Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Gericht=BSG&Datum=16.11.1999&Aktenzeichen=B%201%20KR%209/97%20R
Timestamp: 2020-04-10 03:19:58
Document Index: 312112306

Matched Legal Cases: ['§ 27', '§ 27', '§ 27', '§ 27', '§ 13', '§ 24', '§ 27', 'BGH', '§ 56', '§ 121', '§ 90', '§ 27', '§ 27', '§ 27', '§ 27', '§ 27', '§ 27', '§ 27', '§ 27', '§ 27', '§ 182', '§ 182', '§ 138', '§ 27', '§ 85', '§ 87', '§ 182', '§ 27', '§ 27']

BSG, 16.11.1999 - B 1 KR 9/97 R - dejure.org
https://dejure.org/1999,148
BSG, 16.11.1999 - B 1 KR 9/97 R (https://dejure.org/1999,148)
BSG, Entscheidung vom 16.11.1999 - B 1 KR 9/97 R (https://dejure.org/1999,148)
BSG, Entscheidung vom 16. November 1999 - B 1 KR 9/97 R (https://dejure.org/1999,148)
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Krankenversicherung - Bindungswirkung - Bewilligung - wiederkehrende Behandlungsmaßnahme - Ausschluß - medizinische Fußpflege - Heil- und Hilfsmittel- Richtlinien
Medizinische Fußpflege - Leistungsgewährung - Diabetes - Kosten - Leistungsausschluß
Gewährung von Krankenkassenleistungen; Gewährung von medizinischer Fußpflege zur Sanierung von Diabetes-Folgekrankheiten; Verstoß gegen das Sozialprinzip; Medizinische Fußpflege als Vorbeugemaßnahme bezüglich Folgeerkrankungen der Diabetes; Eingeschränkte Bindungswirkung ...
SG Mainz, 12.07.1996 - S 5 KR 34/95
LSG Rheinland-Pfalz, 31.07.1997 - L 5 K 42/96
BSGE 85, 132
NJW 2000, 2765 (Ls.)
NZS 2000, 551 (Ls.)
Jedenfalls zur Krankenbehandlung iS von §§ 27 Abs. 1, 28 Abs. 1 Satz 1 SGB V gehören regelmäßig nur Maßnahmen mit Behandlungs- und Therapiecharakter, die einen eindeutigen Krankheitsbezug aufweisen (BSGE 85, 132, 138 = SozR 3-2500 § 27 Nr. 12 S 65 - medizinische Fußpflege) .
Es weist beispielsweise die Ernährung und Körperpflege insgesamt seiner Eigenverantwortung zu, und zwar selbst dann, wenn die dafür eingesetzten Mittel wesentlich dazu beitragen, den Gesundheitszustand zu bessern oder die Verschlimmerung einer Krankheit zu verhüten (…vgl BSGE 81, 240, 243 f = SozR 3-2500 § 27 Nr. 9 S 29 f zu Mehraufwendungen für eine eiweißarme Diät mwN zur früheren, zum Teil abweichenden Rechtsprechung; zur Abgrenzung von Körperpflege und Behandlung auch BSGE 85, 132, 138 f = SozR 3-2500 § 27 Nr. 12 S 64 f).
Der Streitgegenstand wird durch den geltend gemachten prozessualen Anspruch, dh durch den Klageantrag und den Klagegrund im Sinne eines bestimmten Sachverhalts bestimmt (…vgl BSG SozR 4-2500 § 13 Nr. 8 RdNr 10 ff;… BSG SozR 4-5425 § 24 Nr. 1 RdNr 10 ff; BSGE 85, 132 f = SozR 3-2500 § 27 Nr. 12; BSG, HV-INFO 1990, 1906 ff; BVerwGE 96, 24, 25; BGHZ 123, 137 f, 140; Hauck in Zeihe, SGG, Stand November 2007 § 56 Anm 2 a aa;… Barbey in: System des verwaltungsgerichtlichen Rechtsschutzes, Festschrift für Menger, 177, 184;… Clausing in: Schoch/ Schmidt-Aßmann/Pietzner, Verwaltungsgerichtsordnung , Stand September 2007, § 121 RdNr 56;… Kopp/Schenke, VwGO, 15. Aufl 2007, § 90 RdNr 7, alle mwN, auch zu abweichenden Ansichten).
Zieht dabei die Krankheit in unbehandeltem oder behandeltem Zustand zwangsläufig oder mit hoher Wahrscheinlichkeit weitere Erkrankungen nach sich, so sind medizinische Maßnahmen, die dem entgegenwirken und eine Verschlechterung des Gesamtgesundheitszustandes verhüten sollen, als Behandlung der Grunderkrankung und damit der Krankheit im Sinne des § 27 Abs. 1 SGB V aufzufassen (BSG, Urteil vom 17.02.2010, B 1 KR 10/09 R; vom 16.11.1999, B 1 KR 9/97 R, vom 11.09.2012, B 1 KR 3/12 R, m.w.N. - JURIS-Dok.).
Anders als für den Ausschluss bereits anerkannter Heilmittel bestehe für die Entscheidung über die Einführung neuer Heilmittel eine ausreichende Ermächtigungsgrundlage (Hinweis auf BSGE 85, 132 = SozR 3-2500 § 27 Nr. 12).
Eine Rechtfertigung für die überlange Verfahrensdauer gebe es nicht; die notwendige Neufassung der Richtlinien des Bundesausschusses der Ärzte und Krankenkassen über die Verordnung von Heilmitteln und Hilfsmitteln in der vertragsärztlichen Versorgung (Heil- und Hilfsmittel-RL) und die durch das Senatsurteil vom 16. November 1999 (B 1 KR 9/97 R - Fußpflege - BSGE 85, 132 = SozR 3-2500 § 27 Nr. 12) angeblich veranlasste Überarbeitung von deren Anlage 2 könnten als Gründe für die Verfahrensdauer nicht anerkannt werden.
In diesem Zusammenhang ist auf die Rechtsprechung des Senats zu verweisen, wonach Mehrkosten für Diätlebensmittel auch dann nicht von der Krankenkasse zu übernehmen sind, wenn damit lebensgefährliche Stoffwechselentgleisungen zu vermeiden sind (…Senatsurteil vom 9. Dezember 1997, BSGE 81, 240 = SozR 3-2500 § 27 Nr. 9), wonach aber andererseits Maßnahmen der Körperpflege mit Rücksicht auf die besondere Qualität ihrer Durchführung Krankenversicherungsleistung sein können (BSGE 85, 132, 138 f = SozR 3-2500 § 27 Nr. 12 S 65).
Ein Zusammenhang zu einer anders nicht zu vermeidenden Gesundheitsgefährdung, wie er bei der Fußpflege für Diabetiker erörtert wurde, besteht bei der Hippotherapie nicht, denn der Patient muss nicht reiten, um Verletzungsrisiken zu begegnen, wie sie bei unterlassener Fußpflege denkbar sind (vgl nochmals BSGE 85, 132, 139 f = SozR 3-2500 § 27 Nr. 12 S 66).
Bereits im hierzu ergangenen Urteil des Senats wird aber darauf verwiesen, dass die Befugnisse des Bundesausschusses bei der Zulassung oder Ablehnung von neuen Heilmitteln durch diese Vorschriften nicht beschränkt sind (BSGE 85, 132, 141 = SozR 3-2500 § 27 Nr. 12 S 67 f).
Zieht eine Krankheit in unbehandeltem oder behandeltem Zustand zwangsläufig oder mit hoher Wahrscheinlichkeit weitere Erkrankungen nach sich, so sind medizinische Maßnahmen, die dem entgegenwirken und eine Verschlechterung des Gesamtgesundheitszustandes verhüten sollen, als Behandlung der Grundkrankheit und damit als Krankenbehandlung iS des § 27 Abs. 1 SGB V aufzufassen (vgl BSGE 85, 132, 137 = SozR 3-2500 § 27 Nr. 12 - medizinische Fußpflege unter Hinweis auf BSGE 39, 167 = SozR 2200 § 182 Nr. 9 - Maßnahmen zur Verhütung der Schwangerschaft wegen der Gefahr einer schwerwiegenden Schädigung des körperlichen oder geistig-seelischen Zustandes des Versicherten;… BSGE 66, 163 = SozR 3-2200 § 182 Nr. 1 - empfängnisverhütende Maßnahmen wegen drohender Schädigung der Leibesfrucht) .
Auch in Bezug auf Heilmittel scheiden Leistungsansprüche der Versicherten gegen ihre Krankenkasse regelmäßig aus, wenn eine positive Anerkennung des Mittels in den vom Bundesausschuss erlassenen Heilmittel-RL fehlt (…so ausdrücklich BSG SozR 3-2500 § 138 Nr. 2 S 26, 28 - Hippotherapie; vgl auch BSGE 85, 132, 140 = SozR 3-2500 § 27 Nr. 12 - Medizinische Fußpflege).
Zum anderen ergibt sich aus der jüngsten Heilmittel-Rechtsprechung des 1. Senat des BSG, daß bei einer zugleich der Krankenbehandlung dienenden und alltägliche Bedürfnisse befriedigenden Maßnahme der therapeutische Bezug durchaus im Vordergrund stehen kann; das ist der Fall, wenn sich die zu beurteilende Maßnahme durch besondere Qualitätsanforderungen von der Befriedigung alltäglicher Lebensbedürfnisse abhebt, weil ein Arzt die Leistung angeordnet hat und speziell geschultes Personal sie ausführt (so BSG vom 16. November 1999 - B 1 KR 9/97 R , zur Veröffentlichung in BSGE und SozR vorgesehen).
Erst nachdem eine solche Prüfung des Beklagten stattgefunden hat, kann auch die Frage einer gerichtlichen Überprüfung unterzogen werden, ob dieser die mit einer Normgebung in Form von Richtlinien verbundenen erweiterten rechtlichen Grenzen seines Gestaltungs- und Beurteilungsspielraums eingehalten hat (…vgl BSGE 83, 205, 208 = SozR 3-2500 § 85 Nr. 29 S 214 f;… BSGE 83, 218, 220 = SozR 3-2500 § 87 Nr. 21 S 108 f ;… BSGE 66, 163, 164 = SozR 3-2200 § 182 Nr. 1 S 2;… BSGE 81, 240, 242 = SozR 3-2500 § 27 Nr. 9 S 28 mwN;… BSGE 85, 36, 44 f = SozR 3-2500 § 27 Nr. 11 S 45; vgl auch BSG vom 16. November 1999 - B 1 KR 9/97 R - S 15 f, zur Veröffentlichung in BSGE und SozR vorgesehen).
Der Annahme einer Verpflichtung des Beklagten, sich mit dem Begehren der Klägerin über die Aufnahme der Diättherapie in einem förmlichen Verfahren zu befassen, steht die Entscheidung des 1. Senats des BSG vom 16. November 1999 - B 1 KR 9/97 R - nicht entgegen.
SG Reutlingen, 28.08.2003 - S 9 KR 2440/01
LSG Baden-Württemberg, 23.03.2004 - L 11 KR 4122/03
Keine medizinische Fußpflege bei arterieller Verschlusskrankheit ohne Auswirkung …
Krankenversicherung - Heilmittelerbringer - kein Vergütungsanspruch bei …
LSG Hessen, 27.11.2003 - L 1 KR 818/03
Haarausfall ist keine Behinderung
LSG Nordrhein-Westfalen, 24.11.2016 - L 16 KR 58/15
Krankenversicherung; Übernahme der Kosten für Maniküre und Pediküre
LSG Berlin, 09.08.2001 - L 9 B 412/01
Kostenerstattung für medizinische Fußpflege auf dem Wege einer einstweiligen …
LSG Nordrhein-Westfalen, 14.07.2003 - L 16 KR 187/01
LSG Baden-Württemberg, 28.02.2003 - L 4 KR 4091/01
Kostenübernahme für eine RiV-Therapie (RiV = Reaktionsmuster in Vertebratenzellen
LSG Sachsen-Anhalt, 06.06.2002 - L 4 KR 44/00
Anspruch auf Gewährung häuslicher Krankenpflege zur Injektion von Tramal als …
SG Köln, 12.02.2003 - S 5 KR 69/02