Source: http://www.hensche.de/Arbeitsrecht_Urteile_Kuendigung_Auslauffrist_Unkuendbarkeit_LAG_Hamm_17Sa1222-15_u.html
Timestamp: 2020-06-03 07:03:42
Document Index: 176547617

Matched Legal Cases: ['§ 2', '§ 3', '§ 6', '§ 5', '§ 4', '§ 4', '§ 4', '§ 10', '§ 4', '§ 11', '§ 1', '§ 75', '§ 2', '§ 10', '§ 1', '§ 11', '§ 6', '§ 8', '§ 102', '§ 626', '§ 626', '§ 20', '§ 4', '§ 4', '§ 4', '§ 32', '§ 3', '§ 3', '§ 6', '§ 10', '§ 3', '§ 3', '§ 3', '§ 4', '§ 4', '§ 4', '§ 87', '§ 75', 'Art. 2', 'Art. 1', '§ 75', '§ 75', '§ 12', '§ 2', '§ 3', '§ 5', '§ 5', '§ 5', '§ 10', '§ 4', '§ 5', '§ 4', '§ 2', '§ 35', '§ 35', '§ 11', '§ 11', '§ 6', '§ 77', '§ 20', '§ 626', '§ 242', 'Art. 1', '§ 241', 'Art. 2', 'Art. 1', '§ 64', '§ 72']

Lan­des­ar­beits­ge­richt Hamm, 17 Sa 1222/15
Auf die Be­ru­fung der Be­klag­ten wird das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts Bo­chum vom 27.05.2015 – 5 Ca 24/15 - un­ter Zurück­wei­sung der Be­ru­fung im Übri­gen teil­wei­se ab­geändert und wie folgt neu ge­fasst:
Es wird fest­ge­stellt, dass das zwi­schen den Par­tei­en be­ste­hen­de Ar­beits­verhält­nis durch die außer­or­dent­li­che, frist­lo­se Kündi­gung der Be­klag­ten vom 12.03.2015 nicht be­en­det wor­den ist.
Die Kos­ten des Rechts­streits trägt der Kläger zu 68 %, die Be­klag­te zu 32 %.
Die Par­tei­en strei­ten darüber, ob die Be­klag­te zu Recht drei Ab­mah­nun­gen er­teil­te und ob das zwi­schen ih­nen be­ste­hen­de Ar­beits­verhält­nis durch ar­beit­ge­ber­sei­ti­ge Kündi­gung be­en­det ist.
Der 1956 ge­bo­re­ne, ver­hei­ra­te­te Kläger, Va­ter zwei­er er­wach­se­ner Kin­der, war seit dem 01.10.1989 als Bus­fah­rer bei der Be­klag­ten beschäftigt. Er er­ziel­te zu­letzt ein Brut­to­mo­nats­ent­gelt von 3.000,00 €. Auf das Ar­beits­verhält­nis fin­det der Spar­ten­ta­rif­ver­trag für Nah­ver­kehrs­be­trie­be (TV-N NW) vom 25.05.2011 An­wen­dung.
Die Be­klag­te schloss mit dem bei ihr be­ste­hen­den Be­triebs­rat am 20.08.2014 ei­ne Be­triebs­ver­ein­ba­rung über den Ein­satz von MiX RIBAS und die Zah­lung ei­ner Leis­tungs­prämie (Bl. 6 bis 11 d.A.). Nach der Präam­bel un­terstützt der Ein­satz des MiX RIBAS- Sys­tems den Fah­rer, bei ein­fachs­ter Hand­ha­bung si­cher, um­welt­be­wusst und kos­ten­spa­rend zu fah­ren.
§ 2 der Be­triebs­ver­ein­ba­rung (BV) lau­tet wie folgt:
Mit dem Ein­satz von RIBAS und der Zah­lung ei­ner Leis­tungs­prämie wer­den fol­gen­de Zie­le ver­folgt:
Ent­las­tung des Fah­rers
Erhöhung der persönli­chen Zu­frie­den­heit
Erhöhung der Kun­den­zu­frie­den­heit
Ver­rin­ge­rung der CO2 Emis­si­on
Ver­rin­ge­rung des Ver­kehrslärms
Erhöhung der Ver­kehrs­si­cher­heit
Re­du­zie­rung der En­er­gie­kos­ten
Re­du­zie­rung des Ma­te­ri­al­ver­sch­leißes.
In § 3 BV tra­fen die Par­tei­en fol­gen­de Re­ge­lung:
RIBAS Funk­ti­ons­wei­se
Das von MiX Te­le­ma­tics ent­wi­ckel­te RIBAS-Dis­play wird mit ei­ner Ka­bel­ver­bin­dung an den Bord­com­pu­ter, FM Com­mu­ni­ca­tor, an­ge­schlos­sen. Das Dis­play wird in der Fah­rer­ka­bi­ne im Sicht­feld des Fah­rers, z.B. A Säule mon­tiert. Wer­den vom Fah­rer die im Sys­tem hin­ter­leg­ten Grenz­wer­te über­schrit­ten, in­for­miert ihn darüber ei­ne Warn­leuch­te des RIBAS-Dis­plays. Je­des Sym­bol kor­re­spon­diert mit ei­ner Über­schrei­tung:
R = zu hoch­tou­rige Fahr­wei­se (over Rev­ving)
I = Leer­lauf­zeitüber­schrei­tun­gen (ex­ces­si­ve Id­ling)
B = schar­fes Brem­sen (har­sh Bra­king)
A = überhöhte Be­schleu­ni­gung (har­sh Ac­ce­le­ra­ti­on)
S = Ge­schwin­dig­keitsüber­schrei­tun­gen (over Spee­ding)
Ne­ben dem Auf­leuch­ten der je­wei­li­gen LED ertönt für je­des Er­eig­nis ei­ne Se­kun­de lang ein Si­gnal­ton. Je­de LED leuch­tet für die Dau­er des Er­eig­nis­ses, blinkt dann 15 Se­kun­den lang und schal­tet da­nach ab. So lie­fert das RIBAS-Dis­play dem Fah­rer In­for­ma­ti­on zu Er­eig­nis­sen in Echt­zeit in op­ti­scher und akus­ti­scher Form. Fahr­zeug- und Fah­re­rer­eig­nis­se wer­den vom FM Com­mu­ni­ca­tor auf­ge­zeich­net und zur Be­richt­er­stat­tung und Ana­ly­se an FM-Web, dem in­ter­net­ba­sier­ten In­for­ma­ti­ons­por­tal für Fuhr­park­ma­na­ger von MiX Te­le­ma­tics, wei­ter­ge­lei­tet.
Fah­rer, die mit ih­rer Ein­wil­li­gung an dem per­so­na­li­sier­ten Be­richts- und Prämi­en­sys­tem nach §§ 6, 7 BV teil­neh­men, er­hal­ten gemäß § 5 BV wöchent­lich ei­nen persönli­chen De­tail­be­richt, der ih­nen ei­ne de­tail­lier­te und kon­kre­te Rück­mel­dung ih­rer Fahr­leis­tung, be­zo­gen auf die wirt­schaft­li­che Fahr­wei­se der letz­ten Wo­che, gibt. Zusätz­lich er­hal­ten sie den glei­chen Be­richt mit ei­ner ku­mu­la­ti­ven Aus­wer­tung vom Be­ginn des je­wei­li­gen Mo­nats bis zum letz­ten Tag des ak­tu­el­len Wo­chen­be­richts.
Fah­rer, die nicht am per­so­na­li­sier­ten Be­richts- und Prämi­en­sys­tem teil­neh­men, er­hal­ten gemäß § 4 Abs. 2 Satz 1 BV für die An­mel­dung an das RIBAS-Sys­tem ei­nen an­ony­mi­sier­ten Schlüssel. Gemäß § 4 Abs. 2 Satz 4 BV bleibt die Pflicht zur ge­ne­rel­len Teil­nah­me am RIBAS-Sys­tem im Sin­ne des § 4 Abs. 1 BV un­berührt.
Gemäß § 10 Satz 3 BV gilt Fol­gen­des:
Ar­beit­neh­mer er­hal­ten, be­vor sie zum ers­ten Mal ein mit dem RIBAS-Sys­tem aus­gerüste­tes Fahr­zeug führen, durch die zuständi­ge Führungs­kraft ei­ne Ein­wei­sung über die Funk­tio­na­litäten des RIBAS-Sys­tems. Wird bei den mo­nat­li­chen Aus­wer­tun­gen sei­tens des Ar­beit­neh­mers, des­sen Führungs­kraft oder im Rah­men der Fah­rer­wei­ter­bil­dung durch die Fahr­schu­le fest­ge­stellt, dass bei der An­wen­dung des RIBAS-Sys­tems noch Ver­bes­se­rungs­po­ten­ti­al vor­han­den ist, kann von bei­den Sei­ten ei­ne wei­te­re Schu­lung an­ge­regt und ver­ein­bart wer­den. Wird im Rah­men des mo­nat­li­chen Be­richts­we­sens fest­ge­stellt, dass im an­ony­mi­sier­ten Fah­rer­da­ten­be­stand in Ein­z­elfällen ei­ne er­heb­li­che Über­schrei­tung der in § 4 Abs. 1 auf­geführ­ten Grenz­wer­te in Be­zug auf die im je­wei­li­gen Be­trieb durch­schnitt­li­chen Über­schrei­tun­gen der Grenz­wer­te er­kenn­bar sind, hat der Ar­beit­ge­ber, in vor­he­ri­ger Ab­stim­mung mit dem Be­triebs­rat, das Recht die je­wei­li­gen Da­tensätze zu per­so­na­li­sie­ren, um ge­ge­be­nen­falls Schu­lungs­maßnah­men zu ver­an­las­sen.
Gemäß § 11 BV ist das Bun­des­da­ten­schutz­ge­setz ein­zu­hal­ten und stellt der Ar­beit­ge­ber si­cher, dass die­ses Ge­setz von al­len Führungs­kräften und Ar­beit­neh­mern so­wie ex­ter­nen Stel­len (z.B.: Kinz­le) ein­ge­hal­ten wird.
In ei­ner Sit­zung vom 22.07.2013 fan­den die Be­triebs­par­tei­en aus­weis­lich des Er­geb­nis­pro­to­kolls (Bl. 195 bis 196 d.A.) Übe­rein­stim­mung da­hin­ge­hend, dass ar­beits­recht­li­che Maßnah­men auf­grund der RIBAS-Aus­wer­tun­gen aus­ge­schlos­sen sind.
Der von der Be­klag­ten zu­vor zu ei­nem Ent­wurf der BV be­tei­lig­te Lan­des­be­auf­trag­ter für Da­ten­schutz und In­for­ma­ti­ons­frei­heit NRW führ­te mit Schrei­ben vom 17.03.2014 (Bl. 189 bis 192 d.A.) u.a. Fol­gen­des aus:
Die Teil­nah­me der Fahr­dienst­mit­ar­bei­ter am Be­wer­tungs- und Prämi­en­sys­tem und der da­mit ver­bun­den Aus­wer­tung und Nut­zung ih­rer Da­ten ist nach den vor­ste­hen­den Ausführun­gen für die Ziel­er­rei­chung der Kraft­stoff­re­du­zie­rung beim Be­trieb der Kraf­tom­ni­bus­se der C AG nicht zwin­gend er­for­der­lich. Ne­ben ei­ner frei­wil­li­gen Teil­nah­me der Fah­rer, die ei­ne per­so­nen­be­zo­ge­ne Da­ten­aus­wer­tung ermöglicht, kann auch ei­ne stich­pro­ben­ar­ti­ge Kon­trol­le zunächst im Hin­blick auf den an­ony­mi­sier­ten Fah­rer­da­ten­be­stand in Be­tracht kom­men. Wird in­so­fern im Ein­zel­fall ei­ne be­son­de­re oder an­hal­tend un­wirt­schaft­li­che Fahr­wei­se iden­ti­fi­ziert, kann in Ab­stim­mung mit dem Be­triebs­rat die Möglich­keit ei­ner Per­so­ni­fi­zie­rung des be­trof­fe­nen Fah­rers mit der Ziel­set­zung wei­te­rer Schu­lungs­maßnah­men er­wo­gen wer­den.
Es ist da­her zu emp­feh­len, dass die C AG die Be­triebs­ver­ein­ba­rung mit dem Be­triebs­rat ent­spre­chend mo­di­fi­ziert. Über das Er­geb­nis der Um­set­zung die­ser Emp­feh­lung bit­te ich mich zu un­ter­rich­ten.
Am 01.09.2014 trat die Be­triebs­ver­ein­ba­rung in ih­rer endgülti­gen Fas­sung in Kraft.
Mit Schrei­ben vom 05.11.2014 (Bl. 194 d.A.) teil­te der Lan­des­be­auf­trag­te für Da­ten­schutz und In­for­ma­ti­ons­frei­heit auf ein Schrei­ben der Be­klag­ten vom 15.10.2014 (Bl. 193 d.A.) mit, dass er es be­grüße, dass ent­spre­chend sei­ner Emp­feh­lung nach der Be­triebs­ver­ein­ba­rung nun­mehr die Möglich­keit der An­ony­mi­sie­rung der Fah­rer­da­ten be­ste­he.
Gemäß § 1 gilt die Be­triebs­ver­ein­ba­rung auch für den Kläger. Er er­teil­te kei­ne Zu­stim­mung zur Teil­nah­me am per­so­na­li­sier­ten Be­richts- und Prämi­en­sys­tem.
Ihm wur­de am 27.08.2012 der an­ony­mi­sier­te Schlüssel zur Nut­zung über­ge­ben. Er schick­te das ihm über­sand­te Emp­fangs­be­kennt­nis nicht zurück. Auf Ver­an­las­sung der Be­klag­ten fand am 14.10.2014 ein Gespräch statt, in dem er mit­teil­te, dass er in ei­nem Gespräch mit sei­nem Team­lei­ter den Ein­druck ge­won­nen ha­be, er könne wählen, ob er an dem Sys­tem teil­neh­men wol­le.
Am 30.10.2014 fand ein wei­te­res Gespräch statt, an dem ne­ben dem Kläger der Fach­be­reichs­lei­ter Per­so­nal und Bil­dung N und der Lei­ter des Om­ni­bus­be­triebs T teil­nah­men. Sie erläuter­ten ihm das RIBAS-Sys­tem und die Art und Wei­se, wie der Da­ten­schutz be­ach­tet wird. Sie wie­sen auf die Be­tei­li­gung des Lan­des­da­ten­schutz­be­auf­trag­ten hin und for­der­ten ihn auf, den RIBAS-Schlüssel ab so­fort zu nut­zen.
Nach ei­ner Schu­lung zum Um­gang mit dem RIBAS-Sys­tem hat­te der Kläger bis zum 14.12.2014 Ur­laub bzw. Frei­zeit­aus­gleich. Am 15.12. und 16.12.2014 nutz­te er den RIBAS-Schlüssel nicht.
Mit Schrei­ben vom 18.12.2014 (Bl. 4, 5 d.A.) mahn­te ihn die Be­klag­te ab und teil­te mit, dass sie zur Ver­mei­dung ar­beits­recht­li­cher Kon­se­quen­zen er­war­te, dass er sich vor je­der Fahrt im RIBAS-Sys­tem an­mel­de. Bei Überg­a­be der Ab­mah­nung wur­de ihm an­ge­bo­ten, noch ein­mal ei­ne Ein­wei­sung in das Sys­tem zu er­hal­ten. Er nahm das An­ge­bot nicht an.
An­sch­ließend war er bis zum 02.01.2015 ar­beits­unfähig krank.
In der Zeit vom 03.01. bis 09.01.2015 nutz­te er das Sys­tem an sechs Ar­beits­ta­gen. Ab dem 12.01.2015 ver­wen­de­te er den an­ony­men Schlüssel an elf Ar­beits­ta­gen nicht.
Am 30.01.2015 führ­te er ein Gespräch mit sei­nem Team­lei­ter T1, in dem er erklärte, er wol­le sich zu der An­ge­le­gen­heit nicht äußern und sie ge­richt­lich klären las­sen.
Mit Schrei­ben vom 05.02.2015 (Bl. 69 d.A.) er­teil­te die Be­klag­te ihm ei­ne wei­te­re Ab­mah­nung we­gen un­ter­las­se­ner An­mel­dung zum RIBAS-Sys­tem. Die Ab­mah­nung wur­de ihm am 12.02.2015 persönlich über­ge­ben und gleich­zei­tig erläutert, die Be­klag­te er­war­te von ihm die Ein­hal­tung des Ver­fah­rens un­abhängig von ei­ner ge­richt­li­chen Klärung sei­ner Auf­fas­sung, an die­sem Sys­tem nicht teil­neh­men zu müssen. Er wur­de auf die Gefähr­dung des Be­stan­des sei­nes Ar­beits­verhält­nis­ses hin­ge­wie­sen.
Am 19., 20. und 21.02.2015 un­ter­ließ er es er­neut, den RIBAS-Schlüssel ein­zu­set­zen.
Mit Schrei­ben vom 26.02.2015 (Bl. 70 d.A.) er­teil­te ihm die Be­klag­te ei­ne drit­te Ab­mah­nung. Mit Schrei­ben vom glei­chen Tag for­der­te sie ihn noch ein­mal ein­dring­lich auf, sich vor je­dem Dienst­an­tritt im RIBAS-Sys­tem an­zu­mel­den. Die Schrei­ben gin­gen dem Kläger am 04.03.2015 zu.
Am 05.03. und 06.03.2015 ver­rich­te­te er sei­nen Dienst, oh­ne sich in dem Sys­tem an­zu­mel­den.
Mit Schrei­ben vom 10.03.2015 (Bl. 77 bis 81 d.A.) hörte die Be­klag­te den Be­triebs­rat zu ih­rer Ab­sicht an, das zu dem Kläger be­ste­hen­de Ar­beits­verhält­nis ver­hal­tens­be­dingt außer­or­dent­lich, hilfs­wei­se außer­or­dent­lich mit ei­ner so­zia­len Aus­lauf­frist von sechs Mo­na­ten zum Schluss ei­nes Ka­len­der­vier­tel­jah­res, mit­hin zum 30.09.2015 zu kündi­gen. Am 11.03.2015 (Bl. 82 d.A.) er­teil­te der Be­triebs­rat sei­ne Zu­stim­mung so­wohl zu der be­ab­sich­tig­ten außer­or­dent­li­chen, ver­hal­tens­be­ding­ten Kündi­gung so­wie zu der be­ab­sich­tig­ten außer­or­dent­li­chen, ver­hal­tens­be­ding­ten Kündi­gung mit ei­ner so­zia­len Aus­lauf­frist zum 30.09.2015.
Mit Schrei­ben vom 12.03.2015 (Bl. 28 d.A.) kündig­te die Be­klag­te das Ar­beits­verhält­nis außer­or­dent­lich zum 13.03.2015 und hilfs­wei­se außer­or­dent­lich mit ei­ner so­zia­len Aus­lauf­frist von sechs Mo­na­ten zum 30.09.2015. Das Kündi­gungs­schrei­ben ging dem Kläger am 12.03.2015 zu.
Mit sei­ner am 06.01.2015 bei dem Ar­beits­ge­richt Bo­chum ein­ge­gan­ge­nen Kla­ge be­gehrt er die Ver­pflich­tung der Be­klag­ten zur Ent­fer­nung der Ab­mah­nung vom 18.12.2014 aus sei­ner Per­so­nal­ak­te.
Mit Kla­ge­er­wei­te­rung vom 22.02.2015, am 02.03.2015 bei dem erst­in­stanz­li­chen Ge­richt ein­ge­gan­gen, ver­folgt er ei­nen An­spruch auf Ent­fer­nung der Ab­mah­nung vom 05.02.2015 aus der Per­so­nal­ak­te.
Mit Kla­ge­er­wei­te­rung vom 09.03.2015, bei dem Ar­beits­ge­richt Bo­chum am 11.03.2015 ein­ge­gan­gen, wen­det er sich ge­gen die Ab­mah­nung vom 26.02.2015.
Mit Kla­ge­er­wei­te­rung vom 12.03.2015, am sel­ben Tag bei dem erst­in­stanz­li­chen Ge­richt ein­ge­gan­gen, be­gehrt er die Fest­stel­lung, dass das Ar­beits­verhält­nis der Par­tei­en durch die Kündi­gung der Be­klag­ten vom 12.03.2015 nicht auf­gelöst wird.
Ei­ne Pflicht zur Teil­nah­me an dem RIBAS-Sys­tem durch Nut­zung des an­ony­mi­sier­ten Schlüssels be­ste­he nicht. Die Be­triebs­ver­ein­ba­rung sei un­wirk­sam. Ent­spre­chend sei er zu Un­recht ab­ge­mahnt wor­den.
Nach dem Bun­des­da­ten­schutz­ge­setz bedürfe die Er­he­bung per­so­nen­be­zo­ge­ner Da­ten sei­ner Ein­wil­li­gung. Er ha­be die­se Ein­wil­li­gung nicht er­teilt.
Zwar sei das Be­geh­ren der Be­klag­ten, En­er­gie­kos­ten zu spa­ren, le­gi­tim. Die Er­he­bung von Da­ten in die­sem Zu­sam­men­hang sei je­doch nicht zwin­gend er­for­der­lich. Die Da­ten könn­ten durch­aus Er­kennt­nis­se im Hin­blick auf die Ur­sa­chen des En­er­gie­ver­brauchs lie­fern. Mit der Da­ten­er­he­bung sei je­doch auch ei­ne persönli­che Kon­trol­le des ein­zel­nen Fah­rers ver­bun­den, der ei­nen erhöhten En­er­gie­ver­brauch z.B. durch be­stimm­te Ver­kehrs­er­eig­nis­se nicht erläutern könne. Auch bei den an­ony­mi­sier­ten Fah­rern könn­ten die Da­ten durch Hin­zu­zie­hung des Dienst­pla­nes per­so­na­li­siert wer­den. So könne ein Ver­hal­tens­pro­fil er­stellt wer­den.
Der zen­tra­le Ser­ver, auf dem die Da­ten ge­spei­chert würden, be­fin­de sich bei der Fir­ma MiX Te­le­ma­tix in Lon­don. Der Da­ten­schutz­be­auf­trag­te ha­be dort kei­nen Zu­griff.
Ihm sei un­be­kannt, wie vie­le Mit­ar­bei­ter bei der Be­klag­ten Zu­griff zu den Da­ten hätten. Im Übri­gen sei es un­er­heb­lich, wel­che Mit­ar­bei­ter die Da­ten ein­se­hen könn­ten. Es rei­che schon aus, dass die Be­klag­te in der La­ge sei, durch ih­re Be­auf­trag­ten die Per­so­na­li­sie­rung trotz sei­ner feh­len­den Ein­wil­li­gung vor­zu­neh­men.
Er ha­be dem Be­triebs­rat nicht das Man­dat er­teilt, über sein in­for­ma­tio­nel­les Selbst­be­stim­mungs­recht zu verfügen. Die Be­triebs­ver­ein­ba­rung grei­fe in sein Persönlich­keits­recht ein.
In den Gesprächen mit der Be­klag­ten ha­be er dar­auf hin­ge­wie­sen, er wol­le ge­richt­lich über­prüfen las­sen, ob er zum Ein­satz des an­ony­mi­sier­ten Schlüssels ver­pflich­tet sei. Nach ge­richt­li­cher Ent­schei­dung zu­guns­ten der Be­klag­ten hätte er ih­rer Wei­sung Fol­ge ge­leis­tet.
Die Er­he­bung sei­ner Da­ten sei auch nicht er­for­der­lich ge­we­sen, um die Da­ten ei­nes vor­her­ge­hen­den oder nach­fol­gen­den Fah­rers verläss­lich zu­ord­nen zu können. Anläss­lich ei­ner Schu­lung im Ja­nu­ar 2014 ha­be ein Re­fe­rent dar­auf hin­ge­wie­sen, dass durch das Ein- und Aus­schal­ten der Zündung die Da­ten ei­nem ge­steck­ten Da­ten­schlüssel zu­ge­ord­net und nur die­je­ni­gen Da­ten ge­mes­sen würden, die nach dem Ein­schal­ten der Zündung er­ho­ben wor­den sei­en.
Die Be­klag­te ha­be die Kündi­gungs­erklärungs­frist nicht ge­wahrt. Selbst wenn er sich zu Un­recht ge­wei­gert hätte, den RIBAS-Schlüssel zu betäti­gen, so ha­be die Kündi­gungs­erklärungs­frist mit sei­ner Erklärung be­gon­nen, er be­die­ne den Schlüssel bis zu ei­ner ge­richt­li­chen Klärung nicht.
Das Fest­hal­ten an sei­nem Ar­beits­verhält­nis sei der Be­klag­te zu­zu­mu­ten. Durch sei­ne feh­len­de Mit­wir­kung an der Da­ten­er­fas­sung ha­be sie kei­ne er­heb­li­chen Nach­tei­le er­lit­ten. Es wer­de auch be­strit­ten, dass ein nach­fol­gen­der Fah­rer Nach­tei­le er­lit­ten ha­be.
Das Sys­tem könne auch oh­ne ihn be­ste­hen, da die Be­klag­te nach ei­ge­nen An­ga­ben seit Einführung be­reits 365.000 Li­ter Die­sel­kraft­stoff ein­ge­spart ha­be.
Im Übri­gen ha­be er nicht schuld­haft ge­han­delt, son­dern ha­be sich in ei­nem durch­aus gut be­gründe­ten und ver­tret­ba­ren Ver­bots­irr­tum be­fun­den.
1. die Be­klag­te zu ver­ur­tei­len, die Ab­mah­nun­gen vom 18.12.2014, 05.02.2015 und 26.02.2015 aus der Per­so­nal­ak­te zu ent­fer­nen,
2. fest­zu­stel­len, dass das Ar­beits­verhält­nis zwi­schen den Par­tei­en nicht durch die Kündi­gung vom 12.03.2015 auf­gelöst wor­den ist.
Sie hat die aus­ge­spro­che­ne Kündi­gung und die Ab­mah­nun­gen als wirk­sam ver­tei­digt aus­geführt:
Es hätten sich we­ni­ger als 10 % der bei ihr beschäftig­ten Fah­rer ge­gen ei­ne Teil­nah­me an dem Prämi­en­sys­tem ent­schie­den.
Auch die­se Ar­beit­neh­mer sei­en ver­pflich­tet, ei­nen an­ony­mi­sier­ten Schlüssel zu be­nut­zen. Wer­de die­ser nicht ein­ge­setzt, wer­de die Aus­wer­tung aus tech­ni­schen Gründen au­to­ma­tisch dem nach­fol­gen­den Fah­rer zu­ge­rech­net. Das Sys­tem benöti­ge für die Mes­sung und Zu­rech­nung der Da­ten zu ei­nem Fah­rer ei­nen Start- und End­punkt. Die Er­geb­nis­se des nach­fol­gen­den Fah­rers sei­en zwin­gend falsch, wenn nicht nur sei­ne ei­ge­ne Fahr­leis­tung er­fasst wer­de. Die Fir­ma TL ha­be das RIBAS-Sys­tem be­reits in an­de­ren Un­ter­neh­men er­folg­reich ein­ge­setzt.
Die Da­ten des Klägers würden grundsätz­lich an­ony­mi­siert. Nur aus­nahms­wei­se würden die Da­tensätze in Ab­stim­mung mit dem Be­triebs­rat per­so­na­li­siert, wenn er­heb­li­che Über­schrei­tun­gen der Grenz­wer­te im Ver­gleich zu den durch­schnitt­li­chen Er­geb­nis­sen er­kenn­bar sei­en. Es wer­de dann le­dig­lich ge­prüft, ob Schu­lungs­maßnah­men zu ver­an­las­sen sei­en.
Es er­fol­ge auch kei­ne mi­nu­ten­ge­naue Aus­wer­tung der Fahr­si­tua­tio­nen. Es würden le­dig­lich Durch­schnitts­wer­te wie­der­ge­ge­ben, wie sich aus dem Be­wer­tungs­be­richt für die Zeit vom 05.04.2015 bis zum 11.04.2015 (Bl. 68 d.A.) er­ge­be.
Die Er­fah­run­gen mit dem Sys­tem aus den ers­ten Mo­na­ten zeig­ten, dass in er­heb­li­chen Maße Die­sel­kraft­stoff ein­ge­spart wor­den, dass die Kun­den­zu­frie­den­heit auf­grund der vor­aus­schau­en­den Fahr­wei­se ge­stie­gen sei und so­gar Fahrpläne bes­ser ein­ge­hal­ten würden. Nach Einschätzung der Fah­rer und Führungs­kräfte sei die Ver­kehrs­si­cher­heit ge­stie­gen.
Der Kläger ha­be be­harr­lich ge­gen sei­ne Ver­pflich­tung ver­s­toßen und hätte sich bis zu ei­ner ge­richt­li­chen Ent­schei­dung mit dem an­ony­mi­sier­ten Schlüssel in dem Sys­tem an­mel­den müssen.
Ei­ne Wei­ter­beschäfti­gung sei ihr un­zu­mut­bar. Der Kläger sei ge­warnt ge­we­sen und ha­be die Kon­se­quen­zen sei­ner Wei­ge­rung in Kauf ge­nom­men.
Mit Ur­teil vom 27.05.2015 hat das Ar­beits­ge­richt Bo­chum die Be­klag­te ver­ur­teilt, die Ab­mah­nun­gen vom 18.12.2014, 05.02.2015 und 26.02.2015 aus der Per­so­nal­ak­te zu ent­fer­nen, und hat fest­ge­stellt, dass das Ar­beits­verhält­nis zwi­schen den Par­tei­en nicht durch die Kündi­gung vom 12.03.2015 auf­gelöst wor­den ist.
Die Ab­mah­nun­gen sei­en aus der Per­so­nal­ak­te des Klägers zu ent­fer­nen, da sie auf ei­ner un­zu­tref­fen­den recht­li­chen Be­wer­tung sei­nes Ver­hal­tens be­ruh­ten. Er ha­be kei­ne Ver­pflich­tung aus dem Ar­beits­verhält­nis ver­letzt.
Er ha­be sich nicht bei Fahrt­be­ginn durch Nut­zung des an­ony­mi­sier­ten Schlüssels an­mel­den müssen.
Die Be­triebs­par­tei­en hätten mit Ab­schluss der Be­triebs­ver­ein­ba­rung die ih­nen nach § 75 Abs. 2 Satz 1 Be­trVG ob­lie­gen­de Pflicht ver­letzt, die freie Ent­fal­tung der Persönlich­keit der im Be­trieb beschäftig­ten Ar­beit­neh­mer zu schützen und zu fördern.
Die Re­ge­lung in der Be­triebs­ver­ein­ba­rung, auch die­je­ni­gen Fah­rer, die nicht am Prämi­en­sys­tem teilnähmen, fort­lau­fend zu über­wa­chen, sei nicht er­for­der­lich.
Die Be­klag­te könne die un­ter § 2 BV ge­nann­ten Zie­le auch er­rei­chen, wenn sie die Fah­rer, die sich ge­gen die Teil­nah­me an dem Prämi­en­sys­tem ent­schie­den hätten, nicht über­wa­che. Sie hätte als mil­de­res Mit­tel dafür Sor­ge tra­gen müssen, dass Auf­zeich­nun­gen der Fahr­da­ten nur in den Zeiträum­en er­folg­ten, in de­nen am Prämi­en­sys­tem teil­neh­men­de Fah­rer ih­re Schlüssel nutz­ten. Sie hätte ein Sys­tem ein­set­zen müssen, dass die Da­ten nicht fort­lau­fend er­fas­se.
So­weit sie dar­auf ver­wei­se, „auffälli­ge Fah­rer“ könn­ten durch die Über­wa­chung ei­ner Schu­lung zu­geführt wer­den, hätte es ein mil­de­res Mit­tel dar­ge­stellt, re­gelmäßig oh­ne ent­spre­chen­de Leis­tungs­kon­trol­le vor­beu­gen­de Schu­lun­gen bei sämt­li­chen Mit­ar­bei­tern durch­zuführen. Ei­ne Dau­erüber­wa­chung der Mit­ar­bei­ter sei ent­behr­lich.
Es sei auch nicht er­for­der­lich, dass die Da­ten oh­ne zeit­li­che Be­gren­zung ge­spei­chert würden.
Ins­ge­samt sei der Ein­griff in das Grund­recht des Klägers un­verhält­nismäßig.
Aus die­sem Grun­de sei­en auch die Ab­mah­nun­gen aus der Per­so­nal­ak­te zu ent­fer­nen.
Darüber hin­aus ent­hiel­ten die Ab­mah­nun­gen vom 05.02.2015 und 26.02.2015 un­rich­ti­ge Tat­sa­chen­be­haup­tun­gen. Die Be­klag­te ha­be dar­auf hin­ge­wie­sen, dass die Da­ten auf ei­nem an­ony­men Ac­count ab­ge­spei­chert würden und nicht zu­zu­ord­nen sei­en. Wie sich aus § 10 BV er­ge­be, sei die­ser Hin­weis un­zu­tref­fend.
Wei­ter­hin ha­be die be­weis­be­las­te­te Be­klag­te nicht un­ter Be­weis ge­stellt, dass ih­re Be­haup­tung in den Ab­mah­nun­gen, die Vor­ge­hens­wei­se sei mit dem Lan­des­da­ten­schutz­be­auf­trag­ten ab­ge­spro­chen, zu­tref­fend sei.
Die Kündi­gung vom 12.03.2015 sei so­zi­al un­ge­recht­fer­tigt, da die Be­klag­te ei­nen Kündi­gungs­grund im Sin­ne des § 1 KSchG nicht dar­ge­legt ha­be.
We­gen der wei­te­ren Ein­zel­hei­ten des erst­in­stanz­li­chen Ur­teils wird auf Blatt 106 bis 114 der Ak­te ver­wie­sen.
Ge­gen das ihr am 08.06.2015 zu­ge­stell­te Ur­teil hat die Be­klag­te am 10.06.2015 bei dem Lan­des­ar­beits­ge­richt ein­ge­hend Be­ru­fung ein­ge­legt und die­se am 07.08.2015 ein­ge­hend be­gründet.
Es sei er­neut dar­auf hin­zu­wei­sen, dass die ei­nem Fah­rer­schlüssel zu­ge­ord­ne­ten Da­ten und das Dienst­plan­pro­gramm tech­nisch und or­ga­ni­sa­to­risch ge­trennt sei­en. Nur un­ter Ein­schal­tung der Per­so­nal­ab­tei­lung und mit Zu­stim­mung des Be­triebs­ra­tes sei die Per­so­na­li­sie­rung der Da­ten zulässig.
Die­se würden kon­ti­nu­ier­lich auf­ge­zeich­net und an ei­nen Ser­ver der Fir­ma L1 in ei­nem Re­chen­zen­trum in Lon­don über­mit­telt und dort ge­spei­chert. Sie ha­be mit der Fir­ma L1 ei­ne Ver­ein­ba­rung über die Auf­trags­da­ten­ver­ar­bei­tung ge­schlos­sen, die den Vor­ga­ben des § 11 Bun­des­da­ten­schutz­ge­setz ent­spre­che. Auch in Großbri­tan­ni­en gel­te eu­ro­pa­recht­li­ches Da­ten­schutz­recht. Das Re­chen­zen­trum sei zer­ti­fi­ziert.
Die ge­spei­cher­ten Da­ten würden 12 Mo­na­te nach der Auf­zeich­nung ge­sperrt. Die­se Spei­cher­dau­er sei not­wen­dig, um Nach­fra­gen im Zu­sam­men­hang mit der Prämi­en­ver­ga­be be­ant­wor­ten zu können. Sei­en die Da­ten ge­sperrt, ha­be sie kei­nen Zu­griff mehr. Aus recht­li­chen Gründen würden sie bis zu wei­te­ren neun Jah­ren auf ei­nem ex­ter­nen Da­ten­me­di­um ge­spei­chert.
Nach An­ga­ben des Her­stel­lers sei es tech­nisch nicht möglich, die er­ho­be­nen Da­ten auf dem Ser­ver bzw. dem Spei­cher zu sor­tie­ren und nur die Da­ten von am Prämi­en­sys­tem teil­neh­men­den Mit­ar­bei­tern zu spei­chern. Ent­spre­chend sei auch kei­ne ge­trenn­te Auf­zeich­nung möglich.
Zwar sei es möglich, durch Un­ter­bre­chung des Zünd­kon­tak­tes die Da­ten­zu­schrei­bung auf den nach­fol­gen­den Fah­rer zu ver­hin­dern. Al­ler­dings be­an­spru­che die­ser Vor­gang et­wa zwei Mi­nu­ten und führe zu erhöhten Emis­sio­nen.
Die Be­triebs­ver­ein­ba­rung stel­le ei­ne ergänzen­de Ver­ein­ba­rung im Sin­ne von § 6 der Rah­men­be­triebs­ver­ein­ba­rung über die Einführung von EDV-Sys­te­men und be­reits be­ste­hen­den EDV-Sys­te­men vom 01.10.1996 dar.
Der Kläger ha­be kei­ne ar­beits­recht­li­chen Sank­tio­nen im Fal­le ungüns­ti­ger Da­ten zu be­sor­gen, da die Be­triebs­par­tei­en fest­ge­hal­ten hätten, dass ar­beits­recht­li­che Sank­tio­nen in­fol­ge der er­ho­be­nen Da­ten nicht zulässig sei­en.
Ein Ab­gleich zwi­schen den Dienst­plänen und den er­ho­be­nen Da­ten sei nicht all­ge­mein möglich. Die Dienst­pläne der Fah­rer würden nicht all­ge­mein veröffent­licht.
Ent­ge­gen der Auf­fas­sung des erst­in­stanz­li­chen Ge­rich­tes sei­en theo­re­ti­sche Schu­lun­gen und ein Fahr­trai­ning nicht so wirk­sam wie die Teil­nah­me am RIBAS-Sys­tem, das so­fort in der Si­tua­ti­on ein Feed­back ge­be. Das zei­ge sich auch dar­in, dass sie zwar seit vie­len Jah­ren re­gelmäßig al­le Fah­rer schu­le, nach Einführung des RIBAS-Sys­tems den­noch deut­li­che Ver­bes­se­run­gen fest­zu­stel­len sei­en.
Die Zie­le der Be­triebs­ver­ein­ba­rung sei­en auch nur er­reich­bar, wenn al­le Mit­ar­bei­ter die Möglich­keit zur Ver­bes­se­rung ih­rer Fahr­wei­se nutz­ten. Durch op­ti­sche und akus­ti­sche Si­gna­le wer­de der Fah­rer auf­merk­sam ge­macht und ver­an­lasst, sei­ne Fahr­wei­se zu op­ti­mie­ren. Die Wirk­sam­keit der Maßnah­me wäre be­ein­träch­tigt, nähmen nur Ar­beit­neh­mer teil., die aus­drück­lich in die per­so­na­li­sier­te Da­ten­er­he­bung ein­ge­wil­ligt hätten.
Die Ein­griff­s­in­ten­sität sei ge­rin­ger als bei ei­ner Vi­deoüber­wa­chung. Es würden nur Ma­schi­nen­da­ten er­ho­ben. Persönlich­keits­re­le­van­te Merk­ma­le wie Ver­hal­ten ge­genüber Kun­den und an­de­ren Ver­kehrs­teil­neh­mern, Pünkt­lich­keit, Gesprächs­ver­hal­ten während der Fahrt blie­ben außen vor. Es sei nicht möglich, ein Persönlich­keits­pro­fil zu er­stel­len.
Die Be­las­tung der ein­zel­nen Fah­rer sei ge­ring, da das Sys­tem im We­sent­li­chen zur Selbst­kon­trol­le an­hal­te. Die Fremd­kon­trol­le grei­fe nur aus­nahms­wei­se ein. Un­ter gewöhn­li­chen Umständen würden die an­onym er­ho­be­nen Da­ten nicht per­so­na­li­siert.
Ent­spre­chend ha­be der Lan­des­da­ten­schutz­be­auf­trag­te die Be­triebs­ver­ein­ba­rung für wirk­sam an­ge­se­hen.
Auch die er­teil­ten Ab­mah­nun­gen sei­en wirk­sam. Die Ab­mah­nun­gen vom 05.02.2015 und 26.02.2015 ent­hiel­ten kei­ne un­zu­tref­fen­den An­ga­ben zum Sach­ver­halt.
Die Kündi­gung sei als außer­or­dent­li­che, frist­lo­se Kündi­gung wirk­sam, da es der Kläger be­harr­lich ab­ge­lehnt ha­be, den Schlüssel zu be­nut­zen, statt die An­ge­le­gen­heit zunächst recht­lich klären zu las­sen. Die Kündi­gung sei zu­min­dest als außer­or­dent­li­che Kündi­gung mit so­zia­ler Aus­lauf­frist ge­recht­fer­tigt.
das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts Bo­chum vom 27.05.2015
– Az: 5 Ca 24/15 – auf­zu­he­ben und die Kla­ge ab­zu­wei­sen.
Er ver­tei­digt das erst­in­stanz­li­che Ur­teil als zu­tref­fend und führt ergänzend aus:
Es könne da­hin­ste­hen, ob das Dienst­plan­pro­gramm und das RIBAS-Sys­tem tech­nisch ge­trennt ge­fah­ren würden. Die Mit­ar­bei­ter der Be­klag­ten, die Zu­griff auf bei­de Sys­te­me hätten, könn­ten ei­ne Zu­ord­nung vor­neh­men. Das er­ge­be sich aus dem ei­ge­nen Vor­trag der Be­klag­ten.
Er be­strei­te, dass die er­for­der­li­che Da­ten­si­cher­heit im Re­chen­zen­trum in Lon­don ge­ge­ben sei und nach 12 Mo­na­ten die Da­ten gelöscht würden.
Es müsse tech­nisch möglich sein, die er­ho­be­nen Da­ten der an­ony­mi­sier­ten Fah­rer und der Teil­neh­mer an dem Prämi­en­sys­tem ge­trennt zu spei­chern und un­ter­schied­lich zu be­han­deln. Sei dies nicht möglich, dürfe die Be­klag­te das Sys­tem nicht ver­wen­den.
Für die Ent­schei­dung sei un­maßgeb­lich, ob er kon­kre­ten An­lass ha­be zu befürch­ten, sie wer­de die Re­geln zur Per­so­na­li­sie­rung sei­ner Da­ten nicht ein­hal­ten. Maßgeb­lich sei, dass sie in der La­ge sei, die Per­so­na­li­sie­rung vor­zu­neh­men.
Die Betäti­gung des RIBAS-Schlüssels durch die Mit­ar­bei­ter, die nicht am Prämi­en­sys­tem teilnähmen, sei nicht er­for­der­lich. Der Da­ten­fluss könne, wie die Be­klag­te ein­geräumt ha­be, durch Un­ter­bre­chung des Zünd­kon­tak­tes be­en­det wer­den.
Die Schu­lung der Mit­ar­bei­ter, die nicht an dem Prämi­en­ver­fah­ren teilnähmen, sei zu Recht von dem erst­in­stanz­li­chen Ge­richt als mil­de­re Maßnah­me be­ur­teilt wor­den.
Die Ab­mah­nun­gen vom 05.02. und 26.02.2015 sei­en ent­ge­gen der Auf­fas­sung der Be­klag­ten auch des­halb rechts­wirk­sam, weil sie zu Un­recht aus­geführt ha­be, sei­ne Da­ten sei­en nicht zu­zu­ord­nen, und zu Un­recht dar­auf ver­wie­sen ha­be, der Lan­des­da­ten­schutz­be­auf­trag­te sei be­tei­ligt wor­den. Das ha­be sie je­den­falls in der ers­ten In­stanz nicht schlüssig vor­ge­tra­gen.
We­gen der wei­te­ren Ein­zel­hei­ten des Vor­brin­gens der Par­tei­en wird auf die ge­wech­sel­ten Schriftsätze nebst An­la­gen so­wie auf die Sit­zungs­pro­to­kol­le Be­zug ge­nom­men.
Die gemäß §§ 8 Abs. 2, 64 Abs. 1, 64 Abs. 2 b, c, 66 Abs. 1, 64 Abs. 6 ArbGG, 519, 520 ZPO an sich statt­haf­te und form- so­wie frist­ge­recht ein­ge­leg­te Be­ru­fung der Be­klag­ten ge­gen das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts Bo­chum ist im We­sent­li­chen be­gründet.
Die zulässi­ge Kündi­gungs­schutz­kla­ge ist teil­wei­se be­gründet. Das zwi­schen den Par­tei­en be­ste­hen­de Ar­beits­verhält­nis hat durch die außer­or­dent­li­che Kündi­gung der Be­klag­ten vom 12.03.2015 mit so­zia­ler Aus­lauf­frist am 30.09.2015 ge­en­det.
1. Die Kündi­gung ist nicht gemäß § 102 Abs. 1 Satz 3 Be­trVG un­wirk­sam.
a. Die Be­klag­te hat schlüssig dar­ge­legt, den bei ihr be­ste­hen­den Be­triebs­rat mit Schrei­ben vom 10.03.2015 von ih­rer Ab­sicht un­ter­rich­tet zu ha­ben, das zu dem Kläger be­ste­hen­de Ar­beits­verhält­nis frist­los, hilfs­wei­se außer­or­dent­lich mit so­zia­ler Aus­lauf­frist zum 30.09.2015 kündi­gen zu wol­len. Sie hat ihn zu­tref­fend über die So­zi­al­da­ten des Klägers (Al­ter, Beschäfti­gungs­zeit, Un­ter­halts­pflich­ten) in­for­miert. Durch Hin­weis auf die Beschäfti­gungs­dau­er und Kenn­zeich­nung der hilfs­wei­se aus­zu­spre­chen­den Kündi­gung als außer­or­dent­li­che Kündi­gung mit so­zia­ler Aus­lauf­frist hat sie klar­ge­stellt, dass der Kläger nicht or­dent­lich künd­bar ist. Die Kündi­gungs­gründe hat sie im Ein­zel­nen un­ter Dar­stel­lung der er­teil­ten Ab­mah­nun­gen be­schrie­ben und ih­re In­ter­es­sen­abwägung de­tail­liert be­gründet.
b. Das Anhörungs­ver­fah­ren war mit der Zu­stim­mung des Be­triebs­rats vom 11.03.2015 so­wohl zu der frist­lo­sen Kündi­gung als auch zu der außer­or­dent­li­chen Kündi­gung mit so­zia­ler Aus­lauf­frist vor Kündi­gungs­aus­spruch am 12.03.2015 be­en­det.
Der Kläger hat den Vor­trag nicht be­strit­ten.
2. Die Be­klag­te hat die zweiwöchi­ge Kündi­gungs­erklärungs­frist nach § 626 Abs. 2 BGB ge­wahrt.
Wie sich aus der Be­triebs­rats­anhörung er­gibt, hat sie ih­ren Kündi­gungs­ent­schluss nicht – wie vom Kläger an­ge­nom­men – auf sei­ne Wei­ge­rung am 30.01.2015 gestützt, sich mit ei­nem Schlüssel zu dem RIBAS-Sys­tem an­zu­mel­den. Sie hat auf den Nicht­ge­brauch des Schlüssels am 05.03.2015 und 06.03.2015 ab­ge­stellt.
Bei Be­ginn der Kündi­gungs­erklärungs­frist am 06.03.2015 en­de­te sie am 20.03.2015. Die Kündi­gungs­erklärung ging dem Kläger am 12.03.2015 zu.
3. Die außer­or­dent­li­che frist­lo­se Kündi­gung ist je­doch nicht im Sin­ne des § 626 Abs. 1 BGB durch Tat­sa­chen ge­recht­fer­tigt, auf­grund de­rer es der Be­klag­ten un­ter Berück­sich­ti­gung der Umstände des Ein­zel­fall und un­ter Abwägung der In­ter­es­sen bei­der Ver­trags­tei­le un­zu­mut­bar war, das Ar­beits­verhält­nis we­nigs­tens für die Dau­er der so­zia­len Aus­lauf­frist von sechs Mo­na­ten zum Quar­tals­en­de ent­spre­chend der längs­ten Kündi­gungs­frist nach § 20 Abs. 4 TV-N NRW fort­zuführen.
Die Wirk­sam­keit der außer­or­dent­li­chen Kündi­gung ist in zwei Stu­fen zu prüfen. Zunächst müssen Tat­sa­chen vor­lie­gen, die an sich ge­eig­net sind, ei­nen wich­ti­gen Grund zu bil­den. Im zwei­ten Schritt ist fest­zu­stel­len, ob un­ter Abwägung der Umstände des Ein­zel­falls ei­ne wei­te­re Beschäfti­gung zu­mut­bar ist (BAG 10.06.2010 – 2 AZR 541/09 - Rd­nr. 16, BA­GE 134, 349).
a. Ein an sich zur frist­lo­sen Kündi­gung be­rech­ti­gen­der wich­ti­ger Grund ist ge­ge­ben, da sich der Kläger be­harr­lich ge­wei­gert hat, sei­ner Ver­pflich­tung aus § 4 Abs. 2 BV nach­zu­kom­men, sich trotz Ab­leh­nung der Teil­nah­me an dem Prämi­en­sys­tem mit ei­nem an­ony­mi­sier­ten Schlüssel an­zu­mel­den.
aa. Nach § 4 Abs. 2 Satz 2 BV er­hal­ten Fah­rer, die nicht an dem per­so­na­li­sier­ten Be­richts- und Prämi­en­sys­tem teil­neh­men, für die An­mel­dung an das RIBAS-Sys­tem ei­nen an­ony­mi­sier­ten Schlüssel. Gemäß § 4 Abs. 2 Satz 4 BV bleibt die Pflicht zur ge­ne­rel­len Teil­nah­me an die­sem Sys­tem be­ste­hen, auch wenn der Fah­rer sei­ne Zu­stim­mung zur Da­ten­er­he­bung im per­so­na­li­sier­ten Sys­tem nicht er­teilt.
Der Kläger hat die­se Ver­pflich­tung am 05.03.2015 und 06.03.2015 nicht erfüllt.
bb. Die sich aus der Be­triebs­ver­ein­ba­rung er­ge­ben­de Pflicht ist mit höher­ran­gi­gem Recht ver­ein­bart.
(1) Gemäß § 32 Abs. 1 Satz 1 Bun­des­da­ten­schutz­ge­setz dürfen per­so­nen­be­zo­ge­ne Da­ten ei­nes Beschäftig­ten für Zwe­cke des Beschäfti­gungs­verhält­nis­ses er­ho­ben, ver­ar­bei­tet oder ge­nutzt wer­den, wenn dies für die Durchführung des Ar­beits­verhält­nis­ses er­for­der­lich ist.
(a) Die Be­klag­te er­hebt, ver­ar­bei­tet und nutzt au­to­ma­ti­siert die er­ho­be­nen Da­ten im Sin­ne des § 3 Abs. 3, 4, 5 Bun­des­da­ten­schutz­ge­setz, in­dem sie die nach § 3 BV er­mit­tel­ten Durch­schnitts­wer­te nach § 6 Abs. 2 BV der Be­rech­nung der Mo­nats­prämie zu­grun­de legt und in Ein­z­elfällen bei er­heb­li­chen Über­schrei­tun­gen der Wer­te in Be­zug auf die im je­wei­li­gen Be­trieb durch­schnitt­li­chen Über­schrei­tun­gen der Grenz­wer­te nach Ab­stim­mung mit dem Be­triebs­rat die an­onym er­ho­be­nen Da­ten per­so­na­li­siert, um ge­ge­be­nen­falls Schu­lungs­maßnah­me zu ver­an­las­sen, § 10 Satz 3 BV.
(b) Es han­delt sich um persönli­che Da­ten im Sin­ne des § 3 Abs. 1 Bun­des­da­ten­schutz­ge­setz, nämlich um Ein­zel­an­ga­ben über persönli­che und sach­li­che Verhält­nis­se ei­ner be­stimm­ba­ren Per­son.
Die Da­ten be­zie­hen sich auf das Fahr­ver­hal­ten des Fah­rers, da­mit auf sei­ne Leis­tung, die Art und Wei­se der Erfüllung sei­ner Haupt­pflicht aus dem Ar­beits­ver­trag.
Der Kläger ist als be­trof­fe­ne Per­son auch be­stimm­bar. Der Be­trof­fe­ne ist be­stimm­bar, wenn er mit­hil­fe wei­te­rer verfügba­rer Er­kennt­nis­se iden­ti­fi­ziert wer­den kann, und zwar mit an­ge­mes­se­nem Auf­wand an Zeit, Kos­ten und Ar­beits­kraft, wie aus § 3 Abs. 6 Bun­des­da­ten­schutz­ge­setz folgt (Erbs/Kohl­haas, Straf­recht­li­che Ne­ben­ge­set­ze, Stand 2015, § 3 BDSG Rd­nr. 3).
Zwi­schen den Par­tei­en be­steht kein Streit darüber, dass der An­ony­mi­sie­rungs­schutz oh­ne großen Auf­wand durch Hin­zu­zie­hung der Dienst­pläne auf­ge­ho­ben wer­den kann.
(2) Gemäß § 4 Abs. 1 Bun­des­da­ten­schutz­ge­setz ist die Er­he­bung, Ver­ar­bei­tung und Nut­zung per­so­nen­be­zo­ge­ner Da­ten zulässig, wenn das Bun­des­da­ten­schutz­ge­setz oder ei­ne an­de­re Rechts­vor­schrift dies er­laubt oder an­ord­net oder der Be­trof­fe­ne ein­ge­wil­ligt hat.
Der Kläger hat sei­ne Ein­wil­li­gung nicht er­teilt. Ei­ne Er­laub­nis folgt je­doch aus der Be­triebs­ver­ein­ba­rung.
(a) Als Rechts­vor­schrift im Sin­ne des § 4 Abs. 1 Bun­des­da­ten­schutz­ge­setz ist auch ei­ne Be­triebs­ver­ein­ba­rung an­zu­se­hen (BAG 15.04.2014 – 1 ABR 2/13 (B) - Rd­nr. 49, NZA 2014, 541; ErfK/Fran­zen, 16. Aufl., § 4 BDSG Rd­nr. 2; Wy­bitul, NZA 2014, 225).
Hier er­laubt die Be­triebs­ver­ein­ba­rung die Er­he­bung an­ony­mer Da­ten, die im Aus­nah­me­fall auch per­so­na­li­siert wer­den dürfen.
(b) Die nach § 87 Abs. 1, 6 Be­trVG von den Be­triebs­par­tei­en ab­ge­schlos­se­ne Be­triebs­ver­ein­ba­rung ist ent­ge­gen der Auf­fas­sung des Klägers nicht un­wirk­sam. Sie verstößt nicht ge­gen § 75 Abs. 2 Satz 1 Be­trVG.
Da­nach ha­ben Ar­beit­ge­ber und Be­triebs­rat die freie Ent­fal­tung der Persönlich­keit der im Be­trieb beschäftig­ten Ar­beit­neh­mer zu schützen und zu fördern. Sie ha­ben dem­nach bei Ab­schluss ei­ner Be­triebs­ver­ein­ba­rung das aus Art. 2 Abs. 1, Art. 1 Abs. 1 GG ab­ge­lei­te­te all­ge­mei­ne Persönlich­keits­recht zu be­ach­ten. Das all­ge­mei­ne Persönlich­keits­recht gewähr­leis­tet Ele­men­te der Persönlich­keit, die nicht Ge­gen­stand der be­son­de­ren Frei­heits­ga­ran­ti­en des Grund­ge­set­zes sind, die­sen aber in ih­rer kon­sti­tu­ie­ren­den Be­deu­tung für die Persönlich­keit nicht nach­ste­hen. Die Zu­ord­nung ei­nes kon­kre­ten Recht­schutz­be­geh­rens zu den ver­schie­de­nen As­pek­ten des Persönlich­keits­rechts rich­tet sich vor al­lem nach der Persönlich­keits­rechts­gefähr­dung. Außer­halb des ab­so­lu­ten Kern­be­reichs pri­va­ter Le­bens­ge­stal­tung wird das all­ge­mei­ne Persönlich­keits­recht in den Schran­ken der ver­fas­sungsmäßigen Ord­nung ga­ran­tiert. Es kann des­halb durch ver­fas­sungs­gemäße Ge­set­ze ein­ge­schränkt wer­den. Der­ar­ti­ge Re­ge­lun­gen können auch die von den Be­triebs­par­tei­en im Rah­men ih­rer Re­ge­lungs­kom­pe­tenz ge­schlos­se­nen Be­triebs­ver­ein­ba­run­gen ent­hal­ten. Der Ge­setz­ge­ber genügt in­so­weit sei­ner Pflicht, die Ar­beit­neh­mer als Grund­recht­sträger vor ei­ner un­verhält­nismäßigen Be­schränkung ih­rer Grund­rech­te durch pri­vat­au­to­no­me Re­ge­lun­gen zu be­wah­ren, in­dem er die Be­triebs­par­tei­en in § 75 Abs. 2 Satz 1 Be­trVG ver­pflich­tet, die freie Ent­fal­tung der Persönlich­keit der im Be­trieb beschäftig­ten Ar­beit­neh­mer zu schützen (BAG 15.04.2014 a.a.O. Rd­nr. 40).
Das zulässi­ge Maß ei­ner Be­schränkung des all­ge­mei­nen Persönlich­keits­rechts zu­guns­ten schützens­wer­ter Be­lan­ge ei­nes an­de­ren Grund­recht­strägers rich­tet sich nach dem Grund­satz der Verhält­nismäßig­keit. Die­ser ver­langt ei­ne Re­ge­lung, die ge­eig­net, er­for­der­lich und un­ter Berück­sich­ti­gung der gewähr­leis­te­ten Frei­heits­rech­te an­ge­mes­sen ist, um den er­streb­ten Zweck zu er­rei­chen. Den Be­triebs­par­tei­en dürfen zur Ziel­er­rei­chung kei­ne an­de­ren, gleich wirk­sa­men und das Persönlich­keits­recht der Ar­beit­neh­mer we­ni­ger ein­schränken­den Mit­tel zur Verfügung ste­hen. Ei­ne Re­ge­lung ist verhält­nismäßig im en­ge­ren Sinn, wenn die Schwe­re des Ein­griffs bei ei­ner Ge­samt­abwägung nicht außer Verhält­nis zu dem Ge­wicht der ihn recht­fer­ti­gen­den Gründe steht (BAG 15.04.2014 a.a.O. Rd­nr. 41).
Nach die­sen Grundsätzen be­ein­träch­tigt die Er­he­bung von Leis­tungs­da­ten bei dem Kläger, die nur aus­nahms­wei­se per­so­na­li­siert wer­den, sein all­ge­mei­nes Persönlich­keits­recht in Form des Rech­tes auf in­for­ma­tio­nel­le Selbst­be­stim­mung nicht in un­verhält­nismäßiger Wei­se.
(aa) Das Ge­richt geht zu sei­nen Guns­ten da­von aus, dass das RIBAS-Sys­tem in sein Persönlich­keits­recht ein­greift. Es ist zwar nicht wie bei ei­ner Ta­schen­kon­trol­le sei­ne Pri­vat­sphäre un­mit­tel­bar be­trof­fen (vgl. zur Ta­schen­kon­trol­le BAG 15.04.2015 a.a.O. Rd­nr. 43). Es wird aber sein Recht auf in­for­ma­tio­nel­le Selbst­be­stim­mung berührt. Die Selbst­be­stim­mungs­frei­heit ist Teil des nach Ar­ti­kel 2 Abs. 1 GG geschütz­ten Be­reichs (Ri­char­di, Be­trVG, 14. Aufl., § 75 Be­trVG Rd­nr. 46; Beck OK BGB/Bam­ber­ger § 12 BGB Rd­nr. 93).
So­lan­ge die Da­ten des Klägers an­ony­mi­siert sind, un­ter­liegt er kei­ner Leis­tungs­kon­trol­le. Wird die­ser Schutz bei über­durch­schnitt­lich ne­ga­ti­ven Wer­ten auf­ge­ho­ben, ist na­tur­gemäß ei­ne Leis­tungs­kon­trol­le ge­ge­ben. Im Re­gel­fall bleibt er an­onym. Zu sei­nem Selbst­be­stim­mungs­recht gehört auch die Ent­schei­dung, sich während der Fahrtätig­keit nicht dau­ernd von akus­ti­schen und op­ti­schen Si­gna­len be­ein­flus­sen zu las­sen, sich nicht ständig ver­ge­genwärti­gen zu müssen, dass über­durch­schnitt­lich ne­ga­ti­ve Wer­te zu ei­ner tatsächli­chen Leis­tungs­kon­trol­le führen können.
(bb) Die Re­ge­lung, dass auch Fah­rer, die nicht an dem Prämi­en­sys­tem teil­neh­men, durch Be­nut­zung ei­nes an­ony­men Schlüssels die Da­ten­er­he­bung nach dem RIBAS-Sys­tem auslösen müssen und dass un­ter be­stimm­ten Vor­aus­set­zun­gen ih­re Da­ten per­so­na­li­siert wer­den, ist ge­eig­net, den er­streb­ten Er­folg zu fördern, wo­bei den Be­triebs­par­tei­en ein Be­ur­tei­lungs­spiel­raum zu­kommt (BAG 29.06.2004 – 1 ABR 21/03 - Rd­nr. 18).
Nach der Präam­bel zu der BV ist es Ziel der Be­triebs­par­tei­en, die Fahröko­no­mie zu stei­gern und den Fah­rer bei ein­fa­cher Hand­ha­bung zu un­terstützen, si­cher, um­welt­be­wusst und kos­ten­spa­rend sei­ne Tätig­keit aus­zuführen. Die­se all­ge­mei­ne Ziel­set­zung ist in § 2 BV kon­kre­ti­siert wor­den. Er­strebt wird die Ent­las­tung des Fah­rers bei höhe­rer persönli­cher Zu­frie­den­heit, die Stei­ge­rung der Kun­den­zu­frie­den­heit, die Ver­rin­ge­rung öko­lo­gi­scher Be­ein­träch­ti­gun­gen wie CO 2- Emis­sio­nen und Ver­kehrslärm so­wie die Re­du­zie­rung von En­er­gie­kos­ten und Ma­te­ri­al­ver­sch­leiß.
Dass es sich da­bei um le­gi­ti­me, im In­ter­es­se der Be­klag­ten, der Beschäftig­ten und der All­ge­mein­heit lie­gen­de Zie­le han­delt, hat der Kläger nicht in Ab­re­de ge­stellt.
Das RIBAS-Sys­tem ist auch ge­eig­net, die­se Zie­le zu er­rei­chen.
Es fördert die Selbst­kon­trol­le der Fah­rer. Nach § 3 BV wird das RIBAS-Dis­play mit ei­ner Ka­bel­ver­bin­dung an den Bord­com­pu­ter an­ge­schlos­sen und ver­mit­telt dem Fah­rer akus­ti­sche und op­ti­sche Si­gna­le, aus de­nen er un­mit­tel­bar schließen kann, ob er zu hoch­tou­rig fährt, Leer­lauf­zei­ten über­schrei­tet, zu scharf bremst, zu stark be­schleu­nigt oder vor­ge­schrie­be­ne Ge­schwin­dig­kei­ten über­schrei­tet. Er kann un­mit­tel­bar re­agie­ren und sei­ne Fahr­wei­se an­pas­sen. Durch die Si­gna­le wird er im­mer wie­der zu ei­ner Selbst­kon­trol­le sti­mu­liert.
Die Auf­zeich­nung und Spei­che­rung der Da­ten im Sin­ne ei­ner Be­richt­er­stat­tung fördert den Leis­tungs­ver­gleich der Fah­rer un­ter­ein­an­der. Gemäß § 5 Abs. 1 BV er­hal­ten die Fah­rer, die an dem Be­richts- und Prämi­en­sys­tem teil­neh­men, ei­nen persönli­chen De­tail­be­richt. Der Lei­ter des Be­triebs erhält nach § 5 Abs. 2 BV ei­nen Fah­rer­be­wer­tungs­be­richt, der gemäß § 5 Abs. 3 BV an­ony­mi­siert al­len Fah­rern im Auf­ent­halts­raum durch Aus­hang zur Kennt­nis ge­ge­ben wird. Auch die Fah­rer, die nur an­onym teil­neh­men, ha­ben da­mit die Möglich­keit, ih­ren persönli­chen Fahr­stil an­hand der Er­geb­nis­se der Kol­le­gen zu re­flek­tie­ren.
Das RIBAS-Sys­tem ermöglicht es der Be­klag­ten zum an­de­ren, im Aus­nah­me­fall un­ter den Vor­aus­set­zun­gen des § 10 Satz 3 BV auf das Fahr­ver­hal­ten der nicht an dem Prämi­en­sys­tem teil­neh­men­den Fah­rer durch Schu­lungs­maßnah­men ein­zu­wir­ken, über­haupt erst ein­mal ei­nen Schu­lungs­be­darf fest­zu­stel­len.
Dass die Maßnah­men in ih­rer Ge­samt­heit dem er­streb­ten Ziel förder­lich sind, zeigt die Tat­sa­che, dass ab dem 01.09.2014 bis April 2015 be­reits 365.000 Li­ter Die­sel­kraft­stoff ein­ge­spart wur­den. Die Be­haup­tung der Be­klag­ten, die er­streb­te vor­aus­schau­en­de Fahr­wei­se oh­ne star­kes Be­schleu­ni­gen oder Brem­sen sei für die Fahrgäste an­ge­nehm und die­ne der Ver­kehrs­si­cher­heit, ist le­bens­nah und nach­voll­zieh­bar.
(cc) Die Er­he­bung der Da­ten auch bei Fah­rern wie dem Kläger, grundsätz­lich an­onym, im Ein­zel­fall per­so­na­li­siert, ist ent­ge­gen sei­ner Auf­fas­sung auch er­for­der­lich.
Ei­ne Maßnah­me ist dann er­for­der­lich, wenn an­de­re, gleich wirk­sa­me und das Persönlich­keits­recht des Ar­beit­neh­mers we­ni­ger ein­schränken­de Maßnah­men nicht zur Verfügung ste­hen (BAG 15.04.2013 a.a.O. Rd­nr. 46). Die Be­triebs­par­tei­en ha­ben auch hier ei­nen Be­ur­tei­lungs­spiel­raum (BAG 29.06.2004 a.a.O. Rd­nr. 19).
Die Kam­mer teilt die Auf­fas­sung der Be­klag­ten, dass die An­ord­nung von Schu­lungs­maßnah­men bei sämt­li­chen Fah­rern oh­ne die Kon­trol­le durch das RIBAS-Sys­tem nicht gleich wirk­sam ist. Schu­lungs­maßnah­men ver­mit­teln theo­re­ti­sche Kennt­nis­se, die je­doch der Um­set­zung in der Pra­xis bedürfen. Zwar kann ein prak­ti­sches Fahr­trai­ning als Be­gleit­maßnah­me die Möglich­keit eröff­nen, Er­lern­tes an­zu­wen­den und ers­te Er­fah­run­gen zu sam­meln. Gleich­wohl ver­fes­tigt sich Er­lern­tes erst dann, wenn es hier den Fahr­stil so prägt, dass öko­lo­gi­sches und öko­no­mi­sches Fah­ren zur Selbst­verständ­lich­keit wird, kei­ner Re­flek­ti­on mehr be­darf. Das er­for­dert ständi­ges Üben und ein kon­ti­nu­ier­li­ches Feed­back, das den Fah­rern im All­tags­be­trieb durch die op­ti­schen und akus­ti­schen Si­gna­le des RIBAS-Sys­tems ständig ge­ge­ben wird. Auch die nicht an dem Prämi­en­sys­tem teil­neh­men­den Fah­rer wer­den durch die Ver­ein­ba­rung in § 4 Abs. 2 Satz 2, Satz 4 BV zur Selbst­kon­trol­le an­ge­hal­ten. Durch den Aus­hang von Be­rich­ten nach § 5 Abs. 3 BV er­hal­ten sie die man­gels Vor­lie­gens ei­ge­ner kon­kre­ter Da­ten die ein­ge­schränk­te, aber gleich­wohl zu nut­zen­de Möglich­keit, ih­ren Fahr­stil in Be­zug zu dem Ge­samt­er­geb­nis zu set­zen.
Die Be­klag­te hat die Möglich­keit, mo­nat­lich fest­zu­stel­len, ob im an­ony­mi­sier­ten Da­ten­be­stand in Ein­z­elfällen ei­ne er­heb­li­che Über­schrei­tung der in § 4 Abs. 1 BV auf­geführ­ten Grenz­wer­te in Be­zug auf den Durch­schnitt vor­liegt, und kann die­se Fah­rer nach vor­he­ri­ger Auf­he­bung der An­ony­mi­sie­rung mit Zu­stim­mung des Be­triebs­rats ge­zielt ei­ner Schu­lungs­maßnah­me zuführen. Sie kann ih­nen die De­fi­zi­te kon­kret auf­zei­gen, so die Mo­ti­va­ti­on stei­gern, sich (er­neut) schu­len zu las­sen.
Vor die­sem Hin­ter­grund ist es un­er­heb­lich, ob es tech­nisch möglich ist, das RIBAS-Sys­tem auch zu nut­zen, wenn nur die an dem Prämi­en­sys­tem be­tei­lig­ten Fah­rer den Schlüssel be­nut­zen, um das Sys­tem zu star­ten.
(dd) Die dem Kläger auf­er­leg­te Pflicht, mit ei­nem an­ony­mi­sier­ten Schlüssel an der Da­ten­er­he­bung teil­zu­neh­men, so­wie die Re­ge­lung zur Auf­he­bung des Da­ten­schut­zes sind an­ge­mes­sen.
An­ge­mes­sen ist die Re­ge­lung, wenn sie verhält­nismäßig im en­ge­ren Sin­ne er­scheint. Es be­darf hier ei­ner Ge­samt­abwägung zwi­schen der In­ten­sität des Ein­griffs und dem Ge­wicht der ihn recht­fer­ti­gen­den Gründe. Die Gren­ze der Zu­mut­bar­keit darf nicht über­schrit­ten wer­den. Die er­for­der­li­che Rechtsgüter­abwägung kann nicht ab-strakt vor­ge­nom­men wer­den. Viel­mehr sind je­weils die Ge­samt­umstände maßgeb­lich. Da­bei ist für die An­ge­mes­sen­heit ei­ner grund­rechts­be­schränken­den Maßnah­me die Ein­griff­s­in­ten­sität mit­ent­schei­dend. Es ist be­deut­sam, wie vie­le Per­so­nen wie in­ten­si­ven Be­ein­träch­ti­gun­gen aus­ge­setzt sind und ob die­se Per­so­nen hierfür ei­nen An­lass ge­ge­ben ha­ben. Das Ge­wicht der Be­ein­träch­ti­gung hängt auch da­von ab, ob die Be­trof­fe­nen als Per­so­nen an­onym blei­ben, wel­che Umstände und In­hal­te der Kom­mu­ni­ka­ti­on er­fasst wer­den können und wel­che Nach­tei­le den Grund­recht­strägern aus der Über­wa­chungs­maßnah­me dro­hen oder von ih­nen nicht oh­ne Grund befürch­tet wer­den. Re­le­vant ist auch, ob die Über­wa­chungs­maßnah­men in ei­ner Pri­vat­woh­nung oder in Be­triebs- und Geschäftsräum­en statt­fin­den und ob und in wel­cher Zahl un­verdäch­ti­ge Drit­te mit be­trof­fen sind (BAG 29.06.2004 a.a.O. Rd­nr. 20).
Die In­ten­sität der Be­ein­träch­ti­gung hängt fer­ner maßgeb­lich von der Dau­er und der Art der Über­wa­chungs­maßnah­me ab. Das als Teil des all­ge­mei­nen Persönlich­keits­rechts gewähr­leis­te­te Recht auf in­for­ma­tio­nel­le Selbst­be­stim­mung be­darf un­ter den Be­din­gun­gen der au­to­ma­ti­schen Da­ten­ver­ar­bei­tung ei­nes be­son­de­ren Schut­zes. Es ist vor al­lem des­halb gefähr­det, weil mit die­ser Tech­nik In­for­ma­tio­nen über be­stimm­te Per­so­nen grundsätz­lich un­be­grenzt spei­cher­bar und je­der­zeit ab­ruf­bar sind und mit an­de­ren Da­ten­samm­lun­gen zu ei­nem Persönlich­keits­bild zu­sam­men­gefügt wer­den können, oh­ne dass der Be­trof­fe­ne des­sen Rich­tig­keit und Ver­wen­dung zu­rei­chend kon­trol­lie­ren kann. Die­se tech­ni­schen Möglich­kei­ten sind ge­eig­net, bei den be­trof­fe­nen Per­so­nen ei­nen psy­chi­schen An­pas­sungs­druck zu er­zeu­gen (BAG 29.06.2004 a.a.O. Rd­nr. 21).
Hier fin­det die Da­ten­er­he­bung al­lein am Ar­beits­platz des Klägers statt. Der Kern­be­reich sei­ner Le­bensführung ist nicht be­trof­fen. An­ders als bei ei­ner Vi­deoüber­wa­chung muss er sich nicht bei je­der Be­we­gung kon­trol­lie­ren, wird nicht sei­ne Körper­spra­che bei der Ar­beit oder in der Kom­mu­ni­ka­ti­on mit Vor­ge­setz­ten, Kol­le­gen oder Fahrgästen auf­ge­zeich­net. Es wer­den le­dig­lich Fahr­zeug­da­ten er­ho­ben, die In­di­ka­to­ren für ei­ne erwünsch­te bzw. un­erwünsch­te Fahr­wei­se sind.
Dem Kläger ist zu­zu­ge­ste­hen, dass z.B. schar­fes Brem­sen oder ei­ne star­ke Be­schleu­ni­gung der Ver­kehrs­si­tua­ti­on ge­schul­det sein können, oh­ne dass er die Möglich­keit hat, sich zu recht­fer­ti­gen. Al­ler­dings sind die Auffällig­kei­ten nur dann von Be­deu­tung, wenn sie zu er­heb­lich über dem Durch­schnitt lie­gen­den Mess­wer­ten führen. Da auch an­de­re Fah­rer Ver­kehrs­si­tua­ti­on zu bewälti­gen ha­ben, in de­nen sie zur Ver­kehrs­si­cher­heit die RIBAS-Vor­ga­ben außer Acht las­sen müssen, fließen sol­che Aus­nah­me­si­tua­tio­nen in die Ge­samt­be­trach­tung ein.
Im Übri­gen zeigt der von der Be­klag­ten vor­ge­leg­te Be­richt über die Fah­rer­be­wer­tung (Bl. 68 d.A.), dass kei­ne si­tua­ti­ons­ge­bun­de­nen Ein­zel- oder De­tail­da­ten aus­ge­wer­tet wer­den.
Zu berück­sich­ti­gen ist fer­ner, dass an­ders als bei ei­ner Tor­kon­trol­le oder bei ei­ner Vi­deoüber­wa­chung die bei dem Kläger er­ho­be­nen Da­ten grundsätz­lich an­onym blei­ben. Die Be­klag­te darf die An­ony­mi­sie­rung auch nicht nach Gutdünken auf­he­ben, da sie sich zu­vor mit dem Be­triebs­rat ab­zu­stim­men hat, der da­mit die In­ter­es­sen des Be­trof­fe­nen wah­ren kann und muss. Nach dem Wil­len der Be­triebs­par­tei­en ist die Per­so­na­li­sie­rung der Da­ten an ei­ne er­heb­li­che, nicht die bloße Über­schrei­tung der durch­schnitt­li­chen Wer­te ge­bun­den.
Dass sie in die­ser Aus­nah­me­re­ge­lung mit der For­mu­lie­rung „ei­ne er­heb­li­che Über­schrei­tung“ ei­nen un­be­stimm­ten Rechts­be­griff ver­wen­det ha­ben, be­geg­net kei­nen Be­den­ken. Un­be­stimm­te Rechts­be­grif­fe wer­den re­gelmäßig in Nor­men, auch in Be­triebs­ver­ein­ba­run­gen ver­wen­det. Dass sie im Streit­fall erst im Zu­ge der An­wen­dung durch die Ge­rich­te kon­kre­ti­siert wer­den, ist dar­in an­ge­legt. Hier ist zu berück­sich­ti­gen, dass sich zunächst die Be­triebs­par­tei­en darüber verständi­gen müssen, dass er­heb­li­che Über­schrei­tun­gen vor­lie­gen. Wann sie er­heb­lich sind, lässt sich im Übri­gen un­ter Berück­sich­ti­gung der Re­ge­lun­gen in §§ 2, 3, 4 Abs. 1, 6 BV mit herkömmli­chen ju­ris­ti­schen Me­tho­den be­stim­men.
Dem Kläger ist zu­zu­ge­ste­hen, dass die Per­so­na­li­sie­rung sei­ner Da­ten oh­ne großen Auf­wand möglich ist und des­halb auch miss­bräuch­lich durch Un­be­fug­te er­fol­gen kann. Die Be­triebs­ver­ein­ba­rung kann je­doch nur den Schutz­stan­dard fest­le­gen, schützt aber nicht ge­gen Pflicht­ver­let­zun­gen durch an­de­re Beschäftig­te. An­sons­ten könn­te die Be­klag­te über­haupt kei­ne Da­ten zur Durchführung des Beschäfti­gungs­verhält­nis­ses er­he­ben, da sie re­gelmäßig zweck­wid­rig ver­wen­det wer­den können, selbst wenn sie kor­rek­te, den An­for­de­run­gen des Da­ten­schut­zes ent­spre­chen­de Re­ge­lun­gen z.B. zu Zu­griffs­rech­ten trifft.
Bei der Würdi­gung der Ein­griffs­qua­lität der den Kläger be­tref­fen­den Re­ge­lun­gen ist zu berück­sich­ti­gen, dass es sich um ei­ne dau­er­haf­te Da­ten­er­he­bung und -nut­zung han­delt. Da­bei ist je­doch von ent­schei­den­der Be­deu­tung, dass er selbst bei Auf­he­bung der An­ony­mi­sie­rung kei­ne ar­beits­recht­li­chen Sank­tio­nen zu be­sor­gen hat, son­dern le­dig­lich zu Schu­lungs­maßnah­men ver­an­lasst wer­den kann. Die Be­triebs­ver­ein­ba­rung enthält kei­ne Re­ge­lun­gen zu Sank­tio­nen. Die Be­triebs­par­tei­en ha­ben in dem Er­geb­nis­pro­to­koll vom 22.07.2013 darüber hin­aus fest­ge­hal­ten, dass ar­beits­recht­li­che Maßnah­men auf­grund der RIBAS-Aus­wer­tun­gen aus­ge­schlos­sen sind.
In die Ge­samt­abwägung hat des Wei­te­ren ein­zu­fließen, dass es nicht nur im wirt­schaft­li­chen In­ter­es­se der Be­klag­ten, son­dern im öko­lo­gi­schen In­ter­es­se der All­ge­mein­heit liegt, al­le Fah­rer im öffent­li­chen Nah­ver­kehr zu ei­nem si­che­ren, um­welt­be­wuss­ten und kos­ten­spa­ren­den Fahr­stil zu ver­an­las­sen.
(3) Die Be­triebs­ver­ein­ba­rung ist nicht un­wirk­sam, weil sie kei­ne Re­ge­lung zur Dau­er der Spei­che­rung der er­ho­be­nen Da­ten enthält.
Tref­fen die Be­triebs­par­tei­en kei­ne Re­ge­lung, gilt § 35 Abs. 2 Nr. 3 Bun­des­da­ten­schutz­ge­setz. Die Da­ten sind zu löschen bzw. gemäß § 35 Abs. 3 Nr. 1 Bun­des­da­ten­schutz­ge­setz zu sper­ren, wenn ih­re Kennt­nis für die Erfüllung des Zwecks der Spei­che­rung nicht mehr er­for­der­lich ist.
Hier wer­den die Da­ten ein Jahr nach ih­rer Auf­zeich­nung für den Zu­griff durch die Be­klag­te ge­sperrt und nur noch im Hin­blick auf Verjährungs­fris­ten und Auf­be­wah­rungs­fris­ten nach der Ab­ga­ben­ord­nung – be­zo­gen auf die ge­zahl­ten Prämi­en – ex­tern auf­be­wahrt.
(4) Die Wirk­sam­keit der Be­triebs­ver­ein­ba­rung wird auch nicht durch die Auf­trags­ver­ein­ba­rung ex­tern durch die Fir­ma L1 berührt. Die Auf­trags­ver­ar­bei­tung ist gemäß § 11 Abs. 1 Bun­des­da­ten­schutz­ge­setz grundsätz­lich er­laubt. Die Be­klag­te trägt die Ver­ant­wor­tung für die Wah­rung der ge­setz­li­chen Vor­schrif­ten, wie sich auch aus § 11 BV er­gibt. Der Kläger kann im Ein­zel­fall sei­ne Rech­te aus §§ 6, 7 Bun­des­da­ten­schutz­ge­setz gel­tend ma­chen.
(bb) Sei­ne Pflicht­ver­let­zun­gen sind be­son­ders schwer­wie­gend, weil er sich wie­der­holt und be­harr­lich ge­wei­gert hat, den an­ony­mi­sier­ten Schlüssel zu nut­zen. Die Be­klag­te hat ihm in ei­nem Gespräch am 30.10.2014 die Be­triebs­ver­ein­ba­rung zur In­for­ma­ti­on vor­ge­legt. Sie hat ihm an­ge­bo­ten, ihm die tech­ni­schen Hin­ter­gründe des RIBAS-Sys­tems zu erläutern. Er ist in 2014 im Um­gang mit dem Sys­tem ge­schult wor­den. Die Be­klag­te hat mit ihm am 30.01.2015 er­neut ein Gespräch geführt und ihn auf sei­ne Ver­pflich­tung zur Schlüssel­nut­zung hin­ge­wie­sen. We­der die Aufklärung noch die Gespräche noch die er­teil­ten drei Ab­mah­nun­gen konn­ten ihn da­von ab­hal­ten, auch am 05.03. und 06.03.2015 das RIBAS-Sys­tem nicht zu star­ten.
(cc) Er hat vorsätz­lich ge­han­delt, da er sich nicht in ei­nem un­ver­schul­de­ten Rechts­irr­tum be­fand.
Ent­schuld­bar ist ein Rechts­irr­tum über die Rechts­la­ge dann, wenn sie ob­jek­tiv zwei­fel­haft ist und der Ar­beit­neh­mer sie sorgfältig ge­prüft und sich zu­verlässig er­kun­digt hat (BAG 31.01.1985 – 2 AZR 486/83 - Rd­nr. 41, NZA 1986, 138). Sei­ne bloße Rechtsüber­zeu­gung reicht nicht aus. Sei­ne Rechts­auf­fas­sung muss auf ei­ner be­stimm­ten Ge­set­zes­la­ge bzw. der bis­he­ri­gen Recht­spre­chung oder bei zwei­fel­haf­ter Rechts­la­ge auf der Aus­kunft ei­ner ge­eig­ne­ten neu­tra­len Stel­le be­ru­hen.
Hier ist die Rechts­la­ge zwei­fel­haft, wie die erst­in­stanz­li­che Ent­schei­dung und das Er­geb­nis des Be­ru­fungs­ver­fah­rens zei­gen. Der Kläger hat zwar auf sei­ne Rechtsüber­zeu­gung hin­ge­wie­sen, je­doch nicht dar­ge­legt, dass ihm sein Pro­zess­be­vollmäch­tig­ter nach sorgfälti­ger Prüfung erklärt hat, er ha­be im Hin­blick auf die Un­wirk­sam­keit der Be­triebs­ver­ein­ba­rung kei­ne Ver­pflich­tung, den an­ony­mi­sier­ten Schlüssel ein­zu­set­zen.
b. Nach der In­ter­es­sen­abwägung war es der Be­klag­ten je­doch zu­zu­mu­ten, die so­zia­le Aus­lauf­frist zu wah­ren.
Bei der Prüfung, ob dem Ar­beit­ge­ber ei­ne Wei­ter­beschäfti­gung des Ar­beit­neh­mers trotz Vor­lie­gens ei­ner er­heb­li­chen Pflicht­ver­let­zung je­den­falls bis zum Ab­lauf der Kündi­gungs­frist zu­mut­bar ist, ist in ei­ner Ge­samtwürdi­gung das In­ter­es­se des Ar­beit­ge­bers an der so­for­ti­gen Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses ge­gen das In­ter­es­se des Ar­beit­neh­mers an des­sen Fort­be­stand ab­zuwägen. Es hat ei­ne Be­wer­tung des Ein­zel­falls un­ter Be­ach­tung des Verhält­nismäßig­keits­grund­sat­zes zu er­fol­gen. Die Umstände, an­hand de­rer zu be­ur­tei­len ist, ob dem Ar­beit­ge­ber die Wei­ter­beschäfti­gung zu­mut­bar ist oder nicht, las­sen sich nicht ab­sch­ließend fest­le­gen. Zu berück­sich­ti­gen sind aber re­gelmäßig das Ge­wicht und die Aus­wir­kung ei­ner Ver­trags­pflicht­ver­let­zung – et­wa im Hin­blick auf das Maß ei­nes durch sie be­wirk­ten Ver­trau­ens­ver­lus­tes oder ih­re wirt­schaft­li­chen Fol­gen -, der Grad des Ver­schul­dens des Ar­beit­neh­mers, ei­ne mögli­che Wie­der­ho­lungs­ge­fahr so­wie die Dau­er des Ar­beits­verhält­nis­ses und des­sen störungs­frei­er Ver­lauf. Ei­ne außer­or­dent­li­che Kündi­gung kommt nur in Be­tracht, wenn es kei­nen an­ge­mes­se­nen Weg gibt, das Ar­beits­verhält­nis fort­zu­set­zen, weil dem Ar­beit­ge­ber sämt­li­che mil­de­ren Re­ak­ti­onsmöglich­kei­ten un­zu­mut­bar sind. Als mil­de­re Re­ak­tio­nen sind ins­be­son­de­re Ab­mah­nung und or-dent­li­che Kündi­gung an­zu­se­hen, wenn sie schon ge­eig­net sind, den mit der außer­or­dent­li­chen Kündi­gung ver­folg­ten Zweck – die Ver­mei­dung des Ri­si­kos künf­ti­ger Störun­gen – zu er­rei­chen (BAG 10.06.2010 a.a.O. Rd­nr. 34).
aa. Die Be­klag­te hat den Kläger drei­mal oh­ne Er­folg ab­ge­mahnt. Ei­ne wei­te­re Ab­mah­nung hätte sei­ne Wei­ge­rungs­hal­tung nicht be­ein­flusst, da er nach­hal­tig an sei­ner Rechts­auf­fas­sung fest­ge­hal­ten hat, den Schlüssel nicht be­nutz­ten zu müssen. Ei­ne Ver­hal­tensände­rung konn­te bei Kündi­gungs­aus­spruch nicht er­war­tet wer­den.
bb. Bei Würdi­gung der bei­der­sei­ti­gen In­ter­es­sen war es der Be­klag­ten nicht zu­zu­mu­ten, dau­er­haft an dem Ar­beits­verhält­nis fest­zu­hal­ten. Das hätte be­deu­tet, dass der Kläger trotz der un­mit­tel­ba­ren und zwin­gen­den Gel­tung der wirk­sa­men Be­triebs­ver­ein­ba­rung, § 77 Abs. 4 Satz 1 Be­trVG, die sich für ihn er­ge­ben­den Pflich­ten nicht zu erfüllen hätte. Ihr In­ter­es­se an der Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses über­wiegt sein In­ter­es­se an der Er­hal­tung sei­nes Ar­beits­plat­zes. Die Kam­mer hat berück­sich­tigt, dass das langjähri­ge Ar­beits­verhält­nis bis in das Jahr 2014 nicht durch Ab­mah­nun­gen we­gen Pflicht­ver­let­zun­gen des Klägers be­las­tet war, mag die Kom­mu­ni­ka­ti­on zwi­schen den Par­tei­en schon länge­re Zeit gestört ge­we­sen sein, wie die Be­klag­te dem Be­triebs­rat in der Anhörung be­rich­tet hat. Das von ihr an­ge­spro­che­ne Miss­trau­en des Klägers ge­gen sei­ne Ar­beit­ge­be­rin zeigt sich auch in sei­ner Sor­ge, sie könne die er­ho­be­nen Da­ten miss­brau­chen. Die­se Sor­ge ist zwar nach­voll­zieh­bar, muss­te ihn je­doch nicht zwin­gend ver­an­las­sen, sei­ne Pflicht nicht zu erfüllen. Er hätte un­ter dem Vor­be­halt ei­ner ge­richt­li­chen Prüfung, die er be­reits durch Kla­ge ge­gen die ihm er­teil­ten Ab­mah­nun­gen ein­ge­lei­tet hat­te, den an­ony­mi­sier­ten Schlüssel ver­wen­den können. Hätte ihn die Be­klag­te nach Per­so­na­li­sie­rung sei­ner Fahr­da­ten auf­ge­for­dert, an ei­ner Schu­lungs­maßnah­me teil­zu­neh­men, hätte er die­se Wei­sung ge­richt­lich an­grei­fen können. Er war nicht schutz­los ge­stellt.
Gleich­wohl war es der Be­klag­ten im Hin­blick auf ei­ne Zu­sam­men­ar­beit, die über mehr als zwei Jahr­zehn­te rei­bungs­los ver­lau­fen ist, zu­zu­mu­ten, die so­zia­le Aus­lauf­frist ein­zu­hal­ten.
(1) Ei­ne außer­or­dent­li­che Kündi­gung mit Aus­lauf­frist ist nicht durch § 20 Abs. 6 TV-N aus­ge­schlos­sen. Schon der Wort­laut der Be­stim­mung schließt le­dig­lich ei­ne Kündi­gung oh­ne Vor­lie­gen ei­nes wich­ti­gen Grun­des aus, nicht aber die Kündi­gung aus wich­ti­gem Grund mit so­zia­ler Aus­lauf­frist. Ein sol­ches Verständ­nis wi­der­spricht nicht dem Sinn und Zweck des ta­rif­li­chen Son­derkündi­gungs­schut­zes. Durch ihn sol­len länger Beschäftig­te, älte­re Ar­beit­neh­mer, die im All­ge­mei­nen we­ni­ger schnell ei­nen Zu­gang zu dem all­ge­mei­nen Ar­beits­markt fin­den, ei­nen be­son­de­ren Ar­beits­platz­schutz er­hal­ten (BAG 13.05.2015 – 2 AZR 531/14 - Rd­nr. 31, BB 2015, 2682).
Zur Ver­mei­dung von Wer­tungs­wi­dersprüchen muss zu­guns­ten des Ar­beit­neh­mers ei­ne der or­dent­li­chen Kündi­gungs­frist ent­spre­chen­de so­zia­le Aus­lauf­frist ein­ge­hal­ten wer­den, wenn das pflicht­wid­ri­ge Ver­hal­ten bei ei­nem Ar­beit­neh­mer oh­ne Son­derkündi­gungs­schutz nur ei­ne or­dent­li­che Kündi­gung recht­fer­ti­gen würde. An­sons­ten wirk­te sich der be­son­de­re Son­derkündi­gungs­schutz zum Nach­teil des Ar­beit­neh­mers aus (BAG 13.05.2015 a.a.O. Rd­nr. 44). Al­ler­dings wird bei Gründen im Ver­hal­ten des Ar­beit­neh­mers ei­ne außer­or­dent­li­che Kündi­gung mit not­wen­di­ger Aus­lauf­frist nur aus­nahms­wei­se in Be­tracht kom­men. Die Pflicht­ver­let­zung muss ei­ner­seits so gra­vie­rend sein, dass sie im Grund­satz auch ei­ne frist­lo­se Kündi­gung recht­fer­ti­gen könn­te. An­de­rer­seits muss es dem Ar­beit­ge­ber auf­grund be­son­de­rer Umstände des Ein­zel­falls zu­mut­bar sein, den­noch die (fik­ti­ve) or­dent­li­che Kündi­gungs­frist ein­zu­hal­ten. Ist et­wa die Ge­fahr ei­ner Wie­der­ho­lung des Pflicht­ver­s­toßes für den Lauf der or­dent­li­chen Kündi­gungs­frist aus­zu­sch­ließen, aber nicht darüber hin­aus, kann aus­nahms­wei­se ge­ra­de der Aus­schluss der or­dent­li­chen Kündi­gung da­zu führen, dass ein wich­ti­ger Grund zur außer­or­dent­li­chen Kündi­gung mit not­wen­di­ger Aus­lauf­frist be­steht (BAG 13.05.2015 a.a.O. Rd­nr. 45; 21.06.2001 – 2 AZR 325/00 - Rd­nr. 38, ZTR 2002, 81; 13.04.2000 – 2 AZR 259/99 - Rd­nr. 37, EZA § 626 BGB n.F. Nr. 180).
Nach Auf­fas­sung der Kam­mer war es der Be­klag­ten im Hin­blick auf die langjähri­ge Beschäfti­gung und das Al­ter des Klägers zu­zu­mu­ten, für die Dau­er ei­nes hal­ben Jah­res, je­doch nicht auf Dau­er, bei ihm auf die Da­ten­er­he­bung zu ver­zich­ten. Wie sich in der münd­li­chen Ver­hand­lung her­aus­ge­stellt hat, lässt es sich durch Un­ter­bre­chung der Zündung ver­mei­den, dass sei­ne Fahr­da­ten ei­nem an­de­ren Bus­fah­rer zu­ge­schrie­ben wer­den, wenn er den Schlüssel nicht be­nutzt. Nach An­ga­ben der Be­klag­ten sind et­wa zwei Mi­nu­ten auf­zu­wen­den, um die Zündung des Bus­ses aus­zu­stel­len und ihn neu zu star­ten. Zu Recht weist sie dar­auf hin, dass der Neu­start zu höhe­ren Emis­sio­nen führt, die aber für ei­nen über­schau­ba­ren Zeit­raum hin­zu­neh­men sind. Nen­nens­wer­te Störun­gen des Bus­fahr­pla­nes sind bei ei­ner ma­xi­mal zwei­minüti­gen Un­ter­bre­chung nicht ernst­haft zu be­sor­gen.
Die auf Ent­fer­nung der Ab­mah­nung vom 18.12.2014, 05.02.2015 und 26.02.2015 ge­rich­te­te Leis­tungs­kla­ge ist zulässig, aber un­be­gründet.
a. Ein An­spruch auf Ent­fer­nung ei­ner Ab­mah­nung aus der Per­so­nal­ak­te ist aus §§ 242, 1004 BGB i.V.m. Art. 1, 2 GG dann ge­ge­ben, wenn die Ab­mah­nung un­ge­recht­fer­tigt ist, d.h., wenn sie pau­scha­le Vorwürfe enthält und in­halt­lich zu un­be­stimmt ist, wenn sie auf un­zu­tref­fen­den oder nicht be­weis­ba­ren Tat­sa­chen be­ruht, sie un­verhält­nismäßig, das Rüge­recht ver­wirkt, die Gren­zen des ver­trag­li­chen Rüge­rech­tes durch un­an­ge­mes­se­ne For­mu­lie­run­gen über­schrit­ten ist, der Ar­beit­ge­ber ei­ne un­zu­tref­fen­de recht­li­che Würdi­gung vor­ge­nom­men hat oder kein schutzwürdi­ges In­ter­es­se an dem Ver­bleib der Ab­mah­nung in der Per­so­nal­ak­te mehr hat.
Der An­spruch be­steht je­doch nur im be­ste­hen­den Ar­beits­verhält­nis. Nach Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses hat der Ar­beit­neh­mer re­gelmäßig kei­nen An­spruch auf Ent­fer­nung selbst ei­ner zu Un­recht er­teil­ten Ab­mah­nung aus der Per­so­nal­ak­te. Ein An­spruch ist nur aus­nahms­wei­se dann ge­ge­ben, wenn ob­jek­ti­ve An­halts­punk­te dafür ge­ge­ben sind, ei­ne Ab­mah­nung könne dem Ar­beit­neh­mer auch noch nach Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses scha­den (BAG 19.04.2012 – 2 AZR 233/11 - Rd­nr. 51, NZA 2012, 1449).
Das Ar­beits­verhält­nis der Par­tei­en hat mit dem 30.09.2015 ge­en­det. Der Kläger hat kei­ne Tat­sa­chen vor­ge­tra­gen, aus de­nen sich er­gibt, dass ihm die an­ge­grif­fe­nen Ab­mah­nun­gen zukünf­tig noch zum Nach­teil ge­rei­chen können.
Die Ent­schei­dung des Bun­des­ar­beits­ge­richts vom 16.11.2010 (9 AZR 573/09, BA­GE 136, 156) führt zu kei­nem an­de­ren Er­geb­nis.
Das Bun­des­ar­beits­ge­richt hat dem aus­ge­schie­de­nen Ar­beit­neh­mer ein aus § 241 Abs. 2 BGB, Art. 2 Abs. 1, Art. 1 Abs. 1 GG fol­gen­des Recht auf Ein­sicht in die Per­so­nal­ak­te zu­ge­bil­ligt, oh­ne dass der Ar­beit­neh­mer ein kon­kre­tes be­rech­tig­tes In­ter­es­se dar­le­gen muss. Es hat be­tont, dass es bei der Ein­sicht­nah­me um ei­nen den Be­sei­ti­gungs- bzw. Kor­rek­turan­spruch vor­ge­la­ger­ten Trans­pa­renz­schutz hin­sicht­lich des fremd­ge­schaf­fe­nen und zeit­lich auf­be­wahr­ten Mei­nungs­bil­des über den Ar­beit­neh­mer geht, und hat aus­geführt, das sei auf­grund der ge­rin­ge­ren An­spruch­stie­fe et­was an­de­res als das Ver­lan­gen nach Be­sei­ti­gung der Grund­la­gen die­ses Bil­des. Die Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses berühre des­halb nicht das Recht auf ei­ne Ein­sicht in die Per­so­nal­ak­te (BAG 16.11.2010 a.a.O. Rd­nr. 42).
Aus dem Recht auf Ak­ten­ein­sicht­nah­me auch nach Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses folgt dem­nach ein Be­sei­ti­gungs­an­spruch erst und nur dann, wenn ei­ne kon­kre­te Gefähr­dungs­la­ge be­steht, al­so die Ab­mah­nung dem Ar­beit­neh­mer noch scha­den kann (LAG Sach­sen 14.01.2014 – 1 Sa 266/13 - Rd­nr. 23, ZTR 2014, 294; LAG Rhein­land-Pfalz 11.12.2014 – 8 Sa 379/12 - Rd­nr. 21, 23).
Die Kos­ten­ent­schei­dung folgt aus §§ 64 Abs.6 ArbGG, 92 Abs. 1 ZPO.
Die Zu­las­sung der Re­vi­si­on recht­fer­tigt sich aus § 72 Abs. 2 Nr. 1 ArbGG.
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