Source: http://relevancy.bger.ch/php/aza/http/index.php?lang=de&zoom=&type=show_document&highlight_docid=aza%3A%2F%2F28-09-2010-8C_281-2010
Timestamp: 2016-10-22 23:43:22
Document Index: 319479431

Matched Legal Cases: ['Art. 95', 'Art. 106', 'BGE', 'Art. 97', 'Art. 105', 'Art. 105', 'Art. 99', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'in fine', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'Art. 66', 'Art. 64', 'BGE', 'Art. 64']

8C_281/2010 (28.09.2010)
Der 1949 geborene H.________ war als Aussendienstmitarbeiter bei der Firma C.________ SA angestellt und damit bei der Allianz Suisse Versicherungs-Gesellschaft AG (nachfolgend: Allianz) gegen Unf�lle versichert, als er am 2. Februar 2003 anl�sslich eines t�tlichen Angriffs durch einen Faustschlag ins Gesicht verletzt wurde. Am erstbehandelnden Spital X.________ wurde vermerkt, dem Patienten sei es wenige Sekunden schwarz vor den Augen geworden; sp�ter seien etwas Schwindel und eine leichte �belkeit hinzugekommen. Die �rzte am Spital Y.________ stellten die Diagnose einer dislozierten frischen Jochbeinfraktur links mit Begleitfraktur des medialen Orbitabodens, welche offen osteosynthetisch reponiert wurden. Mit Verf�gung vom 17. November 2008 stellte die Allianz ihre Leistungen (Heilbehandlung, Taggelder) ab 1. Februar 2008 ein, weil zwischen dem versicherten Unfallereignis und den noch geklagten Beschwerden kein ad�quater Kausalzusammenhang mehr bestehe. Daran hielt sie mit Einspracheentscheid vom 17. M�rz 2009 fest.
H.________ l�sst Beschwerde in �ffentlich-rechtlichen Angelegenheiten f�hren und beantragen, in Aufhebung des vorinstanzlichen Entscheides und des Einspracheentscheides seien ihm �ber den 1. Februar 2008 hinaus die gesetzlichen Leistungen auszurichten und es sei ihm ab jenem Zeitpunkt eine 100prozentige Invalidenrente sowie eine Integrit�tsentsch�digung von mindestens 30 Prozent zuzusprechen; eventualiter sei die Sache zur weiteren Abkl�rung des medizinischen Sachverhaltes zur�ckzuweisen. Zudem wird um unentgeltliche Rechtspflege ersucht.
Die Allianz schliesst auf Abweisung der Beschwerde, w�hrend das Bundesamt f�r Gesundheit auf Vernehmlassung verzichtet.
1.1 Die Beschwerde in �ffentlich-rechtlichen Angelegenheiten kann wegen Rechtsverletzungen gem�ss Art. 95 und 96 BGG erhoben werden. Das Bundesgericht wendet das Recht von Amtes wegen an (Art. 106 Abs. 1 BGG). Es ist folglich weder an die in der Beschwerde geltend gemachten Argumente noch an die Erw�gungen der Vorinstanz gebunden; es kann eine Beschwerde aus einem anderen als dem angerufenen Grund gutheissen und es kann eine Beschwerde mit einer von der Argumentation der Vorinstanz abweichenden Begr�ndung abweisen (vgl. BGE 132 II 257 E. 2.5 S. 262; 130 III 136 E. 1.4 S. 140). Im Beschwerdeverfahren um die Zusprechung oder Verweigerung von Geldleistungen der Milit�r- oder Unfallversicherung ist das Bundesgericht nicht an die vorinstanzliche Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts gebunden (Art. 97 Abs. 2 und Art. 105 Abs. 3 BGG).
1.2 Der Beschwerdef�hrer hat letztinstanzlich verschiedene Dokumente als Beweismittel eingereicht. Neue Tatsachen und Beweismittel d�rfen indessen im bundesgerichtlichen Beschwerdeverfahren - auch im Rahmen von Art. 105 Abs. 3 BGG (vgl. E. 1.1 hievor) - nur so weit vorgebracht werden, als erst der Entscheid der Vorinstanz dazu Anlass gibt (Art. 99 Abs. 1 BGG; BGE 135 V 194 E. 2 f. S. 196 ff.). Letzteres ist von der ein Novum einbringenden Partei n�her darzulegen (Urteil 8C_684/2009 vom 23. April 2010 E. 2 mit Hinweisen), was der Beschwerdef�hrer jedoch nicht getan hat. Die neu beigebrachten Akten sind schon aus diesem Grund als Beweismittel unzul�ssig und m�ssen daher vor Bundesgericht unbeachtet bleiben.
Das kantonale Gericht hat im angefochtenen Entscheid den f�r einen Leistungsanspruch erforderlichen nat�rlichen Kausalzusammenhang zwischen Unfall und eingetretenem Schaden (Krankheit, Invalidit�t, Tod; BGE 129 V 177 E. 3.1 S. 181 mit Hinweisen) zutreffend umschrieben. Ebenfalls richtig dargelegt hat es die Rechtsprechung �ber den zus�tzlich zum nat�rlichen erforderlichen ad�quaten Kausalzusammenhang. Danach spielt im Sozialversicherungsrecht die Ad�quanz als rechtliche Eingrenzung der sich aus dem nat�rlichen Kausalzusammenhang ergebenden Haftung des Unfallversicherers bei organisch objektiv ausgewiesenen Unfallfolgen praktisch keine Rolle, weil sich hier die ad�quate weitgehend mit der nat�rlichen Kausalit�t deckt (BGE 134 V 109 E. 2.1 S. 112; 127 V 102 E. 5b/bb S. 103 mit Hinweisen). Anders verh�lt es sich bei nat�rlich unfallkausalen, aber organisch nicht objektiv ausgewiesenen Beschwerden. Hier ist bei der Beurteilung der Ad�quanz vom augenf�lligen Geschehensablauf auszugehen, und es sind je nach Schweregrad des Unfalles weitere unfallbezogene Kriterien mit einzubeziehen (BGE 117 V 359 E. 6 S. 366 ff. und 369 E. 4 S. 382 ff.; 115 V 133 E. 6 S. 138 ff.). Bei nach einem Unfall auftretenden psychischen Fehlentwicklungen werden diese Ad�quanzkriterien unter Ausschluss psychischer Aspekte gepr�ft (BGE 115 V 133 E. 6c/aa S. 140), w�hrend bei Schleudertraumen (BGE 117 V 359 E. 6a S. 367) und �quivalenten Verletzungen der Halswirbels�ule (SVR 1995 UV Nr. 23 S. 67, U 183/93 E. 2) sowie bei Sch�del-Hirntraumen (BGE 117 V 369 E. 4b S. 383) auf eine Differenzierung zwischen physischen und psychischen Komponenten verzichtet wird. Dies, weil f�r die Beurteilung des ad�quaten Kausalzusammenhanges als einer Rechtsfrage nicht entscheidend ist, ob die im Anschluss an eine solche Verletzung auftretenden Beschwerden medizinisch eher als organischer und/oder psychischer Natur bezeichnet werden, zumal diese Differenzierung angesichts des komplexen, vielschichtigen Beschwerdebildes in heiklen F�llen gelegentlich grosse Schwierigkeiten bereiten w�rde (BGE 134 V 109 E. 6.2.1 S. 116 f. in fine; vgl. zum Ganzen auch BGE 127 V 102 E. 5b/bb S. 103 und SVR 2007 UV Nr. 8 S. 27, U 277/04 E. 2, je mit Hinweisen).
3.1 Das kantonale Gericht hat den f�r die Zeit nach dem Unfall vom 2. Februar 2003 medizinisch umfassend dokumentierten Gesundheitszustand einl�sslich gew�rdigt. Dabei hat es erkannt, dass organisch objektiv ausgewiesene Unfallfolgen nicht nachgewiesen seien. Es verzichtete indessen auf weitere Beweisvorkehren zur Pr�fung des nat�rlichen Kausalzusammenhanges der organisch nicht erkl�rbaren Beschwerden. Ausgehend von der Feststellung, dass beim Beschwerdef�hrer weder ein Schleudertrauma der Halswirbels�ule, noch ein �quivalenter Verletzungsmechanismus diagnostiziert worden seien, und dass auch aus den medizinischen Akten nicht auf eine derartige Verletzung geschlossen werden k�nne, schloss die Vorinstanz im Weiteren, ein Sch�del-Hirntrauma, wie es der Beschwerdef�hrer geltend mache, sei gerade auch im Lichte der erh�hten Anforderungen, die rechtsprechungsgem�ss an den Nachweis einer solchen Verletzung gestellt w�rden, eher fraglich. Selbst wenn f�r die Ad�quanzpr�fung die in BGE 134 V 109 modifizierten Kriterien herangezogen w�rden, sei diese indessen zu verneinen.
3.2 Der Beschwerdef�hrer macht im Wesentlichen geltend, er habe durch den Faustschlag ins Gesicht ein Sch�del-Hirntrauma erlitten. Zudem seien bei ihm nach dem Unfall die typischen Beschwerden (buntes Beschwerdebild) nach einem Schleudertrauma der Halswirbels�ule oder einer �quivalenten Verletzung aufgetreten. Die Ad�quanz seines Gesundheitsschadens zum erlittenen Unfall sei daher in Anwendung der in BGE 117 V 359 ff. begr�ndeten Rechtsprechung zu pr�fen und zu bejahen.
Mit dem kantonalen Gericht kann die in der Beschwerde ausf�hrlich dargelegte Fragestellung, ob der Versicherte durch den Faustschlag ins Gesicht neben den Jochbein- und Orbitabodenfrakturen auch ein Sch�delhirntrauma zugezogen hat, offenbleiben, wenn die vorzunehmende Pr�fung des ad�quaten Kausalzusammenhanges auch in Anwendung der in BGE 134 V 109 modifizierten Rechtsprechung zu verneinen ist. Im Rahmen der Beurteilung der Ad�quanz von Unf�llen mit Schleudertraumen der Halswirbels�ule ohne organisch nachweisbare Funktionsausf�lle oder �hnlichen Verletzungsmechanismen sowie bei Unf�llen mit Sch�del-Hirntraumen sind die folgenden Kriterien zu pr�fen: besonders dramatische Begleitumst�nde oder besondere Eindr�cklichkeit des Unfalls, Schwere oder besondere Art der erlittenen Verletzungen, fortgesetzte spezifische und belastende �rztliche Behandlung, erhebliche Beschwerden, eine �rztliche Fehlbehandlung, welche die Unfallfolgen erheblich verschlimmert, ein schwieriger Heilungsverlauf und erhebliche Komplikationen sowie eine erhebliche Arbeitsunf�higkeit trotz nachgewiesener Anstrengungen (BGE 134 V 109 E. 10.2 und 10.3 S. 127).
4.1 Die Parteien sind sich darin einig, dass das Ereignis hinsichtlich seiner objektiven Schwere in den sogenannten mittleren Bereich, ohne Ann�herung an den unteren oder den oberen Rahmen, einzuordnen ist. Damit m�ssen f�r die Bejahung des ad�quaten Kausalzusammenhangs mehrere der Kriterien oder eines in besonders schwerer oder auff�lliger Weise gegeben sein.
4.2 Der Unfall hat sich weder unter besonders dramatischen Begleitumst�nden abgespielt, noch war er von besonderer Eindr�cklichkeit. Das wird auch vom Beschwerdef�hrer nicht behauptet. Entgegen dessen Darstellung sind die beim Faustschlag erlittenen Frakturen am Gesichtssch�del, welche gem�ss den medizinischen Akten klinisch-neurologisch nur noch leichte Beschwerden verursachen und den Patienten offenbar subjektiv nicht st�ren, auch nicht als schwere und besondere Art der Verletzungen zu qualifizieren.
Zum Kriterium der fortgesetzten spezifischen und belastenden �rztlichen Behandlung ist festzuhalten, dass sich der Beschwerdef�hrer seit dem Unfall mehr oder weniger in konstanter �rztlicher Behandlung befand. Die durchgef�hrten Massnahmen bestanden - neben der operativen Revision der Frakturen mit nachfolgender Metallentfernung - im Wesentlichen in medikament�ser Therapie in Form von Analgetika, Antidepressiva und Antiepileptika. Die im Gutachten des medizinischen Instituts A.________ vom 12. M�rz 2005 noch festgestellten neuropsychologischen St�rungen bei chronischer Morphinabh�ngigkeit konnten anl�sslich der Begutachtung im medizinischen Zentrum B.________ vom 3. Januar 2008 aber nicht mehr festgestellt werden, weshalb es offenbleiben kann, ob dieses Kriterium zu bejahen ist, da es jedenfalls nicht ausgepr�gt vorliegt.
Das Kriterium der erheblichen Beschwerden ist gegeben, wenn auch nicht in besonders ausgepr�gter Weise.
Eine �rztliche Fehlbehandlung ist ebenso wenig ausgewiesen wie ein schwieriger Heilungsverlauf oder erhebliche Komplikationen. F�r letzteres Kriterium gen�gt nicht, dass die geklagten Beschwerden andauern, sondern es werden besondere Gr�nde verlangt, die hier nicht ersichtlich sind (Urteil 8C_413/2008 vom 5. Januar 2009, E. 6.3.5 mit Hinweisen).
Das Merkmal der erheblichen Arbeitsunf�higkeit trotz ausgewiesener Anstrengungen ist ebenfalls nicht gegeben. Der Beschwerdef�hrer hat nie ernsthaft versucht, sich in seiner angestammten oder in einer anderen T�tigkeit beruflich wieder einzugliedern. Die mit der modifizierten Rechtsprechung gem�ss BGE 134 V 109 geforderte ausgewiesene Anstrengung (E. 10.2.7 S. 129 f.) liegt nicht vor. Angesichts der im Sozialversicherungsrecht herrschenden Schadenminderungspflicht kann sich der Beschwerdef�hrer nicht mit Erfolg darauf berufen, dass er weder von den �rzten noch von der Unfallversicherung zu Arbeitsversuchen angehalten wurde.
Nach dem Gesagten liegen die massgebenden Kriterien weder geh�uft vor noch ist eines davon in ausgepr�gter Weise gegeben. Der ad�quate Kausalzusammenhang zwischen den bei Leistungseinstellung noch geklagten Beschwerden und dem Unfall vom 2. Februar 2003 ist demnach nicht gegeben und die Vorinstanz hat die Leistungseinstellung im Ergebnis zu Recht best�tigt.
Entsprechend dem Verfahrensausgang sind die Gerichtskosten vom Beschwerdef�hrer als unterliegender Partei zu tragen (Art. 66 Abs. 1 BGG). Dem Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege (im Sinne der vorl�ufigen Befreiung von den Gerichtskosten und der unentgeltlichen Verbeist�ndung) kann entsprochen werden, da die hierf�r erforderlichen Voraussetzungen erf�llt sind (Art. 64 Abs. 1 und 2 BGG; BGE 125 V 201 E. 4a S. 202). Der Beschwerdef�hrer wird jedoch darauf aufmerksam gemacht, dass er der Gerichtskasse Ersatz zu leisten hat, wenn er sp�ter dazu in der Lage ist (Art. 64 Abs. 4 BGG). Die Entsch�digung f�r die Verbeist�ndung wird praxisgem�ss auf Fr. 2'800.- festgesetzt.
Rechtsanwalt Dr. Bruno H�fliger, Luzern, wird als unentgeltlicher Anwalt des Beschwerdef�hrers bestellt, und es wird ihm f�r das bundesgerichtliche Verfahren aus der Gerichtskasse eine Entsch�digung von Fr. 2'800.- ausgerichtet.