Source: http://www.lebensumwege-erfurt.de/Rechtliches/Pflegegrade-1-5-nach-NBA/
Timestamp: 2020-06-05 12:59:32
Document Index: 188829120

Matched Legal Cases: ['§ 36', '§ 37', '§ 41', '§ 39', '§ 45', '§ 40', '§ 43', '§ 43']

Lebensumwege-Erfurt - Pflegegrade 1-5 nach NBA
... sind z.B. durch den MDK*, andere unabhängige Gutachter oder - bei knappschaftlich Versicherten durch den "SMD"** so zu ermitteln, das die Schwere der gesundheitlichen Beeinträchtigungen der Selbstständigkeit und der Fähigkeiten in 5 Abstufungen eingeteilt werden kann.
Körperliche und psychisch / kognitive Beeinträchtigungen werden beim "neuen Begutachtungsassessment" - kurz "NBA"*** - gleichermaßen berücksichtigt.
** Sozialmedizinischer Dienst
*** Begutachtungseinschätzung, - Bewertung
Definition Pflegegrad: Der Pflegegrad muss so ermittelt werden, dass die Schwere der körperlichen und psychisch / kognitiven Beeinträchtigungen der Selbstständigkeit und der Fähigkeiten in 5 Abstufungen eingeteilt und im neuen Begutachtungsassessment (NBA) berücksichtigt werden kann.
Mit dem 2. Pflegestärkungsgesetz (PSG II) wurde ein neuer Pflegebedürftigkeitsbegriff eingeführt, der die individuellen Beeinträchtigungen und Fähigkeiten der Pflegebedürftigen erfassen soll.
Zukünftig wird die Pflegebedürftigkeit in 6 Lebensbereichen als Grad der Selbständigkeit - also das Ausmaß, in dem die pflegebedürftige Person sich noch selbst ohne fremde Hilfe versorgen kann - eingeschätzt.
Mit Hilfe des NBA ermitteln Gutachterinnen und Gutachter für die Einschätzung der Schwere der Pflegebedürftigkeit jeweils das Ausmaß, in dem pflegebedürftige Personen die Hilfe anderer benötigen.
Im Ergebnis ergibt sich daraus die Einstufung in einen von 5 Pflegegraden (womit die bisherige Einordnung in „Pflegestufen“ ersetzt wird).
Sowohl körperliche, kognitive (wahrnehmend, denkend, erkennend) als auch psychische Beeinträchtigungen finden bei der Einstufung gleichermaßen ihre Berücksichtigung.
Für die Höhe der Pflegeleistungen ist allein der Pflegegrad Ausschlaggebend. Einschränkungen der Alltagskompetenz wie z.B. Demenzerkrankungen und andere werden nicht mehr - wie bisher - gesondert erfasst.
Das ermöglicht daher den Gutachterinnen und Gutachtern, gezielte Präventions- und Rehabilitationsempfehlungen abzugeben, um damit den Eintritt einer Pflegebedürftigkeit möglichst zu verzögern oder vielleicht sogar verhindern zu können.
Innerhalb der NBA werden auch wichtige Informationen für die Pflegeplanung zusammengetragen.
Gutachterinnen und Gutachter sowie die Pflegebedürftigen selbst, aber auch Pflegekräfte, die diese versorgen und betreuen sind von diesen weitreichenden Neuerungen betroffen.
Für die große Mehrheit der heutigen und zukünftigen Leistungsbezieher ergeben sich mit den neuen Pflegegraden deutliche Leistungsverbesserungen.
Wichtig ist vor allem die Gleichgestellt Kognitiv und psychisch beeinträchtigter Pflegebedürftigen bei den Leistungsbeträgen.
Wer zum Zeitpunkt der Umstellung bereits Leistungen bezieht, wird durch die Umstellung nicht schlechter gestellt.
Das NBA ist u. a. auch der fachliche Bezugsrahmen für die neue Pflegedokumentation („Strukturierte Informationssammlung - SIS“) und die Ergebnisindikatoren (Ergebnis -Hinweis, -Anzeichen oder - Anzeiger) für eine - ggf. notwendig werdende - stationäre Pflegequalität.
Empfehlen Gutachterinnen / Gutachter Rehabilitationsmaßnahmen vor oder bei Pflegebedürftigkeit, können diese auf Basis der neuen Pflegedokumentation („SIS“) auch in Anspruch genommen werden.
Der Grad der Selbständigkeit in pflegerelevanten Lebensbereichen wird durch den MDK, andere unabhängige Gutachterinnen und Gutachter oder – bei knappschaftlich Versicherten – durch den Sozialmedizinische Dienst (SMD) über ein Gutachten erfasst.
Dieses wird in der Regel über einen vor- vereinbarten Hausbesuch durch einen Gutachter oder eine Gutachterin erstellt.
Bei dieser Begutachtung werden die Fähigkeiten der Menschen in den folgenden 8 Lebensbereichen eingeschätzt:
Mobilität: d.h. die körperliche Beweglichkeit, also, ob die Person z.B. allein aufstehen und vom Bett ins Badezimmer gehen, sich selbständig im Wohnbereich fortbewegen und Treppen steigen kann.
Kann die Person sich zeitlich und räumlich orientieren, Sachverhalte verstehen, Reden, Risiken erkennen und Gespräche mit anderen Menschen führen.
psychische Problemlagen: Hierunter fallen unter anderem bestimmte Verhaltensweisen, wie z.B. Unruhe in der Nacht, Ängste und Aggressionen, oder auch die Abwehr pflegerischer Maßnahmen, die für pflegebedürftige Person und andere belastend sind.
Die Qualität der Selbstversorgung: d.h. inwieweit sich die Person selbständig waschen, ankleiden, die Toilette aufsuchen, sowie essen und trinken kann, wird geprüft und eingeschätzt.
Bewältigung / selbständiger Umgang mit krankheits- oder therapiebedingten Anforderungen / Belastungen: d.h. kann die Person selbst Medikamente einnehmen, Blutzuckermessungen durchzuführen, klar einordnen, ob sie mit Hilfsmitteln (z.B. Prothesen oder einem Rollator) zurechtkommt und wann ein Arzt aufzusuchen ist.
Gestaltung sozialer Kontakte und des Alltagslebens: verfügt die Person über genügend Fähigkeiten, um z.B. ohne Hilfe den eigenen Tagesablauf selbständig zu gestalten, oder in direkten Kontakt mit anderen Menschen zu treten.
außerhäusliche Aktivitäten: ist die Person fähig, sich im öffentlichen Raum selbständig zu bewegen, an Veranstaltungen teilnehmen zu können und zu entscheiden, welche Transportmittel sie selbständig nutzen kann.
Haushaltsführung: Können Tätigkeiten wie Einkaufen, Behördengänge oder die Regelung finanzieller Angelegenheiten selbständig erledigt werden.
Die Module 7 und 8 werden nicht für die Einstufung der Pflegebedürftigkeit herangezogen. Sie ermöglichen den Pflegeberaterinnen und - Beratern, die Pflegebedürftigen in Bezug auf weitere Angebote oder Sozialleistungen zu beraten oder einen individuellen Versorgungsplan zu erstellen. Für die Pflegekräfte enthalten sie Informationen für eine individuellere Pflegeplanung.
Nach der Gesamtbewertung aller in den einzelnen Modulen bzw. Lebensbereichen eingeschätzten Fähigkeiten und Beeinträchtigungen, werden jetzt für jedes erhobene Kriterium - je nach Schweregrad der Beeinträchtigungen - Punkte vergeben, zusammengezählt und bewertet.
Daraus ergibt sich in Folge die Einstufung in einen der 5 Pflegegrade, wobei die einzelnen Modulen bzw. Lebensbereichen unterschiedlich - wie folgt - in die Gesamtbewertung einfließen.
- 40% „Selbstversorgung“
- 20% „Bewältigung von und Umgang mit krankheits- und therapiebedingten Anforderungen“
- 15% „Gestaltung des Alltagslebens und sozialer Kontakte“
- 10% „Mobilität“
„Kognitive und kommunikative Fähigkeiten“ sowie „Verhaltensweisen und psychische Problemlagen“ werden als Besonderheit so eingeordnet, dass der jeweils höhere Punktwert in die Gesamtwertung einfließt der mit 15% eingeordnet wird.
Siehe folgende, bildliche Übersicht:
Erfassung der Selbstständigkeit und der Fähigkeiten in 6 Lebens- und 2 zusätzlichen Bereichen:
Betrachten der Selbstständigkeit und Fähigkeiten in den Bereichen
Modul 1: +
Modul 2: +
Modul 4: +
Modul 5: +
oder Punkte im
höherer Wert fließt ein
G e s a m t p u n k t e
- unter 27
- unter 47,5
ab 47,5
- unter 70
- unter 90
aus diesen Bewertungsgrundlagen (nach NBA) ergibt sich die Einstufung in einen der 5 Pflegegrade.
aus Modul 5, Modul 7 und Modul 8 ergeben sich die:
Das folgt aus das Umstellung der früheren "Pflegestufen" in die heutigen "Pflegegrade":
Bezog jemand bereits Leistungen der Pflegeversicherung nach dem alten Pflegestufensystem, wird er ohne erneute Begutachtung automatisch in das neue System übernommen.
Menschen mit ausschließlich körperlichen Einschränkungen erhalten den nächst höheren Pflegegrad.
Das heißt, für Menschen mit:
"Pflegestufe I" wird nach der Überleitung daraus der "Pflegegrad 2"
"Pflegestufe III" wird nach der Überleitung daraus der "Pflegegrad 4"
Geistige Einschränkungen werden automatisch in den übernächsten Pflegegrad übertragen, d. h., aus der ehemalige
„Pflegestufe 0“ - wird "Pflegegrad 2"
„Pflegestufe II“ mit eingeschränkter Alltagskompetenz wird "Pflegegrad 4"
Für Pflegebedürftige in stationären Pflegeeinrichtungen gilt:
Obwohl Pflegebedürftige in stationären Pflegeeinrichtungen mehr Pflege brauchten, scheuten sie sich in der Vergangenheit vor einer Neubegutachtung, da die Einstufung in eine höhere Pflegestufe einen höheren Eigenanteil ergab.
Bei Pflegebedürftigen in stationären Pflegeeinrichtungen führt die Einstufung in eine höhere Pflegestufe bislang zwangsläufig dazu, dass die Pflegeversicherung zwar höhere Leistungen zahlt, aber der pflegebedingte Eigenanteil - den die Betroffenen selbst zu tragen hatten - ebenfalls anstieg.
Mit Einführung der Pflegegrade wurde das anders.
Innerhalb des Pflegestärkungsgesetzes (PSG) II wird in vollstationären Pflegeeinrichtungen ein einheitlicher, pflegebedingter Eigenanteil - in Zusammenarbeit der jeweiligen Einrichtung, den Pflegekassen und dem Sozialhilfeträger - für die Pflegegrade 2 bis 5 ermittelt.
Wird es notwendig, einen Menschen innerhalb seiner Einrichtung in einen höheren Pflegegrad einzustufen, kann sein Eigenanteil dementsprechend nun nicht mehr steigen.
Wer für mindestens 6 Monate wegen Beeinträchtigungen seiner Selbstständigkeit oder Fähigkeiten pflegerische Unterstützung benötigt, ist berechtigt, einen Antrag zur Ermittlung des / seines Pflegegrades zu stellen.
Über die Leistungen, die der Pflegebedürftige zukünftig konkret erhält, entscheidet ein Gutachter der Pflegeversicherung des entsprechenden Versicherungsträgers.
Dazu erfolgt nach schriftlicher Voranmeldung - mit Terminangabe und Bennenung des tätig werdenden Gutachters - bei Ihnen zu Hause die Begutachtung zur genauen Ermittlung ihres Hilfebedarfes.
Entsprechend dieser Ergebnisse - die an ihre Pflegeversicherung weitergeleitet werden, erfolgt dort die Einordnung in den für sie zutreffenden Pflegegrad.
Entsprechend der von der Pflegekasse vorgenommenen Einordnung, ergeben sich daraus die Anrechte auf Leistungen der Pflegeversicherung des für sie zutreffenden Pflegegrades wie folgt:
Übersicht über die Leistungen der Pflegeversicherung nach Pflegegraden (pro Monat) (Stand 2018)
häusliche Pflege, Sachleistungen
(§ 36 SGB IX)
Anspruch nur über Entlastungs-betrag
(§ 37 SGB IX)
(§ 41 SGB IX)
(§ 39 SGB IX)
(jährlicher Anspruch)
(§ 45 b SGB IX)
(§ 40 Abs. 4 SGB IX)
(Anspruch je Maßnahme)
(§ 43 SGB IX)
(§ 43 a SGB IX)
Um überprüfen zu können, ob sie mit ihren gesundheitlichen Einschränkungen bereits in einem und dementsprechend auch in welchen - Pflegegrad eingeordnet werden können, erfahren sie, indem Sie ihren Gegebenheiten entsprechend die Angaben in einen (anonym und kostenlos online verfügbaren)
► Pflegegradrechner
eintragen. Bei Bedarf können sie sich die Ergebnisse aus der Berechnung die sie - je nachdem für sich selbst oder für andere errechnen ließen, an ihre E- Mailadresse zuschicken lassen.