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Timestamp: 2017-01-20 07:57:34
Document Index: 95744299

Matched Legal Cases: ['§ 10', '§ 12', '§ 10', '§ 12', '§ 10', '§ 12', '§ 11', '§ 15', '§ 15']

Das Seminarfach – Hinweise und Empfehlungen für die Schulen *
Quelle: Offizielle Informationen: "Das Seminarfach – Hinweise und Empfehlungen für die Schulen"
[nibis]
1. Die rechtlichen Grundlagen des Seminarfaches
2. Das inhaltliche Anliegen des Seminarfaches
3. Das methodische Anliegen des Seminarfaches
3.1 Das wissenschaftspropädeutische Arbeiten 3.2 Die grundlegenden Lern- und Arbeitsmethoden
3.3 Die Rolle der Lehrkraft und der Schülerinnen und Schüler
4. Die Leistungsfeststellung im Seminarfach
4.1 Die Mitarbeit im Unterricht
4.2 Die schriftliche Leistung
4.2.1 Das Schulhalbjahr mit Facharbeit
4.2.2 Die Schulhalbjahre ohne Facharbeit
4.3 Das Berichtsheft im Seminarfach
4.3.1 Protokollierung und Dokumentation
4.3.2 Reflexion
5. Die Organisation des Seminarfaches
5.1 Lerngruppen
5.2 Lehrereinsatz
5.3 Stundenplan
6. Themen des Seminarfaches
Abdruck aus Schulverwaltungsblatt 3/2006 S. 70
Nach der Vereinbarung der Kultusministerkonferenz zur „Gestaltung der gymnasialen Oberstufe in der Sekundarstufe II“ ist der Unterricht in der gymnasialen Oberstufe fachbezogen und fachübergreifend angelegt. Ziel des Unterrichts ist der Erwerb der Allgemeinen Hochschulreife, mit der eine vertiefte Allgemeinbildung, die allgemeine Studierfähigkeit sowie eine Einführung in wissenschaftliche Denk- und Arbeitsweisen (Wissenschaftspropädeutik) bescheinigt werden.
Der Aufbau des hierfür erforderlichen strukturierten Wissens und der hierfür erforderlichen Kompetenzen durch fachbezogenes Lernen wird unterstützt durch Lernformen, die das Erkennen von Zusammenhängen fördern und geeignet sind, auch fachübergreifende Arbeitsformen und Methoden zu vermitteln.
Mit der Einführung des Seminarfachs in der gymnasialen Oberstufe und im Kolleg, das in der Qualifikationsphase ab dem 1.8.2006 zu unterrichten ist, wird der beschriebenen Zielsetzung des Oberstufenunterrichts gesondert Rechnung getragen.
Die rechtlichen Grundlagen des Seminarfachs finden sich in der Verordnung zur gymnasialen Oberstufe (VO-GO), in der Verordnung zum Abendgymnasium und Kolleg (VO-AK), in der Verordnung über die Abschlüsse in der gymnasialen Oberstufe, im Fachgymnasium, im Abendgymnasium und im Kolleg (AVO-GOFAK) sowie in den die Verordnungen ergänzenden Erlassbestimmungen (EB), und zwar an folgenden Stellen:
- inhaltliche Gestaltung des Seminarfachs (§ 10 Abs. 2 und 5 VO-GO; § 12 Abs. 2 und 5 VO-AK),
- Organisation des Seminarfachs (§ 10 Abs. 2 Anlage 3 VO-GO, Nr. 10.5 EB-VO-GO; § 12 Abs. 2 Anlage 5 VO-AK, Nr. 12.6 EB-VO-AK),
- Facharbeit im Seminarfach (§ 10 Abs. 5 VO-GO, Nr. 10.10 EB-VO-GO; § 12 Abs. 5 VO-AK, Nr. 12.11 EB-VO-AK),
- weitere schriftliche Leistungsfeststellungen im Seminarfach (Nr. 10.11 EB-VO-GO, Nr. 12.12 EB-VO-AK),
- besondere Lernleistung und Seminarfach (§ 11 AVO-GOFAK, Nrn. 11.1 bis 11.4 EBAVO- GOFAK, § 15 Abs. 3, 5 und 7 AVO-GOFAK; Nr. 10.12 EB-VO-GO, Nr. 12.13 EB-VO-AK),
- Gesamtqualifikation und Seminarfachleistung (§ 15 Abs. 9 AVO-GOFAK).
Die Aufgabe der Schule besteht darin, von den rechtlichen Vorgaben ausgehend ein Konzept für die inhaltliche Gestaltung und organisatorische Anlage des Seminarfachs zu erstellen.
Dabei muss den Intentionen Rechnung getragen werden, die mit dem Seminarfach beabsichtigt sind. Eine sachfremde Nutzung der Seminarfachstunden etwa durch Anbindung an ein Schwerpunktfach mit dem Ziel der Unterrichtsergänzung in diesem Fach oder durch dieBindung an das Tutoriat zur Behandlung von Fragestellungen, die sich aus einem Tutoriat ergeben, ist nicht zulässig.
Nachstehend werden nähere Hinweise und Empfehlungen gegeben, die die Planungen und Beschlussfassungen der Schule mit Bezug auf das Seminarfach unterstützen und der Schule als Hilfestellung und Orientierung dienen sollen.
Damit ist forschendes und entdeckendes Lernen und Experimentieren - auch an neuen, innovativen Fragestellungen - ebenso gemeint wie die Synopsis und Deutung vorhandenen Wissens.
• das handlungsorientierte Lernen
• das selbst bestimmte, in Teilen selbst verantwortliche Lernen
Das Lernen ist auf Progression angelegt, aus der wissenschaftspropädeutische Kompetenz erwächst. Stichworte wie Selbstständigkeit und Selbstbehauptung in der Gruppe, Kommunikations- und Teamfähigkeit beschreiben diesen Prozess.
Der Unterricht im Seminarfach bedarf einer eigenen methodischen Ausrichtung und Schwerpunktsetzung.
Dabei gilt es, die im Sekundarbereich I und in der Einführungsphase erworbenen methodischen Grundlagen zu vertiefen und besonders in fächerübergreifenden Zusammenhängen zu üben. Im Hinblick auf die methodische Ausgestaltung werden drei Schwerpunkte zu beachten sein:
- das wissenschaftspropädeutische Arbeiten,
- die grundlegenden Lern- und Arbeitsmethoden und
- die Rolle der Lehrkraft und der Schülerinnen und Schüler.
3.1 Das wissenschaftspropädeutische Arbeiten
Ausgehend von den Fachmethoden, wie z. B. hermeneutische und empirische, deduktive und induktive Verfahren, experimentelle Methoden (Hypothesenbildung, Planung eines Experiments und seine Durchführung und Deutung), Analyse und Synthese, sind die Methoden zu thematisieren und zu erarbeiten, die insbesondere dem fächerübergreifenden Anliegen des Seminarfachs Rechnung tragen. Ziel sollte sein, Möglichkeiten und Grenzen fachspezifischer Methoden zu erfahren, über die angewandten Methoden kritisch zu reflektieren und sie mit anderen Methoden desselben oder eines anderen Faches zu vergleichen.
3.2 Die grundlegenden Lern- und Arbeitsmethoden
- Ergebniserstellung und -bewertung,
- Ergebnispräsentation.
Informationsbeschaffung: Hierzu sind zielgerichtet und effizient Informationen zu gewinnen, d. h. relevante und für das entsprechende Fachthema einschlägige Hilfs- und Informationsquellen (z. B. Bibliothek, Internet, Interview) zu nutzen. Exemplarisch seien hier genannt:
Entwicklung von Suchstrategien, Exzerpieren oder zielgerichtetes Notieren.
Ergebniserstellung und -bewertung: Fragestellungen werden mit geeigneten Methoden wie Analyse, Synthese, Experiment, Assoziierung, Abstrahierung, Deduktion und Induktion bearbeitet.
Die Ergebnisse werden einer Bewertung unterzogen. Sie werden gemäß wissenschaftlicher Formalia dargestellt.
Die Anlage und die Gestaltung des Unterrichts durch die Lehrkraft sowie die Schülerinnen und Schüler müssen dem spezifischen Charakter des Seminarfaches angemessen Rechnung tragen. Das Fach erfordert noch mehr als der sonstige Unterricht in der Qualifikationsphase die aktiv den Unterrichtsprozess mitgestaltenden, selbstständig und eigenverantwortlich agierenden Schülerinnen und Schüler. Es gilt, die Bereitschaft zu fördern, den eigenen Lernprozess zu reflektieren, im Team zu arbeiten, die Kommunikations- und die Kooperationsfähigkeit zu erweitern und zu vertiefen. Es gilt weiterhin, sich dem Anspruch einer Aufgabe zu stellen und eine sachbezogene Diskussions- und Streitkultur zu entwickeln. Zur Sachkompetenz tritt damit gleichwertig die Selbst- und Sozialkompetenz.
Seitens der Lehrkraft ist eine stärkere Zurücknahme erforderlich als sonst im Fachunterricht üblich. Sie wird für die zu Unterrichtenden eigenständige Lern- und Arbeitsprozesse initiieren sowie die Lernprozesse begleiten bzw. korrigieren. Sie steht den Lernenden zur Verfügung im Sinne der
- Konsultation,
- Unterstützung bei auftretenden Hindernissen,
- Kontaktaufnahmen zu außerschulischen Institutionen.
In der Konsequenz wird die Unterrichtsgestaltung deutlich geprägt sein von
- Zieldiskussionen,
- Arbeitsprozessdiskussionen und Lernhilfen, die Erarbeitungs- und Lösungsansätze bewusst machen und zur Präzisierung eigener Vorstellungen anleiten,
- Ergebnisdiskussionen.
Wie auch in den Fächern erfolgt die Leistungsfeststellung durch schriftliche Arbeiten und durch die Bewertung der Mitarbeit im Unterricht.
Die Mitarbeit im Unterricht wird in den Ergänzenden Bestimmungen zu den entsprechenden Verordnungen näher beschrieben. Für das Seminarfach bieten sich weitere Möglichkeiten an, die den besonderen Charakter dieses Faches betonen. Beispiele können sein:
- Mitarbeit im Team (Aufnahme von Ideen und Vorstellungen anderer Teammitglieder; Geben eigener Impulse zum Erreichen einer Gemeinschaftsleistung),
Den vielfältigen didaktischen und methodischen Dimensionen des Seminarfaches steht ein ebenso großes Spektrum von Bewertungsgrundlagen und -formen im schriftlichen Bereich gegenüber.
Zu unterscheiden ist hierbei zwischen dem Schulhalbjahr, in dem die Facharbeit geschrieben wird, und den übrigen Schulhalbjahren.
In diesem Schulhalbjahr stellt die Facharbeit die schriftliche Leistungsüberprüfung dar, sie geht mit einem Anteil von 50% in die Gesamtbewertung ein (Nr. 10.10 EB-VO-GO; Nr. 12.11 EB-VO-AK). Grundlage der Bewertung der Facharbeit sind deren formale Anlage, die methodische Durchführung sowie die inhaltliche Bewältigung des Themas und die Präsentation.
Auf die folgenden Abschnitte der Hinweise und Empfehlungen zur Facharbeit wird hingewiesen:
Betreuung der Facharbeit durch die Lehrkräfte, Formvorschriften und Aufbau, Bewertung und Beurteilung, Versäumnis und Unfallversicherung (SVBl. 1/1998 S. 24 ff).
Im Seminarfach treten an die Stelle von Klausuren gleichwertige Feststellungen von Schülerleistungen (Nr. 10.11 EB-VO-GO; Nr. 12.12 EB-VO-AK). Diese anderen Leistungsnachweise müssen mit den allgemeinen Anforderungen an eine Klausur vergleichbar sein; ein schriftlicher Teil ist unverzichtbar. Abweichend hiervon kann ggf. auf den schriftlichen Teil bei der fachpraktischen Aufgabe verzichtet werden.
In einer möglichen Halbjahresfolge bietet sich für den jeweiligen schriftlichen Teil an im - ersten Schulhalbjahr: Anfertigen einer schriftlichen Hausarbeit als eigenständige, individuelle Leistung, weil das erste Schulhalbjahr durch Wiederholung und Vertiefung der Methodenkenntnisse bestimmt wird.
- zweiten Schulhalbjahr: Anfertigen einer Facharbeit, weil die Anlage des Seminarfachs davon ausgeht, dass die Facharbeit als Einzel- oder Gruppenarbeit in der Regel erst im zweiten Schulhalbjahr angefertigt werden kann.
- dritten Schulhalbjahr: Durchführung z. B. eines Projekts, einer fachpraktischen Arbeit, eines Experiments mit schriftlicher Dokumentation und Präsentation, in der Regel als Gruppenarbeit, weil im dritten Schulhalbjahr besonders Wert auf Team- und Präsentationsfähigkeit gelegt werden kann. Hierbei können Präsentation und Verteidigung der eigenen Arbeit in Form eines Kolloquiums im Rahmen der Lerngruppe oder auch einer größeren Schulöffentlichkeit geeignet sein.
- vierten Schulhalbjahr: Bewertung eines über den Gesamtzeitraum von vier Schulhalbjahren geführten Begleit- oder Berichtsheftes zur Reflexion und Dokumentation des eigenen Lernfortschrittes; im vierten, häufig zeitlich sehr eng angelegten Schulhalbjahr könnte der Schwerpunkt der Bewertung in der kritischen Reflexion des Lernzuwachses liegen. Hat dieses Heft in den ersten drei Schulhalbjahren den Charakter eines Protokolls, so erfolgt die kritische Reflexion als Rückblick im Rahmen des vierten Schulhalbjahres.
Beispiele für andere gleichwertige Feststellungen von schriftlichen Schülerleistungen könnten sein:
- Ausarbeiten eines Referats in selbst gewählter schriftlicher Form zu einem selbst gewählten Thema mit einem daran anschließenden freien mündlichen Vortrag;
- fachpraktische Aufgabe, ggf. auch ohne schriftlichen Teil;
- vergleichbare Leistungen, die an außerschulischen Lernorten (z. B. Betrieb, Hochschule) erbracht werden, wobei die Verantwortung für die Beurteilung so erbrachter Leistungen auch hier stets bei der das Seminarfach unterrichtenden Fachlehrkraft liegt.
Weitere Möglichkeiten können durch die Schulen entsprechend ihrer personellen und organisatorischen Situation entwickelt werden. Die Fachkonferenzen beschließen in Abstimmung untereinander die Einzelheiten und koordinieren die fächerübergreifenden und fächerverbindenden Aspekte. Grundsätze beschließt die Gesamtkonferenz.
Die Fachlehrkraft ist verantwortlich für die schriftliche Leistungsfeststellung, und bewertet und beurteilt die Gesamtleistung der Schülerin oder des Schülers. Sie achtet darauf, dass die schriftlichen Leistungen in verschiedenen Formen erbracht werden. Die so erbrachte Leistung geht mit 50% in die Gesamtbewertung des Schulhalbjahres ein.
Für die Bewertung und Beurteilung von Hausarbeiten und weiteren schriftlichen Arbeiten können die Maßstäbe herangezogen werden, die im Schulverwaltungsblatt zur Facharbeit entwickelt und dargelegt worden sind (SVBl. 1/1998 S. 25 ff).
Die Schule kann beschließen, dass die Schülerinnen und Schüler im Seminarfach ein Berichtsheft führen. Dieses Heft dient der Protokollierung, Dokumentation und Reflexion sämtlicher Aktivitäten im Seminarfach.
- Anfertigung von kurzen Protokollen von Unterrichtsstunden,
- Protokollierung der Konsultationen (Lehrkräfte, außerschulische Personen),
- Berichte über Planung und Fortgang von Facharbeit, Projekt usw.,
- Einträge über Aufgabenverteilungen bei Team- bzw. Partnerarbeit,
- Darstellung von außerschulischen Aktivitäten,
- Auflistung von Quellen und Hilfsmitteln,
- Dokumentation der Termingestaltung und des Zeitmanagements.
- Kritische Reflexion und Überprüfung der Vorgehensweisen und Ergebnisse,
- Diskussion möglicher Alternativen,
- Zukunftsrelevanz.
Steht in den ersten drei Schulhalbjahren die Protokollierung und Dokumentation im Vordergrund, so erfolgt im vierten Schulhalbjahr eine zusammenfassende kritische Reflexion der Aktivitäten im Seminarfach. Die schriftliche Abfassung dieser Reflexion kann als schriftliche Leistung im Seminarfach des vierten Schulhalbjahres bewertet werden, sofern eine Vergleichbarkeit mit den schriftlichen Leistungsanforderungen in den anderen Schulhalbjahren sichergestellt wird. Das Heft kann auch in digitaler Form geführt werden, wobei die datenschutzrechtlichen Bestimmungen zu beachten sind.
Die in Schwerpunkten organisierte Qualifikationsphase der gymnasialen Oberstufe bietet die Möglichkeit, die Seminarfachlerngruppe mit denjenigen Schülerinnen und Schülern zu bilden, die den gleichen Schwerpunkt gewählt haben. Diese Schülerinnen und Schüler haben vergleichbare Motivationen und Lernhorizonte, so dass auf vergleichbarem und bekanntem Kenntnisfundament der Fächerübergriff realisiert werden kann und sich gleichzeitig fachübergreifende curriculare Ergänzungen und Ausweitungen des gewählten Schwerpunkts ergeben. Das Seminarfach kann darüber hinaus den Gedanken unterstützen, feste Lerngruppen zu stärken. Bei einer solchen Zuordnung sollte das Seminarfach von denselben Schülerinnen und Schülern für die gesamte Zeit der Qualifikationsphase gewählt werden. Je nach Anlage des Seminarfachs kann nach einem Schuljahr die Seminarfachlehrkraft jedoch wechseln.
Möglich ist allerdings auch, dass das Seminarfach schwerpunktübergreifend angeboten und organisiert wird. Im Vordergrund steht dabei die Anwahl des Seminarfachs nach Schülerinteresse und -neigung. Das Thema ist grundsätzlich schwerpunktunabhängig und kann von Schulhalbjahr zu Schulhalbjahr wechseln. Bei einer solchen Zuordnung sollte die Schüleranwahl aber für ein Schuljahr gelten und sollte die Lehrkraft ebenfalls mindestens ein Schuljahr lang in dem Fach unterrichten, um eine gewisse Kontinuität sicherzustellen.
Da das Seminarfach zunächst keiner Bezugswissenschaft zuzuordnen ist, aus der sich unmittelbar ein inhaltliches Curriculum herleitet, kann es grundsätzlich von jeder Lehrkraft unterrichtet werden. Es ist aber empfehlenswert, für den Unterrichtseinsatz im Seminarfach diese Lehrkräfte in einer Arbeitsgruppe zusammenzuführen, in der zusätzliche Absprachen getroffen werden (z. B. thematische und methodische Gestaltung, schriftliche Leistungen in den verschiedenen Schulhalbjahren und ihre Vergleichbarkeit, außerschulische Lernorte).
Den Lehrkräften sollte im Rahmen der schulinternen Lehrerfortbildung Gelegenheit gegeben werden, sich mit dem Thema Seminarfach zu befassen.
Sofern das Seminarfach einem Schwerpunkt zugeordnet wird, kann es sinnvoll sein, die Seminarfachstunden stundenplanmäßig in einen zeitlichen Zusammenhang mit Schwerpunktfächern zu bringen. Dadurch kann ein Zeitrahmen gewonnen werden, der es ermöglicht, auch umfangreiche Vorhaben in den Vormittag zu integrieren. Eine solche Zuordnung entfällt bei einer schwerpunktübergreifenden Organisation des Seminarfachs.
Die Seminarfachstunden können zeitweise auch am Nachmittag oder am Wochenende geblockt werden. Diese Organisationsform eröffnet zusammenhängende Arbeitszeiten, in denen komplexe Vorhaben durchgeführt werden können.
Eine Parallelisierung der Seminarfachstunden erleichtert Exkursionen, Formen der inhaltlichen und methodischen Modularisierung sowie lerngruppenübergreifende Veranstaltungen (z. B. Kolloquien).
Folgende Themen, die sich auf ein Schulhalbjahr beziehen und mit einem Schwerpunkt oder mehreren Schwerpunkten und mit einem Fach oder mehreren Fächern in Verbindung gebracht werden können, werden an dieser Stelle beispielhaft aufgeführt und vorgeschlagen:
- „Zonenkinder“; Kindheit und Jugend in der DDR – eine Dokumentation
Analyse zeitgenössischer Medien, Interwiews mit Zeitzeugen, autobiographische Literatur, z. B. Jana Hensel, Claudia Rusch.
Politik-Wirtschaft, Geschichte, Deutsch
- Berühmte Harzwanderer unterwegs
Goethe, Heine o. a.; das Gelesene in Beziehung setzen zu Landschaft, Kartenstudium, Kartenerstellung
- Probleme mit der lingua franca - Wie verändern sich die Sprachen?
Verwendung von Sprache, Sprache als Wissenschaftssprache, wechselseitige Durchdringung von Sprache, Bedeutungswandel.
- Gedichtwerkstatt
Von einem Pool von Gedichten ausgehend, die thematisch verbunden sind oder eine Epoche charakterisieren, Analysen erstellen, Gedichte selbst produzieren, ausstellen und vortragen (mögliches
Gruppenprojekt).
Deutsch, Fremdsprachen, Geschichte, Musik
- Feldforschung Sprache
Regionale Dialekte oder Jugendsprache verschiedener sozialer Gruppen werden untersucht (Interview, Befragung, Erstellung eines Wörterbuchs, Landkarte); linguistisch-etymologische Forschungsergebnisse werden erarbeitet.
Deutsch, Geschichte, Politik-Wirtschaft
- Die Illusion, informiert zu sein
Neben der theoretischen Analyse der Medienlandschaft geht es um produktive Erfahrungen mit Medien und die Erprobung von Medienwirkungen.
Deutsch, Politik-Wirtschaft, Kunst, Musik
- Verfilmung von Literatur
Untersuchen von Literaturverfilmungen; Erleichterung des Zugangs zu produktionsorientierten Aneignungsformen.
Deutsch, Fremdsprachen, Politik-Wirtschaft, Kunst, Musik
- Mythos und Mythologie – ihre Bedeutung heute
Kennen wichtiger Mythen und / oder Mythenkreise; Vergleich und Wirkungsgeschichte.
Deutsch, Geschichte, Religion, Philosophie
- Vom Plan zum Bau
Analyse eines regionalen Bauvorhabens von der Planung über das Bauen zur Fertigstellung; Probleme moderner Architektur und Siedlungsentwicklung.
Erdkunde, Politik-Wirtschaft, Kunst
- Regionaler Strukturwandel
Wirtschaftliche bzw. infrastrukturelle Situation eines Heimatbereichs oder einer Heimatregion (Untersuchung, Analyse, Darstellung).
Geschichte, Wirtschaftslehre, Erdkunde, Politik-Wirtschaft
- Von Darwin zu Dawkins
Paradigmenwechsel in der modernen Evolutionsforschung.
Geschichte, Werte und Normen, Biologie
- Die Idee von Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit
politische, philosophische, religiöse, soziale Einflüsse in der Verfassungsgeschichte, Kulturverständnis,
Idee „Europa“.
Fremdsprachen, Geschichte, Politik-Wirtschaft, Philosophie, Religion
- Migranten – Wanderer zwischen Welten
Flüchtlingsproblematik, Ausländerrecht, Asylverfahren, Integrationskonzepte.
Fremdsprachen, Geschichte, Politik-Wirtschaft
- Chancen und Risiken gentechnisch veränderter Lebensmitteln
untersucht und bewertet unter biologischen, ethischen und politisch-rechtlichen Aspekten.
Biologie, Werte und Normen, Politik-Wirtschaft
- „Öko-Bauer“ vs. „Gen-Bauer“
Vergleich beider Systeme, Vorteile, Nachteile, Zukunftsaspekte.
Biologie, Politik-Wirtschaft, Werte und Normen
- Die Energievorräte –was kostet uns die Zukunft?
Lagerstätten, Förderung, Verbrauch und Preisbildung – Alternativen.
Chemie, Biologie, Politik-Wirtschaft, Erdkunde
- Mit der Sonne auf Wachstumskurs
Chancen solarthermischer und photovoltaischer Anlagen.
Physik, Erdkunde, Politik-Wirtschaft
- Steuert unser Klima auf eine globale Katastrophe zu?
Analytische Untersuchungsmethoden zu Störung der Atmosphäre (Erwärmung, Photochemie, Ozonabbau), Ursachen und Folgenabschätzung.
Physik, Chemie, Erdkunde, Politik-Wirtschaft
- Nährstoffe und Düngung – die Verantwortung der Landwirtschaft
Boden und -fruchtbarkeit, Nährstoffe, Dünger, Umweltfaktoren, Schadstoffabbau.
- Schadstoffe und Schadstoffentsorgung
Chlorchemie und Recycling: Probleme technischer Herstellungsverfahren und Methoden / Verfahren der Entsorgung.
Chemie, Biologie, Politik-Wirtschaft
- Schwingungen und Schwebungen
Schwingungsfrequenzen, relevante physikalische Größen, Musikinstrumente.
Physik, Mathematik, Musik
- Große Wissenschaftler – Ideen verändern die Welt
Die Wirkung großer wissenschaftlicher Entdeckungen und technischer Erfindungen.
Biologie, Chemie, Physik, Geschichte, Politik-Wirtschaft
- Geist und Natur
Menschliches Selbstverständnis und Hirnforschung, Freiheit und Notwendigkeit.
Biologie, Psychologie, Religion, Philosophie
- Fundament vs. Fundamentalismus
Theorien und Ideen vs. Ideologien, Religion vs. religiöser Fundamentalismus - exemplarische Untersuchung der Wirkmechanismen.
Geschichte, Religion, Philosophie, Werte und Normen, Politik-Wirtschaft
* Die „Hinweise und Empfehlungen für die Schulen“ wurden von einer vom Niedersächsischen Kultusministerium eingesetzten Arbeitsgruppe erarbeitet, der folgende Personen angehörten: MR Bade, Hannover; RD’in Bergmann, Hannover; StD Braun, Hildesheim; OStD Dziomba, Braunschweig; LRSD Gottschalk, Hannover; GSD’in Grewe, Osnabrück; OStD Hartmann, Celle; StR Dr. Petri, Braunschweig; LRSD’in Reimers, Lüneburg; RD’in Reineke, Hannover; OStD Ranke, Osnabrück; OStD Sassen, Wolfsburg; OStD Schönbrunn, Oldenburg; OStD Dr. Weghöft, Nienburg; OStD Weiß, Gifhorn.
Es ist beabsichtigt, die „Hinweise und Empfehlungen“ fortzuschreiben, sofern die Erfahrungen mit dem Seminarfach in den Schulen dies erforderlich machen.
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