Source: https://www.jugendundmedien.ch/de/themen/cybermobbing-happy-slapping.html
Timestamp: 2019-01-21 01:53:31
Document Index: 8590685

Matched Legal Cases: ['Art. 147', 'Art.179', 'Art. 173', 'Art. 174', 'Art. 122', 'Art. 135', 'Art. 24', 'Art. 25', 'Art. 11']

Cybermobbing & Happy Slapping - Jugend und Medien
Peinliche Bilder von Kollegen, gefilmte Pausenhof-Schlägereien, beleidigende, belästigende oder gar drohende Nachrichten auf Social Media-Plattformen und in Messenger-Diensten wie WhatsApp sind keine Seltenheit – Cybermobbing und Happy Slapping sind ernst zu nehmende Phänomene. Was vielleicht als kleine Hänselei beginnt, kann gravierende Folgen haben und sogar strafbar sein. Oft trauen sich die Opfer jedoch nicht, darüber zu sprechen. Deshalb ist es wichtig, Kinder früh zu sensibilisieren, Signale ernst zu nehmen und einzuschreiten, um die Gewalt zu stoppen.
der Jugendlichen in der Schweiz haben schon erlebt, dass man ihn/sie online fertigmachen wollte (JAMES-Studie 2016).
der Cybermobbingopfer belastet die Tat auch lange Zeit danach noch stark (Cyberlife II-Studie, 2017).
der Schweizer Jugendlichen haben schon mal eine gestellte Schlägerei gefilmt, 5% eine echte (JAMES-Studie 2016).
Cybermobbing ist Mobbing im virtuellen Raum. Andere Bezeichnungen sind Cyberbullying, Internetmobbing oder E-Mobbing. Dabei wird eine Person absichtlich, über eine längere Zeit immer wieder über digitale Medien schikaniert - über Messenger-Dienste wie WhatsApp, in Chatforen und über Facebook-Einträge beispielsweise.
Die Täter - der «Mob» - sind dem Opfer oft bekannt, aus der Schule, dem Quartier, einem Verein. Sie beleidigen, bedrohen oder erpressen ihre Opfer direkt oder üben psychischen Druck aus; sie verleumden, stellen bloss, verbreiten Gerüchte. Im Vergleich zum klassischen Mobbing ist es für Internet-Mobber aber leichter, anonym zu bleiben. Oft bleiben sie unerkannt. Das macht die Hemmschwelle für eine Tat tiefer, als wenn einem das Opfer direkt gegenübersteht. Virtuell kann man angreifen, ohne seinen Namen zu nennen, kann verletzen, ohne eine Gegenreaktion erwarten zu müssen.
Die Folgen können für Opfer gravierend sein: Verlust von Selbstvertrauen, Angstzustände und Depressionen. In einer deutschen Befragung von betroffenen Schülerinnen und Schülern sprachen 21 Prozent von Suizidgedanken nach der Mobbingattacke (Cyberlife II-Studie 2017). Zudem fühlen sich die Opfer nirgendwo mehr sicher, da sich die Schikanen nicht nur schnell verbreiten, sondern sie via Internet selbst in den eigenen vier Wänden erreichen. Und veröffentlichte Verletzungen im virtuellen Raum sind schwer zu entfernen, können wieder und wieder gelesen oder angeschaut werden. Dies macht es für Opfer schwer, die Taten zu vergessen und zu bewältigen, wodurch sich das subjektive Leiden noch verstärken kann.
Die Grenzen zwischen dem, was noch als Spass und was als beleidigend empfunden wird, sind fliessend. Cybermobbing beginnt dort, wo sich jemand bedrängt, belästigt und beleidigt fühlt. Jugendliche sind sich der Wirkung häufig nicht bewusst, wenn sie verletzende Bilder ins Internet stellen oder unter Freunden herumschicken. Oft wird eine solche Aktion nur als Scherz verstanden. Es gibt aber auch gezielte Handlungen, um eine Person fertigzumachen.
Ein Fünftel der Schweizer Jugendlichen wurde nach eigenen Aussagen schon einmal in Chats oder auf Facebook fertiggemacht. Etwa jede/r Achte hat schon erlebt, dass im Internet Falsches oder Beleidigendes öffentlich über ihn/sie verbreitet wurde. Dass Fotos oder Videos ohne ihre Zustimmung ins Internet gestellt wurden, kam bei einem Drittel der Jugendlichen vor (JAMES-Studie 2016). Damit von Mobbing gesprochen werden kann, müssen diese Ereignisse allerdings wiederholt stattfinden.
In einer deutschen Studie gaben 13 Prozent der Schülerinnen und Schüler zu, schon mal als Täter an Cybermobbing beteiligt gewesen zu sein. Als Grund nannten die Meisten persönliche Auseinandersetzungen mit dem Opfer. Auffallend dabei ist, dass jeder fünfte Täter sagte, selbst schon mal Opfer von Cybermobbing geworden zu sein (Cyberlife II-Studie 2017).
Was im realen Leben verboten ist, gilt auch für die digitale Welt. Zwar ist Cybermobbing - wie auch Mobbing - im Strafgesetz nicht explizit als Straftatbestand aufgeführt. Dennoch können Täterinnen und Täter zur Rechenschaft gezogen werden aufgrund der belästigenden, drohenden und demütigenden Handlungen, die bei Cybermobbing erfüllt werden:
Betrügerischer Missbrauch einer Datenverarbeitungsanlage (Art. 147)
Unbefugtes Beschaffen von Personendaten (Art.179novies)
Üble Nachrede (Art. 173)
Verleumdung (Art. 174)
Der Begriff klingt harmlos, die Tat dahinter ist es nicht. «Happy Slapping» (lustiges Draufschlagen) bezeichnet eine Form von Gewaltverhalten, die sich erst mit der Verbreitung von Handys mit integrierter Videokamera entwickelt hat: Szenen, in denen Personen geschlagen oder verletzt werden, werden von Komplizen gefilmt und anschliessend via Handy oder über das Internet veröffentlicht. Für die Opfer kommt nebst dem körperlichen Leiden die Demütigung hinzu, wenn die Gewalttat im Internet und im Freundeskreis verbreitet wird.
Wie verbreitet ist Happy Slapping?
Die Schweizer JAMES-Studie 2016 hat Jugendliche gefragt, ob sie selbst schon mal solche Videos gedreht haben. 8 Prozent gaben an, bereits eine gestellte Schlägerei gefilmt zu haben, 5 Prozent eine echte.
Die Täter fühlen sich durch die Demütigung des Opfers überlegen. Sie benutzen die Videos und deren Verbreitung in sozialen Netzwerken, um anzugeben.
Ist Happy Slapping strafbar?
Mit Happy Slapping kann man gemäss Strafgesetzbuch verschiedene strafbare Delikte begehen:
Körperverletzung (Art. 122/123)
Produktion, Besitz und Weitergabe von grausamen Gewaltdarstellungen (Art. 135)
Anstiftung (Art. 24) und Mittäterschaft (Art. 25)
Unterlassene Hilfeleistungen (Art. 11)
Einige Tipps, die Sie Ihrem Kind zum Schutz vor Cybermobbing und Happy Slapping geben können:
Auf Sicherheit und Privatsphäre achten
Immer daran denken: Wer in sozialen Netzwerken, Blogs oder Foren Angaben zu seiner Person macht oder Bilder veröffentlicht, macht sich verletzbar.
Sensibel und zurückhaltend mit persönlichen Daten umgehen.
Passwörter sicher gestalten und vor allem niemandem weitersagen.
Sichere Privatsphäre-Einstellungen verwenden.
Keine Freundschaftsanfragen von Unbekannten akzeptieren.
Auch selbst einen respektvollen Umgang (Netiquette) pflegen.
→ Sicherheit und Datenschutz
Nicht provozieren lassen: Auf Belästigungen/Beleidigungen gar nicht erst eingehen.
Sperren/Löschen/Melden: Wenn es zu Belästigungen kommt, kann die betreffende Person gesperrt werden. Sind beleidigende Fotos oder Videos veröffentlicht worden, diese soweit möglich sofort löschen oder vom Plattformbetreiber löschen lassen.
Hilfe holen und eine Vertrauensperson einbeziehen: Seien es Freunde, Eltern, Lehrpersonen, Schulsozialarbeitende oder andere nahestehende Personen. Über Telefon, Chat, SMS oder E-Mail kann man sich auch rund um die Uhr an den Beratungsdienst 147 wenden.
Und vor allem: Sich selbst keine Vorwürfe machen und nicht die Schuld bei sich suchen.
Screenshots oder Kopien der beleidigenden Nachrichten, Chats, Fotos oder Videos sind wichtig, um zeigen zu können, was genau passiert ist.
Das muss man nicht allein machen: Eltern oder eine andere Vertrauensperson können helfen.
Auch eingreifen, wenn man nicht selbst betroffen bist
Aufmerksam sein: Werden andere Opfer von Cybermobbing oder Happy Slapping?
Nicht tatenlos zusehen und schon gar nicht mitmachen. Man macht sich sogar strafbar, wenn man jemandem nicht hilft. Und die Strafmündigkeit in der Schweiz beginnt mit 10 Jahren.
Hilfe holen, um die Betroffenen zu unterstützen.
Aufmerksam sein und auf Anzeichen achten
Veränderungen wahrnehmen ist besonders wichtig, weil Opfer, Täter oder Zuschauer von Cybermobbing und Happy Slapping oft Hemmungen haben, sich mitzuteilen.
Mögliche Anzeichen: Wirkt Ihr Kind bedrückt oder auch aggressiv? Zieht es sich zurück? Hat es vermehrt gesundheitliche Probleme wie Kopf- oder Bauchschmerzen, Schlafprobleme etc.? Fällt seine Schulleistung plötzlich ab oder vermeidet es Ausflüge, Schulreisen, Lager bzw. möchte gar nicht mehr zur Schule gehen? Melden sich kaum mehr Freunde?
Verständnis zeigen: Nehmen Sie Ihr Kind ernst, gehen Sie darauf ein, was es sagt.
Offen über alles sprechen: Was weiss Ihr Kind bereits über Cybermobbing und Happy Slapping? Recherchieren Sie gemeinsam und diskutieren Sie darüber, wann Grenzen überschritten sind und wie man sich verhalten soll.
Vertrauensbasis schaffen: Machen Sie Ihrem Kind klar, dass es sich jederzeit an Sie wenden kann.
Massnahmen zum Vorbeugen ergreifen → Was sollte mein Kind beachten?
Sich selbst informieren → Weitere nützliche Infos
Im Ernstfall sofort einschreiten
Ruhe bewahren: Hören Sie aufmerksam zu und verschaffen Sie sich einen Überblick.
Bei Sofortmassnahmen helfen: Sorgen Sie dafür, dass die belästigende Person sofort gesperrt wird. Sichern Sie gemeinsam Beweismaterial mit Screenshots oder Kopien der geführten Unterhaltungen und speichern Sie Bilder ab. Löschen Sie danach - wenn möglich - alle Online-Inhalte oder lassen Sie sie von den Plattformbetreibern löschen.
Schule einbeziehen: Informieren Sie die Lehrperson Ihres Kindes oder die Schulleitung, wenn Schulkolleginnen und -kollegen involviert sind. Wägen Sie gemeinsam ab, ob bei der Polizei Anzeige erstattet werden soll. Sprechen Sie nicht selbst mit den Tätern oder deren Eltern.
Externe Hilfe holen: Mögliche Anlaufstellen sind die kantonalen Opferberatungen sowie die Schweizerische Kriminalprävention, die Erstberatungen anbietet. → Weitere nützliche Infos
Keine Vorwürfe und Verbote
Geduld haben: Opfer brauchen Zeit, um zu berichten, was ihnen passiert ist. Schaffen Sie eine Atmosphäre der Sicherheit und machen Sie Ihrem Kind deutlich, dass es keine Schuld trägt.
Handy- und Internetverbote sind nicht sinnvoll: Unterstützen Sie Ihr Kind stattdessen bei einem bewussten Umgang mit den digitalen Medien.
Und wenn mein Kind Täter ist?
Darüber sprechen: Machen Sie Ihrem Kind klar, dass sein Verhalten verletzend und allenfalls sogar strafbar ist. Versuchen Sie auch, die Beweggründe zu verstehen.
Sensibilisieren: Regen Sie einen Perspektivenwechsel an. Was, wenn es andersrum wäre? Zeigen Sie die Folgen auf und diskutieren Sie mit Ihrem Kind darüber, was zu einem respektvollen Verhalten (real und virtuell) gehört.
Konsequenzen tragen: Sprechen Sie gemeinsam darüber, wie Ihr Kind geradestehen kann. Wie kann es sich entschuldigen und sein Verhalten wiedergutmachen?
Im Ernstfall das Schweigen brechen und eine Vertrauensperson einbeziehen.
Hilfestellungen und Informationsangebote
Klicksafe-App Erste Hilfe bei (Cyber)Mobbing
Broschüre Cybermobbing - Alles was Recht ist der Schweizerischen Kriminalprävention
Broschüre My little Safebook der Schweizerischen Kriminalprävention(Fragehilfen auf S. 22)
Frage-Inputs Swisscom
Eltern-Merkblatt Pro Juventute
Informationen der Stadtpolizei Zürich
Selbsttest Swisscom
Tipps von Saferinternet.at
Flyer Jugendinfo.de
Opferberatungsstellen in der Schweiz
Geschichten aus dem Internet (BAKOM-Comics)
Broschüre Swissgamers Hilfe, meine Kinder Kleben am Bildschirm
Virtual Reality-Video von Jugend und Medien
Video-Playlist von Jugend und Medien
Videos von Feel-ok.ch
Video-Playlist von Saferinternet.at
Selbstdarstellung und Schönheitsideale
Selfies auf Instagram und Snapchat posten, sich in Videos auf YouTube präsentieren, Fotos von Freunden liken und sharen: Die Selbstdarstellung im Netz ist für Jugendliche nicht nur für die Anerkennung wichtig, sie dient auch der Identitätsbildung. Doch in der digitalen Welt wird die Wirklichkeit oftmals verzerrt und unvollständig dargestellt....
Weitere Angebote zum Thema Cybermobbing /-bullying