Source: http://m.hensche.de/Rechtsanwalt_Arbeitsrecht_Urteile_Weiterbeschaeftigung_BAG_3AZB93-08.html
Timestamp: 2017-01-22 03:39:13
Document Index: 109601282

Matched Legal Cases: ['§ 62', '§ 724', '§ 750', '§ 253', '§ 308', '§ 322', 'BGH', '§ 106', '§ 97']

1. Ein in ei­nem Kündi­gungs­schutz­ver­fah­ren aus­ge­ur­teil­ter Wei­ter­beschäfti­gungs­an­spruch ist hin­rei­chend be­stimmt, wenn die Art der aus­ge­ur­teil­ten Beschäfti­gung des Ar­beit­neh­mers aus dem Ti­tel er­sicht­lich ist.2. Im Zwangs­voll­stre­ckungs­ver­fah­ren können ge­gen die Zwangs­voll­stre­ckung Gründe, aus de­nen die Beschäfti­gung des Voll­stre­ckungsgläubi­gers unmöglich sein soll, nicht an­geführt wer­den, so­weit sie be­reits Ge­gen­stand des Er­kennt­nis­ver­fah­rens bis zum Er­lass des Ti­tels wa­ren.
BUN­DES­AR­BEITS­GERICHT 3 AZB 93/08 7 Ta 181/08Lan­des­ar­beits­ge­richt Nürn­berg
Die Rechts­be­schwer­de der Voll­stre­ckungs­schuld­ne­rin ge­gen den Be­schluss des Lan­des­ar­beits­ge­richts Nürn­berg vom 15. Ok­to­ber 2008 - 7 Ta 181/08 - wird zurück­ge­wie­sen. - 2 - Die Voll­stre­ckungs­schuld­ne­rin hat die Kos­ten des Rechts­be­schwer­de­ver­fah­rens zu tra­gen.
I. Die Par­tei­en führen ei­nen Kündi­gungs­schutz­pro­zess. Die­ser ist erst­in­stanz­lich ab­ge­schlos­sen. Mit Ih­rer Rechts­be­schwer­de wen­det sich die Voll­stre­ckungs­schuld­ne­rin - Ar­beit­ge­be­rin und Voll­stre­ckungs­schuld­ne­rin im Kündi­gungs­schutz­pro­zess - ge­gen die Fest­set­zung ei­nes Zwangs­gel­des, das der Durch­set­zung ei­ner vom Ar­beits­ge­richt aus­ge­ur­teil­ten Ver­pflich­tung zur Wei­ter­beschäfti­gung des Voll­stre­ckungsgläubi­gers - Ar­beit­neh­mer und Voll-stre­ckungsgläubi­ger im Kündi­gungs­schutz­pro­zess - dient.
„Die Be­klag­te wird ver­ur­teilt, den Kläger zu den bis­he­ri­gen Be­din­gun­gen als An­ge­stell­ter über den Ab­lauf der Kündi­gungs­frist hin­aus bis zum rechts­kräfti­gen Ab­schluss - 3 - des Kündi­gungs­schutz­ver­fah­rens wei­ter­zu­beschäfti­gen.“
Das Ar­beits­ge­richt er­ließ zunächst auf der Ba­sis der Kurz­aus­fer­ti­gung ge­gen die Voll­stre­ckungs­schuld­ne­rin ei­nen Zwangs­geld­be­schluss über 1.000,00 Eu­ro. Die­ser wur­de im Be­schwer­de­ver­fah­ren vom Lan­des­ar­beits- - 4 - ge­richt auf­ge­ho­ben, da al­lein auf­grund der Aus­fer­ti­gung oh­ne Gründe der Beschäfti­gungs­ti­tel zu un­be­stimmt sei, um als Grund­la­ge ei­ner Voll­stre­ckung zu die­nen.
Auf er­neu­ten An­trag des Voll­stre­ckungsgläubi­gers er­ließ das Ar­beits­ge­richt nach der Er­tei­lung der voll­streck­ba­ren Aus­fer­ti­gung mit Gründen ei­nen Zwangs­geld­be­schluss über 3.000,00 Eu­ro und für den Fall, dass die­ses nicht bei­ge­trie­ben wer­den könne für je 300,00 Eu­ro ei­nen Tag Zwangs­haft, zu voll-stre­cken an den Geschäftsführern der Voll­stre­ckungs­schuld­ne­rin. Auf die so­for­ti­ge Be­schwer­de änder­te das Lan­des­ar­beits­ge­richt die­sen Be­schluss in­so­fern ab, als es das Zwangs­geld auf 1.000,00 Eu­ro ver­rin­ger­te und Zwangs­haft für den Fall, dass das Zwangs­geld nicht bei­ge­trie­ben wer­den konn­te, von 10 Ta­gen fest­setz­te. Es hat im Te­nor des Be­schlus­ses die Rechts­be­schwer­de oh­ne Ein­schränkun­gen zu­ge­las­sen und - be­zug­neh­mend auf die Ar­gu­men­ta­ti­on der Voll­stre­ckungs­schuld­ne­rin - in den Gründen da­zu an­geführt, die Fra­ge, un­ter wel­chen Vor­aus­set­zun­gen sich ein Ar­beit­ge­ber auf die Unmöglich­keit ei­ner Wei­ter­beschäfti­gung be­ru­fen könne, sei von grundsätz­li­cher Be­deu­tung.
II. Die Be­schwer­de hat kei­nen Er­folg. 1. Die Rechts­be­schwer­de ist voll­umfäng­lich statt­haft. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt hat sie im Te­nor sei­nes Be­schlus­ses oh­ne Ein­schränkun­gen zu­ge­las­sen. Die Ausführun­gen in den Gründen sol­len die Rechts­be­schwer­de nicht ein­schränken, son­dern le­dig­lich ver­deut­li­chen, war­um das Lan­des­ar­beits­ge­richt die Vor­aus­set­zun­gen für die Zu­las­sung der Rechts­be­schwer­de als ge­ge­ben an­sah. Es be­darf des­halb kei­ner Erörte­rung, in­wie­weit ei­ne Be­schränkung der Zu­las­sung der Rechts­be­schwer­de möglich ge­we­sen wäre. - 5 -
b) Die all­ge­mei­nen Vor­aus­set­zun­gen der Zwangs­voll­stre­ckung lie­gen vor. Das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts stellt ei­nen Kraft Ge­set­zes vorläufig voll­streck­ba­ren Ti­tel dar (§ 62 Abs. 1 Satz 1 ArbGG). Ei­ne voll­streck­ba­re Aus­fer­ti­gung ist er­teilt (§ 724 Abs. 1 ZPO) und die Zu­stel­lung er­folgt (§ 750 Abs. 1 ZPO).
aa) § 253 Abs. 2 Nr. 2 ZPO ver­langt, dass die Kla­ge­schrift ne­ben der be­stimm­ten An­ga­be des Ge­gen­stan­des und des Grun­des des er­ho­be­nen An­spruchs auch ei­nen be­stimm­ten An­trag enthält. Da­mit wird zum ei­nen der Streit­ge­gen­stand ab­ge­grenzt, zum an­de­ren wird ei­ne Vor­aus­set­zung für die et­wa er­for­der­lich wer­den­de Zwangs­voll­stre­ckung ge­schaf­fen. Ge­mes­sen an die­sen Zie­len ist ein Kla­ge­an­trag grundsätz­lich hin­rei­chend be­stimmt, wenn er den er­ho­be­nen An­spruch kon­kret be­zeich­net, da­durch den Rah­men der ge­richt­li­chen Ent­schei­dungs­be­fug­nis (§ 308 ZPO) ab­steckt, In­halt und Um­fang der ma­te­ri­el­len Rechts­kraft der be­gehr­ten Ent­schei­dung (§ 322 ZPO) er­ken­nen lässt und das Ri­si­ko ei­nes Un­ter­lie­gens des Klägers nicht durch ver­meid­ba­re Un­ge­nau­ig­keit auf den Be­klag­ten abwälzt und schließlich ei­ne Zwangs­voll­stre­ckung aus dem Ur­teil oh­ne ei­ne Fort­set­zung des Strei­tes im Voll­stre­ckungs­ver­fah­ren er­war­ten lässt (vgl. BGH 14. De­zem­ber 1998 - II ZR 330/97 - zu I 2 a der Gründe, NJW 1999, 954). Un­klar­hei­ten über den In­halt der Ver­pflich­tung dürfen des­halb nicht aus dem Er­kennt­nis­ver­fah­ren ins Voll-stre­ckungs­ver­fah­ren ver­la­gert wer­den. Des­sen Auf­ga­be ist es zu klären, ob der
- 6 - Schuld­ner ei­ner fest­ge­leg­ten Ver­pflich­tung nach­ge­kom­men ist, nicht aber wor­in die­se be­steht (BAG 28. Fe­bru­ar 2003 - 1 AZB 53/02 - zu B II 1 der Gründe, BA­GE 105, 195).
bb) Geht es - wie im vor­lie­gen­den Fall - um die Ti­tu­lie­rung des dem Ar­beit­neh­mer un­ter be­stimm­ten Vor­aus­set­zun­gen während des Lau­fes ei­nes Kündi­gungs­schutz­pro­zes­ses zu­ste­hen­den An­spruchs auf Wei­ter­beschäfti­gung (grund­le­gend: BAG Großer Se­nat 27. Fe­bru­ar 1985 - GS 1/84 - BA­GE 48, 122) muss des­halb der Voll­stre­ckungs­ti­tel ver­deut­li­chen, um wel­che Art von Beschäfti­gung es geht, da der Ar­beit­ge­ber vor un­be­rech­tig­ten Zwangs­voll-stre­ckungs­maßnah­men geschützt wer­den muss. An­de­rer­seits kann der Ti­tel aus ma­te­ri­ell-recht­li­chen Gründen nicht so ge­nau sein, dass er auf ei­ne ganz
- 7 - be­stimm­te im Ein­zel­nen be­schrie­be­ne Tätig­keit oder Stel­le zu­ge­schnit­ten ist. Dar­auf hat der Ar­beit­neh­mer nämlich re­gelmäßig kei­nen An­spruch, weil dem Ar­beit­ge­ber das Wei­sungs­recht nach § 106 der Ge­wer­be­ord­nung zu­steht. So­weit nicht die Ausübung die­ses Wei­sungs­rechts im Ein­zel­fall Ge­gen­stand des Er­kennt­nis­ver­fah­rens ist, gibt es des­halb kei­ne recht­li­che Hand­ha­be, um den Ar­beit­ge­ber durch ei­nen Beschäfti­gungs­aus­spruch zur Beschäfti­gung des Ar­beit­neh­mers in ei­ner be­stimm­ten, eng be­grenz­ten Wei­se zu ver­pflich­ten (LAG Ba­den-Würt­tem­berg 21. Fe­bru­ar 2007 - 17 Ta 1/07 - zu II 1 b der Gründe).
Schon aus dem Te­nor des ar­beits­ge­richt­li­chen Ur­teils er­gibt sich, dass der Voll­stre­ckungsgläubi­ger als An­ge­stell­ter, al­so nicht als ge­werb­li­cher Ar­beit­neh­mer, wei­ter beschäftigt wer­den soll. Aus den un­strei­ti­gen An­ga­ben zur bis­he­ri­gen Beschäfti­gung folgt wei­ter, dass der Voll­stre­ckungsgläubi­ger im tech­ni­schen Be­reich, ein­sch­ließlich der kon­zep­tio­nel­len Er­stel­lung von - 8 - Schu­lungs­un­ter­la­gen und Ähn­li­chem beschäftigt war. Da­mit ist die Art der Tätig­keit, mit der der Voll­stre­ckungsgläubi­ger ein­zu­set­zen ist, aus­rei­chend be­stimmt: Er ist mit Tätig­kei­ten als tech­ni­scher An­ge­stell­ter zu be­fas­sen, die die ei­genständi­ge An­wen­dung tech­ni­scher Fer­tig­kei­ten vor­aus­set­zen.
3. Sons­ti­ge Gründe ste­hen der Rechtmäßig­keit der an­ge­foch­te­nen Ent­schei­dung nicht ent­ge­gen. - 9 - Auf die Ausführun­gen des Lan­des­ar­beits­ge­richts im ers­ten Be­schwer­de­ver­fah­ren kommt es nicht an. Sie wa­ren auf ei­ne Si­tua­ti­on ge­rich­tet, die seit Vor­lie­gen des Ur­teils mit vollständi­gen Ur­teils­gründen nicht mehr ge­ge­ben ist und ent­fal­ten schon des­halb in­so­weit kei­ne Rechts­kraft.
III. Die Kos­ten­ent­schei­dung folgt aus § 97 ZPO. Rei­ne­cke Krem­hel­mer Zwan­zi­ger	m.hensche.de
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