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Timestamp: 2016-10-26 13:26:19
Document Index: 139596001

Matched Legal Cases: ['BGE', 'Art. 7', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE']

8C_195/2014 � � Urteil vom 12. Juni 2014
Die 1954 geborene, zuletzt im Pflegebereich t�tig gewesene A.________ meldete sich im November 2009 zur Fr�herfassung und im Dezember 2009 zum Leistungsbezug bei der Invalidenversicherung an. Sie machte gesundheitliche Beschwerden nach einem im November 2008 erlittenen Autounfall geltend. Die IV-Stelle Bern gew�hrte Abkl�rung der beruflichen Eingliederungsm�glichkeiten. Sie zog sodann die Akten des f�r den Unfall zust�ndigen Unfallversicherers (worunter zwei polydisziplin�re medizinische Gutachten) bei und holte nebst weiteren Abkl�rungen ein psychiatrisches Gutachten des Dr. med. B.________ vom 2. Januar 2013 ein. Mit Verf�gung vom 28. August 2013 verneinte die Verwaltung einen Leistungsanspruch mit der Begr�ndung, es liege kein invalidisierender Gesundheitsschaden vor.
Die von A.________ hiegegen erhobene Beschwerde wies das Verwaltungsgericht des Kantons Bern mit Entscheid vom 3. Februar 2014 ab.
Mit Beschwerde in �ffentlich-rechtlichen Angelegenheiten l�sst A.________ beantragen, in Aufhebung des vorinstanzlichen Entscheids seien die gesetzlichen IV-Leistungen zu gew�hren; eventuell sei zur Kl�rung bez�glich der gesundheitlichen Einschr�nkungen ein gerichtliches Gutachten einzuholen.
Das kantonale Gericht hat die Bestimmungen und Grunds�tze zu den Begriffen Invalidit�t und Erwerbsunf�higkeit, zur invalidisierenden Wirkung anhaltender somatoformer Schmerzst�rungen und anderer unklarer Beschwerdebilder, zum Anspruch auf eine Invalidenrente (mit dem hief�r erforderlichen Invalidit�tsgrad von mindestens 40 %), zur Aufgabe von Arzt oder �rztin bei der Invalidit�tsbemessung sowie zu den Anforderungen an beweiswertige �rztliche Berichte und Gutachten zutreffend dargelegt. Darauf wird verwiesen.
Die Vorinstanz hat zun�chst erkannt, nach Lage der medizinischen Akten seien die geklagten Beschwerden nicht mit einem organisch fassbaren Substrat erkl�rbar. Diese Beurteilung wird in der Beschwerde nicht in Frage gestellt. Auch die beantragten Abkl�rungen sind offensichtlich nicht auf den Nachweis einer organischen Ursache der Beschwerden gerichtet. Es besteht kein Anlass zu diesbez�glichen Weiterungen.
Streitig und zu pr�fen ist, ob ein invalidisierendes psychisches Leiden vorliegt.
4.1.�Das kantonale Gericht hat gest�tzt auf das psychiatrische Gutachten B.________ vom 2. Januar 2013 auf folgende Diagnosen geschlossen: Dissoziative St�rung, gemischt (Amnesie), St�rung der Bewegung und der Sinnesempfindung, Krampfanf�lle (ICD-10: F44.7); rezidivierende depressive St�rung, gegenw�rtig mittelgradige Episode (ICD-10: F33.1); anhaltende somatoforme Schmerzst�rung (ICD-10: F45.4). Es hat sodann erwogen, zwar gehe der Experte davon aus, die Arbeitsf�higkeit werde durch die dissoziative St�rung eingeschr�nkt. Diese St�rung wie auch die Schmerzst�rung seien aber im Lichte der Rechtsprechung zu solchen Leiden nicht als invalidisierend zu betrachten.
4.2.�Nach der erw�hnten Rechtsprechung gilt eine anhaltende somatoforme Schmerzst�rung grunds�tzlich als mit zumutbarer Willensanstrengung �berwindbar und vermag daher keine lang dauernde, zu einer Invalidit�t f�hrende Einschr�nkung der Arbeitsf�higkeit zu begr�nden. Nur ausnahmsweise, unter bestimmten Voraussetzungen, ist von der Unzumutbarkeit einer willentlichen Schmerz�berwindung und eines Wiedereinstiegs in den Arbeitsprozess auszugehen. Ob ein solcher Ausnahmefall vorliegt, entscheidet sich im Einzelfall anhand verschiedener Kriterien (BGE 130 V 352 und seitherige Entscheide). Diese sog. �berwindbarkeitsrechtsprechung findet auch bei anderen unklaren Beschwerdebildern Anwendung (vgl. Art. 7 Abs. 2 ATSG; BGE 140 V 8 E. 2.2.1.3 S. 13 f.; 139 V 547 E. 2.2 S. 550, je mit Hinweisen). Die hier diagnostizierte dissoziative St�rung z�hlt zu diesen unklaren Beschwerdebildern (Urteil 8C_311/2013 vom 2. Dezember 2013 E. 4; vgl. auch BGE 139 V 346 E. 2 mit Hinweisen).
Kognitionsrechtlich gilt Folgendes: Im Rahmen der Invalidit�tsbemessung betrifft die Feststellung des Gesundheitsschadens, d.h. die Befunderhebung und die gest�tzt darauf gestellte Diagnose, ebenso eine Tatfrage wie die aufgrund von medizinischen Untersuchungen gerichtlich festgestellte Arbeitsunf�higkeit (BGE 132 V 393 E. 3.2 S. 398). Zu diesen vom Bundesgericht nur eingeschr�nkt �berpr�fbaren Tatsachenfeststellungen z�hlt auch, ob eine anhaltende somatoforme Schmerzst�rung (oder ein damit vergleichbarer syndromaler Zustand) vorliegt, und bejahendenfalls, ob eine psychische Komorbidit�t oder weitere Umst�nde gegeben sind, welche die Schmerzbew�ltigung behindern. Als Rechtsfrage frei �berpr�fbar ist, ob eine festgestellte psychische Komorbidit�t hinreichend erheblich ist und ob einzelne oder mehrere der festgestellten weiteren Kriterien in gen�gender Intensit�t und Konstanz vorliegen, um gesamthaft den Schluss auf eine nicht mit zumutbarer Willensanstrengung �berwindbare Schmerzst�rung und somit auf eine invalidisierende Gesundheitssch�digung zu gestatten (BGE 137 V 64 E. 1.2 S. 66 ff. mit Hinweis). Die Beantwortung dieser Rechtsfrage obliegt nicht den Arztpersonen, sondern den rechtsanwendenden Beh�rden (Urteil 9C_302/2012 vom 13. August 2012 E. 4.2.2, nicht publ. in: BGE 138 V 339, aber in: SVR 2012 IV Nr. 56 S. 200). Es k�nnen sich daher Konstellationen ergeben, bei welchen von der im medizinischen Gutachten festgestellten Arbeitsunf�higkeit abzuweichen ist, ohne dass dieses seinen Beweiswert verl�re (SVR 2013 IV Nr. 9 S. 21, 8C_842/2011 E. 4.2.2; vgl. auch BGE 130 V 352 E. 3 S. 356).
4.3.�Die Beschwerdef�hrerin macht geltend, gem�ss dem behandelnden Psychiater Dr. med. C.________ liege eine schwere depressive Episode vor. Diese stelle eine eigenst�ndige psychische Erkrankung dar, welche die �berwindbarkeit ausschliesse. Zudem habe die Vorinstanz die Diagnose einer posttraumatischen Belastungsst�rung zu Unrecht verworfen.
Das kantonale Gericht hat gest�tzt auf eine einl�ssliche W�rdigung der medizinischen Akten ausgef�hrt, weshalb es f�r den massgeblichen Zeitraum bis zum Erlass der streitigen Verwaltungsverf�gung nebst der dissoziativen St�rung und der Schmerzst�rung eine mittelgradige und nicht eine schwere depressive Episode f�r gegeben erachtet und weshalb es eine posttraumatische Belastungsst�rung verneint. Es hat dabei namentlich auch dargelegt, weshalb es diagnostisch auf das Gutachten B.________ abstellt und sich durch andere Arztberichte, namentlich auch die des behandelnden Arztes, zu keiner anderen Beurteilung veranlasst sieht. Diese Sachverhaltsfeststellungen sind nicht offensichtlich unrichtig oder in anderer Weise rechtswidrig. Das gilt insbesondere auch im Lichte der Rechtsprechung, wonach Berichte der behandelnden �rzte wegen deren auftragsrechtlichen Vertrauensstellung zum Patienten mit Vorbehalt zu w�rdigen sind. Das betrifft den allgemein praktizierenden Hausarzt wie den behandelnden Spezialarzt und erst recht den schmerztherapeutisch t�tigen Arzt mit seinem besonderen Vertrauensverh�ltnis und dem Erfordernis, den geklagten Schmerz zun�chst bedingungslos zu akzeptieren (vgl. BGE 135 V 465 E. 4.5 S. 470 f.; SVR 2008 IV Nr. 2 S. 3, I 697/05 E. 4.2; aus j�ngster Zeit: Urteil 8C_98/2014 vom 7. Mai 2014 E. 3.1).
Entgegen der in der Beschwerde vertretenen Auffassung hat die Vorinstanz ihre Beurteilung auch gen�gend begr�ndet. Die diesbez�glich ge�usserte R�ge einer Verletzung des Anspruchs auf rechtliches Geh�r ist nicht stichhaltig. Gleiches gilt f�r den Einwand, der Untersuchungsgrundsatz sei nicht eingehalten worden. Das kantonale Gericht hat in nicht zu beanstandender antizipierter Beweisw�rdigung von weiteren Abkl�rungen abgesehen. Dass eine medizinische Beweiserg�nzung einen entscheidrelevanten neuen Aufschluss erwarten liesse, ergibt sich entgegen der in der Beschwerde vertretenen Auffassung auch nicht aus dem Umstand, dass nach dem Unfall vom November 2008 u.a. eine HWS-Distorsion diagnostiziert wurde. Ger�gt wird weiter, die Anforderungen an die Gutachterauswahl bei mono- und polydisziplin�ren Expertisen seien nicht eingehalten worden. Es wird aber nicht dargelegt und ist auch nicht ersichtlich, welche Verfahrensvorschriften hier verletzt worden sein sollen. Daran �ndert auch der - nicht weiter begr�ndete - Hinweis auf das Urteil 9C_207/2012 vom 3. Juli 2013 (publ. in: BGE 139 V 349) nichts.
4.4.�Nach der Rechtsprechung werden leicht-mittelgradige Episoden einer Depression und selbst mittelgradige depressive Episoden regelm�ssig nicht als von depressiven Verstimmungszust�nden klar unterscheidbare andauernde Depression im Sinne eines verselbstst�ndigten Gesundheitsschadens betrachtet, die es der betroffenen Person verunm�glichte, die Folgen der bestehenden Schmerzproblematik zu �berwinden. Daran �ndert nichts, wenn die depressive Episode vor dem Hintergrund einer rezidivierenden depressiven St�rung diagnostiziert worden ist (Urteile 8C_581/2013 vom 10. Dezember 2013 E. 4.2; 8C_213/2012 vom 13. April 2013 E. 3.2, je mit Hinweisen). Dies hat das kantonale Gericht zutreffend erkannt und wird von der Beschwerdef�hrerin nicht in Frage gestellt.
In �berzeugender W�rdigung der Sach- und Rechtslage hat die Vorinstanz sodann dargelegt, weshalb sie die weiteren massgeblichen Kriterien (vgl. BGE 130 V 352 E. 2.2.3 S. 354 f.) als nicht gen�gend erf�llt beurteilt, um die unklaren Beschwerden als un�berwindbar zu betrachten. Was die Versicherte einwendet, rechtfertigt keine andere Betrachtungsweise. Die Behandlung der einzelnen Kriterien im angefochtenen Entscheid ist allen Teilen nachvollziehbar. Sie ist namentlich auch gen�gend konkret und ausreichend begr�ndet. Das gilt auch hinsichtlich der von der Versicherten erw�hnten Kriterien des sozialen R�ckzugs und des prim�ren Krankheitsgewinnes sowie bez�glich der vorinstanzlichen Auseinandersetzung mit dem Gesichtspunkt psychosozialer Belastungsfaktoren. Es wird nicht dargetan und ist nicht ersichtlich, inwiefern es sich diesbez�glich anders verhalten soll, als vom kantonalen Gericht angenommen. Sodann hat die Vorinstanz entgegen der in der Beschwerde vertretenen Auffassung zutreffend erkannt und gew�rdigt, dass lange Zeit keine ad�quate medizinische Behandlung stattgefunden hat und der psychiatrische Experte von weiteren medizinischen Massnahmen keine Verbesserung der Arbeitsf�higkeit erwartet.
4.5.�Nach dem Gesagten wurde ein Rentenanspruch zu Recht mangels einer invalidisierenden Gesundheitssch�digung verneint. Das f�hrt zur Abweisung der Beschwerde.
Soweit eine Weiterf�hrung beruflicher Massnahmen angesprochen wird, hat es mit der - bereits in der Verwaltungsverf�gung vom 27. August 2013 getroffenen - Feststellung sein Bewenden, dass sich die Versicherte nach Lage der Akten ausserstande sieht, einer Erwerbst�tigkeit nachzugehen. Sollte sich diesbez�glich etwas �ndern, kann eine erneute Anmeldung f�r solche Massnahmen erfolgen.