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Timestamp: 2019-04-24 21:58:43
Document Index: 215773178

Matched Legal Cases: ['§ 2', '§ 2', '§ 2', '§ 2', '§ 2', '§ 64', '§ 823', '§ 303', '§ 14', '§ 39', '§ 14', '§ 14', 'Art. 5', 'Art. 5', 'Art. 5', 'Art. 5']

Das Kunstwerk im Kunstrecht:
Der Begriff des Kunstwerks ist von vielen ideellen, tatsächlichen und rechtlichen Aspekten geprägt. Schon allein der Begriff “Kunst” ist umstritten. Was ist Kunst ? Diese Frage stellt sich vorab und lässt sich eigentlich nicht beantworten. Kunst liegt im Auge des Betrachters. Über Kunst lässt sich trefflich streiten. All diese Phrasen zeigen deutlich auf, dass Kunst einer Definition kaum zugänglich ist. Wie oft hört man auf Kunstmessen oder in Museen den Satz: “Das hätte ich auch malen können”. Gemalt haben diese Personen dann jedoch nicht. Es stellt sich das Problem, dass Kunst sich einer objektiven Bewertung entzieht. Man könnte den Versuch wagen, den Begriff mit Worten wie “Idee”, “Ästhetik” oder “Schönheit” zu verbinden. Dies würde aber nur dazu führen, dass die Schwierigkeit der Definition nur verlagert, aber nicht gelöst wird. Es verbleibt das Problem, dass Kunst nicht messbar ist. Trotzdem verlangt insbesondere das Recht, dass maßstäbe gefunden werden, um Kunst und ein Kunstwerk greifbar zu machen. Angefangen vom Urheberrecht über das Folgerecht bis hin zu dem Begriff der Kunstfreiheit wird eine Definition erwartet, um Gesetze anwenden zu können. Die Beantwortung der Frage “Was ist ein Kunstwerk ?” soll in einem ersten Abschnitt versucht werden. Gerade das Urheberrecht und das Steuerrecht verlangen hierfür Ansätze.
In einem Weiteren Abschnitt stellt sich die Frage, wann liegt ein Original oder eine Fälschung vor. Während die Beantwortung des Problems auf den Kunstcharakter geringeren Einfluss hat, ist sie doch von enormer Bedeutung für den Preis des Objekts. In einer Zeit, in der Provenienz und Zuordnung zu einem bestimmten Künstler für einen höheren Preis ausschlaggebend sind, muss diese Frage geklärt werden. So enststeht die Schwierigkeit, ob z.B. noch postmortale Bronzegüsse als Originale zu bezeichnen sind. Und was bedeutet es, dass ein Werk mit Attributen wie “aus der Schule”, “aus der Umgebung” oder “in der Art von” begleitet wird. So ist die Presse stets geprägt von Meldungen über neueste Erkenntnisse von Kunstwerken, sei es dass ein Gemälde von Rembrandt entweder wieder als persönliches Original des Meisters eingestuft wird, oder doch nur seinem Schüler zugeordnet werden kann.
Nach diesen Definitionsversuchen muss geklärt werden, inwieweit eigentlich Eigentum im Sinne des Bürgerlichen Gesetzbuches an einem Kunstwerk erlangt werden kann. Ausgehend von der Tatsache, dass ein Eigentümer mit seinem Eigentum so verfahren kann wie er möchte, stellt sich die Frage, ob dies nicht in einem kunstrechtlichen Sinne verändert werden muss. Es stellt sich überspitzt die Frage, ob der Besitzer eines Werkes von Remnbrandt oder Renoir das Kunstwerk mit in den Sarg nehmen dürfte, oder ob ein Anspruch der Allgemenheit auf Erhaltung des Kunstwerkes besteht, somit kein umfängliches Eigentumsrecht bei Kunstwerken besteht.
Hiernach wird in einem Abschnitt die rechtliche Fragen erörtert, inwieweit das Recht, insbesondere das Urheberrecht, Kunstwerke vor veränderung zu schützen vermag. Darf man ein Kunstwerk einfach verändern, oder bestehen Gegenrechte des Künstlers oder der Allgemeinheit gegen die Veränderung. Und wie weit könnte ein Schutzrecht gehen.
Ein weiterer Aspekt bildet das Thema der Kunstfreiheit. Dieses Problem stellte sich nicht nur in der heutigen Zeit, sondern Kunst wollte von Anfang an auch Grenzen überschreiten und Mißstände in der Gesellschaft und Politik aufzeigen. Dementsprechend ensteht die Frage nach den Grenzen von Kunst. Können Grenzen existieren, und wenn ja, wie weit reichen die Grenzen ? Darf Kunst sozialkritisch sein, Pornographie darstellen, Politik und Religion kritisieren ? Dies sind alte Fragen, die auch in der heutigen Zeit nichts an Brisanz verloren haben und klärungsbedürftig sind.
Als letzter Abschnitt ist zu erläutern, ab wann ein Kunstwerk als Antiquität bezeichnet werden kann. Eine solche Einordnung hat dabei nicht nur steuerrechtliche Folgen.
1. Was ist ein Kunstwerk ?
Kunstwerk im Sinne einer allgemeinen Definition; Kunstwerk im Sinne des Gesetzes, insbesondere Urheberrechts
Eigenhändigkeit, Postmortale Kunstwerke, Kopien, Nachahmungen
3. Eigentum an Kunstwerken
Wer besitzt Eigentum an Kunstwerken und kann es vollständig übertragen werden ?
4. Schutz vor Veränderung
Darf ein Kunstwerk verändert, entstellt oder zerstört werden ? Und wenn ja, von wem ?
5. Grenzen der Kunstfreiheit
Was bedeutet Kunstfreiheit ? Gibt es Grenzen ?
6. Antiquität
Ab wann darf ein Kunstwerk als alt, antik oder Antiquität bezeichnet werden ?
Der Versuch den Begriff des Kunstwerks im Sinne einer allgemein zugänglichen Definition zu beschreiben ist von Anfang zum Scheitern bestimmt. Kunst kann nicht definiert werden. Es ist zwar in vielen Fällen möglich, ein Kunstwerk einer bestimmten Stilrichtung zuzuordnen, wie etwa dem Expressionismus, Impressoinismus oder Dadaismus, oder das Kunstwerk nach einer Zeitepoche zu bestimmen, wie z.B. Jugendstil, Gründerzeit oder Renaissance, unmöglich ist aber zu bestimmen, ob überhaupt ein Kunstwerk vorliegt. Diese Bestimmung wird noch durch den Umstand erschwert, dass Begriffe wie Kunsthandwerk Berücksichtigung finden müssen. All diese Aspekte führen zu der Tatsache, dass keine Definition von Kunst existiert. Es ist auch nicht möglich, Kunst einer herrschenden Meinung anzupassen, d.h. Kunst wäre nur das, was der Großteil der Bevölkerung als Kunst empfindet. Eine solche Einordnung wird der Realität nicht gerecht. Denn Kunst kennt keine Bestimmung, keinen Mainstream. Eine Einordnung in eine solche Kategorie wäre vielmehr fatal. Sie hätte zur Folge, dass provozierende Kunst, die ein notwendiger und wichtiger Bestandteil der gesellschaftspolitischen Auseinandersetzung und Entwicklung darstellt, nicht mehr als Kunst aufgefasst und dementsprechend sogar ein grundrechtlicher Schutz versagt werden müsste.
Auf der anderen Seite verlangt jedoch das Gesetz, dass bestimmt werden muss, wann ein Kunstwerk vorliegt. Insbesondere das Urheberrecht verlangt hierfür eine Definition. Denn das Urheberrecht schützt auch ein Kunstwerk und gewährt dem Künstler als Urheber, Schöpfer, des Werkes gewisse immaterielle Recht. Hierbei ist insbesondere § 2 Abs. 1 UrhG von Bedeutung, in dessen § 2 Abs. 1 Nr. 4 UrhG die “Werke der bildenden Künste einschließlich der Werke der Baukunst und der angewandten Kunst und Entwürfe solcher Werke” aufgeführt werden. Weiterhin werden § 2 Abs. 1 Nr. 5 UrhG die Lichtbildwerke, also Fotografie aufgeführt. Diese Aufzählung ist nicht abschließend.
Weiter wird in § 2 Abs. 2 UrhG verlangt, dass es sich um eine persönliche geistige Schöpfung handelt. Dies führt zu der Schlußfolgerung, dass nach der derzeitigen Rechtslage nur natürlich Personen, mithin Menschen, ein Kunstwerk schaffen können. Tiere oder Computerprogramme sind von dieser Regelung ausgenommen. Das Werk eines Affen, mag es auch einen hohen Preis erzielen, kann somit nicht schutzfähig sein.
Ausfluss der Regelung des § 2 Abs. 2 UrhG ist die durch die Rechtsprechung entwickelte These, dass für das Vorliegen eines Kunstwerks eine gewisse Gestaltungshöhe erreicht sein muss. Dies bedeutet, dass nicht jeder künstlerisch entworfene Gegenstand ein Kunstwerk darstellt. Auch wenn man eine solche Abgrenzung mit Recht angreifen kann, wird sie in der rechtlichen Praxis verwendet. So werden Gegenstände des Alltags, wie Gebrauchsmöbel, “normale” Lampen, etc. nicht als Kunstwerke mangels Gestaltungshöhe angesehen, auch wenn sie von einer natürlichen Person entworfen wurden. Eine solche Regelung hat dabei den Zweck, eine Ausuferung des urheberrechtlichen Schutzes auf sämtliche Gegenstände zu vermeiden. Für die Einordnung als Kunstwerk im Sinne des UrhG wurde dabei von den Gerichten die Theorie der “kleinen Münze” entwickelt. Diese besagt, dass für die Einordnung in das Urheberrecht bei klassischen Kunstwerken ein gewisses Maß an Kreativität vorhanden sein muß, es sollte etwas Besonderes, Überdurchschnittliches sein, andererseits soll aber auch keine Elitekunst gebildet werden, sondern Kunstwerke mit “wenig” Potential müssen geschützt werden. Die Theorie findet jedoch nicht immer im UrhG Anwendung, sondern sie muss im Einzelfall je nach Werkart bewertet werden. Gerade bei Computerprogrammen ist die Gestaltungshöhe strittig. Als letzte Voraussetzung wird noch ein gewisser inhaltlicher Sinn erwartet, um ein Kunstwerk gegenüber reinen Handwerkserzeugnissen abzugrenzen.
Wenn eine Einordung als urheberrechtlich geschütztes Kunstwerk in Betracht kommt, verlangt das UrhG keine weiteren Voraussetzungen. Formale Voraussetzungen, wie z.B. die Eintragung in ein Register oder die Verwendung eines Copyright - Symbols sind dem deutschen Recht fremd und können höchstens eine deklaratorische Bedeutung besitzen. So kann die Verwendung des Symbols © ein Hinweis auf einen urheberrechtlichen Schutz sein, mehr aber nicht. Ob ein Schutz nach dem UrhG gegeben ist, beurteilt sich allein nach dem Gesetz. Die Verwendung des Zeichens hat keinerlei schutzauslösende Funktion.
Für zukünftige Kunstarten ist zu beachten, dass das UrhG keine Einschränkung hinsichtlich der Art des Kunstwerks besitzt. So können Werke der Kunstrichtung “Ready - Made” ebenso Schutz finden, wie Happenings. Auch eine zeitliche Komponente existiert nicht. Kunstwerke, deren Sinn und Zweck es ist, vergänglich zu sein, können auch Schutz genießen.
2. Original und Fälschung:
Ein wichtiges Thema innerhalb des Kunstmarktes ist das Thema “Original oder Fälschung”. Diese Unterscheidung ist für eine Vielzahl von rechtlichen Aspekten von enormer Bedeutung. Insbesondere das Gewährleistungsrecht, die Möglichkeiten der Anfechtung (arglistige Täuschung) im Kaufrecht und das Urheberrecht können durch diese Differenzierung betroffen werden.
Die Geschichte der Fälschungen reicht weit in Zeit zurück. Immer dann, wenn Kunst mit Geld, Ansehen und Macht verbunden war, tauchen Fälschungen auf. Schon zu Zeiten Roms existierten sogar berühmte Fälscher, wie die Fälscherwerkstätte des Mentor, dessen Werke auch heute noch umstritten sind. Dabei folgt der Fälschermarkt dem tatsächlichen Markt. Verzeichnet der tatsächliche Markt ein Wachstum, steigen auch die Zahlen der Fälschungen. Werke von Cranach und Dürer waren zum Beispiel schon früh beliebt und wurden kopiert. Ein bekannter Stecher, Marcanton aus Venedig, hatte schon 1506 mit gerichtlichen Problemen aufgrund seiner Kopien zu kämpfen. Ein anderer Fall ist aus dem Jahre 1512 überliefert. So verbot der Magistrat von Nürnberg am 3. Januar das Kopieren von Dürerschen Arbeiten. In späteren Jahrhunderten ist der Fall der gefälschten Bernsteineinschlüsse in einer Dose Königs Friedrich Wilhelms IV aus dem Jahre 1845 überliefert, die später als künstliche herbeigeführte Einschlüsse eingestuft wurden. In diesem Zusammenhang ist zu beachten, dass Fälschungen immer mehr perfektioniert wurden.
In neuerer Zeit tauchen auch immer wieder berühmte Fälschungen auf und Fälscher gehen in die Kunstgeschichte ein. Ein Phänomen ist dabei, dass die Anzahl von Fälschungen nach dem Tod eines Künstlers exponential ansteigt. Berühmte Fälschungen ereilen die meisten bekannten Künstler, von Giacometti bis hin zu Picasse oder sogar Beuys. Und auch Fälscher werden berühmt und erzielen mit eigenen Werken dann hohe Preise.
Von den Fälschungen ist streng die Nachahmung begrifflich zu trennen. Als Nachahmung wird dabei die Kopie eines Werkes bezeichnet, die jedoch im Gegensatz zu der Fälschung nicht als Werk des Ursprungskünstlers ausgegeben wird, sondern die vielmehr als Werk des Künstlers, der die Kopie geschaffen hat. Nachahmungen tauchen schon früh in der Kunstgeschichte auf und waren auch Teil der künstlerischen Ausbildung. Viele Künstler bereisten z.B. Rom, um dort berühmte Werke zu Studienzwecken zu kopieren, oder auch um einem Mäzen eine Kopie des begehrtene Originals für sein Schloss zu beschaffen. Diese Werke wurden dann aber nicht als Originale des Ursprungskünstlers ausgegeben. Viele Werke von Nachahmern haben heute eine eigenen hohen historischen und materiellen Wert.
Ob es sich um ein Original oder um eine Fälschung handelt, bedarf stets einer genauen Prüfung, die sich je nach Werkstoff sehr unterscheiden kann. Meist enststehen sehr hohe Kosten, bedingt durch Gutachten und Analysen.
Der Umfang einer Prüfung richtet sich nach dem Material, aus dem das Werk hergestellt wurde. Dabei kommen Fälschungen in allen Werkstoffen, gleichgültig ob es sich um Bronze, Gold, Silber, Glas, Email oder Porzellan, und Gattungen, wie Gemälde, Münzen, Waffen, Kupferstiche oder sogar Musikinstrumente handelt..
Je nach Werkstoff, Alter und Herstellungsmethode unterscheiden sich die Methoden der Begutachtung und müssen oft kombiniert werden. Angefangen von der reinen Inaugenscheinnahmen eines Werkes durch Sachverständige bis hin zur chemischen Analyse von Farbpigmenten oder die Analyse der Zerfallsrate für die Altersbestimmung reichen die Arten. Dabei ist aber immer noch das persönliche Urteil eines Sachverständigen bzw. Kenners der Materien ein wichtiges Instrument. Gerade z.B. im Möbelbereich werden Stücke aus altem Holz neu hergestellt, aus einem Bett wird ein Schrank und vice versa. Gerade der tatsächliche Nachweis der Fälschung ist dabei enorm wichtig, da er u.a. für einen späteren Prozess benötigt wird. Ein weitere Unterscheidung stellt der Begriff Unikat dar, der von Original zu trennen ist.
Ein weiteres Segment von Fälschungen betraf Edelsteine und Perlen, die auch zum Teil perfektionert nachgeahmt wurde. In diesem Bereich ist es nur von Bedeutung, ob es sich um ein echten oder falschen Stein handelt. Die Künstlereigenschaft ist daneben zu werten. So kann zwar ein Schmuckstück ein originales Werk eines Künstlers sein, aber wenn verarbeitete Steine als echt ausgegeben wurden, obwohl sie unecht sind, berechtigt dies evtl. zur Rückgängigmachung des Kaufs. in diesem Zusammenhang wird daher auch nicht von Fälschung und Original, sondern von echt oder unecht gesprochen.
Ob ein Original Inhalt eines Kaufvertrages war, oder nicht, bestimmt sich nach verschiedenen Kriterien. Mehr hierzu in dem Abschitt Kunstkauf. mehr.......
3. Eigentum an Kunstwerken:
Kunstwerke besitzen eine Doppelnatur. Diese wird durch die Fusion von körperlichem Gegenstand und geistigem Inhalt gebildet. Der körperliche Gegenstand kann ohne Einschränkung den gesetzlichen Vorschriften des BGB bzgl Eigentum und Besitz unterfallen, wie z.B. der Eigentumsübertragung, der Eigentumsvorbehalt, die Besitzstörung oder Vermischung oder Verbindung. Diese körperliche Seite ist jedoch mit der idellen Seite verbunden, wie die zwei Seiten einer Münze. Die ideele Seite, der geistige Inhalt eines Kunstwerkes, bestimmt sich vielmehr nach den Regeln des Urheberrecht, die für den Künstler von enormer Bedeutung sind [mehr unter den Abschnitt Künstler]. Im Rahmen des Urheberrechts existieren nun vielfältige Recht zum Schutz und zur Verwertung des geistigen Inhalts. So können zwar auch Verwertungsrecht mitverkauft werden, aber ob dies geschehen soll, bleibt immer Bestandteil des individuellen Vertrags. [ein Mustervertrag finden Sie bei Verträgen]. Als unveräußerlicher Bestandteil verbleibt bei dem Künstler und dessen Erben für eine bestimmte Zeit das Urheberpersönlichkeitsrecht. Dieses kann nicht veräußert werden.
Insofern muss man, wenn man den Begriff “Eigentümer” eines Kunstwerkes benutzt, dies sehr differenziert betrachten. Vollständiges Eigentum im Sinne einer absoluten Verfügungsgewalt über das Kunstwerk und dessen körperlichen und ideellen Bestandteilen besteht nur beim Künstler. Zwar erlangt ein späterer Käufer zwar auch Eigentum im Sinne des Gesetzes, aber nicht mehr die vollständige Verfügungsmöglichkeit. Vielmehr müssen auch die Verwertungsrechte mitübertragen werden, soweit dies gesetzlich zulässig und möglich ist. Erst nach Ablauf der Schutzrechte des Urheberrechts, 70 Jahre nach Tod des Künstlers, §§ 64 ff UrhG könnte wieder die vollständige Herrschaft erlangt werden, da ab diesem Zeitpunkt auch die Erben keinen Einfluss mehr auf das Kunstwerk besitzen.
Ungeklärt ist derzeit noch, inwieweit die Allgemeinheit ein Recht an einem Kunstwerk innehat. Interessant ist dabei die Frage, ob ein solches Recht der Verfassung entspräche und wie weit die Reichweite sein könnte. Es stellt sich die Frage, ob man ein historisch wertvolles Stück als Eigentümer mit in das Grab oder mit in die Verbrennungskammer nehmen darf, oder ob es ein Recht der Allgemeinheit, bzw. des Staates an einem Kunstwerk angenommen werden kann. Ist ein Werk von Cranach oder Dürer von solcher Bedeutung für das Selbstverständnis oder das historische Erbe, dass das Eigentum an diesem Werk verfassungsgemäß eingeschränkt werden darf ? Diese ungelöste Frage bleibt bestehen.
Eine Durchbrechung des umfangreichen Rechts auf Eigentum durch Allgemeininteressen geschieht zumindest schon in den Fällen des Denkmalschutzes.Hierbeu wird das Recht eines Hauseigentümers beschränkt, er darf die gesamte Immobilie oder Teile davon nicht abreißen, oder muss bestimmte Verfahren bei der Renovierung beachten und darf nur bestimmte Farben verwenden.
4. Schutz vor Veränderung:
Korrespondierend zu der Frage des Eigentums stellt sich die Frage, ob Kunstwerke vor Veränderung geschützt sind.
Vor einer tatsächlichen Veränderung der physischen Substanz werden Sie durch die Vorschriften des Bürgerlichen Gesetzbuches geschützt. Gemäss § 823 I BGB ist die Integrität von Eigentum zu schützen und bei Beschädigung Schadensersatz zu leisten. Problematisch ist in diesem Zusammenhang, welche Schadensersatzansprüche tatsächlich gewährleistet werden können. Es entsteht die Frage, ob bei einem Kunstwerk eines lebenden Künstlers das Werk durch Zahlung an den Künstler durch diesen wiederhergestellt werden, oder ist es als Unikat verloren und es muss Wertersatz geleistet werden ? Diese sehr interessante Frage tauchte in einem Prozeß eines Kunstwerks von Joseph Beuys auf. Es stellte sich in diesem Prozess die Frage, ob ein Kunstwerk nach seiner Zerstörung durch den noch lebenden Künstler wiederhergestellt werden kann, oder ob es aufgrund der Einzigartigkeit untergegangen sei. Konkret handelte es sich um die berühmte Badewanne, welche durch einen örtlichen Verein, und nicht durch Putzfrauen, gereinigt wurde, um dann darin Bier zu lagern. In der Hoffnung, dem Museum sogar mit der Reinigung einen Gefallen getan zu haben, wurde die Wanne später zurückgestellt. Hinzu kam der Umstand, dass das Kunstwerk nicht gesichert in einer Aservatenkammer stand, sondern frei zugänglich war. Neben den zivilrechtlichen Folgen, wird ein Eigentümer durch die Normen des Strafrechts geschützt, z.B. ist Sachbeschädigung gemäß § 303 StGB strafbar.
Im Rahmen des Urheberrechts besteht gemäß § 14 UrhG ein Schutzrecht. Dieses ist jedoch gemäß § 39 UrhG veränderbar, so dass in diesem Bereich zwar der Künstler geschützt werden kann, nicht jedoch der spätere Eigentümer. Die Rechte des Künstlers auf Schutz werden in dem Abschnitt Künstler dargestellt und erläutert. Mehr unter Künstler...... Insofern sei vorab darauf hingewiesen, dass grundsätzlich ein Urheber / Künstler eine teilweise Veränderung oder Entstellung seines Werkes verbieten kann, auch gegenüber dem Eigentümer des Kunstwerks. Dies ergibt sich aus §§ 14, 97 I UrhG. Ungelöst und umstritten ist die Frage, ob eine totale Zerstörung des Werkes auch verhindert werden kann, oder von dem Urheber in kunstrechtlicher Hinsicht geduldet werden muss. Die letztendliche Beantwortung der Frage hängt essentiell von § 14 UrhG ab. Seine Auslegung und die korrespondierende Rechtsprechung sind letztendlich in einem aktuellen Fall entscheidend.
5. Grenzen der Kunstfreiheit:
“ Kunst und Wissenschaft, Lehre und Forschung sind frei “ lauten die prägnanten Wort des Art. 5 Abs. 3 Satz 1 Grundgesetze. Dabei stellt sich natürlich die Frage, wie “ frei “ ist Kunst denn tatsächlich, gibt es Grenzen oder existiert eine grenzenlose Freiheit ? Hierbei ist davon auszugehen, dass der Staat durch Art. 5 III 1 GG sein Verhältnis zu Kunst und auch die Beziehungen zwischen Kunst und Dritten regeln möchte. Grundsätzlich wird in verfassungsrechtlicher Hinsicht von einem Werkbereich, Bereich der künstlerischen Betätigung, und von einem Wirkbereich, Bereich der Darbietung und Verbreitung des Kunstwerks, gesprochen. Beide Bereiche werden durch das Grundgesetz geschützt. Art. 5 III 1 GG legt dabei den ersten Grundsatz fest, dass der Staat und seine Institutionen grundsätzlich zu Neutralität, Gleichbehandlung und Toleranz gegenüber der Kunst verpflichtet ist. Hieraus ergibt sich auch der Grundsatz, dass Kunst nicht definiert werden kann, weder durch den Staat noch durch Dritte. Der Begriff der Kunst ist stets im Fluss und meist höchst umstritten. Gleichgültig ob es sich um ein Ready-Made-Kunstwerk eines Künstlers handelt, entstanden in Sekunden mit einem alltäglichen Gegenstand, oder die jahrzehntelange Arbeit an einem Elfenbeinkunstwerk eines einzelnen Künstlers, dass, was als Kunst bezeichnet wird, ist Kunst. Man könnte auch hier den Spruch anwenden, dass Kunst im Auge des Betrachters liegt.
Trotz dieser Freiheit der Definition und der Ausübung sind doch der Kunst Grenzen gesetzt. Diese Beschränkungen der Kunstfreiheit können sich aus der Kollision mit den weiteren Grundrechten oder anderen verfassungsrechtlich geschützten Gütern ergeben. Auch wenn Art. 5 III 1 GG nach seinem Wortlaut keine Grenzen kennt, sind gerade die Grenzen durch die Grundrechtskollision eine wichtige und zu beachtenden Tatsache. So entstammen daraus u.a. der Jugendschutz, Persönlichkeitsschutz, die Einschränkungen bei Pornographie, bei Satire, Gewaltverherrlichung und bei der Verunglimpfung Dritter. Diese Grenzen, auch als Zensur oder Verbot von Kunst bezeichnet, müssen jedoch immer abgewogen werden. Diese grundrechtsbezogene Abwägung beinhaltet dabei den Grundsatz, dass die beteiligten Rechte maximal angewandt und minimal eingeschränkt werden sollen, wenn ein Ausgleich angestrebt wird. Dieser Ausgleich darf kein Grundrecht über Gebühr strapazieren und kann auch eine Abstufung enthalten. So müssen z.B. jugendgefährdende Kunstwerke, auch mit pornographischem Inhalt, bei frei zugänglichen Ausstellungen in einem gesonderten Bereich gezeigt werden, zu dem Jugendliche oder Kinder keinen freien Zugriff bekommen. Eine schwächere Form wäre z.B. die Auslegung, dass Kunstwerke, die als sittlich bedenklich eingestuft werden, zwar frei zugänglich gehängt werden, aber vor dem tatsächlichen Zugang eine entsprechende Warnung angebracht wird.
Dies alles zeigt, dass Kunstfreiheit kein feststehender Begriff ist, sondern sich stets wandelt. Auch ist die Freiheit nicht grenzenlos. Die Grenzen müssen aber in der Abwägung des jeweils konkreten Falls bestimmt werden, eine pauschale Einteilung verbietet sich. Die Grenzen könne sich auch im Laufe der zeit verschieben, je nachdem, welche Meinung die Bevölkerung vertritt.
6. Antiquität:
Alte Kunstwerke oder auch Arbeiten des Kunsthandwerks werden im täglichen Geschäft als Antiquität bezeichnet. Hierbei werden an Antiquitäten andere Anforderungen gestellt, als an Werke der Moderne. Zwar ist auch die Provenienz sehr wichtig, sie stellt aber einen eher wertbildenden Faktor dar. Die Frage der Gutgläubigkeit, die speziell im Bereich der Zeitgenössischen Kunst sehr wichtig ist, ist zwar auch wichtig, aber besitzt nicht die gleiche Relevanz. Die Herkunft von vielen Kunstwerken, wenn sie z.B. aus dem 17. Jahrhundert oder früher stammen, kann kaum geklärt werden, im Gegensatz zu der Moderne. Nur wenn es sich um ein Werk aus dem Besitz eines Adeligen oder sogar Königs handeln sollte, wirkt dies stark preiserhöhend.
Dabei stellt sich die Frage, ab wann, und wie lange, man ein Stück als Antiquität bezeichnen muss oder darf. Der Begriff der Antiquität ist als solcher kaum in kunstrechtlicher Hinsicht geregelt. Für die Frage der Haftung aufgrund arglistiger Täuschung oder bei Betrug existiert weder im Zivil- noch im Strafrecht eine positivrechtliche Regelung. Einziger Ansatzpunkt bildet die Steuer. Dabei werden steuerlich Kunstgegenstände, Sammlungsstücke und Antiquitäten begrifflich unterschieden. Antiquitäten sind somit andere Gegenstände als Kunstgegenstände und Sammlungsstücke, die mehr als 100 Jahre alt sind (Position 97.06 des Zolltarifs). Daher wäre ein Ansatzpunkt, alle Gegenstände mit 100 + 1 Jahr als Antiquität zu bezeichnen. Dies entspricht jedoch nicht dem tatsächlichen Gebrauch. So werden auch Stücke des Art Deco und aus den 1930er Jahren zu Recht als Antiquität bezeichnet. Sogar Kunstwerke der 1950er und 1960er Jahre werden vielfach mit dem Begriff antik belegt. Eine exakte Definition des Begriffs kann wohl nicht getroffen werden. Und in gerichtlichen Auseinandersetzungen wird wohl eine sachverständige Abwägung, ob der begriff zu Recht oder zu Unrecht gebraucht wurde, zu treffen sein, die wohl in den verschiedenen Urteilen verschiedener Gerichte sehr unterschiedlich ausfallen wird.
Allgemein könnte man folgende Definition aufstellen:
Eine Antiquität bezeichnet ein Kunstwerk oder eine kunsthandwerkliche Arbeit, deren künstlerische Bedeutung und materieller Wert durch das Alter mitgeprägt wird und nicht allein durch den künstlerischen Inhalt besteht. Eine Prägung durch das Alter kann dabei nach einem Zeitraum von mindestens 50 - 60 Jahren angenommen werden.
Eine Abgrenzung in der Zeitachse in die Vergangenheit muss letztlich noch zu den Werken der Antike gezogen werden. Wann diese Trennung zu erfolgen hat, ist stark umstritten und kann kaum festgelegt werden.