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Timestamp: 2017-06-29 05:28:04
Document Index: 366904246

Matched Legal Cases: ['BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 315', '§ 315']

Die Rezensenten: Rezension: Materielles Strafrecht im Assessorexamen
/ Holleck / Hadeler, Materielles Strafrecht im Assessorexamen, 3. Auflage,
Vahlen 2016
In mittlerweile 3. Auflage haben die
beiden Autoren Holleck und Hadeler nun den vorliegenden Überblick über das
materielle Strafrecht im Assessorexamen verfasst. Es handelt sich hierbei um
ein fast dreihundert Seiten starkes Skript, dass maßgeblich auf der
Skriptenkonzeption der bekannten „Kaiserseminare“ fußt. So ist schon das DIN A4
Format mit einem breiten Rand für Notizen ein deutliches Zeichen, dass eher ein
ausgearbeitetes Skript vorliegt, als ein juristisches Lehrbuch im herkömmlichen
Sinne. Bestätigt wird dieser erste Eindruck auch durch die Aufmachung der
Texte. Es finden sich zahlreiche grau hinterlegte Kästchen im Text, die auf
besondere Probleme hinweisen und eingeleitet werden durch Worte wie „Beachte“,
„Merke“ oder „Klausurtipp“. Auch das eher übersichtliche Literaturverzeichnis,
dass mit lediglich drei Nachweisen auskommt (S. XVII) weist klar darauf hin,
dass die Konzeption des Buches gerade nicht dahin geht, als Arbeitsmittel mit
wissenschaftlichem Anspruch gelten zu wollen, sondern vielmehr das Lernen des
Lesers in den Vordergrund stellt. Entsprechend sparsam sind Literatur und
Rechtsprechungsnachweise in den Fußnoten angebracht. In der Regel werden die
Standardkommentare von Meyer-Goßner/Schmitt und Fischer bzw. die Rechtsprechung
des BGH zitiert. Angesichts des Buchzuschnitts ist dies überhaupt nicht zu
Das Buch bietet natürlich, wie es auch
in dem Titel angibt einen Überblick über das gesamte materielle Strafrecht,
soweit es üblicherweise Gegenstand von Examensarbeiten ist. Die Autoren haben
hierzu laufend Examensklausuren ausgewertet, um eine richtige
Schwerpunktsetzung für ihr Buch zu finden. Natürlich wird – wie im materiellen
Strafrecht üblich – zwischen Allgemeinem Teil (= Teil 1) und Besonderem Teil
des StGB (= Teil 2) unterschieden. Die ersten 65 Seiten sind so den allgemeinen
Fragen des Strafrechts gewidmet. Es finden sich erwartungsgemäß Ausführungen zu
Täterschaft und Teilnahme, Versuch und Rücktritt, zu Fahrlässigkeitsdelikten,
Unterlassungsdelikten, erfolgsqualifizierten Delikten Rechtfertigung-und
Entschuldigungsgründen und natürlich auch zu Irrtümern und Konkurrenzfragen.
Die Darstellung ist freilich gedrängt.
Meinungsstreitigkeiten werden anders als in Lehrbüchern des Studiums nicht
ausführlich dargestellt, sondern als weitgehend bekannt vorausgesetzt. So
findet sich etwa im Bereich der Irrtümer glücklicherweise nicht die gesamte
Meinungsvielfalt, wie sie zum Erlaubnistatbestandsirrtum vertreten wurde bzw.
vertreten wird. Bekanntermaßen ist die Problematik in der Praxis nahezu ohne
Relevanz. Vielmehr zeigen die Autoren grundsätzlich das Problem des Erlaubnistatbestandsirrtums
auf, grenzen diesen von anderen Irrtümern ab und zeigen dabei die Falllösung
anhand der BGH-Rechtsprechung auf. Aktuelle Rechtsprechung wird berücksichtigt,
so der berühmte „Hell`s Angels“-Fall (BGH NStZ 2012, 272). Ähnlich wird an
anderen Stellen im allgemeinen Teil vorgegangen. Hierzu bedienen sich die
Autoren zahlreicher Beispiele, die sie grafisch hervorgehoben haben, so etwa im
Bereich der Prüfung der Fahrlässigkeitsdelikte (S. 22-27). Hier lassen sich
allein 10 Beispiele üblicher Fahrlässigkeitsprobleme, wie sie in der Praxis
anzutreffen sind finden.
Hilfreich im Rahmen der Erörterungen zum
Allgemeinen Teil ist auch ein ausführliches Prüfungsschema zur Behandlung der
Konkurrenzen (S. 61), die erfahrungsgemäß in der Ausbildung immer wieder
Schwierigkeiten machen. Natürlich wird empfohlen, zunächst zu prüfen, ob
Handlungseinheit nach üblichen Kriterien vorliegt. Im zweiten Prüfungsschritt
soll gefragt werden, ob eine so genannte unechte Konkurrenz, also eine
Gesetzeskonkurrenz vorliegt. Stichworte sind hier bekanntermaßen Spezialität,
Subsidiarität, Konsumtion, mitbestrafte Vortat und mitbestrafte Nachtat. Für
einen dritten Prüfungsschritt schlagen die Autoren vor, dann noch verbliebene
Delikte jeweils in das Verhältnis von Tateinheit und Tatmehrheit zu setzen.
Sinnvollerweise stellen die Autoren dieses Prüfungsschema an sich und auch nachfolgend
die genutzten Begrifflichkeiten ausführlich dar. Schließlich geben sie auch
Beispiele dafür, wie das Schema angewendet werden kann.
Schwerpunkt des Buches ist natürlich der
Besondere Teil. Hier sind die Autoren auch intern noch einmal schwerpunktmäßig
vorgegangen. Sie haben die klausurrelevanten Probleme nach vorne gestellt und
als letzte Deliktsgruppe auf etwa 80 Seiten die sonstigen Delikte aufgenommen.
Hier finden sich dann z.B. Sachbeschädigungs-, Urkunds- und Beleidigungsdelikte.
Besonders ausführlich werden dagegen die
für Klausuren typischerweise wichtigen Deliktsgruppen dargestellt, so etwa die
Straftaten gegen das Leben und die körperliche Unversehrtheit. Im Anschluss
finden sich Eigentums-und Vermögensdelikte, dann Raub und raubähnliche Delikte
und schließlich die Straßenverkehrsdelikte. Auch hier verlieren sich die
Autoren nicht jeweils in langatmigen dogmatischen Ausführungen, sondern
versuchen, den Leser unmittelbar auf das Problem der jeweiligen Vorschrift
hinzuweisen. Ein schönes Beispiel hierfür sind etwa die Ausführungen zum
Betrug, die sich zwischen Seite 109 und 126 finden. Im Großen und Ganzen finden
sich hier viele Themen, die den Lesern bereits aus dem ersten Staatsexamen
bekannt sind. Wie schon in anderen Bereichen wurde auch hier jedoch auf die
Darstellung von Mindermeinungen verzichtet. Vielmehr geht das Buch vornehmlich
anhand der BGH-Rechtsprechung vor und zeigt dem Leser auf, wie in der Praxis
übliche Fallkonstellationen bearbeitet werden. Dies macht durchaus Sinn, da
auch die Prüfer im zweiten Staatsexamen bekanntermaßen aus der Praxis kommen,
zwar die Meinungsstreitigkeiten kennen, jedoch auch ihre praktische Relevanz
für sich gut einschätzen können. Im Rahmen des Betruges werden so etwa bloße
Werturteile und Meinungsäußerungen von einer echten Täuschungshandlung
abgegrenzt. Das Problem von „Ping-Anrufen“ wird etwa dargestellt und auch
Fragen rund um den Gebrauchtwagenkauf. Natürlich fehlt auch nicht die überhöhte
Wechselgeldrückgabe, ein Klassiker juristischer Klausuren und Prüfungen. Die
praxisrelevante Frage des Umgangs mit Zweifeln des Geschädigten an der
Richtigkeit erklärter Tatsachen wird ebenso erörtert, wie die Abgrenzung
zwischen Trickdiebstahl und Sachbetrug. Natürlich darf auch der Dreiecksbetrug
der Besitzbetrug oder Fragen illegaler Geschäfte im Rahmen eines Betruges nicht
fehlen. Schließlich finden sich noch die schadensgleichen Vermögensgefährdungen
mit den üblichen Problemfällen, wie etwa dem so genannten persönlichen Schadenseinschlag.
Für alle Fragen werden ausführliche Beispiele, in der Regel unterfüttert mit
Rechtsprechungsnachweisen, angeführt. Ebenso gut gefallen die Darstellungen der
Straßenverkehrsdelikte, so etwa des § 315c StGB. Hier wird ausgehend von der
Tatbestandsstruktur jedes Problem des § 315c StGB beleuchtet. In diesem Rahmen
werden auch Fragen rund um die alkoholbedingte Fahruntüchtigkeit dargestellt. Zu
Recht: Bekanntermaßen wird auch von Referendaren Basiswissen zur
Alkoholwirkung, dem Alkoholabbau und der Ermittlung der
Tatzeitblutalkoholkonzentration gefordert. Hierzu finden sich ausführliche
Darstellungen auf S. 168.
In ähnlicher Art und Weise werden alle
weiteren Delikte erörtert. Für Referendare ist das Buch dementsprechend nicht
nur zu unmittelbaren Examensvorbereitung geeignet, sondern auch als
Nachschlagewerk im Rahmen einer Sitzungsvorbereitung oder sogar in der Sitzung
als Sitzungsvertreter der Staatsanwaltschaft. Hierfür ist auch sehr hilfreich,
dass das 9-seitige Stichwortverzeichnis sehr gut gepflegt ist. Natürlich findet
sich auch zu Beginn des Buches ein Inhaltsverzeichnis, das einen schnellen
Überblick über den Inhalt, also insbesondere über die einzelnen dargestellten
Delikte gibt. Das Buch kann so uneingeschränkt jedem Referendar ans Herz gelegt
werden, der bei einer Stoffwiederholung und Examensvorbereitung nicht auf
stapelweise Lehrbuchliteratur aus dem Studium setzen will, sondern einen
praxisnahen Überblick über alle examensrelevanten Fragen bekommen möchte. Dabei
ist auch zu bedenken, dass der Ladenpreis von nur 24,90 € für ein derartiges
Buch sehr moderat erscheint.