Source: https://blog.burhoff.de/2011/08/die-revision-versaeumt-es/
Timestamp: 2019-01-23 03:12:44
Document Index: 20489320

Matched Legal Cases: ['BGH', 'BGH', '§ 344', '§ 344', 'BGH', 'BGH', '§ 344', 'BGH']

Die Revision versäumt es,… – Burhoff online Blog
Die Revision versäumt es,…
das liest man als Verteidiger in Zusammenhang mit einer Verfahrensrüge nicht gern, musste aber der Verteidiger lesen, der die Revision eingelegt und begründet hat, die dann zum Beschl. des BGH v. 25. Mai 2011 – 4 StR 87/11, führt.
Gerügt worden ist in einem Verfahren, in dem der Angeklagte wegen sexueller Nötigung verurteilt worden ist, mit der Verfahrensrüge die Ablehnung von Beweisanträgen auf Einholung eines psychiatrischen Sachverständigengutachtens hinsichtlich der Nebenklägerin sowie eines aussagepsychologischen Gutachtens zur Glaubhaftigkeit der Bekundungen der Nebenklägerin. Dazu der BGH:
“Die Verfahrensrüge, mit welcher die Ablehnung von Beweisanträgen auf Einholung eines psychiatrischen Sachverständigengutachtens hinsichtlich der Nebenklägerin sowie eines aussagepsychologischen Gutachtens zur Glaubhaftigkeit der Bekundungen der Nebenklägerin beanstandet wird, ist nicht zulässig erhoben (§ 344 Abs. 2 Satz 2 StPO). Zur Begründung seines Beweisbegehrens hat sich der Verteidiger des Angeklagten in dem in der Hauptverhandlung am 25. August 2010 gestellten Beweisantrag auf die von der Zeugin F. übergebenen Krankenunterlagen und in dem Wiederholungsantrag vom 12. Oktober 2010 u.a. auf den Inhalt der polizeilichen Vernehmungen der Nebenklägerin am 27. Januar und 9. Februar 2010 bezogen. Die Revision versäumt es, den Inhalt der Krankenunterlagen sowie der Protokolle der beiden polizeilichen Vernehmungen vollständig mitzuteilen.”
Tja, § 344 Abs. 2 Satz 2 StPO ist schwer bzw. seine Anforderungen liegen hoch – oder die, die die Revisionsrechtsprechung darauf gründet, aber m.E. nicht so hoch, dass man in diesem Fall nicht übersehen darf, die Unterlagen, auf die man sich bezogen hat, zur Begründung der Verfahrensrüge mit vorzutragen. Wie sonst soll der BGH aufgrund des Revisionsvorbringens prüfen, ob dem Beweisantrag hätte nachgegangen werden müssen?
Au Backe, unzulässige Revision – das muss/darf nicht sein. Blamabel für den Verteidiger.
BGH: Klare Worte fehlen, nach Auslegung war die Revision dann aber zulässig
Mal wieder die unzulässige Revision der Nebenklägerin, oder: “Vergewaltigung” statt “sexuelle Nötigung”
Schlagwörter: § 344 StPO, Anforderungen, Begründung, BGH, Revision, Verfahrensrüge.
Von Detlef Burhoff	– 11. August 2011
Es ist immer wieder traurig anzusehen, dass gerade im sensiblen Bereich der Strafrechtspflege (möglicherweise) rechtswidrige Entscheidungen aus rein formaljuristischen Gründen hingenommen werden, während in weit weniger sensiblen Bereichen die Richter auch mal einen Blick in die Verfahrensakten nehmen (wollen/können/dürfen).
11. August 2011, 14:23
Stefan kommentiert zu Heymanns Strafrecht Online Blog:
« Hut ab vor dem OLG Hamm – Kehrtwende um 180 Grad Grundsatz des rechtlichen Gehörs – wann ist er bei einem Verwerfungsurteil verletzt? »