Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Gericht=VGH%20Baden-W%C3%BCrttemberg&Datum=27.09.2010&Aktenzeichen=A%2010%20S%20689/08
Timestamp: 2019-12-12 11:50:00
Document Index: 366455883

Matched Legal Cases: ['§ 71', '§ 51', '§ 51', '§ 51', 'Art 4', 'Art 9', 'Art 10', '§ 71', 'Art. 4', 'Art. 9', 'Art. 10', '§ 60', 'Art. 2', 'Art. 9', 'Art. 9', 'Art. 3', '§ 51', 'Art. 9', 'Art. 10']

VGH Baden-Württemberg, 27.09.2010 - A 10 S 689/08 - dejure.org
https://dejure.org/2010,5390
VGH Baden-Württemberg, 27.09.2010 - A 10 S 689/08 (https://dejure.org/2010,5390)
VGH Baden-Württemberg, Entscheidung vom 27.09.2010 - A 10 S 689/08 (https://dejure.org/2010,5390)
VGH Baden-Württemberg, Entscheidung vom 27. September 2010 - A 10 S 689/08 (https://dejure.org/2010,5390)
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Keine Gruppenverfolgung pakistanischer Staatsangehöriger allein wegen Zugehörigkeit zur Ahmadiyyia-Glaubensgemeinschaft
§ 71 Abs 1 AsylVfG 1992, § 51 Abs 1 VwVfG, § 51 Abs 2 VwVfG, § 51 Abs 3 VwVfG, Art 4 Abs 4 EGRL 83/2004, Art 9 Abs 1 EGRL 83/2004, Art 10 Abs 1b EGRL 83/2004
AsylVfG § 71 Abs. 1, VwVfG § ... 51, RL 2004/83/EG Art. 4 Abs. 4, RL 2004/83/EG Art. 9 Abs. 1, RL 2004/83/EG Art. 10 Abs. 1 Bst. b, AufenthG § 60 Abs. 1, RL 2004/83/EG Art. 2 Bst. c, RL 2004/83/EG Art. 9 Abs. 1, EMRK Art. 9 Abs. 2, EMRK Art. 3
Asylverfahren, Flüchtlingsanerkennung, Pakistan, Ahmadiyya, religiöse Verfolgung, Gruppenverfolgung, Qualifikationsrichtlinie, erhebliche individuelle Gefahr, Asylfolgeantrag, Wahrscheinlichkeitsmaßstab, Verfolgungsgefahr, Änderung der Rechtslage, religiöses ...
Pakistan Religiöse Verfolgung/Ahmadi
VG Sigmaringen, 28.09.2007 - A 6 K 43/07
BVerwG, 03.02.2011 - 10 B 32.10
Mit Inkrafttreten des Richtlinienumsetzungsgesetzes vom 19.08.2007 am 28.08.2007 sei eine relevante Änderung der Rechtslage i.S.d. § 51 Abs. 1 Nr. 1 2. Alt. VwVfG eingetreten (vgl. BVerwG, Urteil vom 09.12.2010 - 10 C 13.09 - BVerwGE 138, 289; Urteil des Senats vom 27.09.2010 - A 10 S 689/08 - juris).
Das Gericht gehe im Anschluss an seine Urteile vom 20.05.2008 (A 10 S 3032/07) sowie vom 27.09.2010 (A 10 S 689/08) davon aus, dass sich die maßgebliche Rechtslage bei Anwendung der Bestimmungen der Qualifikationsrichtlinie sowohl hinsichtlich des hier in Rede stehenden Schutzbereichs der Religionsausübungsfreiheit als auch des Prognosemaßstabs für die festzustellende Verfolgungswahrscheinlichkeit geändert habe.
Auf der Grundlage der Feststellungen in den Urteilen vom 20.05.2008 (A 10 S 3032/07) und vom 27.09.2010 (A 10 S 689/08) und deren Fortschreibung bis zur mündlichen Verhandlung drohe einem bekennenden Ahmadi, der zu seinem Glauben in innerer und verpflichtender Verbundenheit stehe und seinen Glauben in Pakistan öffentlich betätigen wolle, eine schwerwiegende Verletzung eines grundlegenden Menschenrechts und damit eine flüchtlingsrelevante Verfolgungshandlung im Sinne von Art. 9 Abs. 1 QRL.
Etwas anderes ergibt sich jedoch für die bekennenden Ahmadis, die es nach ihrem Glaubensverständnis für sich als identitätsbestimmend ansehen, ihren Glauben - auch werbend - in die Öffentlichkeit zu tragen (vgl. hierzu im Folgenden und auch noch unten 2 e); vgl. schon VGH Baden-Württemberg, Urteil vom 20.05.2008 - A 11 S 3032/07 - juris; vom 27.09.2010 - A 10 S 689/08 - juris).
Das wird unter anderem mit der weiten Definition der Religionsfreiheit in Art. 10 Abs. 1 Buchst. b der Richtlinie begründet, die auch die Praktizierung der Religion in der Öffentlichkeit umfasse (…vgl. VGH Mannheim, Urteile vom 20. Mai 2008 - A 10 S 72/08 - AuAS 2008, 213 Rn. 121 und vom 27. September 2010 - A 10 S 689/08 - juris Rn. 33 ff.; VGH München, Urteil vom 23. Oktober 2007 - 14 B 06.30315 - InfAuslR 2008, 101 ).
Das Konzept der Gruppenverfolgung steht mit den Grundgedanken sowohl der Genfer Flüchtlingskonvention als auch der Richtlinie 2004/83/EG in Einklang (vgl. BVerwG, Urteil vom 21.04.2009 - 10 C 11/08 -, NVwZ 2009, 1237; vgl. zur Gruppenverfolgung zuletzt auch VGH Baden-Württemberg, Urteil vom 27.09.2010 - A 10 S 689/08 -, Juris;… Urteil vom 03.11.2011 - A 8 S 1116/11 -, Juris Rn. 27 ff.).
Zur Auslegung insbesondere der Qualifikationsrichtlinie vergleiche VGH Baden-Württemberg, ständige Rechtsprechung seit dem Urteil vom 20.05.2008 - A 10 S 3032/07 -, zuletzt im Urteil vom 27.09.2010 - A 10 S 689/08 - (beide: juris).(Rn.18).
18 3. Zur weiteren Auslegung insbesondere der Qualifikationsrichtlinie führt der Verwaltungsgerichtshof Baden-Württemberg, dem sich das Gericht im Wesentlichen anschließt, in ständiger Rechtsprechung seit dem Urteil vom 20.05.2008 - A 10 S 3032/07 -, zuletzt im Urteil vom 27.09.2010 - A 10 S 689/08 - (beide: juris), aus:.
Etwas anderes kann sich jedoch für die Untergruppe der bekennenden Ahmadi ergeben, insbesondere wenn der Glaube in strafrechtlich verbotener Weise praktiziert bzw. aus Angst vor Verfolgung hierauf verzichtet wird (vgl. BVerwG…, Urteil vom 20.02.2013 - 10 C 23.12 - Rn. 32 ff.; VGH Bad.-Württ, Urteil vom 27.09.2010 - A 10 S 689/08 - OVG NRW, Urteil vom 14.12.2010 - 19 A 2999/06.A -, beide juris).
"Allerdings kann auch für die Gruppe der "bekennenden Ahmadis", zu denen solche Personen gehören, die ihren Glauben in strafrechtlich verbotener Weise praktizieren bzw. aus Angst vor Verfolgung hierauf verzichten, nicht davon ausgegangen werden, dass die Voraussetzungen für die Zuerkennung der Flüchtlingseigenschaft unter dem Aspekt einer Gruppenverfolgung vorliegen (vgl. VGH Bad.-Württ, Urteil vom 27. September 2010 - A 10 S 689/08 -, Rn. 25 ff. (55) nach juris; BVerwG…, Urteil vom 20. Februar 2013, a.a.O., Rn. 32 ff. (33)).
"Wer in Worten, schriftlich oder mündlich oder durch sichtbare Übung, oder durch Beschuldigungen, Andeutungen oder Beleidigungen jeder Art, unmittelbar oder mittelbar den geheiligten Namen des heiligen Propheten Mohammed (Friede sei mit ihm) verunglimpft, wird mit dem Tode oder lebenslanger Freiheitsstrafe und Geldstrafe bestraft." vgl. die nichtamtliche Übersetzung ins Deutsche durch den Sprachendienst des Bundesministeriums der Justiz, abgedruckt in BVerfGE 76, 143 (146 f., Fn. 1); VGH Bad.-Württ., Urteil vom 27.09.2010 - A 10 S 689/08 -, juris, Rz. 58 - 68.
51 Allerdings kann auch für die Gruppe der "bekennenden Ahmadis", zu denen solche Personen gehören, die ihren Glauben in strafrechtlich verbotener Weise praktizieren bzw. aus Angst vor Verfolgung hierauf verzichten, nicht davon ausgegangen werden, dass die Voraussetzungen für die Zuerkennung der Flüchtlingseigenschaft unter dem Aspekt einer Gruppenverfolgung vorliegen (vgl. VGH Bad.-Württ, Urteil vom 27. September 2010 - A 10 S 689/08 -, Rn. 25 ff. (55) nach juris; BVerwG…, Urteil vom 20. Februar 2013, a.a.O., Rn. 32 ff. (33)).