Source: https://www.bag-urteil.com/23-09-2010-6-azr-174-09/
Timestamp: 2019-08-21 20:48:30
Document Index: 107100767

Matched Legal Cases: ['§ 16', '§ 21', '§ 6', '§ 7', '§ 16', '§ 315', '§ 16', '§ 27', '§ 27', '§ 27', '§ 27', '§ 16', '§ 16', '§ 16', '§ 16', '§ 16', '§ 20', 'BGH', '§ 37', '§ 37', '§ 37', '§ 4', '§ 4']

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BAG – 6 AZR 174/09
Berücksichtigung von Vorbeschäftigungszeiten im TV-L – Ermessen bei der Stufenzuordnung bei Einstellung zur Deckung des Personalbedarfs
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 23.09.2010, 6 AZR 174/09
1. Auf die Revision der Klägerin wird das Urteil des Landesarbeitsgerichts Baden-Württemberg vom 16. Januar 2009 – 7 Sa 75/08 – teilweise aufgehoben.
2. Auf die Berufung der Klägerin wird das Urteil des Arbeitsgerichts Stuttgart vom 9. Juli 2008 – 14 Ca 894/08 – teilweise abgeändert und insgesamt neu gefasst:
6 AZR 174/09 > Rn 1
6 AZR 174/09 > Rn 2
6 AZR 174/09 > Rn 3
6 AZR 174/09 > Rn 4
6 AZR 174/09 > Rn 5
6 AZR 174/09 > Rn 6
6 AZR 174/09 > Rn 7
6 AZR 174/09 > Rn 8
6 AZR 174/09 > Rn 9
6 AZR 174/09 > Rn 10
6 AZR 174/09 > Rn 11
6 AZR 174/09 > Rn 12
6 AZR 174/09 > Rn 13
6 AZR 174/09 > Rn 14
6 AZR 174/09 > Rn 15
a) Die tatbestandlichen Voraussetzungen des § 16 Abs. 2 Satz 4 TV-L sind erfüllt. Das Landesarbeitsgericht hat in Anwendung der Rechtsprechung des Senats zu den Voraussetzungen des Begriffs „zur Deckung des Personalbedarfs“ in § 21a Abs. 2 BMT-G (26. Juni 2008 – 6 AZR 498/07 – Rn. 29, AP BMT-G II § 6 Nr. 2 = EzTöD 320 TVÜ-VKA § 7 Nr. 2) festgestellt, dass die Klägerin zur Deckung eines solchen Bedarfs eingestellt worden ist. Es hat ferner angenommen, dass die frühere berufliche Tätigkeit der Klägerin förderlich für ihre aktuelle Tätigkeit ist. Das beklagte Land hat dies nicht mit Gegenrügen angegriffen.
6 AZR 174/09 > Rn 16
6 AZR 174/09 > Rn 17
c) Es kann dahinstehen, ob § 16 Abs. 2 Satz 4 TV-L auf der Rechtsfolgenseite dem Arbeitgeber ein billiges Ermessen nach § 315 BGB eröffnet (in diesem Sinn BeckOK B/B/M/S/Felix TV-L § 16 Rn. 22; für die Vorweggewährung von Lebensaltersstufen zur Deckung des Personalbedarfs in § 27 Abschnitt C BAT Senat 31. Januar 2002 – 6 AZR 508/01 – EzBAT BAT § 27 Abschnitt A-VKA Nr. 7; 26. Mai 1994 – 6 AZR 955/93 – AP BAT § 27 Nr. 5 = EzBAT BAT § 27 Abschnitt C Nr. 2) oder ob dieser bei Vorliegen der Tatbestandsvoraussetzungen der Norm in der Entscheidung frei ist, bei Neueinstellungen von § 16 Abs. 2 Satz 1 bis 3 TV-L abweichende Stufenzuordnungen vorzunehmen (vgl. BVerwG 13. Oktober 2009 – 6 P 15.08 – Rn. 39, EzTöD 200 TV-L § 16 Stufenzuordnung Nr. 5; Fieberg GKÖD Stand Juli 2010 § 16 TVöD/TV-L Rn. 30; Bredemeier/Neffke/Neffke TVöD/TV-L § 16 Rn. 22). Aufgrund der Äußerungen des Personalreferenten in dem Gespräch vom 6. Dezember 2006 war allein die Zuordnung der Klägerin zur Stufe 5 ihrer Entgeltgruppe ermessensfehlerfrei. Eine tarifgerechte Vergütung in der in diesem Gespräch zugesagten Höhe war nur durch eine derartige Ausübung des Ermessens möglich.
6 AZR 174/09 > Rn 18
6 AZR 174/09 > Rn 19
bb) Die aufgrund dieser besonderen Umstände des Einzelfalls bestehende berechtigte Gehaltserwartung der Klägerin war tarifgerecht nur durch deren Zuordnung zur Entgeltstufe 5 ihrer Entgeltgruppe auf Grundlage der Bestimmung in § 16 Abs. 2 Satz 4 TV-L zu erfüllen. Es blieb darum aus von den Arbeitsgerichten nachprüfbaren Rechtsgründen für eine Ermessensentscheidung des beklagten Landes kein Raum mehr. In dieser besonderen Situation hatte die Klägerin darum nicht nur einen Anspruch auf ermessensfehlerfreie Entscheidung, sondern einen Rechtsanspruch auf die Ausübung des Ermessens dahin, dass sie der Stufe 5 ihrer Entgeltgruppe zugeordnet wurde. Erst aus dieser Stufe erzielte sie – unter Berücksichtigung des § 20 Abs. 1 TVÜ-Länder – mit 4.018,00 Euro brutto monatlich ein Entgelt, das die ihr zugesagte Gehaltsspanne nicht unterschritt. Das beklagte Land war verpflichtet, diese einzig ermessensfehlerfreie Entscheidung zu treffen (vgl. zu dieser Rechtsfolge einer Ermessensreduzierung auf Null BVerwG 18. August 1960 – I C 42.59 – BVerwGE 11, 95, 97; BGH 26. April 1979 – III ZR 20/78 – zu III 4 der Gründe, MDR 1980, 127).
6 AZR 174/09 > Rn 20
6 AZR 174/09 > Rn 21
6 AZR 174/09 > Rn 22
a) Die Schreiben des Schulleiters vom 23. April 2007 und des Bezirkspersonalrats vom 12. Juni 2007 genügen den Anforderungen des § 37 Abs. 1 Satz 1 TV-L nicht. Danach verfallen Ansprüche aus dem Arbeitsverhältnis, wenn sie nicht innerhalb von sechs Monaten von den Beschäftigten oder dem Arbeitgeber schriftlich geltend gemacht werden. Geltendmachungen durch Dritte wahren die Frist des § 37 Abs. 1 Satz 1 TV-L also nur, wenn diese erkennbar in Vollmacht für den Beschäftigten handeln (Clemens/Scheuring/Steingen/Wiese TV-L Stand August 2010 § 37 Rn. 175). Das ist bei den Schreiben vom 23. April 2007 und vom 12. Juni 2007 nicht der Fall. Sowohl der Schulleiter als auch der Bezirkspersonalrat haben nicht für die Klägerin, sondern für die Schule bzw. das Vertretungsgremium selbst gehandelt. Es kann daher dahinstehen, ob der Bezirkspersonalrat wegen seiner kollektivrechtlichen Aufgaben überhaupt befugt sein kann, Forderungen eines Beschäftigten vertretungsweise gegenüber dem Arbeitgeber zur Wahrung tarifvertraglicher Ausschlussfristen geltend zu machen (offengelassen auch von BAG 5. April 1995 – 5 AZR 961/93 – zu 2 b der Gründe, AP TVG § 4 Ausschlussfristen Nr. 130 = EzA TVG § 4 Ausschlussfristen Nr. 111).
6 AZR 174/09 > Rn 23
6 AZR 174/09 > Rn 24
6 AZR 174/09 > Rn 25
6 AZR 174/09 > Rn 26
NZA-RR 2011, 106
ZTR 2011, 23
Ermessen bei der Stufenzuordnung bei Einstellung zur Deckung des Personalbedarfs
Das Urteil BAG – 6 AZR 174/09 wird zitiert in:
> BAG, 01.06.2017 – 6 AZR 433/15
> BAG, 19.05.2011 – 6 AZR 841/09