Source: http://www.wpwatch.de/newsletter/newsletter-archiv/nr-62-november-2015-sondernewsletter.html
Timestamp: 2018-12-16 03:28:04
Document Index: 30424767

Matched Legal Cases: ['§ 57', '§ 57', '§ 319', '§ 57', '§ 38', '§ 319', '§ 57', '§ 57']

NR. 62 - NOVEMBER 2015 - SONDERNEWSLETTER
1. Warum dieser Sonder-Newsletter?
2. Klarstellung zur "Klarstellung der WPK"
3. Zeitpunkt der Qualitätskontrolle
4. Anzeigeverfahren statt Teilnahmebescheinigung
5. Anzeigeverfahren - Meldepflicht zur Risikoanalyse
6. Anzeigeverfahren - Meldepflicht - wesentliche Änderungen
7. Neue Anforderungen an den Prüfer für Qualitätskontrolle
8. Wann kommt das APAReG?
9. Eine Frage hab ich noch
10. Herbstliche Grüße aus Köln!
WARUM DIESER SONDER-NEWSLETTER?
Das APAReG wird in der Berufsaufsicht der WP/vBP ab 2016 einschneidende Änderungen mit sich bringen.
Die Richtlinie aus Brüssel wird nicht 1:1 umgesetzt. Vielmehr werden bestehende Überregulierungen nicht abgebaut und weitere Verschärfungen in die WPO-E eingebracht.
Die (abgesprochene) Sachverständigenanhörung im Ausschuss am 02.11.2015 beschäftigte sich insbesondere mit dem "Wunschthema" von APAK/Big4 und WPK, ob denn die APAK künftig eine eigene "Behörde" (APAS) für ihre ca. 70 Mitarbeiter bekommt.
In (skandalösen) "Geheimabsprachen" mit dem BMWi wurden bereits am 09.01.2015 seitens der WPK die Weichen gestellt.
Ein von wp.net in Auftrag gegebenes Gutachten zeigt erhebliche verfassungsrechtliche Bedenken. Hierbei geht es u.a. um
die Aufhebung der Gewaltenteilung in der Berufsaufsicht bzw. die Ausschaltung der Berufsgerichtsbarkeit durch die WPK (VOBA) und eine
Verletzung des Demokratieprinzips durch die Schaffung einer Organstellung für den Präsidenten und die Verschiebung der Stimmrechte zwischen Beirat und Vorstand.
KLARSTELLUNG ZUR "KLARSTELLUNG DER WPK"
Die WPK wendet sich auf ihrer Homepage und im WPK-Magazin seit kurzem gegen die "Vorwürfe einzelner", dass mit dem APAReG der peer review künftig verschärft und überreguliert wird.
Also drucken Vorstand und Präsidium der WPK auf der Homepage eine "Klarstellung":
"Verschärfung des 'neuen' Peer Reviews? – Klarstellung der WPK"
Die „Klarstellungen“ der WPK zum neuen peer review sollen wohl die Berufsangehörigen durch gezielte Fehlinformation in Sicherheit wiegen und können deshalb von mir nicht unkommentiert bleiben.
Deshalb hier meine Klarstellung!
ZEITPUNKT DER QUALITÄTSKONTROLLE
Eine Verschärfung liegt darin, dass alleine die Kommission für Qualitätskontrolle (KfQK) bestimmt, wann die neue Qualitätskontrolle stattfindet (§ 57a II 6 WPO-E).
Derzeit plant der Berufsangehörige selbst den Zeitpunkt seiner Qualitätskontrolle und kann damit die „busy season“ für Mandantenaufträge freihalten. Mit der Neuregelung hat der Berufsangehörige die Planungshoheit über den peer review verloren.
Die WPK spricht stattdessen von Planungssicherheit und vernebelt diese Verschärfung mit folgender irrelevanten Aussage:
„Da die Praxen mit dem Abschluss einer Qualitätskontrolle auch über den Termin der nächsten Qualitätskontrolle informiert werden, haben sie auch weiterhin die erforderliche Planungssicherheit.“
Wir können also festhalten, dass die Information über einen fremdbestimmten Termin die derzeitige Selbstbestimmung über eine zu terminierende Qualitätskontrolle ersetzt.
Herr Ziegler, was sagen Sie zu dieser Verschärfung?
ANZEIGEVERFAHREN STATT TEILNAHMEBESCHEINIGUNG
Wirtschaftsprüfer / vereidigte Buchprüfer müssen derzeit über eine wirksame Bescheinigung über die Teilnahme an der Qualitätskontrolle nach § 57a WPO (oder eine Ausnahmegenehmigung) verfügen, wenn sie gesetzliche Abschlussprüfungen durchführen wollen (§ 319 I 3 HGB).
Dieses System der Teilnahmebescheinigung ist überreguliert und stellt eine Berufszugangsbeschränkung dar.
Nun formuliert der neue § 57a I WPO-E stattdessen ein Anzeigeverfahren, wonach die Absicht zur Tätigkeit als gesetzlicher Abschlussprüfer der WPK gemeldet werden muss.
Diese "Anzeige", dass ein(e) Kollege/in eine gesetzliche Pflichtprüfung durchführen möchte, wird auch ins Berufsregister der WPK eingetragen (§ 38 Nr. 1h WPO-E).
§ 319 I 3 HGB soll dahingehend geändert werden, dass der Berufsträger statt über eine Teilnahmebescheinigung nunmehr über einen Auszug aus dem Berufsregister verfügen muss, aus dem sich ergibt, dass er als Abschlussprüfer eingetragen ist.
Ohne gültige Qualitätskontrolle wird der Eintrag von der WPK wieder gelöscht (§ 57a VIa 2 WPO-E).
Die Teilnahmebescheinigung wird tatsächlich nicht abgeschafft, sondern umbenannt in eine Anzeigepflicht.
Die WPK unterstreicht diesen Etikettenschwindel mit folgender Aussage:
„Die WPK hat selbst wiederholt gefordert, die Eintragung und Löschung als gesetzlicher Abschlussprüfer im Berufsregister und die Pflicht zur Vorlage eines entsprechenden Registerauszugs zu streichen, da dieser nur die Teilnahmebescheinigung ersetzt.“
Herr Ziegler, also doch Etikettenschwindel, oder?
ANZEIGEVERFAHREN - MELDEPFLICHT ZUR RISIKOANALYSE
Mit der Anzeige sind auch Art und Umfang der beabsichtigten Tätigkeit mitzuteilen, damit auf diese Weise Informationen für die "Risikoanalyse" nach § 57a II WPO-E geliefert werden, z.B.
Anzahl der voraussichtlich künftig abgewickelten Abschlussprüfungen,
Stundenvolumen der Abschlussprüfungen,
HGB-Größenklassen,
Anzahl der verantwortlich prüfenden Berufsangehörigen,
Anzahl der Niederlassungen und
Dieses Anzeigeverfahren ist daher weder geeignet, den bürokratischen Aufwand abzubauen, noch die Berufszugangsbeschränkung zu beseitigen.
Die WPK erlaubt sich hierzu folgende Aussage:
„In Bezug auf angeblich „überbordende“ Mitteilungspflichten der registrierten Abschlussprüfer wird übersehen, dass die Mitteilung der Absicht, als Abschlussprüfer tätig zu werden, nur die voraussichtlich 100 bis 200 „Neueinsteiger“ im Jahr betrifft.“
Herr Ziegler, gilt das europarechtlich formulierte Ziel des Bürokratieabbaus für unseren Berufsnachwuchs etwa nicht?
ANZEIGEVERFAHREN - MELDEPFLICHT - WESENTLICHE ÄNDERUNGEN
Weiterhin sind „wesentliche Änderungen“ der WPK laufend mitzuteilen. Eine derartige laufende Mitteilungspflicht gibt es derzeit nicht. Hierdurch wird mehr Bürokratie aufgebaut.
Die WPK äußert sich zu diesem Bürokratieaufbau nicht, vernebelt allerdings durch folgende Aussage:
„Verkürzt werden kann der Qualitätskontrollturnus aufgrund dieser Mitteilungen über wesentliche Veränderungen aber nur im Ausnahmefall, weil die KfQK bei ihren Entscheidungen immer berücksichtigen wird, ob die Gefahr besteht, dass Mängel des Qualitätssicherungssystems vorliegen.“
Herr Ziegler, wie erkennen Sie denn an den Mitteilungen über wesentliche Änderungen von Art und Umfang der Prüfungstätigkeit, ob Mängel im Qualitätssicherungssystem vorliegen? Gibt es hier eine neue Kristallkugel bei der WPK?
NEUE ANFORDERUNGEN AN DEN PRÜFER FÜR QUALITÄTSKONTROLLE
Eine materielle Änderung der persönlichen Anforderungen erfolgt in der Pflicht zur „Absolvierung einer speziellen Ausbildung in der Qualitätskontrolle“.
Wie soll den eine solche "Ausbildung" aussehen?
Im Zuge der 1:1-Umsetzung der Abschlussprüferrichtlinie müsste die Anforderung, als gesetzlicher Abschlussprüfer registriert zu sein, gestrichen werden, da dies europarechtlich nicht gefordert wird.
Herr Ziegler, warum äußern Sie sich nicht zu diesen Überregulierungen?
WANN KOMMT DAS APAREG?
Wie bei wpwatch gestern berichtet, soll die 2. (und letzte) "Lesung" des Gesetzes bereits am 03.12.2015 stattfinden.
Das Gesetz muss nach Vorgabe der EU bis zum 17.06.2016 umgesetzt sein.
Mit einem Inkrafttreten in Deutschland ist nach dem vorliegenden Timing bereits im Frühjahr 2016 zu rechnen.
Dies ist insbesondere für jene Kollegen/innen von Bedeutung, die noch bis dahin einen peer review (nach alten Recht!) vorziehen wollen. D.h., dass bis zum Inkrafttreten der neuen WPO der Qualitätskontrollbericht des Reviewers bei der KfQK vorliegen muss!
Nach einer Serie spektakulärer Skandale
Deutsche Bank (KPMG)
VW (PwC)
FIFA (KPMG) ...
haben die Big4 "keinen Bock mehr" auf Medien und Berichterstattung.
Sie möchten nach getaner Lobbyarbeit beim APAReG nun den Prüfermarkt unter sich aufteilen und planen - nach Informationen aus gut unterrichteten Kreisen - bereits jetzt Mandats-Tauschaktionen im großen Stil am runden Tisch.
Hatten Sie etwa gedacht, dass die Big4 auf die "externe gesetzliche Rotation" des AReG warten?
Das wäre doch dann ein Fall für das Bundeskartellamt - oder?
HERBSTLICHE GRÜßE AUS KÖLN!