Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Text=BGHZ%20123,%20102
Timestamp: 2017-09-21 03:24:43
Document Index: 385597813

Matched Legal Cases: ['BGH', '§ 839', '§ 839', 'BGH', '§ 823', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 839', '§ 839', 'BGH', '§ 839', 'BGH', '§ 839', 'BGH', '§ 839', 'BGH', 'BGH', '§ 839', 'BGH', 'BGH', '§ 839', 'Art. 34', 'BGH', '§ 839', 'Art. 34', '§ 823', '§ 31', '§ 839', 'BGH', 'BGH']

BGH, 01.07.1993 - III ZR 167/92 - dejure.org
§ 839 Abs. 1 Satz 2 BGB, kein Verweisungsprivileg bei Verstoß gegen die allgemeine Verkehrssicherungspflicht
Standsicherheit von Straßenbäumen - Straßenverkehrssicherungspflicht - Schutz von Anliegergrundstücken - Amtshaftungsanspruch - Keine Anwendung des Verweisungsprivilegs aus § 839 Abs. 1 S. 2 BGB
BGHZ 123, 102
NJW 1993, 2612
MDR 1994, 256
NVwZ 1993, 1126 (Ls.)
NZV 1993, 386
VersR 1994, 346
DVBl 1993, 1354
DÖV 1994, 73
Im Bereich der deliktischen Haftung nach § 823 Abs. 1 BGB sind Verkehrspflichten als Verkehrssicherungspflichten in ständiger Rechtsprechung anerkannt (vgl. nur RGZ 54, 53, 57 f.; BGHZ 60, 54, 55; 108, 273, 274; 123, 102, 105 f.).
In diesem Rahmen sind die Verkehrsflächen so auszugestalten, dass sie möglichst gefahrlos benutzt werden können, der Pflichtige muss also in geeigneter und zumutbarer Weise alle Gefahren ausräumen und erforderlichenfalls so zeitig und erkennbar vor ihnen warnen, dass sich der Benutzer rechtzeitig darauf einstellen kann (…BGH, Urt. v. 26.03.1981 - III ZR 106/80, NJW 1981, 2120, 2121;… Urt. v. 19.12.1991 - III ZR 1/91, BGHR BGB § 839 Abs. 1 S 1 ; Urt. v. 01.07.1993 - III ZR 167/92, NJW 1993, 2612, 2613;… OLG Celle, Urt. v. 28.03.1990 - 9 U 65/89, NJW-RR 1990, 1249;… OLG Hamm, Urt. v. 05.05.1995 - 9 U 14/95, NZV 1995, 484).
Das Verweisungsprivileg des § 839 Abs. 1 Satz 2 BGB bringt dem Geschädigten insoweit keine Nachteile, weil diese Regelung auf die Haftung der öffentlichen Hand wegen Verletzung der Verkehrssicherungspflicht nicht anwendbar ist (…s. Senatsurteile vom 11. Juni 1992 aaO S. 370 ff und vom 1. Juli 1993 - III ZR 167/92, BGHZ 123, 102, 104 ff).
Dem Amtshaftungsanspruch eines infolge der Verletzung der Straßenverkehrssicherungspflicht geschädigten Anliegers kann indes nach der Rechtsprechung des Senats das Verweisungsprivileg des § 839 Abs. 1 Satz 2 BGB nicht entgegengehalten werden (…vgl. Senatsurteile vom 10. Oktober 2013 - III ZR 23/12 Rn. 18 und vom 1. Juli 1993 - III ZR 167/92, BGHZ 123, 102, 104 ff mwN).
Auch auf etwaige, vom Berufungsgericht nicht geprüfte Schadensersatzansprüche gegen den Unfallgegner als anderweitige Ersatzmöglichkeit (§ 839 Abs. 1 Satz 2 BGB) müssen sich die Kläger bei der Verletzung einer als hoheitliche Aufgabe wahrzunehmenden Straßenverkehrssicherungspflicht nicht verweisen lassen (s. Senatsurteile BGHZ 75, 134, 136 ff.; 123, 102, 104 f.), so daß offenbleiben kann, inwieweit solche Ersatzforderungen in der hier gegebenen Lage überhaupt bestehen können.
Allerdings findet die Subsidiaritätsklausel (§ 839 Abs. 1 Satz 2 BGB ) keine Anwendung (…zuletzt Senatsurteile BGHZ 118, 368 = BGHR § 839 Abs. 1 Satz 2 Straßenverkehr 2; vom 1. Juli 1993 - III ZR 167/92 - für BGHZ und …
Insoweit gelten für die Verkehrssicherungspflicht für öffentliche Straßen als Unterfall der für jedermann bestehenden allgemeinen Sicherungspflicht (zuletzt Senatsurteil vom 1. Juli 1993 aaO;… Kreft in BGB -RGRK, 12. Aufl., Rn. 109 m.w.N. zur Rechtsprechung des Bundesgerichtshofes) die allgemeinen Grundsätze.
So hat auch der BGH in einem dem hiesigen Sachverhalt vergleichbaren Fall ohne weiteres § 839 BGB i. V. m. Art. 34 GG als Anspruchsgrundlage gegen das in Anspruch genommene Land angewendet (VersR 1994, 346).
Hier muss sowohl während der Arbeiten als auch insbesondere nach ihrer Fertigstellung überprüft werden, ob noch eine hinreichende Standfestigkeit des Baumes gegeben ist oder ob diese wegen Bodenabsenkungen, Beseitigen von Wurzeln etc. beeinträchtigt ist (vgl. BGH VersR 1994, 346: Pflastern eines Gehweges und Kappen von Wurzeln eines Baumes. OLG Düsseldorf NJW-RR 2007, 970: Aushebung eines Kanalgrabens in unmittelbarer Nähe eines Baumes).
Ob sich die Haftung des beklagten Verbands im Falle einer derartigen Verletzung der allgemeinen Verkehrssicherungspflicht aus § 839 BGB, Art. 34 GG ergibt oder aber nach allgemeinem Deliktsrecht richtet (§ 823 Abs. 1 i.V.m. §§ 31, 89 BGB), kann dahinstehen, da sich der Beklagte in keinem Fall auf das Verweisungsprivileg des § 839 Abs. 1 Satz 2 BGB berufen könnte (vgl. Senatsurteil vom 1. Juli 1993 - III ZR 167/92, BGHZ 123, 102, 105).
Diese Pflicht dient auch dem Zweck, Anliegergrundstücke vor Beschädigungen durch umstürzende Bäume zu schützen (BGH, Urteil vom 01.07.1993, Az.: III ZR 167/92, Rn. 4, zitiert nach juris).
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