Source: https://www.bibb.de/datenreport/de/2016/41601.php
Timestamp: 2019-07-23 12:40:47
Document Index: 345641121

Matched Legal Cases: ['§ 4', '§ 25', '§ 6', '§ 27', '§ 66', '§ 42', '§ 88', '§ 88']

BIBB / A4.2 Gesamtbestand der Ausbildungsverhältnisse in der Berufsbildungsstatistik (Erhebung zum 31. Dezember)
Das folgende Kapitel betrachtet die Bestandszahlen der Auszubildenden insgesamt sowie differenziert nach Zuständigkeitsbereichen und ausgewählten Merkmalen (Geschlecht, Herkunft). Basis für die Berechnungen bildet die Berufsbildungsstatistik der statistischen Ämter des Bundes und der Länder (Erhebung zum 31. Dezem­ber), in der Auszubildenden-, Vertrags- und Prüfungs­daten im dualen System erfasst werden. Bei den Bestandszahlen handelt es sich um eine Zählung der Auszubildenden über alle Ausbildungsjahre (1., 2., 3. und 4. Ausbildungsjahr). Zum Auszubildendenbestand zählen alle Personen, die jeweils zum 31. Dezember in einem Ausbildungsverhältnis mit einem Ausbildungsvertrag nach BBiG bzw. HwO stehen. Somit geben die Bestandszahlen Aufschluss über den Umfang der gesamten Ausbildungsleistung von Betrieben und Berufsschulen.
Für die Analysen zu den berufsstrukturellen Entwicklun­gen (vgl. Kapitel A4.4) und zur Vorbildung der Auszu­bildenden (vgl. Kapitel A4.6.1 und A4.6.2) werden anstelle der Bestandszahlen die Daten zu den neu ab­geschlossenen Ausbildungsverträgen herangezogen. Hierunter werden Ausbildungsverhältnisse gezählt, die im aktuellen Berichtsjahr begonnen haben, angetreten und bis zum 31. Dezember nicht gelöst wurden.
Die Berufsbildungsstatistik der statistischen Ämter des Bundes und der Länder (kurz: Berufsbildungsstatistik) ist eine Totalerhebung von Auszubildenden-, Vertrags- und Prüfungsdaten zu staatlich anerkannten Ausbildungsberufen (§ 4 Absatz 1 Berufsbildungsgesetz [BBiG] bzw. § 25 Absatz 1 Handwerksordnung [HwO]) sowie dualen Ausbildungsberufen in Erprobung nach § 6 BBiG bzw. § 27 HwO.80 Auch Ausbildungsregelungen für Menschen mit Behinderung nach § 66 BBiG bzw. § 42m HwO sind hierin enthalten. Die Daten werden nach § 88 BBiG durch die statistischen Ämter des Bundes und der Länder bei den zuständigen Stellen erhoben und an das BIBB übermittelt. Erfasst werden u. a. auch Daten zum Ausbildungspersonal (vgl. Kapitel A4.10.4), zu Externenprüfungen (vgl. Kapitel A4.8) und zu Fortbildungs- und Umschulungsprüfungen (vgl. Kapitel B4.4). Vollzeitschulische Berufsausbildungen und sonstige Berufsausbildungen, die nicht nach BBiG bzw. HwO geregelt sind, werden nicht erfasst.
Mit Artikel 2a des Berufsbildungsreformgesetzes (BerBiRefG) vom 23. März 2005 (Bundesgesetzblatt 2005, S. 931)81 wurde 2007 die frühere Aggregatdatenerhebung auf eine vertragsbezogene Einzeldatenerfassung umgestellt und erhielt einen ausgeweiteten Merkmalskatalog. Für jedes Ausbildungsverhältnis, das in das von der zuständigen Stelle geführte Verzeichnis eingetragen ist, wird ein Datensatz mit den in § 88 BBiG festgelegten Merkmalen erstellt. Für Analysen können die erfassten Merkmale frei kombiniert werden. Grundsätzlich ist aufgrund der erhebungstechnischen Umstellung der Vergleich der Daten ab 2007 mit denen der Vorjahre nicht uneingeschränkt möglich.
Um Datenschutz zu gewährleisten, veröffentlicht das BIBB alle Daten der Berufsbildungsstatistik nur noch als gerundete Werte (Vielfaches von 3; der Datenfehler beträgt dadurch je ausgewiesener Zahl maximal 1; detaillierte Erläuterungen siehe unter www.bibb.de/dokumente/pdf/a21_dazubi_daten.pdf).
Am 31. Dezember 2014 waren bundesweit 1.358.550 Personen als Auszubildende in einer dualen Berufsausbildung nach BBiG bzw. HwO gemeldet. Im Vergleich zum Vorjahr bedeutet dies einen Rückgang um 33.336 (-2,4 %). Die Bestandszahlen schwanken zwar im Zeitverlauf recht deutlich, seit dem Jahr 2008 kam es aber zu einem kontinuierlichen Rückgang. Insgesamt ist damit der Bestand an Auszubildenden im Berichtsjahr 2014 auf den niedrigsten Stand seit 1992 gefallen Tabelle A4.2-1.
Der regionale Vergleich zwischen West- und Ostdeutschland zeigt auch im Berichtsjahr 2014 einen stärkeren Anteilsrückgang des Bestands an Auszubildenden in den östlichen als in den westlichen Bundesländern. Der Bestand an Auszubildenden sank im Vergleich zum Vorjahr in Westdeutschland um 2,3 %, in Ostdeutschland um 3,3 %. Längerfristig hat sich seit 1997 – dem Jahr mit dem höchsten Wert für Ostdeutschland – der Bestand an Auszubildenden in den östlichen Bundesländern mehr als halbiert (-55,4 %). In Westdeutschland zeigte sich diese Entwicklung zeitverzögert erst seit dem Jahr 2008 (2008 vs. 2014: -9,8 %). Die Folge ist, dass im Berichtsjahr 2014 nur noch knapp jede/-r siebte Jugendliche (13,8 %) in Ostdeutschland ausgebildet wurde. 1997 war es noch rund jede/-r vierte (25,9 %).
Diese Veränderungen liegen zum einen darin begründet, dass sich Entwicklungen im Wirtschafts- und Beschäftigungssystem im dualen System widerspiegeln (Troltsch/Walden 2007). Zum anderen ist der deutliche Rückgang bei den Bestandszahlen in den letzten Jahren auf den starken demografischen Einbruch in der jugendlichen Wohnbevölkerung zurückzuführen. Dies gilt insbesondere für Ostdeutschland. Eine Übersicht zur langfristigen Entwicklung der Auszubildendenzahlen differenziert nach den einzelnen Bundesländern seit 1992 findet sich in Tabelle A4.2-2 Internet.82 Zur Analyse der aktuellen Entwicklung am Ausbildungsstellenmarkt für das Berichtsjahr 2015 vgl. Kapitel A1 und Matthes u. a. 2016).
Maßgeblich für die Zuordnung der Auszubildenden zu den Zuständigkeitsbereichen ist in der Regel nicht der Ausbildungsbetrieb, sondern die für den Ausbildungsberuf zuständige Stelle (vgl. in Kapitel A1.2). So sind in der Berufsbildungsstatistik beispielsweise diejenigen Auszubildenden, die im öffentlichen Dienst oder in den freien Berufen für Berufe der gewerblichen Wirtschaft ausgebildet werden, – je nach zuständiger Stelle – den Bereichen Industrie und Handel oder Handwerk zugeordnet.
Insgesamt zeigt sich der deutliche Rückgang beim Auszubildendenbestand bei differenzierter Betrachtung auch in den einzelnen Zuständigkeitsbereichen. Im Langzeitvergleich verlaufen die Bestandsentwicklungen in den Zuständigkeitsbereichen allerdings seit 1992 recht unterschiedlich Schaubild A4.2-1 und Tabelle A4.2-1.
Im quantitativ größten Zuständigkeitsbereich Industrie und Handel waren zum 31. Dezember 2014 bundesweit 805.398 Auszubildende (rd. 60 % des Gesamtbestandes) beschäftigt. Im Vergleich zum Vorjahr ging damit die Zahl insgesamt um 19.758 Personen (-2,4 %) zurück, wobei der Rückgang in Westdeutschland deutlicher ausfiel als noch ein Jahr zuvor (2014: -2,2 % vs. 2013: -1,0 %), aber trotzdem weiterhin niedriger als in Ostdeutschland (2014: -3,4 % vs. 2013: -6,7 %). Insgesamt zeigt sich der Zuständigkeitsbereich Industrie und Handel im Zeitverlauf von 1992 bis 2014 – mit vereinzelten Schwankungen – aber alles in allem stabil und gewinnt über die Jahre im Vergleich zu den anderen Zuständigkeitsbereichen quantitativ an Bedeutung. Der bundesweit niedrigste Bestand in diesem Bereich war 1995 mit 702.867 Auszubildenden erreicht, der höchste im Jahr 2008 mit 934.221.
Im Handwerk – dem zweitgrößten Zuständigkeitsbereich – gingen die Bestandszahlen auch im Berichtsjahr 2014 erneut (-11.886 bzw. -3,1 %) auf nunmehr 369.501 Auszubildende zurück. Nach einem Anstieg bis Mitte der 1990er-Jahre im Zuge des Aufbaus handwerk­licher Wirtschaftsstrukturen in Ostdeutschland hielt die rückläufige Tendenz bei der Zahl der Auszubildenden in diesem Bereich seit 1998 an und markierte im Jahr 2014 den tiefsten Stand seit 1992. Im regionalen Vergleich fiel der Rückgang in den ostdeutschen Bundesländern in den vergangenen Jahren deutlich stärker aus als in den westdeutschen Bundesländern. Wurden 1997 in Ostdeutschland 179.223 Personen im Zuständigkeitsbereich Handwerk ausgebildet, so waren es im Jahr 2014 lediglich noch 46.701. Dies bedeutet einen Rückgang von 73,9 % (Westdeutschland: -28,5 %; Bundesgebiet: -41,4 %).
Die Zahl der Ausbildungsverhältnisse in den dualen Ausbildungsberufen des Zuständigkeitsbereichs des öffentlichen Dienstes lag am 31. Dezember 2014 mit 34.713 nahezu auf dem Niveau des Vorjahres (2013: 34.932). Im Langzeitvergleich ist aber auch in diesem Zuständigkeitsbereich die Bestandszahl an Auszubildenden seit 1992 deutlich rückläufig. Über die Jahre zeigt sich, dass der Bestand an Ausbildungsverhältnissen im Berichtsjahr 2014 weniger als die Hälfte im Vergleich zum Berichtsjahr 1992 betrug (1992: 71.355 vs. 2014: 34.713). Der Abwärtstrend nach 1994 geht – neben der demografischen Entwicklung – vor allem auf die Privatisierung im Post- und Bahnbereich und den Wechsel der entsprechenden Ausbildungsberufe in den Zuständigkeitsbereich von Industrie und Handel zurück. Der deutliche Rückgang im Jahr 2007 dürfte zu einem gewissen Teil auf die Umstellung in der Berufsbildungsstatistik zurückzuführen sein.83 Zum anderen aber auch auf ein verändertes Ausbildungsverhalten im öffentlichen Dienst (vgl. BIBB-Datenreport 2010, Kapitel A5.2.1).
Auch im Zuständigkeitsbereich der freien Berufe hat sich der Bestand 2014 im Vergleich zum Vorjahr nur leicht verändert (2014: 108.822 vs. 2013: 109.443). Ein leichter Rückgang zeigte sich nur in Westdeutschland (-0,6 %). In Ostdeutschland war der Bestand an Auszubildenden zwischen 2013 und 2014 nahezu unverändert. Bundesweit lag die Bestandszahl im Jahr 1996 mit 160.593 Auszubildenden am höchsten. Seither ist ein relativ konstanter Rückgang zu verzeichnen, der sich bis zum Jahr 2014 fortsetzt. Daraus ergibt sich im Langzeitvergleich, dass 2014 rund ein Drittel weniger Auszubildende im Bereich der freien Berufe zu finden waren als Mitte der 1990er-Jahre.
Zu keinen nennenswerten Veränderungen kam es auch in den Berufen der Landwirtschaft. Für das Berichtsjahr 2014 wurden hier 33.441 Auszubildende gemeldet und damit lediglich 144 weniger (-0,4 %) als noch ein Jahr zuvor. Regionale Unterschiede ergeben sich – anders als in den Vorjahren – nicht. In den ostdeutschen Bundes­ländern verringerte sich der Bestand im Vergleich zum Vorjahr um 60 Auszubildende (-0,9 %) und in den westdeutschen um 84 bzw. -0,3 %. Langfristig betrachtet hat der Bestand an Auszubildenden in Berufen der Landwirtschaft zwischen 1993 und 2007 stark zugenommen (+13.209 bzw. 44,5 %). Seit dem Jahr 2008 ging die Bestandszahl jedoch wieder deutlich zurück und lag 2014 etwas über dem Wert von 1992.
Der Bestand im vergleichsweise kleinen Zuständigkeitsbereich Hauswirtschaft ist 2014 erneut deutlich rückläufig. Im Vergleich zum Vorjahr befanden sich 2014 bundesweit 711 Personen weniger (-9,6 %) in einem Ausbildungsverhältnis in diesem Bereich. Damit wurden hier 2014 nur noch 6.675 Personen ausgebildet. Auch in der Hauswirtschaft fiel der Rückgang in Ostdeutschland (-13,6 %) stärker aus als in Westdeutschland (-8,3 %). Der rückläufige Trend zeigt sich seit Ende der 1990er-Jahre. Die meisten Auszubildenden wurden mit 14.097 im Jahr 1998 erreicht. Im Vergleich zu diesem Höchstwert hat sich der Bestand 2014 mehr als halbiert (-52,6 %). In Ostdeutschland gab es einen noch deutlich stärkeren Rückgang allein in den letzten gut 10 Jahren. Zwischen 2004 und 2014 ist der Bestand hier um 65 % gefallen.
Der Zuständigkeitsbereich Seeschifffahrt umfasste aus­schließlich Meldungen für den Beruf Schiffsmechaniker/-in und war dementsprechend klein. Seit 2008 wird er nicht mehr für die Berufsbildungsstatistik gemeldet (Bestand bei letzter Meldung 2007: 963 Auszubildende).84
Im Berichtsjahr 2014 lag der Anteil an Frauen an allen Auszubildenden des dualen Systems bei 38,3 % (520.691 weibliche Auszubildende) Tabelle A4.2-3. Damit befand sich der Frauenanteil auf dem tiefsten Stand seit 20 Jahren und mehr als 2 Prozentpunkte niedriger als noch 1992. Die Gründe für dieses Ungleichgewicht bei den geschlechtsspezifischen Anteilen liegen – den Ergebnissen der BA/BIBB-Bewerberbefragung zufolge – auch maßgeblich an den unterschiedlichen beruflichen Wünschen. Die Literatur zur Berufswahl belegt, dass Frauen eine sehr viel schwächere Neigung zu technischen Berufen haben (Nissen/Keddi/Pfeil 2003). Sie interessieren sich vorrangig für kaufmännische und Dienstleistungsberufe und streben überproportional eine schulische Berufsausbildung an (vgl. Beicht/Walden 2014). Hinzu kommt, dass als Folge der Tertiarisierung – also dem Wandel hin zur Dienstleistungsgesellschaft – zunehmend auch Männer eine Ausbildung im Dienstleistungsbereich aufnehmen und dadurch der ohnehin schon starke Konkurrenzdruck unter den Bewerberinnen in ihren bevorzugten Berufen durch zunehmend männliche Konkurrenz weiter erhöht wird (vgl. Kroll 2015). Dennoch kommen gewerblich-technische Berufe, die im dualen Berufsbildungssystem nach wie vor eine bedeutende Rolle spielen, für sie kaum in Betracht. Diese Unterschiede zeigen sich auch deutlich bei einer berufsspezifischen Betrachtung und bei dem Vergleich des Frauenanteils in den unterschiedlichen Zuständigkeitsbereichen.
Hinsichtlich des Frauenanteils unterscheiden sich die Zuständigkeitsbereiche deutlich. Im Berichtsjahr 2014 lag der Frauenanteil in den freien Berufen und in den Berufen der Hauswirtschaft bei über 90 %. Im Zuständigkeitsbereich des öffentlichen Dienstes war der Frauenanteil an allen Auszubildenden mit Werten zwischen 63 % bis 65 % seit 1998 ebenfalls überdurchschnittlich hoch und im Vergleich zum Jahr 1992 (50,7 %) im Zeitverlauf deutlich angestiegen. Anders ist die Situation in den großen Zuständigkeitsbereichen Industrie und Handel sowie Handwerk, wo die Anteile deutlich niedriger waren. Im Bereich Industrie und Handel entsprach im Jahr 2014 der Frauenanteil mit 37,6 % ungefähr dem Gesamtdurchschnitt. Im Handwerk hingegen lag ihr Anteil mit 21,6 % unverändert stark unter dem Durchschnitt und ungefähr auf dem Niveau von 1992 (22,1 %). Er lag damit immer noch etwas höher als Mitte der 1990er-Jahre (1995: 19,2 %), jedoch nur bedingt durch die starken Rückgänge bei den männlich dominierten Berufen im Bau- und Ausbaugewerbe. Ebenfalls unterdurchschnittlich zeigt sich der Anteil an Frauen im Bereich der Landwirtschaft, der sich mit 22,0 % nahezu auf dem Vorjahresniveau befand. Seit 1992 (35,7 %) ist hier allerdings ein stetiger Rückgang zu verzeichnen.
Bei den Ausbildungsberufen im dualen System zeigt sich eine deutliche Geschlechtersegregation derart, dass ein Großteil der Ausbildungsberufe entweder überwiegend mit Frauen oder überwiegend mit Männern besetzt ist. Diese berufsstrukturellen Unterschiede sind seit Mitte der 1980er-Jahre annähernd unverändert (vgl. Uhly 2007a). Unterteilt man die dualen Ausbildungsberufe auf Basis des jeweiligen Frauenanteils an den Auszubildenden im Jahr 1977 bzw. des ersten Jahres des Auftretens eines Berufes (oder seines Vorgängerberufes), zeigt sich, dass 42,5 % der Frauen in Westdeutschland im Jahr 2014 eine Ausbildung in einem weiblich dominierten Beruf absolvierten, also einem Beruf mit einem Männeranteil von maximal 20 % Tabelle A4.2-4. Insgesamt ist dieser hohe Anteil über die Zeit rückläufig (1995: 51,6 %). Weitere 11,8 % aller weiblichen Auszubildenden im dualen System in Westdeutschland befanden sich in einer Ausbildung in einem überwiegend weiblich besetzten Beruf (60 % bis 80 % weibliche Auszubildende). Zum Vergleich lag dieser Anteil 1980 bei 15,1 %. In den männlich dominierten bzw. überwiegend männlich besetzten Ausbildungsberufen absolvierten 2014 insgesamt nur 20,8 % aller Frauen ihre Ausbildung. In Ostdeutschland lag der Frauenanteil in männlich dominierten Berufen (0 % bis 20 % weibliche Auszubildende) mit 16,7 % höher als in Westdeutschland. Der Anteil der Frauen, die in Ostdeutschland in einem weiblich dominierten Beruf ausgebildet wurden, lag 2014 mit 39,6 % hingegen niedriger als in Westdeutschland.
Weitere Berechnungen zeigen, dass sich über die Hälfte (52,0 %) aller weiblichen Auszubildenden im dualen System im Jahr 2014 auf nur 9 Berufe verteilte; bei den männlichen Auszubildenden war das Spektrum mit 16 Berufen deutlich größer. Diese starke Fokussierung auf wenige Berufe – insbesondere bei jungen Frauen – wurde auch schon in der Vergangenheit beobachtet (vgl. Kroll 2015). Die Ursachen hierfür sind vielfältig und sowohl bei den nachfragenden Jugendlichen als auch beim Angebotsspektrum der Betriebe zu suchen.
Der Anteil an Auszubildenden mit ausländischem Pass85 ist seit Anfang der 1990er-Jahre stark zurückgegangen. Lag der Ausländeranteil an allen Auszubildenden 1994 noch bei 8 %, so hatte er sich bis zum Jahr 2006 nahezu halbiert (4,2 %). In den letzten Jahren ist er wieder stetig angestiegen und lag im Jahr 2014 bei 6,1 % (83.466 Auszubildende) und damit erneut höher als im Vorjahr (2013: 5,7 %) vgl. Tabelle A4.2-5. Der zwischenzeitliche Rückgang des Ausländeranteils unter den Auszubildenden des dualen Systems seit Mitte der 1990er-Jahre ist z. T. auch auf verstärkte Einbürgerungen zurückzuführen. In der Wohnbevölkerung ging der Anteil ebenfalls zurück. Für eine Einschätzung des Ausmaßes der Integration in die duale Berufsausbildung ist der Ausländeranteil unter den Auszubildenden hier aber nicht der geeignete Indikator. Um diese Frage zu beantworten, muss der Ausländeranteil unter den Auszubildenden in Relation zum Ausländeranteil in der Wohnbevölkerung im entsprechenden Alter gesetzt werden. Dies geschieht mit der Analyse der Ausbildungsanfängerquote der Jugendlichen in Kapitel A4.5. Der Ausländeranteil eignet sich allerdings für einen Vergleich der Zuständigkeitsbereiche bzw. auch für Analysen auf der Ebene der Einzelberufe.
Der im Vorjahresvergleich zu verzeichnende Anstieg des Ausländeranteils im Berichtsjahr 2014 zeigt sich in den Zuständigkeitsbereichen Industrie und Handel, im Handwerk, in der Landwirtschaft und in den freien Berufen Tabelle A4.2-5. Insgesamt ist der Ausländeranteil aber – auch in den großen Zuständigkeitsbereichen Industrie und Handel und im Handwerk – weiterhin eher gering. Es finden sich nur sehr wenige staatlich anerkannte Ausbildungsberufe (bzw. duale Ausbildungsberufe in Erprobung), die einen Ausländeranteil von 10 % und mehr unter den Auszubildenden ausweisen.
Im größten Zuständigkeitsbereich Industrie und Handel lag der Anteil an Ausländern 2014 insgesamt bei 5,4 % und damit leicht über dem Wert vom Vorjahr (2013: 5,1 %). Einzelne ausgewählte Berufe86 mit einem überproportionalen Ausländeranteil sind in diesem Zuständigkeitsbereich: Industrie-Isolierer/-in (28,1 %), Industrieelektriker/-in (17,1 %) und Fachkraft im Gastgewerbe (16,9 %).
Im Handwerk liegt der Ausländeranteil im Jahr 2014 mit 7,2 % zwar über dem Gesamtdurchschnitt, allerdings deutlich unter dem höchsten Anteil im Handwerk von 9,8 % aus dem Jahr 1993. Beispiele für Berufe mit einem hohen Ausländeranteil unter den Auszubildenden im Bereich des Handwerks sind: Änderungsschneider/-in (22,0 %), Friseur/-in (17,1 %), Stuckateur/-in (15,7 %).
Im Zuständigkeitsbereich der freien Berufe ist der Ausländeranteil im Vergleich zum Vorjahr deutlich gestiegen (+1,6 %) und lag mit nunmehr 11,4 % im Jahr 2014 deutlich über den Anteilen in den anderen Zuständigkeitsbereichen. Ausschlaggebend hierfür sind die überproportional hohen Anteile an ausländischen Auszubildenden in den stark besetzten Berufen „Zahnmedizinische/-r Fachangestellte/-r“ (30.128 Auszubildende; Ausländeranteil: 19,6 %) und „Pharmazeutisch-kaufmännische/-r Angestellte/-r“ (3.609 Auszubildende; Ausländeranteil: 18,4 %). Außerdem findet man in diesen beiden Berufen in der Gruppe der ausländischen Auszubildenden fast ausschließlich Frauen (99,2 % bzw. 96,5 %). Weitere Berechnungen belegen, dass sich somit rd. ein Sechstel (16,4 %) aller weiblichen Auszubildenden mit ausländischem Pass in der Ausbildung zur Zahnmedizinischen Fachangestellten befand.
In der Hauswirtschaft ist der Anteil an ausländischen Auszubildenden zwischen 2013 und 2014 leicht von 6,1 % auf 5,6 % gefallen. Berufe mit einem Ausländeranteil über 10 % findet man hier aber ebenso wenig wie im öffentlichen Dienst und im Zuständigkeitsbereich der Landwirtschaft. Der Anteil im öffentlichen Dienst verbleibt im Vergleich zum Vorjahr auf niedrigem Niveau (2,0 %). Gleiches gilt bei einem leichten Anstieg auch für den Ausländeranteil im Bereich Landwirtschaft (1,2 %).
Daten über Auszubildende wurden seit 1950 von den zuständigen Stellen erfasst. Die Berufsbildungsstatistik wurde mit dem Ausbildungsplatzförderungsgesetz vom 7. September 1976 als Bundesstatistik eingeführt. Die Auszubildendenzahl wurde differenziert nach Geschlecht ab 1977 erfasst; ausländische Auszubildende
wurden erst ab 1982 gesondert erfasst. Die Rechtsgrundlage der Bundesstatistik hat sich mehrfach geändert. Zur Entwicklung der Berufsbildungsstatistik seit 1950 siehe Werner 2000 und Uhly 2006a.
Nach Auskunft des Statistischen Bundesamtes führte die Umstellung der Datenlieferung im Jahr 2007 insbesondere im Zuständigkeitsbereich des öffentlichen Dienstes zu Einschränkungen in der zeitlichen Vergleichbarkeit der Ergebnisse. Allerdings zeigt sich auch in der BIBB-Erhebung über neu abgeschlossene Ausbildungsverträge im Jahr 2007 ein starker Rückgang in den Berufen des öffentlichen Dienstes (siehe www.bibb.de/dokumente/pdf/naa309_2007_tab002_1land.pdf). Insofern ist unklar, in welchem Ausmaß der Rückgang in den Ausbildungsberufe des öffentlichen Dienstes in der Berufsbildungsstatistik durch die Umstellung der Datenlieferung und in welchem Maße durch reale Entwicklungen bedingt ist.
Basis bilden hier Berufe mit einem Bestand von mehr als 100 Auszubildenden im Jahr 2014.