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Timestamp: 2020-07-10 10:41:55
Document Index: 31936420

Matched Legal Cases: ['§11', '§ 924', '§20', '§1992143', '§90', '§1', '§629', '§126', '§829', '§29', '§249112', '§8', '§29', '§29', '§24', '§29', '§99', '§24']

1888 / 199 p. 25 (Deutscher Reichsanzeiger)
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ungültig erklärt. Die Kosten des Rechtsstreiïs werden der Beklagten auferlegt.
Die gegen dieses Urtheil von der Beklagten mit dem Antrage auf Abweisung der Klage eingelegte Berufung wurde dur Urtheil des Ersten Civilsenats des K. pr. Ober-Landesgerichts zu N. vom 5. November 1887 auf Kosten der Berufungsklägerin zurückgewiesen. Gegen dieses Urtheil hat die Beklagte die Revision mit dem Antrage eingelegt, unter Aufhebung desselben auf Abweisung der Klage zu er- kennen. Kläger hat Zurückweisung der Revision beantragt. Der Sachverhalt wurde entsprehend den Thatbeständen der Instanzurtheile
Der Revision darf zugegeben werden, daß die Begründung, welche das Berufungsgeriht für die Ungültigkeit des angefochtenen General- versammlungsbeschlu}ses gegeben hat, unzutreffend ist. Diese Be- gründung bewegt si zunächst in einem Widerspruche, indem einmal ausgeführt wird, an der Bilanz selbst, wie sie Vorstand und Aufsichts- rath aufgestellt und der Generalversammlung vorgelegt hätten, sei niht mehr zu rütteln, weil der Beschluß der Dechargeertheilung den der Bilanzgenehmigung in sich \{ließe und gegen . diesen Beschluß Kläger nicht, wie es Artikel 190 a Absaß 1 des Handelsgeseßbuchs in der Fassung des Reich8geseßes vom 18. Juli 1884 vorschreibe, in der Generalverjammlung Widerspruch erhoben hat, und dann doch wieder die Ungültigkeit des Beschlusses, soweit er die Gewinnvertheilung be- trifft, damit begründet wäre, die 58 000 6, welche auf Delcredere- Conto überwiesen worden, seien überhaupt kein Gewinn und sie hätten daher zur Berechnung der Tantième des Vorstandes und Aufsichts- rathes nit beitragen dürfen. Sind die 58 000 6 nicht ein Gewinn, der bloß die Bestimmung einer Rücklage für einen bestimmten Zweck hat, so daß er ben nur an die Aktionäre nicht vertheilt wird, so müssen sie ein Passivposten sein, der in die Bilanz gehörte, dort fälsch- licherweise weggeblieben ist, so daß bei richtiger Bilanz der \ich ergebende Gewinn 58 000 Æ geringer war. Diese beiden Alternativen sind die einzigen, die in Betracht kommen können und welche auch beide Parteien als die allein möglihen statuiren. Wenn aber die 58 000 6 zu den Tantièmen nit beitragen dürfen, weil sie kein Gewinn sind und eben nur dann kein Gewinn sind, wenn eine rihtige Bilanz einen um 58 000 # geringeren Gewinn ergeben mußte, so daß die 58 000 „G dur Ansäte unter den Passiven in der Bilanz ab- forbirt werden mußten, so ift es klar, daß diese Begründung der Ungültigkeit des Generalversammlungsbeshlusses auf der Annahme der Unrichtigkeit der Bilanz beruht, deren Unanfehtbarkeit das Bes rufungêgericht zuvor angenommen hat. Wenn das Berufungsgeriht diese unanfehtbare Bilanzfestseßung als die nur buhmäßige bezèihnet, so ist nit ersihtlih, welcher zulässige Gegensaß hiermit angedeutet werden foll. Es giebt wohl eine rihtige und eine unrichtige Bilanz. Aber eine Bilanz, die thatsählih unrichtig, aber bnchmäßig richtig wäre, giebt es nicht. War es richtig, daß die 58 000 4 niht unter den Passiven angeseßt wurden, so daß \sih das, was durch Abzug der Passiva von den Aktiven als Gewinn ergab, um diese 58 000 ( ver-
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Entsheidungsgründe. Die Revision ist begründet. i Die Civilprozeßordnung bestimmt im §. 764: ;
„Der widersprehende Gläubiger muß ohne vorherige Auf- forderung binnen ciner Frist von einem Monat, welche mit dem Terminstage beginnt, dem Geriht nachweisen, daß er egen die betheiligten Gläubiger Klage erhoben habe. Nach ruchtlosem Ablauf dieser Frist wird die Ausführung des Plans ohne Rücksiht auf den Widerspruch angeordnet. :
Die Befugniß des Gläubigers, welher dem Plane wider- sprochen hat, ein besseres Ret gegen den Gläubiger, welcher einen Geldbetrag nach dem Plane erhalten hat, im Wege der Klage geltend zu machen, wird dur die Versäumung der Frist und durch die Ausführung des Plans nicht ausgeschlossen. “ /
Nach §. 765 a. a. O. ift die Klage bei dem Vertheilungsgeriht
und, wenn der Streitgegenstand zur Zuständigkeit der Amtsgerichte nit gehört, bei dem Landgericht zu erheben, in dessen Bezirk das Vertheilungsgeriht seinen Siß hat. Das Landgericht ist für sämmt- lihe Klagen zuständig, wenn seine Zuständigkeit nah dem Inhalt der erhobenen und im Termin nicht zur Erledigung gelangten Wider- sprüche auch nur in Betreff einer Klage begründet ift, sofern nicht sämmtliche betheiligte Gläubiger vereinbaren, daß das Vertheilungs- geriht über alle Widersprüche entscheiden solle.
Der Wortlaut dicser Vorschrift läßt zwar die Deutung zu, daß
das Vertheilungsgeriht beziehungsweise das ihm vorgeseßte Landgericht für alle in dem §. 764 Absatz 1 und 2 erwähnte Klagen zuständig sein soll, Indeß der Sinn des Gesetzes ergiebt klar, daß die im zweiten Abjaß ausdrüdlih gestatteten Kondiktionen nicht unter die Vorschrift des §. 765 fallen. Die Richtigkeit dieses Satzes wird mit Ausnahme von Endemann (Civilprozeßordnung, Band 3 Seite 295) von keinem der Kommentatoren angezweifelt. Jn der Praxis hat das Reichs8gerict insofern zu der Frage Stellung genommen, als es im Urtheil vom 1. Oktober 1884, V. 176/84 (mitgetheilt in Gruchot's Beiträgen Band 29 Seite 121) ausspricht, ‘daß der §8. 765 der Civil- prozeßordnung cin noch \ch@webendes, niht aber eia in jeder Be- ziehung beendetes Verfahren zu seiner Anwendung vorausseßt. Auch der Berufungsrichter steht im Allgemein?n auf diesem Rechtsstandpunkt, meint aber, daß die Versäumung der im §. 764 Absatz 1 vorgesehenen rist Seitens des widersprehenden Gläubigers nur dann auf die Zu- ndigkeit von Einfluß sei, wenn das Vertheilungsverfahren durch Ausführung des Vertheilungsplans sein Ende erreiht habe. Er hält das Landgericht zu P. für kompetent, weil, wenngleich der Kläger erst nach Ablauf der Frist die Klage angestellt habe, doch die Ausführung . des Plans bisher noch nit bewirkt sei.
Dieser Ausführung kann indeß nit beigetreten werden. Bei
Erlaß der Vorschrift des §. 765 der Civilprozeßordnung sind zwei Gesichtspunkte maßgebend gewesen :
1. hinsihts des Gerichtsftandes der Zusammenhang des Rechts- streits mit der D eCuna
2, binsihts der sachlihen Zuständigkeit die Rücksichtnahme auf Vermeidung einer Zersplitterung der Streitigkeiten.
Vergleiche Begründung Seite 440; Hahn Materialien T, Seite 464. —
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Stempelpflichtigkeit der aus Stammaktien umgeshaffenen Stamm- Prioritätsaktien. — Anschaffungsgeschäft. 1. Juli 1881 29. Mai 1885 Geseg betreffend die Kommanditgesellshaften auf
Aktien und die Aktiengesellshaften vom 18. Juli 1884. Artikel 209a Nr. 4,
gesellshaft Br. Kohlenbergwerke, zu H., Klägerin, .
Tarif zum Reichs stempelgeseß vom
; In Sachen der Aktien vertreten durch die Direktion,
den K. pr. Stempelfiskus, vertreten dur Steuerdirektor zu B., Beklagten, Revisionsbeklagte,
0 i Reichsgericht, Vierter Civilsenat, am 11. April
ch den K. pr. Provinzial- beiderseits Revisionskläger und
das am 18. November 1887 Civilsenates des K. pr. Kam rüdckweisung der Revision d eklagten aufgehoben und . Juni 1887 verkündete U Handelssachen des K. pr. Land des Beklagten dahin abgeän Forderung von 340 A6 nebst 14. Februar 1887 abgewiesen wird. streites werden der Klägerin aufgelegt.
verkündete Urtheil des Zweiten mergerichtes zu B. wird, unter er Klägerin, auf die Revision des in der Sache selbst das am rtheil der Zweiten Kammer für gerihtes T zu B. auf die Berufung ß_ die Klägerin auh mit 9% Zinsen seit dem Die Kosten des Rehts-
Juni 1887 verkündete Urtheil der Zweiten en des K. pr. Landgerichts T zu B. an die Klägerin 19 093 A nebst 5 9% 20. Januar 1887 und von 340 auch die Kosten des Rechtsstreits eidung vom Beklagten eingelegten t des K. pr. Kammerge ovember 1887 verkündete Erkenntni
Dur das am 20. Kammer für Handels\ach Beklagte verurtheilt wo Zinsen von 18 753 M seit dem dem 14, Februar 1887 zu zahlen, Der gegen diese Entf Berufung hat der Zweite Civilsena
durch das am 18. rihts zu B.
dahin statt-
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Vertrages eintreten. Dieselben bestehen nah S. 7 des AnfeHtungs3- gesebes darin, daß der Gläubiger (Anfehtungskläger), soweit 3 behufs seiner Befriedigung erforderlich ist, beanspruchen kann, daß das durch anfechtbare Handlung aus dem Vermögen des ShHuldners Weggegebene als noch zu demselben gehörig von dem Empfänger (Anfechtungsbeklagten) zurückgewährt werde. Es soll also nah der Intention des Geseßes das dur die angefohtene Handlung hbervor- gerufene Hinderniß der Zwangsvollstreckung in das Vermögen des Schuldners beseitigt und der Gläubiger in den Stand gefeßt werden, fein Retht gegen den Schuldner so zu verfolgen, wie er vor Abschluß des Veräußerungsgeshäfts dazu befugt war. Daraus folgt für den gegenwärtigen Rechtsstreit, daß die Graf von L.shen Erben den durch anfehtbares Rechtsgeshäft ihres Vaters erlangten Eigenthums- erwerb an den R.'shen Sachen der Beklagten nit entgegenhalten dürfen, sondern ihr gestatten müssen, ihre Forderung gegen R. so zu verfolgen, als wenn die Verträge vom Dezember 1882 niht ab- ges{lofsen wären. Weiter geht aber das Recht der Beklagten nicht. Die Rechtsverhältnisse, welhe durch die Vecträge für den Grafen von L, gegenüber dem R. geshlossen sind, berühren sie in keiner Weise. Sie kann nit gleichzeitig geltend machen, der Vertrag bestehe für sie niht, aber die Kläger seien zu ihren Gunsten dem R. gegenüber daran gebunden. Sie würde damit ihren AnspruŸh auf einen für sie nicht existirenden Rechtsakt stüßen. Die entgegen'stehende Ausführung des Berufungsrichters erscheint deshalb recht3irrthümlich und nit geeignet , die getroffene Entscheidung zu halten. Es fragt sich nur, ob der «ntscheidungsgrund des ersten Richters für dur- greifend zu erachten ist. Das Reichsgeriht hat au das vecneint.
Es fann fein Zweifel darüber obwalten, daß, wie {hon bemerkt, das Anfehtungsgeseß, wenn man zunächst den S. 7 desselben allein berücksihtigt, nur die Wiederherstellung des früheren Rehtszustandes zu Guniten des Anfehhtungsklägers anordnet, nicht aber diesem neue Befriedigungsobjekte beschaffen oder die an den früher vorbandenen Objekten bestehenden und ihm vorgehenden Rechte zu seinem Vortheil beseitigen wil. Nähme man Leßteres an, so würde in vielen Fâllen die Durchführung der Anfehtung nit ein dem Anfehtungskläger zugefügtes Unrecht wegräaumen, fondern iha geradezu bereihezrn. (Vergl. das Beispiel bei Cosack, Anfehtungsreht Seite 271.) Nach Ansitht des Reichsgerichts ist ein derartiger Erfolg niht beabsihtigt worden, sondern die in Folge der durhgeführten Anfehtung eintretende rechtliche Fiktion geht nah §. 7 des Anfehtungsgeseßes nur dahin, daß zu Gunsten des Anfechtungsklägers das Eigenthum des Schuldners so, wie es vor der Anfechtung bestand, wieder auflebt, und nit, daß die iweggegebene, mit Pfandrechten behaftete Sache si jeßt als pfand- frei im Vermögen des Schuldners befinde.
Faßt man das Gesetz in diesem Sinne auf, so kommt weiter das in Folge der durchgeführten Anfehtung zwishen dem Grafen von L. und R. eintretende Rechtsverhältniß in Frage. Die im De- zember 1882 geiätigtón Rechtsgeschäfte gestatten eine verschiedene Beurtheilung. Es kann beabsichtigt sein, daß Graf von L, die Sachen von R. kaufen und den Kaufpreis auf die Shuld des [leßteren verrechnen follte. Es fann aber auh die Absicht der Kontrahenten dahin gegangen sein, daß der Graf von L. statt des