Source: https://www.rechtslupe.de/steuerrecht/verbrauchssteuern/berliner-vergnuegungsteuer-einspielergebnis-3132426?pk_campaign=feed
Timestamp: 2018-10-19 23:55:16
Document Index: 344832580

Matched Legal Cases: ['Art. 12', '§ 5', 'Art. 3', 'Art. 12', '§ 10', '§ 8']

Geldspielautomaten – und die Berliner Vergnügungsteuer | Rechtslupe ")}}return a.proceed()});scriptParent=document.getElementsByTagName("script")[0].parentNode;if(scriptParent.tagName.toLowerCase!=="head"){head=document.getElementsByTagName("head")[0];aop_around(head,"insertBefore");aop_around(head,"appendChild")}aop_around(scriptParent,"insertBefore");aop_around(scriptParent,"appendChild");var a2a_config=a2a_config||{};a2a_config.no_3p=1;var addthis_config={data_use_cookies:false};var _gaq=_gaq||[];_gaq.push(["_gat._anonymizeIp"])}
Rechtslupe » Steuerrecht » Sonstige Steuern » Geldspielautomaten – und die Berliner Vergnügungsteuer
19. Juli 2018 | Sonstige Steuern
Wird mit der Steuererhebung auch ein Lenkungszweck wie etwa die Eindämmung der Wett- oder Spielleidenschaft der Bevölkerung verfolgt, wie es auch bei der Erhöhung des Steuersatzes auf 20 % des Einspielergebnisses der Fall war27, ist Art. 12 Abs. 1 GG selbst dann nicht verletzt, wenn die Steuererhebung nicht geeignet ist, diesen Zweck zu erreichen. Denn die Steuer rechtfertigt sich -unbeschadet eines Lenkungszwecks- allein schon aus der Absicht, Einnahmen zu erzielen24.
Die Berliner Vergnügungsteuer auf Spielautomaten mit manipulationssicherem Zählwerk (§ 5 Abs. 1 Satz 2 VgStG) mit Geldgewinnmöglichkeit entsprach in den Besteuerungszeiträumen Januar und Februar 2011 diesen Anforderungen des Art. 3 Abs. 1 und Art. 12 Abs. 1 GG. Sie war auf Überwälzung auf die Spieler angelegt und hatte keine erdrosselnde Wirkung. Eine Tendenz zum Absterben der Branche der Betreiber von Spielgeräten in Berlin war ausweislich der vom Finanzgericht Berlin-Brandenburg28 festgestellten Entwicklung der Zahl der Spielhallenstandorte und der Spielautomaten sowie der ebenfalls festgestellten laufenden deutlichen Erhöhung des Steueraufkommens nicht erkennbar. Unter diesen Umständen begründet es auch keinen Verfassungsverstoß, dass die Erhöhung des Steuersatzes bereits zum 1.01.2011 in Kraft getreten ist und die Spielhallenbetreiberin kurzfristig nicht auf die Erhöhung reagieren konnte. Auf die bei der Spielhallenbetreiberin konkret bestehenden Verhältnisse kommt es nicht an. Maßgeblich ist die generelle Möglichkeit, die Steuer kalkulatorisch abzuwälzen. Unerheblich ist, ob die Erhöhung des Steuersatzes geeignet ist, der Spielleidenschaft der Spieler entgegenzuwirken.
Ein zur Verfassungswidrigkeit führender additiver Grundrechtseingriff lag im Januar und Februar 2011 nicht vor. Das Spielhallengesetz Berlin vom 20.05.201129 muss bei der Prüfung der Verfassungsmäßigkeit des Vergnügungsteuergesetzes in diesen Besteuerungszeiträumen schon deshalb unberücksichtigt bleiben, weil es nach seinem § 10 erst am Tage nach der Verkündung in Kraft getreten ist und zudem in seinem § 8 für bereits bestehende Spielhallen Übergangsbestimmungen vorsieht. Es wirkt somit nicht auf Januar und Februar 2011 zurück. Davon abgesehen lässt sich den vom Finanzgericht getroffenen Feststellungen zur Entwicklung der Zahl der Spielhallenstandorte und der Spielautomaten sowie des Steueraufkommens nach Inkrafttreten des Spielhallengesetzes entnehmen, dass die Vergnügungsteuer auch in diesem Zeitraum weder eine erdrosselnde Wirkung hatte noch ihre kalkulatorische Überwälzung auf die Spieler ausgeschlossen war.
Ein Steuersatz von 20 % auf das Einspielergebnis von Spielautomaten mit Geldgewinnmöglichkeit wird in der Rechtsprechung soweit ersichtlich allgemein als verfassungsgemäß angesehen30.
BFH, Urteil vom 07.12 2011 – II R 51/10, BFH/NV 2012, 790, Rz 39↩
BVerwG, Urteil vom 29.06.2017 – 9 C 7.16, BVerwGE 159, 216, Rz 15, m.w.N.↩
BVerfG, Kammerbeschluss vom 01.03.1997 – 2 BvR 1599/89 unter B.II. 1.a, m.w.N.↩
BVerfG, Beschlüsse vom 04.06.1975 – 2 BvL 16/73, BVerfGE 40, 52; vom 04.06.1975 – 2 BvR 824/74, BVerfGE 40, 56; vom 23.03.1977 – 2 BvR 812/74, BVerfGE 44, 216; und vom 26.02.1985 – 2 BvL 14/84, BVerfGE 69, 174↩
BVerfG, Beschlüsse in BVerfGE 40, 52, und BVerfGE 40, 56; BVerfG, Kammerbeschluss vom 01.03.1997 – 2 BvR 1599/89 unter B.II. 1.b bb↩
BVerfG, Kammerbeschluss vom 01.03.1997 – 2 BvR 1599/89 unter B.II. 2.↩
BVerfG, Beschlüsse in BVerfGE 123, 1, unter C.II.; und vom 12.02.2014 – 1 BvL 11, 14/10, BVerfGE 135, 238; BVerwG, Urteil vom 13.04.2005 – 10 C 5.04, BVerwGE 123, 218↩
BVerfG, Beschluss in BVerfGE 145, 171, Rz 127, m.w.N.; BVerwG, Urteile vom 14.10.2015 – 9 C 22.14, BVerwGE 153, 116, Rz 11; und in BVerwGE 159, 216, Rz 13, m.w.N.↩
BVerfG, Kammerbeschluss vom 01.03.1997 – 2 BvR 1599/89 unter B.II. 2.a↩
Drucksache des Abgeordnetenhauses vom 09.11.2010 – 16/3616, Vorblatt Teil B. und Begründung↩
BVerwG, Urteile in BVerwGE 153, 116, Rz 12, m.w.N.; und in BVerwGE 159, 216, Rz 54, m.w.N.↩
BVerfG, Beschluss in BVerfGE 123, 1, unter C.II. 1.c und C.II. 3.; BFH, Urteile in BFH/NV 2012, 790, Rz 60; vom 15.07.2015 – II R 32/14, BFHE 250, 427, BStBl II 2015, 1031, Rz 34; und vom 15.07.2015 – II R 33/14, BFHE 250, 449, BStBl II 2016, 126, Rz 33, jeweils m.w.N.↩
BVerwG, Urteil in BVerwGE 159, 216, Rz 42↩↩
Drucksache des Abgeordnetenhauses vom 09.11.2010 – 16/3616, Vorblatt Teil A. und Begründung Allgemeiner Teil↩
FG Berlin-Brandenburg, Urteil vom 07.07.2015 – 6 K 6071/12↩
GVBl Bln 2011, 223↩
VGH Baden-Württemberg, Urteil vom 20.07.2017 – 2 S 1671/16 Rz 43, 45; Nds. OVG, Urteile vom 05.12 2017 – 9 KN 208/16, Rz 25 ff.; und vom 05.12.2017 – 9 KN 226/16, Rz 53, 70, 82, 92 ff., m.w.N.; sowie VG Neustadt (Weinstraße), Urteil vom 06.12 2017 – 1 K 418/17.NW Rz 23 ff.↩
Themenseiten zu diesem Artikel: Einspielergebnis, Glücksspiel, Glücksspielgeräte, Spielvergnügungsteuer, Vergnügungssteuer, Vergnügungsteuersatz
Rückzahlung einer tarifvertraglichen Sonderzuwendung…