Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Gericht=EGMR&Datum=14.04.2011&Aktenzeichen=30060/04
Timestamp: 2019-08-21 12:38:18
Document Index: 128009212

Matched Legal Cases: ['EGMR', 'EGMR', 'EGMR', 'EGMR', 'Art. 5', 'Art. 7', 'Art. 5', 'Art. 7', 'Art. 5', 'Art. 7', 'Art. 5', 'EGMR', '§ 1', '§ 49', '§ 43', '§ 31', '§ 1', '§ 1', '§ 38']

EGMR, 14.04.2011 - 30060/04 - dejure.org
https://dejure.org/2011,7631
EGMR, 14.04.2011 - 30060/04 (https://dejure.org/2011,7631)
EGMR, Entscheidung vom 14.04.2011 - 30060/04 (https://dejure.org/2011,7631)
EGMR, Entscheidung vom 14. April 2011 - 30060/04 (https://dejure.org/2011,7631)
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J. gegen Deutschland
Art. 5 Abs. 1 EMRK; Art. 7 I EMRK
Sicherheitsverwahrung; nachträgliche Verlängerung; Zehnjahresfrist
Zulässigkeit einer nachträglichen Verlängerung der Unterbringung in der Sicherungsverwahrung - Nachträglich Verlängerung einer Sicherrungsverwahrung als Verstoß gegen Art. 5 Abs. 1 und Art. 7 Abs. 1 EMRK - Geltendmachung eines materiellen Schadens wegen entgangenem Arbeitslohn bei unzulässiger nachträglicher Verlängerung der Sicherungsverwahrung
Remainder inadmissible Violation of Art. 5-1 Violation of Art. 7-1 Pecuniary damage - claim dismissed Non-pecuniary damage - award (englisch)
spiegel.de (Pressebericht, 18.04.2011)
BVerfG, 22.03.2004 - 2 BvR 2027/02
DÖV 2011, 570
Es kann somit festgestellt werden, dass in dieser Bestimmung alle Gründe aufgelistet sind, derentwegen einer Person im öffentlichen Interesse, einschließlich dem, die Allgemeinheit vor Straftaten zu schützen, die Freiheit entzogen werden darf (siehe J../. Deutschland, Individualbeschwerde Nr. 30060/04, Rdnrn. 37-38, 14. April 2011).
Sie erlaubt es einem Staat jedoch nicht, Einzelpersonen vor Straftaten einer Person durch Maßnahmen zu schützen, die gegen die Konventionsrechte dieser Person, insbesondere gegen das in Artikel 5 Abs. 1 garantierte Recht auf Freiheit,verstoßen, um das es im Fall der Beschwerdeführer geht (siehe J. ./. Deutschland, Individualbeschwerde Nr. 30060/04, Rdnrn. 37-38, 14. April 2011 mit weiteren Verweisen).
Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte hat demzufolge in den Fällen, in denen er über die Konventionsmäßigkeit oder -widrigkeit von Sicherungsverwahrungen zu befinden hatte, eine Rechtfertigung der Freiheitsentziehung nach Art. 5 Abs. 1 Satz 2 Buchstabe c EMRK verneint (vgl. EGMR…, Urteil vom 17. Dezember 2009, Beschwerde-Nr. 19359/04, M. ./. Deutschland, Rn. 102, m.w.N.;… Urteile vom 13. Januar 2011, Beschwerde-Nr. 17792/07, Kallweit ./. Deutschland, Rn. 52, Beschwerde-Nr. 27360/04 und 42225/07, Schummer ./. Deutschland, Rn. 56; Urteil vom 14. April 2011, Beschwerde-Nr. 30060/04, Jendrowiak ./. Deutschland, Rn. 35;… Urteil vom 24. November 2011, Beschwerde-Nr. 4646/08, O.H. ./. Deutschland, Rn. 83; vgl. ferner BVerfGE 128, 326 ).
In addition, sub-paragraphs (a) to (f) of Article 5 § 1 contain an exhaustive list of permissible grounds of deprivation of liberty; such a measure will not be lawful unless it falls within one of those grounds (ibid., § 49; see also, in particular, Saadi v. the United Kingdom [GC], no. 13229/03, § 43, 29 January 2008, and Jendrowiak v. Germany, no. 30060/04, § 31, 14 April 2011).
The interaction between the protection afforded by Article 5 § 1 of the Convention and the positive obligations under Articles 2 and 3 has been examined on several occasions by the Court, which has consistently reiterated that positive obligations of this kind should be fully compatible with the guarantees set forth in Article 5. Only recently, in the Jendrowiak v. Germany judgment (no. 30060/04, 14 April 2011), the Court observed that "the State authorities could not, in the present case, rely on their positive obligations under the Convention in order to justify the applicant's deprivation of liberty which, as has been shown above..., did not fall within any of the exhaustively listed permissible grounds for a deprivation of liberty under sub-paragraphs (a) to (f) of Article 5 § 1. That provision can thus be said to contain all grounds on which a person may be deprived of his liberty in the public interest, including the interest in protecting the public from crime" (§ 38).
Darüber hinaus verweist der Gerichtshof hinsichtlich des Vorbringens der Regierung, dass sie Artikel 5 Abs. 1 mit Blick auf die aus Artikel 2 und 3 der Konvention herrührende Pflicht der Staaten auslegen müsse, Opfer vor weiteren Straftaten zu schützen (…siehe Rdnr. 64, oben) auf seine Entscheidung in der Rechtssache J. ./. Deutschland (Individualbeschwerde Nr. 30060/04, Rdnrn. 36-38, 14. April 2011).
Von dieser Bestimmung darf nicht einmal im Fall eines öffentlichen Notstands, der das Leben der Nation bedroht, abgewichen werden (Artikel 15 Abs. 1 und 2 der Konvention) (siehe u. a. Jendrowiak ./. Deutschland, Individualbeschwerde Nr. 30060/04, Rdnr. 48, 14. April 2011;… und O. H. ./. Deutschland, a.a.O., Rdnr. 107).
Darüber hinaus verweist der Gerichtshof hinsichtlich des Vorbringens der Regierung, dass sie Artikel 5 Abs. 1 mit Blick auf die aus Artikel 2 und 3 der Konvention herrührende Pflicht der Staaten auslegen müsse, Opfer vor weiteren Straftaten zu schützen (siehe Rdnrn. 61 und 65, oben) auf seine Entscheidung in der Rechtssache J. ./. Deutschland (Individualbeschwerde Nr. 30060/04, Rdnrn. 36-38, 14. April 2011;… siehe auch O. H. ./. Deutschland, a. a. O., Rdnrn. 93 - 94).
Deutschland (…a. a. O., Rdnr. 86) und J../. Deutschland (Individualbeschwerde Nr. 30060/04, Rdnrn. 36-38, 14. April 2011) betonte er, dass in Artikel 5 Abs. 1 der Konvention eine erschöpfende Liste zulässiger Gründe für die Freiheitsentziehung enthalten sei, und keine Freiheitsentziehung, die nicht unter einen dieser Gründe falle, rechtmäßig sei.
Der Gerichtshof kommt jedoch nicht umhin festzustellen, dass Artikel 2 und 3 des Übereinkommens es einem Staat nicht erlauben, Einzelpersonen vor Straftaten einer Person durch Maßnahmen zu schützen, die gegen deren Konventionsrechte, insbesondere gegen das in Artikel 5 Abs. 1 garantierte Recht auf Freiheit, verstoßen (siehe J../. Deutschland, Individualbeschwerde Nr. 30060/04, Rdnrn. 36-38, 14. April 2011;… siehe auch O. H../. Deutschland, a. a. O., Rdnrn. 93-94).
Darüber hinaus verweist der Gerichtshof hinsichtlich des Vorbringens der Regierung, dass sie Artikel 5 Abs. 1 mit Blick auf die aus Artikel 2 und 3 der Konvention herrührende Pflicht der Staaten auslegen müsse, Opfer vor weiteren Straftaten zu schützen (…siehe Rdnr. 73, oben) auf seine Feststellungen in der Rechtssache J. ./. Deutschland (Individualbeschwerde Nr. 30060/04, Rdnrn. 36-38, 14. April 2011).