Source: http://www.anwalt24.de/rund-ums-recht/BGH_20_08_2014_XII_ZB_179_14_Begutachtung_nach_Aktenlage_bei-d7150431.html
Timestamp: 2016-12-07 13:21:53
Document Index: 292935271

Matched Legal Cases: ['BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 280', '§ 280', '§ 278', '§ 280', '§ 280', '§ 280', '§ 280', '§ 283', '§ 280', '§ 293', '§ 293', '§ 293', '§ 74', '§ 74']

BGH, 20.08.2014 - XII ZB 179/14 - Begutachtung nach Aktenlage bei Bestellung eines Betreuers | Urteile auf anwalt24.de
BGH, 29.08.2014 - AnwZ (Brfg) 28/14 - Einstellung des Verfahrens bei Klagerückna...…BGH, 20.08.2014 - XII ZB 179/14 - Begutachtung nach Aktenlage bei Bestellung ein...BGH, 20.08.2014 - 1 StR 390/14 - Prüfung der Unterbringung in einer Entziehungsa...BGH, 20.08.2014 - 2 StR 605/13 - Bewusstes Ausnutzen der vom Täter erkannten Arg...BGH, 20.08.2014 - 3 StR 320/14 - Zäsurwirkung bzgl. Einbeziehung mehrerer Vorstr...BGH, 20.08.2014 - 3 StR 315/14 - Pauschale Feststellungen einer Vielzahl von wei...BGH, 19.08.2014 - VI ZB 17/13 - Kostenfolge bei Klagerücknahme nach einem erledi...BGH, 19.08.2014 - VI ZR 308/13 - Verletzung des Anspruchs auf rechtliches Gehör ...BGH, 19.08.2014 - IV ZR 13/14 - Beschränkung der Anhörungsrüge auf neue und eige...BGH, 19.08.2014 - XI ZB 12/12 - Umdeutung einer unzulässigen Rechtsbeschwerde ei...BGH, 19.08.2014 - 3 Ni 10/11 - Patenrechtliche Ausgestaltung eines Temperierbloc...BGH, 19.08.2014 - 3 StR 347/14 - Festsetzung der Tagessatzhöhe bei der Verhängun...BGH, 19.08.2014 - VI ZR 560/13 - Ausschöpfung der nach Lage der Sache gegebenen ...BGH, 19.08.2014 - 3 StR 189/14 - Wahl des Strafrahmens bei Annahme eines minder ...BGH, 19.08.2014 - 1 StR 303/14 - Adhäsionsentscheidung nach dem Anerkenntnis des...BGH, 19.08.2014 - 3 StR 283/14 - Besorgnis der Befangenheit eines Richters wegen...BGH, 19.08.2014 - 3 StR 326/14 - Tatbeteiligung als Mittäter durch Vorbereitungs...BGH, 19.08.2014 - 3 StR 88/14 - Anforderungen an die Begehung einer Straftat im ...BGH, 19.08.2014 - 3 StR 243/14 - Verminderte Schuldfähigkeit bei der Tatbegehung...BGH, 18.08.2014 - I ZR 107/10 - Streitwert bei Verletzung einer Wortmarke durch ...BGH, 18.08.2014 - II ZR 351/12 - Änderung des Streitwerts für das Nichtzulassung...BGH, 18.08.2014 - I ZA 8/14 - Fehlende Existenz eines Rechtsmittels gegen die Ni...…BGH, 05.08.2014 - 3 StR 340/14 - Rechtliche Nachprüfung eines Schuldspruch wegen...
BGH, 20.08.2014 - XII ZB 179/14 - Begutachtung nach Aktenlage bei Bestellung eines Betreuers
BundesgerichtshofBeschl. v. 20.08.2014, Az.: XII ZB 179/14Gericht: BGHEntscheidungsform: BeschlussDatum: 20.08.2014Referenz: JurionRS 2014, 22110Aktenzeichen: XII ZB 179/14 Verfahrensgang:vorgehend:AG Düsseldorf - 20.01.2014 - AZ: 97 XVII M 853LG Düsseldorf - 26.03.2014 - AZ: 25 T 70/14Rechtsgrundlage:§ 280 FamFGFundstellen:BtPrax 2014, 274DS 2015, 94FamRZ 2014, 1917FGPrax 2014, 252-253FuR 2015, 42JZ 2014, 665MDR 2014, 1322-1323NJW 2014, 3445-3446ZAP EN-Nr. 812/2014ZAP EN-Nr. 812/2014Amtlicher Leitsatz:FamFG § 280Der Sachverständige hat den Betroffenen vor der Erstellung des Gutachtens persönlich zu untersuchen; eine Begutachtung nach Aktenlage ist grundsätzlich nicht zulässig.Der XII. Zivilsenat des Bundesgerichtshofs hat am 20. August 2014 durch die Richter Dr. Klinkhammer, Schilling, Dr. Nedden-Boeger, Dr. Botur und Guhlingbeschlossen:Tenor:Auf die Rechtsbeschwerde des Betroffenen wird der Beschluss der 25. Zivilkammer des Landgerichts Düsseldorf vom 26. März 2014 aufgehoben.Die Sache wird zur erneuten Behandlung und Entscheidung, auch über die Kosten des Rechtsbeschwerdeverfahrens, an das Landgericht zurückverwiesen.Beschwerdewert: 5.000 €GründeI.1Der Betroffene begehrt die Aufhebung seiner Betreuung.2Für den Betroffenen besteht eine Betreuung für die Aufgabenbereiche Besorgung der Rechtsangelegenheiten vor Gerichten, Vertretung vor Behörden (einschließlich der Beantragung von ARGE-Leistungen), Wohnungsangelegenheiten und Eröffnung eines Bankkontos. Für sämtliche Aufgabenkreise ist ein Einwilligungsvorbehalt angeordnet.3Das Amtsgericht hat den Antrag des Betroffenen, die Betreuung aufzuheben, zurückgewiesen und die Betreuung zugleich um den Aufgabenkreis Verfügungen über das Bankkonto des Betroffenen bei der Stadtsparkasse (...) erweitert. Das Landgericht hat die Beschwerde des Betroffenen zurückgewiesen. Hiergegen wendet sich dieser mit seiner Rechtsbeschwerde.II.4Die Rechtsbeschwerde ist begründet.51. Das Landgericht hat zur Begründung seiner Entscheidung ausgeführt, der Sachverständige habe in seinem Gutachten überzeugend dargelegt, dass der Betroffene an einer paranoiden Psychose leide und in den angeordneten Aufgabenkreisen einer Betreuung bedürfe, die auch gegen den Willen des Betroffenen angeordnet werden könne, da eine Bestimmbarkeit des Willens durch vernünftige Erwägungen bei dem Betroffenen krankheitsbedingt ausgeschlossen sei. Zudem belegten die zahlreichen und überwiegend unverständlichen Eingaben des Betroffenen eindrucksvoll dessen Betreuungsbedürftigkeit.6Ebenso habe das Amtsgericht zu Recht den Aufgabenkreis erweitert und dem Betreuer die Befugnis eingeräumt, Verfügungen über das Bankkonto des Betroffenen zu treffen.72. Die angegriffene Entscheidung hält der Verfahrensrüge der Rechtsbeschwerde nicht stand. Das Landgericht hätte das Gutachten seiner Entscheidung nicht zugrunde legen dürfen, weil der Sachverständige den Betroffenen nicht persönlich untersucht hat.8a) Für das Aufhebungsverfahren gelten die §§ 278 Abs. 1, 280 FamFG, die die persönliche Anhörung des Betroffenen und die Einholung eines Sachverständigengutachtens vorschreiben, nicht. Es verbleibt insoweit bei den allgemeinen Verfahrensregeln und damit bei den Grundsätzen der Amtsermittlung (Senatsbeschluss vom 2. Februar 2011 - XII ZB 467/10 - FamRZ 2011, 556 Rn. 9 f.).9Zwar ist danach die Einholung eines Sachverständigengutachtens im Aufhebungsverfahren nicht obligatorisch. Wenn aber ein Sachverständigengutachten - wie hier - eingeholt wird und das Gericht seine Entscheidung darauf stützt, so muss dieses den formalen Anforderungen des § 280 FamFG genügen (Senatsbeschluss vom 9. November 2011 - XII ZB 286/11 - FamRZ 2012, 104 Rn. 15 f.).10Gemäß § 280 Abs. 2 Satz 1 FamFG hat der Sachverständige den Betroffenen vor der Erstattung des Gutachtens persönlich zu untersuchen oder zu befragen (s. auch BT-Drucks. 16/6308 S. 267). Ein ohne die erforderliche persönliche Untersuchung erstattetes Sachverständigengutachten ist grundsätzlich nicht verwertbar (Keidel/Budde FamFG 18. Aufl. § 280 Rn. 16 mwN).11Die Weigerung des Betroffenen, einen Kontakt mit dem Sachverständigen zuzulassen, ist kein hinreichender Grund, von einer persönlichen Untersuchung durch den Sachverständigen abzusehen (Keidel/Budde FamFG 18. Aufl. § 280 Rn. 18 mwN). Wirkt der Betroffene an einer Begutachtung nicht mit, so kann das Gericht gemäß § 283 Abs. 1 und Abs. 3 FamFG seine Vorführung anordnen (Senatsbeschluss vom 17. Oktober 2012 - XII ZB 181/12 - FamRZ 2013, 31 Rn. 18; BT-Drucks. 16/6308 S. 268).12b) Diesen Anforderungen wird die Entscheidung des Landgerichts nichtgerecht.13Wie das Amtsgericht im Einzelnen dargelegt hat, hat der Sachverständige den Betroffenen nicht persönlich untersucht. Zwar führt das Amtsgericht aus, nach den Darlegungen des Sachverständigen böten die Vielzahl der zur Akte gelangten Schreiben des Betroffenen eine ausreichende Basis für die Diagnose und zur Erstellung eines psychiatrischen Gutachtens. Dies vermag gleichwohl die persönliche Untersuchung des Betroffenen nicht zu ersetzen. Das Amtsgericht hätte deswegen erwägen müssen, den Betroffenen zur gutachterlichen Untersuchung vorführen zu lassen. Dabei hängt die Erstattung des Gutachtens im Ergebnis nicht davon ab, dass ein verbaler Kontakt zwischen dem Betroffenen und dem Sachverständigen hergestellt werden kann. Der Sachverständige ist nicht gehindert, im Fall einer durch den Betroffenen verweigerten Kommunikation aus dessen Gesamtverhalten in Verbindung mit anderen Erkenntnissen Schlüsse auf ein bestimmtes Krankheitsbild zu ziehen (Keidel/Budde FamFG 18. Aufl. § 280 Rn. 19).14c) Soweit es die vom Amtsgericht vorgenommene und vom Landgericht bestätigte Erweiterung der Betreuung gemäß § 293 FamFG anbelangt, kann diese schon deshalb keinen Bestand haben, weil die Instanzgerichte den Antrag des Betroffenen auf Aufhebung der Betreuung auf verfahrensfehlerhafte Weise zurückgewiesen haben und damit noch nicht abschließend darüber befunden ist, ob die Betreuung dem Grunde nach überhaupt bestehen bleiben kann. Unbeschadet der Fragen, ob es sich um eine wesentliche Erweiterung des Aufgabenkreises des Betreuers im Sinne von § 293 FamFG handelt und ob deshalb die Einholung eines Sachverständigengutachtens gemäß § 293 Abs. 1 FamFG obligatorisch ist, hat das Beschwerdegericht seine Entscheidung hinsichtlich der Betreuungserweiterung überdies ersichtlich auch auf das - verfahrensfehlerhaft zustande gekommene - Sachverständigengutachten gestützt, weshalb sie auch deshalb keinen Bestand haben kann.153. Der Senat kann nicht abschließend in der Sache entscheiden, weil noch weitere Ermittlungen anzustellen sind. Deshalb ist der Beschluss aufzuheben und die Sache zur weiteren Behandlung und Entscheidung an das Beschwerdegericht zurückzuverweisen, § 74 Abs. 6 Satz 2 FamFG.16Nach Zurückverweisung und der gebotenen Einholung eines weiteren Sachverständigengutachtens wird das Beschwerdegericht auch unter Berücksichtigung des Zeitablaufs die Notwendigkeit einer persönlichen Anhörung des Betroffenen zu überprüfen haben. Sollte der Betroffene nicht zu einem anberaumten Anhörungstermin erscheinen, kann das Beschwerdegericht dessen Vorführung anordnen, vorausgesetzt sie steht nicht außer Verhältnis zum Verfahrensgegenstand (Senatsbeschluss vom 2. Juli 2014 - XII ZB 120/14 - [...] Rn. 15 f.).17Von einer weiteren Begründung der Entscheidung wird abgesehen, weil sie nicht geeignet wäre, zur Klärung von Rechtsfragen grundsätzlicher Bedeutung, zur Fortbildung des Rechts oder zur Sicherung einer einheitlichen Rechtsprechung beizutragen (§ 74 Abs. 7 FamFG).Klinkhammer Schilling Nedden-BoegerBotur GuhlingHinweis: Das Dokument wurde redaktionell aufgearbeitet und unterliegt in dieser Form einem besonderen urheberrechtlichen Schutz. Eine Nutzung über die Vertragsbedingungen der Nutzungsvereinbarung hinaus - insbesondere eine gewerbliche Weiterverarbeitung außerhalb der Grenzen der Vertragsbedingungen - ist nicht gestattet.