Source: https://www.anwalt24.de/urteile/bgh/2016-12-15/ix-zr-58_16
Timestamp: 2019-07-21 21:40:30
Document Index: 225117840

Matched Legal Cases: ['BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 199', 'BGH', 'BGH', '§ 195', '§ 203', '§ 203', '§ 203', '§ 203', 'BGH', '§ 203', '§ 203', 'BGH', 'BGH']

BGH, 15.12.2016 - IX ZR 58/16 - Wiederaufnahme abgebrochener Verhandlungen führt nicht zu einer auf den Beginn der Verhandlungen rückwirkenden Hemmung der Verjährung | anwalt24.de
Urt. v. 15.12.2016, Az.: IX ZR 58/16
Referenz: JurionRS 2016, 31670
Aktenzeichen: IX ZR 58/16
ECLI: ECLI:DE:BGH:2016:151216UIXZR58.16.0
OLG Koblenz - 16.03.2016 - AZ: 10 U 557/15
BGHZ 213, 213 - 224
BauR 2017, 723-727
EWiR 2017, 371
FMP 2018, 59
InsbürO 2017, 259
JR 2018, 39-43
Jura 2018, 839
JurBüro 2017, 330
JZ 2017, 217
LL 2017, 603
MDR 2017, 199-200
Mitt. 2017, 143
VK 2018, 109
WM 2018, 142-145
ZAP EN-Nr. 272/2017
ZAP 2017, 411-412
ZfBR 2017, 253-256
ZInsO 2017, 273-276
ZIP 2017, 236-239
Der IX. Zivilsenat des Bundesgerichtshofs hat auf die mündliche Verhandlung vom 15. Dezember 2016 durch den Vorsitzenden Richter Prof. Dr. Kayser, die Richterin Lohmann, den Richter Prof. Dr. Pape, die Richterin Möhring und den Richter Meyberg
Eine Kenntnis oder grobe fahrlässige Unkenntnis der den Anspruch begründenden Umstände im Sinne des § 199 Abs. 1 Nr. 2 BGB liegen im Fall der Anwaltshaftung nicht schon dann vor, wenn dem Mandanten Umstände bekannt werden, nach denen zu seinen Lasten ein Rechtsverlust eingetreten ist. Vielmehr muss er Kenntnis von solchen Tatsachen erlangen, aus denen sich für ihn - zumal wenn er juristischer Laie ist - ergibt, dass der Rechtsberater von dem üblichen rechtlichen Vorgehen abgewichen oder Maßnahmen nicht eingeleitet hat, die aus rechtlicher Sicht zur Vermeidung eines Schadens erforderlich waren. Nicht die anwaltliche Beratung, sondern erst der Pflichtenverstoß des Rechtsberaters begründet den gegen ihn gerichteten Regressanspruch (BGH, Urteil vom 6. Februar 2014 - IX ZR 245/12, BGHZ 200, 172 Rn. 15). Doch hat das Berufungsgericht verfahrensfehlerfrei festgestellt, dass der Kläger auch von der Pflichtwidrigkeit des Beklagten spätestens im Februar 2010 wusste, weil er nunmehr anderweitig anwaltlich beraten, gegenüber dem Beklagten wegen des Anwaltsfehlers die klageweise Inanspruchnahme ankündigte. Mithin begann die dreijährige Verjährung gemäß §§ 195, 199 BGB mit Ablauf des 31. Dezember 2010 und endete - vorbehaltlich einer Hemmung - am 31. Dezember 2013.
(1) In Literatur (Staudinger/Peters/Jacoby, BGB, 2014, § 203 Rn. 12; MünchKomm-BGB/Grothe, 7. Aufl., § 203 Rn. 8; BeckOGK-BGB/MellerHannich, 2016, § 203 Rn. 54; BeckOK-BGB/Spindler, 2016, § 203 Rn. 5) und Rechtsprechung (OLG Köln, Beschluss vom 1. Juli 2013 - 5 U 44/13, nv) wird erwogen, dass dann, wenn über einen Anspruch mehrfach verhandelt wird, die dazwischen liegenden Zeiträume insgesamt als hemmend zu behandeln sind. Voraussetzung ist, dass entweder bei wertender Betrachtungsweise die späteren Verhandlungen letztlich nur die früheren fortführen oder dass zwischen den einzelnen Verhandlungsabschnitten ein enger zeitlicher Zusammenhang besteht. Als Beispielsfall wird genannt, dass frühere Verhandlungen eingeschlafen sind und mit Verspätung wiederaufgenommen werden. Andere stellen sich auf den Standpunkt, neue Verhandlungen setzten stets eine neue Hemmung in Gang (BGH, Urteil vom 28. März 1985 - III ZR 20/84, VersR 1985, 642, 644; Erman/Schmidt-Räntsch, BGB, 14. Aufl., § 203 Rn. 6; jurisPK-BGB/Lakkis, 7. Aufl., § 203 Rn. 17; vgl. BGH, Urteil vom 5. November 2002 - VI ZR 416/01, BGHZ 152, 298, 302 aE; OLG Hamm, VersR 1997, 1112 [OLG Hamm 19.03.1997 - 13 U 190/96]; OLG Frankfurt, MDR 2010, 326 [OLG Hamm 17.06.2009 - 11 U 112/08]).
Verkündet am: 15. Dezember 2016