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Timestamp: 2019-08-19 20:52:16
Document Index: 113536119

Matched Legal Cases: ['§ 23', '§ 23', '§ 22', '§ 23', '§ 20', '§ 23', '§ 4', '§ 20']

Oktober 18, 2017 um 10:09 #2655
So, nach dieser geballten Theorie raucht einem bestimmt erst einmal der Kopf. Und wie wir das Ganze jetzt konkret umsetzen, wissen wir auch noch nicht. Super gemacht, Herr Steuerberater!
Da ich selbst nur eine sehr eingeschränkte Auswahl an Strategien handle, kann ich wie gesagt auch nicht für jede Fallgestaltung eine „best practice“ liefern. Vielleicht können wir uns anschließend gemeinsam erarbeiten, wie man die Activity Statements am besten aufbereitet. Ein paar Tipps möchte ich aber noch loswerden:
1.) Keep it simple! Wenn ihr Euch die theoretischen Grundlagen durchlest, werdet ihr feststellen, dass ihr die Komplexität der Steuererklärung selbst steuern könnt. Viele der Ausführungen werden für Euch dann gar nicht relevant. Mein Ratschlag also: Nutzt den ausländischen Broker ausschließlich für Optionsgeschäfte ggfs. noch Aktien. Fangt nicht an, euch nebenbei ein ETF-Depot aufzubauen. Die Fondsbesteuerung ab nächstem Jahr selbst zu rechnen, kann ich niemandem empfehlen.
2.) Die „Übersicht zur realisierten und unrealisierten Performance“ ist nur dann uneingeschränkt eine geeignete Ausgangsbasis für die Steuererklärung, wenn zum 31.12. alle Positionen geschlossen wurden. Dann ist man ohne Rechnerei sehr schnell durch mit der Steuererklärung. Ist das nicht der Fall, sollte man besser auf die einzelnen Trades abstellen.
3.) Zieht Euch die Zahlen in eine Tabellenkalkulation wie Excel und ermittelt Euer zu versteuerndes Einkommen auf Basis der o.g. theoretischen Grundlagen
4.) Ergebnis dieser Berechnungen sollte eine Din-A4 Seite für das Finanzamt sein, in der ihr erklärt, welche Werte ihr ermittelt und in den jeweiligen Zeilen der Anlage KAP angegeben habt. Ihr bastelt Euch quasi eine eigene „Steuerbescheinigung“, wie ihr sie sonst von eurer Bank bekommt. Die Berechnungen selbst müsst ihr nicht einreichen (siehe aber Punkt 5). Dann noch 2-3 Sätze, dass es sich bei IB um einen ausländischen Broker handelt, der deshalb keine richtige Steuerbescheinigung ausstellt.
5.) Das komplette Activity Statement als Beleg beim Finanzamt einreichen. Und wenn es ausgedruckt 120 Seiten sind!
Wem das hiernach immer noch zu aufwendig oder zu risikobehaftet ist, dem sei der Gang zum Steuerberater empfohlen.
Jetzt darf munter diskutiert werden, ich bin gespannt auf Reaktionen!
Oktober 20, 2017 um 09:11 #2660
Hallo @elmar,
das klingt – zumindest für mich – ganz schön kompliziert, um nicht zu sagen nach ‘spanischen Dörfern’ (wie man so schön sagt). Deinen Postings entnehme ich aber auch, dass du zugelassener und ganz offizieller Steuerberater bist, der noch dazu selbst Optionen handelt.
Da höchstwahrscheinlich nicht nur ich auf der Suche nach genau so jemandem bin, habe ich eine (hoffentlich nicht unverschämt klingende) Frage: Möchtest / könntest / würdest du für mich oder andere hier die Steuererklärung machen? Wobei ich ziemlich sicher bin, dass nicht nur hier im Forum genügend weitere Nachfrage bestünde.
Oktober 20, 2017 um 13:36 #2661
ich persönlich bin der Meinung, dass jemand, der es schafft, sich in das Thema Optionshandel einzuarbeiten, auch in der Lage ist, seine Steuererklärung selbst zu erstellen. Beim ersten Mal hat man noch keinen Durchblick, aber das wird mit der Zeit besser. Es hört sich komplizierter an, als es ist. Davon bin ich überzeugt.
Also, nein, es ist nicht mein vornehmliches Ziel gewesen, hier Werbung für meine Steuerberatung zu machen. Ich leiste gerne Hilfe zur Selbsthilfe. Wenn sich jemand danach allerdings immer noch nicht in der Lage sieht das umzusetzen, kann und darf ich auch bei der Erstellung der Erklärung behilflich sein.
Ich ermutige daher ausdrücklich, es erst einmal selbst zu versuchen. Bei Fragen bin ich gerne behilflich. Nützt das alles nichts, reden wir noch mal.
Oktober 24, 2017 um 15:28 #2668
Vielen Dank für deine Ausführung und das Hilfeangebot👍👍
Muss ich mir mal in Ruhe zu Gemüte ziehen. Eigentlich wollt ich das alles einem Steuerberater abgeben, aber schwer einen bzgl. Optionen zu finden.
Denke ich wage den Versuch mich da einzuarbeiten, anstatt weiter zu suchen.
Überlege auch tatsächlich das Jens Raabe Webinar bzgl. Steuern mitzumachen.
Wenn dann noch von dir die eine oder andere Frage beantwortet wird, sollte nix schief gehen😉
…und dummer wird man ja auch net😜
Also, nochmals vielen Dank für Ausarbeitung👍
Oktober 26, 2017 um 09:15 #2670
vielen Dank für deinen sehr informativen und umfangreichen Beitrag.
Mein Vorgehen deckt sich weitestgehend mit dem von dir beschriebenen. Da ich alle meine Optionstrades zur Analyse sowieso in Excel führe (was ich nur jedem raten kann), erfolgt die Errechnung der steuerlichen relevanten Beträge automatisch. Aktien, Dividenden und Währungstransaktionen trage ich dazu ebenfalls jeweils in ein separates Tabellenblatt ein. Davon gibt es bei mir aber jeweils nur eine handvoll Transaktionen pro Jahr, da der Fokus auf dem reinen Optionshandel liegt.
Ich erlaube mir jedoch eine Erleichterung, die die Komplexität für mich deutlich reduziert. Für die Währungsumrechnung nehme ich die Umsatzsteuer-Umrechnungskurse des BMF. So habe ich einen Kurs pro Monat, statt zwei für jede Transaktion. Außerdem muss ich mir auch keinen fiktiven Tageskurs suchen, wenn mir an einem Wochenende Aktien eingebucht werden. Darum meinte ein befreundeter Steuerberater, dass man die Verwendung der Umsatzsteuer-Umrechnungskurse hier durchaus argumentieren kann, wenn das Finanzamt dieses Vorgehen bemängeln würde (was es bisher nie getan hat).
Eine weitere Anmerkung von meiner Seite zu den Währungsgewinnen/-verlusten:
Ich errechne meine Steuer darauf nach den untenstehenden Maßgaben. Zu einigen von diesen hast du (noch) nichts geschrieben (Freigrenze, Ausnahmen), daher würde mich deine Meinung dazu brennend interessieren. Über eine Rückmeldung von dir wäre ich dir sehr dankbar.
Devisen sind Wirtschaftsgüter gemäß § 23 Abs. 1 Nr. 2 EStG –> Privates Veräußerungsgeschäft
– ein Wechselkursgewinn ist steuerpflichtig, ein Kursverlust rück- oder vortragbar
– Gewinne aus privaten Veräußerungsgeschäften gemäß § 23 EStG gehören zu den sonstigen Einkünften (§ 22 Nr. 2 EStG)
– Anzugeben in der Anlage SO in der Steuererklärung
– Es besteht eine Freigrenze in Höhe von 600€ pro Ehegatte (§ 23 Abs. 3 Satz 5 EStG). Beläuft sich der Gewinn auf 600,00 € oder mehr, ist er in voller Höhe steuerpflichtig und nicht nur mit dem die Freigrenze übersteigenden Teil
Laut BMF-Schreiben vom 25.10.2004, BStBl. 2004 I S. 1034 Tz. 42 liegt ein privates Veräußerungsgeschäft vor, wenn
– die durch Umtausch von Euro erworbenen Fremdwährungsbeträge
– innerhalb eines Jahres
– in Euro oder eine andere Fremdwährung zurückgetauscht werden
Laut BMF-Schreiben vom 25.10.2004, BStBl. 2004 I S. 1034 Tz. 42 liegt kein privates Veräußerungsgeschäft vor, wenn es sich um
– die Rückzahlung eines Fremdwährungsdarlehens oder
– Kapitalerträge (da nur Zufluss, aber keine Anschaffung) handelt
Oktober 27, 2017 um 00:06 #2672
Ich hab ihn nur einmal gelesen und werde das noch oft tun müssen.
Das einzige, was mir auf die schnelle ins Auge sticht:
Du meintest, dass ein Lohnsteuerhilfeverein nicht befugt ist, Steuererklärungen zu erstellen, wenn Kapitalerträge zu deklarieren sind.
Gibt es hier nicht die Grenze von 13k bzw 26k Euro verheiratet, bis zu der ein Verein dann doch Befugt ist?
Oktober 27, 2017 um 11:25 #2673
Lieber @finanzdirektor,
erst einmal großes Lob an dich. Ich finde es ja super, wenn sich jemand bereits so fundierte Gedanken zu dem Thema macht und von selbst auf eine gute Lösung kommt.
Zu der Frage deiner Währungsumrechnung: Ja, auch ich bin der Meinung, dass die Verwendung der USt-Umrechnungskurse zulässig ist. Das Problem (oder aus deiner Sicht: die Vereinfachung) ist eben, dass hier nur ein Kurs pro Monat vom BMF veröffentlicht wird. Im Gesetz steht jedoch eindeutig, dass der Kurs im Zeitpunkt der Transaktion zu verwenden ist (§ 20 Abs. 4 S. 1 2. HS EStG). Das Finanzamt könnte das also bemängeln, was aber aktuell scheinbar nicht der Fall ist.
Unabhängig davon ist es aber ohnehin möglich, den vom Broker verwendeten Umrechnungskurs zu ermitteln. Dieser wird nicht explizit ausgewiesen, lässt sich aber im Activity Statement aus dem Bereich “Forex-G&V-Details” heraus berechnen. Hier wird der gezahlte/gutgeschriebene Betrag in Fremdwährung und der Betrag in Euro ausgewiesen, so dass man durch Division der beiden Beträge, den in diesem Zeitpunkt verwendeten Umrechnungskurs ermitteln kann. Das müsste eigentlich auch das Problem lösen, in dem du „fiktive“ Tageskurse benötigst.
Das gesamte Thema ist aus meiner Sicht auch brandheiß, weil mir selbst erst vor zwei Tagen aufgefallen ist, dass IB die Währungsumrechnung in der „Übersicht zur realisierten und unrealisierten Performance“ und in den „Trades“ scheinbar falsch vornimmt! Kauf und Verkauf werden nach meinen eigenen Ermittlungen jeweils mit dem Kurs umgerechnet, der im Zeitpunkt des Schließens der Position vorlag. Das ist nach deutschem Steuerrecht grundfalsch und würde in der Konsequenz bedeuten, dass man in jedem Fall sämtliche Transaktionen in Fremdwährung manuell umrechnen muss. Sich nur auf die Angabe „Gesamt in EUR“ aus dem Activity Statement zu verlassen, wäre dann nicht ausreichend. (Wobei Du dann mit deinen USt-Umrechnungskursen sogar noch „richtiger“ unterwegs wärst).
Ich habe hierzu allerdings eine Anfrage an IB geschickt, weil mir das sehr komisch vorkommt. Ich kann mir kaum vorstellen, dass es international üblich ist, für die Umrechnung nur den Kurs im Zeitpunkt der Schließung zu verwenden. Dadurch bleiben ja jegliche Wechselkursschwankungen zwischen Kauf und Verkauf vollkommen unberücksichtigt. Vielleicht sind die derzeitigen Statements auch schlicht falsch und es gibt dann bald eine Korrektur von IB ;-)
Zum Thema privates Veräußerungsgeschäft gem. § 23 EStG:
Allem, was Du geschrieben hast, kann ich nur zustimmen. Ja, es gibt eine Freigrenze von 600,00 € pro Ehegatte. Wobei das bedeutet: Jedem stehen separat 600,00 € Freigrenze zu; die Grenze verdoppelt sich nicht etwa auf 1.200,00 €, wenn man zusammen veranlagt wird. Die Freigrenze bezieht sich auf den Saldo aller Veräußerungsgeschäfte des Jahres.
Zu beachten ist außerdem, dass auch in diesem Bereich ein Verlustverrechnungsverbot gilt. Das heißt, du schreibst richtig, dass ein Verlust vor- und zurückgetragen werden darf. Verluste dürfen aber eben nicht mit Gewinnen aus dem Optionshandel etc. verrechnet werden.
Das ist übrigens etwas, was der Steuerberater von Jens Rabe in seinem Webinar m.E. nicht zutreffend darstellt. Er rechnet die Währungsgewinne/-verluste den Kapitaleinkünften zu. Was zum einen bedeutet: Der Freibetrag von 600,00 € wird ggfs. nicht genutzt (man versteuert also zu viel) und wenn man Verluste erlitten hat, werden diese unzulässig mit Kapitaleinkünften verrechnet.
Bei dem BMF-Schreiben, das du zitierst ist zu beachten, dass dieses aus 2004 und damit aus einer Zeit vor Einführung der Abgeltungssteuer herrührt. Die von dir konkret zitierte Tz. ist jedoch weiterhin uneingeschränkt anwendbar.
Machen wir es noch einmal ausführlicher:
•	Damit ein privates Veräußerungsgeschäft vorliegen kann, muss zuvor ein Fremdwährungsbetrag angeschafft worden sein
o	Eine Anschaffung liegt vor, wenn aktiv bspw. EUR in USD getauscht werden. Also wenn Du EUR gegen USD verkaufst oder wenn (wie in meinem Beitrag beschrieben) eine USD Aktie verkauft wird.
o	Keine Anschaffung sind bspw.: Zinszahlungen in USD, Dividenden in USD, Darlehensaufnahme in USD oder auch wenn Du in den USA arbeitest und deinen Arbeitslohn in USD ausbezahlt bekommst.
•	Tauschst Du die USD zurück in EUR liegt ein steuerpflichtiges Veräußerungsgeschäft vor, wenn zwischen der o.g. Anschaffung und der Veräußerung weniger als ein Jahr liegt. Dabei ist die FIFO-Methode (First-in-First-out) zu beachten. Heißt beim Verkauf schaust Du, wann der älteste Fremdwährungsbetrag angeschafft wurde.
Wir sehen, das Thema wird nicht einfacher.
Du musst im Prinzip eine Liste führen, in der Du deine Anschaffungen ermittelst (also Zinsen, Dividenden, etc. unberücksichtigt lässt) und dann die Verkäufe gegenüberstellst und jeweils schaust, ob die Spekulationsfrist von einem Jahr abgelaufen ist.
An diesem Punkt stelle selbst ich mir die Frage, ob sich der Aufwand lohnt. Tendenziell dürfte es ja so sein, dass die Activity Statements eher zu viel Erträge auswiesen (da die Spekulationsfrist von 1 Jahr nicht berücksichtigt wird). Wenn man hier bereits unterhalb der Freigrenze von 600,00 bleibt, kann man sich eine exakte Ermittlung ohnehin sparen (Vorausgesetzt du hast nicht noch anderweitige Veräußerungsgeschäfte mit Immobilien o.ä.). Verluste wird das Finanzamt wegen des Verlustverrechnungsverbots mit anderen Einkünften auch eher entspannt sehen.
Ich persönlich finde das Thema höchst unbefriedigend, würde mich aber für die Steuererklärung an dieser Stelle eher auf das berufen, was im Statement ausgewiesen wird. Ja, dadurch versteuert man ggfs. etwas zu viel, aber darüber wird das Finanzamt vermutlich nicht meckern.
Oktober 27, 2017 um 11:33 #2674
Hallo @josef und @powwow
Ich habe mir die Sache mit dem Lohnsteuerhilfeverein noch mal genauer angesehen und muss dir recht geben, dass es innerhalb der von dir genannten Grenzen (13 T€/ 26 T€) gem. § 4 Nr. 11 c StBerG auch einem Lohnsteuerhilfeverein erlaubt ist, an der Steuererklärung mitzuwirken.
Ich hatte für mich abgespeichert, dass eine Hilfestellung bei Kapitaleinkünften nur zulässig ist, wenn diese bereits über die Abgeltungssteuer abgegolten sind. Das ist aber nicht zutreffend. Ich muss mich also korrigieren und danke für den Hinweis!
Wichtig ist allerdings, dass sich die genannten Grenzen auf die erzielten Einnahmen beziehen; nicht zu verwechseln mit dem Gewinn! Hier wird es wieder ein bisschen diffizil. Für short Positionen heißt das: alle eingenommen Stillhalterprämien zählen als Einnahmen. Bei long Positionen gilt hingegen doch, dass nur der Gewinn (also nach Abzug der Glattstellung) anzusetzen ist.
Heißt bspw. wenn du eine Stillhalterposition eingehst, die dir 30 T€ Prämie einbringt und du schließt diese Position für 45 T€, also mit einem Verlust von 15 T€, hast Du mit der Prämieneinnahme von 30 T€ trotzdem o.g. Grenzen überschritten und der Lohnsteuerhilfeverein ist raus.
In diesem Fall darf der Lohnsteuerhilfeverein übrigens an der gesamten Steuererklärung nicht mitwirken; also nicht nur in Bezug auf die Kapitaleinkünfte.
Oktober 27, 2017 um 22:00 #2678
habe ich das mit den Währungen richtig verstanden?
Ich führe mein Depot bei IB in USD. Ich musste also am Anfang z.B. 1000€ in 1100$ tauschen. Angenommen ich lasse das Geld ein halbes Jahr (<Spekulationsfrist) liegen (es sind also immernoch 1100$) und tausche es dann in Euro z.B. 1050€ zurück. Dann habe ich 50€ “Gewinn mit einem privaten Veräußerungsgeschäft” gemacht und muss diese, falls ich die Freibetragsgrenze von 600€ jährlich überschreite, versteuern. Angeben muss ich es (egal ob über oder unter Freibetrag) in der Anlage SO und nicht in KAP. Richtig?
Nun habe ich mit meinem USD-Depot (natürlich) auch gehandelt und zwar in USD-Optionen. Muss ich trotzdem jedes Mal meine Optionsgewinne/-verluste in EUR umrechnen?!?
Diese Antwort wurde geändert vor 1 Jahr, 9 Monate von SoBa.
Oktober 28, 2017 um 15:50 #2680
Hallo @soba,
ja, der erste Teil ist ganz richtig. Zu deiner zweiten Frage: Nein, die Optionsprämien musst du nicht dauernd umrechnen. Dabei handelt es sich nur um Zuflüsse, nicht um eine Anschaffung von Fremdwährungsguthaben (wie oben schön von elmar dargelegt). Relevant wird der Optionshandel erst, sobald dir Aktien eingebucht werden.
Oktober 28, 2017 um 15:50 #2681
Lieber @elmar,
Danke für deine ausführliche Antwort und deinen Zuspruch.
Ich führe auch genau so eine Liste mit Anschaffungen und Verkäufen von USD. Ganz außenvorbleiben dürfen die reinen Zuflüsse (Zinsen, Dividenden, Stillhalterprämien, etc.) dabei aber auch nicht.
Ich habe EUR in USD getauscht und mir dadurch 5.000$ angeschafft. Zusätzlich sind mir 1.000$ aus Stillhalterprämien zugeflossen. Ich habe also 6.000$ bei IB liegen. Nun werden mir Aktien für 10.000$ eingebucht. Dadurch verkaufe ich meine angeschafften 5.000$ in einem privaten Veräußerungsgeschäft und der sich daraus ergebende Währungsgewinn/-verlust ist steuerlich relevant. Soweit, so gut. Die 1.000$ aus Stillhalterprämien fließen natürlich auch wieder ab und zusätzlich leiht mir IB nun 4.000$. In diesem Moment aber beides nicht steuerlich relevant und damit alles klar. Nur in meiner Liste muss ich irgendwie mit diesen 1.000$ aus Stillhalterprämien umgehen. IB leiht mir ja nicht die kompletten 5.000$ die ich nicht angeschafft habe, sondern nur die 4.000$ die ich tatsächlich nicht habe.
Richtig interessant wird es aber erst danach: Angenommen am nächsten Handelstag hat es sich Ms. Market wieder anders überlegt, die mir zuvor angedienten Aktien steigen wieder und ich verkaufe sie mit 50$ Gewinn weiter. Dadurch schaffe ich mir nun wieder Fremdwährung an. Und hier ist jetzt die interessante Frage, wie viel denn eigentlich. Es fließen mir ja 10.050$ zu. Mit 4.000$ zahlen ich mein Fremdwährungsdarlehen an IB zurück, die habe ich also gar nicht, die gelten auch nicht als angeschafft und die Rückzahlung ist damit auch nicht steuerlich relevant. Bleiben noch 6.050$. Sind die jetzt alle angeschafft, weil sie aus dem Verkauf einer USD Aktie stammen? Ich behandle sie so. Obwohl 1.000$ ursprünglich aus Stillhalterprämien zugeflossen waren und damit vorher nicht als angeschafft galten.
Das bedeutet auch, wenn ich mir USD Aktien kaufe, mit USD die zu 100% aus Zuflüssen stammen und damit keiner Spekulationsfrist unterlagen, dass die USD aus dem Verkauf der Aktie dann trotzdem der Spekulationsfrist unterliegen.
Insgesamt also wirklich eine unbefriedigende Angelegenheit. Hast du dazu noch Feedback?
Oktober 30, 2017 um 20:50 #2684
@soba Wie @finanzdirektor schon sagt, den ersten Teil hast Du richtig verstanden. Beim zweiten Teil deiner Frage bin ich nicht ganz sicher, worauf Du dich beziehst. Sofern Du dich auf die Besteuerung der Fremdwährungsguthaben beziehst, hat Finanzdirektor wohl recht. Ich glaube aber, dass Du dich nur auf die Gewinne/Verluste aus dem Optionsgeschäft beziehst. Und da musst du natürlich jedes Mal in EUR umrechnen! Den Verkauf der Optionen zum Kurs, als die Optionen verkauft wurden und den Kauf zu dem Kurs als die Optionen zurückgekauft wurden. Siehe § 20 Abs. 4 S. 1 2. HS EStG.
Oktober 30, 2017 um 21:11 #2685
@finanzdirektor
Wenn ich dich richtig verstehe, dann machst Du glaube ich lediglich einen kleinen Denkfehler, den ich mal versuche aufzulösen.
Mit 4.000$ zahlen ich mein Fremdwährungsdarlehen an IB zurück, die habe ich also gar nicht, die gelten auch nicht als angeschafft und die Rückzahlung ist damit auch nicht steuerlich relevant. Bleiben noch 6.050$. Sind die jetzt alle angeschafft, weil sie aus dem Verkauf einer USD Aktie stammen?
Die 1.000$ Stillhalterprämie von zuvor haben doch mit diesem Vorgang überhaupt nichts mehr zu tun. Die sind dir anfangs zugeflossen und als die Aktien eingebucht wurden sind sie wieder abgeflossen. Dabei ist kein privates Veräußerungsgeschäft ausgelöst worden, weil es an einer Anschaffung fehlt. Fertig.
Jetzt hast Du nur noch 4.000$ Kredit, die bei Anschaffung der 10.050$ zurückgezahlt werden und es bleiben 6.050$ die als angeschafft verbleiben und bei ihrem Verkauf ein Veräußerungsgeschäft auslösen können.
Das “trotzdem” hat da nichts zu suchen ;) Wenn Du USD Aktien kaufst, sind deine USD weg. Wenn Du die Aktien wieder verkaufst, schaffst Du dir neue USD an. Und ja, da ist dann wieder die Spekulationsfrist zu beachten.
Im Übrigen tue ich mich persönlich mit der Unterscheidung zwischen “zugeflossen” und “angeschafft” etwas schwer. Ich würde nicht meine Hand dafür ins Feuer legen, dass der BFH nicht auch bei Optionsprämien von einer Anschaffung ausgeht. Es ließe sich ja argumentieren, dass bei Kauf einer Option die USD verkauft und das Optionsrecht angeschafft wird. Umgekehrt beim Verkauf, das Optionsrecht wird verkauft und die USD angeschafft. Man kann da sicher eine Argumentation finden, warum dem nicht so sein soll, aber unterscheiden sich Aktien und Optionsrechte in dieser Hinsicht so sehr?
In der Literatur finde ich da spontan nichts zu. Ich will nur nicht, dass es nachher heißt “Elmar hat gesagt Optionsprämien gelten nicht als angeschafft”. Das habe ich nicht, das war deine Interpretation dazu. In der Literatur finde ich dazu wie gesagt gerade nichts explizites.
Oktober 31, 2017 um 12:34 #2686
vielen Dank für deine weiteren Ausführungen. Verstanden und verstanden.
Ich werde das “trotzdem” aus meinen Überlegungen verbannen. Der “Trotz” hat sich dabei wohl über das Gefühl eingeschlichen, dass das nicht so sein sollte.
Und ich werde dann vor dem Finanzgericht nicht auf dich verweisen. ;-)
Diese Antwort wurde geändert vor 1 Jahr, 9 Monate von Finanzdirektor.
November 1, 2017 um 12:42 #2689
Meine zweite Frage war wahrscheinlich nicht eindeutig interpretiert. @elmar hat die Frage so verstanden, wie ich sie gemeint habe. Puh…..ich hatte gehofft, dass ich, wenn ich mein Konto in USD führe, dies nicht machen muss. :-(
Obwohl ich wie @finanzdirektor eine separate Excel führe, ist dies nun nur die halbe Wahrheit. @elmar hatte ja bereits erwähnt, dass man die relevanten Kurse gleich in seinem Activity Statement erhält. Das werde ich mir mal anschauen.