Source: http://www.gapinfo.de/gesundheitsamt/alle/seuche/infekt/bakt/typh/rg/druck.htm
Timestamp: 2018-01-23 19:48:31
Document Index: 219100949

Matched Legal Cases: ['§ 42', '§ 17', '§ 34', '§ 45', '§ 3', '§ 6', '§ 7']

Ratgeber Typhus des RKI - Druckversion
Typhus abdominalis - Paratyphus
Erreger sind Salmonella enterica Serotyp Typhi bzw. Paratyphi A, B und C. Sie sind ausschließlich humanpathogen und gehören zur Familie der Enterobacteriaceae. Es handelt sich um gramnegative Bakterien, die nicht sporenbildend und fakultativ anaerob sind.
Für die wichtigsten Serotypen (Serovare) der Salmonella enterica, so auch für Salmonella (S.) Typhi und S. Paratyphi, sind zur epidemiologischen Feindifferenzierung verschiedene Systeme der Lysotypie verfügbar. Lysotypen von S. Typhi werden fortlaufend mit A, B1, B2, E2, etc. und von 25 bis 66 bzw. für S. Paratyphi B mit 1, 2, 3b, Taunton, Dundee, Beccles, Jersey, BAOR etc. bezeichnet. Sie dienen als >epidemiologische Einheiten<, die Infektionen aus gleicher Quelle erkennbar machen, der Aufklärung epidemischer Prozesse. Des weiteren können Salmonella-Serovare heute mit verschiedenen molekular-epidemiologischen Methoden charakterisiert und im Hinblick auf ihre klonale Identität untersucht werden, z. B. durch Plasmidanalyse, Pulsfeld-Gelelektrophorese, PCR.
Die Erreger sind weltweit verbreitet, die jährliche Inzidenz von Typhus abdominalis wird auf etwa 17 Millionen Erkrankungen und 600.000 Todesfälle geschätzt. In Ländern mit unzureichenden hygienischen Bedingungen sind besonders hohe Erkrankungszahlen und wiederholt Ausbrüche und Epidemien zu verzeichnen, z. B. in Afrika, Südamerika und Südostasien. In Deutschland konnte die Zahl der Erkrankungen durch die Versorgung der Bevölkerung mit hygienisch einwandfreiem Trinkwasser, Vorschriften für Dauerausscheider und andere Maßnahmen stark vermindert werden.
Im Jahr 1999 lag die Zahl der gemeldeten Erkrankungen an Typhus abdominalis mit 109 etwas höher als in den Vorjahren (1997: 75; 1998: 76). Die Zahl der gemeldeten Paratyphus-Erkrankungen lag in den Jahren von 1997 bis 1999 zwischen 59 und 84. Etwa 80-90 % aller Typhus- und Paratyphuserkrankungen werden gegenwärtig importiert, insbesondere aus Entwicklungsländern, in denen Typhus und Paratyphus stark verbreitet sind und die häufig beliebte Reiseziele darstellen (z. B. Pakistan, Indien, Thailand, Indonesien, Ägypten, Türkei und Marokko). Paratyphuserkrankungen wurden 1999 besonders häufig bei Touristen nach Reisen in die Türkei beobachtet. Als Infektionsgebiete treten vor allem auch Regionen in Erscheinung, in denen sich die sanitären und allgemein hygienischen Verhältnisse aufgrund von Katastrophen oder Kriegseinwirkung dramatisch verschlechtert haben.
Reservoir für S. Typhi und S. Paratyphi ist der Mensch. In seltenen Fällen können Haustiere Reservoir für S. Paratyphi B sein.
Die Übertragung erfolgt vorwiegend durch die Aufnahme von Wasser und Lebensmitteln, die durch Ausscheidungen kontaminiert wurden. Eine direkte fäkal-orale Übertragung von Mensch zu Mensch ist möglich, aber von untergeordneter Bedeutung. Die mittlere Infektionsdosis, die zu einer Erkrankung führt, sind 105 Keime. Allerdings ist die erforderliche Zahl der Keime abhängig von der Empfänglichkeit des Patienten (Alter, Immunitätslage, Grundleiden) und vom Vehikel der Übertragung (Wasser oder Lebensmittel).
3-60 Tage, im Mittel 10 Tage.
Ansteckungsgefahr besteht während der Erkrankung und während der anschließenden Keimausscheidung im Stuhl nach klinischer Heilung. Diese kann sich über Wochen hinziehen und in eine lebenslange symptomlose Ausscheidung übergehen.
Die vom RKI für Salmonella Typhi (Typhus abdominalis) verfasste Falldefinitionen des Robert Koch-Instituts zur Übermittlung von Erkrankungs- oder Todesfällen und Nachweisen von Krankheitserregern - Ausgabe 2004 pdf (1617 KB) kann im Internet eingesehen werden. Den Gesundheitsämtern liegen die Falldefinitionen des RKI als Broschüre vor. Sie kann bei Einsendung eines mit 2,20 € frankierten und rückadressierten DIN-A4-Umschlages an folgende Adresse kostenfrei bestellt werden:
RKI, Abt. für Infektionsepidemiologie, FG Surveillance
Stichwort "Falldefinitionen".
Typhus/Paratyphus werden vielfach mit einer Grippe oder bei Tropenrückkehrern mit einer Malaria verwechselt. Bei jeder über 4 Tage dauernden hochfieberhaften Erkrankung ohne zunächst feststellbaren Organbefund müssen diese Krankheiten in die differentialdiagnostischen Überlegungen einbezogen werden, insbesondere wenn Reisen in die Typhus-Endemiegebiete Afrikas, Südostasiens oder Südamerikas erfolgt sind.
Folgende Laborbefunde geben Hinweise:
unspezifische Veränderungen einiger Laborparameter, z. B. geringe Erhöhung der Leberenzyme, geringe Erhöhung von C-reaktivem Protein und der Blutsenkungsgeschwindigkeit.
Erregernachweis: Die beweisende Diagnostik des Typhus oder Paratyphus ist der Erregernachweis, der aus Blut, Knochenmark, Harn, Stuhl und Duodenalsekret erfolgen kann. Der Nachweis gelingt am sichersten mit kultureller Anzucht aus Blut im Stadium der Kontinua bei nicht antibiotisch behandelten Patienten. Stuhlkulturen sind in dieser Zeit häufig negativ, sie werden in etwa 75 % der Fälle in der 2.-3. Woche positiv. Die Übersendung isolierter Stämme an das NRZ für Salmonellen und andere bakterielle Enteritiserreger ist im Interesse der nationalen Surveillance wünschenswert.
Antikörpernachweis: Der einfachste Test ist die Bestimmung agglutinierender Antikörper gegen O- oder H-Antigene im Serum (Widal-Test). Dieser Test ist jedoch hinsichtlich der Sensitivität und Spezifität nicht ausreichend und nur in engem Zusammenhang mit einer klinisch oder epidemiologisch gesicherten Typhus-Infektion aussagekräftig. Titer ab 1:2000 oder ein 4-facher Titeranstieg können außerhalb der Endemiegebiete, z. B. in Deutschland, als serologischer Hinweis auf eine Infektion gewertet werden.
Der parenteral zu verabreichende Impfstoff aus hochgereinigtem Vi-Antigen ist ebenfalls gut verträglich und bietet nach einmaliger Gabe bis zu 60 % der geimpften Erwachsenen und Kinder (über 2 Jahre) einen Impfschutz bis zu 3 Jahren.
Personen, die an Typhus oder Paratyphus erkrankt sind oder bei denen der Verdacht auf eine Erkrankung besteht, dürfen nicht in Lebensmittelbetrieben tätig sein. Das gilt auch für Personen, die zeitweilige Ausscheider bzw. Dauerausscheider von S. Typhi oder S. Paratyphi sind. Diese Personen dürfen gemäß § 42 des Infektionsschutzgesetzes (§ 17 BSeuchG) beim Herstellen, Behandeln, oder Inverkehrbringen bestimmter Lebensmittel (s. nachfolgende Aufstellung) nicht tätig sein, wenn sie mit den Lebensmittel in Berührung kommen. Das gilt auch für Beschäftigte in Küchen von Gaststätten und sonstigen Einrichtungen mit oder zur Gemeinschaftsverpflegung.
Nach § 34 des Infektionsschutzgesetzes (§ 45 BSeuchG) dürfen Personen in Gemeinschaftseinrichtungen keine Lehr- oder Aufsichtstätigkeiten bzw. sonstige Tätigkeiten ausüben, bei denen sie Kontakt zu den dort Betreuten haben, bis nach ärztlichem Attest eine Weiterverbreitung der Krankheit nicht mehr zu befürchten ist Ebenfalls gilt für die in Gemeinschaftseinrichtungen Betreuten, dass sie diese nicht besuchen dürfen, bis eine Weiterverbreitung der Erkrankung nicht mehr zu befürchten ist.
Nach § 3 des Bundes-Seuchengesetzes sind Krankheitsverdacht, Erkrankung und Tod an Typhus und Paratyphus sowie das Ausscheiden von S. Typhi, S. Paratyphi A, B und C meldepflichtig. Diese Meldepflicht wird auch nach Inkrafttreten des Infektionsschutzgesetzes bestehen bleiben (§ 6). Nach § 7 IfSG wird der Erregernachweis von S. Typhi und Paratyphi, auch bei gesunden Personen (zeitweilige oder dauernde Ausscheider) meldepflichtig sein.
Leitung: Herr Prof. Dr. H. Tschäpe
Tel.: 0 39 43 . 679 - 206, Fax: 0 39 43 . 679 - 207
E-Mail: Prof. Dr. Helmut Tschäpe
Tropenmedizin in Klinik und Praxis: hrsg. v. W. Lang u. T. Löscher. - 3., völlig neu bearb. und erw. Aufl. - Georg Thieme Verlag, Stuttgart, New York, 2000, S. 206-221
Harrison innere Medizin: Anthony S. Fauci (ed.) et al. (Hrsg. der 14. dt. Ausg. W. E. Berdel). - McGraw-Hill, London, Frankfurt am Main, 1999, S. 1136-1140
Darai G, Handermann M, Hinz E, Sonntag H-G (Hrsg.): Lexikon der Infektionskrankheiten. Springer-Verlag 1997, S. 471-474
Mandell GL, Bennett JE, Dolin R (ed.): Principles and Practice of Infectious Diseases. Churchill Livingstone Inc, New York, 1995, S. 2013-2032
Benenson AS (ed.): Control of Communicable Diseases Manual. American Public Health Association, 1995, S. 502-507
RKI: Darminfektionen (Jahresbericht 1998). Epid Bull 15/99: 99-106
RKI: Paratyphus B nach Türkei-Reisen. Epid Bull 45/99: 333-334
RKI: Darminfektionen (Jahresbericht 1999). Epid Bull 23/2000: 183-187
Typhus (Typhus abdominalis) und Paratyphus. Merkblatt für Ärzte. Hrsg. v. RKI u. BgVV. Deutscher Ärzte-Verlag, Postfach 400265, 50832 Köln
Empfehlungen für die Wiederzulassung in Schulen und sonstigen Gemeinschaftseinrichtungen. Typhus abdominalis, Paratyphus. Merkblatt für Ärzte. Hrsg. v. RKI u. BgVV. Deutscher Ärzte-Verlag, Postfach 400265, 50832 Köln
Schöneberg I, Gericke B, Müller B: Erkrankungen an Paratyphus in Deutschland. Bundesgesundheitsbl - Gesundheitsforsch - Gesundheitsschutz 2000; 43: 264-271
Tschäpe H: 1999 Ansteckungsgefahr durch Typhus-Bakterien bei Reisen ins Ausland. Immunologie & Impfen 1999; 2: 60-66
WHO: Typhoid Fever.
CDC: Typhoid Fever.
Hinweise zur Reihe >Ratgeber Infektionskrankheiten< bitten wir an das RKI, Abteilung für Infektionsepidemiologie (Tel.: 030/4547 3312; Fax: 030/4547 3533) oder an die Redaktion des Epidemiologischen Bulletins zu richten.