Source: https://shared.unisg.ch/iff-gschk/gewaesserschutzgesetz/SitePages/Art.%2012%20GSchG%20-%20Art.%2012%20LEaux.aspx
Timestamp: 2019-11-13 10:38:21
Document Index: 329920342

Matched Legal Cases: ['Art. 12', 'Art. 12', 'Art. 12', 'Art. 12', 'Art. 18', 'Art. 4', 'Art. 12', 'Art. 12', 'Art. 12', 'Art. 12', 'Art. 12', 'Art. 11', 'Art. 12', 'Art. 12', 'Art. 6', 'Art. 12', 'Art. 12', 'Art. 12', 'Art. 12', 'Art. 7', 'Art. 76', 'Art. 12', 'Art. 12', 'Art. 11', 'BGer', 'Art. 12', 'Art. 30', 'BGE', 'Art. 7', 'Art. 7', 'Art. 7', 'Art. 6', 'Art. 8', 'Art. 6', 'Art. 7', 'Art. 15', 'Art. 12', 'Art. 15', 'Art. 13', 'Art. 15', 'Art. 15', 'Art. 14', 'Art. 13', 'Art. 7', 'Art. 16', 'Art. 16', 'Art. 17', 'Art. 6', 'Art. 17', 'BGer', 'Art. 15', 'Art. 7', 'Art. 6', 'Art. 3', 'Art. 12', 'Art. 76', 'Art. 12', 'Art. 14', 'Art. 27', 'Art. 14', 'Art. 14', 'Art. 165', 'Art. 14', 'Art. 14', 'Art. 34', 'BGer', 'Art. 12', 'Art. 14', 'Art. 12']

Gewässerschutzgesetz - Art. 12 GSchG - Art. 12 LEaux
Art. 12 GSchG - Art. 12 LEaux
Kehrli Jeannette​ | Stutz Hans W.​
Sonderfälle im Bereich öffentlicher Kanalisationen
a. die Wohn‑ und Betriebsgebäude mit Umschwung in der Landwirtschaftszone liegen oder die Gemeinde Massnahmen trifft, namentlich Planungszonen bestimmt, um die Gebäude samt Umschwung der Landwirtschaftszone zuzuweisen;
b. die Lagerkapazität auch für das häusliche Abwasser ausreicht und die Verwertung auf der eigenen oder gepachteten Nutzfläche sichergestellt ist.
5 Werden Wohn‑ und Betriebsgebäude mit Umschwung nach Absatz 4 nicht innert fünf Jahren nach Erlass der Massnahmen der Landwirtschaftszone zugewiesen, so muss das häusliche Abwasser in die Kanalisation geleitet werden.
Cas particuliers dans le périmètre des égouts publics
1 Celui qui détient des eaux usées ne répondant pas aux exigences fixées pour le déversement dans les égouts doit soumettre celles-ci à un prétraitement. Celui-ci est réglementé par les cantons.
2 Lorsque les eaux usées ne se prêtent pas à l'épuration dans une station centrale, l'autorité cantonale prescrit un mode d'élimination approprié.
3 Les eaux non polluées dont l'écoulement est permanent ne doivent pas être amenées, directement ou indirectement, à une station centrale d'épuration. L'autorité cantonale peut autoriser des exceptions.
4 Dans une exploitation agricole comprenant un important cheptel bovin ou porcin, les eaux usées domestiques peuvent être mélangées au lisier (art. 14) lorsque:
a. les bâtiments d'habitation, les bâtiments d'exploitation et les terres attenantes ont été classés en zone agricole ou que la commune a pris les dispositions nécessaires pour qu'ils le soient, notamment par des mesures d'aménagement du territoire;
b. la capacité d'entreposage est suffisante pour que les eaux usées domestiques puissent également y être recueillies et que leur utilisation soit possible sur les terres en propre ou en fermage.
5 Si, dans les cinq ans, les bâtiments d'habitation, les bâtiments d'exploitation et les terres attenantes au sens de l'al. 4 ne sont pas classés en zone agricole, les eaux usées domestiques seront alors déversées dans les égouts.
Casi particolari nel perimetro delle canalizzazioni pubbliche
1 Chi ha acque di scarico che non soddisfano le esigenze per l'immissione nelle canalizzazioni deve pretrattarle. I Cantoni disciplinano il pretrattamento.
2 Per le acque di scarico non idonee ad essere trattate in una stazione centrale di depurazione, l'autorità cantonale prescrive altri metodi appropriati di eliminazione.
3 Le acque di scarico non inquinate, con afflusso permanente, non devono essere introdotte né direttamente né indirettamente in una stazione centrale di depurazione. L'autorità cantonale può autorizzare eccezioni.
4 In un'azienda agricola con un notevole effettivo di bovini o suini, le acque di scarico do­mestiche possono essere sfruttate a scopi agricoli insieme al colaticcio (art. 14), se:
a. gli edifici abitativi e aziendali e il terreno adiacente si trovano in zona agricola o il co­mune adotta le disposizioni necessarie, segnatamente delimita zone di pianificazione, per dichiararli in zona agricola;
b. la capacità di deposito è sufficiente anche per le acque di scarico domestiche e lo sfrutta­mento su superfici utili, proprie o affittate, è assicurato.
5 Se, entro cinque anni dall'adozione delle misure, gli edifici abitativi e aziendali e il terreno adiacente secondo il capoverso 4 non sono dichiarati in zona agricola, le acque di scarico domestiche devono essere immesse nelle canalizzazioni.
I. ​ Entstehungsgeschichte​ 1
​II.​ ​Allgemeine Bemerkungen 5
A. Überblick 5
B. Abwasservorbehandlung 9
C. Abwasser, das für die Behandlung in der zentralen Abwasserreinigungsanlage nicht geeignet ist 13
D. Fremdwasserproblematik 16
E. Landwirtschaftliche Verwertung des häuslichen Abwassers 19
III. Kommentierung 21
​A. ​Vorbehandlung von Abwasser (Abs. 1) 21
1. Handlungspflichten 21
2. Vorbehandlungsmassnahmen 37
​3. ​Kantonale Regelung der Vorbehandlung 43
B. ​Entsorgung von für die Behandlung in der zentralen Abwasserreinigungsanlage nicht geeignetem Abwasser (Abs. 2) 46
1. ​Zweckmässige Entsorgung von nicht geeignetem Abwasser 46
2. ​Entscheid der kantonalen Behörde 48
3. ​Mitwirkung des Inhabers des Abwassers 52
C. Fremdwasser 58
​1. Begriff und Abgrenzung 58
​2. ​Ausnahmebewilligung 60
​D. Landwirtschaftliches Privileg
(Abs. 4 und 5 62
​1. ​Voraussetzungen 62
​2. ​Besonderes 69
1. Die Abs. 1 und 2 knüpfen inhaltlich an die Regelung von Art. 18 Abs. 1 und 2 GSchG 1971 an (AS 1972 950). Als Ausnahme zur allgemeinen Kanalisationsanschlusspflicht wurde in Abs. 1 die kantonale Behörde ermächtigt, «besondere Arten der Behandlung und Ableitung» anzuordnen, wenn es sich um Abwässer handelte, «die für die zentrale Reinigung nicht geeignet sind oder für die diese aus anderen wichtigen Gründen nicht angezeigt ist». Dabei dachte man in erster Linie an Industrieabwasser (Botschaft GSchG 1970, 452). Abs. 2 Satz 2 schränkte die Pflicht der Inhaber der Kanalisationen, die Abwässer abzunehmen und der zentralen Reinigung zuzuführen, ein: «Abwässer mit schädlichen Wirkungen für die Abwasseranlagen sind vor der Einleitung in die Kanalisationen durch den Verursacher vorbehandeln zu lassen.»
2. Eine Vorschrift über nicht verschmutztes Abwasser, das stetig anfällt (Abs. 3), war im GSchG 1971 noch nicht enthalten. Immerhin wurde auf Verordnungsebene unter dem Stichwort «Abwasserverdünnung» angeordnet, dass «wenig verschmutztes Niederschlagswasser, Sickerwasser, Quellwasser, Bachwasser und ähnliche unverschmutzte Wässer mit Rücksicht auf die unerwünschte Verdünnung in der Mischwasserkanalisation […] direkt in ein Oberflächengewässer einzuleiten oder unter Berücksichtigung der örtlichen hydrogeologischen und technischen Verhältnisse versickern zu lassen» seien (Art. 4 Abs. 3 der bundesrätlichen Verordnung über Abwassereinleitungen vom 8. Dezember 1975, AS 1975 2403).
3. Zu den Abs. 4 und 5 finden sich im GSchG 1971 keine entsprechenden Be-stimmungen. Die landwirtschaftliche Verwertung des häuslichen Abwassers wurde vor der Regelung in Art. 12 Abs. 4 und 5 GSchG lediglich jenen Landwirten zugestanden, deren Betriebe ausserhalb des Bereichs öffentlicher Kanalisationen lagen (Botschaft GSchG 1987, 1116).
4. Der vom Bundesrat vorgeschlagene Art. 12 (Botschaft GSchG 1987, 1185 f.) wurde von den eidgenössischen Räten mit unbedeutenden redaktionellen Änderungen ins Gesetz übernommen. Weder im Nationalrat noch im Ständerat war Art. 12 Gegenstand von Debatten.
5. Es geht in Art. 12 GSchG um verschiedene Tatbestände, die in einem bestimmten Zusammenhang mit der Entsorgung von verschmutztem Abwasser im Bereich der öffentlichen Kanalisationen stehen.
6. Art. 12 GSchG knüpft an die bestehende allgemeine Pflicht zum Anschluss des verschmutzten Abwassers an die öffentliche Kanalisation (Art. 11 Abs. 1 GSchG) an. In Art. 12 GSchG werden zunächst drei Sachverhalte geregelt, bei denen der Grundsatz der Einleitung des verschmutzten Abwassers in die öffentliche Kanalisation und die zentrale Abwasserreinigungsanlage durchbrochen wird (Abs. 1, 2 sowie 4–5). Ferner befasst sich Abs. 3 mit der sogenannten Fremdwasserproblematik. Als Fremdwasser wird «nicht verschmutztes Abwasser, das stetig anfällt» verstanden.
7. Zu Art. 12 GSchG hat der Bundesrat mit der Gewässerschutzverordnung gesetzesvertretendes Ausführungsrecht geschaffen. Art. 6–17 GSchV und die Anh. 3.2 und 3.3 GSchV enthalten Bestimmungen, welche die Vorgaben von Art. 12 GSchG präzisieren. Insbesondere enthalten die Anh. 3.2 und 3.3 GSchV Anforderungen an die Beschaffenheit des abzuleitenden verschmutzten Abwassers.
8. In Bezug auf Abs. 4 von Art. 12 GSchG definiert Art. 12 Abs. 3 GSchV, was unter einem erheblichen Rindvieh‑ und Schweinebestand gemeint ist.
B. Abwasservorbehandlung
9. Die zentrale Abwasserreinigungsanlage ist in erster Linie auf die Behandlung von kommunalem Abwasser (Anh. 3.1 GSchV) ausgerichtet. Dieses enthält neben Feststoffen gelöste organische, leicht abbaubare (Nähr‑)Stoffe. Während die Feststoffe in der mechanischen Stufe vom Abwasser abgetrennt werden, werden die gelösten Stoffe in der biologischen Stufe der zentralen Abwasserreinigungsanlage durch Mikroorganismen abgebaut.
10. Es muss sichergestellt werden, dass in der biologischen Reinigungsstufe der zentralen Abwasserreinigungsanlage dauernd Bedingungen herrschen, bei denen die Mikroorganismen ihre Funktion des Abbaus der organischen Stoffe erfüllen können. Das Rohabwasser muss in Bezug auf Temperatur und Zusammensetzung bestimmte Eigenschaften aufweisen. Insbesondere dürfen keine Stoffe in Konzentrationen im Rohabwasser auftreten, die allein oder in ihrem Zusammenwirken auf die Mikroorganismen toxisch wirken. Ferner sind oberflächenaktive Stoffe wie Detergentien in höheren Konzentrationen problematisch, weil sie in der zentralen Abwasserreinigungsanlage störend wirken (Schaumbildung usw.). Dies beeinträchtigt die Aufnahme von Sauerstoff durch die Mikroorganismen, was im Extremfall zu einem vollständigen Versagen der biologischen Stufe und damit zu gravierenden Gewässerverunreinigungen führen kann.
11. Auch die Temperaturverhältnisse haben einen Einfluss auf die Rei­nigungsleistung der biologischen Stufe der zentralen Abwasserreini­gungsanlage. Je nach Temperatur des Abwassers ist das Abbauverhalten der Mikroorganismen verschieden, was zu Unterschieden bei der Reini­gungsleistung der zentralen Abwasserreinigungsanlage führt.
12. Um das Funktionieren der zentralen Abwasserreinigungsanlage sicherzustellen, legt die Gewässerschutzverordnung in Anh. 3.2 für Industrieabwasser und in Anh. 3.3 für «anderes» verschmutztes Abwasser (als kommunales Abwasser und Industrieabwasser) Anforderungen an dessen Beschaffenheit fest. Diese Anforderungen müssen am Ort der Einleitung in die öffentliche Kanalisation eingehalten werden. Man spricht von «Vorbehandlung» des Abwassers am Anfallort (Vorbehandlung deshalb, weil das vorbehandelte Abwasser in die öffentliche Kanalisation eingeleitet wird und in der zentralen Abwasserreinigungsanlage dann soweit behandelt wird, dass es in das Gewässer eingeleitet werden kann). Ziel dieser Vorbehandlung ist mithin, das Abwasser gemäss den Anforderungen der GSchV so zu konditionieren, dass es in die öffentliche Kanalisation abgeleitet werden kann.
C. Abwasser, das für die Behandlung in der zentralen Abwasserreinigungsanlage nicht geeignet ist
13. Abs. 2 bezieht sich auf verschmutztes Abwasser, das aufgrund seiner Beschaffenheit oder Menge nicht (ohne Weiteres) in die öffentliche Kanalisation und somit die zentrale Abwasserreinigungsanlage abgeleitet werden darf, weil es zu Problemen in der öffentlichen Kanalisation und der zentralen Abwasserreinigungsanlage führen kann. So kann es zu hydraulischen Überlastungen der öffentlichen Kanalisation und der zentralen Abwasserreinigungsanlage kommen, wenn Abwassermengen eingeleitet werden, welche die Kapazität der Abwasseranlagen übersteigen. Die Folge können vermehrte ungewollte Entlastungen von verschmutztem Abwasser, das noch nicht behandelt ist, in die Gewässer sein, wodurch Gewässerverunreinigungen entstehen. Ferner können Überlastungen der Reinigungsstufen der zentralen Abwasserreinigungsanlage auftreten, die dazu führen, dass ungenügend gereinigtes Abwasser in den Vorfluter fliesst oder es zum Rückstau in der Kanalisation kommt. Vor allem bei Industrieabwasser werden auch toxische und korrosive Stoffe abgeleitet, die zu Schäden an der öffentlichen Kanalisation (Korrosion von Abwasserleitungen) oder an der zentralen Abwasserreinigungsanlage (toxische Wirkungen auf die biologische Reinigungsstufe) führen können.
14. Im Einzelnen geht es um:
kommunales Abwasser, soweit es die Kapazität der öffentlichen Kanalisation oder der zentralen Abwasserreinigungsanlage sprengt;
Industrieabwasser, das in die öffentliche Kanalisation eingeleitet werden soll (Indirekteinleitung), aber den Anforderungen von Anh. 3.2 GSchV nicht entspricht; soweit dieses Abwasser vorbehandelt wird, ist auch Art. 12 Abs. 1 GSchG anwendbar;
Industrieabwasser, das direkt in ein Gewässer eingeleitet werden soll (Direkteinleitung), wenn es den Anforderungen von Anh. 3.1 und 3.2 GSchV nicht entspricht;
anderes verschmutztes Abwasser, soweit es gemäss den Anforderungen nach Anh. 3.3 GSchV behandelt (Direkteinleitung) oder vorbehandelt (Indirekteinleitung) werden muss.
15. Abs. 2 regelt nicht das Thema Fremdwasser, weil es sich dabei – vom Ursprungsort aus betrachtet – um nicht verschmutztes Abwasser handelt. Bei der Entsorgung des Fremdwassers sind die Vorschriften über die Entsorgung von nicht verschmutztem Abwasser anzuwenden (Art. 7 Abs. 2 GSchG). Hingegen gilt Kühlwasser gemäss Anh. 3.3 Ziff. 21 und 22 GSchV als verschmutztes Abwasser. Diese gesetzliche Vermutung kann nicht widerlegt werden, da das Kühlwasser einerseits in der Regel physikalisch verändert wurde (Temperatur!) und andererseits stets ein gewisses Risiko besteht, dass das Kühlwasser mit Stoffen, die Wasser verunreinigen können, verunreinigt wird.
D. Fremdwasserproblematik
16. Pro Jahr wird in den zentralen Abwasserreinigungsanlagen schweizweit knapp 1,7 Mrd. m3 verschmutztes Abwasser behandelt (Eawag, Abwasserentsorgung 2025, 131). Im Durchschnitt beträgt dabei der Anteil des Fremdwassers etwa 40 %, wobei je nach Kanton erhebliche Abweichungen vom schweizerischen Mittel auftreten (z.B. Kanton Wallis: mehr als 60 %; Kanton Basel-Land, nach einer Kampagne zur Fremdwassersanierung: 30 %; vgl. Eawag, Abwasserentsorgung 2025, 138). Das Fremdwasser stammt aus Sickerleitungen, landwirtschaftlichen Drainagen, Quellen, eingedolten oberirdischen Gewässern, Überläufen von Reservoiren der Wasserversorgung und aus Laufbrunnen. Nicht zu vernachlässigen sind auch Grundwassereinbrüche bei schadhaften Kanalisationen.
17. Hohe Fremdwasseranteile in der öffentlichen Kanalisation und in der zentralen Abwasserreinigungsanlage führen zu verschiedenen unerwünschten Effekten:
Die hydraulische Belastung der Abwasseranlagen nimmt zu. Die Anlagen müssen als Folge grösser dimensioniert werden, was erheblich höhere Kosten für die öffentliche Abwasserentsorgung bedeuten kann. Führt man sich vor Augen, dass der Wiederbeschaffungswert der öffentlichen Abwasseranlagen rund CHF 130–160 Mrd. beträgt (Eawag, Abwasserentsorgung 2025, 79), wird rasch klar, dass in der Vergangenheit durch Fremdwassereinleitungen unnötige Investitionen in grosser Höhe ausgelöst wurden.
Die Wirksamkeit des Gesamtsystems nimmt ab. Bei grösserer Wassermenge und gleichen Schadstoffkonzentrationen im Auslauf aus der zentralen Abwasserreinigungsanlage ergeben sich höhere Schadstofffrachten, die mit dem behandelten Abwasser in das öffentliche Gewässer entweichen.
18. Fremdwasserzuflüsse in die öffentliche Kanalisation sind zu sanieren (Komm. zu Art. 76 GSchG N 6 f.). Das Fremdwasser, welches als nicht verschmutzt gilt, ist zu versickern oder, wenn dies aus technischen Gründen (Versickerungsfähigkeit des Bodens usw.) nicht möglich ist, in ein oberirdisches Gewässer einzuleiten.
E. Landwirtschaftliche Verwertung des häuslichen Abwassers
19. Art. 12 Abs. 4 regelt eine Ausnahme von der Anschlusspflicht für landwirtschaftliche Betriebe. Der Zweck dieser Bestimmung liegt darin, eine differenzierte Regelung der Abwasserbeseitigung zu verwirklichen und eine aus Sicht des Gewässerschutzes vorteilhafte Verwertung der Abwässer zu ermöglichen (Botschaft GSchG 1987, 1116). Da landwirtschaftliche Gülle ohnehin vor der Ausbringung mit Wasser verdünnt werden muss, damit keine Schäden an begüllten Kulturen entstehen und die Nährstoffe der Gülle besser genutzt werden, ist es sinnvoll, dafür häusliches Abwasser anstelle von Trinkwasser zu verwenden (BLW/BUWAL, Wegleitung Landwirtschaft, 52; Verwaltungsgericht SG, Urteil vom 21. August 2013, B-2013-61, E. 4.5.4). Da der natürliche Boden, sofern er bepflanzt und durchwurzelt ist, bei sachgerechter Ausbringung der verdünnten Gülle als Filter für das Abwasser einen äusserst hohen Wirkungsgrad aufweist, ist eine solche Abwasserbehandlung zudem aus Sicht des Gewässerschutzes vorteilhaft (BLW/BUWAL, Wegleitung Landwirtschaft, 52).
20. Sind die Voraussetzungen des Art. 12 Abs. 4 erfüllt, entfällt die An­schlusspflicht an die öffentliche Kanalisation. Es ist insbesondere auch nicht zu prüfen, ob ein Anschluss an die Kanalisation nach Art. 11 Abs. 2 Bst. c zweckmässig und zumutbar wäre (BGer 1C_401/2008 vom 26. März 2009, E. 2.3).
A. Vorbehandlung von Abwasser (Abs. 1)
1. Handlungspflichten
21. Die Verpflichtung zur Abwasservorbehandlung trifft den Inhaber des Abwassers, wie aus dem Wortlaut von Abs. 1 Satz 1: «Wer Abwasser einleiten will, […] muss es vorbehandeln» geschlossen werden kann. Ein Blick auf das ausführende Verordnungsrecht zeigt indes, dass der Inhaberbegriff mehrschichtig ist. Je nach Sachzusammenhang ist der Inhaber des verschmutzten Abwassers, der Inhaber der Abwasseranlagen (wozu auch Vorbehandlungsanlagen zählen) oder auch der Inhaber des Betriebs, der Industrieabwasser ableitet, Adressat von Art. 12 GSchG. Im Übrigen ist der Inhaberbegriff im Gewässerschutzrecht gleich wie im Umweltschutzrecht zu definieren: Als Inhaber gilt, wer die tatsächliche Herrschaft über eine Sache innehat. Tatsächliche Sachherrschaft «meint das faktische Vermögen, die Sache ohne Rücksicht auf Recht oder Unrecht zu verwenden, zu verändern, zu zerstören, zu behalten oder weiterzugeben» (Brunner/Tschannen, Kommentar USG, Vorbem. zu Art. 30-32e, N 50, mit Verweis auf BGE 119 Ib 492, 502, E. 4b cc; 118 Ib 407, 411, E. 3c = URP 1993, 87; vgl. auch Lustenberger, Gefahrenabwehr, 378 ff.; ferner Verwaltungsgericht BE, Urteil vom 15. März 2004, E. 4.4, in: BVR 2004 464, 472).
22. Im Einzelnen bestehen bei der Verpflichtung zur Abwasservorbehandlung folgende Handlungspflichten:
Pflicht zur Projektierung und Erstellung der Vorbehandlungsanlagen
23. Die Entsorgung von Industrieabwasser (d.h. Abwasser aus gewerblichen und industriellen Betrieben sowie damit vergleichbares Abwasser, wie solches aus Laboratorien und Spitälern; Anh. 3.2 Ziff. 1 Abs. 1 Bst. a und b GSchV) ist Teil der betrieblichen Leistungserbringungsprozesse. Ist eine Vorbehandlung bestimmter verschmutzter Abwässer erforderlich, ist dies zwangsläufig mit Umstellungen in den betrieblichen Abläufen verbunden.
24. Diese Umstellungen müssen vom Betrieb bewusst geplant werden. Es ist zu entscheiden, welche Verfahrenstechnik bei der Abwasserbehandlung eingesetzt werden soll. Unter Umständen sind mit Blick auf die Entsorgung des Abwassers überdies Produktionsprozesse zu optimieren (z.B. Verfahrensumstellungen in der Produktion, Substitution von Stoffen durch weniger problematische). Über die Anwendung einer geeigneten Abwassertechnologie hinaus sind somit stets auch organisatorische und betriebliche Massnahmen in Betracht zu ziehen. Oft sind Kombinationen verschiedener Massnahmen zielführend; es gibt nicht nur eine Möglichkeit, um das Ziel der Abwasservorbehandlung zu erreichen, nämlich dass das in die öffentliche Kanalisation abzuleitende Abwasser in seiner Beschaffenheit den Anforderungen von Anh. 3.2 GSchV (Industrieabwasser) bzw. Anh. 3.3 GSchV (anderes verschmutztes Abwasser) dauernd entspricht.
25. Anh. 3.2 Ziff. 1 Abs. 2 GSchV gibt bei Industrieabwasser vor, dass bei Produktionsprozessen und bei der Abwasserbehandlung die nach dem Stand der Technik notwendigen Massnahmen getroffen werden müssen, um Verunreinigungen der Gewässer zu vermeiden. Insbesondere ist dafür zu «sorgen, dass:
a. so wenig abzuleitendes Abwasser anfällt und so wenig Stoffe, die Wasser verunreinigen können, abgeleitet werden, als dies technisch und betrieblich möglich und wirtschaftlich tragbar ist;
b. nicht verschmutztes Abwasser und Kühlwasser getrennt von verschmutztem Abwasser anfällt;
c. verschmutztes Abwasser weder verdünnt noch mit anderem Abwasser vermischt wird, um die Anforderungen einzuhalten; die Verdünnung ist erlaubt, wenn dies für die Behandlung des Abwassers zweckmässig ist und dadurch nicht mehr Stoffe abgeleitet werden als bei getrennter Behandlung.»
26. Zusätzlich gibt Anh. 3.2 GSchV für Industrieabwasser allgemeine Anforderungen (z.B. Anforderungen an den pH-Wert des abzuleitenden Abwassers, Konzentrationsgrenzwerte für bestimmte Schwermetalle und andere Stoffe) und für Abwasser aus bestimmten Branchen besondere Anforderungen vor.
27. Bei anderem verschmutztem Abwasser im Sinne von Anh. 3.3 GSchV legt die Gewässerschutzbehörde die Anforderungen an die Einleitung aufgrund der Eigenschaften des Abwassers, des Standes der Technik und des Zustandes des Gewässers im Einzelfall fest (Anh. 3.3 Ziff. 1 Abs. 1 GSchV). Auch hier sind für bestimmte Prozesse (für Anlagen mit Kühlsystemen, Baustellen, Fassaden‑ und Tunnelreinigung, Deponien, Kiesaufbereitungsanlagen oder Schwimmbecken) ergänzend besondere Anforderungen zu beachten (Anh. 3.3 Ziff. 2 GSchV).
28. Einleitungen von Industrieabwasser nach Anh. 3.2 GSchV und von anderem verschmutztem Abwasser nach Anh. 3.3 GSchV in die öffentliche Kanalisation sind bewilligungspflichtig (Art. 7 Abs. 1 GSchV). Im Rahmen des Bewilligungsverfahrens ist nicht nur zu prüfen, ob die Anforderungen nach Anh. 3.2 bzw. Anh. 3.3 GSchV eingehalten werden, sondern auch, ob Gründe zur Verschärfung oder Erleichterung der Anforderungen vorliegen (Art. 7 Abs. 2 und 3 GSchV).
29. Selbstverständlich sind auch Einleitungen von verschmutztem Abwasser in Gewässer und die ausnahmsweise Versickerung solchen Abwassers bewilligungspflichtig (Art. 7 Abs. 1 GSchG in Verbindung mit Art. 6 GSchV bzw. Art. 8 GSchV). Auch bei der Einleitung verschmutzten Abwassers in Gewässer bestehen Verschärfungs‑, Ergänzungs‑ und Erleichterungsgründe (Art. 6 Abs. 2–4 GSchV; vgl. dazu Komm. zu Art. 7 GSchG N 29 ff.).
30. Für die Erstellung der Vorbehandlungsanlagen ist ihr Inhaber verantwortlich (so auch ausdrücklich Art. 15 Abs. 1 GSchG). Dieser ist regelmässig gleichzeitig auch der Inhaber des Abwassers.
Pflicht, die Vorbehandlungsanlagen sachgemäss zu betreiben
31. Im Hinblick auf einen störungsfreien Betrieb müssen die Vorbehand­lungsanlagen sachgemäss betrieben werden. Unter einem sachgemässen Betrieb sind die fachkundige Bedienung, die permanente Wartung und der hinreichende Unterhalt der Anlagen zu verstehen. Diese Pflichten folgen bereits in allgemeiner Weise aus Art. 12 Abs. 1 GSchG und werden in Art. 15 Abs. 1 GSchG ausdrücklich als Pflichten des Inhabers der Abwasseranlagen genannt. Auf Verordnungsebene führt Art. 13 GSchV («Fachgerechter Betrieb») die Pflichten näher aus.
32. Zu einem sachgemässen Betrieb gehören auch verschiedene Nebenpflichten, so etwa das Protokollieren der wesentlichen Betriebszustände der Vorbehandlungsanlage (namentlich Aufzeichnungen einer pH-Endkontrolle, Ergebnisse von chemischen Analysen, Rapporte über Betriebsstörungen und deren Behebung, Protokolle der vorgeschriebenen regelmässigen Funktionskontrollen im Sinne von Art. 15 Abs. 1 GSchG). Zu den im Einzelnen im Zusammenhang mit dem Betrieb der Abwasseranlagen bestehenden Pflichten s. Komm. zu Art. 15 GSchG N 28 ff.
Meldepflichten gegenüber der Gewässerschutzbehörde
33. Die Inhaber von Betrieben, die Industrieabwasser in die öffentliche Ka­nalisation ableiten, und die Inhaber von Abwasserreinigungsanlagen, die Abwasser in die öffentliche Kanalisation einleiten (worunter Vorbe­handlungsanlagen zu verstehen sind), können verpflichtet werden, der Gewässerschutzbehörde wesentliche Daten über die Abwasserentsorgung zu melden (Art. 14 GSchV). Bezweckt wird damit einerseits, dass die Behörde erkennen kann, ob in einem industriellen oder gewerblichen Betrieb eine Abwasservorbehandlung angeordnet werden muss. Andererseits wird mit der Meldepflicht auch bezweckt, dass bei eingetretenen oder zu befürchtenden Störungen des Betriebs bestehender Vorbehandlungsanlagen die Behörde frühzeitig eingreifen kann.
34. Der Gewässerschutzbehörde gemeldet werden müssen die abgeleiteten Abwassermengen und die Mengen und Konzentrationen der Stoffe, die sie nach Art. 13 GSchV ermitteln müssen. In der gemäss Art. 7 GSchV erforderlichen Bewilligung wird diese Meldepflicht als Auflage in denjenigen Fällen angeordnet, in denen eine gewisse Wahrscheinlichkeit besteht, dass Abwassereinleitungen zu Problemen in der öffentlichen Kanalisation oder in der zentralen Abwasserreinigungsanlage führen könnten.
Pflicht, Massnahmen im Hinblick auf ausserordentliche Ereignisse zu ergreifen
35. Inhaber von Betrieben, die Industrieabwasser in eine Abwasserreini­gungsanlage ableiten, «müssen zur Verminderung des Risikos einer Ge­wässerverunreinigung durch ausserordentliche Ereignisse die geeigneten und wirtschaftlich tragbaren Massnahmen treffen» (Art. 16 Abs. 1 GSchV). Stellt sich heraus, dass trotz dieser Massnahmen das Verunreinigungsrisiko «nicht tragbar» ist, ordnet die Gewässerschutzbehörde die erforderlichen zusätzlichen Massnahmen an (Art. 16 Abs. 2 GSchV), und zwar ohne Rücksicht auf die wirtschaftliche Tragbarkeit dieser zusätzlichen Massnahmen. Dieser Risikoansatz wurde dem Regelungskonzept der StFV nachgebildet (weiterführend Stutz, Abwasserrecht, 48 f.).
36. Im Zusammenhang mit diesem Risikoansatz müssen die Inhaber von Betrieben, die Industrieabwasser in die öffentliche Kanalisation ableiten, dafür sorgen, dass ausserordentliche Ereignisse unverzüglich dem Inhaber der Abwasserreinigungsanlage gemeldet werden, wenn diese Ereignisse dazu führen können, dass der ordnungsgemässe Betrieb der (öffentlichen) Abwasseranlagen erschwert oder gestört wird (Art. 17 Abs. 2 GSchV). Auch gegenüber der Bewilligungsbehörde (vgl. Art. 6–8 GSchV) besteht eine Meldepflicht (Art. 17 Abs. 1 GSchV).
2. Vorbehandlungsmassnahmen
37. Soweit das abzuleitende verschmutzte Abwasser in seiner Beschaffenheit nicht den Anforderungen von Anh. 3.2 oder Anh. 3.3 GSchV entspricht, ist es vorzubehandeln. Vorbehandlung in einem weiten Sinn umfasst auch verfahrenstechnische Umstellungen in der Produktion wie namentlich die Substitution von Stoffen oder die Wahl alternativer Herstellungsverfahren. In einem engeren Sinn versteht man unter Vorbehandlung technische Behandlungsverfahren für das Abwasser, mit dem Ziel, das Abwasser in seiner Beschaffenheit so zu ändern, dass es den Vorschriften für die Ableitung in die öffentliche Kanalisation entspricht. Es kommt dabei, zugeschnitten auf die jeweils vorhandenen Stoffe im vorzubehandelnden Abwasser (eine Auswahl typischer Inhaltsstoffe findet sich in Stutz, Abwasserrecht, 153), eine Vielzahl physikalischer, biologischer und chemischer Vorbehandlungsprozesse zur Anwendung.
38. Die anzuwendende Verfahrenstechnik bei der Vorbehandlung hat sich am Stand der Technik zu orientieren (Näheres hierzu s. BUWAL, Stand der Technik, 9; Brunner, Stand der Technik, 210 f.; Stutz, Abwasserrecht, 164 ff.; in der Rechtsprechung dazu Verwaltungsgericht ZH, Urteil vom 11. Mai 2005, E. 3, in: URP 2005, 744, 746, sowie Verwaltungsgericht BE, Urteil vom 12. Januar 2009, E. 4, in: URP 2009, 648, 654 ff.):
Der Begriff kennzeichnet einen fortschrittlichen Entwicklungsstand technologischer Verfahren («Front des technischen Fortschrittes»).
Diese Verfahren haben sich in der praktischen Anwendung bewährt oder sie sind in der Praxis sicher durchführbar.
Die wirtschaftliche Durchführbarkeit muss gewährleistet sein, wobei zu beachten ist, dass die wirtschaftliche Durchführbarkeit nicht identisch ist mit individueller betriebswirtschaftlicher Vertretbarkeit oder Zumutbarkeit; vielmehr kommt es auf die ökonomische Durchführung entsprechender Verfahren usw. in dem betreffenden industriellen Sektor an.
39. Das BAFU hat, in Zusammenarbeit mit den Kantonen, verschiedene Vollzugshilfen erarbeitet, die unbestimmte Rechtsbegriffe konkretisieren und eine einheitliche Vollzugspraxis erreichen wollen. Teilweise wird darin auch der Stand der Technik festgehalten. Mit Bezug auf Industrieabwasser bestehen folgende Vollzugshilfen:
Einleitung von Abwässern der chemischen Industrie in Gewässer und in die öffentliche Kanalisation (2001)
Amalgamablagerungen in Abwasserleitungen von Zahnarztpraxen (1999)
Empfehlungen für die Entsorgung von quecksilberhaltigen Abwässern und Abfällen aus Zahnarztpraxen (1988)
Wegleitung für die Vorbehandlung und Entsorgung von Abwässern aus dem Auto‑ und Transportgewerbe (1987)
40. Auch hinsichtlich der Entsorgung von anderem verschmutztem Abwasser (nach Anh. 3.3 GSchV) sind verschiedene Vollzugshilfen des BAFU herausgegeben worden, so etwa:
Anforderungen an die Einleitung von Deponiesickerwasser (2012)
Strassenabwasserbehandlungsverfahren, Stand der Technik (2010)
Abwässer aus Kehrichtverbrennungsanlagen (2004)
Gewässerschutz bei der Entwässerung von Verkehrswegen (2002)
Entwässerungsverhalten und Schadstoffaustrag von Gleiskörpern (2002)
41. Neben dem BAFU widmen sich auch private Organisationen der Nor­mierung im Bereich der Abwasserentsorgung. Zu erwähnen sind namentlich der Verband Schweizer Abwasser‑ und Gewässerschutzfachleute (VSA) und der Schweizerische Ingenieur‑ und Architektenverein (SIA).
42. Obwohl diese Vollzugshilfen und privaten Normen keine Rechtssätze darstellen, sondern lediglich das Gesetzes‑ und Verordnungsrecht in technischer Hinsicht konkretisieren, ist ihre Bedeutung nicht zu unterschätzen. Die Gerichte stellen regelmässig auf diese Vorgaben ab.
3. Kantonale Regelung der Vorbehandlung
43. Nach Abs. 1 Satz 2 regeln die Kantone die Vorbehandlung.
44. Einerseits umfasst diese Ermächtigung die generell-abstrakte Festlegung von Vorbehandlungsmassnahmen. Die Kantone müssen sich jedoch nach den detaillierten inhaltlichen Vorgaben des Bundes richten. Die wesentlichen Vorgaben sind in der GSchV vorgegeben. Daneben steuern die Vollzugshilfen des BAFU teilweise sehr engmaschig. Inhaltlich können die Kantone nur dort kantonale Vorgaben machen, wo der Bund selber auf eine abschliessende Ordnung verzichtet hat und die Regelung des Bundes lückenhaft bleibt. Die Kantone haben somit nur einen sehr beschränkten Spielraum bei der eigenen Rechtsetzung (vgl. hierzu BGer 1C_390/2008 vom 15. Juni 2009).
45. Andererseits bezieht sich diese Ermächtigung auch auf die Festlegung der Vorbehandlungsmassnahmen im Einzelfall. Im Rahmen gewässerschutz-rechtlicher Bewilligungs‑ oder Sanierungsverfahren kann die kantonale Behörde dem Pflichtigen Vorgaben und Ziele auferlegen.
B. Entsorgung von für die Behandlung in der zentralen Abwasserreinigungsanlage nicht geeignetem Abwasser (Abs. 2)
1. Zweckmässige Entsorgung von nicht geeignetem Abwasser
46. Ist Abwasser für die Behandlung in der zentralen Abwasserreinigungsanlage nicht geeignet, muss es – im Interesse des einwandfreien Funktionierens der zentralen Abwasserreinigungsanlage – auf andere Weise als durch Einleitung in die öffentliche Kanalisation und die zentrale Abwasserreinigungsanlage entsorgt werden. Diese andere Art der Entsorgung («Beseitigung») hat zweckmässig zu sein, d.h. es ist eine Entsorgungsart zu wählen, die keine Beeinträchtigungen für die Umwelt zur Folge hat. Als zweckmässige Entsorgungsarten kommen in Betracht:
die Vorbehandlung des Abwassers am Anfallort und die anschliessende Ableitung in die öffentliche Kanalisation und die zentrale Abwasserreinigungsanlage (Abs. 1);
die Behandlung des Abwassers in einer auf dessen spezifischen Inhaltsstoffe ausgerichteten (nicht zentralen) Abwasserreinigungsanlage und die Direkteinleitung in ein oberirdisches Gewässer;
die Entsorgung als flüssiger Sonderabfall nach den Vorschriften der Umweltschutzgesetzgebung;
die Verwendung in industriellen Prozessen (Kreislaufführung und Entsorgung der abgearbeiteten Flüssigkeit als flüssiger Sonderabfall; stoffliche Verwertung, z.B. Einarbeitung in Produkte).
47. Die «Nicht-Eignung» des Abwassers für die Einleitung in die öffentliche Kanalisation und die zentrale Abwasserreinigungsanlage wird vermutet, wenn das Abwasser den Anforderungen von Anh. 3.2 GSchV (Indu­strieabwasser) bzw. Anh. 3.3 GSchV (anderes verschmutztes Abwasser) nicht entspricht.
2. Entscheid der kantonalen Behörde
48. In der Regel wird die Nicht-Eignung von Abwasser im Rahmen eines Baubewilligungsverfahrens oder von periodischen Kontrollen (Art. 15 Abs. 2 GSchG) festgestellt.
49. Wenn die vorgesehene Abwasserentsorgung bei einer industriellen oder gewerblichen Nutzung bereits im Zeitpunkt der Eingabe des Baugesuchs genügend bestimmt ist, wird im Rahmen des Baubewilligungsverfahrens festgestellt, ob Abwasser zu entsorgen ist, das sich für die Behandlung in einer zentralen Abwasserreinigungsanlage nicht eignet. Die nötigen Auflagen für eine umweltrechtskonforme Entsorgung werden in einer mit der Baubewilligung koordinierten gewässerschutzrechtlichen Bewilligung (nach Art. 7 GSchV) angeordnet.
50. Wird im Rahmen von periodischen Kontrollen festgestellt, dass für die Behandlung in der zentralen Abwasserreinigungsanlage nicht geeignetes Abwasser anfällt, wird der Inhaber des Abwassers (und gleichzeitig Inhaber der Anlage, die das Abwasser hervorbringt) aufgefordert, der zuständigen Behörde innert einer angemessenen Frist Vorschläge zur Sanierung der betrieblichen Abwasserverhältnisse (d.h. ein Sanierungsprojekt) zu unterbreiten.
51. Zuständig für diese Anordnungen ist die kantonale Gewässerschutzbehörde. Sie legt auch durch Verfügung fest, welche andere Art der Entsorgung für das Abwasser zu wählen ist. Dabei verfügt sie über ein erhebliches Ermessen.
3. Mitwirkung des Inhabers des Abwassers
52. Freilich wird die kantonale Gewässerschutzbehörde auf die Fachkunde des Bauherrn, der gleichzeitig Inhaber des problematischen Abwassers ist, abstellen: Der Bauherr hat zusammen mit dem Baugesuch auch diejenigen Angaben über die umweltgerechte Entsorgung des Abwassers einzureichen, die eine sachgerechte Prüfung durch die kantonale Gewässerschutzfachstelle ermöglichen. Analoges gilt bei einem gewässerschutzrechtlichen Sanierungsverfahren; der Betriebsinhaber legt der Gewässerschutzbehörde ein Sanierungsprojekt vor, das alle nötigen Unterlagen für die Beurteilung des Projekts enthalten muss.
53. Die Einbindung des Inhabers entspricht nicht nur dem Verhältnismäs­sigkeitsprinzip – es sind in der Regel jeweils verschiedene Lösungen bei der Entsorgung des Abwassers möglich –, sondern unterstreicht auch die Verantwortung, die der Inhaber für die umweltgerechte Entsorgung des von seinen Anlagen stammenden Abwassers trägt.
54. Dass der Inhaber einen Vorschlag macht, ist auch deshalb sinnvoll, weil möglicherweise nicht nur in die betriebliche Abwasservorbehandlung eingegriffen werden muss, sondern unter Umständen auch in industrielle oder gewerbliche Prozesse (z.B. mittels Substitution von problematischen Stoffen durch weniger problematische; s. N 23 ff., 37 ff.). Es kommt hier entscheidend auf das fachliche Wissen des Betriebsinhabers an.
55. Der Vorschlag des Inhabers wird durch die kantonale Gewässerschutz­behörde geprüft. Soweit eine Lösung gewählt wird, bei der Abwasser zu entsorgen ist, bedarf es einer Bewilligung nach Art. 6–8 GSchV. In dieser Bewilligung wird – bei Sanierungen – eine Realisierungsfrist gesetzt (je nach Gefahrensituation und Investitionsbedarf für den Inhaber üblicherweise zwischen einem halben und einem Jahr). Die Investitions- und Betriebskosten sind gemäss dem Verursacherprinzip (Art. 3a GSchG) vom Inhaber zu tragen. Auch das Entwicklungsrisiko trägt der Inhaber: Wenn sich die Massnahmen als nicht hinreichend herausstellen – was mit Kontrollen festzustellen ist –, sind weitergehende Massnahmen anzuordnen. Der Betriebsinhaber erhält mit der gewässerschutzrechtlichen Bewilligung keine geschützte Rechtsposition, die es erlauben würde, gegen die durch Gesetz und Verordnung festgelegten Anforderungen zu verstossen.
56. Das Gesetz spricht von der «kantonalen Behörde», die den Entscheid über die zweckmässige Entsorgung des Abwassers treffen muss. Diese Zuweisung an eine kantonale Behörde ist sachgerecht, erfordert doch die Beurteilung dieser Spezialfälle erhebliche Fachkompetenz, die in der Regel nur bei den kantonalen Gewässerschutzfachstellen vorhanden ist, nicht aber bei den kommunalen Behörden. Zudem erleichtert diese Zuweisung einen kantonsweit einheitlichen Vollzug. Indes hält man es in der Praxis für nicht ausgeschlossen, dass anstelle der kantonalen Behörde die kommunalen Gewässerschutzbehörden in einfachen Fällen entscheiden. Vorauszusetzen ist hierbei jedoch, dass die Gemeinden über die nötigen Mittel für den Vollzug verfügen und dass der Kanton für eine kantonsweit einheitliche Praxis sorgt.
57. Im Übrigen ist der Miteinbezug des Inhabers der zentralen Abwasserrei­nigungsanlage zwar von Bundesrechts wegen nicht ausdrücklich vorge­schrieben, aber mit Blick auf die Behandlungspflicht des Inhabers der zentralen Abwasserreinigungsanlage durchaus angebracht. Entsprechend kann die Bewilligungsbehörde den Inhaber der zentralen Abwasserreinigungsanlage im Vorfeld der Erteilung der Bewilligung anhören.
C. Fremdwasser (Abs. 3)
58. Was der Gesetzgeber als «nicht verschmutztes Abwasser, das stetig anfällt», umschreibt, wird gemeinhin als «Fremdwasser» bezeichnet. Darunter ist Wasser zu verstehen, das
an der Einleitungsstelle in die öffentliche Kanalisation als nicht verschmutztes Abwasser anfällt und mit der Vermischung mit dem in der öffentlichen Kanalisation fliessenden verschmutzten Abwasser selber verschmutzt wird;
stetig, d.h. auch bei Trockenwetter (Botschaft GSchG 1987, 1115), anfällt.
59. Die Vorschrift betrifft jedoch nicht Niederschlagswasser (Meteorwasser), da dieses nur bei Niederschlägen und damit nicht stetig anfällt.
2. Ausnahmebewilligung
60. Abs. 3 Satz 2 sagt nichts darüber aus, in welchen Fällen Ausnahmebewil­ligungen erteilt werden können. Indes findet sich eine Regelung auf Ver­ordnungsebene. Für neue Fremdwassereinleitungen bestimmt Art. 12 Abs. 2 GSchV, dass neue Zuleitungen in eine zentrale Abwasserreinigungsanlage nur bewilligt werden dürfen, wenn die örtlichen Verhältnisse die Versickerung oder die Einleitung in ein Gewässer nicht erlauben.
61. Zuständig für die Erteilung der Ausnahmebewilligung ist die kantonale Gewässerschutzbehörde. Zum Auftrag des Kantons, dafür zu sorgen, dass bestehende Fremdwassereinleitungen die Wirkung der zentralen Abwasserreinigungsanlage nicht mehr beeinträchtigen (s. Komm. zu Art. 76 GSchG N 6 f.).
D. Landwirtschaftliches Privileg (Abs. 4 und 5)
62. Wie Abs. 4 bestimmt, darf in einem Landwirtschaftsbetrieb mit erheblichem Rindvieh- und Schweinebestand das häusliche Abwasser zusammen mit der Gülle landwirtschaftlich verwertet werden. Vorausgesetzt wird, dass sich die Wohn- und Betriebsgebäude mit Umschwung in der Landwirtschaftszone oder in einer Planungszone zwecks Zuweisung zur Landwirtschaftszone befinden (Bst. a). Weiter muss die Lagerkapazität auch für das häusliche Abwasser genügen und die Verwertung auf den eigenen oder gepachteten Nutzflächen sichergestellt sein (Bst. b).
Erheblicher Rindvieh‑ und Schweinebestand
63. Von einem erheblichen Rindvieh‑ und Schweinebestand ist auszugehen, wenn dieser mindestens 8 Düngergrossvieheinheiten (DGVE) umfasst (Art. 12 Abs. 3 GSchV), wobei eine DGVE dem jährlichen Anfall an Gülle und Mist einer 600 kg schweren Kuh entspricht (Art. 14 Abs. 8 GSchG). Es wird nicht widerlegbar gesetzlich vermutet, dass nur unter dieser Voraussetzung ein ausreichendes Mischverhältnis zwischen Gülle und häuslichem Abwasser zu erreichen ist (Botschaft GSchG 1987, 1116). Von vornherein nicht von der Privilegierung des Abs. 4 erfasst werden entsprechend Betriebe mit geringer Nutztierhaltung, viehlose Landwirtschaftsbetriebe, Hobbytierhaltungen, zweckentfremdete Landwirtschaftsbetriebe sowie solche mit angegliedertem überwiegendem Gastwirtschaftsbetrieb (Botschaft GSchG 1987, 1117). Ein Landwirtschaftsbetrieb, welcher nicht über den notwendigen Tierbestand verfügt, kann die Befreiung von der Anschlusspflicht auch nicht mittels Zuführen von Jauche von anderen Betrieben erreichen (Verwaltungsgericht BE, Urteil vom 7. September 2006, E. 4.5, in: BVR 2007 37, 40). Eine Befreiung von der Anschlusspflicht ist hingegen weiterhin möglich, wenn der Betriebsleiter zwar selber nicht mehr genügend Vieh hält (etwa wegen der Umstellung auf viehlosen Ackerbau), aber den Stall und die Güllengrube an einen anderen Betrieb zur Haltung von Vieh in ausreichender Anzahl verpachtet (BAFU/BLW, Baulicher Umweltschutz, 19).
64. Selbst bei Betrieben, welche die Mindestanforderung von 8 DGVE erreichen, ist das Einleiten der Abwässer in die Güllengrube aber nur zulässig, wenn der Anteil unverdünnter Gülle mindestens 25 % der Gesamtmenge ausmacht und somit ein Mischverhältnis von unverdünnter Gülle zu Verdünnungswasser (Abwasser aus Stall, Laufhof, Silo, Haushalt) von 1:3 nicht übersteigt (BAFU/BLW, Baulicher Umweltschutz, 16 Fn. 17; VSA, Leitfaden Abwasser, B04 2). Kein ausreichendes Mischverhältnis wird etwa bei der Tierhaltung auf Tiefstreu erreicht, da in diesem Fall keine ins Gewicht fallende Güllenmenge anfällt (Stutz, Abwasserrecht, 136). Das gleiche gilt im Falle der Haltung anderer Tierarten wie Pferde, Geflügel, Schafe, Ziegen oder Kleintiere, bei welchen ebenfalls hauptsächlich Festmist anfällt (Verwaltungsgericht BE, Urteil vom 7. September 2006, E. 4.2, in: BVR 2007 37, 39; VSA, Leitfaden Abwasser, B04 2). Mit der Motion von Nationalrat Aebi betreffend Anpassung des Gewässerschutzgesetzes an die heutige Nutztierhaltung (Mo. Aebi Nutztierhaltung) vom 17. April 2013 wird allerdings angestrebt, die Bestimmungen über die landwirtschaftliche Verwertung von Abwasser auf alle Fälle der Nutztierhaltung auszudehnen. Der Bundesrat beantragte in seiner Stellungnahme vom 14. August 2013 die Ablehnung der Motion unter dem Hinweis auf den bei anderen Tierarten als Rindern und Schweinen anfallenden Festmist und die damit verbundenen Schwierigkeiten der Erreichung einer genügenden Güllenmenge. Der Nationalrat nahm die Motion allerdings am 12. März 2015 an. Die Behandlung durch den Zweitrat steht noch aus.
Lage in Landwirtschaftszone oder Massnahmen zur Zuweisung getroffen
65. Liegen die Wohn‑ und Betriebsgebäude nicht in der Landwirtschaftszone, sondern in der Bauzone, so ist die landwirtschaftliche Abwasserverwertung nur zulässig, wenn die Gemeinde mit dem Entscheid über die Entsorgung des Abwassers Massnahmen trifft, um die Gebäude samt Umschwung der Landwirtschaftszone zuzuweisen. In Frage kommt namentlich das Ausscheiden von Planungszonen. In diesem Fall kann das häusliche Abwasser in die Güllengrube eingeleitet werden, sofern die übrigen Voraussetzungen nach Abs. 4 erfüllt sind (BAFU/BLW, Baulicher Umweltschutz, 17).
66. Die Möglichkeit der landwirtschaftlichen Verwertung des Abwassers entfällt, wenn die nicht in der Landwirtschaftszone gelegenen Wohn- und Betriebsgebäude nicht innert fünf Jahren nach Erlass der planerischen Massnahmen gemäss Abs. 4 Bst. a der Landwirtschaftszone zugewiesen werden. In diesem Fall muss das häusliche Abwasser in die Kanalisation geleitet werden (Abs. 5). Die Maximalfrist für die Umzonung von fünf Jahren entspricht der maximalen Geltungsdauer für Planungszonen gemäss der Raumplanungsgesetzgebung (Botschaft GSchG 1987, 1117; Art. 27 Abs. 2 RPG).
Genügende Lagerkapazität und Verwertung auf Nutzfläche sichergestellt
67. Die Lagerkapazität der Jauchegrube oder anderer Lagereinrichtungen (z.B. Güllensilo) muss ausreichen, um die anfallende Gülle und das häusliche Abwasser aufzunehmen. Der Nachweis der genügenden Lagerkapazität kann über die Zumietung von Lagervolumen erfolgen, sollte ein Betrieb selbst nicht über die notwendige Lagerkapazität verfügen. Das Güllegemisch muss dabei tatsächlich im gemieteten Objekt gelagert und wieder auf den Betrieb zurückgeführt werden (Verwaltungsgericht SG, Urteil vom 21. August 2013, B-2013-61, E. 4.5; BAFU/BLW, Baulicher Umweltschutz, 22). Die gemeinsame Nutzung der gemieteten Güllengrube durch den Vermieter und den zuführenden Betrieb wird dadurch nicht ausgeschlossen. Es muss nicht genau das gleiche Güllengemisch auf den Betrieb zurückgebracht werden, wie zugeführt wurde, solange das Mischverhältnis insgesamt den Voraussetzungen entspricht (Verwaltungsgericht SG, Urteil vom 21. August 2013, B-2013-61, E. 4.5.5). Da im Falle der Kündigung des Mietvertrags auf die Befreiung von der Anschlusspflicht zurückzukommen ist, muss der Vertrag über die Miete des Lagervolumens über eine genügend lange Kündigungsfrist verfügen, damit der Anschluss an die öffentliche Kanalisation erfolgen kann. Keinesfalls ausreichend ist eine Kündigungsfrist von lediglich einem halben Jahr (Verwaltungsgericht SG, Urteil vom 21. August 2013, B-2013-61, E. 4.6).
68. Die Verwertung auf der eigenen oder gepachteten Nutzfläche muss bei ausgeglichener Düngerbilanz gesichert sein (vgl. Art. 14 Abs. 1 GSchG). Die Anrechnung von Flächen, für die Hofdüngerabnahmeverträge bestanden, war für die Prüfung der Voraussetzungen nach Abs. 4 nicht zulässig (Botschaft GSchG 1987, 1117; Verwaltungsgericht AG, Urteil vom 5. September 1996, AGVE 1996 290, 295, E. 1.b). Dies muss sinngemäss für Betriebe gelten, welche Hofdünger abgeben und dazu seit dem 1. Januar 2014 im elektronischen Lieferscheinsystem HODUFLU registriert sein müssen (vgl. Art. 14 Abs. 5 GSchG; Art. 165f LwG; Art. 14 ISLV). Für die Erfüllung der Voraussetzungen nach Abs. 4 Bst. b reicht es entsprechend nicht aus, wenn die Abgabe von Hofdünger nach Art. 14 Abs. 5 GSchG gesichert und erfasst wird. Vielmehr bedarf es der Verwertung des Hofdüngers auf der eigenen oder gepachteten Nutzfläche.
69. Die Befreiung von der Anschlusspflicht und die Möglichkeit der landwirtschaftlichen Verwertung des häuslichen Abwassers gilt nur für landwirtschaftlich genutzte Gebäude. Dies gilt für die Wohnbauten des Betriebsleiters sowie der landwirtschaftlichen Angestellten (BAFU/BLW, Baulicher Umweltschutz, 17). Vom Begriff des Landwirtschaftsbetriebs im Sinne von Abs. 4 werden auch Wohnbauten der abtretenden Generation (sog. Stöckli) erfasst. Die Zonenkonformität von Wohnraum in der Landwirtschaftszone bemisst sich nach Art. 34 Abs. 3 RPV, wobei diese Bestimmung den Wohnbedarf für die abtretende Generation ausdrücklich als zonenkonform erklärt. Aus diesem Grund erscheint eine Zurechnung dieses Wohnraums zum betreffenden Landwirtschaftsbetrieb auch in gewässerschutzrechtlicher Hinsicht gerechtfertigt (BGer 1C_401/2008 vom 26. März 2009, E. 2.3). Ebenfalls von der Privilegierung erfasst werden einzelne Wohnungen, die zwar von nicht in der Landwirtschaft tätigen Personen bewohnt werden, die sich aber innerhalb eines ansonsten dem landwirtschaftlichen Wohnbedarf dienenden Gebäudes befinden (BAFU/BLW, Baulicher Umweltschutz, 17).
70. Nicht mehr von Abs. 4 erfasst werden hingegen ursprünglich landwirtschaftlich genutzte Wohnbauten, deren landwirtschaftliche Zweckbestimmung entfallen ist, etwa bei der Vermietung des Bauernhauses an Dritte. In diesem Fall gelten die gleichen Anschlusspflichten wie für andere Bauten ausserhalb der Bauzonen; die Sonderregelung entfällt (BAFU/BLW, Baulicher Umweltschutz, 17).
71. Diesen Anforderungen mag ein Fall aus dem Kanton Bern aus heutiger Sicht nicht zu genügen. Zu beurteilen war ein Wohnhaus eines Landwirtschaftsbetriebs, das an zwei landwirtschaftsfremde Personen vermietet war. Der Ökonomieteil und das Land waren an einen benachbarten Landwirt als Zupacht verpachtet. Der Pächter verpflichtete sich, die anfallende Jauche und die häuslichen Abwässer zu übernehmen und auf seinem eigenen und dem gepachteten Land auszubringen. Gemäss dem Berner Verwaltungsgericht schaffe Art. 12 Abs. 4 GSchG kein persönliches Sonderrecht für einen bestimmten Berufszweig, sondern befreie bestimmte Gebäude mit Rücksicht auf sachliche Umstände von der Anschlusspflicht. Mit Blick auf den Gesetzeszweck wurde als nicht massgebend erachtet, welchen Beruf die Hausbewohner ausübten, sondern ob ein geeignetes Mischverhältnis zwischen Gülle und Abwasser erreicht werden und ob die Jauche nach Massgabe von Art. 14 GSchG landwirtschaftlich verwertet werden konnte (Verwaltungsgericht BE, Urteil vom 19. Februar 2002, E. 4e, in: URP 2002, 225, 237). Tatsächlich bezweckt die Regelung von Art. 12 Abs. 4 GSchG, eine aus gewässerschutzrechtlicher Sicht sinnvolle Abwasserbeseitigung zu ermöglichen, was im Grundsatz auch bei der Vermengung von Abwasser landwirtschaftsfremder Personen mit Hofdünger erreicht werden kann. Dem ist entgegenzuhalten, dass dieses Ziel auch bei der Zufuhr von Jauche auf einen viehlosen Landwirtschaftsbetrieb erreicht werden könnte. Diese Konstellation wird aber, wie ausgeführt, nicht von Abs. 4 erfasst (s. N 63). Ausserdem steht der Privilegierung von Wohnbauten, deren landwirtschaftliche Zweckbestimmung entfallen ist, der Grundsatz der generellen Anschlusspflicht entgegen.
L'art. 12 LEaux règle des cas particuliers relatifs au traitement des eaux usées dans le périmètre des égouts publics. Aux termes de l'art. 12 al. 1 1ère ph. LEaux, celui qui détient des eaux usées ne répondant pas aux exigences fixées énoncées à l'art. 7 OEaux pour le déversement dans les égouts, doit soumettre celles-ci à un prétraitement à la source. Le détenteur des eaux usées, qui est celui qui possède en fait le pouvoir de disposer sur les eaux usées, est responsable de la construction, de l'utilisation adéquate et de l'entretien de l'installation de prétraitement des eaux selon l'art. 15 LEaux. Il doit également fournir à l'autorité les données essentielles sur le traitement des eaux usées (cf. art. 14 OEaux) et prendre les mesures appropriées et économiquement supportables afin de réduire le risque de pollution des eaux en cas d'événements extraordinaires (cf. art. 16 OEaux). Les procédés techniques appliqués doivent être conformes à l'état de la technique. Le prétraitement est réglementé par les cantons selon l'art. 12 al. 1 2ème phrase LEaux. Les cantons doivent néanmoins s'en tenir aux prescriptions détaillées de la Confédération qui se trouvent dans l'OEaux et dans les directives édictées par l'OFEV.
L'al. 2 de l'art. 12 LEaux règle les eaux usées qui ne se prêtent pas à l'épuration dans une centrale publique à cause de leur qualité ou de leur quantité. Le mode d'élimination doit être approprié et le choix doit donc se porter sur une élimination ne portant pas atteinte à l'environnement. En principe, l'inadéquation du traitement des eaux usées dans une station centrale d'épuration est établi lors de la procédure d'autorisation de construire (cf. art. 17 let. c LEaux) ou lors de contrôles périodiques (cf. art. 15 al. 2 LEaux). Le service cantonal de la protection des eaux, qui dispose d'un pouvoir d'appréciation considérable, est compétent pour déterminer les mesures nécessaires.
L'al. 3 de l'art. 12 LEaux précise que les eaux non polluées, dont l'écoulement est permanent, ne doivent en principe pas être amenées directement ou indirectement à une station centrale d'épuration, l'autorité cantonale pouvant toutefois autoriser des exceptions.
L'al. 4 de l'art. 12 LEaux constitue une exception à l'obligation de raccordement pour les exploitations agricoles et permet à celles-ci de mélanger les eaux usées domestiques au lisier à certaines conditions. Il faut premièrement que l'exploitation agricole possède un important cheptel bovin ou porcin, qui comprenne au minimum huit unités de gros bétail-fumure (cf. art. 12 al. 3 OEaux). Les bâtiments d'habitation, les bâtiments d'exploitation et les terres attenantes doivent deuxièmement avoir été classés en zone agricole ou la commune doit avoir pris les dispositions nécessaires pour qu'ils le soient (let. a). Toutefois, si dans les cinq ans suivant la décision de l'autorité compétente en matière d'élimination des eaux usées, les bâtiments d'habitation, les bâtiments d'exploitation et les terres attenantes ne sont pas classés en zones agricoles, les eaux usées domestiques devront être déversées dans les égouts (al. 5 de l'art. 12 LEaux). Enfin, la capacité d'entreposage doit être suffisante pour que les eaux usées domestiques puissent également y être recueillies et que leur utilisation soit possible sur les terres en propre ou en fermage. Si l'exploitation ne possède pas elle-même le volume total de stockage requis, elle peut prouver qu'elle dispose d'une capacité suffisante de stockage en prenant à bail des volumes de stockage auprès d'autres exploitations. Du moment que les conditions mentionnées ci-dessus sont remplies, il n'y a plus d'obligation de raccordement aux canalisations publiques. Il n'est, en particulier, pas nécessaire de vérifier si le raccordement selon l'art. 11 al. 2 let. c LEaux serait opportun et pourrait être raisonnablement exigible.
Literatur: Brunner Ursula, Die Bedeutung des Standes der Technik im Umwelt- und Energienutzungsrecht, in: URP 2015, 181 ff. (zit. Stand der Technik); Lustenberger Erik, Gefahrenabwehr und Kostenpflicht am Beispiel der Sanierung privater und öffentlicher Kanalisationen, in: URP 2009, 370 ff. (zit. Gefahrenabwehr).
Materialien und amtliche Publikationen: Bundesamt für Landwirtschaft (BLW)/Bundesamt für Umwelt, Wald und Landschaft (BUWAL) (Hrsg.), Wegleitung für den Gewässerschutz in der Landwirtschaft – Bereich Hofdünger, Vollzug Umwelt, in: Mitteilungen zum Gewässerschutz Nr. 15, Bern 1994 (zit. Wegleitung Landwirtschaft); Verband Schweizer Abwasser- und Gewässerschutzfachleute (VSA) (Hrsg.), Abwasser im ländlichen Raum – Leitfaden für Planung, Evaluation, Betrieb und Unterhalt von Abwassersystemen bei Einzelliegenschaften und Kleinsiedlungen, Zürich 2005 (zit. Leitfaden Abwasser); Bundesamt für Umwelt (BAFU)/Bundesamt für Landwirtschaft (BLW) (Hrsg.), Baulicher Umweltschutz in der Landwirtschaft – Ein Modul der Vollzugshilfe Umweltschutz in der Schweiz – Stand Mai 2012, 2. Aufl., Umwelt-Vollzug Nr. 1101, Bern 2012 (zit. Baulicher Umweltschutz); Motion Aebi (13.3324) «Anpassung des Gewässerschutzgesetzes an die heutige Nutztierhaltung» vom 17. April 2013 (zit. Mo. Aebi Nutztierhaltung).