Source: https://www.lernnetz24.de/bwl/hinweise/94.html
Timestamp: 2020-07-08 13:25:07
Document Index: 15011589

Matched Legal Cases: ['§\u202f705', '§\u202f105', '§\u202f105', '§\u202f114', '§\u202f114', '§\u202f115', '§\u202f114', '§\u202f116', '§\u202f116', '§\u202f125', '§\u202f125', '§\u202f128', '§\u202f128', '§\u202f121', '§\u202f121']

Hinweise zu den Aufgaben zum Thema Kaufmannseigenschaft, Handelsregister, Rechtsformen der Unternehmen - Offene Handelsgesellschaft (OHG)
9.5 Offene Handelsgesellschaft (OHG) - Multiple Choice
Mit Hilfe eines Multiple-Choice-Tests können Fragen rund um das Thema offene Handelsgesellschaft (OHG) mit folgenden Schwerpunkten geübt werden:
Begriff der offenen Handelsgesellschaft
Begriff der offenen Handelsgesellschaft (OHG)
Eine offene Handelsgesellschaft (OHG) ist eine rechtsfähige Unternehmung, bei der mindestens zwei Personen unter einer gemeinsamen Firma ein Handelsgewerbe betreiben (Personenhandelsgesellschaft). Insbesondere bei Klein- und mittelständischen Unternehmen ist die offene Handelsgesellschaft weit verbreitet.
Gesetzliche Grundlage der offenen Handelsgesellschaft sind die Regelungen der Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR) des Bürgerlichen Gesetzbuchens (BGB § 705 – 740), deren Normierungen auch für die offene Handelsgesellschaft gelten. Ergänzend kommen die Regeln des Handelsgesetzbuches hinzu (HGB § 105 – 160).
§ 105 HGB
(3) Auf die offene Handelsgesellschaft finden, soweit nicht in diesem Abschnitt ein anderes vorgeschrieben ist, die Vorschriften des Bürgerlichen Gesetzbuches über die Gesellschaft Anwendung.
Rechtsformzusatz OHG oder oHG
gesetzliche Regelung der Geschäfts­führungs­befugnis(1) (im Innenverhältnis) Grundsätzlich gilt Einzelgeschäftsführungsbefugnis (HGB § 114 (1)). Diese können die Gesellschafter aufgeben und per Vertrag auf einen oder mehrere Gesellschafter übertragen. Die nicht einbezogenen Gesellschafter sind dann von der Geschäftsführung ausgeschlossen (HGB § 114 (2)).
Auch ist die Vereinbarung einer gemeinschaftlichen Geschäftsführung möglich. In diesem Falle müssen jeweils alle Geschäftsführer gemeinsam zustimmen und dann handeln. Eine Ausnahme gilt bei Gefahr in Verzug. (HGB § 115 (2)).
Grundsätzlich gelten die Regelungen des § 114 (HGB) bei gewöhnlichen Geschäften (z. B. regelmäßiger Wareneinkauf). Bei außergewöhnlichen Geschäften (z. B. Kauf eines Grundstücks) ist ein Beschluss aller Gesellschafter notwendig (HGB § 116 (2)). Gleiches gilt für die Ernennung eines Prokuristen (HGB § 116 (3)).
gesetzliche Regelung der Vertretungs­befugnis(2) (im Außenverhältnis) Grundsätzlich gilt die Einzelvertretungsbefugnis (HGB § 125). Auch hier kann in einem Gesellschaftsvertrag vereinbart werden, dass das Unternehmen nur gemeinsam vertreten werden kann (Gesamtvertretung) (HGB § 125 (2).
Haftung Jeder Gesellschafter haftet persönlich (unmittelbar), solidarisch und unbeschränkt.
Persönliche und solidarische Haftung (§ 128 HGB)
Alle Gesellschafter haften als Gesamtschuldner persönlich bzw. unmittelbar und solidarisch. Dies bedeutet, dass jeder Gesellschafter direkt vom Gläubiger zur Zahlung möglicher Verbindlichkeiten aufgefordert werden kann und im Zweifel für die gesamten Schulden einer OHG aufkommen und einstehen muss. Es liegt also im Ermessen des Gläubigers, ob ein Gesellschafter die Schulden der offenen Handelsgesellschaft in voller Höhe bzw. nur einen Teil davon begleichen soll. Jeder Gesellschafter haftet damit potentiell für die anderen Gesellschafter solidarisch als Gesamtschuldner.
Unbeschränkte Haftung (105 Abs.1 HGB)
Jeder Gesellschafter haftet nicht nur mit den Anteilen am Gesellschaftsvermögen, sondern auch mit seinem Privatvermögen (z. B. kann auch das private Haus zur Haftung herangezogen werden).
Übrigens, eine vertragliche Beschränkung der Haftung gegenüber Dritten ist unwirksam (§ 128 Satz 2 HGB). Nur im Innenverhältnis ließen sich abweichende Regeln vertraglich formulieren.
Entsprechend den gesetzlichen Vorgaben im Handelsgesetzbuch (§ 121 HGB) wird der Gewinn wie folgt verteilt:
Der Restbetrag wird durch die Anzahl der Gesellschafter dividiert und auf die Gesellschafter gleich verteilt (Aufteilung nach Köpfen).
Vertraglich können abweichende Regelungen zur Gewinnverteilung durch die Gesellschafter beschlossen werden.
Ein möglicher Verlust wird nach dem Handelsgesetzbuch (§ 121 HGB) wie folgt verteilt:
Verlust pro Anteilseigener (Gesellschafter) = Gesamtverlust geteilt durch die Anzahl der Anteilseigner (Gesellschafter)
Hinweis: Zur Vertiefung der Gewinn- und Verlustverteilung steht im Lernnetz24 im BWL-Trainer eine Übung zur Verfügung (Thema 9.6).
Im Folgenden werden einige ausgewählte Vor- und Nachteile einer offenen Handelsgesellschaft aufgeführt.
Durch die unbeschränkte und solidarische Haftung genießt die offene Handelsgesellschaft in der Regel eine hohe Kreditwürdigkeit. Voraussetzung dafür ist als Sicherheit ein hohes Privatvermögen der einzelnen Gesellschafter.
Das Führen einer offenen Handelsgesellschaft setzt ein hohes Vertrauen der Gesellschafter untereinander voraus. Bei einem Falschverhalten eines Gesellschafters (z. B. Abschlüsse nachteiliger Kaufverträge) haften alle anderen Gesellschafter mit ihrem Vermögen unbeschränkt. Eine Verminderung des Risikos ist durch die Vereinbarung gemeinschaftlicher Geschäftsführung zu erreichen. Dadurch würde jedoch die Handlungsflexibilität eingeschränkt (z. B. müssten vor einem Abschluss eines Kaufvertrages alle anderen Gesellschafter zustimmen, dies erfordert u. U. viel Zeit).