Source: https://www.rechtslupe.de/verwaltungsrecht/abschiebungsanordnung-im-dublin-verfahren-2-3101459
Timestamp: 2019-08-19 09:48:43
Document Index: 318815201

Matched Legal Cases: ['Art. 7', '§ 34', '§ 11', '§ 34', 'Art. 49', 'Art. 29', 'Art. 49', '§ 34', '§ 34']

Abschie­bungs­an­ord­nung im Dub­lin-Ver­fah­ren | Rechtslupe
Die Rege­lun­gen der Dub­lin-Ver­ord­nun­gen geben kei­ne Rang­fol­ge hin­sicht­lich der drei von ihnen vor­ge­se­he­nen Über­stel­lungs­mo­da­li­tä­ten vor (vgl. Art. 7 Abs. 1 VO, EG Nr. 1560/​2003). Es besteht ins­be­son­de­re kein Vor­rang zuguns­ten einer Über­stel­lung auf eige­ne Initia­ti­ve des Asyl­an­trag­stel­lers 1.
Die Rege­lung des § 34a Abs. 1 AsylVfG, wonach vom Bun­des­amt nur die Abschie­bung als Mög­lich­keit der Über­stel­lung eines Aus­län­ders in den für die Prü­fung sei­nes Asyl­an­trags zustän­di­gen Mit­glied­staat ange­ord­net wer­den kann, ist mit Uni­ons­recht ver­ein­bar. Dem Grund­satz der Ver­hält­nis­mä­ßig­keit ist von der mit dem Voll­zug der Abschie­bung betrau­ten Aus­län­der­be­hör­de Rech­nung zu tra­gen 1.
Der Grund­satz der Ver­hält­nis­mä­ßig­keit wird dadurch gewahrt, dass die Über­stel­lung zwar regel­mä­ßig in Gestalt der Abschie­bung voll­zo­gen wird, im Aus­nah­me­fall aber auch eine Über­stel­lung ohne Ver­wal­tungs­zwang mög­lich ist. Eine Über­stel­lung ohne Ver­wal­tungs­zwang ist dem Asyl­be­wer­ber von der Voll­zugs­be­hör­de dann zu ermög­li­chen, wenn gesi­chert erscheint, dass er sich frei­wil­lig in den für die Prü­fung sei­nes Antrags zustän­di­gen Mit­glied­staat begibt und sich dort frist­ge­recht bei der ver­ant­wort­li­chen Behör­de mel­det 2.
Eine Über­stel­lung ohne Ver­wal­tungs­zwang ist kei­ne Abschie­bung und führt folg­lich nicht zu einem gesetz­li­chen Ein­rei­se- und Auf­ent­halts­ver­bot nach § 11 Auf­en­thG 2.
§ 34a Abs. 1 AsylVfG ist mit den uni­ons­recht­li­chen Bestim­mun­gen des Dub­lin-Rege­lungs­werks ver­ein­bar, und zwar sowohl mit der hier anwend­ba­ren Ver­ord­nung (EG) Nr. 343/​2003 des Rates vom 18.02.2003 zur Fest­le­gung der Kri­te­ri­en und Ver­fah­ren zur Bestim­mung des Mit­glied­staats, der für die Prü­fung eines von einem Dritt­staats­an­ge­hö­ri­gen in einem Mit­glied­staat gestell­ten Asyl­an­trags zustän­dig ist 3 – Dub­lin II-VO – und der Ver­ord­nung (EG) Nr. 1560/​2003 der Kom­mis­si­on vom 02.09.2003 mit Durch­füh­rungs­be­stim­mun­gen zur Dub­lin II-VO 4 – Dub­lin-DVO – als auch mit der hier nicht anwend­ba­ren Ver­ord­nung (EU) Nr. 604/​2013 des Euro­päi­schen Par­la­ments und des Rates vom 26.06.2013 zur Fest­le­gung der Kri­te­ri­en und Ver­fah­ren zur Bestim­mung des Mit­glied­staa­tes, der für die Prü­fung eines von einem Dritt­staats­an­ge­hö­ri­gen in einem Mit­glied­staat gestell­ten Asyl­an­trags zustän­dig ist 5 – Dub­lin III-VO -.
Im vor­lie­gen­den Fall ist wei­ter­hin die Dub­lin II-VO anwend­bar. Das ergibt sich aus der Über­gangs­re­ge­lung des Art. 49 Abs. 2 der Dub­lin III-VO. Nach die­ser Vor­schrift ist die Dub­lin III-VO erst auf Anträ­ge zur Erlan­gung inter­na­tio­na­len Schut­zes anwend­bar, die ab dem ers­ten Tag des sechs­ten Monats nach ihrem Inkraft­tre­ten gestellt wer­den, also ab dem 1.01.2014. Hier war der Antrag im Juli 2013 und damit vor dem maß­geb­li­chen Stich­tag gestellt wor­den. Dar­über hin­aus gilt die Dub­lin III-VO zwar ab dem 1.01.2014 für alle Gesu­che um Auf­nah­me oder Wie­der­auf­nah­me von Antrag­stel­lern – unge­ach­tet des Zeit­punkts der Antrag­stel­lung, dies aber nur dann, wenn sie nicht bereits vor dem 1.01.2014 gestellt wur­den 6. Hier war der Wie­der­auf­nah­me­an­trag am 5.11.2013 und damit vor dem maß­geb­li­chen Stich­tag gestellt wor­den. Eine Anwend­bar­keit der Dub­lin III-VO lässt sich auch nicht aus der Über­le­gung ablei­ten, dass mit der hier zu beur­tei­len­den Abschie­bungs­an­ord­nung das Über­stel­lungs­ver­fah­ren im Sin­ne von Art. 29 ff. Dub­lin III-VO und damit ein eigen­stän­di­ger Ver­fah­rens­ab­schnitt ein­ge­lei­tet wur­de. Denn die Stich­tags­re­ge­lung in Art. 49 Abs. 2 Dub­lin III-VO gilt grund­sätz­lich für alle Anträ­ge auf inter­na­tio­na­len Schutz und ent­hält nur für nach dem Stich­tag gestell­te Gesu­che um Auf­nah­me und Wie­der­auf­nah­me eine Rück­aus­nah­me. Da der Wie­der­auf­nah­me­an­trag hier am 5.11.2013 gestellt wor­den ist, fin­det folg­lich auch auf die das Über­stel­lungs­ver­fah­ren ein­lei­ten­de Abschie­bungs­an­ord­nung die Dub­lin II-VO Anwen­dung.
Die Dub­lin-Ver­ord­nun­gen geben kei­ne Rang­fol­ge hin­sicht­lich der drei von ihnen vor­ge­se­he­nen Über­stel­lungs­mo­da­li­tä­ten vor 1.
§ 34a AsylVfG steht in der vom Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt vor­ge­nom­me­nen Aus­le­gung auch mit dem uni­ons­recht­li­chen Gebot der Ver­hält­nis­mä­ßig­keit in Ein­klang 1.
Euro­päi­sches Asyl­sys­tem – und die Über­stel­lungs­haft Asyl­be­wer­ber kön­nen der­zeit in Deutsch­land nicht zum Zwe­cke der Über­stel­lung in einen ande­ren Mit­glieds­staat der Euro­päi­schen Uni­on inhaf­tiert wer­den. Inso­weit fehlt es der­zeit im deut­schen Recht an einer wirk­sa­men Ermäch­ti­gungs­grund­la­ge…
Abschie­bungs­an­ord­nung zur Über­stel­lung im Dub­­lin-Ver­­­fah­­ren § 34a AsylVfG ist mit Uni­ons­recht ver­ein­bar, soweit er für die Über­stel­lung eines Asyl­be­wer­bers an den nach den Dub­lin-Bestim­mun­gen für das Asyl­ver­fah­ren zustän­di­gen Mit­glied­staat nur die Anord­nung einer Abschie­bung durch…
Ver­säum­te Fris­ten im Dub­­lin-Ver­­­fah­­ren Die Fris­ten im Dub­lin-Ver­fah­ren sind nicht indi­vi­du­al­schüt­zend. Stimmt ein von Deutsch­land ersuch­ter EU-Mit­glied­staat der Auf­nah­me eines Asyl­an­trag­stel­lers im Rah­men des Dub­lin-Ver­fah­rens zu, so kann sich der Asyl­be­wer­ber gegen sei­ne Über­stel­lung…
BVerwG, Urteil vom 17.09.2015 – 1 C 26.14↩↩↩↩
BVerwG, wie Urteil vom 17.09.2015 – 1 C 26.14↩↩
ABl. L 50 S. 1↩
ABl. L 222 S. 3↩
ABl. L 180 S. 31↩
vgl. BVerwG, Urteil vom 17.06.2014 – 10 C 7.13, BVerw­GE 150, 29 Rn. 27↩