Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Gericht=BGH&Datum=01.08.2013&Aktenzeichen=VII%20ZR%2075%2F11
Timestamp: 2018-02-25 15:43:33
Document Index: 254014440

Matched Legal Cases: ['BGH', '§ 242', '§ 242', '§ 320', '§ 633', '§ 641', 'Art 229', '§ 1', '§ 633', '§ 641', 'BGH', 'BGH', '§ 242', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 242', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 633', 'BGH', 'BGH', '§ 633', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH']

BGH, 01.08.2013 - VII ZR 75/11 - dejure.org
BGB §§ 242, 633 a. F., 641
§ 242 BGB, § 320 Abs 1 BGB, § 633 BGB vom 09.12.1976, § 641 Abs 3 BGB vom 30.03.2000, Art 229 § 1 Abs 2 S 2 BGBEG
Werklohnklage aus Bauvertrag: Leistungsverweigerungsrecht des Hauptunternehmers wegen Mängeln der Werkleistung eines Nachunternehmers im Altfall
Mängelbeseitigungs- und Leistungsverweigerungsrecht des Hauptunternehmers gegenüber dem Nachunternehmer unabhängig von einer Inanspruchnahme durch den Besteller
Leistungsverweigerungsrecht des Hauptunternehmers gegenüber Nachunternehmer unabhängig von seiner Inanspruchnahme durch den Besteller
Leistungsverweigerungsrecht des Hauptunternehmers wegen Mängeln der Werkleistung des Subunternehmers; Baumängel; Mangelbegriff; Abdichtung
Leistungsverweigerungsrecht des Hauptunternehmers wegen Mängeln der Werkleistung des Nachunternehmers unabhängig davon, ob der Hauptunternehmer für diese Mängel seinerseits haftet
BGB § 633 Abs. 1; BGB § 641 Abs. 3
NU-Leistung mangelhaft: GU kann Zahlung (immer) verweigern!
ARGE Baurecht: Leistungsverweigerungsrecht gilt in vielen Fällen
Leistungsverweigerungsrecht bei mangelhafter Werkleistung des Nachunternehmers
Bauherr-Generalunternehmer-Nachunternehmer: Mängelrechte in der Leistungskette
Leistungsverweigerungsrecht wegen Mängeln
Nachunternehmerleistung mangelhaft - Generalunternehmer kann sich (immer) auf Leistungsverweigerungsrecht berufen
Generalunternehmerin kann ungeachtet ihrer Verpflichtung zum Besteller die Bezahlung des Nachunternehmers wegen unterbliebener Mängelbeseitigung verweigern
Fachpresse: Inwieweit hat der Hautunternehmer ein eigenständiges Leistungsverweigerungsrecht?
Ansprüche in der werkvertraglichen Leistungskette
AG macht keine Mängelrechte geltend: GU muss NU trotzdem nicht bezahlen! (IBR 2013, 610)
Kurznachricht zu "Anmerkung zum Versäumnisurteil des BGH vom 01.08.2013, Az.: VII ZR 75/11 (Eigenständiges Leistungsverweigerungsrecht des Hauptunternehmers)" von RA Christian Schwenker, original erschienen in: NJW 2013, 3297 - 3300.
LG Halle, 10.06.2010 - 1 O 78/06
OLG Naumburg, 09.03.2011 - 5 U 84/10
BGHZ 198, 150
NJW 2013, 3297
ZIP 2013, 1824
MDR 2013, 1274
NZBau 2013, 693
WM 2014, 184
BauR 2013, 1855
ZfBR 2013, 775
Der Vorteilsausgleich beruht auf dem Gedanken von Treu und Glauben (§ 242 BGB) und erfordert eine wertende Betrachtung (BGH, Versäumnisurteil vom 1. August 2013 - VII ZR 75/11, NJW 2013, 3297, Rn. 22, BGH…, Urteil vom 28. Juni 2007 - VII ZR 81/06, BGHZ 173, 83 Rn. 18 mwN).
a) Nach der Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs kann ein Schadensersatzanspruch des Bestellers aufgrund einer normativen von Treu und Glauben (§ 242 BGB) geprägten schadensrechtlichen Wertung zu verneinen sein, wenn dem Besteller durch dessen Erfüllung ungerechtfertigte, ihn bereichernde Vorteile zufließen würden (vgl. BGH, Versäumnisurteil vom 1. August 2013 - VII ZR 75/11, BGHZ 198, 150 Rn. 22 m.w.N.).
a) Die Rechtsprechung des Senates zur Leistungskette (BGH, Urteile vom 28. Juni 2007 - VII ZR 8/06, BauR 2007, 1567 = NZBau 2007, 580; VII ZR 81/06, BGHZ 173, 83; vom 10. Juli 2008 - VII ZR 16/07, BauR 2008, 1877 = NZBau 2009, 34; vom 1. August 2013 - VII ZR 75/11, BGHZ 198, 150) beruht auf der normativen, von Treu und Glauben geprägten schadensrechtlichen Wertung, dass dem Hauptunternehmer, jedenfalls dann, wenn er wegen des Mangels nicht mehr in Anspruch genommen werden kann, ungerechtfertigte, ihn bereichernde Vorteile zufließen, wenn er gleichwohl als Schadensersatz die Mängelbeseitigungskosten vom Nachunternehmer fordern (BGH, Urteil vom 1. August 2013 - VII ZR 75/11, aaO Rn. 22) oder dessen Vergütung in Höhe der Mängelbeseitigungskosten mindern kann (BGH, Urteil vom 1. August 2013 - VII ZR 75/11, BGHZ 198, 150 Rn. 24;… Beschluss vom 20. Dezember 2010 - VII ZR 100/10, NZBau 2011, 232 Rn. 2 = NJW-RR 2011, 377).
Wirkt sich eine Abweichung von der vereinbarten Beschaffenheit nicht oder nur in geringem Maße nachteilig aus, kann dies zwar die Prüfung veranlassen, ob Mängelansprüchen des Bestellers der Einwand entgegensteht, der Mängelbeseitigungsaufwand sei unverhältnismäßig (so schon BGH, Urteil vom 1. August 2013 - VII ZR 75/11, BGHZ 198, 150 Rn. 15 zu § 633 Abs. 2 BGB a.F.).
Nach den Grundsätzen der Vorteilsausgleichung steht dem Hauptunternehmer der auf Ersatz der Mängelbeseitigungskosten gerichtete Schadensersatzanspruch wegen Mängeln der Nachunternehmerleistung aber nicht zu, wenn oder soweit feststeht, dass er seinerseits von seinem Besteller wegen des Mangels nicht in Anspruch genommen wird oder werden kann (BGHZ 173, 83 = NJW 2007, 2695; NJW 2007, 2697; NJW 2013, 3297 Rn. 21, Kniffka/Koeble a.a.O. Rdn. 251).
Kann eine Bauausführung entgegen den anerkannten Regeln der Technik vereinbart …
Nur wenn auch für die Zukunft keine (bzw. keine anderen Auswirkungen als bei der geschuldeten Ausführung) zu erwarten sind, kann der Mängelbeseitigungsaufwand ausnahmsweise unverhältnismäßig sein (vgl. BGH, Urteil vom 01.08.-, VII ZR 75/11, www.juris.de; Kniffka/Koeble, ibr-online-Kommentar Bauvertragsrecht, Stand 09/2016, § 633, Rn 40 mwN).
Hierzu hat der Bundesgerichtshof in seinem Urteil vom 1. August - (BGHZ 198, 150) ausgeführt, das Leistungsverweigerungsrecht des Hauptunternehmers hänge in einer Leistungskette zwar nicht davon ab, ob sein Besteller (Bauherr, Endabnehmer) die Mängelbeseitigung -noch -von ihm fordern könne.
Eine Minderung ist wegen Vorteilsausgleichung in gleicher Weise wie ein Schadensersatz ausgeschlossen, wenn der mindernde Auftraggeber in der werkvertraglichen Leistungskette seinerseits vom Hauptauftraggeber nicht mehr in Anspruch genommen wird (BGH NJW-RR 11, 377; BGHZ 198, 150, Rn. 24 nach juris).
65 Der Bundesgerichtshof hat jedoch entschieden, dass bei Mängeln in einer werkvertraglichen Leistungskette dem Auftraggeber kein auf Ersatz der Mängelbeseitigungskosten gerichteter Schadensersatzanspruch gegen seinen Auftragnehmer zusteht, wenn feststeht, dass er (der Auftraggeber) seinerseits von seinem Besteller wegen dieses Mangels nicht in Anspruch genommen wird oder genommen werden kann (BGH NJW-Spezial 2013, 588 - juris Rn. 21).