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Timestamp: 2017-12-16 00:18:42
Document Index: 164086694

Matched Legal Cases: ['Art. 12', 'Art. 13', 'Art. 13', 'Art 13', 'Art 13', 'Art. 13']

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Was wäre, wenn Sexarbeit gewerberechtlich reglementiert würde?
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1 Was wäre, wenn Sexarbeit gewerberechtlich reglementiert würde? Eine Ausarbeitung von Fraences, (Sexarbeiterin und Mitglied im BesD) Seite 1
2 Einleitung Gegenwärtig stehen mehrere Gesetzesinitiativen im Raum, die darauf abzielen, (1) die einzelne, selbständige Sexarbeiterin nach 14 Gewerbeordnung zu einer anzeigepflichtigen Gewerbetreibenden zu erklären und (2) Prostitutionsstätten - sei es im Gewerberecht oder in einem neuen Sondergesetz - als erlaubnispflichtige Gewerbe (Konzessionierung) einzustufen. Dabei geht es wie die nachfolgenden Ausführungen deutlich machen - um die Existenzbedingungen und grundlegenden Rechte von Sexarbeiter/innen (und Betreiber/innen). Die Politik der gewerberechtlichen Reglementierung, die Politik der Konzessionierung von Prostitutionsstätten kann uns daher nicht gleichgültig sein. Im Gegenteil: Die Frage der Konzessionierung von Prostitutionsstätten ist der Dreh- und Angelpunkt, an dem sich die Zukunft des Prostitutionsgewerbes wie der Sexarbeiter/innen entscheiden wird. Eine Bewegung der Sexarbeiter/innen, die diesen zentralen Punkt nicht behandelt, ihn vertagt oder sich dazu mit Wischi-Waschi-Positionen begnügt, hat versagt, bevor sie überhaupt etwas begonnen hat. Die gegenwärtige Politik der gewerberechtlichen Reglementierung und der Konzessionierung von Prostitutionsstätten richtet sich gegen die Interessen der Sexarbeiter/innen. Um das zu verstehen, muss man die einzelnen Paragrafen des Gewerberechts und die vorliegenden Gesetzesinitiativen zur Konzessionierung kennen und verstehen lernen. Daran führt kein Weg vorbei. Die nachfolgenden Ausführungen sollen dabei behilflich sein. Ihre Schlussfolgerung: Die Politik der Konzessionierung kann man nicht im Interesse der Sexarbeiter/innen mitgestalten, man muss sie verhindern. Wer Sexarbeiter/innen eine Stimme geben und ihr Gehör verschaffen will, wer also mitreden will, braucht eine Alternative, für die es sich einzusetzen lohnt. Diese Alternative lässt sich in zwei schlichen Forderungen ausdrücken: (1) Anerkennung selbständiger Prostitution als freiberufliche Tätigkeit im Gewerbe- Steuer- und Baurecht! - als Alternative zur gewerberechtlichen Anzeigepflicht für Sexarbeiter/innen! (2) Gewerberechtliche Anerkennung von Prostitutionsstätten als anzeigepflichtige Gewerbe nach 14 Gewerbeordnung! Nein zur Rundumüberwachung als überwachungsbedürftige oder konzessionspflichtige Gewerbe! Seite 2
3 Vier Vorbemerkungen zum Gewerberecht (1) Eine gewerberechtliche Reglementierung von Prostitution bezieht sich ausschließlich auf die selbständig ausgeübte Prostitution. Davon zu unterscheiden und gesondert zu behandeln ist die in sozialversicherungs-pflichtigen Beschäftigungsverhältnissen erfolgende abhängige Prostitutionsstätigkeit. (2) Gewerberechtlich wird unterschieden zwischen: Freiberuf stehendes Gewerbe Reisegewerbe Alle drei Einstufungen unterschieden sich durch eine Hierarchie der Überwachung. Am wenigsten überwacht ist freiberufliche Tätigkeit (sie fällt aus den Regelungen des Gewerberechts heraus). Am meisten kontrolliert ist das Reisegewerbe. (3) Hinsichtlich des Umfangs von Kontrolle und Überwachung unterscheidet das Gewerberecht drei Stufen: - niedrig: das bloß anzeigepflichtige Gewerbe nach 14 GewO - mittel: das überwachungsbedürftige Gewerbe nach 38 GewO - hoch: das erlaubnispflichtige Gewerbe nach den 30-34c GewO. (4) Bei der gewerberechtlichen Reglementierung von Prostitution müssen zwei Konstellationen strikt unterschieden werden: - die selbständige Prostitutionstätigkeit einer einzelnen Sexarbeiterin - der Betrieb einer Prostitutionsstätte. Seite 3
4 KONSTELLATION 1: Was wäre, wenn die selbständige Prostitutionstätigkeit der einzelnen Sexarbeiter/innen in Zukunft als anzeigepflichtige Tätigkeit nach der Gewerbeordnung eingestuft würde? 1. Von der Anzeigepflicht zum Bewegungsprofil 14 GewO ( Anzeigepflicht ) Gewerberechtliche Anzeigepflicht bedeutet nicht nur, dass man nur die Aufnahme einer gewerblichen Tätigkeit beim zuständigen Gewerbe- oder Ordnungsamt einer Gemeinde anzeigen muss. Die Sexarbeiterin als anzeigepflichtige Gewerbetreibende muss zusätzlich auch jede Verlegung und jede Abmeldung des Gewerbes der für den betreffenden Ort zuständigen Behörde gleichzeitig anzeigen ( 14 GewO). Folge der Anwendung von 14 GewO (Anzeigepflicht) wäre mithin ein komplettes Bewegungsprofil zur Tätigkeit aller in der Prostitution tätigen Frauen bei staatlichen Stellen. 146 (1) u. (2) GewO: Geldbußen Die Aufnahme einer gewerblichen Betätigung in der Prostitution der zuständigen Behörde anzuzeigen, wäre eine Pflicht. Unterlässt eine Sexarbeiterin dies und beginnt erst mal ohne eine Gewerbeanmeldung in der Prostitution zu arbeiten, um zu sehen, ob ihr diese Tätigkeit liegt, wäre dies bereits eine mit Geldbuße belegte Ordnungswidrigkeit. Ein Vorsatz ist gar nicht erforderlich, es reicht bereits, wenn die betreffende Sexarbeiterin fahrlässig handelt. Eine Ordnungswidrigkeit wird nach 146 (2) GewO mit einer Geldbuße von bis zu Euro belegt. Dies gilt auch dann, wenn die selbständig der Prostitution nachgehende Person die Gewerbeanzeige nach 146 (1) GewO nicht richtig, nicht vollständig, oder nicht rechtzeitig erstattet. 15 (1) GewO: Drei-Tages-Frist Rechtzeitig bedeutet nach 15 (1) GewO drei Werktage vor Antritt der Prostitutionstätigkeit. Genügend Gelegenheiten also für Frauen in der Prostitution, sich Bußgeldzahlungen für Ordnungswidrigkeiten einzuhandeln, die ihren Verdienst zusätzlich schmälern. Achtung: Auch eine unterlassene Abmeldung wäre eine mit Bußgeld belegte Ordnungswidrigkeit Die Notwendigkeit zur Gewerbe-Abmeldung bestünde auch dann, wenn eine Prostitutionsmigrantin für einige Monate in ihr Herkunftsland fahren und dort pausieren würde. Denn sie würde für diesen Zeitraum - sollte sie zuvor in einem Bordell gearbeitet haben mit Sicherheit kein Zimmer für viel Geld mieten und über Monate leer stehen lassen. Seite 4
5 Sollte sie sich beim Gewerbeamt nicht abmelden, könnte es ihr passieren, dass sie von Amts wegen abgemeldet wird. Auch eine unterlassene Abmeldung wäre eine Ordnungswidrigkeit, die der Frau bei einer späteren Wiederaufnahme ihrer Tätigkeit möglicherweise teuer zu stehen kommen könnte. Es ist offensichtlich, dass eine gewerberechtliche Anzeigepflicht im Falle von selbständiger Prostitutionsausübung aufgrund der hohen Mobilität in diesem Beruf eine unverhältnismäßige Belastung und ein verfassungswidriger Eingriff in die grundgesetzlich geschützte Berufsausübungsfreiheit wäre. 2. Die anzeigepflichtige Sexarbeiterin: eine gläserne Prostituierte Wer ein Gewerbe anzeigt, hinterlässt Daten. Mit der Einstufung der selbständigen Tätigkeit von Sexarbeiter/innen als anzeigepflichtiges Gewerbe geht eine problematische Vermehrung des Umlaufs persönlicher Daten einher. 14 GewO (4) Welche Daten werden aufgenommen? Die mit der Gewerbeanmeldung nach 14 GewO (4) aufgenommenen Daten sind im Einzelnen: Familienname, Vorname, Geburtsname, Geburtsdatum, Geburtsort, Staatsangehörigkeit, Anschrift der Wohnung, Anschrift der Betriebsstätte ggf. der früheren Betriebsstätte, Datum des Beginns der angemeldeten Tätigkeit, Art des angemeldeten Betriebs sowie Bestätigung des Vorhandenseins einer Aufenthaltsgenehmigung. 14 GewO (9) Regelmäßige Weiterleitung an zuständige Behörden Diese Daten darf die zuständige Behörde regelmäßig weiterleiten an (1) die Industrie- und Handelskammer (2) die für Arbeitsschutz und Immissionsschutz zuständigen Landesbehörden (3) die Bundesanstalt für Arbeit (4) den Hauptverband der gewerblichen Berufsgenossenschaften zur Weiterleitung an die zuständige Berufsgenossenschaft (5) die Allgemeine Ortskrankenkasse. 14 GewO (8) Weiterleitung auch an nicht-öffentliche Stellen Daten der Sexdienstleiterin dürfen nach 14 (8) auch nicht-öffentlichen Stellen übermittelt werden, sofern diese ein rechtliches Interesse an der Kenntnis der zu übermittelnden Daten glaubhaft macht und kein Grund zu der Annahme besteht, dass das schutzwürdige Interesse des Gewerbetreibenden überwiegt. Ein solches "rechtliches Interesse" wird in der Regel bereits dann anerkannt, wenn es sich um die Ankündigung einer Klageerhebung durch einen Rechtsanwalt oder etwa um Recherchen einer Detektei/Auskunftei zur Vorbereitung eines Rechtsstreits gegen einen Gewerbetreibenden handelt. Seite 5
6 14 GewO (6) Weiterleitung zu statistischen Zwecken Erlaubt ist die Weiterleitung der Daten von Sexdienstleisterinnen für statistische Erhebungen. Dies kann erfolgen z. B. in der Form von Auskünften an Berufsverbände, Adressbuchverlage, Markt- und Meinungsforschungsinstitute, Versicherungen und Handelsauskunfteien. 14 GewO (6) Der Allgemeinheit zugänglich gemachte Daten Der Name, die betriebliche Anschrift und die angezeigte Tätigkeit des Gewerbetreibenden dürfen allgemein zugänglich gemacht werden. Es ist offenkundig, dass sich die Zahl der Auskunftsberechtigten bei der von hoher Mobilität gekennzeichneten Prostitutionstätigkeit schlagartig vervielfacht, wenn jeder Ortswechsel im Zuge der Ausübung von Sexarbeit als anzeigepflichtige Verlegung der Betriebsstätte gewertet wird. Die Datenerhebung und -weitergabe wäre mit der erstmaligen gewerberechtlichen Anzeige der selbständigen Prostitutionstätigkeit nicht beendet. Eine geradezu inflationäre Vervielfachung der Datenumlaufmenge wäre die Folge. 11 GewO (Erhebung, Verarbeitung und Nutzung personenbezogener Daten) 11 GewO gewährt der zuständigen öffentlichen Stelle das Recht, personenbezogene Daten von Sexarbeiterinnen zum Zwecke der Entscheidung ihrer Zuverlässigkeit hinsichtlich Prostitutionsausübung zu erheben und zu nutzen. Bei diesen Daten handelt es sich insbesondere um solche, die laut 11 (1) GewO aus bereits abgeschlossenen oder sonst anhängigen gewerberechtlichen Verfahren, Straf- und Bußgeldverfahren, steuer- und sozialversicherungsrechtlichen Verfahren sowie ausländer- und arbeitserlaubnisrechtlichen Verfahren stammen. ACHTUNG: Diese Daten können auch ohne Mitwirkung der betroffenen Prostituierten bei anderen Personen oder Stellen erhoben werden, wenn die Erhebung bei den Betroffenen selbst einen unverhältnismäßigen Aufwand bedeuten würde und keine Anhaltspunkte bestehen, dass überwiegende schutzwürdige Interessen des Betroffenen beeinträchtigt werden. ( 11 (2) GewO) 11 (5) GewO (Weiterleitung von Daten an andere öffentliche Stellen ) Andere öffentliche Stellen, die an solchen Datenerhebungen im Rahmen gewerberechtlicher Verfahren beteiligt werden, könnten im Anschluss daran nach 11 (5) GewO über das Ergebnis informiert werden, soweit dies zur Erfüllung ihrer Aufgaben erforderlich sei. Auf dieser Generalklausel beruhen alle weiteren Ausführungen zu Erhebung, Nutzung und Verarbeitung personenbezogener Daten im Rahmen gewerberechtlicher Verfahren. Seite 6
7 3. Von der Erfassung zu Überwachung und Sanktionierung Mit 35 GewO (Gewerbeuntersagung wegen Unzuverlässigkeit) bietet das Gewerberecht eine weitere Möglichkeit effektiver Kontrolle und Überwachung von Sexarbeiter/innen. 35 (1) GewO (Gewerbeuntersagung wegen Unzuverlässigkeit) Kernsatz: Die Ausübung eines Gewerbes ist von der zuständigen Behörde ganz oder teilweise zu untersagen, wenn Tatsachen vorliegen, welche die Unzuverlässigkeit des Gewerbetreibenden oder einer mit der Leitung des Gewerbebetriebes beauftragten Person in Bezug auf dieses Gewerbe dartun, sofern die Untersagung zum Schutze der Allgemeinheit oder der im Betrieb Beschäftigten erforderlich ist. Durch Untersagung der weiteren Ausübung des Gewerbes soll im hier behandelten Fall (selbständige Tätigkeit einer einzelnen Sexarbeiterin) die Allgemeinheit vor der Unzuverlässigkeit der gewerbetreibenden Sexarbeiterin geschützt werden. Was ist Zuverlässigkeit bzw. Unzuverlässigkeit? Das Gewerberecht kennt eine ganze Reihe allgemeiner Aspekte von (Un-)/Zuverlässigkeit, die als Untersagungsgründe nach 35 (1) GewO in Betracht gezogen werden. In Frage kommen z.b.: - einmalige Bestrafungen, die mehrere Jahre zurückliegen können und als schwerwiegend gelten; - nicht nur schwere Straftaten, auch kleinere Gesetzesübertretungen und Ordnungswidrigkeiten kommen für eine Gewerbeuntersagung in Betracht, wenn ihre Häufung einen Hang zur Nichtbeachtung geltender Vorschriften erkennen lassen ; - auch Verstöße, die nicht im Rahmen des Sexgewerbes entstanden sind: Bei Migrantinnen im Prostitutionsgewerbe wäre etwa an einen Verstoß gegen aufenthaltsrechtliche Bestimmungen zu denken;. - die Verletzung steuerlicher Pflichten: Auch hier ein weites Feld, um selbständig Tätige in der Prostitution mit Untersagungsverfahren zu überziehen und zu drangsalieren (man denke nur an die speziell für Frauen in der Prostitution erfundene, rechtlich umstrittene Form der Sonderbesteuerung nach dem so genannten Düsseldorfer Verfahren, das nur in sieben von sechzehn Bundesländern praktiziert wird; - Mangel an Fachwissen als Grund für eine Gewerbeuntersagung: Möglicherweise weiß nicht jede Sexarbeiterin, dass sie in einer Gemeinde ihrer Tätigkeit nachgeht, die auf dem Territorium des Freistaats Bayern liegt, wo - anders als in den übrigen Bundesländern - eine Kondompflicht ausschließlich bei Prostitution besteht; Seite 7
8 Sexarbeiter/innen in der Prostitution dürften aufgrund der Besonderheit ihrer Tätigkeit - Stichwort: Mobilität versus Anzeigepflicht - sowie aufgrund nach wie vor bestehender zahlreicher straf- und ordnungs- und polizeirechtlicher Sonderbestimmungen (Sperrbezirksverordnungen, Werbeverbot, Menschenhandel, Förderung des Menschenhandels ) reichlich in den "Genuss" von gewerberechtlichen Untersagungsverfahren kommen. Es ist offensichtlich, dass Sexarbeiter/innen in der Prostitution im Vergleich zu anderen Gewerbetreibenden allemal eine größere Chance hätten, sich über die Kumulation von Ordnungswidrigkeiten und kleineren Gesetzesübertretungen ein Verfahren zur Gewerbeuntersagung nach 35 (1) GewO einzuhandeln. Spätestens hier bekommt man eine Vorstellung davon, was mit einer gewerberechtlichen Regulierung auf Sexarbeiter/innen in der Prostitution zukommen wird. Im Rahmen von Untersagungsverfahren besteht zudem die Möglichkeit, den betreffenden Sexarbeiterinnen Buchführungspflichten aufzuerlegen. Der Verstoß gegen eine solche Auflage wäre eine erneute Ordnungswidrigkeit. 35 (6) GewO (Lebenslanges Berufsverbot oder Gestattung der Wiederaufnahme der Tätigkeit) Die Folge einer gewerberechtlichen Untersagung wäre das Verbot der selbständigen Ausübung von Prostitution und zwar lebenslang und bundesweit. Es handelt sich dabei um ein Berufsverbot, das weitaus schärfer gefasst ist als in den allgemeinen Strafrechtsbedingungen nach 70 StGB ( Anordnung des Berufsverbots ), wo eine zeitlich begrenzte Dauer von ein bis fünf Jahre festgelegt ist. Auf Antrag kann die gewerbsmäßige Ausübung der selbständigen Prostitution zwar auch gemäß Gewerberecht nach 35 (6) GewO wieder gestattet werden, allerdings frühestens nach einem Jahr und auch nur dann, wenn Tatsachen die Annahme rechtfertigen, dass eine Unzuverlässigkeit nicht mehr vorliegt. Die Beweislast läge bei der Sexarbeiterin. 148 (1) GewO (Strafbare Verletzung gewerberechtlicher Vorschriften) Nicht zu vergessen: Sollte eine Sexarbeiterin einer einmal ausgesprochenen Untersagung beharrlich zuwiderhandeln und trotz eines Verbots der selbständigen Prostitutionsausübung nachgehen, kann sie nach 148 (1) GewO wegen strafbarer Verletzung gewerberechtlicher Vorschriften zu einer Geldstrafe oder zu Gefängnis bis zu einem Jahr verurteilt werden. Eine gewerberechtliche Reglementierung von Sexarbeit in der Prostitution würde - wie gezeigt nicht nur einen rabiaten Eingriff in das grundrechtlich geschützte Recht auf informationelle Selbstbestimmung, sondern zudem einen deutlichen Eingriff in die Ausübung ihrer Berufsfreiheit mit sich bringen. Seite 8
9 149 GewO (Gewerbezentralregister) Zu erwähnen bliebe noch die nach 149 GewO verpflichtende Eintragung sämtlicher vollziehbarer und nicht mehr anfechtbarer Entscheidungen einer Verwaltungsbehörde hinsichtlich der Untersagung selbständiger Prostitutionsausübung im Gewerbezentralregister. Nach 149 (3) GewO werden dort sämtliche rechtskräftige Bußgeldentscheidungen wegen einer Ordnungswidrigkeit, insbesondere auch solche wegen einer Steuerordnungswidrigkeit eingetragen, sofern die Geldbuße mehr als 200 Euro beträgt. Bei Angabe eines Zwecks sind Gerichte, Staatsanwaltschaften und Polizei nach 150a (3) GewO zur Auskunft berechtigte Behörden, wenn es um Daten des Gewerbezentralregisters geht. Anmerkung: Das Gewerbezentralregister wurde 1974 neben dem Bundeszentralregister eingerichtet. Während das Bundeszentralregister nur Straftaten enthält, ist das Gewerbezentralregister wesentlich niedrig schwelliger angelegt, da es bereits Ordnungswidrigkeiten zentral registriert, deren Anhäufung für ein mögliches Untersagungsverfahren ausschlaggebend sein können. Die im Rahmen einer gewerberechtlichen Reglementierung von Prostitution anfallenden Daten und deren mögliche Weiterleitung stellen im Falle von Sexarbeit einen erheblichen Eingriff in das informationelle Selbstbestimmungsrecht und damit auch in das Recht auf freie Berufsausübung nach Art. 12 GG dar. Beide Grundrechte werden substanziell tangiert. Die Auswirkungen auf die Sexarbeit im Rahmen von Prostitution können ohne Übertreibung als existenziell bezeichnet werden. Sie sind nicht auf eine Stufe zu Stellen mit den Folgen einer möglichen Datenerhebung und - weitergabe anderer, herkömmlicher Gewerbe. Anmerkung: Un-/Zuverlässigkeit und Sittlichkeit Das Gewerberecht zeichnet sich durch die Unbestimmtheit seiner zentralen Begriffe aus. So ist selbst der Begriff des Gewerbes in der Gewerbeordnung nicht definiert. Das Gewerberecht operiert mit einer ganzen Reihe weiterer undefinierter Begriffe wie etwa Zuverlässigkeit / Unzuverlässigkeit, Sittlichkeit, gute Sitten, Sitte und Anstand, Schutz der Allgemeinheit, öffentliches Interesse, Schutz von Sicherheit und Ordnung, Jugendschutz, Schutz von Gästen um nur die wichtigsten zu nennen. Die begriffliche Achse, um die sich das Gewerberecht dreht, ist der gesetzlich nirgends definierte Begriff der Zuverlässigkeit bzw. Unzuverlässigkeit. Er findet sich allein in zwölf Paragrafen der Gewerbeordnung: 11, 30, 33c, 33d, 34a, 34b, 34c, 35, 47, 57, 69a, 70a, 149 sowie in zwei Paragrafen des Gaststättengesetzes ( 4, 21). Seite 9
10 Der Zuverlässigkeitsbegriff ist von entscheidender praktischer Bedeutung, wenn es um die Zulassung bzw. Untersagung von Gewerben bzw. die Erlaubnis des Betriebs von Gaststätten geht. Da das Gesetz Zuverlässigkeit nicht definiert, wird dessen Auslegung im Einzelfall die Verwaltungsgerichte beschäftigen. Diese sehen in der Regel denjenigen als unzuverlässig an, der nach dem Gesamtbild des Verhaltens nicht die Gewähr dafür bietet, dass er das von ihm ausgeübte Gewerbe künftig ordnungsgemäß betreiben wird Die Höhe der Anforderungen, die an die Zuverlässigkeit zu stellen sind, richtet sich dabei nach der Eigenart des jeweils in Betracht kommenden Gewerbes. (Robinski, S. 84) Damit wäre eine Überprüfung der Tätigkeit von Sexarbeiterinnen auch durch die Verwaltungsgerichte vorprogrammiert. Als für Sexarbeiter/innen nicht unproblematisch dürfte sich die der Gewerbeordnung zugrunde liegende Koppelung von gewerberechtlicher Zuverlässigkeit und Sittlichkeit erweisen. Dieser Zusammenhang ist nicht ohne weiteres offensichtlich. So bezieht sich 35 GewO ( Gewerbeuntersagung wegen Unzuverlässigkeit ) zwar zentral auf den unbestimmten Begriff der Zuverlässigkeit, ohne ausdrücklich auf Sittlichkeit Bezug zu nehmen. Das war aber vor wenigen Jahren noch anders, da existierte dieser Bezug explizit im Gesetzestext. Die entsprechende Überarbeitung des 35 GewO erfolgte aber nicht deshalb, um den Bezug von Zuverlässigkeit und Sittlichkeit aufzuheben, sondern um seinen Charakter als gewerberechtliche Generalklausel hervorzuheben. Es wäre daher ein Fehlschluss anzunehmen, dass 35 GewO, wenn er nicht ausdrücklich eine Sittlichkeitsklausel enthält, nicht auf die Verletzung sozialethischer Ordnungsprinzipien abstellt. (Zimmermann, S. 170) Gewerberechtliche Unzuverlässigkeit beruht auf der Gefährdung besonders wichtiger Rechtsgüter - und zu denen gehört nach herrschender Meinung die Sittlichkeit. Deutlich wird das im gaststättenrechtlichen Pendant zum 35 GewO, dem 4 GastG, wo der Unsittlichkeit Vorschub leisten ausdrücklich als Regelbeispiel für die Unzuverlässigkeit eines Gastwirts angeführt wird. Eine Einbeziehung in das Gewerberecht könnte sich für gewerberechtlich reglementierte Sexarbeiterinnen als Fallstrick erweisen. Das Risiko, als unzuverlässige Gewerbetreibende zu gelten, träfe sie mit Sicherheit in einem höheren Maße als Vertreter/innen anderer Professionen. 4. Kontrolle und Überwachung mittels Auskunft und Nachschau Es wäre ein Irrtum zu glauben, 29 GewO ( Auskunft und Nachschau ) käme nur bei überwachungspflichtigen und erlaubnispflichtigen Gewerben zur Anwendung. Dieser Paragraf kommt nach Absatz 1 Satz 4 auch gegenüber den nur anzeigepflichtigen Gewerbetreibenden zum Tragen, und zwar dann, wenn sie einem Untersagungsverfahren nach 35 GewO oder 59 GewO unterworfen sind. Der entsprechende Passus in 29 (2) GewO verdeutlicht, welche Möglichkeiten der Kontrolle und Überwachung der zuständigen Behörde hierbei eingeräumt werden: Seite 10
11 29 (2) GewO ( Auskunft und Nachschau ) Die Beauftragen sind befugt, zum Zwecke der Überwachung Grundstücke und Geschäftsräume des Betroffenen während der üblichen Geschäftszeit zu betreten, dort Prüfungen und Besichtigungen vorzunehmen, sich die geschäftlichen Unterlagen vorlegen zu lassen und in diese Einsicht zu nehmen. Zur Verhütung dringender Gefahren für die öffentliche Sicherheit und Ordnung können die Grundstücke und Geschäftsräume tagsüber auch außerhalb der in Satz 1 genannten Zeit sowie tagsüber auch dann betreten werden, wenn sie zugleich Wohnzwecken des Betroffenen dienen; das Grundrecht der Unverletzlichkeit der Wohnung (Artikel 13 des Grundgesetzes) wird insoweit eingeschränkt. Bezüglich der Auskunftspflicht gilt, dass sie über den eigentlichen Geschäftsbetrieb hinausreichen und etwa auch den persönlichen Bereich erfassen (kann), aber nur dann, wenn insoweit ein Gewerbebezug besteht. (vgl. Tettinger, Wank, Ennuschat, Gewerbeordnung Kommentar, 2011, S. 315) Warum eine Nachschau keine Durchsuchung ist und das Grundrecht auf Unverletzlichkeit der Wohnung (Art. 13 Grundgesetz) eingeschränkt werden darf Wie der etwas antiquiert wirkende Begriff der Nachschau schon vermuten lässt, hat man sich dabei etwas gedacht. Um Durchsuchungen, die gemäß Art. 13 II GG nur von einem Richter angeordnet werden dürfen, soll es sich dabei nicht handeln. Nach herrschender Rechtsprechung handelt es sich um Prüfungen und Besichtigungen unterhalb der Schwelle eines richterlichen Durchsuchungsbeschlusses. Um eine Durchsuchung i. S. d. Art 13 II GG könne es sich bei einer Nachschau nicht handeln, da es bei einer Nachschau an einer für Durchsuchungen charakteristischen zielgerichteten Suche nach bestimmten Personen oder Sachen fehle, heißt es in einschlägigen Rechtskommentaren (vgl. Tettinger, Wank, Ennuschat, Gewerbeordnung Kommentar, 2011, S. 316) Im Falle reiner Geschäftsräume während der üblichen Geschäftszeiten am Tage liegt nach herrschender Rechtsprechung kein Eingriff in Art 13 I GG (Grundrecht der Unverletzlichkeit der Wohnung) vor. Bei der Nachschau in Räumen, die zugleich Wohnzwecken dienen bzw. die außerhalb der üblichen Geschäftszeit erfolgt, liegt zwar ein Eingriff in Art. 13 GG vor, sie bedarf jedoch ebenso wie im ersten Falle dann keiner richterlichen Anordnung, wenn eine Verhütung dringender Gefahren für die öffentliche Sicherheit und Ordnung zu befürchten sei. Eine dringende Gefahr für die öffentliche Sicherheit und Ordnung gilt dann als gegeben, wenn Beeinträchtigungen wichtiger Rechtsgüter wie Leben, Gesundheit, Freiheit, Sittlichkeit (!), Eigentum oder Vermögen vorliegen. (Robinski, S. 94) Das Gewerberecht gibt mithin vor allem denjenigen Rechte, die überwachen und kontrollieren, nicht aber - wie gerne behauptet wird - den betroffenen Frauen. Sie erhalten vor allem das Recht, kontrolliert und überwacht zu werden. Anmerkung: Die im Rahmen von Gewerbeuntersagungsverfahren zum Einsatz kommende Auskunft und Nachschau nach 29 GewO wird mittlerweile nicht mehr nur von Vertretern der zuständigen Fachbehörden, sondern - wie z.b. in Berlin auch vom Gewerbeaußendienst Seite 11
12 der Kripo durchgeführt. Das verdeutlicht: Auch im Rahmen gewerberechtlicher Reglementierung bestehenden Möglichkeiten einer Kontinuität von stigmatisierender, diskriminierender und letztlich kriminalisierender Überregulierung von Prostitution. Fazit zur Einstufung selbständig tätiger Sexarbeiter/innen als anzeigepflichtige Gewerbetreibende Wenn von Befürworter/innen einer gewerberechtlichen Reglementierung von Prostitution beabsichtigt wird, selbständige Prostitutionstätigkeit nur als anzeigepflichtiges Gewerbe einzustufen, so ist das alles andere als ein Grund für Entwarnung. Die Einstufung als anzeigepflichtiges Gewerbe würde mit erheblichen Kontroll- und Überwachungsmöglichkeiten gegenüber Sexarbeiter/innen einhergehen. Eine derartige Überwachung steht im Widerspruch zum höchstpersönlichen Charakter sexueller Dienstleistungen, zur insgesamt hohen Mobilität im Bereich der Sexarbeit sowie zu der Tatsache, dass Prostitutionstätigkeit aufgrund jahrhundertelanger rechtlicher und sozialer Diskriminierung auf absehbare Zeit nach außen hin weiter anonym praktiziert werden wird. Sexarbeiterinnen in der Prostitution dürften durch die gewerberechtlichen Instrumentarien, die für ganz andere Berufe als den der sexuellen Dienstleistungen geschaffen wurden, gegenüber anderen Berufen im Übrigen deutlich benachteiligt werden. Schon das nach wie vor bestehende straf- und ordnungsrechtliche Sonderrecht im Hinblick auf Prostitution bietet die Gewähr für höhere Quoten von Bußgeldbescheiden und Strafbefehlen für Sexarbeiterinnen in der Prostitution. Seite 12
13 KONSTELLATION 2: Was wäre, wenn Prostitutionsstätten in Zukunft als erlaubnispflichtige Gewerbe eingestuft würden? (Konzessionierung) Die meisten Gewerbe sind anzeigepflichtig. Nur wenige Gewerbe sind als überwachungsbedürftig bzw. als erlaubnispflichtig eingestuft. Dazu bedarf es einer eigenen gesetzlichen Feststellung. Für Prostitutionsstätten gibt es bislang eine solche gesetzliche Einstufung und damit einen entsprechenden Paragrafen nicht. Anhand von sechs Positionspapieren bzw. Gesetzesinitiativen, die sich für eine Konzessionierung von Prostitutionsstätten stark machen, sollen die Folgen einer Pro- Konzessionierungs-Position für das Prostitutionsgewerbe sowie die Sexarbeiter/innen herausgearbeitet werden. Die sechs behandelten Positionspapiere bzw. Gesetzesinitiativen sind: (1) Gesetzesinitiative Soziale und rechtliche Situation der Prostituierten in der Bundesrepublik Deutschland; Bekämpfung des organisierten Menschenhandels der AG Milieu, Prostitution, Menschenhandel des Kommunalen Präventionsrates Hannover (Dezember 1999) (2) Gewerberechtliche Regulierung von Prostitutionsstätten Papier des Runden Tisches Prostitution der Stadt Marburg (vermutlich 2007) (3) Entschließung des Bundesrates Stärkere Reglementierung des Betriebs von Prostitutionsstätten (Antrag des Landes Baden-Württemberg (CDU/FDP) an den Bundesrat vom 21. Mai 2010 (Drucksache 314/10) (4) Positionspapier Regulierungsbedarfe im Zusammenhang mit der Prostitutionsausübung zur Bekämpfung des Menschenhandels und der Zwangsprostitution vom Senator für Inneres und Sport der Freien Hansestadt Bremen, Ulrich Mäurer (SPD), als Vorlage für die Innenministerkonferenz 2010 in Hamburg (11. Oktober 2010) (5) Entwurf für ein Bremisches Prostitutionsstättengesetz der Fraktionen von SPD und Bündnis 90 / Die Grünen in der Bremischen Bürgerschaft (März 2013) (6) Änderungsantrag der Bundestagsfraktion von Bündnis 90 / Die Grünen zur 2. Beratung des Gesetzentwurfs der Fraktionen der CDU/CSU und FDP (Entwurf eines Gesetzes zur Bekämpfung des Menschenhandels und Überwachung von Prostitutionsstätten) vom 26. Juni 2013 (Bundestagsdrucksache 17/14228) Was dabei jeweils unter Konzessionierung von Prostitutionsstätten zu verstehen ist, ergibt sich, wenn man die genannten Papiere / Gesetzesinitiativen unter folgenden Gesichtspunkten analysiert: Seite 13
14 (1) Ziel der Konzessionierung (2) Regelungsort: im oder jenseits Gewerberecht (3) Elemente der Konzessionierung (4) Versagungsgründe für Prostitutionsstätten-Erlaubnis (5) Auflagen für Prostitutionsstätten-Betrieb (6) Sanktionsmöglichkeiten bei Verstoß gegen Auflagen (7) Kontrollbefugnis: zuständige Behörde und/oder Polizei (8) Selbständige Prostitutionsstätigkeit im Kontext Konzessionierung. (siehe auch die Zusammenstellung in ANHANG 1) 1. Ziele der Konzessionierung und Mittel zu ihrer Durchsetzung Ziel der Konzessionierung ist die schrittweise forcierte, letztlich weitgehende Unterbindung wirtschaftlichen Handelns im Prostitutionsgewerbe in dem Sinne, dass Dritte nicht mehr an der Prostitutionsausübung anderer verdienen sollen. Das staatliche Ideal ist die isolierte, bestenfalls sich selbst vermarktende Sexarbeiterin, die auf keine organisierte Infrastruktur eines Prostitutionsgewerbes als Wirtschaftszeig mehr zurückgreifen können soll. Dieses neue Ziel kommt in der verstärkten Hinwendung zur Bekämpfung von ökonomischer Ausbeutung in der Prostitution anstelle der Bekämpfung von Zwang/Gewalt zum Ausdruck. Straf- und gewerberechtlich bedeutsam wird immer mehr die Ausbeutung, nicht aber die Abwesenheit sexueller Selbstbestimmung. In diesem Zusammenhang steht auch die von der EU angestrebte geplante Abschaffung des Zeugenbeweises bei so genannten Opferzeuginnen von Menschenhandel. Es geht im Deutschen Modell zunehmend um eine ökonomische Diskriminierung von Prostitution. Die Beibehaltung und Ausweitung von rechtlicher Diskriminierung ist nur die Begleitmusik. Das deutsche Konzessionierungs-Modell ist dem Schwedischen Modell weit überlegen. Während das Schwedische Modell erst am Endverbraucher ansetzt und ihn moralisch als eine sozial inakzeptable Abweichung von der Gleichstellungs -Norm denunziert, verzichtet das Deutsche Modell auf derartige feministisch-moralische Soße und setzt tiefer an, nämlich bei den Organisatoren und dem Management von Prostitution: Versagungsgründe, Auflagen und Sanktionen im Rahmen eines Konzessionierungs- Regimes sollen Investitionen in das Prostitutionsgewerbe von vornherein zu einer nicht lukrativen Fehlinvestition machen. Dies geht einher mit einer erheblichen Zunahme der Eingriffsbefugnisse von Polizei und Behörden unter dem Stichwirt Schutz vor Ausbeutung von Prostituierten durch die Prostitution und deren Organisation. Auch den Sexarbeiter/innen soll die Tätigkeit in dieser Branche gründlich vermiest werden, indem man den Betreiber/innen im Rahmen eines Outsourcings staatlicher Hoheitsrechte Kontroll- und Überwachungsrechte einräumt, die sie befugt, Sexarbeiter/innen legal zu kontrollieren. Seite 14
15 Auflagen zum Zweck der Androhung und Durchführung von Betriebsschließungen werden als bessere Arbeitsbedingungen der Frauen, vermehrte Eingriffs- und Kontrollmöglichkeiten von Behörden und Polizei als besserer Schutz der Prostituierten verkauft. Gegenüber der medialen Öffentlichkeit wird diese Änderung des Kontrollregimes mit der Dramatisierung einer (so gar nicht vorhandenen) Begleitkriminalität gerechtfertigt (Menschenhandel, Zwangsprostitution aufgrund ökonomischer Bedingungen, Gewalt etc.) 2. Befestigung des Bildes von Prostitution als durch und durch kriminelle Subkultur Die durchgängige Rede von Begleitkriminalität und von kriminogenem Umfeld der Prostitution, von Gewalt und Ausbeutung, der sie angeblich permanent ausgeliefert ist, ist die eigentliche Geschäftsgrundlage der geplanten Konzessionierung von Prostitutionsstätten. Prostitution wird wieder als eine Gefahr für die Allgemeinheit (und für die Prostituierte!) definiert und ins öffentliche Bewusstsein gerückt. Dramatisiert wird das Ganze durch Verweis auf mangelnde behördliche und polizeiliche Kontrollmöglichkeiten und rechtliche Regelungslücken angeblich entstanden durch die Legalisierung / das ProstG, weshalb das wieder rückgängig gemacht werden muss. Vor diesem Hintergrund wird auf die fehlende Sicherheit der Prostituierten und damit deren Schutzbedürfnis in den Mittelpunkt gerückt. Anstatt mehr Rechte brauchen Sexarbeiter/innen zu ihrem Schutz mehr Eingriffsbefugnisse der Behörden und der Polizei. 3. Trend zur spezialrechtlichen Regelung jenseits des Gewerberechts In den 90er Jahren war die Rede von einer gewerberechtlichen Konzessionierung von Prostitution als Beitrag zur Gleichbehandlung und Integration ins Wirtschaftsleben (Hannover 1999). Seit 2007 wird eine Regelung der Konzessionierung entweder im Gewerberecht oder aber in einem Spezialgesetz befürwortet (Marburg 2007, BKA 2008 im Workshop des Bundesfamilienministeriums). Im Jahr 2010 wird die Katze aus dem Sack gelassen: Während die Bunderats- Gesetzesinitiative von Baden-Württemberg diese Frage gar nicht thematisiert bzw. offen lässt (Bundesrat 2010), empfiehlt der Runde Tisch Prostitution Hamburg im Juni 2010 und der Bremer Innensenator Mäurer (SPD) in seinem Papier (Okt / IMK) eine Regelung jenseits des Gewerberechts, weil damit die Gewerbearten Vermietung / Verpachtung nicht zu kontrollieren seien. Die Verankerung der Konzessionierung im Gewerberecht gilt fortan als Irrtum. Um die Kontrolle auf die Wohnungsprostitution ausweiten zu können, soll die Konzessionierung also in einem speziellen Sondergesetz jenseits des klassischen Gewerberechts verankert werden. Bremen macht damit 2013 Ernst und legt den Entwurf eines eigenständigen Prostitutionsstättengesetzes jenseits des Gewerberechts vor. Die behauptete Anlehnung an das Gaststättenrecht erweist sich als scheinbar. Der Bremer Entwurf hat zahlreiche Seite 15
16 diskriminierende Sonderbestimmungen bezüglich Prostitution, die klar abweichen von entsprechenden Passagen der mittlerweile länderspezifischen Gaststättengesetze. Die im Juni 2013 von CDU und Grünen im Schnellschuss vorgelegten Gesetzentwürfe verkennen die Zeichen der Zeit. Sie konzentrieren sich beide auf gewerberechtliche Regelungen mit gleichzeitig parallelen Ergänzungen im Strafrecht. Polizei und BKA kritisieren den CDU-Entwurf in der Anhörung im Rechtsausschuss Die Entwicklung ist noch offen, der Trend geht aber relativ klar in Richtung einer Konzessionierung von Prostitutionsstätten jenseits des Gewerberechts und damit jenseits einer gewerberechtlichen Anerkennung. 4. Tendenz zur problematischen Ausweitung des Begriffs Prostitutionsstätte Die Ausweitung des Begriffs Prostitutionsstätte erfolgt doppelt: quantitativ und qualitativ. Quantitativ: Zunächst wird Prostitutionsstätte nur allgemein vom Zweck her definiert, ohne Bezug auf die Zahl der dort Tätigen (Hannover 1999). Im Kontext des Dortmunder Modells begann 2002 die (gaststättenrechtliche) Konzessionierung ab 8 Prostituierte. Der Marburger Runde Tisch (2007) bezog sich auf eine Rechtsprechung, nach der ein zu konzessionierendes Bordell mit 3 sexuell Dienstleistenden beginnt, während Wohnungsprostitution 1-2 Prostituierte umfasst. Der Bundesrats-Initiative von BaWü unterschied 2010 Prostituierte in betreibergeführten Prostitutionsstätten und Prostitution außerhalb derselben. Danach könnte bereits die Konstellation ein Betreiber und eine Prostituierte eine konzessionspflichtige Prostitutionsstätte darstellen. Die IMK definierte 2010 Prostitutionsstätten als Unternehmen ab 2 Prostituierten, während Bremen (2010) Prostitutionsstätten als solche definiert, wo der Betreiber sie zum Zweck des Angebots sexueller Dienstleistungen selber nutzt: hier wäre Betreiber und Prostituierte identisch und die Tätigkeit einer einzelnen Prostituierten im Prinzip schon konzessionspflichtig. Damit wäre zahlenmäßig jenseits der Prostitutionsstätte definitorisch keine Prostitution mehr möglich. Prostitutionsstätte wäre dort, wo eine Sexarbeiterin Räumlichkeiten nutzt, mithin auch ein zeitweilig genutztes Hotelzimmer. Der Grüne Entwurf bezeichnet Räumlichkeiten, wo man die Prostitution Dritter anbietet oder ermöglicht, als konzessionsfähige Prostitutionsstätten. Dies betrifft alle Sexarbeiterinnen außer jene, die nur sich selbst in eigenen Räumlichkeiten anbieten also gleichsam ab 2 Sexarbeiter/innen. Qualitativ: Gleichzeitig wird der Begriff Prostitutionsstätte von dem der Räumlichkeiten abgelöst und als Unternehmen definiert, in das eine bestimmte Personenzahl organisatorisch und räumlich eingegliedert ist (IMK 2010). Das kann auch Escort und Internet-basierte Vermittlung von Prostitution umfassen. Bremen definierte die Räumlichkeiten auch als ortsveränderlich, umfasst also Lovemobiles etc. Der problematische Ausweitung des Begriffs Prostitutionsstätte ist Ausdruck der Absicht, das gesamte Prostitutionsgewerbe (und darüber hinaus) einer Komplett-Überwachung zu unterwerfen. Seite 16
17 5. Tendenz zur Ausweitung der Zuverlässigkeitsprüfung bei Prostitutionsstätten- Konzessionierung Die im Rahmen einer Konzessionierung vorab überprüfte Zuverlässigkeit war hinsichtlich des davon betroffenen Personenkreises anfangs nicht definiert. Der Marburger Runde Tisch (2007) bezog sie jedoch auf Betreiber, deren Stellevertreter als auch auf alle in einem Bordell Beschäftigten. Überprüft wird mittels Führungszeugnis, Einblick ins Gewerbezentralregister bzw. Bundeszentralregister. Auch die IMK (2010) bezog die Zuverlässigkeitsprüfung auf Betreiber und deren Beschäftigte. Gleiches gilt für Bremen 2013, wobei hier die Zuverlässigkeit eines Betreibers dann nicht mehr vorhanden ist, wenn in anderen Prostitutionsstätten, an denen er beteiligt ist, andere Personen Straftaten begehen. Indirekt wird damit die Zuverlässigkeit des gesamten persönlichen / beruflichen Umfelds von Betreibern gleich mit kontrolliert. Unzuverlässig können nach Bremen 2013 auch Sexarbeiter/innen sein, die gegen Auflagen des Gesundheitsrechts verstoßen und dementsprechend aus der Prostitutionsstätte - bei Strafe der Schließung - fernzuhalten sind. 6. Instrumentalisierung des diskriminierenden straf- und ordnungsrechtlichen Sonderrechts zu Prostitution Das bislang geltende straf- und ordnungsrechtliche Sonderrecht gegenüber Prostitution wird nicht etwa durch die gewerberechtliche Reglementierung ersetzt. Im Gegenteil, diese macht sich die bestehenden diskriminierenden Sonderrechte zunutze, um darüber den Druck im Hinblick auf eine mögliche Erlaubnis-Verweigerung bzw. Betriebsschließung zu erhöhen. Hannover 1999 und Marburg 2007 sehen eine Verweigerung der Erlaubnis vor, wenn die örtliche Lage der Prostitutionsstätte dem öffentlichen Interesse widerspricht (Hannover) oder aber der Sperrgebietsverordnung zuwiderläuft (Marburg) Die Bundesratsinitiative 2010 lehnt eine Erlaubnis ab, wenn der Antragsteller wegen einschlägiger Milieudelikte vorbestraft ist. Bremen 2013 verweigert Antragstellern eine Erlaubnis, wenn Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung vorliegen bzw. Straftaten gegen die persönliche Freiheit (also z.b. Beschäftigung von unter 21-jährigen Frauen in der Prostitution nach 232 StGB) Genauso sehen es die Grünen (2013), allerdings mit der Einschränkung, dass eine Verurteilung zu einer Freiheitsstrafe von mindestens einem Jahr innerhalb der letzten 5 Jahre vorliegen muss. In Bremen führen auch Vorstrafen eines anderen Betreibers diesbezüglich zur Erlaubnisverweigerung gegenüber einem Antragsteller, der mit diesem anderen Betreiber zusammen an einem anderen Ort eine Prostitutionsstätte betreibt. (Sippenhaft) 7. Instrumentalisierung des Gesundheitsschutzes als Druckmittel gegenüber Bordellbetreibern Sowohl bei der Bundesrats-Initiative 2010 als auch in Bremen 2013 wird der Gesundheitsschutz funktionalisiert als Druckmittel hinsichtlich der möglichen Schließung von Prostitutionsstätten. Dabei geht es nicht um die Einhaltung hygienischer Mindeststandards Seite 17
18 etwa bei sanitären Anlagen, sondern und die Einhaltung der Kondompflicht und den Ausschluss von ungeschützten Geschlechtsverkehr in einer Prostitutionsstätte, ohne dass geklärt wird, wie diese Auflage einzuhalten sein soll. (Marburg 2007, Bundesrat 2010) Die IMK lässt die Frage der Kondompflicht vorerst offen, während Bremen 20ß13 einen wiederholten Verstoß gegen nicht näher definierte Auflagen des Gesundheitsrechts als Schließungsgrund ansieht. 8. Auflagen für Prostitutionsstätten Eine gewerberechtliche Erlaubnispflicht (Konzessionierung) ist in der aller Regel daran gebunden, dass dem Antragsteller (Bordell-, Club-, Saunabetreiber) Auflagen erteilt werden und diese von ihnen eingehalten werden müssen. Vielfach wird die Auffassung vertreten, die Beschäftigung mit den Auflagen könne man sich seitens der Sexarbeiter/innen ersparen, da sie nur für die Betreiber wichtig seien. Das erweist sich bei genauerem Hinsehen schon deshalb als Irrtum, weil Prostitutionsstätten zum Teil schon ab drei, teilweise ab mindestens 2 Beschäftigten, im Bremer Gesetzesvorschlag sogar schon ab 1 Person beginnen (nämlich dann, wenn ein Betreiber die Räumlichkeiten zum Zweck sexueller Dienstleistungen selbst nutzt ). Sexdienstleiterinnen sind also schneller als ihnen lieb ist in die Rolle des Prostitutionsstätten- Betreibers gedrängt, für die die Auflagen gelten. Ein weiterer Irrtum ist die verbreitete Legende, Auflagen für Prostitutionsstätten hätten den Zweck, Sexarbeiter/innen bessere und sicherere Arbeitsbedingungen zu schaffen und sie vor unzumutbar hoher Ausbeutung durch rücksichtslose Betreiber/innen zu schützen. So verkaufen es interessierte Kreise, die Realität jedoch sieht etwas anders aus. Es ist daher wichtig, genauer hinzusehen. Alle sechs vorliegenden, hier untersuchten Gesetzesinitiativen zur Konzessionierung von Prostitutionsstätten enthalten deutliche Hinweise zu geplanten Auflagen. Sie sind keineswegs nur als vage oder unkonkret zu bezeichnen. Die Auflagen (1) werden zwar zunächst nur sehr allgemein durch die zu erreichenden Schutzziele definiert: Arbeits- und Gesundheitsschutz, Schutz vor Ausbeutung, Schutz der Jugend, der Allgemeinheit, der Kunden, der Nachbarschaft etc. (2) ihre Präzisierung liegt seit der Föderalismusreform vom 1. September 2006 bei den Bundesländern, die außer Bremen noch keine speziellen gesetzlichen Regelungen für Prostitutionsstätten vorgeschlagen haben; (3) die letztendliche Ausformulierung solcher Auflagen kann wie im Entwurf eines Bremischen Prostitutionsstättengesetzes wieder auf eine Behörde (dort: Innenund Ordnungsbehörde) abgeschoben und damit intransparent gemacht werden. Dennoch sind alle für Prostitutionsstätten in Frage kommenden Auflagen in den einschlägigen Positionspapieren und Gesetzesentwürfen schon längst benannt worden. Sie lassen sich fünf unterschiedlichen Aspekten zuordnen: Seite 18
19 (1) Verbesserte behördliche Kontrolle : - Kontrollpflichten für Betreiber/innen (Arbeits- und Aufenthaltsrecht ausl. Prostituierte; Gewerbeschein selbständige Sexarbeiter) (Marburg 2007, Bremen 2013) - Dokumentationspflicht für Betreiber/innen (sämtlicher Verträge und Absprachen mit Sexarbeiter/innen in Schriftform) (Bundesrat 2010, IMK 2010, Bremen 2013) - Meldepflichten für Betreiber (Sexarbeiter-Daten an Behörden) (Bundesrat 2010 ) - Anzeigepflicht für Sexarbeiter/innen in Prostitutionsstätten (Hannover 1999, Marburg 2007, Bundesrat 2010, IMK 2010, Grüne 2013 (Innerhalb von Prostitutionsstätten) - Ausweispflicht für Sexarbeiter/innen in Prostitutionsstätten (Bundesrat 2010, IMK 2010) (2) Verbesserte Sicherheit für Sexarbeiter/innen: - Vorherige Zuverlässigkeitsprüfung der Betreiber (alle Initiativen) - Betretungs- und Beschäftigungsverbot für unzuverlässige (vorbestrafte) Personen in Prostitutionsstätten (Marburg 2007, Bremen 2013) - Auskunftspflicht von Sexarbeiter/innen bei Kontrollen im Rahmen von Auskunft und Nachschau (Marburg 2007) - Notruf-Anlagen und funktionsfähige Schließanlagen in den Räumlichkeiten (Marburg 2007) - Erreichbarkeit von Sexarbeiter/innen per Handy (Bremen 2013) - Schutz menschengehandelter Sexarbeiter/innen durch Bestrafung ihrer Kunden (IMK 2010, Grüne 2013) (3) Verbesserte Räumlichkeiten in Prostitutionsstätten: - Ausstattung der Zimmer (Mindestgröße, Sichtschutz, Bodenbelag) (Marburg 2007) - Feuer- und Brandschutz (Notausgänge, entsprechende Türen etc.) (Marburg 2007) - ausreichende sanitäre Ausstattung (in der Nähe der Arbeitszimmer) - eigene Gästetoiletten (Marburg 2007) - separate Aufenthaltsräume für sämtliche Beschäftigte (Marburg 2007, Bremen 2013) - Trennung von Bordell- und Wohnbereich bei Mischnutzung (Marburg 2007) (4) Verbesserter Arbeitsschutz für Sexarbeiter/innen: - weiter reduziertes Weisungsrecht der Betreiber/innen von Prostitutionsstätten gegenüber Sexarbeiter/innen (Bundesrat 2010, IMK 2010) - obligatorische Einbeziehung von Sexarbeiter/innen in die Sozialversicherung trotz Nicht-Bestehen eines regulären Beschäftigungsverhältnisses (= alle Sexarbeiterinnen und Betreiber/innen von Prostitutionstätten müssen anteilig alle vier Beitragsarten für die Sozialversicherung zahlen.) (Bundesrat 2010, IMK 2010) (5) Verbesserter Gesundheitsschutz für Sexarbeiter/innen und ihre Kunden: - ausreichende Zahl zur Verfügung stehender Kondome in Prostitutionsstätten (Bremen 2013, Grüne 2013) - Einhaltung hygienischer Mindeststandards in den Räumlichkeiten (Marburg 2007, Bundesrat 2010) Seite 19
20 - Kondompflicht für Sexarbeiterinnen und deren Kunden (Marburg 2007, Bundesrat 2010) - Verpflichtung der Betreiber/innen zur Verhinderung von ungeschütztem Geschlechtsverkehr in Prostitutionsstätten (Bundesrat 2010) - Hinweispflicht zu Gefahr sexuell übertragbarer Krankheiten bzw. zu Kondompflicht (Bremen 2013) Unabhängig von der konkreten Ausgestaltung der Auflagen für Prostitutionsstätten in der Gewerbeordnung bzw. in jeweiligen Ländergesetzen lässt sich vor dem Hintergrund der bereits vorliegenden Vorschläge und geplanten Bestimmungen die eigentliche Logik der Auflagen für konzessionierte Prostitutionsstätten bestimmen: (1) KONTROLLE VOR SCHUTZ : Priorität der Kontroll- und Überwachungsauflagen gegenüber Auflagen zum Arbeits- und Gesundheitsschutz Entgegen der Behauptung, sämtliche geplanten Kontrollmechanismen (Melde-, Anzeige-, Dokumentation- und Ausweispflichten) dienten nur der Verbesserung der Arbeitsbedingungen von Sexarbeiter/innen, zeigen Art und Umfang dieser Pflichten, dass es in Wahrheit nicht um die Interessen der Sexarbeiter/innen, sondern stattdessen gegen ihr Recht auf freie und ungehinderte Berufsausübung geht. Das politische Bestreben, die Polizei an der Kontrolle der konzessionierten Prostitutionsstätten an vorderster Stelle zu beteiligen, bestätigt diese Einschätzung. (2) DRUCKMITTEL: Auflagen als permanentes Druckmittel und Mittel zur Durchsetzung der Schließung von Prostitutionsstätten Die Regelungswut, die in der Vielzahl der Auflagen zum Vorschein kommt; die Unbestimmtheit von Auflagen (z.b. Missverhältnis zwischen Leistung und Gegenleistung); die Festlegung schwer einzuhaltender (Betretungsverbot für Jugendliche) oder kaum einzuhaltenden Auflagen (Kondompflicht) all dies gibt den zuständigen Behörden ein dauerhaft wirkendes Druckmittel in die Hand, mit dem sie jederzeit und nach Belieben über die Schließung von Prostitutionsstätten befinden können. Wenn bisher eine ausländische Sexarbeiterin ohne Aufenthaltsrecht gearbeitet hatte, musste sie die Konsequenzen tragen. Zukünftig soll dafür im Wiederholungsfall die gesamte Prostitutionsstätte wegen Verstoß gegen eine Auflage geschlossen werden können. (3) AUSSENSTEUERUNG: Auflagen zur behördlichen und polizeilichen Außensteuerung von Prostitutionsstätten Auflagen sind laut vorliegender Gesetzesentwürfe kein Selbstzweck. Sie dienen nicht dem sorgenfreien Arbeiten und Leben der Sexarbeiter/innen, sondern haben erklärtermaßen zum Ziel, durch Überprüfung der Einhaltung von Auflagen eine bessere Steuerung des Prostitutionsgewerbes zu ermöglichen. Gesteuert wird zukünftig von außen: durch Behörden und Polizei, direkt nach politischen Vorgaben. Aber welchem Zweck sollen die nun vermehrten Kontrollen dienen? Wohin wird das Prostitutionsgewerbe eigentlich gesteuert? Seite 20
25 gute Gründe. für ein klares NEIN zur geplanten Erlaubnispflicht für Prostitutionsgewerbe. von Doña Carmen e.v Frankfurt, Januar 2016
25 gute Gründe für ein klares NEIN zur geplanten Erlaubnispflicht für Prostitutionsgewerbe von Doña Carmen e.v Frankfurt, Januar 2016 Das Bundesfamilienministerium hat am 27.11.2015 einen zweiten Entwurf