Source: https://ratgeber-umschulung.de/schwangerschaft-waehrend-der-umschulung/
Timestamp: 2019-09-15 21:06:30
Document Index: 42654099

Matched Legal Cases: ['§ 35', '§ 1', '§ 3', '§ 3', '§ 11', '§ 27', '§ 27', '§ 18']

Schwanger während der Umschulung - und nun? (2019) | ▷ Ratgeber Umschulung
Schwanger während der Umschulung – und nun? (2019)
Kann ich trotz Schwangerschaft eine Umschulung machen?
Kann mich das Arbeitsamt oder Jobcenter zwingen die Umschulung zu beenden?
Welches Gesetz regelt den Schutz der Schwangeren während einer Umschulung?
Wann gilt für Schwangere bei einer Umschulung ein Beschäftigungsverbot?
Wie lange dauert das Beschäftigungsverbot während einer Umschulung?
Verfällt der Bildungsgutschein, wenn ich vor Beginn oder während der Umschulung schwanger bin?
Was muss ich tun, wenn ich während der Umschulung schwanger werde?
Welche Gelder bekommen Schwangere und Mütter während einer Umschulung?
Umschulungsgehalt für schwangere Frauen
Hartz 4 statt Umschulungsgeld
Mutterschutzlohn und Mutterschaftsgeld während der Umschulung
Kann man während einer Umschulung Elterngeld bezahlt bekommen?
Kann ich die Schwangerschaft und Elternzeit für eine Weiterbildung nutzen?
Wie beantragt man einen neuen Bildungsgutschein nach Geburt und Elternzeit?
Wiedereinstieg in die Umschulung nach längerer Pause für Schwangerschaft und Kindererziehung
Kontakt mit dem Umschulungsbetrieb / Arbeitgeber halten
Die eigenen Rechte und Pflichten als Umschüler mit Kind kennen
Nicht auf die Mutterrolle reduzieren lassen
Ängste beim Wiedereinstieg in die Umschulung Ernst nehmen
Sich über die eigenen Wünsche im Klaren sein
Frauen, die während der Umschulung von ihrer Schwangerschaft erfahren, treiben oft zunächst Sorgen um. Tatsächlich sind Schwangere auch in einer Umschulung umfassend geschützt.
Eine Schwangerschaft geht für viele berufstätige Frauen mit ambivalenten Gefühlen einher: Die Freude über Nachwuchs einerseits, die Ungewissheit hinsichtlich der Umschulung und beruflichen Zukunft mit Kind andererseits. Die Bedürfnisse von werdenden Mütter im Arbeitsalltag werden in Deutschland vom Gesetz umfassend geregelt, so dass einer erfolgreich abgeschlossenen Umschulung mit und auch trotz Kind nichts im Wege steht. Erfahren Sie alles zu Beschäftigungsverboten, Elterngeld, Zuschüssen zur Kinderbetreuung, Gültigkeit des Bildungsgutscheins und Tipps für eine leichtere Rückkehr in den Umschulungsbetrieb bzw. zum Umschulungsanbieter mit Kind.
Ja, denn wird eine Frau während der Umschulung schwanger, dann kann sie die Umschulung bis zum Beginn des Mutterschutzes fortsetzen. Wenn Ihnen gerade ein Bildungsgutschein bewilligt wurde und Sie zeitnah die Umschulung beginnen können, dann sollten Sie den Antritt der Umschulung gegebenenfalls von Ihrem körperlichen und psychischen Zustand anhängig machen. Eine Schwangerschaft ist eine physische und psychische Ausnahmesituation, in der Ihnen einfache Dinge schwerer fallen können, als Sie es bisher von sich kennen. Rein rechtlich spricht jedoch nichts gegen den Beginn Ihrer Umschulung.
Immer wieder berichten Umschulungsteilnehmerinnen, dass der Kostenträger (Agentur für Arbeit, Jobcenter oder Rechtenversicherung) nach Bekanntwerden der Schwangerschaft die Umschulung unmittelbar beenden wollen. Argumentiert wird mit Gedanken der Effizienz und Kostenersparnis. Tatsächlich kann die Schwangere einzelne Abschnitte der Umschulung für die Fortsetzung der Umschulung sich anrechnen lassen, insbesondere wenn es sich um die selbe Umschulung beim selben Umschulungsanbieter handelt.
Ja, das ist denkbar und Sie sollten die Entscheidung nicht einfach hinnehmen, wenn es nicht Ihren Vorstellungen entspricht. Die Umschulung wurde Ihnen durch den Bildungsgutschein bewilligt. Es handelt sich dabei um einen Verwaltungsakt im Sinne des § 35 VwVfG. Die Aufhebung des Bildungsgutscheins selbst ist ebenso ein Verwaltungsakt gegen den Sie Widerspruch und Anfechtungsklage einreichen können.
Argumentieren Sie Ihrerseits mit dem Effizienzgedanken, wenn Sie die selbe Umschulung bei dem selben Umschulungsbetrieb nach der Geburt oder der Elternzeit fortsetzen möchten.
Welches Gesetz regelt den Schutz der Schwangeren während
einer Umschulung?
Werdende Mütter, die eine Umschulung machen, werden selbstverständlich wie berufstätige Frauen oder auch Schülerinnen auch vom Mutterschutzgesetz (MuSchuG) geschützt. Der Schutzbereich des Gesetzes umfasst die gesamte Schwangerschaft und die ersten acht Wochen nach der Entbindung, siegen § 1 Abs.1 MuSchuG:
Dieses Gesetz schützt die Gesundheit der Frau und ihres Kindes am Arbeits-, Ausbildungs- und Studienplatz während der Schwangerschaft, nach der Entbindung und in der Stillzeit. Das Gesetz ermöglicht es der Frau, ihre Beschäftigung oder sonstige Tätigkeit in dieser Zeit ohne Gefährdung ihrer Gesundheit oder der ihres Kindes fortzusetzen und wirkt Benachteiligungen während der Schwangerschaft, nach der Entbindung und in der Stillzeit entgegen.
Das Beschäftigungsverbot gilt ab dem Beginn des Mutterschutzes. Mutterschutz bedeutet, dass der Gesetzgeber die Rechte werdender Mütter und ungeborener Kinder vor den Strapazen des Arbeitsalltags schützt, indem er ab sechs Wochen vor der Entbindung ein insgesamt 14 Wochen dauerndes Arbeitsverbot anordnet. Maßgeblich für den Beginn der Mutterschutzzeit ist der errechnete Geburtstermin, siehe § 3 Abs.1 MuSchuG:
Der Arbeitgeber darf eine schwangere Frau in den letzten sechs Wochen vor der Entbindung nicht beschäftigen (Schutzfrist vor der Entbindung), soweit sie sich nicht zur Arbeitsleistung ausdrücklich bereit erklärt. Sie kann die Erklärung nach Satz 1 jederzeit mit Wirkung für die Zukunft widerrufen. Für die Berechnung der Schutzfrist vor der Entbindung ist der voraussichtliche Tag der Entbindung maßgeblich, wie er sich aus dem ärztlichen Zeugnis oder dem Zeugnis einer Hebamme oder eines Entbindungspflegers ergibt.
Insgesamt ordnet das Mutterschutzgesetz für alle Arbeitnehmerinnen eine Pause von 14 Wochen an. Dabei ist jedoch zwischen der Schutzzeit vor und nach der Entbindung zu unterscheiden. Der Unterschied liegt in der absoluten Anordnung des Mutterschutzes nach der Entbindung. Während die werdende Mutter für sich entscheiden kann auf den Mutterschutz vor der Geburt zu verzichten, ist dies nach der Entbindung nicht möglich. Die Mutter darf in den ersten acht Wochen nach der Geburt nicht arbeiten, siehe § 3 Abs. 2 MuSchuG:
Der Arbeitgeber darf eine Frau bis zum Ablauf von acht Wochen nach der Entbindung nicht beschäftigen (Schutzfrist nach der Entbindung).
Ja, der Bildungsgutschein verliert seine Gültigkeit, zwar nicht automatisch, aber Sie müssen sich darauf einstellen, dass die Agentur für Arbeit, das Jobcenter oder die Rentenversicherung die ursprüngliche Bewilligung aufheben wird. Dies ist aber selten problematisch, denn eine Schwangerschaft ist keine willentliche Entscheidung gegen die Bildungsmaßnahme und wird nicht als Abbruch gewertet. Es tritt daher auch keine Sperrfrist ein. Die Schwangere kann auch selbst frei entscheiden, ob sie nach dem Mutterschutz den Bildungsgang fortsetzen möchte, sie ist jedoch nicht dazu verpflichtet. Für die Fortsetzung der Umschulung muss der Bildungsgutschein erneut beantragt werden.
Ungünstig ist die Aufhebung der Umschulungsbewilligung, wenn Sie vor Beginn der Umschulung von Ihrer Schwangerschaft erfahren und möglicherweise noch die Zeit und Energie hätten, die ersten fünf Monate der Umschulung zu absolvieren. Mit einem Widerspruch gegen die sofortige Aufhebung können Sie versuchen zu erreichen, dass die Aufhebung erst zu einem späteren Zeitpunkt vor der Geburt greift. Dieses Vorgehen ergibt jedoch nur Sinn, wenn Sie sich die absolvierten fünf Monate für die neu zu beantragende Umschulung anrechnen lassen können.
Wer vor dem Beginn steht oder bereits an einer Maßnahme zur Weiterbildung oder Umschulung teilnimmt, die vom Jobcenter, der Agentur für Arbeit oder Rentenversicherung (DRV) finanziert wird, ist zunächst verpflichtet eine Schwangerschaft mitzuteilen. Wie bereits oben erwähnt, wird dies in der Regel dazu führen, dass die Kostenstelle die Bewilligung der Umschulung aufheben möchte. Legen Sie Widerspruch und später gegebenenfalls eine Anfechtungsklage ein, wenn Ihnen die ersten Monate später angerechnet werden können.
Die Schutzfristen des Mutterschutzes nach der Geburt sind bindend, sodass es zu einer Unterbrechung der Maßnahme kommt. Bis zum Beginn des Mutterschutzes nimmt die Schwangere vor der Geburt regulär an der Umschulung teil, außer es handelt sich um einen Beruf, in dem ein früher beginnendes Beschäftigungsverbot nach § 11 MuSchuG gilt (zum Beispiel Tätigkeit in einem Labor). Wurde der Bildungsgutschein aufgehoben, können Sie nicht mehr an der Umschulung teilnehmen.
Informieren Sie den Umschulungsträger von Ihrer Schwangerschaft. Dieser wird den Aufhebungsbescheid von der für Sie zuständigen Behörde erhalten. Sie müssen nicht die Umschulung Ihrerseits kündigen, der Umschulungsanbieter kann seinerseits nicht kündigen. Besprechen Sie die Möglichkeit, ob bereits absolvierte Zeiten der Umschulung auf die neu zu beantragende Umschulung angerechnet werden können.
Stellen Sie alle erforderlichen Anträge um Ihren Lebensunterhalt in den kommenden Monaten zu sichern. Lassen Sie sich gegebenenfalls dabei von einer Sozialberatungsstelle unterstützen.
Schwangere und Mütter haben während einer Umschulung Anspruch auf den Umschungslohn, den Mutterschutzlohn, Kindergeld, Elterngeld und Hilfe zum Lebensunterhalt nach § 27a SGB XII. Die Ansprüche bestehen jedoch nicht durchgehend, sondern nur in bestimmten Zeiträumen.
Solange Schwangere an der Umschulung teilnehmen (theoretisch bis zum Tag der Entbindung, da der Mutterschutz vor der Geburt freiwillig ist und die Schwangere darauf verzichten kann), bekommen sie regulär den Umschulungslohn. Dieser Anspruch besteht bis zum Tag, an dem die werdende Mutter in den Mutterschutz geht. Kann Die Schwangere an der Umschulung nicht mehr teilnehmen, dann tritt an die Stelle des Umschulungslohns ALG I oder ALG II.
Zusätzlich zum ALG II sollte immer auch ein Antrag auf Hilfe zum Lebensunterhalt, § 27a SGB XII gestellt werden. Eine Schwangerschaft bedeutet auch einen finanziellen Mehrbedarf: Ab der 13. Schwangerschaftswoche bekommen Schwangere 17% des Regelsatzes. Die konkrete Höhe ist abhängig von der individuellen Regelbedarfsstufe, wobei berücksichtigt wird, ob man Alleinstehend ist oder eigene Kinder zu versorgen hat. Zusätzlich kann auch eine Unterstützung bei der Babyerstausstattung beantragt werden. In der Regel handelt es sich dabei um einen Pauschalbetrag, der aber in den Bundesländern variieren kann.
Zum Ausgleich für das Beschäftigungsverbot vor und nach der Geburt erhalten Frauen als Kompensation den sogenannten Mutterschutzlohn. Der Anspruch auf den Mutterschutzlohn besteht nur, wenn der Bildungsgutschein nicht aufgehoben wurde. Der Mutterschutzlohn entspricht dem Umschulungsgehalt, siehe § 18 MuSchuG:
Das Mutterschutzgeld während des Beschäftigungsverbots steht hingegen jeder Schwangeren zu, unabhängig von ihrer Beschäftigungssituation. Es ist eine Leistung der Krankenkasse und beträgt 13 Euro pro Kalendertag. Stellen Sie unbedingt einen Antrag bei Ihrer Krankenkasse.
Ja, das Elterngeld steht Eltern unabhängig von der Beschäftigungssituation zu. Vermutlich werden Sie jedoch zu diesem Zeitpunkt nicht mehr in der Umschulung sein, da Sie davon ausgehen müssen, dass der Bildungsgutschein zurückgenommen wird. Die Höhe des Elterngeldes variiert je nach Einkommen in den letzten 12 Monaten. Bei Eltern die bisher eine Umschulung gemacht haben wird das Umschulungsgehalt zur Berechnung des Elterngeldes als Basis genommen. Sollten Sie in den 12 Monaten vor der Elternzeit Hartz 4 bezogen haben, dann steht Ihnen kein Elterngeld zu, bzw. wird das Kindergeld mit dem ALG 2 Bezug verrechnet und wirkt sich somit finanziell nicht aus. Beantragen Sie unbedingt den Hartz4-Regelsatz für Kinder, der ab dem ersten Lebenstag rückwirkend ausbezahlt wird. Darüberhinaus besteht ein Anspruch auf Kindergeld, das ebenfalls beantragt werden muss.
Eindeutig ja, aber leider gilt das nicht für Weiterbildungen in jeder Form. Während des Mutterschutzes dürfen Sie an keinen Weiterbildungen teilnehmen, die einen arbeitsähnlichen Charakter haben, zum Beispiel Pflicht zur Anwesenheit in einer Schulungseinrichtung. Während Sie Elterngeld erhalten, gilt das Beschäftigungsverbot nicht mehr und Sie dürfen bis zu 30 Stunden pro Woche arbeiten und somit auch eine Weiterbildung machen. Allerdings wird Ihnen die Weiterbildung nicht von der Agentur für Arbeit, vom Jobcenter oder von der Rentenversicherung (DRV) finanziert werden, da diese bereits Ihnen ein “Mehr” in Form der Umschulung bezahlen wird.
Es ist gut nachvollziehbar und aus dem Blickwinkel des zukünftigen Berufslebens sogar wünschenswert: Mütter möchten den langen Zeitraum von Schwangerschaft und Elternzeit für sich selbst und ihr berufliches Weiterkommen, für ein neues Hobby oder die Persönlichkeitsentwicklung nutzen. Eine solche Weiterbildung ist zeitlich und örtlich flexibel zu einem angemessenen Preis möglich in Form eines Fernstudiums.
Nach Ablauf der Sperrfrist des Mutterschutzes und einer eventuellen Elternzeit, die bis zu zwei Jahren in Anspruch genommen werden kann, muss die Maßnahme neu beantragt und bewilligt werden. Ob die Maßnahme direkt von der Behörde oder per Bildungsgutschein gefördert wird, ist dabei unerheblich. Nach der Wiederbewilligung kann in Absprache mit dem Träger der Maßnahme diese neu begonnen oder ein Wiedereinstieg erfolgen.
Je nachdem wann Sie wieder die Umschulung fortsetzen möchten, ob unmittelbar nach Ende des Mutterschutzes oder erst nach ein bis zwei Jahren Elternzeit, ist es vorteilhaft ein paar Dinge für den Wiedereinstieg in die Umschulung und Beruf zu beachten. Aller Anfang ist schwer – das gilt auch für den Wiedereinstieg in den Beruf nach der Elternzeit. Besonders Frauen, die eine längere Pause nach der Schwangerschaft gemacht haben, haben die ein oder andere Herausforderung zu meistern und glauben meist fälschlich, nach der längeren Pause Anschlussschwierigkeiten in der Umschulung haben zu könnten. Hier erhalten Sie wertvolle Tipps, die Ihnen die Rückkehr in den Beruf erleichtern.
Um nicht in Vergessenheit zu geraten, macht es Sinn, mit dem Vorgesetzten – aber auch mit Kollegen – in Verbindung zu bleiben. Das vereinfacht nicht nur den Wiedereinstieg nach der Pause, sondern hilft auch dabei, sich ein genaueres Bild von aktuellen Entwicklungen und der allgemeinen Situation bei der Rückkehr zu machen. Zudem können so mit dem Vorgesetzten bereits im Vorhinein weitere Schritte abgestimmt und geplant werden: flexiblere Arbeitszeiten, Möglichkeiten der Kinderunterbringung, etc. Das vermeidet unnötige Verzögerungen nach dem Wiedereinstieg. Nicht unterschätzen sollten Mütter, dass nach längerer Abwesenheit ein Gefühl der Unsicherheit aufkommen kann: Schaffe ich die Umschulung mit Kind? Was verändert sich personell / organisatorisch im Betrieb und wird es mich beeinträchtigen? Werde ich überfordert sein? Solche nachvollziehbaren Gedanken sind seltener, wenn Sie Teil des Betriebs und Teams bleiben, auch wenn Sie nicht physisch anwesend sind.
Während der ersten Wochen und Monate der Elternzeit macht man sich abgesehen von der Sorge um das neugeborene Kind wenig Gedanken – das ist auch völlig richtig. Trotzdem sollte man sich, sobald es die Kinderbetreuung zulässt, zu aktuellen Entwicklungen der Branche, aber auch der Situation des Arbeitgebers auf dem Laufenden halten. Wie entwickelt sich der Markt? Wie entwickelt sich der Arbeitgeber? Wie ist die aktuelle Auftragslage? All diese Informationen können Indikatoren dafür sein, wie der Arbeitsalltag bei der Rückkehr nach der Elternzeit aussieht und wie viel auf der eigenen Position zu tun sein wird. Vermeiden Sie das Gefühl “abgehängt zu sein”.
Schon vor dem Wiedereinstieg ins Berufsleben macht es Sinn, sich über die eigenen Rechte nach dem Ende des Mutterschutzes sowie nach der Rückkehr in den Beruf zu informieren. Welche Rechte haben Eltern, wenn das Kind krank zu Hause bleiben muss? Welche finanziellen Ansprüche bestehen für die Unterbringungskosten des Kindes (Kita, Kindergarten, Tagesmutter)? Je besser Sie Ihre Rechte und Möglichkeiten kennen, desto leichter werden Ihnen Vereinbarung von Familie und Beruf fallen.
Mütter mit kleinen Kindern werden häufig nur noch in dieser Rolle wahrgenommen. Das kommt auch bei der Arbeit vor. Machen Sie Ihren Kollegen klar, dass Sie immer noch die gleiche Kollegin sind, die Sie vor Ihrer Abwesenheit waren, indem Sie fachliche Gespräche führen und nicht ausschließlich über Ihr Kind sprechen. Selbstverständlich können Sie Ihr Glück mit guten Kollegen in der Kaffeerunde teilen, es sollte jedoch nicht Hauptbestandteil von geschäftlichen Meetings werden.
Seien Sie sich außerdem darüber im Klaren, dass viele Menschen eine starke Meinung vertreten, wenn es um Kinder geht. Vor allem Mütter, die bereits nach kurzer Elternzeit oder direkt in Vollzeit wieder einsteigen, sehen sich häufig mit Unverständnis oder gar Anschuldigungen konfrontiert. Bereiten Sie sich auf mögliche Bemerkungen dieser Art vor und überlegen Sie sich möglichst im Vorhinein, wie Sie gelassen und sachlich reagieren können.
Bin ich eine Rabenmutter, wenn ich mein Kind schon wenige Monate nach der Geburt in der KiTa anmelde? Befürworte ich ein veraltetes Rollenbild, wenn ich mich voll auf den Haushalt und die Kinder konzentriere?
Die Rolle berufstätiger Mütter ist in Deutschland im Umschwung und regional noch lange nicht final definiert. Deshalb ist es ganz natürlich, dass nicht nur rationale und finanzielle Aspekte beim Wiedereinstieg in den Beruf nach der Elternzeit eine Rolle spielen, sondern auch gesellschaftliche. Denken Sie daran, dass Sie nicht die erste und einzige Frau sind, die Ihr Berufsleben nach der Geburt eines Kindes weiterverfolgt. Lassen Sie sich nicht von Kommentaren und Bemerkungen aus Ihrem Umfeld beeindrucken und führen Sie Ihren Weg fort. Suchen Sie sich Vorbilder und Gleichgesinnte. Dabei können Ihnen sowohl Autobiografien von Frauen helfen, deren Lebensweg Sie sich für sich selbst vorstellen können als auch der Austausch mit anderen Frauen in derselben Situation. Beispielsweise in Geburtsvorbereitungskursen, aber auch in online Foren und Chats können Sie Ihre Ängste und Sorgen teilen und wertvolle Tipps und Zuspruch erhalten.
Möchten Sie im gleichen Beruf wie vor der Elternzeit weiterarbeiten oder möchten Sie die Rückkehr ins Berufsleben für einen kompletten Neustart nutzen? Die Schwierigkeit des Wiedereinstiegs kann auch eine Chance sein, um den Aufgabenbereich, die Abteilung oder sogar den Arbeitgeber zu wechseln. Nehmen Sie sich die Zeit, sich über Ihren weiteren beruflichen Werdegang Gedanken zu machen und gegebenenfalls Ihren Arbeitgeber frühzeitig zu kontaktieren oder den Lebenslauf zu aktualisieren.
Auch eine Überlegung wert ist die Entscheidung zwischen Teil- und Vollzeit. Wo liegen Ihre Prioritäten? In Teilzeit zu arbeiten ist eine Option, die es ermöglicht, viel Zeit für das Kind oder die Kinder zu haben, andersherum hat ein Wiedereinstieg in Vollzeit den Vorteil, dass mehr Gehalt übrig bleibt, um Hilfen im Haushalt oder bei der Kindererziehung zu engagieren und bessere Karrieremöglichkeiten zu haben. Hier ist es wichtig, sich über die eigenen Prioritäten Gedanken zu machen und mögliche Optionen gegebenenfalls mit dem Partner und dessen Rolle in der weiteren Kindererziehung zu besprechen.
Nach dem Mutterschutzgesetz werden Frauen in der Schwangerschaft, während der Geburt und in der Stillzeit geschützt. Die Schutzfrist beginnt sechs Wochen vor der Entbindung, falls die werdende Mutter nicht darauf verzichtet. Die Schutzfrist endet acht Wochen nach der Entbindung. Während dieser Zeit besteht absolutes Beschäftigungsverbot.
Regelmäßig wird der Bildungsgutschein zurückgenommen, wenn die Schwangerschaft im Zeitraum der Umschulung liegt. Das liegt am absoluten Beschäftigungsverbot nach der Entbindung.
Der Bildungsgutschein kann für die Fortsetzung der Umschulung nach Ende des Mutterschutzes oder der Elternzeit neu beantragt werden.
Eine Schwangerschaft gilt nicht als Abbruch der Umschulung, es tritt somit keine Sperrzeit ein.
Bei einer Schwangerschaft während der Umschulung bestehen kumulativ, teils alternativ Ansprüche nach ALG I, ALG II, Mutterschutzgeld, Hartz4-Regelsatz für das Kind, Kindergeld, Hilfe zum Lebensunterhalt nach SGB XII.
Die Zeit der Schwangerschaft und Elternzeit kann für eine Weiterbildung genutzt werden. Insbesondere ein Fernstudium ist hier empfehlenswert. Wenn Sie sich für diese vielseitige Möglichkeit interessieren, erhalten Sie hier nähere Informationen.