Source: http://quebecare.de/pflegeversicherung/
Timestamp: 2018-10-22 12:07:38
Document Index: 185514273

Matched Legal Cases: ['§ 14', '§ 45', '§ 37', '§ 45', '§ 14', '§ 14', '§ 45', '§ 14', '§ 45', '§ 14']

Pflegeversicherung – QuebeCare
Gesundheitszentrum Horst
Hotline: +49 (0) 2 09 / 51 66 13
Pflegestufen Beschreibung und Leistungen:
Wenn Sie eine Beratung wünschen oder Hilfe bei Anträgen benötigen, dann rufen Sie uns unter folgender Telefonnummer an und vereinbaren Sie einen Termin.
Telefon: 0209-9518123
Das Pflegestärkungsgesetz II hat das SGB XI, das Sozialgesetzbuch XI, das Pflegeversicherungsgesetz, geändert.
Das System der Pflegegrade hat im Vergleich zum System der alten Pflegestufen eine niedrigere Einstiegsschwelle hinsichtlich der Leistungen der Pflegeversicherung gebracht. Das bedeutet, dass es einfacher ist, den Pflegegrad 1 zu erhalten als seinerzeit die Pflegestufe 1. Weitgehend selbstständige Hilfsbedürftige erhielten nach dem alten System keine Pflegestufe. Jetzt können sie den Pflegegrad 1 mit entsprechenden Leistungen aus der Pflegeversicherung beziehen. Es muss lediglich eine „geringe Beeinträchtigung der Selbstständigkeit“ festgestellt werden.
Es sind vor allem ältere Menschen, die unter wenigen Krankheitssymptomen oder nur eine leichte Demenz haben, noch weitgehend selbstständig und fast ohne fremde Hilfe ihren Alltag meistern können, die von der Pflegereform profitieren. Sie werden mit der geringfügig beeinträchtigten Selbstständig größtenteils den Pflegegrad 1 erhalten.
Voraussichtlich wird sich die Zahl der Leistungsempfänger so künftig schrittweise um 500.000 Menschen erhöhen.
§ 14 SGB XI definiert den Pflegegrad 1 ab dem 1. Januar 2017 wie folgt:
Definition Pflegegrad 1
Wenn die bei der Begutachtung festgestellten Gesamtpunkte folgende Anzahl erreicht, sind pflegebedürftige Personen in den Pflegegrad 1 einzuordnen: ab 12,5 bis unter 27 Gesamtpunkten.
Der Pflegegrad 1 bedeutet eine „geringe Beeinträchtigungen der Selbständigkeit oder der Fähigkeiten“.
Der Gesetzgeber ist dem Abschlussbericht „Analysen für die Entwicklung von Empfehlungen zur leistungsrechtlichen Ausgestaltung des neuen Pflegebedürftigkeitsbegriffs“ gefolgt, den das Institut für Pflegewissenschaft an der Universität Bielefeld (IPW) und der Medizinische Dienst der Krankenversicherung Westfalen-Lippe (MDK WL) im Auftrag des Bundesgesundheitsministeriums erstellt haben.
Also: Wer körperlich und geistig noch recht beweglichen und nur geringfügig hilfsbedürftig ist, erhält den Pflegegrad 1, wenn er vom Gutachter des Medizinischen Dienst der Krankenversicherung (MDK; bei gesetzlich Versicherten) eine Mindestanzahl von 12,5 Punkten zugeschrieben erhält. Diese Punkte werden nach dem Neuen Begutachtungsassessment ermittelt, einem Verfahren zur Einschätzung der Selbstständigkeit in sechs Aktivitätsbereichen.
Der Pflegegrad 1 erfordert eine Antragstellung, da keine alte Pflegestufe diesem entspricht und somit keine automatische Umwandlung von Pflegestufe in Pflegegrad erfolgen kann.
Was ist der Pflegegrad 1?
Der Pflegegrad 1 entspricht der bisherigen Pflegestufe 0.
Er wird für pflegebedürftige Personen vergeben, bei denen keine eingeschränkte Alltagskompetenz festgestellt wird. Beispielsweise können Personen mit mäßigen, rein motorischen Einschränkungen etwa aufgrund von Wirbelsäulen-, Gelenkerkrankungen oder Restlähmung nach Schlaganfall, die Probleme mit dem Gehen und Stehen haben, in den Pflegegrad 1 eingruppiert werden.
Wer körperlich und geistig noch recht beweglichen und nur geringfügig hilfsbedürftig ist, erhält den Pflegegrad 1, wenn er vom Gutachter des Medizinischen Dienst der Krankenversicherung (MDK; bei gesetzlich Versicherten) oder der MEDICPROOF (bei privat Versicherten) eine Mindestanzahl von 12,5 Punkten zugeschrieben erhält. Diese Punkte werden nach dem Neuen Begutachtungsassessment ermittelt, einem Verfahren zur Einschätzung der Selbstständigkeit in sechs Aktivitätsbereichen.
Aufgrund der motorischen Beeinträchtigungen sind insbesondere teilweise Hilfe beim Waschen und Kleiden der unteren Extremität, beim Verlassen des Hauses und bei der hauswirtschaftlichen Versorgung notwendig. Der Bedarf an Grundpflege liegt im täglich durchschnittlich zwischen 27 und 60. Die Toilettenbenutzung erfolgt selbständig oder aber es ist eine eingeschränkte Hilfe notwendig.
Eine psychosoziale Unterstützung der Menschen, die den Pflegegrad 1 zuerkannt bekommen haben, ist lediglich in geringem Umfang erforderlich. So wird beispielsweise auf die Notwendigkeit der Erledigung von finanziellen oder behördlichen Angelegenheiten außer Haus hingewiesen.
Ein nächtlicher Hilfebedarf besteht nicht.
Präsenz am Tage
Eine Präsenz von Hilfspersonen für die im Pflegegrad 1 eingestuften Personen am Tage außerhalb der pflegerischen Hilfen ist nicht notwendig. Die betroffene Person ist fähig, sich selbst zu helfen bzw. eigene Bedürfnisse zurückzustellen, bis Hilfe eintrifft. Oder aber sie kann sich telefonisch Hilfe anfordern.
Die betroffene Person des Pflegegrades 1 hat keinen oder nur geringen Unterstützungsbedarf beim Umgang mit krankheits- oder therapiebedingten Anforderungen. Wenn ja, handelt es sich hauptsächlich um Hilfen beim Stellen der Medikamente.
Üblicherweise wird die Hilfe für Betroffene des Pflegegrades 1 von Familienangehörigen, Freunden oder Bekannten erbracht. In Ausnahmefällen ist eine Sachleistung in Form eines Pflegedienstes notwendig.
Voraussetzungen für den Pflegegrad 1 nach dem NBA
Der Pflegegrad 1 hat zur Voraussetzung, dass hilfebedürftige Pflegeversicherte Neuen Begutachtungsassessment (NBA), dem neuen Begutachtungsverfahren ab 2017 zwischen 12,5 und unter 27 Punkte erhalten. Folgende sechs Bereiche werden hinsichtlich der Selbstständigkeit des Antragstellers geprüft:
1. Mobilität: Beispiel: Wie selbstständig kann der Antragsteller noch Treppen steigen oder aus dem Bett aufstehen?
2. Kognitive und kommunikative Fähigkeiten: Beispiel: Wie kann sich der Antragsteller in seinem Alltag örtlich und zeitlich orientieren? Ist er in der Lage, noch selbst Entscheidungen zu treffen?
3. Verhaltensweisen und psychische Problemlagen: Beispiel: Sind Unruhezustände beim Antragsteller festzustellen. Hat er Auffälligkeiten in seinem Verhalten, das motorisch bedingt ist.
4. Selbstversorgung: Beispiel: Kann sich der Antragsteller noch selbst Waschen, sich An- und Auskleiden oder Mahlzeiten zubereiten?
5. Bewältigung und selbstständiger Umgang mit krankheits- oder therapiebedingten Anforderungen und Belastungen: Beispiel: Kann der Antragsteller seine Medikamente selbst stellen?
6. Gestaltung des Alltagslebens und sozialer Kontakte: Beispiel: Hat der Antragsteller soziale Kontakte, beschäftigt er sich selbst?
Die Gutachter des MDK bewerten die noch vorhandene Selbständigkeit in allen sechs Bereichen mittels Punkten. Je geringer der Grad der Selbstständigkeit desto mehr Punkte gibt es. Die Punkte werden gewichtet und addiert. Aus ihnen errechnet sich, ob ein Pflegegrad gegeben ist. Für jeden Pflegegrad ist eine Spanne an Punkten vorgegeben.
Hilfebedürftige mit Pflegegrad 1 erhalten nur wenige Leistungen der Pflegekasse, da sie noch weitgehend selbstständig sind. Sie sind in der Lage, sich noch selbst zu versorgen und ihren Alltag in den meisten Bereichen noch ohne Hilfe meistern.
Kein Pflegegeld und keine Pflegesachleistungen bei Pflegegrad 1
Der Pflegegrad 1 rechtfertigt
– keinen Anspruch auf Pflegegeld bei der Pflege durch Angehörige und
– keinen Anspruch auf Pflegesachleistungen bei der Versorgung durch einen professionellen ambulanten Pflegedienst.
Versicherten mit zuerkanntem Pflegegrad 1 haben einen Anspruch auf 125 Euro für Betreuungs- und Entlastungsleistungen. Diese Geldleistung können sie aber auch für die Grundpflege durch einen ambulanten Pflegedienst einsetzen.
Betreuungs- und Entlastungsleistungen bei Pflegegrad 1
Der festgestellte Pflegegrad 1 gibt einen Anspruch auf den einheitlichen „Entlastungsbeitrag“ von monatlich 125 Euro für Betreuungs- und Entlastungsleistungen der Pflegekasse. Nach dem alten Recht gab es lediglich in der Regel 104 Euro, in besonderen Fällen 208 Euro.
Wozu dient dieses Geld?
Der Pflegebedürftige mit der Pflegestufe 1 soll damit zum Beispiel
an einer Betreuungsgruppe für leicht Hilfsbedürftige teilnehmen, um so geistig und körperlich aktiviert zu werden,
einen Alltagsbegleiter bezahlen, der etwa für Gespräche oder Spaziergänge oder Einkäufe zur Verfügung steht,
eine Haushaltshilfe engagieren, die beim Putzen der Wohnung hilft oder anstrengende Hausarbeiten übernimmt.
Kurzzeitpflege bei Pflegegrad 1
Hilfebedürftige mit Pflegegrad 1 haben keinen Anspruch auf Kurzzeitpflege. Sind sie z.B. nach einem Klinikaufenthalt noch vorübergehend auf professionelle Pflege angewiesen, bezahlt dies die Pflegekasse nicht.
Natürlich können die Versicherten mit Pflegegrad 1 den Anspruch auf Entlastungsleistungen nach § 45b SGB XI für die Kosten der Kurzzeitpflege nutzen. Dieser beträgt allerdings nur 125 Euro.
Dennoch besteht keine Versorgungslücke für solche Personen, die aus dem Krankenhaus entlassen werden, jedoch noch nicht in der Lage sind, an einer Rehabilitationsbehandlung teilzunehmen, und auch kein soziales Umfeld für eine häusliche Pflege aufweisen. Es besteht ein Anspruch gegen die Krankenversicherung nach § 37 Abs. 1a und 39c SGB V auf sog. Überleitungspflege – eine Form einer erweiterten Haushaltshilfe – oder auf Kurzzeitpflege. Dieser Anspruch ist entsprechend den Regelungen der Pflegeversicherung ausgestaltet, das bedeutet, dass ein Anspruch für maximal 4 Wochen bzw. in Höhe von 1.612 Euro pro Kalenderjahr gegeben ist.
Verhinderungspflege bei Pflegegrad 1
Versicherten mit Pflegegrad 1 steht kein Anspruch Leistungen der Verhinderungspflege bei Urlaub oder Krankheit ihrer pflegenden Angehörigen zu.
Tagespflege- und Nachtpflege bei Pflegegrad 1
Versicherte mit Pflegegrad 1 steht kein Anspruch auf Leistungen für die Tages- oder Nachtpflege (teilstationäre Pflege) zu. Es gilt das gleiche wie zur Kurzzeitpflege; sie können lediglich den monatlichen Entlastungsbeitrag von 125 Euro für die teilstationäre Pflege nutzen.
Weitere Leistungen bei häuslicher Pflege und Pflegegrad 1
Versicherte mit Pflegegrad 1, die zu Hause wohnen, haben einen Anspruch auf folgende Leistungen:
Zuschuss für Wohnraumanpassung:
Um die Wohnung altersgerecht anpassen zu können, beispielsweise durch den Einbau eines Treppenlifts oder den Umbau von der Wanne zur Dusche haben Hilfebedürftige mit Pflegegrad 1 einen Anspruch auf Zuschuss von bis zu 4.000 Euro. Es handelt sich um einen einmaligen Zuschuss für sämtliche Maßnahmen der Barrierereduzierung. Nur dann, wenn sich der Hilfebedarf in Zukunft ändert, kann der Zuschuss u. U. erneut beansprucht werden.
Medizinische Hilfsmittel und Pflegehilfsmittel:
Mit Pflegegrad 1 besteht ein Anspruch auf medizinische Hilfsmittel und Pflegehilfsmittel. Dieser beinhaltet Zuschüsse für den Anschluss und Betrieb eines Hausnotrufsystems, ein sog. technisches Pflegehilfsmittel. Hierzu werden monatlich 18,36 Euro und zusätzlich einmalig 10,49 Euro gezahlt.
Es gibt eine Pauschalförderung von zum Verbrauch bestimmten Hilfsmitteln von monatlich 40 Euro.
Zudem hat jede Pflegekasse ein Hilfsmittelverzeichnis bzw. einen Hilfsmittelkatalog.
Mit der Pflegereform 2017 weggefallen ist das Erfordernis gesonderte Anträge auf medizinische Hilfsmittel und Pflegehilfsmittel Die vom Gutachter empfohlenen Hilfsmittel gelten künftig automatisch als beantragt, wenn die Betroffenen oder ihre Betreuer damit einverstanden sind. Das sehen die Begutachtungsrichtlinien des Spitzenverbandes Bund der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) vor.
Versicherte mit Pflegegrad 1 haben Anspruch auf kostenlose Pflegekurse für ihre Angehörigen und ehrenamtlichen Pflegepersonen entsprechend § 45 SGB XI.
Kostenlose Beratung und Beratungsbesuche:
Versicherten mit Pflegegrad 1steht ein Anspruch auf Beratung zu. Sie können sich etwa für eine bessere pflegerische Versorgung oder zum altersgerechten Wohnraumumbau beraten lassen. Die Pflegeversicherung übernimmt zudem die Kosten für die vorgeschriebenen regelmäßigen Beratungsbesuche durch geschulte Pflegekräfte
Die oben bereits erwähnten Pflegeleistungen zur Wohnraumanpassung erhalten höchstens vier Versicherte mit mindestens Pflegegrad 1 auch, wenn sie in eine ambulant betreute Wohngruppe oder Senioren-Wohngemeinschaft (WG) einziehen. Zusätzlich besteht ein Anspruch für maximal vier Bewohnern auf einen einmaligen Einrichtungszuschuss in Höhe von 2.500 Euro und ein monatlicher Zuschuss zur Beschäftigung einer Organisationskraft von jeweils 214 Euro zu.
Leistungen für die stationäre Pflege in einem Pflegeheim werden von der Pflegekasse für Versicherte mit Pflegegrad 1 nicht übernommen. Wer dennoch in ein Altenheim ziehen will, muss die Kosten für die stationäre Pflege und die anfallenden Eigenbeiträge für Unterkunft, Verpflegung und anteilige Investitionskosten allein. Natürlich kann der monatlichen Entlastungsbeitrag von 125 Euro dafür angerechnet werden
Nach Inkrafttreten der Pflegereform am 1. 1. 2017 erhalten den Pflegegrad 2 zugewiesen versicherte Antragsteller, die laut Gutachter des Medizinischen Dienstes der Krankenkassen (MDK) „in ihrer Selbstständigkeit erheblich beeinträchtigt“ sind.
Anerkannt Pflegebedürftige mit der Pflegestufe 0 oder Pflegestufe 1 erhalten ab dem 1. Januar 2017 automatisch den Pflegegrad 2 ohne erneut begutachtet zu werden.
Umwandlung Pflegestufen 1 oder 0 in Pflegegrad 2
Ende 2016 waren schätzungsweise 2,8 Millionen Menschen in Deutschland pflegebedürftig mit einer anerkannter Pflegestufe 1 oder 0. Mit dem 1. Januar 2017 wurden sie in den Pflegegrad 2 überführt. Sie genießen hinsichtlich der Leistungen der Pflegekasse Bestandschutz und erhalten Leistungen im mindestens gleichen Umfang wie vor der Pflegereform. Durch die Umstellung von Pflegestufe zu Pflegegrad wird niemand schlechter gestellt.
Pflegebedürftige, die zum 31.12.2016 bereits eine anerkannte Pflegestufe haben, müssen weder einen neuen Antrag stellen noch neu begutachtet werden. Sie werden automatisch in den neuen Pflegegrad überführt und erhalten die entsprechenden Leistungen.
Wie vollzieht sich die Umwandlung im Detail?
Körperlich pflegebedürftige Versicherte mit der bisherigen Pflegestufe 1 erhalten automatisch den Pflegegrad 2.
Demenzkranke Betreuungsbedürftige ohne Pflegestufe, also Personen der sogenannten Pflegestufe 0, was eingeschränkte Alltagskompetenz bedeutet, erhalten ebenfalls automatisch den Pflegegrad 2.
Definition Pflegegrad 2
Das Pflegestärkungsgesetz II hat das SGB XI geändert. § 14 SGB XI definiert den Pflegegrad 2 ab dem 1. Januar 2017 wie folgt:
Wenn die bei der Begutachtung festgestellten Gesamtpunkte folgende Anzahl erreicht, sind pflegebedürftige Personen in den Pflegegrad 2 einzuordnen: ab 27 bis unter 47,5 Gesamtpunkten.
Der Pflegegrad 2 bedeutet eine „erhebliche Beeinträchtigunge der Selbständigkeit oder der Fähigkeiten“.
Also: Versicherte erhalten den neuen Pflegegrad 2 dann, wenn ihnen im Rahmen des Neuen Begutachtungsassessements (NBA) vom Gutachter des Medizinischen Dienstes der Krankenversicherung in insgesamt sechs Aktivitätsbereichen zwischen 27 und 47,5 Punkte zuerkannt worden sind. Dabei wird die noch vorhandene Selbstständigkeit des Antragstellers und zwar in Bezug auf sowohl körperliche, als auch psychische und kognitive Beeinträchtigungen untersucht. Je weniger selbstständig der Antragsteller ist, desto mehr Punkte und einen umso höheren Pflegegrad erhält er.
Bereits am 21.12.16 anerkannte Pflegebedürftige mit Pflegestufe 0 oder 1 erhalten automatisch den Pflegegrad 2. Sie genießen Bestandsschutz, werden nicht schlechter gestellt und müssen nicht neu begutachtet werden (s.o.).
Voraussetzungen: Was ist der Pflegegrad 2?
Der Pflegegrad 2 hat zur Voraussetzung, dass eine „erhebliche Beeinträchtigung der Selbstständigkeit“ beim Antragsteller vorliegt, die von einem Gutachter das MDK im Verfahren des Neuen Begutachtungsassessments (NBA) festgestellt wird. Der Gutachter untersucht den Antragsteller hinsichtlich der folgenden sechs Bereichen:
Mobilität: Beispiel: In welchem Grad bewegt sich der Antragsteller noch selbständig fort? Inwieweit ist er in der Lage seine Körperhaltung zu ändern?
Kognitive und kommunikative Fähigkeiten: Beispiel: Ist eine örtliche und zeitliche Orientierung im Alltag noch möglich? Ist der Antragsteller in der Lage für sich selbst Entscheidungen zu treffen? Kann er in Gesprächen seine Bedürfnisse erklären?
Verhaltensweisen und psychische Problemlagen: Beispiel: Liegen psychische Probleme vor? Ist er ängstlich oder aggressiv? Wie häufig benötigt der Antragsteller Hilfe wegen dieser psychischer Probleme?
Selbstversorgung: Beispiel: Inwieweit ist der Betroffene fähig, sich täglich selbständig zu waschen und zu pflegen?
Bewältigung und selbstständiger Umgang mit krankheits- oder therapiebedingten Anforderungen und Belastungen: Beispiel: Welche Hilfe ist für den Betroffenen beim Umgang mit Krankheit und Behandlungen notwendig wie z. B. bei einem Verbandswechsel oder der Gabe von Medikamenten?
Gestaltung des Alltagslebens und sozialer Kontakte: Beispiel: Inwieweit kann der Antragsteller seinen Tagesablauf planen oder Kontakte mit Freunden oder Angehörigen pflegen?
Während des Begutachtungsverfahrens werden für jeden der sechs Bereiche unterschiedlich hohe Punkte vergeben, wobei die Bereiche unterschiedlich gewichtet werden. Nach einem speziellen Verfahren wird eine Gesamtpunktzahl berechnet und ein Pflegegrad zugewiesen.
Der Pflegegrad 2 wird wie nachfolgend dargestellt definiert bzw. anhand von Beispieldiagnosen näher umrissen.
In den Pflegegrad 2 werden Personen mit und ohne Einschränkung der Alltagskompetenz eingestuft.
Personen ohne Einschränkung der Alltagskompetenz
Beispielsweise gehören zur Gruppe der Personen ohne Einschränkung der Alltagskompetenz im Pflegegrad 2 Pflegebedürftige mit stärker ausgeprägten Störungen des Bewegungsapparates sowie mit Folgen eines Schlaganfalls.
Der Grundpflegebedarf im Sinne des SGB XI bei dieser Personengruppe des Pflegegrades 2 liegt zwischen 30 und 127 Minuten.
Fast alle Personen benötigen neben Hilfen beim Waschen und Kleiden auch Unterstützung beim Toilettengang. Dies heißt, dass nicht nur einmal täglich bei zwei Verrichtungen oder morgens und abends bei der Grundpflege Hilfe erforderlich ist, sondern der Hilfebedarf mindestens drei bis maximal 15 Mal täglich zu verschiedenen Zeiten anfällt. Viele Betroffene wohnen allein, so dass wenigstens vier pflegerische Einsätze durch Angehörige oder Pflegedienste geleistet werden müssen. Selbst wenn lediglich 30 Minuten direkte Pflegeleistungen für die Person erbracht werden, ist so der personelle Einsatz durch An- und Abfahrt wesentlich höher.
Psychosozialer Unterstützungsbedarf besteht bei Personen des Pflegegrades 2 ohne Einschränkung der Alltagskompetenz überwiegend bei der Erledigung von finanziellen oder behördlichen Angelegenheiten, eventuell aber auch bei der Kontaktpflege nach außen.
Nächtliche Hilfen sind bei einigen Personen des Pflegegrades 2 dieser Gruppe je einmal pro Nacht notwendig.
Personelle Präsenz am Tage ist nicht notwendig.
In der Regel haben alle Betroffenen einen erheblichen oder hohen Unterstützungsbedarf beim Umgang mit krankheitsbedingten Anforderungen, Hilfen bei der Medikamentengabe, beim Spritzen von Insulin oder bei Arzt- oder Therapeutenbesuchen.
Nur zu einem zeitlich geringen Teil werden die Hilfen als Sachleistungen durch einen Pflegedienst erbracht, etwa einmal pro Woche als Hilfe zum Baden oder wenn der Angehörige in Ausnahmefällen beruflich abwesend ist. Es ist auch möglich, dass der Pflegedienst etwa 2 Mal am Tag kommt. Überwiegend werden die Hilfen aber durch Angehörige erbracht.
Personen, die mit einem Grundpflegeaufwand von 30 Minuten nach der alten Regelung (Pflegestufen) keinen Anspruch auf Leistungen der Pflegeversicherung hatten, können nach der Neuregelung im SGB XI jedoch den Pflegegrad 2 erhalten. Das kann etwa bei alleinlebenden Personen mit erheblichen Mobilitätsbeeinträchtigungen, allgemeiner Schwäche und Schwindel der Fall sein, die nur einmal täglich die Hilfe eines Pflegedienstes zur Grundpflege in Anspruch nehmen, , ansonsten morgens und abends Unterstützung von einem Angehörigen bei der Nahrungszubereitung und hauswirtschaftlichen Tätigkeiten erhalten.
Zur Gruppe der Personen im Pflegegrad 2 mit erheblich oder in erhöhtem Maße eingeschränkter Alltagskompetenz gehören beispielsweise Personen mit einer Demenz im Anfangsstadium. Körperlich Beeinträchtigungen können, müssen aber nicht hinzu kommen.
Personen im Pflegegrad 2 mit eingeschränkter Alltagskompetenz ohne motorische Beeinträchtigungen brauchen nur Impulsgaben und Kontrollen, dann führen Sie die Maßnahmen der Grundpflege selbständig durch. Der Zeitaufwand in diesem Bereich liegt deshalb bei nur 8 bzw. 10 Minuten. Bei diesem konkreten Zeitaufwand handelt es sich um eine Aufforderung, kurze Anleitung oder Kontrolle zur Durchführung der notwendigen grundpflegerischen Verrichtungen oder zum Toilettengang. Diese 8 oder 10 Minuten Hilfeleistung sind zudem verteilt über den Tag. Sie sind etwa 10 Mal täglich notwendig.
Bei den Betroffenen können auch zusätzliche körperlich Beeinträchtigungen bestehen, die zu einem höheren Grundpflegebedarf von 51 bzw. 58 Minuten führen, etwa durch Teilübernahme von Hilfe beim Waschen und Kleiden und bei den Toilettengängen, wobei die Häufigkeit der Hilfen bei etwa 4 Mal pro Tag liegt.
Die Personen des Pflegegrades 2 mit Einschränkungen in der Alltagskompetenz benötigten zwischen 5 und 10 Mal am Tag psychosoziale Unterstützung.
Die Unterstützung bezieht sich auf die Tagesstrukturierung, beinhalt Gespräche, Vorlesen, Einbeziehen in Alltagsaktivitäten im Haushalt oder Beschäftigungsangebote.
Die Betroffenen leben mit Familienangehörigen zusammen und werden den ganzen Tag über immer wieder angesprochen und einbezogen. Die konkreten Betreuungsleistungen (z.B. Ansprache) findet parallel zu anderen Tätigkeiten der Pflegepersonen statt, beispielsweise beim gemeinsamen Vorbereiten des Mittagessens.
Die Betroffenen können aber auch alleine leben und von außerhalb wohnenden Angehörigen mehr oder minder regelmäßig besucht werden. Dann fehlen oft Ansprache und psychosoziale Betreuung im ausreichenden Maß oder werden nur unzureichend im Rahmen der Einsätze des Pflegedienstes oder der Besuche von Angehörigen oder Nachbarn erbracht.
Nächtlicher Hilfebedarf besteht für Personen im Pflegegras 2 mit eingeschränkter Alltagskompetenz in aller Regel nicht.
Die betroffenen Personen müssen beobachtet werden, um zu erkennen, wann ein Eingreifen notwendig ist. Dies ist Im familiären Umfeld gewährleistet. Bei alleinlebenden Personen sind in der Regel 5 Einsätze täglich organisiert. Alle Personen sind noch in der Lage, im gewohnten Umfeld über einige Stunden alleine zurechtzukommen. Mit außergewöhnlichen Situationen sind sie jedoch überfordert.
Überwiegend ist eine Hilfe bei der Medikamentengabe notwendig.
Alleinlebende Personen erhalten, wie erwähnt, 2 bis 5 Mal am Tag Sachleistungen durch einen Pflegedienst und zwischenzeitlich Besuche durch Angehörige oder Nachbarn. Weitere Betreuungsangebote wären wünschenswert, etwa eine zugehende niedrigschwellige Betreuung.
Hilfebedürftige Versicherte mit dem Pflegegrad 2 haben Anspruch auf Leistungen der Pflegekasse, die wir im folgenden beschreiben.
Pflegegeld und Pflegesachleistungen bei Pflegegrad 2
Der Pflegegrad 2 rechtfertigt einen
Anspruch auf Pflegegeld bei häuslicher Pflege durch Angehörige oder Freunde oder
einen Anspruch auf Pflegesachleistungen bei Versorgung durch einen ambulanten Pflegedienst.
Pflegebedürftige mit oder ohne Demenz mit dem Pflegegrad 2 erhalten in monatliches Pflegegeld von 316 Euro ab dem 1. Januar 2017 bei häuslicher Pflege durch Angehörige.
Bis zum 31.12.16 wurden 244 Euro für Pflegebedürftige mit der alten Pflegestufe 1 und 123 Euro für Demenzkranke mit der sog. Pflegestufe 0 gezahlt.
Somit erhalten rein körperliche Pflegebedürftige monatlich 72 Euro mehr und Demenzkranke 193 Euro mehr für Pflege durch Angehörige oder Freunde.
Pflegesachleistungen bei Pflegegrad 2
Pflegebedürftigen mit Pflegegrad 2 haben einen Anspruch auf Pflegesachleistungen von 689 Euro pro Monat. Dieses Geld wird nicht an den Pflegebedürftigen ausgezahlt; der ambulante Pflegedienste rechnet direkt mit den Pflegekassen ab.
Bis zum 31.12.2016 wurden als Pflegesachleistung 468 Euro für Pflegebedürftige mit Pflegestufe 1 und 231 Euro für Demenzkranke mit der sogenannten Pflegestufe 0 von der Pflegekasse bereitgestellt.
Rein körperlich Pflegebedürftige erhalten somit ab Januar 2017 221 Euro mehr und Demenzkranken 458 Euro mehr bei der Pflege durch einen ambulanten Pflegedienst.
Der Pflegebedürftige kann sich durch Angehörige bzw. Bekannte und auch gleichzeitig durch einen ambulanten Pflegedienst versorgen lassen. Dann erhält er von der Pflegekasse eine Kombinationsleistung aus Pflegegeld und Pflegesachleistungen. Zu beachten ist, dass der Pflegebedürftige das Pflegegeld in dieser Konstellation nicht in vollem Umfang, sondern nur anteiliges erhält. Sein Anspruch auf Pflegegeld verringert sich um den Prozentsatz der nicht ausgeschöpften Sachleistungen.
Betreuungs- und Entlastungsleistungen bei Pflegegrad 2
Der festgestellte Pflegegrad 2 rechtfertigt den neuen einheitlichen Entlastungsbeitrag von monatlich 125 Euro für Betreuungs- und Entlastungsleistungen. Vor dem 1. Januar 2017 gab es in der Regel 104 Euro, in besonderen Fällen 208 Euro.
Der Pflegebedürftige mit der Pflegestufe 2 soll damit zum Beispiel
an einer Betreuungsgruppe für leicht Hilfsbedürftige oder leicht Demenzkranke teilnehmen, um geistig und körperlich aktiviert zu werden,
einen Alltagsbegleiter engagieren, der für Gespräche und Spaziergänge oder Einkäufe zur Verfügung steht.
Eine Haushaltshilfe bezahlen, die beim Putzen oder sonstiger Hausarbeit hilft.
Pflegesachleistungen und Betreuungsleistungen kombinierbar
Schöpft ein Pflegebedürftiger mit einem Pflegegrad 2 seine Pflegesachleistungen für die Versorgung durch einen ambulanten Pflegedienst in Höhe von 689 Euro nicht voll aus, kann bis zu 40 Prozent davon auf Wunsch auch für weitere Betreuungs- und Entlastungsleistungen in Anspruch nehmen. Er kann also bis zu 275,60 Euro zusätzlich für Betreuung und Entlastung nutzen.
Kurzzeitpflege bei Pflegegrad 2
Ein Hilfebedürftiger mit Pflegegrad 2 hat einen Anspruch auf Kurzzeitpflege, wenn er z. B. nach einem Klinikaufenthalt noch vorübergehend auf professionelle Pflege in einem Pflegeheim angewiesen ist. Die Pflegekasse zahlt grundsätzlich für bis zu 28 Tage im Jahr maximal 1.612 Euro.
Wenn der Pflegebedürftige im laufenden Jahr keine Verhinderungspflege durch einen Pflegedienst bei Krankheit oder Urlaub von pflegenden Angehörigen nutzt, kann für seine Kurzzeitpflege sogar bis zu 3.224 Euro Zuschuss für bis zu acht Wochen im Jahr von der Pflegekasse verlangen.
Während der Zeit der Kurzzeitpflege haben Pflegebedürftige mit Pflegegrad 2 einen Anspruch auf die Hälfte ihres Pflegegeldes von 316 Euro bei häuslicher Pflege durch Angehörige, also auf 158 Euro pro Monat.
Verhinderungspflege bei Pflegegrad 2
Versicherten mit Pflegegrad 2 haben einen Anspruch auf Verhinderungspflege bzw. Urlaubspflege durch professionelle Pflegekräfte bei Urlaub oder Krankheit der pflegenden Angehörigen in Höhe von 1.612 Euro für maximal vier Wochen (28 Tage) pro Kalenderjahr.
Während der Zeit der Verhinderungspflege haben Pflegebedürftige mit Pflegegrad 2 weiter einen Anspruch auf die Hälfte ihres Pflegegeldes von 316 Euro für bis zu sechs Wochen im Jahr, also monatlich 158 Euro.
Wenn der Pflegebedürftige mit Pflegestufe 2 im laufenden Jahr keine Kurzzeitpflege in Anspruch nimmt, hat er einen Anspruch für bis zu sechs Wochen Verhinderungspflege pro Kalenderjahr, was einer Zahlung der Pflegekasse in Höhe von maximal 2.418 Euro entspricht.
Tagespflege bei Pflegegrad 2
Pflegebedürftige mit Pflegegrad 2 haben einen Anspruch auf 689 Euro pro Monat für Tagespflege und Nachtpflege als teilstationäre Pflegeleistungen. Damit entsprechen die Leistungssätze für Tagespflege und Nachtpflege entsprechen den ambulanten Sachleistungen. Der Geldbetrag wird zusätzlich zum genehmigten Pflegegeld bei häuslicher Pflege durch Angehörige gezahlt.
Dies ist eine deutliche Verbesserung im Vergleich zum alten System der Pflegestufen. Danach erhielten Pflegebedürftige mit Pflegestufe 1 468 Euro für die Tages- und Nachtpflege, Pflegebedürftige mit Pflegestufe 0 lediglich 231 Euro.
Weitere Leistungen bei häuslicher Pflege und Pflegegrad 2
Versicherte mit Pflegegrad 2, die zu Hause wohnen, haben Anspruch auf folgende Leistungen:
Kostenlose Beratung und Beratungsbesuche
Dieser Anspruch auf weitere Leistungen bei häuslicher Pflege ist einheitlich für alle Pflegegrade geregelt. Es wird deshalb auf die entsprechenden Ausführungen zu den weiteren Leistungen bei häuslicher Pflege beim Pflegegrad 1 verwiesen.
Stationäre Pflege bei Pflegegrad 2
Versicherte mit Pflegegrad 2 erhalten pro Monatliche 770 Euro für die stationäre Versorgung in einem Alten- oder Pflegeheim.
Vor dem 1. Januar 2017 erhielten Versicherte mit der Pflegestufe 1 1.064 Euro pro Monat von der Pflegekasse. Ab 2017 werden also 294 Euro weniger gezahlt. Demenzkranke mit der so genannten Pflegestufe 0 bekamen allerdings keine Leistungen für die stationäre Pflege. Die Situation dieses Personenkreis ist durch die Pflegereform somit verbessert worden.
Einrichtungseinheitliche Eigenanteile (EEE)
Die Leistung der Pflegekasse deckt nicht die kompletten pflegebedingten Heimkosten ab. Bewohner eines Pflegeheimes müssen – unabhängig von ihrem Pflegegrad – einrichtungseinheitliche Eigenanteile (EEE) zum Pflegesatz des Alten- oder Pflegeheims zahlen. Der pflegebedingte Eigenanteil bleibt immer gleich, auch wenn der Pflegebedarf und der Pflegegrad steigen. Der einrichtungseinheitliche Eigenanteil (EEE) bezieht sich nur auf die pflegebedingten Kosten, die nach Abzug der Kassenleistungen auf die Bewohner umgelegt werden.
Von Pflegeheim zu Pflegeheim variieren dennoch die Kosten der Pflege, weil nicht in jedem Pflegeheim die Pflege gleich teuer ist. So ist etwa die Personalzusammensetzung unterschiedlich und verursacht unterschiedliche Kosten.
Zu diesem EEE, der sich ausschließlich auf die Kosten der Pflege bezieht, also dem pflegebedingten Eigenanteil, kommen bei Heimpflege auch noch die vollständig durch den Bewohner zu finanzierenden Kosten für Unterkunft, Verpflegung sowie anteilige Investitionskosten. Diese weiteren Kosten variieren ohnehin von Heim zu Heim und von Bewohner zu Bewohner, da die Heime unterschiedlich ausgestattet sind und auch innerhalb eines Heimes unterschiedlich große Zimmer für die Bewohner zur Verfügung stehen.
Im Rahmen der Pflegereform des Zweiten Pflegestärkungsgesetzes (PSG II) sind die drei Pflegestufen ab dem 1. Januar 2017 durch fünf Pflegegrade ersetzt worden.
Der Pflegegrad 3 wird Versicherten mit einer „schweren Beeinträchtigung der Selbstständigkeit“ zuerkannt.
Versicherten, die an einer Demenzerkrankung leiden und vor dem 1. Januar 2017 bereits die Pflegestufe 1 zuerkannt hatten sowie Versicherte, die vor dem 01.01.2017 die Pflegestufe 2 zuerkannt hatte, erhalten automatisch den Pflegegrad 3.
Umwandlung Pflegestufe 2 oder 1 mit Demenz in Pflegegrad 3
Die Bundesregierung hat zugesagt, dass kein bisher anerkannter Pflegebedürftiger oder Demenzkranker durch das Pflegestärkungsgesetz II schlechter gestellt wird als bisher. Das ist auch gesetzlich geregelt und in Form des sog. Bestandsschutzes festgehalten. Daher werden die bereits anerkannten Menschen mit Pflegestufe automatisch in einen neuen Pflegegrad überführt und erhalten alle ihre bisherigen Leistungen.
Körperlich Pflegebedürftige mit bisheriger Pflegestufe 2 erhalten automatisch den Pflegegrad 3.
Demenzkranke und körperlich Pflegebedürftige mit bisheriger Pflegestufe 1 erhalten ebenfalls automatisch den Pflegegrad 3.
Definition Pflegegrad 3
Das Pflegestärkungsgesetz II hat das SGB XI geändert. § 14 SGB XI definiert den Pflegegrad 3 ab dem 1. Januar 2017 wie folgt:
Wenn die bei der Begutachtung festgestellten Gesamtpunkte folgende Anzahl erreicht, sind pflegebedürftige Personen in den Pflegegrad 3 einzuordnen: ab 47,5 bis unter 70 Gesamtpunkten.
Der Pflegegrad 3 bedeutet eine „schwere Beeinträchtigung der Selbständigkeit oder der Fähigkeiten“.
Also: Um den Pflegegrad 3 zu erhalten, muss ein Antragsteller im Neuen Begutachtungsassessment (NBA), das von einem Gutachter des Medizinischen Dienstes der Krankenversicherung (MDK) durchgeführt wird, in sechs Bereichen den Grad seiner noch vorhandenen Selbstständigkeit prüfen lassen. Es werden Punkte vergeben und so der Pflegegrad ermittelt. Wenn der Gutachter zwischen 47,5 und unter 70 Punkte festlegt und damit eine schwere Beeinträchtigung der Selbstständigkeit feststellt, so erhält der Antragsteller Pflegegrad 3.
Versicherte, die vor dem 1. Januar 2017 bereits die Pflegestufe 2 anerkannt hatten und Demenzkranke mit Pflegestufe 1 erhalten ab dem 1.1.17 automatisch den neuen Pflegegrad 3 zuerkannt. Die Pflegestufen werden ohne weiteres Zutun der Pflegebedürftigen, also ohne neuen Antrag und ohne erneute Begutachtung, in die entsprechenden Pflegegrade umgewandelt. Für den Versicherten gilt der Bestandschutz: er erhält wenigstens die gleichen Leistungen wie bisher und kann durch die Umstellung nicht schlechter gestellt werden.
Voraussetzungen: Was ist Pflegegrad 3?
Der Pflegegrad 3 hat zur Voraussetzung, dass der Gutachter mindestens 47,5 und weniger als 70 Punkte im Neuen Begutachtungsassessment (NBA), dem neuen Begutachtungsverfahren zur Feststellung der Pflegebedürftigkeit, ermittelt. Es geht um den Grad der Selbstständigkeit, der .in folgenden sechs Bereichen ermittelt wird:
Bewältigung und selbstständiger Umgang mit krankheits- oder therapiebedingten Anforderungen und Belastungen,
Für jeden dieser Bereiche werden nach einem bestimmten System Punkte verteilt, ausgewertet und addiert.
In den Pflegegrad 3 werden Personen mit und ohne Einschränkung der Alltagskompetenz eingestuft, überwiegend, etwa zu drei Vierteln, jedoch mit eingeschränkter Alltagskompetenz, also mit kognitiven Einschränkungen.
Diese Betroffenen des Pflegegrades 3 ohne eingeschränkte Alltagskompetenz haben schwere motorische Beeinträchtigungen. Sie haben beispielsweise Teil-Lähmungen der Arme und Beine als Folge eines Schlaganfalles, eine multiple Sklerose oder Rückenmarkserkrankungen. Sehr viele Personen haben Probleme beim Stehen und Gehen und auch Funktionsstörungen der Arme. Sie sind jedoch in der Lage, sich mit Hilfsmitteln im begrenzten Umfang selbst fortzubewegen und zumindest eine Hand zu gebrauchen.
Kognitiv liegt keine Beeinträchtigung vor. Die Personen haben aber oft aufgrund der schweren Erkrankung eine depressive Stimmungslage.
Bei Personen des Pflegegrades 3 ohne Einschränkung der Alltagskompetenz sind zeitlich umfangreiche Hilfen beim Waschen und Kleiden sowie beim Ausscheiden notwendig. Die Betroffenen können nach Anreichen der notwendigen Gebrauchsgegenstände sich beispielsweise noch das Gesicht waschen, Zähne putzen, Rasieren, mundgerecht zubereitete Nahrung wenigstens teilweise alleine essen und trinken. Oft ist eine Hilfe beim Umsetzen notwendig, manchmal können sich die Betroffenen aber noch begrenzt in der Wohnung bewegen. Der Zeitaufwand bei der Grundpflege liegt zwischen 131 und 278 Minuten. Die Häufigkeit der grundpflegerischen Leistungen liegt zwischen 8 und 14 Mal pro Tag.
Ein psychosozialer Unterstützungsbedarf bei Menschen im Pflegegrad 3 ohne eingeschränkte Alltagskompetenz ist 3 bis 6 Mal am Tag erforderlich, hauptsächlich in Form von Anreichen von Gegenständen zur Beschäftigung, von Telefon, von Fernbedienung, der Regelung finanzieller Angelegenheiten. Aber auch das gemeinsame Fernsehen, Vorlesen, Gespräche, also gemeinsame Beschäftigungen, die auch unter gesunden Personen üblich sind, und Zuspruch bei depressiver Stimmungslage gehören zum Hilfeprogramm. Angehörigen wenden hierfür wenigen Minuten oder aber auch mehreren Stunden täglich auf.
Bei fast allen Personen ist eine nächtliche Unterstützung erforderlich, etwa in Form Hilfestellung beim Lagern oder Ausscheiden.
Alle Betroffenen des Pflegegrades 3 ohne Beeinträchtigung der Alltagskompetenz sind in der Lage, Gefahren zu erkennen und ein Telefon zu bedienen. Sie können über mehrere Stunden alleine in der Wohnung gelassen werden.
Alle Personen dieser Gruppe haben einen erheblichen Unterstützungsbedarf bei der Medikamentengabe, beim Anziehen von Kompressionsstrümpfen, Blutzucker messen und Spritzen von Insulin. Es ist auch möglich, dass Betroffene mehrmals täglich katheterisiert und mehrmals wöchentlich zu Therapien gebracht werden.
Überwiegend werden die umfangreichen Hilfeleistungen für Personen des Pflegegrades 3 ohne eingeschränkte Alltagskompetenz von den Ehepartnern erbracht. Selbstverständlich ist es auch möglich, dass mehrmals wöchentlich ein Pflegedienst eingeschaltet wird.
Atypische Fallbeispiele:
Denkbar ist auch die Fallkonstellation, dass eine berufstätige Ehefrau ihren Mann morgens vor der Arbeit versorgt und ihm Speisen, Getränke, Telefon und Fernbedienung hinstellt, damit er bis zum Nachmittag alleine zurechtkommt.
Noch ein Beispiel: Der Pflegebedürftige kann sich nur in geringem Umkreis alleine mit dem Rollstuhl bewegen. Er kann nicht alleine die Toilette benutzen. An Wochentagen kommt deshalb vormittags ein Pflegedienst, um beim Toilettengang zu helfen. Zweimal wöchentlich übernimmt der Pflegedienst auch das Duschen. Zur Sicherheit trägt der Pflegebedürftige Inkontinenzprodukte. Der festgestellte Zeitaufwand in der Grundpflege spiegelt in diesem Fall mit etwas mehr als 2 Stunden das Ausmaß der Selbständigkeitseinbußen nicht korrekt wider.
Ein weiteres Beispiel: Ein Pflegebedürftiger mit einer multiplen Sklerose hat derzeit einen Hilfebedarf von 280 Minuten, nach der alten Rechtslage war er in Pflegestufe 3 eingruppiert. Er wird von seiner Ehefrau pflegerisch versorgt. Er kann sich alleine beschäftigen, empfängt Besuche in seiner behindertengerechten Wohnung, in der alles auf ihn eingerichtet ist. Er kann im Freien allein mit einem Elektrorollstuhl fahren.
Zu dieser Gruppe der Personen im Pflegegrad 3 mit Einschränkungen der Alltagskompetenz gehören vor allem Menschen mit Demenzerkrankung oder geistiger Behinderung. Wenn überhaupt, liegt nur eine geringe Beeinträchtigung der Mobilität vor.
Alle diese in den Pflegegrad 3 eingestuften Personen benötigen Aufforderung und Anleitung zur Durchführung der Grundpflege, einige auch geringe Teilübernahmen. Alle Personen können wesentliche Anteile der seit Jahren und Jahrzehnten eingeübten Abläufe beim Waschen und Kleiden noch selber durchführen. Sie müssen jedoch zum Toilettengang angeregt werden oder erhalten hier zum Teil Hilfen. Insgesamt liegt der Zeitaufwand in diesem Bereich nur zwischen 8 und 74 Minuten, somit im Bereich der alten Pflegestufe 1. Wie bei der Gruppe der Personen mit Pflegegrad 2 und eingeschränkter Alltagskompetenz finden sich im Bereich Pflegegrad 3 auch Personen mit 8 bis 10 Minuten Grundpflegezeit. Aber auch hier liegt dann eine erhöhte Einsatzfrequenz von 10 Mal pro Tag vor. Andere Personen benötigen hingegen beispielsweise nur einmal täglich eine Anleitung zur Grundpflege, aber dann etwa mindestens 4 Mal pro Tag Hilfe beim Blutzuckermessen und Spritzen von Insulin, beim Einhalten der Diät oder beim Umgang mit einem suprapubischen Blasenkatheter.
In den Bereichen Kognition und Verhaltensweisen liegt bei den Betroffenen des Pflegegrades 3 aus dem Bereich eingeschränkter Alltagskompetenz immer eine schwere bis schwerste Beeinträchtigung vor. Der Bedarf an psychosozialer Unterstützung ist sehr hoch und liegt zwischen 6 Mal pro Tag bis ständig. Alle Betroffenen benötigen Vorgaben zur Tagesstrukturierung und Beschäftigungsangebote. Bei einigen Betroffenen ist häufiges Eingreifen erforderlich, weil sie zu Fehlhandlungen neigen.
Ein nächtlicher Hilfebedarf muss nicht vorhanden sein, kann aber beispielsweise zwischen 3 Mal wöchentlich und 2 Mal pro Nacht gegeben sein.
Die überwiegende Zeit am Tage ist eine Präsenz der Pflege- bzw. Betreuungsperson notwendig. Einige Betroffene mit dem Pflegegrad 3 mit eingeschränkter Alltagskompetenz haben geregelte Schlafenszeiten, die von den Angehörigen zu außerhäuslichen Erledigungen genutzt werden.
Nur wenige Betroffene werden über mehrere Stunden alleine gelassen. Nur sehr selten leben Betroffene noch allein und erhalten Unterstützung von einem Pflegedienst oder Nachbarn.
Die meisten Betroffenen des Pflegegrades 3 mit eingeschränkter Alltagskompetenz haben nur geringen Unterstützungsbedarf beim Umgang mit krankheitsbedingten Anforderungen, etwa der Medikamentengabe. Einige haben allerdings einen Diabetes mellitus. Sie benötigten dann oft nicht nur Hilfe beim Blutzucker messen und Insulin spritzen, sondern auch Unterstützung bzw. Aufsicht beim Einhalten der Diät, da sie aufgrund ihrer kognitiven Beeinträchtigungen die Notwendigkeit, auf Süßes zu verzichten, nicht mehr einsehen können.
Einige Betroffene leben in betreuten Wohnanlagen. Sie erhalten Grundpflegesachleistungen und auch Betreuungsleistungen nach § 45b SGB XI.
Wenn die Personen des Pflegegrades 3 mit eingeschränkter Alltagskompetenz noch allein lebenden, erhalten sie mehrmals täglich Sachleistungen und mehrmals wöchentlich niedrigschwellige Betreuungsleistungen.
Meistens leben die Betroffenen jedoch innerhalb einer Familie.
Im Falle einer geistigen Behinderung im jungen Alter kann eine Tätigkeit in einer Werkstatt möglich sein, neben zusätzlichen Förderungen.
Es gibt auch Personen innerhalb dieses Pflegegrades 3 mit eingeschränkter Alltagskompetenz mit einem Grundpflegebedarf von lediglich 8 bis 31 Minuten. Sie zeigen dann aber ausgeprägte Verhaltensauffälligkeiten wie Unruhe, Aggressivität, Wahnverhalten, inadäquate Handlungen. Sie müssen nahezu rund um die Uhr beaufsichtigt werden. Durch gute Beobachtung und rechtzeitige beruhigende Ansprache können die Ausbrüche minimiert werden.
Ein anerkannter Pflegegrad 3 gibt dem Versicherten einen Anspruch auf nachfolgend beschriebene Leistungen.
Pflegegeld und Pflegesachleistungen bei Pflegegrad 3
Wird der Pflegebedürftige mit Pflegegrad 3 zu Hause durch Angehörige oder Bekannte gepflegt, so hat er einen Anspruch auf Pflegegeld. Erfolgt die häusliche Pflege durch einen professionellen Pflegedienst erhält der Pflegebedürftige Pflegesachleistungen für Pflege, Betreuung und Hilfen bei der Haushaltsführung. Im Einzelnen gibt es folgende Leistungen von der Pflegekasse:
Bei der häuslichen Pflege durch Angehörige oder Bekannte wird von der Pflegeversicherung ein Pflegegeld in Höhe von monatlich 545 Euro gezahlt.
Vor dem 1. Januar 2017 bekamen Versicherte mit der dem Pflegegrad 3 entsprechenden Pflegestufe 2 nur 458 Euro bzw. Demenzkranke mit Pflegestufe 1 316 Euro Pflegegeld.
Pflegesachleistungen bei Pflegegrad 3
Bei der häuslichen Pflege durch einen professionellen ambulanten Pflegedienst werden von der Pflegekasse Pflegesachleistungen in Höhe von monatlich 1.298 Euro gezahlt.
Vor dem 1. Januar 2017 bekamen Versicherte mit der dem Pflegegrad 3 entsprechenden Pflegestufe 2 1.144 Euro Sachleistungen bzw. Demenzkranke mit Pflegestufe 1 689 Euro Pflegegeld pro Monat.
Betreuungs- und Entlastungsleistungen bei Pflegegrad 3
Der festgestellte Pflegegrad 3 rechtfertigt den neuen einheitlichen Entlastungsbeitrag von monatlich 125 Euro für Betreuungs- und Entlastungsleistungen. Vor dem 1. Januar 2017 gab es in der Regel 104 Euro, in besonderen Fällen 208 Euro.
Schöpft ein Pflegebedürftiger mit einem Pflegegrad 3 seine Pflegesachleistungen für die Versorgung durch einen ambulanten Pflegedienst in Höhe von 1.298 Euro nicht voll aus, kann bis zu 40 Prozent davon auf Wunsch auch für weitere Betreuungs- und Entlastungsleistungen in Anspruch nehmen. Er kann also bis zu 519,20 Euro zusätzlich für Betreuung und Entlastung nutzen.
Kurzzeitpflege bei Pflegegrad 3
Ein Pflegebedürftiger mit Pflegegrad 3 hat einen Anspruch auf Kurzzeitpflege, wenn er zum Beispiel nach einem Krankenhausaufenthalt noch für eine vorübergehende Zeit auf professionelle Kurzzeitpflege in einem Pflegeheim angewiesen ist. Die Pflegeversicherung zahlt grundsätzlich für höchstens 28 Tage im Kalenderjahr 1.612 Euro.
Während der Zeit der Kurzzeitpflege haben Pflegebedürftige mit Pflegegrad 3 einen Anspruch auf die Hälfte ihres Pflegegeldes von 545 Euro bei häuslicher Pflege durch Angehörige, also auf 272,50 Euro pro Monat.
Verhinderungspflege bei Pflegegrad 3
Versicherten mit Pflegegrad 3 haben einen Anspruch auf Verhinderungspflege bzw. Urlaubspflege durch professionelle Pflegekräfte bei Urlaub oder Krankheit der pflegenden Angehörigen in Höhe von 1.612 Euro für maximal vier Wochen (28 Tage) pro Kalenderjahr.
Während der Zeit der Verhinderungspflege haben Pflegebedürftige mit Pflegegrad 2 weiter einen Anspruch auf die Hälfte ihres Pflegegeldes von 545 Euro für bis zu sechs Wochen im Jahr, also monatlich 272,50Euro.
Tagespflege bei Pflegegrad 3
Pflegebedürftige mit dem Pflegegrad 3 haben einen Anspruch auf 1.298 Euro pro Monat für die teilstationäre Pflege, also die Tagespflege oder Nachtpflege. Die Höhe des Anspruchs entspricht der Summe für ambulante Pflegesachleistungen.
Vor dem 1. Januar 2017 bekamen Pflegebedürftige mit der Pflegestufe 2 monatlich 1.144 Euro bzw. Versicherte mit Pflegestufe 1 und Demenz 1.298 Euro.
Die Leistungen der Pflegekasse für die Tages- und Nachtpflege werden zusätzlich zum bezogenen Pflegegeld bei einer Pflege durch Angehörige gezahlt. Sie werden nicht auf das Pflegegeld angerechnet. Das war vor dem 1. Januar 2017 anders.
Weitere Leistungen bei häuslicher Pflege und Pflegegrad 3
Versicherte mit Pflegegrad 3, die zu Hause wohnen, haben Anspruch auf folgende Leistungen:
Stationäre Pflege bei Pflegegrad 3
Versicherte mit dem Pflegegrad 3 haben einen Anspruch auf monatlich 1.262 Euro bei der stationären Versorgung in einem Pflege- oder Altenheim.
Vor dem 1. Januar 2017 erhielten Versicherte mit der dem Pflegegrad 3 entsprechenden Pflegestufe 2 monatlich 1.330 Euro für die Pflege im Altenheim. Es werden ab 2017 somit 68 Euro weniger gezahlt. Demenzkranke mit Pflegestufe 1 erhielten monatlich 1.064 Euro. Sie erhalten also ab dem 1. Januar 2017 monatlich 198 Euro mehr von ihrer Pflegeversicherung.
Durch die Pflegereform des Zweiten Pflegestärkungsgesetzes (PSG II) sind die drei Pflegestufen ab dem 1. Januar 2017 durch fünf Pflegegrade ersetzt worden.
Der Pflegegrad 4 wird Versicherten mit einer „schwersten Beeinträchtigung der Selbstständigkeit“ zuerkannt.
Versicherten, die an einer Demenzerkrankung (eingeschränkte Alltagskompetenz) leiden und vor dem 1. Januar 2017 bereits die Pflegestufe 2 zuerkannt hatten sowie Versicherte, die vor dem 01.01.2017 die Pflegestufe 3 zuerkannt hatte, erhalten automatisch den Pflegegrad 4.
Umwandlung der Pflegestufe 3 oder Pflegestufe 2 mit Demenz in Pflegegrad 4
Körperlich Pflegebedürftige mit der bisherigen Pflegestufe 3 werden automatisch in den Pflegegrad 4 überführt.
Demenzkranke Pflegebedürftige mit der bisherigen Pflegestufe 2 erhalten gleichfalls automatisch den Pflegegrad 4 zugewiesen.
Definition Pflegegrad 4
Das Pflegestärkungsgesetz II hat das SGB XI geändert. § 14 SGB XI definiert den Pflegegrad 4 ab dem 1. Januar 2017 wie folgt:
Wenn die bei der Begutachtung festgestellten Gesamtpunkte folgende Anzahl erreicht, sind pflegebedürftige Personen in den Pflegegrad 4 einzuordnen: ab 70 bis unter 90 Gesamtpunkten in den Pflegegrad 4.
Der Pflegegrad 4 bedeutet eine „schwerste Beeinträchtigung der Selbständigkeit oder der Fähigkeiten“.
Also: Um den Pflegegrad 4 zu erhalten, muss ein Antragsteller im Neuen Begutachtungsassessment (NBA), das von einem Gutachter des Medizinischen Dienstes der Krankenversicherung (MDK) durchgeführt wird, in sechs Bereichen den Grad seiner noch vorhandenen Selbstständigkeit prüfen lassen. Es werden Punkte vergeben und so der Pflegegrad ermittelt. Wenn der Gutachter zwischen 70 und unter 90 Punkte festlegt und damit eine schwerste Beeinträchtigung der Selbstständigkeit feststellt, so erhält der Antragsteller Pflegegrad 4.
Versicherte, die vor dem 1. Januar 2017 bereits die Pflegestufe 3 anerkannt hatten und Demenzkranke mit Pflegestufe 2 erhalten ab dem 1.1.17 automatisch den neuen Pflegegrad 4 zuerkannt. Die Pflegestufen werden ohne weiteres Zutun der Pflegebedürftigen, also ohne neuen Antrag und ohne erneute Begutachtung, in die entsprechenden Pflegegrade umgewandelt. Für den Versicherten gilt der Bestandschutz: er erhält wenigstens die gleichen Leistungen wie bisher und kann durch die Umstellung nicht schlechter gestellt werden.
Voraussetzungen: Was ist Pflegegrad 4?
In den Pflegegrad 4 werden pflegeversicherte Antragsteller eingruppiert, wenn sie bei der Begutachtung durch den MDK zwischen 70 und unter 90 Punkte zugeteilt erhalten. Die Punktezahl wird im Rahmen eines neuen Begutachtungsverfahrens, des „Neues Begutachtungsassessments (NBA)“ durchgeführt. Es wird der verbleibende Grad der Selbstständigkeit des Versicherten in folgenden sechs Bereichen ermittelt:
Hier geht es beispielsweise um Gehen, Positionswechsel im Bett oder ein Umsetzen
Hier wird die örtliche und zeitliche Orientierung geprüft. Es geht um die Fähigkeit, sich an Gesprächen zu beteiligen oder darum, ob der Betroffene Aufforderungen noch verstehen kann.
Hier prüft der Gutachter beispielsweise, ob nächtliche Unruhezustände vorhanden sind, ob es zu verbaler und körperlichr Aggression kommt, ob Sinnestäuschungen vorhanden sind.
Hier schaut der Gutachter auf die Fähigkeit zur Körperpflege, zum An- und Auskleiden, zur Aufnahme von Nahrung.
Bewältigung und selbstständiger Umgang mit krankheits- oder therapiebedingten Anforderungen und Belastungen
Es wird gefragt, inwieweit der Betroffene beispielsweise Hilfen bei Injektionen, der Stoma- und Wundversorgung oder bei Arztbesuchen benötigt.
Inwieweit ist der Versicherte noch in der Lage, beispielsweise Kontakt zu anderen Menschen zu halten, sich zu beschäftigen oder seinen Tagesablauf sinnvoll zu gestalten.
In den Pflegegrad 4 werden Personen mit und ohne Einschränkung der Alltagskompetenz eingestuft, überwiegend, etwa zu zwei Dritteln, jedoch mit eingeschränkter Alltagskompetenz, also mit kognitiven Einschränkungen.
Personen im Pflegegrad 4 ohne Einschränkung der Alltagskompetenz sind oft durch eine vollständige Immobilität gekennzeichnet. Diese kann z.B. auf einer fortgeschrittenen multiplen Sklerose oder einer Querschnittslähmung beruhen. Möglicherweise ist der Grund aber auch eine ausgeprägte körperliche Schwäche bei hohem Alter. Teillähmungen durch frühere Schlaganfälle, Oberschenkelamputation und Diabetes mellitus sind nicht unüblich. Alle Betroffenen in diesem Bereich des Pflegegrades 4 (ohne eingeschränkte Alltagskompetenz) sind kognitiv noch weitgehend orientiert, können ihre Krankengeschichte noch selbst berichten, zeigen aber Konzentrationsstörungen, Verlangsamung, Angst und Stimmungsschwankungen aufgrund ihrer schweren Erkrankungen.
Die Grundpflege muss bei allen Personen im Pflegegrad 4 ohne eingeschränkte Alltagskompetenz fast vollständig übernommen werden. Restfähigkeiten bestehen zum Teil noch beim Trinken und Essen. Der Zeitaufwand liegt zwischen 184 und 300 Minuten. Der relativ niedrige Zeitaufwand von 184 Minuten ist aber eher die Ausnahme.
Alle Personen im Pflegegrad 4 ohne eingeschränkte Alltagskompetenz benötigen Zuspruch und Anregung, zum Teil auch stützende und emotional entlastende Gespräche. Zum Fernsehen oder Radiohören müssen die Geräte angestellt bzw. die Fernbedienung angereicht werden. Alle anderen Beschäftigungen sind nur mit personeller Unterstützung möglich. Der zeitliche Umfang liegt bei 1 bis 5,3 Stunden.
Alle Personen benötigen 2 bis 3 Mal in der Nacht Hilfe beim Lagern, Wechseln der Inkontinenzprodukte und beim und Trinken.
Alle Personen des Pflegegrades 4 ohne Einschränkung der Alltagskompetenz sind noch in der Lage, Gefahren zu erkennen, zu rufen und bei Erforderlichkeit einen Notruf zu bedienen. Eigenständige Telefonbenutzung ist allerdings nicht mehr möglich. In den meisten Fällen ist jedoch eine Betreuungsperson in Rufweite. Die Personen werden höchstens für eine Stunde alleine gelassen.
Krankheitsbedingte Anforderungen bestehen beispielsweise für Medikamentengaben, Wundversorgung, Sauerstoffgaben, Blutzuckermessung und Insulingaben oder Bewegungsübungen zur Vermeidung von Kontrakturen.
Die pflegebedürftigen Personen im Pflegegrad 4 ohne eingeschränkte Alltagskompetenz werden in aller Regel rund um die Uhr von einer Pflegekraft betreut, meistens von Familienangehörigen. Für bestimmte Verrichtungen ist es nicht unüblich, einen Pflegedienst, etwa zum Baden, einzusetzen.
Bei Personen mit Pflegegrad 4 mit eingeschränkter Alltagskompetenz liegt fast immer eine Demenzerkrankung vor, ganz überwiegend im fortgeschrittenen Stadium. Personen mit weniger ausgeprägten Formen der Demenz, die den Pflegegrad 4 erreichen, haben zusätzliche Erkrankungen wie Morbus Parkinson, Halbseitenlähmung nach Schlaganfall oder Blindheit.
Bei allen Personen des Pflegegrades 4 mit Einschränkungen in der Alltagskompetenz muss die Grundpflege überwiegend oder vollständig übernommen werden. Einige können unter Anleitung noch mithelfen oder mundgerecht zubereitete Nahrung selbst aufnehmen. Etwa die Hälfte der Pflegebedürftigen kann noch gehen, benötigt aber Begleitung oder Beaufsichtigung wegen Sturzgefahr oder Neigung zu Fehlverhalten. Der Zeitaufwand liegt zwischen 128 und 250 Minuten. Die Personen mit dem niedrigeren Zeitaufwand sind mobiler, können noch alleine essen, sind aber auch aktiver und benötigen deshalb mehr Aufsicht.
Alle Personen im Pflegegrad 4 mit eingeschränkter Alltagskompetenz sind auf häufige bis ständige Anregung angewiesen. Tagesstrukturierung ist selbständig in keiner Weise mehr möglich, jegliche Beschäftigung muss angeleitet werden.
Oft ist sogar eine ständige Ablenkung zur Vermeidung von Fehlhandlungen notwendig. Die Zeiten für die psychosoziale Unterstützung liegen bei einer bis zu 24 Stunden. Die aktive Betreuung durch Angehörigen ist oft mit ständiger Präsenz mit kurzem Eingreifen verbunden.
Alle Personen des Pflegegrades 4 mit eingeschränkter Alltagskompetenz haben einen nächtlichen Hilfebedarf, der in der Regel zwischen einmal bis sechsmal pro Nach liegt.
Neben Lagern und Wechsel des Inkontinenzmaterials müssen insbesondere die mobilen Personen bei nächtlicher Unruhe mehrfach beruhigt und wieder zu Bett gebracht werden.
Beinahe alle Personen im Pflegegrad 4 mit Einschränkungen der Alltagskompetenz werden rund um die Uhr beaufsichtigt. Nur selten kann jemand für mehrere Stunden am Tag alleine gelassen werden. Das ist nur möglich, wenn die Demenz noch nicht so weit fortgeschritten ist. Oft ist es dann so, dass eine fast vollständige Immobilität vorliegt, so dass sich die Person dann nicht in Gefahr bringen kann.
Die krankheitsbedingten Anforderungen sind bei dieser Personengruppe (Pflegegrad 4 mit eingeschränkter Alltagskompetenz) nur gering oder mäßig ausgeprägt. Die meisten erhalten nur Medikamente oder Begleitung zu Arztbesuchen.
Oft werden Personen des Pflegegrades 4 mit eingeschränkter Alltagskompetenz alleine von ihren Ehegatten ohne weitere Hilfen versorgt. Andere erhalten zusätzlich zur familiären Versorgung Sachleistungen, etwa wöchentlich zum Baden. Andere erhalten mehrfach täglich Besuch von einem Pflegedienst. Möglich ist auch, dass nur Geldleistungen fließen, dann, wenn eine Rundumbetreuung durch nicht professionelle Kräfte erfolgt.
Betreuungsleistung nach § 45b SGB XI können ebenfalls zum Tragen kommen, etwa in Form von Tagespflege.
Antragsteller mit einem festgestellten Pflegegrad 4 erhalten die nachfolgend vorgestellten Leistungen der Pflegeversicherung. Ihre Selbstständigkeit ist bereits sehr stark beeinträchtigt und sie sind stark auf Unterstützung angewiesen; deshalb sind die Pflegeleistungen nicht unerheblich.
Pflegegeld und Pflegesachleistungen bei Pflegegrad 4
Der Pflegebedürftige mit Pflegegrad 4, der durch Angehörige oder Bekannte im häuslichen Umfeld gepflegt wird, hat einen Anspruch auf ein Pflegegeld von monatlich 728 Euro.
Vor dem 1. Januar 2017 erhielten Pflegebedürftige mit der dem Pflegegrad 4 vergleichbaren Pflegestufe 3 monatlich 728 Euro Pflegegeld sowie Pflegebedürftige mit Pflegestufe 2 und eingeschränkter Alltagskompetenz monatlich 545 Euro Pflegegeld.
Pflegesachleistungen bei Pflegegrad 4
Pflegebedürftige mit dem Pflegegrad 4, die zu Hause durch einen professionellen ambulanten Pflegedienst versorgt werden, bekommen von der Pflegeversicherung Pflegesachleistungen in Höhe von monatlich 1.612 Euro. Diese umfasst die Pflege, Betreuung und Hilfen bei der Haushaltsführung pro.
Vor dem 1. Januar 2017 erhielten Versicherte mit der vergleichbaren Pflegestufe 3 die gleichen Leistungen. Pflegebedürftige mit Pflegestufe 2 und Demenz (ebenfalls jetzt Pflegegrad 4) bekamen dagegen nur Pflegesachleistungen in Höhe von monatlich 1.298 Euro.
Betreuungs- und Entlastungsleistungen bei Pflegegrad 4
Der festgestellte Pflegegrad 4 rechtfertigt den neuen einheitlichen Entlastungsbeitrag von monatlich 125 Euro für Betreuungs- und Entlastungsleistungen. Vor dem 1. Januar 2017 gab es in der Regel 104 Euro, in besonderen Fällen 208 Euro.
Schöpft ein Pflegebedürftiger mit einem Pflegegrad 4 seine Pflegesachleistungen für die Versorgung durch einen ambulanten Pflegedienst in Höhe von 1.612 Euro nicht voll aus, kann bis zu 40 Prozent davon auf Wunsch auch für weitere Betreuungs- und Entlastungsleistungen in Anspruch nehmen. Er kann also bis zu 644,80 Euro zusätzlich für Betreuung und Entlastung nutzen.
Kurzzeitpflege bei Pflegegrad 4
Ein Versicherte mit Pflegegrad 4 hat einen Anspruch auf Kurzzeitpflege, wenn er z. B. nach einem stationären Krankenhausaufenthalt noch professionelle Hilfe in einem Pflegeheim benötigt. Die Pflegeversicherung muss ihm grundsätzlich für 28 Tage im Jahr maximal 1.612 Euro hierfür zahlen. .
Hat der Versicherte im aktuellen Kalenderjahr noch keine Verhinderungspflege genutzt, hat er einen Anspruch gegen die Pflegekasse auf bis zu 3.224 Euro für die Kurzzeitpflege für bis zu acht Wochen im Kalenderjahr. von seiner Pflegekasse beanspruchen.
Zusätzlich hat der Pflegebedürftige mit Pflegegrad 4 während der kalenderjährlich bis zu achtwöchigen Kurzzeitpflege auch einen Anspruch auf Zahlung der Hälfte ihres Pflegegeldes von monatlich 728 Euro, also 364 Euro.
Der Pflegebedürftige mit Pflegegrad 4, der zu Hause von Angehörigen oder Bekannten gepflegt wird, hat einen Anspruch auf Verhinderungspflege, wenn die Pflegeperson einmal selbst krank sind oder Urlaub machen. Verhinderungspflege bedeutet, dass professionelle Pflegekräfte die Pflege übernehmen. Die Pflegekasse zahlt dem Versicherten mit Pflegegrad 4 bis zu 1.612 Euro für maximal vier Wochen pro Jahr.
In dem Fall, dass der Pflegebedürftige im laufenden Jahr keine Kurzzeitpflege in Anspruch genommen hat, so kann er bis zu sechs Wochen Verhinderungspflege pro Jahr für maximal 2.418 Euro gegenüber der Pflegeversicherung geltend machen. Während der Zeit der Verhinderungspflege hat der Pflegebedürftige mit Pflegegrad 4 einen Anspruch auf Zahlung der Hälfte seines Pflegegeldes in Höhe von monatlich 364 Euro.
Teilstationäre Pflege bei Pflegegrad 4
Pflegebedürftige mit Pflegegrad 4, die eine Tagespflege oder Nachtpflege nutzen, haben einen Anspruch gegen die Pflegekasse auf Zahlung von monatlich 1.612 Euro.
Vor dem 1. Januar 2017 betrug der Zahlungsanspruch bei teilstationärer Pflege für Pflegebedürftige mit der dem Pflegegrad 4 vergleichbaren Pflegestufe 3 ebenfalls 1.612 Euro, bei der vergleichbaren Pflegestufe 2 und Demenz nur 1.298 Euro pro Monat.
Die Geldleistungen für die Tages- und Nachtpflege werden von der Pflegeversicherung zusätzlich zu dem Pflegegeld gezahlt und nicht mehr auf dieses angerechnet, wie nach der Rechtslage vor dem 1.1.2017.
Weitere Leistungen bei häuslicher Pflege und Pflegegrad 4
In dem Fall, dass der Versicherte mit Pflegegrad 4 häuslich gepflegt und versorgt wird, hat er zusätzlich Anspruch auf folgende Leistungen:
Stationäre Pflege bei Pflegegrad 4
Pflegebedürftige mit Pflegegrad 4 haben einen Anspruch auf Zahlung von 1.775 Euro, wenn sie in einem Pflegeheim gepflegt werden.
Vor dem 1. Januar 2017 hatten Pflegebedürftige mit der dem Pflegegrad 4 vergleichbaren Pflegestufe 3 monatlich 1.612 Euro für die stationäre Pflege, also 163 Euro weniger. Demenzkranke und pflegebedürftige Heimbewohner mit bisheriger Pflegestufe 2 erhielten monatlich 1.330 Euro für die Pflege im Heim, also 445 Euro weniger als gegenwärtig.
Die Pflegereform nach dem Zweiten Pflegestärkungsgesetz (PSG II) hat ab dem 1. Januar 2017 die drei Pflegestufen abgelöst und die fünf Pflegegrade eingeführt.
Der Pflegegrad 5 ist der höchst mögliche und eingestuft werden damit Pflegebedürftige mit einer festgestellten schwersten Beeinträchtigung der Selbstständigkeit mit besonderen Anforderungen für die pflegerische Versorgung. Bei ihnen ist ein sehr hoher Pflegebedarf gegeben.
Umwandlung von Pflegestufe 3 mit Demenz oder Härtefall in Pflegegrad 5
die an Demenz erkrankt sind und die alte Pflegestufe 3 zugesprochen erhalten hatten,
die als Härtefälle mit Pflegestufe 3 anerkannt waren,
erhielten automatisch am 1. Januar 2017 den Pflegegrad 5. Einer erneuten Antragstellung bedurfte es nicht.
Definition Pflegegrad 5
Das Pflegestärkungsgesetz II hat das SGB XI geändert. § 14 SGB XI definiert den Pflegegrad 5 ab dem 1. Januar 2017 wie folgt:
Wenn die bei der Begutachtung festgestellten Gesamtpunkte folgende Anzahl erreicht, sind pflegebedürftige Personen in den Pflegegrad 5 einzuordnen: ab 90 bis 100 Gesamtpunkten in den Pflegegrad 5.
Der Pflegegrad 5 bedeutet eine „schwerste Beeinträchtigung der Selbständigkeit oder der Fähigkeiten mit besonderen Anforderungen an die pflegerische Versorgung“.
Also: Ein Antragsteller erhält den Pflegegrad 5, wenn der Gutachter des MDK nach dem Begutachtungsverfahren Neues Begutachtungsassessment 90 bis 100 Punkte an den Betroffenen vergeben hat. Der Gutachter überprüft in diesem Verfahren die Selbstständigkeit des Antragstellers. Je unselbstständiger er ist, umso mehr Punkte und einen umso höheren Pflegegrad erhalten er. 100 Punkte sind die höchst mögliche Punktezahl.
Demenzkranke, die vor dem 1. Januar 2017 bereits in Pflegestufe 3 eingestuft, und Pflegebedürftige, die vor diesem Zeitpunkt bereits als Härtefälle mit Pflegestufe 3 anerkannt worden waren, bekommen automatisch ohne weiteres Zutun, insbesondere ohne neuen Antrag und ohne neue Begutachtung, den Pflegegrad 5 zugesprochen. Sie genießen zudem Bestandsschutz und bekommen somit mindestens die gleichen Leistungen wie bisher. Eine Schlechterstellung erfolgt in keinem Fall.
Voraussetzungen: Was ist der Pflegegrdad 5?
Der Pflegegrad 5 wird von der Pflegeversicherung zuerkannt, wenn der von ihr beauftragte Gutachter des MDK bei der Begutachtung des Versicherten im Neuen Begutachtungsassessment 90 bis 100 Punkte vergeben. Das Neue Begutachtungsassessment (NBA) umfasst sechs Bereiche. In jedem Bereich kommt es auf den Grad der noch vorhandenen Selbstständigkeit des Antragstellers an. Die sechs Bereich sind:
Bewältigung und selbstständiger Umgang mit krankheits- oder therapiebedingten Anforderungen und Belastungen und
In den Pflegegrad 5 werden somit Personen mit Einschränkung der Alltagskompetenz eingestuft, die gleichzeitig hochgradig körperlich beeinträchtigt sind. Nach dem Punktesystem sind mindestens 90 Punkte erforderlich.
Personen mit Pflegegrad 5 sind Personen mit fortgeschrittener Demenz und körperlicher Hinfälligkeit. Zusätzlich können beispielsweise Halbseitenlähmung nach Schlaganfall, Schluck- und Sprachstörungen gegeben sein. Alle Personen sind steh- und gehunfähig und überwiegend bettlägerig.
Die Grundpflege muss bei Personen im Pflegegrad 5 komplett übernommen werden. Der notwendige Zeitaufwand im Sinne des SGB XI liegt zwischen 245 und 279 Minuten pro Tag.
Alle Pflegebedürftigen des Pflegegrades 5 sind vollständig auf Anregung und Ansprache angewiesen. Es ist keine Eigenaktivitäten möglich. Die Zuwendung geschieht durch Gespräche, vorlesen oder beruhigen.
Nächtliche Hilfen sind mindestens 3 Mal pro Nacht notwendig.
Bei allen Betroffenen des Pflegegrades 5 ist eine Präsenz der Pflegeperson rund um die Uhr notwendig.
Alle Betroffenen brauchen eine erhebliche Unterstützung bei krankheitsbedingten Anforderungen.
Die Versorgung der Menschen mit Pflegegrad 5 wird beispielsweise von den Ehepartnern oder privaten Pflegepersonen übernommen. Möglich ist jedoch auch, dass die Grundpflege täglich durch einen Pflegedienst durchgeführt wird.
Ein Versicherter mit anerkanntem Pflegegrad 5 ist stark auf fremde Hilfe angewiesen und er erhält umfangreiche Pflegeleistungen von der Pflegekasse.
Wenn er zu Hause von Angehörigen oder Bekannten gepflegt wird, hat der Versicherte mit Pflegegrad 5 einen Anspruch auf Pflegegeld. Er erhält Pflegesachleistungen bei professioneller Pflege durch einen ambulanten Pflegedienst.
Ein zu Hause versorgte Pflegebedürftiger mit Pflegegrad 5 erhält monatlich 901 Euro bei der Pflege durch Angehörige.
Vor dem 1. 1. 2017erhielten demenzkranke Pflegebedürftige mit Pflegestufe 3 bzw. Härtefälle mit Pflegestufe 3 (beides entspricht dem Pflegegrad 5) 728 Euro Pflegegeld bei der häuslichen Versorgung durch Angehörige oder Freunde.
Pflegesachleistungen bei Pflegegrad 5
Ein im häuslichen Umfeld gepflegter Versicherter mit Pflegegrad 5 beikommt monatlich 1.995 Euro von der Pflegeversicherung, wenn er durch einen ambulanten Pflegedienst versorgt wird.
Vor dem 1. 1. 2017 bekamen Pflegebedürftige mit Pflegestufe 3 und Demenz 1.612 Euro Pflegesachleistungen und sog. Härtefälle mit Pflegestufe 3 1.995 Euro monatlich.
Betreuungs- und Entlastungsleistungen bei Pflegegrad 5
Der festgestellte Pflegegrad 5 rechtfertigt den neuen einheitlichen Entlastungsbeitrag von monatlich 125 Euro für Betreuungs- und Entlastungsleistungen. Vor dem 1. Januar 2017 gab es in der Regel 104 Euro, in besonderen Fällen 208 Euro.
Schöpft ein Pflegebedürftiger mit einem Pflegegrad 5 seine Pflegesachleistungen für die Versorgung durch einen ambulanten Pflegedienst in Höhe von 1.995 Euro nicht voll aus, kann bis zu 40 Prozent davon auf Wunsch auch für weitere Betreuungs- und Entlastungsleistungen in Anspruch nehmen. Er kann also bis zu 798 Euro zusätzlich für Betreuung und Entlastung nutzen.
Kurzzeitpflege bei Pflegegrad 5
Ein Pflegebedürftiger mit Pflegegrad 5 hat einen Anspruch auf Kurzzeitpflege, wer er beispielsweise nach einem Krankenhausaufenthalt noch professioneller Hilfe in einem Pflegeheim bedarf. Die Pflegekasse zahlt dem Grundsatz nach maximal 1.612 Euro pro Kalenderjahr für bis zu 28 Tage.
Hat der Versicherte mit Pflegegrad 5 im laufenden Kalenderjahr noch keine Verhinderungspflege durch einen ambulanten Pflegedienst bei Krankheit oder Urlaub von pflegenden Angehörigen in Anspruch genommen, so zahlt die Pflegekasse bis zu 3.224 Euro für bis zu acht Wochen Kurzzeitpflege im Jahr.
Zusätzliche erhalten die Pflegebedürftigen mit Pflegegrad 5 während ihrer Kurzzeitpflege die Hälfte ihres Pflegegeldes weiter ausgezahlt, somit monatlich 450,50 Euro.
Verhinderungspflege bei Pflegegrad 5
Der Pflegebedürftige mit Pflegegrad 5, der zu Hause von Angehörige oder Bekannten gepflegt wird, hat einen Anspruch auf Verhinderungspflege, wenn die Pflegeperson einmal selbst krank oder im Urlaub ist. Die Pflegekasse zahlt grundsätzlich im Kalenderjahr 1.612 Euro für bis zu 28 Tage.
Hat der Versicherte mit Pflegegrad 5 im laufenden Jahr keine Kurzzeitpflege in Anspruch genommen, so kann er von der Pflegekasse für bis zu sechs Wochen im Jahr maximal 2.418 Euro für die Verhinderungspflege erhalten.
Während der Zeit der Verhinderungspflege bekommt der Pflegebedürftige mit Pflegegrad 5 weiterhin die Hälfte seines Pflegegeldes für bis zu sechs Wochen im Jahr ausgezahlt. Das sind 450,50 Euro pro Monat.
Tagespflege bei Pflegegrad 5
Tagespflege und Nachtpflege in einer Einrichtung nennt man teilstationäre Pflege. Nutzt der Pflegebedürftige mit Pflegegrad 5 eine dieser Formen der Pflege, so hat er einen Anspruch auf Zahlung von monatlich 1.995 Euro gegen die Pflegeversicherung.
Bis zum 01. Januar 2017 erhielten Härtefälle im Rahmen der Pflegestufe 3 ebenfalls 1.995 Euro pro Monat für die Tages- und Nachtpflege, Demenzkranke mit Pflegestufe 3 bekamen dagegen monatlich nur 1.612 Euro.
Pflegebedürftige mit Pflegegrad 5, die zu Hause durch Angehörige oder Bekannte gepflegt werden und Pflegegeld beziehen, haben zusätzlich Anspruch auf die Leistungen der Pflegekasse für die Tages- und Nachtpflege. Diese Zahlungen werden nicht wie vor dem 1. Januar 2017 auf das Pflegegeld angerechnet.
Weitere Leistungen bei häuslicher Pflege und Pflegegrad 5
Pflegebedürftige mit Pflegegrad 5, die im häuslichen Umfeld versorgt werden, haben neben dem Anspruch auf Pflegegeld oder Pflegesachleistungen, auf den Entlastungsbeitrag und die Leistungen für Kurzzeit-, Verhinderungs-, Tages- und Nachtpflege weitere Leistungsansprüche, die wir nachfolgend darstellen.
Stationäre Pflege bei Pflegegrad 5
Pflegebedürftige mit Pflegegrad 5 bekommen für die stationäre Versorgung in einem Pflegeheim 2.005 Euro monatlich von der Pflegeversicherung gezahlt.
Vor dem 01.01.2017 erhielten Pflegebedürftige der dem Pflegegrad 5 vergleichbaren Pflegestufe 3 mit Demenz bzw. Pflegestufe 3 als Härtefall 1.612 Euro (bei Pflegestufe 3 und Demenz) bzw. 1.995 Euro ( Pflegestufe 3 und Härtefall).
Es muss ein Antrag zur Feststellung der Pflegebedürftigkeit bei der Pflegekasse eingereicht werden. Daraufhin beauftragt die Pflegekasse den Medizinischen Dienst, in einem Gutachten die Pflegebedürftigkeit sowie die Pflegestufe festzustellen. Dazu führt dieser einen Hausbesuch durch. Erteilt der Versicherte dazu nicht sein Einverständnis, kann die Pflegekasse die beantragte Leistung verweigern. Die Untersuchung im Wohnbereich des Pflegebedürftigen kann ausnahmsweise unterbleiben, wenn auf Grund einer eindeutigen Aktenlage das Ergebnis der medizinischen Untersuchung bereits feststeht.
Wer erhält Leistungen aus dem Pflegeversicherungsgesetz?
Nach der gesetzlichen Definition erhalten Versicherte wegen einer Krankheit oder Behinderung Leistungen aus dem Pflegeversicherungsgesetz, wenn sie voraussichtlich für mindestens 6 Monate in erheblichem oder höheren Maße der Hilfe bedürfen.Gemessen wird der Hilfebedarf an den Verrichtungen des täglichen Lebens in den Bereichen Mobilität, Ernährung und Körperhygiene.
Der Antrag – Antrag auf Feststellen der Pflegebedürftigkeit bei Ihrer Kasse
Die Grundlage für die Inanspruchnahme von Leistungen aus dem Pflegeversicherungsgesetz ist die Feststellungder Pflegebedürftigkeit durch den Medizinischen Dienst der Krankenkassen (MDK). Ihre Kranken- oder Pflegekasse hält hierfür Formulare für Sie bereit und können auch telefonisch beantragt werden.
Stellen Sie diesen Antrag möglichst früh, da es zu längeren Wartezeiten bis zum Besuch durch den MDK kommen kann. Findet eine Einstufung statt, werden Leistungen ab dem Datum der Antragstellung honoriert. Falls Sie bereits von unserem ambulanten Pflegedienst versorgt werden, steht Ihnen unsere Pflegedienstleitung oder eine andere erfahrene Pflegekraft, wenn terminlich möglich, gerne während der Begutachtung zur Seite.
Informieren Sie uns bitte rechtzeitig über den geplanten Begutachtungstermin!
Sinnvoll ist es auch ein Pflegetagebuch zu führen. Über einen Zeitraum von 7-14 Tagen sollten Sie sich die Mühe machen und alle pflegerischen Tätigkeiten schriftlich zu erfassen. Vorlagen werden Ihnen teilweise von den Kranken- und Pflegekassen zur Verfügung gestellt.
Entscheidung, wer soll pflegen?
Die Pflege kann von Angehörigen oder einem ambulanten Pflegedienst übernommen werden. Auch eine Kombination ist möglich und sinnvoll. Prüfen Sie hierbei, bei welchen körperlichen Aktivitäten Unterstützung notwendig ist und ob die Pflegenden physisch und psychisch dazu in der Lage sind.
Überprüfen Sie hierbei insbesondere folgende Kriterien:
• Mobilisation, aufstehen aus dem Bett
• Waschen, Körperhygiene
• Ausscheidung
Im Falle einer Pflegekombination mit unserem Pflegedienst sind die verschiedensten Modelle möglich, z. B. ein Badedienst ein- oder zweimal wöchentlich. Ein Großteil des Pflegegeldes würde weiterhin ausgezahlt werden. Wir beraten Sie gerne ausführlich und unverbindlich.
Veränderungen im häuslichen Umfeld
Sinnvolle Veränderungen im häuslichen Umfeld können die Pflege erheblich vereinfachen.
Wir beraten Sie gerne über mögliche und sinnvolle Hilfsmittel. Fragen Sie uns…
• Ist das Bett für die Pflege geeignet oder benötigen Sie ein Pflegebett. Pflegebetten sind in der Höhe verstell- und fahrbar. Es gibt auch sogenannte Einlegerahmen, dieser kann in ein bestehendes Ehebett gestellt werden und ist ebenfalls in der Höhe verstellbar.
• Sind die Türrahmen groß genug für einen Roll- oder Toilettenstuhl?
• Im Bad oder Sanitärbereich können Haltegriffe, geeignete Hocker und Sitzerhöhungen die Pflege vereinfachen. Ebenso sind Badewannenlifter sehr hilfreich. Diese Hilfsmittel können vom Hausarzt attestiert werden.
Es gibt eine Vielzahl an sinnvollen Pflegehilfsmitteln. Das Sanitätshaus Quebemed oder auch unser Pflegedienst berät Sie gerne und ermittelt die für Sie notwendigen und sinnvollen Hilfsmittel.
Die Verordnung durch den Hausarzt, Vorlage des Rezeptes zur Genehmigung durch die Krankenkasse und Lieferung der Hilfsmittel übernehmen wir gerne für Sie.
Verhinderungspflege (bei Krankheit oder als Urlaubsvertretung):
Bis zu 28 Tagen im Jahr kann eine Vertretung für die Pflege im Urlaubs- oder Krankheitsfall in Anspruch genommen werden. Die Pflege kann entweder durch unseren Pflegedienst im häuslichen Bereich oder auch in einem Pflegeheim (Kurzeitpflege) übernommen werden.
Die so genannte Verhinderungspflege bietet die Möglichkeit einer mehrfach täglichen Versorgung zu Hause durch den Pflegedienst und ist größten Teils ohne eine private Zuzahlung zu realisieren.
Die notwendigen Anträge bei der Pflegekasse stellen wir gerne für Sie.
Telefon: 02 09 / 9 51 81-0
Telefax: 02 09 / 9 51 81-55
www.schloss-apotheke-ge.de
Telefon: 02 09 / 37 78 28-0
Telefax: 02 09 / 37 78 28-20
www.sued-apotheke-ge.de
Telefon: 02 09 / 9 51 81-12
www.quebecare.de
Telefon: 02 09 / 51 66 13
Telefax: 02 09 / 9 51 81 20
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