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Timestamp: 2020-02-19 16:11:10
Document Index: 21315598

Matched Legal Cases: ['BGH', 'BGH', '§87', '§ 87', '§ 122', '§ 120', '§ 120', '§125', '§125', '§ 1', '§ 49', '§ 111', '§ 96', '§ 100', '§ 124', '§ 145', '§ 407', '§ 147', '§ 407', '§ 400', '§ 131', '§ 122']

HV-Magazin-4-2019
Sicherheit bei Hauptversammlungen
Vorkehrungen gegen den Worst Case
„Mit Sicherheit planen“
Maximalvergütung für den Vorstand
ARUG II: Folgenabschätzung für die Hauptversammlung
Ingo Wolfarth, Computershare
Vielfalt – nicht nur im Aufsichtsrat
Anne Katrin Burkert, Adeus Aktienregister-Service
Abstimmrichtlinien
„Die Welt dreht sich täglich weiter“
Interview mit Thomas von Oehsen, Director Research für die DACHRegion bei ISS
„Im Namen der Aktionäre“
Interview mit Ingo Speich, Leiter Nachhaltigkeit und Corporate Governance, Deka Investment
„Bei Corporate Governance ist noch Luft nach oben“
Interview mit Henryk Deter, Vorstand, cometis AG, und Dr. Alexander Juschus, geschäftsführender Gesellschafter, Governance & Values GmbH
Wachstumsstandort für Aktionärsversammlungen
Astrid Block, Messe München
Stefan Marin, Frequentis AG, Dr. Clemens Hasenauer, CERHA HEMPEL Rechtsanwälte
Peter Dietz, GFD Finanzkommunikation
04 2019 h - v e d . n i z a g a m R U E – , 4 1 Sicherheit bei Hauptversammlungen Vorkehrungen gegen den Worst Case ARUG II Grünes Licht für Gesetzentwurf ABSTIMMUNGSRICHTLINIEN Die Welt dreht sich weiter CORPORATE GOVERNANCE Im Namen der Aktionäre
03 E D I T O R I A L Der Weg ist frei THORSTEN SCHÜLLER Redaktionsleitung HV Magazin schueller@goingpublic.de Man mochte es kaum mehr für möglich halten: Nach Monaten des Wartens und gesetzgeberischer Stille hat der Bundestag den Gesetzesentwurf zur Umsetzung der zweiten Aktionärs- rechterichtlinie (ARUG II) in zweiter und dritter Lesung in der Fassung der Beschlussfassung des Rechtsausschusses vom 13. November 2019 doch noch verabschiedet. Nachdem ARUG II eigentlich bereits bis zum 10. Juni 2019 durch den deutschen Gesetzgeber auf nationaler Ebene hätte umgesetzt werden müssen, wird das Paket nun voraussichtlich zum 1. Januar 2020 in Kraft treten. Das Verfahren kann damit nicht unbedingt als Leuchtturmprojekt politischer Effizienz gelten. Andererseits muss man zugestehen, dass die Entscheidungs- träger mit Klimawandel, Flüchtlingswellen, Handelskriegen und innerparteilichen Selbstbetrachtungen auch noch anderes zu tun haben. Die Veränderungen des nun verabschiedeten Gesetzentwurfs gegenüber dem Regierungsentwurf halten sich in Grenzen – sie betreffen insbesondere Neuerungen für die Festsetzung der Vorstandsvergütung. Auch der Schwellenwert für Related Party Transactions wurde nochmals herabgesetzt. Wenngleich das ARUG II aufgrund der späten Umsetzung wohl noch keine großen Auswirkungen auf die HV-Saison 2020 haben wird, sollten die Verantwortlichen in den Unternehmen die damit verbun- denen Themen für das Jahr 2021 bereits in den Blick nehmen und mit der Arbeit beginnen. Sie können sicher sein, dass die Stimm- rechtsberater es tun werden. Selbst das Undenkbare ist möglich – diese Erfahrung haben wir in Europa und in Deutschland durch mehrere Terroranschläge und Amokläufe in den vergangenen Jahren machen müssen. Klar, dass vor diesem Hintergrund auch für Hauptversammlungen mit ihren teilweise mehreren Tausend Besuchern strikte Sicherheitskonzepte nötig sind. Klar ist auch, dass die dafür Verantwortlichen sich ungern in die Karten schauen lassen. Umso mehr freut es uns, dass das HV Magazin wenigstens ein wenig hinter die Kulissen blicken und mit Tobias Stamper von Securitas einen Fachmann zu der Thematik interviewen konnte. Pläne und Vorbereitung sind alles, haben wir gelernt. Glücklicherweise müssen diese Pläne nur selten in der Realität angewendet werden. Einen Einblick anderer Art lieferte das Gespräch mit Thomas von Oehsen, der für ISS tätig ist, den weltgrößten Stimmrechtsberater. Für Unternehmensvertreter dürfte es aufschlussreich sein zu lesen, auf welche Aspekte in Sachen Vorstandsvergütung, Aufsichtsrats- besetzung oder Umwelt- und Sozialthemen diese Zunft achtet – und worauf sie künftig verstärkt achten wird. Damit schließt sich wie- der der Kreis zum ARUG II. Insofern herrscht in der Branche eigent- lich weitgehende Transparenz – jetzt müssen all die neuen Vorgaben des ARUG II nur noch in die Realität umgesetzt werden. Wie die Unternehmen das machen, werden wir im Jahr 2020 hinterfragen. Ihr HV MAGAZIN 04/2019
T T L L A A H H N N I I 04 INHALT INGO WOLFARTH Computershare Deutschland THOMAS VON OEHSEN Institutional Share- holder Services (ISS) INGO SPEICH Deka Investment Nach der Verabschiedung von ARUG II durch Bundestag und Bundesrat dürfte das Gesetz Anfang 2020 in Kraft treten. Der Entwurf sieht insbesondere Neuerun- gen für die Festsetzung der Vorstandsver- Seite 16 gütung vor. Stimmrechtsberater blicken verstärkt auf Vergütungs- und Umweltthemen sowie auf die Zusammensetzung der Aufsichtsräte. Wohin die Reise geht, erläutert Thomas von Oehsen von Institutional Shareholder Ser- Seite 24 vices (ISS). Die Deka ist einer der größten Vermögens- verwalter in Deutschland, tritt zunehmend aber auch auf Hauptversammlungen als Vertreter von Aktionärsinteressen auf. Über die Inhalte und weitere Entwicklung Seite 26 dieses Bereichs. 03 Editorial 06 Daten & Fakten 07 HV-Max – Die Kolumne As time goes by ... Titelthema 10 Sicherheit bei Hauptversammlungen Vorkehrungen gegen den Worst Case 12 „Mit Sicherheit planen“ Interview mit Tobias Stamper, Area Manager, Securitas HV-Praxis 22 Vielfalt – nicht nur im Aufsichtsrat Abstimmrichtlinien Anne Katrin Burkert, Adeus Aktienregister-Service 24 „Die Welt dreht sich täglich weiter“ Interview mit Thomas von Oehsen, Director Research für die DACH- Region bei ISS 26 „Im Namen der Aktionäre“ Interview mit Ingo Speich, Leiter Nachhaltigkeit und Corporate Governance, Deka Investment 28 Was digitale Reports den Unterneh- men und Aktionären ermöglichen Erlebnis Online-Geschäftsbericht 14 Maximalvergütung für den Vorstand 30 „Bei Corporate Governance ist noch ARUG II: Folgenabschätzung für die Hauptversammlung Bernhard Orlik, Link Market Services 16 Mission erfüllt! ARUG II Ingo Wolfarth, Computershare 19 Fallstricke Aufsichtsratswahlen Dr. Alexander Thomas, Markus Joachimsthaler, Pinsent Masons Germany Luft nach oben“ Interview mit Henryk Deter, Vorstand, cometis AG, und Dr. Alexander Juschus, geschäftsführender Gesellschafter, Governance & Values GmbH 32 Wachstumsstandort für Aktionärsversammlungen Locations der Messe München Astrid Block, Messe München Legal 33 Aktuelle HV-Urteile Kommentiert von Dr. Thomas Zwissler, Zirngibl Rechtsanwälte Partnerschaft Austria Corner/Standpunkt 34 Kleine, aber feine Unterschiede Hauptversammlungen in Österreich Stefan Marin, Frequentis AG, Dr. Clemens Hasenauer, CERHA HEMPEL Rechtsanwälte HV-Splitter 36 Ausgewählte Hauptversammlungen Rückblick, Ausblick, Tipps & Spezialitäten Standpunkt 38 Gute Kommunikation ist Gold wert CEO-Wechsel Peter Dietz, GFD Finanzkommunikation 37 HV-Kalender 37 Impressum Liebe Leser, dieses Symbol weist Sie auf zusätzlichen Inhalt im Internet hin. Das komplette Heft ist als E-Magazin online abrufbar: www.goingpublic.de/ emagazine-archiv HV MAGAZIN 04/2019
(E-)MAGAZIN – ONLINE – EVENT – NETZWERK e d . n i z a g a m R U E – , 4 1 04 2019 h - v eeit beei Sicherheit bei ungen eerseers Hauptversammlungen Vorkehrungen gegen den Worst Case ggegen deen Worst Case ammmlu ammmlu ARUG II Grünes Licht für Gesetzentwurf ABSTIMMUNGSRICHTLINIEN ABSTIMMUNGSRICHTLINIEN Die Welt dreht Die Welt dreht sich weiter sich weiter CORPORATE GOVERNANCE AA CORPORATE GOVEERERERRRNNERREERRRERERREERVEEERVEEERRVER AAANCE Im Namen der Im Nameeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeennnnn nnn ddeeder r Aktionäre Aktionänääänänääreäreäreäänäärereärenäääääääärenäreäääreenääääänäännnääärennäärnnnnnnnnnn Jahrespartner 2019 Jahrespartner im Netz: www.goingpublic.de/jahrespartner-hvmagazin
N E T K A F & N E T A D 06 NEWS Manager wieder ehrgeiziger Manager sind wieder ehrgeiziger. Sie sind von ihrem weiteren Potenzial überzeugt. Das zeigt ihr stark angestiegener Wille zur Karriere: Mehr als 60% aller Führungskräfte wollen das Maximum in ihrer Karriere erreichen – und dies gilt auch für die viel geschol- tene Generation Y! Das ist das Ergebnis des Manager-Barometers 2019/2020 der Personalberatung Odgers Berndtson. Allerdings werde deutlich, dass sich das Verständnis von Karriere deutlich verschiebt, nämlich von einem rein aufstiegsorientier- ten Berufsweg hin zu einer stärker inhaltlichen Perspektive. So setzten zwei Drittel der Manager das Karrieremaximum gleich mit der Annahme von kontinuierlich neuen, inhaltlichen Heraus- forderungen. Frauen seien dabei stärker inhaltsgetrieben sowie ehrgeiziger als ihre männlichen Kollegen. Dieses Ergebnis wider- spreche der immer noch verbreiteten Annahme, dass Frauen nicht karriereorientiert oder willens genug seien, in eine Top-Füh- rungsposition zu gelangen. Im Gegenteil: Odgers Berndtson be- obachte, dass die Förderung von Frauen, in welche die Unterneh- men seit vielen Jahren investieren, nun langsam Früchte trägt. Am Manager-Barometer 2019/2020 haben rund 2.400 Manager teilgenommen. Die Befragung gehört nach Einschätzung der Personalberatung zu den umfassendsten Führungskräfte- erhebungen im deutschsprachigen Raum. Praxishandbuch „Hauptversammlung 2019“ Die Anwaltskanzlei Allen & Overy hat zusammen mit dem Deut- schen Institut für Rechnungslegung und dem Bundesverband der Unternehmensjuristen in der Studienserie „CLI – Corporate Legal Insights“ eine Studie insbesondere zu dem Einfluss von institutionellen Investoren und Proxy Advisern auf die Hauptver- sammlungen deutscher Publikumsgesellschaften durchgeführt. Die Ergebnisse sind – neben anderen Beiträgen rund um das Thema HV – im sogenannten Praxishandbuch Hauptversamm- lung veröffentlicht. Schadenersatzansprüche gegen den Aufsichtsrat Nachdem bei der aktienrechtlichen Organhaftung in den letzten beiden Jahrzehnten der Vorstand im Mittelpunkt des Interesses gestanden hat, entdecken Praxis und Rechtswissenschaft zunehmend den Aufsichtsrat als Haftungssubjekt. Wie der Verlag Dr. Otto Schmidt mitteilt, erhöht sich mit steigender Ausdifferen- zierung der Aufsichtsratspflichten und angesichts spektakulärer HV MAGAZIN 04/2019 . m o c e b o d a k c o t s – . _ s u n o m o a s © l : o t o F Compliance-Vorfälle in der letzten Zeit die Bereitschaft, Aufsichts- ratsmitglieder in Anspruch zu nehmen. Bei einer Entscheidung des Bundesgerichtshofs vom September 2018 ging es beispielsweise um verbotene Zahlungen durch den Vorstand an ein Aufsichtsratsmitglied, das zugleich Aktionär war. Der BGH habe den auf den ersten Blick trivialen Sachverhalt zu grundsätz- lichen Ausführungen zur Überwachungspflicht des Aufsichtsrats genutzt, der Zumutbarkeit einer Selbstbezichtigung durch pflichtvergessene Aufsichtsratsmitglieder und der Verjährung von Schadenersatzansprüchen gegen Aufsichtsratsmitglieder. Der Sachverhalt und die Erwägungen des BGH würden veran- schaulichen, dass sich aus dem komplexen Pflichtengefüge zwischen Vorstand und Aufsichtsrat schwierige Haftungs- und Verjährungsfragen ergeben können.
07 D A T E N & F A K T E N HV-MAX DIE KOLUMNE As time goes by ... Woran merkt man, dass man alt wird? Daran, dass die Kinder auf einmal in einem Alter sind, bei dem man sich als Teenager dachte, dass die Altersklasse der Gruftis beginne – zum Beispiel. Oder: dass einem das Treppensteigen schwerfällt ... Mir wurde es schmerzlich bewusst, wie alt ich schon bin, als ich las, dass die SdK 60 – in Worten: sechzig – Jahre alt ist. Unglaublich!!! Und das Erschreckende ist: Die Schutzgemeinschaft der Klein- anleger wurde damals gegründet, weil Minderheitsaktionäre Interessen wegen ihres geringen Stimmenanteils nur schwer gegen größere Investoren und die Unternehmen durchsetzen konn- ten. Nun war damals die Deutschland AG aktuell, und wir einfache Aktionäre haben häufig in die Röhre geschaut. Nach wie ihre vor kann ich mich mit dem Ansinnen der Pioniere von damals noch heute identifizie- ren! Denn, mal ehrlich: Ist es heute an- ders? Haben die kleinen Aktionäre heute mehr Einflussmöglichkeiten? Ein entschiedenes JEIN! Sicherlich hat der Aktionär durch das Aufbrechen der Deutschland AG an Gewicht gewonnen. Das Gewicht wurde zwischenzeit- lich sogar so groß, dass ein Aktionär mit ei- ner Aktie Ge- sellschaften in den Ruin trei- ben konnte. Die Rache des klei- nen könnte man meinen. Lo- gisch, dass ich damals schon der kaum widerstehen konnte, auf den Zug der Berufskläger auf- zuspringen. Wer verdient nicht gerne viel mit minima- lem Einsatz? Versuchung Mannes, Doch am Ende trat der Gesetzgeber auf den Plan und nahm uns Privataktionä- ren das scharfe Schwert wieder aus der Hand. Aber wieso dann Jein? Nach wie vor können und sollen wir Aktionäre unsere Interessen vertreten. Es geht darum, auf Hauptversammlungen denen da oben mal zu sagen, was wir von ihrer Arbeit halten. Institis, also Institutio- nelle, tun das ja immer wieder, in Privataudienzen, aber uns Kleinen bleibt nur die große Plattform. Wenn ich dann auf die- ser Bühne stehe, denke ich mir, die Zeit sei ste- hen geblieben: Meine Zuhörer kenne ich schon seit vielen Jahren. Schön, Nor- bert, Ulrike und Rainer, im- dieselben Gesichter, mer wieder auf den HVs zu sehen. Was soll ich sagen: Die sind ganz schön alt ge- worden ... . . m o c e b o d a k c o t s – s n o i t a r t s u l l I - Q M © : o t o F HV MAGAZIN 04/2019
N 08 N E E T T K K A A F F & & N N E E T T A A D D . . m o c e b o d a k c o t s – t r a n o s u f r o t c e v © i : o t o F NEWS GOLFINO beantragt Insolvenz Der Golfbekleidungshersteller GOLFINO AG hat am 15.11.2019 einen Insolvenzantrag wegen Zahlungsunfähigkeit und Über- schuldung gestellt. Der Geschäftsbetrieb sei aber bisher nicht eingestellt. Zum vorläufigen Insolvenzverwalter wurde der Hamburger Rechtsanwalt Jens-Sören Schröder bestellt. GOLFINO hat 2016 eine Mittelstandsanleihe im Volumen von 4 Mio. EUR mit einem Zinssatz von 8% emittiert, die 2023 fällig sein sollte. Aktionärsschützer raten den betroffenen Anlegern daher, sich zu organisieren, um eine starke Position gegenüber anderen Gläubigern innezuhaben. Seminare zur HV – Informationen zur Saison 2020 Bevor im Frühjahr die Hochphase der HV-Saison beginnt, bereiten wieder zahlreiche Seminare auf die wichtigsten zu erwartenden Themen der kommenden Hauptversammlungen sowie IR- und Kapitalmarktrechtsfragen vor. SEMINARE ZUR HAUPTVERSAMMLUNG Termin 10.12.2019 13.1.2020 20.1.2020 21.1.2020 21.-22.1.2020 22.1.2020 23.1.2020 23.1.2020 Veranstaltung „HV Dialog“ – Das Netzwerk- treffen des HV Magazins Update Kapitalmarktrecht 2020 Update Kapitalmarktrecht 2020 Update Kapitalmarktrecht 2020 Gremienbetreuung aktuell: Vorstandssitzung – Aufsichtsrats- sitzung – Hauptversammlung Update Kapitalmarktrecht 2020 Update Kapitalmarktrecht 2020 Digitale IR-Trends 2020 28.1.2020 IR 2020 11.2.2020 17.-18.2.2020 „HV Dialog“ – Das Netzwerk- treffen des HV Magazins Gremienbetreuung aktuell: Vorstandssitzung – Aufsichtsrats- sitzung – Hauptversammlung Ort Haus der Bayerischen Wirtschaft, München Haus der Bayerischen Wirtschaft, München Börse Düsseldorf DVFA-Center, Frankfurt/Main Köln Veranstalter/Internet HV Magazin, GoingPublic Media AG www.goingpublic-events.de/hv-dialog Link Market Services GmbH www.linkmarketservices.de/seminare.html Link Market Services GmbH www.linkmarketservices.de/seminare.html Link Market Services GmbH www.linkmarketservices.de/seminare.html Management Circle www.managementcircle.de/seminare.html Latham & Watkins, Hamburg VKU Forum, Berlin NetFederation, Köln Frankfurt/Main Frankfurt/Main München Link Market Services GmbH www.linkmarketservices.de/seminare.html Link Market Services GmbH www.linkmarketservices.de/seminare.html DIRK e.V., NetFederation GmbH www.net-federation.de/aktuelles/events IR Club, cometis www.ir-community.de HV Magazin, GoingPublic Media AG www.goingpublic-events.de/hv-dialog Management Circle www.managementcircle.de/seminare.html HV MAGAZIN 04/2019
A 10 10 M E H T L E T I T Vorkehrungen gegen den Worst Case Sicherheit bei Hauptversammlungen . . m o c e b o d a k c o t s – c a v s o t o h p , k s a m D 3 © : n o i t a r t s u l l I Das Sicherheitskonzept von Hauptversammlungen ist für die Verantwortlichen in den Unternehmen ein heikles Thema. Kein Wunder, geht es dabei doch in erster Linie um die Unversehrtheit der Teilnehmer, aber auch um Sach- und immaterielle Werte wie das Firmenimage. Verschiedene Dimensionen der Veranstaltungssicherheit müssen vor der Großveranstaltung von den Verantwortlichen durchdacht und bewertet werden. Darauf baut das Sicherheitskonzept auf. „Berlin, 28. Mai 2019, 10:15 Uhr: Der Vor- standvorsitzende eines börsennotierten Automobilzulieferers und Rüstungs- konzerns hatte gerade damit begonnen, den Aktionären das abgelaufene Ge- schäftsjahr zu erläutern, als 30 Aktivisten die Bühne stürmten. Zeitgleich entrollte eine weitere Gruppe an der Fassade der Veranstaltungsstätte ein riesiges Trans- parent. Fast eine Stunde war das Haupt- versammlungsgeschehen daraufhin un- terbrochen. Eine Stunde, in der über alle Eskalationsstufen hinweg letztlich ein Polizeieinsatz folgen musste.“ Diese Situ- ation, die Christopher Jany, Teamleader AGM & Event Management der Firma Computershare und langjähriger Fach- mann für die Konzipierung und Steuerung von öffentlichen Großveranstaltungen, schildert, ist ein klassisches Worst-Case- Szenario einer Hauptversammlung. So sehen es laut Jan Hempker, Mitarbeiter der Abteilung Media Relation von BASF, auch die Unternehmen. Er erklärt, dass Störun- gen von unzufriedenen Aktionären oder Aktivisten eines der größten Risiken einer Hauptversammlung darstellten. Unsicherheitsdimensionen „Grundsätzlich lässt sich feststellen, dass wir am Veranstaltungstag große Verant- wortung übernehmen und daher alles tun, HV MAGAZIN 04/2019
um die Sicherheit unserer Aktionäre zu gewährleisten“, so Dr. Georg Pfeiffer aus der Investor-Relations-Abteilung der Alli- anz, die sich – ebenso wie weitere befragte Konzerne – nicht in die Karten ihrer Sicherheitsmaßnahmen schauen lassen möchte. Etwas detaillierter schildert Dirk Nossbach, Trainer für Veranstaltungs- sicherheit beim Studieninstitut für Kom- munikation in Düsseldorf, die Maßnah- men: Grundlage aller Sicherheitsüber- legungen sei das Identifizieren von poten- ziellen Gefahren. „Dazu bedarf es eines gewissen Maßes an Fantasie und inten- siver Recherche.“ Veranstaltungssicher- heit umfasse neben der Sicherheit von Besuchern und Schutzpersonen wie V orständen und Aufsichtsräten auch die Arbeitssicherheit der Beschäftigten, Brandschutz, Betriebssicherheit der Technik oder Datensicherheit. Maßnahmen finden, bewerten und durchführen „Ein integratives und individuelles Sicher- heitskonzept betrachtet die unterschied- lichen gefährdeten Personengruppen, Sachwerte sowie immaterielle Werte und die unterschiedlichen Gefahren“, erklärt Sicherheitsexperte Nossbach weiter. Es s a t i r u c e S © : o t o F Wie am Flughafen – Einlasskontrolle bei einer Haupt- versammlung. 11 T I T E L T H E M A s a t i r u c e S © : o t o F Sicherheit fängt bereits beim Zutritt an . würden dabei technische und organisa- torische Möglichkeiten bis hin zur Steige- rung der physischen Widerstandskraft der gefährdeten Person unterschieden. Bei- spiele seien Kontrollen, Zugangsbeschrän- kungen, Leibesvisitationen oder Bühnen mit Sicherheitsabstand zum Publikum. Personen könnten etwa durch Leib- wächter, Schutzkleidung oder Konzepte zur Räumung der Bühne physisch geschützt werden. Alle Möglichkeiten von Schutzmaßnahmen würden im Vorfeld zusammengetragen und auf ihre Wirk- samkeit, Umsetzbarkeit und Kosten hin überprüft. Wenn die Prüfung positiv aus- falle, werde die Maßnahme Teil des Sicher- heitskonzeptes, schildert Nossbach eine typische Vorgehensweise. „Eine sichere Hauptversammlung ist die Summe vieler einzelner Sicherheitsmaßnahmen, die von einem Team aus internem und externem Sicherheitspersonal umgesetzt werden“, gibt auch Dr. Georg Pfeiffer von der Allianz zu verstehen. Veranstaltungsordnungsdienst als Säule für die Sicherheit Für Fachmann Christopher Jany ist ein Veranstaltungsordnungsdienst eine we- sentliche Säule der Sicherheitsarchitektur einer Großveranstaltung. Jedoch warnt der Veranstalter davor, sich mit der Beauf- tragung zurückzulehnen, und rät, selbst ein umfassendes Konzept zum geord- neten Verlauf zu erstellen. Dazu gehöre, Verantwortlichkeiten zu definieren: Wer sind die Beteiligten, wer bildet im Ereignis- fall den Krisenstab, wie werden Behörden und Organisationen eingebunden, und wer trifft letztendlich die Entscheidungen? Nach der Gefährdungsanalyse, der Defini- tion von Maßnahmen und Zuteilung der Aufgaben müssten schließlich die Mitar- beiter eingewiesen werden. „Denn was nutzt das beste Konzept, wenn es keiner umzusetzen weiß?“, so Jany. Um sich als HV-Verantwortlicher vor schlaflosen Nächten zu bewahren, be- ginnt die sichere Hauptversammlung laut der Experten bereits bei der Auswahl von geeigneten Dienstleistern, bedarf eines durchdachten Gesamtkonzeptes und geeigneter Maßnahmen. Sachkundige ein- zubinden und ein Konzept zur Struktur und Organisation des Veranstaltungsord- nungsdienstes zu erstellen, helfe bei der Erfüllung von Verkehrssicherungspflich- ten. Mareike Spielhofen HV MAGAZIN 04/2019
A M E H T L E T I T s a t i r u c e S © : o t o F 12 Interview mit Tobias Stamper, Area Manager, Securitas „Mit Sicherheit planen“ TOBIAS STAMPER Area Manager, Securitas stamper.tobias@securitas.de Tobias Stamper arbeitet seit 1994 bei Securitas, Deutsch- lands größtem Sicherheitsdienstleister im privaten Sicher- heitsgewerbe. Als Area Manager leitet er die Geschäfte in Hessen, Rheinland-Pfalz, Saarland und den nördlichen Teilen Baden-Württembergs. HV Magazin: Wie macht man eine HV sicher? Tobias Stamper: Das A und O einer siche- ren Jahreshauptversammlung börsen- notierter Unternehmen ist ein detailliert geplantes Sicherheitskonzept. Neben den Vorgaben des Veranstalters sind dabei auch die Anforderungen beteiligter Gewerke zu berücksichtigen. Die ersten Vorberei- tungsgespräche werden meist schon ein halbes Jahr vor der HV geführt. Das Gesamtsicherheitskonzept berücksichtigt unter anderem Veranstaltungsort und Raumplanung. Hinzu kommen der zeit- liche Ablauf, voraussichtliche Teilnehmer- zahlen sowie die An- und Abreise. Wichti- ger Bestandteil des Gesamtkonzeptes ist ein gut organisiertes Personaleinsatz- konzept. Vor Beginn der Veranstaltung liegt das Hauptaugenmerk auf der Koordi- nation der Aktionärsströme sowie der Zufahrts- und Zugangskontrollen. Nach Beginn der Veranstaltung gilt es, die HV selbst – unter Berücksichtigung des Akti- engesetzes – sicherzustellen. Ein koor- diniertes Verlassen und die Lenkung der Besucherströme sind die Schwerpunkt- aufgaben nach der HV. Worauf bereiten Sie sich bei einer HV vor? Jegliche Art von Störungen, die die Veran- staltung verhindern, zu einer Unterbre- chung oder gar zum Abbruch der Haupt- versammlung führen könnten, gilt es zu vermeiden. Dazu zählen Protestaktionen außerhalb der Event-Location und im Veranstaltungsbereich. Weiterhin gilt es natürlich, das Einbringen unerlaubter Gegenstände zu verhindern. Daneben gibt es viele weitere Vorkommnisse, wie bei- spielsweise Stromausfall, Brand, Wasser- schäden, aber auch eine Bombendrohung. Was ist im Vorfeld zu tun? Eine detaillierte und vorausschauende Planung – personell, technisch und orga- nisatorisch – ist die wesentliche Aufgabe. Evakuierungs- und Notfallpläne müssen erstellt werden; es erfolgt eine Vorauf- klärung des Veranstaltungsortes, der HV MAGAZIN 04/2019 Notausgänge, Evakuierungskorridore und Freiflächen. Wesentlich ist auch eine Einschätzung des Gefährdungs- und Stö- rerpotenzials sowie eine permanente Aktualisierung des Lagebildes in Zusam- menarbeit mit den Behörden. Welches Equipment und Personal ist dafür nötig? Zunächst benötigt der Sicherheitsdienst- leister ein erfahrenes HV-Planer- und Orga- nisationsteam, das das Sicherheitskon- zept erarbeitet und umsetzt sowie die Per- sonaleinsatzplanung und Bestellung des umfassenden Equipments organisiert. Je nach HV-Größe sind mehrere Hundert Mit- arbeiter des Sicherheitsdienstleisters im Einsatz. Wesentliche Positionen werden mit moderner Kommunikations- und Funk- technik ausgestattet. Zur weiteren Ausstattung zählen z.B. Sicherheits- schleusen, Gepäckprüfanlagen, Metallde- tektoren, aber auch Absperrmaterial. Außerdem müssen Notfallpläne für bestimmte Szenarien wie Räumung, Eva- kuierung, temporäre oder permanente Un- terbrechung der Veranstaltung schnell verfügbar sein. Herr Stamper, vielen Dank für das inter- essante Gespräch! Das Interview führte Mareike Spielhofen. Securitas Securitas betreut seit über 30 Jahren bundesweit die Hauptversammlungen namhafter Aktiengesellschaften. Allein im Rhein-Main-Gebiet ist die Securitas Area Mitte jährlich auf rund zehn Aktio- närsveranstaltungen mit bis zu 400 Sicherheitsmitarbeitern im Einsatz.
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S I X A R P - V H 14 ARUG II: Folgenabschätzung für die Hauptversammlung Maximal vergütung für den Vorstand BERNHARD ORLIK Geschäftsführer, Link Market Services GmbH bernhard.orlik@linkmarketservices.de Eigentlich hätten die Vorgaben der europäischen Aktionärs- rechterichtlinie bis Mitte 2019 bereits in nationales, deut- sches Recht umgesetzt werden sollen. Obwohl bereits im März 2019 ein Regierungsentwurf vorlag, verzögerte sich die Umsetzung bis November 2019. Grund war insbeson- dere ein politischer Dissens zur Ausgestaltung der Vorga- ben des Vergütungssystems für den Vorstand. Die Politik hat sich nun darauf verständigt, dass im Rahmen des Vergütungssystems für den Vorstand eine Maximalvergütung für Vorstandsmitglieder zu bestimmen ist (§87a Abs. 1 Nr. 1 AktG-E). Der (noch) aktuelle Deutsche Corporate Governance Kodex enthält in Nummer 4.2.5. mit dem Verweis auf die Mustertabelle 1 (gewährte Zuwendungen) eine vergleichbare Regelung. Ausgestaltung der Maximalvergütung Wie soll diese Maximalvergütung nun konkret ausgestaltet werden? Der Gesetz- geber lässt es offen, ob sie für den Gesamtvorstand oder getrennt nach jedem Vorstandsmitglied festgelegt wird. Denkbar wären auch relative Festlegun- gen, z.B. ein Vielfaches der durchschnitt- lichen Belegschaftsvergütung (vertikaler Vergütungsvergleich – wobei natürlich genau zu definieren wäre, wie sich diese Bemessungsgrundlage berechnet). Die Festlegung einer maximalen Gesamtver- gütung für den Vorstand kommt schnell an Grenzen, wenn sich die Anzahl der Vorstandsmitglieder ändert. Bei der Fest- legung der Maximalvergütung bereits ausreichend „Reserve“ für zusätzliche Vorstandsmitglieder einzuplanen, könnte bei der Abstimmung in der Hauptver- sammlung zum Vorstandsvergütungs- modell zu hohen Ablehnungsquoten füh- ren (Aktionäre wollen keiner „Katze im Sack“ zustimmen, wie es sich auch bei der zunehmend restriktiveren Haltung bei Kapitalvorratsbeschlüssen zeigt). Am praktikabelsten und transparentesten erscheint eine Festlegung je Vorstands- mitglied. Denkbar wäre eine Definition je Vorstandsressort, wie z.B. Vorstandsvor- sitzender, Finanzvorstand, Produktions- vorstand usw. Auch die Festlegung eines Basisbetrags für ein „normales“ Vor- standsmitglied und darauf aufbauend Multiples für z.B. den CEO, CFO etc. sind allerdings vom Gesetzeswortlaut gedeckt. Ein ähnliches Vorgehen findet sich häufig bei der Aufsichtsratsvergütung („norma- ler“ Aufsichtsrat erhält XX EUR, der Auf- „Die Festlegung einer maximalen Gesamt- vergütung für den Vorstand kommt schnell an Grenzen, wenn sich die Anzahl der Vorstandsmitglie- der ändert.“ HV MAGAZIN 04/2019
15 H V - P R A X I S „Am praktikabelsten und transparentes- ten erscheint eine Festlegung der Maxi- malvergütung je Vor- standsmitglied.“ sichtsratsvorsitzende das 1,5-Fache die- ses Betrags). Eine Abweichung von der Maximalver- gütung ist unter den Voraussetzungen des § 87a Abs. 2 Satz 2 AktG-E möglich, wenn dies im Interesse „des langfristigen Wohl- ergehens der Gesellschaft“ ist. Minderheitsverlangen – Herabsetzungsbeschluss Revolutionär ist, dass die Aktionäre nun- mehr in der Hauptversammlung die vom Aufsichtsrat festgelegte Maximalvergü- tung mit einfacher Stimmenmehrheit herabsetzen können. Um eine derartige Abstimmung durchzuführen, muss der Be- schlussvorschlag über ein Minderheits- verlangen gemäß § 122 Abs. 2 Satz 1 (Aktionäre müssen zusammen den 20. Teil des Grundkapitals oder den anteiligen Betrag von 500.000 EUR nachweisen) zum Gegenstand der Tagesordnung gemacht werden. Ein derartiger Haupt- versammlungsbeschluss wäre für den Aufsichtsrat bindend, Abweichungen wären nur – wie oben bereits dargelegt – zum „Wohlergehen der Gesellschaft“ mög- lich. Der Herabsetzungsbeschluss kann sich auf die Maximalvergütung für den Gesamtvorstand oder aber auch nur auf die bestimmte Maximalvergütung eines einzelnen Vorstandsmitglieds beziehen. Ein derartiger Herabsetzungsbeschluss kann sich immer nur auf das aktuelle, von der Hauptversammlung gebilligte (§ 120a Abs. 1 AktG-E) Vergütungssystem bezie- hen. Billigt die Hauptversammlung ein abgeändertes, neues Vergütungssystem, so ist der Herabsetzungsbeschluss hin- fällig. Eine gute Nachricht für Vorstände: Pacta sunt servanda – ein Herabsetzungs- beschluss berührt nicht bestehende Vorstandsverträge, sondern wäre erst bei einem neuen Vorstandsvertragsabschluss vom Aufsichtsrat verbindlich zu beachten. Aktionäre können also mit einem Herab- setzungsbeschluss nicht die aktuelle Vor- standsvergütung abändern. „Revolutionär ist, dass die Aktionäre nunmehr in der HV die vom Aufsichtsrat festgelegte Maximal- vergütung mit ein- facher Stimmen- mehrheit herab- setzen können.“ Was bedeutet dies nun für die Hauptversammlung? Durch die Festlegung und Veröffent- lichung der Maximalvergütung wird eine konkrete, greifbare Zahl prominent in die Hauptversammlung eingeführt. Aus Sicht des Autors ist zu erwarten, dass somit die Neiddiskussion endgültig die Hauptver- sammlung erreichen wird. Auch wenn die Maximalvergütung vielfach nur ein theoretischer Wert sein wird, werden eini- ge Aktionärsredner ihren Unmut über die Gesellschaftsentwicklung an dieser Zahl festmachen und unter Hinweis auf die Möglichkeit des Herabsetzungsbeschlus- ses lautstark (wenn vielfach auch vergeb- lich) eine Kürzung der Vorstandsver- gütung fordern. Als Katalysator für derartige Diskussionen wird sich sicherlich auch die ab 2022 jährlich verbindliche Abstim- mung über den Vergütungsbericht (§ 120a Abs. 4 AktG-E) erweisen. „Die Neiddiskussion wird endgültig die Hauptversammlung erreichen.“ In den letzten Jahren waren durchaus auch bei den größten Aktiengesellschaf- ten aus dem DAX oder MDAX durch ein Minderheitsverlangen ergänzte Tagesord- nungen (z.B. Deutsche Bank, Commerz- bank) zu sehen. Es ist also nicht ganz unwahrscheinlich, dass ein oben beschriebener Herabsetzungsbeschluss tatsächlich den Weg auf die Tagesordnung einer Hauptversammlung findet. Schwie- rig vorherzusagen ist, wie Aktionäre und Stimmrechtsberater sich dazu stellen. Sollte sich die betroffene Gesellschaft aber z.B. in einer (vom Vorstand zu verant- wortenden) Krise befinden und/oder die vom Aufsichtsrat bestimmte Maximal- vergütung im Vergleich zu ähnlichen Unternehmen (horizontaler Vergütungs- vergleich) zu hoch ausfallen, so wären in der Tat erfolgreiche Herabsetzungs- beschlüsse denkbar. In jedem Fall wird aktivistischen Aktionären mit der Möglich- keit des Herabsetzungsbeschlusses ein neues Druckmittel an die Hand gegeben. Eine weitere Neuerung sei an dieser Stelle erwähnt: Bislang hat das Aktiengesetz nur die Abstimmung zur Billigung eines eher abstrakten Vergütungssystems vorgese- hen. Insbesondere durch die Möglichkeit zur des Herabsetzungsbeschlusses Maximalvergütung Aktionäre erstmals die Macht, ganz direkt in die Vorstandsvergütung einzugreifen – schon etwas Revolution! haben HV MAGAZIN 04/2019
S 16 I X A R P - V H ARUG II Mission erfüllt! INGO WOLFARTH Key Account Manager und Senior Consultant, Computershare Deutschland ingo.wolfarth@computershare.de Die Geburtswehen des Gesetzes zur Umsetzung der zwei- ten Aktionärsrechterichtlinie (ARUG II) sind lang und beschwerlich. Doch am 14. November 2019 hat der Bundes- tag den Gesetzesentwurf in der Fassung der Beschluss- empfehlung des Rechtsausschusses verabschiedet. Der Bundesrat gab wenige Tage später grünes Licht. . Damit wird ARUG II voraussichtlich zum 1. Januar 2020 in Kraft treten. Ein Blick auf Status quo und Inhalte. Aus dem Know-Your-Shareholder-Teil, der hier behandelt wird, ergibt sich eine Melan- ge aus Prozessbeständigkeit und Fortent- wicklung. In der ersten Gesetzesfassung schien die Inhaberaktie ein Auslaufmodell – im Endergebnis trifft dies aber nicht zu. Der prozessuale Änderungsbedarf bei Inhaberaktien – außerhalb des Einflussbe- reichs der Emittenten – wird aber höher sein. Dies gilt gerade bei den grenzüber- schreitenden Abläufen, die komplexer wer- den als die stringenten nationalen Vorge- hensweisen. Die aktienrechtlichen Fristen bleiben weit- gehend unverändert. Für Namensaktien wird ein Record Date am 21. Tag vor der HV hinzukommen, der irreführend anders gelagert ist als bei Inhaberaktien. Er regelt nicht die Berechtigung zur HV-Teilnahme, sondern nur den Zeitpunkt des Einla- dungsversands. Somit kann der Namens- aktienemittent nach dem Record Date befreiend zur HV einladen, der bisherige Schlussversand entfällt. Der weitver- breitete Umschreibestopp als „Technical Record Date“ für die Teilnahmeberech- tigung wird gängige Praxis bleiben. Bestätigungen als neue Pflicht Künftig ist eine Bestätigung des Eingangs und der Verarbeitung elektronisch über- mittelter Weisungen vorgeschrieben. Darüber hinaus kann sich „der Abstim- mende“ gemäß ARUG II nach einer HV bestätigen lassen, „ob und wie seine Stim- men gezählt“ wurden. Die Gesetzes- begründung ergänzt, es soll dem Aktionär die Möglichkeit gegeben werden zu über- prüfen, ob seine Stimmen von der Gesell- schaft „aufgezeichnet und gezählt wurden“. Die maßgebliche Durchfüh- HV MAGAZIN 04/2019 rungsverordnung 2018/1212 (DVO) spricht von „aufgezeichneten und gezähl- ten“ Stimmen sowie der zusätzlichen Information, ob diese vor oder in der Versammlung abgegeben wurden. Das ist ein breites Definitionsspektrum für eine Bestätigung. Anders als die Eingangs- bestätigung muss diese aber nur „auf Verlangen“ erteilt werden. „Goldene“ Informations- übermittlung Finanzmarktteilnehmer in Europa wurden bisher nur über eine Weiterleitung der Einberufung an das europäische Medien- bündel informiert. Nun wird die Interme- diärskette europäisch, da sie eben auch grenzüberschreitend Auslandsinterme- diäre umfassen wird. Gemäß DVO muss die initiale Meldung der Einberufung in die Intermediärskette durch den Emittenten erfolgen, mit den Angaben der in der DVO enthaltenen Tabelle. Diese standardisierte Meldung – auch als „Golden Operational Record“ (GOR) bezeichnet – erfolgt paral- lel zum recht unveränderten rechtlichen Zeitstrahl der Einberufung. Der GOR hat den Zweck, die wahren Aktionäre durch die Kette über ein Unternehmensereignis, hier die HV-Einberufung, zu informieren; er wird auch dazu dienen, dass Marktteil- nehmer wie Stimmrechtsberater ihre IT- Systeme zur Information ihrer Kunden vorbereiten können. Da der Emittent über Unternehmensereignisse „rechtzeitig und spätestens am Geschäftstag, an dem er [...] das Unternehmensereignis bekannt gibt“ zu informieren hat und die Daten die Intermediäre spätestens am Folgetag erreichen sollen, ergibt sich ein Zeitab- stand zwischen dem Tag des Unterneh- mensereignisses (Veröffentlichung im Bundesanzeiger) und dem Record Date zur Teilnahmeberechtigung der Inhaber- aktionäre und der Einladungsverpflichtung der Namensaktienemittenten. Im Falle einer TO-Ergänzung hat erneut eine GOR- Information – vermutlich vollständig statt nur einer inhaltlichen Änderung – zu erfolgen.
Q u e l l e : C o m p u t e r s h a r e 30 Tage: ca. 37 Tage: Einberufung (gem. Satzung), ggf. europäisches Medienbündel, Golden Operational Record-Info an Intermediärskette Fristablauf Ergänzungsfrist, ggf. Golden Operational Record Fristablauf Versand nach §125 bis zum 22. Tag: AktG für Inhaberaktien Record-Date Inhaber-/Namensaktien Versand nach §125 AktG für Namensaktien Gegenanträge/Wahlvorschläge mind. 14 Tage vor der HV (für Zugänglichmachung), –bisheriger Schlussversand Namensaktien Letzter Anmeldetag (Umschreibestopp) 6 Tage: 21. Tag: 14 Tage: I n t e r m e d ä r s n f o i i V o r d e r H V A k t i o n ä r s n f o i HV 3. Bankarbeitstag: Stichtag Dividende Veröffentlichung Ergebnisse 7 Tage: –Anforderung Abstimmbestätigung Ende Widerspruchsfrist 1 Monat: N a c h d e r H V A n z e g e i H V - F R I S T E N ( F Ü R B Ö R S E N N O T I E R T E A G / S E ) B e s t ä t i g u n g n a c h § 1 1 8 u n m l i t t e b a r 1 1 7 7 HV-PRAXIS B r i e f w a h l / S t i l m m a b g a b e n / e e k t r o n s c h e W e s u n g e n i i t e a m @ h b w . d e I w w w . h b w . d e M a x - J o s e p h - S t r a ß e 5 I 8 0 3 3 3 M ü n c h e n h b w C o n f e r e n c e C e n t e r h t t p s : / / w w w . f a c e b o o k . c o m h b w . d e /
18 S I X A R P - V H . . m o c e b o d a k c o t s – n r o k e x i p © l : o t o F Intermediärskette Emittenten werden sich, um den GOR in die bringen, voraussichtlich an einen Dienstleister wenden. Neue Dienstleisterangebote in der Kette bilden sich derzeit heraus. zu Elektronischer Versand Die elektronische Informationsübermitt- lung hat den Charme, dass zur rechtlich befreienden Einladung künftig die elektro- nische Einberufung ausreicht – zumin- dest bei Inhaberaktien. Ein über den GOR mitgeteilter Link führt zur Einberufungs- website des Emittenten. Der Namensaktie steht für einen E-Versand noch der § 49 WpHG hinderlich im Weg, der aus einer anderen Gesetzgebungsphase kommt und mittelfristig nicht zur Disposition steht, auch wenn er der ARUG-II-spezi- fischen Intention des Gesetzgebers wider- spricht. Für den E-Versand ist die Erklä- rung des ausdrücklichen Einverständnis- ses des Aktionärs oder ein auf Anfrage ausbleibender Widerspruch erforderlich; Letzteres sollte künftig eine stärkere Rolle spielen. Die HV-Broschüre dürfte aber künf- tig als PDF-Datei bei beiden Gattungen aus- reichen. Bei Computershare sind wir davon überzeugt, dass die E-Versand- Quoten oh- nehin kontinuierlich ansteigen werden. Die Einberufung zur HV nimmt den einfa- chen Weg durch die Intermediärskette. Der HV MAGAZIN 04/2019 ARUG „stimmrechtstragende“ Rücklauf ist span- nender: Exakte Formate für Vollmachten, insbesondere an den Stimmrechtsvertre- ter, für Briefwahlprozesse und auch den Legitimationsnachweis fehlen in den DVO- Tabellen. Ferner sind die Daten vieler EU- Intermediäre zu konsolidieren. Noch bestehen also Verfahrensunsicherheiten in der gesamten Prozesskette. Angst vor Rechtsunsicherheiten wie einer doppelten Stimmenvertretung sollte man sich aber nicht einreden lassen. Schon bei Einfüh- rung des Gesetzes zur Unternehmens- integrität und Modernisierung des Anfech- tungsrechts (UMAG) haben sich solche Befürchtungen nicht bewahrheitet. Wie viele Aktionäre ein Emittent im Ausland hat, ist ihm selten bekannt. Die europäische Erweiterung des bisher nur innerhalb nationaler Grenzen stattfinden- den Versandprozesses lässt erwarten, dass auf jeden Fall mit Kostensteigerun- gen für die Weiterleitung in der nun länge- ren Informationskette zu rechnen ist. Hoffentlich sind die Überraschungen dann nicht zu groß! Was lässt sich vorbereiten? Die HV-Saison 2020 wird noch recht unbeeinflusst vom ARUG II verlaufen, die gesellschaftsrechtlichen Änderungen für Emittenten erscheinen ebenfalls gering. Doch Satzungen könnten bereits heute rechtlich mögliche und künftig noch sinn- vollere Ermächtigungen fehlen oder Rege- lungen enthalten, die zukünftig einengen. Daher lohnt sich ein Blick in die eigene Satzung, um zu prüfen, ob — elektronische Kommunikation mit den Aktionären grundsätzlich mög- lich ist — grundsätzlich Briefwahl und Onlineteilnahme an der HV mög- lich sind — ggf. im künftigen europäischen Kon- text einengende Spracherforder- nisse für den Legitimationsnach- weis bestehen — sich ändernde Gesetzestexte zitiert werden und somit deren Satzungs- wiedergabe unrichtig wird und — die Aufsichtsratsvergütung detail- liert satzungsgeregelt ist und einer Anpassung bedarf. Finale Anpassungen und Inkrafttreten Auf der Ziellinie der Gesetzgebung ergab sich u.a. noch eine Mitbestimmungs- befugnis der HV: Diese kann eine fest- gelegte Maximalvergütung für Vorstände herabsetzen. Anders als das beratende Votum zum Vergütungssystem ist dies dann bindend. Ein solcher „Vergütungs- deckel“ ist durch Aktionäre, wie eine T agesordnungserweiterung, unter Nach- weis eines Quorums zu beantragen. Der Know-Your-Shareholder-Teil des Gesetzes hat sich indes inhaltlich nicht mehr verän- dert. In Kraft tritt das ARUG II zum 1. Januar 2020, die Vergütungsregelungen und -berichtspflichten beginnen nach dem 31. Dezember 2020, die Know-Your-Share- holder-Regelungen erhalten ab dem 3. September 2020 Geltung. Die üblichen Vorreiter für gesetzliche Neuregelungen, die Gesellschaften mit HV-Termin in Janu- ar oder Februar, können diesbezüglich so- mit erst einmal auf andere Emittenten schauen.
Aufsichtsratswahlen Fallstricke 19 H V - P R A X I S DR. ALEXANDER THOMAS Partner, Pinsent Masons Germany LLP MARKUS JOACHIMSTHALER, LL.M. Associate, Pinsent Masons Germany LLP alexander.thomas@pinsentmasons.com markus.joachimsthaler@pinsentmasons.com Die richtige Besetzung des Aufsichtsrats sowie die Wahlen zum Aufsichtsrat werden immer difﬁziler. Wiederwahlen von Aufsichtsratskandidaten, auch bei erfolgreichen Gesell- schaften, sind keine Selbstläufer mehr. Die gesetzlichen Anforderungen, insbesondere aber die verschärften Anforderungen des Deutschen Corporate Governance Kodex (DCGK) wie auch die Abstimmungsrichtlinien der Stimmrechtsberater stellen hohe Anforderungen an die Wahl von Aufsichtsräten. Wichtige Anforderungen und die sich hierbei ergebenden Fallstricke werden nachfolgend beleuchtet. Diversity (Geschlechterquote) Diversity spielt bei der Zusammensetzung des Aufsichtsrats eine immer größere Rolle. Gemäß § 111 Abs. 5 AktG müssen Gesell- schaften, die börsennotiert sind oder der Mitbestimmung unterliegen, feste Ziele für den Frauenanteil im Aufsichtsrat festlegen. Zudem bestehen gemäß § 96 Abs. 2 AktG für börsennotierte Gesellschaften, für die das Mitbestimmungsgesetz, das Montan- Mitbestimmungsgesetz oder das Mitbe- stimmungsergänzungsgesetz gilt, starre Quoten von mindestens 30%; ein Verstoß hiergegen würde zur Nichtigkeit des Wahl- beschlusses führen. Diese Anforderungen an die Geschlechterquote bleiben von dem geplanten Gesetz zur Umsetzung der zweiten Aktionärsrechterichtlinie (ARUG II) unberührt. Der Kodex hingegen verlangt lediglich eine angemessene Berücksichtigung von Di- versity bei Benennung der Ziele und Erarbeitung Kompetenzprofils (Empfehlung C.1 DCGK 2019). des Demgegenüber achten die Stimmrechts- berater strikt auf Diversity. So werden ein nur mit Männern besetzter Aufsichtsrat oder fehlende Ziele zur Umsetzung von Diversity kritisch gesehen. Overboarding Unter Overboarding wird generell der Fall verstanden, in dem ein einzelnes Mitglied des Aufsichtsrats eine Vielzahl weiterer Mandate wahrnimmt (z.B. Mitglied in an- deren Aufsichtsräten; Vorstandstätigkeit). Gemäß § 100 Abs. 1 Nr. 1 AktG kann Mitglied des Aufsichtsrats nicht sein, wer bei geplantem Amtsantritt bereits zehn Aufsichtsratsmandate (Aufsichtsrats- vorsitz zählt doppelt) in Handelsgesell- schaften innehat, die gesetzlich einen Aufsichtsrat zu bilden haben. Diese Regelung wird von ARUG II unberührt bleiben. Darüber hinaus soll nach der Empfehlung C.4 DCGK 2019 ein Aufsichtsratsmitglied, das keinem Vorstand einer börsennotier- ten Gesellschaft angehört, insgesamt nicht mehr als fünf Aufsichtsratsmandate bei konzernexternen börsennotierten Gesellschaften oder vergleichbare Funkti- onen wahrnehmen (Aufsichtsratsvorsitz zählt doppelt). Wer darüber hinaus dem Vorstand einer börsennotierten Gesell- schaft angehört, soll insgesamt nicht mehr als zwei Aufsichtsratsmandate in konzernexternen börsennotierten Gesell- schaften oder vergleichbare Funktionen und keinen Aufsichtsratsvorsitz in einer konzernexternen börsennotierten Gesell- schaft wahrnehmen (Empfehlung C.5 DCGK 2019). HV MAGAZIN 04/2019
S I X A R P - V H 20 lässt ebenfalls maximal Die Abstimmungsrichtlinien der Stimm- rechtsberater sind teilweise noch stren- ger. So lassen die Stimmrechtsberater der Institutional Shareholder Services (ISS) maximal fünf Mandate in börsennotierten Gesellschaften (Aufsichtsratsvorsitz wird doppelt, Vorstandsmandate werden drei- fach gerechnet) zu, wobei ein Vorstands- mandat in einer börsennotierten Gesell- schaft und ein Aufsichtsratsvorsitz generell kritisch gesehen werden. Glass Lewis fünf Aufsichtsratsmandate zu (Vorsitz zählt doppelt), wobei Vorstände börsennotierter Gesellschaften nicht mehr als zwei Auf- sichtsratsmandate in konzernexternen börsennotierten Gesellschaften oder ver- gleichbaren Gremien wahrnehmen sollen. Der BVI Bundesverband Investment und Asset Management ist am strengsten und befürwortet maximal drei Mandate in Summe für ein exekutiv tätiges Mitglied und fünf Mandate in Summe für ein nicht- exekutiv tätiges Mitglied; Vorsitzende (auch Vorstand oder Geschäftsführer einer GmbH) zählen doppelt. Mehrere Mandate innerhalb eines Konzerns zählen als ein Mandat; dies trifft allerdings ledig- lich dann zu, wenn sie deutlich gekenn- zeichnet sind. Unabhängigkeit Des Weiteren soll eine ausreichende Anzahl der Aufsichtsratsmitglieder unab- hängig sein. Aktienrechtlich besteht keine ausdrückliche Regelung zur Unabhängig- keit. Die Empfehlungen C.6 bis C.12 DCGK 2019 sehen vor, dass der Aufsichtsrat mit einer angemessenen Zahl unabhängiger Mitglie- der (mehr als 50% der Aktionärsvertreter sollen unabhängig von der Gesellschaft und vom Vorstand sein) besetzt sein soll. Ein Aufsichtsratsmitglied ist nach dem DCGK 2019 unabhängig von der Gesell- schaft und deren Vorstand, wenn es in keiner persönlichen oder geschäftlichen Beziehung zu der Gesellschaft oder deren Vorstand steht, die einen wesentlichen und nicht nur vorübergehenden Interes- HV MAGAZIN 04/2019 „Bereits bei der Aus- wahl der Aufsichts- ratskandidaten sind Diversity, Overboar- ding und Unabhän- gigkeit zu berück- sichtigen.“ senkonflikt begründen kann. War ein Aufsichtsratsmitglied selbst oder ein naher Familienangehöriger des Aufsichts- ratsmitglieds in den zwei Jahren vor seiner Ernennung Mitglied des Vorstands der Gesellschaft, unterhält er aktuell oder hat er in dem Jahr bis zu seiner Ernennung direkt oder als Gesellschafter oder in verantwortlicher Funktion eines konzern- fremden Unternehmens eine wesentliche geschäftliche Beziehung mit der Gesell- schaft oder einem von dieser abhängigen Unternehmen unterhalten (z.B. als Kunde, Lieferant, Kreditgeber oder Berater), ist er ein naher Familienangehöriger eines Vorstandsmitglieds oder gehört er dem Aufsichtsrat seit mehr als zwölf Jahren an, liegen nach dem Kodex Anzeichen für ein nicht unabhängiges Aufsichtsratsmitglied vor. C. 14 DCGK 2019), sowie die Offenlegung der persönlichen und geschäftlichen Beziehungen eines jeden Kandidaten zum Unternehmen, den Organen der Gesell- schaft und einem wesentlich an der Gesellschaft beteiligten Aktionär (Empfeh- lung C. 13 DCGK 2019). Stimmrechtsberater erwarten insgesamt eine umfassende Darlegung der Qualifika- tion der Kandidaten, wie Werdegang, Alter, Eignung, Nationalität, Zeitpunkt Erst- bestellung, Dauer und Ende der aktuellen Bestellung (so auch Empfehlung C.3 DCGK 2019), Angabe zu anderen Mandaten einschließlich etwaiger Börsennotierung bzw. Konzernzugehörigkeit sowie Anga- ben zu Sitzungsteilnahmen (so auch Empfehlung D.8 DCGK 2019), da ansons- ten deren Wahl kritisch gesehen wird. Gesamtprofil Gemäß Grundsatz 11 DCGK 2019 ist der Aufsichtsrat so zusammenzusetzen, dass seine Mitglieder insgesamt über die zur ordnungsgemäßen Wahrnehmung der Aufgaben erforderlichen Kenntnisse, Fähigkeiten und fachlichen Erfahrungen verfügen und die gesetzliche Geschlech- terquote eingehalten wird. Stimmrechtsberater sehen die Wahl von Kandidaten bereits dann kritisch, wenn deren Wahl zu einer mangelhaften Qualifi- kationsstruktur des Aufsichtsrats führen könnte. Transparenz der Kandidatenvorschläge Fazit Gemäß § 124 Abs. 3 Satz 4 AktG sind bei dem Vorschlag zur Wahl von Aufsichtsrats- mitgliedern nur der Name, der tatsächlich ausgeübte (nicht der erlernte) Beruf sowie der Wohnort anzugeben. Auch diese Regelung wird durch das ARUG II unbe- rührt bleiben. Der Kodex empfiehlt die Vorlage eines aus- sagekräftigen Lebenslaufs, der jährlich aktualisiert auf der Website der Gesell- schaft zu veröffentlichen ist (Empfehlung Bereits bei der Auswahl der Aufsichtsrats- kandidaten sind Diversity, Overboarding und Unabhängigkeit zu berücksichtigen. Gleichzeitig ist ein Augenmerk auf die Transparenz der Kandidatenvorschläge sowie auf das Gesamtprofil zu legen. Neben den gesetzlichen Vorgaben sind insbesondere die Empfehlungen des DCGK sowie die Vorgaben der Stimmrechtsbera- ter zu beachten, da ansonsten die Gefahr besteht, dass vorgeschlagene Kandidaten nicht die erforderliche Mehrheit erhalten.
S I X A R P - V H 22 Abstimmrichtlinien Vielfalt – nicht nur im Aufsichtsrat ANNE KATRIN BURKERT Rechtsanwältin und Referentin, Adeus Aktienregister-Service-GmbH annekatrin.burkert@adeus.com Die Veröffentlichungssaison der Abstimmungsrichtlinien für Hauptversammlungen hat begonnen. Stimmrechts- berater und Investoren publizieren ihre überarbeiteten Richt linien, anhand derer auf Hauptversammlungen 2020 abgestimmt wird. Gleichzeitig beinhaltet der im Mai 2019 veröffentlichte neue Deutsche Corporate Governance Kodex1 (DCGK) ebenfalls Änderungen für die Hauptver- sammlungen im kommenden Jahr. Am Beispiel der Vorbereitung einer Auf- sichtsratswahl wird deutlich, dass die Suche nach einer geeigneten Kandidatin oder einem geeigneten Kandidaten unter Berücksichtigung aller Abstimmungsricht- linien eine komplexe Aufgabe geworden ist. In erster Linie muss das zukünftige Aufsichtsratsmitglied in das vom Auf- sichtsrat selbst definierte Kompetenz- und Leistungsprofil des gesamten Gremi- ums passen. Allerdings hängt die Eignung der jeweiligen Person nicht allein von deren fachlicher Qualifikation, Sachkunde und dem bisherigen Werdegang ab: Eine entscheidende Rolle spielen auch Kriterien wie Alter, Geschlecht und sogar Nationa lität. Immer größere Bedeutung nimmt das Kriterium der Unabhängigkeit ein. Wie sich die Unabhängigkeit eines einzelnen Kandi- daten nach den Abstimmungsrichtlinien bemisst, wird allerdings unterschiedlich gesehen. Die „Analyse Leitlinien für Haupt- versammlungen 2020“2 des Deutschen Fondsverbandes BVI stufen ein Aufsichts- ratsmitglied bereits nach zehn Jahren Zugehörigkeit als nicht mehr unabhängig ein. In den Global Corporate Governance Guidelines der Allianz Global Investors3 hingegen wird die Grenze erst nach zwölf Jahren Gremiumszugehörigkeit gezogen. Die aktuellen Proxy Paper Guidelines von Glass Lewis4 haben die Schwelle von ehe- mals 15 nun auf bis zu zwölf Jahre Auf- sichtsratszugehörigkeit gesenkt und sind damit im Einklang mit dem neuen DCGK.5 Nicht unabhängige Aufsichts- ratsmitglieder tolerieren Einigkeit besteht darin, dass ein gewisses Maß an nicht unabhängigen Aufsichts- räten, beispielsweise ehemaligen Vorstän- den, in der Gesamtzusammensetzung des Aufsichtsrats toleriert wird. So dürfen nach den Grundsätzen der Abstimmungspolitik bei Hauptversammlungen der Deka6 ebenso wie nach den Abstimmungsrichtlinien von Union Investment7 bis zu zwei ehemalige Vorstände Mitglied im Aufsichtsrat sein. Die Anforderungen der Allianz Global Investors8 tolerieren hingegen nur maximal ein ehema- liges Vorstandsmitglied im Aufsichtsrat. Maximale Anzahl an Mandaten Eine besondere Vielfalt weisen die Abstim- mungsrichtlinien hinsichtlich der zuläs- sigen Anzahl an Mandaten eines Auf- sichtsratsmitglieds auf. Grundsätzlich besteht Konsens darin, dass ein Aufsichts- ratsmitglied ausreichend Zeit zur Verfü- gung haben muss, um seiner Aufsichts- pflicht nachzukommen. Schon bei der Festlegung, ab welcher Anzahl von Man- daten diese zeitliche Verfügbarkeit nicht mehr gewährleistet ist, gehen die Richt- linien ebenso auseinander wie bei der 1) http://hv-mag.de/adeus01 2) http://hv-mag.de/adeus02 3) http://hv-mag.de/adeus03 4) www.glasslewis.com/guidelines 5) http://hv-mag.de/adeus05 6) http://hv-mag.de/adeus06 7) http://hv-mag.de/adeus07 8) http://hv-mag.de/adeus08 HV MAGAZIN 04/2019
Frage, welche Tätigkeit überhaupt als „Mandat“ zu bewerten ist. Die Definition der BVI-Richtlinien geht dahin, als Mandat alle exekutiven und nicht-exekutiven, einem Aufsichtsrats- mandat vergleichbaren Tätigkeiten im In- und Ausland, die nicht-ehrenamtlich sind, zu berücksichtigen. Hierunter fallen ausdrücklich auch Verwaltungsrats- und Beiratsfunktionen. Nicht ganz so weit fasst Allianz Global Investors den Mandats- begriff, berücksichtigt aber exekutive und nicht-exekutive Tätigkeiten bei „public and private companies“.9 Die Proxy Voting Guidelines von ISS10 hingegen berücksich- tigen ausschließlich Tätigkeiten bei „listed companies“ und legen damit bei der Berechnung eines „Overboardings“ einen engen Mandatsbegriff zugrunde. Eine weitere Besonderheit findet sich in der Corporate Governance and Proxy Voting Policy der DWS Investment.11 Neben der Funktion des Vorsitzenden von Aufsichts- rat und Vorstand und der Tätigkeit als CEO, welche gemäß vielen Richtlinien doppelt gewertet werden, zählt bei der DWS Invest- ment auch der Vorsitz des Prüfungs- ausschusses zweifach. 9) http://hv-mag.de/adeus09 10) http://hv-mag.de/adeus10 11) http://hv-mag.de/adeus11 23 H V - P R A X I S . . m o c e b o d a k c o t s – o d u t s - k c o t s o r P © i : o t o F Diversity: Neben der Qualiﬁkation des Kandidaten spielen auch Kriterien wie Alter, Geschlecht und sogar Nationa- lität eine Rolle. Fazit Nach dieser – nicht abschließenden – bei- spielhaften Betrachtung ist offenkundig, dass die Anforderungen von Stimmrechts- beratern und Investoren eine große Vielfalt aufweisen. Auch wenn in vielen Aspekten ein einheitliches Bild guter Corporate Governance besteht, sind die Anforderun- gen im Detail und in der konkreten Umset- zung noch weit voneinander entfernt und erfordern eine umfassende Vorbereitung auf die Hauptversammlungen im kom- menden Jahr. Anzeige BESTÄNDIGKEIT beweisen. Das Hausbankprinzip für den Kapitalmarkt. BankM - Repräsentanz der ﬂatex Bank AG Mainzer Landstraße 61 D - 60329 Frankfurt am Main www.bankm.de Kontakt: Dirk Blumhoff / Ralf Hellfritsch T +49 (0)69-71 91 838-10 info@bankm.de
S I X A R P - V H 24 Interview mit Thomas von Oehsen, Director Research für die DACH-Region bei ISS „Die Welt dreht sich täglich weiter“ THOMAS VON OEHSEN Director Research für die DACH-Region, Institutional Shareholder Services (ISS) thomas.vonoehsen@issgovernance.com Institutional Shareholder Services (ISS) ist der weltweit größte Stimmrechtsberater. Mit dem zunehmendem Inter- esse an Umwelt- und Sozialthemen, aber auch Veränderun- gen bei der Vergütungspolitik und Fragen zur Zusammen- setzung und Wahlperiode von Aufsichtsräten erweitert sich ebenso das Tätigkeitsspektrum der Branche. Im Gespräch mit dem HV Magazin erläutert Thomas von Oehsen, Director Research für die DACH-Region bei ISS, wie sich sein Haus auf diese Änderungen einstellt. HV Magazin: Herr von Oehsen, nach Abschluss der HV-Saison 2019 – welche Erwartungen an und Herausforderungen für Stimmrechtsberater haben sich aus Ihrer Sicht herauskristallisiert? Thomas von Oehsen: Die grundsätzlichen Erwartungen unserer Investorenkunden an den ISS Governance Research haben sich dieses Jahr nicht wesentlich geändert. Insti- tutionelle Investoren erwarten unabhängig von den Richtlinien, die sie anwenden, d.h. kundenspezifischen oder allgemeinen ISS- Richtlinien, dass wir inhaltlich anspruchs- voll, faktisch korrekt und innerhalb eines Markts konsistent analysieren. Letzteres ist auch der Grund für unseren richtlinienorien- tierten Ansatz. Allerdings erweitern viele Investoren ihren Blick von der reinen Corpo- rate Governance hin zu ESG, also auch zu Umwelt- und Sozialthemen. Diese Bereiche sind zwar mangels Abstimmungspunkten noch nicht so richtig auf den Hauptver- sammlungen angekommen, von Redebeiträ- gen einmal abgesehen, aber die diesbezüg- liche Nachfrage an unser Haus steigt. Folg- lich gibt ein Stimmrechtsberater wie ISS nicht mehr nur Stimmempfehlungen ab, sondern bietet zusätzlich eine Vielzahl von Analyse- daten, Research, ESG-Ratings oder Screenings an. Insofern begegnet ISS diesen zum Teil neuen Erwartungen mit einer deutlich ausgeweiteten Produkt- und Dienstleis- tungspalette. Die ständige Herausforderung HV MAGAZIN 04/2019 ist, diesen gesteigerten Erwartungen jeder- zeit entsprechen zu können, denn die Welt dreht sich jeden Tag weiter – und auch wenn man erfolgreich ist, darf man sich nie auf seinen Lorbeeren ausruhen. Grundsätzlich gefragt: Was sind die Möglichkeiten von Stimmrechtsbera- tern, wo liegen ihre Grenzen? Unsere Hauptaufgabe ist es, Zugang zu welt- weiten Informationen zu bieten, diese zu ver- arbeiten und weiterzugeben. Insbesondere dafür werden wir bezahlt. Die Möglichkeiten der Stimmrechtsberater steigen mit der Nachfrage seitens der Investoren, wenn- gleich wir natürlich versuchen, Trends mög- lichst früh zu identifizieren, um entspre- chend schnell darauf reagieren zu können. Solange wir das schaffen und unsere Kun- den den Mehrwert unserer Services erken- nen und erfahren, sind den Möglichkeiten wenige Grenzen gesetzt. Die Grenzen liegen eher darin, wie man seine Rolle im Kapital- markt sieht und lebt. Für ISS ist diese Frage klar beantwortet: In der ersten Reihe stehen unsere Investorenkunden, denn sie sind es auch, die Abstimmungsentscheidungen verantworten, und nicht die Stimmrechts- berater, die gar keine Aktien an den Unter- nehmen halten und entsprechend keine Abstimmungskompetenz haben. Stimmrechtsberater werden immer wie- der als Einflüsterer bezeichnet – sehen Sie sich so? Niemand von uns steht an den Schreib- tischen unserer Investorenkunden, schaut ihnen beim Abstimmungsprozess über die Schulter und flüstert ihnen ins Ohr, wie sie abzustimmen haben. Zugegeben, das war etwas bildlich gesprochen. Aber im Ernst –
25 H V - P R A X I S warum sollten wir „Einflüsterer“ sein? Da wir keine Aktien an den Unternehmen halten, die wir analysieren, haben wir entsprechend auch gar kein eigenes Interesse daran, ob ein Tagesordnungspunkt abgelehnt wird oder nicht. Wir wollen unsere Kunden durch unser Angebot vielmehr darin bestärken, infor- miert abzustimmen, weil wir fundierte Expertise in über 100 Märkten weltweit haben. Die entsprechenden Stimmempfeh- lungen sind am Ende oft nur die logische Konsequenz einer Richtlinienanwendung. Oder anders gesagt: Die allermeisten unse- rer Empfehlungen sind vorhersehbar, wenn man unsere öffentlich zugänglichen Richt- linien kennt, die gewissermaßen die herr- schende Meinung unserer fast 2.000 institu- tionellen Investorenkunden darstellen. Von daher sind unsere Analysen eher eine Bere- chenbarkeit als ein Einflüstern. Welche Themen werden nach Ihrer Ein- schätzung im kommenden Jahr eine Rolle spielen? Wie werden Sie sich dazu positionieren? Vor einigen Monaten hätte ich noch gesagt: „eindeutig Vergütung“, weil man seinerzeit davon ausgehen musste, dass die Say-on- Pay-Abstimmungen gemäß ARUG II ab 2020 kommen werden. Nun wissen wir aber, dass die Verpflichtung dazu erst mit dem Jahr 2021 eintritt, wenngleich der Gesetzgeber eine freiwillige frühere Anwendung wohl als „wünschenswert“ erachtet. Vergütung wird 2020 also wichtig, aber nicht sehr wichtig werden, wie ursprünglich gedacht. Die Posi- tionierung von ISS dazu ist folgende: Wir wer- den erstens kein Unternehmen deswegen benachteiligen, weil es die Entscheidung trifft, Say on Pay erst 2021 auf die Tagesord- nung zu setzen, denn die Verzögerung von ARUG II liegt in der Verantwortung der Politik, nicht der Unternehmen. Da zweitens mit den Abstimmungen über die Vergütungspolitik und – ein Jahr später – den Vergütungs- bericht nunmehr zwei Punkte zur Bewertung ausstehen, wird ISS bei der Analyse Theorie und Praxis weitestgehend voneinander trennen, d.h. bei der Abstimmung über die Vergütungspolitik wird nur das abstrakte Vergütungssystem in Betracht gezogen. „Die allermeisten unse- rer Empfehlungen sind vorhersehbar, wenn man unsere öffentlich zugänglichen Richt- linien kennt.“ Probleme könnten hier z.B. durch diskre- tionäre Anteile, ausufernde Komplexität oder den Wechsel zu einem deutlich weniger herausfordernden Vergütungssystem auf- treten. Bei der Abstimmung über den Vergü- tungsbericht im Folgejahr wird ISS genau hinschauen, ob die konkrete Auszahlungs- praxis nachvollziehbar ist und mit der Theo- rie der Vergütungspolitik im Einklang steht. Erfahrungen aus anderen Märkten zeigen, dass hier die größeren Risiken für negative ISS-Empfehlungen liegen. Welche Herausforderungen sehen Sie beim Thema Aufsichtsräte? Von ISS-Seite wird sich bei Aufsichtsratswah- len für 2020 nur wenig ändern. Da die meis- ten Investoren die Themen Unabhängigkeit des Aufsichtsrats, Anzahl von Außenmanda- ten oder den Frauenanteil ähnlich oder strikter sehen als in den ISS-Richtlinien beschrieben, sollten die Herausforderungen weitestge- hend bekannt sein. Eine für Deutschland einschneidendere Veränderung kommt erst 2021, denn ab dann wird ISS empfehlen, gegen sämtliche Aufsichtsratskandidaten zu stimmen, die länger als für vier Jahre gewählt werden sollen. Ab oder nach 2022 könnte es sogar zu einer weiteren Verkür- zung der empfohlenen Wahlperioden kom- men. Hintergrund dafür ist die sehr eindeu- tige Präferenz der allermeisten Investoren für kürzere Wahlperioden, wie man es im vergangenen Winter in den Antworten wäh- rend der Konsultationsphase zum neuen Deutschen Corporate Governance Kodex ja auch deutlich sehen konnte. In unserer jähr- lichen Richtlinienumfrage im letzten Som- mer haben auch nur 8% unserer Kunden der Frage zugestimmt, ob längere Wahlperioden als vier Jahre zumindest dann akzeptabel seien, wenn diese im Einklang mit der ent- sprechenden Marktpraxis stehen. Neun von zehn Investoren waren also dagegen. Im Übrigen gibt es in Europa fünfjährige Wahl- perioden außerhalb von Deutschland und Österreich quasi nicht mehr, was sicherlich auch zu berücksichtigen war. Wie sollten sich Unternehmen auf die anstehenden regulatorischen Änderun- gen, aber auch auf das Auftreten aktivis- tischer Investoren vorbereiten? Unternehmen sollten sämtliche Szenarien intern durchspielen. Wenn sie nicht eintre- ten, umso besser aus Unternehmenssicht. Wenn allerdings z.B. ein aktivistischer Inves- tor auf einmal in Erscheinung tritt und das Unternehmen erst dann mit der Vorbereitung einer Reaktion beginnt, dann hätte es einen Fehler gemacht. Ob ESG-Themen auf kommenden Hauptver- sammlungen prominenter werden, wird sich auch zeigen müssen. Zumindest mittel- und langfristig sollten wir jedoch davon ausge- hen, denn für einige ist ESG gar ein „Mega- thema“. Wie auch immer – ohne eine über- zeugende ESG-Strategie werden Unterneh- men für Investoren unattraktiver. Allein des- halb ist es im Interesse der Unternehmen, hier attraktive Antworten zu finden. Und was die Themen Vergütung, Aufsichts- ratswahlen oder Kapitalmaßnahmen angeht, muss man nicht zu allem die gleiche Mei- nung haben. Aber wer glaubt, dass man die „roten Linien“ innerhalb der Richtlinien der Investoren nicht so wichtig nehmen müsse, weil das ja letztlich nur „Boxticking“ sei, der könnte auf Hauptversammlungen durchaus überrascht werden. Herr von Oehsen, vielen Dank für das interessante Gespräch! Das Interview führte Thorsten Schüller. HV MAGAZIN 04/2019
S I X A R P - V H 26 Interview mit Ingo Speich, Leiter Nachhaltigkeit und Corporate Governance, Deka Investment „Im Namen der Aktionäre“ INGO SPEICH Leiter Nachhaltigkeit und Corporate Governance, Deka Investment presse@deka.de Die Deka ist mit 4.700 Mitarbeitern und einem verwalteten Vermögen von rund 306 Mrd. EUR (per 30. September 2019) einer der größten Vermögensverwalter in Deutsch- land. Zunehmend tritt das Wertpapierhaus der Sparkassen auch auf Hauptversammlungen als Vertreter von Aktionärs- interessen auf. Ingo Speich, Leiter Nachhaltigkeit und Corporate Governance bei Deka Investment, erläutert im Gespräch mit dem HV Magazin, welche Ziele die Deka dabei verfolgt, welche Themen im Mittelpunkt stehen und wie sich dieser Geschäftszweig weiterentwickeln wird. HV Magazin: Die Deka vertritt auf zahl- reichen Hauptversammlungen die Interessen von Aktionären. Wie wich- tig ist dieser Geschäftsbereich für Ihre Fondsgesellschaft? Ingo Speich: 2019 haben wir die Interes- sen unserer Anleger auf 320 Hauptver- sammlungen wieder sehr aktiv vertreten. Wir sind davon überzeugt, dass eine gute Unternehmensführung und nachhaltiges Wirtschaften den Schlüssel für den lang- fristigen Erfolg eines Unternehmens darstellen. Hervorzuheben ist auch, dass die institutionellen Anleger und Vermö- gensverwalter zu mehr Transparenz in Bezug auf ihre Anlagestrategien, ihre Mit- wirkungspolitik und deren Umsetzung durch regulatorische Anforderungen ver- pflichtet werden. Bei den Anlegern in Deutschland spielt dieses Engagement – neben der Rendite – ebenfalls eine immer größere Rolle, wie eine repräsentative YouGov-Umfrage im Auftrag der Deka e rgab. 71% der befragten Wertpapierbesit- zer finden es wichtig, dass Fondsgesell- schaften bei Hauptversammlungen aktiv für das Thema Corporate Governance ein- treten. Über die Hälfte der Befragten (56%) ist davon überzeugt, dass durch dieses Engagement der Aktienkurs des jeweiligen Unternehmens langfristig steigt, und für 41% der Anleger ist dies sogar ein Kauf- argument, wenn sie sich für den Aktien- fonds einer bestimmten Fondsgesell- schaft entscheiden. Entwickelt sich die Deka damit zu einer Art Stimmrechtsberater? Deka ist kein Stimmrechtsberater, sondern ein Vermögensverwalter. Große Stimm- rechtsberater sind ISS oder Glass Lewis, die Vermögensverwalter bei der Ausübung ihrer Stimmrechte unterstützen. Deka hat eine eigene Abstimmungspolitik auf Hauptversammlungen und ist deshalb von den Weisungen der Stimmrechtsbera- ter unabhängig. Nach Abschluss der HV-Saison 2019 – welche besonderen Erwartungen an und Herausforderungen für Akti- onärsvertreter wie Sie haben sich herauskristallisiert? Der Sachlage entsprechende öffentliche Kritik auf Hauptversammlungen kann ein Umdenken in Unternehmen herbeiführen (z.B. Bayer). Es ist mehr Engagement von Vermögensverwaltern vonnöten, um Unternehmen bei Nachhaltigkeitsthemen (ESG) in die Pflicht zu nehmen. Mit Blick auf die HV-Saison 2020: Welche Themen werden von Bedeutung sein? Wie werden Sie sich dazu positionieren? In der HV-Saison werden – insbesondere vorauseilend im Hinblick auf ARUG II – ver- mehrt Vorstandsvergütungssysteme zur Abstimmung vorgelegt. Bereits jetzt wird HV MAGAZIN 04/2019
27 H V - P R A X I S in Gesprächen mit Aufsichtsratsvorsitzen- den die Ausgestaltung solcher Systeme besprochen, um Investoreninteressen zu berücksichtigen. Darüber hinaus sind die schon in der Saison 2019 angesprochenen Themen wie Unabhängigkeit des Auf- sichtsrats, Mandate der Aufsichtsratsmit- glieder, Kompetenzprofil des Aufsichtsrats weiterhin wichtig. Wir haben bereits in der letzten HV-Saison sehr starken Wert auf Nachhaltigkeitsaspekte gelegt; diese gilt es, gerade bei Umweltthemen weiter zu schärfen. Nachhaltigkeit und HV-Abstim- mungen wachsen immer stärker zusam- men. Zudem wird die Finanzbranche eine Flut an neuen Nachhaltigkeitsregulierun- gen sehen, damit wird auch der Druck auf börsengelistete Unternehmen steigen. Daher haben wir unsere Positionen zu diesen Themen in unserer HV-Abstim- mungspolitik hinterlegt. Welche konkreten Herausforderungen ergeben sich bei den Themen Zusam- mensetzung der Aufsichtsräte, Over- boarding, Frauenanteil in Aufsichtsräten oder hinsichtlich Umwelt-, Sozial- und Klimathemen? Hinsichtlich der Zusammensetzung der Aufsichtsräte ist es aus unserer Sicht wichtig, dass die Mehrzahl der Mitglieder unabhängig ist und deren Kompetenz- profil dem Geschäftsmodell des Unterneh- mens entspricht. Beim Thema Over- boarding achten wir darauf, wie der neue Deutsche Corporate Governance Kodex umgesetzt wird. Zahlreiche Unternehmen haben bereits angekündigt, die neuen Vorgaben zu erfüllen. In Bezug auf den Frauenanteil sehen wir, dass bei großen DAX-Unternehmen die Quote von 30% weit- gehend erfüllt ist. Nachholbedarf besteht vor allem bei MDAX- und SDAX-Unterneh- men. ESG-Themen sollten nach unserer Ansicht stets unternehmensspezifisch betrachtet werden. Wie können bzw. sollten sich Unterneh- men auf diese Aspekte vorbereiten? Eine optimale Vorbereitung sind gene- rell Gespräche zwischen Investoren und Aufsichtsräten vor Hauptversamm- lungen, wie sie schon seit geraumer Zeit von großen DAX-Unternehmen durchgeführt werden. Nachholbedarf haben hier Unternehmen aus dem MDAX und SDAX. Hier kann es deshalb bei Abstimmungen auf Hauptversamm- lungen zu der einen oder anderen Über- raschung kommen. Sollte die Wirtschaft in eine Schwäche- phase gleiten oder gar in eine veritable Rezession rutschen, so wie es sich im Herbst 2019 abzeichnet, könnten die Unternehmen auf ihren HVs dann mehr Milde von Stimmrechtsberatern erwarten? Die beiden größten Themenblöcke sind die konjunkturellen Aspekte im Hinblick auf das Geschäftsmodell und Nachhaltigkeits- themen. Die Nachhaltigkeitsanforderun- gen sind unabhängig von der Konjunktur- lage zu beurteilen. Tagesordnungspunkte auf einer Hauptversammlung, die mit ESG- Faktoren zusammenhängen, werden auch weiterhin sehr eng verfolgt. Bei der konjunkturellen Komponente hängt es sehr stark von der Weitsicht von Vorstand und Aufsichtsrat ab, das Geschäftsmodell robust zu gestalten und vorbereitet zu sein. Werden Sie Ihre Aktivitäten hinsichtlich Vertretung von Aktionären auf Haupt- versammlungen ausbauen? Und: Ist das für Sie wirtschaftlich lohnend? Wir planen, unser Corporate-Governance- Engagement weiter auszubauen. In die- sem Kontext bauen wir derzeit das Team weiter aus, entwickeln das bereits jetzt intensive Hauptversammlungsreporting weiter und erhöhen die Zahl von Haupt- versammlungen, bei denen wir uns einbringen und abstimmen. Ziel ist die Wahrnehmung unserer Treuhänderpflich- ten im Sinne der langfristigen Wertsteige- rung des uns anvertrauten Vermögens. Jeder Cent ist eine zielführende Inves- tition. Herr Speich, vielen Dank für das interes- sante Gespräch! Das Interview führte Thorsten Schüller. HV MAGAZIN 04/2019 . . m o c e b o d a k c o t s – s a t i r u c e S © : o t o F
S I X A R P - V H 28 Erlebnis Online-Geschäftsbericht Was digitale Reports den Unterneh- men und Aktionären ermöglichen Online-Geschäftsberichten responsives Design zum Einsatz. Das bedeutet, die Nutzer können den Geschäftsbericht auf allen ihren Endgeräten problemlos lesen. Online-Geschäftsberichte eröffnen damit einen großen Spielraum: Sie sind flexibel, stellen ein zusätzliches Darstellungs- und Kommunikationsmittel des Unter- nehmens dar, können größere Zielgrup- pen erreichen, generieren niedrigere Druckkosten und sind umweltfreundlich – so die Argumente der Agenturen, die solche Lösungen anbieten. „Full“ oder „Hybrid“? Für Unternehmen, die sich für einen Online-Geschäftsbericht entscheiden, un- terscheiden die Forscher des Center for Research in Financial Communication ins- gesamt vier Varianten: — Full HTML plus Digital: Die Teaserpage wird mit der Full-HTML-Version kom- biniert. Hier wird eine eigene Teaser- page angeboten und alle Inhalte wer- den zudem als HTML umgesetzt. — Full-HTML-Report: Alle Inhalte wer- den digital abgebildet und in HTML umgesetzt. Bilanz ziehen für das abgelaufene Geschäftsjahr: Inzwi- schen ist es in der Welt der großen und mittelständischen Unternehmen verbreitet, Geschäftsberichte in digitaler Form zu präsentieren. Doch längst nicht alle nutzen die Möglichkeiten, ihren Stakeholdern durch interaktive Ele- mente, Suchfunktionen und externe Verlinkungen einen Mehrwert gegenüber gedruckten Berichten zu liefern. Dabei geben die Nutzer deutliche Signale, wie sie es gerne hätten. Diagrammen, Infografiken und Videos lassen sich komplexe Informationen für die Leserschaft verständlicher aufberei- ten. Durch Suchfunktionen und die indivi- duelle Auswahl von Kapiteln können gezielt Informationen abgerufen werden. Das Unternehmen vermag durch Analyse- tools bei einer Onlineversion zudem genau festzustellen, wie viele Nutzer die Seite besuchen und welche Inhalte auf Interesse stoßen. Einzelne Beiträge des Geschäftsberichtes können für weitere Darstellungsformen wiederverwendet werden, z.B. auf den sozialen Netzwer- ken, auf der eigenen Website oder in einem Blog. In der Regel kommt bei Die digitale Transformation der Unterneh- men zeigt sich auch in der steigenden Tendenz zur digitalen Berichterstattung: Laut einer Untersuchung des Center for Research in Financial Communication in Zusammenarbeit mit Neidhart + Schön und dem Center for Corporate Reporting in Zürich (CCR) haben sich digitale Ge- schäftsberichte in den rund 100 größten börsennotierten Unternehmen in Deutsch- land (davon 50 Berichte aus den Indizes DAX und MDAX) und der Schweiz durch- gesetzt. Das Ergebnis zeigt, dass alle Unternehmen ihre Berichte standardmäßig als PDFs anbieten. Dies wird von vielen Unternehmen schon seit Jahrzehnten prak- tiziert. Die heutigen Möglichkeiten der digi- talen Gestaltung von Geschäftsberichten gehen jedoch weit über das PDF hinaus: Online-Geschäftsberichte sind weitaus mehr als der digitale „Abklatsch“ der Printversion. Die neuen Perspektiven der Online-Geschäftsberichte Ein speziell für das Internet und mit einem Content Management System realisierter Online-Geschäftsbericht eröffnet heut- zutage völlig neue und vielfältige Darstel- lungsformen. Mithilfe von animierten HV MAGAZIN 04/2019 . . m o c e b o d a k c o t s – o d u t S t e n D W © i : o t o F
29 H V - P R A X I S WIE ENTWICKELN SICH DIE ONLINE-GESCHÄFTSBERICHTSFORMATE IM JAHRESVERGLEICH IN DEUTSCHLAND? 100% 80% 60% 40% 20% 0% 100 100 100 100 100 PDF 46 22 24 56 36 20 54 36 18 53 14 39 (28) (26) 54 18 10 22 4 2014 2015 2016 2017 2018 Teaserpage Hybrid Full HTML plus Full HTML Quelle: mms solutions ag — Teaserpage: Wichtige Inhalte werden kanalgerecht aufbereitet und auf wenigen Seiten präsentiert. Es folgt eine Verlinkung zu PDFs. — Hybrid: Bestimmte Teile des Berichts werden in HTML umgesetzt, andere als PDF zur Verfügung gestellt. Die „Vollversion“ bzw. die eigene Teaser- page erfährt unter den Unternehmen, die mit ihrem Geschäftsbericht online gehen, wachsende Beliebtheit. Das jedenfalls besagen die Zahlen der Untersuchung. Im Jahr 2018 gestalteten 28% der untersuchten Unternehmen Full-HTML-(Plus-)Seiten. 18% haben eine Teaserseite für ihre Geschäfts- berichte gewählt, nur 10% entschieden sich für eine Hybridseite. Noch ein Jahr vorher hatte sich ein völlig anderes Bild dargestellt: 18% Full gegenüber 36% Hybrid. Der Trend spricht für die Zielgruppe: Die österrei- chische Agentur nexxar, die jährlich für große Unternehmen wie Bayer, Telekom, VOLKSWAGEN und METRO digitale Geschäfts- berichte erstellt, berichtet anhand von Web- site-Analysen, dass insbesondere Berichte, die nur den Imageteil in HTML aufbereiten, so gut wie nicht genutzt werden. Vermutet wird, dass diese von Stakeholdern nicht als vollwer tige Berichte anerkannt werden. Zeichen der Zeit noch nicht von allen Unternehmen erkannt Erstaunlich ist jedoch eine ganz andere Zahl: Laut der Untersuchung publizieren erst rund 50% der untersuchten Unter- nehmen einen Online-Geschäftsbericht. Warum das so ist, geht aus der Analyse nicht hervor. Auswertungen der vollständigen HTML- Berichte von DAX30-Unternehmen anhand von entsprechenden Tools ergaben laut nexxar jedoch, dass fast 90.000 Besuche und über 300.000 Seitenaufrufe im Jah- resverlauf stattfinden. Die Reichweite von Online-Geschäftsberichten liegt damit deutlich über der durchschnittlichen Druckauflage von Printberichten, die im DAX zuletzt rund 10.000 Exemplaren ent- sprach. Während sich also seitens der Zielgruppe, sprich der Aktionäre, Investo- ren, Analysten und Finanzmedien, ein Trend zur digitalen Nutzung von Informa- tionen und Daten – immer mehr auch mobil – abzeichnet, schlägt sich dieser erstaunlicherweise (noch) nicht durch- gängig aufseiten der Unternehmen nieder. Mit Blick in die Zukunft werden viele Firmen daher nachrüsten (müssen): Logi- sche Konsequenz des Trends ist, sich von den Konzepten gedruckter Pendants zu verabschieden und die digitalen Möglich- keiten auszuschöpfen. Digital ja, aber noch längst nicht online Die Besonderheiten des Internets als Publikationskanal von Geschäftsberichten liegen z.B. in einem nicht-linearen Nut- zungsprinzip – ihre Inhalte werden hoch- gradig selektiv durch die aktive Auswahl der Nutzer erschlossen. Da die Geschäfts- berichte mit zahlreichen anderen Quellen im Netz konkurrieren, müssen sie such- maschinenoptimiert (SEO) sein, damit sie im Ranking vorne auftauchen und gefun- den werden. Sie müssen den Stakeholdern auch klare Mehrwerte bieten: Die Aufgabe des Online-Geschäftsberichts besteht nicht nur darin, die wirtschaftliche Bilanz eines Geschäftsjahres darzustellen, son- dern er soll auch ein positives Image trans- portieren, etwa anhand von infor mativen und unterhaltsamen Erfolgs geschichten, Fallstudien und Mitarbeiterporträts. Infovideos oder Auch crossmedial – also über verschiede- ne „Kanäle“ – zu arbeiten wird von Fach- agenturen empfohlen. Synergieeffekte können beispielsweise durch das Veröf- fentlichen von Info- grafiken in sozialen Netzen erreicht werden. Außerdem ermöglichen Online- Geschäftsberichten eine interessenspezi- fische Arbeit, indem sich das vom Nutzer gesuchte Interessengebiet durch Naviga- tionshilfen und übersichtliche thema- tische Filteroptionen schnell finden lässt. Fazit Online-Geschäftsberichte sind die Zukunft. Sie müssen jedoch ganz anders, nämlich digital, gedacht werden. Das bedeutet, die Unternehmen müssen umdenken und von der Idee des klassischen Geschäfts berichts wegkommen. Dies ist eine neue große Her- ausforderung an die Informationsgestal- tung und -verarbeitung der Unternehmen. Interne oder externe Fachleute sind da gefragt. Doch wenn die digitalen Möglich- keiten eines Online- Geschäftsberichtes geschickt genutzt werden, können die Stakeholder gut informiert und darüber hinaus weitere Effekte erzielt werden. Mareike Spielhofen Die Studie „Online-Report-Perspek- tiven“ des Center for Research in Financial Communication kann kostenfrei bestellt werden unter marketing@mmssolutions.io HV MAGAZIN 04/2019
S I X A R P - V H 30 Interview mit Henryk Deter, Vorstand, cometis AG, und Dr. Alexander Juschus, geschäftsführender Gesellschafter, Governance & Values GmbH „Bei Corporate Governance ist noch Luft nach oben“ HENRYK DETER Vorstand, cometis AG deter@cometis.de DR. ALEXANDER JUSCHUS geschäftsführender Gesellschafter, Governance & Values GmbH ajuschus@gov-val.com Corporate Governance, also eine verantwortungsvolle Unternehmensführung, ist heutzutage kein „Nice-to-have“, sondern ein „Must“. Auf Hauptversammlungen stellen Aktionäre zunehmend die Frage, wie es die börsennotierten Unternehmen bei diesem Thema halten. Mittels einer Score- card können sich Anleger nun leicht ein Bild über den Aus- prägungsgrad von Corporate Governance in Firmen machen und dieses in ihre Investmentüberlegungen einbeziehen. Henryk Deter, Vorstand der cometis AG, und Dr. Alexander Juschus, geschäftsführender Gesellschafter Governance & Values GmbH, erläutern im Interview mit dem HV Magazin, worauf es bei dem Thema ankommt. HV Magazin: Corporate Governance ist ein oft gebrauchter und weit gefasster Begriff. Auf welche Kernaspekte würden Sie ihn fokussieren? Henryk Deter: Corporate Governance ist ein umfassendes Konzept, das sich auf eine verantwortungsvolle Unternehmens- führung im Sinne aller Stakeholder kon- zentriert. Dabei geht es darum, den Rahmen zu schaffen, in dem die verant- wortlichen Akteure die Leitung und Über- wachung des Unternehmens wahrneh- men. In dieser Hinsicht werden momentan vor allem die Besetzung des Aufsichtsrats, die Vorstandsvergütung oder die Veröf- fentlichungspolitik diskutiert. Wie wichtig ist für Unternehmen die Orientierung an einer guten Corporate Governance? Welche Aspekte müssen dabei besonders beachtet werden? Deter: Eine gute Corporate Governance ist für börsennotierte Unternehmen essen- ziell. Sie trägt wesentlich dazu bei, Ver- trauen am Kapitalmarkt zu gewinnen, und kann dadurch dem Aktienkurs Impulse geben. Sie ist Aushängeschild des Unter- nehmens und wird von Investoren mittler- weile erwartet. Darüber hinaus bietet ein gutes Corporate-Governance-Konzept auch Stabilität. Das Risikomanagement eines Unternehmens wird belastbarer und das Unternehmen in möglichen schwie- rigen Phasen sicherer manövriert. Was kann passieren, wenn ein Unternehmen Governance-Themen vernachlässigt? Dr. Alexander Juschus: Das ist eine gute Frage, die sich gerade kleinere Unterneh- men zu selten stellen. Es ist zum einen so, dass der Aktienkurs leidet und das Risiko steigt. Zum anderen ziehen schlechte Governance-Strukturen auch Aktivisten an. Sie kaufen sich billig ein, stellen das Unternehmen sozusagen auf den Kopf und verkaufen dann wieder, mit einem statt- HV MAGAZIN 04/2019
31 H V - P R A X I S . . m o c e b o d a k c o t s – n a z d © i i : o t o F lichen Gewinn. Vorstand und Aufsichtsrat sind gefragt, Missstände zu erkennen und frühzeitig gegenzusteuern. rechts bei Kapitalmaßnahmen. Das sind Themen, die auch immer wieder auf Haupt- versammlungen zur Sprache kommen. Welche besonderen Herausforderungen ergeben sich für diese kleineren Unter- nehmen bei der Einhaltung von Corpo- rate Governance? Deter: Bei kleineren Unternehmen gibt es spezifische Besonderheiten. Nehmen Sie die Zusammensetzung des Aufsichtsrats. Oftmals haben kleinere Gesellschaften einen Ankeraktionär, der auch entspre- chend im Aufsichtsrat vertreten ist. Das ist oft auch strategisch sinnvoll. Es sollte aber unbedingt darauf geachtet werden, dass die Unabhängigkeit des Gremiums erhalten bleibt. Nahestehende Personen sollten nur in begründeten Ausnahme- fällen in das Gremium einziehen. Darüber hinaus steht Transparenz über allem. Aber auch eher kleinere Aspekte sind für Investoren wichtig. Zu nennen sind hier beispielsweise eine Höchstgrenze bei der Vergütung, Rotation des Abschlussprüfers oder die Berücksichtigung des Bezugs- Wie können kleinere Unternehmen feh- lende Ressourcen in Bezug auf Personal und Geld kompensieren? Dr. Juschus: Es müssen einfach die Hausaufgaben gemacht werden. Hierfür braucht man nicht viel Personal und Geld. Es gilt, sich auf die zentralen Aspekte zu fokussieren und die Strukturen darauf effizient auszurichten. Das macht viel wett. Ihr Unternehmen hat gerade die DVFA Scorecard ausgewertet. Wie funktio- niert diese und was soll sie bringen? Dr. Juschus: Die Scorecard für Corporate Governance ist ein Instrument, mit dem sich Investment Professionals ein gutes Bild über die Corporate-Governance- Performance eines Unternehmens ma- chen können. Sie basiert auf dem Deut- schen Corporate Governance Kodex als auch internationalen Standards. Die Unter- suchung hat sehr deutliche Unterschiede zwischen regelmäßig höherer erklärter und tatsächlicher Governance-Qualität gezeigt. Anhand der Scorecard wird diese Diskrepanz aufgedeckt und die vorhan- denen Informationslücken werden ge- schlossen. Können Sie konkrete Beispiele nennen, in denen Sie die Analyse angewendet haben? Was war das Ergebnis? Dr. Juschus: In den letzten Jahren haben wir zunächst den DAX abgebildet. Nun haben wir auch die Emittenten aus dem MDAX näher untersucht. Im DAX führt die Deutsche Börse mit einem Score von 94,00% die Rangliste an, dicht gefolgt von Munich Re (92,33%) und RWE (92,33%). Aus dem MDAX erzielte ProSieben das beste Ergebnis (87,00%). Aus dem DAX hat die VOLKSWAGEN AG mit einem Score von 69,67% am schlechtesten abgeschnitten, Schlusslicht im MDAX ist die Fielmann AG (43,00%). Auch die großen Spieler am Kapitalmarkt haben bei ihrer Corporate Governance also noch Luft nach oben. Herr Deter, Herr Dr. Juschus, vielen Dank für das interessante Gespräch! Das Interview führte Thorsten Schüller. Anzeige Tipps & Trends rund um die HV Jetzt abonnieren! http://hv-mag.de/abo . . m o c e b o d a k c o t s – r e w o P e x i P © l : n o i t a r t s u l l I
S I X A R P - V H 32 Locations der Messe München Wachstumsstandort für Aktionärsversammlungen ASTRID BLOCK Sales Manager Messe München Locations, Messe München GmbH astrid.block@messe-muenchen.de Die Messe München gewinnt auch als Standort für Haupt- versammlungen immer mehr Bedeutung. Vor allem das ICM – Internationale Congress Center München kann bei den Unternehmen punkten. Im Jahr 2020 kommt mit dem Börsenneuling Siemens Healthineers ein weiteres gewichtiges Unternehmen dazu. Sechs, acht, zehn: Was nach Teilen der Zweierreihe klingt, ist in Wahrheit ein Beleg für die erfolgreiche Entwicklung der Hauptversammlungen bei den Locations der Messe München. Während 2018 sechs Unternehmen die Messe München für ihre Hauptversammlungen nutzten, steigerte sich die Zahl bis heute auf acht; ab 2020 werden es nach aktuellem Stand sogar zehn sein – eine Steigerung, die in diesem hart umkämpften Markt mehr als erfreu- lich ist und deutlich belegt, welch hohen Stellenwert die Locations der Messe Mün- chen im Markt einnehmen. Insbesondere das ICM – Internationale Congress Center München, das 2019 wie- der eine gefragte Location für zahlreiche Hauptversammlungen war, zieht eine positive Bilanz. Den Auftakt bildete der Konvoi der OSRAM AG und der Infineon Technologies AG im Februar 2019. Zwei Monate später war mit Munich Re ein lang- jähriger Kunde erneut zu Gast im ICM. Auch die Hauptversammlungen von Wacker Chemie AG und der BayWa AG Ende Mai gehören schon seit vielen Jahren zum Kundenkreis. Heuer neu vertreten waren hingegen die HVs der ProSiebenSat.1 Media SE und der Knorr-Bremse AG Mitte Juni. Zufriedene Stammkunden Dass viele Unternehmen seit vielen Jahren das ICM als Location wählen, kommt nicht von ungefähr, wie beispielsweise ein Spre- cher der BayWa AG erklärt: „Seit 15 Jahren ist die BayWa AG mit ihrer jährlichen Hauptversammlung im ICM zu Gast. Für uns ist das ICM ein idealer Tagungsort: Es hat für unsere über 1.500 Gäste die richtige Größe, ist sehr verkehrsgünstig gelegen und bietet eine hervorragende Logistik. Ein wesentlicher Grund für die Auswahl HV MAGAZIN 04/2019 liegt aber auch beim ICM-Team selbst, das sehr professionell agiert und immer eine pragmatische Lösung parat hat, wenn ein Problem auftritt. Kurzum: Wir fühlen uns sehr gut unterstützt.“ Neue Möglichkeiten Seit diesem Jahr bietet die Messe München noch eine weitere attraktive Veranstal- tungsstätte für Aktionärsversammlungen: Im Juni nutzte ein Unternehmen aus dem Finanzsektor für seine Hauptversamm- lung erstmals die 10.000 Quadratmeter große Halle C6, die durch ihre flexiblen Wände in verschiedene Bereiche unterteilt werden kann. Somit können alle notwen- digen Räumlichkeiten technisch optimal und rechtskonform gestaltet werden. Im nördlichen Teil der Halle wurde das Cate- ring platziert, während ein Bereich in der Hallenmitte als Backoffice diente. Das südliche Drittel der C6, also mehr als 3.300 Quadratmeter, wurde ebenfalls durch eine mobile Wand abgetrennt und als Plenum genutzt – in Vollbestuhlung standen hier 2.000 Sitzplätze zur Verfü- gung. Diese variablen Einsatzmöglich- keiten der C6 in Verbindung mit dem Conference Center Nord werden 2020 zwei weitere Kunden für ihre Hauptversamm- lung nutzen. Eine innovative Besonderheit bringt das kommende Jahr aber auch noch mit sich: Dem Hauptversammlungskonvoi schließt sich im Februar 2020 der Neukunde Siemens Healthineers AG an, um Syner- gien im ICM zu nutzen, etwa gemein- samen Bühnenbau oder Beauftragung eines gemeinsamen Technik- und Haupt- versammlungsdienstleisters.
§ Auskunftsrecht des Sonder- prüfers und die (Un-)Möglich- keit seiner Durchsetzung OLG München, Beschluss v. 04.11.2019 – 7 W 1118/19 - Pyrolyx AG oder Die Hauptversamm- lung kann zur Prü- fung von Vorgän- gen bei der Grün- dung der Geschäftsführung Sonderprüfer be- stellen. Lehnt die Hauptversammlung die Bestellung ei- nes Prüfers ab, kann eine qualifizierte Minderheit unter bestimmten Voraussetzungen die Be- stellung eines Sonderprüfers durch das Gericht erwirken. DR. THOMAS ZWISSLER Mit den „Rechten“ des Sonderprüfers befasst sich das Aktiengesetz in seinem § 145. Allerdings ist fraglich, ob mit die- sen „Rechten“ zivilrechtliche Ansprüche einhergehen, die der Sonderprüfer – not- falls auf dem Klageweg – gegen die Gesellschaft oder Organmitglieder durch- setzen kann. Die herrschende Meinung ist hier sehr zurückhaltend und verweist den Sonderprüfer z.B. in Bezug auf nicht erteilte Auskünfte darauf, das gesetzlich vorgesehene Zwangsgeld verfahren (§ 407 Abs. 1 AktG) zu betreiben oder die fehlende Mitwirkung der Gesellschaft bzw. ihrer Organe und/oder Organmitglieder in sei- nem Bericht festzuhalten. Aus Sicht des Sonderprüfers und der hinter der Sonderprüfung stehenden Aktionäre erscheint die skizzierte Rechtslage unbefriedigend. Ohne Aus- künfte und/oder die Einsichtnahme in Unterlagen der Gesellschaft kann eine 33 L E G A L . . m o c e b o d a k c o t s – s y o b e e b © Prüfung in der Regel nicht sinnvoll durch- geführt werden. Es stellt sich daher die Frage, ob die bestehende Gesetzeslage hinzunehmen ist, oder durch die Gerichte im Wege der Analogie oder Rechtsfort- bildung verändert werden kann. Die Entscheidung des Oberlandesgerichts München In dem hier zu besprechenden Fall hatte der von der Hauptversammlung bestellte Sonderprüfer Auskünfte von einem der Mitglieder des Aufsichtsrats der Gesell- schaft angefordert. Die Auskünfte wurden nicht erteilt, weshalb der Sonder- prüfer bei Gericht den Erlass einer einst- weiligen Verfügung beantragte, die auf Erteilung der Auskünfte gerichtet war. Sowohl das Landgericht München I als Ausgangsinstanz wie auch das Ober- landesgericht München haben entschie- den, dass es bei der bestehenden Gesetzeslage bleibt und dem Sonder- prüfer kein gerichtlich durchsetzbarer (Verfügungs-)Anspruch auf Erteilung der benötigten Auskünfte zusteht. In beiden Instanzen wird die im Aktiengesetz anzu- treffende Ausgestaltung der Rechte des Sonderprüfers als bewusste Entschei- dung des Gesetzgebers gewürdigt, die durch die Gerichte nicht zu korrigieren sei. Die Position des Sonderprüfers sei insbesondere nicht mit der eines mit der Geltendmachung von Ansprüchen beauf- tragten besonderen Vertreters nach § 147 AktG zu vergleichen, auch nicht mit der des Abschlussprüfers. : o t o F Auf die Frage der Eilbedürftigkeit als Voraussetzung für den Erlass einer einstweiligen Verfügung musste das Gericht nur noch hilfsweise eingehen. Insoweit erklärte das Oberlandesgericht München, dass allein die Verzögerung des Beginns der Prüfungshandlungen des Sonderprüfers noch kein ausrei- chender Grund ist, um die Eilbedürftig- keit im Sinne des Prozessrechts zu begründen. Fazit Das Oberlandesgericht München hat die herrschende Meinung zur Unmöglichkeit der gerichtlichen Durchsetzung von Auskunftsbegehren eines Sonderprüfers bestätigt. Dies bedeutet aber nicht, dass Organmitglieder die Erteilung von Aus- künften willkürlich verweigern könnten, ohne Sanktionen befürchten zu müssen. Abgesehen von dem bereits erwähnten Zwangsgeldverfahren (§ 407 Abs. 1 AktG) und der Strafbarkeitsdrohung bei Ver- schleierung von Sachverhalten (§ 400 Abs. 1 Nr. 2) sind auch Schadensersatz- ansprüche gegen Organmitglieder denk- bar. Schließlich ist zu bedenken, dass die Glaubwürdigkeit der Organmitglieder auf dem Spiel steht, wenn dem Sonderprüfer unberechtigt Informationen vorenthalten werden. Von Dr. Thomas Zwissler t.zwissler@zl-legal.de HV MAGAZIN 04/2019
sponsored by 34 Hauptversammlungen in Österreich Kleine, aber feine Unterschiede STEFAN MARIN Head of Investor Relations, Frequentis AG stefan.marin@frequentis.com DR. CLEMENS HASENAUER, LL.M./MBA Managing Partner, CERHA HEMPEL Rechtsanwälte GmbH clemens.hasenauer@cerhahempel.com R E N R O C A I R T S U A . t a m r u w n e w o t o f . i w w w © : o t o F Das österreichische Aktienrecht geht in seinem Kern auf das deutsche Aktiengesetz von 1937 zurück und weist daher schon aus historischen Gründen eine hohe Ver- wandtschaft zum deutschen Aktienrecht auf. Mittlerweile bestehen allerdings in einigen Bereichen doch gewisse Unterschiede, wie etwa in Bezug auf die Einberufung und Durchführung von Hauptversammlungen. ratsmitgliedern, sofern erforderlich, sowie des Abschlussprüfers für das folgende Geschäftsjahr. Außerdem wird zumeist der nichtfinanzielle Bericht vorgelegt und die Vergütung des Aufsichtsrats für das abgelaufene Geschäftsjahr beschlossen. Andere, häufig anlassbezogene Hauptver- sammlungen werden in der Praxis dage- gen als außerordentliche Hauptversamm- lungen bezeichnet. Einberufungsfristen Im Gegensatz zum deutschen AktG (dAktG) differenziert das österreichische AktG (öAktG) in Bezug auf die Einberu- fungsfrist zwischen der ordentlichen und der außerordentlichen Hauptversamm- lung (HV): Nach dem öAktG ist in der ordentlichen Hauptversammlung der Jahresabschluss samt Lagebericht – sowie der allfällige Corporate-Governance-Bericht und Kon- zernabschluss samt Konzernlagebericht – vorzulegen und über die Gewinnverwen- dung und die Entlastung von Vorstand und Aufsichtsrat zu beschließen. In Zukunft werden bei börsennotierten Gesellschaf- ten in der ordentlichen HV auch die Vergü- tungspolitik sowie der Vergütungsbericht zu beschließen sein. Üblicherweise – aber nicht zwingend – erfolgen in den ordent- lichen HVs auch die Wahlen von Aufsichts- HV MAGAZIN 04/2019 e s r ö B r e n e W © i : o t o F Während nach deutschem Recht jede HV mindestens 30 Tage vorher einzuberufen ist, muss in Österreich die ordentliche HV spätestens am 28. Tag und die außeror- dentliche HV am 21. Tag vor dem angesetz- ten Termin einberufen werden. Diese kurze Frist kann insbesondere bei außer- ordentlichen Hauptversammlungen ein rasches Handeln von Aktionären erfor- dern. So etwa, wenn eine Ergänzung der Tagesordnung beantragt werden soll, zumal dieser Antrag der Gesellschaft am 19. Tag vor einer außerordentlichen HV – also binnen zwei Kalendertagen nach der Einberufung – zugehen muss. Abstimmungen Auch bei den Abstimmungen bestehen kleinere Unterschiede zwischen Deutsch- land und Österreich: Nachdem der Vorsit- zende der Hauptversammlung diese eröff- net, Organisatorisches erörtert und die Beschlussfähigkeit der Hauptversamm- lung festgestellt hat, werden die einzelnen Tagesordnungspunkte abgearbeitet. Wäh- rend es nach deutschem Recht zur Verein- fachung und Beschleunigung des Abstim- mungsverfahrens möglich ist, über meh- rere Tagesordnungspunkte konzentriert und zusammengefasst abzustimmen so- wie die Abstimmungsergebnisse im Anschluss gesammelt bekanntzugeben, hat der Vorsitzende nach österreichi- schem Recht lediglich die Möglichkeit,
35 A U S T R I A C O R N E R e s r ö B r e n e W © i Für österreichische Aktiengesellschaften gelten vergleichbare Regelungen wie für deutsche, allerdings mit eini- gen „technischen Unterschieden“. : o t o F mehrere der angekündigten Tagesord- nungspunkte zu einer Generaldebatte zu- sammenzufassen. Die Abstimmung selbst muss jedoch für jeden einzelnen Punkt der Tagesordnung gesondert erfolgen. Eine Ausnahme besteht lediglich bei der Ent- lastung des Vorstands und des Aufsichts- rats, worüber en bloc abgestimmt werden kann. Zudem hat der Vorsitzende der Hauptversammlung im Anschluss an jede einzelne Abstimmung sowohl das Abstim- mungsergebnis und dessen Details zu verkünden als auch den Inhalt des gefass- ten Beschlusses festzustellen. Begrenzung der Versamm- lungsdauer und Verlesung von Unterlagen Im Zusammenhang mit einer zeitlich effizienten Gestaltung der Hauptver- sammlung finden sich in den Satzungen deutscher AGs – im Gegensatz zu Öster- reich – vielfach umfangreiche Regelungen zur Begrenzung der Versammlungsdauer und zur Beschränkung der Redezeit. Sol- che Regelungen basieren in Deutschland auf § 131 Abs. 2 dAktG. Nach dieser Bestimmung kann die Satzung oder Geschäftsordnung den Versammlungs- leiter ermächtigen, das Frage- und Rederecht des Aktionärs zeitlich ange- messen zu beschränken und Näheres dazu zu bestimmen. Obwohl das öAktG keine entsprechende Bestimmung ent- hält, werden ähnliche Satzungsbestim- mungen überwiegend als zulässig erach- tet. Anders als in Deutschland, wo die Redezeit unter gewissen Umständen schon zu Beginn der Hauptversammlung beschränkt werden kann, wird eine gene- relle Redezeitbeschränkung in Österreich allerdings erst dann als zulässig erachtet, wenn sich aus dem bisherigen Verlauf der Hauptversammlung ergibt, dass der zeit- liche Rahmen ohne eine solche überschrit- ten werden würde. Darüber hinaus beschränken sich Maßnahmen zur Beschleunigung der HV darauf, von der Verlesung von veröffent- lichten Unterlagen abzusehen. Die recht- liche Zulässigkeit dieser Maßnahme ist so- wohl in Deutschland als auch in Österreich anerkannt und umfasst nicht nur Jahres- abschlüsse, Corporate-Governance- und sonstige Berichte, sondern wohl auch jedes andere Dokument, das zeitgerecht veröffentlicht und den interessierten Akti- onären zur Verfügung gestellt wurde. So kann etwa bei Long-Term-Incentive- Plänen für den Vorstand, welche in Öster- reich von der Hauptversammlung zu beschließen sind, eine Verlesung der umfangreichen Details entfallen, wenn diese Pläne rechtzeitig auf der Website der Gesellschaft veröffentlicht worden sind. Auch immer mehr Aktionäre schließen sich dieser Sichtweise an, um eine effi- zientere Hauptversammlung zu ermög- lichen. Fazit Wenngleich in Bezug auf Hauptversamm- lungen keine großen Unterschiede zwischen dem dAktG und dem öAktG bestehen, so gilt es doch, einige „techni- sche Feinheiten“ zu beachten: So gelten in Österreich etwa andere Einberufungs- fristen. Konzentrierte Abstimmungen sind unzulässig; Satzungsregelungen zur Beschränkung von Redezeiten sind zwar zulässig, aber eher unüblich. HV MAGAZIN 04/2019 UNTERSCHIEDE BEI HAUPTVERSAMMLUNGEN IM ÜBERBLICK Österreich Einberufungsfrist für ordentliche HV vier Wochen, für außerordentliche HV nur drei Wochen Abstimmung für jeden einzelnen Punkt der Tagesordnung. Unmittelbare Bekanntgabe des Abstimmungsergeb- nisses inklusive Details und inhaltliche Feststellung des gefassten Beschlusses Abstimmung für jeden einzelnen Punkt der Tagesordnung. Unmittelbare Bekanntgabe des Abstimmungsergeb- nisses inklusive Details und inhaltliche Feststellung des gefassten Beschlusses Deutschland Einheitliche Einberufungsfrist Möglichkeit, über mehrere Tagesord- nungspunkte konzentriert und zusam- mengefasst abzustimmen. Gesammelte Bekanntgabe der Abstimmungsergeb- nisse im Anschluss Möglichkeit, über mehrere Tagesord- nungspunkte konzentriert und zusam- mengefasst abzustimmen. Gesammelte Bekanntgabe der Abstimmungsergeb- nisse im Anschluss Quelle: Frequentis AG, CERHA HEMPEL Rechtsanwälte GmbH
R E T T I L P S - V H 36 HV-SPLITTER SdK: Fragwürdige Kapitalerhö- hung der GUB Investment Trust Die SdK Schutzgemeinschaft der Kapital- anleger übt Kritik an einer geplanten Kapi- talerhöhung der GUB Investment Trust. Die Aktionärin Glasauer Familienstiftung habe für den 4. Dezember 2019 eine außeror- dentliche Hauptversammlung einberufen, um das Grundkapital der Gesellschaft von 1.962.000 auf 9.962.000 EUR zu erhöhen. Weder habe die Glasauer Familienstiftung eine Begründung beigefügt, noch habe Gerald Glasauer als Geschäftsführer der persönlich haftenden Gesellschafterin eine Stellungnahme veröffentlicht. Die Notwen- digkeit für eine Kapitalerhöhung in diesem Umfang und mit diesen Bedingungen sei dadurch für außenstehende Aktionäre nicht nachvollziehbar, so die SdK. Zudem werfe die Namensgleichheit zwischen Vorstand und Aktionärin die Frage auf, wessen Parti- kulärinteressen verfolgt werden. Brisant sei die Kapitalerhöhung aufgrund der scheinbar deutlichen Unterbewertung des Unternehmens im Freiverkehr an der Börse Hamburg. Bei einer Erhöhung des Grundkapitals mit einem Ausgabepreis, der sich am jetzigen Börsenwert orientiert, würden die Altaktionäre bei einer Nichtteil- nahme Gefahr laufen, durch Verwässerung einen Großteil ihrer Vermögenswerte zu verlieren. Zur Erhöhung der Transparenz und zum Schutz der Aktionäre habe die SdK einen Gegenantrag eingereicht und ruft die Aktionäre zur Ausübung ihrer Stimmrechte auf. OLG München weist Antrag zu außerordentlicher HV ab Das Oberlandesgericht München hatte im Rahmen eines Hinweisbeschlusses zu entscheiden, ob der Antrag auf Ermäch- tigung zur Einberufung einer außerordent- lichen Hauptversammlung nach § 122 Abs. 1, 3 AktG rechtsmissbräuchlich ist. Wie aus dem Newsletter für die Aktien- gesellschaft hervorgeht, beantragte im konkreten Fall am 13. Dezember 2018 die Antragstellerin eine Ermächtigung zur Ein- berufung einer außerordentlichen Haupt- versammlung, wobei die nächste ordent- liche Hauptversammlung für den 7. Juni 2019 bereits angesetzt worden war. Die Antragstellerin begründete ihr Verlangen damit, dass ein Abwarten bis zur nächsten ordentlichen Hauptversammlung nicht zumutbar sei, und wies explizit darauf hin, dass eine bloße Ergänzung der Tagesord- nung der ordentlichen Hauptversammlung nicht ausreichend sei. Die Beschwerde der Antragstellerin hatte nach Ansicht des OLG München allerdings keinen Erfolg. Es erachtete den Antrag auf Ermächtigung zur Einberufung einer außerordentlichen Hauptversammlung in diesem Fall als rechtsmissbräuchlich. Thorsten Schüller OLG München HV MAGAZIN 04/2019 . . m o c e b o d a k c o t s – m a e r d _ l e l l a r a p © : o t o F
37 In Zusammenarbeit mit IMPRESSUM HV MAGAZIN 4/2019 AUSGEWÄHLTE HV-TERMINE* DEZEMBER 2019 10.12.2019 KROMI Logistik AG, JANUAR 2020 16.01.2020 B+S Banksysteme CENTROTEC Sustainable AG Aktiengesellschaft, EVN AG 11.12.2019 Heidelberger Beteiligungsholding AG 12.12.2019 PHÖNIX SonnenWärme AG. 30.01.2020 MOBOTIX AG 31.01.2020 thyssenkrupp AG, VERBIO Vereinigte BioEnergie AG FEBRUAR 2020 05.02.2020 Siemens Aktiengesellschaft 06.02.2020 FORTEC Elektronik AG 11.02.2020 TUI AG 12.02.2020 CECONOMY AG, Stabilus S.A., Siemens Healthineers AG 14.02.2020 METRO AG 18.02.2020 OSRAM Licht AG 19.02.2020 Bertrandt AG 20.02.2020 Deutsche Beteiligungs AG – DBAG, Infineon Technologies AG 27.02.2020 Aurubis AG *) Änderungen vorbehalten SPV Edelmetalle AG 13.12.2019 Deutsche Geothermische Immobilien AG 16.12.2019 pferdewetten.de AG 17.12.2019 IC Immobilien Holding AG, General Technologies AG, Deutsche Canna- bis AG, GBS Software AG, Human Optics AG, KWS Saat AG 18.12.2019 TOM TAILOR Holding SE, mic AG, SCHUMAG Aktiengesellschaft 19.12.2019 Biofrontera AG, Expedeon AG, QUINTOS AG 20.12.2019 Q-Soft Verwaltungs AG, Smart Grids AG, Red Rock Capital AG, Intershop Communications AG 30.12.2019 Northern Bitcoin AG . . m o c e b o d a k c o t s – 6 9 a n e g © : o t o F H V - K A L E N D E R / I M P R E S S U M Verlag GoingPublic Media AG Hofmannstr. 7a, 81379 München Tel.: 089 / 2000 339-0, Fax: -39 info@hv-magazin.de, www.hv-magazin.de Redaktion Thorsten Schüller Mitarbeit an dieser Ausgabe Anna Bertele, Astrid Block, Anne Katrin Burkert, Peter Dietz, Torsten Fues, Clemens Hasenauer, Markus Joachims- thaler, Stefan Marin, Bernhard Orlik, Mareike Spielhofen, Alexander Thomas, Ingo Wolfarth, Dr. Thomas Zwissler Interviewpartner Henryk Deter, Dr. Alexander Juschus, Thomas von Oehsen, Ingo Speich, Tobias Stamper Lektorat Magdalena Aderhold, Visavis Media, Benjamin Eder Redaktionsanschrift s. Verlag E-Mail redaktion@hv-magazin.de Gesamtgestaltung Andreas Potthoff Gestaltungskonzept Whitepark GmbH & Co., Hamburg Bilder www.stock.adobe.com, jeweiliger Bildnachweis Titelbild © 3Dmask, photosvac – stock.adobe.com Anzeigen An den Verlag. Gültig ist Preisliste Nr. 4 vom 1.11.2009 Objektleitung Anna Bertele Tel.: 089 / 2000 339-18, Fax: 089 / 2000 339-39 bertele@goingpublic.de Erscheinungstermine 2019 28.2. (Sonderausgabe „Kapitalmarktrecht 2019 – Das Nachschlagewerk für Emittenten“), 16.3. (1/19), 8.6. (2/19), 31.8. (Sonderausgabe „Financial Locations 2019/2020“), 5.10. (3/19), 7.12. (4/19) Preise Einzelpreis 14,00 EUR, Jahresabonnement 48,00 EUR. Kostenlose Bezugsmöglichkeit für Emitten ten. Druck www.viaprinto.de Historie Das HV Magazin entstand im Jahr 2003 in Ko ope ration mit der Haubrok Corporate Events GmbH, seit 2017 Link Market Services GmbH, die bis Ende 2004 als Herausgeber der Zeit schrift fungierte. Im Jahr 2003 erschien die Erstaus gabe, 2004 wurden drei Ausgaben publiziert. Seit dem Jahr 2005 erscheint das Fach magazin viermal jährlich zzgl. zwei Sonderaus gaben. Alte Ausgaben können bei Interesse noch im Original oder als PDF-Version über den Verlag bezogen werden. Haftung und Hinweise Artikeln, Meldungen und Hinweisen liegen Quel len zugrunde, welche die Redaktion für verlässlich hält. Eine Garantie für die Richtigkeit kann allerdings nicht übernommen werden. Bei unaufgefordert eingesandten Beiträgen behält sich die Redaktion Kürzungen oder Nicht- abdruck vor. Nachdruck © 2019 GoingPublic Media AG, München. Alle Rechte, insbesondere das der Übersetzung in fremde Sprachen, vorbehalten. Ohne schriftliche Ge neh migung der GoingPublic Media AG ist es nicht gestattet, diese Zeitschrift oder Teile daraus auf fotomechanischem Wege (Fotokopie, Mikro ko pie) zu vervielfältigen. Unter dieses Verbot fallen auch die Aufnahme in elektronische Datenbanken, Inter net und die Vervielfältigung auf CD-ROM. ISSN 2190-2380, ZKZ 64983 HV MAGAZIN 04/2019
T K N U P D N A T S 38 CEO-Wechsel Gute Kommunikation ist Gold wert PETER DIETZ geschäftsführender Partner, GFD Finanzkommunikation dietz@gfd-ﬁnanzkommunikation.de Bei 48 der 300 größten börsennotierten Gesellschaften der DACH-Region fand im Jahr 2018 nach Recherchen der PwC- Tochter Strategy& ein CEO-Wechsel statt. Auch wenn der größte Teil hiervon geplant war, stellt ein Wechsel an der Unternehmensspitze die Organisation – und vor allem die Kommunikation – vor große Herausforderungen. Wie kann man sich als IR-/PR-Verantwortlicher für den Tag X wappnen? Da ein CEO-Wechsel fast immer mit einer Ad-hoc-Pflicht einhergeht, drängt die Zeit. Es gilt, eine faktenbasierte Ad-hoc- und eine ausführlichere Pressemitteilung zu erstellen. Dabei wird jedes Wort auf die Goldwaage gelegt und kommentiert. Die Floskel, man habe sich in beiderseitigem Einvernehmen getrennt, sorgt bei Medien- wie Kapitalmarktvertretern bestenfalls für ein Schmunzeln, wahrscheinlicher aber für Spekulationen sowie mitunter für unschöne Schlagzeilen und Kursausschläge. Bevor die Personalmeldung lanciert wird, gilt es, sich auf das zu erwartende Feedback und Fragen vorzubereiten. Hierbei ist es unab- dingbar, sich mit der Historie des neuen Chefs zu befassen – schließlich erwartet dieser, dass er von Anfang an möglichst gut ins Licht der Kapitalmärkte und Medien gerückt wird, was zu einem herausfordern- den Spagat werden kann, wenn die Person sich in der Vergangenheit kommunikativ nicht mit Ruhm bekleckert hat. Da sich das Personalkarussell der Kommunikations- verantwortlichen oft ebenfalls dreht, wenn der neue Unternehmenslenker an Bord kommt, hilft es den Kommunikationsver- antwortlichen, die eigene Kompetenz von Anfang an zu zeigen. Haben sich die ersten Wogen geglättet, beginnt ein neuer CEO in der Regel damit, strategische Ausrufezeichen zu setzen. Nicht selten wird mit den Altlasten des Vorgängers aufgeräumt, und die Erwartun- gen des Kapitalmarkts werden nach unten korrigiert, um dann mit Maßnahmen zur strategischen Weiterentwicklung glänzen zu können. Von Tag eins an muss eine neue Kommunikationsstrategie entwickelt wer- den, die die unterschiedlichen Zielgruppen berücksichtigt. Die neuen Inhalte und HV MAGAZIN 04/2019 Zielvorgaben müssen auch Niederschlag in der zu adjustierenden Equity Story des Unternehmens finden. Schlechte Kommunikation kann teuer werden So rasch als möglich – aber dennoch wohl- vorbereitet – sollte der neue Unterneh- menslenker dann die wichtigsten Stakehol- der wie Mitarbeiter, Banken, Kunden, Liefe- ranten, aber auch Journalisten, Investoren und Analysten aktiv adressieren. Der erste Eindruck ist von immenser Bedeutung. Dies gilt für die Inhalte wie auch für die Empathie, mit der die Zielgruppen adres- siert werden. Wenn keine kommunikativen Erfahrungswerte vorhanden sind, ist ein zeitnahes Coaching unabdingbar, zumal die früher übliche „100-Tage-Schonfrist“ häufig nicht mehr gewährt wird. Welches Format man für den Erstaufschlag aus- wählt („Big Bang“ oder „Schritt für Schritt“), hängt von der Brisanz der neuen Inhalte und den Eigenschaften des CEOs ab. Interne wie externe Zielgruppen hassen nichts mehr als Unsicherheit. Entspre- chend transparent und nachvollziehbar müssen geplante Schritte sowie die daraus resultierenden Konsequenzen kommu- niziert und immer wieder aktualisiert werden. Hört sich alles logisch und schlüssig an, die Realität sieht jedoch – da das Thema Kommunikation beim CEO-Wechsel gerne vernachlässigt wird – häufig ganz anders aus. Das kann viel Geld und Vertrauen kosten, welches später mühsam und lang- wierig wiederaufgebaut werden muss.
WIR SIND IHR BACK OFFICE — UND IHR FRONT OFFICE. Digitale Innovationen vor, während und nach jeder HV Sie möchten sich voll und ganz auf die Belange Ihrer Aktionäre konzentrieren können? Unser Best-Practice-Beratungs- ansatz und die smarten Systemlösungen halten Ihnen und Ihrem Vorstand den Rücken frei. Von Datenanalyse, Proxy Solicitation und Anmeldeprozess über Erstellung digitaler Fragenkataloge bis Akkreditierung und Abstimmung – stets ist der bestmögliche Service für Sie und Ihre Aktionäre unser Ziel. www.computershare.com | issuerservices@computershare.de