Source: http://www.123recht.net/Sie-sind-durch-eine-Straftat-verletzt-und-wollen-Ihr-Geld-zurueck-Adhaesion-__a7168__p3.html
Timestamp: 2017-10-17 16:35:47
Document Index: 201621636

Matched Legal Cases: ['§ 244', '§ 287', '§ 395', '§ 81', '§ 823', '§ 253', '§ 830']

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17.11.2003 | Ratgeber - Verfahrensrecht
Verfahrensrecht Rubrik, Adhäsion, Straftat, Schadenersatz, Adhäsionsverfahren
Das Adhäsionsverfahren kann als "Mini-Annex-Zivilverfahren" verstanden werden. Der Vorteil liegt auf der Hand. Im Strafverfahren sind die meisten Zeugen geladen und machen vor Gericht freimütige Aussagen. Der Sachverhalt im Urteil, der gerade auch über die vermögensrechtlichen Forderungen in Rechtskraft erwächst, wird überwiegend im Strengbeweis nach § 244 StPO anhand von Zeugenaussagen festgesellt. Bei der Höhe des geltend gemachten Anspruchs - besonders bei Schmerzensgeldansprüchen - gilt die Erleichterung der Schätzung gemäß § 287 ZPO. Im Zivilverfahren dagegen warten Sie sehr viel länger auf die erste mündliche Verhandlung, zu der dann erst recht keine Zeugen geladen werden. Sie müssen den Anspruch ggf. durch Vorlage von Urkunden schlüssig vortragen. Die Anforderungen an das Verfahren, die das Zivilgericht stellt, sind erfahrungsgemäß deutlich höher als beim Strafgericht. Zu allem Überdruss müssen Sie für die Durchführung eines Zivilprozesses einen saftigen Gerichtskostenvorschuss zahlen. Wenn Sie die nachfolgenden Voraussetzungen erfüllen, könnte das Adhäsionsverfahren für Sie das richtige Verfahren sein, um eine rasche Wiedergutmachung Ihres Schadens zu erreichen.
Sie müssen durch die Straftat verletzt sein, um sich als Adhäsionsantragsteller im Strafverfahren beteiligen zu können. Der Begriff des "Verletzten" wird von den Gerichten weit ausgelegt. Die Einschränkungen über die Zulassung als Nebenkläger nur für einzelne Straftatbestände gemäß den §§ 395 ff. StPO gelten nicht. Der nur mittelbar Verletzte, der Erbe des Verletzten und zuletzt sogar der Mitangeklagte selbst sind im Adhäsionsverfahren antragsberechtigt. Allerdings ist es nicht zulässig, einen aus einer Straftat erwachsenen abgetretenen Anspruch geltend zu machen.
Der Beschuldigte bzw. Angeklagte darf nicht Jugendlicher sein. Denn nach § 81 JGG ist das Adhäsionsverfahren gegen Jugendliche nicht zulässig, gegen Heranwachsende nur, wenn in der Hauptverhandlung allgemeines Strafrecht und nicht Jugendstrafrecht angewendet wird.
Der Verletzte darf nur vermögensrechtliche Ansprüche geltend machen. Das sind alle Ansprüche, die auf eine Verletzung von Vermögensrechten oder Leistung von Vermögenswerten gerichtet sind. Hierunter fallen regelmäßig Ansprüche auf Schadenersatz und Schmerzensgeld. Wer durch eine Sachbeschädigung in seinem Eigentum beeinträchtigt wurde, wird den Sachschaden erfolgsversprechend über § 823 Abs. 1 und 2 BGB ersetzt verlangen können. Derjenige, der durch eine Körperverletzung einen immateriellen Schaden erlitten hat, wird vom Täter ein Schmerzensgeld gemäß § 253 BGB beanspruchen können. In diesem Zusammenhang seien die §§ 830, 840 BGB besonders erwähnt. Sind mehrere für einen Schaden verantwortlich, weil eine Beteiligung an der Straftat besteht, haften sie gesamtschuldnerisch. Davon sollte unbedingt Gebrauch gemacht werden, um später mehrere Vollstreckungsschuldner zu haben.
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