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Timestamp: 2017-11-18 17:52:52
Document Index: 385154843

Matched Legal Cases: ['§ 292', '§ 264', '§ 243', '§ 252', '§ 246', '§ 248', '§ 248', '§ 248', '§ 253', '§ 253', '§ 238']

Bilanzierung von Forschungs- und Entwicklungskosten nach HGB, IFRS ... | Hausarbeiten publizieren
1.2 Gang der Untersuchung und Zielsetzung der Arbeit
2. Grundlagen der verschiedenen Rechnungslegungssysteme
2.1 Das deutsche Rechnungslegungssystem
2.2 Das IFRS- Rechnungslegungssystem
2.3 Das US- Rechnungslegungssystem
3. Bilanzielle Behandlung von F&E- Kosten nach HGB, IFRS und US- GAAP
3.1 Bilanzierung von Forschungs- und Entwicklungskosten nach HGB
3.1.1 Abstrakte Aktivierungsfähigkeit von immateriellen Vermögens- gegenständen
3.1.2 Konkrete Aktivierungsfähigkeit von immateriellen Vermögens- gegenständen
3.1.3 Definitionen von Forschung und Entwicklung
3.1.4 Bilanzielle Behandlung von Forschungs- und Entwicklungskosten
3.2 Bilanzierung von F&E- Kosten nach IAS
3.2.1 Allgemeiner Anwendungsbereich des IAS
3.2.2 Abstrakte und konkrete Aktivierungsfähigkeit immaterieller Vermögensgegenstände
3.2.3 Bilanzierungsfähigkeit eines immateriellen Vermögenswertes
3.2.4 Zusätzliche Aktivierungskriterien für selbst geschaffene immaterielle Vermögensgegenstände
3.2.4.1 Definitionen von Forschung und Entwicklung
3.2.4.2 Bilanzielle Behandlung von Forschungskosten
3.2.4.3 Bilanzielle Behandlung von Entwicklungskosten
3.2.5 Bilanzpolitische Spielräume bei der Bilanzierung von Forschung und Entwicklung
3.3 Bilanzierung von F&E- Kosten nach US- GAAP
3.3.1 Abstrakte Aktivierungsfähigkeit von Vermögensgegenständen
3.3.2 Konkrete Aktivierungsfähigkeit von Vermögensgegenständen
3.3.3 Definitionen von Forschung und Entwicklung
3.3.4 Bilanzielle Behandlung von Forschungs- und Entwicklungskosten
4. Wesentliche Unterschiede der Rechnungslegungsvorschriften und deren Auswirkungen auf die Bilanzierung der F&E- Kosten
4.1 Unterschiede in der bilanziellen Behandlung von F&E- Kosten aufgrund unterschiedlicher Ziele und Konzepte der Rechnungslegungssysteme
4.2 Die unterschiedlichen Bilanzierungsweisen aus verschiedenen Perspektiven
4.3 Auswirkungen der Bilanzumstellung von HGB auf IFRS
5. Aktuelle Situation und zukünftige Entwicklungen 40
5.1 Aktuelle Bilanzierungspraxis der F&E- Kosten nach IFRS in Deutschland
5.2 Bilanzrechtsmodernisierungsgesetz und Anerkennung der IFRS durch die USA
Abb. 1: Dreistufiges Prüfungsschema nach IAS 38
Abb. 2: Unternehmenszieloptimale Jahresabschlusspolitik
Abb. 3: Verhältnis von aktivierten zu nicht aktivierten Entwicklungskosten
Tab. 1: Unterschiede der Rechnungslegungen
Tab. 2: Eigenkapitalüberleitung VW
Tab. 3: F&E- Intensitäten nach Branchen 40/
Tab. 4: Vergleich der aktivierten Entwicklungskosten anhand von drei Unternehmen aus der Automobilbranche
Steigende internationale Investmenttätigkeiten der Unternehmen sowie die zunehmende Globalisierung der Kapitalmärkte rufen bei deutschen Unternehmen eine Anpassung ihrer Rechnungslegungsstandards an die internationalen Vorschriften hervor. Investoren, Gläubiger wie auch Kunden oder Lieferanten erwarten international vergleichbare Abschlüsse, um die Situation der Unternehmen realistisch einschätzen und beurteilen zu können.
Ende 1985 wurde die durch die Europäische Gemeinschaft verabschiedete 4., 7. und 8. EG- Richtlinie mit dem Bilanzrichtliniengesetz in nationales Recht umgewandelt. Ziel war die Harmonisierung des Gesellschafts- und Kapitalmarktrechts und eine höhere Vergleichbarkeit des Rechnungswesens innerhalb der EU- Mitgliedstaaten.[1] Durch das Kapitalaufnahmeerleichterungsgesetz (KapAEG)[2] von 1998 und die Aufnahme des § 292 a HGB in das deutsche Bilanzrecht wurde es für kapitalmarktorientierte Unternehmen erstmals möglich, einen befreienden Konzernabschluss nach internationalen Rechnungslegungsvorschriften zu erstellen. Seit dem 01.01.2005 (Übergangsfrist bis 2007) müssen nun alle kapitalmarktorientierten Unternehmen aufgrund der Verordnung des Europäischen Parlaments und des Europäischen Rates von 2002 ihren Konzernabschluss zwingend nach den International Financial Reporting Standards (IFRS) erstellen.[3]
Die Bilanzierung immaterieller Vermögenswerte ist von dauerhafter Aktualität. Bereits 1979 bezeichnete Moxter die immateriellen Anlagewerte als „ewige Sorgenkinder der Rechnungslegung“.[4] Durch den Wandel von einer Industrie- zu einer Dienstleistungs- und Hochtechnologiegesellschaft werden immaterielle Werte im Vergleich zu materiellen Produktionsfaktoren immer wichtiger. Die Unternehmen müssen sich einem enormen technischen Fortschritt anpassen und gegen Konkurrenten wettbewerbsfähig bleiben. Dies geschieht im Rahmen der Forschungs- und Entwicklungstätigkeiten. Insgesamt wurden 2006 in der deutschen Wirtschaft rund 41.000 Mio. Euro für Forschung und Entwicklung ausgegeben.[5] Im Zuge der Entwicklung des Airbus A380 wurden von der EADS[6] in den Jahren 2004- 2006 insgesamt rund 750 Mio. € Entwicklungskosten aktiviert.[7] Diese enorme Summe zeigt, dass immaterielles Vermögen ein entscheidendes Wertpotential für die Zukunft der Unternehmen beinhaltet.[8]
Verschiedene Bilanzierungsweisen führen zu unterschiedlichen Unternehmensgewinnen. Durch das enorme Ausmaß der Forschungs- und Entwicklungskosten als immaterielle Vermögensgegenstände kommt der bilanziellen Behandlung dieses Postens eine große Bedeutung zu.
Die vorliegende Arbeit veranschaulicht die unterschiedlichen Bilanzierungsweisen der Forschungs- und Entwicklungskosten als immaterielle Vermögensgegenstände nach den Rechnungslegungssystemen HGB, IFRS und US- GAAP. Zunächst werden kurz die Grundlagen der verschiedenen Rechnungslegungssysteme beschrieben. Anschließend wird die bilanzielle Behandlung der Forschungs- und Entwicklungskosten dargestellt. Vorab wird für jedes Rechnungslegungssystem geprüft, wann eine Aktivierungsfähigkeit immaterieller Vermögenswerte überhaupt besteht. Hierbei wird eine Unterscheidung in abstrakte und konkrete Aktivierungsfähigkeit vorgenommen. Daraufhin geht es um die Bilanzierungsvorschriften für F&E- Kosten im Speziellen. Aufgrund des Umfangs und dem Schwerpunkt der Ansatzbilanzierung der Arbeit wird nur auf die Erstbewertung eingegangen. Die Folgebewertung sowie Abschreibungen werden nicht behandelt. Nach der Behandlung der verschiedenen Vorschriften werden die Unterschiede der Bilanzierungsweisen nach HGB, IFRS und US- GAAP zusammenfassend dargestellt und aus unterschiedlichen Perspektiven wie Anteilseignern, Gläubigern, Kunden usw. betrachtet. Welche Auswirkungen eine Umstellung der Rechnungslegung von HGB auf IFRS hat wird anhand des VW- Konzerns dargestellt. Abschließend werden die aktuelle Bilanzierungspraxis der F&E- Kosten nach IFRS in Deutschland sowie zukünftige Entwicklungen durch das Bilanzrechtsmodernisierungsgesetz (BilMoG) sowie die Zulassung der IFRS an der NYSE[9] behandelt.
Zielsetzung der Arbeit ist, einen Bilanzierungsvergleich der immateriellen Vermögensgegenstände, im Speziellen Forschungs- und Entwicklungskosten, nach HGB, IFRS und US- GAAP vorzunehmen. Weiterhin sollen durch die Betrachtung der unterschiedlichen Bilanzgewinne, die sich aus den verschiedenen Bilanzierungsarten ergeben, die Interessen und Ziele der Bilanzadressaten im Hinblick auf die Bilanzierung der F&E- Kosten herausgearbeitet werden. Durch die enorme Bedeutung von Forschung und Entwicklung sollen die aktuelle Lage in Deutschland und zukünftige Entwicklungen im Bereich der Bilanzierung der Forschungs- und Entwicklungsaufwendungen verdeutlicht werden.
Für die vorliegende Ausarbeitung wurden die IAS- Standards in der Fassung von 2007 verwendet.
Die Bilanzierung und Buchführung in Deutschland wurde erstmals durch das im Jahre 1861 eingeführte Allgemeine Deutsche Handelsgesetzbuch (ADHGB) einheitlich gesetzlich geregelt. Das Handelsrecht wurde durch die aktienrechtlichen Reformen von 1870 und 1884 ergänzt. Diese Regelungen wurden nahezu unverändert in den Entwurf des Handelsgesetzbuches (HGB) von 1897 übernommen, welches am 1.Januar 1900 zusammen mit dem Bürgerlichen Gesetzbuch (BGB) in Kraft trat.[10] Nach der Generalnorm für die Buchführung, die in § 264 Abs. 2 S. 1 HGB kodifiziert ist, ist jeder Kaufmann dazu verpflichtet, „in den Büchern seine Handelsgeschäfte und die Lage seines Vermögens nach den Grundsätzen ordnungsmäßiger Buchführung ersichtlich zu machen“.[11] Nach § 243 Abs. 1 HGB sind Jahresabschlüsse in Deutschland nach den Grundsätzen ordnungsmäßiger Buchführung (GoB) aufzustellen. Die Beachtung der GoB ist in den Generalnormen für Buchführung und Jahresabschluss verankert und ist für alle Kaufleute unabhängig von der Rechtsform verpflichtend.[12]
Die deutsche Rechnungslegung ist vom Vorsichtsprinzip gemäß § 252 Abs. 1 Nr. 4 HGB geprägt, welches sich im Imparitäts- und Realisationsprinzip niederschlägt. Durch die Anwendung des Vorsichtsprinzips soll eine vorsichtige Bewertung der Bilanzposten garantiert werden. Alle bis zum Bilanzstichtag entstandenen Verluste und Risiken müssen berücksichtigt werden. Durch die Dominanz des Vorsichtsprinzips steht dem Gläubigerschutz eine vorrangige Bedeutung zu.[13]
Mit dem KonTraG[14] wurde die Grundlage für ein unabhängiges privates Rechnungslegungsgremium geschaffen. Die Aufgaben des gegründeten DRSC[15] sind:
- Entwicklung von Empfehlungen für eine ordnungsgemäße Rechnungslegung anhand von Deutschen- Rechnungslegungs- Standards (DRS)
- Beratung des Bundesministeriums der Justiz
- Vertretung der BRD in internationalen Gremien[16]
Das International Accounting Standards Committee (IASC) wurde 1973 als unabhängige privatrechtliche Organisation gegründet. Das Ziel war die Entwicklung international gültiger Rechnungslegungsstandards. Anfang 2001 wurde die Struktur des IASC, mit dem hauptsächlichen Ziel der Trennung von Aufsichts- und Lenkungsfunktionen von der inhaltlichen Arbeit, überarbeitet. Aus diesem Prozess ging das International Accounting Standards Board (IASB) hervor. Die von diesem herausgegebenen Standards tragen die Bezeichnung International Financial Reporting Standards (IFRS).[17]
Das Framework bildet das Rahmenkonzept für die Aufstellung und Darstellung von Abschlüssen. Es enthält u.a. den übergeordneten Rechnungslegungszweck und die übergeordneten Rechnungslegungsgrundsätze und dient als theoretische und konzeptionelle Grundlage bei der Entwicklung von neuen Standards oder bei der Interptation vorhandener Standards. Die Regelungen in den Standards haben im Konfliktfall Vorrang vor den allgemeinen Bestimmungen des Rahmenkonzepts.[18]
Der Zweck von IFRS- Abschlüssen liegt in der Vermittlung von entscheidungsnützlichen Informationen für die Adressaten. Im IFRS- Rechnungslegungssystem haben die Informationsbedürfnisse der Investoren Vorrang vor den Bedürfnissen der anderen Adressaten. Zum einen können nicht die Informationsbedürfnisse aller Abschlussadressaten befriedigt werden und zum andern stellen die Investoren das Risikokapital zur Verfügung. Deshalb wird davon ausgegangen, dass die Informationsbedürfnisse der Investoren jenen der anderen Adressaten weitgehend entspchen.[19]
Der dominierende Grundsatz des IFRS- Rechnungslegungssystems ist der Grundsatz der fair psentation bzw. true and fair view. Gemäß F.46[20] und IAS 1.13 hat ein Unternehmen ein den tatsächlichen Verhältnissen entspchendes Bild über die Vermögens-, Finanz- und Ertragslage im Abschluss darzustellen. Weiterhin liegen den IFRS- Abschlüssen zwei wesentliche Basisannahmen zugrunde. Zum einen der Grundsatz der Unternehmensfortführung (going concern) und zum anderen der Grundsatz der Periodenabgrenzung (accrual principle).[21]
Bis ca. 1930 gab es in den USA keine einheitlichen Normen zur Erstellung von Abschlüssen. Im Jahre 1933 wurde der Securities Act (SA) als Konsequenz des Börsenkrachs von 1929 erlassen. Das Ziel des Securities Act war der Schutz zukünftiger Investoren. Der Schutz der Investoren sollte durch die Veröffentlichung von Informationen über die angebotenen Wertpapiere erfolgen. 1934 wurde der Securities Exchange Act (SEA) erlassen, dessen Ziel es war, wichtige Finanzdaten und sonstige Informationen über gehandelte Wertpapiere offenzulegen.[22]
Zur Überwachung des Wertpapierhandels wurde 1934 die Securities and Exchange Commission (SEC) gegründet. Bei der SEC handelt es sich um eine unabhängige Börsenaufsichtsbehörde mit umfassenden Kontrollbefugnissen. Mit der Aufgabe der Formulierung der Generally Accepted Accounting Principles (GAAP) beauftragte die SEC zunächst den Berufsstand der Wirtschaftsprüfer, das American Institute of Certified Public Accountants (AICPA). Anschließend nahm das American Institute of Accountants (AIA) diese Aufgabe wahr. 1973 wurde der Financial Accounting Standards Board ( FASB) gegründet. Der FASB veröffentlicht die FASB- Statements (SFAS) und die FASB- Interptations.[23]
Das Conceptual Framework dient als Leitlinie für den FASB bei der Entwicklung neuer Standards und als Begrenzung von Ermessensspielräumen. Weiterhin soll es die Verständlichkeit und das Vertrauen in Abschlüsse fördern, sowie die Vergleichbarkeit von Abschlüssen erhöhen.[24]
Der Abschluss sowie die gesamte Berichterstattung nach US- GAAP sollen den Kapitalgebern für wirtschaftliche Entscheidungen relevante und zuverlässige Informationen liefern, d.h. beim Treffen von Finanzierungs- und Investitionsentscheidungen behilflich sein.[25] Wie nach IAS gilt auch hier der Grundsatz der Fair Presentation als dominierender Grundsatz der Rechnungslegung. Im Rahmen der Testierung des Abschlusses gilt der Grundsatz der Fair Presentation für Wirtschaftsprüfer als oberste Leitlinie. Eine Definition des Grundsatzes gibt es allerdings nicht.[26]
3.1 Bilanzierung von F&E- Kosten nach HGB
3.1.1 Abstrakte Aktivierungsfähigkeit von immateriellen Vermögensgegenständen
Ein aus der Forschungs- und Entwicklungstätigkeit entstandener Gegenstand ist dann abstrakt aktivierungsfähig, wenn er die Definition eines Vermögensgegenstandes erfüllt.
Der Begriff des Vermögensgegenstandes wird im HGB nicht definiert. Er gehört zu den unbestimmten Rechtsbegriffen und muss nach den Grundsätzen ordnungsmäßiger Buchführung ausgelegt werden.[27]
Die handelsrechtliche Literatur ist sich über die Kriterien zum Vorliegen der abstrakten Aktivierungsfähigkeit nicht einig, weshalb sich im Laufe der Zeit verschiedene Ansätze herausgebildet haben. Nach herrschender Meinung bestimmt das Kriterium der selbständigen Verwertbarkeit die abstrakte Aktivierungsfähigkeit am besten. Um als Vermögensgegenstand selbständig verwertbar zu sein, muss eine Veräußerung gegenüber Dritten und damit eine Umwandlung in Geld und ein Beitrag zur Schuldendeckung des Unternehmens gewährleistet sein. Unter Verwertung wird die Veräußerung, entgeltliche Nutzungsüberlassung oder der bedingte Verzicht verstanden.[28] Wichtig dabei ist nach Moxter, nicht nur von der Zahlung an sich auszugehen, sondern von dem Erwerb eines Vermögensgegenstandes, „der nach Maßgabe des dafür gezahlten Entgelts zu bewerten sei, und die Tatsache, dass ein als Marktpis zu wertendes Entgelt gezahlt wurde“.[29]
3.1.2 Konkrete Aktivierungsfähigkeit von immateriellen Vermögensgegenständen
Das Vollständigkeitsgebot nach § 246 Abs. 1 HGB fordert zunächst den Bilanzansatz aller Vermögensgegenstände. Nach dem handelsrechtlichen Grundsatz sind alle Vermögensgegenstände als abstrakt aktivierungsfähig anzusehen, wenn sie selbständig verwertbar sind (s. Kapitel 3.1.1). Das Vollständigkeitsgebot wird jedoch durch das in § 248 Abs. 2 HGB formulierte Aktivierungsverbot für selbst geschaffene immaterielle Vermögensgegenstände des Anlagevermögens durchbrochen.[30]
Gemäß § 248 Abs. 2 HGB darf ein Vermögenswert nicht aktiviert werden, wenn er
- nicht entgeltlich erworben wurde,
- immateriell ist und
- bilanziell dem Anlagevermögen zuzuordnen ist.
Diese Kriterien müssen kumulativ erfüllt sein, um eine Aktivierung auszuschließen.[31]
Ein Vermögensgegenstand ist nach HGB immateriell, wenn folgende Merkmale kumulativ erfüllt sind:
- Identifizierbarkeit,
- Verfügungsmacht des Unternehmens über den Vermögensgegenstand,
- nicht- monetäres Nutzenpotential,
- fehlende physische Substanz,
- zur langfristigen Nutzung im Unternehmen bestimmt,
- hohe Wahrscheinlichkeit des Nutzenzuflusses und
- Bewertbarkeit.[32]
Dem Anlagevermögen zuzuordnen ist ein Vermögenswert dann, wenn er dazu bestimmt ist, dem Geschäftsbetrieb dauernd zu dienen. Der Begriff „dauernd“ soll nicht als bestimmter Zeitbegriff gelten. Vielmehr ist die wirtschaftliche Zweckbestimmung ausschlaggebend, ob ein Vermögenswert dem Anlagevermögen zuzuordnen ist.[33] Weiterhin hat die Zuordnung des Vermögensgegenstandes im Zweifelsfall nach dem Willen des Kaufmannes zu erfolgen. Hier kann sich ein bilanzpolitischer Spielraum für das Unternehmen ergeben, da die Zuordnung zum Anlage- oder Umlaufvermögen vom Ermessen des Bilanzierenden abhängig ist. Ein weiterer Spielraum kann sich dadurch eröffnen, dass ein aus der Forschungs- und Entwicklungstätigkeit entstandener immaterieller Vermögensgegenstand über eine Sachgründung in eine neu gegründete Gesellschaft eingegliedert wird, an der die alte Gesellschaft eine Beteiligung erwirbt. Durch diese Maßnahme erscheinen die selbsterstellten immateriellen Werte in der Bilanz.[34]
Das Aktivierungsverbot des § 248 Abs. 2 HGB bezieht sich nur auf die immateriellen Vermögenswerte des Anlagevermögens. Im Umlaufvermögen sind neben den entgeltlich erworbenen in der Regel auch die selbst erstellten Vermögenswerte anzusetzen.[35]
Das HGB nennt keine Begriffsbestimmung für Forschung und Entwicklung. Definitionen oder Abgrenzungen der beiden Begriffe lassen sich jedoch in der handelsrechtlichen Literatur durchaus finden. Allgemein gesehen wird die Forschung und Entwicklung als eine betriebswirtschaftliche Aktivität bezeichnet, durch die neues Wissen für erstmalige oder verbesserte Produkte, Herstellungsverfahren oder Anwendungsmöglichkeiten erlangt werden soll.[36]
Der Begriff der Forschung wird unterteilt in Grundlagenforschung und angewandte Forschung. Generell wird unter Forschung die systematische Untersuchung, mit der Aussicht neue wissenschaftliche oder technische Erkenntnisse zu erlangen, verstanden.[37]
Die folgenden Definitionen beziehen sich vorwiegend auf die Begriffsbestimmungen des Friscati- Handbuches der OECD[38]. Die Grundlagenforschung wird definiert als die Gewinnung neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse, welche sich nicht an dem Ziel der Anwendbarkeit orientiert. Weiterhin kann eine Unterteilung in reine Grundlagenforschung und zweckorientierte Grundlagenforschung vorgenommen werden. Die reine Grundlagenforschung wird vorwiegend von Großforschungseinrichtungen, Instituten der Max- Planck- Gesellschaft oder Universitäten durchgeführt.[39] Die Ergebnisse der Grundlagenforschung sind Entdeckungen, die nicht unmittelbar verwertbar sind und daher noch keinen Bezug zu einer konkreten Anwendbarkeit haben. Diese Erkenntnisse sind die Ausgangsbasis für die darauffolgenden Phasen.[40]
Die angewandte Forschung ist auf die Erlangung neuer wissenschaftlicher oder technischer Erkenntnisse gerichtet. Sie bezieht sich hauptsächlich auf eine praktische Zielsetzung oder Anwendbarkeit ihrer Ergebnisse.[41] Die angewandte Forschung konzentriert sich also auf ein bestimmtes Anwendungsgebiet, wonach schon bei Beginn dieser Forschungstätigkeit ein konkretes Einsatzgebiet und der daraus erwartete Nutzen formuliert werden können. Die angewandte Forschung ist somit die Grundlage für die Produkt- und Verfahrensentwicklung.[42]
Der Begriff der Entwicklung wird nach dem Frascati- Handbuch in experimentelle und konstruktive Entwicklung unterteilt. Allgemein geht es bei der experimentellen Entwicklung um die Anwendung wissenschaftlicher und technischer Erkenntnisse, um zu neuen oder verbesserten Produkten, Materialien oder Verfahren zu gelangen. Die experimentelle Entwicklung lässt sich in die Neuentwicklung und Weiterentwicklung gliedern.[43] Unter der Neuentwicklung wird die zweckgerichtete Entwicklung von Produkten, Materialien, Verfahren usw. verstanden, die noch nicht im Produktsortiment des Unternehmens vorhanden sind.[44] Die Weiterentwicklung beinhaltet die Verbesserung schon vorhandener Produkte oder Verfahren. Sie liefert die technischen Lösungen dafür.[45]
3.1.4 Bilanzielle Behandlung von F&E- Kosten nach HGB
Die Position der Forschungs- und Entwicklungskosten wird im Bilanzgliederungsschema unter dem immateriellen Anlagevermögen ausgewiesen. Nach den handelsrechtlichen Bestimmungen sind Forschungs- und Entwicklungskosten als immaterielle Güter nicht aktivierungsfähig.[46]
Diese Vorgehensweise ist auf das Vorsichtsprinzip und den Gläubigerschutz zurückzuführen. Immaterielle Vermögenswerte sind schwer schätzbar und unsicher.[47] Nach Wöhe wird diese Aussage folgendermaßen formuliert: „Da über die technische Verwertbarkeit und die wirtschaftlichen Erfolgsaussichten von Entwicklungsarbeiten i.d.R. keine genauen Voraussagen gemacht werden können, außerdem durch die Grundlagenforschung wissenschaftliche Erkenntnisse gewonnen werden sollen, die keine aktivierbaren Werte darstellen, kommt eine Aktivierung auch aus Gründen kaufmännischer Vorsicht nicht in Frage.“[48]
Wird z.B. ein Tochterunternehmen mit der Forschung und Entwicklung von Projekten beauftragt, so müssen die Aufwendungen aufgrund des entgeltlichen Erwerbs aktiviert werden, wenn die Ergebnisse der Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten gleichzeitig der Definition von Vermögensgegenständen entspchen. Unter dem Anlagevermögen werden sie dann ausgewiesen, wenn sie dem zukünftigen Geschäftsbetrieb dienen.[49]
Im Hinblick auf die Weitentwicklungsphase gilt es einige Besonderheiten zu beachten. Während die Grundlagenforschung und Neuentwicklung nicht im Bezug zum laufenden Produktionsprozess stehen, kann die Weiterentwicklung hingegen diesen Bezug durchaus aufweisen. Die Ausgaben der Weiterentwicklung können als Gemeinkosten der Fertigung aktiviert werden. Hier ist die Art der Leistungserstellung von Bedeutung, wonach eine Unterscheidung in Auftrags- und Serienfertigung vorgenommen wird. Betreibt ein Unternehmen Auftrags- oder Einzelfertigung, kann es die Aufwendungen direkt dem Kundenauftrag zuordnen, so dass die Aufwendungen auftragsgebunden entstehen. Für andere Aufträge dürfen die Aufwendungen nicht nutzbar sein. Diese Ausgaben werden als Sondereinzelkosten der Fertigung aktiviert. Betreibt das Unternehmen Serienfertigung, werden die Weiterentwicklungskosten, die bei der fortwährenden Verbesserung der Produktion entstehen, als Fertigungskosten aktiviert, da sie einen Bezug zum laufenden Produktionsprozess aufweisen. Der direkte Bezug auf die Fertigung stellt somit eine unumgängliche Voraussetzung für die Aktivierung als Fertigungskosten dar. Ausgaben, die vor der eigentlichen Herstellung eines Prototyps anfallen wie z.B. für Muster oder Entwürfe, dürfen nicht angesetzt werden. Fallen die Aufwendungen für die Erstellung des endgültigen Prototyps an, sind sie grundsätzlich aktivierbar.[50]
Die speziellen Bewertungsvorschriften befinden sich in den §§ 253- 256 HGB. Gemäß § 253 Abs. 1 S. 1 HGB sind Vermögensgegenstände höchstens mit ihren (historischen) Anschaffungs- oder Herstellungskosten anzusetzen.[51] Für selbst erstellte immaterielle Vermögenswerte des Anlagevermögens besteht ein Aktivierungsverbot, weshalb eine Bewertung zu Herstellungskosten gar nicht erst in Betracht kommt. Daraus folgt, dass die Zugangsbewertung der aktivierungspflichtigen immateriellen Vermögenswerte zu Anschaffungskosten erfolgt.[52]
[1] Vgl. Born, 2002, S. 441.
[2] Gesetz zur Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit deutscher Konzerne an den Kapitalmärkten und zur Erleichterung der Aufnahme von Gesellschafterdarlehen (Kapitalaufnahmeerleichterungsgesetz).
[3] Vgl. Lutz- Ingold, 2005, S. 29 ff.
[4] Moxter in: BB, 1979, S. 1102.
[5] Vgl. Statistisches Bundesamt, SV -Wissenschaftsstatistik GmbH.
[6] European Aeronautic Defence and Space Company EADS N.V.
[7] Vgl. EADS Geschäftsbericht und Registrierungsdokument 2006.
[8] Vgl. Bruns/Thuy/Zeimes in: Controlling, 2003, S. 137.
[9] New York Stock Exchange.
[10] Vgl. Born, 2002, S. 439 ff.
[11] § 238 S. 1 HGB.
[12] Vgl. Baetge/Kirsch/Thiele, 2005, S. 105.
[13] Vgl. Kroschel, 2004, S. 85.
[14] Gesetz zur Kontrolle und Transparenz im Unternehmensbereich von 1998 mit dem Ziel der Verbesserung der Corporate Governance in Deutschland.
[15] Deutsches Rechnungslegungs Standards Committee.
[16] Vgl. Lutz- Ingold, 2005, S. 59.
[17] Vgl. Born, 2001, S. 2 ff.
[18] Vgl. Heyd/Ingold, 2005, S. 15 ff.
[19] Vgl. Born, 2002, S. 59.
[20] Zitate aus dem Framework des IASC werden folgendermaßen abgekürzt: F.Paragraph.
[21] Vgl. Baetge/Kirsch/Thiele, 2005, S. 145 ff.
[22] Vgl. Born, 2002, S. 241 f.
[23] Vgl. Küting/Weber, 1994, S. 64 f.
[24] Vgl. Heyd, 2003, S. 91.
[25] Vgl. Born, 2002, S. 343.
[26] Vgl. Kroschel, 2004, S. 16 f.
[27] Vgl. Dawo, 2003, S. 51.
[28] Vgl. Lutz- Ingold, 2005, S. 68.
[29] Niemann, 1999, S. 23.
[30] Vgl. Keitz, 1997, S. 32 f.
[31] Vgl. Lutz- Ingold, 2005, S. 74.
[32] Vgl. Lutz- Ingold, 2005, S. 15.
[33] Vgl. Coenenberg, 1997, S. 105.
[34] Vgl. Lutz- Ingold, 2005, S. 80.
[35] Vgl. Küting, 2001, S. 134.
[36] Vgl. Wurl in: ZfB, 1974, S. 161.
[37] Vgl. Selchert, 2003, S. 278.
[38] Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung.
[39] Vgl. Bürgel/Haller/Binder, 1996, S. 9 f.
[40] Vgl. Küting, 2001, S. 150.
[41] Vgl. Brockhoff, 1994, S. 38.
[42] Vgl. Peemöller, 2003, S. 165.
[43] Vgl. Nonnenmacher in: DStR, 1993, S. 1231.
[44] Vgl. Küting/Harth in: BC, 1999, S. 169 f.
[45] Vgl. Bürgel/Haller/Binder, 1996, S. 11.
[46] Vgl. Niemann, 1999, S. 163 f.
[47] Vgl. Kropff in: Baetge, 1997, S. 65- 95.
[48] Wöhe, 1997, S. 402.
[49] Vgl. Selchert, 2003, S. 312.
[50] Vgl. Küting, 2001, S. 156.
[51] Vgl. Hilke, 2002, S. 79.
[52] Vgl. Lutz- Ingold, 2005, S. 108 f.
V117507
9783640199853
9783640205660
Bilanzierung Forschungs- Entwicklungskosten IFRS US-GAAP
Patricia Schurmann, 2008, Bilanzierung von Forschungs- und Entwicklungskosten nach HGB, IFRS und US-GAAP, München, GRIN Verlag, http://www.hausarbeiten.de/faecher/vorschau/117507.html