Source: https://www.rechtslupe.de/steuerrecht/da-muss-ich-aber-lachen-macht-nicht-befangen-392823
Timestamp: 2020-08-08 21:35:31
Document Index: 55580853

Matched Legal Cases: ['§ 51', '§ 42', '§ 51', '§ 44', '§ 128', '§ 124', 'Art. 101', '§ 51', '§ 44']

"Da muss ich aber lachen" - macht nicht befangen | Rechtslupe
„Da muss ich aber lachen“ – macht nicht befan­gen
Nach § 51 Abs. 1 Satz 1 FGO i.V.m. § 42 ZPO fin­det die Ableh­nung eines Rich­ters wegen Besorg­nis der Befan­gen­heit statt, wenn ein Grund vor­liegt, der geeig­net ist, Miss­trau­en gegen die Unpar­tei­lich­keit des Rich­ters zu recht­fer­ti­gen. Dabei kommt es dar­auf an, ob der Pro­zess­be­tei­lig­te von sei­nem Stand­punkt aus bei ver­nünf­ti­ger objek­ti­ver Betrach­tung Anlass hat, die Vor­ein­ge­nom­men­heit des oder der abge­lehn­ten Rich­ter zu befürch­ten [1].
Gemäß § 51 Abs. 1 Satz 1 FGO i.V.m. § 44 Abs. 2 ZPO sind die das Miss­trau­en in die Unpar­tei­lich­keit recht­fer­ti­gen­den Umstän­de im Ableh­nungs­ge­such sub­stan­ti­iert dar­zu­le­gen und glaub­haft zu machen [2].
Beschlüs­se über die Ableh­nung von Gerichts­per­so­nen nach § 128 Abs. 2 FGO nicht mit der Beschwer­de und damit grund­sätz­lich auch nicht mit einer Nicht­zu­las­sungs­be­schwer­de ange­foch­ten wer­den kön­nen (§ 124 Abs. 2 FGO). Gel­tend gemacht wer­den kön­nen somit nur sol­che Ver­fah­rens­män­gel, die als Fol­ge der Ableh­nung des Befan­gen­heits­ge­suchs dem ange­foch­te­nen Urteil anhaf­ten. Ein Zulas­sungs­grund ist daher nur dann gege­ben, wenn die Ableh­nung ent­we­der gegen das Will­kür­ver­bot ver­stößt oder ein Ver­fah­rens­grund­recht wie den Anspruch auf den gesetz­li­chen Rich­ter (Art. 101 Abs. 1 Satz 2 GG) ver­letzt wird. Auch das Ver­fah­rens­grund­recht auf den gesetz­li­chen Rich­ter schützt indes nur vor will­kür­li­chen Ver­stö­ßen gegen Ver­fah­rens­vor­schrif­ten. Eine Beset­zungs­rü­ge kann des­halb auch nur dann Aus­sicht auf Erfolg haben, wenn sich ‑wor­an es vor­lie­gend fehlt- dem Beschwer­de­vor­brin­gen ent­neh­men lässt, dass der Beschluss über die Zurück­wei­sung des Ableh­nungs­ge­suchs nicht nur feh­ler­haft, son­dern greif­bar gesetz­wid­rig und damit will­kür­lich war [3].
Die Zurück­wei­sung des Ableh­nungs­ge­suchs erweist sich auch nicht inso­weit als greif­bar geset­zes­wid­rig und damit will­kür­lich, als der Klä­ger vor­bringt, der Ein­zel­rich­ter habe eine tele­fo­ni­sche Äuße­rung von ihm mit der Erwi­de­rung quit­tiert „Da muss ich aber lachen“.
Frei­mü­ti­ge oder salop­pe For­mu­lie­run­gen geben grund­sätz­lich noch kei­nen Anlass zur Besorg­nis der Befan­gen­heit [4]. Evi­dent unsach­li­che oder unan­ge­mes­se­ne sowie her­ab­set­zen­de und belei­di­gen­de Äuße­run­gen des Rich­ters kön­nen aber die Besorg­nis der Befan­gen­heit recht­fer­ti­gen, wenn sie den nöti­gen Abstand zwi­schen Per­son und Sache ver­mis­sen las­sen [5].
Vor­lie­gend begrün­det die vom Klä­ger bean­stan­de­te Äuße­rung des Ein­zel­rich­ters jeden­falls des­halb kei­ne auf Vor­ein­ge­nom­men­heit hin­wei­sen­de Unsach­lich­keit, weil der Ein­zel­rich­ter anschlie­ßend kon­ze­diert hat, dass der Absturz des Com­pu­ters mit allen Steu­er­da­ten auch in sei­nen Augen ein aner­ken­nens­wer­tes Pro­blem sei. Danach bestand bei ver­nünf­ti­ger objek­ti­ver Betrach­tung kein Anlass mehr, die Vor­ein­ge­nom­men­heit des abge­lehn­ten Rich­ters zu befürch­ten.
Ist das Ableh­nungs­ge­such rechts­miss­bräuch­lich und des­halb offen­sicht­lich unzu­läs­sig, ent­schei­det das Gericht dar­über in der nach dem Geschäfts­ver­tei­lungs­plan vor­ge­se­he­nen Beset­zung, ohne dass es einer vor­he­ri­gen dienst­li­chen Äuße­rung der abge­lehn­ten Rich­ter nach § 51 FGO i.V.m. § 44 Abs. 3 ZPO bedarf [6]. In die­sem Fall ist es auch nicht not­wen­dig, über den Antrag in einem beson­de­ren Beschluss zu ent­schei­den, son­dern es kann im Urteil dar­über mit­ent­schie­den wer­den [7].
Bun­des­fi­nanz­hof, Beschluss vom 10. März 2015 – V B 108/​14
BFH, Beschlüs­se vom 27.08.1998 – VII B 8/​98, BFH/​NV 1999, 480; und vom 11.02.2003 – VII B 330/​02, – VII S 41/​02, BFHE 201, 483, BStBl II 2003, 422[↩]
BFH, Beschlüs­se vom 13.09.1991 – IV B 147/​90, BFH/​NV 1992, 320, und in BFHE 201, 483, BStBl II 2003, 422[↩]
BFH, Beschlüs­se vom 25.07.2005 – VII B 2/​05, BFH/​NV 2005, 2035, sowie vom 13.01.2003 – III B 51/​02, BFH/​NV 2003, 640[↩]
BFH, Beschlüs­se vom 29.08.2001 – IX B 117/​00, BFH/​NV 2002, 63; vom 08.12 1998 – VII B 227/​98, BFH/​NV 1999, 661; vom 27.09.1994 – VIII B 64–76/94, BFH/​NV 1995, 526; und vom 31.08.1987 – IV B 101/​86, BFH/​NV 1989, 169[↩]
BFH, Beschlüs­se vom 13.01.1987 – IX B 12/​84, BFH/​NV 1987, 656; vom 06.02.1989 – V B 119/​88, BFH/​NV 1990, 45; und vom 21.11.1991 – V B 157/​91, BFH/​NV 1992, 479[↩]
z.B. BFH, Beschluss vom 01.04.2003 – VII S 7/​03, BFH/​NV 2003, 1331[↩]
BFH, Beschlüs­se in BFHE 201, 483, BStBl II 2003, 422; vom 21.11.2002 – VII B 58/​02, BFH/​NV 2003, 485; und vom 31.08.1999 – V B 53/​97, – V S 13/​99, BFH/​NV 2000, 244[↩]
BefangenheitBesetzungsrügeFinanzgerichtsverfahrenVerfahrensfehler