Source: https://www.rechtslupe.de/steuerrecht/ust/vorsteuerbetraege-aus-aktienverkauf-313029
Timestamp: 2020-08-05 05:08:38
Document Index: 226404347

Matched Legal Cases: ['§ 14', '§ 15', '§ 15', '§ 15', '§ 15', 'Art. 17', 'Art. 17', 'Art. 19', '§ 15', 'EuG', 'EuG', 'EuG', 'EuG', 'EuG', 'EuG', 'EuG', 'EuG', 'EuG', 'EuG', '§ 4', 'Art. 19', 'EuG', 'EuG', 'EuG', 'EuG', 'EuG', 'EuG', 'EuG', 'EuG', 'EuG', 'EuG', 'EuG', '§ 14']

Vorsteuerbeträge aus Aktienverkauf | Rechtslupe
Ein Unter­neh­mer kann die in Rech­nun­gen i. S. d. § 14 UStG geson­dert aus­ge­wie­se­ne Umsatz­steu­er für Lie­fe­run­gen und sons­ti­ge Leis­tun­gen, die von ande­ren Unter­neh­mern für sein Unter­neh­men aus­ge­führt wor­den sind, gem. § 15 Abs. 1 Nr. 1 Satz 1 UStG als Vor­steu­er­be­trä­ge abzie­hen. Vom Vor­steu­er­ab­zug aus­ge­schlos­sen ist die Steu­er für die sons­ti­gen Leis­tun­gen, die der Unter­neh­mer zur Aus­füh­rung steu­er­frei­er Umsät­ze ver­wen­det (§ 15 Abs. 2 Satz 1 Nr. 1 UStG). Ver­wen­det der Unter­neh­mer eine von ihm in Anspruch genom­me­ne sons­ti­ge Leis­tung nur zum Teil zur Aus­füh­rung von Umsät­zen, die den Vor­steu­er­ab­zug aus­schlie­ßen, so ist der Teil der jewei­li­gen Vor­steu­er­be­trä­ge nicht abzieh­bar, der den zum Aus­schluss vom Vor­steu­er­ab­zug füh­ren­den Umsät­zen wirt­schaft­lich zuzu­rech­nen ist (§ 15 Abs. 4 S. 1 UStG). Der Unter­neh­mer kann die nicht abzieh­ba­ren Teil­be­trä­ge im Wege einer sach­ge­rech­ten Schät­zung ermit­teln (§ 15 Abs. 4 Satz 2 UStG).
Nach Art. 17 Abs. 2 Buch­sta­be a der Richt­li­nie 77/​388/​EWG ist der Steu­er­pflich­ti­ge befugt, von der von ihm geschul­de­ten Steu­er, die im Inland geschul­de­te und ent­rich­te­te Mehr­wert­steu­er für Gegen­stän­de und Dienst­leis­tun­gen abzu­zie­hen, die ihm von einem ande­ren Steu­er­pflich­ti­gen gelie­fert bzw. erbracht wur­den, soweit die­se Gegen­stän­de und Dienst­leis­tun­gen für Zwe­cke sei­ner besteu­er­ten Umsät­ze ver­wen­det wer­den. Soweit Gegen­stän­de und Dienst­leis­tun­gen von einem Steu­er­pflich­ti­gen sowohl für Umsät­ze ver­wen­det wer­den, für die ein Recht auf Vor­steu­er­ab­zug besteht, als auch für Umsät­ze, für die die­ses Recht nicht besteht, ist gemäß Art. 17 Abs. 5 Unter­abs. 1 der Richt­li­nie 77/​388/​EWG „… der Vor­steu­er­ab­zug nur für den Teil der Mehr­wert­steu­er zuläs­sig, der auf den Betrag der erst­ge­nann­ten Umsät­ze ent­fällt“. Nach Unter­abs. 2 die­ser Bestim­mung wird die­ser „Pro-rata-Satz … nach Art. 19 für die Gesamt­heit der vom Steu­er­pflich­ti­gen bewirk­ten Umsät­ze fest­ge­stellt“.
Der Vor­steu­er­ab­zug ist auch für Bera­tungs­leis­tun­gen, die mit Akti­en­ver­käu­fe in Zusam­men­hang ste­hen, nicht nach § 15 Abs. 2 Satz 1 Nr. 1 UStG aus­ge­schlos­sen.
Für die Beant­wor­tung der Fra­ge nach der Zuord­nung der Ein­gangs­um­sät­ze zu bestimm­ten Aus­gangs­um­sät­zen kommt es zunächst dar­auf an, ob die Ver­äu­ße­rung der gesell­schafts­recht­li­chen Betei­li­gung (über­haupt) ein steu­er­ba­rer (Hilfs-)Umsatz ist.
Nach der Recht­spre­chung des EuGH stel­len der blo­ße Erwerb, das blo­ße Hal­ten und die Ver­äu­ße­rung von Gesell­schafts­an­tei­len kei­ne wirt­schaft­li­che Tätig­keit i. S. der Richt­li­nie 77/​388/​EWG dar. Der­ar­ti­ge Tätig­kei­ten fal­len danach nicht in den Anwen­dungs­be­reich der Mehr­wert­steu­er [1]. Der­ar­ti­ge Tätig­kei­ten fal­len auch dann nicht in den Anwen­dungs­be­reich der Mehr­wert­steu­er, wenn – wie in dem vom Finanz­ge­richt Düs­sel­dorf ent­schie­de­nen Fall – die Betei­li­gung im unter­neh­me­ri­schen Bereich gehal­ten wird. Auch in die­sem Fall stellt die Ver­äu­ße­rung der Betei­li­gung kei­ne wirt­schaft­li­che Tätig­keit dar. Dies ergibt sich für den Senat ins­be­son­de­re aus dem EuGH-Urteil vom 29.04.2004 [2] Dort grenzt der EuGH expli­zit und aus­schließ­lich nur Umsät­ze bei einem Wert­pa­pier­ge­schäft im Rah­men einer gewerb­li­chen Tätig­keit (Han­del mit Akti­en) ab. Das Urteil des EuGH vom 26.05.2005 [3] und ins­be­son­de­re auch die dies­be­züg­li­chen Schluss­an­trä­ge des Gene­ral­an­walts Jacobs, [4] lie­fern eine wei­te­re Klar­stel­lung dahin, dass nach Auf­fas­sung des EuGH eine Ver­äu­ße­rung „bestehen­der“ Akti­en eine wirt­schaft­li­che Tätig­keit nur dann ist, wenn sie im Rah­men einer gewerb­li­chen Tätig­keit erfolgt, die den Han­del mit Akti­en zum Gegen­stand hat. Auch in den Ent­schei­dun­gen vom 14.11.2000 [5] und vom 27.09.2001 [6] hat der EuGH ledig­lich klar­ge­stellt, dass Ein­grif­fe einer Hol­ding in die Ver­wal­tung von Unter­neh­men, an denen sie betei­ligt ist, eine wirt­schaft­li­che Tätig­keit dar­stel­len, wenn die Ein­grif­fe in Form ent­gelt­li­cher Dienst­leis­tun­gen erfol­gen. Die wirt­schaft­li­che Tätig­keit beschränkt sich bei rich­ti­gem Ver­ständ­nis der Aus­füh­rung des EuGH aber auf die­se Ein­grif­fe. Für den EuGH ist nicht ent­schei­dend, ob die Betei­li­gung im Rah­men des Unter­neh­mens gehal­ten wur­de oder nicht; ent­schei­dend sind für ihn die Tätig­kei­ten, die zu bewer­ten sind. Andern­falls hät­te, wor­auf bei­spiels­wei­se Eggers/​Korf [7] – nach Auf­fas­sung des FG Düs­sel­dorf zu Recht – hin­wei­sen, der EuGH u. a. im Urteil vom 27.09.2001 [8], ent­schei­den müs­sen, dass auch der Bezug von Divi­den­den in den Anwen­dungs­be­reich der Mehr­wert­steu­er fal­le. Das Finanz­ge­richt folgt damit der in der Lite­ra­tur ver­tre­te­nen Auf­fas­sung, dass sich die Steu­er­bar­keit der Ver­äu­ße­rung der dem Unter­neh­men zuge­ord­ne­ten Betei­li­gun­gen zwin­gend auf den Fall des gewerb­li­chen Wert­pa­pier­han­dels beschränkt [9]. Die gegen­tei­li­ge Auf­fas­sung des BMF [10] beruht, so das FG Düs­sel­dorf, aus den vor­ge­nann­ten Grün­den auf einem Miss­ver­ständ­nis der ein­schlä­gi­gen EuGH-Recht­spre­chung. Die Auf­fas­sung des BMF und damit auch des Beklag­ten wider­spricht auch den im BFH-Urteil vom 01.07.2004 [11] dar­ge­leg­ten Rechts­grund­sät­zen. Der BFH hat aus­ge­führt, dass eine – ansons­ten unter­neh­me­risch täti­ge – Per­so­nen­ge­sell­schaft bei Auf­nah­me eines Gesell­schaf­ters gegen Bar­ein­la­ge (= Ver­äu­ße­rung einer Betei­li­gung an der Gesell­schaft) an die­sen kei­nen steu­er­ba­ren Umsatz und damit auch kei­nen nach § 4 Nr. 8 Buch­sta­be f UStG steu­er­frei­en Umsatz aus­füh­re. Im Fall Secu­ren­ta [12] hat der BFH betont, dass die­sel­ben Grund­sät­ze auch für Kapi­tal­ge­sell­schaf­ten gel­ten.
Selbst wenn – ent­ge­gen allen vor­ste­hen­den Aus­füh­run­gen – ein steu­er­ba­rer und steu­er­frei­er Hilfs­um­satz ange­nom­men wür­de, wäre der Vor­steu­er­ab­zug nicht zu ver­sa­gen. Denn wenn es sich um Hilfs­um­sät­ze i. S. des Art. 19 Abs. 2 Satz 2 der Richt­li­nie 77/​388/​EWG han­delt, so dür­fen sie als steu­er­freie Finanz-Hilfs­um­sät­ze nicht bei der Pro-rata-Berech­nung des abzieh­ba­ren Vor­steu­er­an­teils berück­sich­tigt wer­den; d. h. den Vor­steu­er­ab­zug nicht schmä­lern [13]. Bei einer – wie hier – nur gele­gent­li­chen Betei­li­gungs­ver­äu­ße­rung wer­den regel­mä­ßig nur in begrenz­tem Maße exter­ne Bera­tungs­leis­tun­gen ein­ge­kauft, so dass sie nach dem vom EuGH auf­ge­stell­ten Maß­stab nur Hilfs­um­sät­ze bil­den [14].
Finanz­ge­richt Düs­sel­dorf, Urteil vom 10. Juni 2009 – 5 K 150/​06 U
EuGH, Urtei­le vom 08.02.2007 – Rs C‑435/​05 (Investrand), Rd.Nr. 25, UR 2007, 225; vom 26.05.2005 – Rs. C‑465/​03 (Kretz­tech­nik), Rd.Nr. 19, UR 2005, 382; vom 29.04.2004 – Rs. C – 77/​01 (EDM), Rd.Nr. 57, UR 2004, 292; vom 26.06.2003 – Rs. C‑442/​01 (KapHag Ren­di­te­fonds), Rd.Nr. 40, UR 2003, 443[↩]
EuGH, Urteil vom 29.04.2004 – Rs. C‑77/​01 (EDM), a. a. O., Rd.Nr. 57 ff.[↩]
EuGH, Urteil vom 26.05.2005 – Rs.C‑465/​03 (Kretz­tech­nik), a. a. O.[↩]
EuGH vom 24.02.2005 Rs C‑465/​03 (Kretz­tech­nik), EuGHE 2005, I‑04357‑, Rd.Nr. 35[↩]
EuGH, Urteil vom 14.11.2000 – Rs. C‑142/​99 (Floridienne/​Berginvest), UR 2000, 530[↩]
EuGH, Urteil vom 27.09.2001 – Rs. C‑16/​00 (Cibo Par­ti­ci­pa­ti­on), UR 2001, 500[↩]
Eggers/​Korf, DB 2008, 719 (725[↩]
EuGH, Urteil vom 27.09.2001 – Rs. C‑16/​00 (Cibo Par­ti­ci­pa­ti­on), a. a. O.[↩]
Eggers/​Korf, DB 2008, 719 (725); Feldt, UR 2007, 161 (169), die­ser ins­be­son­de­re auch zum Ver­gleich mit einer Geschäfts­ver­äu­ße­rung im Gan­zen; Eng­lisch, UR 2007, 290; Mühleisen/​Trapp, UR 2007, 633 (637); Wag­ner, Umsatz- und Ver­kehrs­steu­er-Rund­schau – UVR – 2004, 310[↩]
BMF, Schrei­ben vom 26.01.2007, a. a. O.; dem fol­gend Wäger in Fest­schrift für Reiß, 229 (242); Schmidt, UVR 2006, 269 (271); Bir­ken­feld, NWB 18/​2008, Fach 7, 7041 (7043; eher kri­tisch zur Ver­wal­tungs­auf­fas­sung jedoch Feil/​Roscher, BB 2007, 1079, 1083[↩]
BFH, Urteil vom 01.07.2004 – V R 32/​00, BStBl II 2004, 1022 (Fol­ge­ent­schei­dung zum Urteil des EuGH vom 26.06.2003 Rs. C – 442/​01 (KapHag Ren­di­te­fonds), a. a. O.).[↩]
BFH, Urteil vom 18.11.2004 – V R 16/​03, BStBl II 2005, 503[↩]
EuGH, Urteil vom 29.04.2004 – Rs. C – 77/​01 (EDM) a. a. O.; vgl. auch Wag­ner, UVR 2004, 310, 311, mit Hin­weis auf den Vor­la­ge­be­schluss des BFH vom 27.09.2001 im Ver­fah­ren KapHag Ren­di­te­fonds[↩]
Eng­lisch, UR 2007, 290, 299[↩]
Vor­steu­er­be­trä­ge aus Akti­en­ver­kauf Ein Unter­neh­mer kann die in Rech­nun­gen i. S. d. § 14 UStG geson­dert aus­ge­wie­se­ne Umsatz­steu­er für Lie­fe­run­gen und sons­ti­ge Leis­tun­gen, die von ande­ren Unter­neh­mern für…
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