Source: http://www.readbag.com/nibis-de-nli1-gohrgs-rrl-rrlsprachen-gr
Timestamp: 2020-06-02 18:29:06
Document Index: 289771217

Matched Legal Cases: ['§ 54', '§ 54', '§ 64', '§ 54', '§ 64', '§ 62', '§ 31', '§ 54']

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Didaktisch-methodische Empfehlungen für die Sprachförderung vor der Einschulung
An der Erarbeitung der ,,Didaktisch-methodischen Empfehlungen für die Sprachförderung vor der Einschulung&quot; waren die nachstehenden Damen und Herren beteiligt: Heidemarie Ballasch, Helmstedt Claudia Baumgärtel, Hannover Dr. Ulrike Behrens, Hannover Matthias Dickmann, Celle Michael Faulwasser, Göttingen Sabine Janßen, Hannover Rainer Langner, Hannover Gudrun Mallon, Osnabrück Anette Mücke, Hildesheim Irene Pieper-Schönrock, Braunschweig Sabine Schrader, Hannover
Redaktion: Edeltraud Windolph, Niedersächsisches Kultusministerium
Herausgegeben vom Niedersächsischen Kultusministerium (Januar 2004) Schiffgraben 12, 30159 Hannover
Druck und Vertrieb: Niedersächsisches Landesinstitut für Schulentwicklung und Bildung (NLI/Nachfolgebehörde) Keßlerstrasse 52, 31134 Hildesheim
Didaktisch-methodische Empfehlungen für die Sprachförderung vor der Einschulung Inhalt
1 Rechtliche und organisatorische Rahmenbedingungen 2 Konzeption der Sprachfördermaßnahme im Überblick 3 Zusammenarbeit von Schule und Kindertagesstätte 4 Zusammenarbeit mit den Erziehungsberechtigten 5 Zur sprachlichen Entwicklung des Kindes 6 Anregungen für begleitende Sprachbeobachtung 7 Curriculum 7.1 Zu der Arbeit mit dem Curriculum 7.2 Situationsfelder Situationsfeld 1: Ich und du Situationsfeld 2: Sich orientieren Situationsfeld 3: Miteinander leben Situationsfeld 4: Was mir wichtig ist Situationsfeld 5: Sich wohl fühlen 8 Methodische Leitgedanken 9 Anregungen für die Unterrichtspraxis 9.1 Spiele zum Hörverstehen 9.2 Wortschatzlernen 9.3 Sprachenlernen mit Bilderbüchern 9.4 Reime und (Spiel)-Lieder 9.5 Kriterien für die Auswahl von Medien
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Muster für eine Dokumentation der individuellen Lernentwicklung
Die Beherrschung der deutschen Sprache ist der Schlüssel zum Verstehen und Gestalten unserer Welt und eine Schlüsselqualifikation zur Teilnahme am gesellschaftlichen Leben. Alle Expertinnen und Experten sind sich darin einig, dass die Zeit vor der Einschulung die günstigste für das Erlernen der (Verkehrs-)sprache ist. Je besser die Sprach- und Sprechentwicklung in dieser Zeit gelingt, desto besser sind die Voraussetzungen für eine erfolgreiche Mitarbeit in der Schule. Die frühe Sprach- und Sprechförderung ist sowohl eine Aufgabe für die Kindertagesstätten als auch für die Grundschulen. Dieser Auftrag eröffnet die Chance, die Sprachförderung der Kinder als ein gemeinsames Anliegen sowohl des Elementarbereiches als auch des Primarbereiches zu verstehen und daraus eine kontinuierliche Zusammenarbeit zu entwickeln. Im Schuljahr 2002/03 haben 20 Schulen in einem Pilotprojekt die Sprachfördermaßnahmen vor der Einschulung erprobt. Dieses Projekt wurde wissenschaftlich begleitet. Die Erfahrungen dieser Grundschulen und die der Kindertagesstätten, mit denen die Pilotschulen kooperierten, wurden für die flächendeckende Einführung im Schuljahr 2003/2004 ausgewertet und sind in die hier vorgelegten ,,Didaktisch-methodischen Empfehlungen für die Sprachförderung vor der Einschulung&quot; eingeflossen. Die Empfehlungen sollen den Lehrkräften Anregungen und Hilfen für ihre Arbeit geben.
Bernd Busemann Niedersächsischer Kultusminister
Die Sprachförderung vor der Einschulung ist in § 54 a des Niedersächsischen Schulgesetzes (NSchG) in der Fassung vom 3. März 1998, zuletzt geändert durch Artikel 1 des Gesetzes vom 2. Juli 2003 geregelt. Es heißt dort:
§ 54 a Sprachfördermaßnahmen (1) Schülerinnen und Schüler, deren Deutschkenntnisse nicht ausreichen, um erfolgreich am Unterricht teilzunehmen, sollen besonderen Unterricht zum Erwerb der deutschen Sprache oder zur Verbesserung der deutschen Sprachkenntnisse erhalten. (2) Kinder, deren Deutschkenntnisse nicht ausreichen, um erfolgreich am Unterricht teilzunehmen, sind verpflichtet, ab dem 1. Februar des Einschulungsjahres an besonderen schulischen Sprachfördermaßnahmen teilzunehmen. Die Schule stellt bei den gemäß § 64 Abs. 1 Satz 1 künftig schulpflichtigen Kindern fest, ob die Voraussetzungen des Satzes 1 vorliegen.
In dem begleitenden Erlass ,,Sprachfördermaßnahmen vor der Einschulung&quot; (RdErl. d. MK vom 26.06.2003, SVBl. S. 27) wird ausgeführt:
1. Die Grundschulen richten für die Kinder, die nach § 54 a Abs. 2 NSchG verpflichtet sind, zum 01. Februar des Einschulungsjahres an besonderen Sprachfördermaßnahmen teilzunehmen, besonderen Unterricht zum Erwerb der deutschen Sprache oder zur Verbesserung der deutschen Sprachkenntnisse ein. 2. Die Erziehungsberechtigten melden die gemäß § 64 NSchG schulpflichtigen Kinder nach Aufforderung durch den Schulträger im September in der für sie künftig zuständigen Grundschule an. 3. Die Schule stellt die deutschen Sprachkenntnisse der zum folgenden Schuljahr schulpflichtigen Kinder fest. Die Feststellung der Sprachkenntnisse erfolgt jeweils nach einem vom Kultusministerium festgelegten landesweit einheitlichen Verfahren. Die Ergebnisse der Sprachstandsfeststellung teilt die Schule der Bezirksregierung bis zum 15. Oktober mit. 4. Die Bezirksregierung stellt der Grundschule, die die Sprachfördermaßnahme durchführt, im 2. Schulhalbjahr für jedes Kind, das an der Sprachförderung teilnimmt, einen Zusatzbedarf von 1,5 Lehrerstunden zur Verfügung. 5. Die Durchführung der Sprachfördermaßnahmen ist mit den Kindertagesstätten, dem Schulträger und dem Träger der Schülerbeförderung abzustimmen.
Diese Sprachförderung der Kinder kann nur in enger Kooperation von Kindertagesstätten und Schule gelingen. Zu dieser Kooperation gehört der Austausch von spezifischen Informationen über jedes einzelne Kind.1
Erfahrungsgemäß werden nicht alle Erziehungsberechtigten mit diesem Austausch ,,personenbezogener Daten&quot; einverstanden sein. Datenschutzrechtlich ist dieser Datenaustausch aber zur Wahrnehmung der Aufgaben der Schule und der Kindertagesstätte erforderlich. Es liegt auch keine ,,Zweckänderung&quot; vor, weil alle Daten nur für Zwecke der Sprachstandsfeststellung erhoben und übermittelt werden. Damit ist der ,,Datenaustausch&quot; auch ohne Einwilligung der Erziehungsberechtigten zulässig. Dennoch empfiehlt es sich, bei den Erziehungsberechtigten um Verständnis für diesen ,,Datenaustausch&quot; zu werben, der nicht nur der Schule, sondern in erster Linie dem Wohl des Kindes dient. Grundlage der Datenverarbeitung sind die §§ 62 und 64 des SGB VIII (Kinder- und Jugendhilfe) in Verbindung mit § 31 Absatz 2 (letzter Teilsatz) NSchG.
Aus dem Gesagten folgt für die Sprachfördermaßnahme folgendes Maßnahmen- und Zeitraster: 2
Maßnahme / Aktion Informations- und Kooperationsgespräche mit den Kindertagesstät3 ten bzw. deren Trägern Bekanntgabe der Schulanmeldetermine (Schulträger) Vorbereitung eines Einschulungsteams ,,Sprachförderung&quot; Schulanmeldung und Sprachstandsfeststellung Meldung der Anzahl der zu fördernden Kinder an die Bezirksregierung Rückmeldung an die Erziehungsberechtigten / an die Kindertagesstätten Planung und Organisation der Sprachfördermaßnahmen ­ Absprache mit den Kindertagesstätten, dem Schulträger und dem Träger der Schülerbeförderung Durchführung der Sprachfördermaßnahmen Schulinterne Evaluation der Sprachfördermaßnahmen Zeit ab Mai/Juni nach den Sommerferien bis September September bis zum 15. Oktober Oktober / November November bis Januar
Februar bis Schuljahresende Schuljahresende
Dieses Zeitraster ist als Planungsübersicht zu verstehen. Termine für Besprechungen innerhalb des Kollegiums, mit den Leitungen der Kindertagesstätten, dem Schulträger und den anderen Institutionen sowie Informationsveranstaltungen für die Eltern der Kinder sind individuell nach den jeweiligen Gegebenheiten zu gestalten. Da die Rahmenbedingungen an den niedersächsischen Schulen sehr unterschiedlich sind, werden den Grundschulen für die Organisation der Sprachfördermaßnahmen keine verbindlichen Vorgaben gemacht. Vor Ort wird in Abstimmung mit den Schulträgern und den Trägern der Kindertagesstätten entschieden werden müssen, ob die Sprachfördermaßnahmen in der zuständigen Grundschule, in einer benachbarten Grundschule oder in einer Kindertagesstätte stattfinden werden. Der Durchführung in der Kindertagesstätte ist dabei nach Möglichkeit der Vorrang zu geben: Die Kinder können weiterhin in ihrer vertrauten Umgebung bleiben, müssen nicht zwischen Kindertagesstätte und Schule hin- und herpendeln, die Kindertagesstätte bleibt ihr zentraler Bildungsort. Von der Zahl der förderbedürftigen Kinder wird es abhängen, ob jede Grundschule die Sprachfördermaßnahmen für ihre zukünftigen Schulanfänger durchführt oder ob sich Grundschulen zusammenschließen und eine von ihnen die konkrete Durchführung der Sprachfördermaßnahmen übernimmt. Festgeschrieben ist lediglich, dass die Sprachförderung in der Verantwortung der Grundschule durchgeführt wird und dass Schulen für jedes Kind, das an der Sprachfördermaßnahme teilnimmt, im zweiten Schulhalbjahr 1,5 Lehrerwochenstunden erhalten.
Materialien, Medien und Praxisbeispiele zu den Empfehlungen finden sich auf dem Niedersächsischen Bildungsserver. Diese Auflistung wird regelmäßig ergänzt und aktualisiert. So findet sich auch zu der folgenden Tabelle ein Beispiel aus der Praxis von Grundschulen. Die Internetadresse ist: http://fid.nibis.de Vgl. Kapitel 2 ,,Zusammenarbeit von Schule von Kindertagesstätte&quot;
Konzeption der Sprachfördermaßnahme im Überblick
Um erfolgreich am Unterricht der ersten Klasse teilnehmen zu können, müssen Kinder über ausreichende Deutschkenntnisse verfügen. Dazu gehören das Verstehen ebenso wie die aktive Sprachverwendung. Das Kind muss über einen altersangemessenen passiven und aktiven Wortschatz verfügen; es muss kindgerecht strukturierte Äußerungen ­ also grammatisch nicht zu komplexe Aussagen, Fragen und Aufforderungen ­ verstehen. Das Kind soll in der Kommunikation mit anderen Menschen seinem Alter entsprechend angemessen agieren und reagieren können; sein Sprechen soll deutlich genug sein, damit es von anderen verstanden wird; es kommt dabei nicht auf grammatische Korrektheit an. Um festzustellen, ob das Vorschulkind über diese Fähigkeiten verfügt, wird zehn Monate vor der Einschulung ein Sprachfeststellungsverfahren in der Schule durchgeführt. Dieses Verfahren bezieht sich auf die Bereiche, die für die Teilnahme am Unterricht wichtig sind: Das Verstehen von Handlungsanweisungen, passive Kenntnisse von Wörtern aus der alltäglichen Umgebung, die Fähigkeit zu strukturierten eigenen Mitteilungen. Das Verfahren prüft nicht, inwiefern Kinder das Deutsche bereits normgerecht, d.h. grammatisch richtig mit standardgemäßer Aussprache und differenzierterem Wortschatz, beherrschen. Es lassen sich auch keine Aussagen darüber treffen, ob ein Kind in seiner Sprachentwicklung verzögert ist oder ob Sprachstörungen vorliegen. In dem Verfahren werden zunächst nur die Sprachkenntnisse im Deutschen überprüft, da Deutsch die künftige Unterrichtssprache ist. Da das Feststellungsverfahren eine Screening-Funktion hat, kann es die Gesamtheit der Fähigkeiten des Kindes nur ansatzweise würdigen. So kann z.B. die sprachliche Entwicklung in der Erstsprache bei Kindern mit Deutsch als Zweitsprache noch keine Berücksichtigung finden. Um so wichtiger ist, dass das Verfahren zur Feststellung des Sprachstandes durch ein Gespräch mit den Erziehungsberechtigten eingeleitet wird, in dem diese Auskunft über die sprachliche Entwicklung des Kindes geben können. Bei sprachlichen Verständigungsschwierigkeiten mit Erziehungsberechtigten nicht deutscher Herkunftssprache sollten nach Möglichkeit muttersprachliche Lehrkräfte mitwirken. Zusätzlich sind Informationen aus der eventuell besuchten Kindertagesstätte bedeutsam. Zeigt das Verfahren, dass das Kind in schulrelevanten Bereichen der sprachlichen Kommunikation einer Förderung bedarf, ist es verpflichtet, im letzten Halbjahr vor der Einschulung, d.h. ab 1. Februar des Einschulungsjahres, an einer besonderen schulischen Sprachfördermaßnahme teilzunehmen. Beim Verdacht auf Sprachstörungen empfiehlt es sich, das Kind ärztlich/logopädisch untersuchen zu lassen.
Die Gruppe der Kinder, die an der vorschulischen Sprachförderung teilnehmen, ist heterogen zusammengesetzt. Der Stand der Deutschkenntnisse bei den Kindern, die Deutsch als Erstsprache bzw. Deutsch als Zweitsprache sprechen bzw. lernen sollen, ist äußerst unterschiedlich. Die Spanne umfasst neben Kindern, die über keinerlei Deutschkenntnisse, aber über gute muttersprachliche Kenntnisse verfügen, auch zweisprachige Kinder, die sowohl in der Entwicklung der Erst- als auch der Zweitsprache beeinträchtigt sind. Um die Förderung der deutschen Sprache sinnvoll und effizient zu gestalten, muss die Lehrkraft die spezifischen und sehr unterschiedlichen Lernvoraussetzungen der Kinder der Gruppe berücksichtigen. Deshalb muss der Beginn der Sprachförderung von einer differenzierenden Beobachtungsphase begleitet werden, die nach Möglichkeit den Stand der sprachlichen Entwicklung in der Herkunftssprache mit einschließen sollte, z.B. durch die Zusammenarbeit mit muttersprachlichen Lehrkräften. Das Verfahren zur Feststellung des deutschen Sprachstandes, das bei der Schulanmeldung in der Grundschule durchgeführt wird, ist in häufig gesprochenen Erstsprachen übersetzt worden. So können muttersprachliche Lehrkräfte - im Rahmen der Beobachtungsphase zu Beginn der Sprachfördermaßnahmen - die Sprachstandsfeststellung auch in der jeweiligen Erstsprache der Kinder durchführen. Entsprechende Übersetzungen liegen in folgenden Herkunftssprachen vor: Arabisch, Bosnisch/Kroatisch/ Serbisch, Italienisch, Russisch, Spanisch und Türkisch.4 Die individuellen Sprachfördermaßnahmen leiten sich dann aus der Gesamtheit aller Beobachtungen ab und sind auf die Entwicklung der gesamten Persönlichkeit des Kindes ausgerichtet; sie beinhalten Aspekte des emotionalen, sozialen und kognitiven Lernens; sie verbinden sich mit den Bereichen Wahrnehmung, Bewegung und Handeln. Die didaktisch-methodische Gestaltung der Sprachfördermaßnahme vor der Einschulung muss individualisierend und differenzierend angelegt sein. Im Rahmen der inneren Differenzierung wechseln Phasen individuellen und gemeinsamen Lernens und Spielens ab. Dazu sind offene, ganzheitliche und handlungsorientierte Angebote und eine kindgerechte Umgebung notwendig.
Diese herkunftssprachlichen Fassungen des Sprachstandsfeststellungsverfahrens können beim Niedersächsischen Kultusministerium, Ref. 201, Schiffgraben 12, 30159 Hannover, bei Bedarf angefordert werden.
Die Differenzierung kann nach folgenden Gesichtspunkten gestaltet werden thematisch-intentional (nach Zugänglichkeit und Komplexität der Inhalte differenzierend) quantitativ (nach Umfang und Anzahl der Arbeitsaufträge differenzierend) medial (auf verschiedene Sinne bezogen, unter Berücksichtigung multi-medialer und spielpädagogischer Angebote) methodisch (nach Lerntypen und -strategien differenzierend) sozial (nach Sozialformen wie Gruppenarbeit, Einzelarbeit differenzierend). Das Ziel sollte darin bestehen, Erfahrungs- und Lernsituationen herzustellen und anzubieten, in denen sich die Kinder zu den von der Lehrkraft dargebotenen sprachlichen Inhalten aktiv und interagierend verhalten können und in denen ihre Vorerfahrungen, ihre Fragen und Einstellungen von Belang sind. Die im folgenden Curriculum aufgeführten Situationsfelder zeigen ­ insbesondere in den Aktivitäten zum Erwerb der Sprache ­ vielfältige Differenzierungsmöglichkeiten auf. Um der Heterogenität der Lerngruppe, den unterschiedlichen sprachlichen und sozialen Erfahrungen der Kinder gerecht werden zu können, sollten in die Sprachfördermaßnahmen Aspekte des interkulturellen Lernens einbezogen werden.5 Jede Schule, die Kinder nicht deutscher Erstsprache beschult, hat die Aufgabe, ein schuleigenes Konzept zur Sprachförderung zu entwickeln, um die Kontinuität und Effektivität der Fördermaßnahmen ­ und dazu gehören auch die vor der Einschulung ­ sicherzustellen und sie mit außerschulischen Maßnahmen koordinieren zu können. Die dazu notwendigen Rahmenvorgaben werden in gesonderten Erlassen festgelegt.
Ausführliche Hinweise und vielfältige Anregungen zur Förderung der interkulturellen Bildung finden sich in dem vom Niedersächsischen Kultusministerium heausgegebenen Handbuch: ,,Sichtwechsel ­ Wege zur interkulturellen Schule&quot;, Hannover 2000
Zusammenarbeit von Schule und Kindertagesstätte
Die Zusammenarbeit von Kindertagesstätte und Schule rückt mit der Durchführung der vorschulischen Sprachfördermaßnahmen zunehmend in den Blickpunkt. Denn die Sprachförderung ist sowohl Aufgabe der Schule als auch ein Schwerpunkt des Bildungsauftrages in der Kindertagesstätte. Die vorschulische Sprachförderung fordert die Kooperation zweier Systeme, die in ihrer pädagogischen Praxis und in ihrem beruflichen Selbstverständnis unterschiedlich strukturiert sind. Es ist verpflichtende Aufgabe der Schule, die Sprachfördermaßnahmen und die Kooperation mit den Kindertagesstätten zu initiieren. Dabei ist es wichtig, dass sich beide Institutionen als Partner verstehen, die ein gemeinsames Ziel verfolgen ­ die Förderung der Sprachund Sprechkompetenz des Kindes ­ und auf dem Weg dahin voneinander lernen können. Die Kooperation darf sich nicht nur auf die organisatorischen Rahmenbedingungen beschränken, sondern sollte auch inhaltlich begründet sein und Absprachen über Inhalte, Ziele und Methoden der Sprachförderung einbeziehen. Dies gilt insbesondere bei der Kooperation mit Kindertagesstätten mit hohem Migrantenanteil, in denen zusätzliche Sprachförderkräfte tätig sind. Die Durchführung der Sprachförderung in der Kindertagesstätte bedeutet sowohl für diese als auch für die Schule eine besondere Herausforderung, da sie in die unterschiedlichen Organisationsformen beider Institutionen eingreift. Die Zusammenarbeit verläuft daher nicht immer spannungsfrei. Eine sorgfältige Abstimmung zwischen beiden Institutionen ist für das Gelingen eine notwendige Voraussetzung.6 Für die Kindertagesstätte kann das bedeuten: Der Lehrkraft muss ein Raum zur Verfügung gestellt werden, das kann Einschränkungen für die Kindergartengruppe bzw. für die Erzieherin bedeuten. Kinder werden für einen bestimmten Zeitraum aus ihren Kindergartengruppen herausgeholt, sie müssen ihre Arbeit/ihr Spiel unterbrechen. Die Planung der Kindertagesstätte muss an den Tagen, an denen die Sprachförderung stattfindet, mit den Planungen der Schule abgestimmt werden.
Vgl. Abschlussbericht der Pilotphase ,,Fit in Deutsch&quot;, Sprachfördermaßnahmen vor der Einschulung, Dr. Katja Koch, Pädagogisches Seminar der Georg-August-Universität Göttingen
Die Sprachförderung muss in den Tagesablauf der Kindertagesstätte eingepasst werden. Das ist besonders schwierig, wenn das Konzept der Kindertagesstätte auf feste Gruppen verzichtet und die Räume zu Funktionsräumen umgestaltet sind, die die Kinder ihren Wünschen und Neigungen entsprechend aufsuchen. In Kindertagesstätten mit hohem Migrantenanteil sind neben den Lehrkräften bereits beauftragte Sprachförderkräfte tätig; Abstimmungen der Konzepte sind notwendig. Für die Schule kann das bedeuten: Es müssen häufig Absprachen mit mehreren Kindertagesstätten getroffen werden bzw. Kinder aus verschiedenen Kindertagesstätten zu einer Sprachfördergruppe zusammengefasst werden. Das ,,Sammeln der Kinder&quot; durch die Lehrkraft aus den verschiedenen Kindergartengruppen ist oft zeitaufwendig; das sollte aber nicht zu zeitlichen Kürzungen der Sprachförderung führen. Die Kinder sind unzufrieden, wenn sie z. B. aus ihrem Spiel herausgerissen werden; sie müssen für die Sprachförderung besonders motiviert werden. Wenn kein eigener Raum zur Verfügung steht, müssen zufällig freie Räume genutzt werden. Dadurch kann bei den Kindern kein Gefühl von Kontinuität entstehen, das bisher Erarbeitete ist allenfalls in Mappen präsent aber nicht vor Ort. Materialien können in der Kindertagesstätte nicht gelagert werden, die Lehrkräfte sind mit einer Materialkiste unterwegs; flexible, situationsangemessene Reaktionen sind aufgrund der begrenzten Menge an mitgebrachten Materialien nur selten möglich.
Wie kann dennoch eine Kooperation zwischen diesen unterschiedlichen Partnern gelingen? Ein möglicher Zeit- und Arbeitsplan: 7 Bereits im Frühsommer müssen von der Schule Informations- und Kooperationsgespräche zwischen Kindertagesstätte(n) bzw. deren Träger(n) initiiert werden. Dabei sollen die Konzepte der Einrichtungen bzw. das organisatorische/zeitliche Konzept der vorschulischen Sprachförderung vorgestellt werden. Nach den Sommerferien informiert die Schule die Kindertagesstätte(n) über das Sprachfeststellungsverfahren und beteiligt sie ggf. bei der Durchführung. Möglichkeiten der Kooperationen werden besprochen. Die Schule gibt nach Durchführung des Sprachstandsfeststellungsverfahrens eine Rückmeldung über die Ergebnisse an die Kindertagesstätte(n). Informationen über die Kinder werden zwischen Kindertagesstätte(n) und Schule ausgetauscht und das weitere Vorgehen in Einzelfällen besprochen. In den folgenden Monaten stimmen Lehrkräfte und Erzieherinnen oder Erzieher ihre Konzepte über die Sprachförderung ab, indem sie die jeweiligen Schwerpunkte der Sprachfördermaßnahmen in der Kindertagesstätte und in der vorschulischen Sprachförderung festlegen, sie treffen Absprachen zur Aufgabenverteilung, zum Einsatz von Materialien etc. Dies gilt insbesondere dann, wenn eigene Sprachförderkräfte in Kindertagesstätten tätig sind. Findet die Sprachförderung in der Kindertagesstätte statt, muss in einem nächsten Schritt gemeinsam ein Organisationsmodell erarbeitet werden (z.B. im Hinblick auf die Größe der Fördergruppe, die zur Verfügung stehenden Räume, die Gestaltung des Stundenplans, den Einsatz des vorhandenen Materials); findet die Sprachfördermaßnahme in der Schule statt, müssen Hin- und Rückweg von der Kindertagesstätte zur Schule organisiert und abgesprochen werden. Während der Fördermaßnahme, d.h. ab 1. Februar, sollten immer wieder Gespräche zwischen Lehrkraft und Erzieherinnen oder Erziehern stattfinden, z.B. im Zusammenhang mit der begleitenden Sprachbeobachtung.8 Wo immer es möglich ist, werden gegenseitige Einladungen zu Festen in der Kindertagesstätte und in der Schule ausgesprochen; Feste sollten auch bewusst gemeinsam geplant werden.
Der Prozess der Annäherung muss von beiden Seiten, sowohl von der Kindertagesstätte als auch von der Grundschule, bestimmt und getragen werden. Daraus folgt, dass es nicht nur einen Weg der Umsetzung geben kann, sondern dass die Partner vor Ort den Kooperationsprozess zu gestalten haben. Die Sprachfördermaßnahme vor der Einschulung bietet eine Chance, die Zusammenarbeit beider Institutionen zum Wohle der Kinder zu intensivieren.
Vgl. auch Kapitel 1 ,,Rechtliche und organisatorische Rahmenbedingungen&quot; Vgl. Kapitel 6 ,,Anregungen für begleitende Sprachbeoachtung&quot;
Die Wechselwirkung von schulischen und außerschulischen Erziehungs- und Lerneinflüssen gerade im Bereich der Sprachentwicklung erfordert eine enge und vertrauensvolle Zusammenarbeit zwischen Schule und Eltern. Voraussetzung dafür ist die gegenseitige Information. Die Lehrkraft hat die Aufgabe, die Eltern über Inhalte und Ziele der schulischen Sprachförderung in der deutschen Sprache zu informieren, den Stellenwert der Familiensprache (der Erstsprache) für den Erwerb der Zweitsprache herauszustellen, den Eltern Anregungen zu geben, wie sie die Sprachentwicklung ihrer Kinder unterstützen können. Die Kontakte zwischen den Eltern und der Lehrkraft können durch Verständigungsschwierigkeiten und unterschiedliche kulturelle Sichtweisen erschwert werden. Für die Verständigung mit Eltern, die nur geringe Deutschkenntnisse haben, empfiehlt es sich, nach Möglichkeit muttersprachliche Lehrkräfte mit einzubeziehen und Informationen durch anschauliche Materialien weiterzugeben, z.B. durch Fotos, Dias, Tonkassetten mit Gesprächen oder Liedern oder durch Videos, die die pädagogische Arbeit dokumentieren und einen authentischen Einblick in die Sprachfördermaßnahmen geben. Ziele einer Zusammenarbeit mit den Eltern können sein: 9 Wissen und Erfahrungen über die Sprachentwicklung von Kindern auszutauschen den Eltern die Bedeutung der Erstsprache für den Erwerb der Zweitsprache deutlich zu machen den Eltern die pädagogische Arbeit im Bereich Sprachförderung vorzustellen Eltern auf Wunsch konkrete Anregungen für eine sprachliche Förderung zu geben. Grundlegende Voraussetzungen für eine vertrauensvolle Zusammenarbeit mit Eltern sind gegenseitige Wertschätzung und Anerkennung sowie ein offenes Aufeinanderzugehen. Eine große Anzahl von Kindern, die an der Sprachfördermaßnahme vor Schulbeginn teilnehmen, werden aus Familien mit Migrationshintergrund kommen. Aber auch deutsche Kinder sowie Kinder aus bilingualen, bikulturellen Familien, bei denen die Ehepartner verschiedener Nationalität und oft auch unterschiedlicher Sprache sind, können dazu gehören. Die Kinder in der Sprachfördermaßnahme sind also eine heterogene Gruppe und bringen eine Vielfalt von Erfahrungen aus unterschiedlichen Sprach- und Lebenssituationen mit. In der Regel haben Eltern aus zugewanderten Familien ein großes Interesse daran, dass ihre Kinder die deutsche Sprache lernen. Sie sind aber auch daran interessiert, dass ihre Kinder eine angemessene Entwicklung in ihrer Erstsprache erfahren, d.h. sie wünschen sich
Vgl. Niedersächsisches Ministerium für Frauen, Arbeit und Soziales (Hrsg.): ,,Wie Kinder sprechen lernen&quot;, Kapitel 5, Zusammenarbeit mit Eltern, S. 119 ff
meistens eine zweisprachige Erziehung. Oft sind die Eltern jedoch unsicher in Fragen, die die Verwendung der Erst- und Zweitsprache in der Familie betreffen. Es ist daher wichtig, dies mit den Eltern vertrauensvoll zu besprechen und ihnen Hinweise anzubieten, wie sie die sprachliche Entwicklung ihrer Kinder unterstützen können.
Orientierungspunkte für Gespräche mit Eltern
Die Bedeutung der Erstsprache bzw. der Familiensprache Eltern sollten in ihrer Muttersprache bzw. in der Sprache, die sie am besten können, mit ihrem Kind sprechen. Die Förderung der Erstsprache ist eine gute Grundlage für das Erlernen der Zweitsprache (Deutsch). Wenn Eltern für Sprachförderung in der Familie motiviert werden können, dann gibt es ganz konkrete Anhaltspunkte: Eltern erzählen ihrem Kind jeden Abend eine Geschichte Über Bilderbücher, die regelmäßig nach Hause ausgeliehen werden, können Lehrkräfte vielleicht die Wichtigkeit von Bilderbüchern signalisieren und eine Ausleihe in der öffentlichen Bücherei anregen.
Einstellung zum deutschsprachigen Umfeld Es ist leichter für Kinder Deutsch zu lernen, wenn sie außerhalb der Schule auch Kontakt mit deutschen Kindern (und Erwachsenen) haben. Für Kinder, die Deutsch lernen, ist das Vorbild der Eltern in Sachen ,,Sprache lernen&quot; wichtig (bemühen sich z.B. die Eltern, Deutsch zu lernen?). Auffälligkeiten Eltern, deren Kind vielleicht Sprachentwicklungsstörungen hat, sollten ermuntert werden, einen Fachdienst aufzusuchen.
Für die Lehrkraft ist es wichtig, eine genaue Kenntnis der Sprachsituation eines jeden Kindes zu haben. In Gesprächen mit Eltern, z.B. bei Aufnahmegesprächen und/oder Hausbesuchen, kann sie erfahren, ob das Kind in einer Familie aufwächst, in der das Gespräch mit dem Kind selbstverständlich ist, oder ob es in einem spracharmen Umfeld aufwächst, wer mit dem Kind in welcher Sprache spricht und welche Sprache die gemeinsame Familiensprache ist. Dabei ist es wichtig, den Eltern darzulegen, warum man sich für sie und ihre Sprachgewohnheiten interessiert; sie dürfen sich nicht ausgehorcht fühlen. Vielmehr geht es darum, ein Verständnis für die Wertschätzung der Erstsprache und der Zweisprachigkeit sowie deren Bedeutung für die Entwicklung des Kindes zu vermitteln. Folgende Impulse können helfen, sich die Sprachwelt der Kinder zu erschließen: Wer spricht mit dem Kind welche Sprache? Gibt es eine Sprache, die hauptsächlich in der Familie gesprochen wird?
Entnommen: Bayerisches Staatsministerium für Arbeit und Sozialordnung, Familie, Frauen und Gesundheit (Hrsg.): Interkulturelle Arbeit und Sprachförderung in Kindertageseinrichtungen, München 2000, S. 23
Gibt es bestimmte Situationen, in denen nur die eine oder die andere Sprache gesprochen wird? Wird in der Familie gern und viel miteinander gesprochen? Welche Sprachen werden hauptsächlich in der Nachbarschaft und in dem Stadtteil, in dem die Familie wohnt, gesprochen? Für Eltern ist es wichtig, Kindertagesstätte und Grundschule als kooperierende Partner zu erleben. Eine intensive Zusammenarbei aller drei Partner hilft, Fragen zu klären, und nimmt Eltern Unsicherheiten. Eltern werden als aktiv Beteiligte in den Erziehungs- und Lernprozess einbezogen.11
Kindert agesstätte
Gespräche und allgemeine Information zu Beginn des letzten Kindertagesstättenjahres Gemeinsamer Elternabend mit muttersprachlichen Lehrkräften Anmeldung / Sprachstandsfeststellung, erste Informationen Gezielte Information zur Vorbereitung der Sprachfördermaßnahme Angebot: Sprachkurse für Mütter Angebot: Sprachkurse für Mütter
Ritual (,,Einschulungsfeier&quot;) zum Beginn der Fördermaßnahme
Begleitende Gespräche Einzelfall-Besprechung
Angebot: gemeinsamer Nachmittag mit Spielen, Präsentationen, Kaffee
Quelle: Grundschule Am Lindener Markt, Hannover
Anregungen für die Zusammenarbeit mit den Erziehungsberechtigten finden sich auf dem Niedersächsischen Bildungsserver. Die Internetadresse ist: http://fid.nibis.de
Zur sprachlichen Entwicklung des Kindes
Im Verlauf der Sprachentwicklung erwerben Kinder nicht alle sprachlichen Formen gleichzeitig, und sie erwerben auch nicht gleich die Formen, die zur Standardsprache gehören. Generell ist die rezeptive Sprachbeherrschung größer als die produktive. Kinder bilden Zwischengrammatiken aus. Sie strukturieren ihre Äußerungen auf der Grundlage dessen, was sie schon über das System Sprache wissen. Dazu benutzen sie noch nicht die Regeln, die erwachsene Sprecher benutzen. Der Erwerb beginnt mit einfachen Formen, d.h. wenige Elemente (Wörter), einfache Wortstellungen, unmarkierte Formen (Wortformen, die noch wenig oder gar nicht gebeugt sind). Kinder, die Deutsch als Erstsprache sprechen, erwerben sprachliche Strukturen in der Regel in einer bestimmten Reihenfolge. Sie beginnt mit Äußerungen, die nur aus einem Wort bestehen. Die Äußerungen werden im Entwicklungsverlauf länger und komplexer. Die folgende Auflistung ist im Sinne eines zeitlichen Nacheinanders zu verstehen. Einwortäußerungen Das Kind äußert sich mit einem Wort. Es kann verschiedene Wortklassen benutzen (Nomen Ball, Verben haben, Pronomen da). Zweiwortäußerungen Verschiedene Wortarten können enthalten sein. (Da Ball. Ball haben.) Verben stehen meist in der Grundform am Ende. Flexionsmorpheme (Verbendungen; Plural- oder Fallendungen bei Nomen) können schon im Einzelfall vorhanden sein, auch wenn sie noch nicht regelmäßig verwendet werden (z. B. Verben vorwiegend in der Grundform, Nase putzen, Auto fahren, Oma kommen; dabei aber gelegentlich Personalendungen, Baby weint.) Drei- und Mehrwortäußerungen Das grammatische Geschlecht (der, die, das) wird verhältnismäßig rasch und mit wenigen Irrtümern erworben. Der Erwerb der Kasusmarkierungen (Fallendungen) verläuft langsam und mit vielen Abweichungen. Zunächst werden häufig nur Nominativ und Akkusativ eingesetzt. (Dativ und Akkusativ werden noch im Grundschulalter nicht immer sicher unterschieden!) Die Konjugation wird schnell erworben. Die Regeln der Verbstellung im Deutschen bilden sich aus. Vergangenheits- und Zukunftsformen werden erworben.
Plural- und Vergangenheitsformen werden noch nicht wie in der Standardsprache eingesetzt, sondern wenige Endungen werden benutzt (z.B. Pluralbildung nur mit ­s oder ­en: die Apfels; Vergangenheit von Verben nur mit ­te: er gehte). Verneinung und Frage werden formal korrekt markiert (z.B. Verneinung durch nicht an der richtigen Stelle im Satz statt vorher nur durch vor- oder nachgestelltes nein: das pass nein entwickelt sich zu das passt nicht). Komplexe Strukturen Satzreihen und Satzgefüge mit verschiedenen Arten von Nebensätzen treten auf; Sätze im Passiv erscheinen.12 Die Angaben, in welchem Alter welche Phase durchlaufen wird, variieren stark. Auch bei einem ungestörten Entwicklungsverlauf beherrschen Kinder zu Beginn ihrer Schulzeit noch nicht alle Formen (z.B. Plural- oder Kasusmarkierungen). Bei Kindern, die Deutsch als Zweitsprache erwerben, findet der Spracherwerbsprozess unter erschwerten Bedingungen statt. Wie einfach oder schwierig Kinder, die eine andere Erstsprache haben, das Deutsche finden, hängt u. a. von ihrer Erstsprache ab. Wer schon Endungen für verschiedene Fälle kennt, erkennt diese z.B. leichter als jemand, der eine Sprache ohne jede Fallmarkierung spricht. Deshalb ist es in jedem Fall wichtig, sich mit möglichen Problemen im Hinblick auf das Verhältnis Erstsprache-Zweitsprache vertraut zu machen. Hinweise auf Besonderheiten und/oder spezifische Probleme in der Begegnung anderer Sprachen mit dem Deutschen sind der Broschüre ,,Hilfen für den Deutschunterricht&quot;13 zu entnehmen. Die Erfahrung zeigt, dass einige Eigenarten des Deutschen für die Mehrzahl der Lerner schwierig sind, z.B. Artikel und grammatisches Geschlecht (der, die oder das) die zahlreichen Möglichkeiten der Pluralbildung die Adjektivdeklination (ein junger Hund - der junge Hund - mit dem jungen Hund) Umlaute (ich fahre ­ du fährst) Verben mit trennbaren Präfixen (wir wollen aufstehen vs. ich stehe auf) Unregelmäßige Verben.14
Aufstellung nach Szagun, Gisela (2000): Sprachentwicklung beim Kind. Weinheim und Basel: Beltz, 6. Aufl. Vgl. das Kapitel ,,Sprachvergleiche ­Kontrastive Materialien&quot;, in ,,Hilfen für den Deutschunterricht mit Kindern und Jugendlichen, deren Erstsprache nicht Deutsch ist&quot;, hrsg. vom Niedersächsischen Kultusministerium, Hannover 1991, zu beziehen über Referat 305. Die Sprachvergleiche werden auch auf dem Niedersächsischen Bildungsserver (www.nibis.de) im Schwerpunktthema ,,Interkulturelle Bildung&quot; unter Materialien/Medien veröffentlicht. Vgl. die Aufstellung in: Senatsverwaltung für Schule, Jugend und Sport Berlin: ,,Handreichung Deutsch als Zweitsprache&quot;, Berlin 2001, S. 21ff.
Das Kind lernt am sprachlichen Vorbild; es nimmt die Sprache nur über das Hören auf und muss sein Hörverstehen entwickeln. Deshalb sind Sprache und Sprechen der Lehrkraft besonders wichtig. Eine Reflexion der eigenen Sprache vor dem Hintergrund der folgenden Fragen kann dazu beitragen, die Wirkung des persönlichen Sprachverhaltens zu erkennen und das Wissen über Sprachentwicklung, Sprachverwendung und Wirkung von Sprache zu erweitern. Anregungen zur Reflexion: Welche Anteile am Sprech- und Kommunikationsverhalten nehme ich (die Lehrkraft) ein? Wie deutlich spreche ich? Wie genau höre ich zu? Wie gut frage ich nach? Achte ich auf den sprachlichen Entwicklungsstand des Kindes? Versteht das Kind meinen Wortschatz? Wie variabel kann ich sprachlich spiegelnd reagieren? Was macht mich unsicher in Bezug auf sprachliches und kommunikatives Verhalten? Wo sind meine Stärken im sprachlichen Kontakt? Welches Verhältnis habe ich zu meiner eigenen Sprache? Welches zu fremden Sprachen? Hören und Sprechen sind wichtige Elemente der Verständigung, dabei geht das Hören dem Sprechen voraus. Ein vielfältiges sprachliches Angebot ist daher bedeutsam, auch wenn die Kinder selbst noch sparsam in ihren eigenen Äußerungen bleiben. Das Erschließen von Bedeutungen vollzieht sich in situativen Kontexten, unterstützt durch Tonfall, Gestik und Mimik. Durch motivierende Situationen, bei denen Sprache in Handlungszusammenhängen verwandt wird, werden die Kinder zum Sprechen angeregt. Durch den Einsatz von Handpuppen, Liedern und Reimen können Sprachhemmungen abgebaut werden. Neben diesen kommunikativen Situationen kann es aber auch einzelne Phasen in der Fördermaßnahme geben, in denen es um die Vermittlung spezieller Sprachstrukturen geht. In solchen Phasen sollte die Lehrkraft einfache Sätze verwenden und die Formulierungen nicht ständig variieren, damit die Kinder die Strukturen erkennen können. Wenn Kinder sprachliche Formen äußern, die vom Standard abweichen, so werden diese grundsätzlich nicht als Fehler oder als falsch bezeichnet. Die Lehrkraft korrigiert abweichende Äußerungen des Kindes behutsam, indem sie sie z. B. ergänzt oder in der Standardform wiederholt. Die inhaltliche Kommunikation mit dem Kind hat Vorrang vor der Form, d.h., ein inhaltlich bestimmter Dialog mit dem Kind darf nicht durch fortgesetzte formbezogene Korrekturen ­ auch wenn diese vorsichtig vorgenommen werden ­ unterbrochen werden.
Anregungen für eine begleitende Sprachbeobachtung
Für die Kinder, die ab dem 1. Februar des Einschulungsjahres nach § 54 a NSchG an der besonderen schulischen Sprachfördermaßnahme teilnehmen, wird eine begleitende Sprachbeobachtung vorgeschlagen, die von den Stärken und Fähigkeiten des Kindes ausgeht. Auf der Grundlage dessen, was das Kind weiß und kann, werden die individuellen Fördermaßnahmen geplant.15 Bei der Gestaltung der Fördermaßnahmen ist von dem aktuellen Sprachstand des Kindes auszugehen, aber auch seine entwicklungsspezifischen Voraussetzungen (Wahrnehmung, Motorik, Sozialverhalten, Lernmotivation) sind in die Planung mit einzubeziehen. Um zu gewährleisten, dass die Sprachfördermaßnahmen auf den Bedarf des Kindes abgestimmt sind, wird eine Dokumentation der individuellen Lernentwicklung geführt. In ihr werden die Sprachkenntnisse des Kindes und die daraus abzuleitenden Förderziele festgehalten. Aus den Förderzielen wird das konkrete Lernangebot entwickelt. Um festzustellen, ob die Fördermaßnahmen zu Lernfortschritten geführt haben, wird die Dokumentation in regelmäßigen Abständen fortgeschrieben. Darüber hinaus sollten auffällige Beobachtungen zusätzlich dokumentiert werden. Begleitende Sprachbeobachtung
Feststellen des aktuellen Sprachstandes
Überprüfen der Fördermaßnahmen
Formulieren der Förderziele
Umsetzen der Ziele in Fördermaßnahmen
Inhaltlich werden in der begleitenden Sprachbeobachtung wie bei der eingangsdiagnostischen Sprachstandsfeststellung (bei der Schulanmeldung) drei Sprachebenen erfasst: Kommunikative Entwicklung (Sprachgebrauch) Entwicklung des Wortschatzes/der Wortbedeutung Grammatikentwicklung.
Vgl. auch: Eggert, D.: Von den Stärken ausgehen, SVBl 12/2001, S. 513-519
Diese drei sprachlichen Beobachtungsbereiche werden durch Indikatoren konkretisiert. Die Indikatoren in den ersten beiden sprachlichen Beobachtungsbereichen bauen aufeinander auf. Die Lehrkraft notiert Beispiele für Sprachhandlungen des Kindes (mündliche Äußerung, Mimik, Gestik, Umsetzung von Anweisungen ...), die einen Bezug zu den einzelnen Indikatoren aufweisen. Sie bewertet das Niveau der Sprachhandlung auf einer vierstufigen Einschätzungsskala. Das erreichte sprachliche Können des Kindes ist Grundlage für die zu planenden Fördermaßnahmen.16 Inhalte der Fördermaßnahmen sind vorrangig die drei genannten Sprachebenen. Darüber hinaus können die sprachlichen Beobachtungsbereiche Ausspracheentwicklung (Lautung / Artikulation) Redefähigkeit (flüssige / unflüssige / überhastete Sprechweise) Metasprache (phonologische Bewusstheit) in die Beobachtung mit aufgenommen werden. Auffällige Beoachtungen bei der Ausspracheentwicklung bzw. Redefähigkeit können Anlass sein, sprachtherapeutische Maßnahmen einzuleiten. Neben den genannten sprachlichen Beobachtungsbereichen sind die entwicklungsspezifischen Voraussetzungen in den Bereichen Wahrnehmung (auditive, visuelle Wahrnehmung) Motorik (Grob-, Fein-, Sensomotorik) Sozialverhalten (Steuerungsfähigkeit, Beziehungsfähigkeit) Lernmotivation (Aufmerksamkeit, Neugier, Ausdauer, Eigenaktivität) bei der Planung der Sprachfördermaßnahmen zu berücksichtigen. Grundvoraussetzung für eine bedarfsgerechte Förderplanung ist die möglichst umfassende Kenntnis der Lernausgangslage des Kindes. Dazu benötigt die Lehrkraft, die die Sprachfördermaßnahme durchführt, Informationen aus dem Umfeld des Kindes und ggf. bei der Schulanmeldung bereits erhobene Daten. Mit Hilfe von Protokollen, Tonbandaufnahmen, Videoaufnahmen etc. können die sprachlichen Handlungen der Kinder beobachtet und dokumentiert werden. Dies sollte in Alltagssituationen geschehen. Wenn Beobachtungssituationen gestaltet werden, soll dies in spielerischer Weise erfolgen. Verwendete Materialien und andere situationsgestaltende Elemente müssen für das Kind bedeutsam sein, die Umgebung und die Personen sollen dem Kind vertraut sein.
Vgl. den Musterbogen ,,Dokumentation der individuellen Lernentwicklung&quot; im Anhang
Es empfiehlt sich, gelegentlich Beobachtungssequenzen im Team durchzuführen und anschließend die gewonnenen Ergebnisse gemeinsam zu reflektieren. Eine regelmäßige Rückkoppelung mit den Eltern, den Erzieherinnen und anderen Personen im Umfeld des Kindes sichert geplante Fördermaßnahmen ab oder gibt ein Feed-back auf vollzogene Fördermaßnahmen. Verlauf und Ergebnisse der begleitenden Sprachbeobachtung werden schriftlich dokumentiert. Bei der Dokumentation ist zu bedenken, dass möglichst viele inhaltliche Bereiche erfasst werden und dass die Dokumentation eine Fortschreibung ermöglicht. Der im Anhang aufgeführte Musterbogen ,,Dokumentation der individuellen Lernentwicklung&quot; umfasst die genannten Sprachebenen und die ihnen zugeordneten Indikatoren. Die Dokumentation gliedert sich in folgende Bereiche: Information, Organisation, Lernvoraussetzungen - Grunddaten des Kindes - Organisation der Förderung - Das Kind und sein Umfeld (Stärken des Kindes, fördernde/hemmende Bedingungen im Umfeld) - Entwicklungsspezifische Voraussetzungen (Wahrnehmung, Motorik, Sozialverhalten, Lernmotivation) Sprachliche Beobachtungsbereiche - Kommunikative Entwicklung - Entwicklung des Wortschatzes/der Wortbedeutung - Grammatikentwicklung - Zusätzliche sprachliche Beobachtungsbereiche (Ausspracheentwicklung, Redefähigkeit, Metasprache, Zweisprachigkeit) Ausblick - Skizzierung des aktuellen Sprachstandes - Hinweise für die weitere sprachliche Förderung.
Gliederung der ,,Dokumentation der individuellen Lernentwicklung&quot; im Überblick17 Teil I: Information, Organisation, Lernvoraussetzungen
Geburtsdatum: Anschrift, Telefon: Eltern/Sorgeberechtigte: Erstsprache: Konfession:
Besuchter Kindergarten: Zeitlicher Umfang der Förderung pro Woche: Gruppengröße: Förderprotokoll erstellt von:
Stärken des Kindes: Fördernde Bedingungen in seinem Umfeld: Hemmende Bedingungen in seinem Umfeld: Wahrnehmung: Motorik: Sozialverhalten: Lernmotivation: Bemerkungen:
Teil II: Sprachliche Beobachtungsbereiche (Ausschnitt)
Sprachlicher Beobachtungsbereich: Kommunikative Entwicklung Indikatoren Aufgabenverständnis Das Kind versteht kurze, einfache Anweisungen und setzt sie um. 1. _______ _________________ 2. _______ _________________ 3. _______ _________________ Das Kind versteht 1. _______ _________________ eine mehrteilige, altersangemessene 2. _______ _________________ Information und setzt sie um. 3. _______ _________________ _______________ _______________ _______________ _______________ _______________ _______________ Datum Beobachtete Sprachhandlungen/Beispiele Einschätzungen * ** *** **** Geplante Fördermaßnahmen
trifft nicht zu trifft teilweise zu
trifft überwiegend zu trifft in vollem Umfang zu
Vollständige Muster siehe Anhang
Durch die Vorstrukturierung im Förderplan ist die dreimalige Dokumentation vorgegeben, die die regelmäßige Fortschreibung ermöglicht. Es empfiehlt sich, sie zu Beginn der Fördermaßnahme, um Ostern und am Ende der Fördermaßnahme vorzunehmen. Anstelle des vorgestellten Musterbogens ,,Dokumentation einer individuellen Lernentwicklung&quot; ist auch eine andere Dokumentation, z.B. in freier Form, möglich; entscheidend ist, dass sie alle Gliederungsmerkmale berücksichtigt. 18
Vgl. die Anregungen im niedersächsischen Bildungsserver. Die Internetadresse ist: http://fid.nibis.de
7.1 Zu der Arbeit mit dem Curriculum Das folgende Curriculum (Vorkurs) basiert auf dem bayerischen Lehrplan Deutsch als Zweitsprache (Grundschule/Grundkurs). Das Niedersächsische Kultusministerium hat diesen Lehrplan in die Rahmenrichtlinien für Deutsch als Zweitsprache aufgenommen und für den Gebrauch an niedersächsischen Schulen genehmigt.19 Auf die didaktisch-methodischen Aussagen in den Rahmenrichtlinien wird verwiesen; sie gelten auch für die folgenden Ausführungen. Der Vorkurs weist fünf Situationsfelder aus: Verbindliche Situationsfelder - Ich und du - Sich orientieren - Miteinander leben Zusatzangebote - Was mir wichtig ist - Sich wohlfühlen. Jedes Situationsfeld besteht aus: einem Signalthema mit zugeordneten Modulen Kerninhalten / Lernzielen einem Wortschatzbereich Sprechakten und sprachlichen Strukturen möglichen Aktivitäten zum Erwerb der Sprache. Bei den Sprechakten und sprachlichen Strukturen handelt es sich um ein individuell erweiterbares Basisangebot. Über Auswahl und Umfang der Module und des konkreten Wortschatzes entscheidet die Lehrkraft entsprechend dem individuellen Förderbedarf des Kindes. Art und Umfang der Aktivitäten zum Erwerb der Sprache werden von dem zur Verfügung stehenden Zeitrahmen, den örtlichen Gegebenheiten und den Möglichkeiten, Interessen und Fähigkeiten der Lerngruppe bzw. des einzelnen Kindes bestimmt.
Vgl. Rahmenrichtlinien Deutsch als Zweitsprache, herausgegeben vom Niedersächsischen Kultusministerium (SVBl 2/2003,S. 55); auch http://fid.nibis.de
7.2 Situationsfelder
1 Ich und Du 2 Sich orientieren 3 Miteinander leben 4 Was mir wichtig ist 5 Sich wohlfühlen
Situationsfeld 1
Bitte? Bitte.
Wer bist du? Was magst du?
Alltagsrituale auffassen Hinhören lernen Sich begrüßen und verabschieden Höflichkeitsformen anwenden Sich bekannt machen Voneinander etwas erfahren Körperteile benennen Vorlieben und Abneigungen äußern Hilfen erbitten Mengen und Zahlen erfassen
Begrüßung und Verabschiedung Vorlieben, Abneigungen
Sprechakte und sprachliche Strukturen
Guten Morgen! / Hallo! / Tschüß! Ich bin ... - Ich heiße ... . Ich mag (Pizza). / Ich spiele gern draußen. Und du? (Spinat) mag ich nicht. / Ich sehe gern Filme. Ich auch / nicht. Was ist das? - Wie heißt das? - Wie heißt du? Was magst du? - Möchtest du? - Ja. / Nein. Bitte. / Danke. Ich habe ein/e ... / zwei ... . Das ist mein .... - Das sind meine ... . Mir tut mein/e .... weh! Ich habe einen ... - Du hast drei / mehr ... . Ich habe viel / mehr / weniger ... als du.
Mögliche Aktivitäten zum Erwerb der Sprache
Wortschatzkartei / Bildkartei anlegen Gegenstände und Buchstaben mit Knetmasse darstellen Großen Personenumriss auf Tapete mit Fotos und Zeichnungen ergänzen Ich-Collage anfertigen (Was kann ich schon?) Einfache Bild-Steckbriefe zusammenstellen Mit Zahlenwürfeln spielen / Zahlendomino herstellen Glückwunschkarten gestalten
Gemeinsames Lernen Sich mit Liedern und Spielen kennen lernen
Das Hören und Sprechen durch Stimmmodulation trainieren (laut / leise, hell / dunkel) Wortschatz mit allen Sinnen lernen Gegenstände tasten und Wörter raten (Kimspiele) Tätigkeiten pantomimisch darstellen Wichtige Zahlen austauschen (Altersangabe, Telefonbuch erstellen, ...) Mit Zahlen spielen (Klopf- und Horchspiele, Würfelspiele, ...) Hitliste erstellen (Lieblingsfiguren, Essen, Tiere, Hobbys, ...) Bei Rätselspielen mitmachen Den eigenen Personenumriss der Gruppe vorstellen ,,Wir&quot; - Collage herstellen Wandfries gestalten (Selbstdarstellungen, Herkunftsländer, Vorlieben, ...) Geburtstagskalender anfertigen Geburtstage feiern Einladungen entwerfen und gestalten Spiel- und Bewegungslieder hören und nachgestalten Minidialog mit Handpuppen hören und sich einschalten Gemeinsam essen (mit Eltern vorbereiten)
Lernen außerhalb der Gruppe
eine 1. Klasse besuchen und einladen
Sprachliche und kulturelle Erfahrungen nutzen
Begrüßungen in den anderen vorhandenen Sprachen hören In der Herkunftssprache zählen Einfache Reime, Lieder und Gedichte einbringen (Abzählreime, Spiele, ...) Alle Mittel zur Verständigung einsetzen (Mimik, Gestik, Muttersprache, ...)
Hinhören und Nachfragen lernen und erproben Bedeutungen aufgrund nichtsprachlicher und sprachlicher Zeichen erraten Mit Arbeitsmitteln vertraut werden (Lineal, Schere, ...) Partner- oder Gruppenarbeit einüben Formelhafte Wendungen gebrauchen
Situationsfeld 2
Spielgruppe Kita / Schule
Lernen­miteinandervoneinander
Tagesablauf begreifen
Ich kenne mich aus Wir entdecken Neues
Mit der näheren Umgebung vertraut werden Personen und Räume kennen lernen Über Arbeitsmittel sprechen Anweisungen verstehen Nichtverstehen ausdrücken und nachfragen Mit Arbeits- und Spielformen vertraut werden Interessantes aus Bildern und Büchern entnehmen Zeitabläufe der Gruppe erfassen
Tätigkeiten in der Gruppe Persönliche, wichtige Gegenstände
Ich / Wir ( male/n) / nicht. Was machst du gern/nicht gern? Darf ich ...? Wie geht das? Ich weiß es / nicht. Wo ist / sind ...? Da / Dort ist / sind ... . ...liegt auf, unter, neben ... . Komm, wir (spielen)! Ich brauche ... . Wo? Drinnen, draußen, vorn, hinten, steht ... . Wann, wie lange? Heute ist ..., morgen machen wir ..., in ... Stunde/n Schön! Toll! Schrecklich! Schade! ... ist rot / blau. ... ist rund / dreieckig / viereckig. ein rotes ... ein blauer ...
Arbeitsmaterialien Spiele Personen Räume Ortsangaben Zeitangaben Wertende Kommentare Farben Formen
Wortschatzbilderheft anlegen ( Bilder aus Katalogen / Prospekten / Zeitschriften, ...) Buchstaben, Wörter und Formen drucken Computerprogramme anwenden (Lernspiele) Kleine Texte von Tonträgern hören Gemeinsames Lernen Laute und Lautkombinationen (Anlaut, Einsatz der Sprechlernkiste/Ravensburg) Durch rhythmisches Sprechen Strukturen trainieren Silben klatschen, Namen und Bilder nach Silben zuordnen Lieder, Reime und Texte variieren Abzählreime, Fingerspiele, Hüpfspiele Mit Lernspielen arbeiten (Wort- und Buchstabenlotto, Domino, ...) Symbole für Arbeitsanweisungen vereinbaren (malen, schneiden, kleben, ...) Bildwortsätze lesen Kimspiele (als Wortschatztraining einsetzen) Tastspiele (Formen ertasten) Gegenstände nach Farben und Formen sammeln und ordnen Ich sehe was, was Du nicht siehst, das liegt/ steht ... auf / neben ... Suchspiele (Gegenstände verstecken und suchen) Gruppenordnung beschließen Mit Symbolen einen Zeitplan für den Tag / die Woche erstellen Lernen außerhalb des Gruppenraums Besuch in der Schule Gemeinsame Aktivitäten mit Kindern einer 1.Klasse Kleine Aufträge im Kindertagesstättengebäude / im Schulgebäude erledigen Kindertagesstätte / Schulgebäude und nähere Umgebung erkunden Suchspiele Sprachliche und kulturelle Erfahrungen nutzen Reime, Lieder, und Gedichte, Abzählreime einbringen Lernen lernen Mit Materialien Wortschatz trainieren (Puzzles, Lottotafeln, Farbkarten, Computer, ...) Optische Merkhilfen nutzen (Artikelfarben, Symbole, ...)
Situationsfeld 3
Mach doch mit! Nachbarn
Pizza und Döner
Bald feiern wir ... Wünsche
Von Familie, Freunden und Nachbarn erzählen Über das Wohnen sprechen Speisen kennen lernen Sich verabreden Ein Fest planen Wünsche äußern und Vorschläge machen Zuneigung und Ablehnung ausdrücken
Familie Nachbarn
Er / Wir wohnt / wohnen in ... . Er / Wir kommt / kommen ... . Mein / e ... arbeitet bei ... . Und dein/e ...? Unsere Familie / unser/e Nachbar/in ... . Wo treffen wir uns? Wann kommst du? Darf ich (mitspielen)? Die Wohnung / das Haus hat ... . Ich hätte gern ... . Ich wünsche mir ... . Wir brauchen (1l Milch / 3 Bananen). Ich bringe (Äpfel) mit. Ich muss (schälen). Wir schälen / schneiden ... . ... schmeckt (süß). Am liebsten (esse ich) ... . Wir feiern ... . Kommst du auch? Wir essen / kochen ... .
Freizeitbeschäftigungen Verabredungen Wohnen
Wortschatz und Strukturen auf vielfältige Weise benutzen (Dominos, Puzzle, ...) Familiensituation malen, Personen und Tiere benennen Stabpüppchen herstellen (Familie) Ein Traumhaus als Materialcollage gestalten Wohnräume malen (in der Küche, im Wohnzimmer, ...) Über erlebte Feste mit Bild und Wort erzählen Geschichten erfinden Kritzelbriefe schreiben
Beim Spielen Sprache benutzen Bilderbuchsituationen sprachlich benennen Rollenspiele und Theater (Familiensituationen spielen) In Gruppensituationen erzählen (z.B. ,,Gestern habe ich mit ..... gespielt.) Die Puppenecke oder die Bauecke zum Spielen nutzen ,,So sieht mein zu Hause aus!&quot; (Bild malen oder Collage herstellen, erläutern) Gemeinsam kochen und essen (Obstsalat, Gemüsesuppe, ...) Die Gestaltung des Gruppenraumes bzw. bestimmter Teile besprechen Geburtstagslieder lernen In der Gruppe feiern und Gestaltungsideen erörtern Regeln, Rituale, Feste kennen lernen und leben Reime, Fingerspiele, Zungenbrecher zum Themenkomplex Psychomotorische Aktivitäten (z.B. Bewegungslandschaften mit Geschichten) Musisch-rhythmische Aktivitäten Interaktives Vorlesen als Ritual (Verflechtung mit anderen Aktivitäten) Feste in der Einrichtung mit Eltern, Verwandten und Nachbarn
Einkauf von Lebensmitteln für gemeinsame Kochaktivitäten Außerschulische Lernorte zu bestimmten Themen aufsuchen (z.B. Polizei, Feuerwehr, Bücherei)
Namen für Familienangehörige in verschiedenen Sprachen kennen lernen Zu Familienfotos aus dem Heimatland erzählen Bilder vom Wohnen in verschiedenen Kulturen sammeln und vergleichen Gäste als Experten in die Schule einladen (Köchin, Architekt, ...) Eine landestypische Speise (mit Eltern) zubereiten Ortsübliche Bräuche miterleben
Begriffe mit Wörtern umschreiben Sprachrhythmus durch Bewegung unterstützen (z.B. Sprachbögen) Anlegen einer Bilderkartei (Stichwort kindliche Sammlungen)
Situationsfeld 4
Bewegung und Freizeit Tiere
Spiele und Spielzeug vorstellen Spielregeln verstehen und beachten Vorstellungen über die eigene Zukunft äußern Über Freundschaften reden Von Tieren und Haustieren erzählen Über die Freizeitgestaltung sprechen Geschichten aus verschiedenen Medien vorstellen
Spielzeug / Kuscheltier Mein Lieblingsspiel
Am liebsten spiele ich ... . Mein Kuscheltier heißt ... . Mein Lieblingsspiel heißt ... . Würfeln! Zieh/Nimm (eine Karte)! Du bist dran / Ich bin dran. Du hast gewonnen / verloren. Meine Freundin / Freund heißt ... . Wir gehen in den ... Kindergarten. Wir gehen in die ... Gruppe. Ich spiele mit meiner Freundin/meinem Freund am liebsten. Ich will einmal ... sein / werden. Wir haben eine Katze. Die Katze frisst ... . Im Zoo war ein Affe. Ich war gestern im Zoo. Ich habe gestern ... . Ich schaue mir im Fernsehen immer ... . Ich bin Fahrrad gefahren. Ich spiele Fußball. Ich gehe in den Fußballverein. Meine Lieblingsgeschichte heißt ... . Das Kind in der Fernsehsendung heißt ... .
Freizeitgestaltung / Bewegung
Den Lebenslauf in Bildern darstellen (gestern ­ heute ­ morgen) Tiergeschichten hören und verstehen Eine eigene Seite zum gemeinsamen Lieblingstierbilderbuch gestalten Eine Sammlung mit Reimen oder Bildern anlegen Fernsehprogramme markieren und Lieblingssendungen suchen
Mit Rhythmen und Reimen experimentieren (eine Handpuppe, Tonträger einsetzen) Lernspiele nutzen (Quartett, Würfelspiele, ...) Quartett oder Memory mit selbstgestalteten Karten, z.B. mit den Lieblingsspielzeugen herstellen Fernsehsendungen zu verschiedenen Themen sehen und kommentieren Gemeinsam eine Fernsehsendung aussuchen und ansehen Bilderbuchgeschichten erzählen, vorlesen, szenisch und musikalisch nachgestalten Ein Gruppenbuch mit gelernten Kinder- und Abzählreimen anlegen Lieblingsspielsachen zeigen und darüber erzählen Kuscheltiere mitbringen, damit spielen und sie erzählen lassen Ein Kuscheltierfest / ein Spielfest organisieren ,,Mein Freund / meine Freundin und ich&quot; (Collage) Berufe pantomimisch darstellen und erraten Einen Tierfilm anschauen und davon erzählen Einen Experten für Tiere einladen Plakat mit Informationen über ein Tier erstellen Über persönliche Lernerfahrungen sprechen Heimische Tiere / Tiere in anderen Ländern
Ausflug, Unterrichtsgänge, Besichtigungen (Zoo, Bauernhof, Förster, Tierheim, ...) Mit einem Künstler im Atelier etwas gestalten Eine Litfaßsäule, ein Werbeplakat, einen Bauzaun bemalen
Einen Kinder-oder Abzählreim in der Herkunftssprache vorstellen Spiele / Spielzeug aus verschiedenen Zeiten und Regionen vorstellen und spielen Das Wort ,,Freund&quot; in verschiedenen Sprachen kennenlernen Tiergeschichten hören und kreativ umsetzen Eine Bücherei mit Kinder- und Bilderbüchern aus den Herkunftsländern einrichten oder erweitern
Wortbedeutungen aus dem Kontext ableiten
Situationsfeld 5
Ich freue mich auf ... Wie geht's?
Ich spiele ... Von Zauberern und Geheimnissen
Persönliches Empfinden ausdrücken Über Kleidung sprechen Wetter und Natur erfahren und ausdrücken Über Spielaktivitäten sprechen Sich in Fantasiewelten versetzen
Persönliches Empfinden, Gesundheit, Krankheit, Gefühle
Was ist los mit dir? Was hast du? Ich bin (traurig/sauer). Ich habe (Zahn)schmerzen. Mein ... tut weh. Mir geht es (gut/schlecht). ... gefällt mir. Das finde ich ... . ... ist zu groß/klein. Dein/e ... ist ... (toll/lustig). Heute ist es aber (heiß). Gestern hat es (schrecklich) geregnet. (In der Türkei) ist es (wärmer). ... regnet es weniger als ... . Ich freue mich auf ... . Was nimmst du zum (Picknick/Ausflug) mit? Ich nehme ... mit. Es ist ... (ein sprechender Baum). Da sind ... (die Flüsse rot). Dort gibt es ... (Straßen aus Zucker).
Kleidung Wetter, Natur
Spiel, Ausflüge Fantasiewelten
Wortschatzspiele und -übungen einsetzen (Domino, Memorie, Puzzle,....) Einen ,,Smiley&quot;-Button zum Thema ,,wie fühle ich mich&quot; einsetzen Kleidercollagen herstellen (aus Katalogen ausschneiden und neu gestalten) Ein eigenes Wettertagebuch führen Ein Zauberstück einüben Eine Rolle übernehmen und sprachlich gestalten (freies Rollenspiel, Märchen- und Bilderbuchfiguren, ...) Eigene Bilderbücher entwickeln und gestalten Ein Lerntagebuch mit Bildern und Symbolen erstellen Gemeinsames Lernen Umgang mit freien und gelenkten Spielaktivitäten und -materialien Wortschatz zu Spielen/Themen/Tätigkeiten sammeln Wortschatz und Strukturen erproben (Kofferpacken, ...) Ein Bilderbuch/Märchen kreativ nachgestalten (Sprache, Musik, Bild, ...) Einen Bilderbuchnachmittag mit Eltern vorbereiten und erleben Geschichten von Zauberern, Hexen und Räubern kennen lernen Fantasiegeschichten erleben Einen Wohlfühlkalender für die Gruppe anfertigen Anziehpuppen ausschneiden und ankleiden Mit Puppen/Handpuppen Rollenspiele entwickeln Eine lustige Modenschau organisieren und auf Video aufzeichnen Jahreszeitencollage gestalten Gedichte/Reime/Lieder/Fingerspiele zu den Jahreszeiten kennen lernen Wetterbeobachtungen durchführen Verschiedene Musikstücke hören und in Bewegung und Spiel umsetzen Lernen außerhalb der Gruppe Einen Besuch im Kindertheater erleben Eine Bibliothek/Buchhandlung besuchen Ausflüge und Unterrichtsgänge durchführen, sprachlich und bildhaft auswerten (Wald, Spielplatz, Wetterstation, ...) Sprachliche und kulturelle Erfahrungen nutzen Märchen, Bilderbücher, Lieder und Reime aus verschiedenen Ländern kennen lernen Lebensgewohnheiten aus den Herkunftsländern erfahren und spielen Begrüßungsrituale in verschiedenen Sprachen lernen Lernen lernen Sinnentnahme aus Bilderbüchern und -geschichten trainieren Ober- und Unterbegriffe entwickeln und Zuordnungen erfassen Merkhilfen entwickeln (durch Symbole, Rituale oder frei vereinbart) Die Arbeit mit Bilderlexika trainieren
Methodische Leitgedanken
Spracherwerb ist ein kognitiver Prozess, der in interaktiven Sprachhandlungssituationen angeregt werden muss. Daher müssen die Lernsituationen so angelegt sein, dass alle Kinder möglichst viel Gelegenheit bekommen, Sprache zu erproben und anzuwenden. Die Lernumgebung und die zur Verfügung stehenden Lern- und Lehrmaterialien müssen lernanregend für die sprachliche Entwicklung sein; d.h., der Gruppe muss ein Raum zur Verfügung stehen, der altersgemäß und kindgerecht eingerichtet und ausgestattet ist. Voraussetzung für erfolgreiches Lernen ist die Schaffung einer geeigneten Lernatmosphäre, die die Kinder in ihrer Gesamtpersönlichkeit wertschätzt und in der die spezifischen kulturellen Hintergründe als Bereicherung für den Unterricht betrachtet werden. Nur, wenn die Kinder sich emotional angenommen fühlen, ihre Interessen und Erfahrungen ernst genommen werden, haben sie selbst das Bedürfnis, sich sprachlich in der zu erlernenden Sprache mitzuteilen.
Methodische, soziale und mediale Vielfalt
Spiel-, Lehr- und Lernmaterials und die Nutzung neuer Medien ein, wie Bild- und Tonträger sowie den Einsatz von Computern und Internet. Unterschiedliche Aktivitäten und Sozialformen helfen dies zu berücksichtigen: Einzel-, Partner- und Gruppenaktivitäten, Projekte, Rollenspiele, Handpuppenspiele, Filme, Bewegungs- und Kreisspiele, Tanzen, Singen, Musizieren; handlungsbegleitendes Sprechen sowie das Erforschen des engeren und weiteren Spiel- und Lernumfeldes sind dabei mit einzubeziehen. Die Kinder bewegen sich in und außerhalb der Gruppe in Situationen, in denen sie sich die deutsche Sprache aktiv und passiv, hörend und sprechend erschließen.
Zyklischer Aufbau der Lernsituationen
Um Sprachsicherheit zu gewinnen, ist die wiederholte Anwendung von Worten und Sprachmustern in zunächst gleichbleibenden und später neuen Situationen notwendig. Die Lehrenden schaffen durch motivierende, klärende, anschauliche, helfende und informierende Anregungen sowie Denk- und Handlungsanstöße den Rahmen für lebendige und sich zyklisch erweiternde Lernsituationen.
Kinder, die Deutsch als Zweitsprache lernen, befinden sich in einer besonderen Situation. Sie müssen sich mit unterschiedlichen kulturellen und sozialen Normen und Werten auseinander setzen, was zur Verunsicherung führen kann. Für die Identitätsentwicklung der Kinder ist es wichtig, ihre Erfahrungen in den Unterricht mit einzubeziehen.
Die Erstsprache ist ein bedeutender Mittler zwischen den Lebenswelten Familie, Kindertagesstätte und Schule. Ihre Wertschätzung und ihre Präsenz fördert den Zweitspracherwerb. Durch Bilderbücher, Reime und Lieder in der Erstsprache wird sie in den Zweitspracherwerb mit einbezogen.
Kinder lernen im zweitsprachigen Umfeld selbst gesteuert. Lehrkräfte, die den Sprachlernerfolg unterstützen wollen, sollten sich dessen bewusst sein und den von den Kindern individuell erworbenen Wortschatz in ihre Spracharbeit einbeziehen. Den Kindern werden dazu adäquate Spiel- und Lernmaterialien und Strategien angeboten, die es ihnen ermöglichen, ihre Sprachkompetenz eigenständig zu erweitern. Dies kann z.B. durch das Anlegen einer Bilderkartei oder durch den bewussten täglichen Umgang mit Tonträgern und Computerprogrammen geschehen.
Fehler als Lernanstoß
Fehler sind normaler, unvermeidlicher Bestandteil der sich entwickelnden Sprache und Zeichen des individuellen Lernfortschritts. Sie bedürfen der fachlichen Analyse nach Art und Veränderung des Sprachstandes, um daraus Hilfen zur Verbesserung des persönlichen Ausdrucks zu entwickeln. Um die Lernmotivation und Sprechfreude der Kinder zu erhalten, sollte auf direkte Korrekturen weitgehend verzichtet werden. Selbstkorrekturen des Kindes oder die spontane Übernahme einer Modelläußerung zeigen an, dass das Kind an diesem sprachlichen Problem gerade ,,arbeitet&quot;, um seine Strukturen der Sprachnorm anzupassen.
Spielen als Probehandeln
Spielerisches Lernen ist die wesentliche Lernform im Elementarbereich. Es ermöglicht lernangemessenes Üben sprachlicher Strukturen durch ,,learning by doing&quot;. Das spielerische Lernen kann in Partner-, Gruppen- und Gemeinschaftsspielen in lebensnahen Situationen dazu beitragen, Sprachstrukturen einzuüben. Dabei ist zu berücksichtigen, dass Kinder aus anderen Kulturkreisen häufig auch andere Spielerfahrungen mitbringen.
Der kindliche Wortschatz wächst durch das ständige Bemühen, mit Gesten, Mimik, Zeichnungen und Spontanäußerungen eine Verständigung mit anderen Personen herbeizuführen. Für das lernende Kind ist es wichtig, dass Bild- oder konkretes Anschauungsmaterial das abstrakte Wort begleiten, damit das eigene Wortschatzwissen überprüft, ergänzt und erweitert werden kann. Dabei entwickelt sich der kindliche Wortschatz zwangsläufig individuell und auf unterschiedlichen Wegen mit unterschiedlichen Lernstrategien. Gruppentagebücher, in denen Fotos und Arbeiten der Kinder gesammelt werden, bieten immer wieder Sprechanlässe über bedeutsame, weil selbst erlebte Ereignisse, vor allem für die Vergangenheitsform.
Die Befähigung zur möglichst selbstständigen Nutzung von Medien zur Information und Selbstkontrolle (von Tonträgern und Bildkarteien bis hin zu Computerprogrammen) ist für ein erfolgreiches und nachhaltiges Lernen ebenso wichtig wie das konstruktive und kreative Arbeiten in der Gruppe, etwa bei Projekten.
Hören als Basiskompetenz
Das Entwickeln und Trainieren von Hörstrategien kann in vielfältigen Sprachlernsituationen den Kindern wichtige Hilfestellungen geben. Die Kinder erfahren, dass sie beim Hören nicht jedes Wort verstehen müssen, sondern dass sie mit Hilfe bekannter Schlüsselwörter den Sinn auch komplexer Aussagen erschließen können. Sie erfahren, dass Intonationen, Mimik, Gestik, Geräuschkulisse und die zur Sprache angebotenen begleitenden Handlungen oder Bilder sie dazu befähigen, sprachliche Ausdrücke zu erfassen, die sie allein vom beherrschten Wortschatz her 37
noch nicht begreifen könnten. Dabei spielen allmählich komplexer werdende Hörtexte eine wichtige Rolle. Sie dienen neben dem ständigen Training der Sinnerfassung auch dazu, die Kinder auf längere Texte neugierig zu machen und die Lust am Schreiben und Lesen zu begründen. Aussprache Beim Sprachenlernen mit Kindern anderer Erstsprache kommt den phonetischen Übungen eine besondere Bedeutung zu. Dabei sind schwierige Laute der deutschen Sprache, aber auch die Lautunterscheidung spielerisch zu üben und zu verinnerlichen. Nur, wenn das Lautsystem der Sprache differenzierend erfasst wird, können die Kinder später orthographisch richtig schreiben lernen. Auch das Erfassen von Intonation und Sprachmelodie ist für den Spracherwerb wichtig. Es gilt, den Kindern die Bedeutung der korrekten Aussprache ­ auch im Hinblick auf Sprachkompetenz anderer ­ deutlich zu machen. Eine wertvolle Hilfe können hier Spiele mit Reihenübungen sein oder auch Lieder, die durch die vorgegebene Melodie, z.B. Länge und Kürze von Vokalen bewusst machen können. Wichtig ist in diesem Falle immer, sich der individuellen Probleme des einzelnen Kindes anzunehmen und sich der Schwierigkeiten, die sich aus den Interferenzen der jeweiligen Erstsprache und der deutschen Zweitsprache ergeben. Hierbei helfen Sprachvergleiche. Hinführung zum Schreiben
Viele Kinder unseres Kulturkreises bringen heute bereits eine konkrete Vorstellung der Funktion von Buchstaben mit in die Schule. Einige können ihren Namen schreiben oder ganze Wörter wie etwa das rote ,,Eis&quot; auf dem Fähnchen vor dem Laden sinngemäß erfassen. Kinder mit eingeschränktem sprachlichen Vermögen können das in der Regel noch nicht. Je mehr die Kinder aber dazu angeregt werden, Ergebnisse ihrer eigenen Arbeit festzuhalten, sie kreativ zu protokollieren, desto eher begreifen sie die Möglichkeiten, die sich durch die Verwendung von Buchstaben eröffnen. Ein Bilderjournal als Tagebuch zur Dokumentation des eigenen individuellen Lernzuwachses bietet daher wertvolle Hilfen und schafft Neugier auf das Lesen und Schreiben. Auch das Vorlesen einfacher interessanter und lustiger Texte kann dazu beitragen, bei den Kindern die Freude an Texten zu erwecken. Das dialogische Bilderbuchlesen stellt eine weitere wertvolle Möglichkeit dar, den Kindern einen ersten Zugang zur Schriftsprache zu ermöglichen und sie zum gemeinsamen Nachdenken und Sprechen über die dargestellten Ereignisse, Personen und Gefühle anzuregen.
Vgl. das Kapitel ,,Sprachvergleiche ­ Kontrastive Materialien&quot;, in ,,Hilfen für den Deutschunterricht mit Kindern und Jugendlichen, deren Erstsprache nicht Deutsch ist&quot;, hrsg. vom Niedersächsischen Kultusministerium, Hannover 1991, zu beziehen über Referat 305. Die Sprachvergleiche werden auch auf dem Niedersächsischen Bildungsserver (www.nibis.de) im Schwerpunktthema ,,Interkulturelle Bildung&quot; unter Materialien/Medien veröffentlicht.
9.1 Spiele zum Hörverstehen 21 Kinder im Vorschulalter erlernen die Zweitsprache Deutsch über die gesprochene Sprache, das bedeutet zunächst: vor allem hörend. Das Hörverstehen ist ein komplexer Vorgang. Ohne Hörverstehen ist das Kind nicht in der Lage, das Gehörte sinnerfassend zu verstehen. Dabei haben es besonders Zweitsprachler schwer, denn jedes störende Geräusch, jeder Akzent, jeder Sprecherwechsel, jede ungeläufige Satzstruktur und jedes unbekannte Wort können das Verstehen be- oder auch verhindern. Viele zweisprachige Kinder haben Hörerwartungen entwickelt, die sich auf den Lautbestand ihrer jeweiligen Erstsprache beziehen. Entsprechend werden die Laute der gesprochenen Zweitsprache an die vertrauten Laute angeglichen. Die Unterschiede zwischen den Lautstrukturen beider Sprachen wahrzunehmen gelingt nur, wenn die Kinder gelernt haben, genau hinzuhören, wie andere sprechen, und ihr eigenes Sprechen bewusst wahrzunehmen. Bei der Sprachförderung ist zu beachten, dass das Hörverstehen abhängig ist vom Sprachstand des einzelnen Kindes und nicht vorausgesetzt werden kann. Die folgende Auswahl von Spielen soll Anregungen geben, wie das Hörverstehen spielerisch gefördert werden kann. Jedes Spiel kann nach den Vorlieben der Kinder variiert werden, sei es durch eine andere Auswahl der Inhalte, der Materialien oder durch Abänderungen der Spielregeln. Karten-Jagd Material: Kaufmannsladenzubehör, Bilder aus Katalogen, Memory-Karten Bildkarten mit vielerlei Spielzeug liegen auf einem Tisch. Die Lehrkraft (oder auch die Kinder nacheinander) umschreibt ein Spielzeug. Das Kind, das das Gemeinte errät, bekommt die Spielkarte. Wer am Ende die meisten Spielkarten hat, hat gewonnen. Variante: Dasselbe Spiel kann auch in zwei Gruppen gespielt werden. Ein Kind aus der Gruppe A umschreibt, Gruppe B muss raten.
Entnommen: Deutsch lernen in Vorschulklassen, Hamburg 2002, Materialien für die Förderung zweisprachig aufwachsender Kinder im Vorschulalter. Institut für Lehrerfortbildung, Beratungsfeld Deutsch als Zweitsprache/herkunftssprachlicher Unterricht
Wer kann es richtig! Material: Stift, Buch o.a. Alle Kinder haben einen Gegenstand ihrer Wahl vor sich. Die Lehrkraft gibt Anweisungen, z.B.: Alle Kinder nehmen den Gegenstand von der rechten in die linke Hand, legen ihn auf den Kopf, verstecken ihn mit beiden Händen hinter dem Rücken, schieben ihn unter ihre Füße, klemmen ihn zwischen die Finger, klemmen ihn zwischen die Knie usw. Variante mit erhöhtem Schwierigkeitsgrad: 2, dann 3 Anweisungen hintereinander geben und von den Kindern ausführen lassen (etwa: einen Gegenstand zwischen die Knie klemmen, einmal um den Stuhl hüpfen und sich dann setzen). Was ist das ­ Quiz Material: Gegenstände, Bildkarten Gegenstände oder Bildkarten liegen auf dem Tisch. Die Lehrkraft gibt eine Information in Satzform, die auf einen der Gegenstände bzw. eine der Bildkarten zutrifft. Mehrere Gruppen raten um die Wette. Die Gruppe, die als erste den Gegenstand oder die Bildkarte richtig benennt, bekommt den Gegenstand/die Bildkarte (= 1 Punkt). Variante mit erhöhtem Schwierigkeitsgrad: Wenn dieses Spiel häufiger mit denselben Gegenständen und denselben Merkmalssätzen gespielt wird, können es die Kinder auch einzeln spielen. Wer keinen Fehler macht, darf weitermachen. Roboter Robert Material: Gegenstände im Raum Ein Kind ist ein Roboter. Der Roboter kann nicht sehen (Augenbinde). Er soll einen Gegenstand (ein Buch oder eine Kreide oder einen Stift) von A nach B transportieren. Die Kinder müssen Instruktionen geben, damit der kleine Roboter nirgends anstößt und funktionsuntüchtig wird. Gehe geradeaus / nach links / nach rechts ... Stopp! Drehe dich um! Setze dich hin! Strecke deinen rechten Arm aus! ...
Kofferpacken Material: Memory-Karten Ein Kind beginnt: ,,Ich will verreisen. Ich packe ein Hemd in meinen Koffer.&quot; Das nächste Kind wiederholt den Satz und fügt einen Gegenstand hinzu: ,,Ich packe ein Hemd und eine Hose in meinen Koffer.&quot; So legt jedes Kind einen weiteren Gegenstand dazu. Kann ein Kind nicht alles in der richtigen Reihenfolge wiederholen, scheidet es aus ­ bis nur noch ein Kind übrig geblieben ist. Ich sehe was, was du nicht siehst, ... Material: Gegenstände im Raum Ein Kind beschreibt einen Gegenstand im Raum: ,,Ich sehe was, was du nicht siehst, und das ist groß und blau.&quot; Die anderen müssen diesen Gegenstand erraten. Wer ihn erraten hat, stellt die nächste Rätselfrage. Variante: Es werden Teams gebildet. Das Team, das am meisten Gegenstände erraten hat, hat gewonnen. Rätsel Was hat vier Beine und kann nicht gehen? Was jagen die Katzen gerne? Was hängt an der Wand und gibt jedem die Hand? Welche Gegenstände gehören zusammen? (z.B. Apfel, Birne, Banane, Brot) Gesucht wird ... Material: Geschmückter Stuhl Die Kinder sitzen im Kreis. Ein leerer Stuhl ist als Thron gekennzeichnet. Ein Kind wird beschrieben (z.B. Haar-, Schuh- und Hosenfarbe). Die Kinder erraten das Kind. Es darf nun als König auf dem Thron sitzen und bestimmen, was seine ,,Untertanen&quot; tun sollen (z.B. hüpfen). Danach muss das Kind ein anderes Kind beschreiben, dieses wird wiederum erraten und spielt den König, der bestimmen darf. Variante: Das Spiel beginnt mit zwei Kindern. Die Spielleiterin beschreibt ein Kind aus der Lerngruppe, das erraten werden soll. Wer zuerst erraten hat, wer gemeint ist, bekommt das Kind als Verstärkung. Die beiden sind jetzt ein Rateteam. Raten sie auch das nächste Kind, sind es schon drei. Gewonnen hat, wer am Ende das größere Team zusammengetragen hat.
9.2 Wortschatzlernen 22 Zweisprachig aufwachsende Kinder verfügen in der Regel über einen ähnlichen Wortschatz wie einsprachig aufwachsende Kinder, allerdings mit dem Unterschied, dass nicht immer bekannt ist, in welcher Sprache sie über die Wörter und Begriffe verfügen. Die Aufgabe der Lehrkräfte ist es, den Kindern zu ermöglichen, einen altersgemäßen Wortschatz im Deutschen zu entwickeln. Dabei ist es für die unterrichtende Lehrkraft wichtig, sich mit sprachlichen Problemen vertraut zu machen, die sich aus dem Verhältnis Erstsprache ­ Zweitsprache ergeben können, z.B. Interferenzfehler.23 Ziele des Wortschatzlernens dem zweisprachigen Kind eine aktive Teilnahme in der Gruppe zu ermöglichen es in den Stand zu versetzen, sein Befinden, seine Wünsche und Bedürfnisse zum Ausdruck zu bringen auch die Sprachbereiche (z.B. Familie und Freizeit) zu berücksichtigen, in denen sich das Kind überwiegend seiner Muttersprache bedient. Neue Wörter einführen Zeigen: Gegenstände und Bilder zeigen ­ vorsprechend ­ zuhören, zeigen ­ vorsprechend ­ nachsprechen, vorspielen (Gestik / Mimik / Tonfall) Umschreiben: Erklärung aus einer Situation heraus Einbettung in bekannten Kontext Erklärung durch Wörter mit ähnlicher Bedeutung Muttersprachliche Erklärungen und Hilfen: Kinder ermuntern, bei Unklarheiten untereinander ihre Herkunftssprache zu gebrauchen Herkunftssprachen der Kinder in den Unterricht einbeziehen Übungen zum Wortschatz Wo immer möglich, sollte ein neues Wort bei der Einführung, Übungen und Anwendung ,,sinnfällig&quot; gemacht, vor allem bildlich dargestellt werden (sehen) in einen Situations- und Handlungszusammenhang eingebettet werden (erleben).
Entnommen: Deutsch lernen in Vorschulklassen, Hamburg 2002, Materialien für die Förderung zweisprachig aufwachsender Kinder im Vorschultalter. Institut für Lehrerfortbildung, Beratungsfeld Deutsch als Zweitsprache/herkunftssprachlicher Unterricht Vgl. Niedersächsisches Kultusministerium (Hrsg.): Sprachvergleiche ­ Kontrastive Materialien, a.a.O.
Der regelmäßigen Wiederholung des Gelernten in immer neuen Zusammenhängen kommt bei der Wortschatzarbeit eine zentrale Bedeutung zu. Dabei ist zu bedenken: Nicht Wörter werden gelernt, sondern kurze Sätze und Wendungen, die im kommunikativen Handeln der Kinder eine Rolle spielen. Erfahrungsgemäß erlernen Kinder die Substantive zuerst, die die Dinge des täglichen Lebens bezeichnen und die in der alltäglichen Kommunikation verwendet werden. Allerdings sollte überprüft werden, wie umfangreich die Kenntnisse sind und ob sie aktiv angemessen angewendet werden können. Im Vorschulbereich sind vor allem Spiele dazu geeignet. Spiele zum Wortschatzlernen Was ist unter dem Tuch? Gegenstände, die die Kinder kennen, liegen auf dem Tisch und werden mit einem Tuch zugedeckt. Es werden zwei oder mehrere Mannschaften gebildet. Das Tuch wird für ein paar Sekunden weggenommen. Jede Mannschaft versucht, so viele Gegenstände wie möglich zu nennen. Wer die meisten nennt, hat gewonnen. Einkaufen (Variation von ,,Kofferpacken&quot;) Als Spielkarten sind z.B. Memorykarten erforderlich. Der erste Spieler zieht eine Karte aus dem Stapel und sagt: ,,Ich gehe einkaufen und kaufe ein Buch&quot;. Die Memorykarte bleibt offen auf dem Tisch liegen. Die folgenden Spieler müssen dann die Gegenstände, die die Vorgänger genannt haben, wiederholen, bevor sie einen eigenen hinzufügen. ,,Ich gehe einkaufen, ich kaufe ein Buch und eine Banane&quot;. Bildkarten Die Bildkarten werden mit der Bildseite nach unten in eine Schachtel gelegt. Die Kinder dürfen sich nacheinander eine Karte ziehen. Wer das Bild richtig benennt, darf es an sich nehmen. WICHTIG: Das Wort muss in einem Satz benannt werden z.B.: Das ist ein/ein/eine ... Tastspiel Material: Sack oder Beutel, mehrere Gegenstände Die Gegenstände im Sack müssen abgetastet und erraten werden. Variante 1: Sobald die Gegenstände erraten sind, verstecken die Kinder sie hinter dem Rücken, und ein Kind wird aufgefordert, zu erraten, welches Kind welchen Gegenstand versteckt hält. Variante 2: Zum Schluss müssen alle im Sack befindlichen Gegenstände aus dem Gedächtnis aufgezählt werden. Der Artikel muss immer genannt werden.
9.3 Sprachlernen mit Bilderbüchern 24 Bilderbücher bieten vielfältige Möglichkeiten der Sprachförderung. Ob Wortschatzarbeit, Einführung in grundlegende Sprachmuster oder Förderung des freien Sprechens: Für nahezu jedes Lernziel finden sich geeignete Bücher, die den Sprachlernprozess unterstützen können. Zweisprachige Bilderbücher können die Sprachförderung u.a. dadurch unterstützen, dass sie zu Hause von den Eltern in der Herkunftssprache vorgelesen werden können. Dadurch wird der Inhalt den Kindern in der Erstsprache bekannt. Erst danach lernen sie die Begriffe und die Strukturen in der Zweitsprache kennen. Bei der Auswahl von Bilderbüchern sollten folgende Kriterien beachtet werden: Die Bilder müssen eindeutige Figuren beinhalten. Die Geschichte muss eine überschaubare Handlungsstruktur haben. Das Bild und der Text müssen übereinstimmen, damit das Verständnis unterstützt wird. Der Text sollte in der Regel aus einfachen sprachlichen Strukturen bestehen. Wiederholungen der verwendeten sprachlichen Strukturen erleichtern das Verständnis. Vorschläge für den Einsatz von Bilderbüchern Wortschatzarbeit Gegenstände, Personen und Tiere werden benannt. Sie werden kopiert und mit Farbpunkten beklebt, z.B. der-Wörter blau, die-Wörter rot und das-Wörter grün. Verben werden ,,vorgespielt&quot; oder umschrieben. Hörverstehen Drei bis fünf Bilder liegen als Kopiervorlage in der Mitte. Eins der Bilder wird von der Lehrkraft oder einem Kind beschrieben. Die Kinder finden das beschriebene Bild heraus. Sprechen Zu den Bildseiten wird erzählt. Ein Kind beschreibt ein Bild aus dem Bilderbuch, die anderen finden heraus, um welches Bild es sich handelt. Einzelne Bilder werden ,,besprochen&quot;. Die Kinder werden gefragt, wie die Geschichte bzw. die Handlung weitergehen könnte.
Entnommen: Deutsch lernen in Vorschulklassen, Hamburg 2002, Materialien für die Förderung zweisprachig aufwachsender Kinder im Vorschultalter. Institut für Lehrerfortbildung, Beratungsfeld Deutsch als Zweitsprache/herkunftssprachlicher Unterricht
Bilderbücher, die den Spracherwerb unterstützen 25 Bei der Auswahl von Bilderbüchern sollten folgende Kriterien zugrunde gelegt werden einfache Sprachstrukturen (einfache Aussagesätze und W-Fragen, Verbformen im Präsens und Perfekt) Normen, Verben, Adjektive und Präpositionen, die den aktiven Wortschatz der Kinder erweitern Wiederholungen von Wörtern, Satzteilen und Sätzen, die den Spracherwerb unterstützen Bilder, die eindeutig sind und den Verstehensprozess unterstützen oder zum Erzählen auffordern. Für die Förderung zweisprachiger Kinder eignen sich insbesondere auch Bilderbücher, zu denen es Übersetzungen in den Herkunftssprachen der Kinder gibt, Bilderbücher, zu denen Hörkassetten vorliegen Bilderbücher, zu denen es Bilderbuchkinos gibt.
9.4 Reime und (Spiel-)Lieder 26 Kinder haben Freude an Lauten und Rhythmen, Reimen und Liedern. Sie spielen mit diesen Sprachelementen. Mehrsprachig aufwachsende Kinder lernen dabei z.B. bewusstes Hören, denn durch die gebundenen rhythmischen Formen werden auch unbetonte, fast verschluckte Silben erkennbar. Gerade Laute und Lautkombinationen, die es in der Muttersprache nicht gibt, andere Melodien und Rhythmen wecken Aufmerksamkeit und die Kinder ­ auch einsprachig aufwachsende ­ haben Freude daran, wenn sie ihnen fremde Ausdrucksmöglichkeiten ausprobieren und zunehmend beherrschen lernen. Da Sensibiliät für Sprache und Sprachen nicht allein durch Unterricht über Gemeinsamkeiten, Ähnlichkeiten und Unterschiede von Sprachen zu schaffen ist, sondern vor allem im aktiven Umgang damit, haben spielerische Formen im Umgang mit Sprache ihren besonderen Wert.
Zur Arbeit mit Bilderbüchern befinden sich ausführliche methodische Hinweise und Listen mit interkulturellen Bilderbüchern, zweisprachigen Bilderbüchern (türkisch-deutsch) und geeigneten Bilderbüchern zum Bereich Deutsch als Zweitsprache unter dem Link http://nibis.ni.schule.de/nibis.phtml?menid=1093. Entnommen: Deutsch lernen in Vorschulklassen, Hamburg 2002, Materialien für die Förderung zweisprachig aufwachsender Kinder im Vorschultalter. Institut für Lehrerfortbildung, Beratungsfeld Deutsch als Zweitsprache/herkunftssprachlicher Unterricht
Das Einüben von Reimen und Liedern ist in vielerlei Hinsicht immer auch eine ,,Sprachlernsituation&quot;: Reime und Lieder vermitteln Wortschatz und grammatische Formen. Kinder können beim Sprechen und Singen sprachliche Strukturen übernehmen, die noch nicht zum Repertoire ihrer Spontansprache gehören. Singen fördert die Artikulation, die Intonation und den Sprachrhythmus. Reim, Rhythmus und Bewegung unterstützen genaue Reproduktion, verhindern das Weglassen wichtiger Morpheme und Funktionswörter und unterstützen die Merkfähigkeit. Häufig zu singen ist eine kindgemäße Form für die im Sprachlernprozess notwendige Wiederholung von Sprachstrukturen. Kinder mit nicht-deutscher Muttersprache können beim Reime- und Liederlernen unbeschwert mitmachen, weil sie die Sprache regelgerecht handhaben können. Reime und Lieder können kreativ verändert werden, z.B. verkürzen, erweitern, umdichten.
Bei der Auswahl der Reime und Lieder ist zu beachten, dass Lieder mit einfacher Struktur, geringem Tonumfang und übereinstimmender Silbe-TonOrganisation ausgewählt werden. (Eine einfache Melodie ist vorteilhaft, weil sie nicht von der Sprache ablenkt, sondern sie eher stützt.) der Text möglichst eine korrekte Akzentsetzung hat Reime und Lieder mit Refrain und Textwiederholungen das Auswendiglernen erleichtern Reime und Lieder mit einem kindgemäßen Wortschatz und mit häufig vorkommenden grammatischen Strukturen ausgewählt werden.
9.5 Kriterien für die Auswahl von Medien Die für die vorschulische Sprachförderung ausgewählten Materialien sollen erfahrungsgeleitetes, entdeckendes, praktisch-handelndes, ganzheitliches Lernen fördern. Sie sollen das Kind in seiner Ganzheitlichkeit ansprechen und zugleich die fachlichen Ziele berücksichtigen. Sie sollen Motivation und Lernfreude wecken und erhalten. Verschiedene Verlage bieten abgestimmte Materialien für die schulische Sprachförderung vor dem Eintritt in die Grundschule an. Diese und andere auf dem Markt befindlichen Spiel-, Lehr- und Lernmaterialien für den Elementar- und Primarbereich sollten auf ihren möglichen Einsatz in der besonderen Sprachfördermaßnahme vor der Einschulung überprüft werden. Bei der Verwendung von kommerziellen Trainings- oder Lehrprogrammen ist die individuelle Lernvoraussetzung der Kinder zu berücksichtigen, da isolierte Trainingseinheiten auf Grund der fehlenden Passung wenig erfolgversprechend sind. Folgende Kriterien könnten für die Auswahl dieser Materialien zugrunde gelegt werden: Die Materialien sollten vielfältig einsetzbar und anregend sein keine schriftsprachlichen Kenntnisse voraussetzen sich an der Lebenswelt der Kinder orientieren interkulturelle Bezüge aufweisen klar strukturiert und altersangemessen sein vielfältige Sprechanlässe bieten Sprachentfaltung ermöglichen. Neben den Angeboten der Verlage kommt den selbst entwickelten Spiel-, Lehr- und Lernmaterialien ­ zugeschnitten auf den individuellen Förderbedarf der einzelnen Kinder ­ besondere Bedeutung zu. Ebenso können Gegenstände aus dem häuslichen Umfeld der Kinder zur Förderung des Spracherwerbs eingesetzt werden. 27
Eine Materialauflistung, die ständig ergänzt und aktualisiert wird, findet sich auf dem Niedersächsischen Bildungsserver unter der Internetadresse: http://fid.nibis.de.
Dokumentation der individueller Lernentwicklung
(Vorname, Nachname) Geburtsdatum: Anschrift / Telefon: Besuchter Kindergarten: Zeitlicher Umfang der Förderung pro Woche: Gruppengröße: Förderprotokoll erstellt von:
Eltern/ Sorgeberechtigte: Erstsprache: Konfession:
Stärken des Kindes:
Fördernde Bedingungen in seinem Umfeld:
Hemmende Bedingungen in seinem Umfeld:
Sprachlicher Beobachtungsbereich: Kommunikative Entwicklung (Sprachgebrauch) 1
Indikatoren Kommunikationsbereitschaft und -fähigkeit 1. _____ Das Kind zeigt durch verbale und nonverbale Zeichen die Bereitschaft, mit anderen zu kommunizieren (z.B. reagiert auf Ansprache mit Blickkontakt, Mimik, Gestik). 2. _____ 3. _____ __________________________________________ __________________________________________ __________________________________________ _______________________________________________ _______________________________________________ _______________________________________________ Datum Beobachtete Sprachhandlungen (Beispiele) Einschätzungen * ** *** ****
Geplante Fördermaßnahmen
1. _____ Das Kind beteiligt sich sprachlich bei unterschiedlichen Sprachaktivitäten (z.B. bei Ritualen, Spielen, Bildbetrachtungen). 2. _____ 3. _____
1. _____ Das Kind beteiligt sich aktiv im Gespräch mit einem Kind / mit einem Erwachsenen / in Gruppen. 2. _____ 3. _____
1. _____ Das Kind wird von sich aus in unterschiedlichen Situationen sprachlich aktiv. 2. _____ 3. _____
Die Indikatoren und die Einschätzunsgkriterien entsprechen im Wesentlichen dem Teil 4 des Bogens ,,Diagnostik zur Lernausgangslage ­ von der Anmeldung bis zum Schulbeginn&quot; von Heike Freitag, Christiane Schüßler, Angelika Steck-Lüschow. Dieser Bogen ist beim Schroedel Verlag erschienen und liegt der ,,Startbox&quot; bei, die Materialien zur Diagnostik der Lernausgangslage enthält (ISBN 3-507-06014-0). Die Bögen sind auch gesondert in Paketen zu 30 Stück zu beziehen. 2 * trifft nicht zu ** trifft teilweise zu *** trifft überwiegend zu **** trifft in vollem Umfang zu
Indikatoren Aufgabenverständnis
Beobachtete Sprachhandlungen (Beispiele)
Einschätzungen * ** *** ****
1. _____ Das Kind versteht kurze, einfache Anweisungen und setzt sie um. 2. _____ 3. _____
_________________________________________ _______________________________________________ __________________________________________ _______________________________________________ __________________________________________ _______________________________________________
1. _____ Das Kind versteht eine mehrteilige, altersangemessene Information und setzt sie um. 2. _____ 3. _____
__________________________________________ _______________________________________________ __________________________________________ _______________________________________________ __________________________________________ _______________________________________________
1. _____ Das Kind kann auf einfache Fragen sinngemäß antworten. 2. _____ 3. _____
1. _____ Das Kind kann sich in einfachen Situationen verständigen (fragen, nachfragen, bitten. 2. _____ 3. _____
Sprachlicher Beobachtungsbereich: Entwicklung des Wortschatzes / der Wortbedeutung
Indikatoren Wortschatz/ Wortbedeutung Das Kind verfügt über einen altersangemessenen passiven Wortschatz. Datum Beobachtete Sprachhandlungen (Beispiele) Einschätzungen * ** *** **** Geplante Fördermaßnahmen
1. _____ Das Kind verfügt über einen altersangemessenen aktiven Wortschatz (z.B. benennt es sicher Gegenstände und Tätigkeiten in Alltagssituationen). 2. _____ 3. _____
1. _____ Das Kind kann seinen aktiven Wortschatz situationsangemessen einsetzen. 2. _____ 3. _____
1. _____ Das Kind kann Wörter, über die es nicht verfügt, verständlich umschreiben. 2. _____ 3. _____
Das Kind verfügt über einen ausreichenden Wortschatz, um ein Ereignis (z.B. Arztbesuch, Geburtstagsfeier, Ausflug) verständlich zu schildern.
Sprachlicher Beobachtungsbereich : Grammatikentwicklung
Indikatoren Formenbildung Das Kind bildet die Personalformen von Verben. 1. _____ 2. _____ 3. _____ 1. _____ 2. _____ 3. _____ 1. _____ 2. _____ 3. _____ __________________________________________ __________________________________________ __________________________________________ __________________________________________ __________________________________________ __________________________________________ __________________________________________ __________________________________________ __________________________________________ _______________________________________________ _______________________________________________ _______________________________________________ _______________________________________________ _______________________________________________ _______________________________________________ _______________________________________________ _______________________________________________ _______________________________________________ Datum Beobachtete Sprachhandlungen (Beispiele) Einschätzungen * ** *** **** Geplante Fördermaßnahmen
Das Kind gebraucht Nomen mit Artikel.
Das Kind unterscheidet formal Singular und Plural.
Satzbau 1. _____ Das Kind kann Aussagesätze bilden. 2. _____ 3. _____ __________________________________________ __________________________________________ __________________________________________ _______________________________________________ _______________________________________________ _______________________________________________
1. _____ Das Kind kann Frage- und Aufforderungssätze bilden. 2. _____ 3. _____
1. _____ Das Kind kann Verneinungsformen im Satz bilden. 2. _____ 3. _____
Sprachlicher Beobachtungsbereich: Ausspracheentwicklung
Indikatoren Datum Beobachtete Sprachhandlungen (Beispiele) Einschätzungen * ** *** **** Geplante Fördermaßnahmen
1. _____ Das Kind hat eine klare und deutliche Aussprache (keine Lautvertauschungen, kein Lispeln, kein Näseln etc.). 2. _____ 3. _____
Sprachlicher Beobachtungsbereich: Metasprachliche Entwicklung
1. _____ Das Kind kann Wörter beim rhythmischen Sprechen in Silben zerlegen. 2. _____ 3. _____
1. _____ Das Kind kann Reime ergänzen bzw. Reimpaare heraushören. 2. _____ 3. _____
Sprachlicher Beobachtungsbereich: Zweisprachigkeit
Beobachtungen zum Einsatz der Erstsprache des Kindes in der Gruppe: zu Beginn der Fördermaßnahme: ________________________________________________ ________________________________________________ ________________________________________________ zum Ende der Fördermaßnahme: ________________________________________________ ________________________________________________ ________________________________________________ Beobachtungen zum Einsatz der Zweitsprache des Kindes in der Gruppe: zu Beginn der Fördermaßnahme: _______________________________________________ _______________________________________________ _______________________________________________ zum Ende der Fördermaßnahme: _______________________________________________ _______________________________________________ _______________________________________________
Skizzierung des aktuellen Sprachstandes des Kindes am Ende der Fördermaßnahme: _____________________________________________________________________________________ _____________________________________________________________________________________ _____________________________________________________________________________________ _____________________________________________________________________________________ Hinweise für die weitere sprachliche Förderung: _____________________________________________________________________________________ _____________________________________________________________________________________ _____________________________________________________________________________________ _____________________________________________________________________________________ Bemerkungen: _____________________________________________________________________________________ _____________________________________________________________________________________ _____________________________________________________________________________________ _____________________________________________________________________________________