Source: https://www.wohnen-und-bauen.de/deutsche-sonder-afa-fuer-wohnungen-in-allen-eu-staaten/
Timestamp: 2020-02-20 05:39:50
Document Index: 102683729

Matched Legal Cases: ['EuG', '§ 7', '§ 7', 'EuG', 'EuG', '§ 7']

Home Aktuelles Deutsche Sonder-AfA für Wohnungen in allen EU-Staaten
Kein Witz – die hohe deutsche Sonder-Abschreibung (Sonder-AfA) für Wohnungen in Neubauten gilt in allen EU-Staaten – sogar auf Mallorca. Das ist europäisches Recht. Und so will es der Europäische Gerichtshof (EuGH).
Deutsche Sonder-AfA auch für Neubauten auf Mallorca
Stichtag 8. August 2019. Wichtig ist dieses Datum vor allem für Immobilieninvestoren. Denn an diesem Tag trat der neue § 7b Einkommensteuergesetz (EStG) in Kraft. Dieser harmlos anmutende Paragraf hat letztlich nur ein einziges Ziel: den Neubau von Mietwohnungen zu fördern. Aus diesem Grund hat der Gesetzgeber eine sogenannte Sonder-Abschreibung beschlossen. Diese beträgt fünf Prozent im Jahr – somit insgesamt 20 Prozent, weil Immobilieninvestoren jene Sonder-AfA in den ersten vier Jahren nutzen dürfen.
Übrigens: Hier gilt einmal mehr „Nomen est Omen“. Denn wie der Begriff „Sonder-Abschreibung“ andeutet, gewährt das Finanzamt diese zusätzlich zur üblichen Gebäudeabschreibung, im Fachjargon: „lineare Abschreibung“. Diese beträgt in der Regel jährlich 2 Prozent vom Gebäudewert. Dies bedeutet: Immobilienanleger und Vermieter dürfen in den ersten vier Jahren insgesamt 28 Prozent vom Gebäudewert (4 x 5 Prozent Sonder-AfA plus 4 x 2 Prozent lineare AfA) Steuern sparend mit ihren Mieteinnahmen verrechnen.
Hintergrund. Der Gesetzgeber unterstellt, dass Immobilien, also Gebäude aber nicht Grundstücke, an Wert verlieren, weil sie in die Jahre kommen. Im Grunde wie bei Menschen. Je älter ein Mensch wird, desto mehr Wehwehchen machen sich bemerkbar. Der Gesetzgeber berücksichtigt den unterstellten Substanzverlust oder Wertverlust bei Gebäuden eben durch die Abschreibung, auch „AfA“ genannt. Und zwar unabhängig davon, ob das Gebäude als Solches mit der Zeit in Wahrheit erheblich an Wert gewinnt, weil die Marktverhältnisse entsprechend sind. Zusätzlich zur linearen Abschreibung genehmigt die Finanzverwaltung seit dem Jahr 2019 die Sonder-Abschreibung. Diese würdigt nicht unbedingt einen beschleunigten Wertverlust von Gebäuden in den ersten vier Jahren. Stattdessen ist die Sonder-AfA ein politisches Steuerungsinstrument bzw. ein Anreizprogramm. Durch höhere Steuerersparnisse auf Seiten der Investoren will man, wie bereits gesagt, den Neubau von Mietwohnungen fördern.
Klar ist: Eigentlich wollte und will die Große Koalition durch die Sonder-Abschreibung den Neubau von Mietwohnungen in Deutschland fördern. Im Grunde ein löbliches Ziel. Denn bei uns in Deutschland ist bezahlbarer Wohnraum knapp. Insbesondere in den Großstädten und Metropolregionen zwischen Flensburg und Füssen sind die Mieten in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen. Doch der neue § 7b des Einkommensteuergesetzes gilt – kurios, aber wahr – nicht nur in der Bundesrepublik Deutschland. Sondern auch außerhalb des Landes, nämlich in sämtlichen Staaten der Europäischen Union (EU). Der EU-weite Geltungsbereich ist einem Urteil des Europäischen Gerichtshofs (EuGH) zu entnehmen. Der EuGH hatte am 15. Oktober 2009 unter dem Aktenzeichen C-35/08 entschieden, dass die deutsche Finanzverwaltung die hierzulande üblichen Abschreibungen, folglich ebenso die noch recht junge Sonder-AfA, bei vermieteten Immobilien auch im EU-Ausland anerkennen müssen.
Wichtig: Wer eine Wohnung in einem EU-Staat baut oder erwirbt und diese vermietet, muss seine Mietüberschüsse auch in diesem Land versteuern. Ist der Hauptwohnsitz in Deutschland (mehr als sechs Monate im Kalenderjahr Aufenthalt), muss der Wohnungseigentümer und Vermieter hier in Deutschland sein Welteinkommen versteuern – somit auch die Mieteinnahmen in einem EU-Staat. Da die Bundesrepublik Deutschland mit vielen anderen Staaten, erst recht in der Europäischen Union, so genannte Doppelbesteuerungsabkommen, hat wird die in einem EU-Land gezahlte Steuer in der Regel auf die Steuerschuld in Deutschland angerechnet. Eben damit es nicht zu einen Doppelbesteuerung kommt.
Die Sonder-AfA auf neue Wohnungen soll den Neubau von Mietwohnungen in Deutschland ankurbeln. Deshalb hat der Gesetzgeber den § 7b in das Einkommenssteuergesetz eingeführt. Danach dürfen Immobilieninvestoren unter bestimmten Voraussetzungen in den ersten vier Jahren jeweils 5 Prozent der Herstellungskosten bzw. Anschaffungskosten Steuern sparend geltend machen. Hinzu kommt die übliche lineare Abschreibung von 2 Prozent jährlich. Ob die Sonderabschreibung mit ihren Regularien tatsächlich den Neubau von Mietwohnungen fördert, steht in den Sternen.
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