Source: http://www2.lubw.baden-wuerttemberg.de/public/abt2/dokablage/oac_12/vo/3/3258.htm
Timestamp: 2018-12-10 13:45:35
Document Index: 129989807

Matched Legal Cases: ['§ 21', '§ 32', '§ 2', '§ 4', '§ 4', '§ 4', '§ 63', '§ 64', '§ 4', '§ 83', '§ 4']

3.258 Ortenberg
Verordnung des Regierungspräsidiums Freiburg über das Naturschutzgebiet »Ortenberg« und der Körperschaftsforstdirektion Freiburg über den Schonwald »Ortenberg« vom 16. Januar 2001(GBl. v. 23.02.2001, S. 140).
Auf Grund der §§ 21 und 58 des Naturschutzgesetzes (NatSchG) in der Fassung vom 29. März 1995 (GBl. S. 385) sowie des § 32 des Landeswaldgesetzes (LWaldG) in der Fassung vom 31. August 1995 (GBl. S. 685) wird verordnet:
Die in § 2 naher bezeichnete Fläche auf dem Gebiet der Gemeinde Deilingen, Landkreis Tuttlingen, Regierungsbezirk Freiburg, und der Gemeinde Ratshausen, Zollernalbkreis, Regierungsbezirk Tübingen, wird zum Naturschutzgebiet und Schonwald erklärt. Das Naturschutzgebiet und der Schonwald führen die Bezeichnung »Ortenberg«.
(1) Das Naturschutzgebiet und der Schonwald haben eine Größe von rund 74,5 ha. Die Flächen der beiden Schutzgebiete sind identisch.
(2) Das Naturschutzgebiet und der Schonwald umfassen am Ortenberg ein zusammenhängendes Waldgebiet mit drei aufgelassenen Steinbrüchen. Auf Gemarkung Deilingen liegen die Flächen im Gewann Tann und auf Gemarkung Ratshausen im Gewann Buch.
Die Schutzgebietsgrenze verläuft im Süden im Wesentlichen entlang des Tanneckweges, grenzt im Westen an das Baugebiet Nachtweid II und folgt dem östlichen Waldweg ca. 90 m. Von hier folgt sie in nördlicher Richtung der Grenze Wirtschaftswald außerhalb regelmäßiger Bewirtschaftung (ehemals Großrutschung) bis zur Gemarkungsgrenze bzw. dem Waldweg Flurstück Nr. 2663 auf Gemarkung Ratshausen. Im Norden verläuft die Grenze im Wesentlichen entlang der Gemarkungsgrenze Deilingen. Auf Gemarkung Ratshausen, Gewann Buch, verläuft die Grenze im Norden entlang des Forstweges Flurstück Nr. 2663. Im Osten folgt die Grenze wieder der Gemarkungsgrenze Deilingen. Im Süden verläuft die Grenze entlang der Südgrenze von Flurstück Nr. 3422/1, die bis auf ein kurzes Stück mit dem Rainenweg zusammenfällt. Dann setzt sie sich nach Westen entlang des Weges Flurstück Nr. 3585/1 fort, bis sie einen weiteren Forstweg kreuzt und entlang dieses Weges dann am Südrand des Steinbruchs nach Süden umbiegt und dem Weg folgt, der annähernd am Ostrand von Flurstück Nr. 3422/2 verläuft.
(3) Die Grenzen des Naturschutzgebietes und des Schonwaldes sind in einer Übersichtskarte im Maßstab 1:25000 mit durchgezogener roter Linie sowie in einer Detailkarte im Maßstab 1:2500 mit durchgezogener roter, grau angeschummerten Linie eingetragen. Die Karten sind Bestand dieser Verordnung. Die Verordnung mit Karten wird beim Regierungspräsidium Freiburg, beim Landratsamt Tuttlingen, bei der Forstdirektion Freiburg und dem Staatlichen Forstamt Wehingen auf die Dauer von zwei Wochen, beginnend am achten Tag nach Verkündung dieser Verordnung im Gesetzblatt, zur kostenlosen Einsicht durch jedermann während der Sprechzeiten öffentlich ausgelegt.
Naturschutzgebiet/Schonwald
(1) Schutzzweck des Naturschutzgebiets ist die Erhaltung und Entwicklung des Gebietes
- als ein für das Traufgebiet der Hohen Schwabenalb repräsentativer Hangabschnitt mit Mergelrutschhalden, Felsbildungen, reliktischen Pflanzengesellschaften und wertvollen Waldgesellschaften;
- als Lebensraum für eine Vielzahl seltener, überwiegend alpigener, z. T. stark gefährdeter Pflanzenarten, sowie seltener Tierarten;
- mit teilweise nicht genutzten, im Übrigen oft nur extensiv bewirtschafteten, reich strukturierten Wäldern und reliktischen Wildgrasfluren.
(2) Schutzzweck des Schonwaldes ist es,
- die standortgerechten Fichten-Tannen-Buchenwälder unter besonderer Berücksichtigung der seltenen und erhaltenswerten Bodenflora zu pflegen und zu verjüngen sowie Fichtenbestände mit Ausnahme des Fichten-Blockwaldes langfristig in naturnahe Mischbestände zu überführen;
- die Waldgersten-Tannen-Buchenwälder, die Linden-Ulmen-Ahornwälder sowie die Winkelseggen-Grau­erlenwälder und das bestehende Eibenvorkommen langfristig in ihrem Bestand zu sichern;
- die Waldbiotope 7818:0030 - 0037 und 0094 in ihrem Bestand langfristig zu sichern.
Verbote im Naturschutzgebiet/Schonwald
(1) Im Naturschutzgebiet und im Schonwald sind alle Handlungen verboten, die zu einer Zerstörung oder Veränderung im Schutzgebiet oder seines Naturhaushalts oder zu einer Beeinträchtigung der wissenschaftlichen Forschung führen oder führen können, insbesondere die in den Absätzen 2 bis 6 genannten Handlungen.
4. wild lebende Tiere an ihren Nist-, Brut-, Wohn- oder Zufluchtsstätten durch Aufsuchen, Fotografieren, Filmen oder ähnliche Handlungen zu stören;
1. die Bodengestalt zu verändern, insbesondere durch Auffüllungen oder Abgrabungen, oder Bodenbestandteile zu entnehmen;
3. neu aufzuforsten oder Christbaum- und Schmuckreisigkulturen sowie Vorratspflanzungen von Sträuchern und Bäumen anzulegen;
4. Pflanzenschutzmittel oder Düngemittel zu verwenden.
2. das Gebiet im Wald außerhalb befestigter Wege von mindestens 2 Metern Breite mit Fahrrädern zu befahren;
3. das Gebiet außerhalb der öffentlichen Straßen mit motorisierten Fahrzeugen aller Art zu befahren, ausgenommen Krankenfahrstühle;
4. zu zelten oder zu lagern;
5. Luftfahrzeuge aller Art zu betreiben, insbesondere das Starten und Landen von Luftsportgeräten (z.B. Hängegleiter, Gleitsegel, Ultraleichtflugzeuge, Sprungfallschirme) und Freiballonen sowie das Aufsteigenlassen von Flugmodellen;
6. auf unbefestigten Wegen und auf befestigten Wegen mit einer Breite von weniger als 3 Meter zu reiten. Das Reiten in Gruppen mit mehr als 8 Personen ist ebenfalls verboten.
2. außerhalb von eingerichteten und gekennzeichneten Feuerstellen Feuer anzumachen oder zu unterhalten;
Zulässige Handlungen im Naturschutzgebiet/Schonwald
(1) Für die forstwirtschaftliche Bodennutzung gelten die Verbote des § 4 nicht, wenn sie ordnungsgemäß und im Sinne einer naturnahen Waldwirtschaft erfolgt. Voraussetzung ist weiter, dass:
1. die bestehenden Altholzbestände in den Steillagen als Altholzinseln erhalten bleiben; der Auszug von Einzelbäumen (insbesondere Fichten) im Interesse der Waldverjüngung bleibt möglich;
2. in den ostwärts des östlichen Steinbruchs gelegenen Steilhangwäldern, d.h. in den dort wachsenden (Fichten)-, Tannen-Buchenwäldern, in den Waldgersten- (Fichten-Tannen-Buchenwälder) und in den Linden-Ulmen-Ahornwäldern nur Nutzungen im Rahmen von Pflegemaßnahmen zur Erhaltung und Verjüngung der auf diesen Standorten typischen Bestandesstrukturen und Baumartenzusammensetzungen durchgeführt werden;
3. die Winkelseggen-Grauerlenwälder aus der regelmäßigen Nutzung genommen werden und langfristig als potenzielles Haselwildbiotop erhalten und gepflegt werden;
4. der im Norden des östlichen Steinbruchs gelegene Fichten-Blockwald weiterhin keiner regelmäßigen Nutzung unterliegt;
5. der Fichten-Kiefernbestand an der Sommerhalde durch truppweise Entnahme von Fichten lichter gestellt wird;
6. Fichtenbestände langfristig in naturnahe Mischbestände von (Fichten)-Tannen-Buchenwald bzw. laubholzreiche Mischbestände überführt werden;
7. im Bereich der Felsen, Schutthalden, Mergelrutschhalden und Blaugrashalden auf eine Förderung des Baumbewuchses verzichtet wird und einzelne, zu stark beschattende Bäume entfernt werden;
8. in allen Waldbeständen ein naturnaher Waldaufbau unter besonderer Berücksichtigung seltener, stand­orttypischer Baumarten gefördert wird;
9. Kahlhiebe eine Fläche von 0,5 ha nicht überschreiten;
10. bei der forstlichen Nutzung auf die Standorte und Wohnstätten von Pflanzen und Tieren, insbesondere stark gefährdeter Arten wie Amethyst-Schwingel, Eibe und Haselhuhn, größtmögliche Rücksicht genommen wird;
11. Wegeneubaumaßnahmen im Einvernehmen mit der höheren Naturschutzbehörde erfolgen;
12. die Schutzbehandlung von Nadelstammholz nur mit zugelassenen Mitteln erfolgt.
(2) Für die Ausübung der Jagd gelten die Verbote des § 4 nicht, wenn sie ordnungsgemäß erfolgt. Voraussetzung ist weiter, dass auf Magerrasen sowie grasreichen, lichten und trockenen Rasenplätzen im Wald keine Fütterungsstellen und keine Kirrungen angelegt werden.
(3) Unberührt bleibt auch die sonstige bisher rechtmäßigerweise ausgeübte Nutzung der Grundstücke und Gewässer sowie der rechtmäßigerweise bestehenden Einrichtungen in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang sowie deren Unterhaltung und Instandsetzung.
(1) Schutz- und Pflegemaßnahmen werden durch die höhere Naturschutzbehörde im Einvernehmen mit der höheren Forstbehörde und dem zuständigen Staatlichen Forstamt in einem Pflegeplan oder durch Einzelanordnung festgelegt. § 4 dieser Verordnung ist insoweit nicht anzuwenden.
(2) Die wissenschaftliche Betreuung des Schonwaldes obliegt der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg.
Von den Vorschriften dieser Verordnung kann nach § 63 NatSchG durch die höhere Naturschutzbehörde Befreiung erteilt werden, wobei das Einvernehmen mit der höheren Forstbehörde herzustellen ist.
(1) Ordnungswidrig im Sinne des § 64 Abs. 1 Nr. 2 NatSchG handelt, wer vorsätzlich oder fahrlässig im Naturschutzgebiet eine der nach § 4 dieser Verordnung verbotenen Handlungen vornimmt.
(2) Ordnungswidrig im Sinne des § 83 Abs. 3 LWaldG handelt, wer im Schonwald vorsätzlich oder fahrlässig eine der nach § 4 dieser Verordnung verbotenen Handlungen vornimmt.
Freiburg i. Br., den l6. Januar 2001
Körperschaftsforstdirektion Freiburg