folg.
Die Ver­fas­sungs­be­schwer­de ist zulässig. Dem steht der Grund­satz der Sub­si­dia­rität der Ver­fas­sungs­be­schwer­de nicht ent­ge­gen.
Der sub­si­diäre Cha­rak­ter der Ver­fas­sungs­be­schwer­de for­dert, dass der Be­schwer­deführer über das Ge­bot der Rechts­we­gerschöpfung im en­ge­ren Sin­ne hin­aus al­le zur Verfügung ste­hen­den Möglich­kei­ten er­grif­fen hat, um ei­ne Kor­rek­tur der gel­tend ge­mach­ten Grund­rechts­ver­let­zung zu
Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt - Ent­schei­dun­gen - Kei­ne Ver­let­zung von Art 3 Abs 1 G... Sei­te 4 von er­wir­ken oder ei­ne Grund­rechts­ver­let­zung zu ver­hin­dern (vgl. BVerfGE 81, 22 <27> ). Die Ver­fas­sungs­be­schwer­de ist nur zulässig, so­weit sie er­for­der­lich ist, um ei­ne Grund­rechts­ver­let­zung aus­zuräum­en. Dies ist grundsätz­lich nicht der Fall, wenn ei­ne an­der­wei­ti­ge Möglich­keit be­steht, die Grund­rechts­ver­let­zung zu be­sei­ti­gen oder oh­ne In­an­spruch­nah­me des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts im prak­ti­schen Er­geb­nis das­sel­be zu er­rei­chen (vgl. BVerfGE 33, 247 <258>; 51, 130 <139 f.>; 59, 63 <83> ). Die von der Be­schwer­deführe­rin gerügte Grund­rechts­ver­let­zung durch die Ver­wei­ge­rung des Fa­mi­li­en­zu­schlags nach § 40 Abs. 1 Nr. 1 BBesG, der al­len ver­hei­ra­te­ten Be­am­ten un­abhängig vom Ein­kom­men ih­res Ehe­gat­ten gewährt wird, hätte nicht da­durch ver­hin­dert wer­den können, dass man die Be­schwer­deführe­rin auf ei­nen mögli­cher­wei­se ge­ge­be­nen An­spruch auf den Fa­mi­li­en­zu­schlag nach § 40 Abs. 1 Nr. 4 BBesG ver­weist. Die­ser An­spruch hat an­de­re, im We­sent­li­chen höhe­re Vor­aus­set­zun­gen als der Fa­mi­li­en­zu­schlag nach § 40 Abs. 1 Nr. 1 BBesG. Er setzt vor­aus, dass der Be­am­te ei­ner in sei­ne Woh­nung auf­ge­nom­me­nen Per­son Un­ter­halt gewährt und das Ein­kom­men die­ser Per­son be­stimm­te Gren­zen nicht über­schrei­tet; es ist da­her auch er­for­der­lich, das Ein­kom­men im An­trag of­fen zu le­gen. Die Be­schwer­deführe­rin macht mit ih­rer Ver­fas­sungs­be­schwer­de aber gel­tend, dass die Ver­wei­ge­rung des Fa­mi­li­en­zu­schlags nach § 40 Abs. 1 Nr. 1 BBesG, der nicht von die­sen zusätz­li­chen Vor­aus­set­zun­gen abhängt, ei­ne ver­fas­sungs­wid­ri­ge Un­gleich­be­hand­lung sei. Ei­ne sol­che Grund­rechts­ver­let­zung wäre – wenn die An­sicht der Be­schwer­deführe­rin zu­träfe – nicht zu be­sei­ti­gen, in­dem man die Be­schwer­deführe­rin im Ge­gen­satz zu ver­hei­ra­te­ten Be­am­ten auf ei­ne an­de­re An­spruchs­grund­la­ge ver­weist.
Die Ver­fas­sungs­be­schwer­de ist un­be­gründet. Die an­ge­grif­fe­nen Ent­schei­dun­gen ver­let­zen die Be­schwer­deführe­rin nicht in den in § 90 Abs. 1 BVerfGG ge­nann­ten Rech­ten. Die Ent­schei­dun­gen ver­let­zen we­der Art. 3 Abs. 1 GG (1.) noch Art. 33 Abs. 5 GG (2.) oder Art. 101 Abs. 1 Satz 2 GG (3.).
1. Die Er­stre­ckung des Fa­mi­li­en­zu­schlags nach § 40 Abs. 1 Nr. 1 BBesG le­dig­lich auf Ver­hei­ra­te­te im Sin­ne des Art. 6 Abs. 1 GG ist kei­ne ver­fas­sungs­wid­ri­ge Un­gleich­be­hand­lung der Be­schwer­deführe­rin.
a) Ver­fas­sungs­recht­li­cher Maßstab für die be­haup­te­te un­ge­recht­fer­tig­te Un­gleich­be­hand­lung von Ehe und Le­bens­part­ner­schaft ist der all­ge­mei­ne Gleich­heits­satz, nicht da­ge­gen sind es die spe­zi­el­len Gleich­heitssätze des Art. 3 Abs. 3 Satz 1 GG. Die Un­gleich­be­hand­lung von ver­hei­ra­te­ten Be­am­ten und sol­chen Be­am­ten, die ei­ne Le­bens­part­ner­schaft ge­schlos­sen ha­ben, knüpft nicht an ei­nes der dort ge­nann­ten Merk­ma­le an. Es han­delt sich ins­be­son­de­re nicht um ei­ne Un­gleich­be­hand­lung we­gen des Ge­schlechts. § 40 Abs. 1 Nr. 1 BBesG bin­det die Gewährung des Fa­mi­li­en­zu­schlags an die Ehe als Le­bens­ge­mein­schaft von Mann und Frau. Da­mit erfüllt die Vor­schrift den Schutz­auf­trag des Art. 6 Abs. 1 GG, wo­nach ne­ben der Fa­mi­lie nur die Ehe un­ter dem be­son­de­ren Schutz der staat­li­chen Ord­nung steht. Wenn die Ver­fas­sung ei­ne be­stimm­te Form des Zu­sam­men­le­bens un­ter be­son­de­ren Schutz stellt, dis­kri­mi­niert sie da­mit nicht an­de­re Le­bens- und Ge­mein­schafts­for­men, die nicht in je­der Hin­sicht an be­son­de­ren Schutz- oder Förder­maßnah­men teil­ha­ben. Das Merk­mal „Ge­schlecht“ in Art. 3 Abs. 3 Satz 1 GG be­zieht sich zu­dem auf Un­gleich­be­hand­lun­gen von Frau­en und Männern. Es ist kei­ne Un­gleich­be­hand­lung we­gen des Ge­schlechts, wenn ein Ge­setz Rech­te oder Pflich­ten nicht vom Ge­schlecht ei­ner Per­son, son­dern von der Ge­schlechts­kom­bi­na­ti­on ei­ner Per­so­nen­ver­bin­dung abhängig macht (vgl. BVerfGE 105, 313 <351 f.>).
Auch im Übri­gen ist Art. 3 Abs. 3 Satz 1 GG nicht berührt. Un­abhängig da­von, dass die Re­ge­lung des § 40 Abs. 1 Nr. 1 BBesG tat­be­stand­lich je­den­falls nicht un­mit­tel­bar am Merk­mal der se­xu­el­len Ori­en­tie­rung an­knüpft, gehört die­se auch nicht zu den in Art. 3 Abs. 3 Satz 1 GG ge­nann­ten Un­ter­schei­dungs­merk­ma­len. Ei­ne er­wei­tern­de Aus­le­gung des Art. 3 Abs. 3 Satz 1 GG schei­det aus, da sein Wort­laut ab­sch­ließend ist und der Vor­schlag, ihn im We­ge der Ver­fas­sungsände­rung um das Merk­mal der se­xu­el­len Ori­en­tie­rung zu er­wei­tern, ab­ge­lehnt wur­de (vgl. Be­richt der Ge­mein­sa­men Ver­fas­sungs­kom­mis­si­on, BT­Drucks 12/6000, S. 54).
b) Die Vor­schrift des § 40 Abs. 1 Nr. 1 BBesG ist mit dem all­ge­mei­nen Gleich­heits­satz des Art. 3 Abs. 1 GG in Ver­bin­dung mit Art. 6 Abs. 1 GG ver­ein­bar. Prüfungs­maßstab ist in­so­fern Art. 3 Abs. 1 GG, wo­bei die in Art. 6 Abs. 1 GG ent­hal­te­ne Grund­satz­ent­schei­dung für den Schutz der Ehe mit zu be­ach­ten ist ( BVerfGE 67, 186 <195 f.> ; vgl. auch für die Fa­mi­lie BVerfGE 82, 60 <86> ).
aa) Der all­ge­mei­ne Gleich­heits­satz ge­bie­tet, al­le Men­schen vor dem Ge­setz gleich zu be­han­deln ( BVerfGE 74, 9 <24> ), und ver­pflich­tet die Grund­rechts­adres­sa­ten, we­sent­lich Glei­ches gleich und we­sent­lich Un­glei­ches ent­spre­chend sei­ner Ver­schie­den­heit und Ei­gen­art un­gleich zu be­han­deln (vgl. be­reits BVerfGE 1, 14 <52>; stRspr). Er ist ver­letzt, wenn die glei­che oder un­glei­che Be­hand­lung der ge­re­gel­ten Sach­ver­hal­te mit Ge­setz­lich­kei­ten, die in der Na­tur der Sa­che selbst lie­gen, und mit ei­ner am Ge­rech­tig­keits­ge­dan­ken ori­en­tier­ten Be­trach­tungs­wei­se nicht mehr ver­ein­bar ist, wenn al­so be­zo­gen auf den je­weils in Re­de ste­hen­den Sach­be­reich und sei­ne Ei­gen­art ein vernünf­ti­ger, ein­leuch­ten­der Grund für die Re­ge­lung fehlt (vgl. BVerfGE 76, 256 <329>; 83, 89 <107 f.>; 103, 310 <318>; 107, 218 <244> ). Dies gilt un­ein­ge­schränkt für den Fall, dass die Ver­fas­sung nicht selbst ei­ne be­stimm­te Grup­pe her­vor­hebt, ih­re Un­gleich­be­hand­lung er­laubt oder ih­re be­son­de­re Förde­rung ge­bie­tet. Wenn die Ver­fas­sung selbst ei­ne Un­ter­schei­dung vor­nimmt, bleibt es zwar Sa­che des Ge­setz­ge­bers, wie er die­se Un­ter­schei­dung hand­habt, ihm darf aber nicht schon ei­ne willkürli­che Un­gleich­be­hand­lung glei­cher Le­bens­sach­ver­hal­te ent­ge­gen­ge­hal­ten wer­den, wenn er dem ver­fas­sungs­recht­li­chen Un­ter­schei­dungs­mus­ter folgt. Al­len­falls hat der Ge­setz­ge­ber ei­ne vom Grund­ge­setz selbst vor­ge­nom­me­ne Un­ter­schei­dung mit an­de­ren auf Gleich­heit aus­ge­rich­te­ten Ver­fas­sungs­ge­bo­ten im Sin­ne prak­ti­scher Kon­kor­danz zum Aus­gleich zu brin­gen, so­weit ein Vor­rang nicht fest­ge­stellt wer­den kann. Wenn das Grund­ge­setz aber et­wa wie mit Art. 12a Abs. 1 GG ei­ne spe­zi­el­le Pflicht nur für Männer einführt, schei­det we­gen der Spe­zia­lität die­ser Vor­schrift ein Ver­s­toß ge­gen Art. 3 Abs. 1, Abs. 2 oder Abs. 3 GG in­so­fern aus, als dass Frau­en von die­ser Pflicht nicht er­fasst wer­den (vgl. BVerfGE 48, 127 <161 f.> ). In die­sem Sin­ne ist auch Art. 6 Abs. 1 GG ein Dif­fe­ren­zie­rungs­ge­bot, spe­zi­el­ler als der all­ge­mei­ne Gleich­heits­satz. Al­ler­dings darf die Art und Wei­se der Un­ter­schei­dung im Hin­blick auf die tatsächli­chen Le­bens­verhält­nis­se und die auf­er­leg­ten Rechts­pflich­ten im Ver­gleich bei­der Grup­pen nicht un­verhält­nismäßig aus­fal­len.
bb) Hier­an ge­mes­sen verstößt die Be­schränkung des Fa­mi­li­en­zu­schlags der Stu­fe 1 in § 40 Abs. 1 Nr. 1 BBesG auf ver­hei­ra­te­te Be­am­te nicht ge­gen den all­ge­mei­nen Gleich­heits­satz aus Art. 3 Abs. 1 GG in Ver­bin­dung mit Art. 6 Abs. 1 GG.
Die Begüns­ti­gung ver­hei­ra­te­ter Be­am­ter ge­genüber Be­am­ten in ei­ner ein­ge­tra­ge­nen Le­bens­part­ner­schaft durch § 40 Abs. 1 Nr. 1 BBesG be­schränkt sich dar­auf, dass Ver­hei­ra­te­te den Fa­mi­li­en­zu­schlag der Stu­fe 1 be­reits auf­grund ih­res Fa­mi­li­en­stan­des und oh­ne Berück­sich­ti­gung des Ein­kom­mens ih­res Ehe­gat­ten er­hal­ten. Be­am­te in ei­ner ein­ge­tra­ge­nen Le­bens­part­ner­schaft er­hal­ten da­ge­gen gemäß § 40 Abs. 1 Nr. 4 Satz 1 BBesG den Fa­mi­li­en­zu­schlag der Stu­fe 1, wenn sie ei­nen er­wei­ter­ten Haus­halt führen, um ih­re Un­ter­halts­pflich­ten ge­genüber dem Le­bens­part­ner zu erfüllen. Nach der Aus­le­gung des § 40 Abs. 1 Nr. 4 Satz 1 BBesG durch das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt im Ur­teil vom 26. Ja­nu­ar 2006 - 2 C 43.04 -, das in­so­weit mit der Ver­fas­sungs­be­schwer­de nicht an­ge­grif­fen wird, kommt es für die in die­ser Vor­schrift ge­nann­te Auf­nah­me in die Woh­nung des Be­am­ten nicht dar­auf an, in wel­cher zeit­li­chen Rei­hen­fol­ge der Be­am­te und der Auf­zu­neh­men­de in die Woh­nung ein­ge­zo­gen sind, son­dern nur dar­auf, dass der Be­am­te in­zwi­schen die Kos­ten der Woh­nung al­lein trägt. Die Gren­ze für Ei­gen­mit­tel der auf­ge­nom­me­nen Per­son, ab der gemäß § 40 Abs. 1 Nr. 4 Satz 2 BBesG kein An­spruch auf den Fa­mi­li­en­zu­schlag mehr be­steht, soll da­bei si­cher­stel­len, dass der Zu­schlag nur gewährt wird, wenn er er­for­der­lich ist. Während bei Ver­hei­ra­te­ten al­so die ty­pi­scher­wei­se un­ter­stell­ten fi­nan­zi­el­len Be­las­tun­gen aus der Ehe zur pau­scha­len Gewährung des Fa­mi­li­en­zu­schlags führen, be­darf es bei der ein­ge­tra­ge­nen Le­bens­part­ner­schaft des Nach­wei­ses die­ser Be­las­tun­gen im Ein­zel­fall.
Die­se Un­gleich­be­hand­lung knüpft un­mit­tel­bar am Merk­mal des Fa­mi­li­en­stan­des an. § 40 Abs. 1 Nr. 1 BBesG un­ter­schei­det zwi­schen ver­hei­ra­te­ten Be­am­ten und sol­chen Be­am­ten, die ent­we­der le­dig sind oder in ei­ner an­de­ren Le­bens­ge­mein­schaft als der Ehe le­ben. Be­am­te, die ei­ne Le­bens­part­ner­schaft gemäß § 1 LPartG ge­schlos­sen ha­ben, wer­den da­mit an­ders be­han­delt als ver­hei­ra­te­te Be­am­te. Im Ge­gen­satz zu le­di­gen Be­am­ten ist den Be­am­ten, die ei­ne Ehe oder ei­ne ein­ge­tra­ge­ne Le­bens­part­ner­schaft ein­ge­gan­gen sind, ge­mein­sam, dass sie ei­ne grundsätz­lich un­auflösba­re Le­bens­ge­mein­schaft un­ter staat­li­cher Mit­wir­kung ge­schlos­sen ha­ben, die mit ge­gen­sei­ti­gen Un­ter­halts­pflich­ten der Part­ner ein­her­geht. Ehe­leu­te sind gemäß § 1360 Satz 1 BGB ver­pflich­tet, durch ih­re Ar­beit und mit ih­rem Vermögen die Fa­mi­lie an­ge­mes­sen zu un­ter­hal­ten. Le­bens­part­ner trifft gemäß § 5 Satz 1 LPartG ei­ne sol­che Un­ter­halts­pflicht auch für die Le­bens­part­ner­schaft. § 5 Satz 2 LPartG erklärt die Vor­schrif­ten über In­halt und Um­fang des ehe­li­chen Un­ter­halts in § 1360 Satz 2, § 1360a, § 1360b BGB für ent­spre­chend an­wend­bar. Un­mit­tel­ba­res Un­ter­schei­dungs­merk­mal zwi­schen den
bei­den Grup­pen ist die Gleich­ge­schlecht­lich­keit oder Ver­schie­den­ge­schlecht­lich­keit der Part­ner die­ser Le­bens­ge­mein­schaf­ten. Vor­aus­set­zung für das Ein­ge­hen der Ehe oder der Le­bens­part­ner­schaft (§ 1 Abs. 1 Satz 1 LPartG) ist die Ge­schlechts­kom­bi­na­ti­on der Part­ner, nicht ei­ne be­stimm­te se­xu­el­le Ori­en­tie­rung (vgl. BVerfGE 115, 1 <16>). Ei­ne he­te­ro­se­xu­el­le Ori­en­tie­rung ist kei­ne recht­li­che Vor­aus­set­zung, um ei­ne Ehe zu schließen, eben­so we­nig wie ei­ne ho­mo­se­xu­el­le Ori­en­tie­rung Vor­aus­set­zung für ei­ne Le­bens­part­ner­schaft wäre. Mit­tel­bar wer­den da­ge­gen durch Leis­tun­gen, die mit dem Be­stand ei­ner Ehe ver­knüpft sind und bei Be­stand ei­ner Le­bens­part­ner­schaft nicht gewährt wer­den, Men­schen un­ter­schied­li­cher se­xu­el­ler Ori­en­tie­rung un­gleich be­han­delt, da die Ehe ty­pi­scher­wei­se von He­te­ro­se­xu­el­len, die Le­bens­part­ner­schaft ty­pi­scher­wei­se von Ho­mo­se­xu­el­len ein­ge­gan­gen wird.
Bei ei­ner sol­chen Un­gleich­be­hand­lung von Per­so­nen­grup­pen un­ter­liegt der Ge­setz­ge­ber zwar grundsätz­lich ei­ner stren­ge­ren Bin­dung. Die Begüns­ti­gung ver­hei­ra­te­ter Be­am­ter fin­det ih­re Recht­fer­ti­gung je­doch in Art. 6 Abs. 1 GG. Die­ser Ver­fas­sungs­satz stellt die Ehe als Ver­ei­ni­gung ei­nes Man­nes und ei­ner Frau zu ei­ner auf Dau­er an­ge­leg­ten Le­bens­ge­mein­schaft ( BVerfGE 10, 59 <66>; 105, 313 <345>; 112, 50 <65> ) un­ter den be­son­de­ren Schutz der staat­li­chen Ord­nung; er enthält ne­ben dem Grund­recht als Ab­wehr­recht im klas­si­schen Sin­ne ei­ne In­sti­tuts­ga­ran­tie für die Ehe und ver­pflich­tet als wer­tent­schei­den­de Grund­satz­norm den Staat, die Ehe zu schützen und zu fördern ( BVerfGE 6, 55 <71 f.>; 24, 119 <135>; 31, 58 <67>; 51, 386 <396>; 55, 114 <126>; 62, 323 <329>; 76, 1 <41>; 82, 60 <81>; 87, 1 <35> ; stRspr).
Die­ser ver­fas­sungs­recht­li­che Förder­auf­trag be­rech­tigt den Ge­setz­ge­ber, die Ehe als die förm­lich ein­ge­gan­ge­ne Le­bens­ge­mein­schaft von Frau und Mann ge­genüber an­de­ren Le­bens­for­men her­aus­zu­he­ben und zu begüns­ti­gen (vgl. BVerfGE 105, 313 <348> ). Die Ver­fas­sung selbst bil­det mit Art. 6 Abs. 1 GG den sach­li­chen Dif­fe­ren­zie­rungs­grund, der die hier vor­lie­gen­de Un­gleich­be­hand­lung von ver­hei­ra­te­ten Be­am­ten und den Be­am­ten, die ei­ne ein­ge­tra­ge­ne Le­bens­part­ner­schaft ge­schlos­sen ha­ben, nach Art. 3 Abs. 1 GG recht­fer­tigt. Die Un­ter­schei­dung ist auch im Hin­blick auf tatsächli­che Le­bens­verhält­nis­se und ih­re recht­li­che Aus­ge­stal­tung nicht un­verhält­nismäßig. Denn auch nicht ver­hei­ra­te­te Be­am­te er­hal­ten nach § 40 Abs. 1 Nr. 4 BBesG den Fa­mi­li­en­zu­schlag der Stu­fe 1, wenn sie ei­ne an­de­re Per­son nicht nur vorüber­ge­hend in ih­re Woh­nung auf­neh­men und für die­se un­ter­halts­ver­pflich­tet sind.
2. Die Re­ge­lung des § 40 Abs. 1 Nr. 1 BBesG verstößt, so­weit sie Be­am­te in ein­ge­tra­ge­ner Le­bens­part­ner­schaft vom Fa­mi­li­en­zu­schlag der Stu­fe 1 aus­sch­ließt, auch nicht ge­gen Art. 33 Abs. 5 GG. Die Re­ge­lung ver­letzt ins­be­son­de­re nicht das Ali­men­ta­ti­ons­prin­zip.
a) Das Ali­men­ta­ti­ons­prin­zip gehört zu den her­ge­brach­ten und vom Ge­setz­ge­ber zu be­ach­ten­den Grundsätzen des Be­rufs­be­am­ten­tums im Sin­ne des Art. 33 Abs. 5 GG (vgl. BVerfGE 8, 1 <16 f.>; 29, 1 <9>; 81, 363 <375>; 99, 300 <314> ). Es gibt dem ein­zel­nen Be­am­ten ein grund­rechtsähn­li­ches In­di­vi­du­al­recht ge­genüber dem Staat (vgl. BVerfGE 8, 1 <17> ) und ver­pflich­tet den Dienst­herrn, dem Be­am­ten und sei­ner Fa­mi­lie amts­an­ge­mes­se­nen Un­ter­halt zu leis­ten (vgl. BVerfGE 21, 329 <345>; 29, 1 <9>; 44, 249 <267>; 49, 260 <271>; 81, 363 <375>; 99, 300 <314 f.> ). Im Rah­men sei­ner Ver­pflich­tung zur amts­an­ge­mes­se­nen Ali­men­ta­ti­on hat der Ge­setz­ge­ber dafür Sor­ge zu tra­gen, dass je­der Be­am­te auch sei­ne Un­ter­halts­pflich­ten ge­genüber sei­ner Fa­mi­lie erfüllen kann (vgl. BVerfGE 99, 300 <315> ). Zur Be­am­ten­fa­mi­lie wer­den da­bei Ehe­gat­ten und die Ge­mein­schaft ei­nes Be­am­ten mit sei­nen Kin­dern gezählt (vgl. BVerfGE 29, 1 <9>).
b) Zwar war die Ehe bis zum In­kraft­tre­ten des Le­bens­part­ner­schafts­ge­set­zes am 1. Au­gust 2001 die ein­zi­ge grundsätz­lich un­auflösba­re, un­ter staat­li­cher Mit­wir­kung ge­schlos­se­ne und mit ge­gen­sei­ti­gen Un­ter­halts­pflich­ten ver­bun­de­ne Le­bens­ge­mein­schaft, so dass der her­ge­brach­te Grund­satz der Ali­men­ta­ti­ons­pflicht sich bis da­hin nur auf Ehe­gat­ten be­zie­hen konn­te. Doch auch nach Einführung der ein­ge­tra­ge­nen Le­bens­part­ner­schaft als neu­er Fa­mi­li­en­stand er­fasst der Be­griff der Fa­mi­lie im Sin­ne des Ali­men­ta­ti­ons­prin­zips nicht den Le­bens­part­ner des Be­am­ten. Art. 33 Abs. 5 GG ist im Zu­sam­men­hang mit Art. 6 Abs. 1 GG aus­zu­le­gen (vgl. BVerfGE 44, 249 <267>; 81, 363, <376>). Die Ali­men­ta­ti­on ist nach Maßga­be von Art. 33 Abs. 5 und der aus Art. 6 Abs. 1 GG ab­zu­lei­ten­den Wer­tent­schei­dung zu gewähren (vgl. BVerfGE 49, 260 <273>; 71, 39 <62> ). Die Wer­tent­schei­dung des Art. 6 Abs. 1 GG, den Staat zum Schutz und zur Förde­rung der Ehe zu ver­pflich­ten, steht ei­ner Er­stre­ckung des Ali­men­ta­ti­ons­prin­zips als Grund­satz im Sin­ne von Art. 33 Abs. 5 GG auf den
Le­bens­part­ner des Be­am­ten ent­ge­gen. Selbst wenn dies an­ders wäre, ergäbe sich dar­aus im Übri­gen auch kei­ne Ver­let­zung der Ali­men­ta­ti­ons­pflicht. Wenn Be­am­te nicht nur vorüber­ge­hend ei­ne an­de­re Per­son in ih­re Woh­nung auf­neh­men und für die­se un­ter­halts­ver­pflich­tet sind, er­hal­ten sie un­ge­ach­tet des Fa­mi­li­en­stan­des nach § 40 Abs. 1 Nr. 4 BBesG den Fa­mi­li­en­zu­schlag der Stu­fe 1.
3. Die an­ge­grif­fe­nen Ent­schei­dun­gen ent­zie­hen die Be­schwer­deführe­rin nicht ent­ge­gen Art. 101 Abs. 1 Satz 2 GG ih­rem ge­setz­li­chen Rich­ter.
a) Nach ständi­ger Recht­spre­chung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts ist der Eu­ropäische Ge­richts­hof ge­setz­li­cher Rich­ter im Sin­ne von Art. 101 Abs. 1 Satz 2 GG. Un­terlässt es ein deut­sches Ge­richt, ein Vor­ab­ent­schei­dungs­er­su­chen an den Eu­ropäischen Ge­richts­hof zu stel­len, ob­wohl es ge­mein­schafts­recht­lich da­zu ver­pflich­tet ist, wer­den die Rechts­schutz­su­chen­den des Aus­gangs­ver­fah­rens ih­rem ge­setz­li­chen Rich­ter ent­zo­gen (vgl. BVerfGE 73, 339 <366 ff.>; 75, 223 <233 ff.>; 82, 159 <192 ff.> ). Al­ler­dings stellt nicht je­de Ver­let­zung der sich aus Art. 234 Abs. 3 EGV er­ge­ben­den Vor­la­ge­pflicht ei­nen Ver­s­toß ge­gen Art. 101 Abs. 1 Satz 2 GG dar. Das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt be­an­stan­det die Aus­le­gung und An­wen­dung von Zuständig­keits­nor­men nur, wenn sie bei verständi­ger Würdi­gung der das Grund­ge­setz be­stim­men­den Ge­dan­ken nicht mehr verständ­lich er­schei­nen und of­fen­sicht­lich un­halt­bar sind (vgl. BVerfGE 82, 159 <194> ). Die Vor­la­ge­pflicht nach Art. 234 EGV wird ins­be­son­de­re in den­je­ni­gen Fällen of­fen­sicht­lich un­halt­bar ge­hand­habt, in de­nen ein letzt­in­stanz­li­ches Haupt­sa­che­ge­richt ei­ne Vor­la­ge trotz der – sei­ner Auf­fas­sung nach be­ste­hen­den – Ent­schei­dungs­er­heb­lich­keit der ge­mein­schafts­recht­li­chen Fra­ge über­haupt nicht in Erwägung zieht, ob­wohl es selbst Zwei­fel hin­sicht­lich der rich­ti­gen Be­ant­wor­tung der Fra­ge hegt (grundsätz­li­che Ver­ken­nung der Vor­la­ge­pflicht). Glei­ches gilt in den Fällen, in de­nen das letzt­in­stanz­li­che Haupt­sa­che­ge­richt in sei­ner Ent­schei­dung be­wusst von der Recht­spre­chung des Eu­ropäischen Ge­richts­hofs zu ent­schei­dungs­er­heb­li­chen Fra­gen ab­weicht und gleich­wohl nicht oder nicht neu­er­lich vor­legt (be­wuss­tes Ab­wei­chen oh­ne Vor­la­ge­be­reit­schaft). Liegt zu ei­ner ent­schei­dungs­er­heb­li­chen Fra­ge des Ge­mein­schafts­rechts ein­schlägi­ge Recht­spre­chung des Eu­ropäischen Ge­richts­hofs noch nicht vor oder hat ei­ne vor­lie­gen­de Recht­spre­chung die ent­schei­dungs­er­heb­li­che Fra­ge mögli­cher­wei­se noch nicht erschöpfend be­ant­wor­tet oder er­scheint ei­ne Fort­ent­wick­lung der Recht­spre­chung des Eu­ropäischen Ge­richts­hofs nicht nur als ent­fern­te Möglich­keit, wird Art. 101 Abs. 1 Satz 2 GG nur dann ver­letzt, wenn das letzt­in­stanz­li­che Haupt­sa­che­ge­richt den ihm in sol­chen Fällen not­wen­dig zu­kom­men­den Be­ur­tei­lungs­rah­men in un­ver­tret­ba­rer Wei­se über­schrit­ten hat (Un­vollständig­keit der Recht­spre­chung). Dies kann ins­be­son­de­re dann der Fall sein, wenn mögli­che Ge­gen­auf­fas­sun­gen zu der ent­schei­dungs­er­heb­li­chen Fra­ge des Ge­mein­schafts­rechts ge­genüber der vom Ge­richt ver­tre­te­nen Mei­nung ein­deu­tig vor­zu­zie­hen sind ( BVerfGE 82, 159 <195 f.> ).
b) Ge­mes­sen an die­sem Maßstab fehlt es vor­lie­gend an ei­ner Ver­let­zung von Art. 101 Abs. 1 Satz 2 GG.
aa) Ei­ne grundsätz­li­che Ver­ken­nung der Vor­la­ge­pflicht liegt nicht vor. Das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt hat die Vor­aus­set­zun­gen der Vor­la­ge­pflicht nach Art. 234 Abs. 3 EGV in sei­ner Ent­schei­dung zwar nicht aus­drück­lich erörtert. Es hat je­doch ge­prüft, ob die Be­schränkung der Fa­mi­li­en­zu­schlags­gewährung auf ver­hei­ra­te­te Be­am­te in § 40 Abs. 1 Nr. 1 BBesG ge­gen primäres oder se­kundäres Ge­mein­schafts­recht verstößt, und kam da­bei zu dem nach sei­ner Aus­le­gung ein­deu­ti­gem Er­geb­nis, dass das deut­sche Recht in­so­weit mit dem Ge­mein­schafts­recht in Ein­klang steht. Es er­ga­ben sich für das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt kei­ne Aus­le­gungs­zwei­fel, die aus sei­ner Sicht An­lass für ei­ne Vor­la­ge hätten sein können.
bb) Das Ge­richt ist auch nicht be­wusst von der Recht­spre­chung des Eu­ropäischen Ge­richts­hofs ab­ge­wi­chen. Das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt hat viel­mehr dar­ge­legt, dass nach der Recht­spre­chung des Eu­ropäischen Ge­richts­hofs die Ver­schie­den­be­hand­lung von Ehe­leu­ten und ein­ge­tra­ge­nen Le­bens­part­nern bei Vergütungs­be­stand­tei­len, die ge­zahlt wer­den, weil der Beschäftig­te in ei­ner Ge­mein­schaft mit ei­ner wei­te­ren Per­son lebt, kei­ne Dis­kri­mi­nie­rung auf­grund des Ge­schlechts oder der se­xu­el­len Ori­en­tie­rung sei (EuGH, Ur­teil vom 31. Mai 2001 - Rs. C-122/99 P und C-125/99 P, NvwZ 2001, 1249 = Slg. 2001, I-4319). Ge­gen­stand des zi­tier­ten Ur­teils war ei­ne Vor­schrift des Sta­tuts der Be­am­ten der Eu­ropäischen Ge­mein­schaf­ten, die - im ent­schei­dungs­re­le­van­ten Zeit­raum - ver­hei­ra­te­ten Be­am­ten, nicht je­doch Be­am­ten in ein­ge­tra­ge­ner Le­bens­part­ner­schaft ei­ne Haus­halts­zu­la­ge gewähr­te.
Der Eu­ropäische Ge­richts­hof ent­schied, dass die maßge­ben­de Sta­tuts­be­stim­mung kei­ne Dis­kri­mi­nie­rung auf­grund des Ge­schlechts des Be­trof­fe­nen und da­her auch kei­nen Ver­s­toß ge­gen Art. 119 EGV a.F. (Art. 141 EGV n.F.) dar­stel­le, da es für die Gewährung der Hau­halts­zu­la­ge kei­ne Rol­le spie­le, ob der Be­am­te ein Mann oder ei­ne Frau sei (Slg. 2001, I-4319 <4356>). Die Vor­schrift ver­let­ze auch nicht das Gleich­be­hand­lungs­ge­bot, da es in den Mit­glied­staa­ten der Ge­mein­schaft an ei­ner all­ge­mei­nen Gleich­stel­lung der Ehe mit den übri­gen For­men ge­setz­li­cher Le­bens­part­ner­schaf­ten feh­le und sich ein Be­am­ter in ein­ge­tra­ge­ner Le­bens­part­ner­schaft da­her für die Zwe­cke der An­wen­dung des Sta­tuts nicht in der glei­chen La­ge be­fin­de wie ein ver­hei­ra­te­ter Be­am­ter (Slg. 2001, I-4319 <4356 f.>).
cc) Die zi­tier­te Ent­schei­dung des Eu­ropäischen Ge­richts­hofs be­fass­te sich nur mit der Ver­ein­bar­keit des Be­am­ten­sta­tuts mit dem primären Ge­mein­schafts­recht. Zu der Fra­ge, ob die Richt­li­nie 2000/78/EG es ver­bie­tet, Vergütungs­be­stand­tei­le wie den Fa­mi­li­en­zu­schlag nur Ver­hei­ra­te­ten un­ter Aus­schluss von Beschäftig­ten in ein­ge­tra­ge­ner Le­bens­part­ner­schaft zu gewähren, liegt da­ge­gen noch kei­ne Recht­spre­chung des Eu­ropäischen Ge­richts­hofs vor. Das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt hat sei­nen Be­ur­tei­lungs­spiel­raum, der an­ge­sichts die­ser Un­vollständig­keit der Recht­spre­chung eröff­net war, nicht in un­ver­tret­ba­rer Wei­se über­schrit­ten. Das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt geht in sei­ner Ent­schei­dung un­aus­ge­spro­chen da­von aus, dass die Vor­aus­set­zun­gen ei­ner un­mit­tel­ba­ren An­wen­dung der Richt­li­nie seit Ab­lauf der Um­set­zungs­frist vor­ge­le­gen hätten. Es ist je­doch der An­sicht, die Richt­li­nie 2000/78/EG ge­bie­te es nicht, Vergütungs­be­stand­tei­le, die ver­hei­ra­te­ten Beschäftig­ten gewährt wer­den, auch den Beschäftig­ten zu­kom­men zu las­sen, die ei­ne ein­ge­tra­ge­ne Le­bens­part­ner­schaft ein­ge­gan­gen sind. Das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt be­gründet dies da­mit, dass der Fa­mi­li­en­zu­schlag der Stu­fe 1 für Ver­hei­ra­te­te ei­ne Leis­tung sei, die al­lein we­gen des Fa­mi­li­en­stan­des gewährt wer­de. Die Richt­li­nie 2000/78/EG las­se aber nach Nr. 22 der Be­gründungs­erwägun­gen ein­zel­staat­li­che Rechts­vor­schrif­ten über den Fa­mi­li­en­stand und da­von abhängi­ge Leis­tun­gen un­berührt. Die­se Be­gründungs­erwägung sei we­sent­li­cher Be­stand­teil der Richt­li­nie und da­mit nach der Recht­spre­chung des Eu­ropäischen Ge­richts­hofs mit­ent­schei­dend für ih­re Aus­le­gung (EuGH, Ur­teil vom 23. Fe­bru­ar 1988 – Rs. 131/86, Slg. 1988, 905 <935>). Dies gel­te auch dann, wenn die Be­gründungs­erwägung nicht in den Text der Richt­li­nie auf­ge­nom­men wor­den sei.
Das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt über­schrei­tet da­mit nicht den ihm zu­kom­men­den Be­ur­tei­lungs­spiel­raum in un­ver­tret­ba­rer Wei­se. Der Eu­ropäische Ge­richts­hof zieht in sei­ner Recht­spre­chung im­mer wie­der die Be­gründungs­erwägun­gen ei­nes Se­kundärrechts­akts her­an, um Sinn und Zweck der Richt­li­nie oder Ver­ord­nung zu er­mit­teln und un­ter Berück­sich­ti­gung die­ses Zwecks die ein­zel­nen Vor­schrif­ten der Richt­li­nie oder Ver­ord­nung aus­zu­le­gen (vgl. EuGH, Ur­teil vom 18. Fe­bru­ar 1975 - Rs. 69/74, Slg. 1975, 171 <175>; Ur­teil vom 13. März 1980 – Rs. 124/79, Slg. 1980, 813 <823>; Ur­teil vom 10. De­zem­ber 1985 – Rs. 290/84, Slg. 1985, 3909 <3930 f.>; Ur­teil vom 20. Sep­tem­ber 2001 – Rs. C-184/99, Slg. 2001, I-6193 <6245>; zur Ein­schränkung des An­wen­dungs­be­reichs der Richt­li­nie 2000/78/EG auf­grund der Be­gründungs­erwägun­gen sie­he die Schluss­anträge des Ge­ne­ral­an­walts Mazák vom 15. Fe­bru­ar 2007 zur Rs. C-411/05, Pa­la­ci­os, Ziff. 51, 65). Es ent­spricht da­her die­ser Me­tho­de zur Aus­le­gung des Ge­mein­schafts­rechts, wenn das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt den An­wen­dungs­be­reich der Richt­li­nie 2000/78/EG un­ter Berück­sich­ti­gung der Be­gründungs­erwägung Nr. 22 be­stimmt. Auch der Ein­wand, die Ent­ste­hungs­ge­schich­te der Be­gründungs­erwägung Nr. 22 zei­ge, dass da­mit nur ei­ne Re­ge­lung hin­sicht­lich des Verhält­nis­ses von Ehe und eheähn­li­cher Le­bens­ge­mein­schaft ge­trof­fen wer­den soll­te (vgl. Stüber, NJW 2006, S. 1774 <1776>), ver­mag da­bei nicht zu über­zeu­gen. Es wur­de in die­sem Zu­sam­men­hang dar­auf hin­ge­wie­sen, dass die im Vor­schlag der Kom­mis­si­on (KOM (1999) 565 endg.) noch nicht ent­hal­te­ne Be­gründungs­erwägung zunächst von der Grup­pe „So­zi­al­fra­gen“ des Ra­tes als Be­gründungs­erwägung Nr. 11b mit fol­gen­dem Wort­laut in den Ent­wurf ein­geführt wor­den sei: „Die vor­lie­gen­de Richt­li­nie lässt die ein­zel­staat­li­chen Rechts­vor­schrif­ten über den Fa­mi­li­en­stand un­berührt und ver­pflich­tet die Mit­glied­staa­ten da­her nicht da­zu, Leis­tun­gen, die Ehe­part­nern gewährt wer­den, auch in eheähn­li­cher Ge­mein­schaft le­ben­den Per­so­nen zu gewähren“ (Dok. 6434/00 SOC 54 JAI 20). Nach die­ser An­sicht be­inhal­te die letzt­lich als Be­gründungs­erwägung Nr. 22 ver­ab­schie­de­te kürze­re Fas­sung kei­ne Ände­rung des mit der Lang­fas­sung be­ab­sich­tig­ten In­halts und zei­ge, dass nur ei­ne Un­ter­schei­dung zwi­schen der Ehe und un­ver­bind­li­chen Le­bens­ge­mein­schaf­ten ge­meint ge­we­sen sei. Die­ses Verständ­nis der Be­gründungs­erwägung berück­sich­tigt je­doch nicht, dass es nicht er­for­der­lich ge­we­sen wäre,
Leis­tun­gen, die nur Ehe­part­nern und nicht den Part­nern „eheähn­li­cher“ im Sin­ne recht­lich un­ver­bind­li­cher Le­bens­ge­mein­schaf­ten gewährt wer­den, vom An­wen­dungs­be­reich der Richt­li­nie aus­zu­neh­men. Ei­ne Un­gleich­be­hand­lung von Ehe­part­nern und Part­nern ei­ner nicht­ehe­li­chen, ver­schie­den­ge­schlecht­li­chen Le­bens­ge­mein­schaft berührt schon kei­nes der in Art. 1 der Richt­li­nie ge­nann­ten Merk­ma­le. Ehe­part­ner und Part­ner ei­ner nicht­ehe­li­chen, gleich­ge­schlecht­li­chen Le­bens­ge­mein­schaft un­ter­schei­den sich da­ge­gen im Re­gel­fall hin­sicht­lich ih­rer in Art. 1 der Richt­li­nie ge­nann­ten se­xu­el­len Aus­rich­tung, al­ler­dings auch bezüglich der Rechts­na­tur ih­rer Bin­dun­gen, so dass ei­ne Un­gleich­be­hand­lung, die am Un­ter­schei­dungs­merk­mal der recht­li­chen Bin­dun­gen an­setzt, auch oh­ne ent­spre­chen­de ein­schränken­de Be­gründungs­erwägung kei­ne ver­bo­te­ne Dis­kri­mi­nie­rung im Sin­ne der Richt­li­nie dar­stell­te. Die deut­sche Fas­sung der zunächst vor­ge­schla­ge­nen Be­gründungs­erwägung Nr. 11b, die zwi­schen „Ehe­part­nern“ und „in eheähn­li­cher Ge­mein­schaft le­ben­den Per­so­nen ( un­ter­schied, wich zu­dem von der eng­li­schen und französi­schen Fas­sung ab, der­zu­fol­ge Leis­tun­gen, die „mar­ried part­ners“ be­zie­hungs­wei­se „par­te­n­ai­res ma­riés“ gewährt wer­den, nicht auch den „non-mar­ried part­ners“ be­zie­hungs­wei­se „par­te­n­ai­res non ma­riés“ zu gewähren sind. In die­sen Spra­chen wur­de das Un­ter­schei­dungs­merk­mal ver­hei­ra­tet/nicht ver­hei­ra­tet deut­li­cher her­aus­ge­stellt. Der Be­griff Ehe be­zeich­net aber auch nach der Recht­spre­chung des Eu­ropäischen Ge­richts­hofs ei­ne Le­bens­ge­mein­schaft zwei­er Per­so­nen ver­schie­de­nen Ge­schlechts (EuGH, Ur­teil vom 31. Mai 2001 – Rs. C-122/99 P und C-125/99 P, Slg. 2001, I-4319 <4353>). Ob­wohl die Kom­mis­si­on in ih­rem Richt­li­ni­en­vor­schlag vom 25. No­vem­ber 1999 (KOM (1999) 565 endg.) noch kei­ne ent­spre­chen­de Be­gründungs­erwägung vor­sah, ent­hielt der Vor­schlag in der Erläute­rung zu Art. 1 der Richt­li­nie be­reits den Hin­weis: „Her­vor­zu­he­ben ist auch, dass der Vor­schlag den Sta­tus von Ehe­leu­ten nicht berührt und da­her auch de­ren An­spruch auf be­stimm­te Leis­tun­gen nicht be­schnei­det“ (a.a.O., S. 8).
In der Li­te­ra­tur wur­de be­reits zur Zeit der Ent­schei­dung des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts mehr­fach die Auf­fas­sung ver­tre­ten, die Richt­li­nie er­lau­be die Be­schränkung des Fa­mi­li­en­zu­schlags auf Ver­hei­ra­te­te (Thüsing, NZA 2001, S. 1061 <1062>; Höge­nau­er, Die eu­ropäischen Richt­li­ni­en ge­gen Dis­kri­mi­nie­rung im Ar­beits­recht, 2002, S. 108; Mohr, Schutz vor Dis­kri­mi­nie­run­gen im Eu­ropäischen Ar­beits­recht, 2004, S. 199; Ling­s­cheid, An­ti­dis­kri­mi­nie­rung im Ar­beits­recht, 2004, S. 268; Berg­witz, ZTR 2004, S. 512 <518>). Der An­wen­dungs­be­reich der Richt­li­nie (Art. 3 Abs. 1) sei un­ter Berück­sich­ti­gung der Be­gründungs­erwägung Nr. 22 so aus­zu­le­gen, dass es Sa­che der Mit­glied­staa­ten blei­be, ob und in­wie­weit an­de­re Le­bens­for­men der Ehe recht­lich gleich­ge­stellt wer­den (Höge­nau­er a.a.O.). Nach ei­ner an­de­ren recht­li­chen Kon­struk­ti­on wäre die Be­schränkung des Fa­mi­li­en­zu­schlags auf Ver­hei­ra­te­te zwar ei­ne mit­tel­ba­re Dis­kri­mi­nie­rung im Sin­ne der Richt­li­nie, die aber durch das sach­li­che Ziel der Un­terstützung von Fa­mi­li­en und sol­chen Part­ner­schaf­ten, die Fa­mi­li­en wer­den können, im Sin­ne von Art. 2 Abs. 2 b, i der Richt­li­nie ge­recht­fer­tigt sei, was durch die Be­gründungs­erwägung Nr. 22 be­legt wer­de (Thüsing, a.a.O., Ling­s­cheid, a.a.O.). Nach die­sem Verständ­nis be­deu­tet ei­ne Berück­sich­ti­gung der Be­gründungs­erwägung Nr. 22 bei der Aus­le­gung der Richt­li­nie, wie sie das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt vor­ge­nom­men hat, kei­ne Be­schränkung der Richt­li­nie ent­ge­gen ih­rem Wort­laut. Das Bun­des­ar­beits­ge­richt und der Bun­des­ge­richts­hof ha­ben sich später der Aus­le­gung der Richt­li­nie durch das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt an­ge­schlos­sen (BAG, Ur­teil vom 26. Ok­to­ber 2006 – 6 AZR 307/06 – JURIS; BGH, Ur­teil vom 14. Fe­bru­ar 2007 – IV ZR 267/04 - JURIS).
dd) Aus dem Vor­ste­hen­den folgt zu­gleich, dass Art. 101 Abs. 2 Satz 2 GG nicht des­we­gen ver­letzt ist, weil die Ge­gen­auf­fas­sung der An­sicht des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts in die­ser Sa­che ein­deu­tig vor­zu­zie­hen wäre. Zwar wur­de in der Li­te­ra­tur zur Zeit der Ent­schei­dung des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts auch die Ge­gen­auf­fas­sung ver­tre­ten, die Richt­li­nie ver­bie­te es, den Fa­mi­li­en­zu­schlag nur Ver­hei­ra­te­ten un­ter Aus­schluss von ein­ge­tra­ge­nen Le­bens­part­ner­schaf­ten zu gewähren (Po­wietz­ka, BB 2002, S. 146 <148>; Stüber, NJW 2003, S. 2721 <2723>; in die­sel­be Rich­tung – oh­ne sich aus­drück­lich zum Fa­mi­li­en­zu­schlag nach § 40 Abs. 1 Nr. 1 BBesG zu äußern - auch I. Schmidt, in: Ko­the u.a. (Hrsg.), Fest­schrift für Hell­mut Wiss­mann, 2005, S. 80 <84>). Es lässt sich al­ler­dings nicht fest­stel­len, dass die­se Ge­gen­auf­fas­sung der vom Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt gewähl­ten Aus­le­gung ein­deu­tig vor­zu­zie­hen wäre. Die Be­gründungs­erwägung Nr. 22 wird hier zum ei­nen so ver­stan­den, dass sie im Zu­sam­men­hang mit der Be­reichs­aus­nah­me des Art. 3 Abs. 3 der Richt­li­nie (Leis­tun­gen je­der Art sei­tens der staat­li­chen Sys­te­me) und nicht mit dem Ar­beits­ent­gelt ste­he (so Schmidt, a.a.O.). Dies ist ei­ne mögli­che Aus­le­gung, die je­doch nicht mit ei­ner Be­gründung ver­bun­den ist, die sie als der Auf­fas­sung des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts ein­deu­tig vor­zugswürdig
er­schei­nen ließe. Nach ei­ner an­de­ren Auf­fas­sung kommt der Be­gründungs­erwägung Nr. 22 kei­ne recht­li­che Be­deu­tung zu, da ei­ne Aus­nah­me­be­stim­mung im Richt­li­ni­en­text selbst er­for­der­lich ge­we­sen sei, um den Fa­mi­li­en­zu­schlag vom Ver­bot der Dis­kri­mi­nie­rung we­gen der se­xu­el­len Aus­rich­tung beim Ar­beits­ent­gelt aus­zu­neh­men (Stüber, a.a.O.). Die­ser An­sicht steht al­ler­dings EuGH-Recht­spre­chung ent­ge­gen, die bei der Aus­le­gung ei­ner Richt­li­ni­en­vor­schrift auch Ein­schränkun­gen berück­sich­tigt, die in den Be­gründungs­erwägun­gen, nicht aber im Wort­laut der Richt­li­ni­en­vor­schrift ent­hal­ten sind (vgl. EuGH, Ur­teil vom 20. Sep­tem­ber 2001 – Rs. C-184/99, Slg. 2001, I-6193 <6245>).
zur Übersicht 2 BvR 855/06