Source: https://findok.bmf.gv.at/findok?stammNr=64141
Timestamp: 2018-11-17 20:19:32
Document Index: 367064848

Matched Legal Cases: ['§ 303', '§ 303', '§ 303', '§ 281', '§ 33', '§ 281', '§ 303', '§ 33', '§ 119', '§ 10', '§ 303', '§ 119', 'OGH', '§ 33', '§ 303', '§ 303', '§ 8', '§ 28']

Berufungsentscheidung - Steuer (Referent) des UFSW vom 19.02.2013, RV/2175-W/09
Der Unabhängige Finanzsenat hat über die Berufung der Bw., vertreten durch NN., vom 18. März 2009 gegen den Bescheid des Finanzamtes für Gebühren und Verkehrsteuern Wien vom 16. Dezember 2008, Erfassungsnummer zzz, betreffend 1.) Wiederaufnahme des Verfahrens gemäß § 303 BAO von Amts wegen und 2.) Schenkungssteuer (Bezug: Zustiftung des Herrn F.) entschieden:
1.) Die Wortfolge "im Sinne des § 303 (1) lit. a und b BAO" im Spruch des angefochtenen Bescheides wird ersetzt durch die Wortfolge "im Sinne des § 303 Abs. 1 lit. a BAO".
2.) Die Festsetzung der Schenkungssteuer wird geändert von € 58.238,05 auf € 57.775,97.
Die Bemessungsgrundlagen und die Abgabenberechnung sind der Aufstellung am Ende der Bescheidbegründung zu entnehmen, die einen Bestandteil des Spruchs dieser Entscheidung bildet.
Daraus ergibt sich eine Abänderung zu Gunsten der Bw. in der Höhe von € 462,08 laut nachstehender Aufstellung:
Angefochtener Bescheid:
Festsetzung der Schenkungssteuer mit dem angefochtenen Bescheid
€ 58.238,05
Zuvor vorgeschrieben war
€ 11.868,49
Ergibt Nachforderung laut angefochtenen Bescheid
€ 46.369,56
Nunmehrige Festsetzung der Schenkungssteuer
€ 57.775,97
Nachzufordern war daher
€ 45.907,48
Differenz im Vergleich zur ursprünglichen Nachforderung
Mit Stiftungsurkunde vom 12. Dezember 2000 gründeten Herr F. (Erststifter) und Frau K. eine Privatstiftung nach österreichischem Recht. Dieser Privatstiftung wurde zunächst ein Vermögen im Wert von S 1.000.000,00 gewidmet, wovon S 990.000,00 Herr F. und S 10.000,00 Frau K. erbrachten. Mit Stiftungszusatzurkunde vom 12. Dezember 2000 widmete Herr F. ergänzend dazu folgendes weitere Vermögen, nämlich einen Teil seines Geschäftsanteils an der NNGmbH, dem eine zur Gänze aufgebrachte Stammeinlage im Nominale von S 120.120,00 entspricht und einen Teil seines Geschäftsanteils an der BGesmbH, dem eine zur Gänze aufgebrachte Stammeinlage im Nominale von S 145.100,00 entspricht.
Mit Schreiben vom 19. Juni 2001 teilte der Vertreter der Bw. dem Finanzamt für Gebühren und Verkehrsteuern Wien (künftig kurz "FAG") auf Anfrage mit, dass der gemeine Wert je S 100 Stammkapital an der BGesmbH mit S 539,00 anzusetzen sei. Der gemeine Wert je S 100 Stammkapital an der NNGmbH sei mit S 3.965,00 anzusetzen. Mittlerweile steht fest, dass der zuletzt genannte Wert schon alleine deshalb unzutreffend ist, weil er den Beteiligungsbesitz nicht umfasst.
In dem hier streitgegenständlichen Fall setzte das FAG der nunmehrigen Berufungswerberin, der Bw., (Bw.) mit Bescheid vom 6. Juli 2001 zunächst Schenkungssteuer in der Höhe von S 163.314,00 fest. Bei der Ermittlung der Bemessungsgrundlagen ging das FAG von einem erbrachten Geldbetrag in der Höhe von S 990.000,00 und von einem gewidmeten Betriebsvermögen in der Höhe von S 5.544.054,00 aus, wobei es den gemeinen Wert entsprechend der o.a. Angaben des Vertreters der Bw. zum Ansatz brachte.
Im März 2006 teilte das für die Bw. zuständige Wohnsitzfinanzamt dem FAG mit, dass die Bw. am 12. März 2001 die restlichen Anteile an der BGesmbH um S 714,28 je S 100,00 Stammkapital und die restlichen Anteile der NNGmbH um S 25.000,00 je S 100,00 Stammkapital gekauft hat.
Am 22. Juni 2006 langte beim FAG eine Kopie des BP-Berichtes betreffend die NNGesmbH (samt Prüferbilanz) und eine Kopie der Prüferbilanz betreffend die NNGmbH ein.
Das FAG stützte die Wiederaufnahme laut Bescheidbegründung im Wesentlichen auf die Feststellung, es seien insofern unrichtige Angaben gemacht worden, als ihm die Existenz der vorbezeichneten Verkäufe und die Kaufpreishöhe verschwiegen worden seien, obwohl der objektive gemeine Wert der gegenständlichen Unternehmensanteile aus den Verkäufen festgestanden sei.
Die Entscheidung über diese Berufung wurde - soweit sie den Wiederaufnahmebescheid betreffend die Stiftungszusatzurkunde mit Herrn F. betrifft - mit Zustimmung der Bw. mit Bescheid des Unabhängigen Finanzsenates vom 2. April 2012, GZ. RV/2175/09, gemäß § 281 BAO bis zur Beendigung des beim Verwaltungsgerichtshof zur Zl. 2012/16/0064, schwebenden Verfahrens ausgesetzt.
Der Verwaltungsgerichtshof hat mit Beschluss vom 13. Dezember 2012, Zl. 2012/16/0064, die Behandlung der betreffenden Beschwerde gemäß § 33a VwGG abgelehnt. Das vorliegende Berufungsverfahren war daher gemäß § 281 Abs. 2 BAO von Amts wegen fortzusetzen.
(3) Wenn die Zuständigkeit zur Abgabenerhebung auf eine andere Abgabenbehörde überge-gangen ist, kann der Antrag auf Wiederaufnahme des Verfahrens auch bei der Abgaben-behörde erster Instanz eingebracht werden, die im Zeitpunkt der Antragstellung zur Abgaben-erhebung zuständig ist.
b) Bewertung der Anteile der NNGmbH
Diese von einem neutralen Gutachter erstellte Unternehmensbewertung hat den Unter-nehmenswert der NNGmbH nach der Ertragswertmethode mit S 138.900.000,00 (entspricht S 27.780,00 je S 100,00 Stammkapital) ermittelt. Auf der Basis dieses Wertes legte der Gutachter im Hinblick auf die Mehrwertigkeit jeder Unternehmens-bewertung den Ertragswert der Gesellschaft unter Zugrundelegung einer Schwankungsbreite von +/- 10 % innerhalb einer Bandbreite von S 125.000.000,00 bis S 152.800.000,00 fest. Dies entspricht einem Wert von S 25.000,00 bis S 30.560,00 je S 100,00 Stammkapital.
Die Bw. legte daraufhin mit Schriftsatz vom 5. Juli 2011 ein "Unternehmensbewertungsgut-achten" vor. Schon auf den ersten Blick fällt auf, dass dieses undatierte "Gutachten" weder unterfertigt ist, noch den "Gutachter" nennt. Feststellungen, die geeignet sind, die auffallend hohe Diskrepanz zwischen Verkaufspreis und Schätzwert plausibel zu erklären enthält dieses "Gutachten" nicht. Die von der Bw. geltend gemachten Gründe (wie etwa die Behauptung, wonach der Abfindungspreis nicht fremdüblich sei und zur Vermeidung von Rechts-streitigkeiten äußerst großzügig festgelegt worden sei), die angeblich zu dieser Diskrepanz geführt haben, bleiben darin vielmehr völlig unerwähnt. Das wesentlichste Manko ist aber, dass bei dem von der Bw. errechneten Wert der Substanzwert der Beteiligungen und die Ausschüttungen der NNGesmbH (einer 100%igen Tochter der NNGmbH) keine Berücksichtigung gefunden haben, obwohl diesen Größen ein wesentlicher Einfluss auf den Gesamtwert der Anteile der Unternehmensgruppe zukommt.
Als erstes Zwischenergebnis ist somit festzustellen, dass der gemeine Wert der gegenständ-lichen Anteile mit S 25.000,00 je S 100 Stammkapital anzusetzen ist und dass dieser Wert auch dem Veräußerungspreis vom 12. März 2001 entspricht.
c) Bewertung der Anteile der BGesmbH
Hinsichtlich der Bewertung dieser Unternehmensanteile hat das FAG im Gegensatz zu den Anteilen der NNGmbH keine Verprobung mit Hilfe des "Wiener Verfahrens" vorgenommen. Es liegt auch kein Gutachten eines neutralen Gutachters zur Unternehmensbewertung vor. Ebenso fehlt es an einer Aussage eines Gesellschafters über den Wert der fraglichen Anteile. Auch von einer Nichtberücksichtigung des Wertes von Beteiligungen ist hier keine Rede.
Das FAG konnte sich demnach bei der Neubewertung dieser Anteile im Rahmen des angefochtenen Bescheides ausschließlich auf den im o.a. Abtretungsvertrag vom 12. März 2001 ausgewiesenen Wert von S 714,28 je S 100,00 Stammkapital stützen. Nach der oben angeführten höchstgerichtlichen Rechtsprechung ist aber ein einzelner Verkauf für sich alleine für die Ableitung des gemeinen Wertes von Anteilen ungeeignet.
Im ersten Rechtsgang ist das FAG in seinem Wiederaufnahmebescheid vom 14. Juli 2006 hinsichtlich der Bewertung dieser Vermögenswerte noch von den Angaben der Bw. ausgegangen, wonach der gemeine Wert dieser Anteile mit S 539,00 je S 100,00 Stammkapital anzusetzen sei (siehe Seite 357 des Aktenvorganges).
Eine Begründung, warum dies im vorliegenden Fall nicht mehr gelten soll, ist dem angefochtenen Bescheid nicht zu entnehmen. Die Festsetzung der Schenkungssteuer war daher diesbezüglich auf der Basis des von der Bw. erklärten Wertes zu ihren Gunsten abzuändern. Die folgenden Feststellungen dahingehend, dass das Finanzamt im Zuge der Wiederaufnahme zu Recht die Schenkungssteuer abweichend von den Angaben der Bw. vom 19. Juni 2001 festgesetzt hat betreffen daher nicht die Anteile der BGesmbH.
Die Berufungsbehörde hat dabei auch Feststellungen über den Wissenstand der abgaben-festsetzenden Stelle im Zeitpunkt der Erlassung der wiederaufzunehmenden Bescheide zu treffen (vgl. VwGH 17.10.1984, 84/13/0054). Die Berufungsbehörde hat, sofern die Bescheid-ausführungen des wiederaufnehmenden Finanzamtes mangelhaft sind, ausgehend von dem genannten Wiederaufnahmegrund, diesen zu prüfen und zu würdigen und gegebenenfalls erforderliche Ergänzungen vorzunehmen (vgl. VwGH 20.6.1990, 90/16/0003).
Damit hat die Abgabenbehörde erster Instanz unmissverständlich zum Ausdruck gebracht, dass der Schenkungssteuerbescheid vom 6. Juli 2001 auf objektiv unrichtigen Angaben beruht, die darauf abzielten, eine Verkürzung der Schenkungssteuer zu erwirken. Das FAG ging demnach insofern vom Anwendungsbereich des im Spruch des angefochtenen Bescheides ausdrücklich zitierten § 303 Abs. 1 lit. a BAO aus, als es erkennbar im Verschweigen des tatsächlichen gemeinen Wertes (der sich im Fall der NNGmbH mit dem Abtretungspreis deckt) den Wiederaufnahmstatbestand des "Erschleichens" des vorgenannten Abgabenbescheides erblickte.
Wie unten noch näher auszuführen sein wird, erachtet es der Unabhängige Finanzsenat als erwiesen, dass die handelnden Personen (vor allem der Erststifter) in Verschleierungsabsicht durch die unrichtige Beantwortung des für die Abgabenbemessung relevanten Vorhaltes und die Bekanntgabe eines völlig unzutreffenden gemeinen Wertes der verfahrensgegenständlichen Anteile der NNGmbH eine Verkürzung der Schenkungssteuer bewirkt und damit den objektiven Tatbestand des § 33 Abs. 1 FinStrG verwirklicht haben.
Der Bw. ist somit vorzuwerfen, dass sie entgegen der in § 119 BAO normierten Offenlegungs- und Wahrheitspflicht abgabenrechtlich bedeutsame Umstände (nämlich den tatsächlichen Wert der genannten Anteile in der oben dargestellten Höhe) verschwiegen hat, obwohl allen beteiligten Personen (vor allem dem Erststifter als geschäftsführenden Gesellschafter der NNGmbH und als Vorstandsmitglied der Bw.) dieser Wert bekannt war.
Dem Einwand in der Berufungsschrift, die Offenlegungs- und Wahrheitspflicht sei durch die Anzeige an das Finanzamt vom 13. Dezember 2000 vollinhaltlich erfüllt worden, kann nicht gefolgt werden, weil im vorliegenden Fall die für das Schenkungssteuerverfahren zuständige Organisationseinheit des Finanzamtes keinerlei Kenntnis vom tatsächlichen gemeinen Wert der Anteile hatte.
Dem FAG werden jährlich tausende Verträge angezeigt (etwa im Hinblick auf die Rechtsgeschäftsgebühr). Die Akten werden geschäftsfallbezogen geführt und nach Abschluss jedes einzelnen Verfahrens abgelegt. Die o.a. Stiftungsurkunde vom 12. Dezember 2000 wurde dem FAG am 13. Dezember 2000 angezeigt und unter Erfassungsnummer 404.441/2000 erfasst. Die o.a. Stiftungszusatzurkunde vom 12. Dezember 2000 wurde dem FAG ebenfalls am 13. Dezember 2000 angezeigt und unter Erfassungsnummer 404.440/2000 erfasst.
Es trifft zwar zu, dass am 15. März 2001 zu Erfassungsnummer 330.959/2001 der Notariatsakt vom 12. März 2001 (dem übrigens keinerlei unmittelbare schenkungssteuerrechtliche Relevanz zu entnehmen ist) betreffend die Abtretung von Geschäftsanteilen an der NNGmbH dem FAG angezeigt worden ist und dass der in diesem Vertrag genannte Abtretungspreis dem gemeinen Wert der Anteile entspricht.
Damit ist aber für die Bw. nichts gewonnen. Denn dadurch, dass die Bw. diesen Vertrag, der ihr selbst zweifellos bekannt war, im Rahmen der Beantwortung vom 19. Juni 2001 des Vorhaltes vom 9. April 2001 unerwähnt ließ und auch sonst nichts unternommen worden ist, um den für das Schenkungssteuerverfahren zuständigen Organen des Finanzamtes den im Vorhalt geforderten Wissensstand zu vermitteln, waren den Letzteren entscheidungsmaßgebliche Sachverhaltselemente nicht bekannt.
Die Bw. durfte auch nicht darauf vertrauen, dass den zuständigen Organen der wahre gemeine Wert ohnedies bekannt war. Durch die Anfrage des Finanzamtes vom 9. April 2001 (Seite 607 des Verwaltungsaktes) konnte sie vielmehr erkennen, dass dies nicht der Fall war. Dazu kommt, dass die Anzeige zu Erfassungsnummer 330.959/2001 nicht den geringsten Hinweis auf die für das Schenkungssteuerverfahren maßgeblichen unter Erfassungsnummern 404.441/2000 und 404.440/2000 verbuchten Urkunden enthält.
Was bei einer Abgabenerklärung zu einer vollständigen Offenlegung gehört, hat der Erklärungspflichtige in der Abgabenerklärung zunächst selbst nach bestem Wissen und Gewissen, d.h. nach der äußersten, ihm nach seinen Verhältnissen zumutbaren Sorgfalt zu beurteilen. Objektiv setzt die Vollständigkeit die Offenlegung aller für eine ordnungsgemäße Feststellung des Sachverhaltes notwendigen Tatsachen voraus (VwGH 11.4.1991, 90/16/0231). Auch bei der Beantwortung von behördlichen Vorhalten durch die Partei ist die Offenlegungs- und Wahrheitspflicht zu beachten und im Sinne der Mitwirkung an der Wahrheitsfindung geboten.
Die bewusste Bekanntgabe eines unrichtigen Wertes bzw. das Verschweigen des Beteiligungsbesitzes stellen einen Verstoß gegen diese elementaren Grundsätze dar.
Die Beantwortung des o.a. Vorhaltes vom 9. April 2001 erfolgte durch den Steuerberater der Bw. Dieser hat in seiner Stellungnahme den von ihm im Namen und Auftrag seiner Klienten bekannt gegebenen Wert der streitgegenständlichen Anteile ausdrücklich als "gemeiner Wert" bezeichnet. Das FAG konnte daher darauf vertrauen, dass dieser Wert den Anforderungen des § 10 BewG gerecht wird. Anlass für die Annahme, dass es sich dabei um eine falsche Auskunft gehandelt habe bzw. dass der Wert des Beteiligungsbesitzes verschwiegen worden sei, bestand aus damaliger Sicht für das Finanzamt nicht. Dass die Nichtberücksichtigung des Wertes der Beteiligungen in der Stellungnahme vom 19. Juni 2001 das Ergebnis eines Irrtums oder eines sonstigen auf bloße Fahrlässigkeit beruhenden Fehlers sei, behauptet nicht einmal die Bw.
Es kann daher kein Zweifel daran bestehen, dass der o.a. Bescheid vom 6. Juli 2001 "sonstwie erschlichen" iSd § 303 Abs. 1 lit. a BAO worden ist.
Dass den Einwänden der Bw. hinsichtlich des vom FAG zur Ermittlung der Bemessungsgrundlagen herangezogenen gemeinen Wertes der Anteile der NNGmbH keine Berechtigung zukommt, ist den obigen Ausführungen zu entnehmen.
Der Umstand, dass im vorliegenden Fall nach der Aktenlage die Einleitung eines Finanzstraf-verfahrens unterblieben ist, steht der Annahme des Vorliegens hinterzogener Abgaben nicht entgegen (VwGH 15.11.2005, 2002/14/0154).
Auf diese Aufforderung hin hat der Vertreter der Bw. im Auftrag und im Namen seiner Klienten mit Schreiben vom 19. Juni 2001 den Wert der Anteile mit S 3.965,00 je S 100 Stammkapital beziffert. Dieser Wert ist aber - wie den obigen Ausführungen zu entnehmen ist - zweifellos unrichtig. Dies schon deshalb, weil er den Beteiligungsbesitz der NNGmbH nicht umfasst - was unbestritten ist.
Vollständig und wahrheitsgemäß offen legen im Sinne des § 119 BAO heißt, der Abgaben-behörde ein richtiges, vollständiges und klares Bild von den für die Abgabenerhebung maßgeblichen Umständen zu verschaffen. Der Abgabepflichtige hat sohin auch bei der Ermittlung des Sachverhaltes aktiv mitzuwirken und die für Bestand und Umfang der Abgabepflicht bedeutsamen Umstände vollständig und wahrheitsgemäß darzulegen. Es sind nicht nur die Besteuerungsgrundlagen unmittelbar berührenden Verhältnisse offen zu legen, sondern sämtliche für Art und Umfang der Abgabepflicht bedeutsamen Umstände. Wahrheitsgemäß ist die Abgabenerklärung nur dann, wenn sie die tatsächlichen Ereignisse, Gegebenheiten, Verhältnisse, Veränderungen, kurzum die abgabenrechtsbedeutsamen Vorgänge widerspiegelt. Dies muss in einer Weise geschehen, dass dem Erfordernis der "Offenlegung" im Wortsinn entsprochen ist, also nichts Entscheidendes verdeckt oder verschleiert wird, Unklarheiten im Tatsächlichen sohin beseitigt werden (OGH 31.8.2001, 14 Os 79/99, mit Hinweisen auf Stoll, BAO-Kommentar, 1355, 1513).
Der Unabhängige Finanzsenat erachtet es somit als erwiesen, dass die handelnden Personen durch die unrichtige Beantwortung des für die Abgabenbemessung relevanten Vorhaltes (insbesondere durch die Verschweigung des Wertes des Beteiligungsbesitzes) eine Verkürzung der Schenkungssteuer bewirkt und damit den objektiven Tatbestand des § 33 Abs. 1 FinStrG verwirklicht haben.
Es ist allgemein bekannt, dass der Wert eines Unternehmens auch vom Wert seiner Beteiligungen abhängt. Dies gilt umso mehr für die vorstehend genannten Personen, die allesamt über jahrelange unternehmerische Erfahrung verfügen. Dass sie dennoch der Meinung waren, im Streitfall sei der Beteiligungsbesitz außer Acht zu lassen, kann daher ausgeschlossen werden und wird auch nicht behauptet.
Unbestritten ist, dass das konsolidierte Eigenkapital der NNGmbH inkl. Beteiligung S 102.600.000,00 betrug. Dass den beiden Stiftern und deren Vertreter, somit auch der Bw. dieser Wert bekannt war, ist gesichert, zumal die beiden Stifter selbst an diesem Unternehmen maßgeblich beteiligt waren und weil sie nur einige Monate vor Beantwortung des Vorhaltes in Verhandlungen getreten sind, um die Abtretung an die Stiftung abzuwickeln. Es versteht sich von selbst, dass angesichts eines Abtretungspreises von S 37.500.000,00 im Rahmen dieser Verhandlungen auch der Frage des Wertes des Unternehmens (samt Beteiligungen) eine wichtige Rolle zukam. Dass sie trotz dieses Wissenstandes dem Finanzamt einen Wert bekannt gegeben haben, der nur 19,3 % des konsolidierten Eigenkapitals beträgt und dem tatsächlichen Wert des Unternehmens nicht einmal ansatzweise entspricht noch dessen durchwegs positive Zukunftserwartungen abbildet, lässt sich daher nur damit erklären, dass ihre unrichtigen Angaben in bewusster Täuschungsabsicht auf eine Verkürzung der Schenkungssteuer abzielten.
Es fällt auf, dass der gemeine Wert von S 25.000,00 laut obigen Feststellungen um mehr als 600 % (!) höher ist als der von der Bw. bekannt gegebene Wert von S 3.965,00 je S 100 Stammkapital. Diese Abweichung ist so groß, dass sie auch nicht mit der jeder Schätzung immanenten Ungenauigkeit bzw. Bandbreite zu erklären ist.
Dass auch nur einer der drei genannten Personen (den beiden Stiftern und deren Vertreter) das eklatante Missverhältnis zwischen dem tatsächlichen Wert dieser Unternehmensanteile laut eigenem Kenntnisstand und dem niedrigeren Wert laut Auskunft an das Finanzamt entgangen sein könnte, ist auf Grund der vorstehend erwähnten Umstände auszuschließen und wird auch nicht behauptet. Anhaltspunkte dafür, dass in dieser objektiv falschen Erklärung (die wie bereits mehrfach erwähnt u.a. in der Nichtberücksichtigung des Beteiligungsbesitzes ihre Ursache hat) bloße Fahrlässigkeit zu erblicken sei, ergeben sich weder aus dem Akteninhalt noch aus dem Vorbringen der Bw.
Es ist zumindest bedingter Vorsatz darin zu erblicken, dass es die beteiligten Personen ernstlich für möglich hielten, dass der von ihnen viel zu niedrig erklärte Wert zu einer verkürzten Bemessung der Schenkungssteuer führt und sich damit abfanden.
Nach den Bestimmungen des § 303 Abs. 1 lit. b BAO steht in den genannten Fällen grobes Verschulden der Partei der Wiederaufnahme entgegen. Die Zitierung dieser nur für die Wiederaufnahme auf Antrag geltenden Norm war daher bei der hier vorliegenden amtswegigen Wiederaufnahme (der Spruch stützt sich zutreffend auf die einschlägigen Bestimmungen des § 303 Abs. 4 iVm Abs. 1 lit. a BAO) unrichtig. Dabei kann es sich nur um einen Schreibfehler handeln, da der Begründung des angefochtenen Bescheides unmissverständlich zu entnehmen ist, dass es sich um eine amtswegige Wiederaufnahme handelt.
Neuberechnung der Abgaben auf Grund der oben angeführten Feststellungen:
Berechnung des steuerpflichtigen Erwerbes:
a) Nominale S 120.120,00 an der NNGmbH
S 30.030.000,00
b) Nominale S 145.100,00 an der BGesmbH
+ S 782.089,00
Summe des Wertes des zugewandten Betriebsvermögens
S 30.812.089,00
+ Barstiftung
+ S 990.000,00
S 31.802.089,00
Bemessungsgrundlage in Schilling
S 31.800.589,00
€ 2.311.038,93
Gemäß § 8 Abs. 3 ErbStG 2,50 % vom gemäß § 28 ErbStG gerundeten steuerpflichtigen Erwerb in der Höhe von € 2.311.038,93
Findok-Nr: 64141.1, aufgenommen am: 08.03.2013 07:53:38, Dokument-ID: dfe7806e-b477-42e5-9f76-52f333516564, Segment-ID: 6f2db690-c342-4541-84c8-990d09cfd64d