Source: https://www.juraforum.de/forum/t/wie-urheberrecht-nachweisen.441262/
Timestamp: 2018-07-20 17:58:25
Document Index: 125229475

Matched Legal Cases: ['§ 10', '§ 10', '§ 10', '§ 10', '§ 10', '§ 10', '§ 10']

ᐅ Wie Urheberrecht nachweisen? - Urheberrecht - JuraForum.de
JuraForum.de Foren > Spezielle Juraforen > Urheberrecht > Wie Urheberrecht nachweisen? >
Wie Urheberrecht nachweisen?
Dieses Thema "ᐅ Wie Urheberrecht nachweisen? - Urheberrecht" im Forum "Urheberrecht" wurde erstellt von Jane.Doe, 2. Juni 2013.
Jane.Doe Neues Mitglied 02.06.2013, 23:43
nehmen wir an, Herr X möchte eine Sammlung von Kurzgeschichten in einem Buch veröffentlichen. Drei dieser Kurzgeschichten hat Herr X schon vor mehreren Jahren auf einer (nicht eigenen) Internetplattform veröffentlicht. Bevor er das Buch herausbringt, möchte er die drei Kurzgeschichten von der Internetplattform löschen.
Herr X ist bekannt dafür, sich schlimmstmögliche Szenarien auszumalen. Eine davon bereitet ihm große Sorge: Was wäre, wenn eine der Kurzgeschichten, in der Zeit, als sie online war, von einer Person geklaut worden ist, die sie dann im Nachhinein als ihre ausgibt - und Herr X könnte nicht nachweisen, dass die Person lügt, weil die Geschichte samt dem Datum von Herrn Xs Erstveröffentlichung aus dem Internet gelöscht ist?
Herrn X stellt sich die Frage, wie er so einem Fall am Besten vorbeugen könnte. Reichen einfache Screenshots? Gibt es juristische Personen, zu denen man in so einem Fall gehen kann und die als eine Art Zeuge fungieren? Was tut man in so einem Fall - noch vor dem Löschen -, um das eigene Urheberrecht abzusichern?
Gerd aus Berlin V.I.P. 04.06.2013, 00:15
AW: Wie Urheberrecht nachweisen?
Seine Urheberschaft kann man gar nicht nachweisen oder schwer. Wie denn?
Selbst wenn mir zwölf Zeugen zuschauen, wie ich die Entführung aus dem Serrail komponiere, könnte ich dies dennoch aus dem Gedächtnis abkupfern von einem Kollegen, wozu Mozart jedenfalls in der Lage war.
Deshalb geht der Gesetzgeber auch davon aus, dass der Erstverbreiter der Urheber ist, vgl. UrhG § 10 Vermutung der Urheber- oder Rechtsinhaberschaft.
Hat man nun keines von den "Vervielfältigungsstücken" (ebenda) zur Hand, dann können Screenshots helfen und Zeugen, die gesehen haben, dass das Werk dannunddann noch so im Netz stand mit dieserundjener Urheberbezeichnung.
Dann muss ein Abkupferer schon mehr bieten. Was ihm schwer fallen sollte. Also ein Gericht davon zu überzeugen, dass er das Werk früher veröffentlicht hast und du nicht der Urheber bist.
Denn das kann man nachweisen, oft. So gut wie nie aber, dass man der Urheber ist.
Jane.Doe Neues Mitglied 09.06.2013, 22:53
Lieber Gerd aus Berlin, leiber Johannes, vielen Dank für die Antworten!
Darf ich hierzu noch kurz nachhaken?
Hierzu noch ein Hinweis, den ich erst vor kurzem entdeckt habe:
"Die Anwendbarkeit von § 10 UrhG auf Vermerke, die sich auf ins Internet gestellten Werken befinden, wird von der herrschenden Meinung abgelehnt, weil es am Tatbestandsmerkmal der Vervielfältigungsstücke fehlt."
Ich habe den § 10 UrhG gerade nachgelesen und bin mir nicht sicher, ob ich das Juristendeutsch der Entscheidung des Landgericht Münchens richtig interpretiert habe. Mit anderen Worten impliziert das, dass § 10 UrhG in diesem Fall nicht greift (richtig? falsch?). Welcher Paragraph denn dann?
Gerd aus Berlin V.I.P. 09.06.2013, 23:51
§ 10 UrhG diente sicher auch der Vereinfachung. Damals war es nicht so leicht, ein Buch zu veröffentlichen wie heute mit Print-on-Demand oder als e-book oder gar im Internet.
Wer also mit viel Mühe auf einem Buch stand als Urheber, der war sicher kein Kind aus der Nachbarschaft, das einfach einen Text stibitzt und hochgeladen hatte unter seinem Namen - sondern da stand ein Verlag mit seinem Namen gerade und ein teurer Bleisatz und ein teurer Buchdruck mit einem manchmal teuren Ledereinband.
Diese Art von "Vervielfältigungsstücken eines erschienenen Werkes" (§ 10) gibt es im Internet natürlich so wenig wie bei e-books - aber immerhin noch bei einem Book-on-Demand. Insofern kann ich die Rechtskommentare nachvollziehen, die Johannes hier dankenswerterweise zitiert hat.
Aber analog könnte man ein Gericht davon zu überzeugen versuchen, dass man der Urheber ist, wenn man z. B. ein Werk 2010 hochgeladen hatte, das dann 2013 bei Heinz-Wurzelpeter.de als Original-Ausgabe erscheint.
Das Buchdruck-Privileg, dass man automatisch "bis zum Beweis des Gegenteils als Urheber des Werkes angesehen" wird (§ 10), gibt es aber im Internet offensichtlich nicht.
Und ohne Beweislast-Umkehr müsste man halt selbst - nicht beweisen, das geht nicht, aber - glaubhaft machen, dass man der Urheber ist --- eben mit Verweis auf das Indiz der ersten Veröffentlichung.