Source: https://www.anwalt-suchservice.de/rechtstipps/pilze_sammeln_ist_es_immer_erlaubt_22988.html
Timestamp: 2020-02-25 18:34:19
Document Index: 253485535

Matched Legal Cases: ['§ 14', '§ 23', '§ 39', '§ 1', '§ 2', '§ 23', '§ 44', '§ 69']

17.10.2019, Redaktion Anwalt-Suchservice / Lesedauer ca. 3 Min. (712 mal gelesen)
Im Herbst gehen viele Menschen gern Pilze sammeln. Allerdings weiß mancher nicht, dass man gar nicht überall einfach so sammeln darf. Auch die gesammelte Menge ist nicht immer egal.
Was darf man im Wald? Darf man Pilze zum Geldverdienen sammeln? Was darf man aus dem Wald mitnehmen? Was besagt das Bundesnaturschutzgesetz? Die Bundesartenschutzverordnung schützt auch Pilze Was ist in Naturschutzgebieten zu beachten? Wie hoch sind die Bußgelder? Praxistipp
Wenn es Herbst wird, bevölkern wieder mehr Pilzsammler die Wälder. Allerdings ist das Sammeln nicht überall erlaubt. Unzulässiges Sammeln kann mit empfindlichen Bußgeldern geahndet werden.
Was man in Wäldern tun darf und was nicht, regelt das Bundeswaldgesetz. Nach § 14 dieses Gesetzes ist das Betreten des Waldes jedem zu Erholungszwecken erlaubt. Einzelheiten können die Bundesländer festlegen. Dies tun sie auch in ihren jeweiligen Waldgesetzen. Diese Regelungen gelten übrigens nicht nur für Wälder in Bundes- und Landeseigentum, sondern grundsätzlich auch für solche in Privatbesitz. Verboten ist meist zum Beispiel das Betreten von Gebieten, in denen gerade Holz geschlagen wird, sowie von Aufforstungsgebieten mit jungen Bäumen.
Darf man Pilze zum Geldverdienen sammeln?
Aus einigen Bundesländern – wie etwa Rheinland-Pfalz – hat es Presseberichte über gewerbliche Pilzsammler gegeben, die in Busladungsstärke anrücken und dann im Wald als Sammelkette durchs Unterholz marschieren. Die gefundenen Pilze verkaufen sie dann an Restaurants oder auf Märkten. Natürlich ist dies nicht der Sinn der Sache. Pilze gehören zum Ökosystem des Waldes, sie dienen Tieren als Nahrung und leben in Symbiose mit anderen Pflanzen. Wenn sie derart massenweise gesammelt werden, kann sich ihr Bestand oft über Jahre nicht mehr erholen. Außerdem richten Sammeltrupps erhebliche Zerstörungen am Wald an. Daher sind solche Sammelaktionen verboten.
Was darf man aus dem Wald mitnehmen?
Dies regeln meist die Waldgesetze der einzelnen Bundesländer. Die Regelungen können sich von Land zu Land unterscheiden. Häufig bestimmen sie, welche Walderzeugnisse man sich aneignen darf – was also jeder ohne weiteres aus dem Wald mitnehmen darf.
Beispiel: § 23 des Landeswaldgesetzes von Rheinland-Pfalz bestimmt, dass man Pilze, Beeren sowie Zweige, Blumen und Kräuter bis zur Menge eines Handstraußes mit nach Hause nehmen darf. Dies darf nur für den persönlichen Bedarf geschehen, also nicht zum Verkauf. Die Entnahme aus dem Wald muss pfleglich stattfinden, also ohne Beschädigung der Umgebung und anderer Pflanzen.
Gewerbliche Sammelei ist demnach also unzulässig. Das betrifft zum Beispiel das Sammeln von Pilzen oder Kräutern für den Verkauf auf dem Wochenmarkt. Eine Ausnahme kann es geben, wenn man eine Genehmigung des Waldbesitzers und (!) der örtlichen Forst- oder Naturschutzbehörde dafür hat. An manchen Orten wird diese Genehmigung als sogenannter Pilzsammelschein gegen Gebühr erteilt.
Was besagt das Bundesnaturschutzgesetz?
Auch das bundesweit gültige Bundesnaturschutzgesetz enthält die oben für Rheinland-Pfalz genannte Regelung. § 39 des Gesetzes erlaubt ausdrücklich das Sammeln von "geringen Mengen". Als gering gilt dabei meist die Menge, welche für ein oder zwei Mahlzeiten ausreicht. Häufig setzt man hier 500 Gramm pro Person an. Insoweit haben die zuständigen Naturschutzbehörden einen Ermessensspielraum.
Die Bundesartenschutzverordnung schützt auch Pilze
Auch die Bundesartenschutzverordnung enthält Regelungen über Pilze. Sie nennt eine ganze Reihe von besonders geschützten Pilzarten, die man nicht pflücken darf. Die Regelung findet sich in Anlage 1 zu § 1. Auf der Liste stehen durchaus auch Steinpilze, Pfifferlinge, Morcheln, Röhrlinge und Trüffel.
§ 2 Absatz 1 der Bundesartenschutzverordnung macht eine Ausnahme vom Pflück-Verbot. Diese gilt für Steinpilze, Pfifferlinge, Schweinsohren, Brätlinge, Birkenpilze und Rotkappen sowie Morcheln. Diese Pilze dürfen also in geringen Mengen für den eigenen Bedarf gesammelt werden.
Was ist in Naturschutzgebieten zu beachten?
Wenn ein Wald zum Naturschutzgebiet erklärt worden ist, existiert eine sogenannte Schutzgebietsverordnung. In dieser ist genau geregelt, welche Einschränkungen im jeweiligen Schutzgebiet für eine Nutzung durch den Menschen gelten. So kann es zum Beispiel Einschränkungen beim Betreten des Gebietes geben. In Naturschutzgebieten ist das Pilzesammeln in der Regel untersagt. Auch in Nationalparks ist es nicht erlaubt (§§ 23, 24 Bundesnaturschutzgesetz).
Ein Verstoß gegen die genannten Regelungen kann ein hohes Bußgeld zur Folge haben. Nach dem Waldgesetz von Rheinland-Pfalz ist zum Beispiel das Sammeln von Pilzen über den persönlichen Bedarf hinaus eine Ordnungswidrigkeit, die mit bis zu 2.500 Euro Bußgeld geahndet werden kann – in schweren Fällen sind es sogar bis zu 10.000 Euro.
Das Bundesnaturschutzgesetz sieht für das gewerbliche Sammeln ohne behördliche Genehmigung eine Geldbuße bis zu 10.000 Euro vor. Teurer wird das Sammeln der nach dem Artenschutzgesetz besonders geschützten Pilzarten. Hier handelt es sich um einen Verstoß gegen § 44 des Bundesnaturschutzgesetzes. Die Bußgeldhöhe kann bis zu 50.000 Euro betragen (§ 69 Abs. 7 BNatSchG).
Vor dem Pilze suchen ist es sinnvoll, sich darüber zu informieren, was im jeweiligen Wald erlaubt ist. Auskunft kann die örtliche untere Naturschutzbehörde erteilen. Kommt es zu einem Rechtsstreit mit einer Behörde, ist ein Fachanwalt für Verwaltungsrecht der richtige Ansprechpartner.
14.10.2019, Redaktion Anwalt-Suchservice (1081 mal gelesen)