Source: https://www.gesellschaftsrechtsinfo.de/rueckforderung-auszahlungen-kommanditisten-5128564/?pk_campaign=feed&pk_kwd=rueckforderung-auszahlungen-kommanditisten
Timestamp: 2019-06-17 20:42:41
Document Index: 380157464

Matched Legal Cases: ['BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH']

Für den einer Publikumspersonengesellschaft beitretenden Gesellschafter müssen sich die mit dem Beitritt verbundenen, nicht unmittelbar aus dem Gesetz folgenden Rechte und Pflichten aus dem Gesellschaftsvertrag klar ergeben. Denn die erst nach Abschluss des Gesellschaftsvertrags beitretenden Kommanditisten müssen sich darauf verlassen können, nur solche Leistungen erbringen zu müssen, die dem Vertragstext unmissverständlich zu entnehmen sind4.
Der Umstand, dass hier nach den Bestimmungen des Gesellschaftsvertrages Liquiditätsausschüttungen auf gesonderten unverzinslichen Darlehenskonten der Gesellschafter zu erfassen sind, spricht angesichts der Ambivalenz von Buchungen auf Darlehenskonten der Gesellschafter – selbst isoliert betrachtet – nicht eindeutig für ein Darlehen der Gesellschaft an ihre Gesellschafter5.
Dagegen wäre es nach der Bundesgerichtshofsrechtsprechung naheliegend gewesen, im Gesellschaftsvertrag die Voraussetzungen zu regeln, unter denen der Gesellschafter zur Rückzahlung der Ausschüttungen an die Gesellschaft verpflichtet sein sollte, wenn die Auszahlungen unter dem Vorbehalt einer Rückforderung hätten stehen sollen6.
Der Hinweis Revision darauf, die Rückzahlungsansprüche gegen die Kommanditisten seien in den Jahresabschlüssen der Publikums-KG auf der Aktivseite ausgewiesen, vermag an diesem Auslegungsergebnis nichts zu ändern. Für den einer Publikumspersonengesellschaft beitretenden Gesellschafter müssen sich die mit dem Beitritt verbundenen, nicht unmittelbar aus dem Gesetz folgenden Rechte und Pflichten aus dem Gesellschaftsvertrag klar ergeben7. Denn die erst nach Abschluss des Gesellschaftsvertrags beitretenden Kommanditisten müssen sich darauf verlassen können, nur solche Leistungen erbringen zu müssen, die dem Vertragstext unmissverständlich zu entnehmen sind8. Ist das hinsichtlich der hier eingeforderten Rückzahlung von Ausschüttungen nicht der Fall, kann dieses zutreffende Auslegungsergebnis nicht nachträglich durch eine vom Gesellschaftsvertrag abweichende Handhabung seitens der Gesellschaft verändert werden.
Allerdings kann der Feststellung einer Bilanz, die diese jedenfalls im Verhältnis zwischen Gesellschaft und Gesellschafter für verbindlich erklärt, für darin ausgewiesene Forderungen gegen den Gesellschafter die Wirkung eines zivilrechtlich verbindlichen Schuldanerkenntnisses zukommen9. Ob es sich um ein konstitutives oder um ein deklaratorisches Schuldanerkenntnis handelt, beurteilt sich nach den Umständen im Einzelfall10. Dies gilt auch bei Personengesellschaften11.
BGH, Urteil vom 16.02.2016 – II ZR 348/14, ZIP 2016, 518 Rn. 13; Urteil vom 12.03.2013 – II ZR 73/11, ZIP 2013, 1222 Rn. 13 [↩]
BGH, Urteil vom 12.03.2013 – II ZR 73/11, ZIP 2013, 1222 [↩]
BGH, Urteil vom 16.02.2016 – II ZR 348/14, ZIP 2016, 518 Rn. 14; Urteil vom 12.03.2013 – II ZR 73/11, ZIP 2013, 1222 Rn. 14 [↩]
vgl. BGH, Urteil vom 12.03.2013 – II ZR 73/11, ZIP 2013, 1222 Rn. 17 ff. [↩]
BGH, Urteil vom 12.03.2013 – II ZR 73/11, ZIP 2013, 1222 Rn. 23 [↩]
BGH, Urteil vom 16.02.2016 – II ZR 348/14, ZIP 2016, 518 Rn. 15 [↩]
BGH, Urteil vom 15.03.2011 – II ZR 301/09, ZIP 2011, 858 Rn. 7; Urteil vom 02.03.2009 – II ZR 264/07, ZIP 2009, 1111 Rn. 15; Urteil vom 09.02.2009 – II ZR 292/07, BGHZ 179, 344 Rn. 50 Sanitary [↩]
BGH, Urteil vom 15.03.2011 – II ZR 301/09, ZIP 2011, 858 Rn. 7; Urteil vom 02.03.2009 – II ZR 264/07, ZIP 2009, 1111 Rn. 15 [↩]
BGH, Urteil vom 02.03.2009 – II ZR 264/07, ZIP 2009, 1111 Rn. 15 [↩]