Source: http://m.hensche.de/Befristung_Sachgrund_vor_Befristung_mit_Sachgrund_ist_Prognose_des_Arbeitgebers_erforderlich_LAG_Berlin-Brandenburg_19Sa989-11-u.html
Timestamp: 2017-03-27 20:31:30
Document Index: 288481429

Matched Legal Cases: ['§ 6', '§ 1', '§ 14', '§ 14', '§ 6', '§ 14', '§ 14', '§ 14', '§ 14', '§ 14', '§ 14', '§ 14', '§ 5', 'EuG', '§ 6', '§ 6', '§ 6', '§ 1', '§ 2', '§ 44', '§ 6', '§ 1', '§ 6', '§ 14', '§ 14', '§ 63', '§ 14', '§ 14', '§ 91', '§ 72']

HENSCHE Arbeitsrecht: 19 Sa 989/11
Befristung, Sachgrund
19 Sa 989/11
Arbeitsgericht Neuruppin, Urteil vom 9.03.2011, 5 Ca 1924/10
Verkündet am 20.09.2011 Geschäfts­zei­chen (bit­te im­mer an­ge­ben) 19 Sa 989/11
5 Ca 1924/10Ar­beits­ge­richt Neu­rup­pin M.als Ur­kunds­be­am­ter/in der Geschäfts­stel­le Im Na­men des Vol­kes
hat das Lan­des­ar­beits­ge­richt Ber­lin-Bran­den­burg, 19. Kam­mer, auf die münd­li­che Ver­hand­lung vom 12. Ju­li 2011 durch den Vor­sit­zen­den Rich­ter am Lan­des­ar­beits­ge­richt Dr. R. als Vor­sit­zen­den so­wie die eh­ren­amt­li­chen Rich­ter Frau P. und Frau Z.
für Recht er­kannt: I. Auf die Be­ru­fung des be­klag­ten Land­krei­ses wird das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts Neu­rup­pin vom 09.03.2011 – 5 Ca 1924/10 – ab­geändert und die Kla­ge ab­ge­wie­sen.
II. Die Kos­ten des Rechts­streits trägt die Kläge­rin.
III Die Re­vi­si­on wird nicht zu­ge­las­sen.
Dr. R. P. Z.
Die Par­tei­en strei­ten über die Be­en­di­gung ih­res Ar­beits­verhält­nis­ses zum 31.12.2010 auf­grund Be­fris­tung im Ände­rungs­ver­trag vom 11.01.2007.
Die Kläge­rin war bei dem be­klag­ten Land­kreis auf­grund ei­nes ers­ten be­fris­te­ten Ver­tra­ges vom 31.01.2005, auf des­sen In­halt Bl. 8 und 9 d. A. Be­zug ge­nom­men wird und für den der Zeit­punkt der Un­ter­schrifts­leis­tung zwi­schen den Par­tei­en strei­tig ist, bis zum 31.01.2007 und ei­nes wei­te­ren be­fris­te­ten Ände­rungs­ver­tra­ges vom 11.01.2007, auf des­sen In­halt Bl. 10 und 11 d. A. Be­zug ge­nom­men wird, bis zum 31.12.2010 als Fall­ma­na­ge­rin und persönli­che An­sprech­part­ne­rin im Amt für Ar­beits­markt zur Erfüllung der Auf­ga­ben der Grund­si­che­rung für Ar­beits­su­chen­de tätig. In Ab­schnitt 1 des Ände­rungs­ver­trags heißt es u. a.:„Die Erfüllung von Auf­ga­ben der Grund­si­che­rung für Ar­beits­su­chen­de durch den Land­kreis OPR gemäß § 6a Abs. 5 SGB II vom 24.12.2003 ist be­fris­tet bis zum 31.12.2010 (§ 1 Abs. 2 Kom­trZV vom 24.09.2004). Die Be­fris­tung des Ar­beits­verhält­nis­ses er­folgt da­her auf der Grund­la­ge von § 14 Abs. 1 Zif­fer 1, 4, 7 Tz­B­fG.“
Mit ih­rer beim Ar­beits­ge­richt Neu­rup­pin am 21.12.2010 ein­ge­gan­ge­nen Kla­ge be­gehr­te sie die Ent­fris­tung ih­res Ar­beits­verhält­nis­ses. Sie mein­te, sie ste­he in ei­nem un­be­fris­te­ten Ar­beits­verhält­nis we­gen der ver­späte­ten Un­ter­zeich­nung des ers­ten Ar­beits­ver­tra­ges, we­gen der feh­ler­haf­ten Be­tei­li­gung des Per­so­nal­rat – un­strei­tig hat der Per­son­rat dem Ab­schluss des be­fris­te­ten Ar­beits­ver­tra­ges am 10.01.2007 zu­ge­stimmt – und der feh­len­den Vor­aus­set­zun­gen des Teil­zeit­be­fris­tungs­ge­setz­tes. Mit Ur­teil vom 09.03.2011 hat das Ar­beits­ge­richt fest­ge­stellt, dass das Ar­beits­verhält­nis auf­grund der Be­fris­tungs­ab­re­de vom 11.01.2007 nicht mit Ab­lauf des 31.12.2010 auf­gelöst wor­den ist und hat den be­klag­ten Land­kreis an­trags­gemäß wei­ter ver­ur­teilt, die Kläge­rin bis zum recht­kräfti­gen Ab­schluss des Be­stands­schutz­ver­fah­rens wei­ter zu beschäfti­gen. Auf den wei­te­ren erst­in­stanz­li­chen Tat­be­stand so­wie die Ent­schei­dungs­gründe wird Be­zug ge­nom­men (vgl. Bl. 80 – 86 d. A.).
Ge­gen das dem be­klag­ten Land­kreis am 04.04.2011 zu­ge­stell­te Ur­teil hat er am 04.05.2011 Be­ru­fung ein­ge­legt und die­sem am 18.05.2011 ge­genüber dem Lan­des­ar­beits­ge­richt be­gründet.
Er wen­det sich aus Rechts­gründen ge­gen die an­ge­foch­te­ne Ent­schei­dung und meint, dass die Be­fris­tung gemäß § 14 Abs. 1 Nr. 1 Tz­B­fG bzw. Nr. 7 Tz­B­fG rechts­wirk­sam be­frist wor­den sei. Im Übri­gen sie das Ar­beits­verhält­nis durch den Ände­rungs­ver­trag auf ei­ne neue recht­li­che Grund­la­ge ge­stellt wor­den, so dass es un­er­heb­lich sei, wann der ers­te be­fris­te­te Ar­beits­ver­trag un­ter­zeich­net wor­den sei; im Übri­gen wer­de der kläge­ri­sche Vor­trag zur Un­ter­zeich­nung be­strit­ten. Die Be­tei­li­gung des Per­so­nal­rats sei ord­nungs­gemäß, der Per­so­nal­rat ha­be der Verlänge­rung des Ver­tra­ges zu­ge­stimmt. Die Un­wirk­sam­keit der Be­fris­tung er­ge­be sich auch nicht aus der vorläufi­gen Wei­ter­beschäfti­gung der Kläge­rin; die­se sei er­folgt, um ei­ne dro­hen­de Zwangs­voll­stre­ckung aus dem erst­in­stanz­li­chen Ur­teil ab­zu­wen­den. Die Kläge­rin ha­be in­so­weit ih­re vorläufi­ge Wei­ter­beschäfti­gung vom be­klag­ten Land­kreis ge­for­dert.
Der be­klag­te Land­kreis be­an­tragt, das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts Neu­rup­pin ab­zuändern und die Kla­ge ab­zu­wei­sen.
Sie wie­der­holt und ver­tieft ih­ren erst­in­stanz­li­chen Sach­vor­trag. Zur Zeit des Ab­schlus­ses des letz­ten be­fris­te­ten Ar­beits­ver­tra­ges hätten kei­ne kon­kre­ten An­halts­punk­te vor­ge­le­gen, auf­grund de­rer mit Si­cher­heit zu er­war­ten ge­we­sen wäre, dass nach Ab­lauf der Be­fris­tung kein dau­er­haf­ter Be­darf an der Beschäfti­gung der Kläge­rin be­ste­he. Es ha­be le­dig­lich ei­ne bloße Un­si­cher­heit für den beschäfti­gen­den Ar­beit­ge­ber be­stan­den. Die ge­setz­li­che Ex­pe­ri­men­tier­klau­sel in § 6a Abs. 5 SGB II rei­che nicht aus. Die Dau­er der Ex­pe­ri­men­tier­pha­se von 5 Jah­ren spräche für die An­sicht der Kläge­rin. Auch lägen die Vor­aus­set­zun­gen von § 14 Abs. 1 Nr. 7 Tz­B­fG nicht vor. Die Kläge­rin ha­be zum Zeit­punkt des Ab­schlus­ses des Ände­rungs­ver­tra­ges be­reits in ei­nem un­be­fris­te­ten Ar­beits­verhält­nis ge­stan­den, weil die Un­ter­zeich­nung des ers­ten Ver­tra­ges nach Ar­beits­auf­nah­me er­folgt sei. Auch ha­be die Kläge­rin auf die Fort­set­zung des Ar­beits­verhält­nis­ses ver­traut, im Übri­gen ergäbe sich die Un­wirk­sam­keit der Be­fris­tung aus der feh­ler­haf­ten Mit­be­stim­mung des Per­so­nal­rats. Sch­ließlich wer­de die Kläge­rin wei­ter­beschäftigt, oh­ne dass hier­zu ei­ne schrift­li­che Ver­ein­ba­rung gemäß § 14 Abs. 4 Tz­B­fG ab­ge­schlos­sen wor­den sei.
We­gen des wei­te­ren Vor­trags der Par­tei­en in der Be­ru­fungs­in­stanz wird auf die zwi­schen ih­nen ge­wech­sel­ten Schriftsätze nebst An­la­gen so­wie ih­re Erklärun­gen im münd­li­chen Ver­hand­lungs­ter­min vor dem Be­ru­fungs­ge­richt Be­zug ge­nom­men.
Die zulässi­ge, auch an­sons­ten statt­haf­te so­wie frist- bzw. ord­nungs­gemäß ein­ge­leg­te und be­gründe­te Be­ru­fung des be­klag­ten Land­krei­ses hat­te Er­folg. Ent­ge­gen der An­sicht des Ar­beits­ge­richts ist das Ar­beits­verhält­nis zwi­schen den Par­tei­en ent­spre­chend Ab­schnitt 1 des Ände­rungs­ver­tra­ges vom 11.01.2007 mit dem 31.12.2010 auf­grund ord­nungs­gemäßer Be­fris­tung gemäß § 14 Abs. 1 Satz 2 Zif­fer 1 Tz­B­fG be­en­det wor­den. Ent­spre­chend war das an­ge­foch­te­ne Ur­teil ab­zuändern und die Kla­ge ab­zu­wei­sen.
1. Es kann da­hin­ge­stellt blei­ben zu ent­schei­den, ob, wie die Kläge­rin meint, zwi­schen den Par­tei­en vor Be­ginn des Ände­rungs­ver­tra­ges vom 11.01.2007 be­reits ein un­be­fris­te­tes Ar­beits­verhält­nis zwi­schen den Par­tei­en be­stan­den hat. Denn nach ständi­ger Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts, der das Be­ru­fungs­ge­richt sich an­sch­ließt, wird mit dem oh­ne Vor­be­halt ab­ge­schlos­se­nen wei­te­ren be­fris­te­ten Ar­beits­ver­trag vom 11.01.2007 das Ar­beits­verhält­nis, wie die Be­klag­te zu Recht aus­geführt hat, auf ei­ne neue recht­li­che Grund­la­ge ge­stellt und lässt da­her an­der­wei­ti­ge vor­he­ri­ge ar­beits­ver­trag­li­che Ver­ein­ba­run­gen oh­ne recht­li­che Be­deu­tung und Aus­wir­kung zurück (vgl. nur BAG vom 09.02.2000 – 7 AZR 730/98, NZA 2000, 721). Aus­schlag­ge­bend al­lein ist da­her für die Fra­ge, ob das Ar­beits­verhält­nis mit dem 31.12.2010 be­en­det wor­den ist, die recht­li­che Ver­ein­ba­rung und ih­re Qua­li­fi­zie­rung im Ände­rungs­ver­trag vom 11.01.2007 in Ab­schnitt 1. Im Übri­gen ha­ben die Par­tei­en ei­nen münd­li­chen Ar­beits­ver­trag vor der Ände­rung am 11.01.2007 nicht ge­schlos­sen, mit dem ei­ne ei­genständi­ge Re­ge­lung er­fol­gen soll­te.
2. Das Ar­beits­verhält­nis zwi­schen den Par­tei­en ist durch ih­re letz­te ar­beits­ver­trag­li­che Ver­ein­ba­rung, den Ände­rungs­ver­trag vom 11.01.2007 in Ab­schnitt 1 rechts­wirk­sam auf den 31.12.2010 be­fris­tet wor­den. Mit­hin ist mit Ab­lauf die­ses Zeit­punk­tes das Ar­beits­verhält­nis zwi­schen den Par­tei­en be­en­det.
2.1. Das Ar­beits­verhält­nis zwi­schen den Par­tei­en ist wirk­sam im Ände­rungs­ver­trag vom 11.01.2007 auf den 31.12.2010 gemäß § 14 Abs. 1 Satz 2 Nr. 1 Tz­B­fG be­fris­tet wor­den.
2.2. Nach der Recht­spre­chung des 7. Se­nats des Bun­des­ar­beits­ge­richts, der das Be­ru­fungs­ge­richt sich an­sch­ließt, ist die Be­fris­tung ei­nes Ar­beits­ver­tra­ges nach § 14 Abs. 1 Satz 1 Tz­B­fG zulässig, wenn sie durch ei­nen sach­li­chen Grund ge­recht­fer­tigt ist. Ein sach­li­cher Grund liegt nach § 14 Abs. 1 Satz 2 Nr. 1 Tz­B­fG vor, wenn der be­trieb­li­che Be­darf an der Ar­beits­leis­tung nur vorüber­ge­hend be­steht. Da­bei kann der vorüber­ge­hen­de be­trieb­li­che Be­darf an der Ar­beits­leis­tung auf un­ter­schied­li­chen Sach­ver­hal­ten be­ru­hen. Er kann sich z. B. aus dem Um­stand er­ge­ben, dass für ei­nen be­grenz­ten Zeit­raum in dem Be­trieb oder der Dienst­stel­le zusätz­li­che Ar­bei­ten an­fal­len, die mit dem Stamm­per­so­nal al­lei­ne nicht er­le­digt wer­den können. Da­bei kann der vorüber­ge­hen­de Be­darf an der Ar­beits­leis­tung auf ei­ner zeit­wei­se über­nom­me­nen Son­der­auf­ga­be be­ru­hen oder auf ei­ner im Be­reich der Dau­er­auf­ga­ben des Ar­beits­ge­bers vorüber­ge­hend an­ge­stie­ge­nen Ar­beits­men­ge, für de­ren Er­le­di­gung das vor­han­de­ne Stamm­per­so­nal nicht aus­reicht. Die Be­fris­tung kann da­ge­gen nicht auf § 14 Abs. 1 Satz 2 Nr. 1 Tz­B­fG gestützt wer­den, wenn der vom Ar­beit­ge­ber zur Be­gründung an­geführ­te Be­darf an der Ar­beits­leis­tung tatsächlich nicht nur vorüber­ge­hend, son­dern ob­jek­tiv dau­er­haft be­steht. Dies er­gibt sich nicht nur aus dem Wort­laut der Vor­schrift, son­dern auch aus dem ge­mein­schafts­recht­li­chen Vor­ga­ben der Richt­li­nie 1999/70/EG des Ra­tes vom 28.06.1999 und der in­kor­po­rier­ten EB-UN­ICE­CEEP-Rah­men­ver­ein­ba­rung über be­fris­te­te Ar­beits­verträge vom 18.03.1999, de­ren Um­set­zung die be­fris­tungs­recht­li­chen Vor­aus­set­zun­gen des Tz­B­fG die­nen. § 5 Nr. 1a der Rah­men­ver­ein­ba­rung steht der An­wen­dung ei­ner Re­ge­lung na­tio­na­len Rechts, die den Ab­schluss auf­ein­an­der fol­gen­der be­fris­te­ter Ar­beits­verträge zur De­ckung ei­nes zeit­wei­li­gen Be­darfs ge­stat­tet, ent­ge­gen, wenn der Be­darf nicht nur zeit­wei­lig, son­dern ständig und auf Dau­er be­steht, wie der EuGH am 23.04.2009 – C – 378/07 bis C – 380/07 ent­schie­den hat (so grundsätz­lich m.w.N. zu­letzt BAG im Ur­teil vom 17.03.2010 – 7 AZR 640/08, NZA 2010, 633 – 636 mit je­weils w.N.).
Da­bei setzt die Be­fris­tung we­gen ei­nes vorüber­ge­hen­den be­trieb­li­chen Be­darfs an der Ar­beits­leis­tung vor­aus, dass zum Zeit­punkt des Ver­trags­schlus­ses mit hin­rei­chen­der Si­cher­heit zu er­war­ten ist, dass nach dem vor­ge­se­he­nen Ver­trags­en­de für die Beschäfti­gung des be­fris­tet ein­ge­stell­ten Ar­beit­neh­mers in dem Be­trieb kein dau­er­haf­ter Be­darf mehr be­steht. Hierüber hat der Ar­beit­ge­ber bei Ab­schluss des be­fris­te­ten Ar­beits­ver­tra­ges ei­ne Pro­gno­se zu er­stel­len, der kon­kre­te An­halts­punk­te zu­grun­de lie­gen müssen. Die Pro­gno­se ist Teil des Sach­grun­des für die Be­fris­tung (BAG, a.a.O. mit je­weils w.N.).
2.3. Die­se Vor­aus­set­zun­gen sind im vor­lie­gen­den Streit­fall erfüllt.
Am 11.01.2007, zum Zeit­punkt des Ab­schlus­ses der letz­ten Ände­rungs­ver­ein­ba­rung zwi­schen den Par­tei­en, be­stan­den kon­kre­te An­halts­punk­te, auf­grund de­rer mit Si­cher­heit zur er­war­ten war, dass nach Ab­lauf der Be­fris­tung am 31.12.2010 kein dau­er­haf­ter Be­darf an der Beschäfti­gung der Kläge­rin beim be­klag­ten Land­kreis mehr be­steht.
Der vorüber­ge­hen­de Ar­beits­kräfte­be­darf zur be­fris­te­ten Beschäfti­gung der Kläge­rin be­ruh­ten beim be­klag­ten Land­kreis auf § 6a SGB II. Da­nach sol­len zur Wei­ter­ent­wick­lung der Grund­si­che­rung von Ar­beits­su­chen­den an­stel­le der Agen­tu­ren für A. als Träger der Leis­tung nach § 6 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 im We­ge der Er­pro­bung kom­mu­na­le Träger i. S. d. § 6 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 zu­ge­las­sen wer­den können.Die­se Möglich­keit wird aus­sch­ließlich zur Er­pro­bung ein­geräumt und wird auch durch die Über­schrift, die Teil des ge­setz­li­chen Re­ge­lungs­pro­gramms ist, ein­deu­tig do­ku­men­tiert. Die Zu­las­sung des be­klag­ten Land­krei­ses als kom­mu­na­ler Träger für die Grund­si­che­rung für Ar­beits­su­chen­de ist gemäß § 1 Abs. 2 Kom­trZV für die Zeit vom 01.01.2005 bis 31.12.2010 er­teilt wor­den. In § 2 die­ser Ver­ord­nung heißt es aus­drück­lich, dass sie am 31.12.2010 außer Kraft tritt. Da die Über­tra­gung der Grund­si­che­rung für Ar­beits­lo­se und Ar­beits­su­chen­de ein we­sent­li­ches Auf­ga­ben­feld der so­zia­len Ge­stal­tung der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land ist, durf­te der Ge­setz­ge­ber nach Auf­fas­sung des Be­ru­fungs­ge­richts un­ter Abwägung der so­zia­len Si­che­rung der Ar­beits­su­chen­den und der Ge­stal­tung die­ser Auf­ga­be durch kom­mu­na­le Träger ei­ne fünfjähri­ge Ex­pe­ri­men­tier­pha­se vor­se­hen. In­so­fern war es zum Zeit­punkt des Ab­schlus­ses des Ände­rungs­ver­tra­ges für den be­klag­ten Land­kreis nicht ab­seh­bar, dass über den 31.12.2010 hin­aus ein wei­te­rer Be­darf und da­mit mögli­cher­wei­se ein Dau­er­be­darf an die­ser Auf­ga­be für ihn vor­han­den sein würde. An­ders als bei der Auf­ga­ben­zu­wei­sung nach § 44b SGB II er­folg­te die vor­lie­gen­de Ar­beits­zu­wei­sung auf der Ba­sis der Ex­pe­ri­men­tier­klau­sel gemäß § 6a SGB II i. V. m. § 1 Kom­trZV. Dar­auf hat der be­klag­te Land­kreis zu Recht hin­ge­wie­sen.
2.4. Zum Zeit­punkt des Ab­schlus­ses des Ände­rungs­ver­tra­ges be­stand für den be­klag­ten Land­kreis auch kei­ne bloße Un­si­cher­heit hin­sicht­lich des vorüber­ge­hen­den Mehr­be­darfs, der ggf. durch die Ver­trags­ge­stal­tung auf die Kläge­rin ab­gewälzt wor­den wäre. Denn aus­weis­lich der Haus­haltspläne für 2007 bis 2010 (vgl. An­la­ge B 6) wur­den die Per­so­nal­auf­wen­dun­gen
zur Durchführung der Auf­ga­ben des SGB II ge­son­dert aus­ge­wie­sen. Aus­weis­lich der Ver­wal­tungs­ver­ein­ba­rung über die vom Bund zu tra­gen­den Auf­wen­dun­gen des zu­ge­las­sen kom­mu­na­len Trägers der Grund­si­che­rung für Ar­beits­su­chen­de vom 06.01.2005 bzw. 23.12.2004 soll­ten die Re­geln zur Über­nah­me der Auf­wen­dun­gen durch den Bund mit dem Weg­fall der Zu­las­sung des Land­krei­ses als kom­mu­na­ler Träger der Grund­si­che­rung für Ar­beits­su­chen­de außer Kraft tre­ten. Darüber hin­aus sah der Stel­len­plan des be­klag­ten Land­krei­ses zum 01.01.2007 für die Stel­le der Kläge­rin ei­nen kw-Ver­merk für die Zeit ab Ja­nu­ar 2011 vor (vgl. An­la­ge B 2).
Aus al­le­dem er­gibt sich, dass der be­klag­te Land­kreis mit sei­ner Pro­gno­se bei Ab­schluss des Ände­rungs­ver­tra­ges zu Recht da­von aus­ge­hen durf­te, dass der vorüber­ge­hen­de be­trieb­li­che Mehr­be­darf an der Ar­beits­leis­tung am 31.12.2010 en­den würde. Es gab kei­ne ge­si­cher­ten An­halts­punk­te, dies er­gibt sich we­der aus dem un­strei­ti­gen Tat­be­stand noch aus dem Sach­vor­trag der Kläge­rin, dass zum da­ma­li­gen Zeit­punkt pro­gnos­ti­ziert wer­den könn­te, dass die Auf­ga­ben der Grund­si­che­rung für Ar­beits­su­chen­de über den 31.12.2010 hin­aus durch den be­klag­ten Land­kreis er­fol­gen würde.Dass der be­klag­te Land­kreis tatsächlich auf der Rechtsände­rung des § 6a Abs. 1 SGB II vom 03.08.2010 be­ru­hend über den 31.12.2010 hin­aus auf un­be­stimm­te Zeit die Grund­si­che­rung für Ar­beits­su­chen­de über­nom­men hat, war 2007, zum Zeit­punkt des Ab­schlus­ses des Ände­rungs­ver­tra­ges noch nicht ein­mal in Ansätzen ab­seh­bar und er­kenn­bar.
Da­bei mag zu­guns­ten der Kläge­rin durch­aus un­ter­stellt wer­den, dass die von ihr durch­geführ­ten Auf­ga­ben, die dem be­klag­ten Land­kreis zu­ge­wie­sen wa­ren und durch das neu ge­schaf­fe­ne Amt für Ar­beits­markt or­ga­ni­siert wur­den, ei­ne Dau­er­auf­ga­be staat­li­cher So­zi­al­leis­tung dar­stellt. Dar­auf kommt es je­doch nicht ent­schei­dend an nach Auf­fas­sung des Be­ru­fungs­ge­richts. Ent­schei­dend ist viel­mehr, dass die­se Dau­er­auf­ga­be zeit­lich be­fris­tet und im We­ge des Ex­pe­ri­ments dem be­klag­ten Land­kreis zu­ge­wie­sen wor­den ist und er dar­aus die ent­spre­chen­den Kon­se­quen­zen ge­zo­gen hat, in­dem er nämlich die per­so­nal­wirt­schaft­li­chen Mit­tel haus­haltsmäßig be­fris­tet hat und den Stel­len­plan mit der Stel­le der Kläge­rin ent­spre­chend be­fris­tet und mit ei­nem kw-Ver­merk ab Ja­nu­ar 2011 ver­se­hen hat. Aus der Sicht des be­klag­ten Land­krei­ses als Ar­beit­ge­be­rin und aus der Sicht der Kläge­rin als Ar­beit­neh­me­rin konn­te an­ge­sichts die­ser ex­pe­ri­men­tel­len Si­tua­ti­on vernünf­ti­ger­wei­se im Jahr 2007 nur der Schluss ge­zo­gen wer­den, dass bis zum 31.12.2010 ein vorüber­ge­hen­der Mehr­be­darf an Ar­beits­kraft im Rah­men der Grund­si­che­rung beim be­klag­ten Land­kreis vor­han­den sein würde. In­so­fern konn­te die Kläge­rin auf ei­ne wei­te­re
Beschäfti­gung beim be­klag­ten Land­kreis ent­ge­gen der Be­fris­tung ih­res letz­ten Ar­beits­ver­tra­ges nicht ver­trau­en.
2.5. Ob der streit­ge­genständ­li­che Ar­beits­ver­trag mit sei­ner Be­fris­tung auch durch § 14 Abs. 1 Satz 2 Nr. 7 Tz­B­fG ge­tra­gen ist, wie der be­klag­te Land­kreis meint, kann da­hin­ge­stellt blei­ben. Zu­tref­fen­der­wei­se ha­ben die Par­tei­en in ih­rem Ände­rungs­ver­trag un­ter Ab­schnitt 1 im Jah­re 2007 auch aus­drück­lich auf die Be­fris­tung nach § 14 Abs. 1 Satz 2 Nr. 1 Tz­B­fG Be­zug ge­nom­men. 3. Auch ei­ne et­wai­ge feh­ler­haf­te Be­tei­li­gung des Per­so­nal­rats beim be­klag­ten Land­kreis macht die Be­fris­tung nicht un­wirk­sam.
Un­strei­tig hat der Per­so­nal­rat der er­neu­ten Be­fris­tung des kläge­ri­schen Ar­beits­ver­tra­ges bis zum 31.12.2010 zu­ge­stimmt. Da­mit ist das Mit­be­stim­mungs­recht gem. § 63 Abs. 1 Nr. 4 Pers­VG Bran­den­burg ge­wahrt wor­den. Der be­klag­te Land­kreis hat erst­in­stanz­lich zum Ver­fah­ren de­tail­liert vor­ge­tra­gen. Trotz der ent­spre­chen­den Dar­le­gungs­last ih­rer Rüge­be­fug­nis hat die Kläge­rin nähe­re An­ga­ben da­zu, aus wel­chen Gründen die Mit­be­stim­mung des Per­so­nal­rats feh­ler­haft ge­we­sen sein soll, nicht ge­macht. Ei­ne Feh­ler­haf­tig­keit der Mit­be­stim­mung kann da­her durch das Be­ru­fungs­ge­richt nicht fest­ge­stellt wer­den. 4. Ent­ge­gen der An­sicht der Kläge­rin führt auch ih­re Wei­ter­beschäfti­gung auf der Ba­sis der von ihr an­ge­mahn­ten Wei­ter­beschäfti­gung in Ver­fol­gung des erst­in­stanz­li­chen Ur­teils mit der Ver­ur­tei­lung des be­klag­ten Land­krei­ses zur vorläufi­gen Wei­ter­beschäfti­gung der Kläge­rin nicht zur Un­wirk­sam­keit des be­fris­te­ten Ände­rungs­ver­tra­ges. Denn in Fällen die­ser Art, nämlich der vorläufi­gen Wei­ter­beschäfti­gung zur Ab­wen­dung der dro­hen­den Zwangs­voll­stre­ckung durch den be­klag­ten Ar­beit­ge­ber wird re­gelmäßig kein be­fris­te­ter oder auflösend be­ding­ter Ar­beits­ver­trag ver­ein­bart, der gemäß § 14 Abs. 4 Tz­B­fG der Schrift­form bedürf­te (vgl. da­zu nur Müller-Glöge. in Er­fur­ter Kom­men­tar, 11. Aufl. 2011, § 14 Tz­B­fG Rn 76 m.w.N.). Die Wei­ter­beschäfti­gung er­folg­te zur Ab­wen­dung der Zwangs­voll­stre­ckung (vgl. da­zu BAG vom 22.10.2003 – 7 AZR 113/03, NZA 2004, 1275). Sons­ti­ge Un­wirk­sam­keits­gründe der Be­fris­tung im Ände­rungs­ver­trag vom 11.01.2007 sind we­der er­kenn­bar noch von den Par­tei­en vor­ge­tra­gen.
- 10 - 5. Über den Wei­ter­beschäfti­gungs­an­trag war we­gen der Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses nicht mehr zu ent­schei­den.
6. Die Kos­ten­ent­schei­dung be­ruht auf § 91 Abs. 1 ZPO.
Die Re­vi­si­on war nicht zu­zu­las­sen, da ge­setz­li­che Gründe dafür nicht vor­lie­gen.
Ge­gen die­se Ent­schei­dung ist ein Rechts­mit­tel nicht ge­ge­ben. Die Kläge­rin wird auf die Möglich­keit ei­ner Nicht­zu­las­sungs­be­schwer­de gemäß § 72a ArbGG hin­ge­wie­sen.
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