Source: https://gesundheit-andernach.de/aktuelles/die-10-saeulen-des-heilpraktiker-berufes
Timestamp: 2020-01-29 01:33:38
Document Index: 83882310

Matched Legal Cases: ['BGH', 'BGH', '§ 48', '§ 5', 'Art. 2', 'Art. 1']

Nachstehend eine Veröffentlichung des Berufs- und Fachverbands Freie Heilpraktiker e.V.
(Für die Inhalte übernehme ich keine Haftung)
1939 wurden die Ausbildung und Neuzulassungen der Heilpraktiker im sog. Heilpraktikergesetz von 1939 verboten. Erst in den fünfziger Jahren wurden diese Abschaffungs-Regelungen von höchstrichterlicher Seite als nicht mit dem Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland vereinbar aufgehoben. Die Entscheidung des Bundesverwaltungsgerichts vom 24.01.1957 (I C 194.54 - BVerwGE 4, 251 ff.) transformierte das nationalsozialistische Heilpraktiker-Abschaffungsgesetz in ein Heilpraktiker- Zulassungsgesetz der Bundesrepublik Deutschland.
Eine Vielzahl von landes- und bundesgesetzlichen Normen, wie z.B. das Infektionsschutzgesetz, reglementiert den Beruf des Heilpraktikers. Dieser ist zudem auf der Grundlage des zuletzt 2016 reformierten Heilpraktikergesetzes eingebunden in eine nachprüfbare, geregelte und moderne auf Patientenschutz ausgerichtete Rechtsprechung. Nach dem Urteil des BGH vom 29. Januar 1991 (VI ZR 206/90 –, BGHZ 113, 297 ff.) gelten für Heilpraktiker grundsätzlich die gleichen Sorgfaltspﬂichten wie für einen Arzt für Allgemeinmedizin. Weitere für Heilpraktiker rechtlich bindende Anforderungen ergeben sich unter anderem aus dem Patientenrechtegesetz. Aus der Rechtsprechung folgen Vorgaben hinsichtlich der Haftung und des erforderlichen Sorgfaltsmaßstabs. (Berufshaftpﬂicht).
Heilpraktiker unterwerfen sich einer amtlichen Gefahrenabwehrüberprüfung. Diese Überprüfung ﬁndet auf der Grundlage der bundeseinheitlichen Überprüfungs-Leitlinien von 2017/2018 unter dem Dach der kommunalen Gesundheitsbehörden statt.
Bis heute hat es der Gesetzgeber für genügend erachtet, dass sich Heilpraktiker in privaten Heilpraktikerschulen selbstﬁnanziert über im Schnitt 2 Jahre ausbilden und sich so auf die Heilpraktiker- Überprüfung vorbereiten. Ein Blick in die Überprüfungs-Leitlinien zeigt, dass ein umfangreiches medizinisches Grundwissen gelehrt werden muss, anders wäre ein Bestehen der Überprüfung nicht möglich.
Die meist nur außerhalb der akademischen Medizin gelehrtenTherapie-Methoden der Erfahrungsheilkunde werden von privaten Schulen, Akademien und Heilpraktiker-Berufsverbänden nach nachprüfbaren Qualitätskriterien gelehrt, geprüft und supervidiert.
Heilpraktiker arbeiten mit bzw. verschreiben nur Stoffe, die nicht der ärztlichen Verschreibungspﬂicht unterliegen. Damit reduziert sich das Behandlungsrisiko durch Heilpraktiker erheblich.
Nicht unter Verschreibungspﬂicht liegende aber gefährliche Stoffe sind für Heilpraktiker nicht erhältlich und/oder unterliegen den auch für Heilpraktiker verbindlichen Regeln des Arzneimittelgesetzes (§ 48 AMG). So darf z.B. kein Therapeut ein bedenkliches Arzneimittel einsetzen. Bedenklich sind Arzneimittel, bei denen nach dem jeweiligen Stand der wissenschaftlichen Erkenntniss der begründete Verdacht besteht, dass sie bei bestimmungsgemäßem Gebrauch schädliche Wirkungen haben, die über ein nach den Erkenntnissen der medizinischen Wissenschaft vertretbares Maß hinausgehen. (§ 5 AMG)
Der Patient muss das Recht behalten, für sich ergänzende Alternativen zu ﬁnden (Art. 2 Abs. 1 i.V.m. Art. 1 Abs. 1 Grundgesetz). Eine drastische Einschränkung oder Abschaffung der Heilpraktiker würde den Patientenschutz an dieser Stelle abschaffen, eine Abwanderung in Grau- und illegale Bereiche wäre die Folge. Heute hat der die Bürger schützende Staat eine Kontroll- und Aufsichtsmöglichkeit. Danach nicht mehr.
Alle medizinischenTherapeut/innen arbeiten mit großer Sorgfalt und menschlichem Respekt. Dies gilt auch für den übergroßen Teil der Heilpraktikerinnen und Heilpraktiker. Trotzdem kann es bei Ärzten, bei Physiotherapeuten, bei den Pﬂegenden und eben auch bei den Heilpraktiker/innen zu Behandlungsproblemen kommen. Dadurch den ganzen Beruf in Frage zu stellen bedeutet, dass das Problem nicht wirklich ernst genommen wird.
Verletzt ein medizinischer Therapeut seine Pﬂicht zur sorgfältigen Behandlung, so muss geprüft werden, ob ein schuldhafter Behandlungsfehler vorliegt. Diese Prüfung wird im Zweifelsfall durch die staatlichen Aufsichtsbehörden oder durch die Gerichte durchgeführt.
Im Rahmen der Selbstorganisation der Heilpraktiker/innen haben die Berufsverbände Gutachterkommissionen, die im Konﬂiktfall eine objektive Aufklärung betreiben, wenn sie eingeschaltet werden. Der DDH-Dachverband Deutscher Heilpraktikerverbände e.V. schult und zertiﬁziert Gutachter, die den Gerichten und Patienten zur Verfügung stehen.
Viele Hundert Heilpraktikerschulen bilden entsprechend der staatlichen Überprüfungsleitlinie aus. Der Schulbesuch wird von den Schülerinnen und Schülern selbst ﬁnanziert (Kosten: zwischen 5.000 und 20.000 Euro).
Jährlich ﬁnden mehr als 10 Heilpraktiker-Fachkongresse und Symposien der Berufsverbände statt und sorgen für eine regelmäßige Fachfortbildung durch Vorträge und einen Austausch zwischen naturheilkundlicher Pharmaindustrie und Heilpraktikern.
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