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Timestamp: 2016-10-20 21:23:19
Document Index: 33834214

Matched Legal Cases: ['Art. 41', 'Art. 41', 'Art. 754', 'Art. 722', 'Art. 717', 'BGE', 'BGE', 'Art. 752', 'Art. 753', 'Art. 717', 'Art. 55', 'Art. 3', 'Art. 8', 'Art. 8', 'BGE', 'Art. 8', 'BGE', 'BGE', 'Art. 8', 'Art. 8', 'BGE', 'Art. 759', 'Art. 156', 'Art. 159']

4C.201/2001 (19.06.2002)
4C.201/2001 /rnd
Corboz, Klett, Rottenberg Liatowitsch, Ersatzrichter Schwager,
Beklagter und Berufungskl�ger, vertreten durch Rechtsanwalt Werner Goldmann, Dorfstrasse 16, Postfach 255,
Kl�gerin und Berufungsbeklagte, vertreten durch Rechtsanwalt Dr. J�rg Purtschert, Cysatstrasse 1, 6004 Luzern.
Berufung gegen das Urteil des Obergerichts des Kantons Luzern, I. Kammer, vom 6. April 2001.
Die 1959 gegr�ndete "Bank X.________" bet�tigte sich haupts�chlich im Hypothekargesch�ft und verf�gte nach mehrmaligen Kapitalerh�hungen ab Herbst 1988 �ber ein Aktienkapital von f�nfzehn Millionen Franken. Alleinaktion�r war seit 1987 B.________, der im Herbst 1971 in den Verwaltungsrat der Bank gew�hlt worden war und einige Monate sp�ter das Vizepr�sidium �bernommen hatte. Die Gesch�ftsf�hrung, insbesondere auch der Kreditbereich, oblag Direktor C.________. Seit November 1985 bestand eine sog. Kreditkommission, der jeweils drei Verwaltungsr�te angeh�rten und die gem�ss Gesch�ftsreglement �ber Kreditgesuche entschied, soweit diese nicht in den Kompetenzbereich der Gesch�ftsleitung oder des Gesamtverwaltungsrates fielen. Als bankengesetzliche Revisionsstelle und gleichzeitige aktienrechtliche Kontrollstelle amtierte die Revisionsgesellschaft D.________.
An der Universalversammlung vom 16. Mai 1989 wurde A.________ in den Verwaltungsrat der Bank X.________ gew�hlt. C.________ war damals bereits seit Anfang April 1989 krankheitshalber beurlaubt. Eine im Fr�hling 1989 gegen zwei Kunden der Bank X.________ im Kanton Tessin eingeleitete Strafuntersuchung wurde in der Folge auf C.________ ausgedehnt und f�rderte den Verdacht zutage, dass er zusammen mit F.________, der dem Verwaltungsrat der Bank X.________ und dessen Kreditkommission angeh�rte und sich als Immobilientreuh�nder und -vermittler bet�tigte, bei vielen Finanzierungen durch die Bank X.________ private Provisionen bezogen hatte. Am 15. Juni 1989 entliess die Bank X.________ C.________ aufgrund eines Gest�ndnisses fristlos und berief F.________ ohne Entlastung als Verwaltungsrat ab. Tags darauf wurde C.________ im Tessin verhaftet. Er nahm sich am 15. Juli 1989 im Gef�ngnis das Leben. Nach dem Ausscheiden von C.________ wurde die Bank interimistisch durch den Vizedirektor G.________, die Kreditsachbearbeiterin H.________ und den Buchhalter I.________ gef�hrt. A.________ nahm am 29. August 1989 erstmals an einer Verwaltungsratssitzung teil, an welcher unter mehreren Kreditgesch�ften auch ein Kredit von zwei Millionen Franken an K.________ genehmigt wurde.
Aufgrund einer Verschlechterung der finanziellen Lage hatte die Bank X.________ bereits im Juli 1989 eine Neusch�tzung s�mtlicher belehnter Liegenschaftsobjekte im Tessin in Auftrag gegeben. Die Anfang 1990 vorliegenden neuen Verkehrswertsch�tzungen waren besorgniserregend und bedingten bei der Bank X.________ eine Erh�hung des Wertberichtigungsbedarfs von zweiunddreissig Millionen Franken per Ende 1988 auf rund sechzig Millionen Franken. Ebenso zeichneten sich Probleme bei der Ertragslage ab. Mit Entscheid vom 6. April 1990 entzog die Eidgen�ssische Bankenkommission der Bank X.________ die Bewilligung zur Aus�bung der Gesch�ftst�tigkeit als Bank und setzte die L.________Bankenpr�fung als Liquidatorin ein. Diese leitete ein Nachlassverfahren nach der Verordnung �ber Nachlassverfahren f�r Banken und Sparkassen ein. Mit Entscheid vom 27. August 1992 best�tigte die Schuldbetreibungs- und Konkurskommission des Obergerichts des Kantons Luzern den von der Liquidatorin vorgeschlagenen Nachlassvertrag mit Verm�gensabtretung.
Am 15. Mai 1997 reichte die Bank X.________ in Nachlassliquidation beim Amtsgericht Luzern-Stadt gegen A.________ Klage ein und verlangte die Zahlung von Fr. 1'000'000.-- nebst 5% Zins seit 6. April 1990 unter solidarischer Haftbarkeit mit den weiteren, von der Kl�gerin in einem separaten Verfahren vor derselben Instanz gerichtlich belangten Organen der Bank. Mit Urteil vom 30. Juni 1999 wies das Amtsgericht Luzern-Stadt die Klage ab. Die dagegen von der Kl�gerin eingereichte Appellation hiess das Obergericht des Kantons Luzern (I. Kammer) mit Urteil vom 6. April 2001 teilweise gut und verpflichtete den Beklagten zur Zahlung von Fr. 155'000.-- nebst 5% Zins seit 6. April 2001.
Gegen das Urteil des Obergerichts des Kantons Luzern hat der Beklagte staatsrechtliche Beschwerde und Berufung erhoben. Die staatsrechtliche Beschwerde ist mit Urteil vom heutigen Tag abgewiesen worden. Mit der vorliegenden Berufung beantragt der Beklagte die Aufhebung des angefochtenen Urteils und die vollst�ndige Abweisung der Klage. Die Kl�gerin schliesst auf Abweisung der Berufung.
Das Obergericht kam zum Ergebnis, dem Beklagten k�nne nicht als Verletzung der Sorgfaltspflicht angelastet werden, dass er als Verwaltungsrat in der Zeit zwischen seiner Wahl und seiner ersten Verwaltungsratssitzung nicht den Erlass eines generellen Kreditstopps gefordert habe. Hingegen betrachtete das Obergericht die Gew�hrung des Kredites von Fr. 2'000'000.-- an K.________ vom 29. August 1989 als Verstoss gegen die Sorgfaltspflicht. Als Sicherheit des Kredites dienten Stockwerkeigentumseinheiten einer Liegenschaft in Stans. Die vorgehende Pfandbelastung wurde im Formular "Kreditvorlage/Antrag" auf der von den Mitgliedern des Verwaltungsrates unterzeichneten Seite mit Fr. 5'000'000.-- beziffert. Bei der Kreditgew�hrung haben nach den Feststellungen des Obergerichts keine Angaben zur Kreditf�higkeit und Kreditw�rdigkeit des Schuldners vorgelegen. Ebenso fehlte eine seri�se Verkehrswertsch�tzung des belehnten Objekts. Wurde jedoch auf die Sch�tzung von B.________ (Fr. 7'000'000.--) abgestellt, ergab sich mit dem Kredit der Bank X.________ eine Belehnung zu 100%. Dabei vermochten die veranschlagten Mietzinsen den Gesamtbetrag der Hypothekarzinsen nicht zu decken. Bei der Schadensberechnung ging das Obergericht davon aus, dass der Bank X.________ auf dem Kredit an K.________ ohne Aufrechnung von Zinsen ein reiner Schaden von Fr. 1'492'925.-- erwachsen ist. Damit wurde bereits ber�cksichtigt, dass die Bank auch bei einer ordnungsgem�ssen Kreditvergabe wegen des Preissturzes auf dem Immobilienmarkt einen Verlust erlitten h�tte. F�r den tats�chlichen Verkehrswert des belehnten Objekts stellte das Obergericht auf eine Bewertung ab, welche die N.________ im Rahmen einer Expertise, die das Amtsgericht Luzern-Stadt im Parallelverfahren gegen B.________ angeordnet hatte, im April 1998 vorgenommen hatte und welche auf den Zeitpunkt des Kreditentscheides vom 29. August 1989 einen Verkehrswert von Fr. 6'250'000.-- ermittelte. Wegen des geringen Verschuldens des Beklagten setzte das Obergericht den von ihm zu ersetzenden Teil des Schadens auf Fr. 100'000.-- fest, auf welchen Betrag es f�r die Zeit von der Kreditvergabe bis zum Urteilsdatum ein Zinsbetreffnis von Fr. 55'000.-- aufrechnete.
Der Beklagte wirft der Vorinstanz bez�glich der Verantwortlichkeit aus der Kreditvergabe an K.________ in verschiedenen Punkten einen Verstoss gegen Art. 41 des Bundesgesetzes �ber die Banken und Sparkassen vom 8. November 1934 (BankG; SR 952.0) vor. Gem�ss Art. 41 BankG sind die mit der Gesch�ftsf�hrung oder mit der Oberleitung, Aufsicht und Kontrolle einer Bank betrauten Personen sowohl der Bank als den einzelnen Gesellschaftern und Gl�ubigern f�r den Schaden verantwortlich, den sie durch absichtliche oder fahrl�ssige Verletzung der ihnen obliegenden Pflichten verursachen. Diese Gesetzesbestimmung entspricht fast w�rtlich Art. 754 Abs. 1 aOR, welcher seinerseits bei der Aktienrechtsrevision von 1991 nur geringf�gige Anpassungen erfahren hat. F�r die Voraussetzung der Verantwortlichkeit der Organe einer Bank gelten somit die gleichen Grunds�tze wie f�r die Verantwortlichkeit der Organe jeder Aktiengesellschaft.
2.1 Der Beklagte verneint das Vorliegen einer Pflichtverletzung bei der Gew�hrung des Kredites an K.________ durch den Verwaltungsrat und r�gt die gegenteilige Auffassung des Obergerichts als Verstoss gegen Bundesrecht.
2.1.1 Gem�ss Art. 722 Abs. 1 aOR, welchem heute Art. 717 Abs. 1 OR entspricht, hat die Verwaltung die Gesch�fte der Gesellschaft mit aller Sorgfalt zu leiten. Diese Bestimmung gilt, obwohl im Bankengesetz nicht enthalten, auch f�r die Verwaltung einer Bankaktiengesellschaft (BGE 97 II 403 E. 5b S. 411).
Bei der Pr�fung, ob die n�tige Sorgfalt aufgewendet wurde, ist jedes get�tigte Gesch�ft, zumindest wenn es von einiger Bedeutung ist und der Verwaltungsrat dar�ber selbst entschieden hat, einzeln zu beurteilen. Wenn das Obergericht eine Pflichtverletzung des Beklagten bez�glich der allgemeinen Kreditpolitik der Bank ab seinem Eintritt in den Verwaltungsrat bzw. der Aufnahme seiner T�tigkeit verneint hat, schliesst dies entgegen der Auffassung des Beklagten nicht aus, dass er sich durch eine Verletzung der Sorgfaltspflicht bei der Vergabe des Kredites an K.________ verantwortlich gemacht hat.
F�r die Sorgfalt, welche der Verwaltungsrat bei der F�hrung der Gesch�fte der Gesellschaft aufzuwenden hat, gilt ein objektiver Massstab. Die Verwaltungsr�te sind zu aller Sorgfalt verpflichtet und nicht nur zur Vorsicht, die sie in eigenen Gesch�ften anzuwenden pflegen (BGE 113 II 52 E. 3a S. 56). Das Verhalten eines Verwaltungsratsmitgliedes wird deshalb mit demjenigen verglichen, das billigerweise von einer abstrakt vorgestellten, ordnungsgem�ss handelnden Person in einer vergleichbaren Situation erwartet werden kann (B�ckli, Schweizer Aktienrecht, 2. Aufl. Z�rich 1996, Rz. 1619; gleich B�rgi/Nordmann, Z�rcher Kommentar, N. 15 zu Art. 752 OR i.V. mit N. 89 zu Art. 753/754 OR unter dem Gesichtspunkt der Fahrl�ssigkeit). Verf�gt ein Verwaltungsratsmitglied in einem Fachbereich �ber �berdurchschnittliche Kenntnisse und ist dies der Gesellschaft bekannt, so ist f�r ihn in diesem Bereich ein h�herer Massstab anzulegen (Watter, Basler Kommentar, N. 5 zu Art. 717 OR). Unter diesem Gesichtspunkt f�llt in Betracht, dass der Beklagte ausgebildeter Betriebswirtschafter mit dem Abschluss als Dr.oec. ist. Auch wenn er nach seinen Angaben nicht als Kreditfachmann, sondern als Anlagespezialist in den Verwaltungsrat der Bank gew�hlt worden ist und er nicht dem Kreditausschuss angeh�rte, ist nach dem erw�hnten Massstab doch auf die durchschnittlichen Kenntnisse eines Betriebswirtschafters mit diesem Ausbildungsgang abzustellen.
2.1.2 Das Obergericht erblickte zu Recht eine Verletzung der Sorgfaltspflicht im Umstand, dass beim Entscheid �ber die Kreditvergabe keine Angaben �ber die Kreditf�higkeit und Kreditw�rdigkeit des Schuldners vorgelegen haben. Bei einem Kredit in der bewilligten H�he bedeutet dies f�r jedes Verwaltungsratsmitglied ungeachtet seiner Ausbildung eine klare Pflichtverletzung. Daran �ndert der Umstand nichts, dass der Kredit an K.________ an der ersten Sitzung des Verwaltungsrates, an welcher der Beklagte teilgenommen hat, gesprochen wurde. Die einfache Frage, wie es um die Kreditf�higkeit und Kreditw�rdigkeit des Schuldners bestellt sei bzw. ob und wie diese abgekl�rt worden sei, h�tte noch keineswegs ein rigoroses Eingreifen des Neulings bedeutet. Gerade wenn er mit den internen Abl�ufen noch nicht vertraut war, h�tte er diese elementare Frage aufwerfen m�ssen und w�re ihm dieses Verhalten auch nicht verargt worden. Auch die Zustimmung des an der Sitzung nicht anwesenden Alleinaktion�rs zum Kredit entband ihn nicht davon. Ebenso wenig f�hrte der Umstand, dass der Beklagte davon ausging, bei der Bank X.________ handle es sich um ein finanziell gesundes Unternehmen, zu einem niedrigeren Sorgfaltsmassstab oder einer anderen Beurteilung. Eine finanziell gesunde Basis erlaubt allenfalls, dass ein Unternehmen in einem klar beschr�nkten Rahmen eher Risiken eingehen kann als ein anderes Unternehmen. Voraussetzung bleibt aber auch dann, dass das Risiko bewusst eingesch�tzt und klar eingegrenzt wird (vgl. Grass, Management-Entscheidungen vor dem Richter, SZW 2000, 1 ff., insbesondere S. 3 und 4 f. zum sog. Business Judgement Rule-Konzept). Die Verletzung der Sorgfaltspflicht in Bezug auf einen konkreten Kreditentscheid wird entgegen der Auffassung des Beklagten nicht unbeachtlich aufgrund des Umstandes, dass im Zeitpunkt des Handelns des Verwaltungsrates eine Sch�digung der Gl�ubiger der Gesellschaft ausserhalb jeder Erwartung gelegen hat. Verantwortlich wird der Verwaltungsrat bereits dann, wenn sein Verhalten die Gesellschaft selbst sch�digt , d.h. deren Verm�gen beeintr�chtigt wird.
Der Beklagte macht weiter geltend, vor der Sitzung des Verwaltungsrates seien keine Akten zu den Kreditgesch�ften vorgelegt bzw. zugestellt worden. Zu diesem Punkt finden sich im angefochtenen Urteil keine tats�chlichen Feststellungen, weshalb davon auszugehen ist, dass es sich um ein neues Vorbringen handelt, welches gem�ss Art. 55 Abs. 1 lit c OG unzul�ssig und damit unbeachtlich ist. Dazu kommt, dass der behauptete Umstand den Vorwurf der Pflichtverletzung nicht entkr�ften k�nnte. Die Frage der Kreditf�higkeit und Kreditw�rdigkeit h�tte vom Beklagten trotzdem vor der Zustimmung zum Kredit aufgeworfen werden m�ssen. Zudem ist es kaum mit der Sorgfaltspflicht vereinbar, wenn ein Verwaltungsrat Kredite in dieser H�he ohne Vorliegen der wesentlichen Angaben und deren n�heres Studium lediglich aufgrund von Informationen bewilligt, die ihm erstmals in der Sitzung des Verwaltungsrats bekannt gemacht werden. Denn die in solchen Sitzungen verf�gbare Zeit reicht in der Regel nicht f�r eine eingehende Pr�fung der Angaben aus.
2.1.3 Der Beklagte wendet weiter ein, er habe beim Kreditentscheid auf die Richtigkeit der zur Verf�gung stehenden Sch�tzungen des Pfandobjekts vertrauen d�rfen. Ein gewisses h�heres Risiko sei auch aufgrund der Vereinbarung eines h�heren Zinses als �blich vertretbar gewesen. Das Obergericht hat indessen die Verletzung der Sorgfaltspflicht nicht damit begr�ndet, dass beim Kreditentscheid das angegebene Ergebnis der Sch�tzung von B.________, welche auf sieben Millionen Franken lautete, nicht �berpr�ft worden ist, sondern damit, dass der bewilligte Kredit zu einer Belehnung des Objektes zu 100% f�hrte. Unerheblich sind deshalb in diesem Zusammenhang auch die weiteren Ausf�hrungen des Beklagten zur Sch�tzung der N.________ sowie zur R�ckrechnung, welche sich nach seiner Auffassung aus der sp�teren Sch�tzung der M.________ AG per 1. Januar 1992 ergeben soll. Entgegen den Ausf�hrungen des Beklagten lagen auch keine anderen Verkehrswertsch�tzungen vor, welche einen h�heren Wert des Pfandobjektes auswiesen (vgl. Urteil �ber die staatsrechtliche Beschwerde E. 1.3).
Nach den Feststellungen des Obergerichts, welches sich auf die Angaben im Gutachten der N.________ st�tzt, war f�r sog. 2. Hypotheken eine Belehnungsgrenze von 85% angesichts der euphorischen Stimmung und der Praxis im damaligen Zeitpunkt noch vertretbar. Eine Belehnungsmarge von 15% sei eine allgemein �bliche Vorsichtsmassnahme gewesen. Daraus ergibt sich, dass sich ein �berschreiten dieser Belehnungsgrenze und das damit stark ansteigende Risiko auch nicht mit einem gewissen Zinszuschlag rechtfertigen l�sst. Mit dem Schuldner K.________ wurde ein Hypothekarzins von 7,25% zuz�glich 0,25% Kommission pro Quartal vereinbart. Der Zinszuschlag gegen�ber neuen 2. Hypotheken war somit nur gering und reicht deshalb zur Rechtfertigung nicht aus.
Eine Belehnung zu 100% l�sst sich auch nicht damit rechtfertigen, dass es sich um einen Betriebskredit handelte, womit das Grundpfand nur eine zus�tzliche Deckung nebst dem Betriebsverm�gen dargestellt habe. Auch bei einem Betriebskredit muss damit gerechnet werden, dass er ganz ausgesch�pft wird. Der gew�hrte Betriebskredit verschaffte der Bank zudem keinerlei Sonderrecht f�r eine Befriedigung aus dem Betriebsverm�gen; f�r den Zugriff auf dieses als Haftungssubstrat war sie vielmehr mit allen anderen Gl�ubigern gleichgestellt.
2.1.4 Das Obergericht weist im Zusammenhang mit dem Vorwurf der Verletzung der Sorgfaltspflicht auch darauf hin, dass die veranschlagten Mietzinse des Pfandobjekts die gesamten anfallenden Hypothekarzinsen nicht zu decken vermocht h�tten. Die Differenz belief sich nach seiner Berechnung auf j�hrlich Fr. 5'000.--. Entgegen der Auffassung des Beklagten ist dies nicht ein Risiko, das eine Bank ohne weiteres eingehen darf. Nebst den Hypothekarzinsen fallen noch betr�chtliche andere Liegenschaftsaufwendungen an, welche aus den Mietzinseinnahmen gedeckt werden m�ssen. Obschon es sich um einen Betriebskredit handelte, musste mit dessen voller Beanspruchung gerechnet werden. Der Vergleich best�tigt damit, dass die Fremdkapitalkosten f�r den Kreditnehmer nicht tragbar waren.
Der Verwaltungsrat der Bank hat somit, wie das Obergericht im angefochtenen Urteil zutreffend festh�lt, bei der Vergabe des Kredits von zwei Millionen Franken an K.________ in mehrfacher Hinsicht gegen die ihm obliegende Sorgfaltspflicht verstossen.
2.2 Unter dem Gesichtspunkt des Verschuldens versucht sich der Beklagte vor allem mit dem Hinweis zu entlasten, dass es sich bei der Sitzung vom 29. August 1989 um die erste Verwaltungsratssitzung gehandelt habe, an welcher er teilgenommen habe. Zu jenem Zeitpunkt habe er keinerlei Kenntnis von der Arbeitsweise des Verwaltungsrates gehabt und insbesondere sei ihm der Ablauf der Kreditvergabe nicht bekannt gewesen. Zudem sei er als Anlagespezialist in den Verwaltungsrat gew�hlt worden und auch nicht Mitglied der Kreditkommission gewesen.
2.2.1 Das Obergericht hat dem Beklagten bei der Beurteilung des Verschuldens ausdr�cklich eine gewisse Einarbeitungzeit zugebilligt. Nach seiner Auffassung stand ihm jedoch in den dreieinhalb Monaten zwischen der Wahl und der ersten Teilnahme an einer Verwaltungsratssitzung gen�gend Zeit zur Verf�gung, um sich das Wissen anzueignen, welche Punkte bei einer Krediterteilung zu �berpr�fen und zu ber�cksichtigen sind und welche Dokumente ein Kreditdossier zu enthalten hat. Ausserdem seien diese Grundlagen und Zusammenh�nge der Krediterteilung nicht von einer solchen Komplexit�t gewesen, dass ein besonders hoher Zeitaufwand notwendig gewesen w�re, um sich in diese einzuarbeiten. Dem Beklagten als ausgebildetem Betriebswirtschafter habe bekannt sein m�ssen, dass Kredite nach Gesch�fts�bung nur erteilt werden, wenn die Risiken auf das Nichtvorhersehbare beschr�nkt werden, insbesondere wenn gen�gend Sicherheiten hinsichtlich des belehnten Objekts und der Person des Kreditnehmers vorhanden sind. Dass beim Fehlen einer Verkehrswertsch�tzung des Objekts und Abkl�rungen zur Bonit�t des Schuldners kein positiver Kreditentscheid gef�llt werden d�rfe, h�tte der Beklagte auch an seiner ersten Verwaltungssitzung wissen sollen und k�nnen.
Die Beurteilung durch die Vorinstanz steht im Einklang mit dem Bundesrecht. Das Ungen�gen der Angaben und Unterlagen f�r den Kreditentscheid war derart offensichtlich, dass es auch keiner Ausbildung als Betriebswirtschafter bedurft h�tte, um dieses zu erkennen. An die Mitglieder des Verwaltungsrates einer Bank stellt das Gesetz zudem erh�hte Anforderungen, indem sie Gew�hr f�r eine einwandfreie Gesch�ftst�tigkeit bieten m�ssen (Art. 3 Abs. 2 lit. c BankG). Klar voraussehbar war auch, dass aus den ungen�genden Abkl�rungen der Voraussetzungen f�r eine Kreditvergabe die Gefahr einer Sch�digung der Kreditgeberin entstehen konnte. Das Vorliegen eines Verschuldens des Beklagten ist somit mit der Vorinstanz zu bejahen.
2.2.2 Von untergeordneter Bedeutung ist der im Zusammenhang mit der Gewichtung des Verschuldens im angefochtenen Urteil enthaltene Hinweis, dem Beklagten h�tten im Formular "Kreditvorlage/Antrag" die widerspr�chlichen Angaben bez�glich Deckung und Vorgang auffallen m�ssen. Ein Verschulden w�re auch zu bejahen, wenn der Beklagte gem�ss seiner Darstellung nur Kenntnis von dem einen Blatt gehabt h�tte, auf welchem sich auch die Unterschriften der Mitglieder des Verwaltungsrates finden. Widerspr�che in den Angaben w�ren f�r ihn dann zwar nicht feststellbar gewesen; der Vorwurf, dass die vorhandenen Angaben f�r einen positiven Kreditentscheid nicht gen�gen konnten, verbliebe aber auch in diesem Fall. Unbegr�ndet ist der vom Beklagten in diesem Zusammenhang erhobene Vorwurf der Verletzung von Art. 8 ZGB. Dass er auch von den anderen vier Seiten des genannten Formulars Kenntnis gehabt habe, hat der Beklagte im kantonalen Verfahren nie ausdr�cklich bestritten, sodass dem Obergericht nicht vorgeworfen werden kann, es habe eine bestrittene Tatsache ohne Beweisabnahme als gegeben angenommen. Ob eine Tatsache als behauptet bzw. als bestritten zu gelten hat, richtet sich im �brigen nach dem kantonalen Recht, dessen Anwendung im Berufungsverfahren nicht �berpr�ft werden kann.
2.3 Bez�glich der Schadensberechnung wirft der Beklagte dem Obergericht; vor, es habe den bundesgerichtlichen Schadensbegriff verkannt und Art. 8 ZGB verletzt. Er legt jedoch nicht n�her dar, inwieweit das Obergericht von einem unzutreffenden Schadensbegriff ausgegangen sein soll. Bei der Bestimmung des Wertes des belehnten Objekts im Zeitpunkt der Kreditvergabe st�tzte sich das Obergericht auf die Liegenschaftsbewertung der N.________ vom April 1998, welche diesen Wert retrospektiv ermittelt hat. Da die verantwortlichen Organe unterlassen hatten, im Zeitpunkt der Kreditvergabe selbst eine Verkehrswertsch�tzung zu veranlassen, kann das Ergebnis der KMPG nicht einfach wegen der sp�teren Beurteilung als hypothetisch abgetan werden. Schliesslich ist eine Frage der Beweisw�rdigung, ob der vom Obergericht angenommene seinerzeitige Verkehrswert zutrifft. Die Beweisw�rdigung durch die Vorinstanz ist indessen im Berufungsverfahren der �berpr�fung durch das Bundesgericht entzogen (BGE 126 III 189 E. 2a S. 191 mit Hinweisen).
Art. 8 ZGB wird nach der Rechtsprechung des Bundesgerichts verletzt, wenn der kantonale Richter Behauptungen einer Partei unbek�mmert darum, dass sie von der Gegenpartei bestritten worden sind, ohne Beweisabnahme als richtig hinnimmt (BGE 114 II 289 E. 2 S. 290) oder taugliche und formg�ltig beantragte Beweise zu rechtserheblichen Tatsachen nicht abnimmt und dann von einem offenen Beweisergebnis ausgeht (BGE 123 III 35 E. 2b S. 40). Keine Verletzung von Art. 8 ZGB liegt demgegen�ber vor, wenn der Richter den Beweis einer bestrittenen Tatsache aufgrund eines einzigen Dokumentes (hier Liegenschaftsbewertung der N.________ vom April 1998) als erbracht betrachtet. Dabei handelt es sich um eine Frage der Beweisw�rdigung, die nicht durch Art. 8 ZGB geregelt wird. Der Beklagte macht nicht geltend, dass das Obergericht zur Frage des Verkehrswertes des Pfandobjekts im Zeitpunkt der Kreditvergabe die Abnahme von Beweisen, die er frist- und formgerecht beantragte, unterlassen h�tte. Der von ihm beanstandete Hinweis im angefochtenen Urteil, dass er keinen Beweis f�r einen h�heren Wert angetreten habe, bedeutete deshalb keine Umkehr der Beweislast.
2.4 Der Beklagte r�gt schliesslich, das Obergericht habe zu Unrecht den ad�quaten Kausalzusammenhang zwischen seinem Verhalten und dem eingetretenen Schaden bejaht. Dabei geht er indessen von der irrigen Vorstellung aus, Voraussetzung daf�r sei gewesen, dass ein einzelner Kreditentscheid geeignet gewesen sei, einen Gl�ubigerschaden, d.h. den Konkurs herbeizuf�hren. Wie bereits dargelegt, wird der Beklagte jedoch verantwortlich gemacht f�r den Schaden, welcher aus der Kreditvergabe an K.________ der Gesellschaft erwachsen ist (vgl. vorne E. 2.1.2.).
Die Ad�quanz des Kausalzusammenhanges kann vom Beklagten sodann nicht in Frage gestellt werden mit dem Hinweis, auch ein pflichtgem�sses Verhalten seinerseits h�tte den Schadenseintritt nicht verhindern k�nnen, da der fragliche Kredit auch ohne seine Zustimmung erteilt worden w�re. Letzteres ist eine Tatsachenbehauptung, welche im angefochtenen Urteil keine Grundlage findet und damit unbeachtlich ist. Die Frage, ob der Schaden auch bei pflicht- bzw. rechtm�ssigem Verhalten der belangten Person eingetreten w�re, betrifft zudem den nat�rlichen Kausalzusammenhang, und ist deshalb einer �berpr�fung durch das Bundesgericht entzogen (vgl. BGE 123 III 110 E. 2 S. 111 mit Hinweisen). F�hrt der Beschluss eines Kollegialorgans zu einem Schaden, so kann sich ein zustimmendes Mitglied nicht darauf berufen, der Beschluss w�re auch ohne seine Stimme zustande gekommen. Da dieser Einwand von jedem zustimmenden Mitglied erhoben werden k�nnte, m�sste aufgrund des Einwandes f�r alle eine Haftung verneint werden. Anstelle einer solchen Entlastung unter dem Gesichtspunkt der Kausalit�t bewirkt das Zusammenwirken mehrerer Personen vielmehr eine Solidarhaftung (Art. 759 Abs. 1 OR bzw. aOR).
Die Berufung ist damit abzuweisen und das angefochtene Urteil zu best�tigen. Dem Ausgang des Verfahrens entsprechend ist die Gerichtsgeb�hr dem Beklagten aufzuerlegen (Art. 156 Abs. 1 OG). Er hat die Kl�gerin f�r das bundesgerichtliche Verfahren zu entsch�digen (Art. 159 Abs. 1 und 2 OG).
Die Berufung wird abgewiesen und das Urteil des Obergerichts des Kantons Luzern, I. Kammer, vom 6. April 2001 best�tigt.