Source: https://www.rechtslupe.de/verwaltungsrecht/beamtenrecht/der-polizeibeamte-und-seine-kinderpornos-3100414
Timestamp: 2020-07-07 13:44:59
Document Index: 105295000

Matched Legal Cases: ['§ 41', '§ 57', '§ 41', '§ 69', '§ 137', '§ 184', '§ 34', '§ 40', '§ 47', '§ 40', 'Art. 33', '§ 24', '§ 13', '§ 13', '§ 40', '§ 24', '§ 184', '§ 184', '§ 13', '§ 24', '§ 47', '§ 14']

Der Polizeibeamte - und der Versand von Kinderpornos | Rechtslupe
Der Polizeibeamte - und der Versand von Kinderpornos
Mit dem Besitz und der Besitz­ver­schaf­fung von kin­der­por­no­gra­phi­schen Bild­da­tei­en an einen Drit­ten hat ein Poli­zei­be­am­ter eine außer­dienst­li­che Pflicht­ver­let­zung began­gen, die in beson­de­rem Maße geeig­net ist, das Ver­trau­en in einer für sein Amt bedeut­sa­men Wei­se zu beein­träch­ti­gen, und daher als Dienst­ver­ge­hen zu bewer­ten ist.
Der Poli­zei­be­am­te hat den ihm im Straf­be­fehls­ver­fah­ren vor­ge­hal­te­nen Besitz kin­der­por­no­gra­phi­scher Bild­da­tei­en und deren Ver­sen­dung an einen Drit­ten ein­ge­räumt. Die­se Tat­sa­chen durf­ten des­halb gemäß § 41 DiszG Ber­lin i.V.m. § 57 Abs. 2 BDG als in einem ande­ren gesetz­lich geord­ne­ten Ver­fah­ren getrof­fe­ne tat­säch­li­che Fest­stel­lun­gen der dis­zi­pli­na­ren Ent­schei­dung ohne erneu­te Prü­fung zugrun­de gelegt wer­den [1]. Damit steht, da der Poli­zei­be­am­te inso­weit kei­ne Ver­fah­rens­rü­gen erho­ben hat, für das Revi­si­ons­ge­richt mit bin­den­der Wir­kung fest (§ 41 DiszG Ber­lin, § 69 Abs. 1 BDG und § 137 Abs. 2 VwGO), dass der Poli­zei­be­am­te kin­der­por­no­gra­phi­sche Schrif­ten wei­ter­ge­lei­tet und beses­sen hat und sich damit eines Ver­ge­hens nach § 184b Abs. 2 und Abs. 4 Satz 2 StGB in der zum Tat­zeit­punkt gül­ti­gen Fas­sung vom 27.12 2003 [2] schul­dig gemacht hat.
Die­ses Fehl­ver­hal­ten war außer­dienst­lich, weil es weder for­mell in das Amt des Poli­zei­be­am­ten noch mate­ri­ell in die damit ver­bun­de­ne dienst­li­che Tätig­keit ein­ge­bun­den war [3].
Außer­halb sei­nes Diens­tes ist der Beam­te grund­sätz­lich nur ver­pflich­tet, der Ach­tung und dem Ver­trau­en gerecht zu wer­den, die sein Beruf erfor­dert (§ 34 Satz 3 BeamtStG sowie § 40 Abs. 1 Satz 1 LBG Ber­lin a.F.) [4]. Außer­dienst­li­ches Ver­hal­ten kann den Pflich­ten­kreis des Beam­ten nur berüh­ren, wenn es die Ach­tungs- und Ver­trau­ens­wür­dig­keit betrifft und dadurch mit­tel­bar dienst­recht­li­che Rele­vanz erlangt. Das Ver­trau­en der Bür­ger, dass der Beam­te dem Auf­trag gerecht wird, als Reprä­sen­tant des demo­kra­ti­schen Rechts­staa­tes eine unab­hän­gi­ge, unpar­tei­li­che und geset­zes­treue Ver­wal­tung zu sichern, darf der Beam­te auch durch sein außer­dienst­li­ches Ver­hal­ten nicht beein­träch­ti­gen [5].
Als Dienst­ver­ge­hen ist das außer­dienst­li­che Ver­hal­ten von Beam­ten gemäß § 47 Abs. 1 Satz 2 BeamtStG dabei nur zu qua­li­fi­zie­ren, wenn es nach den Umstän­den des Ein­zel­falls in beson­de­rem Maße geeig­net ist, das Ver­trau­en in einer für ihr Amt bedeut­sa­men Wei­se zu beein­träch­ti­gen. Unbe­scha­det des teil­wei­se ver­än­der­ten Wort­lauts ist mit die­ser Vor­schrift eine inhalt­li­che Ände­rung – auch gegen­über § 40 Abs. 1 Satz 2 LBG Ber­lin a.F. – nicht ver­bun­den [6].
Seit dem Inkraft­tre­ten des Geset­zes zur Neu­ord­nung des Bun­des­dis­zi­pli­nar­rechts vom 20.07.1967 [7] reicht bei außer­dienst­li­chen Ver­feh­lun­gen nicht bereits die Pflicht­ver­let­zung selbst zur Annah­me eines Dienst­ver­ge­hens aus, und zwar auch dann nicht, wenn hier­durch eine Straf­tat began­gen wor­den ist [8]. Hin­zu­tre­ten müs­sen wei­te­re, auf die Eig­nung zur Ver­trau­ens­be­ein­träch­ti­gung bezo­ge­ne Umstän­de. Nur soweit es um die Wah­rung des Ver­trau­ens der Bür­ger in die Inte­gri­tät der Amts­füh­rung und damit die künf­ti­ge Auf­ga­ben­wahr­neh­mung geht, ver­mag das durch Art. 33 Abs. 5 GG geschütz­te Inter­es­se an der Funk­ti­ons­fä­hig­keit des Berufs­be­am­ten­tums die im pri­va­ten Bereich des Beam­ten wir­ken­den Grund­rech­te ein­zu­schrän­ken [9].
Unter­halb die­ser Schwel­le erwar­tet der Gesetz­ge­ber von Beam­ten kein wesent­lich ande­res Sozi­al­ver­hal­ten mehr, als von jedem ande­ren Bür­ger [10]. Pri­va­te Stra­ßen­ver­kehrs­de­lik­te etwa begrün­den daher in der Regel kein dis­zi­pli­nar­recht­li­ches Sank­ti­ons­be­dürf­nis [11].
Ob und in wel­chem Umfang durch das außer­dienst­li­che Ver­hal­ten eines Beam­ten das für sein Amt erfor­der­li­che Ver­trau­en beein­träch­tigt wird, hängt in maß­geb­li­cher Wei­se von Art und Inten­si­tät der jewei­li­gen Ver­feh­lung ab [12]. Dabei kommt vor­sätz­li­chen (vgl. § 24 Abs. 1 Satz 1 BeamtStG) Straf­ta­ten eine beson­de­re Bedeu­tung zu [13]. Maß­geb­lich ist auch, ob der Pflich­ten­ver­stoß des Beam­ten einen Bezug zu sei­nem Amt auf­weist.
Bezugs­punkt hier­für ist das dem Beam­ten ver­lie­he­ne Amt im sta­tus­recht­li­chen Sin­ne; soweit in der bis­he­ri­gen Recht­spre­chung auf das Amt im kon­kret-funk­tio­nel­len Sin­ne (den Dienst­pos­ten) abge­stellt wor­den ist, hält das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt hier­an nicht mehr fest [14].
Der außer­dienst­li­che Besitz kin­der­por­no­gra­phi­scher Bil­der und die Zugäng­lich­ma­chung sol­cher Bil­der an Drit­te wei­sen einen hin­rei­chen­den Bezug zum Amt eines Poli­zei­be­am­ten auf.
Anders als Erzie­hern oder Leh­rern [15] ist Poli­zei­be­am­ten zwar kei­ne spe­zi­fi­sche Dienst­pflicht zu Schutz und Obhut gera­de von Kin­dern auf­er­legt. Poli­zei­be­am­te haben indes Straf­ta­ten zu ver­hü­ten, auf­zu­klä­ren und zu ver­fol­gen. Sie genie­ßen daher in der Öffent­lich­keit – ins­be­son­de­re auch für schutz­be­dürf­ti­ge Per­so­nen – eine beson­de­re Ver­trau­ens- und Garan­ten­stel­lung [16].
Die­ses berufs­er­for­der­li­che Ver­trau­en wird in beson­de­rem Maße beein­träch­tigt, wenn Poli­zei­be­am­te selbst erheb­li­che Vor­satz­straf­ta­ten – gera­de zu Las­ten Schutz­be­dürf­ti­ger – bege­hen. Dies gilt unab­hän­gig davon, ob der Poli­zei­be­am­te auf sei­nem kon­kre­ten Dienst­pos­ten gera­de mit der Ver­fol­gung sol­cher Delik­te betraut war oder Kon­takt mit Kin­dern oder Jugend­li­chen hat­te.
Die vom Ober­ver­wal­tungs­ge­richt Ber­lin-Bran­den­burg hier­für als Dis­zi­pli­nar­maß­nah­me aus­ge­spro­che­ne Ent­fer­nung aus dem Beam­ten­ver­hält­nis [17] ver­stößt nicht gegen § 13 DiszG Ber­lin.
Nach § 13 DiszG Ber­lin ist die Ent­schei­dung über die Dis­zi­pli­nar­maß­nah­me nach der Schwe­re des Dienst­ver­ge­hens und unter ange­mes­se­ner Berück­sich­ti­gung des Per­sön­lich­keits­bil­des des Beam­ten sowie des Umfangs der Beein­träch­ti­gung des Ver­trau­ens des Dienst­herrn oder der All­ge­mein­heit zu tref­fen. Das Gewicht der Pflicht­ver­let­zung ist danach Aus­gangs­punkt und rich­tungs­wei­sen­des Bemes­sungs­kri­te­ri­um für die Bestim­mung der erfor­der­li­chen Dis­zi­pli­nar­maß­nah­me [18]. Dies beruht auf dem Schuld­prin­zip und dem Grund­satz der Ver­hält­nis­mä­ßig­keit, die auch im Dis­zi­pli­nar­ver­fah­ren Anwen­dung fin­den [19]. Die gegen den Beam­ten aus­ge­spro­che­ne Dis­zi­pli­nar­maß­nah­me muss unter Berück­sich­ti­gung aller be- und ent­las­ten­den Umstän­de des Ein­zel­falls in einem gerech­ten Ver­hält­nis zur Schwe­re des Dienst­ver­ge­hens und zum Ver­schul­den des Beam­ten ste­hen [20].
Die Ent­fer­nung aus dem Beam­ten­ver­hält­nis als dis­zi­pli­nar­recht­li­che Höchst-maß­nah­me ist nur zuläs­sig, wenn der Beam­te wegen der schuld­haf­ten Ver­let­zung einer ihm oblie­gen­den Pflicht das für die Aus­übung sei­nes Amtes erfor­der­li­che Ver­trau­en end­gül­tig ver­lo­ren hat (§ 40 Abs. 1 Satz 2 LDG Ber­lin a.F.). Das Beam­ten­ver­hält­nis wird auf Lebens­zeit begrün­det und kann vom Dienst­herrn ein­sei­tig nicht auf­ge­löst wer­den. Pflicht­ver­let­zun­gen des Beam­ten machen daher Reak­ti­ons- und Ein­wir­kungs­mög­lich­kei­ten des Dienst­herrn erfor­der­lich. Das Dis­zi­pli­nar­recht stellt hier­für Maß­nah­men zur Ver­fü­gung, um den Beam­ten im Fal­le des Dienst­ver­ge­hens zur Pflicht­er­fül­lung anzu­hal­ten oder ihn aus dem Beam­ten­ver­hält­nis zu ent­fer­nen, wenn das not­wen­di­ge Ver­trau­en end­gül­tig ver­lo­ren ist. Nur so kön­nen die Inte­gri­tät des Berufs­be­am­ten­tums und das Ver­trau­en in die ord­nungs­ge­mä­ße Auf­ga­ben­wahr­neh­mung der Beam­ten auf­recht­erhal­ten wer­den [21].
Nach § 24 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 BeamtStG hat die Ver­ur­tei­lung wegen einer vor­sätz­li­chen Tat zu einer Frei­heits­stra­fe von min­des­tens einem Jahr zwin­gend den Ver­lust der Beam­ten­rech­te zur Fol­ge. Aus der Inten­si­tät der ver­häng­ten Stra­fe hat der Gesetz­ge­ber unwi­der­leg­lich auf das Aus­maß der Ver­trau­ens­be­ein­träch­ti­gung geschlos­sen [22]. Umge­kehrt ver­mag ein außer­dienst­li­ches Ver­hal­ten, das kei­nen Straf­tat­be­stand erfüllt, die Höchst­maß­nah­me regel­mä­ßig nicht zu recht­fer­ti­gen [23].
Schwer­wie­gen­de Straf­ta­ten kön­nen auch delikts­be­zo­gen iden­ti­fi­ziert wer­den [24]. Bestimm­te Straf­ta­ten bewir­ken bereits aus der Art ihres Unrechts­ge­halts einen Ver­trau­ens­scha­den, der eine wei­te­re Tätig­keit als Beam­ter untrag­bar erschei­nen lässt. Lässt sich ein Beam­ter bestechen, ist er als Sach­wal­ter einer geset­zes­treu­en und unab­hän­gi­gen Ver­wal­tung nicht mehr denk­bar [25]. Unab­hän­gig vom kon­kret ver­häng­ten Straf­maß; und vom Amt des Beam­ten ist in der Recht­spre­chung ins­be­son­de­re der sexu­el­le Miss­brauch von Kin­dern oder Schutz­be­foh­le­nen als außer­dienst­li­che Ver­feh­lung bewer­tet wor­den, die eine Ent­fer­nung aus dem Beam­ten­ver­hält­nis als Regel­ein­stu­fung gebie­tet [26].
Ent­spre­chen­des kann für den Besitz und die Zugäng­lich­ma­chung von kin­der­por­no­gra­phi­schen Schrif­ten an Drit­te nicht gel­ten. Zwar trägt die Nach­fra­ge nach der­ar­ti­gen Bil­dern oder Video­da­tei­en zum schwe­ren sexu­el­len Miss­brauch von Kin­dern und damit zum Ver­stoß gegen ihre kör­per­li­che Unver­sehrt­heit und Men­schen­wür­de bei [27]. Da es bei Besitz­ver­schaf­fung und Besitz ent­spre­chen­der Dar­stel­lun­gen aber an einem unmit­tel­ba­ren Ein­griff des Beam­ten in die sexu­el­le Selbst­be­stim­mung der betrof­fe­nen Kin­der fehlt, erscheint die Varia­ti­ons­brei­te mög­li­cher Ver­feh­lun­gen zu groß, um gene­rell von einer hin­rei­chen­den Schwe­re der außer­dienst­li­chen Pflicht­ver­let­zung aus­ge­hen zu kön­nen. Die außer­dienst­lich began­ge­ne Straf­tat kann daher nicht bereits deliktsty­pisch als der­art gra­vie­rend erach­tet wer­den, dass die Ent­fer­nung aus dem Beam­ten­ver­hält­nis als Regel­ein­stu­fung gerecht­fer­tigt erscheint [28].
Das Aus­maß des durch die außer­dienst­lich began­ge­ne Straf­tat her­vor­ge­ru­fe­nen Ver­trau­ens­scha­dens muss daher im kon­kre­ten Ein­zel­fall bestimmt wer­den. Hier­zu kann auf den Straf­rah­men zurück­ge­grif­fen wer­den, weil der Gesetz­ge­ber mit der Straf­an­dro­hung sei­ne Ein­schät­zung zum Unwert eines Ver­hal­tens ver­bind­lich zum Aus­druck gebracht hat. Die Ori­en­tie­rung des Umfangs des Ver­trau­ens­ver­lus­tes am gesetz­li­chen Straf­rah­men gewähr­leis­tet eine nach­voll­zieh­ba­re und gleich­mä­ßi­ge dis­zi­pli­na­ri­sche Ahn­dung von außer­dienst­lich began­ge­nen Straf­ta­ten. Mit der Anknüp­fung an die (im Tat­zeit­punkt gel­ten­de) Straf­an­dro­hung wird zugleich ver­hin­dert, dass die Ver­wal­tungs­ge­rich­te ihre jeweils eige­ne Ein­schät­zung des Unwert­ge­halts eines Delikts an die Stel­le der Bewer­tung des Gesetz­ge­bers set­zen [29]. Nicht die Vor­stel­lung des jewei­li­gen Dis­zi­pli­nar­ge­richts, son­dern die Ein­schät­zung des Par­la­ments bestimmt, wel­che Straf­ta­ten als beson­ders ver­werf­lich anzu­se­hen sind.
Für die dis­zi­pli­nar­recht­li­che Ahn­dung der schwers­ten vom Poli­zei­be­am­ten began­ge­nen Straf­tat, der außer­dienst­li­chen Zugäng­lich­ma­chung kin­der­por­no­gra­phi­scher Schrif­ten an Drit­te, hat das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt aus dem seit 2004 gel­ten­den Straf­rah­men des § 184b Abs. 2 StGB in der Fas­sung des Geset­zes vom 27.12 2003 [30] von bis zu fünf Jah­ren Frei­heits­stra­fe geschlos­sen, dass für die Maß­nah­me­be­mes­sung grund­sätz­lich auf einen Ori­en­tie­rungs­rah­men bis zur Ent­fer­nung aus dem Beam­ten­ver­hält­nis abzu­stel­len ist. Dar­auf, dass der Poli­zei­be­am­te außer­dem kin­der­por­no­gra­phi­sche Schrif­ten auch beses­sen und sich damit auch nach § 184 Abs. 4 StGB a.F. straf­bar gemacht hat, kommt es des­halb für die Bestim­mung des Ori­en­tie­rungs­rah­mens der dis­zi­pli­na­ren Bemes­sungs­ent­schei­dung nicht mehr ent­schei­dungs­er­heb­lich an.
Die vom Ober­ver­wal­tungs­ge­richt Ber­lin-Bran­den­burg [17] im vor­lie­gen­den Fall in Aus­fül­lung die­ses Rah­mens getrof­fe­ne Bemes­sungs­ent­schei­dung begeg­net für das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt eben­falls kei­nen Beden­ken.
Gemäß § 13 Abs. 1 DiszG Ber­lin ergeht die Ent­schei­dung über eine Dis­zi­pli­nar­maß­nah­me nach pflicht­ge­mä­ßem Ermes­sen unter Berück­sich­ti­gung der Schwe­re des Dienst­ver­ge­hens, des Per­sön­lich­keits­bil­des des Beam­ten und der Beein­träch­ti­gung des Ver­trau­ens des Dienst­herrn oder der All­ge­mein­heit. Eine objek­ti­ve und aus­ge­wo­ge­ne Zumes­sungs­ent­schei­dung setzt vor­aus, dass die­se Bemes­sungs­kri­te­ri­en mit dem ihnen im Ein­zel­fall zukom­men­den Gewicht ermit­telt und in die Ent­schei­dung ein­ge­stellt wer­den. Die gegen den Beam­ten aus­ge­spro­che­ne Dis­zi­pli­nar­maß­nah­me muss unter Berück­sich­ti­gung aller be- und ent­las­ten­den Umstän­de des Ein­zel­falls in einem gerech­ten Ver­hält­nis zur Schwe­re des Dienst­ver­ge­hens und zum Ver­schul­den des Beam­ten ste­hen. Dies beruht auf dem Schuld­prin­zip und dem Grund­satz der Ver­hält­nis­mä­ßig­keit, die auch im Dis­zi­pli­nar­ver­fah­ren Anwen­dung fin­den [31].
Die Aus­schöp­fung des maß­geb­lich in Anleh­nung an die abs­trak­te Straf­an­dro­hung gebil­de­ten Ori­en­tie­rungs­rah­mens kommt des­halb nur in Betracht, wenn dies auch dem Schwe­re­ge­halt des vom Beam­ten kon­kret began­ge­nen Dienst­ver­ge­hens ent­spricht [32]. Delik­te, die ange­sichts ihrer mög­li­chen Varia­ti­ons-brei­te der Vor­ga­be einer Regel­dis­zi­pli­nar­maß­nah­me nicht zugäng­lich sind, bedür­fen einer sorg­sa­men Wür­di­gung der Ein­zel­fall­um­stän­de. Die Dis­zi­pli­nar­ge­rich­te müs­sen für eine sol­che Betrach­tung und Aus­schöp­fung des Ori­en­tie­rungs­rah­mens – nach oben wie nach unten – unter Berück­sich­ti­gung aller be- und ent­las­ten­den Umstän­de offen sein [33]. Ein wie auch immer gear­te­ter Sche­ma­tis­mus ver­bie­tet sich hier in beson­de­rer Wei­se [34]. Der Aus­spruch der dis­zi­pli­nar­recht­li­chen Höchst­maß­nah­me wegen des Besit­zes oder der Besitz­ver­schaf­fung kin­der­por­no­gra­phi­scher Schrif­ten setzt des­halb vor­aus, dass das Ver­hal­ten auf­grund der Tat­um­stän­de, ins­be­son­de­re also Anzahl, Art und Inhalt der Dar­stel­lun­gen, als beson­ders ver­werf­lich ein­zu­stu­fen ist [35].
Zur Bestim­mung der Schwe­re des im Ein­zel­fall began­ge­nen Dienst­ver­ge­hens kann im Fal­le einer außer­dienst­lich began­ge­nen Straf­tat indi­zi­ell auf die von Straf­ge­rich­ten aus­ge­spro­che­ne Sank­ti­on zurück­ge­grif­fen wer­den [36]. Dies folgt zunächst aus § 24 Abs. 1 Satz 1 BeamtStG, der direkt und aus­schließ­lich an den Straf­aus­spruch der Straf­ge­rich­te anknüpft. Unter­halb der in die­ser Vor­schrift genann­ten Schwel­le kommt der straf­ge­richt­li­chen Abur­tei­lung zwar kei­ne unmit­tel­ba­re Ver­bind­lich­keit für die dis­zi­pli­nar­recht­li­che Beur­tei­lung zu [37]. Auch bei weni­ger gra­vie­ren­den Ver­ur­tei­lun­gen kann der Aus­spruch der Straf­ver­fol­gungs­or­ga­ne aber als Indiz für die Schwe­re einer außer­dienst­lich began­ge­nen Straf­tat und für Abstu­fun­gen inner­halb des Ori­en­tie­rungs­rah­mens her­an­ge­zo­gen wer­den [38]. Unbe­scha­det der unter­schied­li­chen Zwe­cke von Straf- und Dis­zi­pli­nar­recht kommt in dem Straf­aus­spruch die Schwe­re und Vor­werf­bar­keit der began­ge­nen Hand­lung zum Aus­druck, die auch für die dis­zi­pli­nar­recht­li­che Beur­tei­lung von maß­geb­li­cher Bedeu­tung ist.
Bei der Ent­schei­dung über die ange­mes­se­ne Dis­zi­pli­nar­maß­nah­me ist auch die beson­de­re Stel­lung von Poli­zei­be­am­ten zu berück­sich­ti­gen. Außer­dienst­lich began­ge­ne Vor­satz­straf­ta­ten füh­ren hier ange­sichts der mit dem Amt ver­bun­de­nen Auf­ga­ben- und Ver­trau­ens­stel­lung regel­mä­ßig zu einem mit­tel­ba­ren Amts­be­zug und damit auch zur Dis­zi­pli­nar­wür­dig­keit ent­spre­chen­der Ver­feh­lun­gen. Die mit § 47 Abs. 1 Satz 2 BeamtStG beab­sich­tig­te Begren­zungs­wir­kung für die dis­zi­pli­nar­recht­li­che Rele­vanz außer­dienst­li­cher Pflich­ten­ver­stö­ße kommt bei von Poli­zei­be­am­ten began­ge­ne Straf­ta­ten daher nur ein­ge­schränkt zum Tra­gen. Die Ent­schei­dung des Gesetz­ge­bers, die Bedeu­tung außer­dienst­li­chen Ver­hal­tens für das Dis­zi­pli­nar­recht ein­zu­schrän­ken, gilt indes auch für die Beam­ten die­ser Ämter. Der außer­dienst­li­che Cha­rak­ter des Dienst­ver­ge­hens muss daher auch bei der Maß­nah­me­be­mes­sung Berück­sich­ti­gung fin­den [39]. Jeden­falls sta­tus­be­rüh­ren­de Dis­zi­pli­nar­maß­nah­men kom­men des­halb nur bei beson­ders schwer­wie­gen­den Ver­feh­lun­gen in Betracht.
Die­sen Vor­ga­ben ent­spricht die Bemes­sungs­ent­schei­dung des Ober­ver­wal­tungs­ge­richts. Auch in Anse­hung des außer­dienst­li­chen Cha­rak­ters der vom Poli­zei­be­am­ten began­ge­nen Straf­tat muss das Dienst­ver­ge­hen als beson­ders schwer­wie­gend erach­tet wer­den. Die im Beru­fungs­ur­teil im Ein­zel­nen auf­ge­führ­ten Tat­um­stän­de las­sen ange­sichts des gra­vie­ren­den Inhalts der kin­der­por­no­gra­phi­schen Dar­stel­lun­gen mit zum Teil schwer­wie­gen­den For­men des Miss­brauchs auch an jun­gen Kin­dern eine ande­re Beur­tei­lung nicht zu. Die kon­kre­ten Tat­um­stän­de wei­sen daher einen Schwe­re­ge­halt im obe­ren Bereich der mög­li­chen Bege­hungs­for­men des Besit­zes kin­der­por­no­gra­phi­scher Schrif­ten und der Besitz­ver­schaf­fung an einen Drit­ten auf. Einen Grund, den bis zur Ent­fer­nung rei­chen­den Ori­en­tie­rungs­rah­men nicht aus­zu­schöp­fen, gibt es des­halb nicht. Dass sich der Poli­zei­be­am­te gestän­dig gezeigt hat, ist vom Ober­ver­wal­tungs­ge­richt zutref­fend erkannt und gewür­digt wor­den. Die­ser Tat­sa­che kommt indes kein der­ar­ti­ges Gewicht zu, dass bei der Gesamt­wür­di­gung auf eine ande­re als die Höchst­maß­nah­me erkannt wer­den könn­te.
BVerwG, Urteil vom 29.03.2012 – 2 A 11.10 – Schütz Beam­tR ES/​B II 1.1 Nr. 26 Rn. 39[↩]
vgl. hier­zu BVerwG, Urteil vom 28.07.2011 – 2 C 16.10, BVerw­GE 140, 185 Rn. 21[↩]
sie­he näher: BVerwG, Urteil vom 18.06.2015 – 2 C 9.14, Rn. 16 ff.[↩]
vgl. hier­zu BVerwG, Urtei­le vom 19.08.2010 – 2 C 5.10, Buch­holz 235.2 LDis­zi­pli­narG Nr. 12 Rn. 15 ff.; Beschlüs­se vom 25.05.2012 – 2 B 133.11, NVwZ-RR 2012, 607 Rn. 17; und vom 19.03.2013 – 2 B 17.12 7[↩]
OVG Ber­lin-Bran­den­burg, urteil vom 29.05.2013 – 80 D 8.09[↩][↩]
BVerwG, Urteil vom 20.10.2005 – 2 C 12.02, BVerw­GE 124, 252, 258 f.[↩]
BVerwG, Urteil vom 25.03.2010 – 2 C 83.08, BVerw­GE 136, 173 Rn. 8; Beschluss vom 23.06.2010 – 2 B 44.09 12[↩]
vgl. zur Bezug­nah­me auf eine ver­häng­te Frei­heits­stra­fe und den "Gleich­klang zum Straf-recht" auch BVerwG, Urteil vom 25.03.2010 – 2 C 83.08, BVerw­GE 136, 173 Rn. 21 und 26[↩]
vgl. zur Bezug­nah­me der dis­zi­pli­nar­recht­li­chen Maß­nah­me­be­mes­sung auf die straf­recht­li­che Sank­ti­on aber § 14 DiszG Ber­lin[↩]
BVerwG, Beschlüs­se vom 14.05.2012 – 2 B 146.11, NVwZ-RR 2012, 658 Rn. 10; und vom 25.05.2012 – 2 B 133.11, NVwZ-RR 2012, 607 Rn. 10 jeweils a.E.[↩]