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Timestamp: 2019-03-20 08:04:56
Document Index: 288838129

Matched Legal Cases: ['§ 8', '§ 2', '§ 8', '§ 8', '§ 21', '§ 12', '§ 8', '§ 4', '§ 4', '§ 12']

﻿ ﻿ BAG – 10 AZR 583/13 | bag-urteil.com
Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall – tarifvertraglicher Referenzzeitraum von 182 Tagen – Berücksichtigung bezahlter Ausfallzeiten
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 20.08.2014, 10 AZR 583/13
Die Revision der Beklagten gegen das Urteil des Landesarbeitsgerichts Baden-Württemberg – Kammern Mannheim – vom 24. April 2013 – 13 Sa 6/13 – wird zurückgewiesen.
10 AZR 583/13 > Rn 1
10 AZR 583/13 > Rn 2
10 AZR 583/13 > Rn 3
10 AZR 583/13 > Rn 4
10 AZR 583/13 > Rn 5
10 AZR 583/13 > Rn 6
10 AZR 583/13 > Rn 7
10 AZR 583/13 > Rn 8
10 AZR 583/13 > Rn 9
10 AZR 583/13 > Rn 10
10 AZR 583/13 > Rn 11
10 AZR 583/13 > Rn 12
10 AZR 583/13 > Rn 13
a) Für ein solches Tarifverständnis spricht bereits der Wortlaut des § 8 Abs. 1.2. METV, von dem vorrangig auszugehen ist (st. Rspr., vgl. zB BAG 15. Mai 2013 – 10 AZR 319/12 – Rn. 33). Danach richtet sich das fortzuzahlende Entgelt nach der „für den Arbeitnehmer durchschnittlichen Arbeitszeit der letzten 6 Monate“. „Arbeitszeit“ ist nach allgemeinem Sprachgebrauch die Zeitspanne, die für die Erbringung der Arbeitsleistung vorgesehen ist. Dem entspricht § 2 Abs. 1 Satz 1 ArbZG, wonach „Arbeitszeit“ die Zeit vom Beginn bis zum Ende der Arbeit ohne die Ruhepausen ist. Zeiten bezahlter Freistellung von der Arbeit sind grundsätzlich keine Arbeitszeit (vgl. BAG 7. Juli 2004 – 4 AZR 433/03 – zu I 1 b bb (1) der Gründe, BAGE 111, 204). Da nach dem weiteren Wortlaut der Regelung ein sechsmonatiger Referenzzeitraum maßgeblich für die Berechnung der Entgeltfortzahlung ist, lässt § 8 Abs. 1.2. METV keinen Raum für die Einbeziehung von bezahlten Ausfallstunden bei der Bemessung der „durchschnittlichen Arbeitszeit“ (vgl. BAG 26. Juni 2002 – 5 AZR 592/00 – zu III der Gründe).
10 AZR 583/13 > Rn 14
10 AZR 583/13 > Rn 15
10 AZR 583/13 > Rn 16
10 AZR 583/13 > Rn 17
10 AZR 583/13 > Rn 18
10 AZR 583/13 > Rn 19
10 AZR 583/13 > Rn 20
10 AZR 583/13 > Rn 21
bb) Dies macht deutlich, dass der Durchschnittswert verfälscht wird, wenn die bezahlten Ausfallzeiten nur bei der Berechnung des Dividenden, nicht aber auch beim Divisor berücksichtigt werden. Ein solches Ergebnis widerspräche nicht nur den Grundregeln der Arithmetik, sondern auch dem Zweck des § 8 Abs. 1.2. METV, kontinuierlich hohe Arbeitseinsätze im Rahmen der Entgeltfortzahlung zu honorieren. Daher muss auch der Divisor um die bezahlten Ausfallzeiten verringert werden (vgl. BAG 1. September 2010 – 5 AZR 557/09 – Rn. 18 [zu § 21 Satz 2 TVöD]; 16. März 1988 – 5 AZR 40/87 – zu II 2 b der Gründe [zu § 12 MTV für gewerbliche Arbeitnehmer der Druckindustrie im Gebiet der Bundesrepublik Deutschland vom 6. Juli 1984]).
10 AZR 583/13 > Rn 22
10 AZR 583/13 > Rn 23
aa) Aus dem Wortlaut des § 8 Abs. 1. METV, wonach die folgenden Regelungen „Abweichungen zur Höhe“ des nach dem Entgeltfortzahlungsgesetz fortzuzahlenden Arbeitsentgelts enthalten, ergibt sich, dass die Tarifvertragsparteien von der Möglichkeit nach § 4 Abs. 4 Satz 1 EFZG Gebrauch gemacht haben, durch Tarifvertrag eine von § 4 Abs. 1, Abs. 1a und Abs. 3 EFZG abweichende Bemessungsgrundlage des fortzuzahlenden Arbeitsentgelts festzulegen. Hierzu gehören sowohl die Berechnungsmethode (Ausfall- oder Referenzprinzip) als auch die Berechnungsgrundlage. Bei der Gestaltung der Bemessungsgrundlage müssen die Tarifvertragsparteien darauf achten, dass sie weder unmittelbar noch mittelbar gegen die anderen, nach § 12 EFZG zwingenden und nicht tarifdispositiven Bestimmungen des Entgeltfortzahlungsgesetzes verstoßen. Die Gestaltungsmacht der Tarifvertragsparteien findet dort ihre Grenze, wo der Anspruch auf Entgeltfortzahlung in seiner Substanz angetastet wird (BAG 16. Juli 2014 – 10 AZR 242/13 – Rn. 18).
10 AZR 583/13 > Rn 24
10 AZR 583/13 > Rn 25
10 AZR 583/13 > Rn 26
10 AZR 583/13 > Rn 27
10 AZR 583/13 > Rn 28
10 AZR 583/13 > Rn 29
D. Kiel Rudolph
NZA 2015, 58
Berücksichtigung bezahlter Ausfallzeiten,
tarifvertraglicher Referenzzeitraum von 182 Tagen
Das Urteil BAG – 10 AZR 583/13 wird zitiert in: