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Timestamp: 2019-08-22 08:24:23
Document Index: 153621983

Matched Legal Cases: ['§ 13', '§ 1299', '§ 288', 'OGH', '§ 51', '§ 17', '§ 20']

psychologen.at: Richtlinie für die Erstellung von klinischpsychologischen und gesundheitspsychologischen Befunden und Gutachten
Richtlinie für die Erstellung von klinischpsychologischen und gesundheitspsychologischen Befunden und Gutachten
2. Prinzipien der klinisch-psychologischen und gesundheitspsychologischen Gutachtenerstellung
3.1 Zur Person der klinischen Psychologin (des klinischen Psychologen) und der Gesundheitspsychologin (des Gesundheitspsychologen) in ihrer/seiner psychodiagnostischen Tätigkeit
3.3 Formale Kriterien und Aufbau eines klinisch-psychologischen und gesundheitspsychologischen Gutachtens
3.4 Inhaltliche und sprachliche Qualitätsmerkmale von klinisch-psychologischen und gesundheitspsychologischen Befunden und Gutachten
4 Obergutachten
6 Dokumentation der Datenerhebung
7 Exemplarische Anwendungsbereiche für psychologische Befunde und Gutachten
9.1 Schwerpunkt Kinder
9.2 Schwerpunkt Asylsuchende
9.3 Schwerpunkt Verkehrspsychologie
9.4 Schwerpunkt Militärpsychologie
Die bisher bestehende Richtlinie für die Erstellung von klinisch-psychologischen und gesundheitspsychologischen Befunden und Gutachten stammte aus dem Jahre 1999 und wurde zuletzt 2002 substantiell geändert. Auch wenn sich die bestehenden Bestimmungen weitgehend bewährten, war es an der Zeit, den Erfahrungen in der Gutachtertätigkeit sowie möglichen Defiziten Aufmerksamkeit zu schenken und eine Reform auszuarbeiten. Im Jänner 2007 wurde im Psychologenbeirat des Bundesministeriums für Gesundheit eine erste Überarbeitung der Richtlinie durch Univ.Prof. Mag. Dr. Klaus Kubinger und Dr. Wolf-Dietrich Zuzan beschlossen.
In Folge wurde im Bundesministerium für Gesundheit mit März 2009 eine erweiterte Arbeitsgruppe „Richtlinie für die Erstellung von klinisch-psychologischen und gesundheitspsychologischen Befunden und Gutachten“ eingerichtet, wobei insbesondere die Bereiche Begriffsbestimmungen, Qualitätserfordernisse von Gutachten, Qualitätserfordernisse des diagnostischen Prozesses, Rahmen, Ablauf, Inhalte und Aufbau des Gutachtens, Stellung der Gutachten in der Rechtsordnung, klinisch-psychologisch und gesundheitspsychologisch-diagnostische Verfahren, als Themen bearbeitet wurden.
Somit wurde ein Entwurf unter Mitarbeit von nachstehend, in alphabetischer Reihenfolge genannten Personen, erarbeitet:
Dr. Nikolaus Bauer
Dr. Rotraut Erhard Klaus Gruber
Mag. Dr. Andrea Hochfilzer-Winter
Mag. Gabriele Jansky-Denk
Prof. Dr. Ursula Kastner-Koller
Mag.pth. Monika Korber
Univ. Prof. Mag. Dr. Klaus Kubinger
Univ. Prof. i.R. Dr. Joachim Maly
Die vorliegende Richtlinie zur Erstellung von klinisch-psychologischen und gesundheitspsychologischen Befunden und Gutachten (in der Folge: Richtlinie) ist als grundlegender Sorgfaltsmaßstab zu betrachten.
Die Befähigung zur Berufsausübung als klinische Psychologin (klinischer Psychologe) und als Gesundheitspsychologin (Gesundheitspsychologe) kann gemäß Psychologengesetz, BGBl. Nr. 360/1990, ausschließlich durch das Studium der Psychologie an einer Universität und durch die nachfolgende, im Psychologengesetz geregelte postgraduelle Ausbildung erworben werden. Als klinische Psychologin (klinischer Psychologe) und als Gesundheitspsychologin (Gesundheitspsychologe) darf sich ausschließlich eine Person bezeichnen und als solche tätig werden, die in die Liste der klinischen Psychologinnen (klinischen Psychologen) und/oder Gesundheitspsychologinnen (Gesundheitspsychologen) im Bundesministerium für Gesundheit eingetragen ist.
Der Erwerb einzelner psychologischer Fortbildungsmodule bei Vorliegen anderer Grundstudien oder Ausbildungen kann die universitär vermittelte und im Psychologengesetz geregelte psychologische Fachkompetenz nicht ersetzen und berechtigt daher weder zur klinisch-psychologischen und gesundheitspsychologischen Diagnostik noch zur Erstellung von Befunden und Gutachten zu klinisch-psychologischen oder gesundheitspsychologischen Fragestellungen.
Die Anwendung psychologischer diagnostischer Methoden und das Erstellen von klinisch- psychologischen und gesundheitspsychologischen Befunden und Gutachten gehören zu den wesentlichen Berufsaufgaben von klinischen Psychologinnen (klinischen Psychologen) und Gesundheitspsychologinnen (Gesundheitspsychologen). Mit klinisch-psychologischen und gesundheitspsychologischen Befunden und Gutachten samt allen Unterlagen wird die Tätigkeit klinischer Psychologinnen (klinischer Psychologen) und Gesundheitspsychologinnen (Gesundheitspsychologen) transparent, sodass die Qualität des diagnostischen Prozesses und der formulierten Befunde und Gutachten allgemein nachvollziehbar wird.
Die psychodiagnostische Tätigkeit wird insbesondere durch nachstehende Normen, Richtlinien und Prinzipien bestimmt:
Psychologengesetz 1990, BGBl. Nr. 360/1990
Allgemeines Bürgerliches Gesetzbuch (ABGB), JGS Nr. 946/1811
Allgemeines Sozialversicherungsgesetz (ASVG), BGBl. Nr. 189/1955
Führerscheingesetz (FSG), BGBl. I Nr. 120/1997
Krankenanstalten- und Kuranstaltengesetz (KAKuG ), BGBl. Nr. 1/1957
Waffengesetz 1996 (WaffG), BGBl. I Nr. 12/1997
Sachverständigen- und Dolmetschergesetz (SDG), BGBl. Nr. 137/1975
Strafprozessordnung (StPO), BGBl. Nr. 631/1975
Strafvollzugsgesetz (StVG), BGBl. Nr. 144/1969
Zivilprozessordnung (ZPO), RGBl. Nr. 113/1895
Meta-Code der European Federation of Psychologists Associations (EFPA)
Ethikrichtlinie für klinische Psychologinnen (klinische Psychologen) und Gesundheitspsychologinnen (Gesundheitspsychologen) des Bundesministeriums für Gesundheit
Standesregeln für Sachverständige
Im Rahmen des Sozialversicherungswesens können auch vertragliche Bestimmungen bedeutsam sein, so z.B. in Hinblick auf die Vertragspsychologinnen (Vertragspsychologen) und Wahlpsychologinnen (Wahlpsychologen) für klinisch-psychologische Diagnostik.
Ein wichtiges Qualitätsmerkmal psychologischer Tätigkeit stellt die genaue Kennzeichnung und Beschreibung der verschiedenen psychologischen Leistungen und Produkte dar. Unter klinisch-psychologischen und gesundheitspsychologischen Befunden und Gutachten wird das jeweils schriftlich dargestellte Ergebnis eines abgeschlossenen diagnostischen Prozesses verstanden.
Als klinisch-psychologischer bzw. gesundheitspsychologischer Befund wird die Darstellung der Ergebnisse einer klinisch-psychologischen bzw. gesundheitspsychologischen Untersuchung aufgrund einer klinisch-psychologischen bzw. gesundheitspsychologischen Fragestellung bzw. Verdachtsdiagnose bezeichnet. Klinisch-psychologische und gesundheitspsychologische Befunde werden insbesondere im Rahmen des Gesundheitswesens als Hinweise und Entscheidungshilfe für gesundheitsbezogene sowie andere Maßnahmen oder Entscheidungen herangezogen. Die Bezeichnung „klinisch-psychologischer bzw. gesundheitspsychologischer Bericht“ ist als Synonym für „klinisch-psychologischer bzw. gesundheitspsychologischer Befund“ zu sehen.
Beim klinisch-psychologischen bzw. gesundheitspsychologischen Gutachten handelt es sich um die nachvollziehbare und schlüssige Antwort auf Fragen, zu denen aufgrund des erhobenen Befundes, des Fachwissens, des aktuellen Forschungsstandes und der Berufserfahrung sowie der reflektierten Alltagserfahrung Stellung genommen wird. Die umfassende Beantwortung einer präzisen gutachterlichen Fragestellung wird von der Auftraggeberin (vom Auftraggeber) als Grundlage für Maßnahmen und Entscheidungen in verschiedenen Bereichen herangezogen.
Die Bezeichnungen „klinisch-psychologische bzw. gesundheitspsychologische Stellungnahme“, „Behandlungsbericht“ und „Kurzfassung des Gutachtens“ sind nach geltendem Recht nicht definiert. Sofern es sich um eine Antwort mit Bezug auf klinisch-psychologische bzw. gesundheitspsychologische Fragestellungen über bestimmte Personen handelt, kommt die gegenständliche Richtlinie zur Anwendung. Dies gilt auch dann, wenn sich die Antwort nicht auf eine eigene Befunderhebung der klinischen Psychologin (des klinischen Psychologen) oder der Gesundheitspsychologin (des Gesundheitspsychologen) begründet.
Befund und Gutachten sind jeweils auch als solche zu bezeichnen.
Klinisch-psychologische bzw. gesundheitspsychologische Gutachten können sich, abhängig vom gutachterlichen Auftrag, hinsichtlich des Verwendungszwecks, des Umfangs und der Zielrichtung in hohem Maße voneinander unterscheiden.
Im Hinblick auf die Stellung der sachverständigen Zeuginnen (sachverständigen Zeugen) und Privatgutachterinnen (Privatgutachter) wird auf die Begriffsbestimmungen der einschlägigen Verfahrensgesetze (insbesondere ZPO, StPO und AVG sowie VStG) verwiesen.
2 Prinzipien der klinisch-psychologischen und gesundheitspsychologischen Gutachtenerstellung
Die nachstehenden Prinzipien ergeben sich aus dem Psychologengesetz und sind in den §§ 13 und 14 Psychologengesetz als Berufspflichten gesetzlich geregelt.
Die gutachterlichen Leistungen sind von den Gutachterinnen (Gutachtern) jeweils persönlich zu erbringen.
Klinisch-psychologisch bzw. gesundheitspsychologisch-diagnostische Verfahren dürfen nur mit der Zustimmung der betroffenen Person oder ihrer gesetzlichen Vertreterin (seines gesetzlichen Vertreters) Anwendung finden, soweit dem nicht gesetzliche Bestimmungen entgegenstehen. Bei Vorliegen eingeschränkter Freiwilligkeit der Betroffenen (des Betroffenen), z.B. im Rahmen forensischer Begutachtungen, ist bei den Schlussfolgerungen auf die eingeschränkte Verwendbarkeit der unter diesen Bedingungen erhobenen Daten zu verweisen.
Entsprechend den gesetzlichen Bestimmungen ist eine umfassende Information als Grundlage für die Zustimmung der Patientin (des Patienten) zur Gutachtenserstellung zu erteilen und das Recht auf Auskunft über das Ergebnis.
Verpflichtung zur Dokumentation und Aufbewahrung
Die entsprechenden Unterlagen sind zu dokumentieren und aufzubewahren, wobei dem Datenschutz Rechnung zu tragen ist (aus berufsrechtlicher Sicht sind 10 Jahre in eigener Praxis, 30 Jahre in Krankenanstalten, daher auch gleichartig für andere Institutionen, vorgesehen).
Bei der Erstellung von Befunden ist darauf zu achten, dass vertrauliche Angaben der Patientinnen (der Patienten) nur in einer Weise Verwendung finden, die nicht gegen die Verschwiegenheitspflicht verstößt.
Es muss daher von Anbeginn des Verhältnisses zwischen klinischer Psychologin (klinischem Psychologen) und/oder Gesundheitspsychologin (Gesundheitspsychologen) und der zu befundenden oder zu begutachtenden Person ausdrücklich klargestellt und vereinbart werden, dass der Zweck der klinisch-psychologischen bzw. gesundheitspsychologischen Befund- oder Gutachtenserstellung darin besteht, dass Informationen über die zu befundende oder zu begutachtende Person gewonnen und weitergegeben werden sollen. Von vornherein muss auch klar sein, dass Tatsachen im Zusammenhang mit der geplanten und erforderlichen klinisch-psychologischen bzw. gesundheitspsychologischen Befundung/Begutachtung keinesfalls als Geheimnisse angesehen werden können und notwendigerweise an konkrete Personen weitergegeben werden müssen.
Befundergebnisse, die nicht für die Gutachtenserstellung relevant sind, sind jedenfalls aus dem psychologisch-diagnostischen Verfahren auszuklammern und es ist Verschwiegenheit darüber zu wahren. Sofern erforderlich, ist zu begründen, warum zur Wahrung der Geheimnisse der Patientin (des Patienten) bestimmte Informationen nicht näher ausgeführt werden können. Der Befund/das Gutachten muss aber nachvollziehbar und schlüssig bleiben.
Obergutachten werden von der entscheidungsfindenden Behörde oder dem zuständigen Gericht in Auftrag gegeben, wenn zumindest zwei Gutachten vorliegen, die einander widersprechen, oder wenn das Gutachten der beauftragten Sachverständigen (des beauftragten Sachverständigen) möglicherweise mangelhaft und fehlerhaft erscheint und sich die Bedenken des Gerichts durch eine neuerliche Vernehmung der Sachverständigen (des Sachverständigen) nicht ausräumen lassen.
Ein klinisch-psychologisches und gesundheitspsychologisches Gutachten ist aus wissenschaftlicher Sicht nicht „richtig oder falsch“, sondern es kommt dem Ideal der vollkommenen Gültigkeit mehr oder weniger nahe (Westhoff & Kluck, 2008, Psychologische Gutachten, Springer Verlag, Heidelberg, S 13).
„Bei der Kritik an den Ergebnissen von Sachverständigengutachten darf zunächst nicht übersehen werden, dass in komplexen Fällen oft verschiedene Standpunkte wissenschaftlich vertretbar sind und dass auch in Fragen der Gutachtensmethodik von anerkannten Expertinnen (anerkannten Experten) durchaus unterschiedliche Ansichten vertreten werden können und auch vertreten werden.“ (Rant, M., 2008, Stellungnahme zur Qualität der Gutachten von Gerichtssachverständigen. Der Sachverständige – Online Version 13.9.2008).
Die fachliche Beurteilung klinisch-psychologischer und gesundheitspsychologischer Gutachten von klinischen Psychologinnen (klinischen Psychologen) und Gesundheitspsychologinnen (Gesundheitspsychologen) kann nur durch eine Person erfolgen, die selbst klinische Psychologin (klinischer Psychologe) bzw. Gesundheitspsychologin (Gesundheitspsychologe) ist und in diesem Bereich der Psychologie besondere Kenntnisse und Erfahrungen aufweist, in denen das Gutachten erstattet worden ist (Protokoll des Psychologenbeirates vom 15.11.2007).
Für mangelhafte Erteilung von Rat, Auskunft, Gutachtens- und Befunderstellung haften Personen zivilrechtlich persönlich für Schäden gemäß § 1299 ABGB. Die Richtigkeit des erstellten Gutachtens ist durch Einholung eines weiteren klinisch-psychologischen und gesundheitspsychologischen Gutachtens zu beurteilen. Darüber hinaus haften Sachverständige gemäß § 288 StGB strafrechtlich für die Richtigkeit der von ihnen erstellten Befunde und Gutachten. Sie sind im Falle der vorsätzlichen unrichtigen Befund- oder Gutachtenserstattung mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren zu bestrafen. Aufgrund der einschlägigen Regelungen des SDG ist der Abschluss einer Haftpflichtversicherung mit einer Mindestversicherungssumme von EUR 400.000,00 für jeden Versicherungsfall bei Gerichtssachverständigen obligatorisch (Bauer in: „Brennpunkte familienpsychologischer Begutachtung in Österreich“, S. 7ff).
Art und Umfang der erforderlichen Dokumentation richten sich nach den analog anzuwendenden Bestimmungen des Ärztegesetzes (OGH in SZ 57/98). Die diesbezüglichen Bestimmungen finden sich im § 51 Ärztegesetz. Zu erfassen sind insbesondere
der klinisch-psychologischen bzw. gesundheitspsychologischen Leistungen. Die Aufbewahrungsfrist für Unterlagen beträgt 10 Jahre in freier Praxis bzw. 30 Jahre in Krankenanstalten, daher auch gleichartig für andere Institutionen.
Durch Gespräche und den Einsatz wissenschaftlicher psychologischer Testverfahren können beispielsweise
bei Kindern Entwicklungsverzögerungen und Gründe für Verhaltensauffälligkeiten festgestellt werden,
die Auswirkungen körperlicher Erkrankungen auf die Leistungsfähigkeit und auf die Stimmungslage diagnostiziert werden,
Gründe und Bedingungen von psychischen Störungen, Ängsten und depressiven Verstimmungen abgeklärt werden,
die Art einer psychischen Erkrankung und das Ausmaß der Beeinträchtigung genauer festgestellt werden sowie
wichtige Informationen für die weitere Vorgangsweise und Hinweise für eine effizientere ärztliche, psychologische oder psychotherapeutische Behandlung gewonnen werden.
Attlmayr, Martin: Das Recht des Sachverständigen in Verwaltungsverfahren (1997), Orac Verlag, Wien
Dettenborn, Harry & Walter, Eginhard: Familienrechtspsychologie (2002), UTB; Reinhardt, München
Fisseni, Hermann Josef: Persönlichkeitsbeurteilung (1992), Hogrefe, Göttingen. 2. Aufl.
Giacomuzzi, Salvatore & Erhard, Rotraut (Hrsg.): Brennpunkte familienpsychologischer Begutachtung in Österreich (2010), Wien: Krammer
Greuel, Luise et al: Glaubhaftigkeit der Zeugenaussage (1998), Weinheim: Beltz
Jäger, Reinhold S. und Petermann, Franz (Hrsg.): Lehrbuch der psychologischen Diagnostik (1999), Psychologie Verlags Union, München, 4. Aufl.
Kröber, Hans-Lduwig & Steller, Max (Hrsg.): Psychologische Gutachten im Strafverfahren (2000), Steinkopff, Darmstadt
Kubinger, Klaus Detlef (Hrsg.): Psychologische Diagnostik – Theorie und Praxis psychologischen Diagnostizierens (2009), 2. überarbeitete und erweiterte Auflage, Göttingen: Hogrefe
Lindsay, Geoff; Koene, Casper; Ovreeide, Haldor; Lang, Fredi (Hrsg.): Ethics for European Psychologists (2008), Hogrefe Verlag, Göttingen
Metha Gerda: Die Praxis der Psychologie (2004), Springer Wien New York
Österreichisches Normungsinstitut: Anforderungen an Prozesse und Methoden in der Personalauswahl und –entwicklung (2005), Wien: Österr. Normungsinstitut
Rant, Matthias: Stellungnahme zur Qualität der Gutachten von Gerichtssachverständigen (2008), Der Sachverständige – Online Version 13.9.2008
Renner, Walter: Kultursensible klinische Diagnostik von Traumafolgen. Messtheoretische Grundlagen und Leitlinien zur Begutachtung. In: Ottomeyer, Klaus, Renner, Walter (Hrsg.): Interkulturelle Trauma-Diagnostik: Probleme, Befunde und Richtlinien für die Begutachtung von Asylsuchenden (2006), Klagenfurt: drava. Diskurs
Westhoff, Karl & Kluck, Marie-Luise: Psychologische Gutachten (2008), Springer Verlag, Heidelberg
Zöllner, Ulrike: Psychodiagnostik im Spannungsfeld zwischen nomothetischer und idiographischer Zugangsweise (2008). Im Druck. Referat bei der Fachtagung am 27.3.2009 der Sektion Rechtspsychologie des BÖP
Zuschlag, Berndt: Richtlinien für die Erstellung psychologischer Gutachten (2006), Deutscher Psychologen Verlag, Bonn Seite
Bericht der Fachtagung „Standards in der gerichtlich beauftragten familienpsychologischen Begutachtung in Österreich“ vom 19.10.2007, Psychologie in Österreich 1/2008 S. 101 f.
DIN EN ISO 10075-3 (2004) „Ergonomische Grundlagen bezüglich psychischer Arbeitsbelastung – Teil 3: Grundsätze und Anforderungen an Verfahren zur Messung und Erfassung psychischer Arbeitsbelastung“. BERIN-WIEN-ZÜRICH: Beuth-Verlag
Anmerkung: Diese internationale Norm (ISO EN DIN 10075-3 (2004) unterscheidet zwischen drei Präzisionsstufen zur Einstufungen von Verfahren: 1. Stufe: Verfahren für Orientierungszwecke; 2. Stufe: Verfahren für Übersichtszwecke (Screening); 3. Stufe: Verfahren für Zwecke der genauen Messung
Grundsätzlich berücksichtigt die psychologische Diagnostik von Kindern die UN-Kinderrechtskonvention, insbesondere das Recht auf Willens-, Meinungs- und Informationsfreiheit (Artikel 12).
Von der klinischen Psychologin (dem klinischen Psychologen) und Gesundheitspsychologin (Gesundheitspsychologen) soll eine vertrauensvolle Beziehung zum Kind hergestellt werden.
Das Kind soll – entsprechend seinem Entwicklungsstand und seiner Reife – über den Zweck und Ablauf der Untersuchung informiert werden.
Es ist wichtig, dass Kinder in einer möglichst entspannten, störungsfreien und vertrauensvollen Atmosphäre untersucht werden.
Die für das Kindesalter spezifischen Ausdrucksmittel (wie z.B. Spielen, Zeichnen) können je nach Alter des Kindes integrierender Bestandteil der Untersuchung sein.
Die Sprache der klinischen Psychologin (des klinischen Psychologen) und Gesundheitspsychologin (Gesundheitspsychologen) soll dem Alters- und Entwicklungsniveau des Kindes angepasst sein.
Längere Wartezeiten und die Anwesenheit des Kindes bei belastenden Explorationen der Bezugspersonen (z.B. über Gewalterlebnisse) sollten vermieden werden.
Prinzipiell ist die klinische Psychologin (der klinische Psychologe) und Gesundheitspsychologin (Gesundheitspsychologe) in der Auswahl ihrer (seiner) Methoden frei, muss sich jedoch immer an den gängigen und in der Wissenschaft anerkannten Methoden ausrichten. Die klinisch-psychologische und gesundheitspsychologische Fachexploration ist eine besondere Form der Erhebung von Befundtatsachen. Sie ist eine Methode der Erforschung von innerlichen Befindlichkeiten, kognitiver Leistungsmöglichkeiten und Seelenzuständen und grenzt sich somit von der Vernehmung ab (Greuel et al., 1998).
Die nachstehenden Richtlinien folgen im Wesentlichen einem Artikel von Renner (2006) zur kultursensiblen klinischen Diagnostik von Traumafolgen, sind aber generell für eine kultursensible (klinische) Diagnostik von Relevanz.
Richtlinien einer kultursensiblen (klinischen) Diagnostik:
Beachtung des Problems der Übertragung von psychologischen Messinstrumenten, die an Populationen aus Industriestaaten entwickelt wurden, auf andere Populationen.
Marsalla, Dubanoski, Hamada und Morse (2000, zitiert nach Renner, 2006) führen aus, dass diagnostische Instrumente, welche in mehreren Kulturen verwendet werden, linguistisch und konzeptuell äquivalent sein müssen sowie Skalenäquivalenz und normative Äquivalenz aufweisen müssen.
Linguistische Äquivalenz
Diese betrifft in erster Linie eine adäquate Übersetzung.
Konzeptuelle Äquivalenz
Eigenart und Bedeutung eines Begriffes müssen in den betroffenen Kulturen äquivalent sein.
Skalenäquivalenz
Diese bezieht sich auf die verwendeten Antwortformate. So werden Dichotomien häufig nicht akzeptiert.
Normative Äquivalenz
Testnormen müssen hinsichtlich der wichtigsten soziodemographischen Merkmale für die untersuchte Gruppe repräsentativ sein.
Antwortformate in Form von Likert – Skalen können wiederum zu Missverständnissen führen.
Testmaterialien müssen von den untersuchten Personen vollständig verstanden werden.
Mündliche Instruktionen sind schriftlichen Instruktionen vorzuziehen, da sie weniger Anlass zu Missverständnissen geben.
Die Anwendung von Fragebögen sollte laufend supervidiert werden, um Missverständnisse bei der Testanwendung möglichst auszuschließen.
Beachtung, dass die diagnostischen Kriterien von DSM und ICD (in der jeweils gültigen Form) westliche Störungsbilder reflektieren (eingeschränkte Aussagekraft).
Beachtung der besonderen Rolle von körperlichen Symptomen, die häufig auch in der Folge psychischer Traumatisierungen auftreten (vgl. Renner, Salem, Peltzer & Ottomeyer, 2006, zitiert nach Renner, 2006).
Einsatz von diplomierten Dolmetscherinnen (diplomierten Dolmetschern) in der Befundung/Begutachtung erforderlich.
Ausnahme: bei seltenen Sprachen wie z.B. afrikanischen Sprachen, kann auch auf Sprachmittlerinnen (Sprachmittler) zurückgegriffen werden; diese müssen allerdings für ihre Aufgabe und ihre Rolle im diagnostischen Prozess von der Psychologin (dem Psychologen) entsprechend vorbereitet werden.
Die vorliegende Richtlinie ist auch als Orientierungshilfe für verkehrspsychologische Stellungnahmen gemäß § 17 FSG-GV zu betrachten. Sie dient auch dazu Standards zu vereinheitlichen und die Qualität der verkehrspsychologischen Stellungnahmen bundesweit anzugleichen.
Eine verkehrspsychologische Stellungnahme ist eine Leistung, die den im Folgenden genannten rechtlichen und berufsethischen Normen, den wissenschaftlichen Erkenntnissen der Psychologie, dem aktuellen Wissensstand der Verkehrspsychologie sowie den internationalen Standards verpflichtet ist.
Inhalt der verkehrspsychologischen Stellungnahme ist die Beurteilung der kraftfahrspezifischen Eignungsvoraussetzungen zum Lenken von Kraftfahrzeugen im Sinne des FSG und der FSG-GV.
Anzunehmen ist, dass die Definition „Stellungnahme“ in der Richtlinie zur Erstellung von klinisch-psychologischen und gesundheitspsychologischen Befunden und Gutachten des Bundesministeriums für Soziale Sicherheit und Generationen aus 2002 hier nicht zur Anwendung kommt. Sinngemäß kommt die Ethikrichtlinie für klinische Psychologinnen und Psychologen sowie für Gesundheitspsychologinnen und Gesundheitspsychologen zur Anwendung.
Berechtigt zur Abgabe von verkehrspsychologischen Stellungnahmen sind ausnahmslos Verkehrspsychologinnen (Verkehrspsychologen), die im Sinne des § 20 FSG-GV auf Grund ihrer spezifischen Ausbildung, ihrer fachspezifischen Erfahrung sowie ihres durch die verpflichtende Weiterbildung gewährleisteten Fachwissens vom Bundesministerium für Verkehr, Innovation und Technologie anerkannt sind.
Die vorliegende Richtlinie dient als Orientierungshilfe für die Erstellung von klinisch-psychologischen und gesundheitspsychologischen Befunden und Gutachten im Bereich der Militärpsychologie. Die Richtlinie bezieht sich auf die Tätigkeit von klinischen Psychologinnen (klinischen Psychologen) und Gesundheitspsychologinnen (Gesundheitspsychologen) die als Amtssachverständige der Militärbehörden tätig sind.
Exemplarische Anwendungsbereiche:
Untersuchungen im Rahmen der Stellung
Eignungsuntersuchungen für Militärpolizei, Kader, Spezialfunktionen, etc.
Prüfung der Selbst‐ und Fremdgefährdung für Soldatinnen und Soldaten für den Auslandseinsatz
Bei den Untersuchungen ist bei der Methodenwahl auf die geeignete Präzisionsstufe im Sinne der DIN EN ISO 10075‐3 zu achten.