Source: http://relevancy.bger.ch/php/aza/http/index.php?lang=de&zoom=&type=show_document&highlight_docid=aza%3A%2F%2F09-03-2010-8C_812-2009
Timestamp: 2016-10-21 23:51:59
Document Index: 4004089

Matched Legal Cases: ['BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'Art. 4', 'BGE', 'BGE']

8C_812/2009 (09.03.2010)
8C_812/2009
Urteil vom 9. M�rz 2010
vertreten durch Rechtsanwalt Reto Allemann,
vom 20. August 2009.
R.________, geboren 1961, erlitt gem�ss Unfallmeldung der Arbeitslosenkasse am 13. M�rz 2006 einen Auffahrunfall und klagte in der Folge �ber Kopf- und R�ckenschmerzen. Die Schweizerische Unfallversicherungsanstalt (SUVA), bei welcher R._________f�r die Folgen von Berufs- und Nichtberufsunf�llen sowie Berufskrankheiten versichert war, anerkannte ihre Leistungspflicht dem Grundsatz nach, schloss den Fall indessen mit Verf�gung vom 14. Oktober 2008 und Einspracheentscheid vom 9. Januar 2009 per 31. Oktober 2008 ab und stellte ihre Versicherungsleistungen ein.
Die dagegen erhobene Beschwerde wies das Verwaltungsgericht des Kantons Bern mit Entscheid vom 20. August 2009 ab.
R._________l�sst Beschwerde in �ffentlich-rechtlichen Angelegenheiten f�hren mit dem Antrag, unter Aufhebung des angefochtenen Entscheides sei die Sache an die Vorinstanz, eventualiter an die SUVA zur�ckzuweisen; eventualiter seien ihr Taggeldleistungen, Pflegeleistungen und Kostenverg�tungen, ab dem 1. November 2008 eine Invalidenrente basierend auf einem Invalidit�tsgrad von mindestens 50 % sowie eine Integrit�tsentsch�digung bei einer Integrit�tseinbusse von 50 % zuzusprechen.
Das kantonale Gericht hat die Grunds�tze zu dem f�r die Leistungspflicht des Unfallversicherers vorausgesetzten nat�rlichen und ad�quaten Kausalzusammenhang zwischen dem Unfallereignis und dem eingetretenen Schaden (BGE 129 V 179 E. 3.1 und 3.2 S. 181), insbesondere bei Schleudertraumen (BGE 134 V 109), sowie zum Beweiswert von Arztberichten und medizinischen Gutachten (BGE 125 V 351 E. 3 S. 352 ff.) zutreffend dargelegt. Darauf wird verwiesen.
Die Vorinstanz hat nach einl�sslicher und sorgf�ltiger W�rdigung der medizinischen Akten zutreffend erwogen, dass keine organisch objektiv ausgewiesenen Unfallfolgen mit dem erforderlichen Beweisgrad nachgewiesen werden konnten und die Ad�quanz gest�tzt auf die Rechtsprechung zu den Unfallfolgen bei Schleudertraumen der Halswirbels�ule (HWS; BGE 134 V 109) zu pr�fen ist. Dies wird auch von der Beschwerdef�hrerin nicht bestritten.
Gem�ss BGE 134 V 109 E. 10.1 S. 126 f. ist zu pr�fen, ob, ausgehend vom augenf�lligen Geschehensablauf, ein leichter, mittlerer oder schwerer Unfall vorliegt. W�hrend der ad�quate Kausalzusammenhang in der Regel bei schweren Unf�llen ohne weiteres bejaht und bei leichten Unf�llen verneint werden kann, l�sst sich die Frage der Ad�quanz bei Unf�llen aus dem mittleren Bereich nicht aufgrund des Unfallgeschehens allein schl�ssig beantworten. Es sind weitere, objektiv erfassbare Umst�nde, welche unmittelbar mit dem Unfall in Zusammenhang stehen oder als direkte beziehungsweise indirekte Folgen davon erscheinen, in eine Gesamtw�rdigung einzubeziehen. Je nachdem, wo im mittleren Bereich der Unfall einzuordnen ist und abh�ngig davon, ob einzelne dieser Kriterien in besonders ausgepr�gter Weise erf�llt sind, gen�gt zur Bejahung des ad�quaten Kausalzusammenhangs ein Kriterium oder m�ssen mehrere herangezogen werden.
5.1 Einfache Auffahrunf�lle werden rechtsprechungsgem�ss in der Regel als mittelschwer im Grenzbereich zu den leichten Unf�llen qualifiziert (RKUV 2005 Nr. U 549 S. 236, U 380/04 E. 5.1.2 mit Hinweisen). Die von der Beschwerdef�hrerin diesbez�glich vorgebrachten Einw�nde verm�gen zu keiner anderen Beurteilung Anlass zu geben.
5.2 Sie beruft sich dabei auf die biomechanische Kurzbeurteilung der Arbeitsgruppe f�r Unfallmechanik vom 3. November 2006. Dazu ist zun�chst anzumerken, dass die Qualifikation eines Unfalles als leicht, mittelschwer oder schwer eine Rechtsfrage ist und als solche nicht durch den Unfallanalytiker, sondern durch den rechtsanwendenden Unfallversicherer oder gegebenenfalls das Sozialversicherungsgericht zu entscheiden ist (SVR 2009 UV Nr. 18 S. 69, 8C_744/2007 E. 5.2). Ohnehin k�nnte die Beschwerdef�hrerin aus der Unfallanalyse nichts zu ihren Gunsten ableiten. Die Polizei war beim Unfall nicht beigezogen worden und die Haftpflichtversicherung der Unfallverursacherin hatte mangels Benachrichtigung vor der Reparatur keine Expertise und keine Fotos erstellen k�nnen, sodass den Unfallanalytikern lediglich eine Reparaturrechnung f�r das von der Beschwerdef�hrerin gelenkte Fahrzeug vorlag. Anhand eines Vergleichs mit Crash-Tests gingen sie davon aus, dass die kollisionsbedingte Geschwindigkeits�nderung (delta-v) unterhalb oder innerhalb eines Bereichs von 10-15 km/h gelegen habe, welche Werte aus unfallanalytischer und biomechanischer Sicht noch im Rahmen der f�r Auffahrkollisionen im Normalfall geltenden Harmlosigkeitsgrenze liegen.
5.3 Die Beschwerdef�hrerin macht weiter geltend, dass sie sich beim Unfall eine Zahnsch�digung zugezogen habe. Die SUVA hat diesbez�glich am 11. Oktober 2006 Kostengutsprache erteilt. Aus diesem Umstand kann indessen keine Qualifikation des Ereignisses als Unfall im eigentlichen mittleren Bereich begr�ndet werden, zumal gem�ss Erhebungsblatt f�r die Abkl�rung von HWS-F�llen, in welchem die Angaben der Versicherten durch die SUVA am 9. Mai 2006 dokumentiert worden waren, lediglich ein Anprall mit dem Hinterkopf an der Kopfst�tze erw�hnt wird, die Versicherte erst anl�sslich eines ambulanten Assessments in der Rehaklinik X._________ am 13. Juli 2006 angab, es sei durch den Unfall zu einer Lockerung der Zahnimplantate gekommen, und der behandelnde Zahnarzt erst am 30. November 2006 mitteilt, es habe sich nach dem Demontieren der Br�ckenteile ein Ger�stbruch, eine Wurzelfraktur und eine Zahnkontusion gezeigt. Die Zahnverletzung, deren Unfallkausalit�t hier nicht zu beurteilen ist, vermag damit jedenfalls an der Qualifikation des Ereignisses als mittelschwer im Grenzbereich zu den leichten Unf�llen nichts zu �ndern.
5.4 Die Ad�quanz w�re daher zu bejahen, falls ein einzelnes der unfallbezogenen Kriterien in besonders ausgepr�gter Weise gegeben ist oder die zu ber�cksichtigenden Kriterien insgesamt in geh�ufter oder auffallender Weise erf�llt sind (BGE 117 V 359 E. 6b S. 367 f.; best�tigt in BGE 134 V 109 E. 10.1 S. 126 f.).
Zu pr�fen ist somit im Weiteren, ob die im Bereich der mittleren Unf�lle beizuziehenden Kriterien erf�llt sind (BGE 134 V 109 E. 10 S. 126 ff.); die Vorinstanz hat dies bez�glich aller Merkmale verneint.
6.1 Es bestehen keine Anhaltspunkte daf�r, dass besonders dramatische Begleitumst�nde oder eine besondere Eindr�cklichkeit des Unfalls vorliegen; dabei ist allein eine objektive Betrachtungsweise massgebend (RKUV 1999 Nr. U 335 S. 209 E. 3b/cc; vgl. auch RKUV 2000 Nr. U 394 S. 313, U 248/98 E. 4 und 5).
6.2 Gem�ss BGE 134 V 109 gen�gt die Annahme eines Schleudertraumas der HWS f�r sich allein nicht zur Bejahung des Kriteriums der Schwere oder besonderen Art der erlittenen Verletzung. Es bedarf hiezu einer besonderen Schwere der daf�r typischen Beschwerden oder besonderer Umst�nde, welche das Beschwerdebild beeinflussen k�nnen (SVR 2007 UV Nr. 26 S. 6, U 339/06 E. 5.3; RKUV 2005 Nr. U 549 S. 236, U 380/04 E. 5.2.3 mit Hinweisen).
Solche Umst�nde liegen hier nicht vor. Die f�r das Schleudertrauma typischen Beschwerden allein gen�gen entgegen der Auffassung der Versicherten nicht zur Begr�ndung des Kriteriums. Gleiches gilt bez�glich der geltend gemachten Zahnverletzung, verm�chte sie doch das Beschwerdebild des Schleudertraumas nicht in besonderer Weise zus�tzlich zu beeinflussen. Die geklagte Geh�rverminderung und Hyposensibilit�t der rechten Gesichtsh�lfte wurden mittels MRI-Untersuchung abgekl�rt; es konnte indessen kein pathologischer Befund erhoben werden.
6.3 F�r das Kriterium der �rztlichen Behandlung entscheidwesentlich ist (vgl. BGE 134 V 109 E. 10.2.3 S. 128), ob nach dem Unfall fortgesetzt spezifische, die versicherte Person belastende �rztliche Behandlung bis zum Fallabschluss notwendig war. Vorliegend beschr�nkte sich die Behandlung im Wesentlichen auf physiotherapeutische Massnahmen, Chiropraktik und Akupunktur; Schmerzmittel wurden praktisch keine eingenommen. Eine Rehabilitation wurde der Beschwerdef�hrerin empfohlen, jedoch nicht durchgef�hrt. Die Bejahung des zu pr�fenden Kriteriums ist damit nicht gerechtfertigt, da aus den durchgef�hrten Therapien keine erhebliche - im Sinne einer sich allein daraus ergebenden zus�tzlichen - Mehrbelastung resultiert. �rztliche Untersuchungen und Kontrollen beim Hausarzt gelten nicht als regelm�ssige, zielgerichtete Behandlung (Urteile 8C_278/2008 vom 18. August 2008 E. 3.4; U 219/05 vom 6. M�rz 2006 E. 6.4.2), und auch eine regelm�ssig durchgef�hrte Physiotherapie bedeutet keine erhebliche Mehrbelastung (Urteil 8C_95/2008 vom 10. September 2008).
6.4 Das pr�zisierte Kriterium der erheblichen Beschwerden beurteilt sich rechtsprechungsgem�ss nach den glaubhaften Schmerzen und nach der Beeintr�chtigung, welche die verunfallte Person durch die Beschwerden im Lebensalltag erf�hrt (BGE 134 V 109 E. 10.2.4 S. 128). Das kantonale Gericht hat diesbez�glich erwogen, dass anhand der Akten keine einschneidenden Beeintr�chtigungen im Lebensalltag ersichtlich seien.
6.5 Eine �rztliche Fehlbehandlung liegt nicht vor und wird auch nicht geltend gemacht.
6.6 Von einem schwierigen Heilungsverlauf kann ebenfalls nicht gesprochen werden. Es bedarf hiezu besonderer Gr�nde, welche die Heilung beeintr�chtigt haben (Urteil 8C_57/2008 vom 16. Mai 2008 E. 9.6.1). Die Beschwerdef�hrerin substantiiert nicht, worin die von ihr geltend gemachten besonderen Gr�nde bestehen sollen, und solche Umst�nde sind auch aus den Akten nicht ersichtlich.
6.7 Schliesslich hat das kantonale Gericht auch das Merkmal der erheblichen Arbeitsunf�higkeit trotz ausgewiesener Anstrengungen als nicht erf�llt erachtet. Es ist in diesem Zusammenhang anzumerken, dass der Hausarzt Dr. med. S._________, Allgemeine Medizin FMH, ab 2. Oktober 2006, somit ein halbes Jahr nach dem Unfall, eine 50%ige Arbeitsf�higkeit attestierte. SUVA-Kreisarzt Dr. med. K._________ ging anl�sslich seiner Untersuchung vom 12. Februar 2007 davon aus, dass in einer leidensangepassten T�tigkeit keine zeitlichen Einschr�nkungen best�nden. Die Versicherte nahm im Oktober 2007 eine T�tigkeit als Gesch�ftsf�hrerin in einer Bar mit einem 50 %-Pensum auf.
6.8 Zusammengefasst f�llt h�chstens das Kriterium der erheblichen Beschwerden in Betracht. Die Ad�quanz allf�lliger noch vorhandener unfallbedingter Beschwerden ist daher bei dem erlittenen mittelschweren Unfall im Grenzbereich zu den leichten Ereignissen zu verneinen.
Auf eine Befragung der von der Beschwerdef�hrerin angef�hrten Zeugen und die Einholung weiterer Berichte der behandelnden �rzte konnte daher in antizipierter Beweisw�rdigung verzichtet werden (vgl. SVR 2001 IV Nr. 10 S. 27 E. 4 S. 28; zu Art. 4 Abs. 1 aBV ergangene, weiterhin geltende Rechtsprechung: BGE 124 V 90 E. 4b S. 94, 122 V 157 E. 1d S. 162, je mit Hinweisen).
Es wird in diesem Zusammenhang des Weiteren geltend gemacht, dass die medizinischen Abkl�rungen durch die SUVA-�rzte nicht unparteilich und objektiv seien. Es wird indessen nicht geltend gemacht, inwiefern die ger�gten Berichte diesbez�glich unrichtig sein sollen. Rechtsprechungsgem�ss kommt auch Berichten und Gutachten versicherungsinterner �rzte Beweiswert zu, sofern sie als schl�ssig erscheinen, nachvollziehbar begr�ndet sowie in sich widerspruchsfrei sind und keine Indizien gegen ihre Zuverl�ssigkeit bestehen. Die Tatsache allein, dass der befragte Arzt in einem Anstellungsverh�ltnis zum Versicherungstr�ger steht, l�sst nicht schon auf mangelnde Objektivit�t und auf Befangenheit schliessen. Es bedarf vielmehr besonderer Umst�nde, welche das Misstrauen in die Unparteilichkeit der Beurteilung objektiv als begr�ndet erscheinen lassen (BGE 125 V 353 f. E. 5b/ee; SZIER 2001 S. 346, U 4/00 E. 1a), wof�r hier indessen keine Anhaltspunkte bestehen.
Mangels ad�quaten Kausalzusammenhangs der noch geklagten Beschwerden mit dem Auffahrunfall vom 13. M�rz 2006 entf�llt damit eine weitere Leistungspflicht des Unfallversicherers.
Luzern, 9. M�rz 2010