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Timestamp: 2018-07-18 11:43:44
Document Index: 37198810

Matched Legal Cases: ['Art. 6', 'Art. 2', 'Art. 7', 'Art. 6', 'Art. 7', 'Art. 6']

Pädagogische Situationen und das Recht - PDF
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1 Pädagogische Situationen und das Recht Rechtsanwalt Prof. Dr. Knut Hinrichs, Bochum/Hamburg Evangelische Fachhochschule R-W-L, Bochum EREV-Forum : Schule und Erziehungshilfen Erprobte Konzepte in Eisenach
2 Gliederung Vom Spannungsverhältnis zwischen Pädagogen und Sozialpädagogen/Sozialarbeitern Phänomenologie der Missverständnisse Wege zur Persönlichkeit: Familie, Schule, Jugendhilfe und seinen rechtlichen Gründen Verfassungsrechtliche Funktionszuschreibungen Spiegelung dieses Verhältnisses im BGB-Familienrecht, Schulrecht, Kinder- und Jugendhilferecht Systematik (sozial-)rechtlicher Konfliktlösung Zuweisung von Zuständigkeiten Absicherung gegen Zuständigkeitsstreitigkeiten Versagen dieses Systems im Verhältnis von Jugendhilfe und Schule Konsequenzen für die Praxis Vertragsmanagement zwischen Schule und Jugendhilfe Clearing-Verfahren 2
3 Spannungsverhältnis zwischen Pädagogen und Sozialpädagogen/Sozialarbeitern I Missverständnisse/Vorurteile aus Sicht der Pädagogen SozPäds/SA sind zu weich, haben grenzenloses Verständnis, labern rum, maßen sich Kompetenzen an. Missverständnisse/Vorurteile aus Sicht der SozPäds/SA Lehrer sind zu hart verstehen die Probleme der Schüler nicht sind eindimensional sind arrogant Warum ist das seit Jahrzehnten so? 3
4 Spannungsverhältnis zwischen Pädagogen und Sozialpädagogen/Sozialarbeitern II Parallele Wege zur Persönlichkeit: Familie als primäre Sozialisationsinstanz Erziehung ist Privatsache Erziehung ist fremdnützige Aufgabe, die die Eltern als eigene wahrnehmen Emotionalität verweist auf sittlichen, nicht rechtlichen Charakter der Familie Ziel: Persönlichkeit Schule als sekundäre Sozialisationsinstanz Bildung und Erziehung Integration und Selektion Ziel: Persönlichkeit in der sozialen Hierarchie Jugendhilfe/Familiengericht als Ausfallbürge Intervention bei Scheitern privater Erziehung Nicht: Intervention bei Scheitern öffentlicher Erziehung 4
5 Rechtliche Vorgaben für die Bildung der Persönlichkeit I Familienrecht: Elternverantwortung Art. 6 Abs. 2 GG: Pflege und Erziehung der Kinder sind das natürliche Recht der Eltern und die zuvörderst ihnen obliegende Pflicht. Über ihre Betätigung wacht die staatliche Gemeinschaft BGB: Die Eltern haben die Pflicht und das Recht, für das minderjährige Kind zu sorgen (elterliche Sorge). Formelles Erziehungsziel Abgesehen von Kindeswohlgefährdung ( 1666 BGB) Keine weiteren Vorgaben? Doch: Persönlichkeit selbst, Art. 2 GG! Schulrecht: Organisationsbefugnis des Staates Art. 7 GG: Das gesamte Schulwesen steht unter der Aufsicht des Staates. Schulpflicht, 34 SchulGNRW Recht auf Bildung nur Teilhaberecht Bildungs- und Erziehungsauftrag der Schule: Jugendhilfe? - Art. 6 Abs. 2 GG: staatliches Wächteramt bei Kindeswohlgefährdung Art. 7 LandesverfassungNRW: Ehrfurcht vor Gott, Achtung vor der Würde des Menschen und Bereitschaft zum sozialen Handeln. Wissensvermittlung in Form der Leistungskonkurrenz BVerfG: Zwei Erziehungsträger für die Bildung der einen Persönlichkeit 5
6 Rechtliche Vorgaben für die Bildung der Persönlichkeit II Maßnahmen des Kinder- und Jugendhilferechts Eingriffe durch Art. 6 Abs. 2 GG, 1 SGB VIII Wächteramt in Abhängigkeit der Entscheidung des Familiengerichts Leistungen durch Hilfen zur Erziehung, 27 SGB VIII (Rechtsanspruch) Leistungsangebote der Jugendarbeit, 11 SGB VIII und Jugendsozialarbeit, 13 SGB VIII (Ermessen) Kooperationsverpflichtung mit den Schulen, 81 Nr. 1 SGB VIII (objektiv-rechtliche Verpflichtung) Der nachrangige Erziehungsauftrag der Jugendhilfe 1 Abs. 1 SGB VIII: Jeder junge Mensch hat ein Recht auf Förderung seiner Entwicklung und auf Erziehung zu einer eigenverantwortlichen und gemeinschaftsfähigen Persönlichkeit. Nachrangigkeit verhindert gleiche Augenhöhe mit der Schule Gleicher Zweck, aber inkompatibles Instrumentarium 6
7 Systematik (sozial-)rechtlicher Konfliktlösung Grundsätze: Gewährung einklagbarer Rechtsansprüche für die Betroffenen Zuweisung von örtlichen und sachlichen Zuständigkeiten Entscheidung über Vorrang und Nachrang von Leistungen Vorläufige, vorgehende oder nachgehende Zuständigkeiten mit anschließender Kostenerstattung zur Sicherstellung der Leistung Schule als Fremdkörper im Sozialrecht Auf schulische Bildung besteht nur ein nicht einklagbares Recht auf Teilhabe, nicht auf Leistung Zuständigkeiten bei der Bildung von Persönlichkeit notwendig unscharf Schule ist zwar jetzt vorrangig verpflichtet, vgl. 10 Abs. 1 SGB VIII Aber: Zuständigkeitsregelungen greifen nicht, weil Schule kein Sozialleistungsträger i.s.d. 18 ff. SGB I ist Verletzung von Kooperationsverpflichtungen gem. 81 SGB VIII bleiben folgenlos Politisches Gerangel um Bund- und Länderzuständigkeiten für Jugendhilfe und Schule 7
8 Probleme zwischen Jugendhilfe und Schule Zusammenfassung und Schlüsse: Zusammenfassung: Eltern, Schule und Jugendamt haben rechtlich den gleichen Zweck: Persönlichkeit das ruft Kompetenzkonflikte hervor! Jugendhilfe bezieht sich rechtlich stark auf Familie, aber schwach auf Schule. Jugendhilfe ist nachrangig, stellt wieder her, was Schaden genommen hat Jugendhilfe leistet, Schule greift ein. Jugendhilfe ist Bundessache, Schule Ländersache Schlüsse: Alle Vorurteile der Professionen haben ihre Gründe 8
9 Gründe des Spannungsverhältnisses zwischen Pädagogen und Sozialpädagogen/Sozialarbeitern Missverständnisse/Vorurteile aus Sicht der Pädagogen SozPäds/SA sind zu weich, weil sie den Jugendlichen Leistungen anbieten; haben grenzenloses Verständnis, weil die Klienten sonst keines bekommen; labern rum, weil sie die Jugendlichen erreichen wollen; maßen sich Kompetenzen an, weil sie die Abweichler zurückholen. Missverständnisse/Vorurteile aus Sicht der SozPäds/SA Lehrer sind zu hart, weil sie auch Auslese betreiben müssen; verstehen die Probleme der Schüler nicht, weil das der Lehrplan nicht erlaubt; sind eindimensional, weil Lernen auch Pauken heißt; sind arrogant, weil sie die Normalität vertreten. Verwirrung angesichts der skizzierten Rechtslage unausweichlich; Missverständnisse werden bleiben 9
10 Konsequenzen für die Praxis Projekte angehen! Vertragsmanagement zwischen Schule, Jugendamt und freien Trägern (meistens dreiseitige Verträge) mit Bestimmungen über: Abgrenzung der Zuständigkeiten, örtlich, sachlich, zeitlich Sicherstellung der Aufsichtspflicht (Überprüfung bestehender Versicherungen auf Seiten der Jugendhilfe!) Pool-Finanzierung und Förderungsfinanzierung (bei Ermessensleistungen), Kostenzusagen im Einzelfall (bei Rechtsansprüchen) Clearing-Verfahren zwischen Schule, Jugendamt und freien Trägern Regelmäßige Treffen Verfahren bei (Verdacht auf) Kindeswohlgefährdung Kontakte zum Familiengericht 10
Vorlesungsskript: Kinder und Jugendhilferecht, Recht der Betreuung und der Verfahrenspflegschaften
1 Vorlesungsskript: Kinder und Jugendhilferecht, Recht der Betreuung und der Verfahrenspflegschaften Literaturhinweise: Bernzen, Christian: Einführung in das Kinder und Jugendhilferecht, 1. Auflage 2005