Source: https://www.rechtslupe.de/mediation/keine-verzinsung-bei-schiedsgutachtenvertrag-364238
Timestamp: 2020-07-11 15:30:18
Document Index: 374412011

Matched Legal Cases: ['§ 319', '§ 317', '§ 317', '§ 271', '§ 317', '§ 319', '§ 280', 'BGH', 'BGH', '§ 317', '§ 317', 'BGH', '§ 317', '§ 317', '§ 271', '§ 271']

Keine Verzinsung bei Schiedsgutachtenvertrag | Rechtslupe
Ein Schieds­gut­ach­ten­ver­trag im enge­ren Sin­ne ent­hält in der Regel die still­schwei­gen­de Ver­ein­ba­rung, dass die Beglei­chung der betrof­fe­nen For­de­rung für die Dau­er der Erstat­tung des Gut­ach­tens weder gericht­lich durch­ge­setzt noch außer­ge­richt­lich ver­langt wer­den kann, mit der Fol­ge, dass die For­de­rung in die­sem Zeit­raum noch nicht fäl­lig ist. Die­se Wir­kung besteht fort, wenn die zur Bemes­sung der geschul­de­ten (Geld-)Leistung erfor­der­li­che Tat­sa­chen­fest­stel­lung ana­log § 319 Abs. 1 Satz 2 BGB auf das Gericht über­geht, so dass die betref­fen­de For­de­rung erst mit Rechts­kraft des Gerichts­ur­teils fäl­lig wird. Dem­zu­fol­ge kön­nen Fälligkeits‑, Ver­zugs- oder Pro­zess­zin­sen erst ab die­sem Zeit­punkt zuge­spro­chen wer­den.
Die Par­tei­en haben in dem hier vom Bun­de­es­ge­richts­hof ent­schie­de­nen Fall einen Schieds­gut­ach­ten­ver­trag geschlos­sen. Dabei soll­te der Schieds­gut­ach­ter nicht unmit­tel­bar die "Bestim­mung der Leis­tung" (hier: der Erfolgs­ver­gü­tung bzw. Aus­gleichs­zah­lung) als zur Rechts­ge­stal­tung befug­ter Drit­ter im Sin­ne des § 317 BGB vor­neh­men. Viel­mehr war die Erfolgs­ver­gü­tung von den Par­tei­en bereits in der Wei­se bestimmt wor­den, dass sie auf Grund­la­ge nicht einer tat­säch­li­chen Ver­äu­ße­rung, son­dern des "Unter­neh­mens­werts (Ver­kehrs­werts) der Betei­li­gun­gen" zum Kün­di­gungs­stich­tag zu zah­len war. Den Par­tei­en war aller­dings die­ser "Unter­neh­mens­wert (Ver­kehrs­wert)" unbe­kannt, den der Schieds­gut­ach­ter ent­spre­chend den ver­trag­li­chen Ver­ein­ba­run­gen mit­zu­tei­len hat­te. Es lag somit, wovon bei­de Vor­in­stan­zen zutref­fend aus­ge­gan­gen sind, ein Schieds­gut­ach­ten­ver­trag im enge­ren Sin­ne vor, bei dem der Schieds­gut­ach­ter für die Klar­stel­lung des Ver­trags­in­halts maß­geb­li­che Tat­sa­chen zu ermit­teln und für die Par­tei­en ver­bind­lich fest­zu­stel­len hat­te [1]. Auf eine Schieds­gut­ach­ten­ver­ein­ba­rung die­ses Inhalts, die nur mit­tel­bar der Bestim­mung der Leis­tung dient, sind man­gels einer ande­ren Ver­ein­ba­rung der Par­tei­en die §§ 317 bis 319 BGB ent­spre­chend anzu­wen­den [2].
Da er sonst sei­nen Zweck weit­ge­hend ver­feh­len wür­de, ent­hält ein Schieds­gut­ach­ten­ver­trag im enge­ren Sin­ne in der Regel die still­schwei­gen­de Ver­ein­ba­rung, dass der Gläu­bi­ger für die Dau­er der Erstat­tung des Gut­ach­tens aus der For­de­rung gegen den Schuld­ner nicht vor­ge­hen wer­de [3]. Es han­delt sich dabei um eine Abre­de, wonach die Fest­stel­lung der betrof­fe­nen Tat­sa­chen einem Drit­ten über­las­sen wer­den soll, mit der Fol­ge, dass die­se Tat­sa­chen einer gericht­li­chen Beweis­auf­nah­me (zunächst) unzu­gäng­lich sind und die Beglei­chung der For­de­rung (zunächst) weder gericht­lich durch­ge­setzt noch außer­ge­richt­lich ver­langt wer­den kann. Eine Kla­ge ist ins­ge­samt als ver­früht ("als zur Zeit unbe­grün­det") abzu­wei­sen, wenn die beweis­pflich­ti­ge Par­tei die rechts­er­heb­li­che Tat­sa­che, deren Fest­stel­lung dem Schieds­gut­ach­ter über­tra­gen ist, nicht durch Vor­la­ge des Schieds­gut­ach­tens nach­weist [4]. Dar­aus wird deut­lich, dass die Schieds­gut­ach­ten­ver­ein­ba­rung im enge­ren Sin­ne (auch) eine Rege­lung der Leis­tungs­zeit im Sin­ne von § 271 BGB ent­hält, und zwar dahin gehend, dass die Fäl­lig­keit der For­de­rung bis zur Vor­la­ge des Gut­ach­tens auf­ge­scho­ben wird. Soweit im Urteil des Bun­des­ge­richts­hofs vom 26. Okto­ber 1989 [5] von einem pac­tum de non peten­do die Rede ist, ist dies ersicht­lich nicht dahin zu ver­ste­hen, dass eine Schieds­gut­ach­ten­ab­re­de auf die Fäl­lig­keit der For­de­rung kei­ne Aus­wir­kun­gen hät­te [6].
Im vor­lie­gen­den Fall stell­te das das außer­ge­richt­li­che Gut­ach­ten des Sach­ver­stän­di­gen Dr. R. stel­le kein (ver­bind­li­ches) Schieds­gut­ach­ten dar, weil es ein­sei­tig unter Ver­wer­tung nur von der Klä­ge­rin zur Ver­fü­gung gestell­ter Infor­ma­tio­nen erstellt wor­den ist und der Gut­ach­ter zwar mit der Klä­ge­rin, nicht aber mit der Beklag­ten in Kon­takt getre­ten ist, wobei die Beklag­te auch von der Klä­ge­rin nicht über den Fort­gang der Begut­ach­tung und die zur Ver­fü­gung gestell­ten Infor­ma­tio­nen unter­rich­tet wor­den ist [7].
Die­ser Vor­schrift liegt der Gedan­ke zugrun­de, dass die Leis­tung immer dann durch das Gericht bestimmt wer­den soll, wenn sich die von den Ver­trags­par­tei­en in ers­ter Linie gewoll­te Bestim­mung durch einen Drit­ten als nicht durch­führ­bar erweist [8]. Eine Undurch­führ­bar­keit ist schon dann gege­ben, wenn die hier­zu ver­pflich­te­te Par­tei den Schieds­gut­ach­ter nicht inner­halb ange­mes­se­ner Zeit benennt, ohne dass es dabei auf ihr Ver­schul­den ankommt [9]. Dies gilt ent­spre­chend für den vor­lie­gen­den Fall, in dem nicht eine Par­tei den Gut­ach­ter zu benen­nen hat­te, son­dern die Par­tei­en über sei­ne Per­son eine Eini­gung her­bei­zu­füh­ren hat­ten [10].
Für Schieds­gut­ach­ten­ver­ein­ba­run­gen im wei­te­ren Sin­ne, auf wel­che die §§ 317 bis 319 BGB unmit­tel­bar anzu­wen­den sind und bei denen der Schieds­gut­ach­ter den Ver­trags­in­halt nach bil­li­gem Ermes­sen rechts­ge­stal­tend zu bestim­men hat, ist es all­ge­mein aner­kannt, dass die For­de­rung im Fal­le des Über­gangs der Leis­tungs­be­stim­mung auf das Gericht (§ 319 Abs.1 Satz 2 BGB) erst mit Rechts­kraft des Gerichts­ur­teils fäl­lig wird, so dass Zin­sen – vor­be­halt­lich ande­rer ver­trag­li­cher Ver­ein­ba­run­gen – vor­her nicht ver­langt wer­den kön­nen [11]. Hier wird die strei­ti­ge For­de­rung mit dem (gestal­ten­den) Gerichts­ur­teil erst bestimmt; sie steht bis zu des­sen Rechts­kraft noch nicht fest und kann somit auch kei­nen Zins­an­spruch aus­lö­sen.
Die Gleich­be­hand­lung zwi­schen Schieds­gut­ach­ten im wei­te­ren und im enge­ren Sin­ne recht­fer­tigt sich zudem dar­aus, dass deren Abgren­zung zuein­an­der im Ein­zel­fall erheb­li­che Schwie­rig­kei­ten berei­ten und von blo­ßen For­mu­lie­rungs­va­ri­an­ten abhän­gig sein kann. Soll etwa die Ände­rung eines Erb­bau­zin­ses an die peri­odisch fest­zu­stel­len­de Ver­än­de­rung des Grund­stücks­ver­kehrs­werts gekop­pelt und die­ser durch einen Sach­ver­stän­di­gen als Schieds­gut­ach­ter ermit­telt wer­den, so läge eine Bestim­mung "Der Sach­ver­stän­di­ge hat die pro­zen­tua­le Ände­rung des Erb­bau­zin­ses ent­spre­chend der pro­zen­tua­len Ver­än­de­rung des Grund­stücks­ver­kehrs­werts fest­zu­set­zen." die Ein­ord­nung als Schieds­gut­ach­ten­ver­ein­ba­rung im wei­te­ren Sin­ne nahe, eine For­mu­lie­rung "Der Erb­bau­zins ist ent­spre­chend der Ver­än­de­rung des Grund­stücks­ver­kehrs­werts pro­zen­tu­al zu erhö­hen. Der Grund­stücks­ver­kehrs­wert wird vom Sach­ver­stän­di­gen ermit­telt." hin­ge­gen die Ein­ord­nung als Schieds­gut­ach­ten­ver­ein­ba­rung im enge­ren Sin­ne, ohne dass sich inhalt­lich wesent­li­che Unter­schie­de ergä­ben [12].
Ein "Zins­an­spruch" unter dem Gesichts­punkt des Scha­dens­er­sat­zes wegen Pflicht­ver­let­zung der Beklag­ten (§ 280 Abs. 1 BGB) ist nicht schlüs­sig dar­ge­legt. Selbst wenn die Beklag­te durch ein schuld­haft pflicht­wid­ri­ges Ver­hal­ten die (ein­ver­nehm­li­che) Bestel­lung eines Schieds­gut­ach­ters oder die (zeit­na­he) Erstel­lung des Gut­ach­tens ver­hin­dert und des­halb die Klä­ge­rin so zu stel­len hät­te, wie die­se bei ver­trags­ge­mä­ßer Durch­füh­rung der Schieds­gut­ach­ten­ver­ein­ba­rung gestan­den hät­te, und die dann fest­ste­hen­de For­de­rung ab einem frü­he­ren Zeit­punkt zu ver­zin­sen gewe­sen wäre, folgt dar­aus noch kein Zins­scha­den der Klä­ge­rin. Aus dem Vor­brin­gen der Klä­ge­rin ergibt sich näm­lich nicht, dass die Beklag­te die strei­ti­ge Ver­gü­tungs­for­de­rung sol­chen­falls nicht unver­züg­lich begli­chen hät­te, wobei eine sol­che Zah­lung ange­sichts der im Lau­fe der Aus­ein­an­der­set­zun­gen erfolg­ten Abschlags­zah­lun­gen der Beklag­ten und der Zah­lung des vom Beru­fungs­ge­richt aus­ge­ur­teil­ten Betra­ges durch­aus nahe liegt. Einen eige­nen Zins­scha­den, den sie aus der spä­te­ren Zah­lung der Erfolgs­ver­gü­tung erlit­ten hät­te, weil sie Kre­di­te habe in Anspruch neh­men müs­sen, Kre­di­te nicht frü­her habe zurück­füh­ren kön­nen oder Anla­ge­zin­sen nicht habe erlan­gen kön­nen [13], hat die Klä­ge­rin nicht dar­ge­tan.
vgl. etwa BGH, Urtei­le vom 09.06.1983 – IX ZR 41/​82, NJW 1983, 2244, 2245 und vom 26.10.1989 – VII ZR 75/​89, NJW 1990, 1231, 1232 mwN; s. zur Abgren­zung des Schieds­gut­ach­tens im enge­ren und wei­te­ren Sin­ne BGH, Urteil vom 26.04.1991 – V ZR 61/​90, NJW 1991, 2761; Münch­Komm-BGB/­Wür­din­ger, 6. Aufl., § 317 Rn. 2932 mwN; Palandt/​Grüneberg, BGB, 72. Aufl., § 317 Rn. 3, 56[↩]
s. etwa BGH, Urteil vom 26.10.1989 aaO; OLG Düs­sel­dorf, NJW-RR 2000, 279, 281 mwN; Münch­Komm-BGB/­Wür­din­ger aaO § 317 Rn. 38; Palandt/​Grüneberg aaO § 317 Rn. 3 mwN[↩]
sie­he all­ge­mein zum pac­tum de non peten­do Münch­Komm-BGB/­Krü­ger aaO § 271 Rn. 18 sowie Palandt/​Grüneberg aaO § 271 Rn. 13[↩]