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Timestamp: 2019-11-19 17:23:54
Document Index: 99093881

Matched Legal Cases: ['§ 175', '§ 175', '§ 175', '§ 175', '§ 175', '§ 175', '§ 175', 'BGH', '§ 175', 'Art14', '§ 175', '§ 175', '§ 175', '§ 175', '§ 175', '§ 175', '§ 175']

Die männliche Homosexualität zwischen Pathologisierung und ... | Masterarbeit, Hausarbeit, Bachelorarbeit veröffentlichen
Die männliche Homosexualität zwischen Pathologisierung und Emanzipation. Der medizinische Diskurs in der BRD der 1950er Jahre
N D Nejla Demirkaya (Autor)
2.1. Die strafrechtliche Verfolgung in der frühen BRD
2.2. Die Sexualmoral der 1950er Jahre
2.3 Der medizinische Diskurs im Kontext
3. Medizinische Gutachten zu Fragen der Homosexualität
3.1. Ätiologie
3.2. Therapie
3.3. Soziale Gefährlichkeit und die §§ 175 und 175a StGB
Bereits im 19. Jahrhundert hatten sich die Medizin sowie andere eng mit ihr verwandte Wissenschaften als höchste Autoritäten in Fragen menschlicher Sexualität etabliert. Diesen Status sollten sie auch im 20. Jahrhundert behalten. Im Kampf gegen die Unterdrückung des männlichen Homosexuellen spielten sie seit jeher jedoch eine zwiespältige Rolle. Da die homophobe Haltung in der deutschen Gesellschaft der frühen Nachkriegszeit trotz des Niedergangs der NS-Diktatur ungebrochen fortlebte - der Jurist Hans Joachim Schoeps ging noch 1962 sogar so weit zu konstatieren: „Für die Homosexuellen ist das dritte Reich noch nicht zu Ende“1 - muss der Einfluss des medizinischen Diskurses auch in dieser Epoche hinterfragt werden. Indem diese Arbeit die während der frühen Nachkriegszeit diskutierten und veröffentlichten Thesen und Theorien in Bezug auf die Homosexualität untersucht, geht sie der Frage nach, ob die Grundlagen zur fortgesetzten Diskriminierung und strafrechtlichen Verfolgung durch die §§ 175 und 175a Strafgesetzbuch (StGB)2 in der medizinischen Forschung auszumachen sind. Als Quellen dienen hierbei die von einzelnen Medizinern und medizinischen Gesellschaften erstellten Gutachten, darunter in erster Linie die im Rahmen der Arbeiten an der Großen Strafrechtsreform in Auftrag gegebene Gutachtensammlung aus dem Jahr 1958 sowie ergänzend dazu eine Urteilsschrift des Bundesverfassungsgerichts (BVerfG) vom 10.05.1957, welche die im Rahmen eines langjährigen Prozesses gegen den Fortbestand des § 175 erstellten medizinischen Stellungnahmen referiert. Der Fokus auf diese Quellen erfolgte aufgrund der Überlegung, dass Gutachten besonders geeignet sind, prägnant wissenschaftliche Erkenntnisse wiederzugeben; auch kann angenommen werden, dass nur namhafte Spezialisten als Gutachter beauftragt werden, also solche, die durch ihre Forschung entscheidend zur innerfachlichen Diskussion beitragen und gegebenenfalls auch verstärkt im öffentlichen Diskurs auftreten.
Mildenberger beschäftigt sich in seinem Aufsatz ausschließlich mit dem Wandel des medizinischen Diskurses über die männliche Homosexualität von der Kaiserzeit bis in die Gegenwart. Gleichfalls lieferte Pretzel eine prägnante Übersicht über den historischen Kontext, indem er insbesondere die Motivation hinter der oppressiven Homosexuellenpolitik der Bundesregierung herausarbeitete. Noch während der 1950er und 1960er Jahre erschienen zahlreiche Dissertationen und Abhandlungen juristischer, medizinischer und auch soziologischer Provenienz, die den damaligen medizinischen Diskurs rezipierten und teilweise kritisch hinterfragten; von den aus dieser Zeit stammenden Werken jedoch ist die Monographie des Rechtsgelehrten Baumann für diese Arbeit von besonderer Relevanz, da darin die beiden für diese Arbeit verwendeten Quellen eine zusammenfassende Analyse unter besonderer Beachtung der juristischen Hintergründe sowie der Geschichte des Paragraphen erfahren. Letzteres gilt ebenso für Schäfers umfangreiche Dissertation, in der er die Entwicklung der Strafbarkeit der „Unzucht“ seit 1945 nachzeichnet. Beide Werke dienten in erster Linie der Orientierung bei der Analyse des Quellenmaterials.
Zunächst schafft eine Darstellung der historischen, politischen und sozialen Situation einen Überblick, auf dessen Grundlage im Folgenden das Quellenmaterial analysiert werden soll. Dabei liegt das Hauptaugenmerk auf den juristischen Entwicklungen, der herrschenden Sexualmoral sowie der kontextuellen Einbettung des medizinischen Diskurses, da auf all diese Aspekte in den Quellen sowohl explizit als auch implizit verwiesen wird. Letztere erfahren anschließend eine genaue und vergleichende Betrachtung unter Abwägung von Gemeinsamkeiten und möglichen Widersprüchen, um, sofern möglich, zuletzt eine Art Quintessenz des medizinischen Diskurses über die Homosexualität formulieren zu können. Dabei dient der Fragenkatalog für die ärztlichen Gutachten der Großen Strafrechtsreform als inhaltliche Orientierung. Dessen acht Fragen umfassen die drei Kernprobleme: 1. Ist Homosexualität angeboren oder erworben, oder beides? 2. Ist Homosexualität therapierbar? 3. Welche sozialen Auswirkungen ergeben sich durch das Auftreten der Homosexualität, und berechtigen sie zur Strafbarkeit gemäß der §§ 175 und 175a StGB?3
Indem die von den Nazis 1935 verschärfte Fassung des § 175 StGB4 in der neuen BRD, anders als in der DDR, ohne jegliche Veränderungen übernommen wurde, blieb die juristische Grundlage der verheerenden Homosexuellenverfolgung erhalten: Rein quantitativ entsprach die strafrechtliche Verfolgung in der BRD der des Dritten Reiches, oder übertraf sie vielmehr, - im Jahr 1959 erreichte die seit 1950 kontinuierlich zunehmende juristische Verfolgung Homosexueller oder als solche Verdächtigte mit 3500 Verurteilten ihren Höhepunkt5 - während sie immerhin qualitativ nicht deren Niveau erreichte6. Dennoch steht außer Frage, dass die Homosexuellen sich auch noch nach dem Ende des Regimes erheblichen Einschränkungen, Drangsalierungen und Diskriminierung ausgesetzt sahen. Dies führte so weit, dass sogar ehemalige KZ-Häftlinge erneut aufgrund ihrer sexuellen Orientierung juristisch belangt wurden - eben genau wegen des unveränderten Fortbestands des während des NS-Reichs verschärften § 175 StGB7. Statt des physischen drohte bei einer Verurteilung nunmehr der soziale Tod, was in manchen Fällen aber wiederum im Suizid endete8.
Homosexuelle Männer jedoch begannen, sich dieser Unterdrückung zu widersetzen; im Verlauf der frühen Nachkriegszeit bildeten sie nach und nach organisatorische Strukturen, deren Daseinszweck und Funktionsweisen alle Kennzeichen einer sozialen Bewegung erkennen lassen9. Doch obwohl ihnen qua Grundgesetz sämtliche Freiheiten zustanden, fanden sich stets Mittel und Wege, sie in der Ausübung ihrer Rechte massiv einzuschränken; als Begründung diente das propagandistische und verderbende Potential organisierter Gruppen und ihrer Medien - welches ohne das Bollwerk des § 175 zu voller Entfaltung gelänge10. Anhaltender Gegenwehr und Reformdiskussionen zum Trotz blieb der Paragraph die 1950er Jahre hindurch unangetastet; die nationalsozialistische Natur seiner Verschärfung 1935 wurde juristisch als solche vom Bundesgerichtshof (BGH) bereits 1951 erstmals abgelehnt, da er diese „Fassung nicht als Instrument der Verwirklichung nationalsozialistischer Ziele oder Ideen“ ansah11. Zudem begann 1953 ein bis in die 1960er Jahre andauernder, von Politik und Jurisdiktion betriebener Prozess mit dem Ziel der Reform des Strafgesetzbuchs. Über fünf Jahre trat die Große Strafrechtskommission zusammen, die sich in ihren Beratungen u. a. der in dieser Arbeit als Hauptquelle dienenden Stellungnahmen medizinischer Sachverständiger bediente. Dass diese Gutachten der Ärzteschaft, zumindest in diesem Fall, letztendlich wenig Einfluss ausübten, zeigt sich an der Beibehaltung des Grundtatbestands, die nach jahrelangen Verhandlungen 1962 beschlossen wurde und wiederum Anlass zu weiteren Reformbestrebungen gab12. In dem vom Rechtsausschuss des Bundesrats formulierten Bericht heißt es als Begründung, dass die Verführung Minderjähriger sowie die weitere Ausbreitung der Homosexualität, sei es privat oder gar in öffentlichem Rahmen, verhindert werden müsse13.
In einer jahrelangen Prozessreihe strengten zwei homosexuelle Männer Klage gegen die §§ 175 und 175a an; ihre zuvor erfolgte Verurteilung stehe im Widerspruch sowohl zum in Artikel 3 des Grundgesetzes (GG) proklamierten Gleichheitssatz als auch zum in Artikel 2 Absatz 1 GG festgelegten Recht auf die freie Entfaltung der Persönlichkeit. Unter Zuhilfenahme von durch verschiedene Sachverständige, darunter den drei Medizinern Giese, Kretschmer und Wiethold ausgestellten Gutachten, die den kleineren Teil des Quellenkorpus für diese Arbeit bilden, sowie wiederholt auf das sittliche Empfinden des Volkes verweisend urteilte das BVerfG letztlich zu Ungunsten der Kläger; in einem „historischen Grundsatzurteil“ vom 10.05.1957, in seiner Ausführlichkeit und seinem Inhalt dem einzigen seiner Art14, erklärte das BVerfG, dass weder eine geschlechtsbezogene Ungleichbehandlung noch eine Einschränkung der persönlichen Freiheit festzustellen seien15. Überdies wies auch dieses Gericht die Beschwerde über die Unrechtmäßigkeit des Paragraphen als NS-Überbleibsel ab - schließlich bestünde er nach wie vor. Somit scheiterte die Rechtsprechung in ihrer Aufgabe, die Grundwerte der Verfassung auch dann zu verteidigen, wenn sie gegen das sogenannte Volksempfinden verstießen16.
Zuvor hatte das Landgericht Hamburg in einem Urteil vom 22.06.1951 ebenfalls auf das von den beiden Klägern im obigen Prozess vorgebrachte Argument der Straffreiheit lesbischer Liebe Bezug genommen, woraufhin es die männlichen Angeklagten mit einer eher symbolischen Strafe von 3 DM Bußgeld belegte. Weiters hatte es in der Begründung geheißen, dass viele Länder, darunter einige Nachbarstaaten der BRD, die Homosexualität unter Männern generell nicht unter Strafe stellten17. Eine solche Haltung blieb in der bundesdeutschen Jurisdiktion allerdings stets eine Ausnahme.
Wie aus obigem Kapitel ersichtlich, war die Rechtsprechung und Politik in Fragen der Homosexualität von einer höchst restriktiven, konservativen Sexualmoral geprägt, die sich innerhalb der bundesdeutschen Gesellschaft in mannigfaltigen Formen der Diskriminierung und Normierung des geschlechtlichen Lebens manifestierte. In einem gesellschaftlichen Klima, welches jede Form sexueller „Entgleisung“18 - und darin sind alle außerehelichen und nicht-heterosexuellen Erscheinungen der Sexualität inbegriffen19 - ächtet und verpönt, galt der Homosexuelle geradezu als Antithese zum Ideal von der heilen Familie, bestehend aus Vater, Mutter und möglichst vielen Kindern, das nach dem Krieg propagiert wurde. Exemplarisch für den Zeitgeist könnte Konrad Adenauers Forderung nach einer „‘konstante[n] Zunahme der Geburten‘“ und der „‘Stärkung der Familie und dadurch Stärkung des Willens zum Kind‘“20 stehen.
Im Urteil des BVerfG vom 10.05.1957 heißt es, dass die moralische Verurteilung gleichgeschlechtlicher Beziehungen insbesondere durch die beiden großen christlichen Konfessionen, denen die Mehrheit der Bevölkerung die Maßstäbe für ihr sittliches Verhalten entnehme, entscheidend dafür sei, die Homosexualität an sich als eine Sache von gesellschaftlichem Interesse anzusehen und dementsprechend die Klage ablehnen zu können, die Verfolgung durch den § 175 verstoße gegen das Grundrecht auf die freie Entfaltung der Persönlichkeit21. Und in der Tat wirkten Staat und Kirche geradezu als Verbündete in Fragen des Sittengesetzes, indem Ersterer die „sittlichen Forderungen“ des Letzteren durch seine Strafgesetze absicherte22. Diesbezüglich stellt Mengel prägnant fest, dass die „konzentrierte Homophobie der Kirchen und der politischen Eliten [...] auch nicht ohne Wirkung auf die Gesellschaft insgesamt bleiben [konnte].“23
Überdies griff das Gericht auf eine an das während der NS-Zeit gepflegte Geschlechterrollenverständnis erinnernde biologistische Argumentation zurück, derzufolge grundlegende Unterschiede zwischen den Geschlechtern auszumachen sind; während: „‘[...] bei der Frau körperliche Begierde (Sexualtrieb) und zärtliche Empfindungsfähigkeit (Erotik) fast immer miteinander verschmolzen sind, [bleiben] beim Manne, und zwar gerade beim Homosexuellen, beide Komponenten vielfach getrennt [...]‘“24.
Der homosexuelle Mann erscheint in dieser Beschreibung als besonders triebhaft und unzuverlässig. Ironischerweise sollte eben diese systematische Homophobie und Homosexuellenverfolgung als Instrumente der sittlichen Erneuerung des Staates und damit der aktiven Abgrenzung von der moralischen Verwahrlosung im Dritten Reich dienen, ungeachtet der Tatsache, dass ebendiese Homosexuellenpolitik trotz ihres Verständnisses als „Bestandteil einer christlichen Sittenoffensive“ die NS-Praktiken bruchlos fortführte25.
Auf dem Hintergrund dieses als „Familienpolitik“ deklarierten, jedoch im Kern Züge der nationalsozialistischen Bevölkerungspolitik tragenden Vorgehens der Regierung26 sowie der christlich untermauerten homophoben Grundstimmung im Volk mag insbesondere die Verführung Jugendlicher durch den homosexuellen Mann den damaligen Sittenwächtern als eines der schlimmsten Schreckgespenster erschienen sein, was zahlreiche, im Namen des Jugendschutzes ausgeführte Razzien in der Homosexuellenszene und ähnliche polizeiliche Aktionen illustrieren27. Ob die „einfache“ Homosexualität28 weiterhin unter Strafe gestellt sein soll, bildete den Fixpunkt der damaligen Diskussionen; dass ihre auf Minderjährige gerichteten oder öffentliches Ärgernis erregenden Formen jedoch vorbehaltlos strafbar bleiben sollten, stellte auch für Verfechter homosexueller Emanzipation wie den Rechtswissenschaftler Jürgen Baumann 1968 eine Selbstverständlichkeit dar29.
1 Zitiert nach Pretzel, Andreas: Homosexuellenpolitik in der frühen Bundesrepublik (Queer Lectures, 3. Jahrgang, Heft 8, Juni 2008), Hamburg 2010, S. 9.
2 Abschnitt b regelte den Umgang mit der Sodomie, also der „widernatürlichen Unzucht“ mit Tieren, und wird deshalb aus dieser Arbeit ausgeklammert, zumal seine „gesetzliche Modifizierung [in den 1950er Jahren] nicht ernsthaft erwogen wurde“, vgl. Schäfer, Christian: „Widernatürliche Unzucht“ (§§ 175, 175a, 175b, 182 a.F. StGB). Reformdiskussion und Gesetzgebung seit 1945, Berlin 2006 (Juristische Zeitgeschichte, Bd. 26), S. 81.
3 Zwischen weiblicher und männlicher Homosexualität wird in nahezu allen Texten keine grundlegend begriffliche, sondern in erster Linie qualitative Unterscheidung vorgenommen. Dem medizinischen Konsens der 1950er Jahre zufolge geht von homosexuellen Frauen keinerlei Gefahr für die Gesellschaft aus. Präzise aus diesem Grund bleibt die im damaligen Diskurs - und entsprechend in den Fragenkatalogen für beide Quellen - trotzdem durchaus viel Raum einnehmende Gegenüberstellung der männlichen mit der weiblichen Homosexualität in dieser Arbeit weitgehend unberücksichtigt.
4 Der genaue Wortlaut der §§ 175 und 175a lautete von 1935 an wie folgt (übernommen von: BVerfG, 10.05.1957 - 1 BvR 550/52, Randnummer 19-20, URL: http://opinioiuris.de/entscheidung/864 [23.10.2015], im Folgenden abgekürzt mit Urt. v. 10.05.1957): „§ 175 (1) Ein Mann, der mit einem anderen Mann Unzucht treibt oder sich von ihm zur Unzucht mißbrauchen läßt, wird mit Gefängnis bestraft. (2) Bei einem Beteiligten, der zur Zeit der Tat noch nicht einundzwanzig Jahre alt war, kann das Gericht in besonders leichten Fällen von Strafe absehen. § 175 a Mit Zuchthaus bis zu zehn Jahren, bei mildernden Umständen mit Gefängnis nicht unter drei Monaten wird bestraft: 1. ein Mann, der einen anderen Mann mit Gewalt oder durch Drohung mit gegenwärtiger Gefahr für Leib oder Leben nötigt, mit ihm Unzucht zu treiben oder sich von ihm zur Unzucht mißbrauchen zu lassen; 2. ein Mann, der einen anderen Mann unter Mißbrauch einer durch ein Dienst-, Arbeits- oder Unterordnungsverhältnis begründeten Abhängigkeit bestimmt, mit ihm Unzucht zu treiben oder sich von ihm zur Unzucht mißbrauchen zu lassen; 3. ein Mann über einundzwanzig Jahren, der eine männliche Person unter einundzwanzig Jahren verführt, mit ihm Unzucht zu treiben oder sich von ihm zur Unzucht mißbrauchen zu lassen; 4. ein Mann, der gewerbsmäßig mit Männern Unzucht treibt oder von Männern sich zur Unzucht mißbrauchen läßt oder sich dazu anbietet.“
5 Bruns, Manfred: Die strafrechtliche Verfolgung homosexueller Männer in der BRD nach 1945, in: Landesstelle für Gleichbehandlung - gegen Diskriminierung (Hrsg.): § 175 StGB. Rehabilitierung der nach 1945 verurteilten homosexuellen Männer. Dokumentation des Fachsymposiums am 17. Mai 2011 zum internationalen Tag gegen Homophobie im Festsaal des Abgeordnetenhauses von Berlin und ergänzende Beiträge (Dokumente lesbisch-schwuler Emanzipation, Bd. 28.), S. 26-43, hier S. 28f.
6 Vgl. Heß, Michael: Von Todsündern zu Trendsettern. Zur homosexuellen Toleranzgeschichte in Deutschland und in den Niederlanden, in: Lademacher, Horst/Loos, Renate/Groenveld, Simon (Hrsg.): Ablehnung - Duldung - Anerkennung. Toleranz in den Niederlanden und in Deutschland. Ein historischer und aktueller Vergleich, Münster u. a. 2004 (Studien zur Geschichte und Kultur Nordwesteuropas, Bd. 9), S. 688-729, hier S. 703f.
7 Vgl. ebd., S. 704.
8 Bruns, Verfolgung, S. 28.
9 Vgl. Pretzel, Andreas/Weiß, Volker: Überlegungen zum Erbe der zweiten deutschen Homosexuellenbewegung, in: Pretzel, Andreas/Weiß, Volker (Hrsg.): Ohnmacht und Aufbegehren. Homosexuelle Männer in der frühen Bundesrepublik, Hamburg 2010 (Geschichte der Homosexuellen in Deutschland nach 1945, Bd. 1), S. 9-26, hier S. 12f.
10 Vgl. Stümke, Hans-Georg: Homosexuelle in Deutschland. Eine politische Geschichte, München 1989, S. 137ff.
11 Mengel, Hans-Joachim: Strafrechtliche Verfolgung homosexueller Handlungen in Deutschland nach 1945. Zur Rehabilitierung und Entschädigung der nach § 175 und 175a StGB wegen homosexueller Handlungen in der BRD und der DDR Verurteilten. Verfassungsrechtliche, verfassungspolitische und völkerrechtliche Erwägungen, Berlin 2012 (Dokumente lesbisch-schwuler Emanzipation, Bd. 29), S. 30. Dies könnte mit der NS-Kontinuität auch im Rechtswesen zusammenhängen, vgl. ebd., S. 29. Selbige mag sich noch sehr viel allgemeiner geäußert haben, indem die bevölkerungspolitische Agenda hinter der Verschärfung des Paragraphen deshalb nicht erkannt oder zumindest anerkannt worden war, eben weil sie in gewisser Weise noch ebenso fortgalt wie die allgemeine homophobe Stimmung im Volk.
12 Vgl. Baumann, Jürgen: Paragraph 175. Über die Möglichkeit, die einfache, nichtjugendgefährdende und nichtöffentliche Homosexualität unter Erwachsenen straffrei zu lassen (zugleich ein Beitrag zur Säkularisierung des Strafrechts), Berlin/Neuwied am Rhein 1968, S. 194f.
13 Ebd. Ebenso interessant ist die amtliche Begründung für diesen Gesetzesentwurf von 1962, welche aufzeigt, wie lebendig sowohl die von Tugend und Laster geprägte christliche Mentalität als auch stark an die NS-Ideologie erinnernde Argumente bzgl. der „Volksgesundheit“ und dem „gesunden Volksbewusstsein“ bis in die 1960er Jahre waren, vgl. ebd., S. 196ff.
14 Schäfer, Unzucht, S. 105.
15 Ausführlichere Erläuterungen dazu im folgenden Kapitel.
16 Mengel, Erwägungen, S. 31. Darüber hinaus steht dieses Urteil exemplarisch für die bewusste Leugnung und das Verschweigen der NS-Verfolgung der Homosexuellen; laut Pretzel war diese Haltung die Folge des „Kampf[es] um eine sexualisierte Deutungshoheit in der Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus [...]“, vgl. Pretzel, Homosexuellenpolitik, S. 13.
17 Vgl. Mengel, Erwägungen, S. 28f.
18 Dieser Begriff taucht wiederholt in explizitem Zusammenhang mit der Homosexualität in den unten analysierten Quellen auf.
19 Vgl. Bruns, Verfolgung, S. 28 und Pretzel, Homosexuellenpolitik, S. 20f.
20 Zitiert nach Stümke, Politische Geschichte, S. 139.
21 Vgl. Urt. v. 10.05.1957, passim. Durch diese Argumentation wird darüber hinaus einmal mehr deutlich, wie verbreitet noch die Vorstellung vom „Volksempfinden“ als Sittlichkeits-stiftender Faktor war.
22 Vgl. Bruns, Verfolgung, S. 28.
23 Mengel, Erwägungen, S. 28.
24 Urt. v. 10.05.1957, 134.
25 Pretzel, Homosexuellenpolitik, S. 12f.
26 Vgl. Stümke, Politische Geschichte, S. 139ff.
27 Pretzel, Homosexuellenpolitik, S. 24f.
28 Mit dem Begriff der „einfachen“ Homosexualität werden ausschließlich unter erwachsenen Männern vorgenommene gleichgeschlechtliche Handlungen bezeichnet.
29 Vgl. Baumann, Säkularisierung des Strafrechts, S. 13.
V430892
9783668740686
9783668740693
homosexualität, pathologisierung, emanzipation, diskurs, jahre
Nejla Demirkaya (Autor), 2016, Die männliche Homosexualität zwischen Pathologisierung und Emanzipation. Der medizinische Diskurs in der BRD der 1950er Jahre, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/430892
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