Source: https://www.wiki-to-yes.org/Kindschaftssachen
Timestamp: 2019-07-15 18:45:17
Document Index: 240804880

Matched Legal Cases: ['§ 104', '§ 828', '§ 106', '§ 19', '§ 2', '§ 151', '§ 1631', '§ 1626', '§ 1626', '§ 1627', '§ 1628', '§1684', 'Art. 3', 'Art. 6', '§ 1591', '§ 1601', '§ 1616', '§ 1626', '§ 1684', '§ 171', '§ 218', '§ 225', '§ 235', '§ 8', '§ 8', '§ 8', '§ 17', '§ 79', '§ 79', '§ 156', '§ 165', '§ 165']

Seiten-ID: 942 Es geht um die Kinder (und die Eltern) 3-Abteilung » Bücher (Wiki)	4-Inhalt » (03) Mediation (Systematik) » Fachmediation » Familienmediation
Fachwissen » Mediation(en) » Fachmediationen » Familie » Kindschaftssachen
Die Kinder stehen im Mittelpunkt. Sie sollten es wenigstens. Sie haben darauf sogar einen Anspruch nach der VN-Kinderrechtskonvention.
1 Der Begriff Kindschaftssachen ist ein juristischer. Gemeint sind die Angelegenheiten, die die Rechte der Kinder betreffen.
Alters- und Entwicklungsstufen
Elternbedeutung
Kindesvorenthaltung
Der Begriff Kinder bezeichnet die Abkömmlinge oder gleichgestellt die Adoptivkinder. Kinder und Adoptivkinder sind rechtlich gleichgestellt, auch wenn es biologische Unterschiede gibt. Bei den Pflegekindern wird die Versorgung von Nichtabkömmlingen beschrieben. Ein Kind ist (aus der Sicht der Eltern) auch dann noch ein Kind, wenn es erwachsen ist. Der 50-jährige Sohn ist das Kind von ...
Juristische Einteilung
Juristisch werden mit der Kindheit folgende Altersstufen unterschieden:
bis Vollendung des 7. Lebensjahres: Keine Geschäftsfähigkeit nach § 104 BGB und keine Verantwortlichkeit nach § 828 Abs. 1 BGB.
nach Vollendung des 7. Lebensjahres: beschränkte Geschäftsfähigkeit nach § 106 BGB.
nach Vollendung des 14. Lebensjahres: beginn der Strafmündigkeit nach § 19 StGB bzw. § 2 JGG.
nach Vollendung des 18. Lebensjahres: Volle Geschäftsfähigkeit
Psychologische Einteilung
In der Entwicklungspsychologie werden folgende Entwicklungsabschnitte unterschieden:
Neugeborenes (bis 28. Lebenstag),
Säuglingsalter (1. Lebensjahr)
Kleinkindalter (2. und 3. Lebensjahr)
frühe Kindheit (4.–6. Lebensjahr)
mittlere Kindheit (7.–10. Lebensjahr)
späte Kindheit (11.–14. Lebensjahr)
Adoleszenz (ab 15 Lebensjahr)
Ob man es will oder nicht. Kinder haben Eltern. Zumindest die biologischen Eltern können sie sich nicht aussuchen. Nicht immer ist eindeutig, wer in welcher Elternrolle in Erscheinung tritt. Es ist deshalb notwendig, sich über das Beziehungsgefüge in einer Familie bewusst zu werden.
Besonders in einer Patchworkfamilie kann es zu Rollenkonfusionen kommen, die das Beziehungsgefüge verunreinigen. Man könnte die Patchworkfamilie als eine Familie bezeichnen, in der sich unterschiedliche Familiensysteme überschneiden und im Idealfall zu einem neuen System zusammenfügen.
Beispiel Elterndefinition: Die Mutter sagt im Gericht in Anwesenheit des Vaters: "Herr Richter, der neue Papa, ich kann Ihnen sagen, ist so ein toller Papa. Wie der sich um das Kind kümmert, es ist eine wahre Freude das anzusehen....". Der Richter antwortet: "Ja da haben Sie völlig recht. Und jetzt warten wir noch und suchen, bis wir auch eine tolle Mutter gefunden haben, dann hat das Kind perfekte Eltern".
Die Mutter hatte verstanden, was der Richter mit dieser paradoxen Intervention gemeint hat. Eltern bleiben Eltern.2 Sie sind als solches nicht austauschbar.
Auch wenn manche Eltern es gerne anders sähen, Vater- und Mutterrolle sind nicht austauschbar. Sie können aber ganz unterschiedlich bewertet und gestaltet werden. Der Vater wird zum Erzeuger degradiert, der Stiefvater wird als Vater gesehen, die Stiefmutter als Mutter. Auch die Pflegeeltern werden oft in echte Elternrollen gedrängt (und schreiben sich diese Rollen auch selbst zu). Die Adoptiveltern werden ebenfalls als echte Eltern gesehen, was in diesem Fall juristisch sogar zutrifft, nicht aber biologisch. Bei diesem Konglomerat kann es schnell passieren, dass die Rollen durcheinandergeraten. Es kommt sogar vor, dass selbst in der engsten Kernfamilie die Rollen unterschiedlich gewichtet werden. Es kommt zu unterschiedlichen und unklaren Familienbeziehungen.
Beispiel Elternrollen: Die Mutter bezeichnet den neuen Partner als den Vater. Sie sieht die Familie komplett, weil es eine Mutter, einen Vater und ein Kind gibt. Das eigene Kind hat eine andere Vorstellung davon, wer sein Vater ist. Es erkennt den neuen Partner der Mutter als den Stiefvater an, sieht den Vater aber weiterhin als seinen Vater.
Eltern sind nicht nur Eltern. Sie sind auch ein Paar, ein getrenntes Paar, ein ehemaliges Paar oder ein versäumtes Paar. In allen Fällen stellt sich eine weitere Beziehungsebene her, die es stets zu unterscheiden gilt, denn oft schlagen Konflikte der Paarbeziehungsebene auf die Elternbeziehungsebene über.
Kindesbeziehung
Kinder sind nicht die Partner der Eltern, zumindest nicht, solange sie minderjähig sind. Ein Kind kann deshalb den durch Tod oder Scheidung verlorengegangenen Ehepartner nicht ersetzen. Besonders bei der Trennung der Eltern kommt es darauf an, dass die Eltern sich nicht in Frage stellen und auch nicht gegeneinander ausspielen lassen. Das erfordert ein Einvernehmen unter den Eltern, das bei einer Trennung nicht mehr selbstverständlich ist.
Davon unabhängig können sich die Beziehungen zwischen dem jeweiligen Elternteil ganz unterschiedlich ausprägen. In einer intakten Ehe wechseln die Beziehungen (der Ansprechpartner für das Kind) oft unauffällig. Bei einer Trennung wird der an und für sich natürliche Prozess gerne übersehen. Er wird statt dessen als Angriff gegen den anderen Elternteil verstanden.
Für die Kinder spielen Eltern eine ganz wichtige Rolle. Die Elternliebe macht es möglich, die Lasten der Elternschaft als Gewinn zu empfinden. Die Entfremdung wird als ein Verlust wahrgenommen.
Bindungs- und Explorationsbalance
Im Idealfall repräsentieren sie die wichtigsten Bedürfnisse des Kindes, die Bindung und die Exploration.
Beispiel - Bindung und Exploration: Ein Bekannter trifft die Mutter mit ihrem 3-jährigen Kind in der Fußgängerzone. Der Bekannte ist dem Kind fremd. Es wird sich an die Mutter klammern, indem es sich an ihrem Bein festhält und wegguckt. Aus der sicheren, an die Mutter angeklammerten Position heraus wird es neugierig. Es schaut den Bekannten an. Der macht eine Geste um mit dem Kind Kontakt aufzunehmen. Sofort wendet sich das Kind wieder ab und klammert sich an die Mutter. Der Vorgang wiederholt sich, weil das Kind ja auch neugierig ist, bis es direkt mit dem Bekannten in Kontakt treten kann.
Das Beispiel zeigt, wie die Exploration aus der Bindung (Sicherheit) heraus entwickelt wird. Bindung und Exploration sollten in der Balance sein, damit sich das Kind gesund entwickeln kann. Kulturell steht die Mutter meist für die Bindung, der Vater für die Exploration. Wie sich diese Rollenverteilung auswirkt, belegt die Forschung mit dem Beispiel einer alleinerziehenden Mutter
Beispiel - Alleinerziehende Mutter: Eine Mutter beaufsichtigt ihr kleines Kind, wie es auf dem Spielplatz auf ein Klettergerüst klettert. "Sei vorsichtig, kletter nicht so hoch, Du könntest fallen und dir wehtun!", ruft sie dem Kind zu. Der Vater des Kindes neigt dazu, das Kind anzuspornen: "Prima machst du das. Kletter weiter. Die nächste Stufe schaffst du auch noch".
Das Beispiel zeigt, wie Förderung von Bindung und Exploration auf die Elternrollen verteilt ist. Die Rollenverteilung ist kulturell bedingt. Sie verändert sich ebenso wie die Rollenausgestaltung mit dem Laufe der Zeit.3 Sie ist nicht an Geschlechter gebunden. Für das Kind ist es jedoch wichtig in den Beziehungen zu den Eltern beide Elemente wiederzufinden. Die Bindung gibt Sicherheit. Die Exploration befriedigt die Neugier.
Identifikation zur Persönlichkeitsentwicklung
Eine weitere wichtige Rolle der Eltern ist die Möglichkeit des Kindes sich mit den Eltern zu identifizieren, um daraus seine eigene Persönlichkeit zu bilden. In einer systemischen Sicht lassen sich die Eltern durch Eigenschaften repräsentieren, die man sich wie ein Legobaukasten vorstellen kann4 . Jeder Legobaustein steht für eine Eigenschaft. Das Kind erbt beide Legobaukästen, also alle Eigenschaften des Vaters und alle Eigenschaften der Mutter.
Es muss in seiner Entwicklung herausfinden welche Eigenschaften seine Persönlichkeit ausprägen sollen. Um diesen Entwicklungsprozess zu ermöglichen, muss das Kind ein Bild von den Eltern haben, mit dem es sich identifizieren kann. Je besser das gelingt, umso besser kann sich eine eigenständige Persönlichkeit des Kindes entwickeln.
Kindeswohl als Maßstab
Bei jeglichem elterlichen Handeln steht das Wohl des Kindes immer an erster Stelle. Das Kindeswohl ist auch die Entscheidungsgrundlage, wenn es um Fragen der elterlichen Sorge oder des Umgangs geht. Es handelt sich um einen Begriff mit psychologischem und juristischem Hintergrund. Der Begriff ist nicht formal definiert, was seiner Lebendigkeit entgegen kommt.5 Die juristischen Kriterien sind:
Die inneren Bindungen des Kindes
Die Erziehungsfähigkeit der Eltern, wozu die Fähigkeit gehört, positive Beziehungen zu beiden Eltern zu pflegen.
Der Kindeswille als Ausdruck der Selbstbestimmung und der Verbundenheit
Die Aufzählung soll nur eine Orientierung geben. Grob umschrieben kann unter Kindeswohl die Herstellung eines förderlichen Ausgleichs zwischen den Bedürfnissen eines Kindes und seinen Lebensbedingungen verstanden werden.6 Die psychologische Bedeutung stellt auf die Unterstützung bei der kindlichen Persönlichkeitsentwicklung ab.
kindliche Persönlichkeitsentwicklung (Kindeswohl)
Die Eltern sind dafür verantwortlich, Bedürfnisse und Lebensbedingungen für das Kind so zu gestalten, dass sich das Kind zu einer eigenständigen Persönlichkeit entwickeln kann. Die Eltern müssen dem Kind helfen, die Lebenskrisen zu überwinden.
Darüber hinaus müssen sie helfen, dass das Kind ein eigenständiges, selbstverantwortliches Leben führen kann. Das erfordert eine Abnabelung, die meist an der Pubertät festgemacht wird. Hier sind die Eltern in der Pflicht, die Abnabelung zu erlauben und zu ermöglichen. Elterliche Liebe bedeutet jetzt: Loslassen können.
Das Kindschaftsrecht beschreibt das die Kinder betreffende Recht, das in den sogenannten Kindschaftssachen verhandelt wird. Nach § 151 FamFG sind Kindschaftssachen die dem Familiengericht zugewiesenen Verfahren, betreffend
die Genehmigung der freiheitsentziehenden Unterbringung eines Minderjährigen (§§ 1631b, 1800 und 1915 des Bürgerlichen Gesetzbuchs),
die Anordnung der freiheitsentziehenden Unterbringung eines Minderjährigen nach den Landesgesetzen über die Unterbringung psychisch Kranker oder
Was der Volksmund als Sorgerecht bezeichnet ist genau genommen ein Mix aus Rechten und Pflichten. Deshalb ist der juristische Begriff der elterlichen Sorge, wie er auch im Gesetz verwendet wird präziser. Die elterliche Sorge ist in den §§ 1626 ff. BGB geregelt. Sie ist als gemeinsame Sorge konzipiert. § 1626 BGB besagt, dass die Eltern die Pflicht und das Recht haben, für das minderjährige Kind zu sorgen (elterliche Sorge), wobei die elterliche Sorge die Sorge für die Person des Kindes (Personensorge) und das Vermögen des Kindes (Vermögenssorge) umfasst. § 1627 besagt, dass die Eltern die elterliche Sorge in eigener Verantwortung und in gegenseitigem Einvernehmen zum Wohl des Kindes auszuüben haben. Bei Meinungsverschiedenheiten müssen sie versuchen, sich zu einigen.
Bei einem Streit um die elterliche Sorge geht es meist um die Frage wer für und über das Kind zu entscheiden hat. Anlass solcher Streitigkeiten sind Trennungen aber auch Einzelfragen, wo es den Eltern nicht gelingt, ein Einvernehmen herzustellen. § 1628 BGB ermöglicht es dem Familiengericht, auch in Einzelfragen die Entscheidung einem der Elternteile zu übertragen.
Beispiel - Elterliche Sorge: Es geht um eine lebensgefährliche und lebensrettende Operation für das Kind. Die Eltern werden sich nicht einig.
In der Regel wird das Familiengericht aber für die grundsätzliche Regelung der elterlichen Sorge nach der Trennung angerufen. Mit den damit zusammenhängenden Problemen und typischen Konfliktphänomenen befasst sich der Beitrag zum Sorgerecht.
Das Recht auf Umgang ist nicht einseitig zu Gunsten der Eltern geregelt. Auch das Kind hat einen Anspruch auf Umgang mit den Eltern und allen Personen, mit denen Bindungen aufgebaut wurden. Dazu zählen dann auch z.B. die Großeltern. Nach §1684 BGB hat das Kind ein Recht auf Umgang mit jedem Elternteil. Jeder Elternteil ist zum Umgang mit dem Kind verpflichtet und berechtigt. Das Gesetz besagt weiter, dass die Eltern alles zu unterlassen haben, was das Verhältnis des Kindes zum jeweils anderen Elternteil beeinträchtigt oder die Erziehung erschwert. Nach der Trennung gibt es grundsätzlich die folgenden Modelle, wie der Verbleib der Kinder zu regeln ist:
Die Kinder verbleiben entweder bei der Mutter oder beim Vater. Der andere Elternteil hat ein Besuchsrecht.
Die Kinder sind abwechselnd bei Mutter und Vater7 . Die Idee ist, die Kinder auch beim anderen Elternteil zuhause sein zu lassen.
Die Kinder verbleiben im Haus, die Eltern wechseln.
Einzelheiten über Streitigkeiten im Zusammenhang mit der Ausübung des Umgangs auch mit anderen Personen als den Eltern entnehmen Sie bitte dem Beitrag Kindesumgang.
Dem Anspruch auf Herausgabe des Kindes geht oft das voraus, was als Kindesentführung bezeichnet wird. Im Grunde ist jeder Fall, wo ein Elternteil (bei gemeinsamer elterlicher Sorge) ein Kind ohne die Zustimmung des anderen Elternteils zu sich aufnimmt, ein rechtswidriger Zustand. Die Eltern müssen die Situation entweder durch eine gerichtliche Entscheidung oder durch Einigung miteinander legalisieren.
Dieses Phänomen wird mit dem PAS (Parentel Alienation Syndrom, zu deutsch: Elternentfremdungssyndrom) in Zusammenhang gebracht. Das PAS beschreibt, wie ein Elternteil das Kind dem anderen Elternteil systematisch abspenstig macht.
Elternentfremdungssyndrom (PAS)
Die Kinderrechte sind in der Kinderrechtskonvention verankert.8 Die Kinderrechte betreffen beispielsweise das Gesundheitswesen oder die Versorgung und Betreuung der Kinder. Kinderrechte kommen immer dann zur Sprache, wenn Interessenkollisionen mit Erwachsenen aufkommen. Hierzu findet sich eine Leitlinie in Art. 3 der VN-Kinderrechtskonvention, die als Kindeswohlprinzip9 bezeichnet wird. Sie verpflichtet Gerichte, Verwaltungsbehörden, öffentliche oder private Einrichtungen der sozialen Fürsorge und Gesetzgebungsorgane auf Ebene von Bund, Ländern und Kommunen, bei allen Entscheidungen und Maßnahmen das Kindeswohl und die Interessen von Kindern als einen vorrangigen Gesichtspunkt zu berücksichtigen. Wer Kindesbelange als nachrangig bewertet, muss einen sachlichen Grund nachweisen.1
Vorschriften, die Familie und Kind betreffen befinden sich im Grundgesetz (z.B. Art. 6 GG, der Ehe und Familie unter dem besonderen Schutze der staatlichen Ordnung stellen) und dem BGB (z.B. das Recht über die Abstammung in §§ 1591 ff. BGB, das Recht über die Unterhaltsverpflichtungen in den §§ 1601 ff BGB, die Rechtsverhältnisse zwischen Eltern und Kind im Allgemeinen in §§ 1616 ff BGB, die elterliche Sorge in §§ 1626 ff BGB worunter auch die Umgangsregelungen in §§ 1684 ff BGB zu finden sind).
Schwere Gefährdungen der Kinder sind im StGB geregelt z.B. § 171 (Verletzung der Fürsorge- oder Erziehungspflicht, § 218 (Schwangerschaftsabbruch), § 225 (Mißhandlung von Schutzbefohlenen) und § 235 (Entziehung Minderjähriger).
Das Sozialgesetzbuch VIII, das auch als Kinder- und Jugendhilfegesetz (KJHG) bekannt ist, regelt die Leistungen der Träger der öffentlichen Jugendhilfe. § 8 SGB VIII besagt z.B. dass Kinder und Jugendliche entsprechend ihrem Entwicklungsstand an allen sie betreffenden Entscheidungen der öffentlichen Jugendhilfe zu beteiligen sind. § 8a SGB VIII formuliert den Schutzauftrag bei Kindesgefährdung. § 8b SGB VIII regelt Anspruch und Pflicht zur fachlichen Beratung und Begleitung zum Schutz von Kindern und Jugendlichen. § 17 SGB VIII sichert die Beratung in Fragen der Partnerschaft, Trennung und Scheidung.
§ 79 SGB VIII und § 79a SGB VIII regeln die hinreichende Qualitätsentwicklung und Qualitätssicherung dieser Leistungen der Jugendhilfe.
Wenn es darum geht, Einsichten und Einigkeiten herzustellen, ist die Mediation das approbate Mittel. Die Gerichte sollen nicht nur auf die Beratungsmöglichkeit durch die Beratungsstellen hinweisen. Sie können nach § 156 FamFG auch anordnen, dass die Eltern einzeln oder gemeinsam an einem kostenfreien Informationsgespräch über Mediation oder über eine sonstige Möglichkeit der außergerichtlichen Konfliktbeilegung bei einer von dem Gericht benannten Person oder Stelle teilnehmen und eine Bestätigung hierüber vorlegen. Die Teilnahme ist also zwingend.
Es ist eine große Hilfe für die Mediation, weil sie die erste Hürde bei hoch eskalierten Streitigkeiten überwindet, wo die Parteien dazu neigen, Einigungsgespräche abzulehnen. Einem versierten Mediator wird es gelingen, die Parteien von der Sinnhaftigkeit einer Mediation zu überzeugen. Damit die Mediation Chancen hat, erfolgreich zu sein, sollte das Gericht auf die zur Erziehungsfähigkeit zählenden Pflicht der Eltern bestehen, einander einigen zu können. Das gilt erst recht, wenn die Eltern die gemeinsame elterliche Sorge beanspruchen. Sie macht nur Sinn, wenn die Eltern in der Lage sind, sich zu einigen. Die Einigungspflicht zwingt sie, sich zu bemühen. Die Mühe sollte dem Gericht erkennbar werden. Die Bereitschaft zur Mediation ist ein Indiz dafür.
Grundsätzlich und besonders bei hoch eskalierten Streitigkeiten sollte das Gericht darauf achten, dass der Weg in die Konfrontation schwerer wird als der in die Kooperation. Wenn das Gericht beispielsweise die Teilnahme an einem Informationsgespräch über die Mediation anordnet und schon den nächsten streitigen Verhandlungstermin ansetzt, zeigt es, dass es selbst nicht an die Möglichkeiten der Mediation glaubt. Wie sollen dann die Parteien daran glauben?
Meist liegt den Streitigkeiten in Kindschaftssachen ein nicht geklärter Paarkonflikt zugrunde. Der Konflikt mit dem Kind wird als Aufhänger genutzt, um den Streit auf der Paarebene fortzusetzen. Der Mediator sollte unbedingt eine umfassende Konfliktanalyse durchführen, um die Verschachtelung von Konflikten zu erkennen. Der Kindschaftskonflikt löst sich gegebenenfalls in Luft auf, wenn die Eltern wieder miteinander kommunizieren können. In dem Fall wäre eine Mediation zunächst ohne Beteiligung der Kinder anzuraten.
Weiter (Familienmediation)
Bearbeitungsstand: 2019-05-21 23:05 / Version 111.
Alias: Rechte der Kinder, Kinder, Kind, Kindeswohl
Prüfvermerk: Administrator 11.10.2018 21:11
trackeritem : § 165 Vermittlungsverfahren
trackeritem : Antrag auf Einleitung eines Vermittlungsverfahrens gemäß § 165 FamFG
wiki page : Antrag-Vermittlungsverfahren165FamFG
trackeritem : Die Eheleute versprühen Hass gegeneinander
trackeritem : Die Partei ist noch an der Beziehung interessiert
trackeritem : Die Parteien behaupten, es ginge ihnen nur um das Geld
1 ● BMFSFJ (Kinderrechtskonvention) - 2019-05-19
2 DAJEB (Eltern) - 2019-05-21
3 ntvimi (Vaterrolle) - 2019-05-21
4 Das Beispiel stammt von Dipl. Psych und Mediator Eberhard Kempf
5 Sponsel (Kindeswohl) - 2019-05-21
6 Caritas (Kindeswohl) - 2019-05-21
7 Siehe Wechselmodell
8 Siehe UN-Konvention Kinderrechte
9 rechtsverbindlicher Originaltext: "best interests of the child"
© Wiki to Yes: Arthur Trossen "Kindschaftssachen" (2018) unter Wiki-to-Yes.org/Kindschaftssachen
An dieser Seite haben mitgearbeitet: Arthur Trossen , Guido R. Lieder und Administrator .
Seite zuletzt geändert: am Dienstag Mai 21, 2019 23:05:55 CEST von Arthur Trossen.