Source: http://www.hensche.de/Arbeitsrecht_Urteile_keine_Befreiung_von_Versicherungspflicht_fuer_Syndikusanwaelte_BSG_B5RE13-14R_u.html
Timestamp: 2020-02-26 19:10:39
Document Index: 305150661

Matched Legal Cases: ['§ 6', '§ 2', '§ 10', 'BGH', '§ 27', '§ 50', '§ 43', '§ 51', '§ 3', '§ 2', '§ 46', '§ 6', '§ 6', '§ 6', '§ 46', '§ 46', '§ 46', 'EuG', 'BGH', 'Art 3', '§ 6', '§ 103', '§ 548', '§ 1', '§ 6', 'Art 12', 'BGH', '§ 3', '§ 6', '§ 6', '§ 6', 'Art 12', 'Art 12', '§ 6', '§ 6', '§ 164', '§ 164', '§ 2', '§ 164', '§ 103', '§ 136', '§ 202', '§ 547', '§ 164', '§ 551', '§ 164', '§ 551', '§ 134', '§ 10', '§ 6', 'Art 1', 'Art 1', 'Art 86', '§ 7', '§ 163', '§ 611', '§ 1', '§ 5', '§ 8', '§ 170', '§ 12', '§ 34', '§ 35', '§ 32', '§ 12', '§ 12', '§ 60', 'BGH', '§ 35', '§ 43', '§ 32', '§ 242', 'EuG', '§ 2', '§ 10', '§ 6', '§ 4', '§ 1', '§ 3', '§ 6', '§ 6', '§ 6', '§ 6', '§ 6', '§ 6', '§ 2', '§ 3', '§ 6', '§ 6', '§ 6', '§ 6', '§ 6', '§ 7', '§ 6', 'BGH', 'EuG', 'EuG', 'Art 267', 'Art 100', '§ 11', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 106', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 1', 'BGH', '§ 59', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 2', 'BGH', '§ 1', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 46', '§ 46', '§ 1', '§ 46', 'EuG', '§ 2', '§ 1227', '§ 2', '§ 6', '§ 6', '§ 6', '§ 6', '§ 7', '§ 14', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 6', '§ 7', '§ 14', 'BGH', '§ 46', 'Art 12', '§ 46', '§ 46', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'EuG', '§ 6', '§ 7', '§ 2', '§ 1', '§ 1', '§ 5', '§ 6', '§ 6', '§ 6', 'Art 2', '§ 6', '§ 6', '§ 6', '§ 6', '§ 1', '§ 6', '§ 6', '§ 6', '§ 6', '§ 7', 'Art 2', '§ 157', 'Art 14', '§ 2', 'Art 12', 'Art 2', 'Art 2', '§ 7', 'Art 2', 'Art 3', '§ 6', '§ 6', '§ 7', '§ 539', 'Art 74', '§ 44', '§ 193']

BSG, Urteil vom 03.04.2014, B 5 RE 13/14 R - HENSCHE Arbeitsrecht
BSG, Ur­teil vom 03.04.2014, B 5 RE 13/14 R
Schlagworte: Versicherungspflicht, Syndikusanwälte, Beschäftigungsverhältnis
Aktenzeichen: B 5 RE 13/14 R
Vorinstanzen: Sozialgericht Duisburg, Urteil vom 07.02.2012, S 37 R 1451/10
Landessozialgericht Nordrhein-Westfalen, Urteil vom 07.05.2013, L 18 R 170/12
Bun­des­so­zi­al­ge­richt
Die Re­vi­si­on wird zurück­ge­wie­sen. Außer­ge­richt­li­che Kos­ten auch des Re­vi­si­ons­ver­fah­rens sind nicht zu er­stat­ten.
Die Be­tei­lig­ten strei­ten darüber, ob die Be­klag­te die Kläge­rin ab dem 18.9.2009 für die Beschäfti­gung, die sie bei der Bei­ge­la­de­nen zu 1. ausübt, von der Ver­si­che­rungs­pflicht in der ge­setz­li­chen Ren­ten­ver­si­che­rung be­frei­en muss.
Die 1972 ge­bo­re­ne Kläge­rin ist Voll­ju­ris­tin. Die Bei­ge­la­de­ne zu 1. be­treibt ein Be­ra­tungs­un­ter­neh­men für be­trieb­li­che Al­ters­ver­sor­gung und Vergütung; ih­re Rechts­ab­tei­lung be­steht aus­sch­ließlich aus Voll­ju­ris­ten. Die Bei­ge­la­de­ne zu 2. leis­tet ih­ren Mit­glie­dern und sons­ti­gen Leis­tungs­be­rech­tig­ten Ver­sor­gung nach Maßga­be ih­rer Sat­zung (Be­kannt­ma­chung des Jus­tiz­mi­nis­ters des Lan­des Nord­rhein-West­fa­len vom 16.7.1985, JMBl NW 172) und des Ge­set­zes über die Rechts­an­walts­ver­sor­gung (RAVG NW) vom 6.11.1984 (GV­BI NW 684).
Im Herbst 1999 be­warb sich die Kläge­rin er­folg­reich bei der Bei­ge­la­de­nen zu 1. auf die Stel­le ei­ner "Ju­rist/in in dem Be­reich der be­trieb­li­chen Al­ters­ver­sor­gung" und nahm am 1.2.2000 in der Rechts­ab­tei­lung ei­ne Beschäfti­gung als "ju­ris­ti­sche Mit­ar­bei­te­rin" ge­gen Ent­gelt auf (An­stel­lungs­ver­trag vom 26.1.2000). Als sol­che ist sie wei­sungs­ge­bun­den, fach­lich je­doch un­abhängig. Sie be­treut und berät ver­si­che­rungs­recht­li­che Fra­ge­stel­lun­gen (Ein­rich­tung, Durchführung und Ände­rung) der Ver­sor­gungs- und Vergütungs­sys­te­me recht­lich um­fas­send, be­ant­wor­tet sämt­li­che steu­er-, ar­beits- und so­zi­al­ver­si­che­rungs­recht­li­che Fra­gen, ver­han­delt selbständig mit Geschäfts­part­nern, tritt als Re­fe­ren­tin bei Vorträgen auf, be­ar­bei­tet an­spruchs­vol­le Grund­satz- und Pro­jekt­ar­beit im Be­reich "Be­trieb­li­che Al­ters­ver­sor­gung und Vergütung" und nimmt an we­sent­li­chen Ab­stim­mungs- und Ent­schei­dungs­pro­zes­sen bei steu­er-, ar­beits- und so­zi­al­ver­si­che­rungs­recht­li­chen Fra­gen teil (Stel­len­be­schrei­bung vom 7.4.2009 und Stel­lung­nah­me der Bei­ge­la­de­nen zu 1. vom 17.3.2011). Ih­rer recht­li­chen Be­wer­tung wird im Un­ter­neh­men der Bei­ge­la­de­nen zu 1. ho­hes Ge­wicht bei­ge­mes­sen. Al­ler­dings trifft sie - we­gen des im Un­ter­neh­men prak­ti­zier­ten Vier-Au­gen-Prin­zips - Ent­schei­dun­gen nicht al­lein, son­dern nur im Ein­ver­neh­men mit den Vor­ge­setz­ten, ins­be­son­de­re mit ih­rem Ab­tei­lungs­lei­ter, der zur Rechts­an­walt­schaft zu­ge­las­sen ist. Nach § 6 des An­stel­lungs­ver­trags vom 26.1.2000 benötigt sie für ent­gelt­li­che oder un­ent­gelt­li­che Ne­ben­beschäfti­gun­gen so­wie Veröffent­li­chun­gen und Vorträge die vor­he­ri­ge schrift­li­che Zu­stim­mung der Bei­ge­la­de­nen zu 1. Die Kläge­rin be­trieb ih­re Zu­las­sung zur Rechts­anwältin zunächst nicht, weil die Bei­ge­la­de­ne zu 1. dies nicht wünsch­te.
An­fang 2009 über­nahm die Kläge­rin den Kun­den­stamm und die Auf­ga­ben ei­ner Kol­le­gin, die zur Rechts­an­walt­schaft zu­ge­las­sen war. In ei­ner Frei­stel­lungs­erklärung vom 5.3.2009 erklärte sich die Bei­ge­la­de­ne zu 1. un­wi­der­ruf­lich da­mit ein­ver­stan­den, dass die Kläge­rin ne­ben ih­rer Tätig­keit als ju­ris­ti­sche Mit­ar­bei­te­rin als Rechts­anwältin ar­bei­ten und während der Dienst­stun­den an­walt­li­che Ter­mi­ne wahr­neh­men dürfe. Denn auf­grund ei­ner zwi­schen­zeit­li­chen Ände­rung der Fir­men­po­li­tik soll­ten auf Wunsch der Bei­ge­la­de­nen zu 1. nun­mehr al­le in der Rechts­ab­tei­lung täti­gen Voll­ju­ris­ten (oh­ne Ände­rung des An­stel­lungs­ver­trags) zur Rechts­an­walt­schaft zu­ge­las­sen sein.
Am 8.7.2009 be­an­trag­te die Kläge­rin bei der Rechts­an­walts­kam­mer (RAK) D. ih­re Zu­las­sung als Rechts­anwältin, fügte die Frei­stel­lungs­erklärung vom 5.3.2009 so­wie die Stel­len­be­schrei­bung vom 7.4.2009 bei und gab an, sie wer­de ih­re Kanz­lei in den Geschäftsräum­en der Bei­ge­la­de­nen zu 1. ein­rich­ten. Der Vor­stand der RAK teil­te ihr mit, er ha­be ih­ren An­trag "bezüglich der Syn­di­kustätig­keit" bei der Bei­ge­la­de­nen zu 1. ge­prüft und kei­ne Be­den­ken gel­tend ge­macht (Schrei­ben vom 8.9.2009). Am 18.9.2009 wur­de die Kläge­rin zur Rechts­an­walt­schaft zu­ge­las­sen, gleich­zei­tig Mit­glied der RAK D. und da­mit nach § 2 Abs 1 RAVG NW iVm § 10 Nr 2 der Sat­zung der Bei­ge­la­de­nen zu 2. de­ren Pflicht­mit­glied. Ab die­sem Zeit­punkt schloss sie bei der A. Ver­si­che­rung AG ei­ne Be­rufs­haft­pflicht­ver­si­che­rung für ih­re Tätig­keit als Rechts­anwältin zu ei­nem Son­der­jah­res­bei­trag von 97 EUR ab, der ihr we­gen ei­ner nur ne­ben­be­ruf­lich aus­geübten frei­en An­waltstätig­keit gewährt wur­de. Die Kläge­rin teilt ih­re Büroräume bei der Bei­ge­la­de­nen zu 1. mit ei­nem wei­te­ren Mit­ar­bei­ter ("Dop­pelbüro"), hat dort kein Kanz­lei­schild, das auf ih­re Tätig­keit als Rechts­anwältin hin­weist, und führt auch kei­ne ei­ge­nen, der Ver­schwie­gen­heits­pflicht un­ter­lie­gen­den Rechts­an­walts­ak­ten. Einkünf­te aus selbständi­ger Tätig­keit hat sie nicht er­zielt.
Am 25.11.2009 be­an­trag­te die Kläge­rin, sie we­gen ih­rer be­rufs­spe­zi­fi­schen an­walt­li­chen Tätig­keit bei der Bei­ge­la­de­nen zu 1. von der Ver­si­che­rungs­pflicht in der ge­setz­li­chen Ren­ten­ver­si­che­rung zu be­frei­en. Die Bei­ge­la­de­ne zu 1. erklärte da­zu, die Kläge­rin wer­de "in un­se­rer Kanz­lei als Rechts­an­walt tätig", fer­ti­ge Ent­schei­dungs­vor­la­gen für die Geschäftsführung und für an­de­re Ab­tei­lun­gen und sei im Ab­stim­mungs­pro­zess für die zu tref­fen­den Ent­schei­dun­gen be­tei­ligt. Ne­ben­be­ruf­li­che Beschäfti­gun­gen bedürf­ten kei­ner "vor­he­ri­gen Ge­neh­mi­gung". Die Kläge­rin dürfe un­wi­der­ruf­lich ne­ben ih­rer Tätig­keit als An­ge­stell­te ei­ne An­walts­pra­xis ausüben und sich zur Wahr­neh­mung an­walt­li­cher Ter­mi­ne oh­ne Er­laub­nis im Ein­zel­fall je­der­zeit von ih­rem Dienst­platz ent­fer­nen (Schrei­ben der Bei­ge­la­de­nen zu 1. vom 11.6.2010). Die Be­klag­te lehn­te den Be­frei­ungs­an­trag ab, weil die Kläge­rin für die Bei­ge­la­de­ne zu 1. nicht rechts­ent­schei­dend tätig sei und des­halb kei­ne an­walt­li­che Tätig­keit ausübe (Be­scheid vom 20.7.2010 und Wi­der­spruchs­be­scheid vom 24.11.2010).
Das SG Duis­burg hat die Kla­ge ab­ge­wie­sen (Ur­teil vom 7.2.2012). Das LSG hat die Be­ru­fung der Kläge­rin zurück­ge­wie­sen und die Re­vi­si­on zu­ge­las­sen (Ur­teil vom 7.5.2013): Sie ha­be kei­nen An­spruch auf Be­frei­ung von der Ver­si­che­rungs­pflicht in der ge­setz­li­chen Ren­ten­ver­si­che­rung. Denn die Kläge­rin sei nicht "we­gen" ih­rer ren­ten­ver­si­che­rungs­pflich­ti­gen Beschäfti­gung als "ju­ris­ti­sche Mit­ar­bei­te­rin" bei der Bei­ge­la­de­nen zu 1. Mit­glied der RAK D. und die­se Beschäfti­gung ver­pflich­te sie auch nicht kraft Ge­set­zes, Mit­glied der RAK D. zu sein oder zu wer­den. Da sie auf­grund der re­strik­ti­ven Zu­las­sungs­pra­xis und der Recht­spre­chung des BGH da­mit ge­rech­net ha­be, dass ihr die RAK die Rechts­an­walts­zu­las­sung ge­ra­de we­gen der abhängi­gen Beschäfti­gung bei ei­ner nicht­an­walt­li­chen Ar­beit­ge­be­rin ver­sa­gen würde, ha­be sie im Zu­las­sungs­ver­fah­ren le­dig­lich an­ge­ge­ben, den Rechts­an­walts­be­ruf ne­ben ih­rer abhängi­gen Beschäfti­gung aus­zuüben. Da­mit sei die Prüfung der Zu­las­sungs­vor­aus­set­zun­gen im vor­ge­se­he­nen Rechts­weg um­gan­gen und de fac­to ver­sucht wor­den, die Zu­las­sungs­ent­schei­dung auf die Be­klag­te und die Ge­rich­te der So­zi­al­ge­richts­bar­keit zu ver­la­gern. Dies ver­let­ze das Prin­zip von Treu und Glau­ben und ver­s­toße ge­gen das Ver­bot wi­dersprüchli­chen Ver­hal­tens ("ve­ni­re con­tra fac­tum pro­pri­um"). Im Be­frei­ungs­ver­fah­ren ha­be sie da­ge­gen be­haup­tet, in ih­rer abhängi­gen Beschäfti­gung als Rechts­anwältin tätig zu sein, ob­wohl sie dort kei­ne Kanz­lei oder Zweig­stel­le ein­ge­rich­tet ha­be (§ 27 BRAO), kei­ne An­walts­ak­ten führe (§ 50 BRAO), kei­ne Maßnah­men zur Ein­hal­tung der Ver­schwie­gen­heits­pflicht er­grif­fen (§ 43a BRAO) und die haupt­be­ruf­li­che Tätig­keit nicht haft­pflicht­ver­si­chert ha­be (§ 51 Abs 1 BRAO). Da­mit erfülle sie we­der die Be­rufs­pflich­ten noch die Rah­men­be­din­gun­gen, die der Deut­sche An­walts­ver­ein (DAV) im Merk­blatt für sog "Syn­di­kus­anwälte" auf­ge­stellt ha­be. Berück­sich­ti­ge man schließlich, dass die Kläge­rin mit der Tätig­keit als selbständi­ge Rechts­anwältin of­fen­bar kei­ne Ein­nah­men er­zie­le, so lie­ge die An­nah­me na­he, dass der An­trag auf Be­frei­ung von der ge­setz­li­chen Ren­ten­ver­si­che­rungs­pflicht rechts­miss­bräuch­lich auf ei­ne Pro-For­ma-Zu­las­sung gestützt wer­de. Die­ses Vor­ge­hen wer­de in der ju­ris­ti­schen Li­te­ra­tur als "Mo­gel­pa­ckung" be­zeich­net, wo­bei "Phan­ta­sie­erklärun­gen" wie die der Bei­ge­la­de­nen zu 1., die Kläge­rin wer­de "in un­se­rer Kanz­lei als Rechts­an­walt tätig", zum "Top" der "Zu­las­sungs­mo­ge­lei" gehörten.
Zu­dem sei die Kläge­rin nicht "we­gen der" abhängi­gen Beschäfti­gung "kraft ge­setz­li­cher Ver­pflich­tung" Mit­glied ei­ner be­rufsständi­schen Kam­mer. Die­se set­ze ei­ne Tätig­keit vor­aus, de­ren rechtmäßige Ausübung ge­setz­lich zwin­gend die Zu­las­sung zur An­walt­schaft und da­mit zu­gleich zwin­gend die Mit­glied­schaft in ei­ner Rechts­an­walts­kam­mer nach sich zie­he. Als "ju­ris­ti­sche Mit­ar­bei­te­rin" benöti­ge die Kläge­rin kei­ne be­son­de­re Zu­las­sung iS von § 3 RDG, weil sie kei­ne "frem­den An­ge­le­gen­hei­ten" iS von § 2 Abs 1 RDG be­sor­ge; in ih­rer Ei­gen­schaft als Rechts­anwältin dürfe sie nicht für die Bei­ge­la­de­ne zu 1. tätig wer­den (§ 46 Abs 1 BRAO).
Der en­ge Wort­laut der Aus­nah­me­vor­schrift des § 6 Abs 1 S 1 Nr 1 SGB VI könne nicht mit Hil­fe der sog "Vier-Kri­te­ri­en-Theo­rie" er­wei­ternd aus­ge­legt wer­den, wo­nach die zu be­frei­en­de Tätig­keit ku­mu­la­tiv rechts­be­ra­ten­de, -ent­schei­den­de, -ver­mit­teln­de und -ge­stal­ten­de Ele­men­te ent­hal­ten müsse. Denn die­se va­gen und pra­xis­un­taug­li­chen Kri­te­ri­en, die er­heb­li­che Ab­gren­zungs- und De­fi­ni­ti­ons­pro­ble­me schüfen und zu un­vor­her­seh­ba­ren Ent­schei­dun­gen führ­ten, erfüll­ten auch vie­le Steu­er­be­ra­ter, Ren­ten­be­ra­ter, Mit­ar­bei­ter von In­kas­so­diens­ten etc, während sie an­ge­stell­te Rechts­anwälte bei an­walt­li­chen Ar­beit­ge­bern häufig ver­fehl­ten. Das SGB VI ko­or­di­nie­re mit der Be­frei­ungsmöglich­keit die selbständig ne­ben­ein­an­der ste­hen­den, sich par­ti­ell über­schnei­den­den Sys­te­me der be­rufsständi­schen Al­ters­ver­sor­gung und der ge­setz­li­chen Ren­ten­ver­si­che­rung und ver­mei­de ei­ne dop­pel­te Bei­trags­pflicht zu zwei weit­ge­hend funk­ti­ons­glei­chen Si­che­rungs­sys­te­men, auch wenn dies we­der primäres Ziel des Ge­set­zes noch des his­to­ri­schen Ge­setz­ge­bers sei, wie be­reits aus § 6 Abs 1 S 3 SGB VI fol­ge. Je­den­falls müsse zwi­schen der be­rufs­spe­zi­fi­schen Tätig­keit, für die Be­frei­ung von der ge­setz­li­chen Ren­ten­ver­si­che­rung be­an­sprucht wer­de, und dem Schutz durch die be­rufsständi­sche Ver­sor­gungs­ein­rich­tung ein in­ne­rer Zu­sam­men­hang be­ste­hen. Aus der Not­wen­dig­keit ei­ner "be­rufs­spe­zi­fi­schen Tätig­keit" fol­ge aber nicht im Um­kehr­schluss, dass je­de "be­rufs­spe­zi­fi­sche" Tätig­keit al­lein be­reits für die Be­frei­ung nach § 6 Abs 1 S 1 Nr 1 SGB VI genüge. Des­sen un­ge­ach­tet sei die Kläge­rin aber auch nicht "rechts­ent­schei­dend" tätig, weil sie für Ent­schei­dun­gen das Ein­ver­neh­men ih­rer Vor­ge­setz­ten benöti­ge.
Die Be­frei­ung kom­me auch nicht des­halb in Be­tracht, weil die abhängi­ge Beschäfti­gung der Kläge­rin für die Bei­ge­la­de­ne zu 1. ge­mein­sam mit der ne­ben­be­ruf­li­chen selbständi­gen Rechts­an­waltstätig­keit ei­ne ein­heit­li­che an­walt­li­che Be­rufs­ausübung dar­stel­le. Da die selbständi­ge Rechts­an­waltstätig­keit von vorn­her­ein ren­ten­ver­si­che­rungs­frei sei, strah­le sie we­der auf die abhängi­ge Haupt­beschäfti­gung aus noch könn­ten bei­de zu ei­nem ein­heit­li­chen An­walts­be­ruf ver­schmel­zen, der ins­ge­samt zu ei­ner Be­frei­ung von der Ren­ten­ver­si­che­rungs­pflicht führe. Viel­mehr han­de­le es sich bei der ne­ben­be­ruf­li­chen selbständi­gen Rechts­an­waltstätig­keit und der Beschäfti­gung als an­ge­stell­te ju­ris­ti­sche Mit­ar­bei­te­rin um zwei zeit­lich, in­halt­lich und funk­tio­nal ab­grenz­ba­re Tätig­kei­ten, die von­ein­an­der un­abhängig durch das Be­rufs­ausübungs­recht (BRAO ei­ner­seits und ar­beits­recht­li­che Vor­schrif­ten an­de­rer­seits) mit un­ter­schied­li­chen Rech­ten und Pflich­ten aus­ge­stat­tet sei­en, steu­er­recht­lich un­ter­schied­lich be­han­delt würden (Einkünf­te aus abhängi­ger Beschäfti­gung ei­ner­seits und aus selbständi­ger Er­werbstätig­keit an­de­rer­seits) und des­halb ei­ne ge­trenn­te Be­trach­tung er­for­der­ten (sog Dop­pel­be­rufs­theo­rie). Ge­ra­de des­halb stre­be der DAV ei­ne Ände­rung des § 46 BRAO an. Dass die Bei­ge­la­de­ne zu 1. nun­mehr (un­verständ­li­cher­wei­se) wünsche, dass al­le in ih­rer Rechts­ab­tei­lung täti­gen Voll­ju­ris­ten als Rechts­anwälte zu­ge­las­sen sei­en, könne dar­an nichts ändern, weil die Fra­ge, ob ein an­ge­stell­ter Ju­rist die Vor­aus­set­zun­gen für die Be­frei­ung von der Ver­si­che­rungs­pflicht erfülle, nicht der Dis­po­si­ti­on des Ar­beit­ge­bers un­ter­lie­gen könne. Dies gel­te im vor­lie­gen­den Fall um­so mehr, als sich der Cha­rak­ter der abhängi­gen Beschäfti­gung der Kläge­rin bei der Bei­ge­la­de­nen zu 1. nach und durch die Zu­las­sung zur An­walt­schaft nicht verändert ha­be. Die Kläge­rin sei seit ih­rer Zu­las­sung als Rechts­anwältin kei­ne sog "Syn­di­kus­anwältin" iS des § 46 BRAO und als sol­che auch nicht per se von der Ver­si­che­rungs­pflicht zu be­frei­en. Denn es ste­he we­der fest noch sei fest­zu­stel­len, was un­ter dem (ope­ra­tio­na­len) Be­griff "Syn­di­kus­an­walt" über­haupt zu ver­ste­hen sei. Je­den­falls wer­de die Kläge­rin für die Bei­ge­la­de­ne zu 1. nicht als Rechts­anwältin tätig, wie dies § 46 BRAO er­for­de­re, weil sie die­se Tätig­keit bis heu­te nicht ent­spre­chend den zwin­gen­den Form­vor­schrif­ten der BRAO ausübe. Fol­ge­rich­tig ha­be die Bei­ge­la­de­ne zu 1. die Zu­las­sung zur Rechts­an­walt­schaft auch nicht zur Ein­stel­lungs­vor­aus­set­zung ge­macht. Aber selbst wenn man die Kläge­rin als "Syn­di­kus­anwältin" ansähe, könn­te sie für ih­re Tätig­keit als "ju­ris­ti­sche Mit­ar­bei­te­rin" nicht be­freit wer­den. Die­ses Er­geb­nis ste­he mit der Recht­spre­chung des EuGH, des BVerfG und des BGH in Ein­klang.
Sch­ließlich könne die Kläge­rin ei­nen Be­frei­ungs­an­spruch auch nicht aus den Ver­wal­tungs­richt­li­ni­en der Be­klag­ten iVm Art 3 Abs 1 GG her­lei­ten. Selbst wenn zahl­rei­che an­de­re Ver­si­cher­te bei ver­gleich­ba­rer Sach- und Rechts­la­ge von der Ver­si­che­rungs­pflicht in der ge­setz­li­chen Ren­ten­ver­si­che­rung - rechts­wid­rig - be­freit wor­den sei­en, er­ge­be sich dar­aus kein An­spruch auf Gleich­be­hand­lung im Un­recht. So­weit sie be­an­tragt ha­be, den Präsi­den­ten der RAK D. da­zu als Zeu­gen zu ver­neh­men, dass sie we­gen ih­rer Tätig­keit in Diens­ten der Bei­ge­la­de­nen zu 1. als Rechts­anwältin zu­ge­las­sen wor­den sei, sei dies nicht ent­schei­dungs­er­heb­lich und stel­le ei­nen un­zulässi­gen Aus­for­schungs­be­weis dar.
Da­ge­gen hat die Kläge­rin Re­vi­si­on ein­ge­legt. Sie rügt die Ver­let­zung ma­te­ri­el­len (§ 6 Abs 1 S 1 Nr 1 und S 3 SGB VI) und for­mel­len (§§ 103, 202 SGG, § 548 ZPO) Rechts: Zu Un­recht in­ter­pre­tie­re die an­ge­foch­te­ne Ent­schei­dung - die in der bis­he­ri­gen Recht­spre­chung ei­ne ab­so­lu­te Al­lein­stel­lung auf­wei­se - das Tat­be­stands­merk­mal "we­gen" wort­laut­ge­treu in ei­nem kon­di­tio­na­len Sinn. Ein sol­ches Verständ­nis sei je­doch nicht zwin­gend. Bei his­to­ri­scher und te­leo­lo­gi­scher In­ter­pre­ta­ti­on sol­le die Präpo­si­ti­on viel­mehr zum Aus­druck brin­gen, dass die ins Au­ge ge­fass­te Beschäfti­gung in ei­nem sach­li­chen Zu­sam­men­hang mit ei­ner be­rufs­spe­zi­fi­schen An­waltstätig­keit ste­hen müsse, die durch Kam­mer­mit­glied­schaft der be­son­de­ren be­rufs­recht­li­chen Über­wa­chung und Qua­litäts­si­che­rung un­ter­lie­ge. Es sei da­her nach ei­ner Kri­te­ri­en­for­mel zu su­chen, mit de­ren Hil­fe zwi­schen an­walts­spe­zi­fi­scher und -un­spe­zi­fi­scher, an­walt­li­cher und nicht­an­walt­li­cher Tätig­keit un­ter­schie­den wer­den könne. Dies leis­te die sog Vier-Kri­te­ri­en-Theo­rie, die die Frie­dens­gren­ze zwi­schen ge­setz­li­cher Ren­ten­ver­si­che­rung und be­rufsständi­scher Ver­sor­gung zie­he, sich in langjähri­ger Ver­wal­tungs­pra­xis bewährt ha­be und in­halt­lich be­schrei­be, was das Be­rufs­bild des An­walts iS der §§ 1 bis 3 BRAO aus­ma­che. Selbst die Be­klag­te ha­be die Vier­kri­te­ri­en­for­mel in ihr Merk­blatt für nicht­an­walt­li­che Ar­beit­ge­ber über­nom­men; sie sei we­der durch ei­ne zwi­schen­zeit­li­che Ände­rung in den tatsächli­chen Verhält­nis­sen über­holt noch sei der "Syn­di­kus­an­walt" ein neu­er, letzt­lich un­de­fi­nier­ba­rer Be­rufs­stand. Wen­de man die Vier-Kri­te­ri­en-Theo­rie an, so könne das Kri­te­ri­um "rechts­ent­schei­dend" vor­lie­gend nicht ver­neint wer­den. Denn Un­ter­neh­mens­ent­schei­dun­gen tref­fe im­mer nur der Un­ter­neh­mer und nicht sein An­walt. Die­ser könne nur durch den rich­ti­gen Rat da­zu bei­tra­gen, dass der Man­dant die rich­ti­ge Ent­schei­dung tref­fe. In­so­fern sei je­der An­walt - wie auch die Kläge­rin - le­dig­lich in den un­ter­neh­me­ri­schen Ent­schei­dungs­pro­zess ein­ge­bun­den. Kein Man­dant sei ge­zwun­gen, dem an­walt­li­chen Rechts­rat zu fol­gen. Dass er be­ra­tungs­re­sis­tent sei, weil an­de­re Gründe (Op­por­tu­nität, Sub­jek­ti­vität, außer­recht­li­che Gründe, Starr­sinn, Dumm­heit etc) mehr Ge­wicht hätten, gehöre zum an­walt­li­chen All­tag. Auch selbständi­ge Anwälte hätten auf Wei­sung des Man­dan­ten in ei­ner Wei­se zu agie­ren, die ih­rem ei­ge­nen Vor­schlag wi­der­spre­che, wenn nur der Man­dant hin­rei­chend be­lehrt und das Tätig­wer­den nicht ge­gen Be­rufs­re­geln oder Be­rufs­ethik ver­s­toße. Den­sel­ben Kau­te­len un­ter­lie­ge der Syn­di­kus­an­walt.
Aus sys­te­ma­ti­scher Sicht sei § 6 SGB VI kei­ne Aus­nah­me­vor­schrift, son­dern Kol­li­si­ons­norm, die ei­ner ex­ten­si­ven Aus­le­gung zugäng­lich sei. An­dern­falls wären die An­walt­schaft und al­le ver­kam­mer­ten frei­en Be­ru­fe von jeg­li­cher Fort­bil­dung ih­rer Be­rufs­bil­der ab­ge­schnit­ten, was den Re­ge­lungs­be­reich des Art 12 GG berühre. Ver­fas­sungs­recht­lich sei ei­ne Gleich­stel­lung der Syn­di­kus­anwälte ge­bo­ten. So­weit sich das LSG auf die sog Dop­pel­be­rufs­theo­rie des BGH be­ru­fe, be­tref­fe sie nur das an­walt­li­che Be­rufs­recht, nicht je­doch das
So­zi­al­ver­si­che­rungs­recht. Das­sel­be gel­te für die Re­formüber­le­gun­gen des DAV. Et­wai­ge be­rufs­recht­li­che De­fi­zi­te sei­en so­zi­al­recht­lich be­deu­tungs­los. Denn so­zi­al­ver­si­che­rungs­recht­lich sei al­lein die tatsächlich aus­geübte Tätig­keit maßge­bend, so­dass wei­te Stre­cken der Be­zug­nah­me auf Be­rufs­recht (Haft­pflicht, Ver­schwie­gen­heit, Kanz­lei­schild) im an­ge­foch­te­nen Ur­teil an der Sa­che vor­bei­gin­gen. Vor die­sem Hin­ter­grund sei­en die Vor­hal­tun­gen und Un­ter­stel­lun­gen des LSG mit Nach­druck zurück­zu­wei­sen, die Kläge­rin ha­be im We­ge ei­ner Mo­gel­pa­ckung in kol­lu­si­vem Zu­sam­men­wir­ken mit der Ar­beit­ge­be­rin den Weg in die An­walt­schaft und das Be­frei­ungs­recht er­schli­chen und sei nur ei­ne Art Schein­anwältin. Das LSG über­se­he, dass die Bei­ge­la­de­ne zu 1. von der er­streb­ten Be­frei­ung bei­trags­recht­lich nicht pro­fi­tie­re und an­ge­stell­te Anwälte für sie nicht "be­que­mer" als bloße Voll­ju­ris­ten sei­en. Viel­mehr wol­le die Bei­ge­la­de­ne zu 1. ih­re Ju­ris­ten durch die An­walts­zu­las­sung "auf glei­che Au­genhöhe" mit ex­ter­nen Anwälten, aber auch mit Behörden stel­len und von der "Re­pu­ta­ti­on" pro­fi­tie­ren, die ein An­walt als Or­gan der Rechts­pfle­ge ha­be. Vor al­lem aber ha­be der un­abhängi­ge Rechts­rat un­abhängi­ger Anwälte (§ 3 BRAO) mit vollständi­ger fach­li­cher Au­to­no­mie für den Ar­beit­ge­ber be­son­de­ren Wert. Vor die­sem Hin­ter­grund sei es unschädlich, dass die Kläge­rin schon früher für die Bei­ge­la­de­ne zu 1. als ju­ris­ti­sche Mit­ar­bei­te­rin oh­ne An­walts­zu­las­sung ge­ar­bei­tet ha­be. Denn zwi­schen­zeit­lich ha­be sich die Fir­men­po­li­tik der Bei­ge­la­de­nen zu 1. in­so­weit grund­le­gend geändert, dass nun­mehr al­le in der Rechts­ab­tei­lung täti­gen Voll­ju­ris­ten zur An­walt­schaft zu­ge­las­sen wer­den soll­ten, ne­ben­be­ruf­li­che Beschäfti­gun­gen nicht mehr ge­neh­mi­gungs­pflich­tig sei­en und die Kläge­rin (auch in­halt­lich) nicht mehr "am en­gen Di­rek­ti­onszügel geführt" wer­de. Zu Un­recht ha­be das LSG schließlich den Be­weis­an­trag über­g­an­gen, weil der Präsi­dent der RAK D. bestätigt hätte, dass die Kläge­rin (auch) "we­gen" ih­rer Tätig­keit bei der Bei­ge­la­de­nen zu 1. als Rechts­anwältin in dem vom LSG für rich­tig ge­hal­te­nen Sin­ne zu­ge­las­sen wor­den sei. Fer­ner sei die Fünf-Mo­nats-Frist zur Überg­a­be der Ent­schei­dungs­gründe an die Geschäfts­stel­le über­schrit­ten und das Ur­teil des­halb nicht mit Gründen ver­se­hen.
das Ur­teil des Lan­des­so­zi­al­ge­richts Nord­rhein-West­fa­len vom 7. Mai 2013 und das Ur­teil des So­zi­al­ge­richts Duis­burg vom 7. Fe­bru­ar 2012 so­wie den Be­scheid der Be­klag­ten vom 20. Ju­li 2010 und den Wi­der­spruchs­be­scheid vom 24. No­vem­ber 2010 auf­zu­he­ben und die Be­klag­te zu ver­pflich­ten, sie ab dem 18. Sep­tem­ber 2009 von der Ver­si­che­rungs­pflicht in der ge­setz­li­chen Ren­ten­ver­si­che­rung zu be­frei­en.
Sie meint, das an­ge­foch­te­ne Ur­teil sei nicht zu be­an­stan­den. § 6 Abs 1 S 1 Nr 1 SGB VI sei kei­ne Kol­li­si­ons­re­ge­lung, son­dern räume dem Mit­glied des be­rufsständi­schen Ver­sor­gungs­werks im Fal­le ei­ner Dop­pel­ver­si­che­rung das Ge­stal­tungs­recht ein, sich durch ei­nen An­trag von der Ver­si­che­rungs­pflicht in der ge­setz­li­chen Ren­ten­ver­si­che­rung be­frei­en zu las­sen, um sich die dop­pel­te Bei­trags­pflicht zu er­spa­ren. Für den be­frei­ungs­not­wen­di­gen Zu­sam­men­hang zwi­schen der aus­geübten Tätig­keit ei­ner­seits und den Pflicht­mit­glied­schaf­ten in der Be­rufs­kam­mer und im be­rufsständi­schen Ver­sor­gungs­werk an­der­seits kom­me es ent­schei­dend auf die in­halt­li­che Aus­ge­stal­tung der kon­kret aus­geübten Tätig­keit an. Die­se müsse ei­nem Voll­ju­ris­ten vor­be­hal­ten sein und ku­mu­la­tiv rechts­be­ra­ten­de, -ge­stal­ten­de, -ent­schei­den­de und -ver­mit­teln­de Merk­ma­le auf­wei­sen. Die Kläge­rin sei je­doch nicht rechts­ent­schei­dend tätig. So­weit sie dies be­strei­te, feh­le ei­ne sub­stan­ti­el­le Be­gründung. Statt­des­sen rüge sie le­dig­lich, dass das LSG auf ei­ne Anhörung von Re­präsen­tan­ten der An­walt­schaft ver­zich­tet und sich da­her kei­nen hin­rei­chen­den Ein­blick in die vielfälti­ge be­trieb­li­che Pra­xis von mehr als 20 000 Un­ter­neh­mens­anwälten ver­schafft ha­be. Wel­che Er­kennt­nis­se aus der vielfälti­gen Pra­xis für die Be­ur­tei­lung der kon­kre­ten Beschäfti­gung der Kläge­rin zu ge­win­nen ge­we­sen wären, blei­be aber of­fen. Für die Ausübung der kon­kre­ten Beschäfti­gung bei der Bei­ge­la­de­nen zu 1. sei die Zu­las­sung zur An­walt­schaft kei­ne not­wen­di­ge Vor­aus­set­zung ge­we­sen, denn vor und nach der Zu­las­sung sei­en die­sel­ben Ar­bei­ten aus­geführt wor­den. Da­bei sei un­be­acht­lich, dass die Bei­ge­la­de­ne zu 1. erst kei­ne und später dann doch zu­ge­las­se­ne Rechts­anwälte beschäfti­gen woll­te. Denn die Qua­li­fi­zie­rung ei­ner Tätig­keit könne nicht von der Dis­po­si­ti­on des Ar­beit­ge­bers abhängen. Das von der Kläge­rin be­trie­be­ne Zu­las­sungs­ver­fah­ren dürf­te da­her ein­zig und al­lein dem Zweck ge­dient ha­ben, die Al­ters­vor­sor­ge für die von ihr aus­geübte abhängi­ge Beschäfti­gung außer­halb der ge­setz­li­chen Ren­ten­ver­si­che­rung ge­stal­ten zu können. Feh­le aber ei­ne be­rufs­recht­lich über­wach­te und qua­litäts­ge­si­cher­te Be­rufstätig­keit im Kam­mer­be­ruf, dann sei der von der Kläge­rin zur Erfüllung des Tat­be­stands­merk­mals "we­gen" in § 6 Abs 1 S 1 Nr 1 SGB VI für aus­rei­chend ge­hal­te­ne sach­li­che Zu­sam­men­hang zwi­schen der aus­geübten Beschäfti­gung bei ei­nem nicht­an­walt­li­chen Ar­beit­ge­ber und der kam­mer­be­ruf­li­chen Tätig­keit nicht her­zu­stel­len.
Die Bei­ge­la­de­ne zu 2., die kei­nen An­trag stellt, trägt vor, das an­ge­foch­te­ne Ur­teil sei be­reits im An­satz ver­fehlt, weil die BRAO kei­ne Beschäfti­gung de­fi­nie­re, "we­gen der" Kam­mer­zu­gehörig­keit in ei­ner RAK be­ste­hen müsse. Viel­mehr stel­le je­der Rechts­an­walt sei­nen Zu­las­sungs­an­trag aus­sch­ließlich für sich selbst. So­weit das LSG rüge, die Kläge­rin ha­be ih­re Zu­las­sung zur Rechts­an­walt­schaft nicht we­gen ih­rer Beschäfti­gung bei der Bei­ge­la­de­nen zu
1. be­trie­ben, sei ein­zu­wen­den, dass das an­walt­li­che Be­rufs­recht ei­ne der­ar­ti­ge "Spe­zi­al­zu­las­sung" über­haupt nicht ken­ne. Die Kläge­rin sei rich­ti­ger­wei­se zur Rechts­an­walt­schaft zu­ge­las­sen wor­den; ob ih­re Beschäfti­gung bei ei­nem nicht­an­walt­li­chen Ar­beit­ge­ber als an­walt­li­che Tätig­keit ein­zu­stu­fen sei, prüfe die RAK nicht. Die Frei­stel­lungs­erklärung stel­le le­dig­lich ih­re Un­abhängig­keit in der Man­dats­wahr­neh­mung außer­halb ih­res Dienst­verhält­nis­ses si­cher. Der not­wen­di­ge Ur­sa­chen­zu­sam­men­hang zwi­schen der kon­kre­ten Tätig­keit und den Pflicht­mit­glied­schaf­ten in Kam­mer und be­rufsständi­scher Ver­sor­gung sei mit Hil­fe der Vier-Kri­te­ri­en-Theo­rie zu be­ur­tei­len, die die Be­klag­te in ständi­ger Ver­wal­tungs­pra­xis an­wen­de, in der Li­te­ra­tur zu­stim­mend auf­ge­nom­men wor­den sei und auch in der so­zi­al­ge­richt­li­chen In­stanz­recht­spre­chung Ge­folg­schaft ge­fun­den ha­be. BRAK und DAV hätten eben­falls zu­stim­men­de Be­schlüsse ge­fasst. Leh­ne man die Vier-Kri­te­ri­en-Theo­rie ab, müsse die Ne­ga­tiv­ab­gren­zung über das Merk­mal "be­rufs­fremd" er­fol­gen. Nach der Recht­spre­chung des BSG lie­ge ei­ne be­rufs­frem­de Tätig­keit vor, wenn die kon­kre­te Beschäfti­gung nicht durch schwer­punktmäßig in Aus­bil­dung und Be­ruf ty­pi­scher­wei­se ge­won­ne­ne Er­kennt­nis­se und Er­fah­run­gen ge­prägt sei. Im Übri­gen sei § 6 Abs 1 S 1 Nr 1 SGB VI kei­ne eng aus­zu­le­gen­de Aus­nah­me­vor­schrift, son­dern ei­ne Kol­li­si­ons- oder Ko­or­di­na­ti­ons­norm. Sie sol­le ver­hin­dern, dass die be­trof­fe­nen Be­rufs­grup­pen mit ei­ner dop­pel­ten Bei­trags­zah­lungs­pflicht be­las­tet wer­den, und da­mit zu­gleich ver­fas­sungs­recht­lich (Art 12 Abs 1 GG) gewähr­leis­ten, dass Voll­ju­ris­ten nicht von der Wahl des Rechts­an­walts­be­ru­fes ab­ge­hal­ten wer­den. Art 12 GG er­lau­be je­dem Rechts­an­walt, Rechts­rat auf der Grund­la­ge ei­nes Ar­beits­ver­tra­ges zu er­tei­len. Wenn die­ser "Zweit­be­ruf" die vier Kri­te­ri­en (Rechts­be­ra­tung, -ge­stal­tung, -ver­mitt­lung und -ent­schei­dung) erfülle, sei der Rechts­an­walt auch in­so­weit Rechts­an­walt und nicht in sons­ti­ger Wei­se tätig. Da­ge­gen sei die Dop­pel­be­rufs­theo­rie mit ei­ner tätig­keits­be­zo­ge­nen Be­trach­tung im Ein­zel­fall, wie sie § 6 Abs 1 S 1 Nr 1 SGB VI ge­bie­te, un­ver­ein­bar, zu­mal der Syn­di­kus­an­walt ei­nen ein­heit­li­chen Be­ruf ausübe, nämlich den des Rechts­an­walts an zwei Ar­beits­stel­len. Folg­lich han­de­le es sich nicht um ei­ne "ei­ge­ne Be­rufs­grup­pe", son­dern um ei­nen in­te­gra­len Teil der An­walt­schaft. Da­mit sei auch die Be­haup­tung des LSG wi­der­legt, bei den Syn­di­kus­anwälten han­de­le es sich um ei­ne die Sperr­wir­kung des § 6 Abs 1 S 3 SGB VI auslösen­de neu ent­stan­de­ne Be­rufs­grup­pe. Denn Syn­di­kus-"Anwälte" ge­be es schon seit über 125 Jah­ren. Dass sie eben­so "un­abhängig" sei­en wie "freie" Rechts­anwälte, könne nicht ernst­haft be­strit­ten wer­den. Denn bei­de un­terlägen dem an­walt­li­chen Be­rufs­recht, das als öffent­li­ches Recht zwin­gend und da­mit der Dis­po­si­ti­on durch die Par­tei­en des Man­dats- und An­stel­lungs­ver­trags ent­zo­gen sei. Mit der un­be­ding­ten recht­li­chen Ver­pflich­tung auf die Ver­tre­tung der wohl­ver­stan­de­nen In­ter­es­sen ih­rer Man­dan­ten, der Ver­pflich­tung zur Ver­schwie­gen­heit, der Ver­mei­dung der Ver­fol­gung wi­der­strei­ten­der In­ter­es­sen und der un­be­ding­ten Ver­pflich­tung auf das Recht un­terlägen Syn­di­kus­anwälte außeröko­no­mi­schen Nor­men, so­dass sie ih­rer Funk­ti­on als "recht­li­ches Ge­wis­sen" des Un­ter­neh­mens ge­recht wer­den könn­ten.
Die Bei­ge­la­de­ne zu 1. ist im Re­vi­si­ons­ver­fah­ren nicht ver­tre­ten.
Die zulässi­ge Re­vi­si­on der Kläge­rin ist un­be­gründet. Im Er­geb­nis zu­tref­fend hat das Be­ru­fungs­ge­richt das kla­ge­ab­wei­sen­de Ur­teil des So­zi­al­ge­richts bestätigt und die hier­ge­gen ge­rich­te­te Be­ru­fung der Kläge­rin zurück­ge­wie­sen. Die Kläge­rin hat für den strei­ti­gen Zeit­raum ab dem 18.9.2009 ge­gen die Be­klag­te kein Recht auf Be­frei­ung von der Ver­si­che­rungs­pflicht in der ge­setz­li­chen Ren­ten­ver­si­che­rung auf­grund ih­rer Beschäfti­gung bei der Bei­ge­la­de­nen zu 1.
1. Al­ler­dings hat die Kläge­rin die von ihr gel­tend ge­mach­ten Ver­fah­rens­feh­ler nicht aus­rei­chend be­gründet (vgl § 164 Abs 2 SGG). Gemäß § 164 Abs 2 S 3 SGG müssen bei Ver­fah­rensrügen die Tat­sa­chen be­zeich­net wer­den, die den Man­gel er­ge­ben. Die maßgeb­li­chen Vorgänge müssen so ge­nau an­ge­ge­ben sein, dass das Re­vi­si­ons­ge­richt sie, die Rich­tig­keit des Vor­brin­gens un­ter­stellt, oh­ne wei­te­re Er­mitt­lun­gen be­ur­tei­len kann (BSG Ur­teil vom 29.8.2012 - B 10 EG 20/11 R - SozR 4-7837 § 2 Nr 18 Rd­Nr 15; Leit­he­rer in Mey­er-La­de­wig/Kel­ler/Leit­he­rer, SGG, 10. Aufl 2012, § 164 Rd­Nr 12 mwN).
a) Bei ei­ner be­haup­te­ten Ver­let­zung der Amts­er­mitt­lungs­pflicht (§ 103 SGG) ist dar­zu­le­gen, war­um sich das LSG von sei­ner Rechts­auf­fas­sung her zu wei­te­ren Er­mitt­lun­gen hätte ge­drängt fühlen müssen und ggf zu wel­chen (Leit­he­rer aaO Rd­Nr 12a). Das er­for­dert ne­ben der Be­nen­nung des nach Auf­fas­sung des Re­vi­si­onsführers un­ge­nutzt ge­blie­be­nen Be­weis­mit­tels die kon­kre­te Dar­le­gung der Rechts­auf­fas­sung des Be­ru­fungs­ge­richts, in de­ren Licht der Be­weis­ge­gen­stand recht­li­che Be­deu­tung er­langt hätte und re­gelmäßig die An­ga­be, zu wel­chem Er­geb­nis die un­ter­las­se­ne Be­weis­auf­nah­me geführt hätte. Ei­ne Aus­ein­an­der­set­zung mit den ein­schlägi­gen Pas­sa­gen des an­ge­grif­fe­nen Ur­teils fehlt. Die Re­vi­si­ons­be­gründung legt auch nicht dar, war­um ge­ra­de aus der recht­li­chen Sicht des Be­ru­fungs­ge­richts ei­ne Kennt­nis der all­ge­mei­nen be­trieb­li­chen Pra­xis bzw der Vor­stel­lun­gen hier­mit ver­trau­ter Amts­wal­ter hier­von un­ab­ding­bar der Ent­schei­dungs­fin­dung hätte zu­grun­de ge­legt wer­den müssen. Eben­so wird ein vor­aus­sicht­li­ches Er­geb­nis der un­ter­las­se­nen Be­weis­auf­nah­me ge­ra­de nicht be­haup­tet; viel­mehr trägt der Pro­zess­ver­tre­ter der Kläge­rin aus­drück­lich vor, er wis­se nicht, was der Zeu­ge "wirk­lich" ge­sagt hätte.
b) Mit ih­rer sinn­gemäß er­ho­be­nen Be­haup­tung, das an­ge­foch­te­ne Ur­teil sei be­reits des­halb ver­fah­rens­feh­ler­haft er­gan­gen, weil es erst un­mit­tel­bar vor bzw erst nach Ab­lauf von fünf Mo­na­ten nach sei­ner Verkündung ab­ge­fasst wor­den und mit den Un­ter­schrif­ten der Rich­ter zur Geschäfts­stel­le ge­langt sei, rügt die Kläge­rin sinn­gemäß das Feh­len von Tat­be­stand und Ent­schei­dungs­gründen (§ 136 Abs 1 Nr 5 und 6 SGG), al­so das Vor­lie­gen des ab­so­lu­ten Re­vi­si­ons­grun­des gemäß § 202 SGG iVm § 547 Nr 6 ZPO (idF der Be­kannt­ma­chung der Neu­fas­sung der Zi­vil­pro­zess­ord­nung vom 5.12.2005, BGBl I 3202). Ihr Vor­brin­gen reicht je­doch nicht aus, um ei­nen sol­chen Man­gel hin­rei­chend dar­zu­tun. Wird mit der Re­vi­si­on gel­tend ge­macht, ein Ur­teil sei nach Ab­lauf der Fünf-Mo­nats-Frist ver­spätet ab­ge­setzt und da­her nicht mit Gründen ver­se­hen, so ist die­ser Ver­fah­rens­man­gel nur dann aus­rei­chend be­zeich­net, wenn in der Be­gründung der Zeit­punkt der Nie­der­le­gung des un­ter­schrie­be­nen Ur­teils auf der Geschäfts­stel­le an­ge­ge­ben ist (BSG SozR 3-1500 § 164 Nr 5 S 7 und SozR 1750 § 551 Nr 8). Ist die­ser Zeit­punkt dem Re­vi­si­onsführer un­be­kannt, muss zu­min­dest dar­ge­legt wer­den, dass und mit wel­chem Er­geb­nis ver­sucht wor­den ist, den In­halt des amt­li­chen Ver­merks über den Zeit­punkt der Ur­teilsüberg­a­be zu er­fah­ren (BSG SozR 3-1500 § 164 Nr 6 S 12 und SozR 1750 § 551 Nr 9). Dar­an fehlt es. Folg­lich kann die Kläge­rin ih­re Rüge ei­nes Feh­lens von Gründen nicht al­lein auf die zwi­schen Verkündung und Ab­set­zung des Be­ru­fungs­ur­teils ver­stri­che­ne Zeit stützen. Eben­so we­nig zeigt die Re­vi­si­ons­be­gründung auf, dass aus­nahms­wei­se trotz Ein­hal­tung der maßgeb­li­chen Fünf­mo­nats­gren­ze ein Ver­fah­rens­man­gel vor­lie­gen könn­te, weil sich aus den Umständen des Falls er­gibt, dass in­fol­ge der verzöger­ten Ab­set­zung der Ent­schei­dungs­gründe die zu­verlässi­ge Wie­der­ga­be des Be­ra­tungs­er­geb­nis­ses nicht mehr gewähr­leis­tet ist (Kel­ler, aaO, § 134 Rd­Nr 4). Hierfür enthält das Re­vi­si­ons­vor­brin­gen kei­ne kon­kre­ten fall­be­zo­ge­nen An­halts­punk­te, wie et­wa die Maßgeb­lich­keit ei­ner aufwändi­gen Be­weis­auf­nah­me (BSG Be­schluss vom 18.11.2009 - B 1 KR 74/08 B - SozR 4-1500 § 10 Nr 3 Rd­Nr 17).
2. Ma­te­ri­ell-recht­lich ein­schlägig ist § 6 Abs 1 S 1 Nr 1 SGB VI in der Neu­fas­sung von Art 1 Nr 3 Buchst a des Ge­set­zes zur Ände­rung des Sechs­ten Bu­ches So­zi­al­ge­setz­buch und an­de­rer Ge­set­ze (SGB6uaÄndG) vom 15.12.1995 (BGBl I 1824), der am 1.1.1996 in Kraft ge­tre­ten und durch Art 1 Nr 2 des Ge­set­zes zur Or­ga­ni­sa­ti­ons­re­form in der ge­setz­li­chen Ren­ten­ver­si­che­rung (RVOrgG) vom 9.12.2004 (BGBl I 3242) ab dem 1.1.2005 (Art 86 Abs 1 aaO) ge­ringfügig mo­di­fi­ziert wor­den ist. Da­nach wer­den von der Ver­si­che­rungs­pflicht be­freit Beschäftig­te und selbständig Täti­ge für die Beschäfti­gung oder selbständi­ge Tätig­keit, we­gen der sie auf­grund ei­ner durch Ge­setz an­ge­ord­ne­ten oder auf Ge­setz be­ru­hen­den Ver­pflich­tung Mit­glied ei­ner öffent­lich-recht­li­chen Ver­si­che­rungs­ein­rich­tung oder Ver­sor­gungs­ein­rich­tung ih­rer Be­rufs­grup­pe (be­rufsständi­sche Ver­sor­gungs­ein­rich­tung) und zu­gleich kraft ge­setz­li­cher Ver­pflich­tung Mit­glied ei­ner be­rufsständi­schen Kam­mer sind, wenn
a) am je­wei­li­gen Ort der Beschäfti­gung oder selbständi­gen Tätig­keit für ih­re Be­rufs­grup­pe be­reits vor dem 1.1.1995 ei­ne ge­setz­li­che Ver­pflich­tung zur Mit­glied­schaft in der be­rufsständi­schen Kam­mer be­stan­den hat,
b) für sie nach nähe­rer Maßga­be der Sat­zung ein­kom­mens­be­zo­ge­ne Beiträge un­ter Berück­sich­ti­gung der Bei­trags­be­mes­sungs­gren­ze zur be­rufsständi­schen Ver­sor­gungs­ein­rich­tung zu zah­len sind und
c) auf­grund die­ser Beiträge Leis­tun­gen für den Fall ver­min­der­ter Er­werbsfähig­keit und des Al­ters so­wie für Hin­ter­blie­be­ne er­bracht und an­ge­passt wer­den, wo­bei auch die fi­nan­zi­el­le La­ge der be­rufsständi­schen Ver­sor­gungs­ein­rich­tung zu berück­sich­ti­gen ist.
3. Die Kläge­rin ist abhängig beschäftigt, weil die kon­sti­tu­ie­ren­den Merk­ma­le des ent­spre­chen­den so­zi­al­recht­li­chen An­knüpfungs­sach­ver­halts (§ 7 Abs 1 S 1 SGB IV) nach den un­an­ge­foch­te­nen und da­mit bin­den­den tatsächli­chen Fest­stel­lun­gen des LSG (§ 163 SGG) vor­lie­gen. Hier­nach er­bringt die Kläge­rin bei der Bei­ge­la­de­nen zu 1. als ju­ris­ti­sche Mit­ar­bei­te­rin nicht­selbständi­ge Ar­beit in ei­nem Ar­beits­verhält­nis (§§ 611 ff BGB). Ob sie auf­grund ih­rer ent­gelt­li­chen Beschäfti­gung auch (ren­ten-)ver­si­che­rungs­pflich­tig ist (§ 1 S 1 Nr 1 Halbs 1 Alt 1 SGB VI), kann auf der Grund­la­ge der tatrich­ter­li­chen Fest­stel­lun­gen nicht ab­sch­ließend be­ur­teilt wer­den, weil ins­be­son­de­re Fest­stel­lun­gen des Be­ru­fungs­ge­richts zu den tatsächli­chen Vor­aus­set­zun­gen ei­ner Ver­si­che­rungs­frei­heit we­gen Ge­ringfügig­keit (§ 5 Abs 2 S 1 Nr 1 SGB VI iVm § 8 Abs 1 SGB IV) feh­len.
Des­sen un­ge­ach­tet war ei­ne Auf­he­bung des an­ge­foch­te­nen Ur­teils und ei­ne Zurück­ver­wei­sung der Sa­che zur wei­te­ren Sach­aufklärung (§ 170 Abs 2 S 2 SGG) nicht ge­bo­ten. Für das Er­geb­nis des Ver­fah­rens ist un­er­heb­lich, ob die be­gehr­te Be­frei­ung be­reits des­halb zu ver­sa­gen ist, weil die Kläge­rin mögli­cher­wei­se nicht ver­si­che­rungs­pflich­tig ist und es da­mit schon am not­wen­di­gen In­ter­es­se für die Stel­lung ei­nes zulässi­gen Be­frei­ungs­an­trags fehlt. Die Fest­stel­lun­gen des Be­ru­fungs­ge­richts genügen je­den­falls zur ab­sch­ließen­den Ent­schei­dung über das Feh­len sons­ti­ger not­wen­di­ger Tat­be­stands­vor­aus­set­zun­gen des Be­frei­ungs­rechts.
4. Die Kläge­rin ist nach den für den Se­nat bin­den­den Fest­stel­lun­gen des Be­ru­fungs­ge­richts ab dem 18.9.2009 durch die RAK D. zur Rechts­an­walt­schaft zu­ge­las­sen wor­den. Noch hin­rei­chend deut­lich ist da­mit vor dem
Hin­ter­grund von § 12 Abs 1, § 34 BRAO gleich­zei­tig fest­ge­stellt, dass am sel­ben Tag der ent­spre­chen­de (begüns­ti­gen­de) Ver­wal­tungs­akt (§ 35 S 1 VwVfG iVm § 32 Abs 1 S 1 BRAO), verkörpert in ei­ner von der RAK aus­ge­stell­ten Ur­kun­de, durch Aushändi­gung wirk­sam ge­wor­den ist (§ 12 Abs 1 BRAO). Gemäß § 12 Abs 3 BRAO wur­de die Kläge­rin da­mit kraft ge­setz­li­cher Ver­pflich­tung (eo ip­so) ob­li­ga­to­ri­sches Pflicht­mit­glied der zu­las­sen­den RAK D. (§ 60 Abs 1 S 2 BRAO). Feh­ler im Zu­las­sungs­ver­fah­ren oder et­wai­ge Verstöße ge­gen be­rufs­recht­li­che Pflich­ten las­sen die­se Pflicht­mit­glied­schaft un­berührt. Der ua für die Zu­las­sung zur Rechts­an­walt­schaft als Hand­lungs­form vor­ge­schrie­be­ne Ver­wal­tungs­akt (vgl BGH - Se­nat für An­walts­sa­chen - Be­schluss vom 15.10.2012 - An­wZ (BrfG) 45/12 - NJW-RR 2013, 303, 304 Rd­Nr 7) bleibt nach den da­mit ein­schlägi­gen all­ge­mei­nen Vor­schrif­ten des je­wei­li­gen Ver­wal­tungs­ver­fah­rens­ge­set­zes (§§ 35 ff VwVfG) wirk­sam, so­lan­ge und so­weit er nicht zurück­ge­nom­men, wi­der­ru­fen, an­der­wei­tig auf­ge­ho­ben oder durch Zeit­ab­lauf oder auf an­de­re Wei­se er­le­digt ist (§ 43 Abs 2 VwVfG iVm § 32 Abs 1 S 1 BRAO). Das LSG hat der­ar­ti­ge Auf­he­bungs- oder Er­le­di­gungs­tat­bestände nicht fest­ge­stellt, so­dass der Zu­las­sungs­ver­wal­tungs­akt un­ge­ach­tet ei­ner mögli­chen Rechts­wid­rig­keit wei­ter­hin wirk­sam ist. Sei­ne rechts­ge­stal­ten­den Wir­kun­gen sind da­mit auch von den mit der Durchführung der So­zi­al­ver­si­che­rung be­trau­ten Behörden und den Ge­rich­ten der So­zi­al­ge­richts­bar­keit in der Wei­se zu be­ach­ten, dass die dort ge­trof­fe­nen Re­ge­lun­gen auch ih­nen ge­genüber als ver­bind­lich an­zu­se­hen sind (sog Tat­be­stands­wir­kung). Un­ter an­de­rem ist des­halb un­er­heb­lich, ob die Kläge­rin im Zu­las­sungs­ver­fah­ren Falsch­an­ga­ben ge­macht hat, ob die ge­setz­li­chen Vor­aus­set­zun­gen der Zu­las­sung im Ein­zel­nen vor­ge­le­gen ha­ben und wel­che (Fehl-)Vor­stel­lun­gen Amts­wal­ter der RAK ggf bei Er­lass des Zu­las­sungs­ver­wal­tungs­ak­tes hat­ten. Schon auf­grund der Tat­be­stands­wir­kung des Ver­wal­tungs­ak­tes kann es zu­dem nicht zu ei­ner vom LSG - und Tei­len der An­walt­schaft - befürch­te­ten treu­wid­ri­gen (§ 242 BGB) und wi­dersprüchli­chen (ve­ni­re con­tra fac­tum pro­pri­um) "Um­ge­hung des Rechts­wegs" zu den or­dent­li­chen Ge­rich­ten und ggf zum BVerfG und/oder EuGH kom­men. Die So­zi­al­ge­richts­bar­keit ent­schei­det recht­lich grundsätz­lich - mit Aus­nah­me der Fälle der Nich­tig­keit - nicht, wer sei­nem Sta­tus nach Rechts­an­walt ist.
5. Das LSG hat zu­dem fest­ge­stellt, dass die Kläge­rin zu­gleich "auf­grund ei­ner durch Ge­setz an­ge­ord­ne­ten oder auf Ge­setz be­ru­hen­den Ver­pflich­tung Mit­glied ei­ner öffent­lich-recht­li­chen Ver­si­che­rungs- oder Ver­sor­gungs­ein­rich­tung ih­rer Be­rufs­grup­pe (be­rufsständi­sche Ver­sor­gungs­ein­rich­tung)" ge­wor­den ist. Die Bei­ge­la­de­ne zu 2. ist als Ver­sor­gungs­werk der Rechts­anwälte im Lan­de Nord­rhein-West­fa­len ei­ne be­rufsständi­sche Ver­sor­gungs­ein­rich­tung. Mit der Zu­las­sung durch die RAK wur­de die Kläge­rin auf der Grund­la­ge der ein­schlägi­gen ver­sor­gungs- und kam­mer­recht­li­chen Nor­men des nicht­re­vi­si­blen Lan­des­rechts in § 2 Abs 1 RAVG NW iVm § 10 Nr 2 der Sat­zung der Bei­ge­la­de­nen zu 2. ip­so iu­re (oh­ne Er­lass ei­nes wei­te­ren Ver­wal­tungs- oder ei­nes an­de­ren kon­sti­tu­ti­ven Rechts­akts) zeit­gleich ob­li­ga­to­ri­sches Pflicht­mit­glied der Bei­ge­la­de­nen zu 2. und zu­gleich kraft ge­setz­li­cher Ver­pflich­tung Mit­glied der RAK D ...
6. § 6 Abs 1 S 1 Nr 1 SGB VI gibt in­des­sen ver­si­che­rungs­pflich­tig Beschäftig­ten, die gleich­zei­tig ver­kam­mer­te Mit­glie­der ei­ner be­rufsständi­schen Ver­sor­gungs­ein­rich­tung sind, ei­nen An­spruch auf Be­frei­ung von der Ver­si­che­rungs­pflicht nur für die "Beschäfti­gung, we­gen der" sie auf Grund ei­ner durch Ge­setz an­ge­ord­ne­ten oder auf Ge­setz be­ru­hen­den Ver­pflich­tung Mit­glied ei­ner öffent­lich-recht­li­chen Ver­si­che­rungs­ein­rich­tung oder Ver­sor­gungs­ein­rich­tung ih­rer Be­rufs­grup­pe (be­rufsständi­sche Ver­sor­gungs­ein­rich­tung) und zu­gleich kraft ge­setz­li­cher Ver­pflich­tung Mit­glied ei­ner be­rufsständi­schen Kam­mer sind. Die Kläge­rin weist zu­tref­fend dar­auf hin, dass die Zu­las­sung zur Rechts­an­walt­schaft we­der im Blick auf ei­ne "Beschäfti­gung" noch auf ei­nen be­stimm­ten Kreis an­walt­li­cher Betäti­gun­gen er­folgt, son­dern mit der sta­tus­be­gründen­den Zu­las­sung stets der vol­le Um­fang an­walt­li­cher Be­rufs­ausübung eröff­net ist, der da­mit auch zur Mit­glied­schaft in der be­rufsständi­schen Ver­sor­gungs­ein­rich­tung führt. Die Zu­las­sung zur Rechts­an­walt­schaft wird nämlich un­ter den tat­be­stand­li­chen Vor­aus­set­zun­gen ins­be­son­de­re der §§ 4 ff BRAO un­abhängig von ei­ner be­stimm­ten Tätig­keit im We­sent­li­chen per­so­nen­be­zo­gen und oh­ne zusätz­li­che Be­schränkung für al­le Betäti­gun­gen er­teilt, die mit dem Be­ruf des Rechts­an­walts als un­abhängi­ges Or­gan der Rechts­pfle­ge (§ 1 BRAO) und als be­ru­fe­ner un­abhängi­ger Be­ra­ter und Ver­tre­ter in al­len Rechts­an­ge­le­gen­hei­ten (§ 3 Abs 1 BRAO) ver­bun­den sind. Im Blick hier­auf könn­ten bei ei­nem strikt Wort­laut ge­treu­en Norm­verständ­nis die tat­be­stand­li­chen Be­frei­ungs­vor­aus­set­zun­gen bei Rechts­anwälten zu­min­dest grundsätz­lich nicht erfüllt wer­den. Die ren­ten­recht­li­che Funk­ti­on des § 6 Abs 1 S 1 Nr 1 SGB VI er­laubt und for­dert je­doch zwin­gend ein den Ge­ge­ben­hei­ten des an­walt­li­chen Be­rufs- und Ver­sor­gungs­rechts an­ge­pass­tes Verständ­nis des Tat­be­stands­ele­ments der­sel­ben Beschäfti­gung (" für die Beschäfti­gung, we­gen der "), wenn und so­weit es ge­ra­de in die­sem Kon­text An­wen­dung fin­det. Die­se auch in der Li­te­ra­tur erörter­ten Schwie­rig­kei­ten schließen in­des­sen die An­wend­bar­keit nicht grundsätz­lich aus. Im vor­lie­gen­den Zu­sam­men­hang kann un­ter "der­sel­ben Beschäfti­gung" iS der Norm die "von der Beschäfti­gung er­fass­te Er­werbstätig­keit" ver­stan­den wer­den.
§ 6 Abs 1 S 1 Nr 1 SGB VI be­trifft die Ko­exis­tenz von je­weils auf­grund öffent­lich-recht­li­chen Zwangs an­ge­ord­ne­ten Ver­sor­gun­gen für die Fälle von ver­min­der­ter Er­werbsfähig­keit, Al­ter und Tod (sog "dop­pel­te Pflicht­mit­glied­schaft", Pross­li­ner, NZA 2013, 1384, 1389). Er überlässt es dem hier­nach ge­setz­lich Ermäch­tig­ten, es nach je­weils ei­ge­ner Wil­lens­ent­schei­dung ent­we­der durch Untätig­keit bei der Par­al­le­lität als ge­setz­lich still­schwei­gend an­ge­leg­tem Re­gel­fall zu be­las­sen oder un­ter den ge­setz­lich im Ein­zel­nen be­stimm­ten Vor­aus­set­zun­gen durch ei­nen hier­auf ge­rich­te­ten ma­te­ri­ell-recht­li­chen An­trag (§ 6 Abs 2 SGB VI) sein Recht auf Be­frei­ung von der Ver­si­che­rungs­pflicht in der ge­setz­li­chen Ren­ten­ver­si­che­rung un­ter Ver­bleib in der be­rufsständi­schen Ver­sor­gungs­ein­rich­tung gel­tend zu ma­chen. Mit ei­nem Ge­brauch­ma­chen von der ge­setz­lich eröff­ne­ten po­si­ti­ven Ge­stal­tungsmöglich­keit kann im
Er­geb­nis ei­ne Dop­pel­be­las­tung mit Beiträgen und ei­ne mehr­fa­che Ab­si­che­rung ver­gleich­ba­rer Ri­si­ken ver­mie­den wer­den. Das Verständ­nis von § 6 Abs 1 S 1 Nr 1 SGB VI hat sich an die­ser sys­temüberg­rei­fen­den Ko­or­di­nie­rungs­funk­ti­on zu ori­en­tie­ren und darf da­her nicht be­reits die Schnitt­men­ge bei­der Be­rei­che al­lein nach Kri­te­ri­en der ge­setz­li­chen Ren­ten­ver­si­che­rung ("Beschäfti­gung") be­stim­men, die für die Zu­gehörig­keit zu den be­rufsständi­schen Ver­sor­gungs­ein­rich­tun­gen grundsätz­lich oh­ne Be­deu­tung sind.
Maßgeb­lich für die Ein­be­zie­hung in die be­rufsständi­sche Ver­sor­gung ist grundsätz­lich nämlich we­der die in­halt­li­che Be­schränkung auf ein­zel­ne Ver­rich­tun­gen in­ner­halb ei­nes Be­rufs­bil­des noch die Form von de­ren Er­brin­gung in persönli­cher Abhängig­keit von ei­nem Ar­beit­ge­ber, son­dern der durch Zu­las­sungs­akt eröff­ne­te Zu­gang zu ei­ner Be­rufstätig­keit in ih­rer Ge­samt­heit. Bei­de Si­che­rungs­for­men (ge­setz­li­che Ren­ten­ver­si­che­rung und be­rufsständi­sche Ver­sor­gung) stim­men je­doch - als Mi­nus ge­genüber der "Beschäfti­gung", die § 6 Abs 1 S 1 Nr 1 SGB VI auf bei­de Si­che­rungs­sys­te­me an­zu­wen­den scheint - je­den­falls dar­in übe­rein, dass sie in­halt­lich je­weils an die Ausübung ei­ner Er­werbstätig­keit an­knüpfen und Schutz ge­gen die wirt­schaft­li­chen Fol­gen ge­ra­de hier­mit ver­bun­de­ner Ri­si­ken gewähr­leis­ten. Kommt da­her in Be­tracht, dass ein und die­sel­be Er­werbstätig­keit zur Ver­si­che­rungs­pflicht in bei­den Si­che­rungs­sys­te­men führt, ist be­reits da­mit der An­wen­dungs­be­reich von § 6 Abs 1 S 1 Nr 1 SGB VI eröff­net und ei­ne wei­ter­ge­hen­de Prüfung ver­an­lasst.
7. Die Kläge­rin erfüllt in­des­sen auch die Vor­aus­set­zun­gen der in die­ser Wei­se mo­di­fi­ziert ver­stan­de­nen Norm nicht. Ih­re Er­werbstätig­keit bei der Bei­ge­la­de­nen zu 1. kann dem Be­rufs­feld der Rechts­anwältin/des Rechts­an­walts von vorn­her­ein nicht zu­ge­ord­net wer­den. Ih­re an­walt­li­che Be­rufs­ausübung ist in der äußeren Form der Beschäfti­gung nicht möglich. Um­ge­kehrt be­darf es - wor­auf be­reits das LSG zu­tref­fend hin­ge­wie­sen hat - man­gels Tätig­keit in ei­ner kon­kre­ten frem­den An­ge­le­gen­heit für die Er­brin­gung von Rechts­dienst­leis­tun­gen ge­genüber ei­nem Ar­beit­ge­ber kei­ner Zu­las­sung zur Rechts­an­walt­schaft (§ 2 Abs 1, § 3 des Ge­set­zes über außer­ge­richt­li­che Rechts­dienst­leis­tun­gen - RDG). Die im Rah­men der Beschäfti­gung er­brach­te Er­werbstätig­keit ist da­mit für ih­re Mit­glied­schaft bei der Bei­ge­la­de­nen zu 2. und die hier­durch par­al­lel zur ge­setz­li­chen Ren­ten­ver­si­che­rung be­gründe­te öffent­lich-recht­li­che Si­che­rung oh­ne Be­deu­tung, so­dass es be­reits des­halb an der Grund­vor­aus­set­zung von § 6 Abs 1 S 1 Nr 1 SGB VI fehlt und sich ei­ne wei­ter­ge­hen­de in­halt­li­che Prüfung erübrigt. Der er­ken­nen­de Se­nat kann dies un­ge­ach­tet der Tat­be­stands­wir­kung der Zu­las­sung der Kläge­rin zur Rechts­an­walt­schaft auf der Grund­la­ge der Fest­stel­lun­gen des Be­ru­fungs­ge­richts nach dem ein­schlägi­gen Bun­des­recht selbst ab­sch­ließend be­ur­tei­len. Ent­spre­chen­de Sta­tus be­gründen­de Ver­wal­tungs­ak­te um­fas­sen ih­rem Re­ge­lungs­ge­halt nach nicht die Zu­ord­nung ein­zel­ner Tätig­kei­ten und sind in­so­fern im kon­kre­ten Zu­sam­men­hang not­wen­dig der ei­genständi­gen Aus­le­gung und An­wen­dung bedürf­tig.
Die an­ge­grif­fe­nen Ver­wal­tungs­ak­te sind be­reits des­halb rechtmäßig und ver­let­zen die Kläge­rin nicht in ih­ren Rech­ten. Auf das Feh­len von Fest­stel­lun­gen des LSG zu den Vor­aus­set­zun­gen von § 6 Abs 3 Nr 1 SGB VI und auf die recht­li­che Be­deu­tung der dort als Vor­aus­set­zung ei­ner Ent­schei­dung der Be­klag­ten über die Be­frei­ung ge­for­der­ten Bestäti­gung des "Vor­lie­gens der Vor­aus­set­zun­gen" kommt es un­ter die­sen Umständen vor­lie­gend nicht an (vgl hier­zu BSG vom 31.10.2012 - B 12 R 3/11 R - BS­GE 112, 108 = SozR 4-2600 § 6 Nr 9, Rd­Nr 36).
Die schein­ba­re Un­ver­ein­bar­keit von § 6 Abs 1 S 1 Nr 1 SGB VI mit "kam­mer­recht­li­chen Nor­men" er­laubt es ent­ge­gen der Re­vi­si­on nicht, sei­nen Wort­laut wei­ter­ge­hend hint­an­zu­stel­len. Ei­nes sys­temüberg­rei­fen­den Verständ­nis­ses der Vor­schrift be­darf es al­lein, wenn und so­weit das Ge­setz not­wen­dig ei­nen iden­ti­schen Aus­gangs­sach­ver­halt ("die­sel­be Beschäfti­gung" im Sin­ne ei­ner po­ten­zi­ell dop­pel­re­le­van­ten Er­werbstätig­keit) er­for­dert. Kommt es da­ge­gen auf die Vor­aus­set­zun­gen der sich aus die­ser Er­werbstätig­keit er­ge­ben­den Ver­si­che­rungs­pflicht nach dem spe­zi­fi­schen Bin­nen­recht der je­wei­li­gen Si­che­rungs­form an, be­ruht die An­wend­bar­keit von § 6 Abs 1 S 1 Nr 1 SGB VI nicht et­wa auf der Erfüllung ei­nes ein­zi­gen, son­dern auf dem ku­mu­la­ti­ven Vor­lie­gen meh­re­rer ein­schlägi­ger und ge­son­dert zu prüfen­der Tat­bestände. Aus der Sicht der ge­setz­li­chen Ren­ten­ver­si­che­rung kann da­her ua nicht dar­auf ver­zich­tet wer­den, dass die kon­kret in Fra­ge ste­hen­de Er­werbstätig­keit ge­ra­de in der äußeren Form ei­ner Beschäfti­gung (§ 7 Abs 1 S 1 SGB IV) aus­geübt wer­den kann und an­de­rer­seits gleich­zei­tig zur Mit­glied­schaft in ei­ner be­rufsständi­schen Ver­sor­gungs­ein­rich­tung führt. Ei­ne le­dig­lich in­halt­li­che Über­schnei­dung der in den zu ko­or­di­nie­ren­den Sys­te­men er­fass­ten Er­werbstätig­keit genügt da­her nicht. Sie ist zwar stets not­wen­dig, doch ist sie ggf recht­lich - wie in Fällen der vor­lie­gen­den Art - nicht hin­rei­chend. An­dern­falls würde im We­ge der "Aus­le­gung" das funk­tio­nell un­ver­zicht­ba­re Er­for­der­nis der Dop­pel­re­le­vanz ei­ner Er­werbstätig­keit auf­ge­ge­ben und da­mit der tat­be­stand­li­che An­wen­dungs­be­reich von § 6 Abs 1 S 1 Nr 1 SGB VI über­haupt ver­las­sen. Prüfungs­tech­nisch erübrigt sich je­des Ein­ge­hen auf in­halt­li­che As­pek­te ei­ner in Fra­ge ste­hen­den Er­werbstätig­keit, wenn be­reits auf­grund ih­rer äußeren Form aus­schei­det, dass sie mehr­fach Ver­si­che­rungs­pflicht be­gründen könn­te.
Der Se­nat legt sei­ner Be­ur­tei­lung der so­zi­al­recht­li­chen (Vor-)Fra­ge, ob ei­ne Er­werbstätig­keit dem Be­reich an­walt­li­cher Be­rufstätig­keit zu­ge­ord­net wer­den kann, ob­wohl sie im Rah­men ei­ner Beschäfti­gung ei­nem
nicht­an­walt­li­chen Ar­beit­ge­ber ge­schul­det ist, die ständi­ge übe­rein­stim­men­de Recht­spre­chung des für das Be­rufs­recht der Rechts­anwälte zuständi­gen BGH, des BVerfG und des EuGH zu­grun­de. Er sieht auch nach ei­ge­ner Prüfung kei­nen Rechts­grund, hier­von ab­zu­wei­chen, was grundsätz­lich oh­ne­hin erst nach Vor­la­ge an den EuGH (Art 267 des Ver­tra­ges über die Ar­beits­wei­se der Eu­ropäischen Uni­on - AEUV), das BVerfG (Art 100 Abs 1 GG) und/oder durch Vor­la­ge an den Ge­mein­sa­men Se­nat der obers­ten Ge­richtshöfe des Bun­des (§ 11 des Ge­set­zes zur Wah­rung der Ein­heit­lich­keit der Recht­spre­chung der obers­ten Ge­richtshöfe des Bun­des - RsprEinhG) möglich ge­we­sen wäre. Es fällt auf, dass sich die Re­vi­si­on der an­walt­lich ver­tre­te­nen und ih­rer­seits zur Rechts­an­walt­schaft zu­ge­las­se­nen Kläge­rin mit die­sem über­kom­me­nen und ge­fes­tig­ten Be­stand des an­walt­li­chen Be­rufs­rechts al­len­falls am Ran­de be­fasst. Dies gilt ins­be­son­de­re hin­sicht­lich der Recht­spre­chung des BGH, des­sen Se­nat für An­walts­sa­chen ne­ben dem Präsi­den­ten des BGH so­wie zwei Mit­glie­dern des BGH ge­ra­de aus Gründen der be­rufs­spe­zi­fi­schen Sach­kun­de mit zwei Rechts­anwälten als Bei­sit­zern be­setzt ist (§ 106 Abs 2 S 1 BRAO).
Ent­ge­gen der Re­vi­si­on ist un­ge­ach­tet des Feh­lens ei­ner aus­drück­li­chen ge­setz­li­chen Um­schrei­bung zunächst der recht­li­che Sprach­ge­brauch in der ständi­gen Recht­spre­chung ins­be­son­de­re des Se­nats für An­walts­sa­chen des BGH, dem sich der er­ken­nen­de Se­nat auch in­so­fern an­sch­ließt, geklärt. Hier­nach ist un­ter ei­nem "Syn­di­kus" der­je­ni­ge zu ver­ste­hen, der als ständi­ger Rechts­be­ra­ter in ei­nem fes­ten Dienst- oder An­stel­lungs­verhält­nis bei ei­nem be­stimm­ten Ar­beit­ge­ber steht. Der "Syn­di­kus­an­walt" ist gleich­zei­tig als Rechts­an­walt zu­ge­las­sen (vgl ex­em­pla­risch BGH Ur­teil vom 25.2.1999 - IX ZR 384/97 - BGHZ 141, 69, 71 mit Hin­weis auf BT-Drucks III/120 S 77 und Be­schluss vom 7.2.2011 - An­wZ (B) 20/10 - NJW 2011, 1517, 1518 Rd­Nr 6).
In­halt­lich ent­nimmt der BGH dem in §§ 1 bis 3 BRAO nor­mier­ten Tätig­keits­bild des Rechts­an­walts in "ge­fes­tig­ter Recht­spre­chung" und un­ter Be­ru­fung auf die Ge­set­zes­ma­te­ria­li­en, dass der Syn­di­kus in die­ser Ei­gen­schaft nicht als Rechts­an­walt tätig ist. Be­reits in der Ent­schei­dung vom 7.11.1960 (An­wZ (B) 4/60 - BGHZ 33, 276, 279 f) heißt es in­so­fern:
"Der Syn­di­kus­an­walt hat ei­ne Dop­pel­stel­lung in­ne: Er ist ei­ner­seits An­ge­stell­ter und an­de­rer­seits Rechts­an­walt. So­weit es um das An­stel­lungs­verhält­nis geht, kann er al­ler­dings sei­ne Ei­gen­schaft als Rechts­an­walt nicht ab­strei­fen, aber die­se Ei­gen­schaft ändert nichts dar­an, daß das Ar­beits­verhält­nis von dem Prin­zip der Über- und Un­ter­ord­nung be­herrscht wird. Die Bun­des­rechts­an­walts­ord­nung ver­moch­te nicht in be­ste­hen­de Ar­beits­verträge ein­zu­grei­fen und schreibt auch für nach ih­rem Er­laß ab­ge­schlos­se­ne Verträge kei­nen neu­en Ar­beits­ver­trags­ty­pus vor, der den Syn­di­kus­an­walt und sei­nen Dienst­herrn et­wa gleich­ge­ord­net stellt. Wenn man, wie das die Bun­des­rechts­an­walts­ord­nung ge­tan hat, die In­sti­tu­ti­on des Syn­di­kus­an­walts be­jaht, muß man auch dem ge­recht wer­den, daß der Syn­di­kus­an­walt zwei Ar­beits­be­rei­che hat, nämlich ei­nen ar­beits­ver­trag­lich ge­bun­de­nen und ei­nen als frei­er An­walt. Die Amt­li­che Be­gründung (zu § 59 S. 77) sagt ganz mit Recht: Der Syn­di­kus­an­walt ent­spricht bei sei­ner Tätig­keit als Syn­di­kus für sei­nen Dienst­herrn nicht dem all­ge­mei­nen an­walt­li­chen Be­rufs­bild, wie es in der Vor­stel­lung der All­ge­mein­heit be­steht. In das Be­rufs­bild des An­walts, das sich von ihm als ei­nem un­abhängi­gen Or­gan der Rechts­pfle­ge ge­formt hat, läßt sich nur die Tätig­keit einfügen, die der Syn­di­kus als An­walt außer­halb sei­nes Dienst­verhält­nis­ses ausübt. Da­ge­gen sind bei der Tätig­keit, die er als Syn­di­kus für sei­nen Dienst­herrn leis­tet, die ty­pi­schen We­sens­merk­ma­le der frei­en Be­rufs­ausübung, die das Bild des An­walts be­stim­men, nicht ge­ge­ben."
Hier­an wird im Rah­men ei­ner kon­ti­nu­ier­li­chen Ver­wei­sungs­ket­te bis heu­te fest­ge­hal­ten (vgl ex­em­pla­risch BGH Be­schluss vom 25.4.1988 - An­wZ (B) 2/88 - BRAK-Mitt 1988, 271 f; Ur­teil vom 25.2.1999 - IX ZR 384/97 - BGHZ 141, 69, 71; Be­schluss vom 13.3.2000 - An­wZ (B) 25/99 - NJW 2000, 1645; Be­schluss vom 18.6.2001 - An­wZ (B) 41/00 - NJW 2001, 3130; Be­schluss vom 4.11.2009 - An­wZ (B) 16/09 - NJW 2010, 377, 379 Rd­Nr 17, in­so­fern in BGHZ 183, 73 ff nicht ab­ge­druckt; Be­schluss vom 7.2.2011 - An­wZ (B) 20/10 - NJW 2011, 1517, 1518 Rd­Nr 6; eben­so BAG Be­schluss vom 19.3.1996 - 2 AZB 36/95 - BA­GE 82, 239, 241). Im ge­nann­ten Be­schluss vom 7.2.2011 for­mu­liert der BGH - un­ter aus­drück­li­cher Er­wei­te­rung die­ser Recht­spre­chung auf das Be­rufs­bild des eu­ropäischen Rechts­an­walts (§ 2 Abs 1 Eu­RAG) - ak­tu­ell wie folgt:
"Nach ge­fes­tig­ter Recht­spre­chung zu dem Tätig­keits­bild des Rechts­an­walts nach der Bun­des­rechts­an­walts­ord­nung wird der­je­ni­ge, der als ständi­ger Rechts­be­ra­ter in ei­nem fes­ten Dienst- oder An­stel­lungs­verhält­nis zu ei­nem be­stimm­ten Ar­beit­ge­ber steht (Syn­di­kus), in die­ser Ei­gen­schaft nicht als Rechts­an­walt tätig (BVerfGE 87, 287; BGH, Be­schluss vom 18. Ju­ni 2001 - An­wZ (B) 41/00, NJW 2001, 3130; Be­schluss vom 4. No­vem­ber 2009 - An­wZ (B) 16/09, NJW 2010, 377 Rn. 17). Die mit dem Dienst- oder An­stel­lungs­verhält­nis ver­bun­de­nen Bin­dun­gen und Abhängig­kei­ten ste­hen nicht im Ein­klang mit dem in §§ 1 bis 3 BRAO nor­mier­ten Be­rufs­bild des Rechts­an­walts als frei­em und un­abhängi­gem Be­ra­ter und Ver­tre­ter al­ler Recht­su­chen­den. "
In Übe­rein­stim­mung hier­mit zi­tiert das BVerfG (Be­schluss vom 4.11.1992 - 1 BvR 79/85 ua - BVerfGE 87, 287, 294 f) aus der BT-Drucks III/120, S 56 f:
"Bei der Prüfung im Ein­zel­fall wird der Maßstab an­zu­le­gen sein, der sich aus dem all­ge­mei­nen Be­rufs­bild des
Rechts­an­walts er­gibt. Der Rechts­an­walt muß als sol­cher in der Be­ra­tung und Ver­tre­tung un­abhängig und ob­jek­tiv sein. Will der Be­wer­ber z.B. ei­ne Tätig­keit bei­be­hal­ten, die sei­ne gan­ze Ar­beits­kraft in An­spruch nimmt und in der er streng an frem­de Wei­sun­gen ge­bun­den ist, so bleibt für ei­ne Ausübung des Be­ru­fes als An­walt, an den sich je­der Recht­su­chen­de wen­den könn­te, kein Raum mehr. Die Be­rufs­be­zeich­nung Rechts­an­walt würde in ei­nem sol­chem Fall zu ei­nem in­halts­lee­ren Ti­tel wer­den. - Un­ter ähn­li­chen Ge­sichts­punk­ten las­sen sich die Gren­zen für den so­gen. Syn­di­kus­an­walt be­stim­men, der in ei­nem Dienst- oder An­stel­lungs­verhält­nis zu ei­nem be­stimm­ten Ar­beit­ge­ber steht. Zwar wird ein Be­wer­ber, der Syn­di­kus und Rechts­an­walt zu­gleich sein will, in sei­ner Ei­gen­schaft als S y n d i k u s ei­ne ju­ris­ti­sche Tätig­keit ausüben, wenn er sei­nem Ar­beit­ge­ber in Rechts­an­ge­le­gen­hei­ten Rat und Bei­stand gewährt; die­se Tätig­keit kann, rein fach­lich be­trach­tet, der be­ra­ten­den Tätig­keit ei­nes Rechts­an­walts durch­aus ent­spre­chen; sei­ne Stel­lung als Syn­di­kus mag auch so be­deu­tend sein, daß er sei­nem Ar­beit­ge­ber ge­genüber selbständig und ei­gen­ver­ant­wort­lich zu han­deln ver­mag. Je­doch würde ei­ne aus­sch­ließli­che Tätig­keit für ein Un­ter­neh­men nicht dem Bild ent­spre­chen, das bei dem Be­ruf des Rechts­an­walts, von der All­ge­mein­heit der Recht­su­chen­den her ge­se­hen, in sei­ner Stel­lung in­ner­halb der Rechts­pfle­ge ge­ge­ben sein muß. Das Be­rufs­bild des Rechts­an­walts kann nur dann vor­han­den sein, wenn der Syn­di­kus recht­lich und tatsächlich in der La­ge ist, ne­ben sei­ner Tätig­keit in dem Un­ter­neh­men Recht­su­chen­de als frei­er An­walt zu be­ra­ten und zu ver­tre­ten. Sind die­se Vor­aus­set­zun­gen nicht ge­ge­ben, so wäre ei­nem Be­wer­ber die Zu­las­sung zur Rechts­an­walt­schaft zu ver­sa­gen. "
Da­mit ist ins­be­son­de­re geklärt, dass un­ge­ach­tet im Ein­zel­fall ar­beits­recht­lich eröff­ne­ter Möglich­kei­ten, auch ge­genüber dem Ar­beit­ge­ber sach­lich selbständig und ei­gen­ver­ant­wort­lich zu han­deln, al­lein die Ein­glie­de­rung in die von die­sem vor­ge­ge­be­ne Ar­beits­or­ga­ni­sa­ti­on mit dem Be­rufs­bild des Rechts­an­walts un­ver­ein­bar ist. Das für die Zu­las­sung un­ver­zicht­ba­re Be­rufs­bild des Rechts­an­walts kann sich da­mit nur dar­aus er­ge­ben, dass der Syn­di­kus recht­lich und tatsächlich in der La­ge ist, ne­ben (!) sei­ner Tätig­keit im Un­ter­neh­men Recht­su­chen­de als frei­er An­walt zu be­ra­ten und zu ver­tre­ten. Der Syn­di­kus­an­walt ist Rechts­an­walt, nicht weil er Syn­di­kus ist, son­dern weil er sich auf­grund ei­ner nur des­halb zu er­tei­len­den Zu­las­sung un­abhängig hier­von und da­ne­ben ge­son­dert als Rechts­an­walt betätigt. Bei­de Tätig­kei­ten sind grundsätz­lich ge­trennt zu be­trach­ten (vgl BGH Be­schluss vom 22.3.1999 - Pa­t­An­wZ 10/98 - EBE/BGH 1999, 150 f, zum Er­for­der­nis ei­ner min­des­tens halbjähri­gen Tätig­keit "bei ei­nem Pa­tent­an­walt", das nur dann erfüllt ist, wenn der An­trag­stel­ler auf dem Ge­biet ei­nes Pa­tent­an­walts tätig ge­wor­den ist und nicht le­dig­lich im Rah­men ei­nes "Beschäfti­gungs­verhält­nis­ses in ei­nem Un­ter­neh­men" bei ei­nem dort eben­falls an­ge­stell­ten Syn­di­kus­an­walt). So­weit der BGH hin­sicht­lich der Vor­aus­set­zun­gen für den Er­werb von Fach­an­walts­be­zeich­nun­gen in be­grenz­tem Um­fang Aus­nah­men zulässt (vgl BGH Be­schluss vom 4.11.2009 - An­wZ (B) 16/09 - NJW 2010, 377, 379 Rd­Nr 17 mwN, in­so­fern in BGHZ 183, 73 nicht ab­ge­druckt; vgl zur Ver­fas­sungsmäßig­keit des Vor­ge­hens der Fach­ge­rich­te, wenn sie Nach­wei­se des Be­wer­bers über die in sei­ner Ei­gen­schaft als Syn­di­kus­an­walt be­treu­ten Fälle als nicht aus­rei­chend be­wer­ten, BVerfG Be­schluss vom 20.3.2007 - 1 BvR 142/07 - NJW 2007, 1945), ist dies für den vor­lie­gen­den Zu­sam­men­hang er­kenn­bar oh­ne Be­deu­tung; im Übri­gen sieht der BGH hier­durch sei­ne sons­ti­ge Recht­spre­chung aus­drück­lich als nicht be­trof­fen an.
Die Recht­spre­chung des BGH wird durch die Ma­te­ria­li­en zum Ent­wurf der Bun­des­re­gie­rung ei­nes Ge­set­zes zur Neu­ord­nung des Be­rufs­rechts der Rechts­anwälte und der Pa­ten­t­anwälte (BT-Drucks 12/4993) bestätigt. Der Rechts­aus­schuss (6. Aus­schuss) ver­merkt in der Drucks 12/7656 (Be­schluss­emp­feh­lung und Be­richt) auf S 49 zu Num­mer 18a (§ 46 BRAO):
" Nicht auf­ge­grif­fen hat der Aus­schuß den in der Anhörung am 1. De­zem­ber 1993 von Ver­tre­tern der Syn­di­kus­anwälte im Deut­schen An­walt­ver­ein vor­ge­brach­ten Vor­schlag, durch ei­ne Ände­rung des § 46 BRAO dem Syn­di­kus­an­walt ein­zuräum­en, daß er auch im An­ge­stell­ten­verhält­nis als An­walt tätig wird. Ei­ne sol­che Ände­rung hätte zur Fol­ge ge­habt, daß der Syn­di­kus­an­walt, der jetzt im Ne­ben­be­ruf Rechts­an­walt ist und im Haupt­be­ruf als An­ge­stell­ter sei­nen Ar­beit­ge­ber in recht­li­chen An­ge­le­gen­hei­ten berät, auch in sei­ner Ei­gen­schaft als recht­li­cher Be­ra­ter sei­nes Ar­beit­ge­bers Rechts­an­walt mit al­len Rech­ten und Pflich­ten ist. Der Aus­schuß ist in sei­nen Be­ra­tun­gen zu dem Er­geb­nis ge­kom­men, daß das in den §§ 1 bis 3 BRAO nor­mier­te Be­rufs­bild des Rechts­an­walts, wie es sich auch in der All­ge­mein­heit von ihm als un­abhängi­gem Or­gan der Rechts­pfle­ge ge­bil­det hat, mit der Tätig­keit un­ver­ein­bar ist, wenn der Syn­di­kus im Rah­men sei­nes Dienst­verhält­nis­ses als An­walt auf­tritt. Bei der Tätig­keit, die der Syn­di­kus für sei­nen Dienst­herrn leis­tet, sind dann, wenn der Syn­di­kus persönlich mit der Ma­te­rie des Ein­zel­falls be­faßt ge­we­sen ist, die durch das Ge­setz der frei­en Ad­vo­ka­tur ge­kenn­zeich­ne­ten ty­pi­schen We­sens­merk­ma­le der frei­en Be­rufs­ausübung, die das Bild des Rechts­an­walts be­stim­men, nicht ge­ge­ben. Sei­ne freie und un­re­gle­men­tier­te Selbst­be­stim­mung wäre im Rah­men sei­nes Ar­beits­verhält­nis­ses, in dem er grundsätz­lich dem Prin­zip der Über- und Un­ter­ord­nung un­ter­liegt, nicht gewähr­leis­tet. Die Ent­schei­dung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts vom 4. No­vem­ber 1992 zum an­walt­li­chen Zweit­be­ruf (1 BvR 79/85 u. a.) spricht zwar ei­ner­seits für ei­ne weit­ge­hen­de Öff­nung zum Zweit­be­ruf, wenn durch Be­rufs­ausübungs­re­ge­lun­gen die Ge­fahr von In­ter­es­sen­kol­li­sio­nen ver­mie­den wird. Das Ge­richt hat in die­sem Zu­sam­men­hang aber auch er­neut die Ge­mein­schaftsgüter der Stel­lung des Rechts­an­walts als un­abhängi­ges Rechts­pfle­ge­or­gan und der Funk­ti­onsfähig­keit der Rechts­pfle­ge an­er­kannt. Bei­des steht nach der ein­hel­li­gen Auf­fas­sung des Aus­schus­ses ei­ner Ände­rung des § 46 BRAO in dem gewünsch­ten Sinn ent­ge­gen."
Eben­so hat schließlich der EuGH (Ur­teil vom 14.9.2010 - C-550/07 P - NJW 2010, 3557) ent­schie­den, dass die Kom­mu­ni­ka­ti­on zwi­schen Man­dant und Rechts­an­walt ei­ner ge­mein­sa­men Tra­di­ti­on der Mit­glieds­staa­ten ent­spre­chend nur für Schrift­wech­sel gilt, der von "un­abhängi­gen Rechts­anwälten" aus­geht, dh von Anwälten, die nicht durch ei­nen Dienst­ver­trag an den Man­dan­ten ge­bun­den sind.
8. Die ge­gen die­ses Er­geb­nis vor­ge­brach­ten Einwände der Re­vi­si­on grei­fen nicht durch.
a) Un­ge­ach­tet mögli­cher in­halt­li­cher Übe­rein­stim­mun­gen kommt für das De­ckungs­verhält­nis der ge­setz­li­chen Ren­ten­ver­si­che­rung nicht in Be­tracht, abhängi­ge Beschäfti­gung und ei­ne da­ne­ben aus­geübte selbständi­ge Tätig­keit als Rechts­an­walt im Sin­ne ei­ner ein­heit­li­chen Be­trach­tung "zu­sam­men­zu­zie­hen". Die iso­lier­te Fra­ge­stel­lung, ob ei­ne an­walt­li­che Tätig­keit in Ge­stalt ei­ner abhängi­gen Beschäfti­gung aus­geübt wer­den kann und da­mit grundsätz­lich ei­ne Be­frei­ungsmöglich­keit eröff­net ist, würde da­mit ge­ra­de ver­las­sen. Die bei­den (ein­zi­gen) For­men der Ausübung ei­ner Er­werbstätig­keit, die selbständi­ge Tätig­keit und die abhängi­ge Beschäfti­gung, schließen sich im Übri­gen wech­sel­sei­tig aus. Wo - wie vor­lie­gend - die Be­frei­ung von der Ver­si­che­rungs­pflicht auf­grund ei­ner abhängi­gen Beschäfti­gung in Fra­ge steht, können Ge­sichts­punk­te der selbständi­gen Er­werbstätig­keit kei­ne Rol­le spie­len. Es ent­spricht da­her ständi­ger Recht­spre­chung des BSG im Ren­ten­ver­si­che­rungs­recht, dass, wenn ne­ben­ein­an­der ver­schie­de­ne ren­ten­ver­si­che­rungs­recht­lich be­deut­sa­me Sach­ver­hal­te vor­lie­gen, das Be­ste­hen von Ver­si­che­rungs­pflicht (oder Ver­si­che­rungs­frei­heit bzw Ver­si­che­rungs­be­frei­ung) hin­sicht­lich des ei­nen Sach­ver­halts grundsätz­lich kei­ne Wir­kung für den an­de­ren Sach­ver­halt hat, je­der Sach­ver­halt mit­hin, wenn ge­setz­lich nichts an­de­res be­stimmt ist, selbständig zu be­ur­tei­len ist und es des­halb zulässi­ger­wei­se zu Mehr­fach­ver­si­che­run­gen und mehr­fa­cher Bei­trags­pflicht kom­men kann (vgl BSG Ur­tei­le vom 4.11.2009 - B 12 R 7/08 R - SozR 4-2600 § 2 Nr 13 Rd­Nr 19 mit Hin­weis auf die Rechts­la­ge be­reits vor In­kraft­tre­ten des SGB VI, vom 13.9.1979 - 12 RK 26/77 - BS­GE 49, 38, 39 f = SozR 2200 § 1227 Nr 29 S 67, 68 f, mwN und vom 2.6.1982 - 12 RK 66/80 - SozR 5800 § 2 Nr 3; s auch - hier­an an­knüpfend - die Be­gründung zum Ent­wurf ei­nes Ren­ten­re­form­ge­set­zes 1992, BT-Drucks 11/4124 S 148).
b) Recht­lich ist auch un­er­heb­lich, ob die in Fra­ge ste­hen­de Beschäfti­gung in­halt­lich "Ele­men­te" der an­walt­li­chen Be­rufstätig­keit auf­weist. § 6 Abs 1 S 1 Nr 1 SGB VI for­dert - wie dar­ge­legt - nach Norm­wort­laut und Funk­ti­on stets zusätz­lich, dass die Tätig­keit, die zur Ver­si­che­rungs­pflicht bei der be­rufsständi­schen Ver­sor­gungs­ein­rich­tung führt, gleich­zei­tig in der Form der Beschäfti­gung aus­geübt wird und Ver­si­che­rungs­pflicht in der ge­setz­li­chen Ren­ten­ver­si­che­rung be­gründet. Ist dies - wie vor­lie­gend für ei­ne Tätig­keit als Rechts­an­walt bei ei­nem nicht dem Stan­des­recht un­ter­wor­fe­nen Ar­beit­ge­ber - von vorn­her­ein aus­ge­schlos­sen, sind mögli­che Sach­bezüge der aus­geübten Er­werbstätig­keit zum Be­rufs­bild des Rechts­an­walts oh­ne recht­li­che Be­deu­tung. Ihr Vor­lie­gen könn­te nicht mehr zu ei­nem Le­bens­sach­ver­halt führen, der die tat­be­stand­li­chen Vor­aus­set­zun­gen von § 6 Abs 1 S 1 Nr 1 SGB VI in vol­lem Um­fang erfüllt.
Die tat­be­stand­li­chen Vor­aus­set­zun­gen von § 6 Abs 1 S 1 Nr 1 SGB VI können auch nicht da­durch um­gan­gen wer­den, dass ein in­ne­rer (sach­li­cher) Zu­sam­men­hang der be­haup­te­ten Art "theo­rie-"gestützt be­gründet wird. Was für den in­ne­ren Zu­sam­men­hang als sol­chen gilt, be­trifft not­wen­dig auch al­le zum Be­leg sei­nes Vor­lie­gens be­nann­ten Ein­zel­kri­te­ri­en und "Kri­te­ri­en­for­meln", da­mit auch die sog Vier-Kri­te­ri­en-Theo­rie ("rechts­be­ra­tend, rechts­ver­mit­telnd, rechts­ent­schei­dend, rechts­ge­stal­tend") und je­des ih­rer Ele­men­te. Erst recht fehlt es an je­der Rechts­grund­la­ge, die "Vier-Kri­te­ri­en-Theo­rie" an Stel­le des ge­setz­li­chen Tat­be­stands der Rechts­an­wen­dung zu­grun­de zu le­gen und da­mit die Rechts­fol­ge des § 6 Abs 1 S 1 Nr 1 SGB VI mit der vor­lie­gend in Fra­ge ste­hen­den Fall­grup­pe zu ver­bin­den, für die sie der hier­zu ein­zig be­ru­fe­ne Ge­setz­ge­ber ge­ra­de nicht vor­ge­se­hen hat. Un­ter­schied­li­che Ab­si­che­run­gen in un­ter­schied­li­chen Sys­te­men sind Kon­se­quenz des Um­stan­des, dass syn­chron und di­a­chron ei­ne Viel­zahl von Er­werbstätig­kei­ten be­trie­ben wer­den kann, und de­ren hier­an an­knüpfen­de Ab­si­che­rung nicht ih­rer­seits im Sin­ne ei­nes ein­heit­li­chen Ge­samt­kon­zepts durch zwin­gen­des Recht ko­or­di­niert ist. Es gibt des­halb auch kei­nen Rechts­satz des In­halts, dass stets nur die Zu­gehörig­keit zu ei­nem ein­zi­gen Si­che­rungs­sys­tem in Be­tracht kom­men könn­te oder es un­ge­ach­tet ei­ner Ände­rung der hierfür recht­lich maßgeb­li­chen Umstände stets bei der ein­mal be­gründe­ten Zuständig­keit ei­nes Sys­tems zu ver­blei­ben ha­be. Nur so­weit der Ge­setz­ge­ber hierfür im Ein­zel­fall An­lass ge­se­hen hat und im An­wen­dungs­be­reich der je­wei­li­gen Ko­or­di­nie­rungs­re­ge­lung, kann hier­von aus­nahms­wei­se ab­ge­se­hen wer­den. Auch in­so­fern be­darf es schließlich kei­nes nähe­ren Ein­ge­hens auf den Theo­rie-Cha­rak­ter der "Vier-Kri­te­ri­en-Theo­rie" im Sin­ne der Wis­sen­schafts­theo­rie bzw ei­ner wis­sen­schaft­lich be­trie­be­nen Ju­ris­pru­denz.
c) Die ge­setz­lich ge­for­der­te po­si­ti­ve Fest­stel­lung, dass die­sel­be Er­werbstätig­keit, die die Mit­glied­schaft in der be­rufsständi­schen Ver­sor­gungs­ein­rich­tung be­gründet hat, we­gen ih­rer Ausübung in der Form der Beschäfti­gung zu­gleich Ver­si­che­rungs­pflicht in der ge­setz­li­chen Ren­ten­ver­si­che­rung be­gründet, kann erst recht nicht durch die­je­ni­ge er­setzt wer­den, dass die in der Form der Beschäfti­gung aus­geübte Er­werbstätig­keit der Zu­las­sung zur Rechts­an­walt­schaft nicht ursprüng­lich oder nachträglich ent­ge­gen­steht. Zwar stellt sich aus der Sicht der al­lein auf
ei­ner ar­beits­recht­li­chen Ne­bentätig­keit gründen­den Zu­las­sung zur Rechts­an­walt­schaft um­ge­kehrt die Fra­ge, ob ei­ne da­ne­ben aus­geübte Tätig­keit mit dem An­walts­be­ruf ver­ein­bar ist und da­her ih­rer Er­tei­lung nicht ent­ge­gen­steht (§ 7 Nr 8 BRAO) bzw ih­ren Wi­der­ruf nicht for­dert (§ 14 Abs 2 Nr 8 BRAO). In­des­sen ist die hier­zu vor­lie­gend um­fang­rei­che - und seit dem Be­schluss des BVerfG vom 4.11.1992 (1 BvR 79/85 ua - BVerfGE 87, 287) im Sin­ne der Li­be­ra­li­sie­rung nach­hal­tig geänder­te - Recht­spre­chung so­weit er­sicht­lich zu kei­nem Zeit­punkt - selbst­wi­dersprüchlich - auf den Ge­dan­ken ge­kom­men, dass ei­ne Un­ver­ein­bar­keit schon des­halb nicht vor­lie­gen könn­te, weil es sich bei der im Rah­men ei­ner Beschäfti­gung aus­geübten Tätig­keit um ei­nen ge­nui­nen Teil des an­walt­li­chen Be­rufs­bil­des han­deln könn­te. Die oft zi­tier­te Beschäfti­gung als Ta­xi-Fah­rer steht der an­walt­li­chen Be­rufs­ausübung nicht ent­ge­gen, gehört ihr aber evi­dent nicht zu. Das­sel­be gilt ins­be­son­de­re für den In­halt sol­cher Beschäfti­gun­gen, die Rechts­be­ra­tung ge­genüber drit­ten Per­so­nen (vgl BGH Be­schlüsse vom 3.3.1986 - An­wZ (B) 1/86 - BGHZ 97, 204, 206 und vom 19.6.1995 - An­wZ (B) 4/95 - NJW-RR 1995, 1083, 1084 und die Nach­wei­se bei BGH Be­schluss vom 27.5.1991 - An­wZ (B) 4/91 - NJW 1991, 2289) oder die ju­ris­ti­sche Sach­be­ar­bei­tung bei ei­ner Rechts­schutz­ver­si­che­rung (BGH Be­schluss vom 21.11.1994 - An­wZ (B) 44/94 - NJW 1995, 1031) zum In­halt ha­ben. Die Ver­ein­bar­keit von An­walts­be­ruf und da­ne­ben aus­geübter Tätig­keit ist da­mit zwar not­wen­dig, weil an­dern­falls ei­ne Zu­las­sung zur An­walt­schaft nicht er­fol­gen könn­te, zur Be­gründung der für die An­wen­dung von § 6 Abs 1 S 1 Nr 1 SGB VI not­wen­dig er­for­der­li­chen Dop­pel­re­le­vanz aber nicht hin­rei­chend. Auch al­le sonst von § 7 Nr 8, § 14 Abs 1, Abs 2 Nr 8 BRAO er­fass­ten Tätig­kei­ten sind ge­ra­de sol­che außer­halb des an­walt­li­chen Be­rufs­felds in ei­nem Zweit­be­ruf (vgl ex­em­pla­risch BGH vom 19.6.1995 - An­wZ (B) 4/95 - NJW-RR 1995, 1083, 1084).
d) Hin­wei­se für ei­ne feh­len­de An­wend­bar­keit von § 46 BRAO auf Fälle der vor­lie­gen­den Art feh­len vollständig. Die Vor­schrift gehört zu den Be­rufs­ausübungs­re­ge­lun­gen, die als ge­genüber Be­rufs­zu­gangs­re­ge­lun­gen (Art 12 Abs 1 GG) der vor­ste­hend erörter­ten Art we­ni­ger schwer wie­gen­der Ein­griff das Verhält­nis der durch Zu­las­sung eröff­ne­ten an­walt­li­chen Be­rufstätig­keit zu ei­ner da­ne­ben aus­geübten Beschäfti­gung be­tref­fen. In­so­fern be­gründet § 46 BRAO be­son­de­re Be­rufs­pflich­ten der Syn­di­kus­anwälte und bestätigt im Rück­schluss gleich­zei­tig, dass die Ausübung ei­ner abhängi­gen Beschäfti­gung der Rechts­stel­lung ei­nes un­abhängi­gen Or­gans der Rechts­pfle­ge selbst dann nicht von vorn­her­ein ent­ge­gen­steht, wenn sie an­walt­li­chen Stan­des­pflich­ten nicht un­ter­wor­fen und die Ar­beits­zeit und Ar­beits­kraft über­wie­gend in An­spruch nimmt (vgl BVerfG Be­schluss vom 4.11.1992 - 1 BvR 79/85 ua - BVerfGE 87, 287, 297; zur feh­len­den An­wend­bar­keit von § 46 BRAO bei ei­nem an­ge­stell­ten Rechts­an­walt, der un­abhängig und wei­sungs­frei Man­da­te be­ar­bei­tet, die sein Ar­beit­ge­ber oder Dienst­herr über­nom­men hat s im Übri­gen BGH Be­schlüsse vom 6.3.2006 - An­wZ (B) 37/05 - BGHZ 166, 299 und vom 4.11.2009 - An­wZ (B) 16/09 - NJW 2010, 377, 379 Rd­Nr 17 in­so­fern in BGHZ 183, 73 nicht ab­ge­druckt). Auch in­so­fern geht es je­doch stets um die Ab­gren­zung ver­schie­de­ner rechts­be­ra­ten­der und -be­sor­gen­der Tätig­kei­ten (vgl BGH Be­schluss vom 19.6.1995 - An­wZ (B) 4/95 - NJW-RR 1995, 1083, 1084) und ins­be­son­de­re um die Un­ter­schei­dung zwi­schen dem wei­sungs­frei­en, un­abhängi­gen Rechts­an­walt und dem Syn­di­kus­an­walt, der im Rah­men ei­nes ständi­gen Dienst¬oder ähn­li­chen Beschäfti­gungs­verhält­nis­ses sei­ne Ar­beits­zeit und Ar­beits­kraft zur Verfügung stel­len muss (BGH Ur­teil vom 25.2.1999 - IX ZR 384/97 - BGHZ 141, 69; BGH Be­schlüsse vom 18.6.2001 - An­wZ (B) 41/00 - NJW 2001, 3130 und vom 7.2.2011 - An­wZ (B) 20/10 - NJW 2011, 1517, 1520 Rd­Nr 27; An­walts­ge­richts­hof Ham­burg Be­schluss vom 3.9.2002 - II ZU 11/01 - BRAK-Mitt 2002, 283).
e) Der von der Re­vi­si­on mit der ver­brei­te­ten Be­zeich­nung "Dop­pel­be­rufs­theo­rie" be­zeich­ne­te recht­li­che Um­stand gibt un­ter die­sen Umständen der Sa­che nach die von BGH, BAG, BVerfG und EuGH übe­rein­stim­mend ge­ge­be­ne und fort­lau­fend bestätig­te ne­ga­ti­ve Ant­wort auf die Rechts­fra­ge wie­der, ob der Syn­di­kus­an­walt auch in sei­ner abhängi­gen Beschäfti­gung als Rechts­an­walt an­zu­se­hen ist. So­weit mit der Wort­wahl ei­ne ge­rin­ge­re Ver­bind­lich­keit im Sin­ne ei­ner in­ter­pre­ta­ti­ven "Klein­theo­rie" (vgl zur Klas­si­fi­ka­ti­on in An­leh­nung an Ralf Drei­er Röhl/Röhl, All­ge­mei­ne Rechts­leh­re, 3. Aufl, Köln/München 2008, S 163, 165) be­haup­tet wer­den soll, steht dem "die fun­da­men­ta­le ob­jek­ti­ve Be­deu­tung der seit ei­nem Jahr­hun­dert durch­ge­setz­ten frei­en Ad­vo­ka­tur" (BVerfG Be­schluss vom 8.3.1983 - 1 BvR 1078/80 - BVerfGE 63, 266, 282) und das Ge­wicht ei­ner über Jahr­zehn­te fort­geführ­ten ein­hel­li­gen Auf­fas­sung der Recht­spre­chung und von de­ren Bin­dungs­wir­kung ent­ge­gen, die ein form­lo­ses Ab­wei­chen zu­guns­ten ei­nes an­de­ren ge­dank­li­chen Kon­strukts zu­min­dest nicht oh­ne Wei­te­res er­lau­ben. We­der wird mit ei­nem der­ar­ti­gen Verständ­nis der BRAO ein "ein­heit­li­cher Be­ruf künst­lich auf­ge­spal­ten" noch führt die Re­vi­si­on nach­voll­zieh­ba­re Hin­wei­se auf ei­ne "Auf­wei­chung" oder "Auf­he­bung" des mit der Be­zeich­nung "Dop­pel­be­rufs- oder Zweit­be­rufs­theo­rie" be­nann­ten recht­li­chen Sach­ver­halts auf.
f) § 6 Abs 1 S 1 Nr 1 SGB VI ist als ab­sch­ließen­de Aus­nah­me­re­ge­lung ei­ner wei­ten, er­wei­tern­den oder ana­lo­gen An­wen­dung we­der bedürf­tig noch fähig. Die Kläge­rin gehört als abhängig Beschäftig­te iS von § 7 Abs 1 S 1 SGB IV zum Kern­be­reich der ty­pi­siert Schutz­bedürf­ti­gen und des­halb grundsätz­lich in al­len Zwei­gen der So­zi­al­ver­si­che­rung (vgl § 2 Abs 2 Nr 1 SGB IV) und ins­be­son­de­re in der ge­setz­li­chen Ren­ten­ver­si­che­rung (§ 1 S 1 Nr 1 Halbs 1 SGB VI) Zwangs­ver­si­cher­ten. Die­se ein­fach­ge­setz­li­che Lei­tent­schei­dung wird für den Per­so­nen­kreis, dem die Kläge­rin zu­gehört, auch nicht un­mit­tel­bar spe­zi­al­ge­setz­lich mo­di­fi­ziert oder re­vo­ziert. Umstände, die - ih­rer­seits ty­pi­sie­rend - trotz Ausübung ei­ner Beschäfti­gung der An­nah­me der Schutz­bedürf­tig­keit ent­ge­gen­ste­hen und da­her An­lass zu ei­ner Tat­be­stands­re­duk­ti­on ge­ben könn­ten, sind ge­setz­lich nicht um­schrie­ben. Die ge­setz­li­chen Vor­aus­set­zun­gen ei­ner Tat­be­stands­re­duk­ti­on, die An­lass ge­ge­ben hätten, von vorn­her­ein von der An­ord­nung der Rechts­fol­ge Ver­si­che­rungs­pflicht ab­zu­se­hen (zB § 1 S 3 SGB VI) oder trotz Eröff­nung des An­wen­dungs­be­reichs der Beschäftig­ten­ver­si­che­rung aus­nahms­wei­se un­mit­tel­bar kraft Ge­set­zes Ver­si­che­rungs­frei­heit an­zu­ord­nen (§ 5 Abs
1 S 1 Nr 1 - Nr 3 SGB VI), sind er­kenn­bar nicht erfüllt. Die vor­lie­gend al­lein in Fra­ge ste­hen­de Re­ge­lung des § 6 Abs 1 S 1 Nr 1 SGB VI gehört zu ei­nem Kreis von Be­stim­mun­gen, die den be­trof­fe­nen Pflicht­ver­si­cher­ten un­ter den im Ge­setz je­weils im Ein­zel­nen um­schrie­be­nen Vor­aus­set­zun­gen nach ei­ge­nem "Ent­schließungs­er­mes­sen" ei­nen An­spruch auf ei­ne kon­sti­tu­ti­ve Be­frei­ung von der Ren­ten­ver­si­che­rungs­pflicht durch ei­nen ge­bun­de­nen Ver­wal­tungs­akt des Ren­ten­ver­si­che­rungs­trägers mit grundsätz­lich auf die in Fra­ge ste­hen­de Beschäfti­gung be­grenz­ter Wir­kung (§ 6 Abs 5 SGB VI) gewähren, um nach­fol­gend al­lein im be­rufsständi­schen Ver­sor­gungs­werk mit güns­ti­ge­ren Be­din­gun­gen zu ver­blei­ben. Ei­ne vollständi­ge Ent­las­sung aus der öffent­li­chen So­zi­al­ver­si­che­rung ist da­ge­gen nicht möglich (vgl BVerfG Be­schluss vom 5.5.2008 - 1 BvR 1060/05 ua - SozR 4-2600 § 6 Nr 7 Rd­Nr 16).
Nur aus­nahms­wei­se ge­win­nen da­her die von bei­den Sys­te­men Er­fass­ten ih­re Vor­sor­ge­frei­heit (Art 2 Abs 1 GG) durch Be­frei­ungs­re­ge­lun­gen be­grenzt zurück. Bei § 6 Abs 1 S 1 Nr 1 SGB VI han­delt es sich dem Kon­zept der ab­ge­stuf­ten Schutz­bedürf­tig­keit fol­gend be­reits in­ner­halb der Beschäftig­ten­ver­si­che­rung um ei­ne ab­sch­ließen­de Aus­nah­me­re­ge­lung, die ei­ner er­wei­tern­den oder ent­spre­chen­den An­wen­dung nicht zugäng­lich ist (vgl BSG Ur­teil vom 30.4.1997 - 12 RK 20/96 - USK 9733). Sein Aus­nah­me­cha­rak­ter wird zu­dem da­durch wei­ter bestätigt, dass er auch in­ner­halb sei­nes An­wen­dungs­be­reichs ein Be­frei­ungs­recht kei­nes­wegs für al­le Fälle der Dop­pel­zu­gehörig­keit vor­sieht. Et­was an­de­res er­gibt sich ent­ge­gen der Re­vi­si­on auch nicht et­wa des­halb, weil es sich bei ihm um ei­ne "Kol­li­si­ons­norm" han­de­le, de­ren Auf­ga­be dar­in lie­ge, zu­guns­ten der be­rufsständi­schen Ver­sor­gungs­ein­rich­tun­gen die An­wend­bar­keit je­weils nur ei­ner (ein­zi­gen) Rechts­mas­se si­cher­zu­stel­len.
Kol­li­si­ons­nor­men be­tref­fen die Fra­ge, wel­ches Recht als sog Sach­norm zur An­wen­dung kommt, wenn der Re­ge­lungs­ge­gen­stand gleich­zei­tig von meh­re­ren Rechts­mas­sen er­fasst ist. Sie be­stim­men ent­we­der be­schränkt auf die Bin­nen­sicht nur ei­ner Men­ge von Rechtssätzen, ob die­se An­wend­bar­keit be­an­spru­chen, ob­wohl gleich­zei­tig an­de­re Norm­bestände als ein­schlägig in Be­tracht kom­men (ein­sei­ti­ge Kol­li­si­ons­norm) oder le­gen für die Ge­samt­heit der ein­schlägi­gen Rechts­mas­sen um­fas­send fest, nach wel­cher von ih­nen sich die recht­li­che Be­ur­tei­lung des Re­ge­lungs­ge­gen­stan­des rich­tet (mehr­sei­ti­ge Kol­li­si­ons­norm). Nur so­weit um­fas­send für al­le Fälle des Zu­sam­men­tref­fens ein­schlägi­ger Rechtssätze die An­wend­bar­keit we­nigs­tens ei­ner der in Fra­ge ste­hen­den Rechts­mas­sen ab­sch­ließend abs­trakt-ge­ne­rell be­stimmt wird, kann oh­ne Wei­te­res von ei­ner Kol­li­si­ons­norm in die­sem Sin­ne ge­spro­chen wer­den. Im Blick hier­auf han­delt es sich bei § 6 Abs 1 S 1 Nr 1 SGB VI im um­fas­sen­den Sin­ne um ei­ne Ko­or­di­na­ti­ons­re­ge­lung und ent­ge­gen der Be­haup­tung der Kläge­rin al­len­falls in ei­nem sehr be­schränk­ten Sin­ne um den Son­der­fall ei­ner Ko­or­di­nie­rung von Sys­te­men durch ei­ne Kol­li­si­ons­norm mit Aus­schluss­wir­kung zu­guns­ten der be­rufsständi­schen Ver­sor­gung. Bei­des schließt sich da­mit ent­ge­gen dem Ein­wand der Bei­ge­la­de­nen zu 2. nicht aus. Nur wenn nämlich ku­mu­la­tiv al­le ob­jek­ti­ven Ele­men­te des um­fang­rei­chen mehr­glied­ri­gen Tat­be­stan­des erfüllt sind, ins­be­son­de­re al­len An­for­de­run­gen an die Art der be­rufsständi­schen Ver­sor­gungs­ein­rich­tun­gen, an die Gleich­ar­tig­keit der Bei­trags­er­he­bung so­wie an die Gleich­wer­tig­keit des Ver­si­che­rungs­schut­zes genügt ist, und die hier­nach Be­rech­tig­ten po­si­tiv von dem ih­nen ein­geräum­ten "Ent­schließungs­er­mes­sen" Ge­brauch ge­macht ha­ben, kommt es (mit­tel­bar) zum Aus­schluss der Ren­ten­ver­si­che­rungs­pflicht. Das Ge­setz be­schränkt sich in­so­fern ty­pi­sie­rend auf Fall­kon­stel­la­tio­nen, bei de­nen ins­be­son­de­re glei­cher­maßen das Be­stands­in­ter­es­se und die Leis­tungsfähig­keit der ge­setz­li­chen Ren­ten­ver­si­che­rung wie der Ge­sichts­punkt der Gewähr­leis­tung ei­nes aus­rei­chen­den Schut­zes der Be­trof­fe­nen durch die be­rufsständi­sche Ver­sor­gungs­ein­rich­tung berück­sich­tigt und ge­gen­ein­an­der ab­ge­wo­gen sind. Han­delt es sich dem­ge­genüber um Sach­ver­hal­te außer­halb des ob­jek­ti­ven An­wen­dungs­be­reichs oder betätigt ein Be­rech­tig­ter sein "Ent­schließungs­er­mes­sen" nicht, fehlt es vollständig an ei­ner kol­li­si­ons­recht­li­chen Rechts­fol­ge­na­n­ord­nung und belässt es das Ge­setz mit der Fol­ge der Dop­pel­ver­si­che­rung bei der par­al­le­len An­wend­bar­keit der je­weils ein­schlägi­gen Rechtssätze. Kei­nes­wegs be­steht da­mit nach dem zu­grun­de lie­gen­den Re­ge­lungs­kon­zept für je­den Kol­li­si­ons­fall auch Be­darf nach ei­ner ein­deu­ti­gen (Nicht-)An­wen­dungs­re­ge­lung und da­mit ggf ei­nem wei­ten Verständ­nis des ge­setz­li­chen Tat­be­stands.
g) Eben­falls ent­ge­gen der Re­vi­si­on ist § 6 Abs 1 S 1 Nr 1 SGB VI we­der be­vor­zugt da­zu be­stimmt, den In­ter­es­sen von Frei­be­ruf­lern zu die­nen, noch be­zweckt er in be­son­de­rer Wei­se den Be­stands­schutz be­rufsständi­scher Ver­sor­gungs­wer­ke. Im Rah­men sei­nes po­si­ti­ven An­wen­dungs­be­reichs be­stimmt § 6 Abs 1 S 1 Nr 1 SGB VI aus der Bin­nen­per­spek­ti­ve der ge­setz­li­chen Ren­ten­ver­si­che­rung ein­sei­tig, ob es bei der nor­ma­ti­ven An­ord­nung von Ver­si­che­rungs­pflicht aus § 1 S 1 Nr 1 SGB VI ver­bleibt oder ob hier­von aus­nahms­wei­se we­gen ei­ner aus ih­rer Sicht aus­rei­chen­den an­der­wei­ti­gen Ab­si­che­rung ab­ge­se­hen wer­den kann (vgl BT-Drucks 13/2590, S 18; Fich­te in Hauck/Noftz, SGB VI, K § 6 Rd­Nr 22; Horn/Jung, AnwBl 2013 , 420, 421; Horn, NJW 2012, 966, 971; Gürt­ner in Kas­se­ler Kom­men­tar, SGB VI, § 6 Rd­Nr 4; Kil­ger/Pross­li­ner, NJW 2004, 821, 823; Of­fer­mann-Burck­art, MDR 2013, 1197; Rid, BB-Spe­cial 3/2008, 10, 14). Er kann schon des­halb kei­ne "ma­gna char­ta" der be­rufsständi­schen Ver­sor­gungs­ein­rich­tun­gen re­präsen­tie­ren, die al­len­falls im Sin­ne ei­nes Rechts­re­fle­xes be­trof­fen sind.
Die Ent­ste­hungs­ge­schich­te bestätigt die­ses Er­geb­nis. § 6 Abs 1 Nr 1 SGB VI hat­te bis zum 31.12.1995 fol­gen­den Wort­laut:
"(1) Von der Ver­si­che­rungs­pflicht wer­den be­freit
1. An­ge­stell­te und selbständig Täti­ge, die auf­grund ei­ner durch Ge­setz an­ge­ord­ne­ten oder auf Ge­setz be­ru­hen­den Ver­pflich­tung Mit­glie­der ei­ner öffent­lich-recht­li­chen Ver­si­che­rungs­ein­rich­tung oder Ver­sor­gungs­ein­rich­tung ih­rer Be­rufs­grup­pe (be­rufsständi­sche Ver­sor­gungs­ein­rich­tung) sind, wenn für sie nach nähe­rer Maßga­be der Sat­zung ein­kom­mens­be­zo­ge­ne Beiträge un­ter Berück­sich­ti­gung der Bei­trags­be­mes­sungs­gren­ze zu ent­rich­ten sind und auf­grund die­ser Beiträge Leis­tun­gen für den Fall ver­min­der­ter Er­werbsfähig­keit und des Al­ters so­wie für Hin­ter­blie­be­ne er­bracht und an­ge­paßt wer­den, wo­bei auch die fi­nan­zi­el­le La­ge der be­rufsständi­schen Ver­sor­gungs­ein­rich­tung zu berück­sich­ti­gen ist, "
So­weit die Ma­te­ria­li­en zum Ge­setz zur Ände­rung des Sechs­ten Bu­ches So­zi­al­ge­setz­buch vom 15.12.1995 (BGBl I 1824) in ih­rem "All­ge­mei­nen Teil" me­ta­pho­risch von ei­ner "Frie­dens­gren­ze" (BT-Drucks 13/2590 S 1) un­ter "Berück­sich­ti­gung der be­rech­tig­ten In­ter­es­sen bei­der Sys­te­me" (BT-Drucks 13/2590 S 18) spre­chen, ge­schieht dies al­lein im Kon­text der be­ab­sich­tig­ten Verschärfung der ren­ten­ver­si­che­rungs­recht­li­chen Be­frei­ungs­re­ge­lung und zur Ver­mei­dung der befürch­te­ten Ero­si­on der ge­setz­li­chen Ren­ten­ver­si­che­rung. Be­lan­ge der Ver­sor­gungs­träger fin­den dem­ge­genüber nur in­so­fern Erwähnung, als mit der vor­ge­se­he­nen Be­schränkung des Be­frei­ungs­rechts "im Er­geb­nis die seit lan­gem ak­zep­tier­te Ab­gren­zung zwi­schen be­rufsständi­scher Ver­sor­gung und ge­setz­li­cher Ren­ten­ver­si­che­rung in ih­rer bis­he­ri­gen Aus­prägung ge­fes­tigt wird." Ins­be­son­de­re er­gibt sich aus den in BT-Drucks 13/2590 nie­der­ge­leg­ten Erwägun­gen nicht an­deu­tungs­wei­se, dass mit der Schaf­fung der der­zeit gel­ten­den Fas­sung von § 6 Abs 1 S 1 Nr 1 SGB VI für be­stimm­te Per­so­nen­grup­pen von der Dop­pel­re­le­vanz ei­ner im Rah­men der ge­setz­li­chen Ren­ten­ver­si­che­rung als Beschäfti­gung aus­geübten Er­werbstätig­keit ab­ge­se­hen bzw die Al­ters­si­che­rung für ei­ne le­dig­lich par­al­lel hier­zu aus­geübte frei­be­ruf­li­che Tätig­keit als ei­genständi­ger Be­frei­ungs­grund aus­ge­stal­tet wer­den soll­te. Viel­mehr hat der Ge­setz­ge­ber nach neu­em (in­so­fern seit 1.1.1996 gel­ten­dem) Recht er­fol­gen­de Be­frei­un­gen für al­le er­fass­ten Be­rufs­grup­pen in glei­cher Wei­se aus­ge­stal­tet. Die "Klar­stel­lung", auf wel­che Tätig­keit oder Beschäfti­gung sich das Be­frei­ungs­recht be­schränkt (BT-Drucks 13/2590 S 22), er­fasst da­her die Ge­samt­heit der Norm­be­trof­fe­nen und da­mit selbst­verständ­lich auch den von der Kläge­rin re­präsen­tier­ten Per­so­nen­kreis. Ob das bis da­hin gel­ten­de Recht mögli­cher­wei­se an­ders ver­stan­den wer­den konn­te und da­her die seit dem 1.1.1996 gel­ten­de Neu­fas­sung über ei­ne bloße Klar­stel­lung hin­aus die Set­zung neu­en Rechts verkörpert, ist für die vor­lie­gen­de Ent­schei­dung oh­ne Be­deu­tung (vgl zur Be­deu­tung ei­ner ge­setz­ge­be­ri­schen "Klar­stel­lung" für die Ver­gan­gen­heit zu­letzt BVerfG Be­schluss vom 17.12.2013 - 1 BvL 5/08 - DB 2014, 634 = NVwZ 2014, 577).
h) Das ge­fun­de­ne Er­geb­nis verstößt auch nicht ge­gen Ver­fas­sungs­recht. Die ein­schlägi­gen Fra­gen sind durch die Recht­spre­chung des BVerfG geklärt. Der Ge­setz­ge­ber darf zur Be­stim­mung der Schutz­bedürf­ti­gen ty­pi­sie­rend an den Sach­ver­halt der Beschäfti­gung an­knüpfen und in Ver­bin­dung hier­mit Ver­si­che­rungs­zwang an­ord­nen. Hier­ge­gen be­ste­hen nach der ständi­gen Recht­spre­chung des BVerfG kei­ne ver­fas­sungs­recht­li­chen Be­den­ken (BVerfG Be­schlüsse vom 20.5.1996 - 1 BvR 21/96 SozR 3-2400 § 7 Nr 11 S 27 f und vom 14.10.1970 - 1 BvR 753/68 ua - SozR Nr 8 zu Art 2 GG; vgl im Übri­gen die Nach­wei­se bei BSG Ur­teil vom 5.7.2006 - B 12 KR 20/04 R - SozR 4-2600 § 157 Nr 1 Rd­Nr 29). Die Ver­si­che­rungs­pflicht in der ge­setz­li­chen Ren­ten­ver­si­che­rung ver­letzt die Be­trof­fe­nen ins­be­son­de­re nicht in ih­rem Grund­recht aus Art 14 Abs 1 GG (vgl BVerfG Be­schluss vom 26.6.2007 - 1 BvR 2204/00, 1 BvR 1355/03 - SozR 4-2600 § 2 Nr 10 Rd­Nr 25) und berührt man­gels ei­nes un­mit­tel­bar be­rufs­re­geln­den Cha­rak­ters nicht den Schutz­be­reich des Art 12 Abs 1 GG (BVerfG vom 26.6.2007 aaO Rd­Nr 27). Ein - von der Kläge­rin im Übri­gen auch nicht gerügter - Ein­griff in ihr Grund­recht aus Art 2 Abs 1 GG schei­det schon des­halb aus, weil der Ge­setz­ge­ber ins­be­son­de­re mit der Einführung ei­ner grundsätz­li­chen Ver­si­che­rungs­pflicht für Beschäftig­te von sei­nem wei­ten Ge­stal­tungs­spiel­raum im Span­nungs­verhält­nis zwi­schen der in­di­vi­du­el­len Frei­heit und den An­for­de­run­gen ei­ner so­zi­al­staat­li­chen Ord­nung (BVerfG vom 26.6.2007 aaO Rd­Nr 28) in ver­fas­sungs­gemäßer Wei­se Ge­brauch ge­macht hat. Ins­be­son­de­re ver­let­zen die Pflicht­mit­glied­schaft und die da­mit ggf ein­her­ge­hen­de Pflicht zur Bei­trags­tra­gung in der ge­setz­li­chen Ren­ten­ver­si­che­rung grundsätz­lich auch bei Höher­ver­die­nen­den, die an­der­wei­tig für ih­re Al­ters­si­che­rung Sor­ge tra­gen könn­ten, nicht Art 2 Abs 1 GG. Es ist ver­fas­sungs­recht­lich nicht zu be­an­stan­den, dass die Ver­si­che­rungs­pflicht in der ge­setz­li­chen Ren­ten­ver­si­che­rung nicht die in­di­vi­du­el­le so­zia­le Schutz­bedürf­tig­keit ei­nes Ver­si­che­rungs­pflich­ti­gen, son­dern le­dig­lich den Tat­be­stand der Beschäfti­gung vor­aus­setzt. Der Ge­setz­ge­ber durf­te da­von aus­ge­hen, dass die­je­ni­gen Per­so­nen, die ih­re Ar­beits­kraft in den Dienst an­de­rer stel­len, im All­ge­mei­nen auf die­se Beschäfti­gung zur Er­lan­gung ih­res Le­bens­un­ter­halts an­ge­wie­sen und da­her - auch im Hin­blick auf die Al­ters­si­che­rung - so­zi­al schutz­bedürf­tig sind (vgl BVerfG Be­schluss vom 31.8.2004 - 1 BvR 945/95 - SozR 4-2600 § 7 Nr 2 Rd­Nr 13 mwN).
Bei der aus­nahms­wei­sen Eröff­nung von Be­frei­ungsmöglich­kei­ten zur Be­sei­ti­gung ei­nes un­mit­tel­bar ge­setz­lich an­ge­ord­ne­ten Ver­si­che­rungs­zwangs darf der Ge­setz­ge­ber, der die Vor­sor­ge­frei­heit Beschäftig­ter aus Art 2 Abs 1 GG ver­fas­sungs­recht­lich be­den­ken­frei be­grenzt hat, erst recht die Leis­tungsfähig­keit der ver­blei­ben­den Ver­si­cher­ten­ge­mein­schaft in der ge­setz­li­chen Ren­ten­ver­si­che­rung berück­sich­ti­gen und ins­be­son­de­re dem An­lie­gen, Ver­si­cher­te mit ty­pi­scher­wei­se güns­ti­gen Ri­si­ken in der ge­setz­li­chen Ren­ten­ver­si­che­rung zu hal­ten, vor dem all­ge­mei­nen Gleich­heits­satz (Art 3 Abs 1 GG) er­heb­li­che Be­deu­tung bei­mes­sen; in­so­fern kommt es auf die mögli­cher­wei­se ge­rin­ge Zahl der Be­trof­fe­nen nicht an (vgl BVerfG Be­schluss vom 5.5.2008 - 1 BvR 1060/05 ua - SozR 4-2600 § 6 Nr 7 Rd­Nr 16 ff, 19). Die ge­setz­li­che Ren­ten­ver­si­che­rung kennt un­ter Berück­sich­ti­gung die­ser
Vor­ga­ben we­der ein all­ge­mei­nes Be­frei­ungs­recht noch im Blick auf die gleich­zei­ti­ge Ab­si­che­rung in an­de­ren Sys­te­men ei­nen all­ge­mei­nen Grund­satz der Ver­mei­dung von "Dop­pel­ver­si­che­run­gen". Auch gibt es von Ver­fas­sung we­gen kein Wahl­recht zu­guns­ten der je­weils güns­tigs­ten Ver­sor­gungsmöglich­keit (vgl ins­ge­samt die Nach­wei­se bei BSG Ur­teil vom 9.3.2005 - B 12 RA 8/03 R - SozR 4-2600 § 6 Nr 3 Rd­Nr 6). Um­ge­kehrt ist für das be­rufsständi­sche Ver­sor­gungs­recht geklärt, dass es nicht ge­gen höher­ran­gi­ges Recht verstößt, wenn sich die Mit­glied­schaft in ei­nem be­rufsständi­schen Ver­sor­gungs­werk auch auf in der ge­setz­li­chen An­ge­stell­ten­ver­si­che­rung pflicht­ver­si­cher­te Be­rufs­an­gehöri­ge er­streckt (vgl BVerwG Be­schluss vom 23.3.2000 - 1 B 15/00 - Buch­holz 430.4 Ver­sor­gungs­recht Nr 42 und die dor­ti­gen Nach­wei­se).
Der ver­fas­sungs­recht­lich da­mit un­be­denk­li­che öffent­lich-recht­li­che Ein­griff in die Vor­sor­ge­frei­heit der be­trof­fe­nen Ver­si­cher­ten steht um­ge­kehrt für sei­nen An­wen­dungs­be­reich ei­ge­nen in­di­vi­du­el­len Ge­stal­tun­gen durch pri­vat­recht­li­chen Ver­trags­schluss ent­ge­gen. Der be­son­de­re Schutz­zweck der So­zi­al­ver­si­che­rung und ih­re Na­tur als ei­ne Ein­rich­tung des öffent­li­chen Rechts schließen es grundsätz­lich aus, über die recht­li­che Ein­ord­nung al­lein nach dem Wil­len der Ver­trags­par­tei­en, ih­ren Ver­ein­ba­run­gen oder ih­ren Vor­stel­lun­gen hierüber zu ent­schei­den (BSG Ur­teil vom 18.12.2001 - B 12 KR 8/01 R - SozR 3-2400 § 7 Nr 19 S 73 und die dor­ti­gen Nach­wei­se). Das gilt oh­ne Wei­te­res auch für die Wahl un­ter meh­re­ren öffent­lich-recht­lich aus­ge­stal­te­ten Si­che­rungs­sys­te­men nach Maßga­be in­di­vi­du­el­ler Güns­tig­keits­erwägun­gen des Beschäftig­ten bzw der Ar­beits­ver­trags­par­tei­en. Die­sen bleibt es im Übri­gen zwar grundsätz­lich un­be­nom­men, An­knüpfungs­sach­ver­hal­te des Pri­vat­rechts, auf die das Ge­setz öffent­lich-recht­li­che Norm­be­feh­le tat­be­stand­lich stützt, selbst zu ge­stal­ten (vgl ex­em­pla­risch BSG Ur­teil vom 27.1.1994 - 2 RU 17/93 - SozR 3-2200 § 539 Nr 27 S 95 ff: Aus­ge­stal­tung der Übungs­lei­tertätig­keit wahl­wei­se als Beschäfti­gung oder als Aus­druck der Mit­glied­schafts­pflicht). Auch der­ar­ti­ge Möglich­kei­ten der au­to­no­men Ge­stal­tung von An­knüpfungs­sach­ver­hal­ten sind in­des­sen ver­sperrt, wo der Ge­setz­ge­ber die öffent­lich-recht­li­che An­ord­nung von Ver­si­che­rungs­pflicht auch tat­be­stand­lich auf zwin­gen­des öffent­li­ches Recht stützt. So­weit er da­her in Ausübung sei­ner kon­kur­rie­ren­den Ge­setz­ge­bungs­kom­pe­tenz aus Art 74 Abs 1 Nr 1 GG die "Rechts­an­walt­schaft" aus­ge­stal­tet hat, ist we­der für ein­zel­ne Norm­be­trof­fe­ne - ggf im Zu­sam­men­wir­ken mit ih­ren Ar­beit­ge­bern - noch für be­rufsständi­sche Or­ga­ni­sa­tio­nen die Möglich­keit eröff­net, selbst über die Zu­las­sung zur Rechts­an­walt­schaft zu dis­po­nie­ren oder das Be­rufs­recht "fort­zu­ent­wi­ckeln". Man­gels pri­vat­recht­li­cher Ge­stal­tungsmöglich­keit schei­det in­so­fern auch ei­ne mi­kroöko­no­mi­sche Be­trach­tung un­ter dem Ge­sichts­punkt der "win-win-Si­tua­ti­on" von vorn­her­ein aus. Hier­von un­abhängig können die Ar­beits­ver­trags­par­tei­en in­des­sen - wenn auch oh­ne ver­sor­gungs­recht­li­che Aus­wir­kun­gen - die Grund­la­gen für ei­ne Zu­las­sung zur Rechts­an­walt­schaft ne­ben dem Ar­beits­verhält­nis schaf­fen, dem Ar­beit­neh­mer auf die­se Wei­se ein zusätz­li­ches Betäti­gungs­feld eröff­nen und den Ar­beit­ge­ber am So­zi­al­pres­ti­ge der Zu­las­sung zur Rechts­an­walt­schaft teil­ha­ben las­sen.
i) Auf ei­ne vom Ge­setz ab­wei­chen­de rechts­wid­ri­ge Ver­wal­tungs­pra­xis der Be­klag­ten kann sich der von der Kläge­rin re­präsen­tier­te Per­so­nen­kreis nicht be­ru­fen (vgl BVerfG Be­schluss vom 17.6.2004 - 2 BvR 383/03 - BVerfGE 111, 54). Außer­halb der vor­lie­gend zur Ent­schei­dung ste­hen­den Fälle, bei de­nen es je­weils um die erst­ma­li­ge Be­frei­ung für ei­nen be­stimm­ten Zeit­raum geht, weist der Se­nat hin­sicht­lich der der­zei­ti­gen In­ha­ber ei­ner begüns­ti­gen­den Be­frei­ungs­ent­schei­dung auf Fol­gen­des hin: Sie ha­ben - be­zo­gen auf die je­wei­li­ge Beschäfti­gung, für die die Be­frei­ung aus­ge­spro­chen wur­de - ein recht­lich geschütz­tes Ver­trau­en in den Be­stand die­ser Ent­schei­dun­gen, das über den Schutz durch die §§ 44 ff SGB X hin­aus­ge­hen dürf­te. Ins­be­son­de­re ha­ben die Träger der ge­setz­li­chen Ren­ten­ver­si­che­rung (wenn auch oh­ne ge­setz­li­che Grund­la­ge) die "Vier-Kri­te­ri­en-Theo­rie" selbst mit befördert und an­ge­wandt. Schon weil da­mit bei der ge­bo­te­nen ty­pi­sie­ren­den Be­trach­tung Le­bens­ent­schei­dun­gen über die persönli­che Vor­sor­ge nach­hal­tig mit be­ein­flusst wur­den, kann ei­ner Ände­rung der Rechts­auf­fas­sung hin­sicht­lich er­gan­ge­ner Be­frei­ungs­ent­schei­dun­gen grundsätz­lich kei­ne Be­deu­tung zu­kom­men. Dem­ge­genüber ist vor­lie­gend nicht näher dar­auf ein­zu­ge­hen, dass der 12. Se­nat des BSG be­reits in sei­ner Sit­zung vom 9.3.2005 ei­ne der vor­lie­gen­den Ent­schei­dung ent­spre­chen­de Rechts­auf­fas­sung an­ge­deu­tet hat­te. Da­mals war es in den Ver­fah­ren B 12 RA 3/04 R, B 12 RA 4/04 R und B 12 RA 11/04 R (Pres­se-Vor­be­richt Nr 12/05 vom 23.2.2005) je­weils um die Fra­ge ge­gan­gen, ob die Kläger, die je­weils als Rechts­anwälte in Schles­wig-Hol­stein zu­ge­las­sen wa­ren und bei un­ter­schied­li­chen in Ham­burg re­si­die­ren­den Un­ter­neh­men beschäftigt wa­ren, für ih­re Beschäfti­gung von der Ver­si­che­rungs­pflicht zu be­frei­en wa­ren. Die Re­vi­sio­nen wur­den da­mals in al­len drei Ver­fah­ren zurück­ge­nom­men (vgl Pres­se-Mit­tei­lung Nr 12/05 vom 10.3.2005).
Die Kos­ten­ent­schei­dung be­ruht auf § 193 SGG.
zur Übersicht B 5 RE 13/14 R