Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Text=BFHE%20155,%20232
Timestamp: 2019-12-14 05:12:57
Document Index: 345578157

Matched Legal Cases: ['§ 41', '§ 76', '§ 117', '§ 42', '§ 96', 'BGH', 'BGH', '§ 370', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 76', '§ 235', '§ 169', '§ 235', '§ 42', '§ 370', '§ 41', '§ 42', '§ 42', '§ 8', '§ 10', '§ 7', '§ 7', '§ 76', 'in dubio', 'BGH']

BFH, 21.10.1988 - III R 194/84 - dejure.org
https://dejure.org/1988,249
BFH, 21.10.1988 - III R 194/84 (https://dejure.org/1988,249)
BFH, Entscheidung vom 21.10.1988 - III R 194/84 (https://dejure.org/1988,249)
BFH, Entscheidung vom 21. Januar 1988 - III R 194/84 (https://dejure.org/1988,249)
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AO 1977 §§ 41 Abs. 2, 42, 173 Abs. 2, 370 Abs. 1 Nr. 1; FGO §§ 76 Abs. 1, 96 Abs. 1; BGB § 117
Steuerumgehung - Ausländische Gesellschaft - Einschaltung einer ausländischen Basisgesellschaft - Gesellschaftsrechtliche Verflechtung - Scheingeschäft - Gestaltungsmißbrauch - Steuerhinterziehung
§ 42 AO; § 96 FGO
Abgabenordnung; Gestaltungsmißbrauch durch Einschaltung ausländischer Basisgesellschaften
BFHE 155, 232
DB 1989, 808
BStBl II 1989, 216
Ein solches ist anzunehmen, wenn die Parteien einverständlich nur den äußeren Schein des Abschlusses eines Rechtsgeschäfts hervorrufen, dagegen die mit dem Geschäft verbundenen Rechtswirkungen nicht eintreten lassen wollen, den Parteien also der Geschäftswille fehlt (BGH, Urteil vom 25. Oktober 1961 - V ZR 103/60, BGHZ 36, 84, 87 f.; BFH, Urteil vom 21. Oktober 1988 - III R 194/84, BStBl II 1989, 216).
Hängt die Rechtmäßigkeit eines Steuerbescheids davon ab, daß der Steuerpflichtige eine Steuerhinterziehung begangen hat, so müssen die objektiven und subjektiven Tatbestandsmerkmale einer Steuerhinterziehung erfüllt sein (Anschluß u. a. an BFH-Urteil vom 21. Oktober 1988 III R 194/84, BFHE 155, 232, BStBl II 1989, 216).
Hängt die Rechtmäßigkeit eines Steuerbescheids davon ab, daß der Steuerpflichtige eine Steuerhinterziehung begangen hat, so ist der Bescheid nur rechtmäßig, wenn die objektiven und subjektiven Tatbestandsmerkmale einer Steuerhinterziehung (§ 370 AO 1977) erfüllt sind (BFH-Urteile vom 16. Januar 1973 VIII R 52/69, BFHE 108, 286, BStBl II 1973, 273; vom 21. Oktober 1988 III R 194/84, BFHE 155, 232, BStBl II 1989, 216).
Ein solches ist anzunehmen, wenn die Parteien einverständlich nur den äußeren Schein des Abschlusses eines Rechtsgeschäfts hervorrufen, dagegen die mit dem Geschäft verbundenen Rechtswirkungen nicht eintreten lassen wollen, den Parteien also der Geschäftswille fehlt (BGH, Beschluss vom 28. Mai 2014 - 3 StR 206/13, BGHSt 59, 244, 250; Urteil vom 25. Oktober 1961 - V ZR 103/60, BGHZ 36, 84, 87 f.; BFH, Urteil vom 21. Oktober 1988 - III R 194/84, BStBl II 1989, 216).
Ein Scheingeschäft liegt vor, wenn sich die Vertragsbeteiligten über den Scheincharakter des Rechtsgeschäfts einig sind, was bereits daran offenkundig werden kann, daß sie die notwendigen Folgerungen aus dem Vertrag bewußt nicht gezogen haben (BFH-Urteil vom 21. Oktober 1988 III R 194/84, BFHE 155, 232, BStBl II 1989, 216).
Gehört zum Tatbestand einer steuerrechtlichen Norm die Begehung einer strafbaren Handlung, trägt die Finanzbehörde die objektive Feststellungslast (Beweislast) für das Vorliegen aller Tatbestandsmerkmale der strafbaren Handlung, und zwar auch in subjektiver Hinsicht (BFH-Beschluß vom 5. März 1979 GrS 5/77, BFHE 127, 140, BStBl II 1979, 570; BFH-Urteil vom 21. Oktober 1988 III R 194/84, BFHE 155, 232, BStBl II 1989, 216, 219).
Für die Feststellung einer Steuerhinterziehung, die nach § 76 Abs. 1 Sätze 1 und 5 FGO von Amts wegen zu treffen ist, ist kein höherer Grad von Gewißheit erforderlich als für die Feststellung anderer Tatsachen, für die das FA die Feststellungslast trägt (BFH in BFHE 127, 140, BStBl II 1979, 570; in BFHE 155, 232, BStBl II 1989, 216, 219;… Klein/Orlopp, Kommentar zur Abgabenordnung, 4. Aufl., § 235 Anm. 2, § 169 Anm. 7 c, m. w. N.;… Kühn/Kutter/Hofmann, a. a. O., § 235 Bem. 2).
Soweit der Senat in seiner Rechtsprechung die Beteiligung eines Inländers an der Basisgesellschaft vorausgesetzt hat (…vgl. z.B. Urteile vom 26. Juli 1995 I R 78/93, I R 86/94, BFH/NV 1996, 383; vom 21. Oktober 1988 III R 194/84, BFHE 155, 232, BStBl II 1989, 216) folgte dies allein daraus, daß ohne eine solche Beteiligung eine --möglicherweise mißbräuchliche-- steuerrelevante Rechtsbeziehung überhaupt nicht bestanden hätte.
Für diesen Fall käme es auf die Frage, ob die Einbindung der A. einen Missbrauch von Gestaltungsmöglichkeiten im Sinne des § 42 Abs. 1 Satz 1 AO (zur Abgrenzung vgl. BFH, Urteil vom 21.Oktober 1988 - III R194/84, BStBl II 1989, 216, 218;… Joecks in Franzen/Gast/Joecks, Steuerstrafrecht, 7. Aufl., § 370 Rn. 135ff.;… Ratschow in Klein, AO, 11. Aufl., § 41 Rn. 23, § 42 Rn. 135ff.; Koenig in Pahlke/Koenig, AO, 2.Aufl., § 42 Rn.1) darstellen könnte oder die "Transferzahlungen' als Einkünfte einer sog. Zwischengesellschaft (hier: A.) im Sinne des § 8 AStG der Hinzurechnungsbesteuerung nach § 10 AStG unterfielen, nicht mehr an (…zur Abgrenzung vgl. Vogt in Blumich AStG, Stand: April 2012, Vorbem. zu den §§ 7 bis 14 AStG Rn. 42;… Protzen in Kraft, AStG, § 7 Rn. 50ff.).
Kann sich der Steuerpflichtige der Besteuerung in seiner Person schon durch zivilrechtlich wirksame Übertragung des Einkünfteanspruchs nicht entziehen, so ist die nicht ernstlich gewollte Verlagerung der Einkünfte erst recht steuerlich unbeachtlich(vgl. BFH, Urteil vom 21.Oktober 1988 -IIIR194/84, BStBl II 1989, 216, 218).
Für die Feststellung der Steuerhinterziehung, die nach § 76 Abs. 1 Sätze 1 und 5 FGO von Amts wegen zu treffen ist, ist kein höherer Grad von Gewißheit notwendig als für die Feststellung anderer Tatsachen, für die das FA die Feststellungslast trägt (Beschluß des Großen Senats des BFH vom 5. März 1979 GrS 5/77, BFHE 127, 140, BStBl II 1979, 570; BFH-Urteil vom 21. Oktober 1988 III R 194/84, BFHE 155, 232, BStBl II 1989, 216).
Der III. Senat des BFH hat der Äußerung des Großen Senats entnommen, daß die Tatbestandsmerkmale einer Steuerhinterziehung nach wie vor unter Beachtung des Grundsatzes in dubio pro reo zu prüfen sind; Grundlage der Prüfung seien jedoch nicht die Vorschriften der StPO, sondern diejenigen der AO 1977 und der FGO; es sei kein höherer Grad von Gewißheit erforderlich als für die Feststellung anderer Tatsachen, für die das FA die Feststellungslast trage (Urteil vom 21. Oktober 1988 III R 194/84, BFHE 155, 232, 237, BStBl II 1989, 216).
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