Source: https://www.haus.de/leben-im-alter/pflegerecht/pflegeleistungen/pflegeunterstuetzungsgeld
Timestamp: 2020-07-16 04:13:29
Document Index: 22853728

Matched Legal Cases: ['§ 44', '§ 2', '§ 2', '§ 3', '§ 45', '§ 45']

Pflegeunterstützungsgeld: Lohnersatz für akute Pflegephasen - DAS HAUS
Pflegeunterstützungsgeld: Höhe und Voraussetzungen der Lohnersatzleistung
Ein kleiner Fehltritt kann schon ausreichen um zum akuten Pflegefall zu werden. In solch einer Situation gleicht das Pflegeunterstützungsgeld die finanziellen Einbußen etwas aus.
Foto: iStock/Nastasic
Ein akuter Pflegefall wirbelt den Alltag durcheinander. Das Pflegeunterstützungsgeld verschafft Berufstätigen als Lohnersatzleistung die notwendige Luft, um die wichtigsten Schritte in die Wege zu leiten. Erfahren Sie, wer einen Anspruch hat, welche Bedingungen zu erfüllen sind und wie hoch das Pflegeunterstützungsgeld ausfällt.
Pflegeunterstützungsgeld: Voraussetzungen und Anspruchsberechtigte
Schritt für Schritt zum Pflegeunterstützungsgeld
Pflegeunterstützungsgeld FAQ: Die häufigsten Fragen
Ein akuter Pflegefall in der Familie kann schneller passieren, als Sie denken. Es reicht bereits ein unglücklicher Sturz und schon müssen Sie sich kurzfristig um allerhand Dinge kümmern. Gerade für Berufstätige ist das ein großes Problem. Dank den Regelungen des Pflegezeitgesetzes (PflegeZG) haben Sie die Möglichkeit, bis zu zehn Tage der Arbeit fernzubleiben, um die wichtigsten Dinge in die richtigen Bahnen zu lenken.
Das Pflegeunterstützungsgeld sorgt dafür, dass der Verdienstausfall abgefangen wird, wenn keine Entgeltfortzahlung gegeben ist. Lesen Sie, wie hoch das Pflegeunterstützungsgeld ist, welche Bedingungen Sie erfüllen müssen und wie Sie Ihren Antrag stellen.
Beim Pflegeunterstützungsgeld handelt es sich um eine Lohnersatzleistung. Diese wird von der Pflegeversicherung ausgezahlt, um für eine kurzzeitige Pflegezeit von bis zu zehn Tagen ein entgangenes Arbeitsentgelt auszugleichen.
Der in § 44a SGB XI verankerte Anspruch soll Angehörigen im Fall einer plötzlich auftretenden Pflegesituation Zeit für die Organisation der notwendigen Maßnahmen geben und finanzielle Sicherheit schaffen. Das Pflegeunterstützungsgeld funktioniert damit ähnlich wie das Krankengeld, das Eltern kurzfristig erhalten, um sich um ihre erkrankten Kinder zu kümmern.
Lesetipp: Weitere Informationen zum Thema „kurzzeitige Arbeitsverhinderung“ finden Sie in unserem Beitrag zum Thema „Familien-Pflegezeitgesetz“.
Achtung: Diese Regelung ist gesetzlich erst für Betriebe ab einer Größe von mindestens 15 Mitarbeitern bindend. In kleineren Betrieben kann es in manchen (unwahrscheinlichen) Fällen zu Problemen bei der Bewilligung der Arbeitsauszeit kommen.
Wer sich eine kurzzeitige Auszeit von bis zu zehn Tagen für die Pflege eines Angehörigen nehmen und finanzielle Unterstützung erhalten möchte, muss einen Antrag bei der zuständigen Pflegekasse stellen. Für den Erhalt der Lohnersatzleistungen müssen allerdings einige Kriterien erfüllt sein.
Welche Voraussetzungen gelten für den Anspruch auf Pflegeunterstützungsgeld?
Der akut pflegebedürftige Angehörige muss bereits einen der fünf Pflegegrade besitzen. (Hier geht es zu unseren Beiträgen zu den Pflegegraden 1, 2, 3, 4 und 5). Alternativ ist ein Antrag auch dann möglich, wenn der Eintritt der Pflegebedürftigkeit zum Beispiel durch das akute Ereignis sehr wahrscheinlich ist.
Die Pflegesituation muss unvorhersehbar und unerwartet eingetreten sein. Das ist beispielsweise bei einem schweren Unfall oder Sturz der Fall.
Der Antragsteller muss ein naher Angehöriger des Pflegebedürftigen sein.
Als berufstätiger Angehöriger beanspruchen Sie die sogenannte kurzzeitige Arbeitsverhinderung (§ 2 PflegeZG).
Der Antrag muss unverzüglich gestellt werden, sobald die Pflegesituation absehbar wird.
Der Antragsteller darf sich im beantragten Zeitraum weder in Familienpflegezeit (§§ 2, 3 FPflZG) noch in Pflegezeit (§ 3 PflegeZG) befinden.
Um Pflegeunterstützungsgeld zu bekommen, muss die Pflegesituation unvorhersehbar und unerwartet eingetreten sein.
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Neue Definition von nahen Angehörigen
Im Rahmen einer gesetzlichen Neudefinition wurde der Kreis der nahen Angehörigen im Jahr 2015 um weitere
Personengruppen erweitert. Neben Eltern, Großeltern, Schwiegereltern, Lebenspartnern (in eheähnlicher
Gemeinschaft) und Ehepartnern zählen nun auch folgende Personen zu den anspruchsberechtigten, nahen
Angehörigen:
Aktiv- und Pflegekinder des Lebens- beziehungsweise Ehepartners
Partner in lebenspartnerschaftlichen Gemeinschaften
Wichtiger Hinweis: Nicht jeder hat einen Anspruch
Grundsätzlich haben ausschließlich Arbeitnehmer/innen, Heimarbeiter und ihnen Gleichgestellte, Auszubildende sowie geringfügig Beschäftigte und Rentner mit Beschäftigung einen Anspruch auf Pflegeunterstützungsgeld. Sowohl Selbstständige als auch Beamte haben keinen Anspruch auf die Leistung der Pflegekasse. Gleiches gilt für Bezieher von Leistungen nach SGB II und SGB III ohne entgeltliche Beschäftigung.
Wie hoch ist das Pflegeunterstützungsgeld?
Analog zum Kinderkrankengeld wird auch die Höhe dieser Lohnersatzleistung nach den Vorgaben von § 45 Absatz 2, SGB V ermittelt. Grob gesagt können Sie sich an der folgenden Berechnungsvorschrift orientieren:
Grundlage für die Berechnung ist das ausgefallene Nettoarbeitsentgelt auf Basis des beitragspflichtigen Entgelts.
Die Leistung für das ausgefallene Nettoarbeitsentgelt beträgt 90 Prozent. (Ausgenommen sind Einmalzahlungen der vergangenen zwölf Monate, wie zum Beispiel Weihnachts- oder Urlaubsgeld.)
Auf Einmalzahlungen wie Weihnachts- und Urlaubsgeld beträgt die Lohnersatzleistung 100 Prozent. Und das unabhängig von der Höhe der Einmalzahlung.
Achtung Sonderregelungen: Für komplexere Fälle sind Spezifikationen, Sonderregelungen und Abweichungen im Gesetzestext von § 45 Absatz 2, SGB V geregelt. Bei Problemen und Fragen zur Berechnung und Höhe des Pflegeunterstützungsgeldes können sich Pflegende auch direkt an die Pflegekasse wenden.
Ein Arbeitnehmer möchte zur kurzzeitigen Pflege seines gestürzten Vaters für die zehn Tage die kurzzeitige
Arbeitsverhinderung in Anspruch nehmen. Daraus resultiert für den Arbeitnehmer ein Verdienstausfall in Höhe
von 650 Euro. Nach der erfolgreichen Antragstellung erhält der Antragsteller nach der Berechnung „650 Euro
mal 90 Prozent“ ein Pflegeunterstützungsgeld von 585 Euro.
Da es sich um eine Antragsleistung handelt, müssen Sie die Lohnersatzleistung aktiv bei der Pflegekasse des Pflegebedürftigen stellen. Bei Privatversicherten ist das jeweilige private Versicherungsunternehmen der Ansprechpartner.
1. Alle notwendigen Unterlagen zusammensuchen
Bevor Sie den Antrag stellen, müssen Sie einige Unterlagen und Informationen zusammentragen. Nur so kann der Antrag schnell und reibungslos bearbeitet werden. Für die Antragstellung benötigen Sie die folgenden Unterlagen und Informationen:
ärztliches Attest, das die akute Notsituation und den Hilfebedarf bestätigt
Angaben zur pflegenden Person und zum Pflegebedürftigen
Informationen über Kranken-, Renten- und Arbeitslosenversicherung des Antragstellers zwecks Beitragsabführung
Angabe des PKV-Beitrags (bei Privatversicherten)
Angaben zum Brutto- und Netto-Arbeitsentgelt (zum Beispiel Lohnabrechnung)
Freistellungszeitraum vom Arbeitsplatz
Anzahl der ausgefallenen Arbeitstage
Informationen über Einmalzahlungen der letzten zwölf Monate
2. Den Antrag auf Pflegeunterstützungsgeld stellen
Sind alle notwendigen Informationen und Dokumente zusammengetragen, sollte der Antrag unverzüglich gestellt werden. Das notwendige Antragsformular für den schriftlichen Antrag erhalten Sie bei der zuständigen Pflegekasse. Häufig sind die Formulare online verfügbar. Alternativ können Sie das Formular auch telefonisch anfordern.
Tipp: In der Regel können Sie den Antrag bereits formlos stellen, sodass alles in die Wege geleitet werden kann. Die Belege können Sie meist problemlos (aber so schnell wie möglich) nachreichen.
Kann ich für dieselbe pflegebedürftige Person mehrmals Pflegeunterstützungsgeld bekommen?
Der Gesetzgeber geht davon aus, dass es pro nahem Angehörigen nur einmal zu einer akuten Notfallsituation kommt. Dementsprechend wird das Pflegeunterstützungsgeld pro nahem Angehörigen in der Regel nur einmalig für bis zu zehn Tage gewährt. In Ausnahmefällen kann sich jedoch ein erneuter Anspruch ergeben.
Das kann beispielsweise dann der Fall sein, wenn in der ersten Akutsituation eine geeignete Pflegesituation gesucht wurde und der Antragsteller in einer zweiten Akutsituation Zeit bis zu einer stationären Unterbringung überbrücken muss. Der beste Ansprechpartner für solche Spezialfälle ist jedoch die zuständige Pflegekasse beziehungsweise ein Pflegeberater.
Kann der Anspruch auf Pflegeunterstützungsgeld auf mehrere Pflegende aufgeteilt werden?
Ja, es ist möglich, die Unterstützungsleistung auf mehrere pflegende Antragsteller aufzuteilen. Der Anspruchszeitraum beträgt nichtsdestotrotz maximal zehn Arbeitstage, da sich der Anspruch nach der hilfebedürftigen Person richtet. Eine Aufteilung, dass Pflegeperson A sechs Tage übernimmt und Pflegeperson B die verbleibenden vier, ist definitiv möglich. Allerdings ist die Berechnung hier durch gleich zwei Beteiligte freilich komplexer.
Bleibe ich während der Zahlung weiterhin in der Kranken- und Pflegeversicherung?
Während Sie Pflegeunterstützungsgeld erhalten, verbleiben Sie als Mitglied in der Kranken- und Pflegeversicherung. Zudem besteht sowohl in der Arbeitsförderung als auch in der Rentenversicherung eine Versicherungspflicht.
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