Source: https://issuu.com/bfu-bpa-upi/docs/jahresbericht2010
Timestamp: 2017-03-25 16:32:38
Document Index: 152894785

Matched Legal Cases: ['Art.\n663', 'Art. 663', 'Art. 83', 'Art. 728', 'Art. 83', 'Art. 728']

Jahresbericht 2010 by bfu – Beratungsstelle für Unfallverhütung - issuu
bfu – Beratungsstelle für Unfallverhütung, Hodlerstrasse 5a, CH-3011 Bern
Tel. +41 31 390 22 22, Fax +41 31 390 22 30, info@bfu.ch, www.bfu.ch
© bfu, 2011
Abteilung Publikationen / Sprachen
bfu; S. 5 Iris Andermatt; S. 7, 19, 31, 47 Ruben Wyttenbach; S. 27 iStockphoto.com/sturti;
S. 37 Simone Wälti; S. 41 Giovanni Paolo Antonelli
Alle Rechte vorbehalten. Die Wiedergabe einzelner Teile des Berichtes ist unter Quellenangabe gestattet.
ISSN-Nr. 0487-8078
Gesetzesänderungen mit ähnlich grosser Bedeutung ver-
In der Politik wächst das Verständnis für die Unfallverhü-
folgt Via sicura, das Massnahmenpaket des Bundes zur Ver-
tung. Das Bundesparlament befasste sich 2010 mehrmals
besserung der Verkehrssicherheit. Die bfu analysierte diese
mit dem Thema – und die Ergebnisse der Beratungen stim-
Massnahmen im vergangenen Jahr und stellte fest, dass
men die bfu zuversichtlich. So befürworteten zum Beispiel
damit jährlich rund 100 Verkehrstote und 200 IV-Fälle ver-
beide eidgenössischen Räte die Verankerung der Unfallver-
hindert werden könnten. Entsprechend war es ein wichti-
hütung im Sportförderungsgesetz. Auch beim Rahmen-
ger Etappensieg für die Unfallprävention, dass der Bundes-
gesetz für Anbieter von Risikosportarten, über das fast
rat im Herbst 2010 die Botschaft zu Via sicura verabschiedet
10 Jahre lang debattiert worden ist, fanden die Parlamen-
und an die eidgenössischen Räte weitergeleitet hat.
tarier eine gute Lösung. Erfreulich, dass die parlamentari-
Gesetzliche Schutzbestimmungen werden von den Betrof-
schen Vorstösse, die auf das Gefahrenpotenzial von Elek-
fenen manchmal als Einschränkung wahrgenommen – des-
tro-Bikes aufmerksam machten, auf breite Unterstützung
sen ist sich die bfu bewusst. Deshalb sind die Empfehlun-
stiessen. Schliesslich konnte auch mit der neuen Verord-
gen der bfu an die Politik massvoll und berücksichtigen
nung zur Sicherung von Kindern in Autos eine wichtige
auch die Akzeptanz in der Bevölkerung. Zudem sucht die
Sicherheitslücke geschlossen werden.
bfu das Gespräch mit betroffenen Gruppen, um breit abge-
Die bfu ist darüber sehr froh, denn es ist erwiesen, dass
stützte Lösungen zu entwickeln. Denn: Gesetzliche Rege-
gesetzliche Rahmenbedingungen effizient zur Unfallprä-
lungen entfalten ihre unfallverhütende Wirkung vor allem
vention beitragen können. So brachte der politische Ent-
dann, wenn sie von der Bevölkerung akzeptiert werden.
scheid, das Tragen von Sicherheitsgurten als obligatorisch
zu erklären, 1981 eine sprunghafte Reduktion der tödlichen Unfälle um 15 %. Ein anderes beeindruckendes Beispiel: Im Jahr 2005 führte die Senkung des Blutalkohol-
grenzwerts von 0,8 auf 0,5 Promille zu einer Reduktion von
rund 50 Verkehrstoten – pro Jahr.
Bei der bfu läuft es nach Programm
Geschwindigkeit: Raser sind nur die Spitze des Eisbergs
Prävention zu E-Bikes kommt in Fahrt
Handgelenkschützer: Erfolgreicher Schritt in Richtung Normenentwicklung
Evaluation der Schneesportkampagne
Die bfu attestiert den Erfolg der SVV-Kampagne «Kopf stützen – Nacken schützen»
Weiterbildung: Die bfu will die Sicherheit auf Arbeitsfahrten verbessern
Erziehung: 30 Jahre bfu-Kinderpost
«Familien willkommen»: bfu-Sicherheitsdelegierte sorgen für Sicherheit
Signalisierte Schneeschuhrouten
Bodenbeläge dürfen nicht Unfallauslöser sein
Verkehrstechnische Unfallanalyse: Vorbedingung für die Sanierung von Strassen
Safety Audit Seetalplatz Luzern
Produkteprüfungen:
Stichproben PrSG
Das bfu-Sicherheitszeichen im Dienst der Unfallverhütung
Franky Slow Down – ein Engel mit Kultstatus
«Fit für die Strasse?» – die Alkoholpräventionskampagne der bfu
Auto-IQ-Test unter www.auto-iq.ch
Internet: Präventionswissen online
Fruchtbare Zusammenarbeit mit den europäischen Forschungsanstalten
Schwerpunktprogramm Stürze: Viele Unfälle können verhindert werden
Ertrinkungsunfälle: Gemeinsam vom Wissen zum Programm
Eine Million Nichtberufsunfälle pro Jahr – es bleibt noch viel zu tun, um diese
beträchtliche Anzahl zu reduzieren. Die bfu setzt sich tagtäglich mit unterschiedlichsten Aktivitäten in ihren vier Arbeitsgebieten dafür ein.
Beratung/Sicherheitsdelegierte
Jörg Thoma, dipl. Ing. TH, Vizedirektor
Brigitte Buhmann, Dr. rer. pol., Direktorin
Ulrich Fricker, Dr. oec. HSG, Vorsitzender der
Stefan Siegrist, Dr. phil., stellvertretender
Geschäftsleitung der Schweizerischen
Vertreter der Suva
Christian A. Huber, dipl. Ing. ETH
Guido Fürer, dipl. Verbandsmanager VMI
Fränk Hofer, eidg. dipl. Turn- und Sportlehrer
Haus / Freizeit / Produkte
Diether Kuhn, Dr. iur., GB Marktmanagement,
Die Mobiliar, Bern; Vertreter des Schweizerischen Versicherungsverbandes (SVV)
Rolf Winkelmann, dipl. Ing. FH
Körperschäden; Vertreter des Schweizerischen Versicherungsverbandes (SVV)
Natalie Imboden, Regionalsekretärin/
(ASTRA), Bern; Präsident und Vertreter des
Solothurn; Vertreter übrige Versicherer
Richard Lüthert, Leiter Documents &
Marketing Operations, AXA Winterthur,
Unternehmen – Personelles
Kurt Fellinger, Betriebsökonom FH
Rolf Moning, lic. iur.
Kampagnen / Marketing
Peter Matthys, exec MBA
Magali Dubois, lic. phil.
Publikationen / Sprachen
Logistik / Recht / Personal
Roland Allenbach, dipl. Ing. ETH
Martin Leu, Personalleiter SKP Executives
Christian Scherer, lic. phil., Psychologe FSP
Peter Schönthal, dipl. Ing. FH
Markus Hubacher, lic. phil., MPH
Zita Schroeter, MAS IS
Die bfu beschäftigt 124 Mitarbeitende
99,3 Personaleinheiten entspricht.
bfu – Jahresbericht 2010
Die bfu veröffentlicht eine Studie zu den regionalen Unter-
Grosser Erfolg für den Engel Franky Slow Down, der dem
schieden im Verkehrsunfallgeschehen in der Schweiz. Sie
80. Automobil-Salon in Genf einen Besuch abstattet. Er
stellt die Ergebnisse am 19. Januar 2010 an zwei Pressekon-
trifft Bundesrätin Doris Leuthard und seine Fans haben die
ferenzen vor. Zwischen 1997 und 2007 ging die Anzahl
Gelegenheit, zusammen mit ihm und seinem speziellen
Schwerverletzter und Getöteter im Strassenverkehr in der
Auto «Car SloMo 1.0» vor der Kamera zu posieren. Und
Deutschschweiz mit 21 % am stärksten zurück. In der
gleichzeitig erfahren sie mehr über die mit zu schnellem
Westschweiz und im Tessin betrug der Rückgang hingegen
Fahren verbundenen Risiken.
lediglich 7 bzw. 10 %. Die bfu möchte die gewonnenen
Erkenntnisse dazu nutzen, noch gezieltere Präventions-
arbeit zu leisten, und wird 2011 ihr Engagement in der
Auf den 1. April treten die neuen Bestimmungen betref-
Romandie und im Tessin verstärken.
fend Sicherheit der Kinder im Auto in Kraft. Bis zu einer
Körpergrösse von 150 cm oder bis 12 Jahre müssen Kinder
mit einer geeigneten Kinderrückhaltevorrichtung gesichert
Die jährliche Umfrage der bfu bei den Kantonspolizeien hat
werden. Zusammen mit dem TCS veröffentlicht die bfu in
ergeben, dass die Anzahl der Verunfallten auf Schweizer
9 Sprachen den Ratgeber «Auto-Kindersitze 2010» sowie
Strassen 2009 leicht zurückgegangen ist: 349 Personen
die Broschüre «Kinder im Auto. Richtig und altersgerecht
sind ums Leben gekommen (2008: 357 / –3 %) und 4708
sichern». Das neue Gesetz stösst vielerorts auf heftigen
wurden schwer verletzt (2008: 4780 / –3 %).
Widerstand – besonders in der Romandie. Doch die Crash-
Die seit 2004 von der bfu durchgeführten Helmtesttage für
Tests sprechen eine klare Sprache: Ein normaler Sicherheits-
Schneesportler bilden dieses Jahr den erfolgreichen Ab-
gurt schützt Kinder nicht, da dieser für den Körper von
schluss: Die Kampagne «Fahre mit Respekt und Helm» der
Erwachsenen konzipiert ist.
bfu, des Schweizerischen Versicherungsverbandes SVV
und der Schweizerischen Rettungsflugwacht Rega ist be-
endet. Die Helmtragquote bei Skifahrern ist von 28 % im
In der Schweiz kommt es jedes Jahr zu rund 2,5 Millionen
Jahr 2003 auf 76 % im Winter 2009 / 10 angestiegen. Die
Geschwindigkeitsübertretungen. Und: Überhöhte Geschwin-
Sensibilisierungskampagne hat offensichtlich gewirkt.
digkeit ist die Hauptursache von schweren Strassenverkehrsunfällen. Im Auftrag des Fonds für Verkehrssicherheit
FVS veröffentlicht die bfu ein Sicherheitsdossier zu diesem
Thema, in dem die Erfolg versprechendsten Präventionsmassnahmen in den Bereichen Kontrollen, Kampagnen
und Infrastruktur aufgezeigt werden.
Unternehmen – Jahresrückblick
Die Westschweizer und Berner Kantonspolizeien, die bfu,
Nationalrätin Marie-Thérèse Weber-Gobet (CSP/FR) reicht
die Sektion Waadt des TCS und die Kommission Strassen-
dem Bundesrat eine Motion bezüglich Helmtragpflicht auf
sicherheit der Föderation der Motorradfahrer der Schweiz
E-Bikes mit einer Tretunterstützung über 25 km/h ein. Ihr
(FMS) empfangen am 13. Juni die Motorradfahrer auf dem
Vorstoss freut die bfu, die in einer vom ASTRA gebildeten
Col du Pillon. Motorradpolizisten sind anwesend, um
Arbeitsgruppe mitwirkt, in der dieses Thema behandelt
Fragen zu beantworten. Den Besuchern wird nicht nur
wird. Am 3. Dezember empfiehlt der Bundesrat die Ableh-
Informationsmaterial über die spezifischen Gefahren beim
nung der Motion. Die bfu wird sich auf politischer Ebene
Fahren abgegeben, sie können auch live die Gruppe
weiterhin für eine Helmtragpflicht auf schnellen E-Bikes en-
«Da Sign & The Opposite» erleben, die Interpreten des
Kampagnensongs «Slow down. Take it easy».
Der Bundesrat verabschiedet die Botschaft zu Via sicura
Das neue Produktesicherheitsgesetz (PrSG) tritt in Kraft. Als
und überweist das Handlungsprogramm für mehr Sicher-
ausführendes Organ ist die bfu für die allgemeine Sicher-
heit im Strassenverkehr ans Parlament zur weiteren Bear-
heit zuständig. In diesen Zuständigkeitsbereich fallen Sport-
beitung. Für die bfu handelt es sich dabei – in Anbetracht
und Freizeitgeräte, Maschinen für den Privatgebrauch,
des Leids, das Verkehrsunfälle verursachen, und der mate-
Möbel und persönliche Schutzausrüstungen wie Helme.
riellen Kosten in der Höhe von jährlich 6,5 Milliarden Fran-
Zudem verfügt die bfu in diesem Bereich über erweiterte
ken – um einen weiteren Schritt in die richtige Richtung.
Kompetenzen, die ihr ein Eingreifen im Fall von gefährlichen Produkten ermöglichen.
Die bfu veröffentlicht Zahlen zum Thema «Senioren am
Mithilfe von Fahrer-Assistenz-Systemen könnten bis zu
Steuer», um einige Vorurteile zu entkräften. Fazit: Autolen-
50 % der schweren Unfälle verhindert werden. Diese intel-
kerinnen und -lenker im Seniorenalter fallen nur relativ sel-
ligenten Systeme verfügen also über ein enormes Potenzial
ten negativ auf und stellen im Strassenverkehr im Vergleich
zur Sicherheitsförderung im Strassenverkehr. Am 12. bfu-
zu anderen Altersgruppen keine grössere Gefahr dar.
Forum wird diskutiert, wie man deren – noch zu geringe –
Verbreitung fördern könnte.
Am 4. nationalen Tag des Lichts – die bfu unterstützt die-
Die bfu führt ihre halbjährliche Erhebung zum Unfallge-
sen Anlass jedes Jahr – findet in Bern ein Sponsorenlauf
schehen auf den Strassen durch. Im ersten Halbjahr 2010
zugunsten von im Strassenverkehr verunfallten Kindern
ist die Anzahl der auf Schweizer Strassen schwer verletzten
statt. 300 mit lichtreflektierendem Material ausgerüstete
Personen im Vorjahresvergleich erneut zurückgegangen
Personen nehmen daran teil. Prominenteste Läuferin ist
(1815 / –15 %). Die Anzahl der Getöteten (151) ist gleich
Simone Niggli-Luder. Die mehrfache Orientierungslauf-
hoch wie im ersten Halbjahr 2009.
Weltmeisterin steht bei diesem Anlass Patin.
Zwischen Nez Rouge und der bfu entsteht eine Zusammenarbeit. Die freiwilligen Fahrerinnen und Fahrer von Nez
Rouge verteilen den Informationsflyer der bfu-Kampagne
«Fit für die Strasse?» sowie ein Rezeptbüchlein für
alkoholfreie Drinks.
Die bfu freut sich über die Annahme des Bundesgesetzes
über das Bergführerwesen und Anbieten weiterer Risikoaktivitäten durch das Parlament. Von jetzt an müssen alle
Anbieter solcher Aktivitäten über eine Bewilligung und
eine Haftpflichtversicherung verfügen. Ein Sieg für die
Die bfu in den Medien
2010 war die bfu 4535 Mal in Presse, Radio und
Fernsehen präsent. Deutlich zugenommen hat die
Berichterstattung auf den ausgebauten OnlinePortalen der grossen Medienhäuser. Anfang Jahr
fand insbesondere die Studie über die regionalen
Unterschiede im Verkehrsunfallgeschehen ein
grosses Echo, nicht zuletzt in der Westschweiz
und im Tessin. Auf reges Interesse stiess auch die
Veröffentlichung der Strassenverkehrsunfallzahlen
für das Jahr 2009. Noch nie war die Zahl der
Todesopfer (349) und der Schwerverletzten (4708)
so tief. Positiv war die Entwicklung dabei
insbesondere bei den Personenwagen. Die weit
weniger erfreuliche Situation bei den schwächeren
Verkehrsteilnehmern wie Fussgängern und Fahrradfahrern hat während des ganzen Jahres zu
zahlreichen Anfragen und kritischen Artikeln geführt. Thematisiert wurden zudem die Senioren als
Lenker von Motorfahrzeugen. Die bfu stellte
wiederholt klar, dass ältere Lenker nur relativ selten negativ in Erscheinung treten. Im Bereich
Sport sorgte – zum Abschluss der mehrjährigen
Kampagne – die hohe Schneesporthelm-Tragquote von 76 % im Winter 2009/10 für positive
Stimmen. In den Mittelpunkt des Interesses rückte
Ende Jahr – nach zwei tödlichen Unfällen – das
Schlitteln. Die Öffentlichkeit nahm erstaunt zur
Kenntnis, dass es sich dabei um einen Wintersport
mit nicht zu unterschätzenden Risiken handelt, bei
dem sich jährlich rund 10 000 Personen verletzen.
Eine Million Nichtberufsunfälle pro Jahr – es bleibt noch viel zu tun, um diese beträchtliche Anzahl zu
reduzieren. Das Mehrjahresprogramm 2011 – 2015 der bfu zeigt die Schwerpunkte und die geplanten
Präventionsmassnahmen auf. Ein kurzer Überblick.
der Freizeitunfälle in der Schweiz seit Jahren stetig zu. Rund
Lücke in der Sicherheitsarbeit mit jungen
eine Million Menschen verletzen sich jährlich bei einem
Die Sicherheitsförderung an Schulen erfolgt hauptsächlich
Nichtberufsunfall – 100 000 im Strassenverkehr, 300 000
über Verkehrsinstruktoren und Lehrpersonen, denen in
beim Sport und 600 000 im Haushalt oder bei der Aus-
Form der Unterrichtshilfe Safety Tools das notwendige Wis-
übung eines Hobbys. Rund 80 000 Personen verletzen sich
sen für die Präventionsarbeit mit Kindern und Jugendlichen
dabei mittelschwer bis schwer, 3000 ziehen sich so schwe-
zur Verfügung gestellt wird. Bei den 16- bis 18-Jährigen
Trotz intensiver Präventionsbemühungen nimmt die Anzahl
re Verletzungen zu, dass sie dauerhaft invalid bleiben,
besteht im Bereich Unfallprävention jedoch eine Lücke. Um
2000 sterben an den Folgen des Nichtberufsunfalls. Von
diese zu schliessen, will die bfu zusammen mit ihren Part-
den tödlich verlaufenden Nichtberufsunfällen ereignen sich
nern ein Good-Practice-Handbuch für die Sicherheitsarbeit
ca. 1500 zu Hause oder in der Freizeit, 330 im Strassenver-
im obligatorischen und postobligatorischen Bildungs-
kehr und 130 beim Sport.
bereich erarbeiten. Zudem beabsichtigt sie, ein Kursmodul
Bei der Formulierung der Präventionsziele 2011 – 2015 hat
zu entwickeln, das sich an Personen richtet, die die Sicher-
die bfu den Handlungsbedarf und das Wissen über die Wir-
heit in den postobligatorischen Schulen fördern.
kung von Präventionsmassnahmen, die gesellschaftlichen
und politischen Rahmenbedingungen sowie die der bfu
Ausdehnung der Beratung
und den Präventionspartnern zur Verfügung stehenden
Die bfu erstellt jährlich Hunderte von Gutachten für Ge-
Ressourcen berücksichtigt. Das Erreichen der Ziele setzt die
meinde- und Kantonsbehörden im Bereich des Strassenver-
Unterstützung von Politik, Wirtschaft und Präventionspart-
kehrs sowie zu Schul- und Sportanlagen, Einkaufszentren,
nern voraus.
Kinderspielplätzen usw. Um eine maximale Effizienz ihrer
Beratungstätigkeit zu erlangen, hat die bfu das Konzept der
Forschung als Herzstück der Prävention
kaskadenförmigen Beantwortung der Anfragen entwickelt.
In erster Linie möchte die bfu den Einfluss der Forschung
Gemäss diesem Konzept werden tiefe Risiken von den bfu-
auf ihre eigene Präventionstätigkeit, aber auch die ihrer
Sicherheitsdelegierten in den Gemeinden und Städten vor
Präventionspartner verstärken. Die bfu als Kompetenz-
Ort behandelt, während höhere Risiken in die Zuständig-
zentrum hat sich einer wissensbasierten Unfallverhütung
keit von Chef-Sicherheitsdelegierten oder bfu-Fachspezia-
verpflichtet. Ihre Aktivitäten richten sich deshalb nach dem
listen fallen. Im Bereich Strassenverkehr hat die bfu grosse
Stand der Forschung und den bekannten Good-Practice-
Erwartungen an das Projekt Via sicura, das Road Safety Au-
Regeln der Prävention. Bei der Festlegung ihrer Schwer-
dits (Beurteilung von Strassenverkehrsprojekten) vorsieht.
punktprogramme sowie bei der Weitergabe von Wissen in
Form von Beratung, Ausbildung und Kommunikation ist
die Forschungstätigkeit die unabdingbare Basis.
Unternehmen – Bei der bfu läuft es nach Programm
Noch besser ausgebildete Sicherheitsdelegierte
Da die bfu-Sicherheitsdelegierten immer mehr kleine
Bessere Koordination dank
Sicherheitsberatungen in ihren Gemeinden übernehmen,
Neben dem allgemeinen Präventionsauftrag verpflichtet
hat sich ihr Tätigkeitsbereich in den letzten Jahren vergrös-
das Unfallversicherungsgesetz die bfu auch dazu, «gleich-
sert. In den nächsten Jahren soll das vorgängig erwähnte
artige Bestrebungen» zu koordinieren. Zu diesem Zweck
Kaskadensystem weiterentwickelt werden. Das geschieht
wurden die Schwerpunktprogramme entwickelt. Diese
durch eine zielgerichtete Weiterbildung der bfu-Sicher-
werden auf der Basis der Erkenntnisse aus der Unfallfor-
heitsdelegierten, die sich zu eigentlichen Sicherheitsfach-
schung definiert und zusammen mit den Partnern umge-
leuten in den Städten und Gemeinden entwickeln können.
setzt. Sie dienen den in der NBU-Prävention tätigen Akteuren als Wegweiser für die Koordination und Abstimmung
Mehr Produktkontrollen
von Massnahmen. Sieben Schwerpunktprogramme wer-
Das am 1. Juli 2010 in Kraft getretene Produktesicherheits-
den die bfu von 2011 bis 2015 besonders beschäftigen:
gesetz (PrSG) sorgt für die Angleichung der Schweizer Ge-
Neulenkende, Schneesport, Radfahren, Stürze, Motorrad-
setzgebung an die EG-Richtlinie über die allgemeine Pro-
fahren, Sommerbergsport und Geschwindigkeit. Das The-
duktesicherheit. Für die bfu bedeutet dies einerseits
ma Wasser wird als «Programm» mit den gleichen Koordi-
umfangreichere Produktanalysen aufgrund der internatio-
nationsansätzen angegangen.
nalen Meldesysteme ICSMS (Information and communication system for market surveillance) und RAPEX (Rapid
Das Mehrjahresprogramm 2011 – 2015 der bfu können
Alert System for Non-Food Products) für alle gefährlichen
Sie herunterladen auf:
Non-Food-Konsumgüter, sowie andererseits eine grössere
www.bfu.ch/bestellen, Artikel-Nr. 1.013
Anzahl zu kontrollierender Produkte.
Kommunikationsarbeit ist unabdingbar für eine wirksame
Unfallprävention. Ob über Kampagnen in Zusammenarbeit
mit Präventionspartnern, Publikationen, Medienarbeit oder
Internet – die bfu will mit ihrer Kommunikation die Sensibilität der Bevölkerung für Unfallgefahren steigern und das
Verhalten entsprechend beeinflussen. Dabei trägt die bfu
den Eigenheiten der verschiedenen Zielgruppen Rechnung
und wählt die idealen Kommunikationsmittel, um sie optimal zu erreichen.
CHF (in 1000)
Maschinen / Mobiliar / Fahrzeuge
Unternehmen – Jahresrechnung 2010
Erfolgsrechnung 1. Januar bis 31. Dezember
Ordentlicher UVG-Beitrag
UVG = Unfallversicherungsgesetz; FVS = Fonds für Verkehrssicherheit
Infrastruktur / Verwaltung
Kooperationen / Gemeinschaftskampagne FVS
Veränderung Freie Mittel Prävention
PrSG = Produktesicherheitsgesetz
Ergänzende Angaben zur Rechnungslegung gemäss Art.
663b OR.
1. Brandversicherungswerte
2010: CHF 5 387 000
2009: CHF 5 387 000
Um die Übereinstimmung des Jahresabschlusses des Unternehmens mit den anzuwendenden Rechnungslegungsregeln und die Ordnungsmässigkeit der Unternehmensberichterstattung zu gewährleisten, haben wir interne
Vorkehrungen getroffen. Diese beziehen sich auf zeitgemässe Buchhaltungssysteme und -abläufe ebenso wie
auf die Erstellung des Jahresabschlusses.
Im abgelaufenen Geschäftsjahr haben wir keine Risiken
identifiziert, die zu einer dauerhaften oder wesentlichen
Beeinträchtigung der Vermögens-, Finanz- und Ertragslage
des Unternehmens führen könnten.
Keine weiteren Angaben zum Anhang zur Jahresrechnung
gemäss Art. 663b OR.
Kommentar zur Bilanz per 31. Dezember 2010
Kommentar zur Erfolgsrechnung 2010
Die Bilanzsumme beläuft sich per 31.12.2010 auf
Ertrag und Aufwand belaufen sich auf je CHF 25,5 Mio. Die
CHF 20,2 Mio. Die Zunahme gegenüber dem Vorjahr von
Abweichung von Ertrag und Aufwand im Vergleich zum
CHF 1,2 Mio. ist auf die Bildung von zusätzlichen Freien
Vorjahr beträgt CHF 1,66 Mio. und ist im Wesentlichen auf
Mitteln Prävention und auf den Aufbau von zusätzlichen
tiefere UVG-Erträge, einen deutlich tieferen Finanzerfolg
Budgetabgrenzungen zurückzuführen.
und das Auslaufen der Kopfstützen- sowie der Skihelmkampagne im Jahr 2009 (beide in Zusammenarbeit mit
dem SVV) zurückzuführen.
Das Umlaufvermögen per 31.12.2010 beträgt CHF 7,8 Mio.
gegenüber CHF 6,7 Mio. im Vorjahr. Die grösste Verände-
rung gab es bei den Flüssigen Mitteln, die nun die Liquidität
Im Rechnungsjahr 2010 beträgt der Gesamtertrag
für ca. 2 Monate sicherstellen. Bei den übrigen Forderun-
CHF 25,5 Mio. (2009: CHF 27,1 Mio.). Er setzt sich wie folgt
gen ist die Veränderung auf die Erhöhung bei den Voraus-
zahlungen an die Sozialwerke zurückzuführen.
CHF 18,7 Mio. resp. 73 % des Gesamtertrags.
Das Anlagevermögen per 31.12.2010 beträgt CHF 12,4 Mio.
gegenüber CHF 12,2 Mio. im Vorjahr. Der Marktwert der
Der Ertrag aus dem NBU-Prämienzuschlag beläuft sich auf
Der Fonds für Verkehrssicherheit FVS unterstützt die bfu
Finanzanlagen hat sich im Jahr 2010 um CHF 0,157 Mio.
insgesamt mit CHF 4,37 Mio., ca. 17 % des Ertrags. Darin
erhöht. Der Wert des Mobiliars, der elektronischen
enthalten sind 4 Leistungsaufträge im Umfang von
Hardware usw. ist wie bisher mit dem Erinnerungsfranken
CHF 2,675 Mio., Projektfinanzierungen im Umfang von
CHF 705 000 und die Finanzierung der Gemeinschaftskampagnen mit CHF 988 000 (Geschwindigkeitskampagne CHF 230 000, Müdigkeitskampagne CHF 758 000).
Das Fremdkapital per 31.12.2010 enthält kurzfristige Ver-
Die Einnahmen aus den übrigen Präventionstätigkeiten
bindlichkeiten von CHF 2,3 Mio. Die übrigen Verbindlich-
machen CHF 2,209 Mio. aus (8,7 % des Ertrags), der
keiten umfassen insbesondere das Kontokorrent bei der
übrige Ertrag beläuft sich auf CHF 44 000.
Suva für die UVG-Prämienzuschläge (CHF 888 000). In den
Der Finanzerfolg von CHF 177 000 ergibt sich aus dem
passiven Rechnungsabgrenzungen sind CHF 475 500 für
Zinsergebnis auf Post- und Bankguthaben (CHF 22 000)
nicht bezogene Ferien- und Gleitzeitguthaben enthalten.
sowie dem realisierten (CHF 161 000) und dem nicht-
Es konnten Guthaben der Mitarbeitenden im Wert von
realisierten (CHF –6000) Wertschriftenerfolg.
CHF 258 000 abgebaut werden. Die Budgetabgrenzungen
betragen CHF 1,025 Mio. Das Eigenkapital per 31.12.2010
beträgt CHF 16 Mio. Es setzt sich wie folgt zusammen:
Der gesamte Aufwand beträgt CHF 25,5 Mio. Rund
Stiftungskapital CHF 200 000, Reserven CHF 13,4 Mio. und
CHF 14,4 Mio. oder 56,6 % des Gesamtaufwands entfallen
Freie Mittel Prävention CHF 2,3 Mio. Das vom Stiftungsrat
auf Personalkosten, CHF 2,4 Mio. oder 9,5 % beträgt
gewünschte Verhältnis «Reserven/Umsatz» von 50 % ist
der Aufwand für Infrastruktur und Verwaltung und
CHF 8,6 Mio. oder 33,8 % macht der Aufwand für Präventionsaktivitäten aus (inkl. Netto-Zuweisung von
CHF 591 000 in Freie Mittel Prävention).
Als Revisionsstelle haben wir die beiliegende Jahresrech-
über die Wirksamkeit des internen Kontrollsystems abzu-
nung der Schweizerischen Beratungsstelle für Unfallver-
geben. Die Prüfung umfasst zudem die Beurteilung der
hütung bfu, bestehend aus Bilanz, Erfolgsrechnung und
Angemessenheit der angewandten Rechnungslegungsme-
Anhang für das am 31. Dezember 2010 abgeschlossene
thoden, der Plausibilität der vorgenommenen Schätzungen
sowie eine Würdigung der Gesamtdarstellung der Jahresrechnung. Wir sind der Auffassung, dass die von uns
erlangten Prüfungsnachweise eine ausreichende und ange-
Der Stiftungsrat ist für die Aufstellung der Jahresrechnung
messene Grundlage für unser Prüfungsurteil bilden.
in Übereinstimmung mit den gesetzlichen Vorschriften der
Stiftungsurkunde und dem Reglement verantwortlich.
Diese Verantwortung beinhaltet die Ausgestaltung, Imple-
das am 31. Dezember 2010 abgeschlossene Geschäftsjahr
Kontrollsystems mit Bezug auf die Aufstellung einer Jahres-
dem schweizerischen Gesetz der Stiftungsurkunde und
rechnung, die frei von wesentlichen falschen Angaben als
Folge von Verstössen oder Irrtümern ist. Darüber hinaus ist
gemässer Rechnungslegungsmethoden sowie die Vornah-
me angemessener Schätzungen verantwortlich.
Wir bestätigen, dass wir die gesetzlichen Anforderungen
der Stiftungsrat für die Auswahl und die Anwendung sach-
an die Zulassung gemäss Revisionsaufsichtsgesetz (RAG)
und die Unabhängigkeit (Art. 83b Abs. 3 ZGB in Verbin-
dung mit Art. 728 OR) erfüllen und keine mit unserer
Prüfungsurteil über die Jahresrechnung abzugeben. Wir
haben unsere Prüfung in Übereinstimmung mit dem
In Übereinstimmung mit Art. 83b Abs. 3 ZGB in Verbin-
schweizerischen Gesetz und den Schweizer Prüfungs-
dung mit Art. 728a Abs. 1 Ziff. 3 OR und dem Schweizer
standards vorgenommen. Nach diesen Standards haben
Prüfungsstandard 890 bestätigen wir, dass ein gemäss den
wir die Prüfung so zu planen und durchzuführen, dass wir
Vorgaben des Stiftungsrates ausgestaltetes internes Kont-
hinreichende Sicherheit gewinnen, ob die Jahresrechnung
rollsystem für die Aufstellung der Jahresrechnung existiert.
Eine Prüfung beinhaltet die Durchführung von Prüfungs-
Wir empfehlen, die vorliegende Jahresrechnung
handlungen zur Erlangung von Prüfungsnachweisen für
die in der Jahresrechnung enthaltenen Wertansätze und
sonstigen Angaben. Die Auswahl der Prüfungshandlungen
liegt im pflichtgemässen Ermessen des Prüfers. Dies
schliesst eine Beurteilung der Risiken wesentlicher falscher
Angaben in der Jahresrechnung als Folge von Verstössen
oder Irrtümern ein. Bei der Beurteilung dieser Risiken be-
Revisionsexpertin,
rücksichtigt der Prüfer das interne Kontrollsystem, soweit
es für die Aufstellung der Jahresrechnung von Bedeutung
Bern, 6. April 2011
Die bfu forscht
Die Forschung als Grundlage aller Aktivitäten der bfu ermöglicht es, Ziele für
das Unternehmen festzulegen. Durch Faktenblätter, die im Auftrag des Fonds
für Verkehrssicherheit erstellt wurden, konnten unter anderem dringende
Themen wie Telefonieren am Steuer und die starke Zunahme von Elektrofahrrädern im Strassenverkehr vertieft angegangen werden.
Geschwindigkeit: Raser sind
In der Reihe der bfu-Sicherheitsdossiers wurde 2010 das Thema Geschwindigkeit im motorisierten
Strassenverkehr behandelt. Wichtigste Erkenntnis: Polizeikontrollen sind die wirksamste Massnahme
gegen Geschwindigkeitsunfälle.
Höhere Geschwindigkeit hat einen doppelten Effekt auf
Bei den verhaltensändernden Ansätzen werden Kampag-
das Unfallgeschehen: Sie steigert sowohl das Unfallrisiko
nen wie die aktuelle «Slow Down. Take it easy» in Kombi-
als auch die Schwere der Verletzungen. Bei einem Anstieg
nation mit anderen Massnahmen empfohlen. So soll die
der Durchschnittsgeschwindigkeit um 2 % (beispielsweise
Wirksamkeit der Zweiphasen-Fahrausbildung für junge
von 50 auf 51 km/h) steigen die Sachschäden ebenfalls um
Neulenkende gründlich analysiert werden. Und nicht zu-
2 %, die Anzahl der Getöteten erhöht sich jedoch um 9 %.
letzt soll der Einfluss der Passagiere auf das Fahrverhalten
Die meisten tödlichen Geschwindigkeitsunfälle ereignen
von jungen Lenkern untersucht werden, da sie möglicher-
sich auf Ausserortsstrassen. Die Getöteten sind vor allem
weise zur Erhöhung der Risikobereitschaft beitragen.
Männer jüngeren und mittleren Alters, die einen Selbst-
Im Bereich der Infrastruktur sollten vermehrt Road Safety
bzw. Schleuderunfall hatten.
Audits von neuen Strassen und Road Safety Inspections
Geschwindigkeit im Strassenverkehr wird in der öffentli-
von bestehenden Strassen durchgeführt werden, um die
chen Diskussion oft auf das Thema «Raser» und Über-
Fehlertoleranz der Strassen zu verbessern (sog. Forgiving
schreiten der erlaubten Geschwindigkeitslimiten be-
Roads). Dadurch hätten Fahrfehler weniger gravierende
Geschwindigkeitsunfall ist auf das Fahren über der gesetzlichen oder signalisierten Höchstgeschwindigkeit zurück-
Das Sicherheitsdossier «Der Faktor Geschwindigkeit
zuführen. Daher müssen sich die sicherheitsfördernden
im motorisierten Strassenverkehr» finden Sie auf:
Massnahmen auch an die grosse Gruppe derjenigen rich-
www.bfu.ch/bestellen, Art.-Nr. 2.051
ten, die schneller fahren als es die Verhältnisse erlauben.
Die wichtigste Massnahme gegen Geschwindigkeitsunfälle
ist kurz- und mittelfristig die polizeiliche Kontrolltätigkeit.
Diese sollte weiter intensiviert werden, die bemannten
Kontrollen sollten an unerwarteten Orten und automatisierte Kontrollen häufiger auf Ausserortsstrassen stattfinden.
Ein erhebliches Potenzial zur Verminderung von Geschwindigkeitsunfällen und ihren Konsequenzen hat auch ISA (Intelligent Speed Adaptation). Dieses System gleicht Fahrgeschwindigkeit und erlaubte Geschwindigkeit miteinander
ab. Es kann dann auf unterschiedliche Weise eingreifen –
von der Lenkerinformation bis zum automatischen Verlangsamen. Die technischen Voraussetzungen sind bereits heute gegeben, bis zur praktischen Anwendung könnte es
allerdings noch dauern.
Forschung – Projekte
Prävention zu E-Bikes
Der Trend zu Elektrofahrrädern nimmt zu. Die bfu befürchtet, dass aufgrund der höheren Geschwindigkeiten auch die Unfälle zunehmen. Deshalb hat sie im Auftrag des Fonds für Verkehrssicherheit das Thema
untersucht und zusammen mit Partnern eine Broschüre erstellt.
Seit 2005 steigen die Verkaufszahlen von E-Bikes rasant an:
Zurzeit tragen die gesetzlichen Bestimmungen über Elektro-
2009 machten sie fast 7 % aller verkauften Velos aus. Diese
fahrräder den neusten technologischen Entwicklungen
Zweiräder verfügen über einen Elektromotor zur Unterstüt-
und der Produktvielfalt auf dem Markt nicht Rechnung. Die
zung der Tretbewegung des Fahrers. Je nach Modell errei-
bfu spricht sich deshalb dafür aus, dass die Gesetzgebung
chen sie Spitzengeschwindigkeiten von deutlich über
revidiert und dabei nach den verschiedenen Modellen –
50 km/h. Betrachtet man die derzeitigen technologischen
insbesondere hinsichtlich der unterstützten Geschwindig-
Entwicklungen, kann man davon ausgehen, dass die Mo-
keit – differenziert wird. Die bfu unterstützt eine Helmtrag-
toren, mit denen die E-Bikes ausgestattet sind, in Zukunft
pflicht für die schnellen E-Bikes (Tretunterstützung über
immer leistungsstärker werden.
25 km/h).
Während Lenkende von Kleinmotorrädern und Mofas ei-
Als Ergebnis des Faktenblatts erstellte die bfu proaktiv eine
nen Helm tragen müssen, gilt diese Vorschrift für Lenkende
Broschüre. Diese klärt Käuferinnen und Käufer von E-Bikes
von Elektrovelos nicht. Im Auftrag des Fonds für Verkehrs-
über die Gefahren auf und gibt Tipps für die Auswahl
sicherheit hat sich die bfu mit E-Bikes befasst und ein Fak-
sowie zum sicheren Fahren. Die Broschüre ist in Zusam-
tenblatt herausgegeben. Bisher fehlen aber konkrete Daten
menarbeit mit der Suva und führenden Herstellern von
zum Schweizer Unfallgeschehen, da E-Bikes erst ab 2011
E-Bikes entstanden. Sie wird über den Velohandel an die
als eigene Verkehrsteilnehmer-Kategorie in den Unfallauf-
Zielgruppe abgegeben.
nahmeprotokollen der Polizei erscheinen.
Im Faktenblatt, das auf ausländischen Studien sowie Risiko-
Das Faktenblatt «Elektrofahrräder (E-Bikes)»
abschätzungen von bfu-Fachleuten basiert, werden beson-
Art.-Nr. 2.056 und die Broschüre «E-Bikes»
ders die folgenden potenziellen Gefahren genannt:
Art.-Nr 3.121 finden Sie auf: www.bfu.ch/bestellen
• Da die durchschnittliche Geschwindigkeit eines E-Bikes
höher ist als die eines Fahrrads, ist auch der Bremsweg
länger. Die Benutzenden sind sich dessen aber nicht immer bewusst.
• Velofahrerinnen und -fahrer, die bisher eher in gemütlichem Tempo unterwegs waren, beherrschen unter
Umständen ihr schnelleres E-Bike nicht mehr genügend.
• Die anderen Strassenbenutzenden unterschätzen die
Geschwindigkeit, mit der die E-Bikes unterwegs sind.
Die Benutzung eines Mobiltelefons während des Lenkens beeinträchtigt die Fahrfähigkeit und erhöht das
Unfallrisiko. Ein Faktenblatt der bfu enthält die relevanten Erkenntnisse.
Mobiltelefone sind aus unserem Alltag nicht mehr wegzu-
Präventionsmöglichkeiten sind in verschiedenen Bereichen
denken. So übersteigt in der Schweiz die Anzahl gelöster
Handyabonnemente mittlerweile die Einwohnerzahl. Je-
derzeit überall erreichbar zu sein, kann jedoch auch Nach-
liert und mit einer Erhöhung der Kontrollintensität kombi-
teile haben. Die bfu interessierte insbesondere, ob die Benutzung des Handys am Steuer – sei es, um zu telefonieren
oder um SMS zu schreiben – die Verkehrssicherheit beein-
Es ist sicherzustellen, dass in der Ausbildung der Fahrzeuglenkenden diese Problematik konkret thematisiert
trächtigt. Dies umso mehr, als im Alltag immer wieder Handy benutzende Fahrzeuglenkerinnen und -lenker zu beob-
Die rechtlichen Vorschriften können eindeutiger formu-
Da sich die Lenkenden des erhöhten Risikos durchaus
achten sind, obwohl die Verkehrsregelnverordnung
bewusst sind, müssen Kampagnen darauf abzielen, ein
Verrichtungen untersagt, die das Bedienen des Fahrzeugs
Umdenken in der Gesellschaft zur Handybenützung am
Das Faktenblatt «Telefonieren und SMS-Schreiben am
Steuer herbeizuführen.
Fahrer-Assistenz-Systeme sowie bauliche Massnahmen
Steuer» befasst sich mit der Verbreitung von Handys sowie
(Rüttelstreifen, Entfernung von festen Objekten am Fahr-
den Motiven, Risikofaktoren und Auswirkungen auf die
bahnrand) helfen schliesslich, die Auswirkungen des Fehl-
Verkehrssicherheit. Darüber hinaus zeigt es Möglichkeiten
verhaltens zu minimieren.
zur Prävention von Unfällen im Zusammenhang mit Handybenützung am Steuer auf. Die Situationsanalyse basiert
Das Faktenblatt «Telefonieren und SMS-Schreiben
primär auf einer Aufarbeitung der einschlägigen wissen-
am Steuer» finden Sie auf:
schaftlichen Literatur.
www.bfu.ch/bestellen, Art.-Nr. 2.050
Die vorhandenen wissenschaftlichen Studien basieren auf
Daten, die auf unterschiedlichste Art erhoben wurden:
durch Befragungen, den Einsatz von On-board-Kameras,
in Simulatoren oder mit Hilfe von Unfallstatistiken. Dabei
wurden verschiedene Indikatoren analysiert wie beispielsweise Reaktionszeiten, Spurabweichungen, Fehlmanöver
oder das Unfallgeschehen. Die Resultate zeigen alle in dieselbe Richtung: Telefonieren am Steuer beeinträchtigt die
Fahrfähigkeit stark und erhöht das Unfallrisiko markant.
Dabei spielt es kaum eine Rolle, ob eine Freisprechanlage
oder ein Mobiltelefon benützt wird. Erste Resultate zu den
Auswirkungen von SMS-Schreiben am Steuer zeigen zudem, dass sich dadurch das Unfallrisiko zusätzlich um ein
Handgelenkschützer: Erfolgreicher Schritt
in Richtung Normenentwicklung
Seit dem Jahr 2004 widmet sich die bfu intensiv der Reduzierung von snowboardspezifischen
Verletzungsmustern. Mit den Ergebnissen der diesjährigen Feldstudie ist ein weiterer erfolgreicher Schritt
in Richtung «Internationale Normenentwicklung» bezüglich Handgelenkschützern gelungen.
Mit ca. 20 % sind Handgelenke beim Snowboarden eine
Schritt im Whaleback Mountain Resort (USA) eine Feldstu-
dominante Verletzungsregion. Darum arbeitet die bfu seit
die mit 20 Schneesportlern durchgeführt. Aufgrund der
2004 intensiv in diesem Präventionsbereich. Ziel ist, Verlet-
heterogenen Zusammensetzung der Personengruppe hin-
zungen beim Snowboarden nachhaltig zu reduzieren. In
sichtlich Geschlecht, Körperbau und Fahrniveau stellt der
diesem Zusammenhang initiierte die bfu ein Projekt, das
erhobene Datensatz wertvolle Informationen zur Verfü-
auf die Optimierung und Gewährleistung der Funktionali-
gung. Die Resultate zeigen, dass sich die Ergebnisse der
tät von Handgelenkschützern abzielt.
Laborstudie sowie der Computersimulation auf reale Sturz-
Im Snowboardbereich existiert weder eine nationale noch
situationen übertragen lassen. Zudem erlaubt die synchro-
internationale Normengebung, die Anhaltspunkte für
ne Erfassung dieser Belastungsparameter erstmalig die
sicherheitsrelevante Aspekte (Stossdämpfung sowie Schutz
Berechnung der Handgelenkbelastung von sportartspezifi-
vor Überstreckung des Handgelenks) gibt. Die bfu-Studie
schen Stürzen. Dieser Parameter stellt eine wichtige Infor-
hat deshalb als übergeordnetes Ziel Sicherheitsstandards
mation für eine mögliche Normenentwicklung im Snow-
im Rahmen einer möglichen internationalen Normenent-
boardbereich dar.
wicklung eruiert und formuliert. Dazu wurden in den vergangenen zwei Jahren mithilfe einer Laborstudie sowie mit
Computersimulationen die Auswirkungen von stossartigen
Belastungen auf die Handgelenke analysiert und die daraus
gewonnenen Daten in einer Feldstudie auf ihre Übertragbarkeit auf reale Sturzsituationen überprüft.
In einem ersten Schritt wurde ein Messhandschuh entwickelt, in den zur Bestimmung von Belastungsparametern
eine moderne Sensortechnologie integriert wurde. Nach
der Validierung des Handschuhs wurde in einem zweiten
Die Tragquote des Schneesporthelms hat in den letzten Jahren ausserordentlich stark zugenommen. Bereits
76 % aller Skifahrer und Snowboarder waren im Winter 2009/10 mit einem Schneesporthelm auf den Pisten
unterwegs. Doch was hat die Schneesportlerinnen und Schneesportler dazu gebracht, einen Helm zu tragen?
Rund 15 % der jährlich 100 000 Verletzungen auf Schwei-
Das eigentliche Ziel der Kampagne war indessen die Steige-
zer Schneesportpisten betreffen den Kopf. Durch das Tra-
rung des Sicherheitsniveaus im Schneesport. Tatsächlich
gen eines Schneesporthelms kann die Häufigkeit oder zu-
konnten folgende Argumente gegen das Tragen von
mindest der Schweregrad von Kopfverletzungen reduziert
Schneesporthelmen deutlich abgebaut werden: mangeln-
werden. Um die Schneesportler für die Unfallgefahr zu sen-
der Tragkomfort sowie Unterschätzung der allgemeinen
sibilisieren und zum Tragen eines Helms zu motivieren,
und persönlichen Unfallgefahr. Damit dürfte die Kampag-
führte die bfu zusammen mit dem Schweizerischen Versi-
ne den Trend, den Schneesporthelm zu tragen, unterstützt
cherungsverband SVV und der Schweizerischen Rettungs-
flugwacht Rega 2007 bis 2010 die nationale Kampagne
«Fahre mit Respekt und Helm. 1000 Unfälle pro Tag sind zu
viel» durch.
Die Evaluation der Schneesportkampagne
Im Lauf der Kampagne steigerte sich der Anteil der Helm-
trägerinnen und Helmträger auf Schweizer Schneesport-
Winter 2007 / 08, 2008 / 09, 2009 / 10
pisten von 52 % auf 76 %. Doch hat wirklich die Kampagne
dazu geführt, dass Skifahrer und Snowboarder öfters einen
rer und Snowboarder beobachtet und 5000 von ihnen zu
den Themen Tragverhalten und Kampagne befragt.
Befragte Personen von 2006 – 2010:
2825 Skifahrer und 1948 Snowboarder
Helm tragen? Um dieser Frage nachzugehen, wurden vor,
während und nach der Kampagne total rund 20 000 Skifah-
6 analysierte Wellen:
Beobachtete Personen von 2006 – 2010:
15 866 Skifahrer und 3920 Snowboarder
Entwicklung der Helmtragquote:
Die externen Evaluatoren der Firma Interface Politikstudien
2006 / 07: 52 %
kamen zum Schluss, dass mit einer kohärenten Programm-
2007 / 08: 58 %
planung gute Voraussetzungen für die Erreichung der Sen-
2008 / 09: 65 %
sibilisierungs- und Verhaltensziele geschaffen wurden.
2009 / 10: 76 %
Auch die konkrete Umsetzung der Kampagne – eine weitere Hürde auf dem Weg zum Erfolg – wurde positiv beurteilt.
Die Präsenz in der Öffentlichkeit wurde durch Medienberichte zusätzlich erhöht. Deutliche Abstriche mussten
jedoch in der Romandie gemacht werden, wo der Bekanntheitsgrad der Kampagne deutlich unter demjenigen der
Deutschschweiz blieb.
Die bfu attestiert den Erfolg der SVV-Kampagne
«Kopf stützen – Nacken schützen»
Die bfu hat die Kampagne des Schweizerischen Versicherungsverbands SVV zur richtigen Kopfstützeneinstellung
evaluiert. Diese hat wohl mehr als 300 Schleudertrauma-Unfälle verhindern können.
Schleudertraumen sind eine recht häufige Verletzung bei
Eine Berechnung des verringerten Schleudertraumarisikos
Strassenverkehrsunfällen – insbesondere, wenn es dabei zu
dank richtiger Kopfstützeneinstellung ergab, dass im Ver-
einem Heckaufprall kommt. Es sind meistens eher leichte
lauf der Kampagne wohl mehr als 300 Schleudertrauma-
Verletzungen, die innerhalb von ein paar Tagen bis Wochen
fälle verhindert und Kosten von über 10 Millionen Franken
abheilen. Laut Aussage der Versicherer werden jedoch
eingespart werden konnten. Wahrscheinlich ist der Effekt
bei etwa jedem zehnten Betroffenen die Beschwerden
sogar noch grösser, da ja nicht nur Schleudertraumen, son-
dern auch leichtere Nackenverletzungen verhindert wer-
Die Häufigkeit von Schleudertraumen kann durch richtig
den, die zwar weniger teuer, aber etwa viermal häufiger
eingestellte Kopfstützen verringert oder die Schwere ver-
sind. Darüber hinaus könnte die Kampagne auch einen
mindert werden. Aus diesem Grund führte der SVV mit
nachhaltigen Effekt haben, da eine korrekt eingestellte
finanzieller Unterstützung des Fonds für Verkehrssicherheit
Kopfstütze für einige Zeit in dieser Position belassen wird.
FVS von 2007 bis 2009 eine Kampagne durch. Diese hatte
Die gemeinsame Kampagne von SVV, FVS und bfu erwies
die bessere Einstellung der Kopfstützen zum Ziel. Die Bot-
sich als so erfolgreich, dass sie der SVV in etwas modifizier-
schaft: Kopfstützen sollen möglichst nah am Kopf anlie-
ter Form von 2011 bis 2013 fortführt. Die bfu wird dabei
gend und so hoch wie der Scheitel eingestellt werden. Sie
wieder die Evaluation übernehmen.
wurde durch Fernsehspots, Radio, Plakate, Broschüren,
Garagen und eine Website verbreitet. Die Evaluation der
bfu zeigte, dass vor allem die TV-Spots und die Plakate
4500 Schleudertraumaunfälle pro Jahr
Eine repräsentative Umfrage in der ganzen Schweiz ergab,
dass vor Beginn der Kampagne 45 % der Befragten ihre
Bei jedem 10. Verletzten chronische Schmerzen
Kopfstützen richtig eingestellt hatten. Nach einem Jahr der
Jährliche Kosten in der Höhe von 500 Millionen
Kampagne waren es 54 % und nach zwei Jahren 56 %.
Verbessert wurde eher die Höhen- als die Abstandseinstellung. Von denjenigen, die ihre Kopfstützeneinstellung verändert hatten, gaben 70 % an, dass sie dies wegen der
Kampagne getan hatten.
Die bfu bildet aus
Mitarbeitende in einem Unternehmen, Schülerinnen und Schüler, Erwachsene
in Ausbildung – sie alle haben etwas gemeinsam: Die bfu kann sie dank ihrer
umfangreichen Palette an Weiterbildungsangeboten und ihrem ausgedehnten
Netzwerk für Fragen der Sicherheit sensibilisieren. Übrigens: Mit einem neuen
Kursangebot für berufliche Vielfahrer ist die bfu nun auch an einem europäischen
Die bfu will die Sicherheit
auf Arbeitsfahrten verbessern
Im Rahmen des europäischen Projekts PRAISE (Preventing Road Accidents and Injuries for the Safety
of Employees) entwickelt die bfu ein Angebot für Betriebe, um die Sicherheit auf Arbeitsfahrten und
dem Arbeitsweg zu erhöhen.
Bei 40 % aller Strassenverkehrsunfälle in Europa sind Perso-
Folgende Module wurden erarbeitet:
nen beteiligt, die beruflich unterwegs sind oder sich auf
Modul 1: Grundlagen – Gefahrenermittlung und
dem Arbeitsweg befinden. 6 von 10 tödlichen Arbeitsunfällen ereignen sich im Strassenverkehr. Deshalb hat
Modul 2: Müdigkeit am Steuer
der Europäische Verkehrssicherheitsrat ETSC das Projekt
Modul 3: Alkohol, Drogen und Medikamente
PRAISE ins Leben gerufen. Dadurch soll den Betrieben das
Modul 4: Unaufmerksamkeit am Steuer
nötige Know-how vermittelt werden, damit sie die Verkehrssicherheit fördern können und somit die Sicherheit
Um die einzelnen Module möglichst praxisnah zu gestalten,
auf Dienstfahrten und auf dem Arbeitsweg erhöht wird. Es
hat die bfu die Swisscom Schweiz AG als Pilotbetrieb und
wird ein zusätzlicher positiver Effekt in dem Sinn erwartet,
eine Gruppe von Betrieben verschiedener Grösse des
dass sich dadurch auch die Unfälle auf Freizeitfahrten redu-
Schweizerischen Fahrzeugflottenbesitzer-Verbands ins Pro-
zieren lassen. Die Vorteile für die Arbeitgeber sind weniger
jekt einbezogen. Diesen Unternehmen wurden die Module
Verkehrsunfälle (Berufsunfälle und Nichtberufsunfälle) und
schon in der Entwicklungsphase vorgestellt und sie erhiel-
Absenztage, sinkende Betriebskosten, ein geringeres Risiko
ten die Gelegenheit, die vorgeschlagenen Massnahmen zu
von Gesundheitsbeschwerden, weniger Stress und eine
überprüfen, ganz oder teilweise umzusetzen und zu evalu-
höhere Arbeitsmotivation der Mitarbeitenden.
ieren. Die Rückmeldungen der Betriebe erlaubten es, die
Die bfu ist für die Adaption des Programms an Schweizer
Module vor der definitiven Ausarbeitung falls nötig anzu-
Verhältnisse verantwortlich. Sie entwickelte ein Angebots-
passen. Dadurch kann gewährleistet werden, dass die
paket mit verschiedenen Modulen, die sicherheitsrelevante
Massnahmen den Bedürfnissen der Betriebe entsprechen,
Massnahmen und Umsetzungsideen für die Betriebe ent-
auf deren Rahmenbedingungen abgestimmt, realitätsnah
halten. Eine bedeutende Rolle in diesem Angebot spielen
und praxistauglich sind.
Schulungen für Fahrerinnen und Fahrer, die beruflich unterwegs sind. Sie sind so konzipiert und aufbereitet, dass die
Inhalte nach entsprechender Instruktion via Multiplikatoren (Flottenmanager, Sicherheitsfachleute usw.) an die
Fahrer vermittelt werden können.
30 Jahre bfu-Kinderpost
Die bfu-Kinderpost, die auf die Unfallgefahren für Kinder hinweist, hat in der Familienbibliothek einen
bevorzugten Platz. Über 200 000 Familien erhalten in der Schweiz regelmässig die beliebten Broschüren
mit Sicherheitstipps. Eine Erfolgsgeschichte, die auf 30 Jahre Bestehen zurückblicken kann.
Mit dem Ziel, Unfälle von Kindern in Verkehr, Sport, Haus
tionsbotschaften. Seit der jüngsten Auffrischung im Jahr
und Freizeit zu verhüten, wird die 8-seitige bfu-Kinderpost
2008 sind es nun Fotos. Bei dieser Gelegenheit wurde die
halbjährlich gratis an Eltern von Babys und Kindern bis
Kinderpost-Reihe um 4 Nummern erweitert und schliesst
8 Jahre verschickt. Jede Ausgabe ist auf das jeweilige Alter
seither auch die 7- und 8-jährigen Kinder mit ein (vorher bis
des Kindes zugeschnitten.
6-jährig). Die gemäss bfu-Umfragen allseits beliebte Kin-
Dank Vereinbarungen mit etwas mehr als 800 Schweizer
derpost wird auch im Rahmen von Kursen für Eltern und
Gemeinden, aber auch dank Adressen von einer Direkt-
Pflegepersonal eingesetzt.
marketing-Firma, können über 200 000 Familien von dieser
bfu-Dienstleistung profitieren. Die Kinderpost hat sogar
Die bfu-Kinderpost kann gratis abonniert werden auf:
jenseits der Landesgrenzen Nachahmer gefunden: Organi-
www.bfu.ch (Rubrik «Service»)
sationen in Italien und im Tirol haben die Idee aufgenommen. Und noch erstaunlicher: Afghanistan, die Volksrepublik China oder Katar gehören zu den 90 Ländern, in die
die bfu-Kinderpost regelmässig verschickt wird!
Wie jedes Produkt hat sich auch die Kinderpost im Lauf der
Zeit gewandelt. In den Jahren 1989 und 1992 wurde sie
überarbeitet, Zeichnungen illustrierten damals die Präven-
Ausbildung – Erziehung
Die bfu berät
Die Planung eines markierten Schneeschuhtrails, die Sanierung eines gefährlichen
Strassenabschnitts oder die Auswahl des geeigneten Bodenbelags für ein
öffentliches Gebäude – die bfu berät immer dann, wenn Sicherheit eine entscheidende Rolle spielt. Ihren wichtigen Beratungsauftrag erfüllt sie im ständigen
Austausch mit Fachleuten und Multiplikatoren.
«Familien willkommen»:
bfu-Sicherheitsdelegierte sorgen für Sicherheit
Das Gütesiegel «Familien willkommen» zeichnet Ferienorte und Feriendestinationen aus, die ihr Angebot
gezielt auf die Bedürfnisse und Wünsche von Kindern und deren Begleitpersonen ausrichten. Die verlangten
Kriterien umfassen auch die Sicherheit. Die bfu-Sicherheitsdelegierten nehmen diese unter die Lupe.
Bis 2010 haben rund 25 Destinationen in praktisch allen
tion beschränken. Den Abschluss der bfu-Arbeit bildet ein
Landesteilen vom Schweizer Tourismus-Verband (STV) das
technischer Bericht, in dem Sicherheitsmängel festgehalten
Gütesiegel «Familien willkommen» erhalten. Die Auszeich-
werden. Erfahrungsgemäss kommt eine ganze Palette von
nung wird für drei Jahre vergeben.
Gefahrenstellen zum Vorschein – von rutschigen Boden-
Die bfu wurde zur Zusammenarbeit eingeladen, um ab
belägen über Stolperstellen bis zu mangelhaften Absturz-
2010 auch die Sicherheit einzubeziehen. In einem Pilotpro-
sicherungen. Die bfu kann nur Empfehlungen abgeben,
jekt wurden 2009 Grächen und Engelberg überprüft. 2010
wie die festgestellten Mängel zu beheben sind. Für
waren es die Regionen Aletsch-Arena, Davos / Klosters,
das Umsetzen der Massnahmen sind die Dienstleisten-
Flims / Laax / Falera, Triesenberg / Malbun sowie die Ge-
den (Hotels, Frei- und Hallenbäder usw.) selber verant-
meinden Lenk und Lenzerheide. 2011 / 12 werden weitere
Destinationen unter die Lupe genommen.
Auf diese Weise soll eine sichere Infrastruktur für Kinder
Das Audit beginnt mit einem Kick-off-Meeting, zu dem der
geschaffen werden. Eltern und Betreuer müssen aber ihre
bfu-Chef-Sicherheitsdelegierte die Anbieter von Touris-
Aufsichtspflicht ebenfalls wahrnehmen. Zu den Erziehungs-
mus-Dienstleistungen des Ferienorts einlädt. Bei diesem
aufgaben gehört es, den Kindern ein gesundes Gefahren-
ersten Kontakt werden die Sicherheitskriterien vorgestellt.
bewusstsein zu vermitteln.
Danach folgt die Auswahl der zu prüfenden Betriebe und
öffentlichen Anlagen. Da nicht ein ganzer Ort flächen-
Mehr Informationen über «Familien willkommen»
deckend auf Sicherheit überprüft werden kann, muss sich
(Kriterienkatalog, ausgezeichnete Destinationen
das Augenmerk auf spezifische Kriterien wie Geländer und
usw.) auf: www.swisstourfed.ch
Brüstungen, Treppen, Glas, Wasser und Gästekommunika-
Beratung – Projekte
Schneeschuhlaufen ist im Trend. Bisher gibt es aber in der Schweiz keinen einheitlichen Standard für
signalisierte Schneeschuhrouten. Die bfu hat deshalb einen Leitfaden für deren Anlage, Signalisation,
Unterhalt und Betrieb herausgegeben.
Schneeschuhwandern wird immer beliebter. Kein Wunder:
Der Leitfaden zeigt auf:
Es ist gesund und bietet Erlebnis, Entspannung und Fitness-
wie die Planung solcher Routen erfolgen soll,
training in der verschneiten Natur. Schneeschuhlaufen
wie die Routen einheitlich signalisiert werden sollen,
kennt keine Altersgrenze, kann ohne grosse Vorkenntnisse
welche Massnahmen ergriffen werden können, um die
ausgeübt werden und ist eine gute Ergänzung zu anderen
grösstmögliche Sicherheit für Schneeschuhläuferinnen
Winteraktivitäten. Schneeschuhe können gekauft oder an
und -läufer und den Schutz von Natur und Wild zu ge-
vielen Orten auch gemietet werden. Damit können Nichtskifahrende in Gebiete vordringen, die für sie bislang im
währleisten,
welche Kommunikationsmassnahmen dafür nötig sind.
Winter unerreichbar waren. Das bedeutet aber auch, dass
sich Schneeschuhwanderer oft im Lebensraum von Wild-
Den Leitfaden «Signalisierte Schneeschuhrouten»
tieren und in lawinengefährdetem Gelände bewegen. Pro
finden Sie auf: www.bfu.ch/bestellen, Art.-Nr. 2.059
Jahr verunglückten in den letzten Jahren 1 bis 2 Schneeschuhläufer tödlich, die meisten in Lawinen.
Dieses Unfallgeschehen kann durch signalisierte Schneeschuhrouten entschärft werden. Wo solche vorhanden
sind, werden sie auch genutzt, denn sie gewährleisten
Sicherheit und Naturverträglichkeit. Bisher fehlen schweizweite rechtliche Grundlagen oder Richtlinien für signalisierte Schneeschuhrouten. Die Umsetzung geschieht regional
und mit unterschiedlichen Signalisationssystemen. Deshalb
hat die bfu zusammen mit Partnern einen Leitfaden herausgegeben. Sie hofft, damit allen eine Hilfe in die Hand zu
geben, die das möglichst sichere und naturschonende
Schneeschuhlaufen fördern möchten.
Pro Jahr ereignen sich rund 170 000 Sturzunfälle auf gleicher Ebene. Die Ursachen dafür können ungeeignete
oder rutschige Bodenbeläge sein. 2010 hat die bfu eine Fachdokumentation zum Thema veröffentlicht, die im
neuen Kurs «Sichere Bodenbeläge» eingesetzt wird.
Gehen ist für die meisten von uns ein alltäglicher und au-
belägen befassen. Die Teilnehmer erfahren, mit welchen
tomatisierter Bewegungsablauf, weshalb wir dazu neigen,
Methoden die Gleitfestigkeit gemessen werden kann. Sie
die Sturzgefahr zu unterschätzen. Die Ursachen für Sturz-
lernen, die bfu-Fachdokumentation «Anforderungsliste
unfälle sind in vielen Fällen rutschige Bodenbeläge, Ver-
Bodenbeläge» in der Praxis anzuwenden, und erhalten zu-
schmutzung, ungeeignetes Schuhwerk oder das eigene
dem Anleitungen zur Pflege und Reinigung der Böden. Bei-
spiele aus der Praxis sowie aus dem Gebiet Architektur und
Die Häufung der Anfragen zum Thema zeigt, dass die bfu
Sicherheit runden den halbtägigen Kurs ab.
in den letzten Jahren vermehrt als Fachexpertin im Zusammenhang mit der Gleitfestigkeit von Bodenbelägen wahrgenommen wird. Hierzu gibt die bfu-Fachdokumentation
Folgende Schritte sind in Bezug auf
«Anforderungsliste Bodenbeläge» wertvolle Hinweise.
die Optimierung der Rutschhemmung von
Um geeignete Präventionsmassnahmen vorzuschlagen
Bodenbelägen von Bedeutung:
und umsetzen zu können, ist es oft erforderlich, die Rutsch-
hemmung von Bodenbelägen am Objekt mit einem Gleit-
Bewertungsgruppe entsprechend des Einsatzorts
messgerät zu bestimmen. Diese Geräte haben den Vorteil,
mit Hilfe der «Anforderungsliste Bodenbeläge»
dass nebst der Bestimmung der Gleitfestigkeit auch Veränderungen, beeinflusst durch Abnutzung oder Schmutz, auf
Entsprechendes Bodenbelagsmaterial wählen
einfache Weise nachgewiesen werden können.
Aktuellen Nachweis (Zertifikat) über die Gleit-
Die bfu ist überzeugt, dass die Zahl von Sturzunfällen durch
festigkeit anfordern
die Auswahl geeigneter Bodenbeläge und durch einen
fachgerechten Unterhalt deutlich reduziert werden kann.
Um das Wissen der bfu nach aussen zu transferieren, wur-
Die bfu-Fachdokumentation
de zum ersten Mal ein Kurs «Sichere Bodenbeläge» durch-
«Anforderungsliste Bodenbeläge» finden Sie auf:
geführt. Dieser richtet sich an Baufachleute, die sich mit der
www.bfu.ch/bestellen, Art.-Nr. 2.032
Auswahl und Sanierung von objektspezifischen Boden-
Verkehrstechnische Unfallanalyse:
Vorbedingung für die Sanierung von Strassen
Die bfu unterstützt das Tiefbauamt des Kantons Freiburg mit einer verkehrstechnischen Analyse bei
der Sanierung eines Strassenabschnitts. Sie schlägt Massnahmen zur Verbesserung der Sicherheit vor.
Eine verkehrstechnische Analyse der Unfälle ermöglicht die
Damit die Sanierung so wirtschaftlich wie möglich durch-
Identifizierung besonders gefährlicher Stellen im Strassen-
geführt werden kann, schlug die bfu eine Sanierung in
netz. Darauf aufbauend können die geeigneten Massnah-
zwei Etappen vor: Die erste umfasst die Markierung von
men als Basis für das Sanierungsprojekt vorgeschlagen
Leitlinien, die Verbesserung der Signalisation, der Beleuch-
tung und der Sicht. Diese Massnahmen können kurzfristig
Das Tiefbauamt des Kantons Freiburg beabsichtigt, einen
umgesetzt werden, um die Sicherheit rasch und mit gerin-
Abschnitt der Strasse Freiburg-Payerne, zwischen der Ort-
gem Kostenaufwand zu verbessern. Die aufwändigeren
schaft Prez-vers-Noréaz und der Grenze zum Kanton
Mängel der Strassengeometrie müssen in einer zweiten
Waadt, zu sanieren. Die Behörde hat deshalb die bfu be-
Etappe anlässlich der Gesamtsanierung der Strecke ausge-
auftragt, eine verkehrstechnische Unfallanalyse der Strecke
durchzuführen. Diese soll als Basis für das Sanierungsprojekt dienen.
Die verkehrstechnische Unfallanalyse ist ein systematisches
Untersuchungsverfahren, das auf den Normen des Schweizerischen Verbands der Strassen- und Verkehrsfachleute
Untersuchte Strecke
(VSS) basiert. Der zu prüfende Abschnitt wird in Intervalle
4,5 km Kantonsstrasse Achse 2100, Abschnitt
von festgelegter Länge eingeteilt. Wenn die Unfallkenngrös-
Prez-vers-Noréaz – Grenze Kanton Waadt
sen in einem Intervall einen kritischen Grenzwert überstei-
gen, wird das Intervall als Unfallstelle bezeichnet. Für sol-
38 Unfälle in 5 Jahren, 1 Getöteter, 35 Verletzte
che Stellen gilt eine mittlere Sanierungspriorität. Wenn die
Situationsanalyse der
Unfallkenngrössen jedoch Maximalwerte (in den Normen
wichtigsten Unfallstellen
ebenfalls definiert) überschreiten, spricht man von einem
In einem Fall entspricht die Kurvengeometrie nicht
Unfallschwerpunkt mit grosser Sanierungspriorität.
der erlaubten Geschwindigkeit, die Linienführung
Auf dem im Auftrag des Kantons Freiburg untersuchten
ist schlecht wahrnehmbar, die Beleuchtung unge-
Abschnitt stellte die bfu vier Unfallstellen fest, jedoch kei-
nügend; in einem zweiten Fall ist die Sichtweite
nen Unfallschwerpunkt. Auf mehreren Abschnitten wur-
beim Knoten ungenügend, der Knoten ist schlecht
den zudem Mängel festgestellt, die zwar nicht so gravie-
wahrnehmbar, die Signalisation ist ungenügend.
rend sind, dass die Abschnitte als Unfallstellen gelten, die
aber trotzdem anlässlich der Streckensanierung behoben
Die Verkehrssituation in Luzern Nord, insbesondere auf dem Seetalplatz, genügt den heutigen
Anforderungen nicht mehr. Der Kanton Luzern hat die bfu mit der Prüfung der Projektplanung auf
Sicherheitsdefizite beauftragt.
Der Kanton Luzern hat ein Vorprojekt zur Umgestaltung
der Verkehrsanlagen auf der Kantonsstrasse Nr. 13 in
Luzern Nord ausarbeiten lassen. Die Verkehrssituation im
Abschnitt Sprengi, Gerliswilstrasse, Seetalplatz und Reuss-
Kanton Luzern, Ingenieurbüro
bühl entspricht den heutigen Anforderungen nicht mehr.
Projekt auf Sicherheitsdefizite
Vor der eigentlichen Vernehmlassung hat die bfu den
überprüfen. Massnahmen zur
Auftrag erhalten, für den genannten Abschnitt eine
Sicherheitsbeurteilung des geplanten Projekts (Safety
in die Projektierungsphase einfliessen
Audit) durchzuführen.
Die Methode für das Sicherheitsaudit basiert auf der Norm
des Schweizerischen Verbands der Strassen- und Verkehrsfachleute (VSS) SN 641 712 «Strassenverkehrssicherheit,
Sicherheitsaudit für Projekte von Strassenanlagen». Für die
Strassenraumgestaltungselemente wurden zwei Beurteilungen durchgeführt: Eine erste Analyse wurde mit dem
Vergleich «Projekt – Norm», eine zweite mit dem Vergleich
«Ist-Zustand – Projekt» gemacht. Zudem wurde jeweils
eine Beurteilung der Sicherheitsrelevanz (keine / gering /
mittel /gross) vorgenommen. Der Bericht beschränkt sich
auf die Mängel mit grosser Sicherheitsrelevanz und enthält
Empfehlungen für Projektverbesserungen, die die festgestellten Sicherheitsdefizite beheben könnten.
Mit dem Projekt ist ein deutlicher Sicherheitsgewinn zu erwarten, insbesondere dank der Vereinfachung der Verkehrsbeziehungen einerseits sowie der konsequenten Entflechtung des öffentlichen Verkehrs und des leichten
Zweiradverkehrs vom motorisierten Individualverkehr am
Seetalplatz andererseits.
Das Projekt wird die Sicherheit der Verkehrsteilnehmenden
in einem hohen Mass verbessern. Insbesondere dann,
wenn es mit den von der bfu vorgeschlagenen Anpassungen realisiert wird.
Die bfu pr端ft
Das neue Produktesicherheitsgesetz (PrSG) ist Mitte 2010 in Kraft getreten.
Der Auftrag der bfu in diesem Bereich wurde als Folge davon erweitert,
so dass nun mehr Kontrollen durchgef端hrt werden. 2010 standen unter anderem
Kapps辰gemaschinen auf dem Pr端fstand.
Seit Mitte 2010 hat die Schweiz ein neues Gesetz im Bereich Produktesicherheit, das PrSG
(Produktesicherheitsgesetz). Im Rahmen dieses Gesetzes hat die bfu Weisungsbefugnis. 2010 wurden
unter anderem Kinderfahrräder geprüft.
Die bfu legt die Auswahl der zu prüfenden Produkte für
Stichproben anhand von Risikoeinschätzungen, allfällig
Das PrSG auf einen Blick
geänderten Produkteanforderungen oder gehäuften Mel-
Die bfu ist das Kontrollorgan für Produkte im
dungen über Mängel in Einzelbereichen fest. Dadurch
Nichtberufs-Unfallbereich. Ergibt eine Kontrolle,
erreichen die Stichproben einen maximalen Effekt auf dem
dass die Sicherheitsanforderungen nicht einge-
halten worden sind, kann das weitere Inverkehr-
2010 führte die bfu vier systematische Stichprobenkontrol-
bringen eines Produkts verboten werden. Falls
len im Teilbereich der Marktüberwachung durch: Kinder-
erforderlich, kann zudem die Bevölkerung davor
fahrräder, Skibindungen, Kappsägemaschinen und Kinder-
gewarnt werden. Darüber hinaus enthält das PrSG
spielplätze. Erfreulicherweise erwies sich die Sicherheit der
auch Strafbestimmungen für das vorsätzliche oder
getesteten Objekte als gut.
fahrlässige Inverkehrbringen von Produkten, die
Das Vorgehen ist bei jeder Produkteprüfung ähnlich. Bei
den Sicherheitsanforderungen nicht entsprechen
der Prüfung der Kinderfahrräder beispielsweise kaufte die
und dadurch die Gesundheit oder Sicherheit von
bfu acht zufällig ausgewählte Kinderfahrräder in grösseren
Personen gefährden. In diesem Rahmen trägt die
Sportfachmärkten der ganzen Schweiz und überprüfte sie
bfu dazu bei, dass Schweizer Konsumenten mög-
auf ihre Sicherheit. Die Räder wurden bfu-intern einer Prü-
lichst sichere Produkte erwerben können.
fung anhand der «Europäischen Norm für Kinderfahrräder»
unterzogen. Anschliessend wurden alle Fahrräder nach
einem speziellen Anforderungskatalog auch noch durch
eine externe Prüfstelle kontrolliert.
Der durch die bfu ausgewertete Prüfbericht zeigte, dass
sechs der getesteten Kinderfahrräder die Anforderungen
im Wesentlichen erfüllten. Bei einem Fahrrad wirkten die
Handbremsen am Vorderrad zu stark, was zu einem Sturz
durch Überschlagen führen könnte. Bei einem anderen
brach bei der dynamischen Festigkeitsprüfung der Lenker.
Aufgrund dieser Mängel eröffnete die bfu zwei Kontrollverfahren, worauf die notwendigen Massnahmen verfügt
Dieses Beispiel zeigt, dass aufgrund von einzelnen Stichproben Produkte verbessert werden können und dadurch
die Unfallverhütung unterstützt wird.
Produktesicherheit – Produkteprüfungen
Das bfu-Sicherheitszeichen
im Dienst der Unfallverhütung
Das bfu-Sicherheitszeichen ist ein Label für Produkte, die Unfälle verhüten helfen oder Unfallfolgen
mindern. Damit fördert die bfu diese Produkte und macht sie besser bekannt.
Es gibt eine Vielzahl nützlicher und sicherer Produkte,
chen, sinnvollen und relevanten Sicherheitsgewinn bringen.
kleine Helfershelfer in gefährlichen Alltagssituationen. So
Im Berichtsjahr 2010 wurden 34 Produkte aus den Berei-
schützt eine Steckdose mit integriertem Fehlerstromschutz-
chen Haus / Freizeit, Sport und Verkehrssicherheit beurteilt.
schalter vor einer möglichen Elektrisierung durch ein defek-
Bei einem Grossteil zeigte sich von Anfang an, dass sie die
tes Gerät, ein glatter Fussboden wird mit einer speziellen
Anforderungen des bfu-Sicherheitszeichens nicht erfüllten.
Behandlung rutschsicher gemacht oder eine schlechte
Nur 8 wurden den verlangten Kriterien gerecht und erhiel-
Kopfstütze durch einen Aufsatz verbessert. Oft kennen die
ten das Label, zum Beispiel PVC-Bodenbeläge mit einer
Konsumenten diese Produkte aber nicht − oder das Gegen-
guten Gleitfestigkeit sowie ein Sicherheitssystem zur zu-
teil ist der Fall: Sie kennen mehrere Produkte mit ähnlicher
sätzlichen Überwachung von Schwimmern und Nicht-
Wirkung, wissen aber nicht, welches optimal schützt. Das
schwimmern in öffentlichen und privaten Schwimmbädern.
bfu-Sicherheitszeichen macht einerseits auf diese Produkte
aufmerksam und erleichtert andererseits die Entscheidung
www.bfu.ch (Rubrik «Sichere Produkte»)
Produkte, die das bfu-Sicherheitszeichen erlangen, wurden
von der bfu hinsichtlich ihres Nutzens für die Unfallverhütung positiv beurteilt. Es reicht dabei aber nicht aus, dass
sie nur Normen oder rechtliche Vorschriften erfüllen; für
eine Auszeichnung müssen die Produkte einen zusätzli-
Die bfu kommuniziert
Die kreativen und motivierenden Kampagnen der bfu stossen bei der breiten
Öffentlichkeit auf ein grosses Echo. 2010 wurden verschiedene in den Jahren zuvor
lancierte Sensibilisierungskampagnen fortgeführt. Denn es ist klar: Dauerhafte
Verhaltensänderungen werden nicht von heute auf morgen herbeigeführt!
Franky Slow Down –
ein Engel mit Kultstatus
Mit der Sensibilisierungskampagne für angepasste Geschwindigkeit «Slow down. Take it easy» sind die bfu
und der Schweizerische Versicherungsverband SVV neue Wege gegangen – mit beispiellosem Erfolg.
Im Oktober 2009 lancierten der SVV und die bfu ihre drei-
zur Verhütung von Motorradunfällen statt. Durchgeführt
jährige Sensibilisierungskampagne für angepasste Ge-
wurde dieser Anlass von den Polizeikorps der Kantone
schwindigkeit unter dem Titel «Slow down. Take it easy».
Waadt, Genf, Neuenburg, Jura, Freiburg, Wallis und Bern,
Um ihre Zielgruppe – Personenwagenlenkende zwischen 18
gemeinsam mit dem Touring Club Schweiz (TCS), der Ver-
und 30 Jahren, Motorradlenkende aller Altersgruppen und
einigung Schweizer Motorrad- und Roller-Importeure (moto-
angehende Autofahrende ab 16 Jahren – zu erreichen, be-
suisse), der Fédération Motocycliste Suisse (FMS) und in
schritt die Kampagne neue Wege und nutzte die Kommu-
enger Zusammenarbeit mit der bfu und dem SVV. Mit ver-
nikationsmittel, die zum Alltag des jungen Zielpublikums
schiedenen Aktivitäten wurden die vorbeifahrenden Motor-
radfahrer auf Gefahren durch überhöhte Geschwindigkeit
Und das mit Erfolg: Die Facebook-Seite zur Kampagne erfuhr
einen für die Schweiz beispiellosen Zulauf an Fans (oder
Wenn es der Kampagne «Slow Down. Take it easy» auch
«Likers»). Waren es bis Ende 2009 schon 70 000, so wurde
noch gelingt, nicht nur als Kampagne Geschichte zu schrei-
im März 2010 bereits die 100 000er-Marke überschritten.
ben, sondern tatsächlich die geschwindigkeitsbedingten
Nur wenige Monate später waren es Ende 2010 doppelt so
schweren Strassenverkehrsunfälle in der Schweiz zu reduzie-
viele. Der sympathische Engel Franky Slow Down geniesst in
ren, hat sie ihr Ziel umfassend erreicht.
weiten Kreisen Kultstatus und erfreut sich grosser Beliebtheit, insbesondere bei Live-Auftritten in Zürichs Strassen, am
Automobilsalon in Genf oder an der Auto Zürich. Das von
der Freiburger Polizei eingesetzte Double erschien mehrfach
Die Kampagne «Slow down. Take it easy» ist auch
in verschiedenen Printmedien der Romandie und diente
in der Werbewelt auf grosses Echo gestossen.
auch als beliebtes Fotosujet. Der Aufkleber mit dem Kam-
Gleich dreimal ist die für die Kreation der Kampa-
pagnenlogo ziert immer mehr Autos auf den Schweizer
gne verantwortliche Agentur Rod Kommunikation
Strassen. Der Song und damit die Marke «Slow Down. Take
in Zürich dieses Jahr mit einem Gold-Award aus-
it easy» hat sich beim Zielpublikum etabliert – und das in
gezeichnet worden. Regula Fecker, Partnerin und
einem unerwarteten Ausmass. Damit ist eines der Kampag-
Mitbegründerin der Agentur, wurde Werberin des
nenziele erreicht worden.
Das wichtigste Ziel ist aber, bei den angesprochenen Verkehrsteilnehmenden die beabsichtigte Einstellungs- und
Verhaltensänderung nachhaltig herbeizuführen. Dafür ist es
wichtig, die Adressaten nicht nur virtuell, sondern auch real
zu erreichen. So fand zum Beispiel im Sommer 2010 auf dem
Col du Pillon im Rahmen der Kampagne ein Präventionstag
Kommunikation – Kampagnen
«Fit für die Strasse?» –
die Alkoholpräventionskampagne der bfu
Jeder sechste tödliche Verkehrsunfall (16 %) ist auf Alkohol zurückzuführen, an Wochenenden sogar jeder
vierte (26 %). Dies war Grund genug, die bfu-Präventionskampagne «Fit für die Strasse?», die Ende 2008
lanciert wurde, auch im Jahr 2010 weiterzuführen.
Die Alkoholpräventionskampagne sensibilisiert Fahrzeuglenkende, vor allem junge Männer zwischen 18 und 30 Jah-
ren, für die Gefahren von Alkohol im Strassenverkehr. Be-
reits wenig Alkohol wirkt sich negativ auf das Fahrverhalten
aus, reduziert die Konzentrations- und Reaktionsfähigkeit
Alkoholkampagne der bfu, in Zusammenarbeit
mit diversen ÖV-Betrieben, Nez Rouge und ASN
Schneesportkampagne der bfu, in Zusammen-
und schränkt das Seh- und Koordinationsvermögen ein.
arbeit mit dem Schweizerischen Versicherungs-
Alkohol verstärkt zudem negative Einflüsse – wie Müdig-
verband SVV und der Rega (ausgelaufen Ende
keit, Stress, Zeitdruck und Ärger – auf das Fahrverhalten.
Die Risikobereitschaft nimmt zu.
Wintersaison 2009 / 2010)
Die Kampagnenbotschaft «Alkoholkontrollen dienen Ihrer
Sicherheit» wurde gesamtschweizerisch mit einem breit
Velohelmkampagne der Suva, in Zusammenarbeit mit der bfu*
Geschwindigkeitskampagne des Schweizerischen
angelegten Plakataushang im Sicherheitsdelegierten-Netz,
Versicherungsverbands SVV, in Zusammenarbeit
durch Kinospots, Internetbanner, Inserate und Flyer be-
mit der bfu*
kannt gemacht. Gemeinsam mit den Kampagnenpartnern
trug die bfu das Präventionsanliegen zudem ganz direkt an
die Zielgruppen heran:
beit mit der bfu und den Polizeien*
• Den Sicherheitsbeauftragten in rund 4200 Unternehmen
und den Mitarbeitenden einen Apéro mit alkoholfreien
Drinks anzubieten. Oder sie mieteten den Fahrsimulator
der ASN, um aufzuzeigen, wie sich Alkohol am Steuer auf
Kampagne Fahrer-Assistenz-Systeme der Stiftung
für Prävention der AXA, in Zusammenarbeit mit
der Schweiz wurde die Möglichkeit geboten, die FunkyBar der Fachstelle Alkohol am Steuer nie ASN einzusetzen
Schulweg-Kampagne des TCS, in Zusammenar-
der bfu
«Tag des Lichts» der Arbeitsgruppe Sicherheit
durch Sichtbarkeit*
* mit der finanziellen Unterstützung des Fonds für
Verkehrssicherheit FVS
die Fahrfähigkeit auswirkt.
• Diverse ÖV-Betriebe offerierten Besucherinnen und Besuchern von Partys und öffentlichen Anlässen eine Gratisfahrt nach Hause.
• Die freiwilligen Fahrer von Nez Rouge verteilten ihren
Kunden während den Feiertagen den Informationsflyer,
das Rezeptbüchlein für alkoholfreie Drinks sowie Gummibonbon-Colafläschli.
Auto-IQ-Test
unter www.auto-iq.ch
Die Kampagne für Fahrer-Assistenz-Systeme «Denkt Ihr Auto mit?» wurde fortgesetzt. Entwickelt wurde
zusätzlich eine Online-Datenbank, dank der Autolenkerinnen und Autolenker mit nur drei Klicks herausfinden
können, wie intelligent ihr Fahrzeug ist.
Das in Zusammenarbeit mit Eurotax laufend auf dem neus-
pagnenbotschaft zu vermitteln und die Vorteile aktiver
ten Stand gehaltene Tool informiert Fahrzeuglenkende de-
Sicherheitssysteme näher zu bringen.
tailliert über Fahrer-Assistenz-Systeme und deren Eintei-
Auch am 12. bfu-Forum, das im November in Bern statt-
lung in verschiedene Kategorien. Fahrzeugbesitzer sowie
fand, stand das Thema Fahrer-Assistenz-Systeme im Mittel-
potenzielle Autokäuferinnen und -käufer haben damit die
punkt. Die Fachleute betonten einstimmig das enorme
Übersicht über die Sicherheitssysteme aller auf dem
Potenzial solcher Systeme zur Lösung von Sicherheitspro-
Schweizer Markt erhältlichen Automarken und -typen. Dies
blemen im Strassenverkehr. Damit können Fahrfehler ver-
ermöglicht ihnen, eine fundierte Wahl zu treffen.
hindert und ein sichereres Fahren ermöglicht werden, ohne
Ein Glossar, das ebenfalls auf der Website www.auto-iq.ch
die Freiheit der Autolenkenden einzuschränken.
zu finden ist, bietet eine Fülle von ausführlichen Informationen. Im Auto-IQ-Test erfahren Interessierte unter anderem, wie gross die sicherheitsrelevante Wirkung jedes Aus-
349 Tote waren 2009 bei Unfällen auf Schweizer
stattungselements ihres Autos ist und was der Einbau der
Strassen zu beklagen. Bis zu 50 % der schweren
nicht serienmässig enthaltenen Ausstattungen kostet. In
Unfälle könnten mit Fahrer-Assistenz-Systemen
der Öffentlichkeit bekannt gemacht wurde die Online-Da-
vermieden werden. Die bfu und die Stiftung für
tenbank mit einem TV-Spot und Bannern sowie Plakaten,
Prävention der AXA sind von deren Wichtigkeit
die über das Netz der bfu-Sicherheitsdelegierten verteilt
zur Verhinderung von Strassenverkehrsunfällen
überzeugt und führen ihre Kampagne 2011 fort.
Die Fachleute aus der Automobilbranche wurden über den
Ziel ist, den Bekanntheitsgrad der Systeme zu stei-
Autogewerbeverband der Schweiz AGVS angesprochen
gern und die wachsende Bedeutung für die Ver-
und aufgefordert, ihren Kundinnen und Kunden die Kam-
hütung von Strassenverkehrsunfällen aufzuzeigen.
Präventionswissen online
Mit dem «Lexikon der Prävention» und den «bfu-Statements» wurde die bfu-Website um zwei wertvolle
Informationsquellen bereichert. Ob sie sich für allgemeine Auskünfte, technisches Spezialwissen oder eine
politische Stellungnahme der bfu interessieren – hier finden alle Benutzerinnen und Benutzer, was sie suchen.
Was versteht man unter Spurwechselassistent? Eine neue
Unter «bfu-Statements» nimmt die bfu kurz Stellung zu
Berufsbezeichnung? Keinesfalls. Was sind Miniskis? Dienen
politischen Themen. Ein Helmtragobligatorium für Skifah-
sie als Ersatz für Kinderskis? Es scheint, dass Seilparks zur-
rer? Fahrzeuge mit einer Blackbox ausrüsten? «Begleitetes
zeit stark im Aufwind sind. Man hört aber ab und zu von
Fahren» ab 16 Jahren? Diese und andere Themen werden
Unfällen. Wie steht es um die Sicherheit in solchen Parks?
aufgegriffen. Als Kompetenzzentrum für Unfallprävention
Die bfu stellt jetzt ein Instrument zur Verfügung, mit dem
liefert die bfu Antworten auf diese politischen Fragen auf
diese aktuellen Fragen aus erster Hand beantwortet wer-
der Grundlage von Forschungsergebnissen. Die State-
den: das «Lexikon der Prävention». Darin finden Interes-
ments sind in zusammengefasster Form auf der bfu-
sierte von A–Z alles Wissenswerte über die Sicherheit im
Internetseite in der Rubrik «Politik und Recht» zu finden.
Strassenverkehr, in Sport und Freizeit, im Haushalt und in
Unter der gleichen Rubrik finden sich auch ausführlichere
Zusammenhang mit Produkten. Ende 2010 umfasste das
Positionspapiere zu einigen in den Statements behandelten
Lexikon bereits mehr als hundert Eintragungen – und es
Themen sowie Bundesgerichtsentscheide, bei denen Fra-
wird kontinuierlich erweitert. Sowohl die abgedeckten
gen der Verhütung von Nichtberufsunfällen im Vorder-
Themen als auch die Inhalte werden ständig auf den neus-
ten Stand gebracht.
www.bfu.ch (Rubriken «Lexikon der Prävention»
und «Politik und Recht»)
Die bfu ist vernetzt
Verschiedene Kooperationsplattformen in der Schweiz und der ganzen Welt
ermöglichen der bfu, ihr Fachwissen und ihre Erkenntnisse mit zahlreichen
Präventionsakteuren auszutauschen. Diese wichtige Zusammenarbeit schlägt sich
in den Schwerpunktprogrammen und in internationalen Kolloquien nieder.
den europäischen Forschungsanstalten
Im Rahmen ihrer Zusammenarbeit mit dem «Forum of European Road Safety Research Institutes» (FERSI)
führte die bfu ein Seminar zum Thema «Evaluation von Verkehrssicherheitsmassnahmen» durch. Rund
zwanzig Forscherinnen und Forscher aus mehreren europäischen Ländern trafen sich dazu in Bern.
Ob Verkehrssicherheitskampagne, Sanierung eines Strassenabschnitts oder Einführung neuer Gesetze, jede Mass-
Das «Forum of European Road Safety Research
nahme zur Unfallverhütung im Strassenverkehr kann – und
Institutes» (FERSI) wurde 1991 gegründet mit dem
sollte – evaluiert werden. Dies kann aus verschiedenen
Ziel, die internationale Zusammenarbeit zwischen
Blickwinkeln stattfinden, die sich gegenseitig ergänzen.
den europäischen Forschungsinstituten im Bereich
Wie wurde die Massnahme umgesetzt? Wie wurde sie vom
Strassenverkehrssicherheit zu fördern. Die bfu war
Zielpublikum aufgenommen? Und natürlich: Welche Aus-
eines der Gründungsmitglieder. Heute sind dem
wirkungen hat sie auf die Unfallzahlen? Die Evaluation ist
FERSI 28 Forschungsanstalten angeschlossen, von
ein wichtiger Schritt, der auf die Umsetzung jeder Mass-
denen einige über 400 Mitarbeitende zählen.
nahme folgen sollte: Sie ermöglicht einerseits, den Erfolg
Dank dieser Plattform können Forschende vom
der Arbeit zu messen, und andererseits, zukünftige Verbes-
Fachwissen ihrer Kolleginnen und Kollegen in
serungen zu planen. Dies ist eine wichtige Voraussetzung
anderen Ländern profitieren und Forschungs-
im Präventionskreislauf der bfu.
resultate können auf nationaler und internationa-
Anhand von konkreten Fallstudien haben die am Seminar
ler Ebene optimal genutzt werden.
teilnehmenden Forscherinnen und Forscher verschiedene
Aspekte der Evaluation unter die Lupe genommen:
Vergleich von qualitativen und quantitativen Methoden,
Kosten-Nutzen-Analysen, Entwicklung von Sicherheitsprogrammen auf der Grundlage von Forschungsresultaten.
Den Abschluss der zweitägigen Veranstaltung bildete die
Ausarbeitung der FERSI-Richtlinien für die Evaluation von
Verkehrssicherheitsmassnahmen.
Die Teilnahme der bfu am FERSI ist äusserst wichtig. Diese
internationale Plattform bietet die Möglichkeit eines regelmässigen fachlichen Austauschs über Forschungsresultate,
aktuelle Sicherheitsprogramme in den teilnehmenden Ländern sowie Erfahrungen mit neuen Formen der Mobilität.
Wissensaustausch zum Thema Evaluation
Koordination – Zusammenarbeit
Schwerpunktprogramm Stürze:
Stürze machen rund die Hälfte der 600 000 Unfälle im Bereich Haus und Freizeit aus. Über 1200 Mal
pro Jahr sind sie gar die Todesursache, vor allem bei älteren Menschen. Diese Fakten veranlassten die bfu,
Ende 2009 das Schwerpunktprogramm Stürze zu lancieren. Sein Ziel: eine Reduktion der Sturzunfälle.
«Human walking is a risky business», sagte der britische
Sturzprävention – für alle Altersgruppen – findet auf drei
Anthropologe John Napier und fügte weiter an, dass wir
Ebenen statt: Die Verhaltensebene betrifft den einzelnen
uns bei jedem Schritt am Rand der Katastrophe bewegen.
Menschen; so wird zum Beispiel durch Kräftigung der Mus-
Die Unfallzahlen geben ihm recht, und schwere Stürze
kulatur, Training der Koordination und des Gleichgewichts
verursachen zudem lange Leidensgeschichten und hohe
oder Pflege des sozialen Netzes das Sturzrisiko deutlich ver-
Kosten. Betroffen sind im überwiegenden Mass ältere
mindert. Auf der Infrastrukturebene wird eine sichere Ge-
staltung der öffentlichen und privaten Umgebung ange-
Die demografische Entwicklung und die vermehrte Sturz-
strebt. Auf der Produkteebene schliesslich steht die
anfälligkeit im Alter lassen Seniorinnen und Senioren zum
Verwendung von adäquaten Gehhilfen, Sehhilfen, Hüft-
Hauptzielpublikum des Schwerpunktprogramms werden.
protektoren usw. im Zentrum.
Die bfu arbeitet im interkantonalen Projekt «Best Practice
Der Start des Schwerpunktprogramms ist geglückt. Die im
Gesundheitsförderung im Alter» mit und beteiligt sich aktiv
Lauf des Jahres 2010 entstandenen Kooperationen bilden
am Modul Sturzprävention. Die konkreten Best-Practice-
nun die Basis für eine zielgerichtete Umsetzung.
Empfehlungen werden wegweisend für das Schwerpunktprogramm sein, in dem Interventionen und deren Umsetzung mit den Partnerorganisationen geplant werden.
Zu den Zielgruppen des Schwerpunktprogramms gehören
aber auch Kinder. Säuglinge und Kleinkinder sind sehr stark
von den Folgen schwerer Stürze während der ersten
Lebensjahre betroffen – und damit auch deren Umfeld.
Hier suchte die bfu die Zusammenarbeit mit Organisationen aus dem Kinder-, Jugend- und Elternarbeitsbereich,
um langfristige und nachhaltige Unfallprävention bei Kindern öffentlich zu thematisieren.
Ertrinkungsunfälle:
Gemeinsam vom Wissen zum Programm
In den letzten Jahrzehnten ist das Risiko für Ertrinkungsunfälle stetig gesunken, aber immer noch besteht
Handlungsbedarf. Auf der Basis einer neuen Studie zu den Wasser- und Badeunfällen wurde zusammen mit
Partnerorganisationen ein Wasserprogramm entwickelt.
Sportliche und andere Aktivitäten im, am und auf dem
Daraus resultierte eine Liste von Präventionsmassnahmen,
Wasser gehören zu den beliebtesten Freizeitbeschäftigun-
die ein hohes Potenzial zur Vermeidung von Ertrinkungs-
gen der Schweizer Bevölkerung. Der Aufenthalt im Wasser
unfällen aufweisen. Es wurde dabei primär auf Massnah-
birgt aber das Risiko, sich eine Verletzung zuzuziehen oder
men fokussiert, die das Eintreten von Unfällen verhindern
gar zu ertrinken.
(primäre Prävention), und erst in zweiter Priorität auf Vor-
Die Schweizerische Lebensrettungs-Gesellschaft SLRG initi-
schläge, die auf die Verbesserung der Rettung und Wieder-
ierte zu ihrem 75-jährigen Bestehen eine Studie zu Wasser-
belebung abzielen. Als ein erstes Zwischenergebnis aus
und Badeunfällen, die von der bfu und der Suva unterstützt
diesem Prozess entstand die bfu-Wasserkampagne «Kin-
wurde. Durch Analyse der Unfallstatistiken, Aufarbeitung
der immer im Auge behalten», die 2011 gestartet wird und
der wissenschaftlichen Literatur und Expertenbefragung
zum Ziel hat, Ertrinkungsunfälle bei Kindern zu verhindern.
trug das Institut Lamprecht und Stamm das verfügbare
Endziel dieses Prozesses ist die Erstellung eines nationalen
Wissen zu sicherheitsrelevanten Aspekten zusammen.
Präventionsprogramms Ertrinkungsunfälle, das von unter-
Basierend auf diesen Vorarbeiten und anderen Quellen
schiedlichen Partnern umgesetzt werden soll.
stellte die bfu die entscheidenden Risikofaktoren und Inter-
Das beschriebene Vorgehen zeigt, wie evidenzbasiertes
ventionsmöglichkeiten zusammen und diskutierte sie ein-
Wissen, in Zusammenarbeit mit kompetenten Partnern aus
gehend in mehreren Ateliers mit allen kompetenten Part-
der Praxis, auf optimale Weise zu wirkungsvollen Interven-
nerorganisationen im Bereich Wasser.
tionen führen kann.
Die bfu setzt sich im öffentlichen Auftrag für die Sicherheit
ein. Als Schweizer Kompetenzzentrum für Unfallprävention
Ausbildungen und Kommunikation an Privatpersonen
und Fachkreise weiter. Mehr über Unfallprävention auf
1.015.01 – 06.2011
bfu-Jahresbericht 2010