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Timestamp: 2020-01-25 01:17:55
Document Index: 188925996

Matched Legal Cases: ['§ 73', '§ 60', '§ 60', '§ 60', '§ 51', '§ 73', '§ 60', '§ 77', '§ 73', 'Art. 1', '§ 77', '§ 51', '§ 60', '§ 60', '§ 51', '§ 60', '§ 73']

OVG Rheinland-Pfalz, 19.05.2006 - 10 A 10795/05.OVG - dejure.org
OVG Rheinland-Pfalz, 19.05.2006 - 10 A 10795/05.OVG
https://dejure.org/2006,9818
OVG Rheinland-Pfalz, 19.05.2006 - 10 A 10795/05.OVG (https://dejure.org/2006,9818)
OVG Rheinland-Pfalz, Entscheidung vom 19.05.2006 - 10 A 10795/05.OVG (https://dejure.org/2006,9818)
OVG Rheinland-Pfalz, Entscheidung vom 19. Mai 2006 - 10 A 10795/05.OVG (https://dejure.org/2006,9818)
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§ 73 Abs 1 S 1 AsylVfG 1992, § 60 Abs 1 AufenthG 2004, § 60 Abs 2 AufenthG 2004, § 60 Abs 7 AufenthG 2004, § 51 Abs 1 AuslG 1990
Rechtmäßiger Widerruf der Anerkennung als Asylberechtigter für Kurden aus dem Nordirak - keine Abschiebungsverbote
Asylrecht, Flüchtlingseigenschaft, Widerruf, Wegfall der Umstände-Klausel, Änderung der Verhältnisse, politische Verfolgung, Irak, Kurden, Sunniten, Nordirak
Widerruf der Asylanerkennung und der Flüchtlingseigenschaft von irakischen Staatsangehörigen kurdischer Volkszugehörigkeit und muslimischen (sunnitischen) Glaubens; Änderung der innenpolitischen Verhältnisse im Irak; Gefahr der Wiederholung von Verfolgungsmaßnahmen bei ...
AsylVfG § 73 Abs. 1; AufenthG § 60 Abs. 1; RL 2004/83/EG
Irak, Kurden, Nordirak, Widerruf, Flüchtlingsanerkennung, Anerkennungsrichtlinie, politische Entwicklung, nichtstaatliche Verfolgung
VG Koblenz, 30.05.2005 - 2 K 2751/04
OVG Koblenz, Urteil vom 19.5.2006 - 10 A 10795/05.OVG -.
So überzeugend OVG Koblenz, Urteil vom 19.5.2006 - 10 A 10795/05.OVG -.
Auswärtiges Amt, Lagebericht vom 29.6.2006; OVG Koblenz, Urteil vom 19.5.2006 - 10 A 10795/05.OVG -, S. 15; zu den Anschlagsarten SFH, Position vom 9.6.2004.
OVG Koblenz, Urteil vom 19.5.2006 - 10 A 10795/05.OVG - zur Auseinandersetzung (nur) zwischen Sunniten und Schiiten Le Monde diplomatique vom 12.5.2006; vgl. auch den Jahresbericht 2006 von amnesty international, der für den Nordirak nur einzelne Menschenrechtsverletzungen auflistet, aber keine Gruppenverfolgung einer Volksgruppe.
Ebenso OVG Koblenz, Urteil vom 19.5.2006 - 10 A 10795/05.OVG -.
OVG Münster, Urteil vom 4.4.2006 - 9 A 3590/05.A - zum Kampf des Widerstandes im Verborgenen OVG Koblenz, Urteil vom 19.5.2006 - 10 A 10795/05.OVG; vgl. noch zu einem Luftangriff auf die sunnitische Hochburg al-Ramadi amnesty international, Jahresbericht 2006.
Diesem Urteil des Bundesverwaltungsgerichts vom 1. November 2005 hat sich der Senat aus Gründen der Rechtssicherheit bereits in seinen Urteilen vom 19. Mai 2006 (10 A 10795/05.OVG u.a. [rechtskräftig]) sowie weiteren Urteilen vom 11. August 2006 (10 A 11042/05.OVG u.a. [nicht rechtskräftig]) angeschlossen.
Zu dem hier maßgeblichen Zeitpunkt der mündlichen Verhandlung (vgl. § 77 Abs. 1 Satz 1 AsylVfG) geht der Senat in Fortschreibung seiner Urteile vom 19. Mai 2006 (10 A 10795/05.OVG u.a.) und vom 11. August 2006 (10 A 11042/05.OVG u.a.) im Frühherbst 2006 von folgender allgemeinen Lage im Irak aus:.
Dem entspricht es, dass der Senat in seiner Rechtsprechung sehr wohl den Umfang und den Schrecken des allgemeinen Terrors, der willkürlich jeden treffen kann und wahllos zigtausende schon getroffen hat und gegenwärtig 100 und mehr irakische Staatsbürger täglich trifft, anerkennt, es ihm andererseits aber bislang nicht möglich war, mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit eine ausschließliche oder maßgebliche religiöse Motivation der Attentäter und Terroristen (und das auch noch in einer asylbeachtlichen Dichte) in Bezug auf andere Glaubensgemeinschaften im Irak festzustellen (so zu sunnitischen Kurden die Urteile des Senats vom 19. Mai 2006 - 10 A 10795/05.OVG u.a. [rechtskräftig] - und zu Schiiten arabischer und persischer Herkunft das Urteil vom 11. August 2006 - 10 A 10783/05.OVG [rechtskräftig] -).
In Folge der im Irak herrschenden gewalttätigen Umbruchsituation entstehende neue Risiken für Einzelne oder Gruppen werden im Rahmen einer Prüfung berücksichtigt, die in jeder Hinsicht einschließlich des anzuwenden Wahrscheinlichkeitsmaßstabes der Prüfung eines Erstantrages entspricht, vgl. VGH München, Urteil vom 22.03.2006 - 13 aB 05.30749 - Juris; OVG NRW, Urteil vom 04.04.2006 - 9 A 3590/05.A - Juris; VGH Baden- Württemberg, Urteil vom 04.05.2006 - A 2 S 1122/05 - Juris, und Urteil vom 21.06.2006 - A 2 S 571/05 - Juris; OVG Schleswig-Holstein, Urteil vom 18.05.2006 - 1 LB 117/05 - Juris; OVG Rheinland-Pfalz, Urteil vom 19.05.2006 - 10 A 10795/05 - Juris - wenn auch nur aus Gründen der Rechtssicherheit - OVG Saarland, Urteil vom 29.09.2006 - 3 R 6/06 - Juris; anders soweit ersichtlich nur: VG Köln, Urteil vom 24.03.2006 - 18 K 6200/05.A - Juris.
Soweit in Entscheidungen die Qualifikationsrichtlinie Erwähnung findet, so geschieht dies nur insoweit, als - wiederum unter Bezugnahme auf das Bundesverwaltungsgericht - davon ausgegangen wird, dass sich auch daraus wohl keine weitergehenden Einschränkungen des Widerrufsrechts nach § 73 Abs. 1 Satz 1 AsylVfG ergeben, vgl. OVG Rheinland-Pfalz, Urteil vom 19.05.2006 - 10 A 10795/05 - OVG Saarland, Urteil vom 29.09.2006 - 3 R 6/06 - Juris.
Die katastrophale und sich ständig verschlechternde Situation im Irak mit anhaltenden blutigen Machtkämpfen, deren Ausgang völlig ungewiss ist, erfüllt die Voraussetzungen für eine Anwendung dieser Klausel nicht, vgl. UNHCR-Hinweise zur Anwendung des Art. 1 C (5) der Genfer Flüchtlingskonvention (Wegfall der Umstände"- Klausel) auf irakische Flüchtlinge, vom 30.04.2005, AuAS 2005, S. 211 - 216; so auch OVG Rheinland-Pfalz, Urteil vom 19.05.2006 - 10 A 10795/05 - Juris, und OVG Saarland, Urteil vom 29.09.2006 - 3 R 6/06 - Juris.
Zu dem hier maßgeblichen Zeitpunkt der mündlichen Verhandlung (vgl. § 77 Abs. 1 Satz 1 AsylVfG) geht der Senat in Fortschreibung seiner Urteile vom 19. Mai 2006 (10 A 10795/05.OVG u.a.) und vom 11. August 2006 (10 A 11042/05.OVG u.a.) im Sommer 2006 von folgender allgemeinen Lage im Irak aus:.
Auf der Grundlage dieser höchstrichterlichen Rechtsprechung, der sich der erkennende Senat aus Gründen der Rechtssicherheit bereits in seinen Urteilen vom 19. Mai 2006 (10 A 10795/05.OVG u.a. [rechtskräftig]) sowie weiteren Urteilen vom 11. August 2006 (10 A 11042/05.OVG u.a. [nicht rechtskräftig]) angeschlossen und an der er auch hier festhält, liegen die Voraussetzungen für den Widerruf der Flüchtlingseigenschaft gemäß § 51 Abs. 1 AuslG 1990 (§ 60 Abs. 1 AufenthG) nicht vor.
Abschiebungsschutz analog § 60 Abs. 7 S. 1 AufenthG kann der 38-jährige Kläger nach alledem nicht beanspruchen; in seinem Fall kann nicht davon ausgegangen werden, dass er als Rückkehrer in den Irak gleichsam sehenden Auges dem sicheren Tod oder schwersten Verletzungen ausgeliefert sein würde (…vgl. auch VGH Mannheim, Urt. v. 04.05.2006, A 2 S 1046/05, zu 2.b und c der Gründe, …sowie Urt. v. 21.06.2006, A 2 S 571/05, zu II.2.b der Gründe; OVG Lüneburg, Beschl. v. 30.03.2004, 9 LB 5/03, AuAS 2004, 153 und Beschl. v. 01.03.2005, 9 LA 46/05, n. v.;… OVG Münster, Urt. v. 04.04.2006, 9 A 3590/05.A, zu II. der Gründe; OVG Koblenz, Urt. v. 19.05.2006, 10 A 10795/05).
Auf der Grundlage dieser höchstrichterlichen Rechtsprechung, der sich der erkennende Senat aus Gründen der Rechtssicherheit bereits in seinen Urteilen vom 19. Mai 2006 (10 A 10795/05.OVG u.a. [rechtskräftig]) sowie weiteren Urteilen vom 11. August 2006 (10 A 11042/05.OVG u.a. [nicht rechtskräftig]) angeschlossen hat, liegen die Voraussetzungen für den Widerruf der Anerkennung der Klägerin als Asylberechtigte und deren Fiüchtlingseigenschaft gemäß § 51 Abs. 1 AusIG 1990 (§ 60 Abs. 1 AufenthG) nicht vor.
Der Widerruf kommt damit dann in Betracht, wenn sich die zum Zeitpunkt der Feststellung der Voraussetzungen maßgeblichen Verhältnisse nachträglich erheblich und nicht nur vorübergehend so verändert haben, dass bei einer Rückkehr des Ausländers in seinen Herkunftsstaat eine Wiederholung der für die Flucht maßgeblichen Verfolgungsmaßnahmen auf absehbare Zeit mit hinreichender Sicherheit ausgeschlossen ist und nicht aus anderen Gründen erneut Verfolgung droht (BVerwG, Urteil vom 1. November 2005, DVBl. 2006, 511, s. auch die Urteile des Senats vom 19. Mai 2006 [10 A 10795/05.OVG u.a.] und vom 11. August 2006 [10 A 11042/05.OVG u.a.] - alle rechtskräftig).
In Folge der im Irak herrschenden gewalttätigen Umbruchsituation entstehende neue Risiken für Einzelne oder Gruppen werden im Rahmen einer Prüfung berücksichtigt, die weitgehend derjenigen eines Erstantrages entspricht, vgl. VGH München, Urteil vom 22.03.2006 - 13 a B 05.30749 - Juris, und vom 26.02.2007 - 13 a B 05.30834 - Juris; OVG NRW, Urteil vom 04.04.2006 - 9 A 3590/05.A - Juris, und Urteil vom 15.02.2007 - 5 A 636/05.A - Juris; VGH Baden-Württemberg, Urteil vom 04.05.2006 - A 2 S 1122/05 - Juris, und Urteil vom 21.06.2006 - A 2 S 571/05 - Juris; OVG Schleswig-Holstein, Urteil vom 18.05.2006 - 1 LB 117/05 - Juris; OVG Rheinland-Pfalz, Urteil vom 19.05.2006 - 10 A 10795/05 - Juris - wenn auch nur aus Gründen der Rechtssicherheit - OVG Saarland, Urteil vom 29.09.2006 - 3 R 6/06 - Juris, und Urteil vom 01.12.2006 - 3 Q 126/06 - Juris.
Sie schränkt deshalb derzeit das Widerrufsrecht nach § 73 Abs. 1 Satz 1 AsylVfG nicht ein (…vgl. dazu Nds. OVG, Urt. v. 16.06.2006, 9 LB 194/06; OVG Koblenz, Urt. v. 19.05.2006, 10 A 10795/05; Bay.VGH, Beschl. v. 14.03.2006, 13 a B 05.30773).