Source: https://www.rechtslupe.de/zivilrecht/grober-behandlungsfehler-336798
Timestamp: 2020-08-08 11:37:21
Document Index: 46409183

Matched Legal Cases: ['BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 2', '§ 1']

Grober Behandlungsfehler | Rechtslupe
3. Januar 2012 Rechtslupe
Gro­ber Behand­lungs­feh­ler
Ein Behand­lungs­feh­ler ist nur dann als grob zu bewer­ten, wenn der Arzt ein­deu­tig gegen bewähr­te ärzt­li­che Behand­lungs­re­geln oder gesi­cher­te medi­zi­ni­sche Erkennt­nis­se ver­sto­ßen und einen Feh­ler began­gen hat, der aus objek­ti­ver Sicht nicht mehr ver­ständ­lich erscheint, weil er einem Arzt schlech­ter­dings nicht unter­lau­fen darf [1].
Die Beur­tei­lung, ob ein Behand­lungs­feh­ler als grob oder nicht grob ein­zu­stu­fen ist, ist eine juris­ti­sche Wer­tung, die dem Tatrich­ter und nicht dem Sach­ver­stän­di­gen obliegt. Zwar muss die Bewer­tung eines Behand­lungs­ge­sche­hens als grob feh­ler­haft in den Aus­füh­run­gen eines Sach­ver­stän­di­gen ihre tat­säch­li­che Grund­la­ge fin­den; sie darf auch kei­nes­falls ent­ge­gen des­sen fach­li­chen Aus­füh­run­gen bejaht wer­den [2]. Das bedeu­tet aber nicht, dass der Rich­ter die Bewer­tung dem Sach­ver­stän­di­gen über­las­sen und nur die sel­te­nen Fäl­le, in denen die­ser das ärzt­li­che Ver­hal­ten als nicht nach­voll­zieh­bar bezeich­net, als grob wer­ten darf. Viel­mehr hat der Tatrich­ter dar­auf zu ach­ten, ob der Sach­ver­stän­di­ge in sei­ner Wür­di­gung einen Ver­stoß gegen ele­men­ta­re medi­zi­ni­sche Erkennt­nis­se oder ele­men­ta­re Behand­lungs­stan­dards oder ledig­lich eine Fehl­ent­schei­dung in mehr oder weni­ger schwie­ri­ger Lage erkennt [3]. Distan­ziert sich der Sach­ver­stän­di­ge einer­seits deut­lich vom Vor­ge­hen des Arz­tes, hält er es aber ande­rer­seits noch für nach­voll­zieh­bar, so hat der Tatrich­ter die Äuße­run­gen des Sach­ver­stän­di­gen kri­tisch zu hin­ter­fra­gen und sowohl den für eine sol­che Behand­lung gel­ten­den Sorg­falts­maß­stab als auch die tat­säch­li­chen Vor­aus­set­zun­gen eines gro­ben Behand­lungs­feh­lers – ggf. erneut – mit dem Sach­ver­stän­di­gen zu erör­tern [3]. Andern­falls bie­tet der erho­be­ne Sach­ver­stän­di­gen­be­weis kei­ne aus­rei­chen­de Grund­la­ge für die tatrich­ter­li­che Über­zeu­gungs­bil­dung [4].
Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 25. Okto­ber 2011 – VI ZR 139/​10
BGH, Urtei­le vom 27.04.2004 – VI ZR 34/​03, BGHZ 159, 48, 53; vom 27.03.2007 – VI ZR 55/​05, BGHZ 172, 1 Rn. 25; vom 16.06.2009 – VI ZR 157/​08, VersR 2009, 1267 Rn. 15; Beschluss vom 22.09.2009 – VI ZR 32/​09, VersR 2010, 72 Rn. 6 und vom 20.09.2011 – VI ZR 55/​09[↩]
BGH, Urtei­le vom 25.11.2003 – VI ZR 8/​03, VersR 2004, 645, 647; vom 12.02.2008 – VI ZR 221/​06, VersR 2008, 644, 645; Beschluss vom 09.06.2009 – VI ZR 261/​08, VersR 2009, 1406, 1408[↩]
vgl. BGH, Beschluss vom 09.06.2009 – VI ZR 261/​08, aaO[↩][↩]
vgl. BGH, Urteil vom 12.02.2008 – VI ZR 221/​06, VersR 2008, 644, 645 mwN[↩]
Befund­er­he­bungs­feh­lers oder Dia­gno­se­irr­tum? Da das Wohl des Pati­en­ten obers­tes Gebot und Richt­schnur jeden ärzt­li­chen Han­delns ist ((vgl. BGH, Urteil vom 26.01.1999 – VI ZR 376/​97, BGHZ 140, 309,…
Ver­äu­ße­rung von Betriebs­prä­mi­en eines Land­wirts Die Ver­äu­ße­rung von Betriebs­prä­mi­en eines Land­wirts durch den Land­wirt sind umsatz­steu­er­bar und auch umsatz­steu­er­pflich­tig. Unter­neh­mer ist nach § 2 Abs. 1 Satz 1 UStG, wer…
Behand­lungs­feh­ler Ein Arzt haf­tet für einen Behand­lungs­feh­ler nur dann, wenn genau die­ser Feh­ler ursäch­lich für den ein­ge­tre­te­nen Scha­den ist. Dabei wird in der Ent­schei­dung des Thü­rin­ger…
Die Pflicht, hin­zu­schau­en, wo man sich hin­be­wegt § 1 Abs. 1 und 2 StVO ent­hal­ten Grund­re­geln, die auch für den Ver­kehr auf nicht­öf­fent­li­chen Flä­chen Bedeu­tung haben. Das Vor­sichts- und Rück­sicht­nah­me­ge­bot sowie das…
Die unter­las­se­ne Befund­er­he­bung als ärzt­li­cher Kunst­feh­ler Für die Beweis­last­um­kehr hin­sicht­lich des Ursa­chen­zu­sam­men­hangs zwi­schen ärzt­li­chem Feh­ler und Gesund­heits­scha­den reicht es aus, dass die Unter­las­sung einer aus medi­zi­ni­scher Sicht gebo­te­nen Befund­er­he­bung einen gro­ben…
Behand­lungs­feh­ler und Behand­lungs­ver­wei­ge­rung Die man­geln­de Mit­wir­kung (non-com­pli­an­ce) des Pati­en­ten an einer medi­zi­nisch gebo­te­nen Behand­lung schließt, wie der Bun­des­ge­richts­hof in einem aktu­el­len Urteil ent­schie­den hat, einen Behand­lungs­feh­ler nicht aus,…
ArzthaftungBehandlungsfehler