Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Text=BVerwGE%2045,%20224
Timestamp: 2019-03-27 01:27:31
Document Index: 368614327

Matched Legal Cases: ['Art. 1', 'Art. 100', '§ 43', 'Art. 2', 'Art. 4', '§ 43', '§ 43', '§ 13', '§ 43', 'Art. 2']

BVerwG, 26.06.1974 - VII C 36.72 - dejure.org
Einschränkungen der Handlungsfreiheit - Erfordernisse des Zusammenlebens zahlreicher Menschen auf engem Raum - Urnenzwang bei Feuerbestattungen
BVerwGE 45, 224
NJW 1974, 2018
MDR 1974, 870
DVBl 1974, 681
DÖV 1975, 392
DÖV 1975, 395
Aus diesem Grund wird in der verwaltungsgerichtlichen Rechtsprechung auch grundsätzlich eine Ausnahme vom Bestattungszwang - etwa zur Aufbewahrung menschlicher Aschenreste in der Wohnung - nicht zugelassen (vgl. nur BVerwGE 45, 224 ff; OVG Münster NVwZ 1986, 401 m.w.N.).
bb) Einer Begrenzung der Ruhefrist für Urnen auf zwei Jahre steht auch die - im Kern ebenfalls über Art. 1 Abs. 1 GG bzw. Art. 100 BV geschützte (…BVerfG, B.v. 9.5.2016, a.a.O., Rn. 60; BVerwG, U.v. 26.6.1974 - VII C 36.72 - BVerwGE 45, 224/230) - Totenruhe nicht entgegen.
vgl. BVerwG, Urteil vom 26. Juni 1974 - VII C 36.72 -, BVerwGE 45, 224 (230); Beschluß vom 20. Dezember 1977 - VII B 188.76 -, Buchholz 408.2 Nr. 6.
Damit ist ein feststellungsfähiges Rechtsverhältnis im Sinne von § 43 Abs. 1 VwGO gegeben, da die Anwendung einer Rechtsnorm auf einen bestimmten, überschaubaren Sachverhalt zwischen den Beteiligten streitig ist (BVerwG, Urt. vom 26.6.1974, BVerwGE 45, 224 = NJW 1974, 2018).
Der Kl. hat auch ein berechtigtes Interesse an der gerichtlichen Feststellung, denn ihm kann nicht zugemutet werden, auf Dauer im Unklaren über die Berechtigung seines Wunsches zur Anlage einer privaten Begräbnisstätte zu bleiben, in der er auch selbst bestattet werden möchte (ebenso BVerwGE 45, 224 [226] = NJW 1974, 2018).
Nach der Rechtsprechung des BVerwG korrespondiert der gesetzlich angeordnete Bestattungszwang in der Regel mit der Pflicht zur Benutzung der vorhandenen Friedhöfe, die in öffentlich-rechtlicher Trägerschaft (als öffentliche Anstalt oder als öffentliche Einrichtung) betrieben werden (BVerwGE 25, 364 [366]; 17, 119 [120] = NJW 1964, 831; BVerwGE 45, 224 [230];… ebenso im Erg.: Gaedke, Hdb. des Friedhofs- und BestattungsR, 6. Aufl. [1992] S. 273).
Er ist mit dem Grundgesetz, insbesondere mit Art. 2 I GG und Art. 4 I GG, vereinbar, weil er - wie noch darzulegen ist - nicht ohne die Möglichkeit der Erteilung von Ausnahmen gilt (vgl. BVerwGE 45, 224; BVerfGE 50, 256 [262 f.] = NJW 1979, 1493).
Die vom Kl. im Klageverfahren geltend gemachte persönliche Verbundenheit mit dem streitbefangenen Grundstück vermag einen Ausnahmefall nicht zu begründen; dies entspricht ständiger verwaltungsgerichtlicher Rechtsprechung (vgl. BVerwGE 45, 224 [233]; VGH Kassel, MDR 1967, 72; Kahler, NVwZ 1983, 663).
Damit ist ein feststellungsfähiges Rechtsverhältnis im Sinne von § 43 Abs. 1 VwGO gegeben, weil die Anwendung einer Rechtsnorm auf einen bestimmten, überschaubaren Sachverhalt zwischen den Beteiligten streitig ist (vgl. BVerwG, Urteil vom 26.06.1974 - VII C. 36.72 -, BVerwGE 45, 224 = NJW 1974, 2018 und BVerwG, Beschluss vom 22.10.1981 - 7 C 77/80 -, NJW 1983, 2584).
Der Grundsatz der Subsidiarität der Feststellungsklage (§ 43 Abs. 2 Satz 1 VwGO) steht der Zulässigkeit ebenfalls nicht entgegen, denn die Klägerin ist der Auffassung, für ihre Ausstellung sei keine Ausnahmeerteilung nach § 13 Abs. 2 BestattVO erforderlich; nach ihrem Rechtsstandpunkt kommt eine Verpflichtungsklage für sie daher nicht in Betracht (vgl. hierzu: BVerwG, Urteil vom 26.06.1974 aaO; BVerwG…, Urteil vom 11.11.1993 - 3 C 45.91 -, BVerwGE 94, 269/271 sowie Kopp/Schenke, VwGO, 13. Auflage, § 43 Rdnr. 29).
Der Gesetzgeber durfte sich von den Aspekten der guten Sitten und der Pietät leiten lassen und konnte daher in verfassungsrechtlich nicht zu beanstandender Weise die Freiheit der Verfügung über die eigene Leiche wie geschehen beschränken (ebenso Thiele, NVwZ 2000, 405, 406 m.w.N.; in ähnlichem Sinne auch BVerwG, Urteil vom 26.06.1974 - VII C 36.72 -, BVerwGE 45, 224/229).
Eine solche Besonderheit oder Härte ergibt sich nicht schon daraus, dass jemand eine besondere Verbundenheit zu seinem Grundstück oder zur Natur verspürt (BVerwG, Urteil vom 26. Juni 1974 - VII C 36/72 -, BVerwGE 45, 224).
Das Recht des Einzelnen, Art und Ort seiner Bestattung zu bestimmen, ist zwar von der durch Art. 2 Abs. 1 Grundgesetz - GG - geschützten allgemeinen Handlungsfreiheit umfasst (BVerwG, Urteil vom 26. Juni 1974 - VII C 36/72 -, BVerwGE 45, 224).
Darüber hinaus steht dem Verstreuen von Totenasche im privaten Bereich, wie es der Kläger für sich in Anspruch nehmen will, die Scheu der Bevölkerung vor einer unerwünschten Konfrontation mit dem Tod entgegen (so schon BVerwG, Urteil vom 26. Juni 1974 - VII C 36/72 -, BVerwGE 45, 224).
VG Trier, 23.11.2009 - 1 K 447/09
OVG Rheinland-Pfalz, 20.04.2004 - 7 A 11930/03
OVG Rheinland-Pfalz, 04.10.1994 - 7 A 11102/94
Gemeinde; Pflichtaufgabe der Selbstverwaltung; Friedhofszwang; Reihengräber; …
BVerwG, 23.07.1975 - VII B 114.74
Religionsfreiheit und Verschweigen des religiösen Bekenntnisses
BVerwG, 10.09.1975 - 7 B 35.75
Zwang zur Benutzung der öffentlichen Wasserleitung - Möglichkeit der Verhängung …
VG Düsseldorf, 04.09.2006 - 23 K 6776/04
Erlaubnispflicht nach dem Tierschutzgesetz für die vorübergehende Unterbringung …
VG Gelsenkirchen, 31.05.2017 - 19 K 3144/13
Heimversorgungsvertrag; Änderung; Genehmigungspflicht; Erhöhung der …
VG Düsseldorf, 22.10.2012 - 23 K 4866/11
Umbettung eines totgeborenen Kindes, wichtiger Grund, psychische Erkrankung
BVerwG, 21.09.1984 - 7 B 185.84
Beschwerde gegen die Nichtzulassung einer Revision - Genehmigung zur Umbettung …
VG Ansbach, 23.07.2013 - AN 1 K 11.01339
Anordnung des Benutzungszwangs
VG Gelsenkirchen, 09.05.2017 - 19 K 3521/13
Heimversorgungsvertrag; Änderung; Genehmigungspflicht; Verblisterung von …
VGH Baden-Württemberg, 22.01.1979 - I 2888/78