Source: https://www.rechtslupe.de/arbeitsrecht/der-fachliche-geltungsbereich-eines-tarifvertrages-377783
Timestamp: 2020-06-01 02:36:41
Document Index: 340724

Matched Legal Cases: ['§ 4', '§ 3', '§ 133', '§ 4', '§ 4', '§ 4', '§ 4', '§ 4', '§ 4', '§ 4', '§ 2']

Der fachliche Geltungsbereich eines Tarifvertrages | Rechtslupe
Der fachliche Geltungsbereich eines Tarifvertrages
Der fach­li­che Gel­tungs­be­reich eines Tarif­ver­tra­ges
Wird der fach­li­che Gel­tungs­be­reich eines Tarif­ver­tra­ges über Wirt­schafts­zwei­ge bestimmt, so kann auf die Klas­si­fi­ka­ti­on der Wirt­schafts­zwei­ge des Sta­tis­ti­schen Bun­des­amts zurück­ge­grif­fen wer­den.
Die Rechts­nor­men eines Tarif­ver­tra­ges, die den Inhalt, den Abschluss oder die Been­di­gung von Arbeits­ver­hält­nis­sen ord­nen, gel­ten gem. § 4 Abs. 1 Satz 1 TVG unmit­tel­bar und zwin­gend zwi­schen den bei­der­seits Tarif­ge­bun­de­nen, die unter den Gel­tungs­be­reich des Tarif­ver­tra­ges fal­len. Gemäß § 3 Abs. 1 TVG sind die Mit­glie­der der Tarif­ver­trags­par­tei­en sowie der Arbeit­ge­ber, der selbst Par­tei des Tarif­ver­tra­ges ist, tarif­ge­bun­den. Vor­lie­gend bestand eine sol­che unmit­tel­ba­re und zwin­gen­de Gel­tung des Aner­ken­nungs­ta­rif­ver­tra­ges auf­grund Tarif­bin­dung des Klä­gers als Mit­glied der tarif­ver­trags­schlie­ßen­den Gewerk­schaft ver.di des­halb, weil auf der ande­ren Sei­te die Beklag­te als Arbeit­ge­be­rin selbst Par­tei des Aner­ken­nungs­ta­rif­ver­tra­ges war.
Die Reich­wei­te des fach­li­chen Gel­tungs­be­reichs eines Tarif­ver­tra­ges ist durch Aus­le­gung zu ermit­teln. Dies gilt zumin­dest dann, wenn – wie hier – die Gel­tung meh­re­rer Tarif­ver­trä­ge in Betracht kommt [1].
Die Aus­le­gung des nor­ma­ti­ven Teils eines Tarif­ver­tra­ges folgt nach der stän­di­gen Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts den für die Aus­le­gung von Geset­zen gel­ten­den Regeln. Aus­zu­ge­hen ist zunächst vom Tarif­wort­laut. Zu erfor­schen ist der maß­geb­li­che Sinn der Erklä­rung ohne am Buch­sta­ben zu haf­ten (§ 133 BGB). Der wirk­li­che Wil­le der Tarif­ver­trags­par­tei­en und der damit von ihnen beab­sich­tig­te Sinn und Zweck der Tarif­norm sind mit zu berück­sich­ti­gen, soweit sie in den tarif­li­chen Nor­men ihren Nie­der­schlag gefun­den haben. Auch auf den tarif­li­chen Gesamt­zu­sam­men­hang ist stets abzu­stel­len, weil die­ser Anhalts­punk­te für den wirk­li­chen Wil­len der Tarif­ver­trags­par­tei­en lie­fert und nur so Sinn und Zweck der Tarif­norm zutref­fend ermit­telt wer­den kön­nen. Ver­blei­ben noch Zwei­fel, kön­nen wei­te­re Kri­te­ri­en, wie Tarif­ge­schich­te, prak­ti­sche Tarif­übung und Ent­ste­hungs­ge­schich­te des jewei­li­gen Tarif­ver­tra­ges ohne Bin­dung an eine bestimm­te Rei­hen­fol­ge berück­sich­tigt wer­den. Auch die Prak­ti­ka­bi­li­tät denk­ba­rer Aus­le­gungs­er­geb­nis­se ist zu berück­sich­ti­gen. Im Zwei­fel gebührt der­je­ni­gen Tarif­aus­le­gung der Vor­zug, die zu einer ver­nünf­ti­gen, sach­ge­rech­ten, zweck­ori­en­tier­ten und geset­zes­kon­for­men Rege­lung führt [2].
Für die Bestim­mung des fach­li­chen Gel­tungs­be­reichs eines Tarif­ver­trags sind die im Arbeits- und Wirt­schafts­le­ben gel­ten­den Begriffs­in­hal­te her­an­zu­zie­hen. Wer­den die von den Tarif­ver­trags­par­tei­en ver­wen­de­ten Begrif­fe im Tarif­ver­trag nicht selbst defi­niert, ist davon aus­zu­ge­hen, dass sie den Begriff in dem Sin­ne gebraucht haben, wie er dem all­ge­mei­nen Sprach­ge­brauch und dem der betei­lig­ten Krei­se ent­spricht, wenn nicht siche­re Anhalts­punk­te für eine abwei­chen­de Aus­le­gung gege­ben sind. Auf han­dels­recht­li­che oder gewer­be­recht­li­che Kri­te­ri­en kommt es dabei nicht an [3].
Erfolgt die Bestim­mung des fach­li­chen Gel­tungs­be­reichs eines Tarif­ver­tra­ges über Wirt­schafts­zwei­ge, ist zu ermit­teln, wie die­se Wirt­schafts­zwei­ge defi­niert wer­den. Wel­chem Wirt­schafts­zweig das Unter­neh­men eines Arbeit­ge­bers zuzu­ord­nen ist, rich­tet sich nach der Klas­si­fi­ka­ti­on der Wirt­schafts­zwei­ge durch das Sta­tis­ti­sche Bun­des­amt. Die­se Klas­si­fi­ka­ti­on beruht auf der Ver­ord­nung (EG) 1893/​2006 des Euro­päi­schen Par­la­ments und des Rates vom 20.12 2006 zur Auf­stel­lung der sta­tis­ti­schen Sys­te­ma­tik der Wirt­schafts­zwei­ge NACE Revi­si­on 2 und zur Ände­rung der Ver­ord­nung (EWG) 3037/​90 des Rates sowie eini­ger Ver­ord­nun­gen der EG über bestimm­te Berei­che der Sta­tis­tik in der jeweils gel­ten­den Fas­sung. Die vom Sta­tis­ti­schen Bun­des­amt her­aus­ge­ge­be­ne Klas­si­fi­ka­ti­on der Wirt­schafts­zwei­ge ist damit im Ein­klang mit Uni­ons­recht ein geeig­ne­ter und rechts­si­cher hand­hab­ba­rer Anhalts­punkt für die Bestim­mung des maß­geb­li­chen Wirt­schafts­zwei­ges [4].
Ein wei­te­res wich­ti­ges Aus­le­gungs­kri­te­ri­um ist, zumin­dest soweit die fach­li­che Zustän­dig­keit ent­spre­chend dem Indus­trie­ver­band­s­prin­zip nach Wirt­schafts­zwei­gen zuge­ord­net wird, das soge­nann­te "Prin­zip der Tarif­ein­heit", wonach in einem ein­heit­li­chen Betrieb in der Regel nur ein ein­heit­li­cher Tarif­ver­trag gel­ten soll [5]. Dabei ist dar­auf abzu­stel­len, wel­che Tätig­keit, bzw. wel­cher arbeits­tech­ni­sche Zweck dem Betrieb das Geprä­ge gibt [6]. Die nicht das Geprä­ge geben­den fach­frem­den Tätig­kei­ten wer­den dann eben­falls vom Gel­tungs­be­reich des für die geprä­ge­ge­ben­de Tätig­keit zustän­di­gen Tarif­ver­tra­ges erfasst [7].
Lan­des­ar­beits­ge­richt Baden ‑Würt­tem­berg, Urteil vom 23. Janu­ar 2013 – 4 Sa 57/​12
Däubler/​Zwanziger TVG 4. Auf­la­ge § 4 Rn. 916[↩]
BAG 15.05.2012 – 7 AZR 785/​10 [↩]
BAG 04.07.2007 – 4 AZR 491/​06 – BAGE 123, 213[↩]
BAG 18.04.2012 – 5 AZR 630/​10 – NZA 2012, 978[↩]
Wiedemann/​Wank TVG 7. Auf­la­ge § 4 Rn. 135, 145; Däubler/​Zwanziger TVG 3. Auf­la­ge § 4 Rn. 916, 932; Däubler/​Deinert TVG 3. Auf­la­ge § 4 Rn. 234, 278[↩]
BAG 04.07.2007 aaO; BAG 28.04.1957 – 1 AZR 208/​55 – BAGE 4, 37; Stein in Kempen/​Zachert TVG 4. Auf­la­ge § 4 Rn. 101; Wiedemann/​Wank TVG 7. Auf­la­ge § 4 Rn. 140[↩]
Däubler/​Deinert TVG 3. Auf­la­ge § 4 Rn. 278[↩]
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Das Ableh­nungs­ge­such gegen nicht benann­te Rich­ter Ein Ableh­nungs­ge­such ist offen­sicht­lich unzu­läs­sig, wenn die Rich­ter nicht benannt sind ((vgl. BVerfGE 46, 200, 200; BVerfG, Beschluss vom 27.06.2018 – 1 BvR 1316/​18, Rn.…
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