Source: https://bildung.bmbwf.gv.at/ministerium/rs/2017_32.html
Timestamp: 2018-11-16 17:55:27
Document Index: 228813935

Matched Legal Cases: ['§17', '§10', '§13', '§13', '§44', '§3', '§4', '§ 18']

Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft und Forschung: Grundsatzerlass zum Projektunterricht. Wiederverlautbarung - aktualisierte Fassung
Grundsatzerlass zum Projektunterricht. Wiederverlautbarung - aktualisierte Fassung
BMB-10.077/0001-I/5/2017
Mag.a Helga Braun, MSc
T	+43 1 53120-4709
F	+43 1 53120-814709
helga.braun@bmb.gv.at
Rundschreiben Nr. 32/2017
Inhalt:	Projektunterricht: Definition, Merkmale, Zielsetzungen, rechtliche Grundlagen; Anleitung zur praktischen Durchführung
Geltungsdauer:	unbefristet
Eine zunehmend komplexe Welt und die damit einhergehenden Ansprüche an Bildung und Ausbildung und somit an das Bildungssystem, bedeuten auch berechtigte Qualitätserwartungen an Schule, Unterricht und Erziehung.
Zeitgemäße Lehrpläne eröffnen neben zentralen Qualitätsvorgaben auch autonome Möglichkeiten für Lehrer/innen zur Erreichung von Bildungszielen, zur Entwicklung von Kompetenzen und zur Förderung von dynamischen Fähigkeiten.
In den Lehrplänen aller Schularten finden sich an unterschiedlichen Stellen (Leitvorstellungen, allgemeine didaktische Grundsätze, Unterrichtsprinzipien) Erwartungen an Unterricht im Sinne der gemeinsamen Bildungswirkung aller Unterrichtsgegenstände unter Berücksichtigung der fachspezifischen Aspekte.
Dies entspricht der Vernetzung der einzelnen Disziplinen durch fächerverbindendes, projektorientiertes und integratives Zusammenwirken, um Fächergrenzen überschreitende Sinnzusammenhänge herzustellen und eine auf ein Gesamtkonzept ausgerichtete Unterrichtsorganisation zu ermöglichen.
Projektunterricht ist eine Unterrichtsform, die besonders der Heterogenität der Schüler/innen entsprechen kann und dabei die Sachkompetenz, die Selbstkompetenz und die Sozialkompetenz angemessen fördern soll.
1. Allgemeine Zielsetzungen des Projektunterrichts
* Ein weltoffenes, gesellschaftlich-politisches Problembewusstsein entwickeln
* Herausforderungen und Problemlagen erkennen, strukturieren und kreative Lösungsstrategien erarbeiten
* Kommunikative und kooperative Kompetenzen sowie eine konstruktive Konfliktkultur entwickeln
2. Didaktische Leitlinien
* Verbindung von theoretisch-begrifflichem Lernen und Lernen durch konkretes Handeln und Experimentieren (handlungsorientiertes Lernen)
* Anwendung innovativer Formen technologiebasierten Lehrens und Lernens sowioe
Einsatz neuer Technologien und virtueller Lernarrangements im Unterricht
3. Merkmale von Projektunterricht
Projektunterricht entspricht den allgemeinen Bildungsanliegen der Schule. Die Projektmethode versteht sich als ein Weg zur Erreichung der Bildungsziele. Die angewandten Methoden des Unterrichts bzw. Lernens und die Formen der Unterrichtsorganisation sollen einander konstruktiv ergänzen, bilden jedoch fallweise auch einen sinnvollen methodischen Kontrast zueinander. Dies gibt Schüler/nnen die Gelegenheit zu erkennen, welche Eigenart oder Möglichkeiten der Problemlösung die verschiedenen Methoden bzw. Betrachtungs- und Verfahrensweisen jeweils beinhalten.
Für die Auswahl des Projektthemas sind die Interessen der Schüler/innen und Lehrer/innen von entscheidender Bedeutung. Die Themenwahl hängt dabei nicht nur vom Inhalt, sondern auch von den vorgesehenen Handlungsformen ab. In vielen Fällen kann sogar die Form der Aktivität (z. B. Herstellen eines Films) Priorität bei der Entscheidung haben und der behandelte Inhalt erst im Laufe der Arbeit „interessant“ werden.
Projektunterricht versucht innerschulische und außerschulische Realitäten aufzugreifen. Schülerinnen und Schüler beteiligen sich aktiv an der Gestaltung des gesellschaftlichen Umfelds, auch im Sinne gelebter Partizipation.
Die Aufgaben der Lehrer/innen liegen neben der fachlichen Kompetenz verstärkt in der Hilfestellung bei der Strukturierung von Planungs- und Entscheidungsprozessen und der dazu notwendigen didaktischen und organisatorischen Bedingungen, bei der Vermittlung arbeitsmethodischer Kompetenzen sowie der Bewusstmachung gruppendynamischer Prozesse und der Unterstützung von Reflexionsprozessen.
4. Zentrale Phasen von Projektunterricht
Diese Zeit dient der umfassenden Informationsbeschaffung, der Besorgung notwendiger Arbeitsmaterialien, der Planung von Exkursionen, Diskussionen mit Fachleuten, Filmvorführungen u. ä. Im Zuge dieser Vorbereitungsarbeiten können sich organisatorische oder inhaltliche Änderungen am Projektplan als notwendig erweisen.
Unterrichtsprojekte sind durch einen klar erkennbaren Abschluss gekennzeichnet. Dabei haben alle Beteiligten die Gelegenheit, ihre Arbeitsergebnisse einander vorzustellen und wenn möglich einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Entscheidend für die Wahl des Projektabschlusses muss sein, dass die Schüler/innen durch die Präsentation Anerkennung und Kritik ihrer Arbeit erfahren und dass die Ergebnisse des Projekts kommunizierbar werden. Die Dokumentation ist Teil des Projekts und eine wesentliche Grundlage für Präsentation, Öffentlichkeitsarbeit, Reflexion und Evaluation. Sie sollte daher Informationen über alle wichtigen Ergebnisse, Stadien des Arbeitsprozesses und Erfahrungen der Projektmitarbeiter/ innen liefern.
In den Phasen der Projektreflexion werden die Erfahrungen der Beteiligten und die laufenden Prozesse besprochen. Die Projektreflexion ist ein unabdingbares Element der Evaluation. Sie erfolgt grundsätzlich durch die Akteur/innen selbst. Um die Gefahr „blinder Flecken“ in der eigenen Wahrnehmung zu vermeiden, ist es jedoch in manchen Bereichen der Evaluation unerlässlich, auch eine Außensicht einzubeziehen („kritische Freund/innen“, Projektpartner/innen).
5. Rechtliche Grundlagen und Bestimmungen
§17 (1) des SchUG schreibt unter anderem fest, dass Lehrer/innen den Lehrstoff des jeweiligen Unterrichtsgegenstandes anschaulich und gegenwartsbezogen entsprechend dem Stand der Wissenschaft zu vermitteln haben. Weiters hat die Lehrperson unter Berücksichtigung der Entwicklung der Schüler/innen und durch geeignete Methoden eine gemeinsame Bildungswirkung aller Unterrichtsgegenstände anzustreben. Dabei sind die Schüler/innen zur Selbsttätigkeit und zur Mitarbeit in der Gemeinschaft anzuleiten.
* Lehrplanverordnungen
•	den allgemeinen Bildungszielen,
•	den allgemeinen und fachbezogenen didaktischen Grundsätzen,
•	den Unterrichtsprinzipien
•	den Lehrplanbestimmungen der einzelnen Unterrichtsgegenstände,
Um den Zielsetzungen von Projektunterricht gerecht zu werden, kann eine vorübergehende Veränderung der üblichen schulischen Organisationsformen erfolgen. Dazu gehören insbesondere die für die Dauer des Projekts erforderliche Veränderung des Stundenplans (§10 SchUG), die Aufhebung des Klassenverbandes, die Mitwirkung außerschulischer Personen und die Verlegung des Unterrichtes an einen Ort außerhalb der Schule. Letztere berührt nicht das in der Schulveranstaltungsverordnung vorgesehene Kontingent an Schulveranstaltungen.
Projektwochen (§13 SchUG - Schulveranstaltungen) und schulbezogene Veranstaltungen (§13a SchUG) können ebenfalls den Projektunterricht ergänzen bzw. auf ihm aufbauen. Die geplanten organisatorischen Belange des Unterrichtsprojekts sind mit der Schulleitung abzustimmen.
Die Aufsichtspflicht der Lehrer/innen wird im Rundschreiben Nr.: 15/2005 -
GZ 10.361/0002-III/3/2005 zusammenfassend dargestellt. Bei einer Verlegung des Projektunterrichts an einen Ort außerhalb der Schule finden die im zitierten Erlass aufgenommenen Grundsätze Anwendung. Unter Beachtung der Aufsichtspflicht - welche unter Umständen ab der 9. Schulstufe entfallen kann - und des Prinzips der Selbsttätigkeit der Schüler/innen ist dafür zu sorgen, dass
* die Schüler/innen vor etwaigen besonderen Gefahren gewarnt werden,
* die aufsichtführenden Personen von den Schüler/innen jederzeit erreicht werden können (Festlegung eines Treffpunktes),
Bei Gewährleistung der Sicherheit für die Schüler/innen und wenn dies für die Aufgaben der Schule zweckmäßig erscheint, kann die Beaufsichtigung der Schüler/innen auch durch andere geeignete Personen (z. B. Erziehungsberechtigte) als durch die Lehrperson erfolgen (§44a SchUG).
8. Leistungsfeststellung und Leistungsbeurteilung
Leistungen, die Schüler/innen im Rahmen des Projektunterrichtes erbringen, haben in die Beurteilung einzufließen. Im Projektunterricht sind der Unterrichtsmethode entsprechende Formen der Leistungsfeststellung und Leistungsbeurteilung anzuwenden (§3 und §4 der Leistungsbeurteilungsverordnung; §§ 18 und 20 SchUG).
SektChef Kurt Nekula, MA