Source: http://archiv.recht.de/viewtopic.php?p=1002013
Timestamp: 2020-01-26 08:30:30
Document Index: 250402376

Matched Legal Cases: ['§ 60', '§60', '§ 305', '§60', '§60', '§98', '§60']

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Recht auf Privatkopie bei Fotografien?
Verfasst am: 15.03.09, 12:22 Titel: Recht auf Privatkopie bei Fotografien?
das Ehepaar A hat anlässlich seiner Hochzeit Aufnahmen von sich anfertigen lassen. Wie in solchen Fällen üblich, hat der Fotograf die Negative behalten und verlangt nun für jeden Neuabzug einen Preis, der weit über den Material- und Arbeitskosten eines Abzugs legt. Ist im Prinzip auch OK, denn der Fotograf hat das Urheberrecht an den Fotos, und kann sich dieses entsprechend vergüten lassen.
Nun frage ich mich aber: Verstößt A gegen das Urheberrecht, wenn sie einen der Abzüge einscannen bzw. von den Scans wiederum für sich Ausdrucke erstellen? Hintergrund ist, dass Farbabzüge nur eine begrenzte Lebensdauer haben, insbesondere wenn sie Licht und Luft ausgesetzt sind. Deswegen macht es Sinn, den Abzug digital zu archivieren und statt dem Originalabzug eine Kopie, die sich bei Bedarf leicht ersetzen lässt, ins Wohnzimmer zu hängen. Braucht man dafür die Genehmigung des Fotografen oder ist das durch das Recht auf Privatkopie abgedeckt?
Verfasst am: 15.03.09, 12:33 Titel:
Ich würde sagen, das wäre eine zulässige Privatkopie.
Ggf. sollte man aber nochmals die Vertragsbedingungen konsultieren. Vielleicht hat man sich ja verpflichtet, auch solches zu unterlassen.
Verfasst am: 15.03.09, 13:48 Titel:
greift eine solche Klausel überhaupt? Denn sonst könnte es sich die Musik-/ Filmindustrie deutlich einfacher machen, anstatt untaugliche, kundenunfreundliche Kopierschutzsysteme zu entwickeln.
Verfasst am: 15.03.09, 14:30 Titel:
Das habe ich mich auch gefragt. Aber wer weiß...
Verfasst am: 15.03.09, 18:29 Titel:
Eine Klausel nutzt ja sowieso nur dann etwas, wenn man etwas davon mitbekommt, wenn sie verletzt wird.
Schon deswegen bleiben Kopierschutzmaßnahmen technischer Art sinnvoll, denn von den Klauselverletzer erwischt man mit Glück einen unter hunderttausend.
Verfasst am: 15.03.09, 18:35 Titel:
Wieso, wenn ich eine Kopiergeschützte Musik- CD/ Film- DVD auf meinem Rechner rippe (und nicht weiterverbreite) dann werde ich doch nicht eher geschnappt, als wenn ich nur gegen eine Klausel verstoße, die mir die Privatkopie verbietet..
Verfasst am: 16.03.09, 11:42 Titel:
Geschnappt nicht, aber der Kopierschutz verhindert wenigstens einen Teil der unentdeckten Kopiererei, während eine Klausel überhaupt kein Kopieren verhindert.
Verfasst am: 16.03.09, 12:14 Titel:
Erschweren ja, aber auf die "Enteckungsquote" hat es keinen Einfluss (darauf zielte ich in ihrem Posting ab).
Für Fotos, auf denen der Autraggeber selbst abgebildet ist, gibt es eine "Sonderregelung".
Der § 60 Urhg kann durch AGB ausgeschlossen werden.
Teil 1 (Urheberrecht)
Abschnitt 6 (Schranken des Urheberrechts)
Danke! Da bin ich ja beruhigt.
Hmm. Wo steht das bzw. wie wird das begründet? Ich habe zu dem Thema ein bisschen gegoogelt, aber nur eine Menge AGBs von Fotografen gefunden, jedoch keine rechtliche Begründung.
(In meinem gedachten Szenario stellt sich die Frage aber nicht., da der Fotograf den §60 UrhG in seinen AGB definitiv nicht ausgeschlossen hat ...)
Zuletzt bearbeitet von Newbie2007 am 17.03.09, 11:43, insgesamt 1-mal bearbeitet
Verfasst am: 17.03.09, 11:41 Titel:
Newbie2007 hat folgendes geschrieben::
Hmm. Wo steht das bzw. wie wird das begründet?
Die Gestaltung rechtsgeschäftlicher Schuldverhältnisse durch Allgemeine Geschäftsbedingungen ist im BGB § 305 - 310 geregelt
a) Ein Ehepartner hat die Bilder bestellt und bezahlt, der andere ist aber mit abgebildet. Dann müsste doch dieser 2. Partner nach wie ein Recht nach §60 UrhG haben, oder?
b) Das Ehepaar hat im (europäischen) Ausland geheiratet. Dort wurden auch die Fotos gefertigt, bei einem dort ansässigen Fotografen.
Dann gilt in der Regel das Recht des jeweiligen Landes.
Verfasst am: 17.03.09, 13:24 Titel:
Ich hatte das anders gemeint. Das Urheberrecht deckt ja mehr als nur das Schuldrecht ab. Wenn ich trotz anderslautender AGB mein Recht aus §60 UrhG wahrnehme, verstoße ich zwar eventuell gegen den Vertrag mit dem Fotografen, aber mache mich (hoffentlich) nicht wegen Verletzung des Urheberrechts strafbar. Auch ein direkter Anspruch auf z.B. Vernichtung der Kopien aus §98 UrhG dürfte nicht bestehen, oder?
Wobei mich interessieren würde, ob schon einmal ein Gericht eine Inhaltskontrolle dieser AGBs vorgenommen hat. Google hat nichts gefunden. Mir ist nämlich aufgefallen, dass in keiner der AGBs, die ich gesehen habe, der Fotograf sich im Gegenzug dazu verpflichtet, die Verfügbarkeit weiterer Kopien für die Zukunft sicherzustellen. Dann würde ich aber in einem zeitlich unbegrenzten Verzicht auf §60 eine unangemessene Benachteiligung des Bestellers sehen, die dem Sinn des Gesetzes (dass ich beim privaten Umgang mit alten Familienfotos nicht von der Zustimmung des damaligen Fotografen abhängig bin) zuwiderläuft.
Jetzt bin ich verwirrt. Auch wenn Ehepaar A in D wohnt und die Kopien in D angefertigt werden sollen?