Source: https://forum.brasil-web.de/forum/in-und-nach-brasilien/insidertipps/314882-vorgehen-bei-flugausfall-oder-versp%C3%A4tung
Timestamp: 2018-02-17 23:25:46
Document Index: 77191255

Matched Legal Cases: ['EuG', 'EuG', 'Art. 5', 'Art. 5', 'Art. 5', 'Art. 7']

Vorgehen bei Flugausfall oder Verspätung - Brasilien Forum
Ich habe vor kurzen auf dem Flug LH 500 von FRA nach GIG 12 Stunden Verspätung gehabt. Dies war Anlass genug, um LH mit 600 Euro Entschädigung zu belangen. So zumindest die aktuelle in Europa gültige Gesetzeslage.
Dass es die LH mir nicht ganz so leicht gemacht hat, soll der nachfolgende Schriftverkehr zeigen. Es gibt für Entschädigung wegen Verspätungen oder Flugausfall klare Gesetze und Urteile, die man unbedingt kennen sollte. Zudem gibt es im Internet veröffentlichte Standardschreiben, die man ebenfalls benutzen kann und sollte. Mit etwas Ärger und Geduld kommt man aber am Ende ans Ziel. Man darf sich auf keinen Fall abwimmeln oder mit Kleckerbeträgen vertrösten lassen. Das genau ist nämlich die Taktik der Fluggesellschaften.
Für den Erstkontakt habe ich ein Formular mit den Fluggastdaten und Flugdaten (geplant und durchgeführt) auf der Lufthansa-HP ausgefüllt und abgeschickt. Im Textfeld habe ich bereits eine Entschädigung von 600 Euro pro Fluggast eingefordert. Bei Abflug hatte sich die LH übrigens über die Ursache der Verspätung geschwiegen. Der Flug sollte abends um 22:15 Uhr gehen und wurde erst am Folgetag um 10:07 Uhr gestartet.
Das Kontaktformular findet man hier: https://www.lufthansa.com/de/de/Feedback
Folgende Antwort erreichte mich ca. 2 Wochen später:
vielen Dank für Ihr Schreiben vom 25. Januar. Es tut uns leid, dass Herr X und Frau Y am 22. Januar auf ihrer Reise von Frankfurt nach Rio de Janeiro von einer Flugverspätung betroffen waren. Wir können sehr gut nachvollziehen, wie unangenehm dies für sie gewesen sein muss.
Der Grund für die Verspätung des Fluges war ein unvorhersehbarer technischer Defekt am Fluggerät. Selbstverständlich leisten wir alles Erdenkliche dafür, um unsere Passagiere stets pünktlich und zuverlässig an ihr Reiseziel zu bringen. Ein solcher Defekt tritt jedoch sehr selten auf und war für uns weder vorherzusehen noch zu vermeiden.
Ausgleichszahlungen sieht die EU-Verordnung 261/2004 in diesem Fall nicht vor. Wir bitten daher um Ihr Verständnis, dass wir Ihrer Forderung nach einer Kompensation nicht nachkommen können.
Auch wenn wir Ihrer Forderung nicht nachkommen können, würden wir uns freuen, wenn Herr X und Frau Y Lufthansa auch weiterhin ihr Vertrauen schenken.
Hier meine erste Antwort, wofür ich einen Standardtext aus dem Internet verwendet habe.
Ein für die Verspätung ursächlicher technischer Defekt stellt nach der Rechtsprechung des EuGH keinen außergewöhnlichen Umstand dar, selbst dann nicht, wenn der Nachweis erbracht wurde, dass das Flugzeug ordnungsgemäß gewartet wurde, vgl. EuGH Urteil vom 22. Dezember 2008 – C 549/07.
Folglich können technische Probleme, die sich bei der Wartung von Flugzeugen zeigen oder infolge einer unterbliebenen Wartung auftreten, als solche keine „außergewöhnlichen Umstände“ im Sinne von Art. 5 Abs. 3 der Verordnung Nr. 261/2004 darstellen.
Allein der Umstand, dass ein Luftfahrtunternehmen die gesetzlich vorgeschriebenen Mindesterfordernisse an Wartungsarbeiten an einem Flugzeug durchgeführt hat, reicht nicht für den Nachweis, dass dieses Unternehmen "alle zumutbaren Maßnahmen" i. S. von Art. 5 III der Verordnung (EG) Nr. 261/2004 ergriffen hat, und somit für seine Befreiung von der Verpflichtung zur Ausgleichszahlung gem. Art. 5 I lit. c und Art. 7 I dieser Verordnung aus.
Aus den oben genannten Gründen bestehe ich auf eine Entschädigung in Höhe von 1.200 Euro. Falls sie dieser Forderung nicht unverzüglich nachkommen, werde ich mithilfe rechtlichen Beistands gegen Lufthansa vorgehen.
Lemilein
Immerhin ließ sich die LH nicht lumpen und kam meinen Forderungen etwas entgegen:
vielen Dank für Ihr Schreiben vom 13. Februar. Der Grund für die Verspätung Ihres Fluges war ein unvorhersehbarer technischer Defekt am Fluggerät, den wir nicht verschuldet haben.
Um das Anliegen jedoch einvernehmlich abzuschließen, haben wir uns entschieden, ohne Anerkennung einer Rechtspflicht und Präjudiz für die Sach- und Rechtslage den Betrag von 600 EUR zu zahlen.
Bitte erlauben Sie uns den Hinweis, dass der Transfer einige Tage in Anspruch nehmen kann. Bis dahin bitten wir Sie um etwas Geduld.
Wir würden uns freuen, wenn Herr X und Frau Y uns trotz dieses Vorfalls weiterhin ihr Vertrauen schenken und versichern, alles dafür zu tun, damit ihre künftigen Reisen wieder reibungslos verlaufen.
Nun kommt der spannende Teil. Soll man den halben Betrag nehmen und sagen "besser als nichts" oder den Weg bis zu Ende gehen?
Klare Antwort: Weitermachen!
Die LH zahlt keine halben Beträge ohne schuldig zu sein. Deshalb hier mein kurzer Brief zurück an die LH:
Sehr geehrter Herr Q.
Da im vorliegenden Fall die Rechtslage hinreichend durch Gesetze und Referenzverfahren geklärt ist, bestehe ich auf der vollen Auszahlung des Anspruchs von 600 Euro pro Fluggast.
Ich behalte mir daher vor, bei Nichterfüllung einen Rechtsanwalt einzuschalten.
Ich bitte die Lufthansa deshalb, im Sinne von geltendem Recht und Gesetz ohne Umstände und Verzögerungen die den Fluggästen zustehende Summe von 1.200 Euro auszuzahlen.
06.04.2017, 04:52
Auf dieses Mail hat die LH nicht mehr geantwortet. Überraschenderweise fand ich am Tag danach 1.200 Euro auf dem Konto, dass ich bei meinem Erstkontakt angegeben hatte.
Like funktioniert nicht, danke Lemi - werde das mal ausdrucken und abheften, wer weiß.... hoffentlich aber nicht.
06.04.2017, 05:31
Hi Gemic,
Hab gerade selber nochmal auf den Link in meinem Beitrag geklickt. Hat normal geöffnet.
Du findest den Kundenservice aber auch so recht schnell auf der LH-Site.
z.B. hier: http://www.lufthansa.com/de/de/Hilfe...contacts-pane1
Anrufen geht zur Not auch (069/86799799). Aber da hast du nichts Verbindliches.
Oi Lemi, habe fast das gleiche Theater mit der TAP hinter mir. Hartnäckig bleiben, dann klappts auch mit der Entschädigung....ohne diversen Firmen Geld in den Rachen zu werfen...
Das lässt dir keine Ruhe, du Oberschlauer
Super Beitrag Lemi!
Soweit ich mich an meine Reklamation, 2013 gegen TAP, erinnere gibts da auch ein EU-Standartformular um diese Ansprüch gem. EU Recht einzufordern.
eu_complaint_form_de.pdf
Hilfreich ist u.U. auch die SCHLICHTUNGSSTELLE FÜR DEN ÖFFENTLICHEN PERSONENVERKEHR e.V.