Source: https://www.rechtslupe.de/verwaltungsrecht/beamtenrecht/die-postbeamtin-und-die-dauerhafte-zuweisung-einer-hoeherwertigen-taetigkeit-3109763
Timestamp: 2020-05-28 08:02:57
Document Index: 363229414

Matched Legal Cases: ['§ 4', '§ 4', '§ 27', '§ 28', '§ 8', '§ 18']

Die Postbeamtin - und die dauerhafte Zuweisung einer höherwertigen Tätigkeit | Rechtslupe
Ein Beam­ter kann ver­lan­gen, dass ihm nicht dau­er­haft eine sei­nem Sta­tus­amt nicht ent­spre­chen­de höher­wer­ti­ge Tätig­keit bei einem Toch­ter­un­ter­neh­men der Deut­schen Tele­kom AG zuge­wie­sen wird.
In dem jetzt vom Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt ent­schie­de­nen Fall hat­te die kla­gen­de Beam­tin das Sta­tus­amt einer Fern­mel­deober­se­kre­tä­rin im mitt­le­ren nicht­tech­ni­schen Dienst (Besol­dungs­grup­pe A7 BBe­sO) inne. Mit der Pri­va­ti­sie­rung der Deut­schen Bun­des­post im Jahr 1995 wur­de die Beam­tin der Deut­schen Tele­kom AG zuge­ord­net. Im Jahr 2004 wur­de sie zur Orga­ni­sa­ti­ons­ein­heit Viven­to der Deut­schen Tele­kom AG ver­setzt. Im Mai 2011 wies die Deut­sche Tele­kom AG der Beam­tin dau­er­haft eine ent­spre­chend der Besol­dungs­grup­pe A9 bewer­te­te Tätig­keit als "Sach­be­ar­bei­ter Back­of­fice" bei dem Toch­ter­un­ter­neh­men Viven­to Cus­to­mer Ser­vices GmbH (VCS) zu. Im Bescheid ist aus­ge­führt, abs­trakt-funk­tio­nel­ler Auf­ga­ben­kreis der Beam­tin sei die Tätig­keit eines Sach­be­ar­bei­ters der Besol­dungs­grup­pe A9 ent­spre­chend im nicht­tech­ni­schen Bereich.
In den Vor­in­stan­zen haben sowohl das Ver­wal­tungs­ge­richt Pots­dam 1 wie auch das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt Ber­lin-Bran­den­burg 2 der Beam­tin Recht gege­ben. Bei­de Gerich­te sind avon aus­ge­gan­gen, dass die­se Zuwei­sung die Beam­tin in ihren Rech­ten ver­letzt. Der Beam­tin sei ent­ge­gen § 4 Abs. 4 Satz 2 Post­PersRG kei­ne ihrem Amt ent­spre­chen­de Tätig­keit zuge­wie­sen wor­den. Denn der Beam­tin sei eine Tätig­keit über­tra­gen wor­den, die der Besol­dungs­grup­pe A9 zuzu­ord­nen sei, die Beam­tin habe aber ledig­lich ein Sta­tus­amt der Besol­dungs­grup­pe A7 inne. Das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt hat nun auch die gegen die­se Urtei­le gerich­te­te Revi­si­on der Bun­des­re­pu­blik zurück­ge­wie­sen:
Der Beam­tin ist ent­ge­gen § 4 Abs. 4 Satz 2 des Post­per­so­nal­rechts­ge­set­zes (Post­PersRG, Fas­sung 2009) kei­ne ihrem Amt ent­spre­chen­de Tätig­keit zuge­wie­sen wor­den. Sie soll eine Tätig­keit aus­üben, die nach den revi­si­ons­recht­lich bin­den­den Tat­sa­chen­fest­stel­lun­gen des Beru­fungs­ge­richts der Besol­dungs­grup­pe A9 zuzu­ord­nen ist; die Beam­tin hat aber ledig­lich ein Sta­tus­amt der Besol­dungs­grup­pe A7 inne. Dem ver­fas­sungs­recht­lich ver­an­ker­ten Anspruch des Beam­ten auf amts­an­ge­mes­se­ne Beschäf­ti­gung wider­spricht nicht nur eine unter­wertige Beschäf­ti­gung eines Beam­ten, son­dern – grund­sätz­lich, vor­be­halt­lich gesetz­lich nor­mier­ter ver­fas­sungs­kon­for­mer Aus­nah­men – auch eine dau­er­haf­te Beschäf­ti­gung auf einem höher­wer­ti­gen Dienst- bzw. Arbeits­pos­ten. Für den im Streit­fall maß­geb­li­chen Bereich der Post­nach­fol­ge­un­ter­neh­men fehlt es an einer gesetz­li­chen Bestim­mung, dass – und ggf. unter wel­chen Vor­aus­set­zun­gen – ein Ein­satz auf einem höher­wer­ti­gen Dienst- bzw. Arbeits­pos­ten zuläs­sig sein soll, wie dies etwa für den Bereich des Bun­des­be­am­ten­ge­set­zes bei einer Abord­nung (§ 27 Abs. 2 und 3) und Ver­set­zung (§ 28 Abs. 2 und 3) nor­miert ist (z.B. nur mit Zustim­mung des Beam­ten, für eine gewis­se Dau­er oder bei Zumut­bar­keit). Der Streit­fall betraf auch kei­nen Fall der sog. Dienst­pos­ten­bün­de­lung (vgl. § 8 Satz 2 Post­PersRG, § 18 Satz 2 BBesG), die in den vom Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt (im Beschluss vom 16.12.2015 – 2 BvR 1958/​13 – ZBR 2016, 128) für zuläs­sig erklär­ten Gren­zen einen Ein­satz von Beam­ten auf einem Dienst­pos­ten ermög­licht, der meh­re­ren Ämtern zuge­ord­net ist.
Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Urteil vom 19. Mai 2016 – 2 C 14.15
VG Pots­dam, Urteil vom 19.03.2014 – 2 K 1814/​12[↩]
OVG Ber­lin-Bran­den­burg, Urteil vom 17.04.2015 – 7 B 32.14[↩]