Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Text=BStBl%20II%201990,%2010
Timestamp: 2019-12-05 17:50:14
Document Index: 41707994

Matched Legal Cases: ['§ 4', '§ 12', '§ 20', '§ 4', '§ 230', '§ 231', '§ 12', '§ 6']

BFH, 31.05.1989 - III R 91/87 - dejure.org
https://dejure.org/1989,672
BFH, 31.05.1989 - III R 91/87 (https://dejure.org/1989,672)
BFH, Entscheidung vom 31.05.1989 - III R 91/87 (https://dejure.org/1989,672)
BFH, Entscheidung vom 31. Mai 1989 - III R 91/87 (https://dejure.org/1989,672)
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EStG § 4 Abs. 4, § 12 Nr. 2, § 20 Abs. 1 Nr. 4
Betriebsausgaben - Familiengesellschaft
§§ 4, 12, 20 EStG
Einkommensteuer; Darlehensverträge zwischen nahen Angehörigen bei typischen stillen Gesellschaften
BFHE 158, 16
NJW 1990, 1622
BB 1989, 2248
BB 1990, 401
DB 1989, 2513
BStBl II 1990, 10
Von einer betrieblichen Veranlassung kann bei einem Vertrag zwischen nahen Angehörigen über die Gründung einer stillen Gesellschaft --ebenso wie bei sonstigen Vertragsverhältnissen-- nach ständiger Rechtsprechung des BFH nur ausgegangen werden, wenn die Vereinbarung zivilrechtlich wirksam ist, inhaltlich dem unter fremden Dritten Üblichen entspricht und auch wie unter Dritten vollzogen wird (BFH-Urteil vom 31. Mai 1989 III R 91/87, BFHE 158, 16, BStBl II 1990, 10).
Dem inhaltlichen Fremdvergleich halten zwischen Eltern und Kindern abgeschlossene Verträge über eine stille Gesellschaft dann stand, wenn dem Kind nach dem Gesellschaftsvertrag und den ergänzenden gesetzlichen Vorschriften wenigstens annäherungsweise diejenigen Rechte eingeräumt werden, die einem stillen Gesellschafter nach dem Regelstatut der §§ 230 ff. des Handelsgesetzbuches (HGB) typischerweise zukommen (BFH-Urteile vom 8. August 1974 IV R 101/73, BFHE 113, 361, BStBl II 1975, 34; in BFHE 158, 16, BStBl II 1990, 10).
Der Auszahlungsanspruch stellt gleichzeitig sicher, dass die geschenkten Mittel nicht in einer Weise an das Unternehmen gebunden bleiben, die das Eigentum des Beschenkten zugunsten des Schenkers aushöhlt (BFH-Urteil in BFHE 158, 16, BStBl II 1990, 10, unter II. 1. c bb (1)).
Der III. Senat des BFH hat in seinem Urteil in BFHE 158, 16, BStBl II 1990, 10 (unter 1. d) ausdrücklich davon abgesehen, zur Frage einer Anwendung dieser Grundsätze auf die stille Beteiligung mit Teilnahme am Verlust Stellung zu nehmen, in der schenkweisen Begründung der Beteiligung aber im Ergebnis kein Hindernis für die steuerrechtliche Anerkennung gesehen.
e) Hinsichtlich der Höhe, bis zu der ein Gewinnanteil noch als angemessen betrachtet werden kann, weist der Senat auf die BFH-Urteile vom 29. März 1973 IV R 56/70 (BFHE 109, 328, BStBl II 1973, 650), in BFHE 158, 16, BStBl II 1990, 10 und vom 9. Oktober 2001 VIII R 77/98 (BFHE 197, 43, BStBl II 2002, 460) hin.
Auch erübrigt sich eine Stellungnahme dazu, ob die Modalitäten der Darlehensrückzahlung --Recht zu freiwilligen Tilgungen sowie beidseitiges Kündigungsrecht nach Ablauf einer tilgungsfreien Laufzeit von 5 Jahren-- fremdüblich sind (…vgl. hierzu BFH-Urteile vom 28. Januar 1993 IV R 109/91, BFH/NV 1993, 590, sowie vom 31. Mai 1989 III R 91/87, BFHE 158, 16, BStBl II 1990, 10).
Zwar steht die fehlende Besicherung des Rückzahlungsanspruchs eines stillen Gesellschafters dann der steuerrechtlichen Anerkennung des Gesellschaftsvertrags nicht entgegen, wenn der stille Gesellschafter am Verlust des Handelsgewerbes beteiligt ist (§ 231 Abs. 1 und 2 HGB) und sich hierdurch der Gefahr aussetzt, seine Vermögenseinlage zu verlieren (BFH-Urteil in BFHE 158, 16, BStBl II 1990, 10).
Zu berücksichtigen ist ferner, dass die Regelung in § 12 KGV gleichermaßen für alle Gesellschafter gilt und auch nur dann eingreift, wenn einer der Kläger den Gesellschaftsvertrag von sich aus kündigt (vgl. dazu auch BFH-Urteil in BFHE 158, 16, BStBl II 1990, 10, unter 1. c, bb, 2. a.E.).
Im BFH-Urteil vom 24. Juli 1986 IV R 103/83 (BFHE 147, 495, 499, BStBl II 1987, 54) war eine mitunternehmerische Unterbeteiligung zu beurteilen, im BFH-Urteil vom 31. Mai 1989 III R 91/87 (BFHE 158, 16, BStBl II 1990, 10) eine (typische) stille Beteiligung, bei welcher der Stille am Verlust teilnahm; im Hinblick auf diese Besonderheiten haben die genannten Entscheidungen ausgeführt, daß die im BFH-Urteil in BFHE 141, 308, BStBl II 1984, 705 aufgestellten Rechtsgrundsätze zum Darlehen aus geschenkten Beträgen nicht einschlägig seien.
Nach der ständigen Rechtsprechung des BFH sind Gesellschaftsverträge ebenso wie sonstige Vertragsverhältnisse zwischen nahen Angehörigen im Einkommensteuerrecht nur zu berücksichtigen, wenn sie zivilrechtlich wirksam sind, inhaltlich dem unter Fremden Üblichen entsprechen und auch wie unter Fremden vollzogen werden (vgl. z. B. Senatsurteil vom 9. Juli 1987 IV R 95/85, BFHE 150, 539, BStBl II 1988, 245, und BFH-Urteil vom 31. Mai 1989 III R 91/87, BFHE 158, 16, BStBl II 1990, 10).
Dies gilt grundsätzlich auch für Verträge über eine stille Beteiligung (Urteile in BFHE 150, 539, BStBl II 1988, 245; BFHE 158, 16, BStBl II 1990, 10, und vom 18. Oktober 1989 I R 203/84, BFHE 158, 421, BStBl II 1990, 68) sowie gleichermaßen für Verträge über eine Unterbeteiligung am Gesellschaftsanteil eines nahen Angehörigen.
Für stille Gesellschaften ist aber bereits mehrfach entschieden worden, daß sie auch dann zivilrechtlich wirksam zustande kommen, wenn dem stillen Gesellschafter der für die Erbringung der vereinbarten Einlage benötigte Geldbetrag vom Inhaber des Handelsgeschäfts zuvor im Wege der Auflagenschenkung zugewendet worden ist (Senatsurteil vom 24. Juli 1986 IV R 103/83, BFHE 147, 495, BStBl II 1987, 54 und Urteil in BFHE 158, 16, BStBl II 1990, 10, 13).
Durch die UBV wurden den Beteiligten zu 2 bis 5 annäherungsweise die Rechte und Pflichten eingeräumt, die einem Kommanditisten nach dem Regelstatut des Handelsgesetzbuches (HGB) zukommen, so daß die Verträge einem Fremdvergleich standhalten und die Unterbeteiligten als Mitunternehmer des Klägers im Rahmen der Unterbeteiligungsgesellschaften angesehen werden können (vgl. BFH-Urteile vom 10. August 1978 IV R 54/74, BFHE 126, 185, BStBl II 1979, 74; in BFHE 147, 495, BStBl II 1987, 54; vom 31. Mai 1989 III R 91/87, BFHE 158, 16, BStBl II 1990, 10).
Verträge zwischen nahen Angehörigen (im Streitfall stille Beteiligungen von Familienangehörigen mit darlehensweiser Überlassung der Gewinnanteile) könnten nur dann steuerliche Anerkennung finden, wenn auch die Formerfordernisse beachtet würden, die für eine zivilrechtliche Wirksamkeit erforderlich seien (BFH-Urteile vom 18. Oktober 1989, I R 203/84 und vom 31. Mai 1989, III R 91/87, BStBl II 1990, 68).
Nach der Rechtsprechung des BFH ist auch die langfristige Kapitalhingabe ohne Bestellung von Sicherheiten sowohl bei stillen Beteiligungen als auch bei Darlehensverträgen zwischen Fremden unüblich; das Fehlen von Sicherheiten steht daher der steuerlichen Anerkennung der Verträge zwischen nahen Angehörigen entgegen (vgl. z. B. BFH-Urteil vom 18.12.1990 VIII R 134/86, BStBl II 1991, 883 unter II. 2. der Gründe m.w.H.) Dies gilt auch für die frühestmögliche Kündigung der Unterbeteiligung nach 15 Jahren (s. § 6 Nr. 1 des Vertrags; vgl. BFH-Urteil vom 31.05.1989 III R 91/87, BStBl II 1990, 10).
Hinzu kommt, dass die für eine stille Beteiligung üblichen Kontroll- und Stimmrechte in der Vereinbarung zwischen den ASt nicht vorgesehen sind (vgl. dazu BFH-Urteil BStBl II 1990, 10 m.w.H.).
Dies gilt zum einen für Auszahlungsbeschränkungen, deren zeitliche Dauer absehbar ist, und zum anderen für Beschränkungen, die so ausgestaltet sind, dass sie die sofortige Auszahlung eines nicht unerheblichen Teilbetrages zulassen und den im Unternehmen zu belassenden Teilbetrag angemessen verzinsen (BFH, Urteil vom 31.05.1989 III R 91/87, BStBl II 1990, 10;… Urteil vom 14.05.2003 X R 14/99, BFH/NV 2003, 1547 mwN).
Stille Gesellschaft mit minderjährigem Sohn
FG Baden-Württemberg, 24.11.1997 - 2 V 28/97
Stille Gesellschaft: Umfang des Gewinnentnahmerechts