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Timestamp: 2020-02-23 17:46:50
Document Index: 285586836

Matched Legal Cases: ['BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 242', '§ 355', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 91', '§ 355', 'BGH', '§ 91', 'BGH', 'BGH', '§ 159', '§ 355', 'BGH', 'BGH', '§ 355', '§ 355', 'BGH', 'BGH', '§ 355', 'BGH', 'BGH', '§ 355', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 765', '§ 765', '§ 765', '§ 765', '§ 765', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 767', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH']

BGH, 04.07.1985 - IX ZR 135/84 - dejure.org
https://dejure.org/1985,389
BGH, 04.07.1985 - IX ZR 135/84 (https://dejure.org/1985,389)
BGH, Entscheidung vom 04.07.1985 - IX ZR 135/84 (https://dejure.org/1985,389)
BGH, Entscheidung vom 04. Juli 1985 - IX ZR 135/84 (https://dejure.org/1985,389)
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Bürgenhaftung nach Kündigung der Bürgschaft für ein laufendes Kontokorrent - Rechtsfolgen der Kündigung einer unbefristeten Kreditbürgschaft - Rechtlich eigenständige Verbindlichkeit der Bürgschaft - Zeitpunkt des Eingangs einer Gutschrift und dessen Verrechnung mit ...
Beschränkung der unbefristeten Bürgenhaftung für laufendes Kontokorrent auf den bei Kündigung begründeten Tagessaldo
BGB §§ 242, 765, 767, 777; HGB §§ 355, 356
ZIP 1985, 984
MDR 1986, 314
WM 1985, 969
DB 1985, 2189
a) Nach der Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs hat ein Sicherungsgeber, der den Kredit eines Dritten auf unbestimmte Zeit besichert hat (wie hier die Klägerin gemäß dem Formularvertrag), nach Treu und Glauben das Recht, den Sicherungsvertrag nach Ablauf eines gewissen Zeitraums oder bei Eintritt besonders wichtiger Umstände mit Wirkung für die Zukunft, d.h. mit der Wirkung zu kündigen, daß sich die Besicherung auf die bei Wirksamwerden der Kündigung begründeten Verbindlichkeiten des Schuldners - im Fall eines Kontokorrentkredits auf den entsprechenden Tagessaldo - beschränkt (vgl. BGH, Urt. v. 4. Juli 1985 - IX ZR 135/84, NJW 1985, 3007; v. 9. März 1959 - VII ZR 90/58, WM 1959, 855).
Als wichtiger Grund in diesem Sinne ist z.B. auch das Ausscheiden eines Gesellschafters aus der Gesellschaft, für deren Schulden er sich verbürgt hatte, angesehen worden (BGH, Urt. v. 4. Juli 1985 aaO; v. 10. Juni 1985 - III ZR 63/84, NJW 1986, 252; BGH, Beschl. v. 17. Dezember 1998 - IX ZR 20/98, ZIP 1999, 877).
Im vorliegenden Fall kommt hinzu, daß seit der Pfandrechtsbestellung mehr als drei Jahre verstrichen waren und die Klägerin erfolglos in die Konten des Schuldners vollstreckt hatte (vgl. BGH, Urt. v. 4. Juli 1985 aaO, zu I 2).
Für die Klägerin war daher Eile geboten, was nach Sachlage weder die Beklagte noch den Schuldner H. S. überraschen konnte und daher um so mehr eine Kündigung des Sicherungsvertrages aus wichtigem Grund ohne Einhaltung einer Kündigungsfrist rechtfertigte (vgl. BGH, Urt. v. 4. Juli 1985 aaO;… Schmitz in Schimansky u.a. aaO, Bd. II § 91 Rdn. 113).
Im Normalfall eines Periodenkontokorrents entsprechend § 355 HGB ermäßigt sich die fortbestehende Haftung einer gekündigten Sicherheit in Höhe des Tagessaldos bei Wirksamwerden der Kündigung nur dann, wenn sich bei einem der nachfolgenden Rechnungsabschlüsse ein geringerer Schuldsaldo ergibt (BGH, Urt. v. 4. Juli 1985 aaO, S. 3010 m.N.;… Schmitz aaO, § 91 Rdn. 114).
Denn aufgrund der Kündigung des Sicherungsvertrages erstreckte sich die Sicherung nur noch auf die bis dahin "begründeten" Verbindlichkeiten aus dem laufenden Kreditverhältnis (BGH, Urt. v. 4. Juli 1985 aaO, zu I 3), nicht aber auf solche aus neuen Verträgen (vgl. auch Senat BGHZ 70, 132, 136 zu § 159 a.F. HGB).
Diese Frage betrifft das Zustandekommen eines abstrakten Saldoanerkenntnisses zum 31. März 2005, das die Klägerin als Rechnungsposten in den der Klage zugrundeliegenden (kausalen) negativen Saldo nach Beendigung des Kontokorrents zum 18. April 2005 (§ 355 Abs. 3 HGB, vgl. BGH, Urteil vom 2. November 1967 - II ZR 46/65, BGHZ 49, 24, 25 f.; Urteil vom 4. Juli 1985 - IX ZR 135/84, WM 1985, 969, 971 f.;… Oetker/Maultzsch, HGB, 3. Aufl., § 355 Rn. 84;… MünchKommHGB/Langenbucher, 3. Aufl., § 355 Rn. 120) eingestellt hat.
Die Klageforderung ist nicht durch Anerkenntnis des beim Rechnungsabschluss zum Ende des zweiten Quartals des Jahres 1999 von der Beklagten ermittelten Saldos untergegangen (vgl. BGHZ 80, 172, 176 und Urteil vom 4. Juli 1985 - IX ZR 135/84, WM 1985, 969, 971).
Nach der Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs gilt diese Beweislastumkehr, falls die Forderungen der Bank aus dem Kontokorrentkonto durch einen Dritten verbürgt worden sind, auch im Verhältnis zwischen Bank und Bürge (BGH, Urt. v. 4. Juli 1985 - IX ZR 135/84, NJW 1985, 3007, 3009; das Urteil vom 24. November 1960 - VII ZR 165/59, WM 1961, 58, 59 betraf einen Sonderfall).
In diesem Fall wurde (abweichend von dem Urteil vom 4. Juli 1985, aaO) die Beweislage für den Bürgen sogar verschärft, weil diesem die Beweislast für die Tilgung der gesicherten Forderung durch den Hauptschuldner auferlegt wurde.
aa) Entgegen der Auffassung des Berufungsgerichts oblag es nicht der Klägerin, sondern zunächst der Beklagten als Anspruchstellerin des vom Berufungsgericht als kausale Saldoforderung nach § 355 Abs. 3 HGB (vgl. BGH, Urteil vom 2. November 1967 - II ZR 46/65, BGHZ 49, 24, 26; Urteil vom 4. Juli 1985 - IX ZR 135/84, WM 1985, 969, 971 f.;… Oetker/Maultzsch, HGB, 2. Aufl., § 355 Rn. 84) erkannten Anspruchs, zu den in den Saldo eingestellten Aktiv- und Passivposten konkret vorzutragen.
Nach der Rechtsprechung des Bundesgerichtshofes hat der Bürge, der es auf unbestimmte Zeit übernommen hat, für den einem Dritten eröffneten Kredit einzustehen, nach Treu und Glauben das Recht, die Bürgschaft nach Ablauf eines gewissen Zeitraums oder bei Eintritt besonders wichtiger Umstände mit der Wirkung zu kündigen, daß die Bürgschaft sich auf die Verbindlichkeiten beschränkt, die im Zeitpunkt der Kündigung bereits begründet waren (BGH Urteil vom 4. Juli 1985 - IX ZR 135/84 - BGHWarn 1985 Nr. 212 = WM 1985, 969).
Gegen ein hierdurch bedingtes Anwachsen seiner Schuld kann sich der Bürge durch Kündigung unter Wahrung einer angemessenen Frist schützen (…vgl. BGH, Urt. v. 10. Juni 1985 - III ZR 63/84, NJW 1986, 252, 253 [BGH 10.06.1985 - III ZR 63/84] unter II 2; OLG Zweibrücken WM 1985, 1291, 1292;… Staudinger/Horn aaO § 765 Rdn. 81;… Erman/Seiler, BGB 8. Aufl. § 765 Rdn. 8;… Palandt/Thomas, BGB 52. Aufl. § 765 Rdn. 7; P. Bydlinski, Die Bürgschaft im österreichischen und deutschen Handels-, Gesellschafts- und Wertpapierrecht S. 57 ff; ferner Senatsurt. v. 4. Juli 1985 - IX ZR 135/84, NJW 1985, 3007, 3008 unter 2; v. 22. Mai 1986 - IX ZR 108/85, NJW 1986, 2308, 2309 unter 3 a).
Die ordentliche Kündigung kommt nur bei unbefristeten Bürgschaftsverträgen in Betracht, wobei sie unabhängig vom Vorliegen eines wichtigen Grundes und nur nach einer angemessenen Zeit und mit einer angemessenen Frist möglich ist (…Münchener Kommentar/Habersack, a.a.O., § 765 BGB, Rdnr. 55 mit Nachweisen;… Palandt/Sprau, BGB, 71. Auflage, § 765 BGB, Rdnr. 16; vgl. BGH ZIP 2002, 2123 für Kündigung einer unbefristeten Pfandrechtsbestellung; BGH WM 1993, 897 und BGH WM 1985, 969 für Kündigung des Kreditbürgen; vgl. OLG Düsseldorf Urteil vom 24. November 1998 - 24 U 264/97 - NZM 1999, 558 = NJW 1999, 3128 für Mietbürgschaft).
Für den Kreditbürgen hat der BGH erkannt, dass dieser nach Treu und Glauben die Bürgschaft nach Ablauf eines gewissen Zeitraumes oder bei Eintritt besonders wichtiger Umstände mit der Wirkung kündigen kann, dass die Bürgschaft sich auf die Verbindlichkeiten beschränkt, die im Zeitpunkt der Kündigung bereits begründet waren (vgl. BGH Urteil vom 04. Juli 1985 - IX ZR 135/84 - WM 1985, 969;… BGH Urteil vom 21. Januar 1993 - III ZR 15/92 - a.a.O.).
Wie für den maßgebenden Zeitpunkt der Beendigung der Geschäftsverbindung zwischen der Klägerin und der Hauptschuldnerin (vgl. dazu BGH, Urteile v. 29. September 1969 - VIII ZR 9/68 - LM BGB § 767 Nr. 7; vom 27. Juni 1979 - VIII ZR 233/78 - NJW 1979, 2040, 2041) [BGH 27.06.1979 - VIII ZR 233/78] die Höhe ihrer Kontokorrentverbindlichkeiten festzustellen ist, legt das Senatsurteil v. 4. Juli 1985 - IX ZR 135/84 (ZIP 1985, 984) dar.
BGH, 07.12.1995 - IX ZR 110/95
Beweis der Erfüllung der Hauptschuld durch den Bürgen
»Der Bürge muß die Behauptung, der Hauptschuldner habe die Forderung getilgt, auch dann beweisen, wenn die Bürgschaft einen nicht anerkannten Tagessaldo aus einem Kontokorrentverhältnis, betrifft (Abweichung von den Senatsurteilen v. 4. Juli 1985 - IX ZR 135/84, ZIP 1985, 984 u. v. 10. Dezember 1987 - IX ZR 296/86, ZIP 1988, 224).«.
Der Senat hat freilich - darauf weist die Revision zutreffend hin - eine andere Beweislastverteilung für den Fall angenommen, daß die Bürgschaft sich, wie hier, auf eine Kontokorrentschuld bezieht und ein Saldoanerkenntnis nicht bewiesen ist; dann soll danach der Gläubiger in vollem Umfang den Fortbestand der verbürgten Hauptschuld und damit - anders als der Hauptschuldner selbst - auch die Behauptung beweisen müssen, daß über die von ihm bei der Abrechnung berücksichtigten Leistungen hinaus keine weiteren Erfüllungstatbestände vorliegen (Senatsurt. v. 4. Juli 1985 - IX ZR 135/84, ZIP 1985, 984, 988 u. v. 10. Dezember 1987 aaO.).
BGH, 10.12.1987 - IX ZR 269/86
BGH, 04.09.2003 - I ZR 128/01
Kündigung einer Verrechnungsvereinbarung mit einem von der Insolvenz bedrohten …
OLG Schleswig, 05.07.2007 - 5 U 48/07
Haftung des Bürgen für Rechtsverfolgungskosten
BGH, 22.05.1986 - IX ZR 108/85
OLG Köln, 28.07.2006 - 20 U 66/05
Eigentumserwerb eines in Spanien gelegenen Hauses; Anhaltspunkte für die …
BGH, 12.12.1985 - IX ZR 47/85
OLG Rostock, 14.04.2004 - 6 U 188/02
Wirkung einer Saldoanerkennung nach einer Rechnungsperiode bei einer …
LG Hamburg, 10.03.2009 - 303 O 375/08
Insolvenz eines ARGE-Gesellschafters: Feststellungswirkung einer innerhalb der …
OLG Brandenburg, 02.04.2007 - 3 U 139/06
Bankdarlehen: Rückerstattungsanspruch auf Grund einer Darlehenskündigung wegen …
OLG Rostock, 14.04.2004 - 6 U 1882/05