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Timestamp: 2017-06-29 02:17:33
Document Index: 93532554

Matched Legal Cases: ['§ 99', '§ 126', '§ 99', '§ 99', '§ 99', '§ 3', '§ 10', '§ 13', '§ 10', '§ 99', '§ 301', '§ 321', '§ 80', '§ 46', '§ 321', 'BGH', '§ 261', '§ 524', '§ 87', '§ 64', '§ 524', '§ 64', '§ 99', '§ 99', '§ 99', '§ 99', '§ 99', '§ 99', '§ 126', '§ 126', '§ 99', '§ 126', '§ 126', '§ 99', '§ 95', '§ 1', '§ 1', '§ 99', '§ 99', '§ 99', '§ 3', '§ 100', '§ 99', '§ 99', '§ 100', '§ 100', '§ 81', '§ 83', '§ 81', '§ 83', '§ 92', '§ 95', '§ 99', '§ 99']

HENSCHE Arbeitsrecht: 1 ABR 93/07
1. Für die Erfüllung des Schrift­lich­keits­ge­bots des § 99 Abs. 3 Satz 1 Be­trVG genügt ei­ne Mit­tei­lung per E-Mail, wenn die­se den Er­for­der­nis­sen der Text­form nach § 126b BGB ent­spricht.
2. Un­rich­ti­ge, aber nicht of­fen­sicht­lich fal­sche An­ga­ben über die ta­rif­li­che Vergütung in ei­ner be­trieb­li­chen Stel­len­aus­schrei­bung be­rech­ti­gen den Be­triebs­rat nicht, die Zu­stim­mung zur Ein­stel­lung ei­nes Be­wer­bers nach § 99 Abs. 2 Nr. 5 Be­trVG zu ver­wei­gern.
Arbeitsgericht Frankfurt am Main, Hessisches Landesarbeitsgericht
BUN­DES­AR­BEITS­GERICHT 1 ABR 93/07 4 TaBV 83/07 Hes­si­schesLan­des­ar­beits­ge­richt
2. Wi­der­an­trag­stel­ler, Be­schwer­deführer und Rechts­be­schwer­deführer,
- 2 - I. Auf die Rechts­be­schwer­de des Be­triebs­rats wird der Be­schluss des Hes­si­schen Lan­des­ar­beits­ge­richts vom 18. Sep­tem­ber 2007 - 4 TaBV 83/07 - auf­ge­ho­ben.
2. Die Zu­stim­mung des Be­triebs­rats zur Ein­stel­lung des Herrn M E als „Ope­ra­ti­ons Agent“ in die Ab­tei­lung GTS F wird er­setzt.III. Hin­sicht­lich des wei­te­ren Hilfs­an­trags der Ar­beit­ge­be­rin und der Wi­der­anträge des Be­triebs­rats wird das Ver­fah­ren ein­ge­stellt.
A. Die Be­tei­lig­ten strei­ten über die Ein­stel­lung ei­nes Ar­beit­neh­mers. Die Ar­beit­ge­be­rin ist die deut­sche Nie­der­las­sung der F Eu­ro­pe Inc. In ih­rem Be­trieb K mit ei­ner Be­triebsstätte auf dem F Flug­ha­fen beschäftigt sie et­wa 780 Ar­beit­neh­mer. Der be­tei­lig­te Be­triebs­rat ist die für den Be­trieb gewähl­te Ar­beit­neh­mer­ver­tre­tung.
„Es wer­den fol­gen­de Vergütungs­grup­pen ge­bil­det....
- 3 - Ta­rif­grup­pe 2: Ein­fa­che Tätig­kei­ten, die mit auf­ga­ben­be­zo­ge­nen Fach­kennt­nis­sen nach kur­zer An­lern- und Ein­ar­bei­tungs­zeit aus­geführt wer­den können.
Ta­rif­grup­pe 3: Tätig­kei­ten, für de­ren Ausübung grund­le­gen­de Fach­kennt­nis­se benötigt wer­den, wel­che die sach­gemäße Er­le­di­gung von Rou­ti­ne­abläufen gewähr­leis­ten. In der Re­gel sind grund­le­gen­de Sprach­kennt­nis­se in Eng­lisch und gu­te Deutsch-Kennt­nis­se in Wort und Schrift er­for­der­lich.
„Ein­grup­pie­rung: TG 2Wo­chen­ar­beits­zeit: 39,5 Std....Haupt­auf­ga­ben/Ver­ant­wort­lich­kei­ten:- Über­wa­chung der Aus­la­ge­rung von Zoll- und Frei­gut­sen­dun­gen so­wie Ter­min­kon­trol­le;- Kon­trol­le des Hub Hold-Ab­lau­fes u. Über­wa­chung der Zoll­gu­t­ein­la­ge­rung;...Vor­aus­set­zun­gen:- Haupt- oder Re­al­schul­ab­schluss;- Deutsch- und Eng­lisch­kennt­nis­se;...“
- 4 - Auf die in­ner­be­trieb­li­che Stel­len­aus­schrei­bung be­war­ben sich zwei Mit­ar­bei­ter und ex­tern Herr M E. Nach Aus­wahl­gesprächen ent­schied sich die Ar­beit­ge­be­rin für die­sen, ins­be­son­de­re we­gen sei­ner Sprach­kennt­nis­se. Mit Schrei­ben vom 10. Ok­to­ber 2006 teil­te sie dem Be­triebs­rat mit, sie be­ab­sich­ti­ge, Herrn E zum 15. Ok­to­ber 2006 als „OPS Agent“ ein­zu­stel­len und in die Ta­rif­grup­pe 2 ein­zu­grup­pie­ren. Sie bat um Zu­stim­mung „zur Ein­stel­lung“. Das Schrei­ben ging dem Be­triebs­rat am 12. Ok­to­ber 2006 zu.
„Von: N K [nk@f.com]...der Ein­stel­lung von M E wur­de wi­der­spro­chen.Be­gründung:Die ord­nungs­gemäße Aus­schrei­bung ist un­ter­blie­ben. Der Be­triebs­rat sieht Dis­kre­pan­zen zwi­schen Ein­grup­pie­rung auf der Aus­schrei­bung und dem Ta­rif­ver­trag (z.B. Kennt­nis­se in Eng­lisch und Deutsch).Vie­le Gru­es­seN Kfür den Be­triebs­rat.“
Die Ar­beit­ge­be­rin hat die Auf­fas­sung ver­tre­ten, die Zu­stim­mung des Be­triebs­rats zur Ein­stel­lung gel­te gem. § 99 Abs. 3 Satz 2 Be­trVG als er­teilt. Die E-Mail vom 16. Ok­to­ber 2006 genüge nicht den ge­setz­li­chen For­mer­for­der- - 5 - nis­sen. Zu­min­dest sei die Zu­stim­mung des Be­triebs­rats zu er­set­zen. Ver­wei­ge­rungs­gründe iSv. § 99 Abs. 2 Be­trVG lägen nicht vor. Die Stel­len­aus­schrei­bung sei ord­nungs­gemäß er­folgt. Ei­ne „Dis­kre­panz“ zum VTV be­ste­he nicht. Die für Herrn E vor­ge­se­he­ne Ein­grup­pie­rung sei kor­rekt. Das fol­ge schon aus der Zu­ord­nung sei­ner Stel­le zur Ta­rif­grup­pe 2 in § 3 VTV. Die Ein­stel­lung sei aus sach­li­chen Gründen drin­gend er­for­der­lich ge­we­sen und ha­be des­halb vorläufig er­fol­gen dürfen.
Der Be­triebs­rat hat die An­sicht ver­tre­ten, er ha­be der Ar­beit­ge­be­rin sei­ne Zu­stim­mungs­ver­wei­ge­rung mit der E-Mail vom 16. Ok­to­ber 2006 frist- und form­ge­recht mit­ge­teilt. Herr E sei in Ta­rif­grup­pe 3 des VTV ein­grup­piert. Die Stel­le sei mit Ta­rif­grup­pe 2 falsch aus­ge­schrie­ben wor­den. Wäre die Ta­rif­grup­pe 3 ge­nannt wor­den, hätten sich vor­aus­sicht­lich wei­te­re Ar­beit­neh­mer - 6 - be­wor­ben. Die vorläufi­ge Ein­stel­lung von Herrn E sei nicht aus sach­li­chen Gründen drin­gend er­for­der­lich.
Die Ar­beit­ge­be­rin hat be­an­tragt, die Wi­der­anträge ab­zu­wei­sen. Das Ar­beits­ge­richt hat dem Haupt­an­trag der Ar­beit­ge­be­rin ent­spro­chen und die Wi­der­anträge des Be­triebs­rats ab­ge­wie­sen. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt hat die Be­schwer­de des Be­triebs­rats un­ter Neu­fas­sung des Te­nors der erst­in­stanz­li­chen Ent­schei­dung zurück­ge­wie­sen und die Rechts­be­schwer­de zu-ge­las­sen. Mit ihr ver­folgt der Be­triebs­rat sein Be­geh­ren in vol­lem Um­fang wei­ter.
1. Der An­trag ist zulässig. a) Die Ar­beit­ge­be­rin ist be­tei­lig­tenfähig iSv. § 10 ArbGG. Sie ist die nach §§ 13d, 13e HGB ein­ge­tra­ge­ne deut­sche Nie­der­las­sung der F Eu­ro­pe Inc., ei­ner Ak­ti­en­ge­sell­schaft nach dem Recht des Staa­tes De­la­ware. In der Anhörung vor dem Se­nat ha­ben die Be­tei­lig­ten bestätigt, dass sich an den sei­ner Ent­schei­dung vom 11. Ju­ni 2002 (- 1 ABR 43/01 - zu B II der Gründe,
- 7 - BA­GE 101, 298) zu­grun­de lie­gen­den Umständen nichts geändert hat. Die Ar­beit­ge­be­rin ist dem­nach zwar kei­ne ei­genständi­ge ju­ris­ti­sche Per­son. Sie schließt aber selbständig Ar­beits­verträge und ist des­halb be­triebs­ver­fas­sungs­recht­li­che An­sprech­part­ne­rin des Be­triebs­rats und Ar­beit­ge­be­rin im Sin­ne des Be­trVG. Als sol­che ist sie ei­ne be­tei­li­gungsfähi­ge Stel­le nach § 10 2. Halbs. ArbGG (BAG 11. Ju­ni 2002 - 1 ABR 43/01 - aaO; Oet­ker Anm. BAG 11. Ju­ni 2002 - 1 ABR 43/01 - AP Be­trVG 1972 § 99 Nr. 118, Bl. 866 R ff.).
bb) Ob die Aus­le­gung durch das Lan­des­ar­beits­ge­richt sprach­lich möglich und ihr rechts­be­schwer­de­recht­lich zu fol­gen ist, kann da­hin­ste­hen. Auch wenn dies be­jaht würde, wäre die Er­set­zung der Zu­stim­mung zur Ein­grup­pie­rung von Herrn E nicht Ver­fah­rens­ge­gen­stand. Träfe die Aus­le­gung des Lan­des­ar­beits­ge­richts zu, wäre die Zu­stim­mung zur Ein­grup­pie­rung be­reits erst­in­stanz­lich - 8 - In­halt des An­trags ge­we­sen. Über die­sen Teil des An­trags hat das Ar­beits­ge­richt in­des­sen nicht ent­schie­den. Sein Be­schluss verhält sich aus­sch­ließlich über die Zu­stim­mung zur Ein­stel­lung. Da das Ar­beits­ge­richt er­sicht­lich kei­nen Teil-Be­schluss gem. § 301 ZPO er­las­sen hat, läge ei­ne ver­se­hent­lich lücken­haf­te Ent­schei­dung iSv. § 321 Abs. 1 ZPO vor; bei­de Vor­schrif­ten sind we­gen § 80 Abs. 2, § 46 Abs. 2 ArbGG auch im Be­schluss­ver­fah­ren an­wend­bar. Dar­auf hätte die Ar­beit­ge­be­rin gem. § 321 Abs. 2 ZPO bin­nen zwei­er Wo­chen mit ei­nem An­trag auf nachträgli­che Ergänzung re­agie­ren müssen. Das hat sie - wohl vor dem Hin­ter­grund ei­nes da­mals von ihr selbst ge­teil­ten en­ge­ren An­trags­verständ­nis­ses - un­ter­las­sen. Da­mit wäre nach Ab­lauf der zweiwöchi­gen An­trags­frist die Rechtshängig­keit des über­g­an­ge­nen Be­geh­rens ent­fal­len (BGH 16. Fe­bru­ar 2005 - VIII ZR 133/04 - zu II 2 der Gründe mwN, NJW-RR 2005, 790; Tho­mas/Putzo/Reichold ZPO 29. Aufl. § 261 Rn. 9). Es hätte dem­ent­spre­chend kei­ne Möglich­keit be­stan­den, ihr über­g­an­ge­nes Be­geh­ren im Ein­verständ­nis al­ler Be­tei­lig­ten in die Rechts­mit­tel­in­stanz „hoch­zu­zie­hen“.
(1) Ei­ne An­sch­ließung der Ar­beit­ge­be­rin an das Rechts­mit­tel des Be­triebs­rats ist nicht wirk­sam er­folgt. Zwar be­darf es da­zu nicht der aus­drück­li­chen Be­zeich­nung als An­schluss­be­schwer­de (BAG 30. Mai 2006 - 1 AZR 111/05 - Rn. 42 mwN, BA­GE 118, 211). Zum ei­nen ist aber die An­sch­ließung an die Be­schwer­de ei­nes Be­tei­lig­ten gem. § 524 Abs. 2 Satz 2 ZPO iVm. § 87 Abs. 2 Satz 1, § 64 Abs. 6 Satz 1 ArbGG nur bis zum Ab­lauf der den übri­gen Be­tei­lig­ten ge­setz­ten Frist zur Be­schwer­de­er­wi­de­rung zulässig. Die­se war bei Ab­ga­be der Erklärung der Ar­beit­ge­be­rin zum An­trags­in­halt ver­stri­chen. Mit Verfügun­gen vom 14. und 28. Ju­ni 2007 hat­te das Lan­des­ar­beits­ge­richt der Ar­beit- - 9 - ge­be­rin ei­ne Frist zur Äußerung auf die Be­schwer­de­be­gründung bis zum 22. Au­gust 2007 ge­setzt. Die frag­li­chen Erklärun­gen fie­len erst im Anhörungs­ter­min vom 18. Sep­tem­ber 2007. Zum an­de­ren hat die An­sch­ließung gem. § 524 Abs. 1 ZPO zwin­gend durch Ein­rei­chung ei­ner Be­schwer­de­an­schluss­schrift zu er­fol­gen (Ger­mel­mann in Ger­mel­mann/Mat­thes/Prütting/Müller-Glöge ArbGG 6. Aufl. § 64 Rn. 106). Dies ist nicht ge­sche­hen. Die Ar­beit­ge­be­rin hat ih­re Erklärun­gen münd­lich zur Sit­zungs­nie­der­schrift vom 18. Sep­tem­ber 2007 ab­ge­ge­ben.
2. Der An­trag ist un­be­gründet. Die Zu­stim­mung des Be­triebs­rats zur - endgülti­gen - Ein­stel­lung von Herrn E gilt nicht gem. § 99 Abs. 3 Satz 2 Be­trVG als er­teilt. Der Be­triebs­rat hat der Ar­beit­ge­be­rin die Ver­wei­ge­rung sei­ner Zu­stim­mung in­ner­halb der Wo­chen­frist des § 99 Abs. 3 Satz 1 Be­trVG schrift­lich un­ter An­ga­be von Gründen mit­ge­teilt. - 10 - a) Der Ein­tritt der Zu­stim­mungs­fik­ti­on nach § 99 Abs. 3 Satz 2 Be­trVG schei­tert nicht an ei­ner un­zu­rei­chen­den Un­ter­rich­tung des Be­triebs­rats, die den Lauf der Wo­chen­frist des § 99 Abs. 3 Satz 1 Be­trVG nicht in Gang ge­setzt hätte. Das Zu­stim­mungs­er­su­chen vom 10. Ok­to­ber 2006 enthält al­le er­for­der­li­chen Auskünf­te über die Per­son von Herrn E, ei­ne aus­rei­chen­de Be­schrei­bung des in Aus­sicht ge­nom­me­nen Ar­beits­plat­zes und die An­ga­be der vor­ge­se­he­nen Ein­grup­pie­rung. Mit Zu­gang des Zu­stim­mungs­er­su­chens beim Be­triebs­rat am 11. Ok­to­ber 2006 hat die Wo­chen­frist des § 99 Abs. 3 Satz 1 Be­trVG be­gon­nen.
c) Die Zu­stim­mung des Be­triebs­rats gilt auch nicht des­halb als er­teilt, weil sei­ne E-Mail vom 16. Ok­to­ber 2006 den An­for­de­run­gen des Schrift­lich­keits­ge­bots in § 99 Abs. 3 Satz 1 Be­trVG nicht entspräche. Zu des­sen Wah­rung be­darf es nicht der Schrift­form nach § 126 Abs. 1 BGB. Es genügt die Ein­hal­tung der Text­form des § 126b BGB. De­ren An­for­de­run­gen wird die E-Mail vom16. Ok­to­ber 2006 ge­recht.
- 11 - zeich­nung der Ur­kun­de durch Na­mens­un­ter­schrift von Sei­ten des Aus­stel­lers. Dar­an fehlt es.
- 12 - lich verändert oder be­en­det. Der recht­li­che Er­folg - das be­triebs­ver­fas­sungs-recht­li­che Ver­bot ei­ner be­reits endgülti­gen Durchführung der be­tref­fen­den Maßnah­me - tritt al­lein von Ge­set­zes we­gen und un­abhängig da­von ein, ob der Wil­le des Be­triebs­rats tatsächlich dar­auf ge­rich­tet war (BAG 9. De­zem­ber 2008 - 1 ABR 79/07 - zu B III 3 b bb (1) der Gründe).
- 13 - (4) Nach der ob­jek­ti­ven Sach- und In­ter­es­sen­la­ge bei der Mit­tei­lung nach § 99 Abs. 3 Satz 1 Be­trVG ist die ent­spre­chen­de An­wen­dung von § 126b BGB ge­bo­ten und aus­rei­chend. Nach die­ser Be­stim­mung muss, wenn Text­form vor-ge­schrie­ben ist, die Erklärung in ei­ner Ur­kun­de oder auf an­de­re zur dau­er­haf­ten Wie­der­ga­be in Schrift­zei­chen ge­eig­ne­te Wei­se ab­ge­ge­ben, die Per­son des Er-klären­den ge­nannt und der Ab­schluss der Erklärung durch Nach­bil­dung der Na­mens­un­ter­schrift oder an­ders er­kenn­bar ge­macht wer­den. Auf die­se Wei­se stellt § 126b BGB auch oh­ne das Er­for­der­nis ei­genhändi­ger Un­ter­zeich­nung si­cher, dass die Iden­titäts- und Vollständig­keits­funk­tio­nen ei­ner schrift­li­chen Erklärung ne­ben der oh­ne­hin ge­ge­be­nen Do­ku­men­ta­ti­ons­funk­ti­on ge­wahrt sind (BAG 9. De­zem­ber 2008 - 1 ABR 79/07 - zu B III 3 b dd der Gründe).
1. Der An­trag ist dem Se­nat zur Ent­schei­dung an­ge­fal­len. Wur­de in der Vor­in­stanz schon dem Haupt­an­trag des An­trag­stel­lers statt­ge­ge­ben, ge­langt mit der (Rechts-)Be­schwer­de ei­nes Be­tei­lig­ten auch ein Hilfs­an­trag des An­trag­stel­lers au­to­ma­tisch in die Rechts­mit­tel­in­stanz, oh­ne dass es ei­nes (vor­sorg­li­chen) An­schluss­rechts­mit­tels bedürf­te; dies gilt je­den­falls bei ei­nem en­gen sach­li­chen und recht­li­chen Zu­sam­men­hang der Anträge (BAG 11. De­zem­ber 2007 - 1 ABR 73/06 - Rn. 31, AP Be­trVG 1972 § 99 Ver­set­zung Nr. 45 = EzA - 14 - Be­trVG 2001 § 95 Nr. 7; 10. Ok­to­ber 2002 - 2 AZR 598/01 - zu A I der Gründe mwN, AP KSchG 1999 § 1 Be­triebs­be­ding­te Kündi­gung Nr. 123 = EzA KSchG § 1 Be­triebs­be­ding­te Kündi­gung Nr. 122). Hier ist ein aus­rei­chen­der Zu­sam­men­hang ge­ge­ben.
2. Der An­trag ist be­gründet. a) Der Be­triebs­rat hat der Ein­stel­lung von Herrn E mit der Be­gründung wi­der­spro­chen, die in der Aus­schrei­bung an­ge­ge­be­ne Ta­rif­grup­pe 2 ste­he „in Dis­kre­panz“ zur ta­rif­li­chen Vergütung für ei­nen „Ope­ra­ti­ons Agent“. Mit dem Zu­satz „z.B. Kennt­nis­se in Eng­lisch und Deutsch“ will er of­fen­sicht­lich vor­brin­gen, ein „Ope­ra­ti­ons Agent“ sei in Ta­rif­grup­pe 3 ein­grup­piert: In den ta­rif­li­chen Tätig­keits­merk­ma­len für die­se Vergütungs­grup­pe wer­den erst­mals Grund­kennt­nis­se in bei­den Spra­chen erwähnt.
bb) Ei­ne da­nach er­for­der­li­che Aus­schrei­bung ist nicht un­ter­blie­ben. - 15 - (1) Die Ar­beit­ge­be­rin hat ei­ne Aus­schrei­bung vor­ge­nom­men. Am 14. Sep­tem­ber 2006 hat sie ih­re Ab­sicht, die Stel­le ei­nes „Ope­ra­ti­ons Agent“ zu be­set­zen, im Be­trieb be­kannt ge­macht.
- 16 - Sys­te­ma­tik des § 99 Be­trVG nur in Fällen ei­ner of­fen­sicht­li­chen Falsch­an­ga­be in Be­tracht. Könn­te der Be­triebs­rat der Ein­stel­lung ei­nes Be­wer­bers gem. § 99 Abs. 2 Nr. 5 Be­trVG schon dann wi­der­spre­chen, wenn die in der Aus­schrei­bung mit­ge­teil­te Vergütung nach sei­ner Auf­fas­sung die fal­sche ist, lie­fe das dar­auf hin­aus, den Streit der Be­tei­lig­ten über die zu­tref­fen­de Ein­grup­pie­rung auf die Be­fug­nis zur Ein­stel­lung vor­zu­ver­la­gern. Das wie­der­um stünde nicht im Ein­klang mit § 99 Abs. 1, Abs. 2 Nr. 1 Be­trVG. Da­nach kann der Be­triebs­rat ei­ner Ein­stel­lung nicht mit der Be­gründung wi­der­spre­chen, die vor­ge­se­he­ne Ein­grup­pie­rung sei falsch (BAG 28. März 2000 - 1 ABR 16/99 - zu II 2 a, b der Gründe, BA­GE 94, 169). Die in der Be­kannt­ma­chung vom 14. Sep­tem­ber 2006 ent­hal­te­ne Mit­tei­lung „Ein­grup­pie­rung: TG 2“ ist nicht of­fen­sicht­lich ei­ne Falsch­an­ga­be. Die Ar­beit­ge­be­rin hat mit der Vergütungs­grup­pe 2 in ei­ner ta­rif­lich un­ein­deu­ti­gen Si­tua­ti­on die ihr zu­tref­fend er­schei­nen­de von zwei mögli­chen Ta­rif­grup­pen an­ge­ge­ben. Dar­in liegt kei­ne Des­in­for­ma­ti­on, die mit dem Un­ter­blei­ben ei­ner Aus­schrei­bung ver­gleich­bar wäre. Die Stel­le des „Hub Ope­ra­ti­ons Agent“ ist in § 3 VTV aus­drück­lich der Vergütungs­grup­pe 2 zu­ge­ord­net. Zwar ist für die Stel­le ei­nes „Hub Ope­ra­ti­ons Agent - Adv.“ die Vergütungs­grup­pe 3 vor-ge­se­hen. Es mag des­halb sein, dass die aus­ge­schrie­be­ne Stel­le we­gen der vom Be­wer­ber er­war­te­ten Deutsch- und Eng­lisch­kennt­nis­se ei­ne sol­che der Vergütungs­grup­pe 3 ist. Dies ist aber - schon an­ge­sichts der of­fen­bar lan­ge Zeit geübten an­de­ren Vergütungs­pra­xis - kei­nes­wegs of­fen­sicht­lich.
1. Der Streit­ge­gen­stand ei­nes po­si­ti­ven oder ne­ga­ti­ven Fest­stel­lungs­an­trags nach § 100 Abs. 2 Satz 3 Be­trVG ist die be­triebs­ver­fas­sungs­recht­li­che Be­fug­nis des Ar­beit­ge­bers, ei­ne per­so­nel­le Maßnah­me so­lan­ge vorläufig durch­zuführen, bis über die Be­rech­ti­gung zu ih­rer dau­er­haf­ten Durchführung ge­richt­lich ent­schie­den ist. Die­ser Streit ist ob­jek­tiv er­le­digt, so­bald ei­ne rechts-kräfti­ge Ent­schei­dung über die Be­fug­nis zur endgülti­gen Durchführung vor­liegt (BAG 16. Ja­nu­ar 2007 - 1 ABR 16/06 - Rn. 53 mwN, AP Be­trVG 1972 § 99 Ein­stel­lung Nr. 52 = EzA Be­trVG 2001 § 99 Ver­set­zung Nr. 3). Die Aus­ge­stal­tung - 17 - des Ver­fah­rens nach § 100 Abs. 2 Be­trVG zeigt, dass der po­si­ti­ve Fest­stel­lungs­an­trag des Ar­beit­ge­bers und ein ne­ga­ti­ver Fest­stel­lungs­an­trag des Be­triebs­rats von vorn­her­ein nur für die Zeit bis zur rechts­kräfti­gen Ent­schei­dung über den Zu­stim­mungs­er­set­zungs­an­trag zu stel­len sind. Dem­ent­spre­chend wird die Aus­le­gung - wie hier - re­gelmäßig er­ge­ben, dass bei­de Anträge auf ei­ne vorüber­ge­hen­de Re­ge­lung ge­rich­tet und auf die Dau­er des Ver­fah­rens über den Zu­stim­mungs­er­set­zungs­an­trag be­fris­tet sind (BAG 16. Ja­nu­ar 2007 - 1 ABR 16/06 - Rn. 53 mwN, aaO). Da­mit kommt ei­ne Ent­schei­dung über Fest­stel­lungs­anträge nach § 100 Abs. 2 Satz 3 Be­trVG nicht mehr in Fra­ge, wenn rechts­kräftig über den Zu­stim­mungs­er­set­zungs­an­trag ent­schie­den wor­den ist.
3. Nach Weg­fall der Rechtshängig­keit des Fest­stel­lungs­an­trags der Ar­beit­ge­be­rin und der Wi­der­anträge des Be­triebs­rats war das be­tref­fen­de Ver­fah­ren in­so­weit durch Be­schluss ein­zu­stel­len. Gem. § 81 Abs. 2 Satz 2, § 83a Abs. 2 Satz 1 ArbGG ist ein ar­beits­ge­richt­li­ches Be­schluss­ver­fah­ren ein­zu­stel­len, wenn ent­we­der der An­trag­stel­ler sei­nen An­trag in zulässi­ger Wei­se zurück­nimmt oder die Be­tei­lig­ten es übe­rein­stim­mend für er­le­digt erklären. Die Vor­schrif­ten ge­ben zu er­ken­nen, dass ein Be­schluss­ver­fah­ren mit dem En­de der Rechtshängig­keit ei­nes An­trags nicht von selbst sein En­de fin­det, son­dern es da­zu der förm­li­chen Ein­stel­lung durch das Ge­richt be­darf. Die Ein­stel­lung ist des­halb in ent­spre­chen­der An­wen­dung des § 81 Abs. 2 Satz 2, § 83a Abs. 2 Satz 1 ArbGG iVm. § 92 Abs. 2 Satz 3, § 95 Satz 4 ArbGG auch in Fällen wie - 18 - die­sem - durch den Se­nat - aus­zu­spre­chen (BAG 16. Ja­nu­ar 2007 - 1 ABR 16/06 - Rn. 54 mwN, AP Be­trVG 1972 § 99 Ein­stel­lung Nr. 52 = EzA Be­trVG 2001 § 99 Ver­set­zung Nr. 3).
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