Source: https://www.chancen-mv.de/gruendungsplanung/rechtsformen/einzelunternehmen/
Timestamp: 2020-01-26 02:02:33
Document Index: 195471186

Matched Legal Cases: ['§8', '§5', '§37', '§68', '§14', '§18', '§18']

Einzelunternehmen gründen | chancen-mv.de
Rechtsformen: Einzelunternehmen
Einzelunternehmen gründen: Das müssen Sie beachten
Im Gegensatz zu anderen Unternehmensformen gibt es bei der Gründung eines Einzelunternehmens nur wenige Voraussetzungen. Ein Einzelunternehmen gründen Sie automatisch, wenn Sie selbstständig oder freiberuflich tätig sind und Ihre Tätigkeit beim Gewerbe- bzw. Finanzamt angemeldet haben. Es eignet sich gut für den beruflichen Einstieg, später können Sie immer noch expandieren.
Welches Startkapital brauche ich?
Die Gründung von bestimmten Rechtsformen, wie die GmbH oder die AG, erfordern in der Regel ein Mindestkapital, das Sie zuvor ins Unternehmen eingelegt haben müssen. Beim Einzelunternehmen ist das anders: Sie entscheiden selbst, ob Sie mit wenig oder viel Geld starten. In jedem Fall sollten Sie aber bereits im Vorfeld der Unternehmensgründung ausreichende Reserven für in Zukunft anstehende Anschaffungen sowie Gebühren gebildet haben.
Einzelunternehmen gründen – so läuft‘s ab
Ein Einzelunternehmen gründen Sie automatisch, sobald Sie:
als Gewerbetreibender Ihr Unternehmen beim Gewerbe- und Finanzamt eintragen lassen sowie die notarielle Eintragung ins Handelsregister beim Amtsgericht erfolgt ist
als Freiberufler eine Steuernummer beim zuständigen Finanzamt beantragen und Ihre Selbstständigkeit durch Ausfüllen des „Fragebogens zur steuerlichen Erfassung“ anzeigen
als Kleingewerbetreibender Ihr Gewerbe beim Gewerbeamt angemeldet haben, wenngleich Ihnen diese Eintragung freisteht – sie ist nicht verpflichtend
Um die genannten Schritte durchführen (lassen) zu können, ist ein Wohnsitz in Deutschland erforderlich. Gemäß §8 der Abgabenordnung haben Sie Ihren Wohnsitz an dem Ort, an dem Sie für mindestens sechs Monate leben oder zumindest vorhaben, zu leben. Eine eigene Wohnung ist nicht erforderlich, jedoch mindestens eine „angemessene Bleibe“, beispielsweise ein möbliertes Zimmer.
Namensgebung Ihres Unternehmens
Solange Sie nicht im Handelsregister eingetragen sind, können Sie Ihre Firma frei nach Ihren Wünschen benennen. Dabei sind auch Fantasienamen und Pseudonyme erlaubt. Jedoch empfehlen die Industrie- und Handelskammern, das Einzelunternehmen mit Ihrem vollen Namen und einem tätigkeitsbezeichnenden Zusatz (zum Beispiel „Rechtsanwalt“) zu betiteln. Das sorgt nicht nur für einen seriöseren Auftritt, Ihre Kunden wissen auch direkt, mit wem sie es zu tun haben.
Ungeachtet des Firmennamens gelten für geschäftliche Dokumente sowie auch im generellen Schriftverkehr die Vorschriften der §§5 und 6 des Telemediengesetzes (TMG) sowie §37a des Handelsgesetzbuches. Demnach ist auf allen Dokumenten die Bezeichnung des Geschäftes oder der volle Name sowie eine ladungsfähige Anschrift (§68 Abs.2 StPO) anzugeben. Dabei handelt es sich um sogenannte Pflichtangaben. Für Rechnungen gelten verschärfte Vorschriften, die Sie in §14 Abs.4 des Umsatzsteuergesetzes finden.
Geschäftsführung im Einzelunternehmen
Sie sind alleiniger Geschäftsführer Ihres Unternehmens – daraus ergibt sich, dass Sie sämtliche Entscheidungen alleine und ohne fremde Beeinflussung treffen. Auf der einen Seite ist dieser Punkt ein Vorteil, da Sie in Ihrer Gestaltung komplett frei sind. Auf der anderen Seite kann diese Entscheidungsfreiheit aber auch zum Problem werden, weil Sie für jede falsche Entscheidung persönlich geradestehen müssen. Darüber hinaus haften Sie mit ihrem gesamten Vermögen.
Wenn Sie Kaufmann oder Kauffrau sind, haben Sie darüber hinaus eine Verpflichtung zur doppelten Buchführung (Bilanzerstellung) nach dem Handelsgesetzbuch. Freiberufler und Kleingewerbetreibende hingegen sind nicht verpflichtet, Bücher zu führen, können es aber freiwillig tun. Empfehlenswert ist hier die einfache Buchführung.
Haftung als Einzelunternehmer
Als Einzelunternehmer haften Sie bis zu den vom Gesetzgeber festgelegten Pfändungsgrenzen, auch als Existenzminimum bezeichnet. Daher sollten Sie stets im Hinterkopf behalten, wie riskant die zukünftigen Pläne Ihrer Firma sind. Ab einem bestimmten Umsatz entstehen automatisch höhere Kosten für Investitionen und betriebliche Anschaffungen. Ist dieser Punkt erreicht, sollten Sie über die Gründung einer haftungsbeschränkten Gesellschaft (zum Beispiel GmbH oder KG) nachdenken. Hier haften Sie nur bis zur Höhe Ihrer Einlage. Solange das nicht der Fall ist – aber auch danach – ist es wichtig, sich gegen die möglichen Risiken bestmöglich abzusichern. Denken Sie daher an den Abschluss entsprechender Versicherungen, etwa für Schäden oder Verdienstausfälle, Rechtsberatungen und Haftpflichtfälle.
Einzelunternehmen gründen: Das Thema Steuern
Grundsätzlich gibt es bei einem Einzelunternehmen verschiedene Arten, Einkünfte erzielen können. Dazu gehören:
Einkünfte aus selbstständiger Arbeit (§18 EStG)
Einkünfte aus freiberuflicher Tätigkeit (§18 EStG)
Als Gewerbetreibender haben Sie zusätzlich zur Einkommenssteuer und ihren Nebenleistungen (Soli, Kirchensteuer) die jährlich fällige Gewerbesteuer abzuführen. Diese entfällt für Freiberufler. Darüber hinaus müssen Sie für Ihre Leistungen Umsatzsteuer in Rechnung stellen. Sie fällt mit dem vollen oder einem der ermäßigten Steuersätze an und ist wahlweise monatlich, vierteljährlich bzw. einmal pro Jahr an das Finanzamt abzuführen. Wann Sie Ihre Umsatzsteuer anmelden müssen, hängt von der Höhe Ihrer umsatzsteuerpflichtigen Umsätze im Kalenderjahr ab.