Source: https://ombudschaft-jugendhilfe.de/fachinformationen/urteile/
Timestamp: 2020-02-17 21:47:57
Document Index: 81371650

Matched Legal Cases: ['§ 93', '§ 13', '§ 35', '§ 14', '§ 33', '§ 27', '§ 90', '§ 7', '§ 7', 'BGH', '§ 1631', '§ 35']

Urteile - Verein zur Förderung des Bundesnetzwerks Ombudschaft in der Kinder- und Jugendhilfe e.V.
Durchschnittseinkommen des Vorjahres maßgeblich für Kostenheranziehung junger Menschen
Junge Menschen, die vollstationäre Jugendhilfeleistungen erhalten, müssen einen Teil ihres Einkommens als Kostenbeitrag an das Jugendamt abgeben.
Bei der Berechnung des Kostenbeitrags ist gemäß § 93 Abs. 4 Satz 1 SGB VIII das durchschnittliche Monatseinkommen des Vorjahres ausschlaggebend.
Dies haben verschiedene Verwaltungsgerichte und das Oberverwaltungsgericht Sachsen bestätigt.
Urteil OVG Sachsen vom 09.05.2019
Urteil VG Hannover vom 14.12.2018
Urteil VG Cottbus vom 03.02.2017
Urteil VG Arnsberg vom 15.11.2016
Urteil VG Berlin vom 15.03.2015
Ausführliche Informationen, Materialien und Musterschreiben zum Download finden Sie auf der Webseite von BerNie e.V. und auf der Webseite vom Kinder- und Jugendhilferrechtsverein e.V. .
Überblick über Rechtsprechung im Kinder- und Jugendhilferecht 2017
Einen Überblick über wesentliche Gesetzesänderungen, die Entwicklung von Rechtsprechung und Literatur im Kinder- und Jugendhilferecht (SGB VIII) im Jahr 2017 findet sich hier:
Winkler, Jürgen (2018): NZS-Jahresrevue 2017: Kinder- und Jugendhilfe. In: Neue Zeitschrift für Sozialrecht, 27. Jg., Heft 5, S. 161-168.
NZS_Winkler_Overall_Kinder- und Jugendhilfe_2017
Bei Kenntnis von Bedarf müssen alle in Frage kommenden Rechtsgrundlagen geprüft werden
Das Jugendamt hat, wenn es Kenntnis von einem Bedarf erhält, grundsätzlich alle in Frage kommenden Rechtsgrundlagen zu prüfen. Dabei ist es unerheblich, ob ein förmlicher Antrag vorliegt bzw. auf welche Rechtsgrundlage sich dieser bezieht.
Die Vormundin eines 15jährigen Pflegekindes hatte einen Antrag auf sozialpädagogisch begleitete Ausbildung nach § 13 (2) SGB VIII gestellt. Dieser Antrag wurde vom Jugendamt mit Verweis auf § 35a SGB VIII und § 14 SGB IX an die Arbeitsagentur weitergeleitet. Das Gericht wertet den Antrag als Annexleistung zum Pflegeverhältnis nach § 33 SGB VIII und verpflichtet den öffentlichen Jugendhilfeträger per einstweiliger Anordnung zur Leistung.
„Dabei hängt das Handeln des Jugendhilfeträgers wohl auch insoweit nicht von der konkreten Formulierung des Antrags ab, dieser hat vielmehr, wenn er Kenntnis von einem Hilfebedarf erhält, diesen Bedarf unter allen in Betracht kommenden Rechtsgrundlagen zu prüfen; dies gilt umso mehr, als die Gewährung jugendhilferechtlicher Leistungen zwar das – u.U. auch konkludent erteilte – Einverständnis des Personensorgeberechtigten, nicht aber einen förmlichen Antrag voraussetzt (Schellhorn/Fischer/Mann/Kern, SGB VIII, 5. Aufl., § 27 Rn. 21, m.w.N.)“
Beschluss VG Freiburg 22.12.16
Urteil Gebot, eine Jugendhilfeleistung außerhalb der Familie anzunehmen
Das Gebot, eine Jugendhilfeleistung außerhalb der Familie anzunehmen und nicht zu beeinträchtigen, solange vom Jugendamt keine andere Leistung angeboten wird, stellt im Vergleich zu dem Entzug wesentlicher Teilbereiche der elterlichen Sorge den geringeren Eingriff in das Elternrecht vor. Dieses Gebot kommt insbesondere in Betracht, wenn die Inhaber der elterlichen Sorge mit einer Trennung des Kindes von der Familie grundsätzlich einverstanden sind, aber die angebotene Leistung des Jugendamtes ablehnen. Die Auswahl der geeigneten Einrichtung erfolgt im Rahmen des Hilfeplans nach dem SGB VIII. Ist Hilfe außerhalb der eigenen Familie erforderlich, so sind Sorgeberechtigte und das Kind oder der Jugendliche bei der Auswahl der Einrichtung oder der Pflegestelle zu beteiligen.
Beschluss des OLG Nürnberg vom 17.11.2014
https://openjur.de/u/756935.html
Kein Kostenbeitrag in Höhe des Kindergeldes bei Inobhutnahme – VGH Ba.-Wü. vom 20.02.2014
Wenn Kinder oder Jugendliche vom Jugendamt in Obhut genommen werden, sind die Eltern grundsätzlich kostenbeitragspflichtig (§§ 90 bis 94 SGB VIII). Die Höhe des Kostenbeitrags hängt vom Einkommen ab. § 7 Kostenbeitragsverordnung regelt jedoch, dass bei bestimmten Leistungen stets ein Kostenbeitrag in Höhe des Kindergeldes zu zahlen ist; auch unabhängig davon, ob das Kindergeld z. B. beim ALG II schon angerechnet wurde. Der Verwaltungsgerichtshof Baden-Württemberg in Mannheim hat nun entschieden, dass dieser Kostenbeitrag in Höhe des Kindergeldes bei ALG II-Bezug oder anderen geringen Einkünften bei einer Inobhutnahme nicht zu zahlen ist. Denn der § 7 gilt, so die Begründung im Urteil, für „Leistungen“ nach dem SGB VIII, nicht aber für „Maßnahmen“, zu denen die Inobhutnahme gehört. Dies auch unabhängig davon, ob sich die Inobhutnahme über einen längeren Zeitraum erstreckt.
Urteil VGH Baden Württemberg 2014
BGH-Beschluss vom 18.Juli 2012 – XII ZB 661/11
Die Genehmigung der Unterbringung eines Kindes, die mit Freiheitsentzug verbunden ist (§ 1631 b BGB), ist unzulässig, solange insbesondere eine Heimerziehung in einer offenen Einrichtung nicht aussichtslos bleibt.
mehr Informationen: www.rechtslupe.de
Übernahme der Kosten für den Besuch eines privaten Gymnasiums bei ADHS – VG Stuttgart vom 26.07.2011
Das Verwaltungsgericht Stuttgart hat am 26.7.2011 den ablehnenden Bescheid und den Widerspruchsbescheid eines Jugendamtes aufgehoben. Das Jugendamt hatte dem am ADH-Syndrom leidenden und zum Personenkreis des § 35a zählenden Schüler die Übernahme der Kosten eines privaten Gymnasiums verweigert. Das Gymnasium arbeitet nach einem besonderen Konzept gerade mit ADHS-Kindern. Das Gericht spricht sich für die Übernahme der Kosten aus und verpflichtet das Jugendamt neu zu entscheiden.
Urteil VG Stuttgart.pdf ››
Jugendamt muss vorerst Kosten für Schulhelfer übernehmen – VG Berlin vom 10.12.2010
Die Schulverwaltung lehnte den Antrag einer Schulleiterin ab, einem autistischen Kind 12 Wochenstunden zusätzliche Unterstützung durch einen Schulhelfer zu gewähren und empfahl einen Antrag auf Eingliederungshilfe beim Jugendamt. Dieses lehnte ab, mit der Begründung, dass Schulhelferstunden nicht als Kinder- und Jugendhilfe gewährt werden können, da es sich um eine rein schulorganisatorische Maßnahme handele.
Das VG Berlin entschied, dass das Jugendamt die Kosten zu übernehmen hat, wenn die Schulverwaltung einen nach den Umständen des Einzelfalls erforderlichen Schulhelferbedarf nicht deckt.
Übernahme der Kosten für eine durchgeführte Hilfe für junge Volljährige
BeschlussVW.pdf ››