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Timestamp: 2019-12-06 19:17:39
Document Index: 10519147

Matched Legal Cases: ['§ 4', '§ 305', 'BGH', '§ 561', 'BGH', 'BGH', '§ 307', '§ 307', '§ 306', '§ 307', 'BGH', 'BGH', '§ 308', '§ 309', 'BGH', '§ 10', '§ 11', '§ 308', '§ 308', '§ 307', '§ 14', '§ 14', '§ 306', '§ 307', 'BGH']

﻿ ﻿ BAG – 3 AZR 777/08 | bag-urteil.com
Wirksamkeit einer arbeitsvertraglichen "Ablösungsentschädigung" – pauschalierter Aufwendungsersatz – Inhaltskontrolle
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 27.07.2010, 3 AZR 777/08
Die Revision des Klägers gegen das Urteil des Landesarbeitsgerichts Hamm vom 10. Juli 2008 – 15 Sa 452/08 – wird zurückgewiesen.
3 AZR 777/08 > Rn 1
3 AZR 777/08 > Rn 2
3 AZR 777/08 > Rn 3
3 AZR 777/08 > Rn 4
3 AZR 777/08 > Rn 5
3 AZR 777/08 > Rn 6
3 AZR 777/08 > Rn 7
3 AZR 777/08 > Rn 8
3 AZR 777/08 > Rn 9
3 AZR 777/08 > Rn 10
3 AZR 777/08 > Rn 11
3 AZR 777/08 > Rn 12
3 AZR 777/08 > Rn 13
1. Bei § 4 des Anstellungsvertrages handelt es sich um Allgemeine Geschäftsbedingungen iSd. § 305 Abs. 1 Satz 1 BGB. Zwar enthalten weder das arbeitsgerichtliche noch das landesarbeitsgerichtliche Urteil hierzu entsprechende Tatsachenfeststellungen. Diese kann der Senat jedoch selbst treffen. Der Kläger hat in der Revisionsbegründung klargestellt, dass diese Klausel von ihm vorformuliert wurde und sich in sämtlichen Arbeitsverträgen der von ihm beschäftigten Arbeitnehmer befindet. Dies hat die Beklagte nicht bestritten (vgl. zur Berücksichtigung neuen tatsächlichen Vorbringens in der Revision, sofern es unstreitig oder seine Richtigkeit offenkundig ist: BGH 5. Februar 1974 – VI ZR 71/72 – zu I 1 der Gründe, AP ZPO § 561 Nr. 3; 11. November 1982 – III ZR 77/81 – zu I der Gründe, BGHZ 85, 288; 9. Juli 2007 – II ZR 62/06 – Rn. 11 mwN, BGHZ 173, 145).
3 AZR 777/08 > Rn 14
3 AZR 777/08 > Rn 15
3 AZR 777/08 > Rn 16
3 AZR 777/08 > Rn 17
3 AZR 777/08 > Rn 18
3 AZR 777/08 > Rn 19
a) Nach § 307 Abs. 1 Satz 1 BGB sind Bestimmungen in Allgemeinen Geschäftsbedingungen unwirksam, wenn sie den Vertragspartner des Verwenders entgegen den Geboten von Treu und Glauben unangemessen benachteiligen. Eine unangemessene Benachteiligung kann sich gem. § 307 Abs. 1 Satz 2 BGB auch daraus ergeben, dass die Bestimmung nicht klar und verständlich ist. Die Regelung verpflichtet den Verwender von Allgemeinen Geschäftsbedingungen, die Rechte und Pflichten seines Vertragspartners möglichst klar und durchschaubar darzustellen. Das Transparenzgebot schließt das Bestimmtheitsgebot ein und verlangt, dass die tatbestandlichen Voraussetzungen und Rechtsfolgen so genau beschrieben werden, dass für den Verwender keine ungerechtfertigten Beurteilungsspielräume entstehen. Es darf den Verwender Allgemeiner Geschäftsbedingungen jedoch nicht überfordern. Die Verpflichtung, den Klauselinhalt klar und verständlich zu formulieren, besteht deshalb nur im Rahmen des Möglichen und Zumutbaren (vgl. BAG 28. Mai 2009 – 8 AZR 896/07 – Rn. 19 mwN, AP BGB § 306 Nr. 6 = EzA BGB 2002 § 307 Nr. 45; BGH 20. Juli 2005 – VIII ZR 121/04 – zu A I 1 a der Gründe, BGHZ 164, 11).
3 AZR 777/08 > Rn 20
3 AZR 777/08 > Rn 21
aa) Allgemeine Geschäftsbedingungen sind nach ihrem objektiven Inhalt und typischen Sinn einheitlich so auszulegen, wie sie von verständigen und redlichen Vertragspartnern unter Abwägung der Interessen der normalerweise beteiligten Verkehrskreise verstanden werden. Dabei sind nicht die Verständnismöglichkeiten des konkreten, sondern die des durchschnittlichen Vertragspartners des Verwenders zugrunde zu legen. Ansatzpunkt für die Auslegung Allgemeiner Geschäftsbedingungen ist in erster Linie der Vertragswortlaut. Von Bedeutung für das Auslegungsergebnis sind ferner der von den Vertragsparteien verfolgte Regelungszweck sowie die der jeweils anderen Seite erkennbare Interessenlage der Beteiligten. Die Auslegung Allgemeiner Geschäftsbedingungen ist durch das Revisionsgericht uneingeschränkt zu überprüfen (vgl. BAG 9. Juni 2010 – 5 AZR 332/09 – Rn. 36 mwN, NJW 2010, 2455).
3 AZR 777/08 > Rn 22
3 AZR 777/08 > Rn 23
3 AZR 777/08 > Rn 24
3 AZR 777/08 > Rn 25
3 AZR 777/08 > Rn 26
3 AZR 777/08 > Rn 27
3 AZR 777/08 > Rn 28
3 AZR 777/08 > Rn 29
3 AZR 777/08 > Rn 30
3 AZR 777/08 > Rn 31
3 AZR 777/08 > Rn 32
a) Nach § 308 Nr. 7 Buchst. b BGB ist eine Bestimmung in Allgemeinen Geschäftsbedingungen insbesondere unwirksam, nach der der Verwender für den Fall, dass eine Vertragspartei von dem Vertrag zurücktritt oder den Vertrag kündigt, einen unangemessen hohen Ersatz von Aufwendungen verlangen kann. Durch die Angemessenheitskontrolle soll nicht nur verhindert werden, dass sich die Rückabwicklung des Vertrages für den Verwender als die wirtschaftlich günstigere Alternative darstellt und so für diesen ein Anreiz geschaffen wird, sich vom Vertrag zu lösen. Vielmehr soll auch der andere Vertragspartner infolge der Ausübung der ihm zustehenden Rücktritts- oder Kündigungsrechte keine wirtschaftlichen Nachteile erleiden, die de facto zu einer empfindlichen Einschränkung der Beendigungsfreiheit bei Dauerschuldverhältnissen führen würden (vgl. Stoffels AGB-Recht 2. Aufl. 2009 Rn. 993). Auf derartige Abwicklungsvereinbarungen ist § 309 Nr. 5 Buchst. b BGB entsprechend anzuwenden (vgl. BGH 8. November 1984 – VII ZR 256/83 – zu 3 b der Gründe, NJW 1985, 632; 10. Oktober 1996 – VII ZR 250/94 – zu II 2 b aa der Gründe, NJW 1997, 259, beide zu den Vorgängerregelungen in § 10 Nr. 7 und § 11 Nr. 5 AGBG; Dammann in Wolf/Lindacher/Pfeiffer AGB-Recht 5. Aufl. 2009 § 308 Nr. 7 Rn. 34; Schmidt in Ulmer/Brandner/Hensen AGB-Recht 10. Aufl. 2006 § 308 Nr. 7 Rn. 4). Danach ist die Vereinbarung eines pauschalierten Aufwendungsersatzes unwirksam, wenn dem Vertragspartner des Verwenders nicht der Nachweis gestattet wird, dass Aufwendungen gar nicht getätigt wurden oder wesentlich niedriger waren als die Pauschale.
3 AZR 777/08 > Rn 33
3 AZR 777/08 > Rn 34
3 AZR 777/08 > Rn 35
aa) Nach § 307 Abs. 1 Satz 1 BGB sind Bestimmungen in Allgemeinen Geschäftsbedingungen unwirksam, wenn sie den Vertragspartner des Verwenders entgegen den Geboten von Treu und Glauben unangemessen benachteiligen. Unangemessen ist jede Beeinträchtigung eines rechtlich anerkannten Interesses des Arbeitnehmers, die nicht durch begründete und billigenswerte Interessen des Arbeitgebers gerechtfertigt oder durch gleichwertige Vorteile ausgeglichen wird (vgl. BAG 8. August 2007 – 7 AZR 855/06 – Rn. 16, BAGE 123, 327). Die Feststellung einer unangemessenen Benachteiligung setzt eine wechselseitige Berücksichtigung und Bewertung rechtlich anzuerkennender Interessen der Vertragspartner voraus (BAG 2. September 2009 – 7 AZR 233/08 – Rn. 28, AP TzBfG § 14 Nr. 66 = EzA TzBfG § 14 Nr. 61). Dabei ist ein genereller, typisierender, vom Einzelfall losgelöster Maßstab anzulegen (BAG 28. Mai 2009 – 8 AZR 896/07 – Rn. 30, AP BGB § 306 Nr. 6 = EzA BGB 2002 § 307 Nr. 45). Es kommt nicht auf die besonderen Umstände des Einzelfalls, sondern auf die typische Sachlage an (vgl. BGH 29. Mai 1991 – IV ZR 187/90 – zu II 3 a der Gründe, NJW 1991, 2763). Abzuwägen sind die Interessen des Verwenders gegenüber den Interessen der typischerweise beteiligten Vertragspartner unter Berücksichtigung der Art, des Gegenstandes, des Zwecks und der besonderen Eigenart des jeweiligen Geschäfts (vgl. BAG 2. September 2009 – 7 AZR 233/08 – Rn. 28, aaO).
3 AZR 777/08 > Rn 36
3 AZR 777/08 > Rn 37
3 AZR 777/08 > Rn 38
3 AZR 777/08 > Rn 39
Gräfl Schmidt
Das Urteil BAG – 3 AZR 777/08 wird zitiert in: