Source: http://m.hensche.de/Arbeitsrecht_Urteile_Wettbewerbsverbot_ohne_Gegenleistung_salvatorische_Klausel_LAG_Hamm_10Sa67-15_u.html
Timestamp: 2018-04-22 14:00:19
Document Index: 35560735

Matched Legal Cases: ['§ 10', '§ 14', '§ 10', '§ 74', '§ 74', '§ 14', '§ 11', '§ 10', '§ 305', '§ 133', '§ 74', '§ 10', '§ 11', '§ 10', '§ 10', '§ 14', '§ 74', '§ 74', '§ 74', '§ 14', '§ 10', '§ 14', '§ 74', '§ 10', '§ 10', '§ 10', '§ 11', '§ 74', '§ 14', '§ 64', '§ 519', '§ 66', '§ 520', '§ 10', '§ 74', '§ 74', '§ 74', '§ 10', '§ 10', '§ 14', '§ 74', '§ 14', 'BGH', '§ 139', '§ 10', '§ 310', '§ 611', '§ 4', '§ 14', '§ 139', '§ 139', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 139', '§ 134', '§ 139', 'BGH', '§ 74', '§ 74', '§ 10', '§ 10', '§ 11', '§ 74', '§ 74', '§ 74', '§ 74', '§ 126', '§ 125', '§ 10', '§ 14', '§ 74', 'BGH', '§ 74', '§ 10', '§ 10', '§ 74', '§ 74', '§ 242', '§ 74', '§ 75', '§ 286', '§ 614', '§ 64', '§ 72']

HENSCHE Arbeitsrecht: 10 Sa 67/15
Akten­zeichen: 10 Sa 67/15
Ent­scheid­ungs­datum: 05.06.2015
Leit­sätze: Enthält der Ar­beits­ver­trag ne­ben ei­nem Wett­be­werbs­ver­bot oh­ne Ka­ren­zentschädi­gungs­zu­sa­ge ei­ne sal­va­to­ri­sche Er­set­zungs­klau­sel, kann die­se zu ei­nem wirk­sa­men nach­ver­trag­li­chen Wett­be­werbs­ver­bot mit der Zu­sa­ge ei­ner Ka­ren­zentschädi­gung in ge­setz­li­cher Höhe führen.
Vor­ins­tan­zen: Arbeitsgericht Rheine, 4 Ca 1218/14
1. Die Be­ru­fung der Be­klag­ten ge­gen das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts Rhei­ne vom 27.11.2014, Az. 4 Ca 1218/14, wird kos­ten­pflich­tig zurück­ge­wie­sen.
Die Par­tei­en strei­ten um die Zah­lung ei­ner Ka­ren­zentschädi­gung.
Die Be­klag­te ist ein Un­ter­neh­men der Kühl- und Ge­frier­tech­nik und Lie­fe­rant für ste­cker­fer­ti­ge Kühl­geräte. Von ver­schie­de­nen Her­stel­lern wer­den welt­weit in Li­zenz für die Be­klag­te Pro­duk­te ge­baut, die die Be­klag­te un­ter dem Mar­ken­na­men „F“ in­ter­na­tio­nal ver­treibt. An ih­rem Be­triebs­sitz in F1 beschäftigt die Be­klag­te ca. 15 Mit­ar­bei­ter.
Die Kläge­rin war bei der Be­klag­ten vom 26.05.2008 bis zum 31.12.2013 auf­grund An­stel­lungs­ver­tra­ges vom 20.05.2008 (Bl. 12 ff. d.A.) als In­dus­trie­kauf­frau beschäftigt. Der Ar­beits­ver­trag, der von Rechts­anwälten der Be­klag­ten aus­ge­ar­bei­tet wor­den ist, enthält un­ter an­de­rem fol­gen­de Re­ge­lun­gen:
§ 10 Wett­be­werbs­ver­bot
(1) Der Mit­ar­bei­te­rin ist es un­ter­sagt, für die Dau­er von zwei Jah­ren nach Be­en­di­gung die­ses Ver­tra­ges in selbstständi­ger, un­selbstständi­ger oder sons­ti­ger Wei­se für ein Un­ter­neh­men tätig zu wer­den, wel­ches mit der Fir­ma in di­rek­tem und in­di­rek­tem Wett­be­werb steht oder mit ei­nem Wett­be­werbs­un­ter­neh­men ver­bun­den ist. In glei­cher Wei­se ist es der Mit­ar­bei­te­rin un­ter­sagt, während der Dau­er die­ses Ver­bots ein sol­ches Un­ter­neh­men zu er­rich­ten, zu er­wer­ben oder sich hier­an un­mit­tel­bar oder mit­tel­bar zu be­tei­li­gen. Das Wett­be­werbs­ver­bot gilt auch zu­guns­ten von mit der Fir­ma ver­bun­de­nen Un­ter­neh­men.
(2) Für je­den Fall der Zu­wi­der­hand­lung ge­gen das Ver­bot hat die Mit­ar­bei­te­rin ei­ne Ver­trags­stra­fe in Höhe von € 10.000,00 zu zah­len. Im Fall ei­nes Dau­er­ver­s­toßes wird die Ver­trags­stra­fe für je­den an­ge­fan­ge­nen Mo­nat neu ver­wirkt. Die Gel­tend­ma­chung ei­nes darüber hin­aus­ge­hen­den Scha­dens bleibt vor­be­hal­ten.
(3) Das Wett­be­werbs­ver­bot gilt auch mit ei­nem Rechts­nach­fol­ger des Be­trie­bes, ins­be­son­de­re geht es bei ei­ner Veräußerung auf den Er­wer­ber über. Der Ar­beit­neh­mer ist mit dem Über­gang der Rech­te aus die­ser Ver­ein­ba­rung auf den Rechts­nach­fol­ger ein­ver­stan­den.
(4) Das Wett­be­werbs­ver­bot tritt nicht in Kraft, wenn die Mit­ar­bei­te­rin bei ih­rem Aus­schei­den das 65. Le­bens­jahr voll­endet oder das Ar­beits­verhält­nis we­ni­ger als ein Jahr be­stan­den hat.
(5) Die Mit­ar­bei­te­rin hat von der Ge­sell­schaft ei­ne vollständi­ge Ab­schrift die­ser Ver­ein­ba­rung er­hal­ten.
Die Mit­ar­bei­te­rin ist ver­pflich­tet, ge­genüber Drit­ten über al­le An­ge­le­gen­hei­ten der Ge­sell­schaft und ih­ren Be­tei­li­gungs­ge­sell­schaf­ten strengs­tes Still­schwei­gen zu be­wah­ren. Die­se Ver­pflich­tung be­steht auch nach dem Aus­schei­den aus den Diens­ten der Ge­sell­schaft. Soll­te die Mit­ar­bei­te­rin ge­gen ih­re Ge­heim­hal­tungs­pflicht ver­s­toßen, hat die Ge­sell­schaft ge­gen die Mit­ar­bei­te­rin auf Er­satz des da­durch ent­ste­hen­den Scha­dens.
§ 14 Ne­ben­be­stim­mun­gen
(1) Ände­run­gen oder Ergänzun­gen die­ses Ver­tra­ges ein­sch­ließlich die­ser 15 Be­stim­mung selbst sind nur wirk­sam, wenn sie schrift­lich ab­ge­schlos­sen oder schrift­lich wech­sel­sei­tig bestätigt wor­den sind.
(2) Soll­te ei­ne Be­stim­mung die­ses Ver­tra­ges nich­tig oder un­wirk­sam sein, so soll da­durch der Ver­trag im Übri­gen in sei­nem recht­li­chen Be­stand nicht berührt wer­den. An­stel­le der nich­ti­gen oder un­wirk­sa­men Be­stim­mung soll ei­ne an­ge­mes­se­ne Re­ge­lung gel­ten, die, so­weit recht­lich möglich, dem am nächs­ten kommt, was die Ver­trags­par­tei­en ge­wollt ha­ben oder nach dem Sinn und Zweck die­ses Ver­tra­ges ge­wollt hätten, so­fern sie bei Ab­schluss die­ses Ver­tra­ges die Nich­tig­keit oder Un­wirk­sam­keit be­dacht hätten.
Mit Zu­satz­ver­ein­ba­rung vom 12.08.2008 (Bl.19 d.A.) ver­ein­bar­ten die Par­tei­en ei­ne Teil­zeit­beschäfti­gung der Kläge­rin so­wie, dass sich ihr Haupt­auf­ga­ben­be­reich vor­aus­sicht­lich auf te­le­fo­ni­sche Aqui­se (ca. 50%), Te­le­fon­dienst und Lo­gis­tik ver­la­gern wird. Die Kläge­rin be­zog zu­letzt ei­ne durch­schnitt­li­che Brut­to­mo­nats­vergütung i.H.v. 1.209,38 €. Das Ar­beits­verhält­nis der Par­tei­en en­de­te durch ei­ne or­dent­li­che Kündi­gung der Kläge­rin vom 11.11.2013 zum 31.12.2013.
Mit Schrei­ben vom 25.03.2014 mach­te die Kläge­rin ge­genüber der Be­klag­ten die Zah­lung ei­ner Ka­ren­zentschädi­gung zunächst für die Mo­na­te Ja­nu­ar und Fe­bru­ar 2014 gel­tend. Mit Schrei­ben vom 31.03.2014 (Bl. 24 d.A.) und 09.04.2014 (Bl. 25 d.A.) wies die Be­klag­te den An­spruch der Kläge­rin zurück mit der Be­gründung, dass das ver­ein­bar­te Wett­be­werbs­ver­bot nich­tig sei, da zwi­schen den Par­tei­en kei­ne Ka­ren­zentschädi­gung ver­ein­bart wor­den sei.
Zwi­schen dem 01.01.2014 und dem 31.07.2014 er­ziel­te die Kläge­rin kein an­re­chen­ba­res Ein­kom­men. Das von der Kläge­rin be­zo­ge­ne Ar­beits­lo­sen­geld gemäß ih­rer Auf­stel­lung (Bl. 10 d.A.) so­wie die ab dem 01.06.2014 er­ziel­ten Einkünf­te aus selbständi­ger Tätig­keit er­rei­chen nicht die Gren­ze von 110% der zu­letzt ver­trags­gemäß be­zo­ge­nen Vergütung.
Die Kläge­rin hat die Auf­fas­sung ver­tre­ten, dass die Par­tei­en un­ter § 10 des Ar­beits­ver­tra­ges wirk­sam ein nach­ver­trag­li­ches Wett­be­werbs­ver­bot i.S.d. §§ 74 ff. HGB ge­gen Zah­lung ei­ner Ka­ren­zentschädi­gung ver­ein­bart hätten. Durch den von der Be­klag­ten vor­for­mu­lier­ten und ge­stell­ten, von bei­den Par­tei­en un­ter­schrie­be­nen und der Kläge­rin aus­gehändig­ten Ar­beits­ver­trag wer­de dem Schrift­for­mer­for­der­nis des § 74 Abs. 2 HGB Genüge ge­tan. Die feh­len­de Ver­ein­ba­rung ei­ner Ka­ren­zentschädi­gung führe ent­ge­gen der Auf­fas­sung der Be­klag­ten nicht zur Un­wirk­sam­keit der Wett­be­werbs­ver­ein­ba­rung. Viel­mehr sei auf­grund der in § 14 Abs. 2 des Ar­beits­ver­tra­ges ent­hal­te­nen sal­va­to­ri­schen Klau­sel die Wett­be­werbs­ver­ein­ba­rung zu ergänzen um die Ver­pflich­tung der Be­klag­ten zur Zah­lung ei­ner Ka­ren­zentschädi­gung in der ge­setz­lich vor­ge­se­he­nen Höhe. Dies ent­spre­che am ehes­ten dem, was - im Fal­le der Un­wirk­sam­keit bzw. Un­vollständig­keit der Re­ge­lung - die Be­klag­ten woll­te bzw. nach Sinn und Zweck des Ver­tra­ges ge­wollt hätte. Dass die Be­klag­te nicht da­von aus­ge­gan­gen sei, dass es sich le­dig­lich um ei­ne un­ver­bind­li­che Ver­schwie­gen­heits­erklärung han­de­le, er­ge­be sich auch aus ei­ner Ge­samt­schau der Re­ge­lun­gen zum Wett­be­werbs­ver­bot. § 11 des Ar­beits­ver­tra­ges sta­tu­ie­re aus­drück­lich ei­ne Ge­heim­hal­tungs­pflicht, was er­ken­nen las­se, dass der Be­klag­ten der Un­ter­schied zwi­schen Ver­schwie­gen­heits­klau­sel und Wett­be­werbs­ver­bot durch­aus be­wusst ge­we­sen sei. Auch die Ver­ein­ba­rung der ho­hen Ver­trags­stra­fe un­ter § 10 Abs. 2 las­se er­ken­nen, dass die Un­ter­bin­dung nach­ver­trag­li­chen Wett­be­werbs für die Be­klag­te ei­ne große Be­deu­tung hat­te.
Die­ses Er­geb­nis er­ge­be sich auch aus an­de­ren Erwägun­gen: Bei dem Ar­beits­ver­trag der Par­tei­en han­de­le es sich um All­ge­mei­ne Geschäfts­be­din­gun­gen i.S.v. §§ 305 ff. BGB, die gemäß §§ 133, 157 BGB aus­zu­le­gen sei­en. Sei der Ver­trags­wort­laut nicht ein­deu­tig, so kom­me es für die Aus­le­gung ent­schei­dend dar­auf an, wie der Ver­trags­text aus Sicht der ty­pi­scher­wei­se an Geschäften die­ser Art be­tei­lig­ten Ver­kehrs­krei­se zu ver­ste­hen sei. Der Ver­trags­zweck sei nur in­so­weit mit ein­zu­be­zie­hen, als er auf ty­pi­sche und von red­li­chen Geschäfts­part­nern ver­folg­te Zie­le ge­rich­tet sei. Bei der Ver­ein­ba­rung ei­nes Wett­be­werbs­ver­bots oh­ne Ka­ren­zentschädi­gung sei im Zwei­fel da­von aus­zu­ge­hen, dass der Ar­beit­ge­ber ei­ne wirk­sa­me Wett­be­werbs­ver­ein­ba­rung tref­fen und sich rechtmäßig ver­hal­ten wol­le und des­halb – wenn er die Un­wirk­sam­keit der Re­ge­lung be­dacht hätte – ei­ne Ka­ren­zentschädi­gung in der ge­setz­li­chen Min­desthöhe nach § 74 Abs. 2 HGB ver­ein­bart hätte. Ver­blei­ben­de Aus­le­gungs­zwei­fel gin­gen zu Las­ten der Be­klag­ten als Ver­wen­de­rin. Es sei auch an­ge­mes­sen, die Ar­beit­ge­be­rin für die von ihr ge­schaf­fe­ne Ge­fahr, dass der Ar­beit­neh­mer das Wett­be­werbs­ver­bot für wirk­sam hal­te und da­her ei­ne an­der­wei­ti­ge Tätig­keit im Wirt­schafts­zweig des Ar­beit­ge­bers un­ter­las­se, haf­ten zu las­sen.
Sch­ließlich recht­fer­ti­ge auch die Tätig­keit der Kläge­rin die An­nah­me, dass ein ver­bind­li­ches Wett­be­werbs­ver­bot ge­wollt war. Die Be­klag­te be­trei­be ein rei­nes Großhan­dels­un­ter­neh­men und ge­ne­rie­re da­mit ein er­heb­li­ches Um­satz­vo­lu­men, und zwar aus­sch­ließlich auf der Grund­la­ge der Kennt­nis­se von Be­zugs­quel­len, Be­zugs- und Ver­kaufs­prei­sen so­wie Lie­fe­ran­ten- und Kun­den­da­ten, die so­mit ei­nen er­heb­li­chen Wert für die Be­klag­te dar­stel­len. Die Kläge­rin ha­be auf­grund ih­rer Tätig­keit Zu­gang zu die­sen Da­ten ge­habt. Die Ver­wer­tung die­ser Da­ten ha­be durch die Ver­ein­ba­rung des nach­ver­trag­li­chen Wett­be­werbs­ver­bots un­ter­bun­den wer­den sol­len. An­dern­falls ha­be es der Re­ge­lung un­ter § 10 des Ver­tra­ges ne­ben der Ver­schwie­gen­heits­ver­pflich­tung gemäß § 11 nicht be­durft. Wel­chen ho­hen wirt­schaft­li­chen Wert dies für die Be­klag­te hat­te, sei an der Höhe der un­ter § 10 Abs. 2 ge­re­gel­ten Ver­trags­stra­fe er­kenn­bar.
Die Kläge­rin ha­be sich – un­strei­tig - auf­grund des nach­ver­trag­li­chen Wett­be­werbs­ver­bots jeg­li­cher Wett­be­werbs­hand­lun­gen ent­hal­ten. Wie sich den Schrei­ben vom 31.03. so­wie 09.04.2014 ent­neh­men las­se, ha­be die Be­klag­te außer­ge­richt­lich nicht auf die Ein­hal­tung des Wett­be­werbs­ver­bots ver­zich­tet. Der Kläge­rin ste­he des­halb ei­ne Ka­ren­zentschädi­gung i.H.v. 50% der zu­letzt be­zo­ge­nen ver­trags­gemäßen Vergütung, mit­hin 604,69 € mo­nat­lich zu.
1. die Be­klag­te zu ver­ur­tei­len, an die Kläge­rin für den Mo­nat Ja­nu­ar 2014 ei­ne Ka­ren­zentschädi­gung in Höhe von 604,69 € brut­to nebst Zin­sen in Höhe von 5 Pro­zent­punk­ten über dem je­wei­li­gen Ba­sis­zins­satz seit dem 01.02.2014 zu zah­len;
2. die Be­klag­te zu ver­ur­tei­len, an die Kläge­rin für den Mo­nat Fe­bru­ar 2014 ei­ne Ka­ren­zentschädi­gung in Höhe von 604,69 € brut­to nebst Zin­sen in Höhe von 5 Pro­zent­punk­ten über dem je­wei­li­gen Ba­sis­zins­satz seit dem 01.03.2014 zu zah­len;
3. die Be­klag­te zu ver­ur­tei­len, an die Kläge­rin für den Mo­nat März 2014 ei­ne Ka­ren­zentschädi­gung in Höhe von 604,69 € brut­to nebst Zin­sen in Höhe von 5 Pro­zent­punk­ten über dem je­wei­li­gen Ba­sis­zins­satz seit dem 01.04.2014 zu zah­len;
4. die Be­klag­te wird ver­ur­tei­len, an die Kläge­rin für den Mo­nat April 2014 ei­ne Ka­ren­zentschädi­gung in Höhe von 604,69 € brut­to nebst Zin­sen in Höhe von 5 Pro­zent­punk­ten über dem je­wei­li­gen Ba­sis­zins­satz seit dem 01.05.2014 zu zah­len;
5. die Be­klag­te zu ver­ur­tei­len, an die Kläge­rin für den Mo­nat Mai 2014 ei­ne Ka­ren­zentschädi­gung in Höhe von 604,69 € brut­to nebst Zin­sen in Höhe von 5 Pro­zent­punk­ten über dem je­wei­li­gen Ba­sis­zins­satz seit dem 01.06.2014 zu zah­len;
6. die Be­klag­te zu ver­ur­tei­len, an die Kläge­rin für den Mo­nat Ju­ni 2014 ei­ne Ka­ren­zentschädi­gung in Höhe von 604,69 € brut­to nebst Zin­sen in Höhe von 5 Pro­zent­punk­ten über dem je­wei­li­gen Ba­sis­zins­satz seit dem 01.07.2014 zu zah­len;
7. die Be­klag­te zu ver­ur­tei­len, an die Kläge­rin für den Mo­nat Ju­li 2014 ei­ne Ka­ren­zentschädi­gung in Höhe von 604,69 € brut­to nebst Zin­sen in Höhe von 5 Pro­zent­punk­ten über dem je­wei­li­gen Ba­sis­zins­satz seit dem 01.08.2014 zu zah­len;
8. die Be­klag­te zu ver­ur­tei­len, an die Kläge­rin für den Mo­nat Au­gust 2014 ei­ne Ka­ren­zentschädi­gung in Höhe von 604,69 € brut­to nebst Zin­sen in Höhe von 5 Pro­zent­punk­ten über dem je­wei­li­gen Ba­sis­zins­satz seit dem 01.09.2014 zu zah­len;
9. die Be­klag­te zu ver­ur­tei­len, an die Kläge­rin für den Mo­nat Sep­tem­ber 2014 ei­ne Ka­ren­zentschädi­gung in Höhe von 604,69 € brut­to nebst Zin­sen in Höhe von 5 Pro­zent­punk­ten über dem je­wei­li­gen Ba­sis­zins­satz seit dem 01.10.2014 zu zah­len;
10. die Be­klag­te zu ver­ur­tei­len, an die Kläge­rin ei­ne zukünf­ti­ge Ka­ren­zentschädi­gung mo­nat­lich wie­der­keh­rend ab dem 31.10.2014 bis zum 31.12.2015 in Höhe von 604,69 € brut­to nebst Zin­sen in Höhe von 5 Pro­zent­punk­ten über dem je­wei­li­gen Ba­sis­zins­satz zum je­weils Mo­nats­letz­ten zu zah­len.
Die Be­klag­te hält das zwi­schen den Par­tei­en un­ter § 10 des Ar­beits­ver­tra­ges ge­re­gel­te Wett­be­werbs­ver­bot auf­grund der feh­len­den Zu­sa­ge ei­ner Ka­ren­zentschädi­gung für nich­tig. Auf die Nich­tig­keit könn­ten sich so­wohl der Ar­beit­ge­ber, als auch der Ar­beit­neh­mer be­ru­fen. Die Nich­tig­keit könne auch nicht über die sal­va­to­ri­sche Klau­sel über­wun­den wer­den, denn dem ste­he schon das Schrift­for­mer­for­der­nis nach § 14 Abs. 1 des Ar­beits­ver­tra­ges, § 74 HGB ent­ge­gen. Es feh­le auch an ei­ner wirk­sa­men schrift­li­chen Be­zug­nah­me auf die §§ 74 ff. HGB. Fer­ner sei zu berück­sich­ti­gen, dass § 74 HGB aus­drück­lich zwi­schen ver­bind­li­chen und un­ver­bind­li­chen Wett­be­werbs­ver­bo­ten un­ter­schei­de. Würde je­de Wett­be­werbs­ver­ein­ba­rung auch oh­ne Ver­ein­ba­rung ei­ner Ka­ren­zentschädi­gung im Er­geb­nis zu der Ver­pflich­tung führen, den­noch ei­ne Entschädi­gung zu zah­len, so wäre die­se Un­ter­schei­dung überflüssig.
Auch ei­ne Aus­le­gung un­ter Berück­sich­ti­gung des von den Par­tei­en wirt­schaft­lich Ge­woll­ten führe nicht zu ei­nem An­spruch der Kläge­rin auf Zah­lung ei­ner Ka­ren­zentschädi­gung. Die For­mu­lie­rung in § 14 des Ar­beits­ver­tra­ges er­ge­be viel­mehr den - lai­en­haf­ten, wenn auch recht­lich nicht halt­ba­ren - Wil­len der Be­klag­ten, ein nach­ver­trag­li­ches Wett­be­werbs­ver­bot oh­ne Zah­lungs­ver­pflich­tung zu ver­ein­ba­ren. Hätten die Par­tei­en die Nich­tig­keit vor­aus­ge­se­hen, so hätten sie kei­nes­falls ein wirk­sa­mes Wett­be­werbs­ver­bot ge­gen Zah­lung ei­ner Ka­ren­zentschädi­gung in den Ar­beits­ver­trag auf­ge­nom­men. Das fol­ge auch dar­aus, dass die Kläge­rin le­dig­lich mit der in­ter­nen Or­ga­ni­sa­ti­on und da­mit nicht mit ei­ner so be­deut­sa­men Tätig­keit bei der Be­klag­ten beschäftigt war, dass an­zu­neh­men sei, die Be­klag­te ha­be im Zwei­fel ein ver­bind­li­ches Wett­be­werbs­ver­bot ge­gen Zah­lung ei­ner Ka­ren­zentschädi­gung ver­ein­ba­ren wol­len. Vor die­sem Hin­ter­grund er­schei­ne es miss­bräuch­lich, wenn der Ar­beit­neh­mer sich auf ei­ne Ka­ren­zentschädi­gung be­ru­fe. Zu­dem ha­be die Be­klag­te die Kläge­rin aus­drück­lich dar­auf hin­ge­wie­sen, dass sie nicht auf der Ein­hal­tung des Wett­be­werbs­ver­bots be­ste­he; auch aus die­sem Grund sei das Ver­lan­gen ei­ner Ka­ren­zentschädi­gung rechts­miss­bräuch­lich.
Mit Ur­teil vom 27.11.2014, der Be­klag­ten zu­ge­stellt am 16.12.2014, hat das Ar­beits­ge­richt der Kla­ge statt­ge­ge­ben. Zur Be­gründung hat das Ar­beits­ge­richt aus­geführt, dass zwi­schen den Par­tei­en ein wirk­sa­mes Wett­be­werbs­ver­bot ver­ein­bart wor­den sei. Zwar ent­hal­te § 10 des Ar­beits­ver­tra­ges kei­ne Zu­sa­ge ei­ner Ka­ren­zentschädi­gung, was re­gelmäßig zur Nich­tig­keit des Wett­be­werbs­ver­bots führe. Auf­grund der Er­set­zungs­klau­sel un­ter § 14 Abs. 2 des Ar­beits­ver­tra­ges wer­de das nich­ti­ge Wett­be­werbs­ver­bot je­doch durch ein Wirk­sa­mes er­setzt, ergänzt um ei­ne Ka­ren­zentschädi­gung in der nach § 74 Abs. 2 HGB vor­ge­se­he­nen Min­desthöhe. Es könne da­hin­ge­stellt blei­ben, ob die Klau­sel dem Recht der all­ge­mei­nen Geschäfts­be­din­gun­gen un­ter­lie­ge. Je­den­falls fol­ge aus der Klau­sel die Ver­pflich­tung, ei­ne Ver­trags­an­pas­sung hin­zu­neh­men, wenn dies dem Sinn und Zweck der nich­ti­gen Be­stim­mung und dem von den Par­tei­en wirt­schaft­lich Ge­woll­ten ent­spre­che. Die Ver­ein­ba­rung ei­ner sal­va­to­ri­schen Er­hal­tens­klau­sel führe zu ei­ner Ver­la­ge­rung der Dar­le­gungs- und Be­weis­last auf die Be­klag­te, die hätte dar­le­gen müssen, dass sie bei Kennt­nis von der Nich­tig­keit des in § 10 ver­ein­bar­ten Wett­be­werbs­ver­bots kein wirk­sa­mes Wett­be­werbs­ver­bot ver­ein­bart hätte. Dies ha­be sie nicht ge­tan. Auch aus dem wei­te­ren In­halt des Ar­beits­ver­tra­ges fol­ge nicht der Wil­le der Be­klag­ten, in § 10 le­dig­lich ei­ne ein­sei­ti­ge Auf­la­ge oh­ne Zah­lungs­ver­pflich­tung zu ver­ein­ba­ren. Ge­gen die­se Aus­le­gung spre­che so­wohl die Höhe der un­ter § 10 Abs. 2 ver­ein­bar­ten Ver­trags­stra­fe, als auch die ex­pli­zi­te Re­ge­lung ei­ner Ge­heim­hal­tungs­pflicht un­ter § 11 des Ver­tra­ges, die er­ken­nen las­se, dass die Kläge­rin durch­aus über be­deut­sa­me Kennt­nis­se von Be­triebs­in­ter­na und Kun­den­da­ten verfügte. Die Be­klag­te ha­be schließlich auch vor Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses nicht wirk­sam auf die Ein­hal­tung des Wett­be­werbs­ver­bots ver­zich­tet.
Ge­gen das statt­ge­ben­de Ur­teil rich­tet sich die Be­ru­fung der Be­klag­ten vom 12.01.2015, die sie am sel­ben Tag un­ter Wie­der­ho­lung und Ver­tie­fung ih­res erst­in­stanz­li­chen Vor­brin­gens im We­sent­li­chen wie folgt be­gründet: Zwar ha­be das Ar­beits­ge­richt zu­tref­fend er­kannt, dass ein Wett­be­werbs­ver­bot, das ent­ge­gen § 74 HGB kei­ne Ka­ren­zentschädi­gung vor­se­he, nich­tig sei. Feh­ler­haft sei das Ar­beits­ge­richt hin­ge­gen da­von aus­ge­gan­gen, dass sich über die sal­va­to­ri­sche Klau­sel in § 14 des Ar­beits­ver­tra­ges das Wett­be­werbs­ver­bot mit ei­ner Ka­ren­zentschädi­gung in der ge­setz­li­chen Min­desthöhe auf­recht er­hal­ten las­se. Die Be­klag­te wie­der­holt in­so­weit ih­re erst­in­stanz­li­che Ar­gu­men­ta­ti­on. Zu­dem ha­be das Ar­beits­ge­richt nicht aus­rei­chend gewürdigt, dass die Be­klag­te in ih­ren Schrei­ben aus März und April 2014 auf die Ein­hal­tung des Wett­be­werbs­ver­bo­tes ver­zich­tet ha­be, in­dem sie auf die Nich­tig­keit der Ver­ein­ba­rung hin­ge­wie­sen ha­be.
das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts Rhei­ne vom 16.12.2014, Az. 4 Ca 1218/14, ab­zuändern und die Kla­ge ab­zu­wei­sen.
die Be­ru­fung zurück­zu­wei­sen. Die Kläge­rin ver­tei­digt das erst­in­stanz­li­che Ur­teil. Die Ar­gu­men­ta­ti­on der Be­klag­ten, dass die ge­setz­li­che Un­ter­schei­dung zwi­schen ver­bind­li­chem und un­ver­bind­li­chem Wett­be­werbs­ver­bot überflüssig sei, wenn die feh­len­de Zu­sa­ge ei­ner Ka­ren­zentschädi­gung über ei­ne sal­va­to­ri­sche Klau­sel über­wun­den wer­den könne, ver­fan­ge nicht. Denn es sei­en ei­ne Fülle von Fällen denk­bar, in de­nen die Un­ter­schei­dung zwi­schen ver­bind­li­chem und un­ver­bind­li­chem Wett­be­werbs­ver­bot durch­aus zum Tra­gen kom­me, so z.B. wenn oh­ne gleich­zei­ti­ge Ver­ein­ba­rung ei­ner sal­va­to­ri­schen Klau­sel die Zah­lung ei­ner Ka­ren­zentschädi­gung nicht ver­ein­bart wor­den sei. Fer­ner sei zu berück­sich­ti­gen, dass der Ge­setz­ge­ber die Un­ver­bind­lich­keit ei­nes entschädi­gungs­los ver­ein­bar­ten Wett­be­werbs­ver­bots zum Schut­ze des Ar­beit­neh­mers und nicht zu­guns­ten des Ar­beit­ge­bers auf­ge­nom­men ha­be. Sch­ließlich sei bei der Aus­le­gung der Wett­be­werbs­ver­ein­ba­rung auch die höchst­rich­ter­li­che Recht­spre­chung zu berück­sich­ti­gen, nach der da­von aus­zu­ge­hen sei, dass der Ar­beit­ge­ber re­gelmäßig ein wirk­sa­mes Wett­be­werbs­ver­bot ver­ein­ba­ren wol­le, denn grundsätz­lich sei nicht denk­bar, dass der Ar­beit­ge­ber ein In­ter­es­se an der Un­wirk­sam­keit ei­ner von ihm selbst in­iti­ier­ten Re­ge­lung ha­be. Die le­dig­lich pau­scha­le Be­haup­tung der Be­klag­ten, dass die Par­tei­en nur ei­ne un­ver­bind­li­che Re­ge­lung tref­fen woll­ten, sei un­halt­bar.
Un­er­heb­lich sei, ob die Be­klag­te mit ih­rer Erklärung vom 31.03.2014 auf die Ein­hal­tung des Wett­be­werbs­ver­bots ver­zich­tet ha­be, denn ein nach­ver­trag­li­cher Ver­zicht sei für den An­spruch auf Zah­lung ei­ner Ka­ren­zentschädi­gung recht­lich be­deu­tungs­los.
We­gen des wei­te­ren Sach- und Streit­stan­des der Par­tei­en wird auf die ge­wech­sel­ten Schriftsätze nebst An­la­gen und die aus­weis­lich der Sit­zungs­pro­to­kol­le ab­ge­ge­be­nen Erklärun­gen und er­teil­ten recht­li­chen Hin­wei­se ergänzend Be­zug ge­nom­men.
I. Die Be­ru­fung der Be­klag­ten ist an sich statt­haft (§ 64 Abs. 1, Abs. 2 lit. b ArbGG) und nach den §§ 519 ZPO, 64 Abs. 6 S. 1 ArbGG, 66 Abs. 1 S. 1 ArbGG am 12.01.2015 ge­gen das am 16.12.2014 zu­ge­stell­te Ur­teil in­ner­halb der Mo­nats­frist form- und frist­ge­recht ein­ge­legt wor­den. Sie wur­de auch in­ner­halb der verlänger­ten Frist des § 66 Abs. 1 S. 1 ArbGG ord­nungs­gemäß nach den §§ 520 Abs. 3 i.V.m. 64 Abs. 6 S. 1 ArbGG am 13.03.2015 be­gründet und ist da­mit ins­ge­samt zulässig.
II. Die Be­ru­fung hat in der Sa­che je­doch kei­nen Er­folg. Zu Recht und mit zu­tref­fen­der Be­gründung hat das Ar­beits­ge­richt der Kla­ge statt­ge­ge­ben. Die Kläge­rin hat ei­nen An­spruch auf Zah­lung ei­ner Ka­ren­zentschädi­gung für den Zeit­raum vom 01.01.2014 bis zum 31.12.2015 in der gel­tend ge­mach­ten Höhe.
1. Zwi­schen den Par­tei­en be­steht ein wirk­sa­mes Wett­be­werbs­ver­bot.
a) Die Par­tei­en ha­ben un­ter § 10 des Ar­beits­ver­tra­ges ein Wett­be­werbs­ver­bot ver­ein­bart. Die Ver­ein­ba­rung enthält kei­ne Ver­pflich­tung zur Zah­lung ei­ner Ka­ren­zentschädi­gung i.S.v. § 74 Abs. 2 HGB, was nach der ständi­gen Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts, der sich die Kam­mer an­sch­ließt, (s. zu­letzt BAG, Ur­teil vom 15. Ja­nu­ar 2014 – 10 AZR 243/13 –, BA­GE 147, 128-137, Rn. 14; s. auch Ur­tei­le vom 28. Ju­ni 2006 - 10 AZR 407/05 - Rn. 11 mwN; vom 18. Ja­nu­ar 2000 – 9 AZR 929/98 –, Rn. 12, ju­ris; vgl. auch vgl. ErfK./Oet­ker 14. Aufl. § 74 HGB Rn. 18), re­gelmäßig zur Nich­tig­keit des Wett­be­werbs­ver­bots führt. Das gilt je­den­falls dann, wenn sich – wie vor­lie­gend - in der Be­stim­mung kein An­halts­punkt für die Zu­sa­ge ei­ner Ka­ren­zentschädi­gung fin­det, in­dem es ent­we­der heißt, dass im Übri­gen auf die §§ 74 ff. HGB ver­wie­sen wird (vgl. so bei BAG, 28. Ju­ni 2006, a. a. O., 1158 f., Rn. 14) oder aber, dass die Ver­ein­ba­rung „im Rah­men des recht­lich Zulässi­gen“ gel­ten soll, was für die Ver­ein­ba­rung ei­ner Ka­ren­zentschädi­gung aus­rei­chen kann (vgl. LAG Köln, 28. Mai 2010, 10 Sa 162/10, ju­ris, Rn. 37 ff.; da­zu auch Dil­ler, „Nach­ver­trag­li­ches Wett­be­werbs­ver­bot oh­ne Entschädi­gungs­zu­sa­ge? NZA 2014, 1184 ff. ). § 10 des Ar­beits­ver­tra­ges enthält le­dig­lich die Ver­pflich­tung der Kläge­rin, nach­ver­trag­li­chen Wett­be­werb zu un­ter­las­sen und im Fal­le je­der Zu­wi­der­hand­lung ei­ne Ver­trags­stra­fe zu zah­len, nicht hin­ge­gen An­halts­punk­te für ei­ne Ver­pflich­tung der Be­klag­ten zur Zah­lung ei­ner Ka­ren­zentschädi­gung.
b) Das nich­ti­ge Wett­be­werbs­ver­bot in § 10 des Ar­beits­ver­tra­ges wird je­doch gemäß § 14 Abs. 2 des Ar­beits­ver­tra­ges durch ein Wirk­sa­mes er­setzt, in­dem es um ei­ne Ka­ren­zentschädi­gungs­zu­sa­ge in der nach § 74 Abs. 2 HGB vor­ge­se­he­nen Min­desthöhe ergänzt wird.
Die sal­va­to­ri­sche Klau­sel un­ter § 14 Abs. 2 S. 2 des Ar­beits­ver­tra­ges be­inhal­tet so­wohl ei­ne Er­hal­tungs-, als auch ei­ne Er­set­zungs­klau­sel (vgl. zur Un­ter­schei­dung z.B. BGH, Ur­teil vom 25. Ju­li 2007, XII ZR 143/05, NJW 2007, 3202 ff., Rn. 26 f.; MüKo-BGB/Bu­sche, 6. Auf­la­ge 2012, § 139 BGB Rn. 8), in­dem es im Fal­le der teil­wei­sen oder vollständi­gen Un­wirk­sam­keit oder Nich­tig­keit ein­zel­ner oder meh­re­rer Be­stim­mun­gen des Ar­beits­ver­tra­ges nach sei­nem Satz 1 vor­sieht, dass die Gültig­keit der übri­gen Be­stim­mun­gen hier­durch nicht berührt wird und gemäß Satz 2 an­stel­le der un­wirk­sa­men Be­stim­mung die­je­ni­ge wirk­sa­me Be­stim­mung als ver­ein­bart gilt, die dem Sinn und Zweck der un­wirk­sa­men Be­stim­mung und dem von den Par­tei­en Ge­woll­ten am ehes­ten ent­spricht. Das ist vor­lie­gend die Ergänzung des Wett­be­werbs­ver­bots gemäß § 10 des Ar­beits­ver­tra­ges um die Zu­sa­ge ei­ner Ka­ren­zentschädi­gung in der ge­setz­lich vor­ge­se­he­nen Min­desthöhe.
aa) Die Be­klag­te ist an die sal­va­to­ri­sche Klau­sel ge­bun­den. In­so­weit kann da­hin­ge­stellt blie­ben, ob es sich bei dem Ar­beits­ver­trag der Par­tei­en um ei­nen in­di­vi­du­ell aus­ge­han­del­ten Ver­trag han­delt, in des­sen Rah­men sal­va­to­ri­sche Klau­seln oh­ne wei­te­res zulässig sind (vgl. ErfK/Preis, 14. Auf­la­ge, § 310 BGB Rn. 95; HK-ArbR/Däubler, 3. Auf­la­ge, 2013, § 611 BGB Rn. 601), oder aber um ei­nen For­mu­lar­ar­beits­ver­trag, in
des­sen Rah­men die Ver­wen­dung sal­va­to­ri­scher Klau­seln pro­ble­ma­tisch ist (vgl. da­zu BAG, Ur­teil vom 13. De­zem­ber 2011 - 3 AZR 791/09 – Rn. 38, ju­ris; LAG Hamm, Ur­teil vom 18. Fe­bru­ar 2014 – 14 Sa 806/13 –, Rn. 141, ju­ris; ErfK/Preis a.a.O.). Denn je­den­falls kann sich die Be­klag­te als Ver­wen­de­rin ge­genüber der Kläge­rin auf die Un­wirk­sam­keit der sal­va­to­ri­schen Klau­sel nicht mit Er­folg be­ru­fen. Die In­halts­kon­trol­le schafft le­dig­lich ei­nen Aus­gleich für die ein­sei­ti­ge In­an­spruch­nah­me der Ver­trags­frei­heit durch den Klau­sel­ver­wen­der, sie dient aber nicht dem Schutz des Klau­sel­ver­wen­ders vor von ihm selbst vor­for­mu­lier­ten Ver­trags­be­din­gun­gen (vgl. BAG, Ur­tei­le vom 28. Ju­ni 2006 – 10 AZR 407/05 –, Rn. 15, ju­ris; 27. Ok­to­ber 2005 - 8 AZR 3/05 - EzA TVG § 4 Aus­schluss­fris­ten Nr. 181; LAG Hamm, Ur­teil vom 18. Fe­bru­ar 2014 – 14 Sa 806/13 –, Rn. 141, ju­ris).
bb) Die sal­va­to­ri­sche Er­set­zungs­klau­sel gemäß § 14 Abs. 2 S. 2 des Ar­beits­ver­tra­ges führt vor­lie­gend un­ter Berück­sich­ti­gung der Ge­samt­re­ge­lung nach Auf­fas­sung der Kam­mer zu ei­nem wirk­sa­men Wett­be­werbs­ver­bot.
(1) Ei­ne sal­va­to­ri­sche Klau­sel führt, wie das Ar­beits­ge­richt zu­tref­fend ausführt, zu ei­ner Um­kehr der Ver­mu­tungs­re­gel des § 139 BGB und da­mit zu­gleich der Dar­le­gungs- und Be­weis­last. Während bei ei­ner (Teil-) Nich­tig­keit gemäß § 139 BGB grundsätz­lich die­je­ni­ge Ver­trags­par­tei die Dar­le­gungs- und Be­weis­last trägt, die das Rechts­geschäft auf­recht er­hal­ten will, kehrt sich die Dar­le­gungs- und Be­weis­last bei Ver­ein­ba­rung ei­ner sal­va­to­ri­schen Klau­sel um: Die Nich­tig­keit des ge­sam­ten Ver­tra­ges tritt in die­sen Fällen nur dann ein, wenn die Auf­recht­er­hal­tung des Rest­geschäfts trotz der sal­va­to­ri­schen Klau­sel im Ein­zel­fall durch den durch Ver­trags­aus­le­gung zu er­mit­teln­den (mut­maßli­chen) Par­tei­wil­len nicht mehr ge­tra­gen wird (BGH, Ur­teil vom 15.03.2010 - II ZR 84/09 - Rn. 8, ju­ris; vom 24.09.2002 - KZR 10/01, NJW 2003, 347 f m.w.N.). Das kann z.B. der Fall sein, wenn ei­ne we­sent­li­che Ver­trags­be­stim­mung un­wirk­sam ist und durch die Teil­nich­tig­keit der Ge­samt­cha­rak­ter des Ver­tra­ges verändert würde (vgl. BGH, 15. März 2010, a. a. O.; 5. De­zem­ber 2012, I ZR 92/11, EuZW 2013, 753 ff., Rn. 55) oder wenn die Auf­recht­er­hal­tung oder Er­set­zung ge­gen ein ge­setz­li­ches Ver­bot verstößt. Im Übri­gen schei­det ei­ne Auf­recht­er­hal­tung nur aus, wenn sie im Ein­zel­fall von dem durch Ver­trags­aus­le­gung zu er­mit­teln­den Par­tei­wil­len nicht mehr ge­deckt ist, wofür die Ver­trags­par­tei, wel­che die Be­stim­mung ent­ge­gen der sal­va­to­ri­schen Klau­sel für nicht er­setz­bar er­ach­tet, die Dar­le­gungs- und Be­weis­last trägt (vgl. BGH, Ur­tei­le vom 04.02.2010, IX ZR 18/09, Rn. 30, ju­ris; vom 11. Ok­to­ber 1995 – VIII ZR 25/94 –, Rn. 31, ju­ris; vom 24. Sep­tem­ber 2002, KZR 10/01, NJW 2003, 347 f.; LAG Hamm, Ur­teil vom 18. Fe­bru­ar 2014 – 14 Sa 806/13 –, Rn. 146, ju­ris; Pa­landt-El­len­ber­ger, BGB, § 139 BGB, Rn. 17; MüKo-BGB/Arm­brus­ter, § 134 BGB Rn. 109; Stau­din­ger/Roth, a. a. O., § 139 BGB Rn. 22).
(2) Aus­ge­hend von die­sen Grundsätzen führt die Aus­le­gung des Ver­tra­ges vor­lie­gend zu dem Er­geb­nis, dass die feh­len­de Ver­ein­ba­rung ei­ner Ka­ren­zentschädi­gung nicht zu ei­ner Ge­samt­nich­tig­keit des Wett­be­werbs­ver­bots führt, son­dern um die Ver­pflich­tung zur Zah­lung ei­ner Ka­ren­zentschädi­gung in der ge­setz­li­chen Min­desthöhe zu ergänzen ist. Denn die Er­set­zung des nich­ti­gen Wett­be­werbs­ver­bots durch ein wirk­sa­mes Wett­be­werbs­ver­bot ge­gen Zah­lung ei­ner Ka­ren­zentschädi­gung ent­spricht nach Auf­fas­sung der Kam­mer am ehes­ten dem mut­maßli­chen Wil­len bei­der Ver­trags­par­tei­en, wenn sie bei Ab­schluss des Ver­tra­ges die (Teil-) Nich­tig­keit be­dacht hätten.
(a) Bei der Be­ur­tei­lung, wel­che Ent­schei­dung die Par­tei­en bei Kennt­nis der (Teil) Nich­tig­keit nach Treu und Glau­ben und un­ter Berück­sich­ti­gung der Ver­kehrs­sit­te ge­trof­fen hätten, ist in der Re­gel da­von aus­zu­ge­hen, dass die Par­tei­en das ob­jek­tiv Vernünf­ti­ge ge­wollt und ei­ne ge­set­zes­kon­for­me Re­ge­lung an­ge­strebt hätten (BGH, Ur­tei­le vom 11. Mai 2012 – V ZR 193/11 –, Rn. 13, ju­ris; vom 14. Ju­ni 2006 - VIII ZR 257/04, NJW 2006, 2696, 2697 Rn. 21; vom 30. Ju­ni 2004 - VIII ZR 243/03 - NJW 2004, 3045 un­ter II 1 b bb m.w.Nachw.). Ge­set­zes­kon­form sind aber so­wohl die Ver­ein­ba­rung ei­nes un­ver­bind­li­chen Wett­be­werbs­ver­bots oh­ne, als auch die Ver­ein­ba­rung ei­nes ver­bind­li­chen Wett­be­werbs­ver­bots mit Zah­lung ei­ner Entschädi­gung nach § 74 Abs. 2 HGB. Des­halb kann oh­ne zusätz­li­che, nach außen in Er­schei­nung ge­tre­te­ne An­halts­punk­te al­lein auf­grund ei­ner sal­va­to­ri­schen Klau­sel nicht oh­ne wei­te­res ein ver­bind­li­ches Wett­be­werbs­ver­bot als mut­maßli­cher übe­rein­stim­men­der Par­tei­wil­len un­ter­stellt wer­den.
An­ders ist es hin­ge­gen, wenn wei­te­re nach außen in Er­schei­nung ge­tre­te­ne Tat­sa­chen er­ken­nen las­sen, dass der Ar­beit­ge­ber das Wett­be­werbs­ver­bot ver­bind­lich ge­stal­ten woll­te. Dann kann – je nach den Umständen des ein­zel­nen Fal­les – auf­grund der Ver­ein­ba­rung ei­ner sal­va­to­ri­schen Klau­sel zu­sam­men mit den Ein­zel­fal­l­umständen durch­aus auf den mut­maßli­chen Wil­len der Par­tei­en ge­schlos­sen wer­den, zur Ver­mei­dung ei­ner Ge­samt­nich­tig­keit der Wett­be­werbs­ver­ein­ba­rung die ar­beits­ver­trag­li­che Re­ge­lung um die Ver­pflich­tung zur Zah­lung ei­ner Ka­ren­zentschädi­gung gemäß § 74 Abs. 2 HGB zu ergänzen. Das gilt je­den­falls dann, wenn nicht die dar­le­gungs- und be­weis­be­las­te­te Par­tei, die sich auf die Ge­samt­nich­tig­keit be­ruft, Tat­sa­chen vor­ge­tra­gen hat, die ei­ner sol­chen Aus­le­gung ent­ge­gen­ste­hen.
(b) So ist es vor­lie­gend. Un­ter Berück­sich­ti­gung der Re­ge­lun­gen des Ar­beits­ver­tra­ges ist nach Auf­fas­sung der Kam­mer von dem mut­maßli­chen Wil­len der Par­tei­en aus­zu­ge­hen, ein ver­bind­li­ches Wett­be­werbs­ver­bot zu re­geln.
Das er­gibt sich ins­be­son­de­re auf­grund der un­ter § 10 Abs. 2 des Ar­beits­ver­tra­ges auf­ge­nom­me­nen Ver­pflich­tung der Kläge­rin zur Zah­lung ei­ner Ver­trags­stra­fe in Höhe von 10.000,- € mo­nat­lich bei Zu­wi­der­hand­lun­gen ge­gen das Wett­be­werbs­ver­bot gemäß § 10 Abs. 1. Un­ge­ach­tet der Wirk­sam­keit die­ser Re­ge­lung hat die Be­klag­te da­durch in be­son­de­rem Maße deut­lich ge­macht, dass sie ein er­heb­li­ches In­ter­es­se an der Ein­hal­tung des Wett­be­werbs­ver­bots durch die Kläge­rin hat­te. Die Ver­ein­ba­rung ei­ner der­art ho­hen Ver­trags­stra­fe lässt dar­auf schließen, dass die Par­tei­en da­mit rech­ne­ten, dass ei­ne Ver­let­zung des Wett­be­werbs­ver­bots zu er­heb­li­chen fi­nan­zi­el­len Ein­bußen für die Be­klag­te führen kann, und dass die Kläge­rin auf je­den Fall Wett­be­werb un­ter­las­sen soll­te. Vor die­sem Hin­ter­grund kann die Be­klag­te sich nicht pau­schal und oh­ne Dar­le­gung wei­te­rer Tat­sa­chen dar­auf be­ru­fen, dass sie bei Kennt­nis von der Nich­tig­keit der Re­ge­lung kei­nes­falls ein Wett­be­werbs­ver­bot ge­gen Zah­lung ei­ner Ka­ren­zentschädi­gung ver­ein­bart hätte. Da­mit setzt sie sich in Wi­der­spruch zu ih­rem ei­ge­nen Ver­hal­ten, die Kläge­rin durch Ver­ein­ba­rung ei­ner ho­hen Ver­trags­stra­fe in je­dem Fall zur Ein­hal­tung des Wett­be­werbs­ver­bots an­hal­ten zu wol­len und die­ses da­mit ver­bind­lich zu ge­stal­ten.
Ein die­ser Aus­le­gung ent­ge­gen­ste­hen­der Wil­le der Be­klag­ten folgt nicht aus ih­rer pau­scha­len Be­haup­tung, dass die Kläge­rin nur mit der in­ter­nen Or­ga­ni­sa­ti­on beschäftigt ge­we­sen sei und dass da­mit kei­ne Gefähr­dungs­la­ge vor­ge­le­gen ha­be. Aus­weis­lich der Ergänzungs­ver­ein­ba­rung vom 12.08.2011 soll­te sich der Haupt­auf­ga­ben­be­reich der Kläge­rin u.a. auf die te­le­fo­ni­sche Ak­qui­se ver­la­gern. Dies setzt vor­aus, dass der Kläge­rin in größerem Um­fang In­for­ma­tio­nen u.a. über Kun­den, Kon­tak­te und Prei­se zur Verfügung stan­den, die für die Be­klag­te un­ter wett­be­werbs­recht­li­chen Ge­sichts­punk­ten von Be­deu­tung sein konn­ten. Fer­ner hat die Be­klag­te un­ter § 11 des Ar­beits­ver­tra­ges un­ter der Über­schrift „Ge­heim­hal­tung“ ex­pli­zit ei­ne Ver­schwie­gen­heits­ver­pflich­tung auf­ge­nom­men, was eben­falls dafür spricht, dass sie den Kennt­nis­sen der Kläge­rin über Be­triebs­in­ter­na und sons­ti­gen Kennt­nis­sen ei­ne nicht un­er­heb­li­che Be­deu­tung bei­ge­mes­sen hat.
Ist auf­grund die­ser Umstände da­von aus­zu­ge­hen, dass ein wirk­sa­mes nach­ver­trag­li­ches Wett­be­werbs­ver­bot dem hy­po­the­ti­schen Par­tei­wil­len der Be­klag­ten ent­sprach, schließt dies die Zah­lung ei­ner Ka­ren­zentschädi­gung in ge­setz­li­cher Höhe ein. Dass die Be­klag­te mögli­cher­wei­se ge­hofft hat, die Kläge­rin wer­de aus Un­kennt­nis auch ein entschädi­gungs­lo­ses Wett­be­werbs­ver­bot ein­hal­ten, ist un­red­lich und wi­der­spricht der ge­setz­li­chen Re­ge­lung des § 74 Abs. 2 HGB. Ein sol­cher Vor­be­halt kann, ins­be­son­de­re wenn er nach außen nicht in Er­schei­nung ge­tre­ten ist, im Rah­men des hy­po­the­ti­schen Par­tei­wil­lens je­doch nicht berück­sich­tigt wer­den, der nach Treu und Glau­ben zu er­mit­teln und im Zwei­fel auf ge­set­zes­kon­for­mes Ver­hal­ten ge­rich­tet ist. Un­se­riöses Ver­hal­ten ge­genüber Ar­beit­neh­mern bei der For­mu­lie­rung von nach­ver­trag­li­chen Wett­be­werbs­ver­bo­ten ist we­der schutzwürdig, noch schutz­bedürf­tig oder mut­maßli­cher übe­rein­stim­men­der Par­tei­wil­le (vgl. so auch LAG Hamm, Ur­teil vom 18. Fe­bru­ar 2014 – 14 Sa 806/13 – Rn. 158, ju­ris). Als mut­maßli­cher Wil­le zu un­ter­stel­len ist viel­mehr ein ge­set­zes­kon­for­mes Ver­hal­ten der Ver­trags­par­tei­en, d.h. bei Ver­ein­ba­rung ei­nes für den Ar­beit­neh­mer ver­bind­li­chen Wett­be­werbs­ver­bots auch die Zah­lung der ge­setz­lich vor­ge­se­he­nen Entschädi­gung nach § 74 Abs. 2 HGB.
Dass die Ver­ein­ba­rung ei­nes ver­bind­li­chen Wett­be­werbs­ver­bots auch dem hy­po­the­ti­schen Wil­len der Kläge­rin ent­sprach, wird schon da­durch deut­lich, dass sie sich zur Zah­lung ei­ner ho­hen Ver­trags­stra­fe für je­den Fall der Zu­wi­der­hand­lung ver­pflich­tet hat. Zu­dem ent­spricht die Zah­lung ei­ner Ka­ren­zentschädi­gung oh­ne­hin re­gelmäßig auch dem hy­po­the­ti­schen Wil­len des Ar­beit­neh­mers, sich bei In­k­auf­nah­me ei­nes Wett­be­werbs­ver­bots je­den­falls teil­wei­se wirt­schaft­lich da­ge­gen ab­zu­si­chern, in ei­nem be­stimm­ten Be­reich nach Ver­trags­en­de nicht tätig wer­den zu können (so auch LAG Hamm, Ur­teil vom 18. Fe­bru­ar 2014 – 14 Sa 806/13 - ju­ris).
c) Sch­ließlich ste­hen ei­ner Ergänzung des nach­ver­trag­li­chen Wett­be­werbs­ver­bo­tes um ei­ne Ka­ren­zentschädi­gungs­zu­sa­ge in ge­setz­li­cher Höhe we­der das Schrift­form­ge­bot, noch die Ver­pflich­tung zur Aushändi­gung ei­ner vom Ar­beit­ge­ber un­ter­zeich­ne­ten, die we­sent­li­chen Be­stim­mun­gen des Wett­be­werbs­ver­bots ent­hal­ten­den Ur­kun­de nach § 74 Abs. 1 HGB ent­ge­gen.
Das nach­ver­trag­li­che Wett­be­werbs­ver­bot be­darf der Schrift­form (§ 74 Abs. 1 HGB iVm. § 126 Abs. 2 BGB). Das Schrift­for­mer­for­der­nis hat ne­ben der Klar­stel­lungs- und Be­weis­funk­ti­on vor al­lem ei­ne Warn­funk­ti­on. Es sol­len nicht nur Strei­tig­kei­ten darüber ver­mie­den wer­den, ob und mit wel­chem In­halt ei­ne Wett­be­werbs­ver­ein­ba­rung ge­schlos­sen wur­de. Viel­mehr soll der Ar­beit­neh­mer vor übe­reil­ten Ent­schlüssen im Hin­blick auf sein künf­ti­ges be­ruf­li­ches Fort­kom­men möglichst be­wahrt wer­den (BAG 14. Ju­li 2010 - 10 AZR 291/09 - Rn. 29, BA­GE 135, 116; 24. Ok­to­ber 1972 - 3 AZR 102/72 - zu I 3 der Gründe). Ein un­ter Ver­s­toß ge­gen die ge­setz­li­che Schrift­form ver­ein­bar­tes Wett­be­werbs­ver­bot ist gemäß § 125 BGB nich­tig (BAG 14. Ju­li 2010 - 10 AZR 291/09 - Rn. 28 mwN, aaO).
So­wohl das Wett­be­werbs­ver­bot in § 10 des Ar­beits­ver­tra­ges als auch die sal­va­to­ri­sche Er­set­zungs­klau­sel in § 14 des Ar­beits­ver­tra­ges sind Be­stand­teil des von bei­den Par­tei­en un­ter­zeich­ne­ten schrift­li­chen Ar­beits­ver­tra­ges, wel­cher der Kläge­rin un­strei­tig auch aus­gehändigt wor­den ist. Es kann vor­lie­gend da­hin­ge­stellt blei­ben, ob da­mit auch das Schrift­form­ge­bot hin­sicht­lich der auf der sal­va­to­ri­schen Klau­sel be­ru­hen­den Ergänzung des Wett­be­werbs­ver­bots um ei­ne Ka­ren­zentschädi­gung ge­wahrt ist (so LAG Hamm, Ur­teil vom 18. Fe­bru­ar 2014 – 14 Sa 806/13 – Rn. 162, ju­ris; ab­leh­nend Dil­ler, NZA 2014, 1184 (1186), a.A. auch Bau­er/ Dil­ler, Wett­be­werbs­ver­bo­te, 7. Auf­la­ge 2015, Rn. 445). Denn je­den­falls kann sich die Be­klag­te vor­lie­gend nach Treu und Glau­ben nicht auf die Nich­tig­keit des nach­ver­trag­li­chen Wett­be­werbs­ver­bots we­gen Form­m­an­gels be­ru­fen.
Zwar ist die Be­ru­fung ei­ner Par­tei auf die Form­nich­tig­keit ei­nes Ver­tra­ges al­lein noch nicht arg­lis­tig. Ei­ne un­zulässi­ge Rechts­ausübung liegt aber et­wa dann vor, wenn der die Nich­tig­keit gel­tend ma­chen­de Ver­trags­part­ner be­reits bei Ver­trags­schluss die Nich­tig­keit ge­kannt und sei­nen Ver­trags­part­ner im Glau­ben an die Gültig­keit be­las­sen hat (BAG vom 26.09.1957, AP Nr. 2 zu § 74 HGB). Grundsätz­lich dürfen Form­vor­schrif­ten nicht aus bloßen Bil­lig­keits­erwägun­gen außer Acht ge­las­sen wer­den, je­doch sind Aus­nah­men zulässig, wenn es nach den Be­zie­hun­gen der Par­tei­en und den ge­sam­ten Umständen mit Treu und Glau­ben un­ver­ein­bar wäre, das Rechts­geschäft am Form­m­an­gel schei­tern zu las­sen, wo­bei stren­ge Maßstäbe an­zu­le­gen sind (BGH, Ur­teil vom 24.04.1998 - V ZR 197/97 - NJW 1998, 2350 ff.).
Vor­lie­gend er­gibt sich auf­grund des ei­ge­nen Vor­brin­gens der Be­klag­ten, dass ihr be­reits bei Ver­trags­schluss be­kannt war, dass das Wett­be­werbs­ver­bot den Form­vor­schrif­ten des § 74 Abs. 1 HGB un­ter­liegt. So hat die Be­klag­te zunächst un­ter § 10 Abs. 5 des Ar­beits­ver­tra­ges auf­ge­nom­men, dass die Kläge­rin ei­ne vollständi­ge Ab­schrift „die­ser Ver­ein­ba­rung er­hal­ten“ hat. Die­se For­mu­lie­rung so­wie dass der Hin­weis aus­drück­lich un­ter § 10 des Ar­beits­ver­tra­ges auf­ge­nom­men wor­den ist, zeigt, dass der Be­klag­ten die Form­vor­schrift des § 74 Abs. 1 HGB be­kannt war. Dies gilt erst recht, da der Ar­beits­ver­trag sei­tens der Be­klag­ten durch ih­re Rechts­anwälte aus­ge­ar­bei­tet wor­den ist, so dass die Kennt­nis der §§ 74 ff. HGB un­ter­stellt wer­den kann. Fer­ner hat die Be­klag­te im Kam­mer­ter­min erklärt, dass sie die Kläge­rin – was die­se be­strei­tet - be­reits bei Ab­schluss des Ar­beits­ver­tra­ges dar­auf hin­ge­wie­sen ha­be, dass „das Wett­be­werbs­ver­bot für die Kläge­rin kei­ne Kon­se­quen­zen ha­be und von ihr nicht ein­zu­hal­ten sei“. Ein ent­spre­chen­der Hin­weis war der Be­klag­ten nur möglich, wenn sie be­reits bei Ver­trags­schluss wuss­te, dass das Wett­be­werbs­ver­bot nich­tig ist.
Dass die Be­klag­te dies auch der Kläge­rin bei Ver­trags­schluss mit­ge­teilt hat, was ei­ner An­wend­bar­keit des § 242 BGB mögli­cher­wei­se ent­ge­gen­ste­hen könn­te, hat die Kläge­rin be­strit­ten. Die in­so­weit dar­le­gungs- und be­weis­be­las­te­te Be­klag­te hat ih­ren Vor­trag dar­auf­hin we­der sub­stan­ti­iert, noch un­ter Be­weis ge­stellt.
2. Da­mit steht der Kläge­rin die von ihr ge­for­der­te Ka­ren­zentschädi­gung zu. Über 81 de­ren Höhe strei­ten die Par­tei­en nicht. Ei­ne An­rech­nung des von der Kläge­rin be­zo­ge­nen Ar­beits­lo­sen­gel­des so­wie der später auf­grund von selbständi­ger Tätig­keit er­ziel­ten Einkünf­te ent­spre­chend § 74 c Abs. 1 Satz 1 HGB schei­det schon des­halb aus, weil die Ka­ren­zentschädi­gung un­ter Hin­zu­rech­nung des Ar­beits­lo­sen­gel­des die von der Kläge­rin zu­letzt be­zo­ge­nen ver­tragsmäßigen Leis­tun­gen nicht um mehr als 1/10 über­steigt.
3. Sch­ließlich ist auch der von der Be­klag­ten mit Schrift­satz vom 31.03.2014 und 09.04.2014 erklärte „Ver­zicht“ auf das Wett­be­werbs­ver­bot un­be­acht­lich. Es kann da­bei da­hin­ge­stellt blei­ben, ob al­lein der Hin­weis auf die Nich­tig­keit des Wett­be­werbs­ver­bots, wie die Be­klag­te meint, auch als Ver­zicht auf die Ein­hal­tung des Ver­bots ge­wer­tet wer­den kann. Denn je­den­falls kann ein sol­cher Ver­zicht gemäß § 75 a HGB nur vor der Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses, wel­che be­reits zum 31.12.2013 er­folg­te, erklärt wer­den.
4. Der Zins­an­spruch be­ruht auf §§ 286 Abs. 2 Nr. 1 BGB, 74 b Abs. 1 HGB, 288 Abs. 1, 247 BGB, wo­bei die Kläge­rin in An­leh­nung an § 614 BGB nicht den Schluss des Mo­nats, son­dern den An­fang des Fol­ge­mo­nats für den Be­ginn des Zins­an­spru­ches gewählt hat.
III. Als un­ter­lie­gen­de Par­tei hat die Be­klag­te die Kos­ten des Rechts­streits zu tra­gen (§§ 64 Abs. 6 ArbGG, 525, 91 Abs. 1 ZPO). Die Re­vi­si­on wur­de für die Be­klag­te nach § 72 Abs. 2 Nr. 1 ArbGG zu­ge­las­sen.
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