Source: http://steine-und-erden.net/se598/silos.htm
Timestamp: 2018-01-17 23:56:27
Document Index: 204956016

Matched Legal Cases: ['§ 20', '§ 20', '§ 36', '§ 11', '§ 11', '§ 13', '§ 11', '§ 11', '§ 14']

Die Industrie der Steine + Erden, Ausgabe 5/98: Betriebsanweisung für Arbeiten in Silos
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Betriebsanweisung für Arbeiten in Silos
-- Bürokratischer Ballast oder lebenserhaltende Notwendigkeit? --
Dr.-Ing. D. Schöne und Dr.-Ing. W. Micksch
Im Zeitraum von 1987 bis 1996 ereigneten sich in Bunkern und Silos aller Art in den Mitgliedsunternehmen der Steinbruchs-Berufsgenossenschaft insgesamt 18 schwere Arbeitsunfälle. Es handelt sich dabei um Silos für Sand, Kies, Splitt und Schotter, Zement, Kalk und Gips.
Anpackungen und Brücken beseitigen,
243.800,- DM
an- u. abschlagen
quetschen,
510800,- DM
Siloverschluß klemmt
122.900,- DM
211.500,- DM
Summe in DM
Tab. 1: Unfälle in und an Silos und ihre Kosten
Die Tab. 1 gibt einen Überblick über die Ursachen, Gründe und Wirkungen. Die letzte Spalte verdeutlicht die enormen Kosten derartiger Unfälle.
In drei Fällen, in denen Beschäftigte im Silo versuchten, Anbackungen und Brücken zu beseitigen bzw. Reparaturen durchzuführen, kam es zum Tod durch Verschütten. Typisch für diese Unfälle war, daß der Beschäftigte allein versuchte, die Ursache der Betriebsstörung zu beseitigen.
Beim Demontieren nicht mehr benötigter Silos kam es in diesen 10 Jahren zu vier Unfällen. Die Analyse der Unfallursachen ergab, daß entweder keine eindeutigen Regelungen für den Abbruch vorlagen (UVV "Bauarbeiten"; § 20: schriftliche Abbruchanweisung) oder daß aufgrund ihres baulichen Zustandes die Silos plötzlich umstürzten. Auch hier wurden die Bestimmungen des § 20 (1) der UVV "Bauarbeiten" nicht beachtet.
Häufig kommt es bei Siloanlagen, für grobkörniges Material zum Verklemmen des Austragsschiebers. Die Beschäftigten versuchen dann, durch Stochern oder sogar Hineingreifen die Störung zu beseitigen. Dies führte in den 10 Jahren zu sechs schwereren Arbeitsunfällen (Hand und / oder Arm-Verletzungen). Auch bei derartigen Unfällen ist es typisch, daß die Beschäftigten versucht haben, die Reparatur allein auszuführen.
Bei fünf Arbeitsunfällen wurde bei Reparaturarbeiten der vorhandene Verkehrsweg verlassen und durch Klettern oder Übersteigen versucht, die Reparaturstelle zu erreichen. Dabei kam es durch Abrutschen und Herunterfallen zu den schweren Unfällen. Auch das Herabspringen von Anlagenteilen oder den unteren Leiterstufen und dem damit verbundenen Umknicken (Brüchen) war verantwortlich für 1/5 der Gesamtkosten.
Die im betrachteten Zeitraum verursachten Kosten von über 1 Mill. DM bei insgesamt 18 schweren Unfällen lassen vermuten, daß in den Unternehmen bei Arbeiten in und an Silos Defizite bei der Unterweisung der Beschäftigen vorliegen.
Die nachstehenden Ausführungen beschränken sich auf Gefahren bei Arbeiten in Silos und können sowohl als Grundlage für die Erarbeitung einer Betriebsanweisung als auch für die Unterweisung der Beschäftigten genutzt werden.
2. Betriebsanweisung für Arbeiten in Silos
2.1. Sind schriftliche Betriebsanweisungen notwendig?
Die beschriebenen Arbeitsunfälle an Silos zeigten, daß Unfälle in solchen Einrichtungen oft einen schweren oder gar tödlichen Ausgang haben. Gefährdungen sind gerade hier mit einer hohen Unfallschwere verbunden und verkörpern damit ein großes Unfallrisiko, obwohl die Zahl der auftretenden Unfälle relativ klein ist. Insbesondere treten folgende Gefährdungen auf:
Abstürzen an und in Silos
Einsinken oder Eingezogenwerden in Füllgut
Verschütten durch herabstürzendes Füllgut
Quetsch- oder Einzugsgefahren an Abzugseinrichtungen
unsachgemäßer Umgang mit Einfahreinrichtungen
ätzende, reizende oder stickende Siloatmosphäre bei staubförmigem Füllgut.
Diese Gefährdungen werden je nach Situation, Füllgut und Silokonstruktion einzeln oder kombiniert bei Silobefahrungen wirksam. Die Vielzahl solcher Gefährdungen und die durch sie verursachte Unfallschwere begründen auch, daß Arbeiten in Silos gemäß § 36 Abs. 1-3 der UVV 1 "Allgemeine Vorschriften" als besonders gefährliche Arbeiten eingestuft sind und der Festlegung von besonderen Sicherheitsmaßnahmen bedürfen.
Befahrungen von Silos gehören in den Unternehmen des Zuständigkeitsbereiches der Steinbruchs-Berufsgenossenschaft in der Regel zu den Arbeitsaufgaben, die meist mit außerplanmäßigen Störungen und deshalb oft mit unvorhergesehenen Betriebssituationen und -stillständen verbunden sind.
Letzteres führt dazu, daß Silobefahrungen in vielen Fällen unter Zeitdruck und damit in Streßsituationen durchgeführt werden müssen. Demgegenüber steht, daß Erfordernisse zur Befahrung von Silos im normalen Betrieb selten sind. Das führt oftmals dazu, daß Kenntnisse über die für solche Tätigkeiten zutreffenden Sicherheitsvorschriften bei den Arbeitnehmern verloren gehen und auch im Rahmen der regelmäßigen Unterweisungen oftmals nicht genügend aufgefrischt werden. Betriebspezifischen Erfahrungen über die zweckmäßigste Umsetzung der einschlägigen Vorschriften geraten allmählich in Vergessenheit, weil es seltene Ereignisse sind. Die Folge davon ist, daß geforderten Sicherheitsmaßnahmen nicht beachtet werden. Infolge des Zeitdruckes kommt es oft zu folgenschweren Fehlhandlungen. Es kommt daher darauf an, die Maßnahmen zur Gewährleistung der Arbeitssicherheit und des Gesundheitsschutzes so festzulegen, daß bei Arbeiten in Silos umfassender Schutz der Arbeitnehmer gewährleistet ist.
Die Sicherheitsmaßnahmen sollten schriftlich, d. h. in Form einer Betriebsanweisung festgelegt werden. Erfolgt dies frühzeitig, besteht die Möglichkeit, die Sicherheitsmaßnahmen gründlich zu durchdenken. Die Bereitstellung erforderlicher Ausrüstungen kann rechtzeitig vorbereitet werden.
2.2. Grundlagen zur Erarbeitung einer Betriebsanweisung
Im § 11 Abs. 1 Ziff. 3 des Neuentwurfes der Unfallverhütungsvorschrift "Silos" wird gefordert, daß vor der Aufnahme von Arbeiten in Silos eine schriftliche Betriebsanweisung zu erstellen ist, nach der gemäß Ziff. 4 des gleichen Absatzes im § 11 die Versicherten zu unterweisen sind.
Die Darlegungen zu den Besonderheiten solcher Arbeiten lassen die Schlußfolgerung zu, daß es gerechtfertigt ist, diese Betriebsanweisung als gesondertes innerbetriebliches Dokument anzufertigen, auf dessen Grundlage im Bedarfsfall ein Arbeitsauftrag sowie eine Erlaubnis zur Befahrung eines bestimmten Silos zu erstellen sind.
Eine Betriebsanweisung muß sich auf den einschlägigen Vorschriften begründen und diese betriebsspezifisch umsetzen. Für die Silobefahrung kommen als Grundlage insbesondere nachfolgende Vorschriften in Betracht:
Unfallverhütungsvorschrift "Silos" (VBG 112)
Richtlinien für Arbeiten in Behältern und engen Räumen (ZH 1/77)
Unfallverhütungsvorschrift "Allgemeine Vorschriften" (VBG 1)
Unfallverhütungsvorschrift "Winden, Hub- und Zuggeräte" (VBG 8)
Regeln für den Einsatz von persönlichen Schutzausrüstungen gegen Absturz (ZH 1/709)
Sicherheitsregeln für hochziehbare Personenaufnahmemittel ZH 1/461)
Regeln für den Einsatz von Atemschutzgeräten (ZH 1/701)
Merkblatt ätzende und reizende Stoffe (ZH 1/229)
Merkblatt: Gefahren durch nitrose Gase bei autogenem Anwärmen, Richten, Schweißen und Schneiden und beim Lichtbogenschweißen und -schneiden in engen Räumen, Kesseln, Behältern und allen sonstigen engen Räumen (ZH1/226 u. a.).
Außerdem sind für die Erarbeitung von Betriebsanweisungen heranzuziehen bzw. zu verwenden:
Bedienanleitung für die Einfahrvorrichtung
Broschüre: Arbeiten in engen Räumen (ZH 1/78)
Erlaubnisschein für Arbeiten in Behältern und engen Räumen (ZH 1/391).
Bei der Erstellung der Betriebsanweisung geht es in erster Linie darum, die im Vorschriftenwerk enthaltenen Bestimmungen innerbetrieblich konkret umzusetzen.
Auszugehen ist dabei zweckmäßigerweise von der Bauart und der Größe der jeweiligen Silos. Daraus ergibt sich, daß eine Betriebsanweisung jeweils für einen bestimmten Silotyp erarbeitet werden sollte.
Eine wichtige Frage ist auch, durch welche Öffnungen das Silo befahren werden kann. Insbesondere sind dabei neben der Größe auch die Lage und die Zugänglichkeit der Öffnungen zu berücksichtigen. Gleichzeitig ist von Bedeutung, welche Möglichkeiten der Aufstellung und Sicherung von Hilfseinrichtungen zur Silobefahrung in der unmittelbaren Umgebung von Siloöffnungen gegeben sind. Dabei ist auch zu beachten, ob geeignete Anschlußpunkte für Sicherheitsseile für die Absturzsicherung der Personen vorhanden sind. Die Festlegung der Öffnung, durch die ein Silo zu befahren ist, hängt natürlich auch von dem operativen Betriebszustand des Silos, insbesondere vom Materialstand ab. Im Rahmen der Betriebsanweisung sollten deshalb alle für eine Befahrung infrage kommenden Öffnungen in Betracht gezogen werden, während die im Bedarfsfall zu benutzende Öffnung Gegenstand des unmittelbaren Arbeitsauftrages und damit gleichzeitig auch der Erlaubnis für die Silobefahrung ist.
Eine weitere grundsätzliche Frage, ist die Regelung der Verantwortung. Das beginnt bereits mit der Erteilung des Arbeitsauftrages und der Erlaubnis zur Silobefahrung.
Dabei hat über allem das strikte Verbot der Alleinarbeit bei Silobefahrungen zu stehen. Hier ist eine wichtige Forderung des § 13 Abs. 1 und 3 der VBG 112 "Silos" (bzw. § 11 Abs. 1 und 2 des Neuentwurfes der Unfallverhütungsvorschrift) innerbetrieblich nochmals deutlich zum Ausdruck zu bringen.
Im Rahmen einer Betriebsanweisung sollte auf jeden Fall festgelegt werden, wer die Aufsicht führt. Haupt- und Hilfstätigkeiten insbesondere im Zusammenhang mit zusätzlichen Sicherungsmaßnahmen und dem Einsatz einer Einfahrvorrichtung sind zu regeln. Der vorgesehene Personenkreis sollte auch öfter zu den speziellen Themen der Durchführung von Silobefahrungen unterwiesen werden.
Die Beantwortung der Frage, ob Einfahreinrichtungen erforderlich sind oder nicht, hängt von der Art und der Größe, insbesondere von der lichten Höhe des Silos ab.
Ab 10 m Einfahrtiefe muß eingefahren werden.
Nach § 11 Abs. 3 des Neuentwurfes der VBG 112 "Silos" sollte jedoch auch bei Einfahrtiefen unter 10 m dem Einfahrenden, d. h. der Benutzung einer mechanischen Einfahrvorrichtung, der Vorzug gegeben werden.
Auf das Verbot der Verwendung von Strickleitern für das Einsteigen in die Silos gemäß § 14 Abs. 4 der VBG 112 "Silos" sollte im Rahmen einer Betriebsanweisung stets ausdrücklich hingewiesen werden.
Die Betriebsanleitung der Einfahreinrichtung beschreibt die bestimmungsgemäße Verwendung.
Mit dieser Betriebsanleitung muß der bei der Silobefahrung eingesetzte Personenkreis gründlich vertraut gemacht werden.
Zum sicheren Betrieb gehört dabei auch die erforderliche Sicht- und Funktionsprüfung vor der täglichen Inbetriebnahme gemäß der Betriebsanleitung.
Die Einfahreinrichtung ist regelmäßig durch Sachkundige zu prüfen. Das Ergebnis wird in einem Prüfbuch festgehalten. Die Betriebsanweisung legt fest, wer für die sachgerechte Überprüfung verantwortlich ist.
In einer Betriebsanweisung zur Silobefahrung sollten Festlegungen zur Wiederinbetriebnahme der Silos nach der Befahrung enthalten sein. Schwerpunkte sind dabei die Kontrolle der wiederhergestellten Sicherheit und Festlegungen, wie die Freigabe und die Inbetriebnahme der Füll- und Entladeeinrichtungen selbst zu erfolgen hat. Wichtig ist auch, daß Anlaufwarneinrichtungen vorhanden sind, funktionieren und an allen möglichen Arbeitspunkten im Silobereich wahrgenommen werden können.
Checkliste für Betriebsanweisungen zum Einfahren in Silos
Erarbeitung jeweils für einen bestimmten Silotyp;
Festlegung der Einfahröffnungen;
Auftrag und der Erlaubnis zur Silobefahrung:
- Wer darf die Erlaubnis und den Auftrag erteilen?
- Wer wird mit der Aufsichtsführung beauftragt?
- Wer fährt/steigt in das Silo ein?
- Wer wird zusätzlich bei der Befahrung eingesetzt? z. B. für Hilfsarbeiten, für zusätzliche Sicherungsmaßnahmen, für die evtl. Bedienung von Hilfsgeräten zur Silobefahrung;
Striktes Verbot der Alleinarbeit
II. Planung der Silobefahrung
Ist generell in Abhängigkeit vom Silotyp, der Silogröße, den Silobedingungen (Silotemperaturen, Belüftungsmöglichkeiten) und den Eigenschaften des Füllgutes in der Betriebsanweisung festzulegen. Bei der Erteilung des Auftrages und der Erlaubnis zur Silobefahrung sind diese Festlegungen entsprechend dem aktuellen Betriebszustand des Silos (Materialstand, Abzugssituation, besondere Gefährdungen durch Silowandungen o.a.) zu ergänzen.
III. Vor dem Einfahren
Abschalten der Füll- und Entnahmeeinrichtungen und Sichern gegen deren unbefugte bzw. unbeabsichtigte Inbetriebnahme (wer, wie, wo)
Prüfen der Atmospäre im Silo (z. B. mit Prüfröhrchen)
Festlegen von Maßnahmen zur Belüftung insbesondere zur Beseitigung einer stickenden oder toxischen Atmosphäre im Silo (bei Erfordernis)
Festlegen von Maßnahmen zur Beseitigung explosibler Luftgemische im Silo (bei Erfordernis)
Festlegen von allgemeinen Maßnahmen gegen Brand- und Explosionsentstehung
Vorreinigungsarbeiten an den Silowänden von außen
Festlegen der Hilfseinrichtungen für die Silobefahrung
(Woher beschaffen? - Wie und durch wen sind sie zu prüfen? - Welche Prüfintervalle sind zu beachten?)
Wie sind die für die Bedienung der Einfahreinrichtung vorgesehenen Personen zu unterweisen?
Wie ist die Einfahreinrichtung aufzustellen und zu befestigen?
Die Verwendung von Strickleitern ist ausdrücklich zu verbieten.
IV. Persönliche Schutzausrüstung
Schutzausrüstungen gegen Absturz (Auffanggurte, Seile, Sicherheitseinrichtungen)
V. Beleuchtung
Woher beschaffen?
Betriebsenergie und Anschluß
VI. Einfahren in das Silo
Aufgaben der Aufsichtsperson
Aufgaben des Beobachters und Bedieners der Einfahreinrichtung
Aufgaben des Einfahrenden (bei Erteilung des aktuellen Auftrages und der Einfahrerlaubnis zu präzisieren)
Festlegungen zur Verständigung und Signalgebung
Festlegungen zur Ausfahrt aus dem Silo
VII. Wiederinbetriebnahme des Silos
Demontage der Hilfseinrichtungen
Herstellung der Sicherheit an den Siloöffnungen
Kontrolle der Sicherheit und Freigabe zur Inbetriebnahme der Füll- und Entnahmeeinrichtungen
Inbetriebnahme der Füll- und Entnahmeeinrichtungen