Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Text=StV%202011,%20267
Timestamp: 2019-09-16 09:15:15
Document Index: 285465873

Matched Legal Cases: ['BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 274', 'Art. 6', '§ 249', '§ 249', '§ 273', '§ 274', '§ 261', '§ 344', '§ 165', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 249', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH']

BGH, 22.12.2010 - 2 StR 386/10 - dejure.org
https://dejure.org/2010,7359
BGH, 22.12.2010 - 2 StR 386/10 (https://dejure.org/2010,7359)
BGH, Entscheidung vom 22.12.2010 - 2 StR 386/10 (https://dejure.org/2010,7359)
BGH, Entscheidung vom 22. Dezember 2010 - 2 StR 386/10 (https://dejure.org/2010,7359)
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§ 274 StPO; Art. 6 EMRK; § 249 Abs. 2 Satz 3 StPO
Voraussetzungen und Grenzen des Protokollberichtigungsverfahrens (Verfahrensrüge; Beweiskraft des Hauptverhandlungsprotokolls); Selbstleseverfahren (Feststellung der Kenntnisnahme)
§ 249 Abs 2 StPO, § 273 StPO, § 274 StPO, § 261 StPO, § 344 Abs 2 StPO
Strafverfahren: Protokollberichtigung bei Selbstleseverfahren
Protokollberichtigung bei fehlender sicherer Erinnerung der Urkundspersonen
LG Frankfurt/Main, 22.12.2009 - 31 KLs 19/05
LG Frankfurt/Main, 30.11.2011 - 27 KLs 13/11
NStZ-RR 2013, 99
StV 2011, 267
Dieses Urteil hob der Senat auf die Revision des Angeklagten mit Beschluss vom 22. Dezember 2010 (2 StR 386/10) wegen eines durchgreifenden Verfahrensfehlers auf.
Nach Einführung der Protokollberichtigung dürfte eine - ohnehin mit dem Wortlaut des § 165 Satz 1 ZPO unvereinbare - freibeweisliche Aufklärung der für die Verhandlung vorgeschriebenen Förmlichkeiten grundsätzlich ausgeschlossen sein (vgl. Bundesgerichtshof, Beschluss vom 22. Dezember 2010, StV 2011, S. 267 ff., juris Rn. 11 zur Protokollberichtigung im Strafprozess; zu den früheren Versuchen, die als unbefriedigend empfundene strenge Bindung an das Protokoll im Strafprozess durch freibeweisliche Aufklärung im Rahmen einer Auslegung zu umgehen, vgl. RG…, Urteil vom 19. Mai 1931, JW 1932, S. 421 mit Anmerkung von Löwenstein, der ein solches Vorgehen angesichts der klaren Entscheidung des Gesetzgebers als "abwegig und unhaltbar" bezeichnete).
Dem Revisionsgericht ist damit verwehrt, hierzu freibeweisliche Ermittlungen anzustellen (BGH NStZ-RR 2013, 255 ; StV 2011, 267 und 2010, 225 ).
Die - im Übrigen nicht zwingende - Schlussfolgerung in der Stellungnahme der Generalstaatsanwaltschaft, es sei bereits den Urteilsgründen zu entnehmen, dass die Vorsitzende die betreffenden Urkunden tatsächlich (vollständig) zur Kenntnis genommen habe, ist demgegenüber - weil sie die fehlende Feststellung im Protokoll nicht ersetzen kann - unbeachtlich (vgl. BGH StV 2011, 267 ).
Neben der - hier gescheiterten - ordnungsgemäßen Protokollberichtigung kommt eine freibeweisliche - und damit an geringere Anforderungen als in dem die Verfahrenswahrheit sichernden Protokollberichtigungsverfahren geknüpfte - Aufklärung des tatgerichtlichen Verfahrensablaufs nicht in Betracht (vgl. BGH, Beschlüsse vom 28. Januar 2010 - 5 StR 169/09, BGHSt 55, 31, vom 22. Dezember 2010 - 2 StR 386/10, StV 2011, 267 mwN, und vom 30. September 2009 - 2 StR 280/09, StV 2010, 225).
Die Revision beanstandet zwar zu Recht, dass das gegen den mitangeklagten Bruder des Angeklagten ergangene Urteil des Landgerichts NürnbergFürth vom 17. November 2009 im Wege des Selbstleseverfahrens nicht zum Gegenstand der Hauptverhandlung gemacht worden ist, weil die Vorsitzende keine Feststellung darüber getroffen hat, dass auch die Berufsrichter vom Wortlaut der Urkunde Kenntnis genommen haben (vgl. BGH, Beschlüsse vom 30. September 2009 - 2 StR 280/09, StV 2010, 225, 226;… vom 28. Januar 2010 - 5 StR 169/09, BGHR StPO § 249 Abs. 2 Selbstleseverfahren 5; vom 22. Dezember 2010 - 2 StR 386/10, StV 2011, 267, 268).
Denn gegenüber einem den Maßstäben des Großen Senats für Strafsachen des Bundesgerichtshofs genügenden förmlichen Berichtigungsverfahren bietet das Freibeweisverfahren nur geringere verfahrensrechtliche Sicherungen für die Ermittlung des wahren Sachverhalts (BGH, StraFo 2011, 356, 357 f: BGH StV 2011, 267 ff.; BGH wistra 2009, 484; vgl. auch BGHSt 34, 11 ff.; BGHSt 55, 31 ff.).