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Timestamp: 2017-04-30 11:49:33
Document Index: 12657287

Matched Legal Cases: ['BGH', 'Art. 80', 'Art. 104', 'Art. 80', 'Art. 80', 'Art. 80', 'Art. 80', 'Art. 104', 'Art. 7', 'Art. 23', 'Art. 24', 'Art. 24', 'Art. 23', 'Art. 20', 'Art. 24', 'BGH', 'BGH', 'de lege lata', 'Art. 5', 'Art. 6']

1 steueranwalts magazin Arbeitsgemeinschaft Steuerrecht im Deutschen Anwaltverein 5 / Ausgabe 9. Jahrgang Redaktion: Jürgen Wagner, LL. M. WAGNER & JOOS, RECHTSANWÄLTE Konstanz (verantwortlich) Kirsten Bäumel SINA. MAASSEN, Aachen 161 Editorial Wagner Beiträge 162 Spatscheck Kfz-Steuerhinterziehung strafbar? 167 Schwedhelm Alt- und neu-einbringungsgeborene Anteile bei Schenkung und Erbfolge 170 Jacob Unternehmensteuerreformgesetz 2008 und die Niedrigbesteuerung nach dem AStG 175 Wessing Compliance Ein Thema auch im Steuerstrafrecht? 181 Söffing Die österreichische Privatstiftung (Teil 2) Europarecht 184 Eicker Der Abzug von Finanzierungsaufwendungen bei steuerfreien Dividenden ein Lehrstück für die Vereinbarkeit des deutschen Steuerrechts mit Europarecht am Beispiel des 8 b Abs. 5 bzw. 7 KStG in der jeweiligen Fassung 186 LiteraTour 189 Steuermelder Urteilsbesprechung 192 Staudenmayer Rückabwicklung von Beteiligungen an geschlossenen Fonds 194 Termine2 Editorial I. Ab und zu erfreuen wir uns ja an den Erkenntnissen der Kriminologie, also der wissenschaftlichen Fachrichtung, die sich besonders intensiv mit Tätern und Opfern befaßt. Hinsichtlich der Entstehungszusammenhänge der Wirtschaftskriminalität berichten Praktiker wie Wabnitz und Janovsky in ihrem Monumentalwerk Handbuch des Wirtschaftsund Steuerstrafrechts (3. Aufl., München 2007, S. 20 f.), die gängigen Kriminaltheorien könnten allenfalls Teilbereiche erklären. Die Kriminologie hat bereits vor Jahrzehnten festgestellt, daß die Ursache des Betrogenwerdens nicht in einer Minderbegabung der Opfer liegt. Vielmehr erfahre gerade der Strafrichter in großen Betrugsprozessen eindrücklich, daß im Kopf jedes Menschen irgendeine lockere Schraube sitzt. II. Im Dienste von Forschung und Wissenschaft geschieht allerorten Merkwürdiges nicht nur im Steuerrecht, aber gelegentlich auch. Neuseeland beschäftigt sich im Zuge der CO 2 -Debatte mit den Emissionen von 45 Millionen Schafen und 9 Millionen Rindern, die tagein, tagaus fressen, wiederkäuen und rülpsen, so die Neue Zürcher Zeitung Mitte Juli. Die Geschichte geht aber noch weiter und nähert sich dabei dem bösen Wort vom Sesselfurzer : Die neuseeländische Regierung schlug zur Lösung des Methan- und Lachgas-Problems eine Sonderabgabe für Landwirte vor, um Forschungsprojekte zu finanzieren. Obwohl 90 % der Methan-Emissionen durch Rülpsen entstehen, nannte der Volksmund diese Sonderabgabe fart tax, Furzsteuer. III. Wie in jedem Jahr findet der Steueranwaltstag am ersten November-Wochenende in Berlin statt. Nunmehr der 14. Wir freuen uns. Redaktion Kirsten Bäumel, Rechtsanwältin, Fachanwältin für Steuerrecht sowie Handels- und Gesellschaftsrecht, Aachen (KB); Jürgen Wagner, LL. M., Rechtsanwalt, Fachanwalt für Handels- und Gesellschaftsrecht, Konstanz / Zürich / Vaduz (JW); Die nächste Ausgabe des steueranwaltsmagazin erscheint am 15. Dezember Mitschreibende dieser Ausgabe: Nils Worgulla und Matthias Söffing, beide Rechtsanwälte in Düsseldorf; Rainer Spatscheck und Jennifer Fraedrich, Rechtsanwälte in München; Rolf Schwedhelm, Rechtsanwalt in Köln; Friedhelm Jacob, Rechtsanwalt und Steuerberater in Frankfurt; Klaus Eicker, Rechtsanwalt in München; Jürgen Wessing, Rechtsanwalt in Düsseldorf; Michael Staudenmayer, Rechtsanwalt in Fellbach. Fachbeirat Allgemeines Steuerrecht RA / StB Andreas Jahn, Meyer-Köring von Danwitz Privat, Bonn; RA / StB Dr. Marc Jülicher, Flick Gocke Schaumburg, Bonn / Frankfurt / Berlin; RA / FAStR Dr. Rolf Schwedhelm, Streck Mack Schwed helm, Köln / Berlin / München; RA / FAStR Dr. Matthias Söffing, Söffing & Partner, Düsseldorf / München / Zürich Internationales Steuerrecht RA Dr. Jennifer Fraedrich, Streck Mack Schwedhelm, Köln / Berlin / München; RA / StB Friedhelm Jacob, Hengeler Mueller, Frankfurt; RA / FAStR Sabine Unkelbach-Tomczak, Kiedrich / Wiesbaden Steuerstrafrecht RA / FAStR Olaf von Briel, Boxleitner von Briel, Düsseldorf; RA / FAStR Dr. Rainer Spatscheck, Streck Mack Schwedhelm, Köln / Berlin / München; RA / FAStR Dr. Jürgen Wessing, Wessing Rechtsanwälte, Düsseldorf Europarecht RA / StB / WP Dr. Carsten Beul, Beul & Klatt, Neuwied; RA / StB Dr. Klaus Eicker, Ernst & Young AG, München; RA / FAStR Dr. Michael Pott, Sernetz Schäfer, Düsseldorf; Prof. Dr. Thomas Zacher, Zacher & Partner, Köln Einen schönen Herbst wünscht Ihr Jürgen Wagner, LL. M. Red. steueranwaltsmagazin Sie können der Redaktion Texte, Anregungen und Kritik zum steueranwaltsmagazin, insbesondere zur Auf ma chung, zur Themenauswahl und -vielfalt sowie zum steuerrechtlichen Niveau zusenden. Wir schließen nicht aus, geeignete Kritik auch abzudrucken. steueranwaltsmagazin 5 /2007 Impressum Herausgeber: ARGE Steuerrecht im DAV, Littenstraße 11, Berlin, Telefon 030 / ; Verlag: Richard Boorberg Verlag GmbH & Co KG, Scharrstraße 2, Stuttgart; Tel: 0711 / ; Fax: 0711 / , Satz: Robert Turzer, Tübingen Druck: Kessler Verlagsdruckerei, Bobingen Anzeigenverwaltung: Verlag Alle Urheber-, Nutzungsrechte und Verlags rechte vorbehalten. Die Zeit schrift erscheint sechs Mal im Jahr. Der Bezugs preis ist im Mitgliedsbeitrag enthalten. Für Nichtmitglieder der Arbeitsgemeinschaft im DAV be - trägt der Bezugspreis 87 D inkl. Versandkosten jährlich. ISSN3 Beiträge Kfz-Steuerhinterziehung strafbar? Dr. Rainer Spatscheck, Rechtsanwalt, Fachanwalt für Steuerrecht, Fachanwalt für Strafrecht, und Dr. Jennifer Fraedrich, Rechtsanwältin, München* A. Einleitung Der Steuerstraftatbestand der Kfz-Steuerhinterziehung ist bislang ein unbeschriebenes Blatt in der deutschen Justiz. Aus der veröffentlichten Rechtsprechung ist kein einziger Fall bekannt, in dem ein Steuerpflichtiger jemals wegen Kfz-Steuerhinterziehung gemäß 370 AO verurteilt worden wäre. Indes sind in der Tätigkeit der Strafverfolgungsbehörden Tendenzen erkennbar, wonach der Straf vorwurf der Steuerhinterziehung zunehmend auch auf die Kfz-Steuer bezogen wird. Betroffen ist vor allem das internationale Speditionsgewerbe. Dort werden weltweit LKWs eingesetzt, die in unterschied lichen Ländern zugelassen sind und über moderne Satellitensysteme gesteuert werden. Befindet sich die Steuerzentrale und damit der Dispositionsstandort in Deutschland, nehmen die Strafverfolgungsbehörden schnell eine hiesige Zulassungspflicht an und erheben in Bezug auf die nicht in Deutschland zugelassenen Fahrzeuge den Vorwurf der Kfz-Steuerhinterziehung. Daß dieser Vorwurf aus strafrechtlicher Sicht angreifbar ist, zeigen die folgenden Überlegungen. B. Rechtliche Grundlagen des Hinterziehungsvorwurfs Das KraftStG unterscheidet im wesentlichen drei Steuertatbestände. Nach 1 KraftStG unterliegt der deutschen Kraftfahrzeugsteuer das Halten von inländischen Fahrzeugen zum Verkehr auf öffentlichen Straßen, das Halten von ausländischen Fahrzeugen zum Verkehr auf öffentlichen Straßen, solange die Fahrzeuge sich im Inland befinden und es sich nicht um ausschließlich für den Güterkraftverkehr bestimmte Kraftfahrzeuge oder Fahrzeugkombinationen handelt, die in einem anderen EU-Mitgliedstaat zugelassen sind, die widerrechtliche Benutzung von Fahrzeugen. In der eingangs beschriebenen Sachverhaltskonstellation sind die Strafverfolgungs behörden regelmäßig der Ansicht, daß ein Standort in Deutschland begründet ist. Dementsprechend müßten die Fahrzeuge nach 18, 23 StVZO in Deutschland zugelassen werden. Eine Zulassung der Fahrzeuge gemäß 1 Abs. 1 Satz 1 IntKfzVO zum vorübergehenden Verkehr in Deutschland komme wegen des Standorts in Deutschland nicht in Betracht. Fehlt es an der erforderlichen deutschen Zulassung, sei der Tatbestand der wider - rechtlichen Nutzung i. S. d. 1 Abs. 1 Nr. 3 KraftStG erfüllt. C. Kein tatbestandliches Handeln i. S. d. 370 AO Selbst wenn man unterstellt, daß diese Annahmen der Strafverfolgungsbehörden zutreffend sind, ist der Tatbestand der Steuerhinterziehung nach 370 AO schon aus Rechtsgründen nicht erfüllt. Eine Strafbarkeit wegen Steuerhinterziehung setzt im objektiven Tatbestand zum einen voraus, daß der Erfolg in der Form der Steuerverkürzung oder der Form der Vorteilserlangung eingetreten ist. Zum anderen muß das Verhalten des Betroffenen die Voraussetzungen der Verhaltensbeschreibung des Straftatbestands erfüllen. Beides ist hier nicht der Fall. I. Steuerverkürzung Der Erfolg der Steuerhinterziehung kann in der hier betrachteten Sachverhalts konstellation nur in Form der Steuerverkürzung gemäß 370 Abs. 4 AO eingetreten sein. Die Strafverfolgungsbehörden gehen davon aus, daß die in Bezug auf die nicht zugelassenen Fahrzeuge entstandenen Kfz-Steueransprüche nicht durch Bescheid festgesetzt wurden. Dies entspricht der Tatbestandsvariante der Nicht-Festsetzung von Steueransprüchen gemäß 370 Abs. 4 Satz 1, 1. Alt. AO. 1. Steueranspruch aus widerrechtlicher Benutzung, 1 Abs. 1 Nr. 3 KraftStG Dieser Ansatz nach 370 Abs. 4 AO ist schon deshalb fragwürdig, weil das Entstehen von Kfz-Steueransprüchen durch die widerrechtliche Benutzung von Fahrzeugen gemäß 1 * Dr. Rainer Spatscheck ist Partner, Dr. Jennifer Fraedrich angestellte Rechtsanwältin der Rechtsanwaltssozietät Streck Mack Schwedhelm, München, Köln, Berlin. 162 steueranwaltsmagazin 5 /20074 Rainer Spatscheck / Jennifer Fraedrich Kfz-Steuerhinterziehung strafbar? Beiträge Abs. 1 Nr. 3 KraftStG nur auf den ersten Blick folgerichtig erscheint. Eine widerrechtliche Benutzung im Sinne der Legaldefinition liegt vor, wenn ein Fahrzeug auf öffentlichen Straßen im Inland ohne die verkehrsrechtlich vorgeschriebene Zulassung benutzt wird ( 2 Abs. 5 KraftStG). Unterstellt man die zweifelhafte Rechtsansicht, daß in tatsächlicher Hinsicht die Voraussetzungen erfüllt sind, die eine Zulassungspflicht im Inland nach den Regelungen des Straßenverkehrsrechts begründen, so ist der Steuertatbestand nach 1 Abs. 1 Nr. 3 KraftStG zwar dem Grunde nach erfüllt. Dieser hat jedoch den Charakter eines Auffangtatbestandes. Es ist daher zunächst zu prüfen, ob daneben eine Steuerpflicht noch nach weiteren Tatbeständen gegeben ist. 2. Weiterer Steuertatbestand für die im Ausland zugelassenen Fahrzeuge? Für solche Fahrzeuge, die in einem anderen Staat sei es auch außerhalb der Europäischen Union tatsächlich zugelassen sind, ist neben 1 Abs. 1 Nr. 3 KraftStG keine weitere Tatbestandsvariante der Besteuerungsgegenstände aus dem Katalog des 1 KraftStG erfüllt. Nach der Legaldefinition des 2 Abs. 4 KraftStG handelt es sich insoweit allein aufgrund der anderweitigen Zulassung um ausländische Fahrzeuge, unabhängig davon, ob sie materiell in Deutschland hätten zugelassen werden müssen. 1 Dementsprechend kann keine Steuer nach 1 Abs. 1 Nr. 1 KraftStG dem Grundtatbestand für die Besteuerung inländischer Fahrzeuge entstehen. Aber auch eine Steuerpflicht nach 1 Abs. 1 Nr. 2 KraftStG der Regelung über die Steuerentstehung bei ausländischen Fahrzeugen tritt im Ergebnis nicht ein. Denn insoweit sind die Steuerbefreiungen aufgrund internationaler Abkommen mit zu berücksichtigen. So hat der BFH entschieden, daß bei einem im Ausland (in den Niederlanden) zugelassenen Anhänger mit Standort im Inland bei der Prüfung nach 1 Abs. 1 Nr. 2 KraftStG die Steuerbefreiung nach dem deutsch-niederländischen Gegenseitigkeitsabkommen zu berücksichtigen ist. 2 Diese Steuerbefreiungen aufgrund internationaler Abkommen finden hingegen keine Anwendung unter der Tatbestandsvariante des 1 Abs. 1 Nr. 3 KraftStG, so daß im Ergebnis für ein im Ausland zugelassenes, aber materiell im Inland zulassungspflichtiges Fahrzeug ausschließlich der Steuertatbestand für die widerrechtliche Benutzung einschlägig ist Besteuerung der weder im Inland noch im Ausland zugelassenen Fahrzeuge Wenn Fahrzeuge tatsächlich nicht (rechtmäßig) im Ausland zugelassen sein sollten, ergibt sich neben der Besteuerung nach 1 Abs. 1 Nr. 3 KraftStG (widerrechtliche Benutzung) auch eine Steuerpflicht als inländisches Fahrzeug nach der Regelung in 1 Abs. 1 Nr. 1 KraftStG i. V. m. 2 Abs. 3 Kraft- StG. Dabei stehen beide Besteuerungsvarianten alternativ nebeneinander. Erst die Vornahme der Besteuerung als inländisches Fahrzeug läßt eine Besteuerung wegen der widerrechtlichen Benutzung entfallen ( 2 Abs. 5 Satz 2 KraftStG). steueranwaltsmagazin 5 / Ergebnis Für die weitere strafrechtliche Betrachtung ist festzuhalten, daß Steueransprüche nach der Tatbestandsvariante der widerrechtlichen Benutzung nach 1 Abs. 1 Nr. 3 KraftStG entstanden sind. Parallel hierzu könnten die tatsächlich weder im Inland noch im Ausland zugelassenen Fahrzeuge alternativ nach der Vorschrift des 1 Abs. 1 Nr. 1 KraftStG besteuert werden. Eine Steuerverkürzung ist jeweils durch die Nicht-Festsetzung dieser Steueransprüche eingetreten. II. Handlungsunrecht: Pflichtwidriges Unterlassen Der hier maßgebliche Vorwurf knüpft daran an, daß für die genannten Fahrzeuge und die durch ihre widerrechtliche Benutzung entstandene Kraftfahrzeugsteuer keine Steuererklärungen abgegeben wurden. Ob dieses Verhalten allerdings unter die Vorschrift des 370 Abs. 1 Nr. 2 AO fällt, ist fraglich. Bei 370 Abs. 1 Nr. 2 AO handelt es sich um einen Unterlassungs-Straftatbestand. Zentrale Voraussetzung der Strafbarkeit ist, daß der Täter pflichtwidrig handelt, d. h., daß eine gesetzlich begründete Pflicht zur Inkenntnissetzung der Finanzbehörden besteht. Der Täter muß also gesetzlich zur Abgabe einer Steuererklärung verpflichtet sein. 4 Eine solche gesetzliche Erklärungspflicht ist nicht ersichtlich. 1. Die Regelungen des KraftStG und der KraftStDV Das KraftStG selbst enthält keinerlei Regelung über die Verpflichtung zur Abgabe von Steuererklärungen. Das Gesetz enthält lediglich eine Verordnungsermächtigung in 15 KraftStG. Die Vorschrift lautet: 15 Abs. 1 KraftStG Ermächtigungen (1) Die Bundesregierung wird ermächtigt, mit Zustimmung des Bundesrats Rechtsverordnungen zu erlassen über 4. das Besteuerungsverfahren, insbesondere die Berechnung der Steuer, die Änderung von Steuerfestsetzungen, sowie von den Steuerpflichtigen zu erfüllenden Pflichten und die Beistandspflicht Dritter, Die Bundesregierung hat von dieser Verordnungsermächtigung durch Erlaß der Kraftfahrzeugsteuer-Durchführungsverordnung (KraftStDV) Gebrauch gemacht. Dort sind Einzelheiten über die Zuständigkeiten, die Abgabe von Steuererklärungen und das sonstige Besteuerungsverfahren geregelt. 1 Haßlbeck/ Zens in: Strodthoff, KraftStG, 2 Rn. 18 (Dez. 2000); Mayer in: Heinz / Kopp / Mayer, Verkehrsteuern, 4. Aufl., 1997, S BFH VII R 173 / 83 vom , BStBl II, 766, BFH VII R 173 / 83, a. a. O.; ebenso VII R 152 / 84 vom , BStBl II, 510; Haßlbeck / Zens in: Strodthoff, a. a. O., 2 Rn. 27 f.; Mayer in: Heinz / Kopp / Mayer, a. a. O., S Allgemeine Auffassung, vgl. nur BGH 3 StR 405 / 86 vom , wistra 1987, 147; 3 StR 317 / 89 vom , StRK AO 1977, 370 Rn. 172; Hellmann in: Hübschmann / Hepp / Spitaler, AO, 370 Rn. 102 (Nov. 2001); Joecks in: Franzen / Gast / Joecks, Steuerstrafrecht, 6. Aufl., 2005, 370 Rn5 Beiträge Rainer Spatscheck / Jennifer Fraedrich Kfz-Steuerhinterziehung strafbar? 2. Die KraftStDV als strafrechtlich wirksame Rechtsgrundlage? Die beschriebene Regelungstechnik ist aus strafrechtlicher Sicht schon im Grundsatz fragwürdig. Sie entspricht nicht den verfassungsrechtlichen Vorgaben zum strikten parlamentarischen Gesetzesvorbehalt für die Anordnung von Straftatbeständen. a. 370 AO als Blankettnorm aa. Bei 370 Abs. 1 Nr. 2 AO handelt es sich um ein Blankettstrafgesetz im eigentlichen Sinne. Das Merkmal der Pflichtwidrigkeit wird durch die in Bezug genommenen Vorschriften des Steuerrechts ergänzt. Diese werden dadurch unmittelbar Bestandteil der Strafrechtsnorm. Strafrechtlich ist zwar anerkannt, daß solche Blankettstraftatbestände auch durch Rechtsverordnungen im einzelnen ausgeführt werden können. Nach ständiger Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts hat sich allerdings der Maßstab, nach dem Inhalt, Zweck und Ausmaß einer Regelung in der Verordnungsermächtigung vorgegeben sein müssen, an der Eingriffsintensität der durch die Verordnung ermöglichten Maßnahme zu orientieren. 5 Bei strafrechtlichen Regelungen sind deshalb an die Bestimmtheit der Verordnungsermächtigung im Sinne des Art. 80 GG besonders strenge Anforderungen zu stellen. 6 Dieser Maßstab wird unter dem Anwendungsbereich des Art. 104 Abs. 1 GG weiter verschärft. Freiheitsentziehende Maßnahmen dürfen nur auf der Grundlage eines formellen Gesetzes angeordnet werden. 7 bb. Konkret hat der Gesetzgeber im Fall einer Blankettvorschrift in Verbindung mit einer Rechtsverordnung nach der Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts selbst die Voraussetzungen der Strafbarkeit zu bestimmen. Aus dem formellen Gesetz muß mit hinreichender Deutlichkeit erkennbar sein, was strafbar sein soll. Dem Verordnungsgeber dürfen lediglich gewisse Spezifizierungen des Tatbestands überlassen bleiben. 8 Ob die Präzisierung eines Straftatbestandes im Rahmen einer Verordnung unter diesen Voraussetzungen im Einzelfall gerechtfertigt ist, wird maßgeblich davon abhängig gemacht, wieviel Flexibilität der jeweilige Regelungsbereich erfordert und welche Fachkenntnisse von den Normadressaten erwartet werden können. 9 Ist der Regelungsbereich häufigem und raschem Wandel unterworfen und sind demzufolge wechselnde und mannigfaltige Einzelregelungen zur Anpassung an den Fortschritt erforderlich, wie es zum Beispiel im Umweltrecht oder Lebensmittelrecht der Fall ist, so ist eine weitreichende Präzisierung durch Verordnungen zulässig. In diesem Fall ist anerkannt, daß die Regelung durch Gesetz zu starr und kasuistisch wäre. Weiterhin sind auch dann ausführlichere Spezifizierungen in Rechtsverordnungen zulässig, wenn von den Normadressaten aufgrund ihrer Spezialkenntnisse verlangt werden kann, sich im Zweifelsfall sachkundig zu machen. 10 cc. Unter Berücksichtigung dieser verfassungsrechtlichen Anforderungen sind an die die Blankettnorm des 370 AO ausfüllenden Vorschriften strenge Voraussetzungen zu knüpfen. 370 AO ermöglicht bereits in der Grundfassung die Verhängung einer Freiheitsstrafe von bis zu fünf Jahren. Das blasse Merkmal der Pflichtwidrigkeit muß daher grundsätzlich durch ein formelles Gesetz des Gesetzgebers ausgefüllt werden. b. Steuergesetze als Füllnormen Diesen Anforderungen werden die Vorschriften der formellen Steuergesetze im Regelfall auch gerecht. 25 Abs. 3 Satz 1 EStG etwa verpflichtet zur Abgabe einer Einkommensteuererklärung durch den Steuerpflichtigen, 31 KStG regelt dies für den Bereich des Körperschaftsteuergesetzes, 18 UStG enthält die gesetzliche Verpflichtung zur Abgabe der Umsatzsteuer-Voranmeldungen und der Umsatzsteuerjahreserklärung, um nur einige Beispiele zu nennen. Die steuerlichen Durchführungsverordnungen regeln in diesen Beispielfällen nur die Details, nicht aber die grundlegende Frage, ob und durch wen Steuererklärungen abzugeben sind. c. KraftStG als ausfüllende Norm aa. Anders ist dies in der vorliegenden Konstellation. Die Regelungen des KraftStG werden dem beschriebenen Gesetzgebungsstandard nicht gerecht. Das formelle Gesetz bestimmt nicht, ob überhaupt und ggf. durch wen eine Steuererklärung abzugeben ist. Die Verordnung des formellen Gesetzes spricht lediglich von den durch die Steuerpflichtigen zu erfüllenden Pflichten. Ob damit den Steuerpflichtigen überhaupt Erklärungspflichten auferlegt werden, ist aus dem Gesetz nicht erkennbar. Diese Entscheidung bleibt allein dem Verordnungsgeber überlassen, der es in der Hand hat, ob eine Strafbarkeit nach 370 Abs. 1 Nr. 2 AO für den Bereich der Kfz-Steuer begründet wird. Diese Grundentscheidung darf nach den verfassungsrechtlichen Vorgaben jedoch nicht auf den Verordnungsgeber delegiert werden. Deshalb ist schon vor diesem Hintergrund zweifelhaft, ob die Regelungen der KraftStDV auf einer strafrechtlich hinreichend bestimmten Ermächtigungs- 5 Vgl. Leibholz/ Rinck/ Hesselberger, GG, Art. 80 Rn. 117 ff. (April 1992); Bauer in: Dreier, GG, Tübingen 1998, Art. 80 Rn. 30, m. w. N. 6 Vgl. nur Leibholz/ Rinck/ Hesselberger, a. a. O., Art. 80 Rn. 151; Bauer in: Dreier, a. a. O., Art. 80 Rn Eingehend Schmitz in: Münchener Kommentar, StGB, 2003, 1 Rn BVerfG 2 BvL 11 / 85 vom , BVerfG 75, 329; 2 BvR 374 / 90 vom , NJW 1992, 2624; 2 BvR 1941 / 00 vom , NStZ-RR 2002, 22; 2 BvR 150 / 03 vom BVerfG 2 BvL 11 / 85, a. a. O.; 2 BvR 374 / 90, a. a. O.; 2 BvR 1941 / BVerfG 2 BvR 509 / 96 und 511 / 96 vom , NJW 1998, 669, 670; 2 BvR 234 / 87 und 1154 / 86 vom , BVerfGE 78, 374, 382 f.; 2 BvL 11 / 85 vom , BVerfGE 75, 329, 342; Schmitz in: Münchener Kommentar, StGB, a. a. O.; vgl. auch Niehaus, wistra 2004, 206; jeweils m. w. N. 164 steueranwaltsmagazin 5 /20076 Rainer Spatscheck / Jennifer Fraedrich Kfz-Steuerhinterziehung strafbar? Beiträge norm beruhen und insoweit insbesondere zur Verhängung einer Freiheitsstrafe als Sanktion im Sinne von Art. 104 GG verfassungsgemäß sind. Nr. 2; Steuer betreffend ausländische Fahrzeuge Nr. 3; Steuer betreffend widerrechtliche Benutzung KraftStDV 16 KraftStDV bb. Darüber hinaus ist kein hinreichender Grund dafür erkennbar, daß die Steuererklärungspflichten bezüglich der Kfz-Steuer und damit die Voraussetzungen für die Strafbarkeit nach 370 Abs. 1 Nr. 2 AO im Rahmen einer Verordnung geregelt sind und nicht in einem förmlichen Gesetz. Der Regelungsbereich der Abgabe einer Kfz-Steuererklärung erfordert keine besondere Flexibilität. Eine Anpassung der Steuererklärungsvorschriften an Fortschritt und Wandel ist allenfalls in geringem Maße erforderlich. Dies wird schon dadurch belegt, daß die KraftStDV seit dem Inkrafttreten der Neufassung der Verordnung am nur zwölfmal geändert wurde. Davon war die Vorschrift des 3 KraftStDV, welche die Abgabe der Steuererklärung regelt, lediglich viermal betroffen. In dieser Hinsicht ist bemerkenswert, daß das KraftStG in demselben Zeitraum 33 mal geändert wurde. Weiterhin kann von den Normadressaten der KraftStDV kein besonderes Fachwissen erwartet werden. Anders als tatbestandspräzisierende Verordnungen im Bereich des Lebensmittel- oder Umweltrechts richtet sich die KraftStDV nicht an bestimmte Berufsgruppen, denen aufgrund ihrer beruflichen Betätigung besondere Informationspflichten zukommen. Zur Abgabe einer Kfz-Steuererklärung verpflichtet und damit Normadressat der KraftStDV ist jeder, der Eigentümer bzw. Halter eines Fahrzeugs ist. 3. Steuererklärungspflichten nach der KraftStDV Unabhängig von dieser Frage einer ausreichenden Ermächtigungsgrundlage: Es ist fraglich, ob die Regelungen der KraftStDV in der vorliegenden Konstellation inhaltlich geeignet sind, das strafrechtliche Blankett des 370 Abs. 1 Nr. 2 AO auszufüllen. Dazu ist vorab anzumerken, daß die Nicht-Zahlung von Kfz-Steuer als solches nicht strafbewehrt ist. Strafbar ist allein die in 370 AO beschriebene Unterlassung von Erklärungen gegenüber der Finanzbehörde und die dadurch bewirkte Steuerverkürzung. a. Überblick Wie gezeigt, können Rechtsgrundlage einer Pflicht zur Abgabe der Kfz-Steuererklärungen nur die Regelungen der KraftStDV sein. Denn das KraftStG selbst enthält keine Regelungen hierzu. Die KraftStDV ist inhaltlich in fünf Abschnitte gegliedert. Der erste Abschnitt beinhaltet allgemeine Bestimmungen zur örtlichen Zuständigkeit der Finanzämter etc., die nachfolgenden Abschnitte regeln jeweils das Verwaltungsverfahren für einen der vier Steuergegenstände aus 1 Abs. 1 Nr. 1 Nr. 4 KraftStG: 1 Abs. 1 KraftStG Steuergegenstand Nr. 1; Steuer betreffend inländische Fahrzeuge Vorschriften der DV 3 9 KraftStDV Nr. 4; Steuer betreffend die Ausgabe von Oldtimer- Kennzeichen und roten Kennzeichen 17 KraftStDV b. Keine Erklärungspflicht nach 10 KraftStDV i. V. m. 3 KraftStDV Keine Erklärungspflicht kann sich aus 10 KraftStDV i. V. m. 3 KraftStDV ergeben. 10 KraftStDV regelt das Verfahren für die steuerliche Behandlung ausländischer Fahrzeuge. Zwar werden dort die allgemeinen für die inländischen Fahrzeuge geltenden Bestimmungen der 3 9 KraftStDV für entsprechend anwendbar erklärt. Allerdings gilt dies nur, soweit in dem dritten Abschnitt keine besonderen Regelungen für die ausländischen Fahrzeuge getroffen werden. 11 KraftStDV enthält aber die Regelungen über die Pflicht zur Abgabe einer Steuererklärung bei ausländischen Fahrzeugen. Daher dürfte ein Verweis von 10 KraftStDV auf 3 KraftStDV unzulässig sein. c. 3 Abs. 1 Nr. 1 KraftStDV nur für inländische Fahrzeuge aa. Eine Pflicht zur Abgabe der Steuererklärung nach 3 Abs. 1 Nr. 1 KraftStDV kommt nur für inländische Fahrzeuge in Betracht, d. h. für solche Fahrzeuge, die tatsächlich nicht (rechtmäßig) in einem anderen Staat zugelassen waren. In diesem Fall bleibt aber zu prüfen, ob die Anwendung von 3 Abs. 1 Nr. 1 KraftStDV zu einer Strafbarkeit nach 370 Abs. 1 Nr. 2 AO führt. Nach dem klaren Wortlaut der Verordnung besteht die Verpflichtung zur Abgabe einer Steuererklärung gegenüber der Zulassungsstelle nur dann, wenn das Fahrzeug zum Verkehr zugelassen werden soll. Die Erklärungspflicht ist danach von einem finalen Element abhängig ( soll ) und nicht allein davon, daß objektiv eine Pflicht zur Zulassung nach den Regelungen des Straßenverkehrsrechts besteht. Anderenfalls müßte die Verordnung lauten: wenn das Fahrzeug zum Verkehr zuzulassen ist. Es ist somit auf die finale Zweckrichtung des Eigentümers bzw. Halters abzustellen. Soll das Fahrzeug nach seinem Willen im Inland zum Verkehr zugelassen werden, so hat er mit seinem Zulassungsantrag eine Steuererklärung abzugeben. Die gesetzliche Regelung, wie sie sich aus dem eindeutigen Wortlaut ergibt, entspricht dem System der zugrunde liegenden Normen. Es besteht in Deutschland weder eine allgemeine (im Sinne von unbedingte) Zulassungspflicht noch eine allgemeine Steuerpflicht für die Eigentümer von Kraftfahrzeugen. Kraftfahrzeuge sind nur dann zuzulassen, wenn sie auf öffentlichen Straßen in Betrieb genommen werden sollen ( 18 StVZO). Es handelt sich also um ein Verbot mit Erlaubnis- bzw. Zulassungsvorbehalt. Nur unter der Bedingung, daß das Fahrzeug im öffentlichen Verkehr genutzt werden soll, entsteht auch die an die Benutzung des Kraft- steueranwaltsmagazin 5 /7 Beiträge Rainer Spatscheck / Jennifer Fraedrich Kfz-Steuerhinterziehung strafbar? fahrzeugs geknüpfte Steuer. Daher ist es folgerichtig, die Verpflichtung zur Abgabe der Steuererklärung daran zu knüpfen, daß der Eigentümer bzw. Halter die Erlaubnis zur Benutzung der öffentlichen Straßen (d. h. die Zulassung) erlangen will. bb. Für die von internationalen Speditionen eingesetzten ausländischen Fahrzeuge ist aber grundsätzlich davon auszugehen, daß nie beabsichtigt ist, diese im Inland zum Straßenverkehr zuzulassen. Dementsprechend besteht auch keine Pflicht zur Abgabe einer Steuererklärung nach 3 Abs. 1 Nr. 1 KraftStDV. Dieses Ergebnis mag auf den ersten Blick überraschen. Es ist jedoch zu bedenken, daß steuerlich in diesen Fällen vorrangig der Tatbestand der widerrechtlichen Benutzung eingreift. Die Erklärungspflicht des 3 KraftStDV ist auf diese Fälle nicht zugeschnitten. cc. Ergänzend sei gleichwohl noch darauf hingewiesen, daß die Vorschrift des 3 Abs. 1 Nr. 1 KraftStDV noch aus einem anderen Grund ungeeignet wäre, den Blankettbegriff der Pflichtwidrigkeit in 370 Abs. 1 Nr. 2 AO auszufüllen. Denn das Strafgesetz differenziert hinsichtlich des Adressaten einer Erklärung zwischen den Finanzbehörden und den anderen Behörden. Während für die Handlungsvariante des 370 Abs. 1 Nr. 1 AO eine Erklärung gegenüber den Finanzbehörden oder anderen Behörden ausreicht, setzt die Unterlassensvariante des 370 Abs. 1 Nr. 2 AO eine Pflicht zur Erklärung gegenüber einer Finanzbehörde voraus. Der Begriff der Finanzbehörde ist für den Bereich der Abgabenordnung einschließlich der Strafvorschriften legal definiert. Nach der Begriffsbestimmung des 6 Abs. 2 AO gehören die Zulassungsstellen nicht zu den Finanzbehörden im Sinne des Straftatbestands. Eine Erklärungspflicht gegenüber dieser sonstigen Behörde wäre auch schon aus diesem Grunde nicht geeignet, das Blankett der Pflichtwidrigkeit in 370 Abs. 1 Nr. 2 AO auszufüllen. d. 11 KraftStDV nur für ausländische Fahrzeuge Allein für im Ausland zugelassene Fahrzeuge könnte sich dem Grunde nach eine Steuererklärungspflicht aus 11 KraftStDV ergeben. Allerdings wären wiederum die Steuerbefreiungen nach den Gegenseitigkeitsabkommen zu beachten. Eine Pflicht zur Abgabe der Steuererklärung wegen der inländischen Benutzung eines ausländischen Fahrzeugs entfällt, wenn und solange wie eine Befreiung nach den Gegenseitigkeitsvereinbarungen eingreift. 11 e. 16 KraftStDV für die Besteuerung der widerrechtlichen Benutzung aa. Nachdem sich für die vorliegende Konstellation eine Pflichtwidrigkeit im Sinne von 370 Abs. 1 Nr. 2 AO weder aus dem Gesichtspunkt der Benutzung eines inländischen Fahrzeugs noch unter dem Gesichtspunkt der Benutzung ausländischer Fahrzeuge herleiten läßt, ist für die strafrechtliche Bewertung allein die Frage ausschlag gebend, ob die Nicht-Anmeldung der Fahrzeuge ein pflichtwidriges Verhalten unter dem Gesichtspunkt der widerrechtlichen Benutzung darstellt. bb. Auch das Verfahren für die Besteuerung der widerrechtlichen Benutzung ist in der KraftStDV geregelt. Die entsprechende Vorschrift lautet wie folgt: 16 KraftStDV (1) Stellen die Zollstellen bei der Überwachung fest, daß ein Fahrzeug widerrechtlich benutzt wird, so setzen sie die Steuer für die Dauer der widerrechtlichen Benutzung, mindestens jedoch für einen Monat, fest und erheben die Steuer. Dabei sind die 11 bis 15 auch insoweit anzuwenden, als es sich um inländische Fahrzeuge handelt. (2) Im Übrigen obliegt die Besteuerung der widerrechtlichen Benutzung den Finanzämtern. Dies gilt auch in den Fällen des Absatzes 1, soweit über die Festsetzung und Erhebung der Steuer hinaus Maßnahmen erforderlich werden. Fraglich ist, ob für die hier beleuchtete Konstellation aus dieser Vorschrift eine Pflicht zur Abgabe einer Steuererklärung zu entnehmen ist. cc. Der erste Absatz der Norm behandelt eine Sonderkonstellation, nämlich den Fall, daß die Zollbehörden im Rahmen ihrer Überwachungsaufgaben eine widerrechtliche Fahrzeugbenutzung feststellen. Für diesen Fall werden die KraftStDV für entsprechend anwendbar erklärt. Damit werden insbesondere die Zuständigkeiten und das Verfahren bei der Steuerfestsetzung durch den Zoll geregelt (vgl KraftStDV). Die entsprechende Anwendung von 11 KraftStG begründet zwar eine Pflicht zur Abgabe einer Steuererklärung, dem Wortlaut nach handelt es sich aber nicht um einen generellen Verweis. Vielmehr bleibt die entsprechende Anwendung auf den Fall des 16 Abs. 1 Satz 1 KraftStDV beschränkt, wie die sprachliche Verknüpfung durch das Wort dabei bezeugt. dd. Diese Auslegung wird gestützt durch die Regelung in 16 Abs. 2 KraftStDV. Denn aus der dortigen Formulierung wird erkennbar, daß der erste Absatz der Vorschrift insgesamt nur den Sonderfall des Aufgreifens der widerrechtlichen Benutzung durch den Zoll regelt und daß im übrigen, also für alle weiteren Fälle, die sonstigen Verfahrensregelungen bestehen bleiben. ee. Im Ergebnis zeigt sich damit, daß der Gesetz- bzw. Verordnungsgeber für den Fall der widerrechtlichen Benutzung keine allgemeine Steuererklärungspflicht vorgesehen hat. 12 Aus einer verkehrsrechtlichen Perspektive heraus mag dies auch schlüssig sein, denn wer sich zu einer widerrecht lichen 11 Haßlbeck/ Zens in: Strodthoff, a. a. O., 12 Rn. 2 (Dez. 2005). 12 So auch Mayer in: Heinz / Kopp / Mayer, a. a. O., S. 317 Keine Pflicht zur Abgabe einer Steuererklärung besteht ( ) bei widerrechtlicher Benutzung. 166 steueranwaltsmagazin 5 /20078 Rolf Schwedhelm Alt- und neu-einbringungsgeborene Anteile bei Schenkung und Erbfolge Beiträge Benutzung eines Kraftfahrzeugs entschließt, der wird sich kaum zur vorherigen Abgabe einer Steuererklärung motivieren lassen. Steuerstrafrechtlich hat dies allerdings zur Folge, daß die widerrechtliche Benutzung des Fahrzeugs bei unterbliebener Inkenntnissetzung der Finanzbehörden nicht als Steuerhinterziehung durch Unterlassen bestraft werden kann. III. Ergebnis In der hier betrachteten Sachverhaltskonstellation kann eine Kfz-Steuerpflicht allein aus dem Steuertatbestand der widerrechtlichen Benutzung nach 1 Abs. 1 Nr. 3 KraftStG abgeleitet werden. Für diesen Steuertatbestand fehlt es jedoch an einer allgemeinen Steuererklärungspflicht. Diese fehlende Pflicht zur Abgabe einer Steuererklärung im Falle der widerrechtlichen Benutzung führt zur Straflosigkeit der hieraus resultierenden Steuerverkürzung. Der Straftatbestand des 370 Abs. 1 Nr. 2 AO ist mangels einer Gesetzesvorschrift, die das Merkmal der Pflichtwidrigkeit ausfüllt, nicht gegeben. Dies mag eine planwidrige Lücke der gesetzlichen Regelungen darstellen. Allerdings sei daran erinnert, daß gerade auch in dem gesetzestechnisch bisweilen unübersichtlichen Bereich des Steuerstrafrechts der Wortlaut der Vorschriften in strafrechtlicher Hinsicht die Grenze der möglichen Gesetzesinterpretation setzt. Eine über den Wortlaut hinausgehende Auslegung ist, auch wenn sie der Ausfüllung planwidriger Gesetzeslücken dienen sollte, verfassungsrechtlich unzulässig. 13 D. Fazit Wenn der Vorwurf der Kfz-Steuerhinterziehung im Raum steht, ist dieser von den Betroffenen und ihren Beratern stets kritisch zu prüfen. Die strafrechtlichen Grundlagen sind lückenhaft. Es kommt daher nicht von ungefähr, daß soweit ersichtlich noch nie Verurteilungen wegen Kfz- Steuerhinterziehung ausgesprochen wurden. Insbesondere im Zusammenhang mit dem Steuertatbestand der widerrechtlichen Benutzung nach 1 Abs. 1 Nr. 3 KraftStG ist nach der hier vertretenen Ansicht mangels Steuererklärungspflicht eine Strafbarkeit nach 370 AO ausgeschlossen. 13 BVerfG 2 BvR 666 / 02 vom , wistra 2003, 255. Alt- und neu-einbringungsgeborene Anteile bei Schenkung und Erbfolge Dr. Rolf Schwedhelm, Rechtsanwalt, Fachanwalt für Steuerrecht, Steck Mack Schwedhelm, Köln Fall: V hat sein Einzelunternehmen durch Ausgliederung in eine GmbH eingebracht. Die An meldung der Ausgliederung zum Handelsregister erfolgte am / Am ist V verstorben. Erben sind seine Ehefrau und der Sohn S, der seit einigen Jahren in den USA lebt und arbeitet. 1. Die Entstehung einbringungsgeborener Anteile Wird ein Einzelunternehmen durch Ausgliederung oder eine Personenhandels gesellschaft durch Formwechsel, Verschmelzung oder Spaltung in eine GmbH umgewandelt oder wird ein Betrieb, Teilbetrieb oder Anteil an einer Personenge sellschaft im Wege der Sacheinlage in eine GmbH eingebracht, gilt dies steuer lich als Einbringung i. S. d UmwStG. Einbringender ist der Inhaber des Einzelunternehmens oder des Gesellschafts anteils. steueranwaltsmagazin 5 /2007 Voraussetzung für die Anwendung des 20 UmwStG ist, daß das übertragene Vermögen einen Betrieb, Teilbetrieb oder Mitunternehmeranteil im steuer lichen Sinne darstellt. Eingebracht werden müssen alle wesentlichen Betriebs grundlagen. 1 Hierzu gehören insbesondere betrieblich genutzte Immobilien. 2 Fer ner ist Voraussetzung für die Anwendung des 20 UmwStG, daß die Übertra gung des Vermögens zumindest auch gegen Gewährung von Gesellschafts rechten erfolgt. Das eingebrachte Betriebsvermögen ist grundsätzlich mit dem gemeinen Wert anzuset zen ( 20 Abs. 2 Satz 1 UmwStG 3 ). 1 BFH I R 92 / 84 vom , BFH/NV 1989, 258, zu Geschäftsbeziehungen. 2 Siehe z. B. FG Köln 10 K 1833 / 00 vom , DStRE 2006, In der Fassung des SEStEG, zur Rechtslage für Umwandlungen bis zum s. Schwedhelm, Die Unternehmensumwandlung, 5. Aufl., 2006, S. 57 ff. 1679 Beiträge Rolf Schwedhelm Alt- und neu-einbringungsgeborene Anteile bei Schenkung und Erbfolge Auf Antrag kann das übernommene Betriebsver mögen mit dem Buchwert oder einem höhe ren Zwischenwert angesetzt werden, soweit sichergestellt ist, daß das übergehende Betriebsvermögen später bei der übernehmenden GmbH der Besteuerung mit Körperschaftsteuer unterliegt, die Passiva ohne Eigenkapital die Aktiva nicht übersteigen, das Besteuerungsrecht der Bundesrepublik hinsichtlich des Gewinns aus der Veräußerung des eingebrachten Betriebsvermögens nicht ausge schlossen oder beschränkt wird ( 20 Abs. 2 Satz 2 UmwStG). Hinweis: Ein Ansatz des gesamten eingebrachten Vermögens mit dem gemeinen Wert ist zwingend, wenn der Einbringende nicht in einem Drittstaat ansässig ist und das Besteuerungsrecht der Bundesrepublik hinsichtlich des Gewinns aus einer Veräußerung der dem Einzelunternehmer gewährten Anteile im Zeitpunkt der Umwandlung ausgeschlossen ist, da in diesem Fall 20 UmwStG keine Anwendung findet ( 1 Abs. 4 UmwStG). Beispiel: Der in den USA ansässige A bringt seine deutsche Betriebstätte in eine GmbH ein. Hier ist der Ansatz mit dem gemeinen Wert zwingend, da A nicht in einem EU/EWR Staat ansässig ist und das Besteuerungsrecht für einen Veräußerungsgewinn aus den GmbH-Anteilen nach dem DBA USA-Deutschland nicht in Deutschland liegt. 2. Alt-einbringungsgeborene Anteile Beim Ansatz von Buchwerten oder Zwischenwerten erlangen die einbringungs geborenen Anteile einen Sonderstatus. Hinsichtlich der Rechtsfolgen ist da nach zu unterscheiden, ob die Anteile durch eine Einbringung bis zum (alt-einbringungsgeborene Anteile) oder durch eine solche nach dem entstanden sind. Maßgebend ist die Anmeldung zum Handelsre gister, wenn die Anmeldung zur Wirksamkeit der Umwandlung oder Einbringung erforderlich ist ( 27 Abs. 1 Satz 1 UmwStG). In den Fällen der Einzelrechtsnach folge (Sachgründung / Sach kapitaler höhung) ist der Übergang des wirtschaftlichen Eigen tums maßgeblich ( 27 Abs. 1 Satz 2 UmwStG). Für alt-einbringungsgeborene Anteile ist der Gewinn aus einer Veräußerung unab hängig von der Höhe der Beteiligung zeitlich unbegrenzt steuerpflichtig ( 21 UmwStG a. F. i. V. m. 27 Abs. 3 Nr. 3 UmwStG n. F.). Dies gilt auch für die Ersatz tatbestände des 21 UmwStG a. F. Zur Gewinnrealisierung kann es danach kommen, 4 wenn der Gesellschafter die Besteuerung der stillen Reserven in den alt-einbringungs gebore nen Anteilen beantragt ( 21 Abs. 2 Nr. 1 UmwStG a. F.); 5 wenn das Besteuerungsrecht der Bundesrepublik hinsichtlich des Gewinns aus der Veräu ßerung der alt-einbringungsgeborenen Anteile ausgeschlossen wird ( 21 Abs. 2 Nr. 2 UmwStG a. F.); im Fall der Auflösung oder Kapitalherabsetzung ( 21 Abs. 2 Nr. 3 UmwStG a. F.); wenn alt-einbringungsgeborene Anteile verdeckt in eine Kapitalgesellschaft eingelegt werden ( 21 Abs. 2 Nr. 4 UmwStG a. F.). Bei einer natürlichen Person entfällt die Anwendung des Halbeinkünfteverfah rens ( 3 Nr. 40 EStG), wenn die alt-einbringungsgeborenen Anteile innerhalb der siebenjährigen Sperrfrist nach 3 Nr. 40 Satz 3 und 4 EStG veräußert werden. 6 Für den Ausgangsfall (Anmeldung der Ausgliederung am ) bedeutet dies, daß hinsichtlich der auf S entfallenden Anteile eine Veräußerungsbesteue rung erfolgt. Veräußerungsgewinn ist die Differenz aus gemeinem Wert der An teile zum Todeszeitpunkt und den (anteiligen) Anschaffungskosten. Dieser Ge winn entsteht noch beim Erblasser. 7 Da die Veräußerung innerhalb der sieben jährigen Sperrfrist des 3 Nr. 4 Satz 4 EStG a. F. erfolgt, unterfällt der Gewinn nicht dem Halbeinkünfteverfahren. Ob 34 EStG gilt, ist streitig, da nicht alle einbrin gungsgeborenen Anteile als veräußert gelten. 8 Hinweis: Eine Veräußerung innerhalb der Sperrfrist ist auch dann voll steuer pflichtig, wenn zwischenzeitlich eine Antragsbesteuerung gemäß 21 Abs. 2 UmwStG a. F. erfolgt ist. 9 Gewinn ist die Differenz zwischen dem Wert der Anteile, der gemäß 21 Abs. 2 UmwStG besteuert wurde, und dem Veräußerungserlös. Bei einer Veräußerung von alt-einbringungsgeborenen Anteilen durch eine Ka pitalgesellschaft innerhalb der siebenjährigen Sperrfrist gelten die bisherigen Sonderregelungen des 8 b Abs. 4 KStG a. F. i. V. m. 27 Abs. 3 Nr. 3 UmwStG n. F Siehe hierzu BMF-Schreiben vom , BStBl I, 268 Tz ff. UmwE. 5 Der Antrag auf Entstrickung kann i. d. R. nicht widerrufen oder zurückgenommen werden, BFH I R 28 / 04 vom , BStBl I, Dazu Kroschewski, GmbHR 2001, 1089; Beinert/ Van Lishaut, FR 2001, 1037; Desens, FR 2002, 247; Heinz, GmbHR 2003, 1474; Rogall, Wpg. 2005, Siehe Patt in: Dötsch / Jost / Pung / Witt, KSt, 21 UmwStG n. F. Rz. 161 (Juni 2002). 8 Siehe Patt in: Dötsch / Jost / Pung / Witt KSt, 21 UmwStG n. F. Rz. 112 (Mai 2004). 9 Siehe die Gesetzesbegründung BR-Drucks. 638 / 01, zur berechtigten Kritik an dieser Regelung Linklaters Oppenhoff & Rädler, DB 2002, Beilage 1, Im Einzelnen zur Anwendung des 8 b Abs. 4 KStG bei der Einbringung von Anteilen an einer Kapitalgesellschaft i. R. d. Einbringung eines Betriebs nach 20 Abs. 1 Satz 1 UmwStG durch eine Kapitalgesellschaft BMF-Schreiben vom , BStBl I, 44; Schumacher, DStR 2004, steueranwaltsmagazin 5 /200710 Rolf Schwedhelm Alt- und neu-einbringungsgeborene Anteile bei Schenkung und Erbfolge Beiträge Hinweis: 8 b KStG a. F. enthält keine dem 3 Nr. 40 EStG a. F. entsprechende Regelung zur Besteuerung eines Veräußerungsgewinns innerhalb der Sperrfrist, wenn zuvor eine Antragsbesteuerung gemäß 21 Abs. 2 UmwStG a. F. erfolgte. Demnach ist bei Kapitalgesellschaften der Veräußerungsgewinn nach einer An tragsbesteuerung auch vor Ablauf der Sperrfrist steuerfrei, da die Anteile nach einer Besteuerung gemäß 21 Abs. 2 UmwStG a. F. ihre Eigenschaft als ein bringungsgeboren verlieren. Achtung: Werden alt-einbringungsgeborene Anteile nach dem in eine Kapitalgesellschaft eingebracht, so erwerben auch die neu gewährten An teile (an teilig) den Status alt-einbringungsgeborener Anteile ( 20 Abs. 3 Satz 4 und 21 Abs. 2 Satz 6 UmwStG n. F.). 3. Neuregelung Bei einem Verkauf von neu-einbringungsgeborenen Anteilen innerhalb der er sten sie ben Jahre nach dem Einbringungszeitpunkt erfolgt eine nachträgliche Besteuerung der im Zeit punkt der Einbringung vorhandenen stillen Reserven, gemindert um 1 7 für jedes seit dem Ein brin gungs zeitpunkt abgelaufene Zeitjahr (Einbringungsgewinn I, 23 Abs. 1 UmwStG). In Höhe des Einbringungsgewinns I erfolgt eine Umqualifizierung des nach 3 Nr. 40 EStG oder 8 b Abs. 2 KStG begünstigten Veräußerungsgewinns in einen nicht begünstigten Gewinn gemäß 16 EStG. Beispiel: Buchwert des eingebrachten Einzelunternehmens 100. Gemeiner Wert zum Zeit punkt der Einbringung 500. Verkauf der Anteile im 6. Jahr nach dem Einbringungszeitpunkt für 1000, Gewinn somit der stillen Reserven von 400 = 114,29 sind als laufender Gewinn, der verblei bende Gewinn von 785,71 begünstigt zu versteuern. Die Besteuerung erfolgt im Veranlagungszeitraum der Einbringung. Die Veräu ßerung der Anteile gilt als rückwirkendes Ereignis ( 22 Abs. 1 Satz 2 UmwStG). In Höhe des der Besteuerung zugrunde gelegten Einbringungsgewinns liegen nachträg li che Anschaffungskosten vor. Auf Antrag kann auch die übernehmende Kapitalgesellschaft ihre Buchwerte um die nach versteuerten Beträge erhöhen ( 23 Abs. 2 UmwStG). 22 Abs. 1 UmwStG enthält Ersatztat be stände. Dem Verkauf der Anteile steht gleich, wenn der Einbringende die erhaltenen Anteile unmittelbar oder mittelbar unentgelt lich auf eine Kapitalgesellschaft oder eine Genossenschaft überträgt, steueranwaltsmagazin 5 /2007 der Einbringende die erhaltenen Anteile entgeltlich überträgt, es sei denn, er weist nach, daß die Übertragung durch eine Einbringung nach 20, 21 UmwStG erfolgte, die GmbH liquidiert oder das Kapital herabgesetzt und an die Anteilseigner ausgeschüttet wird oder Beträge aus dem Einlagenkonto ( 27 KStG) aus geschüttet oder zurückgezahlt werden, die Anteile in eine andere Kapitalgesellschaft oder Genossenschaft einge bracht werden und von dort aus unmittelbar oder mittelbar veräußert oder weiter eingebracht werden und diese Weitereinbringung nicht auch zu Buchwerten erfolgt, der Einbringende die Anteile in eine Kapitalgesellschaft oder Genossen schaft einbringt und er die Anteile an der aufnehmenden Gesellschaft veräußert oder nicht zu Buch werten weiter einbringt, der Einbringende oder die übernehmende Gesellschaft nicht mehr die Vor aussetzung des 1 Abs. 4 UmwStG erfüllt. Ferner hat der Einbringende während der siebenjährigen Sperrfrist nachzuwei sen, wem die Anteile zuzurechnen sind ( 22 Abs. 3 UmwStG). Der Nachweis ist spätestens bis zum zu erbringen, ansonsten gelten die Anteile als ver äußert. Der Nachweis soll so die Gesetzesbegründung durch Vorlage eines Registerauszugs oder einer Bescheinigung der über neh menden oder erwerbenden Gesellschaft erbracht werden. In der Alternative des Ausgangsfalls (Eintragungsantrag am ) findet das neue Recht Anwendung. Durch den Erbfall greift der Ersatztatbestand des 22 Abs. 1 Satz 6 Nr. 6 UmwStG, da der Sohn nicht in der EU ansässig ist und das Besteuerungs recht für die Anteile nach dem DBA-USA zukünftig den USA zusteht. Hinweis: Wäre der Sohn nicht in den USA, sondern in Frankreich ansässig, so wäre unter Geltung des alten Rechts ebenfalls die Besteuerung gemäß vorstehend 2. vorzunehmen, da die Regelung des 21 UmwStG a. F. nicht zwischen EU und Drittstaaten differenziert. Nach neuem Recht greift hingegen kein Ersatztat bestand des 22 UmwStG, es käme aber zur Wegzugsbesteuerung nach 6 Abs. 1 Satz 2 Nr. 1 AStG. Zu besteuern wäre der gemeine Wert der Anteile zum Zeitpunkt des Erbfalls. Die Steuer würde gestundet ( 6 Abs. 5 AStG). Hinweis: Der Übergang stiller Reserven von einbringungsgeborenen Anteilen auf nicht einbringungsgeborene Anteile im Rahmen einer Kapitalerhöhung oder Gründung einer Kapitalgesellschaft führt nicht zu einem steuerpflichtigen Veräu ßerungsgewinn. 11 Vielmehr werden die neuen 11 BFH I R 128/88 vom , BStBl II, 761, mit Anm. in HFR 1992, 494; I R 160 / 90 vom , BStBl II, 763; I R 162 / 90 vom , BStBl II, 764; I R 75 / 95 vom , BFH / NV 1997, 314; Patt, DStR 1996, 361; Herzig/ Rieck, DStR 1998,11 Beiträge Friedhelm Jacob Unternehmensteuerreformgeset z 2008 und die Niedrigbesteuerung nach dem AStG Anteile anteilig zu einbringungs geborenen Anteilen ( 22 Abs. 7 UmwStG). 12 Durch die Vermögensverschiebung auf der Gesellschafterebene kann Schenkungsteuer ausgelöst werden. 13 Ferner kann es zu verdeckten Gewinnausschüttungen kommen, wenn auf der Gesell schafterebene Kapitalgesellschaften beteiligt sind A. A. für die Sachgründung Patt, DStR 1993, 1389; dagegen Sarrazin, DStR 1993, 1393; zur Berechnung Meyer, BB 1994, 516; Pieske-Kontny, StBp. 1994, 192; siehe auch BFH VIII R 40 / 89 vom , BFH / NV 1994, 318; ferner FG Münster 1 K 1357/94 Entscheidung vom , EFG 1996, 991, zur Veräußerung des Bezugsrechts bei aus Kapitalerhöhung entstandenen einbringungsgeborenen Anteilen. Zur Möglichkeit eines Feststellungsverfahrens Haritz/ Wisniewski, GmbHR 2000, BFH II R 8 / 04 vom , BStBl II, 845; s. auch Ländererlaß vom , BStBl I, 350; dazu Gottschalk, DStR 2000, Siehe Schulze zur Wiesche, BB 1992, 1686; Streck/ Schwedhelm, BB 1988, Unternehmensteuerreformgeset z 2008 und die Niedrigbesteuerung nach dem AStG Friedhelm Jacob, Rechtsanwalt, Steuerberater, Hengeler Mueller, Frankfurt * Durch das Unternehmensteuerreformgesetz 2008 ( Unt- StRefG ), das vom Bundestag am verabschiedet wurde und dem der Bundesrat am zugestimmt hat, 1 wird der KSt-Satz von derzeit 25 % ab dem Veranlagungszeitraum 2008 auf 15 % abgesenkt ( 23 Abs. 1 KStG). Andererseits bleibt der Satz, nach dem sich eine niedrige Besteuerung im Sinne des AStG bemißt, mit unter 25 % unverändert ( 8 Abs. 3 AStG). Der folgende Beitrag befaßt sich mit bestimmten Steuereffekten, die sich aus diesem Steuersatzgefälle bei grenzüberschreitenden Aktivitäten (namentlich der Grundstücksvermietung) ergeben können. 1. Hintergrund: Niedrige Besteuerung für Zwecke der Hinzurechnungsbesteuerung 1.1 Entwicklung des maßgeblichen Schwellenwertes Zu einer Hinzurechnungsbesteuerung ( 7 ff. AStG) kommt es, wenn eine ausländische Körperschaft von Steuerinländern beherrscht wird, Einkünfte aus passivem Erwerb erzielt und diese Einkünfte niedrig besteuert sind. Das AStG aus dem Jahre 1972 sah anfangs vor, daß eine niedrige Besteuerung gegeben ist, wenn die passiven Einkünfte im Land der Geschäftsleitung oder des Sitzes dieser Zwischengesellschaft einer Belastung mit Ertragsteuern von weniger als 30 % unterliegen (vgl. 8 Abs. 3 AStG). Dieser Satz sollte ungefähr der halben Belastung thesaurierter Gewinne einer deutschen Körperschaft mit deutscher KSt entsprechen. Obwohl in der Folge der deutsche KSt-Satz mehrmals herabgesetzt wurde zuletzt unter Geltung des KSt-Anrechnungsverfahrens auf den gespaltenen Satz von 40 % / 30 % für thesaurierte/ausgeschüttete Gewinne, blieb es bei dem Satz von unter 30 %. Der Maßstab, daß eine Auslandsbesteuerung niedrig ist, wenn sie unter der Marke von etwa 50 % der Inlandsbelastung mit deutscher KSt bleibt, wurde also nicht beibehalten. Erst als das StSenkG 2000 vom KSt-Anrechnungsverfahren auf das Halbeinkünfteverfahren überging und den einheitlichen KSt-Satz von 25 % einführte, zog der deutsche Gesetzgeber beim Satz für die niedrige Besteuerung nach. Dieser wurde auf die Marke von unter 25 % abgesenkt. Hierdurch sollte eine angemessene Vorbelastung von Ein künften mit ausländischer Steuer sichergestellt werden, gewissermaßen als Bedingung für die Anwendung des Halbeinkünfteverfahrens auf der Ebene des Gesellschafters. Wird diese Vorbelastung nicht erreicht, dann werden die passiven, niedrig besteuerten Einkünfte der ausländischen Zwischengesellschaft ob ausgeschüttet oder nicht dem inländischen Anteilseigner wie eine Dividende zugerechnet, für die das Halbeinkünfteverfahren nicht gilt (so genannter Hinzurechnungsbetrag nach 10 AStG). Eine Doppelbesteuerung von Hinzurechnungsbetrag und Gewinnausschüttung wird dadurch vermieden, daß die Gewinnausschüttung unter bestimmten Voraussetzungen steuerfrei gestellt wird (vgl. 3 Nr. 41 EStG). 1.2 Kreis der berücksichtigungsfähigen Steuern Eine weitere Änderung des 8 Abs. 3 AStG betraf diejenigen Steuern, die bei der Bemessung der Vorbelastung von unter 25 % berücksichtigt werden. Seit 2001 dürfen auch Steuern einbezogen werden, die zu Lasten der ausländischen Gesellschaft in einem anderen als ihrem Sitz- oder Geschäftsleitungsstaat anfallen, z. B. als Quellensteuer auf Kapitalerträge aus einem Drittstaat. Auch deutsche Steuern sind seitdem in die Belastungsberechnung einzubeziehen. Dies betrifft z. B. den Fall, daß die ausländische Grundstücksgesellschaft inländische Einkünfte aus Vermietung und Verpachtung erzielt. * RA / StB Friedhelm Jacob ist Partner der Sozietät Hengeler Mueller in Frankfurt a. M. 1 BR-Drucks. 384 / steueranwaltsmagazin 5 /200712 Friedhelm Jacob Unternehmensteuerreformgeset z 2008 und die Niedrigbesteuerung nach dem AStG Beiträge 2. Untätigkeit des deutschen Gesetzgebers im Unternehmensteuer reformgesetz 2008 Nachdem die deutsche KSt ab 2008 auf den Satz von 15 % zurückgenommen wird, hätte man eigentlich erwarten können, daß diese substanzielle Steuersatzsenkung auch Folgemaßnahmen bei dem Satz nach 8 Abs. 3 AStG auslöst. In Art. 7 des UntStRefG sucht man jedoch vergeblich nach Änderungen des 8 AStG. Es bleibt bei der Meßlatte von unter 25 %. Obwohl die deutsche KSt 15 % betragen wird, gilt fortan eine ausländische Ertragsteuerbelastung von unter 25 % als niedrig. Nach einer Gesetzesbegründung sucht man im Referenten- und auch im Regierungsentwurf des UntStRefG natürlich vergeblich, denn da, wo nichts geändert wird, wird auch nichts begründet. Der Betrachter muß daher schon eigene steuerstrukturelle Überlegungen anstellen, um der Ratio dieser gesetzgeberischen Untätigkeit auf den Grund zu gehen. 2.1 Regel-Vorbelastung einer inländischen Dividende nach geltendem Recht Greift man den Gedanken der ausreichenden Vorbelastung auf Gesellschaftsebene auf, die die Anwendung des Halbeinkünfteverfahrens auf Gesellschafterebene rechtfertigen soll, dann darf man in die Betrachtung nicht nur den deutschen KSt-Satz, sondern muß wohl auch die GewSt-Belastung miteinbeziehen. Bei dem bislang geltenden Satzgefüge und der Annahme eines durchschnittlichen GewSt-Hebesatzes von 400 % kommt man bisher für den Regelfall auf eine inländische Belastung des Gewinns vor Steuern einer inländischen Körperschaft von ca. 38,6 %. Demgegenüber betrug die maximale Belastungsschwelle von 24,99 der passiven Einkünfte der ausländischen Zwischengesellschaft, die noch zur Hinzurechnungsbesteuerung führt, ca. 65 % dieser inländischen Gesamtbelastung. 2.2 Regel-Vorbelastung einer inländischen Dividende ab 2008 Ab 2008 beträgt die nominelle inländische Steuerbelastung einer inländischen Körperschaft ca. 29,825 %, geht man wiederum von einem GewSt-Hebesatz von 400 % aus. Die Belastungsschwelle von gleichbleibend 24,99 mit ausländischer Ertragsteuer steigt damit auf ca. 84 % der Inlandsbelastung an. Immerhin muß die Belastungsschwelle unter der Standard-Belastung im Inland liegen, damit es zur Hinzurechnungsbesteuerung kommt, aber die Koordinaten haben sich deutlich verschoben. Die Gesamtbelastung beläuft sich damit im Falle eines inländischen Anlegers, der mit dem ausgeschütteten Gewinn der Abgeltungssteuer ( AbgSt ) unterliegt, künftig auf ca. 48,33 % des von der inländischen Kapitalgesellschaft erwirtschafteten ausgeschütteten Vorsteuergewinns. steueranwaltsmagazin 5 / Niedrigere Vorbelastung im Inland ab 2008 bei vermögensverwaltender Kapitalgesellschaft Läßt man dagegen bei der Ermittlung der inländischen Vorbelastung die GewSt-Belastung außer Betracht, dann muß man feststellen, daß der Gesetzgeber den Anleger entlastet, auch wenn eine inländische Vorbelastung mit KSt und SolZ von nur 15,825 % gegeben ist. Das ist z. B. der Fall, wenn eine Kapitalgesellschaft Gewinn ausschüttet und ihrerseits die erweiterte Kürzung nach 9 Nr. 1 Satz 2 GewStG in Anspruch nehmen kann, also vermögensverwaltende Grundstücksvermieterin ist. 2.4 Heraufschleusungseffekt bei ausländischer Zwischengesellschaft Demgegenüber wird der Gewinn einer ausländischen Zwischengesellschaft, die mit ihren passiven Einkünften einer Vorbelastung von unter 25 % unterliegt, auf das deutsche Steuerniveau hinaufgeschleust Anteile im Privatvermögen einer natürlichen Person Dieses Steuerniveau beträgt bei einem Anteilseigner, der als natürliche Person die Anteile im Privatvermögen hält, auch im Falle einer Beteiligung im Sinne des 17 EStG maximal 2 25 % AbgSt + SolZ = 26,375 %. Der anzusetzende Hinzurechnungsbetrag nach 10 Abs. 2 Satz 1 AStG gehört zu den Einkünften aus Kapitalvermögen im Sinne des 20 Abs. 1 Nr. 1 EStG und ist vom Anwendungsbereich der AbgSt lt. 32 d EStG n. F. 3 nicht ausgeklammert. Die Ertragsteuer, mit der die fiktive Dividende der ausländischen Zwischengesellschaft vorbelastet ist, kann nach 12 AStG, 34 c Abs. 1 EStG, 32 d Abs. 5 Satz 1 EStG n. F. auf die AbgSt angerechnet werden. 4 Eine Doppelbesteuerung bei tatsächlicher Ausschüttung des Betrages, der im Wege der Hinzurechnungsbesteuerung erfaßt wird, wird nach Maßgabe von 3 Nr. 41 EStG vermieden Anteile im Betriebsvermögen einer natürlichen Person Ist der Anteilseigner dagegen eine natürliche Person, welche die Beteiligung an der ausländischen Zwischengesellschaft im Betriebsvermögen hält, oder eine gewerbliche Personengesellschaft mit natürlichen Personen als Mitunternehmern, dann unterliegt der anzusetzende Hinzurechnungsbetrag 2 Sofern die Belastung der passiven Einkünfte der ausländischen Zwischengesellschaft nahe an 25 % liegt, deckt die Steueranrechnung nach 12 AStG praktisch die gesamte persönliche ESt des Anteilseigners auf den Hinzurechnungsbetrag ab. Damit bleibt die Gesamtbelastung bei etwa 25 %, da für den SolZ eine nur sehr geringe Bemessungsgrundlage (ESt nach Anrechnung gemäß 12 AStG) verbleibt. 3 In der Fassung der Änderungen durch das UntStRefG. 4 In diesem Fall erhöht sich der Hinzurechnungsbetrag um die Ertragsteuern, die auf den passiven Einkünften der ausländischen Zwischengesellschaft lastet (sog. gross-up ; siehe 12 Abs. 1 Satz 2 AStG). 17113 Beiträge Friedhelm Jacob Unternehmensteuerreformgeset z 2008 und die Niedrigbesteuerung nach dem AStG ungemildert der ESt und auch der GewSt. 5 Das Teileinkünfteverfahren gilt wegen des Ausschlusses der Anwendung von 3 Nr. 40 d EStG durch 10 Abs. 2 Satz 3 AStG nicht. Bei einem ESt-Grenzsteuersatz von 45 % beträgt die ESt-Belas - tung + SolZ maximal 47,475 %. Auf die ESt wird wiederum die Ertragsteuervorbelastung der ausländischen Zwischengesellschaft von maximal 24,99 angerechnet. Die GewSt beträgt 14 %. Auf sie wird keine ausländische Steuer angerechnet. Sie ist auch nicht mehr als Betriebsausgabe abziehbar, wird jedoch pauschal auf die ESt angerechnet. Hierbei ist der Gewerbeertrag mit der künftig einheitlichen Meßzahl von 3,5 % zu multiplizieren. Der Steuerermäßigungsbetrag ist ab 2008 das 3,8-fache des Betrages von 3,5, also 13,3. Der Ermäßigungsbetrag liegt damit unter der tatsächlich zu zahlenden GewSt von 14 (vgl. 35 Abs. 1 Satz 2 EStG n. F.). Im Ergebnis beläuft sich die Gesamtbelastung mit in- und ausländischer Steuer auf etwa 46,1 %, nimmt man einmal eine Vorbelastung der ausländischen Gesellschaft mit 24,99 an. Sie liegt etwa 2,5 Punkte unter der Gesamtbelastung eines Anteilseigners, der die AbgSt für die Ausschüttung einer inländischen Kapitalgesellschaft beanspruchen kann. Eine Doppelbesteuerung des Anteilseigners wird wiederum über 3 Nr. 41 EStG vermieden, falls die ausländische Zwischengesellschaft die passiven Erträge tatsächlich auskehrt Anteile im Betriebsvermögen einer Körperschaft Ist der Anteilseigner eine Kapitalgesellschaft, dann unterliegt ein anzusetzender Hinzurechnungsbetrag 6 von 100 einer Gesamtbelastung mit KSt, SolZ und GewSt von 29,825 %, falls die ausländische Vorbelastung bei 15 % oder weniger liegt. Bis zu dieser Vorbelastung wird die ausländische Ertragsteuer über den Anrechnungsmechanismus des 12 AStG voll auf die deutsche KSt von künftig 15 % angerechnet und damit absorbiert. Beträgt sie dagegen mehr als 15 %, stellen sich Anrechnungsüberhänge ein und steigt die Gesamtbelastung an auf die Summe aus ausländischer Vorbelastung und deutscher GewSt. Im Extremfall liegt sie bei 24, = 38,99. Im Ausschüttungsfall wird eine Doppelbesteuerung wiederum durch 3 Nr. 41 EStG verhindert, der über 8 Abs. 1 KStG auch bei der Ermittlung des KStpflichtigen Gewinns und damit des steuerpflichtigen Gewerbeertrages anwendbar ist (vgl. R 32 Abs. 1 Nr. 1 KStR). Werden die Erträge auf die Anteilseignerebene durchgeschüttet, dann beträgt die Gesamtbelastung im Extremfall einer ausländischen Vorbelastung von 24,99 etwa 55,1% (bei Anwendbarkeit der AbgSt) und etwa 56,4 % (bei Anwendbarkeit des Teileinkünfteverfahrens und der Annahme einer gewerbesteuerlichen Schachtelbeteiligung des Anlegers an der deutschen Muttergesellschaft). Dies zeigt, welche hohen Gesamtbelastungen durch ausländische Beteiligungen ausgelöst werden können, selbst wenn die Vorbelastung im Ausland relativ moderat ausfällt, aber immer noch unter 25 % liegt, und welch gravierende Unterschiede im Vergleich zu einer rein inländischen Beteiligungskette entstehen können. Diese kumulativen Belastungen sind darauf zurückzuführen, daß die Hinzurechnungsbesteuerung selbst bei relativ hohen ausländischen Vorbelastungen ausgelöst wird und beim gewerblichen Anleger die Entlastungen nach 8 b Abs. 1 KStG und 3 Nr. 40 EStG auf den Hinzurechnungsbetrag nicht anwendbar sind. 3. Grundstücksgesellschaften im Ausland 3.1 Belastungswirkungen bei erweiterter Kürzung Wie bereits ausgeführt, können gewerbliche Unternehmen, die sich auf eine vermögensverwaltende Tätigkeit im Immobilienbereich beschränken, die sog. erweiterte Kürzung nach 9 Nr. 1 Satz 2 GewStG in Anspruch nehmen. Dies wird dazu führen, daß Kapitalgesellschaften, die die Voraussetzungen der Vorschrift erfüllen, mit ihren Netto-Erträgen aus der Vermietung und Verpachtung von Grundbesitz ab 2008 nur noch einer KSt-Belastung (plus SolZ) von 15,825 % unterliegen. Dies gilt grundsätzlich auch für ausländische Kapitalgesellschaften mit ihren Einkünften aus der Vermietung und Verpachtung von inländischen Objekten. Die Gesamtbelastung einer inländischen Kapitalgesellschaft, welche die erweiterte Kürzung in Anspruch nehmen kann und ihre Gewinne an einen Gesellschafter ausschüttet, der seine Anteile im Privatvermögen hält, wird daher etwa 38 % betragen. 3.2 Belastungswirkung bei Einschaltung ausländischer Grundstücksgesellschaften Wenn eine inländische Kapitalgesellschaft statt eines unmittelbaren Grundstückserwerbs eine ausländische Tochtergesellschaft einschaltet und diese sich als Vermieterin betätigt, fällt bei ausländischen Objekten ausländische Steuer und bei inländischen Objekten deutsche KSt, möglicherweise auch GewSt, auf die Mieterträge an. Liegt die effektive Steuerbelastung der Erträge der ausländischen Gesellschaft bei 25 % oder mehr, dann stellt sich die Frage einer möglichen Hinzurechnungsbesteuerung nicht. Selbst wenn die ausländische Kapitalgesellschaft deutsch beherrscht ist und Erträge aus passivem Erwerb erzielt, ist das AStG mangels niedriger Besteuerung im Sinne von 8 Abs. 3 AStG unanwendbar. 5 Eine Kürzung nach 9 Nr. 7 GewStG scheidet aus, weil die ausländische Zwischengesellschaft nicht die Aktivitätsvoraussetzungen dieser Vorschrift erfüllt. 6 Nach gross-up gemäß 12 Abs. 1 Satz 2 AStG wegen der Anrechnung der Ertragsteuer, die auf den passiven Einkünften der ausländischen Zwischengesellschaft lastet. 172 steueranwaltsmagazin 5 /200714 Friedhelm Jacob Unternehmensteuerreformgeset z 2008 und die Niedrigbesteuerung nach dem AStG Beiträge Geht man einmal davon aus, daß die ausländische Kapitalgesellschaft ein inländisches Objekt erwirbt und vermietet und entweder in Deutschland über keine Betriebsstätte verfügt oder das inländische Objekt in einer Weise vermietet, daß sie die erweiterte Kürzung in Anspruch nehmen kann, 7 dann unterliegt diese ausländische Gesellschaft bis einschließlich 2007 der deutschen KSt von 25 % plus SolZ von 5,5%, insgesamt also einer Belastung von 26,375 %. Das ist im Sinne des AStG keine niedrige Besteuerung. Geht man ferner davon aus, daß die ausländische Gesellschaft in ihrem Sitzstaat keine zusätzlichen Steuern zahlt, dann verbleibt es bei der Belastung mit deutscher KSt plus SolZ. Wenn die Gesellschaft nunmehr den Gewinn nach Steuern in Höhe von 73,36 ausschüttet, dann hängt die Besteuerung der inländischen Muttergesellschaft mit diesem Dividendenbezug von diversen Faktoren ab Steuerbelastung bei Nichtanwendbarkeit des AStG a) KSt Für Zwecke der KSt fällt die Dividende in jedem Fall unter 8 b Abs. 1 KStG 8 und bleibt damit zu 95 % unbesteuert. Es kommt insoweit nicht darauf an, ob das möglicherweise anwendbare Doppelbesteuerungsabkommen ( DBA ) in seinem Methodenartikel eine Schachtelregelung für Dividenden vorsieht und ob dieses Schachtelprivileg unter einem Aktivitätsvorbehalt steht. b) GewSt Für Zwecke der GewSt muß differenziert werden. Nach der innerstaatlichen Kürzungsvorschrift des 9 Nr. 7 GewStG ist grundsätzlich zu prüfen, ob die ausschüttende Gesellschaft die Aktivitätsvoraussetzungen von 8 Abs. 1 Nr. 1 bis 6 AStG erfüllt und mindestens 90 % ihrer Bruttoerträge aus aktivem Erwerb erzielt. Auf eine hohe oder niedrige Besteuerung kommt es insoweit nicht an. Im Zusammenhang mit der Vermietung und Verpachtung von unbeweglichem Vermögen ist hierbei von Bedeutung, wo das Objekt belegen ist. Denn 8 Abs. 1 Nr. 6 b AStG erklärt die Vermietung und Verpachtung von Grundstücken grundsätzlich zur passiven Tätigkeit. Eine Ausnahme gilt jedoch für die Vermietung solcher Objekte, die in einem DBA-Staat belegen sind und für die das anwendbare DBA eine Freistellung der Vermietungserträge von der deutschen Steuer vorsähe, falls der Inlandsbeteiligte diese Einkünfte unmittelbar bezogen hätte. Diese Einkünfte gelten als solche aus aktivem Erwerb. Es müssen also im Anwendungsbereich des 9 Nr. 7 GewStG die Bestimmungen des einschlägigen deutschen DBA mit dem Belegenheitsstaat des Objektes geprüft werden. In den meisten Fällen sehen die deutschen DBA für ausländisches unbewegliches Vermögen die Freistellungsmethode vor. Wichtige Ausnahmen bilden im europäischen Kontext die DBA mit Spanien und der Schweiz. Beide sehen die Anrechnungsmethode für nicht-gewerbliche Vermietungseinkünfte aus unbeweglichem Vermögen vor. 9 In diesen Fällen gilt die Vermietung und Verpachtung des dort belegenen Objektes also als passiver Erwerb. Von besonderer Bedeutung ist in diesem Zusammenhang, daß auch die Vermietung eines inländischen Objektes zu passivem Erwerb führt, denn hätte der Inlandsbeteiligte das inländische Objekt unmittelbar erworben, wäre selbstverständlich kein DBA auf die erzielten Mieterträge anwendbar. Ausnahmsweise sieht 9 Nr. 7 Satz 1, 2. Halbsatz GewStG vor, daß es bei einer Gesellschaft, welche die Voraussetzungen der Mutter-Tochter-Richtlinie ( MTR ) erfüllt, nicht darauf ankommt, ob die Gesellschaft aktivem oder passivem Erwerb im Sinne von 8 Abs. 1 AStG nachgeht. Die Dividende einer spanischen Kapitalgesellschaft fällt daher unter die Kürzungsvorschrift des 9 Nr. 7 Satz 1, 2. Halbsatz GewStG, unabhängig von der Tätigkeit der spanischen Gesellschaft. Dass das DBA mit Spanien insoweit die Anrechnungsmethode vorsieht, ändert dieses Ergebnis nicht. Maßgeblich ist die günstigere innerstaatliche Kürzungsvorschrift. Das DBA schafft keine Besteuerungsansprüche, sondern setzt allenfalls bestehenden Ansprüchen Schranken. Anders wäre es bei einer schweizerischen Kapitalgesellschaft, die Objekte in Deutschland oder der Schweiz vermietet. Auf sie ist die MTR nicht anwendbar. Sie erzielt Einkünfte aus passivem Erwerb, denn das DBA mit der Schweiz sieht für nicht-gewerbliche Einkünfte aus in der Schweiz belegenen Objekten die Anrechnungsmethode vor. Auf direkt vom Inlandsbeteiligten gehaltene inländische Objekte wäre das DBA nicht anwendbar. Sofern nach diesen Bestimmungen der Gewerbeertrag um die Dividende der ausländischen Grundstückgesellschaft zu kürzen ist, brauchen die Regelungen eines anwendbaren DBA nicht mehr geprüft zu werden. Sofern die Kürzungsvoraussetzungen nach 9 Nr. 7 GewStG nicht gegeben sind, kann die Schachtelregelung eines anwendbaren deutschen DBA mit dem Sitzstaat der Grundstücksgesellschaft eingreifen. Insoweit ist zu prüfen, ob diese Schachtelregelung ihrerseits unter einem Aktivitätsvorbehalt steht. Hierbei ist zu beachten, daß in vielen Fällen die abkommensrechtliche Schachtelregelung entweder die Fälle des 8 Abs. 1 AStG in Bezug nimmt 10 oder bestimmte Aktivitäten aus dem Katalog dieser Bestimmung übernimmt. 11 Die Schachtelregelung im DBA kann daher weiter oder enger ausfallen als die Regelungen nach 8 Abs. 1 AStG. 7 Keine Vermietung von Betriebsvorrichtungen; kein Erbringen von Nebenleistungen, welche die vermögensverwaltende Vermietung zu einer gewerblichen machen würden. 8 Mögliche Sonderfälle u. a. nach 8 b Abs. 7 KStG sollen hier ausgeklammert bleiben. 9 Art. 23 (1) (b) (ee) DBA Spanien; Art. 24 (1) Nr. 2 DBA Schweiz. 10 Vgl. z. B. Art. 24 (1) Nr. 1 (b) DBA Schweiz. 11 Vgl. z. B. Art. 23 (1) (a) Satz 3 (aa) DBA Spanien i. V. m. dem Notenwechsel vom steueranwaltsmagazin 5 /15 Beiträge Friedhelm Jacob Unternehmensteuerreformgeset z 2008 und die Niedrigbesteuerung nach dem AStG Fallbeispiele a) Geltendes Recht Zur Erläuterung dieser Grundsätze dienen die folgenden beiden Fallgruppen einer in Luxemburg ( LuxCo ) bzw. der Schweiz ( SwissCo ) ansässigen Grundstücksgesellschaft, die zu 100 % von einer inländischen Kapitalgesellschaft ( GmbH ) gehalten wird, welche ihrerseits die erweiterte Kürzung nach 9 Nr. 1 Satz 2 GewStG in Anspruch nehmen kann. LuxCo / SwissCo erzielen jeweils Einkünfte aus der Vermietung inländischer Objekte, auf die die erweiterte Kürzung nach 9 Nr. 1 Satz 2 GewStG anwendbar ist. Der Nettoertrag aus der Vermietung soll vor Steuern 100 betragen und im jeweiligen Sitzstaat von der dortigen Ertragsteuer freigestellt sein. 12 Der GewSt-Hebesatz soll 400 % betragen. Würde GmbH die inländischen Objekte selber vermieten, fiele nur KSt / SolZ i. H. v. insgesamt 26,375 an. LuxCo erzielt in 2007 Einkünfte, die in Deutschland mit KSt / SolZ in Höhe von 26,375 belastet sind. Das AStG ist auf Grund dieser Ertragsteuerbelastung nicht anwendbar. Nach Steuern schüttet LuxCo 73,63 an GmbH aus. Die Dividende unterliegt bei GmbH zu 5 % der KSt ( 8 b Abs. 1 und 5 KStG). Da auf LuxCo die MTR anwendbar ist, greift bereits die Kürzungsvorschrift nach 9 Nr. 7 Satz 1, 2. Halbsatz GewStG ein. Der passive Charakter der Vermietungstätigkeit ( 8 Abs. 1 Nr. 6 b AStG) ist insoweit unschädlich. Das gleiche Ergebnis ergäbe sich aus der Schachtelregelung im DBA mit Luxemburg, 13 die nicht unter einem Aktivitätsvorbehalt steht. Nach Auffassung der Finanzverwaltung ist die Dividende allerdings ebenfalls nur zu 95 % von der GewSt befreit. Aus dem Zusammenspiel zwischen GewSt und KSt ergibt sich eine deutsche Steuerbelastung des Dividendenbezugs von insgesamt 1,63. Zusammen mit der Vorbelastung der Mieterträge ergibt sich eine Gesamtbelastung des ausgeschütteten Gewinns der LuxCo von 28,004 %. SwissCo erzielt ihrerseits in 2007 Einkünfte, auf die sie 26,375 deutsche KSt zahlt. Das AStG bleibt unanwendbar. Die Ausschüttung beträgt wiederum 73,63. Der Dividendenbezug unterliegt jedoch bei der GmbH in vollem Umfang der GewSt. Denn SwissCo geht mit der Vermietung des inländischen Objekts passivem Erwerb nach. Sie unterliegt nicht der MTR. 9 Nr. 2 GewStG ist nicht erfüllt. Das DBA mit der Schweiz enthält eine Schachtelregelung, die unter Aktivitätsvorbehalt 14 steht und dessen Voraussetzungen bei einer Vermietungstätigkeit aus deutschen Objekten nicht erfüllt sind. Bei einem Satz von 16,67 % ergibt sich eine GewSt-Schuld von 12,27. Die um die GewSt gekürzte Ausschüttung unterliegt wiederum zu 5 % der KSt, was zu einer KSt-/SolZ-Schuld von zusammen 0,85 führt. Insgesamt beträgt die Steuer auf der Ebene der GmbH 13,12. Zusammen mit der Vorbelastung der SwissCo in Höhe von 26,376 ergibt sich eine Gesamtbelastung des ausgeschütteten Gewinns der SwissCo von 39,499 %. Insgesamt wären für die Mieterträge niedrigere Steuern angefallen, wenn die GmbH die vermögensverwaltende Vermietung des Inlandsobjekts selber in die Hand genommen hätte. 15 In beiden Fällen liegt die Gesamtbelastung nach Ausschüttung an die GmbH über der von 26,375 % bei einer reinen Inlandsgestaltung. Im Falle der LuxCo ist die Differenz allerdings gering. b) Belastungsverschiebungen ab 2008 durch Anwendbarkeit des AStG Gravierendere Unterschiede stellen sich jedoch ein, wenn man den Fall in den Anwendungszeitraum des UntStRefG verlegt. Ab 2008 unterliegen die Netto-Mieterträge aus dem inländischen Objekt nur noch einer KSt plus SolZ von 15,825 %, unterstellt man wiederum die Anwendbarkeit der erweiterten Kürzung. Für die GmbH hätte es mit dieser Belastung sein Bewenden. LuxCo und auch SwissCo sind deutsch beherrscht und erzielen Einkünfte aus passivem Erwerb. Diese Einkünfte sind nach 8 Abs. 3 AStG mit 15,825 % niedrig besteuert, obwohl auch die GmbH genau nur diese Steuer zu entrichten hätte. Fatale Folge der Hinzurechnungsbesteuerung: Der wie eine Gewinnausschüttung zu behandelnde Hinzurechnungsbetrag von zunächst (100 15,825 =) 84,175 qualifiziert sich nicht für eine Freistellung oder Kürzung von der inländischen Bemessungsgrundlage. 16 Die GmbH wird die KSt auf den fiktiven Dividendenbezug durch die Anrechnung der Steuer neutralisieren wollen, die auf den Vermietungseinkünften lastet. Die Anrechnung nach 12 AStG der Vorbelastung von 15,825 neutralisiert die deutsche KSt in Höhe von 15 % auf den gedachten Ausschüttungsbetrag (nach gross-up) von 100. Der Hinzurechnungsbetrag von 100 unterliegt jedoch auch der GewSt von künftig 14 %. Damit steigt die Gesamtbelastung des von LuxCo oder SwissCo erzielten und als ausgeschüttet behandelten Ertrags auf insgesamt 29,825. Das sind exakt 14 mehr als die deutsche KSt, die auf den Mieterträgen lastet und im reinen Inlandsfall die endgültige Belastung auf GmbH-Ebene darstellt, und entspricht der Belastung des Hinzu rech nungsbetrages mit GewSt. Dadurch, daß der Gesetzgeber des Unt- StRefG die Schwelle zur niedrigen Besteuerung nicht im Gleichklang mit der Senkung des deutschen KSt-Satzes auf unter 15 % abgesenkt hat, sichert sich der Fiskus also die 12 Ob dies bereits aufgrund des nationalen Steuerrechts geschieht oder auf Grund der Regelung im einschlägigen DBA mit dem Belegenheitsstaat Deutschland, ist im vorliegenden Zusammenhang ohne Bedeutung. 13 Art. 20 (2) Satz 3 DBA Luxemburg. 14 Art. 24 (1) Nr. 1 (b) mit Verweis auf 8 Abs. 1 Nr. 1 6 AStG. 15 Mögliche Steuervorteile, die sich später durch eine Veräußerung der Anteile an der LuxCo oder SwissCo einstellen und die bei direktem Halten des Objektes nicht eingetreten wären, sollen hier nicht näher untersucht werden. 16 Vgl. 10 Abs. 2 Satz 3 AStG. 174 steueranwaltsmagazin 5 /200716 Jürgen Wessing Compliance Ein Thema auch im Steuerstrafrecht? Beiträge GewSt auf den Hinzurechnungsbetrag. Auf die GewSt kann die Vorbelastung der ausländischen Gesellschaft nicht angerechnet werden. Die GmbH kann für diesen fiktiven Dividendenbezug auch nicht die erweiterte Kürzung geltend machen. Diese gilt nur für die Einkünfte aus der Vermietung des Grundbesitzes, für sonst nichts. Da LuxCo und SwissCo im Grunde genommen nichts Anderes tun als die GmbH, die Steuerfolgen ihres wirtschaftlichen Handelns aber deutlich über der Belastung liegen, die bei einem reinen Inlandsfall einträten, muß die berechtigte Frage gestellt werden, ob die Anwendung des AStG jedenfalls im Falle der LuxCo mit den EU-rechtlichen Grundfreiheiten im Einklang stehen. Im Falle der SwissCo wäre die Besteuerung an den Regelungen im DBA Schweiz und in den Bilateralen Verträgen zwischen EU und der Schweiz zu messen und auf mögliche Vertragsverstöße zu untersuchen. c) Rechtsfolgen bei gedachter Absenkung des Schwellenwertes nach 8 Abs. 3 AStG Abschließend soll noch untersucht werden, welche Rechtsfolgen sich eingestellt hätten, hätte der Gesetzgeber des UntStRefG die Schwelle zur niedrigen Besteuerung im Sinne des 8 Abs. 3 AStG pari passu mit der Absenkung des KSt- Satzes auf unter 15 % verlegt. In diesem Fall wäre das AStG mangels niedriger Besteuerung der passiven Mieterträge unanwendbar gewesen, denn sowohl LuxCo als auch SwissCo hätten deutsche Ertragsteuern (KSt/SolZ) von insgesamt 15,825 geschuldet. Die Ausschüttung der LuxCo hätte nach den oben erläuterten Grundsätzen jeweils nur zu 5 % der GewSt und der KSt unterlegen. Es hätte sich eine Gesamtbelastung des ausgeschütteten Gewinns in Höhe von 17,08 % eingestellt. Die Mehrbelastung gegenüber dem reinen Inlandsfall (15,825 %) entfiele auf die KSt+SolZ / GewSt vom steuerpflichtigen Teil der Gewinnausschüttung. Die Ausschüttung der SwissCo hätte zu einer Gesamtbelastung von 28,276 % geführt, als Folge der vollen GewSt- Pflicht der Ausschüttung und der KSt / SolZ auf den KStpflichtigen Teil des Restes der Ausschüttung. Die Gesamtbelastung würde aber nur unwesentlich unter derjenigen (von 29,825 %) liegen, die sich bei Anwendung des AStG einstellt. Dies liegt zum einen an der vollen GewSt-Pflicht des Hinzurechnungsbetrages einerseits und der Gewinnausschüttung der SwissCo andererseits zu Lasten der GmbH (wobei die GewSt auf die Ausschüttung um 2,216 Punkte unter der des Hinzurechnungsbetrages liegt), zum andern an dem verbleibenden steuerpflichtigen Teil der Ausschüttung, die der KSt/SolZ unterliegt. Im Falle der Hinzurechnungsbesteuerung würde dagegen die Steueranrechnung nach 12 AStG die KSt auf den Hinzurechnungsbetrag voll absorbieren. 4. Bewertung Fazit: Bei der Auslagerung von Grundstücksinvestitionen auf Auslandsgesellschaften muss weiterhin sorgfältig geprüft werden, ob das AStG eingreift, insbesondere wenn es um die Übertragung von Vermietungsaktivitäten für inländische Objekte auf Auslandsgesellschaften geht, denn ab 2008 sinkt der deutsche KSt-Satz unter die Schwelle der Niedrigbesteuerung. Compliance Ein Thema auch im Steuerstrafrecht? Jürgen Wessing, Rechtsanwalt, Wessing Rechtsanwälte, Düsseldorf 1. Problemstellung In der Enzyklopädie Wikipedia wird der Begriff Tax-Compliance noch als die Bereitschaft der Bürger, die geltenden Steuergesetze freiwillig zu achten und steuerliche Pflichten korrekt zu erfüllen definiert. Im hier verstandenen Sinne ist Inhalt und Ziel von steuerlicher Compliance, durch unternehmensdefinierte Vorgaben und organisatorische Maßnahmen zu sichern, daß gesetzliche Normen eingehalten werden, um Nachteile rechtlicher und materieller Art für das Unternehmen und die dort Beschäftigten zu vermeiden. Das Stichwort Compliance erlebt derzeit eine Inflation. Ich sehe darin eine Reaktion auf den gestiegenen Verfolgungsdruck zivilrechtlicher, aber nicht zuletzt auch strafrechtlicher Art gegenüber Unternehmen. Die Frage stellt sich deshalb, ob auch im Steuerrecht Compliance eine Notwendigkeit darstellt und deren Organisation zum Instrumentarium eines Unternehmens gehören muß oder sollte. Es gibt Stimmen in der Literatur, die von einer allgemeinen Rechtspflicht in dieser Richtung ausgehen. Uwe H. Schneider 1 verlangt eine Compliance-Organisation für alle 1 ZiP 2003, 645. steueranwaltsmagazin 5 /17 Beiträge Jürgen Wessing Compliance Ein Thema auch im Steuerstrafrecht? Unternehmen und begründet dies mit einer Gesamtanalogie zu all denjenigen gesetzlichen Einzelvorschriften, die bislang bereits eine feste Organisation im Bereich Compliance voraussetzen. Dazu gehören insbesondere die auch im Rahmen dieser Abhandlung wichtigen Anforderungen aus 130 Ordnungswidrigkeitengesetz und verschiedene Normen des KWG, des Bundesimmissionsschutzgesetzes und des Geldwäschegesetzes. Aus diesen Rudimenten einer gesetzlichen Compliance, insbesondere jedoch aus der in 130 Ordnungswidrigkeitengesetz allgemein vorausgesetzten und geforderten Organisationspflicht schließen Schneider und andere auf eine grundsätzliche Verpflichtung der Betriebsführung dem Unternehmen gegenüber, eine Compliance-Organisation zu installieren. Der Ansatz ist auf erheblichen Widerspruch gestoßen. 2 Weder rechtspolitisch noch unternehmenspraktisch sei eine allgemeine Pflicht zu einer Compliance-Organisation wünschenswert, sie sei auch nicht realisierbar. Dem ist aus meiner Sicht zuzustimmen. Der Schluß von einzelgesetzlich geregelten Anforderungen auf eine Gesamtpflicht ist nicht zwingend; erst dann, wenn bestimmte besondere Voraussetzungen vorliegen, die im Rahmen der Organisationspflicht erforderlich machen, mit spezifischer und definierter Organisation sicherzustellen, was üblicherweise ohnehin angestrebt wird, kann von einer Pflicht zur Einrichtung einer Compliance-Organisation gesprochen werden. Dies ergibt sich dann aus den grundsätzlichen Anforderungen an die Einhaltung von Rechtsnormen im Unternehmen in Verbindung mit einer spezifischen Unternehmenssituation. Ein gesetzliches Erfordernis ergibt sich daraus nicht. Die generelle Pflicht zu notwendigen Aufsichtsmaßnahmen in Unternehmen oder Betrieben obliegen dem Inhaber beziehungsweise den Organen, welche die Inhaberschaft vertreten. Erfüllen sie dies auch ohne gesonderte Organisation, gibt es schon aus Zumutbarerwägungen heraus keine gesetzliche Anforderung, eine Organisation zu errichten. 3 Das mögliche Erfordernis einer Corporate Compliance im Steuerbereich richtet sich also nicht an den Kleinunternehmer und kleineren mittelständischen Unternehmer, der in seiner eigenen Person den Überblick über die steuerliche Gestaltung im Rahmen seiner Tätigkeit hat. Die Frage, ob eine auf dem Gedanken der Organisationspflicht fußende Pflicht zur Einrichtung einer Compliance-Organisation besteht, ist also am Einzelfall auszurichten. Offensichtlich besteht jedoch in einer Vielzahl von Unternehmen und ab einer gewissen steuerlichen Komplexität in den Betrieben durchaus ein Bedürfnis, die sogenannte Tax-Compliance auch organisatorisch zu untermauern. Beleg dafür sind vielfache Angebote der großen Beratungsunternehmen, 4 ein reges Vortragswesen sowie mannigfache Publikationen zu dem Thema. a. Schwelle für eine Tax-Compliance Mit Anwachsen der Unternehmensgröße nimmt die steuerliche Komplexität erheblich zu. Man kann mit Fug und Recht behaupten, daß das deutsche Steuerrecht selbst für den Experten nicht in seiner Gesamtheit zu übersehen ist, viel mehr gilt dies für den steuerlichen Laien was die meisten Unternehmer und Manager sind. Die Tatsache, daß mehr als die Hälfte der Weltliteratur zum Steuerrecht in Deutschland entsteht, belegt dies plakativ. Wegen der Formenstrenge des Steuerrechtes, aufgrund derer bereits schlichte Versehen dazu führen können, daß steuerliche Abzüge nicht gewährt oder Steuern erhoben werden, vertieft sich dieses Problem. In dem Moment, in dem mehrere steuerliche Gestaltungsmöglichkeiten denkbar sind, gehört es zu den Pflichten eines Unternehmers, die günstigste Variante zu erkennen und auszuwählen Steuerplanung ist heute unumgänglich. Zumindest ab der Ebene der mittelgroßen Kapitalgesellschaften im Sinne des 267 HGB stellt sich die Frage, ob die Organisation der steuerlichen Pflichten und deren Überwachungen nicht organisiert zu erfolgen hat. Dies vor allen Dingen vor dem Hintergrund, daß die ständigen Änderungen des Steuerrechtes ein dauerndes Überwachen, neudeutsch Monitoring, erfordern. Jede steuerliche Situation ist bislang derart massiven Schwankungen unterworfen gewesen, daß von einer Stabilität der steuerlichen Gestaltung in Deutschland schon lange nicht mehr gesprochen werden kann. Diese Volatilität muß sich umsetzen in ständige Anpassung. b. Rechtliche Grundlagen Bereits angesprochen wurden die aus 130 OWiG abzuleitenden Organisationspflichten des Geschäftsherren. Die Vorschrift, die als eine Generalnorm eines künftig kommenden Unternehmensstrafrechts begriffen werden kann, belegt Inhaber eines Betriebes oder Unternehmens, die notwendige Aufsichtsmaßnahmen unterlassen, welche verhindern, daß Zuwiderhandlung gegen strafbewehrte Pflichten erfolgen, mit einer Geldbuße. Abgeleitet daraus wird ganz allgemein, daß eine grundsätzliche und generelle Pflicht zur gesetzeskonformen Organisation gegeben ist. Eine Konkretisierung dieser allgemein vorausgesetzten Pflicht erfolgte durch das KontraG, welches 91 Abs. 2 des Aktienge setzes modifizierte. Nach dieser Vorschrift hat der Vorstand geeignete Maßnahmen zu treffen, um für die Gesellschaft existenzgefährdende Entwicklungen zu erkennen und zu verhindern. Das Gesetz nennt zu den geeigneten Maßnahmen insbesondere ein Überwachungssystem. Brisanz gewinnt dies insbesondere im Zusammenspiel mit 93 des Aktiengesetzes, der die Sorgfaltspflichten der Vorstandmitglieder normiert und in Absatz 2 Vorstandsmitgliedern, die ihre Pflichten verletzen, zum Ersatz des daraus entstehenden 2 Vgl. Hauschka ZiP 2004, So auch Hauschka, Corporate Compliance, 1 Rd Vgl. die Darstellung von PriceWaterhouseCoopers / de /unsere_dienstleistungen/ steuerundrechtsberatung / zum taxriskmana - gement und taxcompliance. 176 steueranwaltsmagazin 5 /200718 Jürgen Wessing Compliance Ein Thema auch im Steuerstrafrecht? Beiträge Schadens verpflichtet unter Auferlegung der Beweislast, daß sie die Sorgfalt eines ordentlichen und gewissenhaften Geschäftsleiters angewandt haben. Die Verletzung der aus konkreten Umständen entstandenen Pflicht, ein Compliance-Management einzurichten, kann durchaus eine Verletzung der Sorgfaltspflicht darstellen. Damit korrespondiert Ziffer des Deutschen Corporate Government Codex. 5 Danach hat der Vorstand für ein angemessenes Risikomanagement und Risikocontrolling im Unternehmen zu sorgen. Die Pflichten beziehen sich grundsätzlich auf alle Unternehmensbereiche, die steuerlichen Pflichten sind also keinesfalls ausgenommen. Durch geeignete Überwachungssysteme ist zu gewährleisten, daß steuerliche Pflichten fristgerecht und der Art nach korrekt erfüllt werden. Dies ergibt sich schon daraus, daß Fehlplanung und Fehlverhalten im steuerlichen Bereich durchaus zu einer Unternehmensgefährdung führen können. Vor dem Hintergrund, daß das Aktiengesetz insoweit auch für die GmbH sinngemäß gilt, ist ein erheblicher Teil der deutschen Unternehmen von einer potentiellen Pflicht zur Einführung eines Tax-Compliance-Managements erfaßt. Auch nicht deutsche Kodifizierungen können Anlaß für die Einrichtung eines Compliance-Managements auch im Tax-Bereich sein: Der Sarbanes-Oxley-Act 6 entstand in den Vereinigten Staaten als Reaktion auf die weltweit publizierten Finanzskandale wie Enron und WorldCom. Diese Kodifizierung erfaßt all diejenigen Gesellschaften, die bei der US-Securities und Exchange-Commission (SEC) gelistet sind oder die Verpflichtung haben, dort Berichte einzureichen. Dies betrifft eine nicht unerhebliche Vielzahl ausländischer Unternehmen, darunter wichtige deutsche Konzerne (die derzeitigen Probleme bei Siemens und Daim ler- Chrysler belegen dies eindrucksvoll). Das Bestehen ausreichender interner Kontrolle ist Grundvoraussetzung dafür, daß den Unternehmen eine Bestätigung insoweit erteilt wird. Die wirtschaftlichen Folgen einer mangelnden Bestätigung können intensiv sein. In Deutschland sind die Erfordernisse an ein transparentes und effizientes Steuerungs-, Berichts- und Kontrollwesen auch im Bereich der Steuern durch die Vorschriften des TransPuG und UMAG weiter intensiviert worden. Die Gesetzeslage in Deutschland spricht also erheblich dafür, ein dokumentiertes, installiertes und gelebtes Compliance- System auch im Steuerrecht zu entwickeln. 2. Steuerliche Risiken im Unternehmen Nicht jedes Risiko im Unternehmen ist unzulässig die Rechtsprechung zum unternehmerischen Risiko der Strafsenate hat dies in den letzten Jahren sehr klar herausgearbeitet. Unternehmerisch gibt es mithin zulässige und unzulässige Risiken. Die unzulässigen zeigen sich verschlichtet, aber klar ausgedrückt darin, daß ihnen der Verlust von vorneherein als hochwahrscheinlich anhaftet. Risiken können entstehen durch Fehlverhalten im Bereich des materiellen Steuerrechts, aber auch des Steuerstrafrechts und Wirtschaftsstrafrechts, wobei sich dies verzahnen kann. a. Gefährdung durch das materielle Steuerrecht Das Vertrauen auf eine möglicherweise grenzwertige steuerliche Konstruktion oder gar die Fehlkonstruktion eines steuerlichen Vorgangs ist eine ernste Gefahr für ein Unternehmen. Wie risikofreudig und wie genau ein steuerliches Konstrukt errichtet wird, kann für den Unternehmenserfolg von ausschlaggebender Bedeutung sein. Wer derartige Steuergestaltungen ohne Gefährdungspotential für den Betrieb errichten will, benötigt nicht nur die theoretische Kenntnis des Steuerrechts, sondern auch die praktische Kenntnis der Personen und Abläufe des Unternehmens. Manchmal ist die steuerlich wünschbare und die steuerlich machbare Situation im Unternehmen nicht in Kongruenz zu bringen. Dies leitet über zum Risiko durch Nichteinhaltung materieller Voraussetzungen. Die oben bereits angesprochene Formenstrenge des deutschen Steuerrechts bringt es mit sich, daß steuerlich positive Effekte in weitem Maße davon abhängen, daß Formen eingehalten werden. Ich möchte in diesem Zusammenhang keine Wetten darauf abschließen, zu welchem Prozentsatz in Deutschland im Moment Rechnungen per übermittelt werden, denen die erforderliche Signatur 7 nach dem Signaturgesetz fehlt. Dabei darf nicht vergessen werden, daß der Wettbewerb der Unternehmen untereinander heute nicht nur ein Wettbewerb der Produkte, sondern auch der Organisation ist. Dazu gehört naturgemäß ebenso die steuerliche Organisation wer es schafft, sich steuerlich so aufzustellen, daß bestimmte Leistungen umsatzsteuerfrei erbracht werden können, für die in anderen Unternehmen Umsatzsteuer anfällt, hat einen oft nicht einholbaren Vorteil generiert. Der Umstand, daß im Steuerrecht Fehler gemacht werden können, führt aber naht los auch in die Gefahr steuerstrafrechtlicher Verfolgung hinein. Zwischen der nicht durchgehaltenen Steuerkonstruktion und der Steuerstraftat liegt manchmal nicht viel. b. Steuerstrafrechtliche Risiken in Unternehmen Steuerstrafrecht ist heute für Unternehmen zu einem nicht zu unterschätzenden Risikofaktor geworden. Die Bereitschaft von Steuerprüfern, strafrechtliche Relevanz zu vermuten, ist allgemein gestiegen. Hinzu kommt, daß steuerstrafrechtliche Delikte im allgemeinen mit normalstrafrechtlichen Eine elektronisch übermittelte Rechnung wird vom Finanzamt nur dann anerkannt gemäß 14 Abs. 2 UStG, wenn sie eine digitale Signatur nach dem Signaturgesetz enthält. steueranwaltsmagazin 5 /19 Beiträge Jürgen Wessing Compliance Ein Thema auch im Steuerstrafrecht? Delikten wie Korruption und Untreue verbunden ist, was sehr schnell dazu führt, daß nicht die Steuerfahndung, sondern die Staatsanwaltschaft bei der Untersuchung das Heft in der Hand hält. Mit dem Steuerstrafrecht erfüllt sich auch das gesamte Instrumentarium von Gewinnabschöpfung und Verfall nach 73 StGB oder 29 a OWiG. 1. Steuerstraftaten Steuerstraftaten sind gesetzestechnisch zusammengesetzt aus steuerlichem Tatbestand und den Voraussetzungen des 370 AO. Als so genannte Blankettnorm ist die Strafnorm des 370 AO erst dann erfüllt, wenn ein Steuergesetz verletzt ist. Die objektiven Grundsätze der Vorschrift lassen sich wie folgt kurz zusammenfassen: 370 Absatz 1 Nummer 1 AO positives Tun: Wenn jemand für eine Finanzbehörde oder eine andere für steuerlich relevante Entscheidung zuständige Behörde über steuerlich erhebliche Tatsachen unrichtige oder unvollständige Angaben macht. 370 Absatz 1 Nummer 2 AO Unterlassen: Finanzbehörden in Unkenntnis lassen über steuerlich erhebliche Tatsachen in pflichtwidriger Form 370 Absatz 1 Nummer 3 AO Unterlassen: Das Unterlassen der Verwendung von Steuerzeichen 8 oder Steuerstemplern in pflichtwidriger Weise. 370 Absatz 1 Nummer 1 AO kann durch jede Person verwirklicht werden, die mit steuerlichen Sachverhalten in Berührung kommt; die Unterlassungsdelikte aus Absatz 1 Nummer 2 und Nummer 3 sind Sonderdelikte, die nur von denjenigen Personen begangen werden können, denen eine Pflicht zum Handeln im allgemeinen durch Gesetz auferlegt ist. Dabei ist zu beachten, daß zu Sonderdelikten Anstiftung und Beihilfe begangen werden kann, also der Ausschluß der Täterschaft in der Praxis nicht weit reicht. Insgesamt ist im Unternehmensbereich jedes Organ und zusätzlich jede Person, die mit Pflichten spezifisch beauftragt ist, in der Gefahr, steuerstrafrechtlich zu Verantwortung gezogen zu werden. Dies ergibt sich einerseits aus dem Grundsatz der Gesamtverantwortung im Gesellschaftsrecht und der Übertragung von Pflichtenstellungen im Sinne des 14 StGB Steuerordnungswidrigkeiten 377 AO definiert Ordnungswidrigkeiten im Steuerrecht also solche Zuwiderhandlungen, die nach den einzelnen Steuergesetzen mit Geldbuße geahndet werden können. Es gelten die Regeln des Ordnungswidrigkeitenrechtes subsidiär zu den Sondervorschriften der Steuergesetze. Steuerordnungswidrigkeiten werden oftmals als eine Art Auffangtatbestand genutzt, um Handlungen, die nach den Regelungen des Strafprozeßrechtes, in denen der Grundsatz im Zweifel für den Angeklagten gilt, doch noch zu erfassen und auf diese Art und Weise steuerliches Fehlverhalten zu pönalisieren. Zentrale Norm ist der 378 AO, die so genannte leichtfertige Steuerverkürzung. Sie unterscheidet sich von der Steuerstraftat dadurch, daß ein Vorsatz nicht nachgewiesen werden kann, jedoch steuerliche Sorgfaltsanforderungen mißachtet wurden. Auch aus Steuerordnungswidrigkeiten kann dem Unternehmen ein erheblicher Nachteil entstehen: Nicht nur die bereits allgemein geltenden Regeln des Bußgeldrechtes geben die Möglichkeit zur Bebußung, darüber hinaus werden durch begangene Steuerordnungswidrigkeiten für die unten noch zu schildernden Verfallsregelungen aktiviert Strafrecht mit Steuerbezug Vielfach ist eine Verquickung zwischen Steuerstrafrecht und allgemeinem Strafrecht festzustellen. Der Unternehmensverteidiger wird nahezu regelmäßig damit konfrontiert, daß Straftaten im oder aus dem Unternehmen heraus steuerliche Konsequenzen haben. Dies gilt besonders für Kontakte zu Bereichen der Korruption. Diese wiederum sind fast automatisch mit Untreuefällen verknüpft. Ein Beispiel: Wer zur Erlangung eines Auftrages Bestechungsgelder zahlt, fügt damit dem Unternehmen einen Schaden zu, da er auf eine nicht existierende Forderung zahlt. Wenn er dies als Betriebsausgabe verbuchen läßt, kommt noch der steuerstrafrechtliche Schaden mit den Begleitumständen eines Steuerstrafverfahrens hinzu, so daß am Ende eine Gemengelage aus Strafrecht und Steuerstrafrecht entsteht. Ob es sich bei Zahlungen ins Ausland um gefährliche Zahlungen im Sinne des Korruptionsstrafrechtes handelt, läßt sich den Verbuchungen als solchen nicht entnehmen. Insoweit sind die Vorkehrungen des Betriebes, konform zu den Vorschriften beispielsweise des internationalen Bestechungsgesetzes zu handeln, gleichzeitig für die Einhaltung der Steuer-Compliance wesentlich. Steuer-Compliance ohne eine Verzahnung und Abstimmung mit einer allgemeinen Compliance-Regelung im Unternehmen ist deshalb nicht sinnvoll. 4. Konsequenzen Primäre zu erwartende Folge einer strafrechtlich oder ordnungswidrigkeitenrechtlich wesentlichen Verletzung des Steuerrechtes im Rahmen eines Betriebes ist eine Bebußung. Gegen das Unternehmen als juristische Person wird unmittelbar eine erhebliche Geldbuße nach 30 OWiG verhängt. Für die Bebußung kommt es nicht darauf an, ob jemand oder wer schuldhaft gehandelt hat. Die Vorschrift richtet sich nicht an ein Individuum, sondern unmittelbar an die betroffene Körperschaft. Wenn der haftungsbegründende 8 Vergl. 6 TabStG, Tabaksteuerbanderolen. 9 Über 14 Abs. 1 StGB werden Organe in die Verpflichtung der Gesellschaft eingebunden, über 14 Abs. 2 StGB diejenigen Personen, die Leitungsfunktionen übernehmen. 10 Vergl. im einzelnen: Wessing, Steuerordnungswidrigkeiten, steueranwalts magazin 2007, 9 ff. 178 steueranwaltsmagazin 5 /200720 Jürgen Wessing Compliance Ein Thema auch im Steuerstrafrecht? Beiträge Tatbestand als solcher feststeht, muß noch nicht einmal die individuelle Person identifiziert werden, die schuldhaft oder fahrlässig gehandelt hat. Ausreichend ist, daß nach Lage der Dinge eine solche Person mit Sicherheit tatsächlich existiert. Neben der unmittelbaren Geldbuße gegen das Unternehmen kann auch der Inhaber eines Betriebes oder Unternehmens zur Verantwortung gezogen werden. Dies dann, wenn er betriebliche Aufsichtspflichten verletzt hat ( 130 OWiG). Wir sind hiermit wieder am Anfang unseres Themas die den Unternehmen obliegende Organisationspflicht kann dazu führen, daß ihre Verletzung mit Bußgeld belegt wird. Dies ist ein deutlicher Anreiz dafür, durch ein nachvollziehbares und angemessenes Organisations-, Kontroll- und Überwachungssystem mithin ein Compliance- System sicherzustellen, daß Schaden vom Unternehmen und Unternehmer abgewendet wird. Über das Ordnungswidrigkeitenrecht wird allerdings nicht nur eine Buße möglich, vielmehr kann die Ordnungsbehörde auch anordnen, daß der aus der Verletzung einer Pflicht entstandene Schaden im Wege des Verfalles ausgeglichen wird. Nach 29 a OWiG kann der illegitime Vermögensvorteil, der an den Täter oder auch an einen Dritten geflossen ist, dem Staate zugezogen werden. Gleiches gilt für die Gewinnabschöpfung über die Regeln des Verfalls nach 73 ff. StGB. Auch hier sollen Vermögensvorteile, die aus der Tat erlangt wurden, dem Täter entzogen werden. Dazu gilt prinzipiell das Bruttoprinzip. Dies bedeutet, daß nicht nur der nach betriebswirtschaftlichen Grundsätzen ermittelte Gewinn, sondern grundsätzlich alles das, was der Täter aus der Tat oder für sie erlangt hat, dem Verfall unterliegt. Dieses Bruttoprinzip gilt auch dann, wenn das Unternehmen nicht durch seine Organe, sondern durch seine Mitarbeiter gehandelt hat. Auf die Frage, ob jemand schuldhaft gehandelt hat, kommt es dabei nicht an. 11 Eine Begrenzung des harten Bruttoprinzipes, welches in der Realität dazu führen kann, daß eine mit Millionenaufwand erstellte Anlage wegen einer Minikorruption von wenigen Tausend Euro dem Verfall unterliegt und damit ein Unternehmen von heute auf morgen in die Insolvenz geraten kann, ist durch den BGH in jüngster Zeit vorgenommen worden. Nach dieser Entscheidung ist das Erlangte in der Mehrzahl der Korruptionsfälle nicht der Gesamtpreis, sondern die erhöhte Gewinnchance. Im steuerlichen Bereich wird der Gewinn im allgemeinen bereits durch die nachfolgende Besteuerung entzogen, so daß in diesen Fällen nur noch die sonstigen erlangten Vorteile entzogen werden können. Weitere Abschöpfungsmöglichkeiten ergeben sich aus den 34 und 34 a des Gesetzes gegen Wettbewerbsbeschränkungen (GWB). Nach diesen Vorschriften können Kartellbehörden bei vorsätzlichen oder fahrlässigen Verstößen gegen eine Vorschrift des GWB, gegen Artikel 81 oder 82 des Vertrages für Gründung der Europäischen Gemeinschaft oder einer Verfügung der Kartellbehörde den wirtschaftlichen Vorteil durch Abschöpfung verlieren und bebußt steueranwaltsmagazin 5 /2007 werden. Welche Höhe diese Geldbußen annehmen können, ist aus der aktuellen Presse bekannt dreistellige Millionenbußen sind keine Seltenheit mehr. 3. Anforderung an ein Steuermanagement Risikoerkennung und Risikobewertung a. Allgemein Grundsätzlich müssen im Rahmen des Risikomanagements und damit im Rahmen von Compliance sowohl Aufsichtsrat als auch Vorstand den Vorgaben aus den 93, 116 AktG folgen sie haben sich der Sorgfalt eines ordentlichen und gewissenhaften Kaufmannes zu bedienen. Das Risikomanagementsystem hat in diesem Sinne folgendes zu leisten: Eine Risikoinventur, die sämtliche Risiken im Unternehmen identifiziert und bewertet. Eine Risikoanalyse, die sämtliche gesetzlichen Anforderungen, sämtliche tatsächlichen Besonderheiten des Unternehmens in Kongruenz bringt die Entwicklung eines Systems, welches geeignet ist, die Aufgaben eines Compliance-Systems zu erfüllen. Eine Aufgabenverteilung, welche die Ziele der Compliance berücksichtigt Kontinuierliche Weiterentwicklung unter ständiger Berücksichtigung geänderter rechtlicher und tatsächlicher Parameter Sicherung der Qualität und Befugnisse der Kontrollorgane wie Controlling, interne Revision, Vorstand und Prüfer Sicherung der Qualität der Berichterstattung an den Aufsichtsrat Dokumentation. Es ist ein Risikofrüherkennungssystem für unternehmensgefährdende Entwicklungen aufzubauen, das jedenfalls vorhersehbare und erkennbare Risiken identifiziert. Ohne Kontrollsystem läuft Risikoerkennung leer, das Kontrollsystem ist letztendlich nichts anderes als die Umsetzung der Risikoerkenntnis. b. Unternehmenskultur Unabhängig von der Ausgestaltung und Organisation eines Compliance-Systems wird ein derartiges System nicht funktionieren, wenn es nicht von den Entscheidern im Unternehmen akzeptiert und verinnerlicht ist. Wie jedes Regelungs- und Kontrollsystem wird auch Compliance erst einmal von den Mitarbeitern eines Unternehmens als lästig empfunden. Oft genug geht dies weiter: Bestimmte Einladungen nicht mehr aussprechen zu können, Nettigkeiten nicht mehr verteilen zu dürfen, strenge Formen einhalten 11 Siehe BGH, wistra 2004, 465 ff. Diese Rechtsprechung ist durch die Entscheidung des Bundesverfassungsgerichtes aus NJW 2004, 2073 ff. abgedeckt. 179 Mehr anzeigen
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