Source: http://m.hensche.de/Zeugnis_Geheimcode_Geheimer_Code_im_Zeugnis_Wendung_kennen_gelernt_kein_Geheimcode_LAG_Koeln_11Sa1092-08-u.html
Timestamp: 2018-04-23 00:03:45
Document Index: 213504413

Matched Legal Cases: ['§ 1', '§ 64', '§ 66', '§ 611', '§ 611', '§ 242', '§ 113', '§ 111', '§ 111', '§ 109', '§ 362']

HENSCHE Arbeitsrecht: 11 Sa 1092/08
Schlag­worte: Zeugnis: Geheimcode
Akten­zeichen: 11 Sa 1092/08
Ent­scheid­ungs­datum: 18.12.2009
1. Ein­zel­fall zur Dar­le­gungs­last bei Über­stun­den­vergütung (ti­me sheets). (Rn.33)
2. Die For­mu­lie­rung im Ar­beits­zeug­nis "ken­nen ge­lernt" lässt je­den­falls dann kei­nen Rück­schluss auf das Nicht­vor­han­den­sein der be­schei­nig­ten Ei­gen­schaft zu, wenn die For­mu­lie­rung in ein durch­weg gu­tes Zeug­nis ein­ge­bet­tet ist. (Rn.41)
3. Ei­ne Be­triebsände­rung kann vor­lie­gen, wenn sich die Ände­rung der Be­triebs­or­ga­ni­sa­ti­on in der Ge­samt­schau grund­le­gend in er­heb­li­cher Wei­se auf den Be­triebs­ab­lauf, die Ar­beits­wei­se oder die Ar­beits­be­din­gun­gen der Ar­beit­neh­mer aus­wirkt. (Rn.36)
Vor­ins­tan­zen: Arbeitsgericht Köln, Urteil vom 17.06.2008, 14 Ca 7148/07
14 Ca 7148/07
Verkündet am 18. De­zem­ber 2009
hat die 11. Kam­mer des Lan­des­ar­beits­ge­richts Köln auf die münd­li­che Ver­hand­lung vom 31.07.2009 durch den Vor­sit­zen­den Rich­ter am Lan­des­ar­beits­ge­richt W als Vor­sit­zen­den so­wie die eh­ren­amt­li­chen Rich­ter R und B
Die Be­ru­fung des Klägers ge­gen das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts Köln vom 17.06.2008 – 14 Ca 7148/07 – wird kos­ten­pflich­tig zurück­ge­wie­sen.
Die Par­tei­en strei­ten zu­letzt noch um die Vergütung von Mehr­ar­beit, die Zah­lung ei­nes Nach­teils­aus­gleichs so­wie die Be­rich­ti­gung ei­nes Ar­beits­zeug­nis­ses.
Der Kläger war seit dem 01.04.2004 als Mit­ar­bei­ter im SAP Com­pe­tence Cen­ter der Be­klag­ten zu ei­nem mo­nat­li­chen Brut­to­ent­gelt von 6.050,00 € bei ei­ner wöchent­li­chen Ar­beits­zeit von 38 St­un­den beschäftigt. Das Ar­beits­verhält­nis en­de­te durch or­dent­li­che Kündi­gung der Be­klag­ten zum 28.02.2007.
Die Be­klag­te ist ei­ne Toch­ter­ge­sell­schaft der O AG mit Sitz in der S. Sie pro­du­ziert und ver­treibt Füll­stof­fe und Pig­men­te für in­dus­tri­el­le An­wen­dungs­be­rei­che. Sie beschäftig­te im Zeit­punkt des Aus­spruchs der Kündi­gung in ih­rem K Be­trieb 185 Ar­beit­neh­mer. Das SAP Com­pe­tence Cen­ter be­stand aus sechs Teams, in de­nen ins­ge­samt 14 Mit­ar­bei­ter tätig wa­ren. Im Be­trieb der Be­klag­ten ist ein Be­triebs­rat ge­bil­det.
Am 19.09.2006 be­schloss die Mut­ter­ge­sell­schaft der Be­klag­ten die Auflösung von vier Teams des SAP Com­pe­tence Cen­ters, was den Weg­fall von sie­ben Ar­beitsplätzen, ein­sch­ließlich des Ar­beits­plat­zes des Klägers, zur Fol­ge hat­te. Die Be­klag­te kündig­te die Ar­beits­verhält­nis­se der be­trof­fe­nen Ar­beit­neh­mer, so auch das des Klägers durch Schrei­ben vom 17.11.2006. Die Auf­ga­ben der auf­gelösten Teams wer­den nun­mehr un­mit­tel­bar von der Mut­ter­ge­sell­schaft er­le­digt.
Die Be­klag­te zahl­te an den Kläger ei­ne Ab­fin­dung nach § 1 a KSchG von 9.831,00 € brut­to. Fer­ner vergüte­te sie mit der Ab­rech­nung März 2007 Mehr­ar­beit in Höhe von 367,80 €.
Mit Schrei­ben vom 17.11.2006 stell­te die Be­klag­te den Kläger un­ter An­rech­nung auf Rest­ur­laubs- und sons­ti­ge Frei­stel­lungs­ansprüche von der
Ar­beits­leis­tung un­ter Fort­zah­lung der Vergütung für ins­ge­samt 69 Ar­beits­ta­ge frei.
Un­ter dem Da­tum 28.02.2007 er­teil­te die Be­klag­te dem Kläger ein Ar­beits­zeug­nis. We­gen des­sen In­halt wird auf Bl. 16 f. d. A. ver­wie­sen.
Das Ar­beits­ge­richt Köln hat mit Ur­teil vom 17.06.2008 die Kla­ge ab­ge­wie­sen. Zur Be­gründung hat es im We­sent­li­chen aus­geführt, der Kläger ha­be nicht hin­rei­chend dar­ge­tan, wel­che St­un­den aus sei­ner Auf­lis­tung als Über­stun­den gel­tend ge­macht würden und wel­che Tätig­kei­ten er auf An­ord­nung oder mit Bil­li­gung der Be­klag­ten ver­rich­tet ha­be. Ei­nen Nach­teils­aus­gleich könne der Kläger man­gels hin­rei­chen­der Dar­le­gung ei­ner Be­triebsände­rung nicht be­an­spru­chen. Ei­ne Zeug­nisände­rung könne der Kläger nicht ver­lan­gen, dass Zeug­nis sei klar und vollständig for­mu­liert, wei­se ei­ne gu­te Be­ur­tei­lung aus und die For­mu­lie­rung „ken­nen ge­lernt“ ver­mit­te­le un­ter Berück­sich­ti­gung des Kon­tex­tes nicht den Ein­druck des Nicht­vor­han­den­seins der an­ge­spro­che­nen Ei­gen­schaf­ten. We­gen der wei­te­ren Ein­zel­hei­ten des Tat­be­stan­des so­wie der Ent­schei­dungs­gründe wird auf Bl. 348 ff. d. A. Be­zug ge­nom­men.
Ge­gen das ihm am 18.08.2008 zu­ge­stell­te Ur­teil hat der Kläger am 12.09.2008 Be­ru­fung ein­ge­legt und die­se in­ner­halb der verlänger­ten Be­ru­fungs­be­gründungs­frist am 20.11.2008 be­gründet.
Der Kläger rügt, dass die Tätig­keit des „Cust­o­mi­zing“ le­dig­lich im Rah­men der „An­pas­sung be­triebs­wirt­schaft­li­cher Pro­zes­se bei Struk­turände­run­gen“ auf­geführt sei, nicht hin­ge­gen in Be­zug auf die Tätig­keit „Op­ti­mie­rung und Be­treu­ung des Ma­te­ri­al Led­gers“, wo­durch der Ein­druck ent­ste­he, der Kläger sei im Be­reich Ma­te­ri­al Led­gers nur in der An­wen­dung tätig ge­we­sen. Da die Be­klag­te sei­ne Ge­samt­leis­tung mit „stets zur vol­len Zu­frie­den­heit“ be­wer­tet ha­be, müsse sie ihm auch ei­ne „stets“ gu­te Auf­ga­benlösung bestäti­gen. Das Feh­len des Wor­tes „stets“ deu­te dar­auf hin, dass er sei­ne Fähig­kei­ten nicht ha­be um­set­zen können. Die Ver­wen­dung des Pas­sus „ken­nen ge­lernt“ wer­de in der Be­rufs­welt über­wie­gend ne­ga­tiv
ver­stan­den und müsse da­her ent­fernt wer­den. Die Schluss­for­mel müsse zur Ver­mei­dung ei­ner Ent­wer­tung der Zeug­nis­be­ur­tei­lung da­durch ergänzt wer­den, dass die Be­klag­te ihm „wei­ter­hin“ al­les Gu­te und viel Er­folg wünsche.
Der Kläger meint, die Be­klag­te sei zum Aus­gleich des sich aus den ti­me sheets er­ge­ben­den St­un­den­sal­dos ver­pflich­tet. Er sei sei­ner Sub­stan­ti­ie­rungs­last durch die Vor­la­ge der ti­me sheets hin­rei­chend nach­ge­kom­men. Die Be­klag­te ver­hal­te sich wi­dersprüchlich, wenn sie ei­ne man­geln­de Dar­le­gung rüge, selbst aber Über­stun­den nach ei­ge­nem Vor­trag in dem Par­al­lel­ver­fah­ren LAG Köln - 11 Sa 455/09 - nach den nie­mals be­an­stan­de­ten ti­me sheets ab­rech­ne. Die ti­me sheets sei­en nach Vor­ga­be der Be­klag­ten wöchent­lich aus­gefüllt und vom Vor­ge­setz­ten kon­trol­liert wor­den. Da das Ar­beits­pen­sum al­len­falls durch ei­ne 50-St­un­den­wo­che ha­be bewältigt wer­den könne, ha­be der Vor­ge­setz­te erklärt, dass er ei­ne tägli­che Ar­beits­leis­tung von 10 St­un­den er­war­te.
Die Auflösung der Teams sei Be­stand­teil ei­ner Maßnah­me, die dar­in be­stan­den ha­be, die ge­sam­te SAP In­fra­struk­tur und die da­mit ver­bun­de­nen Dienst­leis­tun­gen aus­zu­glie­dern. Die­ses Out­sour­cing stel­le ei­ne Be­triebsände­rung we­gen grund­le­gen­der Ände­rung der Be­triebs­or­ga­ni­sa­ti­on dar, da ei­ne in­di­vi­du­el­le Be­treu­ung spe­zi­el­ler Be­lan­ge der Beschäftig­ten des K Be­triebs er­schwert wer­de.
das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts Köln vom 17.06.2008 – 14 Ca 7148/07 – wird ab­geändert und die Be­klag­te ver­ur­teilt,
1. dem Kläger un­ter dem Aus­stel­lungs­da­tum 28.02.22007 ein kor­ri­gier­tes Zeug­nis nach fol­gen­der Maßga­be zu er­tei­len:
1.1. A u f B l a t t 1 w i r d d e r 3. P u n k t i n d e r Auf­ga­ben­be­schrei­bung durch das Wort „Cust­o­mi­zing“ ergänzt und wie folgt ge­fasst:
Op­ti­mie­rung und Be­treu­ung des Ma­te­ri­al Led­gers (Ana­ly­se, Pro­zess­mo­del­lie­rung, Kon­zep­ti­on,
Cust­o­mi­zing, Spe­zi­al­re­porting)
1.2. Auf Blatt 1 letz­ter Ab­satz ist der 1. Satz wie folgt zu ändern: „Herr K war dank sei­ner gu­ten Fach­kennt­nis­se stets in der La­ge, die ihm über­tra­ge­nen Auf­ga­ben gut zu lösen.“
1.3. Im 1. Ab­satz auf der zwei­ten Sei­te wird der Satz: „Wir ha­ben Herrn K als sehr in­ter­es­sier­ten und hoch­mo­ti­vier­ten Mit­ar­bei­ter ken­nen ge­lernt, der stets ei­ne sehr ho­he Ein­satz­be­reit­schaft zeig­te.“
„Herr K war ein sehr in­ter­es­sier­ter und hoch­mo­ti­vier­ter Mit­ar­bei­ter, der stets ei­ne sehr ho­he Ein­satz­be­reit­schaft zeig­te.“
er­setzt.
1.4. Der letz­te Satz auf Blatt 2 des Zeug­nis­ses ist wie folgt ab­zuändern: „Für sei­ne persönli­che und be­ruf­li­che Zu­kunft wünschen wird Herrn K wei­ter­hin al­les Gu­te und viel Er­folg.“
2. an den Kläger 21.617,57 € brut­to nebst Zin­sen in Höhe von 5 Pro­zent­punk­ten über dem Ba­sis­zins­satz seit Rechtshängig­keit zu zah­len.
3. an den Kläger ei­ne Ab­fin­dung für den Ver­lust des Ar­beits­plat­zes in Höhe von min­des­tens 8.319,00 €
brut­to nebst Zin­sen in Höhe von 5 Pro­zent­punk­ten über dem Ba­sis­zins­satz seit dem 01.03.2007 zu zah­len.
die Be­ru­fung kos­ten­pflich­tig ab­zu­wei­sen.
Die Be­klag­te ver­tei­digt die Ent­schei­dung des Ar­beits­ge­richts. Sie ha­be die Schwer­punk­te der Tätig­keit im Zeug­nis rich­tig be­schrie­ben. Das gu­te Zeug­nis sei ins­ge­samt po­si­tiv for­mu­liert, ein­sch­ließlich der Ab­schluss­for­mel. Bei den ti­me sheets han­de­le es sich um ei­nen vom Kläger selbst geführ­ten elek­tro­ni­schen Ka­len­der. Die­se Auf­stel­lun­gen sei­en le­dig­lich zur kon­zern­in­ter­nen Wei­ter­ver­rech­nung der Ar­beits­leis­tun­gen des Klägers her­an­ge­zo­gen wor­den, der wie die übri­gen Mit­ar­bei­ter des SAP Com­pe­tence Cen­ters für ver­schie­de­ne kon­zern­an­gehöri­ge Ge­sell­schaf­ten tätig ge­we­sen sei. Die Auf­ga­ben­ver­la­ge­rung an die Mut­ter­ge­sell­schaft in der S stel­le so­wohl in quan­ti­ta­ti­ver als auch in qua­li­ta­ti­ver Hin­sicht kei­ne Be­triebsände­rung dar. Auf ei­nen Nach­teils­aus­gleich sei je­den­falls die ge­zahl­te Ab­fin­dung an­zu­rech­nen.
We­gen wei­te­ren Ein­zel­hei­ten des Sach- und Streit­stan­des wird ergänzend auf den In­halt der ge­wech­sel­ten Schriftsätze der Par­tei­en nebst An­la­gen Be­zug ge­nom­men.
I. Die Be­ru­fung des Klägers ist zulässig, denn sie ist gemäß § 64 Abs. 2 b) ArbGG statt­haft und wur­de in­ner­halb der Fris­ten des § 66 Abs. 1 ArbGG ein­ge­legt und be­gründet.
II. Die Be­ru­fung ist un­be­gründet, denn das Ar­beits­ge­richt hat mit zu­tref­fen­den Gründen die Kla­ge ab­ge­wie­sen. Die Be­gründung der Be­ru­fung recht­fer­tigt kei­ne Abände­rung der erst­in­stanz­li­chen Ent­schei­dung.
1. Der Kläger hat ei­nen An­spruch auf Ab­gel­tung von Mehr­ar­beits­stun­den nicht schlüssig dar­ge­tan.
a) Der Ar­beit­neh­mer, der die Vergütung von Über­stun­den for­dert, muss im Ein­zel­nen dar­le­gen, an wel­chen Ta­gen und zu wel­chen Ta­ges­zei­ten er über die übli­che Ar­beits­zeit hin­aus ge­ar­bei­tet hat. Der An­spruch auf Über­stun­den­vergütung setzt fer­ner vor­aus, dass die Über­stun­den vom Ar­beit­ge­ber an­ge­ord­net, ge­bil­ligt oder ge­dul­det wur­den oder je­den­falls zur Er­le­di­gung der ge­schul­de­ten Ar­beit not­wen­dig wa­ren. Der Ar­beit­neh­mer muss dar­le­gen, von wel­cher Nor­mal­ar­beits­zeit er aus­geht und dass er tatsächlich ge­ar­bei­tet hat. Ist strei­tig, ob in ei­nem Zeit­raum Ar­beits­leis­tun­gen er­bracht wur­den, trifft den Ar­beit­neh­mer nach all­ge­mei­nen Grundsätzen die Dar­le­gungs-und Be­weis­last. Der Ar­beit­neh­mer muss dar­le­gen, wel­che (ge­schul­de­te) Tätig­keit er aus­geführt hat. Dem Ar­beit­ge­ber ob­liegt, dem Vor­trag sub­stan­ti­iert ent­ge­gen­zu­tre­ten (BAG, Urt. v. 29.05.2002 – 5 AZR 370/01 –; ErfK-Preis, 10. Auf­la­ge, § 611 BGB Rdn. 492; HWK-Thüsing, 3. Auf­la­ge, § 611 BGB Rdn. 138 jew. m. w. N.).
b) Selbst wenn man die Be­zug­nah­me auf die ein­ge­reich­ten Ab­lich­tun­gen der ti­me sheets für zulässig er­ach­tet, genügt der Kläger nicht sei­ner Dar­le­gungs­last. Die­sen Auf­zeich­nun­gen ist be­reits nicht zu ent­neh­men, von wann bis wann sei­ne Nor­mal­ar­beits­zeit lag, so dass of­fen bleibt, wel­che kon­kre­ten St­un­den Ge­gen­stand der Kla­ge auf Ab­gel­tung von Mehr­ar­beit sind. Zu­dem sind die ein­zel­nen Tätig­kei­ten in­halt­lich nur in all­ge­mei­ner Form mit gro­ben Zeit­ein­hei­ten auf St­un­den­ba­sis be­schrie­ben, ih­re kon­kre­te zeit­li­che La­ge bleibt of­fen. Ei­ne kon­kre­te An­ord­nung, Bil­li­gung oder Dul­dung der Be­klag­ten auf Ab­leis­tung von Mehr­ar­beit hat der Kläger nicht dar­ge­tan, son­dern le­dig­lich oh­ne nähe­re zeit­li­che Präzi­sie­rung be­haup­tet, der Vor­ge­setz­te ha­be erklärt, er er­war­te ei­ne tägli­che Ar­beits­leis­tung von 10 St­un­den. In die­ser in all­ge­mei­ner Form ge­hal­te­nen Äußerung ist le­dig­lich die Er­war­tung der Be­reit­schaft zur Mehr­ar­beit zu er­ken­nen. War­um das Ar­beits­pen­sum al­len­falls durch ei­ne 50-St­un­den­wo­che ha­be bewältigt wer­den können, ist man­gels kon­kre­ter An­ga­ben zum In­halt der je­weils ge­leis­te­ten Tätig­keit nicht
nach­voll­zieh­bar. Die Be­klag­te verhält sich auch nicht wi­dersprüchlich (§ 242 BGB), wenn sie den ti­me sheets die An­er­ken­nung als Ar­beits­zeit­nach­weis ver­wei­gert. Zwar hat die Be­klag­te die im Par­al­lel­ver­fah­ren LAG Köln - 11 Sa 455/09 - an­er­kann­ten 133 Über­stun­den auf der Grund­la­ge der ti­me sheets er­mit­telt. Je­doch hat sie dort im Ein­zel­nen un­wi­der­spro­chen dar­ge­tan, dass der An­er­ken­nung die­ser Über­stun­den ei­ne spe­zi­el­le Fall­ge­stal­tung zu­grun­de lag. Es han­del­te sich um kon­kret an­ge­ord­ne­te, pro­jekt­be­zo­ge­ne Auf­trags­ar­beit für das Wo­chen­en­de, wo­bei die Mehr­ar­beit am 13.01.2006 in di­rek­tem Zu­sam­men­hang mit der Wo­chen­end­ar­beit am 14.01./15.01.2006 stand. Im Übri­gen durf­te der Kläger auch nicht dar­auf ver­trau­en, dass die ti­me sheets als Ar­beits­zeit­nach­weis für ge­leis­te­te Mehr­ar­beit an­er­kannt wer­den. Die ti­me sheets sind von ih­rem Auf­bau und In­halt als kon­kre­ter Über­stun­den­nach­weis nicht ge­eig­net, sie dien­ten er­kenn­bar an­de­ren Zwe­cken, hier der kon­zern­in­ter­nen Ver­rech­nung von St­un­den­an­tei­len, für die ei­ne all­ge­mei­ne An­ga­be des In­halts der Tätig­keit und gro­be zeit­li­che Zu­ord­nun­gen aus­rei­chend wa­ren.
2. Der Kläger hat auch kei­nen Nach­teils­aus­gleichs­an­spruch ge­gen die Be­klag­te aus den §§ 113 Abs. 3, Abs. 1, 111 Be­trVG schlüssig dar­ge­legt.
Sei­nem Vor­brin­gen lässt sich be­reits kei­ne Be­triebsände­rung nach § 111 Be­trVG ent­neh­men. So­weit er vorträgt, die un­strei­ti­ge Auflösung von vier Teams und die Ver­la­ge­rung der Tätig­kei­ten in die S sei Be­stand­teil ei­nes um­fas­sen­den Out­sour­cings der SAP In­fra­struk­tur und der da­mit ver­bun­de­nen Dienst­leis­tun­gen, fehlt be­reits kon­kre­ter Tat­sa­chen­vor­trag nebst Be­weis­an­ge­bot für Tat­sa­chen, die die­sen Schluss recht­fer­ti­gen könn­ten. Be­reits das Ar­beits­ge­richt hat dar­auf hin­ge­wie­sen, dass von dem Per­so­nal­ab­bau, oh­ne dass dies von der Be­ru­fung an­ge­grif­fen wor­den ist, quan­ti­ta­tiv kein we­sent­li­cher Teil der Be­leg­schaft be­trof­fen wor­den ist. So­weit sich der Kläger in der Be­ru­fungs­in­stanz er­neut auf ei­ne Be­triebsände­rung im Sin­ne des § 111 Satz 3 Nr. 4 Be­trVG be­ruft, ist zu be­mer­ken, dass of­fen bleibt, war­um es sich vor­lie­gend um ei­ne grund­le­gen­de Ände­rung der Be­triebs­or­ga­ni­sa­ti­on han­deln soll. Ei­ne Ände­rung der Be­triebs­or­ga­ni­sa­ti­on liegt vor, wenn der Be­triebs­auf­bau, ins­be­son­de­re hin­sicht­lich Zuständig­kei­ten und
Ver­ant­wor­tung, um­ge­wan­delt wird. Grund­le­gend ist die Ände­rung, wenn sie sich auf den Be­triebs­ab­lauf in er­heb­li­cher Wei­se aus­wirkt. Maßgeb­lich ist der Grad der Verände­rung. Es kommt ent­schei­dend dar­auf an, ob die Ände­rung ein­schnei­den­de Aus­wir­kun­gen auf den Be­triebs­ab­lauf, die Ar­beits­wei­se oder die Ar­beits­be­din­gun­gen der Ar­beit­neh­mer hat. Die Ände­rung muss in ih­rer Ge­samt­schau von er­heb­li­cher Be­deu­tung für den ge­sam­ten Be­triebs­ab­lauf sein (BAG, Urt. v. 26.03.2009 – 2 AZR 879/07 – m. w. N.). Ob der Weg­fall ört­lich-in­di­vi­du­el­ler Be­treu­ung die Be­triebs­or­ga­ni­sa­ti­on im K Be­trieb grund­le­gend ändert, lässt sich nach dem Vor­trag des Klägers nicht fest­stel­len. Es feh­len ins­be­son­de­re Ausführun­gen des Klägers zum In­halt und Um­fang der Be­treu­ung der K Be­leg­schaft, zu­mal der Kläger nicht nur für den K Be­trieb Ar­beits­leis­tun­gen er­bracht hat, son­dern auch für an­de­re kon­zern­an­gehöri­ge Ge­sell­schaf­ten.
3. Auch die Zeug­nis­be­rich­ti­gungs­kla­ge des Klägers er­weist sich in vol­lem Um­fang als un­be­gründet. Die Be­klag­te hat den An­spruch auf ein qua­li­fi­zier­tes Ar­beits­zeug­nis nach § 109 Ge­wO erfüllt, § 362 Abs. 1 BGB.
a) In­halt­lich muss ein Zeug­nis den Ge­bo­ten der Zeug­nis­wahr­heit und Zeug­nis­klar­heit ent­spre­chen. In die­sem Rah­men ist der Ar­beit­ge­ber in der Wahl sei­ner For­mu­lie­run­gen frei (BAG, Urt. v. 16.10.2007 – 9 AZR 248/07 m. w. N.). We­der Wort­wahl noch Aus­las­sun­gen dürfen da­zu führen, dass bei Drit­ten, den Le­sern des Zeug­nis­ses, der Wahr­heit nicht ent­spre­chen­de Vor­stel­lun­gen ent­ste­hen können. Es kommt nicht dar­auf an, wel­che Vor­stel­lun­gen der Zeug­nis­ver­fas­ser mit ei­ner Wort­wahl ver­bin­det, son­dern auf die Sicht des Zeug­nis­le­sers (BAG, Urt. v. 21.06.2005 – 9 AZR 352/04 – m. w. N.).
b) Der Kläger hat hier­nach kei­nen An­spruch auf Ergänzung des Un­ter­punkts „Op­ti­mie­rung und Be­treu­ung des Ma­te­ri­al Led­gers“ durch den As­pekt Cust­o­mi­zing. Das Cust­o­mi­zing be­trifft die Ein­stel­lung ei­nes oder meh­re­rer SAP-Sys­te­me auf den je­wei­li­gen Kun­den. SAP-An­wen­dun­gen wer­den an un­ter­neh­mens­spe­zi­fi­sche An­for­de­run­gen an­ge­passt, oh­ne dass in die be­ste­hen­de Pro­gram­mie­rung ein­ge­grif­fen wer­den muss. Die Be­klag­te hat un­wi­der­spro­chen vor­ge­tra­gen, dass zum Mo­dul CO auch das Ma­te­ri­al Led­gers
gehört. Hin­sicht­lich des Mo­duls CO hat die Be­klag­te dem Kläger be­schei­nigt, dass er für die eu­ro­pa­wei­te Be­treu­ung und Einführungs­un­terstützung ver­ant­wort­lich ge­we­sen sei. Mit­hin ist auch das Cust­o­mi­zing im Be­reich Ma­te­ri­al Led­gers im Ar­beits­zeug­nis er­hal­ten, oh­ne das es ei­ner er­neu­ten Erwähnung im Un­ter­punkt „Op­ti­mie­rung und Be­treu­ung des Ma­te­ri­al Led­gers“ be­durf­te. Auf­grund die­ses Zu­sam­men­hangs lässt sich für den Zeug­nis­le­ser auch nicht aus ei­nem Ver­gleich des Un­ter­punkts „An­pas­sung be­triebs­wirt­schaft­li­cher Pro­zes­se bei Struk­turände­run­gen“, in dem das Cust­o­mi­zing aus­drück­lich erwähnt ist, und dem Un­ter­punkt „Op­ti­mie­rung und Be­treu­ung des Ma­te­ri­al Led­gers“ schließen, dass die Ar­beit des Klägers sich im Be­reich des Ma­te­ri­al Led­gers auf die rei­ne An­wen­dung be­schränkt ha­be.
c) So­weit der Kläger meint, das Feh­len des Wor­tes „stets“ in der Be­schrei­bung sei­ner Fähig­keit zur Auf­ga­benlösung deu­te dar­auf hin, dass er zwar fähig ge­we­sen sei, die­se Fähig­keit ha­be je­doch nicht um­set­zen können, kann dem nicht ge­folgt wer­den. Die be­an­stan­de­te Ein­zel­be­ur­tei­lung fügt sich naht­los in die gu­te Ge­samt­be­ur­tei­lung „stets zur vol­len Zu­frie­den­heit“ (hier­zu vgl.: BAG, Urt. v. 14.10.2003 – 9 AZR 12/03 – m. w. N.) ein. Die Be­klag­te hat dem Kläger nicht nur be­schei­nigt, dass er in der La­ge war, Auf­ga­ben gut zu lösen. Viel­mehr hat sie im Fol­ge­satz aus­drück­lich bestätigt, dass er prak­ti­ka­ble Lösun­gen ge­fun­den hat, die er kon­se­quent und er­folg­reich in sei­nem Ar­beits­be­reich um­ge­setzt hat.
d) Wenn der Kläger meint, die For­mu­lie­rung „ken­nen ge­lernt“ deu­te auf das
Nicht­vor­han­den­sein der be­schei­nig­ten Ei­gen­schaft hin, sie sei zu­min­dest zwei­deu­tig, kann dem be­zo­gen auf den Streit­fall eben­falls nicht ge­folgt wer­den. Zwar wird ver­ein­zelt ver­tre­ten, dass der Ge­brauch des Wor­tes „ken­nen­ge­lernt“ das Nicht­vor­han­den­sein der im Kon­text auf­geführ­ten Fähig­keit oder Ei­gen­schaft aus­drückt (vgl.: LAG Hamm, Urt. v. 28.03.2000 – 4 Sa 648/99 -; LAG Hamm Urt. v. 27.04.2000 – 4 Sa 1018/99 -; zur Kri­tik vgl.: Weus­ter BB 2001, 629 f.). Die er­ken­nen­de Kam­mer hat be­reits er­heb­li­che Be­den­ken, ob die­se Einschätzung rich­tig ist. Je­den­falls im Streit­fall ist dies un­zu­tref­fend, denn die strei­ti­ge For­mu­lie­rung ist in ein durch­weg gu­tes Zeug­nis ein­ge­bet­tet. Dass die Be­klag­te den Kläger tatsächlich als sehr in­ter­es­sier­ten und hoch­mo­ti­vier­ten
Mit­ar­bei­ter be­trach­tet hat, wird für den Le­ser auch da­durch deut­lich, dass im fol­gen­den Ne­ben­satz be­tont wird, das er stets ei­ne sehr ho­he Ein­satz­be­reit­schaft ge­zeigt hat und zu­dem im Fol­ge­satz aus­geführt wird, dass der Kläger je­der­zeit be­reit war, sich über die nor­ma­le Ar­beits­zeit hin­aus für die Be­lan­ge des Un­ter­neh­mens ein­zu­set­zen.
e) Hin­sicht­lich der Ab­schluss­for­mel er­weist sich die Be­rich­ti­gungs­kla­ge be­reits des­halb als un­be­gründet, weil aus dem Feh­len des Wor­tes „wei­ter­hin“ nicht ge­fol­gert wer­den kann, der Kläger sei bis­lang er­folg­los ge­we­sen. An­ge­sichts des in je­der Hin­sicht gu­ten Ge­samt­kon­tex­tes kann beim Zeug­nis­le­ser nicht ernst­haft ein ent­spre­chend ne­ga­ti­ver Ein­druck ent­ste­hen. Ei­ne Re­la­ti­vie­rung mit den ob­jek­ti­ven Zeug­nis­aus­sa­gen zu Führung und Leis­tung ist da­mit nicht ver­bun­den.
IV. Die Re­vi­si­on war nicht zu­zu­las­sen, denn die Ent­schei­dung be­ruht auf den be­son­de­ren Umständen des Ein­zel­falls und wirft kei­ne Rechts­fra­gen auf, die noch nicht höchst­rich­ter­lich geklärt sind.
zur Übersicht 11 Sa 1092/08