Source: http://www2.lubw.baden-wuerttemberg.de/public/abt2/dokablage/oac_12/vo/4/4245.htm
Timestamp: 2018-11-17 09:36:07
Document Index: 53044987

Matched Legal Cases: ['§ 64', '§ 22', '§ 33', '§ 2', '§ 4', '§ 4', '§ 4']

4.245 Wacholderbusch
Verordnung des Regierungspräsidiums Tübingen über das Naturschutzgebiet »Wacholderbusch« vom 20.Juli 1994 (GBl. v. 07.09.1994, S. 450).
Auf Grund von U 21,58 Abs. 2 und § 64 Abs. 1 Nr.2 des Gesetzes zum Schutz der Natur, zur Pflege der Landschaft und über die Erholungsvorsorge in der freien Landschaft (Naturschutzgesetz ‑NatSchG) vom 21. Oktober 1975 (GBl. S. 654), zuletzt geändert durch das Gesetz vom 7. Februar 1994 (GBl. S. 73), und von § 22 Abs. 2 und § 33 Abs. 2 Nr. 4 Landesjagdgesetz in der Fassung vom 20. Dezember 1978 (GBl. 1979 S. 12), wird verordnet:
Die in § 2 näher bezeichnete Fläche auf dem Gebiet der Stadt Burladingen, Gemarkung Hausen, Zollernalbkreis, wird zum Naturschutzgebiet erklärt. Das Naturschutzgebiet führt die Bezeichnung »Wacholderbusch«.
(1) Das Naturschutzgebiet hat eine Größe von rund 33 ha.
· Es umfaßt auf Gemarkung Hausen im wesentlichen die Flurstücke Nrn. 1731 (teilweise), 1822, 1832 (teilweise), 1833, 1834, 1835, 1838, 1839, 1840, 1841, 1842, 1844, 1845, 1846, 1847, 1848, 1849, 1850, 1851, 1852, 1853, 1854, 1855, 1856, 1857, 1858, 1859, 1861, 1862, 1863, 1865, 1866, 1867, 1868, 1869, 1870, 1871/4, 1871/6 (teilweise), 2671, 2680 (teilweise) und 2784 (Weg).
(2) Die Grenzen des Naturschutzgebietes sind in einer Flurkarte des Regierungspräsidiums Tübingen vom 8. Juli 1994 im Maßstab 1:2500, kombiniert mit einer Übersichtskarte im Maßstab 1:25000, gekennzeichnet und rot angelegt. Im Falle des Widerspruchs zwischen der textlichen Beschreibung und der zeichnerischen Darstellung gelten die in der Karte getroffenen Festlegungen. Die Karte ist Bestandteil der Verordnung. Die Verordnung mit Karte wird beim Regierungspräsidium Tübingen in Tübingen und beim Landratsamt Zollernalbkreis in Balingen auf die Dauer von drei Wochen, beginnend am achten Tag nach Verkündung dieser Verordnung im Gesetzblatt, zur kostenlosen Einsicht durch jedermann während der Sprechzeiten öffentlich ausgelegt.
Wesentlicher Schutzzweck ist die Erhaltung, Pflege, Verbesserung und Weiterentwicklung eines für die Landschaft der Schwäbischen Alb typischen Berghanges.
· die Erhaltung der Wiesenflächen, die sich zusammensetzen aus nährstoffarmen und trockenen Salbei-Glatthaferwiesen, Glatthaferwiesen und Kalkmagerwiesen, mit ihrem Reichtum an besonders geschützten Pflanzenarten, z. B. kleine Traubenhyazinthe und Silberdistel;
· die Erhaltung und Pflege der Magerrasenflächen mit ihrem Mosaik aus verschiedenen Pflanzengesellschaften der Halbtrockenrasen, des mageren Grünlandes, der Saum‑ und Heckengesellschaften;
· die Erhaltung und Pflege der Wacholderheide in den Ausprägungen der »Reinen Wacholderheide«, der »Wacholder‑Buchenheide« und der »Wacholder-Fichten-Forchenheide«. Die wechselnden Boden- und Vegetationsverhältnisse im Bereich der Wacholderheiden bedingen eine große Vielfalt an Orchideenarten. Die Verzahnung unterschiedlich stark verbuschter Heidebereiche und gehölzfreier, flachgründiger, kurzrasiger Bereiche bieten insbesondere für Heuschrecken, Schmetterlinge, Zweiflügler und Vögel ideale Lebensgrundlagen;
· die Erhaltung des naturnahen Buchenwaldes mit seinem durch den boden‑ und expositionsbedingten lückigen Wuchs und der daraus resultierenden reichhaltigen Krautschicht.
Auf Grund der außergewöhnlich großen Vielfalt an verzahnten und miteinander vernetzten Biotopstrukturen stellt das Gebiet in seiner Gesamtheit einen bedeutenden Lebensraum für Insekten dar. Es weist insbesondere eine hohe Artenzahl an Tag‑ und Nachtfaltern sowie Heuschrecken auf. Für viele gefährdete Vogelarten, darunter der Neuntöter, bietet das Gebiet Nahrungs‑ und Bruthabitat.
1. bauliche Anlagen im Sinne der Landesbauordnung in der jeweils geltenden Fassung zu errichten oder der Errichtung gleichgestellte Maßnahmen durchzuführen, Sport, Spiel‑ oder Erholungseinrichtungen zu schaffen sowie Einfriedigungen jeder Art zu errichten;
8. auf andere Weise Pflanzen oder Pflanzenteile ‑ einschließlich Totholz ‑ einzubringen, zu entnehmen, zu beschädigen oder zu zerstören;
10. Gesteinsteile zu entnehmen;
13. das Schutzgebiet außerhalb der Wege oder auf durch Beschilderung oder Hindernisse (z. B. Abschrankungen) gesperrten Wegen zu betreten;
14. das Schutzgebiet mit Fahrzeugen aller Art, einschließlich Fahrrädern, Mountainbikes, Motorschlitten, Skiern, Rodelschlitten oder sonstigen zum Rodeln geeigneten Geräten zu befahren;
20. mit Luftfahrzeugen aller Art, einschließlich Modellflugzeugen, zu starten und zu landen;
21. Grünland in Ackerland umzubrechen.
1. für die ordnungsgemäße Ausübung der Jagd in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang unter Beachtung des Schutzzweckes und mit der Maßgabe, daß
1.1 Ansitzmöglichkeiten lediglich in einfacher Form aus naturbelassenem Holz aufgestellt werden und nur dort unterhalten werden, wo weder wertvolle Pflanzenstandorte noch das Landschaftsbild beeinträchtigt werden;
1.2 keine zusätzlichen Wildfutterstellen und Wildäcker eingerichtet werden; Kirrungen sind nur im unbedingt erforderlichen Umfang gestattet;
1.3 im Rahmen der jagdgesetzlichen Bestimmungen eine Bejagung sichergestellt wird, die die Aufrechterhaltung und gegebenenfalls Wiederherstellung des Schutzzwecks auch innerhalb der geschützten Waldbestände gewährleistet;
2. für die ordnungsgemäße landwirtschaftliche Nutzung unter Beachtung des Schutzzweckes in der bisherigen Art, im bisherigen Umfang und in bisheriger Intensität, ausgenommen § 4 Abs. 2 Ziff. 5, 7, 11 und 21 und mit der Maßgabe, daß
2.1 eine ganzjährige Beweidung des Flurstücks Nr. 1832 nur mit Schafen und nur in Hütehaltung erfolgen darf;
2.2 eine Beweidung der gemähten Wiesenflächen im Nordosten des Schutzgebietes zwischen dem 1.Oktober und 31.Dezember nur mit Schafen und nur in Hütehaltung erfolgen darf; § 4 der Verordnung über Anwendungsverbote für Pflanzenschutzmittel (Pflanzenschutz‑Anwendungsverordnung) in der jeweils gültigen Fassung bleibt unberührt;
3. für die ordnungsgemäße forstwirtschaftliche Nutzung unter Beachtung des Schutzzweckes in der bisherigen Art, im bisherigen Umfang und mit der Maßgabe, daß eine standortgemäße, dauerwaldartige, ausschließlich auf Naturverjüngung basierende, einzelstammweise Bewirtschaftung erfolgen darf; § 4 der Verordnung über Anwendungsverbote für Pflanzenschutzmittel (Pflanzenschutz-Anwendungsverordnung) in der jeweils gültigen Fassung bleibt unberührt;
5. für die bestimmungsgemäße Nutzung, Unterhaltung und Instandsetzung der öffentlichen Straßen, Gewässer und Wege, sonstiger Ver‑ und Entsorgungsanlagen sowie Fernmeldeanlagen;
6. für Pflegemaßnahmen, die von der höheren Naturschutzbehörde oder der von ihr beauftragten Stelle ‑im Wald im Einvernehmen mit dem zuständigen staatlichen Forstamt‑ veranlaßt werden;
(2) Gleichzeitig tritt die Verordnung des früheren Landratsamts Hechingen über das LSG »Oberes Starzeltal und Zollerberg« vom 19. Dezember 1972 außer Kraft, soweit sie sich auf den Geltungsbereich dieser Verordnung bezieht.
TÜBINGEN, den 20. Juli 1994