Source: http://relevancy.bger.ch/php/aza/http/index.php?lang=de&zoom=&type=show_document&highlight_docid=aza%3A%2F%2F01-03-2001-I_344-2000
Timestamp: 2016-10-26 00:40:28
Document Index: 101399847

Matched Legal Cases: ['Art. 4', 'Art. 28', 'Art. 28', 'BGE', 'BGE', 'Art. 152', 'Art. 135', 'BGE', 'Art. 152']

I 344/00 (01.03.2001)
S.________, 1949, Beschwerdef�hrer, vertreten durch Rechtsanwalt Dr. Pius Gebert, Oberer Graben 42, St. Gallen,
A.- Der 1949 geborene S.________ trat nach der Schulzeit eine Lehre als Huf- und Wagenschmied an, musste diese aus finanziellen Gr�nden indessen nach kurzer Zeit wieder abbrechen. Ab dem 20. Lebensjahr arbeitete er an verschiedenen Stellen zuerst auf dem Bau als Eisenleger, Ger�stemonteur und Dachdecker und sp�ter auch in Reinigungsinstituten.
Seit 1985 war er - mit Unterbr�chen - als Pferdepfleger t�tig, bis er diese Besch�ftigung im Jahre 1991 aus gesundheitlichen Gr�nden aufgab.
Am 22. Dezember 1994 meldete sich S.________ wegen eines Gichtleidens bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an. Die IV-Stelle St. Gallen zog nebst Ausk�nften der F.________ AG vom 20. Februar 1995 verschiedene Arztberichte des Dr. med. S.________, bei und liess den Versicherten von der Medizinischen Abkl�rungsstelle (MEDAS) polidisziplin�r untersuchen (Gutachten vom 3. M�rz 1997).
Gest�tzt darauf ermittelte sie einen Invalidit�tsgrad von 31 %, demgem�ss sie nach Durchf�hrung des Vorbescheidverfahrens mit Verf�gung vom 28. November 1997 das Leistungsbegehren ablehnte.
C.- Mit Verwaltungsgerichtsbeschwerde l�sst S.________ beantragen, in Aufhebung des vorinstanzlichen Entscheids sei ihm eine ganze Invalidenrente zuzusprechen; eventuell sei die Sache zur erg�nzenden medizinischen und beruflichen Abkl�rung an die Verwaltung zur�ckzuweisen. Zudem ersucht er um Gew�hrung der unentgeltlichen Verbeist�ndung.
1.- Das kantonale Gericht hat den Invalidit�tsbegriff (Art. 4 Abs. 1 IVG) und die gesetzlichen Bestimmungen �ber die Voraussetzungen und den Umfang des Rentenanspruchs (Art. 28 Abs. 1 und Abs. 1bis IVG) sowie �ber die Invalidit�tsbemessung bei Erwerbst�tigen nach der Einkommensvergleichsmethode (Art. 28 Abs. 2 IVG) zutreffend dargelegt.
2.- Laut Gutachten der MEDAS vom 3. M�rz 1997 ist die Arbeitsf�higkeit des Beschwerdef�hrers durch ein Cervikolumbalsyndrom bei Spondylosis deformans, eine psychische �berlagerung von somatischen Beschwerden aus dem rheumatischen Formenkreis (ICD-10 F54) und eine Entwicklungs- und Pers�nlichkeitsst�rung (F60. 8) beeintr�chtigt. Nicht wesentlich einschr�nkend wirken sich ein Verdacht auf �thylabusus, eine Hyperuric�mie mit anamnestisch wahrscheinlich rezidivierenden Gichtanf�llen am rechten Fuss, Hyperglyc�mie, Hyperlipid�mie und Adipositas aus. Aus orthop�discher Sicht nicht mehr zumutbar sind k�rperliche Schwerarbeiten wie Metallhilfsarbeiter, Pferdepfleger usw. F�r leichte bis mittelschwere T�tigkeiten mit gelegentlichem Heben bis 15 kg ist der Versicherte dagegen vollschichtig arbeitsf�hig.
Wegen der psychischen Probleme ist er indessen auch bei solchen T�tigkeiten um rund 30 % in der Leistungsf�higkeit eingeschr�nkt.
In der Verwaltungsgerichtsbeschwerde wird diese Einsch�tzung unter Hinweis auf Dr. med. S.________, welcher eine Arbeitsf�higkeit von 50 % annimmt, bestritten. Gem�ss Arztbericht vom 27. September 1997 geht der Hausarzt ebenfalls davon aus, dass dem Versicherten in guten Phasen eine leichte Arbeit zumutbar sei; die Episoden mit vollumf�nglicher Arbeitsunf�higkeit seien jedoch h�ufig, wobei auch fraglich sei, ob der Beschwerdef�hrer aus psychischen und intellektuellen Gr�nden f�r eine leichte Arbeit �berhaupt qualifiziert sei. Daraus ist zu schliessen, dass in erster Linie nicht somatische, sondern psychische und pers�nlichkeitsbezogene Faktoren f�r die zeitliche Einschr�nkung der Arbeitsf�higkeit verantwortlich gemacht werden. Wie es sich diesbez�glich verh�lt, konnte der Internist indessen nicht genau sagen. Abgesehen davon, dass er bei der Diagnosenstellung eine psychische Problematik unerw�hnt liess, bezeichnet er die Leistungseinschr�nkung lediglich als fraglich.
Im Rahmen der Begutachtung durch die MEDAS wurden die psychischen Aspekte durch den konsiliarisch beigezogenen Psychiater einl�sslich untersucht. Im Bericht vom 16. Januar 1997 bezeichnet dieser die Intelligenz als im Bereich der Norm liegend. Der Charakter des Versicherten sei stark gepr�gt durch die Lebensumst�nde w�hrend der Kindheit und Jugendzeit. Zum einen habe er einen starken �berlebenswillen, einen Freiheitsdrang, einen ausgepr�gten Gerechtigkeitssinn und grossen Mut sich einzusetzen, Direktheit und Offenheit; zum andern fehle ihm ein differenziertes, geschicktes "diplomatisches" Verhalten. Die k�rperlichen Beschwerden seien auf dem Hintergrund der Pers�nlichkeit und charakterlichen Entwicklung zu sehen, weshalb eine deutliche psychische �berlagerung bestehen d�rfte. Bez�glich der Arbeitsf�higkeit kommt der Facharzt zum Schluss, dass die psychische St�rung nicht isoliert betrachtet werden k�nne, da die somatische Erkrankung durch die psychische verst�rkt werde; die Verst�rkung sch�tzt er auf 30 %.
Daraus ergibt sich, dass der Beschwerdef�hrer an einer seelischen Abwegigkeit leidet, die es ihm auch bei Aufbietung allen guten Willens, Arbeit in ausreichendem Masse zu verrichten, nicht erlaubt, eine Beeintr�chtigung der Erwerbsf�higkeit im genannten Ausmass zu vermeiden. Weder dem Bericht des Hausarztes noch der Expertise kann eine somatisch bedingte Arbeitsunf�higkeit von 50 % und eine psychisch bedingte Arbeitsunf�higkeit von 30 %, insgesamt somit eine Arbeitsunf�higkeit von 80 % entnommen werden.
Ebensowenig kann dies aus den in der Verwaltungsgerichtsbeschwerde angef�hrten Zeiten l�ngerer Arbeitsunf�higkeit seit 1992 abgeleitet werden. Die MEDAS hat eine Gesamtbeurteilung unter Einbezug verschiedener medizinischer Fachrichtungen vorgenommen, aus welcher sich ergibt, dass gesamthaft betrachtet f�r leichte bis mittelschwere T�tigkeiten eine zus�tzliche Einschr�nkung aus psychischen Gr�nden von 30 % besteht. Da die Stellungnahmen der �rzte der MEDAS ein klares Bild �ber den Gesundheitszustand und die verbleibende Arbeitsf�higkeit geben, ist von der beantragten R�ckweisung der Sache an die Verwaltung zur erg�nzenden Abkl�rungen abzusehen.
3.- Zu pr�fen bleibt, wie sich die gesundheitsbedingte Verminderung der Leistungsf�higkeit des Versicherten erwerblich auswirkt.
a) Die Vorinstanz hat das vom Versicherten ohne Invalidit�t erzielbare Einkommen (Valideneinkommen) in �bereinstimmung mit der Verwaltung ausgehend vom zuletzt im Jahr 1991 als Pferdepfleger erzielten Verdienst von monatlich Fr. 3200.- auf Fr. 42'100.- (Fr. 3508. 30 x 12) im Jahr festgesetzt. Der Beschwerdef�hrer wendet dagegen ein, unter Ber�cksichtigung der zwischen 1991 und 1996 eingetretenen Nominallohnentwicklung und des 13. Monatslohnes sei der Invalidit�tsbemessung ein Valideneinkommen von Fr. 46'574.- zu Grunde zu legen. Wie sich der Auskunft der ehemaligen Arbeitgeberin vom 20. Februar 1995 entnehmen l�sst, wurde der 13. Monatslohn separat ausbezahlt. Dem gilt es auch bei der Bemessung des Valideneinkommens Rechnung zu tragen.
Nicht beigepflichtet werden kann dem Beschwerdef�hrer dagegen, dass sich die Lohnangaben auf eine 40-Stundenwoche beziehen. Die Arbeitgeberin pr�zisierte n�mlich ausdr�cklich, dass f�r die T�tigkeit als Pferdepfleger keine geregelte Arbeitszeit bestanden habe.
In den Jahren 1991 bis 1996 stieg der Nominallohnindex von 1706 auf 1910 Punkte (Die Volkswirtschaft 1/98 Anhang S. 28 Tabelle B 10.3). Ein monatliches Einkommen von Fr. 3200.- im Jahr 1991 entspricht somit einem - knapp �ber dem von der Vorinstanz angenommenen Verdienst liegenden - Monatsgehalt im Jahr 1996 von Fr. 3582.- oder einem Jahreslohn von Fr. 46'574.- (Fr. 3582.- x 13).
b) aa) Wenn das kantonale Gericht festh�lt, der Arbeitsmarkt kenne mancherlei Hilfst�tigkeiten (Maschinenbedienung, Sortier-, Pr�f- und Verpackungsarbeiten in Industrie und Gewerbe sowie im Dienstleistungsbereich), welche dem Beschwerdef�hrer durchaus zumutbar sind, ist dem beizupflichten, ohne dass zus�tzliche Abkl�rungen erwerblicher Art erforderlich w�ren. Soweit in der Verwaltungsgerichtsbeschwerde Eingliederungsschwierigkeiten infolge des Alters und einer mehrj�hrigen Arbeitsabstinenz angef�hrt werden, handelt es sich dabei um invalidit�tsfremde Faktoren.
bb) Das hypothetische Einkommen, welches der Beschwerdef�hrer trotz des Gesundheitsschadens durch eine ihm zumutbare T�tigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage zu erzielen verm�chte (Invalideneinkommen), setzten Vorinstanz und Verwaltung auf j�hrlich Fr. 28'900.- fest, indem sie von einem monatlichen Einkommen von rund Fr. 3440.- im Monat und einer Arbeitsf�higkeit von 70 % ausgingen. Dieses liegt tiefer als der Zentralwert gem�ss Tabelle A 1 der vom Bundesamt f�r Statistik herausgegebenen Schweizerischen Lohnerhebung (LSE) 1996 f�r die mit einfachen und repetitiven Aufgaben (Anforderungsniveau 4) besch�ftigten M�nner im privaten Sektor (bei einer w�chentlichen Arbeitszeit von 40 Stunden) von Fr. 4294.-, oder bei Annahme einer betriebs�blichen durchschnittlichen Arbeitszeit von 41.9 Stunden (Die Volkswirtschaft 2/2001 S. 80 Tabelle B 9.2) von monatlich Fr. 4498.-. Mit dem angenommenen Einkommen wird nach den Ausf�hrungen des kantonalen Gerichts dem Umstand Rechnung getragen, dass sich der Versicherte als Gesunder dauernd mit einer bescheidenen Erwerbst�tigkeit begn�gt hat, obwohl ihm an sich besser entl�hnte Erwerbsm�glichkeiten offen gestanden h�tten; zudem werde damit die Tatsache ber�cksichtigt, dass er keine k�rperliche Schwerarbeit mehr verrichten kann.
cc) Der Beschwerdef�hrer kommt dagegen ausgehend vom Tabellenlohn von Fr. 4294.- bei einer Leistungsf�higkeit von 70 % und unter Vornahme eines Abzuges von 25 % auf ein Invalideneinkommen von j�hrlich Fr. 27'052.-. Zum Vornherein nicht gefolgt werden kann den in der Verwaltungsgerichtsbeschwerde ebenfalls erw�hnten Angaben des Berufsberaters der IV-Stelle vom 4. September 1995, weil dieser das als Pferdepfleger realisierbare Valideneinkommen einfach unbesehen um die medizinisch-theoretische Arbeitsunf�higkeit von 50 % gem�ss Arztbericht des Dr. med.
S.________ vom 2. Mai 1995 gek�rzt hat.
Bei seiner Berechnung l�sst der Beschwerdef�hrer unber�cksichtigt, dass die L�hne gem�ss LSE auf die betriebs�bliche durchschnittliche Arbeitszeit umzurechnen sind (vgl. BGE 126 V 81 Erw. 7a). Mit der Vorinstanz ist daher von einem Monatsgehalt von Fr. 4498.- auszugehen, was einen Jahreslohn von Fr. 53'976.- (Fr. 4498.- x 12) und bei einer Arbeitsf�higkeit von 70 % ein massgebendes Einkommen von Fr. 37'783.- ergibt. Die Frage, ob und in welchem Ausmass Tabellenl�hne herabzusetzen sind, beurteilt sich nach den gesamten pers�nlichen und beruflichen Umst�nden (leidensbedingte Einschr�nkung, Alter, Dienstjahre, Nationalit�t/ Aufenthaltskategorie und Besch�ftigungsgrad) im konkreten Einzelfall, wobei der Abzug auf insgesamt h�chstens 25 % zu begrenzen ist (BGE 126 V 79 Erw. 5b/aa-cc). Bei einem h�chstzul�ssigen Abzug von 25 % ergibt sich ein Invalideneinkommen von Fr. 28'337.- (37'783.- x 0.75), woraus im Vergleich zum Valideneinkommen (Fr. 46'574.-) ein rentenausschliessender Invalidit�tsgrad von rund 39 % resultiert.
4.- Das Gesuch um unentgeltliche Verbeist�ndung kann gew�hrt werden (Art. 152 in Verbindung mit Art. 135 OG), da die Bed�rftigkeit aktenkundig ist, die Beschwerde nicht als aussichtslos zu bezeichnen und die Vertretung geboten war (BGE 125 V 202 Erw. 4a mit Hinweisen). Es wird indessen ausdr�cklich auf Art. 152 Abs. 3 OG aufmerksam gemacht, wonach die beg�nstigte Partei der Gerichtskasse Ersatz zu leisten haben wird, wenn sie sp�ter dazu im Stande ist.
III. Zufolge Gew�hrung der unentgeltlichen Verbeist�ndung wird Rechtsanwalt Dr. Pius Gebert, St. Gallen, f�r das Verfahren vor dem Eidgen�ssischen Versicherungsgericht