Source: https://www.rechtslupe.de/arbeitsrecht/diskriminierung-schwerbehinderter-stellenbewerber-die-bademeisterin-mit-multipler-sklerose-379338
Timestamp: 2020-02-23 07:30:10
Document Index: 61991349

Matched Legal Cases: ['§ 1', '§ 8', 'Art. 4', '§ 8', 'Art. 4', '§ 1', '§ 8', '§ 8', 'Art. 4', '§ 8', 'Art. 5', 'Art. 27', 'Art. 2', 'Art. 5', '§ 8', '§ 241', '§ 15', '§ 15', 'EuG', 'EuG', 'EuG', 'EuG', 'EuG', 'EuG']

Dis­kri­mi­nie­rung schwer­be­hin­der­ter Stel­len­be­wer­ber – die Bade­meis­te­rin mit Mul­ti­pler Skle­ro­se | Rechtslupe ")}}return a.proceed()});scriptParent=document.getElementsByTagName("script")[0].parentNode;if(scriptParent.tagName.toLowerCase!=="head"){head=document.getElementsByTagName("head")[0];aop_around(head,"insertBefore");aop_around(head,"appendChild")}aop_around(scriptParent,"insertBefore");aop_around(scriptParent,"appendChild");var a2a_config=a2a_config||{};a2a_config.no_3p=1;var addthis_config={data_use_cookies:false};var _gaq=_gaq||[];_gaq.push(["_gat._anonymizeIp"])}
Diskriminierung schwerbehinderter Stellenbewerber - die Bademeisterin mit Multipler Sklerose
Eine unter­schied­li­che Behand­lung wegen eines in § 1 AGG genann­ten Grun­des ist nach § 8 Abs. 1 AGG zuläs­sig, wenn "die­ser Grund" wegen der Art der aus­zu­üben­den Tätig­keit oder der Bedin­gun­gen ihrer Aus­übung eine wesent­li­che und ent­schei­den­de beruf­li­che Anfor­de­rung dar­stellt, sofern der Zweck recht­mä­ßig und die Anfor­de­rung ange­mes­sen ist (vgl. auch Art. 4 Abs. 1 der Richt­li­nie 2000/​78/​EG des Rates vom 27.11.2000 zur Fest­le­gung eines all­ge­mei­nen Rah­mens für die Ver­wirk­li­chung der Gleich­be­hand­lung in Beschäf­ti­gung und Beruf [Richt­li­nie 2000/​78/​EG]).
Aller­dings muss – wenn dies auch in § 8 Abs. 1 AGG nicht wort­wört­lich zum Aus­druck kommt – nach der bei der Aus­le­gung her­an­zu­zie­hen­den Bestim­mung des Art. 4 Abs. 1 Richt­li­nie 2000/​78/​EG nicht der Grund, auf den die Ungleich­be­hand­lung gestützt ist, son­dern ein mit die­sem Grund im Zusam­men­hang ste­hen­des Merk­mal eine wesent­li­che und ent­schei­den­de beruf­li­che Anfor­de­rung dar­stel­len 1.
Das Merk­mal, das im Zusam­men­hang mit einem der in § 1 AGG genann­ten Benach­tei­li­gungs­grün­de steht, – oder sein Feh­len – kann nur dann eine wesent­li­che und ent­schei­den­de beruf­li­che Anfor­de­rung iSd. § 8 Abs. 1 AGG sein, wenn davon die ord­nungs­ge­mä­ße Durch­füh­rung der Tätig­keit abhängt 2.
Dazu sind vor­lie­gend ua. fol­gen­de Gesichts­punk­te ein­zu­be­zie­hen:
Beson­de­re kör­per­li­che Fähig­kei­ten sind eine wesent­li­che beruf­li­che Anfor­de­rung im Hin­blick auf die Kon­trol­le des Bade­be­trie­bes ein­schließ­lich des Ret­tungs­diens­tes, da die Sicher­heit der Bade­gäs­te betrof­fen ist und kör­per­li­che Schwä­chen beträcht­li­che Kon­se­quen­zen haben kön­nen 3.
Wei­ter­hin gilt das für die Ertei­lung von Schwimm­un­ter­richt jeden­falls teil­wei­se, ist aber auch nicht strei­tig zwi­schen den Par­tei­en. Eben­so wenig ist im Streit zwi­schen den Par­tei­en, dass für die Durch­füh­rung von Aqua­fit­ness­kur­sen grund­sätz­lich kör­per­li­che Fit­ness­an­for­de­run­gen bestehen. Über die Ange­mes­sen­heit der ein­zel­nen Tätig­keits­an­for­de­run­gen herrscht ersicht­lich kein Streit zwi­schen den Par­tei­en.
Aus­weis­lich der für die Ein­stel­lung erfor­der­li­chen Abschlüs­se und Beschei­ni­gun­gen, dar­un­ter das der im Ein­stel­lungs­zeit­raum abge­schlos­se­nen ein­schlä­gi­gen Aus­bil­dung besteht grund­sätz­lich die Eig­nung der Klä­ge­rin für die bei der Beklag­ten zu beset­zen­de Stel­le. Das bestrei­tet die Beklag­te auch nicht; im Gegen­teil woll­te sie die Klä­ge­rin auf die­ser Grund­la­ge für die zu ver­ge­ben­de Eltern­zeit­ver­tre­tung ein­set­zen.
Ob es sich bei dem Aus­schluss der Klä­ge­rin wegen der MS um einen recht­mä­ßi­gen Zweck han­delt, wird vor dem Hin­ter­grund der Tätig­keits­an­for­de­run­gen zu prü­fen sein. Wesent­lich wird für die vom Lan­des­ar­beits­ge­richt vor­zu­neh­men­de Bewer­tung das neu­ro­lo­gi­sche Sach­ver­stän­di­gen­gut­ach­ten vom 17.09.2012 sein. Die­ses ist für den dama­li­gen Zeit­punkt – um den allein es sich bei der hier betrof­fe­nen Ein­stel­lung, noch dazu für eine zeit­lich befris­te­te Ver­tre­tungs­tä­tig­keit han­deln kann – von unein­ge­schränk­ter Arbeits­fä­hig­keit, auch bei kör­per­lich anstren­gen­der Tätig­keit aus­ge­gan­gen. Mit einem plötz­li­chen Auf­tre­ten neu­ro­lo­gi­scher Aus­fall­sym­pto­me inner­halb weni­ger Stun­den – wie bei­spiels­wei­se bei einem Schlag­an­fall – sei nicht zu rech­nen. Damit spricht viel dafür, dass der Ein­satz der Klä­ge­rin – jeden­falls für das hier ent­schei­den­de, zum dama­li­gen Zeit­punkt bestehen­de Erkran­kungs­bild – auch im Hin­blick auf eine plötz­lich ein­tre­ten­de Ret­tungs­si­tua­ti­on nicht nega­tiv zu beur­tei­len ist.
Zu beach­ten ist in jedem Fall, dass nur unter sehr begrenz­ten Bedin­gun­gen eine unter­schied­li­che Behand­lung gerecht­fer­tigt sein kann und § 8 Abs. 1 AGG iVm. Art. 4 Abs. 1 der Richt­li­nie 2000/​78/​EG, soweit über­haupt eine Abwei­chung vom Dis­kri­mi­nie­rungs­ver­bot ermög­licht ist, eng aus­zu­le­gen ist 4.
Soweit die Beklag­te sich auf Pas­sa­gen des Sach­ver­stän­di­gen­gut­ach­tens zu ver­schie­de­nen Fak­to­ren einer lang­fris­ti­gen Pro­gno­se bezieht, ist nicht erkenn­bar, dass die­se im Hin­blick auf eine befris­te­te Ein­stel­lung zur Ver­tre­tung von Bedeu­tung sein kön­nen.
Zudem wird ent­schei­dend zu berück­sich­ti­gen sein, dass ein Arbeit­ge­ber, der eine Nicht­ein­stel­lung dar­auf stützt, dass der Arbeit­neh­mer wegen sei­ner Behin­de­rung nicht ein­ge­setzt wer­den kön­ne, sich nur dann auf § 8 Abs. 1 AGG beru­fen kann, wenn auch ange­mes­se­ne Vor­keh­run­gen iSv. Art. 5 der Richt­li­nie 2000/​78/​EG iVm. Art. 27 Abs. 1 Satz 2 Buchst. i, Art. 2 Unter­abs. 4 des Über­ein­kom­mens der Ver­ein­ten Natio­nen vom 13.12 2006 über die Rech­te von Men­schen mit Behin­de­run­gen ergrif­fen wer­den. Art. 5 der Richt­li­nie 2000/​78/​EG, der im AGG kei­ne wort­wört­li­che Umset­zung erfah­ren hat, ist einer­seits bei der Aus­le­gung des Begriffs der "ange­mes­se­nen" Anfor­de­rung in § 8 Abs. 1 AGG ein­zu­be­zie­hen 5 und ist zudem im Wege einer uni­ons­rechts­kon­for­men Aus­le­gung von § 241 Abs. 2 BGB zu berück­sich­ti­gen 6. Im Zusam­men­hang mit der Richt­li­nie 2000/​78/​EG ist der Begriff "ange­mes­se­ne Vor­keh­run­gen" dahin gehend zu ver­ste­hen, dass er die Besei­ti­gung der ver­schie­de­nen Bar­rie­ren umfasst, die die vol­le und wirk­sa­me Teil­ha­be der Men­schen mit Behin­de­rung am Berufs­le­ben, gleich­be­rech­tigt mit den ande­ren Arbeit­neh­mern, behin­dern. Unter­lässt der Arbeit­ge­ber not­wen­di­ge Vor­keh­run­gen, die kei­ne unver­hält­nis­mä­ßi­ge oder unbil­li­ge Belas­tung dar­stel­len, ist das in die gericht­li­che Beur­tei­lung mit ein­zu­be­zie­hen 7.
Kei­ner­lei Rol­le spielt, wann die Klä­ge­rin über die Tat­sa­che der Behin­de­rung infor­miert hat.
Bei der Höhe einer fest­zu­set­zen­den Ent­schä­di­gung ist zu berück­sich­ti­gen, dass sie nach § 15 Abs. 2 AGG ange­mes­sen sein muss. Sie muss einen tat­säch­li­chen und wirk­sa­men recht­li­chen Schutz der aus dem Uni­ons­recht her­ge­lei­te­ten Rech­te gewähr­leis­ten 8. Die Här­te der Sank­tio­nen muss der Schwe­re des Ver­sto­ßes ent­spre­chen – indem sie ins­be­son­de­re eine wirk­lich abschre­cken­de Wir­kung gewähr­leis­tet, zugleich aber den all­ge­mei­nen Grund­satz der Ver­hält­nis­mä­ßig­keit wah­ren 9. Dabei sind alle Umstän­de des Ein­zel­falls – wie etwa die Art und Schwe­re der Benach­tei­li­gung, ihre Dau­er und Fol­gen, der Anlass und der Beweg­grund des Han­delns – und der Sank­ti­ons­zweck der Ent­schä­di­gungs­norm zu berück­sich­ti­gen 10.
Haf­tung des Arbeit­ge­bers bei Dis­kri­mi­nie­rung durch den… Ansprü­che auf Ent­schä­di­gung bei Ver­stö­ßen gegen das All­ge­mei­ne Gleich­be­hand­lungs­ge­setz (AGG) nach § 15 Abs. 2 müs­sen gegen den Arbeit­ge­ber gerich­tet wer­den. Wird bei der Aus­schrei­bung…
vgl. EuGH 13.09.2011 – C‑447/​09 [Prig­ge], Rn. 66, Slg. 2011, I‑8003; 12.01.2010 – C‑229/​08 [Wolf], Rn. 35, Slg. 2010, I‑1[↩]
BAG 18.03.2010 – 8 AZR 77/​09, Rn. 26[↩]
inso­weit über­trag­bar EuGH 13.09.2011 – C‑447/​09 [Prig­ge], Rn. 67, Slg. 2011, I‑8003[↩]
vgl. ent­spre­chend in Bezug auf die Dis­kri­mi­nie­rung wegen des Alters: EuGH 13.09.2011 – C‑447/​09 [Prig­ge], Rn. 71 f., Slg. 2011, I‑8003, dort auch mwN in Bezug auf die Dis­kri­mi­nie­rung wegen des Geschlechts[↩]
soweit es um Men­schen mit Behin­de­rung geht[↩]
für Letz­te­res BAG 19.12 2013 – 6 AZR 190/​12, Rn. 53[↩]
vgl. EuGH 11.04.2013 – C‑335/​11 ua. [Ring, Skou­boe Wer­ge], Rn. 49 ff., 66, 68; 11.07.2006 – C‑13/​05 [Chacón Navas], Rn. 50, Slg. 2006, I‑6467; BAG 19.12 2013 – 6 AZR 190/​12, Rn. 50 ff.[↩]
vgl. EuGH 25.04.2013 – C‑81/​12 [Aso­cia­tia ACCEPT], Rn. 63; 22.04.1997 – C‑180/​95 [Draehm­pa­ehl], Rn. 24, 39 f., Slg. 1997, I‑2195[↩]
EuGH 25.04.2013 – C‑81/​12 [Aso­cia­tia ACCEPT], Rn. 63 mwN[↩]
vgl. ua. BAG 23.08.2012 – 8 AZR 285/​11, Rn. 38; 17.12 2009 – 8 AZR 670/​08, Rn. 38; 22.01.2009 – 8 AZR 906/​07, Rn. 82 mwN, BAGE 129, 181[↩]
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