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Timestamp: 2020-03-28 13:54:46
Document Index: 103834150

Matched Legal Cases: ['§ 21', '§ 92', '§ 33', '§ 7', '§ 319', '§ 3', '§ 125', '§ 1', '§ 125', '§ 26', '§ 13', '§ 7', '§ 7', 'Art. 7', 'EuG', '§ 37', '§ 362', '§ 1922', '§ 7', '§ 7', '§ 1922', '§ 325', 'BGH', 'BGH', '§ 118', '§ 97']

BAG, Urteil vom 22.09.2016, 9 AZR 170/14 - HENSCHE Arbeitsrecht
BAG, Ur­teil vom 22.09.2016, 9 AZR 170/14
Aktenzeichen: 9 AZR 170/14
Vorinstanzen: Arbeitsgericht Zwickau, Urteil vom 07.06.2013, 7 Ca 118/13
Landesarbeitsgericht Sachsen, Urteil vom 21.02.2014, 3 Sa 467/13
9 AZR 170/14
3 Sa 467/13 Säch­si­sches
22. Sep­tem­ber 2015
Kläge­rin zu 1., Be­ru­fungs­be­klag­te zu 1. und Re­vi­si­ons­be­klag­te zu 1.,
Kläge­rin zu 2., Be­ru­fungs­be­klag­te zu 2. und Re­vi­si­ons­be­klag­te zu 2.,
Kläge­rin zu 3., Be­ru­fungs­be­klag­te zu 3. und Re­vi­si­ons­be­klag­te zu 3.,
hat der Neun­te Se­nat des Bun­des­ar­beits­ge­richts auf­grund der münd­li­chen Ver­hand­lung vom 22. Sep­tem­ber 2015 durch den Vor­sit­zen­den Rich­ter am Bun­des­ar­beits­ge­richt Dr. Brühler, die Rich­ter am Bun­des­ar­beits­ge­richt Dr. Suckow und Klo­se so­wie die eh­ren­amt­li­chen Rich­ter Spie­ker­mann und Vogg für Recht er­kannt:
1. Die Re­vi­si­on des Be­klag­ten ge­gen das Ur­teil des Säch­si­schen Lan­des­ar­beits­ge­richts vom 21. Fe­bru­ar 2014 - 3 Sa 467/13 - wird zurück­ge­wie­sen.
2. Das Ru­brum des Ur­teils des Ar­beits­ge­richts Zwi­ckau vom 7. Ju­ni 2013 - 7 Ca 118/13 - wird mit der Maßga­be be­rich­tigt, dass 1. H, 2. B und 3. J Kläge­rin­nen in Er­ben­ge­mein­schaft nach dem am 15. Mai 2013 ver­stor­be­nen M sind.
3. Der Te­nor des Ur­teils des Ar­beits­ge­richts Zwi­ckau vom 7. Ju­ni 2013 - 7 Ca 118/13 - wird zur Klar­stel­lung neu ge­fasst:
Der Be­klag­te wird ver­ur­teilt, an die Kläge­rin­nen in Er­ben­ge­mein­schaft nach M 2.217,71 Eu­ro brut­to nebst Zin­sen in Höhe von fünf Pro­zent­punk­ten über dem Ba­sis­zins­satz seit dem 26. Ju­li 2011 zu zah­len.
4. Der Be­klag­te hat die Kos­ten der Re­vi­si­on zu tra­gen.
Die Par­tei­en strei­ten in der Re­vi­si­ons­in­stanz noch über die Ab­gel­tung von 14,33 ge­setz­li­chen Ur­laubs­ta­gen des vor­ma­li­gen Klägers (Erb­las­ser).
Die Kläge­rin­nen sind die Er­ben des am 15. Mai 2013 ver­stor­be­nen M (Erb­las­ser). Die­ser war beim Be­klag­ten im Rah­men ei­ner Fünf­ta­ge­wo­che als Leh­rer beschäftigt. Seit dem 9. Ja­nu­ar 2008 war er als schwer­be­hin­der­ter Mensch an­er­kannt und ab die­sem Zeit­punkt bis zu sei­nem Tod ar­beits­unfähig
krank. Kraft ein­zel­ver­trag­li­cher In­be­zug­nah­me fand auf das Ar­beits­verhält­nis der Ta­rif­ver­trag für den öffent­li­chen Dienst der Länder vom 12. Ok­to­ber 2006 (TV-L) in sei­ner je­weils gel­ten­den Fas­sung An­wen­dung. Die­ser ent­hielt in den vom 1. März 2009 bis zum 31. De­zem­ber 2012 gel­ten­den Fas­sun­gen ua. fol­gen­de Re­ge­lun­gen:
(1) Beschäftig­te ha­ben in je­dem Ka­len­der­jahr An­spruch auf Er­ho­lungs­ur­laub un­ter Fort­zah­lung des Ent­gelts (§ 21). Bei Ver­tei­lung der wöchent­li­chen Ar­beits­zeit auf fünf Ta­ge in der Ka­len­der­wo­che beträgt der Ur­laubs­an­spruch in je­dem Ka­len­der­jahr
nach dem voll­ende­ten
40. Le­bens­jahr 30 Ar­beits­ta­ge.
Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses oh­ne
(2) Das Ar­beits­verhält­nis en­det fer­ner mit Ab­lauf des Mo­nats, in dem der Be­scheid ei­nes Ren­ten­ver­si­che­rungs­trägers (Ren­ten­be­scheid) zu­ge­stellt wird, wo­nach die/der Beschäftig­te voll oder teil­wei­se er­werbs-ge­min­dert ist. Die/Der Beschäftig­te hat den Ar­beit­ge­ber von der Zu­stel­lung des Ren­ten­be­scheids un­verzüglich zu un­ter­rich­ten. Be­ginnt die Ren­te erst nach der Zu­stel­lung des Ren­ten­be­scheids, en­det das Ar­beits­verhält­nis mit Ab­lauf des dem Ren­ten­be­ginn vor­an­ge­hen­den Ta­ges. Liegt im Zeit­punkt der Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses ei­ne nach § 92 SGB IX er­for­der­li­che Zu­stim­mung des In­te­gra­ti­ons­am­tes noch nicht vor, en­det das Ar­beits­verhält­nis mit Ab­lauf des Ta­ges der Zu­stel­lung des Zu­stim­mungs­be­scheids des In­te­gra­ti­ons­am­tes. Das Ar­beits­verhält­nis en­det nicht, wenn nach dem Be­scheid des Ren­ten­ver­si­che­rungs­trägers ei­ne Ren­te auf Zeit gewährt wird. In die­sem Fall ruht das Ar­beits­verhält­nis für den Zeit­raum, für den ei­ne Ren­te auf Zeit gewährt wird; be­ginnt die Ren­te rück­wir­kend, ruht das Ar­beits­verhält­nis ab dem ers­ten Tag des Mo­nats, der auf den Mo­nat der Zu­stel­lung des Ren­ten­be­scheids folgt.
(1) Ansprüche aus dem Ar­beits­verhält­nis ver­fal­len, wenn sie nicht in­ner­halb ei­ner Aus­schluss­frist von sechs Mo­na­ten nach Fällig­keit von den Beschäftig­ten oder vom Ar­beit­ge­ber schrift­lich gel­tend ge­macht wer­den. Für den­sel­ben Sach­ver­halt reicht die ein­ma­li­ge Gel­tend­ma­chung des An­spruchs auch für später fälli­ge Leis­tun­gen aus.
Die Deut­sche Ren­ten­ver­si­che­rung Bund be­wil­lig­te dem Erb­las­ser ab 3 Mai 2009 ei­ne be­fris­te­te Ren­te we­gen teil­wei­ser Er­werbs­min­de­rung und ab März 2011 ei­ne un­be­fris­te­te Ren­te we­gen vol­ler Er­werbs­min­de­rung. Der Be­klag­te teil­te ihm in ei­nem Schrei­ben vom 1. März 2011 mit, das Ar­beits­verhält­nis en­de gemäß § 33 Abs. 2 TV-L mit Ab­lauf des 17. März 2011.
Mit an­walt­li­chem Schrei­ben vom 17. März 2011 for­der­te der Erb­las­ser den Be­klag­ten auf, ins­ge­samt 95 Ur­laubs­ta­ge aus den Jah­ren 2008 bis 2011 ab­zu­gel­ten.
Der Be­klag­te galt un­ter Zu­grun­de­le­gung ei­nes zwi­schen den Par­tei­en un­strei­ti­gen Ab­gel­tungs­be­trags iHv. 154,76 Eu­ro brut­to pro Ur­laubs­tag zunächst 37 Ur­laubs­ta­ge mit 5.726,12 Eu­ro brut­to und später wei­te­re drei Ur­laubs­ta­ge mit 464,28 Eu­ro brut­to ab.
Mit sei­ner dem Be­klag­ten am 25. Ju­li 2011 zu­ge­stell­ten Kla­ge hat der Erb­las­ser zu­letzt noch die Ab­gel­tung von wei­te­ren 26 Ur­laubs­ta­gen ver­langt.
Der Erb­las­ser hat erst­in­stanz­lich zu­letzt be­an­tragt,
den Be­klag­ten zu ver­ur­tei­len, an ihn den Be­trag von 4.023,76 Eu­ro brut­to nebst Zin­sen iHv. fünf Pro­zent­punk­ten über dem je­wei­li­gen Ba­sis­zins­satz hier­aus seit Rechtshängig­keit zu zah­len.
Der Be­klag­te hat zu sei­nem Kla­ge­ab­wei­sungs­an­trag die Auf­fas­sung ver­tre­ten, der Ur­laubs­an­spruch aus dem Jahr 2009 sei im Zeit­punkt der Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses am 17. März 2011 be­reits größten­teils ver­fal­len ge­we­sen. Der Erb­las­ser hätte vom 18. bis zum 31. März 2011 nur noch zehn Ur­laubs­ta­ge in An­spruch neh­men können. Im Übri­gen sei ein et­wai­ger Ur­laubs­ab­gel­tungs­an­spruch nicht ver­erb­bar.
Das Ar­beits­ge­richt hat den Be­klag­ten zur Zah­lung wei­te­rer Ur­laubs­ab­gel­tung iHv. 2.217,71 Eu­ro brut­to für 14,33 Ur­laubs­ta­ge ver­ur­teilt und die Kla­ge im Übri­gen ab­ge­wie­sen. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt hat die Be­ru­fung des Be­klag­ten zurück­ge­wie­sen. Mit der vom Lan­des­ar­beits­ge­richt zu­ge­las­se­nen Re­vi­si­on ver­folgt der Be­klag­te sein Ziel der vollständi­gen Kla­ge­ab­wei­sung wei­ter.
Die zulässi­ge Re­vi­si­on des Be­klag­ten ist un­be­gründet. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt hat die Be­ru­fung des Be­klag­ten ge­gen das Ur­teil des Ar­beits­ge-
richts mit Recht zurück­ge­wie­sen. Der Erb­las­ser hat­te gemäß § 7 Abs. 4 BUrlG An­spruch auf die ihm von den Vor­in­stan­zen zu­ge­spro­che­ne wei­te­re Ur­laubs­ab­gel­tung. Die­ser An­spruch ist auf die Kläge­rin­nen in Er­ben­ge­mein­schaft über­ge­gan­gen. Das ar­beits­ge­richt­li­che Ur­teil war al­ler­dings nach § 319 Abs. 1 ZPO im Hin­blick auf die schon vor der Ur­teils­verkündung ein­ge­tre­te­ne Erb­fol­ge zu be­rich­ti­gen.
I. Dem Erb­las­ser stan­den bei der Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses am 17. März 2011 aus dem Ur­laubs­jahr 2009 noch 25 Ur­laubs­ta­ge zu (§ 3 BUrlG, § 125 Abs. 1 Satz 1 SGB IX).
1. Der ge­setz­li­che Ur­laubs­an­spruch im Um­fang von 25 Ar­beits­ta­gen ist zu Be­ginn des Jah­res 2009 un­abhängig da­von ent­stan­den, dass der Erb­las­ser seit dem 9. Ja­nu­ar 2008 krank­heits­be­dingt ar­beits­unfähig war. Auch der Be­zug der Er­werbs­min­de­rungs­ren­te ab Mai 2009 war für den Fort­be­stand des Ur­laubs­an­spruchs un­er­heb­lich. Der ge­setz­li­che Er­ho­lungs­ur­laub (§§ 1, 3 BUrlG) und der schwer­be­hin­der­ten Men­schen zu­ste­hen­de Zu­satz­ur­laub (§ 125 Abs. 1 SGB IX) set­zen kei­ne Ar­beits­leis­tung des Ar­beit­neh­mers im Ur­laubs­jahr vor­aus (BAG 7. Au­gust 2012 - 9 AZR 353/10 - Rn. 8, BA­GE 142, 371). Ge­setz­li­che Ur­laubs­ansprüche ent­ste­hen auch dann, wenn der Ar­beit­neh­mer ei­ne be­fris­te­te Ren­te we­gen Er­werbs­min­de­rung be­zieht und dies nach ei­ner ta­rif­li­chen Re­ge­lung das Ru­hen des Ar­beits­verhält­nis­ses zur Fol­ge hat. Die Vor­schrift des § 26 Abs. 2 Buchst. c TV-L ist je­den­falls in­so­weit un­wirk­sam, als sie auch die Ver­min­de­rung ge­setz­li­cher Ur­laubs­ansprüche von Ar­beit­neh­mern und schwer­be­hin­der­ten Men­schen er­fasst, die aus ge­sund­heit­li­chen Gründen nicht die ih­nen nach dem Ar­beits­ver­trag ob­lie­gen­de Leis­tung er­bracht ha­ben. Ei­ne sol­che Ver­min­de­rung ge­setz­li­cher Ur­laubs­ansprüche lässt § 13 Abs. 1 Satz 1 BUrlG nicht zu (vgl. zu der ent­spre­chen­den Re­ge­lung im TVöD BAG 7. Au­gust 2012 - 9 AZR 353/10 - Rn. 9, aaO).
2. Mit Recht hat das Lan­des­ar­beits­ge­richt an­ge­nom­men, dass der ge­setz­li­che Ur­laubs­an­spruch des Erb­las­sers aus dem Jahr 2009 zum Zeit­punkt der Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses am 17. März 2011 noch nicht ver­fal­len war. Der Se­nat hat in sei­ner Ent­schei­dung vom 7. Au­gust 2012 (- 9 AZR
353/10 - Rn. 32, BA­GE 142, 371) ein­ge­hend be­gründet, wes­halb die ge­setz­li­chen Ur­laubs­ansprüche ar­beits­unfähi­ger Ar­beit­neh­mer auf­grund uni­ons­rechts-kon­for­mer Aus­le­gung des § 7 Abs. 3 Satz 3 BUrlG erst 15 Mo­na­te nach Ab­lauf des Ur­laubs­jah­res un­ter­ge­hen.
a) Die Auf­fas­sung des Be­klag­ten, dem Erb­las­ser ha­be ein wei­te­rer Ur­laubs­ab­gel­tungs­an­spruch nicht zu­ge­stan­den, weil sein Ur­laub aus dem Jahr 2009 be­reits ta­ge­wei­se vor dem 31. März 2011 un­ter­ge­gan­gen sei, be­ruht auf der vom Bun­des­ar­beits­ge­richt vor­mals ver­tre­te­nen Sur­ro­gats­theo­rie. Der Se­nat hat die Recht­spre­chung zum Cha­rak­ter des Ab­gel­tungs­an­spruchs als Sur­ro­gat des Ur­laubs­an­spruchs je­doch ins­ge­samt auf­ge­ge­ben (BAG 19. Ju­ni 2012 - 9 AZR 652/10 - Rn. 15, BA­GE 142, 64). In der Fol­ge der Schultz-Hoff-Ent­schei­dung des Ge­richts­hofs der Eu­ropäischen Uni­on vom 20. Ja­nu­ar 2009 (- C-350/06 und C-520/06 - Slg. 2009, I-179) ist das tra­gen­de Fun­da­ment der Sur­ro­gats­theo­rie ent­fal­len, krank­heits­be­dingt ar­beits­unfähi­ge und aus dem Ar­beits­verhält­nis aus­schei­den­de Ar­beit­neh­mer nicht bes­ser­zu­stel­len als im Ar­beits­verhält­nis ver­blei­ben­de ar­beits­unfähi­ge Ar­beit­neh­mer (BAG 19. Ju­ni 2012 - 9 AZR 652/10 - Rn. 17 ff., aaO). Das Ar­gu­ment des Be­klag­ten, der Ur­laubs­an­spruch sei mit der Frist „be­las­tet“ und die­se set­ze sich im Ab­gel­tungs­an­spruch fort, trägt des­halb nicht. Der An­spruch auf Ur­laubs­ab­gel­tung ist an­ders als nach der auf­ge­ge­be­nen Sur­ro­gats­theo­rie ein rei­ner Geld­an­spruch. Er ver­dankt sei­ne Ent­ste­hung zwar ur­laubs­recht­li­chen Vor­schrif­ten. Ist er ent­stan­den, ist er nicht mehr Äqui­va­lent zum Ur­laubs­an­spruch, son­dern bil­det ei­nen Teil des Vermögens des Ar­beit­neh­mers und un­ter­schei­det sich in recht­li­cher Hin­sicht nicht von an­de­ren Zah­lungs­ansprüchen des Ar­beit­neh­mers ge­gen den Ar­beit­ge­ber (BAG 19. Mai 2015 - 9 AZR 725/13 - Rn. 18 mwN).
b) So­weit in der Li­te­ra­tur un­abhängig von der Ab­gel­tung des Ur­laubs­an­spruchs ver­ein­zelt ein suk­zes­si­ver Un­ter­gang des Ur­laubs­an­spruchs vor Ab­lauf des Über­tra­gungs­zeit­raums ver­tre­ten wird (vgl. Bach­mann in GK-BUrlG 5. Aufl. § 7 Rn. 122), be­ruht dies auf der Prämis­se, bei der Ur­laubs­schuld des Ar­beit­ge­bers han­de­le es sich um ei­ne ab­so­lu­te Fix­schuld. Die­se An­nah­me steht frei­lich im Wi­der­spruch zur Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts (vgl. nur
BAG 28. No­vem­ber 1990 - 8 AZR 570/89 - zu II 3 c der Gründe, BA­GE 66, 288).
c) Würde der Ur­laub gemäß der An­sicht des Be­klag­ten suk­zes­si­ve ver­fal­len, würde im Er­geb­nis der Über­tra­gungs­zeit­raum verkürzt. Nach der Recht­spre­chung des Ge­richts­hofs der Eu­ropäischen Uni­on folgt aus Art. 7 Abs. 1 der Richt­li­nie 2003/88/EG (Ar­beits­zeit­richt­li­nie), dass im Fal­le der Ar­beits­unfähig­keit des Ar­beit­neh­mers der Über­tra­gungs­zeit­raum die Dau­er des Be­zugs­zeit­raums, für den der Ur­laub gewährt wird, deut­lich über­schrei­ten muss (EuGH 3. Mai 2012 - C-337/10 - [Nei­del] Rn. 41; 22. No­vem­ber 2011 - C-214/10 - [KHS] Rn. 38, Slg. 2011, I-11757). Da der Be­zugs­zeit­raum nach dem BUrlG das Ka­len­der­jahr ist, muss der Über­tra­gungs­zeit­raum deut­lich länger als zwölf Mo­na­te sein. Wäre der Ur­laubs­an­spruch ent­spre­chend der An­sicht des Be­klag­ten mit dem Ab­lauf der Über­tra­gungs­frist „be­las­tet“, hätte dies zur Fol­ge, dass ein Teil der Ur­laubs­ansprüche des Erb­las­sers aus dem Jahr 2009 be­reits im Fe­bru­ar 2011 un­ter­ge­gan­gen wäre. Man­gels ei­nes suk­zes­si­ven Ver­falls der Ur­laubs­ansprüche des Erb­las­sers aus dem Jahr 2009 nach dem na­tio­na­len Recht be­darf die Fra­ge, ob im Fal­le der Ar­beits­unfähig­keit des Ar­beit­neh­mers ein Über­tra­gungs­zeit­raum von we­ni­ger als 14 Mo­na­ten noch als „deut­lich länger“ als ein Jahr iSd. Recht­spre­chung des Ge­richts­hofs der Eu­ropäischen Uni­on an­ge­se­hen wer­den kann (ver­nei­nend Bau­er/v. Me­dem NZA 2012, 113, 115), kei­ner Ant­wort.
II. Der Erb­las­ser er­warb mit der Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses ei­nen Ab­gel­tungs­an­spruch für die im Jahr 2009 ent­stan­de­nen ge­setz­li­chen Ur­laubs­ansprüche im Um­fang von 25 Ar­beits­ta­gen. Auf­grund des zwi­schen den Par­tei­en un­strei­ti­gen Ab­gel­tungs­an­spruchs iHv. 154,76 Eu­ro brut­to pro Tag stand dem Erb­las­ser da­mit ein An­spruch iHv. 3.869,00 Eu­ro brut­to zu (vgl. zu der auf ein Ka­len­der­jahr be­zo­ge­nen Ur­laubs­ab­gel­tungs­for­de­rung als ein­heit­li­cher Streit­ge­gen­stand BAG 22. Ok­to­ber 2009 - 8 AZR 865/08 - Rn. 30; vgl. auch BAG 7. Au­gust 2012 - 9 AZR 353/10 - Rn. 21, BA­GE 142, 371). Die­sen An­spruch hat der Erb­las­ser mit dem an­walt­li­chen Schrei­ben vom 17. März 2011 iSd. § 37 Abs. 1 TV-L recht­zei­tig gel­tend ge­macht. Der An­spruch ist bis auf
2.217,71 Eu­ro brut­to durch Zah­lung des Be­klag­ten gemäß § 362 Abs. 1 BGB er­lo­schen. Auch hierüber be­steht zwi­schen den Par­tei­en kein Streit.
III. Der ver­blei­ben­de Zah­lungs­an­spruch iHv. 2.217,71 Eu­ro brut­to nebst Zin­sen ist mit dem Tod des Erb­las­sers gemäß § 1922 BGB auf die Kläge­rin­nen in Er­ben­ge­mein­schaft über­ge­gan­gen. Aus der Ein­ord­nung des Ur­laubs­ab­gel­tungs­an­spruchs als rei­ner Geld­an­spruch folgt, dass die­ser An­spruch we­der von der Erfüll­bar­keit oder Durch­setz­bar­keit des Ur­laubs­an­spruchs abhängt noch mit dem Tod des Ar­beit­neh­mers un­ter­geht. Viel­mehr ist er ver­erb­bar (so auch: ErfK/Gall­ner 15. Aufl. § 7 BUrlG Rn. 81; AnwK-ArbR/Düwell 2. Aufl. Bd. 2 § 7 BUrlG Rn. 141; Schu­bert RdA 2014, 9, 14 ff.; Höpfner RdA 2013, 65, 69 f.; bis­her of­fen­ge­las­sen von BAG 20. Sep­tem­ber 2011 - 9 AZR 416/10 - Rn. 12, BA­GE 139, 168). So­weit das Bun­des­ar­beits­ge­richt in der Ver­gan­gen­heit nur ei­nen Scha­dens­er­satz­an­spruch, nicht aber den Ur­laubs­ab­gel­tungs­an­spruch selbst als ver­erb­lich an­ge­se­hen hat (BAG 19. No­vem­ber 1996 - 9 AZR 376/95 - zu I 2 c der Gründe mwN, BA­GE 84, 325), wird hier­an nach der vollständi­gen Auf­ga­be der Sur­ro­gats­theo­rie nicht mehr fest­ge­hal­ten.
IV. Das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts führt den Erb­las­ser als Kläger auf, ob­wohl er im Zeit­punkt der Verkündung be­reits ver­stor­ben war. Auch wenn der Tod zunächst un­be­kannt bleibt, tre­ten die Rechts­nach­fol­ger an die Stel­le des Ver­stor­be­nen; das Ur­teil wirkt für und ge­gen die Er­ben (§ 1922 BGB; § 325 Abs. 1 ZPO; vgl. BGH 8. Fe­bru­ar 1993 - II ZR 62/92 - zu 2 b der Gründe, BGHZ 121, 263). Die An­ga­be des Na­mens des Ver­stor­be­nen im Ru­brum des Ur­teils ist ei­ne of­fen­ba­re Un­rich­tig­keit, die von Amts we­gen zu be­rich­ti­gen ist (zu § 118 Abs. 1 Vw­GO vgl. BVerwG 27. Ju­ni 2002 - 5 C 65.01 - zu 1 der Gründe). Das Bun­des­ar­beits­ge­richt ist als das mit der Sa­che be­fass­te Rechts­mit­tel­ge­richt für die Be­rich­ti­gung zuständig (BAG 24. März 2009 - 9 AZR 733/07 - Rn. 28 mwN, BA­GE 130, 101).
V. Die Kos­ten­ent­schei­dung folgt aus § 97 Abs. 1 ZPO. 20
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