Source: https://www.rechtslupe.de/arbeitsrecht/der-arbeitsvertrag-als-allgemeine-geschaeftsbedingungen-3139741
Timestamp: 2019-09-16 06:17:18
Document Index: 170519749

Matched Legal Cases: ['§ 310', '§ 305', '§ 306', '§ 310', 'BGH', 'BGH']

Der Arbeits­ver­trag als All­ge­mei­ne Geschäfts­be­din­gun­gen | Rechtslupe
Der Arbeits­ver­trag als All­ge­mei­ne Geschäfts­be­din­gun­gen
Nach § 310 Abs. 3 Nr. 2 BGB sind § 305c Abs. 2 und §§ 306, 307 bis 309 BGB bei Ver­trä­gen zwi­schen einem Unter­neh­mer und einem Ver­brau­cher auch anzu­wen­den, wenn die Klau­sel nur zur ein­ma­li­gen Ver­wen­dung bestimmt ist und der Ver­brau­cher auf­grund der Vor­for­mu­lie­rung auf den Inhalt kei­nen Ein­fluss neh­men konn­te.
Arbeits­ver­trä­ge zwi­schen Arbeit­neh­mern und Arbeit­ge­bern sind Ver­brau­cher­ver­trä­ge iSv. § 310 Abs. 3 BGB1. Die Arbeit­neh­me­rin kann i.d.R. auf­grund der Vor­for­mu­lie­rung auf den Inhalt kei­nen Ein­fluss neh­men.
Dem Ver­brau­cher ist es mög­lich, auf den Inhalt Ein­fluss zu neh­men, wenn der Ver­wen­der die Klau­sel im Kern­in­halt ernst­haft zur Dis­po­si­ti­on stellt und dem Ver­wen­dungs­geg­ner Gestal­tungs­frei­heit ein­räumt, damit die­ser sei­ne Inter­es­sen wah­ren kann. Das setzt zumin­dest vor­aus, dass sich der Ver­wen­der deut­lich und ernst­haft zu gewünsch­ten Ände­run­gen der zu tref­fen­den Ver­ein­ba­rung bereit erklärt und dem Ver­wen­dungs­geg­ner dies bei Abschluss des Ver­trags bewusst war. Die Mög­lich­keit der Ein­fluss­nah­me muss sich dabei auf die kon­kre­te Klau­sel bezie­hen, deren Anwend­bar­keit oder Aus­le­gung im Streit steht. Ist strei­tig, ob eine Ein­fluss­nah­me mög­lich war, muss der Ver­wen­der nach den Grund­sät­zen der abge­stuf­ten Dar­le­gungs­last den Vor­trag des Ver­wen­dungs­geg­ners, er habe kei­ne Ein­fluss­mög­lich­keit gehabt, qua­li­fi­ziert bestrei­ten. Er hat kon­kret dar­zu­le­gen, wie er die Klau­sel zur Dis­po­si­ti­on gestellt hat und aus wel­chen Umstän­den dar­auf geschlos­sen wer­den kann, der Ver­wen­dungs­geg­ner habe die im Streit ste­hen­de Klau­sel frei­wil­lig akzep­tiert2.
Im hier ent­schie­de­nen Fall war davon aus­zu­ge­hen, dass die Arbeit­neh­me­rin auf den Inhalt der Aus­schluss­frist kei­nen Ein­fluss hat­te: Sie hat behaup­tet, der Arbeits­ver­trag sei ihr von der Arbeit­ge­be­rin vor­ge­ge­ben wor­den. Es hät­te dar­auf­hin der Arbeit­ge­be­rin oble­gen, dies qua­li­fi­ziert zu bestrei­ten und kon­kret vor­zu­tra­gen, wie sie die Klau­sel zur Dis­po­si­ti­on gestellt hat. Dem ist die Arbeit­ge­be­rin im vor­lie­gen­den Fall nicht nach­ge­kom­men. Sie hat nicht behaup­tet, dass die Aus­schluss­klau­sel in dem Gespräch über die Bedin­gun­gen des Arbeits­ver­trags zur Spra­che gekom­men sei. Erst recht hat sie nicht dar­ge­legt, dass und in wel­cher Wei­se sie die von ihr in den Arbeits­ver­trag ein­ge­führ­te Klau­sel zur Dis­po­si­ti­on der Arbeit­neh­me­rin gestellt habe.
All­ge­mei­ne Geschäfts­be­din­gun­gen sind nach ihrem objek­ti­ven Inhalt und typi­schen Sinn ein­heit­lich so aus­zu­le­gen, wie sie von ver­stän­di­gen und red­li­chen Ver­trags­part­nern unter Abwä­gung der Inter­es­sen der nor­ma­ler­wei­se betei­lig­ten Ver­kehrs­krei­se ver­stan­den wer­den, wobei nicht die Ver­ständ­nis­mög­lich­kei­ten des kon­kre­ten, son­dern die des durch­schnitt­li­chen Ver­trags­part­ners des Ver­wen­ders zugrun­de zu legen sind. Ansatz­punkt für die nicht am Wil­len der kon­kre­ten Ver­trags­part­ner zu ori­en­tie­ren­de Aus­le­gung All­ge­mei­ner Geschäfts­be­din­gun­gen ist in ers­ter Linie der Ver­trags­wort­laut. Ist die­ser nicht ein­deu­tig, kommt es für die Aus­le­gung ent­schei­dend dar­auf an, wie der Ver­trags­text aus der Sicht der typi­scher­wei­se an Geschäf­ten die­ser Art betei­lig­ten Ver­kehrs­krei­se zu ver­ste­hen ist3.
Die Aus­le­gung All­ge­mei­ner Geschäfts­be­din­gun­gen durch das Beru­fungs­ge­richt unter­liegt der vol­len revi­si­ons­recht­li­chen Über­prü­fung durch das Bun­des­ar­beits­ge­richt4.
Eine ein­schrän­ken­de Aus­le­gung All­ge­mei­ner Geschäfts­be­din­gun­gen kann sich sowohl aus dem Wort­laut als auch aus dem Gesamt­zu­sam­men­hang der Rege­lun­gen erge­ben5.
Zukünf­ti­ge Schä­den – und der Fest­stel­lungs­an­trag Wird Kla­ge auf Fest­stel­lung erho­ben, dass die Gegen­sei­te ver­pflich­tet sei, zukünf­ti­ge Schä­den zu erset­zen, liegt ein Fest­stel­lungs­in­ter­es­se vor, wenn der Scha­dens­ein­tritt mög­lich ist, auch wenn…
st. Rspr., BAG 18.09.2018 – 9 AZR 162/​18, Rn. 30; 26.10.2017 – 6 AZR 158/​16, Rn. 17, BAGE 161, 9 [↩]
BAG 26.10.2017 – 6 AZR 158/​16, Rn. 23, BAGE 161, 9; 24.02.2016 – 5 AZR 258/​14, Rn. 23, BAGE 154, 178 [↩]
st. Rspr., zB BAG 20.06.2018 – 7 AZR 690/​16, Rn.20; 25.08.2010 – 10 AZR 275/​09, Rn.19, BAGE 135, 239; BGH 24.10.2017 – VI ZR 504/​16, Rn. 22 [↩]
BAG 18.10.2017 – 10 AZR 330/​16, Rn. 26, BAGE 160, 296; 7.06.2011 – 1 AZR 807/​09, Rn. 23 mwN [↩]
vgl. BGH 19.04.2018 – III ZR 255/​17, Rn. 21 ff. [↩]
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