Source: https://www.juraforum.de/ratgeber/strafrecht/was-ist-beischlafdiebstahl-und-welche-strafe-droht
Timestamp: 2018-08-15 09:37:06
Document Index: 193820931

Matched Legal Cases: ['§ 242', '§ 242', '§ 243', '§ 243', 'BGH', '§ 243', '§ 242', '§ 243', '§ 25', '§ 27', '§ 242', '§ 242', '§ 243']

Autor: JuraForum.de-Redaktion, verfasst am 11.09.2017, 09:35| Jetzt kommentieren
Diebstahl gehört statistisch zu den am häufigsten begangenen Straftaten in Deutschland. Unter diesem Begriff kann sich jeder etwas vorstellen, sei er Jurist oder Laie. Doch was genau verbirgt sich hinter dem Begriff Beischlafdiebstahl? Ist er ein eigenes Sonderdelikt? Und welche Strafe droht bei einem Beischlafdiebstahl?
Welche Strafe droht bei einem Beischlafdiebstahl?
(© Daniel Bujack - Fotolia.com)
Der Begriff Beischlafdiebstahl
Hin und wieder ist in der Presse davon zu lesen, dass die Polizei einen Fall des Beischlafdiebstahls aufgeklärt hat. Dieser Begriff bezeichnet Fälle des Diebstahls, die im Zusammenhang mit Geschlechtsverkehr erfolgen, es handelt sich also nicht um ein Sexualdelikt. Vielmehr handelt es sich um Fälle, in denen der (Beischlaf-)Dieb nach dem einvernehmlichen Geschlechtsverkehr eine Sache des anderen, zum Beispiel Geld oder sonstige Wertgegenstände, entwendet. So stahl beispielsweise eine Prostituierte ihren Freiern Geld und Luxusuhren im Wert von mehreren tausend Euro, während die Männer sich im Badezimmer aufhielten. Auch im Übrigen wird der Beischlafdiebstahl vor allem im Prostitutionsmilieu begangen. Entsprechend hoch ist auch die Dunkelziffer bei diesem Delikt, da viele Opfer keine Anzeige erstatten, damit ihr(e) Bordellbesuch(e) nicht an die Öffentlichkeit gelangt. Die Bezeichnung Beischlafdiebstahl ist kein juristischer Begriff und ist daher nicht im Strafgesetzbuch [StGB] zu finden. Der Begriff stammt aus der Kriminologie und dient der genaueren Abgrenzung von Straftaten, wie etwa der Automatendiebstahl oder der Ladendiebstahl.
Wie wird ein Beischlafdieb bestraft?
Es handelt sich daher nicht um ein Sonderdelikt beziehungsweise einen eigenen Straftatbestand, sondern die Täter werden gemäß der Vorschriften über den Diebstahl bestraft, das heißt grundsätzlich § 242 Absatz 1 StGB. Damit dieser Grundtatbestand objektiv erfüllt ist, müssen die folgenden tatbestandlichen Merkmale vorliegen:
Tatobjekt: fremde bewegliche Sache(n), es muss sich also um Sachen handeln, die im Eigentum (Allein-, Mit- oder Gesamthandseigentum) eines anderen stehen und tatsächlich bewegt werden können.
Tathandlung: Wegnahme, das heißt der Bruch fremden und die Begründung neuen Gewahrsams. Unter Gewahrsam versteht man wiederum das von einem Herrschaftswillen getragene tatsächliche Herrschaftsverhältnis einer Person über eine Sache, beispielsweise das Eigentum einer Person.
Subjektiv setzt der Tatbestand des § 242 Absatz 1 StGB zusätzlich zum Begehen mit Vorsatz voraus, dass der Täter die Sache „in der Absicht wegnimmt, die Sache sich oder einem Dritten rechtswidrig zuzueignen“ (sog. Aneignungs- und Enteignungsabsicht). Das Gesetz sieht für die Begehung eines Diebstahls eine Freiheitsstrafe von bis zu fünf Jahren oder eine Geldstrafe vor, der Beischlafdiebstahl wird als kriminologische Variante des Diebstahls entsprechend genauso bestraft.
Bis zu zehn Jahre Gefängnis in besonders schweren Fällen
Je nach den konkreten Umständen des Einzelfalles kann auch § 243 StGB anwendbar sein, also wenn der Beischlafdieb etwa seine Geschlechtspartner gewerbsmäßig bestiehlt (vgl. § 243 Absatz 1 Satz 2 Nr. 3 StGB), das heißt sich durch wiederholte Diebstähle eine fortlaufende Einnahmequelle schafft (vgl. BGH Urteil vom 11.10.1994 – 1 StR 522/94). § 243 StGB ist keine Qualifikation, also kein eigener Tatbestand, sondern lediglich eine Strafzumessungsregel. Diese können in bestimmten geschriebenen, aber auch ungeschriebenen schweren Fällen einer Straftat, zu einer höheren Strafe führen. Im Falle gewerbsmäßig betriebener Beischlafdiebstähle droht dem Täter im Gegensatz zum einfachen Beischlafdiebstahl nach § 242 Absatz 1 StGB in jedem Fall eine Gefängnisstrafe, die gemäß § 243 Absatz 1 Satz 1 StGB je nach der konkreten Schwere der Tat mindestens drei Monate und höchstens beachtliche zehn Jahre betragen kann.
Daneben können die Täter auch mit Mittätern oder Gehilfen agieren, die dann entsprechend nach § 25 Absatz 2 StGB (Mittäter) beziehungsweise § 27 StGB (Gehilfen) bestraft werden.
Der Beischlafdiebstahl ist kein eigener Straftatbestand, sondern vielmehr eine bestimmte Variante des Diebstahls. Die Bezeichnung dient dabei vor allem der genaueren Differenzierung und Abgrenzung des konkreten Diebstahls, ist aber kein juristischer Fachbegriff. Daher wird der Beischlafdiebstahl nach den Vorschriften über „normalen“ Diebstahl bestraft, also vor allem nach §§ 242, 243 StGB.
Schlagwörter: Beischlafdiebstahl, Geschlechtsverkehr, Sexualdelikt, Diebstahl, § 242 StGB, § 243 StGB, gewerbsmäßig, Freiheitsstrafe, Geldstrafe
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