Source: https://www.rechtslupe.de/wirtschaftsrecht/handelsrecht/das-beschaedigte-lagergut-380418
Timestamp: 2020-08-13 20:36:15
Document Index: 27011807

Matched Legal Cases: ['§ 475', '§ 475', 'BGH', '§ 475', 'BGH', 'BGH', '§ 475', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 475']

Das beschädigte Lagergut | Rechtslupe
Das beschä­dig­te Lager­gut
Der Ein­la­ge­rer, der Scha­dens­er­satz wegen Beschä­di­gung des Gutes wäh­rend der Lager­zeit bean­sprucht, muss grund­sätz­lich dar­le­gen und gege­be­nen­falls bewei­sen, dass er das Gut in unbe­schä­dig­tem Zustand ein­ge­la­gert und der Lager­hal­ter es beschä­digt zurück­ge­ge­ben hat.
Eine mög­li­che Haf­tung des Lager­hal­ters, der das Lager­gut zur Ein­la­ge­rung über­nom­men hat, für Schä­den am Lager­gut beur­teilt sich grund­sätz­lich nach § 475 Satz 1 HGB.
Eine Haf­tung der Lager­hal­te­rin für den streit­ge­gen­ständ­li­chen Scha­den setzt nach § 475 Satz 1 HGB vor­aus, dass die Beschä­di­gung des Ana­ly­se­ge­räts in der Zeit von der Über­nah­me zur Lage­rung bis zur Aus­lie­fe­rung, also in der Obhut des Lager­hal­ters, ent­stan­den ist. Der Ein­la­ge­rer muss somit dar­le­gen und gege­be­nen­falls bewei­sen, dass das Gut unver­sehrt in die Ver­wah­rung des Lager­hal­ters gelangt und beschä­digt aus ihr her­aus­ge­langt ist. Der Lager­hal­ter hat dage­gen dar­zu­tun, wie der Scha­den ent­stan­den ist und dass er durch die gebo­te­ne Sorg­falt nicht abge­wen­det wer­den konn­te [1].
Der Bun­des­ge­richts­hof hat in sei­nem von der Revi­si­on in die­sem Zusam­men­hang her­an­ge­zo­ge­nen Urteil vom 26.09.1991 [2] zwar ent­schie­den, dass der Ein­la­ge­rer, der ein­zel­ne der ein­ge­la­ger­ten Waren wie­der ent­nom­men hat, beweis­be­las­tet dafür ist, dass ein bestimm­tes, bei Abho­lung des rest­li­chen Waren­sor­ti­ments nicht mehr im Lager befind­li­ches Gut wäh­rend sei­ner Ver­wah­rung durch den Lager­hal­ter ver­lo­ren­ge­gan­gen ist. Die­se BGH-Ent­schei­dung besagt jedoch nicht, dass sich die Beweis­last gene­rell ändert, wenn der Ein­la­ge­rer wäh­rend der Lager­zeit Zugriff auf die ein­ge­la­ger­ten Waren hat [3]. Der Bun­des­ge­richts­hof hat die Beweis­last­ver­tei­lung im sei­ner­zeit ent­schie­de­nen Fall nur des­halb abwei­chend von § 475 Satz 1 HGB beur­teilt, weil eine Auf­lis­tung des Gutes bei sei­ner Ein­la­ge­rung auf Wunsch des Ein­la­ge­rers unter­blie­ben und die­ser des­halb dafür ver­ant­wort­lich war, dass dem Lager­hal­ter bereits zum Zeit­punkt der Ein­la­ge­rung jede Kon­troll­mög­lich­keit hin­sicht­lich des Gutes genom­men war. Eine ver­gleich­ba­re Sach­ver­halts­ge­stal­tung ist im vor­lie­gen­den Fall nicht gege­ben, weil die Lager­hal­te­rin die ein­zu­la­gern­den Neu­wa­ren und Retou­ren über ein Lager­füh­rungs­sys­tem erfasst.
In den Fäl­len, die der BGH-Ent­schei­dung vom 26.09.1991 [4] und dem Urteil des Ober­lan­des­ge­richts Karls­ru­he vom 18.10.2006 [5] zugrun­de lagen, war zudem unstrei­tig, dass der Ein­la­ge­rer ein­zel­ne der ein­ge­la­ger­ten Waren spä­ter wie­der an sich genom­men hat­te. Im Streit­fall hat das Beru­fungs­ge­richt dage­gen nicht fest­ge­stellt, dass die Mit­ar­bei­ter der Ein­la­ge­re­rin das ein­ge­la­ger­te Ana­ly­se­ge­rät wenn auch nur vor­über­ge­hend in ihre Obhut genom­men haben. Dage­gen erin­nert die Revi­si­on eben­falls nichts.
Die Lager­hal­te­rin hat sich ihrer lager­ver­trag­li­chen Ver­ant­wort­lich­keit für das Ana­ly­se­ge­rät nicht dadurch ent­le­digt, dass sie das Gerät in den ihrer Ein­fluss­nah­me ent­zo­ge­nen Bereich der Gerä­te­vor­be­rei­tung der Ein­la­ge­rin gege­ben hat.
Die Lager­hal­te­rin ist für die­sen Vor­trag beweis­be­las­tet [6].
Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 19. März 2014 – I ZR 209/​12
BGH, Urteil vom 19.06.1986 – I ZR 15/​84, TranspR 1986, 459, 461 = VersR 1986, 1019; Urteil vom 26.09.1991 – I ZR 143/​89, TranspR 1992, 38, 39 = VersR 1991, 1432; MünchKomm-.HGB/Frantzioch, 2. Aufl., § 475 Rn. 15 f.[↩]
BGH, Urteil vom 26.09.1991 – I ZR 143/​89, TranspR 1992, 38, 39[↩]
vgl. auch OLG Karls­ru­he, OLGR Karls­ru­he 2007, 480, 481[↩]
BGH, TranspR 1992, 38[↩]
OLG Karls­ru­he, Urtei lvom 18.10.2006 – 15 U 48/​06, OLGR Karls­ru­he, 2007, 480[↩]
vgl. BGH, Urteil vom 02.02.1973 – I ZR 8/​72, VersR 1973, 342, 343; Urteil vom 17.12 1992 – III ZR 133/​91, NJW 1993, 1704, 1706; OLG Karls­ru­he, OLGR 2007, 480; Teutsch in Fremuth/​Thume, Trans­port­recht, § 475 HGB Rn.20[↩]
Lager­scha­den – und der Beweis des ers­ten Anscheins Der Ein­la­ge­rer kann sich bei sei­nem Scha­dens­er­satz­ver­lan­gen auf den Beweis des ers­ten Anscheins stüt­zen, dass ein Ver­der­ben des ein­ge­la­ger­ten Käses infol­ge Bak­te­ri­en­be­falls auf den Tem­pe­ra­tur­an­stieg…
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