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Timestamp: 2016-12-09 04:08:56
Document Index: 73817712

Matched Legal Cases: ['Art. 2', 'Art. 1', 'Art. 5', 'Art. 12', 'Art. 20', 'Art. 20', 'Art. 5', 'Art. 70', 'Art. 31', 'Art. 5', 'Art. 5', 'Art. 5', 'Art. 5', 'Art. 5', 'Art. 5']

⭐Bernhard C. Witt Datenschutz an Hochschulen
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1 Bernhard C. Witt Datenschutz an Hochschulen Im stillen Gedenken an meine Eltern2 3 Datenschutz an Hochschulen Ein Praxishandbuch für Deutschland am Beispiel der Universitäten Baden-Württembergs von Bernhard C. Witt Informatiker und Industriekaufmann, Universität Ulm, Fakultät für Informatik4 Bernhard C. Witt, geboren 1967 in Pfullendorf (Baden), hat nach seiner Ausbildung zum Industriekaufmann das Studium der Informatik an der Universität Ulm aufgenommen. Sein inhaltlicher Schwerpunkt liegt dabei auf dem Gebiet Informatik und Gesellschaft und darin wiederum beim Datenschutz. Er war jahrelang freiberuflich journalistisch tätig und ist seit 1998 im Bereich Wissenschaftliches Arbeiten selbständig. Seit 1996 ist er an der Fakultät für Informatik an der Universität Ulm für die Evaluation zuständig, beriet die Universität Ulm bei der Einführung ihrer Hochschulkostenrechnung und fungierte als Gutachter für den Akkreditierungsrat. Die Deutsche Bibliothek CIP-Einheitsaufnahme Witt, Bernhard C. Datenschutz an Hochschulen Ein Praxishandbuch für Deutschland am Beispiel der Universitäten Baden-Württembergs, Ulm, LegArtis, 2004 ISBN Umschlagentwurf und Typografie: ENORM Agentur für Visuelle Kommunikation, Köln gesetzt aus der Janson; gedruckt auf chlorfrei gebleichtem, holzfreiem Papier ISBN LegArtis Verlag Ulm5 Inhaltsverzeichnis I Inhaltsverzeichnis Inhaltsverzeichnis... I Abbildungsverzeichnis... V Einleitung...1 Motivation und Eingrenzung des Themas...1 Zum Verhältnis zwischen Informatik und Jura...2 Struktur der Arbeit...2 Danksagungen Konzeption des Datenschutzrechts Hintergründe zur Etablierung des Datenschutzrechts in der Bundesrepublik und seine Funktion Über die Anfänge des Datenschutzrechts Datenschutzrecht als Abwehrrecht Auszüge aus dem Grundrechts-Urteil zum Informationellen Selbstbestimmungsrecht Wesentliche Gründe für den Datenschutz Einschränkungen des Rechts auf informationelle Selbstbestimmung Der Kern des Datenschutzrechts Grundsätze des Datenschutzrechts Unterscheidung Datenschutz und Datensicherheit Struktur des Datenschutzrechts Aufgaben des Datenschutzes...11 Die Geltungsebenen im Datenschutzrecht Allgemein geltende Regelungen im Datenschutzrecht Wichtige Bestimmungen im Landesdatenschutzgesetz Baden- Württemberg Anwendungsbereich und Verarbeitungsgrundsätze...15 Die Rechte des Betroffenen Maßnahmen zur Datensicherheit Besonderheiten bei der Datenerhebung Verhältnis zwischen Datenschutzrecht und Wissenschaftsfreiheit Bedeutung und Umfang der Wissenschaftsfreiheit Über die Anfänge der Wissenschaftsfreiheit...196 II Witt Datenschutz an Hochschulen Grundsätzliche Beziehung zwischen Wissenschaftsfreiheit und Universitäten Auszüge aus dem Grundrechts-Urteil zur Wissenschaftsfreiheit Zur Wissenschaftsfreiheit im Allgemeinen Zu den Hochschulen im Besonderen Beziehungen zwischen Datenschutzrecht und Wissenschaftsfreiheit Datenschutz versus Wissenschaftsfreiheit? Regelungen zur Auflösung von Konflikten unterschiedlicher Grundrechte Ausdrückliche Regelungen zum Datenschutz an Universitäten Datenschutz in der Forschung nach dem Landesdatenschutzgesetz Erhebung von Daten über Studienbewerber, Studierende und Prüfungskandidaten nach dem Universitätsgesetz Evaluation von Forschung und Lehre Der Datenschutz in zentralen Bereichen der Hochschulselbstverwaltung Datenschutz im Bereich universitärer Forschung Datenschutzgerechter Umgang mit Daten im Rahmen universitärer Forschung Urheberrecht im Bereich universitärer Forschung Datenschutz im Rahmen der Evaluation der Forschung Weitere Aspekte wissenschaftlicher Forschung Datenschutz im Bereich der Studienorganisation Datenschutzgerechter Umgang mit Zulassungs- und Immatrikulationsdaten Datenschutzgerechter Umgang mit Rückmeldedaten Datenschutzgerechter Umgang mit Prüfungsdaten Datenschutzgerechter Umgang mit der Evaluation der Lehre Datenschutzgerechter Umgang mit Chipkarten bzw. bei ihrer Einführung Datenschutzgerechter Umgang bei besonderen Berichtspflichten Datenschutzgerechter Umgang mit sonstigen Studierendendaten Datenschutz im Bereich der Nutzung der Technik Datenschutzgerechter Umgang bei der Nutzung von Soft- und Hardware Datenschutzgerechter Umgang bei Datenübertragungen via Internet/Intranet Datenschutzgerechter Umgang mit sonstigen technischen Einrichtungen Datenschutz im Bereich der Verwaltung Umgang mit Personaldaten an einer Universität Datenschutzgerechter Umgang mit Personaldaten von Professoren Datenschutzgerechter Umgang mit anderen Personaldaten... 647 Inhaltsverzeichnis III Datenschutzgerechter Umgang mit personenbezogenen Daten in der universitären Mittelbewirtschaftung Datenschutzgerechter Umgang mit externen Untersuchungen Datenschutzgerechter Umgang bei Gremienwahlen Der Datenschutz in ausgewählten Fallbeispielen Beispiele aus der Forschung...67 Durchführung von Studien mit personenbezogenen Daten Durchführung von externen Studien mit personenbezogenen Daten Durchführung einer internen Evaluation der Forschung Durchführung einer externen Evaluation der Forschung Beispiele aus der Lehre Zulassung und Immatrikulation/Rückmeldung von Studierenden Prüfungsverfahren von Studierenden Durchführung einer internen Evaluation der Lehre Durchführung einer externen Evaluation der Lehre...89 Einführung und Nutzung einer Chipkarte Alltag innerhalb einer Abteilung im Rahmen der Lehrverpflichtung...96 Durchführung der fachbezogenen Studienberatung Anfragen über Studierendendaten Beispiele aus Technik und Verwaltung Einrichtung neuer bzw. Änderung vorhandener Hard- und Software Umgang mit Personaldaten Zusammenfassung Anhang Glossar Akronym- und Abkürzungsverzeichnis Literaturverzeichnis Verzeichnis grundlegender Rechtsbestimmungen Maßgebliche Verfassungen Grundlegende Gesetze Grundlegende Verordnungen Zitierte Vereinbarungen Verzeichnis grundlegender Urteile...1258 IV Witt Datenschutz an Hochschulen 6. Verzeichnis verwendeter Web-Quellen Gesetzesauszüge zum Datenschutz Landesdatenschutzgesetz (LDSG) Universitätsgesetz (UG) Hochschul-Datenschutzverordnung Landesbeamtengesetz (LBG) Muster Muster für eine Einwilligungserklärung Muster für eine Datenschutzerklärung9 Abbildungsverzeichnis V Abbildungsverzeichnis Abb. 1 Anforderungen an Eingriffe ins informationelle Selbstbestimmungsrecht...9 Abb. 2 Verhältnis zwischen Datenschutz und Datensicherheit...11 Abb. 3 Schema zur Bestimmung des anzuwendenden Datenschutzrechts...13 Abb. 4 Hierarchie für zulässige Datenverarbeitungen...18 Abb. 5 Ausschlaggebende Parameter der akademischen Selbstverwaltung...22 Abb. 6 Auflösung des Konfliktes zwischen Wissenschaftsfreiheit und Datenschutz...27 Abb. 7 Vereinfachte Sicht auf den Forschungszyklus...33 Abb. 8 Verfahrensschritte bei der Zulassung und Einschreibung von Studierenden...41 Abb. 9 Ablauf von Prüfungsverfahren...45 Abb. 10 Struktureller Ablauf einer Lehrevaluation...48 Abb. 11 Mögliche Funktionen einer Chipkarte an einer Hochschule...52 Abb. 12 Ablauf eines Berufungsverfahrens...6310 11 Einleitung 1 Einleitung Dieser Arbeit liegt das Selbstverständnis der Informatik als Wissenschaft der Informationsverarbeitung zugrunde. Angesichts des seit geraumer Zeit angebrochenen Zeitalters der Informationsgesellschaft ist es insbesondere für Informatiker wichtig, über die gesellschaftlichen Auswirkungen ihres Handelns zu reflektieren. Denn die Informatik entfaltet sich in der Praxis vorwiegend im Zusammenspiel mit anderen Disziplinen, den Anwendungsgebieten. Allgemein werden die Schnittstellen der Informatik mit diesen Gebieten Angewandte Informatik genannt. Ein besonders sensibler, aber zugleich für die Informatik grundlegender Bereich aus der Angewandten Informatik ist der Umgang mit personenbezogenen Informationen. Motivation und Eingrenzung des Themas Bisher existiert keine Zusammenstellung, welche Datenschutz-Vorschriften unter welchen Umständen an Hochschulen zu beachten sind. Gleichwohl liegt hier jedoch ein spannendes Interessengeflecht vor, zumal gerade in Hochschulgremien des öfteren datenschutzrelevante Themen erörtert werden. Diese Arbeit soll daher einen Überblick verschaffen und Anregungen zu datenschutzkonformen Handlungen im Rahmen der Hochschulverwaltung und akademischen Selbstverwaltung geben. Obwohl in Baden-Württemberg in vielen Belangen Fachhochschulen und Pädagogische Hochschulen den Universitäten gleichgestellt sind, wurden in dieser Arbeit speziell die Universitäten näher betrachtet die Ergebnisse sind jedoch übertragbar. Dabei wurden bewusst Aspekte von Einrichtungen, die mit Universitäten in Verbindung stehen, wie etwa Studentenwerke oder An-Institute, außer Acht gelassen. Es ist nicht Gegenstand dieser Arbeit, einen Abgleich zwischen gesetzlichen Vorschriften und der tatsächlichen Praxis an den Landesuniversitäten hinsichtlich der Einhaltung des Datenschutzes vorzunehmen. Dies ist vielmehr die Aufgabe von behördlichen Datenschutzbeauftragten sowie des Landesdatenschutzbeauftragten, welcher in seinen jährlichen Tätigkeitsberichten über etwaige Verstöße berichtet. Gleichfalls ist es nicht Thema dieser Arbeit, aufzuzählen, welche Konsequenzen jeweils aus etwaigen Verstößen resultieren würden. Es ist auch nicht Aufgabe dieser Arbeit, darzustellen, an welchen Landesuniversitäten im Rahmen der Lehre und Forschung Themen aus dem Bereich des Datenschutzes vermittelt bzw. angegangen werden. Die vorliegende Arbeit ist aus der Sicht der Informatik geschrieben und keine rechtswissenschaftliche Abhandlung. Sie ist in den Bereich der Angewandten In-12 2 Witt Datenschutz an Hochschulen formatik und dabei speziell in den Gebieten Informatik und Gesellschaft und Datenschutz einzuordnen. Zum Verhältnis zwischen Informatik und Jura In juristischen Fragen geht diese Arbeit überwiegend davon aus, dass die Gesetze, Verordnungen, Vereinbarungen und Urteile vorgegeben sind und sich im Einklang mit den verfassungsrechtlichen Grundsätzen befinden. In der Regel ist in der Jurisprudenz der Einzelfall entscheidend. Analogieschlüsse sind im Gegensatz zu Informatik eher untypisch. Erst im Zuge der Verfassungsauslegung gewinnen Analogien an Substanz. Konnte also keine spezialrechtliche Vorschrift gefunden werden, wurden die Grundsatz-Urteile des Bundesverfassungsgerichts als maßgebliche Grundlage verwendet. Eine umfassende Herleitung von Rechtsgrundsätzen, ausgehend von der Menschenwürde, wäre eher Aufgabe der Rechtswissenschaften. Ein Problem, das im Rahmen dieser Arbeit gelöst werden musste, ist jedoch die unterschiedliche Methodik der Zitierweise in den beteiligten Disziplinen: in der Informatik erfolgen üblicherweise gröbere Bezüge zu verwendeten Literaturquellen, auf deren Grundlagen ein Abschnitt fußt eine detaillierte Quellenangabe (mit Angabe aller exakten Seitenverweise) ist daher eher unüblich in Jura sind detaillierte Einzelnachweise dagegen geradezu gefordert und in dessen Folge erhöhen sich die Anzahl der Fußnoten Ziel dieser Arbeit war, dass auf ihr auch rechtswissenschaftlich aufgebaut werden kann. Insofern wurde bei den zugrunde liegenden Quellen eine Reduktion auf das Grundlegende und besonders Aussagekräftige vorgenommen. Die Zitierweise der Literaturangaben entspricht dem aktuellen Standard in der Informatik. Da sich gerade im Themenkomplex dieser Arbeit die Rechtsgrundlagen aktuell relativ häufig ändern, wurden hier Änderungen von Gesetzen und Verordnungen nur bis zum 1. Oktober 2002 berücksichtigt. Struktur der Arbeit Diese Arbeit gliedert sich in vier Hauptteile: Im ersten wird die Konzeption des Datenschutzrechts dargestellt, im zweiten das Verhältnis zwischen Datenschutzrecht und Wissenschaftsfreiheit untersucht und im dritten spezielle Aspekte beim datenschutzkonformen Umgang in einer baden-württembergischen Universität anhand der Bereiche Forschung, Lehre, Technik und Verwaltung dargestellt, soweit es sich um hochschul-spezifische Belange handelt; im vierten Teil wird der datenschutzkonforme Umgang schließlich in Form einer Richtlinie anhand von13 Einleitung 3 Fallbeispielen aufbereitet, um den universitären Alltag hinsichtlich des Datenschutzes erleichtern zu können. Adressat dieser Arbeit ist die Daten verarbeitende Stelle innerhalb einer Universität, also nicht die Personen, die von der Datenverarbeitung betroffen sind. Gleichwohl liefert diese Arbeit auch für die Betroffenen wichtige Hinweise, welcher Umgang mit ihren Daten zulässig ist. Wird im vorliegenden Dokument von Personen nur in der männlichen Form gesprochen, so gilt dies auch für weibliche Personen. Diese Veröffentlichung ist die verbesserte Version der Diplomarbeit über Datenschutz im Hochschulwesen in Baden-Württemberg des Autors an der Universität Ulm. Danksagungen Schließlich soll nicht unerwähnt bleiben, dass eine solche Arbeit nur dann erfolgreich angefertigt werden kann, wenn sich der Autor der Unterstützung durch Andere sicher sein kann. In diesem Falle möchte ich deshalb folgenden Personen besonders danken: Heinrich R. Staack (Dezernat IV Finanzen der Universität Ulm) für die Anregung, mich mit diesem Thema näher zu befassen, Dr. Gisela Menger (Abteilung Rechnerstrukturen an der Fakultät für Informatik an der Universität Ulm) für das Überlassen einer Einführung in die Jurisprudenz, die mir beim Verständnis rechtswissenschaftlicher Ansätze sehr geholfen hat, Birgit Tümmers, Christiane Westhauser (beide Dezernat II Studium und Lehre der Universität Ulm) und Rainer Marxmeier (Dezernat III Personal und Recht der Universität Ulm) für die geduldige Beantwortung meiner Fragen zur Themeneingrenzung, Werner Schneider (ehemaliger Landesbeauftragter für den Datenschutz Baden-Württemberg) für die Bereitstellung zahlreicher Informationsmaterialien, Prof. Dr. Gerhard Kongehl (Professor für Datenschutz, Datensicherheit und Technikfolgenabschätzung an der Fachhochschule Ulm) für die Bereitschaft, als Zweitgutachter der dieser Veröffentlichung zugrunde liegenden Diplomarbeit zur Verfügung zu stehen, und die Vorschläge der zu behandelnden Themen, Prof. Dr. Michael Weber (Abteilung Medieninformatik an der Fakultät für Informatik an der Universität Ulm) für die14 4 Witt Datenschutz an Hochschulen Bereitschaft, die dieser Veröffentlichung zugrunde liegenden Diplomarbeit auszugeben, als Erstgutachter zu fungieren und der fruchtbaren Zusammenarbeit bei der Festsetzung der Aufgabenstellung, Dr. Wolfram Gass (Honorarprofessor für Medienrecht an der Fakultät für Informatik an der Universität Ulm) für die Bereitstellung nützlicher Informationsmaterialien, hilfreicher Anregungen und vor allem die Durchsicht der Arbeit auf juristische Stimmigkeit, dem Betreuer der dieser Veröffentlichung zugrunde liegenden Diplomarbeit Martin Gumhold (Abteilung Medieninformatik an der Fakultät für Informatik an der Universität Ulm) für die organisatorische Unterstützung, viele nützliche Hinweise und wertvolles Feedback der Agentur ENORM für die zahlreichen Vorschläge zur Gestaltung der Veröffentlichung, Frau Gisela Steinfurth vom Verlag LegArtis für die Betreuung der Veröffentlichung durch den Verlag, Götz A. Maier, Rechtsanwälte Gass & Partner, für die fleißige Umsetzung der Gestaltungs- und Änderungswünsche in der Schlussphase der Veröffentlichung, und ganz besonders Rebecca für konstruktive Kritik, Geduld und Nervenstärke (vor allem in der Schlussphase dieser Arbeit), sowie für die kreative Beratung bei der Erstellung der Grafiken.15 1. Konzeption des Datenschutzrechts 5 1. Konzeption des Datenschutzrechts 1.1 Hintergründe zur Etablierung des Datenschutzrechts in der Bundesrepublik und seine Funktion Über die Anfänge des Datenschutzrechts Mit dem Einzug der elektronischen Datenverarbeitung nahm zugleich die Sensibilisierung in Fragen des Umgangs mit personenbezogenen Daten zu: In der Bundesrepublik Deutschland ist das Datenschutzrecht ursprünglich im Wesentlichen durch die amerikanische Debatte um das Recht auf Privatheit (privacy) sowie den Mikrozensus-Beschluss des Bundesverfassungsgerichts vom motiviert 1 dies ist insbesondere maßgeblich bei der Verabschiedung des bundesweit ersten, hessischen Datenschutzgesetzes im Jahre 1970 gewesen. Im ausschlaggebenden Urteil des obersten Gerichtes heißt es 2 : Mit der Menschenwürde wäre es nicht zu vereinbaren, wenn der Staat das Recht für sich in Anspruch nehmen könnte, den Menschen zwangsweise in seiner ganzen Persönlichkeit zu registrieren und zu katalogisieren, sei es auch in der Anonymität einer statistischen Erhebung. Dies könnte sonst zu einem teilweisen bis zu einem weitgehend vollständigen Persönlichkeitsprofil von Betroffenen führen, das entlang einer zeitlichen Entwicklung (Langzeitprofil) oder als sektorenübergreifende Blitzaufnahme (Querschnittsprofil) systematisch zusammengefügt werden könnte 3. Als wesentlicher Auslöser für die Debatte um das Recht auf Privatheit kann in den USA die auf Kredit basierende Wirtschaft benannt werden 4, da die individuelle Kreditwürdigkeit zu den obersten sozialen Werten zählt, es in den 60er Jahren vermehrt zu Computerfehlern in diesem sensiblen Bereich gekommen und die Errichtung einer nationalen Datenbank zur Erfassung aller verfügbaren Informationen über die Bürgerinnen und Bürger geplant war. Allerdings sicherte in den USA erst 1974 der Privacy Act den Betroffenen diverse Rechte in Datenschutz-Fragen zu und verbot eine Zweckentfremdung von Personendaten so [Brennecke2001], S. 6. zitiert nach [Bergmann2002], S. 5 im Teil I, 2. Teil das Originalzitat findet sich in BVerfGE 27, 1 [6]. so Thilo Weichert in [Kilian2002], S. 8, Rn 35 im Teil 13, Kapitel 130 über die "Verfassungsrechtlichen Grundlagen des Datenschutzes. nach [Tinnefeld1994], S. 14. so [Tinnefeld1994], S. 16.16 6 Witt Datenschutz an Hochschulen Datenschutzrecht als Abwehrrecht Nach Ansicht des langjährigen Datenschutzbeauftragten Hessens, Spiros Simitis 6, ist der Datenschutz immer und zugleich Gradmesser der Bereitschaft und Fähigkeit einer Gesellschaft, die Grundrechte der einzelnen zu respektieren und ihre Partizipationschancen zu garantieren. Ein Grundrecht kann verschiedene Ausprägungen haben 7. Es wird unterschieden zwischen einem: klassischen Freiheitsrecht (status negativus), Beteiligungsrecht (status aktivus) und Leistungsrecht (status positivus). Die meisten Grundrechte sind in erster Linie als Individualrechte (und insofern auch garantierte Minderheitenrechte 8 ) zur ersten Kategorie zu zählen und folglich als Abwehrrechte des Einzelnen gegenüber dem Staat und der öffentlichen Gewalt entstanden 9. Insofern liegt die maßgebliche Ursache für das bundesrepublikanische Datenschutzrecht also in der Abwehr gegen staatliche Eingriffe in individuelle Interessen, während es im nicht-öffentlichen Bereich erst durch die EG- Datenschutzrichtlinie von 1995 ein aussagekräftigeres Korsett bekam: Ausgehend vom Widerstand gegen das Volkszählungsgesetz vom März 1982 befasste sich das Bundesverfassungsgericht (BVerfG) eingehender mit dem Datenschutz nach eigener Darstellung sah es sich hierzu förmlich genötigt 10. Das dabei zu lösende Problem war so wichtig, dass der übliche Instanzenweg umgangen wurde 11. Zugleich wurde damit das Procedere zur Manifestation der herrschenden juristischen Meinung stark abgekürzt mit dem ansonsten eher längerfristigen Instanzenweg soll dagegen der juristischen Fachdiskussion mehr Zeit zur Entfaltung eingeräumt werden 12. Direkte Verfassungsbeschwerden werden vom Bundesverfassungsgericht nur akzeptiert 13, wenn der Beschwerdeführer durch diese Bestimmung selbst, gegenwär siehe [Simitis1998], S siehe [Kimminich1996a], S. 123 gemäß [Kimminich1996a], S so [Bergmann2002], S. 4 im Teil I, Systematische Darstellung des Datenschutzrechts, Ziffer "Da (...) nur eine lückenhafte verfassungsgerichtliche Rechtsprechung bestand, nötigen die zahlreichen Verfassungsbeschwerden gegen das Volkszählungsgesetz 1983 das Bundesverfassungsgericht, die verfassungsrechtlichen Grundlagen des Datenschutzes umfassender zu prüfen. (BVerfGE 65, 1 [4]) siehe [Wesel1992], S. 52ff siehe auch [Wesel1992], S. 28f. gemäß BVerfGE 65, 1 [36ff].17 1. Konzeption des Datenschutzrechts 7 tig und unmittelbar in seinen Grundrechten betroffen ist und das Gesetz bereits gegenwärtig zu später nicht mehr korrigierbaren Entscheidungen zwingt. 1.2 Auszüge aus dem Grundrechts-Urteil zum Informationellen Selbstbestimmungsrecht Wesentliche Gründe für den Datenschutz Das Bundesverfassungsgericht stellt in der Urteilsbegründung zum Volkszählungsgesetz fest 14, dass die Möglichkeiten der modernen Datenverarbeitung (...) weithin nur noch für Fachleute durchschaubar (sind) und (...) beim Staatsbürger die Furcht vor einer unkontrollierbaren Persönlichkeitserfassung (...) auslösen (können). Dabei führte es weiter aus 15 : Wer nicht mit hinreichender Sicherheit überschauen kann, welche ihn betreffende Informationen in bestimmten Bereichen seiner sozialen Umwelt bekannt sind, und wer das Wissen möglicher Kommunikationspartner nicht einigermaßen abzuschätzen vermag, kann in seiner Freiheit wesentlich gehemmt werden, aus eigener Selbstbestimmung zu planen oder zu entscheiden. (...) Wer unsicher ist, ob abweichende Verhaltensweisen jederzeit notiert und als Information dauerhaft gespeichert, verwendet oder weitergegeben werden, wird versuchen, nicht durch solche Verhaltensweisen aufzufallen. (...) Dies würde nicht nur die individuellen Entfaltungschancen des Einzelnen beeinträchtigen, sondern auch das Gemeinwohl, weil Selbstbestimmung eine elementare Funktionsbedingung eines auf Handlungs- und Mitwirkungsfähigkeit seiner Bürger begründeten freiheitlichen demokratischen Gemeinwesens ist. Hieraus folgt: Freie Entfaltung der Persönlichkeit setzt unter den modernen Bedingungen der Datenverarbeitung den Schutz des Einzelnen gegen unbegrenzte Erhebung, Speicherung, Verwendung und Weitergabe seiner persönlichen Daten voraus. Als Prüfungsmaßstab für das informationelle Selbstbestimmungsrecht hat das Bundesverfassungsgericht im Volkszählungsurteil das allgemeine Persönlichkeitsrecht (Art. 2 Abs. 1 GG, Jeder hat das Recht auf die freie Entfaltung seiner Persönlichkeit, soweit er nicht die Rechte anderer verletzt und nicht gegen die verfassungsmäßige Ordnung oder das Sittengesetz verstößt, in Verbindung mit Art. 1 Abs. 1 GG, Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt ) bestimmt 16 : Im Mittelpunkt der grundgesetzlichen Ordnung stehen Wert und Würde der Person, die in freier Selbstbestimmung als Glied einer freien Gesellschaft wirkt. (...) Es umfasst (...) auch die aus dem Gedanken der Selbstbestimmung folgende Befugnis des Einzel zitiert aus BVerfGE 65, 1 [4]. zitiert aus BVerfGE 65, 1 [43]. zitiert aus BVerfGE 65, 1 [41f].18 8 Witt Datenschutz an Hochschulen nen, grundsätzlich selbst zu entscheiden, wann und innerhalb welcher Grenzen persönliche Lebenssachverhalte offenbart werden. Seit dem Quellensteuerurteil 17 vom des Bundesverfassungsgerichts wird anstelle eines Rechts auf informationelle Selbstbestimmung auch von einem Grundrecht auf Datenschutz gesprochen Einschränkungen des Rechts auf informationelle Selbstbestimmung Das Bundesverfassungsgericht bemisst dem informationellen Selbstbestimmungsrecht zwar einen hohen Stellenwert bei, doch hielt es im Volkszählungsurteil ausdrücklich fest 18, dass dieses Recht auf informationelle Selbstbestimmung nicht schrankenlos gewährleistet ist: Der Einzelne (...) ist (...) eine sich innerhalb der sozialen Gemeinschaft entfaltende, auf Kommunikation angewiesene Persönlichkeit. (...) Grundsätzlich muss daher der Einzelne Einschränkungen seines Rechts auf informationelle Selbstbestimmung im überwiegenden Allgemeininteresse hinnehmen. Diese Beschränkungen bedürfen (...) einer (verfassungsmäßigen) gesetzlichen Grundlage, aus der sich die Voraussetzungen und der Umfang der Beschränkungen klar und für den Bürger erkennbar ergeben (...). Bei seinen Regelungen hat der Gesetzgeber ferner den Grundsatz der Verhältnismäßigkeit zu beachten. (...) Erst wenn Klarheit darüber besteht, zu welchem Zweck Angaben verlangt werden und welche Verknüpfungs- und Verwendungsmöglichkeiten bestehen, lässt sich die Frage einer zulässigen Beschränkung des Rechts auf informationelle Selbstbestimmung beantworten. Und das Gericht stellt schließlich klar 19 : Ein Zwang zur Angabe personenbezogener Daten setzt voraus, dass der Gesetzgeber den Verwendungszweck bereichsspezifisch und präzise bestimmt und dass die Angaben für diesen Zweck geeignet und erforderlich sind. (...) Auch werden sich alle Stellen, die zur Erfüllung ihrer Aufgaben personenbezogene Daten sammeln, auf das zum Erreichen des angegebenen Zieles erforderliche Minimum beschränken müssen. (...) Bei der Datenerhebung für statistische Zwecke kann eine enge und konkrete Zweckbindung der Daten nicht verlangt werden. (...) Ist die Vielfalt der Verwendungs- und Verknüpfungsmöglichkeiten damit bei der Statistik von der Natur der Sache her nicht im voraus bestimmbar, müssen der Informationserhebung und -verarbeitung innerhalb des Informationssystems zum Ausgleich entsprechende Schranken gegenüberstehen. (...) Zur Sicherung des Rechts auf informationelle Selbstbestimmung bedarf es ferner besonderer Vorkehrungen für Durchführung und Organisation der Datenerhebung und -verarbeitung, da die Informationen während der Phase der Erhebung und zum Teil auch während der Speicherung noch individualisierbar sind siehe [Bergmann2002], S. 4 im Teil I, Ziffer bzw. BVerfGE 84, 239 [280]. zitiert aus BVerfGE 65, 1 [43ff]. zitiert aus BVerfGE 65, 1 [46ff].19 1. Konzeption des Datenschutzrechts Der Kern des Datenschutzrechts Grundsätze des Datenschutzrechts Jede Person darf also grundsätzlich selbst über die Preisgabe und Verwendung ihrer persönlichen Daten bestimmen. Dieses Grundrecht wird informationelle Selbstbestimmung genannt. Hierin darf nur auf der Grundlage einer Rechtsvorschrift im überwiegenden Allgemeininteresse (und dies erfordert in jedem Falle eine verfassungskonforme gesetzliche Regelung) eingegriffen werden (so genannter Gesetzesvorbehalt 20 ). Die zugrunde liegende Rechtsvorschrift unterliegt schließlich folgenden Einschränkungen: der Verwendungszweck ist bereichsspezifisch und präzise zu bestimmen (Normenklarheitsprinzip) die Angaben personenbezogener Daten muss für den Zweck geeignet und erforderlich sein (Verhältnismäßigkeitsprinzip) es sind nur so viele Daten zu erheben, wie unbedingt benötigt werden (Grundsatz der Datensparsamkeit) Dieser Kern ergibt sich unmittelbar aus dem Grundgesetz und ist daher stets zu beachten. Abb. 1 Anforderungen an Eingriffe ins informationelle Selbstbestimmungsrecht 20 siehe [Wesel1992], S. 254.20 10 Witt Datenschutz an Hochschulen Anmerkung In der Literatur wird anstelle des Verhältnismäßigkeitsprinzips z.t. die Bezeichnung Übermaßverbot verwendet und dafür die Zweckbindung, Eignung und Erforderlichkeit jeweils zu eigenen Prinzipien erhoben. Die hier gewählte Aufteilung orientiert sich stärker am direkten Wortlaut des zugrunde liegenden BVerfG-Urteils. Aus der Normenklarheit ergibt sich auch der oftmals genannte Grundsatz der Transparenz, der Ausgangspunkt für die Kontrolle des Eingriffs (durch Datenschutzbeauftragte ausgehend von Betroffenenrechten) ist. Die meisten Darstellungen zu diesem Thema klammern bedauerlicherweise den Grundsatz der Datensparsamkeit in einer solchen Übersicht aus (die Datensparsamkeit wird dabei i.d.r. nur als besonderer Aspekt der Verhältnismäßigkeit als Unterpunkt der Erforderlichkeit aufgeführt), obwohl er spätestens nach der EG-Datenschutzrichtlinie erneut an Bedeutung gewonnen hat. Außerdem hat auf diesen Grundsatz schon das Bundesverfassungsgericht beim Volkszählungsurteil ausdrücklich hingewiesen, wie weiter oben bereits ausgeführt wurde Unterscheidung Datenschutz und Datensicherheit Der Begriff Datenschutz wird häufig in vielerlei Nuancen und Bedeutungen verwendet. Diese Arbeit basiert auf den Definitionen von Bergmann, Möhrle und Herb 21 : "Der Datenschutz hat das Ziel, jeden einzelnen Menschen vor den Gefahren beim Umgang mit personenbezogenen Daten zu schützen (...). Jeder Einzelne soll in der Regel selbst bestimmen, welche Daten er zur Verwendung preisgibt. (...) Datenschutz ist also die Menge aller Vorkehrungen zur Verhinderung unzulässiger Informationsverarbeitung. "Damit der Datenschutz als rechtliches Ziel erreicht werden kann, sind technische und organisatorische Maßnahmen erforderlich. Sie werden mit den Begriffen Datensicherung und Datensicherheit umschrieben. (...) Unter Datensicherung werden also alle Maßnahmen zur Erhaltung und Sicherung des gesamten DV- Systems und zum Schutz der Daten, Datenträger, DV-Anlagen und Programme vor Fehlern, Missbrauch und höherer Gewalt verstanden. 21 zitiert nach [Bergmann2002], S. 16f im Teil I, Ziffer und21 1. Konzeption des Datenschutzrechts 11 Abb. 2 Verhältnis zwischen Datenschutz und Datensicherheit 1.4 Struktur des Datenschutzrechts Aufgaben des Datenschutzes Aufgabe des Datenschutzes ist der Schutz der personenbezogenen Daten vor Missbrauch durch Datenverarbeitung 22. Quasi gleich lautende Formulierungen finden sich daher auch in allen Datenschutzgesetzen. Das Bundesverfassungsgericht hat hierzu festgehalten 23, dass das Recht auf informationelle Selbstbestimmung generell vor staatlicher Erhebung und Verarbeitung personenbezogener Daten schützt und nicht auf den jeweiligen Anwendungsbereich des Bun siehe [Bergmann2002], S. 3 im Teil V, Überblick, Ziffer 1.1. zitiert nach [Bergmann2002], S. 1 im Teil V, Kommentar zu 1 LDSG mit Verweis auf einen Beschluss des BVerfG vom22 12 Witt Datenschutz an Hochschulen desdatenschutzgesetzes (BDSG), der Datenschutzgesetze der Länder oder datenschutzrelevanter gesetzlicher Sonderregelungen beschränkt ist Die Geltungsebenen im Datenschutzrecht Das Datenschutzrecht hat sich nach Bergmann, Möhrle und Herb 24 insbesondere im öffentlichen Bereich 'verselbständigt', d.h. vom BDSG abgekoppelt. Es könne sogar von einer Aushöhlung des BDSG gesprochen werden 25. Alleine die Auflistung der wesentlichen bereichsspezifischen Regelungen umfasst daher gleich mehrere Seiten. Die Autoren folgern schließlich 26, dass das BDSG in den Ländern grundsätzlich nicht mehr gilt. Grundsätzlich ist das Datenschutzrecht anzuwenden, das am Sitz der personenbezogenen Daten verantwortlich verarbeitenden Stelle gilt (so genanntes Sitzprinzip ) 27. Bei einem vorliegenden Fall ist anschließend stets zuerst zu prüfen, ob datenschutzrelevante Bereichsregelungen ( lex specialis ) existieren (im Falle der Hochschulen siehe hierzu insbesondere Kapitel 2.4), die vorrangig anzuwenden sind. Danach ist im Regelfall das Landesdatenschutzgesetz (LDSG) die anzuwendende Rechtsvorschrift und erst, wenn dieses Gesetz nicht greift, ist das Bundesdatenschutzgesetz (BDSG) maßgeblich zitiert aus [Bergmann2002], S. 1 im Teil I, Ziffer zitiert aus [Bergmann2002], S. 1 im Teil I, Ziffer zitiert aus [Bergmann2002], S. 22 im Teil I, Ziffer 4.3. siehe [Blömer2002], S. 203.23 1. Konzeption des Datenschutzrechts 13 Abb. 3 Schema zur Bestimmung des anzuwendenden Datenschutzrechts Allgemein geltende Regelungen im Datenschutzrecht Einige Regelungen finden sich fast wortidentisch in allen Datenschutzgesetzen, so dass hier von einem einheitlichen Recht gesprochen werden kann 28. Zu nennen sind: die Bestimmung wichtiger Begriffe in den Datenschutzgesetzen (siehe hierzu insbesondere 3 BDSG bzw. 3 LDSG), die Zulässigkeit der Datenverarbeitung aufgrund einer Rechtsgrundlage oder der (freiwillig gegebenen) Einwilligung des Betroffenen (siehe hierzu insbesondere 4 BDSG bzw. 4 LDSG), die Wahrung des im Beschäftigungsverhältnis erworbenen Datengeheimnisses auch über das Beschäftigungsverhältnis 28 siehe [Bergmann2002], S. 4ff im Teil V, Ziffer 1.2, 1.3 und 1.5 im Überblick, sowie in den Kommentierungen zu den jeweiligen Paragraphen.24 14 Witt Datenschutz an Hochschulen hinaus (siehe hierzu insbesondere 5 BDSG bzw. 6 LDSG), die Rechte des Betroffenen auf Auskunft, Berichtigung, Löschung oder Sperrung (siehe hierzu insbesondere 6 BDSG bzw. 5 LDSG), der Grundsatz der Primärerhebung beim Betroffenen (siehe hierzu insbesondere 13 BDSG bzw. 13 LDSG), der Grundsatz der Zweckbindung der Daten (siehe hierzu insbesondere 14 BDSG bzw. 15 LDSG), der Grundsatz der Datensparsamkeit (siehe hierzu insbesondere 3a BDSG bzw. 9 Abs. 1 LDSG), die Kontrolle der Einhaltung datenschutzrelevanter Vorschriften durch einen unabhängigen Datenschutzbeauftragten (siehe hierzu insbesondere die 4f und 4g BDSG bzw. 10 LDSG). Der Datenschutz ist irrelevant, wenn explizit keine personenbezogenen Daten verarbeitet werden. Personenbezogene Daten sind (gemäß ihrer Definition in 3 Abs. 1 LDSG) Einzelangaben über persönliche oder sachliche Verhältnisse einer bestimmten oder bestimmbaren natürlichen Person (Betroffener). Wenn eine Re- Identifikation nur mit unverhältnismäßigem Aufwand möglich ist (siehe auch 3 Abs. 6 LDSG bzw. 3 Abs. 6 BDSG) 29, sind die Daten (faktisch) anonymisiert und eine uneingeschränkte Verarbeitung zulässig 30. Zum Volkszählungsgesetz 1987 hielt das Bundesverfassungsgericht in einem Kammerbeschluss fest 31 : Von Verfassungs wegen ist lediglich eine faktische A- nonymität der Daten geboten. Diese kann in Anlehnung an 16 Abs. 6 BStatG allenfalls dann als gegeben angesehen werden, wenn Datenempfänger oder Dritte eine Angabe nur mit einem im Verhältnis zum Wert der zu erlangenden Information nicht zu erwartenden unverhältnismäßig großen Aufwand an Zeit, Kosten, Arbeitskraft und sonstigen Ressourcen (etwa das Risiko einer Bestrafung) einer Person zuordnen können in [Bergmann2002], S. 21f im Teil III, Ziffer 18 im Kommentar zu 3 BDSG, Rn 128ff. siehe hierzu exemplarisch H.-Erich Wichmann in [Hamm1999], S. 55. zitiert nach [Bizer1992], S. 153.25 1. Konzeption des Datenschutzrechts Wichtige Bestimmungen im Landesdatenschutzgesetz Baden- Württemberg Anwendungsbereich und Verarbeitungsgrundsätze Das Landesdatenschutzgesetz ist grundsätzlich auch auf Hochschulen anzuwenden 32, da diese als sonstige öffentliche Stelle im Sinne von 2 Abs. 1 LDSG anzusehen sind. Vorrang vor dem LDSG haben aber Gesetze (wie z.b. das Universitätsgesetz), Verordnungen und Satzungen, in denen entsprechende bereichsspezifische Regelungen (z.b. über die Zulässigkeit der Speicherung personenbezogener Daten) enthalten sind. Fehlen darin Regelungen (z.b. über Auskunftspflichten), so kommt wiederum das LDSG zum Zuge. Das bedeutet, dass jede Regelung, die vom LDSG abweichen soll, explizit aufgeführt sein muss. Personenbezogene Daten dürfen nur verarbeitet werden, wenn der Betroffene eingewilligt hat oder eine Rechtsvorschrift dieses ausdrücklich erlaubt ( 4 Abs. 1 LDSG). Zur Verarbeitung zählen das Erheben, Speichern, Verändern, Übermitteln, Nutzen, Sperren und Löschen der Daten ( 3 Abs. 2 LDSG). Selbst gegen eine rechtmäßige Datenverarbeitung hat ein Betroffener ein Einwendungsrecht, das nur dann zurückgewiesen werden darf, wenn eine Abwägung ergeben hat, dass das öffentliche Interesse an der Verarbeitung überwiegt ( 4 Abs. 6 LDSG). Obgleich im LDSG die Datenverarbeitung eindeutig (und umfassend) definiert ist, wird in anderen Gesetzen z.t. wiederum in Erheben, Verarbeiten und Veröffentlichen unterschieden. Es wird daher davon ausgegangen, dass die Erhebung einerseits und die Veröffentlichung andererseits besonders schwere Eingriffe in das informationelle Selbstbestimmungsrecht der Betroffenen darstellen Die Rechte des Betroffenen Niemand, sei er nun Betroffener oder Bediensteter, darf wegen der Geltendmachung seiner Rechte benachteiligt werden 33. Etwaige Ansprüche werden stets gegen die verantwortende Stelle im Sinne von 3 Abs. 3 LDSG geltend gemacht, also gegenüber der Stelle, die personenbezogene Daten für sich selbst verarbeitet oder durch andere im Auftrag verarbeiten lässt, denn Auftragnehmer sind bei der Datenverarbeitung an die Weisungen der Auftraggeber gebunden 34. Betroffene verfügen über: das Recht auf Auskunft über die zu seiner Person gespeicherten Daten (ausführlicher in 21 LDSG), das nur bei der siehe hierzu die Ausführungen in [Bergmann2002], S. 2 und S. 5 des Kommentars zu 2 LDSG. darauf verweist [Bergmann2002], S. 2, Ziffer 2.3 im Kommentar zu 5 LDSG. siehe Thilo Weichert in [Kilian2002], S. 11, Rn 42 im Teil 13, Kapitel 131 über "Rechtsquellen und Grundbegriffe des allgemeinen Datenschutzes.26 16 Witt Datenschutz an Hochschulen Übermittlung an Sicherheitsbehörden, der Justiz und der Finanzverwaltung eingeschränkt ist das Auskunftsrecht ist grundlegend für die Nutzbarkeit der anderen Rechte 35, das Recht auf Berichtigung, Löschung bzw. Sperrung unrichtiger oder unzulässiger bzw. nicht mehr erforderlicher Daten (ausführlicher in den 22 bis 24 LDSG), das Recht auf Auskunft aus dem vom behördlichen Datenschutzbeauftragten zu führenden Verfahrensverzeichnis, in dem alle automatisierten Datenverarbeitungsverfahren aufzuführen sind darin ist insbesondere die Grundlage für die Verarbeitung und die Zweckbestimmung zu benennen (detailliertere Angaben in 11 LDSG), das Recht auf Einwendung bei begründet schutzwürdigen Interessen gegen eine Verarbeitung ( 4 Abs. 6 LDSG), das Recht auf Schadensersatz bei schweren Verstößen gegen das LDSG, wobei die verantwortende Stelle nachzuweisen hat, ob der Schaden nicht von ihr zu vertreten ist ( 25 LDSG), das Recht auf Anrufung des Landesdatenschutzbeauftragten ( 27 LDSG). Die verfahrensrechtlichen Schutzvorkehrungen (Aufklärungs-, Auskunfts- und Löschungsvorschriften) kommen in jedem Falle zum Zuge, da sie auf der Grundlage der geltenden Verfassungsauslegung zwingend zu gewähren sind 36. Gleiches gilt für die Beteiligung unabhängiger Datenschutzbeauftragter 37, deren Aufgaben, soweit es sich um behördliche Datenschutzbeauftragte handelt, darin liegen, auf die Einhaltung der Datenschutzvorschriften hinzuwirken, für Datenschutzregelungen zu sensibilisieren und ein Verfahrensverzeichnis zu führen ( 10 Abs. 4 LDSG). Ist kein behördlicher Datenschutzbeauftragter benannt, nimmt dessen Aufgaben der Landesdatenschutzbeauftragte wahr, wie sich u.a. aus den 12, 28 und 32 Abs. 1 LDSG im Vergleich zu 10 Abs. 4 LDSG ergibt Maßnahmen zur Datensicherheit Grundsätzlich ist darauf zu achten, dass möglichst wenig personenbezogene Daten verarbeitet werden ( 9 Abs. 1 LDSG). Im zugrunde liegenden Paragraphen werden die wesentlichen Maßnahmen zur Datensicherheit aufgeführt. Die verantwortliche Stelle hat (nach 9 Abs. 3 LDSG) also dafür zu sorgen, dass: und wird deshalb von Thilo Weichert in [Kilian2002], S. 2, Rn 5 im Teil 13, Kapitel 133 über "Betroffenenrechte" als "Magna Charta" des Rechts auf informationelle Selbstbestimmung bezeichnet. siehe [Bergmann2002], S. 4, Ziffer 8.1 im Kommentar zu 5 LDSG bzw. BVerfGE 65, 1 [46]. siehe ebenfalls BVerfGE 65, 1 [46].27 1. Konzeption des Datenschutzrechts 17 Unbefugte keinen Zutritt zu den DV-Anlagen erhalten, Daten nicht durch Unbefugte eingegeben, gelesen, verändert oder gelöscht werden dürfen, Datenträger nicht unbefugt gelesen, kopiert, verändert oder entfernt werden können, DV-Systeme nicht bei der Datenübertragung durch Unbefugte benutzt werden können, bei der Datenübertragung und dem Datenträgertransport nicht Unbefugte Daten lesen, kopieren, verändern oder löschen können, Zugriffsberechtigte nur auf die ihrer Berechtigung unterliegenden Daten zugreifen können, überprüft und festgestellt werden kann, an wen Daten übermittelt wurden, auch nachträglich überprüft und festgestellt werden kann, wer wann welche Daten eingegeben hat, personenbezogene Daten gegen zufällige Zerstörungen oder Verlust geschützt sind, die Datenverarbeitung im Auftrag ebenfalls entsprechend der Weisungen der verantwortlichen Stelle unter Beachtung der Datenschutzbestimmungen erfolgt, die Organisationsstruktur der Verwaltung den Datenschutzbestimmungen gerecht wird Besonderheiten bei der Datenerhebung Bei der Prüfung, ob die Datenerhebung erforderlich ist, ist ein strenger Maßstab anzulegen 38. Im Vordergrund steht dabei nicht, wie die Daten am einfachsten erhoben werden könnten, sondern wie möglichst wenig Daten erhoben werden können 39 : Demnach dürfen nur die Daten erhoben werden, die zur Erfüllung einer konkreten, aktuellen Aufgabe benötigt werden. Datensammlungen auf Vorrat (soweit sie nicht den Rechtsvorschriften der Statistik-Erstellung unterliegen) sind folglich verboten. Eine Erhebung ist nur für einen konkreten und aktuellen Zweck zulässig. Vom Grundsatz der Primärerhebung beim Betroffenen kann nur abgewichen werden, wenn eine ausdrücklich erlaubte Ausnahme vorliegt oder Daten aus allgemein zugänglichen Quellen entnommen werden 40. Hierzu zählen insbesondere: Adress- und Telefonbücher öffentliche Register so [Bergmann2002], S. 3, Ziffer 4.3 zum Kommentar zu 13 LDSG. dies erfordert BVerfGE 65, 1 [46f]. so [Bergmann2002], S. 4, Ziffer 5.1 zum Kommentar zu 13 LDSG.28 18 Witt Datenschutz an Hochschulen Veröffentlichungen Internet Jede erhebende Stelle hat daher zwingend zu prüfen, ob es möglich ist, die Daten vom Betroffenen selbst zu erhalten und ihm damit eine Mitwirkung an der Datenbeschaffung zu ermöglichen. Eine Einwilligung des Betroffenen erfordert, dass der Betroffene (gemäß 4 LDSG) über die beabsichtigte Datenverarbeitung, deren Zweck und etwaige Empfänger der Daten aufzuklären ist, über seine Rechte informiert wird (siehe Abschnitt 1.5.2) und insbesondere die Einwilligung verweigern oder widerrufen kann und seine Einwilligung zur Gültigkeit schriftlich erklären muss. Abb. 4 Hierarchie für zulässige Datenverarbeitungen29 2. Verhältnis zwischen Datenschutzrecht und Wissenschaftsfreiheit Verhältnis zwischen Datenschutzrecht und Wissenschaftsfreiheit 2.1 Bedeutung und Umfang der Wissenschaftsfreiheit Über die Anfänge der Wissenschaftsfreiheit Wissenschaft kann, vereinfacht ausgedrückt, beschrieben werden als ein Suchen nach Wahrheit 41 mittels objektivierbarer und überprüfbarer Methoden 42. Diese Aufgabe erfordert also insbesondere geistige Freiheit als notwendige Voraussetzung 43 und darf daher durch kein Dogma (religiöser wie weltlicher Natur) eingeschränkt werden. Als wesentliches ideengeschichtliches Fundament für die Wissenschaftsfreiheit in der Bundesrepublik Deutschland kann neben der Universitätskonzeption Wilhelm von Humboldts 44 auch der gemeinsame Protest der sog. Göttinger Sieben gegen eine vollzogene Verfassungsaufhebung 45 angesehen werden: Der Berliner Universität wurde die Wissenschaftsfreiheit bei ihrer Gründung (1809) gewährt 46 und nach den Unruhen des Vormärz schließlich (1850) verallgemeinert in die Preußische Verfassung integriert. Der Staat blieb allerdings stets für organisatorische Fragen an den Universitäten zuständig, wie z.b. die Finanzausstattung 47 oder die Ernennung von Professoren, denen das Privileg der Wissenschaftsfreiheit in besonderer Weise anheim gestellt wurde. Den Hochschullehrern (das sind Professoren, wissenschaftliche Räte und Dozenten) ist aus Sicht des Bundesverfassungsgerichts 48 die Pflege von Forschung und Lehre vornehmlich anvertraut wobei ich in diesem Zusammenhang keine philosophische Diskussion über "Was ist Wahrheit?" anstoßen will, zumal es m.e. auch verschiedene Sichtweisen über Wahrheit geben kann. in Anlehnung an die Definition über wissenschaftliche Tätigkeit in BVerfGE 35, 79 [113] und Gerd Roellecke in [Roellecke1996], S. 24 über die Motivation Humboldts zu seinen Reformen im Bildungswesen. Thomas Oppermann bezeichnet dies als "die Erkenntnis aus den liberalen Traditionen des 19. Jahrhunderts, dass Bildung durch Wissenschaft nur in einem Klima geistiger Freiheit gedeihen kann" ([Oppermann1996], S. 1015) in Anlehnung an Hans Wenke, Die deutsche Hochschule vor den Ansprüchen unserer Zeit, Schriften des Hochschulverbandes Heft 7, 2. Auflage, 1964, S. 13. siehe [Roellecke1996], S. 24. siehe [Roellecke1996], S. 25. laut [Oppermann1996], S begann damit "eine neue Ära des deutschen Hochschulwesens. siehe [Knemeyer1996], S gemäß BVerfGE 35, 79 [126].30 20 Witt Datenschutz an Hochschulen Grundsätzliche Beziehung zwischen Wissenschaftsfreiheit und Universitäten Das Grundgesetz gewährt in Art. 5 Abs. 3 GG die Wissenschaftsfreiheit ( Kunst und Wissenschaft, Forschung und Lehre sind frei. Die Freiheit der Lehre entbindet nicht von der Treue zur Verfassung. ). Für die Hochschulen hat aber nicht nur dieses Grundrecht eine zentrale Bedeutung, sondern auch Art. 12 Abs. 1 Satz 1 GG ( Alle Deutschen haben das Recht, Beruf, Arbeitsplatz und Ausbildungsstätte frei zu wählen. ) und Art. 20 Abs. 1 GG ( Die Bundesrepublik Deutschland ist ein demokratischer und sozialer Bundesstaat. ) 49. Damit stellen diese Grundrechte nicht nur Abwehrrechte gegen staatliche Eingriffe dar 50, sondern zugleich auch Teilhaberechte 51 (siehe auch Abschnitt 1.1.2). Die Wissenschaftsfreiheit schützt 52 den Prozess wissenschaftlicher Betätigung in Forschung und Lehre, die wissenschaftliche Erkenntnis als 'Objektivation' der Grundrechtsausübung von Forschungs- und Lehrfreiheit und die Verbreitung, Publikation bzw. sonstige, namentlich lehrmäßige Vermittlung wissenschaftlicher Erkenntnisse. Die herrschende Meinung leitet aus der Wissenschaftsfreiheit zugleich eine Einrichtungsgarantie für Universitäten und deren akademische Selbstverwaltung ab 53. Die Verfassung des Landes Baden-Württemberg gewährt wohl insbesondere deshalb ausdrücklich eine solche institutionelle Garantie in Art. 20; dort heißt es: Abs. 1: Die Hochschule ist frei in Forschung und Lehre. Abs. 2: Die Hochschule hat unbeschadet der staatlichen Aufsicht das Recht auf eine ihrem besonderen Charakter entsprechende Selbstverwaltung im Rahmen der Gesetze und ihrer staatlich anerkannten Satzungen. Abs. 3: Bei der Ergänzung des Lehrkörpers wirkt sie durch Ausübung ihres Vorschlagsrechts mit Das Zusammenspiel dieser drei Verfassungsgrundsätze wird nach [Bethge2000], S. 1052, Rn 19 auch als "Magna Charta der Studierfreiheit" bezeichnet. hierauf weist das Bundesverfassungsgericht ausdrücklich hin (BVerfGE 35, 79 [112]). siehe exemplarisch hierzu [Kimminich1996a], S. 124 unter Berufung auf ein Urteil des Bundesverfassungsgerichts (Zitat im Original in BVerfGE 33, 303 [330f]). Auflistung aus [Kimminich1996a], S. 142 unter Berufung auf GG- Kommentatoren (Zitat bei Scholz in Maunz/Dürig/Herzog/Scholz, Kommentar zum Grundgesetz, Rn 83 zu Art. 5 Abs. 3). siehe u.a. [Kimminich1996a], S. 125f.31 2. Verhältnis zwischen Datenschutzrecht und Wissenschaftsfreiheit 21 Grundsätzlich steht aufgrund Art. 70 Abs. 1 GG ( Die Länder haben das Recht der Gesetzgebung, soweit dieses Grundgesetz nicht dem Bunde Gesetzgebungsbefugnisse verleiht. ) das Hochschulrecht den Ländern zu 54. Eingeschränkt ist dieses Landesrecht insbesondere durch die ausschließliche Zuständigkeit 55 des Bundes in auswärtigen Angelegenheiten, dem Schutz des geistigen Eigentums und der Statistik für Bundeszwecke. Im Rahmen der konkurrierenden Gesetzgebung 56 kann der Bund außerdem wissenschaftliche Forschung fördern und ist schließlich dazu berechtigt, Rahmenvorschriften über die allgemeinen Grundsätze des Hochschulwesens und das Beamtenrecht zu beschließen 57. In diesen Bereichen darf das Landesrecht dem Bundesrecht nicht widersprechen (gemäß Art. 31 GG: Bundesrecht bricht Landesrecht ). Rahmenrechtlich ist für die Universitäten festgelegt, dass sie i.d.r. als Körperschaften des öffentlichen Rechts eingerichtet sind 58, weshalb ihr folglich Mitglieder angehören, und zugleich staatliche Aufgaben 59 wahrnehmen ( 58 Abs. 1 Satz 1 HRG: Die Hochschulen sind in der Regel Körperschaften des öffentlichen Rechts und zugleich staatliche Einrichtungen. ). Anmerkung Einzelne Juristen vertreten deshalb die Ansicht, dass in der HRG- Formulierung ein Anstalts-Charakter der Hochschulen begründet sei. In diesem Falle wäre der Zweck das charakteristische Merkmal staatlichen Einflusses und nicht die Personen 60, was Otto Kimminich glaubhaft widerlegt 61 : Die wissenschaftliche Forschung und ihre Lehre sind kein Staatszweck oder besser: sie sind durch Art. 5 Abs. 3 GG davor bewahrt, zum Gegenstand staatlicher Verwaltung gemacht zu werden. Universitäten haben deshalb Mitglieder und keine Nutzer. Die dritte Variante, die Rechtsform einer öffentlich-rechtlichen Stiftung, für die Sachen das charakteristische Merkmal staatlichen Einflusses sind 62, ist aus dem gleichen Grund unzutreffend: Stiftungen werden allenfalls wie Anstalten zu vordefinierten öffentlichen Zwecken eingerichtet so [Krüger1996a], S. 158ff. siehe [Krüger1996a], S. 163ff. siehe [Krüger1996a], S. 165ff. siehe [Krüger1996a], S. 168ff. diese Position entspricht auch der herrschenden Meinung unter Juristen (siehe [Kimminich1996b], S. 231). diese Schlussfolgerung zieht jedenfalls Hans v. Mangoldt, Universität und Staat zur Lage nach dem Hochschulrahmengesetz, Tübingen 1979, in Recht und Staat, Heft 488/489, S. 6f (zitiert nach [Kimminich1996b], S. 235); siehe auch [Oppermann1996], S. 1010ff. siehe [Roellecke1996], S. 26. unter Zitierung von Hans H. Klein, "Demokratisierung" der Universität?, Göttingen 1968, S. 30f (siehe Kimminich1996b], S. 228). siehe [Roellecke1996], S. 26. siehe [Köstlin1996], S32 22 Witt Datenschutz an Hochschulen Aufgrund ihres Rechtskonstrukts steht den Universitäten ein differenziertes Selbstverwaltungsrecht zu 64 : je eher Aspekte der freien Forschung und Lehre zu berücksichtigen sind, desto weiter geht die Hochschulautonomie und desto mehr Zurückhaltung ist vom Staat im Rahmen seiner Rechtsaufsicht geboten 65, während ihm seine Fachaufsicht, die ihn dazu berechtigt, Vorschriften gegenüber Hochschulen zu erlassen, nur in den staatlichen Belangen zusteht, die den Hochschulen per Gesetz zugewiesen wurden 66. Wesentliches Merkmal dieser Autonomie ist das Satzungsrecht der Universitäten, also das Recht, sich insbesondere eine Grundordnung geben zu dürfen, mit der die Gesamtorganisation der Universität geregelt wird 67. Abb. 5 Ausschlaggebende Parameter der akademischen Selbstverwaltung siehe [Knemeyer1996], S. 247ff. siehe [Oppermann1996], S siehe [Wiedmann2001], S. 41, Rn 124 und 125 bzw. S. 48f, Rn 143 und 144. so [Oppermann1996], S. 1020ff.33 2. Verhältnis zwischen Datenschutzrecht und Wissenschaftsfreiheit Auszüge aus dem Grundrechts-Urteil zur Wissenschaftsfreiheit Zur Wissenschaftsfreiheit im Allgemeinen Das Bundesverfassungsgericht bestimmt in seinem Hochschulurteil 68 : Art. 5 Abs. 3 Satz 1 GG gewährleistet dem Wissenschaftler einen gegen Eingriffe des Staates geschützten Freiraum, der vor allem die auf wissenschaftlicher Eigengesetzlichkeit beruhenden Prozesse, Verhaltensweisen und Entscheidungen bei dem Auffinden von Erkenntnissen, ihrer Deutung und Weitergabe umfasst. Art. 5 Abs. 3 GG ist zugleich eine das Verhältnis der Wissenschaft zum Staat regelnden Wert entscheidende Grundsatznorm. Danach hat der Staat im Bereich des mit öffentlichen Mitteln eingerichteten und unterhaltenen Wissenschaftsbetriebs durch geeignete organisatorische Maßnahmen dafür zu sorgen, dass das Grundrecht der freien wissenschaftlichen Betätigung soweit unangetastet bleibt, wie das unter Berücksichtigung der anderen legitimen Aufgaben der Wissenschaftseinrichtungen und der Grundrechte der verschiedenen Beteiligten möglich ist. In der Begründung zu diesem Urteil hält das oberste Gericht fest 69 : Das in Art. 5 Abs. 3 GG enthaltene Freiheitsrecht schützt als Abwehrrecht die wissenschaftliche Betätigung gegen staatliche Eingriffe und steht jedem zu, der wissenschaftlich tätig ist oder tätig werden will (...). Damit sich Forschung und Lehre ungehindert an dem Bemühen um Wahrheit als 'etwas noch nicht ganz Gefundenes und nie ganz Aufzufindendes' (Wilhelm von Humboldt) ausrichten können, ist die Wissenschaft zu einem von staatlicher Fremdbestimmung freien Bereich persönlicher und autonomer Verantwortung des einzelnen Wissenschaftlers erklärt worden. (...) Art. 5 Abs. 3 GG (...) erstreckt sich (...) auf jede wissenschaftliche Tätigkeit, d.h. auf alles, was nach Inhalt und Form als ernsthafter planmäßiger Versuch zur Ermittlung der Wahrheit anzusehen ist. Dies folgt unmittelbar aus der prinzipiellen Unabgeschlossenheit jeglicher wissenschaftlichen Erkenntnis. Der gemeinsame Oberbegriff 'Wissenschaft' bringt den engen Bezug von Forschung und Lehre zum Ausdruck. Forschung als 'die geistige Tätigkeit mit dem Ziele, in methodischer, systematischer und nachprüfbarer Weise neue Erkenntnisse zu gewinnen' (...) bewirkt angesichts immer neuer Fragestellungen den Fortschritt der Wissenschaft; zugleich ist sie die notwendige Voraussetzung, um den Charakter der Lehre als der wissenschaftlich fundierten Übermittlung der durch die Forschung gewonnen Erkenntnisse zu gewährleisten. Andererseits befruchtet das in der Lehre stattfindende wissenschaftliche Gespräch wiederum die Forschungsarbeit. Wie auch die Geschichte der Wissenschaftsfreiheit bestätigt, umfasst die Freiheit der Forschung insbesondere die Fragestellung und die Grundsätze der Methodik sowie die Bewertung des Forschungsergebnisses und seine Verbreitung; die Freiheit zitiert aus BVerfGE 35, 79 [79]. zitiert aus BVerfGE 35, 79 [112f].34 24 Witt Datenschutz an Hochschulen der Lehre, insbesondere deren Inhalt, den methodischen Ansatz und das Recht auf Äußerung von wissenschaftlichen Lehrmeinungen. Und es folgert 70 : Hieraus ergeben sich Postulate in zweifacher Richtung: a) Der Staat hat die Pflege der freien Wissenschaft und ihre Vermittlung an die nachfolgende Generation durch Bereitstellung von personellen, finanziellen und organisatorischen Mitteln zu ermöglichen und zu fördern. Das bedeutet, dass er funktionsfähige Institutionen für einen freien Wissenschaftsbetrieb zur Verfügung zu stellen hat. (...) b) Im Bereich des mit öffentlichen Mitteln eingerichteten und unterhaltenen Wissenschaftsbetriebs, d.h. in einem Bereich der Leistungsverwaltung, hat der Staat durch geeignete organisatorische Maßnahmen dafür zu sorgen, dass das Grundrecht der freien wissenschaftlichen Betätigung soweit unangetastet bleibt, wie das unter Berücksichtigung der anderen legitimen Aufgaben der Wissenschaftseinrichtungen und der Grundrechte der verschiedenen Beteiligten möglich ist Zu den Hochschulen im Besonderen Zum Verhältnis zwischen Staat und Hochschulen bestimmt das Bundesverfassungsgericht in seinem Hochschulurteil grundsätzlich 71 : Dem Gesetzgeber steht es zu, innerhalb der aufgezeigten Grenzen die Organisation der Hochschulen nach seinem Ermessen zu ordnen und sie den heutigen gesellschaftlichen und wissenschaftssoziologischen Gegebenheiten anzupassen. (...) Kriterium für eine verfassungsgemäße Hochschulorganisation kann hier nur sein, ob mit ihr 'freie' Wissenschaft möglich ist und ungefährdet betrieben werden kann. Des Weiteren hält das Gericht fest 72 : Zwar muss hiernach der Staat für die Organisation des Wissenschaftsbetriebs in seinen Hochschulen das irgend erreichbare Maß an Freiheit für die Forschungs- und Lehrtätigkeit jedes einzelnen Wissenschaftlers verwirklichen. Das bedeutet aber nicht, dass er die anderen schutzwürdigen Interessen und Bedürfnisse vernachlässigen dürfte, zu deren Befriedigung die Hochschule ebenfalls berufen ist. Die Hochschulen haben nicht nur die Pflege der reinen Wissenschaft zur Aufgabe; sie erfüllen vor allem auch die Funktion von Ausbildungsstätten für bestimmte Berufe. Diese Funktionen durchdringen sich; sie können nicht losgelöst für sich betrachtet werden; denn auch die Ausbildung soll eine wissenschaftliche sein. (...) Insoweit ist die Universität nicht nur der Raum für die sich in wissenschaftlicher Eigengesetzlichkeit vollziehenden einzelnen Forschungs- und Bildungsprozesse, sondern Gegenstand und Mittel einer öffentlich kontrollierten Bildungs- und Forschungspolitik. Bei der Ausgestaltung der 'Wissenschaftsorganisation' in der Universität muss diesen verschiedenartigen Funktionen Rechnung getragen werden. Es müssen ferner die zitiert aus BVerfGE 35, 79 [114f]. zitiert aus BVerfGE 35, 79 [116f]. zitiert aus BVerfGE 35, 79 [121ff].35 2. Verhältnis zwischen Datenschutzrecht und Wissenschaftsfreiheit 25 Interessen der verschiedenen Hochschulangehörigen, der Wissenschaftler, ihrer Mitarbeiter und der Studenten sowie der übrigen Bediensteten miteinander abgestimmt und koordiniert werden. Sie alle müssen sich bedingt durch das Zusammenwirken mit den anderen Grundrechtsträgern und mit Rücksicht auf den Ausbildungszweck der Universität Einschränkungen gefallen lassen. In diesem Spannungsfeld konkurrierender Rechte und Interessen kann sich naturgemäß die Wissenschaftsfreiheit des Einzelnen nicht schlechthin und schrankenlos durchsetzen. 2.3 Beziehungen zwischen Datenschutzrecht und Wissenschaftsfreiheit Datenschutz versus Wissenschaftsfreiheit? Viele Wissenschaftsgebiete haben den Menschen zum Forschungsgegenstand (exemplarisch seien hier Medizin, Sozialwissenschaften, Pädagogik, Psychologie, Zeitgeschichte und Kriminologie genannt 73 ), so dass Konflikte der Wissenschaftsfreiheit mit dem informationellen Selbstbestimmungsrecht der zu untersuchenden Personen auftreten können 74. Insofern prallen hier auch zwei Grundtypen aufeinander: Die Forscher gegen Die Datenschützer. Die Position der Forscher : Die Forschungsfreiheit sei allenfalls durch die Treue zur Verfassung begrenzt, die Beachtung des Datenschutzes verteuere oder behindere Forschung 75. Wenn gesetzliche Hürden Forschungen behindern würden (etwa in der Gentechnik oder Embryonenforschung), würden diese eben im Ausland durchgeführt, doch manche Forschungen (z.b. über deutsche Lebensverhältnisse) könnten nicht verlagert werden 76. Personendaten würden nur zum Zweck wissenschaftlicher Erkenntnis verarbeitet, die Zweckbindung selbst sei zu eng gegenüber dem offenen Wissenschaftsprozess gefasst, es gebe keine absolut anonymisierte Daten (solange wenigstens noch eine Information darin enthalten sei) und wissenschaftliche Ergebnisse müssten jederzeit für eine Überprüfung durch andere Forscher zur Verfügung stehen 77. Die Position der Datenschützer : Die einzelne Person sei im Rahmen der informationellen Selbstbestimmung Subjekt und dies stünde höher als die Betrachtung des Menschen als Objekt der Forschung. Da es keine wertfreie Forschung gebe, seien vom Forscher subjektiv stark beeinflusste Personendaten nicht auszuschließen. Es bestehe bei Betroffenen insbesondere ein Recht auf Nichtwissen Aufzählung aus [Krüger1996b], S siehe hierzu insbesondere [Metschke2000], S. 9. so zusammenfassend [Kilian1998], S. 787ff, ohne diese "Argumente" selbst zu übernehmen. Indirekt spricht sich aber z.b. [Krüger1996b], S. 301f für diese Ansicht aus. so ein Beispiel der "Abschreckung der Forschung durch Datenschutz" von [Bochnik1996], S so die wesentlichen Argumente in [Wagner1999], S. 377ff.36 26 Witt Datenschutz an Hochschulen (z.b. in der Medizin und Genetik), das die Wissenschaft zu achten habe. Im Übrigen sei die Forschung eher an eine vom Einzelfall abstrahierende Betrachtung interessiert Regelungen zur Auflösung von Konflikten unterschiedlicher Grundrechte In ständiger Rechtsprechung hat das Bundesverfassungsgericht entschieden 79, dass die einzelnen Artikel des Grundgesetzes so ausgelegt werden müssen, dass sie mit den elementaren Grundsätzen des Grundgesetzes, insbesondere den Grundrechten, und seiner Werteordnung vereinbar sind. Insofern ist also auch die Forschungsfreiheit als Teil der Wissenschaftsfreiheit nicht schrankenlos, auch wenn im zugrunde liegenden Artikel keine explizite Einschränkung aufgeführt ist 80 ; hinsichtlich der Lehrfreiheit nimmt schon das Grundgesetz selbst eine Einschränkung vor (Satz 2 im Art. 5 Abs. 3) 81. Das Bundesverfassungsgericht hat explizit festgestellt 82, dass sich ein Forscher nicht über die Rechte seiner Mitbürger auf Leben, Gesundheit oder Eigentum hinwegsetzen (darf). (...) Die Konflikte zwischen der Gewährleistung der Wissenschaftsfreiheit und dem Schutz anderer verfassungsrechtlich garantierter Rechtsgüter müssen nach Maßgabe der grundgesetzlichen Werteordnung und unter Berücksichtigung der Einheit dieses Wertsystems durch Verfassungsauslegung gelöst werden. Dabei sind die zu schützenden Güter so einander zuzuordnen, dass beide trotz einer jeweiligen Grenzziehung optimal wirken können (dies wird als das Prinzip praktischer Konkordanz bezeichnet) 83. In Baden-Württemberg sind in diesem Zusammenhang außerdem die Bestimmungen zur wissenschaftlichen Redlichkeit (nach 56a UG) einzuhalten. Treten Konflikte zwischen Grundrechte nicht nur im Sonderfall auf, ist der Gesetzgeber gefordert, die Grundrechte möglichst weitgehend zu realisieren und den Ausgleich somit herbeizuführen so [Weichert1997], S. 5ff, ausführlicher zum "Recht auf Nichtwissen" siehe Thilo Weichert in [Kilian2002], S. 11, Rn 44 im Teil 13, Kapitel 130. zitiert nach [Kimminich1996a], S. 121f unter Berufung auf diverse Urteile des BVerfG, z.b. BVerfGE 19, 206 [220], BVerfGE 7, 198 [205] und BVerfGE 1, 13 [32]. so [Kimminich1996a], S auch hierauf weist [Kimminich1996a], S. 146 ausdrücklich hin. zitiert nach [Kimminich1996a], S. 146 Originalzitat in BVerfGE 47, 327 [369]. so [Weichert1996], S. 260 in Anlehnung an ein BVerfG-Urteil (BVerfGE 30, 195 bzw. BVerfGE 67, 228). so [Metschke2000], S. 9.37 2. Verhältnis zwischen Datenschutzrecht und Wissenschaftsfreiheit 27 Abb. 6 Auflösung des Konfliktes zwischen Wissenschaftsfreiheit und Datenschutz 2.4 Ausdrückliche Regelungen zum Datenschutz an Universitäten Datenschutz in der Forschung nach dem Landesdatenschutzgesetz Im Landesdatenschutzgesetz Baden-Württemberg selbst finden sich gesonderte und damit bereichsspezifische Regelungen zum Datenschutz in der Forschung 85 : 19 LDSG regelt, unter welchen Voraussetzungen öffentliche Stellen dort vorhandene personenbezogene Daten an Forschungseinrichtungen übermitteln dürfen. 35 LDSG bestimmt, unter welchen Voraussetzungen öffentliche Forschungseinrichtungen personenbezogene Daten erheben dürfen und wie sie damit umzugehen haben. Diese Forschungsklauseln sind gegenüber den allgemeinen Datenschutzvorschriften des LDSG vorrangig 86 und zugleich erforderlich, weil Hochschulen und Wissenschaft aufgrund der Wissenschaftsfreiheit in vielen Bereichen anderen Regelungen unterliegen (wie in diesem Kapitel gezeigt wurde). So erlaubte das Bundesverfassungsgericht in seinem Volkszählungsurteil explizit 87, dass z.b. die Weitergabe der Volkszählungsdaten zu wissenschaftlichen Zwecken erlaubt sei siehe auch [LfD2000], S. 15ff zu 19 und 35 LDSG. siehe auch [Bergmann2002], S. 13f, Ziffer 5.6 im Überblick in Teil V. siehe BVerfGE 65, 1 [2].38 28 Witt Datenschutz an Hochschulen Außerdem kann im Rahmen der wissenschaftlichen Forschung unter Umständen die Einwilligung des Betroffenen bei der Erhebung personenbezogener Daten unterbleiben (siehe 4 Abs. 5 LDSG) bzw. können unter bestimmten Voraussetzungen selbst höchst sensible Daten hierbei verarbeitet werden (siehe 33 Abs. 2 LDSG). Das grundlegende Problem bei der Weitergabe von Personendaten zu wissenschaftlichen Zwecken liegt darin, dass die ursprünglich erhobenen Daten im Zuge der Übermittlung i.d.r. eine Zweckänderung erfahren 88 (Beispiel: Werden verschiedene Krankheitsbilder einer Person näher auf Zusammenhänge untersucht, tritt der ursprüngliche Zweck, Behandlung einer konkret vorliegenden Krankheit, in den Hintergrund). Aus diesem Grund sind die Hürden für die Übermittlung hochgesteckt, so dass als vorrangige Alternativen die Beschaffung der Daten beim Betroffenen selbst bzw. mit dessen Einwilligung sind oder anonymisierte bzw. allgemein zugängliche Daten verwendet werden. Für die Durchbrechung des Zweckbindungsgrundsatzes müssen deshalb folgende Voraussetzungen vorliegen 89 : Die Übermittlung muss zur Durchführung wissenschaftlicher Forschung erforderlich sein, das Forschungsinteresse muss das Betroffeneninteresse erheblich überwiegen (es muss dabei ein konkretes und bedeutendes Allgemeininteresse vorliegen 90 ) und der Forschungszweck kann nur mit unverhältnismäßigem Aufwand oder nicht auf andere Weise erreicht werden. Als Forschungsvorhaben 91 gelten sowohl zeitlich und thematisch genau festgelegte Projekte als auch auf die wissenschaftliche Infrastruktur gerichtete und damit längerfristige Vorhaben. Zu Forschungszwecken dürfen aber nur ausdrücklich benötigte Daten übermittelt werden. Ob dies zulässig ist 92, ist anhand der Beschreibung des Vorhabens zu ü- berprüfen, in der insbesondere das aufgeführte Ziel und der Umfang des Forschungsvorhabens näher zu bestimmen sind. Personenbezogene Daten dürfen im Rahmen eines Forschungsvorhabens (gemäß 35 Abs. 3 LDSG) schließlich nur veröffentlicht werden, wenn der Betroffene zugestimmt hat oder die Daten über die Darstellung von Ereignissen der Zeitge siehe auch [Bergmann2002], S. 2, Ziffer 2 im Kommentar zu 19 LDSG. zitiert nach [Bergmann2002], S. 2, Ziffer 3 im Kommentar zu 19 LDSG. so [OLG-Hamm1998], S gemäß [Bergmann2002], S. 2, Ziffer 2.2 im Kommentar zu 19 LDSG in Form eines Zitats aus einem Kommentar zu 4 BDSG, Rn 19 (Simitis/Dammann/ Geiger/Mallmann/Walz: Kommentar zum Bundesdatenschutzgesetz). so [Bergmann2002], S. 2f, Ziffer 3.1 im Kommentar zu 19 LDSG.39 2. Verhältnis zwischen Datenschutzrecht und Wissenschaftsfreiheit 29 schichte unerlässlich sind und keine schutzwürdigen Interessen des Betroffenen überwiegen Erhebung von Daten über Studienbewerber, Studierende und Prüfungskandidaten nach dem Universitätsgesetz Es gibt gleich mehrere Sondervorschriften zur Erhebung von Personendaten, die auch in Universitäten zur Anwendung gelangen (wie 113 Abs. 4 Landesbeamtengesetz, 45 Landeskrankenhausgesetz und die 19 bis 25 des Polizeigesetzes) 93 und insofern als bereichsspezifische Regelungen Vorrang vor den Datenschutzgesetzen haben. Allerdings sind für die Universitäten im Besonderen die Bestimmungen über die Erhebung von Studierendendaten nach 125a UG vorrangig 94. Demnach sind Studienbewerber, Studierende und Prüfungskandidaten verpflichtet, persönliche Daten für Verwaltungszwecke anzugeben. Das nähere gemäß 125a Abs. 1 UG regelt die Verordnung des Wissenschaftsministeriums zur Erhebung und Verarbeitung personenbezogener Daten der Studienbewerber, Studierenden und Prüfungskandidaten für Verwaltungszwecke der Hochschulen (Hochschul-Datenschutzverordnung) vom , in der am geänderten Fassung. Eine Weitergabe oder Zweckänderung ist (gemäß 125a Abs. 3 UG) nur zulässig, wenn: dies eine Rechtsvorschrift erlaubt oder der Betroffene zur Angabe der Daten verpflichtet ist, der Betroffene eingewilligt hat oder dessen Einwilligung offensichtlich zu erwarten wäre, Straftaten oder Ordnungswidrigkeiten verfolgt werden und die ersuchende Stelle die Daten nicht auf andere Weise beschaffen kann, im Rahmen der öffentlichen Sicherheit die Abwehr von schwerwiegenden Beeinträchtigungen der Rechte Anderer oder von erheblicher Nachteile für das Gemeinwohl bzw. von einer unmittelbar drohenden Gefahr erforderlich ist. Keine Zweckänderung stellt (gemäß 125a Abs. 3 UG) dar, wenn: Aufsichts- und Kontrollbefugnisse wahrgenommen werden, Organisationsuntersuchungen durchgeführt werden, Auflistung aus [Bergmann2002], S. 2, Ziffer 3.2 im Kommentar zu 13 LDSG. siehe ebenfalls [Bergmann2002], S. 2, Ziffer 3.2 im Kommentar zu 13 LDSG bzw. S. 29, Ziffer in der systematischen Darstellung des Datenschutzrechts im Teil I; der Paragraph gibt darüber hinaus noch die Erlaubnis, Angaben über die Erreichbarkeit von Bediensteten veröffentlichen zu dürfen ( 125a Abs. 5 UG).40 30 Witt Datenschutz an Hochschulen automatisierte Verfahren der Datenverarbeitung geprüft oder gewartet werden, Statistiken erstellt werden. Außerdem dürfen Teilnehmende von Lehrveranstaltungen (gemäß 125a Abs. 4 UG) befragt werden, wobei hier keine Auskunftspflicht besteht. Die Ergebnisse der Auswertungen dürfen nur zur Bewertung der Lehre (Lehrevaluation) verwendet werden. Anmerkung Bei der Evaluation von Lehrveranstaltungen kann ein Spannungsverhältnis zu 4a Abs. 3 UG auftreten, durch den Universitätsmitglieder (ohne jedwede Ausnahme) zur Angabe personenbezogener Daten im Rahmen von Evaluationen verpflichtet sind. Es wird daher an dieser Stelle davon ausgegangen, dass zwischen der Erhebung als solcher (im Rahmen von 125a UG) und der Angabe personenbezogener Daten im Besonderen (auf Grundlage von 4a UG) zu unterscheiden ist Evaluation von Forschung und Lehre Die Universitäten in Baden-Württemberg sind angehalten, regelmäßig über ihre Tätigkeiten in Forschung und Lehre zu berichten ( 4a Abs. 1 UG) und sollen dabei durch Eigen- und Fremdevaluation regelmäßig und öffentlich bewertet werden ( 4a Abs. 2 UG). Schließlich ermächtigt 4a Abs. 3 UG zur Erhebung der erforderlichen Auskünfte und verpflichtet die betroffenen Mitglieder der U- niversität (und ihre Angehörigen! 95 ) zur Mitwirkung und zur Angabe entsprechender personenbezogener Daten. Das Nähere, insbesondere welche personenbezogenen Daten im Rahmen einer Evaluation erhoben, bewertet und veröffentlicht werden dürfen, wird in Satzungen der jeweiligen Universität geregelt. Diese gesetzliche Bestimmung kann neben 125a UG als weitere bereichsspezifische datenschutzrelevante Regelung angesehen werden 96. Im Rahmen des universitären Satzungsrechts dürfen jedoch weder die Grundsätze des Datenschutzes (siehe Abschnitt 1.3.1) noch andere Gesetzesbestimmungen außer Kraft gesetzt werden. Der Selbstreport im Rahmen der Eigenevaluation wird dabei durch die Universität angefertigt, zur Durchführung der externen Evaluation hat das Land Baden- Württemberg dagegen eine Evaluationsagentur in Form einer Stiftung eingerich in der Begründung der Regelung verweist der Gesetzgeber darauf, dass diese Ausweitung aufgrund des Professorenprivilegs im Erfindungsrecht vorgenommen wurde, so dass auch Erben eines Professors verpflichtet werden können, die erforderlichen Daten zur Evaluierung von Forschungsleistungen zu liefern (siehe Landtags-Drucksache 12/4404, S. 303). so Hanns Seidler in [Hailbronner2002], S. 3, Rn 4 im Kommentar zu 6 HRG.41 2. Verhältnis zwischen Datenschutzrecht und Wissenschaftsfreiheit 31 tet. In der Stiftungs-Satzung 97 sind als Aufgaben (in 2 zum Stiftungszweck) bestimmt: die Durchführung regelmäßiger und vergleichender Evaluationen von Forschung und Lehre unter Berücksichtigung hochschulspezifischer Aufgaben, die Unterstützung des Landesforschungsbeirats bei der Durchführung anlassorientierter, strategischer Evaluationen der Forschung und die Unterstützung der Hochschulen bzw. des Wissenschaftsministeriums bei der Durchführung anlassbezogener Evaluationen. 97 abgedruckt als Anhang 2 in: Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg (Pressestelle): Die Evaluationsagentur Baden- Württemberg, Aktuelle Reihe Nr. 10, Stuttgart, Schwäbische Druckerei, 2001.42 43 3. Der Datenschutz in zentralen Bereichen der Hochschulselbstverwaltung Der Datenschutz in zentralen Bereichen der Hochschulselbstverwaltung 3.1 Datenschutz im Bereich universitärer Forschung Datenschutzgerechter Umgang mit Daten im Rahmen universitärer Forschung Der wissenschaftliche Prozess kann vereinfacht so dargestellt werden: Abb. 7 Vereinfachte Sicht auf den Forschungszyklus Mehr anzeigen
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