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Timestamp: 2018-01-16 11:48:10
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Matched Legal Cases: ['§15', '§8', '§1', '§7', '§15', '§8']

Tierversuche verstehen Fragen und Antworten rund ums Thema Tierversuche
geschrieben von Björn Friedritz am 23. August 2017 @ 13:26 in Hintergrund | Kommentare sind deaktiviert
[vc_row][vc_column][vc_column_text]Warum führen Wissenschaftler Tierversuche durch? Warum nutzen sie dafür am häufigsten Mäuse? Und wo erfahren Forscher, welche Alternativmethoden es zum Tierversuch gibt? Diese und viele weitere Fragen mehr beantwortet unser FAQ.
Das deutsche Tierschutzgesetz [1] definiert Tierversuche als „Eingriffe oder Behandlungen zu Versuchszwecken an Tieren, wenn sie mit Schmerzen, Leiden oder Schäden für diese Tiere verbunden sein können“. Dazu zählen auch Versuche, bei denen Wissenschaftler das Erbgut eines Tieres verändern, sowie die Zucht von genetisch veränderten Tierlinien [2]. Tierversuche dienen in den meisten Fällen der Beantwortung einer wissenschaftlichen Fragestellung. Diese betreffen insbesondere die Grundlagenforschung [3], die Untersuchung und Behandlung von Krankheiten (bei Menschen und Tieren) sowie gesetzlich vorgeschriebene Giftigkeits- und Sicherheitsprüfungen [4] von Medikamenten und Chemikalien.
Durch die Grundlagenforschung [3] gewinnen Wissenschaftler Erkenntnisse darüber, wie der komplexe Organismus von Lebewesen funktioniert. Nur dadurch können sie verstehen, welche Prozesse im Körper ablaufen, wenn er erkrankt ist. Das ist die Grundvoraussetzung dafür, neue Medikamente und Therapien entwickeln oder verbessern zu können. Wissenschaftler setzen Tierversuche in der Grundlagenforschung ein, weil zahlreiche Zellprozesse genauso wie beim Mensch funktionieren. Auch die Vitalfunktionen lassen sich in vielen Fällen gut vergleichen, so zum Beispiel Gehör [6], Sehvermögen, Bewegungsabläufe [7], Atmung oder Verdauung. Bereits anhand von Mäusen lassen sich die komplexen Strukturen unseres Organismus untersuchen, so zum Beispiel das Nerven- und Immunsystem. Nicht nur die Gemeinsamkeiten, sondern auch die Unterschiede der verschiedenen Organismen können zum Erkenntnisgewinn der Wissenschaftler beitragen.
Tierversuche werden gebraucht, um neue Medikamente und Therapien zu entwickeln und zu testen. Bis heute sind darauf zahlreiche medizinische Errungenschaften [9] zurückzuführen. Ohne Tierversuche gäbe es heute beispielsweise keine Herzschrittmacher oder Hüftprothesen. Auch zahlreiche Operationstechniken wurden zunächst am Tier erprobt.
Bevor Medikamente für den Menschen zugelassen werden, untersuchen Wissenschaftler im Tierversuch gute und schlechte Effekte eines Wirkstoffs auf den Organismus. Diese Untersuchungen sind in vielen Fällen gesetzlich vorgeschrieben [4]. Darüber hinaus werden im Tierversuch weitere Informationen über die Wirksamkeit und richtige Dosierung eines Wirkstoffs gewonnen.
Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft veröffentlicht jedes Jahr die aktuellen Tierversuchszahlen [10]. Laut der jüngsten Erhebung aus 2015 wurden in Deutschland rund 2,8 Millionen Tiere für wissenschaftliche Zwecke eingesetzt. Davon wurden an 2.044.964 Tieren Versuche durchgeführt. 754.997 wurden für eine Organentnahme getötet (kein Tierversuch).
Am häufigsten wurden 2015 Mäuse eingesetzt (ca. 2 Millionen Tiere). Des Weiteren wurden rund 321.000 Ratten (11,7 Prozent), 199.000 Fische (7,2 Prozent), 44.000 Vögel (1,6 Prozent) für Versuchszwecke verwendet. Zum Vergleich: weitere Versuche wurden an 502 Katzen (0,02 Prozent), 2.424 Affen und Halbaffen (0,1 Prozent) und 2.437 Hunden (0,1 Prozent)für durchgeführt.
Weitere Hintergründe zu den aktuellen Versuchstierzahlen finden Sie hier [12].
Die meisten Versuchstiere für Forschungszwecke wurden 2015 in der Grundlagenforschung [3] (34,8 Prozent) und der translationalen und angewandten Forschung [3] (11,1 Prozent) verwendet.
Zahlreiche Tierversuche sind zudem im Rahmen des Verbraucherschutzes vorgeschrieben („regulatorische Zwecke [4]“): 2015 wurden 22,5 Prozent aller Versuchstiere für Sicherheitsprüfungen, Qualitätskontrollen oder toxikologische Prüfungen nach dem Chemikalien-, Arzneimittel- oder Lebensmittelhygienerecht eingesetzt. Diese sogenannten „regulatorischen Versuche“ bilden zum Beispiel die Voraussetzung dafür, dass ein Medikament zugelassen werden darf.
Weitere Tierversuche wurden für den Umweltschutz zum Wohl von Mensch und Tier (0,2 Prozent), zur Erhaltung der Art (1 Prozent), zu Aus-, Fort- und Weiterbildungszwecken (1,8 Prozent) und zur Erhaltungszucht von genetisch veränderten, belasteten Tierkolonien (1,6 Prozent) gemacht.
Insgesamt wurden 2.044.964 Tiere für wissenschaftliche Zwecke benötigt. Etwa 755.000 Tiere (27 Prozent) wurden ohne vorherige Eingriffe oder Behandlung getötet. An diesen Tieren wurden somit keine Tierversuche durchgeführt.
Im Tierschutzgesetz [1] ist festgelegt, dass Tierversuche nur von Personen geplant und durchgeführt werden dürfen, die über die dafür erforderlichen Kenntnisse und Fähigkeiten verfügen. Dazu zählen Veterinär-, Human-, Zahnmediziner und Biologen (Schwerpunkt Zoologie) mit einem abgeschlossenen Hochschulstudium und andere Personen mit vergleichbaren Kenntnissen und Fähigkeiten. Sie müssen außerdem in zusätzlichen Spezialkursen einen amtlich anerkannten Sachkundenachweis erwerben. Tierversuche ohne Operationen dürfen außerdem Wissenschaftler mit einem abgeschlossenen naturwissenschaftlichen Studium durchführen, sofern sie ausreichende Kenntnisse dafür nachweisen können. Gleiches gilt für Personen mit einer qualifizierenden Ausbildung, wie beispielsweise biologisch-technische Assistenten oder Labortierpfleger. Auch andere an einem Tierversuch beteiligte Personen müssen über Sachkunde für ihre jeweiligen Aufgaben verfügen. Dazu werden von Organisationen und Einrichtungen spezielle Kurse angeboten.
Er muss erläutern, welche neuen Erkenntnisse mit dem Tierversuch gewonnen werden, dass die Fragestellung neu ist und noch nicht durch einen Tierversuch bereits geklärt worden ist. Insbesondere muss schlüssig dargelegt werden, dass das Ziel des Vorhabens nur mit einem Tierversuch erreicht werden kann. Dies setzt voraus, dass der Antragsteller sich gründlich auf das Forschungsthema vorbereitet und auch die mögliche Belastung der Tiere in seiner Begründung berücksichtigt hat. Zur ethischen Bewertung [14] trägt auch der Nachweis bei, dass im Sinne der 3R [15], der Versuch nicht durch Alternativmethoden [16] (Replacement) ersetzt werden kann, der Tierverbrauch auf ein Minimum verringert wird (Reduction), und dass die Belastung der Tiere [17] so gering wie möglich gehalten wird (Refinement).
Daneben gibt es sowohl auf deutscher als auch auf EU-Ebene Gesetze, die detailliert regeln, welche Voraussetzungen für die Haltung und Versorgung der Tiere und für einen Tierversuch erfüllt sein müssen. Ausführliche Informationen zu den rechtlichen Grundlagen gibt es hier [18].
Wenn ein Forscher für seine Untersuchung zwingend auf Tierversuche angewiesen ist, stellt er einen Genehmigungsantrag [20] bei der zuständigen Behörde in seinem Kreis, Bezirk oder Bundesland. Zu dem Antrag gehört auch ein Nachweis darüber, dass die technischen und personellen Voraussetzungen für das Vorhaben gegeben sind: Es muss genügend qualifizierte Mitarbeiter am Institut sowie ausreichende Räume für die Haltung der Tiere geben. Außerdem muss dem Genehmigungsantrag eine Stellungnahme des Tierschutzbeauftragten beigefügt werden. Schon bevor der Antrag die Behörde erreicht, können so im Dialog zwischen Forscher und Tierschutzbeauftragtem auftretende Fragen geklärt werden. Dadurch wird sichergestellt, dass der Antrag hohen Qualitätsansprüchen genügt, schon bevor er zur Genehmigung eingereicht wird.
Die Genehmigungsbehörde überprüft dann, ob der Antrag vollständig und das Forschungsvorhaben nachvollziehbar sind. Dabei wird sie von einer unabhängigen beratenden Kommission unterstützt (§15 TierSchG [21]). Mindestens ein Drittel der Kommissionsmitglieder wird auf Vorschlag von Tierschutzorganisationen berufen. Die Kommission setzt sich darüber hinaus aus fachkundigen Tierärzten, Ärzten und Wissenschaftlern zusammen. Alle Mitglieder übernehmen diese Aufgabe ehrenamtlich. Sie beraten die Genehmigungsbehörde bei der Entscheidung über einen Antrag, indem sie eine Empfehlung abgeben (weitere Informationen über die Tierversuchskommission finden Sie hier [22]). Der Genehmigungsprozess soll laut Gesetz [23] innerhalb von 40 Tagen abgeschlossen sein.
Weitere Informationen zum Genehmigungsverfahren finden Sie hier [24].
Jedes Forschungsinstitut und jede Behörde, die Tierversuche durchführen, müssen einen oder mehrere Tierschutzbeauftragte [25] berufen. Die Tierschutzbeauftragten unterstützen die Wissenschaftler bereits, wenn sie den Antrag für einen Tierversuch vorbereiten. Sie stehen für Fragen zur Verfügung und geben eine Rückmeldung, an welchen Stellen die Forscher ihren Antrag gegebenenfalls inhaltlich und methodisch nachbessern müssen. Während dieses Prozesses stehen sie in engem Austausch mit einem Tierarzt. Erst wenn der Tierschutzbeauftragte dem Antrag zustimmt und eine Stellungnahme verfasst hat, wird er an die zuständige Genehmigungsbehörde weitergeleitet (weitere Informationen zum Genehmigungsverfahren gibt es hier [24]).
Das Tierschutzgesetz sieht explizit vor, dass die Genehmigungsbehörde einen Tierversuch genehmigen muss – vorausgesetzt der Antrag ist vollständig und alle Fragen, wie zum Beispiel nach der ethischen Vertretbarkeit [14] oder der Unerlässlichkeit, sind plausibel beantwortet worden. Wörtlich heißt es: „Die Genehmigung eines Versuchsvorhabens ist zu erteilen“, wenn die zahlreichen, in §8 TierSchG [26] geforderten Bedingungen erfüllt sind.
Wenn dies jedoch nach Ansicht der Behörden oder der Tierversuchskommission nicht der Fall ist, kann die Behörde – statt den Antrag direkt abzulehnen – vom Forscher Änderungen am Antrag verlangen. Mittelsmann ist dabei immer der Tierschutzbeauftragte [25], der den Antrag auch schon im Vorfeld prüft. Solche Rückfragen müssen dann vom Antragsteller nachvollziehbar beantwortet werden. Sind Behörde oder Kommission nicht überzeugt, kann es zu weiteren Rückfragen kommen. Zudem wird eine Genehmigung gegebenenfalls mit Auflagen erteilt. So kann sie beispielsweise an die Bedingung geknüpft sein, dass der Forscher die Zahl der Tiere reduziert oder eine weniger belastende Methode anwendet. Eine Ablehnung erfolgt nur dann, wenn der Antragsteller die Rückfragen nicht zufriedenstellend beantwortet, oder die Auflagen aus z.B. wissenschaftlichen oder logistischen Gründen nicht einhalten kann.
Für die tiergerechte Haltung [27] von Versuchstieren gibt es strenge gesetzliche Vorgaben [18], unter anderem zur Raumgröße, Temperatur, Belüftung, Geräuschbelastung und Beleuchtung. Zudem muss die ständige Betreuung der Tiere durch geschultes Personal gewährleistet sein. Ob die Vorschriften eingehalten werden, wird regelmäßig kontrolliert – sowohl intern von einem Tierschutzbeauftragten [25] als auch extern durch die zuständige Veterinärbehörde.
Wissenschaftler kommen mit der tiergerechten Haltung aber nicht allein gesetzlichen Vorschriften nach, sie haben darüber hinaus ein ureigenes Interesse, den Versuchstieren optimale Haltungsbedingungen zu bieten. Zum einen aus ethischen Gründen [14], zum anderen aus praktischen Gründen: Nur wenn die Tiere möglichst wenig Stress ausgesetzt sind und gut gepflegt werden, können die Forscher aus ihren Versuchen aussagekräftige Ergebnisse ziehen.
Das Prinzip der „3R“ [15] wurde 1959 von den britischen Wissenschaftlern William Russel und Rex Burch postuliert. Die „3R“ stehen für die Reduzierung (Reduction) und Verfeinerung (Refinement) von Tierversuchen sowie die Entwicklung von Alternativmethoden (Replacement). Russel und Burch veröffentlichten ihre drei Grundsätze, die heute als wichtige ethische Leitlinie für jede biomedizinische Forschung gelten, in dem Buch „The Principles of Humane Experimental Technique [28]“. Das Prinzip zeigt, was Forscher bei der Konzeption eines ethisch vertretbaren Tierversuchs beachten müssen.
Die „3R“ wurden 2010 erstmals auch gesetzlich verankert: in der Europäischen Richtlinie 2010/63/EU [30] zum Schutz der für wissenschaftliche Zwecke verwendeten Tiere. Drei Jahre später wurde diese mit dem novellierten Tierschutzgesetz [1] und der Tierschutz-Versuchstierordnung [31] auch in Deutschland in geltendes Recht umgesetzt. Für die Praxis bedeutet das: Jeder Forscher, der einen Tierversuch plant, muss in seinem Genehmigungsantrag folgende Fragen schlüssig und nachvollziehbar beantworten:
Kann der Versuch auch mit alternativen Methoden [16] durchgeführt werden? (Replace)
Der Forscher muss darlegen, warum er seinen Versuch zwingend an Tieren durchführen muss. Dazu gehört vorab eine intensive Recherche nach vorhandenen Alternativmethoden [16]. Hier gilt die Pflicht zur Beschränkung auf das unerlässliche Maß. Das heißt: Nur wenn es keine Alternativmethoden gibt, hat der Antrag Aussicht auf Erfolg.
Ein Tierschutzbeauftragter [25] überprüft die Angaben zunächst institutionsintern und berät den Forscher ggfs. hinsichtlich Verbesserungsmöglichkeiten. Im nächsten Schritt wird der Antrag der Genehmigungsbehörde vorgelegt. Sie bewilligt den Antrag nur, wenn der Wissenschaftler plausibel und glaubwürdig erklärt hat, dass er sein Ziel nur mit Tierversuchen erreichen kann.
Diese Aspekte des 3R-Prinzips [15] werden durch die zuständigen Landesbehörden kritisch auf Grundlage des jeweils aktuellen Wissenstandes überprüft, bevor sie eine Genehmigung für die tierexperimentelle Arbeit erteilen. Der Forscher muss außerdem nachweisen, dass seine wissenschaftliche Fragestellung neu ist und noch nicht in einem Tierversuch erprobt wurde. Daneben gibt es sowohl auf deutscher als auch auf EU-Ebene Gesetze, die detailliert regeln, welche Voraussetzungen für einen Tierversuch erfüllt sein müssen. Hier [18] finden Sie ausführliche Informationen zu den rechtlichen Grundlagen [18].
In §1 des Deutschen Tierschutzgesetzes [1] steht der zentrale Grundsatz: „Niemand darf einem Tier ohne vernünftigen Grund Schmerzen, Leiden oder Schäden zufügen.“ Der Gesetzgeber benennt jedoch in §7 die erlaubten Ausnahmen von diesem Grundsatz: Demnach werden Versuche an Wirbeltieren dann erlaubt, wenn die zu erwartenden Schmerzen, Leiden oder Schäden der Tiere hinsichtlich des Versuchszwecks ethisch vertretbar [14] sind. Die Wissenschaftler sind aber laut Tierschutzgesetz dazu verpflichtet, Tierversuche grundsätzlich unter Betäubung oder mit der Gabe von Schmerzmitteln durchzuführen, sofern Schmerzen für das Tier zu erwarten sind. Eine Ausnahme ist nur dann zulässig, wenn die Narkose für das Tier zu belastend wäre.
darlegen, dass der Tierversuch nicht durch alternative Methoden [16] oder Verfahren ersetzt werden kann und
In Paragraph 25 der Tierschutzversuchstierverordnung [31] sind zudem besonders belastende Tierversuche geregelt. Dazu zählen Versuche, die voraussichtlich zu länger anhaltenden oder sich wiederholenden erheblichen Schmerzen oder Leiden führen. Diese Versuche darf ein Wissenschaftler nur durchführen, wenn er begründen kann, dass seine Ergebnisse wissenschaftliche Probleme von herausragender Bedeutung lösen könnten und sie sowohl Mensch als auch Tier zugutekommen würden. Versuche dieser Art benötigen eine Sondergenehmigung, die nur in Ausnahmefällen von der zuständigen Behörde erteilt wird.
Laut Statistik des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft [10] (BMEL) waren 2015 in Deutschland 59 Prozent der Tiere in Versuchen einer geringen Belastung ausgesetzt. Der Anteil an Tierversuchen mit mittlerer Belastung lag bei etwa 24 Prozent, 6 Prozent der Versuchstiere waren einer schweren Belastung ausgesetzt. Bei etwa 11 Prozent der Versuchstiere wurde die Lebensfunktion nicht wieder hergestellt, d.h. sie wurden in eine tiefe Vollnarkose versetzt, aus der sie nicht mehr erwacht sind.
Die Umsetzung des 3R-Prinzips [15] und damit auch die Forschung nach Alternativmethoden besitzen heute einen sehr hohen Stellenwert. Die 3R wurden inzwischen in verschiedenen nationalen und internationalen Codizes sowie in Gesetzen verankert. So zum Beispiel in der EU-Richtlinie 2010/63 [30] zum Schutz von Versuchstieren und im deutschen Tierschutzgesetz [1]. Auf dieser Grundlage sind nationale, internationale und supranationale Gremien entstanden, die es sich zum Ziel gesetzt haben, die Entwicklung von Alternativmethoden und ihre Anerkennung durch Gesetze zu fördern. Auf nationaler Ebene ist die Zentralstelle zur Erfassung und Bewertung von Ersatz- und Ergänzungsmethoden zu Tierversuchen (ZEBET) [35] ein Beispiel dafür, auf europäischer Ebene das europäische Zentrum für die Validierung von Alternativmethoden [36] (ECVAM).
Die Forschung nach Alternativmethoden [16] nimmt inzwischen einen großen Raum in der Wissenschaft ein und wird von verschiedenen Stellen – wie beispielweise der Zentralstelle zur Erfassung und Bewertung von Ersatz- und Ergänzungsmethoden zum Tierversuch [35] (ZEBET) – gezielt gefördert. Durch den Einsatz von Computersimulationen oder Zellkulturen können Forscher heute in vielen Bereichen auf Tierversuche verzichten. Dennoch sind diesen Methoden Grenzen gesetzt, insbesondere dann, wenn Forscher komplexe physiologische Zusammenhänge des gesamten Organismus nachvollziehen wollen. So lässt sich durch Alternativmethoden [16] zwar überprüfen, wie sich ein Medikament auf eine Zellkultur auswirkt, nicht aber wie es auf andere Zelltypen wirkt oder ob es Abbauprodukte verursacht, die womöglich die Organe schädigen.
Weitere Beispiele sind die Wirkungsweise des zentralen Nervensystems, die Verarbeitung von Sinnesreizen oder das Zusammenspiel des Kreislaufsystems. Auch die Verknüpfung von Organen und Gewebe kann heute noch nicht künstlich nachgestellt werden. Häufig sind Tierversuche daher gerade für die Erforschung komplexer lebensbedrohlicher Krankheiten unersetzbar – wie Krebs, HIV [37], Diabetes mellitus [38], Malaria [39] oder Alzheimer [40].
Im Genehmigungsverfahren [24] für Tierversuche müssen Wissenschaftler beweisen, dass es keine alternativen Methoden [16] zur Erforschung ihrer Fragestellung gibt. Um sich einen Überblick über alle aktuell bewährten Alternativmethoden [16] verschaffen zu können, gibt es verschiedene Anlaufstellen. Dazu zählt auf europäischer Ebene das Europäische Zentrum zur Validierung alternativer Methoden (EURL-ECVAM [36]) in Rom. Dieses veröffentlichte 2013 das englischsprachige Nachschlagewerk „EURL ECVAM Search Guide – Good Search Practice on Animal Alternatives [41]“, mit dem sich Mitarbeiter der Genehmigungsbehörden, Tierschutzbeauftragte und Wissenschaftler leicht und systematisch einen Überblick über die verschiedenen Informationsquellen verschaffen können.
An der Entwicklung hat unter anderen das deutsche Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) [42] mitgewirkt, zu dem auch das Deutsche Zentrum zum Schutz von Versuchstieren (Bf3R) [43] gehört. Dieses hat zum Ziel, Forschung mit Versuchstieren auf ein Minimum zu beschränken, den Versuchstieren einen optimalen Schutz zu garantieren sowie den wissenschaftlichen Dialog zu fördern. Zu diesem Zweck steht es den Wissenschaftlern zum einen beratend zur Seite, zum anderen fördert es die Erforschung weiterer Alternativmethoden sowie die Verfeinerung von Tierversuchen. Die oberste Maxime des Instituts bei dieser Arbeit ist somit die Einhaltung der sogenannten „3R“-Prinzipien [15].
Die Zentralstelle zur Erfassung und Bewertung von Ersatz- und Ergänzungsmethoden zum Tierversuch (ZEBET) [35] ist Teil des Bf3R und fungiert als Auskunftsstelle für Wissenschaftler. Die Einrichtung erforscht und entwickelt außerdem tierversuchsfreie Methoden und engagiert sich dafür, dass diese internationalen sicherheitstoxikologischen Prüfrichtlinien gerecht werden.
Eine Auflistung weiterer Beispiele [35] gibt es auf der Seite der ZEBET.
Die Hochschulen, an denen mit Versuchstieren gearbeitet wird, müssen nach strengen Kriterien überprüfen, ob es Alternativmethoden [16] gibt. Die Tierschutzbeauftragten [44] der Universitäten beraten die Forscher über angemessene Alternativen, und prüfen Versuchsanträge sehr akribisch, bevor sie an die zuständigen Behörden weitergeleitet werden.
Für alle, die sich darüber informieren wollen, an welchen Universitäten und in welchen Studiengängen inzwischen die Tierversuche vollständig durch Alternativmethoden ersetzt worden ist, hat das Projekt SATIS vom Bundesverband Menschen für Tierrechte auf ihrer Website ein Ethik-Hochschulranking [45] erstellt.
Mäuse machen mit rund 73 Prozent den größten Teil der in Deutschland eingesetzten Versuchstiere aus, gefolgt von Ratten mit etwa 12 Prozent. Die Gene der Maus lassen sich relativ leicht verändern oder abschalten. Deshalb eignet sich diese Tierart besonders gut, um die genetischen Grundlagen von Lebensvorgängen und Erkrankungen zu entschlüsseln. Da die Gene der Maus bis zu 95 Prozent mit denen des Menschen übereinstimmen können auf diesem Weg wichtige Erkenntnisse für den Menschen gewonnen werden. Das schlägt sich auch in der Anzahl genetisch veränderter Mäusen nieder: Die Zahl stieg von 46 Prozent in 2014 auf 50 Prozent in 2015 an.
Der Einsatz transgener Tiere [2] steigert die wissenschaftliche Aussagekraft. Forscher können gezielter wissenschaftlichen Fragestellungen nachgehen. So sind diese Tiere beispielsweise unverzichtbar bei der Erforschung der Alzheimer Krankheit; auch in der Krebsforschung kommt ihnen ein hoher Stellenwert zu: Tierversuchen mit Mäusen ist es zu verdanken, dass viele Krebspatienten heute eine bessere Überlebenschance haben.
Weitere Informationen zum Thema finden Sie hier [2].
URL zum Beitrag: https://www.tierversuche-verstehen.de/faq/
[1] deutsche Tierschutzgesetz: https://www.gesetze-im-internet.de/tierschg/BJNR012770972.html
[2] genetisch veränderten Tierlinien: https://www.tierversuche-verstehen.de/transgene-tiere-sind-fuer-den-medizinischen-fortschritt-bislang-unverzichtbar
[4] gesetzlich vorgeschriebene Giftigkeits- und Sicherheitsprüfungen: https://www.tierversuche-verstehen.de/vorgeschriebene-tierversuche/
[5] Bild: https://www.tierversuche-verstehen.de/wp-content/uploads/2016/09/Notwendigkeit_Tierversuche.jpg
[6] Gehör: https://youtu.be/PlMm5NWXedU
[7] Bewegungsabläufe: https://www.tierversuche-verstehen.de/neuroprothesen/
[9] medizinische Errungenschaften: https://www.tierversuche-verstehen.de/erfolge-durch-tierversuche/
[10] aktuellen Tierversuchszahlen: https://www.bmel.de/DE/Tier/Tierschutz/_texte/TierschutzTierforschung.html?notFirst=false&docId=8596776#doc8596776bodyText2
[11] Bild: https://www.tierversuche-verstehen.de/wp-content/uploads/2016/12/anzahl_versuchstiere.jpg
[12] hier: https://www.tierversuche-verstehen.de/versuchstierzahlen/
[13] Bild: https://www.tierversuche-verstehen.de/wp-content/uploads/2016/12/2_wofuertv_170519-02.png
[14] ethischen Bewertung: https://www.tierversuche-verstehen.de/tierversuche-und-ethik/
[15] 3R: https://www.tierversuche-verstehen.de/das3rprinzip/
[16] Alternativmethoden: https://www.tierversuche-verstehen.de/alternativmethoden/
[17] Belastung der Tiere: https://www.tierversuche-verstehen.de/die-belastung-von-versuchstieren-druck-version/
[18] rechtlichen Grundlagen gibt es hier: https://www.tierversuche-verstehen.de/recht/
[19] Bild: https://www.tierversuche-verstehen.de/wp-content/uploads/2016/09/zulaessige_Tierversuche.jpg
[20] Genehmigungsantrag: http://www.dfg.de/download/pdf/dfg_magazin/forschungspolitik/tierschutz2015/antrag_genehmigung_u_anzeige_tierversuch.doc
[21] (§15 TierSchG: https://www.gesetze-im-internet.de/tierschg/__15.html
[22] hier: http://www.bundestieraerztekammer.de/downloads/dtbl/2014/artikel/DTBl_03_2014_15-Kommission.pdf
[23] Gesetz: https://www.gesetze-im-internet.de/tierschversv/__32.html
[24] hier: https://www.tierversuche-verstehen.de/genehmigungsverfahren/
[25] Tierschutzbeauftragte: https://youtu.be/iESj5u5YX8Y
[26] §8 TierSchG: https://www.gesetze-im-internet.de/tierschg/__8.html
[27] tiergerechte Haltung: https://www.tierversuche-verstehen.de/haltung-von-versuchstieren/
[28] The Principles of Humane Experimental Technique: http://altweb.jhsph.edu/pubs/books/humane_exp/het-toc
[29] Bild: https://www.tierversuche-verstehen.de/wp-content/uploads/2016/09/3R-Prinzip.jpg
[30] Europäischen Richtlinie 2010/63/EU: http://eur-lex.europa.eu/LexUriServ/LexUriServ.do?uri=OJ:L:2010:276:0033:0079:de:PDF
[31] Tierschutz-Versuchstierordnung: https://www.gesetze-im-internet.de/tierschversv/BJNR312600013.html
[32] Bild: https://www.tierversuche-verstehen.de/wp-content/uploads/2016/09/Alternativen_zu_Tierversuchen.jpg
[33] Bild: https://www.tierversuche-verstehen.de/wp-content/uploads/2016/09/Belastungskategorien.jpg
[34] Bild: https://www.tierversuche-verstehen.de/wp-content/uploads/2017/05/belastungen2015.jpg
[35] Zentralstelle zur Erfassung und Bewertung von Ersatz- und Ergänzungsmethoden zu Tierversuchen (ZEBET): http://www.bfr.bund.de/de/zebet-1433.html
[36] europäische Zentrum für die Validierung von Alternativmethoden: https://eurl-ecvam.jrc.ec.europa.eu/
[37] HIV: https://www.tierversuche-verstehen.de/hiv-forschung-kann-auf-versuche-an-tieren-nicht-verzichten/
[38] Diabetes mellitus: https://www.tierversuche-verstehen.de/gene-beeinflussen-fettlebererkrankung
[39] Malaria: https://www.tierversuche-verstehen.de/malaria-impfstoff-fordert-wissenschaft-heraus
[40] Alzheimer: https://www.tierversuche-verstehen.de/behr/
[41] EURL ECVAM Search Guide – Good Search Practice on Animal Alternatives: http://bookshop.europa.eu/en/the-eurl-ecvam-search-guide-pbLBN124391/),
[42] Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR): http://www.bfr.bund.de
[43] Deutsche Zentrum zum Schutz von Versuchstieren (Bf3R): http://www.bfr.bund.de/de/deutsches_zentrum_zum_schutz_von_versuchstieren.html
[44] Tierschutzbeauftragten: https://www.youtube.com/watch?v=iESj5u5YX8Y
[45] Ethik-Hochschulranking: http://www.satis-tierrechte.de/uni-ranking/
[46] Bild: https://www.tierversuche-verstehen.de/wp-content/uploads/2016/12/transgene_maeuse.jpg
[47] Bild: https://www.tierversuche-verstehen.de/wp-content/uploads/2016/09/Entwicklung_Medikamente.jpg