Source: https://www.flugrechte.eu/2/haben-einem-flug-condor-stunden-versp%C3%A4tung-gehabt-k%C3%B6nnen-tun
Timestamp: 2020-07-11 05:52:29
Document Index: 204232688

Matched Legal Cases: ['Art. 5', 'Art. 12', 'EuG', 'EuG', 'Art. 5', 'Art. 12']

Wir haben auf einem Flug mit Condor 51 Stunden Verspätung gehabt. Was können wir tun? - FLUGGASTRECHTE
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Unser Flug mit Condor Flugdienst sollte um 11:25 Uhr von Teneriffa (Süd) nach Frankfurt gehen. Am Schalter sagte man uns, dass die Maschine einen technischen Defekt. Wir haben dann einen Zettel von den Condormitarbeitern bekommen (Bestätigung der Flugunregelmäßigkeit) und wurden in ein Hotel gefahren. Nach sage und schreibe 2 Tagen (51 Stunden) hoben wir dann ab. Wir kamen in Frankfurt an und waren mit den Nerven am Ende. Condor schreibt uns auf unseren Beschwerdebrief jetzt: "Nach der uns vorliegenden Stellungnahme unserer Verkehrszentrale kommen wir zu dem Ergebnis, dass es sich bei dem grund, der zu der Verspätung des Fluges am 02.12.2012 geführt hat, um einen außergewöhnlichen Umstand im Sinne des 14. Erwägungsgrundes der Verordnung gehandelt hat, so dass wir gemäß Art. 5 Abs. 3 der EG-VO 261/04 leistungsfrei werden. Es bestanden keine zumutbaren Möglichkeiten unsererseits, die eingetretene Verspätung zu verhindern. Aus oben genannten Gründen weisen wir die geltend gemachten Ansprüche als unbegründet zurück. Vorsorglich erklären wir die Anrechnung gemäß Art. 12 Abs. 1 der EG-VO 261/04 hinsichtlich etwaiger Minderungs- und Schadensersatzansprüche. Wir würden uns freuen, Sie trotz dieses bedauerlichen Ausnahmefalles bald wieder einmal an Bord begrüßen zu dürfen. Sicherlich werden Sie sich dann von unserem guten Service überzeugen können. Mit freundlichen Grüßen- Dorothea Schümann". Das sagt uns alles nichts und wir haben das Gefühl, dass man uns hier verschaukeln und hinhalten will.
Welche Rechte haben wir? Was sollten wir am Besten machen? Wie können wir gegen Condor vorgehen?
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unerwartet-aufgetretener-flugsicherheitsmangel
Gefragt 17, Jan 2013 in Flugverspätung von Anonym
Zunächst hat die Fluggesellschaft ihren Passagieren bei verzögertem Abflug Betreuungs- und Unterstützungsleistungen gemäß Artikel 8 der FluggastVO (EG) Nr. 261/2004 zu leisten. Die Betreuungsleistungen umfassen kostenfreie Mahlzeiten und Erfrischungen, einschließlich der Möglichkeit zu kostenfreien Telefonaten, Internetzugang oder anderen Kommunikationsmöglichkeiten. Sodann umfassen die Betreuungsleistungen zudem die kostenfreie Übernachtung in einem Hotel einschließlich der Fahrten vom/zum Flughafen vom/zum Hotel. Diese Unterstützungs- und Betreuungsleistungen scheint die Fluggesellschaft Condor Flugdienst in Ihrem Fall erbracht zu haben.
Zu beachten ist jedoch, dass sich Fluggesellschaften tatsächlich gemäß des 14. Erwägungsgrundes der VO (EG) Nr. 261/2004 entlasten können, wenn die Flugannullierung oder die Flugverspätung auf "außergewöhnliche Umstände" zurückgeht, die sich auch dann nicht hätten vermeiden lassen, wenn alle zumutbaren Maßnahmen ergriffen worden wären. Wann derartige "außergewöhnliche Umstände" vorliegen, müssen die Gerichte mühsam von Fall zu Fall entscheiden.
Im Falle der Ursache eines technischen Defektes am Fluggerät hat der Europäische Gerichtshof in einem Grundsatzurteil entschieden, dass derartige technische Defekte grundsätzlich keine außergewöhnlichen Umstände darstellen, die Fluggesellschaften sich damit grundsätzlich nicht entlasten können (vgl. EuGH, Urt. v. 22.12.2008, Rs. C-549/07, Wallentin-Hermann v. Alitalia).
Fluggäste haben viele Möglichkeiten, ihre Ansprüche gegenüber der Fluggesellschaft geltend zu machen. Zunächst sollten Fluggäste die Angelegenheit gründlich überprüfen, um ihre rechtlichen Ansprüche überhaupt feststellen und beziffern zu können. Stehen die Ansprüche fest, können Fluggäste die Fluggesellschaft auffordern, die Ansprüche zu erfüllen. Verweigern Fluggesellschaften die Erfüllung berechtigter Rechtsansprüche, können Fluggäste entscheiden, die Angelegenheit einem Rechtsanwalt zur Durchsetzung zu übergeben.
Beantwortet 15, Mai 2013 von RA Bartholl (15,580 Punkte)
Hallo Herr Bartholl! Nochmals besten Dank für Ihren Einsatz in unserem Fall. Ich werde Sie in jedem Fall weiterempfehlen!
bei Condor kommt ihr ohne Anwalt nicht weiter. Wir hatten die gleiche Geschichte wegen einer Flugverspätung aus Rhodos. Wir haben alles versucht: nettes Anschreiben, Beschwerde, es hat alles nichts genützt. Nach geschlagenen 7 Monaten haben wir uns dann entschieden, die Rechtsanwälte zu beauftragen.
Und plötzlich kommt die Condor durch ihre Anwälte von der T&M Societät und bietet uns 1200 Euro an. Wieso muss man erst mit einem Anwalt drohen? Ich finde es nicht richtig, dass die Condor ihre eigenen Kunden so frustriert.
Beantwortet 16, Mai 2013 von DorisHeller (360 Punkte)
Ich wollte hier unsere Erfahrungen mit Condor Flugdienst schildern: Wir hatten eine Flugverspätung von den Malediven nach Frankfurt und kamen 21 Stunden später an. Dann hat die Condor ein Blatt über eine Flugunregelmäßigkeit verteilt und die Adresse, an die man sich wegen der Entschädigung der Flug-Richtlinie 261/04 wenden soll. Das haben wir dann auch getan und haben die 2400 EUR für unsere Familie eingefordert. Dann haben wir genau so einen Antwortbrief, unterschrieben von Frau Dorothea Schümann erhalten. Ich kann es kaum fassen, denn die Zeilen in unserem Brief sind identisch mit denen von Familie Hartmann. GENAU DER GLEICHE BRIEF. Wir haben uns erst mit einem Formular an das Luftfahrtbundesamt gewandt. Die haben uns gesagt, wir sollen einen Fachanwalt für Flugrecht beauftragen und haben uns die Kanzlei Bartholl in Berlin empfohlen, da die bundesweit beraten und wir aus Garmisch-Partenkirchen kommen. Nach etwa fünf Wochen hat sich auch bei uns die T&M Anwaltssocietät für die Condor gemeldet. Die haben geschrieben:
Wir sind beauftragt, Ihr Schreiben vom x zu beantworten.
Grund für die Zurückweisung der Ansprüche ist insbesondere die Tatsache, dass nach Auffassung der Generalanwältin bei dem EuGH, Eleanor Sharpston, Rechtssache C-396/06, Kramme gegen SAS Scandinavian Airlines Denmark, Rz. 51, technische Defekte einen außergewöhnlichen Umstand im Sinne der EG-VO 261/04 begründen können:
„Was zunächst die Außerbetriebsetzung des ursprünglich vorgesehenen Luftfahrzeugs betrifft, legt Erwägungsgrund 14 der Verordnung Nr. 261/2004 nahe, dass technische Probleme manchmal als außergewöhnliche Umstände eingestuft werden können. Es ist zwischen den Verfahrensbeteiligten, die schriftliche Erklärungen eingereicht haben, unstreitig, dass derartige Probleme „unerwartete Flugsicherheitsmängel“ darstellen können.“ Der Gerichtshof selbst hat darüber hinaus im Rahmen der Rechtssache C-549/07, Walentin-Hermann gegen Alitalia – Linee Aeree Italiane SpA, Rz. 24, 25 die Aufassung geäußert, dass technische Defekte, die aus mangelhafter Wartung resultieren oder im Rahmen von Wartungsmaßnahmen aufgetreten sind, nicht zu einer Entlastung der Fluggesellschaften gemäß Art. 5 Abs. 3 EG-VO 261/04 führen können:
Der hier gegenständliche Defekt ist demnach als unerwarteter Flugsicherheitsmangel und somit als außergewöhnlicher Umstand im Sinne der Verordnung zu würdigen. Darüber hinaus standen unserer Mandantin keine zumutbaren Maßnahmen zur Verfügung, welche den für die Flugunregelmäßigkeit ursächlichen Defekt hätten verhindern können.
Aus diesem Grund müssen die von Ihnen geltend gemachten Ansprüche endgültig als unbegründet zurück gewiesen werden. Vorsorglich erklären wir die Anrechnung gemäß Art. 12 Abs. 1 der EG-VO 261/04 hinsichtlich etwaiger Minderungs- und Schadensersatzansprüche.
Lediglich aus Kulanzgründen und zur Vermeidung eines möglicherweise langwierigen Rechtsstreits erklärt sich unsere Mandantin bereit, einen Betrag in Höhe von insgesamt € 1200 im Erledigungsinteresse bei Kostenaufhebung zu erstatten.
Wir haben das Vergleichsangebot dann akzeptiert, wenn auch zähneknirschend. Besser den Spatz in der Hand, als die Taube auf dem Dach. Es ist aber schon irritierend, dass die offenbar immer nach Schema F agieren. Ist so etwas überhaupt erlaubt? Es stimmt doch nicht, dass alle Fälle gleich sind. Das zeigt doch, dass die die außergewöhnlichen Umstände einfach angeben, ohne dass die wirklich ausschlaggebend waren.
Beantwortet 24, Mai 2013 von Derrick (820 Punkte)
Wir haben einen Fall mit Ryanair und können aus Erfahrung sagen, dass man ohne Anwalt keine Chance hat. Die sitzen solche Schadensersatzansprüche einfach aus. Wir hatten Ryanair zig-Mal per Fax und Brief angeschrieben und nach SAGE UND SCHREIBE 18 Wochen!!!! hat sich dann eine Michaela Sotikova vom Ryanair Customer Service Department gemeldet und meinte, es tue ihr alles Leid, aber Ryanair wäre nicht zur Zahlung einer Entschädigung verpflichtet. Das war natürlich falsch, wie uns auch unser Anwalt bestätigte.
Jetzt hat Ryanair die Klage am Hals.
Unser Anwalt hat gesagt, dass die Airlines genau wissen, dass sie die rechtlich einwandfreien Entschädigungen zahlen müssten, dass die aber einfach nicht reagieren, um Verbraucher zu frustrieren. Die wollen nicht, dass Flugpassagiere leicht an ihr Geld kommen, sondern dafür leiden müssen.
Beantwortet 30, Mai 2013 von ReinhardADriedorf (1,470 Punkte)
Jetzt versteh ich auch, warum Condor bei so vielen Grundsatzurteilen vom Europäischen Gerichtshof immer wieder auftaucht. Die scheinen ziemliche Dickköpfe dort zu sein und Fluggastrechte nicht ganz ernst zu nehmen.
Naja, wenn die erst mal ihren 1000. Fall vor Gericht verloren haben, werden auch die merken, dass man Flugpassagiere nicht nach Belieben an der Nase herumführen kann.
Nee, das hat bei Condor SYSTEM: Kein Flugpassagier erhält seine Entschädigung. Nur, wer mit Anwalt anklopft, erhält ein "VERGLEICHSANGEBOT" und nur wer wirklich richtig konsequent bleibt und vor Gericht klagt, bekommt auch alles, was ihm nach Gesetz zusteht. Und Condor verliert ja offenbar jeden Fall vor Gericht.
Das Paradoxe: Das rechnet sich für Condor auch noch!!! Die machen eben ein paar Tausend Fälle mit ihren Anwälten, um dadurch zigtausende Passagiere davon abzuhalten und abzuschrecken, ihre gesetzliche Entschädigung einzufordern.
+49 Punkte
In unserem Condor Fall lief es auch so ähnlich ab. Am Flughafen haben wir von den Mitarbeitern dort einen Zettel bekommen:
Condor Flugdienst GmbH bestätigt hiermit die Verzögerung Ihres Fluges.
Flugnummer DE...
Wir bedanken uns für Ihr Verständnis und entschuldigen die dadurch entstandenen Unannehmlichkeiten. Benötigen Sie weitere Bestätigungen (z.B. für den Arbeitgeber, die Schule usw.) wenden Sie sich bitte an die folgende Adresse:
Thank you very much for your understanding and please accept our apologies for any inconvenience caused. For further confirmations (e.g. for employer, school, etc.) please contact the following address:
Condor Kundenbetreuung / Condor Customer Relations
Fax: +49 (0) 6171 65 2172
E-Mail: www.Condor.com/Kontakt
Feedback zum durchgeführten Flug
Ihre Condor Flugdienst GmbH
Auf unsere Beschwerde kam dann das Schreiben der Frau Dorothea Schümann mit dem exakt gleichen Wortlaut wie in der Frage.
Das ist doch sehr dreist, einfach jedem Fluggast die gleiche Standardantwort zukommen zu lassen und dann zu hoffen, dass die Gäste zu feige sind, einen Rechtsanwalt einzuschalten und der Condor die Zähne zu zeigen.
Beantwortet 3, Jul 2013 von Micha (3,860 Punkte)
Cool, hat bei uns auch geklappt :-)
Nach 4 Wochen als Referendar kann ich bereits jetzt sagen, dass es sich auszahlt, bei Ansprüchen gegen die Condor sofort einen Anwalt einzuschalten. Ich habe mir die Mühe gemacht und alle Foren nach Condor-Fällen durchsucht. Die fahren IMMER AUSNAHMSLOS die Hinhaltetaktik und schicken erst immer Briefe durch die berühmte Frau Schümann raus. Klar, deren EIGENE Luftverkehrszentrale kommt natürlich immer zu dem Schluss, dass Condor - OH WUNDER! - eben nicht zahlen muss. Wer darauf hereinfällt, dem ist nicht zu helfen.
Und seltsamerweise macht die Kanzlei, die Condor vertritt (T&M Anwaltssocietät) so gut wie IMMER AUSNAHMSLOS ein Vergleichsangebot, wenn wir uns für unsere Kunden melden. Mich würde mal interessieren, ob Fluggäste, die einen Anwalt eingeschaltet haben, von Condor noch keine Entschädigung erhalten haben. So weit ich das hier beurteilen kann, scheint Condor allen, die durch Anwälte vertreten sind, Vergleichsangebote zu machen.
Beantwortet 2, Sep 2013 von JoshuaLiebermann (5,790 Punkte)
Gegen so streitlustige und widerspenstige Fluggesellschaften wie Condor hilft nur ein Fachanwalt für Flugrecht weiter. Ansonsten riechen die sofort, ob sie mit ihren inhaltsleeren Einwendungen Erfolg haben könnten oder nicht. Ich persönlich würde jedem empfehlen, genauso gegen die vorzugehen, wie sie es gegenüber einem selbst tun.
Stellen die sich stur, wird eben eine härtere Gangart eingelegt und ein Rechtsanwalt eingeschaltet. Das soll ja gerade bei Condor Wunder wirken.
Die wissen doch nur zu genau, bei wem sie es sich erlauben können und wo sie lieber schnell klein beigeben.