Source: https://www.hensche.de/arbeitsrecht_aktuell_2010_Rechtsprechung.html
Timestamp: 2020-07-13 16:01:53
Document Index: 342335546

Matched Legal Cases: ['BGH', '§ 611', '§ 613', '§ 111', '§ 111', '§ 74', '§ 15', '§ 12', '§ 613', '§ 613', '§ 21', '§ 3', '§ 615', '§ 11', '§ 1', '§ 9', '§ 117', 'EuG', 'EuG', '§ 613']

HENSCHE Arbeitsrecht: Aktuelles Arbeitsrecht 2010: Arbeitsgerichtliche Rechtsprechung, Urteile, Beschlüsse
Ak­tu­el­les Ar­beits­recht 2010: Ar­beits­ge­richt­li­che Recht­spre­chung, Ur­tei­le, Be­schlüs­se
Auf die­ser Sei­te fin­den Sie ak­tu­el­le Be­wer­tun­gen ar­beits­recht­li­cher Ent­schei­dun­gen deut­scher Ge­rich­te, ins­be­son­de­re des Bun­des­ar­beits­ge­richts (BAG) und der Lan­des­ar­beits­ge­rich­te (LAGs), aus dem Jahr 2010.
Bei­trä­ge zum The­ma "Recht­spre­chung" aus an­de­ren Jah­ren fin­den Sie un­ter Ar­beits­recht 2019, Ar­beits­recht 2018, Ar­beits­recht 2017, Ar­beits­recht 2016, Ar­beits­recht 2015, Ar­beits­recht 2014, Ar­beits­recht 2013, Ar­beits­recht 2012, Ar­beits­recht 2011, Ar­beits­recht 2009, Ar­beits­recht 2008, Ar­beits­recht 2007, Ar­beits­recht 2006, Ar­beits­recht 2005, Ar­beits­recht 2004, Ar­beits­recht 2003, Ar­beits­recht 2002 und un­ter Ar­beits­recht 2001.
10/255 Bildmischerin bei einem Fernsehsender: Arbeitnehmerin oder Freie Mitarbeiterin?
30.12.2010. Die Fra­ge, ob je­mand in ei­nem Beschäfti­gungs­verhält­nis Ar­beit­neh­mer oder Frei­er Mit­ar­bei­ter ist, hat weit rei­chen­de ar­beits­recht­li­che, so­zi­al­recht­li­che und steu­er­recht­li­che Fol­gen. Die Ar­beits­ge­rich­te neh­men hier ei­ne Ge­samt­be­trach­tung al­ler Umstände des Ein­zel­falls vor und le­gen be­son­de­res Au­gen­merk auf die Abhängig­keit von Wei­sun­gen und die Ein­glie­de­rung in die be­trieb­li­che Or­ga­ni­sa­ti­on. Im Be­reich des Rund­funks gibt es zwar ei­ni­ge Be­son­der­hei­ten zu be­ach­ten, aber die all­ge­mei­nen Grundsätze der Ab­gren­zung zwi­schen Ar­beit­neh­mern und frei­en Mit­ar­bei­tern gel­ten auch hier: Lan­des­ar­beits­ge­richt München, Ur­teil vom 11.06.2010, 5 Sa 582/09
10/254 Sozialauswahl bei einzelvertraglich vereinbarter Unkündbarkeit.
29.12.2010. Bei ei­ner be­triebs­be­ding­ten Kündi­gung muss un­ter an­de­rem vom Ar­beit­ge­ber ei­ne ord­nungs­gemäße So­zi­al­aus­wahl durch­geführt wer­den. Grundsätz­lich ist an­er­kannt, dass da­bei Ar­beit­neh­mer nicht berück­sich­tigt wer­den müssen, die or­dent­lich "unkünd­bar" sind. Frag­lich ist, ob dies auch dann noch gilt, wenn Ar­beit­neh­mer die­sen be­son­de­ren Kündi­gungs­schutz nur er­hal­ten ha­ben, weil sie im Ge­gen­zug dau­er­haft we­ni­ger Lohn ak­zep­tie­ren. Denn da­durch wer­den Ar­beit­neh­mer, die die­ser Ver­tragsände­rung nicht zu­ge­stimmt ha­ben, qua­si "be­straft": LAG Ber­lin-Bran­den­burg, Ur­teil vom 01.06.2010, 12 Sa 403/10 und 12 Sa 531/10
10/253 Rechtsschutzversicherung muss im Zustimmungsverfahren den Rechtsanwalt eines schwerbehinderten Arbeitnehmers bezahlen.
28.12.2010. Nach Auf­fas­sung des Bun­des­ge­richts­hofs (BGH) ist ein ar­beits­recht­li­cher Rechts­schutz­ver­si­che­rungs­fall bei der be­vor­ste­hen­den Kündi­gung ei­nes schwer­be­hin­der­ten Ar­beit­neh­mers be­reits dann ge­ge­ben, wenn der Ar­beit­ge­ber beim In­te­gra­ti­ons­amt den An­trag auf Zu­stim­mung zur Kündi­gung des Be­trof­fe­nen ge­stellt hat. Der Ver­si­che­rungs­schutz er­streckt sich in die­sem Fall auch auf die Ver­hand­lun­gen und den Ab­schluss ei­nes Auf­he­bungs­ver­tra­ges: Bun­des­ge­richts­hof, Be­schluss vom 02.06.2010, IV ZR 241/09.
10/252 Arbeitgeberseitig eingeleitete Vertragsänderung durch Schweigen des Arbeitnehmers?
27.12.2010. Ar­beits­verträge kom­men wir al­le an­de­ren zi­vil­recht­li­chen Verträge da­durch zu Stan­de, dass ei­ne Ver­trags­par­tei der an­de­ren Ver­trags­par­tei ein An­ge­bot un­ter­brei­tet, wel­ches die­se an­nimmt. We­der das An­ge­bot noch die An­nah­me müssen aus­drück­lich erklärt wer­den, es genügt so ge­nann­tes schlüssi­ges Ver­hal­ten. Das glei­che gilt für Ände­run­gen be­ste­hen­der Verträge. Frag­lich kann da­her in lau­fen­den Ar­beits­verhält­nis­sen sein, was nun ge­nau zwi­schen den Par­tei­en ver­ein­bart wur­de. Denn das bloße Schwei­gen auf ein er­hal­te­nes An­ge­bot ist noch längst nicht des­sen "schlüssi­ge" An­nah­me: Lan­des­ar­beits­ge­richt Nürn­berg, Ur­teil vom 01.06.2010, 7 Sa 402/09.
10/251 Befristung wegen vorübergehenden Bedarfs - Prognose muss genau sein
23.12.2010. Zu den ge­setz­lich aus­drück­lich ge­re­gel­ten Gründen, we­gen der ein Ar­beits­ver­trag be­fris­tet wer­den darf, gehört der "vorüber­ge­hen­de Be­darf". Ob der Be­darf an der Ar­beits­kraft des Ar­beit­neh­mers tatsächlich nur "vorüber­ge­hend" ist, muss der Ar­beit­ge­ber bei der Be­fris­tung pro­gnos­ti­zie­ren. Da­bei darf er sich nicht auf ei­ne "Dau­men­pei­lung" be­schränken, son­dern muss ge­nau nach­rech­nen. Tut er das nicht, hat der be­trof­fe­ne Ar­beit­neh­mer gu­te Chan­cen, dass die Be­fris­tung un­wirk­sam ist und ein un­be­fris­te­tes Ar­beits­verhält­nis be­steht: Lan­des­ar­beits­ge­richt Meck­len­burg-Vor­pom­mern, Ur­teil vom 09.06.2010, 2 Sa 32/10.
10/249 Mobbing: Systematische Würdeverletzungen und feindliches Umfeld erforderlich.
21.12.2010. "Mob­bing" ist ein zu­neh­mend von Ar­beit­neh­mern be­nutz­ter Be­griff, um ei­ne länger an­hal­ten­de, als schi­ka­nie­rend emp­fun­de­ne Be­hand­lung durch den Ar­beit­ge­ber oder Kol­le­gen zu be­schrei­ben. Ju­ris­tisch be­trach­tet han­delt es sich um Verstöße ge­gen bin­den­des Recht, die in ei­ner Ge­samt­schau von an sich "harm­lo­sen" oder je­den­falls erklärba­ren Vorgängen er­kenn­bar wer­den. Doch nicht je­de als lästig oder Be­las­tung emp­fun­de­ne Ver­hal­tens­wei­se ist auch zu­gleich rechts­wid­rig. Nach­voll­zieh­ba­re An­wei­sung und Kri­tik müssen da­her Ar­beit­neh­mer selbst dann hin­neh­men, wenn sie sich "ge­mobbt" fühlen und da­durch psy­chi­sche Pro­ble­me be­kom­men: Lan­des­ar­beits­ge­richt Ber­lin-Bran­den­burg, Ur­teil vom 18.06.2010, 6 Sa 271/10
10/248 Beleidigung eines Vorgesetzten - Entschuldigung kann fristlose Kündigung abwenden
20.12.2010. Gro­be Be­lei­di­gun­gen sind nach der ständi­gen Recht­spre­chung der Ar­beits­ge­rich­te be­rech­ti­gen den Ar­beit­ge­ber grundsätz­lich da­zu, dem Ar­beit­neh­mer außer­or­dent­lich frist­los zu kündi­gen. Doch kein Grund­satz und Aus­nah­me: Bei ei­ner frist­lo­sen Kündi­gung müssen stets die In­ter­es­sen der Ver­trags­par­tei­en ge­gen­ein­an­der ab­ge­wo­gen wer­den. Deut­lich für den Ar­beit­neh­mer und da­mit für die Fort­set­zung des Verhält­nis­ses kann spre­chen, dass die­se sich auf­rich­tig um Wie­der­gut­ma­chung bemüht hat: Lan­des­ar­beits­ge­richt Köln, Ur­teil vom 18.06.2010, 10 Sa 307/10.
17.12.2010. Seit In­kraft­tre­ten des All­ge­mei­nen Gleich­be­hand­lungs­ge­set­zes (AGG) im Jah­re 2006 ste­hen al­ters­be­ding­te Un­gleich­be­hand­lun­gen von Ar­beit­neh­mern zu­neh­mend in der Kri­tik, d.h. in dem Ver­dacht, dass es sich bei ih­nen um ei­ne un­zulässi­ge al­ters­be­ding­te Dis­kri­mi­nie­rung han­delt. Se­hen Ta­rif­verträge z.B. ei­ne bes­se­re Be­zah­lung oder mehr Ur­laubs­ta­ge für älte­re Ar­beit­neh­mer vor, braucht es stich­hal­ti­ge Sach­gründe, um ei­ne ver­bo­te­ne Dis­kri­mi­nie­rung aus­zu­sch­ließen. Das Ar­beits­ge­richt We­sel hat­te kürz­lich zu ent­schei­den, ob der vom Al­ter abhängi­ge Mehr­ur­laub gemäß dem Man­tel­ta­rif­ver­trag für den Ein­zel­han­del in NRW sach­lich ge­recht­fer­tigt oder dis­kri­mi­nie­rend ist: Ar­beits­ge­richt We­sel, Ur­teil vom 11.08.2010, 6 Ca 736/10.
16.12.2010. Mit Streiks soll der Ar­beit­ge­ber oder ein hin­ter ihm ste­hen­der Ar­beit­ge­ber­ver­band zu ta­rif­li­chen Zu­geständ­nis­sen be­wegt wer­den. Das macht kei­nen Sinn, wenn ein kirch­li­cher Ar­beit­ge­ber be­streikt wird, der sich bei der Aus­ge­stal­tung der Rechts­be­zie­hun­gen zu sei­nen Ar­beit­neh­mern für Ar­beits­ver­trags­richt­li­ni­en (AVR) (sog. drit­ter Weg) und nicht für Ta­rif­verträge (sog. zwei­ter Weg) ent­schie­den hat. Al­ler­dings könn­ten Streiks dann zulässig sein, wenn kirch­li­che Ein­rich­tun­gen be­streikt wer­den, die Ta­rif­verträge an­wen­den. Ob hier die Ta­rif­au­to­no­mie oder aber das grund­ge­setz­lich geschütz­te kirch­li­che Selbst­be­stim­mungs­recht höher zu be­wer­ten ist, hat vor kur­zem das Ar­beits­ge­richt Ham­burg ent­schie­den: Ar­beits­ge­richt Ham­burg, Ur­teil vom 01.09.2010, 28 Ca 105/10.
10/245 Weihnachtsgeld auch im gekündigten Arbeitsverhältnis
15.12.2010. Während mit ei­nem drei­zehn­ten Ge­halt die er­brach­te Ar­beits­leis­tung be­zahlt wer­den soll, be­lohnt ein Weih­nachts­geld je nach­dem, wie der An­sa­pruch in ei­nem Ta­rif- oder Ar­beits­ver­trag aus­ge­stal­tet ist, mehr oder we­ni­ger deut­lich die "Be­triebs­treue" des Ar­beit­neh­mers. Da­her kann ein An­spruch auf Weih­nachts­geld Ar­beit­neh­mern vor­ent­hal­ten wer­den, die vor Fällig­keit aus dem Ar­beits­verhält­nis aus­ge­schie­den sind, was bei ei­nem drei­zehn­ten Ge­halt nicht möglich wäre. Aber kann der Ar­beit­ge­ber in sei­nen All­ge­mei­nen Geschäfts­be­din­gun­gen (AGB) Ar­beit­neh­mer im gekündig­ten Ar­beits­verhält­nis ge­ne­rell vom Weih­nachts­geld aus­sch­ließen? Die­se Fra­ge hat­te das Lan­des­ar­beits­ge­richt (LAG) Hamm in ei­ner ak­tu­el­len Ent­schei­dung zu be­ant­wor­ten (LAG Hamm, Ur­teil vom 16.09.2010, 15 Sa 812/10).
10/244 Zutrittsrecht zum Betrieb für gewerkschaftliche Mitgliederwerbung
14.12.2010. Die Fra­ge, wann und in wel­chem Um­fang be­triebs­frem­de Ge­werk­schafts­be­auf­trag­te Be­trie­be be­tre­ten und dort Mit­glie­der­wer­bung ma­chen können, ist ge­setz­lich nicht ge­re­gelt und zwi­schen Ge­werk­schaf­ten und Ar­beit­ge­ber­ver­tre­tern um­strit­ten. Das Bun­des­ar­beits­ge­richt (BAG) hat zwar im Jah­re 2006 ent­schie­den, dass be­triebs­frem­de Ge­werk­schafts­be­auf­trag­te im Prin­zip ein Recht zum Be­triebs­zu­tritt zwecks Mit­glie­der­wer­bung ha­ben (BAG, Ur­teil vom 28.02.2006, 1 AZR 460/04), doch war bis­lang noch nicht geklärt, un­ter wel­chen Umständen und in wel­chem zeit­li­chen Um­fang ein sol­ches Recht be­steht. Zu die­sen Ein­zel­hei­ten hat das BAG vor kur­zem ein Grund­satz­ur­teil gefällt: Bun­des­ar­beits­ge­richt, Ur­teil vom 22.06.2010, 1 AZR 179/09.
10/243 Vorvertrag über künftiges Wettbewerbsverbot ist ohne Zeitgrenze unverbindlich
13.12.2010. Auf nach­ver­trag­li­che Wett­be­werbs­ver­bo­te kann sich der Ar­beit­neh­mer bei sei­ner Be­rufs­pla­nung ein­stel­len. Das al­ler­dings nicht, wenn ein be­ding­tes Wett­be­werbs­ver­bot ver­ein­bart ist: Die­ses soll nur un­ter der Be­din­gung gel­ten, dass der Ar­beit­ge­ber es ein­sei­tig in Gel­tung setzt - was nach der Recht­spre­chung aber zum Schutz des Ar­beit­neh­mers nicht zulässig ist: Wur­de ein be­ding­tes Wett­be­werbs­ver­bot ver­ein­bart, ist es un­ver­bind­lich, d.h. der Ar­beit­neh­mer (und nicht der Ar­beit­ge­ber) kann zwi­schen Be­ach­tung des Ver­bots (ge­gen Ka­ren­zentschädi­gung) und Nicht­be­ach­tung wählen. Aber gilt das auch, wenn sich der Ar­beit­neh­mer vor­ver­trag­lich zur Ein­ge­hung ei­nes Wett­be­werbs­ver­bots ver­pflich­tet hat? Da­zu hat das Bun­des­ar­beits­ge­richt (BAG) in ei­ner ak­tu­el­len Ent­schei­dung Stel­lung ge­nom­men (BAG, Ur­teil vom 14.07.2010, 10 AZR 291/09).
10/242 Schwerbehinderung muss innerhalb von drei Wochen nach Kündigung mitgeteilt werden
10.12.2010. Schwer­be­hin­der­te Men­schen ha­ben eben­so wie be­stimm­te an­de­re Per­so­nen­grup­pen ei­nen be­son­de­ren Kündi­gungs­schutz. Ist die­ser dem Ar­beit­ge­ber nicht be­kannt, müssen Sie sich in ei­ner an­ge­mes­se­nen Frist auf die­sen Schutz be­ru­fen. Ge­schieht das nicht, ist der Son­derkündi­gungs­schutz nach Auf­fas­sung der Recht­spre­chung "ver­wirkt". Das Bun­des­ar­beits­ge­richt hält bei ei­ner durch Be­scheid an­er­kann­ten Schwer­be­hin­de­rung ei­ne Mit­tei­lungs­frist von drei Wo­chen für an­ge­mes­sen. Es ist ab­seh­bar, dass es in die­sem Sin­ne auch für die Mit­tei­lung ei­nes neu­en An­tra­ges auf An­er­ken­nung der Schwer­be­hin­de­rung ent­schei­den wird: Lan­des­ar­beits­ge­richt Schles­wig-Hol­stein, Ur­teil vom 06.07.2010, 1 Sa 403 e/09.
10/241 LAG Hamm folgt Windhundprinzip bei Streit um Vorsitzenden einer Einigungsstelle
09.12.2010. Bei Strei­tig­kei­ten zwi­schen Be­triebs­rat und Ar­beit­ge­ber sie das Be­triebs­ver­fas­sungs­ge­setz die Bil­dung ei­ner Ei­ni­gungs­stel­le vor, die mit de­ren Ver­tre­tern und ei­nen neu­tra­len Vor­sit­zen­den be­setzt wer­den muss. Können sich die Be­triebs­par­tei­en nicht auf die Per­son des Vor­sit­zen­den ei­ni­gen, be­steht die Möglich­keit, ein ar­beits­ge­richt­li­ches Be­set­zungs­ver­fah­ren durch­zuführen. Zwi­schen den letzt­in­stanz­lich zuständi­gen Lan­des­ar­beits­ge­rich­ten ist da­bei um­strit­ten, ob das Ge­richt da­bei an be­an­trag­ten bzw. vor­ge­schla­ge­nen Vor­sit­zen­den ge­bun­den ist oder nicht: Lan­des­ar­beits­ge­richt Hamm, Be­schluss vom 19.07.2010, 10 TaBV 39/10.
10/240 Vertreter der Auszubildenden kann Weiterbeschäftigung vorfristig verlangen
08.12.2010. Die Ju­gend- und Aus­zu­bil­den­den­ver­tre­tung (JAV) ist in vie­ler­lei Hin­sicht mit ei­nem Be­triebs­rat ver­gleich­bar, ins­be­son­de­re was das Kon­flikt­po­ten­ti­al mit dem Ar­beit­ge­ber an­be­langt. Um trotz des mit dem au­to­ma­ti­schen En­de von Be­rufs­aus­bil­dungs­verhält­nis­sen ver­bun­de­nen Dru­ckes ei­ne möglichst un­abhängi­ge Ar­beit der JAV zu gewähr­leis­ten, hat der Ge­setz­ge­ber für de­ren Mit­glie­der ei­nen Schutz in be­son­de­ren Fällen ge­re­gelt. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt Düssel­dorf hat­te Mit­te 2010 die Ge­le­gen­heit, zu ei­ni­gen da­mit ver­bun­de­nen Rechts­fra­gen Stel­lung zu neh­men: Lan­des­ar­beits­ge­richt Düssel­dorf, Be­schluss vom 19.05.2010, 12 TaBV 23/10.
Nacht­ar­beit ist ist ei­ne über­durch­schnitt­lich be­las­ten­de Form der Ar­beits­leis­tung, da Men­schen von Na­tur aus tagak­tiv sind. Das weiß auch der Ge­setz­ge­ber. Das Ar­beits­zeit­ge­setz enthält da­her für Nacht­ar­bei­ter be­son­de­re Schutz­vor­schrif­ten, zu de­nen auch gehört, dass ein an­ge­mes­se­ner Frei­zeit­aus­gleich oder Zu­schlag auf das Brut­to­ge­halt gewährt wer­den muss. Al­ler­dings ver­traut der Ge­setz­ge­ber auch auf die Ta­rif­part­ner und gibt da­her ta­rif­ver­trag­li­chen Aus­gleichs­re­ge­lun­gen den Vor­rang. Nach Auf­fas­sung der Recht­spre­chung muss ei­ne sol­che Re­ge­lung nicht aus­drück­lich ver­ein­bart sein, son­dern kann sich auch aus den Ge­samt­umständen des Ta­rif­ver­tra­ges er­ge­ben: Lan­des­ar­beits­ge­richt Ber­lin-Bran­den­burg, Ur­teil vom 16.04.2010, 10 Sa 276/10.
10/238 Neueinstellung statt Verlängerung eines befristeten Arbeitsverhältnisses ist nicht rechtsmissbräuchlich
06.12.2010. Die Be­fris­tung ei­nes Ar­beits­verhält­nis­ses ist aus Ar­beit­ge­ber­sicht ei­ne an­ge­neh­me Möglich­keit, mit ge­rin­gem Ri­si­ko für bis zu zwei Jah­re ei­nen Ar­beit­neh­mer mit der Aus­sicht auf ei­ne un­be­fris­te­te Stel­le "gefügig" zu ma­chen. Ent­schei­det er sich am En­de die­ser Zeit ge­ge­ben den Ar­beit­neh­mer, hat die­ser - je­den­falls im Ver­gleich zu vie­len Kündi­gungs­si­tua­tio­nen - nur we­nig Spiel­raum, um er­folg­reich ge­gen die Be­fris­tung vor­zu­ge­hen. In ei­nem vor dem Lan­des­ar­beits­ge­richt Rhein­land-Pfalz ver­han­del­ten Fall be­rief sich ei­ne Ar­beit­neh­me­rin bei­spiels­wei­se auf die Rechts­miss­bräuch­lich­keit der Be­fris­tung: Lan­des­ar­beits­ge­richt Rhein­land-Pfalz, Ur­teil vom 13.08.2010, 9 Sa 193/10.
10/237 Beweislast für Lohnzahlungen bei widersprüchlichem Sachvortrag des Arbeitnehmers
03.12.2010. Um ei­nen An­spruch auf Lohn bzw. Ge­halt zu er­hal­ten, muss ein Ar­beit­neh­mer im We­sent­li­chen nur für sei­nen Ar­beit­ge­ber ar­bei­ten. Zahlt die­ser dann nicht, soll­te mit ei­ner Lohn­kla­ge nicht zu lang ge­war­tet wer­den, da hier re­gelmäßig Aus­schluss­fris­ten dro­hen. Im Übri­gen spricht für die­sen Weg, dass der Ar­beit­ge­ber die ent­schei­den­de Be­weis­last trägt. Er muss die be­strit­te­nen Zah­lun­gen be­le­gen, selbst wenn der Ar­beit­neh­mer im Pro­zess zu­vor wi­dersprüchlich oder viel­leicht so­gar verdäch­tig vor­ge­tra­gen hat: Lan­des­ar­beits­ge­richt Rhein­land-Pfalz, Ur­teil vom 19.08.2010, 11 Sa 245/10.
10/236 Mehrfacher Verstoß gegen Anzeigepflicht kann verhaltensbedingte Kündigung rechtfertigen
02.12.2010. Ar­beit­neh­mer sind ver­pflich­tet, ih­rem Ar­beit­ge­ber ei­ne krank­heits­be­ding­te Ar­beits­unfähig­keit und de­ren vor­aus­sicht­li­che Dau­er un­verzüglich mit­zu­tei­len. Zwar han­delt es sich da­bei "nur" um ei­ne Ne­ben­pflicht aus dem Ar­beits­verhält­nis. Aber auch hier gilt, dass ei­ne Häufung von Re­gel­verstößen zu ei­ner ver­hal­tens­be­ding­ten Kündi­gung führen kann: Lan­des­ar­beits­ge­richt Sach­sen-An­halt, Ur­teil vom 24.08.2010, 6 Sa 13/10.
10/234 "Break-Stunden" auf dem Flughafen - Arbeitszeit oder Freizeit?
30.11.2010. Je­der Ar­beit­neh­mer, der länger als 6 St­un­den hin­ter­ein­an­der ar­bei­ten muss, hat das Recht auf ei­ne Pau­se. Ar­beit­ge­ber ver­hal­ten sich ord­nungs­wid­rig, wenn sie die­se ar­beits­recht­lich als so ge­nann­te Ru­he­pau­sen be­zeich­ne­ten Ar­beits­un­ter­bre­chun­gen nicht ord­nungs­gemäß gewähren. Der Sa­che nach han­delt es sich um Frei­zeit, für die kein Ar­beits­lohn ge­zahlt wer­den muss. Vor die­sem Hin­ter­grund können Pau­sen für Ar­beit­neh­mer, die lie­ber ar­bei­ten und Geld ver­die­nen möch­ten, zu ei­nem Ärger­nis wer­den: Lan­des­ar­beits­ge­richt Köln, Ur­teil vom 20.09.2010, 2 Sa 540/10.
10/233 Drohung mit fristloser Kündigung macht Aufhebungsvertrag nur selten anfechtbar
29.11.2010. Ei­ne Un­ter­schrift un­ter ei­nen Auf­he­bungs­ver­trag hat weit rei­chen­de Kon­se­quen­zen. Ne­ben dem Ver­lust des Ar­beits­plat­zes und ei­ner Sperr­zeit beim Be­zug von Ar­beits­lo­sen­geld ist die gra­vie­rends­te, dass sie we­sent­lich schwe­rer aus der Welt zu schaf­fen ist als ei­ne außer­or­dent­li­che Kündi­gung. Das macht sie bei Ar­beit­ge­bern be­liebt und für Ar­beit­neh­mer zu ei­nem im­men­sen Ri­si­ko: Lan­des­ar­beits­ge­richt Ber­lin-Bran­den­burg, Ur­teil vom 05.11.2010, 6 Sa 1442/10.
10/232 (K)eine Beendigung des unbemerkt vom Arbeitgeber ruhenden Arbeitsverhältnisses
26.11.2010. Ar­beits­verhält­nis­se en­den grundsätz­lich nur, wenn ein ge­setz­lich vor­ge­se­he­ner oder all­ge­mein an­er­kann­ter Be­en­di­gungs­tat­be­stand wie bei­spiels­wei­se ei­ne Kündi­gung oder ein Auf­he­bungs­ver­trag grei­fen. Vor die­sem Hin­ter­grund kann es pas­sie­ren, dass meh­re­re Ar­beits­verhält­nis­se gleich­zei­tig ne­ben­ein­an­der ste­hen. Für Ar­beit­neh­mer kann dies zu ei­nem Glücks­fall wer­den, wenn ei­nes der Ar­beits­verhält­nis­se plötz­lich in sei­nem Be­stand gefähr­det ist: Lan­des­ar­beits­ge­richt Schles­wig-Hol­stein, 05.10.2010, 2 Sa 136/10.
10/231 Arbeitgeber muss Elternzeitverlängerung nicht immer zustimmen
25.11.2010. Al­le ar­bei­ten­den El­tern ha­ben das Recht, sich in den ers­ten drei Le­bens­jah­ren ih­res Kin­des nur um die­ses zu kümmern und hierfür ei­ne Aus­zeit von ih­rer Ar­beit zu neh­men. Die­se zwingt den Ar­beit­ge­ber zu lang­fris­ti­gen Per­so­nal­pla­nun­gen. Des­halb müssen Ar­beit­neh­mer ih­ren El­tern­zeit (früher: Er­zie­hungs­ur­laub) teil­wei­se, nämlich für ei­nen Zeit­raum von zwei Jah­ren ab der Ge­burt des Kin­des, im Vor­hin­ein fest­le­gen. Soll die El­tern­zeit in­ner­halb die­ses Zeit­rau­mes verkürzt oder verlängert wer­den, ist frag­lich, ob und un­ter wel­chen Umständen der Ar­beit­ge­ber ein­ver­stan­den sein muss: Lan­des­ar­beits­ge­richt Ba­den-Würt­tem­berg, Teil­ur­teil vom 14.04.2010, 10 Sa 59/09.
10/230 Gesetzlich verlängerte Kündigungsfristen durch Arbeitsvertrag nur ausnahmsweise verkürzbar
24.11.2010. Ei­ne vom Ar­beit­ge­ber aus­ge­spro­che­ne Kündi­gung ist für ei­nen Ar­beit­neh­mer in al­ler Re­gel ei­ne be­las­ten­de Er­fah­rung. Ins­be­son­de­re in klei­nen Be­trie­ben und während ei­ner Pro­be­zeit wird sie in al­ler Re­gel grundsätz­lich wirk­sam und da­mit selbst nicht an­greif­bar sein. Doch auch in die­sem Fall kann ei­ne Kündi­gungs­schutz­kla­ge im wahrs­ten Sin­ne des Wor­tes loh­nen. Geht der Ar­beit­ge­ber nämlich von ei­ner zu kur­zen Kündi­gungs­frist aus, gilt statt­des­sen die rich­tig be­rech­ne­te Kündi­gungs­frist. Mit dem da­durch we­nigs­tens et­was verlänger­ten Ar­beits­verhält­nis ist dann auch in al­ler Re­gel ein ent­spre­chend verlänger­ter Lohn­an­spruch ver­bun­den: Hes­si­sches Lan­des­ar­beits­ge­richt, Ur­teil vom 14.06.2010, 16 Sa 1036/09.
10/229 Schuldanerkenntnis eines Arbeitnehmers nur ausnahmsweise unwirksam
23.11.2010. Im­mer wie­der kommt es vor, dass Ar­beit­neh­mer kurz­fris­tig zu Per­so­nal­gesprächen ge­ru­fen und dort zu Un­ter­schrif­ten mit weit­rei­chen­den Kon­se­quen­zen ge­bracht wer­den. Auf­ge­dräng­te Erklärun­gen wie Auf­he­bungs­verträge, Aus­gleichs­quit­tun­gen und Kla­ge­ver­zicht können Be­trof­fe­ne oh­ne vernünf­ti­ge Gründe völlig recht­los stel­len. Auch wer sich tatsächlich et­was zu schul­den hat kom­men las­sen, soll­te nicht klein bei­ge­ben und ein Schuld­an­er­kennt­nis un­ter­schrei­ben. Sonst kann mit ei­ner Un­ter­schrift die ge­sam­te wirt­schaft­li­che Exis­tenz rui­niert sein: Bun­des­ar­beits­ge­richt, Ur­teil vom 22.07.2010, 8 AZR 144/09.
10/228 Arbeitnehmerüberlassung zu Unterrichtsvertretung durch gemeinnützigen Verein rechtswidrig?
22.11.2010. Ei­ne un­rechtmäßige Ar­beit­neh­merüber­las­sung hat zur Fol­ge, dass zwi­schen dem Ent­lei­her und dem Leih­ar­beit­neh­mer ein Ar­beits­verhält­nis kraft Ge­set­zes zu Stan­de kommt. Zu­gleich ist der Ar­beits­ver­trag zwi­schen dem Ver­lei­her und dem Leih­ar­beit­neh­mer un­wirk­sam. Die Über­las­sung ist un­rechtmäßig, wenn sie oh­ne Er­laub­nis ge­werbsmäßig aus­geübt wird. Ent­schei­dend ist da­mit die Fra­ge, wann Ge­werbsmäßig­keit vor­liegt: Bun­des­ar­beits­ge­richt, Ur­teil vom 02.06.2010, 7 AZR 946/08.
10/227 Anspruch des Arbeitnehmers auf Formulierung seines Zeugnisses durch Prozessvergleich
19.11.2010. Ar­beit­neh­mer ha­ben bei En­de Ih­res Ar­beits­verhält­nis­ses ei­nen ge­setz­li­chen An­spruch auf ein qua­li­fi­zier­tes Ar­beits­zeug­nis, dass der Ar­beit­ge­ber aus­stel­len muss. Aber die Ver­trags­par­tei­en können sich auch dar­auf ei­ni­gen, dass der Ar­beit­neh­mer ein Vor­schlags­recht hat. Je nach der kon­kre­ten For­mu­lie­rung der Ei­ni­gung kann er so­gar ei­nen An­spruch auf ein be­stimm­tes, von ihm vor­ge­ge­be­nes Zeug­nis ha­ben: Lan­des­ar­beits­ge­richt Hamm, Be­schluss vom 04.08.2010, 1 Ta 196/10.
18.11.2010. Nürn­ber­ger Ar­beits­rich­ter zum The­ma Anhörung des Per­so­nal­rats zu Ver­dachtskündi­gung: Ar­beit­ge­ber müssen den Per­so­nal­rat vor ei­ner Ver­dachtskündi­gung um­fas­send in­for­mie­ren. Die bei der Anhörung vor­ge­tra­ge­nen Tat­sa­chen dürfen nicht be­wusst ir­reführend oder ein­sei­tig aus­gewählt sein: Lan­des­ar­beits­ge­richt Nürn­berg, Ur­teil vom 22.06.2010, 5 Sa 820/08.
10/225 Arbeitsvertragliche Vereinbarung eines Bonus durch schlüssiges Verhalten
17.11.2010. Ar­beits­verträge müssen we­der schrift­lich noch aus­drück­lich ab­ge­schlos­sen wer­den, um wirk­sam zu sein. Sie können viel­mehr auch durch so ge­nann­tes schlüssi­ges Ver­hal­ten ver­ein­bart wer­den. Da es schon genügt, wenn ein be­stimm­tes Ver­hal­ten als Ver­trags­an­ge­bot auf­ge­fasst wer­den kann, sind des­halb durch­aus auch un­ge­woll­te Verträge möglich, falls das ver­meint­li­che An­ge­bot an­ge­nom­men wird: Bun­des­ar­beits­ge­richt, Ur­teil vom 21.04.2010, 10 AZR 163/09
10/224 Zugang einer Kündigung in der Wartezeit und Probezeit durch Einwurf in den Briefkasten
16.11.2010. Wird ei­ne Kündi­gung in den Brief­kas­ten des Ar­beit­neh­mers ein­ge­wor­fen, kann sie wirk­sam wer­den, oh­ne dass der Ar­beit­neh­mer die Kündi­gung tatsächlich in den Händen hält: Lan­des­ar­beits­ge­richt Ber­lin-Bran­den­burg, Ur­teil vom 11.06.2010, 6 Sa 747/10.
10/223 Grenzen eines in arbeitsvertraglichen AGB vereinbarten Anspruchs auf Aufwendungsersatz bei Vertragsbeendigung („Ablösungsentschädigung“)
15.11.2010. All­ge­mei­ne Geschäfts­be­din­gun­gen (AGB) sind vor­for­mu­lier­te, nicht ver­han­del­ba­re Klau­seln, die ty­pi­scher­wei­se für ei­ne Viel­zahl von Fällen ge­schaf­fen wur­den. Nicht nur im all­ge­mei­nen Zi­vil­recht, son­dern auch im Ar­beits­recht sind sie weit ver­brei­tet. Ar­beit­ge­ber als "Ver­wen­der" der AGB können durch sie ih­ren in al­ler Re­gel ge­ge­be­nen Ver­hand­lungs­vor­teil ef­fek­tiv nut­zen. Um den Ar­beit­neh­mer da­bei vor zu großen Nach­tei­len zu schützen, sieht das Bürger­li­che Ge­setz­buch (BGB) ei­ne stren­ge Wirk­sam­keits­kon­trol­le die­ser Be­din­gun­gen vor. Spe­zi­ell bei Auf­wands­pau­scha­len kann sich da­her ein ge­nau­er Blick auf den Ar­beits­ver­trag loh­nen: Bun­des­ar­beits­ge­richt, Ur­teil vom 27.07.2010, 3 AZR 777/08
10/222 Lohn aus abgerechneten Zeitguthaben verfällt nicht aufgrund tariflicher Ausschlussfrist
12.11.2010. Aus­schluss­klau­seln sol­len schnell für kla­re Verhält­nis­se sor­gen. Wenn der Ar­beit­ge­ber aber mit ei­ner vor­be­halt­lo­sen (Lohn-)Ab­rech­nung selbst für Klar­heit ge­sorgt hat, ist ei­ne Aus­schluss­frist überflüssig und der An­spruch verfällt nicht. Das Bun­des­ar­beits­ge­richt (BAG) hat die­se Sicht­wei­se in ei­nem ak­tu­el­len Fall auf ab­ge­rech­ne­te Zeit­gut­ha­ben über­tra­gen: BAG, Ur­teil vom 28.07.2010, 5 AZR 521/09.
10/221 Wer entscheidet über eine Namensliste, wenn der Gesamtbetriebsrat den Interessenausgleich abschließt?
11.11.2010. So­zi­alpläne die­nen da­zu, die durch Be­triebsände­run­gen ent­ste­hen­den wirt­schaft­li­chen Nach­tei­le der be­trof­fe­nen Ar­beit­neh­mer ab­zu­mil­dern. Doch fi­nan­zi­ell gut aus­ge­stat­te­te So­zi­alpläne ha­ben oft ei­nen Preis: Ar­beit­ge­ber ver­su­chen, dem Be­triebs­rat im Ge­gen­zug ei­ne Na­mens­lis­te ab­zu­han­deln. Ar­beit­neh­mer, die auf ei­ner sol­chen Na­mens­lis­te ste­hen, soll­ten sich aber nicht vor­schnell ent­mu­ti­gen las­sen. Denn hin und wie­der sind Na­mens­lis­ten for­mal­ju­ris­tisch an­greif­bar: Lan­des­ar­beits­ge­richt Ber­lin-Bran­den­burg, Ur­teil vom 16.07.2010, 13 Sa 758/10.
10/220 Fristlose Kündigung unwirksam trotz Betruges mit 166 Euro Schaden
10.11.2010. Im Fall "Em­me­ly" be­trog ei­ne Kas­sie­rin ih­ren Ar­beit­ge­ber um 1,30 Eu­ro und wur­de des­we­gen frist­los ent­las­sen, d.h. außer­or­dent­lich gekündigt. Be­glei­tet von großem öffent­li­chen In­ter­es­se ge­wann sie nach jah­re­lan­gem Kampf ih­re Kündi­gungs­schutz­kla­ge in der drit­ten In­stanz vor dem Bun­des­ar­beits­ge­richt. Nicht ein­deu­tig be­ant­wor­ten lässt sich die Fra­ge, ob das Ur­teil oder die öffent­li­che Re­ak­ti­on auf die Ent­schei­dun­gen der Vor­in­stan­zen zu ei­nem Wan­del in der ar­beits­recht­li­chen Recht­spre­chung geführt ha­ben. Je­den­falls häufen sich in letz­ter Zeit Veröffent­li­chun­gen zu "Ba­ga­tellkündi­gun­gen", die durch sorgfälti­ge, durch­dach­te Über­le­gun­gen be­ste­chen: Lan­des­ar­beits­ge­richt Ber­lin-Bran­den­burg, Ur­teil vom 16.09.2010, 2 Sa 509/10.
10/216 Im monatlichen "Durchschnitt" festgelegte Arbeitszeitvereinbarung ist unwirksam
04.11.2010. Die Ar­beits­zeit des Ar­beit­neh­mers wird zu­meist im Ar­beits­ver­trag vom Ar­beit­ge­ber vor­ge­ge­ben oder ist in Ta­rif­verträgen fest­ge­legt. Zusätz­lich be­steht die Möglich­keit, dass sie sich auch oh­ne aus­drück­li­che Ver­ein­ba­rung, nämlich still­schwei­gend durch tatsächli­che Hand­ha­bung ändert. Steht im Raum, dass al­le drei Va­ri­an­ten für das Ar­beits­verhält­nis gel­ten könn­ten, kann schnell un­klar und strei­tig sein, in wel­chem zeit­li­chen Um­fang der Ar­beit­neh­mer nun wirk­lich ar­bei­ten muss: Lan­des­ar­beits­ge­richt Köln, Ur­teil vom 21.06.2010, 5 Sa 1353/09.
10/215 Nachweis der Arbeitsunfähigkeit bei Krankheit im Ausland
03.11.2010. Wer we­gen ei­ner Krank­heit ar­beits­unfähig ist, hat für den Zeit­raum von bis zu sechs Wo­chen ei­nen ge­setz­li­chen An­spruch auf Ent­gelt­fort­zah­lung im Krank­heits­fall. Er muss dafür le­dig­lich be­wei­sen dass er ar­beits­unfähig krank ist bzw. war. In al­ler Re­gel ge­schieht dies durch ei­ne Ar­beits­unfähig­keits­be­schei­ni­gung, der nach der Recht­spre­chung ein be­son­ders ho­her Be­weis­wert zu­kommt. Zwar be­steht da­ne­ben grundsätz­lich auch die Möglich­keit, die Ar­beits­unfähig­keit auf an­de­re Wei­se zu be­le­gen. Ei­ne erhöhten Be­weis­wert ha­ben die­se an­de­ren Al­ter­na­ti­ven je­doch nicht. Da­her soll­ten Ar­beit­neh­mer sie dar­auf ach­ten, der kor­rek­te Ar­beits­unfähig­keits­be­schei­ni­gung zu hal­ten. Tun sie das nicht, können sie schnell in die De­fen­si­ve ge­ra­ten: Lan­des­ge­richt Rhein­land-Pfalz, Ur­teil vom 24.06.2010, 11 Sa 178/10.
10/214 Veröffentlichung von Arbeitnehmer-Fotos im Internet
02.11.2010. Erklärt sich ein Ar­beit­neh­mer da­mit ein­ver­stan­den, dass der Ar­beit­ge­ber von ihm ein Fo­to auf­nimmt und es auf sei­ner Home­page veröffent­licht, dann er­lischt das Ein­verständ­nis nicht au­to­ma­tisch mit dem En­de des Ar­beits­verhält­nis­ses. Es muss statt­des­sen aus­drück­lich wi­der­ru­fen wer­den. So je­de­ne­falls das Lan­des­ar­beits­ge­richt (LAG) Schles­wig-Hol­stein in ei­ner ak­tu­el­len Ent­schei­dung (Ur­teil vom 23.06.2010, 3 Sa 72/10).
10/213 Arbeitsgericht Hamburg: Kein Abtretungsverbot durch Betriebsvereinbarung
01.11.2010. Die Ab­tre­tung von Lohn- oder Ab­fin­dungs­ansprüchen kann Ar­beit­neh­mern da­bei hel­fen, ei­ne fi­nan­zi­el­le Kri­se ab­zu­wen­den oder zu be­he­ben. Für Ar­beit­ge­bers die Be­ar­bei­tung ab­ge­tre­te­ner Ansprüche je­doch mit ei­nem zusätz­li­chen Ver­wal­tungs­auf­wand ver­bun­den, weil be­stimm­te Pfändungs­frei­gren­zen zu be­ach­ten sind. In Ar­beits­verträgen wer­den da­her häufig Ab­tre­tungs­ver­bo­te ver­ein­bart. Frag­lich ist, ob sol­che Ver­bo­te auch in Be­triebs­ver­ein­ba­run­gen ver­ein­bart wer­den können: Ar­beits­ge­richt Ham­burg, Ur­teil vom 31.08.2010, 21 Ca 176/10.
10/212 Kündigung eines schwerbehinderten Arbeitnehmers in der Probezeit
29.10.2010. Das Kündi­gungs­schutz­ge­setz (KSchG) und der für Schwer­be­hin­der­te gel­ten­de Son­derkündi­gungs­schutz nach dem Neun­ten Buch So­zi­al­ge­setz­buch (SGB IX) sind erst an­wend­bar, wenn das Ar­beits­verhält­nis mehr als sechs Mo­na­te be­stan­den hat. Ist die­se War­te­zeit noch nicht her­um, können Ar­beit­neh­mer ge­gen ei­ne vom Ar­beit­ge­ber aus­ge­spro­che­ne Kündi­gung da­her meist we­nig ein­wen­den. Ab­ge­se­hen von ei­ner Schwan­ger­schaft hilft dann nur die Be­ru­fung auf all­ge­mei­ne zi­vil­recht­li­che Rechts­grundsätze wie Sit­ten­wid­rig­keit und Treu­wid­rig­keit, die die Ge­rich­te aber meist nie ak­zep­tie­ren. Könn­te ei­ne Pro­be­zeitkündi­gun­gen dar­an schei­tern, dass der Ar­beit­ge­ber ei­ner über die Pro­be­zeit hin­aus­ge­hen­den "länger­fris­ti­gen" Ur­laubs­pla­nung zu­ge­stimmt hat? Lan­des­ar­beits­ge­richt Ber­lin-Bran­den­burg, Ur­teil vom 27.08.2010, 13 Sa 988/10.
10/211 Keine unbezahlte Freistellung bei Gewerkschaftssitzungen
28.10.2010. Ar­beits­verträge ver­pflich­ten den Ar­beit­neh­mer ver­trags­ge­recht zu ar­bei­ten, und den Ar­beit­ge­ber, die­se Ar­beit an­zu­neh­men bzw. ent­spre­chen­de Beschäfti­gung an­zu­bie­ten. Hier­aus folgt ei­ner­seits ein grundsätz­lich be­ste­hen­der Beschäfti­gungs­an­spruch des Ar­beit­neh­mers, an­de­rer­seits aber auch, dass ei­ne Frei­stel­lung nur aus­nahms­wei­se möglich ist. Ab­ge­se­hen von den vie­len ge­setz­lich ge­re­gel­ten bzw. an­er­kann­ten Frei­stel­lungs­ansprüchen gibt es da­her selbst dann kein all­ge­mei­nes "Recht auf Frei­stel­lung", wenn in der frei­en Zeit be­son­ders geschütz­te Grund­rech­te aus­geübt wer­den sol­len: Bun­des­ar­beits­ge­richt, Be­schluss vom 13.08.2010, 1 AZR 173/09.
10/210 Fristlose Kündigung wegen Stromdiebstahls?
27.10.2010. Nach der Ent­schei­dung des Bun­des­ar­beits­ge­rich­tes im Fall "Em­me­ly" scheint sich die ar­beits­ge­richt­li­che Recht­spre­chung zu wan­deln: War früher prak­tisch je­de Straf­tat Grund ge­nug für ei­ne wirk­sa­me außer­or­dent­li­che Kündi­gung, kommt es nun (wie­der) auf die Umstände des Ein­zel­fal­les an. Ins­be­son­de­re die be­an­stan­dungs­freie Dau­er des Ar­beits­verhält­nis­ses kann den mit der Tat ver­bun­de­nen Ver­trau­ens­ver­lust ganz oder teil­wei­se auf­fan­gen. Da­mit stellt sich die Fra­ge, wie "Ver­trau­en" ge­mes­sen wer­den kann: Lan­des­ar­beits­ge­richt (LAG) Hamm, Ur­teil vom 02.09.2010, 16 Sa 260/10.
26.10.2010. Die ar­beits­ge­richt­li­che Recht­spre­chung neigt da­zu, den Ver­hand­lungsküns­ten von Ta­rif­part­nern sehr zu ver­trau­en. Bei der Fra­ge, wie ge­ring Löhne (noch) sein dürfen, oh­ne sit­ten­wid­rig zu sein, ori­en­tie­ren sie sich eng an Ta­rif­verträgen und le­gen ei­nen re­la­ti­ven Maßstab an. Doch zu­gleich ist un­geklärt, wann Ta­rif­verträge sit­ten­wid­rig sind. Den Mut, ei­ne kla­re, ab­so­lu­te Un­ter­gren­ze zu be­nen­nen, hat kaum ein Ge­richt. Ei­ne der we­ni­gen Aus­nah­men ist das So­zi­al­ge­richt Ber­lin: So­zi­al­ge­richt Ber­lin, Be­schluss vom 01.09.2010, S 55 AS 24251/10.
10/208 Ausschlussfrist läuft unabhängig vom Widerspruch
25.10.2010. Wer­den Ar­beit­neh­mer bei ei­nem Be­triebsüber­gang nicht ord­nungs­gemäß be­lehrt, ha­ben sie für Kri­sen­si­tua­tio­nen ei­ne Trumph­kar­te, den so­ge­nann­ten Spätwi­der­spruch, in der Hin­ter­hand. Durch den Wi­der­spruch wird das ei­gent­lich auf den Be­triebs­er­wer­ber über­g­an­ge­ne Ar­beits­verhält­nis mit dem al­ten Ar­beit­ge­ber (dem Be­triebs­veräußerer) fort­ge­setzt, als hätte es nie­mals ge­en­det. Hier ist je­doch Fin­ger­spit­zen­gefühl ge­fragt, den un­ter be­stimm­ten Umständen dro­hen selbst bei der Rück­kehr zum li­qui­den (Alt-)Ar­beit­ge­ber fi­nan­zi­el­le Nach­tei­le durch Aus­schluss­fris­ten: Lan­des­ar­beits­ge­richt München, Ur­teil vom 19.08.2010, 4 Sa 311/10.
10/207 "Minus-Ossi"-Fall endet durch Vergleich
22.10.2010. In Ar­beits­recht ak­tu­ell 10/093 be­rich­te­ten wir über den in der Pres­se als "Os­si-Fall" be­kannt ge­wor­de­nen Dis­kri­mi­nie­rungs­pro­zess ei­ner Buch­hal­te­rin ge­gen ei­nen Fens­ter­bau­er. Sie fühl­te sich we­gen ih­rer eth­ni­schen Her­kunft aus dem Os­ten im Sin­ne des All­ge­mei­nen Gleich­be­hand­lungs­ge­set­zes (AGG) dis­kri­miert, weil sie ih­re Be­wer­bung mit ei­nem "(-) Os­si" - Ver­merk zurück be­kam. Nach­dem ih­re Kla­ge vom Ar­beits­ge­richt Stutt­gart ab­ge­wie­sen wur­de (Ar­beits­ge­richt Stutt­gart, Ur­teil vom 15.04.2010, 17 Ca 8907/09) und da­her in Be­ru­fung ging, ha­ben sich die Par­tei­en nun ver­gli­chen: Lan­des­ar­beits­ge­richt Ba­den-Würt­tem­berg, 8 Sa 31/10.
10/205 Zweite Heirat als Kündigungsgrund?
20.10.2010. Die Kir­chen sind Deutsch­lands größter nicht­staat­li­cher Ar­beit­ge­ber. Durch ihr grund­ge­setz­lich geschütz­tes Selbst­be­stim­mungs­recht so­wie die da­mit eng ver­bun­de­ne Re­li­gi­ons­frei­heit gel­ten da­bei für Ar­beits­verhält­nis­se ei­ne gan­ze Rei­he von Be­son­der­hei­ten. Bei­spiels­wei­se müssen sich Ar­beit­neh­mer im so­ge­nann­ten "verkündungs­na­hen Be­reich" stets darüber im Kla­ren sein, dass sie als Kir­chen­ver­tre­ter die Leh­ren der Kir­che hoch­hal­ten und mit gu­tem Bei­spiel vor­an­ge­hen müssen. Tun sie das nicht, droht ei­ne ver­hal­tens­be­ding­te Kündi­gung: Lan­des­ar­beits­ge­richt Düssel­dorf, Ur­teil vom 01.07.2010, 5 Sa 996/09.
19.10.2010. Ar­beit­ge­ber, die Min­dest­lohn­vor­ga­ben un­ter­schrei­ten und da­her nicht nur dem Ar­beit­neh­mer zu we­nig Lohn zah­len, son­dern auch zu ge­rin­ge So­zi­al­beiträge abführen, können sich we­gen der Nicht­abführung von So­zi­al­beiträgen straf­bar ma­chen: Land­ge­richt Mag­de­burg, Ur­teil vom 29.06.2010, 21 Ns 17/09.
10/203 Widerruf der Dienstwagengestellung aus „wirtschaftlichen Gründen“
18.10.2010. Wenn Dienst­wa­gen auch pri­vat ge­nutzt wer­den dürfen, dann sind sie als Sach­leis­tung Teil der lau­fen­den, steu­er­pflich­ti­gen Vergütung. In die­sem Fall kann der Ar­beit­ge­ber das Nut­zungs­recht nicht oh­ne Wei­te­res wi­der­ru­fen. Er muss sich die­se Möglich­keit viel­mehr ver­trag­lich vor­be­hal­ten ha­ben. Da Verträge zwi­schen Ar­beit­neh­mer und Ar­beit­ge­ber häufig All­ge­mei­ne Geschäfts­be­din­gun­gen sind, muss ein sol­cher Wi­der­rufs­vor­be­halt ho­he recht­li­che An­for­de­run­gen erfüllen. Das Bun­des­ar­beits­ge­richt hat­te Mit­te die­sen Jah­res die Ge­le­gen­heit, die­se in ei­ner Grund­satz­ent­schei­dung zu präzi­sie­ren: Bun­des­ar­beits­ge­richt, Ur­teil vom 13.04.2010, 9 AZR 113/09
10/202 Schutz vor unklaren Ausschlussklauseln
15.10.2010. Nach Ab­lauf ei­ner Aus­schluss­frist, die in Verträgen im Rah­men so­ge­nann­ter Ver­falls- oder auch Aus­schluss­klau­seln ge­re­gelt ist, ver­fal­len Ansprüche un­wie­der­bring­lich. Ar­beit­neh­mer, in de­ren Ar­beits­verträgen sich sol­che Re­ge­lun­gen be­fin­den, wer­den durch das Recht der All­ge­mei­nen Geschäfts­be­din­gun­gen vor Nach­tei­len durch un­kla­re, miss­verständ­li­che oder schlicht un­an­ge­mes­sen be­nach­tei­li­gen­de Ver­ein­ba­run­gen geschützt. Das Bun­des­ar­beits­ge­richt hat nun ent­schie­den, dass dies auch für Geschäftsführer gilt: Bun­des­ar­beits­ge­richt, Ur­teil vom 19.05.2010, 5 AZR 253/09
10/201 Zeitdruck bei falsch berechneter Kündigungsfrist
14.10.2010. Nach­dem ein Ar­beit­neh­mer ei­ne Kündi­gung er­hal­ten hat, muss er sich in­ner­halb von drei Wo­chen ent­schei­den, ob er sich ge­richt­lich weh­ren möch­te. Macht er dies nicht, wird sie un­an­greif­bar wirk­sam. Um­strit­ten ist, ob die Frist auch gilt, wenn der Ar­beit­ge­ber die Kündi­gungs­frist falsch be­rech­net hat und da­her in der Kündi­gung ei­nen zu frühen Be­en­di­gungs­ter­min nennt. Ent­schei­dend wird die­ser Streit, wenn die Kündi­gung nicht aus­ge­legt, d.h. "rich­tig ver­stan­den" wer­den kann und zu spät ver­blei­ben­de Lohn­ansprüche ein­ge­klagt wer­den: Bun­des­ar­beits­ge­richt, Ur­teil vom 01.09.2010, 5 AZR 700/09.
10/197 Klagefrist bei Kündigung im Zweifel einhalten!
08.10.2010. Ein Ar­beits­verhält­nis kann aus ver­schie­de­nen, von­ein­an­der völlig un­abhängi­gen Gründen en­den, die so­gar - eben­falls un­abhängig von­ein­an­der - al­le am glei­chen Tag wir­ken können. Be­fris­tung und Kündi­gung sind die häufigs­ten Be­en­di­gungs­gründe. Wer sein Ar­beits­verhält­nis fort­set­zen (und da­mit länger Lohn be­zie­hen) möch­te, muss sich recht­zei­tig mit ei­ner Kla­ge weh­ren. Was recht­zei­tig ist, wel­che Auf­ga­ben und wel­che Anträge da­bei ge­macht wer­den müssen, hängt vom je­wei­li­gen Be­en­di­gungs­grund ab. Wer­den hier Feh­ler ge­macht und ver­schie­de­ne Gründe durch­ein­an­der­ge­bracht, kann es zu Pro­zes­sen kom­men, die am En­de nur noch als ab­schre­cken­des Bei­spiel für Kom­mu­ni­ka­ti­ons­pro­ble­me tau­gen: Bun­des­ar­beits­ge­richt, Ur­teil vom 22.07.2010, 6 AZR 480/09.
10/196 Weiterbeschäftigung eines Auszubildendenvertreters
07.10.2010. Wie auch an­de­re In­ter­es­sen­ver­tre­ter lau­fen Ju­gend- und Aus­zu­bil­den­den­ver­tre­ter Ge­fahr, ih­rem Ar­beit­ge­ber durch Kon­flik­te ne­ga­tiv auf­zu­fal­len. Da mit dem En­de der Aus­bil­dung auch der Be­rufs­aus­bil­dungs­ver­trag en­det, be­steht hier das Ri­si­ko, nicht als Ar­beit­neh­mer ein­ge­stellt zu wer­den. Das Be­triebs­ver­fas­sungs­ge­setz be­gründet da­her aus­nahms­wei­se kraft Ge­set­zes ein Ar­beits­verhält­nis, das je­doch auf­gelöst wer­den kann, wenn die Wei­ter­beschäfti­gung dem Ar­beit­ge­ber "un­zu­mut­bar" ist. Frag­lich ist, ob dies an­ge­nom­men wer­den kann, wenn Ar­beitsplätze mit Leih­ar­bei­tern be­setzt sind: Bun­des­ar­beits­ge­richt, Be­schluss vom 17.02.2010, 7 ABR 89/08.
10/195 Bundeselterngeld nach Gehaltsnachzahlung neu berechnen!
06.10.2010. El­tern­geld ist als Lohn­er­satz­leis­tung dafür ge­dacht, jun­gen Fa­mi­li­en Zeit für den Nach­wuchs zu ge­ben. Ob das wirt­schaft­lich tatsächlich möglich leibt, kann im Ein­zel­fall frag­lich sein, da nur ein ge­wis­ser An­teil des re­gelmäßigen Ein­kom­mens ge­zahlt wird. Ent­spre­chend wich­tig ist ei­ne rich­ti­ge Be­rech­nung der be­an­spruch­ten Leis­tun­gen. Das Hes­si­sche Lan­des­so­zi­al­ge­richt hat hier im März die­sen Jah­res zu Guns­ten der El­tern ein­ge­grif­fen: Hes­si­sches Lan­des­so­zi­al­ge­richt, Ur­teil vom 03.03.2010, L 6 EG 16/09.
10/194 Assessment-Center sind nicht diskriminierend
05.10.2010. As­sess­ment-Cen­ter sind ein- oder mehrtägi­ge Aus­wahl­ver­fah­ren für ver­schie­dens­te Stel­len. Mit fragwürdi­gen Me­tho­den und zwei­fel­haf­tem Er­folg, aber stets mit großem Zeit- und Geld­auf­wand soll der op­ti­ma­le Be­wer­ber aus den vie­len Kan­di­da­ten her­aus­ge­fil­tert wer­den. Aus Sicht der Teil­neh­mer sind sol­che Tests nicht nur körper­lich, son­dern auch psy­cho­lo­gisch an­stren­gend, weil sich hier die Kon­kur­ren­ten von An­ge­sicht zu An­ge­sicht ge­genüber­ste­hen und beim Kampf um die freie Stel­le oben­drein noch zu­sam­men­ar­bei­ten sol­len. In­wie­weit un­ter die­sen Umständen tatsächlich All­tagsfähig­kei­ten ab­ge­ru­fen wer­den können, ist zwei­fel­haft. Spe­zi­ell bei Men­schen mit Be­hin­de­run­gen ist da­her ei­ne Dis­kri­mi­nie­rung denk­bar: Ar­beits­ge­richt Düssel­dorf, Ur­teil vom 23.04.2010, 10 Ca 7038/09.
10/193 Zeitdruck bei Betriebsänderungen
02.10.2010. Be­triebsände­run­gen können ein­schnei­den­de Verände­run­gen für al­le Beschäftig­ten ei­nes Un­ter­neh­mens mit sich brin­gen. Ab ei­ner ge­wis­sen Größe sieht das Be­triebs­ver­fas­sungs­ge­setz vor, dass der Ar­beit­ge­ber den Be­triebs­rat in­for­miert und sich mit ihm berät, be­vor er sei­ne Pla­nung um­setzt. Da­bei können un­ter er­leich­ter­ten Be­din­gun­gen ex­ter­ne Be­ra­ter hin­zu­ge­zo­gen wer­den. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt München hat die­se Möglich­keit mit we­nig über­zeu­gen­der Be­gründung zeit­lich be­grenzt: Lan­des­ar­beits­ge­richt München, Be­schluss vom 24.06.2010, 2 TaBV 121/09.
10/192 Wiedereinstellungszusage als sachlicher Grund
01.10.2010. Um Ar­beit­neh­mer zu schützen, sieht das Teil­zeit- und Be­fris­tungs­ge­setz (Tz­B­fG) vor, dass grund­lo­se Be­fris­tun­gen nur zeit­lich be­grenzt bei Neu­ein­stel­lun­gen möglich sind. Im Re­gel­fall ist ein sach­li­cher Grund nötig. Das Tz­B­fG gibt zwar ei­ni­ge Sach­gründe vor. Die Lis­te ist je­doch nicht ab­sch­ließend. Da­her können die Ar­beits­ver­trags­par­tei­en - und in letz­ter Kon­se­quenz die Ar­beits­ge­rich­te - Gründe "er­fin­den" und wei­ter­ent­wi­ckeln: Bun­des­ar­beits­ge­richt, Ur­teil vom 02.06.2010, 7 AZR 136/09.
10/191 Recht auf Beschäftigung im Eilverfahren
30.09.2010. Ar­beit­ge­ber sind grundsätz­lich da­zu ver­pflich­tet, Ar­beit­neh­mer ver­trags­gemäß zu beschäfti­gen (§§ 611, 613, 242 Bürger­li­ches Ge­setz­buch - BGB). Wer ge­gen sei­nen Wil­len von sei­ner ver­trags­ge­rech­ten Tätig­keit frei­ge­stellt wird, kann sie ge­richt­lich ein­for­dern. Je nach Ver­fah­rens­art und den Umständen des kon­kre­ten Fal­les sind die recht­li­chen Hürden je­doch un­ter­schied­lich hoch: Hes­si­sches Lan­des­ar­beits­ge­richt, Ur­teil vom 28.06.2010, 16 Sa­Ga 811/10.
10/190 Abbruch einer mit Sicherheit anfechtbaren Betriebsratswahl
29.09.2010. Wahl­vorstände ha­ben ei­ne ver­ant­wor­tungs­vol­le und feh­ler­anfälli­ge Auf­ga­be: Sie be­trei­ben und be­glei­ten die Wahl ei­nes neu­en Be­triebs­ra­tes. Während klei­ne­re "Schnit­zer" noch verständ­lich sind, kann bei schwer­wie­gen­de­ren Feh­lern schnell die Be­rech­ti­gung des Be­triebs­ra­tes zwei­fel­haft sein. Ihm droht dann nach der Wahl die Ge­fahr, nicht ernst ge­nom­men zu wer­den. Manch­mal kann es da­her sinn­voll sein, ei­ne feh­ler­haft ver­lau­fen­de Be­triebs­rats­wahl ab­zu­bre­chen und ei­nen neu­en, ge­ord­ne­te­ren An­lauf zu un­ter­neh­men: Lan­des­ar­beits­ge­richt Schles­wig-Hol­stein, Be­schluss vom 19.03.2010, 4 TaBV­Ga 5/10.
10/189 Schon Unterschrift oder noch Initialen?
28.09.2010. Die Be­fris­tung ei­nes Ar­beits­ver­tra­ges ist nur wirk­sam, wenn Ar­beit­neh­mer und Ar­beit­ge­ber bei­de den Ver­trag un­ter­schrie­ben ha­ben. Manch­mal sind be­stimm­te Schnörkel oder Li­ni­en aber kei­ne Un­ter­schrift, son­dern nur Hand­zei­chen (Initia­li­en). Das ist zu we­nig für ei­nen wirk­sam be­fris­te­ten Ar­beits­ver­trag: Lan­des­ar­beits­ge­richt Ber­lin-Bran­den­burg, Ur­teil vom 26.03.2010, 6 Sa 2345/09.
27.09.2010. Das Ta­rif­ver­trags­ge­setz (TVG) ord­net an, dass Ta­rif­verträge "nach­wir­ken", wenn sie ab­ge­lau­fen sind. Die Re­ge­lun­gen des Ta­rif­ver­trags gel­ten dann wei­ter, bis sie durch an­de­re Ab­ma­chun­gen er­setzt wer­den. Ei­ne be­son­de­re Be­deu­tung ha­ben hier so­ge­nann­te Be­zug­nah­me­klau­seln, die sich seit lan­gem in vie­len Ar­beits­verträgen fin­den. Sie ver­wei­sen für den In­halt des Ar­beits­verhält­nis­ses auf ei­nen Ta­rif­ver­trag. Ob sie die Nach­wir­kung von Ta­rif­verträgen zum Nach­teil des Ar­beit­neh­mers ver­hin­dern können, ist un­klar: Ar­beits­ge­richt Mann­heim, Ur­teil vom 27.05.2010, 8 Ca 544/09.
10/187 Verhandlungspflicht bei Zielvereinbarung
24.09.2010. Ziel­ver­ein­ba­run­gen sind ar­beits­ver­trag­li­chen Ne­ben­ab­re­den, in de­nen sich der Ar­beit­neh­mer ver­pflich­tet, be­stimm­te Vor­ga­ben an­zu­stre­ben. Je näher er dem ge­steck­ten Ziel kommt, des­to höher fällt sei­ne Prämie aus. In der Re­gel wird auf Grund­la­ge ei­ner grundsätz­li­chen Rah­men­ver­ein­ba­rung je­des Jahr neu über die an­zu­stre­ben­den Er­geb­nis­se ver­han­delt. Un­terlässt dies der Ar­beit­ge­ber und ent­geht dem Ar­beit­neh­mer da­durch ei­ne Prämie, kann ein Scha­dens­er­satz­an­spruch ge­ge­ben sein. Frag­lich ist je­doch, ob dies auch der Fall ist, wenn die al­ten Zie­le für den Fall wei­ter­gel­ten sol­len, dass kei­ne neue aus­ge­han­delt wer­den: Bun­des­ar­beits­ge­richt, Ur­teil vom 12.05.2010, 10 AZR 390/09.
10/186 Recht des Betriebsrates auf eigenen (Farb-)Drucker
23.09.2010. Das Be­triebs­ver­fas­sungs­ge­setz ver­pflich­tet Ar­beit­ge­ber, die Kos­ten ei­nes bei ihm be­ste­hen­den Be­triebs­ra­tes zu über­neh­men und ihm al­le Mit­tel zur Verfügung zu stel­len, die er für sei­ne Ar­beit benötigt. Be­schränkt wird die­ser Grund­satz da­durch, dass die Kos­ten und Mit­tel "er­for­der­lich" sein müssen. Was er­for­der­lich ist und was nicht, kann der Be­triebs­rat in be­stimm­ten Um­fang selbst be­stim­men. Al­ler­dings gibt es auch hier Gren­zen, und um de­ren Ein­hal­tung wird im­mer wie­der - durch­aus ver­meid­bar - durch al­le In­stan­zen vor Ge­richt ge­strit­ten: Lan­des­ar­beits­ge­richt Hamm, Be­schluss vom 18.06.2010, 10 TaBV 11/10.
10/185 Probezeitkündigung einer Krankenhausdirektorin
22.09.2010. Ar­beit­ge­ber, in de­ren Be­trie­ben ein Per­so­nal- oder Be­triebs­rat be­steht, müssen die­sen bei ei­ner be­ab­sich­tig­ten Kündi­gung anhören und ihm die Kündi­gungs­gründe mit­tei­len. Oh­ne ei­ne ord­nungs­gemäße Anhörung ist die Kündi­gung un­wirk­sam. Spe­zi­ell in der Pro­be- bzw. War­te­zeit, wenn der Kündi­gungs­schutz noch schwach ist, kann für gekündig­te Ar­beit­neh­mer schnell ent­schei­dend wer­den, un­ter wel­chen Umständen "ord­nungs­gemäß" an­gehört wur­de: Bun­des­ar­beits­ge­richt, Ur­teil vom 22.04.2010, 6 AZR 828/08.
21.09.2010. Ta­rif­li­che Re­ge­lun­gen, die vor­se­hen, dass ein Ar­beits­verhält­nis au­to­ma­tisch en­det, wenn ei­ne be­stimm­te (Ren­ten-) Al­ters­gren­ze er­reicht wird, kann man sa­lopp als "Zwangs­pen­sio­nie­run­gen" be­zeich­nen. An­ge­sichts neu­er Stu­di­en und ei­ner noch nicht völlig geklärten Rechts­la­ge soll­ten Ar­beit­neh­mer, die wei­ter ar­bei­ten möch­ten, nicht ein­fach auf­ge­ben, son­dern um ih­ren Ar­beits­platz kämp­fen. Je­den­falls Flug­be­glei­ter/in­nen ha­ben da­bei vor Ge­richt gu­te Chan­cen: Bun­des­ar­beits­ge­richt, Ur­teil vom 23.06.2010, 7 AZR 1021/08.
10/183 Trennung von Betriebsratsarbeit und Arbeitskampf
20.09.2010. Mit­glie­der des Be­triebs­ra­tes dürfen zwar nicht in ih­rer eh­ren­amt­li­chen Funk­ti­on, wohl aber als Pri­vat­leu­te an Streiks und an­de­ren Ar­beits­kampf­maßnah­men teil­neh­men. Be­triebsräte ha­ben im­mer wie­der Schwie­rig­kei­ten da­mit, die­se bei­den Ebe­nen zu tren­nen. Da das be­triebs­ver­fas­sungs­recht­li­che Ar­beits­kampf­ver­bot je­doch ein wich­ti­ger, von Ge­rich­ten sehr ernst ge­nom­me­ner Grund­satz ist, dro­hen hier nicht nur ver­meid­ba­re Kon­flik­te, son­dern so­gar Un­ter­las­sungs­ansprüche: Lan­des­ar­beits­ge­richt München, Be­schluss vom 06.05.2010, 3 TaBV­Ga 10/10.
10/182 Hoher Schadensersatz nur für den Besten
17.09.2010. Das All­ge­mei­ne Gleich­be­hand­lungs­ge­setz soll un­ter an­de­rem die Dis­kri­mi­nie­rung we­gen des Al­ters ver­hin­dern. Ins­be­son­de­re in Stel­len­an­zei­gen kom­men un­ge­recht­fer­tig­te Be­nach­tei­li­gun­gen aber im­mer wie­der vor. Er­folg­lo­se, dis­kri­mi­nier­te Be­wer­ber ha­ben in sol­chen Fällen An­spruch auf ei­ne Entschädi­gung. Zu de­ren Vor­aus­set­zun­gen hat vor kur­zem das Bun­des­ar­beits­ge­richt Stel­lung ge­nom­men: Bun­des­ar­beits­ge­richt, Ur­teil vom 19.08.2010, 8 AZR 530/09.
10/181 Gericht erschwert Kündigung von Betriebsräten
16.09.2010. Be­triebsräte ha­ben die Auf­ga­be, die In­ter­es­sen der Be­leg­schaft ei­nes Be­trie­bes ge­genüber dem Ar­beit­ge­ber zu ver­tre­ten. Da­mit Be­triebs­rat­mit­glie­der bei Kon­flik­ten oh­ne Furcht vor ar­beits­recht­li­chen Maßnah­men auf Au­genhöhe mit dem Be­triebs­part­ner ver­han­deln können, sieht das Be­triebs­ver­fas­sungs­ge­setz (Be­trVG) für sie ei­nen spe­zi­el­len Kündi­gungs­schutz vor, der Mit­glie­der des Be­triebs­ra­tes zwar nicht un­an­greif­bar macht, ih­re Kündi­gung je­doch ex­trem er­schwert: Lan­des­ar­beits­ge­richt Nie­der­sach­sen, Ur­teil vom 22.01.2010, 10 Sa 424/09
10/180 Vorgesetzte beleidigt man nicht
15.09.2010. Ar­beit­neh­mer, die ih­ren Ar­beit­ge­ber, Kol­le­gen oder Kun­den be­lei­di­gen oder un­sach­lich kri­ti­sie­ren, ri­sikie­ren ei­ne Ab­mah­nung oder so­gar ei­ne ver­hal­tens­be­ding­te Kündi­gung. Aber auch wer un­be­rech­tigt oder je­den­falls un­rechtmäßig ab­ge­mahnt wur­de, soll­te sich gut über­le­gen, ob des­we­gen wirk­lich gleich vor Ge­richt zieht. Ei­ne fal­sche Ent­schei­dung kann hier großen Scha­den an­rich­ten, wie ein Fall aus Schles­wig-Hol­stein zeigt: Lan­des­ar­beits­ge­richt Schles­wig-Hol­stein, Ur­teil vom 07.04.2010, 6 Sa 472/09.
10/179 Urlaubsübertragung auch bei Arbeitsfähigkeit?
14.09.2010. Das Bun­des­ur­laubs­ge­setz (BUrlG) enthält ziem­lich star­re Re­ge­lun­gen für die Über­tra­gung des nicht ge­nom­me­nen Ur­laubs auf das Fol­ge­jahr. So selbst­verständ­lich, wie die Über­tra­gung prak­tisch meist ge­hand­habt wird, ist sie nämlich nicht, und auch dann, wenn der Ur­laub den Vor­schrif­ten des Ge­set­zes ent­spre­chend auf das Fol­ge­jahr über­tra­gen ist, geht er im Re­geln spätes­tens zum 31. März des Fol­ge­jah­res un­ter, falls bis da­hin nicht ge­nom­men wird. Al­ler­dings sind güns­ti­ge­re Re­ge­lun­gen auf der Ebe­ne des Ar­beits­ver­trags möglich. Sie können auch ein jah­res­lan­ges An­spa­ren von Ur­laub vor­se­hen: Lan­des­ar­beits­ge­richt Düssel­dorf, Ur­teil vom 31.03.2010, 12 Sa 1512/09.
10/177 Unsachliche Motive für Ablehnung eines Bewerbers
10.09.2010. Die im All­ge­mei­nen Gleich­be­hand­lungs­ge­setz ge­re­gel­ten Dis­kri­mi­nie­rungs­ver­bo­te er­fas­sen ins­be­son­de­re auch die Stel­len­aus­schrei­bung und Stel­len­be­set­zung. Bis­lang noch nicht höchst­rich­ter­lich ent­schie­den war und nun vom Bun­des­ar­beits­ge­richt ver­neint wur­de die Fra­ge, ob man auch dann von ei­ner un­zulässi­gen Be­nach­tei­li­gung ei­nes Be­wer­bers spre­chen kann, wenn die­sem dis­kri­mi­nie­rend ab­ge­sagt wird, er aber auch nicht al­le sach­lich ge­recht­fer­ti­gen An­for­de­run­gen erfüllt: Bun­des­ar­beits­ge­richt, Ur­teil vom 19.08.2010, 8 AZR 466/09.
10/176 Häusliches Arbeitszimmer steuerlich absetzbar
09.09.2010. Ar­beit­neh­mer und Selbständi­ge möch­ten gern ihr häus­li­ches Ar­beits­zim­mer von Steu­er ab­set­zen, das Fi­nanz­amt möch­te gern Steu­ern ein­trei­ben. Di­rek­te Fol­ge die­ses In­ter­es­sen­kon­flikts ist ei­ne Art "Ar­beits­zim­mer-Steu­e­recht", das zu­letzt 2007 verschärft wur­de. Das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt hat­te die­se Ände­rung nun ge­kippt: Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt, Be­schluss vom 06.07.2010, 2 BvL 13/09.
10/173 Tariflicher Rentenzwang bei der Hamburger Hochbahn unwirksam
06.09.2010. Ta­rif­li­che Re­ge­lun­gen, nach de­nen Ar­beits­verhält­nis­se au­to­ma­tisch mit Be­ginn des Ren­ten­al­ters en­den ("Zwangs­pen­sio­nie­run­gen") stel­len ei­ne Be­nach­tei­li­gung we­gen des Al­ters nach. Sie sind nur dann nicht dis­krim­nie­rend, wenn es für sie gu­te Gründe gibt. In der ar­beits­recht­li­chen Recht­spre­chung ist äußerst um­strit­ten, un­ter wel­chen Vor­aus­set­zun­gen ein sol­cher "gu­ter Grund" vor­liegt. Das Ar­beits­ge­richt Ham­burg hat kürz­lich in ei­nem von der Kanz­lei Hen­sche Rechts­anwälte er­strit­te­nen Ur­teil pau­scha­len Vorwänden ei­ne Ab­sa­ge er­teilt: Ar­beits­ge­richt Ham­burg, Ur­teil vom 26.07.2010, 22 Ca 33/10.
10/172 Nichterhebung der Kündigungsschutzklage führt zur Verwirkung des Widerspruchsrechts
03.09.2010. Ar­beit­neh­mer, de­ren Be­trieb auf ei­nen an­de­ren Ar­beit­ge­ber über­geht, wer­den nach § 613a BGB zu­gleich au­to­ma­tisch Ar­beit­neh­mer die­ses Er­wer­bers. Sie können ge­gen die­sen Über­gang des Ar­beits­verhält­nis­ses je­doch wi­der­spre­chen. Wenn sie nicht ord­nungs­gmäß über den Wech­sel be­lehrt wur­den, be­steht die­ses Recht so­gar zeit­lich weit­ge­hend un­be­schränkt. Un­ter wel­chen Umständen das Wi­der­spruchs­recht je­doch gleich­wohl ver­lo­ren ge­hen kann, hat das Bun­des­ar­beits­ge­richt Mit­te 2010 ausführ­lich zu­sam­men­ge­fasst: Bun­des­ar­beits­ge­richt, Ur­teil vom 22.04.2010, 8 AZR 805/07.
10/171 Sonderkündigungsschutz für Ersatzmitglieder eines Betriebsrates
02.09.2010. Er­satz­mit­glie­der ei­nes Be­triebs­ra­tes sind an­ders als die Be­triebs­rats­mit­glie­der an sich in kei­ner Wei­se pri­vi­le­giert. Erst wenn sie in den Be­triebs­rat (zeit­wei­se oder dau­er­haft) nachrücken, steht ih­nen der ge­setz­li­che Son­derkündi­gungs­schutz zu, der die­ses oft kon­fliktträch­ti­ge Eh­ren­amt recht­lich ab­si­chert. Was an sich nach ei­ner ein­fa­chen und nach­voll­zieh­ba­ren Re­ge­lung klingt, kann im Ein­zel­fall vie­le schwie­ri­ge prak­ti­sche und recht­li­che Fra­gen mit sich brin­gen: Lan­des­ar­beits­ge­richt Düssel­dorf, Ur­teil vom 26.04.2010, 16 Sa 59/10.
10/170 Maßstab für Schwellenwert nach § 111 BetrVG ist Gesamtbelegschaft
01.09.2010. Das Kündi­gungs­schutz­ge­setz er­leich­tert Ar­beit­ge­bern ei­ne be­triebs­be­ding­te Kündi­gung, wenn sie auf­grund ei­ner Be­triebsände­rung nach § 111 des Be­triebs­ver­fas­sungs­ge­set­zes er­folgt und die Na­men der Kündi­gungs­kan­di­da­ten in ei­nem In­ter­es­sen­aus­gleich ge­nannt wer­den. Die Be­triebsände­rung muss da­bei "er­heb­li­che Tei­le" der Be­leg­schaft be­tref­fen. Bis­her nicht deut­lich ge­nug wur­de in der Recht­spre­chung die Fra­ge the­ma­ti­siert, ob die Be­leg­schaft des ge­sam­ten Be­trie­bes oder (nur) der be­trof­fe­nen Ab­tei­lung Maßstab für die Fra­ge der Er­heb­lich­keit ist. Ei­ne schon et­was älte­re Ent­schei­dung des Lan­des­ar­beits­ge­rich­tes Ba­den-Würt­tem­berg sorgt für Klar­heit: Lan­des­ar­beits­ge­richt Ba­den-Würt­tem­berg, Ur­teil vom 21.09.2009, 4 Sa 41/08.
10/169 BAG stärkt Meinungsfreiheit des Betriebsrats
31.08.2010. Be­triebsräte sind zwar das Sprach­rohr der Be­leg­schaft des Be­trie­bes, eben­so wie der Ar­beit­ge­ber ha­ben sie aber nach § 74 Abs.2 Satz 3 Be­trVG je­de par­tei­po­li­ti­sche Betäti­gung im Be­trieb zu un­ter­las­sen. Er­laubt sind hin­ge­gen all­ge­mein­po­li­ti­sche Äußerun­gen. Das Bun­des­ar­beits­ge­richt hat im März 2010 in ei­ner durch­aus über­ra­schen­den Ent­schei­dung die Ab­gren­zung zwi­schen die­sen bei­den po­li­ti­schen Betäti­gungs­for­men stärker zu Guns­ten des Be­triebs­ra­tes be­tont: Bun­des­ar­beits­ge­richt, Be­schluss vom 17.03.2010, 7 ABR 95/08
10/168 Beweiswert einer Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung bei Selbstbeschreibung als "topfit"
30.08.2010. Ei­ner ärzt­li­chen Ar­beits­unfähig­keits­be­schei­ni­gung hat grundsätz­lich ei­nen ho­hen Be­weis­wert. Um die­sen zu erschüttern, müssen zwei­feln­de Ar­beit­ge­ber har­te Fak­ten vor­le­gen. Ein klas­si­sches ar­beits­recht­li­ches Streit­feld ist da­her die Fra­ge, ob die vor­ge­leg­ten Fak­ten aus­rei­chen. Nur dann ist der Ar­beit­neh­mer nämlich in der Pflicht und muss sei­ne Ar­beits­unfähig­keit auf an­de­re Wei­se be­wei­sen, um in den Ge­nuss der Ent­gelt­fort­zah­lung im Krank­heits­fall zu kom­men. Das Hes­si­sche Lan­des­ar­beits­ge­richt ent­schied An­fang 2010, ob schon un­vor­sich­ti­ge Äußerun­gen des Ar­beit­neh­mers in­so­weit schädlich sein können: Hes­si­sches Lan­des­ar­beits­ge­richt, Ur­teil vom 08.02.2010, 16 Sa 890/09
10/167 Beleidigung eines unerkannten Kunden
27.08.2010. Ins­be­son­de­re im Um­gang mit schwie­ri­gen Mit­men­schen ist es men­sch­lich verständ­lich, wenn Ar­beit­neh­mer an­ge­sichts der zu­neh­men­den Stress­be­las­tung im Be­ruf im Ein­zel­fall "die Ner­ven ver­lie­ren". Eben­so verständ­lich ist es je­doch auch, dass der Ar­beit­ge­ber sei­ne (ge­genwärti­gen und mögli­chen) Kun­den gut be­han­delt wis­sen möch­te. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt Schles­wig-Hol­stein ent­schied darüber, wie ei­ne sol­che Kon­flikt­si­tua­ti­on gelöst wer­den soll­te: Lan­des­ar­beits­ge­richt Schles­wig-Hol­stein, Ur­teil vom 08.04.2010, 4 Sa 474/09
10/161 Geldentschädigung für diskriminierende Kündigung
19.08.2010. Mit dem All­ge­mei­nen Gleich­be­hand­lungs­ge­setz sol­len Be­nach­tei­li­gun­gen aus Gründen der Ras­se oder we­gen der eth­ni­schen Her­kunft, des Ge­schlechts, der Re­li­gi­on oder Welt­an­schau­ung, ei­ner Be­hin­de­rung, des Al­ters oder der se­xu­el­len Iden­tität ver­hin­dert oder zu­min­dest be­sei­tigt wer­den. Um­strit­ten ist, ob die­ses Ge­setz auf bei dis­kri­mi­nie­ren­den Kündi­gun­gen an­zu­wen­den ist und da­bei in ers­ter Li­nie, ob ei­ne Gel­dentschädi­gung nach § 15 AGG ver­langt wer­den darf. Das LAG Bre­men sprach sich kürz­lich hierfür aus: Lan­des­ar­beits­ge­richt Bre­men, Ur­teil vom 29.06.2010, 1 Sa 29/10
10/160 Emmely II?
18.08.2010. Beim Lan­des­ar­beits­ge­richt Ber­lin-Bran­den­burg ist ein Kündi­gungs­rechts­streit anhängig, der mögli­cher­wei­se ge­eig­net ist, die seit Em­me­ly all­ge­mein be­kann­te Pro­ble­ma­tik der In­ter­es­sen­abwägung bei außer­or­dent­li­chen Kündi­gun­gen in­halt­lich zu be­rei­chern. Nach 40 Jah­ren Be­triebs­zu­gehörig­keit wur­de ei­ne Bahn­an­ge­stell­te frist­los ent­las­sen, weil sie bei Ge­le­gen­heit ih­rer Ju­biläums­fei­er ih­ren Ar­beit­ge­ber um 166 Eu­ro be­trog: Lan­des­ar­beits­ge­richt Ber­lin-Bran­den­burg, Ak­ten­zei­chen 2 Sa 509/10
10/159 Interessenkollision bei Beschluss des Betriebsrats
17.08.2010. Ob­wohl Sit­zun­gen und Be­schlüsse All­tag für Be­triebsräte sind, kommt es im­mer wie­der zu ver­meid­ba­ren Feh­lern. Die­se können teil­wei­se gra­vie­ren­de Aus­wir­kun­gen ha­ben, da man­che Be­schlüsse nicht wie­der­holt wer­den können. Ein ty­pi­sches Bei­spiel ist die Zu­stim­mung (oder Ver­wei­ge­rung der Zu­stim­mung) zu ei­ner Ein­stel­lung: Ar­beits­ge­richt Cott­bus, Ur­teil vom 09.02.2010, 6 BV 46/09
10/158 Befristeter Arbeitsvertrag: Nachträgliche Vereinbarung einer Befristung
16.08.2010. Gewöhn­li­che Ar­beits­verträge dürfen un­ter den Vor­aus­set­zun­gen des Teil­zeit- und Be­fris­tungs­ge­set­zes zeit­lich be­fris­tet wer­den. Stets muss die Be­fris­tung schrift­lich er­fol­gen. Im Ein­zel­fall kann aber schnell zwei­fel­haft wer­den, ob das vor­han­de­ne Schriftstück über­haupt ei­ne wirk­sa­me schrift­li­che Be­fris­tung ist oder ob nicht viel­mehr ei­ne münd­li­che Ver­ein­ba­rung le­dig­lich "auf­ge­schrie­ben" wer­den soll­te. Ähn­lich ge­la­gert ist die Fra­ge, ob ein ursprüng­lich oh­ne Be­fris­tung ver­ein­bar­tes Ar­beits­verhält­nis nachträglich schrift­lich be­fris­tet wer­den darf: Hes­si­sches Lan­des­ar­beits­ge­richt, Ur­teil vom 08.02.2010, 16 Sa 1032/09
10/156 Probezeitvereinbarung mit unzulässig kurzer Kündigungsfrist
12.08.2010. Seit 2002 wer­den Ar­beit­neh­mer durch AGB-Recht geschützt. Es ver­hin­dert stärker als die bis­he­ri­ge Recht­spre­chung un­an­ge­mes­se­ne Be­nach­tei­li­gun­gen in Ar­beits­verträgen. Un­an­ge­mes­se­ne Klau­seln sind in je­dem Fall un­wirk­sam. Es gilt statt­des­sen die ge­setz­li­che Re­ge­lung. Pro­ble­ma­tisch kann aber wei­ter­hin sein, wann ei­ne Klau­sel "un­an­ge­mes­sen" ist: Lan­des­ar­beits­ge­richt Rhein­land-Pfalz, Ur­teil vom 30.04.2010, 9 Sa 776709.
10/155 Internet und E-Mail für jedes Betriebsratsmitglied
11.08.2010. Trotz ei­ner auf den ers­ten Blick klar for­mu­lier­ten Re­ge­lung im Be­triebs­ver­fas­sungs­ge­setz strei­ten Ar­beit­ge­ber und Be­triebs­rat im­mer wie­der über die Be­reit­stel­lung von In­ter­net- und E-Mail-Zugängen. Ein wich­ti­ger Streit­punkt ist da­bei die Fra­ge, ob der Be­triebs­rat nur ins­ge­samt als Gre­mi­um oder je­des ein­zel­ne Be­triebs­rats­mit­glied die Zugänge be­kom­men muss: Bun­des­ar­beits­ge­richt, Be­schluss vom 14.07.2010, 7 ABR 80/08
10/154 Schichtwechsel statt Kündigung
10.08.2010. Er­mah­nun­gen, Ab­mah­nun­gen, die Nut­zung des Wei­sungs­rechts (z.B. ei­ne Ver­set­zung) und die Ände­rungskündi­gung sind ver­schie­de­ne Möglich­kei­ten, ei­ne Kündi­gung zu ver­mei­den. Als "Notlösung" darf sie dem­ent­spre­chend nur aus­ge­spro­chen wer­den, wenn kein an­de­res Mit­tel mehr zu ei­nem störungs­frei­en Ar­beits­verhält­nis führen kann. Wie ernst die­ser Grund­satz in der Recht­spre­chung ge­nom­men wird, zeigt ei­ne et­was ver­wun­der­li­che Ent­schei­dung des Hes­si­schen Lan­des­ar­beits­ge­rich­tes: Hes­si­sches Lan­des­ar­beits­ge­richt, Ur­teil vom 08.03.2010, 16 Sa 1280/09
10/153 Kündigung wegen angeblichen Spesenbetrugs
09.08.2010. Kündi­gun­gen we­gen Ba­ga­tell­de­lik­ten können als nach ei­ner Anhörung als Ver­dachtskündi­gung oder als Tatkündi­gung aus­ge­spro­chen wer­den. Ar­beit­ge­ber nei­gen da­zu, vor­schnell zu die­sen ar­beits­recht­li­chen Maßnah­men zu grei­fen und über­se­hen da­bei häufig, dass ein of­fe­nes Wort kon­struk­ti­ver und kos­ten­spa­ren­der sein könn­te als ein ver­lo­re­ner Kündi­gungs­schutz­pro­zess: Ar­beits­ge­richt Cott­bus, Ur­teil vom 27.01.2010, 7 Ca 868/09
10/152 Leidensgerechte Beschäftigung schließt außerordentliche krankheitsbedingte Kündigung aus
06.08.2010. Krank­heits­be­ding­te Kündi­gun­gen sind ei­ne Notlösung, die bei or­dent­lich unkünd­ba­ren Ar­beit­neh­mern so gut wie aus­ge­schlos­sen sind. Die Recht­spre­chung stellt hier enorm ho­he An­for­de­run­gen an Ar­beit­ge­ber. Nur wenn je­de Möglich­keit aus­ge­schlos­sen ist, den Ar­beit­neh­mer in ir­gend­ei­ner Form ein­zu­set­zen, kann ei­ne Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses aus Krank­heits­gründen (dann in Form ei­ner außer­or­dent­li­chen Kündi­gung mit so­zia­ler Aus­lauf­frist) ge­recht­fer­tigt sein. Sol­che Fälle sind je­doch sehr sel­ten: Hes­si­sches Lan­des­ar­beits­ge­richt, Ur­teil vom 25.01.2010, 16 Sa 389/09
10/151 Privater E-Mail-Verkehr am Arbeitsplatz als Kündigungsgrund
05.08.2010. Die un­ge­re­gel­te pri­va­te E-Mail-Nut­zung und In­ter­net­nut­zung ist in der be­trieb­li­chen Pra­xis ein häufi­ges Pro­blem. Es führt zu Un­si­cher­hei­ten auf Ar­beit­neh­mer- und Ar­beit­ge­ber­sei­te. Häufig wird der Re­ge­lungs­be­darf igno­riert, bis ein ex­tre­mer Miss­brauchs­fall die Alarm­glo­cken läuten lässt. Statt mit Au­gen­maß wird dann meist mit dem Holz­ham­mer, d.h. mit ei­ner außer­or­dent­li­chen Kündi­gung, re­agiert. Doch nur in ex­tre­men Fällen ist die­se Re­ak­ti­on be­rech­tigt: Lan­des­ar­beits­ge­richt Nie­der­sach­sen, Ur­teil vom 31.05.2010, 12 Sa 875/09
10/150 Skandalpresse und Schmähungen als Kündigungsgrund
04.08.2010. Ar­beit­neh­mer, die ih­ren Ar­beit­ge­ber oder sei­ne Hand­lun­gen in Schriftsätzen als "men­sch­lich zu­tiefst ver­werf­lich und ver­ach­tens­wert" um­schrei­ben oder sich mit skan­dalträch­ti­gen For­de­run­gen an die Pres­se wen­den, set­zen im Zwei­fel nicht ih­re For­de­run­gen durch, son­dern kas­sie­ren ei­ne außer­or­dent­li­che Kündi­gung. Da­mit ist aber noch lan­ge nicht ge­sagt, dass die­se Kündi­gung auch wirk­sam ist: Lan­des­ar­beits­ge­richt Nie­der­sach­sen, Ur­teil vom 12.03.2010, 10 Sa 676/09.
10/149 Benachteilung von Betriebsräten durch Prozesskosten?
03.08.2010. Ar­beit­ge­ber, die den Mit­glie­dern ih­res Be­triebs­ra­tes Schwie­rig­kei­ten be­rei­ten wol­len, ha­ben durch ge­wis­se ar­beits­recht­li­che Be­son­der­hei­ten Möglich­kei­ten, die dass all­ge­mei­ne Zi­vil­recht nicht eröff­net. Dreh- und An­gel­punkt ist § 12a ArbGG, gemäß dem je­de Par­tei in vor dem Ar­beits­ge­richt ih­re An­walts­kos­ten selbst tra­gen muss. Die­se Kos­ten­ver­tei­lung ist auch in den häufi­gen ar­beits­ge­richt­li­chen Ver­glei­chen üblich. So wird das Kos­ten­ri­si­ko für "At­ta­cken" kal­ku­lier­bar. Das Bun­des­ar­beits­ge­richt hat­te An­fang 2010 die Möglich­keit, dem da­mit ver­bun­de­nen Miss­brauch­s­po­ten­ti­al ent­ge­gen zu tre­ten: Bun­des­ar­beits­ge­richt, Be­schluss vom 20.01.2010, 7 ABR 68/08
10/148 In Teilzeit Arbeitnehmer, in Vollzeit Betriebsrat
02.08.2010. Teil­zeit­beschäftig­te Ar­beit­neh­mer in großen Be­trie­ben be­kom­men un­ter Umständen ein Zeit­pro­blem, wenn sie in den Be­triebs­rat gewählt wer­den. Wenn die eh­ren­amt­li­che und da­mit un­be­zahl­te Be­triebs­ratstätig­keit mehr Zeit in An­spruch nimmt als für die ursprüng­li­che Ar­beit ver­trag­lich ver­ein­bart war, liegt die Fra­ge na­he, ob für mehr Zeit­auf­wand auch mehr Geld ver­langt wer­den kann: Lan­des­ar­beits­ge­richt Ber­lin-Bran­den­burg, Ur­teil vom 11.06.2010, 6 Sa 675/10.
10/147 Vorsitzender der Einigungsstelle - Teil II
30.07.2010. Ei­ne Ei­ni­gungs­stel­le wird ein­ge­rich­tet, wenn sich Ar­beit­ge­ber und Be­triebs­rat über ein Streit­the­ma nicht ei­ni­gen können. Der Er­folg ei­ner Ei­ni­gungs­stel­le hängt we­sent­lich von ih­rem Vor­sit­zen­den ab. Je­de Be­triebs­par­tei möch­te da­her ih­ren Kan­di­da­ten durch­set­zen. Ei­ni­gen sich die Par­tei­en nicht, ent­schei­det das Ar­beits­ge­richt. Die Ent­schei­dungs­kri­tie­ri­en sind und blei­ben um­strit­ten: Lan­des­ar­beits­ge­richt Ber­lin-Bran­den­burg, Be­schluss vom 04.06.2010, 6 TaBV 901/10
10/145 Können krankheitsbedingt angesammelte Urlaubsansprüche verfallen?
28.07.2010. Seit "Schultz-Hoff" verändert sich die Recht­spre­chung der Ar­beits­ge­rich­te zu Ur­laub und Ur­laubs­ab­gel­tung deut­lich. In letz­ter Zeit sind ge­wis­se Be­stre­bun­gen er­kenn­bar, das übermäßige An­sam­meln krank­heits­be­dingt nicht ge­nom­me­nen Ur­laubs zu be­gren­zen. Ne­ben ei­nem eu­ro­pa­recht­li­chen An­satz wer­den ins­be­son­de­re Aus­schluss­fris­ten dis­ku­tiert. Auch das LAG Köln dis­ku­tiert ei­nen der wei­te­ren Lösungs­ansätze: Ur­teil vom 18.05.2010, 12 Sa 38/10.
10/143 Voraussetzungen einer Kündigung wegen Alkoholsucht
26.07.2010. Krank­haf­te Al­ko­hol­sucht bringt in al­ler Re­gel ei­ne gra­vie­ren­de Be­ein­träch­ti­gung des so­zia­len und be­ruf­li­chen Le­bens ei­nes Ar­beit­neh­mers mit sich. Ar­beit­ge­ber ste­hen hier in ei­nem schwie­ri­gen Span­nungs­feld zwi­schen der Ver­ant­wor­tung ge­genüber dem Be­trof­fe­nen und der Ver­ant­wor­tung ge­genüber der übri­gen Be­leg­schaft so­wie dem Un­ter­neh­men als Gan­zes. Die Recht­spre­chung ver­sucht hier, durch ho­he An­for­de­run­gen ei­nen für al­le tragfähi­gen Mit­tel­weg zu fin­den: Lan­des­ar­beits­ge­richt Köln, Ur­teil vom 17.05.2010, 5 Sa 1072/09<?xml:namespace prefix = o ns = "urn:schemas-microsoft-com:office:office" />
10/142 Ausschlussklausel auch für Überzahlung nach Vergleich anwendbar?
23.07.2010. Zu der Fra­ge, ob nach ei­nem Pro­zess­ver­gleich zu viel ge­zahl­te Ab­fin­dung vom Ar­beit­ge­ber je­der­zeit zurück­ge­for­dert wer­den kann oder nach Ab­lauf ei­ner Aus­schluss­frist endgültig un­ter­geht, liegt ei­ne Ent­schei­dung des Hes­si­schen Lan­des­ar­beits­ge­rich­tes vor: Hes­si­sches Lan­des­ar­beits­ge­richt, Ur­teil vom 09.02.2010, 13/7 Sa 1435/09
10/141 Annahmeverzug des Betriebserwerbers nach Freistellung durch den Betriebsveräußerer
22.07.2010. Die Frei­stel­lung ist ein prak­tisch wich­ti­ger Fall, in dem der Ar­beit­ge­ber im Ver­zug mit der An­nah­me der Ar­beits­leis­tung des Ar­beit­neh­mers ist. Er muss ihn dann ab­wei­chend vom Grund­satz "Oh­ne Ar­beit kein Lohn" wei­ter be­zah­len. In al­ler Re­gel ist es in die­ser Si­tua­ti­on nicht er­for­der­lich, dass der Ar­beit­neh­mer dem Ar­beit­ge­ber sei­ne Ar­beits­leis­tung an­bie­tet. Ob dies auch nach ei­nem Be­triebsüber­gang gilt, ent­schied kürz­lich das Lan­des­ar­beits­ge­richt Mainz: Lan­des­ar­beits­ge­richt Rhein­land-Pfalz, Ur­teil vom 11.02.2010, 11 Sa 620/09
10/139 Nachgewährung von Urlaub wegen Pflege des kranken Kindes?
20.07.2010. Das Ri­si­ko, gewähr­ten Ur­laub nicht nut­zen zu können, liegt grundsätz­lich beim Ar­beit­neh­mer. Ei­ne Aus­nah­me hier­von sieht das Bun­des­ur­laubs­ge­setz für Krank­heit während des Ur­laubs vor, d.h. ei­ne Krank­heit während des Ur­laubs verkürzt den Ur­laubs­an­spruch nicht wei­ter. An­de­re Si­tua­tio­nen sind von die­ser Aus­nah­me je­doch nicht er­fasst. In al­ler Re­gel ist da­mit Ur­laub ver­lo­ren, der auf Grund an­de­rer Umstände nicht zur Er­ho­lung ge­nutzt wer­den kann: Ar­beits­ge­richt Ber­lin, Ur­teil vom 17.06.2010, 2 Ca 1648/10
10/138 Anfechtung eines Aufhebungsvertrags meist chancenlos
19.07.2010. Auf­he­bungs­verträge sind an­ders als Kündi­gun­gen ei­ne für Ar­beit­ge­ber ei­ne si­che­re Me­tho­de, Ar­beits­verhält­nis­se zu be­en­den. Teil­wei­se wird auch vor Druck und Dro­hung nicht zurück­ge­schreckt, um die Un­ter­schrift des Ar­beit­ge­bers zu be­kom­men. Ist ein Auf­he­bungs­ver­trag erst ein­mal un­ter­schrie­ben, gibt es so gut wie kein zurück. Ei­ne der we­ni­gen Chan­cen ist es, den Ver­trag we­gen "wi­der­recht­li­cher Dro­hung" an­zu­fech­ten. Doch de­ren Vor­aus­set­zun­gen muss der Ar­beit­neh­mer be­wei­sen: LAG Schles­wig-Hol­stein, Ur­teil vom 08.12.2009, 2 Sa 223/09
10/137 Keine Kündigung wegen „Verpfeifens“ des Arbeitgebers
16.07.2010. Ar­beit­neh­mer, die ver­meind­li­che oder tatsächli­che Rechts­verstöße ih­res Ar­beit­ge­bers den Behörden mel­den, ha­ben ein Pro­blem: Stellt sich später her­aus, dass ein rechts­wid­ri­ges Ver­hal­ten nicht nach­weis­bar ist, steht schnell ei­ne außer­or­dent­li­che Kündi­gung im Raum. Die Recht­spre­chung for­dert, dass vor der An­zei­ge al­le in­ner­be­trieb­li­chen Lösungsmöglich­kei­ten aus­geschöpft wer­den. Aber auch da­durch kann der Ar­beit­neh­mer ne­ga­tiv auf­fal­len und sei­nen Ar­beits­platz gefähr­den. Wer in die­ser Si­tua­ti­on kom­pe­ten­te Hil­fe sucht, soll­te sich ge­nau über­le­gen, an wen er sich wen­det: LAG München, Ur­teil vom 01.04.2010, 4 Sa 391/09.
10/136 Emmely arbeitet wieder als Kassiererin.
15.07.2010. Der Fall Em­me­ly sorg­te, an­ge­heizt durch ver.di, für ein außer­gewöhn­li­ches Me­di­en­echo. Die Dis­kus­si­on war zeit­wei­se mehr von Emo­tio­nen als von Sach­ar­gu­men­ten ge­prägt. Das Wort vom "bar­ba­ri­schen Ur­teil von aso­zia­ler Qua­lität" mach­te die Run­de. Das Bun­des­ar­beits­ge­richt hat nun ei­ne so­zia­le­re Ent­schei­dung ge­trof­fen: Bun­des­ar­beits­ge­richt, Ur­teil vom 10.06.2010, 2 AZR 541/09
13.07.2010. Der vom Bun­des­ar­beits­ge­richt ent­wi­ckel­te Grund­satz der Ta­rif­ein­heit ("Ein Be­trieb - Ein Ta­rif­ver­trag") soll­te die Ta­rif­aus­wahl und Ta­rif­an­wen­dung in den Be­trie­ben er­leich­tern. Er wur­de je­doch zu­neh­mend aus ver­schie­de­nen Gründen kri­ti­siert. Als der Vier­te Se­nat des Bun­des­ar­beits­ge­rich­tes An­fang des Jah­res den Zehn­ten Se­nat of­fi­zi­ell frag­te, ob er den Grund­satz der Ta­rif­ein­heit wei­ter an­wen­den möch­te, wur­de klar, dass ei­ne Recht­spre­chungsände­rung be­vor­stand. Nun hat der Zehn­te Se­nat wie er­war­tet ge­ant­wor­tet: BAG, Be­schluss vom 23.06.2010, 10 AS 3/10.
10/133 AÜG: Unangemessene Vermittlungsprovision des Verleihers
12.07.2010. Bei der (rechtmäßigen) Leih­ar­beit bzw. Zeit­ar­beit wird der beim Ver­lei­her an­ge­stell­te Leih­ar­beit­neh­mer an ei­nen Ent­lei­her ver­lie­ren, oh­ne das zwi­schen Ent­lei­her und Leih­ar­beit­neh­mer ein Ar­beits­verhält­nis ent­steht. Der Ge­setz­ge­ber ver­bin­det mit der Leih­ar­beit die Vor­stel­lung, dass der Ent­lei­her den Leih­ar­beit­neh­mer mit der Zeit zu schätzen lernt und als "ech­ten", d.h. ei­ge­nen Ar­beit­neh­mer, über­nimmt. Da der Ver­lust von bewähr­ten Ar­beits­kräften nicht im In­ter­es­se des Ver­lei­hers ist, er­laubt das Ar­beit­neh­merüber­las­sungs­ge­setz die Ver­ein­ba­rung "an­ge­mes­se­ner" Ver­mitt­lungs­vergütun­gen für den Fall, dass der Ent­lei­her den Leih­ar­beit­neh­mer von dem Ver­lei­her qua­si "ab­wirbt". Was in die­sem Sin­ne "an­ge­mes­sen" ist hat nun der Bun­des­ge­richts­hof ent­schie­den: Bun­des­ge­richts­hof, Ur­teil vom 11.03.2010, III ZR 240/09.
10/132 Kündigung einer Compliance-Beauftragten der DB
09.07.2010. Die in­ter­ne Re­vi­si­on, neu­deutsch: Com­p­li­an­ce De­vi­si­on, ist ei­ne spe­zi­el­le Ab­tei­lung, die zu­meist in größeren Un­ter­neh­men zu fin­den ist. Sie soll Straf­ta­ten und an­de­re Rechts­verstöße auf­de­cken und ver­hin­dern. Die Er­mitt­lun­gen können da­bei aber ih­rer­seits rechts­wid­rig sein, ins­be­son­de­re ge­gen Da­ten­schutz­ge­set­ze ver­s­toßen. So hat­te die Deut­sche Bahn letz­tes Jahr mit ei­nem ver­dachts­un­abhängi­gen Ab­gleich per­so­nen­be­zo­ge­ner Da­ten den Zorn der Da­tenschützer auf sich ge­zo­gen. Darüber, ob in sol­chen Fällen die Mit­glie­der der Com­p­li­an­ce Ab­tei­lung ver­ant­wort­lich zu ma­chen sind, ent­schied kürz­lich das Ber­li­ner Ar­beits­ge­richt: Ar­beits­ge­richt Ber­lin, Ur­teil vom 18.02.2010, 38 Ca 12879/09.
10/131 Versuchte Umgehung des § 613a BGB durch eintägige Transfergesellschaft und Losverfahren
08.07.2010. § 613a BGB re­gelt für den Fall ei­nes Be­triebsüber­g­an­ges den Über­gang der Ar­beitsplätze vom Verkäufer auf den Er­wer­ber. Im We­sent­li­chen soll die Vor­schrift den im Ar­beits­verhält­nis er­wor­be­nen so­zia­len Schutz si­chern. Be­triebs­er­wer­bern, die die­ses Er­geb­nis ver­mei­den wol­len, ste­hen ei­ne Rei­he von recht­li­chen Ge­stal­tungsmöglich­kei­ten of­fen. Der Un­ter­schied zwi­schen er­laub­ter Ge­stal­tung und ver­bo­te­ner Um­ge­hung ist je­doch fließend. Im Grenz­be­reich an­ge­sie­delt ist ein ak­tu­el­ler Fall aus Nie­der­sach­sen: Lan­des­ar­beits­ge­richt Nie­der­sach­sen, Ur­teil vom 18.02.2010, 7 Sa 779/09.
10/130 Durchsetzung eines betriebsverfassungsrechtlichen Weiterbeschäftigungsanspruchs im Eilverfahren
07.07.2010. Gekündig­te Ar­beit­neh­mer sind nach Ab­lauf der Kündi­gungs­frist in al­ler Re­gel selbst dann "draußen", wenn ei­ne Kündi­gungs­schutz­kla­ge er­ho­ben wur­de. Das Be­triebs­ver­fas­sungs­ge­setz (Be­trVG) sieht für sol­che Fälle in Ergänzung zum all­ge­mei­nen Wei­ter­beschäfti­gungs­an­spruch ei­nen spe­zi­el­len be­triebs­ver­fas­sungs­recht­li­chen Wei­ter­beschäfti­gungs­an­spruch vor, des­sen Vor­aus­set­zun­gen al­ler­dings der Ar­beit­neh­mer be­wei­sen muss. Meist bleibt we­nig mehr, als das Wi­der­spruchs­schrei­ben des Be­triebs­ra­tes vor­zu­le­gen. Sei­ne Qua­lität ist dann ent­schei­dend: Lan­des­ar­beits­ge­richt Ber­lin-Bran­den­burg, Be­schluss vom 25.03.2010, 2 Ta 387/10
10/129 Wiedereinstellungsanspruch beim Rücktritt vom Aufhebungsvertrag?
06.07.2010. Auf­he­bungs­verträge sind für Ar­beit­ge­ber ei­ne gu­te Möglich­keit, Ar­beits­verhält­nis­se mit über­schau­ba­rem fi­nan­zel­len Ri­si­ko zu be­en­den. Ar­beit­neh­mern winkt ei­ne Ab­fin­dung, aber häufig auch viel Ärger. Ne­ben ei­ner Sperr­zeit beim Be­zug von Ar­beits­lo­sen­geld droht der un­wie­der­bring­li­che Ver­lust des Ar­beits­plat­zes selbst dann, wenn der Ar­beit­ge­ber ge­gen den Auf­he­bungs­ver­trag verstößt und kei­ne Ab­fin­dung zahlt: Lan­des­ar­beits­ge­richt Düssel­dorf, Ur­teil vom 19.03.2010, 9 Sa 1138/09
10/128 LAG Schleswig-Holstein nimmt Ende der Tarifeinheit vorweg
05.07.2010. Nach der ständi­gen Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts (BAG) galt bis­her der um­strit­te­ne Grund­satz "Ein Be­trieb - Ein Ta­rif­ver­trag". Doch per­ma­nen­te Kri­tik aus der ar­beits­recht­li­chen Li­te­ra­tur brach­te die­ses Prin­zip ins Wan­ken. Als das BAG ei­ne Recht­spre­chungsände­rung er­wog, sorg­te der ent­spre­chen­de Be­schluss für Fu­ro­re. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt Schles­wig-Hol­stein hat­te die Ge­le­gen­heit, noch vor dem BAG selbst den Grund­satz der Ta­rif­ein­heit ab­zu­schaf­fen: Lan­des­ar­beits­ge­richt Schles­wig-Hol­stein, Ur­teil vom 11.02.2010, 4 Sa 444/09
10/127 Kein Lohn für Betriebsratsarbeit im Restmandat
02.07.2010. Die Tätig­keit des Be­triebs­rats im Rest­man­dat ist ge­setz­lich ge­re­gelt, nämlich in § 21b Be­triebs­ver­fas­sungs­ge­setz (Be­trVG), nicht aber ih­re Be­zah­lung. Nun­mehr hat das Bun­des­ar­beits­ge­richt (BAG) über den Fall ent­schie­den, dass zwei pen­sio­nier­te Be­triebs­rats­mit­glie­der nach Be­en­di­gung ih­res Ar­beits­verhält­nis­ses Tätig­kei­ten im Rest­man­dat ent­fal­te­ten und dafür Vergütung ver­lang­ten: BAG, Ur­teil vom 05.05.2010, 7 AZR 728/08.
10/125 Keine Streichung eines behindertengerechten Arbeitsplatzes
30.06.2010. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt (LAG) Ber­lin-Bran­den­burg hat ei­ne be­triebs­be­ding­te Kündi­gung für un­wirk­sam ge­hal­ten, weil sie auf dem Ent­schluss des Ar­beit­ge­bers be­ruh­te, ei­nen be­hin­der­ten­ge­rech­ten Ar­beits­platz zu strei­chen und dem dort beschäftig­ten schwer­be­hin­der­ten Ar­beit­neh­mer zu kündi­gen. We­gen der Ver­pflich­tung, ei­nen be­hin­der­ten­ge­rech­ten Ar­beits­platz zur Verfügung zu stel­len, sei die­se Ent­schei­dung willkürlich. LAG Ber­lin-Bran­den­burg, Ur­teil vom 30.03.2010, 7 Sa 58/10.
10/124 Rufbereitschaft: Unfall auf dem Weg zur Arbeit
29.06.2010. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt (LAG) München hat ent­schie­den, dass der Weg zur Ar­beit auch während der Ruf­be­reit­schaft und auch, wenn ein Ta­rif­ver­trag die Vergütung der We­ge­zei­ten wie Ar­beits­zeit be­stimmt, zum Ri­si­ko­be­reich des Ar­beit­neh­mers gehört. Der Ar­beit­ge­ber muss Schäden, die der Ar­beit­neh­mer auf dem Weg mit sei­nem Au­to er­lei­det, des­halb nicht er­set­zen. LAG München, Ur­teil vom 15.12.2009, 6 Sa 637/09.
10/123 Kostentragung des Arbeitgebers bei aussichtsloser Klage
28.06.2010. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt (LAG) Ber­lin-Bran­den­burg hat ent­schie­den, dass ein Ar­beit­ge­ber die Rechts­an­walts­kos­ten für ein Ge­richts­ver­fah­ren des Be­triebs­rats auch dann tra­gen muss, wenn die Kla­ge we­gen man­geln­den Vor­trags des Be­triebs­rats von vorn­her­ein völlig aus­sichts­los ist, wenn der Ar­beit­ge­ber sei­ne In­for­ma­ti­onsfplich­ten ge­genüber dem Be­triebs­rat ver­letzt hat und der Be­triebs­rat des­we­gen nicht prüfen kann, ob ihm ein Mit­be­stim­mungs­recht in der strei­ti­gen An­ge­le­gen­heit zu­steht. LAG Ber­lin-Bran­den­burg, Be­schluss vom 16.04.2010, 10 TaBV 2577/09.
10/122 Betriebsversammlung: Arbeitgeber muss Mietmöbel zahlen
25.06.2010. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt (LAG) Rhein­land-Pfalz hat ent­schie­den, dass die An­mie­tung von Steh­ti­schen für ei­ne Be­triebs­ver­samm­lung noch zu den vom Ar­beit­ge­ber zu tra­gen­den er­for­der­li­chen Kos­ten des Be­triebs­rats zählen kann, wenn sie der Be­triebs­rat im Rah­men ei­nes Durchführungs­kon­zepts für not­wen­dig hält. LAG Rhein­land-Pfalz, Be­schluss vom 23.03.2010, 3 TaBV 48/09.
10/121 Lohnanspruch bei offenbar unbegründeter Kündigung
24.06.2010. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt (LAG) Hamm hat ent­schie­den, dass ei­nem Ar­beit­neh­mer noch vor Ab­schluss der ers­ten In­stanz ei­nes Kündi­gungs­schutz­pro­zes­ses ein Lohn­not­be­darf durch den Ar­beit­ge­ber zu­steht, wenn der Ar­beit­ge­ber sei­ne Kündi­gung über­haupt nicht be­gründet und die Kündi­gung of­fen­sicht­lich je­der Grund­la­ge ent­behrt. LAG Hamm, Be­schluss vom 18.02.2010, 8 Sa­Ga 3/10.
10/120 Tarifliche Ausschlussfristen auch bei Urlaubsabgeltung
23.06.2010. Nach ei­ner Ent­schei­dung des Ar­beits­ge­richts (ArbG) Ober­hau­sen un­ter­lie­gen Ansprüche auf Ab­gel­tung von Ur­laub ta­rif­li­chen Aus­schluss­fris­ten. ArbG Ober­hau­sen, Ur­teil vom 16.12.2009, 1 Ca 2212/09.
10/119 Religiöse Überzeugung vs. Weisungsrecht
22.06.2010. Das Ar­beits­ge­richt (ArbG) Frei­burg hat in ei­ner ak­tu­el­len Ent­schei­dung die Vor­aus­set­zun­gen um­ris­sen, un­ter de­nen Ar­beit­neh­mern Wei­sun­gen des Ar­beit­ge­bers Fol­ge leis­ten müssen, ob­wohl sie ge­gen re­li­giöse Grundüber­zeu­gun­gen des Ar­beit­neh­mers ver­s­toßen: ArbG Frei­burg, Ur­teil vom 14.01.2010, 13 Ca 331/09.
21.06.2010. Das Bun­des­ar­beits­ge­richt (BAG) hat­te darüber zu ent­schei­den, ob ei­ne auf­grund ei­ner ta­rif­li­chen Re­ge­lung er­folg­te Be­fris­tung sach­lich ge­recht­fer­tigt ist, wenn sie we­gen ei­nes Per­so­nalüber­hangs er­folgt, weil die Möglich­keit be­steht, die zu ver­ge­ben­de Stel­le später ei­nem be­reits beschäftig­ten Ar­beit­neh­mer zu­zu­wei­sen. BAG, Ur­teil vom 09.12.2009, 7 AZR 399/08.
10/117 Keine Vertragsstrafe bei Verstoß gegen Mitbestimmung
18.06.2010. Das Bun­des­ar­beits­ge­richt (BAG) hat ent­schie­den, dass ei­ne Ver­ein­ba­rung zwi­schen Be­triebs­rat und Ar­beit­ge­ber, nach der der Ar­beit­ge­ber ei­ne Ver­trags­stra­fe an ei­nen Drit­ten zah­len muss, wenn er das Mit­be­stim­mungs­recht des Be­triebs­rats ver­letzt, un­zulässig ist. BAG, Be­schluss vom 19.01.2010, 1 ABR 62/08.
10/116 Dynamische BAT-Bezugnahmeklausel erfasst TVöD und TV-L
17.06.2010. Nach ei­ner ak­tu­el­len Ent­schei­dung des Bun­des­ar­beits­ge­richts (BAG) ist ei­ne ar­beits­ver­trag­li­che „dy­na­mi­sche“ Ver­wei­sung auf den BAT nach des­sen Er­set­zung durch den TVöD und den TV-L so aus­zu­le­gen, dass sie letzt­lich auch die­se Nach­fol­ge­ta­ri­fe in den Ar­beits­ver­trag ein­be­zieht. BAG, Ur­teil vom 19.05.2010, 4 AZR 796/08.
10/112 Lohnsteuer für die Kur
11.06.2010. Der Bun­des­fi­nanz­hof (BFH) hat ent­schie­den, dass die Über­nah­me von Kur­kos­ten durch den Ar­beit­ge­ber ge­ne­rell steu­er­pflich­ti­gen Ar­beits­lohn dar­stellt und ei­ne Auf­tei­lung in ei­nen steure­pflich­ti­gen und ei­nen nicht steu­er­pflich­ti­gen Teil nicht möglich ist. BFH, Ur­teil vom 11.03.2010, VI R 7/08.
10/111 Recht des Betriebsrats zur Veröffentlichung im Intranet
10.06.2010. Die Ent­schei­dung des Hes­si­schen Lan­des­ar­beits­ge­richts (LAG) be­fasst sich da­mit, ob der Be­triebs­rat das Recht hat, Pu­bli­ka­tio­nen un­zen­siert im un­ter­neh­mens­ei­ge­nen In­tra­net zu veröffent­li­chen. Hes­si­sches LAG, Be­schluss vom 05.11.2009, 9 TaBV 241/08.
10/107 Wettbewerbsverbot trotz unwirksamer Auskunftsklausel
07.06.2010. Wett­be­werbs­ver­bo­te ha­ben bei Führungs­kräften mit In­si­der­wis­sen und um­fang­rei­chen Kun­den­kon­tak­ten so­wie bei Ex­per­ten mit wert­vol­lem Spe­zi­al­wis­sen für Ar­beit­ge­ber große wirt­schaft­li­che Be­deu­tung. Um ei­ne Kon­kur­renztätig­keit sol­cher Ar­beit­neh­mer zu ver­hin­dern, sind Ar­beit­ge­ber an um­fas­send aus­ge­stal­te­ten und zu­gleich rechts­si­che­ren Wett­be­werbs­ver­bo­te in­ter­es­siert. Frag­lich ist aber, ob Ar­beit­ge­ber ih­re Ar­beit­neh­mer ver­pflich­ten können, vor ei­ner be­ab­sich­tig­ten Ver­trags­be­en­di­gung Aus­kunft über ih­ren neu­en Ar­beit­ge­ber zu ge­ben, um dem bis­he­ri­gen Ar­bei­teg­ber ei­ne Ent­schei­dung über ei­nen mögli­chen Ver­zicht auf das Wett­be­werbs­ver­bot zu ermögli­chen. Mit die­ser Fra­ge be­fasst sich ein ak­tu­el­les Ur­teil des Lan­des­ar­beits­ge­rich­tes Hamm vom 01.12.2009 (14 Sa­Ga 59/09).
10/106 Beweiserleichterung bei Lohnnotbedarf
04.06.2010. Wenn der Ar­beit­ge­ber den Lohn nicht zahlt der Ar­beit­neh­mer da­her ernst­haft in Schwie­rig­kei­ten kommt, kann er per einst­wei­li­gen Recht­schutz den Lohn schnel­ler als im We­ge ei­ner Lohn­kla­ge er­hal­ten. Wenn der ver­ein­bar­te Lohn nicht schrift­lich fest­ge­hal­ten ist und der Ar­beit­ge­ber da­mit ge­gen sei­ne Pflicht zur Er­tei­lung ei­nes Ar­beits­nach­wei­ses ver­s­toßen hat, hat der Ar­beit­neh­mer gu­te Chan­cen, das Ge­richt von der Höhe des ver­ein­bar­ten Lohns zu über­zeu­gen, da dann zu sei­nen Guns­ten Be­wei­ser­leich­te­run­gen gel­ten: Lan­des­ar­beits­ge­richt Köln, Ur­teil vom 18.01.2010, 5 Sa­Ga 23/09.
10/104 Kündigung von "Low Performern" schwierig
02.06.2010. In der Ent­schei­dung des Lan­des­ar­beits­ge­richts (LAG) Hamm geht es um die Vor­aus­set­zun­gen für die Kündi­gung ei­nes so ge­nann­ten Low-Per­for­mers. LAG Hamm, Ur­teil vom 20.11.2009, 10 Sa 875/09.
10/103 Anspruch auf Altersteilzeit im Blockmodell
01.06.2010. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt (LAG) Ba­den-Würt­tem­berg hat ent­schie­den, dass ein Ar­beit­ge­ber ei­nem Ar­beit­neh­mer mit ei­nem ta­rif­li­chen An­spruch auf Al­ters­teil­zeit im Block­mo­dell nicht ent­ge­gen­hal­ten kann, dass we­gen Über­schrei­tung der in § 3 Al­ters­teil­zeit­ge­setz ge­re­gel­ten Quo­te ein An­spruch nicht be­steht, wenn er versäumt hat, ei­ne Stich­tags­re­ge­lung zu tref­fen. LAG Ba­den-Würt­tem­berg, Ur­teil vom 09.02.2010, 14 Sa 26/09.
10/102 Höhe der Vergütung bei Annahmeverzug
31.05.2010. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt (LAG) Nürn­berg hat dem Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt die Fra­ge vor­ge­legt, ob § 615 Bürger­li­ches Ge­setz­buch (BGB) ver­fas­sungs­wid­rig ist, weil durch die An­rech­nung er­spar­ter Auf­wen­dun­gen auf die beim An­nah­me­ver­zug des Ar­beit­ge­bers ge­schul­de­te Vergütung Ar­beit­neh­mer in Klein­be­trie­ben sach­grund­los ge­genüber Ar­beit­neh­mern be­nach­tei­ligt wer­den, die Kündi­gungs­schutz ge­nießen und für die des­halb § 11 Kündi­gungs­schutz­ge­setz (KSchG) An­wen­dung fin­det, bei dem ei­ne An­rech­nung er­spar­ter Auf­wen­dun­gen nicht er­folgt. LAG Nürn­berg, Be­schluss vom 09.03.2010, 7 Sa 430/09.
10/101 Kündigung: Vergleich im Kündigungsschutzprozess
28.05.2010. Ei­ne Ent­schei­dung des Lan­des­ar­beits­ge­richts (LAG) Ba­den-Würt­tem­berg macht deut­lich, dass der An­fech­tung ei­nes ge­richt­li­chen Ver­gleichs we­gen arg­lis­ti­ger Täuschung en­ge Gren­zen ge­setzt sind. LAG Ba­den-Würt­tem­berg, Ur­teil vom 16.12.2009, 2 Sa 49/09.
10/100 Kein Feiertagszuschlag für Ostern und Pfingstsonntag
27.05.2010. Das Bun­des­ar­beits­ge­richt (BAG) hat ei­nem Ar­beit­ge­ber Recht ge­ge­ben, der den ta­rif­li­chen Fei­er­tags­zu­schlag für Ar­beit am Os­ter­sonn­tag nicht zah­len woll­te, da der Os­ter­sonn­tag kein ge­setz­li­cher Fei­er­tag sei. BAG, Ur­teil vom 17.03.2010, 5 AZR 317/09.
10/099 Nebentätigkeit bei der Konkurrenz
26.05.2010. Das Bun­des­ar­beits­ge­richt (BAG) hat ei­ner Ar­beit­neh­me­rin Recht ge­ge­ben, die in Teil­zeit als Sor­tie­re­rin im Brief­zen­trum der Deut­schen Post AG ar­bei­te­te und in Ne­bentätig­keit bei ei­nem Kon­kur­ren­ten Zei­tun­gen aus­trug. Die Deut­sche Post AG durf­te die­se Ne­bentätig­keit nach An­sicht des BAG nicht un­ter­sa­gen. BAG, Ur­teil vom 24.03.2010, 10 AZR 66/09.
25.05.2010. Das Ar­beits­ge­richt (ArbG) Stutt­gart hat ent­schie­den, dass ei­ne Na­mens­lis­te nicht die für den Ar­beit­neh­mer nach­tei­li­gen Fol­gen hat, wenn sich die Be­triebs­part­ner die nachträgli­che Ände­rung der Lis­te vor­be­hal­ten ha­ben: ArbG Stutt­gart, Ur­teil vom 25.02.2010, 9 Ca 416/09.
10/097 Rauchen bei der Arbeit verboten
21.05.2010. Das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt (OVG) Nord­rhein-West­fa­len hat ent­schie­den, dass Be­am­te kein Recht auf Ein­rich­tung ei­nes Rau­cher­raums in ih­rer Dienst­stel­le ha­ben, auch wenn das Rau­chen am Ar­beits­platz un­ter­sagt ist: OVG Nord­rhein-West­fa­len, Be­schluss vom 29.03.2010, 1 A 812/08.
10/096 Bereitschaftsdienst: Auch Beifahrer müssen bezahlt werden
20.05.2010. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt (LAG) Ber­lin-Bran­den­burg hat ent­schie­den, dass Zei­ten als Bei­fah­rer für LKW-Fah­rer, die sich am Steu­er ab­wech­seln müssen, als Ar­beits­zeit zu vergüten sind. LAG Ber­lin-Bran­den­burg, Ur­teil vom 04.02.2009, 2 Sa 498/09.
10/095 Zurückbehaltungsrecht wegen Lohnrückstand bei Krankheit
19.05.2010. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt (LAG) Köln hat ent­schie­den, dass ein Ar­beit­neh­mer bei ei­nem nicht un­er­heb­li­chen Rück­stand des Ar­beit­ge­bers mit der Ent­gelt­fort­zah­lung im Krank­heits­fall un­ter den glei­chen Vor­aus­set­zun­gen wie bei ei­nem "nor­ma­len" Lohnrück­stand sein Zurück­be­hal­tungs­recht ausüben kann. LAG Köln, Ur­teil vom 20.01.2010, 9 Sa 991/09.
10/094 Kündigung wegen verweigerter ärztlicher Untersuchung
18.05.2010. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt (LAG) Rhein­land-Pfalz hält in ei­ner ak­tu­el­len Ent­schei­dung die außer­or­dent­li­che Kündi­gung ei­ner Ar­beit­neh­me­rin für rech­tens, die sich ge­wei­gert hat­te, sich ei­ner von dem Ar­beit­ge­ber ver­lang­ten ärzt­li­chen Un­ter­su­chung zu un­ter­zie­hen. LAG Rhein­land-Pfalz, Ur­teil vom 12.02.2010, 6 Sa 640/09.
10/093 Minus-Ossi-Fall: Diskriminierung als "Ossi"?
17.05.2010. Das Ar­beits­ge­richt (ArbG) Stutt­gart hat ent­schie­den, dass ei­ne Be­nach­tei­li­gung als "Os­si" kei­ne Dis­kri­mi­nie­rung we­gen der eth­ni­schen Her­kunft im Sin­ne des All­ge­mei­nen Gleich­be­hand­lungs­ge­set­zes (AGG) dar­stellt. Ar­beits­ge­richt Stutt­gart, Ur­teil vom 15.04.2010, 17 Ca 8907/09.
10/092 Weisungsrecht: Kein Entzug von Personalverantwortung
14.05.2010. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt (LAG) Köln hat ent­schie­den, dass ein Ar­beit­ge­ber ei­nem Ar­beit­neh­mer nicht ein­sei­tig ei­ne neue Tätig­keit zu­wei­sen kann, wenn da­mit des­sen Per­so­nal­ver­ant­wor­tung entfällt. Ei­ne Ände­rungskündi­gung ist eben­falls nicht da­durch ge­recht­fer­tigt, dass der Ar­beit­neh­mer nach An­ga­be des AR­beit­ge­bers als ein­zi­ger auf die neue Stel­le "passt". LAG Köln, Ur­teil vom 11.12.2009, 10 Sa 328/09.
10/091 Anspruch auf Erhöhung von Teilzeit auf Vollzeit
12.05.2010. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt (LAG) Ba­den-Würt­tem­berg hat sich mit den Vor­aus­set­zun­gen ei­nes An­spruchs auf Auf­sto­ckung der Ar­beits­zeit von Teil­zeit auf Voll­zeit aus­ein­an­der­ge­setzt und im kon­kre­ten Fall den An­spruch ei­ner Ar­beit­neh­me­rin auf ei­ne Voll­zeit­stel­le be­jaht. Da die Stel­le zu Un­recht mit ei­ner an­de­ren Ar­beit­neh­me­rin be­setzt wur­de, hat das LAG der Kläge­rin ei­nen Scha­dens­er­satz­an­spruch zu­ge­spro­chen. LAG Ba­den-Würt­tem­berg, Ur­teil vom 27.01.2010, 12 Sa 44/09.
11.05.2010. Das Bun­des­ar­beits­ge­richt (BAG) hat ent­schie­den, dass die schrift­li­che Gel­tend­ma­chung von Ansprüchen zur Wah­rung ei­ner Aus­schluss­frist auch per E-Mail er­fol­gen kann. BAG, Ur­teil vom 16.12.2009, 5 AZR 888/08.
10/089 Unwirksame Haushaltsbefristung
10.05.2010. Das Bun­des­ar­beits­ge­richt (BAG) hat ent­schie­den, dass die nach dem Ge­setz im Prin­zip mögli­che Be­fris­tung von Ar­beits­verträgen we­gen der Vergütung der Ar­beit­neh­mer aus Haus­halts­mit­teln, die für ei­ne be­fris­te­te Beschäfti­gung vor­e­ge­se­hen sind, bei der Bun­des­agen­tur für Ar­beit in vie­len Fällen we­gen ei­nes zu un­ge­nau­en Haus­halts­ti­tels un­wirk­sam ist. Die­ses Ur­teil könn­te rund 5.000 Zeit­ver­trags­stel­len bei der Bun­des­agen­tur be­tref­fen: BAG, Ur­teil vom 17.03.2010, 7 AZR 843/08.
10/088 Mit Texterstellung befasste Anzeigenredakteure sind Tendenzträger
07.05.2010. Das Bun­des­ar­beits­ge­richt (BAG) hat ent­schie­den, dass An­zei­gen­re­dak­teu­re ei­nes Zei­tungs­ver­la­ges Ten­denzträger sein können, wenn sie mit der in­halt­li­chen Text­ge­stal­tung be­fasst sind. BAG, Be­schluss vom 20.04.2010, 1 ABR 78/08.
10/087 Entschädigung bei überschießendem Wettbewerbsverbot
06.05.2010. Das Bun­des­ar­beits­ge­richt (BAG) hat ent­schie­den, dass ein Ar­beit­neh­mer, der nur den ver­bind­li­chen Teil ei­nes teil­wei­se un­ver­bind­li­chen Wett­be­werbs­ver­bots einhält, An­spruch auf Zah­lung der Ka­ren­zentschädi­gung hat. BAG, Ur­teil vom 21.04.2010, 10 AZR 288/09.
10/082 AGB: Klausel über freiwillige Sonderzahlung
29.04.2010. Das Bun­des­ar­beits­ge­richt (BAG) hat ent­schie­den, dass ein Frei­wil­lig­keits­vor­be­halt, in dem gleich­zei­tig auf ta­rif­li­che Re­ge­lun­gen ver­wie­sen wird, mehr­deu­tig und da­her un­wirk­sam ist, so dass der Ar­beit­neh­mer die Leis­tung be­an­spru­chen kann: BAG, Ur­teil vom 20.01.2010, 10 AZR 914/08.
10/081 Entlassung eines Arbeitnehmers auf Verlangen des Betriebsrats
28.04.2010. Aus ei­ner Ent­schei­dung des Lan­des­ar­beits­ge­richts (LAG) Hamm wird deut­lich, dass das Be­geh­ren des Be­triebs­rats, ei­nen Ar­beit­neh­mer zu ent­las­sen, der den Be­triebs­frie­den stört, ho­hen An­for­de­run­gen un­ter­liegt. Er­for­der­lich ist auch, dass die recht­li­chen Vor­aus­set­zun­gen für den Aus­spruch ei­ner Kündi­gung durch den Ar­beit­ge­ber vor­lie­gen. LAG Hamm, Be­schluss vom 23.10.2009, 10 TaBV 39/09
26.04.2010. Die Ge­werk­schaft der Neu­en Brief- und Zu­stell­diens­te (GN­BZ) und der Ar­beit­ge­ber­ver­band der neu­en Brief- und Zu­stell­diens­te e.V. ha­ben ih­re Rechts­be­schwer­de zum Bun­des­ar­beits­ge­richt (BAG) ge­gen die Ent­schei­dung des Lan­des­ar­beits­ge­richt Köln, dass die GN­BZ nicht ta­riffähig ist, zurück­ge­nom­men: BAG, Be­schluss vom 27.04.2010, 1 ABR 101/09.
10/077 Datenschutz in Betriebsvereinbarung
21.04.2010. Nach ei­ner Ent­schei­dung des Lan­des­ar­beits­ge­richts (LAG) Ber­lin-Bran­den­burg kann ein Ver­s­toß des Ar­beit­ge­bers ge­gen da­ten­schutz­recht­li­che Re­ge­lun­gen in ei­ner Be­triebs­ver­ein­ba­rung dann zur Un­wirk­sam­keit ei­ner Kündi­gung führen, die auf un­ter Ver­s­toß ge­gen die Be­triebs­ver­ein­ba­rung er­lang­ten Tat­sa­chen be­ruht, wenn die Un­wirk­sam­keit "per­so­nel­ler Maßnah­men" bei ei­nem Ver­s­toß in der Be­triebs­ver­ein­ba­rung aus­drück­lich ge­re­gelt ist. LAG Ber­lin-Bran­den­burg, Ur­teil vom 09.12.2009, 15 Sa 1463/09
10/076 Umsetzung einer Betriebsvereinbarung zur Arbeitszeit
21.04.2010. Ei­ne Ent­schei­dung des Lan­des­ar­beits­ge­richts (LAG) Köln macht deut­lich, wie weit­ge­hend die Maßnah­men sind, die ein Ar­beit­ge­ber er­grei­fen muss, um für ei­ne ef­fek­ti­ve Um­set­zung von Be­triebs­ver­ein­ba­run­gen zu sor­gen. LAG Köln, Be­schluss vom 08.02.2010, 5 TaBV 28/09.
10/075 Recht auf Freistellung des Arbeitnehmers
20.04.2010. Das Ar­beits­ge­richt (ArbG) Saar­louis hat sich in ei­nem Eil­ver­fah­ren mit den Vor­aus­set­zun­gen be­fasst, un­ter de­nen ein gekündig­ter Ar­beit­neh­mer ei­nen vorläufi­gen An­spruch auf Wei­ter­beschäfti­gung hat. ArbG Saar­louis, Ur­teil vom 03.06.2009, 1 Ga 3/09.
10/074 Anforderungen an betriebliches Eingliederungsmanagement
19.04.2010. Das Bun­des­ar­beits­ge­richt (BAG) hat die An­for­de­run­gen näher kon­kre­ti­siert, die der Ar­beit­ge­ber bei der Durchführung des be­trieb­li­chen Ein­glie­de­rungs­ma­nage­ments zu be­ach­ten hat. Das BAG ver­langt, dass der Ar­beit­ge­ber not­falls auch Wi­derstände des Ar­beit­ne­he­mers über­win­den muss: BAG, Ur­teil vom 10.12.2009, 2 AZR 400/08.
10/073 Teilzeit in der Elternzeit auch für Führungskräfte
16.04.2010. Das Bun­des­ar­beits­ge­richt (BAG) hat mit deut­li­chen Wor­ten den An­spruch von Ar­beit­neh­mern in Führungs­po­si­tio­nen auf Teil­zeit in der El­tern­zeit gestärkt. BAG, Ur­teil vom 15.12.2009, 9 AZR 72/09.
10/069 Versetzung von Arbeitnehmern nach Stilllegung des Betriebs
12.04.2010. Das Bun­des­ar­beits­ge­richt (BAG) hat ent­schie­den, dass das Rest­man­dat des Be­triebs­rat nach ei­ner Be­triebs­still­le­gung dem Be­triebs­rat kein Mit­be­stim­mungs­recht bei der Ver­set­zung von Ar­beit­neh­mern gibt. BAG, Be­schluss vom 08.12.2009, 1 ABR 41/09.
10/068 Anwalt auch für Wahlvorstände
09.04.2010. Das Bun­des­ar­beits­ge­richt (BAG) hat ent­schie­den, dass zu den vom Ar­beit­ge­ber zu tra­gen­den Kos­ten des Wahl­vor­stands auch die Be­auf­tra­gung ei­nes Rechts­an­walts gehören kann. Al­ler­dings ist hierüber ei­ne vor­he­ri­ge Ver­ein­ba­rung mit dem Ar­beit­ge­ber er­for­der­lich, um die Kos­ten­tra­gungs­pflicht aus­zulösen. BAG, Be­schluss vom 11.11.2009, 7 ABR 26/08.
10/066 Stellenausschreibung nur für Frauen
07.04.2010. Nach ei­ner Ent­schei­dung des Bun­des­ar­beits­ge­richts (BAG) kann für die Stel­le ei­nes Gleich­stel­lungs­be­auf­trag­ten zulässi­ger­wei­se aus­sch­ließlich ei­ne Frau ge­sucht wer­den, wenn Haupttätig­keit die Be­ra­tung von Frau­en in "spe­zi­el­len Pro­blem­la­gen" sein soll. BAG, Ur­teil vom 18.03.2010, 8 AZR 77/09.
10/065 Zusatzurlaub für Schwerbehinderte nach dem SGB IX
06.04.2010. Das Bun­des­ar­beits­ge­richt (BAG) hat in der Sa­che Schultz-Hoff ent­schie­den, dass auch der Zu­satz­ur­laub für Schwer­be­hin­der­te, der we­gen Er­kran­kung nicht ge­nom­men wer­den kann, nicht ver­fal­len darf und da­mit die dies­bezügli­che Streit­fra­ge geklärt. Ob ta­rif­li­cher Zu­satz­ur­laub ver­fal­len kann, hängt da­ge­gen von dem er­kenn­ba­ren Wil­len der Ta­rif­ver­trags­par­tei­en ab. BAG, Ur­teil vom 23.03.2010, 9 AZR 128/09 (Schultz-Hoff).
10/064 Kostentragung bei Prozess mit Betriebsrat
01.04.2010. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt (LAG) Hamm hat ent­schie­den, dass ein Ar­beit­ge­ber die Pro­zess­kos­ten für ein Be­schluss­ver­fah­ren nicht tra­gen muss, wenn es der Be­triebs­rat versäumt hat, zu­vor ei­ne außer­ge­richt­li­che Klärung mit dem Ar­beit­ge­ber zu ver­su­chen. LAG Hamm, Be­schluss vom 02.10.2009, 10 TaBV 189/08
10/063 Fristlose Kündigung wegen Bagatelldiebstahls?
31.03.2010. In Ar­beits­recht ak­tu­ell 09/202 be­rich­te­ten wir über den Fall ei­ner Al­ten­pfle­ge­rin, die we­gen des Dieb­stahls von sechs Maul­ta­schen frist­los gekündigt wur­de und er­folg­los hier­ge­gen vor dem Ar­beits­ge­richt Lörrach (Ur­teil vom 16.10.2009, 4 Ca 248/09) klag­te. In der Be­ru­fungs­in­stanz ha­ben die Par­tei­en sich jetzt auf die Zah­lung ei­ner Ab­fin­dung verständigt. Lan­des­ar­beits­ge­richt (LAG) Ba­den-Würt­tem­berg, 9 Sa 75/09.
10/062 Keine Arbeitspflicht vor Rücknahme der Kündigung
30.03.2010. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt (LAG) Ber­lin-Bran­den­burg hat ent­schie­den, dass ein Ar­beit­neh­mer nach ei­ner Kündi­gung nur dann wie­der zur Ar­beits­auf­nah­me ver­pflich­tet ist, wenn das Ge­richt rechts­kräftig die Un­wirk­sam­keit der Kündi­gung fest­ge­stellt hat oder wenn der Ar­beit­ge­ber die Kündi­gung aus­drück­lich zurück­nimmt. Die bloße Auf­for­de­rung des Ar­beit­ge­bers zur Ar­beits­auf­nah­me, wenn die Kündi­gung sich als un­wirk­sam her­aus­stel­len soll­te, reicht für die An­nah­me ei­ner Ar­beits­ver­pflich­tung nach Auf­fas­sung des LAG nicht aus. Lan­des­ar­beits­ge­richt Ber­lin-Bran­den­burg, Ur­teil vom 05.11.2009, 26 Sa 1840/09.
10/061 Kündigungsschutz durch ausländisches Arbeitsverhältnis
29.03.2010. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt (LAG) Ber­lin-Bran­den­burg hat ent­schie­den, dass auch Vor­beschäfti­gungs­zei­ten auf­grund ei­nes nicht dem deut­schen Recht un­ter­lie­gen­den Ar­beits­verhält­nis­ses auf die kündi­gungs­schutz­re­le­van­te sechs­mo­na­ti­ge War­te­zeit des § 1 Abs. 1 Kündi­gungs­schutz­ge­setz (KSchG) an­zu­rech­nen sind. Lan­des­ar­beits­ge­richt Ber­lin-Bran­den­burg, Ur­teil vom 06.10.2009, 7 Sa 569/09
10/060 Beförderung auf Probe
26.03.2010. Ei­ne ak­tu­el­le Ent­schei­dung des Lan­des­ar­beits­ge­richts (LAG) München be­fasst sich mit der Fra­ge, ob ein Ar­beit­neh­mer auf der Grund­la­ge ei­ner vom Ar­beit­ge­ber ge­stell­ten Ver­trags­klau­sel "auf Pro­be" befördert wer­den kann: LAG München, Ur­teil vom 17.12.2009, 3 Sa 644/09.
10/059 Vorsitzender für Einigungsstelle
25.03.2010. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt (LAG) Ber­lin-Bran­den­burg hat klar­ge­stellt, dass das Ar­beits­ge­richt im Ver­fah­ren über die Be­set­zung der Ei­ni­gungs­stel­le in der Re­gel an die zu­erst ge­mach­ten per­so­nel­len Vor­schläge ei­ner Be­triebs­par­tei - in der Re­gel des an­trag­stel­len­den Be­triebs­rats - hin­sicht­lich des Vor­sit­zen­den der Ei­ni­guns­stel­le ge­bun­den ist. LAG Ber­lin-Bran­den­burg, Be­schluss vom 22.01.2010, 10 TaBV 2829/09.
10/057 Arbeitnehmer dürfen über ihre Vergütung sprechen
23.03.2010. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt (LAG) Meck­len­burg-Vor­pom­mern hat ent­schie­den, dass ei­ne ar­beits­ver­trag­li­che Ver­schwie­gen­heits­klau­sel un­wirk­sam ist, die es Ar­beit­neh­mern ver­bie­tet, un­ter­ein­an­der über die Höhe ih­rer Vergütung zu spre­chen, so­weit es sich hier­bei um All­ge­mei­ne Geschäfts­be­din­gun­gen (AGB) han­delt. LAG Meck­len­burg-Vor­pom­mern, Ur­teil vom 21.10.2009, 2 Sa 183/09 und 2 Sa 237/09
10/056 Dienstreise oder Privatreise?
22.03.2010. Der Große Se­nat des Bun­des­fi­nanz­hofs (BFH) hat zu­guns­ten des steu­er­pflich­ti­gen Er­werbstäti­gen ent­schie­den, dass die Kos­ten für Rei­sen mit teils be­ruf­li­cher, teils pri­va­ter Zweck­set­zung im Um­fang der be­ruf­li­chen Ver­an­las­sung steu­er­lich gel­tend ge­macht wer­den können. BFH (Großer Se­nat), Be­schluss vom 21.09.2009, GrS 1/06.
10/050 Telefon für den Betriebsrat
12.03.2010. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt (LAG) Nie­der­sach­sen hat sich da­mit be­fasst, wel­che An­for­de­run­gen an die Ein­rich­tung ei­ner dem Be­triebs­rat vom Ar­beit­ge­ber zur Verfügung ge­stell­ten Te­le­fon­an­la­ge zu stel­len sind, da­mit die in teil­wei­se weit aus­ein­an­der lie­gen­den Ver­kaufs­fi­lia­len täti­gen Mit­ar­bei­ter auch tatsächlich für den Be­triebs­rat er­reich­bar sind. LAG Nie­der­sach­sen, Be­schluss vom 21.09.2009, 9 TaBV 98/08.
10/049 Öffentliche Kritik am Arbeitgeber
11.03.2010. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt (LAG) Ba­den-Würt­tem­berg hat sich da­mit be­fasst, un­ter wel­chen Umständen ei­ne von der Mei­nungs­frei­heit ge­deck­te kri­ti­sche Äußerung, die ei­ne ver­hal­tens­be­ding­te Kündi­gung nicht zu recht­fer­ti­gen ver­mag, ei­ne Auflösung des Ar­beits­verhält­nis­ses ge­gen Zah­lung ei­ner Ab­fin­dung gemäß § 9 Abs. 1 Satz 2 Kündi­gungs­schutz­ge­setz we­gen "zerrütte­ten Ver­trau­ens" be­gründen kann. LAG Ba­den-Würt­tem­berg, Ur­teil vom 10.02.2010, 2 Sa 59/09.
10/048 Weiterbeschäftigung des Arbeitnehmers
10.03.2010. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt (LAG) Meck­len­burg-Vor­pom­mern hat ent­schie­den, dass durch die vorläufi­ge Wei­ter­beschäfti­gung ei­nes gekündig­ten Ar­beit­neh­mers bis zum Ab­schluss des Kündi­gungs­schutz­ver­fah­rens ein neu­es Ar­beits­verhält­nis auch dann be­gründet wird, wenn die Auf­for­de­rung des Ar­beit­ge­bers zur Wei­ter­beschäfti­gung er­folgt, nach­dem er in ers­ter In­stanz hier­zu ver­ur­teilt wur­de, wenn nicht der Ar­beit­neh­mer nach Er­lass des Ur­teils sei­ne Wei­ter­beschäfti­gung aus­drück­lich ver­langt. LAG Meck­len­burg-Vor­pom­mern, Ur­teil vom 21.10.2009, 2 Sa 152/09.
10/047 Darf ein Arbeitgeber akzentfreies Deutsch verlangen?
09.03.2010. Das Ar­beits­ge­richt (ArbG) Ham­burg hat ent­schie­den, dass es ei­ne mit­tel­ba­re Dis­kri­mi­nie­rung auf­grund der Her­kunft dar­stellt, wenn ein Ar­beit­ge­ber von Be­wer­bern auf ei­ne Stel­le als Post­zu­stel­ler weit­ge­hend ak­zent­frei­es Deutsch ver­langt. ArbG Ham­burg, Ur­teil vom 26.01.2010, 25 Ca 282/09.
10/046 Umkleiden als Arbeitszeit
08.03.2010. Das Bun­des­ar­beits­ge­richt (BAG) hat ent­schie­den, dass das Um­klei­den zum Tra­gen auffälli­ger Fir­men­klei­dung al­lein im In­ter­es­se des Ar­beit­ge­bers liegt und des­halb be­triebs­ver­fas­sungs­recht­lich als Ar­beits­zeit an­zu­se­hen ist, de­ren La­ge der Ar­beit­ge­ber nicht oh­ne den Be­triebs­rat fest­le­gen kann. BAG, Be­schluss vom 10.11.2009, 1 ABR 54/08.
10/045 Aufhebungsvertrag mit Abfindung
05.03.2010. Das Bun­des­ar­beits­ge­richt (BAG) hat ent­schie­den, dass es nicht ge­gen das Ver­bot der Al­ters­dis­kri­mi­nie­rung verstößt, wenn der Ar­beit­ge­ber aus­sch­ließlich jünge­ren Ar­beit­neh­mern ein Auf­he­bungs­ver­trags­an­ge­bot un­ter­brei­tet, das die Zah­lung ei­ner Ab­fin­dung be­inhal­tet: BAG, Ur­teil vom 25.02.2010, 6 AZR 911/08.
10/043 Zusatzurlaub schwerbehinderter Arbeitnehmer
03.03.2010. Seit der Ent­schei­dung des Eu­ropäischen Ge­richts­hofs in der Sa­che Schultz-Hoff (Ur­teil vom 20.01.2009, C-350/06) darf der vierwöchi­ge Min­des­t­ur­laub von Ar­beit­neh­mern in­fol­ge lan­ger Krank­heit nicht ver­fal­len. Bei Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses ist der krank­heits­be­dingt nicht ge­nom­me­ne Ur­laub ab­zu­gel­ten. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt (LAG) Ber­lin-Bran­den­burg be­fasst sich in ei­ner ak­tu­el­len Ent­schei­dung mit der Fra­ge, ob das auch für den Zu­satz­ur­laub schwer­be­hin­der­ter Ar­beit­neh­mer gilt: LAG Ber­lin-Bran­den­burg, Ur­teil vom 02.10.2009, 6 Sa 1215/09.
10/042 Namensliste in der Insolvenz
02.03.2010. Die vor­lie­gen­de Ent­schei­dung des Lan­des­ar­beits­ge­richts (LAG) Nie­der­sach­sen be­fasst sich mit der Fra­ge, ob ein In­ter­es­sen­aus­gleich mit Na­mens­lis­te in der In­sol­venz auch in kirch­li­chen Ein­rich­tun­gen ge­schlos­sen wer­den kann. LAG Nie­der­sach­sen, Ur­teil vom 09.12.2009, 17 Sa 850/09.
10/041 Weisungsrecht: Lage der Arbeitszeit darf nicht ausgrenzen
27.02.2010. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt (LAG) Rhein­land-Pfalz be­fasst sich mit der Fra­ge, ob es noch "bil­li­gem Er­mes­sen" ent­ps­richt, wenn ein Ar­beit­ge­ber ei­nem Ar­beit­neh­mer Ar­beits­zei­ten qua sei­nes Di­rek­ti­ons­rechts zu­weist, die ihn in­ner­halb der Be­leg­schaft aus­gren­zen, um so ein Zu­sam­men­tref­fen zwei­er Kon­flikt­par­tei­en zu ver­mei­den: LAG Rhein­land-Pfalz, Ur­teil vom 17.06.2009, 8 Sa 26/09.
10/040 Verteilung der Arbeitszeit bei Teilzeit
26.02.2010. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt (LAG) Köln be­fasst sich in ei­nem ak­tu­el­len Ur­teil mit der Fra­ge, ob Ar­beit­neh­mer, die in Teil­zeit ar­bei­ten möch­ten, An­spruch auf ei­ne block­wei­se Ver­tei­lung der Ar­beits­zeit ha­ben, nach der sie ab­wech­selnd ei­nen Mo­nat ar­bei­ten und ei­nen Mo­nat frei ha­ben. LAG Köln, Ur­teil vom 23.11.2009, 5 Sa 601/09.
10/039 Kündigung wegen außerdienstlicher Straftat
25.02.2010. Das Bun­des­ar­beits­ge­richt (BAG) hat­te darüber zu ent­schei­den, ob für Beschäftig­te des öffent­li­chen Diens­tes bei ver­hal­tens­be­ding­ten Kündi­gun­gen we­gen der Be­ge­hung ei­ner außer­dienst­li­chen Straf­tat glei­che Maßstäbe gel­ten, wie für Ar­beit­neh­mer der Pri­vat­wirt­schaft, nach­dem mit der Ta­rif­re­form ta­rif­li­che Re­ge­lun­gen, die ein an­ge­mes­se­nes außer­dienst­li­ches Ver­hal­ten vor­schrei­ben, weg­ge­fal­len sind. BAG, Ur­teil vom 10.09.2009, 2 AZR 257/08.
10/038 Ärztliches Attest: Krankheit wegen persönlicher Krise
24.02.2010. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt (LAG) Hamm be­fasst sich mit der Fra­ge der Erschütte­rung des Be­weis­wer­tes ei­nes ärzt­li­chen At­test im Hin­blick auf die Ar­beits­unfähig­keit ei­nes Ar­beit­neh­mers. Der Ar­beit­ge­ber hat­te in dem vor­lie­gen­den Fall Äußerun­gen des Ar­beit­neh­mers sel­ber her­an­ge­zo­gen, die er da­hin­ge­hend in­ter­pre­tier­te, dass der Ar­beit­neh­mer ge­sagt hat­te, er sei gar nicht krank. LAG Hamm, Ur­teil vom 28.10.2009, 3 Sa 579/09.
10/037 Vorstellungsgespräch mit schwerbehindertem Bewerber
23.02.2010. In der vor­lie­gen­den Ent­schei­dung des Ar­beits­ge­richts (ArbG) Ulm geht es um die Fra­ge, in­wie­weit ein öffent­li­cher Ar­beit­ge­ber ei­ge­ne Nach­for­schun­gen an­stel­len muss, ob ein Be­wer­ber schwer­be­hin­dert ist und des­halb zum Vor­stel­lungs­gespräch ein­ge­la­den wer­den muss. Ar­beits­ge­richt Ulm, Ur­teil vom 17.12.2009, 5 Ca 316/09.
10/036 Fälligkeit der Abfindung kann verschoben werden
22.02.2010. Der Bun­des­fi­nanz­hof (BFH) hat ent­schie­den, dass es zulässig ist, den Zeit­punkt, an dem ei­ne Ab­fin­dung fällig wird, durch Ver­ein­ba­rung mit dem Ar­beit­ge­ber nach hin­ten zu ver­schie­ben, um Steu­ern zu spa­ren. Dies gilt auch dann, wenn die Fällig­keit der Ab­fin­dung in ei­nem So­zi­al­plan ge­re­gelt ist. BFH, Ur­teil vom 11.11.2009, IX R 1/09.
10/035 Geschäftsführer vor dem Arbeitsgericht
19.02.2010. Die vor­lie­gen­de Ent­schei­dung des Lan­des­ar­beits­ge­richts (LAG) Hamm be­fasst sich mit der Fra­ge, un­ter wel­chen Vor­aus­set­zung die Ver­ein­ba­rung, dass für Strei­tik­ei­ten zwi­schen Geschäftsführer und GmbH die Ar­beits­ge­rich­te zuständig sein sol­len, im Fall ei­ner Ein­mann-GmbH zulässig ist. LAG Hamm, Be­schluss vom 27.04.2009, 2 Ta 832/08
10/032 Kein Betriebsrat im Flugzeug
16.02.2010. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt (LAG) Ber­lin-Bran­den­burg hält die Re­ge­lung in § 117 Abs. 2 Be­triebs­ver­fas­sungs­ge­setz für eu­ro­pa­rechts­kon­form, wo­nach für im Flug­be­trieb beschäftig­te Ar­beit­neh­mer das Recht auf Gründung ei­nes Be­triebs­rats nur be­steht, wenn dies ta­rif­lich so ge­re­gelt ist. Die Mit­ar­bei­ter von Ea­sy­Jet, die oh­ne ta­rif­li­che Re­ge­lung ei­nen Be­triebs­rat gründen woll­ten, un­ter­la­gen des­halb vor dem Land­ge­richt. LAG Ber­lin-Bran­den­burg, Be­schluss vom 30.10.2009, 6 TaBV­Ga 2284/09.
10/031 Auch Equal-pay-Ansprüche unterliegen Ausschlussfristen
15.02.2010. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt (LAG) München hat ent­schie­den, dass für Leih­ar­beit­neh­mer, die die glei­che Vergütung wie die Stamm­be­leg­schaft for­dern ("Equal Pay") auch die in dem Ent­lei­her­be­trieb gel­ten­den Aus­schluss­fris­ten An­wen­dung fin­den: LAG München, Ur­teil vom 12.11.2009, 3 Sa 579/09.
10/030 Kündigung wegen schlechten Deutschkenntnissen
12.02.2010. Das All­ge­mei­ne Gleich­be­hand­lungs­ge­setz (AGG) schützt un­ter an­de­rem vor Dis­kri­mi­nie­run­gen auf­grund der eth­ni­schen Her­kunft. In der vor­lie­gen­den Ent­schei­dung des Bun­des­ar­beits­ge­richts (BAG) ging es um die Fra­ge, ob ei­ne Kündi­gung, die ein Ar­beit­ge­ber we­gen der nicht aus­rei­chen­den Deutsch­kennt­nis­se ei­nes Ar­beit­neh­mers aus­spricht, ei­ne sol­che Dis­kri­mi­nie­rung dar­stellt: BAG, Ur­teil vom 28.01.2010, 2 AZR 764/08.
10/029 Urlaubsabgeltung nach langer Krankheit:
11.02.2010. Seit An­fang 2009 ist geklärt, dass der Min­des­t­ur­laubs­an­spruch von vier Wo­chen, wenn der Ur­laub we­gen lan­ger Er­kran­kung nicht ge­nom­men wer­den kann, be­ste­hen bleibt und da­her bei Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses ab­zu­gel­ten ist. In die­sem Sin­ne hat der Eu­ropäische Ge­richts­hof (EuGH) durch Ur­teil vom 20.01.2009, C-350/06 und C-520/06 (Schultz-Hoff) die bis da­hin an­ders­lau­ten­de Recht­spre­chung der deut­schen Ar­beits­ge­rich­te geändert. Das Ar­beits­ge­richt (ArbG) Wup­per­tal hat dem EuGH nun­mehr die Fra­ge vor­ge­legt, ob die Schultz-Hoff-Ent­schei­dung auch für Be­am­te und Dienst­ord­nungs­an­ge­stell­te gilt: ArbG Wup­per­tal, Be­schluss vom 19.11.2009, 7 Ca 2453/09.
10/027 Keine Kündigung nach nicht einschlägiger Abmahnung
09.02.2010. Ei­ne vor kur­zem er­gan­ge­ne Ent­schei­dung des Lan­des­ar­beits­ge­richts (LAG) Ber­lin-Bran­den­burg be­fasst sich mit der Fra­ge, wann ei­ne Ab­mah­nung als "ein­schlägig" gilt und des­halb im Fall des wie­der­hol­ten Fehl­ver­hal­tens zur Kündi­gung be­rech­tigt. LAG Ber­lin-Bran­den­burg, Ur­teil vom 18.12.2009, 6 Sa 1239/09.
10/026 Wahl zum Betriebsrat
08.02.2010. In ei­ner ak­tu­el­len Ent­schei­dung des Lan­des­ar­beits­ge­richts (LAG) Hamm geht es um die Fra­ge, wann die Ein­set­zung ei­nes Wahl­vor­stands zur Gründung ei­nes Be­triebs­rats ge­schei­tert und da­mit die Be­stel­lung des Wahl­vor­stands durch das Ar­beits­ge­richt zulässig ist. LAG Hamm, Ur­teil vom 02.10.2009, 10 TaBV 27/09.
10/025 Ist die Erlaubnis von Flashmob-Streiks verfassungswidrig?
05.01.2010. Mit Ur­teil vom 22.09.2009 (1 AZR 972/08) hat das Bun­des­ar­beits­ge­richt (BAG) die Kla­ge des Han­dels­ver­bands Ber­lin-Bran­den­burg e.V. (HBB) ab­ge­wie­sen, mit der die­ser der Ge­werk­schaft ver.di ver­bie­ten las­sen woll­te, bei Ar­beitkämp­fen sog. Flashmobs zu or­ga­ni­sie­ren. Das mit Flashmobs ver­bun­de­ne vorüber­ge­hen­de Lahm­le­gen von Ein­zel­han­dels­geschäften ist da­mit - so je­den­falls das BAG - nicht all­ge­mein un­zulässig (wir be­rich­te­ten in Ar­beits­recht ak­tu­ell: 09/185 Flashmob-Ak­tio­nen sind zulässig). Ge­gen die­ses BAG-Ur­teil hat der HBB En­de 2009 beim Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt (BVerfG) Ver­fas­sungs­be­schwer­de ein­ge­legt.
10/024 Kündigung wegen vorgetäuschter Krankheit
04.02.2010. In der vor­lie­gen­den Ent­schei­dung des Hes­si­schen Lan­des­ar­beits­ge­richts (LAG) konn­te der Ar­beit­ge­ber ei­nem Ar­beit­neh­mer trotz "Krank­schrei­bung" nach­wei­sen, dass sei­ne Er­kran­kung nur vor­getäuscht war. Das LAG hielt die dar­auf­hin aus­ge­spro­che­ne frist­lo­se Kündi­gung für wirk­sam. Hes­si­sches LAG, Ur­teil vom 01.04.2009, 6 Sa 1593/08
10/023 Gehaltskürzung durch den Arbeitgeber
03.02.2010. Das Ar­beits­ge­richt (ArbG) Köln hat­te sich mit ei­nem Fall zu be­fas­sen, in dem ei­nem an­ge­stell­ten Rechts­an­walt auf der Toi­let­te ver­brach­te Zei­ten vom Ge­halt ab­ge­zo­gen wur­den. ArbG Köln, Ur­teil vom 21.01.2010, 6 Ca 3846/09.
10/022 Rückblick 2009: Die zehn wichtigsten Entscheidungen zum Arbeitsrecht
02.02.2010. Wie je­des Jahr ha­ben wir Ih­nen die zehn wich­tigs­ten Ent­schei­dun­gen aus dem zurück­lie­gen­den Jahr, über die wir be­rich­tet ha­ben, zu­sam­men­ge­stellt. Hier die Top Ten des Jah­res 2009.
10/021 Kündigung ohne Verschulden des Arbeitnehmers
01.02.2010. Das Thürin­ger Lan­des­ar­beits­ge­richt (LAG) be­fasst sich mit der Fra­ge, ob aus­nahms­wei­se ei­ne or­dent­li­che ver­hal­tens­be­ding­te Kündi­gung aus­ge­spro­chen wer­den kann, ob­wohl den Ar­beit­neh­mer an ei­nem Pflicht­ver­s­toß kein Ver­schul­den trifft. Thürin­ger LAG, Ur­teil vom 11.06.2009, 3 Sa 22/07.
10/020 Arbeiten im Urlaub
29.01.2010. In ei­ner ak­tu­el­len Ent­schei­dung des Lan­des­ar­beits­ge­richts (LAG) Köln geht es um die Fra­ge, in wel­chem Um­fang es zulässig ist, während des Ur­laubs zu ar­bei­ten, LAG Köln, Ur­teil vom 21.09.2009, 2 Sa 674/09.
10/019 Abfindung ist auf Arbeitslosengeld II anzurechnen
28.01.2010. Ar­beit­neh­mer, die nach dem Aus­schei­den aus dem Ar­beits­verhält­nis dar­auf an­ge­wie­sen sind, Grund­si­che­rung für er­werbsfähi­ge Hil­fe­bedürf­ti­ge nach dem Zwei­ten Buch So­zi­al­ge­setz­buch (SGB II) be­zie­hen, d.h. Ar­beits­lo­sen­geld II (Alg II) bzw. sog. „Hartz IV“, müssen sich ei­ne Ab­fin­dungs­zah­lung als Ein­kom­men an­spruchs­min­dernd an­rech­nen las­sen. Auch wenn der An­spruch auf die Ab­fin­dung be­reits lan­ge Zeit vor ih­rer Zah­lung ent­stan­den ist, kommt es für die An­rech­nung der Ab­fin­dung auf das Alg II al­lein auf den Zeit­punkt des Zu­flus­ses an. Dies hat das Bun­des­so­zi­al­ge­richt in ei­ner ak­tu­el­len Ent­schei­dung klar­ge­stellt: BSG, Ur­teil vom 03.03.2009, B 4 AS 47/08 R.
10/016 Arbeitslosengeld: Sperrzeit bei Eigenkündigung
25.01.2010. In der vor­lie­gen­den Ent­schei­dung des Lan­des­so­zi­al­ge­richts (LSG) Rhein­land-Pfalz geht es um die Fra­ge, ob ein Ar­beit­neh­mer, der durch Ei­genkündi­gung ei­ne Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses ei­nen Tag vor dem vom Ar­beit­ge­ber be­ab­sich­tig­ten En­de her­beiführt, ei­ne Sperr­zeit beim Be­zug von Ar­beits­lo­sen­geld er­hal­ten darf, wenn sich der Ar­beit­neh­mer durch die vor­zei­ti­ge Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses ei­ne mehr als dop­pelt so lan­ge Be­zugs­dau­er von Ar­beits­lo­sen­geld si­chern woll­te. LSG Rhein­land-Pfalz, Ur­teil vom 24.09.2009, L 1 AL 50/08.
10/015 Kein Hausverbot für Betriebsräte
22.01.2010. In ei­ner ak­tu­el­len Eil­ent­schei­dung des Lan­des­ar­beits­ge­richts (LAG) München war die Fra­ge zu klären, un­ter wel­chen Vor­aus­set­zun­gen ein Ar­beit­ge­ber ge­genüber ei­nem Be­triebs­rats­mit­glied im Aus­nahms­fall ein­mal ein Haus­ver­bot aus­spre­chen darf: LAG München, Be­schluss vom 18.11.2009, 11 TaBV­Ga 16/09.
10/014 Wirksamkeit einer Kündigung:
21.01.2010.Das Lan­des­ar­beits­ge­richt (LAG) Nie­der­sach­sen hat klar­ge­stellt, dass die von ei­ner Ge­sell­schaft bürger­li­chen Rechts (GbR) aus­ge­spro­che­ne Kündi­gung zwar nicht un­be­dingt von al­len Ge­sell­schaf­tern un­ter­schrie­ben wer­den muss. Wenn sich aber ei­ner der Ge­sell­schaf­ter von ei­nem an­de­ren bei der Kündi­gung ver­tre­ten lässt, muss ein an­de­rer für ihn un­ter­schrei­ben, und zwar mit ei­nem die Ver­tre­tung deut­lich ma­chen­den Hin­weis: LAG Nie­der­sach­sen, Ur­teil vom 11.12.2009, 10 Sa 594/09.
20.01.2010. In Ar­beits­recht ak­tu­ell 09/099 be­rich­te­ten wir über ei­ne Ent­schei­dung des Ar­beits­ge­richts Ber­lin, nach der die CG­ZP (Ta­rif­ge­mein­schaft Christ­li­cher Ge­werk­schaf­ten für Zeit­ar­beit und Per­so­nal­ser­vice­agen­tu­ren) nicht ta­riffähig ist. Nun­mehr hat das Lan­des­ar­beits­ge­richt (LAG) Ber­lin-Bran­den­burg im Be­schwer­de­ver­fah­ren die Ent­schei­dung der Vor­in­stanz bestätigt: LAG Ber­lin-Bran­den­burg, Be­schluss vom 07.12.2009, 23 TaBV 1016/09.
10/012 Keine Kündigung wegen sexueller Belästigung
19.01.2010. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt (LAG) Han­no­ver beschäftigt sich mit der Fra­ge, wie der Verhält­nismäßig­keits­maßstab ei­ner ver­hal­tens­be­ding­ten Kündi­gung ist, wenn der Ar­beit­neh­mer Mit­ar­bei­te­rin­nen be­lei­digt und dies zu­gleich ei­ne Dis­kri­mi­nie­rung nach dem All­ge­mei­nen Gleich­be­hand­lungs­ge­setz dar­stellt. LAG Nie­der­sach­sen, Ur­teil vom 13.10.2009, 1 Sa 832/09.
10/011 Einigungsstelle für Auskunft von Konzernmutter
18.01.2010. In ei­ner ak­tu­el­len Ent­schei­dung des Lan­des­ar­beits­ge­richts (LAG) Nie­der­sach­sen geht es dar­um, ob der Wirt­schafts­aus­schuss ei­nes Be­trie­bes In­for­ma­tio­nen in wirt­schaft­li­chen An­ge­le­gen­hei­ten auch von der Kon­zern­mut­ter­ge­sell­schaft ver­lan­gen kann, wenn die­se in Per­so­nal­fra­gen des Toch­ter­un­ter­neh­mens, für des­sen Be­trieb der Wirt­schaft­saaus­schuss zuständig ist, fak­tisch "das Sa­gen hat": LAG Nie­der­sach­sen, Be­schluss vom 03.11.2009, 1 TaBv 63/09.
10/010 Unbezahlter Zwangsurlaub bei Auftragsmangel?
15.01.2010. In ei­ner ak­tu­el­len Ent­schei­dung des Ar­beits­ge­richts (ArbG) Düssel­dorf geht es dar­um, ob die in All­ge­mei­nen Geschäfts­be­din­gun­gen (AGB) ent­hal­te­ne Klau­sel wirk­sam ist, der zu­fol­ge der Ar­beit­neh­mer im­mer dann un­be­zahl­te Ru­hens­zei­ten hin­zu­neh­men hat, wenn der Ar­beit­ge­ber kei­ne Auf­träge hat und da­her kei­ne Ar­beit anfällt. ArbG Düssel­dorf, Ur­teil vom 06.10.2009, 7 Ca 1724/09.
10/009 Zugriff auf fremde E-Mails rechtfertigt fristlose Kündigung
14.01.2010. In ei­ner ak­tu­el­len Ent­schei­dung des Lan­des­ar­beits­ge­richts (LAG) München geht es um die Fra­ge, ob das Ver­hal­ten ei­nes frist­los gekündig­ten Ar­beit­neh­mers im Kündi­gungs­schutz­pro­zess bei der Be­ur­tei­lung der Wirk­sam­keit der strei­ti­gen Kündi­gung ei­ne Rol­le spie­len darf: LAG München, Ur­teil vom 08.07.2009, 11 Sa 54/09.
10/008 Änderungskündigung und Weiterbeschäftigungsanspruch
13.01.2010. Das Ar­beits­ge­richt Ham­burg hat kürz­lich ent­ge­gen der herr­schen Mei­nung an­ge­nom­men, dass der von ei­ner Ände­rungskündi­gung be­trof­fe­ne Ar­beit­neh­mer, der das Ände­rungs­an­ge­bot un­ter Vor­be­halt an­ge­nom­men hat und ge­gen die Ver­tragsände­rung Ände­rungs­schutz­kla­ge führt, im Pro­zess auf die vorläufi­ge Ein­hal­tung sei­ner al­ten Ar­beits­be­din­gun­gen po­chen, d.h. ei­nen "All­ge­mei­nen Wei­ter­beschäfti­gungs­an­spruch" gel­tend ma­chen kann: Ar­beits­ge­richt Ham­burg, Ur­teil vom 17.09.2009, 17 Ca 179/09.
10/007 Betriebsverlagerung ins Ausland
12.01.2010. Ei­ne ak­tu­el­le Ent­schei­dung des Lan­des­ar­beits­ge­richts (LAG) Ba­den-Würt­tem­berg be­fasst sich mit der Fra­ge, ob auch bei ei­ner Pro­duk­ti­ons­ver­la­ge­rung ins Aus­land ein Be­triebsüber­gang vor­lie­gen kann. LAG Ba­den-Würt­tem­berg, Ur­teil vom 17.09.2009, 11 Sa 40/09.
10/006 Übernahme von Auszubildenden
11.01.2010. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt (LAG) Köln be­fasst sich in ei­ner ak­tu­el­len Ent­schei­dung mit den Vor­aus­set­zun­gen, un­ter de­nen Aus­zu­bil­den­de, die ta­rif­lich über­nom­men wer­den müssen, per Eil­an­trag auf vorläufi­ge Über­nah­me kla­gen können, wenn der Ar­beit­ge­ber die Über­nah­me ver­wei­gert und das Haut­psa­che­ver­fah­ren an­dau­ert. LAG Köln, Be­schluss vom 23.11.2009, 4 Ta 350/09.
10/005 Kein Betriebsübergang bei grundlegender Änderung des Betriebskonzepts
08.01.2010. Das Bun­des­ar­beits­ge­richt (BAG) hat in ei­nem ak­tu­el­len Ur­teil bestätigt, dass ein Be­triebsüber­gang im Sin­ne von § 613a Bürger­li­ches Ge­setz­buch (BGB) nicht vor­liegt, wenn der Er­wer­ber das Be­triebs­kon­zept grund­le­gend ändert: BAG, Ur­teil vom 17.12.2009, 8 AZR 1019/08.
10/004 Bewerberdiskriminierung aufgrund einer vom Arbeitgeber angenommenen Behinderung
07.01.2010. Das Bun­des­ar­beits­ge­richt (BAG) hat mit ei­ner Mit­te De­zem­ber 2009 er­gan­ge­nen Ent­schei­dung zu der Fra­ge Stel­lung ge­nom­men, un­ter wel­chen Umständen ein Stel­len­be­wer­ber we­gen ei­ner vom Ar­beit­ge­ber an­ge­nom­me­nen Be­hin­de­rung dis­kri­mi­niert wird: BAG, Ur­teil vom 17.12.2009, 8 AZR 760/08. Da­mit hat das BAG an­ders ent­schie­den als das Be­ru­fungs­ge­richt, das Lan­des­ar­beits­ge­richt (LAG) München (Ur­teil vom 08.07.2008, 8 Sa 112/08).
10/003 Schriftform einer Betriebsvereinbarung
06.01.2010. Die vor­lie­gen­de Ent­schei­dung des Lan­des­ar­beits­ge­richts (LAG) Ba­den-Würt­tem­berg be­fasst sich mit der Fra­ge, wel­che An­for­de­run­gen an die Schrift­form bei ei­ner Be­triebs­ver­ein­ba­rung mit An­la­gen zu stel­len sind. LAG Ba­den-Würt­tem­berg, Ur­teil vom 05.10.2009, 15 Sa 26/09.
10/002 Eingruppierung als Oberarzt
05.01.2010. Das Bun­des­ar­beits­ge­richt (BAG) hat Grundsätze für die Ein­grup­pie­rung ei­nes Ober­arz­tes nach dem TV-Ärz­te auf­ge­stellt. Re­kla­miert der Arzt, dass ihm die me­di­zi­ni­sche Ver­ant­wor­tung für ei­nen Teil- oder Funk­ti­ons­be­reich der Kli­nik über­tra­gen wor­den sei, kommt es ent­schei­dend dar­auf an, ob er die­se Ver­ant­wor­tung al­lein trägt oder mit ei­nem an­de­ren Arzt zu­sam­men und ob ihm min­des­tens ein Fach­arzt un­ter­stellt ist: BAG, Ur­teil vom 09.12.2009, 4 AZR 841/08.