Source: https://www.hensche.de/Rechtsanwalt_Arbeitsrecht_Urteile_Zeugnis_Arbeitnehmer_BAG_9AZR632-07.html
Timestamp: 2019-07-19 08:02:25
Document Index: 388364258

Matched Legal Cases: ['§ 109', '§ 362', '§ 109', '§ 630', '§ 630', '§ 630', '§ 109', '§ 630', '§ 630', 'BGH', '§ 826', '§ 563', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 144']

12. Au­gust 2008
hat der Neun­te Se­nat des Bun­des­ar­beits­ge­richts auf Grund der münd­li­chen Ver­hand­lung vom 12. Au­gust 2008 durch den Vor­sit­zen­den Rich­ter am Bun­des­ar­beits­ge­richt Düwell, den Rich­ter am Bun­des­ar­beits­ge­richt Krasshöfer,
die Rich­te­rin am Bun­des­ar­beits­ge­richt Gall­ner so­wie die eh­ren­amt­li­chen Rich­ter
Preuß und Dr. Klos­terk­em­per für Recht er­kannt:
Auf die Re­vi­si­on des Klägers wird das Ur­teil des Säch­si­schen Lan­des­ar­beits­ge­richts vom 30. No­vem­ber
2006 - 6 Sa 963/05 - auf­ge­ho­ben. Die Sa­che wird zur neu­en Ver­hand­lung und Ent­schei­dung - auch über die
Kos­ten des Re­vi­si­ons­ver­fah­rens - an das Be­ru­fungs­ge­richt zurück­ver­wie­sen.
Die Par­tei­en strei­ten über den In­halt ei­nes qua­li­fi­zier­ten Ar­beits­zeug­nis­ses.
Der Kläger war seit dem Jah­re 1993 bis zum 31. März 2003 als Ta­ges­zei­tungs­re­dak­teur bei der Be­klag­ten beschäftigt. Zwi­schen den Par­tei­en war ein Kündi­gungs­rechts­streit anhängig, der am 6. De­zem­ber 2004 vor dem
Säch­si­schen Lan­des­ar­beits­ge­richt ver­gleichs­wei­se bei­ge­legt wur­de. In Zif­fer 4 die­ses Ver­gleichs heißt es:
„Die Be­klag­te er­teilt dem Kläger ein Zeug­nis, mit dem
die­sem gu­te Führung und Leis­tung be­schei­nigt wer­den.“
In dem zu­letzt un­ter dem 31. März 2003 er­teil­ten Zeug­nis heißt es aus­zugs­wei­se:
„Herr E ar­bei­te­te sich schnell in neue Fach­ge­bie­te ein und kann die­se jour­na­lis­tisch ver­wer­ten. Er er­sch­ließt in kur­zer
Zeit Gesprächs­part­ner und kann de­ren In­for­ma­tio­nen re­dak­tio­nell um­set­zen. Herr E ist stil­si­cher, hat Sprach­gefühl,
be­herrscht in Theo­rie und Pra­xis die jour­na­lis­ti­schen Gen­res, kann aus ak­tu­el­len Er­for­der­nis­sen jour­na­lis­ti­sche The­men ab­lei­ten, de­ren po­li­ti­sche Be­deu­tung er­fas­sen und re­dak­tio­nell so­wie me­di­en­spe­zi­fisch um­set­zen. Sein Schreib­stil ist sach­lich, ori­gi­nell,
verständ­lich und va­ria­bel.
Bei sei­ner jour­na­lis­ti­schen Tätig­keit für un­ser Haus zeich­ne­te sich Herr E durch gründ­li­che Re­cher­che so­wie ziel­stre­bi­ge und ge­wis­sen­haf­te Ar­beits­wei­se aus. Ent-
wick­lun­gen und Missstände bei von ihm be­ar­bei­te­ten The­men ver­folg­te er hartnäckig und gründ­lich. Herr E führ­te sei­ne Auf­ga­be stets selbstständig und zu­verlässig aus.
Er kann sei­ne ei­ge­nen Leis­tun­gen und die sei­ner Kol­le­gen sach­lich kri­tisch wer­ten und ist of­fen für neue
jour­na­lis­ti­sche Sich­ten und An­re­gun­gen. Wir be­schei­ni­gen Herrn E gu­te Führung und gu­te Leis­tun­gen.
Das Ar­beits­verhält­nis mit Herrn E en­de­te am 31. März 2003. Wir be­dan­ken uns für die ge­leis­te­te Ar­beit.“
Der Kläger be­gehrt ein Zeug­nis in dem die Be­klag­te ihm zusätz­lich be­schei­nigt, dass
a) er auch in Stress­si­tua­tio­nen zu­verlässig und ef­fek­tiv ar­bei­te,
b) sein Ver­hal­ten vor­bild­lich und er bei Vor­ge­setz­ten und Kol­le­gen sehr geschätzt ge­we­sen sei,
c) der Ar­beit­ge­ber ihm für sei­nen wei­te­ren persönli­chen und be­ruf­li­chen Le­bens­weg wei­ter­hin viel Er­folg
d) mit sei­nen Leis­tun­gen je­der­zeit sehr zu­frie­den ge­we­sen sei.
Der Kläger hat vor­ge­tra­gen, dass es zum übli­chen Zeug­nis­in­halt bei Ta­ges­zei­tungs­re­dak­teu­ren gehöre, die Be­last­bar­keit in Stress­si­tua­tio­nen ge­son­dert zu be­ur­tei­len. Schwei­ge sich ein Zeug­nis darüber aus, sei das Zeug­nis un­vollständig und sug­ge­rie­re, dass der Ar­beit­neh­mer in die­sem Be­ur­tei­lungs­merk­mal un­ter­durch­schnitt­lich oder al­len­falls durch­schnitt­lich ge­ar­bei­tet ha­be.
die Be­klag­te zu ver­pflich­ten, ihm ein Zeug­nis mit fol­gen­dem Text zu er­tei­len:
„Herr E, ge­bo­ren am 1962 in P, war vom 15. Fe­bru­ar 1993 bis zum 31. März 2003 als Re­dak­teur der S Zei­tung bei der D GmbH & Co. KG beschäftigt. Die D GmbH & Co KG ist ei­nes der großen deut­schen Druck- und Ver­lags­un­ter­neh­men. Im Ver­bund mit der G AG & Co KG gibt der
Un­ter­neh­mens­be­reich Zei­tun­gen mit der S Zei­tung, der S Zei­tung am Sonn­tag, der Mor­gen­post S und der Mor­gen­post
am Sonn­tag die führen­den Zei­tun­gen im Re­gie­rungs­be­zirk D her­aus. Meh­re­re re­gio­na­le Zeit­schrif­ten und der In­ter­net-Dienst s-on­line run­den das Un­ter­neh­men­sport­fo­lio ab. Täglich er­reicht das Un­ter­neh­men mit sei­nen Pro­duk­ten rund ei­ne Mil­li­on Le­ser.
Herr E be­gann sei­ne Tätig­keit für un­ser Haus als Re­dak­teur in der Lo­kal­re­dak­ti­on W. Dort wur­de er in al­len Be­rei­chen des Lo­kal­jour­na­lis­mus ein­ge­setzt. Er re­cher­chier­te und schrieb Mel­dun­gen und führ­te In­ter­views. Da­bei zeig­te Herr E star­kes In­ter­es­se an kom­mu­nal­po­li­ti­schen und wirt­schaft­li­chen The­men so­wie an tech­ni­schen Bau- und Land­schafts­denk­ma­len. Sei­ne be­son­de­ren Fach­kennt­nis­se in Bau­we­sen, Ar­chi­tek­tur und Städte­pla­nung un­terstütz­ten sei­ne jour­na­lis­ti­sche Tätig­keit.
Ab Mai 1999 wech­sel­te Herr E in die Ab­tei­lung Re­dak­tio­nel­le Diens­te/Text des Be­rei­ches Pro­duk­ti­on der S Zei­tung. In die­ser Funk­ti­on war Herr E An­sprech­part­ner für den Leit­stand und für die Blatt­pla­ner zu den ta­ges­ak­tu­el­len Sei­ten. Die Mit­ar­bei­ter der Ab­tei­lung sind ver­ant­wort­lich für die Kon­trol­le al­ler re­dak­tio­nel­len Sei­ten für die ge­sam­te „S Zei­tung“ und de­ren pünkt­li­che und vollständi­ge Überg­a­be an die Pro­duk­ti­on/Vor­stu­fe. Zum An­for­de­rungs­pro­fil für die­se Tätig­keit gehört das Be­herr­schen des ge­sam­ten Re­dak­ti­ons­pro­zes­ses und um­fang­rei­ches Hin­ter­grund­wis­sen zur re­dak­tio­nel­len Ar­beit. Die Tätig­keit er­for­der­te außer­dem ei­ne en­ge Zu­sam­men­ar­beit mit den Re­dak­tio­nen der Lo­kal­aus­ga­ben der S Zei­tung.
Auf­grund sei­ner vor­an­ge­gan­ge­nen Tätig­keit als Lo­kal­re­dak­teur war Herr E in die­ser Funk­ti­on be­fugt, feh­ler­haf­te Tex­te nicht nur an die Ver­fas­ser zur Kor­rek­tur zurück­zu­sen­den, son­dern den feh­ler­haf­ten Text in­halt­lich selbst zu be­ar­bei­ten.
Herr E ar­bei­tet sich schnell in neue Fach­ge­bie­te ein und kann die­se jour­na­lis­tisch ver­wer­ten. Er er­sch­ließt in kur­zer Zeit Gesprächs­part­ner und kann de­ren In­for­ma­tio­nen re­dak­tio­nell um­set­zen. Herr E ist stil­si­cher, hat Sprach­gefühl, be­herrscht in Theo­rie und Pra­xis die jour­na­lis­ti­schen Gen­res, kann aus ak­tu­el­len Er­for­der­nis­sen jour­na­lis­ti­sche The­men ab­lei­ten, de­ren po­li­ti­sche Be­deu­tung er­fas­sen und re­dak­tio­nell so­wie me­di­en­spe­zi­fisch um­set­zen. Sein Schreib­stil ist sach­lich, ori­gi­nell, verständ­lich und va­ria­bel.
Bei sei­ner jour­na­lis­ti­schen Tätig­keit für un­ser Haus zeich­ne­te sich Herr E durch gründ­li­che Re­cher­che so­wie ziel­stre­bi­ge und ge­wis­sen­haf­te Ar­beits­wei­se aus. Ent­wick­lun­gen und Missstände bei von ihm be­ar­bei­te­ten The­men ver­folg­te er hartnäckig und gründ­lich. Herr E führ­te sei­ne Auf­ga­ben stets selbstständig aus.
Er ist of­fen für neue jour­na­lis­ti­sche Sich­ten und An­re­gun­gen und ar­bei­tet auch in Stress­si­tua­tio­nen zu­verlässig und ef­fek­tiv. Wir wa­ren mit sei­nen Leis­tun­gen je­der­zeit sehr zu­frie­den.
Das Ver­hal­ten von Herrn E war vor­bild­lich. Bei Vor­ge­setz­ten und Kol­le­gen war er sehr geschätzt.
Das Ar­beits­verhält­nis en­de­te zum 31. März 2003. Wir dan­ken Herrn E für die ge­leis­te­te Ar­beit und wünschen ihm für sei­nen wei­te­ren persönli­chen und be­ruf­li­chen Le­bens­weg wei­ter­hin viel Er­folg.“
Die Be­klag­te hat be­an­tragt, die Kla­ge ab­zu­wei­sen. Sie hat die An­sicht ver­tre­ten, mit dem er­teil­ten Zeug­nis ih­ren ge­setz­li­chen und im ge­richt­li­chen Ver­gleich über­nom­me­nen Ver­pflich­tun­gen ge­recht ge­wor­den zu sein. Der Le­ser des Zeug­nis­ses ei­nes Jour­na­lis­ten er­war­te kei­ne po­si­ti­ve Her­vor­he­bung der Ar­beit in Stress­si­tua­tio­nen. Es blei­be Sa­che des Ar­beit­ge­bers, wel­che Leis­tun­gen und Ei­gen­schaf­ten des Ar­beit­neh­mers er mehr her­vor­he­ben oder zurück­tre­ten las­sen wol­le, so­lan­ge das Zeug­nis wahr sei und kei­ne Aus­las­sung ent­hal­te, wo der Le­ser ei­ne po­si­ti­ve Her­vor­he­bung, wie et­wa bei der Ehr­lich­keit ei­nes Kas­sie­rers, er­war­te.
Das Ar­beits­ge­richt hat die Kla­ge ab­ge­wie­sen. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt hat die Be­ru­fung des Klägers zurück­ge­wie­sen. Mit der vom Bun­des­ar­beits­ge­richt zu­ge­las­se­nen Re­vi­si­on ver­folgt der Kläger sein Kla­ge­be­geh­ren wei­ter. Die Be­klag­te be­an­tragt, die Re­vi­si­on zurück­zu­wei­sen.
A. Die Re­vi­si­on des Klägers ist be­gründet. Sie führt zur Auf­he­bung und zur Zurück­ver­wei­sung.
Mit der vom Be­ru­fungs­ge­richt ge­ge­be­nen Be­gründung durf­te die Kla­ge nicht ab­ge­wie­sen wer­den.
I. Der Kläger hat gemäß § 109 Ge­wO und aus dem ge­richt­li­chen Ver­gleich vom 6. De­zem­ber 2004 An­spruch auf Er­tei­lung ei­nes qua­li­fi­zier­ten Zeug­nis­ses. Im Ver­gleich ver­pflich­te­te sich die Be­klag­te, dem Kläger ein Zeug­nis zu er­tei­len, mit dem sie ihm „gu­te Führung und Leis­tung“ be­schei­nigt.
II. Der Se­nat kann nicht ab­sch­ließend ent­schei­den, ob der Zeug­nis­an­spruch des Klägers nach § 362 Abs. 1 BGB durch Erfüllung er­lo­schen ist.
1. Der Ar­beit­ge­ber erfüllt den Zeug­nis­an­spruch durch Er­tei­lung ei­nes Zeug­nis­ses, das nach Form und In­halt den ge­setz­li­chen An­for­de­run­gen ent­spricht. Genügt das Zeug­nis die­sen An­for­de­run­gen nicht, kann der Ar­beit­neh­mer des­sen Be­rich­ti­gung oder Ergänzung be­an­spru­chen (Se­nat 21. Ju­ni 2005 - 9 AZR 352/04 - BA­GE 115, 130, zu II 1 der Gründe). Mit ei­ner Kla­ge auf Be­rich­ti­gung oder Ergänzung ei­nes er­teil­ten Ar­beits­zeug­nis­ses macht der Ar­beit­neh­mer des­halb wei­ter­hin die Erfüllung sei­nes Zeug­nis­an­spruchs gel­tend und kei­nen dem Ge­setz frem­den Be­rich­ti­gungs- oder Ergänzungs­an­spruch (st. Rspr., Se­nat 14. Ok­to­ber 2003 - 9 AZR 12/03 - BA­GE 108, 86, zu IV 2 b bb der Gründe; BAG 17. Fe­bru­ar 1988 - 5 AZR 638/86 - BA­GE 57, 329, zu I 1 der Gründe).
2. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt hat an­ge­nom­men, die Be­klag­te ha­be dem Kläger ein ord­nungs­gemäßes Zeug­nis er­teilt. Der An­spruch des Klägers sei durch Erfüllung er­lo­schen. Der Kläger ha­be ins­be­son­de­re kei­nen An­spruch auf Her­vor­he­bung sei­ner Leis­tungsfähig­keit in Stress­si­tua­tio­nen. Es müsse nicht je­der Ein­zel­as­pekt des Tätig­keits­spek­trums in ei­nem Zeug­nis Erwähnung fin­den.
Da­mit hat das Be­ru­fungs­ge­richt die Be­haup­tung des Klägers, für Ta­ges­zei­tungs­re­dak­teu­re sei die Her­vor­he­bung der Be­last­bar­keit mit Stress im Zeug­nis üblich und de­ren Aus­las­sung ein für den Ar­beit­neh­mer nach­tei­li­ges Ge­heim­zei­chen, rechts­feh­ler­haft über­g­an­gen.
a) Der ge­setz­lich ge­schul­de­te In­halt des Zeug­nis­ses be­stimmt sich nach den mit ihm ver­folg­ten Zwe­cken (Se­nat 10. Mai 2005 - 9 AZR 261/04 - BA­GE 114, 320, zu II 2 a der Gründe; 14. Ok­to­ber 2003 - 9 AZR 12/03 - BA­GE 108, 86, zu III 2 der Gründe). Ein Zeug­nis ist re­gelmäßig Be­wer­bungs­un­ter­la­ge und da­mit gleich­zei­tig Ent­schei­dungs­grund­la­ge für die Per­so­nal­aus­wahl künf­ti­ger Ar­beit­ge­ber. Des­halb hat es Aus­wir­kun­gen auf das be­ruf­li­che Fort­kom­men des Ar­beit­neh­mers (vgl. BT-Drucks. 14/8796 S. 25). Dem Ar­beit­neh­mer gibt es zu­gleich Auf­schluss darüber, wie der Ar­beit­ge­ber sei­ne Leis­tun­gen be­ur­teilt (Se­nat 14. Ok­to­ber 2003 - 9 AZR 12/03 - aaO; BAG 8. Fe­bru­ar 1972 - 1 AZR 189/71 - BA­GE 24, 112, 115). Vom Ar­beit­ge­ber wird da­bei ver­langt, dass er den Ar­beit­neh­mer auf der Grund­la­ge von Tat­sa­chen be­ur­teilt und, so­weit das möglich ist, ein ob­jek­ti­ves Bild über den Ver­lauf des Ar­beits­verhält­nis­ses ver­mit­telt (Se­nat 20. Fe­bru­ar 2001 - 9 AZR 44/00 - BA­GE 97, 57, zu B I 2 a der Gründe). Dar­aus er­ge­ben sich die Ge­bo­te der Zeug­nis­wahr­heit und der Zeug­nis­klar­heit.
aa) Der Grund­satz der Zeug­nis­wahr­heit er­streckt sich auf al­le we­sent­li­chen Tat­sa­chen, die für die Ge­samt­be­ur­tei­lung des Ar­beit­neh­mers von Be­deu­tung sind und an de­ren Kennt­nis ein künf­ti­ger Ar­beit­ge­ber ein be­rech­tig­tes und verständi­ges In­ter­es­se ha­ben kann. Die Tätig­kei­ten des Ar­beit­neh­mers sind so vollständig und ge­nau zu be­schrei­ben, dass sich ein künf­ti­ger Ar­beit­ge­ber ein kla­res Bild ma­chen kann (Se­nat 10. Mai 2005 - 9 AZR 261/04 - BA­GE 114, 320, zu II 2 b der Gründe).
Das Ge­bot der Zeug­nis­klar­heit ist nach § 109 Abs. 2 Ge­wO in sei­ner ab 1. Ja­nu­ar 2003 gel­ten­den Fas­sung ge­setz­lich nor­miert. Da­nach muss das Zeug­nis klar und verständ­lich for­mu­liert sein. Es darf kei­ne For­mu­lie­run­gen ent­hal­ten, die den Zweck ha­ben, ei­ne an­de­re als aus der äußeren Form oder aus dem Wort­laut er­sicht­li­che Aus­sa­ge über den Ar­beit­neh­mer zu tref­fen. Ab­zu­stel­len ist auf den ob­jek­ti­ven Empfänger­ho­ri­zont des Le­sers des Zeug­nis­ses. Es kommt nicht dar­auf an, wel­che Vor­stel­lun­gen der Zeug­nis­ver­fas­ser mit sei­ner Wort­wahl ver­bin­det (zu­letzt Se­nat 21. Ju­ni 2005 - 9 AZR 352/04 - BA­GE 115, 130, zu II 2 der Gründe).
bb) In die­sem Rah­men ist der Ar­beit­ge­ber grundsätz­lich in der For­mu­lie­rung frei, so­lan­ge das Zeug­nis nichts Fal­sches enthält (BAG 29. Ju­li 1971 - 2 AZR 250/70 - AP BGB § 630 Nr. 6 = EzA BGB § 630 Nr. 1, zu II der Gründe). Der Ar­beit­ge­ber ent­schei­det des­halb auch darüber, wel­che po­si­ti­ven oder ne­ga­ti­ven Leis­tun­gen er stärker her­vor­he­ben will als an­de­re (BAG 23. Sep­tem­ber 1992 - 5 AZR 573/91 - EzA BGB § 630 Nr. 16, zu II der Gründe). Maßstab ist der ei­nes wohl­wol­len­den verständi­gen Ar­beit­ge­bers (Kütt­ner/Rei­ne­cke Per­so­nal­buch 2008 Zeug­nis Rn. 28). Da­von ist auch das Lan­des­ar­beits­ge­richt zu­tref­fend aus­ge­gan­gen, wenn es ausführt, dass nicht je­der Ein­zel­as­pekt ei­nes Tätig­keits­spek­trums Erwähnung fin­den müsse.
b) Das Recht des Ar­beit­ge­bers, selbst darüber zu ent­schei­den, ob er be­stimm­te Leis­tun­gen oder Ei­gen­schaf­ten des Ar­beit­neh­mers her­vor­hebt, wird durch die ge­setz­li­chen Ge­bo­te der Zeug­nis­klar­heit und Zeug­nis­wahr­heit be­grenzt. Ist es für Ar­beit­neh­mer ei­ner Bran­che oder ei­ner Be­rufs­grup­pe üblich, be­stimm­te po­si­ti­ve Ei­gen­schaf­ten oder Leis­tun­gen her­vor­zu­he­ben, dann muss die­sem Brauch auch im Zeug­nis Rech­nung ge­tra­gen wer­den. Die­sen recht­li­chen Ge­sichts­punkt hat das Lan­des­ar­beits­ge­richt nicht berück­sich­tigt.
aa) Nach § 109 Abs. 2 Satz 2 Ge­wO ist es un­zulässig, ein Zeug­nis mit ge­hei­men Merk­ma­len oder un­kla­ren For­mu­lie­run­gen zu ver­se­hen, durch die der Ar­beit­neh­mer an­ders be­ur­teilt wer­den soll, als dies aus dem Zeug­nis­wort­laut er­sicht­lich ist (vgl. zum frühe­ren Recht Se­nat 20. Fe­bru­ar 2001 - 9 AZR 44/00 - BA­GE 97, 57, zu B I 2 a der Gründe). We­der Wort­wahl noch Aus­las­sun­gen dürfen da­zu führen, dass bei Le­sern des Zeug­nis­ses der Wahr­heit nicht ent­spre­chen­de Vor­stel­lun­gen ent­ste­hen können (Se­nat 21. Ju­ni 2005 - 9 AZR 352/04 - BA­GE 115, 130, zu II 2 der Gründe). Ein Zeug­nis darf des­halb dort kei­ne Aus­las­sun­gen ent­hal­ten, wo der verständi­ge Le­ser ei­ne po­si­ti­ve Her­vor­he­bung er­war­tet (vgl. Se­nat 20. Fe­bru­ar 2001 - 9 AZR 44/00 - aaO; BAG 29. Ju­li 1971 - 2 AZR 250/70 - AP BGB § 630 Nr. 6 = EzA BGB § 630 Nr. 1, zu II der Gründe). An­spruch auf aus­drück­li­che Be­schei­ni­gung be­stimm­ter Merk­ma­le hat da­mit der Ar­beit­neh­mer, in des­sen Be­rufs­kreis dies üblich ist und bei dem das Feh­len ei­ner ent­spre­chen­den Aus­sa­ge im Zeug­nis sein be­ruf­li­ches
Fort­kom­men be­hin­dern könn­te (vgl. BAG 23. Ju­ni 1960 - 5 AZR 560/58 - BA­GE 9, 289). Das Weg­las­sen be­stimm­ter Prädi­ka­te oder be­rufs­spe­zi­fi­scher Merk­ma­le ist bei ei­ner im Übri­gen po­si­ti­ven Be­ur­tei­lung zwar grundsätz­lich noch kein Hin­weis auf de­ren Feh­len, wenn das Prädi­kat zu den Selbst­verständ­lich­kei­ten des Be­rufs­krei­ses des Ar­beit­neh­mers gehört (Sch­leßmann Das Ar­beits­zeug­nis S. 176). So­weit je­doch die Merk­ma­le in be­son­de­rem Maße ge­fragt sind und des­halb der all­ge­mei­ne Brauch be­steht, die­se im Zeug­nis zu erwähnen, kann die Nich­terwähnung (be­red­tes Schwei­gen) ein er­kenn­ba­rer Hin­weis für den Zeug­nis­le­ser sein (BGH 22. Sep­tem­ber 1970 - VI ZR 193/69 - AP BGB § 826 Nr. 16, zu III 1 der Gründe).
bb) Das ist nach dem Vor­brin­gen des Klägers der Fall. Da­nach soll die Be­ur­tei­lung der Be­last­bar­keit in Stress­si­tua­tio­nen bei Ta­ges­zei­tungs­jour­na­lis­ten zum übli­chen Zeug­nis­in­halt gehören. Das Schwei­gen darüber sug­ge­rie­re, dass der Ar­beit­neh­mer in die­sem Be­ur­tei­lungs­merk­mal un­ter­durch­schnitt­lich oder al­len­falls durch­schnitt­lich ar­bei­te. Da die Be­klag­te nicht be­haup­tet hat, die Aus­las­sung sei we­gen feh­len­der Be­last­bar­keit des Klägers mit Stress ge­recht­fer­tigt, kommt es dar­auf an, ob das Vor­brin­gen des Klägers tatsächlich zu­trifft. Hier­zu hat das Lan­des­ar­beits­ge­richt kei­ne Fest­stel­lun­gen ge­trof­fen.
3. Der Se­nat kann in der Sa­che nicht ab­sch­ließend ent­schei­den.
a) Nach § 563 Abs. 3 ZPO hat das Re­vi­si­ons­ge­richt in der Sa­che selbst zu ent­schei­den, wenn das Ur­teil des Be­ru­fungs­ge­richts nur we­gen ei­nes Man­gels in der Ge­set­zes­an­wen­dung auf­zu­he­ben und der Rechts­streit ent­schei­dungs­reif ist. Das setzt vor­aus, dass das bei­der­sei­ti­ge Par­tei­vor­brin­gen fest­ge­stellt und wei­te­rer Sach­vor­trag nicht zu er­war­ten ist. Das ist hier nicht si­cher­ge­stellt.
b) Die Fest­stel­lung ei­nes Zeug­nis­brauchs ist als Tat­fra­ge der Tat­sa­chen­in­stanz vor­be­hal­ten (vgl. für Han­dels­brauch und Ver­kehrs­sit­te BGH 11. Mai 2001 - V ZR 492/99 - NJW 2001, 2464, zu II 1 c der Gründe). Da­bei ist es dem Tat­sa­chen­ge­richt nicht ver­wehrt, das Be­ste­hen oder Nicht­be­ste­hen ei­nes Zeug­nis­brauchs zu be­ur­tei­len, wenn es da­zu über aus­rei­chen­de Sach­kun­de und Le­bens­er­fah­rung verfügt. An­dern­falls hat es sich der Hil­fe ei­nes Sach­ver-
ständi­gen zu be­die­nen (vgl. BGH 2. Ok­to­ber 2003 - I ZR 150/01 - BGHZ 156, 250, zu II 2 a der Gründe; 1. April 1993 - I ZR 136/91 - NJW-RR 1993, 1000, zu II 1 b der Gründe). Un­er­heb­lich ist, dass der Kläger kei­nen ent­spre­chen­den Be­weis an­ge­tre­ten hat. Der An­tritt ei­nes Sach­verständi­gen­be­wei­ses ist oh­ne­hin nur An­re­gung an das Ge­richt. Die Zu­zie­hung ei­nes Sach­verständi­gen zur Un­terstützung des Ge­richts ist gemäß § 144 Abs. 1 ZPO durch die Tat­sa­chen­ge­rich­te stets nach pflicht­gemäßen Er­mes­sen zu prüfen (BAG 9. No­vem­ber 1973 - 4 AZR 27/73 - BA­GE 25, 371, zu VI 1 der Gründe). Dies wird das Lan­des­ar­beits­ge­richt nach­zu­ho­len ha­ben.
B. Da über den zeug­nis­recht­li­chen Erfüllungs­an­spruch nur ein­heit­lich ent­schie­den wer­den kann, war es dem Se­nat nicht möglich, im We­ge ei­nes Teil­ur­teils über die wei­te­ren vom Kläger be­gehr­ten „Be­rich­ti­gun­gen“ zu er­ken­nen.
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