Source: https://de.scribd.com/document/236799690/571-10-1055-s-0033-1359221
Timestamp: 2020-05-28 19:19:46
Document Index: 274225993

Matched Legal Cases: ['§ 3', '§ 3', '§ 3', '§ 3', '§ 3', '§ 3', '§ 128', '§ 115', '§ 33', '§ 127', '§ 115', '§ 127']

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WB Neurologie St Georg 14597
Persönliche PDF-Datei für W. J. Randerath, H. Hein, M. Arzt, W. Galetke, G. Nilius, T. Penzel, K. Rasche, K.-H. Rühle, G. Mayer
Mit den besten Grüßen vom Georg Thieme Verlag
Konsensuspapier zur Diagnostik und Therapie schlafbezogener Atmungs- störungen bei Erwachsenen
DOI 10.1055/s-0033-1359221 Pneumologie 2014; 68: 106–123
Nur für den persönlichen Gebrauch bestimmt. Keine kommerzielle Nutzung, keine Einstellung in Repositorien.
Verlag und Copyright:
© 2014 by Georg Thieme Verlag KG Rüdigerstraße 14 70469 Stuttgart ISSN 0934-8387
106 Konsensuspapier
Konsensuspapier zur Diagnostik und Therapie
schlafbezogener Atmungsstörungen bei Erwachsenen *
Consensus Paper on the Diagnosis and Treatment of Sleep Disordered Breathing
W. J. Randerath 1 , H. Hein 2 , M. Arzt 3 , W. Galetke 4 , G. Nilius 5 , T. Penzel 6 , K. Rasche 7 , K.-H. Rühle 5 , G. Mayer 8
10.1055/s-0033-1359221
Pneumologie 2014; 68: 106 – 123
ISSN 0934-8387
Prof. Dr. med. Winfried
Aufderhöher Str. 169 – 175
randerath@klinik-bethanien.de
Die Diagnostik und Therapie schlafbezogener At-
mungsstörungen (SBAS) unterliegt wesentlichen
Veränderungen sowohl in medizinisch-wissen-
schaftlicher Hinsicht als auch in Bezug auf die Ver-
sorgungssituation der Patienten und sozioökono-
mische Aspekte. Die Relevanz der SBAS für die
Morbidität und Mortalität Betroffener ist neben
der besseren Differenzierung und Phänotypisie-
rung der Untertypen der SBAS Gegenstand inten-
siver Forschungsaktivitäten. Diese differenzierte
Betrachtung verändert die Vorgehensweise beim
Verdacht auf SBAS erheblich. Dem stehen Trends
zur Simplifizierung des diagnostischen Prozede-
res und der Therapieeinleitung, der Verlagerung
medizinischer Leistungen auf nicht-medizini-
sches Personal und Fragen der Kostenminimie-
rung entgegen. In diesem Konsensuspapier wer-
den daher vor dem Hintergrund der aktuellen
Situation die Prinzipien der Diagnostik, Therapie-
einleitung und Versorgung sowie die Rolle der
verschiedenen Beteiligten am Gesundheitssystem
und die Bewertung der Therapieangebote vorge-
stellt. Zu den Kernstücken gehören die Differen-
zierung der Diagnostik in Screening, Bestäti-
gungsdiagnostik und Differenzialdiagnostik, der
Zugang zum Patienten nach der Vortestwahr-
scheinlichkeit und ein therapeutischer Algorith-
Diagnosis and treatment of sleep disordered
breathing (SDB) undergo substantial changes,
both in terms of increasing scientific knowledge
and also in terms of patient provision and socio-
economic aspects. Increasing evidence shows the
relevance of SDB on morbidity and mortality of
affected patients. The precise differentiation of
different phenotypes of SDBs has improved sub-
stantially in recent years. These proceedings in-
fluence the approach to the patients suspected of
suffering from SDB. The scientific advances on the
one hand are facing intentions to simplify diag-
nostical processes and treatment initiation and
intentions to translate duties of physicians to
non-medical personnel on the other hand. This
consensus paper presents the principals of diag-
nosis, treatment initiation and provision, includ-
ing the role of different participants of the health-
care system, and compares different treatment
options. Major aspects include the differentiation
of the diagnostical process in screening, affirma-
tion of diagnosis and differential diagnosis. In
addition, it focusses on the relevance of the pre-
test probability and describes a therapeutical
In den letzten drei Jahrzehnten ist das Interesse
an Erkrankungen und Störungen des Schlafs im-
mens gewachsen. Es entwickelte sich ein interdis-
ziplinäres umfassendes Fachgebiet Schlafmedizin,
das die Bedeutung von Beeinträchtigungen des
Schlafes auf beinahe sämtliche Organsysteme
* Dieses Konsensuspapier erscheint zeitgleich in den Fach-
zeitschriften „ Pneumologie“ und „ Somnologie“ .
und umgekehrt den Einfluss von diversen Organ-
erkrankungen auf den Schlaf bearbeitet. So konn-
ten wesentliche Erkenntnisse zu Morbidität und
Mortalität gewonnen und konkrete Behandlungs-
verfahren für betroffene Patienten entwickelt
Unter den schlafbezogenen (somnologischen)
Erkrankungen spielen die schlafbezogenen At-
mungsstörungen (SBAS) sowohl im Hinblick auf
die Häufigkeit als auch auf die Bedeutung für den
einzelnen Patienten und die sozioökonomischen
Randerath WJ et al. Konsensuspapier zur Diagnostik und Therapie schlafbezogener Atmungsstörungen bei Erwachsenen … Pneumologie 2014; 68: 106 – 123
Konsensuspapier 107
Auswirkungen gegenüber den anderen somnologischen Erkran- kungen eine wesentliche Rolle. Statt einer Intensivierung der Diagnostik mit dem Ziel, möglichst allen Betroffenen eine hinrei- chende Behandlung zukommen zu lassen und so Folgekosten zu vermeiden, sind immer mehr Bestrebungen festzustellen, die Diagnostik zu simplifizieren, vom Patienten berichtete Schlafstö- rungen – den unerholsamen Schlaf – nur auf SBAS zu reduzieren und dabei Differenzialdiagnose und Differenzialtherapie auszu- blenden. Die bisherigen Versorgungskonzepte haben zu einem Ungleichgewicht in der Versorgungslage der Schlafstörungen ge- führt und werden dem Patienteninteresse nach einer spezifi-
schen, d. h. auf die spezielle Schlafstörung ausgerichteten, quali- tativ hochwertigen und wohnortnahen Versorgung nicht ge- recht. Eine flächendeckende und gleichzeitig wirtschaftliche Ver- sorgung der Bevölkerung bedarf neuer Regeln. Um ein flächende- ckendes Versorgungsangebot machen zu können, ist eine sekto- renübergreifende Bedarfssteuerung sinnvoll. Voraussetzung jeg- licher sektorenübergreifender Versorgung ist eine klare Defini- tion des Versorgungsumfanges, eine gemeinsame Qualitätssiche- rung von Versorgern, Krankenkassen und Patientenvertretern und eine angemessene und gleiche Vergütung schlafmedizini- scher Leistungen. Ziel dieses Papieres ist es, verschiedene wesentliche Facetten der Diagnostik und Therapie schlafbezogener Atmungsstörungen zu diskutieren und konkrete Vorschläge zum diagnostischen und therapeutischen Vorgehen zu machen. Das Papier stellt den Hin- tergrund zum Positionspapier der pneumologischen und schlaf- medizinischen Fachgesellschaften und Organisationen dar. Es be- schäftigt sich insbesondere mit folgenden Themen:
können seit 1998 den Qualifikationsnachweis Somnologie der Deutschen Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin und seit 2004 die Zusatzbezeichnung Schlafmedizin bei den Ärz- tekammern erwerben. Zusätzlich kann im ambulanten Bereich die Qualifikation zur Durchführung der Polygrafie als schlafme- dizinische Qualifikation erworben werden. Die schlafmedizinischen Erkrankungen lassen sich in sechs große Gruppen unterteilen. Die schlafbezogenen Atmungsstörungen (SBAS), die Hypersomnien zentralen Ursprungs (Erkrankungen mit einer vermehrten Einschlafneigung am Tag), die Insomnien (Ein- und Durchschlafstörungen), Parasomnien (nächtliche mo- torische Ereignisse, die den Schlafprozess stören wie z. B. Alp- träume oder Schlafwandeln), die Bewegungsstörungen im Schlaf (z. B. Restless-Legs-Syndrom) und die Schlaf-Wach-Rhythmus- störungen, zu denen das Schichtarbeitersyndrom gehört [1]. Nun stellt sich der Patient bei seinem Arzt naturgemäß meist nicht mit einer anamnestisch eindeutig klassifizierbaren Diagno- se vor, sondern berichtet über Symptome, wie z. B. Schläfrigkeit oder Müdigkeit am Tag, Unfähigkeit zu schlafen, Leistungs- minderung, Konzentrationsstörungen, Beeinträchtigungen der Sexualität, unerklärliche Unfälle. Diese Symptome sind unspezi- fisch und können einzeln und in Kombination bei vielen Schlaf- störungen auftreten. Ein zentrales Problem in der Diskussion um die Erbringung und Vergütung schlafmedizinischer Leistungen besteht darin, dass der symptomorientierte Zugang zum Patienten von den Leis- tungsträgern nachvollzogen wird. Schlafmedizinische Diagnostik und Therapie wird an den SBAS oder dem obstruktiven Schlaf- apnoesyndrom ausgerichtet. Dieses Verhalten ist medizinisch in- adäquat. Es spiegelt nicht die Realität der Krankheitssituation wi- der, sondern blickt vom Ende des diagnostischen Prozesses zu- rück. Die Aufgabe der Schlafmedizin ist es, die Schlafstörung des Patienten schnell und effektiv zu diagnostizieren und zu thera- pieren. Dabei hat sie sich am Beschwerdebild des Patienten zu orientieren. Dies fordert vom Schlafmediziner, das gesamte Spek- trum der Untersuchungen zu kennen und gezielt einzusetzen. SBAS stellen neben den Insomnien und dem Restless-Legs-Syn- drom den größten Teil schlafmedizinischer Erkrankungen dar. Die detaillierte Beschreibung und systematische Erforschung schlafbezogener Atmungsstörungen begann erst Ende der 1970er Jahre. Seither stellt die Diagnostik und Therapie von SBAS einen immer größeren Teil der Arbeit niedergelassener und klinisch tätiger Pneumologen und einen integralen Bestand- teil der pneumologischen Weiterbildung dar. Umfassende Kennt- nisse von Physiologie und Pathophysiologie des Atmungssys- tems, des Einflusses der Erkrankung und der Therapie auf die Funktion der oberen Atemwege, Ventilation und Perfusion der Lunge, die Atmungsregulation und das Herz sind nötig, um die verschiedenen Phänotypen der SBAS und ihre Abgrenzung vom Hypoventilationssyndrom oder deren gegenseitige Beeinflus- sung suffizient diagnostizieren und behandeln zu können. Durch jahrzehntelange Forschungstätigkeit konnten wichtige Fragen der Epidemiologie, Ursache, Bedeutung und Behandlung schlafbezogener Atmungsstörungen (SBAS) geklärt werden. Dazu gehören folgende Aspekte:
chen und 2 – 7 % aller
Beschreibungen der aktuellen Situationen in der Versorgung schlafgestörter Patienten,
Empfehlungen zur Weiterentwicklung des Beschlusses des Gemeinsamen Bundesausschusses von 2004,
Definition der Begriffe Screening, Bestätigungsdiagnostik, Differenzialdiagnostik und Empfehlung zum individualisier- ten Einsatz von Suchtesten, kardiorespiratorischer Polygrafie, Polysomnografie und erweiterter Polysomnografie,
Implementierung der Vortestwahrscheinlichkeit als zentra- lem Element in der Steuerung der Diagnostik,
Empfehlung eines therapeutischen Algorithmus, einschließ- lich der Nachsorge,
Empfehlung zum Versorgungsablauf mit Therapiegeräten,
Empfehlung zum Aufbau sektorenüberschreitender schlaf- medizinischer Zentren,
Definition spezifisch ärztlicher Aufgaben im Bereich der Schlafmedizin,
Minimalanforderungen an Therapiegeräte für Erkrankungen des Schlafes,
Bedingungen beim Austausch von Masken oder Therapie- geräten für SBAS,
Diskussion von Ausschreibungen und Versorgungsverträgen.
Aktuelle Entwicklung der Schlafmedizin, Umfeld und Rahmenbedingungen
Die Schlafmedizin stellt einen Bereich der Medizin dar, der sich fachübergreifend mit Störungen des Schlafes beschäftigt. Die Diagnostik und Therapie somnologischer Erkrankungen setzt daher ein die Einzeldisziplin überschreitendes Wissen voraus. Daher erfordert die Weiterbildung Kenntnisse und Erfahrungen im gesamten Spektrum schlafbezogener Erkrankungen. Ärzte
Therapiebedürftige SBAS liegen bei ca. 3 – 14 % aller männli-
weiblichen Erwachsenen in der Allge-
meinbevölkerung vor [2]. Bestimmte Personengruppen (z. B. Diabetiker, Patienten mit Herzerkrankungen oder schwer ein- stellbarer arterieller Hypertonie) zeigen Prävalenzraten einer mindestens mittelgradigen Schlafapnoe von 20 – 50 % [3].
108 Konsensuspapier
▶ Die mit den SBAS verbundenen Störungen der Schlafqualität führen zu um das Sechsfache erhöhten Unfallraten im Stra- ßenverkehr und auch am Arbeitsplatz [4].
▶ Die Lebensqualität der Betroffenen wird durch die Minderung der Aufmerksamkeit und Wachheit am Tage erheblich beein- trächtigt und kann durch eine adäquate Therapie signifikant gebessert werden [5 – 7].
▶ Mit den zur Verfügung stehenden diagnostischen Maßnahmen der 6-Kanal-Polygrafie der kardiorespiratorischen Parameter (PG) können obstruktive SBAS, mit der Polysomnografie (PSG) und Videometrie können viele weitere Schlafstörungen diag- nostiziert werden. Für die Differenzialdiagnostik können zu- sätzliche Untersuchungen erforderlich sein [1].
▶ Es stehen mit der Positivdrucktherapie ( „ positive airway pres- sure “ , PAP) und bei ausgewählten Patienten mit Unterkiefer- protrusionsschienen (UPS) der maxillo-mandibulären Osteo- tomie, der Tonsillektomie und der unilateralen Hypoglossus- Stimulation effektive Therapieverfahren zur Verfügung.
▶ Die Therapie ermöglicht in der Regel eine suffiziente Behand- lung der durch SBAS hervorgerufenen Symptomatik und eine Senkung des arteriellen Blutdrucks [5 – 7].
Derzeitige Versogungsstrukturen
Neben den erweiterten pathophysiologischen und klinischen Er- kenntnissen unterliegt die Diagnostik und Therapie der Patien- ten mit Schlafstörungen jedoch auch anderen Entwicklungen und Überlegungen im Umfeld:
▶ Bei weitem ist noch keine flächendeckende Versorgung mit schlafmedizinischen Zentren weder im stationären noch im niedergelassenen Bereich gegeben. Dabei ist die große Zahl bisher unberücksichtigter Patienten mit kardiovaskulären Risikofaktoren nicht einmal einbezogen [3, 11, 12]. Eine hinrei- chende Versorgung ist angesichts der Prävalenz der Erkran- kung und der oft mehrmonatigen Wartezeiten auf eine PSG (teilweise über 12 Monate) auch nach der Ausweitung der PSG im ambulanten Bereich nicht abzusehen.
▶ Die Begriffe „ ambulant “ und „ stationär “ lassen sich kaum auf die Schlafmedizin übertragen. Eine Trennung zwischen diesen Versorgungssektoren folgt ausschließlich der Form der Kos- tenerstattung und der typischen Sektorierung in einen ambu- lanten und einen stationären Bereich ohne definierte Vernet- zung.
▶ Eine Heilung durch eine operative Therapie ist derzeit nur in besonderen Fällen möglich [1].
Die stark reglementierte, nicht an medizinischen Belangen ori- entierte Trennung von ambulant und stationär verhindert die kontinuierliche Betreuung der Patienten vom ersten Verdacht bis hin zur Langzeitbetreuung.
Die Diagnostik SBAS sowie die therapeutische Versorgung betrof- fener Patienten haben in den letzten Jahren wesentliche Ver- änderungen erfahren:
Im Eigentlichen wird unter dem Begriff „ ambulant “ die Diag- nostik und Therapie im häuslichen Umfeld oder in der Arzt- praxis verstanden. Der Patient befindet sich also nicht wäh- rend der Nacht in einer medizinischen Einrichtung. Das kann in der Schlafmedizin für die Anamneseerhebung, die klinische Untersuchung, die Diagnostik internistischer, neurologischer, hals-nasen-ohrenärztlicher Erkrankungen sowie für schlaf- medizinische Untersuchungen, die nicht an die PSG gebunden sind, gelten. Die PSG stellt jedoch ein Untersuchungsverfahren dar, das an die kontinuierliche nächtliche Überwachung des Patienten durch medizinisches Personal und die Aufzeichnung neurologischer und kardiorespiratorischer Parameter in einem Schlaflabor, d. h. in einer medizinischen Einrichtung unabhängig vom häuslichen Umfeld, gebunden ist. Das medi- zinische Personal befindet sich im gleichen Labor und kann jederzeit und unmittelbar in die Messung eingreifen [1]. Elek- trophysiologische Untersuchungen (multipler Schlaflatenz- test, MSLT, Maintenance of Wakefulness-Test, MWT) setzen die Durchführung einer PSG in der Nacht zuvor voraus und sind somit ebenfalls an das Schlaflabor gebunden [1]. Das Schlaflabor kann sowohl von Krankenhäusern als auch von niedergelassenen Ärzten betrieben werden und somit nach dem Krankenhausabrechnungssystem oder über die kassen- ärztliche Vereinigung abgerechnet werden. Dieser unter- schiedliche Abrechnungsmodus beschreibt jedoch nicht den Begriff der ambulanten Medizin. Die Bevorzugung eines Sek- tors ist damit formal nicht zu begründen. In der Schlafmedizin kann ein Kostenvorteil eines Systems nicht dargestellt werden, da ja gleiche Qualitätskriterien, personelle und technische Vo- raussetzungen zu erfüllen sind. Die Entscheidung, in welchem Schlaflabor (unter welchem System) behandelt wird, sollte sich daher nach Kriterien wie der Qualifikation des Zentrums für das Krankheitsbild, räumlicher Erreichbarkeit und zeitli- cher Verfügbarkeit richten.
▶ Zum einen ist das medizinische Wissen über die Bedeutung von SBAS für Morbidität und Mortalität, insbesondere die Interaktion mit dem kardiovaskulären System, erheblich ge- stiegen. Das obstruktive Schlafapnoesyndrom (OSAS) stellt einen unabhängigen Risikofaktor unter anderem für arterielle Hypertonie, Herzinsuffizienz, Vorhofflimmern, Schlaganfall, Diabetes mellitus und metabolisches Syndrom dar. Die suffi- ziente Behandlung kann Morbidität und Mortalität betroffener Patienten signifikant verbessern [3].
▶ Die Differenzierung der verschiedenen Unterformen von SBAS hat zentrale Bedeutung erhalten. Neben den Grundformen der obstruktiven (OSA) und zentralen Schlafapnoe (CSA) finden sich koexistierende obstruktive und zentrale SBAS. Die zentra- len Atmungsstörungen in ihren Unterformen CSA mit Cheyne- Stokes-Atmung (CSR), „CPAP-emergent central sleep apnoea “ (oft auch „ komplexe Schlafapnoe “ genannt), CSA bei Opiat- gebrauch oder internistischen und neurologischen Grund- krankheiten müssen erkannt werden, um den Krankheitsver- lauf zu beeinflussen [1].
▶ Abzugrenzen von den o. g. Erkrankungen sind die Störungen, die mit phasischen alveolären Hypoventilationen einherge- hen, wie die Obesitas-Hypoventilation, die chronisch obstruk- tive Lungenkrankheit (COPD) mit hyperkapnischem Atemver- sagen, Thoraxwanderkrankungen und neuromuskuläre Er- krankungen. Bei den zuletzt genannten Erkrankungen ist von einer erheblich reduzierten Lebenserwartung auszugehen, und die nächtlichen Beatmungsverfahren sind im Vergleich zur Positivdruckbeatmung komplex [8].
▶ Es stehen mehrere technische Weiterentwicklungen der PAP- Therapie zur Verfügung, die eine gezielte Behandlung der ver- schiedenen Phänotypen von SBAS möglich machen. Mit diesen Therapieformen konnte eine Überlegenheit gegenüber der nasalen kontinuierlichen Positivdrucktherapie (continuous positive airway pressure, CPAP) oder anderen Behandlungs- formen wie der Sauerstoffapplikation nachgewiesen werden [8 – 10].
Andererseits ist die Möglichkeit der Differenzialtherapie bei Koexistenz von chronisch obstruktiver pulmonaler Erkran- kung (COPD) und OSAS (Overlap-Syndrom), die über die
Konsensuspapier 109
Behandlung von schlafbezogenen Atmungsstörungen hinaus- gehen, durch den Erlaubnisvorbehalt in der ambulanten Ver- sorgung beschränkt. Sofern notwendige persönliche und tech- nische Voraussetzungen gegeben sind, ist dieser Vorbehalt medizinisch nicht nachvollziehbar.
▶ Zu unnötigen Verzögerungen der Wartezeit auf die adäquate Behandlung kommt es auch, da von niedergelassenen Ärzten teilweise Fallsplitting über mehrere Quartale für mehrere Nächte der PSG betrieben wird, um die weit unter Gestehungs- kosten liegende Vergütung in vielen KV-Bezirken anzuheben. Trotzdem ist in vielen Bundesländern schon eine einzelne PSG nicht kostendeckend zu erbringen.
▶ Die Leistungserbringer orientieren sich nicht mehr an den schlafmedizinischen Störungen und den für deren Diagnostik und Therapie notwendigen Kosten, sondern nur noch an den Prozeduren, sprich der Polygrafie (PG) oder PSG. So werden differenzierte Untersuchungen und Behandlungen, z. B. bei komplexen Atmungsstörungen oder anderen somnologischen Erkrankungen, inadäquat vergütet.
Während in Deutschland für die gesamte Diagnostik und Thera- pie nach dem DRG-System 700 – 850 Euro anfallen und dafür zwei bis drei PSG, einschließlich der Indikationsstellung und ggf. überwachten Titration einer Positivdrucktherapie, durchgeführt werden, werden in der Schweiz 1500 Franken und in den USA bis zu 1500 Dollar für eine einzige PSG berechnet. Die Situation anderer Gesundheitssysteme ist schon aus diesen ökonomischen Gründen nicht auf Deutschland übertragbar. Es wurden vergleichende Untersuchungen angestellt, die für be- stimmte Personengruppen die Diagnostik und Therapieeinlei- tung im Schlaflabor mit vereinfachten Versorgungsformen ver- gleichen. Da mit den einzelnen Verfahren nicht sämtliche diffe- renzialdiagnostischen Prozeduren durchgeführt werden können, sind sie nur für bestimmte Fragestellungen zuzulassen. Zur Be- wertung dieser Verfahren und eventuellen Implementierung in Deutschland sind die einzelnen diagnostischen Verfahren und die Auswahl der Patientengruppen zu definieren. Hier ist der Be- griff der „Vortestwahrscheinlichkeit “ (eine Methode, mit der an- hand der Summe von Risikofaktoren die Wahrscheinlichkeit für das Vorliegen einer SBAS abgeschätzt werden kann [14]) beson- ders hervorzuheben. Auch unterliegen die vereinfachten Unter- suchungsabläufe wesentlichen Limitationen: Wiederholungs- messungen wegen unzureichender Verwertbarkeit, falsch-posi- tiven oder falsch-negativen Befunden, die zu unnötiger bzw. un- zureichender Behandlung mit entsprechenden Folgekosten füh- ren, Integration in komplexe Versorgungssysteme (Programme mit Spezialisierung von Gemeindeschwestern und Hausärzten) [15 – 20].
▶ Die Fokussierung der Kostenträger und des MDK auf SBAS füh- ren zu Differenzen mit den Leistungserbringern selbst bei Er- krankungen, die nicht zu den SBAS gehören, wie z. B. Insomnie oder Narkolepsie. Obwohl es sich um völlig unterschiedliche Krankheitsbilder handelt und sich Diagnostik und Therapie wesentlich unterscheiden, werden sie verwaltungstechnisch wie SBAS behandelt, was der Problematik nicht gerecht wird.
▶ Durch Erlössenkung kann die Qualität der schlafmedizinischen Leistungen (qualifiziertes Fachpersonal, Zeit für Auswertun- gen und Beurteilungen) und damit ihre Ergebnisse nicht mehr gewährleistet werden, mit der Konsequenz von mehr falsch positiven und negativen Ergebnissen und einer Steige- rung der Folgekosten.
Fragestellungsabhängige diagnostische und therapeutische Methoden
Die wissenschaftlichen Untersuchungen der letzten Jahre haben gezeigt, dass für manche Formen von SBAS eine erweitere Diag- nostik notwendig ist. So können Hypoventilationssyndrome, die alleine oder in Kombination mit OSA oder CSA vorkommen und primär oder sekundär als Folge internistischer oder neurologi- scher Erkrankungen auftreten können, nur durch zusätzliche Er- fassung der Verminderung des Atemminutenvolumens diagnos- tiziert werden. Im Mittelpunkt stehen hier nächtliche Messungen des CO 2 -Partialdruckes, aber auch Messungen der Muskelaktivi- tät. Die Beeinflussung des Herz-Kreislauf-Systems kann z. B. mit der Analyse der Pulskurve durchgeführt werden. Anhand der Risikokonstellationen für diese komplexeren Formen von SBAS muss gezielt weiterführende Diagnostik eingeleitet werden.
Landesspezifisch unterschiedliche Erlössituationen
Das Umfeld wird weiterhin durch neue Formen der Versorgung beeinflusst.
1. So wurde jüngst zwischen den Kostenträgern und den Kran- kenhäusern in Bayern ein Vertrag abgeschlossen, der die stationäre und prästationäre Diagnostik und Therapie von Patienten mit SBAS regelt [13].
2. Darüber hinaus nehmen Ausschreibungen zur Versorgung mit Therapiegeräten oder Beitrittsverträge erheblichen Einfluss auf die Betreuung der Patienten und greifen in die Rolle des Arztes in der Behandlung des Patienten ein.
3. Die Entscheidungen in den Ausschreibungen der Kostenträger fallen fast ausschließlich (> 90 %) nach dem Preis der Hilfsmit- telversorgung, nicht nach der Qualität oder medizinischen Aspekten. Hierdurch wird dem Arzt in Bezug auf die Geräte- auswahl weitgehend die Therapieentscheidung aus der Hand genommen, Arzt und Patient haben praktisch keine Möglich- keit einer persönlichen Teilnahme am Entscheidungsprozess. Eine individualisierte Therapie ist kaum möglich. Aufgrund des hohen Einzelfallbezuges sind Ausschreibungen im Bereich SBAS nicht geeignet. Die Hilfsmittelversorgung wird damit komplett den technischen Firmen übertragen, die kaum einen Nachweis ihrer Qualifikation auf dem Gebiet der Hilfsmittel- versorgung in der Schlafmedizin erbringen müssen.
Der gemeinsame Bundesausschuss (GBA) hat im Jahr 2004 die Richtlinien zur PG und PSG im Rahmen der Differenzialdiagnose und Therapie der SBAS geregelt. Der Beschluss legt die Vorausset- zungen für die Durchführung der Untersuchung in der vertrags- ärztlichen Versorgung (also nicht im stationären Bereich) bei SBAS fest (OSA und CSA und Hypopnoesyndrome, obstruktive Rhonchopathie) [21]. Der Beschluss bezieht sich ausschließlich auf solche Atmungsstö- rungen, die im Schlaf zu bedrohlichen kardiorespiratorischen Veränderungen oder Beeinträchtigungen der Schlafqualität füh- ren können. Schnarchen ohne Tagessymptomatik und Schnarchen ohne kardiovaskuläre Auswirkungen werden somit nicht erfasst.
In Europa und den USA findet eine lebhafte Diskussion über den notwendigen Umfang der Diagnostik bei SBAS statt. Dabei geht es im Wesentlichen um die im Ausland oft hohen Kosten der PSG.
110 Konsensuspapier
Die Durchführung von PG und PSG setzt eine spezielle Genehmi- gung der jeweiligen kassenärztlichen Vereinigung voraus. Diese beinhaltet fachliche Qualifikationsmerkmale (BUB-Kurs, Zusatz- bezeichnung Schlafmedizin). Im Rahmen der Stufendiagnostik sind zunächst habituelles Schnarchen und andere Ursachen einer vermehrten Tagesschläf- rigkeit abzugrenzen. Ausdrücklich werden internistische, neuro- logische und psychiatrische Erkrankungen sowie Medikamente, Alkohol und Drogen erwähnt (Anlage I, Teil 3 § 3, Abs. 2). Hier wird nicht explizit eine Vorstellung bei Fachärzten der genannten Disziplinen verlangt, sodass die Entscheidung über das Ausmaß der Diagnostik im Ermessen des schlafmedizinisch tätigen Arztes liegt. Die weitere Vorgehensweise muss nach der individuellen Ge- sundheitssituation des Patienten ausgerichtet werden (Anlage I, Teil 3 § 3, Abs. 2). Explizit werden das Risikoprofil, die Schwere der Schlafstörungen und die Selbst- oder Fremdgefährdung er- wähnt. Die Wichtigkeit dieser Normen ist besonders zu unter- streichen, da sie dem Arzt die Pflicht auferlegt, die Vorgehens- weise individuell der Situation des Patienten anzupassen. Dies steht jedoch im Widerspruch zu dem in den Paragrafen Anlage I, Teil 3 § 3, Abs. 2 – 7 vorgegebenen starren Stufenprotokoll. Unter Berücksichtigung der individuellen Risikosituation, insbesondere auch des Gefährdungspotenzials durch Unfälle und damit auch medico-legalen Risikos, kann sich für den schlafmedizinisch qua- lifizierten Arzt nach unserer Auffassung die Entscheidung stellen, die Stufendiagnostik zu überspringen, um die Therapie möglichst schnell einzuleiten. In den Stufen 1 und 2 werden eigen- und fremdanamnestisch Schlafstörungen erfasst und klinisch internistische, neurologi- sche und psychiatrische Erkrankungen untersucht. Die Stufe 3 kommt für den Fall von typischen anamnestischen und klini- schen Symptomen und Befunden einer SBAS zur Anwendung. Dies entspricht der oben beschriebenen hohen Vortestwahr- scheinlichkeit. In dieser Situation soll eine kardiorespiratorische PG während einer mindestens sechsstündigen Schlafphase erfol- gen. Es ist zu betonen, dass der GBA die visuelle Analyse der Roh- daten der PG festlegt. Eine alleinige automatische Analyse kann zu falschen Ergebnissen führen und ist somit obsolet [15]. Die Formulierung der Anlage I, Teil 3 § 3, Abs. 5, erfasst somit nicht Patienten mit einer niedrigen Vortestwahrscheinlichkeit oder differenzialdiagnostischer Unklarheit. In diesem Fall kann aus unserer Sicht in Übereinstimmung mit dem GBA-Beschluss eine PG nicht zwingend vorausgesetzt werden. Sie würde auch nur zu unnötigen Zeitverlusten für den Patienten führen. In den unter Anlage I, Teil 3 § 3, Abs. 5, genannten Situationen mit typischen anamnestischen Symptomen und Befunden einer SBAS, also bei hoher Vortestwahrscheinlichkeit, ist die PSG in der vertragsärztlichen Versorgung nur möglich, wenn nach der PG keine Entscheidung über eine CPAP-Therapie oder andere Verfahren getroffen werden kann. Diese Bedingung unterstreicht noch einmal, dass die Diagnostik von einem schlafmedizinisch qualifizierten 1 Arzt durchgeführt werden muss, um eine zuver- lässige visuelle Analyse der polygrafischen Daten und ihre Inter- pretation sowie die daraus resultierende definitive Therapieent- scheidung zu erlauben. Eine alleinige automatisierte Auswertung der Daten, die Durchführung der PG und die Einleitung einer
Therapie durch nicht spezialisierte Ärzte kann Fehldiagnosen und Fehltherapien für den Patienten bedeuten und ist daher aus Sicht der Fachgesellschaften abzulehnen. Der GBA regelt weiter die Durchführung der kardiorespiratori- schen PSG sowohl in der Diagnostik als auch in der Ersteinstel- lung auf eine PAP-Therapie. Die Einleitung der Therapie soll unter überwachter PSG in jeweils zwei aufeinander folgenden Nächten erfolgen. Hiervon darf nur in sehr gut begründeten Einzelfällen abgewichen werden. Der Beschluss des GBA schreibt eine erste Kontrolle der Über- drucktherapie nach 6 Monaten unter anderem mittels PG vor. Bei komplikationslosem Verlauf werden weitere routinemäßige polygrafische Kontrolluntersuchungen nicht für erforderlich ge- halten. Eine erneute PSG ist nach dem Beschluss nur bei schwer- wiegenden Therapieproblemen erforderlich, für die die PG unzu- reichend ist. Die wissenschaftlichen Untersuchungen der letzten Jahre bezüglich Therapietreue und prognostischer Bedeutung der Schlafapnoesyndrome sowie der Symptomwahrnehmung lassen die Vorgaben zu Verlaufskontrollen aus unserer Sicht un- zureichend erscheinen [22].
Schwächen des Beschlusses des gemeinsamen Bundesausschusses
Die Umsetzung des Beschlusses des GBA in der Betreuung der
Patienten ist mit erheblichen Schwierigkeiten verbunden und bedarf aus medizinisch-wissenschaftlicher Sicht dringend der Überarbeitung.
Der Beschluss des GBA sieht für die Stufe 3 (Anlage I, Teil 3 § 3,
Abs. 5) die kardiorespiratorische PG in einer mindestens sechs- stündigen Schlafphase vor. Da eine PG definitionsgemäß den Schlaf nicht erfasst, kann auch eine entsprechende Mindest- schlafdauer nicht nachgewiesen werden.
Der Beschluss unterscheidet nicht zwischen obstruktiven und zentralen Atmungsstörungen oder komplexeren Formen. Zentrale Atmungsstörungen können anamnestisch und durch klinische Untersuchungen nicht erfasst werden [23 – 24]. Das Stufenschema ist für diese Störungen nicht angemessen und kann eine adäquate Diagnostik verzögern oder gar verhindern.
Patienten mit CSA bei internistischen oder neurologischen Grunderkrankungen unterliegen einem erheblich erhöhten Mortalitäts- und Morbiditätsrisiko. Das Problem von Hypoven- tilationen bei gleichzeitig bestehender OSA wird nicht adres- siert. Bei Patienten mit einer Risikokonstellation für Hypoven- tilationssyndrome (z. B. begleitende pulmonale Erkrankung, thorakoskelettale, muskuläre Erkrankungen oder ein Body Mass Index > 30 kg/m 2 ) kann auch bei Nachweis einer OSA die Diagnostik mittels PG nicht als ausreichend angesehen wer- den, da Hypoventilationen und zentrale Apnoen nicht ausrei- chend erkannt werden können [25].
Bei Patienten mit hoher Vortestwahrscheinlichkeit für eine OSA ist das vollständige Durchlaufen des Stufenschemas nach dem Beschluss des GBA mit Zeitverzögerungen nicht selten über Monate verbunden (u. a. wegen mangelnder Verfüg- barkeit der PG, von Terminen beim Facharzt oder mangelnder Möglichkeiten der Priorisierung innerhalb des Stufen- schemas). In dieser Zeit sind Patienten mit Tagesschläfrigkeit nicht zur Teilnahme am Straßenverkehr berechtigt und Unfall- risiken am Arbeitsplatz und im Straßenverkehr ausgesetzt. Auch akute medizinische Probleme sind nicht auszuschließen, wenn der Patient sich z. B. unvorbereitet operativen Eingriffen
1 Im gesamten Text ist unter einem „schlafmedizinisch qualifizierten Arzt “ der Arzt mit Zusatzbezeichnung Schlafmedizin, der Arzt mit dem Qualifi- kationsnachweis Somnologie (DGSM) oder der Arzt mit Genehmigung durch die kassenärztliche Vereinigung zu verstehen.
Konsensuspapier 111
unterziehen muss. Daher ist bei hoher Vortestwahrscheinlich- keit die Zuweisung zu einem Zentrum, das die Therapie schnellstmöglich in die Wege leiten kann, notwendig [26]. 5. Der Beschluss des GBA bietet nur sehr geringe Möglichkeiten der Nachkontrolle. Angesichts des erheblich erhöhten Risikos bei nicht oder insuffizient behandelter Schlafapnoe ist jedoch eine regelmäßige Nachsorge unter Einschluss von Anamnese, Auslesen der Gerätedaten, standardisierten Schläfrigkeitsfra- gebögen sowie gegebenenfalls einer nächtlichen Überprüfung der respiratorischen Störungen notwendig. Die Untersuchung muss durch einen schlafmedizinisch qualifizierten Arzt erfol- gen. Dieser wird im Einzelfall weitere diagnostische Maßnah- men ergänzend in die Wege leiten [27 – 28]. Die bisherige Praxis einer alleinigen Befragung des Patienten und des Auslesens der Überdrucktherapie-Gerätedaten reichen bei Patienten mit geringer Symptomatik nicht aus und sind bei Pa- tienten mit zentralen Atmungsstörungen oder Hypoventilations- syndromen nicht möglich. Eine aus dem GBA-Beschluss und den Ausschreibungen resultie- rende Verlagerung ärztlicher Aufgaben an Mitarbeitende von Hilfsmittelversorgungsunternehmen ist nicht zu begründen. Für Ärzte wird eine Zusatzqualifikation (BUB-Kurs, Somnologe, Zu- satzbezeichnung Schlafmedizin) gefordert, wenn sie schlafmedi- zinische Leistungen erbringen. Für Naturwissenschaftler und Pflegeberufe steht der Qualifikationsnachweis Somnologie der DGSM zur Verfügung. Eine vergleichbare Qualifizierung der Mit- arbeitenden von Hilfsmittelversorgungsunternehmen gibt es nach unserem Kenntnisstand nicht.
Schlaganfall), mit chronischen Nierenerkrankungen und bei Pa- tienten unter chronischer Therapie mit Opiaten sinnvoll, wenn diese nicht bereits unter Symptomen von SBAS leiden. Unter diesen Bedingungen kann Screening mit 1- oder 2-Kanalsystem (O 2 -Sättigung, Flow) erfolgen. Liegen bereits typische Symptome von SBAS vor, ist ein Screening nicht sinnvoll, sondern eine Bestä- tigungsdiagnostik oder die Differenzialdiagnostik notwendig. Es muss explizit darauf hingewiesen werden, dass in Deutschland der Begriff „ Screening“ oft missverständlich für die 6-Kanal-Poly- grafie bei Patienten benutzt wurde, die sich mit typischen Symp- tomen vorstellen. Hierbei handelt es sich jedoch nicht um einen Suchtest, sondern um die Bestätigung der anamnestisch anzu- nehmenden Erkrankung. Der Begriff sollte ausschließlich für den Suchtest bei asymptomatischen Risikogruppen eingesetzt werden. Für die Umsetzung des 1- und 2-Kanal-Screenings sind persön- liche und strukturelle Voraussetzungen notwendig (s. u.)
Für die SBAS erfüllt die PSG diese Rolle. Sie
Sie dient dazu, das Vorliegen einer Krankheit zu beweisen, die aufgrund anamnestischer oder klinischer Angaben oder Befunde bereits sehr wahrscheinlich ist. Außerdem soll sie es ermögli- chen, den Schweregrad der Erkrankung zu erfassen. In diesem Fall ist es wichtig, die Diagnostik so umfassend zu gestalten, dass tatsächlich Betroffene nicht übersehen werden. Andererseits ist der Umfang der Diagnostik zu begrenzen, um einen Zugang in kurzer Zeit und mit begrenztem Aufwand zu ermöglichen. Für die SBAS stellt die Polygrafie (PG) von mindestens sechs kar- diorespiratorischen Parametern die Bestätigungsdiagnostik dar. Sie wird bei Patienten mit hoher Vortestwahrscheinlichkeit [31] angewandt und kann bei eindeutigem Befund die diagnostische PSG unnötig machen. Die PG kann nicht die Diagnose zentraler Atmungsstörungen sichern oder ausschließen.
Position der Expertengruppe
Auf dem Hintergrund der Entwicklungen der letzten Jahre, der neuen wissenschaftlichen Erkenntnisse, der Unzulänglichkeiten der Richtlinien und der Veränderungen in der Versorgung der Pa- tienten halten wir es für notwendig, allgemeine Prinzipien der Diagnostik, Therapie, Versorgung mit Therapiegeräten und Nach- sorge der Patienten festzulegen, eine den stationären und ambu- lanten Sektor übergreifende Betreuung zu empfehlen und die Aufgaben des ärztlichen und medizinisch-technischen Fachper- sonals zu definieren.
Patienten mit CSA einschließlich der CSA bei kardiovaskulären Erkrankungen präsentieren sich typischerweise nicht mit den klassischen Symptomen der Schlafapnoe. Eine hinreichende Vortestwahrscheinlichkeit liegt somit in dieser Personen- gruppe in der Regel nicht vor [32].
Die PG erlaubt keine endgültige Differenzierung zentraler und obstruktiver Hypopnoen [33].
Zentrale Apnoen in Wachphasen können zur Überschätzung von CSA führen. Der Ausschluss oder Nachweis eines CSA muss mittels PSG erfolgen [1, 33, 34]
Die Diagnostik kann unter der Zielrichtung
▶ des Screenings,
▶ der Bestätigungsdiagnostik und
dem endgültigen Nachweis oder Ausschluss einer Schlaf- störung,
▶ der Differenzialdiagnose eingeteilt werden.
ihrer Abgrenzung von Begleiterkrankungen und
Unter dem Begriff „ Screening“ wird die Durchführung einfacher, möglichst sensitiver Testverfahren verstanden, die bei Personen mit einer Risikokonstellation, jedoch ohne typische Symptome, Hinweise auf das Vorliegen einer Erkrankung geben sollen. Das Screening macht dann Sinn, wenn für den Patienten aus dem Nachweis der Erkrankung ein Vorteil entsteht. Je sensitiver eine Screeninguntersuchung jedoch ist, umso mehr falsch-positive Er- gebnisse sind auch zu erwarten [29, 30]. Im Hinblick auf SBAS ist das Screening somit bei Patienten mit Er- krankungen des Herz-Kreislauf-Systems (arterielle Hypertonie, Herzinsuffizienz, absolute Arrhythmie bei Vorhofflimmern,
der genaueren Differenzierung von Subtypen.
ermöglicht die höchste Sicherheit in der Erfassung von SBAS,
ermöglicht die beste Differenzierung von OSA und CSA,
erlaubt die Abgrenzung anderer schlafmedizinischer Erkran- kungen (Insomnie, periodische Extremitätenbewegungen im Schlaf und andere),
erfasst die Beeinträchtigung des Schlafprofils und den Zusam- menhang zwischen Störungen des Schlafes und Störungen der Atmung.
112 Konsensuspapier
Die PSG stellt somit den diagnostischen Standard der schlaf- medizinischen Diagnostik, aber auch der Diagnostik von SBAS dar [34, 35]. Bei hoher Wahrscheinlichkeit für das Vorliegen einer OSA in der Polygrafie (siehe unten) kann auf die diagnostische PSG verzich- tet werden [34]. Die Therapieeinleitung muss jedoch weiterhin unter polysomnografischer Kontrolle durchgeführt werden. Nur so ist die Optimierung des Therapiedruckes in den unterschiedli- chen Schlafphasen und Körperpositionen möglich. So können zu hohe oder zu niedrige Druckapplikationen und unnötige Verord- nungen vermieden werden. Eine häusliche, unüberwachte Therapieeinleitung mithilfe von automatischen Positivdrucksystemen ist mangels wissenschaft- licher Daten abzulehnen [1].
Erweiterte Polysomnografie
Bei bestimmten Personengruppen kann die PSG alleine keine ausreichende Erfassung des Krankheitsbildes liefern. Dies gilt insbesondere bei Patienten mit Hypoventilationssyndromen. Bei Patienten mit einem Body Mass Index (BMI) > 30 kg/m 2 ist mit Vorliegen eines Obesitas-Hypoventilations-Syndroms (OHS) in einer Häufigkeit von 10 – 50 % zu rechnen. Die Erfassung der Hyperkapnie am Tag kann das Vollbild des OHS bestätigen. In diesem Fall sind die Sicherung der Diagnose und die Therapieein- leitung unter überwachten Bedingungen notwendig. Eine Hypo- ventilation manifestiert sich jedoch vor dem Erreichen des Voll- bildes bereits mit Hyperkapnien im Schlaf oder unter körper- licher Belastung, sodass bei einem BMI > 30 kg/m 2 eine nächtliche Bestimmung des pCO 2 notwendig ist [36 – 38]. Der Verdacht einer begleitenden Hypoventilation besteht auch bei Patienten mit chronischen Lungenerkrankungen (z. B. COPD, Lungenfibrose), muskuloskelettalen Erkrankungen (Muskeldys- trophie, amyotrophe Lateralsklerose, Kyphoskoliose und andere) und bei Patienten unter Einfluss zentraldämpfender Medika- mente (Opiate, Psychopharmaka). Auch bei diesen Personen- gruppen ist eine erweiterte Diagnostik notwendig [8].
men vor. Dazu gehören Patienten mit Tagesschläfrigkeit oder fremdbeobachteten Atmungsunregelmäßigkeiten oder kardio- vaskulären Erkrankungen, jedoch nicht in dem oben beschrie- benen typischen Zusammentreffen der verschiedenen Faktoren [39, 40].
Algorithmus zur Therapie obstruktiver Schlafapnoe
Über die Therapie der OSA ist anhand der klinischen Sympto- matik, insbesondere der Einschränkung der neurokognitiven Leistungsfähigkeit, der Tagesschläfrigkeit, der Unfallgefährdung, der kardiovaskulären Begleiterkrankungen sowie des Schwere- grades der Erkrankung, gemessen an der Anzahl respiratorischer Störungen im Schlaf (Apnoe-Hypopnoe-Index, AHI) und der Be- einträchtigung der Schlafqualität, zu entscheiden. Die Therapie- indikation kann nicht alleine von einem Zahlenwert des AHI ab- hängig gemacht werden [1]. Zu den Basismaßnahmen der Therapie gehören die intensive Aufklärung und Schulung sowie die Beratung zur Beseitigung von Risikofaktoren und ihre Behandlung, insbesondere des Über- gewichtes, aber auch internistischer, hals-nasen-ohrenärztlicher, psychiatrischer und neurologischer Grunderkrankungen. Die Gewichtsreduktion ist als begleitende Maßnahme zu verstehen. Da sie jedoch als alleinige Behandlung nur wenig effektiv ist und Effekte erst nach langer Zeit wirksam werden, darf aus Gründen der Prognose und Symptomatik eine indizierte Therapie mit Positivdruckverfahren nicht verzögert werden [41 – 43]. Die Behandlung mit Positivdruck (konstant [CPAP], automatisch variierend [APAP], Bilevel-Druck [BPAP]) stellt den Therapiestan- dard dar, da hier höchste Evidenz zur klinischen und prognosti- schen Verbesserung vorliegt. Bei einem höchstens leicht- bis mittelgradigen Schweregrad (AHI < 30/h) und einem BMI < 30 kg/m 2 , besonders bei überwiegend in Rückenlage auftretendem OSA, kann als Therapie erster Wahl die Positivdruckatmung oder eine Unterkieferprotrusionsschiene (UPS) eingesetzt werden. Darüber hinaus kann die Therapie mit einer UPS bei CPAP-Intoleranz erwogen werden. Dabei darf der Begriff der CPAP-Intoleranz nur unter intensiver schlafmedizini- scher Betreuung (Schulung von Patient und Angehörigen, Opti- mierung der Geräteeinstellung, Optimierung der Maske, Warm- luftbefeuchtung u. a.) und eventuell begleitender psychiatrischer Diagnostik und Therapie als gegeben angesehen werden. Die alleinige Präferenz des Patienten und die Indikationsstellung durch den Zahnarzt reichen dazu nicht aus, da ein Verzicht auf die Positivdrucktherapie bei Patienten mit schwerem OSAS (AHI > 30/h) mit einer inadäquaten Prognoseverbesserung verbunden sein kann. Die Versorgung mit einer UPS sollte durch schlafmedi- zinisch qualifizierte Zahnmediziner erfolgen. Nach der Definition der American Academy of Dental Sleep Medicine (AADSM) ist un- ter einer Unterkieferprotrusionsschiene zur Therapie schlafbezo- gener Atmungsstörungen ein stufenlos einstellbares Zweischie- nen-System zu verstehen. Nach der AADSM ist sie individuell nach digitalen oder direkten Abdrücken und Modellen von den individuellen oralen Strukturen des Patienten herzustellen (zu näheren Einzelheiten sei auf die Publikation verwiesen) [44]. Die vorherige Anpassung einer individuell qualifiziert hergestell- ten Testschiene kann sinnvoll sein. Dabei sind falsch positive und falsch negative Ergebnisse zu berücksichtigen. In jedem Fall ist die Überprüfung der Wirksamkeit durch einen schlafmedizinisch geschulten Arzt einschließlich einer 6-Kanal-Polygrafie unver- zichtbar. Nach Anpassung eines definitiven Schienensystems
Der Begriff der Vortestwahrscheinlichkeit beschreibt, mit wel- cher Wahrscheinlichkeit bereits vor der Durchführung eines Tes- tes vom Vorliegen einer bestimmten Erkrankung ausgegangen werden kann [31]. Die Vortestwahrscheinlichkeit spielt eine zen- trale Rolle in der Auswahl des diagnostischen Verfahrens. In Be- zug auf die SBAS sollte unterschieden werden nach
▶ einer hohen Vortestwahrscheinlichkeit für das Vorliegen einer OSA,
▶ einer hohen Wahrscheinlichkeit für das Vorliegen unkompli- zierten Schnarchens sowie
▶ einer niedrigen Vortestwahrscheinlichkeit für das OSAS oder
das unkomplizierte Schnarchen. Eine hohe Vortestwahrscheinlichkeit für OSA liegt vor beim gleichzeitigen Auftreten von Schnarchen, exzessiver Tagesschläf- rigkeit und fremdbeobachteten Atemunregelmäßigkeiten im Schlaf. Eine hohe Vortestwahrscheinlichkeit für unkompliziertes Schnarchen liegt beim Schnarchen ohne Tagesschläfrigkeit und ohne fremdbeobachtete Atmungsunregelmäßigkeiten und ohne kardiovaskuläre oder metabolische Erkrankungen vor. Eine niedrige Vortestwahrscheinlichkeit liegt bei Patienten nur mit positiven Risikofaktoren oder mit nicht eindeutigen Sympto-
Konsensuspapier 113
Positive Risikofaktoren (Gruppe C)
und/oder Vorhofflimmern
u./od. Herzinsuffizienz
u./od. koronare Herzkrankheit
u./od. zerebrovaskuläre Erkrankungen
Unklare Differenzialdignose
Tagesschläfrigkeit oder
Atemunregelmäßigkeiten
Hohe Vortestwahrscheinlichkeit für
OSAS (Gruppe A)
Schnarchen und Tagesschläfrigkeit
und fremdbeobachtete Atemunregel-
unkompliziertes Schnarchen (Gruppe D)
Schnarchen ohne Tagesschläfrigkeit
Fremdbeobachtete Atemunregel-
V. a. obstruktive SBAS
AHI <30: CPAP; Bei BMI<30 kg/m 2 und rückenlageabhgg. OSAS UPS als Alternative
1-, 2-Kanal-
Eindeutiger Nachweis eines schweren OSA (RDI >30)
Diagnose OSA bestätigt
AHI >30 CPAP; bei CPAP- Versagen UKS erwägen
Verdacht auf SBAS, aber Schweregrad unklar (RDI 5-30) oder zentral/obstruktiv unklar
Kein Verdacht auf
SBAS (RDI <5)
Diagnostische PSG
anderer Ursachen der
Tagesschläfrigkeit/
Verdacht auf SBAS
Kein Hinweis auf SBAS (außer Schnarchen)
Therapie des Schnarchens UKS, HNO-Operationen
Abb. 1 Algorithmus zu Diagnostik und Primärtherapie obstruktiver schlafbezogener Atmungsstörungen. Ergänzende Erläuterungen finden sich im Text. Bei der Polygrafie wird nicht der Apnoe-Hypopnoe-Index (AHI) ermittelt, der die Anzahl von Apnoen und Hypopnoen pro Stunde Schlaf angibt. Da die Polygra fie nicht den Schlaf messen kann, wird hier die Anzahl respiratorischer Störungen pro Stunde der Aufzeichnung angegeben (RDI: Respiratory Disturbance Index). In bestimmten Fällen können andere operative oder nicht-operative Therapieverfahren zum Einsatz kommen. Näheres dazu findet sich im Text.
sollte eine schlafmedizinische Kontrolle innerhalb der ersten 1 – 3 Monate unter Einschluss einer Messung der Atmungsstörungen (mindestens 6-Kanal-Polygrafie) im Schlaf erfolgen. Dies gilt nicht, wenn die UPS wegen reinen Schnarchens ohne Tages- symptomatik und ohne kardiovaskuläre Komorbidität ange- wandt wird [44, 45]. Die maxillo-mandibuläre Osteotomie stellt sich der Positivdruck- therapie auch langfristig als vergleichbar wirksam dar. Unter weiteren operativen Verfahren kann die Tonsillektomie bei er- heblich vergrößerten Gaumenmandeln, die den Pharynx nahezu komplett verschließen, eine effektive Therapie sein. In ausge- wählten Fällen können bei einem leichten bis mittelschweren OSAS andere Operationen im Bereich der oberen Atemwege (z. B. Weichgaumen) bei hauptsächlich für das OSAS verantwortli- cher Pathologie erwogen werden, wenn konservative Maßnah- men keinen Erfolg gebracht haben [43, 46 – 47]. Auch weitere konservative Behandlungsverfahren und auch die Lagetherapie bei ausgeprägter Lageabhängigkeit schlafbezogener Atmungsstö- rungen sind wenig effektiv, befinden sich noch in der Erprobung oder können nur im Einzelfall erwogen werden [43]. Als neues Verfahren kann im Einzelfall bei einem AHI von
15 – 50/h und einer Adipositas
Schweregrad ≤ I die unilaterale
Stimulation des N. hypoglossus durch implantierbare Genera- toren erwogen werden, wenn CPAP-Positivdruckverfahren und UPS nicht angewandt werden können [48]. Es wurde ein Algorithmus entwickelt, der den Weg des Patienten durch Diagnostik und Therapie beschreibt (● " Abb. 1). Er beinhal-
tet den differenzierten Einsatz von PG und PSG und die Indika- tionsstellung zur Therapie sowie die Differenzialtherapie. Dabei bekommen die Aspekte der Vortestwahrscheinlichkeit, des Screenings, der Bestätigungsdiagnostik, der Differenzialdiagnos- tik, aber auch der kardiovaskulären Risikokonstellation hohen Stellenwert. Folgende Erläuterungen sind dazu wesentlich:
1. Ein „Verdacht“ auf obstruktive SBAS liegt bei allen Patienten vor, bei denen mindestens ein mit SBAS assoziiertes Symptom auftritt oder bei denen Erkrankungen bestehen, für die SBAS einen Risikofaktor darstellen. Bei letzterer Gruppe besteht der Verdacht auf SBAS oft unabhängig von typischen Symptomen. Die Gesamtgruppe enthält also sowohl Patienten, die sich wegen Schnarchens z. B. beim Hals-Nasen-Ohrenarzt oder Zahnarzt vorstellen, als auch Patienten mit der klassischen Symptomtrias von Tagesschläfrigkeit, fremdbeobachteten Atempausen und Schnarchen sowie auch Patienten mit kardiovaskulären Erkrankungen wie arterieller Hypertonie, Herzinsuffizienz, Vorhofflimmern oder zerebrovaskulären Erkrankungen. 2. Die Gesamtgruppe kann in vier Untergruppen eingeteilt werden (● " Abb. 1 ):
▶ A. Patienten mit hoher Vortestwahrscheinlichkeit für obstruktive SBAS. In dieser Gruppe liegt die klassische Symptomatik mit Schnarchen, Tagesschläfrigkeit und fremdbeobachteten Atemunregelmäßigkeiten vor. Zahlreiche Studien haben gezeigt, dass in dieser Gruppe nur wenige falsch negative Patienten zu finden sind. Hier sollte die PG zur Bestätigung des OSAS und Erfassung des Schweregrades durchgeführt werden. Im positiven Fall erfolgt anschließend die Therapieeinleitung unter polysom- nografischer Kontrolle, im negativen Fall ist die PSG, evtl. auch erweitert, zur Differenzialdiagnose durchzuführen. Die PG anstelle der PSG ist jedoch nur dann sinnvoll, wenn sie keine zeitliche Verzögerung für die Therapieeinleitung darstellt. Wird die PG also vom therapierenden Schlaflabor unmittelbar vor der Behandlungseinleitung durchgeführt, kann sie in dieser Situation eine PSG ersetzen. Ein starres Festhalten an einem bestimmten Ablauf (Stufenschema)
114 Konsensuspapier
darf jedoch keinesfalls die Zuführung zur definitiven Be- handlung verzögern.
▶ B. Patienten mit unklarer Differenzialdiagnose. In diese Gruppe fallen Patienten, die unter einzelnen Symp- tomen, insbesondere der Tagesschläfrigkeit, leiden, die jedoch für sich genommen zu unspezifisch sind und wei- tere differenzialdiagnostische Untersuchungen erforderlich machen. Hier besteht differenzialdiagnostisch das gesamte Spektrum somnologischer Erkrankungen oder nicht-ob- struktiver SBAS. Zur Differenzialdiagnose ist die PSG Methode der Wahl. In dieser Gruppe kann eine PG erfolgen, wenn sie schneller ver- fügbar ist, sie darf jedoch nicht als Voraussetzung der PSG gefordert werden. Die PG kann hier den Sinn haben, bei einem eindeutigen Befund einer OSA die Diagnose zu bestä- tigen. Die Diagnostik kann jedoch im negativen Fall nicht als abgeschlossen angesehen werden.
▶ C. Patienten mit hoher Wahrscheinlichkeit für unkompliziertes Schnarchen. Es handelt sich um eine Gruppe von Patienten, die aus- schließlich schnarchen, also weder unter einer Tagesschläf- rigkeit oder Atemunregelmäßigkeiten noch unter kardio- vaskulären Erkrankungen leiden. In dieser Gruppe ist das Vorliegen einer schlafbezogenen Atmungsstörung über das Schnarchen hinaus sehr unwahrscheinlich. Es ist eine ge- naue Anamnese, unterstützt mit evaluierten Fragebögen zur Tagesschläfrigkeit, notwendig. In dieser Gruppe dient eine PG der Bestätigung, dass ernstere SBAS nicht vorliegen. Eine PSG ist nicht empfeh- lenswert. Ergibt sich in dieser Gruppe aus der PG kein Hinweis auf SBAS, kann eine Therapie des nicht-obstruktiven Schnar- chens, z. B. mit Unterkieferprotrusionsschienen (UPS), emp- fohlen werden. Es gibt Hinweise, dass das Schnarchen einen Risikofaktor für die weitere Entwicklung schlafbezogener Atmungsstörungen darstellt, sodass eine frühzeitige Thera- pie sinnvoll erscheint [49 – 55].
tik vorgestellt werden. Eine direkte Einweisung in die höchste Versorgungsebene ist nicht zielführend. 3. Eine diagnostische PSG sollte somit vorgenommen werden bei Patienten
▶ mit niedriger Vortestwahrscheinlichkeit für obstruktive SBAS und einfaches Schnarchen.
▶ mit hoher Wahrscheinlichkeit für unkompliziertes Schnar- chen, bei denen sich jedoch in der PG dennoch Hinweise auf SBAS gezeigt hatten.
▶ mit unklarer Differenzialdiagnose.
▶ mit Risikofaktoren, bei denen im Screening der Verdacht auf SBAS sich ergibt und zentrale und obstruktive SBAS diffe- renziert werden müssen.
▶ bei denen mit der PG keine eindeutige Einschätzung des
Schweregrades und des Typs der SBAS möglich war. 4. Bei einem höchstens leicht- bis mittelgradigen Schweregrad (AHI < 30/h) und einem BMI < 30 kg/m 2 , besonders bei über- wiegend in Rückenlage auftretendem OSA, kann als First-Line- Therapie die Positivdruckatmung (CPAP) oder eine Unterkie- ferprotrusionsschiene eingesetzt werden. Ansonsten wird als First-Line-Therapie die Positivdruck-Thera- pie (CPAP, APAP, BPAP) empfohlen. Eine Therapie mit UPS kann bei fehlender Positivdruck-Adhä- renz trotz intensiver Betreuung und bei einem AHI > 30/h unter den oben angegebenen Voraussetzungen erwogen werden. Der Einsatz operativer Verfahren (maxillo-mandibuläre Osteo- tomie, Hypoglossus-Stimulation, Weichgaumenchirurgie) be- darf der Einzelfallentscheidung, wie oben beschrieben, und wird daher im Algorithmus nicht explizit erwähnt. Lassen sich keine SBAS nachweisen oder liegt neben den SBAS noch eine andere schlafmedizinische Erkrankung vor, so ist diese weiterer Diagnostik und Therapie zuzuführen. Bei zentralen SBAS (reine CSA oder CSA in Kombination mit OSAS) sollte ein CPAP-Versuch unternommen werden. Kann damit keine suffiziente Therapie erreicht werden, ist bei der normo- oder hypokapnischen CSA eine kurzfristige Umstel- lung auf adaptive Servoventilation indiziert. Dies kann in der Regel bereits nach einer CPAP-Nacht erfolgen. Bei der normo- oder hypokapnischen CSA sind Versuche mit BPAP oder nicht- invasiver Beatmung nicht indiziert, da BPAP gegenüber CPAP keinen Vorteil bietet oder zu einer Hypokapnie/Verstärkung der Hypokapnie führen kann. Daher müssen diese Verfahren nicht vor der Einleitung der ASV-Therapie versucht werden.
▶ D. Patienten ausschließlich mit kardiovaskulären Risikofaktoren. Bestehen zusätzliche Symptome, die bereits auf schlafbe- zogene Atmungsstörungen hinweisen, ist entsprechend der Vortestwahrscheinlichkeit eine PG (6 Kanäle) oder PSG nach den oben beschriebenen Grundsätzen durchzuführen. Bestehen weder Tagesschläfrigkeit noch neurokognitive De- fizite noch Schnarchen noch Atemunregelmäßigkeiten im Schlaf (asymptomatische Patienten mit Risikokonstella- tion), so ist als Suchtest ein 1- oder 2-Kanalscreening mög- lich. Bei Symptomen ist eine PG oder PSG indiziert. Dieser Suchtest kann nicht als Bestätigungstest bei schon beste- hendem klinischem Verdacht noch zum sicheren Aus- schluss oder zur definitiven Differenzialdiagnose eingesetzt werden. Er kann jedoch eine große Zahl bisher unbekannter SBAS in den genannten Risikogruppen finden lassen und so der weiterführenden Diagnostik zuleiten. Die Anwender dieser Testverfahren müssen eine noch zu implementierende Schulung, Prüfung und Zulassung durchlaufen, ähnlich der NUB-Kurse der Ärztekammern. Des Weiteren muss die Vergütung der Leistung sicherge- stellt werden. Wenn sich in einem solchen Screening-Test der V. a. ein Schlafapnoesyndrom erhärtet, muss der Patient einem schlafmedizinisch qualifizierten Arzt zur weiteren Diagnos-
Versorgung mit Therapiegeräten und Therapie- kontrollen
Mehrere wissenschaftliche Untersuchungen konnten zeigen, dass die ersten Tage und Wochen der Therapie prädiktiv für die Lang- zeitnutzung sind [41, 56, 57]. Auch kurze Unterbrechungen der Therapie führen zum Wiederauftreten der Symptome [58]. Die Hauptprobleme der Nutzung (Maskensitz, Schleimhautirritatio- nen, Ablehnung) treten in den ersten vier Wochen, besonders in der ersten Woche, auf (besonders vulnerable Phase). Vergleichs- studien der konventionellen Versorgung und der intensivierten Betreuung durch das Schlaflabor nach 7, 14, 28 Tagen und 4 Mo- naten ergaben eine signifikant bessere Nutzungszeit und Symp- tomatologie. Es gilt daher, die Akzeptanz in den ersten Behand- lungstagen zu erfassen und Probleme mit Maske, Interface, Gerät oder psychische Akzeptanzhindernisse wahrzunehmen und the- rapeutisch anzugehen.
Konsensuspapier 115
Daraus ergibt sich auch, dass eine unmittelbare Versorgung der Patienten mit dem Therapiegerät nach der Therapieeinleitungs- nacht im Schlaflabor erfolgen muss. Mehrtägige Unterbrechun- gen, etwa durch Entscheidungsprozesse bei den Kostenträgern oder Bereitstellungsprobleme bei den Versorgungsfirmen, sind unbedingt zu vermeiden. Der Patient sollte sein Therapiegerät bereits in der Nacht nach der Einleitung nutzen können. Eine intensive Schulung des Patienten im Schlaflabor und Trai- ningsphasen mit dem Therapiegerät sind für eine gute Adhärenz unabdingbar. Die regelmäßigen Kontrollen hinsichtlich technischer und klini- scher Wirksamkeit haben den gleichen Stellenwert wie bei ande- ren Behandlungen mit prognostischer Auswirkung, etwa bei der Therapie mit Schrittmachersystemen des Herzens. Eine erste Kontrolle soll nach 2 – 6 Wochen unter Zuhilfenahme einer Polygrafie erfolgen. Es wäre medizinisch sinnvoll (optimale Auswahl von Gerät und Interface, Behandlung von Therapiehin- dernissen) und würde Kosten einsparen, wenn die endgültige Verordnung eines Therapiegerätes erst aufgrund dieser Untersu- chung erfolgen könnte. Dazu wäre es notwendig, dass das schlaf- medizinische Zentrum dem Patienten Geräte versuchsweise zur Verfügung stellen könnte. Der § 128 SGB V sollte entsprechend angepasst werden. Standardisierte Therapie-Kontrollen, bestehend aus den Prozess- Schritten
▶ Monitoring der kardiorespiratorischen Parameter unter Thera- pie einschließlich Erfassung von Fluss/Druck an der Maske,
Schlafmedizinische Zentren
Die bisherige Versorgung des Patienten mit SBAS ist zersplittert, was das Risiko von Informationsverlusten, Zeitverzögerungen, Wiederholungsuntersuchungen, unzureichender Nachsorge, Über- und Unterdiagnostik, Über- und Untertherapie mit sich bringt. Derzeit wird der Patient durch seinen Hausarzt, Familienangehö- rige, aber auch durch Medien oder andere betroffene Patienten auf SBAS aufmerksam gemacht. Sieht der Hausarzt einen hinrei- chenden Verdacht, wird er den Patienten einem somnologisch tätigen Arzt zuweisen, der die Stufendiagnostik 1 – 3 durchführen wird. Hier entstehen vom ersten Verdacht, häufig bei bestehen- der Tagesschläfrigkeit, bereits mehrere Wochen bis Monate Zeit- verzögerung. Ist die Diagnose nach Stufe 3 eindeutig zu stellen oder bleibt die Diagnose unklar, erfolgt die polysomnografische Therapieeinleitung beziehungsweise weitere differenzialdiag- nostische Abklärung im Schlaflabor. Auch zwischen den Stufen 3 und 4 ergeben sich erneut mehrwöchige bis -monatige Zeitver- zögerungen. Daher sollte der Patient bei hoher Vortestwahr- scheinlichkeit unmittelbar dem schlafmedizinischen Zentrum zugewiesen werden. Nicht wenige Patienten leiden jedoch unter komplexeren Formen von SBAS (Kombinationen von obstruktiven und zentralen SAS, Kombinationen mit Hypoventilationen, Kombinationen mit an- deren schlafmedizinischen Erkrankungen). Darüber hinaus gibt es Risikofaktoren für Non-Adhärenz, die eine höhere Aufmerk- samkeit erfordern. Bei einem Teil der Patienten kann nach der Ersteinleitung noch nicht sicher ausgesagt werden, ob der Patient mit dem ausgewählten Therapietyp oder mit den eingestellten Parametern suffizient behandelt wird. Hier sind kurzfristige, eng- maschige oder individuell angepasste Nachuntersuchungen durch den somnologisch qualifizierten Arzt erforderlich. Es ist sinnvoll, unter gleichen Bedingungen sektorübergreifende schlafmedizinische Zentren zu ermöglichen, die das gesamte Repertoire diagnostischer Möglichkeiten nach individueller Not- wendigkeit einsetzen können. Diese Zentren können sowohl im Krankenhaus als auch im kassenärztlichen Bereich angesiedelt sein. Dazu ist die Schaffung von Rahmenbedingungen, z. B. in Form von Pilotprojekten, Verträgen der integrierten Versorgung oder der zwischen den Kostenträgern und der Bayerischen Kran- kenhausgesellschaft abgeschlossene Vertrag infrage, bei denen die Diagnostik in stationärer, prästationärer und ambulanter Ver- sorgung geregelt ist. Eine gemeinsame Qualitätssicherung ist notwendig. Die Regelungen müssen auch im ambulanten Bereich die Diagnostik und Therapieeinleitung nach den medizinisch- wissenschaftlichen Voraussetzungen ermöglichen. Die schlafmedizinischen Zentren müssen über das gesamte Port- folio von Diagnostik und Versorgung verfügen. Dies beinhaltet die Erfassung von Anamnese, auch mit Hilfe von standardisierten Fragebögen, die Erfassung von Störungen der Daueraufmerksam- keit, diagnostische Verfahren einschließlich der PG und der PSG, eine Maskenanpassung und eine Maskensprechstunde durch spezialisierte Fachkräfte und ein Recall-System zur regelmäßigen Kontaktierung der Patienten. Die Gestaltung eines Schlaflabors ist durch die Qualitätskriterien der Deutschen Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin (DGSM) vorgegeben [59]. Die medizinische Leitung des schlafmedizinischen Zentrums muss bei einem Schlafmediziner oder Somnologen liegen. Das einzelne schlafmedizinische Zentrum sollte auch über ein inter- disziplinäres Netzwerk von Kontakten verfügen, das eine Betreu- ung von Patienten in besonderen Situationen ermöglicht, wenn
Jahre) eine PG
▶ Prüfung der Nutzungsdauer je Nacht,
▶ Standardisierte Prüfung der Tagesschläfrigkeit,
▶ Prüfung der Gerätefunktion,
▶ Prüfung des Maskensitzes und der Maskenfunktion,
▶ Prüfung des Gewichtsverlaufs,
▶ Messung des Blutdruckes,
▶ Synoptische Bewertung der Kontrollergebnisse,
▶ Instruktion des Patienten und ggf. Einleitung von Korrektur- maßnahmen sowie
▶ Erfassung der Ergebnisse in einer standardisierten Dokumen-
tation sollten in jährlichen Abständen erfolgen. Ergeben sich Hinweise
auf Indikationsänderungen oder ungenügende Wirksamkeit soll-
ten diese Kontrollen auch unterjährig erfolgen. Der betreuende Arzt entscheidet, ob eine Polygrafie zur Kontrolle des Therapieer- folges notwendig ist. Auf eine jährliche Messung der respiratorischen Situation (PG) kann bei Patienten mit OSA (nicht CSA) verzichtet werden, wenn
a) diese vor Therapieeinleitung unter einer ausgeprägte Tages- symptomatik litten, die im Verlauf nicht mehr nachweisbar ist, und
b) das Körpergewicht sich nicht wesentlich geändert hat, und
c) keine Änderung hinsichtlich anderer Erkrankungen aufgetre- ten ist, die mit SBAS assoziiert sind (z. B. Verbesserung/Ver- schlechterung der Herzfunktion), und
d) das Therapiegerät eine Erfassung von Atmungsstörungen erlaubt.
Da sich im Zeitverlauf mehrerer Jahre der für eine effektive The- rapie notwendige Druck ändern kann [43], muss auch in diesen
Fällen in größeren Zeitabständen (z. B. alle 2 – 3
durchgeführt werden. Im Zweifelsfall sollen sich weitere Unter- suchungen anschließen. Eine routinemäßige Wiedereinbestel- lung zur polysomnografischen Therapiekontrolle bei asympto-
matischen Patienten wird abgelehnt.
116 Konsensuspapier
diese nicht vor Ort vorgehalten werden können (z. B. Verbindun- gen zu Neurologen, Hals-Nasen-Ohrenärzten, Zahnärzten, Psy- chiatern, Pneumologen). Durch die Einrichtung solcher Schlafzentren, die den Patienten über den gesamten Verlauf betreuen könnten, kann Folgendes sichergestellt werden:
1. Inadäquate Diagnostik wird vermieden. Das schlafmedizini- sche Zentrum kann aus dem diagnostischen Portfolio auswäh- len, ob für den Patienten anhand seiner Vortestwahrschein- lichkeit eine PG sinnvoll und ausreichend oder eine PSG un- mittelbar, zur Differenzialdiagnostik oder Therapieeinleitung, notwendig ist. Es kann Risikofaktoren für Hypoventilationen und Komorbiditäten erfassen und die PSG gezielt erweitern. 2. Durch kurzfristige Kontrollen nach Therapieeinleitung kann beim Patienten das Risiko der Inadhärenz in der für die Dauer- nutzung entscheidenden Phase der ersten Tage und Wochen besonders beobachtet und Therapieprobleme beseitigt wer- den. Fehlerhafte Verordnungen oder Einstellungen der Geräte können frühzeitig erkannt und behoben werden und somit Fehlentwicklungen vermieden werden. 3. Inadäquate Therapieverordnungen (z. B. bei zentralen At- mungsstörungen), wie sie aufgrund alleiniger PG geschehen, können vermieden werden. 4. In der Nachsorge können PG, PSG, anamnestische Erhebungen und Auslesen der Therapiegeräte patienten- und diagnosebe- zogen individuell eingesetzt werden. In einem Positionspapier stellte die DGSM 2011 ein Konzept zur schlafmedizinischen Versorgung vor, das die vier Ebenen (schlaf- medizinisches Zentrum mit Aus- und Weiterbildung, schlafmedi- zinisches Zentrum, schlafmedizinisches Labor, Schlafmediziner) beinhaltet. Diese vier Ebenen stellen unterschiedliche Ebenen von der vollständigen Diagnostik, Ausbildung und wissenschaft- lichen Tätigkeit (Ebene 1) bis zum spezialisierten Schlafmedizi- ner ohne Schlaflabor (Ebene 4) dar. Die Versorgung kann voll- ständig von den Ebenen 1 und 2 erbracht werden. Die Ebenen 3 und 4 stellen Basis-Versorgungsangebote dar. Die Ebenen können einander ergänzen und aufeinander aufbauen. Sofern verfügbar, sollte der Patient die Möglichkeit haben, die schlafmedizinischen Zentren 1 oder 2 unmittelbar aufzusuchen. Diese Zentren sollen jedoch die für den Patienten geeignete und minimal notwendige Diagnostik und Therapie durchführen. Die Vergütung schlafme- dizinischer Leistungen sollte nicht allein von der Durchführung der PSG abhängig sein. Vielmehr sollte der schlafmedizinische Arzt die verschiedenen diagnostischen Verfahren (Anamnese, Fragebögen, Apnoescreening, Aktigrafie, Langzeit-EEG, kardio- respiratorische PG, PSG, Vigilanztestungen) gezielt einsetzen und die Leistungen entsprechend vergütet werden, auch wenn die Untersuchungen am Ende nicht in einer PSG resultieren. Angesichts der geringen Erlöse schlafmedizinischer Leistungen in beiden Systemen, der langen Wartefristen und der fehlenden Verfügbarkeit schlafmedizinischer Angebote fehlt dem Prinzip „ ambulant vor stationär “ hier die Grundlage. Es ist sinnvoll, die Sektorgrenzen hier zu überwinden. Möglichkeiten bieten dazu ▶ Kooperationsmodelle zwischen niedergelassenen Ärzten und stationären Einrichtungen (MVZ, Modelle integrierter Versor- gung), ▶ kontinuierliche Versorgung schlafmedizinischer Erkrankun- gen durch interdisziplinäre stationäre Kompetenzzentren (z. B. §§ 115b, 116b SGB V),
▶ schlafmedizinische Zentren am Krankenhaus oder im nieder-
gelassenen Bereich mit der Erlaubnis zur sektorübergreifen- den Tätigkeit. In Bayern wurde ein Landesvertrag zwischen den Krankenkassen und der Krankenhausgesellschaft geschlossen, in dem Vorausset- zungen für die stationäre Behandlungsbedürftigkeit von Patien- ten mit nächtlichen Atmungsstörungen bei der Durchführung der Polysomnografie geregelt sind und die Abrechnung über die DRG E63Z ermöglicht wird. Alle anderen Fälle in stationären Schlaflaboren sind mit einer Fallpauschale prästationär etwa in Höhe der ambulanten Leistung für eine Nacht abgegolten. Die prästationäre Abrechnung von zwei Nächten (Diagnostik- und Therapienacht) ist mit entsprechender Begründung möglich. Dieses Modell kann Grundlage für die Versorgung in schlafmedi- zinischen Zentren sein. Eine sektorübergreifende Qualitätssicherung in schlafmedizini- schen Zentren sowohl im Krankenhaus als auch im niedergelas- senen Bereich ist notwendig. Die schlafmedizinischen Einrichtungen gewährleisten einen gu- ten Informationsfluss untereinander. Hierzu zählt insbesondere auch die Bereitstellung von Polygrafie- oder Polysomnografie- daten im European Data Format (EDF), falls von der nachversor- genden schlafmedizinischen Einrichtung benötigt.
Aufgaben des Arztes in Diagnostik und Therapie der Schlafapnoe-Syndrome
In dem zuvor skizzierten Ablauf von Diagnostik und Therapie der Schlafapnoe-Syndrome spielt der Arzt eine elementare Rolle. Hierbei sind zunächst verschiedene Stufen der schlafmedizini- schen ärztlichen Qualifikation zu unterscheiden. Zu differenzie- ren sind auf der einen Seite der Hausarzt, der in der Regel die ers- te ärztliche Kontaktperson der Patienten mit Symptomen schlaf- bezogener Atmungsstörungen ist, auf der anderen Seite der Fach- arzt. Der Hausarzt ist oft in der Lage, sehr häufige Schlafstörun- gen, die nur durch Anamnese erkennbar sind, zu diagnostizieren und zu behandeln (z. B. Restless-Legs-Syndrom, leichte Formen der Insomnien). Die weiterbehandelnden Fachärzte sind in der Regel ein Pneumologe, Neurologe oder Hals-Nasen-Ohrenarzt. Schließlich werden die differenzialdiagnostisch schwierigen Diagnosen und die entsprechende Therapie von Ärzten mit der fachärztlichen Zusatzbezeichnung Schlafmedizin oder dem Qualifikationsnachweis Somnologie der DGSM gestellt bzw. ein- geleitet. Im Folgenden sollen die Tätigkeiten in der Diagnostik und Thera- pie der SBAS präzisiert werden, die unbedingt vom Arzt durchzu- führen und nicht zu delegieren sind. Hierbei sollen die verschie- denen Qualifikationsebenen berücksichtigt werden.
Die erste schlafmedizinische Anamnese, die Erfassung von Risikofaktoren und Begleiterkrankungen wird in der Regel die Aufgabe des Hausarztes sein. Die spezielle schlafmedizinische Anamnese kann zunächst standardisiert, unter Umständen durch Hinzunahme spezieller Fragebögen, von nichtärzt- lichem Assistenzpersonal aufgenommen werden [60]. Die an- amnestischen Angaben des Patienten müssen jedoch in einem persönlichen ärztlichen Gespräch mit dem Patienten gewertet und ggfs. durch weitere Fragen vertieft werden [61]. Dies er- fordert meist fachärztliche oder spezielle schlafmedizinische ärztliche Kompetenz [46, 62, 63].
Konsensuspapier 117
▶ Die körperliche Untersuchung obliegt dem Arzt und kann nicht delegiert werden, auch hier ist in speziellen Fragestellun- gen ein Facharzt, z. B. ein HNO-Arzt, hinzuzuziehen [1].
▶ Die Erfassung möglicher Differenzialdiagnosen und die Indika- tion zur Initiierung weiterführender Diagnostik ist eine ele- mentare, nicht-delegierbare ärztliche Aufgabe.
▶ Die Auswertung der PG kann von qualifiziertem nichtärzt- lichem Personal vorbereitet werden. Die Überprüfung der Aus- wertung muss jedoch vom Arzt erfolgen. Hierbei sind die Ori- ginalkurven persönlich in Augenschein zu nehmen [35, 64]. Die Durchführung und Auswertung von Ein- bis Zweikanalun- tersuchungen kann durch einen besonders geschulten Haus- arzt oder Facharzt erfolgen. Die Schulung sollte in Anlehnung an die BuB-Kurse erfolgen. Die Auswertung der Polygrafien soll in der Regel vom Somnologen, Arzt mit Zusatzbezeich- nung Schlafmediziner oder Genehmigung durch die kassen- ärztliche Vereinigung durchgeführt werden. Die Auswertung der PSG in einem Schlaflabor (im Krankenhaus oder KV-Be- reich) kann durch nichtärztliches qualifiziertes Personal vor- bereitet werden. Auch hier ist unbedingt ärztlicherseits diese Auswertung anhand der Originaldaten zu supervidieren und ggf. zu korrigieren. Auch hier ist als Qualifikation der Somno- loge, Arzt mit Zusatzbezeichnung Schlafmedizin oder die Ge- nehmigung zur Durchführung der Polysomnografie durch die kassenärztliche Vereinigung notwendig.
▶ Die Anpassung der Maske, ihre Kontrolle und die Erklärung der Funktionsweise eines Gerätes kann an qualifiziertes, nicht- ärztliches Personal im Schlaflabor delegiert werden. Die Wirk- samkeit von Maske, Interface und Gerät muss jedoch vom Arzt hinterfragt und ggf. persönlich überprüft werden [67]. Die Erstanpassung soll nicht an Mitarbeitende der Hilfsmittelver- sorgungsunternehmen übertragen werden.
▶ Die Schulung des Patienten und falls möglich der Angehörigen gehört zu den zentralen Aufgaben des schlafmedizinischen Zentrums. Zu den Inhalten gehören Kenntnisse über das Krankheitsbild und seine Auswirkungen, Komorbiditäten, Funktionsweise, Modi und Nutzung von Therapiegerät und Interface sowie Nachsorge. Die Schulung kann von nichtärzt- lichem, speziell geschultem Personal durchgeführt werden.
▶ Das schlafmedizinische Zentrum soll zur Erstanpassung, aber auch zur Beseitigung von Problemen im Verlauf eine Masken- sprechstunde durch qualifiziertes Personal vorhalten, für die entsprechende Ressourcen zur Verfügung gestellt werden müssen.
Die zusätzliche Verordnung eines Warmluftbefeuchters oder einer exspiratorischen Druckentlastung oder die Indikation zu einem anderen Überdruckverfahren (z. B. APAP, BPAP, adap- tive Servoventilation) obliegt ebenfalls dem schlafmedizinisch qualifizierten Arzt. Sie kann nicht vom nichtärztlichen Perso- nal, insbesondere auch nicht von Mitarbeitern der Hilfsmittel- versorgungsfirmen, erfolgen.
▶ Die primäre Therapieeinleitung muss in einem Schlaflabor er- folgen. Die ärztliche Verantwortung trägt hierfür der schlaf- medizinisch qualifizierte Arzt nach KV, der Arzt mit Zusatz- bezeichnung Schlafmedizin oder der Somnologe (DGSM).
Nach primärer Therapieeinleitung in einem Schlaflabor sollten regelmäßige Kontrollen vorgenommen werden (s. o.). Die Er- hebung der Anamnese und das Erfragen von Problemen oder Nebenwirkungen der Therapie oder die Besserung der initia-
bögen von nichtärztlichen Mitarbeitern übernommen werden. Ärztliche Aufgabe bleibt jedoch danach das persönliche Ge- spräch mit dem Patienten und eine körperliche Untersuchung, die auch mögliche Nebenwirkungen der Maskentherapie (Druckstellen, Konjunktivitis, Ulzera) eruieren sollte. Die Kon- trollen des Maskensitzes und das Auslesen des eingesetzten Therapiegerätes können von nichtärztlichem Personal über- nommen werden, der Arzt ist jedoch zur Überprüfung der ge- wonnenen Daten verpflichtet [68].
len Symptome können z. B. anhand von vorbereiteten
▶ Im Rahmen der Versorgungsverträge mit den Kostenträgern ist von Situationen berichtet worden, bei denen der Patient beim bloßen Verdacht auf SBAS schon von Hilfsmittelprovi- dern mit einem Therapiegerät versorgt worden ist, bevor die Diagnose definitiv gestellt und die geeignete Therapie vom Schlafmediziner ausgewählt werden konnte. Diese Praxis prä- judiziert das Vorliegen einer Erkrankung, was zu Fehl- und Übertherapien führen kann. Sie greift fundamental in die ärzt- liche Aufgabe der Diagnostik und Behandlung ein, beeinträch- tigt differenzialdiagnostische und differenzialtherapeutische Erwägungen. Diese Praxis ist strikt abzulehnen [65].
▶ Eine nicht zu delegierende ärztliche Aufgabe bleibt die Über- prüfung der Indikation und das Gespräch mit dem Patienten zur Einleitung einer Therapie [66].
Primäre ärztliche Aufgabe bleibt die Indikationsstellung zur weiteren Diagnostik bei noch vorhandenen Beschwerden, bei geringer Adhärenz oder anderweitigen Problemen mit der eingeleiteten Therapie.
▶ Die Auswertung der im Schlaflabor durchgeführten PSG kann auch hier von nichtärztlichem qualifiziertem Personal vorbe- reitet werden. Aufgabe des Schlafmediziners bleibt jedoch die eigenständige Überprüfung dieser Auswertungen unter Be- rücksichtigung der Originalkurven. Weiterhin ist der Arzt für das Gespräch mit dem Patienten, die Übermittlung der ermit- telten Daten und die Information über die einzuleitende The- rapie verantwortlich.
Sollten im Rahmen der Therapiekontrolle eine weitere PG oder PSG erforderlich sein, so wird diese vom schlafmedizinisch qualifizierten Arzt durchgeführt werden. Die primäre ärztliche Aufgabe besteht auch hier in der persönlichen Überprüfung der Auswertung durch in Augenscheinnahme der Original- kurven.
Die Indikation zur Fortsetzung oder zur Änderung der primär eingeleiteten Therapie obliegt ebenfalls dem Arzt, hier in der Regel dem schlafmedizinisch qualifizierten Arzt. Es darf kein Therapieabbruch wegen unzureichender Nutzung der einge- leiteten Therapie ohne ärztlichen Kontakt akzeptiert werden.
▶ Nach Einleitung einer Therapie, z. B. einer Positivdruckbe- handlung, sind vom Arzt im Patientengespräch Probleme mit der Behandlung und deren mögliche Lösungen zu erörtern. Qualifiziertes, nichtärztliches Personal kann ein Vorgespräch zur Erfassung der wichtigsten Therapieprobleme und der The- rapieeffizienz in standardisierter Weise führen und so das ärztliche Gespräch vorbereiten.
In der längerfristigen Betreuung kann es notwendig werden, eine Anpassung von Nasen- und Nasen-Mundmasken durch- zuführen. In diesen Prozess kann geschultes Personal einer Hilfsmittelfirma eingebunden sein. Eine Umversorgung der im Schlaflabor unter o. g. Bedingungen gefundenen Maske ist
118 Konsensuspapier
nur bei vom Patienten geklagten Problemen und nach indivi- dueller Neuanpassung (auch bei konventionellen Masken) sinnvoll. Es muss sichergestellt sein, dass der betreuende schlafmedizinisch qualifizierte Arzt über die Intervention informiert wird. Eine Umversorgung von Nasenmaske auf Nasen-Mundmaske oder vice versa bedarf der Kontrolle durch einen schlafmedizinisch qualifizierten Arzt [69].
▶ Beratung in medizinischen Fragen, z. B. zu Nebenwirkungen und Komplikationen der Therapie, ist ärztliche Aufgabe. Mitar- beitende von Hilfsmittelversorgungsfirmen sollen diesbezüg- lich auf das schlafmedizinische Zentrum oder die betreuenden Ärzte verweisen. Erhalten sie Kenntnis über Veränderungen beim Patienten oder seiner Therapie, sollen diese umgehend dem schlafmedizinischen Zentrum oder den betreuenden Ärz- ten mitgeteilt werden. Diese haben zu prüfen, ob eine Wieder- vorstellung des Patienten in der Praxis oder im schlafmedizini- schen Zentrum notwendig ist.
Rolle der Hilfsmittelversorgungsfirmen (Provider)
In der Betreuung von Patienten mit SBAS ist eine enge Zusam- menarbeit von Ärzten und Hilfsmittelversorgungsfirmen not- wendig. Zentrale Bedeutung hat dabei eine gute Kommunikation mit dem Patienten und zwischen den Betreuenden. Insbesondere vor dem Hintergrund der Versorgungsverträge und gesundheits- ökonomischer Veränderungen ist es notwendig, die Aufgaben der Beteiligten zu definieren. Dies hat rechtliche Relevanz, beein- flusst aber auch die Vertragskonstellationen zwischen Firmen und Kostenträgern sowie die Kostenkalkulation im DRG-System und im kassenärztlichen Bereich. Die ärztliche Rolle wurde zuvor beschrieben. Den Hilfsmittelversorgungsfirmen kommen folgen- de Aufgaben in der Betreuung des Patienten zu:
▶ Geräte- und Zubehörauslieferung.
▶ Geräteeinweisung und -schulung gemäß Medizinproduktege- setz bei den Mitarbeitern der Schlaflabore als Voraussetzung zur Therapieeinstellung und -beratung.
Individuelle Geräteeinstellung auf Basis der Verordnung durch den schlafmedizinisch qualifizierten Arzt.
Rolle des Hausarztes in Diagnostik und Therapie der schlafbezogenen Atmungsstörungen
Geräte- und Zubehöreinweisung des Patienten anhand der Ge- brauchsanweisung und der Vorgaben des Arztes.
Der Hausarzt hat eine zentrale Rolle in der Diagnostik der SBAS.
Beratung des Patienten im Hinblick auf medizintechnisch sinnvolles Zubehör für die Therapiegeräte (z. B. Gleichspan- nungsversorgung, Heizschläuche etc.).
▶ Er ist meist der erste, bei dem sich der Patient mit typischen oder untypischen Symptomen von SBAS vorstellt.
▶ Der Hausarzt kann mit einfachen Methoden (strukturierte Anamnese, ESS; gebräuchliche Komorbiditäten) das Maß der Vortestwahrscheinlichkeit für das Vorliegen obstruktiver schlafbezogener Atmungsstörungen ermitteln. Darüber hinaus hat der Hausarzt eine wesentliche Rolle bei der Fallfindung asymptomatischer Patienten mit relevanten Risikokonstella- tionen oder Komorbiditäten (kardiovaskuläre, renale Erkran- kungen, chronische Opiattherapie). Aufgrund der ungünstige- ren Prognose ist die aktive Suche nach dem Vorliegen von SBAS aus individuellen klinischen, aber auch sozioökonomi- schen Aspekten sinnvoll (s. o. Screening).
Schulung von Angehörigen und Pflegekräften im Umgang mit dem Therapiesystem.
Einweisung in die Aufbereitung und Pflege der Maske.
24-Stunden-Notdienst für telefonische technische Hilfestel- lung.
Medizintechnische Beratung des Patienten im Hinblick auf Mobilität, Reisen und Urlaub.
Auslesen des Gerätespeichers der Therapiegeräte zur Weiter- gabe an den schlafmedizinisch qualifizierten Arzt, soweit dies datenschutzrechtlich möglich ist.
Medizintechnische Beratung, Lieferung und Einweisung bei Kombinationsversorgungen mit Sauerstoff.
▶ Schließlich kann er in der Nachbetreuung zwischen den regel- mäßigen Kontrolluntersuchungen beim schlafmedizinisch qualifizierten Arzt neu aufgetretene Symptome, Adhärenz- probleme oder Nebenwirkungen wahrnehmen und eine vor- gezogene spezialisierte Untersuchung und Therapieanpassung anbahnen.
International werden Modelle diskutiert, den Hausarzt in Diag- nostik und Therapie einzubinden. Diese Modelle sehen klar defi- nierte Voraussetzungen vor:
Einbindung in die Adaptation von Masken im Langzeitverlauf, nicht in der Erstversorgung. Es muss sichergestellt sein, dass das schlafmedizinische Zentrum über die Intervention infor- miert wird. Eine Umversorgung von Nasenmaske auf Nasen- Mundmaske oder vice versa bedarf der Aufsicht durch einen schlafmedizinisch qualifizierten Arzt.
Häusliche Betreuung in technischen Fragen in den ersten Therapietagen bei befürchteten Anwendungsproblemen.
a) Eine spezielle Schulung zu SBAS, insbesondere zur Erkennung der typischen oder untypischen Symptomatik, internistischen, neurologischen oder pharmakologischen Risikosituationen, und zur Therapieadhärenz. Die Schulung des Hausarztes kann in Anlehnung an die BUB-Kurse durchgeführt werden.
In den letzten Jahren wird über Möglichkeiten des Einsatzes der Telemedizin (Primärdiagnostik und Nachsorge) bei Patienten mit SBAS diskutiert [70, 71]. Modelle wurden sowohl für die Primär- diagnostik als auch die Nachsorge vorgestellt. Die wissenschaft- lichen Untersuchungen wurden in der Regel in Regionen durch- geführt, in denen der unmittelbare Zugang zu einer ärztlichen Praxis oder Klinik des entsprechenden Fachgebietes nicht mög- lich war. In der Diagnostik wurden PG oder PSG von spezialisier- ten Fachkräften vor Ort angelegt, die Daten zu einem zentralen schlafmedizinischen Zentrum übermittelt und über Videokonfe- renz der Arzt-Patienten-Kontakt hergestellt [72 – 76]. In der Nachkontrolle wurden Daten per Modem aus den Therapiegerä- ten ausgelesen. Diese Daten wurden durch die Erfassung persön-
b) Einbindung spezialisierter Assistenzmitarbeiterinnen/-mit- arbeiter (medizinische Fachangestellte, ambulante Pflege- dienste, Gemeindeschwester), wenn diese über entsprechen- de Zusatzkenntnisse verfügen und eine ärztliche Praxis mit Spezialkenntnissen nicht zur Verfügung steht.
c) Bereitstellung finanzieller Ressourcen zur Erbringung der Zu-
satzleistungen. Eine dem Hausarzt ähnliche Rolle können auch Mediziner ande- rer Disziplinen einnehmen, die zwar nicht als spezialisierte Schlafmediziner tätig sind, jedoch Kontakt zu entsprechenden Patienten haben (z. B. Kardiologen, Mund-Kiefer-Gesichtschirur- gen, Nephrologen, Zahnmediziner).
Konsensuspapier 119
licher Daten ergänzt, z. B. mittels web-basierter Fragebögen so- wie durch telefonische Arzt-Patienten-Kontakte [77 – 80]. Die beschriebenen Situationen sind derzeit auf deutsche Verhält- nisse nicht übertragbar. Zum einen müssen wesentlich geringere Entfernungen überwunden werden, um einen schlafmedizinisch spezialisierten Arzt in Praxis oder Klinik zu erreichen. Zum ande- ren stellt das deutsche Gesundheitswesen derzeit keine Ressour- cen für die umfassende und eingehende Betreuung eines Patien- ten auf telemedizinischem Wege zur Verfügung. Der Zeitaufwand bei der Erhebung, Auswertung und Interpretation der Daten so- wie der Arzt-Patienten-Kontakt unterscheiden sich jedoch nicht wesentlich vom direkten Kontakt in Praxis oder Klinik. Es ist denkbar, dass telemedizinische Möglichkeiten von den oben be- schriebenen schlafmedizinischen Zentren in der Zukunft genutzt werden, wenn dafür adäquate Ressourcen zur Verfügung gestellt werden. Sie können Bausteine in einer Gesamtbetreuung des Pa- tienten sein. Eine Zersplitterung der Patientendaten zwischen Hausarzt, Zentrum, Hilfsmittelversorgungsfirma und Kostenträ- ger muss jedoch vermieden werden. Alle Patientendaten müssen beim schlafmedizinischen Zentrum zusammenlaufen und gewer- tet werden. Eine Übertragung der telemedizinischen Betreuung auf Dritte, z. B. Hilfsmittelversorgungsfirmen, kann derzeit nicht unterstützt werden. Zwar könnten diese Daten aus Therapiegeräten (bspw. Nutzung, Leckage) auslesen. Die medizinische Interpretation und die daraus resultierenden Behandlungskonsequenzen (ins- besondere Veränderungen an der Geräteeinstellung, Maske und Interface) für den Patienten sind jedoch ärztliche Aufgaben. Letztlich sind zahlreiche Fragen der sicheren Datenübermittlung, der Bereitstellung technischer Einrichtungen und des Daten- schutzes ungeklärt.
▶ Die Verträglichkeit der Therapie und damit die Akzeptanz beim Patienten hängen auch von der Druckstabilität innerhalb eines einzelnen Atemzugs ab.
▶ Eine antizyklische Druckversorgung, d. h. höherer Exspira- tionsdruck im Vergleich zum Inspirationsdruck, erhöht die Atemarbeit [83]. Gerade bei diesem Parameter wird eine hohe Langzeitstabilität des angewandten Drucks gefordert [84].
▶ Die Abweichung des dynamischen Druckes vom eingestellten Druck sollte bei möglichst ± 0,3 hPa liegen. Diese Druckstabili- tät sollte bei verschiedenen Drücken (auch im oberen Drittel der Druckspanne des Gerätes) und Atemfrequenzen gewähr- leistet sein.
▶ Die Qualität der Drucktherapie wird weiterhin charakterisiert durch die maximale Durchflussrate, die durch das Gerät er- reicht wird. Hier soll auch ein konkreter Wert angegeben wer- den. Dabei sollte der Fluss angegeben werden, bei dem der Druck um 1 hPa abfällt (DIN EN ISO 80601-2-70) [82].
Die Verträglichkeit der Therapie wird auch durch den Schall- druckpegel, den die Geräte verursachen, beeinflusst.
Geräte zur Anwendung von BPAP
Dieser sollte bestimmt und angegeben werden.
Der Schalldruckpegel soll auch über die Zeit stabil bleiben und
30 dB nicht überschreiten (Prüfmethode 14-3-03/2007 MDS- Hi). Transparenz wird dadurch erreicht, dass den Geräten die ge- nannten Kriterien in der Form eines schriftlichen Dokuments bei der Auslieferung beigefügt sind. Soll auf Veranlassung des Kostenträgers eine Umversorgung von einem auf ein anderes CPAP-Gerät erfolgen, soll dies möglichst mit einem baugleichen Gerät geschehen. Anderenfalls ist eine zeitnahe Nachuntersuchung im Hinblick auf Symptomatologie und Beseitigung der Atmungsstörungen (PG) durch einen Schlaf- mediziner notwendig.
Minimalanforderungen an Therapiegeräte
CPAP-Geräte mit exspiratorischer Druckabsenkung
Die apparative Therapie ist bei Patienten mit SBAS die Therapie der ersten Wahl und wird von den Krankenkassen übernommen. Unter dem Kostendruck ist eine Kostenoptimierung notwendig, jedoch muss im Rahmen der Optimierung auf die minimal not- wendige Qualität der Therapie geachtet werden. Daher werden im Folgenden die essenziellen Qualitätskriterien für PAP-Thera- piegeräte zusammengefasst. Insbesondere bei Anschluss- und Umversorgungen mit einem eventuellen Gerätewechsel ist da- rauf zu achten, dass die vorgegebenen Standards eingehalten werden. Die Anzahl der bereits stattgehabten Aufbereitungs- zyklen sollte in einem Gerätepass angegeben und eine eventuelle Beschränkung der Wiederverwendbarkeit der PAP-Therapiege- räte müssen gemäß Medizinproduktegesetz (MPG) durch den Hersteller festgelegt werden.
Hier gelten die bereits bei den CPAP-Geräten genannten Aspekte. Aufgrund der verschiedenen in den Geräten umgesetzten Algo- rithmen können diese Geräte jedoch nicht beliebig untereinander getauscht werden. Bei vielen Patienten, die sich ohne eine solche Ausatemerleichterung nicht an die Therapie adaptieren lassen, ist ein Austausch (also Um- oder Anschlussversorgung auf ein Ge- rät eines anderen Herstellers) nicht ohne Überprüfung im Schlaf- labor möglich.
Die Qualitätsmerkmale für Geräte zur BPAP-Versorgung (BPAP-S (spontaneous), -ST (spontaneous-timed), -T (timed), automati- sches BPAP) entsprechen im Wesentlichen den Qualitätsmerk- malen der Geräte für CPAP.
Es bestehen jedoch neben dem absoluten Druck und der Druckstabilität noch weitere Merkmale (Trigger, Inspirations- zeit, Exspirationszeit), die kontrolliert und mit ihren mögli- chen Abweichungen beschrieben werden sollen.
Geräte zur Anwendung von kontinuierlich positivem Überdruck (CPAP)
Bisher stehen dem Arzt und Patienten die schon länger in den Normen (DIN EN 17510-1: 2009 – 07, ab 2014 IEC/DIS 80601-2- 70) geforderten Daten nicht zur Verfügung [81, 82]. ▶ Gefordert ist eine hohe Druckgenauigkeit, d. h. eine Überein- stimmung zwischen am Gerät angegebenen Druck und dem tatsächlich applizierten Druck. Fehlende Genauigkeit führt bei Übertragung der im Schlaflabor ermittelten Daten auf das Heimtherapiegerät zu einem inadäquat hohen oder einem zu niederen und damit ineffektiven Druck.
Die Grenzwerte zum Umschalten von Inspiration auf Exspira- tion und umgekehrt müssen festliegen und zeitlich stabil blei- ben.
Das Zeitverhalten bei Geräten im T-Modus muss wie einge-
stellt bleiben und darf sich nicht über einen längeren Zeitraum hinweg ändern. Druckkonstanz, Druckaufbau und Trigger der verschiedenen Druckatmungsgeneratoren sind nicht vergleichbar. Somit ist eine Umversorgung nur nach Neutitration im Schlaflabor unter PSG-Kontrolle möglich.
120 Konsensuspapier
Geräte zur Anwendung von automatisch variierendem Positivdruck (APAP)
Die Qualitätsmerkmale für APAP-Geräte sind komplizierter, da diese den Druck nach dem Bedarf des Patienten verändern. Hier- zu gibt es bereits technische Testverfahren, die jedoch noch nicht in Normen festgehalten sind, da die Druckregelungsverfahren sehr verschieden reagieren. Die Druck-Regelung der APAP-Geräte ist von Hersteller zu Hersteller verschieden [85 – 86]. Bei Patien- ten, die ein solches APAP-Gerät benötigen, ist ein Austausch eines Druckregelungsverfahren durch ein anderes (also Austausch eines Gerätes durch eines mit einem anderen Druckregelungs- verfahren eines anderen Herstellers oder auch eines anderen Typs) nicht ohne Überprüfung im Schlaflabor (eine Neutitration) möglich. Generelle Qualitätsmerkmale, wie sie für das CPAP vorgesehen sind, sollten ebenfalls für APAP gelten. So sollten der angezeigte Druck und die eingestellten Druckwerte den tatsächlichen Druckwerten entsprechen. Eine Langzeit-Stabilität der eingestell- ten Parameter muss gewährleistet sein.
Leckage-Daten umfassen, um hier gegebenenfalls korrigierend eingreifen zu können.
Normierung der Fernbedienung
Die aktuelle Situation ist dadurch gekennzeichnet, dass die für die Therapieeinstellung erforderlichen Geräte zur Fernsteuerung (Titration) mit unterschiedlichen Konfigurationen realisiert wur- den. Die unterschiedlichen Anschlüsse und Stromversorgungen sowie Netzwerkkonfigurationen sollten durch eine vereinheit- lichte technische Norm für den Datentransfer vereinheitlicht werden. Auch hier ist eine einheitliche Datenschnittstelle er- wünscht.
Die hier aufgeführten Qualitätsstandards sind damit in der schlafmedizinischen Alltagssituation heute noch keineswegs ge- währleistet. Dies führt zu fehlerhaften Einstellungen und zur Ver- sorgung mit Geräten, die den heutigen möglichen Standards nicht entsprechen. Aufgrund der ausgesprochen restriktiven Handhabung der Fi- nanzierung der Beatmungsgeräte mit Ausschreibungen zuguns- ten der billigsten und nicht der wirtschaftlichsten Anbieter be- steht die Gefahr, dass die Qualität der vertraglich vorgegebenen Geräte weiter abnimmt. Insbesondere besteht die Gefahr, dass ein ursprünglich gut für den Patienten eingestelltes Gerät bei einer Anschluss- oder Umversorgung nicht mehr den gleichen Druck und die gleiche Druckstabilität liefert.
Geräte zur Anwendung von adaptiver Servoventilation (ASV)
Die Qualitätsmerkmale für die adaptive Servoventilation sind noch nicht festgelegt. Da diese Geräte überwiegend bei Patienten mit kardiovaskulären Erkrankungen oder anderen internisti- schen Komorbiditäten eingesetzt werden [87], ist besonders eine Stabilität der eingestellten Parameter wichtig. Ebenso ist die Langzeitstabilität der eingestellten Parameter wichtig. Bezo- gen auf diese Merkmale sollen ASV-Geräte mindestens den An- forderungen an CPAP-Geräte entsprechen. Bezogen auf die Druckregelung unterscheiden sich die ASV-Gerä- te der verschiedenen Hersteller und die verschiedenen Typen ganz wesentlich [88, 89]. Hier gilt wie bei den APAP-Geräten, dass eine Umversorgung mit einem Hersteller- oder Typwechsel nur mit einer Neutitration im Schlaflabor unter PSG-Kontrolle möglich ist. Häufig ist sogar das nicht möglich. Bei den betroffe- nen Patienten wurden häufig im Schlaflabor bereits unterschied- liche ASV-Geräte bei der Titration erprobt und das ASV-Gerät mit dem Druckregelungsverfahren verschrieben, welches die höchste Effektivität und Adhärenz beim Patienten zeigt. Eine Änderung zieht hier häufig einen Verlust der Adhärenz und damit einen Verlust der effektiven Therapie nach sich.
Ausschreibungen und Versorgungsverträge
In den letzten Monaten und Jahren haben einzelne Kostenträger Ausschreibungen zur Versorgung mit Positivdruckgeräten und Zubehör, einschließlich der Masken und des Interface, durchge- führt und auf dieser Basis Verträge mit Hilfsmittelversorgungsfir- men abgeschlossen. Auf der Basis des EU-Rechts wurden diese Verträge zwischen den Krankenkassen und den medizintechni- schen Versorgern geschlossen. Eine Anhörung der von diesen Verträgen Betroffenen, also der Patienten und der schlafmedizi- nisch tätigen Ärzte, ist nicht vorgesehen und rechtlich nicht er- forderlich. Eine Hinzuziehung wäre jedoch sinnvoll gewesen, um die Sachkenntnis und Kompetenz der Ausführenden zu nutzen. Etliche der uns aufgefallenen und unten aufgeführten Probleme hätten im Vorfeld geklärt werden können. Für die Zukunft ist zu wünschen, dass seitens der politischen Institutionen eine Mit- wirkung aller Beteiligten vorgeschrieben wird. Im Einzelnen handelt es sich um folgende Punkte:
Formate für Therapiestunden- und Nutzungsdaten
Die PAP-Therapiegeräte zeichnen heute die Nutzungsdauer durch den Patienten auf. Es wird dabei die effektive Nutzungsdauer und nicht allein eine Betriebsstundenzahl aufgezeichnet. Eine Be- triebsstundenzahl ohne Erfassung der effektiven Nutzung ist nicht ausreichend. Da der Therapieeffekt direkt von der Nut- zungsdauer abhängt, kommt der Beurteilung der Dauer der The- rapieanwendung durch den Patienten große Bedeutung zu [90]. In den Geräten werden unterschiedliche Dateiformate für die Kerndaten verwendet. Auch die Auslesung erfolgt durch unter- schiedliche Techniken, sodass nur ein definierter Transferweg aus den Geräten mit einem vom Hersteller unabhängigen Aus- lesemodus einer qualitativ ausreichenden Versorgung dient. Ein einheitliches Datenübertragungsformat und eine einheitliche Datenschnittstelle (Kabel und Hardware) zur lesenden Software sollte hierfür entwickelt werden, damit die Nutzungsdaten unab- hängig vom Gerätehersteller und Gerätetyp ausgelesen und do- kumentiert werden können. Die Nutzungsdaten sollen auch
▶ Der Patient wird im Schlaflabor auf ein Therapiegerät einge- stellt, der notwendige Therapiedruck wird individuell mit die- sem Gerät titriert, um die effektive Beseitigung der respiratori- schen Störungen mit dem niedrigst möglichen Druck sicher- zustellen und eine inadäquate Therapie zu vermeiden (Gefahr der Entwicklung therapieinduzierter CSA). Der so ermittelte Druckwert kann nicht ohne Weiteres auf einen anderen Gerä- tetyp übertragen werden. Eine Umstellung von einem APAP-, BPAP-, ASV-Gerät auf ein anderes ist nur unter Neueinleitung im Schlaflabor möglich. Soll eine Umstellung von einem CPAP- Gerät auf ein anderes erfolgen, ist dies zeitnah von einem Schlafmediziner zu überprüfen.
Konsensuspapier 121
▶ Wesentlicher Bestandteil der Therapie ist die Maske, deren optimaler Sitz entscheidend zur Vermeidung von Komplika- tionen und Nebenwirkungen und zur Langzeitanwendung bei- trägt [91].
▶ Eine Entlassung des Patienten ohne Versorgung mit individuell gefundener Maske und bestmöglich eingestelltem Gerät ist medizinisch nicht sinnvoll.
▶ Jede Zeitunterbrechung zwischen Einleitung im Schlaflabor und Versorgung muss als Hindernis der Langzeit-Adhärenz angesehen und daher vermieden werden. Die alleinige Über- mittlung technischer Daten an einen Kostenträger oder an Hilfsmittelversorgungsfirmen (Therapiedruck, Gerätegruppe, Produktart) tragen der in hohem Maß individualisierten Ver- sorgung und Betreuung nicht Rechnung und sind daher medi- zinisch nicht sinnvoll.
▶ Die Betreuung des Patienten mit SBAS beinhaltet ein hohes
Maß an medizinischer Information, Schulung, situations- und personenspezifischer Aktion und Reaktion [41, 92, 93]. Diese Aufgaben können nicht an Personen übertragen werden, die nicht zum Schlaflabor oder Team des betreuenden Arztes gehören. Verträge, die diese Leistungen an Hilfsmittelversor- ger binden, sind daher medizinisch nicht sinnvoll. § 33 SGB V hebt den individuellen Einzelfall hervor, und der Ge- setzgeber führt an anderer Stelle (§ 127 SGB V) und in der Geset- zeskommentierung aus, dass Ausschreibungen bei starkem Ein- zelfallbezug nicht möglich sind. Dies ist bei der Therapie von SBAS gegeben. Die Betreuung des Schlafapnoe-Patienten ist nicht standardisierbar (individuelle Maskenanpassung, Auswahl und Adaptation des Gerätes), beinhaltet einen hohen Anteil an perso- nenbezogenen Dienstleistungen (Information, Schulung, indivi- duelle Therapieanpassung, Reaktion auf Therapieprobleme mit Maske und Gerät, Motivation zur Erhaltung der Therapieadhä- renz) und ist übergreifend (Schlaflabor, Schlafmediziner, Haus- arzt, Hilfsmittelversorger). Eine ineffektive Therapie oder der Behandlungsabbruch stellt ein gesundheitliches Risiko sowohl kurz- als auch langfristig dar (Unfallrisiko, kardiovaskuläre Kon- sequenzen). Die mangelnde Adhärenz verursacht durch die Folgeerkrankungen erhebliche Kosten im Gesundheitswesen. Da- mit sind Ausschreibungen für die Versorgung beim Schlafapnoe- Syndrom ungeeignet [94]. Auch bei der Gestaltung anderer Ver- tragsformen sind die in diesem Papier dargelegten Grundsätze zu berücksichtigen.
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