Source: https://www.rechtslupe.de/strafrecht/freiwilliger-ruecktritt-versuch-3132507?pk_campaign=feed&pk_kwd=freiwilliger-ruecktritt-versuch
Timestamp: 2020-04-07 06:58:24
Document Index: 178452692

Matched Legal Cases: ['§ 24', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH']

Frei­wil­li­ger Rück­tritt vom fehl­ge­schla­ge­nen Ver­such? | Rechtslupe
Liegt ein Fehl­schlag vor, schei­det ein Rück­tritt vom Ver­such nach allen Vari­an­ten des § 24 Abs. 1 oder Abs. 2 StGB aus. Dabei kommt es auf die Sicht des Täters nach Abschluss der letz­ten mit Tötungs­vor­satz vor­ge­nom­me­nen Aus­füh­rungs­hand­lung an 1.
Hat ein Täter nach der mit Tötungs­vor­satz began­ge­nen Hand­lung erkannt, dass er noch nicht alles getan hat, was nach sei­ner Vor­stel­lung zur Her­bei­füh­rung des Todes erfor­der­lich oder zumin­dest aus­rei­chend ist, so liegt ein unbe­en­de­ter Ver­such des Tötungs­de­likts auch dann vor, wenn sein anschlie­ßen­des Han­deln bei unver­än­der­tem Vor­stel­lungs­bild nicht mehr auf den Todes­er­folg gerich­tet ist, obwohl ihm ein hier­auf gerich­te­tes Han­deln mög­lich gewe­sen wäre. Der Täter kann in die­sem Fall, wenn er sich frei­wil­lig dazu ent­schließt, durch blo­ßes Auf­ge­ben des Tötungs­vor­sat­zes vom ver­such­ten Tot­schlag zurück­tre­ten 2.
Dies gilt auch dann, wenn sich das Tat­ge­sche­hen als natür­li­che Hand­lungs­ein­heit dar­stellt. Denn die Zusam­men­fas­sung meh­re­rer straf­recht­lich rele­van­ter Ein­zel­ak­te eines Gesamt­ge­sche­hens zu einer natür­li­chen Hand­lungs­ein­heit ver­mag nicht die straf­recht­li­che Bewer­tung des jewei­li­gen Ein­zel­ak­tes zu modi­fi­zie­ren 3. Die recht­li­chen Fol­gen der Hand­lungs­ein­heit blei­ben auf die kon­kur­renz­recht­li­che Beur­tei­lung beschränkt.
Lässt sich den Urteils­fest­stel­lun­gen das ent­spre­chen­de Vor­stel­lungs­bild eines Ange­klag­ten, das zur revi­si­ons­recht­li­chen Prü­fung des Vor­lie­gens eines frei­wil­li­gen Rück­tritts vom Ver­such uner­läss­lich ist, nicht hin­rei­chend ent­neh­men, hält das Urteil sach­lich­recht­li­cher Nach­prü­fung nicht stand 4.
Die­sen Maß­stä­ben und Dar­le­gungs­an­for­de­run­gen wur­de im vor­lie­gen­den Fall das land­ge­richt­li­che Urteil nicht gerecht. Das Land­ge­richt hat bei der Prü­fung der Rück­tritts­vor­aus­set­zun­gen auf den Zeit­punkt abge­stellt, zu dem der Ange­klag­te von wei­te­ren Tat­hand­lun­gen von der Poli­zei abge­hal­ten wur­de. Nach den Fest­stel­lun­gen han­del­te der Ange­klag­te jedoch nach den bei­den mit beding­tem Tötungs­vor­satz aus­ge­führ­ten Sti­chen in den Hals nicht mehr mit Tötungs­vor­satz.
Auf die­ser Grund­la­ge hät­te die Straf­kam­mer auf den Zeit­punkt nach der letz­ten mit Tötungs­vor­satz aus­ge­führ­ten Tat­hand­lung, mit­hin den­je­ni­gen nach dem Set­zen der Sti­che, abstel­len müs­sen. Wel­ches Vor­stel­lungs­bild der Ange­klag­te zu die­sem Zeit­punkt vom mög­li­chen Tod des Neben­klä­gers hat­te, lässt sich den Urteils­grün­den jedoch auch in ihrem Zusam­men­hang nicht ent­neh­men. Ging der Ange­klag­te in die­sem Moment davon aus, noch nicht alles für die Tötung des Neben­klä­gers getan zu haben und woll­te er gleich­zei­tig, trotz bestehen­der und erkann­ter Mög­lich­keit, von wei­te­ren mit Tötungs­vor­satz geführ­ten Tat­hand­lun­gen end­gül­tig abse­hen, wäre er bereits zu die­sem Zeit­punkt vom unbe­en­de­ten Tötungs­ver­such zurück­ge­tre­ten 5. Der spä­te­re Zugriff der Poli­zei­be­am­ten und deren Ver­hin­dern wei­te­rer mög­li­cher Tat­hand­lun­gen des Ange­klag­ten sowie des­sen Vor­stel­lungs­bild zu die­sem Zeit­punkt blie­ben dann für die Fra­ge des Rück­tritts vom Tötungs­ver­such ohne Belang.
Frei­wil­li­ger Rück­tritt vom fehl­ge­schla­ge­nen Ver­such? Fehl­ge­schla­gen ist ein Ver­such, wenn die Tat nach Miss­lin­gen des zunächst vor­ge­stell­ten Tat­ab­laufs mit den bereits ein­ge­setz­ten oder ande­ren nahe lie­gen­den Mit­teln objek­tiv nicht mehr…
st. Rspr.; vgl. BGH, Beschluss vom 23.11.2016 – 4 StR 471/​16 7; Urteil vom 19.03.2013 – 1 StR 647/​12, NStZ-RR 2013, 273 f.; vom 13.08.2015 – 4 StR 99/​15, Stra­FO 2015, 470 jeweils mwN[↩]
BGH, Beschluss vom 23.11.2016 – 4 StR 471/​16, aaO; Beschluss vom 13.06.2006 – 4 StR 67/​06, NStZ 2006, 685; BGH, Beschluss vom 11.02.2003 – 4 StR 25/​03 5[↩]
BGH, Beschluss vom 17.11.2016 – 3 StR 402/​16, StV 2017, 673, 674[↩]
st. Rspr.; vgl. BGH, Beschluss vom 24.10.2017 – 1 StR 393/​17 9; Urtei­le vom 19.03.2013 – 1 StR 647/​12, NStZ-RR 2013, 273; und vom 13.08.2015 – 4 StR 99/​15, Stra­Fo 2015, 470, jeweils mwN[↩]
vgl. BGH, Beschluss vom 11.02.2003 – 4 StR 25/​03 5[↩]
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