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Timestamp: 2016-10-26 11:22:23
Document Index: 370209902

Matched Legal Cases: ['BGE', 'BGE', 'Art. 6', 'Art. 11', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'Art. 16', 'BGE', 'Art. 16', 'Art. 6', 'BGE', 'Art. 16']

U 242/04 (20.12.2004)
U 242/04
C.________, 1944, Beschwerdef�hrer, vertreten durch Rechtsanwalt Dr. Andr� Largier, Sonneggstrasse 55, 8006 Z�rich,
Der 1944 geborene C.________, seit 1986 bei der Firma F.________ AG als Kranf�hrer t�tig und in dieser Eigenschaft obligatorisch gegen die Folgen von Unf�llen und Berufskrankheiten versichert, st�rzte am 13. Januar 1995 bei Aus�bung seiner Arbeit. Dabei zog er sich eine Verletzung am rechten Handgelenk (Scaphoidfraktur) zu, aus welcher sich eine schwere radiokarpale Arthrose und ein Karpaltunnelsyndrom entwickelte. Die Schweizerische Unfallversicherungsanstalt (SUVA) sprach dem Versicherten eine Integrit�tsentsch�digung im Umfang von 17,5 % zu. Dagegen ergab sich bezogen auf die bisherige T�tigkeit als Kranf�hrer und Maschinist keine Einschr�nkung der Arbeitsf�higkeit (Verf�gung vom 2. Oktober 1997). Ab Herbst 2001 litt der Versicherte zus�tzlich an zervikalen Beschwerden mit Schwindel. Mit Schreiben vom 6. August 2002 k�ndigte die Arbeitgeberin das Arbeitsverh�ltnis auf den 30. November 2002. Im Rahmen einer Anspruchspr�fung zufolge R�ckfalls hielt die SUVA mit Verf�gung vom 6. Dezember 2002 fest, unter ausschliesslicher Ber�cksichtigung der Unfallfolgen sei C.________ mit Wirkung ab dem 19. August 2002 zu 50 % arbeitsunf�hig, da er ohne Einschr�nkung nur die Kranf�hrert�tigkeit, nicht aber schwerere Bauarbeiten aus�ben k�nne.
Am 9. Januar 2003 stellte die SUVA die Taggeldleistungen auf den 20. Januar 2003 ein mit der Begr�ndung, zus�tzliche Abkl�rungen bei der Arbeitgeberin h�tten ergeben, dass der Versicherte ganztags als Kranf�hrer oder f�r die Bedienung einer Betonmaschine eingesetzt werden k�nne und somit keine schwereren Arbeiten zu verrichten habe. Diese Verf�gung wurde mit Einspracheentscheid vom 11. Juli 2003 best�tigt.
Das Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen wies die dagegen erhobene Beschwerde ab (Entscheid vom 28. April 2004).
C.________ f�hrt Verwaltungsgerichtsbeschwerde mit dem Rechtsbegehren, es seien ihm, in Aufhebung von Einsprache- und vorinstanzlichem Entscheid, �ber den 20. Januar 2003 hinaus die gesetzlichen Leistungen auszurichten.
W�hrend die SUVA auf Abweisung der Verwaltungsgerichtsbeschwerde schliesst, verzichtet das Bundesamt f�r Gesundheit auf Vernehmlassung.
Mit dem am 1. Januar 2003 in Kraft getretenen Bundesgesetz �ber den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 sind zahlreiche Bestimmungen im Bereich der Unfallversicherung ge�ndert worden. Da in zeitlicher Hinsicht grunds�tzlich die Rechtss�tze zur Anwendung kommen, welche bei der Erf�llung des zu Rechtsfolgen f�hrenden Tatbestandes gelten (BGE 129 V 4 Erw. 1.2, 169 Erw. 1, 356 Erw. 1), und vorliegend sowohl das initiale Ereignis (vom 13. Januar 1995) wie auch die am 7. Mai 2002 ergangene R�ckfallmeldung vor dem 1. Januar 2003 datieren, sind die bis Ende 2002 g�ltig gewesenen Bestimmungen anwendbar. Der Umstand, dass der Einspracheentscheid des Unfallversicherers - der an die Stelle der Verf�gung tritt (BGE 119 V 350 Erw. 1b) - erst am 11. Juli 2003 erlassen worden ist, �ndert daran nichts.
Das kantonale Gericht hat die Bestimmungen und Grunds�tze zur Leistungspflicht des Unfallversicherers bei R�ckf�llen und Sp�tfolgen (Art. 6 Abs. 1 UVG; Art. 11 UVV; BGE 118 V 296 Erw. 2c; vgl. auch SVR 2003 UV Nr. 14 S. 43 Erw. 4), insbesondere zur Voraussetzung des nat�rlichen und ad�quaten Kausalzusammenhangs zwischen den erneut geltend gemachten Beschwerden und der seinerzeit beim versicherten Unfall oder bei dem diesem gleichgestellten unfall�hnlichen Ereignis erlittenen Gesundheitssch�digung (BGE 129 V 181 Erw. 3.1 und 406 Erw. 4.3.1), zutreffend wiedergegeben. Das Gleiche gilt hinsichtlich der Ausf�hrungen zu den (materiellen) Beweislastregeln im sozialversicherungsrechtlichen Verwaltungs- und Verwaltungsgerichtsverfahren (BGE 117 V 264 Erw. 3b mit Hinweisen) sowie �ber die aus dem Grundsatz der freien Beweisw�rdigung abgeleiteten Vorgaben hinsichtlich von Beweiswert und Beweisw�rdigung �rztlicher Berichte und Gutachten (BGE 125 V 352 Erw. 3a).
Strittig und zu pr�fen ist, ob �ber den 20. Januar 2003 hinaus eine Arbeitsunf�higkeit besteht, die dem Beschwerdef�hrer Anspruch auf Taggelder verschafft (Art. 16 f. UVG). Die SUVA bezieht sich zur Beantwortung dieser Frage auf die angestammte T�tigkeit des Kranf�hrers und auf diejenige des Maschinisten an einer Betonmaschine. Beide Arbeiten seien mit dem unfallbedingten Gesundheitsschaden am rechten Handgelenk vereinbar; eine weitergehende Arbeitsunf�higkeit erscheine als Folge des unfallfremden Zervikalsyndroms. Der Beschwerdef�hrer hingegen vertritt die Auffassung, schon die unfallbedingte Beeintr�chtigung allein stehe der Aus�bung s�mtlicher handwerklicher Berufe entgegen.
3.1 Im Bereich des UVG bedeutet Arbeitsunf�higkeit zun�chst die volle oder teilweise Unf�higkeit, am bisherigen Arbeitsplatz zumutbare Arbeit zu leisten, soweit diese Einschr�nkung auf eine unfallbedingte Beeintr�chtigung der k�rperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit zur�ckgeht. Der Grad der Arbeitsunf�higkeit wird solange unter Ber�cksichtigung der bisherigen T�tigkeit festgesetzt, als vom Versicherten vern�nftigerweise nicht verlangt werden kann, dass er seine restliche Arbeitsf�higkeit anderweitig einsetzt. Bei langdauernder Arbeitsunf�higkeit im angestammten Beruf - oder sobald klar wird, dass die Wiederaufnahme der bisher ausge�bten T�tigkeit nicht mehr in Frage kommt - sind nach Ablauf einer gewissen Anpassungszeit auch zumutbare T�tigkeiten in einem andern Beruf zu ber�cksichtigen (BGE 130 V 345 Erw. 3.1, 115 V 133 Erw. 2, 114 V 283 Erw. 1c; Urteil S. vom 23. Oktober 2003, I 392/02, Erw. 4.2.2; vgl. fortan Art. 16 Abs. 1 UVG in Verbindung mit Art. 6 ATSG; Meyer-Blaser, Der Rechtsbegriff der Arbeitsunf�higkeit und seine Bedeutung in der Sozialversicherung, in: Schmerz und Arbeitsunf�higkeit, St. Gallen 2003, S. 33 und 38 ff.).
3.2 Der Beschwerdef�hrer war nach dem Unfall vom 13. Januar 1995 w�hrend l�ngerer Zeit in der Lage, den Beruf des Kranf�hrers trotz einer sich heranbildenden schweren radiokarpalen Arthrose auszu�ben. Die im Herbst 2001 eingetretene vollst�ndige Arbeitsunf�higkeit in dieser T�tigkeit ergab sich haupts�chlich wegen Nackenschmerzen mit Schwindel und weiteren Beschwerden im Bereich der Wirbels�ule (vgl. Arztberichte des behandelnden Internisten Dr. S.________ vom 16. Januar 2002 sowie des Internisten Dr. T.________ vom 1. Februar 2002). Nach Auffassung des zuletzt genannten Mediziners war der Versicherte ab Fr�hjahr 2002 zwar wiederum vollst�ndig arbeitsf�hig. Im Rahmen einer umfassenden Abkl�rung im Klinik V.________ ergab sich jedoch, dass ihm die zuletzt ausge�bte T�tigkeit als Hochkranf�hrer wegen der Nackenbeschwerden nicht mehr zugemutet werden konnte (Bericht der Ergonomieabteilung vom 24. September 2002). Diese Einsch�tzung best�tigte sich bei einem am 20. Januar 2003 durchgef�hrten Arbeitsversuch. Ist somit davon auszugehen, dass der Beschwerdef�hrer bereits vor Beginn des Taggeldbezugs (August 2002) wegen des ein Jahr fr�her hinzugetretenen, unfallfremden Leidens nicht mehr als Kranf�hrer t�tig sein konnte, darf diese Art von Besch�ftigung nach den oben dargestellten Grunds�tzen (Erw. 3.1 hievor) nicht als Referenzt�tigkeit zur Bemessung der Arbeitsf�higkeit herangezogen werden. Es er�brigt sich also, den unter den Parteien strittigen Punkt der funktionellen Leistungsf�higkeit als Kranf�hrer zu kl�ren.
3.3 Die Beschwerdegegnerin macht geltend, der Versicherte sei ab dem 21. Januar 2003 als Maschinist an einer Betonmaschine voll einsatzf�hig gewesen; sein bisheriger Arbeitgeber habe erkl�rt, in der Lage zu sein, einen vollzeitlichen Einsatz in dieser Funktion anzubieten. Der Versicherte l�sst demgegen�ber geltend machen, die Arbeit des Maschinisten beinhalte Verrichtungen, die mit dem unfallbedingten K�rperschaden nicht zu vereinbaren seien. Bei den Akten befindet sich zu dieser Frage das Protokoll einer Befragung des Arbeitgebers vom 20. Dezember 2002. Entscheidwesentliche Punkte sind zwar grunds�tzlich in der Form einer schriftlichen Anfrage und Auskunft zu erheben. Das hier gew�hlte Vorgehen einer m�ndlichen Befragung mit Protokollierung ist nach der Rechtsprechung indessen auch zul�ssig (BGE 117 V 285 Erw. 4c). Es fragt sich h�chstens, ob darauf allein abgestellt werden durfte, da die Bedienung einer Betonmaschine nicht Gegenstand der Evaluation der funktionellen Leistungsf�higkeit in der Klinik V.________ war (vgl. den vorerw�hnten Bericht vom 24. September 2002).
Wie es sich mit dieser Frage letztlich verh�lt, kann indes offen bleiben, denn bei l�ngerdauernder Arbeitsunf�higkeit ist der Blickwinkel f�r die Bemessung der Arbeitsf�higkeit auf den allgemeinen Arbeitsmarkt auszuweiten (Erw. 3.1 hievor). Kann die Arbeitsf�higkeit im angestammten Beruf nicht mehr wiedergewonnen werden, erweist sich die versicherte Person ansonsten aber als (selbst-)eingliederungsf�hig, ist es demnach geboten, f�r die Festlegung der entsch�digungswirksamen Leistungseinschr�nkung eine andere zumutbare T�tigkeit zu ber�cksichtigen. Die entsprechende �bergangs- bzw. Anpassungsfrist betr�gt im Regelfall drei bis f�nf Monate (RKUV 2000 Nr. KV 112 S. 122; Meyer-Blaser, a.a.O., S. 40 f.). Der Umstand, dass der Arbeitgeber das Besch�ftigungsverh�ltnis per 30. November 2002 aufl�ste, hat dabei im �brigen nicht zur Folge, dass sich die Arbeitsf�higkeit nach Massgabe aller arbeitslosenversicherungsrechtlich zumutbaren Arbeiten (Art. 16 AVIG) bemisst (RKUV 2004 Nr. U 501 S. 179).
3.4 F�r die vom Versicherten geltend gemachte Annahme, der Einsatz der rechten Hand im Rahmen einer handwerklichen T�tigkeit sei ihm generell unzumutbar, bieten die medizinischen Akten insgesamt keine Grundlage. So k�nnte der Beschwerdef�hrer - aufgrund der Handgelenkbeschwerden - den Beruf des Kranf�hrers nach kreis�rztlicher Einsch�tzung vom 12. Juli 2002 ganztags aus�ben. Die eingehende ergonomische und arbeitsmedizinische Abkl�rung in der Klinik V.________ ergab ebenfalls eine volle Arbeitsf�higkeit f�r leichte bis mittelschwere, das Handgelenk schonende T�tigkeiten; die Kraft der rechten Hand sei allerdings eingeschr�nkt und deren Belastungsf�higkeit reiche nur bis zehn Kilogramm (Bericht vom 24. September 2002). Anderslautende Stellungnahmen (der Dres. B.________ vom 6. Mai 2002 sowie S.________ vom 16. August 2002) gehen augenscheinlich von einer Arbeitsunf�higkeit in einer T�tigkeit mit schwerer k�rperlicher Belastung aus. Ein im Januar 2003 durchgef�hrter Arbeitsversuch scheiterte denn auch vornehmlich wegen im Bereich von R�cken und Nacken belastungsabh�ngig eingetretener Schmerzen.
3.5 Aus dem Gesagten ergibt sich, dass der Beschwerdef�hrer in dem hier strittigen Zeitraum ab dem 20. Januar 2003 in einer dem unfallbedingten Leiden angepassten T�tigkeit vollst�ndig arbeitsf�hig war. Einsprache- und angefochtener kantonaler Entscheid bestehen daher zu Recht.