Source: https://www.grin.com/document/174607
Timestamp: 2019-11-12 12:50:55
Document Index: 238065382

Matched Legal Cases: ['§218', '§218', '§219', '§176', '§176', '§218', '§218', 'Art. 2', '§218', '§218', '§218', '§ 176']

"Recht auf Leben - Pflicht zum Leben" - Schwangerschaftsabbruch ... | Masterarbeit, Hausarbeit, Bachelorarbeit veröffentlichen
J S Jasmin Schlotterbeck (Autor)
1. Darstellung der Situation
2. Schilderung der Problematik
3. Erörterung der Argumente für oder gegen einen Schwangerschaftsabbruch
3.1 Schwangerschaftsabbruch aus rechtlicher Sicht
3.2 Schwangerschaftsabbruch aus kirchlicher Sicht
3.2.1 Die katholische Sichtweise
3.2.2 Die evangelische Sichtweise
3.3 Schwangerschaftsabbruch aus medizinischer Sicht
3.4 Schwangerschaftsabbruch aus familiärer Sicht
4. Erste Zusammenfassung
5. Begründung des Selbstbestimmungsrechtes der Frau
6. Zusammenfassung und Urteilsentscheid
„Recht auf Leben - Pflicht zum Leben“
Schwangerschaftsabbruch aus ethischer Sicht
1. Darstellung der Situation.
Ein junges Mädchen wird ungewollt schwanger und steht vor der Frage wie es nun weitergeht. Sie selbst fühlt sich eigentlich zu jung um ein Kind zu bekommen, auch steht sie unter dem Druck von Eltern und Partner. Doch auch die Möglichkeit eines Schwangerschaftsabbruches wirft Fragen auf.
2. Schilderung der Problematik.
Schwangerschaftsabbruch wird von vielen Seiten problematisiert, sei es im rechtlichen, medi- zinischen, theologischen, ethischen oder aber auch im privaten Bereich. Immer geht es um das Gut des Rechts auf Leben des Kindes und um das Gut der psychischen und physischen Unversehrtheit der Mutter. Man befindet sich somit also im Bereich der Gü- terethik.
Um selbst zu einem Entscheid über einen möglichen Schwangerschaftsabbruch zu kommen, müssen die einzelnen Argumente - die hier in die Oberbegriffe Recht, Kirche, Medizin und Familie unterteilt sind - und Güter gegeneinander abgewogen werden.
Da die Entscheidung jedoch letztlich von der betroffenen Person selbst - hier: des Mädchens - abhängt, handelt es sich ebenfalls um ein Problem aus dem individualethischen Bereich.
3. Erörterung der Argumente für oder gegen einen Schwangerschaftsabbruch.
Da sich die Ethik mit der Frage beschäftigt, was das Gute ist, gilt es hier erst einmal zu erörtern, ob der Schwangerschaftsabbruch im Allgemeinen gut oder vertretbar ist. Doch da diese Frage für die einzelne, sowie für die hier geschilderte Situation nicht maßgeblich ist, ist außerdem zu erörtern, ob ein Schwangerschaftsabbruch, wenn nicht im Allgemeinen, so doch in bestimmten Situationen als ethisch vertretbar anzusehen ist.
3.1 Schwangerschaftsabbruch aus rechtlicher Sicht.
Das Gesetz selbst stellt den Schwangerschaftsabbruch nach §218 StGB unter Strafe. Es heißt: „Wer eine Schwangerschaft abbricht, wird mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.“1
Das Gesetz sieht den Schwangerschaftsabbruch somit als ethisch nicht vertretbar an. Doch bleibt zu fragen, welchem ethischen Sinn dieses Gesetz folgt.
Man kommt zu dem Ergebnis, dass das Gesetz das Gut des Lebens (hier: des noch ungeborenen Kindes) in den Vordergrund stellt, welches bereits in Artikel 2 GG verankert ist. Hier heißt es: „Jeder hat das Recht auf Leben und körperliche Unversehrtheit.“2Es wird also die legalistische Argumentationsebene überschritten und auf das dahinter stehende Gut verwiesen, womit man sich im Bereich der Güterethik befindet.
Das Mädchen müsste sich also, würde es legalistisch argumentieren, gegen einen Schwangerschaftsabbruch entscheiden.
Doch ist im Folgenden die Frage aufzuwerfen, ob das Gesetz in allen Situationen den Schwangerschaftsabbruch als ethisch nicht vertretbar ansieht und unter Strafe stellt, oder ob es auch bestimmte Situationen gibt, in denen die Möglichkeit eines straffreien Abbruches besteht und somit Ausnahmen zugelassen sind.
Es lässt sich auf §218a StGB verweisen. Dieser sieht vor, dass ein Schwangerschaftsabbruch vorgenommen werden darf, wenn
[…] 1. die Schwangere den Schwangerschaftsabbruch verlangt und dem Arzt durch eine Be- scheinigung nach §219 Abs. 2 Satz 2 nachgewiesen hat, dass sie sich mindestens drei Tage vor dem Eingriff hat beraten lassen, 2. der Schwangerschaftsabbruch von einem Arzt vorgenom- men wird und 3. seit der Empfängnis nicht mehr als zwölf Wochen vergangen sind.3
Diese Regelung erkennt eindeutig den Wert des Selbstbestimmungsrechts der Frau an. Wobei darauf hinzuweisen ist, dass diese Regelung im Allgemeinen - zumindest innerhalb der 12 Wochen - gilt und nicht nur in bestimmten Situationen.
Welcher ethische Sinn verbirgt sich also hinter dieser Regelung? Es ist darauf zu verweisen, dass durch diese Regelung das Abrutschen der Abtreibung in die Illegalität vermieden werden soll, welches beträchtliche gesundheitliche Folgen für die Frau mit sich bringen würde. Es wird also zudem auf das Gut der Gesundheit der Frau verwiesen.
Des Weiteren darf ein Schwangerschaftsabbruch auch nach Verlauf von 12 Wochen straffrei vorgenommen werden, […] wenn der Abbruch der Schwangerschaft unter Berücksichtigung der gegenwärtigen und zukünftigen Lebensverhältnisse der Schwangeren nach ärztlicher Erkenntnis angezeigt ist, um eine Gefahr für das Leben oder die Gefahr einer schwerwiegenden Beeinträchtigung des körperlichen oder seelischen Gesundheitszustandes der Schwangeren abzuwenden, und die Gefahr nicht auf eine andere für sie zumutbare Weise abgewendet werden kann.4
In dieser Regelung wird nicht allein das Entscheidungsrecht der Frau anerkannt, sondern es wird auch der Überlebensschutz des Kindes mitbedacht. Das Gut der psychischen und physi- schen Gesundheit der Mutter wird also gegen das Gut des Lebens des Kindes abgewogen.
Die Voraussetzungen für einen straffreien Schwangerschaftsabbruch gelten des Weiteren als erfüllt,
[…] wenn nach ärztlicher Erkenntnis an der Schwangeren eine rechtswidrige Tat nach den §§176 bis 179 des Strafgesetzbuches begangen worden ist, dringende Gründe für die Annahme sprechen, dass die Schwangerschaft auf der Tat beruht, und seit der Empfängnis nicht mehr als zwölf Wochen vergangen sind.5
Die §§176 bis 179 meinen hierbei sexuellen Missbrauch von unter 14-jährigen, sexuelle Nötigung und Vergewaltigung (auch mit Todesfolge), sowie sexuellen Missbrauch von widerstandsunfähigen Personen.6
Hier wird auf Fragen wie die der Unzumutbarkeit einer Situation für die Frau verwiesen, wo- bei sich herausstellt, dass hier der Abbruch einer Schwangerschaft als ethisch vertretbar ange- sehen wird, da die psychische Belastung, die durch eine Schwangerschaft, welche aus einer Vergewaltigung heraus entstanden ist, nicht zumutbar ist. Es wird also verantwortungsethisch argumentiert.
Durch diese Erörterung wird ersichtlich, dass das Gesetz (hier: §218a) in bestimmten Situationen durchaus einen Schwangerschaftsabbruch zum Schutze der Mutter über das Recht auf Leben des ungeborenen Kindes stellt und somit der situations- und verantwortungsethischen Argumentationsebene folgt.
Das Mädchen hätte also durchaus die Möglichkeit die Schwangerschaft zumindest innerhalb von 12 Wochen abzubrechen, auch wenn keine gesundheitliche Gefährdung für es besteht.
3.2 Schwangerschaftsabbruch aus kirchlicher Sicht.
Um die Argumente für oder gegen einen Schwangerschaftsabbruch aus kirchlicher Sicht zu erörtern, ist darauf hinzuweisen, dass hier die beiden Kirchen - die katholische und die evangelische - getrennt zu betrachten sind. Im Folgenden wird zuerst auf die katholische Sichtweise eingegangen, um dann die evangelische zu betrachten.
3.2.1 Die katholische Sichtweise.
Die katholische Kirche lehnt den Schwangerschaftsabbruch noch immer strikt ab. Als Begründung hierfür beruft sie sich unter anderem auf den katholischen Katechismus in dem es unter 2270 heißt: „Das menschliche Leben ist vom Augenblick der Empfängnis an absolut zu achten und zu schützen. Schon im ersten Augenblick des Daseins sind dem menschlichen Wesen die Rechte der Person zuzuerkennen, darunter das unverletzliche Recht jedes unschuldigen Wesens auf das Leben.“7
Die Kirche sieht also einen Schwangerschaftsabbruch im Allgemeinen nicht als ethisch vertretbar an. Ebenso wie der Staat weist die katholische Kirche das Recht auf Leben als höchstes Gut aus und folgt damit der Argumentationsebene der Güterethik. Allerdings setzt die katholische Kirche das Leben schon vom Augenblick der Empfängnis an fest. Im Gesetz ist nur das Recht auf Leben verankert, hier ist der Beginn des Lebens (noch) nicht definiert. Betrachtet man die katholische Sichtweise genauer, so ist zu fragen, ob diese im Gegensatz zum Gesetz denn keine Ausnahmen in bestimmten Situationen duldet.
Geht man dieser Frage nach, so gelangt man zu dem Ergebnis, dass die katholische Kirche zumindest eine Ausnahme gelten lässt. Pius XII. wies in seiner Ansprache vom 28. November 1951 an den Kongress „Front der Familie“ auf folgendes hin:
Wir haben absichtlich immer den Ausdruck gebraucht, direkter Angriff auf das Leben eines schuldlosen, `direkte Tötung´. Denn wenn z.B. die Rettung des Lebens der zukünftigen Mutter unabhängig von ihrem Zustand der Schwangerschaft dringend einen chirurgischen Eingriff oder eine andere therapeutische Behandlung erfordern würde, die als keineswegs gewollte oder beabsichtigte, aber unvermeidliche Nebenfolge den Tod des Kindes im Mutterleib zur Folge hätte, könne man einen solchen erforderlichen Eingriff nicht als einen unmittelbaren Angriff auf schuldloses Leben bezeichnen. Unter solchen Bedingungen kann die Operation er- laubt sein, wie andere vergleichbare Eingriffe – immer vorausgesetzt, dass ein hohes Gut, wie es das Leben ist, auf dem Spiele steht, dass der Eingriff nicht bis nach der Geburt des Kindes verschoben werden kann und kein anderer wirksamer Ausweg gangbar ist.8
1 Fischer, Thomas: Strafgesetzbuch und Nebengesetze. 51., neu bearbeitete Auflage. München: 2003 (= Beck´sche Kurzkommentare; 10), §218.
2Grundgesetz. Landesverfassung. Sonderdruck der Landeszentrale für politische Bildung. Hrsg. vom Landtag von Baden-Württemberg. 2003, Art. 2.
3Fischer: Strafgesetzbuch und Nebengesetze (Anm. 1), §218a, Abs. 1.
4Fischer: Strafgesetzbuch und Nebengesetze (Anm. 1), §218a, Abs. 2.
5ebd., §218a, Abs. 3.
6Vgl.: ebd. §§ 176-179.
7Ecclesia Catholica (Hrsg.): Katechismus der katholischen Kirche. München [u.a.]: 1993, can. 2270.
8 Zitiert nach: Gründel, Johannes (Hrsg.): Abtreibung – pro und contra. Innsbruck, München [u.a.]:1971, S. 117.
Jasmin Schlotterbeck (Autor)
V174607
9783640954575
9783640954476
recht, leben, pflicht, schwangerschaftsabbruch, sicht
Jasmin Schlotterbeck (Autor), 2007, "Recht auf Leben - Pflicht zum Leben" - Schwangerschaftsabbruch aus ethischer Sicht, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/174607
Schwangerschaftsabbruch aus Sicht ver...
Schwangerschaftsabbruch. Moralische u...
Schwangerschaftsabbruch aus christlic...
Bodensanierungen: Rechte und Pflichte...
Die Rechte und Pflichten von Aktionär...