Source: https://www.springerprofessional.de/bilanzanalyse-und-kennzahlen/15168440
Timestamp: 2019-06-19 00:51:54
Document Index: 29772190

Matched Legal Cases: ['§ 267', '§ 264', '§ 264', '§ 316', '§ 326', '§ 277', '§ 267', '§ 336', '§ 264']

Bilanzanalyse und Kennzahlen #Update | springerprofessional.de
Autoren: Bernd Heesen, Wolfgang Gruber
Print ISBN: 978-3-658-19304-1
Electronic ISBN: 978-3-658-19305-8
Dieses Buch bietet Orientierung in der Gewinn- und Verlustrechnung und in der Bilanz. Denn ob nach HGB, IFRS oder US-GAAP bilanziert wird: GuV bzw. Bilanz sind von großer Aussagekraft, aber Vieles ist nicht auf den ersten Blick erkennbar. Altes (vor Inkrafttreten des BilMoG) und neues Recht (einschließlich BilRUG) werden hier teilweise parallel behandelt, sodass einerseits Vergleiche und andererseits auch weiterhin Betrachtungen von historischen Abschlüssen in längeren Zeitreihen möglich sind. Die 6. Auflage berücksichtigt neue gesetzliche Regelungen, die zum Jahresbeginn 2018 in Kraft treten, bspw. hinsichtlich der Steuerfreiheit von Sanierungsgewinnen oder der Anhebung der GWG-Wertgrenze.
1. Der Jahresabschluss
Die GuV hat als Ziel, den periodischen Erfolg mit verschiedenen Zwischensaldi aufzuzeigen. Von Bedeutung in diesem Zusammenhang ist das Wort periodisch, denn die GuV ist ein Zahlenwerk, das alle relevanten Geschäftsvorfälle vom ersten bis zum letzten Tag der Periode aufsummiert. Das heißt dass sowohl die Aufwendungen als auch die Erträge komplett über die gesamte Periode kumuliert werden und dann per Saldierung ein Vorsteuerertrag ausgewiesen wird. Dieser muss dann der Besteuerung zugefügt werden, was je nach Land unterschiedlich ist. Für Deutschland und Österreich gibt es ein Wahlrecht zwischen dem Gesamtkosten‐ und Umsatzkostenverfahren. Eine Gegenüberstellung zeigt folgende Tabelle.
Wenn wir uns die ursprüngliche Kontoform ansehen, so findet unter Verwendung der Grundstruktur eines T‐Kontos eine Zusammenfassung der Aufwendungen auf der Soll‐Seite (im T‐Konto links) und der Erträge auf der Haben‐Seite (im T‐Konto rechts) statt. Als Saldo beider gegenüberstehenden Kontoseiten ergeben sich Gewinn oder Verlust – ein eventueller Gewinn auf der Soll‐/Aufwandsseite bzw. ein eventueller Verlust auf der Haben‐/Ertragsseite.
Den Kapitalgesellschaften ist eine Darstellung in oben ausgewiesenen Staffelformen vorgeschrieben. Dort erfolgt eine vertikal fortlaufende Kontierung, wobei hier von den Bruttoerlösen ausgegangen wird, um in mehreren Zwischenstufen bis zum Jahresergebnis zu gelangen. Letztendlich ist diese Staffelform nichts anderes als ein um 90 Grad gedrehtes T‐Konto: Den kumulierten Erlösen stehen die Aufwendungen, gegliedert nach verschiedenen Kategorien gegenüber.
3. Das BilRUG – Bilanzrichtlinie-Umsetzungsgesetz
Nachfolgend zeigen wir zunächst im Überblick die wichtigsten Änderungen im Rahmen des Einzelabschlusses auf.
Die Schwellenwerte „Bilanzsumme“ und „Umsatzerlöse“ zur Ermittlung der Größenklassen nach § 267 HGB für Kapitalgesellschaften und Personengesellschaften i. S. d § 264a HGB werden angehoben. Dadurch wird sich die Anzahl der „kleinen“ Gesellschaften erhöhen. Dies führt zu Erleichterungen, da beispielsweise kein Lagebericht (§ 264 Abs. 1 S. 4 HGB) erstellt werden muss und die gesetzliche Prüfungspflicht entfällt (§ 316 Abs. 1 S. 1 HGB). Die Offenlegung umfasst für diese Gesellschaften nur Bilanz und Anhang (§ 326 Abs. 1 S. 1 HGB).
Folgende neuen Schwellenwerte werden eingeführt:
Diese Tabelle hatten wir bereits am Anfang dieses Buches gesehen.
Diese neuen Größenklassen können bereits für Jahresabschlüsse angewendet werden, die nach dem 31.12.2013 beginnen. Dabei ist zu beachten, dass die Umsatzerlöse nach der neuen Definition (siehe § 277 Abs. 1 HGB) berechnet und ausgewiesen werden müssen.
Die Erleichterungen für Kleinstgesellschaften (§ 267a HGB) dürfen jetzt auch von Genossenschaften in Anspruch genommen werden (§ 336 Abs. 2 S. 3 HGB). Für diese ist es damit möglich, den Jahresabschluss beim Betreiber des Bundesanzeigers zu hinterlegen und auf die Erstellung eines Anhangs zu verzichten, wenn bestimmte Angaben unter der Bilanz erfolgen (§ 264 Abs. 1 S. 5 HGB).
4. Einstieg in die Bilanzanalyse am konkreten Beispiel der GH Mobile
Als Ausgangssituation für unseren Weg durch die Bilanz und GuV finden wir ein mehrperiodisches Zahlenwerk, zwei historische Perioden (in unserem Fall −1 und 0), die gerade abgelaufene Periode (Periode 1) und drei weitere Planperioden (Perioden 1 bis 3). Letztere sind erst einmal identisch mit der laufenden Periode −1. Für die folgende Analytik werden wir nur die historischen und die gerade abgelaufene Periode betrachten.
Das Unternehmen ist eine Mischform aus produzierendem Gewerbe und Handel. Daraus ist zu schließen und wir werden dies später auch an den Zahlen sehen, dass das Gros des Produktspektrums zugekauft und dann mit wenig Aufwand zu einem Endprodukt zusammengefügt werden kann. Man kann auch den Schluss ziehen, dass es sich bei diesem Unternehmen um eine Firma mit geringer Fertigungstiefe und größerem Handelsanteil handelt: Ein Automobilbetrieb.
Während Reparaturen und Service typische personalkostenintensive Tätigkeiten mit Fertigungscharakter sind, ist dennoch der Handel mit Neu‐ bzw. Gebrauchtfahrzeugen bilanziell sehr durchschlagend. Dies erkennt man später sehr schön am Materialaufwand – mit 77 bis 79 % ist diese Quote doch sehr hoch, wobei diese Aussage nicht als negativ zu verstehen ist.
5. Reduktion der Komplexität am konkreten Beispiel der GH Mobile
Als wir die Bilanz und GuV Position für Position im ersten Schritt analysiert haben, ist uns ja bereits aufgefallen, dass beide Zahlenwerke über zahlreiche Untergliederungen verfügen, die den Laien bereits abschrecken. Es wirkt komplex oder sogar zu komplex.
Auch wenn Sie gesehen haben, dass diese Komplexität eigentlich eine Scheinkomplexität ist. Denn wir sind langsam durch die Positionen gegangen und haben auch ohne Fachkenntnisse bereits im ersten Schritt tiefgehende Erkenntnisse gewonnen und Sie haben die Komplexität überwunden.
Trotzdem brauchen wir nicht alle Unterpunkte und auch wir arbeiten viel lieber mit Zahlenwerken, die „komprimierter“ sind. Und genau hier sind wir wieder bei einem Ziel dieses Buches: Vereinfachung.
Deswegen wollen wir jetzt auch versuchen, die Komplexität zu reduzieren, ohne Abstriche bei der Aussagekraft zu erhalten. Wir werden die Bilanz und die GuV in der Tat komprimieren!
Stellen wir uns einmal einen Schraubstock in einer Werkstatt vor. Wir spannen ein flexibles Werkstück ein und pressen es zusammen. Es verändert sich zwar die physische Größe oder der Umfang, aber inhaltlich sehen wir keine (negativen) Veränderungen.
So wollen wir es auch mit unserer Bilanz und der GuV machen. Wir werden im Folgenden aus den detaillierten Zahlenwerken eine
Struktur‐Bilanz,
Struktur‐GuV.
Dazu reduzieren wir die Positionen der Bilanz und GuV auf das Notwendige. Wir starten mit der Bilanz und hier mit den Aktiva.
6. Detailanalysen am konkreten Beispiel der GH Mobile
Dazu werden sehr häufig Kennzahlenberechnungen aus verschiedensten Perspektiven gemacht. Häufig hört man auch den Begriff Kennziffern. Man kann nämlich nachweisen, und das ist wissenschaftlich mit den so genannten Multiplen Diskriminanzanalysen sogar bestätigt, dass Kennzahlengruppen mit gewissen Werten eindeutig nachweisen können, ob Unternehmen Bonitätsproblemen entgegenlaufen.
7. Die Analyse des optimierten Zahlenwerkes
Nachdem wir sehr intensiv analysiert und immer wieder Probleme aufgezeigt haben, wollen wir anhand einer Bilanzkürzung die Resultate aufzeigen.
Da diese Betrachtungen auf dem bisher analysierten Zahlenmaterial basieren, werden wir nicht mehr auf potenzielle Veränderungen durch das BilRUG ab 2016 in deutschen Abschlüssen verweisen.
Wir wissen ja, dass die GH Mobile zu viel Kapital im Einsatz hat, wobei sich die Vorräte hier als erster schneller Einstieg für entsprechende Reduktionen anbieten. Also gehen wir genau da ran!
Nach intensiven Besprechungen innerhalb der GH Mobile wird folgende Maxime für die Folgeperioden ausgegeben und auch mit dem Automobilhersteller abgesprochen:
60 Tage, also 2 Monate, Bestandsreichweite, somit mehr als eine Halbierung des Wertes des letzten Jahres,
20 % der aus dem Abbau der Vorräte gewonnen Liquidität werden reinvestiert, die anderen 80 % werden eingesetzt, um Verbindlichkeiten abzubauen.
Jetzt müssen wir erst einmal rechnen, um Basisgrößen für die GuV und Bilanz zu erhalten. Dabei arbeiten wir mit gerundeten Zahlen:
Somit ergibt sich per Multiplikation der 60,0 Zieltage mit dem Vorratsbestand pro Kalendertag in Höhe von 52,52 die neue Zielgröße für die Bestände in Höhe von 3151,20.
Die Zusammensetzung der Vorräte ist für uns bei dieser Beispielbetrachtung nicht weiter von Interesse. Die neuen Vorräte könnten dann folgendermaßen aussehen:
Insgesamt wurden damit die Bestände (gerundet) gekürzt um 3676.
978-3-658-19304-1
978-3-658-19305-8
https://doi.org/10.1007/978-3-658-19305-8