Source: http://relevancy.bger.ch/php/aza/http/index.php?lang=de&zoom=&type=show_document&highlight_docid=aza%3A%2F%2F21-11-2014-8C_243-2014
Timestamp: 2016-10-25 03:24:06
Document Index: 304042815

Matched Legal Cases: ['Art. 95', 'Art. 96', 'Art. 106', 'BGE', 'Art. 6', 'Art. 9', 'BGE', 'Art. 6', 'Art. 9', 'BGE', 'Art. 66']

8C_243/2014 (21.11.2014)
8C_243/2014 {T�0/2} � � Urteil vom 21. November 2014
Z�rich Versicherungs-Gesellschaft AG, Litigation Hauptbranchen, 8085 Z�rich,
vom 5. M�rz 2014.
Der 1975 geborene A.________ ist seit dem 1. Januar 2009 bei der Gemeinschaft B.________ angestellt und damit bei der Z�rich Versicherungs-Gesellschaft AG (nachfolgend: Z�rich) gegen die Folgen von Berufs- und Nichtberufsunf�llen versichert. Mit Schadensmeldung vom 19. April 2013 teilte dieser der Z�rich mit, er habe sich beim Spielen im Wasser mit den Kindern am 2. April 2012 die linke Schulter verrenkt. Diese habe er schon vor zehn Jahren bei einem (bei der Schweizerischen Unfallversicherungsanstalt [SUVA] versicherten) Arbeitsunfall einmal ausgerenkt gehabt, die Schulter habe alsdann aber wieder stabilisiert werden k�nnen. In der Hergangsschilderung vom 25. April 2013 f�hrte er n�her aus, er habe beim Schwimmen ins Wasser geschlagen, um zu spritzen, dabei habe sich die linke Schulter ausgerenkt.
Mit Schreiben vom 30. Mai 2013 lehnte die Z�rich den Anspruch auf Versicherungsleistungen ab, weil weder ein Unfall nachgewiesen noch eine unfall�hnliche K�rpersch�digung gegeben sei. Zugleich empfahl sie A.________, das Ereignis der SUVA zu melden, da dieses allenfalls als R�ckfall betrachtet werden k�nne. Auf Intervention der SUVA hin hielt die Z�rich an der Leistungsverweigerung mit Verf�gung vom 1. Oktober 2013 formell fest, best�tigte dies auf Einsprache hin mit Entscheid vom 13. Dezember 2013.
Die von der SUVA hiegegen eingereichte Beschwerde hiess das Verwaltungsgericht des Kantons Bern mit Entscheid vom 5. M�rz 2014 gut und verpflichtete die Z�rich in Aufhebung ihres Einspracheentscheids zur Leistungs�bernahme wegen Vorliegens einer unfall�hnlichen K�rpersch�digung.
Mit Beschwerde in �ffentlich-rechtlichen Angelegenheiten beantragt die Z�rich, in Aufhebung des vorinstanzlichen Entscheids sei der Einsprachentscheid zu best�tigen.
Das Bundesamt f�r Gesundheit verzichtet auf eine Stellungnahme. Die SUVA schliesst auf Abweisung der Beschwerde, soweit darauf einzutreten sei. A.________ l�sst sich nicht vernehmen.
Die Beschwerde in �ffentlich-rechtlichen Angelegenheiten kann wegen Rechtsverletzung gem�ss Art. 95 und Art. 96 BGG erhoben werden. Das Bundesgericht wendet das Recht von Amtes wegen an (Art. 106 Abs. 1 BGG). Es ist somit weder an die in der Beschwerde geltend gemachten Argumente noch an die Erw�gungen der Vorinstanz gebunden; es kann eine Beschwerde aus einem anderen als dem angerufenen Grund gutheissen und es kann sie mit einer von der Argumentation der Vorinstanz abweichenden Begr�ndung abweisen (vgl. BGE 134 V 250 E. 1.2 S. 252). Das Bundesgericht pr�ft grunds�tzlich nur die geltend gemachten R�gen; es ist nicht gehalten, wie eine erstinstanzliche Beh�rde alle sich stellenden rechtlichen Fragen zu pr�fen, wenn diese vor Bundesgericht nicht mehr vorgetragen wurden.
Die Beschwerdeschrift ist entgegen der von der Beschwerdegegnerin vertretenen Auffassung hinreichend begr�ndet. Da auch die weiteren Eintretensvoraussetzungen erf�llt sind, ist der vorinstanzliche Entscheid einer materiellen Pr�fung zu unterziehen.
Das kantonale Gericht hat die gesetzlichen Bestimmungen zur Leistungspflicht der Unfallversicherung bei unfall�hnlichen K�rpersch�digungen (Art. 6 Abs. 2 UVG in Verbindung mit Art. 9 Abs. 2 UVV) und die dazu ergangene Rechtsprechung (BGE 129 V 466) zutreffend dargelegt. Darauf wird verwiesen.
Der Versicherte alberte mit den Kindern im Schwimmbad herum. Schwimmend, d.h. ohne festen Stand mit den F�ssen auf dem Boden des Schwimmbeckens, schlug er mit den H�nden auf die Wasseroberfl�che, um zu spritzen. In Frage steht, ob die dabei erlittene Schulterluxation eine unfall�hnliche K�rpersch�digung im Sinne von Art. 6 Abs. 2 UVG in Verbindung mit Art. 9 Abs. 2 UVV darstellt. Streitig ist insbesondere, ob durch den geschilderten Vorgang ein ungew�hnlicher �usserer Faktor auf den K�rper des Versicherten eingewirkt hat.
4.1.�Erforderlich f�r die Bejahung eines �usseren Faktors ist ein gesteigertes Sch�digungspotential, sei es zufolge einer allgemein gesteigerten Gefahrenlage, sei es durch Hinzutreten eines zur Unkontrollierbarkeit der Vornahme der allt�glichen Lebensverrichtung f�hrenden Faktors (BGE 139 V 327 E. 3.3.1 S. 329; 129 V 466 E. 4.3 S. 471).
4.2.�Die Vorinstanz sieht wie die Beschwerdegegnerin bereits im Umstand, dass die sch�digende Wirkung beim Schwimmen eingetreten ist, einen Hinweis auf eine gesteigerte Gefahrenlage, verdeutlicht in der Folge aber, entscheidend sei vorliegend, dass beim Spielen mit den Kindern - im Speziellen im Wasser - unkontrollierte und unkoordinierte Bewegungen �hnlich einer sportlichen Bet�tigung �blich seien und dieser Aktivit�t folglich ein gesteigertes Sch�digungspotential inh�rent sei. Ein Schlag ins Wasser mit der Absicht, dieses zum Spritzen zu bringen, sei sodann je nach Winkel, mit dem der Arm in das Wasser aufschlage, beim Eintauchen mit einem starken unvorhersehbaren Widerstand verbunden, weshalb auch nicht von einer bei einer allt�glichen Lebensverrichtung erlittenen Verletzung ausgegangen werden k�nne.
Die Beschwerdef�hrerin vertritt hingegen die Ansicht, das Schwimmen allein weise (noch) nicht auf eine gesteigerte Gefahrenlage hin. Da �berdies das Spritzen nicht mit unkontrollierten und unkoordinierten Bewegungen verbunden sei und schon gar nicht einer sportlichen Bet�tigung gleichgesetzt werden k�nne, liege keine leistungsbegr�ndende Sinnf�lligkeit vor.
4.3.�Ob das Schwimmen im Sinne des Fortbewegens im Wasser von der Gefahrenlage her mit dem Fortbewegen zu Fuss vergleichbar ist, kann offen bleiben. Wer auf einem ebenen Weg spazieren geht oder etwa auf unwegsamem Gel�nde in den Bergen einen Wettkampf absolviert, setzt sich verschiedenen Gefahrenlagen aus. Gleiches gilt f�r das Schwimmen: Die Umst�nde sind entscheidend. Insoweit greift der Hinweis auf das Schwimmen als T�tigkeit mit gesteigertem Gef�hrdungspotential als solches offenkundig zu kurz. Zwar mag es sodann durchaus zutreffen, dass beim Spielen mit Kindern im Wasser, insbesondere beim Herumbalgen, die Gefahr unkontrollierter und unkoordinierter Bewegungen erh�ht ist. Entscheidend ist indessen, dass den dabei ausgef�hrten Bewegungen, so wie vom Versicherten geschildert, keine Programmwidrigkeit mit besonderem Sch�digungspotential inne wohnte: Der Schlag ins Wasser wurde n�mlich frei schwimmend beim Herumalbern ausgef�hrt. Zwar wirken dabei naturgem�ss gewisse Kr�fte auf die Hand und damit auf den Arm und die Schulter; indessen sind diese nicht als �berm�ssig hoch zu werten, da erstens, anders als etwa auf festem Grund, ein solcher Schlag nur mit beschr�nkter Intensit�t, nicht weit ausholend, ausf�hrbar ist, und zweitens, die durch das Eintauchen ins Wasser freigesetzten Kr�fte sich nicht allein auf die Hand und weiter auf die Schulter, sondern in einem erheblichen Umfang auch auf das nachgebende Wasser sowohl bei der Hand selbst, als auch beim �brigen K�rper (durch das Ableiten des R�ckstosses) verteilen. Von einer heftigen, belastenden Bewegung kann dergestalt nicht die Rede sein. Ein in den Bewegungsablauf hineinspielendes �usseres Moment, das zur Unkontrollierbarkeit der K�rperbewegung h�tte f�hren k�nnen, ist nicht ausgewiesen. Allein der Umstand, dass das Wasserspritzen beim Spielen mit den Kindern erfolgt ist, gen�gt nicht. Somit fehlt es an einem einwirkenden �usseren Faktor. Eine unfall�hnliche K�rpersch�digung ist demzufolge mit der Beschwerdef�hrerin zu verneinen.
Ausgangsgem�ss sind die Kosten des Verfahrens der Beschwerdegegnerin zu �berbinden (Art. 66 Abs. 1 BGG).
Die Beschwerde wird gutgeheissen. Der Entscheid des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 5. M�rz 2014 wird aufgehoben und der Einspracheentscheid der Z�rich Versicherungs-Gesellschaft AG vom 13. Dezember 2013 best�tigt.
Dieses Urteil wird den Parteien, A.________, dem Verwaltungsgericht des Kantons Bern, Sozialversicherungsrechtliche Abteilung, und dem Bundesamt f�r Gesundheit schriftlich mitgeteilt.