Source: https://ungeborene.de/de_de/rechte/menschenwuerde
Timestamp: 2018-02-22 16:13:58
Document Index: 133078200

Matched Legal Cases: ['Art 2', 'Art 3', 'Art 79', 'Art. 2', 'Art. 3', 'Art 19']

Menschenwürde ungeborener Kinder ist unverzichtbar
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Menschenwürde: Der Wert des Menschen
Man mag ja zugestehen, dass ungeborene Kinder und auch befruchtete Eizellen bereits einen gewissen Anspruch auf Menschenwürde erheben können. Aber sind das deshalb bereits gleichwertige Menschen? Ist das nicht erst ‚werdendes Leben‘, sozusagen noch nicht ganz ‚lebendig‘ und unfertig? Ok, die Mutter ist nicht bloß ‚ein bisschen schwanger‘. Aber werden da nicht wirklichkeitsferne Schlussfolgerungen gezogen, die den tatsächlichen menschlichen Bedürfnissen (auch der Mutter) nicht entsprechen? Die befruchtete Eizelle empfindet doch noch überhaupt nichts. Von Selbstbewusstsein ganz zu schweigen. Ist das nicht nur eine Art ‚Schwangerschaftsgewebe‘, oder gar ‚Gemüse‘ (wie manche Mediziner ‚Hirntote‘ bezeichnen..)?
Tatsächlich sollte es gut begründet werden, wenn für alle Menschen gilt, dass
die Würde des Menschen nach Art1 Abs 1 GG unantastbar ist,
das Leben jedes Menschen nach Art 2 Abs 2 GG uneingeschränkt schützenswert ist und
alle Menschen vor dem Gesetz nach Art 3 Abs 1 GG gleichberechtigt sind.
Doch genau diese Begründungen sind vorhanden, und zwar stichhaltig.
Offensichtlich weckt der Anblick eines Babies mit seinen großen Augen und seinen unbeholfenen Bewegungen beim Betrachter in natürlicher Weise Emotionen und Schutzinstinkte. Eine befruchtete Eizelle ist dazu nicht in der Lage, worunter unsere natürliche Motivation leidet, sie als vollwertigen Menschen anzuerkennen. Doch fehlende Emotionen sind kein angemessenes Kriterium, um die Menschenwürde eines Anderen zu beurteilen. Das sollte man sich an dieser Stelle dringend bewusst machen. Entstellte Erwachsene oder Behinderte kämpfen oft gegen ähnliche soziale Ausgrenzungen, ohne dass dies eine rechtliche Relevanz haben darf.
Ursprünglich leitet sich die Menschenwürde aus dem christlichen Verständnis ab, wonach der Mensch im Bilde Gottes geschaffen wurde, und aus Gottes Wertschätzung und Liebe eine Würde bezieht, die unabhängig von allen individuellen Eigenschaften bleibt. In einer säkularisierten Gesellschaft, die sowohl an der Existenz Gottes als auch an Seiner Wertschätzung gegenüber dem Menschen zweifelt wird diese Begründung als unzureichend kritisiert, insbesondere dort, wo die Anerkennung der Menschenwürde Kosten mit sich bringt. Peter Singer schlägt schon vor, Kleinkindern das Lebensrecht erst ab dem 28 Tag nach der Geburt zuzugestehen , da er keinen Grund für eine generelle Würde des Menschen sieht. Jede intuitiv vorhandene Achtung der Menschenwürde hält er für erziehungsbedingt oder religiösen Überzeugungen geschuldet.
(Quelle: Interview mit Peter Singer im Spiegel 25.11.2001, vgl auch Kisslers Konter Schützt den Menschen vor dem Menschen! )
Ist unsere humane Gesellschaft wirklich so tolerant, dass Jeder seinen Platz im Leben haben darf?
Doch es gibt eine weitere, wesentliche Begründung, die auch für Atheisten nachvollziehbar sein sollte. Denn die Erfahrungen mit der nationalsozialistischen Diktatur hatten gezeigt, dass missliebigen Menschen alle Menschenrechte entzogen werden konnten, indem diese als ‘Untermenschen’ oder ‘unwertes Leben’ erklärt wurden. Hitler verwendete dazu auch Tiermetaphern und Vergleiche aus der Schädlingsbekämpfung. Auf diese Weise wurde im ‘Dritten Reich’ versucht, die Ermordung von Juden, Behinderten und politischen Gegnern zu rechtfertigen. Um künftig eine solche Menschenverachtung und den damit legalisierten Entzug der Grundrechte zu verhindern wurde in der Verfassung nach Kriegsende die Unantastbarkeit der Menschenwürde festgeschrieben.
relativiert alle Menschenrechte
in Bezug auf jeden Menschen.
Wenn es irgend jemandem erlaubt würde zu definieren, wer ‘Mensch im Sinne der Menschenrechte’ ist und wer nicht, dann könnte dieser damit willkürlich über alle Menschenrechte verfügen. Jeder könnte so von Menschenrechten und Grundrechten ausgeschlossen werden. Da selbst demokratische Mehrheiten gegen derartige Fehlurteile nicht gefeit sind, wurde in der Verfassung ausdrücklich jede Änderung am Grundrecht auf Schutz der Menschenwürde ausgeschlossen (Art 79 Abs. 3 GG).
Unveränderbare Menschenwürde
ist die notwendige Voraussetzung
für unveränderbare Menschenrechte.
Menschenwürde kann nicht wachsen und nicht schrumpfen, und sie ist unabhängig von allen Fähigkeiten und Eigenschaften eines Menschen. Also unabhängig von Körpergröße, Alter, Gestalt, Intellekt, Bewusstsein, Abstammung und Gesundheit. Daher hat auch der kleinste Mensch einen gleichberechtigten Anspruch auf Schutz und Fürsorge.
Der Respekt vor der unantastbaren Menschenwürde aller Menschen muss vom Staat beachtet und geschützt werden, auch bei ungeborenen Kindern. Soll dies nicht nur eine inhaltsleere Floskel bleiben, dann folgt aus der Menschenwürde dieser Kinder die Gültigkeit anderer Grundrechte, zumindest der Grundrechte auf Leben und körperliche Unversehrtheit (Art. 2 GG), die Gleichberechtigung vor dem Gesetz (Art. 3 GG) und die Rechtsweggarantie (Art 19 Abs 4 GG).