Source: http://docplayer.org/18443417-Bghw-kompakt-82-sitzen-im-buero.html
Timestamp: 2018-06-18 20:30:13
Document Index: 199132341

Matched Legal Cases: ['BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH']

BGHW-Kompakt 82. Sitzen im Büro - PDF
Download "BGHW-Kompakt 82. Sitzen im Büro"
Gesche Kirchner
1 BGHW-Kompakt 82 Sitzen im Büro
2 Inhalt Der Bürostuhl... 3 Merkmale eines ergonomischen Bürostuhls... 3 Merkmale eines sicheren Bürostuhls... 3 Der Bürotisch... 4 Der Mensch... 4 Die individuelle Anpassung des Stuhls... 4 Bewegung am Arbeitsplatz... 5 Kombinierte Sitz-Steh-Arbeitsplätze... 5 Bewegungsmöglichkeiten nutzen... 6 Dynamisches Sitzen... 6 Alternative Sitzmöbel... 6 Rechtsquellen und weitere Informationen... 7
3 Etwa 18 Millionen Menschen in Deutschland haben einen Büroarbeitsplatz und verbringen mehr als 80 Prozent ihrer Arbeitszeit sitzend. Umgerechnet auf ein Arbeitsleben sind dies rund Stunden. Grund genug, sich Gedanken über die Einrichtung dieses Arbeitsplatzes zu machen. Unergonomische Arbeitsbedingungen wie ungeeignete oder falsch eingestellte Stühle führen hier leicht zu gesundheitlichen Beschwerden. Typische körperliche Reaktionen sind Rückenschmerzen, Verspannungen im Schulter- und Nackenbereich, Sehbeschwerden und Kopfschmerzen. Doch so weit muss es nicht kommen, wenn die Erläuterungen und Tipps aus diesem Merkblatt berücksichtigt werden. Der Bürostuhl Ein moderner Bürostuhl bietet Komfort zur Entlastung des Rückens und ermöglicht gleichzeitig aktives Sitzen in verschiedenen Positionen. Die einzelnen Bauteile lassen sich individuell an die Körpermaße des jeweiligen Nutzers anpassen. Nur dann kann er die Wirbelsäule unterstützen und ein entspanntes Sitzen und Arbeiten ermöglichen. Merkmale eines ergonomischen Bürostuhls Die Sitzhöhe ist verstellbar, um den Stuhl an unterschiedliche Körpergrößen anpassen zu können. Die Sitztiefe ist verstellbar, zur Anpassung an verschiedene Oberschenkellängen. Hierdurch werden Blutstauungen im Beinbereich verhindert und eine entspannte Sitzhaltung ermöglicht. Die Sitzfläche ist ergonomisch geformt, damit keine Druckstellen an Gesäß und Beinen entstehen. Hierzu dienen auch eine Polsterung und abgerundete Kanten an der Sitzfläche und der Rückenlehne. Die Sitzbezüge sind rutschfest und atmungsaktiv. Richtiges Sitzen Die Rückenlehne ist stufenlos verstellbar und reicht mindestens bis zur Schulterblattmitte, um eine gute Abstützung der Wirbelsäule zu erreichen. Eine dynamische Rückenlehne verfügt über einen Bewegungswiderstand, der sich auf das jeweilige Körpergewicht einstellen lässt. Dabei sind Arretiermöglichkeiten für verschiedene Sitzhaltungen sinnvoll. Die Arretierung sollte immer nur zeitweise genutzt werden. Eine dynamische Rückenlehne ist Voraussetzung für dynamisches Sitzen. Eine Lumbalstütze (Lordosestütze, Lendenbausch) unterstützt die Lendenwirbelsäule durch eine Vorwölbung (unterer Rücken im Gürtelbereich). Eine Sitzfederung mit stoßdämpfender Wirkung beim Hinsetzen verhindert Stauchungen der Wirbelsäule. Auch bei raschem Hinsetzen muss die Tiefenfederung der Stuhlsäule eine Stauchung abfangen. Eine einstellbare Synchronmechanik passt bei Neigungsänderungen der Rückenlehne die Neigung der Sitzfläche an und bildet in jeder Sitzposition den idealen Winkel. Höhenverstellbare Armauflagen entlasten den Schulterbereich und beugen Verspannungen vor. Merkmale eines sicheren Bürostuhls Bei der Auswahl des Bürostuhls sollte auf die Kennzeichnung mit dem GS-Zeichen (Geprüfte Sicherheit) geachtet werden. Bürostühle mit diesem Zeichen sind auf ihre technische Sicherheit, zum Beispiel auf Standsicherheit, von einer unabhängigen Prüfstelle untersucht worden. Bürostühle dürfen beim Setzen und Aufstehen nicht wegrollen und beim sitzenden Verfahren nicht zu stark bremsen (Kippgefahr). Dies wird durch lastabhängig wirkende Bremsen und auf den Bodenbelag abge- 3
4 Richtiges Sitzen Abb. 1: GS-Zeichen stimmte Rollen erreicht. Für harte Böden, wie Holz oder Naturstein, sind weiche Rollen (zweifarbig ausgeführt, Typ W), für weiche Böden wie Teppichböden harte Rollen (einfarbig ausgeführt, Typ H) erforderlich. Der Rollentyp ist auch mit der Nagelprobe leicht festzustellen: Die Lauffläche weicher Rollen lässt sich mit dem Fingernagel etwas eindrücken, die harten Rollen sind unnachgiebig. Achten Sie bei der Anschaffung eines Bürostuhl auch darauf, dass dieser für den gewerblichen Gebrauch ausgelegt ist. Manche Hersteller bieten auch Bürostühle für den privaten Gebrauch an, die oftmals über weniger Einstellmöglichkeiten verfügen. Sie sind für den häufigen und lang andauernden gewerblichen Gebrauch nicht zu empfehlen. Der Bürotisch Die ergonomisch günstige Einstellung eines Bürostuhls stößt an ihre Grenzen, wenn der Tisch nicht dazu passt. Bürotische sollten sich zwischen 68 cm und 76 cm in der Höhe verstellen lassen, um unterschiedliche Körpergrößen berücksichtigen zu können. Bei nicht höhenverstellbaren Tischen ist eine Höhe von 74 cm ± 2 cm einzuhalten. Bei der Verwendung von Stehtischen oder Sitz-/Stehtischen sind andere Maße zu beachten. Die Arbeitsfläche soll mindestens 80 cm tief und 160 cm breit sein, bei wechseln- den Arbeitsaufgaben gegebenenfalls mehr. Eine Breite zwischen 160 und 120 cm kann gewählt werden, wenn der Tisch für Bildschirmtätigkeiten mit nur geringfügiger Handhabung von Schriftstücken genutzt wird und keine wechselnden Tätigkeiten ausgeübt werden. Das dynamische Sitzen erfordert einen ausreichenden Fuß- und Beinraum unter der Arbeitsfläche. Die Größe des Fuß- und Beinraums orientiert sich an den Bewegungsabläufen des Benutzers. Wird die gesamte Breite des Arbeitstisches genutzt, sollte auch der Beinraum darunter komplett frei sein. Der Beinraum muss jedoch mindestens 65 cm hoch, 60 cm breit und 60 cm tief sein. Der Mensch Werden die genannten Anforderungen an Stuhl und Tisch erfüllt, muss der Mensch diese Büromöbel nur noch richtig nutzen. Die Beschäftigten tragen viel dazu bei, dass ihre überwiegend sitzende Tätigkeit nicht schnell zu einer Belastung mit den Anfangs genannten Beschwerden führt. Sie können: den Stuhl auf ihre Größe und ihr Gewicht einstellen, für Bewegung sorgen, dynamisches Sitzen praktizieren. Die individuelle Anpassung des Stuhls 1. Lassen Sie sich die Verstellmöglichkeiten des Stuhls erklären oder lesen Sie die Anleitung des Herstellers! 2. Setzen Sie sich aufrecht auf den Stuhl! 3. Nutzen Sie die gesamte Sitzfläche bis zur Rückenlehne! 4. Passen Sie, wenn möglich, die Sitztiefe so an, dass zwischen Ihren Kniekehlen und der Sitzfläche ein Abstand von etwa vier Finger breit entsteht! 4
5 5. Stellen Sie die Rückenlehne so ein, dass Ihre Wirbelsäule gestützt wird! 6. Legen Sie Ihre Hände auf die Tischplatte! Die Oberarme sollten jetzt locker herabhängen und zu den Unterarmen im rechten Winkel (90 Grad) stehen. Korrigieren Sie gegebenenfalls die Sitzhöhe! 7. Die Ober- und Unterschenkel sollten ebenfalls im rechten Winkel zueinander stehen. Dabei sollten Ihre Füße bequem und ganzflächig auf dem Boden stehen. 8. Lässt sich die in den Schritten 6 und 7 beschriebene Körperhaltung mit auf dem Tisch aufliegenden Händen nicht erreichen, dann passt die Tischhöhe nicht zu Ihrer Körpergröße. Passen Sie den Tisch Ihrer Sitzhöhe an! Richtiges Sitzen Bewegung am Arbeitsplatz Auch wenn der Bürostuhl perfekt eingestellt ist und die ideale Köperhaltung beim Sitzen eingenommen wird, wird einseitiges Sitzen über längere Zeit zur Strapaze für Bandscheiben und Muskulatur. Unser Körper braucht die Bewegung. Durch ausreichende Bewegung werden Rücken- und Beinmuskulatur trainiert, die Atmung verbessert, das Herz-Kreislauf-System stimuliert, Muskelverspannungen vorgebeugt und so Wohlbefinden und Leistungsfähigkeit bei der Arbeit gesteigert. Unsere Bandscheiben sind besonders auf Bewegung angewiesen. Sie unterstützt die Versorgung mit Nährstoffen und Flüssigkeit. Ideal ist ein Wechsel zwischen Gehen, Stehen und Sitzen. Aus arbeitsmedizinischer Sicht ist für Büroarbeit eine Aufteilung in 50 Prozent Sitzen, 25 Prozent Stehen, 25 Prozent Bewegen ideal. Kombinierte Sitz-Steh-Arbeitsplätze Gefördert wird dieser Wechsel zum Beispiel durch einen kombinierten Sitz-Steh- Arbeitsplatz. Dies kann ein Büroarbeitsplatz mit integriertem Stehpult sein oder ein auf Abb. 2: Schematische Darstellung der idealen Sitzhaltung Ist der Tisch nicht höhenverstellbar, benötigen Sie eine Fußstütze, wenn Ihre Füße den Boden nicht in der beschriebenen Form berühren. Die Fußstütze muss ein ganzflächiges Aufstellen der Füße ermöglichen, in Höhe und Neigung verstellbar sowie rutschfest (Fußstellfläche und Unterseite) sein. Werden Ihre Oberschenkel zwischen Tischplatte und Sitzfläche eingeengt, muss die Tischhöhe durch eine geeignete Verlängerung der Tischbeine (Hersteller oder Fachhandel) erhöht werden. Abb. 3: Kombinierter Sitz-Steh-Arbeitsplatz aus dem Programm Up & Down 2 5
6 Richtiges Sitzen Stehhöhe hochfahrbarer Arbeitstisch. Die Tischhöhe sollte sich hierbei möglichst einfach und schnell verändern lassen. Bewegungsmöglichkeiten nutzen Auch der Arbeitsalltag im Büro bietet Gelegenheit, sich Bewegung zu verschaffen: Machen Sie zwischendurch einfach Ausgleichsübungen mit Dehn- und Streckübungen! Anleitungen hierzu gibt die Bilderserie Fit im Büro - Übungsprogramm für Beschäftigte (B 8). Erledigen Sie kurze Besprechungen, Telefonate, das Lesen Ihrer Post etc. im Stehen! Gehen Sie zu Ihren Kollegen statt sie anzurufen! Nutzen Sie Treppen an Stelle des Aufzugs! Nutzen Sie Pausen als Bewegungspausen: Machen Sie in der Mittagspause einen Spaziergang! Dynamisches Sitzen Auch im Sitzen können Sie in Bewegung bleiben. Dynamisches Sitzen bedeutet, das Gewicht zu verlagern und zwischen verschiedenen Sitzpositionen zu wechseln. Sitzen Sie abwechselnd vorgeneigt, aufrecht oder zurückgelehnt! Dabei sollte die Rückenlehne unterstützend mitschwingen, also nicht arretiert sein. Verlagern Sie Ihr Gewicht mal mehr auf die rechte und mal mehr auf die linke Gesäßhälfte! Alternative Sitzmöbel Vielfach werden als besonders gesundheitsfördernd Sitzball, Kniestuhl, Pendelstuhl und anderes propagiert. Ihnen gemeinsam ist, dass sie über keine Rückenlehne verfügen und durch ihre Beschaffenheit eine besonders aufrechte Sitzhaltung begünstigen. Diese kann der Benutzer allerdings zumeist nur für eine beschränkte Zeit aufrecht erhalten, danach wird eine ungünstige Rundrückenhaltung eingenommen. Sie sind daher als Trainingsgerät zur Stärkung der Rückenmuskulatur zu betrachten und gehören nicht an den Arbeitsplatz. Abb. 4: Dynamisches Sitzen 6
7 Rechtsquellen und weitere Informationen BGI 650 «Bildschirm- und Büroarbeitsplätze Leitfaden für die Gestaltung» Merkblatt «Arbeiten an Bildschirmgeräten» (Bestell-Nr. M 102) «Fit im Büro Übungsprogramm für Beschäftigte» (B 8) Film «Fit und Klasse an der Kasse» (DVD 5) Der Film enthält allgemeine Hinweise zum richtigen Sitzen. Diese Medien sind für Mitgliedsbetriebe kostenlos bei der BGHW zu beziehen und stehen unter zum kostenlosen Herunterladen bereit. Richtiges Sitzen Normen DIN EN «Büromöbel; Büro-Arbeitsstuhl; Sicherheitsanforderungen» DIN 4556 «Büromöbel; Fußstützen für den Büroarbeitsplatz» Kostenpflichtig zu beziehen bei: Beuth Verlag GmbH Burggrafenstraße Berlin Weitere Informationen zu diesem Thema bietet die Verwaltungs-Berufsgenossenschaft unter an. BGI 550 «Büroplanung» BGI 856 «Beleuchtung im Büro» BGI 827 «Sonnenschutz im Büro» Kostenpflichtig zu beziehen bei: Wolters Kluwer Deutschland Elfriede-Seppi-Str Neuwied Tel.: 02631/ Fax: 02631/ oder kostenlos unter 7
8 BGHW - Prävention Postfach Bonn Telefax / Bestellung per Internet: Bestell-Nr. M 82 Ausgabe Juli 2013 (11/14) Bildnachweis: BGHW, ROHD & GRAHL GmbH (Titelseite u.), Fotolia (Titelseite o.), Sauer & Sauer Ergonomie (Abb. 2), Wellemöbel GmbH (Abb. 3)
Dr. med. Joachim Gärtner Fachärzte für Orthopädie, Chirotherapie, Sportmedizin, physikalische Medizin, Sozialmedizin, Rettungsmedizin
Sprechstunde Mo., Di., Do., Fr. 8.00-12.00 Uhr ansonsten nach Vereinbarung Bahnhofstraße 9 27356 Rotenburg Tel. 04261 3040 Fax 04261 960360 www.gaertner-servatius.de mail@gaertner-servatius.de Rückengerechtes