Source: https://www.juracademy.de/strafrecht-at2/mittelbare-taeterschaft-ueberblick.html
Timestamp: 2018-08-20 13:25:09
Document Index: 1235286

Matched Legal Cases: ['§ 25', '§ 211', '§ 25', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 25', '§ 25', '§ 242', '§ 25', '§ 25']

Mittelbare Täterschaft - Überblick - juracademy.de
Strafrecht Allgemeiner Teil 2 - Mittelbare Täterschaft - Überblick
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Mittelbare Täterschaft - Überblick
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Im Gegensatz zum Mittäter, der die eigene Tat zusammen mit einem anderen begeht, begeht der mittelbare Täter gem. § 25 Abs. 1 Alt. 2 die eigene Tat durch einen anderen, er nimmt also die Handlung nicht selber vor. Der mittelbare Täter bedient sich zur Begehung der eigenen Tat bei der Tatausführung eines menschlichen Werkzeugs. Dadurch unterscheidet sich die mittelbare Täterschaft von der Anstiftung und Beihilfe. Der Anstiftende bzw. Beihelfende partizipiert an einer fremden Tat, die er durch seinen Beitrag veranlasst oder fördert.
Arzt A möchte seine Frau umbringen. Deswegen gibt er der Krankenschwester K, die seine Frau täglich betreut, ein vermeintliches Kreislaufmittel, welches in Wahrheit jedoch ein schnell wirkendes Gift ist. Nichtsahnend verabreicht K der Ehefrau des A dieses Mittel, woraufhin diese verstirbt.
Hier hat sich Arzt A der Tötung in mittelbarer Täterschaft gem. §§ 211, 25 Abs. 1 Alt. 2 strafbar gemacht, da er eine eigene Tat unter Zuhilfenahme der insoweit gutgläubigen und damit vorsatzlos handelnden Krankenschwester K begangen hat. Eine Anstiftung zur Tötung läge vor, wenn A der Krankenschwester K 10 000 € gegeben hätte, damit diese seiner Ehefrau das Gift in voller Kenntnis der Sachlage spritze. Hier hätte A nicht eine eigene Tat begangen, sondern die fremde Tat der Krankenschwester K, die im Gegensatz zur vorherigen Variante voll deliktisch handelte, veranlasst.
In Rechtsprechung und Literatur ist das maßgebliche Abgrenzungskriterium wiederum die Tatherrschaft.
Nach der in der Literatur vertretenen materiell-objektiven Theorie muss der Beitrag des Hintermannes objektiv Tatherrschaft vermitteln. Ob dies der Fall ist, wird anhand objektiver Kriterien durch Wertung ermittelt.
Wessels/Beulke/Satzger Strafrecht AT Rn. 773; Schönke/Schröder-Cramer/Heine Vor §§ 25 ff. Rn. 76. Für die Rechtsprechung ist die Tatherrschaft das wesentliche Indiz zur Ermittlung des animus auctoris, wobei jedoch im Einzelfall, wie bei der Mittäterschaft auch, weitere Umstände im Rahmen einer Gesamtwertung heranzuziehen sind, so v.a. das Interesse des Täters an der Tat.S_BGH\-1988-09-15\-4StR352-88BGH NStZ 1989, 176; S_BGH\-1993-11-03\-2StR321-93BGH NJW 1994, 670.
Bei der mittelbaren Täterschaft wird die Tatherrschaft in einer Überlegenheit des Hintermannes gesehen. Diese Überlegenheit kann entweder in einem in aller Regel durch Täuschung erlangten, überlegenen Wissen oder aber in dem häufig durch Zwang hervorgerufenen überlegenen Willen des Hintermannes bestehen.
Als Kurzformel ist die Formulierung „Tatherrschaft kraft überlegenen Wissens und/oder Wollens“ gebräuchlich.
Der in der Regel unproblematische „Normalfall“ der mittelbaren Täterschaft zeichnet sich dadurch aus, dass der unmittelbar Handelnde an einem Strafbarkeitsmangel leidet, den der Hintermann kennt und für seine Belange ausnutzt. Aus diesem Grund fangen Sie in der Klausur stets mit der Strafbarkeit des „Vordermannes“, also des Handelnden an. Erst im Anschluss daran prüfen Sie die Strafbarkeit des „Hintermannes“, also des mittelbaren Täters.
Auch bei der mittelbaren Täterschaft geht es wieder um eine Zurechnung fremden Handelns. Wie bei der Mittäterschaft auch, muss der Hintermann einen Verursachungsbeitrag geleistet haben, den Sie in der Klausur anhand der soeben genannten Theorien bewerten müssen. Beachten Sie auch hier die Konsequenzen, die sich aus dem tatbestandsbezogenen Täterbegriff ergeben, d.h. bei Sonder– und Pflichtdelikten muss der mittelbare Täter die gesetzlichen Anforderungen erfüllen, bei eigenhändigen Delikten ist eine mittelbare Täterschaft nicht möglich.
Der Aufbau sieht dementsprechend in der Klausur wie folgt aus:
Wie prüft man: Die mittelbare Täterschaft
Strafbarkeit des weiteren Beteiligten als mittelbarer Täter gem. § 25 Abs. 1 Alt. 2
deliktspezifische objektive Merkmale, insbesondere auch Anforderungen an den Täter
bei der Tathandlung: Zurechnung der Handlung des anderen gem. § 25 Abs. 1 2. Alt
Wertung dieses Verursachungsbeitrags nach materiell objektiver Theorie und subjektiver Theorie
Abgrenzung straflose Teilnahme am Selbstmord/Tötung in mittelbarer Täterschaft
absichtslos-doloses oder qualifikationslos-doloses Werkzeug
Tatbestandsvorsatz einschließlich Tatherrschaftsbewusstsein
error in objecto vel persona des Werkzeugs
Irrtümer des Hintermannes über die Qualität des Werkzeugs
(Beispiel: § 242 Zueignungsabsicht)
II.Strafbarkeit des Beteiligten als mittelbarer Täter § 25 I 2. Alt. StGB
b)bei der Tathandlung: Zurechnung gem. § 25 I 2. Alt. StGB
bb)Wertung vor allem anhand der Tatherrschaft kraft überlegenen Wissens/Wollens
Deliktsspezifische objektive Merkmale
Absichten und sonstige subjektive Tbm
Mittelbare Täterschaft ist
Begehung einer eigenen Tat durch einen anderen?
Begehung einer eigenen Tat mit einem anderen?
Begehung einer fremden Tat durch einen anderen?