Source: https://www.admody.com/urteilsdatenbank/d29b4cd3f593/BGH_Beschluss_vom_10-November-2009_Az_VI-ZR-217-08
Timestamp: 2020-02-28 18:56:47
Document Index: 43116565

Matched Legal Cases: ['Art. 5', 'EuG', 'Art. 3', 'Art. 17', 'Art. 14', 'Art. 17', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH']

Bundesgerichtshof, Beschluss vom 10. November 2009, Az.: VI ZR 217/08
1. Ist die Wendung "Ort, an dem das schädigende Ereignis einzutreten droht" in Art. 5 Nr. 3 der Verordnung (EG) Nr. 44/2001 des Rates vom 22. Dezember 2000 über die gerichtliche Zuständigkeit und die Anerkennung und Vollstreckung von Entscheidungen in Zivil- und Handelssachen (nachfolgend: EuGVVO) bei (drohenden) Persönlichkeitsrechtsverletzungen durch Inhalte auf einer Internet-Website dahingehend auszulegen, dass der Betroffene eine Unterlassungsklage gegen den Betreiber der Website unabhängig davon, in welchem Mitgliedstaat der Betreiber niedergelassen ist, auch bei den Gerichten jedes Mitgliedstaats erheben kann, in dem die Website abgerufen werden kann, odersetzt die Zuständigkeit der Gerichte eines Mitgliedstaats, in dem der Betreiber der Website nicht niedergelassen ist, voraus, dass ein über die technisch mögliche Abrufbarkeit hinausgehender besonderer Bezug der angegriffenen Inhalte oder der Website zum Gerichtsstaat (Inlandsbezug) besteht€
Nach welchen Kriterien bestimmt sich dieser Bezug€
Kommt es darauf an, ob sich die angegriffene Website gemäß der Bestimmung des Betreibers zielgerichtet (auch) an die Internetnutzer im Gerichtsstaat richtet oder genügt es, dass die auf der Website abrufbaren Informationen objektiv einen Bezug zum Gerichtsstaat in dem Sinne aufweisen, dass eine Kollision der widerstreitenden Interessen - Interesse des Klägers an der Achtung seines Persönlichkeitsrechts und Interesse des Betreibers an der Gestaltung seiner Website und an der Berichterstattung - nach den Umständen des konkreten Falls, insbesondere aufgrund des Inhalts der beanstandeten Website, im Gerichtsstaat tatsächlich eingetreten sein kann oder eintreten kann€
Kommt es für die Feststellung des besonderen Inlandsbezugs maßgeblich auf die Anzahl der Abrufe der beanstandeten Website vom Gerichtsstaat aus an€
Ist Art. 3 Abs. 1 und 2 der Richtlinie 2000/31/EG des Europäischen Parlaments und des Rates vom 8. Juni 2000 über bestimmte rechtliche Aspekte der Dienste der Informationsgesellschaft, insbesondere des elektronischen Geschäftsverkehrs, im Binnenmarkt (nachfolgend: ecommerce-Richtlinie) dahingehend auszulegen, dass diesen Bestimmungen ein kollisionsrechtlicher Charakter in dem Sinne beizumessen ist, dass sie auch für den Bereich des Zivilrechts unter Verdrängung der nationalen Kollisionsnormen die alleinige Anwendung des im Herkunftsland geltenden Rechts anordnen, oderhandelt es sich bei diesen Vorschriften um ein Korrektiv auf materiellrechtlicher Ebene, durch das das sachlichrechtliche Ergebnis des nach den nationalen Kollisionsnormen für anwendbar erklärten Rechts inhaltlich modifiziert und auf die Anforderungen des Herkunftslandes reduziert wird€
Ordnen die genannten Bestimmungen lediglich die alleinige Anwendung des im Herkunftsland geltenden Sachrechts oder auch die Anwendung der dort geltenden Kollisionsnormen an mit der Folge, dass ein renvoi des Rechts des Herkunftslands auf das Recht des Bestimmungslands möglich bleibt€
Der französische Gesetzgeber hat die Bestimmungen über das Herkunftslandprinzip in Art. 17 Loi pour la confiance dans l'economie numerique (LCEN) umgesetzt und dort normiert, dass jeder, der einen elektronischen Handel i.S.d. Art. 14 LCEN betreibt, im Hinblick auf diese Tätigkeit dem Recht ... jenes Mitgliedstaats unterliegt, in dem er niedergelassen ist. Art. 17 LCEN lautet: L'activite definie à l'article 14 est soumise à la loi de l«Etat membre sur le territoire duquel la personne qui l'exerce est etablie, sous reserve de la commune intention de cette personne et de celle à qui sont destines les biens ou services.
Artikel 2 Abs. 4 des luxemburgischen Loi relative au commerce electronique enthält eine vergleichbare Bestimmung. Sie lautet: La loi du lieu d' etablissement du prestataire de services de la societe de l'information s«applique aux prestataires et aux services qu' ils prestent, sans prejudice de la liberte des parties de choisir le droit applicable à leur contrat.
Beschluss v. 10.11.2009
https://www.admody.com/urteilsdatenbank/d29b4cd3f593/BGH_Beschluss_vom_10-November-2009_Az_VI-ZR-217-08
<a href="https://www.admody.com/urteilsdatenbank/d29b4cd3f593/BGH_Beschluss_vom_10-November-2009_Az_VI-ZR-217-08" title="Bundesgerichtshof, Beschluss vom 10. November 2009, Az.: VI ZR 217/08">Bundesgerichtshof, Beschluss vom 10. November 2009, Az.: VI ZR 217/08</a>
[URL=https://www.admody.com/urteilsdatenbank/d29b4cd3f593/BGH_Beschluss_vom_10-November-2009_Az_VI-ZR-217-08]Bundesgerichtshof, Beschluss vom 10. November 2009, Az.: VI ZR 217/08[/URL]
<ref name=edrZL>{{cite web|title=Bundesgerichtshof, Beschluss vom 10. November 2009, Az.: VI ZR 217/08|url=https://www.admody.com/urteilsdatenbank/d29b4cd3f593/BGH_Beschluss_vom_10-November-2009_Az_VI-ZR-217-08|publisher=Admody Rechtsanwälte Aktiengesellschaft|accessdate=28. Februar 2020}}</ref>
LG Dortmund, Urteil vom 15. Januar 2016, Az.: 3 O 610/15 - BPatG, Beschluss vom 5. März 2009, Az.: 30 W (pat) 81/06 - OLG Hamm, Beschluss vom 16. Mai 2011, Az.: I-8 AktG 1/11 - BPatG, Beschluss vom 2. November 2004, Az.: 33 W (pat) 45/03 - VG Regensburg, Beschluss vom 31. Juli 2008, Az.: RO 5 S 08.1158 - BPatG, Beschluss vom 4. Mai 2004, Az.: 33 W (pat) 61/02 - BPatG, Beschluss vom 17. Juli 2000, Az.: 30 W (pat) 295/99 - OLG Köln, Urteil vom 21. Dezember 2001, Az.: 6 U 160/01 - BPatG, Beschluss vom 6. Dezember 2001, Az.: 28 W (pat) 56/00 - BGH, Beschluss vom 28. Juli 2016, Az.: AnwZ (B) 3/16