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Timestamp: 2019-12-14 14:12:56
Document Index: 255151512

Matched Legal Cases: ['§ 6', '§ 3', 'Art. 4', 'Art. 16', '§ 1', '§ 1', '§ 49', '§ 49', '§ 34', 'Art. 4']

Wohnsitz in Spanien - Arbeit in Deutschland - frag-einen-anwalt.de
| 02.09.2014 18:05 |
Ich bin Deutsche und lebe seit einigen Jahren in Deutschland und Spanien. Nun habe ich mit meinem spanischen Lebenspartner ein Haus in Spanien gekauft und wir haben zwei kleine Kinder zusammen.
Ich arbeite als freiberufliche Kuenstlerin (Kuenstlersozialkasse -KSK- Mitglied) fuer deutsche Auftraggeber (als Autorin ueber das Internet und teilweise mit Anreise vor Ort in D). Bisher habe ich meinen deutschen Wohnsitz beibehalten, nun muss ich, auf Grund der baldigen Schulpflicht meines aelteren Kindes, den Hauptwohsitz nach Spanien verlegen.
1. Kann ich (und meine Kinder) meinen deutschen (Zweit-) Wohnsitz (bei meinen Eltern) behalten?
2. Kann ich weiter Mitglied der Kuenstlersozialkasse bleiben und die Mitgliedschaft bei der Techniker Krankenkasse behalten (bisher bin ich und meine beiden Kinder dort familienversichert und mit dem Formular E 106 ist es mir und meinen Kindern moeglich, in Spanien zum Arzt zu gehen)
3. Kann ich weiter bei der Deutschen Rentenversicherung einzahlen - und dann spaeter auch Rente bekommen?
4. Kann/ Soll ich weiter meine Steuererklaerung in Deutschland machen?
5. Kann ich weiter Kindergeld bekommen?
6. Da mir kein Pendent zur KSK in Spanien bekannt ist, denke ich, der Aufwand lohnt, wenn moeglich alle Behoerdenangelegenheiten in Deutschland zu belassen. Aber vielleicht macht das gar keinen Sinn? Kann ich es mir bei geschilderter Sachlage ueberhaupt aussuchen, wo ich versteuere und Sozialabgaben zahle?
7. Ich nehme an, die Sachlage aendert sich komplett, wenn (wenn auch nur geringe) spanische Einnahmen dazukaemen? (Diese Frage kann erstmal nur mit Ja oder Nein beantwortet werden)
Einsatz editiert am 02.09.2014 18:15:43
Deutschland Deutschland Rente Wohnsitz Kindergeld
1. Zweitwohnsitz
In Deutschland kann man nur einen Zweitwohnsitz anmelden, wenn der Erstwohnsitz ebenfalls in Deutschland liegt. Darüber hinaus erheben größere deutsche Städte eine s.g. Zweitwohnsitzsteuer.
2. Mitgliedschaft Künstlersozialkasse/ Krankenkasse
Die Auswirkungen einer künstlerischen Auslandsätigkeit auf die Sozialversicherung sind in entsprechenden Sozialversicherungsabkommen geregelt (§ 6 SGB IV).
a)Krankenkasse
Verlegt ein in Deutschland gesetzlich Kranken- und Pflegeversicherter seinen gewöhnlichen Aufenthalt oder Wohnsitz nach Spanien, endet seine Versicherungspflicht und Mitgliedschaft bei der deutschen gesetzlichen Kranken- und Pflegekasse (§ 3 SGB IV).
b) Künstlersozialkasse
Dauert der Aufenthalt in Spanien länger als 24 Monate oder ist eine unbefristete Verlegung des Tätigkeitortes dorthin geplant, gilt die Rechtsordnung des Aufenthaltslandes. Die Versicherung über die KSK kann dann nicht aufrecht erhalten werden.
Ihre Rentenversicherungsbeiträge müssen Sie bei einem Wohnsitzwechsel nach Spanien künftig zum dortigen Rentenversicherungträger zahlen. Dadurch entstehen Ihnen jedoch keine Nachteile. Innerhalb der EU gezahlte Rentenbeiträge werden zusammengezählt.
4. Steuererklärung
Innerhalb der EU gelten sogenannte Doppelbesteuerungsabkommen, um die doppelte Besteuerung des Einkommens zu vermeiden. In der Regel ist man in dem Land steuerpflichtig, in dem man 183 Tage des Jahres ansässig ist. Damit richtet sich die Steuerpflicht in Spanien auch nach dem Prinzip des gewöhnlichen Wohnsitzes (Art. 4 Abs.2 Doppelbesteuerungsabkommen D-E). Gemäß Art. 16 des Abkommens mit dem Königreich Spanien zur Vermeidung der Doppelbesteuerung können Künstler Tätigkeiten, welche in einem anderen Staat als dem Wohnsitzstaat erbracht werden, dort versteuern. Soweit Sie jedoch als Autorin in Spanien tätig sind und lediglich Ihre Werke über das Internet versenden, bleiben Sie in Spanien steuerpflichtig. Selbst wenn Ihre Auftraggeber in Deutschland ansässig sind.
6. Wahlrecht zu Besteuerung/ Sozialabgaben
Die genannten Regelungen sind verbindlich. Man kann sich nicht aussuchen wo man seine Abgaben entrichten möchte. Es gilt grds. das Prinzip des gewöhnlichen Wohnsitzes (siehe oben).
7. Spanische Einnahmen
Da sich die Regelungen sämtlich auf den Wohnsitz beziehen, ist es nicht relevant aus welchem Staat Ihre Einnahmen zufließen.
Nachfrage vom Fragesteller	02.09.2014 | 20:50
Danke fuer Ihre Antwort. Ich hatte auf mehr Aufzeigen von Moeglichkeiten gehofft.
http://www.frag-einen-anwalt.de/Unbeschraenkte-Steuerpflicht-in-Deutschland-bei-Wohnsitz-im-Ausland---f133739.html
hatte ich z.B. ueber die interessante Moeglichkeit der Unbeschraenkten Steuerpflicht gelesen, und frage mich, warum das bei meinem Fall nicht moeglich ist.
http://www.frag-einen-anwalt.de/Hauptwohnsitz-im-Ausland,-Wohnsitz-in-Deutschland-benoetigt---f83303.html
hatte ich gesehen, dass es wohl doch moeglich ist, einen Wohnsitz in D zu behalten, obwohl man hauptsaechlich im Ausland lebt.
Danke fuer Ihre Stellungnahme.
Antwort auf die Nachfrage vom Anwalt 02.09.2014 | 22:11
gerne möchte ich auf Ihre Nachfrage wie folgt eingehen:
§ 1 EStG besagt in Abs. 2:
Unbeschränkt einkommensteuerpflichtig sind auch deutsche Staatsangehörige, die
2. zu einer inländischen juristischen Person des öffentlichen Rechts in einem Dienstverhältnis stehen und dafür Arbeitslohn aus einer inländischen öffentlichen Kasse beziehen.
Da die Voraussetzungen kummulativ vorliegen müssen trifft diese Vorschrift nicht auf Sie nicht zu.
Gemäß § 1 Abs.3 EStG werden auf Antrag auch natürliche Personen als unbeschränkt einkommensteuerpflichtig behandelt, die im Inland weder einen Wohnsitz noch ihren gewöhnlichen Aufenthalt haben, soweit sie inländische Einkünfte im Sinne des § 49 EStG haben.
§ 49 Abs. 3 S. 3 EStG besagt: "Inländische Einkünfte, die nach einem Abkommen zur Vermeidung der Doppelbesteuerung nur der Höhe nach beschränkt besteuert werden dürfen, gelten hierbei als nicht der deutschen Einkommensteuer unterliegend."
Der Hintregrund für diese Regelung ist folgende: Besteuert ein anderes Land dieselben Einkünfte (Doppelbesteuerung) sieht § 34 c Abs. 1 EStG vor, dass die ausländische Steuer auf diese Einkünfte unter den dort genannten Voraussetzungen auf die deutsche Einkommensteuer angerechnet wird, soweit die Doppelbelastung nicht durch ein Doppelbesteuerungsabkommen verhindert wird.
Zu beachten bleibt, dass Sie gemäß Ihres (spanischen) Wohnsitzes in Spanien Einkommenssteuerpflichtig sind.
Um diese Doppelbelastung zu verhindern richtet sich die Steuerpflicht nach Art. 4 Abs.2 Doppelbesteuerungsabkommen D-E (siehe oben).
Sie können Ihren Wohnsitz in Deutschland grundsätzlich behalten. Damit einhergehend bestehen entsprechende Meldepflichten. Wenn Sie in Deutschland gemeldet sind, wird der am Meldeort angegebene Wohnsitz jedoch als Hauptwohnsitz geführt. Im Übrigen führt der Verfasser des genannten Artikels dazu auch aus:
"Zwar wird die Behörde im Regelfall keine Ermittlungen anstellen, wenn Sie hier einen Wohnsitz begründen wollen, jedoch würde es eine Ordnungswidrigkeit darstellen, wenn Sie einen Wohnsitz anmelden, der in Wirklichkeit nicht besteht."
Ich hoffe, Ihre Frage verständlich beantwortet und letzte Zweifel ausgeräumt zu haben und verbleibe mit freundlichen Grüßen.
Bewertung des Fragestellers 04.09.2014 | 10:06
"Ja, meine Fragen wurden beantwortet, aber ohne das Aufzeigen verschiedener Moeglichkeiten. Ich recherchiere momentan weiter und finde auch andere, fuer mich interessantere Antworten auf meine Fragen. Der Einsatz von 75 Euro ist fuer mich nicht wenig, noch dazu in einer anonymen Internetberatung. Ich haette mir mehr erwartet fuer dieses Geld. Ich werde diese Plattform nicht mehr nutzen."
FRAGESTELLER 04.09.2014 3,4/5,0