Source: https://www.geld-welten.de/geldwerter-vorteil.html
Timestamp: 2019-11-15 18:02:42
Document Index: 147385565

Matched Legal Cases: ['§8', '§8', '§ 6', '§ 9', '§ 6', '§ 9', '§ 9', '§ 9', '§ 6', '§ 6', '§ 9', '§ 17', '§ 9', '§ 40', '§ 8', '§ 6']

Oft gefragt, selten verstanden, darum hier alles Wichtige erläutert: Unter einem geldwerten Vorteil versteht man alle Zuwendungen (Firmenwagen, Waren, Vergünstigungen ...) des Arbeitgebers an den Arbeitnehmer, die Geldeswert besitzen. Es muss ein Dienstverhältnis vorliegen.
Der §8 des Einkommenssteuergesetzes im Wortlaut
Die steuerliche Behandlung und Bewertung des geldwerten Vorteils wird in §8 des Einkommensteuergesetzes (EStG) geregelt.
1 - Einnahmen, die nicht in Geld bestehen (Wohnung, Kost, Waren, Dienstleistungen und sonstige Sachbezüge), sind mit den um übliche Preisnachlässe geminderten üblichen Endpreisen am Abgabeort anzusetzen.
2 - Für die private Nutzung eines betrieblichen Kraftfahrzeugs zu privaten Fahrten gilt § 6 Absatz 1 Nummer 4 Satz 2 entsprechend.
3 - Kann das Kraftfahrzeug auch für Fahrten zwischen Wohnung und erster Tätigkeitsstätte sowie Fahrten nach § 9 Absatz 1 Satz 3 Nummer 4a Satz 3 genutzt werden, erhöht sich der Wert in Satz 2 für jeden Kalendermonat um 0,03 Prozent des Listenpreises im Sinne des § 6 Absatz 1 Nummer 4 Satz 2 für jeden Kilometer der Entfernung zwischen Wohnung und erster Tätigkeitsstätte sowie der Fahrten nach § 9 Absatz 1 Satz 3 Nummer 4a Satz 3.
4 - Der Wert nach den Sätzen 2 und 3 kann mit dem auf die private Nutzung und die Nutzung zu Fahrten zwischen Wohnung und erster Tätigkeitsstätte sowie Fahrten nach § 9 Absatz 1 Satz 3 Nummer 4a Satz 3 entfallenden Teil der gesamten Kraftfahrzeugaufwendungen angesetzt werden, wenn die durch das Kraftfahrzeug insgesamt entstehenden Aufwendungen durch Belege und das Verhältnis der privaten Fahrten und der Fahrten zwischen Wohnung und erster Tätigkeitsstätte sowie Fahrten nach § 9 Absatz 1 Satz 3 Nummer 4a Satz 3 zu den übrigen Fahrten durch ein ordnungsgemäßes Fahrtenbuch nachgewiesen werden; § 6 Absatz 1 Nummer 4 Satz 3 zweiter Halbsatz gilt entsprechend.
5 - Die Nutzung des Kraftfahrzeugs zu einer Familienheimfahrt im Rahmen einer doppelten Haushaltsführung ist mit 0,002 Prozent des Listenpreises im Sinne des § 6 Absatz 1 Nummer 4 Satz 2 für jeden Kilometer der Entfernung zwischen dem Ort des eigenen Hausstands und dem Beschäftigungsort anzusetzen; dies gilt nicht, wenn für diese Fahrt ein Abzug von Werbungskosten nach § 9 Absatz 1 Satz 3 Nummer 5 Satz 5 und 6 in Betracht käme; Satz 4 ist sinngemäß anzuwenden.
6 - Bei Arbeitnehmern, für deren Sachbezüge durch Rechtsverordnung nach § 17 Absatz 1 Satz 1 Nummer 4 des Vierten Buches Sozialgesetzbuch Werte bestimmt worden sind, sind diese Werte maßgebend.
7 - Die Werte nach Satz 6 sind auch bei Steuerpflichtigen anzusetzen, die nicht der gesetzlichen Rentenversicherungspflicht unterliegen.
8 - Wird dem Arbeitnehmer während einer beruflichen Tätigkeit außerhalb seiner Wohnung und ersten Tätigkeitsstätte oder im Rahmen einer beruflich veranlassten doppelten Haushaltsführung vom Arbeitgeber oder auf dessen Veranlassung von einem Dritten eine Mahlzeit zur Verfügung gestellt, ist diese Mahlzeit mit dem Wert nach Satz 6 (maßgebender amtlicher Sachbezugswert nach der Sozialversicherungsentgeltverordnung) anzusetzen, wenn der Preis für die Mahlzeit 60 Euro nicht übersteigt.
9 - Der Ansatz einer nach Satz 8 bewerteten Mahlzeit unterbleibt, wenn beim Arbeitnehmer für ihm entstehende Mehraufwendungen für Verpflegung ein Werbungskostenabzug nach § 9 Absatz 4a Satz 1 bis 7 in Betracht käme.
10 - Die oberste Finanzbehörde eines Landes kann mit Zustimmung des Bundesministeriums der Finanzen für weitere Sachbezüge der Arbeitnehmer Durchschnittswerte festsetzen.
11 - Sachbezüge, die nach Satz 1 zu bewerten sind, bleiben außer Ansatz, wenn die sich nach Anrechnung der vom Steuerpflichtigen gezahlten Entgelte ergebenden Vorteile insgesamt 44 Euro im Kalendermonat nicht übersteigen.
1 - Erhält ein Arbeitnehmer auf Grund seines Dienstverhältnisses Waren oder Dienstleistungen, die vom Arbeitgeber nicht überwiegend für den Bedarf seiner Arbeitnehmer hergestellt, vertrieben oder erbracht werden und deren Bezug nicht nach § 40 pauschal versteuert wird, so gelten als deren Werte abweichend von Absatz 2 die um 4 Prozent geminderten Endpreise, zu denen der Arbeitgeber oder der dem Abgabeort nächstansässige Abnehmer die Waren oder Dienstleistungen fremden Letztverbrauchern im allgemeinen Geschäftsverkehr anbietet.
2 - Die sich nach Abzug der vom Arbeitnehmer gezahlten Entgelte ergebenden Vorteile sind steuerfrei, soweit sie aus dem Dienstverhältnis insgesamt 1 080 Euro im Kalenderjahr nicht übersteigen.
Quelle: http://www.gesetze-im-internet.de/estg/__8.html
Ein geldwerter Vorteil ist nach dem ersten Satz des Paragraphen 8 des EStG somit wie eine Geldzahlung anzusehen. Sie werden als einkommenssteuerpflichtiges Einkommen gewertet und sind wie Arbeitslohn bewertet.
Geburtstagsgeschenk von der Firma
Überlassung des Firmenwagens auch für private Fahrten
Essenszuschuss oder gesponsorte Kantinenessen
Zuschuss für den Kindergartenbeitrag
Vergünstigter Aktienerwerb von Papieren des eigenen Hauses
Jede Form von Gutscheinen
Allerdings muss zunächst eine Taxierung bzw. Bewertung des geldwerten Vorteiles vorgenommen werden. "... sind mit den um übliche Preisnachlässe geminderten üblichen Endpreisen am Abgabeort anzusetzen." Hier öffnet sich die Schere, was wie viel Wert ist.
Wenn der geldwerte Vorteil 44 Euro im Monat nicht übersteigt, wird er nicht angerechnet - ist also steuerfrei.
Sonderregel Firmenwagen
Beim Firmenwagen kann es zu einer Sonderregelung, der sogenannten 1-Prozent-Regelung, kommen (siehe § 8 Abs. 2 S. 2 EStG iVm § 6 Abs. 1 Nr. 4 EStG). Es wird dann:
pauschal mit monatlich 1 % des Brutto-Listenpreises (= leider die unverbindliche Preisempfehlung des Herstellers) zum Zeitpunkt der Erstzulassung als Berechnungsgrundlage genommen
mit den tatsächlichen Kosten, per Fahrtenbuch ermittelt, die steuerliche Belastung berechnet.
Konkrete Beispielrechnungen hier bei Wikipedia.
Nutzen Sie zur Berechnung den Rechner im rechten Tab.
Der Freibetrag für eigene Waren der Firma
Vergünstigungen bis vier Prozent sind steuerfrei, für darüber hinausgehende Vergünstigungen muss bis zur Freigrenze 1.080 im Euro keine Steuer gezahlt werden. Darüber hinaus müssen die Vergünstigungen der eigenen Warenwelt normal versteuert werden.
Sonderregelung Überlassung einer Wohnung
Hierbei muss zwischen Wohnung und Unterkunft unterschieden werden. Nähere Informationen hier.
Geldwerter Vorteil in der Sozialversicherung
Auf die ermittelten geldwerten Vorteile müssen genau wie für den Arbeitslohn Sozialversicherungsbeiträge abgeführt werden.