Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Text=WM%202004,%20228
Timestamp: 2020-04-01 08:30:58
Document Index: 383450092

Matched Legal Cases: ['BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 291', '§ 44', '§ 219', '§ 426', '§ 426', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 362', '§ 362', '§ 362', '§ 362', 'BGH', 'BGH', '§ 73', 'BGH', 'BGH', '§ 73', '§ 44', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 426', 'BGH', '§ 667', '§ 681', '§ 667', '§ 2', 'BGH']

BGH, 01.12.2003 - II ZR 202/01 - dejure.org
https://dejure.org/2003,1343
BGH, 01.12.2003 - II ZR 202/01 (https://dejure.org/2003,1343)
BGH, Entscheidung vom 01.12.2003 - II ZR 202/01 (https://dejure.org/2003,1343)
BGH, Entscheidung vom 01. Dezember 2003 - II ZR 202/01 (https://dejure.org/2003,1343)
Tipp: Um den Kurzlink (hier: https://dejure.org/2003,1343) schnell in die Zwischenablage zu kopieren, können Sie die Tastenkombination Alt + R verwenden - auch ohne diesen Bereich zu öffnen.
Steuererstattungsanspruch bei steuerrechtlicher Organschaft mit Ergebnisabführungsvertrag
Anspruch auf Erstattung von Steuern - Vorliegen eines Ergebnisabführungsvertrages - Leistung von Steuern aufgrund eigener Verpflichtungen - Qualifizierung als Vorweg-Gewinnabführung - Gesamtschuldverhältnis zwischen Organgesellschaft und Organträger gegenüber dem ...
Maßgeblichkeit eines Ergebnisabführungsvertrages für Steuererstattungsanspruch des Organträgers gegen Organgesellschaft
Zur Frage eines Steuererstattungsanspruchs des Organträgers gegenüber der Organgesellschaft bei einer Organschaft mit Ergebnisabführungsvertrag
Umfang einer Gewinnabführungsvereinbarung; Ausgleich von Steuerzahlungen für die Organgesellschaft
Steuererstattungsanspruchs des Organträgers
Steuerliche Organschaft: Keine Erstattung nachzuentrichtender Steuern durch die Organgesellschaft
AktG §§ 291, 301; AO § 44 Abs. 1 Satz 1, § 219; BGB § 426
Kein Anspruch eines Organträgers gegen die Organgesellschaft auf Erstattung von Steuernachzahlungen; zur Zulässigkeit von Steuerumlagen im Rahmen eines Ergebnisabführungsvertrags; Umfang der Ergebnisabführung
Organschaft im Innenverhältnis
NJW-RR 2004, 474
ZIP 2004, 164
WM 2004, 228
BB 2004, 175
DB 2004, 241
NZG 2004, 185
b) Umfang und Grenzen eines Ausgleichsanspruchs im Anwendungsbereich des entsprechend heranzuziehenden § 426 Abs. 1 Satz 1 BGB richten sich nach der zivilrechtlichen Ausgestaltung des Innenverhältnisses der am Organkreis Beteiligten (vgl. BGH, Urteil vom 1. Dezember 2003 - II ZR 202/01, ZIP 2004, 164, 165).
Daneben besteht etwa die Möglichkeit der Beeinflussung des Ausgleichs durch einen Unternehmensvertrag (vgl. BGH, Urteil vom 1. Dezember 2003 - II ZR 202/01, ZIP 2004, 164, 165).
Die Vereinigung führt auch dann nicht zum Erlöschen der Schuld, wenn Ausnahmen von diesem Grundsatz mit Rücksicht auf Dritte geboten sind (BGH, Beschl. v. 30. April 1980 - V ZR 56/79, WM 1981, 15, 16;… Urt. v. 14. Juni 1995 aaO; Beschl. v. 27. September 1995 - IV ZR 52/94, ZEV 1995, 453;… Palandt/Grüneberg, BGB 68. Aufl. vor § 362 Rn. 4;… MünchKomm-BGB/Wenzel, 5. Aufl. vor § 362 Rn. 4;… Staudinger/Olzen, BGB, Neubearbeitung 2006, Einleitung vor §§ 362 ff Rn. 25 ff, 29;… Erman/H.P. Westermann/Buck-Heeb, 12. Aufl. vor § 362 Rn. 3; Wolf LMK 2004, 87, 88).
(BGH-Urteile vom 22.10.1992 IX ZR 244/91, BGHZ 120, 50; vom 01.12.2003 II ZR 202/01, DStR 2004, 468; BFH-Beschluss vom 21.12.2004 I R 107/03, BStBl II 2005, 490).
Die Haftungsinanspruchnahme der Klägerin nach § 73 AO beruhte auf der Nichtzahlung der Steuerschulden durch ihre Organträgerin, obwohl diese verpflichtet war, aufgrund des Gewinnabführungsvertrages und aus den erhaltenen Gewinnabführungen die auf die Gewinne der Organgesellschaft entfallenden Steuern zu zahlen (vgl. BGH-Urteile vom 22.10.1992 IX ZR 244/91, BGHZ 120, 50; vom 01.12.2003 II ZR 202/01, DStR 2004, 468; BFH-Beschluss vom 21.12.2004 I R 107/03, BStBl II 2005, 490).
Für das Gegenteil spreche vielmehr der Umstand, dass Ertrag und Kapital der Organgesellschaft in gleicher Weise wie beim Organträger der Gewerbesteuerpflicht --hier entsprechend die Umsätze der Organgesellschaft der Umsatzsteuerpflicht-- unterliegen, dass ein Teil der Steuerschuld, für den die Organgesellschaft gemäß § 73 Satz 1, § 44 Abs. 1 Satz 1 AO mithaftet, also allein in ihrem gewerblichen Bereich entstanden sei (vgl. BGH-Urteil vom 22. Oktober 1992 IX ZR 244/91, BGHZ 120, 50, Neue Juristische Wochenschrift 1993, 585; ferner BGH-Urteil vom 1. Dezember 2003 II ZR 202/01, Deutsches Steuerrecht 2004, 468, m.w.N.; BFH-Urteil in BFHE 226, 391, BStBl II 2010, 215, unter II.3.b aa, m.w.N.).
Infolge des im Jahre 1995 abgeschlossenen Ergebnisabführungsvertrages zwischen der Klägerin zu 1 und dem Beigeladenen und der nachfolgenden Übertragung der Klägerin zu 2 auf den Beigeladenen bestimmten sich Umfang und Grenzen etwaiger Steuererstattungsansprüche des Organträgers gegenüber den Organgesellschaften seitdem --allein-- nach den für den Ergebnisabführungsvertrag geltenden Grundsätzen (vgl. BGH-Urteil vom 1. Dezember 2003 II ZR 202/01, GmbHR 2004, 258).
Die Regelung des § 426 BGB ist nach der Rechtsprechung des BGH (Z 120, 50 = NJW 1993, 585; NJW 1999, 1706 = Z 141, 79; WM 2004, 228) analog anwendbar, wenn es um das Verhältnis zwischen Steuerschuldner und Haftendem geht.
Ein Anspruch der Schuldnerin aus § 667 BGB oder aus § 681 S.2 BGB iVm. § 667 BGB scheitert allerdings, weil die Beklagte als Organträgerin gesetzliche Pflichten aus § 2 Nr. 2 UStG übernommen hatte und damit selbst Steuerschuldnerin bzw. Erstattungsgläubigerin war (vgl. BGH vom 1.12.2003, II ZR 202/03 - ZIP 2004, 164, Rz.4 bei jurisweb).