Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Gericht=BGH&Datum=10.04.2018&Aktenzeichen=VIII%20ZR%20247/17
Timestamp: 2019-05-22 12:24:51
Document Index: 260583064

Matched Legal Cases: ['BGH', 'BGH', '§ 1', '§ 2', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 1', '§ 2', '§ 2', 'BGH', '§ 1', '§ 2', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH']

Wirksamkeit des berufungsgerichtlichen Ausspruchs einer Beschränkung im Tenor des Berufungsurteils unter Bezugnahme auf in den Entscheidungsgründen genannte Rechtsfragen; Bemessung der Beschwer in einem Verfahren nach dem Gesetz über Unterlassungsklagen bei Verbraucherrechts- und anderen Verstößen
Kurznachricht zu "Beschränkte Revisionszulassung und Beschwer im UKlaG-Verfahren - Anmerkung zum Beschluss des BGH vom 10.04.2018" von PD Dr. Madeleine Tolani, LL.M., original erschienen in: NJW 2018, 1880 - 1884.
Festsetzung des Wertes des Beschwerdegegenstands bei Rechtsmitteln; Ermittlung …
Der Gebührenstreitwert und auch die Beschwer in Verfahren nach dem Gesetz über Unterlassungsklagen bei Verbraucherrechts- oder anderen Verstößen (UKlaG) orientieren sich regelmäßig - von Fällen einer herausragenden wirtschaftlichen Bedeutung abgesehen - an dem Interesse der Allgemeinheit an der Beseitigung einer gesetzwidrigen AGB-Bestimmung, nicht hingegen an der wirtschaftlichen Bedeutung eines Klauselverbots (Bestätigung von BGH, Beschlüsse vom 10. April 2018 - VIII ZR 247/17, NJW 2018, 1880 Rn. 34;… vom 27. Februar 2018 - VIII ZR 147/17, RdE 2018, 251 Rn. 5;… vom 23. Februar 2017 - III ZR 390/16, juris Rn. 4;… vom 20. September 2016 - VIII ZR 239/15, RdE 2017, 297 Rn. 5;… vom 29. Juli 2015 - IV ZR 45/15, VersR 2016, 140 Rn. 3 …und vom 7. Mai 2015 - I ZR 108/14, juris Rn. 6).
Dies gilt nicht nur für die Fälle des Verbots von gesetzwidrigen Allgemeinen Geschäftsbedingungen (§ 1 UKlaG), sondern auch für eine im Hinblick auf eine verbraucherschutzgesetzwidrige Praxis im Sinne des § 2 UKlaG erhobene Verbandsklage (…Bestätigung von BGH, Beschlüsse vom 7. Mai 2015 - I ZR 108/14, aaO;… vom 22. November 2016 - I ZR 184/15, VersR 2017, 507 Rn. 16 und vom 10. April 2018 - VIII ZR 247/17, aaO Rn. 35).
Nachdem der Senat die Beklagte durch Beschluss vom 4. Dezember 2018 darauf hingewiesen hat, dass der Wert der mit der Revision geltend zu machenden Beschwer mit Rücksicht auf die gefestigte Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs (vgl. Senatsbeschluss vom 10. April 2018 - VIII ZR 247/17, NJW 2018, 1880 Rn. 34 ff. mwN) im gegebenen Fall 20.000 EUR nicht übersteigt, macht die Beschwerde nunmehr geltend, die Beschwer der Beklagten sei an der wirtschaftlichen Einbuße zu messen, die ihr entstünde, wenn Verbraucher von dem gesetzlichen Widerrufsrecht bei außerhalb von Geschäftsräumen geschlossenen Verträgen Gebrauch machten.
a) Danach orientieren sich der Gebührenstreitwert und auch die Beschwer in Verfahren nach dem Gesetz über Unterlassungsklagen bei Verbraucherrechts- oder anderen Verstößen (UKlaG) regelmäßig an dem Interesse der Allgemeinheit an der Beseitigung einer gesetzwidrigen AGB-Bestimmung, nicht hingegen an der wirtschaftlichen Bedeutung eines Klauselverbots (st. Rspr.; vgl. nur BGH, Beschlüsse vom 10. April 2018 - VIII ZR 247/17, aaO Rn. 34;… vom 27. Februar 2018 - VIII ZR 147/17, RdE 2018, 251 Rn. 5;… vom 23. Februar 2017 - III ZR 390/16, juris Rn. 4;… vom 20. September 2016 - VIII ZR 239/15, RdE 2017, 297 Rn. 5;… vom 29. Juli 2015 - IV ZR 45/15, VersR 2016, 140 Rn. 3;… vom 7. Mai 2015 - I ZR 108/14, juris Rn. 6).
Auf diese Weise sollen Verbraucherschutzverbände bei der Wahrnehmung der ihnen im Allgemeininteresse eingeräumten Befugnis, den Rechtsverkehr von unwirksamen Allgemeinen Geschäftsbedingungen zu befreien, vor unangemessenen Kostenrisiken geschützt werden (BGH, Beschlüsse vom 10. April 2018 - VIII ZR 247/17, aaO;… vom 27. Februar 2018 - VIII ZR 147/17, aaO;… vom 20. September 2016 - VIII ZR 239/15, aaO;… vom 23. Februar 2017 - III ZR 390/16, aaO;… vom 29. Juli 2015 - IV ZR 45/15, aaO;… vom 7. Mai 2015 - I ZR 108/14, aaO).
Diese Erwägungen gelten nicht nur für die Fälle des Verbots von gesetzwidrigen Allgemeinen Geschäftsbedingungen (§ 1 UKlaG), sondern auch für eine - wie im Streitfall - im Hinblick auf eine verbraucherschutzgesetzwidrige Praxis im Sinne des § 2 UKlaG (hier § 2 Abs. 2 Satz 1 Nr. 1 Buchst. a UKlaG) erhobene Verbandsklage (…BGH, Beschlüsse vom 7. Mai 2015 - I ZR 108/14, aaO;… vom 22. November 2016 - I ZR 184/15, VersR 2017, 507 Rn. 16; vom 10. April 2018 - VIII ZR 247/17, aaO Rn. 35).
Die vorstehend genannten Grundsätze schließen es zwar nicht von vornherein aus, der herausragenden wirtschaftlichen Bedeutung einer nach § 1 UKlaG angegriffenen AGB-Bestimmung oder - wie hier - einer nach § 2 UKlaG angefochtenen Praxis für die betroffenen Verkehrskreise ausnahmsweise Rechnung zu tragen, wenn die Entscheidung über die Wirksamkeit einer bestimmten Klausel oder die Zulässigkeit einer bestimmten Praxis nicht nur für die beklagte Partei und ihre Vertragspartner, sondern für die gesamte Branche von wesentlicher Bedeutung ist, etwa weil es dabei um äußerst umstrittene verallgemeinerungsfähige Rechtsfragen von großer wirtschaftlicher Tragweite geht, über deren Beantwortung bereits vielfältig und mit kontroversen Ergebnissen gestritten wird (BGH, Beschlüsse vom 10. April 2018 - VIII ZR 247/17, aaO Rn. 36;… vom 27. Februar 2018 - VIII ZR 147/17, aaO Rn. 6;… vom 23. Februar 2017 - III ZR 390/16, aaO Rn. 6;… vom 19. Januar 2017 - III ZR 296/16, aaO Rn. 5;… vom 20. September 2016 - VIII ZR 239/15, aaO Rn. 6;… vom 7. Mai 2015 - I ZR 108/14, aaO Rn. 7;… vom 9. Dezember 2014 - VIII ZR 160/14, aaO Rn. 6).
Auch kann sich aus den Entscheidungsgründen eines Berufungsurteils mit der gebotenen Deutlichkeit ergeben, dass die Revision nur bezüglich der Partei zugelassen worden ist, zu deren Nachteil das Berufungsgericht die von ihm als klärungsbedürftig empfundene Rechtsfrage entschieden hat (st.Rspr.; siehe nur BGH, Beschluss vom 10. April 2018 - VIII ZR 247/17, NJW 2018, 1880 Rn. 10 f. mwN).
Das ist regelmäßig dann anzunehmen, wenn sich die vom Berufungsgericht als zulassungsrelevant angesehene Frage nur für einen eindeutig abgrenzbaren selbständigen Teil des Streitstoffs stellt, der Gegenstand eines Teilurteils oder eines eingeschränkt eingelegten Rechtsmittels sein kann (vgl. BGH…, Urteil vom 24. Oktober 2017 - II ZR 16/16, ZIP 2017, 2379 Rn. 9; Beschluss vom 10. April 2018 - VIII ZR 247/17, NJW 2018, 1880 Rn. 10, jew. mwN).
Die Zulassung wirkt in diesem Fall nicht zugunsten der gegnerischen Partei, die das Urteil aus einem völlig anderen Grund angreift (BGH…, Beschluss vom 27. März 2014 - III ZR 387/13, Rn. 5;… Urteil vom 23. Juni 2016 - IX ZR 158/15, NZI 2016, 694 Rn. 45; Beschluss vom 10. April 2018 - VIII ZR 247/17, NJW 2018, 1880 Rn. 11).