Source: http://www.diakonie-lippe.de/4478-0-5
Timestamp: 2018-01-20 20:45:23
Document Index: 200709797

Matched Legal Cases: ['§ 31', 'Art. 7', 'Art. 4', 'Art. 4', 'Art. 31', 'Art. 192']

Lippische Landeskirche: Vokation im Überblick
Im Namen der Lippischen Landeskirche danken wir Ihnen zuallererst, dass Sie den wichtigen Dienst einer Religionslehrerin / eines Religionslehrers ausüben möchten.
Der Religionsunterricht ist gemäß § 31 Abs. 1 Satz 1 Schulgesetz NRW ordentliches Lehrfach an allen Schulen mit Ausnahme der Weltanschauungsschulen (bekenntnisfreien Schulen). Aber er hat seine Besonderheit. Er ist das einzige ordentliche Lehrfach, das im Grundgesetz und in der Verfassung des Landes NRW verankert ist und wird vom Land (Staat) und von den Kirchen als gemeinschaftliche Aufgabe verantwortet (sog. res mixta). Der Staat kann somit nicht allein über ihn verfügen und bestimmen, was seine Inhalte sein sollen. Die Religionsgemeinschaften können nur selber sagen, was Grund und Inhalt ihrer Glaubensüberzeugungen ist (sog. Grundsätze der evangelischen Kirche).
Die rechtlichen Grundlagen für den ev. Religionsunterricht und somit auch für seine Erteilung sind:
Grundgesetz (Art. 7 Abs. 3 und Art. 4)
Landesverfassung NRW (Art. 4, 14 und 22)
Schulgesetz NRW (Art. 31 Abs. 3)
Staatskirchenrechtliche Verträge
(sog. Konkordate) und Vereinbarungen
Kirchenordnung (Art. 192)
Gemeinsame Vokationsordnung.
Danach wirken die Kirchen und Religionsgemeinschaften in NRW bei folgenden Punkten der Vorbereitung und Durchführung des ev. Religionsunterrichts mit:
Richtlinien, Lehrplänen und Lehrbüchern
Lehrkräfte (Kirchliche Bevollmächtigung zur Erteilung des Ev. Religionsunterrichts)
Bestellung von Professorinnen / Professoren und Fachleiterinnen / Fachleitern
Einrichtung und Ausgestaltung der Studiengänge
Organisation der Lehrerbildung mit eigenen Angeboten
Einblick in das Prüfungsgeschehen und die Möglichkeit der Teilnahme an den Prüfungen
Einblick in den konkreten Unterricht vor Ort und fachliche Begleitung der Lehrkräfte durch kirchliche Beauftragte
Grundlage insbesondere für die Erteilung der Vocatio bzw. der kirchlichen Bevollmächtigung für die Erteilung von Ev. Religionslehre ist die „Gemeinsame Vokationsordnung“ der drei Landeskirchen in NRW, in der die Voraussetzungen für deren Erteilung niedergelegt sind. (Ev. Kirche von Westfalen, Ev. Kirche im Rheinland, Lippische Landeskirche 2000/2001).
Diese drei nordrhein-westfälischen Geschwisterkirchen (Landeskirchen) mit Sitz in Bielefeld, Düsseldorf und Detmold haben sich auf gemeinsame Zuständigkeits- und Verfahrensregeln verständigt.
Der feststehende Begriff für die kirchliche Bevollmächtigung lautet 'Vocatio' (Vokation). Dies bedeutet: Berufung (von lat. vocare = rufen - Verbform: vozieren).
Mit der Vokation bevollmächtigt die evangelische Kirche staatliche Lehrerinnen und Lehrer, die entsprechend ausgebildet sind, zur Erteilung evangelischer Religionslehre. Die Vokationsordnung regelt das äußerliche Verfahren dafür. Aber die Vokation ist mehr als eine Äußerlichkeit. Sie stellt eine Vertrauenserklärung der Kirche an die Religionslehrerinnen und –lehrer dar, die ihrerseits vor Gott und der Gemeinde bestätigen, dass sie ihre Aufgaben im Vertrauen auf Gottes Hilfe wahrnehmen wollen.
Die Kirche sagt den Lehrerinnen und Lehrern Unterstützung bei der Wahrnehmung ihres verantwortungsvollen und oft nicht leichten Dienstes zu. So ist die Vokation nicht Fessel, sondern Stütze, nicht Auflage, sondern Angebot, nicht Belastung, sondern Stärkung. Mit der kirchlichen Bevollmächtigung sagt die Kirche vielmehr den Rückhalt der Gemeinschaft, fachliche Förderung und Unterstützung in der verantwortlichen Erteilung des evangelischen Religionsunterrichtes zu.