Source: https://www.ra-franzke.de/schutzschirmverfahren/faq/fortfuehrungsprognose
Timestamp: 2019-03-26 21:24:30
Document Index: 204732496

Matched Legal Cases: ['§ 19', '§ 252', '§ 19', '§ 19', '§ 283', '§ 15', '§ 19']

Fortführungsprognose und Fortbestehensprognose vor Schutzschirm
Wozu eine Fortführungsprognose und wozu eine Fortbestehensprognose vor dem Schutzschirm ?
Es gibt für Unternehmen eine handelsrechtliche Fortführungsprognose und eine insolvenzrechtliche Fortbestehensprognose. Sie verfolgen unterschiedliche Zwecke, dementsprechend sind sie verschieden ausgestaltet. Gemeinsam ist beiden Prognosen, dass ihre Grundlage eine integrierte Unternehmensplanung ist.
Insolvenzrechtliche Fortbestehensprognose
Die Fortbestehensprognose bezweckt folgendes: Nach § 19 Absatz 2 der Insolvenzordnung müssen die gesetzlichen Vertreter eines Unternehmens ein Insolvenzantrag stellen, wenn bestehende Verbindlichkeiten das Vermögen ihrer Gesellschaft übersteigen. Eine Ausnahme besteht, wenn nach den Umständen der Fortbestand des Unternehmens überwiegend wahrscheinlich ist.
Um das zu beurteilen, bedarf es einer insolvenzrechtlichen Fortbestehensprognose. Es handelt sich hierbei um eine Zahlungsfähigkeitsprognose. Sie muss darstellen, ob und wie das Unternehmen im laufenden und im folgenden Geschäftsjahr die fälligen Zahlungsverpflichtungen erfüllen kann. Die Zahlungsunfähigkeit droht nicht, wenn die geplanten und erwartbaren Einnahmen die geplanten Ausgaben decken.
Handelsrechtliche Fortführungsprognose
Das “Going-Concern-Prinzip“ des § 252 Absatz 1 HGB (Regelvermutung zur Unternehmensfortführung) besagt, dass ein Unternehmen weitergeführt wird, wenn
es nachhaltige Gewinne erzielen konnte,
es problemlos auf Liquidität zugreifen kann,
eine bilanzielle Überschuldung nicht droht und
die Fortführung der Firma beabsichtigt ist.
Wenn mindestens eins dieser Kriterien nicht zutrifft oder wenn bestandsgefährdende Risiken zu erkennen sind, ist diese Annahme zu hinterfragen. Die gesetzlichen Vertreter sind in diesem Fall verpflichtet, neue Umstände und ihre Auswirkungen zahlenmäßig durch eine Unternehmensplanung zu erfassen. Die positive handelsrechtliche Fortführungsprognose ergibt sich, wenn in einem Planungszeitraum von mindestens 12 Monaten die beiden Insolvenzgründe Überschuldung und Zahlungsunfähigkeit nicht drohen und nach aller Wahrscheinlichkeit nicht eintreten werden.
Erstellen einer integrierten Unternehmensplanung für die Fortbestehens- und die Fortführungsprognose (GuV, Bilanz, Kapitalflussrechnung)
Erstellen der Fortbestehens- oder Fortführungsprognose
Plausibilisierung einer bestehenden Fortbestehens- oder Fortführungsprognose
Sie können sich auf wirtschaftliche Expertise und umfangreiche Erfahrung verlassen. Unsere termingerechte Gutachtertätigkeit kommt Ihnen auch in einem zeitkritischen Fall zugute. Wir kennen die Verfahrensabläufe und Anforderungen.
Begriffliche Verwendung von Fortbestehens- und Fortführungsprognose
In der Praxis seit 2008 vermischen sich die Begriffe, weil der Gesetzgeber seither neue Rahmenbedingungen gesetzt hat. Diese haben dazu geführt, dass sich Fortbestehens- und Fortführungsprognose aneinander angenähert haben. Das ist für Unternehmen mit sich abzeichnenden Krisensymptomen positiv, wie wir gern erläutern möchten.
Auswirkungen einer positiven Fortführungsprognose
Durch Artikel 5 des Finanzmarktstabilisierungsgesetzes wurde ab Oktober 2008 die in § 19 Absatz 2 InsO festgeschriebene Definition der Überschuldung zunächst vorübergehend und ab 2014 dauerhaft geändert. Eine positive Fortführungsprognose kann damit belegen, dass dem Unternehmen keine Überschuldung droht.
Der schon seit 2008 gemilderte Überschuldungsbegriff verhindert seither, dass ein Unternehmen den Insolvenzantrag stellen muss, obwohl es eine positive Fortbestehensprognose vorweisen kann und überlebensfähig ist. Die Überschuldung war nach § 19 InsO immer ein Grund, das Insolvenzverfahren zu eröffnen.
Dieser Überschuldungsbegriff hatte strafrechtliche Bedeutung nach §§ 283, 283 a StGB (Bankrott) und § 15 a InsO (Insolvenzverschleppung). Er war auch Haftungstatbestandsmerkmal. Die neue Fassung des § 19 InsO besagt, dass eine positive Fortführungsprognose die Insolvenzantragspflicht aussetzt, selbst wenn ein Unternehmen rechnerisch überschuldet ist. Hierbei ist der Bewertungsansatz entscheidend, dass die Überschuldungsbilanz nicht identisch mit der Handelsbilanz ist, sondern eine eigenständige Sonderbilanz darstellt.
Dabei werden tatsächliche Zeitwerte ermittelt, die handelsrechtlichen Bewertungsvorschriften sind irrelevant. Das Unternehmen kann fortgeführt werden.
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