Source: http://relevancy.bger.ch/php/aza/http/index.php?lang=de&zoom=&type=show_document&highlight_docid=aza%3A%2F%2F16-06-2016-2C_215-2015
Timestamp: 2016-10-24 12:17:55
Document Index: 46406642

Matched Legal Cases: ['Art. 82', 'Art. 86', 'Art. 90', 'Art. 89', 'Art. 321', 'Art. 321', 'Art. 321', 'Art. 321', 'Art. 321', 'Art. 166', 'Art. 160', 'Art. 40', 'Art. 321', 'Art. 321', 'Art. 321', 'Art. 321', 'Art. 160', 'Art. 321', 'Art. 166', 'Art. 166', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'Art. 321', 'Art. 321', 'Art. 321', 'BGE', 'Art. 166', 'Art. 321', 'Art. 163', 'Art. 8', 'Art. 152', 'Art. 29', 'Art. 53', 'Art. 6', 'Art. 28', 'Art. 28', 'Art. 166', 'BGE', 'e contrario', 'Art. 66', 'Art. 68']

2C_215/2015 (16.06.2016)
2C_215/2015 � � Urteil vom 16. Juni 2016
Dr. med. A.________,
Prof. Dr. med. E.________.
vom 23. Januar 2015.
Dr. med. A.________ betreute D.B.________ ab 4. September 2002 w�hrend der Schwangerschaft. Am 15. M�rz 2003 wurde die Schwangere positiv auf HIV getestet und am 21. M�rz 2003 mittels Kaiserschnitt entbunden; einige Tage danach verstarb sie im Spital an einer durch einen Pilz hervorgerufenen Lungenentz�ndung.
In der Folge erhoben der Ehemann, C.B.________, und das Kind der Verstorbenen einen Haftpflichtprozess gegen Dr. A.________. Im Revisionsverfahren vor dem Kantonsgericht war zum Beweis verstellt die Frage, ob die Eheleute B.________ anl�sslich der ersten Konsultation bei Dr. A.________ einen HIV-Test als unn�tig bezeichnet hatten. In diesem Zusammenhang beantragte Dr. A.________, Prof. Dr. med. E.________, den C.B.________ im Sommer 2003 aufgesucht hatte, als Zeugen einzuvernehmen. Prof. E.________ ersuchte das Gesundheitsdepartement des Kantons St. Gallen um Entbindung vom Berufsgeheimnis, um als Zeuge auszusagen. Mit Verf�gung vom 19. September 2013 erteilte das Gesundheitsdepartement die beantragte Erm�chtigung.
C.B.________ erhob dagegen Beschwerde an das Verwaltungsgericht des Kantons St. Gallen mit dem Antrag, in Aufhebung der angefochtenen Verf�gung sei das Gesuch um Aufhebung des Berufsgeheimnisses abzuweisen. Das Verwaltungsgericht lud Dr. A.________ zum Verfahren bei; diese beantragte Abweisung der Beschwerde.
Mit Urteil vom 23. Januar 2015 hiess das Verwaltungsgericht die Beschwerde gut und hob die Verf�gung des Gesundheitsdepartements vom 19. September 2013 auf. Die Verfahrenskosten auferlegte es je zur H�lfte an Prof. E.________ und an Dr. A.________ und verpflichtete diese beiden unter solidarischer Haftung zur Bezahlung einer Parteientsch�digung an C.B.________.
Dr. A.________ erhebt Beschwerde in �ffentlich-rechtlichen Angelegenheiten mit dem Antrag, in Aufhebung des angefochtenen Urteils sei Prof. Dr. med. E.________ zu erm�chtigen, im Verfahren der Erbengemeinschaft C.________ gegen sie vor dem Kantonsgericht St. Gallen als Zeuge auszusagen.
Das Gesundheitsdepartement des Kantons St. Gallen verzichtet auf Stellungnahme. C.B.________ beantragt, auf die Beschwerde nicht einzutreten, eventuell sie abzuweisen. Prof. E.________ �ussert sich, ohne einen ausdr�cklichen Antrag zu stellen. Das Verwaltungsgericht beantragt Abweisung. Dr. A.________ repliziert.
1.1.�Der kantonal letztinstanzliche Entscheid �ber die Entbindung vom Berufsgeheimnis ist ein Endentscheid, gegen den die Beschwerde in �ffentlich-rechtlichen Angelegenheiten offen steht (Art. 82 lit. c, Art. 86 Abs. 1 lit. d und Art. 90 BGG; Urteile 2C_1127/2013 vom 7. April 2014 E. 1.1; 2C_461/2014 vom 10. November 2014 E. 1.1).
1.2.�Der Beschwerdegegner bestreitet die Beschwerdelegitimation der Beschwerdef�hrerin. Nur der Geheimnistr�ger, Prof. E.________, k�nne sich vom Berufsgeheimnis entbinden lassen; nur er sei Verf�gungsadressat, habe aber selber keine Beschwerde erhoben. Es k�nne nicht angehen, dass in dieser Situation ein Dritter unabh�ngig vom Geheimnistr�ger Beschwerde f�hre, um die Entbindung vom Geheimnis zu erwirken.
1.2.1.�Zur Beschwerde in �ffentlich-rechtlichen Angelegenheiten ist gem�ss Art. 89 Abs. 1 BGG berechtigt, wer vor der Vorinstanz am Verfahren teilgenommen hat oder keine M�glichkeit zur Teilnahme erhalten hat (lit. a), durch den angefochtenen Entscheid oder Erlass besonders ber�hrt ist (lit. b) und ein schutzw�rdiges Interesse an dessen Aufhebung oder �nderung hat (lit. c).
1.2.2.�Im Zusammenhang mit der Entbindung vom Berufsgeheimnis ist der Geheimnisherr legitimiert zur Beschwerde gegen die dem Geheimnistr�ger erteilte Entbindung (Urteile 2C_1127/2013 vom 7. April 2014 E. 1; 2C_587/2012 vom 24. Oktober 2012 E. 2.5), insbesondere auch der Patient gegen die Entbindung seines Arztes vom Berufsgeheimnis (Urteil 2P.77/1994 vom 23. Dezember 1994 E. 2b). Vorliegend geht es umgekehrt darum, dass eine Dritte, die weder Geheimnisherrin noch Geheimnistr�gerin ist, die von der Vorinstanz verweigerte Entbindung anstrebt. Nach dem Wortlaut von Art. 321 Ziff. 2 StGB kann nur der "T�ter", d.h. der Geheimnistr�ger selber, das Gesuch um Entbindung stellen (S. BURKHARDT ET AL, Secret professionnel: g�n�ralit�s, in: R. La Harpe et al [dir.], Droit de la sant� et m�decine l�gale, 2014, S. 332; NIKLAUS OBERHOLZER, in: NIGGLI/WIPR�CHTIGER [Hrsg.], Basler Kommentar Strafrecht II, 3. Aufl. 2013, Art. 321 Rz. 23; DUPUIS ET AL [�d.], petit commentaire CP, 2012, Art. 321 Rz. 46; TRECHSEL/ VEST, in: Trechsel/Pieth [Hrsg.], Praxiskommentar StGB, 2. Aufl. 2013, Art. 321 Rz. 31; J�RG BOLL, die Entbindung vom Arzt- und Anwaltsgeheimnis, 1983, S. 53 f.; KARIN KELLER, Das �rztliche Berufsgeheimnis gem�ss Art. 321 StGB, 1993, S. 150 f.), was vorliegend der potenzielle Zeuge auch getan hat. Die Zeugenaussage liegt jedoch typischerweise nicht im eigenen Interesse des Zeugen, sondern im Interesse derjenigen Partei, die den Zeugenbeweis anruft. Diese ist - wie hier die Beschwerdef�hrerin - von der abschl�gigen Entbindungsverf�gung noch st�rker ber�hrt als der Zeuge selbst und hat ein besonderes, schutzw�rdiges Interesse daran, dass der Zeuge im Prozess aussagen kann. Sie ist daher legitimiert zur Beschwerde, auch wenn der potenzielle Zeuge selber nicht Beschwerde erhoben hat; anders als in den typischen F�llen, in denen eine Beschwerdef�hrung pro Adressat nicht zugelassen wird, geht es nicht darum, etwas durchzusetzen, das nur der Adressat selber realisieren k�nnte; der formelle Adressat - also der Zeuge - ist vielmehr in den Schranken von Art. 166 Abs. 1 lit. b ZPO zur Aussage verpflichtet (Art. 160 Abs. 1 lit. a ZPO), sofern er vom Berufsgeheimnis entbunden ist.
2.1.�Die Beschwerdef�hrerin beantragt, es seien ihr die vollst�ndigen Akten auszuh�ndigen und danach Gelegenheit f�r eine zus�tzliche Eingabe zu geben. Sie begr�ndet dies damit, sie sei im vorinstanzlichen Verfahren damit einverstanden gewesen, dass ihr auf Antrag des Beschwerdegegners keine volle Akteneinsicht gew�hrt werde; dies habe ihre Argumentation beeintr�chtigt.
Die Vorinstanz hat in der Pr�sidialverf�gung vom 13. Februar 2014 erwogen, die Bekanntgabe von unter das Berufsgeheimnis fallenden Tatsachen im Verfahren der Geheimnisentbindung h�tte zur Folge, dass das Berufsgeheimnis aufgehoben w�rde, bevor �ber die Entbindung entschieden wurde. Sie nahm daher Tatsachen, welche unter das Berufsgeheimnis fallen, vom Recht auf Akteneinsicht aus. Diese vorinstanzliche Beurteilung ist zutreffend. Es besteht kein Anlass, der Beschwerdef�hrerin weitergehende Akteneinsicht bzw. Gelegenheit f�r eine zus�tzliche Eingabe einzur�umen.
2.2.�Die Beschwerdef�hrerin beantragt, das Kantonsgericht zur Vernehmlassung einzuladen. Sie will damit darlegen, dass dieses die Zeugenaussage von Prof. E.________ als entscheiderheblich betrachtet. Dies ist indessen gar nicht umstritten; auch die Vorinstanz geht davon aus, dass die Zeugenaussage der Erforschung der materiellen Wahrheit im h�ngigen Zivilprozess dienen k�nnte. Eine Vernehmlassung des Kantonsgerichts er�brigt sich.
Nach Art. 40 lit. f des Bundesgesetzes vom 23. Juni 2006 �ber die universit�ren Medizinalberufe (Medizinalberufegesetz, MedBG) wahren Personen, die einen universit�ren Medizinalberuf aus�ben, das Berufsgeheimnis nach Massgabe der einschl�gigen Vorschriften. Diese Bestimmung enth�lt selber keine materiellen Vorschriften �ber das Berufsgeheimnis, sondern verweist auf die massgebenden anderen Vorschriften, so namentlich auf Art. 321 StGB. �rzte, die ein Geheimnis offenbaren, das ihnen infolge ihres Berufes anvertraut worden ist oder das sie in dessen Aus�bung wahrgenommen haben, werden, auf Antrag, mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder Geldstrafe bestraft (Art. 321 Ziff. 1 StGB). Der T�ter ist nicht strafbar, wenn er das Geheimnis auf Grund einer Einwilligung des Berechtigten oder einer auf Gesuch des T�ters erteilten schriftlichen Bewilligung der vorgesetzten Beh�rde oder Aufsichtsbeh�rde offenbart hat (Art. 321 Ziff. 2 StGB). Vorbehalten bleiben die eidgen�ssischen und kantonalen Bestimmungen �ber die Zeugnispflicht und �ber die Auskunftspflicht gegen�ber einer Beh�rde (Art. 321 Ziff. 3 StGB).
Im Zivilprozess sind die aufgerufenen Zeugen grunds�tzlich zur wahrheitsgem�ssen Aussage verpflichtet (Art. 160 Abs. 1 lit. a ZPO); sie k�nnen aber die Mitwirkung verweigern, wenn sie sich wegen Verletzung eines Geheimnisses nach Art. 321 StGB strafbar machen w�rden (Art. 166 Abs. 1 lit. b ZPO). Mit Ausnahme der Anw�lte und der Geistlichen haben sie jedoch mitzuwirken, wenn sie von der Geheimhaltungspflicht entbunden worden sind, es sei denn, sie machen glaubhaft, dass das Geheimhaltungsinteresse das Interesse an der Wahrheitsfindung �berwiegt (Art. 166 Abs. 1 lit. b ZPO).
Die Beschwerdef�hrerin bestreitet in erster Linie, dass eine Entbindung vom Berufsgeheimnis �berhaupt notwendig sei; der angerufene Zeuge sei vom Beschwerdegegner nicht als Arzt in einem Arzt-Patienten-Verh�ltnis aufgesucht worden, sondern als Spezialist f�r Aids-Fragen. Auch Prof. E.________ ist der Auffassung, der Beschwerdegegner habe ihn nicht als Arzt aufgesucht, weshalb das, was er ihm gesagt habe, nicht dem Arztgeheimnis unterstehe.
4.1.�Dem Berufsgeheimnis untersteht alles, was dem Arzt infolge seines Berufs anvertraut worden ist oder das er in dessen Aus�bung wahrgenommen hat. Zwar dient das Arztgeheimnis insbesondere dem Schutz des Vertrauensverh�ltnisses zwischen Arzt und Patient (BGE 141 IV 77 E. 4.4 S. 82). Der Inhalt der geheim zu haltenden Tatsachen ist aber nicht streng auf das Medizinische beschr�nkt; einem Arzt werden oft auch andere Tatsachen offenbart, die einem beliebigen Dritten gegen�ber nicht gemacht w�rden; sie geh�ren ebenfalls zu den geheim zu haltenden Gegenst�nden. Nicht unter das Berufsgeheimnis f�llt demgegen�ber, was dem Arzt als Privatperson oder in anderer nicht �rztlicher Funktion offenbart wurde (BGE 101 Ia 20 E. 5c S. 11 f.; Urteil 6S.650/1995 vom 13. Februar 1996 E. 2b, nicht publ. in BGE 122 IV 45; vgl. zum Anwaltsgeheimnis, das sich nur auf die anwaltliche, nicht auf eine kaufm�nnische oder sonstige gesch�ftliche T�tigkeit erstreckt, BGE 135 III 597 E. 3.3 S. 600 ff.; 132 IV 63 nicht publ. E. 2.4; 132 II 103 E. 2.1 S. 105; 126 II 495 E. 5e/aa S. 501 ff.; 120 Ib 112 E. 4 S. 118 f.).
4.2.�Thema der beantragten Zeugenaussage ist ein Gespr�ch, welches der Beschwerdegegner im Sommer 2003 nach dem Tod seiner Ehefrau mit Prof. E.________ gef�hrt hat. Die Vorinstanz geht davon aus, dass im Detail noch nicht bekannt sei, was Gegenstand des Gespr�chs war, doch sei nicht ausgeschlossen, dass in diesem Gespr�ch auch Angaben zur Biografie des Beschwerdegegners und seiner verstorbenen Frau, zum Verlauf der Schwangerschaft und zu Krankheiten sowie zum Inhalt der Beratungs- und Behandlungsgespr�che mit der Beschwerdef�hrerin gemacht worden seien, die dem Berufsgeheimnis unterst�nden. Jedenfalls habe der Beschwerdegegner Prof. E.________ bez�glich einer konkreten medizinischen Situation aufgesucht, was mit einer Zweitmeinung oder einer Begutachtung vergleichbar sei. Eine Befragung des Zeugen w�rde sich wohl nicht darauf beschr�nken, ob der Beschwerdegegner ihm bekanntgegeben habe, er habe der Beschwerdef�hrerin gegen�ber am 4. September 2002 auf die Durchf�hrung eines HIV-Tests verzichtet, weil in Thailand ein solcher mit negativem Ergebnis gemacht worden sei; wenn der Zeuge Aussagen zum Inhalt des Gespr�chs machen wolle, welches er mit dem Beschwerdegegner im Sommer 2003 gef�hrt habe, sei davon auszugehen, dass dabei auch Angaben des Beschwerdegegners bekannt w�rden, welche unter das Berufsgeheimnis fallen; deshalb unterliege der Inhalt des im Detail nicht bekannten Inhalt des Gespr�chs zwischen Prof. E.________ und dem Beschwerdegegner dem Schutz des Arztgeheimnisses. Es sei nicht von Belang, ob der Beschwerdegegner selber f�r sich medizinische Behandlung oder Beratung gesucht habe.
4.3.�Die Beschwerdef�hrerin ist demgegen�ber der Meinung, Prof. E.________ sei vom Beschwerdegegner nicht im Rahmen eines Arzt- oder Begutachtungsvertrags angegangen worden, sondern einzig in seiner Funktion als Experte f�r Aids-Fragen, weil er von ihm Auskunft wollte �ber die Pflicht von �rzten, im Falle einer Schwangerschaft die Patientinnen auf HIV zu testen. Die Mutmassungen der Vorinstanz �ber den Inhalt der Gespr�che seien unzutreffend; denn solche Fragen seien nicht Thema der beabsichtigen Zeugenaussage; dort gehe es einzig um die Aussage des Beschwerdegegners gegen�ber Prof. E.________, wonach die Beschwerdef�hrerin aus einem bestimmten Grund keinen HIV-Test habe durchf�hren m�ssen. Dies unterstehe nicht dem Arztgeheimnis. Es treffe auch nicht zu, dass der Beschwerdegegner selber f�r sich mit Prof. E.________ ein Arzt-Patienten-Verh�ltnis eingegangen sei.
4.4.�Festzuhalten ist in diesem Zusammenhang, dass entgegen der missverst�ndlichen Formulierung in der Verf�gung des Departements vom 19. September 2013 wie auch im Rechtsbegehren der Beschwerdef�hrerin ein Arzt nicht prinzipiell einer Erm�chtigung bedarf, um als Zeuge vor Gericht auszusagen. Er unterliegt vielmehr grunds�tzlich wie alle anderen Personen der Zeugnispflicht und hat nur ein beschr�nktes Verweigerungsrecht, indem er als Zeuge die Aussage verweigern muss,�
soweit�diese unter das Berufsgeheimnis f�llt und er nicht vom Geheimnis entbunden ist. F�r Aussagen, die nicht unter das Berufsgeheimnis fallen, ben�tigt er weder eine Entbindung vom Geheimnis noch eine Erm�chtigung zur Aussage. Um sich nicht m�glicherweise strafbar zu machen, wird der Arzt im eigenen Interesse vorsorglich die Entbindung beantragen, wenn er nicht genau weiss, was das Gericht ihn fragen wird und/oder wenn unklar ist, ob die Aussagen, die er machen m�chte, unter das Berufsgeheimnis fallen. Auf sein eigenes Risiko hin kann er auch ohne Erm�chtigung bzw. Entbindung als Zeuge aussagen. Soweit Prof. E.________ als fachkundiger Zeuge Aussagen machen m�chte, die in genereller Weise die Frage betreffen, ob zu Beginn einer Schwangerschaft ein HIV-Test indiziert ist, f�llt dies nicht unter das Berufsgeheimnis und setzt keine Entbindung voraus. Umgekehrt ist eine Entbindung nicht erforderlich in Bezug auf Aussagen, die zwar dem Berufsgeheimnis unterliegen, die aber nicht Thema der beabsichtigten Zeugeneinvernahme sind. Die von der Beschwerdef�hrerin kritisierten Mutmassungen der Vorinstanz �ber den Inhalt des Gespr�chs sind daher unerheblich, soweit dieser Inhalt gar nicht Beweisthema im Zivilprozess ist.
4.5.�Das Kantonsgericht m�chte gem�ss seinem Urteil vom 11. M�rz 2013 den Zeugen einvernehmen zur Frage, ob - wie von der Beschwerdef�hrerin behauptet - der Beschwerdegegner dem Zeugen gegen�ber ge�ussert habe, die Beschwerdef�hrerin habe damals keinen HIV-Test gemacht, weil der Beschwerdegegner ihr gesagt habe, seine Frau verf�ge bereits �ber ein (negatives) Testergebnis. Die behauptete Aussage erfolgte zwar nicht im Rahmen eines eigentlichen Therapieverh�ltnisses zwischen dem Beschwerdegegner und dem Arzt, betrifft aber doch einen konkreten medizinischen Sachverhalt und wurde dem Zeugen gegen�ber gemacht im Verlaufe eines Gespr�chs, das der Erstere mit dem Letzteren in seiner Eigenschaft als Arzt gef�hrt hatte. Sie unterliegt damit dem Berufsgeheimnis, unabh�ngig davon, ob ein Behandlungsvertrag zwischen dem Zeugen und dem Beschwerdegegner bestand.
5.�Streitig ist weiter, ob die Vorinstanz zu Recht die Entbindung vom Berufsgeheimnis verweigert hat.
5.1.�Art. 321 Ziff. 2 StGB sieht eine Bewilligung der vorgesetzten Beh�rde oder Aufsichtsbeh�rde vor, nennt selber aber keine Kriterien, nach denen diese Bewilligung erteilt oder verweigert werden soll. Nach Rechtsprechung und Literatur ist daf�r eine Rechtsg�ter- und Interessenabw�gung vorzunehmen, wobei die Entbindung nur zu bewilligen ist, wenn dies zur Wahrung �berwiegender privater oder �ffentlicher Interessen notwendig ist bzw. die Interessen an der Entbindung klar �berwiegen (Urteil 2P.313/1999 vom 8. M�rz 2000 E. 2b; NIKLAUS OBERHOLZER, a.a.O., Art. 321 Rz. 23; TRECHSEL/VEST, a.a.O., Rz. 34; DUPUIS ET AL, a.a.O., Art. 321 Rz. 48; BOLL, a.a.O., S. 57 ff.; KELLER, a.a.O., S. 154 f., 161 f.). Denn das Berufsgeheimnis, insbesondere das Arztgeheimnis, ist per se ein gewichtiges Rechtsgut (BGE 141 IV 77 E. 4.4 S. 82; KELLER, a.a.O., S. 155; BOLL, a.a.O., S. 57 f.). Das Interesse an der Ermittlung der materiellen Wahrheit ist nicht per se ein �berwiegendes Interesse (TRECHSEL/VEST, a.a.O., Rz. 34). Denn andernfalls w�re bei jedem (nicht a priori untauglichen) Beweisantrag auf Zeugenanh�rung die Entbindung zu gew�hren, so dass der Grundsatz des Verweigerungsrechts in sein Gegenteil verkehrt w�rde. Indem die ZPO ein solches Verweigerungsrecht statuiert, geht sie davon aus und nimmt in Kauf, dass unter Umst�nden die materielle Wahrheit wegen des Berufsgeheimnisses nicht erstellt werden kann (NICOLAS JEANDIN, in: Fran�ois Bohnet et al, CPC Comment�, 2011, Art. 166 Rz. 15).
5.2.�Nach der Rechtsprechung zum Anwaltsgeheimnis ist aber die Entbindung - jedenfalls dann, wenn der betroffene Anwalt dargelegt hat, weshalb ihm eine Kostendeckung z.B. �ber die Erhebung eines Kostenvorschusses nicht m�glich war (Urteil 2C_586/2015 vom 9. Mai 2016 E. 4.3.3) - zu bewilligen, wenn der Anwalt sie beantragt, um selber eine Honorarforderung gegen seinen ehemaligen Klienten einzuklagen oder sich gegen Haftpflichtanspr�che oder Strafanzeigen seiner ehemaligen Klienten zu wehren; zu verweigern ist eine verlangte Entbindung in diesen F�llen nur dann, wenn die Klientschaft ihrerseits ein h�herrangiges Interesse an der Aufrechterhaltung des Anwaltsgeheimnisses hat (Urteile 2C_1127/2013 vom 7. April 2014 E. 3.3.2; 2C_661/2011 vom 17. M�rz 2012 E. 3.1; 2C_503/2011 vom 21. September 2011 E. 2.2; 2C_42/2010 vom 28. April 2010 E. 3.1; 2C_508/2007 vom 27. Mai 2008 E. 2.3; 2P.90/2002 vom 8. Juli 2002 E. 5; DUPUIS ET AL, a.a.O., Art. 321 Rz. 45). Analoges gilt f�r die Entbindung des Arztes, wenn es darum geht, seine eigenen Forderungen gegen�ber Patienten durchzusetzen oder umgekehrt Schadenersatzforderungen von Patienten abzuwehren (KELLER, a.a.O., S. 160 f.). Abgelehnt hat das Bundesgericht die Entbindung vom Anwaltsgeheimnis jedoch, wenn sie nur dazu dienen sollte, einen Dritten in einem Zivilprozess gegen einen ehemaligen Klienten des Anwalts zu unterst�tzen (Urteil 2P.313/1999 vom 8. M�rz 2000 E. 2d).
5.3.�Die Vorinstanz hat unter Hinweis auf das zit. Urteil 2P.313/1999 erwogen, Prof. E.________ sei im hier interessierenden Zivilprozess nicht als Partei beteiligt; dem Interesse des Geheimnisherrn an der Wahrung des Arztgeheimnisses st�nden keine privaten Interessen des Geheimnistr�gers gegen�ber. Das �ffentliche Interesse an der richtigen Sachverhaltsermittlung verm�ge keine beh�rdliche Entbindung vom Berufsgeheimnis zu rechtfertigen. Die Weigerung des Geheimnisherrn, den Geheimnistr�ger vom Geheimnis zu entbinden, k�nne allenfalls vom Zivilgericht im Lichte von Art. 163 und 164 ZPO gew�rdigt werden.
5.4.�Die Beschwerdef�hrerin macht eine willk�rliche Interessenabw�gung geltend: Es gehe f�r sie um einen sehr grossen finanziellen Betrag von (inkl. Zinsen) rund 2,2 Mio. Franken und �berdies um den Vorwurf, fahrl�ssig den Tod einer Patientin verschuldet zu haben. Trotz der Verhandlungsmaxime sei der Zivilprozess bem�ht, die materielle Wahrheit ans Licht zu bringen. Die Verweigerung der Erm�chtigung verletze das Recht auf Beweis (Art. 8 ZGB und Art. 152 Abs. 1 ZPO), das rechtliche Geh�r (Art. 29 Abs. 2 BV und Art. 53 ZPO) und den Anspruch auf ein faires Verfahren (Art. 6 Ziff. 1 EMRK). Das Kantonsgericht wolle mit der angestrebten Zeugenaussage eine entscheidrelevante Tatsache erhellen. Mit der Verweigerung der Erm�chtigung werde dies verunm�glicht. Es sei auch f�r Prof. E.________ nicht zumutbar, ein in seinen Augen auf einem falschen Sachverhalt beruhendes Urteil hinzunehmen, mit dem eine Berufskollegin zu Unrecht f�r den Tod einer Patientin verantwortlich gemacht werde. Dieser Vorwurf stelle auch eine Pers�nlichkeitsverletzung (Art. 28 ZGB) dar; das Interesse daran, diese zu beseitigen, sei st�rker zu gewichten als das Geheimhaltungsinteresse des Beschwerdegegners, das diesen nur davor sch�tzen soll, einer mutmasslichen Falschaussage �berf�hrt zu werden.
5.5.�Der Beschwerdegegner unterst�tzt die vorinstanzliche Argumentation. Die blosse Berufung auf eine angebliche Verletzung von Art. 28 ZGB k�nne nicht ausreichen f�r eine Entbindung, k�nnte doch sonst das Berufsgeheimnis aus den Angeln gehoben werden. W�rde hier eine Entbindung ausgesprochen, so h�tte dies gravierende Auswirkungen auf s�mtliche strafrechtlich gesch�tzten Berufsgeheimnisse, namentlich auch auf das Anwaltsgeheimnis, das zur Makulatur w�rde, wenn unter Hinweis auf die Wahrheitsfindung im Zivilprozess vom Geheimnis entbunden werden k�nnte. Das �ffentliche Interesse an der Geheimhaltung sei h�her zu gewichten.
5.6.�Eine Entbindung w�rde zwar entgegen den Bef�rchtungen des Beschwerdegegners keine Auswirkungen auf das Anwaltsgeheimnis haben, da der Anwalt nach Art. 166 Abs. 1 lit. b ZPO anders als der Arzt einem absoluten Zeugnisverweigerungsrecht unterliegt. Doch besteht auch an der Wahrung des Arztgeheimnisses grunds�tzlich ein erhebliches Interesse (vorne E. 5.2). Das verfassungs- und gesetzm�ssige Recht auf Beweis schliesst nicht aus, dass die Gesetzgebung zur Wahrung anderer, als h�herwertig erachteten Interessen bestimmte potenzielle Beweismittel ausschliesst (BGE 136 III 296 E. 3.1 S. 302 f.). Die vorinstanzliche Interessenabw�gung entspricht jedenfalls derjenigen, die das Bundesgericht f�r die sachverhaltliche Konstellation im zit. Urteil 2P.313/1999 vorgenommen hat.
5.7.�Allerdings liegt dem vorliegend zu beurteilenden Fall ein anderer Sachverhalt zugrunde: Geheimnisherr ist hier - anders als in 2P.313/1999 - nicht ein unbeteiligter Dritter, sondern der Kl�ger in einem Zivilprozess. Man muss sich daher fragen, ob nicht der Kl�ger, der sich einer Entbindung vom Berufsgeheimnis widersetzt und dadurch der Gegenpartei einen ihr obliegenden Beweis verunm�glicht, sich rechtsmissbr�uchlich verh�lt (vgl. zit. Urteil 2C_503/2011 E. 2.4). Vorliegend wirft der Kl�ger (hier Beschwerdegegner) der Beklagten (hier Beschwerdef�hrerin) vor, f�r den Tod seiner Ehefrau verantwortlich zu sein. In dem von ihm diesbez�glich selber angestrengten Zivilprozess beruft er sich - ohne hierf�r konkrete Gr�nde glaubhaft oder eigene Schutzinteressen geltend zu machen - in rein abstrakter Weise (vorne E. 5.5) auf das Berufsgeheimnis des Zeugen Prof. E.________. Ein solches Verhalten verdient keinen Schutz und ist nicht erst im Zivilprozess, sondern bereits im Entbindungsverfahren - ansonsten dieses seines Sinnes entleert w�rde - zu ber�cksichtigen. Die Interessenabw�gung f�llt damit anders aus als im zit. Urteil 2P.313/1999: Unter den genannten Umst�nden ist die Entbindung von Prof. E.________ vom Berufsgeheimnis durch h�herwertige Interessen gerechtfertigt (vgl. zit. Urteil E. 3 e contrario).
Anzuf�gen bleibt, dass - wie dies schon in der Verf�gung (Ziff. 5) des kantonalen Gesundheitsdepartements vom 19. September 2013 festgehalten ist - die Offenbarung des Berufsgeheimnisses durch Prof. E.________ "auf das erforderliche Mass zu beschr�nken ist", d.h. einzig das prozessrelevante Thema (vgl. vorne E. 4.4 und E. 4.5) der durch das Kantonsgericht beabsichtigten Zeugeneinvernahme, aber nicht etwa die gesamte Krankengeschichte der Betroffenen beschl�gt.
Die Beschwerde erweist sich damit als begr�ndet. Das angefochtene Urteil ist aufzuheben und die Verf�gung des kantonalen Gesundheitsdepartements vom 19. September 2013 ist - im Ergebnis - zu best�tigen.
Bei diesem Ausgang tr�gt der unterliegende Beschwerdegegner die Kosten des Verfahrens (Art. 66 Abs. 1 BGG); und er hat der obsiegenden Beschwerdef�hrerin f�r das bundesgerichtliche Verfahren eine Parteientsch�digung zu bezahlen (Art. 68 Abs. 1 und 2 BGG).
Die Vorinstanz wird ausserdem �ber die Kostenliquidation des kantonalen Verfahrens neu zu befinden haben.
Die Beschwerde wird gutgeheissen. Das Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 23. Januar 2015 wird aufgehoben und die Verf�gung des Gesundheitsdepartements des Kantons St. Gallen vom 19. September 2013 best�tigt.
Der Beschwerdegegner hat der Beschwerdef�hrerin f�r das bundesgerichtliche Verfahren eine Parteientsch�digung von Fr. 2'000.-- zu bezahlen.
Diese Sache wird zur Neuverlegung der Kosten des kantonalen Verfahrens an das Verwaltungsgericht des Kantons St. Gallen zur�ckgewiesen.
Dieses Urteil wird den Parteien, dem Gesundheitsdepartement des Kantons St. Gallen, Prof. Dr. med. E.________ und dem Verwaltungsgericht des Kantons St. Gallen schriftlich mitgeteilt.