Source: https://autorechtler.de/news/alleinhaftung-des-lkw-fahrers-beim-nach-links-ziehen-auf-der-autobahn
Timestamp: 2020-06-03 06:42:52
Document Index: 386956583

Matched Legal Cases: ['§ 7', '§ 7', '§ 7', '§ 7', '§ 7', '§ 7', '§ 7', '§ 7', '§ 7', '§ 7', '§ 7', 'BGH']

Alleinhaftung des Lkw-Fahrers beim Nach-Links-Ziehen auf der Autobahn | Autorecht Rechtsanwälte
1. Die Anwendbarkeit des § 7 V StVO auch auf Spurwechsel auf Autobahnen ergibt sich aus der Systematik des § 7 StVO: § 7 I StVO gilt innerhalb und außerhalb geschlossener Ortschaften (Rüth/Berr/Berz, Straßenverkehrsrecht, 2. Aufl. 1988, § 7 StVO Rz. 2; Janiszewski/Heß, Straßenverkehrsrecht, 18. Aufl. 2004, § 7 Rz. 2 a.E.; Hentschel, Straßenverkehrsrecht, 38. Aufl. 2005, § 7 StVO Rz. 6); nur § 7 III StVO enthält eine - ausdrückliche - Beschränkung auf den innerörtlichen Verkehr. Deshalb wird die Anwendbarkeit des § 7 V StVO auch auf Spurwechsel auf Autobahnen regelmäßig ohne weiteres bejaht (vgl. etwa Senat, Urt. v. 15.04.2005 - 10 U 1696/05; v. 01.12.2006 - 10 U 4707/06 (Juris); OLG Nürnberg SP 1994, 6; OLG Frankfurt OLGR 1998, 21, das zurecht darauf hinweist, dass § 7 V StVO auf Autobahnen wegen der dort gefahrenen hohen Geschwindigkeiten in besonderem Maße gilt; OLG Hamm NZV 1995, 194; VersR 1999, 1166; SP 1999, 226; NZV 2000, 373; OLG Düsseldorf SP 2003, 335; AG Gelnhausen SP 2003, 336; Janiszewski/Heß, § 7 StVO Rz. 21). Ein Spurwechsel beginnt bei Überfahren der Fahrbahnmarkierung (Senat, Urt. v. 17.12.2004 - 10 U 3517/04; Hinweis v. 19.01.2005 - 10 U 5277/04; OLG Düsseldorf, Urt. v. 15.06.1977 - 5 U 231/76; Haarmann DAR 1987, 139 [141 unter 2.3]; vgl. auch OLG Schleswig VRS 60 [1981] 306 [308]; OLG Celle DAR 1999, 453; OLG Hamm VersR 2001, 654 [655]; a.A. ohne Begründung KG KGR 2000, 316). Für die Anwendung des § 7 V StVO bedarf es nicht des vollständigen Fahrstreifenwechsels.
2. Ein Mitverschulden des klägerischen Fahrers scheidet aus, eine Mithaftung aus Betriebsgefahr tritt zurück. Auf Grund der von den Parteien nicht angegriffenen Feststellungen des Sachverständigen Dipl.-Ing. L. steht fest, dass der klägerische Fahrer ab der Reaktionsaufforderung („Nach-links-ziehen“) bis zur Kollision nachgewiesen allenfalls 2 Sekunden Zeit gehabt, um mit einer mittleren Schwerpunktsverzögerung von 3 bis 3,5 m/s² die Kollision zu vermeiden (vgl. Gutachten vom 22.01.2010, S.22 = Bl. 111 d.A.). Zieht man noch die Reaktionsverzögerung und den Bremsschwellwert ab, kommt man technisch zwar zu einer Vermeidbarkeit des Unfalls, haftungsrechtlich ist einem Fahrer jedoch bei einer zu späten Reaktion im Bereich von 1,2 Sekunden ohne vorherige, durch sonstige Umstände hervorgerufene besondere Aufmerksamkeitsaufforderungen kein Schuldvorwurf zu machen. Ablenkungen nach vorne in dieser zeitlichen Dimension werden üblicherweise selbst durch die Pflichten der StVO (Blick in den Rückspiegel, Schulterblick, etc.) verursacht.
Entscheidungsdatum:	08.04.2011
Aktenzeichen:	10 U 5122/10
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BGH Urteil vom 25. Mai 2020 - VI ZR 252/19
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