Source: https://www.amboss.com/de/wissen/Schwangerschaftsabbruch
Timestamp: 2020-08-12 18:40:59
Document Index: 125752122

Matched Legal Cases: ['§ 218', '§ 12', '§ 218', '§ 218', '§ 219', '§ 218', '§ 218', '§ 218', '§ 219', '§ 218', '§ 218', '§ 219', '§ 219', '§ 219', '§ 218', '§ 12', '§ 12', '§ 13', '§ 218', '§ 218', '§ 218', '§ 218', '§ 218', '§ 218', '§ 218', '§ 218', '§219', '§219', '§219', '§ 218', '§ 219', '§ 218']

Schwangerschaftsabbruch - Wissen für Mediziner
Ein Schwangerschaftsabbruch ist für die betroffene Frau eine Ausnahmesituation. Hierbei kann der Arzt/die Ärztin die Patientin unterstützen, informieren und beraten. Da es um ungeborenes Leben geht und darüber hinaus die Gesetzeslage kompliziert ist, sind bestimmte Verfahren und Fristen einzuhalten. Dies ist nötig, um der Patientin eine fundierte und überlegte Entscheidungsfindung zu ermöglichen und sich gleichzeitig nicht strafbar zu machen.
Dieses Kapitel ist ein Leitfaden für den Umgang mit einem Schwangerschaftsabbruch. Fundiertes Wissen kommt letztlich insb. den betroffenen Frauen zugute.
Daten (Stand 2017) [1]
Anzahl an Abruptiones: 101.200
<18 Jahren: 3%
18–34 Jahre: 72%
35–39 Jahre: 17%
>40 Jahre: 8%
Beratungsregelung: 96%
Medizinisch/kriminologisch: 4%
Operativ mittels Saugkürettage: 61%
Medikamentös: 21%
Institution des Vorgehens
Ambulant in gynäkologischen Praxen: 79%
Ambulant in Krankenhäusern: 18%
Der Schwangerschaftsabbruch ist ein komplexes juristisches Thema, das im Strafgesetzbuch (§§ 218–219 b) und im Schwangerschaftskonfliktgesetz (SchKG) mit dem dazugehörigen Weigerungsrecht (§ 12) abgehandelt wird. In der praktischen Umsetzung spiegelt die Gesetzeslage nicht selten einen schwer zu durchblickenden juristischen Graubereich wider. Grundsätzlich ist nach § 218 ein Schwangerschaftsabbruch rechtswidrig und wird mit einer Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit einer Geldstrafe geahndet.
Der § 218a schränkt die Strafbarkeit eines Schwangerschaftsabbruchs auf verschiedene Weisen ein. Die Art der Einschränkung ist nicht immer auf den ersten Blick einleuchtend und bedarf einer differenzierten Betrachtungsweise. Folgende Kernaussagen der Gesetzgebung sollten stets abrufbar sein:
Bis zur 12. SSW p.c. ist ein Schwangerschaftsabbruch ohne Indikation zwar rechtswidrig, bleibt aber straffrei, wenn die Schwangere danach verlangt, sich nach § 219 hat beraten lassen und der Eingriff von einem Arzt vorgenommen wird.
Zum besseren Verständnis haben wir in diesem Kapitel manche Gesetzestexte sprachlich geändert. Alle Gesetze können aber über die Website des Bundesministeriums für Justiz und Verbraucherschutz abgerufen werden.
Schwangerschaftsabbruch nach § 218 StGB [2]
Strafbarkeit: Wer eine Schwangerschaft abbricht, wird mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft
Juristischer Beginn einer Schwangerschaft ist die Nidation
In besonders schweren Fällen: Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren
Als besonders schwerer Fall gilt, wenn der Täter (bspw. der Arzt)
Absatz 4: Der Versuch ist strafbar ; die Schwangere wird nicht wegen des Versuchs bestraft [3]
Straflosigkeit des Schwangerschaftsabbruchs nach § 218a StGB [4]
Ein Schwangerschaftsabbruch ist rechtswidrig, bleibt aber straffrei, wenn gewisse Voraussetzungen erfüllt werden (Absatz 1). Er ist nicht rechtswidrig, wenn eine medizinische (Absatz 2) oder eine kriminologische (Absatz 3) Indikation vorliegt.
Absatz 1 – Beratungsregelung/ohne Indikation: Der Tatbestand des § 218 ist nicht verwirklicht, wenn folgende Voraussetzungen erfüllt werden
Die Schwangere verlangt den Schwangerschaftsabbruch und kann nachweisen, dass sie mind. drei Tage vor dem Eingriff eine Schwangerschaftskonfliktberatung in Anspruch genommen hat (nach § 219 StGB)
Absatz 2 – Medizinische Indikation: Ein Schwangerschaftsabbruch ist während der gesamten Schwangerschaft nicht rechtswidrig, wenn eine Gefahr für das Leben oder die Gefahr einer schwerwiegenden Beeinträchtigung des körperlichen oder seelischen Gesundheitszustandes der Schwangeren besteht, welche nach ärztlicher Beratung nur durch einen Schwangerschaftsabbruch abgewendet werden kann
Absatz 3 – Kriminologische Indikation: Ein Schwangerschaftsabbruch ist nicht rechtswidrig, wenn die Schwangerschaft nach ärztlicher Erkenntnis Folge einer rechtswidrigen Tat ist und der Abbruch bis zur 12. SSW p.c. erfolgt
Absatz 4 – Spätabtreibung bis zur 22. SSW p.c.: Die Schwangere ist nach § 218 nicht strafbar, wenn der Schwangerschaftsabbruch nach Beratung von einem Arzt vorgenommen worden ist und seit der Empfängnis nicht mehr als 22 Wochen vergangen sind. Das Gericht sieht von einer Strafe nach § 218 ab, wenn die Schwangere sich zum Zeitpunkt des Eingriffs in besonderer Bedrängnis (z.B. ungünstige Lebens- oder Eheverhältnisse, Bedrohung durch den Erzeuger etc.) befunden hat [5]
Bis zur 12. SSW p.c. ist ein Schwangerschaftsabbruch ohne Indikation im Rahmen der Beratungsregelung rechtswidrig, bleibt aber straffrei!
Beratung der Schwangeren in einer Not- und Konfliktlage nach StGB § 219 [6]
Absatz 1: Die Beratung
Dient dem Schutz des ungeborenen Lebens und soll sich vom Bemühen leiten lassen, die Frau zur Fortsetzung der Schwangerschaft zu ermutigen
Soll helfen, eine verantwortliche und gewissenhafte Entscheidung zu treffen
Muss beinhalten, dass ein Schwangerschaftsabbruch nur in Ausnahmesituationen in Betracht kommen kann, wenn der Frau durch das Austragen des Kindes eine Belastung erwächst, die so schwer und außergewöhnlich ist, dass sie die zumutbare Opfergrenze übersteigt
Soll durch Rat und Hilfe dazu beitragen, die Konfliktlage zu bewältigen und einer Notlage abzuhelfen
Absatz 2: Organisatorisches
Die Beratung muss durch eine anerkannte Schwangerschaftskonflikt-Beratungsstelle erfolgen
Die Beratungsstelle muss der Schwangeren nach der Beratung eine Beratungsbescheinigung ausstellen
Der Arzt, der den Abbruch der Schwangerschaft vornimmt, ist als Berater ausgeschlossen
Werbung für den Abbruch der Schwangerschaft nach StGB § 219a [7]
Absatz 1: Wer öffentlich eigene oder fremde Dienste zur Vornahme oder Förderung eines Schwangerschaftsabbruchs oder Mittel, Gegenstände oder Verfahren, die zum Abbruch der Schwangerschaft geeignet sind (unter Hinweis auf diese Eignung anbietet) ankündigt, anpreist oder Erklärungen solchen Inhalts bekannt gibt, wird mit Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft
Dies gilt nicht, wenn Ärzte oder Beratungsstellen darüber unterrichtet werden, welche Ärzte, Krankenhäuser oder Einrichtungen bereit sind, einen Abbruch vorzunehmen
Dies gilt nicht, wenn die Anpreisung von Mitteln, Gegenständen oder Verfahren, die zum Abbruch einer Schwangerschaft geeignet sind, gegenüber Ärzten oder Personen, die zum Handel mit oben genannten Mitteln, Gegenständen und Verfahren berechtigt sind oder in ärztlichen oder pharmazeutischen Fachblättern erfolgt
Dies gilt nicht, wenn Ärzte, Krankenhäuser oder Einrichtungen
Darauf hinweisen, dass sie Abbrüche vornehmen
Auf Informationen einer zuständigen Behörde, einer anerkannten Beratungsstelle oder einer Ärztekammer über einen Schwangerschaftsabbruch hinweisen
Inverkehrbringen von Mitteln zum Abbruch der Schwangerschaft § 219b [8]
Absatz 1: Wer in der Absicht, rechtswidrige Taten nach § 218 zu fördern, Mittel oder Gegenstände, die zum Schwangerschaftsabbruch geeignet sind, in den Verkehr bringt, wird mit Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft
Absatz 2: Die Teilnahme der Frau, die den Abbruch ihrer Schwangerschaft vorbereitet, ist nicht nach Absatz 1 strafbar
Absatz 3: Mittel oder Gegenstände, auf die sich die Tat bezieht, können eingezogen werden
Schwangerenkonfliktgesetz SchKG [9]
Gesetz zur Vermeidung und Bewältigung von Schwangerschaftskonflikten; hierunter fällt nach § 12 auch das Weigerungsrecht.
Weigerungsrecht § 12 SchKG [9]
Absatz 1: Niemand ist verpflichtet, sich an einem Schwangerschaftsabbruch zu beteiligen
Absatz 2: Absatz 1 gilt nicht, wenn die Frau auf keine andere Weise vor der Gefahr des Todes oder einer schweren Gesundheitsschädigung geschützt werden kann
Einrichtungen zur Vornahme von Schwangerschaftsabbrüchen § 13 SchKG [9]
Absatz 1: Ein Schwangerschaftsabbruch darf nur in einer Einrichtung vorgenommen werden, in der auch die notwendige Nachbehandlung gewährleistet ist
Absatz 2: Die Länder stellen ein ausreichendes Angebot ambulanter und stationärer Einrichtungen zur Vornahme von Schwangerschaftsabbrüchen sicher
Absatz 3: Die Bundesärztekammer führt für den Bund eine Liste der Ärztinnen und Ärzte sowie der Krankenhäuser und Einrichtungen, die Schwangerschaftsabbrüche unter den Voraussetzungen des § 218a Absatz 1 bis 3 des StGB durchführen
Die zu diesem Zweck erhobenen personenbezogenen Daten dürfen verarbeitet werden
Die Liste enthält auch Angaben über die jeweils angewendeten Methoden zur Durchführung eines Schwangerschaftsabbruchs
Die Liste wird monatlich auf Grundlage neuer Informationen aktualisiert und veröffentlicht
Die Gesetzestexte sind Inhalt der Internetpräsenz des Bundesministeriums der Justiz und dort nachzulesen.
Ohne Indikation/Beratungsregelung (§ 218a Abs. 1 StGB) [10]
Durchführung des Schwangerschaftsabbruchs innerhalb der ersten 12 SSW p.c. (14. SSW p.m.)
Abbruch muss von einem approbierten Arzt vorgenommen werden
Beratungsbescheinigung von einer anerkannten Beratungsstelle muss vorliegen und enthält
Name der Schwangeren
Inhalt der Beratung u.a.
Besprechung der Gründe
Mögliche Konsequenzen (positive und negative) bei Austragen des Kindes oder des Schwangerschaftsabbruches auf die Schwangere/den Partner/das Umfeld
Gesundheitliche Risiken aufgrund eines Abbruchs [11]
Angebot öffentlicher und privater sozialer Hilfen [11]
Dem ausführenden Arzt ist der Mitarbeiter der Beratungsstelle unbekannt
Eine Bedenkzeit von 3 Tagen nach Beratung ist obligat
Kosten sind von der Patientin selbst zu tragen
Der Abbruch ist rechtswidrig, aber straffrei (§ 218a Abs. 1 StGB)
Medizinische Indikation (§ 218a Abs. 2 StGB) [10][12]
Jederzeit möglich, wenn dadurch eine Gefahr für die seelische und/oder körperliche Gesundheit der Schwangeren abgewendet wird und ihr andere Wege nicht zugemutet werden können [12]
Der körperliche Aspekt beinhaltet die akute Lebensgefahr für die Mutter
Der seelische Aspekt beinhaltet die Unzumutbarkeit für die Schwangere, das Kind zu bekommen
Der Abbruch ist nicht rechtswidrig, daher straffrei
Der Schwangerschaftsabbruch darf nur ausgeführt werden, wenn eine schriftliche Feststellung der Indikation eines den Abbruch nicht vornehmenden Arztes vorliegt!
Kriminologische Indikation (§ 218a Abs. 3 StGB) [10]
Der Schwangerschaftsabbruch muss innerhalb der ersten 12 SSW p.c. (14. SSW p.m.) durchgeführt werden
Die Schwangerschaft ist durch Vergewaltigung oder Kindesmissbrauch entstanden
Somit liegt bei jeder Schwangerschaft unter dem 14. Lebensjahr eine kriminologische Indikation vor [13]
Keine polizeiliche Begutachtung oder Bescheinigung nötig
Ärztliche Kenntnis über den Sachverhalt ist ausreichend
Die Schwangere muss dem Arzt im Gespräch glaubwürdig erscheinen
Eine Beratung bei einer anerkannten Behörde muss nicht durchgeführt werden
Praktisches Vorgehen bei einem Schwangerschaftsabbruch
Allgemeines [10][12]
Setting: Krankenhaus oder Arztpraxis
Voraussetzung: Gewährleistete Nachbetreuung [11]
Kriminologische oder medizinischen Indikation: Vorliegen einer schriftlichen Feststellung eines den Abbruch nicht vornehmenden Arztes
Ohne Indikation/Beratungsregelung: Vorliegen der Beratungsbescheinigung, ausgestellt durch eine staatlich anerkannte Beratungsstelle
Dokumentation: Schriftliches Festhalten der einzelnen Gesprächsinhalte
Kontakt mit der Patientin [11][10]
Ruhige und sichere Atmosphäre erzeugen
Sichten der erforderlichen Bescheinigungen
Ultraschall zur Feststellung des Schwangerschaftsalters [10]
Beratung über die Erhaltung oder den Abbruch der Schwangerschaft obligat
Hinweis darauf, dass bei einem Schwangerschaftsabbruch menschliches Leben unwiderruflich zugrunde geht, ist obligat
Erläuterung und Besprechung der Gründe für den Abbruch
Anbieten aller möglichen Behandlungsmethoden ; die Patientin wählt die Behandlungsmethode
Besprechung der Kostenübernahme
Aufklärung über Ablauf und Risiken des Verfahrens (medikamentös bzw. operativ) siehe auch: Komplikationen bei medikamentösem Schwangerschaftsabbruch bzw. Komplikationen bei operativem Schwangerschaftsabbruch
Hinweis auf psychologische Betreuung oder psychosoziale Unterstützungsangebote
Siehe auch: Psychische Folgen nach Schwangerschaftsabbruch
Laborbestimmungen [11]
Chlamydien-Screening aus Urin
Vor Operationen und bei V.a. Anämie
Kleines Blutbild, Urinstatus, Kalium
Bei rückenmarksnaher Anästhesie zusätzlich
Partielle Thromboplastinzeit (PTT), Thromboplastinzeit nach Quick (TPZ), Thrombozyten
Bei medikamentösem Abbruch: Ggf. Bestimmung von β-HCG
Meldung an das statistische Bundesamt ohne Namen [9]
Verantwortlich ist der Praxisinhaber oder der Leiter eines Krankenhauses
Indikation (Beratungsregelung/medizinisch/kriminologisch)
Zahl der Kinder der Schwangeren
Dauer der jetzigen Schwangerschaft
Welches Behandlungsverfahren wurde angewandt? Gab es Komplikationen?
Bundesland der Praxis/des Krankenhauses
Staat oder Bundesland, in dem die Schwangere wohnt
Welche Arztpraxis?
Welches Krankenhaus (mit Verweildauer)?
Grundlagen [14][11]
Rein medikamentöser Abbruch bis zum 63. Tag p.m. möglich [10]
Überwachung bzw. Betreuung während der Austreibungsphase muss gewährleistet sein
Durchführung meistens mittels Progesteronrezeptor-Antagonist (Mifepriston) mit nachfolgender Weheninduktion (Prostaglandin)
Alternativ: Abbruch nur mithilfe eines Prostaglandins
Kontraindikationen: U.a. schweres Asthma, chronisches Nebennierenversagen, Überempfindlichkeit auf Mifepriston, Z.n. Sectio caesarea
Anti-D-Prophylaxe nach dem Schwangerschaftsabbruch bei Rhesus-negativen Müttern
Durchführung [14][15][10]
Bei den angegebenen Dosierungen handelt es sich um Therapievorschläge auf Basis der Empfehlungen der DGGG (Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe). Die WHO und die Fachinformation für Mifegyne bieten geringfügig abweichende Dosierungen an, die an dieser Stelle nicht abgebildet werden.
≤49. Tag
Progesteronrezeptor-Antagonist: Mifepriston
Nach 36–48 Stunden: Prostaglandin, z.B.
Misoprostol [14]
50.–63. Tag
>63. Tag
Progesteronrezeptor-Antagonist: Mifepriston [14][16]
Nach ca. 24 Stunden: Prostaglandin
Instrumentelle Nachtastung nach Ausstoßung [10]
Nach der Einnahme von Mifepriston ist der Schwangerschaftsabbruch in den meisten Fällen nicht mehr aufzuhalten. In 60–80% der Fälle kommt es auch ohne nachfolgende Gabe eines Prostaglandinderivates zum Schwangerschaftsabbruch! [14]
Komplikationen bei medikamentösem Schwangerschaftsabbruch
Infektionen wie Endometritis/Myometritis
Intrauterine Residuen
Nachsorge [14]
Kontrollultraschall nach 7–21 Tagen
Ggf. β-HCG-Kontrolle
Bei Beschwerden der Patientin (bspw. Schmerzen, nur leichte Blutung)
Ultraschall bei V.a. nicht stattgehabten Abbruch
β-HCG-Kontrolle
Operativ [16][10]
Bis zur 12. SSW p.c. (14. SSW p.m.)
Durchführung mittels Zervixpriming, gefolgt von Operation
Gespräch mit der Patientin über eine Bestattung
Zervixpriming
Präoperative Gabe von Prostaglandin
Gemeprost mind. 3 h vor Operation oder
Misoprostol 8–12 h vor der Operation
Alternativ: Progesteronrezeptor-Antagonist: Mifepriston 36–48 h vor dem Eingriff
Vorgehen bei operativem Abbruch
Bspw. mit Cefuroxim
Bei Allergie gegen Cephalosporine: Bspw. Clindamycin
Abwaschen und Abdecken des OP-Gebietes
Anklemmen der Zervix mit zwei Kugelklemmen und vorsichtiger Zug
Langsame Aufdehnung des Muttermundes mittels Hegar-Stiften
Behutsames Arbeiten aufgrund des weichen Uterus
Vorsichtiges Einführen eines Saugers und Absaugen des Abortmaterials
Bei intraoperativem V.a. intrauterine Residuen
Ggf. instrumentelle Abrasio
Ggf. Behandlung von Komplikationen intraoperativ
Vor der Ausleitung
Uterotonikum (bspw. Oxytocin )
Histologische Untersuchung des Abradates veranlassen
Komplikationen bei operativem Schwangerschaftsabbruch [12]
Häufigkeit: 1,5% der Fälle
Gerinnungsstörungen (Fruchtwasserembolie, sehr selten)
Erschwerte Konzeption nach dem Eingriff
Ein Schwangerschaftsabbruch stellt für die betroffene Frau eine Ausnahmesituation dar. Von ärztlicher Seite sollte der Betroffenen daher jegliche mögliche Unterstützung angeboten werden. Dazu zählt insb. auch der Hinweis auf Betreuungs- und Hilfsangebote von speziell ausgebildetem Fachpersonal bzw. (Selbst‑)Hilfegruppen. Die meisten Frauen sind jedoch mit ihrer Entscheidung für einen Schwangerschaftsabbruch auf längere Sicht zufrieden und bereuen diesen Schritt nicht.
Eine Reihe von Studien konnte zeigen, dass v.a. psychisch gesunde Frauen mit der notwendigen Unterstützung ihres sozialen Umfeldes auf Dauer psychisch nicht schwer erkranken. Schuldgefühle, Ängste, Wut und insb. auch Trauer treten jedoch häufiger auf und sollten zugelassen und bei Bedarf mit Unterstützung verarbeitet werden. Nur bei wenigen Frauen (oftmals mit psychischen Vorerkrankungen) kommt es zu schwerwiegenden psychischen Folgen. [17][18][19]
Mögliche psychische Folgen [20]
1. Statistisches Bundesamt: Deutsches statistisches Bundesamt, Statistik über Schwangerschaftsabbrüche im Jahre 2017. Statistisches Bundesamt. Stand März 2018. Abgerufen am 05.02.2020.
2. Strafgesetzbuch (StGB) § 218 Schwangerschaftsabbruch. Abgerufen am 17.02.2020.
3. Lothar Rimpl: Der rechtliche Schutz des Menschen vor und nach seiner Geburt. Stiftung EINE CHANCE FÜR KINDER. Abgerufen am 06.03.2020.
4. Strafgesetzbuch (StGB) § 218a Straflosigkeit des Schwangerschaftsabbruchs. Abgerufen am 17.02.2020.
5. Fachbereich für Zivil-, Straf- und Verfahrensrecht, Umweltschutzrecht, Bau und Stadtentwicklung: Regelungssystematik der §§ 218, 218a StGB. Deutscher Bundestag. Stand Dezember 2017. Abgerufen am 04.03.2020.
6. Strafgesetzbuch (StGB) §219 Beratung der Schwangeren in einer Not- und Konfliktlage. Abgerufen am 17.02.2020.
7. Strafgesetzbuch (StGB) §219a Werbung für den Abbruch der Schwangerschaft. Abgerufen am 27.02.2020.
8. Strafgesetzbuch (StGB) §219b Inverkehrbringen von Mitteln zum Abbruch der Schwangerschaft. Abgerufen am 27.02.2020.
9. Strafgesetzbuch (StGB) SchKG Gesetz zur Vermeidung und Bewältigung von Schwangerschaftskonflikten (Schwangerschaftskonfliktgesetz). Abgerufen am 27.02.2020.
10. Uhl: Gynäkologie und Geburtshilfe compact. Georg Thieme Verlag 2018, ISBN 978-3-131-07346-4.
11. Gemeinsamer Bundesausschuss (G-BA): Richtlinie des Gemeinsamen Bundesausschusses zur Empfängnisregelung und zum Schwangerschaftsabbruch. Gemeinsamer Bundesausschuss (G-BA). Stand Juni 2019. Abgerufen am 05.02.2020.
12. Beck, Woppen: Schwangerschaftsabbruch aus rechtlicher und ärztlicher Sicht. In: Der Gynäkologe. Band 31, Nummer 3, 1998, doi: 10.1007/pl00003121, S. 297–303.
13. Müller et al.: Gynäkologie und Urologie Für Studium und Praxis - 2014/15. Medizinische Vlgs- u. Inform.-Diens.. 2014, ISBN 978-3-929-85176-2.
14. PD Dr. med. Dietmar Schlembach: 218. Stellungnahme der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe zum Vorgehen beim medikamentösen Schwangerschaftsabbruch. Abgerufen am 05.02.2020.
15. World Health Organization, Department of Reproductive Health and Research: Safe abortion: technical and policy guidance for health systems. World Health Organization. Stand Januar 2012. Abgerufen am 18.03.2020.
16. Kainer et al.: Facharztwissen Geburtsmedizin. Urban & Fischer 2016, ISBN 978-3-437-23752-2.
17. Rocca et al.: Emotions and decision rightness over five years following an abortion: An examination of decision difficulty and abortion stigma. In: Social Science & Medicine. Band 248, 2020, doi: 10.1016/j.socscimed.2019.112704, S. 112704.
18. Major et al.: Psychological Responses of Women After First-Trimester Abortion. In: Archives of General Psychiatry. Band 57, Nummer 8, 2000, doi: 10.1001/archpsyc.57.8.777, S. 777.
19. Klein: So unterstützen Sie betroffene Frauen. In: MMW - Fortschritte der Medizin. Band 152, Nummer 48, 2010, doi: 10.1007/bf03367492, S. 31–36.
20. Coleman: Resolution of Unwanted Pregnancy During Adolescence Through Abortion Versus Childbirth: Individual and Family Predictors and Psychological Consequences. In: Journal of Youth and Adolescence. Band 35, Nummer 6, 2006, doi: 10.1007/s10964-006-9094-x, S. 903–911.
Folgende Kapitel sind mit dem Kapitel "Schwangerschaftsabbruch" thematisch verknüpft:
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Daten (Stand 2017)
Schwangerschaftsabbruch nach § 218 StGB
Beratung der Schwangeren in einer Not- und Konfliktlage nach StGB § 219
Schwangerenkonfliktgesetz SchKG
Ohne Indikation/Beratungsregelung (§ 218a Abs. 1 StGB)
Kontakt mit der Patientin
Meldung an das statistische Bundesamt ohne Namen