Source: https://www.solidaris.de/aktuelles/aufwendungen-fuer-uebungsleiter-doch-abzugsfaehig/
Timestamp: 2020-04-02 20:28:45
Document Index: 262757393

Matched Legal Cases: ['§ 3', '§ 5', '§ 52', '§ 3', '§ 3', '§ 3', '§ 3', '§ 3', '§ 3', '§ 3', '§ 3', '§ 3', '§ 3']

Aufwendungen für Übungsleiter (doch) abzugsfähig!
29.05.2018 Erstellt von André Spak
Gemäß § 3 Nr. 26 Satz 1 EStG sind Einnahmen aus nebenberuflichen Tätigkeiten als Übungsleiter, Ausbilder, Erzieher, Betreuer oder vergleichbaren nebenberuflichen Tätigkeiten, aus nebenberuflichen künstlerischen Tätigkeiten oder der nebenberuflichen Pflege alter, kranker oder behinderter Menschen im Dienst oder im Auftrag einer juristischen Person des öffentlichen Rechts oder einer unter § 5 Absatz 1 Nr. 9 KStG fallenden Einrichtung zur Förderung gemeinnütziger, mildtätiger und kirchlicher Zwecke (§§ 52 bis 54 AO) bis zur Höhe von insgesamt 2.400 € im Jahr steuerfrei. Demgegenüber stellt § 3 Nr. 26 Satz 2 EStG klar, dass, soweit die Ein- nahmen für die in Satz 1 bezeichneten Tätigkeiten den steuerfreien Betrag überschreiten, die mit den nebenberuflichen Tätigkeiten in unmittelbarem wirtschaftlichen Zusammenhang stehenden Ausgaben abweichend von § 3c EStG nur insoweit als Betriebsausgaben oder Werbungskosten abgezogen werden dürfen, als sie den Betrag der steuerfreien Einnahmen übersteigen. Eine Regelung über die Abzugsfähigkeit von Aufwendungen eines Übungsleiters, der steuerfreie Einnahmen unterhalb des Übungsleiterfreibetrages erzielt, enthält das Gesetz dagegen nicht, weswegen die Finanzverwaltung den Abzug entsprechender Aufwendungen bisweilen nicht zuließ.
In einer aktuellen Entscheidung sorgte der Bundesfinanzhof nun für eine Klarstellung (BFH vom 20. Dezember 2017, veröffentlicht am 11. April 2018 – III R 23/15). Der Entschei- dung lag folgender Sachverhalt zu Grunde:
Eine Übungsleiterin bezog von einem Sportverein nach § 3 Nr. 26 EStG steuerfreie Einnahmen in Höhe von 1.200 €. Im Zusammenhang mit dieser Tätigkeit hatte sie Ausgaben in unstreitiger Höhe von 4.062 € (insbesondere Fahrtkosten zu Wettkämpfen). Den hieraus entstandenen Verlust machte sie in der Einkommensteuererklärung geltend. Das Finanzamt erkannte den Verlust nicht an. Demgegenüber vertrat das Finanzgericht im sich anschließenden Klageverfahren die Auffassung, die Ausgaben seien insoweit abziehbar, als sie den Freibetrag nach § 3 Nr. 26 EStG überstiegen hätten. Im Revisionsverfahren wies der BFH darauf hin, dass die Anwendung des § 3 Nr. 26 EStG auch voraussetzt, dass die Steuerpflichtige ihre nebenberufliche Tätigkeit als Übungslei- terin mit der Absicht, einen Totalgewinn oder Überschuss der Einnahmen über die Ausgaben zu erzielen, ausgeübt hat. Denn sollte ihre Tätigkeit als sogenannte Liebhaberei anzusehen sein, wären die daraus stammenden Einnahmen nicht steuerbar und die damit zusammenhängenden Aufwendungen steuerlich unbeachtlich. Zur Prüfung der Einkünfteerzielungsabsicht wies der BFH den Streitfall zur weiteren Sachaufklärung und Entscheidung an das Finanzgericht zurück.
Der BFH stellte jedoch bereits fest, dass der geltend gemachte Verlust berücksichtigungsfähig wäre, sofern die Tätigkeit der Übungsleitern mit Einkünfteerzielungsabsicht durchgeführt worden sei. Die Richter wiesen darauf hin, dass die Abziehbarkeit der Aufwendungen, die in unmittelbarem wirtschaftlichen Zusammenhang mit den Einnahmen aus der Übungsleitertätigkeit stehen, sich nach § 3c Abs. 1 EStG und nicht nach § 3 Nr. 26 Satz 2 EStG richtet. Die letztgenannte Vorschrift, der zufolge die mit einer nebenberuflichen Tätigkeit in unmittelbarem wirtschaftlichen Zusammenhang stehenden Ausgaben abweichend von § 3c EStG nur insoweit als Betriebsausgaben oder Werbungskosten abgezogen werden dürfen, als sie den Betrag der steuerfreien Einnahmen übersteigen, sei hier nicht anwendbar, weil die nach § 3 Nr. 26 Satz 1 EStG steuerfreien Einnahmen von 1.200 € den Maximalbetrag von 2.400 € gerade nicht übersteigen.
Die Entscheidung des BFH dürfte nicht nur für Übungslei- ter, sondern auch für Einrichtungen und Träger, in denen Übungsleiter tätig sind, interessant sein, da entsprechende Tätigkeiten steuerlich (noch) attraktiver werden. Darüber hinaus enthält § 3 Nr. 26a EStG („Ehrenamtspauschbetrag“) in Satz 3 eine entsprechende Regelung, so dass die Feststellungen des BFH zum Übungsleiterfreibetrag wohl auf den Ehrenamtspauschbetrag analog anzuwenden sein werden.