Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Gericht=BGH&Datum=19.06.1998&Aktenzeichen=V%20ZR%20356/96
Timestamp: 2020-03-30 07:22:41
Document Index: 88102019

Matched Legal Cases: ['BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 8', '§ 8', 'Art. 237', '§ 1', '§ 8', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 1', '§ 892', '§ 8', '§ 8', '§ 892', '§ 8', '§ 8', '§ 8', '§ 892', 'Art. 237', '§ 1', '§ 1', 'Art. 237', '§ 1', 'Art. 237', '§ 1', 'Art. 237', '§ 1', 'BGH', 'BGH', '§ 8', 'BGH', 'BGH', 'Art. 237', '§ 1', 'BGH', '§ 8', 'BGH', 'BGH']

BGH, 19.06.1998 - V ZR 356/96 - dejure.org
https://dejure.org/1998,781
BGH, 19.06.1998 - V ZR 356/96 (https://dejure.org/1998,781)
BGH, Entscheidung vom 19.06.1998 - V ZR 356/96 (https://dejure.org/1998,781)
BGH, Entscheidung vom 19. Juni 1998 - V ZR 356/96 (https://dejure.org/1998,781)
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Umfang der Verfügungsbefugnis bei fehlerhafter Eintragung des
Eintragung von Volkseigentum in das Grundbuch - Nichtberücksichtigung eines Nacherben - § 8 VZOG in der Fassung des Registerverfahrenbeschleunigungsgesetzes
Kein Eigentumsverlust des Erben von rechtswidrig verstaatlichten DDR-Grundstücken durch Zuordnungsbescheid nach § 8 VZOG a. F.
Grundbucheintragung von Volkseigentum ohne Berücksichtigung des Nacherben; Verfügungsbefugnis über zu Unrecht als Volkseigentum eingetragenes Grundstück
EGBGB (1986) Art. 237 § 1; VZOG § 8
Umfang der Verfügungsbefugnis bei fehlerhafter Eintragung des Volkseigentums
Verfügung über Schein-Volkseigentum
ZIP 1998, 1324
MDR 1998, 1342
NJ 1998, 595
NJ 1998, 596
FamRZ 1998, 1357
WM 1998, 1832
Rpfleger 1998, 465
Daran fehlt es, wenn Veräußerer und Erwerber rechtlich oder wirtschaftlich identisch sind (Senat, Urt. v. 19. Juni 1998, V ZR 356/96, WM 1998, 1832, 1835), also etwa bei einer Veräußerung zwischen personenidentischen Gesellschaften (…BGH, Urt. v. 2. April 1998, IX ZR 232/96, NJW-RR 1998, 1057, 1058), von der Mutter- auf die Tochtergesellschaft (…BGH, Urt. v. 23. Mai 1989, XI ZR 82/88, NJW-RR 1989, 1207) oder von dem Alleingesellschafter auf die Gesellschaft (Senat, Urt. v. 19. Juni 1998, V ZR 356/96, WM 1998, 1832, 1835), aber auch bei der Übertragung von Gesamthandsvermögen auf einen oder mehrere Gesamthänder (Senat, BGHZ 30, 255, 256), etwa im Rahmen einer Erbauseinandersetzung (…BGH, Urt. v. 13. Dezember 2000, IV ZR 239/99, NJW 2001, 1069).
Damit stand er bereits für das Berufungsgericht unangreifbar fest (Senatsurteile v. 19. November 1993, V ZR 269/92, WM 1994, 441; v. 19. Juni 1998, V ZR 356/96, WM 1998, 1832).
Der die Erbausschlagung regelnde besondere Restitutionstatbestand des § 1 Abs. 2 VermG (Senatsurt. vom 19. Juni 1998, V ZR 356/96, WM 1998, 1832, 1833 m.w.N.) ist nicht gegeben, weil keine Hinweise dafür vorliegen, daß das Grundstück überschuldet war.
Denn die Überführung eines Nachlaßgrundstücks in Volkseigentum unter Nichtberücksichtigung der Erben dritter Ordnung war nach dem Recht der DDR nicht möglich und genießt deswegen keinen Bestandsschutz (Senatsurt. v. 19. Juni 1998, V ZR 356/96, WM 1998, 1832, 1833).
Ein gutgläubiger Erwerb nach § 892 BGB scheidet aus, weil es sich bei der Ausgliederung von Vermögen einer Gebietskörperschaft auf eine im Wege der übertragenden Umwandlung gegründete kommunalen Eigengesellschaft nicht um ein Verkehrsgeschäft handelt, das die Vorschrift voraussetzt (Senatsurt. v. 19. Juni 1998, V ZR 356/96 aaO).
Der Gesetzgeber hat in der Begründung zur Neufassung des § 8 Abs. 1 VZOG eindeutig zu erkennen gegeben, daß die von dem Senat für die bis dahin geltende Fassung für richtig gehaltene Auslegung (Senatsurt. v. 19. Juni 1998, V ZR 356/96 aaO) nicht gelten soll, dem Verfügungsberechtigten also nicht nur eine Buchposition, sondern das volle Verfügungsrecht des privaten Grundstückseigentümers eingeräumt sein soll.
b) Die aus § 8 VZOG in der vor dem 22. Juli 1997 geltenden Fassung folgende Buchposition der verfügungsbefugten Stelle nimmt am öffentlichen Glauben des Grundbuchs teil und führt unter den Voraussetzungen des § 892 BGB zum gutgläubigen Erwerb von zu Unrecht als volkseigen gebuchten Grundstücken (Fortführung der Senatsurt. v. 19. Juni 1998, V ZR 356/96, VIZ 1998, 519, 521, und v. 23. Januar 2004, V ZR 205/03, VIZ 2004, 362, 363).
Nach § 8 Abs. 1 VZOG in der insoweit maßgeblichen Fassung des Wohnungsraummodernisierungssicherungsgesetzes vom 17. Juli 1997 (WoModSiG - BGBl. I S. 1823) besteht die Verfügungsbefugnis nämlich, anders als nach § 8 Abs. 1 VZOG in der bis dahin geltenden Fassung (dazu Senat, Urt. v. 19. Juni 1998, V ZR 356/96, VIZ 1998, 519, 521), unabhängig davon, ob die Buchung als Eigentum des Volkes richtig ist (Senatsurt. v. 24. April 1998, V ZR 22/97, ZfIR 1998, 418, 419;… Urt. v. 27. November 1998, V ZR 180/97, VIZ 1999, 161, 163;… Urt. v. 23. Januar 2004, V ZR 205/03, VIZ 2004, 362, 363).
Bis zur Änderung des Vermögenszuordnungsgesetzes durch das Wohnraummodernisierungssicherungsgesetz vom 17. Juli 1997 setzte die Verfügungsbefugnis der Gemeinden voraus, dass Volkseigentum wirksam begründet worden war (Senat, Urt. v. 19. Juni 1998, V ZR 356/96, VIZ 1998, 519, 521), woran es hier fehlt.
Der Senat hat bereits entschieden, dass die mit § 8 Abs. 1 VZOG a. F. begründete Buchposition der verfügungsbefugten Stelle am öffentlichen Glauben des Grundbuchs nach § 892 BGB teilnimmt und unter dessen weiteren Voraussetzungen einen gutgläubigen Erwerb ermöglicht (Urt. v. 19. Juni 1998, V ZR 356/96, VIZ 1998, 519, 521;… Urt. v. 23. Januar 2004, V ZR 205/03, VIZ 2004, 362, 363).
Die Kaufverträge mit den Klägern zu 5 und 6 stellen, wie geboten (Senatsurt. v. 19. Juni 1998, V ZR 356/96, VIZ 1998, 519, 522;… Urt. v. 27. November 1998, V ZR 180/97, VIZ 1999, 161, 162), Verkehrsgeschäfte dar.
Ein Bestandsschutz nach Art. 237 § 1 EGBGB scheidet ebenfalls aus (Senatsurt. v. 19. Juni 1998, V ZR 356/96, WM 1998, 1832).
Die Eintragung des Volkseigentums im Grundbuch stellt als solche nach ständiger Rechtsprechung des Senats keine Enteignung i.S. des § 1 Abs. 1 lit. a oder b VermG dar; dies gilt vor allem dann, wenn in diesem Vorgang der Wille der beteiligten Stellen hervortritt, die Folgen eines anderweit, wie hier durch den Erbfall, bereits herbeigeführten Eigentümerwechsels nachzuvollziehen (Senat, Urt. v. 19. Juni 1998, V ZR 356/96, WM 1998, 1832, 1833 m.w.N.).
Fehlerhafte Fiskuserbschaften können danach als "sonstige Überführung in Volkseigentum" in Ausnahmefällen Art. 237 § 1 EGBGB unterfallen (vgl. Senatsurt. v. 24. April 1998, V ZR 22/97, WM 1998, 1829, 1830; Senatsurt. v. 19. Juni 1998, V ZR 356/96, WM 1998, 1832, 1833;… MünchKomm-BGB/Busche, aaO, Rdn. 7;… Palandt/Bassenge, BGB, 59. Aufl., Art. 237 § 1 EGBGB; a.A. OLG Dresden, VIZ 1998, 330).
Auch werden fehlerhafte Fiskuserbschaften regelmäßig keinen Bestandsschutz begründen können, wenn vorhandene Erben das Erbrecht des Staates ausschließen (Senatsurt. v. 19. Juni 1998, aaO); denn die Übernahme in Volkseigentum war nach den maßgeblichen erbrechtlichen Bestimmungen gerade nicht zu erreichen.
Damit aber war eine Übertragung von Grundstücken in Volkseigentum der Sache nach nicht möglich, so dass nach dem Willen des Gesetzgebers auch der Bestandsschutz nach Art. 237 § 1 Abs. 1 EGBGB nicht zum Tragen kommt (BGH, ZOV 1998, 415ff., 416).
Dem Verfügungsberechtigten sollte mit dieser Norm lediglich eine Buchposition eingeräumt werden, wie sie auch den Begünstigten eines Zuordnungsbescheides zusteht (BGH, ZOV 1998, 415ff., 416f.).
In der Rechtspraxis hat die höchstrichterliche Rechtsprechung § 8 VZOG a. F. gerade nicht die Wirkungen beigemessen, von welchen der Gesetzgeber nunmehr ausgeht (vgl. nur BGH, ZOV 1998, 415ff., 416f.; Senatsbeschl. v. 25.07.1996, VIZ 1996, 732ff.; Senatsurt. v. 24.04.1997 - 7 U 43/97).
Demgegenüber war es weder notwendig noch sachlich gerechtfertigt, den Verfügungsbefugten mit den vollen Rechten des wirklichen Eigentümers auszustatten (vgl. BGH, Urteil vom 19. Juni 1998 - V ZR 356/96 - WM 1998, 1832, 1834 f).
Die Revision weist mit Recht darauf hin, dass eine zu Unrecht angenommene Fiskuserbschaft der DDR, wenn es um ein noch vorhandenes Nachlassgrundstück geht, andere als die hier für das Geldvermögen von den Vorinstanzen angenommenen Rechtsfolgen haben kann (trotz Art. 237 § 1 EGBGB i.d.R. kein Bestandsschutz, vgl. BGH, Urteile vom 8. Dezember 2000 - V ZR 489/99 - VIZ 2001, 213 unter III 4; vom 19. Juni 1998 - V ZR 356/96 - ZIP 1998, 1324 unter IV).
Die Frage, ob § 8 Abs. 1 Satz 1 Buchst. a VZOG in der Fassung des Wohnraummodernisierungssicherungsgesetzes rückwirkend auch die Rechtsmacht verleiht, über nicht entstandenes Volkseigentum wirksam zu verfügen (vgl. Senatsurt. v. 19. Juli 1998, V ZR 356/96, WM 1998, 1832), stellt sich hier nicht.
BGH, 11.02.2016 - V ZB 182/14
Insolvenzeröffnung nach Beschlagnahme in der Zwangsverwaltung - und nun?
Zwar gilt eine Ausnahme für die Fälle, in denen die Änderung nur eine Beschränkung oder Modifikation des früheren Antrags darstellt und sich auf einen Sachverhalt stützt, der vom Tatrichter bereits gewürdigt worden ist (vgl. zur Revision Senat, Urteil vom 19. Juni 1998 - V ZR 356/96, VIZ 1998, 519; BGH, Urteil vom 18. Juni 1998 - IX ZR 311/95, NJW 1998, 2969, 2970).
OLG Dresden, 25.03.1999 - 7 U 256/99