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Timestamp: 2020-02-28 05:58:22
Document Index: 143049061

Matched Legal Cases: ['Art. 103', 'Art. 103', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 139', '§ 139', 'BGH']

Recht­li­ches Gehör – und die gericht­li­chen Hin­weis­pflich­ten | Rechtslupe
Rechtliches Gehör - und die gerichtlichen Hinweispflichten
Recht­li­ches Gehör – und die gericht­li­chen Hin­weis­pflich­ten
Gericht­li­che Hin­weis­pflich­ten die­nen der Ver­mei­dung von Über­ra­schungs­ent­schei­dun­gen und kon­kre­ti­sie­ren den Anspruch der Par­tei­en auf recht­li­ches Gehör 1. Art. 103 Abs. 1 GG garan­tiert den Ver­fah­rens­be­tei­lig­ten, dass sie Gele­gen­heit erhal­ten, sich vor Erlass einer gericht­li­chen Ent­schei­dung zu dem die­ser zugrun­de lie­gen­den Sach­ver­halt zu äußern.
Ein Gericht ver­stößt gegen Art. 103 Abs. 1 GG und das Gebot eines fai­ren Ver­fah­rens, wenn es ohne vor­he­ri­gen Hin­weis Anfor­de­run­gen an den Sach­vor­trag stellt oder auf recht­li­che Gesichts­punk­te abstellt, mit denen auch ein gewis­sen­haf­ter und kun­di­ger Pro­zess­be­tei­lig­ter nach dem bis­he­ri­gen Pro­zess­ver­lauf nicht zu rech­nen brauch­te 2.
Die grund­recht­li­che Gewähr­leis­tung des recht­li­chen Gehörs vor Gericht schützt auch das Ver­trau­en der in ers­ter Instanz sieg­rei­chen Par­tei dar­auf; vom Beru­fungs­ge­richt recht­zei­tig einen Hin­weis zu erhal­ten, wenn die­ses in einem ent­schei­dungs­er­heb­li­chen Punkt der Vor­in­stanz nicht fol­gen will und auf­grund sei­ner abwei­chen­den Ansicht eine Ergän­zung des Sach­vor­trags erfor­der­lich sein kann 3.
Außer zur Hin­wei­ser­tei­lung ist das Beru­fungs­ge­richt auch ver­pflich­tet, der betrof­fe­nen Par­tei Gele­gen­heit zu geben, auf den Hin­weis zu reagie­ren und ihren Tat­sa­chen­vor­trag zu ergän­zen 4.
Stellt die durch den Hin­weis belas­te­te Par­tei einen Antrag auf Schrift­satz­nach­lass, hat das Beru­fungs­ge­richt ihr eine Erklä­rungs­frist ein­zu­räu­men, inner­halb derer sie zu dem Hin­weis Stel­lung neh­men und ihren Vor­trag gege­be­nen­falls ergän­zen oder klar­stel­len kann 5.
Das ange­foch­te­ne Urteil beruht bereits dann auf die­ser Ver­let­zung des recht­li­chen Gehörs, wenn nicht aus­ge­schlos­sen wer­den kann, dass das Gericht bei ver­fah­rens­feh­ler­frei­em Vor­ge­hen anders ent­schie­den hät­te 6.
Recht­li­ches Gehör – und die gericht­li­chen Hin­weis­pflich­ten Gericht­li­che Hin­weis­pflich­ten die­nen der Ver­mei­dung von Über­ra­schungs­ent­schei­dun­gen und kon­kre­ti­sie­ren den Anspruch der Par­tei­en auf recht­li­ches Gehör ((BGH, Beschluss vom 23.04.2009 – IX ZR 95/​06, ZIn­sO…
Frist­lo­se Kün­di­gung des Ver­mie­ters wegen ver­wei­ger­ter… Ein Ver­mie­ter kann zur Kün­di­gung des Miet­ver­hält­nis­ses berech­tigt sein, wenn sich der Mie­ter wei­gert, not­wen­di­ge Instand­set­zungs­ar­bei­ten an der Woh­nung zu dul­den und dem Ver­mie­ter bzw.…
BGH, Beschluss vom 23.04.2009 – IX ZR 95/​06, ZIn­sO 2009, 1028 Rn. 5; BVerfGE 84, 188, 189 f[↩]
vgl. BGH, Beschluss vom 15.02.2005 – XI ZR 144/​03, BGH­Re­port 2005, 936 mwN; vom 15.03.2006 – IV ZR 32/​05, NJW-RR 2006, 937 Rn. 4 mwN; BVerfG, NJW 2003, 2524; BVerfGE 84, 188, 190; 86, 133, 144 f[↩]
BGH, Beschluss vom 15.03.2006 – IV ZR 32/​05, NJW-RR 2006, 937 mwN; vom 26.06.2008 – V ZR 225/​07, Rn. 5; vom 23.04.2009 aaO[↩]
vgl. BGH, Urtei­le vom 25.05.1993 – XI ZR 141/​92, NJW-RR 1994, 566, 567; vom 27.04.1994 – XII ZR 16/​93, WM 1994, 1823, 1824; vom 27.11.1996 – VIII ZR 311/​95, NJW-RR 1997, 441; Beschluss vom 15.02.2005, aaO; eben­so BVerfG, NJW 2003, 2524[↩]
Musielak/​Stadler, ZPO, 11. Aufl., § 139 Rn.15, 29; Zöller/​Greger, ZPO, 31. Aufl., § 139 Rn. 14; vgl. BAG, NJW 2006, 2716, 2717 f[↩]
BGH, Beschluss vom 24.10.2013 – IX ZR 164/​11, NJW-RR 2014, 172 Rn. 8 mwN; vom 03.07.2014 – IX ZR 285/​13, ZIn­sO 2014, 1679 Rn. 15[↩]
BerufungHinweispflichtrechtliches Gehörrichterlicher HinweisÜberraschungsentscheidungZivilprozess