Source: https://testamentovital.com.br/legislacao/alemanha/
Timestamp: 2019-10-16 20:43:27
Document Index: 308082466

Matched Legal Cases: ['§ 1901', '§ 1901', '§ 1901', '§ 1901', '§ 1901', '§ 1901', '§ 1904', '§ 1901']

Alemanha - Testamento Vital
Die ge­setz­li­chen Grund­la­gen der Pat­Verfü im Bür­ger­li­chen Ge­setz­buch (BGB)
Das neue Ge­setz, mit dem die Pa­ra­gra­phen im Be­treu­ungs­recht rund um die Re­ge­lung von Pa­ti­en­ten­ver­fü­gun­gen auf­grund der Ent­schei­dung des Bun­des­ta­ges vom 18.6.2009 ge­än­dert wor­den sind, ist im Bun­des­ge­setz­blatt, Jahr­gang 2009, Teil I Nr. 48, Seite 2286-2287 ver­öf­fent­licht und heißt: „3. Ge­setz zur Ände­rung des Be­treu­ungs­rechts vom 29.07.2009“. Die ge­setz­li­chen Grund­la­gen, auf de­nen die Pat­Verfü ba­siert, sind die fol­gen­den Pa­ra­gra­phen des Bür­ger­li­chen Ge­setz­buchs (BGB), Ab­schnitt Be­treu­ungs­recht:
§ 1901a Pa­ti­en­ten­ver­fü­gung
(1) Hat ein ein­wil­li­gungs­fä­hi­ger Voll­jäh­ri­ger für den Fall sei­ner Ein­wil­li­gungs­un­fä­hig­keit schrift­lich fest­ge­legt, ob er in be­stimmte, zum Zeit­punkt der Fest­le­gung noch nicht un­mit­tel­bar be­vor­ste­hende Un­ter­su­chun­gen sei­nes Ge­sund­heits­zu­stan­des, Heil­be­hand­lun­gen oder ärzt­li­che Ein­griffe ein­wil­ligt oder sie un­ter­sagt (Pa­ti­en­ten­ver­fü­gung), prüft der Be­treuer, ob diese Fest­le­gun­gen auf die ak­tu­elle Lebens- und Be­hand­lungs­si­tua­tion zu­tref­fen. Ist dies der Fall, hat der Be­treuer dem Wil­len des Be­treu­ten Aus­druck und Gel­tung zu ver­schaf­fen. Eine Pa­ti­en­ten­ver­fü­gung kann je­der­zeit form­los wi­der­ru­fen wer­den.
(2) Liegt keine Pa­ti­en­ten­ver­fü­gung vor oder tref­fen die Fest­le­gun­gen ei­ner Pa­ti­en­ten­ver­fü­gung nicht auf die ak­tu­elle Lebens- und Be­hand­lungs­si­tua­tion zu, hat der Be­treuer die Be­hand­lungs­wün­sche oder den mut­maß­li­chen Wil­len des Be­treu­ten fest­zu­stel­len und auf die­ser Grund­lage zu ent­schei­den, ob er in eine ärzt­li­che Maß­nahme nach Ab­satz 1 ein­wil­ligt oder sie un­ter­sagt. Der mut­maß­li­che Wille ist auf­grund kon­kre­ter An­halts­punkte zu er­mit­teln. Zu be­rück­sich­ti­gen sind ins­be­son­dere frü­here münd­li­che oder schrift­li­che Äuße­run­gen, ethi­sche oder re­li­giöse Über­zeu­gun­gen und sons­tige per­sön­li­che Wert­vor­stel­lun­gen des Be­treu­ten.
(3) Die Ab­sätze 1 und 2 gel­ten un­ab­hän­gig von Art und Sta­dium ei­ner Er­kran­kung des Be­treu­ten.
(4) Nie­mand kann zur Er­rich­tung ei­ner Pa­ti­en­ten­ver­fü­gung ver­pflich­tet wer­den. Die Er­rich­tung oder Vor­lage ei­ner Pa­ti­en­ten­ver­fü­gung darf nicht zur Be­din­gung ei­nes Ver­trags­schlus­ses ge­macht wer­den.
(5) Die Ab­sätze 1 bis 3 gel­ten für Be­voll­mäch­tigte ent­spre­chend.
§ 1901b Ge­spräch zur Fest­stel­lung des Pa­ti­en­ten­wil­lens
(1) Der be­han­delnde Arzt prüft, wel­che ärzt­li­che Maß­nahme im Hin­blick auf den Ge­samt­zu­stand und die Pro­gnose des Pa­ti­en­ten in­di­ziert ist. Er und der Be­treuer er­ör­tern diese Maß­nahme un­ter Be­rück­sich­ti­gung des Pa­ti­en­ten­wil­lens als Grund­lage für die nach § 1901a zu tref­fende Ent­schei­dung.
(2) Bei der Fest­stel­lung des Pa­ti­en­ten­wil­lens nach § 1901a Ab­satz 1 oder der Be­hand­lungs­wün­sche oder des mut­maß­li­chen Wil­lens nach § 1901a Ab­satz 2 soll na­hen An­ge­hö­ri­gen und sons­ti­gen Ver­trau­ens­per­so­nen des Be­treu­ten Ge­le­gen­heit zur Äuße­rung ge­ge­ben wer­den, so­fern dies ohne er­heb­li­che Ver­zö­ge­rung mög­lich ist.
(3) Die Ab­sätze 1 und 2 gel­ten für Be­voll­mäch­tigte ent­spre­chend.
§ 1901c Schrift­li­che Be­treu­ungs­wün­sche, Vor­sor­ge­voll­macht
Wer ein Schrift­stück be­sitzt, in dem je­mand für den Fall sei­ner Be­treu­ung Vor­schläge zur Aus­wahl des Be­treu­ers oder Wün­sche zur Wahr­neh­mung der Be­treu­ung ge­äu­ßert hat, hat es un­ver­züg­lich an das Vor­mund­schafts­ge­richt ab­zu­lie­fern, nach­dem er von der Ein­lei­tung ei­nes Ver­fah­rens über die Be­stel­lung ei­nes Be­treu­ers Kennt­nis er­langt hat. Ebenso hat der Be­sit­zer das Vor­mund­schafts­ge­richt über Schrift­stü­cke, in de­nen der Be­trof­fene eine an­dere Per­son mit der Wahr­neh­mung sei­ner An­ge­le­gen­hei­ten be­voll­mäch­tigt hat, zu un­ter­rich­ten. Das Vor­mund­schafts­ge­richt kann die Vor­lage ei­ner Ab­schrift ver­lan­gen.
§ 1904 Ge­neh­mi­gung des Vor­mund­schafts­ge­richts bei ärzt­li­chen Maß­nah­men
(1) Die Ein­wil­li­gung des Be­treu­ers in eine Un­ter­su­chung des Ge­sund­heits­zu­stands, eine Heil­be­hand­lung oder ei­nen ärzt­li­chen Ein­griff be­darf der Ge­neh­mi­gung des Vor­mund­schafts­ge­richts, wenn die be­grün­dete Ge­fahr be­steht, dass der Be­treute auf Grund der Maß­nahme stirbt oder ei­nen schwe­ren und län­ger dau­ern­den ge­sund­heit­li­chen Scha­den er­lei­det. Ohne die Ge­neh­mi­gung darf die Maß­nahme nur durch­ge­führt wer­den, wenn mit dem Auf­schub Ge­fahr ver­bun­den ist.
(2) Die Nicht­ein­wil­li­gung oder der Wi­der­ruf der Ein­wil­li­gung des Be­treu­ers in eine Un­ter­su­chung des Ge­sund­heits­zu­stands, eine Heil­be­hand­lung oder ei­nen ärzt­li­chen Ein­griff be­darf der Ge­neh­mi­gung des Vor­mund­schafts­ge­richts, wenn die Maß­nahme me­di­zi­nisch an­ge­zeigt ist und die be­grün­dete Ge­fahr be­steht, dass der Be­treute auf Grund des Un­ter­blei­bens oder des Ab­bruchs der Maß­nahme stirbt oder ei­nen schwe­ren und län­ger dau­ern­den ge­sund­heit­li­chen Scha­den er­lei­det.
(3) Die Ge­neh­mi­gung nach den Ab­sät­zen 1 und 2 ist zu er­tei­len, wenn die Ein­wil­li­gung, die Nicht­ein­wil­li­gung oder der Wi­der­ruf der Ein­wil­li­gung dem Wil­len des Be­treu­ten ent­spricht.
(4) Eine Ge­neh­mi­gung nach Ab­satz 1 und 2 ist nicht er­for­der­lich, wenn zwi­schen Be­treuer und be­han­deln­dem Arzt Ein­ver­neh­men dar­über be­steht, dass die Er­tei­lung, die Nich­ter­tei­lung oder der Wi­der­ruf der Ein­wil­li­gung dem nach § 1901a fest­ge­stell­ten Wil­len des Be­treu­ten ent­spricht.
(5) Die Ab­sätze 1 bis 4 gel­ten auch für ei­nen Be­voll­mäch­tig­ten. Er kann in eine der in Ab­satz 1 Satz 1 oder Ab­satz 2 ge­nann­ten Maß­nah­men nur ein­wil­li­gen, nicht ein­wil­li­gen oder die Ein­wil­li­gung wi­der­ru­fen, wenn die Voll­macht diese Maß­nah­men aus­drück­lich um­fasst und schrift­lich er­teilt ist.