Source: https://moblog.whmsoft.net/de/amphtml/Arbeitstag.html
Timestamp: 2020-06-04 18:05:16
Document Index: 97690032

Matched Legal Cases: ['§ 215', '§ 34', '§ 3', '§ 26', '§ 3', '§ 5', '§ 208', '§ 2', '§ 5', '§ 193']

﻿﻿﻿ Arbeitstag
Arbeitstag ist im Arbeitsrecht ein Tag, an dem tatsächlich, betriebsüblich oder (branchen-)üblich die Arbeit aufgenommen werden muss. Die Arbeitszeit
Die Arbeitszeit fällt stets auf einen Arbeitstag. Damit von einem Arbeitstag ausgegangen werden kann, ist arbeitsrechtlich erforderlich, dass die ganz überwiegende Mehrheit (80 %) der Belegschaft an diesem Tag regelmäßig im Betrieb arbeitet.[1] Im Alltag fällt es Laien nicht immer leicht, zwischen Arbeitstag, Werktag oder Feiertag zu unterscheiden. Schlagzeilen wie „Der Samstag ist kein Feiertag“,[2] „Auch der Samstag ist ein Werktag“,[3] trugen kaum zur Aufklärung bei. So gibt es auch den arbeitsfreien Werktag, der - obgleich Werktag - kein Arbeitstag ist. Diese Unterscheidung hat zwar nicht in Gesetze Eingang gefunden, spielt aber beispielsweise in Tarifverträgen eine Rolle.[4] Der Arbeitstag kann auf einen Feiertag fallen, der Werktag muss kein Arbeitstag sein. Was die Zählung der Arbeitstage anbelangt, ist unklar, ob Samstage mitgezählt werden sollen oder nicht.[5] Das Kapitalanlagegesetzbuch (KAGB) verwendet den Begriff Arbeitstag häufig, ohne ihn jedoch zu definieren (etwa in § 215 Abs. 3 KAGB). Danach ist der Arbeitstag als „Montag bis Freitag mit Ausnahme der gesetzlichen Feiertage“ zu verstehen.
Die Zahl der Arbeitstage pro Jahr unterscheidet sich zwischen Staaten sowie innerhalb der Bundesländer je nach den gesetzlichen Feiertagen, nach Wochenverlauf und Schaltjahren. In Deutschland sind es zwischen 247 und 255 Tagen.[6] Hierbei werden alle Tage gezählt, die nicht auf einen Samstag, Sonntag oder gesetzlichen Feiertag fallen. Die individuelle Anzahl der Arbeitstage kann hiervon deutlich abweichen (Teilzeit, Ruhetage etc.). Von den sieben Kalendertagen sind fünf Arbeitstage, sofern kein Feiertag vorkommt. Da die meisten Monate 30 oder 31 Tage haben, ist die Zahl der Arbeitstage pro Monat unterschiedlich und variiert zwischen 21 und 23 Arbeitstagen pro Monat.
Aus dem deutschen Kommissionsbericht zur Novelle vom April 1892 ist zu entnehmen, dass das Wort Arbeitstag nicht gleichbedeutend ist mit Werktag in dem Sinne, dass Sonn- und Festtage nicht als Arbeitstage gelten könnten. Damals galt noch die Sechstagewoche, und es war klar, dass Arbeitstage gleich Werktage waren. Auslegungsschwierigkeiten traten spätestens aber auf, als es den Gewerkschaften gelang, die Arbeitszeit zu verkürzen und durch Tarifverträge ab 1955 die Fünftagewoche zu verwirklichen („Samstags gehört Vati mir“[7]). Jetzt waren aber Arbeitstage nicht mehr gleich Werktage, und es begannen Auslegungsschwierigkeiten, die erst durch ein Urteil des Bundesarbeitsgerichts (BAG) im Mai 1971[8] ausgeräumt werden konnten.[9] Danach entsprach der Begriff des Arbeitstages in § 34 SchwBeschG dem des Werktages in § 3 BurlG. „Werktag bzw. Arbeitstag waren und sind für den Gesetzgeber das Mittel, die von ihm gewünschte Dauer des Urlaubs in bestimmtem Umfang festzulegen; in diesem Sinne sind beide Begriffe sozusagen das ‚technische Instrument‘ der Bestimmung einer einheitlichen zeitlichen Größe, nämlich der gewünschten Urlaubsdauer“.[10]
Nach der Verkürzung der Arbeitszeit auf weniger als 48 Stunden war im Normalfall nicht mehr jeder Werktag auch Arbeitstag. Bleibt dennoch die Tarifvereinbarung bestehen und unterstellt man ferner, dass Arbeitstage und arbeitsfreie Werktage anteilig für den Urlaub ausgenutzt werden, so ergab sich keine Veränderung.[11] Bis zum Erlass der Verordnung über die durchgängige 5-Tage-Arbeitswoche und die Verkürzung der wöchentlichen Arbeitszeit bei gleichzeitiger Neuregelung der Arbeitszeit in einigen Wochen mit Feiertagen vom 3. Mai 1967[12] gab es auch in der DDR keinen Zweifel über den Begriff Werktag, wozu mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage alle Kalendertage zählten.[13]
Arbeitstage sind tarifvertraglich alle Kalendertage, an denen der Arbeitnehmer planmäßig oder betriebsüblich zu arbeiten hat oder zu arbeiten hätte, mit Ausnahme der auf Arbeitstage fallenden gesetzlichen Feiertage, für die kein Freizeitausgleich gewährt wird. Arbeitstage im Sinne des § 26 Abs. 1 TVöD definiert das Bundesarbeitsgericht (BAG) als alle Tage, an denen der Arbeitnehmer zu arbeiten hat.[14] Dieselbe Definition wendet das BAG auch sonst zur Ausfüllung des Begriffs „Arbeitstag“ an.[15]
Arbeitstage - manchmal jedoch auch Werktage - bilden die Berechnungsgrundlage für den Urlaub. Während das Bundesurlaubsgesetz (BurlG) den Urlaub nach Werktagen berechnet (§ 3 Abs. 1 BUrlG), dient der Arbeitstag als Berechnungsgrundlage für den Urlaub der Beamten (§ 5 Abs. 1 Erholungsurlaubsverordnung). Als Arbeitstage werden definiert Werktage unter Ausschluss der Samstage, also Montag bis Freitag.[16] Der Zusatzurlaub der Schwerbehinderten wird heute immer noch nach Arbeitstagen berechnet (§ 208 Abs. 1 SGB IX). Arbeitnehmer, die am letzten Arbeitstag vor oder am ersten Arbeitstag nach Feiertagen unentschuldigt der Arbeit fernbleiben, haben keinen Anspruch auf Bezahlung für diese Feiertage (§ 2 Abs. 3 EntgFG). Dauert die Arbeitsunfähigkeit eines Arbeitnehmers länger als drei Kalendertage, hat er eine ärztliche Bescheinigung über das Bestehen der Arbeitsunfähigkeit (Attest) sowie deren voraussichtliche Dauer spätestens an dem darauffolgenden Arbeitstag vorzulegen (§ 5 Abs. 1 EntgFG). Durch die Kopplung von Kalendertagen und Arbeitstagen ergeben sich hier umständliche Fristenberechnungen, die auf Grundlage des § 193 BGB zu lösen sind.
Der lichte Tag bestimmt nicht nur das Konzept des sozialen und persönlichen Tages, sondern auch das des Arbeitstages. Im Mittelalter, aber auch noch bis in das frühe 19. Jahrhundert – und in vielen Weltgegenden außerhalb Europas bis heute – wird den ganzen Tag von „früh bis spät“ gearbeitet, der Arbeitstag – als die tägliche Arbeitszeit – beträgt bis zu 16 Stunden. Bis noch ins 20. Jahrhundert wurden in Süddeutschland und Österreich Knechten und Dienstboten zusätzliche ein bis drei unbezahlte Arbeitstage, sogenannte Scheißtage, auferlegt, die die von ihnen beanspruchte Zeit für die Verrichtung des Stuhlgangs während der vereinbarten Anstellung ausgleichen sollten.[17]
Weblinks Wiktionary: Arbeitstag – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen Einzelnachweise
↑ BAG, Urteil vom 19. Mai 1971, Az.: 5 AZR 21/71
↑ Bund-Verlag, Die Quelle, Bände 23-24, 1972, S. 173
↑ Sozialistische Finanzwirtschaft, Band 25, Ausgaben 13-22, 1971, S. 50
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