Source: http://www.uni-protokolle.de/foren/viewt/144393,0.html
Timestamp: 2019-09-16 07:33:26
Document Index: 102577984

Matched Legal Cases: ['§28', '§28', '§29', '§28', '§29', '§49', '§ 29', '§ 28', '§ 28', '§ 29', '§29', '§ 29', '§ 20', '§ 29', '§ 29', '§ 28', '§ 28']

Ein paar Fragen zur Anstiftung zum Mord
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Verfasst am: 16 Jul 2007 - 00:25:42 Titel: Ein paar Fragen zur Anstiftung zum Mord
Hallo leute, ich beschäftige mich grad für die kommende Klausur mit der Anstiftung zum Mord und mir werden da einfach einige konstellationen nicht so richtig klar:
Grundsätzlich gibt es ja zunächst den streit ob Mord ein eigenständiges delikt (Rechtsprechung) oder die qualifikation des Totschalgs darstellt (Literatur) und je nachdem für den Anstifter §28 I oder II stgb zur anwendung kommt.
Für mich ergeben sich hier daher einige fragen die ich trotz mehrmaligen durchlesen des lehrbuches nicht ganz verstehe:
1) Wenn der Anstifter mit Mordvorsatz handelt, d.h. dem Angestifteten aufträgt das Opfer möglichst grausam zu töten und dieser tut es auch wie befohlen. Hierbei handelt es sich doch um nicht täter sondern tatbezogene merkmale auf die §28 nach beiden Theorien nicht anwendbar ist und eine lockerung der limitierten Akzessorietät nicht in betracht kommt. Ist die Folge daraus, dass der Anstifter wegen Anstiftung zum Mord verurteilt wird?
2) Wie sieht es aus, wenn der Anstifter mit Mordvorsatz, z.b. aus habgier, dem angestifteten aber die Mordmerkmale fehlen und er daher nur einen Totschlag begeht. Schließt sich aus der Akzessorietät der Teilnahme (es liegt ja objektiv kein mord, sondern nur ein totschlag vor) dass für den Anstifter nur Anstiftung zum totschlag in betracht kommt? Oder ist dies wiederum ein Fall des §29 nachdem die Schuld jedes Beteiligten unabhängig von dem anderen ist und daher der Angestiftete wegen Totschlag, der Anstifter dagegen wegen mordes verurteilt wird.
3) Wie ist das verhältnis zwischen dem oben erwähnten streitstand um §28 I & II im verhältnis zu §29 wenn der Anstifter keine Mordmerkmale erfüllt, der Angestiftete dagegen schon (z.B. habgier) nach der Rechtsprechung müsste der Anstifter wegen Mordes, allerdings gemildert nach §49 I, nach Literatur wegen Anstiftung zum Totschlag, da ihm die mordmerkmale fehlen?!
Sorry wenn sich das alles verworren liest, hab nach 12h lernen bissel die übersicht verloren
Verfasst am: 16 Jul 2007 - 07:59:59 Titel: Re: Ein paar Fragen zur Anstiftung zum Mord
Genau, denn eine Akzessorietätslockerung bleibt hier gerade aus.
Kein Fall des § 29, aber einer der Fälle, in denen die Rspr. und die h.L. zu verschiedenen Ergebnissen kommen. Die Rspr., die nach § 28 I vorgeht, kann hier nur wegen Anstiftung zum Totschlag bestrafen.
Die h.L. bestraft wegen Anstiftung zum Mord (Tatbestandsverschiebung). Roxin würde demgegenüber eine Anstiftung zum Totschlag aus dem Strafrahmen des Mords tenorieren (Strafrahmenverschiebung). Letzterer nur der Vollständigkeit halber.
Wiederum eine Frage des § 28, das richtige Ergebnis hast du ja schon mitgeliefert.
§ 29 wird insoweit gar nicht relevant.
Verfasst am: 16 Jul 2007 - 22:33:38 Titel:
super, danke! Hast mir echt geholfen.
nur noch eine frage: Was wäre denn ein mord / totschlag Fall in dem §29 anwendung findet?
Verfasst am: 16 Jul 2007 - 22:44:11 Titel:
§ 29 besagt nur, dass ein Anstifter oder Gehilfe auch bestraft werden kann, wenn der Täter schuldlos handelt (deshalb ist die Akzessorietät der Teilnahme limitiert = begrenzt).
Beispiel: A beauftragt T, den O zu töten. T, der an einer krankhaften seelischen Störung leidet, tötet daraufhin den O.
Hier handelt T schuldlos wegen § 20 I. Da nach § 29 die Akzessorietät der Teilnahme limitiert ist, d.h. nur eine vorsätzliche, rechtswidrige (und nicht schuldhafte) Haupttat vorliegen muss, wird A jedoch trotzdem wegen Anstiftung zum Totschlag/Mord bestraft.
Merk es dir am besten so: Teilnahme kommt nur in Betracht, wenn eine Haupttat vorliegt (Akzessorietät). Da die Haupttat nicht schuldhaft begangen worden sein muss, ist die Akzessorietät limitiert (§ 29). § 28 II stellt von dieser limitierten Akzessorietät eine Ausnahme/Durchbrechung dar, weil hier auch der Teilnehmer ganz unabhängig vom Täter bestraft werden kann, sofern er ein bpM erfüllt, welches beim Täter nicht vorliegt. § 28 I stellt ebenfalls eine Akzessorietätslockerung dar.