Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Text=2%20StR%20310/04
Timestamp: 2019-06-17 20:06:39
Document Index: 60338532

Matched Legal Cases: ['BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'Art. 1', 'Art. 2', '§ 211', '§ 216', '§ 261', '§ 168', '§ 131', '§ 184', '§ 354', '§ 211', '§ 211', '§ 168', 'BGH', '§ 212', '§ 168', '§ 211', '§ 216', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 216', 'BGH', 'BGH', '§ 168', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 168', '§ 168', '§ 168', '§ 168', '§ 168', 'BGH', 'BGH', 'BGH']

BGH, 22.04.2005 - 2 StR 310/04 - dejure.org
https://dejure.org/2005,714
BGH, 22.04.2005 - 2 StR 310/04 (https://dejure.org/2005,714)
BGH, Entscheidung vom 22.04.2005 - 2 StR 310/04 (https://dejure.org/2005,714)
BGH, Entscheidung vom 22. April 2005 - 2 StR 310/04 (https://dejure.org/2005,714)
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Art. 1 GG; Art. 2 Abs. 1 GG; § 211 StGB; § 216 StGB; § 261 StPO; § 168 SGB; § 131 StGB; § 184 Abs. 3 StGB; § 354 Abs. 2 Satz 1 Alt. 2 StPO
Kannibalismus ("Kannibale von Rothenburg"); Mord (Befriedigung des Geschlechtstriebs; Tötung zur Ermöglichung einer anderen Straftat); Tötung auf Verlangen (Bestimmen zur Tötung; handlungsleitendes Motiv); Beweiswürdigung (Verstoß gegen Denkgesetze; Zirkelschluss); entlastende Einlassung des Angeklagten (Unwiderleglichkeit; Zweifelssatz); Störung der Totenruhe (geschütztes, unbedeutendes Rechtsgut; Pietätsgefühl der Allgemeinheit; postmortaler Persönlichkeitsschutz; Dispositionsmöglichkeit des Tatopfers; Einwilligung; Einverständnis; Menschenwürde; Paternalismus)
StGB §§ 211 Abs. 2, 168 Abs. 1
Mordmerkmal "zur Befriedigung des Geschlechtstriebs" im Fall des späteren Betrachtens der Tat auf einem Video unter dem Aspekt der Definition des verfassungsrechtlichen Bestimmtheitsgebots; Rechtsgut des Straftatbestandes der Störung der Totenruhe; Strafbarkeit wegen Störung der Totenruhe im Fall des Einverständnisses des Tatopfers in beschimpfenden Unfug an seiner Leiche; Strafrechtliche Behandlung von Kannibalismus im Fall des freiwilligen Zurverfügungstellens des späteren Opfers unter dem Aspekt des Vorliegens von Mordmerkmalen; Schuldfähigkeit im Fall einer schweren seelischen Abartigkeit in Form einer Persönlichkeitsstörung mit schizoiden Zügen; Anforderungen an ein handlungsleitendes Einverständnis des Opfers in seine eigene Tötung im Rahmen der Prüfung des Tatbestandes der Tötung auf Verlangen
Mord zur Befriedigung des Geschlechtstriebs oder Tötung auf Verlagen?
StGB § 211 Abs. 2 § 168 Abs. 1
Strafbarkeit von Kannibalismus
Strafrechtliche Einordnung des Kannibalen-Mords
taz.de (Pressebericht zum Verfahren - vor Ergehen der Entscheidung, 12.04.2005)
Kannibale kommt in die letzte Instanz
123recht.net (Pressebericht zum Verfahren - vor Ergehen der Entscheidung, 13.4.2005)
Kasseler Kannibalen-Urteil auf dem Prüfstand // BGH kündigt Entscheidung für den 22. April an
§ 212 StGB; § 168 StGB; § 211 StGB; § 216 StGB
Mord; Befriedigung des Geschlechtstriebs; Ermöglichung einer anderen Straftat; Tötung auf Verlangen; Störung der Totenruhe
Tötung im "Kannibalen-Fall"
arthur-kreuzer.de (Aufsatz mit Bezug zur Entscheidung)
Herausforderungen des »Kannibalen-Prozesses« - Das Bundesverfassungsgericht kann zur überfälligen Reform der Tötungsdelikte und lebenslangen Freiheitsstrafe beitragen (Prof. Dr. Arthur Kreuzer, Gießen; StV 2007, 598-608)
Zusammenfassung von "Mord oder Totschlag? - Kannibalismus und die Grenzen des Strafrechts" von RA und Wiss. Mit. Dr. Anja Schiemann, original erschienen in: NJW 2005, 2350 - 2352.
LG Frankfurt/Main, 09.05.2006 - 21 Ks 4/20
LG Kassel, 14.05.2018 - 2 StVK 128/17
OLG Frankfurt, 27.09.2018 - 3 Ws 569/18
BGHSt 50, 80
NJW 2005, 1876
NStZ 2005, 505
StV 2005, 391
JR 2005, 338
Dabei erwächst der gesteigerte Unwert der Tat aus dem groben Missverhältnis von Mittel und Zweck, indem der Täter das Leben eines anderen Menschen der Befriedigung eigener Geschlechtslust unterordnet (BGH, Urteil vom 22. April 2005 - 2 StR 310/04, BGHSt 50, 80, 86; BVerfG, NJW 2009, 1061, 1063).
Nur unter den engen - vom Landgericht auf der Basis der getroffenen Feststellungen rechtsfehlerfrei verneinten (vgl. BGH, Urteil vom 22. April 2005 - 2 StR 310/04, BGHSt 50, 80, 91 f.) - Voraussetzungen dieser Vorschrift kann eine Einwilligung bei einer vorsätzlichen Tötung eines Menschen Bedeutung erlangen und die Tat in einem milderen Licht erscheinen lassen.
Hierfür hätte der Angeklagte durch St. zur Tötung bestimmt worden, d. h. dessen Tötungsverlangen hätte handlungsleitend gewesen sein müssen (vgl. BGH, Urteil vom 22. April 2005 - 2 StR 310/04, BGHSt 50, 80, 91 f.).
Dabei erwächst der gesteigerte Unwert der Tat aus dem groben Missverhältnis von Mittel und Zweck, indem der Täter das Leben eines anderen Menschen der Befriedigung eigener Geschlechtslust unterordnet (BGH, Urteil vom 22. April 2005 - 2 StR 310/04, BGHSt 50, 80, 86).
Das Verlangen muss auch nach dem Zweck des § 216 Abs. 1 StPO, erheblich vermindertes Unrecht und reduzierte Schuld zu privilegieren, für den Täter handlungsleitend wirken (vgl. Senat, Urteil vom 22. April 2005 - 2 StR 310/04, BGHSt 50, 80, 92).
Mit diesem verwerflichen Motiv tötet der Täter einen anderen Menschen, wenn er in der Tötung seine geschlechtliche Befriedigung sucht (vgl. Senat, Urteil vom 22. April 2005 - 2 StR 310/04, BGHSt 50, 80, 92).
(1) Schutzgüter des § 168 Abs. 1 StGB sind jedenfalls das Pietätsgefühl der Allgemeinheit sowie der postmortale Persönlichkeitsschutz des Toten (vgl. BGH, Urteil vom 22. April 2005 - 2 StR 310/04, BGHSt 50, 80, 89; RGSt 39, 155, 156;… Dippel, aaO Rn. 2; BT-Drucks. IV/650, S. 346;… 13/8587, S. 22 f.).
BGH, 07.10.2010 - 3 StR 168/10
Dem entsprechend hat er im Urteil vom 22. April 2005 - nicht tragend - einem Tötungsverlangen die Anerkennung versagt, weil das Tatopfer durch eine krankhafte seelische Störung in seiner natürlichen Einsichts- und Willensfähigkeit beeinträchtigt war und deshalb die Tragweite seines Entschlusses, sich töten zu lassen, nicht rational überblickte (2 StR 310/04, BGHSt 50, 80, Rn. 5, 37).
Er muß sich vielmehr aufgrund einer Gesamtwürdigung des Ergebnisses der Beweisaufnahme seine Überzeugung von der Richtigkeit oder Unrichtigkeit der Einlassung bilden (st. Rspr. vgl. u.a. Senatsurteil vom 22. April 2005 - 2 StR 310/04 m.w.N.).
Rechtsgut dieses Tatbestandes ist nicht nur der postmortale Persönlichkeitsschutz des Toten, sondern auch das Pietätsgefühl der Allgemeinheit (BGHSt 50, 80/89; OLG München NJW 1976, 1805/1806; KG NJW 1990, 782/783;… Schönke/Schröder/Lenckner § 168 Rn. 1;… LK/Dippel § 168 Rn. 2;… MüKo/Hörnle § 168 Rn. 1, 2;… NK-Herzog § 168 Rn. 1;… a.A. SK-Rudolphi/Rogall § 168 Rn. 2).
Menschenwürde in diesem Sinn ist nicht nur die individuelle Würde der jeweiligen Person, sondern die Würde des Menschen als Gattungswesen (BVerfGE 87, 209/228; BGHSt 50, 80/89).
Die Einlassungen sind auch nicht der gebotenen Gesamtwürdigung unterzogen worden (vgl. BGH, Urteil vom 22. April 2005 - 2 StR 310/04, BGHSt 50, 80, 85).