Source: https://www.rechtslupe.de/strafrecht/unterbringung-psychiatrie-stoerung-3122025
Timestamp: 2020-08-08 07:04:23
Document Index: 295754467

Matched Legal Cases: ['§ 63', '§ 63', '§ 63', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 20']

Unterbringung in der Psychiatrie - und die gravierende Störung des Rechtsfriedens | Rechtslupe
Eine Unter­brin­gung gemäß § 63 StGB kommt nur dann in Betracht, wenn eine Wahr­schein­lich­keit höhe­ren Gra­des dafür besteht, dass der Täter infol­ge sei­nes Zustands in Zukunft Straf­ta­ten von erheb­li­cher Bedeu­tung bege­hen wird, also sol­che, die eine schwe­re Stö­rung des Rechts­frie­dens zur Fol­ge haben.
Die Annah­me einer gra­vie­ren­den Stö­rung des Rechts­frie­dens setzt nach der höchst­rich­ter­li­chen Recht­spre­chung vor­aus, dass die zu erwar­ten­den Delik­te wenigs­tens in den Bereich der mitt­le­ren Kri­mi­na­li­tät hin­ein­rei­chen, den Rechts­frie­den emp­find­lich stö­ren und geeig­net sind, das Gefühl der Rechts­si­cher­heit der Bevöl­ke­rung erheb­lich zu beein­träch­ti­gen [1].
Die­se bereits durch die Recht­spre­chung zu dem bis 31.07.2016 gel­ten­den Recht her­aus­ge­bil­de­ten Anfor­de­run­gen sind durch § 63 Satz 1 StGB in der gel­ten­den Fas­sung dahin­ge­hend kon­kre­ti­siert wor­den [2], dass nur die Erwar­tung sol­cher erheb­li­chen rechts­wid­ri­gen Taten aus­reicht, durch die die Opfer see­lisch oder kör­per­lich erheb­lich geschä­digt oder erheb­lich gefähr­det wer­den oder schwe­rer wirt­schaft­li­cher Scha­den ange­rich­tet wird.
Die erfor­der­li­che Pro­gno­se ist auf der Grund­la­ge einer umfas­sen­den Wür­di­gung der Per­sön­lich­keit des Täters, sei­nes Vor­le­bens und der von ihm began­ge­nen Anlasstat(en) zu ent­wi­ckeln [3] und hat sich dar­auf zu erstre­cken, ob und wel­che Taten von dem Beschul­dig­ten infol­ge sei­nes Zustands dro­hen, wie aus­ge­prägt das Maß der Gefähr­dung ist und wel­ches Gewicht den bedroh­ten Rechts­gü­tern zukommt [4]. Dabei hat der Tatrich­ter die für die Ent­schei­dung über die Unter­brin­gung maß­geb­li­chen Umstän­de in den Urteils­grün­den so umfas­send dar­zu­le­gen, dass das Revi­si­ons­ge­richt in die Lage ver­setzt wird, die Ent­schei­dung nach­zu­voll­zie­hen [5].
Die­se Anfor­de­run­gen gel­ten nicht ledig­lich für tatrich­ter­li­che Ent­schei­dun­gen, die eine Unter­brin­gung des Ange­klag­ten oder Beschul­dig­ten in einem psych­ia­tri­schen Kran­ken­haus gemäß § 63 StGB anord­nen, son­dern auch für die Anord­nung ableh­nen­de Erkennt­nis­se.
Zwar ist das Revi­si­ons­ge­richt auf die Über­prü­fung von Rechts­feh­lern in der tatrich­ter­li­chen Beweis­wür­di­gung beschränkt. Sol­che sind aber u.a. dann gege­ben, wenn der Tatrich­ter ver­säumt, sich mit den fest­ge­stell­ten Indi­zi­en aus­ein­an­der­zu­set­zen, die geeig­net sind, das Beweis­ergeb­nis zu Guns­ten oder zu Unguns­ten des Ange­klag­ten zu beein­flus­sen [6].
Dabei dür­fen die Indi­zi­en nicht iso­liert betrach­tet wer­den, sie müs­sen viel­mehr in eine umfas­sen­de Gesamt­wür­di­gung aller bedeut­sa­men Umstän­de ein­ge­bracht wer­den [7].
Rechts­feh­ler­haft ist es auch, wenn der Tatrich­ter über­spann­te Anfor­de­run­gen an die für die Ver­ur­tei­lung erfor­der­li­che Gewiss­heit stellt [8].
Art und Grad der Gefähr­lich­keit der Tat­hand­lung gestat­ten regel­mä­ßig Rück­schlüs­se auf einen ent­spre­chen­den (hier: natür­li­chen) Vor­satz des Täters einer Brand­stif­tung [9].
Das Tat­ge­richt hat auf der Grund­la­ge des gesam­ten Beweis­ergeb­nis­ses dar­über zu ent­schei­den, ob der­ar­ti­ge Anga­ben geeig­net sind, sei­ne Über­zeu­gungs­bil­dung zu beein­flus­sen. Es ist weder im Hin­blick auf den Zwei­fels­satz noch sonst gebo­ten, zuguns­ten des Ange­klag­ten (oder Beschul­dig­ten) Gesche­hens­ab­läu­fe zu unter­stel­len, für deren Vor­lie­gen außer den nicht wider­leg­ba­ren, aber auch durch nichts gestütz­ten Anga­ben des Ange­klag­ten oder Beschul­dig­ten kei­ne Anhalts­punk­te bestehen [10].
Die Gefähr­lich­keits­pro­gno­se muss sich auch auf eine recht­lich gebo­te­ne umfas­sen­de Wür­di­gung stüt­zen, die das Vor­le­ben des Beschul­dig­ten ein­be­zieht.
Dar­auf, dass das Land­ge­richt zudem auch von auf­ge­ho­be­ner Steue­rungs­fä­hig­keit aus­geht, kommt es nicht an [11].
Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 21. Febru­ar 2017 – 1 StR 618/​16
vgl. nur BVerfG, Beschluss vom 24.07.2013 – 2 BvR 298/​12; BGH, Beschlüs­se vom 18.07.2013 – 4 StR 168/​13, NJW 2013, 3383; vom 16.06.2014 – 4 StR 111/​14, NStZ 2014, 571; und vom 19.08.2014 – 3 StR 243/​14; Urteil vom 28.10.2015 – 1 StR 142/​15, NStZ-RR 2016, 40; Beschlüs­se vom 13.10.2016 – 1 StR 445/​16 Rn. 13; und vom 21.12 2016 – 1 StR 594/​16 Rn. 3[↩]
vgl. BT-Drs. 18/​7244 S. 17 f.[↩]
BGH, Beschlüs­se vom 16.01.2013 – 4 StR 520/​12, NStZ-RR 2013, 141; vom 01.10.2013 – 3 StR 311/​13; vom 02.09.2015 – 2 StR 239/​15; und vom 03.06.2015 – 4 StR 167/​15, StV 2016, 724; Urteil vom 13.10.2016 – 1 StR 445/​16 Rn. 15[↩]
BVerfG, Beschluss vom 24.07.2013 – 2 BvR 298/​12; BGH, Beschluss vom 07.06.2016 – 4 StR 79/​16, NStZ-RR 2016, 306[↩]
vgl. BGH, Beschlüs­se vom 21.12 2016 – 1 StR 594/​16 Rn. 3 aE; vom 12.10.2016 – 4 StR 78/​16 Rn. 9; und vom 15.01.2015 – 4 StR 419/​14, NStZ 2015, 394, 395; sie­he auch Beschluss vom 10.11.2015 – 1 StR 265/​15, NStZ-RR 2016, 76 f. mwN[↩]
st. Rspr.; etwa BGH, Urtei­le vom 26.07.2016 – 1 StR 607/​15 Rn. 12; vom 17.07.2014 – 4 StR 129/​14 Rn. 7; und vom 24.10.2002 – 5 StR 600/​01, BGHSt 48, 52, 71[↩]
BGH, Urtei­le vom 26.07.2016 – 1 StR 607/​15 Rn. 12; und vom 13.12 2012 – 4 StR 33/​12, wis­tra 2013, 195, 196 jeweils mwN[↩]
BGH, Urtei­le vom 26.07.2016 – 1 StR 607/​15 Rn. 12 mwN; und vom 14.01.2015 – 1 StR 351/​14, NStZ-RR 2015, 146[↩]
vgl. BGH, Urteil vom 04.02.2010 – 4 StR 394/​09, NStZ-RR 2010, 178, 179[↩]
st. Rspr.; etwa BGH, Urtei­le vom 05.11.2014 – 1 StR 327/​14, NStZ-RR 2015, 83, 85; und vom 26.10.2016 – 2 StR 275/​16 Rn. 12 jeweils mwN; vgl. auch Beschluss vom 25.01.2017 – 1 StR 588/​16[↩]
zur Tren­nung zwi­schen Ein­sichts- und Steue­rungs­fä­hig­keit vgl. Fischer, StGB, 64. Aufl., § 20 Rn. 3 und 44a mwN[↩]
Das Aus­zie­hen eines Kin­des Das Aus­zie­hen eines Kin­des stellt sich regel­mä­ßig nicht als sexu­el­le Hand­lung „an“ des­sen Kör­per dar, wenn nicht das Ent­blö­ßen sei­ner­seits mit einer sexu­el­len Hand­lung am…