Source: https://www.anwalt24.de/urteile/bsg/2015-11-12/b-14-as-6_15-r
Timestamp: 2017-09-23 13:40:00
Document Index: 309991948

Matched Legal Cases: ['§ 7', '§ 7', '§ 7', '§ 170', '§ 107', '§ 7', '§ 7', '§ 107']

BSG, 12.11.2015 - B 14 AS 6/15 R - Anspruch auf Grundsicherung für Arbeitsuchende; Leistungsausschluss während einer stationären Drogentherapie bei Aufenthalt in einer Fachklinik zu einer stationären Langzeittherapie; Anwendung der Rückausnahme nach § 7 Abs. 4 S. 3 Nr. 1 SGB II bei vorhergehendem Aufenthalt in einer anderen stationären Einrichtung | anwalt24.de
Urt. v. 12.11.2015, Az.: B 14 AS 6/15 R
Referenz: JurionRS 2015, 38564
Aktenzeichen: B 14 AS 6/15 R
LSG Hessen - 21.01.2015 - AZ: L 6 AS 361/12
§ 7 Abs. 4 S. 1 Alt. 1 SGB II
§ 7 Abs. 4 S. 3 Nr. 1 SGB II
info also 2016, 134
NDV-RD 2016, 85-87
SGb 2016, 37-38
SGb 2016, 647-650
ZfF 2016, 113-114
Az: B 14 AS 6/15 R
L 6 AS 361/12 (Hessisches LSG)
S 1 AS 239/10 (SG Kassel)
Jobcenter Werra-Meißner,
Fuldaer Straße 6, 37269 Eschwege,
Der 14. Senat des Bundessozialgerichts hat auf die mündliche Verhandlung vom 12. November 2015 durch den Richter Prof. Dr. B e c k e r als Vorsitzenden, die Richter Dr. S c h ü t z e und Dr. F l i n t sowie die ehrenamtlichen Richter Dr. O m a g b e m i und G r o s k r e u t z
Die zulässige Revision des Klägers ist unbegründet (§ 170 Abs 1 Satz 1 Sozialgerichtsgesetz [SGG]). Der Kläger hat im streitigen Zeitraum keinen Anspruch auf Alg II, weil er während seines Aufenthalts in der Fachklinik von Leistungen nach dem SGB II ausgeschlossen war.
Die hierauf gerichtete Revision ist zulässig auch bei bereits erbrachten Leistungen nach dem SGB XII im streitigen Zeitraum unabhängig von deren Höhe und trotz der Erfüllungsfiktion des § 107 Abs 1 Zehntes Buch Sozialgesetzbuch (SGB X) schon aufgrund der formellen Beschwer des Klägers, weil ihm vom LSG versagt worden ist, was er beantragt hat. Auch besteht nach wie vor ein Rechtsschutzbedürfnis, weil der Kläger um die für ihn rechtlich zutreffenden Leistungen streitet und sich an einen Alg II-Anspruch Fernwirkungen knüpfen können (vgl Bundessozialgericht [BSG] Urteil vom 6.9.2007 - B 14/7b AS 16/07 R - BSGE 99, 88 = SozR 4-4200 § 7 Nr 7, RdNr 12). Zudem hat er ein schützenswertes Interesse an der Klärung, welche Leistungen ihm zugestanden haben, weil die Höhe existenzsichernder Leistungen nach dem SGB II und SGB XII bei Unterbringung in einer stationären Einrichtung unterschiedlich sein kann und Leistungen nach dem SGB II während der Unterbringung in aller Regel höher sind.
a) Nach § 7 Abs 4 SGB II erhält Leistungen nach dem SGB II ua nicht, wer in einer stationären Einrichtung untergebracht ist (Satz 1). In Ausnahme von diesem grundsätzlichen Leistungsausschluss erhält Leistungen nach dem SGB II gleichwohl, wer voraussichtlich für weniger als sechs Monate in einem Krankenhaus (§ 107 Fünftes Buch Sozialgesetzbuch [SGB V]) untergebracht ist (Satz 3 Nr 1). Eine Rückausnahme greift auch für den ein, der in einer stationären Einrichtung untergebracht und unter den üblichen Bedingungen des allgemeinen Arbeitsmarktes mindestens 15 Stunden wöchentlich erwerbstätig ist (Satz 3 Nr 2); für diese Rückausnahme spricht indes vorliegend nichts.