Source: https://www.rechtslupe.de/beruf/der-auskunftsanspruch-des-notarerben-396678
Timestamp: 2020-08-04 00:28:14
Document Index: 358514835

Matched Legal Cases: ['§ 51', '§ 15', '§ 51', '§ 51', '§ 51', '§ 51', '§ 15', '§ 87', '§ 51', '§ 51', 'BGH', '§ 51', 'BGH', '§ 142']

§ 51 BeurkG gewährt kei­nen all­ge­mei­nen Aus­kunfts­an­spruch zu nicht näher bezeich­ne­ten Beur­kun­dun­gen. Dies gilt auch dann, wenn die Aus­kunft der Durch­set­zung von Gebüh­ren­rück­erstat­tungs­an­sprü­chen eines (badi­schen) Notars gegen­über dem Land die­nen soll und dem Antrag­stel­ler (hier: der Erbin des Notars) eine nähe­re Bezeich­nung der Beur­kun­dungs­vor­gän­ge nicht mög­lich ist. Ein sol­cher Anspruch kann auch nicht gem. § 15 Abs. 2 Bno­tO durch­ge­setzt wer­den.
§ 51 BeurkG begrün­det ledig­lich einen Anspruch auf die Ertei­lung von Aus­fer­ti­gun­gen und Abschrif­ten von (nach Gegen­stand und Betei­lig­ten bestimmt bezeich­ne­ten) Urkun­den sowie einen Anspruch auf Ein­sicht in die Urschrift der Urkun­de eines kon­kre­ten Geschäfts [1].
Ein all­ge­mei­ner Anspruch auf Aus­kunft dar­über, wel­che Urkun­den ein Notar zu einem nur all­ge­mein bezeich­ne­ten Geschäfts­ge­gen­stand errich­tet hat, besteht nicht. Die umstrit­te­ne Fra­ge, ob § 51 BeurkG auch ein Recht auf Ein­sicht in die nota­ri­el­len Neben­ak­ten gewährt [2], muss vor­lie­gend des­halb nicht ent­schie­den wer­den. Die Erbin begehrt Aus­kunft zu nicht näher bezeich­ne­ten gesell­schafts­recht­li­chen Beur­kun­dun­gen und dazu­ge­hö­ri­ge Kopien der Kos­ten­rech­nun­gen sowie eine jahr­gangs­wei­se Auf­lis­tung der ein­zel­nen für einen Erstat­tungs­an­spruch in Betracht kom­men­den Beur­kun­dungs­an­ge­le­gen­hei­ten. Es geht ihr folg­lich um eine in ein Aus­kunfts­ver­lan­gen geklei­de­te Aus­for­schung, auf die nach § 51 BeurkG kein Anspruch besteht. Denn der Notar hät­te vor einer Ertei­lung von Abschrif­ten der Kos­ten­rech­nun­gen sowie vor einer Vor­la­ge der Auf­lis­tung von ein­zel­nen Beur­kun­dungs­tä­tig­kei­ten zunächst umfas­send zu ermit­teln, wel­che Nota­ri­ats­tä­tig­kei­ten im Zeit­raum vom 01.06.2002 bis zum 03.08.2005 die näher bezeich­ne­ten gesell­schafts­recht­li­chen Beur­kun­dun­gen betra­fen, was durch den begrenz­ten, in § 51 BeurkG gesetz­lich umschrie­be­nen Pflich­ten­kreis eines Notars nicht abge­deckt ist. Ein blo­ßes "berech­tig­tes Inter­es­se" der Erbin an der gewünsch­ten Aus­kunft genügt hier­für gera­de nicht [3].
Auch im Beschwer­de­ver­fah­ren gemäß § 15 Abs. 2 BNo­tO wäre – da eine all­ge­mei­ne Aus­kunfts­pflicht des Notars nicht besteht – die begehr­ten Aus­künf­te nicht zu erhal­ten gewe­sen [4].
Die Fra­ge, ob die Erbin Aus­künf­te und Unter­la­gen von dem ehe­ma­li­gen Dienst­her­ren ihres ver­stor­be­nen Man­nes gemäß § 87 des baden-würt­tem­ber­gi­schen Lan­des­be­am­ten­ge­set­zes oder in die­sem Rechts­ver­hält­nis in ers­ter Stu­fe Aus­kunft zur Vor­be­rei­tung der gegen das Land zu erhe­ben­den Ansprü­che nach all­ge­mei­nen – auch in öffent­lich-recht­li­chen Son­der­ver­bin­dun­gen gel­ten­den – Grund­sät­zen [5] ver­lan­gen kann, ist durch die inso­weit nicht zustän­di­ge Beschwer­de­kam­mer des Land­ge­richts nicht zu ent­schei­den.
Land­ge­richt Frei­burg, Beschluss vom 28. April 2015 – 4 T 254/​14
OLG Düs­sel­dorf, RNotZ 2006, 71; OLG Bran­den­burg, AnwBl 1996, 474 (475); Lim­mer in Eylmann/​Vaasen, BNotO/​BeurkG, 3. Aufl., § 51 BeurkG Rdnr. 16; Wink­ler, BeurkG, 15. Auf­la­ge, § 51, Rn. 40[↩]
vgl. hier­zu BGH, NJW-RR 2013, 697, Rn. 17 m.w.N.[↩]
vgl. Begrün­dung des Gesetz­ent­wurfs vom 25.09.1965 zu § 51, BT-Drs. V 3282, S. 41[↩]
BGH a.a.O., Rn. 10 f.; Schles­wig-Hol­stei­ni­sches Ober­lan­des­ge­richt, Urteil vom 14.05.2013 – 11 U 46/​12 16; OLG Hamm FGPrax 1998, 159[↩]
OLG Bran­den­burg, a.a.O.[↩]
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