Source: http://m.hensche.de/Rechtsanwalt_Arbeitsrecht_Urteile_Arbeitsvertrag_2AZR109-86.html
Timestamp: 2018-06-25 15:27:23
Document Index: 127049587

Matched Legal Cases: ['§ 1', '§ 2', '§ 1', '§ 22', '§ 22', '§ 620', '§ 2', '§ 620', '§ 1', '§ 620', '§ 611', '§ 620', '§ 22', '§ 1', '§ 1', '§ 620', '§ 1', '§ 72', '§ 566', '§ 554', '§ 554', '§ 554', '§ 143', '§ 554', '§ 1', '§ 242', '§ 1', '§ 6']

Schlag­worte: Befristung , Befristung: Kettenbefristung, Kettenbefristung, Wiedereinstellung, Zeitvertrag, Befristung: Sachgrund
Akten­zeichen: 2 AZR 109/86
Ent­scheid­ungs­datum: 29.01.1987
1. Auch die wie­der­hol­te Be­fris­tung des Ar­beits­ver­tra­ges mit ei­nem Sai­son­ar­bei­ter kann sach­lich ge­recht­fer­tigt sein.
2. Der Ar­beit­neh­mer kann aber un­ter dem Ge­sichts­punkt des Ver­trau­ens­schut­zes ei­nen An­spruch auf Wie­der­ein­stel­lung ha­ben. Ein Ver­trau­en­stat­be­stand liegt vor, wenn Jahr für Jahr al­le Ar­beit­neh­mer in der Sai­son wie­der­ein­ge­stellt wer­den, die dies ver­lan­gen, der Ar­beit­ge­ber den Be­ginn der Sai­son oh­ne Vor­be­halt am Schwar­zen Brett be­kannt gibt und so­gar Ar­beit­neh­mer neu ein­stellt.
Vor­ins­tan­zen: ArbG Rheine
16 Sa 1341/85 Hamm
29. Ja­nu­ar 1987
'hat der Zwei­te Se­nat des Bun­des­ar­beits­ge­richts auf­grund der münd­li­chen Ver­hand­lung vom 29. Ja­nu­ar 1987 durch den Vor­sit­zen­den Rich­ter Hil­le­brecht, die Rich­ter Dr. Wel­ler und Ascheid so­wie die eh­ren­amt­li­chen Rich­ter Brock­sie­pe und Wal­ter für Recht er­kannt:
Die Re­vi­si­on des Klägers ge­gen das Ur­teil des Lan­des­ar­beits­ge­richts Hamm vom 15. No­vem­ber
1985 - 16 Sa 1341/85 - wird auf sei­ne Kos­ten zurück­ge­wie­sen.
Die Par­tei­en strei­ten über die Wirk­sam­keit ei­ner Be­fris­tung, auf­grund de­rer das in der Ver­gan­gen­heit je­weils be­gründe­te Ar­beits­verhält­nis auf die Dau­er der Sai­son be­grenzt wur­de. Hilfs­wei­se be­gehrt der Kläger sei­ne Wie­der­ein­stel­lung für die Zeit ab dem 11. Fe­bru­ar 1985.
Der Kläger war bei der Be­klag­ten seit 1974 je­weils auf­grund sai­son­be­fris­te­ter Ar­beits­verträge als Ar­bei­ter in der Spei­se­e­is­pro­duk­ti­on beschäftigt. Zu­letzt schlos­sen die Par­tei­en un­ter dem 1. Fe­bru­ar 1984 ei­nen Ar­beits­ver­trag, in dem u.a. fol­gen­des ver­ein­bart wur­de:
"'§ 1 Be­ginn und En­de des Ar­beits­verhält­nis­ses
Der Ar­beit­neh­mer wird für die Zeit vom 01.02.1984 bis zum En­de der Sai­son (Pro­duk­ti­ons­en­de + Rest­ur­laub) ein­ge­stellt. Das En­de der Sai­son (Pro­duk­ti­ons­en­de) wird zwi­schen Fir­ma und Be­triebs­rat recht­zei­tig fest­ge­legt und be­kannt ge­ge­ben. Die Be­kannt­ga­be des End­ter­mins muß min­des­tens 10 Ta­ge vor En­de des Ar­beits­verhält­nis­ses lie­gen.
Im Ab­satz der Pro­duk­ti­ons­mit­tel und Be­schaf­fen­heit der Fir­ma (Spei­se­e­is­pro­duk­ti­on in der Süßwa­ren­in­dus­trie) liegt die Be­fris­tung des Ar­beits­verhält­nis­ses. Mit Ab­lauf des End­ter­mins en­det das Ar­beits­verhält­nis, oh­ne daß es ei­ner Kündi­gung be­darf und kann während die­ser Zeit bei­der­seits mit ei­ner Frist von 6 Ta­gen gekündigt wer­den. Die ge­setz­li­chen Be­stim­mun­gen über die außer­or­dent­li­che Kündi­gung blei­ben un­berührt.
Für die­ses Ar­beits­verhält­nis gel­ten die Be­stim­mun­gen der gülti­gen Ta­rif­verträge für die Ar­beit­neh­mer der Süßwa­ren­in­dus­trie."
In dem Bun­des­man­tel­ta­rif­ver­trag für Ar­beit­neh­mer der Süßwa­ren­in­dus­trie vom 20. Ju­ni 1983 (BMTV) ist in § 2 Zif­fer 6 fol­gen­des ge­re­gelt:
"Be­fris­te­te Ar­beits­verhält­nis­se en­den oh­ne Kündi­gung, wenn die Zeit erfüllt oder der Zweck er­reicht ist, und können während die­ser Zeit bei­der­seits
a) bei An­ge­stell­ten mit ei­ner Frist von ei­nem Mo­nat zum Mo­nats­en­de,
b) bei ge­werb­li­chen Ar­beit­neh­mern mit ei­ner Frist von 6 Ta­gen gekündigt wer­den.
Wird das Ar­beits­verhält­nis über die ver­ein­bar­te Zeit oder den ver­ein­bar­ten Zweck hin­aus fort­ge­setzt, so gilt es als un­be­fris­te­tes Ar­beits­verhält­nis gemäß Zif­fer 5.
Ar­beits­verhält­nis­se ge­werb­li­cher Ar­beit­neh­mer, die für die Sai­son (z. B. Weih­nachts- und Os­ter­geschäft, Eis­krem­geschäft) zusätz­lich ein­ge­stellt wer­den, gel­ten zum Sai­son­schluß als von vorn­her­ein be­fris­tet. Sie sind zum Sai­son­schluß be­en­det, der für die Be­trie­be bzw. Be­triebs­ab­tei­lun­gen vom Ar­beit­ge­ber im Ein­verständ­nis mit dem Be­triebs­rat fest­ge­setzt wird und den be­trof­fe­nen Ar­beit­neh­mern 6 Ta­ge vor­her an­zukündi­gen ist.
Muß die Sai­son gemäß Abs. 3 aus­nahms­wei­se über den fest­ge­setz­ten Sai­son­schluß hin­aus aus­ge­dehnt wer­den, so können die hier­von be­trof­fe­nen ge­werb­li­chen Ar­beit­neh­mer für kur­ze Zeit - bis zu höchs­tens 4 Wo­chen wei­ter­beschäftigt wer­den. Während die­ser Zeit kann das be­fris­te­te Ar­beits­verhält­nis mit ei­ner Ankündi­gungs­frist von 3 Werk­ta­gen be­en­det wer­den."
Der zu­letzt er­ziel­te St­un­den­lohn des Klägers be­trug 11,91 DM brut­to bei ei­ner wöchent­li­chen Ar­beits­zeit von 40 St­un­den. Die Be­klag­te beschäftig­te am En­de der Sai­son 1984 ca. 125 Ar­beit­neh­mer. Die Be­klag­te zahl­te an ih­re Ar­beit­neh­mer ein Weih­nachts-
geld. In ei­nem Be­gleit­schrei­ben hieß es u.a. wie folgt:
"Die­se Zah­lung ge­ben wir ger­ne und möch­ten auf die­sem We­ge un­se­ren persönli­chen Dank für Ih­re Mit­ar­beit aus­spre­chen und Ih­nen für be­son­de­ren Ein­satz dan­ken. Da­mit ver­bin­den wir die Hoff­nung, daß auch im kom­men­den Jahr ei­ne gu­te und er­freu­li­che Zu­sam­men­ar­beit möglich sein wird."
Zwi­schen den Par­tei­en ist strei­tig, ob der Kläger die­ses An­schrei­ben auch, wie er be­haup­tet, 1984 er­hal­ten hat.
Nach­dem die Be­klag­te An­fang Fe­bru­ar 1985 mit der Wie­der­ein­stel­lung von Sai­son­ar­beit­neh­mern be­gon­nen hat­te, bot der Kläger am 11. Fe­bru­ar 1985 sei­ne Ar­beits­kraft der Be­klag­ten.an. Ihm würde .mit­ge­teilt, daß ei­ne Wie­der­ein­stel­lung nicht in Be­tracht käme. Zu Be­ginn der Sai­son 1985 beschäftig­te die Be­klag­te 106 Ar­beit­neh­mer. Ob die Be­klag­te le­dig­lich die Wie­der­ein­stel­lung des Klägers ab­ge­lehnt hat, wie der Kläger be­haup­tet, ist zwi­schen den Par­tei­en strei­tig. Un­strei­tig wur­den von den Sai­son­ar­beit­neh­mern der Sai­son 1984 zu Be­ginn der Sai­son 1985 nicht wie­der ein­ge­stellt die Ar­beit­neh­mer D , H , J , L, M und M , die zum Teil das Ren­ten­al­ter er­reicht hat­ten oder we­gen Mut­ter­schafts­ur­laub nicht mehr ar­bei­te­ten.
Ge­gen die Ab­leh­nung der Wei­ter­beschäfti­gung wehrt sich der Kläger mit der vor­lie­gen­den am 4. Märt 1985 bei dem Ar­beits­ge­richt er­ho­be­nen Kla­ge.
Der Kläger hat vor­ge­tra­gen, die im Ar­beits­ver­trag vom 1. Fe­bru­ar 1984 ver­ein­bar­te Be­fris­tung sei un­wirk­sam. Zwi­schen
den Par­tei­en be­ste­he ein Sai­son­ar­beits­verhält­nis mit der Maßga­be, daß die Be­klag­te ver­pflich­tet sei, ihn jähr­lich ab Frühjahr für die Dau­er der neu­en Sai­son zu beschäfti­gen. Er sei seit 1974 im­mer während der Sai­son beschäftigt wor­den. Dem­ent­spre­chend ha­be er auch da­von aus­ge­hen können, daß er ab Fe­bru­ar 1985 wie­der von der Be­klag­ten für die Sai­son beschäftigt wer­de. Auf­grund be­trieb­li­cher Übung sei aus dem ursprüng­lich be­fris­te­ten Ar­beits­verhält­nis ein Dau­er­ar­beits­verhält­nis ge­wor­den. Der Um­stand, daß die Be­klag­te nur sai­son­wei­se über Beschäfti­gungsmöglich­kei­ten verfüge, könne ei­ne Be­fris­tung des Ar­beits­verhält­nis­ses oh­ne Wie­der­ein­stel­lungs­ver­pflich­tung nicht recht­fer­ti­gen. Die Be­klag­te sei zur Wie­der­ein­stel­lung ver­pflich­tet. Der Wort­laut des Be­gleit­schrei­bens zum Weih­nachts­geld ent­hal­te ei­ne Wie­der­ein­stel­lungs­zu­sa­ge. Außer­dem er­ge­be sich ei­ne Wie­der­ein­stel­lungs­ver­pflich­tung un­ter dem Ge­sichts­punkt der Gleich­be­hand­lung. Außer ihm sei­en al­le Sai­son­ar­beits­kräfte wie­der ein­ge­stellt wor­den. Selbst wenn die Be­klag­te nicht al­le Sai­son­ar­beits­kräfte wie­der ein­ge­stellt ha­be, so sei sie zur so­zia­len Aus­wahl ver­pflich­tet. Nach den Grundsätzen der So­zi­al­aus­wahl sei sie ver­pflich­tet, ihn wie­der ein­zu­stel­len. Zu­min­dest hätte die Be­klag­te ihn wie­der ein­stel­len müssen, be­vor sie den Ar­beit­neh­mer Ü neu für den Pa­let­tier­raum ein­ge­stellt ha­be.
fest­zu­stel­len, daß zwi­schen den Par­tei­en ein Sai­son­ar­beits­verhält­nis mit der Maßga­be be­steht, daß die Be­klag­te ver­pflich­tet ist, ihn jähr­lich ab dem Frühjahr für die Dau­er der je­wei­li­gen Sai­son zu beschäfti­gen,
die Be­klag­te zu ver­ur­tei­len, ihn ab dem 11. Fe­bru­ar 1985 als Ar­bei­ter in der Spei­se­e­is­pro­duk­ti­on wie­der ein­zu­stel­len.
Zur Be­gründung hat sie vor­ge­tra­gen, die Ver­ein­ba­rung der Be­fris­tung im Ar­beits­ver­trag vom 1. Fe­bru­ar 1984 sei wirk­sam. Das Sai­son­ar­beits­verhält­nis gel­te als ty­pi­scher Fall des zulässi­ger­wei­se be­fris­te­ten Ar­beits­verhält­nis­ses. Die vom Kläger an­ge­streb­te Ein­ord­nung als Dau­er­ar­beits­verhält­nis ste­he we­der mit den In­ter­es­sen der Be­klag­ten im Ein­klang, die sich auf je­wei­li­ge Pro­duk­ti­ons­schwan­kun­gen ein­stel­len müsse, noch könne ei­ne der­ar­ti­ge Bin­dung im In­ter­es­se der Sai­son­kräfte lie­gen. Es sei zwei­fel­haft, daß sie für die Dau­er ih­rer Nicht­beschäfti­gun­gen Leis­tun­gen des Ar­beits­am­tes in An­spruch neh­men könn­ten. Im übri­gen sei das Ver­trau­en der Be­klag­ten auf die Wirk­sam­keit der ver­ein­bar­ten Be­fris­tung geschützt. Auch be­ste­he kein Wie­der­ein­stel­lungs­an­spruch des Klägers. 1984 ha­be der Kläger das von ihm an­geführ­te Be­gleit­schrei­ben nicht er­hal­ten. In die­sem Be­gleit­schrei­ben sei auch kein Wie­der­ein­stel­lungs­ver­spre­chen ge­ge­ben wor­den. Es lie­ge auch kein Ver­s­toß ge­gen den Gleich­be­hand­lungs­grund­satz vor, da we­gen ei­nes er­heb­li­chen Um­satzrück­gan­ges kei­nes­wegs al­le Sai­son­ar­beits­kräfte wie­der ein­ge­stellt wor­den sei­en. Im übri­gen be­ste­he bei der Wie­der­ein­stel­lung von Sai­son­ar­beits­kräften kei­ne Ver­pflich­tung, ei­ne So­zi­al­aus­wahl vor­zu­neh­men. Schon aus die­sem Grun­de ha­be sie den Ar­beit­neh­mer ü statt des Klägers neu ein­stel­len dürfen.
Das Ar­beits­ge­richt hat der Kla­ge statt­ge­ge­ben. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt hat auf die Be­ru­fung der Be­klag­ten das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts ab­geändert und die Kla­ge ab­ge­wie­sen. Mit der Re­vi­si­on be­gehrt der Kläger die Wie­der­her­stel­lung des Ur­teils des Ar­beits­ge­richts, während die Be­klag­te be­an­tragt, die Re­vi­si­on zurück­zu­wei­sen.
A. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt hat an­ge­nom­men, die Be­fris­tung des Sai­son­ar­beits­ver­tra­ges zwi­schen den Par­tei­en sei wirk­sam. Es ist da­bei von den Rechts­grundsätzen, die das Bun­des­ar­beits­ge­richt zur Be­fris­tungs­kon­trol­le ent­wi­ckelt hat, aus­ge­gan­gen. Es hat dar­auf hin­ge­wie­sen, daß die Be­fris­tung von Ar­beits­verträgen im Sai­son­ge­wer­be der Spei­se­e­is­pro­duk­ti­on üblich sei, wie sich aus dem ein­schlägi­gen Ta­rif­ver­trag er­ge­be. Die Re­ge­lung der Be­fris­tung in ei­nem Ta­rif­ver­trag spre­che für die Zulässig­keit der Be­fris­tung, da zu er­war­ten sei, daß in ei­nem Ta­rif­ver­trag auch die schutz­wer­ten In­ter­es­sen der Ar­beit­neh­mer hin­rei­chend berück­sich­tigt sei­en. Aus den be­son­de­ren Umständen des vor­lie­gen­den Fal­les er­ge­be sich kei­ne ab­wei­chen­de Be­ur­tei­lung. Viel­mehr er­ge­be sich aus der be­son­de­ren Be­triebs­struk­tur der Sai­son­be­trie­be ein sach­li­cher Grund für die Be­fris­tung. Auch wenn der Ar­beits­platz des Sai­son­ar­bei­ters re­gelmäßig und in vor­aus­seh­ba­rem Ab­stand wie­der zu be­set­zen sei, lie­ge in der Ver­ein­ba­rung der Be­fris­tung kei­ne Um­ge­hung des Kündi­gungs­schutz­ge­set­zes. Auch bei An­wen­dung des Kündi­gungs­schutz­ge­set­zes wäre ei­ne Kündi­gung we­gen Aus­lau­fens der
Sai­son be­triebs­be­dingt. Ei­ne So­zi­al­aus­wahl gäbe es in die­sem Fal­le nicht, da al­le Sai­son­ar­bei­ter aus­schei­den würden.
Auch der Hilfs­an­trag sei nicht be­gründet. Ei­nen all­ge­mei­nen Wie­der­ein­stel­lungs­an­spruch ken­ne die Rechts­ord­nung nicht. Ei­ne ver­trag­li­che Ver­ein­ba­rung über die Wie­der­ein­stel­lung sei nicht ge­schlos­sen wor­den. Auch ein An­spruch des Klägers nach den Grundsätzen der Ver­trau­ens­haf­tung kom­me nicht in Be­tracht. Al­lein der Tat­be­stand der wie­der­hol­ten Neu­ein­stel­lung be­gründe ei­nen sol­chen Ver­trau­en­stat­be­stand nicht. Aus der nach­wir­ken­den Fürsor­ge­pflicht sei die Be­klag­te nicht ver­pflich­tet, den Kläger wie­der ein­zu­stel­len, weil sich aus der nach­wir­ken­den Fürsor­ge­pflicht nur ein Wie­der­ein­stel­lungs­an­spruch er­ge­be, wenn der Ar­beit­ge­ber ein be­son­de­res Kündi­gungs­recht für sich be­an­sprucht ha­be, des­sen Vor­aus­set­zun­gen später weg­ge­fal­len sei­en. Auf den Gleich­be­hand­lungs­grund­satz könne der Kläger sich schon des­halb nicht be­ru­fen, weil 1985 un­strei­tig nicht al­le Ar­beit­neh­mer der Sai­son 1984 wie­der ein­ge­stellt wor­den sei­en. Der ent­spre­chen­den An­wen­dung von § 1 KSchG könne eben­so­we­nig ein Wie­der­ein­stel­lungs­an­spruch ent­nom­men wer­den. Die Vor­schläge für ei­ne der­ar­ti­ge Lösung hätten kei­ne Rechts­grund­la­ge im gel­ten­den Recht.
B. Die Ausführun­gen des Be­ru­fungs­ge­richts zum Fest­stel­lungs­an­trag hal­ten der re­vi­si­onrecht­li­chen Ober­prüfung stand.
I. Nach der ständi­gen Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts zur Zulässig­keit der Be­fris­tung von Ar­beits­verträgen (vgl. u.a. Be­schluß des Großen Se­nats vom 12. Ok­to­ber 1960 - GS 1/59 - BA­GE
10, 65 f. = AP Nr. 16; BAG Ur­teil vom 3. Ju­li 1970 - 2 AZR 380/69 - AP Nr. 33; BAG Ur­teil vom 4. Fe­bru­ar 1971 - 2 AZR 144/70 AP Nr. 35; BA­GE 25, 125 = AP Nr. 38; BA­GE 31, 40 = AP Nr. 46; BA­GE 32, 85 = AP Nr. 50; BA­GE 36, 229 = AP Nr. 54; BAG Ur­teil vom 14. Ja­nu­ar 1982 - 2 AZR 254/81 - BA­GE 37, 305 = AP Nr. 64; BAG Ur­teil vom 14. Ja­nu­ar 1982 - 2 AZR 254/81 - BA­GE 37, 324 = AP Nr. 65 so­wie BA­GE 39, 38 = AP Nr. 68, al­le zu 5 620 BGB Be­fris­te­ter Ar­beits­ver­trag) sind Be­fris­tun­gen dann un­zulässig, wenn sie als Ge­stal­tungs­mit­tel ob­jek­tiv funk­ti­ons­wid­rig ver­wen­det wer­den. Das ist dann an­zu­neh­men, wenn dem Ar­beit­neh­mer der durch die Kündi­gungs­schutz­be­stim­mun­gen gewähr­leis­te­te Be­stand­schutz oh­ne sach­li­chen Grund ent­zo­gen wird. In ei­nem sol­chen Fal­le hätte ein verständig und so­zi­al den­ken­der Ar­beit­ge­ber von vorn­her­ein ei­nen Ar­beits­ver­trag auf un­be­stimm­te Zeit ge­schlos­sen. Die be­fris­te­ten Verträge müssen al­so ih­re sach­li­che Recht­fer­ti­gung so in sich tra­gen, daß sie die Kündi­gungs­schutz­vor­schrif­ten nicht be­ein­träch­ti­gen. Sach­lich ge­recht­fer­tigt muß nicht nur die Be­fris­tung an sich, son­dern ge­ra­de auch die gewähl­te Dau­er der Be­fris­tung sein. Die von den Par­tei­en ver­ein­bar­te Dau­er ist da­bei an den Sach­gründen der Be­fris­tung zu ori­en­tie­ren (BA­GE 39, 38, 44).
Für die Fra­ge, ob ein sach­li­cher Grund vor­liegt, ist ins­be­son­de­re auf die Üblich­keit im Ar­beits­le­ben ab­zu­stel­len, so­fern sie nach Auf­fas­sung verständi­ger und ver­ant­wor­tungs­be­wußter Ver­trags­part­ner be­rech­tigt ist. Die Umstände des Ein­zel­fal­les ge­win­nen ei­ne Be­deu­tung, wenn die da­mit ver­bun­de­nen In­ter­es­sen ein sol­ches Ge­wicht ha­ben, daß es ge­bo­ten ist, sie vor den ge­ne­rel­len
Umständen zu berück­sich­ti­gen.
II. Vor­lie­gend ist die Zulässig­keit der Be­fris­tung des Ar­beits­ver­tra­ges mit ei­nem Sai­son­ar­beit­neh­mer zu be­ur­tei­len.
1. Im Un­ter­schied zum Kam­pa­gne­be­trieb, bei dem die Be­triebstätig­keit sich auf ei­nen Teil des Jah­res be­schränkt, ar­bei­ten Sai­son­be­trie­be während des ge­sam­ten Jah­res, al­ler­dings in ei­ner be­stimm­ten Jah­res­zeit verstärkt (vgl. da­zu Wol­te­rek/Le­we­renz, AR-Blat­tei, Sai­son- und Kam­pa­gne­ar­beit, zu A I 3; KR-Grönin­ger, 2. Aufl., § 22 KSchG Rz 6; Her­schel/Löwisch, KSchG, 6. Aufl., § 22 Rz 2).
2. Im Be­schluß des Großen Se­nats vom 12. Ok­to­ber 1960 (aa0) hat das Bun­des­ar­beits­ge­richt aus­geführt, die Be­fris­tung von AP-Ar­beits­verträgen bei Sai­son­ar­beit­neh­mern sei ein ty­pi­sches Bei­spiel für zulässi­ge Be­fris­tun­gen. Der sach­li­che Grund für die Be­fris­tung wird in der be­son­de­ren Be­triebs­struk­tur der Sai­son­be­trie­be ge­se­hen (KR-Hil­le­brecht, 2. Aufl., § 620 BGB Rz 182 und Wol­te­rek/Le­we­renz, aa0, B I 1). Auf­grund der jah­res­zeit­lich sehr un­ter­schied­li­chen Be­triebstätig­keit kann in Sai­son­be­trie­ben ne­ben ei­ner ver­gleichs­wei­se klei­nen Stamm­be­leg­schaft nur für die "Sai­son", ei­ne vorüber­ge­hen­de Zeit, der Sai­son­ar­bei­ter beschäftigt wer­den. Darüber hin­aus be­steht für sei­ne Beschäfti­gung kein Bedürf­nis.
3. Dem­ent­spre­chend ha­ben auch die Ta­rif­ver­trags­par­tei­en in dem Man­tel­ta­rif­ver­trag für Ar­beit­neh­mer der Süßwa­ren­in­dus­trie vom
20. Ju­ni 1983 in § 2 Zif­fer 6 ins­be­son­de­re die Ar­beits­verhält­nis­se ge­werb­li­cher Ar­beit­neh­mer für die Sai­son in der Wei­se ge­re­gelt, daß Sai­son­ar­beits­verhält­nis­se von vorn­her­ein als zum Sai­son­schluß be­fris­tet gel­ten sol­len. Als Bei­spiel für Sai­son­be­trie­be ist ins­be­son­de­re das Eis­krem­geschäft in dem Ta­rif­ver­trag auf­geführt. Dar­aus er­gibt sich ei­ne Üblich­keit für die Be­fris­tung von Sai­son­ar­beits­verträgen im Be­reich der Eis­kre­m­in­dus­trie, die die Ver­mu­tung ei­nes an­ge­mes­se­nen In­ter­es­sen­aus­gleichs für sich hat, denn die Ta­rif­ver­trags­par­tei­en können die für den sach­li­chen Grund maßgeb­li­chen Ge­sichts­punk­te am bes­ten be­ur­tei­len, ins­be­son­de­re die wirt­schaft­li­chen u n d so­zia­len Aus­wir­kun­gen ei­ner Be­fris­tung. Es ist des­halb grundsätz­lich auch zu er­war­ten, daß bei der ta­rif­li­chen Re­ge­lung die schutz­wer­ten In­ter­es­sen der Ar­beit­neh­mer hin­rei­chend berück­sich­tigt wor­den sind (KR-Hil­le-brecht, 2. Aufl., § 620 BGB Rz 135/136; Münch­Komm-Schwerdt­ner, 620 BGB Rz 76). Hat die ta­rif­ver­trag­li­che Re­ge­lung der Be­fris­tung zwar die Ver­mu­tung ei­nes an­ge­mes­se­nen In­ter­es­sen­aus­gleichs für sich, können im Ein­zel­fall je­doch nach ei­ner im Schrift­tum ver­tre­te­nen Auf­fas­sung Umstände vor­lie­gen, die der Wirk­sam­keit der Ta­rif­klau­sel ent­ge­gen­ste­hen (Wie­de­mann/Stumpf, TVG, 5. Aufl., Ein­lei­tung Rz 145, § 1 Rz 229; KR-Hil­le­brecht, 2. Aufl., § 620 BGB Rz 136 m.w.N.). Dem­ge­genüber hat der Se­nat bis­lang nicht ab­sch­ließend ent­schie­den, ob ta­rif­li­che Be­fris­tungs­klau­seln in die­sem Um­fang der ge­richt­li­chen Kon­trol­le un­ter­lie­gen, oder ob es in­so­weit um ta­rif­dis­po­si­ti­ves Richter­recht geht (Ur­tei­le vom 21. Mai 1981 - 2 AZR 1117/78 - BA­GE 35, 309 = AP Nr. 15 zu § 611 BGB Bühnen­en­ga­ge­ments­ver­trag und vom 20. De­zem­ber 1984 - 2 AZR 3/84 AP Nr. 9 zu § 620 BGB Be-
din­gung).
4. Die­se Klärung ist auch vor­lie­gend ent­behr­lich, weil sich aus den be­son­de­ren Umständen des Ein­zel­fal­les nichts er­gibt, das ge­gen die Zulässig­keit der Be­fris­tung spricht:
a) Zwar zeich­net sich der vor­lie­gen­de Fall da­durch aus, daß die Be­klag­te mit dem Kläger seit 1974 jähr­lich ei­nen be­fris­te­ten Sai­son­ar­beits­ver­trag ge­schlos­sen hat. Für sol­che Fälle hält Wie­de­mann (Fest­schrift Hein­rich Lan­ge, 1970, 395, 406) die Be­fris­tung we­nigs­tens dann für un­zulässig, wenn der Ar­beits­platz in re­gelmäßigen und vor­aus­seh­ba­ren Abständen wie­der zu be­set­zen ist und in die­sem Fal­le ein un­be­fris­te­ter Ver­trag dem Ar­beit­neh­mer ei­ne Le­bens­grund­la­ge bie­ten könn­te (Kell­ner, Ski­leh­rer).
aa) Für die vor­lie­gen­de Fall­ge­stal­tung weist da­mit Wie­de­mann (aa0) auf ein Pro­blem hin, das ei­ne dif­fe­ren­zier­te recht­li­che Be­hand­lung des Sai­son­ar­beits­verhält­nis­ses recht­fer­tigt, aber nicht zur Un­zulässig­keit der Be­fris­tung führt. Ein Sai­son­ar­beits­verhält­nis, das im we­sent­li­chen die Exis­tenz­grund­la­ge ei­nes Ar­beit­neh­mers über ei­nen länge­ren Zeit­raum (hier zehn Jah­re) ist nähert sich von der In­ter­es­sen­la­ge her ei­nem Ar­beits­verhält­nis auf un­be­stimm­te Zeit.
bb) Es bleibt aber die un­ter­schied­li­che Be­triebs­struk­tur des Sai­son­be­trie­bes ge­genüber an­de­ren Be­trie­ben, die es auch bei An­wen­dung des Kündi­gungs­schutz­ge­set­zes dem Ar­beit­ge­ber er­laub­te, sämt­li­chen Sai­son­ar­bei­tern je­des Jahr wie­der be­triebs­be­dingt zu
kündi­gen, weil nach Ab­lauf der Sai­son kein Bedürf­nis mehr für die Beschäfti­gung des Sai­son­ar­bei­ters vor Be­ginn der neu­en Sai­son be­steht. In ei­nem sol­chen Fal­le wird auch nicht ob­jek­tiv die Pflicht des Ar­beit­ge­bers zur so­zia­len Aus­wahl um­gan­gen, weil es in die­sen Fällen auch bei ei­ner be­triebs­be­ding­ten Kündi­gung ei­ne Pflicht zur so­zia­len Aus­wahl nicht gibt, wenn a l l e n Sai­son­ar­beit­neh­mern gekündigt wird.
b) Auch die Tat­sa­che, daß die Be­klag­te ei­nen Mol­ke­rei­be­trieb und ei­ne Eis­krem­fer­ti­gung be­treibt, spricht nicht ge­gen die Zulässig­keit der Be­fris­tung. Der Kläger hat nämlich in den Tat­sa­chen­in­stan­zen auch nicht an­deu­tungs­wei­se et­was dafür vor­ge­tra­gen, daß zum Zeit­punkt des Ab­schlus­ses der Be­fris­tungs­ver­ein­ba­rung ei­ne Beschäfti­gungsmöglich­keit auf un­be­stimm­te Zeit in der Mol­ke­rei vor­ge­le­gen ha­be. Den Kläger trifft aber für das Feh­len ei­nes sach­li­chen Grun­des die Dar­le­gungs- und Be­weis­last (BA­GE GS vom 12. Ok­to­ber 1960, aa0; BA­GE 39, 38, 46 m.w.N.). Die Be­weisführungs­last kann nur nach La­ge des je­wei­li­gen Fal­les sich in der Wei­se ändern, daß der Ar­beit­ge­ber sei­ner­seits das Vor­brin­gen des Ar­beit­neh­mers, das dem ers­ten An­schein nach zu­tref­fend ist, durch Ge­gen­dar­le­gun­gen und Ge­gen­be­wei­se zu ent­kräften hat. Vor­aus­set­zung für ei­ne sol­che Er­leich­te­rung ist aber zunächst ein schlüssi­ger Vor­trag des Ar­beit­neh­mers.
c) Sch­ließlich spricht auch die Re­ge­lung von § 22 Abs. 1 KSchG nicht ge­gen die Zulässig­keit der vor­lie­gen­den Be­fris­tung. Nach 22 Abs. 1 KSchG fin­den al­lein die Vor­schrif­ten des drit­ten Ab­schnitts über an­zei­ge­pflich­ti­ge Ent­las­sun­gen kei­ne An­wen­dung
auf Sai­son­be­trie­be und Kam­pa­gne­be­trie­be. Hier­aus läßt sich we­der für noch ge­gen die Zulässig­keit von Be­fris­tun­gen in Sai­son­be­trie­ben et­was ent­neh­men. So­weit die Re­vi­si­on zum Aus­druck brin­gen will, § 1 KSchG gel­te auch für Sai­son­be­trie­be, ist dies zu­tref­fend. Dar­aus er­gibt sich aber wie­der­um nichts für die Fra­ge ei­ner zwi­schen den Par­tei­en ver­ein­bar­ten Be­fris­tung.
d) Auch die Tat­sa­che, daß die Be­klag­te die Be­fris­tung nicht mit ei­nem An­ge­bot zum Ab­schluß ei­nes Vor­ver­tra­ges über ei­ne Wie­der­ein­stel­lung zur nächs­ten Sai­son ver­bun­den hat, führt nicht zur Un­wirk­sam­keit der Be­fris­tung (so aber Wol­te­rek/Le­we­renz, aa0, I B IV b). Wol­te­rek/Le­we­renz (aa0) lei­ten ih­re ent­ge­gen­ste­hen­de Lösung un­mit­tel­bar aus § 1 Abs. 2 KSchG ab, der vom Ar­beit­ge­ber ver­langt, - wenn möglich - die be­trieb­li­chen In­ter­es­sen durch we­ni­ger ein­schnei­den­de Maßnah­men als durch ei­ne Kündi­gung zu wah­ren. Die­se Auf­fas­sung schei­tert aber be­reits dar­an, daß das Kündi­gungs­schutz­ge­setz ge­ra­de nicht für be­fris­te­te Ar­beits­verhält­nis­se gilt und des­halb der Wer­tungs­wi­der­spruch zwi­schen § 620 Abs. 1 BGB und § 1 KSchG durch ei­ne richter­recht­li­che Be­fris­tungs­kon­trol­le gelöst wer­den mußte, die seit dem Be­schluß des Großen Se­nats vom 12. Ok­to­ber 1960 (aa0) auf dem Rechts­grund­satz be­ruht, daß ei­ne Be­fris­tung dann un­wirk­sam ist, wenn durch sie Ge­set­ze zum Schut­ze des Ar­beit­neh­mers vor Kündi­gun­gen ob­jek­tiv um­gan­gen wer­den. Das schließt al­ler­dings nicht aus, daß un­ter dem Ge­sichts­punkt des Ver­trau­ens­schut­zes im kon­kre­ten Fall ein An­spruch auf Wie­der­ein­stel­lung be­ste­hen kann (da­zu un­ter C III).
C. Die Re­vi­si­on ist un­zulässig, so­weit sie sich da­ge­gen wen­det, daß das Be­ru­fungs­ge­richt den vom Kläger hilfs­wei­se gel­tend ge­mach­ten An­trag auf Wie­der­ein­stel­lung ab­ge­wie­sen hat.
I. Nach § 72 Abs. 5 ArbGG gel­ten für das Ver­fah­ren vor dem Bun­des­ar­beits­ge­richt, so­weit das Ge­setz nichts an­de­res be­stimmt, die Vor­schrif­ten der Zi­vil­pro­zeßord­nung über die Re­vi­si­on mit Aus­nah­me des § 566 a ZPO ent­spre­chend. Dem­ent­spre­chend gilt auch § 554 ZPO für das Re­vi­si­ons­ver­fah­ren vor dem Bun­des­ar­beits­ge­richt. Nach § 554 Abs. 3 Nr. 3 ZPO muß die Re­vi­si­ons­be­gründung u.a. die Be­zeich­nung der ver­letz­ten Rechts­norm ent­hal­ten. Das be­deu­tet, daß der Re­vi­si­onsführer für je­den von meh­re­ren gel­tend ge­mach­ten Ansprüchen dar­le­gen muß, ge­gen wel­che Rechts­norm das Ur­teil ver­s­toßen soll. Dies hat der Se­nat be­reits in ei­nem frühen Ur­teil vom 7. Ju­li 1955 (- 2 AZR 27/53 - AP Nr. 2 zu § 554 ZPO) ent­schie­den, in dem er aus­geführt hat, be­tref­fe die Re­vi­si­on meh­re­re Ansprüche, so genüge es nicht, daß sie nur hin­sicht­lich des ei­nen be­gründet wer­de; viel­mehr müsse die Re­vi­si­ons­be­gründung auch an­ge­ben, auf wel­che Gründe die An­fech­tung hin­sicht­lich der übri­gen Ansprüche gestützt wer­de (vgl. auch schon RAG 153, 85; eben­so Ro­sen­berg/Schwab, Zi­vil­pro­zeßrecht, 12. Aufl., § 143 II 2 c; Baum­bach/Lau­ter­bach/Al­bers/ Hart­mann, ZPO, 44. Aufl., Anm. 4 C zu § 554 ZPO).
II. Vor­lie­gend hat die Re­vi­si­on sich dar­auf be­schränkt dar­zu­le­gen, wes­halb ih­rer Auf­fas­sung nach die Be­fris­tung des Ar­beits­ver­tra­ges un­zulässig sein soll. Mit kei­nem Wort hat sie be­gründet, wes­halb das Ur­teil des Lan­des­ar­beits­ge­richts rechts­feh­ler-
haft sein soll, so­weit es ei­ne Ver­ur­tei­lung der Be­klag­ten zur Wie­der­ein­stel­lung ab­ge­wie­sen hat.
Dem­ent­spre­chend war die Re­vi­si­on in­so­weit un­zulässig.
III. Es erübrigt sich des­halb ei­ne ab­sch­ließen­de Aus­ein­an­der­set­zung mit den Ent­schei­dungs­gründen des Lan­des­ar­beits­ge­richts zum Wie­der­ein­stel­lungs­an­spruch.
Da das Ur­teil des Lan­des­ar­beits­ge­richts auch in­so­weit je­doch' auf rechts­grundsätz­li­chen Erwägun­gen be­ruht, hält der Se­nat fol­gen­de Hin­wei­se für an­ge­zeigt, die die Präju­dizwir­kung der in­so­weit sach­lich nicht über­prüfba­ren Ent­schei­dung re­la­ti­vie­ren.
1. Die Annäherung der In­ter­es­sen­la­gen bei ei­nem ste­tig wie­der­hol­ten be­fris­te­ten Ar­beits­verhält­nis und ei­nem Ar­beits­verhält­nis auf un­be­stimm­te Zeit kann ge­ra­de bei der Fra­ge des Wie­der­ein­stel­lungs­an­spruchs recht­lich re­le­vant wer­den: Auch die­je­ni­gen Au­to­ren, die ei­nen An­spruch auf Wie­der­ein­stel­lung nur ganz aus­nahms­wei­se be­ja­hen (vgl. die ausführ­li­che An­mer­kung von Wank zum Se­nats­ur­teil vom 15. März 1984 - 2 AZR 24/83 - AP Nr. 2 zu § 1 KSchG 1969 So­zia­le Aus­wahl) leh­nen in Fall­ge­stal­tun­gen der vor­lie­gen­den Art nicht von vorn­her­ein ei­nen An­spruch auf Wie­der­ein­stel­lung ab. Hu­eck (KSchG, 10. Aufl., S 22 Zif­fer 6) führt z.B. aus, ei­ne Pflicht des Ar­beit­ge­bers, ent­las­se­ne Ar­beit­neh­mer bei Be­ginn der nächs­ten Sai­son wie­der ein­zu­stel­len, be­ste­he im all­ge­mei­nen nicht. Ei­ne Aus­nah­me könne sich nur bei Vor­lie­gen ganz be­son­de­rer Umstände er­ge­ben, na­ment­lich wenn der Ar­beit­ge­ber
ganz re­gelmäßig al­le am En­de des vo­ri­gen Beschäfti­gungs­ab­schnitts oh­ne Vor­be­halt ent­las­se­nen Ar­beit­neh­mer wie­der ein­stellt, und zwar der­art, daß die Ar­beit­neh­mer nach Treu und Glau­ben, wie der Ar­beit­ge­ber weiß, mit der Wie­der­ein­stel­lung fest rech­nen, der Ar­beit­ge­ber auch we­der bei frühe­ren noch bei der letz­ten Ent­las­sung ir­gend­ei­nen Vor­be­halt ge­macht hat.
2. Vor­lie­gend ist der Kläger zehn Jah­re hin­ter­ein­an­der be­fris­tet als Sai­son­ar­bei­ter zur nächs­ten Sai­son wie­der ein­ge­stellt wor­den. Ob je­weils al­le Ar­beit­neh­mer wie­der ein­ge­stellt wor­den sind, ist nicht auf­geklärt. Dafür ist aber un­strei­tig, daß die Be­klag­te En­de der Sai­son 1984 das En­de des Sai­son­ar­beits­verhält­nis­ses am Schwar­zen Brett be­kannt ge­ge­ben hat und eben­so den Be­ginn der Sai­son im Jah­re 1985, oh­ne dar­auf hin­zu­wei­sen, nur ein Teil der Ar­beit­neh­mer könne wie­der ein­ge­stellt wer­den. Wenn außer­dem die Be­haup­tung des Klägers zu­tref­fen soll­te, er ha­be das Weih­nachts­geld für das Jahr 1984 mit ei­nem Be­gleit­schrei­ben er­hal­ten, in dem die Be­klag­te die Zah­lung des Weih­nachts­gel­des mit der Hoff­nung ver­bun­den hat, daß auch im kom­men­den Jahr ei­ne gu­te und er­freu­li­che Zu­sam­men­ar­beit möglich sein wer­de, er­gibt sich aus der zehn­ma­li­gen be­fris­te­ten Beschäfti­gung des Klägers hin­ter­ein­an­der als Sai­son­ar­bei­ter, der Mit­tei­lung des Sai­son­be­ginns im Jah­re 1985 am Schwar­zen Brett durch die Be­klag­te und dem Wunsch für ei­ne gu­te Zu­sam­men­ar­beit im nächs­ten Jahr ein von der Be­klag­ten ge­setz­ter Ver­trau­en­stat­be­stand, der ei­nen An­spruch des Klägers auf Wie­der­ein­stel­lung be­gründen kann. Die­ser An­spruch ließe sich mit Hu­eck (aa0) un­mit­tel­bar § 242 BGB ent­neh­men. Wank (B III 4 Anm. zu BAG AP Nr. 2 zu § 1 KSchG 1969 So­zia­le
Aus­wahl) lei­tet ihn bei re­gelmäßiger Wie­der­ho­lung ei­nes gleichförmi­gen Ver­hal­tens aus der be­trieb­li­chen Übung ab. Wie­de­mann - und hier kommt man wie­der auf den Ge­dan­ken von Hu­eck (aa0) - sieht in der be­trieb­li­chen Übung ei­ne in­di­vi­du­el­le Aus­for­mung des Ver­trau­ens­ge­dan­kens (Zöll­ner, Ar­beits­recht, 3. Aufl., § 6 I 7 S. 67 ff.). So können nur sol­che Ar­beit­neh­mer ein schutzwürdi­ges Ver­trau­en er­wer­ben, die be­reits früher im Be­trieb beschäftigt wa­ren. Die­ser in­di­vi­du­el­le Ver­trau­ens­schutz könn­te auch die Rechts­grund­la­ge dafür sein, daß der Kläger wie­der ein­zu­stel­len wäre und nicht der bis­lang "be­triebs­frem­de" Ar­beit­neh­mer U neu ein­ge­stellt wer­den konn­te.
Brock­sie­pe
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