Source: https://www.paychex.de/news-liste/05_05-Geringfuegig-entlohnte-beschaeftigungen-die-so-genannten-400-Euro-Jobs.html
Timestamp: 2017-02-23 00:27:55
Document Index: 283844477

Matched Legal Cases: ['§ 8', '§ 25', '§ 28', '§ 111', '§ 8', '§ 40']

Geringfügig entlohnte Beschäftigte | Paychex
Beispiel Ein geringfügig entlohnter Beschäftigter erhält monatliches Arbeitsentgelt in Höhe von 380 € und Weihnachtsgeld in Höhe von 200 €. Das maßgebende Arbeitsentgelt beträgt (380 € x 12 + 200 €)/12 = 396,67 €. Die Grenze für das regelmäßige Arbeitsentgelt wird nicht überschritten.
Ein nicht vorhersehbares Überschreiten der Grenze in bis zu zwei Monaten innerhalb eines Kalenderjahres führt nicht zur Versicherungspflicht. Das kann beispielsweise eine Vertretung für einen erkrankten Beschäftigten sein. Eine erforderliche Urlaubsvertretung ist jedoch vorhersehbar und zählt deshalb nicht dazu. Wird im Anschluss an eine geringfügig entlohnte Beschäftigung bei demselben Arbeitgeber eine auf zwei Monate befristete Beschäftigung mit einem Arbeitsentgelt von mehr als 400 € monatlich vereinbart, ist von einer sozialversicherungspflichtigen Dauerbeschäftigung auszugehen. Der Arbeitgeber kann jedoch den Nachweis erbringen, dass es sich um eine unvorhergesehene Überschreitung handelt. In diesem Fall sind die Arbeitgeber-Pauschalabgaben auch aus den erhöhten Arbeitsentgelten zu entrichten. Beginnt oder endet die Beschäftigung im Laufe eines Kalendermonats, ist bei der Beurteilung der geringfügig entlohnten Beschäftigung von einem anteiligen Monatswert (400 € x Kalendertage/30) auszugehen. Arbeitgeber-Pauschalabgabe für Steuern und Sozialversicherung bei geringfügig entlohnten Beschäftigungen Der Arbeitgeber hat an die Bundesknappschaft folgende Abgaben zu entrichten: • 11% des Arbeitsentgelts zur Krankenversicherung (gilt nur für in der gesetzlichen Krankenversicherung Versicherte) • 12% des Arbeitsentgelts zur Rentenversicherung (gilt auch für nicht in der gesetzlichen Rentenversicherung Versicherte) • 2% des Arbeitsentgelts als einheitliche Pauschsteuer (Lohnsteuer einschließlich Solidaritätszuschlag und Kirchensteuer); alternativ kann die Besteuerung nach einer vorgelegten Lohnsteuerkarte erfolgen. Der Arbeitnehmer kann den Rentenversicherungs-Pauschalbeitrag auf den vollen Beitragssatz aufstocken (2005: 19,5% des Arbeitsentgelts, mindestens von 155 € monatlich), um ungeminderte Leistungsansprüche aus der Rentenversicherung zu erwerben.
Geringfügig entlohnte Beschäftigungen sind bei der Bundesknappschaft unter Angabe der entsprechenden Beitragsgruppenschlüssel anzumelden.
geringfügig entlohnte BeschäftigungBeitragsgruppenschlüssel
ohne RV-Aufstockung
mit RV-Aufstockung
Ändert sich das Arbeitsentgelt und wird die 400-€-Grenze überschritten, ist eine Abmeldung bei der Bundesknappschaft zu erstatten und eine Anmeldung bei der Krankenkasse des Beschäftigten vorzunehmen. Das ist auch erforderlich, wenn Versicherungspflicht durch Zusammenrechnung mehrerer geringfügig entlohnter Beschäftigungen eintritt.
• Mehrere geringfügig entlohnte Beschäftigungen sind zusammenzurechnen und werden bei Überschreiten der 400-€-Grenze sozialversicherungspflichtig in der Kranken-, Pflege-, Renten- und Arbeitslosenversicherung. Die Berechnung der Sozialversicherungsbeiträge erfolgt dann gegebenenfalls als so genannter "Gleitzonen-Fall" auf einer ermäßigten Beitragsbemessungsgrundlage. • Arbeitnehmer, die eine versicherungspflichtige Hauptbeschäftigung ausüben, können eine geringfügig entlohnte Nebenbeschäftigung ausüben, die versicherungsfrei bleibt. Alle weiteren geringfügig entlohnten Nebenbeschäftigungen sind mit der Hauptbeschäftigung zusammenzurechnen und sind in der Kranken-, Pflege- und Rentenversicherung versicherungspflichtig, sie bleiben jedoch in der Arbeitslosenversicherung versicherungsfrei. Hat der Arbeitgeber keine Kenntnis über die Mehrfachbeschäftigung des Arbeitnehmers, tritt Versicherungs- und Beitragspflicht erst mit der Bekanntgabe der Feststellung durch die Bundesknappschaft ein (§ 8 Abs. 2 Satz 3 SGB IV). Da Ansprüche auf Beiträge erst vier Jahre nach Ablauf des Kalenderjahres verjähren, in dem sie fällig geworden sind (§ 25 Abs. 1 SGB IV), werden durch diese Regelung Arbeitgeber, die keine Kenntnis über Mehrfachbeschäftigungen ihrer Arbeitnehmer haben, vor einer rückwirkenden Zahlungspflicht von Gesamtversicherungsbeiträgen bewahrt. Durch das Verwaltungsvereinfachungsgesetz vom 21.3.2005 gilt jedoch seit 1. April 2005 eine erweiterte Auskunfts- und Vorlagepflicht des Beschäftigten (§ 28 o Abs. 1 SGB IV): Der Beschäftigte hat dem Arbeitgeber, bei mehreren Beschäftigungen allen beteiligten Arbeitgebern, die zur Durchführung des Meldeverfahrens und der Beitragszahlung erforderlichen Angaben zu machen und entsprechende Unterlagen vorzulegen. Durch diese gesetzliche Regelung werden auch geringfügig entlohnte Beschäftigte verpflichtet, ihren Arbeitgebern die Aufnahme einer weiteren geringfügigen Beschäftigung mitzuteilen. Handelt der Beschäftigte ordnungswidrig, indem er diese Informationen nicht, nicht vollständig oder nicht rechtzeitig erteilt oder die erforderlichen Unterlagen nicht, nicht vollständig oder nicht rechtzeitig vorlegt, muss er mit einer Geldbuße bis zu 5.000 € durch die Einzugsstelle rechnen, die in diesen Fällen als Verwaltungsbehörde gilt (§ 111 Abs. 1 Nr. 4 und Abs. 4 SGB IV).
Nimmt der Arbeitgeber am Ausgleichs- und Umlageverfahren nach dem Lohnfortzahlungsgesetz teil, ist auch die Umlage für alle geringfügig beschäftigten gewerblichen Arbeitnehmer an die Bundesknappschaft abzuführen. Der Umlagesatz U1 beträgt (2005) 0,1%. Die Umlage für U2 wird (2005) nicht erhoben. Erstattet werden 80 % des fortgezahlten Arbeitsentgelts (ohne Einmalzahlungen) bei Arbeitsunfähigkeit infolge Krankheit geringfügig entlohnter gewerblicher Arbeitnehmer sowie 100 % des Arbeitgeberzuschusses zum Mutterschaftsgeld bzw. des fortgezahlten Arbeitsentgelts für die Dauer von Beschäftigungsverboten nach dem Mutterschutzgesetz.
In den Ab- und Jahresmeldungen für geringfügig entlohnte Beschäftigte ist stets das beitragspflichtige Arbeitsentgelt anzugeben. Die Meldungen sind bei der Bundesknappschaft vorzunehmen.
In der folgenden Tabelle sind die steuer- und sozialversicherungsrechtlichen Beurteilungskriterien für geringfügig entlohnte Beschäftigungsverhältnisse zusammenfassend dargestellt:
Geringfügig entlohnte Beschäftigte mit max. 400 €/Monat (§ 8 Abs. 1 Nr. 2 SGB IV) Es besteht nur ein geringfügig entlohntes Beschäftigungsverhältnis (auch neben einer Hauptbeschäftigung) 11% AG-Pauschalbeitrag KV 12% AG-Pauschalbeitrag RV Verzicht auf RV-Freiheit möglich
Es bestehen gleichzeitig mehrere geringfügig entlohnte Beschäftigungsverhältnisse mit einer Summe von mehr als 400 €/Monat KV, RV, AV, PV
Es besteht ein zweites geringfügig entlohntes Beschäftigungsverhältnis neben einer Hauptbeschäftigung KV, RV, PV
Pauschalierung der Lohnsteuer (§ 40a EStG)
2% einheitliche Pauschsteuer (enthält LSt, SolZ, KiSt)
alternativ: Vorlage einer Lohnsteuerkarte durch den beschäftigten Arbeitnehmer günstig bei LSt.-Kl. I bis IV, da LSt = 0 €
Vorlage einer Lohnsteuerkarte durch den beschäftigten Arbeitnehmer
alternativ: 20% PLSt (zzgl. PSolZ, PKiSt)
Hier finden Sie dieses Lohn-Update "Geringfügig entlohnte Beschäftigungen – die so genannten 400-Euro-Jobs" zum Download als pdf-Datei. ______________________________________________________________________________