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Timestamp: 2020-05-30 12:12:33
Document Index: 308093703

Matched Legal Cases: ['§ 11', '§ 131', '§ 131', '§11', '§174', '§ 184', '§111']

01.09.2007, 04:47
Guten Abend, oder schon Morgen?
Ich habe mich gefragt, was ein Anbieter einer virtuellen, rein text basierenden Fantasie-online-Welt, den Spielern erlauben darf und ab wann er sich wie absichern sollte.
Klar ist, dass zB sexuelle Handlungen nur in nicht öffentlichen Bereichen, und auch dann nur von min. 18 Jährigen ausgeübt werden dürfen, wenn alle Beteiligten damit einverstanden sind.
Müsste der Anbieter dieser Plattform eine sichere Altersverifizierung aller Beteiligten haben bevor er dies zulassen würde,
oder könnte man durch Regeln bzw AGBs festlegen, dass die Spieler selbst zu kontrollieren haben, ob auch wirklich nur Volljährige mitschreiben oder mitlesen können?
Desweiteren würde mich interessieren, was es Volljährigen erlaubt ist, untereinander zu schreiben.
Ich beziehe mich hierbei auf heikele sexuelle Handlungen, sowie (extreme) Gewaltanwendung und/oder deren Kombination.
Und was wenn ein virtueller Charakter eines Spielers ein Tier, oder nur zum Teil eines ist ( bsp Zentaur - halb Mensch halb Pferd od. Werwolf etc. )
oder irgend ein anderes Fantasiewesen darstellt?
Wäre es günstig eine Altersverifizierung zu haben, wenn (mal ein extremes Beispiel) sich herausstellt, dass ein Zentaur eine Elbe vergewaltigt und gefoltert hat und sich später herausstellt,
dass einer der Spieler, dem einen der Charaktere gehört, doch noch keine 18 ist?
AW: MMORPG - nur Text - was erlaubt?
Prinzipiell ist immer der Betreiber verantwortlich wenn es um die Einhaltung der Rechte geht. Ein "Abwälzen" auf die Nutzer funktioniert nicht, auch nicht mit Nutzungsbedingungen oder AGB.
Und sollte sich herausstellen, das es zu strafbaren Handlungen kam, muss der Betreiber nachweisen, dass er alles unternommen hat, um a) die Gesetze einzuhalten (z.B. Jugendschutz, Strafgesetze) und b) Verstoße aufzudecken und zu verhindern.
Was genau getan werden muss legt das Gesetz nicht fest, nur das es getan werdne muss. Es liegt in der Verantwortung des Betreibers, und ausschließlich dort.
Also etwas auf die User abzuwältzen halte ich für unmöglich, schon alleine wegen der Gefahr der Willkür unter den Usern selbst. Dann wird nur noch angeschwärzt usw. wenn man irgendwen nicht mag.
Außerdem, wie soll ein Spieler, einen anderen kontrollieren können ob dieser schon volljährig ist? An der Grammatik, Rechtschreibung, Ausdruck? Gibt auch viele volljährige die das nicht wirklich beherrschen und den Eindruck eines 14. Jährigen erwecken können. Schon aus eigener Online-Erfahrung erlebt sowas.
Was bei Online-Spielen so alles an rechtlichen Problemen auftreten kann, sieht man sehr gut bei Second Life. Wo selbst durch Nutzungsbedingungen kein wirklich rechtlich sicherer Raum gegeben ist.
Ich würde, da es sich hier ja um ein "einfacheres" text basierendes Spiel handelt, einfach alles loggen. Die Logdateien würden dann entweder manuell oder per Software auf Rechtsverletzungen geprüft, wobei die Software mit einer Blacklist gefüttert wird.
So können User die gegen Rechte verstoßen schnell gefunden und gebannt werden.
Was das Alter angeht, ist es halt schwer. Sicher wäre natürlich das man erst via Perso-Check die nötigen Logins bekommt. Das geht auch schon via Online-Software, wo man die Nummer seines Ausweises eingibt und diese dann überprüft wird.
Mitgeloggt wird in ja in eigentlich allen solcher Rollenspiel-Games und User mit speziellen Rechten, wie Admis oder Mods, können auch immer, überall mitlesen oder nachlesen, und ggf eingreifen.
Also beim Thema "Jugendschutz" ist es also nicht nur Ratsam dies nicht nur durch Regeln festzulegen und den Usern aufzuerlegen, dass sie selber aufpassen müssen, mit wem sie sich abgeben,
sondern auch einen Beweis ihrer Volljährigkeit in der Hand zu haben.
Was dabei den Persoanalnummern check angeht, so wurde doch vor kurzem in einem deutschen Gericht doch gesagt, dass dies nicht ausreichen würde.
Diese Nummern werden im netzt doch an jeder Ecke hergegeben und selber sind sich auch nicht so schwer auszurechnen, da der einfache Algorithmus schon lange bekannt ist.
Wie kann man die UsK Regelung von Spielen und das Jugendschutzgesetz, in einer solchen Fantasywelt auslegen?
* (1) Wer Schriften (§ 11 Abs. 3 StGB), die grausame oder sonst unmenschliche Gewalttätigkeiten gegen Menschen oder menschenähnliche Wesen in einer Art schildern, die eine Verherrlichung oder Verharmlosung solcher Gewalttätigkeiten ausdrückt oder die das Grausame oder Unmenschliche des Vorgangs in einer die Menschenwürde verletzenden Weise darstellt,....
Soo. UsK 16 erlaubt es also, mordend durch die Gegend zu Laufen und haufenweise, auch menschliche Wesen, abzuschlachten.
Ab wann treffen sich jedoch UsK 16 und § 131 StGB?
In einer fiktiven, mittelalterlichen Fantasiewelt, in der unter anderem auch Folter und ähnliches zum Spielkonzept gehört
und es erwünscht ist, im Rollenspiel so ausführlich wie möglich zu sein.
Greift da noch UsK 16 oder tritt § 131 StGB in Kraft, sobald es vom schnellen, anonymen Massenmord, zur ausführlichen Interaktion mit einem Charakter kommt?
Und mir stelt sich noch immer die Frage.
Wenn es ab 18 auf jeden fall erlaubt ist, im Spiel jemanden zu Töten,
sind dann "harmlosere" Verbrechen nicht ebenfalls erlaubt?
Dürfen zwei 18 Jährige zb ein fiktives Vergewaltigungsszenario niederschreiben.
Was ist erlaubt wenn die Charaktere minderjährig sind (was bei nicht allen Fantasyfiguren wirklich einduetig auszulegen ist)
Geändert von Sidedis (01.09.2007 um 13:13 Uhr)
Ab dem Punkt, wo sie übereinstimmen. Strafgesetze dürfen nicht ausgelegt werden. Wenn da also steht "Schriften" sind auch Schriften gemeint - und nur die - und keine Software oder Bildschirmdarstellungen.
Richtig. Deswegen kann man sich als Betreiber darauf auch nicht berufen. man muss selbst dafür sorgen, dass die gesetzlichen Regelungen gewährleistet sind. Wie ist einem zwar selbst überlassen, ist es aber nicht sicher (wie PANummer) muss man mit entsprechenden Konsequenzen rechnen.
Das StGB zieht nur, wenn es den Tatbestand beschreibt (siehe oben).
Allerdings laufen politische Bemühungen, auch Software in das StGB aufzunehmen - immer dann verstärkt, wenn mal wieder ein "Spieler" Amok läuft ... Über den Sinn und Unsinn solcher Spiele, dem Verhalten der Politiker, den tatsächliche Reghelungen ... kann man streiten, was ich nicht tun will, aber ich bin der Meinung, man sollte Gesetze achten und das Beste daraus machen und nicht nur auf die Möglichkeiten "schielen", diese zu umgehen
Wenn da also steht "Schriften" sind auch Schriften gemeint - und nur die - und keine Software oder Bildschirmdarstellungen.
Das StGB zieht nur, wenn es den Tatbestand beschreibt
Ahm, wie jetzt genau. Als "Schriften" zählt also nicht, was man am PC lesen kann und daher ist sogut wie alles erlaubt?
Und wann ist dann "der Tatbestand beschrieben" ?
Naja das Problem bei dem "Ausreichend" ist das der Gesetzgeber immer nur sagt was NICHT ausreichend ist, aber nicht mal sagt was in seinen Augen denn ausreichend ist.
Möglichkeiten gibt es viele, aber die sind so oder so immer zu umgehen. Selbst eine beglaubigte Kopie einzuschicken kann von einem halbwegs intelligenten Kerlchen machbar sein. Sogesehen ist nichts sicher, wenn man es umgehen will, kann man es auch irgendwie.
Okay, ich übersah, dass hier ausdrücklich auf §11 Abs. 3 StGB verwiesen wird: "(3) Den Schriften stehen Ton- und Bildträger, Datenspeicher, Abbildungen und andere Darstellungen in denjenigen Vorschriften gleich, die auf diesen Absatz verweisen." Das gehört also doch mit dazu.
Ich würde auch die als relevant bezeichnen, die bestimmte Tatbestände unter Strafe stellen, die von der Form unabhängig sind. Beleidigungen, Gewalt gegen den Körper, psychische Gewalt, §§174 ff StGB (man beachte § 184c, wo bereits Computer enthalten sind) ... Stalking und Mobbing sind ja auch schon Straftatbestände - unabhängig von der Form. Oder solche wie der §111 StGB (Aufforderung zur Starftat ...).
Also ich sehe schon etliche Dinge, die verboten sind
Aso (wird gerade editiert)
Geändert von Sidedis (01.09.2007 um 14:50 Uhr)
Leider nicht immer Es gibt immer noch einige Rechtslücken im System, aber ich würde sagen, der von dir angesprochene Bereich ist weitestgehend abgedeckt.
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