Source: https://m.diplom.de/document/222339
Timestamp: 2019-12-15 23:45:03
Document Index: 27554481

Matched Legal Cases: ['§ 248', '§ 255', '§ 255', '§ 255', '§ 248', '§ 255', '§ 247']

3.2.1 Aktivierung des FuE-Aufwands als immaterieller Vermögensgegenstand
Die grundlegende Problematik bei der Frage, ob FuE-Aufwendungen in die Herstellungskosten der aktuellen Produktion einbezogen werden dürfen, besteht also darin, festzustellen, ob lediglich eine geringfügige Verbesserung der (laufenden) Produktion stattgefunden hat (Weiterentwicklung) oder ob es zu einer wesentlichen Änderung der in der Fertigung befindlichen Erzeugnisse (Neuentwicklung) geführt hat. Diese Unterscheidung ist oft mit großen Schwierigkeiten verbunden und bietet einen großen bilanziellen Handlungsspielraum, da im Handelsrecht im Fall der Weiterentwicklung eine Einbeziehung in die Herstellungskosten zur Wahl steht und im Fall der Neuentwicklung eine ergebnismindernde Verbuchung vorzunehmen ist.
Eine große Bedeutung bei der bilanziellen Behandlung haben auch die Prototypen, die vor Beginn einer Serienfertigung zu Versuchs- und Demonstrationszwecken angefertigt werden. Da diese meist einen langwierigen manuellen Herstellungsprozess erfordern, summieren sich die dafür aufgebrachten Kosten zu beträchtlichen Beträgen. Die unterschiedliche bilanzielle Behandlung (direkte oder indirekte Aktivierung bzw. Aufwandsverbuchung) hat einen bedeutenden Einfluss auf die Gewinnsituation.
In der handelsrechtlichen Literatur wird allgemein angenommen, dass diese Prototypen – die in der Regel nicht zur Veräußerung bestimmt sind – dauernd dem Geschäftsbetrieb dienen und dadurch wie Gegenstände des Anlagevermögens zu aktivieren und zu bewerten sind[57]. Allerdings dürfen bei der Aktivierung nur die Aufwendungen in die Herstellungskosten einbezogen werden, die unmittelbar bei der Herstellung des Prototyps angefallen sind und somit einen direkten Bezug aufweisen[58].
Fehlt dieser Bezug, wie bei Entwicklungskosten für Entwürfe, Konstruktions-zeichnungen, Arbeitsmodelle u.ä., dürfen die Aufwendungen nicht den Herstellungs-kosten zugerechnet werden, da diese Kosten der eigentlichen Prototyp-Produktion vorausgegangen sind[59].
In der Literatur werden aber auch Bedenken gegen die generelle Behandlung als materieller Vermögensgegenstand des Anlagevermögens angemeldet. Da bei den Prototypen sowohl materielle als auch immaterielle Bestandteile (die schöpferische Entwicklungsleistung) vorhanden sind, kommt es für die bilanzielle Behandlung auf das Übergewicht an. Werden die Prototypen als Vorführ- und Vergleichsobjekte genutzt, überwiegt der körperliche Teil, so dass eine Aktivierung als materieller Vermögensgegenstand vorzunehmen ist. Besteht der überwiegende Nutzen des Prototyps als Versuchsobjekt, wird also mehr Wert auf das "Know-how" als auf die Sache gelegt, liegt ein immaterieller Vermögensgegenstand (des Anlagevermögens) vor, der aufgrund des § 248 Abs. 2 HGB nicht aktivierungsfähig ist[60].
[57] Vgl. Adler/Düring/Schmaltz, in: ADS, a.a.O., § 255 HGB, Rn. 152; Knop/Küting, in: HdR, a.a.O., § 255 HGB, Rn. 348; Nonnenmacher, R., Bilanzierung von Forschung und Entwicklung, in: Deutsches Steuerrecht, 1993, Heft 33, S. 1232
[58] Vgl. Adler/Düring/Schmaltz, in: ADS, a.a.O., § 255 HGB, Rn. 152; Baetge/Fey/Weber, in: HdR, a.a.O., § 248 HGB, Rn. 44; Nonnenmacher, R., Bilanzierung von Forschung und Entwicklung, in: Deutsches Steuerrecht, 1993, Heft 33, S. 1232
[59] Vgl. Adler/Düring/Schmaltz, in: ADS, a.a.O., § 255 HGB, Rn. 152; Winnefeld, R., Bilanz-Handbuch, 2. Aufl., München, 2000, M 644; Nonnenmacher, R., Bilanzierung von Forschung und Entwicklung, in: Deutsches Steuerrecht, 1993, Heft 33, S. 1232
[60] Vgl. Nonnenmacher, R., Bilanzierung von Forschung und Entwicklung, in: Deutsches Steuerrecht, 1993, Heft 33, S. 1233; Hoyos/Schmidt-Wendt, in: Beck, a.a.O., § 247 HGB, Rn. 376
9783832470302
9783838670300
v222339
Hochschule für angewandte Wissenschaften Kempten – Betriebswirtschaftslehre
bilanzierung forschungs- entwicklungskosten internationale