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Timestamp: 2017-08-20 22:47:32
Document Index: 154844123

Matched Legal Cases: ['Art. 1', '§ 118', '§ 53', '§ 51', '§ 56', '§ 56', '§ 52', '§ 56', '§ 52', '§ 53', '§ 54', '§ 54', '§ 53', '§ 52', '§ 54', 'Art. 3', '§ 52', 'Art. 9', 'Art. 140', 'Art. 137', 'Art. 140', 'Art. 137', '§ 157', '§ 165', '§ 157', 'Art. 4', '§ 56', '§ 53', '§ 53', '§ 54', '§ 54']

Reine Männervereine oder Frauenvereine – und die Gemeinnützigkeit | Vereinslupe
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4. August 2017 | Vereinsrecht
Bei dem Tatbestandsmerkmal einer Förderung der “Allgemeinheit” handelt es sich um einen unbestimmten Rechtsbegriff, dessen Gehalt wesentlich geprägt wird durch die objektive Wertordnung, wie sie insbesondere im Grundrechtskatalog der Art. 1 bis 19 GG zum Ausdruck kommt. Eine Tätigkeit, die mit diesen Wertvorstellungen nicht vereinbar ist, ist keine Förderung der Allgemeinheit2.
Das Finanzgericht ist unter Berücksichtigung der Selbstdarstellung der Freimaurerloge in revisionsrechtlich nicht zu beanstandender Weise davon ausgegangen, dass die rituellen Arbeiten den entscheidenden und wichtigsten Teil der freimaurerischen Tätigkeit bilden und ihr Hauptzweck daher auf die Förderung ihrer männlichen Mitglieder (Logenbrüder) ausgerichtet ist. Nicht zu beanstanden ist auch die daraus gezogene Schlussfolgerung, wonach die günstigen Auswirkungen dieser “Erziehung” auf die Allgemeinheit (“Nebenmenschen”) lediglich einen Nebenzweck der Förderung ihrer Mitglieder bilden. Diese den Bundesfinanzhof nach § 118 Abs. 2 FGO bindende tatsächliche Würdigung des Finanzgericht wird nicht nur dadurch bestätigt, dass die Freimaurerloge ihren Satzungszweck “insbesondere durch die Abhaltung ritueller Arbeiten und freimaurerischen Unterricht” verwirklicht, sondern auch durch Ziffer 7 der Ordensregel der (nur Männerlogen umfassenden) Großen Landesloge der Freimaurer von Deutschland e.V., deren Mitglied die Freimaurerloge ist. Danach ermöglicht der Freimaurer-Orden (nur) seinen Mitgliedern, sich durch eine stufenweise fortschreitende Lehr- und Übungsart weiterzubilden und zur Entfaltung zu bringen. Die Würdigung des Finanzgericht zur besonderen Bedeutung des Rituals schließt es aus, dass die übrigen Arbeitsfelder (“geistiges Forum”, “Brüderlichkeit in geselliger Runde”, “karitative Arbeit”, “Dienst am Bunde”) den rituellen Arbeiten gleichberechtigt gegenüber stehen.
Die Freimaurerloge fördert nach ihrer Satzung zwar -neben der Religion- auch mildtätige Zwecke durch die Verwaltung des Armenwesens und die Unterhaltung einer Sterbe- und Unterstützungskasse. Der Bundesfinanzhof kann aber offenlassen, ob insoweit die Voraussetzungen des § 53 AO erfüllt sind. Denn nach § 51 Abs. 1 AO i.V.m. § 56 AO ist eine Körperschaft nur dann als gemeinnützig anzuerkennen, wenn sie u.a. ausschließlich steuerbegünstigte Zwecke verfolgt. Ausschließlichkeit i.S. von § 56 AO liegt vor, wenn eine Körperschaft “nur” ihre steuerbegünstigten satzungsmäßigen Zwecke i.S. der §§ 52 bis 54 AO verfolgt. Die Steuervergünstigung entfällt somit, wenn ein nicht begünstigter Zweck verfolgt wird, die Körperschaft also zum Teil gemeinnützigen, zum Teil nicht gemeinnützigen Zwecken dient17. Dementsprechend verbietet § 56 AO eine Aufteilung der Tätigkeit der Körperschaft in einen steuerfreien und einen steuerpflichtigen Teil. Da die Freimaurerloge hinsichtlich der Förderung der Religion die gemeinnützigkeitsrechtlichen Voraussetzungen für eine Anerkennung nicht erfüllt, ist eine Gemeinnützigkeit wegen Förderung mildtätiger Zwecke ebenfalls ausgeschlossen.
Zunächst ist weder vom Finanzgericht festgestellt noch gerichtsbekannt, dass die von der Freimaurerloge bezeichneten …-Brüder und …-Schwestern sowie die in der mündlichen Verhandlung genannten Anbetungsschwestern tatsächlich vom Finanzamt wegen Förderung der Religion (§ 52 Abs. 2 Nr. 2 AO) als gemeinnützig anerkannt wurden. Soweit aus öffentlichen Quellen ersichtlich und daher gerichtsbekannt, widmen sich die …-Schwestern der Fürsorge für Menschen bei Krankheit und Alter, die Ordensgemeinschaft der …-Brüder ist ein katholischer Krankenpflegeorden. Körperschaften, die derartige Zwecke verfolgen, können nach § 53 AO wegen Förderung mildtätiger Zwecke gemeinnützig sein und Ordensgemeinschaften, die darauf gerichtet sind, öffentlich-rechtliche Religionsgemeinschaften (etwa durch “Abhaltung von Gottesdiensten”) zu fördern (vgl. § 54 Abs. 2 AO), können wegen Förderung kirchlicher Zwecke nach § 54 AO anerkannt werden. Die Anerkennung der Gemeinnützigkeit nach § 53 AO setzt jedoch keine “Förderung der Allgemeinheit” voraus, sodass die -für die Freimaurerloge einschlägige- Einschränkung des § 52 Abs. 1 AO nicht gilt18. Dasselbe gilt für die Anerkennung einer Körperschaft als gemeinnützig wegen Verfolgung kirchlicher Zwecke nach § 54 AO19.
Soweit die Freimaurerloge in diesem Zusammenhang vorträgt, die ungleiche Behandlung der genannten Ordensgemeinschaften stelle -unabhängig von einem Anspruch des Betroffenen auf die Begünstigung- eine grundrechtsrelevante Beeinträchtigung dar, ergibt sich auch unter Berücksichtigung der Beschlüsse des Bundesverfassungsgericht in BVerfGE 17, 210, 216 f. sowie in BVerfGE 79, 1 ff., 17 nichts anderes: Im Beschluss in BVerfGE 17, 210, 216 f. beschränkt sich das Bundesverfassungsgericht auf allgemeine Aussagen zur Bedeutung des Gleichheitssatzes, ohne dass eine Prüfung am Maßstab des Art. 3 Abs. 1 GG vorgenommen wird21. Die Ausführungen des BVerfG in BVerfGE 79, 1 ff., 17 betreffen lediglich die Geltendmachung einer Grundrechtsverletzung und damit die Zulässigkeit einer Verfassungsbeschwerde, nicht aber das Vorliegen eines materiell-rechtlichen Anspruchs auf “Gleichbehandlung im Unrecht”.
Reine Männervereine oder Frauenvereine – und die…
FG Düsseldorf, Urteil vom 23.06.2015 – 6 K 2138/14 K ↩
BFH, Urteile vom 11.04.2012 – I R 11/11, BFHE 237, 22, BStBl II 2013, 146, Rz 16; vom 13.12 1978 – I R 39/78, BFHE 127, 330, BStBl II 1979, 482; vom 29.08.1984 – I R 215/81, BFHE 142, 243, BStBl II 1985, 106; in BFH/NV 2005, 1741; BFH, Beschluss vom 16.10.1991 – I B 16/91, BFH/NV 1992, 505; Seer in Tipke/Kruse, Abgabenordnung, Finanzgerichtsordnung, § 52 Rz 3 ↩
BFH, Urteil in BFHE 237, 22, BStBl II 2013, 146, Rz 16 ↩
BFH, Beschluss in BFH/NV 1992, 505, Rz 7 ↩
vgl. hierzu Lang, Steuer und Wirtschaft 1987, 221 ff., 245 ↩
BFH, Urteil in BFH/NV 2005, 1741, Rz 34 ↩
BVerfG, Beschluss vom 10.07.2012 – 1 BvL 2/10, 1 BvL 3/10, 1 BvL 4/10, 1 BvL 3/11, BVerfGE 132, 72 ↩
BVerfG, Beschluss in BVerfGE 92, 91 ff., Rz 68, m.w.N. ↩
allg. Ansicht, vgl. Jarass in Jarass/Pieroth, Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland, Kommentar, 13. Aufl., Art. 9 Rz 2 sowie Art. 140 GG/Art. 137 WRV, Rz 5; Ehlers in Sachs, Kommentar zum GG, Art. 140 GG/Art. 137 WRV Rz 3; v. Campenhausen: Religionsfreiheit, in: Handbuch des Staatsrechts Isensee/Kirchhof VII, 2009, § 157 Rz 122, sowie Merten: Vereinfreiheit, in: Handbuch des Staatsrechts, § 165 Rz 71, m.w.N. ↩
BVerfG, Beschluss vom 05.02.1991 2 BvR 263/86, BVerfGE 83, 341 ff., Leitsatz 2a, sowie unter C.II. 1. ↩
BVerfG, Beschluss in BVerfGE 83, 341, Leitsatz 2b, sowie unter C.II. 2.; von Campenhausen a.a.O, § 157 Rz 98 ↩
BVerfG, Beschluss vom 31.03.1971 – 1 BvR 744/67, BVerfGE 30, 415, unter B.I. 1. ↩
BVerfG, Beschluss vom 04.10.1965 – 1 BvR 498/62, BVerfGE 19, 129, unter III. 4. ↩
BVerfGE, Beschluss vom 12.05.2009 – 2 BvR 890/06, BVerfGE 123, 148, unter C.I. 1.b, sowie BFH, Urteil vom 30.06.2010 – II R 12/09, BFHE 230, 93, BStBl II 2011, 48, Rz 47; Jarass in Jarass/Pieroth, a.a.O., Art. 4 Rz 43a ↩
vgl. BVerfG, Beschlüsse vom 05.03.1991 – 1 BvL 83/86, 1 BvL 24/88, BVerfGE 84, 9, unter C.I.; sowie vom 16.06.1981 1 BvL 89/78, BVerfGE 57, 295, 335, unter B.II. 2. ↩
BFH, Urteil vom 20.12 1978 – I R 21/76, BFHE 127, 360, BStBl II 1979, 495 ff., 496; Hüttemann, Gemeinnützigkeits- und Spendenrecht, 3. Aufl., 2015, Rz 4.06.; Jachmann/Unger in: Beermann/Gosch, Abgabenordnung/Finanzgerichtsordnung, § 56 AO Rz 2 ↩
vgl. Hüttemann, a.a.O., Rz 3.159, sowie Seer in Tipke/Kruse, Abgabenordnung, Finanzgerichtsordnung, § 53 AO Rz 1; von Cube in Winheller/Geibel/Jachmann-Michel, § 53 AO Rz 38 ↩
Seer in Tipke/Kruse, a.a.O., § 54 Rz 1; Leisner-Egensperger in Hübschmann/Hepp/Spitaler, § 54 AO Rz 8, m.w.N. ↩
BFH, Beschluss vom 18.07.2002 – V B 112/01, BFHE 199, 77, BStBl II 2003, 675; BFH, Urteile vom 24.01.2013 – V R 34/11, BFHE 239, 552 ff., 559, BStBl II 2013, 460 ff., 463; vom 18.04.2013 – V R 48/11, BFHE 241, 270 ff., 274, BStBl II 2013, 697 ff., 698; BVerwG, Urteil vom 30.09.2009 – 6 A 1/08, BVerwGE 135, 77 ff., 95, Rz 49, m.w.N.; BVerfG, Beschluss vom 17.01.1979 – 1 BvL 25/77, BVerfGE 50, 142, C.II. 3.c ↩
BVerfGE 17, 210 ff., 224 a.E. ↩
BVerfG, Beschluss vom 26.03.1987 – 2 BvR 589/79, 2 BvR 740/81, 2 BvR 284/85, BVerfGE 74, 358 ff., Rz 35 ↩
vgl. BVerfG, Beschluss vom 14.10.2004 – 2 BvR 1481/04, BVerfGE 111, 307, C.I. 1.a ↩
Seer in Tipke/Kruse, a.a.O., Europarechtsschutz, Rz 63 ↩
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