Source: http://m.hensche.de/Arbeitsrecht_Urteile_Vererblichkeit_des_Urlaubsabgeltungsanspruchs_des_Arbeitnehmers_LAG_Duesseldorf_11Sa537-15_u.html
Timestamp: 2017-09-26 14:30:46
Document Index: 133771621

Matched Legal Cases: ['§ 4', '§ 2265', '§ 2269', 'EuG', 'EuG', 'Art. 7', 'EuG', 'Art. 7', '§ 7', 'EuG', 'EuG', 'Art. 7', '§ 64', '§ 66', '§ 520', '§ 64', '§ 520', '§ 69', '§ 1922', '§ 2265', 'Art. 7', '§ 7', '§ 4', '§ 125', '§ 1922', '§2265', '§ 2269', '§ 2269', '§ 1922', '§ 2265', '§ 2269', '§ 4', '§ 125', '§ 69', '§ 7', '§ 7', 'EuG', 'Art 7', '§ 267', '§ 7', 'EuG', '§ 1922', 'EuG', '§ 7', '§ 1922', '§ 7', '§ 1', '§ 7', 'EuG', '§ 125', '§ 26', '§ 3', '§ 125', '§ 125', '§ 125', '§ 3', '§ 125', '§ 125', '§ 47', '§ 4', '§ 7', '§ 4', '§ 4', '§ 125', '§ 125', '§ 125', '§ 195', '§ 10', '§ 307', '§ 307', '§ 307', '§ 194', '§ 306', '§ 64', '§ 520', '§ 286', '§ 288', '§ 64', '§ 72']

HENSCHE Arbeitsrecht: 11 Sa 537/15
Schlag­worte: Urlaub: Abgeltung, Urlaubsabgeltung: Vererblichkeit, Urlaub: Tod des Arbeitnehmers
Akten­zeichen: 11 Sa 537/15
Ent­scheid­ungs­datum: 29.10.2015
Leit­sätze: Ur­laubs­ab­gel­tung des Er­ben bei Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses durch Tod des Ar­beit­neh­mers (be­jaht; ent­ge­gen BAG Ur­teil vom 12.03.2013 - 9 AZR 532/11.
Vor­ins­tan­zen: Arbeitsgericht Wuppertal, Urteil vom 25.03.2015, 3 Ca 2643/14
Nachfolgend Bundesarbeitsgericht, Beschluss vom 18. Oktober 2016, 9 AZR 196/16 (A)
1.Die Be­ru­fung des Be­klag­ten ge­gen das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts Wup­per­tal vom 25.03.2015 - 3 Ca 2643/14 - wird zurück­ge­wie­sen.
2.Die Kos­ten des Be­ru­fungs­ver­fah­rens hat der Be­klag­te zu tra­gen.
Die Kläge­rin ver­langt die Ab­gel­tung des Ur­laubs, den ihr ver­stor­be­ner Ehe­mann aus ei­nem Ar­beits­verhält­nis mit dem Be­klag­ten er­wor­ben hat.
Der Ehe­mann der Kläge­rin war seit April 2003 bei dem Be­klag­ten als kaufmänni­scher An­ge­stell­ter zu ei­ner Brut­to­mo­nats­vergütung von zu­letzt 2.507,00 € beschäftigt. In dem un­ter dem 01.03.2004 un­ter­zeich­ne­ten Ar­beits­ver­trag (Bl. 4 d.A.) ist un­ter § 4 hin­sicht­lich des Ur­lau­bes Nach­fol­gen­des ge­re­gelt:
Der Ar­beit­neh­mer hat im Ka­len­der­jahr An­spruch auf 30 Werk­ta­ge Ur­laub. Bei Ein­tritt oder Aus­schei­den während ei­nes Ka­len­der­jah­res wird der Ur­laub an­tei­lig gewährt.
Die La­ge des Ur­laubs ist mit dem Ar­beit­ge­ber ab­zu­stim­men.
Die Kläge­rin hat erst­in­stanz­lich die Ko­pie ei­nes hand­schrift­li­chen ge­mein­schaft­li­chen Tes­ta­ments (Bl. 49 d.A.) vor­ge­legt, in wel­chen sich die Ehe­leu­te gemäß § 2265 und § 2269 Abs. 1 BGB ge­gen­sei­tig als Al­lein­er­ben ein­ge­setzt ha­ben.
Aus­weis­lich der Ab­rech­nung für den Mo­nat De­zem­ber 2011 (Bl. 28 d.A.) hat­te der Ehe­mann der Kläge­rin für das Jahr 2011 ei­nen Rest­ur­laubs­an­spruch von 5,5 Ta­gen, der gemäß der Ab­rech­nung für den Mo­nat De­zem­ber 2012 (Bl. 6 d.A.) in das Jahr 2012 über­tra­gen wor­den ist. Im Jahr 2012 nahm der Ehe­mann der Kläge­rin bis zu sei­ner Er­kran­kung 8,5 Ur­laubs­ta­ge, wel­che sich aus ei­nem von dem Be­klag­ten vor­ge­leg­ten Ur­laubs­kon­to für das Jahr 2012 (Bl. 70 d.A.) er­ge­ben. Aus der Ab­rech­nung für De­zem­ber 2012 (Bl. 6 d.A.) er­gab sich da­mit ein Rest­ur­laubs­an­spruch von 32 Ta­gen.
Nach ei­ner Ko­pie der Zeit­er­fas­sung für die Zeit vom 01.05. bis 31.05.2012 hat­te der Ehe­mann der Kläge­rin bis zum 23.05.2012 ins­ge­samt 82,49 Mehr­ar­beits­stun­den auf dem Ar­beits­zeit­kon­to. Zum 31.05.2012 wa­ren Mi­nus­stun­den in Höhe von 92,30 ein­ge­bucht. Der Kon­to­stand be­lief sich da­nach auf 9:40 Mi­nus­stun­den (Bl. 32 d. A.).
Die Kläge­rin leg­te erst­in­stanz­lich ei­nen Ren­ten­be­scheid vom 22.02.2013 (Bl. 50 ff. d.A.) für ih­ren ver­stor­be­nen Ehe­mann vor. Da­nach hat­te die­ser ab dem 01.05.2012 Er­werbs­min­de­rungs­ren­te, im Mai und Ju­ni 2012 al­ler­dings oh­ne Zah­lun­gen, er­hal­ten.
Mit ih­rer am 22.09.2014 bei dem Ar­beits­ge­richt ein­ge­gan­ge­nen Kla­ge hat die Kläge­rin zunächst ei­ne Ur­laubs­ab­gel­tung für ins­ge­samt 70 Ar­beits­ta­ge ver­langt. Sie hat den Ab­gel­tungs­an­spruch dann auf 32 Ur­laubs­ta­ge re­du­ziert.
Sie hat die Auf­fas­sung ver­tre­ten, dass ihr auf Grund der geänder­ten Recht­spre­chung des Eu­ropäischen Ge­richts­ho­fes (EuGH vom 12.06.2014 - C-118/13 in NZA 2014, 651) der Ur­laubs­ab­gel­tungs­an­spruch ih­res ver­stor­be­nen Ehe­man­nes zu­ste­he.
Die Kläge­rin hat un­ter Kla­gerück­nah­me im Übri­gen be­an­tragt, die Be­klag­te zu ver­ur­tei­len, an sie 3.702,72 € nebst Zin­sen in Höhe von fünf Pro­zent­punk­ten über dem Ba­sis­zins­satz seit dem 03.10.2014 zu zah­len.
Er hat be­haup­tet, der ver­stor­be­ne Ehe­mann der Kläge­rin ha­be die ent­spre­chen­den Mi­nus­stun­den an­ge­sam­melt. Die­se sei­en in Ab­zug zu brin­gen. Darüber hin­aus hat der Be­klag­te die al­lei­ni­ge Erb­be­rech­ti­gung der Kläge­rin un­ter Hin­weis dar­auf be­strit­ten, dass der Ehe­mann der Kläge­rin ei­ne Toch­ter hat.
Der Be­klag­te hat ge­meint, dass die Kläge­rin nach der Ent­schei­dung des EuGH vom 18 12.06.2014 - C-118/13 nur den ge­setz­li­chen Ur­laubs­an­spruch ver­lan­gen könne, da nur die­ser von Art. 7 Abs. 2 RL 2003/88/EG des Eu­ropäischen Par­la­ments und des Ra­tes vom 04.11.2003 über be­stimm­te As­pek­te der Ar­beits­zeit­ge­stal­tung geschützt wer­de.
Das Ar­beits­ge­richt hat mit Ur­teil vom 25.03.2015 der Kla­ge statt­ge­ge­ben und dies im We­sent­li­chen da­mit be­gründet, dass die Kläge­rin durch das vor­ge­leg­te Tes­ta­ment ih­re Erb­be­rech­ti­gung hin­rei­chend be­legt ha­be und dass der Ent­schei­dung des EuGH vom 12.06.2014 - C - 118/13 zu fol­gen sei. Art. 7 Abs. 2 RL 2003/88/EG des Eu­ropäischen Par­la­ments und des Ra­tes vom 04.11.2003 über be­stimm­te As­pek­te der Ar­beits­zeit­ge­stal­tung führe da­zu, dass der fi­nan­zi­el­le An­spruch auf Ur­laubs­ab­gel­tung auch dann ent­ste­he, wenn ein Ar­beit­neh­mer während des Be­stan­des sei­nes Ar­beits­verhält­nis­ses ver­stirbt und zu die­sem Zeit­punkt noch Ur­laubs­ansprüche of­fen wa­ren. Ent­steht ein ent­spre­chen­der Ur­laubs­ab­gel­tungs­an­spruch nach § 7 Abs. 4 BUrlG, ge­he er in die Erb­mas­se ein und könne von den Er­ben gel­tend ge­macht wer­den. Die­ser Ab­gel­tungs­an­spruch sei nicht auf den ge­setz­li­chen Min­des­t­ur­laub be­schränkt. Denn die Vor­aus­set­zun­gen für die Ent­ste­hung des Ab­gel­tungs­an­spruchs bezüglich des über­ge­setz­li­chen, hier ein­zel­ver­trag­lich be­gründe­ten Ur­laubs würden de­nen für den ge­setz­li­chen Ur­laubs­an­spruch ent­spre­chen. Durch die Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses beim Tod des Ar­beit­neh­mers wird der zu die­sem Zeit­punkt be­ste­hen­de Ur­laubs­an­spruch kom­plett in ei­nen Ur­laubs­ab­gel­tungs­an­spruch um­ge­wan­delt. Sons­ti­ge As­pek­te, die ei­ne Be­schränkung auf den ge­setz­li­chen Ur­laub er­for­der­lich ma­chen würden, sei­en nicht er­sicht­lich.
Der Be­klag­te könne ge­gen den Ur­laubs­ab­gel­tungs­an­spruch nicht mit den be­haup­te­ten 9:40 Mi­nus­stun­den auf­rech­nen, denn er ha­be nicht im Ein­zel­nen be­gründet, wann die­se Mi­nus­stun­den an­ge­fal­len sein sol­len.
Ge­gen das ihm am 17.04.2015 zu­ge­stell­te Ur­teil hat der Be­klag­te mit ei­nem am 13.05.2015 bei dem Lan­des­ar­beits­ge­richt ein­ge­gan­ge­nen Schrift­satz Be­ru­fung ein­ge­legt und die­se mit ei­nem am 11.06.2015 bei dem Lan­des­ar­beits­ge­richt ein­ge­gan­ge­nen Schrift­satz wie folgt be­gründet:
Das Ar­beits­ge­richt ha­be für den Nach­weis der Erb­be­rech­ti­gung der Kläge­rin nicht al­lein ei­ne Ko­pie des Tes­ta­men­tes aus­rei­chen las­sen dürfen, da der ver­stor­be­ne Ehe­mann der Kläge­rin auch ei­ne Toch­ter hat­te.
Der Ent­schei­dung des EuGH vom 12.06.2014 - C - 118/13 könne nicht ge­folgt wer­den, denn die­ser ha­be sich nicht mit der Fra­ge von Sinn und Zweck des Ur­laubs­an­spru­ches aus­ein­an­der­ge­setzt. Die Ent­schei­dung des EuGH vom 12.06.2014 - C - 118/13 ste­he nicht mit sei­ner Ent­schei­dung vom 22.11.2011 - C - 214/10 im Ein­klang, nach wel­cher der Ur­laubs­an­spruch bei lang an­dau­ern­den Er­kran­kun­gen auf ei­nen Zeit­raum von 15 Mo­na­ten nach Be­en­di­gung des Ur­laubs­jah­res be­schränkt ist.
Das Ar­beits­ge­richt ha­be auch nicht be­ach­tet, dass Art. 7 Abs. 2 RL 2003/88/EG des Eu­ropäischen Par­la­ments und des Ra­tes vom 04.11.2003 über be­stimm­te As­pek­te der Ar­beits­zeit­ge­stal­tung nur den ge­setz­li­chen Min­des­t­ur­laub schütze. Auch sei von dem Ar­beits­ge­richt nicht berück­sich­tigt wor­den, in­wie­fern be­reits Verjährung und Ver­fall des Ur­laubs­an­spru­ches ein­ge­tre­ten sei­en.
das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts Wup­per­tal vom 25.03.2015 - 3 Ca 2643/14 26 ab­zuändern und die Kla­ge ab­zu­wei­sen.
Sie ver­tei­digt das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts un­ter Wie­der­ho­lung ih­res erst­in­stanz­li­chen Vor­brin­gens und trägt im Hin­blick auf die Be­ru­fungs­be­gründung ergänzend im We­sent­li­chen wie folgt vor:
Die Kläge­rin meint, dass der Ur­laubs­ab­gel­tungs­an­spruch ver­erb­lich sei, denn nach der Auf­ga­be der Sur­ro­ga­ti­ons­theo­rie durch das Bun­des­ar­beits­ge­richt han­de­le es sich bei dem Ur­laubs­ab­gel­tungs­an­spruch um ei­nen rei­nen Geld­an­spruch, der auf ei­ne rei­ne fi­nan­zi­el­le Leis­tung aus­ge­rich­tet sei und des­we­gen nicht von höchst­persönli­cher Na­tur sein könne.
Auch der über den ge­setz­li­chen Min­des­t­ur­laub hin­aus­ge­hen­de Ur­laub sei ver­erb­lich, denn der ver­trag­li­che Ur­laubs­an­spruch ih­res Ehe­man­nes ha­be nicht zwi­schen dem ge­setz­li­chen Min­des­t­ur­laub und dem darüber hin­aus ge­hen­den Ur­laub dif­fe­ren­ziert, so dass ein ein­heit­li­cher Ur­laubs­an­spruch vor­lie­ge.
In dem Kam­mer­ter­min vom 29.10.2015 hat die Kläge­rin das Ori­gi­nal des hand­schrift­li­chen ge­mein­schaft­li­chen Tes­ta­men­tes vor­ge­legt. Die Pro­zess­be­vollmäch­tig­te der Be­klag­ten hat in die­ses Ein­blick ge­nom­men und bestätigt, dass die­ses mit der von der Kläge­rin in der ers­ten In­stanz vor­ge­leg­ten Ko­pie übe­rein­stimmt.
Sie ist gemäß § 64 Abs. 1 und 2 ArbGG statt­haft und nach Maßga­be der §§ 66 Abs. 1, 64 Abs. 6 ArbGG i.V.m. § 520 ZPO form- und frist­gemäß ein­ge­legt und in ei­ner den An­for­de­run­gen des § 64 Abs. 6 ArbGG in Ver­bin­dung mit § 520 Abs. 3 Satz 2 Nr. 2 bis 4 ZPO ent­spre­chen­den Wei­se be­gründet wor­den.
In der Sa­che konn­te die Be­ru­fung hin­ge­gen kei­nen Er­folg ha­ben, denn das Ar­beits­ge­richt hat rich­tig ent­schie­den, dass der Kläge­rin ein Ur­laubs­ab­gel­tungs­an­spruch in Höhe von 32 Ta­gen zu­steht.
Die Be­ru­fungs­kam­mer schließt sich den zu­tref­fen­den und sorgfälti­gen Gründen der Ent­schei­dung des Ar­beits­ge­richts in vol­lem Um­fang an und macht sich die­se gemäß § 69 Abs. 2 ArbGG zu Ei­gen. Die von dem Be­klag­ten mit der Be­ru­fung vor­ge­brach­ten An­grif­fe vermögen kei­ne Ände­rung die­ser Ent­schei­dung des Ar­beits­ge­richts her­bei­zuführen. Un­ter Würdi­gung des Vor­brin­gens des Be­klag­ten in der Be­ru­fungs­be­gründung ist le­dig­lich noch Nach­fol­gen­des aus­zuführen:
Der An­spruch der Kläge­rin er­gibt sich aus § 1922 Abs. 1 BGB in Ver­bin­dung mit den §§ 2265, 2269 Abs. 1 BGB und Art. 7 Abs. 2 RL 2003/88/EG des Eu­ropäischen Par­la­ments und des Ra­tes vom 04.11.2003 in Ver­bin­dung mit § 7 Abs. 4 BUrlG, § 4 des Ar­beits­ver­tra­ges vom 01.03.2004 und § 125 Abs. 1 SGB IX.
1. Die Kläge­rin kann als Al­lein­er­bin ih­res ver­stor­be­nen Ehe­manns den An­spruch für sich gel­tend ma­chen. Dies er­gibt sich gemäß § 1922 Abs.1 BGB, §2265 und § 2269 Abs. 1 BGB aus dem von ihr in dem Kam­mer­ter­min vom 29.10.2015 vor­ge­leg­ten Ori­gi­nal des ge­mein­schaft­li­chen Tes­ta­men­tes vom 22.04.2012. Die Pro­zess­be­vollmäch­tig­te des Be­klag­ten hat nach Ein­sicht in das Ori­gi­nal die­ses Tes­ta­men­tes zu Pro­to­koll erklärt, dass das Tes­ta­ment mit der erst­in­stanz­lich von der Kläge­rin vor­ge­leg­ten Ko­pie (Bl. 49 d.A.) übe­rein­stimmt. Die Kläge­rin hat den Be­weis dafür er­bracht, dass sie Al­lein­er­bin ih­res Ehe­man­nes ist. Die von dem Be­klag­ten be­haup­te­te Toch­ter des ver­stor­be­nen Ehe­manns der Kläge­rin steht dem nicht ent­ge­gen, denn gemäß § 2269 Abs. 1 BGB ist die­se von der Erb­fol­ge aus­ge­schlos­sen.
2. Die Kläge­rin kann von dem Be­klag­ten ei­ne Ur­laubs­ab­gel­tung in Höhe von 32 Ta­gen ver­lan­gen, denn gemäß § 1922 Abs. 1 BGB, § 2265 BGB und § 2269 Abs. 1 BGB sind so­wohl der ge­setz­li­che Min­des­t­ur­laub, der gemäß § 4 des Ar­beits­ver­tra­ges vom 01.03.2004 be­ste­hen­de ver­trag­li­che Mehr­ur­laub und auch der gemäß § 125 Abs. 1 SGB IX ge­re­gel­te Zu­satz­ur­laub auf die Kläge­rin über­ge­gan­gen.
Die Kam­mer folgt gemäß § 69 Abs. 2 ArbGG den Ent­schei­dungs­gründen des Ur­teils des Ar­beits­ge­richts Wup­per­tal und stimmt ins­be­son­de­re mit der am 15.12.2015 von der 3. Kam­mer des Lan­des­ar­beits­ge­richts Düssel­dorf zu ei­nem gleich­ge­la­ger­ten Fall ge­trof­fe­nen Ent­schei­dung übe­rein. Die 3. Kam­mer des Lan­des­ar­beits­ge­richts Düssel­dorf hat hier mit Ur­teil vom 15.12.2015 - 3 Sa 21/15 - so­weit für den vor­lie­gen­den Fall von Be­deu­tung - Nach­fol­gen­des aus­geführt:
"Nach der neu­en Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts ist zwar ein be­reits ent­stan­de­ner Ur­laubs­ab­gel­tungs­an­spruch ei­nes Ar­beit­neh­mers ver­erb­bar (BAG, Ur­teil vom 22.09.2015 - 9 AZR 170/14 - ju­ris). Ein Ur­laubs­an­spruch geht aber nach der bis­he­ri­gen Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts mit dem Tod des Ar­beit­neh­mers un­ter und kann sich nicht in ei­nen Ab­gel­tungs­an­spruch i.S.v. § 7 Abs. 4 BurlG um­wan­deln (BAG, Ur­teil vom 12.03.2013 - 9 AZR 532/11 - AP BUrlG § 7 Ab­gel­tung Nr. 99).
Der Ge­richts­hof der Eu­ropäischen Uni­on (EuGH) hat je­doch in der Ent­schei­dung vom 12.06.2014 - C-118/13 (Gülay Bol­la­cke/K + K Klaas & Kock B.?V. & Co. KG, NJW 2014, 2415) aus Ar­ti­kel 7 der RL 2003/88/EG des Eu­ropäischen Par­la­ments und des Ra­tes vom 04.11.2003 über be­stimm­te As­pek­te der Ar­beits­zeit­ge­stal­tung ei­nen An­spruch auf Ab­gel­tung des Ur­laubs auch bei Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis durch Tod her­ge­lei­tet und die Vor­aus­set­zun­gen und den Um­fang des An­spruchs be­stimmt. Da­nach steht der Ar­ti­kel ein­zel­staat­li­chem Recht ent­ge­gen, wo­nach der Ur­laubs­an­spruch oh­ne Be­gründung ei­nes Ab­gel­tungs­an­spruchs für nicht ge­nom­me­nen Ur­laub un­ter­geht, wenn das Ar­beits­verhält­nis durch den Tod des Ar­beit­neh­mers en­det. Dies be­gründet das Ge­richt da­mit, dass Art 7 Abs. 2 EWG RL 2003 88 der Ar­beits­zeit­richt­li­nie nicht re­strik­tiv aus­ge­legt wer­den dürfe. Die­se Norm stel­le für die Eröff­nung des An­spruchs auf fi­nan­zi­el­le Vergütung kei­ne an­de­re Vor­aus­set­zung auf als die­je­ni­ge, dass zum ei­nen das Ar­beits­verhält­nis be­en­det sei und dass zum an­de­ren der Ar­beit­neh­mer nicht sei­nen ge­sam­ten Jah­res­ur­laub ge­nom­men ha­be. Sch­ließlich er­wei­se sich ein fi­nan­zi­el­ler Aus­gleich als un­erläss­lich, um die prak­ti­sche Wirk­sam­keit des An­spruchs auf be­zahl­ten Jah­res­ur­laub si­cher­zu­stel­len. An­dern­falls würde nämlich der Tod des Ar­beit­neh­mers rück­wir­kend zum vollständi­gen Ver­lust des Ur­laubs­an­spruchs führen. Die Aus­le­gung des Uni­ons­rechts ist für die na­tio­na­len Ge­rich­te bin­dend (§ 267 Abs. 1 Buchst. a AEUV).
§ 7 Abs. 4 BurlG ist nach den Vor­ga­ben des EuGH, de­nen sich die Kam­mer an­sch­ließt, aus­zu­le­gen, zu­mal die­se Vor­schrift den Ur­laubs­ab­gel­tungs­an­spruch eben­falls al­lein von den Vor­aus­set­zun­gen ei­ner Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses und ei­nes of­fe­nen Ur­laubs­an­spruchs abhängig macht. Dies führt zu ei­nem Ur­laubs­ab­gel­tungs­an­spruch der Kläge­rin als Er­bin (Ar­beits­ge­richt Ber­lin Ur­teil vom 07.10.2015 - 56 Ca 10968/15 - ; VG Kas­sel v. 10.03.2015 - 1 K 1994/14.KS -, VG Karls­ru­he vom 16.07.2015 - 3 K 24/15, für Be­am­te, ju­ris; ErfK/Gall­ner 16. Auf­la­ge 2016 Rdn. 23, 24; MüKoBGB/Lei­pold BGB § 1922 Rn. 29¬34; Ri­cken, Ur­laubs­ab­gel­tung bei Tod des Ar­beit­neh­mers - Rechts­kon­struk­ti­on und bei­trags­recht­li­che Be­wer­tung NZA 2014, 1361; Schmidt Ver­erb­bar­keit des An­spruchs auf be­zahl­ten Jah­res­ur­laub NZA 2014, 701; Pol­zer/Kaf­ka, Ver­fall­ba­re und un­ver­fall­ba­re Ur­laubs­ansprüche NJW 2015, 2289).
Dem kann auch nicht der Sinn und Zweck des Ab­gel­tungs­an­spruchs, dass der Ar­beit­neh­mer we­der in den Ge­nuss des Ur­laubs noch in den des Ur­laubs­an­spruchs kom­me (BAG Ur­teil vom 12.03.2013 - 9 AZR 532/11 - aaO) ent­ge­gen­ge­hal­ten wer­den. Nach der Auf­ga­be der Sur­ro­ga­ti­ons­theo­rie durch das Bun­des­ar­beits­ge­richt ent­steht der Ur­laubs­ab­gel­tungs­an­spruch als rei­ner Geld­an­spruch. Er ver­dankt sei­ne Ent­ste­hung zwar ur­laubs­recht­li­chen Vor­schrif­ten. Ist er ent­stan­den, ist er nicht mehr Äqui­va­lent zum Ur­laubs­an­spruch, son­dern bil­det ei­nen Teil des Vermögens des Ar­beit­neh­mers und un­ter­schei­det sich in recht­li­cher Hin­sicht nicht von an­de­ren Zah­lungs­ansprüchen des Ar­beit­neh­mers ge­gen den Ar­beit­ge­ber (BAG Ur­teil vom 19. Mai 2015 - 9 AZR 725/13 - Rn. 18 mwN; BAG, Ur­teil vom 22. Sep­tem­ber 2015 - 9 AZR 170/14 -, Rn. 14, ju­ris).
So­weit die Be­klag­te dem Ent­ste­hen ei­nes An­spruchs beim Er­ben ent­ge­genhält, dass die­se Be­ur­tei­lung den na­tio­na­len erbrecht­li­chen Vor­schrif­ten ent­ge­gen­ste­he, da nur ein be­ste­hen­der An­spruch ver­erbt wer­den könne und der Ur­laubs­ab­gel­tungs­an­spruch bei Tod des Ar­beit­neh­mers nicht mehr bei dem Erb­las­ser ent­ste­hen könne, kann dem nicht ge­folgt wer­den. Dem Ar­beits­recht sind nach­wir­ken­de Rech­te und Pflich­ten aus dem Ar­beits­verhält­nis nicht fremd, so­weit sie be­reits im lau­fen­den Ar­beits­verhält­nis an­ge­legt sind. Der Ent­schei­dung des EuGH ist zu ent­neh­men, dass be­reits der Ur­laubs­an­spruch, den die Richt­li­nie si­chert, auch ei­nen Ab­gel­tungs­an­spruch enthält, der bei je­der Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses zum Tra­gen kommt. Die Kam­mer folgt in­so­weit der Auf­fas­sung, dass ei­ne richt­li­ni­en­kon­for­me Aus­le­gung des § 7 Abs. 4 BurlG zu dem Er­geb­nis führt, dass das im Ar­beits­verhält­nis be­ste­hen­de Recht auf Ur­laub (Stamm­recht), im We­ge der Uni­ver­sal­suk­zes­si­on zum Zeit­punkt des Erb­fal­les auf den Er­ben über­geht und, da der Ur­laubs­an­spruchs selbst höchst­persönli­chen Na­tur ist, sich im Erb­fall in ei­nen Ur­laubs­ab­gel­tungs­an­spruch wan­delt, der un­mit­tel­bar beim Er­ben ent­steht (Ri­cken, Ur­laubs­ab­gel­tung bei Tod des Ar­beit­neh­mers - Rechts­kon­struk­ti­on und bei­trags­recht­li­che Be­wer­tung NZA 2014, 136, MüKoBGB/Lei­pold BGB § 1922 Rn. 29-34).
Die Kläge­rin kann auch nicht nur die Ab­gel­tung des ge­setz­li­chen Min­des­t­ur­laubs, son­dern auch des ta­rif­ver­trag­li­chen Ur­laubs ein­sch­ließlich der Ur­laubs­ta­ge we­gen der Schwer­be­hin­de­rung ver­lan­gen.
Der Ur­laubs­ab­gel­tungs­an­spruch nach § 7 Abs. 4 BUrlG ist nicht auf den ge­setz­li­chen Min­des­t­ur­laub iSd §§ 1, 3 BUrlG be­schränkt, son­dern um­fasst den ge­sam­ten Ur­laubs­an­spruch des Ar­beit­neh­mers, der bei Be­en­di­gung noch nicht erfüllt ist. Nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts können die Ta­rif­ver­trags­par­tei­en Ur­laubs­ansprüche, die über den ge­setz­li­chen Min­des­t­ur­laub hin­aus­ge­hen, den sog. ta­rif­li­chen Mehr­ur­laub, frei re­geln (BAG, Ur­teil vom 13.11.2012 - 9 AZR 64/11 - AP Nr. 97 zu § 7 BUrlG Ab­gel­tung; EuGH 03.05.2012 - C-337/10 - [Nei­del] Rn. 34 ff. mwN, AP Richt­li­nie 2003/88/EG Nr. 8 = EzA EG-Ver­trag 1999 Richt­li­nie 2003/88 Nr. 9). Ta­rif­be­stim­mun­gen können da­her vor­se­hen, dass der Ar­beit­ge­ber den ta­rif­li­chen Mehr­ur­laub bei Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses nicht oder nur dann ab­zu­gel­ten hat, wenn der Ar­beit­neh­mer ar­beitsfähig ist (vgl. BAG, Ur­teil vom 22.05.2012 - 9 AZR 618/10 - NZA 2012, 987). Für ei­nen Re­ge­lungs­wil­len, der zwi­schen Ansprüchen auf Ab­gel­tung von Min­dest-und Mehr­ur­laub un­ter­schei­det, müssen auch bei Ta­rif­verträgen deut­li­che An­halts­punk­te be­ste­hen. Die­se deut­li­chen An­halts­punk­te müssen sich aus Ta­rif­wort­laut, Zu­sam­men­hang und Zweck so­wie ggf. aus der Ta­rif­ge­schich­te er­ge­ben (BAG, Ur­teil vom 23.03.2010 - 9 AZR 128/09 - AP Nr. 3 zu § 125 SGB IX). Dies ist hier nicht ge­ge­ben. Die Ta­rif­ver­trags­par­tei­en ha­ben in Be­zug auf den Ur­laubs­ab­gel­tungs­an­spruch nicht zwi­schen ge­setz­li­chen und über­ge­setz­li­chen, ta­rif­ver­trag­li­chen Ansprüchen un­ter­schie­den. Ab­wei­chun­gen wer­den in § 26 Abs. 2 TVöD für hier nicht re­le­van­te Umstände (Über­tra­gung des Ur­laubs, Be­rech­nung des an­tei­li­gen Ur­laubs, Ru­hen des Ar­beits­verhält­nis­ses, Zah­lungs­be­ginn) ge­re­gelt. Im Übri­gen wird nur auf das Bun­des­ur­laubs­ge­setz ver­wie­sen.
Die Kläge­rin kann auch die Ab­gel­tung des Zu­satz­ur­laubs für Schwer­be­hin­der­te ver­lan­gen. Der schwer­be­hin­der­ten­recht­li­che Zu­satz­ur­laub be­stimmt sich nach den Re­geln des Min­des­t­ur­laubs des § 3 Ab­satz 1 BUrlG. Die­se sog. ur­laubs­recht­li­che Ak­zess­orietät ist schon we­gen der Be­grif­fe des "zusätz­li­chen Ur­laubs" in § 125 Ab­satz 1 Satz 1 SGB IX und des "Zu­satz­ur­laubs" in § 125 Ab­satz 1 Satz 2 SGB IX ge­bo­ten. § 125 Ab­satz 3 SGB IX ord­net "auch" für den Fall der rück­wir­ken­den Fest­stel­lung der Schwer­be­hin­der­ten­ei­gen­schaft die An­wen­dung der "ur­laubs­recht­li­chen Re­ge­lun­gen" an. Hin­zu kommt, dass so­wohl der Min­des­t­ur­laub aus § 3 Ab­satz 1 BUrlG als auch der Schwer­be­hin­der­ten­zu­satz­ur­laub aus § 125 SGB IX ge­setz­li­che, nicht dis­po­ni­ble Ur­laubs­ansprüche sind. Sie un­ter­schei­den sich durch ih­re strik­te Un­ab­ding­bar­keit von über­ge­setz­li­chen ein­zel- oder
ta­rif­ver­trag­li­chen Ansprüchen (Grie­se ju­ris PK-SGB IX § 125 Rn. 30). Auf den Zu­satz­ur­laub sind mit­hin die Vor­schrif­ten über die Ent­ste­hung, Über­tra­gung, Kürzung und Ab­gel­tung des ge­setz­li­chen Min­des­t­ur­laubs an­zu­wen­den (BAG 24.10.2006 - 9 AZR 669/05 - Rn. 12, BA­GE 120, 50; BAG 21.02.1995 - 9 AZR 166/94 - § 47 SchwbG, BA­GE 79,211). In­so­fern hat die Kläge­rin auch ei­nen An­spruch auf Ab­gel­tung des in der Höhe un­strei­ti­gen Zu­satz­ur­laubs er­wor­ben".
Die­sen zu­tref­fen­den Ausführun­gen der 3. Kam­mer des Lan­des­ar­beits­ge­richts Düssel­dorfs schließt sich die Kam­mer im vol­len Um­fang an. Dies gilt auch hin­sicht­lich des gemäß § 4 des Ar­beits­ver­tra­ges vom 01.03.2014 gewähr­ten Mehr­ur­lau­bes. Denn die von der 3. Kam­mer ge­schil­der­ten Grundsätze hin­sicht­lich ei­ner selbständi­gen Re­ge­lung über den Ab­gel­tungs­an­spruch des Mehr­ur­lau­bes gel­ten nicht nur für ei­nen ta­rif­ver­trag­lich gewähr­ten Mehr­ur­laub, son­dern auch für den zwi­schen den Ar­beits­ver­trags­par­tei­en in­di­vi­du­al­ver­trag­lich ver­ein­bar­ten Mehr­ur­laub (vgl. BAG vom 24.03.2009 - 9 AZR 983/07 Rd­nr. 84 in NZA 2009, 538; ErfK/Gall­ner § 7 BUrlG Rd­nr. 52). Dem § 4 des Ar­beits­ver­tra­ges vom 01.03.2004 können kei­ne An­halts­punk­te dafür ent­nom­men wer­den, dass die Ar­beits­ver­trags­par­tei­en hin­sicht­lich des ver­trag­li­chen Mehr­ur­lau­bes zwi­schen dem ge­setz­li­chen Min­des­t­ur­laub und dem ver­trag­li­chen Mehr­ur­laub un­ter­schei­den woll­ten. § 4 des Ar­beits­ver­tra­ges vom 01.03.2004 be­stimmt, dass der Ar­beit­neh­mer 30 Ur­laubs­ta­ge im Jahr hat. Es wird hier nicht zwi­schen dem ge­setz­li­chen Ur­laub und dem Mehr­ur­laub dif­fe­ren­ziert. Ins­be­son­de­re hin­sicht­lich der Ur­laubs­ab­gel­tung be­fin­det sich in dem Ar­beits­ver­trag kei­ne Re­ge­lung, die zwi­schen dem Mehr­ur­laub und dem Min­des­t­ur­laub un­ter­schei­det. Dies hat zur Fol­ge, dass auch der ar­beits­ver­trag­li­che Mehr­ur­laub in der­sel­ben Wei­se wie der ge­setz­li­che Min­des­t­ur­laub hin­sicht­lich der Ver­er­bung des Ab­gel­tungs­an­spru­ches zu be­han­deln ist.
Dies gilt auch für den Zu­satz­ur­laub gemäß § 125 Abs. 1 SGB IX. Auch hier kann auf die Ausführun­gen der 3. Kam­mer des Lan­des­ar­beits­ge­richts Düssel­dorf ver­wie­sen wer­den, denn der gemäß § 125 Abs. 1 SGB IX gewähr­te Zu­satz­ur­laub ist als ge­setz­li­cher Ur­laubs­an­spruch an das recht­li­che Schick­sal des Min­des­t­ur­lau­bes ge­bun­den (vgl. BAG vom 07.08.2012 - 9 AZR 353/10 in NZA 2012, 1216; BAG vom 23.03.2010 - 9 AZR 128/09 in NZA 2010, 810; Neu­mann/Fen­ski/Kühn Bun­des­ur­laubs­ge­setz § 125 SGB IX Rd­nr. 20).
3. Der Ur­laubs­ab­gel­tungs­an­spruch ist nicht verjährt. Der Ab­gel­tungs­an­spruch ist mit dem Tod des Ehe­manns der Kläge­rin, der das Ar­beits­verhält­nis be­en­det hat, am 04.01.2013 ent­stan­den. Die dreijähri­ge Verjährungs­frist des § 195 BGB ist mit der am 02.10.2014 der Be­klag­ten zu­ge­stell­ten Kla­ge­schrift ge­wahrt.
4. Die in dem Ar­beits­ver­trag un­ter § 10 ge­re­gel­te ein­mo­na­ti­ge Aus­schluss­frist muss­te die Kläge­rin nicht ein­hal­ten, denn sie ist zu kurz und da­mit un­wirk­sam.
Ei­ne ein­zel­ver­trag­li­che Aus­schluss­frist, die die schrift­li­che Gel­tend­ma­chung al­ler Ansprüche aus dem Ar­beits­verhält­nis in­ner­halb ei­ner Frist von we­ni­ger als drei Mo­na­ten ab Fällig­keit ver­langt, be­nach­tei­ligt den Ar­beit­neh­mer un­an­ge­mes­sen ent­ge­gen den Ge­bo­ten von Treu und Glau­ben (§ 307 Abs. 1 Satz 1 BGB). Sie ist mit we­sent­li­chen Grund­ge­dan­ken des ge­setz­li­chen Verjährungs­rechts nicht ver­ein­bar (§ 307 Abs. 2 Nr. 1 BGB) und schränkt we­sent­li­che Rech­te, die sich aus der Na­tur des Ar­beits­ver­trags er­ge­ben, so ein, dass gemäß § 307 Abs. 2 Nr. 2 BGB die Er­rei­chung des Ver­trags­zwecks gefähr­det ist (vgl. BAG vom 28.09.2005 - 5 AZR 52/05 in NZA 2006, 149; ErfK/Preis §§ 194 - 218 BGB Rd­nr. 46). Die Aus­schluss­klau­sel ist auf Grund der un­an­ge­mes­sen kur­zen Frist ins­ge­samt un­wirk­sam. Sie fällt gemäß § 306 Abs. 1 und 2 BGB bei Auf­recht­er­hal­tung des Ar­beits­ver­trags im Übri­gen er­satz­los weg (vgl. BAG vom 28.09.2005 - 5 AZR 52/05 a.a.O.)
5. Hin­sicht­lich der Be­rech­nung der Höhe des Ab­gel­tungs­an­spru­ches von 32 Ar­beits­ta­gen in Höhe von ar­beitstäglich 115,71 € kann auf die Ausführun­gen des Ar­beits­ge­richts un­ter I. sei­ner Ent­schei­dungs­gründe ver­wie­sen wer­den. Mit der Be­ru­fungs­be­gründung hat der Be­klag­te die­se Be­rech­nung nicht gemäß § 64 Abs. 6 ArbGG und § 520 Abs. 3 Satz 2 ZPO mit ei­ner ge­son­der­ten Be­gründung an­ge­grif­fen. Dies gilt auch für die erst­in­stanz­lich von dem Be­klag­ten zur Auf­rech­nung ge­stell­ten 9:40 Mi­nus­stun­den. Auch hier hat der Be­klag­te die Ausführun­gen des Ar­beits­ge­rich­tes un­ter I. 4. der Ent­schei­dungs­gründe des Ur­teils vom 25.03.2015 nicht mit ei­ner ge­son­der­ten Be­gründung an­ge­grif­fen.
6. Die Zins­ent­schei­dung folgt aus den §§ 286 Abs. 1 Satz 2 BGB und § 288 Abs. 1 BGB, da die Kla­ge am 02.10.2014 zu­ge­stellt wor­den ist.
Die Kos­ten der Be­ru­fung hat der Be­klag­te gemäß den §§ 64 Abs. 6 ArbGG, 97 Abs. 1 ZPO zu tra­gen.
Die Kam­mer hat den ent­schei­dungs­er­heb­li­chen Rechts­fra­gen grundsätz­li­che Be­deu­tung bei­ge­mes­sen und da­her gemäß § 72 Abs. 1 und Abs. 2 Nr.1 ArbGG die Re­vi­si­on an das Bun­des­ar­beits­ge­richt zu­ge­las­sen.
zur Übersicht 11 Sa 537/15