Source: https://www.rechtslupe.de/zivilrecht/zugang-einer-willenserklaerung-im-ausland-331933
Timestamp: 2020-04-06 17:23:58
Document Index: 221808834

Matched Legal Cases: ['§ 130', '§ 39', '§ 12', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'Art. 11', 'Art. 11', 'BGH', 'BGH', '§ 39', '§ 39', '§ 39', '§ 39', '§ 39']

Zugang einer Wil­lens­er­klä­rung im Aus­land | Rechtslupe
Zugang einer Willenserklärung im Ausland
Zugang einer Wil­lens­er­klä­rung im Aus­land
Die Nie­der­le­gung des Amtes eines GmbH-Geschäfts­füh­rers ist nur dann wirk­sam, wenn sie min­des­tens einem der Gesell­schaf­ter zuge­gan­gen ist 1, und sie weder eine bestimm­te Form noch einen wich­ti­gen Grund erfor­dert 2. Dass die Amts­nie­der­le­gung im hier vom Bun­des­ge­richts­hof ent­schie­de­nen Fall auf­schie­bend bedingt durch die Ein­tra­gung im Han­dels­re­gis­ter erklärt wor­den ist, steht ihrer Wirk­sam­keit eben­falls nicht ent­ge­gen 3.
Die Fra­ge, ob der Antrag­stel­ler sein Amt als Geschäfts­füh­rer wirk­sam nie­der­ge­legt hat, beur­teilt sich nach deut­schem Recht. Es geht um die inne­ren Bezie­hun­gen der T. GmbH, die sich grund­sätz­lich nach deut­schem Recht rich­ten 4. Nach dem Per­so­nal­sta­tut der Gesell­schaft beant­wor­ten sich auch die Fra­gen, wer ihr gesetz­li­cher Ver­tre­ter ist 5 und ob und auf wel­che Wei­se der gesetz­li­che Ver­tre­ter sein Amt nie­der­le­gen kann. Die Fra­ge, ob die Amts­nie­der­le­gungs­er­klä­rung der ame­ri­ka­ni­schen Gesell­schaf­te­rin an deren Sitz in Kali­for­ni­en zuge­gan­gen ist, rich­tet sich eben­falls nach deut­schem Recht. Für den Zugang einer Wil­lens­er­klä­rung kommt es nicht auf das Orts­recht des Zugangs­orts, son­dern auf das­je­ni­ge des Abga­be­orts an 6. Danach ist ent­schei­dend, dass die Erklä­rung in Deutsch­land abge­ge­ben wor­den ist.
Wird die Amts­nie­der­le­gungs­er­klä­rung – wie hier – unter Abwe­sen­den abge­ge­ben, wird sie gemäß § 130 Abs. 1 Satz 1 BGB mit ihrem Zugang wirk­sam. Zuge­gan­gen in die­sem Sin­ne ist eine Wil­lens­er­klä­rung dann, wenn sie so in den Bereich des Emp­fän­gers gelangt ist, dass die­ser unter nor­ma­len Ver­hält­nis­sen die Mög­lich­keit hat, vom Inhalt der Erklä­rung Kennt­nis zu neh­men 7. Dabei genügt es, wenn die Erklä­rung über einen von dem Emp­fän­ger bereit­ge­stell­ten Tele­fax­an­schluss über­mit­telt wird. In die­sem Fall geht die Erklä­rung dem Emp­fän­ger zu, wenn der Druck­vor­gang am Emp­fangs­ge­rät abge­schlos­sen ist und dem Emp­fän­ger eine Kennt­nis­nah­me mög­lich und nach der Ver­kehrs­an­schau­ung zu erwar­ten ist 8.
Nach § 39 Abs. 2 GmbHG, § 12 Abs. 2 HGB sind der Anmel­dung einer Nie­der­le­gung des Geschäfts­füh­rer­am­tes die elek­tro­nisch ein­zu­rei­chen­den Urkun­den über die Been­di­gung der Ver­tre­tungs­be­fug­nis in Urschrift oder öffent­lich beglau­big­ter Abschrift bei­zu­fü­gen. In Recht­spre­chung und Schrift­tum ist umstrit­ten, ob dazu regel­mä­ßig der urkund­li­che Nach­weis des Zugangs der Nie­der­le­gungs­er­klä­rung gehört 9, ob die­ser Nach­weis jeden­falls dann vor­zu­le­gen ist, wenn Zwei­fel an dem Zugang bestehen 10 oder ob ein der­ar­ti­ger Nach­weis in kei­nem Fall ver­langt wer­den darf 11. Die Fra­ge braucht hier nicht ent­schie­den zu wer­den. Denn der Antrag­stel­ler hat Urkun­den vor­ge­legt, die für den im Ein­tra­gungs­ver­fah­ren gebo­te­nen Nach­weis des Zugangs sei­ner Amts­nie­der­le­gungs­er­klä­rung aus­rei­chen.
BGH, Urteil vom 17.09. 2001 – II ZR 378/​99, BGHZ 149, 28, 31 f.[↩]
BGH, Urteil vom 08.02.1993 – II ZR 58/​92, BGHZ 121, 257, 261 f.[↩]
OLG Zwei­brü­cken, GmbHR 1999, 479; Wach­ter, GmbHR 2001, 1129, 1135, jeweils m.w.N.[↩]
vgl. dazu BGH, Urteil vom 27.10.2008 – II ZR 158/​06, BGHZ 178, 192 Rn. 13 ff. – Trab­renn­bahn[↩]
BGH, Urteil vom 05.05.1960 – VII ZR 92/​58, BGHZ 32, 256, 258; Urteil vom 17.11.1994 – III ZR 70/​93, BGHZ 128, 41, 44; Münch­Komm BGB/​Kindler, 5. Aufl., Int­GesR Rn. 589[↩]
Erman/​Hohloch, BGB, 12. Aufl., Art. 11 EGBGB Rn. 26 f.; MünchKommBGB/​Spellenberg, 5. Aufl., Art. 11 EGBGB Rn. 125 ff.[↩]
st. Rspr., s. etwa BGH, Urteil vom 21.01.2004 – XII ZR 214/​00, NJW 2004, 1320[↩]
BGH, Urteil vom 21.01.2004 – XII ZR 214/​00, NJW 2004, 1320[↩]
BayO­bLGZ 1981, 227, 230; OLG Naum­burg, NZG 2001, 853, 854; OLG Düs­sel­dorf, NZG 2004, 1068, 1069; OLG Hamm, GmbHR 2010, 1092, 1093; Oet­ker in Henssler/​Strohn, Gesell­schafts­recht, GmbHG § 39 Rn. 12[↩]
OLG Frank­furt am Main, ZIP 2006, 1769, 1770; Wach­ter, GmbHR 2001, 1129, 1137; Lohr, DStR 2002, 2173, 2181 f.; Zöllner/​Noack in Baumbach/​Hueck, GmbHG, 19. Aufl., § 39 Rn. 16; Alt­mep­pen in Roth/​Altmeppen, GmbHG, 6. Aufl., § 39 Rn. 12[↩]
so wohl Scholz/​Uwe H. Schnei­der, GmbHG, 10. Aufl., § 39 Rn. 18; Paef­gen in Ulmer/​Habersack/​Win­ter, GmbHG, § 39 Rn. 32[↩]