Source: https://www.jobrecht.de/krankengeld/arbeitnehmer/
Timestamp: 2020-07-05 07:39:04
Document Index: 259939734

Matched Legal Cases: ['§ 47', '§ 47', '§ 47', '§ 47', '§ 47', '§ 47']

Höhe und Berechnung des Krankengeldes bei Arbeitnehmern › jobrecht.de
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Die Leistungshöhe und ihre genaue rechnerische Ermittlung sind gesetzlich festgelegt (§ 47 SGB V). Danach beträgt das Krankengeld grundsätzlich 70% des regelmäßigen monatlichen Bruttoeinkommens (so genanntes Regelentgelt), höchstens jedoch 90% des regelmäßigen monatlichen Nettoeinkommens.
Inhaltsverzeichnis: Höhe und Berechnung des Krankengeldes bei Arbeitnehmern
Maßgebliches Bruttoarbeitsentgelt
Berechnung des Krankengeldes bei Stundenlohn
Berechnung des Krankengeldes bei Entgeltbemessung nach Monaten
Berücksichtigung des Hinzurechnungsbetrages
Kumuliertes Regelentgelt und Krankengeldberechnung im Beispiel
Obergrenze 90% des Nettoeinkommens
Krankengeld wird für Kalendertage gezahlt (§ 47 Abs.1 S.6 SGB V). Um seine Leistungshöhe im Einzelnen bestimmen zu können, ist es daher erforderlich, das tägliche Bruttoarbeitsentgelt (tägliches Krankengeld = grundsätzlich 70% des täglichen Bruttoarbeitsentgelts) zu ermitteln.
Das Gesetz stellt für die konkrete Berechnung dieses Bruttoarbeitsentgelts unterschiedliche Kriterien bereit – je nachdem, ob das Entgelt nach Stunden oder Monaten bemessen ist.
Ist das Arbeitnehmerentgelt nach Stunden bemessen, sind folgende Faktoren entscheidend für die Berechnung von Bruttoarbeitsentgelt und dem sich daraus ergebenden Krankengeld
letzter vor Beginn der Arbeitsunfähigkeit liegender Entgeltabrechnungszeitraum
das während der letzten abgerechneten vier Wochen erzielte Arbeitsentgelt, das um einmalig gezahlte Entgeltanteile zu vermindern ist
Anzahl der Stunden, für die dieses Arbeitsentgelt gezahlt wurde
Die Bruttoarbeitsentgeltberechnung erfolgt nach der gesetzlichen Formel durch Multiplikation der ermittelten Anzahl von geleisteten Arbeitsstunden mit der wöchentlichen Arbeitszeit und anschließender Division dieses Wertes durch die Zahl sieben (§ 47 Abs.2 S.2 SGB V).
Ist das Entgelt nach Monaten bemessen, oder ist eine rechnerische Ermittlung des täglichen Bruttoarbeitsentgelts aus anderen Gründen nicht möglich, ist maßgebend
der letzte abgerechnete Kalendermonat vor Beginn der Arbeitsunfähigkeit
in diesem Zeitraum erzielte Arbeitsentgelt (ebenfalls vermindert um einmalig gezahlte Entgeltanteile)
Als Regelentgelt gilt in diesem Fall der dreißigste Teil dieses Arbeitsentgelts (§ 47 Abs.2 S.3 SGB V).
Überstunden und Mehrarbeit werden bei der Regelentgeltberechnung berücksichtigt, wenn sie regelmäßig vor Eintritt der Arbeitsunfähigkeit geleistet werden.
Von Regelmäßigkeit ist dann auszugehen, wenn in den letzten drei Monaten vor Beginn der Arbeitsunfähigkeit jeweils in jedem Monat mindestens eine volle Stunde an Mehrarbeit oder Überstunden geleistet wurde.
Über die anteilige Erhöhung der regelmäßigen wöchentlichen Arbeitszeit fließen Überstunden und Mehrarbeit schließlich in Regelentgeltberechnung und Krankengeld ein.
Als Ausgleich für die zunächst im Rahmen der Regelentgeltberechnung in Abzug gebrachten einmalig gezahlten Entgeltanteile sieht das Gesetz eine besondere Hinzurechnungsregelung vor (§ 47 Abs.2 S. 6 SGB V).
Dem ermittelten Regelentgelt wird nach dieser Bestimmung ein Betrag in Höhe des 360. Teils des einmalig gezahlten Arbeitsentgelts hinzugerechnet, das in den letzten zwölf Monaten vor Beginn der Arbeitsunfähigkeit der Beitragsberechnung zugrunde gelegen hat. Dabei werden sämtliche beitragspflichtige Einmalzahlungen und Lohnzuschläge aus dem letzten Jahr berücksichtigt.
Eine solche Einmalzahlung liegt vor, wenn das Entgelt sich keiner konkreten Arbeitsleistung zuordnen lässt.
Das um diesen Hinzurechnungsbetrag erhöhte Regelentgelt wird als kumuliertes Regelentgelt bezeichnet.
So fällt beispielshalber bei einem angenommenen monatlichen Bruttoarbeitseinkommen von 1.800 Euro sowie einer geleisteten Stundenzahl im maßgeblichen Abrechnungszeitraum von 160 Stunden bei vertraglich vereinbarter Wochenarbeitszeit von 40 Stunden ein Regelentgelt von 64,28 Euro an (= 1.800 geteilt durch 160 Stunden, multipliziert mit 40 Stunden und geteilt durch 7).
Hat der Arbeitgeber in den letzten zwölf Monaten beitragspflichtige Einmalzahlungen über 1.500 Euro erbracht, so ist diesem Regelentgelt ein Betrag von 4,17 Euro (1.500 geteilt durch 360) hinzuzurechnen.
Das kumulierte Regelentgelt liegt damit bei 68,45 Euro.
Dieses kumulierte Regelentgelt ist maßgebliche Bemessungsgrundlage für die Ermittlung der exakten Höhe des Krankengeldes. Es beträgt 70% davon.
Das Krankengeld beläuft sich daher in dem gebildeten Beispiel auf 47,91 Euro.
Mit diesem letzen Berechnungsschritt ist die Krankengeldbemessung allerdings noch nicht abgeschlossen. Nach der gesetzlichen Regelung dürfen nämlich 70% des Regelentgelts (hier also 47,91 Euro) 90% des Nettoeinkommens nicht übersteigen (§ 47 Abs.1 S. 2 SGB V).
Daher ist in einem nächsten Schritt die Höhe des täglichen Nettoarbeitsentgelts festzustellen.
Es gilt dabei die gleiche Berechnungsformel wie für das Bruttoarbeitsentgelt. Liegt in dem Beispiel das Nettoarbeitseinkommen bei 1.200 Euro, beträgt das Nettoarbeitsentgelt demnach 42,86 Euro. Diesem Wert ist nun gleichfalls der Hinzurechnungsbetrag aufzuaddieren, wobei seine Nettohöhe zu ermitteln ist. Das geschieht unter Zugrundelegung des Verhältnisses von Brutto- und Nettozahlung aus dem Entgeltabrechnungszeitraum (Hinzurechnungsbetrag von 4,17 multipliziert mit 42,86 und dividiert durch 64,28).
Der Nettoanteil des Hinzurechnungsbeitrages liegt bei 2,78 Euro, die dem Nettoarbeitsentgelt über 42,86 Euro nunmehr hinzuzurechnen sind. 90% dieses Endbetrages von 45,64 Euro sind 41,07 Euro.
Es ergibt sich in dem Beispielsfall somit, dass 70% des Bruttoregelentgelts (47,91 Euro) 90% des Nettoentgelts (41,07) übersteigen.
Da das Gesetz das Krankengeld ausdrücklich auf 90% des Nettoentgelts begrenzt, folgt daraus, dass das tatsächlich auszuzahlende Krankengeld im hier gebildeten Beispiel letztlich 41,07 Euro beträgt.
Titelbild: Elena Blokhina/ shutterstock.com
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