Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Text=NJW%201988,%202599
Timestamp: 2020-03-30 04:35:57
Document Index: 150357820

Matched Legal Cases: ['BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 123', '§ 138', 'BGH', '§ 123', '§ 123', '§ 123', 'BGH', '§ 123', 'BGH', '§ 123', '§ 138', 'BGH', '§ 123', '§ 138', 'BGH', '§ 123', '§ 138', 'BGH', 'BGH', '§ 123', 'BGH', 'BGH', '§ 123', 'BGH', '§ 123', 'BGH', '§ 123', '§ 138', '§ 123', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH']

BGH, 07.06.1988 - IX ZR 245/86 - dejure.org
https://dejure.org/1988,149
BGH, 07.06.1988 - IX ZR 245/86 (https://dejure.org/1988,149)
BGH, Entscheidung vom 07.06.1988 - IX ZR 245/86 (https://dejure.org/1988,149)
BGH, Entscheidung vom 07. Juni 1988 - IX ZR 245/86 (https://dejure.org/1988,149)
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Keine Anfechtung einer Bürgschaftserklärung wegen Ausnutzen der Furcht vor Strafanzeige gegen nahen Angehörigen
BGB § 123 Abs. 1, § 138 Abs. 1, Abs. 2
Seelische Zwangslage - Rechtsgeschäft - Bürgschaft - Widerrechtliche Drohung - Anfechtung - Sittenwidrigkeit - Nichtigkeit
NJW 1988, 2599
NJW-RR 1988, 1321 (Ls.)
ZIP 1988, 1469
MDR 1988, 956
WM 1988, 1156
BB 1988, 1549
Eine Willenserklärung, die lediglich unter Ausnutzung einer bestehenden Zwangslage veranlasst worden ist, kann nicht wegen widerrechtlicher Drohung angefochten werden (BGH 7. Juni 1988 - IX ZR 245/86 - zu I 2 der Gründe, AP BGB § 123 Nr. 33).
Die rechtsgeschäftliche Entscheidungsfreiheit des Einzelnen wird dagegen nicht allgemein gegen jede Art von Beeinträchtigung durch eine Zwangslage geschützt (BAG 16. Februar 1983 - 7 AZR 134/81 - zu I 5 der Gründe, AP BGB § 123 Nr. 22 = EzA BGB § 123 Nr. 21; BGH 7. Juni 1988 - IX ZR 245/86 - aaO).
Es hat nicht ausreichend berücksichtigt, dass die Drohung iSv. § 123 BGB nicht ausdrücklich ausgesprochen zu werden braucht, sondern versteckt oder durch schlüssiges Verhalten erfolgen kann (BGH 7. Juni 1988 - IX ZR 245/86 - zu I 1 a der Gründe, AP BGB § 123 Nr. 33).
Zwar könnte ein etwaiger Zeitdruck im Rahmen der Gesamtwürdigung nach § 138 Abs. 1 BGB zuungunsten der Klägerin berücksichtigt werden; er genügt jedoch für sich noch nicht, um den Vorwurf der Sittenwidrigkeit zu begründen (vgl. etwa BGH 7. Juni 1988 - IX ZR 245/86 - zu II 5 b der Gründe) .
Eine - widerrechtliche - Drohung macht jedoch ein Rechtsgeschäft lediglich nach § 123 BGB anfechtbar; nach § 138 Abs. 1 BGB nichtig ist es nur dann, wenn besondere Umstände hinzukommen, die das Geschäft nach seinem Gesamtcharakter als sittenwidrig erscheinen lassen (BGH, Urt. v. 7. Juni 1988 - IX ZR 245/86, WM 1988, 1156, 1158 f;… vgl. auch Urt. v. 23. Februar 1995 - IX ZR 29/94, WM 1995, 1064, 1068 und v. 26. September 1995 - XI ZR 159/94, WM 1995, 1950, 1951 zur arglistigen Täuschung).
Eine - widerrechtliche - Drohung macht ein Rechtsgeschäft lediglich nach § 123 BGB anfechtbar; nach § 138 Abs. 1 BGB nichtig ist es nur dann, wenn besondere Umstände hinzukommen, die das Geschäft nach seinem Gesamtcharakter als sittenwidrig erscheinen lassen (BGH, Urteil vom 7. Juni 1988 - IX ZR 245/86, WM 1988, 1156, 1158 f;… vom 17. Januar 2008 - III ZR 239/06, NJW 2008, 982 Rn. 11; vgl. auch Urteil vom 23. Februar 1995 - IX ZR 29/94, WM 1995, 1064, 1068 und vom 26. September 1995 - XI ZR 159/94, WM 1995, 1950 f zur arglistigen Täuschung).
Bei der Würdigung des Gesamtcharakters eines Rechtsgeschäftes ist aber auch die Art und Weise seines Zustandekommens mit zu berücksichtigen (BGH 7. Juni 1988 - IX ZR 245/86 - AP BGB § 123 Nr. 33).
Ob die fehlende Kenntnis des Klägers davon, dass der zum Pflichtverteidiger bestellte Beklagte auch ohne den Abschluss der Honorarvereinbarung zu weiterer Verteidigung verpflichtet war, eine Zwangslage begründet und ob weitere besondere Umstände hinzutreten, die das Geschäft nach seinem aus der Zusammenfassung von Inhalt, Zweck und Beweggrund zu entnehmenden Gesamtcharakter als verwerflich erscheinen lassen (vgl. BGH, Urteil vom 7. Juni 1988 - IX ZR 245/86, NJW 1988, 2599), ist eine Frage des Einzelfalls.
Das bloße Ausnützen einer seelischen Zwangslage stellt dagegen noch keine Drohung dar (vgl. BGH 7. Juni 1988 - IX ZR 245/86 - AP BGB § 123 Nr. 33; BAG 9. März 1995 - 2 AZR 644/94 - NZA 1996, 875).
Dies hat das Revisionsgericht anhand des vom Berufungsgericht festgestellten Sachverhalts selbst zu beurteilen (BGH Urt. vom 7. Juni 1988 - IX ZR 245/86, WM 1988, 1156, 1158).
Die rechtsgeschäftliche Entscheidungsfreiheit des Einzelnen wird nicht allgemein gegen jede Art von Beeinträchtigung durch eine Zwangslage geschützt, sondern nur gegen die rechtswidrige Beeinflussung durch arglistige Täuschung und widerrechtliche Drohung (BAG Urteil vom 16. Februar 1983 - 7 AZR 134/81 - AP Nr. 22 zu § 123 BGB; BGH Urteil vom 7. Juni 1988 - IX ZR 245/86 - AP Nr. 33 zu § 123 BGB).
Zwar ist § 138 Abs. 1 BGB neben § 123 BGB anwendbar (BGH Urteil vom 7. Juni 1988 - IX ZR 245/86 - AP, aaO; ebenso schon RGZ 112, 226, 229).
BGH, 19.01.1989 - IX ZR 124/88
Bürgschaftsverpflichtung eines nahen Angehörigen des Kreditnehmers; Prüfung der …
Sittenwidrigkeit einer Vereinbarung im Hinblick auf psychische Zwangslage; …
BGH, 10.10.1997 - V ZR 74/96
Wirksamkeit einer unter Ausschaltung des Rechtsanwalts einer Vertragspartei …
BGH, 12.07.1995 - XII ZR 95/93
Widerrechtliche Drohung durch Verweigerung des Abschlusses eines wirtschaftlich …
BGH, 22.11.1995 - XII ZR 227/94
Anfechtung eines Ehe- und Erbvertrages wegen Vortäuschung eines …
BGH, 02.02.2000 - RiZ(R) 3/99
VG Düsseldorf, 30.03.2009 - 11 K 7540/08
Entlassung Verzicht Widerruf Anfechtung Drohung
LAG Niedersachsen, 15.11.1994 - 13 Sa 1219/94
Aufhebungsvertrag nach Annahme unter Abwesenden; Gesamtzeit bis zum Eingang der …
LSG Bayern, 16.07.2003 - L 12 KA 149/02
Streitigkeit über die Rückzahlung von Honorar im Zusammenhang mit einer …
LAG Hamburg, 04.11.2002 - 4 Sa 62/02
Rechtswirksamkeit einer Eigenkündigung ; Vorliegen einer arglistigen Täuschung …