Source: http://www.hensche.de/Rechtsanwalt_Arbeitsrecht_Urteile_Bonuszahlung_BAG_10AZR163-09.html
Timestamp: 2018-08-18 16:29:05
Document Index: 58249845

Matched Legal Cases: ['§ 611', '§ 242', '§ 151', '§ 133', '§ 138', '§ 612']

Mar­quardt, den Rich­ter am Bun­des­ar­beits­ge­richt Mest­werdt so­wie die eh­ren­amt­li­chen Rich­ter Schle­gel und Hint­lo­glou für Recht er­kannt:
(29.143,64 Eu­ro), im Jahr 2002 35.000,00 Eu­ro, im Jahr 2003 50.000,00 Eu­ro, im Jahr 2004 52.000,00 Eu­ro und in den Jah­ren 2005 und 2006 je­weils 57.500,00 Eu­ro. Des­sen Höhe wur­de der Kläge­rin je­weils im Rah­men ei­nes Te­le­fo­nats mit dem in den USA le­ben­den Ge­sell­schaf­ter Herrn D mit­ge­teilt. Für das Jahr 2007 er­hielt die Kläge­rin kei­nen Jah­res­bo­nus.
Kläge­rin von kei­nem dau­er­haf­ten An­spruch ha­be aus­ge­hen dürfen. Die Be­rech­nung der Kläge­rin, wo­nach der Jah­res­bo­nus in et­wa 45 % des Jah­res­ge­halts be­tra­gen ha­be, sei nicht nach­voll­zieh­bar.
II. Mit die­ser Be­gründung kann die Kla­ge nicht ab­ge­wie­sen wer­den.
1. Zu­tref­fend ist das Lan­des­ar­beits­ge­richt zunächst da­von aus­ge­gan­gen,
dass die Kläge­rin die Vor­aus­set­zun­gen ei­nes An­spruchs aus be­trieb­li­cher Übung nicht dar­ge­tan hat. Ei­ne be­trieb­li­che Übung be­zieht sich auf ei­ne Viel­zahl von Ar­beit­neh­mern oder zu­min­dest auf ei­ne ab­grenz­ba­re Grup­pe von Ar­beit­neh­mern, oh­ne dass in­di­vi­du­el­le Be­son­der­hei­ten die ver­trag­li­chen Be­zie­hun­gen ge­stal­ten. Das Rechts­in­sti­tut der be­trieb­li­chen Übung enthält ein kol­lek­ti­ves Ele­ment (vgl. BAG 11. April 2006 - 9 AZR 500/05 - Rn. 15, BA­GE 118, 16; 6. De­zem­ber 1995 - 10 AZR 123/95 - zu II 1 der Gründe, AP BGB § 611 Gra­ti­fi­ka­ti­on Nr. 186 = EzA BGB § 242 Gleich­be­hand­lung Nr. 68).
2. Aus dem­sel­ben Grund schei­tert ein An­spruch aus dem Ge­sichts­punkt
des ar­beits­recht­li­chen Gleich­be­hand­lungs­grund­sat­zes.
3. Al­ler­dings hat das Lan­des­ar­beits­ge­richt nicht aus­rei­chend berück-
sich­tigt, dass sich ein An­spruch auf­grund ei­ner in­di­vi­du­el­len ar­beits­ver­trag-
b) Das Lan­des­ar­beits­ge­richt hat fest­ge­stellt, dass die Kläge­rin seit Be­ginn
des Ar­beits­verhält­nis­ses jähr­li­che Bo­nus­zah­lun­gen er­hielt, wo­bei ab dem Jahr 2000 die Zah­lun­gen mit der De­zem­be­r­ab­rech­nung er­folg­ten und von ca. 26.500,00 Eu­ro im Jahr 2000 auf 57.500,00 Eu­ro im Jahr 2005 in un­ter­schied­li­chem Maß an­stie­gen und im Jahr 2006 gleich­blie­ben. Da­bei hat­te der Ge­sell­schaf­ter der Be­klag­ten (Herr D) der Kläge­rin je­weils mit­ge­teilt, dass sie ei­nen Jah­res­bo­nus in be­stimm­ter Höhe er­hal­ten wer­de. Ein Frei­wil­lig­keits­vor-be­halt wur­de nicht erklärt. Die Kläge­rin hat hier­zu be­haup­tet, nur die Höhe der Zah­lung sei je­weils von der Be­klag­ten fest­ge­legt wor­den, wo­bei der Ge­sell­schaf­ter ent­schie­den ha­be, dass auch bei ei­nem ge­genüber dem Vor­jahr schlech­te­ren Jah­res­er­geb­nis kei­ne Kürzung er­fol­ge und bei gu­ten Jah­res­er­geb­nis­sen der Bo­nus je­des Mal erhöht wer­de. Er ha­be da­zu geäußert, schließlich sei der Ein­satz der Kläge­rin gleich wie im Vor­jahr ge­we­sen, wes­halb ei­ne Kürzung nicht ge­recht­fer­tigt sei.
c) Aus die­sem tatsächli­chen Ver­hal­ten im Zu­sam­men­hang mit den be-
haup­te­ten Äußerun­gen des Ge­sell­schaf­ters kann ein An­ge­bot der Be­klag­ten ge­fol­gert wer­den, das die Kläge­rin durch schlüssi­ges Ver­hal­ten an­ge­nom­men hat (§ 151 BGB). Das Lan­des­ar­beits­ge­richt hat die Möglich­keit der Aus­le­gung ei­ner Zu­sa­ge dem Grun­de nach über­g­an­gen und da­mit die §§ 133, 157 BGB ver­letzt. Es hat rechts­feh­ler­haft ei­nen in­di­vi­du­al­recht­li­chen An­spruch schon des­halb ver­neint, weil die Zah­lung nicht in ei­ner be­stimm­ten Höhe zu­ge­sagt wor­den sei. Es ist aber ge­ra­de ty­pisch für ei­nen Bo­nus­an­spruch, dass die­ser abhängig ist von ver­schie­de­nen Kom­po­nen­ten, wie zB dem Be­triebs­er­geb­nis und/oder ei­ner persönli­chen Leis­tung, und da­her schwankt. Es er­scheint oh­ne Wei­te­res möglich, dass auf­grund der jähr­li­chen Zah­lun­gen in Ver­bin­dung mit dem tatsächli­chen Ver­hal­ten der Be­klag­ten die An­nah­me der Kläge­rin ge­recht­fer­tigt war, die Be­klag­te wol­le sich hin­sicht­lich der Bo­nus­zah­lun­gen in ir­gend­ei­ner Wei­se auf Dau­er bin­den. Soll­te über den Grund des An­spruchs je­des Jahr neu ent­schie­den wer­den, hätte es na­he ge­le­gen, auf die Ein­ma­lig­keit der Zah­lung be­son­ders hin­zu­wei­sen.
4. Der Se­nat kann auf­grund des fest­ge­stell­ten Sach­ver­halts we­der über
a) Hin­sicht­lich des An­spruchs­grun­des un­ter­liegt es der tatrich­ter­li­chen
Prüfung, ob und ge­ge­be­nen­falls in­wie­weit die Be­klag­te den Vor­trag der Kläge­rin über die Äußerun­gen des Ge­sell­schaf­ters der Be­klag­ten be­strit­ten hat (§ 138 Abs. 3 ZPO). Zu klären ist wei­ter­hin, ob der Vor­trag der Be­klag­ten, die Zah­lun­gen sei­en nach frei­em Be­lie­ben in­tern fest­ge­setzt wor­den, den Grund oder nur die Höhe der Zah­lung be­traf. Denk­bar ist auch, dass die Be­klag­te be­haup­ten woll­te, dass sich so­wohl Grund als auch Höhe des An­spruchs nach dem Bo­nus­an­spruch des Geschäftsführers rich­ten soll­ten. Wenn die­ser ei­nen dau­er­haf­ten Bo­nus­an­spruch hat­te, kann das dafür spre­chen, dass auch die Kläge­rin in Zu­kunft ei­nen sol­chen An­spruch er­hal­ten soll­te. Ob der Ehe­mann auf ei­nen Teil sei­ner Leis­tung ver­zich­ten und ob er sei­ner Ehe­frau et­was ver­schaf­fen woll­te, ist im Verhält­nis der Par­tei­en un­er­heb­lich. Zu klären ist, was die Ehe­leu­te be­tref­fend den Bo­nus un­ter­ein­an­der be­spro­chen ha­ben, und ob der ar­beits­ver­trag­lich aus­drück­lich be­gründe­te An­spruch der Kläge­rin auf ein 13. Mo­nats­ge­halt ei­ne Rol­le spielt, ob zB der Bo­nus an die Stel­le des 13. Mo­nats­ge­halts ge­tre­ten ist. Dies wird aus den vor­ge­leg­ten Ab­rech­nun­gen und dem vor­ge­tra­ge­nen Jah­res­ein­kom­men nicht deut­lich.
b) Er­gibt sich ein An­spruch dem Grun­de nach, ist der Be­klag­ten im
Rah­men ei­ner ab­ge­stuf­ten Dar­le­gungs- und Be­weis­last Ge­le­gen­heit zu ge­ben, da­zu vor­zu­tra­gen, nach wel­chen Kri­te­ri­en die Höhe der Zah­lung be­stimmt wur­de. Auch wenn die Kläge­rin hier­zu bis­her kei­ne nach­voll­zieh­ba­re Re­gel vor­ge­tra­gen hat, ist im­mer­hin ein An­stei­gen fest­stell­bar. Es liegt na­he, dass der Bo­nus­an­spruch sich nach dem je­wei­li­gen Geschäfts­er­geb­nis ge­rich­tet hat, so­lan­ge er an­stieg. Ei­ne Rol­le mag auch spie­len, in wel­cher Höhe der Ge­schäftsführer der Be­klag­ten im je­wei­li­gen Jahr ei­nen Bo­nus­an­spruch er­hal­ten hat, hier­aus kann sich ge­ge­be­nen­falls ein be­stimm­ter Bruch­teil er­ge­ben, den die Kläge­rin er­hal­ten soll­te.
Hint­lo­glou Schle­gel
In Be­tracht kommt die An­wen­dung des § 612 Abs. 2 BGB. Da we­der
Mi­kosch Mar­quardt Mest­werdt
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