Source: http://www2.lubw.baden-wuerttemberg.de/public/abt2/dokablage/oac_12/vo/4/4243.htm
Timestamp: 2018-12-10 09:16:12
Document Index: 265444402

Matched Legal Cases: ['§ 21', '§ 64', '§ 22', '§ 33', '§ 2', '§ 4', '§ 4']

4.243 Heiden im Langen Tal
Verordnung des Regierungspräsidiums Tübingen über das Naturschutzgebiet »Heiden im Langen Tal«. vom 8. Juni 1994 (GBl. v. 29.07.1994, S. 383).
Auf Grund von §§ 21, 58 Abs. 2 und § 64 Abs. 1 Nr. 2 des Gesetzes zum Schutz der Natur, zur Pflege der Landschaft und über die Erholungsvorsorge in der freien Landschaft (Naturschutzgesetz ‑NatSchG) vom 21. Oktober 1975 (GBI. S. 654), zuletzt geändert durch das Gesetz vom 7. Februar 1994 (GBI. S. 73), und von § 22 Abs. 2 und § 33 Abs. 2 Nr. 4 Landesjagdgesetz in der Fassung vom 20. Dezember 1978 (GBI. 1979 S. 12) wird verordnet:
Die in § 2 näher bezeichnete Fläche auf dem Gebiet der Stadt Laichingen, Gemarkung Machtolsheim wird zum Naturschutzgebiet erklärt. Das Naturschutzgebiet führt die Bezeichnung »Heiden im Langen Tal«.
(1) Das auf Gemarkung Machtolsheim gelegene Naturschutzgebiet hat eine Größe von 30,7 ha. Das Schutzgebiet wird durch die L 1230 in zwei Teilgebiete unterteilt.
Der westlich der L 1230 gelegene Teil wird im Osten begrenzt durch den Weg Nr. 2134/1. Im Norden verläuft die Grenze in Richtung Westen mit Ausnahme der nordöstlichen Ecke des Flurstücks Nr. 2127/19 entlang des Weges Nr. 2108 und biegt bei Flurstück Nr. 2105 nach Süden ab, verläuft entlang der Grenze der innerhalb des Schutzgebietes gelegenen Flurstücke Nr.2106, 2107/3 und 2084/2, danach in westlicher Richtung durch die Flurstücke 2085 bis 2092, 2093 /1,2093/3 und 2094. Nach Abschluß des Flurbereinigungsverfahrens Machtolsheim wird diese Nord/ Nordwestgrenze des Schutzgebietes durch den im Rahmen des Flurbereinigungsverfahrens neu zu erstellenden Weg gebildet. Im Südwesten verläuft die Grenze entlang des Parkplatzes auf Flurstück 2052 und im Süden entlang des im Talgrund gelegenen Weges.
Der Schutzgebietsteil östlich der L 1230 umfaßt im Süden das Flurstück Nr. 2435/1. Die westliche Grenze bildet der Weg 2434/3. Die Nord/Nordostgrenze wird nach Abschluß des Flurbereinigungsverfahrens Machtolsheim durch den neu zu erstellenden Weg gebildet und verläuft derzeit durch die Flurstücke 3190, 2430 /1, 242 1, 2394, 2393, 2762 und 2391/2, bis Flurstück 2503 entlang des Weges Nr. 2475, durch die Flurstücke 2503, 2502, 2511, entlang des Weges Nr.2374 und der Grenze des innerhalb des Schutzgebietes gelegenen Grundstückes Nr. 2537. Die Westgrenze bildet der Weg Nr. 2532/1. Im Südosten und Süden wird das Schutzgebiet durch den Waldsaum begrenzt.
(2) Die Grenzen des Naturschutzgebietes sind in einer Flurkarte des Regierungspräsidiums Tübingen vom 16. Mai 1994 im Maßstab 1:2500, kombiniert mit einer Übersichtskarte im Maßstab 1:25000, gekennzeichnet und rot angelegt. Im Falle des Widerspruchs zwischen der textlichen Beschreibung und der zeichnerischen Darstellung gelten die in der Karte getroffenen Festlegungen. Die Karte ist Bestandteil der Verordnung. Die Verordnung mit Karte wird beim Regierungspräsidium Tübingen in Tübingen und beim Landratsamt Alb-Donau-Kreis in Ulm auf die Dauer von drei Wochen, beginnend am achten Tag nach Verkündung dieser Verordnung im Gesetzblatt, zur kostenlosen Einsicht durch jedermann während der Sprechzeiten öffentlich ausgelegt.
(1) Wesentlicher Schutzzweck ist die Erhaltung der Kalkmagerweiden mit den extensiv genutzten Wiesen als Zufluchtsort für zahlreiche licht- und wärmeliebenden Pflanzen- und Tierarten, die in unserer heutigen Landschaft kaum noch Lebensraum finden. Der Reichtum an Schmetterlingen, Heuschrecken und vielen anderen Insekten ist von den offenen Flächen mit ihrem vielfältigen Pflanzenbestand abhängig. Der Heckenbestand ist hauptsächlich für die Vogelwelt bedeutsam.
1. Schutz und Erhalt des auf stark beweideten Flächen vorhandenen 'Enzian-Schillergras-Rasen (Gentiano-Coeleterium) und der an Frühlingsenzian reichen Halbtrockenrasen (Gentiano vernae-Brometum) im Verbund mit anderen Mauerrasen auf der Laichinger Alb;
2. Schutz der Saumgesellschaften (Trifolio-Geranietea);
3. Schutz und Erhalt der Fläche als Habitat der artenreichen und bedrohten Pflanzen- und Tiergemeinschaft der extensiv genutzten Wiesen- und Heideflächen, insbesondere für die als Brutvogel vorkommenden seltenen Arten, z. B. Dorngrasmücke (Sylvia communis), sowie die gefährdeten und stark gefährdeten Vogelarten Rebhuhn (Perdix perdix) und Steinschmätzer (Oenanthe oenanthe);
4. Schutz der Hecken und der darin eingebetteten Magerwiesen als Lebensraum für bedrohte Vogelarten, insbesondere für den stark gefährdeten Neuntöter (Lanius collurio) der hier als Brutvogel in großer Individuendichte noch vorkommt;
5. Schutz und Erhalt der vorhandenen Hecken‑ und Saumgesellschaften als Habitat für die gefährdeten und stark gefährdeten Schmetterlingsarten (z. B. Schwarzfleckiger Ameisen‑Bläuling, Ehrenpreis-Schneckenfalter);
6. Schutz der landschaftsprägenden Schönheit und Eigenart des Gebietes, die im Naturraum eine Besonderheit darstellt und ein Relikt der früheren Wirtschaftsweise ist. Erhalt der Erholungsraumfunktion mit hohem Erlebniswert.
(3) Schutzziel ist:
1. Vermeidung von Nutzungsintensivierungen und Ermöglichung extensiver Nutzungsformen z. B. durch Abschluß von Extensivierungsverträgen, die auf die Belange des Naturschutzes abgestimmt sind;
2. Entwicklung von Heckenstrukturen mit ausreichend breiten Saumgesellschaften und blütenreichen Wiesenflächen zur Habitatverbesserung für bedrohte Insekten;
3. Erhalt einer bedeutenden Heidefläche mittels Schafbeweidung. Einbindung des Schutzgebietes in den Heideverbund »Laichinger Kuppenalb«.
18. Grünland in Ackerland umzubrechen;
19. Hunde frei laufen zulassen;
21. Modellfluggeräte und Modellfahrzeuge aller Art zu betreiben.
1.2 jagdliche Einrichtungen nur dort gestattet sind, wo keine wertvollen Pflanzenstandorte beeinträchtigt werden; neue jagdliche Einrichtungen dürfen nur in der Form einfacher Ansitzleitern aus naturbelassenen Rundhölzern im unbedingt notwendigen Umfang und unter Beachtung des Landschaftsbildes errichtet werden;
1.3 keine Wildfutterstellen eingerichtet und vorhandene beseitigt werden;
1.4 keine jagdbaren Tiere ausgesetzt werden;
1.5 Rebhühner (Perdix perdix) bis zur Erholung des Bestandes nicht bejagd werden dürfen;
1.6 keine Hunde abgerichtet werden und Jagdhunde in der Zeit vom 30. März bis 30. Juni ‑ außer bei der Nachsuche ‑ außerhalb des Waldes angeleint geführt werden;
2. für die ordnungsgemäße forstwirtschaftliche Nutzung in der bisherigen Art, im bisherigen Umfang und in bisheriger Intensität mit der Maßgabe, daß an der Süd‑ und Ostgrenze als Übergang zu den Heideflächen ein natürlicher Laubwaldsaum mit Hecken gefördert wird;
3. für die ordnungsgemäße landwirtschaftliche Nutzung in der bisherigen Art, im bisherigen Umfang und in bisheriger Intensität ausgenommen § 4 Abs.2 Ziffern 3, 5, 7 und 18 und mit der Maßgabe, daß auf den in der Karte (1:2500) als Heiden gekennzeichneten Flächen keine Düngung außer der durch den Schaftrieb verursachten Kotablage erfolgen darf; § 4 der Verordnung über Anwendungsverbote für Pflanzenschutzmittel (Pflanzenschutz-Anwendungsverordnung) in der jeweils gültigen Fassung bleibt unberührt;
6. für Pflegemaßnahmen, die von der höheren Naturschutzbehörde oder der von ihr beauftragten Stelle ‑im Wald mit Einvernehmen mit dem zuständigen staatlichen Forstamt ‑ veranlaßt werden;
(1) Schutz‑, Pflege‑ und Entwicklungsmaßnahmen können von der höheren Naturschutzbehörde durch Einzelanordnung oder in einem Pflegeplan ‑ für den Wald jeweils einvernehmlich mit der Forstverwaltung ‑ festgelegt werden.
(2) Die Jagd ist so auszuüben, daß sie den Schutzzweck des Gebietes beachtet und im Rahmen ihrer Möglichkeiten fördert. Anzustreben sind dem Lebensraum angepaßte Wildbestände.
(3) Für die landwirtschaftlich intensiv genutzten Flächen werden zur Einhaltung der Schutzziele extensivere Bewirtschaftungsformen über Extensivierungsmaßnahmen oder Grunderwerb angestrebt. Dabei sollen die innerhalb des Schutzgebietes liegenden Äcker wieder in extensives Grünland zurückverwandelt werden.
(4) Auf den der ordnungsgemäßen Landwirtschaft vorbehaltenen Flächen sind extensive Nutzungsformen anzustreben. Hierzu sollen im Rahmen der haushaltsrechtlichen Ermächtigungen mit den Nutzungsberechtigten Vereinbarungen über die Nutzungsbeschränkungen abgeschlossen werden.
(5) Lesesteine, die im Schutzgebiet anfallen, sollen nach Möglichkeit als Abgrenzung zwischen Heideflächen und Wirtschaftsgrünland bzw. Acker wallartig aufgehäuft werden, damit sich die auf der Alb üblichen Hecken zur Erhöhung der Strukturvielfalt entwickeln können.
(6) Zwischen schon bestehenden Hecken und den Wiesen sollte im Rahmen der Flurbereinigung ein Saum gesichert werden als Pufferfläche zur intensiven Bewirtschaftung.
(7) An der Ost‑ und Südgrenze des Naturschutzgebietes soll als Übergang zwischen Wald und Heideflächen ein natürlicher Laubwaldsaum mit Hecken gefördert werden.