Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Text=NJW%201997,%202752
Timestamp: 2019-07-23 10:17:01
Document Index: 49686566

Matched Legal Cases: ['BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 8', '§ 307', '§ 9', '§ 670', '§ 354', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 307', 'BGH', 'BGH', '§ 307', '§ 307', 'BGH', '§ 307', '§ 307', '§ 9', 'BGH', '§ 307', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 9', 'BGH', 'BGH']

BGH, 15.07.1997 - XI ZR 269/96 - dejure.org
https://dejure.org/1997,385
BGH, 15.07.1997 - XI ZR 269/96 (https://dejure.org/1997,385)
BGH, Entscheidung vom 15.07.1997 - XI ZR 269/96 (https://dejure.org/1997,385)
BGH, Entscheidung vom 15. Juli 1997 - XI ZR 269/96 (https://dejure.org/1997,385)
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§ 8 AGBG (jetzt § 307 Abs. 3 BGB <Fassung seit 1.1.02>), Entgeltregelung, "Rechtsvorschriften" sind auch allgemein anerkannte Rechtsgrundsätze;
§ 9 AGBG, § 670 BGB, § 354 HGB, keine finanzielle Überwälzung der staatlichen Inpflichtnahme der Banken auf den Bankkunden, keine Geltung des "Verursacherprinzips";
(Hinweis: Verfassungsbeschwerde gegen diese Entscheidung erfolglos: «Bearbeitungsgebühr Freistellungsauftrag [BVerfG]»)
Entgeltliche Freistellungsauftragsverwaltung in der Klauselkontrolle
Entgeltklauseln in Allgemeinen Geschäftsbedingungen - Anspruch auf Unterlassung - Erteilung von Freistellungsaufträgen
Formularmäßige Vereinbarung eines Entgelts für die Verwaltung von Freistellungsaufträgen
Bankrecht; keine Bankgebühr für Freistellungsaufträge
Entgelte für die Bearbeitung und Änderung von Freistellungsaufträgen im Zusammenhang mit der Zinsabschlagsteuer
BGHZ 136, 261
MDR 1997, 1045
WM 1997, 1663
BB 1997, 1862
DB 1997, 2016
Dies ist durch nichts gerechtfertigt und zeigt deutlich, daß das Entgelt von einer Dienstleistung für die Kunden völlig unabhängig ist und einen Beitrag zu den Gemeinkosten des von der Beklagten betriebenen Girogeschäfts darstellt, die aus den im freien Wettbewerb erzielbaren Leistungspreisen zu erwirtschaften sind (BGHZ 136, 261, 266).
Daher ist die streitige Deaktivierungsklausel ohne Rücksicht auf die Preisstruktur insgesamt und die Beschaffenheit der sonstigen Einzelpreise daraufhin zu überprüfen, ob ihr eine echte (Gegen-)Leistung zugrunde liegt oder ob es sich um eine - zumeist als (etwas mißverständlich) Preisnebenabrede bezeichnete - Abrede handelt, die zwar (mittelbare) Auswirkungen auf Preis und Leistung hat, an deren Stelle aber, wenn eine wirksame vertragliche Regelung fehlt, dispositives Gesetzesrecht treten kann (BGHZ 141, 380, 383; 137, 27, 29 f und 43, 45 ff; 136, 261, 264 m.w.N.).
Rechtsvorschriften iSd. § 307 Abs. 3 Satz 1 BGB sind auch anerkannte, ungeschriebene Rechtsgrundsätze und Prinzipien (vgl. BGH 15. Juli 1997 - XI ZR 269/96 - zu II 1 der Gründe, BGHZ 136, 261) .
Demgegenüber unterliegen gemäß § 307 Abs. 3 Satz 1 BGB der Inhaltskontrolle nach §§ 307 bis 309 BGB solche (Preisneben-)Abreden, die sich zwar mittelbar auf Preis und Leistung auswirken, diese aber nicht ausschließlich festlegen, und bestehende Rechtsvorschriften, insbesondere Regelungen des dispositiven Gesetzesrechts, ergänzen oder von diesen abweichen (…s. Senatsurteile vom 24. November 1988 aaO;… vom 8. Oktober 1998 aaO S. 126 …und vom 18. April 2002 aaO;… BGH, Urteile vom 6. Februar 1985 aaO S. 361;… vom 19. November 1991 aaO S. 119;… vom 30. November 1993 aaO; vom 15. Juli 1997 aaO;… vom 14. Oktober 1997 aaO S. 29;… vom 18. Mai 1999 aaO;… vom 10. Juni 1999 aaO S. 49;… vom 16. November 1999 aaO S. 139;… vom 26. Januar 2001 aaO …und vom 12. Mai 2010 aaO).
Unter Rechtsvorschriften im Sinne von § 307 Abs. 3 Satz 1 BGB fallen nicht nur Gesetzesvorschriften, sondern auch allgemein anerkannte Rechtsgrundsätze sowie die Gesamtheit der wesentlichen Rechte und Pflichten, die sich aus der Natur des Vertrags ergeben (…arg. § 307 Abs. 2 Nr. 2 BGB, § 9 Abs. 2 Nr. 2 AGBGB: s. Senatsurteil vom 8. Oktober 1998 aaO;… BGH, Urteile vom 6. Februar 1985 aaO S. 362 f; vom 15. Juli 1997 aaO …und vom 14. Oktober 1997 aaO S. 29 f).
§ 307 Abs. 3 Satz 1 BGB verlangt seinem klaren Wortlaut nach eine Prüfung, ob die betroffene Vertragsklausel lediglich deklaratorische Wirkung hat oder ob sie Rechtsvorschriften ergänzt oder von ihnen abweicht, indem sie etwa ein Entgelt festlegt, obwohl eine echte (Gegen-)Leistung für den Vertragspartner nicht erbracht wird; der Begriff der Leistung steht nicht zur Disposition des Verwenders von Allgemeinen Geschäftsbedingungen (…s. Senatsurteile vom 8. Oktober 1998 aaO S. 127 …und vom 18. April 2002 aaO; BGH, Urteile vom 15. Juli 1997 aaO S. 264 f; vom 21. Oktober 1997 - XI ZR 5/97, BGHZ 137, 43, 46 …und vom 18. Mai 1999 aaO).
Dementsprechend hat die Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs formularmäßige Entgeltregelungen als kontrollfähig angesehen, die Aufwendungen für die Erfüllung eigener (gesetzlicher oder nebenvertraglicher) Pflichten des Verwenders oder für sonstige Tätigkeiten im eigenen Interesse des Verwenders auf den Kunden abwälzen (…s. Senatsurteil vom 18. April 2002 aaO S. 2386 f;… BGH, Urteile vom 7. Mai 1991 aaO S. 333 ff;… vom 30. November 1993 aaO S. 256 ff; vom 15. Juli 1997 aaO;… vom 14. Oktober 1997 aaO S. 30 ff;… vom 21. Oktober 1997 aaO S. 45 ff;… vom 18. Mai 1999 aaO S. 385 ff;… vom 30. November 2004 aaO S. 191;… vom 21. April 2009 aaO S. 261 ff Rn. 10 ff, S. 264 ff Rn. 16 ff …und vom 20. Mai 2010 aaO S. 2721 Rn. 40).
Jede Entgeltregelung in Allgemeinen Geschäftsbedingungen, die sich nicht auf eine solche Leistung bezieht, sondern Aufwendungen für die Erfüllung einer gesetzlichen Pflicht des Verwenders offen auf dessen Kunden abzuwälzen versucht, stellt nach ständiger Rechtsprechung des Senats eine Abweichung von wesentlichen Grundgedanken der gesetzlichen Regelung dar und verstößt gegen § 9 Abs. 2 Nr. 1 AGBG (BGHZ 114, 330, 335; 124, 254, 260; 136, 261, 266; 137, 43, 45 f.;… Urteil vom 18. Mai 1999, aaO, S. 1273).
Da das in den angegriffenen Klauseln vereinbarte Entgelt, wie dargelegt, von einer Dienstleistung für den Kunden unabhängig ist, stellt es einen Beitrag zu den Gemeinkosten des von der Beklagten betriebenen Giro- und Einlagengeschäfts dar, die aus den im freien Wettbewerb erzielbaren Leistungspreisen erwirtschaftet werden können (BGHZ 136, 261, 266; Senat…, Urteil vom 18. Mai 1999, aaO, S. 1274).