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Timestamp: 2018-07-17 00:37:46
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Matched Legal Cases: ['Art 101', 'Art 101', 'Art 5', 'Art 11', 'Art 18', 'Art 19', 'Art 20', 'Art 10', 'Art 15', 'Art 10', 'Art 12', 'Art 7', 'Art 7', 'Art 8', 'Art 9', 'Art 10', 'Art 23', 'Art 24', 'Art 19', '§ 83', '§ 3', 'Art 11', 'Art 13', 'Art 16', '§ 37', 'Art 3', '§ 1', 'Art 101', 'Art 101', '§ 2', 'Art 101', 'Art 101', 'Art 101', 'Art 102', '§ 5', 'Art 23', 'Art 101', 'Art 101', 'Art 101', '§ 1311', '§ 37', '§ 33', 'EuG', 'EuG', 'EuG', 'Art 101', '§ 273', '§ 37', 'EuG', '§37', '§ 37', 'EuG', 'OGH', '§ 1311', 'EuG', 'OGH', 'Art 101', '§ 1', '§ 1311', '§ 37', 'OGH', 'OGH', '§ 1313', '§ 1311', 'Art 16', '§ 37', '§ 28', '§ 1489', 'OGH', '§ 37', '§ 37', 'EuG', 'EuG', '§ 39', 'Art 5', 'Art 6', '§ 168', '§ 146', '§ 25', '§ 84', 'Art 102', 'Art 102', 'EuG', 'Art 102', 'EuG', 'Art 102', 'Art 101', 'Art 102', 'OGH', '§ 1311']

Europäisches Kartellrecht Kartellverbot, Verfahren, Sanktionen - ppt herunterladen
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Präsentation zum Thema: "Europäisches Kartellrecht Kartellverbot, Verfahren, Sanktionen"— Präsentation transkript:
1 Europäisches Kartellrecht Kartellverbot, Verfahren, Sanktionen
Ass.-Prof. Dr. Peter Stockenhuber LL.M., RA (karenz.) Stand: Juni 2014
Art 101 Absatz 1 – Tatbestandsmerkmale (Forts): „Eignung zur Beeinträchtigung des zwischenstaatl. Handels“ (sog. Zwischenstaatlichkeitsklausel; vgl Bekanntmachung über den Begriff der Beeinträchtigung des zwischenstaatlichen Handels, ABl 2004 C 101/81) Doppelfunktion: Tatbestandsmerkmal und Kollisionsnorm zur Abgrenzung des Anwendungsbereichs des europäischen Kartellrechts P 19, Bek.: „zwischenstaatlicher Handel“: „… alle grenzüberschreitenden wirtschaftlichen Tätigkeiten einschließlich der Niederlassung“ P 23, Bek: „zu beeinträchtigen geeignet“: „… anhand objektiver rechtlicher oder tatsächlicher Umstände mit hinreichender Wahrscheinlichkeit voraussehen lässt, dass die Vereinbarung oder Verhaltensweise den Warenverkehr zwischen den MS unmittelbar oder mittelbar, tatsächlich oder potentiell beeinflussen kann “
Art 101 Absatz 1 – Tatbestandsmerkmale (Fortsetzung) „Spürbarkeit“ - FS Handelsbeeinträchtigung Bekanntmachung über den Begriff der Beeinträchtigung des zwischenstaatlichen Handels, ABl 2004 C 101/81 P 50ff - NAAT-Regel („no appreci. affect on trade“) = widerlegb. Negativvermutg. a): gemeins. Marktant. d. Part. auf keinem betroff. Markt < 5 % b): horizont. .: gemeins. EU-Jahresums. m. betreff. Waren < EUR 40 Mio c): vertikal: EU-Jahresums. d. Lieferant. mit betreff. Waren < EUR 40 Mio Achtung: widerlegb. Positivvermutg. wenn Ums. üb 40 Mio und Vereinb. „ihrem Wesen nach“ handelsbeeinträchtigend ist (P 53) Diese Bagatellschwelle gilt auch für hard core Kartelle!
Vertikale Beschränkungen grds. weniger wettbewerbsschädlich, daher eher „ausnahmefähig“! (Leitl. üb vertik. Beschränk, ABl 2010 C 130/1 Rz 98 ff) Positive Auswirkungen (LL. üb vertik. Beschr., aaO, Rz 106 f) Ermöglicht Einstieg in neue Märkte: notwendige Anlaufinvestionen d Händlers zB durch Gebietsschutz abgesichert Lösung des „Trittbrettfahrerproblems“: Schmarotzen an Verkaufsförderungs-bemühung. eines Händlers verhindert zB durch Alleinvertriebsverpfl. d Lieferanten Lösung des „Hold-up“ Problems: Absicherung von Investition in Spezialausrüstungen, Schulungen etc. zB durch Alleinvertriebsverpflichtung (bei Invest. durch Händler) oder Wettbewerbsverbot (Invest. durch Lieferant) Aber auch Gefahr negativ. Auswirkg. (LL. üb vertik. Beschr., aaO, Rz 100 ff) Marktzutrittsschranken (Ausschluss anderer konkurr. Lieferanten) Verringerung des Markenwettbewerbs (inter-brand) und Kollusionsgefahr Verringerung des Wettbewerbs zwischen Vertriebshändlern (intra-brand) Behinderung der Integration der Märkte → Besonders bei hoher Marktmacht (hoher Marktanteil) des Lieferanten
Beispiele für vertikale Beschränkungen -FS Franchising: Lizenzgewährung für geistiges Eigentum (Markenrechte etc) und technisch/kommerzielle Unterstützung für Geschäftskonzept – häufig gekoppelt mit vertikalen Beschränkungen (selektiv. Vertrieb, Wettbewerbs-verbote, Alleinvertrieb etc) Alleinbelieferung: Verpflichtung des Lieferanten, sein Produkt nur an einen einzigen Händler in der ganzen EU zu liefern Preisempfehlungen, Preisobergrenzen
37 8. Verfahren vor der Kommission VerfahrensVO 1/2003 (u
8. Verfahren vor der Kommission VerfahrensVO 1/2003 (u. DurchführungsVO 773/2004) 1. Verfahrensablauf (Überblick) Verfahrenseinleitung durch Kommission vAw (zB nach Branchenuntersuchung; Anzeige durch Kronzeugen) Beschwerde bei „berechtigtem Interesse“ (Art 5 DurchfVO Bek. d. Komm, ABl C 2004, 101/65 – „Formblatt C“) → Entfall der Zuständigkeit der WB-Behörden der MS (Art 11 Abs 6)! Sachverhaltsermittlung Auskunftsverlangen (Art 18) Befragung (Art 19) Nachprüfungsbefugnisse (Art 20f; uU auch schon vor Verfahrenseinleitung) Anhörung eines Kronzeugen Mitteilung der Beschwerdepkte an Parteien („Anklageschrift“; Art 10 DurchfVO) Rechtliches Gehör Akteneinsicht (ausgen vertrauliche Informat., Geschäftsgeheimn.; Art 15f DurchfVO) Schriftliche Stellungnahmen (Art 10 DurchfVO) uU Anhörung (Art 12 DurchfVO; Anhörungsbeauftragter) Anhörung des Beratenden Ausschusses für Kartell- und Monopolfragen Einstellung oder Entscheidung der Kommission
38 8. Verfahren VerfahrensVO 1/2003
2. Entscheidungsmöglichkeiten der Kommission Feststellungsentscheidung (Art 7) Abstellungsentscheidungen (Art 7) inkl. Abhilfemaßnahmen: verhaltensorientiert oder struktureller (subsidiär) Art verhältnismäßig und erforderlich uU mit Entzug des Rechtsvorteils einer GVO Einstweilige Maßnahmen (Art 8) Prima facie festgestellte Zuwiderhandlung Gefahr nicht wieder gutzumachendem Schadens Verpflichtungszusagen (Art 9) zB EdF(Marktöffung, franz Elektrizitätsmarkt) zB BA, AA, Iberia (Marktöffnung, transatlant. Flugverkehr) Feststellung der Nichtanwendbarkeit (Art 10) Nur bei öffentlichem Interesse Geldbußenentscheidung (Art 23; Leitl. z. Festsetzung v Geldbußen) Zwangsgelder (Art 24) Entzug des Rechtsvorteils einer GVO (Art 19)
39 8. Verfahren VerfahrensVO 1/2003
3. Verhältnis Kommiss. / nationale WB-Behörden (§ 83 KartG u § 3 WettbG) Verfahrenseinleitung-Kommission → Kompetenzentfall der WB-MS (sog. Prärogative der Kommission, Art 11 Abs 6) Aussetzg v. Verfahren durch WB-MS/Komm bei früher tätig gew. WB-MS (Art 13) Einheitliche Anwendung des gemeinschaftlichen WB-Rechts – Art 16 (Bindungswirkung) zB bei SE-Prozessen in Gefolge einer Verbotsentscheidung der Komm. Vgl dazu öGegenstück: § 37a KartG: Bindung öZivilgerichte an E d EU-Kommission, Kartellgerichts und ausländ nationale WB! zB bei national. Kartellverfahr. im Gefolge eines Komm-Kartellverfahrens
40 8. Verfahren VerfahrensVO 1/2003
4. Verhältnis Europäisches - nationales Kartellrecht (Art 3) Bei Anwendg nat. KartR (§ 1 KartG) im Anwendungsber. d. Art 101f AEUV → Pflicht zur kumulativen Anwendung Art 101 setzt sich zB gegen Bereichsausnahme gem § 2 KartG durch → Anwendungsvorrang des günstigeren EU-Kartellrechts bzgl Art 101 keine WB iSd Art 101 Abs 1 Legalausnahme gem Art 101 Abs 3 erfüllt GVO greift ein → Zweischrankentheorie bzgl Art 102 (und § 5 KartG)
41 Geldbußen (public enforcement)
9. Sanktionen Geldbußen (public enforcement) Grundlage Art 23 Abs 2 VO 1/2003 Schuld, Dauer, Schwere; max. 10 % Leitlinien zur Festsetzung von Geldbußen, ABl 2006 C 210/2 Grundbetrag Anteil am Umsatz (abhängig von Schwere) x Anzahl der Jahre der Zuwiderhandlung Anpassung des Grundbetrages Erschwerende Umstände Mildernde Umstände Aufschlag Obergrenze Keine Liquidationsgefahr
42 Geldbußen (public enforcement) – FS
9. Sanktionen Geldbußen (public enforcement) – FS Haftung f. Geldbußen Adressat von Art 101: „Unternehmen“ (=ökonomisches Konzept: „jede eine wirtschaftliche Tätigkeit ausübende Einheit“ - unabhängig von Rechtspersönlichkt) Adressat f. Rechtsfolgen von Art 101: Haftung f. Verstoß kann nur Rechtsträger treffen (→ „Unternehmen“ muss also Rechtsträger zugeordnet werden Haftung f. Geldbußen bei Konzernen („single economic entities“) Entscheidend f. Haftg. d. Tochter: unabhängiges Marktverhalten 100%-Tochter: Vermutung (widerleglich.!) , dass sie Vorgaben der Mutter folgt und nicht unabhängig auf dem Markt agiert → Mutter haftet solidarisch gemeinsam mit Tochter Widerlegung der Vermutung schwierig: Nichtwissen, Nichtinvolvierung der Mutter reicht nicht! Bsp: Aufzugskartell (COMP/E-1/ PO/Elevators and Escalators) – Solidarische Haftung der Alleineigentümer/Mütter für Verstöße der jeweiligen Töchter in B, BRD, Lux, NL Berücksichtigung v. Kartellstrafen in anderen Jurisdiktionen USA, Kanada etc irrelevant Geldbußen in EU-MS werden berücksichtigt (Modifikation von „Ne bis in idem“)
43 Geldbußen (public enforcement) – FS
9. Sanktionen Geldbußen (public enforcement) – FS Mitteilung über den Erlass und die Ermäßigung von Geldbußen, ABl 2006/298/17 (sog Kronzeugenregelung) gänzlicher Erlass der Geldbuße Erstinformation u. Beweismittel ermöglichen gezielte Nachprüfungen oder Nachweis des Kartells Ermäßigung Beweismittel für Zuwiderhandlung mit erheblichem Mehrwert zu bereits bekannten Beweisen Beispiele (nur EU-Geldbußen, nicht nat.) Statistik (in Milliarden!) 2007: € 3.34; 2008: € 2.3; 2009: € 1.6; 2010: € 2,87; 2011: € 62,87 Mio; 2012: € 1,9; 2013: € 1,9. Vitamin-Kartell: Hofmann-LaRoche EUR 462 Mio (insges. EUR 855,22 Mio) VW-Audi EUR 102 Mio Lysin-Kartell: Archer Daniels Midland 2000: ADM EUR 47,3 Mio 2002: Sodium Gluconat: EUR 10 Mio 2001: Zitronensäure: EUR 36,7 Mio Bankenkartell: Erste Bank 37,7 Mio; BA und RZB je EUR 30,38 Mio Aufzugskartell: insgesamt EUR 992 Mio
44 Zivilrechtliche Sanktionen (private enforcement)
Nichtigkeit (Art 101 Abs 2; shield-Funktion) wb-beschränkende Vertragsbestandteile u. untrennbar verbund. Teile (obj. Betr.) Schicksal des Restvertrages (Gesamt- od Teilnichtigkeit?) nach nat. Zivilrecht Schutzzweck d. Verbotsnorm Bei neutralem Schutzzweck: hypoth. Parteiwille (Indiz: zB salvator. Klausel) Restgültigkeitsvermutung Schadenersatz – Grundlagen (sword-Funktion) Bemühg. d. Komm seit üb. 20 J. priv. Geschädigte üb. SE-Klagen in Kartellvollz. einzubinden (Ö: § 1311 S 2, 2.F ABGB, heute: Spezialnorm § 37a KartellG; § 33 GWB) → Grünbuch (2005) u. Weissbuch (2008) der Kommission EuGH Courage/Crehan (2001) und Manfredi/Lloyd Adriatico Ass (2006) Situation in Ö: Grazer Fahrschul-Kartell, Lombard-Klub, Aufzugskartell EU-Schadenersatzpaket RL-Entwurf üb. Vorschriften f SE-Klagen wegen Verstößen gegen WB-RE d MS u EU (COM(2013)404 final; Amended by EuP am Mitteilung der Komm. zur Ermittlung d Schadensumfangs bei SE-Klagen Empfehlung der Komm für kollektive Unterlassungs- und SE-Klagen
45 Zivilrechtliche Sanktionen (private enforcement) - FS
Schadenersatz – Grundlagen FS EuGH Rs C-453/99, Courage/Crehan, Slg 2001 I-6297 „Jedermann“ hat SE-Anspruch, der durch Kartell geschädigt wurde (uU auch Kartellbeteiligte) essentiell für „volle Wirksamkeit“ des EU-Kartellrechts: Schadensausgleich und Abschreckungswirkung (sind als Hauptzweck d. privaten Kartelldurchsetzg) EU-MS bestimmen zuständ. Gerichte / Verfahren (Äquivalenz- u Effektivitätsgrds) EU-Recht lässt zu, dass nat. ZR ungerechtf. Bereich. d. Klägers verhindert oder SE-Anspruch für Kartell-Hauptverantwortl. ausschließt EuGH Rs-C 295/04, Manfredi/Lloyd Adriatico Assic., Slg 2006 I-6619 „Jedermann“ ist auch ein Endverbraucher „Ursächlicher Zusammenhang“ zw. Verstoß u Schaden (Kausal., Details MS, csqun) „Verjährung“ ist von MS zu regeln Kriterien für Ausmaß des Schadenersatzes sind von MS zu bestimmen Ist nach nat. ZR für Kartellverstöße Straf-SE zu leisten, dann auch für Art 101 Verstoß (Äquivalenzgrundsatz) Zu ersetzen: Vermögensschadens / entg. Gewinn /Zinsen (Effektivitätsgrundsatz, Schadensausgleich)
46 9. Sanktionen Zivilrechtliche Sanktionen (private enforcement) - FS
Schadenersatzvoraussetzungen Schaden Schwierigkeit d. Schadensnachweises – sog. Vergleichsmarktkonzepte (Vgl Mitteil der Komm. zur Ermittlung d Schadensumfangs bei SE-Klagen) § 273 ZPO – Schadenshöhe: Schätzung durch Richter. Auch Berücksichtigung d. erlangten Bereicherung zulässig! (so ausdrückl. § 37a(1) KartG) Reiner Vermögensschaden (positiver Schaden) u. entg. Gewinn (EuGH) Zinsen ab Schadensseintritt (§37a (1) KartG) Schadensüberwälzung (bei überhöhtem Preis) durch unmittelb. auf mittelb. Geschädigten schließt Anspr. d. unmittelb. Geschädigten nicht aus (§ 37a(1) KartG, keine „passing on defence“ f. Kartellanten) Kausalität Zwisch. Schaden u. Verstoß: „ursächlich. Zusammenhg“ (EuGH, Manfredi; csqn) OGH bei § 1311: Nur Beweis des ersten Anscheins muss dafür sprechen, dass das verbotene Verhalten den von der Norm zu verhindernden Schaden verursacht hat Kartell auch kausal für Schäden mittelb. Geschädigter (EuGH, Manfredi) Preisschirmeffekt (Umbrella-Effekt) (OGH-Aufzugskartell: SE geg. Kartellanten bei Preisanpassg von Kartellaußenseit. an Kartellpreis? Nein, Kausalzushg unterbrochen → Vorabentsch.ersuchen)
47 Zivilrechtliche Sanktionen (sog. private enforcement) - FS
Schadenersatzvoraussetzungen - FS Rechtswidrigkeit Art 101f AEUV, §§ 1, 5 KartG: Schutzgesetz gem. § 1311 S2, 2.F ABGB (vgl § 37a(1) KartG; OGH 5Ob39/11p u OGH 4Ob46/12m) Verschulden Zurechnung des Handelns natürlicher Personen (§ 1313a, 1315) Beweislastumkehr bei Schutzgesetzverletzung gem. § 1311 ABGB Bindungswirkung e. Entscheid. d. EU-Komm/KG /natWB-Behörde, wonach Verstoß rw u. schuldhaft begangen wurde (meiste SE-Klagen sind follow on Klagen); Art 16 VO 1/2003 u. (weitergehend) § 37a (3) KartG. neu: Erlangg .kartgerichtl. Feststell-E für SE-Proz. möglich (§ 28 (1a) Z2 KartG) Verjährung § 1489 ABGB: 3 J. ab Kenntn. v Schaden und Schädiger Praktisch: Beginn mit Veröffentl. d. E des KartellG bzw OGH § 37a(4) KartG: Hemmung bei laufendem Kartellverfahren § 37a (2) KartG: Unterbrechung d. SE-Prozess bis Verfahrensbeendigg. vor EU-Kommission, KG, nation. WB-Behörde
48 Zivilrechtliche Sanktionen (sog. private enforcement) - FS
Schadenersatzvoraussetzungen FS Aktuelle Diskussion: Beweisbeschaff./Akteneinsicht von SE-Klägern Einsichtsrechte von SE-Klägern in Akten (insb Kronzeugen-Aussagen u. -Unterlagen) der Wettbewerbsbehörden (Komm u. Nat. WB-Behörden) Zielkonflikt: Förderg. v. SE-Klagen (private E.)  Kronzeugenprogramm (public E.) EuGH, Pfleiderer, C-360/09, Gerichte müssen interessenabwägende Einzelfall-E treffen EuGH, Donau Chemie AG, C-536/11, Von Beschuldigten (=Kartellanten) abhängende Einsichtsrechte Dritter (§ 39/2 KartG) verstoßen gegen Effektivitätsgrdsatz, weil sie abwägende Einzelfall-E durch Gericht verhindern
49 Zivilrechtliche Sanktionen (sog. private enforcement) - FS
Schadenersatzvoraussetzungen FS Aktuelle Diskussion: Akteneinsicht von SE-Klägern - FS Kommission, RL-Vorschlag üb best. Vorschriften f Schadenersatzklagen, COM(2913) 404 final, ; amended by EuP am → Rat Art 5 Offenlegg. v. Beweismitteln – Allgemein Anordnungsmöglichkeiten nat. Gerichte in SE-Prozessen auf Antrag Verhältnismäßigkeitsgrundsatz – Interessenabwägung Beweiserbringung durch Antragsteller Umfang, Kosten auch vertrauliche Informationen, aber Schutzvorkehrung erforderlich Art 6 Offenlegg v. Beweismitteln – Beschränkgen für Akten v. WB-Behörden Verhältnismäßigkeitsgrundsatz genauer Antrag (Natur, Zweck, Inhalt der Dokumente) Schutz der Effektivität des public enforcements von WB-Recht Ausgeschlossen: Kronzeugen-Anträge, Verhandlungs-/Vergleichs-Vorschläge
50 9. Sanktionen Haftstrafen (strafrechtlich)
Verstoß gegen EU-Kartellrecht iVm nationalem Recht (zB UK, Irland) In Österreich – Österreich: weitgehende Entkriminalisierung durch KartG-Novelle 2002 § 168b StGB - Submissionsabsprachen § 146 StGB – Betrug (Bereicherungsvorsatz → Täuschung m. Tatsachen → Irrtum – schädigende Vermögensdisposition); strittig/unklar. Einige Verurteilungen bei Submissionsabsprachen vor 2002 Nach US-Recht (Sherman Act) Gefahr der Auslieferung an Staaten mit strafrechtlichen Sanktionen aufgrund internationaler Polizeizusammenarbeit (vgl Vitamin-Kartell), Berufsbeeinträchtigung Haftung der kartellverantwortlichen Personen gegenüber kartellbeteiligter Gesellschaft Vorstände, Geschäftsführer, Verkaufsleiter … Schaden des kartellbeteiligten Unternehmens: Geldbuße, Schadenersatzverpflicht-ungen gegenüber Geschädigten Einhaltung der Sorgfalt eines ordentlichen Geschäftsmannes (§ 25 GmbHG) oder ordentlichen und gewissenhaften Geschäftsleiters (§ 84 AktG) Zustimmung / Weisung der Gesellschafter (?) Einwand: kartellbedingte Bereicherung (?)
51 10. Art 102 AEUV - Wortlaut Mit dem Binnenmarkt unvereinbar und verboten die missbräuchliche Ausnutzung einer beherrschenden Stellung auf dem Binnenmarkt oder auf einem wesentlichen Teil desselben durch ein oder mehrere Unternehmen, soweit dies dazu führen kann, den Handel zwischen Mitgliedstaaten zu beeinträchtigen. Dieser Missbrauch kann insbesondere in Folgendem bestehen a) der unmittelbaren oder mittelbaren Erzwingung von unangemessenen Einkaufs- oder Verkaufspreisen oder sonstigen Geschäftsbedingungen; b) der Einschränkung der Erzeugung, des Absatzes oder der technischen Entwicklung zum Schaden der Verbraucher; c) der Anwendung unterschiedlicher Bedingungen bei gleichwertigen Leistungen gegenüber Handelspartnern, wodurch diese im Wettbewerb benachteiligt werden; d) der an den Abschluss von Verträgen geknüpften Bedingung, dass die Vertragspartner zusätzliche Leistungen annehmen, die weder sachlich noch nach Handelsbrauch in Beziehung zum Vertragsgegenstand stehen
52 10. Art 102 AEUV (Tatbestand) Drei entscheidende Fragen: „beherrschende Stellung auf dem Binnenmarkt oder einem wesentlichen Teil desselben ... ein oder mehrere Unternehmen“ Marktabgrenzung (sachlich, räumlich; vgl schon Komm, Bekanntmachg über Def. der relevanten Marktes) Beherrschende Stellung (~Marktbeherrschung) EuGH-stRspr: „wirtschaftliche Machtstellung eines Unternehmens, die es in die Lage versetzt, die Aufrechterhaltung eines wirksamen Wettbewerbs auf dem relevanten Markt zu verhindern, indem sie ihm die Möglichk. verschafft, sich seinen Wettbewerb., seinen Abnehmern und letztlich den Verbrauchern gegenüber in einem nennenswerten Umfang unabhängig zu verhalten“. (United Brands, Slg 1978, 207 Rz 10; Hoffmann-La Roche, Slg 1979, 461) Marktstruktur: insb. Marktanteile (absolut, relativ, dynamisch), potentieller WB, Nachfragemacht, Marktzutrittsschranken Unternehmensstruktur Insb. Technologischer Vorsprung (Patente etc), Wirtschafts- u Finanzkraft, Zugang zu Absatz- und Versorgungsmärkten Marktverhalten Relevanter Markt muss zumindest „wesentlicher Teil des Binnenmarktes“ sein relativ geringer Anteil am Gesamtmarkt reicht Gebiet eines MS (oder Teil eines größeren MS) Einzelne Verkehrsknotenpunkte Individuelle od. kollektive Marktbeherrschung
53 10. Art 102 AEUV (Tatbestand) „missbräuchliche Ausnützung“ EuGH-stRspr: „Der Begriff der missbräuchlichen Ausnutzung ist ein objektiver Begriff. Er erfasst die Verhaltensweisen eines Unternehmens in beherrschender Stellung, die die Struktur eines Marktes beeinflussen können, auf dem der Wettbewerb gerade wegen der Anwesenheit des fraglichen Unternehmens bereits geschwächt ist, und die die Aufrechterhaltung des auf dem Markt noch bestehenden Wettbewerbs oder dessen Entwicklung durch die Verwendung von Mitteln behindern, welche von den Mitteln eines normalen Produkt- oder Dienstleistungswettbewerbs auf der Grundlage der Leistungen der Marktbürger abweichen “. (zB Hoffmann-La Roche, Slg 1979, 461) Ausbeutungsmissbrauch Unangemessenen Preise und Geschäftsbedingungen Sachlich nicht gerechtfertigte Diskriminierung Behinderungsmissbrauch Kampfpreisunterbietung Alleinbezugsverpflichtungen und Treuerabatte Kopplungsgeschäfte Lieferverweigerung (vgl hierzu insb. sog. essential facilities - Doktrin, Kontrahierungszwang) → vgl Kommission, Erläuterungen zu den Prioritäten d Komm. bei d. Anwendung von Art 102 auf Fälle von Behinderungsmissbrauch, ABl 2009, C 45/7, (insb zu Ausschließlichkeitsbindungen, Kopplung, Kampfpreise, Lieferverweigerung) 3. „ …kann, den Handel zwischen Mitgliedstaaten zu beeinträchtigen“ (Zwischenstaatlichkeitsklausel wie bei Art 101)
54 10. Art 102 AEUV (Rechtsfolgen)
55 GZ 8 Ob 115/09h, OGH: § 1311 ABGB legt fest, dass derjenige, der ein Gesetz, das zufälligen Beschädigungen vorzubeugen versucht, übertritt, für alle Nachteile haftet, die sonst nicht eingetreten wären. Wurde ein Schutzgesetz verletzt, so tritt hinsichtlich der Kausalität dieser Verletzung für den eingetretenen Schaden zwar keine Beweislastumkehr ein, aber es reicht, wenn der Beweis des ersten Anscheins dafür spricht, dass der von der Norm zu verhindernde Schaden durch das verbotene Verhalten verursacht wurde. Soweit es dem Schädiger allerdings gelingt, eine ernstlich in Betracht zu ziehende Möglichkeit einer anderen Schadensursache aufzuzeigen, trifft den Geschädigten die Beweislast. Wurde in diesem Sinne der Beweis der Kausalität der Schutzgesetzverletzung für den eingetretenen Schaden erbracht, so liegt es allerdings am Schädiger, den vollen Beweis dafür zu erbringen, dass dieser Schaden auch bei rechtmäßigem Alternativverhalten eingetreten wäre.
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