Source: http://m.hensche.de/Rechtsanwalt_Arbeitsrecht_Urteile_Aenderungskuendigung_LAG-Ba-Wue_21Sa62-06.html
Timestamp: 2018-06-21 12:03:44
Document Index: 193823823

Matched Legal Cases: ['§ 3', '§ 9', '§ 4', '§ 9', '§ 12', '§ 3', '§ 64', '§ 66', '§ 1', '§ 1', '§ 2', '§ 91']

HENSCHE Arbeitsrecht: 21 Sa 62/06
Schlag­worte: Kündigung: Änderungskündigung, Änderungskündigung, Leiharbeit, Arbeitnehmerüberlassung, Equal pay, CGZP
Akten­zeichen: 21 Sa 62/06
Ent­scheid­ungs­datum: 12.04.2007
1. Sind die Kun­den ei­nes Zeit­ar­beits­un­ter­neh­mens nach­weis­lich nicht be­reit, Leih­ar­bei­ter zu "equal-tre­at­ment" - Be­din­gun­gen i.S. der §§ 3 Abs.1 Nr. 3, 9 Nr.2 AÜG zu beschäfti­gen, kann dies den Aus­spruch ei­ner or­dent­li­chen Ände­rungskündi­gung mit dem Ziel ei­ner Ver­tragsände­rung zu den Be­din­gun­gen ei­nes bran­chenübli­chen Ta­rif­ver­tra­ges so­zi­al recht­fer­ti­gen.
2. Im Streit­fall ist der Leih­ar­beit­ge­ber je­doch ge­hal­ten, im Kündi­gungs­schutz­pro­zess kon­kret dar­zu­le­gen und zu be­wei­sen, dass es al­le sei­ne Kun­den - un­ge­ach­tet der Höhe des vom ihm in Rech­nung ge­stell­ten St­un­den­ver­rech­nungs­sat­zes - ab­leh­nen, Leih­ar­bei­ter in ih­ren Be­trie­ben ein­zu­set­zen, wenn die­se von ih­rem zu "equal-tre­at­ment" - Be­din­gun­gen beschäftigt wer­den müssen.
Vor­ins­tan­zen: Arbeitsgericht Stuttgart, Urteil vom 20.06.2006,16 Ca 11802/05
16 Ca 11802/05 (ArbG Stutt­gart)
- 21. Kam­mer - durch den Vor­sit­zen­den Rich­ter am Lan­des­ar­beits­ge­richt Leicht, den eh­ren­amt­li­chen Rich­ter Bur­kard und den eh­ren­amt­li­chen Rich­ter Kraus auf die münd­li­che Ver­hand­lung vom 12.04.2006
1. Auf die Be­ru­fung des Klägers wird das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts Stutt­gart vom 20.06.2006 - Az.: 16 Ca 11802/05 - ab­geändert:
Es wird fest­ge­stellt, dass die Ände­rung der Ar­beits­be­din­gun­gen durch die Ände­rungskündi­gung der Be­klag­ten vom 24.11.2005 so­zi­al nicht ge­recht­fer­tigt ist.
2. Die Be­klag­te hat die Kos­ten des ge­sam­ten Rechts­streits zu tra­gen.
3. Die Re­vi­si­on zum Bun­des­ar­beits­ge­richt wird zu­ge­las­sen.
Die Par­tei­en strei­ten über die Wirk­sam­keit ei­ner or­dent­li­chen be­triebs­be­ding­ten Ände­rungskündi­gung sei­tens der Be­klag­ten.
Der am 01.01.1946 ge­bo­re­ne ver­hei­ra­te­te Kläger ist seit 25.10.1999 bei der Be­klag­ten - ei­nem bun­des­weit agie­ren­den Zeit­ar­beits­un­ter­neh­men, wel­ches nicht ta­rif­ge­bun­den ist - als Pro­duk­ti­ons­hel­fer/Hilfs­kraft beschäftigt. Die nähe­ren Ar­beits­be­din­gun­gen sind im Ar­beits­ver­trag vom 20.10.1999 (ArbG-Ak­te Bl. 71-74), auf wel­chen Be­zug ge­nom­men wird, ent­hal­ten. Im Jahr 2003 be­zog der Kläger ein durch­schnitt­li­ches mo­nat­li­ches Brut­to­ent­gelt von € 1.038,50.
Mit Schrei­ben vom 22.12.2003 sprach die Be­klag­te be­triebs­be­dingt ei­ne Ände­rungskündi­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses mit dem Kläger, mit Schrei­ben vom 29.12.2003 ei­ne Be­en­di­gungskündi­gung zum 31.01.2004 aus. Nach­dem die Un­wirk­sam­keit die­ser Kündi­gun­gen in zwei In­stan­zen fest­ge­stellt wor­den war, sprach die Be­klag­te mit ei­nem wei­te­ren Schrei­ben vom 24.11.2005 ei­ne be­triebs­be­ding­te Ände­rungskündi­gung zum 31.01.2006 aus. Die ihm an­ge­bo­te­nen neu­en Ar­beits­be­din­gun­gen (ArbG-Ak­te Bl. 6-11) nahm der Kläger un­ter Vor­be­halt an und reich­te am 29.11.2005 die vor­lie­gen­de Kündi­gungs­fest­stel­lungs­kla­ge beim Ar­beits­ge­richt Stutt­gart ein.
Er hat im We­sent­li­chen vor­ge­tra­gen, die Ände­rung der Ar­beits­be­din­gun­gen durch die Ände­rungskündi­gung sei so­zi­al un­ge­recht­fer­tigt, da der neue Ar­beits­ver­trag in meh­re­ren Punk­ten vom al­ten ab­wei­che und die­se für ihn nach­tei­lig, die Abände­run­gen grund­los und des­halb nicht hin­nehm­bar sei­en, ins­be­son­de­re nicht die vor­ge­se­he­ne Ta­rif­bin­dung, die Kürzung der Zeit­zu­schläge, die geänder­te Wo­chen­ar­beits­zeit, ei­ne ab­wei­chen­de Vergütungs­re­ge­lung und di­ver­se an­de­re Ände­run­gen.
Der Kläger hat in ers­ter In­stanz zu­letzt be­an­tragt:
Es wird fest­ge­stellt, dass die Ände­run­gen der Ar­beits­be­din­gun­gen durch die Ände­rungskündi­gung vom 24.11.2005 so­zi­al un­ge­recht­fer­tigt ist.
Es wird fest­ge­stellt, dass der In­halt des Ar­beits­verhält­nis­ses der Par­tei­en durch die Ände­rungskündi­gung der Be­klag­ten vom 24.11.2005 nicht auf­gelöst wor­den ist.
Sie hat im We­sent­li­chen vor­ge­tra­gen, die Ände­rungskündi­gung sei vor dem Hin­ter­grund der Ge­set­zesände­run­gen im Be­reich der Ar­beit­neh­merüber­las­sung ab 01.01.2004 aus drin­gen­den be­trieb­li­chen Er­for­der­nis­sen er­folgt. Sie ha­be ih­re Ar­beits­verhält­nis­se im Un­ter­neh­men den zwi­schen den Mit­glieds­ge­werk­schaf­ten und dem Bun­des­ver­band Zeit­ar­beit ge­schlos­se­nen Ta­rif­verträgen un­ter­wor­fen. Da mit dem Kläger - als ein­zi­gem Ar­beit­neh­mer - ei­ne ein­ver­nehm­li­che Re­ge­lung nicht zu er­zie­len ge­we­sen sei, sei sie ge­zwun­gen ge­we­sen, sei­ne Ar­beits­be­din­gun­gen mit der Ände­rungskündi­gung an die neue Ge­set­zes­la­ge an­zu­pas­sen. Von den Ent­leih­fir­men, mit wel­chen sie Ar­beit­neh­merüber­las­sungs­verträge ab­ge­schlos­sen ha­be, sei kei­ne be­reit ge­we­sen, Leih­ar­beit­neh­mer zu „equal tre­at­ment“-Be­din­gun­gen zu ent­lei­hen, wes­halb es für den Kläger ab 01.01.2004 kei­ne Ver­leihmöglich­keit mehr ge­ge­ben ha­be. Die an­ge­bo­te­ne Ände­rung der Ar­beits­be­din­gun­gen sei für den Kläger nicht nach­tei­lig ge­we­sen, da ihm im Rah­men ei­ner Be­sitz­stands­wah­rung sein ursprüng­li­ches Ge­halt ga­ran­tiert wor­den sei und die übri­gen ge­ringfügi­gen Ver­tragsände­run­gen mar­gi­na­le Be­deu­tung hätten.
Das Ar­beits­ge­richt hat mit sei­nem, den Par­tei­ver­tre­tern je­weils am 22.06.2006 zu­ge­stell­ten Ur­teil vom 20.06.2006 die Kla­ge ab­ge­wie­sen und zur Be­gründung im We­sent­li­chen aus­geführt, die Ände­rungskündi­gung sei wirk­sam, da das Ände­rungs­an­ge­bot so­zi­al ge­recht­fer­tigt sei. Die An­pas­sung der ar­beits­ver­trag­li­chen Be­din­gun­gen an die ta­rif­li­chen Be­stim­mun­gen sei durch drin­gen­de be­trieb­li­che Er­for­der­nis­se be­dingt. Nach dem Vor­trag der Be­klag­ten sei kei­ner ih­rer Ent­leih­be­trie­be be­reit ge­we­sen, Leih­ar­beit­neh­mer zu „equal-tre­at­ment“-Be­din­gun­gen zu ent­lei-hen, nach­dem sie zum ei­nen im Vor­feld ein deut­li­ches Mehr an Auskünf­ten und In­for­ma­tio­nen hätten er­tei­len müssen (bei­spiels­wei­se über Ar­beits­be­din­gun­gen der Stamm­ar­beit­neh­mer) und zum an­de­ren der St­un­den­ver­rech­nungs­satz bei ei­ner Über­las­sung zu „equal-tre­at­ment“-Be­din­gun­gen deut­lich höher ge­we­sen wäre. Der Kläger sei so­mit nach der al­ten ar­beits­ver­trag­li­chen Re­ge­lung nicht mehr ein­setz­bar ge­we­sen. Dar­in lie­ge ein drin­gen­der be­trieb­li­cher Grund, der ei­ne Ände­rungskündi­gung grundsätz­lich recht­fer­ti­gen könne. Das Ände­rungs­an­ge­bot der Be­klag­ten be­schränke sich an­de­rer­seits auf sol­che Ände­run­gen, die vom Kläger bil­li­ger­wei­se hin­zu­neh­men sei­en. Ein Ver­gleich des al­ten mit dem neu­en Ar­beits­ver­trag zei­ge, dass die ein-zi­gen „nach­tei­li­gen Ände­run­gen“ in ei­ner ge­ringfügi­gen Re­du­zie­rung der ta­rif­li­chen Zu­schläge ge­genüber den im ursprüng­li­chen Ar­beits­ver­trag ver­ein­bar­ten Zu­schlägen lie­ge. Da­bei sei­en die Zu­schläge für Nacht­ar­beit um 5 %, die für Sonn­tags­ar­beit um 20 % und die für Fei­er­tags­ar­beit um 50 % nied­ri­ger aus­ge­fal­len. Dies er­schei­ne je­doch nicht un­bil­lig, da die Einsätze des Klägers da­von nicht in nen­nens­wer­tem Um­fang be­trof­fen sei­en. Die­ser ver­rich­tet die glei­che Tätig­keit, er­hal­te die­sel­be Vergütung und ha­be die­sel­be Ar­beits­zeit wie im al­ten Ver­trag, wo­bei die frühe­re Be­triebs­zu­gehörig­keit aus­drück­lich an­er­kannt wor­den sei. Der Ein­wand des Klägers, mit ei­ner Ver­ein­ba­rung der ta­rif­ver­trag­li­chen Be­stim­mun­gen würde der Wil­le des Ge­setz­ge­bers „auf den Kopf ge­stellt“, grei­fe nicht, da die von der Be­klag­ten­sei­te gewähl­te Vor­ge­hens­wei­se ge­ra­de in § 9 Ziff. 2 AÜG vor­ge­se­hen sei.
Hier­ge­gen wen­det sich der Kläger mit sei­ner per Te­le­fax-Schrift­satz vom 22.06.2006 beim Lan­des­ar­beits­ge­richt ein­ge­leg­ten und mit Te­le­fax-Schrift­satz vom 22.06.2006 (LAG-Abl. 15-21) aus­geführ­ten Be­ru­fung. Hier­aus so­wie aus sei­nen wei­te­ren Schriftsätzen vom 07.03. und 10.04.2007 (LAG-Abl. 61-64 bzw. 65-70) und dem Schrift­satz der Be­klag­ten vom 30.10.2006 (LAG-Abl. 38-41) er­sch­ließt sich das Vor­brin­gen der Par­tei­en im Be­ru­fungs­ver­fah­ren. Dar­auf wird Be­zug ge­nom­men.
Der Kläger führt ge­gen das an­ge­foch­te­ne Ur­teil im We­sent­li­chen ins Feld, das Ar­beits­ge­richt sei zu Un­recht da­von aus­ge­gan­gen, dass die von der Be­klag­ten an­ge­streb­te An­pas­sung sei­nes Ar­beits­ver­tra­ges an die ta­rif­ver­trag­li­chen Be­stim­mun­gen durch drin­gen­de be­trieb­li­che Er­for­der-nis­se ge­recht­fer­tigt sei, weil kei­ner der Ent­leih­be­trie­be der Be­klag­ten be­reit ge­we­sen sei, Leih­ar­beit­neh­mer zu „equal-tre­at­ment“-Be­din­gun­gen zu ent­lei­hen. Er ha­be nämlich nach­hal­tig be­strit­ten, dass er nach der al­ten ar­beits­ver­trag­li­chen Re­ge­lung nicht mehr ein­setz­bar ge­we­sen sei, zu­mal er tatsächlich auch nach Aus­spruch der Ände­rungskündi­gung im Rah­men ei­nes Pro­zess­ar­beits­verhält­nis­ses zu­min­dest bis 30.06.2006 wie zu­vor beschäftigt wor­den sei. Al­lein die ge­setz­li­che Neu­re­ge­lung zum 01.01.2004 ha­be ein drin­gen­des be­trieb­li­ches Bedürf­nis zur Ände­rung der Ar­beits­be­din­gun­gen nicht recht­fer­ti­gen können. Im Übri­gen sei­en ihm die da­mit ver­bun­de­nen Nach­tei­le nicht zu­zu­mu­ten. Die­se lägen nicht nur in ei­ner fak­ti­schen Her­ab­grup­pie­rung (Ab­sen­kung der ihm ver­trag­lich bzw. ge­setz­lich zu­ste­hen­den Vergütung auf das Ta­ri­fent­gelt un­ter Gewährung ei­ner frei­wil­li­gen über­ta­rif­li­chen Zu­la­ge, auf wel­che kein Rechts­an­spruch be­ste­hen sol­le, § 4 Ziff. 2 mit 6 des neu­en Ar­beits­ver­tra­ges), son­dern auch in der nicht nur ge-ringfügi­gen Re­du­zie­rung der Lohn­zu­schläge und sons­ti­gen Ver­schlech­te­run­gen. Auf § 9 Ziff. 2 AÜG könne er nicht ver­wie­sen wer­den, da die­se Vor­schrift le­dig­lich die Ver­ein­ba­rung der ta­rif-ver­trag­li­chen Be­stim­mun­gen bei Neu­verträgen ermögli­che, nicht aber ei­nen ein­sei­ti­gen Ein­griff in be­reits be­ste­hen­de Ar­beits­verhält­nis­se recht­fer­ti­gen könne.
Dem­ent­spre­chend be­an­tragt der Kläger im zwei­ten Rechts­zug:
1. Auf die Be­ru­fung des Klägers vom 22.06.2006 wird das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts Stutt­gart vom 20.06.2006 - Az.: 16 Ca 11802/05 - ab­geändert und fest­ge­stellt, dass die Ände­rung der Ar­beits­be­din­gun­gen durch die Ände­rungskündi­gung vom 24.11.2005 so­zi­al un­ge­recht­fer­tigt ist.
2. Es wird fest­ge­stellt, dass der In­halt des Ar­beits­verhält­nis­ses der Par­tei­en durch die Ände­rungskündi­gung der Be­klag­ten vom 24.11.2005 vom 31.01.2006 nicht geändert wird.
Sie ver­tei­digt in ers­ter Li­nie das an­ge­foch­te­ne Ur­teil. Sie be­tont er­neut, dass kei­ner ih­rer - na­ment­lich auf­ge­lis­te­ten - Kun­den be­reit ge­we­sen sei, den Kläger zu „equal-tre­at­ment“-Be­din­gun­gen zu ent­lei­hen, wes­halb ei­ne Beschäfti­gungsmöglich­keit für ihn fak­tisch ent­fal­len sei. Des­halb ha­be sie das ihr zur Verfügung ste­hen­de mil­des­te Mit­tel gewählt und ihm an­ge­bo­ten, un­ter Ände­rung sei­ner Ar­beits­be­din­gun­gen, aber un­ter Be­sitz­stands­wah­rung, wei­ter­zu­ar­bei­ten. Die teil­wei­se Ab­sen­kung der Zeit­zu­schläge auf das ta­rif­ver­trag­li­che Ni­veau hätte sich für den Kläger fak­tisch nicht aus­ge­wirkt. Im ge­sam­ten Jahr 2003 ha­be er le­dig­lich während drei Wo­chen in der Spätschicht (von 14:00 bis 22:00 Uhr) so­wie zwei­mal von 14:00 Uhr bis 21:00 Uhr ge­ar­bei­tet. Einsätze in der Nacht­schicht ha­be es nicht ge­ge­ben. Ein re­le­van­ter Ein­griff in das ar­beits­ver­trag­li­che Sy­nal­lag­ma sei des­halb nicht er­folgt.
Hin­sicht­lich der wei­te­ren Ein­zel­hei­ten des Vor­brin­gens der Par­tei­en wird auf den In­halt der zwi­schen ih­nen ge­wech­sel­ten Schriftsätze und ih­rer An­la­gen ver­wie­sen.
Über die Be­haup­tung der Be­klag­ten, die von ihr im Schrift­satz vom 27.02.2006 auf­ge­lis­te­ten Ent­leih­be­trie­be, mit de­nen sie ständig zu­sam­men­ar­bei­te, lehn­ten es ab, mit ihr Verträge im Sin-ne des § 12 Abs. 1 AÜG ab­zu­sch­ließen, wenn sie Leih­ar­beit­neh­mer zu „equal-tre­at­ment“-Be­din­gun­gen an­bie­te, wenn die­se al­so nicht un­ter die Vor­aus­set­zun­gen der §§ 3 Abs. 1 Nr. 3 und 9 Nr. 2 AÜG fie­len, wur­de Be­weis er­ho­ben durch die un­eid­li­che Ver­neh­mung des Zeu­gen Ge­org Eb­ner. Hin­sicht­lich des Er­geb­nis­ses der Be­weis­auf­nah­me wird auf den In­halt des Sit-zungs­pro­to­kolls vom 12.04.2007 (LAG-Abl. 77-79) Be­zug ge­nom­men.
Die ih­rem Ge­gen­stand nach statt­haf­te Be­ru­fung des Klägers (vgl. § 64 Abs. 2 lit. c ArbGG) wur­de form- und frist­ge­recht ein­ge­legt und in­ner­halb der ge­setz­li­chen Be­gründungs­frist ord­nungs­gemäß aus­geführt (vgl. §§ 66 Abs. 1, 64 Abs. 6 ArbGG, 517, 519, 520 ZPO). Sie ist auch im Übri­gen zulässig.
Die Kam­mer hat da­bei un­ter Würdi­gung der ob­jek­ti­ven In­ter­es­sen­la­ge das Be­ru­fungs­be­geh­ren des Klägers un­ter Berück­sich­ti­gung der erst­in­stanz­lich ge­stell­ten Anträge da­hin­ge­hend aus­ge-legt, dass der Fest­stel­lungs­an­trag Ziff. 2 le­dig­lich als Hilfs­an­trag ge­stellt wer­den soll­te.
Die Be­ru­fung hat auch in der Sa­che Er­folg. Denn das Ar­beits­ge­richt hat die (zulässi­ge) Kündi­gungs­fest­stel­lungs­kla­ge des Klägers zu Un­recht ab­ge­wie­sen. Die Ände­rung der Ar­beits­be­din­gun­gen durch die Ände­rungskündi­gung der Be­klag­ten vom 24.11.2005 ist nämlich so­zi­al nicht ge­recht­fer­tigt.
1. Ei­ne be­triebs­be­ding­te Ände­rungskündi­gung ist wirk­sam, wenn sich der Ar­beit­ge­ber bei ei­nem an sich an­er­ken­nens­wer­ten An­lass dar­auf be­schränkt hat, le­dig­lich sol­che Ände­run­gen vor­zu­schla­gen, wel­che der Ar­beit­neh­mer bil­li­ger­wei­se hin­neh­men muss. Im Rah­men der §§ 1, 2 KSchG ist da­bei zu prüfen, ob das Beschäfti­gungs­verhält­nis für den be­tref­fen­den Ar­beit­neh­mer zu den bis­he­ri­gen Ver­trags­be­din­gun­gen ent­fal­len ist. Die­ser Maßstab gilt un­abhängig da­von, ob der Ar­beit­neh­mer das Ände­rungs­an­ge­bot ab­ge­lehnt oder un­ter Vor­be­halt an­ge­nom­men hat.
Das Bedürf­nis für die Wei­ter­beschäfti­gung ei­nes Ar­beit­neh­mers im Be­trieb kann so­wohl auf außer- wie in­ner­be­trieb­li­chen Umständen be­ru­hen. Bei ei­nem Leih­ar­beits­verhält­nis kann der Weg­fall des Beschäfti­gungs­bedürf­nis­ses u.a. dar­auf be­ru­hen, dass auf dem re­le­van­ten Ar­beits­markt be­stimm­te be­ruf­li­che Tätig­kei­ten nicht mehr nach­ge­fragt wer­den, so dass dem Ar­beit­ge­ber ei­ne Ver­mitt­lung des Leih­ar­bei­ters nicht mehr ge­lingt.
Al­lei­ne die Ab­sen­kung der mit dem Leih­ar­beit­neh­mer ver­ein­bar­ten Vergütung oder aber ei­ne Ände­rung der ar­beits­ver­trag­li­chen Be­din­gun­gen zur Sen­kung der Per­so­nal­kos­ten können da­ge­gen ein drin­gen­des be­trieb­li­ches Er­for­der­nis im Sin­ne der §§ 1, 2 KSchG nur
dann be­gründen, wenn mit der Ände­rung der Ar­beits­be­din­gun­gen die Still­le­gung des Be­trie­bes oder ei­ne Re­du­zie­rung der Be­leg­schaft ver­hin­dert wer­den kann und die Kos­ten durch an­de­re Maßnah­men nicht zu sen­ken sind, al­so der Aus­spruch ei­ner be­triebs­be­ding­ten Ände­rungskündi­gung das ein­zi­ge dem Ar­beit­ge­ber zur Verfügung ste­hen­de Mit­tel ist, um ei­ne an­sons­ten aus wirt­schaft­li­chen Gründen er­for­der­lich wer­den­de Be­en­di­gungskündi­gung zu ver­mei­den. Grundsätz­lich sind nämlich ab­ge­schlos­se­ne Verträge ein­zu­hal­ten, so dass ein so schwer­wie­gen­der Ein­griff in das ar­beits­ver­trag­li­che Sy­nallgma, wie es ei­ne Ände­rungskündi­gung zur Durch­set­zung ei­ner er­heb­li­chen Lohn­sen­kung oder Ände­rung der Ar­beits­be­din­gun­gen dar­stellt, nur dann zu recht­fer­ti­gen ist, wenn an­dern­falls bei ei­ner Auf­recht­er­hal­tung der bis­he­ri­gen Ver­trags­be­din­gun­gen wei­te­re, be­trieb­lich nicht mehr auf­fang­ba­re Ver­lus­te ent­ste­hen würden, wel­che ab­seh­bar zu ei­ner Re­du­zie­rung der Be­leg­schaft oder so­gar zu ei­ner Sch­ließung des Be­trie­bes führen würden (vgl. hier­zu BAG AP Nr. 82 zu § 2 KSchG 1969 = DB 2006, 1114 ff. = NZA 2006, 587 ff.).
2. Vor­lie­gend hat die Be­klag­te zwar be­haup­tet, kei­ne ih­rer Kun­den­fir­men, mit wel­chen sie re­gelmäßig Ent­leih­verträge schließe, sei nach Ände­rung des Ar­beit­neh­merüber­las­sungs­ge­set­zes ab 01.01.2004 wei­ter­hin be­reit ge­we­sen, Ar­beit­neh­mer zu „equal-tre­at­ment“-Be­din­gun­gen zu ent­lei­hen, sie hätten viel­mehr auf ei­ner ein­zel­ver­trag­li­chen Ver­ein­ba­rung ta­rif­ver­trag­li­cher Ar­beits­be­din­gun­gen be­stan­den, um sich even­tu­ell zu er­war­ten­der (lästi­ger) Aus­kunfts­be­geh­ren, ja so­gar Aus­kunfts­kla­gen, über die in ih­ren Un­ter­neh­men gel­ten­den Ar­beits­be­din­gun­gen ih­rer Stamm­ar­bei­ter zu ent­zie­hen, und sei­en auch nicht be­reit ge­we­sen, ei­nen erhöhten Ver­rech­nungs­satz für Ar­beit­neh­mer zu ent­rich­ten, wel­che zu „equal-tre­at­ment“-Be­din­gun­gen hätten ar­bei­ten sol­len. Die­ser Vor­trag war an und für sich ge­eig­net, den den Aus­spruch ei­ner Ände­rungskündi­gung recht­fer­ti­gen­den Weg­fall des Beschäfti­gungs­bedürf­nis­ses im Be­zug auf den Kläger zu be­gründen. Den Sach­vor­trag der Be­klag­ten hat der Kläger je­doch be­reits in ers­ter In­stanz mit Ent­schie­den­heit be­strit­ten (vgl. Schrift­satz vom 22.03.2006, ArbG-Ak­te Bl. 63-70), was das Ar­beits­ge­richt al­ler­dings nicht hin­rei­chend gewürdigt hat. Es hätte über die strei­ti­gen Punk­te Be­weis er­he­ben müssen. Dies hat die Kam­mer auf­grund des Be­weis­be­schlus­ses vom 12.04.2007 im zwei­ten Rechts­zug nach­ge­holt.
Die Be­weis­auf­nah­me hat je­doch nicht die Rich­tig­keit der Be­haup­tung der Be­klag­ten er­ge­ben. Zwar hat der Zeu­ge E. glaub­haft und glaubwürdig be­kun­det, dass die Be­klag­te An­fang 2004 ih­re Kun­den dar­auf auf­merk­sam ge­macht ha­be, dass sie ih­nen Leih­ar­beit­neh­mer an­bie­ten könn­te, für de­ren Ar­beits­verhält­nis­se ent­we­der die Ta­rif­verträge mit den christ­li­chen Ge­werk­schaf­ten oder mit den DGB-Ge­werk­schaf­ten An­wen­dung fänden, aber auch Ar­beit­neh­mer, die zu „equal-tre­at­ment“-Be­din­gun­gen beschäftigt wer­den könn­ten, außer­dem dass sich Letz­te­res auf den Preis aus­wir­ken würde und die Ent­lei­her in die­sem
Fal­le ih­ren In­for­ma­ti­ons­pflich­ten genügen müss­ten, wor­auf­hin sich aus­nahms­los al­le Ver­trags­part­ner dafür ent­schie­den hätten, nur sol­che Ar­beit­neh­mer zu ent­lei­hen, wel­che ta­rif-ge­bun­den sei­en oder in de­ren Ar­beits­verträgen ei­ne ta­rif­ver­trag­li­che In­be­zug­nah­me ver­ein­bart sei. Doch hat die Ver­neh­mung des Zeu­gen auch er­ge­ben, dass die Be­klag­te kei­nem Kun­den ei­nen Ein­satz des Klägers kon­kret mit dem Hin­weis an­ge­bo­ten hat­te, dass er zu „equal-pay­ment“-Be­din­gun­gen ar­bei­te und auch in kei­nem Fall ein Ein­satz des Klägers kon­kret ab­ge­lehnt wor­den war und dass die Be­klag­te ge­ne­rell Ar­beit­neh­merüber­las­sungs­verträge oh­ne na­ment­li­che Be­nen­nung der zu­ge­las­se­nen Ar­beit­neh­mer schließt, da­mit der Ar­beits­ein­satz bei Aus­fall ein­zel­ner Mit­ar­bei­ter fle­xi­bel ge­stal­tet wer­den kann.
Die Kam­mer hat­te des­halb er­heb­li­che Zwei­fel an der Rich­tig­keit der Be­haup­tung der Be­klag­ten, dass der Kläger oh­ne ei­ne Ände­rung sei­ner Ar­beits­be­din­gun­gen nicht mehr ein­ge­setzt wer­den könne. Denn es spricht sehr viel dafür, dass die Kun­den der Be­klag­ten durch­aus be­reit ge­we­sen sein könn­ten, auch den Kläger als Hilfs­kraft ein­zu­set­zen, wenn sie der Be­klag­ten dafür kei­nen erhöhten St­un­den­ver­rech­nungs­satz hätten be­zah­len müssen, so­mit auch die Bun­des­an­stalt für Im­mo­bi­li­en­auf­ga­ben, bei wel­cher der Kläger wie­der­holt ein­ge­setzt wor­den war, und die­se be­reit­wil­lig Aus­kunft über die in ih­rem Be­reich gel­ten­den Ar­beits­be­din­gun­gen der Stamm­be­leg­schaft er­teilt hätte, nach­dem letz­te­re im Be­reich des öffent­li­chen Diens­tes eh kein Ge­heim­nis sein dürf­ten.
Dass der Ein­satz des Klägers der Be­klag­ten mögli­cher­wei­se be­triebs­wirt­schaft­lich ein Kos­ten­pro­blem be­schert, wenn er auf Gleich­be­hand­lung mit der Stamm­be­leg­schaft der Ent­leih­fir­men po­chen würde und sie ih­ren Kun­den kei­nen höhe­ren St­un­den­satz in Rech­nung stel­len könn­te, be­gründet noch kein drin­gen­des be­trieb­li­ches Er­for­der­nis für ei­ne Ände­rung der im Jahr 1999 ver­ein­bar­ten Ver­trags­be­din­gun­gen. Der mit ei­nem wei­te­ren Ein­satz des Klägers zu „equal-tre­at­ment“-Be­din­gun­gen zu er­war­ten­de Ver­lust - be­zo­gen auf sei­ne Kos­ten­stel­le - recht­fer­tigt nämlich noch kei­nen Ein­griff in die be­ste­hen­de Ver­trags­struk­tur. Denn zur Ret­tung des Be­trie­bes bzw. zur Ver­mei­dung ei­ner Re­du­zie­rung der Be­leg­schaft ist ei­ne Ände­rung der Ver­trags­be­din­gun­gen mit dem Kläger nicht er­for­der­lich, nach­dem be­reits al­le an­de­ren Ar­beit­neh­mer Ände­run­gen der Ar­beits­ver­trags­be­din­gun­gen ent­spre­chend den ta­rif­ver­trag­li­chen Re­ge­lun­gen ak­zep­tiert hat­ten. Al­lein das In­ter­es­se der Be­klag­ten an ei­ner An­pas­sung der Ar­beits­ver­trags­be­din­gun­gen des Klägers an die im übri­gen in ih­rem Un­ter­neh­men ein­heit­lich gel­ten­den Ver­trags­be­din­gun­gen ver­mag die streit­be­fan­ge­ne Ände­rungskündi­gung so­zi­al nicht zu recht­fer­ti­gen (vgl. BAG aaO un­ter II 5 c der Ent­schei­dungs­gründe).
War aber die Ände­rung der Ver­trags­be­din­gun­gen mit dem Kläger nicht aus ei­nem drin­gen­den be­trieb­li­chen Grund er­for­der­lich, er­scheint die streit­be­fan­ge­ne Ände­rungskündi-
gung der Be­klag­ten schon aus die­sem Grund so­zi­al un­ge­recht­fer­tigt, un­ge­ach­tet der Tat­sa­che, dass das dem Kläger sei­tens der Be­klag­ten un­ter­brei­te­te Ände­rungs­an­ge­bot nicht un­zu­mut­bar ge­we­sen wäre, ent­spricht es doch zu 100 % den ta­rif­ver­trag­li­chen Be­stim­mun­gen, für wel­che auf­grund ih­res kol­lek­tiv­recht­li­chen Cha­rak­ters ei­ne ho­he Rich­tig­keits­gewähr spricht.
Nach al­lem war auf die Be­ru­fung des Klägers das an­ge­foch­te­ne ar­beits­ge­richt­li­che Ur­teil ab­zuändern und sei­nem Fest­stel­lungs­be­geh­ren zu ent­spre­chen. Ei­ne Ent­schei­dung über die - hilfs­wei­se ge­stell­ten - wei­te­ren Fest­stel­lungs­anträge des Klägers be­durf­te es nicht mehr.
1. Die Kos­ten­ent­schei­dung be­ruht auf § 91 ZPO. Da­nach hat die­je­ni­ge Par­tei die Kos­ten des Rechts­streits zu tra­gen, die letzt­end­lich un­ter­le­gen ist. Dies ist vor­lie­gend die Be­klag­te.
2. Die Re­vi­si­on zum Bun­des­ar­beits­ge­richt war nach Auf­fas­sung der Kam­mer zu­zu­las­sen, nach­dem der Fra­ge, nach wel­chen Maßstäben sich bei der Be­ur­tei­lung der so­zia­len Recht-fer­ti­gung ei­ner Ände­rungskündi­gung der Weg­fall der Wei­ter­beschäfti­gungsmöglich­keit ei­nes Leih­ar­beit­neh­mers zu „equal-tre­at­ment“-Be­din­gun­gen be­misst, von grundsätz­li­cher Be­deu­tung für Zeit­ar­beits­un­ter­neh­men ist.
Die Re­vi­si­on zum Bun­des­ar­beits­ge­richt wird für die Be­klag­te zu­ge­las­sen.
Die Re­vi­si­ons­schrift muss in­ner­halb ei­nes Mo­nats nach der Zu­stel­lung des Be­ru­fungs­ur­teils, die Re­vi­si­ons­be­gründungs­schrift in­ner­halb von zwei Mo­na­ten nach die­sem Zeit­punkt beim
gez. Bur­kard
gez. Kraus
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