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Timestamp: 2018-04-22 03:18:14
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Matched Legal Cases: ['§ 416', '§ 416', '§ 416', '§ 416', '§ 416', '§ 416', '§ 61', '§ 416', '§ 413', '§ 416', '§ 416', '§ 416', '§ 416', '§ 416', '§ 416', '§ 416', '§ 416', '§ 416', '§ 416', '§ 416', '§ 416', '§ 416', '§ 416', '§ 36', '§ 413']

Papinians Quaestiones - Einleitung - C.H.Beck
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1 Wieacker, Textstufen, 1960, 332.
„Vom hohen Ansehen der papinianischen Quästionen zeugt bereits im 3. Jh. ihre sprachliche und gedankliche Wirkung auf die diokletianische Kanzlei, zur Zeit Konstantins ihr Schutz vor Notierung, für Justinian das Lob der Publikationserlasse, doch mag die anspruchsvolle Schrift zu allen Zeiten mehr, erhoben als gelesen' (Lessing) worden sein. "1
2 Cujas, in: Opera IV, dazu Manthe, Die Datierung der Vorlesungen des Cujaz über die Quaestionen Pap (...)
3 Schulz, in: Scritti Ferrini, IV, 1949, 254-267; ders., RIDA-AHDO 1 (1952) 557-569; ders., RIDA-AHD (...)
4 Vgl. Puchta, Cursus der Institutionen, Leipzig 91881, 267; Jörs, s. v. Aemilius Papinianus, in:REI (...)
5 Manthe, in: FS Wolf, 2000, 163. Ähnlich ders., OIR 10 (2005) 145.
6 Mommsen, in: Ges. Schriften II, 1907, 158; Frezza, Corso di storia del diritto romano, Rom 31974, (...)
7 Toso, in: Actaiuridici internationalis II, 1935, 33f., der einen direkten Einfluss des Christentum (...)
8 Kritisch Klami, in: Studi Biscardi IV, 1983, 215-237.
9 Vgl. Horak, Rationes decidendi I, 1969; Bretone, Tecniche, 21984; allgemein Kaser, Ausg. Schriften (...)
10 Zum Stil vgl. Leipold, Sprache, 1891; Costa I, 1894, 257-328; Liebs, in: HLL IV, 1997, § 416. B. 5 (...)
11 Negativ besetzt bei Schulz, AHDO-RIDA 1 (1952) 568f. Zum Vorwurf des „Papinianismus" vgl. zuletzt (...)
12 Zur Bedeutung der Rhetorik in der Ausbildung vgl. Parks, The Roman Rhetorical Schools as A Prepara (...)
13 Anknüpfungspunkt ist Nörr, HIA II, 717f., 760f., der bei Papinian Kenntnisse der rhetorisch-philos (...)
1Das Bonmot Franz Wieackers gilt auch für die romanistische Beschäftigung mit dem Hauptwerk des spätklassischen Juristen Aemilius Papinianus, denn neben der Pionierleistung des Jacques Cujas (1658 posthum)2 steht allein der von Fritz Schulz verfasste Kommentar, der bekanntlich Fragment geblieben ist3. Diese Tatsache steht nicht nur in einem auffälligen Gegensatz zu den vielfachen Bekundungen, Papinian sei einer der wichtigsten4, der „scharfsinnigste und in seiner Ausdrucks-weise präziseste aller römischen Juristen"5, der moralischste6 oder der „christlichste“7. Das Desinteresse der Romanistik am wissenschaftlichen Hauptwerk Papinians ist auch deshalb überraschend, weil seit der Überwindung der Hyperkritik die Individualität der einzelnen Juristen und ihrer Werke klarer erkannt wird8. Zudem ist vermehrt seit den 1970er Jahren die Frage nach den Entscheidungsgrundlagen und der Methode der römischen Jurisprudenz in den Blick gerückt9. Obwohl seit Langem die Originalität des papinianischen Stils bekannt ist, ist man bisher nicht der Frage nachgegangen, ob sich auch die Technik der Entscheidungsfindung des Spätklassikers von dem Vorgehen anderer Juristen unterscheidet10. Dabei legt die bekannte11 rhetorische Prägung der Sprache Papinians nahe, dass sich auch seine Argumentation und Beweisführung an rhetorische Vorbilder anlehnt. Diese Möglichkeit ist umso mehr zu erwägen, als die antike Rhetorik eine Beweis-und Argumentationstheorie formuliert hat, die Geltung für alle Wissenschaften beansprucht. Als allgemeines Bildungsgut könnte sie auch auf die Jurisprudenz gewirkt haben12. Daher soll hier der Versuch unternommen werden, das Hauptwerk Papinians, das schon mit seinem Titel an einen Zentralbegriff der antiken Philosophie und Rhetorik anknüpft, unter juristischen wie rhetorischen Gesichtspunkten umfassend zu analysieren13.
I. Zu den äußeren Entstehungsvoraussetzungen des Werkes
2Vorbereitend sind die äußeren Entstehungsvoraussetzungen der Quaestiones Papinians zusammenzutragen, d. h. die nicht immer widerspruchsfreien Informationen aus nichtjuristischen Quellen zum Leben des Juristen sowie Vermutungen zu Datierung und Textgeschichte des Quaestiones-Werkes.
1. Zur Person Papinians
14 Zur africitas vgl. Kalb, Roms Juristen, 1890, 111-118, Leipold, Sprache, 1891, 26-35, Costa I, 189 (...)
15 HA Carac. 8, 2f., dazu Kunkel, Herkunft, 21967, 227f., Giuffrè, in: ANRW II. 15, 1976, 642-652, Li (...)
16 Vgl. Leumann/Hofmann/Szantyr, 21972, 766 (ablehnend), Kunkel, Herkunft, 21967, 226 Fn. 446 (skepti (...)
17 Zur Problematik der Quelle vgl. Straub, Heidnische Geschichtsapologetik in der christlichen Spätan (...)
18 Syme, in: Roman Papers III (1984) 1410 mwN Fn. 108. Weitere Nachweise bei Liebs, in: HLLIV, 1997, (...)
19 Vgl. Coriat, 1997, 206 und 208, mwN, anders Spielvogel, Septimius Severus, 2006, 202.
20 Vgl. bereits Costa I, 1894, 41f.; Kunkel, Herkunft, 21967, 229; Wieacker, RRG II, 128; optimistisc (...)
3Wenn immer wieder das römische Africa als möglicher Herkunftsort Papinians genannt wird, beruht diese Zuweisung vor allem auf sprachlichen Eigenheiten, die der angeblichen africitas zugeschrieben werden, sowie (möglicherweise) hellenistischen Rechtsvorstellungen in Papinians Werk14. Grundlage für die Vermutung, Papinian stamme aus Syria, ist demgegenüber die Behauptung der Historia Augusta, er sei mit Septimius Severus verschwägert gewesen15. Beide Argumentationsstränge sind mit größeren Unsicherheiten belastet: So ist die Idee einer africanischen Sprachfärbung in der Philologie umstritten16 und genügt daher nicht, um Papinian sicher Africa zuzuweisen, zumal sich die (angeblich) hellenistischen Rechtsvorstellungen nicht auf Africa beschränken. Gegenüber dem Bericht der Historia Augusta sind zunächst die allgemeinen Zweifel an der Glaubwürdigkeit dieser Quelle anzuführen17. Hinzu kommt die Möglichkeit der Legendenbildung über Papinian, in der dessen Verbundenheit mit Septimius Severus motivisch dem Verrat des Caracalla entgegengesetzt wird18. Nicht auszuschließen ist auch, dass Papinians angebliche Verwandtschaft mit Septimius Severus schlicht auf einem Missverständnis des Schreibers der Historia Augusta über den Begriff adfines beruht. Dieser ist in klassischer Zeit wie amicus eine Ehrenbezeichnung und besagt nichts über persönliche oder gar familiäre Bindungen19. Die Frage nach Papinians Herkunft muss daher offenbleiben, wobei freilich wahrscheinlich ist, dass er wie die meisten der kaiserzeitlichen Juristen aus der Provinz stammte20.
21 Zu diesem Amt vgl. grundlegend Hirschfeld, Die kaiserlichen Verwaltungsbeamten bis auf Diocletian, (...)
22 Vgl. Coriat, 1997, 260 auch zu HA Carac. 8, 2. Zu Tryphonin vgl. Millar, The Emperor, 1977, 241-25 (...)
4Auch hinsichtlich der Ämterlaufbahn Papinians sind nur wenige sichere Daten auszumachen: So kann als bewiesen gelten, dass Papinian vor 202 (wahrscheinlich von September 194 bis Februar 202) als magister a libellis21 die lateinischen Privatreskripte des Kaisers entwarf. Dies ergibt sich nicht nur aus entsprechenden historischen Berichten, sondern auch aus einem Hinweis in den disputationes des Tryphoninus (D. 20. 5. 12pr. Tryph. 8 disp.22).
23 Zur Katene vgl. unten Erster Teil, IV. 3, S. 51-59.
24 Vgl. Schiller, BIDR 58 (1953) 66-68 und noch Coriat, 1997, 243f.
25 Vgl. bereits Millar, The Emperor, 1977, 94f. Zum consilium nebender Assessur vgl. Hit-zig, Die Ass (...)
26 Zum Zugang zur Präfektur über das Amt a libellis vgl. Coriat, 1997, 271f. mwN.
27 Vgl. Pal. 289 = D. 22. 1. 3pr. Pap. 20 quaest., dazu Pflaum, Les carrières procuratoriennes équest (...)
5Schwieriger zu bewerten ist das Selbstzeugnis im zwanzigsten Buch der Quaestiones, in dem Papinian berichtet, er habe die Prätorianerpräfekten in einem Erbschaftsstreit des Pollidius beraten (Pal. 289 = D. 22.1.3.3 Pap. 20 quaest.)23. Viele ziehen hieraus den Schluss, Papinian sei zunächst Assessor der Präfekten gewesen, wobei sie die Funktion eines Assessors als eine Assistenz im Sinne einer Vorstufe des eigentlichen Amtes verstehen24. Zwingend ist diese Annahme indes nicht, da die Formulierung praefectis praetorii suasi auch bedeuten kann, dass Papinian ad hoc als Berater in einer schwierigen Sache zum consilium hinzugezogen wurde25, wofür er sich schon aufgrund des Prestiges, das er als Mitglied der kaiserlichen Entourage genoss26, geeignet hätte. Dass sich Papinian im principium der Katene auf eine Konstitution des Marc Aurel beruft, widerspricht dieser Annahme keineswegs, denn erst Papinian konstruiert den Zusammenhang zwischen der Konstitution und dem Fall des Pollidius27, der mithin nicht unter Marc Aurel entschieden worden sein muss.
28 Zum Sturz des Plautianus vgl. die Quellen zuletzt bei Spielvogel, Septimius Severus, 2006, 221 Fn. (...)
29 Vgl. Cass. Dio Xiph. 78, 1, 1, dazu Liebs, in: HLL IV, § 416. A, 1997, 117f.
30 Zu weiteren Entscheidungen vgl. Howe, The Pretorian Prefect from Commodus to Diocletian (A. D. 180 (...)
31 Vgl. zuletzt Coriat, 1997, 559f.
32 Vgl. Coriat, 1997, 506f. mit Belegen Fn. 138. Zur Papinians Rolle als Wahrer der concordia Augusto (...)
33 Vgl. Aur. 20, 33f., HA Carac. 8, 1-8, dazu Syme, in: Roman Papers II, 1978, 793f; Zur vita Caracal (...)
34 Vgl. Aur. 20, 33f., dazu Syme, in: Roman Papers II (1978) 793f. und ders. in: Roman Papers III (19 (...)
6Sicher belegt ist dagegen, dass Papinian selbst das Amt des praefectus praetorio ausübte, und zwar vermutlich seit der Absetzung des Plautianus28 im Jahre 205 bis zum Tod des Septimius Severus am 4. Februar 21129. Die Tatsache als solche wird auch durch die berühmte lex lecta des Paulus (D. 12.1.40 Paul. 3 quaest.) bewiesen30. Damit war Papinian nicht nur für die Rechtsprechung in ganz Italien zuständig, sondern auch für die Vorbereitung der Rechtssetzung der severischen Kaiser. So überrascht es nicht, dass wichtige Reformen der Severer wie die orationes Severi zur Ehegattenschenkung (198) und zum Schutz des Mündelvermögens (206) Papinian (gemeinsam mit Ulpian) als Urheber nennen31. Dabei ist hervorzuheben, dass die zweite oratio in den Quellen meist unter dem Titel oratio Antonini zitiert wird und von Caracalla im Senat vorgestellt wurde, so dass auch eine Zusammenarbeit Papinians mit Caracalla schon zu Lebzeiten des Septimius Severus als wahrscheinlich er-scheint32. Auch aus diesem Grund ist es daher glaubhaft, wenn Aurelius Victor und die Historia Augusta berichten, Caracalla habe von Papinian verlangt, den Mord an Geta zu rechtfertigen33. Diese Information bedeutet nicht — wie schon Aurelius Victor hervorhebt -, dass Papinian „Schreiber“ des Caracalla war, weist aber darauf hin, dass der Jurist auch nach dem Tod des Septimius Severus eine bedeutende Rolle im consilium des princeps gespielt haben dürfte34. Schon aus diesem Grund sind die bisherigen Versuche, die Abfassungszeit des Quaestiones-Werkes zu datieren, erneut zu prüfen.
2. Zur Datierung des Quaestiones-Werkes
35 Vgl. zuletzt Fernández de Buján, in: Liber amicorum Miquel, 2006, 333f. Kalb, Roms Juristen, 1890, (...)
36 Vgl. Fitting, Alter und Folge, 21908, 72.
37 Vgl. Pal. 281 =D. 31.67.9 Pap. 19 quaest.; Pal. 358 = D. 22. 1.6.1 Pap. 29 quaest.; Pal. 376 =D. 5 (...)
38 Vgl. Pabst, Divisio Regni. Der Zerfall des Imperium Romanum in der Sicht der Zeitge-nossen, Bonn 1 (...)
39 Vgl. die Übersicht bei Mastino, Le titolature di Caracalla e Geta attraverso le iscrizioni, 1981, (...)
40 Fitting, Alter und Folge, 21908, 74, Liebs, in: HLL IV, § 416. B. 5, 120: Die „Schrift entstand in (...)
7Sicherer terminus ad quem ist das Jahr 212 n. Chr., spätestens 213, denn die Quellen stimmen darin überein, dass Caracalla Papinian zu Beginn seiner Herrschaft und wahrscheinlich im Zusammenhang mit der Ermordung des Geta hinrichten ließ35. Als terminus post quem kommt, da Marc Aurel erst im13. Buch der Quaestiones als divus Marcus zitiert wird (Pal. 224 = D. 38. 2.42.3 Pap. 13quaest.), Marcus und Commodus erst im15. Buch als divi imperatores genannt werden (Pal. 241 = D. 31. 64 Pap. 15 quaest.), noch das Ende der Regierungszeit des Marc Aurel bzw. die Alleinherrschaft des Commodus (180-192 n. Chr.) in Betracht36. Dafür, dass das Werk hauptsächlich unter Septimius Severus entstanden ist, spricht, wie schon Fitting hervor-gehoben hat, die dreimalige Nennung imperator noster Severus37. Gegen diese Vermutung ist allerdings darauf hinzuweisen, dass der aus dem vorletzten Buch der Quaestiones stammende Beleg Pal. 376 optimus noster Severus Augustus eher auf Caracalla zu beziehen sein dürfte, denn der Ehrentitel Augustus steht regelmäßig mit der Erhebung zum Mitregenten zu38, wäre also für Septimius Severus, der bereits193 zum Augustus erhoben und von Papinian bereits zweimal als imperator noster bezeichnet worden ist, eigentlich keiner Rede mehr wert. Für Caracalla dagegen ist der Augustus-Titel ein wichtiges Attribut, daerden 197 oder 198 eingeräumten Zugang zur Mitregentschaft anzeigt. Dieser Identifizierung des Severus Augustus in Pal. 376 = D. 50.5.7 Pap. 36 quaest. steht der Name Severus nicht entgegen, denn auch für Caracalla ist dieses Cognomen nicht unüblich, sicher und häufig jedenfalls nach dem Tod des Septimius Severus39. Mit diesen Prämissen ist zu erwägen, dass die letzten Bücher der Quaestiones zum Zeitpunkt der Mitregentschaft des Caracalla (ab 197/198) oder sogar erst unter der Alleinherrschaft des Caracalla (211/212), d. h. kurz vor Papinians Tod, verfasst sind. Fitting hatte diese Möglichkeit gesehen, sie aber verworfen, „weil des Caracalla in den Quaestiones nirgend Erwägung geschieht“40.
41 Fitting, Alter und Folge, 21908, 74 mit Fn. g. Auch für Paulus stimmt die Behauptung Fittings aber (...)
42 Vgl. Pal. 70 = D. 50. 1. 11pr. -13 Pap. 2 quaest.; Pal. 90 = D. 1.5.8 Pap. 3 quaest.;Pal. 295 = D. (...)
43 Vgl. Pal. 289 = D. 22. 1. 3pr. Pap. 20 quaest.; Pal. 345 = D. 36. 3. 5. 1Pap. 28quaest.; Pal. 353 (...)
44 Zu Antoninus als Titulatur des Caracalla vgl. Kienast, 32004, 162-165. Die Erhebung zum Caesar erf (...)
45 Vgl. C. 2.11.7 Ant. (a. 205); C. 2.11.8 Ant. (a. 205);C. 2.11.9 (a. 208);C. 2.11.10 Ant. (a. 208); (...)
46 Vgl. Liebs, in: HLL IV, 1997, § 416. B. 4, 118f. und Ankum, OIR 2 (1996) 9. Wie hier jetzt D. Lieb (...)
47 Vgl. unten Erster Teil, S. 21 mit Fn. 122.
8Diese Behauptung beruht allerdings darauf, dass Fitting unterstellt, die Titulatur Antoninus verweise bei Papinian, wie z. B. bei Paulus, auf Antoninus Pius41. Gegen diese Annahme spricht, dass es eine Reihe von Quaestiones-Fragmenten gibt, in denen Papinian die Titulatur Titus Antoninus für Antoninus Pius verwendet und es kaum erklärbar ist, warum der Jurist zwei verschiedene Titulaturen für ein-und denselben Kaiser gebrauchen sollte42. Aus eben diesem Grund ist auch Gualandi zu widersprechen, der Antoninus bei Papinian mit Marc Aurel identifiziert, denn auch für Letzteren verwendet Papinian regelmäßig die vollständigere Titulatur Marcus Antoninus43. Dagegen wird Caracalla auch in anderen Rechtstexten, vor allem im Codex, schlicht als Antoninus tituliert44. Die Vorstellung, Papinian habe kaum Konstitutionen des Caracalla kommentieren können, beruht auf der Annahme, Caracalla habe erst nach dem Tod des Septimius Severus und damit zu kurzfristig vor Papinians eigenem Ableben Recht gesetzt. Wenn man allerdings beachtet, dass Caracalla bereits zu Lebzeiten des Septimius Severus, das heißt seit der Erhebung zum Augustus (spätestens 198), eigenständig Konstitutionen erlassen konnte45, gibt es keinen Grund, Papinian von der Kommentierung dieser Rechtssetzungstätigkeit auszuschließen. Unter dieser Prämisse ist die Frage der Datierung der Quaestiones neu zu stellen: Wenn Caracalla nämlich als Urheber von Konstitutionen auftritt, kann das Werk nicht unter der Alleinherrschaft des Severus „in den frühen neunziger Jahren“46 verfasst worden sein. Vielmehr dürfte Papinian die Quaestiones (noch) unter der Samtherrschaft des Septimius Severus und des Caracalla47 verfasst haben, d. h. auch noch nach 198 n. Chr. Da die letzten Bücher Severus als Augustus bezeichnen, ist nicht einmal ausgeschlossen, dass diese unter der Alleinherrschaft Caracallas, d. h. nach 211 n. Chr., entstanden sind. Berücksichtigt man die Nachricht vom Tod des Marc Aurel bzw. des Commodus in Buch 13 bzw. 15, ergibt sich insgesamt ein Abfassungszeitraum von ca. fünfzig Jahren, gerechnet von 169 n. Chr. (Beginn der Alleinherrschaft des Marc Aurel) bis zum Beginn der Alleinherrschaft des Caracalla 212 n. Chr. Das bisherige Urteil über die Entstehungszeit der Quaestiones ist mithin in zweifacher Hinsicht zu revidieren: Weder handelt es sich um ein Frühwerk, noch ist es auf die Alleinherrschaft des Septimius Severus beschränkt. Vielmehr dürfte Papinian es auf dem Zenit seiner Macht unter der Samtherrschaft des Septimius Severus mit Caracalla verfasst haben.
II. Bemerkungen zur Textgeschichte
48 Schulz, in: Scritti Ferrini, IV, 1949, 254-267; ders., RIDA-AHDO 1 (1952) 557-569; ders., RIDA-AHD (...)
49 Dezidiert zuletzt Manthe, in: FS Wolf, 2000, 181 mit Fn. 74
50 Klami, in: Studi Biscardi IV, 1983, 216.
9Wie kaum ein anderes Werk der römischen Jurisprudenz sind die Quaestiones Papinians in ihrer Authentizität angezweifelt worden. In der umfassendsten Untersuchung der Frage gelangt Fritz Schulz zu dem Ergebnis, die besondere rhetorische Prägung des Werkes beruhe auf einer weitgehenden nachklassischen Überarbeitung48. Auch wenn diese These als Hyperkritik abgelehnt wurde49, muss sie, wenn hier gerade die rhetorische Sprache Papinians zum Anlass genommen werden soll, den möglichen Einfluss der Rhetorik auf die Argumentation zu prüfen, erneut Beachtung finden, denn: „Die heikle Frage jeder Argumentationsanalyse des römischen Denkens ist (...) ihr Verhältnis zur Textkritik"50. Bevor auf Schulz einzugehen ist, seien an dieser Stelle die Indizien zur Werkgeschichte der Quaestiones zusammengetragen.
51 Vgl. Liebs, in: Akten des36. Rechtshistorikertages, 2008, 40-42.
52 Vgl. Pal. 64 = D. 1.21.1.1 Pap. 1 quaest.; Pal. 82 = D. 22.1.1.2 Pap. 2 quaest.; Pal. 108 = D. 45. (...)
53 Schulz, Geschichte, 1961, 227f. argumentiert vor allem aus den Sinai-Scholien, dazu zuletzt Liebs, (...)
54 Vgl. (zu Marcellus' Noten zu Julian) Rastätter, Marcelli Notae, 1980, 30f.
10Aufgrund der genauen sprachlichen Komposition zählt Liebs die Quaestiones trotz einiger Anklänge an Mündlichkeit nicht zu den esoterischen Werken51. Dieses Argument kann man mithin als (schwaches) Anzeichen dafür werten, dass Papinian selbst die Herausgabe der Quaestiones veranlasst hat. Da Paulus Noten zu den Quaestiones verfasst hat, die ohne die quaestio unverständlich wären, gilt er als Zweitherausgeber des Werkes52, wobei freilich Anlass und Datum dieser Ausgabe völlig offen-bleiben müssen. Zu Recht hat Fritz Schulz aber davor gewarnt, voreilige Schlüsse aus der Verbindung von Noten und Originalzitat in der Kompilation zu ziehen, da nicht ausgeschlossen sei, dass die Noten zunächst separat publiziert worden seien53. Zwar erscheinen die Noten des Paulus auch im Index Florentinus nicht als eigenes Werk, was dafür spricht, dass den Kompilatoren ein annotiertes Exemplar der Quaestiones vorlag. Indes genügt auch dieses Indiz nicht, um Paulus als Herausgeber der papinianischen Quaestiones anzusehen, da nicht auszuschließen ist, dass beide spätklassischen Werke nachträglich in einer Ausgabe verbunden wurden54.
55 CTh. 1, 4, 3 (a. 426)..) Notas etiam Pauli atque Ulpiani in Papiniani corpus factas, sicut durum s (...)
56 Zum Begriff corpus vgl. Traube, in: Theodosiani libri XVI. Tabulae, Berlin 1905, II, Liebs, Gallie (...)
11Unbewiesen ist auch die Annahme einer Neuausgabe der Quaestiones im frühen fünften Jahrhundert. Sie beruht im Wesentlichen auf einer Fehldeutung des Begriffes Corpus Papiniani im Zitiergesetz von 426 n. Chr. (CTh. 1, 4, 3)55. Dieser bezeichnet gerade nicht eine Gesamtausgabe, sondern lediglich das Werk des Juristen als solches, so dass Corpus Papiniani als allgemeiner Verweis auf Papinians vorhandenes Schaffen zu lesen ist56.
57 Zum Zitat bei Julian von Askalon vgl. Liebs, in: HLL IV, 1997, § 416.B.6, S. 120.
58 Vgl. Wieacker, Textstufen, 1960, 336f. zu Pal. 197 = vat. 224 und die Ersetzung von sed potest dic (...)
12Auch die zwei Doppelüberlieferungen von Fragmenten aus den Quaestiones lassen nicht den Schluss einer weitergehenden nachklassischen Überarbeitung zu57. Die Gegenüberstellung von Digestentext und Fragmenta Vaticana ergibt nur geringe Abweichungen, die sich alle als Folge von Kürzungen durch die Kompilatoren erklären lassen58. Sie sind in der folgenden Gegenüberstellung durch Sperrung hervorgehoben:
Pal. 197 = Vat. 224: Papinianus libro XI quaestionum. (...) Sed potest dici non aliis patroni liberis libertum hoc debere, quam qui iure patroni hereditatem sperare possunt. (...)
Pal. 212 = D. 26.5.14 Pap. 12 quaest. Libertus non aliis patroni patronaeve liberis tutor esse cogitur, quam qui iura patronatus sperare possunt.
Pal. 198 = Vat. 225: Item. (...) nequaquam credendum est ei privilegium ablatum, cui fideicommissa libertas soluta est. nam in toto fere iure manumissor eiusmodi nihil iuris patronus adversus personam modo liberti consequitur, licet in bonis eius patroni ius exerceat; excepto, quod in ius vocare patronum iniussu praetoris non debeat.
Pal. 198 = D. 27.1.24 Pap. 11 quaest. Nequaquam credendum est ei privilegium excusationis ablatum, cui fideicommissaria libertas soluta est: nam in toto fere iure manumissor eiusmodi nihil iuris ut patronus adversus liberti personam consequitur, excepto quod in ius vocare patronum iniussu praetoris non debet.
59 Vgl. Schulz, AHDO-RIDA 2 (1953) 381-395;Wieacker, Textstufen, 1960, 336-340.
60 Vgl. Wieacker, RRG II, 228f., Liebs, Gallien, 2002, 124-126. Anders Schulz, AHDO-RIDA 2 (1953) 385 (...)
13Diese auch von Schulz und Wieacker zugestandene Übereinstimmung zwischen vaticana und Digestentext59 legt nahe, dass den Kompilatoren ein ähnlicher Text vorlag wie dem Verfasser der bereits um312 oder 31860 geschriebenen Fragmenta Vaticana. Jedenfalls geben die beiden Doppelüberlieferungen keinen Anlass für die Annahme, das Werk sei in der diokletianischen Kanzlei tiefgreifend umgearbeitet worden.
61 Schulz, Einführung, 1916, 43, mit Verweis (Fn. 44) auf Norden, Antike Kunstprosa vom VI. Jahrhunde (...)
14Dennoch behaupten sowohl Fritz Schulz als auch Franz Wieacker, die stilistisch auffällige Prägung der Quaestiones sei das Werk eines „papinianisierenden Bearbeiters“ aus der früh-nachklassischen Zeit. Die von Schulz entwickelte Vorstellung beruht auf einem Stilideal, das Schulz bereits in der 1916 erschienenen „Einführung in das Studium der Digesten“ postuliert hat. Im Einklang mit wichtigen Philologen seiner Zeit behauptet Schulz, die Isolation der klassischen Jurisprudenz manifestiere sich auch in der Sprache der Juristen61:
„Das klassische Juristenlatein bleibt den guten Traditionen der Republik treu und macht die Sprachverschlechterung und die Sprachkünsteleien der Kaiserzeit nicht oder doch nur sehr bedingt mit, in seiner klaren und schönen Sachlichkeit spiegelt sich noch einmal die Größe und der Ernst römischen Wesens (...). Wo wir daher in den Digesten auf verworrene, schwülstige, rhetorische, poetische, gezierte oder saloppe Ausdrucksweise stoßen, da ist der Verdacht der Unechtheit gegeben. "
62 Vgl. Schulz, in: GS Seckel, 1927, 111f. mwN Fn. 1.
63 Schulz, History, 1946, 234; ders., History, 1953, 234f. Ähnlich ders., in:Scritti Ferrini IV, 1949 (...)
15 Dieses Ideal führt Schulz zunächst zu den auch sonst in der Literatur der Zeit begegnenden (justinianischen) Interpolationsannahmen62. Erst bei der intensiven Beschäftigung mit Papinians Quaestiones (1934-1938) gelangt Schulz zu der These einer umfassenden vorjustinianischen Bearbeitung, die er in seiner „History" von 1946 mit den Worten zusammenfasst63:
„Careful study of this difficult work shows that what Justinian's compilers had before them, was not the true classical text but the original text intensively worked upon, altered, abbreviated and added to in the early postclassical period. Almost every surviving fragment exhibits the ravages of the post classical editor, who is constantly recognizable by his uncertain grasp of classical law, and often betrays himself by a pompous and sentimental rhetoric which is quite unsuitable for precise legal statement and serves only to darken counsel. "
64 Zu Pal. 247 = D. 28.7.15 Pap. 16 quaest., vgl. unten Vierte Teil III.1d, S. 236f.
65 Zu Pal. 199 = D. 26. 7. 37 Pap. 11 quaest.; vgl. unten Zweiter Teil S. 67-71.
66 Vgl. Nelson, Rez. Mercogliano, Tituli ex Corpore Ulpiano. 1997, TR 67 (1999) 376; ähnlich Manthe, (...)
67 Dies muss selbst dann gelten, wenn man mit Kaser, in: RRQ 1986, 116 die Vorstellung teilt, die nac (...)
16Prüft man die Exegesen, die Schulz in seiner „Geschichte der römischen Rechtswissenschaft" und in drei Aufsätzen publiziert hat, so zeigt sich, dass Schulz den Text voreilig verdammt, anstatt den rhetorischen Gedanken als Bestandteil der Argumentation zu würdigen64. Immer wieder beschränkt sich Schulz darauf, besondere Formulierungen als rhetorische Floskel oder pathetisch-hohle Formel abzutun („Rhetorengeschwätz“). Sein vorschnelles Urteil richtet sich vor allem gegen die in den Quaestiones häufigen Begründungen, die Schulz als Ausdruck einer für die römische Rechtsfindung untypischen Rationalisierung ansieht und die er daher ohne weitere Prüfung verwirft65. Im Ergebnis stammen damit die Hauptkriterien, die Schulz anführt, aus Vorurteilen, die der Romanist unabhängig von den Quellen gewonnen hat66, denn Beweise dafür, dass diese Auffälligkeiten dem „papinianisierenden Bearbeiter“ und nicht Papinian selbst zuzuschreiben sind, liefert Schulz an keiner Stelle. Auch die Dunkelheit eines Fragments kann kein hinreichendes Kriterium für die Annahme einer nachklassischen Bearbeitung sein67.
68 Wieacker, Textstufen, 1960, 338f.
17Obwohl Franz Wieacker die Paradoxie der Konstruktion von Schulz hervorhebt, gelangt er ebenfalls zur Annahme eines papinianisierenden Bearbeiters, der Papinians Stil souverän beherrsche68:
„Das gedankliche Niveau gibt zwar Schulz' Vorstellung von einer unklaren und pompösen Rhetorik ein gewisses Recht. Aber wir müssen diese Vorstellung genauer bestimmen: der Bearbeiter war nicht ein Mann, der die rhetorisch beeinflußte Allerweltsprosa seiner Zeit schrieb, sondern mit dem eigenartigen Sprachgebrauch Papinians selbstständig schaltete: (...) Der Bearbeiter muß diese Papinianismen selbstständig angewandt haben.“
69 Ausführliche Abwägung Wieacker, Textstufen, 1960, 359f.
70 Wieacker, Textstufen, 1960, 360f.
71 Wieacker, Textstufen, 1960, 361.
72 Vgl. Noch Kaser, in: RRQ 1986, 115f.,der von „Auffrischungen" im dritten Jahrhundert ausgeht; sehr (...)
73 Klami, in: Studi Biscardi IV,1983, 215-237 zu Tryphonins Noten zu Scaevola. Ausführlich Kaser, Zur (...)
18Diese Formel Wieackers ist nach eigenem Bekunden ein Kompromiss zwischen einer konservativen Haltung, nach der alle Texte unter Papinians Namen von ihm selbst stammen, und der radikalen Textkritik, derzufolge das gesamte Oeuvre nach-klassisch überarbeitet sei69. Danach soll die besondere rhetorische Sprache grundsätzlich von Papinian selbst stammen, nur bisweilen eine nachklassische Beifügung im papinianisierenden Stil zu erwägen sein70. Die Herkunft dieses „papinianisierenden Bearbeiters" sucht Wieacker — wie schon Schulz — „unter den Mitarbeitern der diokletianischen (allenfalls der letzten vordiokletianischen) Kanzleien a libellis", da nur dort die notwendige Kenntnis des spätklassischen Rechts vorhanden sei, um den Reskriptenstil, der Papinians Werk präge, nachzuahmen. Zudem werde Papinian dort besonders verehrt und die moralisierende Tendenz seiner Schriften stimme auch mit der zugewiesenen Aufgabe und dem „Selbstgefühl der Kanzleijuristen“ überein71. Der Standpunkt Wieackers zeigt das Dilemma, aus dem die Textstufenforschung seitdem nicht herausgefunden hat: Da es beider Frage vorjustinianischer textlicher Veränderung nicht um Eingriffe der Kompilatoren aufgrund ihres veränderten Rechtsverständnisses oder gar aufgrund von justinianischen Reformen geht, sondern um allmählich entstehende Zusätze, Auslassungen oder Erklärungen, die bei Abschrift, Herausgabe oder Unterricht den Text verändern, sind Verfälschungen allenfalls zu erahnen72. Damit geht es nicht nur — wie Klami provokativ formuliert hat — um die Frage: „Wie schlecht hat ein Klassiker schreiben können?"73, sondern auch darum, die darstellerischen Freiheiten eines klassischen Juristen einschätzen zu können. Dies führt zu der bereits oben formulierten Grundfrage zurück, ob sich nicht auch ein klassischer Jurist rhetorischer Überzeugungsmittel bedient haben könnte.
74 Anders Gutiérrez-Masson, Actos proprios y buena fe. En torno a Papiniano 3 quaestionum D.50, 17, 2 (...)
75 Vgl. Ankum, in: Sem.Compl.1 (1990) 33-63; ders., Le laconisme extrême de Papinien, in: Perez Busta (...)
76 Vgl. Liebs, in: HLL IV,1997, § 416.B.5,S.120.
77 Manthe, in: FS Wolf, 2000, 181 mit Fn. 74.
78 Vgl. Kaser, in: La Critica del Testo, 1971, 313-317, 320f. zu Papinian; ähnlich ders., in: RRQ 198 (...)
79 Vgl. Klami, in: Studi Biscardi IV, 1983, 236f.
19In neueren Einzeluntersuchungen sind die Schriften Papinians gerade auch mit Blick auf ihre rhetorische Prägung überwiegend für authentisch gehalten worden74. So hat Hans Ankum in mehreren Arbeiten besonders schwierige, weil prima facie unklare Stellen aus Papinians Quaestiones (und Responsa) untersucht und trotz mancher Bedenken gegenüber einzelnen Formulierungen die Authentizität der Gesamtargumentation betont75. Eine optimistische Grundtendenz lassen auch die Untersuchungen von Detlef Liebs und Ulrich Manthe erkennen. Liebs rechnet mit „kleineren Störungen", vor allem aufgrund von Abschreibeversehen und Randglossen, nicht aber mit einer eigenständigen und weitergehenden Bearbeitung76. Mit noch klareren Worten hat zuletzt Manthe den „papinianisierenden Bearbeiter" gänzlich „dem Reich der Phantasie" zugewiesen77. Dieser größere Glaube an die Authentizität des Werkes beruht vor allem auf einer veränderten Haltung zu (vorjustinianischen) Textveränderungen. Wie Max Kaser bereits 1967 postulierte, sind Verderbnisse vor allem auf das Unverständnis der Bearbeiter und Herausgeber der klassischen Quellen zurückzuführen78. Auch wenn sich nur schwerlich „Regeln" für den Umgang mit (angeblichen) nachklassischen Veränderungen formulieren lassen79, dürfen diese nicht bei jeder Unklarheit des Textes vorschnell behauptet werden. Auf die rhetorischen Anklänge im Quaestiones-Werk übertragen bedeutet dies, sie zunächst als solche ernst zu nehmen, d. h. auf ihren tatsächlichen rhetorischen Gehalt hin zu analysieren, um sodann ihr Verhältnis zur juristischen Fachdiskussion zu prüfen.
III. Rhetorik und Jurisprudenz
20Um Missverständnisse zu vermeiden, ist der dabei zugrunde gelegte Begriff der (antiken) Rhetorik zu skizzieren.
1. Juristen und Redekunst
80 Plat. Gorg. 1355a21-b3, dazu Vickers, In Defence of Rhetoric, Oxford 1988, 83-147; ferner Meyer, i (...)
81 Vgl. Aristot. rhet. 1354a 1-7. Weitergehend Quint. 1, 17, 37: ars bene dicendi.
82 Diese die Antike beherrschende Konkurrenz kann hier nicht weiterverfolgt werden. Vgl. nur die Hinw (...)
83 Vgl. Lausberg, § 61, S. 53-55.
84 Diese Erkenntnisfunktion steht für Aristot. Rhet. 1354a 1 im Vordergrund, dazu (und zu weiteren Be (...)
85 Vgl. bereits Voigt, Das ius naturale, aequum et bonum und ius gentium der Römer. Bd 4. Beil. XVII, (...)
86 Vgl. Honig, Humanitas und Rhetorik in spätrömischen Kaisergesetzen, Göttingen 1960, der die Berech (...)
87 Zu den fachübergreifenden Entscheidungsgrundlagen vgl. Waldstein, in: ANRWII. 15, 1976, 3-100 sowi (...)
88 Zum Einfluss der Rhetorik. schon Levy, Rezension Stroux, Summumius, summa iniuria, SZ 48 (1928) 67 (...)
21Schon Platon kennzeichnet die Rhetorik im Sinne der Theorie der Rede als Kunst der Überzeugung (Persuasion)80. Entsprechend formuliert Aristoteles die Aufgabe der Rhetorik derart, dass sie das bei jeder Sache Überzeugende zu betrachten habe81, woraus er die Redegattungen und die Überzeugungsmittel, d. h. Ethos, Pathos und Logos, ableitet. Obwohl die Rhetorik zunächst eine praktische Kunst ist, erhält sie zumal in der römischen Kaiserzeit auch den Wert einer theoretischen Wissenschaft, die gerade mit dem Anspruch, die Jugend zu glaubwürdigem und ehrenhaftem Verhalten zu führen, in Konkurrenz zur Philosophie gerät82. Die Überzeugungskraft der Rede selbst (logos) ergibt sich aus der Beweisführung, die die antiken Lehrbücher der Rhetorik für jede Redegattung (genera causarum)83 ausführlich darlegen und systematisieren. Diese Argumentationslehre der antiken Rhetorik, die auf die Instrumente der Erkenntnis des wahrscheinlich Wahren und damit Überzeugenden ausgerichtet ist, verleiht ihr den Charaktereiner allgemeinen Wissenschaftstheorie84. Die damit verbundene Beweisfunktion, die sich nicht nur im docere, sondern auch im delectare und movere des Publikums zeigt, soll hier gegenüber einem auf die Redegewandtheit (elocutio) verengten Rhetorik begriff im Vordergrund stehen. Damit erübrigt es sich auch, erneut auf die im 19. und Anfangs des 20. Jahrhunderts intensive Diskussion um das Verhältnis von Jurisprudenz und Rhetorik85 näher einzugehen, da sie Rhetorik als Redeschmuck missverstand86. Dagegen wird heute nicht mehr ernsthaft bestritten, dass die Juristen als gebildete Römer über rhetorisches Wissen verfügten und rhetorische Kenntnisse neben die anderen, nicht fachspezifischen „Entscheidungsgrundlagen"87 getreten sein können88.
89 Fuhrmann, Das systematische Lehrbuch. Ein Beitrag zur Geschichte der Wissenschaft in der Antike, G (...)
90 Nörr, in:HIA II, 2003, 717f., 760f.
91 Zu Parallelen zwischen declamationes und Juristentextenvgl. Mantovani, in: Testi e problemi, 323-3 (...)
92 Vgl. Ballweg, Entwurf einer analytischen Rhetorik, in: Schanze/Kopperschmidt, Rhetorik und Philoso (...)
93 Zur rhetorischen Analyse der Bibel vgl. etwa Vos, Kunst der Argumentation bei Paulus, Tübingen 200 (...)
94 Nachweise bei Ankum, OIR 2 (1996) 5-8.
22Dass rhetorisches Wissen die juristische Analyse erleichtert, hat bereits Manfred Fuhrmanns Untersuchung zum „systematischen Lehrbuch" gezeigt, der den Systementwurf in Gaius' Institutionen vor dem Hintergrund einer fächerübergreifenden Systemdiskussion analysiert89. Die Bedeutung der rhetorischen Grundlagen für die juristische Fachdiskussion belegt sodann Dieter Nörrs 1972 erschienene Untersuchung „divisio und partitio", die die Rechtsquellenkataloge der klassischen Juristen anhand der Definitionslehre der Rhetorik einer grundsätzlichen Klärung zuführt90. Auch andere Arbeiten legen nahe, dass mithilfe der rhetorischen Theorie neue Erkenntnisse über die Argumentationsweise der römischen Juristen zu gewinnen sind91. Diese heuristische Funktion der Rhetorik ist nicht mit der Behauptung zu verwechseln, die Jurisprudenz sei von der Rhetorik abhängig oder gehe gar in ihr auf. Entsprechend versteht sich die hier zu liefernde Analyse auch nicht als Beitrag oder Stellungnahme zur sog. Rhetorischen Rechtstheorie92. Vielmehr soll die antike Rhetorik für die Analyse eines juristischen Werkes genutzt werden93, um die bisher vielfach als dunkel94 bezeichneten Quaestiones Papinians zu erhellen.
2. Die Zweite Sophistik und Papinian
95 Der Begriff ist in der Forschung umstritten, vgl. Anderson:The Second Sophistic A Cultural Phenome (...)
96 Vgl. Feine, Litterati, 1994, 221-282, zuletzt Flinterman, in: Paideia, 2004, 359-376.
97 Vgl. Millar, The Emperor, 1977, 88-93; Lewis, Literati in the Service of Roman Emperors, in: Studi (...)
98 Vgl. nur Liebs, in: HLL IV, 1997, § 416. A, S. 118.
23Dieser Ansatz rechtfertigt sich auch aus dem historischen Kontext des papinianischen Werkes, denn seine Entstehung fällt in die Zeit der sogenannten Zweiten Sophistik95, in der die dialektisch-rhetorische Bildung in Anlehnung an das griechische Vorbild der Sophisten eine hohe Wertschätzung erfährt. Besondere Prominenz erlangen dabei die Redner, die sich in der Entourage der Kaiser aufhalten und diesen beraten96. Entsprechend gibt es Anhaltspunkte dafür, dass spätestens seit Hadrian rhetorisches Können als entscheidende Voraussetzung auch für die Mitwirkung im kaiserlichen consilium angesehen wurde97. Da belegt ist, dass Papinian Mitglied des consilium des Septimius Severus war und die Privatreskripte des Kaisers verfasste98, ist anzunehmen, dass er über die für die Funktion notwendigen Fähigkeiten und somit auch über rhetorische Kenntnisse verfügte.
99 Als Ausdruck der ethischen Gesinnung Papinians bewerten das Fragment Toso, in: Acta Iuridici Inter (...)
100 Vgl. Stegemann, s. v. Nikostratos Nr. 27, in: 17, 1 (1936) Sp. 551; weiterführend Radicke, Imperia (...)
101 Vgl. unten Vierter Teil, III. 3, S. 247-249.
102 Andere sind z. B. das Aristoteles-Zitat des Julian (D. 46. 3. 36Iul. 1 ad Urs. Feroc.), dazu Bund, (...)
103 Zum Enkomion vgl. Radicke, Imperial and undated Authors, 1999, S. 310f. Zur Gunst-erlangung über D (...)
104 Zum Juristen als „Mitspieler in der die literarische Welt beherrschenden Diskussion über verba und (...)
24Ein weiteres Indiz für Verbindungen zur Zweiten Sophistik ergibt sich aus den Quaestiones selbst, da Papinian von einer an ihn gerichteten Anfrage des Sophisten Nicostratus berichtet (Pal. 354 =D. 39. 5. 27 Pap. 29 quaest.)99. Nicostratus, der zur Zeit des Antoninus Pius und des Marc Aurel gewirkt haben soll100, könnte tatsächlich Zeitgenosse von Papinian gewesen sein. Es könnte sich aber auch um einen fiktiven Bericht handeln, dessen Protagonisten Papinian nach dramaturgischen Gesichtspunkten ausgewählt hat101. Die ungewöhnliche namentliche Nennung des beteiligten Rhetors102 zeigt, dass es Papinian darauf ankommt, gerade als Ratgeber dieses Sophisten zu erscheinen. Da der Rhetor für sein Enkomion über Marc Aurel bekannt war, könnte der Jurist bezweckt haben, die kaiserliche Gunst, die Nicostratus wahrscheinlich genoss, auch für sich selbst in Anspruch zu nehmen103. Jeden-falls belegt das Responsum eine Verbindung zwischen Juristen und Sophisten, die entweder tatsächlichbestand oder von Papinian konstruiert wurdeund damit Einblick in sein Selbstverständnis gibt: Von einer Isolierung der Jurisprudenzgegenüber anderen Wissensbereichen, insbesondere gegenüber Rhetorik und Dialektik, kann in der hohen Kaiserzeit keine Rede sein104.
3. Zum Begriff der quaestio
105 Zur Quaestiones-Literatur vgl. zuletzt Masiello, Le Quaestiones publice tractatae di Cervidio Scae (...)
106 Vgl. Gross, Senecas Naturales Quaestiones, 1989, bes. 321-330; Gauly, 2004. Zu Rufus' medicinales (...)
107 Vgl. dazu Maurach, Hermes 93 (1965) 357-369; Stahl, Die Naturales Quaestiones Senecas. Ein Beitrag (...)
108 Zum antiken Lehrgespräch vgl. Föllinger, in: Vermittlung und Tradierung, 1993, 279f.; Veit, in: HW (...)
109 Vgl. Frezza, SDHI 43 (1977) 219; Liebs, in: HLL IV, 1997, § 413, S. 99f. „ausführliche Fallbesprec (...)
25Als Anklang an rhetorische Konzepte liest sich auch der Werktitel Quaestiones. Dieser wird auch von anderen klassischen Juristen für vornehmlich didaktische Werke verwendet105. Quaestio bedeutet in diesem Zusammenhang Untersuchung (ζτημα) und weist damit auf eine Darstellungsmethode, wie sie sich außerhalb der juristischen Literatur vor allem in Senecas Naturales Quaestiones findet106: Der Philosoph und Redner führt seinen Schüler Lucilius in die Naturwissenschaften ein, indem er fortschreitend Fragen aufwirft, Probleme aufzeigt, gliedert und immer wieder überkommene Antworten und Lehrmeinungen prüft107. Der Titel Quaestiones weist auf diese „konzeptionelle Mündlichkeit" des (fiktiven) Lehrgespräches und damit auf die Aneignung von Wissen im Dialog108. Da schon bei einer ersten Durchsicht von Papinians Werk die Häufigkeit der Frageform ins Auge fällt, gelten die Quaestiones Papinians Snicht zu Unrechtals Lehrwerk109, auch wenn die damit verbundene Methode und der mögliche Bezug zu nichtjuristischen Quaestiones –Werken bisher kaum thematisiert worden sind.
110 Schulz, Geschichte, 1961, 281f.: „Die zum Teil nichtssagenden Titel dieser Schriften variieren: Di (...)
111 Schulz, Geschichte, 1961, 282.
112 Vgl. Schulz, Geschichte, 1961, 272 Fn. 3, der sich nur auf diepseudo-aristotelischen Problemata be (...)
113 Aristot. top. 101 b 32-34, dazu Blühdorn, TR 38 (1970) 296f., Veit, in: HWRhet. 3, 1996, Sp. 424.
114 Aristot. top. 101b 30-35.
115 Vgl. Fünfter Teil, III. 2, S. 267-269.
26Dieses Manko mag unter anderem darauf zurückzuführen sein, dass Fritz Schulz den Werkbezeichnungen der Juristen jeden Wert abgesprochen und stattdessen einen eigenen Begriff der „problematischen" Schriften geprägt hat, dem auch die Quaestiones zugehören sollen110. Als Problemata bezeichnet Schulz „schwierige und schwerste juristische Einzelfragen, die bald kurz, bald in längerer Erörterung beantwortet werden"111. In Anlehnung an Aristoteles versteht Schulz dabei unter einem Problem die auf eine Begründung wartende Frage (quare)112. In der Tat definiert der Stagirit das Problem (πpόßλημα) als zweigliedrigen Schluss, der anders als die Prämiss (πpότασιζ) nicht allein mit Ja oder Nein beantwortet werden kann113. Schulz übersieht allerdings, dass sich Prämisse und Problem nur in ihrer Formulierung unterscheiden und insoweit beide dem Oberbegriff der Frage (quaestio) unter-fallen. Lautet z. B. die als Prämisse formulierte Frage: „Ist, zweibeiniges, sich zu Lande bewegendes Lebewesen' die Definition für Mensch?", ist sie als Problem wie folgt zu formulieren: „Ist, zweibeiniges, sich zu Lande bewegendes Lebewesen' die Definition für Mensch oder nicht?"114 Gerade wenn man Aristoteles' Begriffsbildung zugrunde legt, gibt es daher keinen Grund, den originären Titel Quaestiones voreilig zu verwerfen. Ob das damit angedeutete Programm verwirklicht wird und welche Verbindungen zur nichtjuristischen Unterweisungsliteratur bestehen, wird am Ende dieser Untersuchung zu fragen sein115.
27Die Untersuchung soll in drei Schritten erfolgen: Zunächst sind die Quaestiones auf ihren rechtlichen und rhetorischen Gehalt zu analysieren, bevor die allgemeine Frage zu stellen ist, welche Bedeutung dem rhetorischen Argument für Papinians juristische Methode zukommt. Dies leitet über zur dritten, werkgeschichtlichen Fragestellung nach Charakter und Originalität der Schrift.
116 Vgl. Pal. 70 = D. 50.1.11 Pap. 2quaest.; Pal. 79 = D. 45.1.115 Pap. 2 quaest.;Pal. 194 = D. 26.5.1 (...)
117 Zum Papinianfest vgl. nur Liebs, in: HLL § 416. C, S. 122f. mwN
28Bereits an dieser Stelle ist als Besonderheit zu vermerken, dass die Kompilatoren Erörterungen aus Papinians Quaestiones in den Digesten in ungewöhnlicher Länge aufgenommen haben116. Dieses Zitat regelrechter Katenen lässt sich einerseits mit Justinians Verehrung für Papinian erklären117, könnte aber auch auf einen argumentativen Zusammenhang innerhalb der Katene weisen, der den Kompilatoren bewusst gewesen sein könnte, in der bisherigen Forschung aber zu wenig beachtet worden ist.
118 Der Begriff der „Katene" soll hier nicht nur für spätere Zusätze, sondern auch für die Argumentati (...)
29Würdigt man die von Papinian zusammengestellten Fälle und Fragestellungen (Katenen) als argumentative Einheit, werden unterschiedliche Argumentationsstrukturen erkennbar, die dem jeweiligen thematischen Schwerpunkt der Katene entsprechen118. Auf diese Weise lassen sich Kommentare zu Kaiserkonstitutionen, Erörterungen von überkommenen Juristenmeinungen und freie Problemerörterungen ungelöster Rechtsfragen unterscheiden. Wegen ihrer stärkeren Formalisierung sind im Folgenden zunächst die Kommentare zum Kaiserrecht (Erster Teil) zu analysieren, bevor Papinians Auseinandersetzung mit anderen Juristen (Zweiter Teil) und seine eigene Problemlösungsarbeit (Dritter Teil) zu würdigen sind. Aufbauend auf diese Analyse der wesentlichen Katenen sind sodann die argumentativen Mikrostrukturen im weiteren Werk zu untersuchen (Vierter Teil). Die dort versuchte Gesamtschau leitet über zur abschließenden Würdigung der rhetorischen Methode in den Quaestiones und zu ihrer werkgeschichtlichen Einordnung (Fünfter Teil).
2 Cujas, in: Opera IV, dazu Manthe, Die Datierung der Vorlesungen des Cujaz über die Quaestionen Papinians. In: TR 50 (1982), 201-204.
3 Schulz, in: Scritti Ferrini, IV, 1949, 254-267; ders., RIDA-AHDO 1 (1952) 557-569; ders., RIDA-AHDO 2 (1953) 381-410; ders., Geschichte, 1961, 296-298.
4 Vgl. Puchta, Cursus der Institutionen, Leipzig 91881, 267; Jörs, s. v. Aemilius Papinianus, in:REI, 1, 1893, 575; Schanz, Geschichteder römischen Literatur III, München 31959, 201; Balog, in: Études GirardII, 1913, 518; zuletzt Ferández de Buján, in: Liber amico-rum Miquel, 2006, 321.
6 Mommsen, in: Ges. Schriften II, 1907, 158; Frezza, Corso di storia del diritto romano, Rom 31974, 500. Dieses Urteil lebt auch von der Weigerung des Juristen, den Brudermord zu rechtfertigen, vgl. HA Sev. 21, 8, dazu Giuffrè, in: ANRW II. 15, 1976, 635f.; Liebs, Die Jurisprudenz im spätantiken Italien (260-640 n. Chr.), Berlin 1987, 90f., 110, 113f.;ferner Behrends, in: Literatur und Recht, 1996, 243- 291; Manthe, OIR 10 (2005) 144f. Zu Gryphius vgl. Nörr, in: HIA I, 491-516, Barner, in: Literatur und Recht, 1996, 229-242.
7 Toso, in: Actaiuridici internationalis II, 1935, 33f., der einen direkten Einfluss des Christentums nachweisen will. Zu Cujas vgl. Manthe, OIR 10 (2005) 166. Zum nach-klassischen Recht vgl. Costa I, 1894, 121-126, Manthe, in: FS Wolf, 2000, 163, Fn. 2-7.
9 Vgl. Horak, Rationes decidendi I, 1969; Bretone, Tecniche, 21984; allgemein Kaser, Ausg. Schriften I, 1976, 3-34; Knütel, in: GS Heinze, 2005, 475- 499 und ders., in: Liber amicorum Miquel, 2006, 523-556. Zu den außerjuristischen Entscheidungsgrundlagen vgl. Waldstein, in: ANRW II. 15, 1976, 3-100 sowie Wieacker, SZ 94 (1977) 1-42.
10 Zum Stil vgl. Leipold, Sprache, 1891; Costa I, 1894, 257-328; Liebs, in: HLL IV, 1997, § 416. B. 5, 120; ähnlich Wieacker, RRG II, 128f. Unbewiesen bleibt eine Methodenprägung durch eine „spätprokulianische Richtung", wie sie Behrends, in: Literatur und Recht, 1996, 274-276 behauptet.
11 Negativ besetzt bei Schulz, AHDO-RIDA 1 (1952) 568f. Zum Vorwurf des „Papinianismus" vgl. zuletzt Behrends, in: Literatur und Recht, 1996, 250f. mwN.
12 Zur Bedeutung der Rhetorik in der Ausbildung vgl. Parks, The Roman Rhetorical Schools as A Preparation For the Courts Under the Early Empire, Baltimore 1945, bes. 103-107.
13 Anknüpfungspunkt ist Nörr, HIA II, 717f., 760f., der bei Papinian Kenntnisse der rhetorisch-philosophischen Definitionslehre beobachtet.
14 Zur africitas vgl. Kalb, Roms Juristen, 1890, 111-118, Leipold, Sprache, 1891, 26-35, Costa I, 1894, 45-48, kritisch Kunkel, Herkunft, 21967, 225. Zu den Hellenismen vgl. Fitting, Alter und Folge, 21908, 71; Liebs, in: HLL IV, 1997, § 416. A, S. 118 mwN.
15 HA Carac. 8, 2f., dazu Kunkel, Herkunft, 21967, 227f., Giuffrè, in: ANRW II. 15, 1976, 642-652, Liebs, in: HLL IV, 1997, § 416. A, 118, Coriat, 1997, 231, 260.
16 Vgl. Leumann/Hofmann/Szantyr, 21972, 766 (ablehnend), Kunkel, Herkunft, 21967, 226 Fn. 446 (skeptisch) sowie Manthe, Pegasianum, 1989, 183 Fn. 10 und Liebs, in: HLL IV, 1997, § 416. A, S. 118 (eher bejahend).
17 Zur Problematik der Quelle vgl. Straub, Heidnische Geschichtsapologetik in der christlichen Spätantike — Untersuchungen über Zeit und Tendenz der Historia Augusta, Bonn 1963; Syme, Emperors and Biography, Oxford 1971; Lippold, Die Historia Augusta. Eine Sammlung römischer Kaiserviten aus der Zeit Konstantins, Stuttgart 1998.
18 Syme, in: Roman Papers III (1984) 1410 mwN Fn. 108. Weitere Nachweise bei Liebs, in: HLLIV, 1997, § 416. A, S. 118 Fn. 1. Zur Papinian-Legende vgl. Costa III, 1894, 9-30.
20 Vgl. bereits Costa I, 1894, 41f.; Kunkel, Herkunft, 21967, 229; Wieacker, RRG II, 128; optimistischer Liebs, in: HLL IV, 1997, § 416. A, S. 118. Zur stadtrömischen Orientierung vgl. Liebs, in: ANRW II. 15, 1976, 289-294. sowie Vössing, Africa nutricula causi-dicorum. Dierömische Jurisprudenz in Africa, in: Khanoussi/Ruggeri/Vismara (Hg.), L'africa romana I. Atti dell'IX convegno di studio, Sassari 1996, 127f. und 152-154.
21 Zu diesem Amt vgl. grundlegend Hirschfeld, Die kaiserlichen Verwaltungsbeamten bis auf Diocletian, Berlin 21905, 329-334; zuletzt Rainer, Staatsrecht, 2006, 258f. mwN. Zur Datierung vgl. Honore, Emperors and Lawyers, 21994, 76-81, Liebs, in: HLL IV, 1997, § 416. A, S. 118., Coriat, 1997, 569-572 (mit einigen Vorbehalten).
22 Vgl. Coriat, 1997, 260 auch zu HA Carac. 8, 2. Zu Tryphonin vgl. Millar, The Emperor, 1977, 241-251; Liebs, in: HLL IV, 1997 § 416-A, S. 117f., zuletzt Fildhaut, Die libri disputationum des Claudius Tryphoninus, Berlin 2004, 71 Fn. 268.
25 Vgl. bereits Millar, The Emperor, 1977, 94f. Zum consilium nebender Assessur vgl. Hit-zig, Die Assessoren der römischen Magistrate und Richter, München 1893, 44f.; Kun-kel, Herkunft, 21967, 331.
27 Vgl. Pal. 289 = D. 22. 1. 3pr. Pap. 20 quaest., dazu Pflaum, Les carrières procuratoriennes équestres sous le Haut Empire romain II, Paris 1960, 584, kritisch bereits Liebs, in: HLLIV, 1997 § 416. B, 118 Fn. 3. Weitere Einzelheiten Erster Teil.IV. 3, S. 51-59.
28 Zum Sturz des Plautianus vgl. die Quellen zuletzt bei Spielvogel, Septimius Severus, 2006, 221 Fn. 75-77. Zu Papinian vgl. Giuffrè, in: ANRWII. 15, 1976, 644f. mwN.
30 Zu weiteren Entscheidungen vgl. Howe, The Pretorian Prefect from Commodus to Diocletian (A. D. 180-305), 1942, 33-57; Coriat, 1997, 305 Fn. 60 (Cass. Dio. 76, 10, 7).
32 Vgl. Coriat, 1997, 506f. mit Belegen Fn. 138. Zur Papinians Rolle als Wahrer der concordia Augustorum vgl. auch Behrends, in: Literatur und Recht, 1996, 255f.
33 Vgl. Aur. 20, 33f., HA Carac. 8, 1-8, dazu Syme, in: Roman Papers II, 1978, 793f; Zur vita Caracallae vgl. Heinen, Zur Tendenz der Caracalla-Vita in der Historia Augusta Chiron1971, 421-436. Vgl. auch Petr. Patr. Exc. Vat. 136 (p. 228 Mai = p. 212, 8-14 D).
34 Vgl. Aur. 20, 33f., dazu Syme, in: Roman Papers II (1978) 793f. und ders. in: Roman Papers III (1984) 1395; Behrends, in: Literatur und Recht, 1996, 267f., Wieacker, RRG II, 128. Zu scrinia vgl. nur Oppermann, s. v. scrinium, in: Kl. Pauly 5 (1979), 56. Im consilium war Papinian als magister libellorum wie als praefectus praetorio anwesend, vgl. Coriat, 1997, 206f; 273-275.
35 Vgl. zuletzt Fernández de Buján, in: Liber amicorum Miquel, 2006, 333f. Kalb, Roms Juristen, 1890, 113 glaubt, Papiniansmen noch bis Anfang 213 nachzuweisen; kritisch dazu Fitting, Alter und Folge, 21908, 71 Fn. d.; ferner Liebs, in: HLL IV, § 416. A, 117f.
37 Vgl. Pal. 281 =D. 31.67.9 Pap. 19 quaest.; Pal. 358 = D. 22. 1.6.1 Pap. 29 quaest.; Pal. 376 =D. 50. 5. 7 Pap. 36 quaest.
38 Vgl. Pabst, Divisio Regni. Der Zerfall des Imperium Romanum in der Sicht der Zeitge-nossen, Bonn 1986, 27-30; Kienast, 32004, 25f. mwN
39 Vgl. die Übersicht bei Mastino, Le titolature di Caracalla e Geta attraverso le iscrizioni, 1981, 97-99. Ferner Kienast, 32004, 162 zum 4. Februar 211. In den Responsa gibt es nur Severus Augustus, vgl. D. 50. 5. 8 Pap. 1 resp. und D. 31.78.1 Pap. 9 resp.
40 Fitting, Alter und Folge, 21908, 74, Liebs, in: HLL IV, § 416. B. 5, 120: Die „Schrift entstand in den frühen bis mittleren 190er Jahren". Anders bereits Costa I, 1894, 203f.
41 Fitting, Alter und Folge, 21908, 74 mit Fn. g. Auch für Paulus stimmt die Behauptung Fittings aber nicht: D. 27. 1. 46. 2 Paull. sing. de cogn. und D. 27. 9. 13pr. Paul. l. sing. ad or. Sev. meinen sicherlich Caracalla; ebenso D. 50. 15. 8. 6 Paul 2 de cens.
42 Vgl. Pal. 70 = D. 50. 1. 11pr. -13 Pap. 2 quaest.; Pal. 90 = D. 1.5.8 Pap. 3 quaest.;Pal. 295 = D. 36. 1. 12 Pap. 20 quaest.; Pal. 299 = D. 36.1.57.1 Pap. 20 quaest.;Pal. 342 =D. 12.6.3 Pap. 28 quaest.; Pal. 345 = D. 36.3.5.3-4 Pap. 28 quaest.; Pal. 363 = D. 1.7.32.1 Pap. 31 quaest.
43 Vgl. Pal. 289 = D. 22. 1. 3pr. Pap. 20 quaest.; Pal. 345 = D. 36. 3. 5. 1Pap. 28quaest.; Pal. 353 = D. 35. 2. 11. 2Pap. 29quaest.; Pal. 378 = D. 48. 5. 39. 8 Pap. 36 quaest. Vgl. Gualandi, I, 1963.
44 Zu Antoninus als Titulatur des Caracalla vgl. Kienast, 32004, 162-165. Die Erhebung zum Caesar erfolgte offenbar schon am 4. April196, vgl. auch Mastino, Le titolature di Caracalla e Geta attraverso le iscrizioni, 1981, 15f. und 84f., zuletzt Nelson/Manthe, Gai Institutiones III 182-225, 2007, 101f.
45 Vgl. C. 2.11.7 Ant. (a. 205); C. 2.11.8 Ant. (a. 205);C. 2.11.9 (a. 208);C. 2.11.10 Ant. (a. 208); C. 4. 15.2 Ant. (a. 205);C. 5.72.1 Ant. (a. 205);C. 8. 25.2 Ant. (a. 208); C. 9.1.2pr. Ant. (a. 205); C. 9.1.2.1Ant. (a. 205). Als Verfälschungen verdächtigt von Sickle, Class. Phil. 23 (1928) 270-277, ähnlich Honoré, SDHI 28 (1962) 171f. und Bauman, SZ 94 (1975), 70f.; genauer Nörr, in: HIA II, 1304-1306. Zu Caracallas Beteiligung an der Rechtssetzung vgl. D. 24. 1. 3pr. Ulp. 32 ad Sab., auch dazu Nörr, in: HIA II, 288, Coriat, 1997, 509f. Zur Grundlage in imperium und tribunicia potestas vgl. Mommsen, Römisches Staatsrecht II. 2, 1887, 840-884, 905-915, zuletzt Rainer, Staatsrecht, 2006, 222-224.
46 Vgl. Liebs, in: HLL IV, 1997, § 416. B. 4, 118f. und Ankum, OIR 2 (1996) 9. Wie hier jetzt D. Liebs, Hofjuristen, 2011, Kap. 1, 13. 1.
48 Schulz, in: Scritti Ferrini, IV, 1949, 254-267; ders., RIDA-AHDO 1 (1952) 557-569; ders., RIDA-AHDO 2 (1953) 381-410; ders., Geschichte, 1961, 296-298.
52 Vgl. Pal. 64 = D. 1.21.1.1 Pap. 1 quaest.; Pal. 82 = D. 22.1.1.2 Pap. 2 quaest.; Pal. 108 = D. 45.1.116 Pap. 4quaest.; Pal. 173 = D. 18.1. 72pr. Pap. 10 quaest.; Pal. 177 = D. 6. 2. 16 Pap. 10 quaest.; Pal. 223 = D. 38.2.42pr. Pap. 13quaest.;. 237 = D. 46.5.8Pap. 15 quaest.; zuallen Santalucia, BIDR 68 (1965) 56-83; Krüger, Römische Juristen und ihre Werke I. Die Noten zu Papinians Werken, in: Studi Bonfante II, 1930, 303-314, Wieacker, Textstufen, 1960, 333; ders., RRG II, 2006, 129. Nur eine Note ist ohne quaestio überliefert: Pal. 177 = D. 6.2.16 Pap. 10 quaest. Paul. not. Auch hier spricht die Inskription dafür, dass die Note als Teil des Werkes erschien. Zur Verbindung von Nota und Edition vgl. Balog, in: Études Girard II, 1913, 522; allgemein Rastätter, Marcelli Notae, 1980, 24 Fn. 10.
53 Schulz, Geschichte, 1961, 227f. argumentiert vor allem aus den Sinai-Scholien, dazu zuletzt Liebs, in: Akten des 36. Rechtshistorikertages, 2008, 72-74.
55 CTh. 1, 4, 3 (a. 426)..) Notas etiam Pauli atque Ulpiani in Papiniani corpus factas, sicut durum statutum est, praecipimus infirmari. Weitgehend Dominicis, Contributo allo studio delle fonte papinianee d'età postclassica, in: Ambrosino et al. (Hg.), Studi De Francisci IV, Mailand 1956, 337f.; vgl. auch Wieacker, Textstufen, 1960, 123f., 333f., 374f.
56 Zum Begriff corpus vgl. Traube, in: Theodosiani libri XVI. Tabulae, Berlin 1905, II, Liebs, Gallien, 2002, 228 mit Fn. 547 und 273 mit Fn. 20, ders., in: HLL IV, 1997, § 416. C, S. 123 Fn. 16. Zu C. Th. 1, 4, 3 vgl. zuletzt M. Avenarius, Der pseudo-ulpianische liber singularis regularum. Entstehung, Eigenart und Überlieferung einer hochklassischen Juristenschrift, Göttingen 2005, 150 Fn. 55.
58 Vgl. Wieacker, Textstufen, 1960, 336f. zu Pal. 197 = vat. 224 und die Ersetzung von sed potest dici und 338 zu Pal. 198 = vat. 225 und licet in bonis eius patroni ius exerceat.
60 Vgl. Wieacker, RRG II, 228f., Liebs, Gallien, 2002, 124-126. Anders Schulz, AHDO-RIDA 2 (1953) 385f., der die vatikanische Sammlung zwischen 372 und 438 ansetzt.
61 Schulz, Einführung, 1916, 43, mit Verweis (Fn. 44) auf Norden, Antike Kunstprosa vom VI. Jahrhundert v. Chr. bis in die Zeit der Renaissance, II, Leipzig 1898, 581. Kritisch bereits Bretone, Tecniche, 21984, 342-344, zuletzt Fögen, Wissen..., 2009, 1-5. Wieacker, Textstufen, 1960, 12 Fn. 10 kennt noch „Konventionen der Fachliteratur".
63 Schulz, History, 1946, 234; ders., History, 1953, 234f. Ähnlich ders., in:Scritti Ferrini IV, 1949, 254 und ders., Geschichte, 1961, 296f. Zu den Entstehungsumständen vgl. Ernst, Fritz Schulz (1879-1957), in: Beatson/Zimmermann, Jurists Uprooted. German Speaking Emigré Lawyers in Twentieth-century Britain, Oxford, New York 2004, 132f.
66 Vgl. Nelson, Rez. Mercogliano, Tituli ex Corpore Ulpiano. 1997, TR 67 (1999) 376; ähnlich Manthe, in: FS Wolf, 2000, 181 mit Fn. 74.
67 Dies muss selbst dann gelten, wenn man mit Kaser, in: RRQ 1986, 116 die Vorstellung teilt, die nachklassischen Bearbeiter handelten bei Texteingriffen regelmäßig aus Unverständnis. Zu Papinians Texten vgl. in diesem Zusammenhang bereits Ankum, OIR 2 (1996) 17-21.
72 Vgl. Noch Kaser, in: RRQ 1986, 115f.,der von „Auffrischungen" im dritten Jahrhundert ausgeht; sehr klar (und teilweise abweichend) Wieacker, SZ91 (1974) 21-26.
73 Klami, in: Studi Biscardi IV,1983, 215-237 zu Tryphonins Noten zu Scaevola. Ausführlich Kaser, Zur Methodologie, 1972, 47-60.Zur rhetorischen Prägung vgl. auch Wieacker, SZ 91 (1974) 9.
74 Anders Gutiérrez-Masson, Actos proprios y buena fe. En torno a Papiniano 3 quaestionum D.50, 17, 25, in: Convegno Burdese II, 2003, 286f.
75 Vgl. Ankum, in: Sem.Compl.1 (1990) 33-63; ders., Le laconisme extrême de Papinien, in: Perez Bustamente (Hg.), Homenaje Martinéz Diez, Madrid 1992, 43-62 und ders. OIR 2 (1996) 5-32. Weitere Lit. bei den einzelnen Exegesen.
78 Vgl. Kaser, in: La Critica del Testo, 1971, 313-317, 320f. zu Papinian; ähnlich ders., in: RRQ 1986, 116. Etwas anders Wieacker, SZ 91 (1974) 10f.
80 Plat. Gorg. 1355a21-b3, dazu Vickers, In Defence of Rhetoric, Oxford 1988, 83-147; ferner Meyer, in: HWRhet. 7, 2005, Sp. 1482f.
82 Diese die Antike beherrschende Konkurrenz kann hier nicht weiterverfolgt werden. Vgl. nur die Hinweise bei Lausberg, § 36, S. 44. Zur Verschärfung der Diskussion in der späten römischen Kaiserzeit vgl. nur Erler, in: HWRhet. 6, 2003, Sp. 983f. mwN. Demge-genüber differenzierend Kasulke, Fronto, Marc Aurel und kein Konflikt zwischen Rhetorik und Philosophie im 2. nachchristlichen Jahrhundert. München 2005.
84 Diese Erkenntnisfunktion steht für Aristot. Rhet. 1354a 1 im Vordergrund, dazu (und zu weiteren Belegen) Veit, s. v. Argumentatio, in: HWRhet 1, 1992, Sp. 908f.
85 Vgl. bereits Voigt, Das ius naturale, aequum et bonum und ius gentium der Römer. Bd 4. Beil. XVII, Leipzig 1871, Bd. IV, 333-376. Grundlegend Stroux, Römische Rechts-wissenschaft und Rhetorik, Leipzig 1949. Ein Überblick bei Wieacker, RRG II, 662 Fn. 1. Zur Methodenfrage vgl. Steinwenter, in: Studi Albertario II, 1953, 112-118.
86 Vgl. Honig, Humanitas und Rhetorik in spätrömischen Kaisergesetzen, Göttingen 1960, der die Berechtigung der Rhetorik in den nachklassischen Gesetzen betont. Die Diskussion hat darunter gelitten, dass die Frage des Einflusses der Rhetorik auf das Recht als Vorfrage für die Behandlung von Interpolationen gedeutet wurde, vgl. Albertario, in: Studi Bonfante I, 1930, 611-672. Zum Ganzen Vonglis, La lettre et l'esprit, 1968, 12f.
87 Zu den fachübergreifenden Entscheidungsgrundlagen vgl. Waldstein, in: ANRWII. 15, 1976, 3-100 sowie Wieacker, SZ 94 (1977) 1-42.
88 Zum Einfluss der Rhetorik. schon Levy, Rezension Stroux, Summumius, summa iniuria, SZ 48 (1928) 671f. (= Ges. Schriften I, 22f.) mwN, Wieacker SZ 91 (1974) 9f. und ders., RRG I, 669-675. Zu allgemein bleiben Meyer, Die Quaestionen der Rhetorik und die Anfänge der juristischen Methodenlehre, SZ 68 (1951) 30-78 und Santa Cruz, Der Einfluß der rhetorischen Theorie des status auf die römische Jurisprudenz, insbesondere auf die Auslegung der Gesetze und Rechtsgeschäfte, SZ 75 (1958) 91-115.
89 Fuhrmann, Das systematische Lehrbuch. Ein Beitrag zur Geschichte der Wissenschaft in der Antike, Göttingen 1960, bes. 104-121, 183-188; ferner (zur Regelbildung) Schmidlin, Horoi, pithana und regula - Zum Einfluß der Rhetorik und Dialektik auf die juristische Regelbildung, in:ANRW II. 15, 1976, 101-130.
91 Zu Parallelen zwischen declamationes und Juristentextenvgl. Mantovani, in: Testi e problemi, 323-385. Widersprüchlich sind dagegen die Ergebnisse verschiedener Untersuchungen zum rhetorischen Einfluss auf die Gesetzesauslegung: Verneinend: Wesel, Rhetorische Statuslehre und Gesetzesauslegung der römischen Juristen, Köln u. a. 1967, 133-139, bejahend: Vonglis, La lettre et l'esprit, 1968; Bauman, The 'Leges iudiciorum publicorum' and their Interpretation in the Republic, Principate and Later Empire, in: ANRWII. 13, Berlin, New York1980, 103-233.
92 Vgl. Ballweg, Entwurf einer analytischen Rhetorik, in: Schanze/Kopperschmidt, Rhetorik und Philosophie, München 1989, 229-247, Sobota (=Gräfin von Schlieffen), Sach-lichkeit, Rhetorische Kunst der Juristen, Frankfurt 1990, zuletzt dies., Rhetorik und Stilistik in der Rechtswissenschaft, in: Fix/Gardt/Knape, Rhetorik und Stilistik. Ein Internationales Handbuch, Berlin, New York 2008, 1811- 1833.
93 Zur rhetorischen Analyse der Bibel vgl. etwa Vos, Kunst der Argumentation bei Paulus, Tübingen 2002; Meynet, Traité de rhetorique biblique, Paris 2007, zuletzt Classen, Kann die rhetorische Theorie helfen, das Neue Testament, vor allem die Briefe des Paulus, besser zu verstehen ?, Zeitschrift für neutestamentliche Wissenschaft 100 (2009) 145-172.
95 Der Begriff ist in der Forschung umstritten, vgl. Anderson:The Second Sophistic A Cultural Phenomenon in the Roman Empire, London1993; Gleason: Making men: sophistics and self-presentation in ancient Rome, Princeton 1995; Swain, Hellenism and Empire: Language, Classicism and Power in the Greek World, Oxford 1996. Vgl. ferner Feine, Litterati, 1994, 221 Fn. 1-3;Goldhill, Introduction, in: ders., Being Greek under Rome, Cambridge 2001, 14, zuletzt Whithmarsh, The second Sophistic, Oxford 2005, 3-22.
97 Vgl. Millar, The Emperor, 1977, 88-93; Lewis, Literati in the Service of Roman Emperors, in: Studies Bluma L. Trell, 1981, 149-166. Zu Papinian vgl. SZ 126 (2009) 183-185 mwN.
99 Als Ausdruck der ethischen Gesinnung Papinians bewerten das Fragment Toso, in: Acta Iuridici Internationalis, 1935, 34 sowie Behrends, in: Literatur und Recht, 1996, 290f.
100 Vgl. Stegemann, s. v. Nikostratos Nr. 27, in: 17, 1 (1936) Sp. 551; weiterführend Radicke, Imperial and undated authors, 1999, Nr. 1089, S. 307-311.
102 Andere sind z. B. das Aristoteles-Zitat des Julian (D. 46. 3. 36Iul. 1 ad Urs. Feroc.), dazu Bund, Methode Julians, 1965, 106f. und die Cicero-Zitate beiklassischen Juristen, dazu Nörr, in: HIA II, 1191-1197.
103 Zum Enkomion vgl. Radicke, Imperial and undated Authors, 1999, S. 310f. Zur Gunst-erlangung über Dritte vgl. Flinterman, in: Paideia, 2004, 365f.
104 Zum Juristen als „Mitspieler in der die literarische Welt beherrschenden Diskussion über verba und res" vgl. Nörr, in: HIA II, 970f. mwN. Zum interdisziplinären Dialog vgl. auch Herberger, Dogmatik. Zur Geschichte von Begriff und Methode in Medizin und Jurisprudenz. Frankfurt a.M. 1981, bes. 106-120.
105 Zur Quaestiones-Literatur vgl. zuletzt Masiello, Le Quaestiones publice tractatae di Cervidio Scaevola, Bari 22007, 55-79, ferner Schmidt-Ott, Pauli Quaestiones. Eigenart und Textgeschichte einer spätklassischen Juristenschrift., Berlin 1993, 15-17.
106 Vgl. Gross, Senecas Naturales Quaestiones, 1989, bes. 321-330; Gauly, 2004. Zu Rufus' medicinales quaestiones vgl. Meißner, Fachliteratur, 1999, 221f.
107 Vgl. dazu Maurach, Hermes 93 (1965) 357-369; Stahl, Die Naturales Quaestiones Senecas. Ein Beitrag zum Spiritualisierungsprozeß der römischen Stoa, Hermes 92 (1964) 425-454.
108 Zum antiken Lehrgespräch vgl. Föllinger, in: Vermittlung und Tradierung, 1993, 279f.; Veit, in: HWRhet. 3, 1996, Sp. 421.
109 Vgl. Frezza, SDHI 43 (1977) 219; Liebs, in: HLL IV, 1997, § 413, S. 99f. „ausführliche Fallbesprechungen". Zu African vgl. D Ors, Las Quaestiones de Africano, Rom 1997.
110 Schulz, Geschichte, 1961, 281f.: „Die zum Teil nichtssagenden Titel dieser Schriften variieren: Digesta, Responsa, Quaestiones, Disputationes oder andere, zum Teil preziöse, Titel".
112 Vgl. Schulz, Geschichte, 1961, 272 Fn. 3, der sich nur auf diepseudo-aristotelischen Problemata beruft anstatt auf die insoweit klare Topik; ähnlich ders., in:Atti del Congresso Internazionale di Diritto Romano e di Storia del Diritto, 1953, I, 297-306 zustimmend Coing, Zum Einfluß der Philosophie des Aristoteles auf die Entwicklung des römischen Rechts, SZ 69 (1952) 31, der Quare als Unterart der quaestio hervorhebt.
116 Vgl. Pal. 70 = D. 50.1.11 Pap. 2quaest.; Pal. 79 = D. 45.1.115 Pap. 2 quaest.;Pal. 194 = D. 26.5.13Pap. 11quaest.; Pal. 261 =D. 31.66 Pap. 17 quaest.; Pal. 264 = D. 35.1.1 Pap. 17 quaest.; Pal. 272 =D. 35.1.72 Pap. 18 quaest.;Pal. 281 =D. 31.67 Pap. 19 quaest.; Pal. 282 = D31.69 Pap. 19 quaest.; Pal. 289 = D. 22. 1. 3Pap. 20quaest.;Pal. 292 = D. 31. 70 Pap. 20 quaest.; Pal. 299 = D. 36. 1.57 Pap. 20 quaest.; Pal. 307 =D. 41.3.44 Pap. 23 quaest.; Pal. 323 =D. 18.7.6u. D. 18.7.8 Pap. 27 quaest.; Pal. 340 =D. 46.3.95 Pap. 28 quaest.; Pal. 345 =D. 36.3.5 Pap. 28 quaest.;Pal. 353 =D. 35.2.11 Pap. 29 quaest.
118 Der Begriff der „Katene" soll hier nicht nur für spätere Zusätze, sondern auch für die Argumentationsketten des Spätklassikers selbst verwandt werden.
BABUSIAUX, Ulrike. Einleitung In : Papinians Quaestiones : Zur rhetorischen Methode eines spätklassischen Juristen [en ligne]. München : C.H.Beck, 2011 (généré le 22 avril 2018). Disponible sur Internet : <http://books.openedition.org/chbeck/1217>. ISBN : 9782821846449. DOI : 10.4000/books.chbeck.1217.
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BABUSIAUX, Ulrike. Papinians Quaestiones : Zur rhetorischen Methode eines spätklassischen Juristen. Nouvelle édition [en ligne]. München : C.H.Beck, 2011 (généré le 22 avril 2018). Disponible sur Internet : <http://books.openedition.org/chbeck/1212>. ISBN : 9782821846449. DOI : 10.4000/books.chbeck.1212.
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