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Timestamp: 2020-06-05 13:51:25
Document Index: 28297641

Matched Legal Cases: ['Art. 12', '§8', '§8', 'Art. 17', 'Art. 19', 'Art, 24', 'Art, 29']

1876 / 117 p. 4 (Deutscher Reichsanzeiger, Thu, 18 May 1876 18:00:01 GMT)
1876 / 117 p. 4 (Deutscher Reichsanzeiger, Thu, 18 May 1876 18:00:01 GMT) scan diff
nehmen gelähmt sein sollte, vermag ich nicht einzusehen, da ihre Salirlibilen Interessen sie dahin führen mössen, sih den Verkchr aus dem Osien zuzuführen, während, wenn diese Bahn in die Hände des Staates gelangt, allerdings eine gewisse Schädigung der Thüringer Bahn nicht ausgeschlossen erscheint. I
Ich gebe auf die bei dieser Gelegenheit gemachten politischen Ausführungen und Seitenblicke niht ein, ih „wiederhole aber: die Konkurrenz würde, gerade winn das zur Ausführung käme, was der Hr. Abg. Berger beaktsichtigt, nämlich bei dem Ankauf, dahin führen, die Stellung der Königlihen Staatsregierung zu einer ungünstigen zu machen, sie würde dahin führen, die NVortheile dieses Vertrages auf das sclagendste ins rechte Licht zu stellen. Nun hat der Hr. Abg. B.rger zur Vertbeidigung seines Standpunktes, wona ein Ankauf erfolgen müsse, darauf hingewiesen, daß das ethishe Moment für ihn ein wesentlich bestimmendes sei. Gewiß dieses ethishe Moment wird auch das Haus zu berüisitigeu haben. Jh frage aber, wie in aller Welt ist man in dcr Lage, das ethishe Moment zu berück- sictigen, wenn man kauft, und nicht zu berüdsichtigen, wenn man eine Zinsgarantie gewährt. Gerade, wenn man in der Lage sein sollte, cinen Kaufpreis zu gewähren, glaube ich, würde der Herr Abgeordnete mit feinen cthischen Grundsäßen eher in Konflikt gelangen, als bei demjenigen Wege, welchen die Staatsregierung ÎIbn.n vorschlägt. - Denn im Falle des Kaufes wür- den die Börfenspekulationcn gerade denjenigen zum Vortheil gereichen, von denen man noch am meisten annehmen könnte, daß fiè zum Theil bei Gründung des Unternehmens betheiligt g:wesen sind. Ich kann nur wicderholen: einem Ankauf wird fih ftets die Schwierigkeit entgegenstellen, daß die Regiernng entweder gezwungen is, auf Rechnung der Steuerzahler viel zu viel :u bezahlen, oder daß das Geschäft zum Nachtheil des Landes überhaupt nicht zu Stande fommt und fich al3 unausführbar erweist. Beide Eventualitäten find keincéwegs willkommen, wir möchten beide Wege gern vermeiden.
Ich kaun aus diesen und denjenigen Gründen, wie fie in der früheren Diskussion autgeführt sind, nur empfehlen, die Vorlage der Königlichen Staatsregierung anzunehmen. :
Ich bin indessen genöthigt noch mit einigen Worten auf verschie- dene Bemerkungen des Hrn, Abg. von Tempelhof zurückzukommen.
Meine Herren, der Herr Äbgeordnete hat Jhuen einerseits cine Reihe von Schreckbildern vorgeführt; er hat ausgesprochen, daß, wenn Sie die Vorlage arnehmen, dies nur g-\{hehen würde, um einigen großen Geldinstituten, die bei der Sache betheiligt seien, zu
ülfe zu kommen. Er verwahrt sh dann aber auf der andern Seite zuglei gegen die Richtigkeit seinex Behauptungen in der Weise, daß erx nur davon spriht, es s{wirrten dunkle Ge- rüchte, die Staatsgarantie sei auf unsaubere Geschäfte ausgedehnt; man sprehe im Publifum über dieses und jenes, Wenn ab-r nun solche dunkle Gerüchte {chweben, so glaube ich, war der Herr Aktgeordnete niht in der Lage, mit der Bestimmtheit (die er andererseits annahm), dieses hohe Haus zu warnen, ciner Voi:lage die Zustimmung zu gewähren, welche nur gewissen Ge!d- und Bankinstituten zu Hülfe kommen sollte, die zudem, wie er sagte, sogar zum Rubm des vorliegenden Unterrehmens beigetragen hätten. Ich glaube, es wäre dann ric;tiger gewesen, von dies en dur klen Gerüchten zu s{weigen, denn, wenn er keinen Nach- weis für solche Gerüchte zu führen vermag, .odcr nicht weuigstens an- nähirud enige Momente zu ihrer Unterstüßung beizubringen in der Lage ist, so können „dies in der That nur Behaup- tungen sein, die absolut und völlig in der Luft schweben. Ich habe ihn bei dieser Gelegenheit vielleicht niht ganz rictig verstanden, aber ich glaubte zu bôren, daß er sich zu der Angabe her- beiließ, es wäre das Bestreben sowohl des Kommissionsberichtes wie der Regierungsvorlage, Alles mit Nebel zu umhüllen. Jch kann nicht annehmen, daß der Herr Abgeordnete damit hat autiprechen wollen, daß cs die Absicht der Kommission oder die Absicht der Königlichen Staatsregierung sei, Etwas, was sie dem Haufe mittheilen mußte, absichtlich zu verhehlen, denn in diesem Falle würde ich glauben, daß der verehrte Herr Abgeordnete wohl einer Censur des Herrn Prä- fidenten und zwar mit vollem Rechte unterlegen haben würde. Wenn diese Censur nicht auêgesprochen ist, so muß ich annehmen, daß ih mich in dem, was ich zu hören glaubte, geirrt habe.
Der Herr Abgeordnete wies endlich am Eingang seiner Rede darauf hin, daß ihm die Einsicht der Akten der Untersuchungs- fommission verweigert worden sei. Jh darf das bestätigen. Jch hate mi allerdings nicht für ermächtigt angesehen, diese Akten vor- zulegen, und zwar aus dem einfachen Grunde, weil die Untersuchungs- kommission selbst fih darüber {lüssig gemacht hat, wel@en Bericht sie an die Regierung und demnächst an die Däuser des Landtages ge- langen lassen wollte. Wenn“indessen dieser Vorgang bei dem Einen oder Anderen zu der Auffassung führen möchte, als wenn etwa be- züglich der Prioritäts-Obligationen der Halle-Scrau-Gubener Bahn in den Akten der Untersuhungskommission besondere Thatsachen koun- statirt, und daß vielleicht aus diesem Grunde die Akten voreathalten seien, so kann ih meinestheils erklären, daß eine der- artige Auffassung absolut unzutreffend sein würde. Die Versagung der Einsicht ift lediglich aus formellen Gründen erfolgt. Im Uebri- gen hat die Regierung nach dieser Seite hin der Oeffentlichkeit nichts vorzuenthalten und ebeusowenig dem hohen Hause.
Meine Herren! Jch habe geglaubt, zur Vermeidung von Miß- verständnissen diese zusäßlihen Bemerkungen meines Theils noch machen zu follen und bitte wiederholt, die Vorlage anzunehmen.
Nach einem kurzen Schlußworte des Referenten Abg. Stengel wurde
__S. 1, Der Halle-Sorau Gubener Eisenbahngesellschaft wird
die Garantie des Staates für die Verzinsung der von ihr in Ge-
mäßheit der Privilegien vom 18, November 1871 und 17. Juli unxd 7, August 1872 aufgenommenen Aulcihen in Höhe von zusim men 6,910,000 Thaler = 20,730,000 4, sowie einer noch aufzu- nehmenden Anleihe bis auf Höhe von 9,(00,0C0 A nach Maßgabe des beigedruckten, unterm 7. Juli 1875 mit der Gefellschaft abge-
{chlofsenen Vertrages hiermit und zwar in der Art bewilligt, daß
die Konvertirnng der Schuldverschreibungen der aufgenommenen
Anleihen, sobald es die Staatsregierung verlangt, und unter den _ don der leßteren festzustellenden Bedingungen zu bewirken ist. in namentlicher Abstimmung mit 197 gegen 157 Stimmen an- genommen. Die 88. 2 und 3 wurden ohne Debatte genehmigt. Dieselben lauten:
S. 2, Die Entscheidungen des Handels-Ministers über Erinne- rungen des Aufsichtêraths gegen die Rechrungen (8: 4 des Vertrags) find der Ober-Rechnungékammer mitzutheilen. Leßtere hat dieselben nach Maßgabe des Geseßes vom 27. März 1872 zu prüfen und die dabei fih ergebenden Bemerkungen dem Landtag vorzulegen.
_§. 3. Mit der Ausführung dieses Geseßes werden der Finanz- Minister und der Minister für Handel, Gewerbe und öffentliche Arbeiten beauftragt.
Schluß 3} Uhr.
Staat und Kirche. V, (Vergl. Nr. 93 d. Bl.)
Die ultramontane Bewegung hat \ich in jüngster Zeit auch den orientalischen Angelegenheiten zugewendet. Die eSt. Petersb. Wedomosti“ lenkt die Aufmerksamkeit auf die polnish-jesuitische Agitation in dieser Rihtung. Das Blatt sagt, die polnisde Propaganda habe fih mit den Jesuiten vereinigt und Nom zum Centrum ihrer Thätigkeit gewählt. Es sei der polnishen Propaganda die Idee aufgetauht, daß der
egenwärtige Moment höchft günstig sei, ihre 3wecke zu ver- olgen und mit Benugzung der orientalisen Wirren fih an die Spige der Bewegung zu stellen, Die polnischen Träumereien
seen wieder aufgelebt; der Ton ihrer Organe sei provozirend geworden. Besonders zeihne sich in dieser Beziehung der „Dziennik Polski* aus, dessen Konstantinopeler Korrespondent offen die Meinung ausgesprochen habe, daß die Polen die orien- talishen Wirren zur Wiederherstellung ihrer politishen Selbsto ständigkeit benußen müßten. i:
Der klerikalen Partei in England hat die Umwandlung des Fort Auguftus in der schottischen Grafschaft Inverneß zu einem Benediktinerkloster große Freude bereitet. Ihre Blätter forderten zu Spenden auf, - frohlockten über die Ausficht auf Wiedereinführung des Mönchthums in Schott- land nach dreihundertjähriger Verbannung, und sagten die Wiederherstellung aller alten Benediktiner-Abteien, etwa 30 an Zahl, voraus. Fort Auguftus, im Iahre 1729 erbaut, diente seit dem Krimkriege keinen militärischen Zwecken mehr. Im Jahre 1867 erkaufte es der seitdem verstorbene Lord Lovat von der Regierung, wie die „Tablet“ (ein katholisches Blatt) vom 23. April angiebt, \{chon damals mit der Absicht, es in ein Kloster umzuwandeln. Lord Lovats Wunsch ist nach feinem Tode zur Ausführung gekommen. Die englishe Benediktiner- Kongregation hat das Fort als Geschenk von dem Lord ange- nommen und in seinen Mauern soll nun das \chottishe Bene diftiner-Kollegium, welhe+ vor langer Zeit zuleßt in Regens» burg zu Haufe war, neu aufgerichtet werden.
Anderseits haben englische Geistlihe u:.d Laien an Dr. von Döllinger und die anderen Urheber der Bonner Altkatho- liken-Konferenz eine Dankadresse gerichtet, welche der „Pall Mall Gazette“ zufolge bis zum 25. April die Unter- schriften von 3620 Geistlihen und 4093 Laien erhalten hatte. Die Zahl der Bischöfe, welche die Adresse unterzeichneten, betrug 33. ;
Bemerkenswerth is ein Artikel, welhen vor Kurzem die „Times? über den neuesten Hirtenbrief des Kardinals Cullen enthält. Es äußere sich in dem lezteren Unzufrieden- heit mit Allem, was bis jegt für die Erziehung in Irland geschehen ist, und es werde zugleih der Rath ertheilt, daß kein Berbefserungsplan angenommen werden dürfe, durch welchen nicht dem Kardinal Cullen und seinen Untergebenen absolute Gewalt in die Hände gegeben würde. Das jegt in Irland ein- geführte System des Elementarunterrihts flößt dem Kardinal die ernstesten Besorgnisse ein; es könne durch dasselbe kirliches Unheil ane&äftet werden. Eben fo unzufrieden ist der Kardinal mit der Universitätsausbildung. Die Katholiken müßten eine gute Universität für fih haben, obglei die dafür erfordeclihen Mittel natürlich aus protestantishen Quellen beschafft werden müssen. Kein Plan dürfe angenommen werden, der den Katholiken nit eine wahrhaft katholishe Ausbildung fihert, oder, wie diese Worte in dem Hirtenbriefe später erklärt werden, der die katho- lishe Hierarchie nicht als den alleinigen Inbegriff aller geistigen Wahrheit für Irland anerkennt und ihr niht die Mat verleiht, alle die Lehren auszuschließen, welhe in irgend einer Weise in Widerspruch zu ihren eigenen stehen.
Mit der Schweiz hat der Vatikan in der Angelegenheit des Bischofs Mermillod neuerdings gütlihe Ausgleihung gesucht. Den „Ital. Nahr.“ vom 19, April zufolge wäre im Vatikan beshlofsen worden, daß Monsfiguor Mermillod von der Grenze des Kantons Genf aus vermittel| eines Unterhändlers mit der Schweizer Regierung wegen seiner HKiückehr in seine Diözese Verhandlungen pflegen solle und gäbe man si der Hoffnung hin, daß es ihm bald gestattet sein werde, nah Genf zurückzu- kehren. In seiner Sitzung vom 28, April hat der schweizer Bundesrath zu der Errichtung eines Bisthums auf Grund der Bestimmungen der Verfafsung der christkatholishen Kirhe der Schweiz die Genehmigung ertheilt.
In Italien zeigte neuerdings von einer Seite der Klerus eine versöhnliche- Stämmung gegen die ftaatlihe Gesehgebung. Aus Oriftano, auf der Insel Sardinien, wird unterm 10. d. M. berichtet, daß die dort versammelten Bischöfe und Erzbischöfe Sardiniens einftimmig bes{chlossen, ihre Pfarrer anzuweisen, keine kirchlihe Trauung vorzunehmen, bevor die vom Civilkfodex vorgeschriebenen Bestimmungen erfüllt find. Dagegen enthält die Erwiderungsrede des Papstes auf die Glückwünsche, die ihm von den römischen Patriziern am 12. April übermittelt wurden, wieder scharfen Tadel gegen die Regierung. Es heißt darin u. A. „Die Jahre ver- gehen und mit ihnen wickeln fich auch Ereignisse ab, die bald \{chmerzliche Empfindungen wachtufen, Perfidie gegen die Kirche Jesu Christi erfüllt find Diese (oberen Beamten der gegenwärtigen Regierung) möchten den Statthalter Christi zum Schweigen verdammen, damit er ja aufhô:e, die Wahrheit zu verkünden; sie wenden zu diesem Be- hufe alle verfügbaren Mittel an, vor allen die Verhin- derung dcr Erziehung der Jugend; fie weihen vor keinem Hinderniß, Anrglist, Gewaltthat, widerrechiliGhe Eingriffe, dieses Alles sind ihnen nur zweckentsprehende Hülfsmittel. Ebenso wie sie stockende Sümpfe an vielen Punkten der Haupt- stadt entstehen lassen, welche die Atmosphäre mit \{ädlichen Miaëmen \{chwängern, so verschließen sie auch die Kloaken der Jmmoralität, der Irrlehre und der Kezerei niht, damit sie die Seelen vergiften Ia! die Zeit wird kommen, wo ihre ruhlosen Pläne, von Gott werden verfluht und zunichte ge- macht werden, Beschleunigen wir das Eintreten dieses gnädigen Augenblicks durch Gebet, durch Geduld und Beharrlichkeit“.
Die Verhandlungen zwischen der päpstlihen Kurie und der spanischen Regierung wegen des Artikels 11 des neuen spanishen Verfassungse1.twurfs, betreffend die Religionsfreiheit, wurden suspendirt. Spanien hatte ih den „Jtal. Nachr.“ vom 17. April zufolge zur Annahme des Konkordats vom Jahre 1851 mit Ausnahme des die Glaubenseinheit betreffenden Artikels bereit erklärt und erwartete wegen Wiederaufnahme der Verhandlungen neue Vorschläge der Kurie. Der Papst hatte an den König Alfons ein Schrei- ben gerihtet und denselben darin an sein Versprechen wegen Aufrechterhaltung der Glaubenseinheit und des Konkor- dates erinnert, Hierauf hatte der König in einem Briefe a: den Papst geantwortet, in dem er mit dem Hinweise darauf, daß Spanien katholish sei, die Befürhtungen der katholishen Welt wegen des die Religionsfreiheit betreffenden Verfassungsartikels zurückweist. Dieser Artikel fiände zu dem keineswegs in irgend welhem Widerspruch mit dem Geiste des Konkordats vom Jahre 1851. Der genannte Artikel 11 des Verfassungsentwurfes wurde dann in der Cortes-Sißzung vom 12. d. M, mit 220 gegen 84 Stimmen angenommen.
Am heftigsten erscheint das Auftreten der vatikanischen Partei in Frankreih. Am 18. April begannen in Paris in öffent- liher Sihung die Arbeiten des Kongresses der katholischen Ausschüsse. Diese Ausshüsse wurden nah dem Kriege zu dem Zweck gebildet, die katholishen Interessen zu vertheidigen und dur alle möglihen Mittel der Kirhe und dem Papste die frühere Machtstelung in und außer Frankreih wieder zurück-
bald von Büberei und j
Von den neun “ Aus\{chü}ssen beschäftigt \fich der vierte mit dem Unterricht, der fünfte mit der Verbreitung der „guten“ Zeitungen, den Mitteln, ihnen Abonnenten und Anzeigen zu verschaffen, und mit der Gründung und der Verbreitung wohlfeiler Blätter, „um die Ordnung und die Re- ligion zu verbreiten“, der s\echste mit der katholischen Staats- óöfonomie. Die Sizung war sehr zahlreih besucht. Unter den Anwesenden befanden sih viele Generäle und andere höhere Offi- ziere, sowie eine Anzahl von Damen. Der. Ehren-Präsident Kardinal-Erzbischof Guibert führte den Vorsiß und ergriff das Wort, um zu zeigen, auf welchen Zweck die Anstrengungen des- Kongresses abzielen müßten, Am Schlusse seiner Rede kommt die Stelle vor: „Man muß es unseren Gegnern überlassen, \ih- zu entehren und seien Sie überzeugt, sie werden niht ermangeln, es zu thun. Sie entchren fih, indem fie uns außerhalb des- gemeinen Rechts stellen, Sie werden uns die Freiheit zurück- nehmen, aber nicht dabei stehen bleiben, weil es in dem Uebel wie in dexr Gerehtigkeit eine Logik giebt. Nah den Beschimpfungen werden wahrscheinlih die Gewaltthätigkeiten folgen, dann wird der Kampf kommen, und uns der Sieg an- gehören“. Der Papst hat dem Erzbischof ausdrücklih seine Zu- friedenheit mit dieser Rede bezeugt. In der zweiten Sizung, vom 19. April erstattete Louis Milcent, Auditor im Staatsrath über die fkathslishen Gesellenvereine, Bericht, und suchte darzu- thun, daß die Kirche alle Arbeiter in ihre Hand bringen müsse ; er erließ zugleich einen Aufruf an die Arbeitgeber, damit diesel- ben das „Werk“ dadur begünstigen, daß sie den Arbeitern, diz zu derselben gehören, den Vorzug gäben. In der folgenden Sizung sagte der Bischof von Nimes: „wer weiß, ob wir nicht in einem Jahr ein Geseg Über den Universitätéunterriht haben werden, das besser ift, als das Wenige, was man uns gegeben, und das man uns acht Monate, nachdem wir diese unerhoffte Konzesfion erhalten, wieder nehmen will,“ Wäßrend sona die Klerikalen auf einen glücklihen Wechsel warten, suchten ihre Blätter nah Bundesgenossen ; das „Univers“ forderte die Iren auf, ihre „Reformen“ durchzusezgen und brachte einen anderen Artikel über die „Christenverfolgungen“ in Nußland und Polen. Am 22. April fand die Shlußsizung des katholischen Kongresses statt. Dieselbe begann mit einem Vortrage eines Fabrikanten, in welhem derselbe sagte, „der Syllabus sei das einzige Heil- mittel gegen die jezigen Uebel“; dann wurden drei Anträge gegen das neue Unterrihtsgeseyz einftimwig angenommen und demnächst kam die Frage wegen vermehrten Einflusses der Klerikalen auf die Armee zur Sprache. Das „Journal des Débats“ \chloß einen Artikel. über die Sißungen des katholischen Kongresses mit den Worten: „Wie weit sind wir doch von der Zeit entfernt, wo der erste der französischen Bischöfe Bossuet ¿er Kirche den gesunden Menschenverstand als den Herrn der Welt empfahl.“ Die „Republique française“ macht, in Folge der Verhandlungen der katholishen Aus\hüsse, auf die fortwährende Gefahr aufmerksam, welhe in der Orga- nisation des Katholiziómus für die europäishen Staaten liege; die Erfahrungen der leßten Jahre hätten hinlänglih gelehrt, wie gefährlich und kompromittirend für die einheitlihe Leitung des Staates das Beftelzen eines Papfithums fei, das von Rom aus dem Gewissen sein Losungswort ertheile und zwar nicht blos über religiöse Dinge, sondern auch über die politischen Ange- legenheiten,
Besonders erbittert zeigen fh die Klerikalen gegen den Unterrihts-Minister Waddington. Derselbe hatte am 922. April in der Sorbonne eine Rede gehalten, in welcher die Worte vorkamen: die Regierung werde die Robe des Professors fo hoh achten, wie die Soutane des Priesters; deswegen griffen ihn die
| klerikalen Blätter mit Heftigkeit an, das „Univers“ kündigte sogar
den nahen Untergang der Republik an und brachte dann den Wortlaut der Bittschrift, welche die katholishen „Familienväter“ an die Deputirtenkammer und den Senat gegen den von Waddington vorgelegten Gesetzentwurf, betreffs Abänderung des- Unterrihhtsgesezes richteten. Die Bittschriften gegen die Voriage wurden in den Pfarreien kolportirt und zur Unterschrift vor- gelegt und zu Gunsten der „Universitätsfreiheit“ in der Kapelle „Vom heiligen Herzen Jesu“ Gebete gelesen.
Die Verhandlung in der Untersuchung über die Wahl des Grafen de Mun bot manche Einzelheiten über die Organisation, die Verbreitung und die Propagandamittel der klerikalen Aus\{hü}se. So war bei dieser Untersuhung auch von der geheimen fklerikalen Gesellschaft Iésus Roi vielfa die Rede. Bewiesen wurde, der „Köln, Zeit.“ zufolge, daß diese Gesellschaft, sowie faft alle an- deren fklerikalen Verbindungen, mit dem Auslande in engem Verkehr stehen. Die ultramontanen Blätter deuteten verschiedent=- lih darauf hin, als wenn ihnen ein europäischer Krieg erwünscht wäre. So wies die „Union“ vom 28. April mit großer Genug- thuung auf die Türkei hin, mit der es jezt zu Ende gehe; und am 29, brachte der „Univers“ eine Betrachtung über die orien- talishe Frage und die Stellung Oesterreihs zu derselben und \{loß: „Wie man sieht, fing das Zündhölzchen Feuer, warten wir jt die Feuersbrunst ab!“
Auch- die andere Hemisphäre hat ihren Konflikt mit Rom. Die Regierung der \südamerikanishen Republik Vene- zuela lebt seit längerer Zeit mit dem dortigen Erzbischof in Streit; die Regierung verlangte in Folge dessen die Abdikation des Erzbischofs. In der Botschaft, welche der Präsident am 24. März im Kongreß verlas, spriht er sih" über diese Angelegenheit u. A. folgendermaßen aus: „Die erzbishöflihe Frage können wir der nächsten Regierung nicht ungelöst überlassen, ohne fie oder die nationale Sache Gefahren auszuseßen. Man ließ mich wissen, daß Se. Heiligkeit den Verziht des Hrn. Guevara (der Name des Erzbischofs) erwirken werde, und während ih von Augenblick zu Augenblick diescs Resultat erwartete, um Ihnen diese genug- thuende Lösung mitzutheilen, war das, was ich erhielt, nur cine Note, in welcher Alles auf zwei Monate weiter hinausgeshoben
Und von nun an werde ich bestimmt sein und als Regel aufstellen, daß, wenn von Rom nicht die angebotene Lösung in der übereingekommenen Weise fommt, wir die Zukunft \{üßen durch ein Geseß, welches die venezolanishe Kirhe unabhängig macht vom römischen Bischof und vorschreibt, daß die Pfarrer von den Gläubigen gewählt werden, die Bischöfe von den Pfarrern, und vom Kon- greß der Erzbishof. So war die Regel der von Jesus und seinen Jüngern gegründeten Kirche in den ersten und glorreihsten wie fruchtbarften Jahrhunderten des Christenthums, und zu wel- cher diejenigen Völker sh wenden werden, die wahrhaft glauben, wenn die Erhaliung ihrer Souveränetätsprärogative dies gebie- terish fordert.“
Neichstags - Angelegenheiten, Berlin, 18, Mai. Jn der vorgestrigen Sißung der Just iz- Kommission des Reichstages wurden die Titel: „Richteramt ® — „Gerichtébarkeit*" des Gerichtêyerfafsungsgeseßes im Wesentlichen
nach den Beschlüssen der erften Lesung angenommen. Dem Titel über das Richteramt, welcher vollständig von der Kommission dem Entwurfe des Gerichtsverfassungsgeseßes eingefügt worden, wurde noch auf den Antrag des Abg. von Puttkamer eine Bestimmung ein- gefügt, nach welcher die landesgeseßlihen Bestimmungen über die Befähigung zur zeitweiligen Wahrnehmung richterlicher Geschäfte un- berührt bleiben. Von den abgelehnten Anträgen verdienen folgende, welche zum Theil vorautsichtlich auch in der Plenarberathung des Reichstages über die Justizgeseze erörtert werden dürften, hervorgehoben zu wer- den: Zu H. 6 des Titels Über daz Richteramt beantragte der Abg. De, Gneist, die Fähigkeit zum Richteramt von einer fiebenjährigen wissen- schaftlihen und dienstlichen Vorbereitung (nach dem Kommissions- beschluß soll eine sechéjährige genügen) abhängig zu machen. Ferner soll die wissenshaftlihe Vorbereitung durch ein mindeftens dreijähriges Rechtsstudium auf einer deutschen Universität (nach dem Kommissions- beschluß genügt ein 14jähriges Studium auf einer deutschen Univer- sität) bedingt sein. Die Bestimmungen über die Ernennung, Ver- schung, Abseßung der Richter (§§. €— i) beantragte Abg. Miquel zu ftreien. Für die Annahme diejes Antrages traten auch die Bundes- kommissare ein, speziell aber der bayerische Vertreter, welcher betonte, daß in Bayern die bestehenden bezüglichen Bestimmungen über das Richteramt nicht nur geseßlich, sondern sogor verfassung2m äßig scien und deren Aufklebung eine Verfassungéänderung iuvolvire und mit hohen thatsächliden Schwierigkeiten verknüpft sei. Die Kommission lehnte jedoch den Antrag Miquels ab, Ferner beaniragte Abgeordneter Miquel zu dem Titel über die Gerichtebarkeit: die in der Regie- rungsvorlage als besondere Gerichte zugelafsenen Gemeindegerichte, Forst- und Feldrügegericte und Polizeirügegerihte für Uebertretungen die von der Kommission in exster Lesung gestrichen worden, wieder herzustellen. Dieser Antrag wurde gleihfalls abgelehnt.
In der gestrigen Sißung der Justizkommission des Reichstages wurden folgende wesentlihe Beschlüsse gefaßt: 1) den Antrag: die Komypetenz der Ämtegerichte bei Klagen über vermögenörechiliche An- sprüche von 300 M. auf 500 M auszudehnen — abzulehzen; 2) Be- rufung gegen Entscheidungen der Schöffeugerichte zuzul. fen und das Berufung®gericht mit 5 Richtern zu beseßen; 3) die Berufung gegen \höffengerichiliche Urtheile dem Angeklagten und dem Staatsanwalt gleichmäßig einzuräumen; 4) Revifion gegen die Urtheile der Be- ru fungsinstanz in s{öfengerihtlihen Sachen nicht zuzulassen ; 5) dur Anordnung der Landeëjustizverwaltung können bei Amtsgerichten Straffammern zur Aburt-lung (im Gegeasaß zu den Beschlußkam- mern) von Vergehen gebildet werden und deren Bescßung aus Ämts- richtern oder Mitgliedern des Landgerichtes exfolgen.
Der von der XI1. Koamission des Hauses der Abgeordneten erstattete Bericht über den Entwurf eines Gesetzes, betreffend die Zuständigkeit der Verwaltungs- und Verwaltungs- gerichtésbehörden im Geltuugsbereih der Provinzial- ordnung vom 29. Juni 1875 liegt jeßt gedruckt vor. Dem Be- rit ist eine Tabille über die Mittheilung der Kompeteaz an die verschiedenen Verwaltungsbehörden beigefügt.
-— Die Kommission d“s Abgeordnetenhauses zur Vorberathung des Gesehentwurfs über die Provinz Berlin hat am Dienstag Abend diese Vorberathung in erfter Lesung beeuvdet. Von den Beschlüssen der Kommission während der beiden leßten Sitzungen heben wir folgende hervor: Au Stelle des Art. 12 §8. 10—12 der Regierungs- vorlage treten im Wefentlichen folgende Bestimmungen: „Dem R L ARIC Ai 7 LRNEE
% A Juserate für den Deutschen Reichs- u. Kgl. Preuß. Staats-Anzeiger, das Certral-Handelsregifter und das Deftflatt nimmt ant: die Königliche Expedition
des Dentschen Rei)s-Anzeigers mud Köziglichz
Steckbriefe und Untersnchzngs-Sachen, Subhastationen, Aufgebote, Vorladungen u. dergiì,
Provinzialaus\{usse können zur Miiwirkung bei Erledigung der Ge- \châfte der gesammten oder einzelnen Zweige der kommunalen Pro- vinzialverwaltung obere Beamte mit berathender Stimme zugeordnet werden, welche vom Provinziallandtage gewählt werden. Der Provinzial- aus\{chuß vertritt den Provinzialverbaud nah Außen, insbesondere auch in Prozessen und in den zur Zuständigkeit der Verwaltungégerichte ge- böôrenden streitigen Verwaltungssahen. Die nach §8. 92 und 103 der Provinzial.Orduung dem Landesdirektor obliegenden Funktionen find von dem Provinziai-Ausschusse wahrzunehmen. — .Der Voisißende des Provinzialaus\{chusses leitet und beauffichtigt den gesaumten Gang der Verwaltung des Proviuzial-Verbaudes; er vertheilt die Geschäfte unter die Mitglieder des Auischufses und zeihnet die Sthriftstücke. In den Fällen der F§FF. 31, 56, 91, 94 und 98 der Previnzialordnung tritt an die Stelle des Landesdirektors der Vor- sißende des Provinzialausschusses.* In Bezichung auf die Zusammenseßung des Berliner Provinzial-Rathes hat die Kom- mission folgende Bestimmung dem Entwurf einzufügen be- \chlossen: „Der Provinzial Rath besteht aus dem Ober-Präsidenten, bezw. dessen Stellvertreter, aus einem vom Minister des Innern auf die Dauer seines Hauptamts am Siße des Ober-Präsidenten er- naunten héheren Verwaltungsbeamten, welcher die Befähigung zum Nichteramte besißt, bezw. dessen Steilvertrceter und fünf Mitgliedern bezw. deren Stellvertretern, welche von dem Provinuziallandtage und dem Provinzialausscusse in gemeinschaftliher Sißung unter Leitung des Vor-
sihenden des Provinzialausschusses auf 6 Jahre gewählt werden. * — Jn
Art. 17 des Entwurfs wurde der Saß eingefügt: „Der Polizci-Präsident von Berlin ift die Landeépolizei-Behörde der Provinz Berlin.“ — Zu Art. 19 wurde hinzugefügt, daß die Angelegenheiten der jüdishen Sy- nagogengemeinde, die bi2ßer zum Geschäftökr:zife des Polizei-Präsi- denten gehörten, dem Ober-Präsidenten ron Berlin überwiesen wer- den. — Art, 24 des Entwurfs, welcher die Feststellung der Geschw0o- renenlisten dem Polizei-Präsidenten zuweist, wurde dahin abgeändert, daß diese Feststellung dem Ober-Präsidenten zustehen soll. —. Art, 29 des Entwurfes, welcher den Erlaß der zur Organisation der allgemeinen Landeëverwaltung in der Provinz Berlin erforder- lichen weiteren Bestimmungen, insbesondere auch in Bezug auf die Militärersatzaushebung, das Etats-, Kassen- und Rechrungéwesen, \o- wie auf die Verwaltung der anderweiten Steuern, Domänen und Forsten Köuiglicer Verorduung vorbebält — wurde von der Kom- mission verworfen und dafür die Bestimmung eingefügt: „Der Erlaß der in Bezug auf die Einrichtung eines Amtsblattes erforderlichen Bestimmungen bleibi Königlicher Verordnung vorbehalten,“
Getöerbe und Handel.
Avf dea Saarbräücker Staatswerken hatte vom An- fange ticses Jahres bis Mitte Februar audauernd scharfe Kälte die Nachfrage nah Saarkohle im Eisenbahn- und Landabsaße wäh- rend dieser Zeit sehr lebhaft erhalten. KAuderecseits mußte in Folge des Froftes und des nach Aufhören desselben eingetcetenen Hoch- wassers die Kohlenzerladung zu Wasser auf ein Minimum beschränkt bleiben. Unter diesen Umständen find zwar ungewöhnlich große Koßblenverräthe in den Hafenmagazinen zu Louisenthal und Malstait angehäuft, dieselben gabeu indessen nach den Erfahrungen der Vorjabre zu Besorgnissen keine Veranlaffung. Zun Voraussicht der regelmäßig im Frühjahr jeden Jahres eintretenden Geschäftsftille, im Kohlenabsaß haben die im Wesentlichen feit dem 1. Juli 1875 unverändert gebliebenen laufenden Kohlenpreise im Saar- und Kanaldebite vom 25. Februar und im Cisenbahndebite vom 1. März ab auf allen Gruben eine
Grosshangel,
5, Inêustrielle Etsblissements, Fabriken nund
6, Verschiedene BekauntuackungsE,
| Herabseßung um durchschnittlich 4 bis 6 S pio Ctr. erfahren. Diese
Pre¿isermäßigung in Verbindung mit der wieder mözlih gewordenen Benußung der Wasserstraße wird im Stande sein, über dig Schwie- rigkeiten der Flaue hinwegzuhelfen und den Absaß erheblich zu stei- gern. Die Kohlenförderung der fiskalishen Gruben tin den erften Monaten des laufenden Jahres übertrifft ziemlih bedeutend diejenige des entsprebenden Zeitraumes im Borjahre und mußte zeitweise mit Rückficht auf die Absaßzverhältnisse etwas zurückgehalten werden.
— Dem Rechenschaftsberihte der Magdeburger Lebens- Versicherungs-Gesell schaft entnehmen wir, daß bei der Lebens- und Begräbniß-Versicherung im Jahre 1875 3157 Anträge auf 9,259,044 Æ Versicherungssumme gestellt uud aus dem Vorjahre über- nommen wurden, von welchein Betrage 2404 Anträge auf 6,636,380 M Aunahme fanden. Der Versicherungsbestand der Kapital- Versicherung belief sich am 31. Dezember 1874 auf 29,707 Policen über 51,459,171 6 Versicherungssumme und hob sich auf 32,111 Policen über 58,/95,901 5 Versicherungssumme. Von desen Versicherungen waren Ende 1875 ein Versicherungébestand ven 30,206 Poelicen mit eiaer Versicherunzssummne von 53,895,434 ( gegen eine Jahreéprämie Spra é. und eine einmalige Zahlung von 9688 4 vor-
Zu dem bei der Aussteuer-Versicherung am 31. Dezember 1874 vorhandenen Versicherungsbestande vou 67 Policen über 1,170,534 Æ& Versicherungssumme trat im Jahre 1875 ein Zugang yon 152 Policen über 257,726 M Versiherungssumme, so taß am 31, Dezember 1875 819 Policen über 1,428,260 M6 Versichecungs- summe gegen eine einmalige Prämienzahlung vcn 4177 A und zur Jahrcêprämie von 60,313 4 vorhanden waren. Der Bestand der Kinderversorgungskasse betrug ult, 1875 769 Policen über 1188 Antheile mit einem Vermögen von 198,592 A Von den ult. 1875 vorhandenen 46 Personen der Renten-Versicherung beziehen 22 eine Rente von zusammen 19,368 /6, während 6547 M. für 24 Personen den aufgeshobenen Renten angehören.
__— Nach dem Rechenschaftsbericht des Eifenwerks Carls- hütte in Braunschweig wurde im Jahre 1875 ein Bruttogewinn von 197,963 F. erzielt, wogegen die Generalfosten die Summe von 86,110 A betrugen. Die Abschreibungen betragen in®gesammt 21,412 Æ Beide Summen vom Bruttogewinn in Absatz gebracht ergiebt einen Reingewinn von 90,441 #4, welher wie folgt vertheilt werden soll: Reservefonds 4364 M, 5/9 den Aktionären 37,500 M, den Beamten 4542 4, dem Aufsichtsrath 4542 4M, 39%, Superdivt- dende 22,500 4, Rejerve für Delkreder:konto 8000, Ertra-Abtrag drs Priorität-Eraissionékontos 8000 #6, Uebertrag auf 1876 992 M.
D Le Mail (W. D B) De Bohemta" zurolge hat die Negierung mit der Direktion der Prag-Durer Eisenbahn unter Vorbehalt der Genehmigung des Reichsrathes einen Vertrag abges{lossen, nach welchem sie der Prag-Durer Eisenbahngesellschaft zum Ausbau der Strecke Bruex-Mulde ein mit 59/4 verzinsliches und in 24 halbjährlihen Quoten zurückzuzahl:ndes Darlehen von einer Million Gulden unter der Bedingung gewährt, daß diesem Darlehen in den Grundbüchern das Vorgangsrecht vor den Prioritäten der ersten und der zweiten Emission eingeräumt wird.
Stockholm, 9. Mai. Am 2. ist der \chwedische Jadu- strielle Gustav Ekmann im Alter von 72 Jahren gestorben, Dersclbe war Mitglied der Akademie der Wissenschaften und der landwirthschaftlichen Akademie; zeitweilig auch Mitglied der Ersten Kammer des Reichstages. Ekmann hat sih große Verdienste um die \{chwedische Eisenindustrie erworben, welche ihm mehrere wichtige Erfindungen und Verbesserungen zu verdanken hat.
Oeffentlicher Anzeiger. [zu c55xa ema wmn!
Bureau der deutschen Zeitungen zu Berlin, Mohrenstraße Nr. 45, die Annoncex-Exrpeditionen des rInvalidendank“, Rudolf Mosse, Haaseuitein & Bogler, G. L. Daube & Co., E. Schlotte, WVüttuer & Winter, sowie alle übrigen größeren
Preaßischea Staats-Anzeigers: Beriiu, ®. 7, Silhelm-Siraße Nr. 32. BA Subhastationen, Wufgebote, Vor- ladungen u. dergl.
Bekanutmachung des Bersteigerungs - Termins, tothwendiger Verkauf.
adlige Rittergut Neu-Gaerte,
zu dem das Gut Priebisch gehört, in dessen Grund- buchblatt der Rittergutsbesißer Dr. Bethel Heury Strousberg zu Berlin als Eigenthümer eingetragen ift, welches als Gesammtmaaß der der Grundftcuer unterliegenden Flächen 172 Hektaren 71 Aren 60 D] Meter und 578 Hektaren 22 Aren 40 D Meter enthält und zur Grundsteuer mit 707,62 Thlr. und 1647,28 Thaler Reinertrag, zur Gebäudefteuer mit 138 A und 483 # Nußzungs-
werth ve: anlagt ift, soll Zwecks Zwangsvollstreckung !
am 6. September 1826, Bormittags 10 Uhr, an dexr Gerichtëstelle hierselbst (Zimmer Nr. 15) in nothwendiger Subßastation versteigert werden.
Kuszüge aus der Sieuerrolle, beglaubigte Ab- schcift des Grundbuchblatts, sonstige dieses Rittergut vetreffende Nachweisungen und etwaige besondere Kaufbedingungen können in unserem Bureau III. eingesehen werden,
Alle Diejenigen, welche Eigenthums- oder ander- weite, zur Wirksamkeit gegen Dritte der Eintragung in das Grundbuch bedürfende, aber nicht ein- getragene Realrechte geltend zu machen haben, werden aufgefordert, dieselben zur Vermeidung der Prä- flufion spätestens im WVersteigerungs-Termine an- zumelden
Das Urtheil über die Ertheilung des Zuschlages soll im Termin
am 7. September 1876, Mittags 12 Uhr, an felbiger Stelle verkündet werden.
Lisa, din 15, Mai 1876.
Königliches Kreisgericht. Der Subhastations Richter.
[4255] Oeffentliche tit In Sachen des Kaufmauns Au Süderstapel, jeyt deen FIMALIRE wider den Kaufmann Adolph Marohn aus Berlin, Verklagten, betr, 1343 Thlr. 273 Gr., hat Klägerin u, a. eine rechtsfkräftige Forderung von noch 1507 M 54 -Z nebst 6°/ p. a. fort- laufenden Zinsen seit dem 28. Febr. d. J. Es wurde deêwegen die Mobiliarexekution verfügt, diese konnte jedo nicht vollstreckt werden, da Verklagter weder an scinem bisherigen Wohnort, noh sonft zu
ermitteln war. ;
Auf ferneres Anhalten der Klägerin wird nunmehr dem Verklagten Adolph Marohn aus Berlin hierdurch aufgegeben, binnen 6 Wochen nach der leßten Bekanntmachung dieses Dekrets zweckdienliche Mittel zur Befriedigung der Klägerin wegen obiger Forderung nebst sämmtlichen Kosten oder sonstige
fe Sinn in e, Klägerin,
3. Verkäufe, Verpachtungen, Submaiesionen Cts, , ,
Verloesung, Arortisatieon, Zinszahlung v, 8, W, vex öffentlichen Papieren,
i zur Abwendung des Konkurses geeignete Mittel nach-
zuweisen, widrigenfalls auf weiteren Antrag das hier vorhandene Vermögen desselben fkonkurêmäßig vertheilt werden wird.
Etwaige fernere Dekrete in der obigen Sache werden dem p. Marohn, falls dieser fine Adresse bier nicht angezeigt, künftig nur durch 14 tägigen Auéhang an hiesiger Gerichte ftelle behändigt werden,
Itzehoe, den 11, Mai 1876.
Dienstag, den 8. August cr, von 9 Uhr Boxrmittags ab sollen hierselbst cirea 120 Ge-
stütpferde, bestehend aus Landbeschälern, Mutter«- ; \tuten (meistens bedcckt), 4 jährigen Hengsten, Stu- :
ten und jüngeren Fohlen, meiflbietend gegen Baarzahlung verkauft werden, Sämmtliche 4 äh-
rigen und äiteren Pferde sind mehr oder weniger !
geritten. Die zu verkaufenden Pfe:de werden am
7. Auguft von 7 bis 10 Uhr Morgens geritten, so- ; wie am 6. und 7. August Nachmittags von 3 bis
6 Uhr auf Wuns an der Hand gezeigt. Für Per- sonenbeförderung zu den bezüglichen Zügen vom und zum Bahnhofe wird am 6., 7. urd 8. Augüst ge- sorgt sein. Trakehuen, den 9. Mai 1876.
Der Landstallmeister v. Dassel,
Wt aua /AA Tai 1 7 Berlin-Auhaltische Eisenbahn} Bekanntmachung.
Die Lieferung von 25,000 Ctr. Bessemer- Stahl-Schieneu für das Jahr 1877 foll im Wege óffentliher Submission vergeben werden. i
Die Bedingungen liegen im Bureau, Askanischer Plaß Nr. 7, 1. Treppe, zur Einficht aus und wer- den daselbst anch gegen 1,5 4. Kopialien für jedes Exemplar abgegeben. :
Die Offerten sind, äußerlich entsprechend bezeichnet, an den Upterzeichneten bis zum ; 9, JIuui cr,, Mittags 12 Uhr, : einzureihen und wird deren Eröffaung alsdann in S der etwa erschienenen Submittenten statt-
Berlin, den 16. Mai 1876.
Der Ober-Ingenieur. Wiedenfeld.
Submission. Es soll das in den Artillerie-Depots zu Glogau, Breélau, *ieifse, Cosel und Glaß lagernde alte Gußeisen in Voll- und Hob!kugeln und fonstiger Eisenmunition 2c, Schmiedeeisen
[, Literarischs AnzeigeE, 3, Theater-Arzeigen.
Q } In âder Eirsen- 9, Familien-Nachrichten, /
loco Artillerie Depot resp. Lagerplaß im Wege der ffentlichen Submission verkauft werden. Hierzu ift
| in Achsen, Radereifen, Beschlägen, Gewehrlänufen 2c., den 27, Iuni 1876,
ein Termin auf Dienstag,
Vormittags 107 Uhr, im Bureau des unterzeict- :
neten Artillerie-Depots (im Bischofhofe) anberaumt, zu welchem Kauflafiige hiermit eingeladen werden. Die Bedingungen 2c. können im diesseitigen Bureau währz:nd der Dienststunden eingehen werden, auch werden diesel-en auf Verlangen gegen Erstaitung der Kopialien in Abschrift mitzetbeilt. Neisse, den 13. Mai 1876. Artilleric-Depat.
[4296] Befanntmackchung,
Die Lieferung von 19 Sophas uud 40 |
Lambrequins für die Garnifon-Lazarethe im Be- rei des 2. Armee: Corps foll dem Mindestfordern- den übergeben werden, wozu eiz unbeschränkter Sub- missions-Termin zu Freitag, den 26. Viai cr., Vormittags 10 Uhÿyr, im diesseitigen Geschäfts- lokal, Hintercoßzarten Ir, 32/33, anberaumt ist, : woselbst auch die Bedingungen zur Einsicht auslie- gen. Die versiegelten Offerten müssen vor dem Ter- min an genanutes Geschäftslokal eingereiht werden. Königsberg, den 9, Mai 1876. l Königliches Garnison-Lazareth. | Königlihe Saarbrüdcker Eiseu=ahn, i [4286] Neubvan der Fis&zbackchbahn, j Das Erdarbeitenloos IV. einsc{ließlih der Maurer- i und Zimmerarbeiten für die darin vorkommenden j Bauwerke, veranschlagt auf rund 104,009 Æ, soll submittirt werden. Offerten versiegelt und portofrei mit entsprechender
4233]
Bom "1 Juni
herigen Zahlstellen der Coupons, und zwar:
Bogen zu den betreffenden Obligationen. Warschau, den 10. Mai 1876.
Aunoucen-Burxeazus. S
Aufschrift an wmaich bis zu dem in meinem Geschäfts- lokal (Zimmer 40 des hiesigen Eisenbahnverwalturgs- Gebäudes) Moutag, den 12. Inni d, I., li Uhr Vossnittags, abzuhaltenden Termin. E Bedingungen sind in demselben Gescäftslokalk ecin- zuseheu und zu kaufen. (à Cto, 184/5.) St, Iohaun a. d. Saar, den 15, Mai 1876, Dousselle, Eisenbahn-Banmeister.
Der Neubau eines Garuison-Gefäuguisses in
Meg, veranschlagt zu
281.000 Fark, fofl in General-Entreprise in sffentlicher Submission vergeben werden, wozu ein Termin auf Sounabeud, den 27. Mai cr., Vormittags 11 Uhr, im Bureau der unterzeichneten Verwaltung anbe- raumt ift,
Die Offerten auf Stempelpapier sind versiegelt, portofrei und mit entsprechender Aufschrift verfehen, bis zur Terminsstunde an uns einzusenden.
Die Submittenten müssen die zum Betriebe cines größeren Geschäfts erforderlihen Mittel befißen und Zeugnisse hierüber, sowie über ihre Qualifikation
: bis zum Submissionstermine hierher einreichen.
Die Kosten-Auschläge, Zeichnungen, Bedingungen 2. liegen im Bureau der uaterzeihneten, sowie in dem der Kaiserlichen Verwaltung der Garnifon-Bauten zur Einsicht aus.
Met, den 12. Mai 1876, (à Cto. 167/5.)
Kaiserliche Garnison-Verwaltuug.
Warfschau-Terespoler Eisenbahn-Gesellschaft. 1876 ab werden neue Couponê-Bogen zu d¿n Obligationen der War’cl,au- Terespoler Eisenbahn: Gesellschaft verabfolgt. Die Ausgabe dieser Coupons-Bogen erfolgt bei den big-
in Warschau — blei der Gesellshafts-Hauptkasse, Mazowieckx-Straze Nr. 18, in St. Petersburg — bei der Filiale der Warschauer Commerz-Bank, in Mosfau — bei der Privat-Handels-Bank, in Riga — bei Herren Heimann & Zimmermann, in Wilua — bei Herren S. H. Heirzann & Comp, in Berlin — bei Herren Wendelssohn & Comp., bei der Disconto-Gesellscaft L und bei der Filiale der Mitteldeutschen Credit-Bank, in Hamburg — bei Herren L. Behrens & Söhne, 2 in Frankfurt a,/M. — bei Herrn M. A. von Rothschild & Söhne, in Brüssel — bei Herren Brugmanu Fils, S in Faris — bei Herren Gebrüder von Rothschild, : in London — bei Herren N. M. von Rothschild & Söhne.
Behufs Erlangung dec neuea Coupons-Bogen haben die Obligationen-Junhakter ihre Obligationen nebst Talons bei ciner der obigen Zahlstellen zu hinterlegen, und werden ibnen spätestens binnen 14 Tagen daselbst die neuen Couponé-Bogen unter Rückzabe der deponirten Stücke kostenfrei ausgehändigt. De Talcns werden von der Geellschaft zurückbehalten als Beleg für die erfolgte Ausgabe der neuen Coupons-
Der Verwaltungs-Nath.