Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Text=VI%20ZR%20315/13
Timestamp: 2019-03-26 17:33:28
Document Index: 32610433

Matched Legal Cases: ['BGH', '§ 823', '§ 32', '§ 1', 'Art. 5', 'Art. 5', '§ 335', 'Art. 303', '§ 823', '§ 1', '§ 32', 'Art 5', 'Art 5', 'Art. 5', 'Art. 303', 'Art. 5', 'Art. 5', '§ 823', '§ 32', '§ 335', 'Art. 303', 'BGH', 'Art. 5', 'EuG', 'EuG', 'Art. 5', 'EuG', 'EuG', 'BGH', 'Art. 32', 'Art. 66', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'Art. 5', 'EuG', 'EuG', 'Art. 5', 'EuG', 'BGH', 'EuG', 'Art. 15', 'EuG', 'EuG', 'Art. 17', 'EuG', 'Art. 13', 'EuG', 'EuG', 'Art. 15', 'EuG', 'EuG', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'Art. 24', 'Art. 63', 'BGH', 'Art. 5', 'EuG', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'EuG', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'Art. 5', 'EuG', 'Art. 5', 'EuG', 'EuG']

BGH, 24.06.2014 - VI ZR 315/13 - dejure.org
BGB § 823 Abs. 2; KWG § 32 Abs. 1 Satz 1, § 1 Abs. 1a Satz 2 Nr. 3; Lugano-Abk I Art. 5 Nr. 3, Lugano-Abk II Art. 5 Nr. 3; InsO §§ 335, 343; Schweiz: SchKG Art. 303
§ 823 Abs 2 BGB, § 1 Abs 1a S 2 Nr 3 KredWG, § 32 Abs 1 S 1 KredWG, Art 5 Nr 1 VollstrZustÜbk 1998, Art 5 Nr 3 VollstrZustÜbk 1998
Internationale Zuständigkeit bei Ansprüchen gegen Organ einer schweizer Gesellschaft aus unerlaubter Handlung; Schweizer Nachlassverfahren als ausländisches Insolvenzverfahren; Anerkennung eines Schweizer Nachlassvertrages; Verlust der Rechte gegen Mitverpflichtete
Schadensersatz im Zusammenhang mit dem Abschluss eines Vermögensverwaltungsvertrags bei Sitz des Antragsgegners in der Schweiz
Zur internationalen Zuständigkeit für die Klage gegen ein Gesellschaftsorgan aus unerlaubter Handlung
Zur internationalen Zuständigkeit aus Art. 5 Nr. 3 LugÜ I/II, wenn Ansprüche aus unerlaubter Handlung gegen das Organ einer Gesellschaft geltend gemacht werden; zum Schweizer Nachlassverfahren als ausländisches Insolvenzverfahren im Sinne des deutschen internationalen Insolvenzrechts; zum Verlust der Rechte gegen Mitverpflichtete gemäß Art. 303 Abs. 2 des Schweizer Gesetzes über die Schuldbetreibung und den Konkurs
Schadensersatzansprüche gegen den Vorstand einer Schweizer Aktiengesellschaft - und der deutsche Gerichtsstand
Schweizer Nachlassverfahren - und deutsches Insolvenzrecht
Internationale Zuständigkeit kann sich aus Art. 5 Nr. 3 LugGÜ I/II ergeben
LugÜb Art. 5 Nr. 3; BGB § 823; KWG § 32; InsO §§ 335, 343; SchKG (Schweiz) Art. 303
LG Göttingen, 26.06.2012 - 9 O 81/11
OLG Braunschweig, 27.06.2013 - 8 U 118/12
ZIP 2014, 63
MDR 2014, 1081
WM 2014, 1614
NZG 2014, 1350
EU L 339 S. 3 (nachfolgend LuGÜ II), das für die Europäische Union am 1. Januar 2010 in Kraft getreten ist (BGBl. I 2009 S. 2862; vgl. BGH, Urteil vom 24. Juni 2014 - VI ZR 315/13, WM 2014, 1614 Rn. 14).
Nach ständiger Rechtsprechung des Gerichtshofs der Europäischen Union (nachfolgend Gerichtshof) zu Art. 5 Nr. 3 EuGVVO a.F. ist die Wendung "Ort, an dem das schädigende Ereignis eingetreten ist", so zu verstehen, dass sie sowohl den Ort des ursächlichen Geschehens (Handlungsort) als auch den Ort der Verwirklichung des Schadenserfolgs (Erfolgsort) meint (…zuletzt EuGH, NJW 2015, 1581 Rn. 45 mwN; zu Art. 5 Nr. 3 LugÜ II vgl. Senatsurteile vom 24. Juni 2014 - VI ZR 315/13, WM 2014, 1614 Rn. 29 mwN …und vom 17. März 2015 - VI ZR 11/14, WM 2015, 819 Rn. 14).
Ob tatsächlich ein schädigendes Ereignis eingetreten ist oder einzutreten droht, ist eine Frage der Begründetheit der Klage, die vom zuständigen Gericht anhand des anwendbaren nationalen Rechts zu prüfen ist (vgl. EuGH…, Urteil vom 19. April 2012 - C-523/10, GRUR 2012, 654 Rn. 26 - Wintersteiger/Products 4U;… EuGH, GRUR 2014, 599 Rn. 20 f. - Hi Hotel/Spoering; BGH…, Urteil vom 12. Dezember 2013 - I ZR 131/12, GRUR 2014, 601 Rn. 17 = WRP 2014, 548 - englischsprachige Pressemitteilung; Urteil vom 24. Juni 2014 - VI ZR 315/13, WM 2014, 1614 Rn. 19, jeweils mwN).
Dabei kann dahinstehen, ob es hierfür entsprechend Art. 32 Abs. 1 Brüssel-Ia-VO auf den Zeitpunkt der Einreichung der Klage bei Gericht oder auf den nach der lex fori des Gerichtsstaats zu bestimmenden Zeitpunkt der Klageerhebung ankommt (…vgl. zum Streitstand z.B. Staudinger in Rauscher, EuZPR und EuIPR, 4. Aufl., Art. 66 Brüssel-Ia-VO Rn. 2; BGH, Urteil vom 24. Juni 2014 - VI ZR 315/13, WM 2014, 1614 Rn. 14 betreffend das Lugano-Übereinkommen und die Brüssel-I-VO, jeweils m.w.N.).
Zutreffend hat das Berufungsgericht allerdings die internationale Zuständigkeit deutscher Gerichte bejaht, die auch im Revisionsrechtszug von Amts wegen zu prüfen ist (…vgl. Senatsurteile vom 2. März 2010 - VI ZR 23/09, BGHZ 184, 313 Rn. 7;… vom 5. Oktober 2010 - VI ZR 159/09, BGHZ 187, 156 Rn. 8;… vom 31. Mai 2011 - VI ZR 154/10, BGHZ 190, 28 Rn. 16, jeweils mwN und vom 24. Juni 2014 - VI ZR 315/13, WM 2014, 1614 Rn. 12).
Nach ständiger Rechtsprechung des Europäischen Gerichtshofs (nachfolgend: Gerichtshof) ist die Wendung "Ort, an dem das schädigende Ereignis eingetreten ist" in Art. 5 Nr. 3 EuGVVO a.F. so zu verstehen, dass sie sowohl den Ort des ursächlichen Geschehens (Handlungsort) als auch den Ort der Verwirklichung des Schadenserfolgs (Erfolgsort) meint (…EuGH, NJW 2013, 2099 Rn. 25 mwN;… NZG 2013, 1073 Rn. 51;… NJW 2013, 3627 Rn. 26;… NJW 2014, 1793 Rn. 27;… GRUR 2014, 806 Rn. 46; zu Art. 5 Nr. 3 LugÜ I und II bereits Senatsurteil vom 24. Juni 2014 - VI ZR 315/13, WM 2014, 1614 Rn. 29 mwN).
Die im Streitfall maßgeblichen unionsrechtlichen Fragen waren bereits Gegenstand verschiedener Entscheidungen des Gerichtshofs (acte éclairé, vgl. EuGH…, Urteil vom 6. Oktober 1982 - C-283/81, Slg. 1982, 3415 Rn. 14 ff. - CILFIT;… Senatsurteile vom 25. Februar 2014 - VI ZR 144/13, BGHZ 200, 242 Rn. 23; vom 24. Juni 2014 - VI ZR 315/13, WM 2014, 1614 Rn. 41).
aa) Bedeutung und Tragweite dieses weder im LugÜ 2007 noch in der Verordnung (EG) Nr. 44/2001 des Rates vom 22. Dezember 2000 über die gerichtliche Zuständigkeit und die Anerkennung und Vollstreckung von Entscheidungen in Zivil- und Handelssachen (EuGVVO aF; Art. 15 Abs. 1 Buchst. c EuGVVO aF) und der Verordnung (EU) Nr. 1215/2012 des Europäischen Parlaments und des Rats vom 12. Dezember 2012 über die gerichtliche Zuständigkeit und die Anerkennung und Vollstreckung von Entscheidungen in Zivil- und Handelssachen (EuGVVO nF; Art. 17 Abs. 1 Buchst. c EuGVVO nF) definierten Begriffs sind nach Wortlaut, Ziel, Systematik und Entstehungsgeschichte (…vgl. Trstenjak, Schlussanträge der Generalanwältin vom 18. Mai 2010, C-585/08 und C-144/09, Pammer und Hotel Alpenhof, juris Rn. 62 mwN) autonom, das heißt unabhängig vom jeweiligen nationalen Rechtsverständnis, zu bestimmen (für Art. 13 EuGVÜ EuGH…, Urteil vom 11. Juli 2002, C-96/00, Gabriel, NJW 2002, 2697 Rn. 37 mwN; für Art. 15 EuGVVO aF etwa EuGH…, Urteil vom 6. September 2012, C-190/11, Mühlleitner, NJW 2012, 3225 Rn. 28; für LugÜ 1988 und 2007 BGH, Urteil vom 24. Juni 2014 - VI ZR 315/13, ZInsO 2014, 2181 Rn. 17).
Das Berufungsgericht hat die auch im Revisionsverfahren von Amts wegen zu prüfende (…Senatsurteile vom 17. März 2015 - VI ZR 11/14, WM 2015, 819 Rn. 14; vom 24. Juni 2014 - VI ZR 315/13, WM 2014, 1614 Rn. 12;… BGH, Urteile vom 1. März 2011 - XI ZR 48/10, BGHZ 188, 373 Rn. 9;… vom 11. Juli 2012 - IV ZR 164/11, VersR 2012, 1237 Rn. 22; jeweils mwN) internationale Zuständigkeit infolge rügeloser Einlassung der Beklagten zu Recht bejaht (Art. 24 Satz 1 iVm Art. 63 Abs. 1 des Übereinkommens über die gerichtliche Zuständigkeit und die Anerkennung und Vollstreckung von Entscheidungen in Zivil- und Handelssachen, geschlossen in Lugano am 30. Oktober 2007, ABl. EU L 339 S. 3 [LuGÜ II]).
Denn die von ihm behauptete unerlaubte Handlung der Beklagten, die die Schadensersatzpflicht begründen soll und ohne die der Kläger nach seinem Vortrag die Anlagebeträge nicht auf das bei der Beklagten eröffnete Konto überwiesen hätte, ist das Erbringen von Bankgeschäften ohne Erlaubnis im Inland (vgl. Senatsurteil vom 24. Juni 2014 - VI ZR 315/13, WM 2014, 1614 Rn. 2 ff., 42;… BGH, Urteile vom 8. Juni 2010 - XI ZR 349/08, WM 2010, 2025 Rn. 2 f., 6, 44 f.;… vom 8. Februar 2011 - XI ZR 168/08, WM 2011, 650 Rn. 2 ff., 31;… vom 3. Mai 2011 - XI ZR 373/08, WM 2011, 1465 Rn. 2 ff., 40).
Der Begriff des "Ort[es], an dem das schädigende Ereignis eingetreten ist" in Art. 5 Nr. 3 EuGVVO ist so zu verstehen, dass er sowohl den Ort des ursächlichen Geschehens (Handlungsort) als auch den Ort der Verwirklichung des Schadenserfolgs (Erfolgsort) meint (BGH, Urteil vom 24.06.2014, Az.: VI ZR 315/13 unter Rn. 29 = BeckRS 2014, 15813).
Bei einem Geschäftsmodell, das von vornherein bewusst darauf abzielt, uninformierte, leichtgläubige Menschen unter sittenwidriger Ausnutzung ihres Gewinnstrebens und ihres Leichtsinns als Geschäftspartner zu gewinnen und sich auf deren Kosten zu bereichern, und das auf Seiten des Anlegers einen Kenntnisrückstand voraussetzt, ohne den ein vernünftig denkender Anleger sich auf die Geldanlage nicht eingelassen hätte, ist bereits die durch den Anleger veranlasste Überweisung des Anlagekapitals der Deliktserfolg (BGH, Urteil vom 24.06.2014, Az.: VI ZR 315/13 unter Rn. 34 = BeckRS 2014, 15813).
Erfolgsort ist dann der Ort der Minderung des Kontoguthabens (BGH, Urteil vom 24.06.2014, Az.: VI ZR 315/13 unter Rn. 34 = BeckRS 2014, 15813).
Bei reinen Vermögensdelikten ist in Anknüpfung an die Rechtsprechung des EuGH zum Primärschaden mangels einer primären Rechtsgutsverletzung der Ort des ersten unmittelbar verletzten Interesses maßgeblich (BGH, Urteil vom 24.06.2014, Az.: VI ZR 315/13 unter Rn. 36 = BeckRS 2014, 15813).
Ist schon die Herbeiführung oder Anbahnung eines Rechtsgeschäfts rechtswidrig, so stellt der Ort den Erfolgsort dar, an dem dieses Fehlverhalten des Schädigers die erste Wirkung entfaltet hat (BGH, Urteil vom 24.06.2014, Az.: VI ZR 315/13 unter Rn. 36 = BeckRS 2014, 15813).
Hat der Kläger in diesen Fällen an seinem Wohnsitz über die Geldanlage entschieden und den Betrag angewiesen, so liegt der Schwerpunkt seiner Interessenverletzung an seinem Wohnsitz als Ort der ersten Anlageentscheidung und des Eintritts des Erstvermögensschadens (BGH, Urteil vom 24.06.2014, Az.: VI ZR 315/13 unter Rn. 37 = BeckRS 2014, 15813).
Für die Fallkonstellation der Haftung des Organwalters im vertraglichen Gerichtsstand des Erfüllungsortes nach Art. 5 Abs. 1 EuGVVO, der mit Art. 5 Abs. 1 LugÜ II gleichlautend ist, hat der Senat dies mit seinen beiden Urteilen vom 24. Juni 2014 (VI ZR 347/12, IPRax 2015, 423 und - VI ZR 315/13, WM 2014, 1614 Rn. 28; vgl. auch EuGH…, Urteil vom 18. Juli 2013 - C-147/12, ZIP 2013, 1932 Rn. 41 "ÖFAB" zur EuGVVO) klargestellt.
OLG Hamm, 08.06.2017 - 32 SA 36/17
Gerichtsstandbestimmung; Gehhilfe; deliktische Tat; Verweisung; Bindungswirkung