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Timestamp: 2019-09-20 12:35:32
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Emp­fangs­be­kennt­nis und Fris­ten­kon­trol­le | Rechtslupe
Empfangsbekenntnis und Fristenkontrolle
Emp­fangs­be­kennt­nis und Fris­ten­kon­trol­le
Nach stän­di­ger Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs darf der Rechts­an­walt das Emp­fangs­be­kennt­nis über eine Urteils­zu­stel­lung im Grund­satz erst dann unter­zeich­nen und an das Gericht zurück­sen­den, wenn in den Hand­ak­ten die Rechts­mit­tel­frist fest­ge­hal­ten und ver­merkt ist, dass die Frist im Fris­ten­ka­len­der notiert wor­den ist1.
Unter­lässt der Anwalt dies, so ist er ver­pflich­tet, auf ande­re Wei­se dafür zu sor­gen, dass die Wie­der­vor­la­ge der Hand­ak­ten und die Ein­tra­gung im Fris­ten­ka­len­der erfol­gen2. Dafür reicht eine münd­lich erteil­te Anwei­sung nur aus, wenn sie kon­trol­liert wird. Zwar ist ein Rechts­an­walt grund­sätz­lich nicht ver­pflich­tet, die Erle­di­gung jeder kon­kre­ten Ein­zel­an­wei­sung zu über­wa­chen3. Im All­ge­mei­nen kann er viel­mehr dar­auf ver­trau­en, dass eine sonst zuver­läs­si­ge Büro­an­ge­stell­te auch münd­li­che Wei­sun­gen kor­rekt befolgt4. Bei Ein­tra­gung einer Beru­fungs- oder Beru­fungs­be­grün­dungs­frist müs­sen jedoch anders als die Rechts­be­schwer­de meint in der Anwalts­kanz­lei aus­rei­chen­de orga­ni­sa­to­ri­sche Vor­keh­run­gen dage­gen getrof­fen wer­den, dass die münd­li­che Ein­zel­an­wei­sung in Ver­ges­sen­heit gerät und die Fris­tein­tra­gung unter­bleibt5. Wenn ein so wich­ti­ger Vor­gang wie die Notie­rung einer Beru­fungs­frist nur münd­lich ver­mit­telt wird, dann begrün­det das Feh­len jeder Siche­rung einen ent­schei­den­den Orga­ni­sa­ti­ons­man­gel6.
Im vor­lie­gen­den Fall hat­te die Rechts­an­wäl­tin das Emp­fangs­be­kennt­nis unter­zeich­net und per Tele­fax an das Gericht gesandt, obwohl weder auf der Urteils­aus­fer­ti­gung noch sonst in den Hand­ak­ten und auch nicht im Fris­ten­buch der Zustel­lungs­zeit­punkt des land­ge­richt­li­chen Urteils ver­merkt war. Die Rechts­an­wäl­tin hat die not­wen­di­gen Ein­tra­gun­gen in die Hand­ak­te und im Fris­ten­ka­len­der auch nicht unver­züg­lich selbst vor­ge­nom­men.
Die Rechts­an­wäl­tin durf­te sich auch nicht statt des­sen auf eine münd­li­che Anwei­sung an die Rechts­re­fe­ren­da­rin L. beschrän­ken, die Urteils­aus­fer­ti­gung mit dem Tages­stem­pel zu ver­se­hen und die Beru­fungs­frist in dem Fris­ten­ka­len­der ein­zu­tra­gen. Viel­mehr muss­te sie wie aus­ge­führt zusätz­lich orga­ni­sa­to­ri­sche Vor­keh­run­gen tref­fen, damit die beson­ders wich­ti­ge Anwei­sung zur Notie­rung einer Rechts­mit­tel­frist nicht über­se­hen wird.
Auf die Fra­ge, ob die Wei­sung der Rechts­an­wäl­tin dar­über hin­aus des­we­gen feh­ler­haft gewe­sen ist, weil sie ledig­lich das Anbrin­gen eines Tages­stem­pels und nicht den Ver­merk des Zustel­lungs­da­tums auf der Urteils­aus­fer­ti­gung und des­sen Ein­tra­gung im Fris­ten­buch ver­langt hat7, kommt es danach nicht mehr an. Das­sel­be gilt für die Auf­fas­sung des Beru­fungs­ge­richts, die Rechts­an­wäl­tin habe nicht dar­auf ver­trau­en dür­fen, Rechts­re­fe­ren­da­rin L. wer­de wie bis­her zuver­läs­sig arbei­ten, da die­se durch die Teil­nah­me an der schrift­li­chen Prü­fung im juris­ti­schen Staats­ex­amen und eine Erkran­kung ersicht­lich über­las­tet gewe­sen sei8.
Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 9. Juli 2013 – XI ZB 20/​12
Erst die Frist­be­rech­nung, dann das Emp­fangs­be­kennt­nis Der Rechts­an­walt darf das Emp­fangs­be­kennt­nis nur unter­zeich­nen und zurück­ge­ben, wenn sicher­ge­stellt ist, dass in den Hand­ak­ten die Rechts­mit­tel­frist fest­ge­hal­ten und ver­merkt ist, dass die Frist…
vgl. BGH, Beschlüs­se vom 17.09.2002 – VI ZR 419/​01, NJW 2002, 3782 und vom 02.02.2010 – VI ZB 58/​09, NJW 2010, 1080 Rn. 6 [↩]
vgl. BGH, Urteil vom 05.05.1993 – XII ZR 44/​92, NJW-RR 1993, 1213, 1214 [↩]
vgl. BGH, Beschluss vom 10.10.1991 – VII ZB 4/​91, NJW 1992, 574 [↩]
vgl. BGH, Urteil vom 06.10.1987 – VI ZR 43/​87, NJW 1988, 1853; sowie Beschlüs­se vom 07.03.2012 – XII ZB 277/​11, NJW-RR 2012, 743 Rn. 11; und vom 04.11.2003 – VI ZB 50/​03, NJW 2004, 688, 689 [↩]
vgl. BGH, Beschlüs­se vom 17.09.2002 – VI ZR 419/​01, NJW 2002, 3782, 3783; vom 05.11.2002 – VI ZR 399/​01, NJW 2003, 435, 436, vom 09.10.2007 – XI ZB 14/​07; vom 04.11.2003 – VI ZB 50/​03, NJW 2004, 688, 689; und vom 07.03.2012 – XII ZB 277/​11, NJW-RR 2012, 743 Rn. 11 [↩]
vgl. BGH, Beschlüs­se vom 10.10.1991 – VII ZB 4/​91, NJW 1992, 574; vom 04.11.2003 – VI ZB 50/​03, NJW 2004, 688, 689; und vom 09.10.2007 – XI ZB 14/​07 [↩]
vgl. dazu BGH, Beschluss vom 17.09.2002 – VI ZR 419/​01, NJW 2002, 3782, 3783 [↩]
vgl. dazu BGH, Beschluss vom 08.02.2012 – XII ZB 165/​11, NJW 2012, 1591 Rn. 33 [↩]
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