Source: https://issuu.com/spd-fraktion_brandenburg/docs/mh_18_2010_08_30
Timestamp: 2017-06-27 19:20:38
Document Index: 291207093

Matched Legal Cases: ['§ 3', '§ 23', '§ 4', '§ 27', '§ 53', '§ 1', '§ 3', '§ 22', '§ 5', '§ 45', '§ 27', '§\n53', '§ 1', '§ 3', '§ 2', '§ 2', '§\n5', '§ 1', '§ 3', '§ 33', '§ 18', '§ 82', '§ 85', '§ 85', '§ 45', '§ 3', '§ 16', '§ 16', '§ 16', '§ 18', '§ 3', '§ 10', '§ 3', '§ 12', '§ 10', '§ 4', '§ 10', '§ 27', '§ 53', '§ 4', '§ 9', '§ 9', '§ 53', '§ 12', '§ 10', '§ 4', '§ 15']

Wie weiter mit der frühkindlichen Bildung? by SPD-Fraktion Brandenburg - issuu
Mit dem Gesicht zu den Menschen.Wie weiter mit der
fr체hkindlichen Bildung?
Dokumentation der Veranstaltung vom 29. Juni 2010M채rkische
Juli 2010182	3	M채rkische
2010Liebe Brandenburgerinnen, liebe Brandenburger,
Martin Luther prägte den Spruch: „Wenn es im Staate besser werden soll, muss bei den Kindern angefangen werden“. In Brandenburg machen wir mit diesem Zitat ernst und fangen bei
den Kleinsten an. Wir wollen, dass unsere Kinder früher und besser gefördert werden, damit
sie später in der Schule, aber vor allen Dingen auch in Ausbildung und Beruf besser klarkommen und die ihnen im Leben gebotenen Chancen ergreifen können.
Wir dürfen kein Kind zurücklassen. Dieser Grundsatz hat in den vergangenen Wochen und Monaten eine zusätzliche, nämlich eine demografische Bedeutung bekommen, da mittlerweile
viele Ausbildungsplätze nicht mehr besetzt werden können und Facharbeiter fehlen. Auch deswegen ist jeder Euro, der in Bildung fließt, gut angelegtes Geld – auch für die wirtschaftliche
Entwicklung unseres Landes.
Es ist auch unter dem Aspekt der sozialen Gerechtigkeit gut angelegtes Geld. Statistiken weisen aus, dass sich die Schere zwischen Kindern aus einkommensschwachen und einkommensstarken Familien immer weiter öffnet, was die Chance auf das Ablegen des Abiturs und damit
die Chance auf ein Hochschulstudium betrifft. Die soziale Gerechtigkeit fängt folglich bei Bildungsgerechtigkeit an.
Das Land Brandenburg hat auch in einem schwierigen finanziellen Umfeld hier klare Prioritäten gesetzt. Wir wollen, dass sich die Situation in den Kindergärten und -krippen weiter verbessert. Das wird mit dem Inkrafttreten der Novelle des Kita-Gesetzes und der Verbesserung
des Personalschlüssels noch in diesem Jahr geschehen. Mehr Personal bedeutet mehr Zeit für
die Kinder. Damit wird die Qualität der frühkindlichen Bildung deutlich steigen.
Wie es weitergehen soll mit der frühkindlichen Bildung im Land, wurde im Rahmen der Veranstaltung Treffpunkt Landtag am 29. Juni 2010 diskutiert. Die Ergebnisse sind in diesem Heft
dokumentiert. Ich wünsche Ihnen viel Freude beim Lesen!Dr. Dietmar Woidke
Frühkindliche Bildung2
3Inhalt4	5	Vorwort	3Frischer Wind für die Kitas	5Früh übt sich	8Ein Kita-Träger muss Visionen haben	12Kinder sind aktive Lerner	17Männer in der Kita: Welten prallen aufeinander	20Welche Stellschrauben sind zu drehen?	23Brandenburger Kindertagesstättengesetz	36Kita-Personalverordnung des Landes Brandenburg	51Informationen zu wichtigen Themen der Landespolitik	58Impressum	59Märkische
2010Frischer Wind für die Kitas
Bei uns werden die KLEINEN groß geschrieben:
Wie weiter mit der frühkindlichen Bildung?
Wir können nicht früh genug anfangen,
Kinder auf dem Weg ins Leben zu begleiten – und zwar offensiv zu begleiten. Dazu
gehören gute Rahmenbedingungen und
gute Arbeitsbedingungen. Die 36 Millionen
Euro sind ein Beweis dafür, dass wir es ernst
meinen. Sie sind auch ein Beweis dafür, dass
wir das Thema „vorsorgender Sozialstaat“
ernst nehmen, ein Terminus, der inzwischen
nicht mehr so häufig benutzt wird. Ich finHolger Rupprecht ist Minister für Bildung, Jugend
und Sport des Landes Brandenburgde, hier passt er sehr gut. Viele sagen, das
sei nur ein erster Schritt in die richtige Richtung. Auf einer Anhörung zum Kita-Gesetz
ist deutlich geworden: Die ErwartungenVielleicht hat es der eine oder andere nichtsind groß. Ich kann das gut nachvollziehen.geglaubt oder war überrascht, dass das Land
Brandenburg trotz der schwierigen finanziel-Es geht uns darum, Basiskompetenzen beilen Situation künftig immerhin 36 MillionenKindern so früh wie möglich zu entwickeln,Euro zusätzlich in das System Kita investie-beispielsweise Ausdrucksfähigkeit, Empa-ren wird, um den Betreuungsschlüssel nichtthie, Engagement und Problemlösungs-nur bei den Kleinen, bei den Unter-Dreijähri-kompetenzgen, sondern auch bei den Drei- bis Sechsjäh-schaft. Wenn wir früh ansetzen, bedeutetrigen zu verbessern.das, dass wir im Gesamtfinanzsystem dessowieAnstrengungsbereit-Landes Brandenburg Einschränkungen hinWir wollen uns klar zu dieser Zukunftsinves-nehmen müssen. Ich möchte meinen Res-tition „Novelle des Kita-Gesetzes“ bekennen,sortkolleginnen und -kollegen dafür dan-denn jeder Euro, den wir in die frühkindlicheken, dass die Priorität der Bildung undFörderung stecken, ist ein Euro für die Zu-speziell der elementaren Bildung auch imkunft dieses Landes.Kabinett eine wichtige Rolle gespielt hat.Frühkindliche Bildung4
5Die Rahmenbedingungen im Bereich ele-Exportschlager erwiesen haben und die esmentarer Bildung sind schwierig und bedür-mittlerweile auch in anderen Bundesländernfen einer Verbesserung. Ich habe vom erstengibt. Die Kita-Debatte ist im Land Branden-Schritt gesprochen. Laut der neuen Studieburg von der Fachszene mit großem Interes-der Bertelsmann Stiftung belegen wir zwarse aufgenommen worden. Wir haben diversekeine Spitzenplätze und stehen beim Betreu-Broschüren und Filme – mehr als 50 in denungsschlüssel immer noch hintan, jedochvergangenen Jahren – produziert. Inzwi-bescheinigt man uns: Wir sind besser gewor-schen gibt es die Sprachstandsfeststellungden, und wir sind auch bereit, mehr Geld inund die Sprachförderung. Das steht natür-den vorschulischen Bereich zu investieren.lich nicht nur in Brandenburg auf der Agenda – aber bei uns ist es umgesetzt worden,Frühkindliche Bildung in den Kitasund zwar durch Erzieherinnen und nicht wie
in anderen Ländern durch Lehrerinnen undIch weiß sehr wohl, dass unter anderem dieLehrer.Kita-Initiative den Schwung in die ganze
Diskussion hineingebracht hat. Dafür bin ichDie Bereitschaft für Fortbildung war groß.durchaus dankbar, auch wenn wir hier undDadurch haben wir heute in allen Kitas Spe-da kontrovers gestritten haben und die Er-zialistinnen, die sich dem Thema Sprachför-wartungen manchmal auch utopisch waren.derung widmen können. Auch hier gibt esWir sind in Brandenburg fachlich schon im-Stimmen, die sagen: Das war nur ein erstermer sehr gut aufgestellt gewesen. Wir warenSchritt, wir müssen die Förderung weitereines der ersten Länder mit einem Bildungs-nach vorn verlagern, wir brauchen in großenplan für die Kindertagesbetreuung. Wir ha-Kitas mehr als eine Spezialistin. Wir habenben Nein gesagt zu der These „Kita ist Be-uns vorgenommen, diesen ersten Schritt zutreuung und noch ein bisschen Bildung undevaluieren und zu betrachten.vielleicht auch noch ein bisschen Erziehung“,
und haben erkannt und umgesetzt, dass erstEltern-Kind-Gruppenalles zusammen den Erfolg im Bereich der
frühkindlichen Bildung vor der Schule aus-Wir haben eine neue Säule in der Kinderta-macht. Da haben wir eine Vorreiterrolle ge-gesbetreuung, ein neues Programm, das wirspielt. Wir haben ein sehr gut ausgebautesumsetzen und das mir sehr am Herzen liegt:Netz der Praxisunterstützung mit entspre-die Eltern-Kind-Gruppen.chender Fortbildung, Beratungsangeboten
und unseren Konsultationskitas, die sich als6	7	Märkische
2010Wir müssen feststellen: Es geht nicht nur um
die Kinder in unserem Land, sondern auch
um ihre Eltern. Wir müssen uns der Eltern annehmen, die entweder, weil sie nicht können
oder nicht wollen, ihre Kinder nicht auf dem
Weg in die Zukunft unterstützen. Gerade für
solche Eltern brauchen wir niedrigschwellige
Angebote, mit denen wir Eltern und teilweise auch Großeltern erreichen. Die ElternKind-Gruppen sind mit einem täglichen
Angebot eine hervorragende Ergänzung zur
Arbeit der Kitas. Es geht darum, verlässliche
und regelmäßige Angebote zu schaffen –
denn auch das ist ein Problem in „Problemfamilien“.
Ein Zitat von Herrn Prof. Tietze und Frau
Insgesamt können wir stolz darauf sein, wasBock-Famulla von der Bertelsmann Stiftungwir in den vergangenen Jahren erreicht ha-passt gut dazu: „Professionalität ist Merkmalben, ohne dass wir – die Landesregierungdes gesamten Teams.“ Es nützt uns also re-und ich persönlich – die Probleme ignorieren.lativ wenig, wenn wir ein paar Überflieger
haben, die durch Fortbildung oder eine frischGute Erzieher für Brandenburgabsolvierte Ausbildung in der Lage sind, all
das, was wir heute verlangen, umsetzen. WirÜber die Rahmenbedingungen habe ich ge-brauchen zur Umsetzung ein engagiertessprochen. Herr Prof. Tietze, der uns immerGesamt-Team. Die novellierte Kita-Personal-forschend begleitet hat, wird das eine oderverordnung öffnet die Kita für so genannteandere ansprechen und ergänzen. Vor unsSeiteneinsteiger. Ich halte das für sinnvollliegen sehr ambitionierte Aufgaben. In denund gut, denn wir brauchen unterschiedlicheKitas hat ein – notwendiger – Generations-Berufs- und Lebenserfahrung. Das bedeutetwechsel begonnen. Aber auch in der Erzie-nicht, dass wir qualifizierte Fachkräfte durchher-Ausbildung haben wir Reserven. WirBilligkräfte ersetzen wollen. Ich kann ganzbrauchen neuen fachlichen Wind und wirklar sagen: Wir setzen auch weiterhin aufbrauchen einen Wissens- und Erfahrungs-Qualität.transfer zwischen Jung und Alt.Frühkindliche Bildung6
7Früh übt sich
Sprachförderung durch „Programm“ oder im Kita-Alltag?nehmen war, Vorschläge scheidender Ministerpräsidenten bleiben.
Wir haben eben gehört, dass das Land Brandenburg bei allen Sparzwängen 36 Millionen
Euro zusätzlich aufwendet, um die Rahmenbedingungen – den wichtigen Erzieher-KindSchlüssel – zu verbessern.Prof. Dr. Wolfgang Tietze ist Erziehungswissenschaftler an der Freien Universität Berlin und
forscht zur Qualität frühkindlicher Erziehung.Das ist der richtige Weg, auch wenn damit
noch längst nicht alles erreicht ist und der
Prozess der Verbesserung der Rahmenbedingungen nachdrücklich weiterverfolgt wer-Die Bildung seiner Menschen und seinerden muss. Die Belege aus nationalen wie in-Kinder – das ist das, wovon unser Land jetztternationalen Forschungen sind erdrückendund auch in Zukunft lebt. Es ist mittlerweileund belegen, wie wichtig eine gute Frühför-in der Fachwelt und in der Politik allgemei-derung für die gesamte Biografie der Kinderner Konsens, dass es dabei ganz besondersist.auf die frühe Bildung ankommt. Jedem von
uns ist der Satz bekannt: „Auf den AnfangEffekte guter frühkindlicher Bildungkommt es an“.
Qualität macht nach unseren Studien bis8	9	Hoffen wir, dass das politische Fenster derzu einem Jahr Entwicklungsunterschied beiprioritären Förderung von Bildung und derKindern im Vorschulalter aus. Die QualitätInvestition in diese noch eine Weile offender Kita besitzt damit Langzeitwirkungenbleibt. Hoffen wir, dass Vorschläge, ange-auf Schulleistungs- und Entwicklungsunter-sichtsdenschiede der Kinder in der Grundschule. WirRotstift auch bei Bildung anzusetzen, wieschwierigerHaushaltslagenmüssen hier den Experten im Feld Unter-kürzlich beispielsweise aus Hessen zu ver-stützung gewähren, Programme entwickeln,Märkische
2010wie es hier getan worden ist, und darauf hin-verbessert werden? Muss nachgesteuertweisen, dass solche Programme, um Kraft zuwerden? Ich weiß, wie schwierig das ist, dennentfalten, auch eine gewisse Zeit benötigen.wir alle erwarten natürlich unmittelbare Er-Mein Appell: Geben Sie dem Feld und den Be-folge. Lassen Sie mich in einer kleinen bil-teiligten die erforderliche Zeit, die wir brau-dungspolitischen Wende auf einen zweitenchen, damit bestimmte Dinge umgesetztPunkt hinweisen, der sich auch am Beispielwerden können.der Sprachförderung festmachen lässt. Wir
stellen Sprachdefizite bei Kindern fest, diag-Was durch gemeinsame Anstrengungen undnostizieren die sprachförderbedürftigen Kin-kluge Hilfen für die Praxis erreicht werdender, fassen sie in Fördergruppen zusammenkann, möchte ich am Beispiel der Sprach-und behandeln sie mit einem Programm.standsfeststellung im Land Brandenburg
verdeutlichen: Diagnostizieren muss gelerntWir stellen zunehmend übergewichtige oderwerden. In einer Begleitforschung, die wir zugar adipöse Kinder in unseren Einrichtungendiesem Bereich erstmals 2007 durchgeführtfest. Also konzipieren wir ein spezielles Er-haben, zeigten sich zunächst viele Fehldiag-nährungsprogramm. Wir finden zu viele Kin-nosen.der in unseren Einrichtungen, die aggressivDurch die systematische Schulung des pädagogischen Personals durch die Mitarbeiter
des Berliner Instituts für Frühpädagogik hat
sich diese Situation jedoch stark verbessert.
Die Zahl der Fehlklassifikationen durch die
Erzieherinnen konnte gemessen an den Testergebnissen enorm reduziert werden. WasLangzeiteffekte qualitativ
guter Früherziehung
Beispiel: Perry-Preschool-Project
•	Selteneres Schulversagen
(Sitzenbleiben)die systematische Schulung angeht, werden•	Geringere Kriminalitätsratenwir nicht nur bei der Diagnose, sondern auch•	Geringere Abhängigkeit von sozia-beim Sprachförderprogramm selbst einenler Wohlfahrtlangen Atem brauchen. Die Umsetzung po-•	Höhere Bildungsabschlüsselitischer Maßnahmen, die durch finanzielle•	Höhere EinkommenEntscheidungen abgesichert werden müs-•	Bessere Steuerzahlersen, erfordern auch Geduld, damit festgestellt werden kann: Ist es effektiv? Was mussQuelle: Prof. Dr. Wolfgang TietzeFrühkindliche Bildung8
9Daneben sind Akzente zu setzen bezüglich
des mathematischen Verständnisses, der
Erfahrungen mit dem Zählen, dem Messen,
dem Erlernen von Formen, von Größen. Es
ist günstiger, in der Kita häufiger mit kleinen Gruppen zu arbeiten. Zeichnen gehört
zu den Vorstufen des Schreiben Lernens und
sollte ebenfalls eine wichtige Rolle spielen.
Es sollte klare, bewusste Erziehungsziele in
der Kita neben vielen anderen Aktivitäten
geben, beispielsweise simple Stabreime.
Mit Reimen kann die Sprachbewusstheit
von Kindern gefördert werden. All das zusind, nicht die Perspektive ihres Gegenüberssammen erklärt mehr als ein Viertel dereinnehmen können, wenig einfühlsam sind.Unterschiede im Sprachstand der Kinder. IchAlso kreieren wir ein Programm zum Empa-möchte diesen Punkt nicht als ausschließ-thie-Training.lichen Gegensatz zu einem kompensatorischen Sprachförderprogramm verstandenWir werden aufpassen müssen, dass wirwissen, aber Ihren Blick darauf lenken, dassdas Kind nicht als einen Apparat mit psy-wir Kinder in ihrem Kita-Alltag möglichst sochischen und physischen Einzelfunktionenfördern, dass kompensatorische Programmebetrachten und jede dieser Funktionen ein-überflüssig werden.zeln fördern, aber nicht das Kind als Ganzes.
Dabei dürften es gerade die im normalenDamit schließt sich der Gedankengang. Wirund vielfältigen Kita-Alltag gemachten Er-müssen für pädagogische Qualität in denfahrungen sein, die sich in KompetenzenKitas in der Weise sorgen, dass es erst garoder auch in Defiziten niederschlagen. Sonicht zu Defiziten bei größeren Gruppen vonerhielten wir in unseren UntersuchungenKindern kommt.zum Sprachstand von Kindern in Brandenburger Kitas folgendes Ergebnis: 26,5 Pro-Lassen Sie mich in einem kleinen Fazitzent der Unterschiede im Sprachstand dereinige Punkte zusammenfassen:Kinder können wir durch die Dauer des Kita-10	11	Besuchs erklären. Je länger dieser ist, desto• Erstens: Gehen Sie als SPD-Landtagsfrak-höher der Sprachstand.tion und damit wichtigster Teil des Gesetz-Märkische
2010gebers in Brandenburg den bisherigen Weg• Sechstens: Denken Sie daran, dass ein vonder Verbesserung der Rahmenbedingungenden Rahmenbedingungen her gut ausge-in den Kitas kontinuierlich weiter! Sie habenstattetes, unter dem Gesichtspunkt der Qua-einen guten Anfang und wichtigen Schrittlität gut gesteuertes und bei Bedarf zusätz-getan.lich unterstütztes System der beste Garant
dafür ist, dass wir unserem obersten Ziel,• Zweitens: Gehen Sie auch ungewöhnlicheBildung von Anfang an und für alle KinderWege wie den der Qualifizierung von Män-anzubieten, möglichst nahe kommen.nern für den Erzieherberuf. Wir haben dieses
Projekt mit guten Resultaten evaluieren können.
• Drittens: Setzen Sie besondere FördermittelKinder im Alter von unter 3 Jahren in Kindertageseinrichtungen
nach vertraglich vereinbarter täglicher Betreuungszeit in den
Bundesländern am 15.03.2008.Vertraglich vereinbarte
Betreuungszeit pro TagVertraglich vereinbarte Betreuungszeit pro Tagwie bei der Sprachstandsdiagnose und der
kompensatorischen Sprachförderung dort
ein, wo ein unabweisbarer und aktueller Be-bis zu 5
StundenBundeslandmehr als 5 bis mehr als
zu 7 Stunden 7 Stunden
in %Baden-Württemberg31,533,223,4Bayern44,130,724,8Weg, die ganzheitliche Pädagogik in Einzel-Berlin14,928,057,1programme aufzulösen.Brandenburg5,833,061,230,825,943,49,832,757,625,230,943,8darf gegeben ist, aber gehen Sie nicht den• Viertens: Erwarten Sie in diesen Fällen kei-Bremen
Hessenne Wunder, auch wenn Sie selbst unter ei-Mecklenburg-Vorpommern9,832,557,4nem hohen politischen Erfolgsdruck stehen.Niedersachsen49,522,027,6Nordrhein-Westfalen25,217,650,5Rheinland-Pfalz29,127,028,9Saarland17,634,243,8Sachsen10,321,368,4Unterstützen Sie weiterhin die auch im Bundesvergleich hervorragende Fachabteilung
des zuständigen Bildungsministeriums.
• Gehen Sie fünftens davon aus, dass wirksame Maßnahmen in der Praxis ihre Zeit
brauchen. Geben Sie diese Zeit der Fachadministration und denen, die die MaßnahmenSachsen-Anhalt41,14,154,7Schleswig-Holstein42,225,632,09,17,683,3ThüringenKinder im Alter von unter 3 Jahren in Kindertageseinrichtungen nach vertraglich vereinbarter täglicher Betreuungszeit in
den Bundesländern.entwickeln und begleiten, und vor allem der
Praxis, bei der die Realisierung liegt.Quelle: Bertelsmann Stiftung
Daten: Statistisches BundesamtFrühkindliche Bildung11
10Ein Kita-Träger muss Visionen haben
Erfahrungen aus Trägersicht zur inhaltlichen Profilierung von Kita-Einrichtungensche Arbeit in unseren Kindertagesstätten
entwickelt: Wir sind heute noch sehr stolz
darauf, dass wir dieses Konzept erstellt haben, bevor die erste PISA-Studie veröffentlicht wurde und die Diskussion im Bildungsbereich entstand.
Für das Projekt wählten wir das Motto, dass
sich eine gute Bildung dadurch auszeichnet,
dass sie es den heranwachsenden GeneratioMarina Schulz arbeitet beim Fachdienst „Kita
und Jugend“ der Stadt Hennigsdorf, Träger von
insgesamt sieben der acht Kindertagesstätten in
Hennigsdorf.Die ersten Jahre nach der Wende haben wir
genutzt, um die Kitas zu sanieren und im
Jahr 2000 begonnen, uns inhaltlich mit der
Qualität der Betreuung in Kindertagesstätten auseinanderzusetzen. Ausgangspunkt
war damals eine Veranstaltung des Landes,
auf der Praxisbeispiele dafür vorgestellt wurden, wie gute Arbeit in Kindertagesstätten
aussieht. Mir fiel auf, dass alle dort vertretenen Beispiele von freien, nicht von kommunalen Trägern stammten. Also haben wir uns
die Frage gestellt: Was macht gute Arbeit in
Kindertagesstätten aus, und wer entscheidet
darüber? Von 2001 bis 2004 haben wir dann
in einem Projekt Leitlinien für die pädagogi-12	13	Märkische
2010nen ermöglicht, sich in der Zukunft zurechtzufinden. Prof. Tietze hat es angesprochen:
Uns ging es vornehmlich darum, soziale
Kompetenzen bei Kindern zu fördern, sie
in der Kita also nicht Lesen, Schreiben und
Rechnen zu lehren, sondern die Kompetenzen dafür zu entwickeln. Wir haben damals
1.200 Menschen eingeladen, mit uns zu diskutieren und an Workshops teilzunehmen.
Erzieher, Lehrer, Eltern, Kinderärzte, Sportvereine – kurzum viele Menschen, die im engeren und weiteren Sinne mit Kindertagesbetreuung zu tun haben. Die Kernfrage lautete:
Was zeichnet gute Arbeit in Kindertagesstätten aus? In den Workshops haben jeweils
70 Menschen an sechs Abenden zu sechs
Themen – also an 36 Abenden – zusammengefunden und mit uns diskutiert. In den darauffolgenden Jahren haben wir sehr viel imBereich der Qualitätsentwicklung getan. Ins-valuation durch, denn wir müssen die Mitar-besondere in drei Bereichen sind wir aktivbeiter mitnehmen; sie sind der wesentlichegeworden:Faktor in der Kindertagesstätte.Trägerinterne Verbesserungen,Kita-übergreifende Projekte in den Kindertagesstätten, die verbindlich für alle festgelegtDarüber hinaus haben wir ein Ideen- und Be-und durch den Träger gesteuert werden, undschwerdemanagement eingeführt. Wir sindwir haben in den Kindertagesstätten spezi-offensiv an die Eltern herangetreten undelle Projekte, beispielsweise einen „Kasper“,haben gesagt: „Redet mit uns, wenn ihr einder kommt, wenn es bestimmte ProblemeProblem habt!“ Das ist ein sehr gutes Instru-gibt.ment. Wir haben die Erzieher bei der Umsetzung unterstützt und eine Schulung durch-Qualität verbessern und messengeführt, in der Kenntnisse erworben werden
konnten, wie Konfliktgespräche mit ElternWir sind in einem kommunalen Netzwerkgeführt werden können. Wir haben also auchfür Qualitätsmanagement in der Kinderta-für die entsprechende Fortbildung gesorgt,gesbetreuung aktiv. Die großen wichtigenum Ängsten zu begegnen. Den Prozess, denThemen, die wir in den Leitlinien behandeltwir in den Kitas angeschoben haben, diehaben, sind noch immer aktuell: Wie wollenDiskussion von Eltern und Erziehern, diewir die Qualität in unseren Kindertagesstät-Diskussion in den Kita-Ausschüssen zu denten messen? Wie wollen wir die Qualität ver-pädagogischen Konzepten, die Erkenntnissebessern? Der Qualitätsmessung sollte alsoder Personen, die mit den Kindern arbeiteneine Verbesserung im Alltag folgen.– beschreiben wir in der Konzeption unsererZur Qualitätsmessung gibt es das VerfahrenEinrichtung genau. In dieser Hinsicht sindder externen Beobachtung. Das ist eines derwir mit den Eltern in den Elternversammlun-Module, die auch wir in unseren Kinderta-gen und mit den Kita-Ausschüssen auf einergesstätten anwenden. Wir führen darüberLinie und können unsere Arbeit so viel besserhinaus auch subjektive Messungen durch,vertreten. Dieser Aushandlungsprozess zwi-indem wir Elternbefragungen und Kinderbe-schen Eltern und Erziehern ist enorm wich-fragungen in allen Kitas durchführen. Letz-tig. Wir sind durch die Leitlinien und auchtere sind ganz besonders spannend. Wenndurch die Arbeit im kommunalen Netzwerkman zum Beispiel fragt, ob die Erzieherinfür Qualitätsmanagement permanent dabei,auch Spaß an dem Zusammensein mit demunsere pädagogischen Konzepte zu überar-Kind hat, sind Kinder sehr ehrlich. Wir führenbeiten. Und wir sind relativ schnell dabei, siezudem Mitarbeiterbefragungen mit Selbste-in die Praxis zu bringen.Frühkindliche Bildung13
12Einige konkrete Maßnahmen, die wir in Hen-siv befasst und in der jedes Kind musikalischenigsdorf umgesetzt haben:Früherziehung bekommt. Die Eltern müssen
dies nicht bezahlen; es ist mit den zur Verfü-• Kostenlose pädagogische Zusatzangebote:gung gestellten Geldern gedeckt.In der Regel gibt es kommerzielle Angebote in
den Kindertagesstätten, die kostenpflichtig• Berufsbegleitende Fortbildung: Seit Märzangeboten werden und die für Eltern durch-dieses Jahres arbeiten in unseren Einrichtun-aus wichtig sind, wenn sie sich für eine Kitagen vier junge Frauen, die ab Herbst 2010 eineentscheiden: Hat mein Kind Englisch? Hat esAusbildung zur Erzieherin beginnen werden.Musikunterricht oder musikalische Früherzie-Sie werden drei Tage in der Woche bei uns ar-hung? Die Stadt Hennigsdorf als Träger hatbeiten und zwei Tage die Schule besuchen. Dasich entschieden, für jedes Kind von drei bissie in dem gesamten Zeitraum in einer Grup-sechs Jahren 150 Euro im Jahr zur Verfügungpe mit einem Mentor arbeiten, versprechenzu stellen, um solche Angebote für alle Kinderwir uns davon, dass wir danach nicht mehr einunterbreiten zu können. Dadurch haben wirgesamtes halbes Jahr Einarbeitungszeit brau-eine Kita, die sich mit dem Thema Musik inten-chen, sondern dass sie aufgrund ihrer Praxiserfahrung schnell einsetzbar sind.Kindertagesbetreuung 2008
0 bis unter 3 JahreWir haben außerdem verbindlich
zwei Teamfortbildungen pro Ein-OstprignitzRuppinOberhavelBrandenburg
an der Havel• Supervision: In diesem JahrBarnimHavellandhaben wir begonnen, Supervisionen für Erzieher einzuführen,MärkischOderlandum sie zu unterstützen, die täg-PotsdamPotsdamMittelmarkFrankfurt
TeltowFlämingunter 40Elbe-Elster45 bis unter 50
50 und größerQuelle: Ministerium für Bildung, Jugend und Sport;
Kartografie: Landesamt für Bauen und VerkehrMärkische
2010OberspreewaldLausitzchern, die auch durch Eltern und
werden.Cottbus40 bis unter 45lichen Anforderungen abzusiKinder an sie herangetragenDahmeSpreewaldVersorgungsquote
in Prozent14	15	richtung festgelegt.UckermarkPrignitzSpree-Neiße• Abgestimmte Leitungsebene: Wir führenstellen wir auch zusätzliches Personal ober-Klausurtage mit den Leitern durch. Das hilfthalb des Betreuungsschlüssels ein.den Leitern zum einen, die geplanten Vorhaben transparent in die Kitas hineinzutragen,Die von mir kurz umrissenen Projekte kos-sichert aber auch uns Trägern eine gut abge-ten natürlich Geld. Ich möchte mal einestimmte Arbeit.Zahl nennen: Die Messung im kommunalen
Netzwerk beispielsweise kostet uns 15.000• Visionen: Wir sind der Ansicht, dass ein Trä-Euro im Jahr. Auf ein Kind heruntergerechnetger Visionen haben und Neuem gegenübersind das bei 1.300 Kindern 11,55 Euro im Jahr,aufgeschlossen sein muss. Wir haben dazunicht einmal ein Euro pro Kind und Monat.zum Beispiel eine Elterninitiativgruppe in einer kommunalen Kindertagesstätte.Wir sehen auf der einen Seite, dass es richtig
und wichtig ist, dass der Personalschlüssel• Flexible Arbeitszeiten: In der Stadt Hen-verbessert wird. Auch aus unserer Sicht istnigsdorf sind die Leiter von der pädago-dies nur der erste Schritt. Das ist der Perso-gischen Arbeit freigestellt. Wegen hohernalschlüssel, den wir 1997 hatten. Und dieAusfälle fungieren sie jedoch
oftmals als Springer. Wir stellen den Stellvertretern zweiKindertagesbetreuung 2008
3 Jahre bis EinschulungStunden in der Woche zur Ver-UckermarkPrignitzfügung, um die entsprechendeOstprignitzRuppinAbstimmung mit dem Leiter
vornehmen zu können, damit
er in einer VertretungssituationHavellandauch in der Lage ist, die Vertre-Brandenburg
an der Haveltung zu sichern. Wir haben ein
flexibles Arbeitszeitkonto fürmit Zivildienstleistenden, mit
Beschäftigten im Freiwilligen
Sozialen Jahr zusammen. In
ganz besonderen SituationenBarnimMärkischOderland
PotsdamPotsdamMittelmarkalle Erzieher.
• Zusatzpersonal: Wir arbeitenOberhavelFrankfurt
TeltowFlämingDahmeSpreewaldVersorgungsquote
90 bis unter 95Cottbus
OberElbe-Elster
spreewaldLausitzSpree-Neiße95 und größerQuelle: Ministerium für Bildung, Jugend und Sport;
Kartografie: Landesamt für Bauen und VerkehrFrühkindliche Bildung15
14Änderung des Rechtsanspruchs wird zu zu-Wir haben die Erfahrung gemacht, dass diesätzlichem Bedarf an Personal führen. BeiGruppen in der Regel größer sind, dass deruns im Berlin-nahen Raum steigt außerdemSchlüssel nicht 1 : 6 beträgt, sondern in derdie Zahl der zu betreuenden Kinder. Mittler-Regel 1 : 7, 1 : 8 bzw. 1 : 15, 1 : 16. Als der Schlüs-weile haben wir allerdings Probleme, genü-sel 1997 geändert wurde, gab es noch zusätz-gend qualifiziertes Personal einzustellen:liche Stunden für längere Öffnungszeiten.Viele unserer jungen Beschäftigten fallenBei den nun folgenden Schritten muss be-aus, da sie selbst Mütter werden und in derrücksichtigt werden, dass sich die FlexibilitätRegel infolge eines Beschäftigungsverbotsin den Öffnungszeiten auch beim Personal-insgesamt zwei Jahre fehlen.schlüssel widerspiegeln sollte.Früher haben wir eine Auswahl getroffen,Wir haben versucht, dies mit einem Pro-wenn wir Personal einstellen wollten. Wenngramm zur flexiblen Arbeitszeit mit den Mit-heute jemand eine Ausbildung hat, ist er erstarbeitern in den Einrichtungen gemeinsameinmal formal geeignet.zu bewältigen. Wir denken, dass wir auf unsere Kitas und auf die Mitarbeiter, die vor OrtWir sehen Probleme, das notwendige Perso-jeden Tag die unterschiedlichsten Projektenal in ausreichender Anzahl zur Verfügungumsetzen, sehr stolz sein können.zu stellen. Daher fanden wir die Idee sehr
gut, zusätzliches Personal in Kitas zuzulassen, das die Qualifizierung zum Erzieher
nicht hat. Eine Vielzahl von Tätigkeiten –
Füttern, Windeln, Mittagsschlaf beaufsichtigen – kann auch eine Kraft übernehmen, die
nicht Erzieherin ist.
Die Erzieherinnen brauchen neben der Arbeit
am Kind Zeit für Vor- und Nachbereitung, für
die Förderung von Kindern in Kleingruppen,
für Dokumentation, zur Teamabsprache. Uns
geht es dabei natürlich nicht darum, qualifiziertes Personal durch nichtqualifiziertes zu
ersetzen, sondern darüber hinaus einzustellen. Ein Wort noch zur flexiblen Arbeitszeit:16	17	Märkische
2010Kinder sind aktive Lerner
Aus der Praxis frühkindlicher Bildung
von Hartz IV leben und viele Familien als „bildungsfern“ bezeichnet werden können. Wir
sind mit unserem Hort Kooperationspartner
einerverlässlichenHalbtagsgrundschuleund organisieren gemeinsame Angebote,
obwohl wir räumlich getrennt von dieser
Spannungsfeld Kita-Arbeit
Petra Brückner ist Leiterin der AWO-Regel/Integrations-Kita „Spielspaß“ in Königs WusterhausenDie Arbeit in der Kita bewegt sich immer in
einem zweipoligen Spannungsfeld: Auf der
einen Seite steht die individuelle BetreuungIn unserer Kita haben wir 280 Plätze, davonder Kinder, das Eingehen auf die Bedürfnisse80 im Hort, betreut von derzeit 32 Erzieherin-und das Herausfordern neuer Entwicklun-nen und vier Erziehern. Viele Erzieher habengen. Auf der anderen Seite stehen die Erwar-eine Ausbildung als Heilerziehungspflegertungen, die von Eltern, Lehrern, aber auchbzw. Heilpädagoge. Derzeit decken wir denvon der Gesellschaft an uns herangetragenintegrativen teilstationären Bedarf für denwerden. Als Leiterin einer Integrations-Kitagesamten Norden des Landkreises Dahme-stelle ich noch dazu häufig die „ganz nor-Spreewald ab und betreuen in vollbesetztenmalen“ Vorurteile fest, die immer dann zuZeiten ca. 200 Kita-Kinder zusammen mitTage treten, wenn eines meiner I-Kinder in60 Integrationskindern. Bei letzteren reichtdie Schule kommen soll. In den vergangenendie Bandbreite von einfachen körperlichenJahren hat sich langsam, aber sicher ein neu-Beeinträchtigungen über geistige Behinde-es Bild vom Kind durchgesetzt: Das Kind alsrungen, schweren Mehrfachbehinderungenaktiver Lerner, als eigenständiger Entdeckerbis hin zu hohen Auffälligkeiten im sozial-mit ganz individuellen Lernschritten. Dieemotionalen Bereich. Unser Umfeld ist einRolle der Erzieherin oder des Erziehers ist es,Plattenbaugebiet in Königs Wusterhausen,zu begleiten, unterstützen, beobachten undin dem überdurchschnittlich viele Familienbehutsam Interessen zu wecken.Frühkindliche Bildung17
16Es gilt, alte Verhaltensmuster und Meinun-beiten. Das Bild vom Kind als aktiver Lernergen sowohl bei Kollegen als auch insbeson-muss unser Handeln in den Kindertagesstät-dere bei Eltern, Lehrern, Ämtern usw. aufzu-ten noch viel mehr begleiten als bisher. Inbrechen. Es gilt, Wissen bei allen Beteiligtenden vergangenen Jahren bzw. Monaten gabzu vermitteln, Fortbildungen zu organisie-es einige Entwicklungen in Brandenburg, dieren, gemeinsame Gespräche mit Eltern undunsere Arbeit unterstützen, von denen ichLehrern zu führen.die drei wichtigsten anführen möchte.Hier nur eine kleine Auswahl der Aufgaben,1) GOrBiK, der Gemeinsame Orientierungs-die sich uns stellen:rahmen für die Bildung in Kindertagesbetreuung und Grundschule• Wie gestalten wir Räume so, dass die Bildungsbereiche abgedeckt sind und jedes2) Die Einführung der Sprachstandsfeststel-Kind genügend Material und Anregungenlung im Jahr vor der Einschulung und dievorfindet, sich weiterzuentwickeln. Wie kön-(kompensatorische) Sprachförderung.nen wir dies auch in den Kitas, die räumlich
keineswegs optimal sind, erreichen?3) Die Verbesserung des Personalschlüssels• Wie gestalten wir eine behutsame und ge-gelten soll. In der Krippe gilt dann der Schlüs-lingende Eingewöhnungszeit insbesonderesel 1 : 6 – das werden wir in LDS leider nichtin der Krippe, wenn die Kinder zum erstenwirklich genießen können; wir hatten ihnMal von zu Hause fort sollen?nämlich schon –, in der Kita von 1 : 12. Das istin Kitas und Krippen, der ab 1. Oktober 2010ein immens wichtiger und richtiger Schritt,
• Wie schaffen wir einen gelingenden Über-der uns Kitas helfen wird, den neuen Anfor-gang von der Kita in die Schule? Es gehtderungen besser gerecht zu werden.darum, für jedes Kind den individuellen Bildungsweg zu gestalten, sicher orientiert anDas ist die positive Aufzählung. Ich kannaltersgerechter Entwicklung, aber eben dochnicht darauf verzichten, auch die negativeneinzigartig. Dabei soll der Bruch zwischenSeiten zu erwähnen.Kita und Schule eben kein Bruch mehr sein.
• Schulen erhalten für die Umsetzung von
Meine Erfahrungen in diesem Bereich sindGorBiK eine Lehrerwochenstunde, die Kitasdie, dass es auch unter Regelbedingungennicht.tatsächlich möglich ist, individuell zu ar-18	19	Märkische
2010• Die Erhöhung des Personalschlüssels istWir haben festgestellt, dass selbst in Königsein Schritt in die richtige Richtung. Er reichtWusterhausen der Fachkräftemarkt sehrjedoch nicht aus, ganz abgesehen davon,leergefegt ist. Nicht nachvollziehen kann ichdass die Leitungsfreistellung nicht ange-die Einbeziehung von Nichtfachkräften, dietastet wurde. Es ist wirklich nicht nachvoll-keine Ausbildung ins Auge fassen wollen,ziehbar: Hier sitzt eine Kollegin von mir, diederen Finanzierung dennoch über einen Pro-180 Kinder in der Kita hat und für alle Koor-zentsatz als Fachpersonal laufen soll.dinierungsaufgaben, Konzeptarbeiten, Netzwerkbetreuung, Personalmanagement undWir brauchen helfende Hände in den Kitas,Krisengespräche jeder Art mit Eltern genauaber bitte nicht fachfremde Personen anstel-0,375 Leitungsstellen zur Verfügung hat. Ausle von Fachpersonal, sondern zusätzlich.meiner Erfahrung – ich führe jeden Tag drei
Krisengespräche allein mit Eltern – ist das
absolut zu wenig.
• Die Sprachstandsfeststellung ist sicher
ein richtiger Ansatz. Jedoch kommt er aus
meiner Sicht ein Jahr zu spät. Die Sprachförderung muss verstärkt in den Kita-Alltag
einbezogen werden. Jedes Kind sollte – hat
ein kluger Mensch einmal festgestellt – bis
zur Einschulung tausend Geschichten gehört
haben. Das bedeutet für die Kita: Jeden Tag
mindestens eine Geschichte. Auch das sollte
in jeder Kita zum Konzept gehören.
• Zu guter Letzt, ohne dass diese Aufzählung
abschließend sein kann, noch die Fachkräftesituation: Die Kita-Personalverordnung lässt
es in Zukunft zu, dass auch Quereinsteiger
in Kitas arbeiten können. Das begrüßen wir
sehr, insbesondere dann, wenn diese Quereinsteiger eine berufsbegleitende Ausbildung oder Zusatzqualifikation machen wollen.Frühkindliche Bildung19
18Männer in der Kita: Welten prallen aufeinander
Erfahrungen mit der Männer-Qualifizierung
Kindertagesstätte. Insgesamt durchlaufen
die Männer 1.200 Stunden Theorie und 2.100
Stunden Praxis: Das ist ziemlich viel. Wir bilden für die Kindertagesstätte umfangreicher
aus, als es an einer normalen Fachschule
Wie haben wir das gemacht? Wir haben ein
Curriculum entwickelt, das so innovativ ist,
dass ich es vorstellen möchte: Wir haben die
Ausbildungszeit neu aufgeteilt. Es gibt keine
klassischen Lernblock-Trennungen mehr: Die
Männer sind jeweils eine Woche im Seminar
und anschließend zwei Wochen in der Praxis. Stattdessen sind sie permanent in Praxis
und Theorie angesiedelt. Warum haben wir
Christian Bethke ist Ausbildungsbegleiter bei der
Männerqualifizierung am Berliner Institut für
FrühpädagogikEin zentraler Punkt ist das Vorhaben, sinnstiftende Lernzusammenhänge zu schaffen. Sie kennen es vielleicht aus Ihrem Fort-20	21	2005 haben wir gemeinsam mit dem bran-bildungsalltag oder Ihrer Ausbildung: Mandenburgischen Bildungsministerium undlernt sehr viel Theorie auf einmal, und indembegonnen,der Praxis ist das Wissen dann nicht verfüg-zwanzig langzeitarbeitslose Männer zumbar, weil man es nicht sofort angewandt,Erzieher zu qualifizieren. Die Qualifizierunghinterfragt, revidiert, innerlich eingeordnetwar nur für die Kindertagesstätte und nurhat.für das Land Brandenburg ausgelegt. DieDeswegen erarbeiten wir im Seminar tiefer-Maßnahme ist keine übliche Breitbandaus-gehend eine Thematik und gehen mit denbildung über drei Jahre, sondern sie dauertInhalten dieses Seminars zwei Wochen inzwei Jahre und beschränkt sich dabei auf diedie Praxis. Dieses Modell hat sich aus meinerLandkreisSpree-NeißeMärkische
2010Sicht sehr bewährt. Es wird eigentlich von al-dern wir schauen auch – quasi auf der Meta-len Beteiligten als sehr positiv erlebt.ebene: Was habe ich über das Lernen in der
Gruppe bzw. von mir selbst gelernt? WelchenDie Männer haben den Vorteil, dass sie denmethodischen Stil hat die Dozentin? Wo hatAlltag in der Kindertagesstätte relativ guter gut funktioniert, wo nicht?mitbekommen. Was es bedeutet ErzieherDas heißt, wir versuchen modellhaft aufzu-oder Erzieherin zu sein, lerne ich nur, wenngreifen: Wann funktionieren Lernprozesseich das auch erleben darf – fünf Tage die Wo-gut, und welche Schranken gibt es für gelun-che.gene Bildungsprozesse? Dabei gewinnen die
Teilnehmenden im Laufe der QualifizierungPraxisorientierte Ausbildungganz spannende Erkenntnisse. Übertragen
auf die Kindertagesstätten überlegen wirIn der Seminarphase lassen wir die Männerdann: Wenn das für mich wesentliche Dingeeine Ausbildungsbegleitung durchlaufen.sind, wie ist denn das bei den Kindern? IstDas mache in dem Fall ich. Diese findet im-das ähnlich? Meist überschneidet es sich inmer Montag und Freitag mit den Männernhohem Maße. Wo gibt es Unterschiede? Die-in der Qualifizierung statt. Am Montag wirdse Idee scheint gut zu funktionieren.gefragt: Was haben wir aus der Praxis mitgebracht? Welche Themen sind aktuell? MitMänner in Kitas – das ist eine ganz spannen-welchen Fragestellungen möchte ich michde Geschichte, denn sie mischen den Ladenin den nächsten Tagen auseinandersetzen?immer ganz schön auf. Wir bemerken insbe-Was will ich von der Fachdozentin wissen?sondere, dass unterschiedliche Kommunika-In der Mitte der Woche laden wir Fachdozen-tions- und Sprachwelten aufeinanderprallen.tinnen ein. Wir wählen ganz bewusst keineDa, wo bisher im Team gesagt wurde: „EsFachschullehrerinnen, sondern Dozentinnenwäre schön, wenn wir uns nächste Wocheaus der Fort- und Weiterbildung, die sonst Er-vielleicht mal, aber nur, wenn Du nichts da-zieherinnen fortbilden und jeweils Expertin-gegen hast, kurz darüber unterhalten könn-nen für ein Gebiet sind. Das hat sich sehr be-ten, dass…“ Sagt der Mann: „Nö, mache ichwährt. Am Freitag gucken wir uns das Ganzenicht.“ – Und dann folgt die Begründung. Diegemeinsam an und prüfen: Was haben wirMänner argumentieren viel klarer und direk-theoretisch gelernt? Was haben wir über daster und arbeiten auch mit den Kindern so.Lernen von uns selbst gelernt? Wir betrachten also nicht nur die rein fachliche Ebene:Sie kennen das vielleicht: Wenn Männer mitWas kann ich in die Praxis übersetzen? Son-Kindern agieren, dann hat das einen un-Frühkindliche Bildung21
20glaublich dynamischen Bewegungsanteilmit Sicherheit auf einem guten Weg, wenn– irgendwie fliegen die Kinder immer hoch.wir den Personalschlüssel genau unter dieAuch das sehen wir in der Kita. Das heißt, dieLupe nehmen und schauen, wie wir an soMänner sind weitaus agiler mit den Kindernwesentlichen Schnittstellen wie der Ausbil-unterwegs. Ihr Umgang ist direkter und eindung Ressourcen freilegen können.bisschen härter. Das schlägt sich auch in der
Teamarbeit nieder. Diese Männer bringen
außerdem einen unglaublichen Erfahrungsfundus aus ihrem vorherigen Berufsleben
mit. Sie sind Fliesenleger, Tischler, Automechaniker.
In dem Moment, wo die Männer in die Kita
kommen, verändert sich das interne Portfolio dieser Einrichtungen, weil auf einmal
Dinge angeboten werden können, die vorher
überhaupt keine Rolle spielten. Damit ändert
sich auch die Gesamtperspektive.
Jeder Mann bekommt in seiner Einrichtung
eine persönliche Ansprechpartnerin. Diese
Mentorin begleitet den Mann über zwei Jahre, führt Reflexionsgespräche mit ihm, setzt
Zielvereinbarungen, überprüft sie gemeinsam, führt Konfliktgespräche und Ähnliches.
Für diese Mentorinnen, die eine unglaubliche Leistung erbringen, gibt es keine Vergütungen, meist auch keine zusätzlichen Stunden. Sie machen das mit viel Enthusiasmus
und viel Energie und sind oft in der Kita auch
ein bisschen allein mit ihrer Aufgabe. Auch
ich kann in den Kanon einstimmen: Wir sind22	23	Märkische
2010Welche Stellschrauben sind zu drehen?
PodiumsdiskussionGesprächspartner auf dem Plenum: Petra Brückner, Marina Schulz, Prof. Dr. Wolfgang Tietze, Jutta Lieske,
Christian Bethke, Holger Rupprecht, Detlef Diskowski (v.l.)Michael Böttcher,einmal Schluss und Ruhe. Allerdings arbei-Bürgermeister der Gemeinde Letschin:ten wir ab jetzt von Haushalt zu Haushalt.Sie sagten, der Beschluss zur VerbesserungDer Haushalt für 2011 wird ein sehr schwie-des Personalschlüssels sei ein erster Schritt.riger Einzelhaushalt, bei dessen AufstellungWelche weiteren Schritte sollen folgen undich nicht ungeschoren davonkommen wer-was können die Kommunen erwarten?de. Der nächste Schritt wird sicherlich von
uns gemeinsam initiiert werden, aber ichMinister Holger Rupprecht:sehe ihn nicht vor 2012.Ich habe mich vorhin weit aus dem Fenster
gelehnt und gesagt: Auch ich sehe die Perso-Wie könnte er aussehen? Da haben Sie ganznalschlüssel-Verbesserung als ersten Schrittviele Wünsche von einer weiteren Verbesse-in die richtige Richtung an. Er kostet 36 Mil-rung des Personalschlüssels bis hin zur Frei-lionen Euro, die uns stark belasten. Dennochstellung des Leitungspersonals, das weiß ich.können wir nun nicht sagen: Jetzt ist erstIch bin daran interessiert zu erfahren: WasFrühkindliche Bildung23
22würden Sie als Dringendstes ansehen, wasbesondere Aufgaben zugewiesen bekom-wir als Nächstes tun sollten, wenn wir wie-men, werden auch besonders ausgestattet.der Geld in die Hand nehmen können.Die Menschen, die es durchführen, werden
mit einem besonderen Status, auch mit ei-Michael Böttcher,ner gewissen Anerkennung versehen undBürgermeister der Gemeinde Letschin:damit wird ihnen Wertschätzung gezeigt. IchIch kann mich entsinnen, dass einmal ge-würde mir wünschen, dass das Engagementsagt wurde, dass die Qualität einer Kita da-für Ausbildung, wie Christian Bethke es dar-rüber entscheiden solle, ob sie eine besseregestellt hat oder wie es aus Hennigsdorf be-Finanzausstattung erhält oder nicht. Ichrichtet wurde, gefördert wird und dass die-habe aber das Gefühl, dass weiterhin einejenigen, die sich dieser Aufgabe qualifiziertgewisse Gleichmacherei vorhanden ist, undannehmen, eine Sonderausstattung, einedie Qualität bei der finanziellen AusstattungFreistellungsstunde oder Ähnliches erhalten.der Einrichtungen nicht berücksichtigt wird.
Welcher Weg soll hier künftig gegangen wer-Dadurch könnte auch ihre besondere Rolleden?für die Qualitätsentwicklung der Kita der Zukunft herausgestellt werden. Ich würde mirDetlef Diskowski,in diesem Zusammenhang wünschen, dassLeiter des Kita-Referats des MBJS:es so etwas wie Ausbildungs-Kitas gebenNatürlich gibt es Indikatoren für gute Ar-kann, die besonders qualifiziert sind und sichbeit und für weniger gute Arbeit. Es gibtihrer Aufgabe besonders widmen können. Eseine ganze Reihe von Verfahren der Selbst-würde der Entwicklung gut tun, wenn manfeststellung oder Beobachtungsverfahren,Qualität hervorhebt und belohnt, ohne zu sa-der Einschätzung von Qualität. Es ist abergen: „Du bekommst fünf Prozent mehr Lohnfraglich, welche Konsequenzen man darausoder die Kita bekommt ein Prozent mehr Per-zieht. Bekommen diejenigen Einrichtungensonalausstattung.“ Das funktioniert nicht.mehr Geld, die besser werden müssen oder24	25	diejenigen, die schon gut sind? Ich glaube, esChristian Bethke:fehlen Anreize und es wäre schön, wenn wirIch denke, es sind oft ganz kleine Dinge, dieein kleines Anreizsystem hätten, aber lan-bei den Einrichtungen bzw. bei den Trägerndesseitig eine Finanzierung über Indikatorenliegen und die gar nicht viel Geld kosten,zu verteilen, ist nicht absehbar. Es gibt be-aber einen enormen Mehrwert haben. Wirdreits Bereiche, in denen es funktioniert, zumbeispielsweise eine Einrichtungen einmalBeispiel bei der Sprachförderung: Kitas, dieim Monat durch einen Supervisor, durchMärkische
2010Jutta Lieske arbeitete 1989 als Erzieherin in der Letschiner Kinderkrippe. Ab Frühjahr 1990 wurde sie
Leiterin der Einrichtung. Heute kümmert sie sich als Abgeordnete in der SPD-Fraktion um gute Politik
im Bereich der frühkindlichen Erziehung.eine Fachpädagogin professionell begleitet,zu belohnen, die sich rechtzeitig auf den Wegkostet das im Jahr 2.000 bis 3.000 Euro undgemacht haben und gut sind, und die zu be-hat einen immensen Effekt für das Team.strafen, die vielleicht erst etwas später ge-Viele Teams laufen sich an Stellen tot, wostartet sind, aber auch viel aufgewendet ha-es schlicht um Kommunikationsfragen undben, halte ich von politischer Seite für nochnicht um Fachfragen geht. Hier kann einenicht ganz reif.professionelle Begleitung von außen sehr
hilfreich sein.Prof. Dr. Wolfgang Tietze: Diese Frage nach den Indikatoren für Quali-Jutta Lieske MdL:tät beschäftigt mich ständig. Herr DiskowskiWir haben im Jahre 2007 die Grundsätzehat gesagt, wir haben Indikatoren für Qua-der elementaren Bildung verpflichtend imlität, aber der entscheidende Punkt ist: WieKita-Gesetz niedergeschrieben. Um mit denkriegen wir diese Indikatoren in das öffent-Worten von Prof. Tietze zu sprechen: Qua-liche Steuerungssystem? – Ich würde sagen,litätsentwicklung braucht seine Zeit, mehrwir haben im öffentlichen Steuerungssys-vielleicht, als wir alle erwarten. Jetzt schontem keine Indikatoren. Kein Träger, kein Ju-mit Qualitätsmessung und unterschiedli-gendamt, kein Landesministerium und auchchem Vergütungssystem heranzugehen, diekeine Bundesministerin kann eine konkreteFrühkindliche Bildung25
24Antwort geben auf die Frage: Wie gut sindan verschiedenen Stellschrauben simultandie Kitas eigentlich? Es werden keine Indika-drehen. Es müssen also Rahmenbedingun-toren erhoben.gen verbessert werden, und das Ziel muss
langfristig auf der Tagesordnung bleiben.Mein Punkt ist: Wenn man ein System ver-Es wäre ein Irrglaube, zu denken: Wenn wirantwortlich in Richtung Qualität steuern willdie Rahmenbedingungen verbessern, wirdbraucht man Indikatoren, und zwar nichtautomatisch die Qualität besser. Wenn wirnur solche, die irgendwo einmal in dieserRahmenbedingungen verbessern, müssenoder jener wissenschaftlichen Untersuchungwir zugleich Programme initiieren, mit de-auftauchen, sondern man muss grobe Indi-nen die verbesserten Rahmenbedingungenkatoren für das System, für die Dauerbeob-in der Praxis genutzt werden können. Unter-achtung haben, um dann zu gucken: Wohinsuchungsergebnisse bestätigen uns schwarzbewegt sich das System? Wo sind Stärken?auf weiß, dass Gruppengrößen, AusbildungWo sind Schwächen? Wo muss steuernd oderdes Personals und die Vor- und Nachberei-korrigierend eingegriffen werden?tungszeiten Effekte haben. Aber auch der
umgekehrte Schluss ist falsch.Unser Ansatz ist folgender: Qualitätsuntersuchungen werden systematisch vorge-Manchmal hört man aus der Praxis dennommen und in anonymisierter Form für einSatz: Hätten wir nur bessere Rahmenbedin-Qualitätsmonitoring genutzt, sodass mangungen, wäre alles paletti. Das ist Unsinn.sieht, wohin es sich in diesem Jahr bewegt.Die Verantwortung für gute Qualität liegtAußerdem wäre das wichtig, um die nichtauf beiden Schultern – bei der Politik undunendlichen Mittel, die man zur Verbesse-beim Träger, der die Rahmenbedingungenrung einsetzen kann, gezielt und nicht nachschaffen muss. Es wäre wichtig, dass Sie alsdem Gießkannenprinzip einzusetzen.Fraktion auch überlegen, welche Rahmenbedingungen bei Ihren Maßnahmen vorhan-Rahmenbedingungen verbessernden sind, und ob es vielleicht auch sinnvolle
pädagogische Programme gibt, mit denenMinister Rupprecht hat die Frage gestellt: Wowir nachhaltige Effekte erzielen können. Daswollen wir in Zukunft die begrenzten Mittelzweite Standbein neben den Rahmenbedin-primär investieren? Aus der Forschungsper-gungen wäre also zu bemühen.spektive kann man Folgendes sagen: Es gibt
nicht die Stellschraube, mit der man das
System auf Bestleistung bringt. Man muss26	27	Märkische
2010Michael Böttcher,Wir finden – das ist kein Vorwurf –, dass dieBürgermeister Gemeinde Letschin:Leiterinnen zu einem erheblichen Anteil nichtWeiterhin würde ich gern wissen: Welchehinreichend auf ihre Leitungstätigkeit vorbe-Größenordnung Kindertagesstätte brauchtreitet sind. Daran müsste man auch denken.es, dass eine Kita-Leiterin auch als Kita-Lei-Zu der Frage: Wie ist so etwas zu bezahlen?terin anerkannt und von anderen ArbeitenIch möchte nur das schwedische Modell infreigestellt wird?den Blick nehmen. Muss bei einem Träger, der
beispielsweise in einem umgrenzten RaumProf. Dr. Wolfgang Tietze:sieben Einrichtungen hat, in jeder Einrich-Wir wissen aus Untersuchungen, dass dietung jemand für konzeptionelle Aufgaben zu-Leiterinnen Managerinnen sind und die Qua-ständig und freigestellt sein, oder kann es solität einer Einrichtung zu einem erheblichensein, dass eine Leiterin für drei EinrichtungenTeil davon abhängt, wie gut sie geleitet wirddesselben Trägers freigestellt ist und die kon-und wie gut die Leiterin organisieren kann.zeptionelle Arbeit macht. Dadurch könntenDeswegen beziehen wir die Leiterinnen in diePersonalressourcen ein Stück weit geschontQualitätsentwicklung immer zentral mit ein.werden.Frühkindliche Bildung27
26Bettina Mühlenhaupt,zur Verfügung gestellt werden. Grundsätz-Leiterin AWO-Kita Bad Freienwalde:lich sollten wir nicht immer nur von SchrittWir wollen hin zur Wissensgesellschaft. Dazu Schritt arbeiten, sondern es müsste einfallen mir einige Grundsätze der Elementar-umfassender Stufenplan her.bildung ein, die wir in unserer Einrichtung
anwenden sollten. Die grundsätzliche Ele-Jutta Lieske MdL:mentarbildung muss im Aufgabengebiet derWir haben in letzter Zeit intensivere Kon-Erzieherinnen liegen. Wenn das klappt, danntakte miteinander gehabt. Ich kenne diewerden die Kinder nicht extra für bestimm-Wunschliste. Es sind ja keine Wünsche, die ir-te Maßnahmen aus der Gruppe genommen,real wären, sondern Ansprüche, die wir gernsondern einbezogen, wenn sie in der Inte-irgendwann umsetzen wollen. Wir werdengrationsgruppe sind. Natürlich muss manuns alle gemeinsam im politischen Konsensvon Fall zu Fall sehen, welchen Förderbedarfdazu verständigen.ein Kind hat. Aber ich appelliere noch einmal, das zu beherzigen, was uns zum ThemaDetlef Diskowski:frühkindliche Bildung von Seiten des LandesIch möchte gern etwas zur Leitungsfreistel-Brandenburg gegeben worden ist. Es ist einlung sagen; da besteht ja weitgehend Kon-Fundament, kein Dogma. Für unser Team istsens. Bei der Anhörung hat mich irritiert,es wirklich eine Hilfe.dass niemand darauf gekommen ist, dass
wir in der Kita-Personalverordnung geregeltMelanie Eichhorst,haben, dass die Leiterin neben der pädago-Sprecherin der Kita-Initiative:gischen Arbeit, deren Umfang dort beschrie-Ich habe in den beiden Anhörungen die Kita-ben ist, auch die organisatorischen Leitungs-Initiative vertreten und damals gesagt: Dasaufgaben erfüllen muss, für die der TrägerKita-Gesetz ist ein erster Erfolg, aber ein Teil-verantwortlich ist.erfolg, weil es nur ein Tropfen auf den heißen Stein ist. Sie haben gefragt: Was sind dieLeitungsfreistellungnächsten Stufen? Ich wünsche mir, dass wir28	29	in 365 Tagen wieder zusammensitzen undDas heißt, in dem Umfang, in dem der Trä-über den Stufenplan reden. Wir denken, dassger seiner Leiterin Verwaltungsaufgabender nächste Schritt die Leitungsfreistellungüberträgt, hat er für die Freistellung zu sor-sein müsste, weil diese viel Entlastung in dergen. Sie proklamieren immer alle, dass wirPraxis bringen würde. Danach sollten auf je-die Leitungsfreistellung verbessern müssen,den Fall Zeiten für die unmittelbare Arbeitaber das, was auch Trägeraufgabe ist, wirdMärkische
2010nicht reklamiert, sondern sozusagen ver-reitungszeit schon vorher gegeben hat. Esnachlässigt. Insofern, Frau Schulz, finde ichist leider nicht so, dass alle Kommunen ihrees bemerkenswert, dass sich die Stadt Hen-Verantwortung wahrnehmen und sagen: Wirnigsdorf, dieser Trägerverantwortung be-wollen gemeinsam eine Verbesserung; dannwusst ist. Das allgemeine Verständnis, dassgehen wir es auch gemeinsam an!Kommunen, Land, Träger, Eltern, Erzieher
dieses Schiff gemeinsam schaukeln müssen,Melanie Eichhorst,ist wünschenswert. Man darf nicht verges-Sprecherin der Kita-Initiative:sen, dass Kindertagesbetreuung eine kom-Ich habe noch eine Frage zur Männerqualifi-munale Aufgabe ist, der sich eine Reihe vonzierung: Es handelt sich ja um eine Art Mo-Kommunen in bemerkenswertem Ausmaßdellprojekt. Ich hätte auch gern einen Mannannehmen. Wir erleben allerdings auch häu-aus dieser Qualifizierungsmaßnahme infig das Pingpongspiel: Land, bitte regel’ dasmeiner Kita. Wo kriege ich den her? Und in-mal! Da findet eine Verantwortungshin- undwieweit ist angedacht, dieses Modellprojektherschieberei statt, die letztendlich zu einerfortzuführen?Blockade führt. Das wird bei der Vor- und
Nachbereitungszeit ähnlich passieren. JedeChristian Bethke:Stunde Vor- und Nachbereitungszeit, die wirWir sind gerade am Ende der zweiten Quali-landesgesetzlich regeln würden, müsstenfizierungsrunde. Die Abschlussarbeiten sindwir entsprechend dem Konnexitätsprinzipabgegeben, Ende August finden die Abschluss-zahlen, und zwar komplett und unabhängigprüfungen statt. Ich muss leider sagen: Die al-davon, ob es diese Stunde Vor- und Nachbe-lermeisten haben entweder bereits einen Ver-Frühkindliche Bildung29
28Brandenburg können Träger unser Konzept
übernehmen und selbst qualifizieren. Das
läuft langsam an, zum Beispiel werden auch
in einer Fachschule in Neuruppin Männer
3. Wir werden außerdem in Spree-Neiße einen neuen Durchlauf starten, der am 1. Januar 2011 beginnt. Ende des Jahres werden wir
eine Qualifizierung in Fürstenwalde in einer
Mixvariante, ähnlich wie in Spree-Neiße,
starten. Das heißt: zehn Männer, zehn Frauen. Uns ist das Antidiskriminierungsgesetz
auf die Füße gefallen.
trag in der Tasche oder Angebote bekommen.Wir gehen bei der Männerqualifizierung al-Wie wird es weitergehen mit der Männer-hen Anspruch an die Qualität. Wir haben unsqualifizierung?einen sehr guten Bildungsträger gesucht,ternative Wege, haben aber einen sehr ho-der die Maßnahme umsetzt. Wir haben auch
1. Es gibt inzwischen eine Koordinierungs-sehr qualifizierte Kitas. Es läuft ein regelrech-stelle der Bundesregierung zu mehr Män-tes Interessenbekundungsverfahren. Mittler-nern in der Kita, angesiedelt bei der Katho-weile hat sich dieses Programm der Männer-lischen Fachhochschule Berlin-Karlshorst.qualifizierung so herumgesprochen, dass wirDas heißt, es gibt auf der Bundesebene einhundert Bewerbungen im Jahr haben, die ei-Interesse daran zu schauen, inwieweit mannen Platz in dieser Qualifizierungsmaßnah-das Projekt bundesweit in irgendeiner Formme haben wollen. 90 Prozent unserer KitasimplementierenFamilienministe-signalisieren Interesse, an dieser Maßnahmerin Kristina Schröder hat sich das Projekt inteilzunehmen. Das spricht für die Qualität,Spree-Neiße gerade angeschaut.die dahinter steht. Ich möchte unterstrei-kann.chen, dass es sehr wichtig ist, Wertschätzung30	31	2. Seit vergangenem Jahr gibt es so genann-entgegenzubringen und die Leistung zute Rahmenvorgaben. Das heißt, im Landhonorieren. Ein paar Spielräume haben wirMärkische
2010auch im Kita-Gesetz. Beim Landkreis sind dieQualität in der TagespflegeChancen größer als auf Landesebene, zu gucken, wie wir das steuern können.Bei den sehr kleinen Kindern fangen wir
mit Selbstverständlichkeiten an. In den vie-Die Einbeziehung der Eltern ist wichtig; daslen Weiterbildungen, die die Tagesmütterwurde mehrfach angesprochen. Wir habenabsolvieren, ist mir aufgefallen, dass es we-im Land Brandenburg sehr gute Erfahrungennig Lehrmaterial für die Tagespflege gibt.mit dem Programm der Eltern-Kind-ZentrenVon uns Tagesmüttern wird in den meistengemacht. Wir machen jetzt dieselben Er-Fällen verlangt, dass wir Lehrmaterial vonfahrungen mit den Eltern-Kind-Gruppen.Kita- bzw. Krippenbereichen übernehmen.Vorher wurde die Frage aufgeworfen, wasWir müssen uns heraussuchen, was für unsals nächstes passieren sollte. Ich denke, espassend ist. Meine Frage wäre, ob für diebedarf einer weiteren Verbesserung des Per-Kindertagespflege die Möglichkeit besteht,sonalschlüssels. Ich habe die Hoffnung, dasseinen Lehrfilm zu bekommen, sodass die Ta-unsere Fachkräfte in den Einrichtungen sehrgespflege als adäquates Betreuungsangebotwohl einschätzen können, wie sie Vor- undzur Kita dargestellt wird und wir uns nichtNachbereitungszeiten sowie die Freistellungimmer hinter der Kita anstellen müssen.stricken. Die Mitarbeiter in den Einrichtungen können, denke ich, gut einschätzen, woMinister Rupprecht:sie ihre Schwerpunkte setzen, wenn manHerr Diskowski sagt, ein solcher Film kostetden Personalschlüssel weiter verbessert.enorm viel Geld. Wir haben die Filme zum
Thema Kita immer mit Partnern, beispielswei-Liane Greiser, Tagesmutter, Vorsitzende desse mit dem Bund, gemacht. Es wäre zu überle-Vereins „Kindertagespflege MOL“ e.V.:gen, ob man da jemanden ermitteln könnte.Mir ist aufgefallen: Es geht immer um Kitas.
Aber auch die Tagesmütter arbeiten nachDetlef Diskowski:Kriterien und Standards. Bei uns herrschtDas ist eine gute Idee. Ich finde auch daseine Art Familiensituation, in der alle Betei-Engagement der Tagespflegepersonen be-ligten, die Nachbarn, andere Bezugsperso-wundernswert, die sich zusammenschlie-nen, zusammen mit den Kindern lernen. Beißen und sich qualifizieren wollen. Sie habenuns machen die Kinder nicht irgendwelchegrundsätzlich Recht. Wir brauchen auch fürmathematischen Übungen, sondern es fängtSie unterstützendes Material. Wir überlegen,bei uns beim gemeinsamen Frühstück mitwo wir einen Partner gewinnen können, da-dem „Teller zählen“ an.mit ein solcher Film finanziert werden kann.Frühkindliche Bildung31
30Jutta Lieske MdL:wegen der knappen Ressourcen, aber auchUnser Bildungsminister wollte noch eineaus Gerechtigkeitsgründen vor dem Prob-Antwort auf das Thema Kontaktstunden Ki-lem: Welchen Kitas gibt man die Stunde?ta-Grundschule geben, das Frau Brückner inVielleicht denen ab sieben Erzieherinnen?ihrem Impulsreferat angesprochen hat.Schon 475 Wochenstunden bedeuten umgerechnet knapp 20 Vollzeitstellen, die manMinister Rupprecht:auch bezahlen muss. Im Kita-Bereich wärenWir haben damals den Schulen eine Stundees deutlich mehr, dreimal so viel oder nochfür die Umsetzung von GorBiK gegeben undmehr. Das ist die Hürde. Eine Wochenstun-den Kitas nicht – und ich hatte ein schlech-de klingt für jemanden, der aus der anderentes Gewissen. Ich dachte, die Schulen wür-Perspektive guckt, mickrig. Aber wenn manden nach viel mehr verlangen, und ich habees addiert und unter dem Strich die Summenmich gewundert, dass wir stattdessen dafürsieht, die es kostet, sieht es anders aus.Lob geerntet haben. Es wurde gesagt: „Das
ist eine Motivation. Wir können das an einerPetra Brückner:Kollegin festmachen, die eine Aufgabe be-Die Kitas würden sich auch die entsprechen-kommt, die auch abrechenbar ist.“ Ich wolltede Motivation wünschen. Dafür, dass es die-damit diesen trägeren Teil, ohne Schulschel-se Stunde immerhin seit einem Jahr gibt,te zu betreiben zu wollen, im System moti-gibt es immer noch sehr viele Schulen, dievieren, von sich aus auf Kitas zuzugehen,Zusammenarbeit so definieren, dass sie unsum wirklich Kooperation zu betreiben. Wireinmal im Jahr ein DIN-A-4-Blatt mit Termi-haben in Brandenburg 475 Grundschulennen herüberreichen, an denen wir uns bitteund 1.750 Kitas. Wir stünden wahrscheinlichzu orientieren haben.
Herr Schwochow:Ausgaben des Landes für
KinderbetreuungIch möchte Ihnen auch ein herzliches Dankeschön dafür mit auf den Weg geben, dass+ 37 %Sie sich in dieser schwierigen Situation in der137 Mio Euro149 Mio Euro158 Mio Euro188 Mio Euro2008200920102011*
* geplantQuelle: Ministerium für Bildung, Jugend und Sport;
Kartografie: Landesamt für Bauen und Verkehr32	33	Märkische
2010SPD beim Thema Elternbeitragsfreiheit so
standhaft gezeigt haben. Denn wenn es um
Prioritätensetzung geht, kann ich nur sagen:
Wir sind als freie Träger da deutlich an Ihrer
Seite. Für Bürger mit geringem Einkommen
gibt es Mechanismen, um einen sozialver-träglichen Zugang zu Kitas zu gewährleisten.Gruppen Rechtsansprüche erfüllt werden,Eine generelle Beitragsfreiheit, wie sie ande-und das passiert auch. Auch die finanziellere Bundesländer einführen, scheint uns aktu-Förderung ist da. Mit der Förderung versu-ell nicht auf der Tagesordnung zu stehen.chen wir, die Akzeptanz dafür zu stärken.Aber ich muss Frau Schulz widersprechen:Wir erleben in den Eltern-Kind-Gruppen –Ich habe Ihren Worten entnommen, dassdeswegen werden sie gefördert –, dass dieFüttern, Wickeln und Freispiel pädagogischEltern, wenn die erst einmal mitgemacht ha-so wenig anspruchsvoll seien, dass das Nicht-ben, gar nicht mehr gehen wollen.Fachkräfte machen könnten. Dem muss ich
widersprechen. Gerade bei kleineren Kin-Man muss Akzeptanz schaffen bei Eltern,dern sind Wickel- oder Essenssituationenbei Bürgermeistern und auch bei den Fach-Momente einer intensiven Kommunikation.leuten. Die Entwicklung von Eltern-Kind-Und eine starke, belastbare Beziehung istZentren zu Eltern-Kind-Gruppen wird einedie Grundvoraussetzung für vernünftige Bil-tragende Säule sein, mit der wir die Rechts-dungsarbeit. Dass man das Geringer-Qualifi-ansprüche ab 2013 preiswerter und nachhal-zierten übertragen könnte, entspricht nichttiger erfüllen werden. Sie sind Bildungs- undunserem Qualitätsanspruch.Begegnungsangebote für Eltern und Kinder,
für alle die, die nicht darauf angewiesen sind,Drei Fragen will ich stellen. Erstens: Wietagsüber weg zu sein. Da müssen wir diekommen wir bei den Eltern-Kind-GruppenLeistung der Eltern nicht ersetzen.zu einer verlässlichen langfristigen Lösung?
Wenn besonders Kinder aus schwierigenMarina Schulz:Familien dort gefördert werden, müssen sieWir haben in den Kindertagesstätten Leuteuns besonders viel wert sein. Schließlich sollerlebt, die zum Beispiel über MAE nur kurzzei-der Brandenburger Anspruch, keinen zurück-tig bei uns eingesetzt waren. Einige davon –zulassen, weiterhin gelten.das muss eine spezielle Auswahl sein – hatten
einfach Herz und Verstand für die BetreuungDetlef Diskowski:von Kindern. Im Segment der 0- bis 3-JährigenIm Gegensatz zu den Mehrgenerationen-haben wir in der Tagespflege auch Männerhäusern des Bundes versuchen wir Struktur-und Frauen, die Kinder in einem nichtöffent-politik zu machen. Wir versuchen eine Säulelichen Raum betreuen und gute Arbeit leisten.der Kindertagesbetreuung zu entwickeln, fürSie absolvieren im ersten Schritt eindie es ja schon gesetzliche Grundlagen gibt.104-Stunden-Programm, danach müssen sieNach Landesrecht können durch Eltern-Kind-weitere Fortbildungen besuchen. In diesemFrühkindliche Bildung33
32Umfang können wir es uns tatsächlich vor-erwirtschaften kann, kommt man immerstellen, aber wie gesagt nur unterstützend,wieder zu der Erkenntnis, dass das ein Mär-zusätzlich zu den pädagogischen Fachkräf-chen ist. Die Durchschnittslöhne sind ähn-ten, nicht als Ersatz.lich. In der Lausitz verschlechtern sich die
Männer nicht, wenn sie den ErzieherberufDetlef Diskowski:wählen. Vielleicht verhält sich das in den al-Ich glaube, das Problem, das Herr Schwochowten Bundesländern anders, aber für Branden-hatte, ist eher die Differenzierung von be-burg ist es wahrscheinlich nicht der Fall.stimmten Aufgaben. Ich glaube, dass wir
eine ehrliche Diskussion führen müssen. WirWas die soziale Anerkennung betrifft, könntekönnen nicht auf der einen Seite sagen, wirman sicherlich diskutieren. Auch Erzieherin-hätten ein riesiges Fachkräfteproblem, undnen gehen uns verloren. Aber wir haben kei-auf der anderen Seite fordern, jeder Mitar-ne Statistik über die Gründe. Wir wissen nur,beiter muss mindestens sechs Jahre studiertdass die gut ausgebildeten Frauen Branden-haben. Multiprofessionelle Teams zu habenburg gen Westen verlassen. Aber das ist einheißt eben auch, Menschen unterschiedli-allgemeines demografisches Problem.cher Profession zulassen.
Herr Schwochow:
Herr Schwochow:Hier stand unter dem Stichwort Leitungs-Zum Thema Fachkräftenachwuchs: Wiefreistellung die Einrichtungsgröße von 200kommt es eigentlich, dass in relativ großerKindern im Raum. Die Anfrage an die Lan-Zahl Leute ausgebildet werden, die danndesregierung und die politisch Verantwortli-durchschnittlich relativ kurz in dem Berufs-chen lautet: Gibt es eine Präferenz im Landfeld bleiben? Die geringe Männerquote istfür sehr große Einrichtungen?sicherlich auch eine Frage der Bezahlung und
der Stellenumfänge.Jutta Lieske MdL:
Ich sage aus unserer Sicht: Eine Präferenz34	35	Christian Bethke:für eine bestimmte Größe von Kindertages-Ich möchte mich noch einmal kurz äußern,einrichtungen im Kontext mit der Leitungs-weil sich das Gerücht hartnäckig hält, dassfreistellung gibt es in unseren Köpfen nochdie Männer nicht kämen, weil es zu wenignicht. Dazu müssten wir sicherlich noch vieleGeld gäbe. Guckt man sich die StatistikenFachgespräche miteinander führen.und die Durchschnittserträge an, die man alsEs heißt jetzt, einen Ausblick für die ZukunftErzieher oder als Kfz-Schlosser oder Maurerzu geben. Wir haben gesagt: Mit der Geset-Märkische
2010zesänderung gehen wir den ersten Schritt.die nächsten sein, und wie können wir dieIch kann noch nicht genau in Aussicht stel-Probleme lösen?len, wann der zweite Schritt gegangen wird.
Deshalb ist der heutige Tag nicht als AbDie SPD-Landtagsfraktion wird ab Septem-schluss zu betrachten. Es ist wichtig, dassber 2010 durchs Land ziehen und sich mitwir stets und ständig im Gespräch bleiben,den Kita-Erzieherinnen und all jenen, die anum uns diesem wichtigen Zukunftsthema zufrühkindlicher Bildung interessiert sind, inswidmen.Gespräch begeben, um genau herauszufiltern: Welche vordringlichsten Schritte sollenAnteil der Kinder ab 3 Jahren bis zum Schuleintritt
nach Gruppentyp und Personalschlüssel nach Gruppentyp
15.3.2008; Ländervergleich*
Deutschland (ohne Berlin)11,0%
1:12,317,7%
1:9,911,6%
1:13,056,2%
1:12,112,6%
1:8,615,4%
1:12,415,2%71,7%
1:13,416,2%
1:9,413,6%
1:10,966,2%
1:12,615,5%
1:8,919,7%
1:12,14,1%63,1%
1:11,67,9%21,5%
1:9,425,7%
1:9,3Gruppentyp 2
Kindergarten alterserweitert
2 J. bis Schuleintritt55,2%
1:12,411,2%
1:7,72,2%6,1%58,7%
1:9,8Gruppentyp 3
Gruppentyp 4
0 J. bis Schuleintritt
3 J. bis Schuleintritt3,6%4,4%
4,7%Einrichtungen ohne feste
Gruppenstruktur: die Ausweisung
eines gruppenbezogenen Personalschlüssels ist nicht sinnvoll.* In Berlin werden fast alle Einrichtungen statistisch als Einrichtungen ohne feste Gruppenstruktur erfasst, auch wenn
in Einrichtungen mit einer festen Gruppenstruktur gearbeitet wir. Aus diesem Grund werden für Berlin keine
Werte ausgewiesen.
1 : x = Durchschnittlicher Personalschlüssel
Länderreport 2009 P12-7Frühkindliche Bildung35
34Brandenburger Kindertagesstättengesetz
vom 5. Juli 2010Abschnitt 1
(1) Die Kindertagesbetreuung gewährleistet die Vereinbarkeit von Familie und Beruf und dient
dem Wohl und der Entwicklung der Kinder.
(2) Kinder vom vollendeten dritten Lebensjahr bis zur Versetzung in die fünfte Schuljahrgangsstufe haben einen Rechtsanspruch auf Erziehung, Bildung, Betreuung und Versorgung in Kindertagesstätten, der auch nach Maßgabe des Absatzes 4 erfüllt werden kann. Kinder bis zum
vollendeten dritten Lebensjahr und Kinder der fünften und sechsten Schuljahrgangsstufe haben einen Rechtsanspruch, wenn ihre familiäre Situation, insbesondere die Erwerbstätigkeit,
die häusliche Abwesenheit wegen Erwerbssuche, die Aus-und Fortbildung der Eltern oder ein
besonderer Erziehungsbedarf Tagesbetreuung erforderlich macht. Kinder bis zum vollendeten
dritten Lebensjahr sollen auch nach Wegfall der Anspruchsvoraussetzungen im Umfang der
Mindestbetreuungszeit weiter betreut werden.
(3) Der Anspruch nach Absatz 2 ist für Kinder im Alter bis zur Einschulung mit einer Mindestbetreuungszeit von sechs Stunden und für Kinder im Grundschulalter mit einer Mindestbetreuungszeit von vier Stunden erfüllt. Längere Betreuungszeiten sind zu gewährleisten, wenn die
familiäre Situation des Kindes, insbesondere die Erwerbstätigkeit, die häusliche Abwesenheit
wegen Erwerbssuche, die Aus-und Fortbildung der Eltern oder ein besonderer Erziehungsbedarf dies erforderlich macht.
(4) Art und Umfang der Erfüllung des Anspruchs soll dem Bedarf des Kindes entsprechen. Bedarfserfüllend können für Kinder bis zum vollendeten dritten Lebensjahr und für Kinder im
Grundschulalter auch Kindertagespflege, Spielkreise, integrierte Ganztagsangebote von Schule und Kindertagesbetreuung oder andere Angebote sein, wenn sie der familiären Situation36	37	Märkische
2010der Kinder Rechnung tragen und im jeweils erforderlichen Rahmen die Aufgaben und Ziele
nach § 3 gewährleisten.
(1) Kindertagesbetreuung dient der Erziehung, Bildung, Betreuung und Versorgung von Kindern bis zum Ende des Grundschulalters. Die Aufgabe kann in Kindertagesstätten, in Kindertagespflege sowie im Verbund oder in Kombination mit anderen Angeboten der Kinder-und
Jugendhilfe, des Schul-und Sozialwesens durchgeführt werden. Integrierte Angebote von
Schule und Kindertagesbetreuung verbinden die Bildungs-, Freizeit-und Spielangebote beider Einrichtungen und fassen sie zu einem ganzheitlichen, an den Lebenssituationen und
Entwicklungsmöglichkeiten der Kinder orientierten Ganztagsangebot zusammen. Spielkreise
sind Betreuungsangebote in Verantwortung der Eltern, die durch Fachkräfte unterstützt und
zeitweise angeleitet werden.
(2) Kindertagesstätten sind sozialpädagogische familienergänzende Einrichtungen der Jugendhilfe, in denen auch behinderte und von Behinderung bedrohte Kinder tagsüber gefördert, erzogen, gebildet, betreut und versorgt werden. Kindertagesstätten sollen möglichst als
Einrichtungen für verschiedene Altersstufen errichtet und betrieben werden.
(3) Kindertagespflege dient der Betreuung von Kindern im Haushalt der Tagespflegeperson,
des Personensorgeberechtigten oder in anderen geeigneten Räumen, insbesondere von jüngeren Kindern oder im Rahmen eines besonderen Betreuungsbedarfs.
(4) Die im Folgenden für Kindertagesstätten bestimmten Vorschriften dieses Gesetzes gelten
für die anderen Formen der Kindertagesbetreuung entsprechend.
(1) Kindertagesstätten erfüllen einen eigenständigen alters-und entwicklungsadäquaten
Betreuungs-, Bildungs-, Erziehungs-und Versorgungsauftrag. Die Bildungsarbeit der Kindertagesstätte unterstützt die natürliche Neugier der Kinder, fordert ihre eigenaktiven Bil-Frühkindliche Bildung37
36dungsprozesse heraus, greift die Themen der Kinder auf und erweitert sie. Sie ergänzen und
unterstützen die Erziehung in der Familie und ermöglichen den Kindern Erfahrungen über den
Familienrahmen hinaus. Die gemäß § 23 Abs. 3 vereinbarten Grundsätze über die Bildungsarbeit in Kindertagesstätten bilden den für alle Einrichtungen verbindlichen Rahmen. Der eigenständige Bildungs-und Erziehungsauftrag der Kindertagesstätten schließt ein, die Kinder in
geeigneter Form auf die Grundschule vorzubereiten. Die Kindertagesstätten sind berechtigt
und verpflichtet, bei den von ihnen betreuten Kindern im letzten Jahr vor der Einschulung den
Sprachstand festzustellen und, soweit erforderlich, Sprachförderkurse durchzuführen. Einrichtungen in freier Trägerschaft können diese Aufgabe auch für Kinder durchführen, die in keinem
Betreuungsverhältnis zu einer Kindertageseinrichtung stehen; kommunale Einrichtungen
sind hierzu verpflichtet. Die Durchführung der Sprachstandsfeststellung und Sprachförderung
lässt Leistungsverpflichtungen anderer Sozialleistungsträger unberührt.
1.	die Entwicklung der Kinder durch ein ganzheitliches Bildungs-, Erziehungs-, Betreu-ungs- und Versorgungsangebot zu fördern,
2.	den Kindern Erlebnis-, Handlungs-und Erkenntnismöglichkeiten ausgehend von ih-ren Bedürfnissen in ihrem Lebensumfeld zu erschließen,
3.	die Eigenverantwortlichkeit und Gemeinschaftsfähigkeit der Kinder zu stärken, unteranderem durch eine alters-und entwicklungsgemäße Beteiligung an Entscheidungen in
der Einrichtung,
4.	die Entfaltung der körperlichen, geistigen und sprachlichen Fähigkeiten der Kindersowie ihrer seelischen, musischen und schöpferischen Kräfte zu unterstützen, regelmäßig
den Entwicklungsstand der Kinder festzustellen und dem Kind Grundwissen über seinen
Körper zu vermitteln,
5.	die unterschiedlichen Lebenslagen, kulturellen und weltanschaulichen Hintergrün-de sowie die alters-und entwicklungsbedingten Bedürfnisse der Jungen und Mädchen zu
berücksichtigen; in dem angestammten sorbischen (wendischen) Siedlungsgebiet für die
sorbischen (wendischen) Kinder die Vermittlung und Pflege der sorbischen (wendischen)
Sprache und der sorbischen (wendischen) Kultur zu gewährleisten,
6.	das gleichberechtigte, partnerschaftliche, soziale und demokratische Miteinandersowie das Zusammenleben von Kindern mit und ohne Behinderungen zu fördern,
7.	38	39	eine gesunde Ernährung und Versorgung zu gewährleisten,Märkische
20108.	einen verantwortungsvollen Umgang mit der Umwelt zu vermitteln und einen nachökologischen Gesichtspunkten gestalteten Lernort zu bieten.
(3) Die Umsetzung der Ziele und Aufgaben wird in einer pädagogischen Konzeption beschrieben, die in jeder Kindertagesstätte zu erarbeiten ist. In dieser Konzeption ist ebenfalls zu beschreiben, wie die Grundsätze elementarer Bildung Berücksichtigung finden und die Qualität
der pädagogischen Arbeit überprüft wird.
(4) Die Kindertagesstätten können durch die örtlichen Träger der öffentlichen Jugendhilfe verpflichtet werden, ihre Arbeit durch Qualitätsfeststellungen überprüfen zu lassen.Abschnitt 2
(1) Die Kindertagesstätte hat ihren Auftrag in enger Zusammenarbeit mit der Familie und anderen Erziehungsberechtigten durchzuführen. Mit anderen Einrichtungen und Diensten sollen
sich die Kindertagesstätten zum Wohl der Kinder unter Beachtung des Rechts auf informationelle Selbstbestimmung des Kindes und seiner Erziehungsberechtigten abstimmen. Insbesondere ist der Kinder-und Jugendgesundheitsdienst des Gesundheitsamtes im Rahmen der
Gesundheitsvorsorge gemäß § im Einvernehmen mit den Erziehungsberechtigten auf Entwicklungsbeeinträchtigungen des Kindes hinzuweisen. Der Übergang zur Schule und die Betreuung und Förderung schulpflichtiger Kinder soll durch eine an dem Entwicklungsstand der
Kinder orientierte Zusammenarbeit mit der Schule erleichtert werden.
(2) Die demokratische Erziehung der Kinder setzt die Beteiligung von Eltern und sonstigen Erziehungsberechtigten, Erziehern und Erzieherinnen an allen wesentlichen Entscheidungen der
Tagesstätten voraus und verlangt das demokratische Zusammenwirken aller Beteiligten. § 4
Abs. Satz 2 des Achten Buches Sozialgesetzbuch bleibt hiervon unberührt.Frühkindliche Bildung39
(2) Der Träger sichert die Information aller Beschäftigten zur Wahrnehmung ihrer Aufgaben in der
Kindertagesstätte und die erforderliche fachliche Abstimmung zwischen seinen Kindertagesstätten.
(1) Die Eltern und anderen Erziehungsberechtigten sind an der Konzeptionsentwicklung und
Fragen ihrer organisatorischen Umsetzung in der Arbeit der Kindertagesstätte zu beteiligen.
Hospitationen von Eltern in der Kindertagesstätte, ihre Anwesenheit während der Eingewöhnungsphase und ihre Beteiligung bei gemeinsamen Unternehmungen sind zu fördern.
(2) Die Eltern und sonstigen Erziehungsberechtigten der Kinder einer Kindertagesstätte bilden
die Elternversammlung. In Einrichtungen mit mehreren Gruppen können die Elternversammlungen auf Gruppenebene stattfinden.
(3) Die Elternversammlungen dienen der gegenseitigen Information über die Situation der
(4) Die Elternversammlung kann vom Träger und in pädagogischen Fragen von den Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen Auskunft über alle die Einrichtung betreffenden Angelegenheiten
verlangen. Die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen erörtern mit den Eltern die Grundlagen, Ziele
und Methoden ihrer pädagogischen Arbeit und stimmen sie mit ihnen ab.
(1) In jeder Kindertagesstätte soll ein Kindertagesstätten-Ausschuss gebildet werden. Er be-40	41	Märkische
2010steht zu drei gleichen Teilen aus Mitgliedern, die vom Träger benannt sind, und aus Mitgliedern, die aus dem Kreis der Beschäftigten und dem Kreis der Eltern gewählt werden.
(2) Der Kindertagesstätten-Ausschuss beschließt über pädagogische und organisatorische Angelegenheiten der Kindertagesstätte, insbesondere über die pädagogische Konzeption und er
berät den Träger hinsichtlich bedarfsgerechter Öffnungszeiten. Die Finanzhoheit des Trägers,
seine personalrechtliche Zuständigkeit und seine Selbstständigkeit in Zielsetzung und Durchführung der Aufgaben bleiben hiervon unberührt.Abschnitt 3
(2) Erfolgt die Gliederung der Kindertagesstätte insgesamt oder die Gliederung der Gruppen
nach dem Alter der Kinder, so ist durch geeignete Maßnahmen darauf hinzuwirken, den Kindern Erfahrungen im Zusammenleben mit anderen Altersgruppen zu ermöglichen.
(3) Die Organisation der Kindertagesstätte sowie die Gestaltung des Dienstplanes und des
Tagesablaufes soll Kontinuität und Verlässlichkeit der Beziehungen zwischen pädagogischen
Kräften und Kindern gewährleisten.
Die Kindertagesstätten sollen bedarfsgerechte Öffnungszeiten anbieten, die am Kindeswohl
orientiert sind. Der Lebensrhythmus der Kinder, die Arbeitszeiten von Eltern, die Bedürfnisse der Eltern der aufzunehmenden Kinder sowie die Schul-und Ferienzeiten sind zu berücksichtigen. Die Festlegung der Öffnungszeiten erfolgt nach Anhörung der Beauftragten für dieFrühkindliche Bildung41
40Gleichstellung von Frau und Mann. Unabhängig von der Öffnungszeit der Einrichtung soll die
Betreuungszeit der Kinder die Erfüllung des Erziehungs-, Bildungs-, Betreuungs-und Versorgungsauftrags ermöglichen und ihrem Alter, ihrem Entwicklungsstand sowie ihren Bedürfnissen entsprechen. Sie sollte in der Regel zehn Stunden nicht überschreiten.
(1) Kindertagesstätten müssen über die notwendige Zahl geeigneter pädagogischer Fachkräfte
verfügen. Die Bemessungsgröße für die pädagogische Arbeit im Rahmen der Mindestbetreuungszeit gemäß § Abs. 3 Satz ist: 0,8 Stellen einer pädagogischen Fachkraft für jeweils sechs
Kinder im Alter bis zur Vollendung des dritten Lebensjahres, 0,8 Stellen einer pädagogischen
Fachkraft für jeweils 2 Kinder nach Vollendung des dritten Lebensjahres bis zur Einschulung
und 0,6 Stellen einer pädagogischen Fachkraft für 5 Kinder im Grundschulalter. Die Bemessungsgröße für verlängerte Betreuungszeiten gemäß § Abs. 3 Satz 2 ist: eine pädagogische
Fachkraft für jeweils sechs Kinder im Alter bis zur Vollendung des dritten Lebensjahres, eine
pädagogische Fachkraft für jeweils 2 Kinder nach Vollendung des dritten Lebensjahres bis zur
Einschulung und 0,8 Stellen einer pädagogischen Fachkraft für 5 Kinder im Grund-schulalter.
(4) Die Träger der öffentlichen und freien Jugendhilfe und die Träger der Einrichtungen sorgen
durch Fortbildung und Praxisberatung dafür, dass die berufliche Eignung der Mitarbeiter aufrechterhalten und weiterentwickelt wird.
(1) Der Träger der Einrichtung oder die Tagespflegeperson hat den öffentlichen Gesundheitsdienst dabei zu unterstützen, dass alle in Kindertagesbetreuung befindlichen Kinder in Ergän-42	43	Märkische
2010zung sonstiger Vorsorgeangebote gemäß dem Brandenburgischen Gesundheitsdienstgesetz
ärztlich und zahnärztlich untersucht werden, der Impfstatus überprüft und eine Schließung
von Impflücken angeboten wird. Diese Vorsorgemaßnahmen sollen grundsätzlich in der Kindertagesstätte durchgeführt werden.
(2) Jedes Kind muss, bevor es erstmalig in Kindertagesbetreuung aufgenommen wird, ärztlich
untersucht werden. Eine Aufnahme erfolgt nur, wenn gesundheitliche Bedenken nicht bestehen. Im Rahmen der Aufnahmeuntersuchung wird der Impfstatus überprüft und eine Schließung von Impflücken angeboten.
(4) Aus Gründen der Gesundheitsvorsorge und der Suchtvorbeugung darf in Kindertagesstätten und auf deren Gelände nicht geraucht werden.Abschnitt 4
(1) Der örtliche Träger der öffentlichen Jugendhilfe hat die Aufgabe, die Kindertagesbetreuung
nach § zu gewährleisten. Kreisangehörige Gemeinden und Ämter können sich durch öffentlich-rechtlichen Vertrag verpflichten, in ihrem Gebiet die Aufgabe für den örtlichen Träger der
öffentlichen Jugendhilfe durchzuführen; die örtliche Trägerschaft der öffentlichen Jugendhilfe bleibt davon unberührt. In dem öffentlich-rechtlichen Vertrag ist die Kostenerstattung zu
regeln. Er ist durch den örtlichen Träger der öffentlichen Jugendhilfe öffentlich bekannt zu
machen und dem für Jugend zuständigen Mitglied der Landesregierung anzuzeigen. Die Vorschriften des Gesetzes über die kommunale Gemeinschaftsarbeit finden keine Anwendung.
(2) Kinder mit einem besonderen Förderbedarf nach den §§ 27, 35a des Achten Buches Sozialge-Frühkindliche Bildung43
42setzbuch oder den §§ 53, 54 des Zwölften Buches Sozialgesetzbuch sind in Kindertagesstätten
aufzunehmen, wenn eine diesem Bedarf entsprechende Förderung und Betreuung gewährleistet werden können. Die Gruppengröße und die personelle Besetzung in diesen Gruppen
sind den besonderen Anforderungen im Einzelfall anzupassen.
(3) Der örtliche Träger der öffentlichen Jugendhilfe stellt im Benehmen mit den Trägern der
freien Jugendhilfe und den Gemeinden einen Bedarfsplan für die Kindertagesbetreuung auf
und schreibt ihn rechtzeitig fort. Der Bedarfsplan weist die Einrichtungen aus, die zur Erfüllung
des Rechtsanspruchs gemäß § 1 als erforderlich erachtet werden. Hierbei sind die Realisierung
des Förderauftrages gemäß § 3 dieses Gesetzes sowie der §§ 22 und 22a des Achten Buches
Sozialgesetzbuch, die Erreichbarkeit, die tatsächliche Inanspruchnahme und das Wunsch-und
Wahlrecht der Leistungsberechtigten nach § 5 des Achten Buches Sozialgesetzbuch zu beachten.
(1) Träger von Einrichtungen der Kindertagesbetreuung sind Träger der freien Jugendhilfe, Gemeinden und Gemeindeverbände. Träger einer Einrichtung der Kindertagesbetreuung können
auch sonstige Behörden, Körperschaften oder Anstalten des öffentlichen Rechts sowie Betriebe und andere private Einrichtungen sein. Der Träger der Einrichtung ist zur Toleranz und zum
Respekt der unterschiedlichen religiösen und weltanschaulichen Einstellungen der Kinder und
ihrer Eltern verpflichtet.
(2) Der Träger muss bereit und in der Lage sein, bedarfsgerechte und geeignete Einrichtungen
nach den Vorschriften dieses Gesetzes zu betreiben und eine angemessene Eigenleistung zu
erbringen. Er hat bei Bedarf seine Einrichtung für alle Kinder unabhängig von ihrem religiösen44	45	Märkische
2010und weltanschaulichen Hintergrund zu öffnen, insbesondere dann, wenn nur eine Einrichtung
in erreichbarer Nähe ist.
(1) Betriebskosten im Sinne dieses Gesetzes sind die angemessenen Personal-und Sachkosten,
die durch den nach § 45 Abs. 1 Satz 1 des Achten Buches des Sozialgesetzbuches erlaubten
Betrieb einer Tageseinrichtung für Kinder entstehen, die die Voraussetzungen dieses Gesetzes
erfüllt und grundsätzlich allen Kindern offen steht.
(2) Personalkosten im Sinne dieses Gesetzes sind die Aufwendungen des Trägers der Einrichtung für die Vergütung des Personals nach den Bestimmungen des Tarifvertrages für den öffentlichen Dienst oder vergleichbarer Vergütungsregelungen einschließlich des gesetzlichen
Arbeitgeberanteils zur Sozialversicherung.
(1) Die Kosten der Kindertagesbetreuung werden durch Eigenleistungen des Trägers, durch
Elternbeiträge, durch die Gemeinde sowie durch Zuschüsse des örtlichen Trägers der öffentlichen Jugendhilfe gedeckt. Örtlich zuständig für die Gewährung der Zuschüsse nach den
Absätzen 2 und 3 ist jeweils die Gebietskörperschaft, in deren Zuständigkeitsbereich die Einrichtung gelegen ist. Erfolgt eine Unterbringung grundsätzlich oder in ihrem zeitlichen oder
qualitativen Umfang aufgrund der §§ 27, 35 a des Achten Buches Sozialgesetzbuch oder der §§
53, 54 des Zwölften Buches Sozialgesetzbuch, so trägt der nach diesen Vorschriften Verpflichtete die hierdurch entstehenden Mehrkosten. Einrichtungen, die nicht die Voraussetzungen
dieses Gesetzes erfüllen oder die nicht grundsätzlich allen Kindern offen stehen, können von
der Finanzierung ganz oder teilweise ausgeschlossen werden.
(2) Der örtliche Träger der öffentlichen Jugendhilfe gewährt dem Träger der Kindertagesstätte einen Zuschuss zu den Kosten des notwendigen pädagogischen Personals der Einrichtung,
das zur Erfüllung der Verpflichtungen gemäß § 1 erforderlich ist. Der Zuschuss beträgt 86,3
Prozent dieser Kosten für jedes betreute Kind im Alter bis zum vollendeten dritten Lebens-Frühkindliche Bildung45
44jahr, 85,2 Prozent dieser Kosten für jedes betreute Kind vom vollendeten dritten Lebensjahr
bis zur Einschulung und 84 Prozent dieser Kosten für jedes betreute Kind im Grundschulalter.
Dieser Zuschuss wird höchstens für die Anzahl des tatsächlich beschäftigten pädagogischen
Personals gewährt. Bemessungsgröße sind die Durchschnittssätze der jeweils gültigen Vergütungsregelung. Zusätzlich wird ein pauschalierter Zuschuss für die Sprachstandsfeststellung
und Sprachförderung gemäß § 3 Abs. 1 Satz 6 und 7 gewährt, der sich an der Zahl der Kinder im
Alter vom vollendeten dritten Lebensjahr bis zur Einschulung orientiert. Der örtliche Träger der
öffentlichen Jugendhilfe kann diesen zusätzlichen Zuschuss hiervon abweichend insbesondere nach sozialen Kriterien bemessen.
(3) Die Gemeinde stellt dem Träger einer gemäß § 2 Abs. 3 Satz 2 erforderlichen Kindertagesstätte das Grundstück einschließlich der Gebäude zur Verfügung und trägt die bei sparsamer
Betriebsführung notwendigen Bewirtschaftungs-und Erhaltungskosten für Gebäude und
Grundstücke. Zusätzlich soll die Gemeinde für den Träger einer gemäß § 2 Abs. 3 Satz 2 erforderlichen Kindertagesstätte, der auch bei sparsamer Betriebsführung und nach Ausschöpfung
aller zumutbaren Einnahmemöglichkeiten aus dem Betrieb der Kindertagesstätte nicht in der
Lage ist, die Einrichtung weiter zu führen, den Zuschuss erhöhen.
(5) Für Kinder, die aufgrund des Wunsch-und Wahlrechts der Leistungsberechtigten nach §
5 des Achten Buches des Sozialgesetzbuches in Kindertagesstätten außerhalb des eigenen
Wohnorts aufgenommen werden, hat die Wohnortgemeinde auf Verlangen der aufnehmenden Gemeinde einen angemessenen Kostenausgleich zu gewähren. Gleiches gilt für den Kostenausgleich zwischen Gemeindeverbänden.
(6) Das Land beteiligt sich an den Kosten der Kindertagesbetreuung durch einen zweckgebundenen Zuschuss an die örtlichen Träger der öffentlichen Jugendhilfe. Im Jahr 2010 stellt das
Land den Betrag von 153.591.100 Euro zweckgebunden zur Finanzierung der Kindertagesbetreuung zur Verfügung. Für die Verteilung dieses Betrages werden die Zahlen der Kinder im Alter bis zur Vollendung des zwölften Lebensjahres gemäß der amtlichen Statistik des Amtes für
Statistik Berlin-Brandenburg zum Stichtag 31. Dezember des jeweils vorletzten Jahres angesetzt. Zusätzlich stellt das Land im Jahr 2010 zweckgebunden 4 351 000 Euro zum Ausgleich der46	47	Märkische
2010Aufgaben gemäß § 1 Absatz 2 Satz 3 und § 3 Absatz 1 Satz 6 und 7 zur Verfügung. Dieser Betrag
wird hälftig verteilt nach der Zahl der Kinder bis zum vollendeten sechsten Lebensjahr gemäß
der amtlichen Statistik des Amtes für Statistik Berlin-Brandenburg zum Stichtag 31. Dezember des jeweils vorletzten Jahres sowie der Zahl der vom öffentlichen Gesundheitsdienst im
Rahmen der Untersuchungen zur Schulfähigkeit ausgewiesenen Kinder mit niedrigem Sozialstatus des jeweils letzten Jahres. Die Landeszuschüsse werden im Zwei-Jahres-Rhythmus, erstmalig im Jahr 2011, der Kinderzahl und der Personalkostenentwicklung sowie dem Umfang des
Tagesbetreuungsangebotes angepasst. Für die Landeszuschüsse der Jahre 2011 und 2012 wird
der Betrag von 36.132.600 Euro nicht der Kinderzahl und der Personalkostenentwicklung sowie dem Umfang des Tagesbetreuungsangebotes angepasst. Dem Land ist die zweckgemäße
Verwendung der Mittel durch den örtlichen Träger der öffentlichen Jugendhilfe nachzuweisen.
(1) Die Personensorgeberechtigten haben Beiträge zu den Betriebskosten der Einrichtungen
(Elternbeiträge) sowie einen Zuschuss zur Versorgung des Kindes mit Mittagessen in Höhe
der durchschnittlich ersparten Eigenaufwendungen zu entrichten (Essengeld). Die Elternbeiträge beziehen sich auf alle mit der Erziehung, Bildung, Betreuung und Versorgung des Kindes
verbundenen Leistungen. Für Kinder, deren Personensorgeberechtigten für diese Kinder Hilfe
nach den §§ 33, 34 des Achten Buches Sozialgesetzbuch erhalten, übernimmt der für diese
Leistung zuständige örtliche Träger der öffentlichen Jugendhilfe die Elternbeiträge in Höhe des
Durchschnitts der Elternbeiträge des Trägers.
(2) Die Elternbeiträge sind sozialverträglich zu gestalten und nach dem Elterneinkommen, der
Zahl ihrer unterhaltsberechtigten Kinder sowie dem vereinbarten Betreuungsumfang zu staffeln.
(3) Die Elternbeiträge werden vom Träger der Einrichtung festgelegt und erhoben. Über die
Grundsätze der Höhe und Staffelung der Elternbeiträge ist Einvernehmen mit dem örtlichen
Träger der öffentlichen Jugendhilfe herzustellen. Gemeinden oder Gemeindeverbände als Träger der Einrichtungen können die Elternbeiträge und das Essengeld durch Satzung festlegen
und als Gebühren erheben.Frühkindliche Bildung47
46§ 18
(1) Wird eine geeignete Tagespflegeperson durch den örtlichen Träger der öffentlichen Jugendhilfe vermittelt und ist die Förderung des Kindes in Kindertagespflege für sein Wohl
geeignet und erforderlich oder wird eine selbst organisierte Tagesbetreuung nachträglich
als geeignet und erforderlich anerkannt, so übernimmt der örtliche Träger der öffentlichen
Jugendhilfe die entstehenden Aufwendungen einschließlich der Abgeltung des Erziehungsaufwandes.
(3) Zwischen der Tagespflegeperson, den Personensorgeberechtigten und dem örtlichen Träger
der öffentlichen Jugendhilfe sind jeweils die Rechte und Pflichten, die sich aus der Kindertagespflege ergeben, vertraglich zu regeln, insbesondere
1.	die Erstattung der Aufwendungen einschließlich der Abgeltung des Erziehungsauf-wandes,
2.	der Abschluss einer Unfall-und Haftpflichtversicherung für Schäden, die im Zusam-menhang mit der Kindertagespflege eintreten können,
3.	der Betreuungsumfang.(4) Die Tagespflegepersonen sollen vom örtlichen Träger der öffentlichen Jugendhilfe fachlich
Der überörtliche Träger der öffentlichen Jugendhilfe bietet gemäß § 82 und § 85 Abs. 2 Nr. 7
und 8 des Achten Buches Sozialgesetzbuch Fortbildungsmaßnahmen an und trägt durch Beratungsangebote und Modellversuche zur Weiterentwicklung der Tagesbetreuung bei.48	49	Märkische
2010Abschnitt 5
Der örtliche Träger der öffentlichen Jugendhilfe unterstützt das Landesjugendamt bei der
Wahrnehmung der Aufgaben nach § 85 Abs. 2 in Verbindung mit den §§ 45 bis 48 des Achten
Soweit dieses Gesetz nichts anderes bestimmt, gelten die Vorschriften des Zehnten Buches
Sozialgesetzbuch entsprechend.Abschnitt 6
Durchführungs-, Folge-und Schlussbestimmungen
1.	die Anzahl und Qualifikation der notwendigen pädagogischen Mitarbeiterinnen undMitarbeiter sowie das erforderliche Personal zur Erfüllung der Aufgabe nach § 3 Abs. 1 Satz
6 und 7,Frühkindliche Bildung49
482.	die Bestimmung der Bestandteile von Betriebskosten und das Verfahren der Bezu-schussung gemäß § 16 Abs. 2, 3 und 6,
3.	die jährliche Meldung der belegten und finanzierten Plätze der Kindertagesbetreu-ung nach Art, betreuten Altersgruppen und zeitlichem Umfang als Nachweis der Verwendung der Zuschüsse gemäß § 16 Abs. 6,
4.	die Berücksichtigung der Personalkosten-und Kinderzahlentwicklung sowie des Um-fanges des Tagesbetreuungsangebotes für die Anpassung der Landeszuschüsse nach § 16
5.	die Eignung des Angebotes von Kindertagespflege, insbesondere die Qualifikationder Tagespflegeperson und die räumlichen Voraussetzungen sowie die angemessenen
Aufwendungen im Rahmen von Kindertagespflege einschließlich der Abgeltung des Erziehungsaufwandes gemäß § 18 Abs. 1,
6.	Gegenstand, Maßstäbe und Durchführung von Qualitätsfeststellungen gemäß § 3Abs. 4.
(3) Die zuständige oberste Landesbehörde kann im Einvernehmen mit den beteiligten obersten Landesbehörden, mit den kommunalen Spitzenverbänden und den Spitzenverbänden der
freien Wohlfahrtspflege sowie den Kirchen Grundsätze über die Bildungsarbeit der Kindertagesstätten und die Fortbildung der pädagogischen Kräfte vereinbaren.
Dieses Gesetz tritt am 1. Oktober 2010 in Kraft.50	51	Märkische
2010Kita-Personalverordnung des Landes Brandenburg
Personalbemessung für Kindertagesstätten
Der Träger der Einrichtung hat für die notwendige Ausstattung mit pädagogischem Personal
der Kindertagesstätte sowie für einen effektiven, an den Betreuungsnotwendigkeiten orientierten Personaleinsatz Sorge zu tragen.
(1) In der in § 10 Abs. 1 des Kindertagesstättengesetzes genannten Personalausstattung sind
neben der unmittelbaren pädagogischen Arbeit mit den Kindern auch Tätigkeiten wie Vor-und
Nachbereitung und Elternarbeit enthalten sowie sämtliche Ausfallzeiten durch Urlaub, Krankheit und Fortbildung.
(2) Von dem notwendigen pädagogischen Personal können vom Träger der Einrichtung fünf
vom Hundert zur Abdeckung von Vertretungsfällen vorgehalten und im Laufe des Jahres je
nach Bedarfslage eingesetzt werden. Beschäftigt der Träger sein Personal im Rahmen eines
Jahresarbeitszeitmodells, um auf sich verändernde Betreuungsnotwendigkeiten flexibel reagieren zu können, kann dieser Vomhundertsatz überschritten werden. Zur Bemessung des
notwendigen pädagogischen Personals ist der Jahresdurchschnitt aus den zu den Stichtagen
gemäß § 3 Abs. 2 Satz 3 Kindertagesstätten-Betriebskosten-und -Nachweisverordnung ermittelten Daten zu bilden.
Werden entsprechend § 12 Abs. 2 des Kindertagesstättengesetzes Kinder mit einem besonderen Förderbedarf betreut, so entscheidet der zuständige Träger der Eingliederungshilfe oderFrühkindliche Bildung51
50der zuständige örtliche Träger der öffentlichen Jugendhilfe über Art und Umfang des zusätzlich erforderlichen Personals und trägt die hierfür entstehenden Kosten. Bei dem Einsatz des
zusätzlichen Personals sind dem speziellen Förderbedarf entsprechende Qualifikationen Voraussetzung.
(1) Die fachliche Förderung, Anleitung und Aufsicht der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die
Koordinierung der Aufgabenwahrnehmung in der Einrichtung und die Sicherstellung der übertragenen Verwaltungsaufgaben nimmt die Leitungskraft der Kindertagesstätte wahr.
(2) Für die Wahrnehmung der pädagogischen Leitungsaufgaben ist, ergänzend zu der in § 10
Abs. 1 des Kindertagesstättengesetzes und § 4 dieser Verordnung genannten Ausstattung,
ein zusätzlicher Personalanteil zuzumessen. Für die pädagogische Leitungstätigkeit bei insgesamt
a)	bis zu vier Stellen für pädagogische Mitarbeiter in der Einrichtung sind 0,125 Lei-	tungsstellenb)	von mehr als vier bis zu zehn Stellen sind 0,25 Leitungsstellenc)	von mehr als zehn bis zu 15 Stellen sind 0,375 Leitungsstellend)	von mehr als 15 Stellen sind 0,5 Leitungsstellen einzurichten. In diesem Umfang sindLeitungskräfte von der regelmäßigen pädagogischen Arbeit mit den Kindern freizustellen.
(3) Über den Umfang der Übertragung organisatorischer Leitungsaufgaben und die entsprechende Freistellung von der regelmäßigen pädagogischen Arbeit entscheidet der Träger der
(aufgehoben)52	53	Märkische
2010Abschnitt 2
Qualifikation des pädagogischen Personals in Kindertagesstätten
Im Rahmen des notwendigen pädagogischen Personals einer Kindertagesstätte nach dieser
Verordnung sind nur persönlich und gesundheitlich geeignete pädagogische Fachkräfte sowie
andere fachlich, persönlich und gesundheitlich geeignete Personen zu beschäftigen.
Die gesundheitliche Eignung wird durch eine entsprechende Bescheinigung des zuständigen
Gesundheitsamtes belegt.
(1) Geeignete pädagogische Fachkräfte im Sinne des § 10 Absatz 1 Satz 1 des Kindertagesstättengesetzes sind staatlich anerkannte Erzieherinnen und Erzieher, staatlich anerkannte
Sozialpädagoginnen und Sozialpädagogen sowie gemäß Erzieheranerkennungsverordnung
gleichgestellte Personen. Geeignete pädagogische Fachkräfte sind auch Absolventinnen und
Absolventen von Hochschulstudiengängen sowie Berufsakademien im Bereich Erziehung,
Bildung und Betreuung in der Kindheit. Darüber hinaus zählen zu den geeigneten pädagogischen Fachkräften auch Personen, die gemäß Brandenburgischem Sozialberufsgesetz über
gleichwertige Fähigkeiten verfügen.
(2) Das notwendige pädagogische Personal im Betreuungsbereich der Kinder bis zur Vollendung des dritten Lebensjahres sowie der körperlich-oder mehrfachbehinderten Kinder kann,
neben dem pädagogischen Fachpersonal nach Absatz 1, in angemessenem Umfang auch
Säuglings-und Kinderkrankenschwestern und Säuglings-und Kinderkrankenpfleger umfassen.
(3) Die Qualifikation des zusätzlichen Personals für die Förderung gemäß den §§ 27 und 35a
des Achten Buches Sozialgesetzbuch bestimmt der hierfür Leistungsverpflichtete. Für die
Arbeit mit Kindern mit einem Förderbedarf gemäß den §§ 53 und 54 des Zwölften BuchesFrühkindliche Bildung53
52Sozialgesetzbuch gelten insbesondere folgende Berufsabschlüsse als entsprechende Qualifikation nach § 4 Satz 2:
a)	Diplomerzieherin und Diplomerzieher, Diplomvorschulerzieherin und Diplomvor-	schulerzieher und die in Absatz 1 genannten Fachkräfte,b)	(Diplom-) Rehabilitationspädagogin und Rehabilitationspädagoge,c)	Heilerziehungspflegerin und Heilerziehungspfleger, -diakonin und -diakond)	und Heilpädagogin und Heilpädagogemit entsprechendem Ausbildungsschwerpunkt und einer zusätzlichen einschlägigen Aus-oder
Fortbildung und Berufserfahrung im Bereich der Kindertagesbetreuung.
(1) Kräfte mit anderen als den in § 9 genannten Berufsabschlüssen können in Kindertagesstätten als notwendiges pädagogisches Personal angerechnet werden, wenn sie durch Vorbildung,
Praxiserfahrung und Fortbildung gleichartige und gleichwertige Qualifikationen erworben haben.
(2) Persönlich und gesundheitlich geeignete sowie fachlich vorbereitete Kräfte, die an einer
tätigkeitsbegleitenden Qualifizierung zur Erlangung einer Berufsqualifikation gemäß § 9 teilnehmen, können mit einem Anteil von 70 Prozent ihres praktischen Tätigkeitsumfangs als notwendiges pädagogisches Personal angerechnet werden.
(3) Persönlich und gesundheitlich geeignete sowie fachlich vorbereitete Kräfte können mit
einem Anteil von 70 Prozent ihres praktischen Tätigkeitsumfangs als notwendiges pädagogisches Personal angerechnet werden, wenn mit dem Träger der Einrichtung eine individuelle Bildungsplanung zur Erreichung gleichartiger und gleichwertiger Qualifikation abgestimmt ist.
(4) Zur Ergänzung des fachlichen Profils der Einrichtung können im Einzelfall persönlich und
gesundheitlich geeignete sowie fachlich vorbereitete Kräfte, die weder eine gleichartige und
gleichwertige Qualifikation besitzen noch eine solche anstreben, mit einem Anteil von 70 Prozent ihres praktischen Tätigkeitsumfangs als notwendiges pädagogisches Personal angerechnet werden.54	55	Märkische
2010(5) Voraussetzung für die Anrechnung als notwendiges pädagogisches Personal nach den
Absätzen 1 bis 4 ist ein vom Träger der Einrichtung im Benehmen mit der betreffenden Kraft
gestellter, entsprechend begründeter und vom Landesjugendamt genehmigter Antrag. Die
Genehmigung kann unter Auflagen oder für einen begrenzten Zeitraum erteilt werden. Ihre
Geltung kann über die antragstellende Einrichtung hinaus erstreckt werden.
(6) Fachkräfte, die nur für einen Teilbereich der Erziehungsarbeit ausgebildet sind, müssen, bevor sie Kinder einer anderen Altersgruppe oder Kinder mit besonderem Förderbedarf betreuen, hierauf vorbereitet sein. Diese Vorbereitung kann durch Fortbildung, Praxiserfahrung oder
Selbststudium oder auch durch direkte Kooperation mit einer Fachkraft, die die Qualifikation
für dieses Arbeitsgebiet besitzt, erlangt werden.
(1) Als besonders geeignete pädagogische Fachkraft, der die Leitung einer Kindertagesstätte
übertragen werden darf, gilt eine Kraft, die, über das Maß von geeigneten pädagogischen Fachkräften hinaus, die fachlichen Anforderungen erfüllt und mit der Leitungsaufgabe vertraut ist.
Das erfordert in der Regel eine mindestens zweijährige Berufstätigkeit sowie Kenntnisse
a)	der Arbeit mit den Kindern aller Altersstufen, die in der Einrichtung betreut werden,b)	der Aufgabenbestimmung der Kindertagesbetreuung im System der Kinder-und Ju	gendhilfe undc)	der Förderung, Koordination, Anleitung und Führung von Mitarbeitern.In von den örtlichen Trägern der Sozialhilfe anerkannten Integrationseinrichtungen, in denen
Kinder mit einem Förderbedarf gemäß den §§ 53 und 54 des Zwölften Buches Sozialgesetzbuch
betreut werden, hat die Leitungskraft eine behindertenspezifische Befähigung oder Erfahrungen in der Behindertenarbeit vorzuweisen
(2) Erfahrene Erzieherinnen und Erzieher sollen die Möglichkeit haben, Leitungsaufgaben zu
übernehmen und durch Fortbildung und Praxisberatung Kenntnisse in diesen Bereichen zu
erlangen.Frühkindliche Bildung55
54§ 12
Der zusätzliche Einsatz von ehrenamtlichen und nebenamtlichen Kräften, insbesondere zur
Unterstützung der pädagogischen Fachkräfte, zur Bereicherung der pädagogischen Arbeit, zur
Förderung der Beziehungen zur Nachbarschaft und zum Berufsleben der Erwachsenen ist zulässig und soll im angemessenen Rahmen gefördert werden. Diese Kräfte sind nicht Teil des
notwendigen pädagogischen Personals nach § 10 Abs. 1 des Kindertagesstättengesetzes und
den §§ 4 und 5 dieser Verordnung. Sie müssen persönlich und gesundheitlich für die Arbeit
(1) Die erlangte berufliche Qualifikation muss beständig den sich verändernden Anforderungen der Berufspraxis angepasst werden. Die Träger der öffentlichen und freien Jugendhilfe
und die Träger der Einrichtungen sorgen durch Fortbildung und Praxisberatung dafür, dass
die persönliche und fachliche Eignung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aufrechterhalten
und weiterentwickelt wird. Durch Art und Umfang der Angebote und durch entsprechende
Freistellung sollen sie dafür Sorge tragen, dass die Angebote wahrgenommen werden können.
(2) Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind verpflichtet, sich fachlich weiterzuentwickeln
und dafür auch Fortbildungs-und Beratungsangebote anzunehmen.
(3) Der Kindertagesstätten-Ausschuss diskutiert mindestens einmal im Jahr bestehende Fortbildungsangebote und die Inanspruchnahme der Angebote durch Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Einrichtung.
(aufgehoben)§ 15
Diese Verordnung tritt mit Wirkung vom 1. August 2010 in Kraft.56	57	Märkische
2010Fr端hkindliche Bildung57
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■■ „Brandenburg ist in Bewegung“ – Der neue Faltplan mit Liniennetz des Regionalver-kehrsBrandenburg
■■ Demografiebroschüre: Brandenburg in Bewegung. Wie die Erneuerung im demografischenWandel gelingt
■■ Brandenburgs Kommunalgesetze (Sammlung wichtiger Gesetze und Informationen)
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■■ Schriftenreihe „Märkische Hefte“1.	Vergangenheit kennen – Zukunft finden. Beiträge zum 60. Jahrestag der Befreiung.
2.	Demografischer Wandel. Eine kleine Einführung in die Bevölkerungsentwicklung.
3.	Wissenschaft in Zeiten knapper Kassen. Wie weiter mit der Hochschulfinanzierung?
4.	Das zupackende Land. Eine Zwischenbilanz der Brandenburger Zukunftsdebatte.
5.	Chancen für alle. Das Bildungsland Brandenburg.
6.	Kinderschutz. Unsere gemeinsame Aufgabe.
7.	Kita und Schule. Mehr Qualität durch bessere Zusammenarbeit.
8.	Viel geschafft, noch viel zu tun. Eine Halbzeitbilanz.
9.	Älter werden in Brandenburg. Für das Miteinander der Generationen.
10.	Schule und Wirtschaft. Erfolg entsteht durch Zusammenarbeit.
11.	Stadtumbau Brandenburg. Zwischenbilanz und Perspektiven.
12.	Für Demokratie und Freiheit: 75 Jahre nach dem Ermächtigungsgesetz.
13.	Energieland Brandenburg – Zukunftskonferenz vom 11. November 2008.
14.	Bildungsland Brandenburg.
15.	Innovationsland Brandenburg.	16.	Familienland Brandenburg.
17.	Brandenburg steht heute besser da. Bilanz der Arbeit der Wahlperiode 2004-2009.
18.	Wie weiter mit der frühkindlichen Bildung? – Dokumentation der Veranstaltung vom
19.	20 sozialdemokratuische Jahre – die SPD-Landtagsfraktion 1990-2010.58	59	Märkische
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