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Timestamp: 2019-05-21 03:28:54
Document Index: 35378268

Matched Legal Cases: ['§ 3', '§ 242', '§ 3', '§ 10', '§ 241', '§ 4', '§ 3', 'BGH', 'BGH', '§ 3', 'BGH', 'BGH', '§ 3']

BAG, Urteil vom 29.11.1995, 5 AZR 447/94 - HENSCHE Arbeitsrecht
BAG, Ur­teil vom 29.11.1995, 5 AZR 447/94
Schlagworte: Befristeter Arbeitsvertrag, Altersgrenze, AGB-Kontrolle
Aktenzeichen: 5 AZR 447/94
Entscheidungsdatum: 29.11.1995
1. Überraschende Klauseln in Formulararbeitsverträgen und in allgemeinen Arbeitsbedingungen werden nicht Vetragsbestandteil. Ob sich dies aus einer analogen Anwendung von § 3 AGBG oder aus § 242 BGB in Verb. mit einem allgemeinen Rechtsgedanken ergibt, der in § 3 AGBG seinen Ausdruck gefunden hat, bleibt unentschieden.
2. Eine vertragliche Ausschlußfrist wird nicht Vertragsinhalt, wenn sie der Verwender ohne besonderen Hinweis und ohne drucktechnische Hervorhebung unter falscher oder mißverständlicher Überschrift einordnet.
Vorinstanzen: Arbeitsgericht Köln, Urteil vom 22.07.1993, 14 Ca 968/93
7 Sa 1319/93 Köln
29. No­vem­ber 1995
1. Die Re­vi­si­on der Be­klag­ten ge­gen das Ur­teil des Lan­des­ar­beits­ge­richts Köln vom 23. März 1994 - 7 Sa 1319/93 - wird zurück­ge­wie­sen.
Die Par­tei­en strei­ten über Lohn­fort­zah­lung im Krank­heits­fal­le und in die­sem Zu­sam­men­hang um die Fra­ge der Wirk­sam­keit ei­ner ver­trag­li­chen Aus­schlußklau­sel.
In dem zwi­schen der Be­klag­ten und dem Ar­beit­neh­mer E 21. Fe­bru­ar 1992 schrift­lich ab­ge­schlos­se­nen
For­mu­lar-Ar­beits­ver­trag heißt es u.a.:
teil die­ses Ver­tra­ges. Der Ar­beit­neh­mer bestätigt mit der Ver­trags­un­ter­zeich­nung die Be­triebs­ord­nung er­hal­ten zu ha­ben.
Die Be­triebs­ord­nung der Be­klag­ten lau­tet aus­zugs­wei­se:
"§ 10 Lohn­be­rech­nung und Zah­lung
Die Re­vi­si­on ist nicht be­gründet. Die Vor­in­stan­zen ha­ben der Kla­ge mit Recht statt­ge­ge­ben. Der auf die Kläge­rin über­g­an­ge­ne Lohn­fort­zah­lungs­an­spruch ist nicht ver­wirkt. Die Aus­schlußfrist ist nicht Ver­trags­be­stand­teil ge­wor­den.
630/87 - AP Nr. 1 zu § 241 BGB; BAG Ur­teil vom 11. Ja­nu­ar 1995 - 10 AZR 5/94 -, n.v.; LAG Ber­lin Ur­teil vom 18. Ja­nu­ar 1993 - 12 Sa 120/92 - LA­GE § 4 KSchG Aus­gleichs­quit­tung Nr. 3; ArbG Ber­lin Ur­teil vom 1. Sep­tem­ber 1980 - 16 Ca 99/80 - NJW 1981, 479). Im Er­geb­nis be­steht al­so in Recht­spre­chung und Li­te­ra­tur Ei­nig­keit darüber, daß über­ra­schen­de Klau­seln auch im Ar­beits­recht nicht Ver­trags­in­halt wer­den.
3. Über­ra­schend sind Ver­trags­klau­seln dann, wenn sie so un­gewöhn­lich sind, daß der Ver­trags­part­ner des Ver­wen­ders mit ih­nen nicht zu rech­nen braucht. Es muß ih­nen ein "Über­rum­pe­lungs- oder Übertölpe­lungs­ef­fekt" in­ne­woh­nen (so zu § 3 AGBG BGHZ 84, 109, 113; 100, 82, 85; 109, 197, 201). Zwi­schen den durch die Umstände bei Ver­trags­schluß be­gründe­ten Er­war­tun­gen und dem tatsächli­chen Ver­trags­in­halt muß ein deut­li­cher Wi­der­spruch be­ste­hen. Da­bei sind al­le Umstände zu berück­sich­ti­gen, ins­be­son­de­re das äußere Er­schei­nungs­bild des Ver­trags (BGHZ 101, 29, 33) Auch das Un­ter-brin­gen ei­ner Klau­sel an ei­ner un­er­war­te­ten Stel­le im Text kann sie als Über­ra­schungs­klau­sel er­schei­nen las­sen (LAG Ber­lin, aaO; ArbG Ber­lin, aaO; Fen­ski, AuR 1989, 168, 169; zu § 3 AGBG BGH Ur­teil vom 1. Ju­ni 1989 - X ZR 78/88 - NJW 1989, 2255; BGHZ 84, 109, 113; Stau­din­ger/Schlos­ser, BGB, 12. Aufl. 1983, § 3 AGBG Rz 12).
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