Source: https://www.poko.de/JAV/Kundenservice/Newsletter-Artikel/August-2019/Rechtliche-Infos-fuer-JAVler
Timestamp: 2019-09-22 04:26:08
Document Index: 192299373

Matched Legal Cases: ['§ 70', '§ 2', '§ 5', '§ 5', '§ 8', '§ 14', '§ 11', '§ 22', '§ 23', '§ 24']

Stichwort Ferienjobs: Rechtliche Infos für JAVler / JAV / Poko-Institut
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Stichwort Ferienjobs: Rechtliche Infos für JAVler
Rechtliche Infos für JAVler
von Christoph Börner
In der Ferienzeit kann es immer wieder mal vorkommen, dass euer Arbeitgeber kurzfristig auch jugendliche Schüler beschäftigt, die sich ihr spärliches Taschengeld mit einem Ferienjob aufbessern. Als JAVler ist es unter anderem eure Aufgabe darüber zu wachen, dass die zugunsten Jugendlicher - also unter 18-Jähriger - geltenden Gesetze und sonstigen Schutzvorschriften auch wirklich eingehalten werden. Das steht so im § 70 des Betriebsverfassungsgesetzes (BetrVG), in dem die allgemeinen Aufgaben der JAV festgeschrieben sind. Falls noch nicht geschehen, schaut ihn euch mal an.
Wichtigstes Schutzgesetz für Kinder und Jugendliche in diesem Zusammenhang ist, Überraschung: klar, das Jugendarbeitsschutzgesetz (JArbSchG). Nachfolgend bringen wir euch also mal einen kurzen Überblick über die dortigen Bestimmungen zugunsten minderjähriger Arbeitnehmer, die ihr mindestens kennen solltet, um im Bereich Ferienjobs für Jugendliche in eurem Betrieb fit zu sein.
Kind im Sinne des Gesetzes ist, wer noch keine 15 Jahre alt ist (§ 2 JArbSchG). Kinder dürfen grundsätzlich eigentlich gar nicht arbeiten. Nur ausnahmsweise und mit Zustimmung ihrer Eltern können Kinder über 13 Jahren leichte für Kinder geeignete Jobs übernehmen. Gemeint sind dabei also Tätigkeiten wie z. B. Babysitten, Zeitungen und Prospekte austragen, Flyer verteilen, Gartenhilfe und ähnliches. Das aber nicht mehr als zwei Stunden am Tag und nur zwischen 8 und 18 Uhr. Und natürlich nicht vor oder während des Schulunterrichts (§ 5 Abs. 3 JArbSchG).
Jugendlicher ist, wer mindestens 15, aber noch keine 18 Jahre alt ist. Jugendliche dürfen schon etwas mehr arbeiten, und zwar während der Schulferien insgesamt vier Wochen pro Jahr (§ 5 Abs. 4 JArbSchG). Dabei darf innerhalb einer Woche aber höchstens an fünf Tagen gearbeitet werden und das jeweils für maximal 8 Stunden am Tag. Nur wenn an einem Tag entsprechend weniger gearbeitet wird, dürfen es an einem anderen Tagen auch mal achteinhalb Stunden sein. Insgesamt darf die wöchentliche Arbeitszeit aber maximal 40 Stunden betragen (§ 8 JArbSchG). Die Arbeitszeit muss dabei zwischen 6 und 20 Uhr liegen. Eine Ausnahme davon gilt für Jugendliche über 16 Jahren bei Tätigkeiten in Gaststätten, der Landwirtschaft und in Bäckereien. Wichtig auch: in mehrschichtigen Betrieben dürfen sie in der Regel sogar bis 23 Uhr ran (§ 14 JArbSchG). Wochenendarbeit ist grundsätzlich nicht erlaubt, einige Ausnahmen von dieser Regel findet ihr jedoch in den Paragraphen 16 und 17 JArbSchG.
Anders als bei Erwachsenen ist die Ruhepausenregelung für Jugendliche, die in § 11 des Gesetzes festgeschrieben ist. Danach betragen Ruhepausen, die übrigens im Voraus feststehend sein müssen, bei einer Arbeitszeit von mehr als viereinhalb bis sechs Stunden 30 Minuten und bei einer Arbeitszeit von mehr als 6 Stunden dann 60 Minuten. Länger als viereinhalb Stunden am Stück darf ein Jugendlicher nicht beschäftigt werden.
Ganz wichtig ist außerdem: Jugendliche sind besonders schutzbedürftig und dürfen deshalb keine für sie besonders gefährlichen, schädlichen oder schweren Arbeiten machen. Was damit genau gemeint ist, steht im § 22 JArbSchG, schaut im Zweifelsfall mal rein. Gleiches gilt für Akkordarbeit (§ 23 JArbSchG) und Jobs unter Tage (§ 24 ArbSchG). Über bestehende Unfall- und Gesundheitsgefahren und Möglichkeiten zu deren Abwendung muss der Arbeitgeber Jugendliche vor Beginn ihrer Beschäftigung unterweisen.
Übrigens: für Ferienjobber unter 18 Jahren ohne abgeschlossene Berufsausbildung gilt nicht das Mindestlohngesetz (MiLoG)! Sie können also nicht den gesetzlichen Mindestlohn in Höhe von derzeit EUR 9,19 verlangen. Die Arbeitslöhne sind insofern frei verhandelbar, müssen aber auch bei Ferienjobbern fair sein. Stimmt das Verhältnis zwischen Arbeit und Entlohnung überhaupt nicht mehr, wäre eine solche Vereinbarung unzulässig. Dann wäre ein für die Arbeitsleistung üblicher Lohn zu zahlen.
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