Source: http://www.juramagazin.de/220419.html
Timestamp: 2019-05-24 13:44:42
Document Index: 134780700

Matched Legal Cases: ['§ 4', '§ 4', '§ 6', '§ 20', '§ 24', '§ 24']

﻿ Cybermobbing
Das Internet ist bei jungen Menschen aus dem Alltag nicht mehr wegzudenken. Das neue Medium dient als wichtige Informationsquelle für den Schulunterricht und als Möglichkeit soziale Kontakte mit anderen Jugendlichen u.a. auf Chat- und sozialen Netzwerkseiten zu pflegen. Soziale Netzwerkseiten werden immer öfter auch als Form neuer Gewalt eingesetzt.
Bloßstellungen, Beleidigungen, Hetzkampagnen und Psychoterror können sich im Netz anonym, unkontrolliert und weltweit verbreiten. Ausgrenzung, Depression, Wechsel der Lebens- und Ausbildungsorte bis hin zum Suizid sind mögliche Folgen. Jugendlichen und Erwachsenen sind die Gefahren im Netz oft nicht bewusst. In Köln hat sich die Initiative
­ Kölner Aktion gegen gegründet.
1. Wie bewertet die Landesregierung die bundesweite Diskussion über die Webseite I Share Gossip? Cybermobbing ist kein neues Phänomen. Studien der letzen Jahre haben Formen, Ausmaß und Bedeutung des Problems untersucht. Jugendschutz ist gesellschaftlich akzeptiert, be kommt aber mit den Möglichkeiten digitaler Medien eine neue Dimension. Ethische Grenzziehung gerät immer mehr in den Blick.
Die bundesweite Diskussion geht schwerpunktmäßig äußerst kritisch mit der Webseite I Share Gossip um, was begrüßt wird.
Neu an I Share Gossip ist, dass es sich um eine Plattform handelt, die explizit für das Einstellen von diffamierenden Inhalten gemacht wurde und zudem ohne Anmeldung, also anonym genutzt werden kann.
Die Internetseite I Share Gossip wurde auf Antrag des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) von der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien mit Entscheidung vom 24. März 2011 indiziert. Das Land begrüßt diese Entscheidung, weil die Internetseite jugendgefährdend ist.
Indizierte Telemedien stellen unzulässige Angebote dar, für die entweder ein absolutes oder ein relatives Verbreitungsverbot besteht (§§ 4 Abs. 1 S. 1 Nr. 11, Abs. 2 S. 1 Nr. 2 Jugendmedienschutzstaatsvertrag Telemedien, die unter das relative Verbreitungsverbot fallen, dürfen ausnahmsweise in geschlossenen Benutzergruppen zugänglich gemacht werden (§ 4 Abs. 2 S. 2 Werbung für unzulässige Angebote ist verboten (§ 6 Abs. 1 Bei Verstößen können Angebote untersagt und deren Sperrung angeordnet werden (§ 20 Abs. 1, 4, 5 Wer unzulässige Telemedien dennoch verbreitet oder zugänglich macht, handelt ordnungswidrig gemäß § 24 Abs. 1 Nr. 1 k, Nr. 3.
Wenn sich der Firmensitz des Anbieters im Ausland befindet und damit die Durchsetzung der Indizierung fraglich ist, wird die Seite in das Modul aufgenommen (§ 24 Abs. 5 S. 1
Auf dieser Blacklist verzeichnet die indizierte Internetseiten. Nutzerautonome Filterprogramme greifen darauf zurück und zeigen diese Seiten nicht an. Außerdem werden indizierte Seiten auch von den Suchmaschinen aufgrund einer Selbstverpflichtung nicht mehr angezeigt.
Auch Google hat sich bereit erklärt, jeden Verweis auf I Share Gossip zu unterlassen; diese Seiten sind daher über die weltweit größte Suchmaschine nicht mehr zu erreichen.
2. Wie beurteilt die Landesregierung die Bedeutung von ein Projekt in Köln ­ um Jugendliche und Erwachsene durch Vorträge und Informationsmaterialien auf die Gefahren im Internet aufmerksam zu machen und eine Selbstverpflichtung gegen Mobbing im Netz zu bewirken?
Eine Kampagne wie ist geeignet, einen breiten Konsens in Schulen und Einrichtungen der Jugendhilfe darüber zu erzielen, dass gegen Mobbing und Cybermobbing konsequent vorgegangen werden muss.
Neben Information, Aufklärung und Vereinbarungen kommt es in der Schul- und Jugendarbeit darauf an, pädagogische Methoden möglichst flächendeckend einzusetzen, die Kinder und Jugendliche für das Leiden der Betroffenen sensibilisieren und zu Verhaltensänderungen führen. Diese müssen jedoch nicht zwangsläufig nur von Trägern medienpädagogischer Angebote vorgehalten werden.
Hier stehen vielmehr auch die Anbieter, die Plattformen speziell für Jugendliche betreiben, in der Pflicht. Sie müssen Interesse für das Thema haben und die Bereitschaft aufbringen, Maßnahmen zum Schutz ihrer jungen User umzusetzen. Darüber hinaus müssen pädagogi sche Fachkräfte sowie Lehrerinnen und Lehrer in ihrer Arbeit durch Fortbildungsangebote auch in Anti-Mobbing-Interventionsmethoden - unterstützt werden.
3. Welche Projekte unterstützt die Landesregierung in Köln und Nordrhein Westfalen im Bereich des und in welchem Umfang?
Über die Mittel des Kinder- und Jugendförderplans des Landes Nordrhein-Westfalen fördert das Land die Arbeitsgemeinschaft Kinder- und Jugendschutz Landesstelle Nordrhein Westfalen e.V (AJS). Die AJS bietet u.a. Angebote speziell für Schulen an und hält zahlreiche Vorträge zum Thema Mobbing/Cybermobbing in Schulen (Lehrerkollegien, Elternabende) und bei Fortbildungsveranstaltungen von Jugendhilfeeinrichtungen. Auch über die bei der AJS eingerichtete Telefonhotline werden Anfragen von Eltern, Schülerinnen und Schülern sowie pädagogischen Fachkräften zum Thema Mobbing/Cybermobbing beantwortet.
Darüber hinaus hat die AJS zwei Broschüren zum Thema veröffentlicht und die Problematik im Rahmen der Fortbildung von Fachkräften zum Gegenstand.
Der schulische Krisenbeauftragte des Schulministeriums arbeitet im Vorstand der AJS mit.
Lehrerinnen und Lehrer werden außerdem in Fortbildungen und schulbezogenen Veröffentlichungen zum Thema Prävention, was auch Mobbing einschließt, geschult und sensibilisiert.
Neben Projektförderung, Strafverfolgung und Thematisierung in Schulen u. a. mit Polizeikräften und der außerschulischen Bildung sieht die Landesregierung nach wie vor eine wichtige Aufgabe in der allgemeinen Information, Sensibilisierung und Aufklärung. Verhalten, Rechtsfragen und die Darstellung von Persönlichkeiten im Netz sind Gegenstand dieser Aufklärung.
Die Initiative Eltern und Medien der Landesanstalt für Medien NRW hat im Rahmen der Förderung von Medienkompetenz mit Veranstaltungen vor Ort gute Resonanz gefunden.
Das Thema ist bereits länger auf der Tagesordnung des vom Land Nordrhein-Westfalen und der Landesanstalt für Medien Nordrhein-Westfalen initiierten Projektes mekonet ­ Medienkompetenznetzwerk NRW, welches sich vornehmlich an Multiplikatoren aus der Medienbildung richtet. Ziel des Projektes ist die Information und Kommunikation der in der Medienkompetenzförderung Tätigen. So wurde im Rahmen des Safer Internet Days (10. Februar 2009) ein umfangreiches Dossier Cyberbullying - Von der Macht der Täter und der Ohnmacht der Opfer veröffentlicht. Auch 2011 hat mekonet zum Safer Internet Day dieses Thema aufgegriffen. Aktuell hat sich mekonet mit der Diskussion um die Website I Share Gossip auseinandergesetzt und über die Indizierung informiert. So wurde nicht nur auf Online-Angebote, sondern auch auf Publikationen hingewiesen.
Zusätzliche Informationsmöglichkeiten (via Stichwortsuche) bietet der Grundbaukasten Medienkompetenz, eine kommentierte Literatursammlung, unter www.mekonet.de.
Verwandte Themen wie Datenschutz, Filtersoftware, Familie und Medien, Jugendliche und Handy, Internetsicherheit sind in der mekonet Kompakt ­ Reihe aufgegriffen und werden laufend aktualisiert. Diese sind im Internet unter www.mekonet.de abrufbar, werden zudem Multiplikatoren als Print zur Verfügung gestellt.
Auch die vom Land Nordrhein-Westfalen herausgegebene Informationsreihe. Im Blickpunkt greift regelmäßig Themen zum Verhalten und zu Chancen und Risiken im Netz auf (z. B. Social Communities, Internetkriminalität oder Datenschutz).