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Timestamp: 2018-07-16 09:09:28
Document Index: 157745025

Matched Legal Cases: ['Art. 105', 'Art. 105', 'Art. 95', 'Art. 105', 'Art. 97', 'Art. 97', 'Art. 105', 'Art. 95', 'Art. 97', 'BGE', 'Art. 132', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'Art. 28', 'Art. 16', 'BGE', 'in fine', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'Art. 95', 'BGE', 'BGE']

8C_1058/2008 19.08.2009
8C_1058/2008
B.________, geboren 1947, meldete sich am 31. August 1999 unter Hinweis auf einen am 27. Juni 1998 erlittenen Unfall bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an. Sein Motorrad war von einem rückwärts auf die Strasse einbiegenden Fahrzeug gerammt worden und er wurde dabei zu Fall gebracht. Im Spital X.________ wurden eine offene proximale Tibiakopf-Trümmerfraktur, eine proximale Fibulaköpfchenfraktur sowie ein ossärer Abriss des Patellaunterpols diagnostiziert und ein operativer Eingriff vorgenommen. Am 1. Februar 1999 konnte B.________ seine Erwerbstätigkeit wieder zu 50 % aufnehmen und am 1. Mai 1999 auf 60 % steigern. Nach Einholung der Akten der Schweizerischen Unfallversicherungsanstalt (SUVA) sprach ihm die IV-Stelle Luzern am 20. März 2000 mit Wirkung ab 1. Juni 1999 eine Viertelsrente zu (Invaliditätsgrad: 40 %).
Nachdem die IV-Stelle im Januar 2005 ein Revisionsverfahren eingeleitet hatte, hob sie die Viertelsrente mit Verfügung vom 22. Juni 2005 und Einspracheentscheid vom 22. März 2007 per 31. Juli 2005 auf mit der Begründung, dass die damalige Rentenzusprechung zweifellos unrichtig gewesen sei.
Die dagegen erhobene Beschwerde wies das Verwaltungsgericht des Kantons Luzern mit Entscheid vom 25. November 2008 ab.
1.2 Gemäss Art. 105 Abs. 1 BGG legt das Bundesgericht seinem Urteil den Sachverhalt zugrunde, den die Vorinstanz festgestellt hat (Art. 105 Abs. 1 BGG). Es kann deren Sachverhaltsfeststellung von Amtes wegen nur berichtigen oder ergänzen, wenn sie offensichtlich unrichtig ist oder wenn sie auf einer Rechtsverletzung im Sinne von Art. 95 BGG beruht (Art. 105 Abs. 2 BGG; vgl. auch Art. 97 Abs. 1 BGG; Ausnahme: Beschwerden gemäss Art. 97 Abs. 2 BGG [Art. 105 Abs. 3 BGG]), wobei unter die Rechtsverletzungen gemäss Art. 95 lit. a BGG auch die unvollständige (gerichtliche) Feststellung der rechtserheblichen Tatsachen fällt (Urteil 9C_40/2007 vom 31. Juli 2007 E. 1; Urteil 9C_360/2007 vom 30. August 2007 E. 3; Hansjörg Seiler/Nicolas von Werdt/Andreas Güngerich, Kommentar zum Bundesgerichtsgesetz, Bern 2007, N 24 zu Art. 97). Wie die Sachverhaltsfeststellung ist auch die vorinstanzliche Ermessensbetätigung im Verfahren vor Bundesgericht nur beschränkt überprüfbar. Eine Angemessenheitskontrolle (vgl. BGE 126 V 75 E. 6 S. 81 [zu Art. 132 lit. a OG]) ist dem Gericht verwehrt; es hat nur zu prüfen, ob die Vorinstanz ihr Ermessen rechtsfehlerhaft ausgeübt, mithin überschritten, unterschritten oder missbraucht hat (vgl. BGE 132 V 393 E. 3.3 S. 399).
2.4 Das Erfordernis der zweifellosen Unrichtigkeit ist in der Regel erfüllt, wenn die gesetzeswidrige Leistungszusprechung aufgrund falscher oder unzutreffender Rechtsregeln erlassen wurde oder wenn massgebliche Bestimmungen nicht oder unrichtig angewandt wurden (BGE 103 V 126 E. a S. 128; ARV 1996/97 Nr. 28 S. 152 E. 3c). Anders verhält es sich, wenn der Wiedererwägungsgrund im Bereich materieller Anspruchsvoraussetzungen liegt, deren Beurteilung in Bezug auf gewisse Schritte und Elemente (z.B. Invalidität[sbemessung], Einschätzungen der Arbeitsunfähigkeit, Beweiswürdigungen, Zumutbarkeitsfragen) notwendigerweise Ermessenszüge aufweist. Erscheint die Beurteilung solcher Anspruchsvoraussetzungen (einschliesslich ihrer Teilaspekte wie etwa die Einschätzung der Arbeitsfähigkeit) vor dem Hintergrund der Sach- und Rechtslage, wie sie sich im Zeitpunkt der rechtskräftigen Leistungszusprechung darbot, als vertretbar, scheidet die Annahme zweifelloser Unrichtigkeit aus (Urteile I 907/06 vom 7. Mai 2007 E. 3.2.1, 9C_215/2007 vom 2. Juli 2007 E. 3.2). Zweifellos ist die Unrichtigkeit, wenn kein vernünftiger Zweifel daran möglich ist, dass die Verfügung unrichtig war. Es ist nur ein einziger Schluss - derjenige auf die Unrichtigkeit der Verfügung - möglich (BGE 125 V 383 E. 6a S. 393; SVR 2006 UV Nr. 17 S. 60, U 378/05 E. 5.2 und 5.3; SVR 2005 AlV Nr. 8 S. 25, C 214/03 vom 23. April 2004 E. 3.1.1; Urteil 9C_575/2007 vom 18. Oktober 2007 E. 2.2).
Das kantonale Gericht hat die Bestimmung über den Anspruch auf eine Invalidenrente (Art. 28 Abs. 1 IVG) unter Hinweis auf den Einspracheentscheid zutreffend dargelegt. Darauf wird verwiesen.
Verwaltung und Vorinstanz haben erwogen, dass die ursprüngliche Verfügung vom 20. März 2000, mit welcher dem Versicherten bei einem Invaliditätsgrad von 40 % eine Viertelsrente zugesprochen worden war, zweifellos unrichtig gewesen sei.
Auch wenn aus der unangefochten gebliebenen Verfügung vom 20. März 2000 keine Einzelheiten bezüglich der Invaliditätsbemessung hervorgehen, erscheint die Beurteilung der materiellen Anspruchsvoraussetzungen angesichts der damaligen Aktenlage bezüglich des Zeitpunkts des Rentenbeginns im Juni 1999 als vertretbar, was rechtsprechungsgemäss allein massgebend ist (E. 2.4). So wurde etwa die Zusprechung einer halben Invalidenrente, die nicht auf einem Einkommensvergleich, sondern lediglich auf ärztlichen Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen beruhte, trotz Feststellung einer fehlerhaften, Art. 16 ATSG widersprechenden Invaliditätsbemessung, angesichts des Attests einer entsprechenden Arbeitsunfähigkeit von 50 % nicht als unvertretbar und damit nicht als zweifellos unrichtig qualifiziert (Urteil 9C_764/2008 vom 9. Januar 2009 E. 3 u. 4, insb. 4.2). Auch im vorliegend zu beurteilenden Fall hatte der Versicherte seine Erwerbstätigkeit am 1. Februar 1999 wieder zu 50 % aufnehmen und am 1. Mai 1999 auf 60 % steigern können. Gestützt auf die ärztliche Stellungnahme der Klinik Z.________ gemäss Eintrag in der Krankengeschichte vom 24. Juni 1999 und die Angaben des Versicherten gegenüber der SUVA vom 5. Oktober 1999 war davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer am bisherigen Arbeitsplatz zu 60 % leistungsfähig sei.
Wie die späteren Abklärungen der SUVA ergaben, wurde indessen im Januar 2001 eine anders lautende Vereinbarung zwischen Arbeitgeberin und Arbeitnehmer getroffen. Demnach bestand bereits im Januar 2001 eine Leistungsfähigkeit von 75 %, die auch entsprechend entlöhnt wurde. Es ist - nachdem anders lautende ärztliche Stellungnahmen für diesen Zeitpunkt fehlen - davon auszugehen, dass damals (anders als in dem erwähntem Urteil 9C_764/2008 zugrunde liegenden Fall) noch eine beträchtliche Verbesserung des Gesundheitszustandes eingetreten ist. Diese schon vor Erlass der Verfügung vom 20. März 2000 eingetretene rentenwirksame Änderung wäre zu berücksichtigen gewesen (BGE 128 V 174, 129 V 222). Die Gewährung einer Viertelsrente war damit ab 1. Januar 2001 nicht mehr zu vertreten, und insofern erweist sich diese Verfügung als offensichtlich unrichtig. Dass die Berichtigung von erheblicher Bedeutung ist, kann ohne Weiteres bejaht werden (Urteil 9C_342/2008 vom 20. November 2008 E. 5.3 in fine, nicht publ. in: BGE 135 I 1).
5.1 Der Einkommensvergleich ist auf den Zeitpunkt des Rentenbeginns beziehungsweise des Eintritts der rentenwirksamen Änderung der Vergleichseinkommen vorzunehmen (BGE 128 V 174, 129 V 222), hier somit, nachdem die ursprüngliche Verfügung vom 20. März 2000 mit Rentenzusprechung ab Juni 1999 beziehungsweise die Änderung ab Januar 2001 zu beurteilen ist, auf die Jahre 1999 und 2001. Die IV-Stelle ist offensichtlich davon ausgegangen, dass der Versicherte seine Restarbeitsfähigkeit an der bisherigen Stelle - selbst mit einem Pensum von 60 % (im Zeitraum von Juni 1999 bis Dezember 2000) - in zumutbarer Weise verwerte und der Invaliditätsgrad entsprechend der 40%igen Lohneinbusse 60 % betrage. Mit der Steigerung der Leistungsfähigkeit auf 75 % steht damit ohne Weiteres fest, dass der Beschwerdeführer ab Januar 2001 ein rentenausschliessendes Einkommen erzielen konnte.
5.2 Im Zusammenhang mit der Invaliditätsbemessung wird geltend gemacht, dass zufolge beruflicher Karriereentwicklung von einem wesentlich höheren Valideneinkommen hätte ausgegangen werden müssen.
Die Feststellung der beiden hypothetischen Vergleichseinkommen stellt sich als Tatfrage dar, soweit sie auf konkreter Beweiswürdigung beruht (BGE 132 V 393 E. 3.3 S. 399). Die vorinstanzliche Sachverhaltsfeststellung könnte diesbezüglich daher nur berichtigt oder ergänzt werden, wenn sie offensichtlich unrichtig wäre oder auf einer Rechtsverletzung im Sinne von Art. 95 BGG beruhte (oben E. 1.2).
Der Beschwerdeführer kann sich einzig auf ein Schreiben vom 20. September 2001 zuhanden der Haftpflichtversicherin des Unfallverursachers stützen. Dessen Inhalt ist ziemlich vage. Zwei frühere Geschäftsleitungsmitglieder der Arbeitgeberin, K.________ und P.________, führen darin aus, dass der Beschwerdeführer als Verkaufsingenieur für den Verkauf International tätig sei. Auf Grund seiner beruflichen Ausbildung sowie seiner grossen Erfahrung im Produkte- und Verkaufsbereich wäre er als Kandidat für die Verkaufsleitung der Skandinavischen Länder vorgesehen gewesen. Als weitere Option wäre für ihn auch ein direkter Einsatz in Y.________ als Leiter des Verkaufsbüros für rund drei bis fünf Jahre in Betracht gezogen worden. Daraus lässt sich lediglich schliessen, dass der Versicherte als Kandidat für die entsprechenden Tätigkeiten grundsätzlich in Frage gekommen wäre; mehr kann daraus jedoch nicht abgeleitet werden. Auch aus den weiteren Erhebungen der SUVA bei der Arbeitgeberin am 22. Februar 2005 ergeben sich keine konkreten Indizien für einen höchstwahrscheinlichen Karriereschritt. Der Personalleiter führte damals aus, dass sich im Personaldossier ausser dem genannten Schreiben vom 20. September 2001 keine schriftlichen Angaben oder Vermerke für eine konkrete Karriereoption finden würden. Hätte eine konkrete Karriereplanung bis zum Unfallzeitpunkt im Jahr 1998 bestanden, müsste es solche Hinweise geben. Da entsprechende schriftliche Unterlagen im Personaldossier jedoch fehlen, kann in antizipierter Beweiswürdigung (BGE 132 V 393 E. 4.1 S. 400, 124 V 90 E. 4b S. 94; SVR 2001 IV Nr. 10 S. 27, I 362/99 E. 4b) davon ausgegangen werden, dass heute auch von einer Befragung der genannten Personen als Zeugen keine weiteren Erkenntnisse zu erwarten sind. Mit dem kantonalen Gericht kann daher der geltend gemachte Karriereschritt und die damit verbundene Lohnentwicklung nicht mit genügender Wahrscheinlichkeit angenommen werden.
5.3 Dass sich später die erwerblichen Auswirkungen des an sich gleich gebliebenen Gesundheitsschadens erheblich verändert hätten (BGE 130 V 343 E. 3.5 S. 349), wird nicht geltend gemacht und es sind diesbezüglich auch keine Anhaltspunkte ersichtlich.
Die IV-Stelle hat die gewährte Viertelsrente mit Verfügung vom 22. Juni 2005 und Einspracheentscheid vom 22. März 2007 wiedererwägungsweise auf den 31. Juli 2005 aufgehoben. Dies ist nach dem Gesagten nicht zu beanstanden. Das kantonale Gericht hat sich zum Zeitpunkt der Aufhebung einlässlich und zutreffend geäussert und der Beschwerdeführer bringt dazu keine Rügen vor. Es ist hier daher nicht weiter darauf einzugehen.
Dieses Urteil wird den Parteien, dem Verwaltungsgericht des Kantons Luzern, Sozialversicherungsrechtliche Abteilung, der Ausgleichskasse der Schweizer Maschinenindustrie und dem Bundesamt für Sozialversicherungen schriftlich mitgeteilt.