Source: http://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Text=5%20U%2068/10
Timestamp: 2016-06-28 01:54:43
Document Index: 172629165

Matched Legal Cases: ['Art 10', 'Art 19', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'Art. 10', 'Art. 10', 'Art. 10', 'Art. 5', 'Art. 14', 'BGH', 'EuG', 'BGH', 'Art. 5']

Rechtsprechung OLG Hamburg, 21.11.2013 - 5 U 68/10 Volltextver�ffentlichungen (8)
� 7 TMG, � 59 Abs 4 RdFunkStVtr HA, � 19a UrhG, � 97 UrhG, � 88 Abs 3 S 2 TKG, Art 10 GG, Art 19 Abs 1 S 2 GGUrheberrechtsverletzung im Internet: St�rerhaftung des Access-Providers f�r Urheberrechtsverletzungen in Internetdiensten; Kontroll- und Pr�fpflichten und Zumutbarkeit von Zugangssperren
3dl.amKeine Sperrpflichten f�r Access Provider
delegedata.de juris(Abodienst) (Volltext/Leitsatz)
Sperrpflicht f�r Access-Provider bei Urheberrechtsverletzungen? OLG Hamburg hat Bedenken
Keine Sperrpflichten f�r Access Provider
Wird zitiert von ... (4) OLG K�ln, 18.07.2014 - 6 U 192/11 Access-Provider nicht zu Netzsperren verpflichtetAuch wenn eine Partei nicht zu etwas verurteilt werden kann, dessen Erf�llung subjektiv oder objektiv unm�glich ist, ist dies eine Frage der Begr�ndetheit des Unterlassungsantrags und bedeutet nicht, dass der entsprechende Antrag unzul�ssig ist (OLG Hamburg, GRUR-RR 2014, 140, 142 - 3dl.am).Dies ist unstreitig erfolgt, da die Beklagte den allgemeinen Internetzugang er�ffnet und die Seite gerade nicht sperrt, so dass sie �ber ihre Internetanschl�sse erreichbar ist (vgl. auch OLG Hamburg, GRUR-RR 2014, 140, 143 - 3dl.am).Zuletzt hat, in �bereinstimmung mit der bis dahin ergangenen Instanzrechtsprechung, das OLG Hamburg einen Unterlassungsanspruch gegen den Zugangsvermittler im Ergebnis aus grunds�tzlichen �berlegungen heraus abgelehnt, da derartige Eingriffe nur aufgrund einer spezialgesetzlichen Grundlage angeordnet werden d�rften (GRUR-RR 2014, 140 - 3dl.am).Deren Umfang bestimmt sich danach, ob und inwieweit dem als St�rer in Anspruch genommenen nach den Umst�nden eine Pr�fung zuzumuten ist (BGHZ 158, 236 = GRUR 2004, 860, 864 - Internet-Versteigerung; BGHZ 172, 119 = GRUR 2007, 708 Tz.�40 - Internet-Versteigerung II; GRUR 2008, 702 Tz.�50 - Internet-Versteigerung III; GRUR 2009, 841 Tz.�19 - Cybersky; GRUR 2011, 152 Tz.�45 - Kinderhochst�hle im Internet; BGHZ 194, 339 = GRUR 2013, 370 Tz.�19 - Alone in the Dark; GRUR 2013, 1229 Tz.�34 - Kinderhochst�hle im Internet II; GRUR 2013, 1030 Tz.�30 - File-Hosting-Dienst; Senat, GRUR-RR 2008, 35, 36 - Sharehoster-Dienst; OLG D�sseldorf, MMR 2008, 675, 676 - eDonkey-Server; OLG Hamburg, GRUR-RR 2014, 140, 143 - 3dl.am).Die Vorschrift ist in einem engen Verh�ltnis mit Art. 10 GG zu sehen, so dass die im Rahmen der Auslegung des Art. 10 GG entwickelten Grunds�tze auch bei der Bestimmung der Reichweite des ��88 TKG zu ber�cksichtigen sind (OLG Hamburg, GRUR-RR 2014, 140, 145 - 3dl.am;… Bock, Geppert/Sch�tz, TKG, 4. Aufl. 2013, ��88 Rn.�4;… Eckhardt, in: Spindler/Schuster, Recht der elektronischen Medien, 2. Aufl. 2011, ��88 TKG Rn.�4 und 11).Zutreffend ist, dass es sich bei IP-Adressen, URL und Domain-Namen um n�here Umst�nde der Telekommunikation handelt, die grunds�tzlich vom Schutz des Fernmeldegeheimnisses umfasst sind (OLG Hamburg, GRUR-RR 2014, 140, 146; Frey/Rudolph/Oster, MMR-Beilage 2012, 1, 8�ff.; Sieber/Nolde, Sperrverf�gungen im Internet, 2008,�S. 83).Sie stellt daher einen weitaus weiterreichenden Eingriff in die Kommunikation als DNS- oder IP-Adressen-Sperren dar (OLG Hamburg, GRUR-RR 2014, 140, 146 - 3dl.am; Frey/Rudolph, Gutachten Rn.�172; Sieber/Nolde, Sperrverf�gungen im Internet, 2008,�S. 85).Aus ��11 des mittlerweile aufgehobenen ZugErschwG folgt nichts anderes (so aber OLG Hamburg, GRUR-RR 2014, 140, 145�f. - 3dl.am).Dies ist sowohl im Rahmen der Abw�gung der Zumutbarkeit bestimmter Ma�nahmen relevant als auch f�r die Frage, ob die in Rede stehenden Ma�nahmen eine spezialgesetzliche Grundlage erfordern w�rden, wie es das Landgericht (LGU S. 19) und das OLG Hamburg (GRUR-RR 2014, 140, 146 - 3dl.am) angenommen haben.Es ginge zu weit, auch in diesem Bereich - bei dem die Beklagte keine Kenntnis vom Inhalt der �ber sie vermittelten Kommunikation nehmen muss, so dass kein Eingriff in den Schutzbereich des Art. 10 GG stattfindet - im Hinblick auf die weiteren betroffenen Grundrechte (Art. 5 Abs. 1, 12 Abs. 1, eventuell auch Art. 14 Abs. 1 GG) generell eine gesetzliche Grundlage zu fordern (…so aber OLG Hamburg, Urt. v. 22.12.2010 - 5 U 36/09 - juris Tz.�66; GRUR-RR 2014, 140, 147 - 3dl.am; Frey/Rudolph/Oster, MMR-Beilage 3/2012, 1, 8).Der Senat schlie�t sich insoweit der Ansicht des Landgerichts und des OLG Hamburg an, dass eine solche Ma�nahme - auch wenn sie in einem zivilrechtlichen Verfahren zwischen Privaten angeordnet w�rde - angesichts des Gewichts des in Rede stehenden Grundrechts einer ausdr�cklichen und eindeutigen gesetzlichen Grundlage bedarf (OLG Hamburg, GRUR-RR 2014, 140, 146 - 3dl.am;… in diesem Sinne differenzierend wohl auch Gesmann-Nuissl/W�nsche, GRUR Int. 2012, 225, 228�f.).Der Bundesgerichtshof, und ihm folgend, die Instanzrechtsprechung haben zun�chst vertreten, dass die Haftungsprivilegien des Telemediengesetzes, wie auch des vorangegangenen Teledienstegesetzes, Unterlassungsanspr�che grunds�tzlich nicht erfassen (BGHZ 172, 119 = GRUR 2007, 708 Tz.�17�f. - Internet-Versteigerung II; GRUR 2008, 702 Tz.�38 - Internet-Versteigerung III; GRUR 2011, 152 Tz.�26 - Kinderhochst�hle im Internet; Senat, GRUR-RR 2008, 35 - Sharehoster-Dienst; OLG Hamburg, GRUR-RR 2014, 140, 143 - 3dl.am;… Hoffmann, in: Spindler/Schuster, Recht der elektronischen Medien, 2. Aufl. 2011, ��7 TMG Rn.�33; Nordemann, GRUR 2011, 977).Ferner sind im Rahmen der Pr�fung der Zumutbarkeit von Pr�fpflichten als Voraussetzungen einer St�rerhaftung die sich aus ���8 - 10 TMG ergebenden Wertungen zu ber�cksichtigen, so dass einem Diensteanbieter im Sinn des ��10 TMG Pr�fpflichten in einem weiteren Umfang auferlegt werden k�nnen als einem reinen Zugangsvermittler im Sinn des ��8 TMG (OLG Hamburg, MMR 2009, 405, 407 - alphaload; GRUR-RR 2014, 140, 143 - 3dl.am).Eine Auslegung des deutschen Rechts, die zu einer generellen Freistellung der Zugangsvermittler von Anspr�chen wegen Rechtsverletzungen im Internet f�hrt (so OLG Frankfurt, MMR 2008, 166, 167 mit zust. Anm. Spindler, MMR 2008, 167, 168; im Ergebnis auch OLG Hamburg, GRUR-RR 2014, 140 - 3dl.am), ist damit nicht mehr m�glich.Diese werden entgegen ���15 Abs. 2 Nr. 2, 19a UrhG durch das Bereitstellen auf den Rechnern der Sharehoster zum Zweck des Herunterladens im Rahmen des eDonkey-Netzwerks im Sinn des ��19a UrhG ohne die erforderliche Zustimmung �ffentlich zug�nglich gemacht (vgl. OLG Hamburg, GRUR-RR 2014, 140, 143 - 3dl.am).Angesichts der weiten Verbreitung urheberrechtswidriger Angebote im Internet und der - nach der Lebenserfahrung - hohen Wahrscheinlichkeit, dass wenigstens ein Teil der Kunden der Beklagten von diesen Angeboten Gebrauch machen wird, leistet die Beklagte einen ad�quat-kausalen Beitrag zu etwaigen Urheberrechtsverletzungen, wie sie die Kl�gerinnen verfolgen (OLG Hamburg, GRUR-RR 2014, 140, 144 - 3dl.am; Czychowski/Nordemann, GRUR 2013, 986, 990; a. A. D�rner, WRP 2008, 1155, 1157; Frey/Rudolph, Gutachten Rn.�345; Schnabel, MMR 2011, 835).Der Umstand, dass Zugangsvermittler verwaltungsrechtlich als Nichtst�rer angesehen werden (z. B. VG K�ln, ZUM-RD 2012, 168, 172), steht dem nicht entgegen, da der verwaltungsrechtliche und der zivilrechtliche St�rerbegriff unterschiedliche Voraussetzungen haben, so dass die zivilrechtliche St�rerhaftung weiter reichen kann (OLG Hamburg, GRUR-RR 2014, 140, 143 - 3dl.am; VG K�ln, ZUM-RD 2012, 168, 171).Die Beklagte betreibt als Zugangsvermittlerin im Gegenteil ein legitimes und gesellschaftlich erw�nschtes Gesch�ftsmodell (OLG Hamburg, GRUR-RR 2014, 140, 145 - 3dl.am).Diese setzt damit keine h�here Gefahr f�r Rechtsverletzungen als die, die generell mit dem Zugang zum Internet verbunden ist (vgl. auch OLG Hamburg, GRUR-RR 2014, 140, 144 - 3dl.am; D�rner, WRP 2008, 1155, 1157).Das abgestufte Ma� an Einflussm�glichkeiten, wie es diese Bestimmungen reflektieren, bestimmt auch die Reichweite m�glicher Pflichten im Rahmen der St�rerhaftung, unabh�ngig von der Frage der Anwendbarkeit dieser Vorschriften auf Unterlassungsanspr�che (OLG Hamburg, MMR 2009, 405, 407; GRUR-RR 2014, 140, 143).Streitig ist zwischen den Parteien lediglich, in welchem Umfang diese Umgehungsm�glichkeiten tats�chlich in Anspruch genommen werden w�rden (vgl. OLG Hamburg, GRUR-RR 2014, 140, 144 - 3dl.am).Andernfalls w�re der Eingriff des Anbieters in die Informationsfreiheit dieser Nutzer gemessen am verfolgten Ziel nicht gerechtfertigt (EuGH, GRUR 2014, 468 Tz.�56 - kino.to; vgl. in diesem Sinn auch OLG Frankfurt, MMR 2008, 166, 167 m. Anm. Spindler, MMR 2008, 167, 169; OLG Hamburg, GRUR-RR 2014, 140, 145 - 3dl.am;… Gesmann-Nuissl/W�nsche, GRUR Int. 2012, 225, 228�f.; Hoeren/Neubauer, WRP 2012, 508, 514).Im Hinblick auf die vom Bundesgerichtshof noch nicht entschiedenen Fragen der Voraussetzungen und des Umfangs der Haftung des Internet-Zugangsvermittlers sowie die von dem Urteil des OLG Hamburg (GRUR-RR 2014, 140 - 3dl.am) teilweise abweichende Beurteilung des Senats wird die Revision zugelassen.In dem Verfahren "3dl.am" betreffend den Zugang zu einer Linkseite, in dem insgesamt zehn Musiktitel streitgegenst�ndlich waren, hat es den Streitwert auf 500.000 EUR festgesetzt (Urt. v. 21.11.2013 - 5 U 68/10 - juris, insoweit nicht in GRUR-RR 2014, 140 abgedruckt).
BGH, 26.11.2015 - I ZR 3/14 Zur Haftung von Access-Providern f�r Urheberrechtsverletzungen DritterDie Berufung der Kl�gerin ist erfolglos geblieben (OLG Hamburg, GRUR-RR 2014, 140).
AG Hamburg, 10.06.2014 - 25b C 431/13 Haftung des Hoteliers f�r durch G�ste �ber das Hotel-WLAN begangene …Auch bei Vertretung der Ansicht, dass � 8 TMG (mangels unmittelbarer Anwendbarkeit) einer Inanspruchnahme als St�rer nicht grunds�tzlich entgegensteht (vgl. bspw. OLG Hamburg, Urteil vom 21.11.2013 - 5 U 68/10), so muss seine privilegierende Wertung den anzusetzenden Pflichtenma�stab ma�geblich pr�gen.
VG D�sseldorf, 24.06.2014 - 27 K 7499/13 Access; Zugang; Provider; Sperrverf�gung; Ehre; Pers�nlichkeit; Nachrede; …vgl. Hanseatisches OLG Hamburg, Urteil vom 21. November 2013 - 5 U 68/10 -, juris (…Rn. 80), (3) Mit in den Blick zu nehmen und nach Gegen�berstellung der Interessen des Kl�gers (1) und der Acces-Provider (2) letztlich ausschlaggebend sind dar�ber hinaus die einschneidenden Folgen einer etwaigen Sperrverf�gung f�r die unmittelbaren Kommunikationsteilnehmer, die von Art. 5 Abs. 1 GG gesch�tzt sind.