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Timestamp: 2019-04-23 00:10:15
Document Index: 372495947

Matched Legal Cases: ['Art. 2', 'EuG', '§ 1097', '§ 1097', '§ 1098', '§ 511']

Amtsgericht Solingen: Europäisches Verfahren für geringfügige Forderungen
Handelt es sich um eine geringfügige Forderung im Sinne der VO (EG) Nr. 861/2007 vom 11. 07. 2007, hat die Gläubigerpartei die Wahl zwischen
Nach der VO (EG) Nr. 861/2007 bedarf die Gläubigerpartei zur Einleitung der Zwangsvollstreckung aus dem inländischen Urteil, welches in einem europäischen Verfahren für geringfügige Forderungen erlassen worden ist, in einem anderen EU-Mitgliedstaat lediglich der entsprechenden Bestätigung durch das inländische Gericht.
Damit entfällt in den anderen EU-Mitgliedstaaten das Verfahren zur Vollstreckbarerklärung, das bislang der Vollstreckung aus inländischen Urteilen vorgeschaltet ist.
In welchen Gesetzen und Verordnungen ist das Verfahren im Inland geregelt?
die Verordnung (EG) Nr. 861/2007 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 11. 07. 2007 zur Einführung eines europäischen Verfahrens für geringfügige Forderungen (VO (EG) Nr. 861/2007 (Small-Claims-Verordnung)) - auch Bagatellverfahrensordnung (EuBagVVO) genannt -,
die Zivilprozessordnung .
Die VO (EG) Nr. 861/2007 findet in grenzüberschreitenden Rechtssachen in Zivil- und Handelssachen mit einem Streitwert bis zu 2.000 Euro Anwendung.
Die VO (EG) Nr. 1861/2007 findet u. a. keine Anwendung auf :
Wie ist der örtliche Anwendungsbereich der VO (EG) Nr. 861/2007?
Die VO (EG) Nr. 861/2007 gilt für alle EU-Mitgliedstaaten mit Ausnahme von Dänemark, Erwägungsgrund 38, Art. 2 III VO (EG) Nr. 861/2007.
Das Amtsgericht ist zuständig. Die örtliche Zuständigkeit des Gerichts bestimmt sich nach der VO (EG) Nr. 44/2001 (EuGVO).
(Besondere) Zuständigkeiten ergeben sich unter anderem aus
Die Entscheidung im europäischen Verfahren für geringfügige Forderungen trifft der zuständige Richter.
Die Antragstellung erfolgt mittels EU-einheitlichen Klageformblatts (Formblatt A), § 1097 I ZPO, Artikel 4 I VO (EG) Nr. 861/2007.
Wohnsitz bzw. gewöhnlicher Aufenthalt mindestens 1 Partei in einem anderen EU-Mitgliedstaat, Artikel 1, 3 VO (EG) Nr. 861/2007,
Streitwert bis 2.000 Euro, Artikel 2 I VO (EU) Nr. 861/2007,
Antragstellung durch die Gläubigerpartei mittels EU-einheitlichen Klageformblatts (Formblatt A), Artikel 4 I VO (EG) Nr. 861/2007, § 1097 I ZPO.
Gemäß Erwägungsgrund 33 VO (EG) Nr.. 861/2007 können von der Gläubigerpartei die Verfahrenskosten (unter anderem Gerichtskosten und Rechtsanwaltskosten) ebenfalls im europäischen Verfahren für geringfügige Forderungen geltend gemacht werden, vergleich Ziffer 7.3.1 und 7.3.3 des Klageformblatts (Formblatt A).
Klageformblatt (Formblatt A),
Antwortformblatt (Formblatt C),
Europäischer Vollstreckungstitel (Formblatt D)
Die Annahmeverweigerungsfrist beträgt 1 Woche und beginnt mit der Zustellung; Artikel 6 III VO (EG) Nr. 861/2007, § 1098 ZPO.
Die Gläubigerpartei hat aufgrund der verwendeten Sprache aus den oben genannten Gründen ebenfalls ein entsprechendes Annahmeveweigerungsrecht hinsichtlich der Widerklage (Formblatt A) und ggfs. des Europäischen Vollstreckungstitels (Formblatt D).
Die Annahmeverweigerungsfrist beträgt auch hier eine Woche.
Die Schuldnerpartei hat innerhalb von 30 Tagen das EU-einheitliche Antwortformblatt (Formblatt C) ausgefüllt dem inländischen Gericht zurückzusenden, Artikel 5 III VO (EG) Nr. 861/2007.
In Betracht kommen unter anderem:
Maßgeblich für die Fristberechnung ist nicht nationales Recht, sondern europäisches Recht, Erwägungsgrund 24 VO (EG) Nr. 861/2007, VO (EWG, Euratom) Nr. 1182/71.
Für das europäische Verfahren für geringfügige Forderungen vor dem Amtsgericht Solingen gelten daher die inländischen Feiertage.
Die Erhebung der Widerklage ist gemäß Erwägungsgrund 16 VO (EG) Nr. 861/2007 zulässig, sofern
der Streitwert der Widerklage maximal 2.000 Euro beträgt.
Die Erhebung der Widerklage erfolgt in der Regel mittels Klageformblatt (Formblatt A), Artikel 5 VI VO (EG) Nr. 861/2007.
Die Aufrechnung erfolgt daher in der Regel mittels Antwortformblatt (Formblatt C), vergleich Erwägungsgrund 17 VO (EG) Nr. 861/2007.
Die Schuldnerpartei sendet das Antwortformblatt (Formblatt C) nicht fristgemäß dem inländischen Gericht zurück.
Gegen das Urteil kann Berufung eingelegt werden, soweit die Beschwerdesumme 600 Euro übersteigt, siehe Artikel 17 VO (EG) Nr. 861/2007, §§ 511, 511a ZPO.
Kann ich trotz des Ablaufs der Rechtsmittelfrist einen Antrag auf Überprüfung des inländischen Urteils stellen?
Die Bestätigung bedarf eines Antrags; dieser wird in der Regel bereits im Formblatt A gestellt.
Die Bestätigung erfolgt mittels Formblatt D.
Die Erteilung der begehrten Bestätigung erfolgt durch den zuständigen Rechtspfleger.
Onlineversion Leitfaden für das europäische Verfahren für geringfügige Forderungen (https://e-justice.europa.eu/content_ejn_s_publications-287-en.do?clang=de)
Hier ist eine Onlineversion des „Praktischen Leitfadens für das europäische Verfahren für geringfügige Forderungen“ abrufbar.