Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Text=WRP%202008,%20771
Timestamp: 2019-04-24 15:23:04
Document Index: 205688425

Matched Legal Cases: ['BGH', '§ 7', '§ 3', '§ 4', '§ 3', '§ 4', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 2', '§ 7', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 4', '§ 4', 'BGH', '§ 4', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 3', '§ 4', 'BGH', '§ 4', 'BGH', 'BGH']

BGH, 18.10.2007 - I ZR 102/05 - dejure.org
Ueber18. de
"ueber18.de" - Zur Frage der (wettbewerbsrechtlichen) Haftung desjenigen, der mittels Hyperlinks den Zugang zu rechtswidrigen Inhalten eröffnet und zu den Anforderungen an ein Altersverifikationssystems im Internet.
§ 7 TMG; § 3 UWG; § 4 UWG; § 3 JMStV; § 4 JMStV
"ueber18.de”
Ueber18.de - Anforderungen an ein Altersverifikationssystem
Haftung für jugendgefährdende Inhalte - ueber18.de
Keine wirksame Alterskontrolle bei Ausweisnummer und Postleitzahl des Ausstellungsortes
Die Abfrage von einer Ausweisnummer oder Postleitzahl oder eine Kontoüberweisung entspricht keinem ausreichenden Jugendschutz bei einem Altersverifikationssystem
"ueber18.de"
Altersverifikation im Internet "ueber18.de"
Haftung aufgrund unlauteren Wettbewerbs durch Zugänglichmachung pornographischer Internetseiten Dritter; Erfordernis der Verhinderung des Zugriffs Minderjähriger auf Internetangebote durch ein Altersverifikationssystem; Voraussetzungen für die Haftung aufgrund der Verwendung eines unzureichenden Altersverifikationssystems für Erwachsenenangebote i.R.v. Telemedien
Haftung für Links; ueber18.de
Schutz vor jugendgefährdenden Inhalten im Internet
"ueber18.de"; Wettbewerbswidrigkeit der Verwendung eines unzureichenden Altersverifikationssystems
Ueber 18.de
IT-Recht - Haftung für Hyperlink
"Keine effektive Barriere" - Ein Altersverifikationssystem bei dem lediglich die Angabe von Ausweisnummer und Kontodaten notwendig ist, genügt den jugendschutzrechtlichen Anforderungen nicht
Strenge Anforderungen an Altersverifikationssysteme - ueber18.de
Verbreitete Altersverifikationssysteme für Internetzugang zu pornographischen Inhalten unzulässig
heise.de (Pressebericht, 19.10.2007)
Unzulässiger Verweis auf pornografische Internetseiten
"ueber18.de" - Altersverifikationssystem für Pornoseiten im Internet muss verbessert werden
Hyperlink - Haftung für rechtswidrige Inhalte
Grundlagenentscheidung zur Linkhaftung
Anforderungen an Verlinkung pornografischer Seiten
Hohe Anforderungen an Altersverifikation im Internet
Zu den wettbewerbsmäßigen Anforderungen an Altersverifikationssysteme im Internet
Führendes Altersverifikationssystem für Internetzugang unzureichend - Verstoß gegen Jugendschutzrecht führt zu Wettbewerbsverstoß
Führendes AVS für Internetzugang unzureichend
BGH beurteilt führendes Altersverifikationssystems für Internetzugang als unzureichend
Erziehungshilfe für die Sorgeberechtigten durch Strafandrohung gegen Dritte? (Dr. Antje Schumann; tv diskurs 2009, 89)
Zusammenfassung von "Anmerkung zum Urteil des BGH vom 18.10.2007, Az.: I ZR 102/05 (Zugang pornografischer Internetangebote über ein unzureichendes AVS - ueber18.de)" von RA Dr. Arthur Waldenberger, LL.M, original erschienen in: MMR 2008, 400 - 408.
Zusammenfassung von "Anmerkung zum Urteil des BGH v. 18.10.2007, Az.: I ZR 102/05 (Haftung für unzureichendes Altersverifikationssystem - "ueber18.de")" von RA Dr. Christian Sellmann, LL.M., original erschienen in: K&R 2008, 366 - 369.
Zusammenfassung von "Anmerkung zum Urteil des BGH v. 18.10.2007, Az.: I ZR 102/05 (Schutz vor jugendgefährdenden Inhalten im Internet)" von Dr. Antje Schumann, original erschienen in: JZ 2008, 738 - 744.
NJW 2008, 1882
MDR 2008, 699
GRUR 2008, 534
MMR 2008, 400
MIR 2008, Dok. 125
K&R 2008, 361
ZUM 2008, 511
afp 2008, 182
WRP 2008, 771
Im Bereich des Internets gehören zu den zur Nutzung bereitgehaltenen eigenen Informationen, für die Diensteanbieter - also natürliche oder juristische Personen, die eigene oder fremde Telemedien zur Nutzung bereithalten oder den Zugang zur Nutzung vermitteln (§ 2 Nr. 1 TMG) - gemäß § 7 Abs. 1 TMG nach den allgemeinen Gesetzen verantwortlich sind, auch solche fremden Informationen, die sich Diensteanbieter zu Eigen machen (BGH, Urteil vom 18. Oktober 2007 - I ZR 102/05, GRUR 2008, 534 Rn. 20 = WRP 2008, 771 - ueber18.de).
Danach ist eine differenzierte Beurteilung geboten, wie sie die Rechtsprechung bereits in der Zeit vor Umsetzung der Richtlinie über den elektronischen Geschäftsverkehr für erforderlich gehalten hat (vgl. zum Ganzen BGH, Urteil vom 18. Oktober 2007 - I ZR 102/05, GRUR 2008, 534 Rn. 20 = WRP 2008, 771 - ueber18.de).
Wer sich die fremden Informationen zu Eigen macht, auf die er mit Hilfe eines Hyperlinks verweist, haftet dafür wie für eigene Informationen (vgl. BGH, GRUR 2008, 534 Rn. 20 - ueber18.de).
Der elektronische Verweis ist nicht wesentlicher Bestandteil des Geschäftsmodells des Beklagten (vgl. BGH, GRUR 2008, 534 Rn. 21 - ueber18.de).
a) Die Haftung desjenigen, der mittels eines elektronischen Querverweises (Hyperlink oder Link) den Zugang zu rechtswidrigen Inhalten eröffnet, ist mit der Richtlinie 2000/31/EG über den elektronischen Geschäftsverkehr und den ihrer Umsetzung dienenden Gesetzen (insbesondere dem heutigen Telemediengesetz) bewusst nicht geregelt worden, sondern richtet sich nach allgemeinen Vorschriften (vgl. BGHZ 158, 343 = GRUR 2004, 693 [694] = WRP 2004, 899 - Schöner Wetten; GRUR 2008, 534 = WRP 2008, 771 [Rn. 20] - ueber18.de).
Danach haftet derjenige, der sich fremde Informationen zu eigen macht, auf die er mit Hilfe des Hyperlinks verweist, dafür wie für selbst geschaffene Inhalte (vgl. BGH, GRUR 2008, 534 = WRP 2008, 771 [Rn. 20] - ueber18.de m.w.N.).
(2) Einem Anbieter von Altersverifikationssystemen, der auf seiner Seite Links zu Seiten mit pornografischen Inhalten gesetzt hatte, hat der Bundesgerichtshof (GRUR 2008, 534 = WRP 2008, 771 - ueber18.de; vgl. Klinger, jurisPR-ITR 12/2008 Anm. 3) diese Inhalte dagegen zugerechnet, weil das Setzen der Links wesentlicher Bestandteil seiner Geschäftsidee sei und es ihm jedenfalls auch gerade darum gehe, Internetnutzern einen gebündelten Zugang zu den pornografischen Webseiten seiner Kunden anzubieten; es unterliege hiernach keinem Zweifel, dass er sich die dort vermittelten Inhalte zu eigen mache (…a.a.O., Rn. 21).
Das Telemediengesetz enthält ebenso wenig wie das zum Zeitpunkt des beanstandeten Artikels geltende Teledienstegesetz eine Regelung der Haftung desjenigen, der mittels eines Links den Zugang zu rechtswidrigen Inhalten eröffnet (vgl. BGH GRUR 2008, 534 - ueber18.de Tz. 20 m. w. N.).
Soweit der Bundesgerichtshof allerdings in der Entscheidung "ueber18.de" ausführt, ein Internet-Auktionshaus, das den rein technischen Vorgang der Freischaltung eines Auktionsangebot nicht kontrolliert und "deshalb nicht als Täter oder Teilnehmer einer durch das Angebot bewirkten Markenverletzung haftet" (GRUR 2008, 534, 536), vermag sich der Senat dem nicht anzuschließen.
vgl. grundlegend BGH, Urteil vom 18. Oktober 2007 - I ZR 102/05 - NJW 2008, 1882, juris, RdNr. 44; nachfolgend BVerfG, Beschluss vom 24. September 2009 - 1 BvR 1184/08 -, 1 BvR 1231/04 - 1 BvR 1184/08 -, juris.
BGH, Urteil vom 18. Oktober 2007 - I ZR 102/05 - a.a.O., juris, RdNr. 15.
vgl. BGH, Urteil vom 18. Oktober 2007 - I ZR 102/05 - a.a.O., Juris, RdNr. 17.
BGH, Urteil vom 18. Oktober 2007 - I ZR 102/05 - a.a.O. juris, dort LS 5 sowie RdNr. 23 ff, 30 ff.
BGH, Urteil vom 18. Oktober 2007 - I ZR 102/05 - a.a.O., juris, RdNr. 16.; zum Sinn und Zweck (und amtl. Begründung in NRW) auch VG Gelsenkirchen, Urteil vom 28. Juli 2006 - 15 K 2170/03 - m.w.Nw.
BGH, Urteil vom 18. Oktober 2007 - I ZR 102/05 - a.a.0.
Denn derartige Überlegungen können keine Verpflichtung des Gesetzgebers zu einer Verringerung des nach seiner Einschätzung gebotenen Schutzstandards begründen (vgl. BGH, GRUR 2008, 534, Tz. 41 - ueber18.de; s.a. Bayerischer VGH, Urteil vom 18.12.2008 - 10 BV 07.558 - Juris-Rn 120).
Macht er sich durch einen Hyperlink diese Inhalte zu eigen, haftet er dafür wie für eigene Informationen (BGH vom 18.10.2007 NJW 2008, 1882; vgl. auch OLG Celle vom 13.2.2007 MMR 2007, 316).
Hierzu bedürfte es einer den Anforderungen des § 4 Abs. 2 Satz 2 JMStV genügenden Altersverifikation im Sinne einer effektiven Barriere, durch die zuverlässig sichergestellt wird, dass Minderjährige auf die nach § 4 Abs. 2 Satz 1 Nr. 1 JMStV unzulässigen Angebote keinen Zugriff haben (vgl. dazu BGH vom 18.10.2007 NJW 2008, 1882; NdsOVG vom 6.12.2007 NJW 2008, 1831;… Hartstein/Ring/Kreile/Dörr/Stettner, Rundfunkstaatsvertrag, § 4 JMStV Rn. 64 ff.).
Im Übrigen kann das negative Erfordernis, dass nicht sicher sei, dass die Angebote nur Erwachsenen zugänglich gemacht werden, als deshalb ausreichend bestimmt angesehen werden, weil die höchstrichterliche Rechtsprechung im Zivil- wie im Verwaltungsrechtsbereich diese Anforderungen hinreichend geklärt hat (vgl. BGH GRUR 2008, 534 [Tz. 22 bis 37] - ueber18.de ).
Zwar bewertet der BGH den Schutz der Kinder und Jugendlichen vor den Inhalten jugendgefährdender Medien als ein Rechtsgut von hoher Bedeutung (BGHZ 173, 188 [Tz. 40] - Jugendgefährdende Medien bei eBay ; GRUR 2008, 534 [Tz. 49] - ueber18.de ).
Diese Teilnehmerhaftung setzt neben einer objektiven Teilnahmehandlung zumindest einen bedingten Vorsatz in Bezug auf die Haupttat voraus, der das Bewusstsein der Rechtswidrigkeit einschließen muss (BGH GRUR 2011, 1018 [Tz. 24] - Automobil-Onlinebörse ; 2011, 152 [Tz. 30] - Kinderhochstühle im Internet ; Z 173, 188 [Tz. 21] - Jugendgefährdende Medien bei eBay ; GRUR 2008, 534 [Tz. 47] - ueber18.de ).
Damit sind die §§ 3, 4 Nr. 11 UWG i.V.m. § 4 Abs. 2 JMStV erfüllt (vgl. BGH GRUR 2008, 534 [Tz. 12 und 50] - ueber18.de ;… Köhler in Köhler/Bornkamm a.a.O. § 4, 11.180).
Das hat der BGH etwa bei der redaktionellen Kontrolle von Texten und deren Veröffentlichung als eigenem Inhalt der Internetseite (…aaO -marions-kochbuch.de) oder dann angenommen, wenn der elektronische Verweis auf (dort pornographischen) Angebote wesentlicher Bestandteil der Geschäftsidee des Verweisenden ist (BGH GRUR 2008, 534, Rn. 21 -ueber18.de).