Source: https://www.rechtslupe.de/zivilrecht/das-ausgeuebte-vorkaufsrecht-des-mieters-und-die-miteigentuemer-3109844?pk_campaign=feed&pk_kwd=das-ausgeuebte-vorkaufsrecht-des-mieters-und-die-miteigentuemer
Timestamp: 2020-04-02 16:29:37
Document Index: 114509015

Matched Legal Cases: ['§ 577', '§ 570', '§ 577', 'BGH', 'BGH', 'BGH']

Das aus­ge­üb­te Vor­kaufs­recht des Mie­ters – und die Mit­ei­gen­tü­mer | Rechtslupe
Einem Mie­ter, der sei­ne in Woh­nungs­ei­gen­tum umge­wan­del­te Miet­woh­nung durch Aus­übung des Vor­kaufs­rechts (§ 577 BGB) erwirbt, wird dadurch unter Erset­zung der bis­he­ri­gen miet­ver­trag­li­chen Nut­zungs­rech­te eine nun­mehr dem Inhalt des Kauf­ver­trags ent­spre­chen­de Rechts­po­si­ti­on ver­schafft. Dem­ge­mäß kann sich der Woh­nungs­er­wer­ber gegen­über den ande­ren Woh­nungs­ei­gen­tü­mern grund­sätz­lich nicht auf fort­be­stehen­de Nut­zungs­be­fug­nis­se aus dem erlo­sche­nen Miet­ver­hält­nis beru­fen, die mit der Tei­lungs­er­klä­rung und der Gemein­schafts­ord­nung nicht in Deckung zu brin­gen sind.
Mit der Ein­räu­mung des Vor­kaufs­rechts im Umwand­lungs­fall (§ 570b BGB aF; § 577 BGB) hat der Gesetz­ge­ber das Ziel ver­folgt, den Mie­ter vor spe­ku­la­ti­ven Umwand­lun­gen von Miet­woh­nun­gen durch Ver­schaf­fung der Mög­lich­keit zu schüt­zen, die Woh­nung zu einem Kauf­preis zu erwer­ben, den auch ein Drit­ter für die Woh­nung zu zah­len bereit ist 4. Dem Mie­ter, der sei­ne in Woh­nungs­ei­gen­tum umge­wan­del­te Miet­woh­nung durch Aus­übung des Vor­kaufs­rechts erwirbt, soll­te daher nach den Absich­ten des Gesetz­ge­bers eine Rechts­po­si­ti­on ver­schafft wer­den, wie sie bestan­den hät­te, wenn ihm die Woh­nung unmit­tel­bar vom Ver­mie­ter zu markt­üb­li­chen, also weder bes­se­ren noch schlech­te­ren Bedin­gun­gen ange­bo­ten wor­den wäre 5.
Ver­bun­den ist die­se durch den Eigen­tums­er­werb neu begrün­de­te Rechts­po­si­ti­on aller­dings mit der Auf­lö­sung des bis dahin bestehen­den Miet­ver­hält­nis­ses und der Unter­stel­lung der künf­ti­gen Nut­zungs- und Gebrauchs­mög­lich­kei­ten unter die Tei­lungs­er­klä­rung und die Gemein­schafts­ord­nung. Dem­entspre­chend kann sich der Woh­nungs­er­wer­ber, soweit kei­ne abwei­chen­den Nut­zungs- und Gebrauchs­ab­re­den getrof­fen sind, gegen­über den ande­ren Woh­nungs­ei­gen­tü­mern nicht auf fort­be­stehen­de Nut­zungs­be­fug­nis­se aus dem ehe­ma­li­gen Miet­ver­hält­nis beru­fen, die mit der Tei­lungs­er­klä­rung und der Gemein­schafts­ord­nung nicht in Deckung zu brin­gen sind 6.
Die­ser für den jewei­li­gen Eigen­tü­mer ersicht­lich abschlie­ßend gedach­te Aus­schluss von der Nut­zung (hier: des Gar­tens) bin­det auch den Mieter/​Erwerber, den­sel­ben Bedin­gun­gen, wie sie zwi­schen dem Ver­pflich­te­ten und dem Dritt­käu­fer ver­ein­bart wor­den sind. Die bei­den Kauf­ver­trä­ge unter­schei­den sich des­halb grund­sätz­lich nur dadurch, dass an die Stel­le des Erst­käu­fers der Vor­kaufs­be­rech­tig­te tritt, der ver­trag­li­che Rege­lungs­ge­halt, wie er sich aus der Kauf­ver­trags­ur­kun­de erschließt, im Übri­gen aber unver­än­dert bleibt 7. Auf die­se Wei­se wird unmit­tel­bar über die Fest­le­gung des Ver­trags­in­halts gewähr­leis­tet, dass den Vor­kaufs­be­rech­tig­ten nach dem Inhalt sei­nes Kauf­ver­tra­ges kei­ne ande­ren Bedin­gun­gen tref­fen als die­je­ni­gen, die für den Erst­käu­fer auf­grund sei­nes Kauf­ver­tra­ges mit dem durch die Vor­kaufs­ver­pflich­tung gebun­de­nen Ver­käu­fer gegol­ten hät­ten 8.
BGH, Urtei­le vom 14.12 1995 – III ZR 34/​95, BGHZ 131, 318, 320; vom 14.07.1995 – V ZR 31/​94, WM 1995, 1996 unter – II 2; jeweils mwN; vom 28.11.1962 – VIII ZR 236/​61, WM 1963, 31[↩]
BGH, Urteil vom 14.07.1995 – V ZR 31/​94, aaO[↩]
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