Source: https://www.anwaltslupe.de/anwaltliche-fristenkontrolle-1123377/
Timestamp: 2020-07-09 20:32:39
Document Index: 158108252

Matched Legal Cases: ['BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH']

Anwaltliche Fristenkontrolle | Anwaltslupe
Nach den zur anwaltlichen Fris­tenkon­trolle entwick­el­ten Grund­sätzen hat der Recht­san­walt alles ihm Zumut­bare zu tun und zu ver­an­lassen, damit die Fris­ten zur Ein­le­gung und Begrün­dung eines Rechtsmit­tels gewahrt wer­den.
Er hat selb­st­ständig und eigen­ver­ant­wortlich zu prüfen, ob ein Fris­tende richtig ermit­telt und im Fris­tenkalen­der einge­tra­gen wurde, wenn ihm die Sache im Zusam­men­hang mit ein­er frist­ge­bun­de­nen Prozesshand­lung, ins­beson­dere zu deren Bear­beitung, vorgelegt wird. Denn die sorgfältige Vor­bere­itung ein­er frist­ge­bun­de­nen Prozesshand­lung durch den Recht­san­walt schließt stets auch die selb­st­ständi­ge Prü­fung aller geset­zlichen Anforderun­gen an ihre Zuläs­sigkeit mit ein1.
Die Überwachungspflicht des Recht­san­walts, dem die Han­dak­ten zwecks Fer­ti­gung der Beru­fungss­chrift vorgelegt wer­den, umfasst stets die Prü­fung, ob die Beru­fungs­frist zutr­e­f­fend notiert ist2.
Für den Fall, dass die Notierung von Fris­ten ein­er aus­ge­bilde­ten, als zuver­läs­sig erprobten und sorgfältig überwacht­en Bürokraft über­lassen wird, muss durch geeignete organ­isatorische Maß­nah­men sichergestellt sein, dass die Fris­ten zuver­läs­sig fest­ge­hal­ten und kon­trol­liert wer­den3. Der Anwalt hat dabei sein Möglich­stes zu tun, um Fehlerquellen bei der Ein­tra­gung und Behand­lung von Fris­ten auszuschließen4. Zu den zur Ermöglichung ein­er Gegenkon­trolle erforder­lichen Vorkehrun­gen im Rah­men der Fris­tenkon­trolle gehört ins­beson­dere, dass die Rechtsmit­tel­fris­ten in der Han­dak­te notiert wer­den und die Han­dak­te durch entsprechende Erledi­gungsver­merke oder auf son­stige Weise erken­nen lässt, dass die Fris­ten in den Fris­tenkalen­der einge­tra­gen wor­den sind5. Zu ein­er ord­nungs­gemäßen Büroor­gan­i­sa­tion gehört dabei die klare Anweisung, dass stets und unter allen Umstän­den zuerst die Fris­ten im Kalen­der einge­tra­gen wer­den müssen, bevor ein entsprechen­der Ver­merk in der Akte einge­tra­gen wer­den kann6. Denn son­st beste­ht die Gefahr, dass der Erledi­gungsver­merk in der Han­dak­te bere­its vor der Ein­tra­gung in den Kalen­der ange­bracht wird und die Gegenkon­trolle ver­sagt7. Sieht die Organ­i­sa­tion­san­weisung nicht vor, dass in der Han­dak­te Erledi­gungsver­merke anzubrin­gen sind, genügt es, wenn die Arbeit­san­weisung vorschreibt, dass die Fris­ten zunächst im Fris­tenkalen­der zu notieren sind und erst dann in der Akte8.
Zwar erstreckt sich die Pflicht des Recht­san­walts zur Prü­fung grund­sät­zlich auch darauf, ob das (zutr­e­f­fend errech­nete) Fris­tende im Fris­tenkalen­der notiert wor­den ist. Doch kann sich der Recht­san­walt bei Vor­liegen der oben genan­nten Voraus­set­zun­gen grund­sät­zlich auf die Prü­fung des Erledi­gungsver­merks in der Han­dak­te beschränken9. Ist die Erledi­gung der Ein­tra­gung im Fris­tenkalen­der ord­nungs­gemäß in der Han­dak­te ver­merkt und drän­gen sich an der Richtigkeit insoweit keine Zweifel auf, braucht der Recht­san­walt nicht noch zusät­zlich zu über­prüfen, ob das Fris­tende auch tat­säch­lich im Fris­tenkalen­der einge­tra­gen ist. Andern­falls würde die Ein­schal­tung von Bürokräften in die Fris­tenüberwachung weit­ge­hend sinn­los, die jedoch aus organ­isatorischen Grün­den erforder­lich und deshalb zuläs­sig ist10.
Bun­des­gericht­shof, Beschluss vom 16. Okto­ber 2018 — VI ZB 68/16
vgl. BGH, Beschlüsse vom 19.09.2017 — VI ZB 40/16, NJW-RR 2018, 58 Rn. 7; vom 13.01.2015 — VI ZB 46/14, NJW-RR 2015, 441 Rn. 9; und vom 05.06.2012 — VI ZB 76/11, NJW-RR 2012, 1206 Rn. 7; BGH, Beschlüsse vom 25.09.2014 — III ZR 47/14, NJW 2014, 3452 Rn. 11; vom 23.01.2013 XII ZB 167/11, NJW-RR 2013, 1010 Rn. 10 f. [↩]
BGH, Beschluss vom 19.09.2017 — VI ZB 40/16, NJW-RR 2018, 58 Rn. 7 [↩]
BGH, Beschluss vom 19.09.2017 — VI ZB 40/16, NJW-RR 2018, 58 Rn. 8; BGH, Beschlüsse vom 09.07.2014 XII ZB 709/13, NJW 2014, 3102 Rn. 12; vom 27.11.2013 XII ZB 116/13, NJW-RR 2014, 698 Rn. 7; vom 22.06.2010 — VIII ZB 12/10, NJW 2010, 3305 Rn. 9; vom 08.02.2010 — II ZB 10/09, NJOZ 2011, 111; vom 05.02.2003 — VIII ZB 115/02, NJW 2003, 1815 [↩]
BGH, Beschlüsse vom 04.11.2014 — VIII ZB 38/14, NJW 2015, 253 Rn. 8; vom 24.01.2012 — II ZB 3/11, NJW-RR 2012, 747 Rn. 9 [↩]
BGH, Beschluss vom 19.09.2017 — VI ZB 40/16, NJW-RR 2018, 58 Rn. 8; BGH, Beschlüsse vom 06.02.2018 — II ZB 14/17, NJOZ 2018, 828 Rn. 10; vom 09.05.2017 — VIII ZB 5/16, NJW-RR 2017, 953 Rn. 9; vom 18.03.2014 — VIII ZB 55/13, BeckRS 2014, 07491 Rn. 7; vom 26.07.2004 — VIII ZB 63/04, NJW-RR 2004, 1714 [↩]
BGH, Beschluss vom 06.02.2018 — II ZB 14/17, NJOZ 2018, 828 Rn. 9; vom 15.04.2014 — II ZB 11/13, NJOZ 2014, 1339 Rn. 10 [↩]
BGH, Beschlüsse vom 29.06.2017 — III ZB 95/16, NJOZ 2018, 609 Rn. 9; vom 15.04.2014 — II ZB 11/13, NJOZ 2014, 1339 Rn. 10 [↩]
BGH, Beschlüsse vom 15.04.2014 — II ZB 11/13, NJOZ 2014, 1339 Rn. 10; vom 23.01.2013 XII ZB 167/11, NJW-RR 2013, 1010 Rn. 12 [↩]
BGH, Beschluss vom 19.09.2017 — VI ZB 40/16, NJW-RR 2018, 58 Rn. 9; vom 22.01.2008 — VI ZB 46/07, NJW 2008, 1670 Rn. 6; BGH, Beschlüsse vom 18.03.2014 — VIII ZB 55/13, BeckRS 2014, 07491 Rn. 7; vom 22.10.2014 — IV ZB 13/14, BeckRS 2014, 20664 Rn. 16; 9.07.2014 XII ZB 709/13, NJW 2014, 3102 Rn. 12; vom 10.01.2013 — I ZB 76/11, NJOZ 2013, 935 Rn. 5; vom 13.10.2011 — VII ZB 18/10, NJW 2012, 614 Rn. 11 [↩]
BGH, Beschluss vom 19.09.2017 — VI ZB 40/16, NJW-RR 2018, 58 Rn. 9; vom 22.01.2008 — VI ZB 46/07, NJW 2008, 1670 Rn. 6; BGH, Beschlüsse vom 23.01.2013 XII ZB 167/11, NJW-RR 2013, 1010 Rn. 11; vom 20.12 2012 — III ZB 47/12, BeckRS 2013, 02649 Rn. 7; vom 08.02.2010 — II ZB 10/09, NJOZ 2011, 111 mwN [↩]
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