Source: http://www.frag-einen-anwalt.de/Erbrecht-eines-Stiefkindes--f7476.html
Timestamp: 2016-10-22 11:45:42
Document Index: 355226244

Matched Legal Cases: ['§ 1741', '§ 1754', '§ 1924', '§ 2303', '§ 1371', '§ 1371', '§ 1371']

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Erbrecht eines Stiefkindes
20.10.2005 20:00 | Preis: ***,00 € |
Mein Vater hat mich als leibliches Kind mit in die zweite Ehe genommen. Mit meiner "Stief" Mutter hat er zwei weitere leib-liche Kinder, also meine Stiefschwester und mein Stiefbruder.
Wie sieht hier die erbfolge aus. Ein Ehevertrag besteht nicht, allerdings hat meine Stiefmutter das Haus etc. von Ihren Eltern geerbt.
Werde ich meinen Geschwistern gleichgestellt ? Was passiert, wenn mein Vater zuerst stirbt, was wenn meine Stiefmutter??
Habe ich überhaupt einen Erbanspruch? Trifft nicht Ihr Problem? Wir haben 362 weitere Antworten zum Thema:
Diese Antwort ist vom 20.10.2005 und möglicherweise veraltet. Stellen Sie jetzt Ihre aktuelle Frage und bekommen Sie eine rechtsverbindliche Antwort von einem Rechtsanwalt.
1) ERBRECHT ALS STIEFKIND
Aus Ihrer Position als „Stiefkind“ folgen zunächst einmal, dass entgegen der Annahme als Kind, also der Adoption nach den §§ 1741 ff. BGB, keine direkten erbrechtlichen Ansprüche gegen den „Stiefmutter“ bestehen.
Es verhält sich nämlich leider gänzlich anders als bei der Adoption. Hier erlangt das Kind die rechtliche Stellung eines gemeinschaftlichen Kindes der Ehegatten (§ 1754 BGB); es wird gesetzlicher Erbe erster Ordnung (§ 1924 BGB) und ist als solcher natürlich auch pflichtteilsberechtigt (§ 2303 BGB). Diese Rechte sind Ihnen leider alle verwehrt. Nicht viel weiterhelfen wird Ihnen eine gewisse unterhaltsrechtliche Privilegierung nach § 1371 Abs.4 BGB als einziges Privileg des nicht adoptierten Stiefkindes. Hier existiert zwar die eine oder andere Reformüberlegung, das geltende Recht gibt aber nicht mehr her.
2) GLEICHSTELLUNG MIT DEN „GESCHWISTERN“
Daraus folgt leider auch gleich die Antwort auf Ihre zweite Frage – Sie werden gegenüber den „Stiefgeschwistern“ NICHT gleichgestellt.
Dessen ungeachtet steht es den „Stiefeltern“ natürlich frei, Sie in einem Testament als Erben einzusetzen oder in einem Erbvertrag bedenken bzw. ein entsprechendes Vermächtnis aufsetzen. Solange dies nicht geschehen ist, bleibt es aber bei der Ausgangsantwort. Ob eine solche Änderung zu Ihren Gunsten zukünftig realistisch ist, können natürlich nur Sie beurteilen.
3) ERBKONSTELLATION BEI TOD DES LEIBLICHEN VATERS RESP. DER STIEFMUTTER
a) Falls Ihr leiblicher Vater vor der Stiefmutter stirbt, gilt mangels eines Testaments oder Ehevertrages die gesetzliche Erbfolge. Das heißt, den Vater beerben einerseits Sie, andererseits die Stiefmutter. Falls diese mit dem Vater im Güterstand der Zugewinngemeinschaft war, wovon ich nach Ihren Bericht („kein Ehevertrag“) ausgehe, erhöht sich der gesetzliche Erbteil um ein Viertel der Erbschaft, so § 1371 (Abs.1) BGB, ich zitiere:
„§ 1371 (1) Wird der Güterstand durch den Tod eines Ehegatten beendet, so wird der Ausgleich des Zugewinns dadurch verwirklicht, dass sich der gesetzliche Erbteil des überlebenden Ehegatten um ein Viertel der Erbschaft erhöht; hierbei ist unerheblich, ob die Ehegatten im einzelnen Falle einen Zugewinn erzielt haben. …“
In Ermangelung einer testamentarischen Verfügung kann die Stiefmutter in diesem Fall mit Ihrem Erbteil genauso frei verfügen, wie Sie es mit dem Ihrigen können.
b) Falls seitenverkehrt der leibliche Vater nach der Stiefmutter stirbt, erbt dieser dann wie unter Punkt 3 beschrieben von der Stiefmutter – neben deren leiblichen Kindern.
Ich bedaure, Ihnen keine bessere Auskunft erteilen zu können, hoffe aber, Ihnen mit dieser Antwort zunächst einmal weitergeholfen zu haben. Für Rückfragen stehe ich Ihnen im Rahmen der kostenlosen Nachfragefunktion von „Frag einen Anwalt“ gerne zu Verfügung.
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