Source: https://www.rechtslupe.de/strafrecht/unterbringung-in-einem-psychiatrischen-krankenhaus-und-der-laengerdauernde-defektzustand-3216236
Timestamp: 2020-08-08 15:48:57
Document Index: 327805527

Matched Legal Cases: ['§ 63', '§ 63', 'BGH', 'BGH', '§ 63', 'BGH', 'BGH']

Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus - und der längerdauernde Defektzustand | Rechtslupe
Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus - und der längerdauernde Defektzustand
Die Unter­brin­gung in einem psych­ia­tri­schen Kran­ken­haus nach § 63 StGB darf nur ange­ord­net wer­den, wenn zwei­fels­frei fest­steht, dass der Unter­zu­brin­gen­de bei Bege­hung der Anlass­tat auf­grund eines psy­chi­schen Defekts schuld­un­fä­hig oder ver­min­dert schuld­fä­hig war und die Tat­be­ge­hung auf die­sem Zustand beruht.
Der Defekt­zu­stand muss, um eine Gefähr­lich­keits­pro­gno­se tra­gen zu kön­nen, von län­ge­rer Dau­er sein [1].
Das Tat­ge­richt hat die der Unter­brin­gungs­an­ord­nung zugrun­de­lie­gen­den Umstän­de in den Urteils­grün­den so umfas­send dar­zu­stel­len, dass das Revi­si­ons­ge­richt in die Lage ver­setzt wird, die Ent­schei­dung nach­zu­voll­zie­hen [2].
Dar­über hin­aus ist die Gefähr­lich­keits­pro­gno­se trag­fä­hig zu begrün­den.
Die Unter­brin­gung in einem psych­ia­tri­schen Kran­ken­haus gemäß § 63 StGB darf nur ange­ord­net wer­den, wenn neben den wei­te­ren Vor­aus­set­zun­gen der Maß­re­gel eine Wahr­schein­lich­keit höhe­ren Gra­des besteht, der Täter wer­de infol­ge sei­nes fort­dau­ern­den Zustands in Zukunft erheb­li­che rechts­wid­ri­ge Taten bege­hen, durch wel­che die Opfer see­lisch oder kör­per­lich erheb­lich geschä­digt oder erheb­lich gefähr­det wer­den oder schwe­rer wirt­schaft­li­cher Scha­den ange­rich­tet wird; die zu erwar­ten­den Taten müs­sen schwe­re Stö­run­gen des Rechts­frie­dens besor­gen las­sen. Die not­wen­di­ge Pro­gno­se ist auf der Grund­la­ge einer umfas­sen­den Wür­di­gung der Per­sön­lich­keit des Täters, sei­nes Vor­le­bens und der von ihm began­ge­nen Anlasstat(en) zu ent­wi­ckeln; sie muss sich auch dar­auf erstre­cken, wel­che rechts­wid­ri­gen Taten von dem Ange­klag­ten dro­hen und wie aus­ge­prägt das Maß der Gefähr­dung ist [3].
Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 1. Juli 2020 – 6 StR 106/​20
st. Rspr.; vgl. nur BGH, Urteil vom 17.06.2015 – 2 StR 358/​14, BGHR StGB § 63 Zustand 44; Beschlüs­se vom 06.07.2016 – 4 StR 210/​16; vom 16.01.2013 – 4 StR 520/​12, NSt­ZRR 2013, 141[↩]
vgl. BGH, Beschlüs­se vom 15.01.2015 – 4 StR 419/​14, NStZ 2015, 394, 395; vom 29.04.2014 – 3 StR 171/​14, NStZ-RR 2014, 243, 244[↩]
st. Rspr.; vgl. BGH, Beschlüs­se vom 21.02.2017 – 3 StR 535/​16, StV 2017, 575, 576; vom 12.10.2016 – 4 StR 78/​16, NStZ-RR 2017, 74, 75; vom 15.01.2015 – 4 StR 419/​14, NStZ 2015, 394, 395[↩]