Source: https://causasportnews.com/2016/06/
Timestamp: 2019-05-19 07:05:20
Document Index: 27261201

Matched Legal Cases: ['BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH']

Juni | 2016 | Causa Sport News
SV Wilhelmshaven: Sportlich ganz unten – juristisch ganz oben
(causasportnews / red. / 17. Juni 2016) „Ganz oben – ganz unten“ – so hat der frühere Deutsche Bundespräsident Christian Wulff seine Gefühlslage beschrieben (Christian Wulff, Ganz oben – ganz unten, München, 2014), als ihn die Öffentlichkeit von „ganz oben“ (Bundespräsident) nach „ganz unten“ (Arbeitsloser) verstossen hatte. Zwischenzeitlich ist der ehemalige Top-Politiker wieder auf dem Weg nach zumindest „oben“. Ähnliche Gefühlsrankungen dürfte in letzter Zeit der Fussballverein SV Wilhelsmshaven durchlebt haben, und durchlebt sie noch immer. Sportlich befindet sich der Verein derzeit ganz unten, in den Gefilden des nüchternen Amateurfussballs. Juristisch könnte es für den SV Wilhelmshaven aber demnächst ein „Highlight“ absetzen; alles hängt vom Deutschen Bundesgerichtshof (BGH) ab, der die „Causa Wilhelmshaven“ demnächst verhandeln wird. Am 5. Juli 2016 soll in Karlsruhe entschieden werden, ob der Verein juristisch rehabilitiert wird.
Die sportliche Talfahrt des Klubs begann vor neun Jahren mit einem Spielertransfer. Für einen (höchstens mittelmässigen) Zuzug aus Argentinien hatte der SV Wilhelmshaven Ausbildungsentschädigungen von rund 160 000 Euro zu bezahlen. So setzte es die Verbandsjustiz fest, und sie relegierte den Verein, als sich dieser standhaft weigerte, die festgesetzte Ausbildungsentschädigung zu bezahlen. Das hinderte ihn allerdings nicht, gegen das Ausbildungsentschädigungssystem und die Relegation juristisch anzukämpfen. Verfahrensgegner war der Norddeutsche Fussballverband (NFV), der letztlich die rechtsgültigen Entscheide des Weltfussballverbandes FIFA umsetzte. Schützte das Landgericht Bremen noch die Verbände, welche den Vorgang satzungskonform erledigt hatten, entschied das Oberlandesgericht Bremen am 30. Dezember 2014 gegen den NFV und versetzte dadurch den SV Wilhelmshaven in juristische Euphorie (vgl. dazu auch Causa Sport, 2015, 62 ff.). Zumindest vorübergehend. Am 5. Juli wird sich nun der Karlsruher BGH mit der Revision des NFV befassen. Schützt der BGH die Entscheidung des Oberlandesgerichts, wird der SV Wilhelmshaven juristisch ganz oben bleiben und sich sportlich wohl wieder auf den Weg nach oben begeben. Experten äussern sich zu den Erfolgschancen des NFV am BGH zurückhaltend. Für den Sportrechtsspezialisten Dr. iur. Patrick Meier, Würzburg, erweist sich das Bremer OLG-Urteil „im Ergebnis als durchgehend, in der Begründung … als überwiegend tragfähig.“, wie er in „Causa Sport“ schrieb (Causa Sport, 2015, 68). Der Ball liegt nun beim BGH.
Dieser Eintrag wurde veröffentlicht in Allgemein am 17. Juni 2016 von causasportnews.com.
Maria Scharapowa ficht Doping-Sanktion an
(causasportnews / red. / 16. Juni 2016) Nun ist es definitiv: Die russische Top-Tennisspielerin Maria Scharapowa hat das Internationale Sportschiedsgericht (Tribunal Arbitral du Sport; TAS) in Lausanne angerufen und ficht die gegen sie verhängte Doping-Sanktion an. Die 29jährige Russin wurde wegen eines Dopingvergehens von der Disziplinarkammer des Internationalen Tennisverbandes (ITF) für zwei Jahre gesperrt, weil ihr die Verwendung des Sauerstoffaufnahme steigernden Mittels Meldonium nachgewiesen werden konnte. Das Mittel steht seit dem 1. Januar 2016 auf der Dopingliste. Die Spielerin erklärte, vom Verbot des Mittels keine Kenntnis gehabt und es unbestrittenermassen eingenommen zu haben. Die ITF sperrt die Athletin für zwei Jahre (ab 26. Januar 2016), weil sie nicht wissentlich gegen die Doping-Bestimmungen verstossen habe, sie aber dennoch verantwortlich für eingenommene Mittel oder Substanzen sei. Gemäss den Regularien hätte Maria Scharapowa sogar für vier Jahre gesperrt werden können; ihr wurde zu Gute gehalten, dass sie nicht vorsätzlich dopte. Aber auch diese zweijährige Sperre ist der Tennisspielerin eine zu harte Sanktion, weshalb sie sich entschloss, das Sport-Schiedsgericht anzurufen und für eine mildere Sanktion zu kämpfen. Gemäss der Aktenlage dürfte es allerdings schwierig sein für die Russin, vor dem TAS eine Reduktion der Sperre zu erwirken. Der „Fall Scharapowa“ erinnert im Gesamtkontext an den Fall einer anderen begnadeten Tennisspielerin, der Schweizerin Martina Hingis, die vor fast zehn Jahren positiv auf Kokain getestet und in der Folge für zwei Jahre gesperrt worden war. Jene Sanktion bedeutete das Ende der Einzelkarriere der Ausnahmekönnerin aus der Schweiz. Für die soeben 29 Jahre alte Maria Scharapowa könnte eine zweijährige Sperre ebenfalls das Ende ihrer aktiven Laufbahn bedeuten. Mit 31 Jahren dürfte für sie der Anschluss an die Weltspitze nach Ablauf der zweijährigen Sperre nur sehr schwer zu bewerkstelligen sein. Die Beendigung der aktiven Laufbahnen von Maria Scharapowa und Martina Hingis könnten somit markante Parallelen aufweisen. Am 18. Juli 2016 soll sich auch bezüglich der Russin, die zu den bestverdienenden Sportlerinnen der Welt zählt, alles klären; dann will das Sport-Schiedsgericht über die Doping-Sperre befinden.
Dieser Eintrag wurde veröffentlicht in Allgemein am 16. Juni 2016 von causasportnews.com.
EURO 2016: Mehr Kriegs- denn Fussball-Bilder
(causasportnews / red. / 15. Juni 2016) Statt schöne, anregende Fussballspiele drückten bisher widerliche Kriegs-Bilder der Fussball-Europameisterschaft 2016 in Frankreich ihren Stempel auf. Bis jetzt hat die EM die sportlichen Erwartungen nicht erfüllt; die Gruppenspiele plätscherten mehrheitlich dahin; fussballerische Leckerbissen blieben bisher aus. Ein erstes, sportliches Fazit nach fast einer Woche EM wird deshalb lauten: Es kann nur besser werden. Dafür haben sich die Befürchtungen rund um die EM bestätigt – wenn auch in anderer Hinsicht. Sind die Organisatoren offenbar davon ausgegangen, dass es für die EM nur ein gravierendes Bedrohungsszenario geben würde, den globalen Terror, hat die Realität aufgezeigt, dass im Umfeld des Sports auch der Hooliganismus ein permanent aktuelles Problem bildet. Die Bilder aus Frankreich waren insbesondere am ersten EM-Wochenende grauenhaft: Wer nicht gleich realisierte, dass es sich um Bilder aus dem Umfeld der EM handelte, als in Marseille die Gewalt nicht zu bändigen war, wähnte sich in einem veritablen Krieg. Die Missetäter waren relativ rasch ausgemacht: Die Urheber des kriegerischen Treibens waren Russen, denen mit der Bezeichnung „Fans“ ungerechtfertigte Ehre zu Teil würde. An den Gewalttätigkeiten nahmen aber auch andere Kriminelle teil. Die französischen Sicherheitsdispositive waren auf diesen „Krieg“ zu wenig vorbereitet, jedoch ist es eine zu billige Erklärung, die Schuld für die unsägliche Eskalation der gemäss Berichten „unfähigen“ Polizei zuzuschieben. Fakt ist, dass in einem offenen Europa diese Art von Kriminaltourismus praktisch nicht mehr unter Kontrolle zu halten ist. Abgelenkt wird von dieser Erklärung mit dem Hinweis, dass der in vielen Ländern Europas herrschende Rechtspopulismus dieses Phänomen reaktiviert habe. Diese Erklärung ist in Anbetracht der in etwa selben TV-Bilder, die jeweils am 1. Mai aus vielen Ländern in die guten Stuben flimmern, wohl etwas gar einfach. Erschreckend war jedoch, dass die gewalttätigen Personen kaum mit strafrechtlichen Folgen rechnen müssen. Obwohl viele der einzelnen Täter, die auf öffentlichem Grund delinquierten, identifizierbar sind, scheint der (französische) Staat vor diesem Terror resigniert zu haben. Strafrechtliche Verurteilungen wird es kaum geben. Ob die Sanktion des Kontinental-Fussballverbandes UEFA hier abschreckend(er) wirken wird, bleibt abzuwarten. Deren Disziplinarkommission hat den russischen Verband wegen des Verhaltens der russischen Anhänger im Stadionbereich von Marseille mit 150 000 Euro gebüsst (was wohl niemanden vom Randalieren abhalten und schon gar niemanden schmerzen dürfte) und zudem den Ausschluss der russischen Mannschaft aus dem Turnier angedroht. Die UEFA hat mit dieser Sanktion vor allem sich selber unter Druck gesetzt. Wird im nächsten Spiel mit russischer Beteiligung im Stadion Feuerwerk gezündet oder prügeln sich Zuschauer, müsste die Mannschaft Russlands die Heimreise antreten. Ein praktisch unvorstellbares Szenario. Nicht nur deshalb, weil in genau zwei Jahren in Russland die WM-Endrunde gespielt werden soll…
Dieser Eintrag wurde veröffentlicht in Allgemein am 15. Juni 2016 von causasportnews.com.
Claudia Pechsteins diskutable Reaktionen auf das BGH-Urteil
Claudia Pechstein: Auf dem Eis klar erfolgreicher als vor Gericht (Bild: Bjarte Hetland)
(causasportnews / red. / 9. Juni 2016) So etwas kommt in Deutschland nicht gut an: Die Eisschnellläuferin Claudia Pechstein, die vor zwei Tagen vor dem Bundesgerichtshof (BGH) eine veritable juristische Niederlage einstecken musste (siehe causasportnews vom 7. Juni 2016), übte gleich nach der Urteilseröffnung undiplomatische Richterschelte. „Jeder Flüchtling, der in Deutschland einreist und registriert wird, geniesst Rechtsschutz. Aber wir Sportler nicht“, erklärte sie sichtlich frustriert gegenüber den Medien. Eine solche Einschätzung der Sachlage hätte sie besser bleiben lassen sollen. Seither sind ihre Sympathiewerte in Deutschland massiv gesunken. Auch die deutschen Juristen, die sich im Nachgang zum BGH-Urteil anschickten, dieses zu kommentieren, sehen die Schuld an der Prozesspleite der Eisschnellläuferin nicht uneingeschränkt beim urteilenden Gericht. Zu Recht. Wer die Meinung vertritt, Gerichte hätten das Recht anzuwenden und nicht (Sport-)Politik zu betreiben, kommt zwangsläufig zum Schluss, dass der BGH – imerhin das höchste Zivilgericht in Deutschland – in der „Causa Pechstein“ nicht anders entscheiden konnte. Aber immer noch wird von den Kritikern der BGH-Entscheidung ausgeblendet, dass Claudia Pechsteins Dopingsanktion letztlich vom internationalen Sportschiedsgericht CAS beurteilt worden ist und die entsprechende Entscheidung anschliessend einer Überprüfung durch das schweizerische Bundesgericht standgehalten hat (Urteil vom 10. Februar 2010, 4A_612/2009). Mithin liegen also abschliessende, rechtskräftige Entscheidungen zu dieser Sache vor. Wer einen Prozess verliert, das Urteil aber als „ungerecht“ empfindet und darauf aufbauend Schadenersatz verlangt, hat wohl die Grundzüge eines zivilisierten Rechtssystems nicht ganz verstanden. Allenfalls wäre bei einer solchen Ausgangslage die Frage zu stellen, weshalb die Sportlerin das Doping-Sanktionsverfahren 2009/2010 vor dem CAS verloren hat und auch vor dem Bundesgericht erfolglos war. Entweder war die Rechtslage klar, oder ihre Anwälte haben schlecht prozessiert. Eigenartig mutet es vor allem an, dass die Anwälte der Athletin im Doping-Sanktionsverfahren offenbar keinerlei Einwendungen gegen das Verfahren vor dem CAS vorgebracht und sich nicht gegen die stipulierte Schiedsgerichtsbarkeit zur Wehr gesetzt haben; erst im Schadenersatzprozess wurde offensichtlich gegen die vereinbarte Schiedsgerichtsbarkeit opponiert. Wer unter solchen Prämissen ein Verfahren, wie es in München angehoben und nun in Karlsruhe beendet worden ist, riskiert, agiert überaus gewagt. Und solche Wagnisse zahlen sich in der Juristerei selten aus.
Leidtragende ist letztlich die Athletin. Deren Frust über das BGH-Urteil ist – insbesondere ich Anbetracht dessen, dass etwa eine vom Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) eingesetzte Expertenkommission Anfang 2015 zum Schluss gekommen ist, dass Claudia Pechstein vor rund sieben Jahren wohl zu Unrecht des Dopings für schuldig befunden worden sei – verständlich. Ob aber nochmals weitere rechtliche Schritte gegen die Folgen der als ungerecht empfundenen, aber nun mal rechtskräftig entschiedenen Doping-Sperre, wie sie die Athletin bereits angekündigt hat, so klug sind, mag zweifelhaft erscheinen. Im Raum steht eine Verfassungsbeschwerde an das deutsche Bundesverfassungsgericht, wobei die Erfolgsaussichten bestenfalls als unklar zu qualifizieren sind. Und in Anbetracht des Umstandes, dass Claudia Pechstein die Prozessserie in Deutschland viel Geld gekostet haben dürfte und sie offenbar ihre Geldreserven weitestgehend aufgebraucht hat, müsste auch aus dieser Warte ein Fragezeichen hinter weitere juristische Aktivitäten gesetzt werden. Die fünffache Olympiasiegerin hat nach dem BGH-Urteil angekündigt, weiter ihren Sport ausüben zu wollen. Opportunistischerweise sollte sie sich vielleicht nun einzig auf dieses Ziel fokussieren – und die (juristische) Vergangenheit ruhen lassen.
Dieser Eintrag wurde veröffentlicht in Allgemein am 9. Juni 2016 von causasportnews.com.
Konkurs der FC Biel Football AG
(causasportnews / red. / 8. Juni 2016) Es war nur eine Frage der Zeit, und diese Zeit ist nun gekommen: Über die FC Biel Football AG ist gestern der Konkurs eröffnet worden. Noch am 26. April 2016 standen die Zeichen auf Abwendung der Generalvollstreckung, als das zuständige Gericht in Biel eine Nachlassstundung gewährte. Doch alle Hoffnungen auf eine Rettung der Aktiengesellschaft haben sich nun endgültig zerschlagen. Weil für eine Sanierung kein Raum mehr besteht und vor allem der verantwortliche Präsident, ein Zürcher Rechtsanwalt, innert der entsprechenden Frist keine Sanierungspläne vorlegen konnte, blieb dem urteilenden Gericht keine Wahl, als den Konkurs über die Aktiengesellschaft, die den Professionalbetrieb des FC Biel abwickelte, zu eröffnen. Die wirtschaftlichen Probleme in Biel sind seit Monaten offenkundig; seit Anfang 2016 wurden der Mannschaft und dem (übrigen) Personal auch keine Löhne mehr bezahlt (vgl. auch causasportnews vom 19. Mai 2016). Die Swiss Football League hatte den Challenge League-Klub seit geraumer Zeit aus dem Spielbetrieb der zweithöchsten Spielklasse der Professionalabteilung in der Schweiz genommen und dem Klub die Lizenz entzogen. Nach der Konkurseröffnung über die FC Biel Football AG kann sich ab der neuen Saison 2016/17 nur noch eine Amateurmannschaft des FC Biel am Meisterschaftsbetrieb der 2. Liga (Amateur-Liga) beteiligen. Mit der Konkurseröffnung über die FC Biel Football AG ist auch das Kapitel „Professionalfussball“ in Biel definitiv geschlossen worden. Dass der Konkurs indessen noch ein Nachspiel haben dürfte, scheint klar zu sein. Im Rahmen der Konkursabwicklung dürfte auch versucht werden, die Rolle des schillernden Klubpräsidenten Carlo Häfeli zu durchleuchten. Ihm und seinem Geschäftsgebaren wird derzeit die Verantwortung für den Kollaps der FC Biel Football AG zugerechnet.
Dieser Eintrag wurde veröffentlicht in Allgemein am 8. Juni 2016 von causasportnews.com.