Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Text=NJW-RR%202013,%20296
Timestamp: 2020-02-24 06:18:48
Document Index: 74682532

Matched Legal Cases: ['BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 675', '§ 138', '§ 675', '§ 138', '§ 286', '§ 675', '§ 138', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH']

BGH, 06.12.2012 - III ZR 66/12 - dejure.org
https://dejure.org/2012,40475
BGH, 06.12.2012 - III ZR 66/12 (https://dejure.org/2012,40475)
BGH, Entscheidung vom 06.12.2012 - III ZR 66/12 (https://dejure.org/2012,40475)
BGH, Entscheidung vom 06. Dezember 2012 - III ZR 66/12 (https://dejure.org/2012,40475)
Tipp: Um den Kurzlink (hier: https://dejure.org/2012,40475) schnell in die Zwischenablage zu kopieren, können Sie die Tastenkombination Alt + R verwenden - auch ohne diesen Bereich zu öffnen.
BGB § 675; ZPO §§ 138, 286
§ 675 BGB, § 138 ZPO, § 286 ZPO
Haftung bei Kapitalanlageberatung: Anforderungen an die Schlüssigkeit und Substanziiertheit der Darlegung des Anlegers zu den von ihm geltend gemachten Pflichtverletzungen des Anlageberaters
Zur Darlegungslast des Anlegers zu den Pflichtverletzungen des Anlageberaters
Zu den Anforderungen an die Schlüssigkeit und Substantiiertheit der Darlegung des Anlegers zu den von ihm geltend gemachten Pflichtverletzungen des Anlageberaters (beziehungsweise Anlagevermittlers)
BGB § 675 ; ZPO §§ 138, 286 A, E
Verfahrensrecht - Schlüssigkeit bei Pflichtverletzung eines Anlageberaters
Die Pflichtverletzung des Anlageberaters - und die Anforderungen an einen substantiierten Klagevortrag
Zu den Anforderungen an die Darlegung des Anlegers zu den von ihm geltend gemachten Pflichtverletzungen des Anlageberaters
Geringe Anforderungen an Sachvortrag wegen behaupteter Falschberatung des Finanzberaters
Anforderungen an Haftungsprozesse gegen Kapitalanlagevermittler
Zu der Frage, wie konkret ein Vortrag sein muss, wenn die Pflichtverletzung eines Anlageberaters behauptet wird
Keine hohen Anforderungen an die Darlegungslast des Anlegers
Beratungsfehler - BGH stärkt Anleger
Prozessrisiko Erinnerung? Anforderungen an Darstellung des Anlageberatungsgesprächs
Erleichterter Beweis einer Falschberatung für Anleger - Kapitalmarktrecht
Für Behauptung einer Falschberatung sollen geringe Anforderungen gelten - Kapitalmarktrecht
Keine überzogenen Anforderungen an die Darlegungs- und Beweislast bei Falschberatungen
Erinnerungslücke = Prozessrisiko? Anforderungen an die Schadensersatzklage eines Anlegers
Schadensersatz wegen mangelhafter Beratung Klage gegen den AWD eingereicht
Anforderungen an die Substantiierung des Klagevortrags zu Pflichtverletzungen des Anlageberaters/Anlagevermittlers
LG Verden, 25.11.2010 - 4 O 60/10
OLG Celle, 30.01.2012 - 11 U 2/11
NJW-RR 2013, 296
ZIP 2013, 221
NJ 2013, 304
WM 2013, 68
NZG 2013, 226
Eine Partei genügt nach ständiger Rechtsprechung ihrer Darlegungslast, wenn sie Tatsachen vorträgt, die in Verbindung mit einem Rechtssatz geeignet sind, das geltend gemachte Recht als in ihrer Person entstanden erscheinen zu lassen (etwa BGH, Urteil vom 6. Dezember 2012 - III ZR 66/12, WM 2013, 68 Rn. 10 mwN).
Ist ein Parteivorbringen substantiiert, kann der Vortrag weiterer Einzeltatsachen, die den Vortrag wahrscheinlich machen, nicht verlangt werden; es ist dann vielmehr Sache des Tatrichters, bei der Beweisaufnahme die benannten Zeugen oder Sachverständigen nach Einzelheiten zu befragen, die ihm für die Beurteilung der Zuverlässigkeit der Bekundungen erforderlich erscheinen (BGH, Urteil vom 6. Dezember 2012 aaO;… Beschluss vom 16. April 2015 - IX ZR 195/14, NJW-RR 2015, 829 Rn. 14).
aa) Nach der Senatsrechtsprechung ist zwar eine unternehmerische Beteiligung mit Totalverlustrisiko für eine ergänzende Altersvorsorge nicht schlechthin oder generell ungeeignet (Urteil vom 6. Dezember 2012 - III ZR 66/12, NJW-RR 2013, 296 Rn. 22).
Wird jedoch eine sichere Anlage für Zwecke der Altersvorsorge gewünscht, so kann die Empfehlung einer unternehmerischen Beteiligung wegen des damit regelmäßig verbundenen Verlustrisikos schon für sich genommen fehlerhaft sein (Senatsurteile vom 6. Dezember 2012 aaO …und vom 24. April 2014 aaO Rn. 27).
Dementsprechend trägt der Anleger für die nicht rechtzeitige Übergabe des Emissionsprospekts die Darlegungs- und Beweislast (z.B. Senat, Urteile vom 6. Dezember 2012 - III ZR 66/12, WM 2013, 68 Rn. 16;… vom 19. November 2009 - III ZR 169/08, BKR 2010, 118 Rn. 25 …und vom 11. Mai 2006 aaO Rn. 6;… Beschluss vom 30. November 2006 - III ZR 93/06, NJW-RR 2007, 775 Rn. 5).
Genügt das Parteivorbringen diesen Anforderungen an die Substantiierung, kann der Vortrag weiterer Einzeltatsachen, die etwa den Zeitpunkt und den Vorgang bestimmter Ereignisse betreffen, nicht verlangt werden; es ist dann Sache des Tatrichters, bei der Beweisaufnahme die benannten Zeugen nach Einzelheiten zu befragen, die ihm für die Zuverlässigkeit der Bekundungen erforderlich erscheinen (…z.B. Senat, Urteile vom 23. Juni 2016 - III ZR 308/15, WM 2016, 1333 Rn. 18; vom 6. Dezember 2012 - III ZR 66/12, WM 2013, 68 Rn. 10 …und vom 15. Mai 2003 - III ZR 7/02, juris Rn. 15;… BGH, Urteile vom 2. April 2007 - II ZR 325/05, WM 2007, 1025 Rn. 23 und vom 13. Dezember 2002 - V ZR 359/01, NJW-RR 2003, 491;… Beschlüsse vom 6. Februar 2014 - VII ZR 160/12, NJW-RR 2014, 456 Rn. 12 …und vom 31. Juli 2013 - VII ZR 59/12, NJW 2013, 3180 Rn. 11).
Die empfohlene Anlage muss unter Berücksichtigung des Anlageziels auf die persönlichen Verhältnisse des Kunden zugeschnitten sein (…s. etwa Senatsurteile vom 24. April 2014 - III ZR 389/12, NJW-RR 2014, 1075, 1078 Rn. 27 und vom 6. Dezember 2012 - III ZR 66/12, NJW-RR 2013, 296, 297 Rn. 20 mwN).
Soll das beabsichtigte Geschäft einer sicheren Geldanlage dienen, kann die Empfehlung einer unternehmerischen Beteiligung wegen des damit regelmäßig verbundenen Verlustrisikos fehlerhaft sein (…vgl. Senatsurteile vom 24. April 2014 aaO; vom 6. Dezember 2012 aaO Rn. 22;… vom 8. Juli 2010 - III ZR 249/09, BGHZ 186, 152, 157 f Rn. 18;… vom 19. November 2009 - III ZR 169/08, BKR 2010, 118, 120 Rn. 21 …und vom 19. Juni 2008 - III ZR 159/07, BeckRS 2008, 13080 Rn. 6).
Andererseits rechtfertigt nicht schon allein der Umstand, dass die Kapitalanlage auch der ergänzenden Altersvorsorge hat dienen sollen, den Schluss, die Empfehlung der Beteiligung an einem geschlossenen Immobilienfonds stelle keine anlegergerechte Beratung dar (…s. Senatsurteile vom 24. April 2014 aaO Rn. 28 und vom 6. Dezember 2012 aaO).
Die empfohlene Anlage muss unter Berücksichtigung des Anlageziels auf die persönlichen Verhältnisse des Kunden zugeschnitten sein (vgl. nur Senatsurteil vom 6. Dezember 2012 - III ZR 66/12, NJW-RR 2013, 296 Rn. 20 mwN).
Genügt das Parteivorbringen diesen Anforderungen an die Substantiierung, kann der Vortrag weiterer Einzeltatsachen, die etwa den Zeitpunkt und den Vorgang bestimmter Ereignisse betreffen, nicht verlangt werden; es ist dann vielmehr Sache des Tatrichters, bei der Beweisaufnahme die benannten Zeugen oder Sachverständigen nach Einzelheiten zu befragen, die ihm für die Beurteilung der Zuverlässigkeit der Bekundungen erforderlich erscheinen (…st. Rspr., z.B. Senat, Urteile vom 4. Oktober 2018 - III ZR 213/17, WM 2018, 2175 Rn. 26 und vom 6. Dezember 2012 - III ZR 66/12, WM 2013, 68 Rn. 10 m.zahlr.w.N.).
Die nicht rechtzeitige Übergabe des Emissionsprospekts hat der Anleger darzulegen und zu beweisen (…z.B. Senatsurteile vom 19. Oktober 2017 - III ZR 565/16, WM 2017, 2191 Rn. 22 - vorgesehen für BGHZ; vom 6. Dezember 2012 - III ZR 66/12, WM 2013, 68 Rn. 16;… vom 19. November 2009 aaO Rn. 25 …und vom 11. Mai 2006 - III ZR 205/05, WM 2006, 1288 Rn. 6), wobei die Frage der "Rechtzeitigkeit" als solche eine rechtliche Bewertung darstellt (…Senatsurteil vom 19. Oktober 2017 aaO Rn. 30).
Die Anforderungen an die Substantiierung des Klagevortrags dürfen auch in Kapitalanlageprozessen nicht überspannt werden (BGH Urteil vom 06.12.2012, III ZR 66/12, BGH NJW-RR 2013, 296, 297).
Für die nicht erfolgte Übergabe trägt der Anleger die Darlegungs- und Beweislast (BGH Urteil vom 06.12.2012, III ZR 66/12, Rz. 16 m.w.N. zitiert nach juris).
Allein der Umstand, dass eine Anlage der - ergänzenden - Altersversorgung dienen soll, rechtfertigt jedoch noch nicht den Schluss, die Empfehlung der Beteiligung an einem Fonds mit Totalverlustrisiko stelle keine anlegergerechte Beratung dar (…vgl. BGH Urteil vom 24.04.2014, III ZR 389/12, Rz. 28 zitiert nach juris; BGH Urteil vom 06.12.2012, III ZR 66/12, Rz. 22 zitiert nach juris).
Selbst wenn man im vorliegenden Fall zugunsten der Klägerin unterstellt, sie und der Drittwiderbeklagte hätten im Beratungsgespräch gegenüber dem Zeugen B... die Altersversorgung als Ziel der Geldanlage angegeben, ließe ein derartiger Schluss unberücksichtigt, inwieweit ihre Altersversorgung bereits durch sonstige hinreichend sichere Geldanlagen abgesichert war (…vgl. BGH Urteil vom 24.04.2014, III ZR 389/12, Rz. 28 zitiert nach juris; BGH Urteil vom 06.12.2012, III ZR 66/12, Rz. 22 zitiert nach juris).
Denn die Empfehlung einer solchen Fonds-Beteiligung wäre dann wegen des damit regelmäßig verbundenen Verlustrisikos schon für sich genommen fehlerhaft gewesen (…vgl. BGH Urteil vom 24.04.2014, III ZR 389/12, Rz. 27 zitiert nach juris; BGH Urteil vom 06.12.2012, III ZR 66/12, Rz. 22 zitiert nach juris).
Selbst wenn man im vorliegenden Fall zugunsten der Klägerin unterstellt, ihr Ehemann hätte im Beratungsgespräch gegenüber Herrn M... die Altersversorgung der Klägerin als Ziel der Geldanlage angegeben, ließe ein derartiger Schluss unberücksichtigt, inwieweit ihre Altersversorgung bereits durch Rentenansprüche und durch sonstige hinreichend sichere Geldanlagen abgesichert war (…vgl. BGH Urteil vom 24.04.2014, III ZR 389/12, Rz. 28 zitiert nach juris; BGH Urteil vom 06.12.2012, III ZR 66/12, Rz. 22 zitiert nach juris).
Für die nicht erfolgte Übergabe trägt zwar der Anleger die Darlegungs- und Beweislast (BGH Urteil vom 06.12.2012, III ZR 66/12, Rz. 16 m.w.N. zitiert nach juris).
Aufklärungspflicht, Vorläufige Vollstreckbarkeit, Berufungsverfahren, …