Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Text=1%20RVs%2041/12
Timestamp: 2019-06-18 09:52:12
Document Index: 63731787

Matched Legal Cases: ['§ 329', '§ 329', 'Art. 6', '§ 168', 'BGH', '§ 329', '§ 329', 'EGMR', 'EGMR', 'EGMR', '§ 329', '§ 329', '§ 408', '§ 409']

Rechtsprechung: 1 RVs 41/12 - dejure.org
Weitere Entscheidung unten: OLG Düsseldorf, 31.07.2012
OLG Hamm, 14.06.2012 - III-1 RVs 41/12
https://dejure.org/2012,18796
OLG Hamm, 14.06.2012 - III-1 RVs 41/12 (https://dejure.org/2012,18796)
OLG Hamm, Entscheidung vom 14.06.2012 - III-1 RVs 41/12 (https://dejure.org/2012,18796)
OLG Hamm, Entscheidung vom 14. Juni 2012 - III-1 RVs 41/12 (https://dejure.org/2012,18796)
Tipp: Um den Kurzlink (hier: https://dejure.org/2012,18796) schnell in die Zwischenablage zu kopieren, können Sie die Tastenkombination Alt + R verwenden - auch ohne diesen Bereich zu öffnen.
StPO § 329; EMRK 6
Berufungsverwerfung, Ausbleiben Angeklagter, EMRK, Vertretungsvollmacht
StPO § 329 Abs. 1 S. 1; EMRK Art. 6 Abs. 3 lit. c
LG Siegen - 11 Ns 6/12
Ebenso wie der Wahlverteidiger bedarf auch der Pflichtverteidiger zur Vertretung des Angeklagten in der Hauptverhandlung einer besonderen schriftlichen Vollmacht (Beschluss des hiesigen 1. Strafsenats vom 14. Juni 2012 - III-1 RVs 41/12 - m.w.N., veröffentlicht bei juris), an der es vorliegend fehlt.
Dies folgt aus einer entsprechenden Anwendung des § 168 BGB, wonach die Vollmacht mit dem ihr zugrundeliegenden Rechtsgeschäft erlischt (vgl. dazu: BGH…, Beschluss vom 08. November 1990, 4 StR 457/90, zitiert nach juris Rn. 2; Beschluss des hiesigen 1. Strafsenats vom 14. Juni 2012, III-1 RVs 41/12, veröffentlicht bei juris).
Dies bedeutet, dass der Pflichtverteidiger - ebenso wie der Wahlverteidiger - einer (gegebenenfalls erneut erteilten) ausdrücklichen Vertretungsvollmacht bedarf, die hier nicht vorliegt (so auch: Beschluss des hiesigen 1. Strafsenats vom 14. Juni 2012 - III-1 RVs 41/12 - veröffentlicht bei juris).
Der Angeklagte muss sich schließlich an den inhaltlichen Erklärungen seines Verteidigers in der Hauptverhandlung festhalten lassen, als wären sie seine eigenen (vgl. KG Berlin, Beschluss vom 16. Mai 2014 in (4) 161 Ss 71/14 (106/14), StRR 2015, 64, Beschluss vom 16. September 2015 in (2) 121 Ss 141/15 (51/15), StRR 2015, 402; OLG Hamm, Beschluss vom 21. November 2013 in 5 RVs 95/13, Beschluss vom 14. Juni 2012 in 1 RVs 41/12).
Er bedarf daher ebenso wie der Wahlverteidiger zur Vertretung des Angeklagten in der Hauptverhandlung einer besonderen schriftlichen Vollmacht (vgl. Senatsbeschluss vom 14. Juni 2012, a. a. O.).
(1) Vorliegend scheitert nach Auffassung des Senats eine konventionsfreundliche Auslegung des § 329 Abs. 1 S. 1 StPO nicht bereits an dessen eindeutig entgegenstehenden Wortlaut (so aber OLG München, Beschluss vom 17.01.2013, 4 StRR (A) 18/12; offen gelassen vom OLG Düsseldorf, Beschluss vom 27.02.2012, 2 RVs 11/12 und OLG Hamm, Beschluss vom 14.06.2012, 1 RVs 41/12; alle zitiert bei juris).
Die Anwendung dieser Grundsätze auf den vorliegenden Fall bedeutet, dass § 329 Abs. 1 Satz 1 StPO nicht entgegen seinem eindeutigen Wortlaut ausgelegt werden kann (…vgl. OLG München a. a. O.; OLG Düsseldorf, Beschluss vom 27.02.2012 - III-2 RVs 11/12; OLG Hamm, Beschluss vom 14.06.2012 - III-1 RVs 41/12).
Eine schonende Einpassung der Rechtsprechung des EGMR in das innerstaatliche Recht ist ohne Verstoß gegen die gängige Methodik nicht machbar (vgl. Peglau, jurisPR-StrafR 5/2013, Anm. 3; ebenso vor dem neuesten EGMR-Urteil auch: OLG Düsseldorf, Beschluss vom 27.02.2012, Az.: 2 RVs 11/12; OLG Hamm, Beschluss vom 14.06.2012, Az.: 1 RVs 41/12, - jeweils zitiert nach juris).
8 Unabhängig von der das deutsche Strafprozessrecht betreffenden Vorlagesache (Urteil vom 08.11.2012, Individualbeschwerde Nr. 30804/07 - N. gegen Deutschland) hatten aufgrund dieser eindeutigen Rechtslage schon die Oberlandesgerichte in Düsseldorf (Beschluss vom 27.02.2012, III-2 RVs 11/12; juris) und Hamm (Beschluss vom 14.06.2012, III-1 RVs 41/12; juris) die Frage verneint, ob eine frühere Entscheidung des EGMR (Individualbeschwerde Nr. 13566/06 - P. gegen Finnland) zu einer den Anwendungsbereich des § 329 Abs. 1 StPO einschränkenden Auslegung zwingt.
Die Anwendung dieser Grundsätze auf den vorliegenden Fall bedeutet, dass § 329 Abs. 1 S. 1 StPO nicht entgegen seinem eindeutigen Wortlaut ausgelegt werden kann (…vgl. ebenso OLG München a.a.O.; OLG Düsseldorf, StV 2013, 299; OLG Hamm, III-1 RVs 41/12, zitiert bei juris).
OLG Düsseldorf, 31.07.2012 - III-1 RVs 41/12
https://dejure.org/2012,21338
OLG Düsseldorf, 31.07.2012 - III-1 RVs 41/12 (https://dejure.org/2012,21338)
OLG Düsseldorf, Entscheidung vom 31.07.2012 - III-1 RVs 41/12 (https://dejure.org/2012,21338)
OLG Düsseldorf, Entscheidung vom 31. Juli 2012 - III-1 RVs 41/12 (https://dejure.org/2012,21338)
Tipp: Um den Kurzlink (hier: https://dejure.org/2012,21338) schnell in die Zwischenablage zu kopieren, können Sie die Tastenkombination Alt + R verwenden - auch ohne diesen Bereich zu öffnen.
StPO § 408a; StPO § 409 Abs. 1 S. 1 Nr. 3