Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Text=InfAuslR%202007,%20346
Timestamp: 2019-11-18 21:24:19
Document Index: 139270419

Matched Legal Cases: ['§ 28', '§ 28', '§ 9', '§ 5', '§ 9', '§ 9', '§ 28', '§ 5', '§ 55', '§ 28', 'Art. 8', '§ 80', '§ 5', '§ 9', '§ 28', '§ 9', '§ 5', '§ 28', '§ 28', '§ 5', '§ 7', '§ 28', '§ 5', '§ 9', '§ 5', '§ 7', '§ 9', '§ 9', '§ 5']

VGH Baden-Württemberg, 30.05.2007 - 13 S 1020/07 - dejure.org
https://dejure.org/2007,5578
VGH Baden-Württemberg, 30.05.2007 - 13 S 1020/07 (https://dejure.org/2007,5578)
VGH Baden-Württemberg, Entscheidung vom 30.05.2007 - 13 S 1020/07 (https://dejure.org/2007,5578)
VGH Baden-Württemberg, Entscheidung vom 30. Mai 2007 - 13 S 1020/07 (https://dejure.org/2007,5578)
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§ 28 Abs 2 S 1 AufenthG 2004, § 28 Abs 2 S 2 AufenthG 2004, § 9 Abs 2 Nr 4 AufenthG 2004, § 5 Abs 1 Nr 2 AufenthG 2004, EGRL 109/2003
Niederlassungserlaubnis; Regelerteilungsvoraussetzungen; Gewöhnlicher Aufenthalt; Daueraufenthaltsrichtlinie
Niederlassungserlaubnis für einen angolanischen Staatsangehörigen trotz mehrerer Verurteilungen unterhalb der in § 9 Abs. 2 Nr. 4 Aufenthaltsgesetz (AufenthG) genannten Höhe; Antragstellung bei der zuständigen Stelle in dem Mitgliedsstaat des Aufenthaltes als ...
AufenthG § 9 Abs. 2 S. 1 Nr. 4; AufenthG § 28 Abs. 2; AufenthG § 5 Abs. 1 Nr. 2; AufenthG § 55 Abs. 2 Nr. 2; AufenthG § 28 Abs. 1 S. 1 Nr. 3; RL 2003/109/EG Art. 8 Abs. 2; VwGO § 80 Abs. 5
D (A), Niederlassungserlaubnis, Straftaten, Ausweisungsgründe, geringfügiger Verstoß gegen Rechtsvorschriften, Verbrauch, Familienzusammenführung, Eltern-Kind-Verhältnis, Vater, gewöhnlicher Aufenthalt, Daueraufenthaltsrichtlinie, Antrag
InfAuslR 2007, 346
Die Fassung der Vorschrift und ihr Verhältnis zur allgemeinen Erteilungsvoraussetzung nach § 5 Abs. 1 Nr. 2 AufenthG führten in der Rechtspraxis zu Unklarheiten (vgl. VGH Bad.-Württ., Beschluss vom 30.05.2007 - 13 S 1020/07 - InfAuslR 2007, 346; VG Karlsruhe…, Urteil vom 19.10.2005 - 10 K 883/04 - Renner, AuslR, 8. Aufl. § 9 Rn. 25).
Neben den besonderen Erteilungsvoraussetzungen des § 28 Abs. 2 Satz 1 AufenthG bedarf es zwar nicht des Vorliegens der allgemeinen Erteilungsvoraussetzungen nach § 9 Abs. 2 AufenthG, wohl aber des Vorliegens der Erteilungsvoraussetzungen nach § 5 Abs. 1 und 2 AufenthG (vgl. BVerwG, Urt. v. 16.8.2011 - 1 C 12.10 -, juris Rn. 12 f.; OVG Berlin-Brandenburg, Urt. v. 22.2.2011 - 12 B 20.08 -, juris Rn. 23; Hessischer VGH, Beschl. v. 23.6.2010 - 6 A 140/10 -, InfAuslR 2010, 426; Sächsisches OVG, Beschl. v. 3.2.2010 - 3 D 70/09 -, juris Rn. 5; OVG Bremen, Beschl. v. 13.8.2009 - 1 S 223/09 -, InfAuslR 2010, 25; VGH Baden-Württemberg, Beschl. v. 30.5.2007 - 13 S 1020/07 -, InfAuslR 2007, 346, 347; OVG Nordrhein-Westfalen, Beschl. v. 6.7.2006 - 18 E 1500/05 -, InfAuslR 2006, 407; GK-AufenthG, Stand: Januar 2012, § 28 Rn. 244 f.; Hailbronner, Ausländerrecht, Stand: November 2011, AufenthG, § 28 Rn. 26 f.; Nr. 28.2.1 Satz 3 und 5 Allgemeine Verwaltungsvorschrift zum Aufenthaltsgesetz - AVwV AufenthG - vom 26.10.2009, GMBl.
Bei dem Vorliegen eines Ausweisungsgrundes kommt es (ähnlich wie bei der allgemeineren Vorschrift des § 5 Abs. 1 Nr. 2 AufenthG) allein darauf an, ob ein Ausweisungstatbestand abstrakt, d.h. nach seinen tatbestandlichen Voraussetzungen verwirklicht ist, nicht jedoch darauf, ob der Ausländer im konkreten Fall rechtsfehlerfrei ausgewiesen wurde oder werden kann (VGH Bad.-Württ., Beschluss vom 30. Mai 2007 - 13 S 1020/07 -, www.justizportal-bw.de, Rn. 7; vgl. auch BVerwG, Urteil vom 28. September 2004 - 1 C 10/03 - NVwZ 2005, 460 - zu der vergleichbaren Regelung in § 7 Abs. 2 Nr. 1 AuslG).
Die im Tatbestand des § 28 Abs. 2 AufenthG vom Gesetzgeber ausdrücklich angeführte Voraussetzung, dass ein Ausweisungsgrund nicht bestehen darf, kann nur so verstanden werden, dass sie vom Gesetzgeber als zwingend angeordnet und damit strenger als die Regelerteilungsvoraussetzung des § 5 Abs. 1 Nr. 2 AufenthG gefasst worden ist (VGH Bad.-Württ., Beschluss vom 30. Mai 2007 - 13 S 1020/07 -, www.justizportal-bw.de, Rn. 7).
Diese Rechtsstellung entsteht entgegen seiner Auffassung nämlich konstitutiv erst mit der behördlichen Entscheidung über die Zuerkennung eines Daueraufenthaltsrechts nach § 9 a AufenthG (vgl. BayVGH, Beschluss vom 31. März 2010 - 19 ZB 08.2629 - Juris; VGH Mannheim, Beschluss vom 30. Mai 2007 - 13 S 1020/07 - Juris).
8 Bei dem Vorliegen eines Ausweisungsgrundes kommt es - ähnlich wie bei der allgemeineren Vorschrift des § 5 Abs. 1 Nr. 2 AufenthG - allein darauf an, ob ein Ausweisungstatbestand abstrakt, d.h. nach seinen tatbestandlichen Voraussetzungen verwirklicht ist, nicht jedoch darauf, ob der Ausländer im konkreten Fall rechtsfehlerfrei ausgewiesen werden kann (vgl. VGH BW, Beschl. v. 30.05.2007 - 13 S 1020/07 -, InfAuslR 2007, 346 [347], RdNr. 7 in juris, unter Bezugnahme auf BVerwG, Urt. v. 28.09.2004 - 1 C 10.03 -, NVwZ 2005, 460, RdNr. 13 in juris, zu der vergleichbaren Regelung in § 7 Abs. 2 Nr. 1 AuslG 1990).
Es kann offen bleiben, inwieweit diese Richtlinien infolge Vorwirkung (hinsichtlich der Richtlinie 2003/109/EG vgl. das Senatsurteil vom 17.8.2006 Az. 19 B 05.1611 sowie VGH Mannheim vom 30.5.2007 InfAuslR 2007, 346) oder in Gestalt der durch das Gesetz zur Umsetzung aufenthalts- und asylrechtlichen Richtlinien der Europäischen Union vom 19. August 2007 (BGBl I S. 1970) vorgenommenen Rechtsänderungen im vorliegenden Verfahren Beachtung erfordern.
Angesichts des Umstandes, dass der Gesetzgeber durch § 9 Abs. 2 Nr. 4 AufenthG die Berücksichtigung strafrechtlich relevanten Verhaltens im Rahmen der Erteilung der Niederlassungserlaubnis besonders geregelt hat, kann trotz der nach wie vor bestehenden Unklarheiten kaum ein Zweifel daran bestehen, dass im Falle eines dem Ausländer günstigen Ergebnisses der Erwägungen im Rahmen des § 9 Abs. 2 S. 1 Nr. 4 AufenthG eine Ablehnung der Niederlassungserlaubnis nicht mit dem bloßen Hinweis auf § 5 Abs. 1 Nr. 2 AufenthG erfolgen kann (im Ergebnis ebenso VGH Baden-Württemberg vom 30.5.2007 InfAuslR 2007, 346).