Source: http://m.hensche.de/Arbeitsrecht_Urteile_Altersdiskriminierung_Hessiches-LAG_4TaBV168-08.html
Timestamp: 2017-08-23 11:59:13
Document Index: 309706116

Matched Legal Cases: ['§ 117', '§ 3', '§ 3', '§ 2', '§ 4', '§ 3', '§ 4', '§ 4', '§ 1', '§ 4', '§ 4', '§ 10', '§ 4', '§ 64', '§ 4', '§ 10', '§ 64', '§ 64', '§ 4', '§ 1', '§ 7', '§ 10', '§ 10', '§ 64', 'Art. 6', '§ 10', '§ 29', '§ 4', '§ 64', '§ 83', 'BGH', '§ 12', '§ 64', '§ 5', '§ 1', '§ 4', '§ 64', '§ 64', '§ 99', '§ 64', '§ 99', '§ 64', '§ 133', '§ 620', '§ 611', '§ 8', '§ 4', '§ 64', '§ 64', '§ 64', '§ 64', '§ 64', '§ 64', '§ 4', '§ 1', '§ 7', '§ 1', '§ 2', '§ 6', '§ 6', '§ 7', '§ 7', '§ 7', '§ 7', '§ 7', '§ 1', '§ 3', '§ 4', '§ 8', '§ 10', '§ 8', '§ 1', '§ 10', '§ 10', '§ 10', '§ 10', '§ 10', '§ 10', '§ 10', '§ 10', '§ 10', 'Art. 6', 'EuG', '§ 1', '§ 8', '§ 8', 'EuG', '§ 14', 'EuG', 'Art. 6', '§ 10', 'EuG', 'EuG', 'EuG', '§ 4', '§ 8', '§ 10', '§ 10', 'EuG', '§ 4', '§ 1', '§ 7', '§ 3', '§ 8', '§ 10', '§ 4', 'Art. 12', '§ 3', '§ 40', '§ 4', '§ 7', '§ 1', '§ 118', '§ 40', '§ 3', '§ 3', '§ 6', '§ 7', '§ 15', '§ 72', '§ 319']

Schlag­worte: Altersdiskriminierung, AGG
Akten­zeichen: 4 TaBV 168/08
Ent­scheid­ungs­datum: 15.10.2009
Vor­ins­tan­zen: Arbeitsgericht Frankfurt am Main, Beschluss vom 30.04.2008, 14 BV 36/08
14 BV 36/08 Ar­beits­ge­richt Frank­furt am Main
und Be­tei­lig­te zu 2
08/70062 ds/nl
2823/08
auf die münd­li­che Anhörung vom 17. März 2009
Die Be­schwer­de der Be­tei­lig­ten zu 2) ge­gen den Be­schluss des Ar­beits­ge­richts Frank­furt am Main vom 30. April 2008 – 14 BV 36/08 – wird ins­ge­samt zurück­ge­wie­sen.
Die Be­tei­lig­ten strei­ten über ei­ne Ein­stel­lung.
Die an­trag­stel­len­de Ar­beit­ge­be­rin ist ein zum A-Kon­zern gehören­des Luft­fracht­un­ter-neh­men. Ihr flie­gen­des Per­so­nal wird von der zu 2) be­tei­lig­ten Per­so­nal­ver­tre­tung re­präsen­tiert, die auf der Grund­la­ge des gemäß § 117 Abs. 2 Be­trVG zwi­schen der Ar­beit­ge­be­rin und der Deut­schen An­ge­stell­ten­ge­werk­schaft ge­schlos­se­nen Ta­rif­ver­tra­ges Per­so­nal­ver­tre­tung GCS vom 01. Fe­bru­ar 1993 (TV PV GCS, sie­he Bl. 29 - 44 d.A.) ge­bil­det wur­de.
Die Kon­zern­un­ter­neh­men de­cken ih­ren Pi­lo­ten­be­darf durch im Kon­zern aus­ge­bil­de­te Nach­wuchs­flug­zeugführer (sog. NFF) ab. So­weit die­se für die benötig­te Ka­pa­zität nicht aus­rei­chen, wer­den sog. „Re­a­dy Ent­ries“ (RE) ein­ge­stellt. Die als RE ein­ge­stell­ten Pi­lo­ten verfügen über ei­ne bei ei­nem an­de­ren Luft­fahrt­un­ter­neh­men ab­ge­schlos­se­ne Flug­zeugführer­aus­bil­dung so­wie in un­ter­schied­li­chem Um­fang über Flug­er­fah­rung in frem­den Flug­ge­sell­schaf­ten. Die Ar­beit­ge­be­rin un­ter­zieht sie vor der Ein­stel­lung dem sog. DLR-Test, der aus ei­nem drei­stu­fi­gen Aus­wahl­pro­zess be­steht. Die ers­te Stu­fe um­fasst ei­ne Grund­un­ter­su­chung der von der Ar­beit­ge­be­rin als not­wen­dig be­trach­te­ten Kennt­nis­se und Fähig­kei­ten. Wei­ter wird die Ad­ap­ti­onsfähig­keit der Be­wer­ber an die im Kon­zern übli­chen spe­zi­el­len Ver­fah­ren und Ar­beits­wei­sen über­prüft. Dar­auf schließt sich ein Si­mu­la­tor-Scree­ning an, in dem die flie­ge­ri­schen Fähig­kei­ten der Pi­lo­ten und de­ren An­pas­sung an die im Kon­zern übli­chen Prin­zi­pi­en der Tätig­keit im Cock­pit be­ob­ach­tet wer­den. Nach der Ein­stel­lung müssen die RE das „Ty­pe Ra­ting“, d.h. die Mus­ter­be­rech­ti­gung, er­wer­ben und sich ei­ner Ein­wei­sung un­ter­zie­hen. Im na­tio­na­len und in­ter­na­tio­na­len Luft­fahrt­si­cher­heits­recht ist ne­ben der all­ge­mei­nen Al­tershöchst­gren­ze für Pi­lo­ten gemäß 1.060 JAR-FCL1 ei­ne zusätz­li­che spe­zi­el­le Höchst­al­ters­gren­ze für den Wech­sel von Pi­lo­ten zwi­schen ver­schie­de­nen Flug­ge­sell­schaf­ten nicht vor­ge­se­hen. Bei zahl­rei­chen Luft­fahrt­un­ter­neh­men be­ste­hen dafür auch kei­ne in­ter­nen Al­ters­gren­zen, et­wa bei B und C. Im Kon­zern der Ar­beit­ge­be­rin ab­sol­viert ein er­heb­li­cher Teil der Co­pi­lo­ten
nicht die Förde­rung zum Ka­pitän und ist dem­zu­fol­ge bis zur Be­en­di­gung der Pi­lo­ten­lauf­bahn als Co­pi­lot tätig.
Die Be­tei­lig­ten schlos­sen am 12. Ok­to­ber 1999 die Be­triebs­ver­ein­ba­rung „Aus­wahl­richt­li­ni­en für die per­so­nel­le Aus­wahl bei der Ein­stel­lung von Ver­kehrs­flug­zeugführern“ (nach­fol­gend BV), in de­ren § 3 Ein­stel­lungs­vor­aus­set­zun­gen für RE ge­re­gelt wur­den. Gemäß § 3 Nr. 6 BV be­trug das Höchst­al­ter bei der Ein­stel­lung 32 Jah­re und 364 Ta­ge. We­gen des vollständi­gen In­halts der BV wird auf die An­la­ge zur An­trags­schrift (Bl. 16 - 18 d.A.) Be­zug ge­nom­men. Die Mut­ter­ge­sell­schaft der Ar­beit­ge­be­rin schloss am 07. Fe­bru­ar 2003 mit der ihr flie­gen­des Per­so­nal ver­tre­ten­den Ge­samt­ver­tre­tung die Be­triebs­ver­ein­ba­rung „Aus­wahl­richt­li­ni­en für die per­so­nel­le Aus­wahl bei der Aus­wahl von Flug­zeugführern bei der E“ (BV Aus­wahl­richt­li­ni­en). Die­se enthält u.a. fol­gen­de Re­ge­lun­gen:
Die­se Be­triebs­ver­ein­ba­rung re­gelt die per­so­nel­le Aus­wahl von künf­ti­gen Flug­zeugführern der E Pas­sa­ge Air­line.
§ 2 Grundsätze zur Ein­stel­lung von Flug­zeugführern bei E
I. E deckt den Pi­lo­ten­be­darf grundsätz­lich durch Nach­wuchs­flug­zeugführer ab, die an der Ver­kehrs­flie­ger­schu­le der D GmbH (LFT) ge­schult wer­den (= ab in­i­tio - ge­schul­te NFF).
III. Wird der per­so­nel­le Be­darf nicht gemäß Ab­satz 1 ge­deckt, kann E Flug­zeugführer mit Li­zen­zen (Re­a­dy Ent­ry) ein­stel­len.
1. Deut­sche Staats­an­gehörig­keit oder Staats­an­gehörig­keit ei­nes EU-Lan­des oder ei­ne Auf­ent­halts­be­rech­ti­gung oder ei­ne un­be­fris­te­te Auf­ent­halts­er­laub­nis für die BRD. Zu­dem muss der Be­wer­ber im Be­sitz ei­nes un­ein­ge­schränk­ten Rei­se­pas­ses sein.
3. Nach­weis der all­ge­mei­nen oder fach­ge­bun­de­nen Hoch­schul­rei­fe als Schul­ab­schluss. Be­wer­ber, die kei­nen Ab­schluss ei­ner deut­schen Schu­le ha­ben, müssen an­hand ei­ner ent­spre­chen­den Be­schei­ni­gung nach­wei­sen, dass das ausländi­sche Zeug­nis der all­ge­mei­nen oder fach­ge­bun­de­nen Hoch­schul­rei­fe ent­spricht und zum Stu­di­um an ei­ner deut­schen Hoch­schu­le be­rech­tigt.
7. Nach­weis, dass der Wehr- oder Zi­vil­dienst ab­ge­leis­tet wor­den ist oder der Be­wer­ber da­von be­freit oder aus­ge­mus­tert wor­den ist.
Das Höchst­al­ter beträgt bei RE 32 Jah­re und 364 Ta­ge zum vor­aus­sich­ti­gen Da­tum des Ar­beits­ver­tra­ges. Die flie­ge­ri­sche Taug­lich­keit nach Me­di­cal Klas­se 1/Deutsch­land muss durch den Me­di­zi­ni­schen Dienst der E fest­ge­stellt wer­den. Hier­bei gilt, dass die Kor­rek­tur der Sehschärfe +/- 3,0 Di­op­trie nicht über­schrei­ten darf.
Ka­te­go­rie A: AT­PL und LR und ei­ne Flug­er­fah­rung von min­des­tens 800 St­un­den, da­von min­des­tens 600 St­un­den in der kom­mer­zi­el­len Luft­fahrt auf mehr­mo­to­ri­gen Flug­zeu­gen, die für ei­ne Cock­pit­be­sat­zung von min­des­tens zwei Pi­lo­ten zu­ge­las­sen sind.
Ka­te­go­rie B: AT­PL und LR (nur Theo­rie) und ei­ne Flug­er­fah­rung von min­des­tens 600 St­un­den, da­von min­des­tens 300 St­un­den in der
kom­mer­zi­el­len Luft­fahrt auf mehr­mo­to­ri­gen Flug­zeu­gen, die für ei­ne Cock­pit­be­sat­zung von min­des­tens zwei Pi­lo­ten zu­ge­las­sen sind.
Ka­te­go­rie C: CPL und IFR und ei­ne Flug­er­fah­rung von min­des­tens 250 St­un­den. Höchst­al­ter: 29 Jah­re und 364 Ta­ge.
III. Eig­nungs­un­ter­su­chung (EU) und Fir­men­qua­li­fi­ka­ti­on (FQ). Zusätz­lich muss von RE-Be­wer­ber ein flie­ge­ri­sches Scree­ning im Si­mu­la­tor ab­sol­viert wer­den.
EU und FQ sol­len vor der Schu­lung bzw. Ein­wei­sung durch­geführt wer­den. EU und FQ können nicht wie­der­holt wer­den.
IV. Vor Be­ginn des Li­ni­en­trai­nings müssen die RE-Be­wer­ber ei­ne spe­zi­el­le Ein­wei­sung bzw. Schu­lung ab­sol­vie­ren. Sie sol­len so mit den E Stan­dard­ver­fah­ren ver­traut ge­macht wer­den. Der Um­fang die­ser Ein­wei­sung bzw. Schu­lung wird un­ter Berück­sich­ti­gung der Flug­er­fah­rung der Be­wer­ber von den Be­triebs­part­nern fest­ge­legt.
Hat A per­so­nel­len Be­darf, der mit NFF und RE-Be­wer­bern nicht zu de­cken ist, wird sie mit dem Be­triebs­part­ner we­gen der Ein­stel­lungs­vor­aus­set­zun­gen und der An­zahl an­de­rer Be­wer­ber ver­han­deln. Kommt ei­ne Ei­ni­gung nicht zu­stan­de, kann die Ei­ni­gungs­stel­le an­ge­ru­fen wer­den.“
Am sel­ben Tag schlos­sen die Mut­ter­ge­sell­schaft der Ar­beit­ge­be­rin und die Ge­samt­ver­tre­tung die „Ergänzungs­ver­ein­ba­rung Nr. 1“, in der es u.a. heißt:
Ci­ty Li­ne.
Für die­se Be­wer­ber gel­ten fol­gen­de Vor­aus­set­zun­gen: AT­PL und LR (nur Theo­rie) und ei­ne Flug­er­fah­rung von min­des­tens 1000 St­un­den in der kom­mer­zi­el­len
Luft­fahrt auf mehr­mo­to­ri­gen Flug­zeu­gen, die für ei­ne Cock­pit­be­sat­zung von min­des­tens zwei Pi­lo­ten zu­ge­las­sen sind.
Die in § 4 Abs. I, Satz 1, 3, 4, III, IV ent­hal­te­nen Re­ge­lun­gen fin­den auf die­se Be­wer­ber An­wen­dung.“
We­gen des vollständi­gen In­halts der BV Aus­wahl­richt­li­ni­en und der Ergänzungs­ver­ein­ba­rung wird auf die An­la­ge AG 1 zum Schrift­satz vom 08. Fe­bru­ar 2008 (Bl. 84 - 87 d.A.) Be­zug ge­nom­men. Vor dem Hin­ter­grund seit dem Jahr 2006 auf­tre­ten­der er­heb­li­cher Pro­ble­me, den im Kon­zern be­ste­hen­den Be­darf an Nach­wuchs­pi­lo­ten zu de­cken, schlos­sen die die Un­ter­neh­men des A-Kon­zerns ta­rif­recht­lich ver­tre­ten­de Ar­beits­recht­li­che Ver­ei­ni­gung Ham­burg e.V. (AVH) und die Ver­ei­ni­gung Cock­pit e.V. (VC) am 18. De­zem­ber 2006 die „Ta­rif­ver­ein­ba­rung Ka­pa­zitätserhöhung Cock­pit 2007/2008“. Gemäß de­ren Zif­fer 4 ver­ein­bar­ten die Ta­rif­ver­trags­par­tei­en den u.a. für die Ar­beit­ge­be­rin gel­ten­den „Ta­rif­ver­trag Aus­wahl­richt­li­ni­en“ (TV Aus­wahl­richt­li­ni­en), der mit der BV Aus­wahl­richt­li­ni­en und der Ergänzungs­ver­ein­ba­rung Nr. 1 im We­sent­li­chen wort­gleich ist. Die Ta­rif­ver­trags­par­tei­en ver­ein­bar­ten le­dig­lich fol­gen­de Ände­run­gen:
- „§ 3 I.1. (Min­dest­al­ter): Min­dest­al­ter am Ta­ge der Ein­stel­lung: 18 Jah­re
- Fort­gel­tung der Ergänzungs­ver­ein­ba­rung Nr. 1; zusätz­li­che Auf­nah­me fol­gen­der Flug­ge­sell­schaf­ten: Tuif­ly (ex HLF/HLX)
- Die Vor­aus­set­zun­gen in § 4 Abs. 2 wer­den klar­stel­lend ana­log an die zwi­schen­zeit­lich veränder­ten ge­setz­li­chen Be­stim­mun­gen an­ge­passt.
- Son­der­re­ge­lun­gen GWI/CIB während der Lauf­zeit die­ses Ta­rif­ver­tra­ges:
- Ab­schluss ei­ner Ergänzungs­ver­ein­ba­rung Nr. 2 ana­log Ergänzungs­ver­ein­ba­rung Nr. 1; wo­bei Satz 1 wie folgt neu ge­fasst wird: „Das Ein­stiegs­al­ter für RE zum vor­aus­sicht­li­chen Da­tum des Ar­beits­ver­tra­ges beträgt 37 Jah­re und 364 Ta­ge.““
We­gen des vollständi­gen In­halts der Ta­rif­ver­ein­ba­rung Ka­pa­zitätserhöhung wird auf die An­la­ge A 1 zur An­trags­schrift (Bl. 13 - 15 d.A.) Be­zug ge­nom­men. Im Jahr 2007 stell­ten sich die Kon­zern­un­ter­neh­men auf den Stand­punkt, dass die Höchst­al­ters­re­ge­lung für RE von § 4 I Satz 2 TV Aus­wahl­richt­li­ni­en nach §§ 1, 7 Abs. 1, Abs. 2 AGG un­wirk­sam ist. Im No­vem­ber 2007 stell­te die D GmbH als ers­tes Kon­zern­un­ter­neh­men un­ter
Ver­s­toß ge­gen § 4 I Satz 2 TV Aus­wahl­richt­li­ni­en zwei 42 bzw. 39 Jah­re al­te RE ein. Dies wur­de so­fort zum Dis­kus­si­ons­the­ma in­ner­halb der Per­so­nal­ver­tre­tun­gen der Kon­zern­un­ter­neh­men. Die Be­tei­lig­ten erörter­ten die­ses The­ma in der Fol­ge­zeit. Die Ar­beit­ge­be­rin kündig­te im De­zem­ber 2007 an, in ab­seh­ba­rer Zeit eben­falls die Al­ters­gren­ze über­schrei­ten­de RE ein­zu­stel­len. Die Per­so­nal­ver­tre­tung erklärte dar­auf, sie wer­de den Ein­stel­lun­gen vor­aus­sicht­lich we­gen ei­nes Ver­s­toßes ge­gen § 4 I Satz 2 TV Aus­wahl­richt­li­ni­en wi­der­spre­chen. Mit ei­nem am sel­ben Tag zu­ge­gan­ge­nen Schrei­ben vom 08. Ja­nu­ar 2008 un­ter­rich­te­te die Ar­beit­ge­be­rin un­ter Vor­la­ge ei­ner Per­so­nal­be­darf­pla­nung so­wie der Be­wer­bungs­un­ter­la­gen die Per­so­nal­ver­tre­tung über ih­re Ab­sicht, den am 01. Ja­nu­ar 1970 ge­bo­re­nen und vor­her für die Fir­ma F täti­gen RE G zum 01. Fe­bru­ar 2008 ein­zu­stel­len. Sie führ­te aus, die­ser verfüge „u.a. über die all­ge­mei­ne Hoch­schul­rei­fe, ei­nen po­si­ti­ven DLR-Test, die not­wen­di­ge An­zahl an Jet-St­un­den, deut­sche AT­PL, flie­ge­ri­sche Taug­lich­keit nach Me­di­cal Klas­se 1, Dro­gen­scree­ning, ge­leis­te­ter Wehr- bzw. Zi­vil­dienst, Körper­größe von 1,84 m“. Die Per­so­nal­ver­tre­tung wi­der­sprach der Ein­stel­lung mit ei­nem der Ar­beit­ge­be­rin am 14. Ja­nu­ar 2008 zu­ge­gan­ge­nen Schrei­ben vom 10. Ja­nu­ar 2008 mit fol­gen­der Be­gründung:
-„ Herr G erfüllt nicht die im TV „Ka­pa­zitätserhöhung 2007/2008“ ge­re­gel­ten Vor­aus­set­zun­gen für die Ein­stel­lung.
- Die Vor­la­ge zur Ein­stel­lung er­folg­te vor Be­wer­bungs­schluss zum ge­nann­ten Grund­kurs (§ 10 Abs. 3 TV WeFö Nr.3). Die­ser ist am 15.01.2008. So­mit steht noch nicht fest, ob der Lehr­gang vor­ran­gig mit Be­wer­bern gemäß TV WeFö zu be­set­zen ist.“
Dar­auf lei­te­te die Ar­beit­ge­be­rin das vor­lie­gen­de Zu­stim­mungs­er­set­zungs­ver­fah­ren ein. We­gen des vollständi­gen In­halts der vor­ge­richt­li­chen Kor­re­spon­denz der Be­tei­lig­ten wird auf die An­la­gen A 2 bis A 3 zur An­trags­schrift (Bl. 19 - 28 d.A.) Be­zug ge­nom­men.
Die Ar­beit­ge­be­rin hat an ih­rer An­sicht fest­ge­hal­ten, dass die Al­ters­gren­ze von § 4 I Satz 2 TV Aus­wahl­richt­li­ni­en auf­grund ih­rer al­ters­dis­kri­mi­nie­ren­den Wir­kung un­wirk­sam sei. Das In­ter­es­se an ei­ner Amor­ti­sie­rung von Aus­bil­dungs­kos­ten recht­fer­ti­ge die Gren­ze an­ge­sichts des Um­stands nicht, dass bei der Über­nah­me der be­reits fer­tig aus­ge­bil­de­ten RE nur ge­rin­ge Kos­ten für die Ein­wei­sung und das Ty­pe Ra­ting an­fal­len. Ent­spre­chen­des gel­te für die ta­rif­ver­trag­li­che Über­g­angs­ver­sor­gung der RE, da die­se ei­ne zehnjähri­ge Min­dest­beschäfti­gung vor­aus­set­ze. Die Ab­sol­vie­rung des DLR-Tests gewähr­leis­te die In­te­gra­ti­on der Pi­lo­ten in die kon­zern­spe­zi­fi­schen Ar­beits­abläufe. Zu­dem ähnel­ten sich die Abläufe vie­ler Flug­ge­sell­schaf­ten zu­neh­mend.
Die Ar­beit­ge­be­rin hat, so­weit für das Be­schwer­de­ver­fah­ren noch von In­ter­es­se, be­an­tragt, die Zu­stim­mung der An­trags­geg­ne­rin zur Ein­stel­lung des Herrn G als Co­pi­lot auf dem Flug­zeug­mus­ter MD 11 ab 01. Fe­bru­ar 2008 (Ground Cour­se - Be­ginn 03. März 2008) zu er­set­zen.
Die Per­so­nal­ver­tre­tung hat zur Be­gründung ih­res Zurück­wei­sungs­an­trags die An­sicht ver­tre­ten, ihr Wi­der­spruch ge­gen die Ein­stel­lung von Herrn G sei gemäß § 64 Abs. 2 Nr. 1 TV PV GCS auf­grund der Ver­let­zung der Al­ters­gren­ze von § 4 I Satz 2 TV Aus­wahl­richt­li­ni­en be­gründet. Die durch die Ta­rif­norm aus­gelöste Be­nach­tei­li­gung älte­rer Be­wer­ber sei durch ein le­gi­ti­mes Ziel im Sin­ne von § 10 AGG ge­recht­fer­tigt und an­ge­mes­sen. In kon­zern­frem­den Un­ter­neh­men aus­ge­bil­de­te Pi­lo­ten könn­ten sich mit zu­neh­men­dem Al­ter schwie­ri­ger auf die kon­zern­spe­zi­fi­schen Ar­beits­abläufe im Cock­pit ein­stel­len. Ge­ra­de in den be­son­ders si­cher­heits­re­le­van­ten Kri­sen­si­tua­tio­nen und bei rou­ti­nemäßigen Vor­be­rei­tungs­hand­lun­gen müsse die Ga­ran­tie be­ste­hen, dass sich die Pi­lo­ten an die Ver­fah­rens­wei­sen der Ar­beit­ge­be­rin und nicht an die ih­res frühe­ren Ar­beit­ge­bers hal­ten. Bei Pi­lo­ten, die be­reits lan­ge Zeit nach an­de­ren Ar­beits­abläufen ge­ar­bei­tet ha­ben, be­ste­he die Ge­fahr ei­nes Rück­falls in früher ge­lern­te Mus­ter, was ge­ra­de in Si­tua­tio­nen, die ei­ne schnel­le Ab­stim­mung zwi­schen bei­den Pi­lo­ten er­for­dern, Si­cher­heits­ri­si­ken auslöse. Die Al­ters­gren­ze wir­ke den Ge­fah­ren ei­ner der­ar­ti­gen „Ver­bil­dung“ ent­ge­gen. Sie knüpfe da­mit nur in zwei­ter Li­nie an das Al­ter der Pi­lo­ten an. Der DLR-Test ga­ran­tie­re le­dig­lich die all­ge­mei­ne flug­phy­sio­lo­gi­sche Eig­nung der Pi­lo­ten und de­ren In­te­gra­ti­onsfähig­keit in die Fir­men­kul­tur, be­sa­ge aber nichts über die Ge­fahr des Rück­falls in früher an­ge­lern­te Ver­fah­rens­mus­ter in Kri­sen­si­tua­tio­nen. Die Re­ge­lung sei zu­dem durch das In­ter­es­se der Kon­zern­un­ter­neh­men, un­an­ge­mes­sen ho­he Leis­tun­gen für die Über­g­angs­ver­sor­gung der Pi­lo­ten so­wie im Fall von de­ren Flug­dienst­un­taug­lich­keit zu ver­mei­den, ge­recht­fer­tigt. Ein an­de­res Mit­tel zur Er­rei­chung die­ser Zie­le ge­be es nicht. Es sei über­dies ein un­zulässi­ges wi­dersprüchli­ches Ver­hal­ten, wenn die Ar­beit­ge­be­rin sich kurz nach dem Ab­schluss des TV Aus­wahl­richt­li­ni­en auf die Un­wirk­sam­keit der Al­ters­gren­ze be­ru­fe.
We­gen des wei­te­ren erst­in­stanz­li­chen Sach- und Streit­stands wird auf den tat­be­stand­li­chen Teil des an­ge­foch­te­nen Be­schlus­ses (Bl. 155 - 162 d.A.) und auf die mit die­sem in Be­zug ge­nom­me­nen Ak­ten­tei­le ver­wie­sen. Das Ar­beits­ge­richt hat nach dem An­trag der
Ar­beit­ge­be­rin er­kannt und zur Be­gründung - kurz zu­sam­men­ge­fasst - aus­geführt, der Wi­der­spruch der Per­so­nal­ver­tre­tung sei nicht be­gründet. Die Ar­beit­ge­be­rin ha­be die Per­so­nal­ver­tre­tung ord­nungs­gemäß im Sin­ne von § 64 TV PV GCS über die Ein­stel­lung un­ter­rich­tet. Dies gel­te trotz der zum Zeit­punkt der Un­ter­rich­tung noch nicht ab­ge­lau­fe­nen Be­wer­bungs­frist, da zu die­sem Zeit­punkt fest­ge­stan­den ha­be, dass es für den zu be­set­zen­den Kurs kei­ne wei­te­ren Be­wer­ber, ins­be­son­de­re auch kei­ne wei­te­ren in­ter­nen, ge­ben wer­de. Zu­dem hätten even­tu­el­le wei­te­re Be­wer­ber die Möglich­keit ge­habt, eben­falls noch in den Kurs auf­ge­nom­men zu wer­den. Der Wi­der­spruch ge­gen die Ein­stel­lung von Herrn G sei nicht gemäß § 64 Abs. 2 Nr. 1, 2 TV PV GCS be­gründet, da die Al­ters­gren­ze von § 4 I TV Aus­wahl­richt­li­ni­en und die ent­spre­chen­de gemäß der BV ge­gen §§ 1, 7 Abs. 1 AGG ver­stießen und des­halb nach § 7 Abs. 2 AGG un­wirk­sam sei­en. Die durch die Al­ters­gren­ze be­wirk­te Be­nach­tei­li­gung älte­rer Be­wer­ber sei nicht durch § 10 AGG ge­recht­fer­tigt. Es sei nicht er­kenn­bar, dass mit der Al­ters­gren­ze Zie­le des all­ge­mei­nen Wohls im Sin­ne von § 10 Satz 3 Nr. 3 AGG ver­folgt würden. Die Per­so­nal­ver­tre­tung ha­be ein erhöhtes Ri­si­ko für die Flug­si­cher­heit in Zu­sam­men­hang mit in höhe­rem Al­ter ein­ge­stell­ten Pi­lo­ten nicht kon­kret dar­ge­legt. Ei­ner sol­chen An­nah­me ste­he auch der nach der Voll­endung des 33. bzw. 38. Le­bens­jah­res übli­che Wech­sel zwi­schen ver­schie­de­nen Flug­zeug­mus­tern ent­ge­gen, die auf­grund un­ter­schied­li­cher tech­ni­scher Aus­stat­tung eben­falls un­ter­schied­li­che Ver­fah­rens­wei­sen und Rou­ti­nen ver­lang­ten. Zu­min­dest sei die Fest­le­gung ei­ner Höchst­al­ters­gren­ze un­verhält­nismäßig, da mil­de­re Mit­tel zur Gewähr­leis­tung der Flug­si­cher­heit zur Verfügung stünden. Auch lägen kei­ne die Al­ters­gren­ze recht­fer­ti­gen­den wirt­schaft­li­chen In­ter­es­sen hin­sicht­lich der Über­g­angs­ver­sor­gung und der Aus­bil­dungs­kos­ten vor. We­gen der vollständi­gen für das Be­schwer­de­ver­fah­ren re­le­van­ten Be­gründung wird auf die Ausführun­gen un­ter II 1, 2 des an­ge­foch­te­nen Be­schlus­ses (Bl. 162 - 172 d.A.) Be­zug ge­nom­men.
Die Per­so­nal­ver­tre­tung hat ge­gen den am 18. Ju­ni 2008 zu­ge­stell­ten Be­schluss am 15. Ju­li 2008 Be­schwer­de ein­ge­legt und die­se am 13. Au­gust 2008 be­gründet. Die Per­so­nal­ver­tre­tung ist der An­sicht, aus ih­rer Wi­der­spruchs­be­gründung ge­he an­ge­sichts der Ge­samt­umstände hin­rei­chend deut­lich her­vor, dass sie gemäß § 64 Abs. 2 Nr. 1, 2 TV PV GCS ei­ne Ver­let­zung der Ein­stel­lungs­gren­ze von 32 Jah­ren und 364 Ta­gen gel­tend ma­chen woll­te. Die Per­so­nal­ver­tre­tung hält an ih­rer An­sicht fest, dass die Al­ters­gren­ze wirk­sam sei, da die­se durch le­gi­ti­me Zie­le im Sin­ne von Art. 6 der Richt­li­nie 2000/78/EG und gemäß § 10 AGG ge­recht­fer­tigt wer­de und die Ta­rif­ver­trags­par­tei­en je­den­falls den ih­nen zu­ste­hen­den Be­ur­tei­lungs­spiel­raum nicht über­schrit­ten hätten. Sie die­ne der Gewähr­leis­tung der Flug­si­cher­heit. In kon­zern­frem­den Un­ter­neh­men aus­ge­bil­de­ten Pi­lo­ten
fal­le es mit zu­neh­men­dem Al­ter schwe­rer, sich von den zunächst er­lern­ten ab­wei­chen­de un­ter­neh­mens­spe­zi­fi­sche Ver­fah­ren ein­zu­prägen und Au­to­ma­tis­men zu ver­in­ner­li­chen, um nicht im Not­fall in al­te Ver­hal­tens­mus­ter zurück­zu­fal­len. Die Aus­wahl­richt­li­nie gewähr­leis­te da­her, dass der Ka­pitän und der Co­pi­lot im Cock­pit möglichst we­nig in­tel­lek­tu­el­le Ka­pa­zität für die Ein­stel­lung auf­ein­an­der auf­wen­den müss­ten. Da­durch ste­he ent­spre­chend mehr in­tel­lek­tu­el­le und zeit­li­che Ka­pa­zität für die Kri­sen­bewälti­gung zur Verfügung. Der Wech­sel zwi­schen Un­ter­neh­men sei mit ei­nem Mus­ter­wech­sel nicht ver­gleich­bar. Bei Letz­te­rem ge­he es nur um die Be­herr­schung des Cock­pits des je­wei­li­gen Mus­ters und der spe­zi­fi­schen Flug­zeug­ei­gen­schaf­ten, was sich oh­ne wei­te­res ler­nen und einüben las­se. Beim Un­ter­neh­mens­wech­sel sei da­ge­gen das Er­ler­nen der Kom­mu­ni­ka­ti­ons- und Ent­schei­dungs­pro­zes­se (das sog. „Crew-Res­sour­ce-Ma­nage­ment“, CRM) ins­be­son­de­re in Kri­sen­si­tua­tio­nen pro­ble­ma­tisch. Der DLR-Test sei kein ge­eig­ne­tes Mit­tel, um dies si­cher­zu­stel­len, da mit ihm die Lern- und Um­lernfähig­keit nicht ge­prüft wer­de. Zu­dem die­ne die Al­ters­gren­ze der Förde­rung ei­nes an­ge­mes­se­nen Al­ters­gefälles zwi­schen Ka­pitän und Co­pi­lot. Ein höhe­res Al­ter des Ka­pitäns ver­mit­te­le die­sem ei­ne natürli­che Au­to­rität und ver­rin­ge­re aus die­sem Grund die Not­wen­dig­keit, dass die­ser im Cock­pit sei­ne Sach- und Fach­kom­pe­tenz ge­genüber dem Co­pi­lo­ten be­wei­sen oder ver­tei­di­gen müsse. Auch wenn dies durch das öffent­lich­recht­li­che Luft­fahrt­recht nicht ge­bo­ten sei, er­for­de­re die Auf­recht­er­hal­tung ei­nes qua­li­ta­tiv hoch­ste­hen­den Flug­be­trie­bes wie dem der Ar­beit­ge­be­rin stren­ge­re An­for­de­run­gen wie die der Ein­stel­lungs­al­ters­gren­ze. Die Ver­mei­dung auch ge­ringfügi­ger Si­cher­heits­ri­si­ken sei ein le­gi­ti­mes Ziel. Zu des­sen Er­rei­chung be­ste­he kein an­de­res Mit­tel als die Al­ters­gren­ze.
We­gen des wei­te­ren zweit­in­stanz­li­chen Vor­trags der Per­so­nal­ver­tre­tung wird auf die Schriftsätze vom 11. Au­gust, 19. Au­gust und 04. De­zem­ber 2008 so­wie vom 13. Ja­nu­ar 2009 Be­zug ge­nom­men.
Die Per­so­nal­ver­tre­tung be­an­tragt,
den Be­schluss des Ar­beits­ge­richts Frank­furt am Main vom 30. April 2008 - 14 BV 36/08 - zum Teil ab­zuändern und den An­trag zu 1) zurück­zu­wei­sen.
Die Ar­beit­ge­be­rin ver­tei­digt zur Be­gründung ih­res Zurück­wei­sungs­an­trags die Würdi­gung des Ar­beits­ge­richts. Sie be­haup­tet, die von der Per­so­nal­ver­tre­tung gel­tend ge­mach­ten Si­cher­heits­be­den­ken ge­genüber der Ein­stel­lung älte­rer Be­wer­ber ent­behr­ten
ei­ner Grund­la­ge. Maßnah­men zur Gewähr­leis­tung der Si­cher­heit des Flug­ver­kehrs stünden un­ter Berück­sich­ti­gung von § 29 Luft­Ver­kG aus­sch­ließlich dem Luft­fahrt­bun­des­amt zu. Auch der noch in höhe­rem Al­ter zulässi­ge Mus­ter­wech­sel er­for­de­re das Er-ler­nen neu­er Rou­ti­nen und Pro­ze­du­ren. RE könn­ten je­den­falls vor der Voll­endung ih­res vier­zigs­ten Le­bens­jah­res die kon­zern­spe­zi­fi­schen Abläufe pro­blem­los er­ler­nen. Im Aus­wahl­pro­zess wer­de der An­pas­sungsfähig­keit der Be­wer­ber be­son­ders viel Raum ge­ge­ben. Dies gel­te ge­ra­de für die Ab­ar­bei­tung von Rei­hen­fol­gen und das CRM. Al­ters­un­ter­schie­de hätten kei­nen zwin­gen­den Ein­fluss auf die Au­to­rität des Ka­pitäns ge­genüber dem Co­pi­lo­ten und da­mit auf die Hier­ar­chie im Cock­pit.
We­gen des wei­te­ren zweit­in­stanz­li­chen Vor­trags der Ar­beit­ge­be­rin wird auf den Schrift­satz vom 12. Sep­tem­ber 2008 Be­zug ge­nom­men.
Die Kam­mer hat Auskünf­te der VC und der AVH über die Mo­ti­ve der Über­nah­me der Al­ters­gren­ze von 32 Jah­ren und 364 Ta­gen für RE in § 4 I Satz 2 TV Aus­wahl­richt­li­ni­en ein­ge­holt. We­gen de­ren In­halt wird auf die Stel­lung­nah­men vom 16. und 25. Fe­bru­ar 2009 (Bl. 250 - 252 d.A.) Be­zug ge­nom­men.
Die Be­schwer­de ist nicht be­gründet. Das Ar­beits­ge­richt hat die Zu­stim­mung der Per­so­nal­ver­tre­tung zur Ein­stel­lung von Herrn G zu Recht gemäß § 64 Abs. 4 TV PV GCS er­setzt.
Der An­trag ist zulässig. Die Ar­beit­ge­be­rin hat ins­be­son­de­re ein Rechts­schutz­in­ter­es­se.
Das Rechts­schutz­in­ter­es­se für ei­nen pro­zes­sua­len An­trag kann dann feh­len, wenn das Rechts­schutz­ziel der an­trag­stel­len­den Par­tei auf ei­nem ein­fa­che­ren und bil­li­ge­ren Weg er­reicht wer­den kann (vgl. et­wa BAG 19. Fe­bru­ar 2008 - 1 ABR 65/05 - AP ArbGG 1979 § 83 a Nr. 11, zu B II 1; BGH 28. März 1996 - IV ZR 77/95 - LM KO § 12 Nr. 3, zu I 4 a). Dies ist hier nicht der Fall. Die Anhängig­ma­chung ei­nes Zu­stim­mungs­er­set­zungs­an-
trags nach § 64 Abs. 4 TV PV GCS ist die für den Fall des Wi­der­spruchs der Per­so­nal­ver­tre­tung ge­gen ei­ne per­so­nel­le Ein­zel­maßnah­me vor­ge­se­he­ne Vor­ge­hens­wei­se. Ei­ne Al­ter­na­ti­ve zu die­ser be­steht nicht. Das in § 5 TV Aus­wahl­richt­li­ni­en ge­re­gel­te Ei­ni­gungs­stel­len­ver­fah­ren be­trifft nicht die Ein­stel­lung von RE, son­dern nur Per­so­nal­be­darf, der mit NFF und RE-Be­wer­bern nicht zu de­cken ist. Herr G ist je­doch RE. Er erfüllt un­strei­tig die RE-De­fi­ni­ti­on von § 1 III TV Aus­wahl­richt­li­ni­en, da er ein Flug­zeugführer mit Li­zenz ist. Die Erfüllung der Al­ters­gren­ze von § 4 I Satz 2 TV Aus­wahl­richt­li­ni­en soll nach der ta­rif­ver­trag­li­chen De­fi­ni­ti­on nicht Vor­aus­set­zung für die Ei­gen­schaft als RE sein, son­dern Vor­aus­set­zung für die Ein­stel­lung von RE.
Der An­trag ist auch be­gründet.
1. Die Per­so­nal­ver­tre­tung hat die Fest­stel­lung des Ar­beits­ge­richts, dass sie von der Ar­beit­ge­be­rin über die Ein­stel­lung den ta­rif­li­chen Vor­ga­ben von § 64 Abs. 1 Satz 1 - 3 TV PV GCS ent­spre­chend un­ter­rich­tet wor­den ist, nicht an­ge­grif­fen. Der vor­ge­tra­ge­ne Sach­ver­halt bie­tet kei­nen An­lass zu ge­gen­tei­li­gen Fest­stel­lun­gen. Viel­mehr wur­de die Per­so­nal­ver­tre­tung mit dem Schrei­ben vom 08. Ja­nu­ar 2008 und den bei­gefügten Un­ter­la­gen um­fas­send über die Maßnah­me un­ter­rich­tet. Der Nicht­ab­lauf der bis 15. Ja­nu­ar 2008 lau­fen­den Be­wer­bungs­frist be­gründet schon des­halb kei­nen Man­gel der Anhörung, weil es un­strei­tig bis zum Ab­lauf der Be­wer­bungs­frist kei­ne wei­te­ren Be­wer­ber gab.
2. Die Per­so­nal­ver­tre­tung hat ih­re Zu­stim­mung zu der Ein­stel­lung gemäß § 64 Abs. 3 Satz 1 TV PV GCS in­ner­halb ei­ner Wo­che schrift­lich un­ter hin­rei­chen­der An­ga­be von Gründen ver­wei­gert. Die Frist wahr­te die Per­so­nal­ver­tre­tung mit ih­rem Schrei­ben vom 10. Ja­nu­ar 2008 un­strei­tig. Auch die Be­gründung des Wi­der­spruchs genügt den ta­rif­li­chen An­for­de­run­gen. Nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts zu der par­al­le­len Norm von § 99 Abs. 3 Satz 1 Be­trVG, der § 64 Abs. 3 Satz 1 TV PV GCS nach­ge­bil­det wur­de, muss ei­ne Wi­der­spruchs­be­gründung nicht schlüssig sein. Sie muss le­dig­lich die Prüfung ermögli­chen, ob ei­ner der ge­setz­li­chen bzw. hier der ta­rif­li­chen Wi­der­spruchs­gründe gel­tend ge­macht wird. Un­be­acht­lich ist le­dig­lich ei­ne Be­gründung, die of­fen­sicht­lich auf kei­nen der Wi­der­spruchs­gründe Be­zug nimmt (vgl. et­wa BAG 18. Ja­nu­ar 1994 - 1 ABR 42/93 - BA­GE 75/253, zu B II 1; 26. Ok­to­ber 2004 - 1 ABR 45/03 - AP Be­trVG 1972 § 99 Ver­set­zung Nr. 41, zu B I 2).
Mit ih­rer Rüge, Herr G erfülle nicht die im TV Aus­wahl­richt­li­ni­en ge­re­gel­ten Ein­stel­lungs­vor­aus­set­zun­gen, nahm die Per­so­nal­ver­tre­tung deut­lich er­kenn­bar auf den Wi­der­spruchs­grund von § 64 Abs. 2 Nr. 1 TV PV GCS Be­zug. Nicht aus­drück­lich klar­ge­stellt wur­de al­ler­dings, das Feh­len wel­cher der zahl­rei­chen ta­rif­li­chen Ein­stel­lungs­vor­aus­set­zun­gen gel­tend ge­macht wer­den soll­te. Dies wur­de je­doch aus den Umständen hin­rei­chend deut­lich. Der Wi­der­spruch ei­ner Ar­beit­neh­mer­ver­tre­tung ge­gen ei­ne vom Ar­beit­ge­ber vor­ge­se­he­ne per­so­nel­le Ein­zel­maßnah­me ist ei­ne rechts­geschäftsähn­li­che Hand­lung (BAG 11. Ju­ni 2002 - 1 ABR 43/01 - BA­GE 101/298, zu B IV 1 b). Da­her ist er nach den Grundsätzen von § 133 BGB aus­zu­le­gen (LAG Düssel­dorf 01. Fe­bru­ar 2002 - 10 Sa 1628/01 - LA­GE BGB § 620 Per­so­nal­rat Nr. 6, zu I 2), was be­deu­tet, dass über den Wort­laut der Erklärung hin­aus bei der Aus­le­gung von de­ren Be­deu­tung die für den Ar­beit­ge­ber als Erklärungs­empfänger nach des­sen Ho­ri­zont er­kenn­ba­ren Ge­samt­umstände zu berück­sich­ti­gen sind (vgl. et­wa BAG 14. Ju­li 2005 - 8 AZR 392/02 - AP BGB § 611 Ru­hen des Ar­beits­verhält­nis­ses Nr. 4, zu II 2 a; 12. Sep­tem­ber 2006 - 9 AZR 686/05 - AP Tz­B­fG § 8 Nr. 17, zu B II 3 d aa).
Auf­grund der vor­aus­ge­gan­ge­nen Gespräche der Be­tei­lig­ten war für die Ar­beit­ge­be­rin klar, dass die Per­so­nal­ver­tre­tung die Über­schrei­tung des Ein­stel­lungshöchst­al­ters gemäß § 4 I Satz 2 TV Aus­wahl­richt­li­ni­en rügen woll­te. Die Be­tei­lig­ten hat­ten be­reits vor dem Herrn G be­tref­fen­den Ein­stel­lungs­ver­fah­ren über die Wirk­sam­keit die­ser Al­ters-gren­ze und über die Ab­sicht der Ar­beit­ge­be­rin dis­ku­tiert, eben­falls älte­re RE ein­stel­len zu wol­len. In die­sem Zu­sam­men­hang hat­te die Per­so­nal­ver­tre­tung be­reits an­gekündigt, vor­aus­sicht­lich ent­spre­chen­den Ein­stel­lun­gen aus die­sem Grund wi­der­spre­chen zu wol­len. Wei­ter zähl­te die Ar­beit­ge­be­rin in ih­rem Un­ter­rich­tungs­schrei­ben vom 08. Ja­nu­ar 2008 im Ein­zel­nen auf, wel­che Ein­stel­lungs­vor­aus­set­zun­gen Herr G erfüll­te. Als ein­zi­ges Kri­te­ri­um un­erwähnt ließ sie das die Höchst­al­ters­gren­ze über­stei­gen­de Le­bens­al­ter von Herrn G. Be­reits nach die­ser Un­ter­rich­tung kam als Wi­der­spruchs­grund da­her nur die Über­schrei­tung der Al­ters­gren­ze in Be­tracht. Dass für die Ar­beit­ge­be­rin un­zwei­fel­haft fest­stand, dass die Per­so­nal­ver­tre­tung den Wi­der­spruch auf die Ver­let­zung die­ser Gren­ze stützen woll­te, hat sie im vor­lie­gen­den Ver­fah­ren auch nicht be­strit­ten. Dies wird zusätz­lich durch den Um­stand be­legt, dass die Ar­beit­ge­be­rin sich be­reits in der An­trags­schrift des vor­lie­gen­den Ver­fah­rens mit die­sem Wi­der­spruchs­grund aus­ein­an­der­setz­te, und zwar als aus­sch­ließli­chem Wi­der­spruchs­grund. Die Ziel­rich­tung des Wi­der­spruchs wur­de da­her hin­rei­chend deut­lich.
Hin­zu kommt, dass die Per­so­nal­ver­tre­tung in ih­rem Wi­der­spruchs­schrei­ben zusätz­lich rügte, dass die Be­wer­bungs­frist noch nicht ab­ge­lau­fen sei. Da­mit mach­te sie er­kenn­bar auch ei­ne mögli­che Be­nach­tei­li­gung an­de­rer Ar­beit­neh­mer im Sin­ne von § 64 Abs. 2 Nr. 3 TV PV GCS gel­tend.
3. Der Wi­der­spruch (be­rich­tigt gem. Be­schluss v. 29.06.2009) der Per­so­nal­ver­tre­tung ist nach § 64 Abs. 4 TV PV GCS zu er­set­zen, da der Wi­der­spruch ge­gen die Ein­stel­lung von Herrn G nicht gemäß § 64 Abs. 2 TV PV GCS be­gründet war.
a) Die Ein­stel­lung be­gründet nicht die Be­sorg­nis ei­ner un­ge­recht­fer­tig­ten Be­nach­tei­li­gung an­de­rer Ar­beit­neh­mer gemäß § 64 Abs. 2 Nr. 3 TV PV GCS. Die Per­so­nal­ver­tre­tung ist der Fest­stel­lung des Ar­beits­ge­richts nicht ent­ge­gen­ge­tre­ten, dass es be­reits bei der Ein­lei­tung des Be­tei­li­gungs­ver­fah­rens fest­ge­stan­den ha­be, dass es kei­ne wei­te­ren in­ter­nen Be­wer­bun­gen ge­ben wer­de, und dass even­tu­el­le zusätz­li­che Be­wer­ber über­dies eben­falls an dem aus­ge­schrie­be­nen Grund­kurs hätten teil­neh­men können. Da­mit be­stand kei­ne Be­nach­tei­li­gungs­ge­fahr im Sin­ne von § 64 Abs. 2 Nr. 3 TV PV GCS.
b) Die Ein­stel­lung be­gründet auch kein Wi­der­spruchs­recht nach § 64 Abs. 2 Nr. 1 TV PV GCS. Zwar verfügte Herr G bei sei­ner Ein­stel­lung nicht über das mit § 4 I Satz 2 TV Aus­wahl­richt­li­ni­en ge­for­der­te Höchst­al­ter von 32 Jah­ren und 364 Ta­gen. Das Ar­beits­ge­richt hat je­doch zu­tref­fend er­kannt, dass die­se Al­ters­gren­ze ge­gen §§ 1, 7 Abs. 1 AGG verstößt und aus die­sem Grund nach § 7 Abs. 2 AGG un­wirk­sam ist.
aa) Gemäß §§ 1, 7 Abs. 1 AGG dürfen Beschäftig­te nicht we­gen ih­res Al­ters be­nach­tei­ligt wer­den. Dies gilt nach § 2 Abs. 1 Nr. 1 AGG u.a. auch für den Zu-gang zu ei­ner un­selbständi­gen Er­werbstätig­keit. Zu den Beschäftig­ten im Sin­ne die­ser Nor­men zählen ins­be­son­de­re Ar­beit­neh­mer (§ 6 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 AGG) ein­sch­ließlich der Be­wer­ber für ein Ar­beits­verhält­nis (§ 6 Abs. 1 Satz 2 AGG). Die­ses Be­nach­tei­li­gungs­ver­bot ver­let­zen­de Be­stim­mun­gen sind nach § 7 Abs. 2 AGG un­wirk­sam. Die­se Norm er­fasst auch Ta­rif­verträge (Ha­Ko-AGG-Däubler 2. Aufl. § 7 Rn 2 b; Schleu­se­ner in Schleu­se­ner/Suckow/Voigt AGG 2. Aufl., § 7 Rn 43; Ha­Ko-ArbR-Berg § 7 AGG Rn 16; ErfK-Schlach­ter 9. Aufl. § 7 AGG Rn 3). Ei­ne un­mit­tel­ba­re Be­nach­tei­li­gung in die­sem Sin­ne liegt vor, wenn ei­ne Per­son we­gen ei­nes in § 1 AGG ge­nann­ten Grun­des we­ni­ger güns­tig be­han­delt wird als ei­ne an­de­re Per­son in ei­ner ver­gleich­ba­ren Si­tua­ti­on (§ 3 Abs. 1 Satz 1 AGG). Da­nach be­wirkt die Al­ters­gren­ze von § 4 I Satz 2 TV Aus­wahl-
richt­li­ni­en ei­ne un­mit­tel­ba­re Be­nach­tei­li­gung der die Al­ters­gren­ze über­schrei­ten­den Be­wer­ber. Ih­nen wird im Ge­gen­satz zu jünge­ren Be­wer­bern in an­sons­ten ent­spre­chen­der Si­tua­ti­on der Zu­gang zu ei­nem Beschäfti­gungs­verhält­nis ver­wehrt.
bb) Die an das Al­ter der Be­wer­ber an­knüpfen­de un­ter­schied­li­che Be­hand­lung ist auch nicht nach § 8 oder § 10 AGG ge­recht­fer­tigt.
Gemäß § 8 Abs. 1 AGG ist ei­ne un­ter­schied­li­che Be­hand­lung we­gen ei­nes in § 1 AGG ge­nann­ten Grun­des zulässig, wenn die­ser Grund we­gen der Art der aus­zuüben­den Tätig­keit oder der Be­din­gun­gen ih­rer Ausübung ei­ne we­sent­li­che und ent­schei­den­de be­ruf­li­che An­for­de­rung dar­stellt, so­fern der Zweck rechtmäßig und die An­for­de­rung an­ge­mes­sen ist. Darüber hin­aus ist nach § 10 Satz 1 AGG ei­ne un­ter­schied­li­che Be­hand­lung we­gen des Al­ters auch dann zulässig, wenn sie ob­jek­tiv und an­ge­mes­sen und durch ein rechtmäßiges Ziel ge­recht­fer­tigt ist. Dies kann gemäß § 10 Satz 3 Nr. 3 AGG ins­be­son­de­re für die Fest­set­zung ei­nes Höchst­al­ters für die Ein­stel­lung auf­grund der spe­zi­fi­schen Aus­bil­dungs­an­for­de­run­gen ei­nes be­stimm­ten Ar­beits­plat­zes oder we­gen der Not­wen­dig­keit ei­ner an­ge­mes­se­nen Beschäfti­gungs­zeit vor dem Ein­tritt in den Ru­he­stand der Fall sein. Die Mit­tel zur Er­rei­chung des rechtmäßigen Zie­les müssen je­doch an­ge­mes­sen und er­for­der­lich sein (§ 10 Satz 2 AGG). § 10 AGG be­wirkt da­mit für die un­ter­schied­li­che Be­hand­lung Beschäftig­ter we­gen ih­res Al­ters ei­ne spe­zi­fi­sche Ein­schränkung des all­ge­mei­nen Dis­kri­mi­nie­rungs­ver­bo­tes (vgl. Ha­Ko-AGG-Brors a. a. O. § 10 Rn 17; Voigt in Schleu­se­ner/Suckow/Voigt a. a. O. § 10 Rn 3; Ha­Ko-ArbR-Berg a. a. O. § 10 AGG Rn 1; ErfK-Schlach­ter a. a. O. § 10 AGG Rn 1; zu der § 10 AGG zu­grun­de lie­gen­den Re­ge­lung von Art. 6 der Richt­li­nie 2000/78/EG EuGH 05. März 2009 - C-388/07 - NZA 2009/305, Tz. 58 - 66).
Für ta­rif­ver­trag­li­che Re­ge­lun­gen, mit de­nen auf­grund ei­nes Merk­mals im Sin­ne von § 1 AGG dif­fe­ren­ziert wird, be­ste­hen ge­genüber den §§ 8, 10 AGG kei­ne Son­der­re­ge­lun­gen. Auch die mit dem AGG um­ge­setz­te Richt­li­nie 2000/78/EG sieht kei­ne er­wei­ter­ten Be­fug­nis­se für Ta­rif­ver­trags­par­tei­en oder an­de­re So­zi­al­part­ner vor. Ei­ne die Vor­ga­ben der Richt­li­nie berück­sich­ti­gen­de Aus­le­gung der §§ 8, 10 AGG führt da­her zu der Schluss­fol­ge­rung, dass die Ta­rif­ver­trags­par­tei­en je­den­falls nicht be­fugt sind, in Ta­rif-nor­men wei­ter­ge­hen­de Un­gleich­be­hand­lun­gen we­gen des Al­ters von Ar­beit­neh­mern vor­zu­se­hen als es der na­tio­na­le Ge­setz­ge­ber in ei­ge­nen Re­ge­lun­gen könn­te. Die­ser verfügt al­ler­dings über ei­nen wei­ten Wer­tungs­spiel­raum (EuGH 22. No­vem­ber 2005 - C-144/04 - EzA Tz­B­fG § 14 Nr. 21, Tz. 63; 16. Ok­to­ber 2007 - C-411/05 - EzA EG-
Ver­trag 1999 Richt­li­nie 2000/78 Nr. 3, Tz. 68). Des­sen Aus­nut­zung darf nach der Recht­spre­chung des EuGH je­doch nicht da­zu führen, dass das Ver­bot der Dis­kri­mi­nie­rung we­gen des Al­ters aus­gehöhlt wird. Art. 6 Abs. 1 der Richt­li­nie 2000/78/EG und dem­ent­spre­chend § 10 AGG er­legt dem Ur­he­ber ei­ner be­stimm­te Ar­beit­neh­mer we­gen ih­res Al­ters be­nach­tei­li­gen­den Re­ge­lung die Be­weis­last dafür auf, dass das zur Recht­fer­ti­gung an­geführ­te Ziel rechtmäßig ist, und stellt an die­sen Be­weis ho­he An­for­de­run­gen. Des­halb genügen all­ge­mei­ne Be­haup­tun­gen, ei­ne be­stimm­te Maßnah­me sei ge­eig­net, der Beschäfti­gungs­po­li­tik, dem Ar­beits­markt oder der be­ruf­li­chen Bil­dung zu die­nen, nicht zur Be­gründung, dass das Ziel der Maßnah­me ei­ne Aus­nah­me vom Ver­bot der Al­ters­dis­kri­mi­nie­rung recht­fer­tigt und zur Ver­wirk­li­chung des Ziels ge­eig­net ist (EuGH 05. März 2009 a. a. O., Tz. 51, 67). Ei­ne aus­drück­li­che Be­zeich­nung des mit der Re­ge­lung an­ge­streb­ten Ziels durch den Norm­ge­ber ist al­ler­dings nicht er­for­der­lich, so-fern sich aus dem Kon­text der Maßnah­me er­ge­ben­de An­halts­halts­punk­te die Fest­stel­lung des mit der Maßnah­me ver­folg­ten Zie­les ermögli­chen (EuGH 16. Ok­to­ber 2007 a. a. O., Tz. 55 - 57; 05. März 2009 a. a. O., Tz. 44, 45). Wei­ter ge­bie­tet der Gleich­be­hand­lungs­grund­satz, dass Aus­nah­men von dem Ver­bot der Dis­kri­mi­nie­rung we­gen des Al­ters so weit wie möglich mit die­sem Ver­bot in Ein­klang ge­bracht wer­den müssen (EuGH 22. No­vem­ber 2005 a. a. O., Tz. 65).
Nach die­sem Maßstab ist die Al­ters­gren­ze von § 4 I Satz 2 TV Aus­wahl­richt­li­ni­en we­der nach § 8 Abs. 1 noch nach § 10 AGG ge­recht­fer­tigt. Die von der Per­so­nal­ver­tre­tung und die in der Stel­lung­nah­me der VC vor­ge­tra­ge­nen Ge­sichts­punk­te recht­fer­ti­gen die Be­nach­tei­li­gung älte­rer Be­wer­ber nicht. Je­den­falls ver­letzt die Re­ge­lung den Grund­satz der Verhält­nismäßig­keit.
(1) We­der die Per­so­nal­ver­tre­tung noch die VC ha­ben plau­si­bel be­gründet,
aus wel­chen wirt­schaft­li­chen Gründen die Al­ters­gren­ze im In­ter­es­se ei­ner an­ge­mes­se­nen Beschäfti­gungs­dau­er vor dem Ru­he­stand im Sin­ne von § 10 Satz 3 Nr. 3 AGG not­wen­dig sein soll. Die ent­spre­chen­den Ausführun­gen erschöpfen sich in pau­scha­len Be­haup­tun­gen, die zur Be­gründung ei­ner Not­wen­dig­keit der Al­ters­gren­ze nach der zi­tier­ten Recht­spre­chung des EuGH nicht ge­eig­net sind. Die VC geht zu­dem selbst da­von aus, dass ei­ne Tätig­keit im Kon­zern von min­des­tens zwan­zig Jah­ren sach­ge­recht sei, um „die Min­dest­pro­duk­ti­vitätser­war­tun­gen für die Co­pi­lo­ten- und Ka­pitäns­zei­ten zu erfüllen“. An­ge­sichts der im Kon­zern für den Ein­tritt der Pi­lo­ten in den Ru­he­stand gel­ten­den Al­ters­gren­zen von 55 und 60 Jah­ren wäre die Al­ters­gren­ze von 32 Jah­ren und 364 Ta­gen da­mit selbst dann nicht er­for­der­lich, wenn die Erwägun­gen der VC in der Sa­che
zu­tref­fen soll­ten und ei­ne Min­dest­beschäfti­gungs­zeit von zwan­zig Jah­ren ge­recht­fer­tigt sein soll­te.
Hin­zu kommt, dass die ge­nann­ten wirt­schaft­li­chen Ge­sichts­punk­te je­den­falls die Dif­fe­ren­zie­rung zwi­schen den § 4 I Satz 2 TV Aus­wahl­richt­li­ni­en un­ter­fal­len­den RE und den RE, für die die höhe­re in den Ergänzungs­ver­ein­ba­run­gen Nr. 1 und 2 vor­ge­se­he­ne Al­ters­gren­ze von 37 Jah­ren und 364 Ta­gen gilt, nicht recht­fer­ti­gen können, da die wirt­schaft­li­che Be­las­tung der Kon­zern­un­ter­neh­men durch den Er­werb der Mus­ter­be­rech­ti­gung, die Über­g­angs­ver­sor­gung und die Ab­si­che­rung der Pi­lo­ten ge­gen Flug­dienst­un­taug­lich­keit bei bei­den Per­so­nen­grup­pen iden­tisch ist. Auch die den Ergänzungs­ver­ein­ba­run­gen un­ter­fal­len­den RE wech­seln aus kon­zern­frem­den Un­ter­neh­men zu ei­nem Kon­zern­un­ter­neh­men und sind da­her für Letz­te­re eben­falls erst nach dem Wech­sel pro­duk­tiv tätig. Wenn dies für Letz­te­re nach den Vor­stel­lun­gen der Ta­rif­ver­trags­par­tei­en je­den­falls vor der Voll­endung ih­res 38. Le­bens­jah­res wirt­schaft­lich zu­mut­bar ist, kann die Zu­mut­bar­keit an­ge­sichts der prak­tisch iden­ti­schen Sach­la­ge je­den­falls un­ter wirt­schaft­li­chen Ge­sichts­punk­ten für an­de­re RE nicht an­ders be­ur­teilt wer­den.
(2) Hin­sicht­lich des nach An­sicht der Per­so­nal­ver­tre­tung zur Gewähr­leis­tung ei­nes an­ge­mes­se­nen „Hier­ar­chie­gefälles“ auf­grund ei­ner al­ters­be­ding­ten erhöhten Au­to­rität des Ka­pitäns ge­genüber dem Co­pi­lo­ten an­zu­stre­ben­den höhe­ren Al­ters der Ka­pitäne gel­ten ent­spre­chen­de Erwägun­gen. Der für die Förde­rung der Pi­lo­ten der Kon­zern­un­ter­neh­men zum Ka­pitän maßgeb­li­che Ta­rif­ver­trag über Wech­sel und Förde­rung Nr. 3 vom 18. De­zem­ber 2006 (nach­fol­gend TV WeFö) stellt mit sei­nen § 1 ff. auf die Se­nio­rität ab, d.h. auf die Dau­er der Beschäfti­gung der Pi­lo­ten im Kon­zern. Ei­ne Tätig­keit bei den in den Ergänzungs­ver­ein­ba­run­gen Nr. 1 und 2 ge­nann­ten Flug­ge­sell­schaf­ten ist - mit we­ni­gen die CIB und die GWI be­tref­fen­den Aus­nah­men in § 7 a TV WeFö - nicht se­nio­ritäts­re­le­vant. Da­her fehlt auch hin­sicht­lich des Ge­sichts­punkts „Hier­ar­chie­gefälle“ zwi­schen den den Ergänzungs­ver­ein­ba­run­gen Nr. 1 und 2 un­ter­fal­len­den RE und den übri­gen RE ein die un­ter­schied­li­chen Al­ters­gren­zen recht­fer­ti­gen­der Sach­grund. Wenn de­ren Ein­stel­lung je­den­falls bis vor der Voll­endung ih­res 38. Le­bens­jah­res in Hin­blick auf die Ka­pitäns­wer­dung un­be­denk­lich ist, muss dies glei­cher­maßen für an­de­re RE gel­ten, de­ren Vor­beschäfti­gung eben­falls nicht se­nio­ritäts­re­le­vant ist.
(3) Da das Al­ter der Pi­lo­ten für ih­re Se­nio­rität - mit der zu ver­nachlässi­gen­den Aus­nah­me am sel­ben Tag ein­ge­stell­ter Pi­lo­ten gemäß § 3 Abs. 1 TV WeFö - un­er­heb­lich ist, be­steht auch nicht die Ge­fahr, dass jünge­re im Kon­zern aus­ge­bil­de­te
Pi­lo­ten im Rah­men der Förde­rung zum Ka­pitän ge­genüber älte­ren RE be­nach­tei­ligt wer­den könn­ten.
(4) Wei­ter recht­fer­ti­gen die von der Per­so­nal­ver­tre­tung un­ter dem Schlag­wort „Ver­bil­dung“ an­geführ­ten Ge­sichts­punk­te der Flug­si­cher­heit die Al­ters­gren­ze nicht. In­so­weit ist be­reits nicht kon­kret fest­stell­bar, dass die Aus­bil­dung ei­nes Pi­lo­ten in kon­zern­frem­den Luft­fahrt­un­ter­neh­men im Fall sei­ner Ein­stel­lung nach dem Über­schrei­ten ei­ner be­stimm­ten Al­ters­gren­ze tatsächlich ernst­haf­te Ge­fah­ren für die Flug­si­cher­heit auslöst. Em­pi­ri­sche Er­kennt­nis­se zu die­ser Fra­ge gibt es nach den Stel­lung­nah­men der Ta­rif­ver­trags­par­tei­en nicht. Auch die Per­so­nal­ver­tre­tung ver­moch­te in­so­weit nichts Ge­gen­tei­li­ges vor­zu­tra­gen. Der Um­stand, dass der­ar­ti­ge Al­ters­gren­zen für den Wech­sel von Pi­lo­ten zwi­schen ver­schie­de­nen Luft­ver­kehrs­ge­sell­schaf­ten im na­tio­na­len und in­ter­na­tio­na­len Luft­ver­kehrs­recht nicht vor­ge­se­hen sind und von an­de­ren großen in­ter­na­tio­na­len Flug­ge­sell­schaf­ten wie der B und der C nicht prak­ti­ziert wer­den, spricht eher da­ge­gen, dass es sich um ein ernst­haf­tes si­cher­heits­re­le­van­tes Pro­blem han­deln kann, das sich et­wa von dem auch in höhe­rem Al­ter un­be­schränkt zulässi­gen Wech­sel zwi­schen ver­schie­de­nen Flug­zeug­mus­tern und den für de­ren Führung zu be­herr­schen­den Hand­lungs­mus­tern grund­le­gend un­ter­schei­det. Der Vor­trag der Per­so­nal­ver­tre­tung und die ent­spre­chen­den Dar­le­gun­gen der VC er­schei­nen da­her nur als all­ge­mei­ne, nicht er­kenn­bar fun­dier­te Be­haup­tung, die zur Recht­fer­ti­gung der Be­nach­tei­li­gung älte­rer Be­wer­ber oh­ne wei­te­res nicht ge­eig­net ist. Dies gilt um­so mehr auch für die kon­kre­te Fest­le­gung der Gren­ze auf das re­la­tiv nied­ri­ge Al­ter von 33 Jah­ren.
Auch wenn je­doch un­ter­stellt wird, dass der „Ver­bil­dungs­ef­fekt“ tatsächlich be­steht und spürba­re Aus­wir­kun­gen auf die Flug­si­cher­heit ha­ben kann, dis­kri­mi­niert die Al­ters­gren­ze auf un­zulässi­ge Wei­se, da sie je­den­falls un­verhält­nismäßig und da­her we­der an­ge­mes­sen im Sin­ne von § 8 Abs. 1 AGG noch verhält­nismäßig gemäß § 10 Satz 2 AGG ist. Sie knüpft be­reits nicht an den we­sent­li­chen Dif­fe­ren­zie­rungs­grund an. Maßgeb­lich für die „Ver­bil­dung“ ist nach der Ar­gu­men­ta­ti­on der Per­so­nal­ver­tre­tung in ers­ter Li­nie die Dau­er der Be­rufs­pra­xis der Pi­lo­ten in kon­zern­frem­den Luft­ver­kehrs­un­ter­neh­men. RE können je­doch auch bei ei­ner Ein­stel­lung vor der Voll­endung ih­res 33. Le­bens­jah­res ei­ne be­reits meh­re­re Jah­re um­fas­sen­de Flug­pra­xis bei an­de­ren Luft­fahrt­ge­sell­schaf­ten er­wor­ben ha­ben, wenn sie ih­re Be­rufs­aus­bil­dung als­bald nach dem Ab­schluss ih­rer Schul­aus­bil­dung be­gon­nen ha­ben. Um­ge­kehrt können auch älte­re RE ei­ne nur kur­ze Pra­xis in kon­zern­frem­den Un­ter­neh­men ha­ben. Das Dif­fe­ren­zie­rungs­kri­te­ri­um „Al­ter“ trifft aus die­sem Grund den zur Recht­fer­ti­gung der Al­ters­gren­ze an­geführ­ten Dif­fe­ren-
zie­rungs­grund der Ein­gewöhnung in frem­de Ar­beits­abläufe nicht hin­rei­chend. Über­dies fehlt je­de plau­si­ble Be­gründung, war­um ge­ra­de in Zu­sam­men­hang mit der Voll­endung des 33. Le­bens­jah­res ei­ne Er­schwe­rung der men­sch­li­chen Fähig­keit, neue Hand­lungs­abläufe zu in­ter­na­li­sie­ren, ein­setzt, die so er­heb­lich ist, dass sie in Hin­blick auf das Ge­wicht des Ver­bots der Dis­kri­mi­nie­rung we­gen des Al­ters ein ge­ne­rel­les Ein­stel­lungs­ver­bot recht­fer­ti­gen könn­te.
Sch­ließlich ist die Al­ters­gren­ze je­den­falls des­halb nicht verhält­nismäßig, weil es kei­nen Grund gibt, der es aus­sch­ließt, älte­ren Be­wer­bern zu­min­dest nach der Ab­sol­vie­rung ggf. zusätz­li­cher Eig­nungs­tests die Ein­stel­lung zu ermögli­chen. In­so­weit kann un­ter­stellt wer­den, dass die von der Ar­beit­ge­be­rin prak­ti­zier­ten Ein­stel­lungs­un­ter­su­chun­gen die eben­falls un­ter­stell­ten Ge­fah­ren der „Ver­bil­dung“ nicht hin­rei­chend er­fas­sen. Auf die ent­spre­chen­den Fra­gen der Be­schwer­de­kam­mer ver­moch­ten je­doch we­der die Per­so­nal­ver­tre­tung noch die Ta­rif­ver­trags­par­tei­en dar­zu­le­gen, dass der­ar­ti­ge Tests nicht durchführ­bar sind. Da­her ist da­von aus­zu­ge­hen, dass ei­ne ent­spre­chen­de Möglich­keit be­steht. Dafür spricht je­den­falls die Le­bens­er­fah­rung. Die Prüfung der Be­herr­schung von Hand­lungs­abläufen ist Ge­gen­stand zahl­rei­cher Eig­nungs­tests in ganz un­ter­schied­li­chen Be­rufs­grup­pen und ge­ra­de für die Tätig­keit von Pi­lo­ten et­wa im Rah­men des Er­werbs der Mus­ter­be­rech­ti­gun­gen nichts Un­gewöhn­li­ches.
Ist da­mit da­von aus­zu­ge­hen, dass der­ar­ti­ge Möglich­kei­ten be­ste­hen, ist ei­ne strik­te Al­ters­gren­ze für die Ein­stel­lung, die ei­ne der­ar­ti­ge Möglich­keit des Eig­nungs­nach­wei­ses auch für älte­re Be­wer­ber nicht vor­sieht, un­verhält­nismäßig. Die Al­ters­gren­ze von § 4 I Satz 2 TV Aus­wahl­richt­li­ni­en be­nach­tei­ligt älte­re Be­wer­ber er­heb­lich und be­wirkt noch er­heb­li­che­re Nach­tei­le für die be­trof­fe­nen Beschäftig­ten als Al­ters­gren­zen, die zur Be­en­di­gung ei­nes Ar­beits­verhält­nis­ses führen. Die Al­ters­gren­ze für die Ein­stel­lung nimmt älte­ren Be­wer­bern von vorn­her­ein die Möglich­keit, ein Ar­beits­verhält­nis mit ei­nem Kon­zern­un­ter­neh­men zu schließen, und schließt sie an­ge­sichts der Do­mi­nanz der Kon­zern­un­ter­neh­men un­ter den deut­schen Luft­ver­kehrs­ge­sell­schaf­ten von ei­nem er­heb­li­chen Teil des ein­schlägi­gen Ar­beits­mark­tes in Deutsch­land vollständig aus. Ab­ge­se­hen da­von, dass sie da­durch auch in ih­rer Be­rufs­frei­heit (Art. 12 Abs. 1 Satz 1 GG) er­heb­lich be­schränkt wer­den, ge­bie­tet der Grund­satz des Ver­bots der Al­ters­dis­kri­mi­nie­rung an­ge­sichts der­art ein­schnei­den­der Fol­gen ei­ne strik­te Verhält­nismäßig­keitsprüfung. Die­ser ver­mag die Al­ters­gren­ze nicht stand­zu­hal­ten, da nach dem Er­geb­nis der Anhörung die Eig­nung älte­rer Be­wer­ber durch Tests in zu­mut­ba­rer Wei­se über­prüft wer­den kann.
c) Auf § 3 Nr. 6 BV kann der Wi­der­spruch be­reits we­gen des Ta­rif­vor­rangs von § 40 Abs. 3 TV PV GCS nicht gestützt wer­den. Die Un­wirk­sam­keit der Al­ters­gren­ze von § 4 I Satz 2 TV Aus­wahl­richt­li­ni­en gemäß § 7 Abs. 2 AGG führt nicht zur Ge­samt­nich­tig­keit des TV Aus­wahl­richt­li­ni­en. Die Un­wirk­sam­keit ei­nes Teils ei­nes Ta­rif­ver­tra­ges be­wirkt nur dann die Un­wirk­sam­keit des ge­sam­ten Ta­rif­ver­trags, wenn der gülti­ge Teil kei­ne ei­ge­ne Be­deu­tung hat oder die Ge­samt­re­ge­lung ih­ren Sinn ver­lie­ren würde, wenn ein Teil von ihr un­wirk­sam ist (vgl. et­wa BAG 18. De­zem­ber 1996 - 4 AZR 129/96 - AP TVG § 1 Kündi­gung Nr. 14, zu II 1.4; 05. Ok­to­ber 2000 - 1 ABR 14/00 - AP Be­trVG 1972 § 118 Nr. 67, zu B II 1 b bb (3)). Da­von kann hier nicht die Re­de sein. Die Un­wirk­sam­keits­fol­ge be­trifft le­dig­lich ei­ne ein­zel­ne Ein­stel­lungs­vor­aus­set­zung. Die ver­blei­ben­de Ta­rif­re­ge­lung behält auch nach de­ren Weg­fall ih­re Be­deu­tung und ih­ren Sinn. Da­her bleibt sie ei­ne die BV gemäß § 40 Abs. 3 TV PV GCS ver­drängen­de Re­ge­lung.
d) Die Ar­beit­ge­be­rin verhält sich schließlich mit der Ein­stel­lung von Herrn G nicht ent­ge­gen dem Grund­satz der ver­trau­ens­vol­len Zu­sam­men­ar­beit (§ 3 Abs. 1 TV PV GCS) wi­dersprüchlich, weil der TV Aus­wahl­richt­li­ni­en erst nach dem In­kraft­tre­ten des AGG und kurz vor der Durchführung des Ein­stel­lungs­ver­fah­rens ge­schlos­sen wur­de. Dies folgt be­reits dar­aus, dass sie nicht Ta­rif­ver­trags­par­tei, son­dern gemäß § 3 Abs. 1 TVG als Mit­glied ei­ner Ta­rif­ver­trags­par­tei ta­rif­ge­bun­den ist. Ins­be­son­de­re ver­kennt die Per­so­nal­ver­tre­tung mit ih­rer ent­spre­chen­den Rüge aber den Schutz­zweck des AGG. Des­sen Nor­men bin­den die Be­tei­lig­ten als zwin­gen­des Recht. Die Be­tei­lig­ten sind nicht zur Dis­po­si­ti­on über den Dis­kri­mi­nie­rungs­schutz be­fugt, weil die­ser nicht zu ih­ren Guns­ten, son­dern im In­ter­es­se der in § 6 AGG ge­nann­ten Beschäftig­ten gilt. Da die Ar­beit­ge­be­rin da­her im Verhält­nis zu den be­trof­fe­nen Be­wer­bern zur Be­ach­tung der Un­wirk­sam­keits­fol­ge von § 7 Abs. 2 AGG ver­pflich­tet ist, kann die Be­fol­gung des ge­setz­li­chen Ge­bo­tes nicht ge­gen den Grund­satz der ver­trau­ens­vol­len Zu­sam­men­ar­beit ver­s­toßen. An­dern­falls würde sich die Ar­beit­ge­be­rin zu­dem Entschädi­gungs- und Scha­dens­er­satz­ansprüchen rechts­wid­rig über­g­an­ge­ner älte­rer Be­wer­ber gemäß § 15 AGG aus­set­zen.
4. Die Rechts­be­schwer­de wird gemäß §§ 72 Abs. 2 Nr. 1, 92 Abs. 1 Satz 2 ArbGG zu­ge­las­sen.
hat die Kam­mer 4 des Hes­si­schen Lan­des­ar­beits­ge­richts durch den Vor­sit­zen­den Rich­ter am Lan­des­ar­beits­ge­richt als Vor­sit­zen­den
am 29. Ju­ni 2009 be­schlos­sen:
Der Be­schluss vom 17. März 2009 wird we­gen ei­ner of­fen­sicht­li­chen Un­rich­tig­keit gemäß § 319 ZPO da­hin­ge­hend be­rich­tigt, dass auf Sei­te 18 im ers­ten Satz un­ter B II 3 die Wor­te „Der Wi­der­spruch“ durch die Wor­te „Die Zu­stim­mung“ er­setzt wer­den.
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