Source: http://www.hensche.de/Arbeitsrecht_Urteile_Begriff_Betrieb_Massenentlassungs-Richtlinie_EuGH_C-80-14.html
Timestamp: 2019-11-12 14:16:14
Document Index: 68840623

Matched Legal Cases: ['EuG', 'EuG', 'Art. 1', 'Art. 267', 'Art. 1', 'Art. 1', 'Art. 2', 'Art. 3', 'Art. 4', 'Art. 5', 'Art. 189', 'Art. 1', 'Art. 1', 'Art. 1', 'Art. 1', 'Art. 1', 'Art. 1', 'Art. 1', 'Art. 1', 'Art. 4', 'Art. 1', 'Art. 1', 'Art. 1', 'Art. 1', 'Art. 1', 'Art. 1', 'Art. 1', 'Art. 1', 'Art. 1', 'Art. 1', 'Art. 1', 'Art. 1', 'Art. 1', 'Art. 1', 'Art. 1', 'Art. 1', 'Art. 2', 'Art. 5', 'Art. 5', 'Art. 1', 'Art. 5', 'Art. 1', 'Art. 1', 'Art. 2', 'Art. 1', 'Art. 1', 'Art. 1', 'Art. 1']

EuGH, Urteil vom 30.04.2015, C-80/14 - USDAW - HENSCHE Arbeitsrecht
EuGH, Ur­teil vom 30.04.2015, C-80/14 - USDAW
Schlagworte: Massenentlassung, Betrieb
Aktenzeichen: C-80/14
„Vor­la­ge zur Vor­ab­ent­schei­dung - So­zi­al­po­li­tik - Mas­sen­ent­las­sun­gen - Richt­li­nie 98/59/EG - Art. 1 Abs. 1 Un­terabs. 1 Buchst. a - Be­griff ‚Be­trieb‘ - Me­tho­de zur Be­rech­nung der Zahl ent­las­se­ner Ar­beit­neh­mer“
In der Rechts­sa­che C-80/14
be­tref­fend ein Vor­ab­ent­schei­dungs­er­su­chen nach Art. 267 AEUV, ein­ge­reicht vom Court of Ap­peal of Eng­land and Wa­les (Ci­vil Di­vi­si­on) (Ver­ei­nig­tes König­reich) mit Ent­schei­dung vom 5. Fe­bru­ar 2014, beim Ge­richts­hof ein­ge­gan­gen am 14. Fe­bru­ar 2014, in dem Ver­fah­ren
Uni­on of Shop, Dis­tri­bu­ti­ve and Al­lied Workers (USDAW),
B. Wil­son
WW Rea­li­sa­ti­on 1 Ltd, in Li­qui­da­ti­on,
Ethel Aus­tin Ltd,
Se­creta­ry of Sta­te for Busi­ness, In­no­va­ti­on and Skills
un­ter Mit­wir­kung des Kam­mer­präsi­den­ten T. von Dan­witz so­wie der Rich­ter C. Va­j­da, A. Ro­sas, E. Juhász (Be­richt­er­stat­ter) und D. Šváby,
auf­grund des schrift­li­chen Ver­fah­rens und auf die münd­li­che Ver­hand­lung vom 20. No­vem­ber 2014, nter Berück­sich­ti­gung der Erklärun­gen
- der Uni­on of Shop, Dis­tri­bu­ti­ve and Al­lied Workers (USDAW) und von Frau Wil­son, ver­tre­ten urch D. Ro­se, QC, und J. Stee­le, Bar­ris­ter, im Auf­trag von M. Cain, So­li­ci­tor,
- der Re­gie­rung des Ver­ei­nig­ten König­reichs, ver­tre­ten durch L. Chris­tie als Be­vollmäch­tig­ten m Bei­stand von T. Ward, QC, und J. Hol­mes, Bar­ris­ter,
- der spa­ni­schen Re­gie­rung, ver­tre­ten durch L. Ban­ci­el­la Ro­dríguez-Miñón und M. J. García-Val­de­ca­sas Dor­re­go als Be­vollmäch­tig­te,
- der un­ga­ri­schen Re­gie­rung, ver­tre­ten durch M. Fehér, G. Koós und A. Pálfy als Be­vollmäch­tig­te,
- der Eu­ropäischen Kom­mis­si­on, ver­tre­ten durch J. En­e­gren, R. Vi­dal Pu­ig und J. Samnad­da als Be­vollmäch­tig­te,
nach Anhörung der Schluss­anträge des Ge­ne­ral­an­walts in der Sit­zung vom 5. Fe­bru­ar 2015 fol­gen­des
1 Das Vor­ab­ent­schei­dungs­er­su­chen be­trifft die Aus­le­gung von Art. 1 Abs. 1 Un­terabs. 1 Buchst. a der Richt­li­nie 98/59/EG des Ra­tes vom 20. Ju­li 1998 zur An­glei­chung der Rechts­vor­schrif­ten der Mit­glied­staa­ten über Mas­sen­ent­las­sun­gen (ABl. L 225, S. 16).
2 Die­ses Er­su­chen er­geht im Rah­men von Rechts­strei­tig­kei­ten zwi­schen der Uni­on of Shop, Dis­tri­bu­ti­ve and Al­lied Workers (USDAW) und Frau Wil­son auf der ei­nen und der in Li­qui­da­ti­on be­find­li­chen WW Rea­li­sa­ti­on 1 Ltd (im Fol­gen­den: Wool­worths) auf der an­de­ren Sei­te so­wie zwi­schen der USDAW auf der ei­nen und der Ethel Aus­tin Ltd (im Fol­gen­den: Ethel Aus­tin) und dem Se­creta­ry of Sta­te for Busi­ness, In­no­va­ti­on and Skills (Mi­nis­ter für Un­ter­neh­men, In­no­va­ti­on und be­ruf­li­che Qua­li­fi­zie­rung, im Fol­gen­den: Mi­nis­ter für Un­ter­neh­men) auf der an­de­ren Sei­te we­gen der Rechtmäßig­keit von Ent­las­sun­gen, die Wool­worths und Ethel Aus­tin vor­ge­nom­men ha­ben. Dem Mi­nis­ter für Un­ter­neh­men wur­de im Aus­gangs­ver­fah­ren mit der Be­gründung der Streit verkündet, dass er, falls Wool­worths und Ethel Aus­tin zur Zah­lung ei­ner „Schutz­entschädi­gung“ ver­ur­teilt wer­den, die­se aber nicht leis­ten können, ver­pflich­tet wäre, den Ar­beit­neh­mern, die dies be­an­tra­gen, zum Aus­gleich die­ser For­de­rung ei­ne Entschädi­gung in ei­ner von ihm für an­ge­mes­se­nen er­ach­te­ten Höhe im Rah­men des ge­setz­lich fest­ge­leg­ten Höchst­be­trags zu zah­len.
3 Aus dem ers­ten Erwägungs­grund der Richt­li­nie 98/59 geht her­vor, dass mit ihr die Richt­li­nie 75/129/EWG des Ra­tes vom 17. Fe­bru­ar 1975 zur An­glei­chung der Rechts­vor­schrif­ten der Mit­glied­staa­ten über Mas­sen­ent­las­sun­gen (ABl. L 48, S. 29) ko­di­fi­ziert wur­de.
4 Nach dem zwei­ten Erwägungs­grund der Richt­li­nie 98/59 ist es un­ter Berück­sich­ti­gung der Not­wen­dig­keit ei­ner aus­ge­wo­ge­nen wirt­schaft­li­chen und so­zia­len Ent­wick­lung in der Eu­ropäischen Uni­on wich­tig, den Schutz der Ar­beit­neh­mer bei Mas­sen­ent­las­sun­gen zu verstärken.
5 Die Erwägungs­gründe 3 und 4 die­ser Richt­li­nie lau­ten:
„(3) Trotz ei­ner kon­ver­gie­ren­den Ent­wick­lung be­ste­hen wei­ter­hin Un­ter­schie­de zwi­schen den in den Mit­glied­staa­ten gel­ten­den Be­stim­mun­gen hin­sicht­lich der Vor­aus­set­zun­gen und des Ver­fah­rens für Mas­sen­ent­las­sun­gen so­wie hin­sicht­lich der Maßnah­men, die die Fol­gen die­ser Ent­las­sun­gen für die Ar­beit­neh­mer mil­dern könn­ten.
(4) Die­se Un­ter­schie­de können sich auf das Funk­tio­nie­ren des Bin­nen­mark­tes un­mit­tel­bar aus­wir­ken.“
6 Im sieb­ten Erwägungs­grund der Richt­li­nie wird her­vor­ge­ho­ben, dass auf die An­glei­chung der Rechts­vor­schrif­ten der Mit­glied­staa­ten über Mas­sen­ent­las­sun­gen hin­ge­wirkt wer­den muss.
7 Un­ter der Über­schrift „Be­griffs­be­stim­mun­gen und An­wen­dungs­be­reich“ be­stimmt Art. 1 der Richt­li­nie:
a) ‚Mas­sen­ent­las­sun­gen‘ sind Ent­las­sun­gen, die ein Ar­beit­ge­ber aus ei­nem oder meh­re­ren Gründen, die nicht in der Per­son der Ar­beit­neh­mer lie­gen, vor­nimmt und bei de­nen - nach Wahl der Mit­glied­staa­ten - die Zahl der Ent­las­sun­gen
Für die Be­rech­nung der Zahl der Ent­las­sun­gen gemäß [Un­ter­ab­satz] 1 Buch­sta­be a) wer­den die­sen Ent­las­sun­gen Be­en­di­gun­gen des Ar­beits­ver­trags gleich­ge­stellt, die auf Ver­an­las­sung des Ar­beit­ge­bers und aus ei­nem oder meh­re­ren Gründen, die nicht in der Per­son der Ar­beit­neh­mer lie­gen, er­fol­gen, so­fern die Zahl der Ent­las­sun­gen min­des­tens fünf beträgt.
8 In Art. 2 der Richt­li­nie 98/59 heißt es:
Der Ar­beit­ge­ber hat der zuständi­gen Behörde ei­ne Ab­schrift zu­min­dest der in Un­ter­ab­satz 1 Buch­sta­be b) Zif­fern i) bis v) ge­nann­ten Be­stand­tei­le der schrift­li­chen Mit­tei­lung zu über­mit­teln.
9 Art. 3 Abs. 1 der Richt­li­nie sieht vor:
10 Art. 4 Abs. 1 und 2 der Richt­li­nie lau­tet:
11 Art. 5 der Richt­li­nie be­stimmt:
Rechts­vor­schrif­ten des Ver­ei­nig­ten König­reichs
12 Das Kon­so­li­die­rungs­ge­setz von 1992 über Ge­werk­schaf­ten und kol­lek­ti­ve Ar­beits­be­zie­hun­gen (Tra­de Uni­on and La­bour Re­la­ti­ons [Con­so­li­da­ti­on] Act 1992, im Fol­gen­den: TUL­RCA) dient zur Um­set­zung der Ver­pflich­tun­gen des Ver­ei­nig­ten König­reichs aus der Richt­li­nie 98/59.
13 Sec­tion 188(1) des TUL­RCA lau­tet:
„Plant ein Ar­beit­ge­ber, in ei­nem Be­trieb 20 Ar­beit­neh­mer oder mehr in­ner­halb ei­nes Zeit­raums von 90 Ta­gen oder we­ni­ger zu ent­las­sen, hat er hin­sicht­lich der Ent­las­sun­gen al­le Per­so­nen zu kon­sul­tie­ren, die ge­eig­ne­te Ver­tre­ter der von den ge­plan­ten Ent­las­sun­gen oder von Maßnah­men, die im Zu­sam­men­hang mit die­sen Ent­las­sun­gen ge­trof­fen wer­den, mögli­cher­wei­se be­trof­fe­nen Ar­beit­neh­mer sind.“
14 Nach Sec­tion 189(1) des TUL­RCA kann, wenn ein Ar­beit­ge­ber u. a. ei­ner der Ver­pflich­tun­gen im Zu­sam­men­hang mit der Kon­sul­ta­ti­on nicht nach­kommt, das Em­ploy­ment Tri­bu­nal (Ar­beits­ge­richt) aus die­sem Grund von ei­ner Ge­werk­schaft, falls de­ren Ver­tre­ter nicht kon­sul­tiert wur­den, oder in al­len an­de­ren Fällen von den be­trof­fe­nen oder den ent­las­se­nen Ar­beit­neh­mern an­ge­ru­fen wer­den. Ist die Kla­ge be­gründet, kann nach Sec­tion 189(2) des TUL­RCA die Zah­lung ei­ner „Schutz­entschädi­gung“ (pro­tec­tive award) an­ge­ord­net wer­den.
15 Sec­tion 189(3) des TUL­RCA be­stimmt, dass ei­ne Schutz­entschädi­gung Ar­beit­neh­mern zu­er­kannt wird, die ent­las­sen wur­den oder wer­den sol­len und bei de­ren Ent­las­sung oder ge­plan­ter Ent­las­sung der Ar­beit­ge­ber u. a. ei­ne der Ver­pflich­tun­gen in Be­zug auf die Kon­sul­ta­ti­on nicht ein­ge­hal­ten hat.
16 Wird ei­ne Schutz­entschädi­gung zu­er­kannt, hat nach Sec­tion 190(1) des TUL­RCA je­der da­durch begüns­tig­te Ar­beit­neh­mer grundsätz­lich ge­gen sei­nen Ar­beit­ge­ber für den geschütz­ten Zeit­raum An­spruch auf Zah­lung von Ar­beits­ent­gelt.
17 Sec­tion 192(1) des TUL­RCA sieht vor, dass ein Ar­beit­neh­mer, der in den Ge­nuss ei­ner Schutz­entschädi­gung kom­men kann, beim Em­ploy­ment Tri­bu­nal Kla­ge mit der Be­gründung er­he­ben kann, dass sein Ar­beit­ge­ber ihm das als Schutz­entschädi­gung zu­er­kann­te Ar­beits­ent­gelt nicht oder nicht vollständig ge­zahlt ha­be. Wird der Kla­ge statt­ge­ge­ben, ver­ur­teilt die­ses Ge­richt den Ar­beit­ge­ber, dem Ar­beit­neh­mer das ge­schul­de­te Ar­beits­ent­gelt im Ein­klang mit Sec­tion 192(3) des TUL­RCA zu zah­len.
18 Ti­tel XII des Ge­set­zes von 1996 über die Rech­te der Ar­beit­neh­mer (Em­ploy­ment Rights Act 1996, im Fol­gen­den: ERA) dient zur Um­set­zung der Ver­pflich­tun­gen des Ver­ei­nig­ten König­reichs aus der Richt­li­nie 2008/94/EG des Eu­ropäischen Par­la­ments und des Ra­tes vom 22. Ok­to­ber 2008 über den Schutz der Ar­beit­neh­mer bei Zah­lungs­unfähig­keit des Ar­beit­ge­bers (ABl. L 283, S. 36).
19 Sec­tion 182 des ERA be­stimmt:
„Kommt der [zuständi­ge] Mi­nis­ter auf­grund ei­nes schrift­li­chen An­trags ei­nes Ar­beit­neh­mers zu dem Er­geb­nis, dass
a) des­sen Ar­beit­ge­ber zah­lungs­unfähig ge­wor­den ist,
b) das Ar­beits­verhält­nis be­en­det wor­den ist und
c) der Ar­beit­neh­mer zum maßgeb­li­chen Zeit­punkt An­spruch auf Zah­lung der ge­sam­ten oder ei­nes Teils der For­de­rung hat, auf die Ti­tel XII [des ERA] An­wen­dung fin­det,
hat er dem Ar­beit­neh­mer vor­be­halt­lich Sec­tion 186 aus dem Na­tio­nal In­suran­ce Fund [na­tio­na­ler Ga­ran­tie­fonds] den Be­trag zu zah­len, der dem Ar­beit­neh­mer nach An­sicht des Mi­nis­ters in Be­zug auf die For­de­rung zu­steht.“
20 Sec­tion 183 des ERA be­trifft die Vor­aus­set­zun­gen für die Zah­lungs­unfähig­keit ei­nes Ar­beit­ge­bers.
21 Nach Sec­tion 184(1)(a) des ERA gehören zu den For­de­run­gen, auf die Ti­tel XII An­wen­dung fin­det, al­le Zah­lun­gen, die ei­ne oder meh­re­re (aber nicht mehr als acht) Wo­chen rückständig sind.
22 Sec­tion 184(2) des ERA be­stimmt, dass das als Schutz­entschädi­gung nach Art. 189 des TUL­RCA zu zah­len­de Ar­beits­ent­gelt als rückständi­ge Zah­lung zu be­han­deln ist.
23 Gemäß Sec­tion 188 des ERA kann ei­ne Per­son, die nach Sec­tion 182 des ERA ei­ne Zah­lung be­an­tragt hat, Kla­ge bei ei­nem Em­ploy­ment Tri­bu­nal er­he­ben, wenn der Mi­nis­ter für Un­ter­neh­men kei­ne Zah­lung vor­nimmt oder wenn die Zah­lung ge­rin­ger ausfällt als der ge­schul­de­te Be­trag. Kommt das Ge­richt zu dem Er­geb­nis, dass der Mi­nis­ter ei­ne Zah­lung gemäß Sec­tion 182 zu leis­ten hat, erlässt es ei­ne ent­spre­chen­de Ent­schei­dung und legt den zu zah­len­den Be­trag fest.
24 Wool­worths und Ethel Aus­tin wa­ren lan­des­weit im Ein­zel­han­del tätig und be­trie­ben La­den­ket­ten un­ter den Fir­men­na­men „Wool­worths“ bzw. „Ethel Aus­tin“. Nach­dem sie zah­lungs­unfähig ge­wor­den wa­ren, wur­den sie un­ter In­sol­venz­ver­wal­tung ge­stellt, was die Er­stel­lung von So­zi­alplänen für Tau­sen­de von Ar­beit­neh­mern im ge­sam­ten Ver­ei­nig­ten König­reich zur Fol­ge hat­te.
25 Vor die­sem Hin­ter­grund er­hob die USDAW in ih­rer Ei­gen­schaft als Ge­werk­schaft im Na­men und für Rech­nung meh­re­rer Tau­send Mit­glie­der, die ehe­ma­li­ge und be­triebs­be­dingt ent­las­se­ne Ar­beit­neh­mer die­ser bei­den Ge­sell­schaf­ten wa­ren, ge­gen sie Kla­gen vor dem Li­ver­pool Em­ploy­ment Tri­bu­nal und dem Lon­don Cen­tral Em­ploy­ment Tri­bu­nal.
26 Die USDAW zählt im Ver­ei­nig­ten König­reich mehr als 430 000 Mit­glie­der, die in ganz un­ter­schied­li­chen Be­ru­fen ar­bei­ten.
27 Frau Wil­son war in ei­nem La­den­geschäft der Ket­te „Wool­worths“ in Saint Ives (Ver­ei­nig­tes König­reich) beschäftigt und gehörte als De­le­gier­te der USDAW dem na­tio­na­len Ar­beit­neh­mer­fo­rum („Col­le­ague Cir­cle“) an, das Wool­worths ge­schaf­fen hat­te, da­mit es sich mit ver­schie­de­nen Fra­gen, u. a. mit Kon­sul­ta­tio­nen vor Mas­sen­ent­las­sun­gen, be­fasst.
28 Die USDAW und Frau Wil­son be­an­trag­ten, die Ar­beit­ge­ber zu ver­ur­tei­len, den ent­las­se­nen Ar­beit­neh­mern Schutz­entschädi­gun­gen zu zah­len, weil das im TUL­RCA vor­ge­se­he­ne Kon­sul­ta­ti­ons­ver­fah­ren vor Er­lass der So­zi­alpläne nicht ein­ge­hal­ten wor­den sei.
29 Die ein­schlägi­gen Vor­schrif­ten des ERA be­rech­tig­ten ei­nen Ar­beit­neh­mer, im Fall der Ver­ur­tei­lung von Wool­worths oder Ethel Aus­tin zur Zah­lung von Schutz­entschädi­gun­gen und des Aus­blei­bens die­ser Zah­lun­gen vom Mi­nis­ter für Un­ter­neh­men ih­re Zah­lung zu ver­lan­gen; er wäre dann ver­pflich­tet, den Ar­beit­neh­mer we­gen der Zah­lungsrückstände bis zum ge­setz­li­chen Höchst­be­trag zu entschädi­gen. Soll­te der Mi­nis­ter die Entschädi­gung nicht zah­len, könn­te der be­trof­fe­ne Ar­beit­neh­mer beim Em­ploy­ment Tri­bu­nal be­an­tra­gen, ihn da­zu zu zwin­gen.
30 Mit Ent­schei­dun­gen vom 2. No­vem­ber 2011 und vom 18. Ja­nu­ar 2012 er­kann­ten das Li­ver­pool Em­ploy­ment Tri­bu­nal und das Lon­don Cen­tral Em­ploy­ment Tri­bu­nal ei­ner Rei­he ent­las­se­ner Ar­beit­neh­mer von Wool­worths und Ethel Aus­tin Schutz­entschädi­gun­gen zu. Et­wa 4 500 Ar­beit­neh­mern wur­de die Entschädi­gung je­doch mit der Be­gründung ver­wei­gert, dass sie in La­den­geschäften mit we­ni­ger als 20 Ar­beit­neh­mern ge­ar­bei­tet hätten und dass je­des Geschäft als ei­genständi­ger Be­trieb an­zu­se­hen sei.
31 Auf die von der USDAW und Frau Wil­son beim Em­ploy­ment Ap­peal Tri­bu­nal (Be­ru­fungs­ge­richt in Ar­beits­sa­chen) ein­ge­leg­te Be­ru­fung ge­gen die­se Ent­schei­dun­gen ent­schied die­ses Ge­richt am 30. Mai 2013, dass ei­ne mit der Richt­li­nie 98/59 zu ver­ein­ba­ren­de Aus­le­gung von Sec­tion 188(1) des TUL­RCA es er­for­der­lich ma­che, im Ein­klang mit der dem na­tio­na­len Ge­richt nach dem Ur­teil Mar­lea­sing (C-106/89, EU:C:1990:395) ob­lie­gen­den Pflicht, sein na­tio­na­les Recht im Licht des Wort­lauts und der Ziel­set­zung der be­tref­fen­den Richt­li­nie aus­zu­le­gen, die Wen­dung „in ei­nem Be­trieb“ außer An­wen­dung zu las­sen. Das Ge­richt ent­schied fer­ner, dass sich die USDAW und Frau Wil­son auf die un­mit­tel­ba­re Wir­kung der Rech­te aus der Richt­li­nie 98/59 be­ru­fen könn­ten, da der Mi­nis­ter für Un­ter­neh­men Ver­fah­rens­be­tei­lig­ter sei, und dass die­ser al­len Ar­beit­neh­mern die Schutz­entschädi­gung zu zah­len ha­be. Aus der Ent­schei­dung er­gibt sich zu­dem, dass die Pflicht zur vor­he­ri­gen Kon­sul­ta­ti­on im­mer dann gilt, wenn ein Ar­beit­ge­ber plant, 20 Ar­beit­neh­mer oder mehr in­ner­halb ei­nes Zeit­raums von 90 Ta­gen oder we­ni­ger zu ent­las­sen, un­abhängig da­von, in wel­chen Be­trie­ben sie beschäftigt sind.
32 Dem vom Mi­nis­ter für Un­ter­neh­men in die­sem Zu­sam­men­hang ge­stell­ten An­trag auf Zu­las­sung ei­nes Rechts­mit­tels zum vor­le­gen­den Ge­richt gab das Em­ploy­ment Ap­peal Tri­bu­nal mit Be­schluss vom 26. Sep­tem­ber 2013 statt.
33 Nach den An­ga­ben des vor­le­gen­den Ge­richts ist zwi­schen den Be­tei­lig­ten des Aus­gangs­ver­fah­rens un­strei­tig, dass sich das Ver­ei­nig­te König­reich bei der Um­set­zung der Richt­li­nie 98/59 für die Lösung in Art. 1 Abs. 1 Un­terabs. 1 Buchst. a Ziff. ii die­ser Richt­li­nie ent­schie­den hat.
34 Es führt aus, die USDAW und Frau Wil­son hätten vor ihm gel­tend ge­macht, dass der Be­griff „Mas­sen­ent­las­sun­gen“ in Art. 1 Abs. 1 Un­terabs. 1 Buchst. a Ziff. ii der Richt­li­nie 98/59 nicht auf den Fall be­schränkt sei, in dem min­des­tens 20 Ar­beit­neh­mer je­des Be­triebs in­ner­halb ei­nes Zeit­raums von 90 Ta­gen ent­las­sen würden, son­dern auch den Fall er­fas­se, dass min­des­tens 20 Ar­beit­neh­mer des­sel­ben Ar­beit­ge­bers in­ner­halb ei­nes Zeit­raums von 90 Ta­gen ent­las­sen würden, un­abhängig von der Zahl der Ar­beit­neh­mer in den frag­li­chen, d. h. den von den Ent­las­sun­gen be­trof­fe­nen Be­trie­ben.
35 Hilfs­wei­se ma­chen die USDAW und Frau Wil­son gel­tend, selbst wenn die­se Be­stim­mung der Richt­li­nie 98/59 so zu ver­ste­hen sei, dass sie sich auf min­des­tens 20 in je­dem Be­trieb ent­las­se­ne Ar­beit­neh­mer be­zie­he, sei der Be­griff „Be­trieb“ da­hin aus­zu­le­gen, dass er die ge­sam­te Ein­zel­han­delstätig­keit von Wool­worths bzw. Ethel Aus­tin er­fas­se. Es sei nämlich die Ein­zel­han­delstätig­keit als Gan­zes, die ei­ne wirt­schaft­li­che Geschäfts­ein­heit bil­de.
Würde man je­des La­den­geschäft als Be­trieb im Sin­ne die­ser Be­stim­mung an­se­hen, führ­te dies zu un­ge­rech­ten und willkürli­chen Er­geb­nis­sen, wenn, wie im vor­lie­gen­den Fall, ein großes Ein­zel­han­dels­un­ter­neh­men sei­ne Tätig­keit fast vollständig ein­stel­le und ei­ne große Zahl von Ar­beit­neh­mern in meh­re­ren Ver­kaufs­stel­len ent­las­se, von de­nen ei­ni­ge 20 oder mehr Ar­beit­neh­mer und an­de­re ei­ne ge­rin­ge­re Zahl von Ar­beit­neh­mern beschäftig­ten. In ei­nem sol­chen Fall er­ge­be es nämlich kei­nen Sinn, dass die An­ge­stell­ten der größten La­den­geschäfte vor der Mas­sen­ent­las­sung ein Kon­sul­ta­ti­ons­ver­fah­ren be­an­spru­chen könn­ten, während die­je­ni­gen, die in klei­ne­ren Geschäften ar­bei­te­ten, hier­auf kei­nen An­spruch hätten.
37 Die USDAW und Frau Wil­son tra­gen fer­ner vor, da die Ar­beit­neh­mer un­abhängig von dem La­den­geschäft, in dem sie ar­bei­te­ten, von ein und der­sel­ben Ent­las­sungs­maßnah­me be­trof­fen sei­en und da das Ziel der Richt­li­nie 98/59 in der Stärkung des Ar­beit­neh­mer­schut­zes be­ste­he, wäre ei­ne sol­che Aus­le­gung der Richt­li­nie 98/59 ein An­reiz für die Ar­beit­ge­ber, ih­re Tätig­kei­ten so auf­zu­spal­ten, dass sie die in der Richt­li­nie vor­ge­se­he­nen Pflich­ten um­ge­hen könn­ten.
38 Die USDAW und Frau Wil­son sind der An­sicht, da der Mi­nis­ter für Un­ter­neh­men nach der Richt­li­nie 2008/94 für die Zah­lung der Schutz­entschädi­gun­gen haf­te, könn­ten sie sich ihm ge­genüber nach dem Grund­satz der ver­ti­ka­len un­mit­tel­ba­ren Wir­kung, die der Richt­li­nie 98/59 zu­kom­me, auf die Wir­kun­gen die­ser Richt­li­nie be­ru­fen.
39 Vor dem vor­le­gen­den Ge­richt hat der Mi­nis­ter für Un­ter­neh­men un­ter Be­zug­nah­me auf die Ur­tei­le Rock­fon (C-449/93, EU:C:1995:420) und Athi­naïki Char­to­poiïa (C-270/05, EU:C:2007:101) gel­tend ge­macht, dass un­ter dem Be­griff „Be­trieb“ im Sin­ne von Art. 1 Abs. 1 Un­terabs. 1 Buchst. a Ziff. ii der Richt­li­nie 98/59 die Ein­heit zu ver­ste­hen sei, der die von der Ent­las­sung be­trof­fe­nen Ar­beit­neh­mer zur Erfüllung ih­rer Auf­ga­be an­gehörten, und dass die­ser Be­griff die glei­che Be­deu­tung ha­ben müsse wie in Art. 1 Abs. 1 Buchst. a ers­ter Ge­dan­ken­strich der Richt­li­nie 75/129 und in Art. 1 Abs. 1 Un­terabs. 1 Buchst. a Ziff. i der Richt­li­nie 98/59.
40 Er hat hin­zu­gefügt, dass der Uni­ons­ge­setz­ge­ber, hätte er ge­wollt, dass Art. 1 Abs. 1 Un­terabs. 1 Buchst. a Ziff. ii der Richt­li­nie 98/59 al­le bei ei­nem Ar­beit­ge­ber beschäftig­ten Ar­beit­neh­mer er­fas­se, ei­nen an­de­ren Be­griff als „Be­trieb“ ver­wen­det hätte, et­wa „Un­ter­neh­men“ oder „Ar­beit­ge­ber“.
41 Dar­aus fol­ge, dass bei ei­ner Ent­las­sung von 19 Ar­beit­neh­mern ei­nes Be­triebs kei­ne Mas­sen­ent­las­sung im Sin­ne der Richt­li­nie 98/59 vor­lie­ge, während bei ei­ner Ent­las­sung von 20 Ar­beit­neh­mern die durch die­se Richt­li­nie gewähr­leis­te­ten Rech­te zur An­wen­dung kämen.
42 Un­ter die­sen Umständen hat der Court of Ap­peal (Eng­land & Wa­les) (Ci­vil Di­vi­si­on) be­schlos­sen, das Ver­fah­ren aus­zu­set­zen und dem Ge­richts­hof fol­gen­de Fra­gen zur Vor­ab­ent­schei­dung vor­zu­le­gen:
1. a) Be­zieht sich die For­mu­lie­rung „min­des­tens 20“ in Art. 1 Abs. 1 Un­terabs. 1 Buchst. a Ziff. ii der Richt­li­nie 98/59 auf die Zahl der Ent­las­sun­gen in al­len Be­trie­ben des Ar­beit­ge­bers, in de­nen in­ner­halb ei­nes Zeit­raums von 90 Ta­gen Ent­las­sun­gen vor­ge­nom­men wer­den, oder be­zieht sie sich auf die Zahl der Ent­las­sun­gen in je­dem ein­zel­nen Be­trieb?
b) Falls sich Art. 1 Abs. 1 Un­terabs. 1 Buchst. a Ziff. ii der Richt­li­nie auf die Zahl der Ent­las­sun­gen in je­dem ein­zel­nen Be­trieb be­zieht, was ist dann un­ter „Be­trieb“ zu ver­ste­hen? Ist der Be­griff „Be­trieb“ ins­be­son­de­re da­hin zu ver­ste­hen, dass er das ge­sam­te be­trof­fe­ne Ein­zel­han­dels­un­ter­neh­men als ei­ne ein­zi­ge wirt­schaft­li­che Geschäfts­ein­heit oder den Teil die­ses Un­ter­neh­mens, in dem Ent­las­sun­gen vor­ge­nom­men wer­den sol­len, er­fasst und nicht die Ein­heit, der ein Ar­beit­neh­mer zur Erfüllung sei­ner Auf­ga­ben zu­ge­wie­sen ist, wie das je­wei­li­ge La­den­geschäft?
2. Kann sich ein Mit­glied­staat, wenn ein Ar­beit­neh­mer von ei­nem pri­va­ten Ar­beit­ge­ber ei­ne Schutz­entschädi­gung ver­langt, dar­auf stützen oder gel­tend ma­chen, dass die Richt­li­nie 98/59 kei­ne un­mit­tel­bar wirk­sa­men Rech­te ge­gen den Ar­beit­ge­ber gewährt, so­fern
a) der pri­va­te Ar­beit­ge­ber, hätte es der Mit­glied­staat nicht versäumt, die Richt­li­nie ord­nungs­gemäß um­zu­set­zen, dem Ar­beit­neh­mer ei­ne Schutz­entschädi­gung schul­den würde, weil er sei­ner Kon­sul­ta­ti­ons­pflicht gemäß der Richt­li­nie nicht nach­ge­kom­men ist, und
b) der Mit­glied­staat selbst, wenn der zah­lungs­unfähi­ge pri­va­te Ar­beit­ge­ber ei­ne Schutz­entschädi­gung schul­det, aber nicht ge­leis­tet hat, auf An­trag dem Ar­beit­neh­mer die­se Schutz­entschädi­gung nach den in­ner­staat­li­chen Rechts­vor­schrif­ten zur Um­set­zung der Richt­li­nie 2008/94 zah­len müss­te, vor­be­halt­lich ei­ner nach Art. 4 die­ser Richt­li­nie für die Ga­ran­tie­ein­rich­tung des Mit­glied­staats gel­ten­den Haf­tungs­gren­ze?
43 Mit sei­ner ers­ten Fra­ge möch­te das vor­le­gen­de Ge­richt wis­sen, ob der Be­griff „Be­trieb“ in Art. 1 Abs. 1 Un­terabs. 1 Buchst. a Ziff. ii der Richt­li­nie 98/59 eben­so aus­zu­le­gen ist wie der Be­griff „Be­trieb“ in Buchst. a Ziff. i die­ses Un­ter­ab­sat­zes und ob Art. 1 Abs. 1 Un­terabs. 1 Buchst. a Ziff. ii der Richt­li­nie 98/59 in dem Sin­ne aus­zu­le­gen ist, dass er ei­ner na­tio­na­len Re­ge­lung ent­ge­gen­steht, die ei­ne Pflicht zur In­for­ma­ti­on und Kon­sul­ta­ti­on der Ar­beit­neh­mer vor­sieht, wenn in­ner­halb ei­nes Zeit­raums von 90 Ta­gen min­des­tens 20 Ar­beit­neh­mer ei­nes ein­zel­nen Be­triebs ei­nes Un­ter­neh­mens ent­las­sen wer­den, nicht aber, wenn die Ge­samt­zahl der Ent­las­sun­gen in al­len Be­trie­ben oder in be­stimm­ten Be­trie­ben ei­nes Un­ter­neh­mens in­ner­halb des­sel­ben Zeit­raums die Schwel­le von 20 Ar­beit­neh­mern er­reicht oder über­steigt.
44 Wie so­wohl aus der Vor­la­ge­ent­schei­dung als auch aus dem beim Ge­richts­hof ein­ge­reich­ten Erklärun­gen her­vor­geht, hat sich das Ver­ei­nig­te König­reich bei der Um­set­zung der Richt­li­nie 98/59 für die in Art. 1 Abs. 1 Un­terabs. 1 Buchst. a Ziff. ii die­ser Richt­li­nie ge­nann­te Schwel­le für ih­re An­wend­bar­keit ent­schie­den. Nach dem gel­ten­den na­tio­na­len Recht ist ein Ar­beit­ge­ber, wenn er plant, in­ner­halb ei­nes Zeit­raums von 90 Ta­gen in ei­nem Be­trieb min­des­tens 20 Ar­beitsplätze zu strei­chen, ver­pflich­tet, da­bei ein Ver­fah­ren der In­for­ma­ti­on und Kon­sul­ta­ti­on der Ar­beit­neh­mer ein­zu­hal­ten.
45 Hier­zu ist zunächst fest­zu­stel­len, dass nach der Recht­spre­chung des Ge­richts­hofs der in der Richt­li­nie 98/59 nicht de­fi­nier­te Be­griff „Be­trieb“ ein uni­ons­recht­li­cher Be­griff ist und dass sein In­halt nicht an­hand der Rechts­vor­schrif­ten der Mit­glied­staa­ten be­stimmt wer­den kann (vgl. in die­sem Sin­ne Ur­teil Rock­fon, C-449/93, EU:C:1995:420, Rn. 25). Er ist da­her in der Uni­ons­rechts­ord­nung au­to­nom und ein­heit­lich aus­zu­le­gen (vgl. in die­sem Sin­ne Ur­teil Athi­naïki Char­to­poiïa, C-270/05, EU:C:2007:101, Rn. 23).
46 Der Ge­richts­hof hat den Be­griff „Be­trieb“ bzw. „Be­trie­be“ in Art. 1 Abs. 1 Un­terabs. 1 Buchst. a der Richt­li­nie 98/59 be­reits aus­ge­legt.
47 In Rn. 31 des Ur­teils Rock­fon (C-449/93, EU:C:1995:420) hat der Ge­richts­hof un­ter Be­zug­nah­me auf Rn. 15 des Ur­teils Bot­zen u. a. (186/83, EU:C:1985:58) aus­geführt, dass das Ar­beits­verhält­nis im We­sent­li­chen durch die Ver­bin­dung zwi­schen dem Ar­beit­neh­mer und dem Un­ter­neh­mens­teil ge­kenn­zeich­net wird, dem er zur Erfüllung sei­ner Auf­ga­be an­gehört. Er hat da­her in Rn. 32 des Ur­teils Rock­fon (C-449/93, EU:C:1995:420) ent­schie­den, dass der Be­griff „Be­trieb“ in Art. 1 Abs. 1 Un­terabs. 1 Buchst. a der Richt­li­nie 98/59 da­hin aus­zu­le­gen ist, dass er nach Maßga­be der Umstände die Ein­heit be­zeich­net, der die von der Ent­las­sung be­trof­fe­nen Ar­beit­neh­mer zur Erfüllung ih­rer Auf­ga­be an­gehören. Ob die frag­li­che Ein­heit ei­ne Lei­tung hat, die selbständig Mas­sen­ent­las­sun­gen vor­neh­men kann, ist für die De­fi­ni­ti­on des Be­griffs „Be­trieb“ nicht ent­schei­dend.
48 Aus Rn. 5 des Ur­teils Rock­fon (C-449/93, EU:C:1995:420) geht her­vor, dass sich das König­reich Däne­mark, dem das Ge­richt an­gehörte, das das Vor­ab­ent­schei­dungs­er­su­chen in der die­sem Ur­teil zu­grun­de lie­gen­den Rechts­sa­che vor­ge­legt hat­te, für die in Art. 1 Abs. 1 Un­terabs. 1 Buchst. a Ziff. i der ge­nann­ten Richt­li­nie vor­ge­se­he­ne Lösung ent­schie­den hat­te.
49 Im Ur­teil Athi­naïki Char­to­poiïa (C-270/05, EU:C:2007:101) hat der Ge­richts­hof den Be­griff „Be­trieb“ wei­ter präzi­siert, wo­bei er ins­be­son­de­re in Rn. 27 die­ses Ur­teils aus­geführt hat, dass für den Zweck der An­wen­dung der Richt­li­nie 98/59 ein „Be­trieb“ im Rah­men ei­nes Un­ter­neh­mens u. a. ei­ne un­ter­scheid­ba­re Ein­heit von ei­ner ge­wis­sen Dau­er­haf­tig­keit und Sta­bi­lität sein kann, die zur Er­le­di­gung ei­ner oder meh­re­rer be­stimm­ter Auf­ga­ben be­stimmt ist und über ei­ne Ge­samt­heit von Ar­beit­neh­mern so­wie über tech­ni­sche Mit­tel und ei­ne or­ga­ni­sa­to­ri­sche Struk­tur zur Erfüllung die­ser Auf­ga­ben verfügt.
50 Durch die Ver­wen­dung der Aus­drücke „un­ter­scheid­ba­re Ein­heit“ und „im Rah­men ei­nes Un­ter­neh­mens“ hat der Ge­richts­hof klar­ge­stellt, dass sich die Be­grif­fe „Un­ter­neh­men“ und „Be­trieb“ un­ter­schei­den und dass der Be­trieb nor­ma­ler­wei­se Teil ei­nes Un­ter­neh­mens ist. Das schließt je­doch nicht aus, dass - so­fern ein Un­ter­neh­men nicht über meh­re­re un­ter­scheid­ba­re Ein­hei­ten verfügt - der Be­trieb und das Un­ter­neh­men eins sein können.
51 In Rn. 28 des Ur­teils Athi­naïki Char­to­poiïa (C-270/05, EU:C:2007:101) hat der Ge­richts­hof aus­geführt, dass die Richt­li­nie 98/59 die so­zioöko­no­mi­schen Aus­wir­kun­gen be­trifft, die Mas­sen­ent­las­sun­gen in ei­nem be­stimm­ten ört­li­chen Kon­text und ei­ner be­stimm­ten so­zia­len Um­ge­bung her­vor­ru­fen können, so dass die frag­li­che Ein­heit we­der recht­li­che noch wirt­schaft­li­che, fi­nan­zi­el­le, ver­wal­tungsmäßige oder tech­no­lo­gi­sche Au­to­no­mie be­sit­zen muss, um als „Be­trieb“ qua­li­fi­ziert wer­den zu können.
52 Folg­lich er­gibt sich aus der Recht­spre­chung des Ge­richts­hofs, dass bei ei­nem Un­ter­neh­men, das aus meh­re­ren Ein­hei­ten be­steht, die die in den Rn. 47, 49 und 51 des vor­lie­gen­den Ur­teils ge­nann­ten Kri­te­ri­en erfüllen, der „Be­trieb“ im Sin­ne von Art. 1 Abs. 1 Un­terabs. 1 Buchst. a der Richt­li­nie 98/59 von der Ein­heit ge­bil­det wird, der die von der Ent­las­sung be­trof­fe­nen Ar­beit­neh­mer zur Erfüllung ih­rer Auf­ga­be an­gehören.
53 Die­se Recht­spre­chung ist auf die vor­lie­gen­de Rechts­sa­che an­zu­wen­den.
54 Es ist fest­zu­stel­len, dass die Be­grif­fe „Be­trieb“ bzw. „Be­trie­be“ in Art. 1 Abs. 1 Un­terabs. 1 Buchst. a Ziff. i der Richt­li­nie 98/59 die­sel­be Be­deu­tung ha­ben wie die Be­grif­fe „Be­trieb“ bzw. „Be­trie­be“ in Art. 1 Abs. 1 Un­terabs. 1 Buchst. a Ziff. ii die­ser Richt­li­nie.
55 In­so­weit ist der in der münd­li­chen Ver­hand­lung vor dem Ge­richts­hof an­geführ­te Um­stand, dass der Be­griff „Be­trieb“ u. a. in der eng­li­schen, der spa­ni­schen, der französi­schen und der ita­lie­ni­schen Sprach­fas­sung die­ser Be­stim­mung in der Mehr­zahl ver­wen­det wird, un­er­heb­lich. Denn in die­sen Sprach­fas­sun­gen steht der Be­griff „Be­trieb“ so­wohl in Buchst. a Ziff. i als auch in Buchst. a Ziff. ii der Be­stim­mung in der Mehr­zahl. Wie der Ge­ne­ral­an­walt in Nr. 53 sei­ner Schluss­anträge her­vor­ge­ho­ben hat, ver­wen­den zu­dem meh­re­re an­de­re Sprach­fas­sun­gen von Art. 1 Abs. 1 Un­terabs. 1 Buchst. a Ziff. ii der Richt­li­nie 98/59 die­sen Be­griff in der Ein­zahl, was die Aus­le­gung aus­sch­ließt, dass die in der letzt­ge­nann­ten Be­stim­mung vor­ge­se­he­ne Schwel­le al­le „Be­trie­be“ ei­nes „Un­ter­neh­mens“ er­fasst.
56 Die in Art. 1 Abs. 1 Un­terabs. 1 Buchst. a Ziff. ii der Richt­li­nie 98/59 ent­hal­te­ne Op­ti­on er­scheint - ab­ge­se­hen von den un­ter­schied­li­chen Zeiträum­en, in de­nen die Ent­las­sun­gen er­fol­gen - als ei­ne der in Buchst. a Ziff. i die­ser Be­stim­mung ent­hal­te­nen Op­ti­on im We­sent­li­chen gleich­wer­ti­ge Al­ter­na­ti­ve.
57 Kein Be­stand­teil des Wort­lauts von Art. 1 Abs. 1 Un­terabs. 1 Buchst. a der Richt­li­nie 98/59 deu­tet dar­auf hin, dass den Be­grif­fen „Be­trieb“ bzw. „Be­trie­be“ in die­sem Un­ter­ab­satz der Be­stim­mung ei­ne un­ter­schied­li­che Be­deu­tung bei­zu­le­gen ist.
58 In­so­weit ist dar­auf hin­zu­wei­sen, dass der Ge­richts­hof in der dem Ur­teil Athi­naïki Char­to­poiïa (C-270/05, EU:C:2007:101) zu­grun­de lie­gen­den Rechts­sa­che nicht ge­prüft hat, ob sich die Hel­le­ni­sche Re­pu­blik für die in Buchst. a Ziff. i oder die in Buchst. a Ziff. ii von Art. 1 Abs. 1 Un­terabs. 1 der Richt­li­nie 98/59 vor­ge­se­he­ne Lösung ent­schie­den hat­te. Der Te­nor die­ses Ur­teils be­trifft Art. 1 Abs. 1 Un­terabs. 1 Buchst. a, oh­ne zwi­schen den Op­tio­nen in Buchst. a Ziff. i und in Buchst. a Ziff. ii zu un­ter­schei­den.
59 Dass der Ge­setz­ge­ber den Mit­glied­staa­ten ei­ne Wahl zwi­schen den Op­tio­nen in Art. 1 Abs. 1 Un­terabs. 1 Buchst. a Ziff. i und Buchst. a Ziff. ii der Richt­li­nie 98/59 bie­tet, zeigt, dass der Be­griff „Be­trieb“ kei­ne völlig un­ter­schied­li­che Be­deu­tung ha­ben kann, je nach­dem, ob sich der be­tref­fen­de Mit­glied­staat für die ei­ne oder die an­de­re der ihm an­ge­bo­te­nen Al­ter­na­ti­ven ent­schie­den hat.
60 Darüber hin­aus würde ein Un­ter­schied von sol­cher Trag­wei­te dem im sieb­ten Erwägungs­grund der Richt­li­nie 98/59 her­vor­ge­ho­be­nen Er­for­der­nis zu­wi­der­lau­fen, auf die An­glei­chung der Rechts­vor­schrif­ten der Mit­glied­staa­ten hin­zu­wir­ken.
61 Was die vom vor­le­gen­den Ge­richt auf­ge­wor­fe­ne Fra­ge be­trifft, ob Art. 1 Abs. 1 Un­terabs. 1 Buchst. a Ziff. ii der Richt­li­nie 98/59 ei­ne ge­son­der­te Berück­sich­ti­gung der in je­dem Be­trieb vor­ge­nom­me­nen Ent­las­sun­gen ver­langt, so würde die Aus­le­gung, wo­nach die­se Be­stim­mung es ver­lang­te, die Ge­samt­zahl der in al­len Be­trie­ben ei­nes Un­ter­neh­mens vor­ge­nom­me­nen Ent­las­sun­gen zu berück­sich­ti­gen, zwar die Zahl der Ar­beit­neh­mer, die in den Ge­nuss des Schut­zes der Richt­li­nie 98/59 ge­lan­gen könn­ten, er­heb­lich erhöhen, was ei­nem ih­rer Zie­le entspräche.
62 Es ist je­doch dar­auf hin­zu­wei­sen, dass die­se Richt­li­nie nicht nur den Schutz der Ar­beit­neh­mer bei Mas­sen­ent­las­sun­gen stärken soll, son­dern auch ei­nen ver­gleich­ba­ren Schutz der Rech­te der Ar­beit­neh­mer in den ver­schie­de­nen Mit­glied­staa­ten im Fall von Mas­sen­ent­las­sun­gen gewähr­leis­ten und die für die Un­ter­neh­men in der Uni­on mit die­sen Schutz­vor­schrif­ten ver­bun­de­nen Be­las­tun­gen ein­an­der an­glei­chen soll (vgl. in die­sem Sin­ne Ur­tei­le Kom­mis­si­on/Ver­ei­nig­tes König­reich, C-383/92, EU:C:1994:234, Rn. 16, Kom­mis­si­on/Por­tu­gal, C-55/02, EU:C:2004:605, Rn. 48, und Confédéra­ti­on généra­le du tra­vail u. a., C-385/05, EU:C:2007:37, Rn. 43).
63 Ei­ne Aus­le­gung des Be­griffs „Be­trieb“ in dem in Rn. 61 des vor­lie­gen­den Ur­teils dar­ge­leg­ten Sin­ne würde aber zum ei­nen dem Ziel zu­wi­der­lau­fen, ei­nen ver­gleich­ba­ren Schutz der Rech­te der Ar­beit­neh­mer in al­len Mit­glied­staa­ten zu gewähr­leis­ten, und zum an­de­ren zu sehr un­ter­schied­li­chen Be­las­tun­gen für die Un­ter­neh­men führen, die - je nach der Wahl des be­tref­fen­den Mit­glied­staats - den In­for­ma­ti­ons- und Kon­sul­ta­ti­ons­pflich­ten nach den Art. 2 bis 4 der Richt­li­nie nach­zu­kom­men hätten, was auch dem vom Uni­ons­ge­setz­ge­ber ver­folg­ten Ziel zu­wi­der­lie­fe, für ein ver­gleich­ba­res Ge­wicht der Be­las­tun­gen in al­len Mit­glied­staa­ten zu sor­gen.
64 Hin­zu­zufügen ist, dass bei die­ser Aus­le­gung nicht nur ei­ne von ei­ner Mas­sen­ent­las­sung be­trof­fe­ne Grup­pe von Ar­beit­neh­mern in den An­wen­dungs­be­reich der Richt­li­nie 98/59 fie­le, son­dern un­ter Umständen auch ein ein­zi­ger Ar­beit­neh­mer ei­nes Be­triebs - et­wa ei­nes Be­triebs, der sich in ei­ner von an­de­ren Be­trie­ben des­sel­ben Un­ter­neh­mens ge­trenn­ten und ent­fern­ten Stadt be­fin­det -, was dem übli­chen Sin­ne des Be­griffs „Mas­sen­ent­las­sung“ wi­derspräche. Außer­dem würde die Ent­las­sung die­ses ein­zi­gen Ar­beit­neh­mers die in den Be­stim­mun­gen der Richt­li­nie 98/59, die für ei­nen der­ar­ti­gen Ein­zel­fall nicht ge­eig­net sind, vor­ge­se­he­nen In­for­ma­ti­ons- und Kon­sul­ta­ti­ons­ver­fah­ren auslösen.
65 Es ist je­doch dar­auf hin­zu­wei­sen, dass die Richt­li­nie 98/59 ein Min­dest­maß an Schutz in Be­zug auf die In­for­ma­ti­on und die Kon­sul­ta­ti­on von Ar­beit­neh­mern im Fall von Mas­sen­ent­las­sun­gen schafft (vgl. Ur­teil Confédéra­ti­on généra­le du tra­vail u. a., C-385/05, EU:C:2007:37, Rn. 44). In­so­weit ist fest­zu­stel­len, dass die Mit­glied­staa­ten nach Art. 5 der Richt­li­nie die Möglich­keit ha­ben, für die Ar­beit­neh­mer güns­ti­ge­re Rechts- oder Ver­wal­tungs­vor­schrif­ten an­zu­wen­den oder zu er­las­sen oder für die Ar­beit­neh­mer güns­ti­ge­re ta­rif­ver­trag­li­che Ver­ein­ba­run­gen zu­zu­las­sen oder zu fördern.
66 Im Rah­men die­ser Möglich­keit er­laubt Art. 5 der Richt­li­nie 98/59 es den Mit­glied­staa­ten u. a., den in die­ser Richt­li­nie vor­ge­se­he­nen Schutz nicht nur den Ar­beit­neh­mern ei­nes Be­triebs im Sin­ne von Art. 1 Abs. 1 Un­terabs. 1 Buchst. a der Richt­li­nie, die ent­las­sen wor­den sind oder ent­las­sen wer­den, zu gewähren, son­dern auch al­len Ar­beit­neh­mern, die von ei­ner Ent­las­sung durch ein Un­ter­neh­men oder ei­nen Teil ei­nes Un­ter­neh­mens des­sel­ben Ar­beit­ge­bers be­trof­fen sind, da der Be­griff „Un­ter­neh­men“ da­hin ver­stan­den wird, dass er die Ge­samt­heit der ein­zel­nen Beschäfti­gungs­ein­hei­ten die­ses Un­ter­neh­mens oder die­ses Un­ter­neh­mens­teils er­fasst.
67 Auch wenn die Mit­glied­staa­ten so­mit be­fugt sind, für die Ar­beit­neh­mer güns­ti­ge­re Vor­schrif­ten auf der Grund­la­ge von Art. 5 der Richt­li­nie 98/59 zu er­las­sen, sind sie je­doch an die au­to­no­me und ein­heit­li­che Aus­le­gung des uni­ons­recht­li­chen Be­griffs „Be­trieb“ in Art. 1 Abs. 1 Un­terabs. 1 Buchst. a Ziff. i und ii die­ser Richt­li­nie, wie sie sich aus Rn. 52 des vor­lie­gen­den Ur­teils er­gibt, ge­bun­den.
68 Aus dem Vor­ste­hen­den folgt, dass die De­fi­ni­ti­on in Art. 1 Abs. 1 Un­terabs. 1 Buchst. a Ziff. i und Buchst. a Ziff. ii der Richt­li­nie 98/59 es er­for­dert, die Ent­las­sun­gen in je­dem Be­trieb für sich ge­nom­men zu berück­sich­ti­gen.
69 Die in den Rn. 47, 49 und 51 die­ses Ur­teils wie­der­ge­ge­be­ne Aus­le­gung des Be­griffs „Be­trieb“ durch den Ge­richts­hof wird durch die Be­stim­mun­gen der Richt­li­nie 2002/14/EG des Eu­ropäischen Par­la­ments und des Ra­tes vom 11. März 2002 zur Fest­le­gung ei­nes all­ge­mei­nen Rah­mens für die Un­ter­rich­tung und Anhörung der Ar­beit­neh­mer in der Eu­ropäischen Ge­mein­schaft (ABl. L 80, S. 29) gestützt, in de­ren Art. 2 Buchst. a und b eben­falls klar zwi­schen dem Be­griff „Un­ter­neh­men“ und dem Be­griff „Be­trieb“ un­ter­schie­den wird.
70 Im vor­lie­gen­den Fall, in dem die im Aus­gangs­ver­fah­ren in Re­de ste­hen­den Ent­las­sun­gen bei zwei Ein­zel­han­dels­ket­ten vor­ge­nom­men wur­den, die ih­re Tätig­keit mit­tels La­den­geschäften, in de­nen meist we­ni­ger als 20 Ar­beit­neh­mer beschäftigt wa­ren, an ver­schie­de­nen Or­ten im ge­sam­ten Ge­biet des Mit­glied­staats ausübten, er­gibt sich aus den beim Ge­richts­hof ein­ge­reich­ten Erklärun­gen, dass die Em­ploy­ment Tri­bu­nals die Geschäfte, de­nen die von den Ent­las­sun­gen be­trof­fe­nen Ar­beit­neh­mer zu­ge­wie­sen wa­ren, als ge­son­der­te „Be­trie­be“ an­sa­hen. Es ist Sa­che des vor­le­gen­den Ge­richts, zu prüfen, ob dies an­ge­sichts der kon­kre­ten Umstände des Aus­gangs­ver­fah­rens nach der in den Rn. 47, 49 und 51 des vor­lie­gen­den Ur­teils wie­der­ge­ge­be­nen Recht­spre­chung zu­trifft.
71 Un­ter die­sen Umständen ist auf die ers­te Fra­ge zu ant­wor­ten, dass der Be­griff „Be­trieb“ in Art. 1 Abs. 1 Un­terabs. 1 Buchst. a Ziff. ii der Richt­li­nie 98/59 eben­so aus­zu­le­gen ist wie in Buchst. a Ziff. i die­ses Un­ter­ab­sat­zes und dass Art. 1 Abs. 1 Un­terabs. 1 Buchst. a Ziff. ii der Richt­li­nie 98/59 in dem Sin­ne aus­zu­le­gen ist, dass er ei­ner na­tio­na­len Re­ge­lung nicht ent­ge­gen­steht, die ei­ne Pflicht zur In­for­ma­ti­on und Kon­sul­ta­ti­on der Ar­beit­neh­mer vor­sieht, wenn in­ner­halb ei­nes Zeit­raums von 90 Ta­gen min­des­tens 20 Ar­beit­neh­mer ei­nes ein­zel­nen Be­triebs ei­nes Un­ter­neh­mens ent­las­sen wer­den, nicht aber, wenn die Ge­samt­zahl der Ent­las­sun­gen in al­len Be­trie­ben oder in be­stimm­ten Be­trie­ben ei­nes Un­ter­neh­mens in­ner­halb des­sel­ben Zeit­raums die Schwel­le von 20 Ar­beit­neh­mern er­reicht oder über­steigt.
72 Da die Prüfung durch den Ge­richts­hof nicht er­ge­ben hat, dass die im Aus­gangs­ver­fah­ren in Re­de ste­hen­den Rechts­vor­schrif­ten des Ver­ei­nig­ten König­reichs nicht mit der Richt­li­nie 98/59 im Ein­klang ste­hen, ist die zwei­te Fra­ge nicht zu be­ant­wor­ten.
73 Für die Par­tei­en des Aus­gangs­ver­fah­rens ist das Ver­fah­ren ein Zwi­schen­streit in den beim vor­le­gen­den Ge­richt anhängi­gen Rechts­strei­tig­kei­ten; die Kos­ten­ent­schei­dung ist da­her Sa­che die­ses Ge­richts. Die Aus­la­gen an­de­rer Be­tei­lig­ter für die Ab­ga­be von Erklärun­gen vor dem Ge­richts­hof sind nicht er­stat­tungsfähig.
Der Be­griff „Be­trieb“ in Art. 1 Abs. 1 Un­terabs. 1 Buchst. a Ziff. ii der Richt­li­nie 98/59/EG des Ra­tes vom 20. Ju­li 1998 zur An­glei­chung der Rechts­vor­schrif­ten der Mit­glied­staa­ten über Mas­sen­ent­las­sun­gen ist eben­so aus­zu­le­gen wie in Buchst. a Ziff. i die­ses Un­ter­ab­sat­zes.
Art. 1 Abs. 1 Un­terabs. 1 Buchst. a Ziff. ii der Richt­li­nie 98/59 ist in dem Sin­ne aus­zu­le­gen, dass er ei­ner na­tio­na­len Re­ge­lung nicht ent­ge­gen­steht, die ei­ne Pflicht zur In­for­ma­ti­on und Kon­sul­ta­ti­on der Ar­beit­neh­mer vor­sieht, wenn in­ner­halb ei­nes Zeit­raums von 90 Ta­gen min­des­tens 20 Ar­beit­neh­mer ei­nes ein­zel­nen Be­triebs ei­nes Un­ter­neh­mens ent­las­sen wer­den, nicht aber, wenn die Ge­samt­zahl der Ent­las­sun­gen in al­len Be­trie­ben oder in be­stimm­ten Be­trie­ben ei­nes Un­ter­neh­mens in­ner­halb des­sel­ben Zeit­raums die Schwel­le von 20 Ar­beit­neh­mern er­reicht oder über­steigt.
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