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Timestamp: 2019-06-20 05:25:35
Document Index: 80999082

Matched Legal Cases: ['§ 274', '§ 248', '§ 255', '§ 5', '§ 248', '§ 246', '§ 253', '§ 7', '§ 7']

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Handels- und Steuerbilanz - Wo liegt der Unterschied bei immateriellen Vermögensgegenständen des Anlagevermögens?
Bilanzierung [ Stand: 01.09.2016 ]
Zwischen dem Bilanzansatz und der Bewertung in der Handelsbilanz und in der Steuerbilanz bestehen zahlreiche Unterschiede. Diese führen zum einen unter den Voraussetzungen des § 274 HGB zu latenten Steuern in der Handelsbilanz, zum anderen sind sie für die Bilanzpolitik und die Steuerberechnung von Bedeutung.
Bei den immateriellen Vermögensgegenständen des Anlagevermögens sind insbesondere folgende Unterschiede von Bedeutung:
Selbst erstellte immaterielle Vermögensgegenstände des Anlagevermögens
Nach § 248 Abs. 2 Satz 1 HGB dürfen (Aktivierungswahlrecht) selbst geschaffene immaterielle Vermögensgegenstände des Anlagevermögens in der Handelsbilanz aktiviert werden. Die Bemessung der Herstellungskosten für selbst geschaffene immaterielle Vermögensgegenstände des Anlagevermögens richtet sich nach § 255 Abs. 2a i. V. m. Abs. 2 HGB.
Das Steuerrecht hingegen verbietet einen derartigen Ansatz durch die Regelung in § 5 Abs. 2 EStG, wonach für immaterielle Wirtschaftsgüter des Anlagevermögens ein Aktivposten nur im Falle eines entgeltlichen Erwerbs anzusetzen ist.
In der Handelsbilanz werden zum Jahresende 1 Mio. Euro für eine vom bilanzierenden Unternehmen selbst entwickelte intern genutzte Software aktiviert. Der Handelsbilanzgewinn ist dadurch zunächst um 1 Mio. Euro höher als der Steuerbilanzgewinn, da steuerlich die Entwicklungskosten als Aufwand verbucht werden.
Allerdings sind nunmehr in der Handelsbilanz passive latente Steuern in Höhe von 300.000 Euro (bei einem angenommenen Ertragsteuersatz von 30 %) anzusetzen, wodurch sich der Nettogewinneffekt auf 700.000 Euro reduziert.
Bilanzpolitisch wurde durch die Ausübung des Aktivierungswahlrechts des § 248 Abs. 2 Satz 1 HGB der operative Gewinn (EBIT) um 1 Mio. Euro erhöht, der latente Steueraufwand geht in den GuV-Posten "Steuern vom Einkommen und Ertrag" ein und mindert den Jahresüberschuss als Nachsteuerergebnis entsprechend.
Dieser bei Ausübung des handelsrechtlichen Ansatzwahlrechts gegebene Unterschied bleibt über die Nutzungsdauer des aktivierten Anlageguts erhalten, der Unterschiedsbetrag und damit auch die latenten Steuern verringern sich jedoch von Jahr zu Jahr.
Nach § 246 Abs. 1 Satz 4 HGB ist ein entgeltlich erworbener Geschäfts- und Firmenwert als zeitlich begrenzt nutzbarer Vermögensgegenstand zu aktivieren und in der Folgezeit planmäßig abzuschreiben. Dies gilt im Grundsatz auch für die Steuerbilanz. Allerdings ist die Nutzungsdauer handelsrechtlich nach vernünftiger kaufmännischer Beurteilung für jeden einzelnen Geschäfts- oder Firmenwert zu schätzen; sofern dies in Ausnahmefällen nicht verlässlich möglich ist, schreibt § 253 Abs. 3 Satz 4 i. V. m Satz 3 HGB n.F. (BilRUG) vor, die planmäßige Abschreibung über 10 Jahre vorzunehmen.
Das Steuerrecht hingegen schreibt eine typisierte Abschreibungsdauer von 15 Jahren vor (§ 7 Abs. 1 Satz 3 EStG).
Zudem erlaubt das Handelsrecht – sofern sachlich begründbar – im Grundsatz unterschiedliche planmäßige Abschreibungsmethoden (linear, degressiv, nach Leistung), während das Steuerrecht die lineare Abschreibung vorsieht (§ 7 Abs. 1 Satz 1 EStG).