Source: http://www.bverfg.de/entscheidungen/rs20081028_1bvr025608.html
Timestamp: 2017-04-28 13:56:12
Document Index: 310954949

Matched Legal Cases: ['§ 32', '§ 113', '§ 113', '§ 113', '§ 113', '§ 113', '§ 1', '§ 3', '§ 113', '§ 113', '§ 113', '§ 113', '§ 113', '§ 113', '§ 113', '§ 113', '§ 113', '§ 113', '§ 113', '§ 113', '§ 113', '§ 113', '§ 113', '§ 100', '§ 113', '§ 113', '§ 100', '§ 113', '§ 100', '§ 100', '§ 100', '§ 113', '§ 100', '§ 113', '§ 113', '§ 100', 'Art. 34', 'Art. 6', '§ 113', '§ 34', '§ 113', '§ 34', '§ 113', '§ 113', 'Art. 34', 'Art. 34', 'Art. 34', 'Art. 34', '§ 113', 'Art. 34', 'Art. 34', 'Art. 34', '§ 53', 'Art. 34', '§ 113', '§ 113', 'Art. 6', 'Art. 6', '§ 113', '§ 96', 'Art. 3', 'Art. 3', 'Art. 3', '§ 113', '§ 113', '§ 150', '§ 113', '§ 113', '§ 113', 'Art. 34', 'Art. 6', '§ 113', '§ 100', '§ 113', '§ 113', '§ 113', '§ 150', '§ 113', '§ 113', '§ 113', '§ 113', '§ 113', 'Art. 10', '§ 113', 'Art. 34', 'Art. 6', '§ 113', '§ 113', '§ 113', '§ 113', '§ 113', '§ 113', '§ 32', '§ 113', '§ 150', '§ 113', 'Art. 34', '§ 34', 'Art. 6', '§ 113', '§ 113', '§ 113', '§ 113', '§ 113', '§ 113', '§ 149', '§ 149', '§ 113', '§ 150', '§ 113', '§ 113', '§ 113', '§ 150', '§ 113', '§ 113', '§ 113', '§ 150', '§ 150', '§ 113', '§ 150', '§ 113', '§ 113', '§ 32', '§ 113', '§ 113', '§ 113', '§ 113', '§ 100', '§ 100', '§ 113', '§ 113', '§ 113', '§ 113', '§ 113', '§ 113', 'Art. 34', '§ 34', '§ 34', '§ 113', '§ 113', '§ 113', '§ 113', '§ 113', '§ 113', 'Art. 10', '§ 113', '§ 113', '§ 113', '§ 100', '§ 113', '§ 113', '§ 113', '§ 113', '§ 113', '§ 32', '§ 113', 'Art. 34', 'Art. 44', '§ 34', '§ 34', '§ 44', '§ 113', '§ 113', '§ 113', '§ 113', '§ 97', '§ 96', 'Art. 34', 'Art. 34', 'Art. 34', '§ 113', '§ 113', '§ 113', '§ 100', '§ 113', 'Art. 6', '§ 113', '§ 113', '§ 113', 'Art. 6', '§ 113', 'Art. 3', 'Art. 3', 'Art. 3', 'Art. 1', 'Art. 6', 'Art. 6', '§ 113', 'Art. 3', '§ 113', '§ 113', '§ 113', '§ 113', '§ 1', '§ 3', '§ 113', '§ 1', '§ 3', 'Art. 10', '§ 3', 'Art. 10', '§ 113', '§ 113', '§ 4', '§ 113', '§ 1', '§ 3', '§ 113', '§ 113', 'Art. 6', '§ 100', '§ 113', 'Art. 1', '§ 113', '§ 113', '§ 113', '§ 34']

Beschluss vom 28. Oktober 2008 - 1 BvR 256/08
BUNDESVERFASSUNGSGERICHT - 1 BvR 256/08 - Im Namen des Volkes In dem Verfahren über die Verfassungsbeschwerde 1. des Herrn Prof. Dr. G..., 2. des Herrn Dr. G..., 3. des Herrn K..., 4. der J... GmbH, vertreten durch den Geschäftsführer, 5. des Herrn U..., 6. des Herrn R..., 7. des Herrn Z..., 8. des Herrn Dr. B... - Bevollmächtigter:
Umsetzung der Richtlinie 2006/24/EG ( BGBl I 2007, S. 3198 ff. ) hier: a) Antrag auf Erlass einer einstweiligen
Senat - unter Mitwirkung der Richterin und Richter Präsident Papier, Hohmann-Dennhardt, Bryde, Gaier, Eichberger, Schluckebier, Kirchhof, Masing am 28. Oktober 2008 beschlossen: Die einstweilige Anordnung vom 11. März 2008
(Bundesgesetzblatt Teil I
Seite 659), wiederholt durch
Beschluss vom 1. September 2008 ( Bundesgesetzblatt Teil I
Seite 1850), wird für die
Dauer von sechs Monaten, längstens jedoch bis zur
Entscheidung über die Verfassungsbeschwerde, mit der
Maßgabe wiederholt (§ 32 Absatz 6 Satz 2
BVerfGG), dass sich hinsichtlich des Berichts der
Bundesregierung die Daten aus dem Wiederholungsbeschluss
vom 1. September 2008 für das Ende des Berichtszeitraums
und für die Vorlage des Berichts jeweils um einen Monat
nach hinten verschieben. § 113b Satz 1 Nummer 2 des
Telekommunikationsgesetzes in der Fassung des Gesetzes vom
21. Dezember 2007 ( Bundesgesetzblatt Teil I
Seite 3198) ist für die Dauer
von sechs Monaten, längstens jedoch bis zur Entscheidung
über die Verfassungsbeschwerde mit folgenden Maßgaben
anzuwenden: Im Falle eines Abrufs von allein nach
§ 113a des Telekommunikationsgesetzes gespeicherten
Verkehrsdaten zur Gefahrenabwehr hat der durch das
Abrufersuchen verpflichtete Anbieter von
Telekommunikationsdiensten die verlangten Daten zu erheben.
Sie sind jedoch nur dann an die ersuchende Behörde zu
übermitteln, wenn gemäß der Anordnung des Abrufs die
Voraussetzungen der die Behörde zum Abruf der Verkehrsdaten
ermächtigenden Rechtsnormen vorliegen und ihr Abruf zur
Abwehr einer dringenden Gefahr für Leib, Leben oder
Freiheit einer Person, für den Bestand oder die Sicherheit
des Bundes oder eines Landes oder zur Abwehr einer gemeinen
Gefahr erforderlich ist. § 113b Satz 1 Nummer 3 des
21. Dezember 2007 ( Bundesgesetzblatt Teil I Seite
3198) ist für die Dauer von sechs
Monaten, längstens jedoch bis zur Entscheidung über die
Verfassungsbeschwerde mit folgenden Maßgaben anzuwenden: Im
Falle eines Abrufs von allein nach § 113a des
Telekommunikationsgesetzes gespeicherten Verkehrsdaten zu
den in § 113b Satz 1 Nummer 3 des
Telekommunikationsgesetzes genannten Zwecken hat der durch
das Abrufersuchen verpflichtete Anbieter von
übermitteln, wenn gemäß der Anordnung des Abrufs neben den
ermächtigenden Rechtsnormen auch die Voraussetzungen von
§ 1 Absatz 1, § 3 des Gesetzes zur
(Artikel 10-Gesetz) in der Fassung vom 21. Dezember
2007 ( Bundesgesetzblatt Teil I
Seite 3198) vorliegen. Im Übrigen wird der erweiterte Antrag auf
Erlass einer einstweiligen Anordnung vom 14. August 2008
abgelehnt. Die Bundesrepublik Deutschland hat den
Beschwerdeführern die Hälfte der notwendigen Auslagen im
Verfahren über den weiteren Antrag auf Erlass einer
einstweiligen Anordnung vom 14. August 2008 zu
erstatten. Gründe: A. 1 Die Beschwerdeführer begehren mit ihrem
erneuten Antrag auf Erlass einer einstweiligen Anordnung, die
durch das Gesetz zur Neuregelung der
2006/24/EG vom 21. Dezember 2007 ( BGBl I S. 3198 ; im Folgenden: Gesetz zur
Neuregelung der Telekommunikationsüberwachung) geschaffenen
und von den Beschwerdeführern mit der Verfassungsbeschwerde
angegriffenen Regelungen der §§ 113a und 113b des
Telekommunikationsgesetzes (im Folgenden: TKG) zur
Vorratsdatenspeicherung von Telekommunikations-Verkehrsdaten
insbesondere mit Blick auf Änderungen im bayerischen
Polizei- und Verfassungsschutzrecht in größerem Umfang
einstweilen auszusetzen, als dies durch die einstweilige
Anordnung des Bundesverfassungsgerichts vom 11. März 2008,
wiederholt durch Beschluss vom 1. September 2008, bisher
geschehen ist. I. 2 1. Durch das Gesetz zur Neuregelung der
Telekommunikationsüberwachung wurden unter anderem die
§§ 113a und 113b in das Telekommunikationsgesetz
eingefügt, auf die sich die Verfassungsbeschwerde und der
erneute Antrag auf Erlass einer einstweiligen Anordnung
beziehen. 3 § 113a TKG verpflichtet die Betreiber
öffentlich zugänglicher Telekommunikationsdienste für
Endnutzer, bestimmte einzeln aufgeführte Verkehrs-, darunter
auch Standortdaten für einen Zeitraum von sechs Monaten zu
speichern. Nach Ablauf der Speicherungsfrist sind die Daten
binnen eines Monats zu löschen. Der Inhalt der Kommunikation
und Daten über aufgerufene Internetseiten dürfen aufgrund des
§ 113a TKG nicht gespeichert werden. 4 § 113b TKG gestattet den nach § 113a
TKG zur Speicherung Verpflichteten, die nach § 113a TKG
gespeicherten Daten zur Verfolgung von Straftaten
(§ 113b Satz 1 Nr. 1 TKG), zur Abwehr
erheblicher Gefahren für die öffentliche Sicherheit
(§ 113b Satz 1 Nr. 2 TKG) und zur Erfüllung
der gesetzlichen Aufgaben der Verfassungsschutzbehörden des
Bundes und der Länder, des Bundesnachrichtendienstes und des
Militärischen Abschirmdienstes (§ 113b Satz 1
Nr. 3 TKG) an die zuständigen Stellen auf deren
Verlangen zu übermitteln, soweit dies in den jeweiligen
gesetzlichen Bestimmungen unter Bezugnahme auf § 113a
TKG vorgesehen ist. Für andere Zwecke - mit Ausnahme
einer Auskunftserteilung über Bestandsdaten nach § 113
TKG - dürfen die nach § 113a TKG gespeicherten
Verkehrsdaten nicht verwendet werden (§ 113b Satz 1
Halbsatz 2 TKG). § 113b TKG hatte mangels einer
Regelung, die den Verkehrsdatenabruf zu Zwecken der
Gefahrenabwehr und der Erfüllung von Aufgaben des
Verfassungsschutzes und der Nachrichtendienste ermöglichte,
zunächst nur Bedeutung in den Fällen des § 100g
Abs. 1 StPO, der zum Abruf von
Telekommunikations-Verkehrsdaten nach § 113a TKG zum
Zwecke der Strafverfolgung ermächtigte (vgl. zum Sachverhalt
einschließlich des Wortlauts der genannten Normen und des
gemeinschaftsrechtlichen Hintergrunds, Beschluss des Senats
vom 11. März 2008 - 1 BvR 256/08 -, A I, JURIS,
Rn. 1 bis 120). 5 2. Bezogen auf diese Rechtslage erließ das
Bundesverfassungsgericht mit Beschluss vom 11. März 2008, der
mit Beschluss vom 1. September 2008 wiederholt wurde, unter
Ablehnung des Antrags der Beschwerdeführer im Übrigen eine
einstweilige Anordnung, nach der § 113b Satz 1
Nr. 1 TKG mit folgenden Maßgaben anwendbar ist: Aufgrund
eines Abrufersuchens einer Strafverfolgungsbehörde nach
§ 100g Abs. 1 StPO, das sich auf allein nach
§ 113a TKG gespeicherte Telekommunikations-Verkehrsdaten
bezieht, hat der durch das Abrufersuchen verpflichtete
Anbieter von Telekommunikationsdiensten die verlangten Daten
zu erheben. Sie sind jedoch nur dann an die ersuchende
Behörde zu übermitteln, wenn Gegenstand des
Ermittlungsverfahrens gemäß der Anordnung des Abrufs eine
Katalogtat im Sinne des § 100a Abs. 2 StPO ist und
die Voraussetzungen des § 100a Abs. 1 StPO
vorliegen. In den übrigen Fällen des § 100g Abs. 1
StPO ist von einer Übermittlung der Daten einstweilen
abzusehen. Der Diensteanbieter hat die Daten zu speichern. Er
darf die Daten nicht verwenden und hat sicherzustellen, dass
Dritte nicht auf sie zugreifen können. 6 Außerdem wurde der Bundesregierung aufgegeben,
über die praktischen Auswirkungen der in § 113a TKG
vorgesehenen Datenspeicherungen und der einstweiligen
Anordnung für den Zeitraum vom 1. Mai 2008 bis zum 1. August
2008 zu berichten. Mit der Wiederholung der einstweiligen
Anordnung wurde dieser Bericht erneut für den Zeitraum vom 1.
August 2008 bis zum 1. Februar 2009 angefordert. 7 3. Nach dem von der Bundesregierung zum
1. September 2008 vorgelegten Bericht ergingen im
Zeitraum vom 1. Mai 2008 bis zum 31. Juli 2008 in 2.186
Ermittlungsverfahren 4.356 Anordnungen nach § 100g StPO.
Die Anzahl der Erst- und Verlängerungsanordnungen, zu deren
Bearbeitung die ersuchten Telekommunikationsunternehmen auf
allein nach § 113a TKG gespeicherte Daten zurückgreifen
mussten, belief sich dabei auf 1.742. Bei 132 Erst- und
Verlängerungsanordnungen blieb das Auskunftsersuchen ganz
oder teilweise erfolglos, weil die Speicherungsverpflichtung
nach § 113a TKG von den Telekommunikationsunternehmen
ganz oder teilweise noch nicht erfüllt wurde. In 96 Verfahren
blieb das Auskunftsersuchen ganz oder teilweise erfolglos,
weil es sich nicht auf Straftaten nach § 100a
Abs. 1 und 2 StPO bezog. In 63 Verfahren vereitelte
die Erfolglosigkeit des Auskunftsersuchens die Aufklärung der
Straftat, in 37 Verfahren erschwerte es sie. 8 4. Inzwischen hat der Gesetzgeber des
Freistaats Bayern mit dem Gesetz zur Änderung des
Polizeiaufgabengesetzes vom 8. Juli 2008 (GVBl S. 365)
und dem Gesetz zur Änderung des Bayerischen
Verfassungsschutzgesetzes, des Ausführungsgesetzes zum
Artikel 10-Gesetz und des Parlamentarischen
Kontrollgremium-Gesetzes vom 8. Juli 2008 (GVBl S. 357)
sowohl das Polizeiaufgabengesetz (im Folgenden: BayPAG) als
auch das Verfassungsschutzgesetz (im Folgenden: BayVSG)
geändert. Art. 34b Abs. 2 und Abs. 3 BayPAG
und Art. 6c Abs. 2 BayVSG verweisen nunmehr auf
§ 113a TKG und gestatten damit den behördlichen Zugriff
auf die nach dieser Regelung zu speichernden Verkehrsdaten
auch zur Gefahrenabwehr und zur Erfüllung der Aufgaben des
Verfassungsschutzes. 9 Ebenso nimmt § 34a Abs. 1 Satz 1 Nr. 3
des Thüringer Polizeiaufgabengesetzes (im Folgenden: ThürPAG)
seit dem Inkrafttreten des Thüringer Gesetzes zur Änderung
sicherheits- und verfassungsschutzrechtlicher Vorschriften
vom 16. Juli 2008 (GVBl S. 245) auf § 113a TKG Bezug und
eröffnet damit unter den Voraussetzungen des § 34a Abs.
3 ThürPAG den Zugriff auf vorratsgespeicherte
Telekommunikations-Verkehrsdaten zur Abwehr von Gefahren für
die öffentliche Sicherheit. 10 5. Der in Verbindung mit § 113b
Satz 1 Nr. 2 TKG den Abruf von nach § 113a TKG
gespeicherten Telekommunikations-Verkehrsdaten zum Zwecke der
Gefahrenabwehr ermöglichende Art. 34b BayPAG, auf den
die Beschwerdeführer zur Begründung ihres erneuten Antrags
auf Erlass einer einstweiligen Anordnung hinweisen, lautet
auszugsweise: 11 Art. 34b 12 (1) ... 13 (2) Die Polizei kann unter den Voraussetzungen
des Art. 34a Abs. 1 Satz 1 oder Abs. 3
Satz 1 Diensteanbieter verpflichten, 14 ihr vorhandene Telekommunikationsverkehrsdaten
der in Art. 34a Abs. 1 Satz 1 und Abs. 3
Satz 1 genannten Personen zu übermitteln, 15 Auskunft über deren zukünftige
Telekommunikationsverkehrsdaten zu erteilen oder 16 ihr die für die Ermittlung des Standortes eines
Mobilfunkendgerätes dieser Personen erforderlichen
spezifischen Kennungen, insbesondere die Geräte und
Kartennummer mitzuteilen. 17 Die Übermittlung von Daten über
Telekommunikationsverbindungen, die zu diesen Personen
hergestellt worden sind, darf nur angeordnet werden, wenn die
Erforschung des Sachverhalts oder die Ermittlung ihres
Aufenthaltsorts auf andere Weise aussichtslos oder wesentlich
erschwert wäre. Die Daten sind der Polizei unverzüglich zu
übermitteln. 18 (3) Telekommunikationsverkehrsdaten sind alle
nicht inhaltsbezogenen Daten, die im Zusammenhang mit einer
Telekommunikation auch unabhängig von einer konkreten
Telekommunikationsverbindung technisch erhoben und erfasst
werden, einschließlich der nach § 113a des
Telekommunikationsgesetzes gespeicherten Daten,
insbesondere 19 Berechtigungskennung, Kartennummer,
Standortkennung sowie Rufnummer oder Kennung des anrufenden
und angerufenen Anschlusses oder der Endeinrichtung, 20 Beginn und Ende der Verbindung nach Datum und
Uhrzeit, 21 vom Kunden in Anspruch genommene
Telekommunikationsdienstleistung, 22 Endpunkte fest geschalteter Verbindungen, ihr
Beginn und Ende nach Datum und Uhrzeit. 23 (4) ... 24 In dem von Art. 34b BayPAG in Bezug
genommenen Art. 34a BayPAG heißt es: 25 Art. 34a 26 (1) Die Polizei kann durch die Überwachung und
Aufzeichnung der Telekommunikation personenbezogene Daten
erheben 27 1. über die für eine Gefahr Verantwortlichen,
soweit dies zur Abwehr einer dringenden Gefahr für den
Bestand oder die Sicherheit des Bundes oder eines Landes oder
für Leib, Leben oder Freiheit einer Person oder für Sachen,
soweit eine gemeine Gefahr besteht, erforderlich ist,
oder 28 2. über Personen, wenn konkrete
Vorbereitungshandlungen für sich oder zusammen mit weiteren
bestimmten Tatsachen die begründete Annahme rechtfertigen,
dass sie eine schwerwiegende Straftat begehen werden oder 29 3. über Personen, soweit bestimmte Tatsachen
die begründete Annahme rechtfertigen, dass 30 a) sie für Personen nach Nrn. 1 oder 2
bestimmte oder von diesen herrührende Mitteilungen
entgegennehmen, ohne insoweit das Recht zur Verweigerung des
Zeugnisses nach §§ 53, 53a StPO zu haben, oder
weitergeben oder 31 b) die unter Nrn. 1 oder 2 genannten Personen
ihre Kommunikationseinrichtungen benutzen werden. 32 ... 33 (2) ... 34 (3) Die Polizei kann bei Gefahr für Leben oder
Gesundheit einer Person 35 1. durch die Überwachung und Aufzeichnung der
Telekommunikation personenbezogene Daten über diese Person
erheben oder 36 2. technische Mittel einsetzen, um den Standort
eines von ihr mitgeführten Mobilfunkendgerätes zu
ermitteln. 37 Weitergehende Maßnahmen nach Art. 34b
Abs. 1 und 2 bleiben unberührt. 38 (4) ... 39 Der in Verbindung mit § 113b Satz 1
Nr. 3 TKG den Abruf von nach § 113a TKG
Erfüllung der Aufgaben des Verfassungsschutzes ermöglichende
Art. 6c BayVSG hat, soweit hier von Bedeutung, folgenden
Wortlaut: 40 Art. 6c 41 (1) ... 42 (2) Das Landesamt für Verfassungsschutz darf im
Einzelfall auch im Rahmen des § 113a des
Telekommunikationsgesetzes (TKG) vom 22. Juni 2004 ( BGBl I S. 1190 ) in der jeweils geltenden Fassung
Auskunft einholen bei 43 ... 44 denjenigen, die geschäftsmäßig
Telekommunikationsdienste erbringen oder daran mitwirken, zu
Verkehrsdaten nach § 96 Abs. 1 Nrn. 1
bis 4 TKG und sonstigen zum Aufbau und zur
Aufrechterhaltung der Telekommunikation notwendigen
Verkehrsdaten und 45 denjenigen, die geschäftsmäßig Telemedien
anbieten oder daran mitwirken, über 46 a) Merkmale zur Identifikation des Nutzers von
Telemedien, 47 b) Angaben über Beginn und Ende sowie über den
Umfang der jeweiligen Nutzung und 48 c) Angaben über die vom Nutzer in Anspruch
genommenen Telemedien, 49 soweit dies zur Erfüllung der Aufgaben nach
Art. 3 Abs. 1 Satz 1 erforderlich ist und
tatsächliche Anhaltspunkte für eine schwerwiegende Gefahr für
die in Art. 3 Abs. 1 genannten Schutzgüter
vorliegen. Im Fall des Art. 3 Abs. 1 Satz 1
Nr. 1 gilt dies nur für Bestrebungen, die bezwecken oder
auf Grund ihrer Wirkungsweise geeignet sind, 50 zu Hass- oder Willkürmaßnahmen gegen Teile der
Bevölkerung aufzustacheln oder deren Menschenwürde durch
Beschimpfen, böswilliges Verächtlichmachen oder Verleumden
anzugreifen und dadurch die Bereitschaft zur Anwendung von
Gewalt zu fördern und den öffentlichen Frieden zu stören
oder 51 Gewalt anzuwenden oder vorzubereiten,
einschließlich dem Befürworten, Hervorrufen oder Unterstützen
von Gewaltanwendung, auch durch Unterstützen von
Vereinigungen, die Anschläge gegen Personen oder Sachen
veranlassen, befürworten oder androhen. 52 Die Verpflichteten haben die Auskunft
unentgeltlich zu erteilen. 53 (3) Auskünfte nach Abs. 2 dürfen nur über
Personen eingeholt werden, bei denen 54 tatsächliche Anhaltspunkte dafür vorliegen,
dass sie die schwerwiegenden Gefahren nach Abs. 2
fördern, oder 55 auf Grund bestimmter Tatsachen anzunehmen
ist 56 a) bei Auskünften nach Abs. 2 Satz 1
Nrn. 1, 2 und 5, dass sie die Leistung für eine Person nach
Nr. 1 in Anspruch nehmen oder 57 b) bei Auskünften nach Abs. 2 Satz 1
Nrn. 3 und 4, dass sie für eine Person nach Nr. 1
bestimmte oder von ihr herrührende Mitteilungen
entgegennehmen oder weitergeben oder im Fall des Abs. 2
Satz 1 Nr. 4, dass eine Person nach Nr. 1 ihre
Kommunikationseinrichtung benutzt. 58 (4) ... II. 59 Die Beschwerdeführer zu 1) bis 3) und zu 5)
bis 8) nutzen privat und geschäftlich verschiedene
Telekommunikationsdienste wie Festnetzanschlüsse,
Mobiltelefone, Internetzugangsdienste und E-Mail-Postfächer.
Die Beschwerdeführerin zu 4) bietet einen öffentlich
nutzbaren Internetanonymisierungsdienst an. 60 Ihren erneuten Antrag, die §§ 113a und
113b TKG bis zur Entscheidung über die Verfassungsbeschwerde
im Wege der einstweiligen Anordnung außer Kraft zu setzen,
stützen die Beschwerdeführer auf veränderte Umstände und neue
Erkenntnisse. 61 Aus inzwischen durchgeführten Umfragen gehe
hervor, dass nicht erst der Abruf der nach § 113a TKG
gespeicherten Daten, sondern bereits die
Vorratsdatenspeicherung selbst zu schwerwiegenden und
irreparablen Grundrechtsbeeinträchtigungen führen könne. Die
inzwischen bekannt gewordene missbräuchliche Verwendung von
Telefonverbindungsdaten von Journalisten, Aufsichtsräten und
Managern durch die Deutsche Telekom AG zeige, dass eine bloße
Beschränkung der staatlichen Zugriffsmöglichkeiten nicht vor
irreparablen Nachteilen der Vorratsdatenspeicherung schützen
könne. Es lägen auch die Voraussetzungen vor, unter denen der
Europäische Gerichtshof das Recht der Gerichte der
Mitgliedstaaten anerkenne, einen durch Gemeinschaftsrecht
vorgegebenen Rechtsakt einstweilen auszusetzen. Die
Aussagekraft des Berichts der Bundesregierung sei zu gering,
um einen Rückschluss auf eine Beeinträchtigung von
Strafverfolgungsinteressen zuzulassen, die die Nachteile der
Vorratsdatenspeicherung überwögen. 62 Grundlegend ändere sich die Situation mit dem
Auslaufen der Übergangsregelung des § 150 Abs. 12b
TKG zum 1. Januar 2009. Die Vorratsdatenspeicherung
werde dann auch für die elektronische Post, für
Internetzugangsdienste, für die Internettelefonie und für die
Internetanonymisierung verbindlich. Die damit verbundenen
Nachteile hinsichtlich der Vertraulichkeit der Kommunikation
gingen für die Nutzer dieser Dienste über die Auswirkungen
der Vorratsdatenspeicherung im Festnetz- und Mobilfunkbereich
weit hinaus. Die Speicherungspflicht wirke sich darüber
hinaus erheblich auf die Berufsfreiheit der Anbieter von
Internetdiensten aus. Erfasst würden davon anders als im
Bereich der Festnetz- und Mobilfunktelefonie auch sehr kleine
Anbieter, die sich die zur Datenspeicherung erforderlichen
Einrichtungen nicht leisten könnten und in ihrer
wirtschaftlichen Existenz bedroht würden. So sei auch die
Existenz der Beschwerdeführerin zu 4) gefährdet. 63 Die Übermittlung der Daten nach § 113b
TKG müsse in weitergehendem Umfang ausgesetzt werden als in
der mit Beschluss vom 1. September 2008 wiederholten
einstweiligen Anordnung vom 11. März 2008. Inzwischen seien
auch § 113b Satz 1 Nr. 2 und § 113b
Satz 1 Nr. 3 TKG bedeutsam geworden, weil der
Freistaat Bayern nunmehr den Landespolizeibehörden durch
Art. 34b BayPAG und dem Landesamt für Verfassungsschutz
durch Art. 6c BayVSG den Zugriff auf Vorratsdaten zur
Gefahrenabwehr und zur Erfüllung der Aufgaben des
Verfassungsschutzes eröffnet habe. Der Zugriff auf anlasslos
gespeicherte Telekommunikations-Verkehrsdaten müsse den
jeweils zuständigen Behörden in beiden Fällen versagt
bleiben. Schließlich müsse sich die einstweilige Anordnung
auch auf § 113b Satz 1 Halbsatz 2 TKG
erstrecken, weil sonst die gespeicherten
Telekommunikations-Verkehrsdaten entgegen der Intention der
bisherigen einstweiligen Anordnung auch zur Verfolgung von
Straftaten genutzt werden könnten, die keine Katalogtaten im
Sinne von § 100a Abs. 2 StPO seien. III. 64 1. Die Bundesregierung hält eine Erstreckung
der einstweiligen Anordnung auf die am 1. Januar 2009 in
Kraft tretende Speicherungspflicht für Internet- und
E-Mail-Verkehrsdaten auf § 113b Satz 1 Nr. 2
und 3 TKG und auf § 113b Satz 1
Halbsatz 2 TKG nicht für geboten. 65 Die Beschwerdeführer hätten keine Fakten
vorgetragen, die eine solche Erweiterung rechtfertigen
könnten. Die nachteiligen Wirkungen der
Speicherungsregelungen sowie die Möglichkeit des
Datenmissbrauchs seien in der bestehenden einstweiligen
Anordnung bereits berücksichtigt. Der Bericht der
Bundesregierung zeige die erhebliche Bedeutung, die der
Speicherung nach § 113a TKG für die Strafverfolgung
zukomme. Einer Aussetzung der Speicherungspflicht für die
Verkehrsdaten aus dem Internet- und E-Mail-Verkehr über den
1. Januar 2009 hinaus stehe die Richtlinie 2006/24/EG
entgegen, die auch für die Anbieter von
Anonymisierungsdiensten gelte. Es gebe keine triftigen
Gründe, die nach § 150 Abs. 12b TKG übergangsweise
von der Speicherungspflicht befreiten Unternehmen auch nach
Auslaufen dieser Übergangsregelung von den Pflichten nach
§ 113a TKG auszunehmen. Auch Kleinunternehmen würden
keine unzumutbaren Belastungen aufgebürdet. Hingegen werde
durch ein Aufschieben der Speicherungspflichten für
Internet-Verkehrsdaten die Verfolgung von unter Nutzung des
Internet begangenen Straftaten überwiegend vereitelt, zumal
der Anteil der Internettelefonie zunehme. Es bestehe
schließlich auch kein Anlass, Datenabfragen nach § 113
TKG, bei deren Beantwortung nach § 113b Satz 1
Halbsatz 2 TKG auf nach § 113a TKG gespeicherte
Verkehrsdaten zurückgegriffen werde, einzuschränken. Denn
durch solche Abfragen würden die Verkehrsdaten nur
unternehmensintern genutzt, gelangten aber nicht zu den
staatlichen Ermittlungsdaten. 66 2. Die Bayerische Staatskanzlei ist der
Auffassung, im Hinblick auf die neuen bayerischen Regelungen
bedürfe es einer Aussetzung des Vollzugs von § 113b
Satz 1 Nr. 2 und 3 TKG nicht. Sie führe zu
nicht hinnehmbaren Nachteilen hinsichtlich der Abwehr von
Gefahren für hochrangige Rechtsgüter. Ohne die
Vorratsdatenspeicherung hänge die Gefahrenabwehr und
-aufklärung entscheidend von der Tarifgestaltung ab. Im Falle
von Flatratetarifen sei zu erwarten, dass eine Auskunft auch
dann nicht erteilt werden könne, wenn die Kenntnis von
Verkehrsdaten zur Abwehr von Lebensgefahren unerlässlich sei.
Außerdem sei der Zugriff auf Verkehrsdaten auf sehr wenige,
besonders bedeutsame Einzelfälle beschränkt. 67 Die hochrangigen Rechtsgüter, zu deren Schutz
der Datenabruf durch Polizei und Verfassungsschutz erfolge,
rechtfertigten jeweils den Eingriff in Art. 10
Abs. 1 GG. Eine Übermittlung der Verkehrsdaten an die
Polizei erfolge nur dann, wenn eine konkrete Gefahr bestehe.
Im Bereich des Verfassungsschutzes würden die Interessen
unbescholtener Bürger an der Wahrung ihrer Privatsphäre durch
entsprechende verfahrensrechtliche Vorkehrungen in
umfangreicher Weise geschützt. B. 68 Der erneute Antrag auf Erlass einer
einstweiligen Anordnung ist zulässig und zum Teil
begründet. I. 69 Der Zulässigkeit des Antrags steht nicht
entgegen, dass das Bundesverfassungsgericht den früheren
Antrag der Beschwerdeführer auf Erlass einer einstweiligen
Anordnung mit Beschluss vom 11. März 2008 teilweise abgelehnt
hat. Denn die Erneuerung eines abgelehnten Antrags ist dann
zulässig, wenn sie nicht nur in dessen bloßer Wiederholung
besteht, sondern auf neue Gründe gestützt ist (vgl. BVerfGE 4, 110 <113> ). 70 Dies ist hier der Fall. Die Beschwerdeführer
berufen sich nicht nur auf neue Erkenntnisse über die
Auswirkungen der Vorratsdatenspeicherung nach § 113a
TKG, sondern insbesondere auch auf eine durch das
Inkrafttreten von Art. 34b Abs. 3 BayPAG und
Art. 6c Abs. 2 BayVSG zum 1. August 2008 geänderte
Rechtslage. Danach wird - wie auch nach den
entsprechenden Regelungen des Thüringer
Polizeiaufgabengesetzes - anders als zum Zeitpunkt des
Erlasses der einstweiligen Anordnung vom 11. März 2008,
nunmehr ein Abruf von Verkehrsdaten auch nach § 113b
Satz 1 Nr. 2 und 3 TKG zur Gefahrenabwehr und zu
Zwecken des Verfassungsschutzes eröffnet. 71 Die Beschwerdeführer können unabhängig davon,
in welchem Bundesland sie ihren Wohnsitz haben, durch die
sich hieraus ergebenden Folgen betroffen werden. Zwar
ermächtigen die neuen Regelungen als bayerisches und
thüringisches Landesrecht unmittelbar nur die jeweiligen
Landesbehörden zu einem Datenabruf. Sie lösen damit jedoch
Folgen aus, die ihre Grundlage in den von den
Beschwerdeführern unmittelbar angegriffenen bundesrechtlichen
Normen der §§ 113a, 113b TKG haben. Zu den insoweit zu
übermittelnden Daten gehören sowohl die Daten des Anrufenden
oder Absenders als auch die des Angerufenen oder Empfängers
(§ 113a Abs. 2 Nr. 1, § 113a Abs. 2
Nr. 4 Buchstabe a bis c, § 113a Abs. 2
Nr. 5 und § 113a Abs. 3 Nr. 1 bis 3 TKG).
Ein Zugriff bayerischer oder thüringischer Behörden erfasst
damit auch die Daten von Kommunikationsteilnehmern außerhalb
dieser Bundesländer. II. 72 Der Antrag ist zum Teil begründet. 73 Gemäß § 32 Abs. 1 BVerfGG setzt der
Erlass einer einstweiligen Anordnung voraus, dass dies zur
Abwehr schwerer Nachteile, zur Verhinderung drohender Gewalt
oder aus einem anderen wichtigen Grund zum gemeinen Wohl
dringend geboten ist. Dabei haben die Gründe, die für die
Verfassungswidrigkeit des angegriffenen Hoheitsakts
vorgetragen werden, grundsätzlich außer Betracht zu bleiben,
es sei denn, die Verfassungsbeschwerde erwiese sich von
vornherein als unzulässig oder offensichtlich unbegründet
(vgl. BVerfGE 112, 284 <291> ; stRspr). Wie der Senat bereits
entschieden hat, ist dies nicht der Fall (vgl. BVerfG,
Beschluss vom 11. März 2008 - 1 BvR 256/08 -, B I,
JURIS, Rn. 133 bis 138). 74 Maßgeblich ist vorliegend eine Folgenabwägung,
bei der die Folgen, die eintreten würden, wenn die
einstweilige Anordnung nicht erginge, die
Verfassungsbeschwerde später aber Erfolg hätte, abzuwägen
sind gegen die Nachteile, die entstünden, wenn die begehrte
einstweilige Anordnung erlassen würde, der
Verfassungsbeschwerde aber der Erfolg zu versagen wäre (vgl. BVerfGE 117, 126 <135> ). Weil es um die Aussetzung eines
Gesetzes geht, ist hierbei ein besonders strenger Maßstab
anzulegen, der sich nochmals verschärft, soweit es um die
Aussetzung von Vorschriften geht, die auf zwingenden
gemeinschaftsrechtlichen Maßgaben beruhen (vgl. BVerfG,
Beschluss vom 11. März 2008 - 1 BvR 256/08 -,
B II 1 b, JURIS, Rn. 141 bis 145). 75 Nach diesen Maßstäben hat der erneute Antrag
der Beschwerdeführer auf Erlass einer einstweiligen Anordnung
zum Teil Erfolg. Eine Aussetzung der Speicherungspflicht
selbst (§ 113a TKG) ist allerdings auch unter
Berücksichtigung des neuen Vorbringens der Beschwerdeführer
nicht geboten, auch nicht in Bezug auf das Auslaufen der
Übergangsregelung des § 150 Abs. 12b TKG (1).
Gleichfalls bleibt es hinsichtlich der Nutzung der nach
§ 113a TKG zu speichernden Daten, soweit eine solche
Nutzung bereits Gegenstand der einstweiligen Anordnung vom
11. März 2008 war, bei der bisherigen Beurteilung. Die
einstweilige Anordnung ist in unverändertem Umfang zu
verlängern, nicht aber zu erweitern (2). Teilweise
Erfolg hat der Antrag jedoch, soweit er sich gegen die
- durch Art. 34b Abs. 3 BayPAG, § 34a
Abs. 1 Satz 1 Nr. 3 ThürPAG und Art. 6c Abs. 2
BayVSG nun erheblich gewordene - Nutzung der Daten für
die Gefahrenabwehr (3) und für Aufgaben des
Verfassungsschutzes (4) nach § 113b Satz 1
Nr. 2 und 3 TKG richtet. 76 1. Eine Aussetzung der Speicherungspflicht des
§ 113a TKG als solcher scheidet auch unter
Berücksichtigung der von den Beschwerdeführern vorgebrachten
neuen Gesichtspunkte aus. 77 a) Soweit die Beschwerdeführer sich zur
Begründung eines überwiegenden Nachteils auf Umfragen
berufen, nach denen nicht erst der Abruf der nach § 113a
TKG gespeicherten Daten, sondern bereits die
Vorratsdatenspeicherung selbst zu Einschüchterungseffekten
führe, die das Kommunikationsverhalten veränderten, waren
solche Einschüchterungseffekte bereits Grundlage der
Abwägung, die das Bundesverfassungsgericht in seiner
einstweiligen Anordnung vom 11. März 2008 vorgenommen hat
(vgl. BVerfG, Beschluss vom 11. März 2008 - 1 BvR
256/08 -, B II 2 a, JURIS, Rn. 148). Ihre
Berücksichtigung gibt dem Senat keinen Anlass für ein anderes
Abwägungsergebnis. 78 Ebenso führen die von den Beschwerdeführern
ins Feld geführten Fälle von Datenmissbrauch nicht zu einer
anderen Bewertung, als sie dem Beschluss vom 11. März 2008
zugrunde liegt. Zwar zeigen diese Fälle, dass eine
Speicherung von Daten, gerade wenn es sich um umfängliche und
sensible Daten wie denen nach § 113a TKG handelt, auch
im Blick auf Missbrauchsmöglichkeiten Bedenken ausgesetzt
sein kann. Soweit sich die Verpflichtung zur Datenspeicherung
als zulässig erweisen sollte, wird dementsprechend im
Hauptsacheverfahren auch zu prüfen sein, welche
verfassungsrechtlichen Anforderungen diesbezüglich zu stellen
sind, um einen Missbrauch in hinreichendem Umfang zu
verhindern. Es ist jedoch nicht ersichtlich, dass ein
Missbrauch der nach § 113a TKG zu speichernden Daten in
der Zeit bis zur Entscheidung über die Verfassungsbeschwerde
konkret zu befürchten ist. Das Telekommunikationsgesetz
verlangt von dem zur Speicherung Verpflichteten, durch
technische und organisatorische Maßnahmen sicherzustellen,
dass der Zugang zu den gespeicherten Daten ausschließlich von
ihm hierzu besonders ermächtigten Personen möglich ist
(§ 113a Abs. 10 Satz 2 TKG), und bewehrt
Verstöße hiergegen mit Bußgeld (§ 149 Abs. 1
Nr. 38 in Verbindung mit § 149 Abs. 2
Satz 1 TKG). Eine gesteigerte Gefahr, dass gegen diese
Pflichten mit erheblicher Wahrscheinlichkeit verstoßen wird,
ist nicht ersichtlich. Insbesondere ergibt sich das nicht aus
von den Beschwerdeführern angeführten, je eigens gelagerten
Fällen. 79 b) Eine Aussetzung der Speicherungspflicht des
§ 113a TKG ist auch nicht hinsichtlich des Auslaufens
der Übergangsregelung des § 150 Abs. 12b TKG zum
1. Januar 2009 geboten. 80 aa) Keine neue Beurteilung verlangt das
Vorbringen der Beschwerdeführer, das Auslaufen der
Übergangsregelung müsse zu einer stärkeren Gewichtung der mit
der Vorratsdatenspeicherung verbundenen Nachteile für die
Vertraulichkeit der Kommunikation führen, weil die
Speicherungspflicht des § 113a TKG dann auch seitens der
Anbieter von Internetzugangsdiensten, Diensten der
elektronischen Post, Internettelefondiensten und
Anonymisierungsdiensten zu erfüllen sei. Die Begründung, mit
der der Senat den Erlass einer einstweiligen Anordnung in
Bezug auf die nach § 113a TKG zu speichernden
Verkehrsdaten abgelehnt hat, bezieht alle nach § 113a
Abs. 1 Satz 1 TKG zu speichernden Verkehrsdaten mit
ein, ohne zwischen den bei Telefondiensten,
Internetzugangsdiensten, Diensten der elektronischen Post,
Internettelefondiensten oder Internetanonymisierungsdiensten
anfallenden Daten zu unterscheiden (vgl. BVerfG, Beschluss
vom 11. März 2008 - 1 BvR 256/08 -, B II 2 a,
JURIS, Rn. 147 bis 150). Die Folgen der Speicherung auch
von Internet-Verkehrsdaten lagen daher bereits bei Erlass der
einstweiligen Anordnung vom 11. März 2008 seiner
Abwägung zugrunde. 81 bb) Auch die mit der Speicherungspflicht
verbundenen Kosten gebieten es nicht, für die unter
§ 150 Abs. 12b Satz 2 TKG fallenden
Diensteanbieter die Speicherungspflicht des § 113a TKG
generell auszusetzen oder die Übergangsregelung zu
verlängern. Die Nachteile, die sich ergeben, wenn die
Übergangsregelung wie gesetzlich vorgesehen ausläuft, sich im
Hauptsacheverfahren die Speicherungspflicht nach § 113a
TKG aber als verfassungswidrig erweisen sollten, überwiegen
nicht die Nachteile, die einträten, wenn die
Übergangsregelung im Wege einer einstweiligen Anordnung
verlängert würde, sich die Speicherungspflicht aber als
verfassungsgemäß herausstellten. Die besonders strengen
Anforderungen an die Aussetzung eines Gesetzes sind deshalb
nicht erfüllt. 82 Die Verpflichtung zur Speicherung von
Vorratsdaten bringt für die betroffenen Diensteanbieter
zusätzlichen Aufwand mit sich, dessen Höhe und Auswirkungen
von dem betreffenden Anbieter und den von ihm angebotenen
Telekommunikationsdienstleistungen abhängen. Wie hoch die
Kosten und Belastungen sind, die die einzelnen Unternehmen
treffen, ist dabei unklar. Die Gesetzesbegründung der
Bundesregierung geht davon aus, dass der Mehraufwand zwischen
einigen Tausend und mehreren Hunderttausend Euro betragen
kann (BTDrucks 16/5846, S. 5). In der
Verfassungsbeschwerde wird behauptet, die Kosten könnten bis
zu mehreren Millionen Euro je Unternehmen reichen. Eine
substantiierte Aufschlüsselung, die eine belastbare und
repräsentative Einschätzung der finanziellen Folgen erlaubte,
ergibt sich hieraus jedoch nicht. Ebenso liegen dem
Bundesverfassungsgericht keine verlässlichen Erkenntnisse
darüber vor, wie viele Unternehmen es gibt, deren
Leistungsfähigkeit der zu tragende Aufwand übersteigt und sie
deshalb zur Einstellung ihrer Dienstleistung zwingt, obwohl
eine Überwälzung der Kosten auf die Kunden in Betracht kommt
(vgl. BTDrucks 16/5846, S. 5; BVerfGE 30, 292 <326> ). Wie schwer die Nachteile sind,
die die Diensteanbieter treffen, wenn sie ab 1. Januar 2009
die Anforderungen von § 113a TKG erfüllen müssen, sich
dieser später aber als verfassungswidrig erweist, lässt sich
daher nicht verlässlich einschätzen. 83 Gleiches gilt für die Nachteile, die
entstünden, wenn eine einstweilige Anordnung erginge, die die
Geltung des § 150 Abs. 12b Satz 2 TKG bis zur
Entscheidung in der Hauptsache verlängerte, sich die
Verfassungsbeschwerde im Hauptsacheverfahren dann aber als
unbegründet erwiese. Jedenfalls hätte dies zur Folge, dass
für die Zeit vom 1. Januar 2009 bis zur Entscheidung über die
Verfassungsbeschwerde nicht alle Anbieter von
Telekommunikationsdienstleistungen den gesetzlich
angeordneten Speicherungspflichten nachgekommen wären. Die in
§ 150 Abs. 12b Satz 2 TKG genannten Gruppen
hätten vielmehr einen weiteren Aufschub erlangt. Für diese
Zeit würden ihrerseits Daten zur Aufgabenerfüllung im Bereich
der Strafverfolgung, der Gefahrenabwehr und des
Verfassungsschutzes noch nicht bereitstehen. Auch insoweit
aber liegen dem Bundesverfassungsgericht keine belastbaren
Erkenntnisse darüber vor, wie viele Diensteanbieter die
Speicherungspflicht des § 113a TKG bis zu einer
Entscheidung über die Verfassungsbeschwerde nicht erfüllen
würden und wie sich das auswirken würde. Auch der Nachteil,
der sich für die Wahrnehmung staatlicher Aufgaben ergäbe,
wenn die Übergangsregelung des § 150 Abs. 12b
Satz 2 TKG über den 1. Januar 2009 hinaus
verlängert würde und sich § 113a TKG letztlich als
verfassungsgemäß erweisen sollte, lässt sich daher nicht
verlässlich einschätzen. 84 Lassen sich danach aber weder die Nachteile,
die sich für die Diensteanbieter ergäben, wenn sie ab 1.
Januar 2009 zur Vorratsdatenspeicherung verpflichtet wären
und sich § 113a TKG im Hauptsacheverfahren als
verfassungswidrig erweisen sollte, noch die Nachteile, die es
mit sich brächte, wenn eine Verkehrsdatenspeicherung nach
dieser Vorschrift unterbliebe, obwohl sie sich als
verfassungsgemäß herausstellen sollte, verlässlich bewerten,
so kann auch nicht festgestellt werden, dass erstere in
Ausmaß und Schwere letztere so deutlich überwögen, wie es für
den Erlass einer einstweiligen Anordnung nach § 32
Abs. 1 BVerfGG Voraussetzung wäre, mit der die Anwendung
einer vom demokratisch legitimierten Gesetzgeber statuierten
Regelung bis zu einer Entscheidung über die
Verfassungsbeschwerde hinausgeschoben werden soll (vgl. BVerfGE 104, 23 <27 f.>; 117, 126
<135>; BVerfG, Beschluss vom
11. März 2008 - 1 BvR 256/08 -, B II 1 a, JURIS, Rn. 140;
stRspr). Dies gilt vorliegend umso mehr, als eine
Verlängerung der Übergangsfrist diejenigen Anbieter
benachteiligte, die im Blick auf die Gesetzeslage bereits
entsprechende Investitionen getätigt haben, und eine
diesbezügliche einstweilige Anordnung Wettbewerbsverzerrungen
zur Folge haben könnte. 85 2. Auch hinsichtlich der Nutzung der gemäß
§ 113a TKG gespeicherten Daten nach § 113b Satz 1
Nr. 1 TKG (a) und § 113b Satz 1
Halbsatz 2 TKG (b) führt die erneute Folgenabwägung
zu keinem anderen Ergebnis als in der Entscheidung des Senats
vom 11. März 2008. Die einstweilige Anordnung ist in
unverändertem Umfang zu verlängern, nicht aber zu
erweitern. 86 a) Die Übermittlung von Daten gemäß
§ 113b Satz 1 Nr. 1 TKG zu Zwecken der Strafverfolgung
ist bis zur Entscheidung über die Verfassungsbeschwerde nach
Maßgabe der Entscheidung des Senats vom 11. März 2008
weiterhin zu beschränken. An den für die Folgenabwägung
maßgeblichen Gesichtspunkten hat sich in der Sache nichts
geändert (vgl. BVerfG, Beschluss vom 11. März 2008
- 1 BvR 256/08 -, B II 2 b, JURIS, Rn.
152 bis 176). 87 Insbesondere gibt der Bericht der
Bundesregierung keinen Anlass, die einstweilige Anordnung zu
ändern. Dem Bericht, nach dem in insgesamt mehr als 2.000
Verfahren mehr als 4.000 Erhebungen nach § 100g StPO
vorgenommen worden sind, lässt sich einerseits entnehmen,
dass die Abfrage von Vorratsdaten ein Aufklärungsmittel ist,
dem quantitativ einige Bedeutung zukommt. Anderseits blieben
nach dem Bericht nur in rund 100 Verfahren Auskunftsersuchen
deshalb erfolglos, weil es sich nicht um Straftaten nach
§ 100a Abs. 1 und Abs. 2 StPO handelte; in
etwa 60 Verfahren vereitelte die Erfolglosigkeit eines
Auskunftsersuchens die Aufklärung der Straftat und in etwa
40 Verfahren erschwerte sie sie. Hieraus lassen sich
keine zuverlässigen Schlüsse ziehen, die die Annahmen, auf
denen die Maßgaben zur Anwendung von § 113b Satz 1
Nr. 1 TKG beruhen, in Frage stellen. Das gilt namentlich auch
deshalb, weil die Bundesregierung darauf hinweist, dass der
Bericht kein vollständiges Bild abgebe. 88 b) Die einstweilige Anordnung ist auch nicht
im Hinblick darauf zu erweitern, dass die nach § 113a
TKG gespeicherten Daten gemäß § 113b Satz 1
Halbsatz 2 TKG nach der gegenwärtigen Rechtsauslegung
und -praxis auch zur Erteilung von Auskünften nach § 113
TKG (sogenannte Bestandsdatenauskunft) verwendet werden. Der
Senat ist bereits in der einstweiligen Anordnung vom 11. März
2008 dem Begehren der Beschwerdeführer nicht gefolgt, eine
solche Verwendung auszuschließen. Es ist nicht ersichtlich,
dass sich diesbezüglich die Sach- oder Rechtslage geändert
hat. Zwar wirft auch diese Nutzung Rechtsfragen auf, die im
Hauptsacheverfahren näherer Prüfung bedürfen. Das Vorbringen
der Beschwerdeführer gibt aber keinen Anlass, im Rahmen der
Folgenabwägung nunmehr zu einem anderen Ergebnis zu kommen
und eine Nutzung dieser Daten im Wege der einstweiligen
Anordnung vorläufig auszusetzen. 89 3. Der Antrag hat demgegenüber teilweise
Erfolg, soweit er sich gegen die Nutzung der nach § 113a
TKG gespeicherten Daten zur Gefahrenabwehr nach § 113b
Satz 1 Nr. 2 TKG richtet. Die nach dieser Vorschrift
vorgesehene Möglichkeit zur Datenübermittlung entfaltet
infolge der Schaffung von an sie anknüpfenden Abrufnormen
durch Art. 34b Abs. 2 und 3 BayPAG und § 34a
Abs. 1 Satz 1 Nr. 3 in Verbindung mit § 34a Abs. 3
ThürPAG mittlerweile auch aktuelle Rechtswirkungen. Die
nunmehr auch bezüglich § 113b Satz 1 Nr. 2 TKG
vorzunehmende Folgenabwägung ergibt, dass das öffentliche
Interesse am Vollzug der Norm im Hinblick auf die Nachteile,
die durch den Normvollzug drohen, zum Teil zurücktreten
muss. 90 a) Erginge keine einstweilige Anordnung,
erwiese sich die Verfassungsbeschwerde aber später als
begründet, so drohten in der Zwischenzeit Nachteile von ganz
erheblichem Gewicht, die durch eine spätere Nichtigerklärung
von § 113b Satz 1 Nr. 2 TKG in weitem Umfang
nicht mehr rückgängig gemacht werden könnten. 91 Die Übermittlung von nach § 113a TKG
gespeicherten Daten zur Gefahrenabwehr gemäß § 113b
Satz 1 Nr. 2 TKG ruft für einen weiteren Bereich
die Nachteile hervor, die bereits mit der Nutzung dieser
Daten im Rahmen der Strafverfolgung einhergehen (vgl. BVerfG,
Beschluss vom 11. März 2008 - 1 BvR 256/08 -, B II 2 b,
JURIS, Rn. 153 bis 158). Nunmehr können nicht nur die
Strafverfolgungsbehörden, sondern auch die im Bereich der
Gefahrenabwehr tätigen Polizeibehörden weitreichende
Erkenntnisse über das Kommunikationsverhalten und die
sozialen Kontakte der Betroffenen erlangen, wobei neben der
eigentlichen Zielperson des Auskunftsersuchens weitere
Personen erfasst werden können, die in keiner Beziehung zu
den den Datenabruf rechtfertigenden Gründen stehen und auch
sonst keinen Anlass für den damit verbundenen
Grundrechtseingriff gegeben haben. Dabei fällt ins Gewicht,
dass § 113b Satz 1 Nr. 2 TKG eine Datennutzung
ohne nähere Begrenzung zulässt. Die Vorschrift eröffnet einen
Zugriff ganz allgemein „zur Abwehr von erheblichen Gefahren
für die öffentliche Sicherheit“. Die damit ermöglichte
Nutzung der Daten reicht, eingeschränkt nur durch die nicht
spezifizierte Voraussetzung der „Erheblichkeit“, sehr
weit. 92 Die Erweiterung der Nutzungsmöglichkeiten der
bevorrateten Verkehrsdaten verstärkt zugleich die durch
§§ 113a und 113b TKG begründete Beeinträchtigung der
allgemeinen Unbefangenheit des elektronischen Informations-
und Gedankenaustauschs sowie des Vertrauens in den durch
Art. 10 Abs. 1 GG gewährleisteten Schutz der
Telekommunikation in erheblichem Maße. Durch den größer
gewordenen Kreis abrufberechtigter Behörden und die
Erweiterung des zulässigen Abrufszwecks erhöht sich die
Wahrscheinlichkeit für den Betroffenen, auf der Grundlage der
durch einen Vorratsdatenabruf erlangten Erkenntnisse weiteren
polizeilichen Maßnahmen wie Telekommunikationsüberwachungen,
Beschlagnahmen und Wohnungsdurchsuchungen ausgesetzt zu
werden, die ohne diese Erkenntnisse nicht durchgeführt worden
wären (vgl. BVerfG, Beschluss vom 11. März 2008
- 1 BvR 256/08 -, B II 2 b, JURIS,
Rn. 155 bis 157). Diese können außer auf repressive
jetzt auch auf präventive Erwägungen gestützt werden. Ins
Gewicht fällt dabei auch, dass im Bereich der Gefahrenabwehr
die dem Datenabruf zugrundeliegenden Erkenntnisse doppelt
ungewiss sind: Nicht nur die Beurteilung der Frage, von wem
eine Gefahr droht, sondern auch diejenige der Frage, ob
überhaupt eine Rechtsgutverletzung bevorsteht, beruht
letztlich auf behördlichen Prognosen, die naturgemäß unsicher
sind. Insgesamt erhöht sich hierdurch die Wahrscheinlichkeit
eines sachlich von den Betroffenen nicht veranlassten
Zugriffs auf ihr Kommunikationsverhalten. 93 b) Erginge demgegenüber eine einstweilige
Anordnung, die die Übermittlung von auf Vorrat gespeicherten
Verkehrsdaten zum Zwecke der Gefahrenabwehr nach § 113b
Satz 1 Nr. 2 TKG ausschlösse, und erwiese sich die
Norm später als verfassungsgemäß, so ergäben sich gleichfalls
erhebliche Nachteile für die Allgemeinheit. Eine solche
einstweilige Anordnung trüge das Risiko, dass
verfassungsrechtlich zulässige Verkehrsdatenabrufe
unterblieben und sich deshalb unter Umständen erhebliche
Gefahren verwirklichten, die mit Hilfe der nicht erhobenen
Daten womöglich rechtzeitig hätten abgewehrt werden können.
Auch der Nachteil für das öffentliche Interesse geht insoweit
über die Nachteile, die der Senat bei der Folgenabwägung zu
§ 113b Satz 1 Nr. 1 TKG zu berücksichtigen
hatte, typischerweise hinaus. Denn im Bereich der
Gefahrenabwehr geht es nicht nur darum, bereits eingetretene
Rechtsgutverletzungen aufzuklären und zu sanktionieren,
sondern sie zu verhindern. 94 c) Wägt man diese Folgen gegeneinander ab, so
ergibt sich, dass die mit dem Abruf der nach § 113a TKG
gespeicherten Daten verbundenen Nachteile vorläufig
hinzunehmen sind, soweit die Übermittlung dieser Daten zur
Abwehr einer dringenden Gefahr für Leib, Leben oder Freiheit
einer Person, für den Bestand oder die Sicherheit des Bundes
oder eines Landes oder zur Abwehr einer gemeinen Gefahr
erforderlich ist (aa). Außerdem muss die Beachtung dieser
Voraussetzung verfahrensrechtlich dadurch abgesichert sein,
dass der Datenabruf außer bei Gefahr im Verzug durch einen
Richter angeordnet wird (bb). Eine Verwendung der so
gewonnenen Daten zu Zwecken der Strafverfolgung setzt voraus,
dass - neben den Maßgaben entsprechender gesetzlicher
Bestimmungen - die Voraussetzungen des § 100a
Abs. 1 und 2 StPO vorliegen (cc). 95 aa) Eine Übermittlung der nach § 113a TKG
gespeicherten Daten für die Gefahrenabwehr ist angesichts der
sich gegenüberstehenden Nachteile im Rahmen der
Folgenabwägung vorläufig nicht in dem vollen Umfang
hinzunehmen, den § 113b Satz 1 Nr. 2 TKG an
sich eröffnet. 96 Die Nachteile für die Gefahrenabwehr verbieten
eine vorläufige Aussetzung der Datenübermittlung nach
§ 113b Satz 1 Nr. 2 TKG allerdings dann, wenn
es um die Abwehr von Gefahren von besonderem Gewicht geht.
Der gesetzgeberischen Konzeption der §§ 113a, 113b TKG
folgend ist es den jeweiligen Normgebern - im Bereich
der Gefahrenabwehr nach § 113b Satz 1 Nr. 2
TKG also vornehmlich den Landesgesetzgebern -
überlassen, Anlass und Maß der Abrufbefugnisse näher zu
bestimmen. Ein im Rahmen der Nachteilsabwägung nach § 32
BVerfGG vorrangiges öffentliches Interesse an der
Gefahrenabwehr kann bereichsspezifischen spezialgesetzlichen
Abrufbefugnissen auf diesem Gebiet aber nur zukommen, wenn
Art und Konkretisierung der in diesen Gesetzen umschriebenen
Gefahren ein von Verfassungs wegen zu forderndes Mindestmaß
erreichen. Dies setzt zum einen voraus, dass die abzuwehrende
Gefahr mehr als die bloße Möglichkeit eines bevorstehenden
Geschehensverlaufs ist. Sie muss vielmehr soweit
konkretisiert sein, dass sie als dringend zu bezeichnen ist.
Auch inhaltlich ist hierfür nicht jede Gefahr für die
öffentliche Sicherheit ausreichend. Anknüpfen lässt sich
insoweit an die Wertung des Gesetzgebers selbst, der in
§ 113b Satz 1 Nr. 2 TKG eine „erhebliche“
Gefahr verlangt. Dies ist für den Erlass der einstweiligen
Anordnung näher zu bestimmen. Entsprechend der Zielrichtung
der Gefahrenabwehr ist hierfür auf das Gewicht der zu
schützenden Rechtsgüter abzustellen, nicht auf Kataloge von
Straftatbeständen. Entsprechend der auch im Polizeirecht als
besonders schützenswert hervorgehobenen Rechtsgüter (vgl.
Art. 34a Abs. 1 Satz 1 Nr. 1, Art. 44
Abs. 1 Nr. 1 BayPAG; § 34 Abs. 3
Nr. 1, § 34a Abs. 3 Satz 1 Nr. 1,
§ 44 Abs. 1 Nr. 2 ThürPAG) geht die
Folgenabwägung danach dann zugunsten einer vorläufigen
Zulässigkeit einer Datenübermittlung nach § 113b
Satz 1 Nr. 2 TKG aus, wenn diese zur Abwehr einer
dringenden Gefahr für Leib, Leben oder Freiheit einer Person,
für den Bestand oder die Sicherheit des Bundes oder eines
Landes oder zur Abwehr einer gemeinen Gefahr erforderlich
ist. 97 Hingegen überwiegen die Nachteile, die mit dem
Abruf von nach § 113a TKG gespeicherten Daten für den
Einzelnen und die Allgemeinheit verbunden sein können, wenn
darüber hinaus Daten nach § 113b Satz 1 Nr. 2
TKG zur Gefahrenabwehr abgerufen werden. Zwar kann nicht
ausgeschlossen werden, dass eine Beschränkung des Datenabrufs
die Gefahrenabwehr in diesen Fällen erschweren oder in
Einzelfällen sogar unmöglich machen kann. Angesichts der
gewichtigen Nachteile eines solchen Datenabrufs für die
Betroffenen ist das jedoch hinzunehmen. Dabei ist zu
berücksichtigen, dass dieses Risiko begrenzt bleibt, da in
der Regel gegebene anderweitige Aufklärungsmöglichkeiten
damit nicht ausgeschlossen werden. Insbesondere lässt der
Ausschluss der Übermittlung der nach § 113a TKG
gespeicherten Daten die Möglichkeit des Zugriffs auf
diejenigen Telekommunikations-Verkehrsdaten unberührt, die
bei den Anbietern von Telekommunikationsdienstleistungen
unabhängig von der Pflicht zur Vorratsdatenspeicherung
vorhanden sind, etwa weil sie nach § 97 Abs. 1
Satz 1 in Verbindung mit § 96 Abs. 1 TKG zu
Abrechnungszwecken verwendet werden sollen (vgl. BVerfG,
Beschluss vom 11. März 2008 - 1 BvR 256/08 -, B II
2 b, JURIS, Rn. 173). 98 Die Anknüpfung an konkrete Rechtsgüter anstatt
an Straftatenkataloge wie in einigen Landesgesetzen (vgl.
Art. 34b Abs. 2 Satz 1, Art. 34b
Abs. 3 in Verbindung mit Art. 34a Abs. 1
Satz 1 Nr. 2 BayPAG) führt auch nicht zu unangemessenen
Sicherheitslücken. Soweit die in solchen Katalogen als
Gegenstand der Gefahrenabwehr definierten Straftaten dem
Schutz der in der einstweiligen Anordnung genannten
Rechtsgüter dienen, bleibt ein Rückgriff auf die nach
§ 113a TKG gespeicherten Verkehrsdaten nach den
genannten Maßgaben möglich. 99 bb) Als verfahrensrechtliche Flankierung hat
auch die vorläufige Übermittlung von Verkehrsdaten nach
§ 113b Satz 1 Nr. 2 TKG unter Richtervorbehalt
zu stehen. Die Anordnung des Datenabrufs darf außer bei
Gefahr im Verzug nur durch den Richter angeordnet werden. Ist
eine richterliche Anordnung bei Gefahr im Verzug
unterblieben, so ist unverzüglich eine Bestätigung durch den
Richter einzuholen. 100 Um auch dem betreffenden Diensteanbieter in
eindeutiger Weise die Entscheidung zu ermöglichen, ob er zu
einer Datenübermittlung verpflichtet ist, ist in der
Anordnung des Datenabrufs festzustellen, dass dieser die
Voraussetzungen der für die abrufende Behörde einschlägigen
Befugnisnormen erfüllt und zur Abwehr einer dringenden Gefahr
für eines der Rechtsgüter erforderlich ist, für die die
einstweilige Anordnung die Datenübermittlung zulässt (vgl.
BVerfG, Beschluss vom 11. März 2008 - 1 BvR 256/08 -,
B II 2 b, JURIS, Rn. 176). 101 cc) Die begrenzenden Maßgaben zur
Datenübermittlung nach § 113b Satz 1 Nr. 2 TKG
setzen voraus, dass die Daten grundsätzlich nicht zu anderen
Zwecken genutzt werden. Sollen die so gewonnenen Daten
aufgrund gesetzlicher Bestimmungen zur Strafverfolgung
verwendet werden, erfordert dies, dass insoweit die
Voraussetzungen des § 100a Abs. 1 und Abs. 2
StPO vorliegen, um eine Umgehung der im Beschluss vom
11. März 2008 aufgestellten Forderungen für den
vorläufigen Verkehrsdatenabruf zu Zwecken der Strafverfolgung
zu vermeiden. 102 4. Der Antrag auf Erlass einer einstweiligen
Anordnung hat auch insoweit teilweise Erfolg, als er sich
gegen eine Datenübermittlung für Aufgaben des
Verfassungsschutzes, des Bundesnachrichtendienstes und des
Militärischen Abschirmdienstes gemäß § 113b Satz 1
Nr. 3 TKG richtet. Mit dem Inkrafttreten von
Art. 6c Abs. 2 und 3 BayVSG, der seit dem 1. August
2008 das Bayerische Landesamt für Verfassungsschutz zum Abruf
solcher Daten ermächtigt, hat auch diese Vorschrift erstmals
praktische Bedeutung erlangt. Die Folgenabwägung führt hier
ebenfalls zu dem Ergebnis, dass die Datenübermittlung
teilweise einzuschränken ist. 103 a) Erginge eine einstweilige Anordnung nicht,
erwiese sich eine Verfassungsbeschwerde aber später als
begründet, so ergäben sich hieraus Nachteile von ganz
von § 113b Satz 1 Nr. 3 TKG in weitem Umfang
nicht mehr rückgängig gemacht werden könnten. 104 Durch die Zugriffsmöglichkeit der
Verfassungsschutzbehörden gewinnen die mit der Möglichkeit
einer Übermittlung der auf Vorrat gespeicherten Daten
verbundenen Nachteile zunächst quantitativ weiter an Gewicht
(vgl. BVerfG, Beschluss vom 11. März 2008
- 1 BvR 256/08 -,
B II 2 b, JURIS, Rn. 157 f.; vgl.
auch oben B II 3 a). Darüber hinaus verbinden
sich mit der vorläufigen Hinnahme einer Datenübermittlung an
den Verfassungsschutz aber auch spezifische Nachteile. Der
Anwendungsbereich dieser Vorschrift eröffnet im Vergleich zu
den Zugriffsmöglichkeiten im Rahmen der Strafverfolgung und
Gefahrenabwehr ein grundlegend weiteres, nur schwer
überschaubares und eingrenzbares Feld. 105 § 113b Satz 1 Nr. 3 TKG, der
anders als § 113b Satz 1 Nr. 2 TKG keine
Einschränkungen vorsieht, lässt die Datenübermittlung zur
Erfüllung sämtlicher gesetzlicher Aufgaben des
Verfassungsschutzes und der Nachrichtendienste zu. Der
Datenzugriff dient damit verschiedenartigen und weit
gefassten Tätigkeitsfeldern wie dem Schutz vor
verfassungsfeindlichen Bestrebungen im Inland und vor
innerstaatlichen Tätigkeiten ausländischer Geheimdienste, dem
Schutz vor gewaltbereiten Bestrebungen, die den weiten
Bereich der „auswärtigen Belange“ gefährden, oder vor
Bestrebungen, die gegen den Gedanken der Völkerverständigung
oder das friedliche Zusammenleben der Völker gerichtet sind.
Diese Begriffe sind jeweils unscharf und
konkretisierungsbedürftig. Dies entspricht der Aufgabe des
Verfassungsschutzes, schon im Vorfeld von staatlichen
Maßnahmen tätig zu sein und mannigfaltige Bestrebungen auf
ihr Gefahrenpotential hin allgemein zu beobachten, sie also
gerade auch unabhängig von konkreten Gefahren in den Blick zu
nehmen (vgl. Droste, Handbuch des Verfassungsschutzrechts,
1. Aufl. 2007, S. 176). 106 Art. 6c Abs. 2 Satz 1 BayVSG
verdeutlicht die Weite der durch § 113b Satz 1
Nr. 3 TKG eröffneten Datenübermittlung exemplarisch.
Zunächst verweist er grundsätzlich auf das gesamte
Aufgabenspektrum des Bayerischen Landesamtes für
Verfassungsschutz, das gemäß Art. 3 BayVSG breit
angelegt ist und unter anderem auch die Beobachtung der
organisierten Kriminalität umfasst. Zwar stellt die Norm zur
Begrenzung des Datenzugriffs auf Gefahren für die in
Art. 3 BayVSG genannten „Schutzgüter“ ab. Diese sind in
Art. 3 Abs. 1 BayVSG jedoch allenfalls punktuell
benannt und zudem weit und offen gefasst wie zum Beispiel die
„freiheitlich demokratische Grundordnung“ (vgl. Art. 1
Abs. 2 BayVSG), die „unbeeinträchtigte Amtsführung“ oder
die „auswärtigen Belange“. Welchem Schutzgut die Beobachtung
der organisierten Kriminalität gilt, lässt sich dabei nur
allgemein und auf hohem Abstraktionsniveau aus dem Sinn der
Norm erschließen. Soweit der Datenabruf hierbei auf Fälle
schwerwiegender Gefahren für die genannten Schutzgüter
begrenzt ist, müssen diese Gefahren nicht konkret sein. Auch
reichen für den Datenabruf schon „tatsächliche Anhaltspunkte“
aus, die nicht mit bestimmten Tatsachen gleichzusetzen sind,
sondern geringere Anforderungen an die erforderliche
Tatsachengrundlage stellen (vgl. BVerfGE 100, 313 <395> ). Unterstrichen wird die Weite der
Befugnisse auch durch Art. 6c Abs. 3 Nr. 1
BayVSG, nach dem Auskünfte schon über Personen eingeholt
werden können, bei denen „tatsächliche Anhaltspunkte“
vorliegen, dass sie die Gefahren „fördern“. Deutlicher
begrenzt sind die Befugnisse lediglich gegenüber
Bestrebungen, die gegen die freiheitlich demokratische
Grundordnung, den Bestand oder die Sicherheit des Bundes oder
eines Landes oder eine ungesetzliche Beeinträchtigung der
Amtsführung verfassungsmäßiger Organe des Bundes oder eines
Landes oder ihrer Mitglieder gerichtet sind; hier werden
Verkehrsdatenabrufe nach Art. 6c Abs. 2 Satz 2
BayVSG davon abhängig gemacht, dass die Bestrebungen auf ein
die Menschenwürde verletzendes Verhalten oder die Anwendung
von Gewalt gerichtet sind. 107 Erwiese sich im Hauptsacheverfahren die
Übermittlung anlasslos bevorrateter Verkehrsdaten als
verfassungswidrig, wären folglich mit der zwischenzeitlichen
Anwendung des § 113b Satz 1 Nr. 3 TKG
Nachteile von besonders großem Gewicht verbunden. Die
bevorrateten Verkehrsdaten wären in verfassungswidriger Weise
einem weitreichenden Zugriff der Behörden schon im Vorfeld
jeglicher konkreten Gefahr oder Straftat ausgesetzt. Das
Risiko, ohne selbst Anlass gesetzt zu haben, in den Fokus der
Beobachtung durch den Verfassungsschutz zu geraten, wäre
hierbei erheblich. Einem rechtswidrigen Datenzugriff würden
durch eine vorläufige Anwendung der Vorschrift auch
diejenigen unterliegen, denen wegen randständiger Äußerungen,
bestimmter Mitgliedschaften oder Kontakte extreme Positionen
zugeschrieben werden. Hierzu könnte es unter Umständen
ausreichen, an Veranstaltungen einer nicht verbotenen, aber
als extremistisch eingestuften Partei oder Gruppierung
teilzunehmen oder einen „falschen Ort“ aufzusuchen. Eine
vorübergehende und sich letztlich als verfassungswidrig
erweisende Anwendung der Vorschriften würde insoweit das für
einen Rechtsstaat elementare Vertrauen, sanktionslos von den
Freiheiten des Grundgesetzes Gebrauch machen zu können,
enttäuschen und hätte damit einen rechtsstaatlich hohen
Preis. Umso mehr als die entsprechenden Maßnahmen ohne
richterliche Kontrolle geheim durchgeführt würden, wäre damit
eine erhebliche Verunsicherung einer unbefangenen
Kommunikation verbunden. 108 b) Ergeht hingegen eine einstweilige
Anordnung, erweist sich aber später, dass der hierdurch außer
Kraft gesetzte Zugriff auf die bevorrateten Verkehrsdaten
verfassungsrechtlich nicht zu beanstanden ist, liegt der
Nachteil in dem Verlust von Informationen, die den
Verfassungsschutzbehörden ein genaueres Bild der gemäß
Art. 3 Abs. 1 BayVSG zu beobachtenden Bestrebungen
erlauben und es damit auf längere Sicht auch ermöglichen,
solche wirksamer zu bekämpfen. Zu den in Frage stehenden
Schutzgütern zählen auch solche von elementarer Bedeutung für
das Gemeinwesen als Ganzes wie die freiheitlich demokratische
Grundordnung, den Bestand des Bundes oder eines Landes und
das friedliche Zusammenleben der Völker. Insoweit haben die
Schutzgüter erhebliches Gewicht. 109 Allerdings mindern sich diese Nachteile
dadurch, dass die Verfassungsschutzbehörden grundsätzlich im
Vorfeld von Gefahren tätig werden und eine Aussetzung der
Übermittlung der Verkehrsdaten damit jedenfalls nicht in
erheblichem Maße zu unmittelbaren Sicherheitsrisiken führen
wird. Die Aufgaben des Verfassungsschutzes liegen noch
unabhängig von konkreten Gefahren in der vorgreifenden
Beobachtung von gefahrträchtigen Entwicklungen durch Sammlung
und Auswertung von Informationen. Seine Erkenntnisse dienen
der Unterrichtung der jeweiligen Bundes- oder Landesregierung
über den Stand verfassungs- und sicherheitsgefährdender
Bestrebungen und sind Grundlage für die jeweiligen
Verfassungsschutzberichte. Die Gefahrenabwehr selbst hingegen
obliegt den dafür zuständigen Sicherheitsbehörden. Insgesamt
wiegt der Nachteil einer einstweiligen Anordnung im
Anwendungsbereich von § 113b Satz 1 Nr. 3 TKG
deutlich geringer als in Bezug auf Zugriffe auf bevorratete
Verkehrsdaten zur Strafverfolgung und Gefahrenabwehr, bei
denen es unmittelbar um die Verhinderung drohender oder die
Ahndung tatsächlich erfolgter Rechtsgutverletzungen geht. 110 c) Stellt man die sich gegenüberstehenden
Nachteile in eine Gesamtabwägung ein, ist dem Antrag auf
einstweilige Anordnung in Bezug auf § 113b Satz 1
Nr. 3 TKG teilweise stattzugeben. 111 aa) Eine einstweilige Anordnung ist allerdings
nicht in einer umfassenden Weise geboten, die die
Übermittlung der nach § 113a TKG gespeicherten Daten
überhaupt ausschlösse. Sofern bei einer Abfrage nach
§ 113b Satz 1 Nr. 3 TKG die Voraussetzungen
der § 1 Abs. 1, § 3 des
Artikel 10-Gesetzes (im Folgenden: G 10) vorliegen,
führt die Folgenabwägung vielmehr zu dem Ergebnis, dass eine
gesetzlich angeordnete Übermittlung dieser Daten nach
§ 113b Satz 1 Nr. 3 TKG bis zur Entscheidung
über die Verfassungsbeschwerde vorläufig hinzunehmen ist. 112 Mit § 1 Abs. 1, § 3 G 10
hat der Gesetzgeber eine Regelung getroffen, nach der auch
bisher schon Eingriffe in Art. 10 Abs. 1 GG seitens
der Verfassungsschutzbehörden zulässig waren. Erlaubt sind
danach Maßnahmen zur Abwehr von drohenden Gefahren für die
freiheitlich demokratische Grundordnung oder den Bestand oder
die Sicherheit des Bundes oder eines Landes einschließlich
der Sicherheit der in der Bundesrepublik Deutschland
Nordatlantikvertrages, soweit tatsächliche Anhaltspunkte für
den Verdacht bestehen, dass jemand eine der in § 3
G 10 näher aufgezählten Katalogtaten begangen hat. Zwar
unterscheidet sich die im Artikel 10-Gesetz geregelte
Überwachung der Telekommunikation grundlegend von der hier in
Frage stehenden Nutzung anlasslos gespeicherter
Verkehrsdaten, so dass beide Maßnahmen verfassungsrechtlich
je eigens beurteilt werden müssen. Jedoch lässt sich den auch
für die Landesbehörden geltenden Vorschriften des Artikel
10-Gesetzes entnehmen, dass es qualifizierte Bedrohungen
gibt, hinsichtlich derer der Gesetzgeber den
Verfassungsschutzbehörden auch bisher besondere Befugnisse
einzuräumen bereit war und die dabei die Kernaufgaben der
Verfassungsschutzbehörden betreffen. Der Gesetzgeber
definiert hier Aufgaben von besonderer Dringlichkeit, die in
qualifiziert begrenzter Weise auch in anderer Hinsicht
betroffenen Bürgern Nachteile in Form eines Eingriffs in ihre
durch Art. 10 GG geschützte Kommunikation zumuten. Im
Rahmen der vorliegend gebotenen Nachteilsabwägung ist es
daher angemessen, für Fälle, in denen diese Voraussetzungen
vorliegen, bis zur Entscheidung des Senats über die
Verfassungsbeschwerde auch die Übermittlung der nach
§ 113a TKG gespeicherten Verkehrsdaten zur Erfüllung der
Aufgaben des Verfassungsschutzes hinzunehmen und die damit
verbundenen Nachteile für die Betroffenen dem Zugewinn an
Aufklärung über solche besonders gewichtigen Bedrohungen
nachzuordnen. 113 In verfahrensrechtlicher Hinsicht ist
ebenfalls eine entsprechende Anwendung des
Artikel 10-Gesetzes in Verbindung mit den
Ausführungsgesetzen der Länder geboten. Da nicht ersichtlich
ist, dass Abrufnormen hiervon abweichen, ist diesbezüglich
der Erlass einer einstweiligen Anordnung nicht erforderlich.
Für die Datenübermittlung der nach § 113b Satz 1
Nr. 3 TKG gewonnenen Daten an andere Behörden gelten die
Maßgaben des § 4 Abs. 4 G 10. 114 Auch für die Übermittlung von Daten nach
§ 113b Satz 1 Nr. 3 TKG ist in der Anordnung
der Übermittlung festzustellen, dass die Voraussetzungen des
§ 1 Abs. 1, § 3 G 10 vorliegen, so dass
für den Diensteanbieter eindeutig feststeht, ob er zur
Datenübermittlung verpflichtet ist. 115 bb) Eine über diese Maßgaben hinausgehende
Übermittlung von Daten ist demgegenüber nach § 113b
Satz 1 Nr. 3 TKG bis zu einer Entscheidung über die
Verfassungsbeschwerde im Wege der einstweiligen Anordnung
auszusetzen. 116 Die Notwendigkeit des Erlasses einer
einstweiligen Anordnung ergibt sich, soweit § 113b
Satz 1 Nr. 3 TKG - wie in Art. 6c Abs. 2
Satz 1 BayVSG - dazu genutzt werden kann, einen
Verkehrsdatenzugriff zur Beobachtung der organisierten
Kriminalität zu ermöglichen, schon aus andernfalls drohenden
Wertungswidersprüchen. Während die Strafverfolgungsbehörden
nach Maßgabe der vorliegend verlängerten einstweiligen
Anordnung des Senats vom 11. März 2008 nur für die
Ermittlungen von Straftaten nach § 100a Abs. 1,
Abs. 2 StPO auf die Verkehrsdaten des § 113a TKG
zurückgreifen dürfen, könnten ohne Erlass einer einstweiligen
Anordnung die Verfassungsschutzbehörden ganz allgemein schon
„Bestrebungen“ der organisierten Kriminalität zum
Ausgangspunkt von entsprechenden Datenabfragen nehmen. Der
Begriff der organisierten Kriminalität ist dabei weit gefasst
und kann unabhängig von jedem Katalog Straftaten aller Art
umfassen (vgl. Art. 1 Abs. 3 BayVSG). Es wäre aber
wenig einleuchtend, den Verfassungsschutzbehörden für die
Zeit bis zur Entscheidung über die Verfassungsbeschwerde in
Bezug auf die Kriminalitätsbeobachtung ein weitergehendes
Zugriffsrecht auf die Vorratsdaten des § 113a TKG
zuzuerkennen als den unmittelbar für die Strafverfolgung
zuständigen Behörden. 117 Auch bezüglich der weiteren Aufgaben der
Verfassungsschutzbehörden überwiegen die Nachteile eines
vorläufigen Zugriffs auf die nach § 113a TKG
gespeicherten Daten, soweit ein solcher Zugriff entsprechend
§ 113b Satz 1 Nr. 3 TKG nur allgemein an die
Aufgaben der Verfassungsschutzbehörden als solche anknüpft
und hierbei nicht durch die Voraussetzungen des
Artikel 10-Gesetzes begrenzt ist. Das öffentliche
Interesse an vollständigen Informationen im Rahmen der
Vorfeldaufklärung ist insoweit dem Interesse an der
Vertraulichkeit der persönlichen Kommunikation vorläufig
nachzuordnen. III. 118 Die Entscheidung über die Auslagenerstattung
beruht auf § 34a Abs. 3 BVerfGG. Papier Hohmann-Dennhardt Bryde Gaier Eichberger Schluckebier Kirchhof Masing Zusatzinformationen
ECLI:DE:BVerfG:2008:rs20081028.1bvr025608Zitiervorschlag:BVerfG, Beschluss des Ersten Senats vom 28. Oktober 2008 - 1 BvR 256/08 - Rn. (1-118),http://www.bverfg.de/e/rs20081028_1bvr025608.htmlSiehe auch PressemitteilungNr. 92/2008 vom 6. November 2008Fundstelle(n)BVerfGE 122, 120 - 151