Source: https://www.cep.eu/monitor/cep/schadensersatzklagen-im-wettbewerbsrecht-richtlinie.html
Timestamp: 2019-08-22 13:33:01
Document Index: 262999893

Matched Legal Cases: ['Art. 2', 'Art. 2', 'Art. 2', 'Art. 2', 'Art. 2', 'Art. 16', 'Art. 16', 'Art. 16', 'Art. 16', 'Art. 16', 'Art. 16', 'Art. 16', 'Art. 16', 'Art. 12', 'Art. 12', 'Art. 12', 'Art. 12', 'Art. 12', 'Art. 12', 'Art. 5', 'Art. 5', 'Art. 6', 'Art. 5', 'Art. 6', 'Art. 5', 'Art. 5', 'Art. 6', 'Art. 6', 'Art. 8', 'Art. 8', 'Art. 11', 'Art. 11', 'Art. 11', 'Art. 11', 'Art. 11']

Das Recht auf vollständigen Schadensersatz steht Personen oder Unternehmen zu, die durch einen Wettbewerbsverstoß eines anderen Unternehmens einen Schaden erlitten haben (Art. 2 Abs. 1). Der Schadensersatz umfasst (Art. 2 Abs. 2)
die unmittelbar eingetretene Vermögenseinbuße,
Zusätzlich: Das Recht auf vollständigen Schadensersatz umfasst nicht Strafschadensersatz, mehrfachen Schadensersatz und Sanktionen, die zur Überkompensation führen (Art. 2 Abs. 2a).
Das Recht auf vollständigen Schadensersatz steht Personen oder Unternehmen zu, die durch einen Wettbewerbsverstoß einen Schaden erlitten haben (Art. 2 Abs. 1). Der Schadensersatz umfasst (Art. 2 Abs. 2)
Bei einem Kartellverstoß wird vermutet, dass der Verstoß einen Schaden verursacht hat (Art. 16 Abs. 1).
Das Gericht darf den Umfang des Schadens schätzen (Art. 16 Abs. 2).
Bei einem Kartellverstoß wird vermutet, dass ein Schaden entstanden ist (Art. 16 Abs. 2).
Das Gericht darf in Einklang mit den nationalen Verfahren den Umfang des Schadens schätzen (Art. 16 Abs. 1).
Bei einem Kartellverstoß wird vermutet, dass der Verstoß einen Schaden innerhalb des Marktes verursacht hat (Art. 16 Abs. 1).
Das nationale Gericht darf den Umfang des Schadens schätzen, wenn der Geschädigte diesen nicht direkt beweisen kann. Auf Verlangen muss die Wettbewerbsbehörde bei der Ermittlung des Schadensumfangs beraten (Art. 16 Abs. 2).
Es wird vermutet, dass ein Kartellverstoß einen Schaden verursacht (Art. 16 Abs. 2a).
Das nationale Gericht darf den Umfang des Schadens schätzen, wenn dessen genaue Ermittlung aufgrund der zur Verfügung stehenden Beweise praktisch unmöglich oder übermäßig schwierig ist (Art. 16 Abs. 1).
Der Schädiger kann gegen einen Schadensersatzanspruch einwenden, dass der Geschädigte keinen oder einen geringeren Schaden hat, da er höhere Einkaufpreise oder niedrigere Verkaufspreise an mittelbar Geschädigte weitergegeben habe (Art. 12 Abs. 1).
Der Einwand gilt nicht, wenn es für den mittelbar Geschädigten „rechtlich unmöglich“ ist, seinerseits Schadensersatz vom Schädiger zu verlangen (Art. 12 Abs. 2).
Der Schädiger kann gegen einen Schadensersatzanspruch einwenden, dass der Geschädigte keinen oder einen geringeren Schaden hat, da er höhere Einkaufpreise oder niedrigere Verkaufspreise an mittelbar Geschädigte weitergegeben habe (Art. 12 Abs. 1), außer der Geschädigte hat einen entgangenen Gewinn erlitten (Art. 12 Abs. 1).
Das nationale Gericht darf schätzen, welcher Anteil der Einkaufs- bzw. Verkaufspreise weitergegeben wurde (Art. 12 Abs. 1a).
Der Schädiger darf nicht dazu verpflichtet werden, mehr als den verursachten Schaden zu zahlen (Art. 12 Abs. 1).
Das Gericht kann auf Antrag anordnen, dass eine Partei oder ein Dritter Beweismittel offenlegen muss, wenn insbesondere (Art. 5 Abs. 1, 2)
der Antragsteller ein konkretes Beweisstück oder eine Kategorie der Beweismittel so genau wie möglich benannt hat und
die Beweise für die Substantiierung des Schadensersatzanspruchs relevant sind.
Die Offenlegung von Beweismitteln muss verhältnismäßig sein. Das Gericht berücksichtigt bei der Anordnung der Offenlegung insbesondere (Art. 5 Abs. 3)
den Schutz vertraulicher Informationen und
den Umfang und die Kosten der Offenlegung.
Ein Gericht darf die Offenlegung von Beweismitteln aus den Akten einer Wettbewerbsbehörde nicht anordnen, wenn die Beweismittel (Art. 6 Abs. 1-2)
Kronzeugenerklärungen oder Vergleichsausführungen sind oder
für ein noch nicht beendetes Verfahren einer Wettbewerbsbehörde erstellt wurden.
Das Gericht kann auf Antrag anordnen, dass eine Partei oder ein Dritter Beweismittel offenlegen muss, wenn insbesondere (Art. 5 Abs. 1, 3)
der Antragsteller ein konkretes Beweisstück oder eine relevante Kategorie von Beweismitteln so genau wie möglich benannt hat.
Ein Gericht darf die Offenlegung von Beweismitteln aus den Akten einer Wettbewerbsbehörde nicht anordnen, wenn die Beweismittel (Art. 6 Abs. 3-5)
Kronzeugenerklärungen oder Vergleichsausführungen sind,
für ein noch nicht beendetes Verfahren einer Wettbewerbsbehörde erstellt wurden oder
mit zumutbarem Aufwand von einer anderen Partei oder einem Dritten erlangt werden können.
der Antragsteller ein konkretes Beweisstück oder eine relevante Kategorie von Beweismitteln so genau wie möglich benannt hat und
die Beweise erforderlich sind, um den verursachten Schaden einzuschätzen.
Das Gericht fordert die Wettbewerbsbehörde auf, die Beweismittel offenzulegen, wenn der Schädiger die verlangten Beweismittel nicht bereitgestellt hat (Art. 5 Abs. 1a).
den Schutz vertraulicher Informationen,
den Umfang und die Kosten der Offenlegung, speziell um Ausforschungsaufträge zu verhindern und
die Effektivität der behördlichen Durchsetzung des Wettbewerbsrechts.
Das Interesse der Schädiger an der Vermeidung von Folgeschadensersatzklagen stellt kein schutzwürdiges Interesse dar, Beweise nicht offenzulegen (Art. 5 Abs. 5).
Angebote einvernehmlicher Regelungen sind, die zurückgezogen wurden.
Ausnahmsweise kann das Gericht eine beschränkte Offenlegung von Informationen aus Kronzeugenerklärungen und Vergleichsausführungen anordnen, wenn insbesondere (Art. 6 Abs. 2b)
der Geschädigte Tatsachen und Beweismittel vorgelegt hat, die plausibel belegen, dass diese Informationen für die Schadensersatzklage erforderlich sind,
die Informationen nicht auf andere Weise erlangt werden können und
der Schutz des öffentlichen Interesses und die Vertraulichkeit der Informationen sichergestellt sind.
den Umfang und die Kosten der Offenlegung, speziell um ein unbestimmtes Ausforschen nach Informationen zu verhindern.
Das Gericht erhält auf begründeten Antrag des Geschädigten Zugang zu Dokumenten, die Kronzeugenerklärungen und Vergleichsausführungen beinhalten, um zu prüfen, ob tatsächlich nur solche Dokumente enthalten sind. Auf Verlangen des Gerichts kann die zuständige Wettbewerbsbehörde das Gericht bei der Prüfung unterstützen (Art. 6 Abs. 2b).
Die Mitgliedstaaten müssen insbesondere bei der Vernichtung von Beweismitteln wirksame, verhältnismäßige und abschreckende Sanktionen vorsehen (Art. 8 Abs. 1, 2).
Als Sanktion kann insbesondere vorgesehen werden, dass der betreffende Beweis als erbracht gilt (Art. 8 Abs. 2).
Haftung der Schädiger
Mehrere Schädiger, die gemeinsam gegen das Wettbewerbsrecht verstoßen haben, haften grundsätzlich gesamtschuldnerisch für den entstandenen Schaden (Art. 11 Abs. 1).
Ein Schädiger, der mehr als seinen Anteil gezahlt hat, kann von den anderen Schädigern Ausgleich verlangen. Wie hoch der Anteil jedes Schädigers ist, richtet sich nach seiner „relativen Verantwortung“ für den Wettbewerbsverstoß (Art. 11 Abs. 3 S. 1).
Nicht gesamtschuldnerisch haftet ein Kronzeuge, dem die Geldbuße erlassen wurde. Gegenüber den anderen Schädigern ist der Anteil dieses Kronzeugens auf die Höhe des Schadens beschränkt, den er seinen unmittelbar und mittelbar Geschädigten zahlen muss. (Art. 11 Abs. 3 S. 2).
Ein Schädiger, der ein kleines oder mittleres Unternehmen ist, haftet nur seinen unmittelbar und mittelbar Geschädigten, wenn (Art. 11 Abs. 1)
er nicht andere Schädiger zu dem Wettbewerbsverstoß veranlasst hat und
seine relative Verantwortung für den verursachten Gesamtschaden weniger als 5% beträgt.
Ein Schädiger, der ein kleines oder mittleres Unternehmen ist, haftet nur seinen unmittelbar und mittelbar Geschädigten, wenn (Art. 11 Abs. 1a)
er nicht andere Schädiger zu dem Wettbewerbsverstoß veranlasst hat,
er nicht bereits zuvor einen Wettbewerbsverstoß begangen hat und
die Anwendung der normalen Regelungen zur gesamtschuldnerischen Haftung seine wirtschaftliche Überlebensfähigkeit unwiderruflich gefährden und seine Aktiva jeglichen Werts berauben würde.