Source: http://lo-recht.lehrer-online.de/index.php?id=1000767&tx_locore_loarticles[article]=1000256
Timestamp: 2016-07-25 04:23:00
Document Index: 351360742

Matched Legal Cases: ['§ 2', '§ 2', '§ 72', '§ 72', '§ 12', '§ 120', '§ 120', '§ 124', '§ 13', '§ 15', '§ 16', '§ 17', '§ 19', '§ 23', '§ 23', '§ 52', '§ 53', '§ 53', '§ 15', '§ 53', '§ 51', '§ 11', '§ 31', '§ 32', '§ 11', '§ 32', '§ 14', '§ 3', '§ 39']

Fall des Monats: Regeln für Creative - lo-recht
Christoph will einen Text auf seiner Homepage illustrieren und ein CD-Cover gestalten. Er sucht dafür im Internet nach Fotos, die er kostenlos nutzen darf und findet Fotos, die unter der Creative-Commons-Lizenz stehen. Was hat es damit auf sich?
In der Wikimedia Commons wird er fündig. Die Bilder, die von einem französischen und einem amerikanischen Fotografen stammen, sind zum Teil mit der CC-Lizenz "by-nc" und zum Teil mit der CC-Lizenz "by-sa", versehen. Darf Christoph die Bilder nutzen?
Christoph stöbert weiter im Netz und findet bei Flickr ein Foto, das gut auf das Cover der CD passen würde, die seine Band gerade aufgenommen hat. Das Foto ist mit der CC-Lizenz "by-nd" veröffentlicht. Die CD möchte die Band bei ihren Auftritten verkaufen. Ist das möglich?
KurzantwortFotografien genießen in jedem Fall urheberrechtlichen Schutz, unabhängig von ihrer genauen urheberrechtlichen Einordnung. Das bedeutet, dass der Fotograf die Nutzung eines Fotos grundsätzlich von seiner Erlaubnis abhängig machen kann. Zudem ist eine Veränderung nur mit Einwilligung zulässig. Ein Fotograf kann ein Foto aber auch unter einer "freien Lizenz" veröffentlichen, die jedermann die kostenlose Nutzung zu bestimmten Bedingungen erlaubt, zum Beispiel einer "Creative Commons"-Lizenz. Sind die Lizenzbedingungen erfüllt, darf Christoph die Fotos in seine Homepage einbauen, ohne dass er die jeweiligen Fotografen noch individuell nach ihrer Zustimmung fragen muss.
Rechtliche Fragen im EinzelnenChristoph möchte zusammen mit seinem Text fremde Fotos im Internet zum Abruf bereitstellen. Daher stellt sich zunächst die Frage, ob dies eine nach dem Urheberrecht relevante Nutzung eines urheberrechtlich geschützten Inhalts ist. Wenn zudem keine gesetzliche Schranke des Urheberrechts eingreift, muss Christoph die Einwilligung der jeweiligen Fotografen haben, bevor er die Fotos auf seiner Homepage zugänglich macht.
Urheberrechtlicher Schutz der BilderUrheberrechtliche Einordnung von Fotografien
Das Urheberrechtsgesetz (UrhG) gewährt einem Urheber das Urheberrecht an "Werken der Literatur, Wissenschaft und Kunst", das heißt persönlichen geistigen Schöpfungen im Sinne des § 2 Absatz 2 UrhG. § 2 Absatz 1 Nr. 5 UrhG nennt "Lichtbildwerke" als Unterfall der urheberrechtlich geschützten Werke. Die oftmals schwierige Frage, wann eine geistige Leistung die erforderliche Schöpfungshöhe erreicht, sodass sie urheberrechtlich als Werk gilt und von anderen nicht ohne Weiteres übernommen werden darf, spielt bei Fotografien nur eine untergeordnete Rolle.
Das Urheberrechtsgesetz gewährt nämlich für jedes "Lichtbild", das heißt eine Fotografie, unabhängig vom Schutz als "Lichtbildwerk" bereits ein Leistungsschutzrecht nach § 72 UrhG. Da § 72 Absatz 1 UrhG die Vorschriften, die für Lichtbildwerke gelten, für entsprechend anwendbar erklärt, unterscheidet sich die Rechtsstellung eines Fotografen, dessen Fotografie kein "Lichtbildwerk" ist, im Ergebnis kaum von der eines Urhebers. Lediglich die zeitliche Dauer des Leistungsschutzrechts ist kürzer bemessen als die Schutzfrist für das Urheberrecht.
Rechte der FotografenEin Fotograf hat also an den von ihm hergestellten Fotografien in jedem Fall alle Rechte, die das Urheberrecht in den §§ 12 ff. UrhG für Werke vorsieht. Ausländische Fotografen genießen diesen Schutz in den allermeisten Fällen ebenfalls. Nach § 120 Absatz 2 UrhG genießen Staatsangehörige von Ländern, die zur EU oder zum Europäischen Wirtschaftsraum gehören, für ihre Werke automatisch denselben Schutz wie deutsche Urheber. Darüber hinaus legen internationale Verträge fest, dass die Staaten jeweils auch ausländischen Urhebern den Schutz ihres eigenen nationalen Urheberrechts gewähren (§ 120 Absatz 4 UrhG). Der Berner Übereinkunft zum Schutz von Werken der Literatur und Kunst gehören heute die meisten Staaten der Welt an. Für das Leistungsschutzrecht an einem Lichtbild gilt wegen § 124 UrhG dasselbe wie für das Urheberrecht. Da Frankreich zur EU gehört und die USA Mitgliedstaat der Berner Übereinkunft ist, sind die Fotos, die Christoph gefunden hat, auch nach dem deutschen Urheberrechtsgesetz als Lichtbilder beziehungsweise Lichtbildwerke geschützt.
Zu den Rechten des Fotografen gehört zunächst das Namensnennungsrecht nach UrhG § 13. Der Urheber (beziehungsweise Leistungsschutzberechtigte) darf daher bestimmen, ob und in welcher Form er als Urheber des Werks (beziehungsweise der Leistung) genannt wird.
Außerdem sind dem Fotografen die Verwertungsrechte, die in den §§ 15 bis 23 UrhG näher geregelt sind, vorbehalten. Die Einbindung einer Fotografie in eine Internet-Seite ist in doppelter Hinsicht eine urheberrechtlich relevante Nutzung, da sie in zwei der gesetzlich definierten Verwertungsrechte eingreift. Dasselbe gilt für die Verwendung auf den CD-Covern.
Von Bedeutung ist in beiden Fällen das Vervielfältigungsrecht nach UrhG § 16. Danach ist es ohne Einwilligung des Fotografen nicht zulässig, das Foto auf den Webserver hochzuladen, da dabei eine Vervielfältigung hergestellt wird. Auch das Herstellen von Ausdrucken für die CD-Cover ist eine Vervielfältigung der benützten Vorlage.
Da Christoph die CD-Cover nicht nur herstellen, sondern auch zusammen mit den CDs unter die Leute bringen will, ist zudem das Verbreitungsrecht nach § 17 UrhG betroffen. Dafür genügt es bereits, die Vervielfältigungsstücke, das heißt die gedruckten CD-Cover, der Öffentlichkeit anzubieten, auch wenn noch gar keine CD verkauft wurde.
Bei den Fotos, die er auf der Homepage verwendet, greift Christoph in das Recht der öffentlichen Zugänglichmachung nach UrhG § 19a ein, da er die Fotos "Mitgliedern der Öffentlichkeit" (nämlich beliebigen Internetnutzern) in der Weise zugänglich macht, dass sie die Fotos jederzeit und von jedem Ort aus abrufen können. Bearbeitungsrecht
Zudem muss Christoph das dem Urheber vorbehaltene Bearbeitungsrecht nach § 23 UrhG beachten. Da er die Fotos "verwerten", das heißt in urheberrechtlich relevanter Weise nutzen will, darf er die Fotos ohne Einwilligung des Fotografen nicht bearbeiten oder umgestalten, das heißt verändern. Bereits die Wahl eines bestimmten Bildausschnitts ist eine Veränderung, die unter § 23 UrhG fällt. Erst recht gilt dies für die Möglichkeiten, die Bildbearbeitungsprogramme eröffnen, zum Beispiel die Anwendung eines Farbfilters, um die Stimmung der Fotografie zu verändern. Auch das Verwenden eines Fotos als Teil einer Collage ist eine Bearbeitung. Das bedeutet: Auch wenn die Verwertung als solche zulässig ist (weil sie von einer gesetzlichen Schranke oder der Einwilligung des Fotografen gedeckt ist), darf Christoph die Fotos in bearbeiteter Form nur nutzen, wenn er auch dafür die (gesonderte) Einwilligung des Fotografen hat.
Keine UrheberrechtsschrankenDie von Christoph beabsichtigte Verwendung der Fotografien im Internet und als CD-Cover ist nicht durch eine gesetzliche Urheberrechtsschranke erlaubt. Die Urheberrechtsschranken ermöglichen eine Nutzung ohne Einwilligung des Rechtsinhabers nur in bestimmten Ausnahmefällen, für die besondere Voraussetzungen erfüllt sein müssen.Würde Christoph die Fotos auf der Homepage für Unterrichtszwecke nutzen und - durch einen Passwortschutz - lediglich den anderen Unterrichtsteilnehmern zugänglich machen, könnte man an § 52a Absatz 1 Nr. 1 UrhG denken. Dies scheitert hier aber schon daran, dass seine Homepage einem unbeschränkten Nutzerkreis zugänglich ist.Aus demselben Grund kann sich Christoph auch nicht auf die Privatkopie-Schranke nach § 53 Absatz 1 UrhG stützen. Diese scheidet hier gemäß § 53 Absatz 6 UrhG aus, weil Christoph die Fotos auf der Homepage öffentlich wiedergeben will (wozu als Unterfall die öffentliche Zugänglichmachung gehört, § 15 Absatz 2 Nr. 2 UrhG). Auch die Verbreitung ist nach § 53 Absatz 6 UrhG ausgeschlossen, also das Anbieten und Verkaufen der CD-Cover.In Betracht kommt noch das Zitatrecht nach § 51 UrhG. Dieses setzt aber voraus, dass die Nutzung der inhaltlichen Auseinandersetzung mit dem wiedergegebenen fremden Inhalt dient. Im Rahmen einer kunstwissenschaftlichen Auseinandersetzung dürften fremde Fotografien "zitiert" werden, nicht aber zur bloßen Illustration eines Textes und erst recht nicht zur Gestaltung eines CD-Covers. Christoph kommt also keine Urheberrechtsschranke zugute. Damit ist als Zwischenergebnis festzuhalten, dass Christoph die Einwilligung aller Fotografen benötigt, deren Fotos er in seine "Vulkanismus-Seite" einbinden will.
Freie Inhalte und freie LizenzenDie Einholung eines Nutzungsrechts (Lizenz), um einen urheberrechtlich geschützten Inhalt rechtmäßig verwerten zu können, ist oft ein aufwändiges Unterfangen. In jedem Fall muss der Rechtsinhaber ausfindig gemacht und kontaktiert werden. Zudem muss von Rechtsinhaber und Verwerter gemeinsam festgelegt werden, in welcher Form, für welchen Zweck und in welchem Umfang (zum Beispiel zeitlich oder räumlich beschränkt) die Nutzung erlaubt sein soll (siehe den Mustertext für eine Nutzungsrechteinräumung). Und natürlich kann der Rechtsinhaber eine Gegenleistung für die Verwertung seines geistigen Eigentums aushandeln.
Es gibt aber auch viele Rechtsinhaber, die aus Uneigennützigkeit bereit sind, unter bestimmten Umständen generell auf eine Vergütung zu verzichten. Daher besteht ein Bedürfnis nach Wegen, anderen unkompliziert die kostenlose Nutzung der eigenen Leistungen als "freie Inhalte" (englisch: "open content") zu ermöglichen.
Die einfachste Möglichkeit wäre, ganz einfach auf das Urheberrecht oder Leistungsschutzrecht zu verzichten, also den Inhalt für "gemeinfrei" zu erklären, sodass er überhaupt nicht mehr urheberrechtlich geschützt ist und von jedermann ohne Einschränkung genutzt (bearbeitet, vervielfältigt, ins Internet gestellt usw.) werden kann (siehe Gemeinfreie Werke. Das deutsche Urheberrecht bietet diese Möglichkeit nicht, denn das Urheberrecht wird zum Schutz des Urhebers als unveräußerliches Recht behandelt. Inhaber des Urheberrechts ist immer der Urheber, also der Schöpfer eines Werkes, selbst, und nicht ein Auftraggeber oder Verwerter. Dies dient dem Schutz des Urhebers als dem zentralen Zweck des Urheberrechts, wozu auch die "Sicherung einer angemessenen Vergütung für die Nutzung seines Werkes" gehört (§ 11 UrhG).
Um anderen die Verwertung zu erlauben, kann der Urheber gemäß § 31 UrhG Nutzungsrechte einräumen. § 32 UrhG garantiert dem Urheber entsprechend § 11 UrhG dabei ausdrücklich den Anspruch auf angemessene Vergütung für die Nutzung seines Werks. In § 32 Absatz 3 Satz 3 wird jedoch ausdrücklich klargestellt: "Der Urheber kann aber unentgeltlich ein einfaches Nutzungsrecht für jedermann einräumen." Genau hierum geht es bei Lizenzen wie den von Creative Commons bereitgestellten "freien Lizenzen". In Anspielung auf die bei Computerprogrammen seit Langem praktizierte Einräumung kostenloser Nutzungsrechte (Open-Source-Software wie zum Beispiel das freie Betriebssystem Linux) wird diese Vorschrift auch "Linux-Klausel" genannt.
Creative CommonsVorbild Open-Source-Software
Die Idee, dass viele Personen uneigennützig gemeinsam an einem Projekt arbeiten und ihre geistigen Leistungen anderen unentgeltlich zur Verfügung stellen, damit diese darauf aufbauen können, kam zuerst in den USA im Software-Bereich auf. Es entwickelten sich verschiedene Lizenz-Modelle, die es anderen erlauben, ein Computerprogramm nicht nur kostenlos zu nutzen, sondern auch das Programm zu bearbeiten, um es an eigene Bedürfnisse anzupassen, zu verbessern und neue Funktionen hinzuzufügen. (siehe dazu auch Open-Source-Software)
Diese Lizenzen, deren bekannteste die für Linux verwendete "GNU General Public Licence" (GPL) ist, sind aber speziell auf Software zugeschnitten. Bald wurde erkannt, dass zusammen mit der Software auch eine Dokumentation veröffentlicht werden muss, damit die Software sinnvoll genutzt werden kann. Daher wurde aus der GPL die "GNU Free Documentation License" (GFDL) für Texte entwickelt. Diese Lizenz verwendet zum Beispiel auch das freie Internet-Lexikon Wikipedia für die dort enthaltenen Artikel, die jedermann weiterbearbeiten oder ergänzen darf, sofern er seinen Beitrag wiederum unter die GFDL stellt.
Verallgemeinerung auf andere Inhalte
Da es aber neben Computerprogrammen und Texten auch noch andere urheberrechtlich geschützte Inhalte wie Bilder oder Musik gibt, machten sich amerikanische Urheberrechtler Gedanken, wie sich der hinter freier Software stehende Gedanke verallgemeinern und auf alle Arten von urheberrechtlich geschützten Leistungen erweitern lässt.
Die von dem amerikanischen Rechtsprofessor Lawrence Lessig mitbegründete Gesellschaft "Creative Commons" (creativecommons.org/) hat zu diesem Zweck eine Reihe von Standard-Lizenzen entwickelt, die mittlerweile auch schon an eine Vielzahl von nationalen Urheberrechten angepasst und in vielen Sprachen veröffentlicht sind. Ein deutscher Urheber kann daher mittlerweile auch einen deutschsprachigen Lizenzvertrag verwenden. Zudem werden die Lizenzen weiterentwickelt, um ihre Möglichkeiten weiter auszudifferenzieren. Unter Verwendung der CC-Lizenzen können beliebige Inhalte zur kostenlosen Nutzung durch andere bereitgestellt werden. Der Urheber hat dabei die Möglichkeit, unter verschiedenen Lizenzen diejenige auszuwählen, die seinen Absichten entspricht. Inzwischen existieren auch Lizenzen, die speziell auf Musikaufnahmen zugeschnitten sind und das "Sampling" (Entnehmen und Weiterverwerten von Ausschnitten) erlauben.
Das Ziel ist, für die Allgemeinheit ein möglichst großes Reservoir an unentgeltlich nutzbaren kreativen Inhalten zu schaffen. Dafür steht die Bezeichnung "Creative Commons": "Commons" ist der englische Ausdruck für "Allmende", das heißt ein (im Gegensatz zum Privateigentum) der Nutzung durch die Allgemeinheit gewidmetes Gut. Im Mittelalter war diese Form des Gemeinguts sehr häufig, zum Beispiel als Anger, auf dem die Gemeindemitglieder ihr Vieh grasen lassen durften. Diese Idee der Allmende soll auf urheberrechtliche Inhalte übertragen werden, an denen der Urheber nach dem Urheberrecht ein ausschließliches Recht (entsprechend dem Privateigentum an einer beweglichen Sache oder einem Grundstück) hat.
Funktionsweise einer "Creative Commons"-LizenzZusammensetzung aus Rechte-Modulen
Die Besonderheit der CC-Lizenzen gegenüber anderen Lizenzen für freie Inhalte besteht in dem Bestreben, dem Urheber eine gewisse Wahlfreiheit zu geben und zugleich das System sowohl für die Urheber als auch die an einer Nutzung Interessierten möglichst einfach und leicht durchschaubar zu gestalten. Deswegen wurde eine Reihe von "Rechte-Modulen" definiert, aus denen die verschiedenen verfügbaren CC-Lizenzen zusammengesetzt sind. Aus dieser Auswahl kann der Urheber sich eine Lizenz aussuchen, um einerseits bestimmte Rechte kostenlos einzuräumen und sich andererseits bestimmte Rechte vorzubehalten. Da die Lizenzen modular aufgebaut sind, kann ein interessierter Nutzer schnell erkennen, welche Rechte ihm eingeräumt werden und welchen Beschränkungen er dabei unterliegt.
Zu jeder CC-Lizenz existiert ein ausführlicher Vertragstext, der ihren Inhalt rechtlich verbindlich festlegt. Die Rechte-Module sind aber auch durch ein jeweils zwei Buchstaben umfassendes Kürzel und ein eingängiges Symbol ("Icon") dargestellt, und es gibt leicht verständliche kurze Erläuterungen ihrer rechtlichen Bedeutung. Daher kann jeder anhand der Kombination der Symbole beziehungsweise der Kürzel rasch erkennen, welche Rechte der Urheber sich vorbehalten und welche sonstigen Einschränkungen er vorgesehen hat, auch wenn er grundsätzlich die kostenlose Nutzung erlaubt.
Unter creativecommons.org/licenses/ findet sich eine Übersicht der verschiedenen Lizenzen. Zu jeder Lizenz gibt es eine Unterseite mit einer leicht verständlichen kurzen Zusammenfassung dessen, was man darf und welche Einschränkungen man beachten muss. Auf jeder dieser Unterseiten ist der dazugehörige verbindliche ausführliche Vertragstext verlinkt. Diese Seiten sind auch in deutscher Übersetzung verfügbar unter http://de.creativecommons.org/about.html, dort mit Links auf die aktuellen deutschen Lizenzverträge. Die "Übersetzungen" der amerikanischen Lizenzen in andere Rechtsordnungen sehen die gleichen Rechte und Einschränkungen vor wie ihre amerikanischen Vorbilder.
AllgemeinesUnterschiede zwischen den verschiedenen CC-Lizenzen bestehen wie erwähnt bei den Rechten, die sich der Urheber vorbehalten kann, und den Nutzungsbeschränkungen, die er festlegen kann. Alle CC-Lizenzen haben jedoch bestimmte Gemeinsamkeiten, die im Folgenden dargestellt werden.
Rechteinräumung (Nutzungsrecht)
Allen CC-Lizenzen ist gemeinsam, dass dem Lizenznehmer unentgeltlich das weltweite und zeitlich unbeschränkte einfache (das heißt nicht-exklusive) Nutzungsrecht eingeräumt wird, das Werk zu vervielfältigen (einschließlich der Aufnahme in eine Sammlung), Vervielfältigungsstücke des Werkes zu verbreiten und das Werk öffentlich wiederzugeben. Zur öffentlichen Wiedergabe gehört jede Nutzung, die das Werk für andere wahrnehmbar macht, zum Beispiel der Vortrag eines Textes, die Aufführung eines Musikstücks oder Theaterstücks, die Vorführung eines Films oder einer Musikaufnahme, das Senden einer Aufnahme (zum Beispiel als Web-Radio) und die öffentliche Zugänglichmachung (das Bereitstellen zum Abruf, zum Beispiel auf einer Homepage). Die öffentliche Wiedergabe kann sich auch auf einen Vortrag oder eine Aufführung beziehen, zum Beispiel wenn ein Text vorgetragen oder ein Musikstück aufgeführt und eine Aufzeichnung davon ins Internet gestellt wird.
Generelle EinschränkungenAllen aktuellen CC-Lizenzen (in englischer Sprache in der Version 3.0) ist außerdem gemeinsam, dass der Urheber genannt werden muss. Bei älteren CC-Lizenzen (vor der Version 2.0) war es noch möglich, dass der Urheber auch auf das Namensnennungsrecht verzichtet. In den neueren Lizenzen besteht diese Möglichkeit nicht mehr.
Auch für den Fall, dass das Bearbeitungsrecht eingeräumt wurde, sehen alle CC-Lizenzen ein Entstellungsverbot vor, wie es in § 14 UrhG auch im deutschen Urheberrecht geregelt ist. Das bedeutet, dass Veränderungen des Werkes - auch wenn durch eine entsprechende Lizenz grundsätzlich erlaubt werden - nicht das Persönlichkeitsrecht des Urhebers verletzen dürfen. Dies kann der Fall sein bei einer Erzählung, deren Aussage völlig verändert wird, oder einem Foto, das in einer Collage verwendet wird, die den Absichten des Urhebers widerspricht (zum Beispiel der Einbettung in einen pornographischen Zusammenhang).
Zudem sehen alle CC-Lizenzen folgende Einschränkungen vor, die eine Zweckentfremdung freier Inhalte verhindern sollen: Das Werk darf nur unter den Bedingungen der Lizenz genutzt werden, ist also nicht (wie ein gemeinfreies Werk) beliebig nutzbar. Das Werk darf nicht unterlizenziert werden und es dürfen anderen Nutzern des Werkes keine Vertragsbedingungen auferlegt werden, die die Rechte aus der Lizenz einschränken. Auch der Einsatz von technischen Maßnahmen, die die Wahrnehmung dieser Rechte einschränkt (zum Beispiel das Anbringen eines Kopierschutzes oder eines DRM-Systems), ist unzulässig.
Angabe der Lizenz durch den Nutzer
Die für die Praxis wichtigste Einschränkung ist: Bei der Verbreitung oder Wiedergabe des Werks muss entweder der Vertragstext in Kopie oder dessen genaue Internetadresse angegeben werden, damit andere Nutzer sofort erkennen können, unter welcher CC-Lizenz der Inhalt steht. In der Wikimedia Commons oder bei Flickr ist daher zu jedem Foto, das unter einer freien Lizenz steht, neben der Beschreibung des Inhalts, des Datums der Aufnahme etc. die jeweilige Lizenz angegeben.
Hinweis: In der Wikimedia Commons gibt es auch Inhalte, die unter anderen freien Lizenzen stehen, zum Beispiel der oben erwähnten GNU Free Documentation License. Bei Flickr gibt es auch viele Fotos, die nicht unter einer freien Lizenz stehen. In diesem Fall sind sie zu behandeln wie ein normales urheberrechtlich geschütztes Werk, das heißt dass eine urheberrechtlich relevante Nutzung nur mit Einwilligung des Urhebers oder im Rahmen einer gesetzlichen Urheberrechtsschranke, zum Beispiel als Privatkopie, zulässig ist.
Konkrete BeispieleCC-Lizenz "by-nc"
Die CC-Lizenz "by-nc" ist aus den Elementen "by" und "nc" kombiniert. Das Kürzel "by" (von englisch "by" = deutsch "von", um den Urheber zu bezeichnen) bedeutet, dass das Namensnennungsrecht vorbehalten wurde.
"nc" (für englisch "non-commercial") steht für die Beschränkung auf nichtkommerzielle Nutzungen. Dies bedeutet, dass durch die Nutzung nicht in erster Linie ein wirtschaftlicher Vorteil oder eine finanzielle Gegenleistung angestrebt wird. Nicht erlaubt ist daher der Verkauf von Vervielfältigungen (zum Beispiel eines Posters oder einer Postkarte, die unter Verwendung eines Fotos hergestellt wurde) oder Verwendung eines Fotos zu Werbezwecken (zum Beispiel auf einem Werbeplakat, oder zur Illustration eines Verkaufsangebots).
Für Christoph ist diese Einschränkung kein Problem, denn er will die Fotos auf seiner Homepage unentgeltlich und ohne Werbezwecke zur Verfügung stellen. Er muss aber die allgemeinen Bedingungen beachten, also insbesondere den Urheber der Fotos nennen und den Vertragstext oder einen Link auf die CC-Lizenz "by-nc" anfügen.
Da die Lizenz nicht das Kürzel "nd" (für englisch: "no derivative works" = "keine abgeleiteten Werke") enthält, hat der Urheber zugleich das Bearbeitungsrecht eingeräumt. Christoph darf die Fotos, die unter der CC-Lizenz "by-nc" stehen, daher auch verändern (zum Beispiel einen Bildausschnitt wählen oder das Foto in eine Collage einbauen) und der veränderten Form nutzen.
CC-Lizenz "by-sa"
Anders sieht es bei der Lizenz "by-sa" aus. Wiederum ist das Namensrecht vorbehalten ("by"), und Christoph muss den Vertragstext oder einen Link auf die CC-Lizenz "by-sa" anfügen. Auch eine kommerzielle Nutzung des unveränderten Werkes wäre erlaubt, da der Urheber auf den Vorbehalt "nc" verzichtet hat.
Das Kürzel "sa" steht für englisch "share alike", das heißt "Weitergabe nur unter gleichen Bedingungen". Diese Einschränkung bezieht sich auf Bearbeitungen des Werkes (zum Beispiel die Übersetzung eines Textes, die Umarbeitung einer Erzählung in ein Theaterstück oder Drehbuch, das Verwenden eines Fotos als Teil einer Collage). Nach § 3 UrhG erhält der Urheber einer "Bearbeitung", das heißt einer Änderung, die ihrerseits eine persönliche geistige Schöpfung ist (also die Schöpfungshöhe eines "Werkes" im urheberrechtlichen Sinne erreicht), ein eigenes Urheberrecht an der Bearbeitung neben dem Urheberrecht des Urhebers des Originalwerkes.
Bei freien Inhalten hätte das folgende Konsequenz: Da der Urheber durch die CC-Lizenz ein unbeschränktes Nutzungsrecht am Originalwerk einschließlich des Bearbeitungsrechts eingeräumt hat, könnte Christoph seine Bearbeitung auf der Grundlage seines eigenen Bearbeiterurheberrechts nach eigenem Gutdünken verwerten, also auch ihre Nutzung von einer individuellen Lizenz abhängig machen. Wenn der Urheber des Originalwerkes nicht wünscht, dass seine kreative Leistung, die er uneigennützig der Allgemeinheit zur Verfügung gestellt hat, auf diese Weise zur Grundlage für eine eigennützige Verwertung eines abgeleiteten Werkes ("Bearbeitung") durch dessen Urheber wird, kann er dies durch den Vorbehalt "sa" verhindern.
Diese Einschränkung bewirkt den auch von vielen Open-Source-Lizenzen eingesetzten so genannten "Copyleft-Effekt". Die aufgrund des Urheberrechts als Monopolrecht bestehende Möglichkeit, Nutzer an Lizenzbedingungen zu binden, wird hier dazu benützt, um sicherzustellen, dass nicht nur die kreative Leistung selbst, sondern auch alle darauf aufbauenden kreativen Leistungen Gemeingut sind und bleiben: Niemand kann sein Urheberrecht an einer Bearbeitung, die auf dem freien Inhalt aufbaut, dazu einsetzen, um die Nutzung der Bearbeitung zu monopolisieren - denn dadurch würde er die Lizenzbedingungen und damit das Urheberrecht an dem freien Inhalt verletzen. Das englische Kunstwort "copyleft" bringt ironisch zum Ausdruck, dass die von der Open-Source-/Open-Content-Bewegung abgelehnten Wirkungen des Monopolrechts Urheberrecht (englisch "copyright") dauerhaft ausgeschlossen werden, obwohl man sich zu diesem Zweck gerade des Urheberrechts bedient. "Creative Commons" verwendet daher ein Spiegelbild des Copyright-Symbols © als Symbol für die Lizenzbedingung "sa".
Dies bedeutet: Falls Christoph eine urheberrechtliche geschützte Bearbeitung des Fotos hergestellt hat, darf es diese nur in der Weise nutzen, dass er seine Bearbeitung wiederum unter eine CC-Lizenz stellt, die mit der CC-Lizenz des Originalwerks "identisch, vergleichbar oder kompatibel" ist. Am einfachsten genügt Christoph dieser Bedingung, wenn er seine Bearbeitung unter die Lizenz "by-sa" in derselben Version oder in einer späteren Version, die dieselben Elemente enthält, stellt. Die Verwendung einer anderen freien Lizenz ist dagegen häufig nicht möglich.
CC-Lizenz "by-nd"
Eine andere Einschränkung impliziert die Lizenz "by-nd". Neben den allgemeinen Beschränkungen muss Christoph hier die Beschränkung beachten, die das Kürzel "nd" ausdrückt. Dieses steht für englisch "no derivative works" ("keine abgeleiteten Werke" = "keine Bearbeitungen"). Hier hat sich der Urheber das Bearbeitungsrecht vorbehalten. Christoph darf das Foto also nur in unveränderter Form nutzen.
Das bedeutet, dass Christoph das Foto lediglich in ein anderes Grafikformat umwandeln oder verkleinert wiedergeben darf, da ein Lizenzgeber solche für die erlaubte Nutzung erforderlichen Anpassungen gemäß § 39 Absatz 2 UrhG nicht untersagen kann. Er darf das Foto aber nicht mit einem Bildbearbeitungsprogramm verändern, einen Ausschnitt daraus entnehmen, das Bild verzerren oder Ähnliches. Falls sich das Foto nicht für eine unveränderte Übernahme auf das Cover der CD eignet, kann Christoph es daher nicht verwenden.
Dass er die CD-Covers für kommerzielle Zwecke, nämlich den Verkauf der CDs, nutzen will, ist dagegen kein Problem: Die Lizenz enthält nicht die Einschränkung "nc" ("non-commercial").
FazitDie von "Creative Commons" entwickelten freien Lizenzen räumen einem Nutzer einerseits ein zeitlich und räumlich unbeschränktes unentgeltliches Nutzungsrecht an einem urheberrechtlich geschützten Inhalt ein. Im Unterschied zu vielen anderen freien Lizenzen bieten sie andererseits dem Urheber des Inhalts die Möglichkeit, sich nach seinen Wünschen bestimmte Rechte vorzubehalten (englisch: "some rights reserved"). Diese müssen bei der Nutzung beachtet werden, was aber dadurch erleichtert wird, dass zu jeder CC-Lizenz eine allgemeinverständliche Erklärung ihres Inhalts angeboten wird.
Der Idee von "Creative Commons" würde es entsprechen, wenn Christoph nicht nur CC-lizenzierte Inhalte nützte, sondern auch eigene Inhalte, wie zum Beispiel den Text seines Referats oder seine eigenen Fotos, unter einer CC-Lizenz andern zur unentgeltlichen Nutzung zur Verfügung stellte.