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Timestamp: 2019-07-24 09:59:04
Document Index: 10028073

Matched Legal Cases: ['§ 97', '§ 1', '§ 11', 'BGH', '§ 31', 'BGH']

Das Internet als neuer Vertriebsweg für Musik und die Praxis der ... | Masterarbeit, Hausarbeit, Bachelorarbeit veröffentlichen
25 Seiten, Note: 9
Patrick Hempel (Autor)
B. DIE GESCHICHTLICHE ENTWICKLUNG DER TONTRÄGER
C. DAS INTERNET ALS NEUER VERTRIEBSWEG FÜR MUSIK
I. DIE MUSIKINDUSTRIE IN DER KRISE
1. Musik als urheberrechtlich gesch ü tztes Gut
2. Das Tauschb ö rsen-Ph ä nomen
3. Die Entwicklung in Zahlen am Beispiel Deutschlands
4. Das Problem der „ legalen “ Musikdienste
II. DAS URHEBERRECHT ALS RETTER DER MUSIKINDUSTRIE?
1. Urheberrechtsnovelle 2003
2. Der „ zweite Korb “ 2008
3. Weitere Ä nderungen des Urheberrechts
III. DIE ENTWICKLUNG DES MARKTES IN DEN LETZTEN JAHREN
D. DIE PRAXIS DER VERFOLGUNG VON URHEBERRECHTSVERLETZUNGEN IM INTERNET
I. RECHTLICHE WÜRDIGUNG EINES MUSIKDOWNLOADS AM BEISPIEL DER TAUSCHBÖRSEN
1. Vorbereitende Handlungen
2. Der „ Download “
3. Der „ Upload “
4. Unterschiede zu anderen Downloadarten
II. STRAFRECHTLICHE VERFOLGUNG
III. ZIVILRECHTLICHE VERFOLGUNG
1. Problem der „ St ö rerhaftung “
a) Problem „Massenabmahnungen“
b) § 97a II UrhG
I. „KULTURFLATRATE“
II. „WARNEN STATT ABMAHNEN“
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- Eisenmann, H., Jautz, U.: Grundriss gewerblicher Rechtsschutz und Urheberrecht, 8. Auflage, Heidelberg 2009.
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Die Musikindustrie hat in den letzten Jahren einen enormen Wandel durchlebt. Das Internet als Massenmedium wird in der Gesellschaft immer präsenter. 2009 hatten bereits 75% der deutschen Haushalte einen Internetzugang[1], mittlerweile sind es fast 80%[2].
Neben den positiven Aspekten des Internets, wie zum Beispiel der Möglichkeit des Widerauffindens von alten Schulfreunden[3] oder des schnellen Auffindens von Informationen durch Suchmaschinen wie „Google“[4] hat das Internet aber auch eine „dunkle Seite“. Die Möglichkeit, Informationen in Form von Dateien auszutauschen, stellt die Urheber von (digitalen) Werken vor immense Probleme. Hierzu gehören auch die Musikkünstler, deren Werke mittlerweile in digitaler Form angeboten werden können. Mit dem Beginn der Digitalisierung von Musik begann auch die sog. „Musikpiraterie“, d. h. die unerlaubte Vervielfältigung von Musikstücken über das Internet. Die Musikindstrie selbst scheint diese Entwicklung versäumt zu haben und erkennt erst jetzt die Chancen, welche das Internet für sie bietet. Die vorliegende Arbeit soll dieses Thema näher beleuchten und dem Leser einen Überblick geben über die Entwicklung der Vertriebswege für Musik - speziell dem Internet - und der der Verfolgung von Urheberrechtsverletzungen in der Praxis.
Die Musik selbst existiert so lange Lebewesen Laute von sich geben können.[5] Jedoch hat sich erst in den letzten 120 Jahren schrittweise eine Musikindustrie entwickelt. Als Geburtsstunde gilt die Pariser Weltausstellung von 1889, auf der der Erfinder Thomas Alva Edison und die von ihm erfundenen Phonographen (Metallwalzen, welche beim Drehen Töne erzeugen, ähnlich den heute noch erhältlichen Spieluhren) gefeiert wurden, auch wenn die eigentliche Erfindung bereits 1877 erfolgte.[6] Natürlich waren diese Geräte kaum massentauglich, da für jede Melodie eine neue Walze hergestellt werden musste.
Ungefähr zeitgleich fand die Entwicklung der Schallplatte statt, welche bereits 1890 serienmäßig hergestellt werden konnte und ab 1895 im Handel erhältlich war.[7] Sie ist noch heute ein durchaus beliebtes Medium zur Musikwiedergabe und wird noch immer im Handel vertrieben. Auch wenn im Jahre 1963 die Musikkassette[8] und 1983 die CD[9] die Musikwelt veränderten, blieben die Vertriebsformen immer die Gleichen. So wurden die Tonträger stets über den Einzelhandel direkt an die Kunden verkauft, meist in Fachgeschäften, Waren- und Kaufhäusern.[10]
Mit der Entstehung des Internets bzw. der Erfindung des World-Wide-Web 1991 in Genf[11] tat sich für nahezu alle Industriezweige eine vollkommen neue Vertriebsform auf. Plötzlich konnten Menschen auf der ganzen Welt Tonträger erwerben ohne dafür auch nur aus der Wohnung gehen zu müssen.
Eine weitere Entwicklung erhöhte den Komfort für den Endverbraucher sogar noch weiter. Schon bevor das World-Wide-Web entstand, wurde Musik digitalisiert und konnte auf Computern abgespielt werden. Da aber digitalisierte Musik in Form von Dateien noch sehr viel Speicherplatz kostete - welcher zu damaligen Zeiten noch knapp war - konnte sich Musik als digitales Gut noch nicht durchsetzen. Eine sog. „wav“-Datei, also ein unkomprimiertes Musikdateiformat, ist beispielsweise ca. 40-60 Megabyte (MB) groß. Mitte der Neunziger Jahre eroberte daher ein schon lange in Planung befindliches Dateiformat die Welt, welches die Musikindustrie in eine enorme Krise stürzen sollte; das „mp3“-Format.[12] Eine solche „mp3“- Datei hat nur ein Zehntel der Größe einer „wav“-Datei.[13] Dieses Format ermöglichte es, größere Sammlungen von Musikstücken auf einem Computer zu speichern und abzuspielen. Grundsätzlich stellte dies noch keine Gefahr für die Tonträgerindustrie dar, denn man benötige meist immernoch die originalen Tonträger um die Musik auf dem eigenen Computer zu digitalisieren. 1998 kam dann ein Programm auf den Markt, welches seinen Benutzern ermöglichte, Dateien über das Internet zu verschicken bzw. herunterzuladen (grundsätzlich war dies schon länger in sog. „Newsgroups“ möglich, da diese aber recht kompliziert waren wurden diese nur von erfahrenen Menschen genutzt). Da Musikdateien mittlerweile eine akzeptable Größe besaßen, begannen die Benutzer auch diese zu „tauschen“. Der Mythos „Napster“ war geboren und die Musikindustrie sah sich sinkenden Verkaufszahlen ausgesetzt.
1. Musik als urheberrechtlich gesch ütztes Gut
Die Urheber der Musikstücke, meist die jeweiligen Künstler, genießen in Deutschland den Schutz des Urheberrechts, vgl. § 1 UrhG. Gemäß § 11 UrhG soll das Urheberrecht den Künstlern eine angemesse Vergütung für ihr Schaffen sichern. In der Regel verdient jemand, der ein Musikstück schreibt, dafür kein Geld. Dieses erhält er erst, wenn er seine Musik erfolgreich an den Endverbraucher verkauft. Dieser Weg ist üblicherweise relativ unübersichtlich und schwer nachvollziehbar, da meist mehrere Menschen und Firmen an der Produktion von Musik und den entsprechenden Tonträgern beteiligt sind. Der erzielte Gewinn wird dann entsprechend einzelner Vereinbarungen unter den Beteiligten aufgeteilt.[14] Ziel ist es, durch diese Vergütungsansprüche die kulturelle Vielfalt der Allgemeinheit zu gewährleisten. Denn ein Künstler, der für seine Kunst keine Vergütung erhält, wird diese nicht langfristig betreiben. Der BGH führt hierzu ebenso aus, dass die Verbraucher eine „Dankesschuld“ dafür tragen, dass die Künstler ihnen ihr Kunstverlangen befriedigen.[15]
2. Das Tauschbörsen-Ph ä nomen
„Napster“ durchbrach dieses Gleichgewicht von Leistung und Gegenleistung, da die Nutzer begannen, Musikdateien zu tauschen bzw. auf ihren eigenen Computer herunterzuladen. Sie konnten nach abgeschlossener Übertragung ein Lied auf ihrem Computer abspielen, ohne dafür eine finanzielle Gegenleistung erbracht zu haben.
Napster stellte die erste sog. „Peer-to-Peer“-Tauschbörse dar. „Peer“ (engl. „Gleichgestellter“) steht dafür, dass die Benutzer auf einer gleichgestellten Ebene Dateien miteinander austauschen können. Das Gegenstück hierzu stellt das sog. „Server-Client-Modell“ dar, bei dem alle Benutzer von einem zentralen Computer („Server“) Informationen bzw. Dateien herunterladen.[16]
Die Musikindustrie hatte ein Problem. Denn die „Peer-to-Peer“ (P2P)- Tauschbörsen unterlagen keiner Kontrolle. Jeder, der das Programm nutzte, lud nicht nur Dateien herunter, sonder bot auch gleichzeitig seine eigenen Dateien an. Nur durch diesen Mechanismus kann eine Tauschbörse funktionieren. Denn wenn niemand eine Datei anbietet, kann sie auch keiner herunterladen, da gerade kein zentraler, ständig erreichbarer Server vorhanden ist der Dateien bereithält (gleichwohl waren im Napster- Netzwerk Server im Einsatz um die Downloads zu „organisieren“, die Downloads selbst liefen aber dezentral ab[17] ). Die Benutzer, die Musikdateien anboten, hatten jedoch meist keinerlei Rechte zur Verbreitung oder Vervielfältigung der Dateien, also keine von den eigentlichen Urhebern eingeräumten Nutzungsrechte i. S. v. § 31 UrhG.
Doch alleine die Tauschbörse Napster hatte zwischenzeitlich 80 Millionen Nutzer weltweit.[18] Die Gier der Menschen nach kostenlosem Kulturgut war ungebrochen.
Seit dem Beginn der Tauschbörsenutzung hat die Musikindustrie einen stetigen Umsatzrückgang zu verzeichnen. Allein im Zeitraum 2002 bis 2004 ging der Umsatz der Musikindustrie um 18,22 % von 2321 Millionen Euro auf 1898 Millionen Euro zurück.[19]
Insgesamt stiegen die Zahlen von Musikdownloads aus dem Internet allein im Zeitraum von 2000 bis 2004 von 320 Millionen Dateien um 48,44 % auf 475 Millionen[20] (im Jahre 2002 gab es zwischenzeitlich sogar ganze 622 Millionen und 2003 noch 602 Millionen Downloads). [21]. Im Jahre 2004 hatten die illegalen Downloads einen Anteil von 80,5 %, also 382 Millionen Stück.
Auch wenn bereits 2003 mit „iTunes“ und dem ersten deutschen Anbieter „musicload“[22] auch legale Musikdienste existierten, konnten sich diese gegenüber den illegalen Tauschbörsen scheinbar nicht durchsetzen. Dies zeigen die o.g. Zahlen. Selbst als im Jahr 2001 die Tauschbörse Napster abgeschaltet werden musste[23] , änderte dies nichts. Im Gegenteil: die Menschen weltweit reagierten darauf, indem sie einfach zu ähnlichen Programmen wie „Gnutella“, „Morpheus“ oder „Kazaa“ wechselten.[24] Die Musikindustrie hatte es nicht geschafft, die illegalen Downloads einzudämmen, indem man die Anbieter verbot. Deshalb startete man einen weiteren Versuch: Digital Rights Management (DRM). DRM ist ein Kopierschutzverfahren, welches in die Musikdateien integriert werden konnte und verhindern sollte, dass die Benutzer die Dateien brennen und weitergeben können.[25] Leider hatte dieser Mechanismus technische Probleme; so konnten die geschützten Musikdateien nicht mit allen gängigen Geräten abgespielt werden.[26] Menschen, die für ihre digitalen Musikstücke Geld zahlten, konnten diese also nicht überall abspielen. Die Empörung über dieses Verfahren war daher groß. 2005 gab es noch immer 412 Millionen illegale Downloads[27] , also sogar noch mehr als im Jahr zuvor. Dies lag wohl daran, dass 2005 nahezu alle legalen Musikdienste nur DRM-geschützte Dateien anboten.[28] Die Endverbraucher wichen nun erneut auf illegale Dienste aus, da nur dort ungeschützte Dateien erhältlich waren, die auch mit ihren Abspielgeräten funktionierten. Dies war demnach auch kein Weg aus der Krise.
[1] http://www.bitkom.org/de/markt_statistik/64042_56246.aspx.
[2] http://www.internetworldstats.com/europa.htm#de
[3] bspw. auf http://www.stayfriends.de; http://www.meinvz.de.
[4] http://www.google.de; http://de.yahoo.com.
[5] Wörner, S. 1 ff.
[6] Leonhard, S. 1363.
[7] Leonhard, S. 1363.
[8] Schmidt, S. 176; Leonhard, S. 1365.
[9] Schmidt, S. 176; Leonhard, S. 1367.
[10] Übersicht zu den Vertriebsformen des Einzelhandels in Bruhn, S. 253.
[11] Fritz, S. 36.
[12] Fraunhofer Institut: MP3-Broschüre, S. 10.
[13] Fraunhofer Institut: MP3-Broschüre, S. 2.
[14] Eisenmann/Jautz, Rn. 50.
[15] BGHZ 17, 266 (278).
[16] Vgl. Einleitung in Schoder, S. 3 f.
[17] R ö ttgers, S. 23.
[18] Green, S. 2 m.w.N.
[19] Bundesverband Musikindustrie e.V., Jahreswirtschaftsbericht 2009, Kap. 3, S. 12.
[20] GfK, Brennerstudie 2005, S. 14.
[21] GfK, Brennerstudie 2005, S. 16.
[22] Kotler/Armstrong/Saunders/Wong, S. 938.
[23] Wirtz, S. 429.
[24] Wirtz, S. 438.
[25] Wirtz, S. 438.
[26] Picot/Thielmann, S.10.
[27] GfK, Brennerstudie 2006, S. 16.
[28] http://www.netzwelt.de, Artikel v. 06.11.2005.
V165953
9783640817634
9783640821174
Zusätzlich zu dieser Arbeit wurde ein mündliches Referat gehalten.
Musik, Urheberrecht, Urheberrechtsverletzung, Schutzrechte, Schutzrechtsverletzung, Abmahnung, Abmahnwelle, Abmahnwahn, Internet, Vertrieb, mp3, Napster, Filesharing, Peer-to-peer, Tauschbörse, Kulturflatrate, Warnen statt abmahnen, UrhG, Internetrecht, Musikindustrie
Patrick Hempel (Autor), 2010, Das Internet als neuer Vertriebsweg für Musik und die Praxis der Verfolgung von Urheberrechtsverletzungen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/165953
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