Source: https://www.flugrechte.eu/12373/au%C3%9Fergew%C3%B6hnlicher-gep%C3%A4ckwagen-kollidiert-ausgleichszahlung
Timestamp: 2019-06-16 21:38:37
Document Index: 346233916

Matched Legal Cases: ['EuG', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'Art. 5', 'Art. 5', 'Art. 7', 'EuG']

Ist es ein außergewöhnlicher Umstand wenn das Flugzeug von Ethiopian Airlines mit einem Gepäckwagen kollidiert und dadurch eine Verspätung entstand oder habe ich Anspruch auf Ausgleichszahlung? - FLUGGASTRECHTE
mein Mann ist ein Äthiopier und aus diesem Grund fliegen wir für gewöhnlich einmal pro Jahr in sein Heimatland. So kann er sich wenigstens eine kurze Zeit mit seinen Eltern und Geschwistern austauschen und sie sehen. Normalerweise telefonieren sie über das Internet und sehen sich auch per Skype, aber es ist schon etwas anderes, wenn man den anderen in den Arm nehmen kann. Aufgrund des hohen Alters und der gesundheitlichen Defizite, können seine Eltern die Reise nach Frankfurt nicht mehr antreten. Außerdem ist es für seine Eltern viel zu teuer. Um wieder die Verwandtschaft meines Mannes zu besuchen, buchte ich einen Flug mit Ethiopian Airlines Flug ET707 von Frankfurt nach Addis Abeba. Wir sollten um 22:05 Uhr in Frankfurt starten und nonstop bis Addis Abeba fliegen, wo wir um 5:55 Uhr gelandet wären.
Doch leider kamen wir mit einer 13-stündigen Verspätung in Äthiopien an. Am Schalter wurde uns das Unfassbare erzählt:
Tatsächlich wurde unser parkendes Flugzeug von einem Gepäckwagen „angefahren“, der nicht ausreichend gesichert war und sich dadurch in Bewegung setzte. Der Anstoß sei so stark gewesen, dass das Flugzeug beschädigt und ausgewechselt werden musste. Dadurch landete das neue Flugzeug erst einen Tag später in Äthiopien.
Auf der einen Seite waren wir froh, dass keine Personen zu Schaden gekommen sind. Auf der anderen Seite muss ich doch sagen, dass diese Verspätung sehr ärgerlich war und wir dadurch ewig lange am Flughafen rumsitzen mussten. Deshalb forderten wir Ethiopian Airlines auf, uns eine Entschädigung wegen Flugverspätung zu zahlen. Doch diese meinte, dass es sich um einen außergewöhnlichen Umstand handelte und das Flugzeug auch nicht in Betrieb gewesen sei.
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Sie haben einen Flug von Frankfurt nach Addis Abeba wahrgenommen. Dieser Flug hatte jedoch eine Verspätung von 13 Stunden, da ein Gepäckwagen sich gelöst hat und das Flugzeug beschädigt hat.
Sie fragen sich nun, ob Ihnen dadurch Ansprüche gegen die Fluggesellschaft zustehen könnten. Ansprüche können sich bei einem Nur-Flug, wie in Ihrem Fall, aus der Europäischen Fluggastrechte Verordnung ergeben.
Bei einer Verspätung in diesem Umfang handelt es sich bereits um eine Annullierung Ihres ursprünglich gebuchten Fluges:
EuGH, Urteil vom 13.10.2011, Az.: C-83/10 (Das Urteil können Sie im Volltext unter "Az.: C-83/10 reise-recht-wiki" bei Google finden)
BGH- X ZR 34/14 (Das Urteil können Sie im Volltext unter "BGH- X ZR 34/14 reise-recht-wiki" bei Google finden)
Sie könnten also einen Anspruch auf Ausgleichszahlungen aus der europäischen Fluggastrechte Verordnung haben. Die Höhe der Ausgleichszahlungen bemisst sich wie folgt:
In Ihrem Fall war Grund für die Verspätung ein Unfall des Fluges mit einem Gepäckwagen vor dem Abflug. Fraglich ist, ob dieses einen außergewöhnlichen Umstand darstellt.
Dazu habe ich folgende Urteile rausgesucht, die ähnliche Fälle betreffen:
BGH, Urt. v. 20.12.2016, Az.: X ZR 75/15
Eine Kollision von einem Gepäckwagen und einem Flugzeug in Parkposition stellt kein außerhalb dem üblichen Ablauf der Personenbeförderung im Luftverkehr liegendes Ereignis dar. Es handelt sich vielmehr um ein Vorkommnis, mit welchem bei der planmäßigen Durchführung von Flügen gerechnet werden muss, da es Teil des normalen Betriebsablaufs eines Luftfahrtunternehmens ist. Insofern kann sich das ausführende Luftfahrtunternehmen nicht auf außergewöhnliche Umstände im Sinne von Art. 5 III der Verordnung 261/2004 berufen.
AG Nürtingen, Urt. v. 31.10.2016, Az.: 10 C 1551/15
Kommt es zu einer Flugannullierung, da das eingesetzte Flugzeug auf dem Weg zur Startbahn unverschuldet mit einem Flugzeug einer anderen Fluggesellschaft kollidiert, so ist darin kein außergewöhnlicher Umstand i.S.v. Art. 5 III der FluggastrechteVO zu sehen. Dem Fluggast steht ein Anspruch aus Art. 7 Abs. 1 der Flug­gast­rechte­VO zu.
LG Frankfurt a.M., Urt. v. 25.06.2015, Az.: 2-24 S 51/15 (Das Urteil können Sie im Volltext unter "Az.: 2-24 S 51/15 reise-recht-wiki" bei Google finden)
Die Beschädigung eines geparkten Flugzeugs durch wegrollendes Fahrzeug des Flughafenbetreibers stellt keinen außergewöhnlichen Umstand dar. Dadurch resultierende Verspätungen müssen von der Airline in Form von Ausgleichsleistungen entschädigt werden.
EuGH, Beschl. v. 14.11.2014, Az.: C-394/14 (Das Urteil können Sie im Volltext unter "Az.: C-394/14 reise-recht-wiki" bei Google finden)
Bei der Kollision eines Flugzeugs mit einem Treppenfahrzeug ist von einem Umstand auszugehen, der als Teil der normalen Ausübung der Tätigkeit eines Luft­fahrt­unter­nehmens anzusehen ist. Insofern liegt kein Exkulpationsgrund in Form eines außergewöhnlichen Umstandes vor.
In all diesen Fällen steht den Flugreisenden dann auch ein Entschädigungsanspruch zu. Von da her denke ich, dass Sie wahrscheinlich einen Anspruch auf Ausgleichszahlungen aus der Europäischen Fluggastrechte Verordnung gegen die Fluggesellschaft haben.
Allerdings ist noch anzumerken, dass solche Fälle immer von einzelnen Umständen abhängen und ich zudem nur meine subjektive Meinung zu dem Thema preis geben kann. Dies ersetzt in keinem Fall die fachanwaltliche Beratung.
Beantwortet 13, Jun 2018 von MajorTommie (16,400 Punkte)