Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Text=4%20StR%20515/91
Timestamp: 2019-11-21 07:54:16
Document Index: 242927784

Matched Legal Cases: ['BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'Art. 6', '§ 141', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 141', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 138', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 213', '§ 137', 'BGH', '§ 137', 'BGH', 'BGH', 'BGH']

BGH, 06.11.1991 - 4 StR 515/91 - dejure.org
https://dejure.org/1991,803
BGH, 06.11.1991 - 4 StR 515/91 (https://dejure.org/1991,803)
BGH, Entscheidung vom 06.11.1991 - 4 StR 515/91 (https://dejure.org/1991,803)
BGH, Entscheidung vom 06. November 1991 - 4 StR 515/91 (https://dejure.org/1991,803)
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Verhinderung des Pflichtverteidigers - Aussetzung der Hauptverhandlung - Revisionsgrund - Revision - Beschränkung der Verteidigung
MRK Art. 6 Abs. 3 lit. c; StPO §§ 141, 338 Nr. 8
NJW 1992, 849
MDR 1992, 392
NStZ 1992, 247
StV 1992, 53
AnwBl 1992, 138
Dem entspricht es, dass dem Beschuldigten der Anwalt seines Vertrauens als Pflichtverteidiger beizuordnen ist, wenn dem nicht wichtige Gründe entgegen stehen (vgl. BVerfGE 9, 36 ; dieser Entscheidung folgend: BGH, StV 1992, S. 53 m.w.N.; BGHSt 43, 153 ;… OLG Düsseldorf, StV 1992, S. 9 f.;… 1991, S. 508;… 1987, S. 240 f.;… 1985, S. 450;… 1984, S. 372;… OLG Stuttgart, StV 1989, S. 521 f.;… OLG Nürnberg, StV 1987, S. 191 f.;… OLG Frankfurt, StV 1985, S. 449 f.;… 1985, S. 315;… 1983, S. 408;… OLG Saarbrücken, StV 1983, S. 362 f.;… HansOLG Bremen, StV 1982, S. 360;… OLG Zweibrücken, StV 1981, S. 288 f.;… SchlHOLG, StV 1987, S. 478 f.;… OLG Köln, StV 1990, S. 395;… OLG München, StV 1993, S. 180 f.).
Dabei sind im Rahmen der Sicherung eines ordnungsgemäßen Verfahrensablaufs das Gebot der Verfahrensbeschleunigung, insbesondere die besondere Beschleunigung in Haftsachen, sowie die Terminsplanung und Gesamtplanung des Gerichts zu berücksichtigen (…Senat, a.a.O.; BGH StV 1998, 414 ; NJW 1992, 849 ; OLG Hamburg, NStZ 1997, 203, 204; OLG Frankfurt, NStZ-RR 1996, 304, 305; OLG Düsseldorf, StV 1997, 576 ;… Meyer-Goßner, StPO 49. Aufl., § 141 Rdnr. 1 a).
In Fällen der Pflichtverteidigung erfährt dieses Recht nur insoweit eine Einschränkung, als der Beschuldigte keinen unbedingten Anspruch auf Bestellung des von ihm gewünschten Rechtsanwalts zum Pflichtverteidiger hat (BVerfGE 39, 238, 243; BGH, NJW 1992, 849).
Ein solcher Anspruch besteht nämlich dann nicht mehr, wenn der weitere Zweck des Institutes der Pflichtverteidigung, einen ordnungsgemäßen Verfahrensablauf zu sichern, im Falle der Bestellung des Verteidigers des Vertrauens zum Pflichtverteidiger nicht mehr erreicht werden könnte (BGH, NJW 1992, 849; vgl. bereits BGHSt 15, 306, 308 f).
Im Grundsatz soll dies der vom Angeklagten gewählte Verteidiger (§ 138 StPO), der Anwalt seines Vertrauens sein (BGH StV 1992, 53).
Deshalb muss das Gericht - der Vorsitzende - bei der Terminsbestimmung ernsthaft versuchen, diesem Recht des Angeklagten, sich in einem Strafverfahren von einem Rechtsanwalt seines Vertrauens verteidigen zu lassen, soweit wie möglich Geltung zu verschaffen (BGH NStZ 1999, 527; StV 1992, 53).
Wenn auch Angeklagter und Verteidiger auf eine Verlegung des Termins grundsätzlich keinen Anspruch haben, so muss der Vorsitzende doch bei der Entscheidung über den Verlegungsantrag im Rahmen pflichtgemäßen Ermessens die Interessen der Beteiligten und das Gebot der Verfahrensbeschleunigung gegeneinander abwägen (vgl. BGH, NJW 1992, 849;… Meyer-Goßner, StPO, 46. Aufl., § 213 Rdn. 7).
Die vom Amtsgericht vorgenommene Abwägung berücksichtigt indes nicht hinreichend, dass sich ein Angeklagter gem. § 137 Abs. 1 S. 1 StPO in jeder Lage des Verfahrens des Beistands eines Verteidigers bedienen darf und der auch darin zum Ausdruck kommende - im Übrigen als Ausfluss des Rechtsstaatsprinzips (vgl. BVerfGE 26, 66, 71) verfassungsmäßig verbürgte - Anspruch auf ein rechtsstaatlich faires Verfahren das Recht umfasst, sich von einem Rechtsanwalt seines Vertrauens verteidigen zu lassen (vgl. BGH, NJW 1992, 849;… Meyer-Goßner, StPO 46. Aufl. § 137 Rdn. 2 m. zahlr. Nachw. aus der Rechtspr. des BVerfG).
Ein Anspruch des Angeklagten auf Bestellung des von ihm gewünschten Rechtsanwalts zum Pflichtverteidiger beseht aber dann nicht mehr, wenn der weitere Zweck des Instituts der Pflichtverteidigung, einen ordnungsgemäßen Verfahrensablauf zu sichern, im Falle der Bestellung des Verteidigers des Vertrauens zum Pflichtverteidiger nicht mehr erreicht werden könnte (…Senat, a. a. O.; vgl. auch BGH, NJW 1992, 849 und BGHSt 15, 306, 308 f).
Jedoch muß seitens des Gerichts - u.U. auch durch Absprache mit anderen Gerichten - ernsthaft versucht werden, dem Recht des Angeklagten, sich in einem Strafverfahren von einem Rechtsanwalt seines Vertrauens verteidigen zu lassen, soweit wie möglich Geltung zu verschaffen (vgl. BGH StV 1992, 53).
OLG Hamm, 21.11.2003 - 1 Ws 366/03
LG Braunschweig, 16.12.1996 - 33 Qs 34/96
Eine die Terminsverlegung ablehnende richterliche Verfügung kann ausnahmsweise …