Source: https://www.lecturio.de/magazin/zivilrechtliche-pruefungsreihenfolge/
Timestamp: 2017-05-25 12:24:55
Document Index: 319599583

Matched Legal Cases: ['§ 433', '§ 433', '§ 280', '§ 179', '§ 179', '§ 683', '§ 985', '§ 1004', '§ 823', '§ 812', '§ 812', '§ 38', '§ 38', '§ 179', '§ 38', '§ 38', '§ 985', '§ 1007', '§ 861', '§ 1004', '§ 862', '§ 989', '§ 38', '§ 823', '§ 7', '§ 1', '§ 833', '§ 38', '§ 38', '§ 38', '§ 362', '§ 214', '§ 275', '§ 328', '§ 812', '§ 812', '§ 812', '§ 812']

Die zivilrechtliche Prüfungsreihenfolge - Basiswissen für Juristen
Home > Zivilrecht > Die zivilrechtliche Prüfungsreihenfolge – Basiswissen für Juristen Die zivilrechtliche Prüfungsreihenfolge – Basiswissen für Juristen
Aktualisiert am 4. April 2017 (Bewertungen: 15, durchschnittlich: 3,27)
Loading... 2 Kommentare https://www.lecturio.de/magazin/zivilrechtliche-pruefungsreihenfolge/
Welche Anspruchsgrundlagen sie in zivilrechtlichen Klausuren zu prüfen haben ist Studierenden oft klar, bei der Reihenfolge dieser kommt es jedoch häufig zu Fehlern. Im folgenden Artikel haben wir für Sie die offizielle Prüfungsreihenfolge erklärt, absolutes Grundlagenwissen für jede Juristen. InhaltsverzeichnisVorarbeitenPrüfungsaufbauVertragliche AnsprücheQuasivertragliche AnsprücheDingliche AnsprücheDeliktische AnsprücheAnsprüche aus ungerechtfertigter BereicherungPrüfung des einzelnen AnspruchsDieses kostenlose eBook inkl. Fallbeispielen zeigt Ihnen einfach & verständlich Grundwissen zum BGB AT:✔ Einstieg über Rechtssubjekte✔ Methoden der Fallbearbeitung im Zivilrecht✔ Wichtige Normen und Problemfelder des BGB AT
Bonus: Starten Sie kostenlos unsere Online-Repetitorien für das 1. StEx oder die Zwischenprüfung im Zivilrecht.
Bild: “give me five! (CC)” von Martin Fisch. Lizenz: CC BY-SA 2.0
Zunächst ist der Sachverhalt genauestens zu lesen und zu verstehen. Oft hilft es dabei auch, Diagramme und einen Zeitstrahl zu zeichnen und Markierungen im Falltext vorzunehmen.
Weiterhin muss die Fallfrage genauestens beachtet werden. Geht es etwa nur um die Ansprüche einer bestimmten Person, sind die anderen nicht zu berücksichtigen (auch wenn oft das Bestehen bestimmter Rechtsverhältnisse dieser Personen inzident geprüft werden muss).
Man beginnt stets im Kopf mit der Frage: Wer will was von wem woraus? Nach Möglichkeit sollten zuerst Zweipersonenverhältnisse geprüft werden. [Plate, S. 15]
Ist etwa die Fallfrage: „Wie ist die Rechtslage?“, hat der Bearbeiter sämtliche Ansprüche aller Personen zu prüfen.
Im Kopf geht man dann folgendes durch:
Wer (Anspruchssteller)
will was (Anspruchsgegenstand [etwa Kaufpreiszahlung, Schadensersatz oder Herausgabe einer Sache])
von wem (Anspruchsgegner [etwa der Vertragspartner])
woraus (Anspruchsgrundlage [etwa § 433 Abs. 2 BGB auf Kaufpreiszahlung])?
Nicht zu vergessen ist, dass jede auch nur mögliche Anspruchsgrundlage geprüft werden muss, selbst wenn ein Anspruch bereits bejaht wurde. Diese Prüfungsreihenfolge der Anspruchsgrundlagen sieht wie folgt aus:
Erfüllungsansprüche (z.B. § 433 Abs. 2 BGB)
Sekundäransprüche auf Schadensersatz und Aufwendungsersatz (z.B. § 280 Abs. 1 BGB)
Auf Erfüllung (z.B. § 179 Abs. 1 BGB)
Auf Schadensersatz (z.B. § 179 Abs. 2 BGB)
Auf Aufwendungsersatz (z.B. § 683, 760 BGB)
Auf Herausgabe (z.B. § 985 BGB)
Auf Beseitigung und Unterlassung (z.B. § 1004 BGB)
Deliktische Ansprüche (z.B. § 823 BGB)
Kondiktionsansprüche
Durch Leistung (z.B. § 812 Abs. 1 S. 1 1. Alt. BGB)
In sonstiger Weise (z.B. § 812 Abs. 1 S. 1 2. Alt. BGB)
Vertragliche Ansprüche sind stets zuerst zu prüfen. Denn diese können die Geschäftsführung ohne Auftrag ausschließen, einen Rechtfertigungsgrund für deliktisches Handeln, sowie einen Rechtsgrund bieten, welcher Ansprüche aus ungerechtfertigter Bereicherung (Kondiktionsansprüche) ausschließt. [Brox/Walker, AT, § 38 Rn. 839]
Vertragliche Ansprüche sind entweder Primär- oder Sekundäransprüche. Primäransprüche sind auf Vertragserfüllung gerichtet, Sekundäransprüche sind auf Schadens- und Aufwendungsersatz gerichtet. [Brox/Walker, AT, § 38 Rn. 840 f.]
Die Ansprüche aus vertragsähnlichen Verhältnissen sind nach den vertraglichen Ansprüchen zu prüfen, da sie diesen sehr nahe kommen. Meist mangelt es gerade so an einem Vertrag. Ein Beispielsfall für ein quasivertragliches Verhältnis ist das zwischen Gläubiger und Vertreter ohne Vertretungsmacht, § 179 BGB. [Brox/Walker AT, § 38 Rn. 842]
Die sachenrechtlichen Ansprüche schützen dingliche Rechte vor Beeinträchtigungen. [Brox/Walker, AT, § 38 Rn. 845 f.]
Die Herausgabeansprüche sind insbesondere der des Eigentümers gegen den Besitzer (§ 985 ff. BGB), der des früheren Besitzers gegen den aktuellen Besitzer (§ 1007 BGB) und der des Besitzers gegen den fehlerhaft Besitzenden (§§ 861, 858 Abs. 1 BGB).
Es gibt zudem noch sachenrechtliche Ansprüche auf Beseitigung und Unterlassung von Beeinträchtigungen, etwa aus § 1004 und § 862 BGB.
Die deliktischen Ansprüche gehen auf Schadensersatz. Zunächst ist jedoch zu prüfen, ob ein Eigentümer-Besitzer-Verhältnis (EBV §§ 989 ff. BGB) vorliegt. Dieses kann den Schadensersatz aus Delikt nämlich ausschließen. [Brox/Walker, AT, § 38 Rn. 847]
Die Ansprüche aus Deliktsrecht sind in §§ 823, 826 BGB normiert. Hierzu geprüft werden auch die Ansprüche aus Gefährdungshaftung aus § 7 Abs. 1 StVG, § 1 Abs. 1 ProdHaftG und § 833 S. 1 BGB.
Das Kondiktionsrecht soll unrechtmäßige Vermögensverschiebungen rückgängig machen. [Brox/Walker, AT, § 38 Rn. 850]
Zunächst sind Leistungskondiktionen zu prüfen, da diese die Bereicherung in sonstiger Weise ausschließen. [Brox/Walker, AT, § 38 Rn. 850]
Unter die ungerechtfertigte Bereicherung in sonstiger Weise fallen die Eingriffskondiktion, die Rückgriffskondiktion und die Verwendungskondiktion. [Brox/Walker AT, § 38 Rn. 851 f.]
Prüfung des einzelnen Anspruchs
Der einzelne Anspruch wird wie folgt geprüft:
Anspruch entstanden (Der gesetzliche Tatbestand muss erfüllt sein)
Anspruch nicht untergegangen (Dem Anspruch darf keine rechtsvernichtende Einwendung entgegenstehen [z.B. § 362 und 275 Abs. 1 BGB])
Anspruch durchsetzbar (Der Anspruchsgegner darf keine rechtshemmende Einwendung erhoben haben [z.B. § 214 Abs. 1 und § 275 Abs. 2 BGB])
Quellen Brox, Hans / Walker, Wolf-Dietrich: Allgemeiner Teil des BGB, 37. Auflage 2013.
Plate, Jürgen: Das gesamte examensrelevante Zivilrecht, 5. Auflage 2011.
Bewerten Sie diesen Artikel (Bewertungen: 15, durchschnittlich: 3,27)
Loading... Über die Redaktion Unsere Artikel sind das Ergebnis harter Arbeit unseres Redaktionsteams und unserer Fachautoren. Strenge Redaktionsvorgaben und ein effektives Qualitätsmanagement-System helfen dabei, die hohe Relevanz und Validität aller Inhalte zu sichern. Erfahren sie mehr über das Redaktionsteam, unsere Autoren und unsere Arbeitsprozesse. Artikelempfehlungen §§ 328 ff. BGB: Der echte Vertrag zugunsten Dritter Grundsätzlich kann man zwischen echten und unechten Verträgen zugunsten Dritter unterscheiden. Dieser Beitrag erklärt, wie beide voneinander abzugrenzen sind und was es im ... Juli 30, 2015 Lecturio mehr… Die Drittschadensliquidation: Das sollten Sie zur DSL wissen Die Drittschadensliquidation ist gesetzlich nicht geregelt. Mithilfe dieser Rechtsfigur wird jedoch das Dilemma gelöst, das entsteht, wenn Anspruch und Schaden auseinanderf... Juli 28, 2015 Lecturio mehr… Schreibe einen Kommentar Antworten abbrechen	Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *Name * E-Mail-Adresse * Website Kommentar 2 Kommentare 2 Gedanken zu „Die zivilrechtliche Prüfungsreihenfolge – Basiswissen für Juristen“ Wicht1. April 2016 um 15:26
Ein Fehler?:
Durch Leistung (z.B. § 812 Abs. 1 S. 1 BGB)
In sonstiger Weise (z.B. § 812 Abs. 1 S. 2 BGB) ???
Richtig ist: Durch Leistung (z.B. § 812 Abs. 1 S. 1 1. Alt. BGB)
In sonstiger Weise (z.B. § 812 Abs. 1 S. 1 2. Alt. BGB) Also 1 bzw 2. Alternative
Maria Jaehne20. Juni 2016 um 16:32
vielen Dank für Ihren Hinweis, wir haben es geändert.