Source: http://m.hensche.de/Urteile_Arbeitsrecht_Betriebsrat_Mitbestimmung_betriebliche_Lohngestaltung_BAG_1AZR853-08.html
Timestamp: 2017-08-19 03:37:44
Document Index: 332037416

Matched Legal Cases: ['§ 87', '§ 2', '§ 2', '§ 27', '§ 29', '§ 33', '§ 34', '§ 2', '§ 87', '§ 308', '§ 22', '§ 87', '§ 87', '§ 87', '§ 87', '§ 87', '§ 87', '§ 87', '§ 87', '§ 87', '§ 87', '§ 613', '§ 87', '§ 99', '§ 99', '§ 87', '§ 87', '§ 87', '§ 87', '§ 2', '§ 87', '§ 2', '§ 27', '§ 34', '§ 2', '§ 3', '§ 87', '§ 87', '§ 87', '§ 87', '§ 77', '§ 77', '§ 87', '§ 87', '§ 87', '§ 87', '§ 77', '§ 88']

Schlag­worte: Lohn und Gehalt, Mitbestimmung in sozialen Angelegenheiten, Betriebliche Lohngestaltung
Akten­zeichen: 1 AZR 853/08
Leit­sätze: Die Ver­let­zung des Mit­be­stim­mungs­rechts aus § 87 Abs 1 Nr 10 Be­trVG bei ei­ner ein­sei­ti­gen Ände­rung ei­ner im Be­trieb gel­ten­den Vergütungs­ord­nung kann da­zu führen, dass die be­trof­fe­nen Ar­beit­neh­mer ei­ne Vergütung auf der Grund­la­ge der zu­letzt mit­be­stimm­ten Ent­loh­nungs­grundsätze ver­lan­gen können.
Vor­ins­tan­zen: Arbeitsgericht Karlsruhe, Urteil vom 28.08.2007, 2 Ca 406/06
14 Sa 104/07
22. Ju­ni 2010
hat der Ers­te Se­nat des Bun­des­ar­beits­ge­richts auf­grund der münd­li­chen Ver­hand­lung vom 22. Ju­ni 2010 durch die Präsi­den­tin des Bun­des­ar­beits­ge­richts
Schmidt, die Rich­ter am Bun­des­ar­beits­ge­richt Dr. Linck und Dr. Koch so­wie die eh­ren­amt­li­chen Rich­ter Dr. Gentz und Hay­en für Recht er­kannt:
1. Die Re­vi­si­on der Be­klag­ten ge­gen das Ur­teil des Lan­des­ar­beits­ge­richts Ba­den-Würt­tem­berg vom 6. Mai 2008 - 14 Sa 104/07 - wird zurück­ge­wie­sen.
Die Par­tei­en strei­ten über die Höhe ei­ner Son­der­zu­wen­dung.
Die Be­klag­te be­treibt Fach­kli­ni­ken für An­schluss­heil­be­hand­lung und Re­ha­bi­li­ta­ti­on. Sie ist nicht ta­rif­ge­bun­den. Der Kläger ist bei ihr seit 1975 als Koch/Kon­di­tor beschäftigt. Nach § 2 des Ar­beits­ver­trags vom 20. Sep­tem­ber 1974 er­folgt sei­ne Vergütung nach dem „Bun­des-An­ge­stell­ten­ta­rif (BAT). Vergütungs­grup­pe VIb“.
Bei der Be­klag­ten galt seit dem 1. Ja­nu­ar 1989 für die Ar­beits­be­din­gun­gen ei­ne Be­triebs­ver­ein­ba­rung (BV 1989), de­ren Ab­schluss nach ei­ner vor­an­ge­stell­ten Präam­bel in An­leh­nung an den Bun­des-An­ge­stell­ten­ta­rif­ver­trag und den Bun­des­man­tel­ta­rif­ver­trag für die Ar­bei­ter er­folgt ist. §§ 2, 3 BV 1989 lau­te­ten:
1. Ein­grup­pie­rung und Vergütung für An­ge­stell­te
2. Die Vergütung er­folgt nach Grund­vergütung (§ 27 BAT), Orts­zu­schlag (§ 29 BAT) und der ta­rif­li­chen Stel­len­zu­la­ge. § 33 BAT ist aus­ge­schlos­sen.
3. Für die Grund­vergütun­gen gel­ten die Be­mes­sungs­grundsätze im Be­reich der Ver­ei­ni­gung der kom­mu­na­len Ar­beit-ge­ber­verbände für die un­ter die An­la­ge 1a fal­len­den An-
ge­stell­ten.
4. Für Teil­zeit­beschäftig­te fin­det § 34 BAT An­wen­dung.
5. Beim Orts­zu­schlag fin­det das Haus­halts­struk­tur­ge­setz von 1975/76 ent­spre­chen­de An­wen­dung.
Die Vor­schrif­ten über den Bewährungs­auf­stieg und die Bei­hil­fe fin­den kei­ne An­wen­dung.
Zeit­zu­schläge und Über­stun­den­vergütung
1. Bei Zeit­zu­schlägen für Über­stun­den, Sonn- und Fei­er­tags- und Nacht­ar­beit gel­ten so­wohl für An­ge­stell­te als auch für Ar­bei­ter die glei­chen Zu­schläge. Es gel­ten die in der An­la­ge 2 die­ser Ver­ein­ba­rung ver­ein­bar­ten Zeit­zu­schläge.
2. Die Zeit­zu­schläge fin­den in der je­weils gülti­gen Fas­sung BAT/BMT-G/VkA An­wen­dung.“
In An­la­ge 2 BV 1989 wa­ren als Zeit­zu­schläge für die Ar­beit an Sams­ta­gen „0,75 DM“ und im Nacht­dienst „1,50 DM“ vor­ge­se­hen. An­la­ge 6 BV 1989 lau­tet:
„Ver­ein­ba­rung über die Gewährung ei­ner Mo­nats­zu­wen­dung
1. Der Ar­beit­neh­mer erhält in je­dem Ka­len­der­jahr ei­ne Zu­wen­dung, wenn er am 1. De­zem­ber im Ar­beits­verhält­nis steht und nicht für den gan­zen Mo­nat De­zem­ber oh­ne Vergütung zur Ausübung ei­ner ent­gelt­li­chen Beschäfti­gung oder Er­werbstätig­keit be­ur­laubt ist und seit dem 1. Ok­to­ber des Ka­len­der­jah­res beschäftigt ist.
2. Der Ar­beit­neh­mer hat die Mo­nats­vergütung zurück­zu­er­stat­ten, wenn er bis ein­sch­ließlich 31. März des fol­gen­den Ka­len­der­jah­res aus sei­nem Ver­schul­den oder auf ei­ge­nen Wunsch aus­schei­det.
4. Für die Be­rech­nung der Zu­wen­dung gilt die Mo­nats­vergütung des Mo­nats Sep­tem­ber des Ka­len­der­jah­res.
7. Der Mit­ar­bei­ter erhält für je­des Kind lt. Lohn­steu­er­kar­te ei­ne erhöhte Zu­wen­dung von DM 50,--, wenn am Stich­tag 1. Ok­to­ber des Ka­len­der­jah­res das Kind das 18. Le­bens­jahr noch nicht voll­endet hat.
9. Die Aus­zah­lung er­folgt zum En­de des Mo­nats No­vem­ber.“
Nach An­la­ge 7 BV 1989 er­hal­ten die Ar­beit­neh­mer un­ter den dort be­stimm­ten Vor­aus­set­zun­gen in je­dem Ka­len­der­jahr ein Ur­laubs­geld iHv. 500,00 DM.
Die Be­klag­te kündig­te die BV 1989 zunächst „vor­sorg­lich ... zum Zwe­cke der Ak­tua­li­sie­rung“ zum 31. De­zem­ber 1995 und er­neut am 18. März 2003 zum 31. De­zem­ber 2003. Ih­ren Ar­beit­neh­mern zahl­te sie bis zum Jahr 1993 als jähr­li­che Mo­nats­zu­wen­dung ei­nen Be­trag iHv. 100 % der für den Mo­nat Sep­tem­ber des je­wei­li­gen Jah­res gewähr­ten Grund­vergütung nebst Orts­zu­schlag und All­ge­mei­ner Zu­la­ge. Ab 1994 ver­rin­ger­te sie die Höhe der Mo­nats­zu­wen­dung ent­spre­chend dem Be­mes­sungs­satz für die Zu­wen­dung nach dem Ta­rif­ver­trag über ei­ne Zu­wen­dung für An­ge­stell­te vom 12. Ok­to­ber 1973 (TV Zu­wen­dung Ang). Den Be­triebs­rat be­tei­lig­te sie hier­bei nicht. Seit Mai 2004 beträgt der Be­mes­sungs­satz im TV Zu­wen­dung Ang 82,14 %.
Im Jahr 2005 zahl­te die Be­klag­te ih­ren Beschäftig­ten ei­ne Mo­nats­zu­wen­dung, wo­bei zwi­schen den Par­tei­en strei­tig ist, ob bei al­len Ar­beit­neh­mern ein ein­heit­li­cher Be­mes­sungs­satz von 41,7 % der je­wei­li­gen Sep­tem­ber­vergütung zu­grun­de ge­legt wor­den ist. Den in Nr. 7 An­la­ge 6 BV 1989 vor­ge­se­he­nen kin­der­be­zo­ge­nen Teil der Mo­nats­zu­wen­dung er­brach­te die Be­klag­te im Jahr 2005 nicht mehr. Der Be­triebs­rat lei­te­te dar­auf­hin ein Be­schluss­ver­fah­ren mit dem Ziel ein, die Be­klag­te zur Zah­lung der Mo­nats­zu­wen­dung in vol­ler Höhe an­zu­hal­ten. Mit sei­nen Hilfs­anträgen hat der Be­triebs­rat ua. die Fest­stel­lung be­gehrt, dass die An­la­ge 6 BV 1989 Nach­wir­kung ent­fal­tet. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt Ba­den-Würt­tem­berg hat durch rechts-kräfti­gen Be­schluss vom 28. Fe­bru­ar 2007 (- 12 TaBV 4/06 -) die Anträge ab­ge­wie­sen.
Der Kläger, des­sen Grund­vergütung zuzüglich Orts­zu­schlag und All­ge­mei­ner Zu­la­ge im Sep­tem­ber 2005 2.518,04 Eu­ro brut­to be­trug, er­hielt für das Jahr 2005 ei­ne Zu­wen­dung iHv. 1.050,02 Eu­ro. Mit Schrei­ben vom 5. April 2006 mach­te er die Zah­lung der Mo­nats­zu­wen­dung für 2005 „in vol­ler Höhe“ er­folg­los gel­tend.
Er hat die Auf­fas­sung ver­tre­ten, ihm ste­he für das Jahr 2005 ei­ne Mo­nats­zu­wen­dung in Höhe ei­nes vol­len Sep­tem­ber­ge­halts zu. Der An­spruch er­ge­be sich aus § 2 sei­nes Ar­beits­ver­trags und ei­ner vor Ab­schluss der BV 1989 be­gründe­ten be­trieb­li­chen Übung. Die Be­klag­te ha­be seit dem Jahr 1982 ih­ren Ar­beit­neh­mern ei­ne Zu­wen­dung in Höhe des Sep­tem­ber­ge­halts gewährt. Der An­spruch könne zu­dem auf die BV 1989 gestützt wer­den, de­ren Be­stim­mun­gen über den 31. De­zem­ber 2003 wei­ter gölten. Da­ne­ben ha­be die Be­klag­te durch die Ab­sen­kung der Mo­nats­zu­wen­dung im Jahr 2005 das Mit-be­stim­mungs­recht des Be­triebs­rats nach § 87 Abs. 1 Nr. 10 Be­trVG ver­letzt.
die Be­klag­te zu ver­ur­tei­len, an den Kläger 1.443,09 Eu­ro brut­to nebst 5 % Zin­sen über dem Ba­sis­zins­satz der EZB seit dem 30. No­vem­ber 2005 zu zah­len,
die Be­klag­te zu ver­ur­tei­len, an den Kläger 997,82 Eu­ro brut­to nebst 5 % Zin­sen über dem Ba­sis­zins­satz der EZB seit dem 30. No­vem­ber 2005 zu zah­len.
Die Be­klag­te hat be­an­tragt, die Kla­ge ab­zu­wei­sen. Sie hat die An­sicht ver­tre­ten, die BV 1989 ent­fal­te kei­ne Nach­wir­kung. Durch die Kürzung der Mo­nats­zu­wen­dung sei kei­ne mit­be­stim­mungs­pflich­ti­ge Ände­rung der Ent­loh­nungs­grundsätze er­folgt, da die­se für al­le Ar­beit­neh­mer ein­heit­lich auf ei­nen Be­mes­sungs­satz von 41,7 % des maßgeb­li­chen Sep­tem­ber­ge­halts re­du­ziert wor­den sei.
Das Ar­beits­ge­richt hat der Kla­ge iHv. 997,82 Eu­ro statt­ge­ge­ben und für den Kläger die Be­ru­fung zu­ge­las­sen. Ge­gen die­ses Ur­teil ha­ben bei­de Par­tei­en Be­ru­fung ein­ge­legt. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt hat dem Kläger wei­te­re 52,20 Eu­ro zu­ge­spro­chen. Die wei­ter­ge­hen­de Be­ru­fung des Klägers und die Be­ru­fung der Be­klag­ten hat es zurück­ge­wie­sen. Mit der Re­vi­si­on ver­folgt die Be­klag­te ih­ren Kla­ge­ab­wei­sungs­an­trag wei­ter.
Die Re­vi­si­on der Be­klag­ten ist un­be­gründet. Der Kläger kann ei­nen wei­te­ren Be­trag in Höhe von 1.050,02 Eu­ro als Mo­nats­zu­wen­dung für das Jahr 2005 be­an­spru­chen.
A. Die Kla­ge ist mit dem zulässi­gen Haupt­an­trag wirk­sam er­ho­ben wor­den. Der auf Zah­lung ei­nes Be­trags von 997,82 Eu­ro ge­rich­te­te Hilfs­an­trag ist pro­zes­su­al un­be­acht­lich.
I. Die ge­richt­li­che Gel­tend­ma­chung ei­nes zah­lenmäßig teil­ba­ren An­spruchs enthält re­gelmäßig auch die Gel­tend­ma­chung ei­nes An­spruchs, der in sei­ner Höhe un­ter­halb des be­zif­fer­ten (Haupt-)An­spruchs liegt. Aus § 308 Abs. 1 ZPO folgt, dass ein Ge­richt ein We­ni­ger zu­er­ken­nen darf und muss, wenn die­ses Be­geh­ren im je­wei­li­gen Sach­an­trag ent­hal­ten ist. Et­was an­de­res gilt, wenn es sich nicht um „We­ni­ger“, son­dern um et­was An­de­res han­delt. Dies ist durch Aus­le­gung des Kla­ge­an­trags zu er­mit­teln (BAG 6. Ju­ni 2007 - 4 AZR 505/06 - Rn. 17, AP BAT 1975 §§ 22, 23 Nr. 308).
II. Nach der Be­gründung sei­nes Haupt­an­trags ver­langt der Kläger über den be­reits er­hal­te­nen Be­trag von 1.050,02 Eu­ro die Zah­lung wei­te­rer 1.443,09 Eu­ro als Mo­nats­zu­wen­dung für das Jahr 2005. Der in der Be­ru­fungs­in­stanz er­ho­be­ne Hilfs­an­trag ist von ihm le­dig­lich für den Fall ge­stellt wor­den, dass das Ge­richt sei­nen mit dem Haupt­an­trag ver­folg­ten An­spruch nur iHv. 82,14 % der maßgeb­li­chen Sep­tem­ber­vergütung für be­gründet er­ach­tet. Da­nach han­delt es sich bei dem Hilfs­an­trag um ei­nen ge­genüber dem Haupt­an­trag le­dig­lich zah­lenmäßig ab­ge­stuf­ten und da­mit überflüssi­gen Leis­tungs­an­trag.
B. Die Kla­ge ist in dem noch rechtshängi­gen Um­fang be­gründet.
I. Ge­gen­stand des Re­vi­si­ons­ver­fah­rens ist die Ver­ur­tei­lung der Be­klag­ten zur Zah­lung von 1.050,02 Eu­ro als wei­te­re Mo­nats­zu­wen­dung für das Jahr 2005. Den darüber hin­aus­ge­hen­den Teil des Zah­lungs­an­trags hat das Lan­des-
ar­beits­ge­richt ab­ge­wie­sen, des­sen Ent­schei­dung in­so­weit in Rechts­kraft er-wach­sen ist. Al­ler­dings woll­te das Be­ru­fungs­ge­richt dem Kla­ge­an­trag aus­weis­lich sei­ner Gründe le­dig­lich iHv. 82,14 % der maßgeb­li­chen Sep­tem­ber­vergütung von 2.518,04 Eu­ro abzüglich der von der Be­klag­ten be­reits ge­zahl­ten 1.050,02 Eu­ro ent­spre­chen, was rech­ne­risch ei­nen Be­trag von 1.018,30 Eu­ro er­gibt. Da der Kläger be­reits vor dem Ar­beits­ge­richt iHv. 997,82 Eu­ro ob­siegt hat­te, hätte sei­ne Be­ru­fung nur iHv. 20,48 Eu­ro Er­folg ha­ben dürfen. Tatsächlich hat das Lan­des­ar­beits­ge­richt ihm aber wei­te­re 52,20 Eu­ro zu­ge­spro­chen. Auf die­sen Um­stand hat der Se­nat die Par­tei­en in der münd­li­chen Ver­hand­lung hin­ge­wie­sen. Hier­auf hat der Ver­tre­ter des Klägers zwar erklärt, er be­an­spru­che le­dig­lich 82,14 % des Sep­tem­ber­ge­halts, er hat je­doch sei­nen zu Be­ginn der münd­li­chen Ver­hand­lung ge­stell­ten Kla­ge­an­trag nicht ent­spre­chend ermäßigt. Da­mit hat­te der Se­nat auch darüber zu be­fin­den, ob der Kläger ei­ne Son­der­zu­wen­dung be­an­spru­chen kann, die 82,14 % der maßgeb­li­chen Sep­tem­ber­vergütung über­steigt.
II. Der An­spruch des Klägers auf Zah­lung des noch im Streit ste­hen­den Be­trags von 1.050,02 Eu­ro als jähr­li­che Mo­nats­zu­wen­dung für das Jahr 2005 folgt aus dem Ar­beits­ver­trag vom 20. Sep­tem­ber 1974 iVm. den im Be­trieb der Be­klag­ten gel­ten­den Ent­loh­nungs­grundsätzen. Die Be­klag­te ist ver­pflich­tet, ih­ren Ar­beit­neh­mern ei­ne Vergütung nach den zu­letzt mit dem Be­triebs­rat ver­ein­bar­ten Ent­loh­nungs­grundsätzen zu zah­len. Nach die­sen Grundsätzen ist den Ar­beit­neh­mern der Be­trag ih­rer re­gelmäßigen Mo­nats­vergütung jähr­lich ins­ge­samt drei­zehn Mal und zu­dem ein wei­te­rer Ein­mal­be­trag in be­stimm­ter Höhe zu zah­len. Von den in der BV 1989 ver­ein­bar­ten Grundsätzen konn­te die Be­klag­te nur un­ter Be­ach­tung des Mit­be­stim­mungs­rechts des Be­triebs­rats nach § 87 Abs. 1 Nr. 10 Be­trVG ab­wei­chen. Die Be­klag­te hat die in An­la­ge 6 BV 1989 ge­re­gel­te jähr­li­che Mo­nats­zu­wen­dung be­gin­nend mit dem Jahr 1994 ab­ge­senkt und da­mit die gel­ten­den Ent­loh­nungs­grundsätze mit­be­stim­mungs­wid­rig ab­geändert. Die­se Maßnah­me so­wie die im Jahr 2005 vor­ge­nom­me­ne Kürzung der Mo­nats­zu­wen­dung ist nicht nur im Verhält­nis zum Be­triebs­rat rechts­wid­rig. Viel­mehr kann sich auch der Kläger auf die Fort­gel­tung der in der BV 1989 ver­ein­bar­ten Vergütungs­grundsätze be­ru­fen.
1. Der Be­triebs­rat hat bei der Ände­rung der im Be­trieb gel­ten­den Ent­loh­nungs­grundsätze nach § 87 Abs. 1 Nr. 10 Be­trVG mit­zu­be­stim­men.
a) Nach § 87 Abs. 1 Nr. 10 Be­trVG hat der Be­triebs­rat in Fra­gen der be­trieb­li­chen Lohn­ge­stal­tung, ins­be­son­de­re bei der Auf­stel­lung und Ände­rung von Ent­loh­nungs­grundsätzen und der Einführung und An­wen­dung von neu­en Ent­loh­nungs­me­tho­den so­wie de­ren Ände­rung, mit­zu­be­stim­men. Das Be­tei­li­gungs­recht soll die Ar­beit­neh­mer vor ei­ner ein­sei­tig an den In­ter­es­sen des Ar­beit­ge­bers ori­en­tier­ten Lohn­ge­stal­tung schützen. Zu­gleich soll die Ein­be­zie­hung des Be­triebs­rats zur Wah­rung der in­ner­be­trieb­li­chen Lohn­ge­rech­tig­keit so­wie zur Si­che­rung der An­ge­mes­sen­heit und Durch­sich­tig­keit des Lohn­gefüges bei­tra­gen (BAG 23. März 2010 - 1 ABR 82/08 - Rn. 13, DB 2010, 1765). Mit­be­stim­mungs­pflich­tig sind die Struk­tur­for­men des Ent­gelts ein­sch­ließlich ih­rer nähe­ren Voll­zugs­for­men (vgl. BAG 3. De­zem­ber 1991 - GS 2/90 - zu C III 3 der Gründe, BA­GE 69, 134; 15. April 2008 - 1 AZR 65/07 - Rn. 22, BA­GE 126, 237). Die be­trieb­li­che Lohn­ge­stal­tung be­trifft die Fest­le­gung abs­trak­ter Kri­te­ri­en zur Be­mes­sung der Leis­tung des Ar­beit­ge­bers, die die­ser zur Ab­gel­tung der Ar­beits­leis­tung des Ar­beit­neh­mers oder sonst mit Rück­sicht auf das Ar­beits­verhält­nis ins­ge­samt er­bringt (BAG 28. März 2006 - 1 ABR 59/04 - Rn. 25 mwN, BA­GE 117, 337). Ge­gen­stand des Mit­be­stim­mungs­rechts ist nicht die kon­kre­te Höhe des Ar­beits­ent­gelts. Der Mit­be­stim­mung steht al­ler­dings nicht ent­ge­gen, wenn durch die­se mit­tel­bar auch die Höhe der Vergütung fest­ge­legt wird. Ei­ne sol­che Wir­kung kann mit der Re­ge­lung von Ent­loh­nungs­grundsätzen un­trenn­bar ver­bun­den sein (BAG 13. März 2001 - 1 ABR 7/00 - zu B II 1 der Gründe, EzA Be­trVG 1972 § 87 Be­trieb­li­che Lohn­ge­stal­tung Nr. 72). Das Be­tei­li­gungs­recht nach § 87 Abs. 1 Nr. 10 Be­trVG be­zieht sich nur auf kol­lek­ti­ve Re­ge­lun­gen (BAG 10. Ok­to­ber 2006 - 1 ABR 68/05 - Rn. 30, BA­GE 119, 356). In­so­weit be­steht auch ein Initia­tiv­recht des Be­triebs­rats (BAG 23. März 2010 - 1 ABR 82/08 - Rn. 13, aaO).
b) Der Mit­be­stim­mung nach § 87 Abs. 1 Nr. 10 Be­trVG un­ter­liegt die Einführung von Ent­loh­nungs­grundsätzen und de­ren Ände­rung durch den Ar­beit­ge­ber (BAG 3. De­zem­ber 1991 - GS 1/90 - zu C III 3 c der Gründe, AP
Be­trVG 1972 § 87 Lohn­ge­stal­tung Nr. 52). Da­bei kommt es für das Be­tei­li­gungs­recht des Be­triebs­rats nicht dar­auf an, auf wel­cher recht­li­chen Grund­la­ge die An­wen­dung der bis­he­ri­gen Ent­loh­nungs­grundsätze er­folgt ist, ob et­wa auf der Ba­sis bin­den­der Ta­rif­verträge, ei­ner Be­triebs­ver­ein­ba­rung, ein­zel­ver­trag­li­cher Ab­spra­chen oder ei­ner vom Ar­beit­ge­ber ein­sei­tig prak­ti­zier­ten Vergütungs­ord­nung. Denn nach der Kon­zep­ti­on des § 87 Abs. 1 Nr. 10 Be­trVG hängt das Mit­be­stim­mungs­recht nicht vom Gel­tungs­grund der Ent­gelt­leis­tung, son­dern nur vom Vor­lie­gen ei­nes kol­lek­ti­ven Tat­be­stands ab. Das Be­tei­li­gungs­recht aus § 87 Abs. 1 Nr. 10 Be­trVG kann da­her in Be­trie­ben oh­ne Ta­rif­bin­dung das ge­sam­te Ent­gelt­sys­tem er­fas­sen, da bei die­sen die Mit­be­stim­mung durch ei­ne be­ste­hen­de ta­rif­li­che Re­ge­lung iSd. § 87 Abs. 1 Ein­gangs­halbs. Be­trVG nicht be­schränkt wird (st. Rspr. zu­letzt BAG 8. De­zem­ber 2009 - 1 ABR 66/08 - Rn. 21, AP BGB § 613a Nr. 380 = EzA Be­trVG 2001 § 87 Be­trieb­li­che Lohn­ge­stal­tung Nr. 20).
c) Ent­loh­nungs­grundsätze sind die abs­trakt-ge­ne­rel­len Grundsätze zur Lohn­fin­dung. Sie be­stim­men das Sys­tem, nach wel­chem das Ar­beits­ent­gelt für die Be­leg­schaft oder Tei­le der Be­leg­schaft er­mit­telt oder be­mes­sen wer­den soll. Ent­loh­nungs­grundsätze sind da­mit die all­ge­mei­nen Vor­ga­ben, aus de­nen sich die Vergütung der Ar­beit­neh­mer des Be­triebs in abs­trak­ter Wei­se er­gibt (BAG 28. April 2009 - 1 ABR 97/07 - Rn. 19, AP Be­trVG 1972 § 99 Ein­grup­pie­rung Nr. 40 = EzA Be­trVG 2001 § 99 Ein­grup­pie­rung Nr. 4). Zu ih­nen zählen ne­ben der Grund­ent­schei­dung für ei­ne Vergütung nach Zeit oder nach Leis­tung die dar­aus fol­gen­den Ent­schei­dun­gen über die Aus­ge­stal­tung des je­wei­li­gen Sys­tems (Kreft FS Kreutz S. 263, 265). Da­zu gehört die Fest­le­gung ei­ner be­stimm­ten Stücke­lung des jähr­li­chen Ge­sam­tent­gelts in Ge­stalt meh­re­rer gleich ho­her oder ver­schie­den ho­her Mo­nats­beträge (BAG 15. April 2008 - 1 AZR 65/07 - Rn. 24, AP Be­trVG 1972 § 87 Lohn­ge­stal­tung Nr. 133 = EzA Be­trVG 2001 § 87 Be­trieb­li­che Lohn­ge­stal­tung Nr. 15).
2. Die Be­klag­te hat mit der Ab­sen­kung der in An­la­ge 6 BV 1989 ge­re­gel­ten Mo­nats­zu­wen­dung das Mit­be­stim­mungs­recht des Be­triebs­rats nach § 87 Abs. 1 Nr. 10 Be­trVG ver­letzt.
a) Die Be­triebs­par­tei­en ha­ben die im Be­trieb an­zu­wen­den­den Ent­loh­nungs­grundsätze in der BV 1989 aus­ge­stal­tet. Die­se enthält nicht nur ei­ne nor­ma­ti­ve An­spruchs­grund­la­ge für die in ihr ent­hal­te­nen Ansprüche der Ar­beit­neh­mer. In ih­rem Ab­schluss liegt zu­gleich die Ausübung des dem Be­triebs­rat nach § 87 Abs. 1 Nr. 10 Be­trVG zu­ste­hen­den Mit­be­stim­mungs­rechts für die zukünf­ti­ge An­wen­dung der in ihr zum Aus­druck kom­men­den Ent­loh­nungs­grundsätze. Die­se zeich­ne­ten sich durch die mo­nat­li­che Zah­lung ei­ner be­stimm­ten, nach Vergütungs­grup­pen dif­fe­ren­zier­ten re­gelmäßigen Vergütung ein­sch­ließlich Zu­la­gen aus (§§ 2, 3 BV 1989), die durch ei­ne nach Maßga­be der An­la­ge 6 BV 1989 zu zah­len­de Mo­nats­zu­wen­dung und ein En­de Ju­li ei­nes Jah­res aus­zu­zah­len­des Ur­laubs­geld von 500,00 DM (An­la­ge 7 BV 1989) ergänzt wur­de. Da­nach galt für den Be­trieb der Be­klag­ten ei­ne Vergütungs­struk­tur, wo­nach zusätz­lich zu den zwölf re­gelmäßigen mo­nat­li­chen Vergütungs­zah­lun­gen im No­vem­ber ei­ne Zu­wen­dung in Höhe der Sep­tem­ber­vergütung und im Ju­li ein Ur­laubs­geld zu zah­len war. Die Ge­samt­jah­res­vergütung soll­te in drei­zehn (na­he­zu) glei­chen Teil­beträgen und ei­nem wei­te­ren Teil­be­trag von 500,00 DM aus­be­zahlt wer­den.
b) In die­se Vergütungs­struk­tur hat die Be­klag­te erst­mals im Jahr 1994 mit der Ab­sen­kung der En­de No­vem­ber fälli­gen Mo­nats­zu­wen­dung mit-be­stim­mungs­wid­rig ein­ge­grif­fen. Seit No­vem­ber 1994 er­bringt sie die­se nicht mehr in Höhe ei­nes vol­len Sep­tem­ber­ge­halts, son­dern nur noch auf der Grund­la­ge ei­ner im TV Zu­wen­dung Ang fest­ge­leg­ten (nied­ri­ge­ren) Be­mes­sungs­grund­la­ge. Die­se Maßnah­me un­ter­lag der Mit­be­stim­mung des Be­triebs­rats nach § 87 Abs. 1 Nr. 10 Be­trVG. Sie weicht von dem in der BV 1989 ver­ein­bar­ten Ent­loh­nungs­grund­satz ab, wo­nach der En­de No­vem­ber gewähr­te Vergütungs­be­stand­teil der im Sep­tem­ber ge­zahl­ten Vergütung ent­spricht. Ent­ge­gen der Auf­fas­sung der Be­klag­ten ha­ben die Be­triebs­par­tei­en in der BV 1989 nicht ei­nen Ent­loh­nungs­grund­satz ver­ein­bart, wo­nach sich die Höhe der jähr­li­chen Mo­nats­zu­wen­dung nach den für die An­ge­stell­ten im öffent­li­chen Dienst gel­ten­den ta­rif­li­chen Be­stim­mun­gen rich­tet. Die Be­triebs­par­tei­en ha­ben in der An­la­ge 6 BV 1989 viel­mehr ei­ne vom Ta­rif­werk des öffent­li­chen Diens­tes un­abhängi­ge Re­ge­lung über die Aus­ge­stal­tung der jähr­li­chen Mo­nats-
zu­wen­dung ge­trof­fen. Dies folgt aus der Aus­le­gung der BV 1989 nach ih­rem Wort­laut und Re­ge­lungs­zu­sam­men­hang.
aa) Be­triebs­ver­ein­ba­run­gen sind we­gen ih­res nor­ma­ti­ven Cha­rak­ters wie Ta­rif­verträge und Ge­set­ze aus­zu­le­gen. Aus­zu­ge­hen ist da­nach vom Wort­laut der Be­stim­mun­gen und dem durch ihn ver­mit­tel­ten Wort­sinn. Ins­be­son­de­re bei un­be­stimm­tem Wort­sinn ist der wirk­li­che Wil­le der Be­triebs­par­tei­en und der von ih­nen be­ab­sich­tig­te Zweck zu berück­sich­ti­gen, so­fern und so­weit sie im Text ih­ren Nie­der­schlag ge­fun­den ha­ben. Ab­zu­stel­len ist fer­ner auf den Ge­samt­zu­sam­men­hang und die Sys­te­ma­tik der Re­ge­lun­gen. Im Zwei­fel gebührt der­je­ni­gen Aus­le­gung der Vor­zug, die zu ei­nem sach­ge­rech­ten, zweck­ori­en­tier­ten, prak­tisch brauch­ba­ren und ge­set­zes­kon­for­men Verständ­nis der Be­stim­mung führt (BAG 28. April 2009 - 1 AZR 18/08 - Rn. 12 mwN).
(1) Der Wort­laut der An­la­ge 6 BV 1989 ist ein­deu­tig. Schon die Über­schrift spricht von ei­ner Gewährung ei­ner „Mo­nats­zu­wen­dung“. Nach Nr. 4 An­la­ge 6 BV 1989 gilt für de­ren Be­rech­nung die Vergütung des Mo­nats Sep­tem­ber. Die Höhe der Mo­nats­zu­wen­dung ist auch nicht an ei­nen be­stimm­ten Be­mes­sungs­satz des Sep­tem­ber­ge­halts ge­bun­den. Da­ne­ben spricht auch Nr. 2 An­la­ge 6 BV 1989 von ei­ner „Mo­nats­vergütung“, die der Ar­beit­neh­mer un­ter den dort be­stimm­ten Vor­aus­set­zun­gen zurück­zah­len muss. An­halts­punk­te, nach de­nen sich ent­we­der die Höhe oder an­de­re An­spruchs­vor­aus­set­zun­gen der Mo­nats­zu­wen­dung nach den für den öffent­li­chen Dienst gel­ten­den ta­rif­li­chen Re­ge­lun­gen rich­ten, sind nicht er­sicht­lich. Die Be­triebs­par­tei­en ha­ben in der An­la­ge 6 BV 1989 we­der ganz oder teil­wei­se auf die Be­stim­mun­gen der für den öffent­li­chen Dienst gel­ten­den Ta­rif­verträge ver­wie­sen noch wer­den die­se im Text erwähnt.
(2) Die­ses Aus­le­gungs­er­geb­nis folgt auch aus dem Ge­samt­zu­sam­men­hang der BV 1989. Ge­gen ei­ne Ver­knüpfung der An­spruchs­vor­aus­set­zun­gen der jähr­li­chen Mo­nats­zu­wen­dung mit de­nen des TV Zu­wen­dung Ang spricht die Re­ge­lungs­tech­nik der Be­triebs­par­tei­en in an­de­ren Tei­len der BV 1989. Die­se ent­hal­ten teil­wei­se ei­ne dy­na­mi­sche Be­zug­nah­me auf be­stimm­te Tei­le des für den öffent­li­chen Dienst gel­ten­den Ta­rif­werks. So wird für den Be­reich
des Ar­beits­ent­gelts in § 2 Nr. 1.2, 1.4 BV 1989 aus­drück­lich auf §§ 27, 29 so­wie § 34 BAT Be­zug ge­nom­men. In § 2 Nr. 1.3, 1.5 BV 1989 ist für die Grund­vergütun­gen die Gel­tung der Be­mes­sungs­grundsätze im Be­reich der VkA ver­ein­bart, während die Vor­schrif­ten über den Bewährungs­auf­stieg und die Bei­hil­fe kei­ne An­wen­dung fin­den sol­len. Bei der Höhe der sons­ti­gen Vergütungs­be­stand­tei­le ha­ben die Be­triebs­par­tei­en de­ren An­wen­dung in der je­weils gülti­gen Fas­sung des BAT/BMT-G/VkA (§ 3 Nr. 2 BV 1989) be­stimmt. Die­se auch in an­de­ren Be­rei­chen der BV 1989 ver­wand­te Re­ge­lungs­tech­nik kann nur so ver­stan­den wer­den, als woll­ten die Be­triebs­par­tei­en in der BV 1989 ei­ner­seits Nor­men schaf­fen, de­ren In­halt sich nach den in Be­zug ge­nom­me­nen Ta­rif­nor­men rich­ten soll und an­der­seits sol­che, die als ei­genständi­ge Re­ge­lun­gen von zukünf­ti­gen Verände­run­gen des Ta­rif­werks des öffent­li­chen Diens­tes un­berührt blei­ben sol­len. Zu dem Norm­kom­plex, bei dem ei­ne Ver­knüpfung zur zukünf­ti­gen Ta­ri­fent­wick­lung nicht zum Aus­druck kommt, gehört die in An­la­ge 6 BV 1989 fest­ge­leg­te jähr­li­che Mo­nats­zu­wen­dung.
(3) Der Hin­weis der Be­klag­ten in der münd­li­chen Ver­hand­lung, die BV 1989 sei nach ih­rer Präam­bel „in An­leh­nung“ an den BAT und den BMT-G ge­schlos­sen wor­den, ver­mag die­se Sicht­wei­se nicht in Fra­ge zu stel­len. Die Präam­bel hat nach ih­rem Wort­laut und ih­rer sys­te­ma­ti­schen Stel­lung kei­nen norm­set­zen­den Cha­rak­ter, der die nach­fol­gend in der BV 1989 ge­re­gel­ten Leis­tun­gen der Höhe nach auf die in den ge­nann­ten Ta­rif­wer­ken ent­hal­te­ne Leis­tungshöhe be­schränkt. Selbst wenn bei­de Be­triebs­par­tei­en bei Ab­schluss der BV 1989 übe­rein­stim­mend ei­nen sol­chen Re­ge­lungs­wil­len ver­folgt hätten, ist die­ser in der BV 1989 we­gen der in ihr ent­hal­te­nen dif­fe­ren­zie­ren­den Be­zug­nah­me­re­ge­lun­gen nicht mit hin­rei­chen­der Deut­lich­keit zum Aus­druck ge­kom­men und da­her bei ih­rer Aus­le­gung nicht zu berück­sich­ti­gen.
bb) Die Ände­rung des in der BV 1989 ver­ein­bar­ten Ent­loh­nungs­grund­sat­zes über die Höhe der Mo­nats­zu­wen­dung un­ter­lag als kol­lek­ti­ve Maßnah­me der Mit­be­stim­mung des Be­triebs­rats.
(1) Die Ab­sen­kung der jähr­li­chen Mo­nats­zu­wen­dung eröff­ne­te der nicht ta­rif­ge­bun­de­nen Be­klag­ten ei­nen Ge­stal­tungs­spiel­raum bei der Ver­tei­lung der
Ge­samt­vergütung, bei des­sen Aus­ge­stal­tung der Be­triebs­rat nach § 87 Abs. 1 Nr. 10 Be­trVG mit­zu­be­stim­men hat. Des­sen Be­tei­li­gung bei der Einführung oder Ände­rung von Ent­loh­nungs­grundsätzen wird nur durch das Be­ste­hen ei­ner ge­setz­li­chen oder ta­rif­li­chen Re­ge­lung iSd. § 87 Abs. 1 Ein­gangs­halbs. Be­trVG aus­ge­schlos­sen, an der es vor­lie­gend fehlt. Es ist da­her für die Ausübung der Mit­be­stim­mung aus § 87 Abs. 1 Nr. 10 Be­trVG oh­ne Be­deu­tung, wenn die Be­triebs­par­tei­en die Vergütungs­struk­tur nicht in ei­ner Re­ge­lungs­ab­re­de, son­dern ganz oder teil­wei­se in ei­ner be­trieb­li­chen Re­ge­lung nor­ma­tiv aus­ge­stal­tet ha­ben. Die Ar­beit­ge­be­rin war man­gels Bin­dung an ei­ne ta­rif­li­che Vergütungs­ord­nung recht­lich nicht ge­hin­dert, das von ihr zur Verfügung ge­stell­te Vergütungs­vo­lu­men mit Zu­stim­mung des Be­triebs­rats an­ders als bis­her zu ver­tei­len (BAG 28. Fe­bru­ar 2006 - 1 ABR 4/05 - Rn. 22, BA­GE 117, 130).
(2) Die von der Be­klag­ten durch­geführ­te Maßnah­me war auch nicht des­halb mit­be­stim­mungs­frei, weil von ihr nur die ab­so­lu­te Höhe der Vergütung be­trof­fen war oder die bis­he­ri­gen Ver­tei­lungs­grundsätze un­verändert ge­blie­ben sind. Dies ist nicht der Fall. In der An­la­ge 6 BV 1989 war die ab­so­lu­te Höhe der Vergütung nicht fest­ge­legt. Die Verände­rung der Be­rech­nungs­grund­la­ge be­trifft die Ver­tei­lungs­ge­rech­tig­keit ge­genüber den an­spruchs­be­rech­tig­ten Ar­beit­neh­mern. In der durch die BV 1989 fest­ge­leg­ten Ge­samt­vergütung wa­ren für al­le Beschäftig­ten ab­so­lut gleich ho­he Vergütungs­be­stand­tei­le ent­hal­ten. Die Be­klag­te gewähr­te ein­heit­li­che Zu­schläge für Nacht­diens­te und Sams­tags­ar­beit (Nr. 4, 5 An­la­ge 2 BV 1989) und zusätz­lich zu der jähr­li­chen Mo­nats­zu­wen­dung ei­nen kin­der­be­zo­ge­nen Be­trag von 50,00 DM (Nr. 7 An­la­ge 6 BV 1989) so­wie ein Ur­laubs­geld von 500,00 DM (Nr. 2 An­la­ge 7 BV 1989). Die Zah­lung die­ser ein­heit­li­chen Be­stand­tei­le als Teil der Ge­samt­vergütung führ­te zwin­gend da­zu, dass sich durch die Ab­sen­kung der in­di­vi­du­ell be­mes­se­nen Mo­nats­zu­wen­dung zu­gleich der re­la­ti­ve Ab­stand der Ge­samt­vergütun­gen zu­ein­an­der verändert (vgl. BAG 15. April 2008 - 1 AZR 65/07 - Rn. 25, BA­GE 126, 237).
cc) Für die ge­genüber der An­la­ge 6 BV 1989 vor­ge­se­he­ne ab­wei­chen­de Be­rech­nung der Mo­nats­zu­wen­dung hätte die Be­klag­te da­nach der Zu­stim­mung des Be­triebs­rats be­durft, an der es vor­lie­gend fehlt. Die Be­klag­te hat den
Be­triebs­rat im Jahr 1994 vor der Ab­sen­kung der jähr­li­chen Mo­nats­zu­wen­dung nicht be­tei­ligt. Dar­auf, ob der Be­triebs­rat sei­ne Be­tei­li­gung ein­ge­for­dert hat­te, kommt es nicht an. Der Ar­beit­ge­ber muss in An­ge­le­gen­hei­ten des § 87 Abs. 1 Be­trVG von sich aus die Zu­stim­mung des Be­triebs­rats ein­ho­len.
c) Auch die im Jahr 2005 er­folg­te Kürzung der Mo­nats­zu­wen­dung konn­te die Be­klag­te nicht oh­ne die Zu­stim­mung des Be­triebs­rats vor­neh­men.
aa) Die in der BV 1989 ent­hal­te­ne Vergütungs­struk­tur bil­de­te auch nach de­ren Kündi­gung zum 31. De­zem­ber 2003 den be­trieb­li­chen Ent­loh­nungs­grund­satz.
Die Be­en­di­gung der BV 1989 durch die Kündi­gung der Be­klag­ten vom 18. März 2003 führ­te nicht zum er­satz­lo­sen Fort­fall der bis­her im Be­trieb der Be­klag­ten gel­ten­den Vergütungs­struk­tur, son­dern hat­te le­dig­lich die Be­en­di­gung der zwin­gen­den Wir­kung (§ 77 Abs. 4 Satz 1 Be­trVG) der BV 1989 und der in ihr zum Aus­druck kom­men­den Vergütungs­grundsätze zur Fol­ge. Die Be­sei­ti­gung ih­rer nor­ma­ti­ven Gel­tung ändert aber nichts dar­an, dass die­se Grundsätze bis­lang im Be­trieb an­ge­wen­det wur­den und des­halb die dort gel­ten­den Ent­loh­nungs­grundsätze dar­stel­len (zu ei­ner ta­rif­li­chen Vergütungs­ord­nung: BAG 15. April 2008 - 1 AZR 65/07 - Rn. 25, BA­GE 126, 237). De­ren Ände­rung be­durf­te des­halb auch nach der Be­en­di­gung der BV 1989 der Zu­stim­mung des Be­triebs­rats oder ei­ner die­se er­set­zen­den Ent­schei­dung der Ei­ni­gungs­stel­le. Dar­an fehlt es. Da es für das Mit­be­stim­mungs­recht nicht auf den Gel­tungs­grund der Ent­loh­nungs­grundsätze an­kommt, ist es auch oh­ne Be­deu­tung, ob die BV 1989 über den Ab­lauf des 31. De­zem­ber 2003 nach § 77 Abs. 6 Be­trVG Nach­wir­kung ent­fal­tet hat oder für die von den Ent­loh­nungs­grundsätzen er­fass­ten Vergütungs­be­stand­tei­le über­haupt ver­trag­lich ver­ein­bar­te Ab­re­den be­ste­hen.
bb) Die Ab­sen­kung der Mo­nats­zu­wen­dung im Jahr 2005 auf 41,7 % der maßgeb­li­chen Sep­tem­ber­vergütung führ­te zu ei­ner Ände­rung der Ent­loh­nungs­grundsätze, die der Be­klag­ten ei­nen Ver­tei­lungs­spiel­raum eröff­net hat.
Zu­guns­ten der Be­klag­ten kann un­ter­stellt wer­den, dass die­se tatsächlich die Mo­nats­zu­wen­dung auf ei­nen ein­heit­li­chen Be­mes­sungs­satz von 41,7 % ermäßigen woll­te und die da­von ab­wei­chen­den Zahl­beträge le­dig­lich auf sol­chen in­di­vi­du­el­len Ab­rech­nungs­feh­lern be­ru­hen, die nicht ge­eig­net sind, die von ihr ge­trof­fe­ne Ent­schei­dung in Fra­ge zu stel­len. Mit der Ab­sen­kung der Mo­nats­zu­wen­dung war ei­ne Ände­rung des in Nr. 4, 7 An­la­ge 6 BV 1989 zum Aus­druck kom­men­den Ent­loh­nungs­grund­sat­zes ver­bun­den, wo­nach sich die En­de No­vem­ber gewähr­te Vergütung nach dem Ar­beits­ent­gelt des Mo­nats Sep­tem­ber rich­tet und un­ter be­stimm­ten Vor­aus­set­zun­gen an Ar­beit­neh­mer mit un­ter­halts­pflich­ti­gen Kin­dern ei­ne erhöhte Zu­wen­dung ge­zahlt wird. Da­mit hat die Be­klag­te er­neut die Ver­tei­lungs­grundsätze ih­res Ent­gelt­sys­tems geändert. We­gen der Zah­lung der ein­heit­li­chen Be­stand­tei­le ver­schiebt sich durch die pro­zen­tua­le Re­du­zie­rung der in­di­vi­du­el­len Mo­nats­zu­wen­dung der bis­he­ri­ge re­la­ti­ve Ab­stand der Ge­samt­vergütun­gen zu­ein­an­der.
cc) Der Ent­schei­dung des Se­nats über das Be­tei­li­gungs­recht des Be­triebs­rats an der Ab­sen­kung der Mo­nats­vergütung im Jahr 2005 steht die Rechts­kraft der Ent­schei­dung des Lan­des­ar­beits­ge­richts Ba­den-Würt­tem­berg vom 28. Fe­bru­ar 2007 (- 12 TaBV 4/06 -) nicht ent­ge­gen. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt hat in sei­nem Be­schluss aus­drück­lich of­fen­ge­las­sen, ob der Be­triebs­rat bei der Kürzung der Mo­nats­zu­wen­dung ein Mit­be­stim­mungs­recht nach § 87 Abs. 1 Nr. 10 Be­trVG be­an­spru­chen kann.
3. Die Be­klag­te ist nach der Theo­rie der Wirk­sam­keits­vor­aus­set­zung ver­pflich­tet, dem Kläger für das Jahr 2005 noch ei­nen wei­te­ren Be­trag von 1.050,02 Eu­ro als Mo­nats­zu­wen­dung zu zah­len.
a) Nach der Theo­rie der Wirk­sam­keits­vor­aus­set­zung führt die Ver­let­zung von Mit­be­stim­mungs­rech­ten des Be­triebs­rats im Verhält­nis zwi­schen Ar­beit­ge­ber und Ar­beit­neh­mer je­den­falls zur Un­wirk­sam­keit von Maßnah­men oder Rechts­geschäften, die den Ar­beit­neh­mer be­las­ten. Das soll ver­hin­dern, dass der Ar­beit­ge­ber dem Ei­ni­gungs­zwang mit dem Be­triebs­rat durch Rück­griff auf ar­beits­ver­trag­li­che Ge­stal­tungsmöglich­kei­ten aus­weicht. Dem Ar­beit­ge­ber darf aus ei­ner be­triebs­ver­fas­sungs­recht­li­chen Pflicht­wid­rig­keit auch im Rah­men des
Ar­beits­verhält­nis­ses kein Vor­teil er­wach­sen. Maßnah­men zum Nach­teil der Ar­beit­neh­mer sind da­bei nur sol­che, die be­reits be­ste­hen­de Rechts­po­si­tio­nen der Ar­beit­neh­mer schmälern. Nach der Se­nats­recht­spre­chung führt die Ver­let­zung von Mit­be­stim­mungs­rech­ten des Be­triebs­rats bei die­sen al­ler­dings nicht da­zu, dass sich in­di­vi­du­al­recht­li­che Ansprüche der be­trof­fe­nen Ar­beit­neh­mer ergäben, die zu­vor noch nicht be­stan­den ha­ben (15. April 2008 - 1 AZR 65/07 - Rn. 37, BA­GE 126, 237).
b) Der Se­nat hat in Fortführung der Theo­rie der Wirk­sam­keits­vor­aus­set­zung an­ge­nom­men, dass der Ar­beit­neh­mer bei ei­ner un­ter Ver­s­toß ge­gen das Be­tei­li­gungs­recht aus § 87 Abs. 1 Nr. 10 Be­trVG vor­ge­nom­me­nen Ände­rung der im Be­trieb gel­ten­den Ent­loh­nungs­grundsätze ei­ne Vergütung auf der Grund­la­ge der zu­letzt mit­be­stimm­ten Ent­loh­nungs­grundsätze for­dern kann (15. April 2008 - 1 AZR 65/07 - Rn. 37 f., BA­GE 126, 237; 2. März 2004 - 1 AZR 271/03 - zu IV 2 b cc der Gründe, BA­GE 109, 369; 11. Ju­ni 2002 - 1 AZR 390/01 - zu III 4 der Gründe, BA­GE 101, 288). Die im Ar­beits­ver­trag ge­trof­fe­ne Ver­ein­ba­rung über die Vergütungshöhe wird da­nach von Ge­set­zes we­gen ergänzt durch die Ver­pflich­tung des Ar­beit­ge­bers, den Ar­beit­neh­mer nach den im Be­trieb gel­ten­den Ent­loh­nungs­grundsätzen zu vergüten. Das ist durch den Zweck des Be­tei­li­gungs­rechts aus § 87 Abs. 1 Nr. 10 Be­trVG ge­bo­ten. Nur auf die­se Wei­se kann ver­hin­dert wer­den, dass sich der Ar­beit­ge­ber sei­ner Bin­dung an die von ihm ein­sei­tig vor­ge­ge­be­ne oder mit­be­stimm­te Vergütungs­struk­tur un­ter Ver­s­toß ge­gen das Be­tei­li­gungs­recht des Be­triebs­rats und den in § 87 Abs. 2 Be­trVG be­stimm­ten Ei­ni­gungs­zwang ent­zieht (BAG 14. Au­gust 2001 - 1 AZR 744/00 - zu III 2 a der Gründe, AP Be­trVG 1972 § 77 Re­ge­lungs­ab­re­de Nr. 4 = EzA Be­trVG 1972 § 88 Nr. 1). Dies gilt un­abhängig von den Rechts­schutzmöglich­kei­ten des Be­triebs­rats.
c) Da­nach ist die Be­klag­te ver­pflich­tet, dem Kläger ein Sep­tem­ber­ge­halt als Mo­nats­zu­wen­dung für das Jahr 2005 zu zah­len. Auf­grund der rechts­kräfti­gen Ab­wei­sung der wei­ter­ge­hen­den Kla­ge hat es je­doch bei dem im an­ge­foch­te­nen Ur­teil zu­er­kann­ten Be­trag von 1.050,02 Eu­ro zu ver­blei­ben.
III. Auf die zwi­schen den Par­tei­en strei­ti­gen und von den Vor­in­stan­zen erörter­ten Fra­gen nach der Aus­le­gung des Ar­beits­ver­trags und dem Be­ste­hen ei­ner be­trieb­li­chen Übung kam es nicht mehr an. Eben­so kann da­hin­ste­hen, ob und ggf. in wel­chem Um­fang die Ent­schei­dung des Lan­des­ar­beits­ge­richts Ba­den-Würt­tem­berg vom 28. Fe­bru­ar 2007 (- 12 TaBV 4/06 -) über die feh­len­de Nach­wir­kung der BV 1989 für das vor­lie­gen­de Ver­fah­ren Bin­dungs­wir­kung ent­fal­tet.
Man­fred Gentz
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