Source: https://www.rechtslupe.de/steuerrecht/ust/unberechtigter-steuerausweis-in-gutschriften-373728
Timestamp: 2020-01-28 19:27:56
Document Index: 143314258

Matched Legal Cases: ['§ 14', '§ 14', '§ 14', '§ 14', 'Art.203', '§ 14', 'Art.203', '§ 14', '§ 14', '§ 14', '§ 14', '§ 14', '§ 14', '§ 14', 'Art. 21', 'EuG', '§ 14', '§ 14', '§ 14', '§ 14', '§ 14']

Unbe­rech­tig­ter Steu­er­aus­weis in Gut­schrif­ten | Rechtslupe
Unbe­rech­tig­ter Steu­er­aus­weis in Gut­schrif­ten
Sofern Umsatz­steu­er geson­dert aus­ge­wie­sen wird, fal­len auch Gut­schrif­ten gegen­über Nicht­un­ter­neh­mern oder über nicht aus­ge­führ­te Leis­tun­gen unter § 14c Abs. 2 Satz 2 UStG.
Wer in einer Rech­nung einen Steu­er­be­trag aus­weist, obwohl er zum geson­der­ten Aus­weis der Steu­er nicht berech­tigt ist, schul­det den aus­ge­wie­se­nen Betrag (§ 14c Abs. 2 Satz 1 UStG). Das Glei­che gilt, wenn jemand wie ein leis­ten­der Unter­neh­mer abrech­net und einen Steu­er­be­trag geson­dert aus­weist, obwohl er nicht Unter­neh­mer ist oder eine Lie­fe­rung oder sons­ti­ge Leis­tung nicht aus­führt (§ 14c Abs. 2 Satz 2 UStG). § 14c Abs. 2 UStG "beruht" auf Art.203 MwSt­Sys­tRL. Nach die­ser Bestim­mung schul­det "jede Per­son, die die Mehr­wert­steu­er in einer Rech­nung aus­weist", die­se Steu­er.
Zweck der Rege­lun­gen in § 14c Abs. 2 UStG sowie in Art.203 MwSt­Sys­tRL ist es, Miss­bräu­che durch Aus­stel­lung von Rech­nun­gen mit offe­nem Steu­er­aus­weis zu ver­hin­dern 1. Dem­entspre­chend ist die Vor­schrift als Gefähr­dungs­tat­be­stand aus­ge­stal­tet. Der­je­ni­ge, der mit einer Rech­nung das Umsatz­steu­er­auf­kom­men gefähr­det oder schä­digt, muss hier­für ein­ste­hen. Auf ein vor­werf­ba­res Ver­hal­ten kommt es nicht an. Der gesetz­li­che Tat­be­stand ver­langt weder, dass der Aus­stel­ler der Rech­nung deren miss­bräuch­li­che Ver­wen­dung durch den Rech­nungs­emp­fän­ger kennt, noch ist eine dahin gehen­de Absicht erfor­der­lich 2.
Die in einer Rech­nung als Aus­stel­ler bezeich­ne­te Per­son kann aller­dings nur dann in Anspruch genom­men wer­den, wenn sie in irgend­ei­ner Wei­se an der Erstel­lung der Urkun­de mit­ge­wirkt hat oder wenn ihr die Aus­stel­lung zuzu­rech­nen ist 3. Für Rech­nun­gen sind die für Rechts­ge­schäf­te gel­ten­den Rege­lun­gen ent­spre­chend anwend­bar. Aus­stel­ler einer Rech­nung ist daher – ent­ge­gen der Auf­fas­sung der Unter­neh­me­rin – nicht nur, wer die betref­fen­de Rech­nung eigen­hän­dig erstellt hat. Viel­mehr sind inso­weit die zum Recht der Stell­ver­tre­tung ent­wi­ckel­ten Grund­sät­ze zur Anscheins- oder Dul­dungs­voll­macht zu beach­ten 4.
In Über­ein­stim­mung mit die­sen Grund­sät­zen schul­det daher nach der Recht­spre­chung des BFH der­je­ni­ge, der die offen aus­ge­wie­se­ne Umsatz­steu­er nach § 14 Abs. 3 UStG a. F. bzw. § 14c Abs. 2 UStG, – ohne Unter­neh­mer zu sein und Lie­fe­run­gen oder sons­ti­ge Leis­tun­gen aus­zu­füh­ren – einem Drit­ten mit sei­ner Unter­schrift und sei­nem Stem­pel­auf­druck ver­se­he­ne Blan­ko­ge­schäfts­brief­bö­gen über­lässt 3.
Für Gut­schrif­ten kann im Ergeb­nis nichts ande­res gel­ten. Die im Schrift­tum ver­tre­te­ne Auf­fas­sung, wonach Gut­schrif­ten gegen­über Nicht­un­ter­neh­mern oder über nicht aus­ge­führ­te Leis­tun­gen nicht unter § 14c Abs. 2 Satz 2 UStG fal­len 5, über­zeugt das Finanz­ge­richt nicht.
Zwar ver­langt § 14c Abs. 2 UStG eine Abrech­nung "wie ein leis­ten­der Unter­neh­mer". Der Wort­laut der Vor­schrift steht der Anwen­dung auf Gut­schrif­ten gegen­über Nicht­un­ter­neh­mern aber jeden­falls dann nicht ent­ge­gen, wenn die Betei­lig­ten zuvor die­ses Abrech­nungs­ver­fah­ren ver­ein­bart haben 6. Wer zulässt, dass ein Drit­ter Schein­gut­schrif­ten an ihn aus­stellt, die abs­trakt die Gefahr begrün­den, dass der Aus­stel­ler den Vor­steu­er­ab­zug hier­aus gel­tend macht, wird sich der Inan­spruch­nah­me durch § 14c Abs. 2 UStG nicht ent­zie­hen kön­nen 7.
Das Nie­der­säch­si­che Finanz­ge­richt geht davon aus, dass im Streit­fall eine Abrech­nung mit­tels Gut­schrift ver­ein­bart war. Auch wenn dem Unter­neh­mer sicher­lich nicht die Ein­zel­hei­ten des Abrech­nungs­ver­fah­ren mit­tels Gut­schrift bekannt waren, so war ihm doch auf­grund des kol­lu­si­ven Zusam­men­wir­kens mit dem tür­ki­schen Hin­ter­mann bzw. Kon­takt­mann klar und bewusst, dass sein Name, sein Gewer­be sowie sei­ne (regel­mä­ßi­ge) Anwe­sen­heit bei den Abrech­nun­gen benö­tigt wur­den, um ande­ren (hier der Fa. M.) einen unrecht­mä­ßi­gen steu­er­li­chen Vor­teil (Vor­steu­er­ab­zug) zu ver­schaf­fen. Ande­ren­falls hät­te auch kei­ne Not­wen­dig­keit zur Zah­lung der "Hand­gel­der" bestan­den. Der Unter­neh­mer hat nicht nur gedul­det, dass auf sei­nen Namen abge­rech­net wird, son­dern hier­an sogar aktiv mit­ge­wirkt, z. B. durch das per­sön­li­che Erschei­nen bei der Fa. M., die Ent­ge­gen­nah­me und das Wei­ter­ge­ben des Ent­gelts sowie das (regel­mä­ßi­ge) Unter­schrei­ben der Gut­schrif­ten. Der Vor­steu­er­aus­weis mit­tels Gut­schrift war gera­de der Zweck der "Ablie­fe­run­gen", die über einen län­ge­ren Zeit­raum kon­ti­nu­ier­lich statt­fan­den.
Dem Unter­neh­mer war unter Berück­sich­ti­gung der Par­al­lel­wer­tung in der Lai­en­sphä­re auch bekannt und bewusst, dass ein Wider­ruf der erteil­ten Abrech­nun­gen auch Aus­wir­kun­gen auf den Vor­steu­er­ab­zug der Fa. M. gehabt hät­te.
Im Ergeb­nis fal­len daher auch die gegen­über dem Unter­neh­mer als Nicht­un­ter­neh­mer erteil­ten Gut­schrif­ten unter § 14c Abs. 2 Satz 2 UStG mit der Fol­ge, dass die­ser die in den Abrech­nun­gen unbe­rech­tigt aus­ge­wie­se­ne Umsatz­steu­er schul­det.
Ein­mal mehr gilt auch hier wie­der, was vie­le die Unter­neh­men bera­ten­de Steu­er­be­ra­ter – immer wie­der beto­nen: Eine kom­pe­ten­te steu­er­li­che Bera­tung des Unter­neh­mens redu­ziert Risi­ken und ver­hin­dert der­ar­ti­ge Über­ra­schun­gen. Hät­te der betrof­fe­ne Unter­neh­mer bereits bei der Ein­rich­tung sei­nes Gut­schrif­ten-Abrech­nungs-Sys­tems Unter­stüt­zung und Bera­tung durch einen erfah­re­nen Steu­er­be­ra­ter gesucht, stün­de er jetzt wirt­schaft­lich um Eini­ges Bes­ser da.
Nie­der­säch­si­sches Finanz­ge­richt, Urteil vom 9. Okto­ber 2013 – 5 K 319/​12
vgl. zu § 14 Abs. 3 UStG a. F. bzw. Art. 21 Nr. 1 Buchst. c der Richt­li­nie 77/​388/​EWG: BFH, Urtei­le vom 30.01.2003 V R 98/​01, BSt­Bl II 2003, 498; vom 30.03.2006 V R 46/​03, BFH/​NV 2006, 1365; Urteil des EuGH vom 19.09.2000 – C‑454/​98, Schmeink & Cofreth/​Manfred Stro­bel, BFH/​NV Bei­la­ge 2001, 33[↩]
stän­di­ge Recht­spre­chung, vgl. z. B. BFH, Urtei­le vom 30.01.2003 V R 98/​01, BSt­Bl II 2003, 498; vom 07.04.2011 V R 44/​09, BSt­Bl II 2011, 954[↩]
BFH, Urteil vom 07.04.2011 V R 44/​09, BSt­Bl II 2011, 954[↩][↩]
BFH, Urteil vom 07.04.2011 V R 44/​09, BSt­Bl II 2011, 954 m. w. N.[↩]
Sta­die, UStG, 2. Auf­la­ge 2012, § 14 c Rz. 21; ders. in Rau/​Dürrwächter, UStG, § 14c Rz. 100; Schar­pen­berg in Hartmann/​Metzenmacher, UStG, § 14c Rz. 87[↩]
Wag­ner in Sölch/​Ringleb, UStG, § 14c Rz. 153[↩]
Bunjes/​Korn, UStG, 11. Auf­la­ge, § 14c Rz 5[↩]
GutschriftUmsatzsteuerunberechtigter Steuerausweis