Source: http://hopo-www.de/konzepte/4hrg.html
Timestamp: 2017-04-28 14:00:56
Document Index: 331867425

Matched Legal Cases: ['§ 7', '§ 27', '§ 42', '§ 70', '§ 31', '§ 9', 'Art. 75', '§ 57', 'Art. 74', '§ 2', '§ 22', '§ 36', '§ 58', '§ 38', '§ 58', '§ 5', '§ 2', '§ 14', '§ 18', '§ 18', '§ 19', '§ 19']

4. HRG-Änderungsgesetz (Textarchiv, HoPo-WWW)
Bundesregierung: Entwurf eines vierten Gesetzes zur Änderung des Hochschulrahmengesetzes
Unmittelbar keiner. Mittelbar entsteht Vollzugsaufwand nach Umsetzung des Gesetzes in den Landeshochschulgesetzen durch die vorgesehenen Maßnahmen der Hochschulreform. Zugleich werden durch das Gesetz Spielräume für eine wirtschaftlichere Gestaltung der Hochschulstruktur und einen effizienteren Mitteleinsatz eröffnet. Bei der Abwägung der kostensteigernden und kostenmindernden Faktoren wird erwartet, daß das Gesetz insgesamt nicht zu Kostenerhöhungen führt. E. Sonstige Kosten
Ziel der Reform des deutschen Hochschulsystems ist es deshalb, durch Deregulierung, durch Leistungsorientierung und durch die Schaffung von Leistungsanreizen Wettbewerb und Differenzierung zu ermöglichen sowie die internationale Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Hochschulen für das 21. Jahrhundert zu sichern. Die Leistungen, die die deutschen Hochschulen in der Vergangenheit erbracht haben und heute erbringen, sollen hierdurch nicht im geringsten geschmälert werden. Im Gegenteil: angesichts der massiven Überlast, die unsere Hochschulen in den letzten 20 Jahren getragen haben und in einzelnen Bereichen auch heute noch tragen, können ihre Leistungen in Ausbildung und Forschung nicht hoch genug bewertet werden.
5 Jahre an Fachhochschulen bis zum ersten berufsqualifizierenden Abschluß sind zu lang. Beratung und Betreuung, insbesondere in der ersten Studienphase und dann wieder bei der Vorbereitung von Diplomarbeiten und Dissertationen, finden viel zu wenig statt. Die internationale Attraktivität des Studienstandorts Deutschland läßt nach, Studienleistungen und Hochschulabschlüsse deutscher Hochschulen sind international nicht vergleichbar. Die Bundesregierung begrüßt es deshalb sehr, daß der intensive Diskussionsprozeß zwischen Bund und Ländern über notwendige Reformmaßnahmen im Ergebnis nicht nur ein hohes Maß an Konsens in den Grundfragen der Hochschulreform, sondern auch Einigkeit über deren Umsetzung im Hochschulrahmengesetz erbracht hat.
Wesentlicher Bestandteil der Hochschulreform ist eine grundlegende Umstellung der staatlichen Hochschulfinanzierung. Die staatliche Mittelzuweisung soll auf eine an den in Lehre und Forschung sowie bei der Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses erbrachten Leistungen orientierte Finanzierung der Hochschulen umgestellt werden. Auch die hochschulinterne Ressourcenverteilung sowohl auf der zentralen Ebene wie auf der Fachbereichsebene soll künftig im Grundsatz nach Maßgabe der erbrachten Leistungen erfolgen. Um die Hochschulen wettbewerbsfähig zu machen, muß darüber hinaus das Hochschulmanagement weiterentwickelt und müssen Hochschul- wie Fachbereichsleitung gestärkt werden. Ein modernes, entscheidungsfähiges und verantwortliches Hochschulmanagement bedarf auch erweiterter Kompetenzen in Personalangelegenheiten. Dringlich ist ferner die Weiterentwicklung der Hochschul- und Studienstruktur. Das Hochschulsystem der Zukunft muß ein gestuftes System von Abschlüssen mit einer deutlichen Berufsorientierung in klar definierten Studienzeiten bieten und darauf aufbauend die Ausbildung des wissenschaftlichen Nachwuchses gewährleisten. Hierzu ist eine Modularisierung der Studiengänge ebenso erforderlich wie die Einbeziehung der Studiengänge in ein Leistungspunktsystem, das sowohl der Anrechnung studienbegleitender Leistungsnachweise auf Prüfungen als auch zur Ersetzung von Prüfungen dient. Ferner soll es die Übertragung von Studien- und Prüfungsleistungen bei einem Hochschulwechsel erleichtern. Mit Blick auf den internationalen Wettbewerb der Hochschulen und die Attraktivität des Hochschulstandorts Deutschland für ausländische Studienbewerber sollen unsere Hochschulen die Möglichkeit erhalten, die weltweit anerkannten Hochschulabschlußgrade Bachelor und Master zu verleihen.
Zur Sicherung der Qualität der Hochschulausbildung ist eine kontinuierliche Evaluation von Lehre und Forschung unverzichtbar. Das Abitur soll auch in Zukunft grundsätzlich den Zugang zu allen Studiengängen eröffnen. Statt das Abitur durch Aufnahmeprüfungen zu ersetzen oder sonstige Zugangshürden zu errichten, soll weiterhin jeder durch das Abitur qualifizierte junge Mensch die Chance erhalten, sein Leistungsvermögen in dem von ihm gewählten Studiengang unter Beweis zu stellen. Daß das Studium dann auch erfolgreich absolviert wird, soll in Zukunft allerdings nicht erst nach vielen Studienjahren, sondern in einer obligatorischen Zwischenprüfung überprüft werden. Darüber hinaus soll sich die Hochschule bereits bis zum Ende des ersten Studienjahres über den bisherigen Studienverlauf orientieren und gegebenenfalls eine Studienberatung durchführen. Die Hochschulen sollen künftig bei der Auswahl der Studierenden in numerus clausus-Studiengängen stärker beteiligt werden und einen Teil der Studienbewerber nach Eignung und Motivation selbst auswählen können. Damit die leistungsstärksten Studienbewerber auch dann an der Hochschule ihrer Wahl zugelassen werden können, wenn sie nicht in deren Einzugsbereich wohnen, soll künftig außerdem im Ortsverteilungsverfahren ein Teil der Studienplätze nach Maßgabe der Qualifikation vergeben werden.
Den notwendigen Änderungen im Hochschulsystem haben Länder und Hochschulen in den vergangenen Jahren bereits durch eine Vielzahl einzelner Reformmaßnahmen Rechnung getragen. Dennoch besteht weiterhin ein erheblicher Veränderungsdruck und Reformbedarf. Die weitere Verwirklichung der Hochschulreform erfordert auch eine Novellierung des Hochschulrahmengesetzes. Die Eckpfeiler der Reform bedürfen der Verankerung im Rahmenrecht des Bundes. Damit die Hochschulen den für die Verwirklichung der Reformvorstellungen notwendigen Freiraum erhalten, muß das bestehende Bundes- und Landesrecht gleichzeitig in erheblichem Maße dereguliert werden. Für das Hochschulrahmengesetz heißt dies, daß es auf einen Kernbestand von Vorschriften beschränkt werden soll, der für ein Hochschulsystem des 21. Jahrhunderts unbedingt bundeseinheitlich geregelt werden muß. Nicht verzichtet werden kann auf Regelungen, bei denen
im Hinblick auf die Mobilität von Studierenden und Wissenschaftlern innerhalb des Bundesgebiets unterschiedliche Länderregelungen schädlich wären; zur Wahrung der Rechtseinheit (Artikel 72 Abs. 2 des Grundgesetzes) sind deshalb Regelungen in den Bereichen Studium und Lehre (§§ 7 bis 20), Zulassung zum Studium (§§ 27 bis 35), wissenschaftliches und künstlerisches Personal (§§ 42 bis 56) und staatliche Anerkennung (§§ 70 und 71) erforderlich; nach der Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichtes bundesrechtliche Regelungen notwendig sind; die Regelungen der zentralen Vergabe der Studienplätze (§§ 31 bis 35, 72 Abs. 2) dienen auch unter diesem Gesichtspunkt der Wahrung der Rechtseinheit; der Bund selbst Regelungsadressat ist (§ 9), das Hochschulrahmengesetz Bestimmungen enthält, die nicht auf der Rahmengesetzgebungskompetenz des Art. 75 GG beruhen, dennoch aber unter dem Gesichtspunkt der Wahrung der Rechtseinheit erforderlich sind (§§ 57 a bis 57 f, die auf der Gesetzgebungskompetenz des Art. 74 Nr. 12 GG beruhen), oder es sich um Maßnahmen handelt, die zur Umsetzung der Hochschulreform und zur Freiheits- sowie Qualitätssicherung unverzichtbar sind und die von allen Ländern – wenn auch im Detail unterschiedlich ausgestaltet – umgesetzt werden müssen; in diesem Sinne dienen der Gleichwertigkeit der Lebensverhältnisse (Artikel 72 Abs. 2 des Grundgesetzes) die allgemeinen Bestimmungen der §§ 2 bis 6, die Regelungen in den Bereichen Forschung (§§ 22 bis 26) sowie der verbleibende Kernbestand von Bestimmungen über die Mitgliedschaft und Mitwirkung (§§ 36 bis 41) und die Rechtsstellung der Hochschule (§§ 58 und 59). Der Gesetzentwurf sieht insbesondere eine weitgehende Deregulierung der Vorschriften über die innere und äußere Organisation und Verwaltung der Hochschulen vor (§§ 38 bis 40, §§ 58 bis 66). Durch die Deregulierung dieser Regelungskomplexe erhalten die Länder einen umfassenden Handlungsspielraum für die Umgestaltung des Managements der deutschen Hochschulen. Zum anderen wird der Grundstein für ein von Autonomie und Wettbewerb geprägtes, international konkurrenzfähiges Hochschulsystem gelegt, das in der Lage ist, flexibel und kreativ auf heute bestehende und sich künftig stellende Herausforderungen zu reagieren. Soweit Bestimmungen aufgehoben werden, beeinträchtigt dies weder die Wahrung der Rechtseinheit noch die Gleichwertigkeit der Lebensverhältnisse. Detaillierte bundeseinheitliche Regelungen über die Organisation und Verwaltung der Hochschulen sind für die Mobilität der Hochschulmitglieder ebenso ohne Bedeutung wie Regelungen darüber, ob eine staatliche Hochschule allein Körperschaft oder auch zugleich staatliche Einrichtung ist und ob sie von einem Rektor, einem Präsidium oder einem Vorstand geleitet wird.
Die Ergänzung stellt klar, daß Weiterbildung zu den Primäraufgaben der Hochschulen zählt. Damit wird auch ihrem gestiegenen Stellenwert und ihrer Bedeutung im Kontext lebenslangen Lernens Rechnung getragen. Von dem Begriff "Weiterbildung" werden sowohl postgraduale Studiengänge, als auch in anderer Weise angebotene Maßnahmen der Fort- und Weiterbildung umfaßt. Die weitere Ergänzung verdeutlicht außerdem den gesellschaftlichen Bezug der den Hochschulen obliegenden Aufgaben. [...]
An Versuchen zur Reform des Universitätsstudiums hat es in der Vergangenheit nicht gemangelt. Die Ansätze der 70er und 80er Jahre waren aber nach Feststellung des Wissenschaftsrates überwiegend erfolglos, da sie sich im wesentlichen in neuen staatlichen Regelungen und Vorgaben für die Hochschulen erschöpften. Anreize für Hochschulen und ihre Mitglieder, sich für die Studienreform und für Innovationen in der Lehre zu engagieren, gab es dagegen kaum. Wichtiger als gesetzliche Vorgaben über die Ziele einer Studienreform sind deshalb zieladäquate Anreizmechanismen. Die Zuweisung von Geldern an die Hochschulen soll sich deshalb in Zukunft an den konkret erbrachten Leistungen orientieren. Honoriert werden soll, wer viele Studenten aquiriert und innerhalb der Regelstudienzeit auf dem in den Prüfungsordnungen vorgesehenen Niveau ausbildet. Auch Gelder für die Forschung sollen mit Blick auf die Leistungen der Hochschulen in diesem Bereich vergeben werden. Die Höhe der eingeworbenen Drittmittel sowie die Zahl der Promotionen sind dabei mögliche Maßstäbe. Die Umsetzung der in § 5 vorgesehenen Grundsatzregelung in unmittelbar geltendes Landesrecht sowie deren konkrete Ausfüllung bleibt den Ländern vorbehalten.
Die Neuregelung sieht vor, daß die staatliche Finanzierung der Hochschulen sich an den in Forschung und Lehre sowie bei der Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses erbrachten Leistungen orientieren soll. Dies schließt zum einen nicht aus, Landesmittel auch im Hinblick auf besondere Belastungen oder spezifische Zielsetzungen – z. B. zum Aufbau neuer Hochschulen, Fachbereiche, Studiengänge oder Forschungsrichtungen sowie zum Erhalt weniger nachgefragter Fächer – den Hochschulen zuzuweisen. Ebenso soll die Berücksichtigung anderer Hochschulaufgaben nach §§ 2 und 3, etwa in der internationalen Zusammenarbeit, im Technologietransfer oder in der Weiterbildung, nicht ausgeschlossen sein. Die Formulierung "staatliche Finanzierung" umfaßt im übrigen nicht nur die Zuweisung der Landesmittel an die Hochschule, sondern auch die Verwendung dieser Mittel in der Hochschule, die künftig ebenfalls im Grundsatz leistungsorientiert erfolgen soll.
für die Information der Studienbewerber, für die Fortentwicklung von Inhalten und Formen der Lehre im Rahmen der Studienreform, für die Qualitätssicherung und für die vorgesehene staatliche Hochschulfinanzierung und hochschulinterne Mittelverteilung nach erfolgsorientierten Kriterien. Die vorgesehene Regelung ist jedoch nicht nur auf eine Bewertung der Qualität der Lehre beschränkt, sondern bezieht die Evaluation der Forschung als weitere Aufgabe der Hochschulen mit ein. In der aktuellen hochschulpolitischen Diskussion steht zwar die Evaluation der Lehrleistungen der Hochschulen im Vordergrund; dies bedeutet jedoch nicht, daß nicht auch eine Evaluation der von den Hochschulen erbrachten Leistungen im Bereich der Forschung notwendig wäre.
Satz 1 sieht eine regelmäßige Bewertung des Lehr- und Forschungsbetriebes der Hochschulen vor. Die Ausgestaltung der Regelung als Sollvorschrift beläßt dem Landesrecht einen weiten Gestaltungsspielraum. Den Ländern bleibt insbesondere überlassen festzulegen, ob sie eine hochschulinterne oder eine externe Evaluation oder beides, gegebenenfalls zu unterschiedlichen Zeitpunkten, einführen. Ferner bleibt ihnen die nähere Ausgestaltung der Evaluationsverfahren sowie die Festlegung überlassen, in welchen zeitlichen Abständen die Bewertungen durchgeführt werden sollen. Gleiches gilt für die Beteiligung auswärtiger Sachverständiger. Schließlich steht es den Ländern frei, auch weitere Bereiche der Tätigkeiten der Hochschulen wie zum Beispiel die interne Administration oder die Krankenversorgung in den Universitätskliniken in eine Evaluierung einzubeziehen. Nach Satz 2 sind die Studierenden der jeweiligen Hochschule bei der Evaluation der Lehre zu beteiligen. Die Art und Weise der Beteiligung der Studierenden sowie der Verwertung und Veröffentlichung der dabei gewonnenen Erkenntnisse im Rahmen des datenschutzrechtlich Zulässigen bleibt der näheren landesrechtlichen Regelung überlassen.
Um den Studierenden möglichst frühzeitig Aufschluß über ihre Eignung für den gewählten Studiengang zu geben und so die Zahl der Fachrichtungswechsel und Studienabbrüche in höheren Semestern zu reduzieren, werden die Hochschulen bei der Studienberatung mehr als bisher in die Pflicht genommen. Hierzu sieht die Neufassung von § 14 vor, daß die Hochschulen Studienbewerber und Studierende über die Studienmöglichkeiten, über Inhalte, Aufbau und Anforderungen eines Studiums und der Prüfungen informieren, die Studierenden während des gesamten Studiums durch eine studienbegleitende fachliche Beratung unterstützen, sich bis zum Ende des ersten Jahres des Studiums über den bisherigen Studienverlauf ihrer Studierenden orientieren und die Studierenden über den bis dahin erreichten Studienstand informieren und gegebenenfalls eine Studienberatung durchführen. Die Hochschulen müssen sich also rechtzeitig ein Bild darüber verschaffen, ob ihre Studierenden den Anforderungen des Studiums gewachsen sind.
Nach Satz 4 ist das Bestehen der Zwischenprüfung im Regelfall Voraussetzung für den Übergang in das Hauptstudium. Diese Regelung trägt dem Umstand Rechnung, daß das Hauptstudium im Grundsatz nur auf der Grundlage der im Grundstudium erworbenen Kenntnisse studiert werden kann. Auch dies soll der Vermeidung von Studienabbrüchen und Fachrichtungswechseln in hohen Semestern dienen. Ausnahmen können beispielsweise zugelassen werden, wenn einzelne Teilprüfungen einer Zwischenprüfung den Studierenden erfahrungsgemäß besondere Schwierigkeiten bereiten. In Studiengängen, die bisher nicht in Grund- und Hauptstudium eingeteilt sind, gilt als Hauptstudium das in der Studienordnung oder in den für die Prüfung maßgebenden Regelungen vorgesehene Studium nach der Zwischenprüfung. Absatz 2
Die Regelung enthält einen Gestaltungsauftrag an Länder und Hochschulen zur Entwicklung eines Leistungspunktsystems, in dessen Rahmen die Anrechnung studienbegleitender Leistungsnachweise auf Prüfungen oder zur Ersetzung von Prüfungen sowie die Übertragung von Studien- und Prüfungsleistungen bei einem Hochschulwechsel möglich sind. Neben der Möglichkeit, künftig die international üblichen Hochschulgrade Bachelor und Master vergeben zu können, ist die Entwicklung eines Leistungspunktsystems von zentraler Bedeutung für die innerdeutsche wie internationale Mobilität der Studierenden und Absolventen sowie die Konkurrenzfähigkeit der deutschen mit ausländischen Hochschulen. Hierdurch soll ein Hochschulwechsel aus dem Ausland nach Deutschland und umgekehrt erleichtert werden. Zum anderen soll die Mobilität innerhalb Deutschlands dadurch verbessert werden, daß verläßlich kalkulierbare Übergangsmöglichkeiten zwischen den verschiedenen Hochschularten und für die Anerkennung von Studienleistungen geschaffen werden. Das Leistungspunktsystem soll außerdem eine Modularisierung der Studiengänge sowie eine grundlegende Umorganisation des Prüfungswesens fördern. Regelmäßig zu erbringende studienbegleitende Leistungsnachweise sollen die in Deutschland bislang üblichen Zwischen- und insbesondere Abschlußprüfungen zunehmend entlasten oder ersetzen. Hinsichtlich des konkreten Umfangs der vorzusehenden Abschichtungsmöglichkeiten werden keine Vorgaben getroffen. Dies ermöglicht es beispielsweise, den Nachweis von Prüfungsleistungen im Rahmen eines Leistungspunktsystems auf die Zwischenprüfung zu beschränken und für die Abschlußprüfung keine Anrechnungsmöglichkeit vorzusehen. Je nach Besonderheit eines Studiengangs können somit Studien- oder Prüfungsleistungen von dem Leistungspunktsystem ausgenommen werden. [...]
Zu Nummer 17 (§ 18 Abs. 1) Buchstabe a (§ 18 Abs. 1 Satz 4) Die Einfügung stellt klar, daß das Landesrecht von der Möglichkeit, in den neuen Masterstudiengängen (vgl. Nummer 18) für den Abschlußgrad anstelle der Bezeichnung "Master" die Bezeichnung "Magister" vorzusehen, auch für die Fachhochschulen Gebrauch machen kann. [...]
Zu Nummer 18 (§ 19) § 19 eröffnet den deutschen Hochschulen die Möglichkeit, Bachelor- und Masterstudiengänge zu erproben (Absatz 1) und in grundständigen Studiengängen einen Bachelorgrad (Absatz 2) sowie in Postgraduiertenstudiengängen einen Mastergrad zu verleihen (Absatz 3). Dies gilt gleichermaßen für Universitäten, Fachhochschulen und andere Hochschulen. Anstelle der international bekannten Bezeichnungen "Bachelor" und "Master" kann das Landesrecht auch die Bezeichnungen "Bakkalaureus" und "Magister" vorsehen. Die Studiengänge, die nach Absatz 3 Satz 1 mit einem Magistergrad abschließen, sind postgraduale Studiengänge und nicht identisch mit herkömmlichen Magisterstudiengängen, die zu einem ersten berufsqualifizierenden Abschluß führen. In anderen als Fachhochschulstudiengängen kann anstelle des Master- bzw. Magistergrades auch ein Diplomgrad verliehen werden. Absatz 2 Satz 2 und Absatz 3 Satz 2 bestimmen die Regelstudienzeiten für die künftig möglichen Bachelor- und Masterstudiengänge. Die dabei jeweils vorgesehene Mindestregelstudienzeit dient der Qualitätssicherung. Aufeinander abgestimmte Bachelor- und Masterstudiengänge, die nacheinander durchlaufen werden, dürfen nach Absatz 4 zusammen eine Regelstudienzeit von fünf Jahren nicht überschreiten. Der Verweis in Absatz 5 ermöglicht in Ausnahmefällen auch die Festsetzung einer längeren Regelstudienzeit für Bachelor- und Masterstudiengänge. [...]
Durch die Möglichkeit, Bachelor- und Mastergrade zu vergeben, werden deutsche Hochschulen zum einen attraktiver für ausländische Studierende, zum anderen werden dadurch die Berufschancen deutscher Absolventen, die eine Tätigkeit im Ausland aufnehmen wollen, verbessert. Der Bekanntheitsgrad und die Verwertbarkeit des deutschen Diploms sind, insbesondere in außereuropäischen Staaten, begrenzt. Das angelsächsische Graduierungsmodell (Bachelor, Master) ist dagegen am "Weltmarkt" allgemein akzeptiert. In weiten Teilen des Auslands gilt zudem die Bezeichnung "Diplom" als undifferenzierte Qualifikation auch im nicht akademischen Bereich. Die bisherige deutsche Praxis, den Diplomgrad im Regelfall als ersten berufsqualifizierenden Abschluß zu verleihen, trägt mit dazu bei, daß selbst universitäre Diplomabschlüsse häufig nur auf der Ebene von Bachelorgraden (first professional degree) anerkannt werden, obwohl die in Diplomstudiengängen vermittelten Qualifikationen im Regelfall darüber hinausgehen. Eine entsprechende Gefahr besteht bei den Diplomgraden, die nach Absatz 3 Satz 1 verliehen werden können, nicht, da es sich hierbei wie beim Master im angelsächsischen System um einen weiteren berufsqualifizierenden Abschluß nach einem ersten berufsqualifizierenden Bachelorabschluß handelt. Die Möglichkeit der Vergabe von Bachelor- und Mastergraden stärkt insbesondere die Position der Fachhochschulen. Ein besonderes Problem ist derzeit die internationale Anerkennung des Fachhochschuldiploms. In den Heimatländern ausländischer Studierender findet es oftmals nicht dieselbe Anerkennung wie ein universitärer Abschluß. So streben viele ausländische Studierende eher an Universitäten als an Fachhochschulen, auch wenn deren Ausbildungsangebote für sie vielfach geeigneter sind. Die Fachhochschulen erhalten künftig die Möglichkeit, zwei international anerkannte Hochschulgrade zu vergeben. Dies bewirkt insgesamt eine Aufwertung der Fachhochschulen und aller von ihr vergebenen Hochschulgrade, auch des FH-Diploms. Die Gefahr einer Abwertung des FH-Diploms ist nach Auffassung der Bundesregierung mit der Einführung der neuen Graduierungsmöglichkeiten nicht verbunden. Das neue Graduierungssystem tritt neben das bestehende Graduierungssystem und ersetzt dieses nicht. Durch das Nebeneinander beider Graduierungssysteme wird ein Wettbewerb geschaffen, in dem sich in einigen Bereichen die neuen Grade durchsetzen und in anderen Bereichen die bisherigen Grade behaupten werden. Die Grade, die sich jeweils nicht durchsetzen, werden hierdurch jedoch nicht abgewertet, sondern sie verschwinden lediglich vom "Markt", weil das jeweils andere Graduierungssystem sich als das attraktivere erwiesen hat. Eine Abwertung der FH-Diplome wäre im übrigen nur dann zu besorgen, wenn das FH-Diplom dem Bachelorgrad gleichgesetzt würde. Dies ist nicht beabsichtigt. Kapazitätsengpässe durch die Einführung von Bachelor- und Masterstudiengängen sind nach Auffassung der Bundesregierung nicht zu befürchten. Die Entwicklung solcher Studiengänge bedeutet nicht immer, daß neue Curricula zu entwickeln sind, sondern zum Teil nur, daß sich die Zusammensetzung und gegebenenfalls zeitliche Abfolge der für einen Studienabschluß zu absolvierenden Einzelmodule (Vorlesungen, Seminare, Übungen etc.) ändern. Insbesondere in den stärker strukturierten Studiengängen der Natur- und Ingenieurwissenschaften wird auf vorhandene Studieneinheiten und Lehrinhalte bei bestehenden Diplomstudiengängen zurückgegriffen werden können. Selbst wenn vorübergehend Diplomstudiengänge und Bachelor-/Masterstudiengänge parallel angeboten werden, damit Studierende einen begonnenen Diplomstudiengang zu Ende führen und Studienanfänger ihre Ausbildung in einem Bachelorstudiengang aufnehmen können, wird es deshalb nicht zu einer nennenswerten Mehrbelastung des wissenschaftlichen Personals der Hochschulen kommen. Auf Dauer wird es ein paralleles Angebot beider Studiengänge in ein und derselben Fachrichtung ohnehin kaum geben. Eine Verlängerung der durchschnittlichen Studienzeiten als Folge der Einführung von Bachelor- und Mastergraden ist nicht zu erwarten. Die für Bachelor- und Masterstudiengänge vorgesehenen Regelstudienzeiten ermöglichen zwar theoretisch eine Gesamtregelstudienzeit von bis zu sechs Jahren, während die Regelstudienzeit künftig in Fachhochschulstudiengängen höchstens vier und in den übrigen Studiengängen viereinhalb Jahre betragen soll. Für konsekutiv aufgebaute und nacheinander durchlaufene Bachelor-/Masterstudiengänge wird jedoch die Regelstudienzeit auf maximal fünf Jahre festgesetzt. Außerdem erscheint die Annahme realistisch, daß ein erheblicher Teil der Studierenden in Zukunft nach Erlangung eines Bachelorgrades die Hochschule verläßt und daß nur ein Teil der Absolventen die Option, nach einer Phase der Berufstätigkeit einen Master zu erwerben, auch tatsächlich einlöst. In den angelsächsisch geprägten Ländern verlassen etwa zwei Drittel der Studierenden die Hochschulen mit dem Bachelor. [...]