Source: http://m.hensche.de/Rechtsanwalt_Arbeitsrecht_Urteile_Wettbewerbsverbot_LAG_Rheinland-Pfalz_2Sa378-08.html
Timestamp: 2017-11-17 19:25:00
Document Index: 6357975

Matched Legal Cases: ['§ 307', '§ 307', '§ 75', '§ 64', '§ 520', '§ 320', '§ 74', '§ 74', '§ 307', '§ 307', '§ 518', '§ 69']

HENSCHE Arbeitsrecht: 2 Sa 378/08
Akten­zeichen: 2 Sa 378/08
Vor­ins­tan­zen: Arbeitsgericht Trier, Urteil vom 28. Mai 2008, 4 Ca 1725/07
2 Sa 378/08
4 Ca 1725/07
Ur­teil vom 18.12.2008
1. Die Be­ru­fung des Klägers ge­gen das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts Trier vom 28.05.2008 (4 Ca 1725/07) wird zurück­ge­wie­sen.
2. Die Be­ru­fung der Be­klag­ten ge­gen das Ur­teil (4 Ca 1725/07) des Ar­beits­ge­richts Trier vom 28.05.2008 wird zurück­ge­wie­sen.
3. Von den Kos­ten des Be­ru­fungs­ver­fah­rens wer­den dem Kläger 1/3, der Be­klag­ten 2/3 auf­er­legt.
Die Par­tei­en strei­ten um die Zah­lung ei­ner Ka­ren­zentschädi­gung so­wie die von der Be­klag­ten gel­tend ge­mach­te Ver­trags­stra­fe.
Der Kläger war bei der Be­klag­ten beschäftigt, zu­letzt als Pro­duk­ti­ons­ma­na­ger. Die Be­klag­te stellt Fens­ter und Türen her. Das Ar­beits­verhält­nis en­de­te am 31.08.2003.
Die Par­tei­en hat­ten un­ter dem 10.04.1996 ein Wett­be­werbs­ver­bot ver­ein­bart. Das Wett­be­werbs­ver­bot war in ei­ner Ver­trags­ur­kun­de ent­hal­ten, die von der Be­klag­ten vor­for­mu­lier­te Ver­trags­be­din­gun­gen ent­hielt. We­gen der Ein­zel­hei­ten der Wett­be­werbs­ver­ein­ba­rung wird auf den Tat­be­stand des Ur­teils des Ar­beits­ge­richts Trier vom 28.05.2008 ver­wie­sen.
Im We­sent­li­chen hat sich der Kläger ver­pflich­tet, während der Dau­er von zwei Jah­ren ab Be­en­di­gung des An­stel­lungs­verhält­nis­ses nicht für ein Un­ter­neh­men in Deutsch­land tätig zu sein, das zur Fir­ma in Kon­kur­renz steht. Wei­ter ist aus­drück­lich ver­ein­bart, was als Kon­kur­renz­un­ter­neh­men gilt, nämlich ein Un­ter­neh­men, das sich mit der Her­stel­lung oder dem Ver­trieb von Fens­tern, Türen, Fens­terläden, Iso­lier- und Funk­ti­onsgläsern oder spe­zi­fi­schen EDV-Pro­gram­men für ei­ne die­ser Bran­chen be­fasst. Im Wei­te­ren ist be­schrie­ben, wel­che Hand­lun­gen der Kläger nicht ausführen darf, nämlich ein fes­tes An­stel­lungs­verhält­nis oder frei­es Be­ra­tungs- oder Ver­tre­tungs­verhält­nis bei ei­nem sol­chen Un­ter­neh­men ein­zu­ge­hen, ein sol­ches Un­ter­neh­men selbst zu er­rich­ten oder zu er­wer­ben oder sich an sol­chen Un­ter­neh­men mit­tel­bar oder un­mit­tel­bar zu be­tei­li­gen oder der­glei­chen zu begüns­ti­gen.
Wei­ter ist ver­ein­bart, dass für je­den Fall der Fälle we­gen des Wett­be­werbs­ver­bots der Mit­ar­bei­ter an die Fir­ma ei­ne Ver­trags­stra­fe von 100.000,00 DM zahlt, wo­bei die Gel­tend­ma­chung höhe­ren Scha­dens­er­sat­zes un­be­nom­men bleibt.
Der Kläger war in der Zeit vom 01.09.2003 bis zum 28.02.2005 als selbständi­ger Han­dels­ver­tre­ter für die Fir­ma F. GmbH tätig. Die­se ver­treibt Fens­ter und Türen, wo­bei al­ler­dings ein Großteil der Pro­duk­te von der Be­klag­ten be­zo­gen wird. Der Kläger er­zie­le von Sep­tem­ber 2003 bis De­zem­ber 2003 Über­brückungs­geld von mo­nat­lich 2.392,46 €, im Jah­re 2004 ver­dien­te er 36.736,00 €, in den Mo­na­ten Ja­nu­ar 2005 bis Mai 2005 hat­te er nur ge­ringfügi­ges Ein­kom­men. Das Vor­stands­mit­glied M. der Be­klag­ten bat mit Schrei­ben vom 09.11.2004, sei­ne Kon­di­ti­ons­vor­stel­lung für die Po­si­ti­on ei­nes Ver­kaufs­lei­ters bei der Fir­ma R. zu Händen sei­nes Bru­ders K. her­ein­zu­ge­ben.
Ab dem 01.06.2005 bis 31.08.2005 war der Kläger dann bei der Fir­ma R. GmbH beschäftigt und ver­dien­te dort mo­nat­lich 5.100,00 €. Die­se Fir­ma stellt eben­falls Fens­ter und Türen her. Nach der Be­haup­tung des Klägers aber aus­sch­ließlich für die die Be­klag­te.
Der Kläger hat gel­tend ge­macht, bei der F. han­de­le es sich nicht um ei­ne Kon­kur­renz­un­ter­neh­men, son­dern um ei­nen Kun­den der Be­klag­ten. Die Be­klag­te be­fin­de sich auf ei­ner an­de­ren Ebe­ne der Ver­kaufs­ket­te, weil sie an den Fach­han­del ver­kau­fe. Zu die­sen Geschäften des Fach­han­dels wie­der­um gehöre auch die Fir­ma F.. Des­we­gen ste­he ihm die Ka­ren­zentschädi­gung zu.
1. die Be­klag­te zu ver­ur­tei­len, an ihn 50.977,60 EUR nebst Zin­sen in Höhe von 8 Pro­zent­punk­ten über dem Ba­sis­zins­satz zu zah­len (we­gen der Zins­staf­fe­lung wird auf den Schrift­satz vom 12.11.2007 Be­zug ge­nom­men),
2. die Be­klag­te zu ver­ur­tei­len, an ihn 21.958,76 EUR nebst Zin­sen in Höhe von 8 Pro­zent­punk­ten über dem Ba­sis­zins­satz zu zah­len (we­gen der Zins­staf­fe­lung im Ein­zel­nen wird auf den Schrift­satz vom 18.01.2008, Bl. 79 d.A., Be­zug ge­nom­men).
Sie hat vor­ge­tra­gen, die Fir­ma F. GmbH ver­trei­be Fens­ter, Türen und Rolläden, ins­be­son­de­re auch Kon­kur­renz­pro­duk­te zu den Pro­duk­ten des Klägers. Der Kläger ha­be durch sei­ne Tätig­keit bei die­ser Fir­ma in zahl­rei­chen Fällen ge­gen die Wett­be­werbs­ab­re­de ver­s­toßen. Dies er­ge­be sich aus ein­zel­nen vor­ge­leg­ten Auf­trägen, wel­che eben­falls im Tat­be­stand des an­ge­foch­te­nen Ur­teils wie­der­ge­ge­ben sind. Auch mit dem Ab­schluss ei­nes Ar­beits­ver­tra­ges bei der R. Fens­ter ha­be der Kläger ge­gen das Wett­ver­bot ver­s­toßen. Da­mit sei­en dem Kläger Wett­be­werbs­verstöße nach­ge­wie­sen, die je­weils ei­ne Scha­den­er­satz­for­de­rung von 100.000,00 DM be­gründe­ten.
We­gen die­ser Sum­me hat die Be­klag­te Wi­der­kla­ge er­ho­ben und be­an­tragt,
den Kläger zu ver­ur­tei­len, 102.258,38 € nebst Zin­sen in Höhe von 8 Pro­zent­punk­ten über dem Ba­sis­zins­satz, seit dem 05.12.2007 aus 51.129,19 € und seit Zu­stel­lung der Er­wei­te­rung der Wi­der­kla­ge aus 51.129,19 € zu zah­len.
We­gen der wei­te­ren Ein­zel­hei­ten des Sach- und Streit­stan­des wird auf den Tat­be­stand des Ur­teils des Ar­beits­ge­richts Trier vom 28.05.2008 ver­wie­sen.
Das Ar­beits­ge­richt hat der Kla­ge nur zum Teil ent­spro­chen und dem Kläger Ka­ren­zentschädi­gung für die Zeit vom 01.03.2005 bis 31.05.2005 in Höhe von 9.558,30 € zu­er­kannt. In die­sem Zeit­raum ha­be der Kläger nicht ge­gen das Wett­be­werbs­ver­bot ver­s­toßen. Der Kläger ha­be auch in die­sem Zeit­raum nicht für ein Kon­kur­renz­un­ter­neh­men ge­ar­bei­tet.
Die Ka­ren­zentschädi­gung be­lau­fe sich auf drei­mal 1.909,42 € mit­hin 5.728,26 €.
Der Kläger könne auch Ka­ren­zentschädi­gung für die Zeit des Wett­be­werbs­ver­bots nach dem 01.06.2005 ver­lan­gen. Die Be­klag­te könne sich nicht dar­auf be­ru­fen, der Kläger ha­be ei­ne Kon­kur­renztätig­keit bei der Fir­ma R. auf­ge­nom­men. Da­bei könne da­hin­ste­hen, ob die­se Tätig­keit wett­be­werbs­wid­rig sei oder nicht. Der Be­klag­ten sei es nach Treu und Glau­ben ver­wehrt, sich hier­auf zu be­ru­fen. Ihr jet­zi­ges Ver­hal­ten wi­der­spre­che nämlich ih­rem Vor­ver­hal­ten wie durch das Schrei­ben vom 09.11.2004 zum Aus­druck ge­kom­men ist. Den In­halt die­ses Schrei­bens ha­be der Kläger nur da­hin­ge­hend ver­ste­hen dürfen, dass er ge­ra­de­zu auf­ge­for­dert wur­de, sich bei der Fir­ma R. um die Stel­le der Ver­kaufs­lei­tung zu bemühen. Die­ses Ver­hal­ten könne nur da­hin­ge­hend ver­stan­den wer­den, dass die Be­klag­te hier­in kei­nen Wett­be­werbs­ver­s­toß er­bli­cke. Für ei­ne mögli­che Auf­he­bung des Wett­be­werbs­ver­bo­tes sei­en in die­sem Schrei­ben kei­ne An­halts­punk­te er­sicht­lich, ins­be­son­de­re ha­be der Kläger auch kei­ne still­schwei­gen­de Erklärung da­hin ab­ge­ge­ben, auf die Ka­ren­zentschädi­gung ver­zich­ten zu wol­len. Wer aber je­mand ge­ra­de­zu zum Ver­trags­bruch zum ver­meint­li­chen ei­ge­nen Nach­teil an­hal­te, könne sich hin­ter­her dar­auf be­ru­fen, es läge ein Ver­trags­bruch vor und auch noch Scha­dens­er­satz ver­lan­gen. Dem Kläger ste­he des­halb die Ka­ren­zentschädi­gung zu.
Nach An­rech­nung des an­der­wei­ti­gen Ein­kom­mens hat das Ar­beits­ge­richt für die Zeit vom Ju­ni bis Au­gust 2005 wei­te­re 5.728,26 € zu­ge­spro­chen.
Das Ar­beits­ge­richt hat die wei­ter­ge­hen­de Kla­ge des Klägers ab­ge­wie­sen. Der Kläger ha­be ge­gen das Wett­be­werbs­ver­bot ver­s­toßen, so­mit sei­ne Ver­pflich­tung aus den Ver­ein­ba­run­gen nicht erfüllt. Die Fir­ma F. ver­trei­be durch Ei­gen­ein­bau­ten Fens­ter und Rolläden, dies lie­ge auch im Markt­seg­ment der Be­klag­ten. Die Fir­ma F. ver­trei­be auch Kon­kur­renz­pro­duk­te der Be­klag­ten, so zum Bei­spiel Fens­ter der Fir­ma I. GmbH. Da­mit über­schnit­ten sich Pro­duk­ti­ons- und Dienst­leis­tungs­an­ge­bo­te bei­der Un­ter­neh­men.
Die Wi­der­kla­ge sei un­be­gründet. Es han­de­le sich um vor­for­mu­lier­te Ver­trags­be­din­gun­gen. Nach § 307 Abs. 1 S. 1 BGB sei­en Be­stim­mun­gen in all­ge­mei­nen Geschäfts­be­din­gun­gen un­wirk­sam, wenn sie den Ver­trags­part­ner ent­ge­gen Treu und Glau­ben un­an­ge­mes­sen be­nach­tei­lig­ten. Un­an­ge­mes­sen sei je­de Be­ein­träch­ti­gung ei­nes recht­lich an­er­kann­ten In­ter­es­ses des Ar­beit­neh­mers, die nicht durch be­gründe­te und bil­li­gens­wer­te In­ter­es­sen des Ar­beit­ge­bers ge­recht­fer­tigt ist oder durch gleich­wer­ti­ge Vor­tei­le aus­ge­gli­chen wer­de. Ei­ne un­an­ge­mes­se­ne Be­nach­tei­li­gung könne sich auch dar­aus er­ge­ben, dass die Be­stim­mun­gen nicht klar und verständ­lich sei. Die Ver­trags­stra­fen­ab­re­de müsse al­so nicht nur klar und verständ­lich sein, sie dürfe als sol­che auch nicht un­ge­mes­sen be­nach­tei­li­gen. Die­sen Grundsätzen entspräche die ver­ein­bar­te Ver­trags­stra­fen­klau­sel nicht. Sie sei be­reits hin­sicht­lich des Trans­pa­renz­ge­bo­tes un­wirk­sam. Nach dem Verständ­nis der Be­klag­ten sei je­der Auf­trag, der den Kläger als Han­dels­ver­tre­ter ge­schrie­ben ha­be, ein Ver­s­toß ge­gen das Wett­be­werbs­ver­bot. Wenn er al­so an ei­nem Tag meh­re­re Auf­träge ab­sch­ließe, müsse er schon für ei­nen Tag mit ei­ner Ver­trags­stra­fe von meh­re­ren hun­dert Tau­send Eu­ro rech­nen. Zu Guns­ten der Be­klag­ten könn­te die Klau­sel al­len­falls noch da­hin­ge­hend aus­ge­legt wer­den, dass mit je­dem "Fall" die Auf­nah­me ei­ner Kon­kur­renztätig­keit ge­meint sei. Denk­bar wäre auch, dass die Ver­trags­stra­fe für je­den Mo­nat der Ver­trags­ver­let­zung zu gel­ten hätte. Da­mit wer­de aber das Be­stimmt­heits­ge­bot des § 307 Abs. 1 S. 2 BGB ver­letzt. Die ge­trof­fe­ne Ver­trags­stra­fen­re­ge­lung ent­hal­te auch kei­ne Ein­schränkung des Ver­trags­tra­fen­an­spruchs da­hin­ge­hend, dass höchs­tens ein­mal pro Mo­nat die Ver­trags­tra­fe ver­wirkt wer­den könne. Der Wort­laut der Ver­trags­be­stim­mung sei in­so­weit ein­deu­tig. Da­mit lie­ge aber ein un­an­ge­mes­se­ne Be­nach­tei­li­gung vor. Ei­ne gel­tungs­er­hal­ten­de Re­duk­ti­on der un­wirk­sa­men Ver­trags­stra­fen­klau­sel schei­de aus. We­gen der wei­te­ren Ein­zel­hei­ten der Ur­teils­be­gründung wird auf die Ent­schei­dung ver­wie­sen.
Das Ur­teil wur­de dem Kläger am 16.06.2008, der Be­klag­ten am 13.06.2008 zu­ge­stellt.
Die Be­klag­te hat am 08.07.2008 Be­ru­fung ein­ge­legt, der Kläger hat am 15.07.2008 Be­ru­fung ein­ge­legt.
Die Be­klag­te hat ih­re Be­ru­fung am 07.08.2008 be­gründet, der Kläger hat sei­ne Be­ru­fung am 15.08.2008 be­gründet.
Die Be­klag­te rügt die Fest­stel­lung des Ar­beits­ge­richts, der Kläger ha­be in der Zeit vom 01.03.2005 bis 31.05.2005 nicht ge­gen das Wett­be­werbs­ver­bot ver­s­toßen. Er ha­be le­dig­lich vor­ge­tra­gen, in die­sem Zeit­raum nur ein ge­rin­ges Ein­kom­men be­zo­gen zu ha­ben, aber nicht vor­ge­tra­gen oder un­ter Be­weis ge­stellt, dass er in dem Zeit­raum zum Ein­hal­ten des Wett­be­werbs­ver­bots zurück­ge­kehrt sei. Da­her könne ihm für die­sen Zeit­raum auch kei­ne Entschädi­gung zu­ste­hen. Es sei nicht aus­zu­sch­ließen, dass der Kläger nach den wett­be­werbs­wid­ri­gen Tätig­kei­ten bei der Fir­ma F. sein wett­be­werbs­wid­ri­ges Han­deln fort­ge­setzt ha­be.
Er ha­be des Wei­te­ren ab 01.06.2005 ei­ne Kon­kur­renztätig­keit bei der Fir­ma R. auf­ge­nom­men. Auch wenn der Vor­stand des Be­klag­ten hier­zu er­mun­ter­te, könne dar­aus nicht der Schluss ge­zo­gen wer­den, dass die Be­klag­te durch die Auf­nah­me der Tätig­keit ei­nen Wett­be­werbs­ver­s­toß nicht se­he. Es wäre viel­mehr Ver­pflich­tung des Klägers ge­we­sen, vor Auf­nah­me der Tätig­keit bei der Fir­ma R. mit dem Vor­stand der Be­klag­ten ei­ne ent­spre­chen­de Klärung her­bei­zuführen. Dies ha­be der Kläger nicht ge­macht.
Die Wi­der­kla­ge auf Ver­trags­stra­fe sei be­gründet, weil der Kläger als Han­dels­ver­tre­ter ge­gen die ver­ein­bar­te Wett­be­werbs­ver­ein­ba­rung ver­s­toßen ha­be. Auch nach der Schuld­rechts­re­form kom­me nach § 75 c HGB als spe­zi­el­le Vor­schrift für Han­dels­ver­tre­ter nach wie vor un­ein­ge­schränkt zur An­wen­dung. Da­her be­ste­he nach wie vor die ge­setz­li­che Re­ge­lung auf Her­ab­set­zung der Ver­trags­stra­fe, so­fern das Ge­richt die­se als zu hoch an­se­he. Die­se ge­setz­li­che Re­ge­lung hätte das Ar­beits­ge­richt berück­sich­ti­gen müssen.
Die Be­klag­te hat in­ner­halb der in Be­ru­fungs- und Be­ru­fungs­be­gründungs­frist ein­ge­gan­ge­nen Schriftsätzen le­dig­lich den An­trag an­gekündigt,
das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts Trier vom 28.05.2008, 4 Ca 1725/07 ab­zuändern und die Kla­ge ab­zu­wei­sen.
Die­sen An­trag stell­te die Be­klag­te in der münd­li­chen Ver­hand­lung.
Sie be­an­tragt wei­ter,
dass der Kläger gemäß den Schluss­anträgen ers­ter In­stanz zu der Wi­der­kla­ge ver­ur­teilt wer­den soll.
das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts Trier vom 28.05.2008 zum Ak­ten­zei­chen 4 Ca 1725/07, zu­ge­stellt am 16.06.2008, wird, so­weit die Kla­ge ab­ge­wie­sen wor­den ist, ab­geändert und die Be­klag­te ver­ur­teilt, an den Kläger über den be­reits aus­ge­ur­teil­ten Be­trag von 15.286,56 € brut­to zzgl. Zin­sen wei­te­re 57.349,80 € zu zah­len nebst Zin­sen in Höhe von fünf Pro­zent­punk­ten über dem Ba­sis­zins­satz
seit dem 10.11.2003 aus 6.372,20 €,
seit dem 11.12.2003 aus 3.186,10 €,
seit dem 01.01.2004 aus 3.186,10 €,
seit dem 01.02.2004 aus 3.186,10 €,
seit dem 01.03.2004 aus 3.186,10 €,
seit dem 01.04.2004 aus 3.186,10 €,
seit dem 01.05.2004 aus 3.186,10 €,
seit dem 01.06.2004 aus 3.186,10 €,
seit dem 01.07.2004 aus 3.186,10 €,
seit dem 01.08.2004 aus 3.186,10 €,
seit dem 01.09.2004 aus 3.186,10 €,
seit dem 01.10.2004 aus 3.186,10 €,
seit dem 01.11.2004 aus 3.186,10 €,
seit dem 01.12.2004 aus 3.186,10 €,
seit dem 01.01.2005 aus 3.186,10 €,
seit dem 01.02.2005 aus 3.186,10 €
so­wie seit dem 01.03.2005 aus 3.186,10 €.
Er be­an­tragt wei­ter,
Die Be­klag­te wie­der­um be­an­tragt,
Der Kläger trägt vor, er ha­be ca. um den 20.07.2003 den Vor­stand A. M. persönlich darüber in­for­miert, dass er für die Fir­ma F. im Ver­kauf von Fens­tern und Türen an Pri­vat­kun­den tätig wer­de. Herr M. ha­be dies wohl­wol­lend zur Kennt­nis ge­nom­men und noch geäußert, dass sei das Bes­te was der Kläger ma­chen könne. In­fol­ge des­sen ha­be er da­von aus­ge­hen müssen, dass die Be­klag­te in ei­ner Tätig­keit des Klägers bei der Fir­ma F.kei­nen Wett­be­werbs­ver­s­toß er­bli­cke. An­ge­sichts des­sen lie­ge ein Ver­s­toß ge­gen das Ver­bot wi­dersprüchli­chen Ver­hal­tens vor.
Das Ar­beits­ge­richt ha­be wei­ter rechts­feh­ler­haft ver­kannt, dass ei­ne Kon­kur­renztätig­keit des Klägers bei der Fir­ma F. nicht vor­ge­le­gen ha­be. Das Wett­be­werbs­ver­bot sei un­ver­bind­lich, weil es nicht zum Schutz ei­nes be­rech­ti­gen geschäft­li­chen In­ter­es­ses des Prin­zi­pals die­ne. Dar­an feh­le es wenn von vorn­her­ein mit dem Ver­bot kein le­gi­ti­mer geschäft­li­cher Zweck ver­folgt wer­de. In die­sem Sin­ne sei­en Wett­be­werbs­ver­bo­te aus­zu­le­gen. Feh­le es an ei­ner kla­ren Aus­le­gung müsse das Ver­bot zu Las­ten des Ar­beit­ge­bers aus­ge­legt wer­den, zu­min­dest dann, wenn die­ser ein Ver­trags­for­mu­lar be­nut­ze. Ein be­rech­tig­tes In­ter­es­se lie­ge dann nicht vor, wenn der aus­ge­schie­de­ne Mit­ar­bei­ter le­dig­lich im Kampf um künf­ti­ge Kun­den aus­ge­schal­tet wer­den sol­le. Wol­le man das Wett­be­werbs­ver­bot so in­ter­pre­tie­ren, wie vom Ar­beits­ge­richt, wäre dem Kläger jed­we­de Tätig­keit in der bis­he­ri­gen Bran­che d. h. jed­we­de Tätig­keit, die mit dem Ver­trieb von Fens­tern und Türen zu tun ha­be, für die Dau­er von zwei Jah­ren un­ter­sagt. Dies würde be­deu­ten, dass er in der be­tref­fen­den Bran­che zwei Jah­re nicht ar­bei­ten dürf­te, er wäre für die Be­trie­be die in Deutsch­land Fens­ter und Türen ver­kauf­ten für zwei Jah­re ge­sperrt. Ein sol­ches zweijähri­ges Tätig­keits­ver­bot hätte letzt­end­lich zur Fol­ge, dass der Kläger in der be­tref­fen­den Bran­che über­haupt nicht mehr Fuß fas­sen könne, son­dern sich be­ruf­lich voll­kom­men an­ders ori­en­tie­ren müsse. Da­mit ver­bun­den wären er­heb­li­che be­ruf­li­che Ri­si­ken. Bei ei­ner sol­chen wei­ten Aus­le­gung des Wett­be­werb­ver­bo­tes wäre ei­ne Ver­bind­lich­keit nur dann ge­ge­ben, wenn dem Ar­beit­neh­mer die Zah­lung der vol­len Bezüge zu­ge­sagt wor­den wäre. Ein ver­bind­li­ches Wett­be­werbs­ver­bot be­ste­he nur im Hin­blick auf sol­che Wett­be­wer­ber, die den sel­ben Kun­den­kreis be­die­nen. Dies sei im Fal­le der Be­klag­ten und der Fir­ma F. nicht der Fall. Letz­te­re ver­kau­fe aus­sch­ließlich an End­ver­brau­cher, d. h. die pri­va­ten und ge­werb­li­chen Bau­her­ren, sie sei wie ein Ein­zelhänd­ler tätig, die Be­klag­te hin­ge­gen ver­kau­fe aus­sch­ließlich an den Fach­han­del. Die Fir­ma F. ha­be im Jahr höchs­tens ei­ne Haustür her­ge­stellt und auch nur dann wenn es sich um ein spe­zi­el­les Pro­dukt han­de­le, dass bei der Be­klag­ten nicht zu be­kom­men sei.
Verkäufe der Be­klag­ten an End­ver­brau­cher sei­en nur mar­gi­nal und al­len­falls an Mit­ar­bei­ter im Rah­men von Son­der­ak­tio­nen. Durch die Tätig­keit sei der Be­klag­ten auch ein Scha­den nicht ent­stan­den. Ganz im Ge­gen­teil hätten sich die Umsätze der Be­klag­ten mit der Fir­ma F. deut­lich erhöht.
Die Be­klag­te wie­der­um ver­tei­digt das an­ge­foch­te­ne Ur­teil, der Kläger ha­be ge­gen die Wett­be­werbs­ver­ein­ba­rung ver­s­toßen. Die­se sei nicht un­ver­bind­lich, er ha­be wie aus vor­ge­leg­ten Un­ter­la­gen er­ge­be, für die Fir­ma F. ge­ar­bei­tet, die auch Pro­duk­te von Kon­kur­renz­fir­men ver­trei­be.
We­gen der wei­te­ren Ein­zel­hei­ten des um­fang­rei­chen Sach- und Streit­stan­des im Be­ru­fungs­ver­fah­ren wird auf den vor­ge­tra­ge­nen In­halt der Schriftsätze der Par­tei­en, die Ge­gen­stand der münd­li­chen Ver­hand­lung wa­ren ver­wie­sen. Wei­ter wird ver­wie­sen auf die Fest­stel­lun­gen zum Sit­zungs­pro­to­koll vom 30.10.2008.
Ein in die­ser Sit­zung ab­ge­schlos­se­ner Ver­gleich wur­de vom Kläger recht­zei­tig wi­der­ru­fen.
I. Die Be­ru­fung des Klägers ist form- und frist­ge­recht ein­ge­legt und be­gründet wor­den (§§ 64 Abs. 6, 66 Abs. 1 ArbGG i. v. m. § 520 ZPO). Sie hat in der Sa­che je­doch kei­nen Er­folg.
Dem Kläger ste­hen über die vom Ar­beits­ge­richt zu­ge­spro­che­nen Beträge der Ka­ren­zentschädi­gung kei­ne wei­te­ren Leis­tungs­ansprüche ge­genüber der Be­klag­ten zu. Un­ter kei­nem recht­li­chen Ge­sichts­punkt kann der Kläger für die Zeit, für die er als Han­dels­ver­tre­ter für die Fir­ma F. ge­ar­bei­tet hat, von der Be­klag­ten Ka­ren­zentschädi­gung ver­lan­gen, weil er in­so­weit sei­ne ver­trag­lich be­nom­me­ne Ver­pflich­tung, ein Wett­be­werbs­ver­bot ein­zu­hal­ten, nicht erfüllt hat. Der Be­klag­ten steht da­her die Ein­re­de des nicht erfüll­ten Ver­tra­ges (§ 320 BGB) zu.
Die um­fang­rei­chen Ausführun­gen des Klägers im Be­ru­fungs­ver­fah­ren zur Un­ver­bind­lich­keit des Wett­be­werb­ver­bots, ins­be­son­de­re auch im Zu­sam­men­hang mit ei­ner Aus­le­gung der von der Be­klag­ten vor­ge­ge­be­nen Ver­trags­for­mu­lie­run­gen, er­ge­ben nicht den mit der Kla­ge ver­folg­ten An­spruch.
Zu­tref­fend ist der Aus­gangs­punkt des Klägers, dass ein nach­ver­trag­li­ches Wett­be­werbs­ver­bot Be­den­ken un­ter­lie­gen kann, wenn es nicht zum Schutz ei­nes be­rech­tig­ten geschäft­li­chen In­ter­es­ses des Ar­beit­ge­bers dient und das be­ruf­li­che Fort­kom­men des Hand­lungs­ge­hil­fen un­bil­lig er­schwert. Dies trifft ins­be­son­de­re dann zu, wenn der Ar­beit­ge­ber mit dem Wett­be­werbs­ver­bot das Ziel ver­folgt, je­de Stärkung der Kon­kur­renz durch den Ar­beit­platz­wech­sel zu ver­hin­dern, oh­ne dass die Ge­fahr der Wei­ter­ga­be von Geschäfts­ge­heim­nis­sen oder des Ein­bruchs in den Kun­den­stamm zu be­sor­gen ist (vgl. BAG Ur­teil vom 01.08.1995, 9 AZR 884/93 in NZA 1996, 310). An die­ser Stel­le kann es of­fen blei­ben, ob die Fest­stel­lung des Ar­beits­ge­richts zu­tref­fend ist, dass al­lein die Pro­duk­ti­on ei­ner ein­zi­gen Tür aus­reicht, um von ei­ner Kon­kur­renz­si­tua­ti­on aus­zu­ge­hen.
Un­er­heb­lich für die Ent­schei­dung der Kam­mer war auch, ob es dar­auf an­kommt, dass die Fir­ma F. ei­nen an­de­ren Kun­den­kreis be­dient als die Be­klag­te, nämlich an End­ver­brau­cher lie­fert, während die Be­klag­te Fachhänd­ler wie z. B. die Fir­ma F. be­dient.
Rechts­fol­ge ei­nes un­ver­bind­li­chen Wett­be­werbs­ver­bo­tes ist nämlich nicht die gänz­li­che Un­wirk­sam­keit die­ses Wett­be­werbs­ver­bots, son­dern le­dig­lich wie von § 74 a HGB nor­miert die Un­ver­bind­lich­keit. Da­mit wird dem Ar­beit­neh­mer ei­ne Wahl­recht ein­geräumt. Der Ar­beit­neh­mer kann sich an die ge­trof­fe­ne Ver­ein­ba­rung hal­ten oder er kann sich von ihr los­sa­gen. Das Recht zur Los­sa­gung wird al­ler­dings in­so­weit be­grenzt, als der Ar­beit­neh­mer an der Wett­be­werbs­ab­re­de in ei­nem ge­setz­lich zulässi­gem Um­fang fest­ge­hal­ten wird. Be­ruft sich der Ar­beit­neh­mer trotz Vor­lie­gen ei­nes Un­ver­bind­lich­keitstat­be­stan­des auf die ge­trof­fe­nen Ab­re­den, ver­langt er al­so Erfüllung, steht ihm ein An­spruch auf Entschädi­gung in der ver­ein­bar­ten Höhe zu. Nach der ge­setz­li­chen Kon­zep­ti­on ist es Ri­si­ko und Sa­che des Ar­beit­neh­mers sich auf das Vor­lie­gen ei­nes Un­ver­bind­lich­keitstat­be­stan­des zu be­ru­fen und das Wett­be­werbs­ver­bot nur in dem ge­setz­lich zulässi­gen Um­fang zu erfüllen. Die Erklärung über die par­ti­el­le Nicht­ein­hal­tung des Ver­bots hat der Ar­beit­ge­ber zu Be­ginn der Gel­tung des nach­ver­trag­li­chen Wett­be­werb­ver­bots ab­zu­ge­ben, mit­hin im Zeit­punkt der recht­li­chen Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses (vgl. BAG Ur­teil vom 22.05.1990, 3 AZR 647/88 in NZA 1991, 263). Es er­scheint da­her in der Pra­xis sinn­voll ei­ne all­ge­mei­ne Fest­stel­lungs­kla­ge über den Um­fang des Wett­be­werb­ver­bots zu er­he­ben, wenn ei­ne Un­si­cher­heit über das Vor­lie­gen ei­nes Un­ver­bind­lich­keitstat­be­stan­des ge­ge­ben ist.
Rechts­fol­ge der Un­ver­bind­lich­keit ist nicht et­wa, dass der Kläger sich an das Wett­be­werbs­ver­bot nicht zu hal­ten braucht, er aber gleich­wohl die ver­ein­bar­te Entschädi­gung ver­lan­gen kann.
Nichts an­de­res sagt auch das vom Kläger zi­tier­te Ur­teil des Lan­des­ar­beits­ge­richt Ba­den-Würt­tem­berg vom 30.01.2008 (10 Sa 60/07) wo aus­geführt wird, dass die Fra­ge der Sit­ten­wid­rig­keit des Ver­bo­tes bei Umständen, die kraft der aus­drück­li­chen Son­der­re­ge­lung des § 74 a Abs. 1 HGB be­ru­hen, re­gelmäßig aus­schei­den. Dies hat­te für den Ar­beit­neh­mer den Vor­teil, dass im Fal­le der Un­ver­bind­lich­keit ei­ner Wett­be­werbs­ab­re­de dem Ar­beit­neh­mer ein Wahl­recht zwi­schen Erfüllung mit Ka­ren­zentschädi­gung ver­bleibt, was im Fal­le der Sit­ten­wid­rig­keit nicht möglich wäre.
Be­deu­tet so­mit die Un­ver­bind­lich­keit nicht Un­wirk­sam­keit ei­ner ent­spre­chen­den Ver­pflich­tung, ist Vor­aus­set­zung für ei­nen An­spruch auf Zah­lung der ver­ein­bar­ten Ka­ren­zentschädi­gung, dass der Kläger sich sei­ner­seits an die von ihm über­nom­me­ne Ver­pflich­tung hält. Dies hat er wie vom Ar­beits­ge­richt zu­tref­fend her­aus­ge­ar­bei­tet, im Fal­le sei­ner Tätig­keit für die Fir­ma F. nicht ge­tan. Ihm steht da­her die be­gehr­te Ka­ren­zentschädi­gung nicht zu.
Auch aus den Be­stim­mun­gen über Un­wirk­sam­keit von Klau­seln nach Grundsätzen der Klau­sel­kon­trol­le we­gen all­ge­mei­ner Geschäfts­be­din­gun­gen er­gibt sich nichts an­de­res.
Die Klau­sel ist zum ei­nen nicht in­trans­pa­rent. Es ist dem Kläger ge­nau­es­tens vor­ge­ge­ben, wel­che Ver­pflich­tun­gen er über­nom­men ha­ben im Rah­men der Wett­be­werbs­ab­re­de. Die Be­stim­mung ist ein­deu­tig und be­schreibt aus­drück­lich, wel­che Tätig­kei­ten und wel­che Un­ter­neh­men der Kläger nicht ausüben darf, um sich an die Wett­be­werbs­ab­re­de zu hal­ten. Ei­ne Un­klar­heit be­steht in­so­weit nicht.
Das Pro­blem der gel­tungs­er­hal­ten­den Re­duk­ti­on stellt sich eben­falls nicht. Die ge­setz­li­che Be­stim­mung be­sagt ein­deu­tig, dass das Wett­be­werbs­ver­bot in­so­weit un­ver­bind­lich ist, als es nicht dem be­rech­tig­ten In­ter­es­sen des Ar­beit­ge­bers dient. Ei­ne ab­wei­chen­de Ver­ein­ba­rung in all­ge­mei­nen Geschäfts­be­din­gun­gen würde letzt­lich nur das Er­geb­nis ha­ben, dass die ge­setz­li­che Rechts­fol­gen­re­ge­lung greift, die­se ist wie­der­um da­hin zu be­stim­men, dass die Wett­be­werbs­ab­re­de un­ver­bind­lich bleibt mit der Fol­ge, dass der Kläger nicht ver­pflich­tet ist, sich an das Wett­be­werbs­ver­bot zu hal­ten. Hält er sich nicht an das Wett­be­werbs­ver­bot, weil es für ihn un­ver­bind­lich ist, ris­kiert er zwar kei­ne Scha­dens­er­satz­ver­pflich­tung oder ei­ne Ver­trags­stra­fe, er kann auch nicht auf Un­ter­las­sung in An­spruch ge­nom­men wer­den, an­de­rer­seits erfüllt er nicht die von ihm ver­trag­lich über­nom­me­ne Ver­pflich­tung sich des Wett­be­werbs in­so­weit zu ent­hal­ten, mit der Fol­ge, dass ein Zah­lungs­an­spruch auf Ka­ren­zentschädi­gung aus­schei­det.
Die Kam­mer hat­te kei­ne Ver­an­las­sung der Fra­ge nach­zu­ge­hen, ob die Be­stim­mun­gen der §§ 307 ff. BGB auf die Wett­be­werbs­ab­re­de, je­den­falls so­weit sie den Um­fang be­inhal­tet, über­haupt An­wen­dung fin­det. Ins­be­son­de­re be­ste­hen Zwei­fel, ob es sich hier­bei um ei­ne der In­halts­kon­trol­le un­ter­lie­gen­den Klau­sel han­delt. Nach § 307 Abs. 3 BGB sind von der In­halts­kon­trol­le aus­ge­nom­men Ab­re­den, die ih­rer Art nach nicht der Re­ge­lung durch Ge­setz oder an­de­ren Vor­schrif­ten un­ter­lie­gen, son­dern von den Ver­trags­part­nern fest­ge­legt wer­den. Dies sind Ab­re­den über den un­mit­tel­ba­ren Ge­gen­stand der Haupt­leis­tun­gen und des dafür zu zah­len­den Ent­gel­tes.
Der vom Kläger in der münd­li­chen Ver­hand­lung mehr­fach ge­ge­be­ne Hin­weis, er hätte gar kei­ne an­de­re Wahl ge­habt, als bei der Fir­ma F. zu ar­bei­ten, um sich sei­nen Stan­dard im Be­reich des Ver­triebs von Fens­ter und Türen zu er­hal­ten, über­zeugt nicht.
Zum ei­nen ist dar­auf hin­zu­wei­sen, dass der Kläger oh­ne wei­te­res im nicht ent­fernt ge­le­ge­nen Aus­land hätte tätig wer­den können, er hätte sei­ne vor­han­de­nen Tätig­kei­ten auch bei Un­ter­neh­men ein­set­zen können, die nicht in der Fens­ter- oder Türen-Pro­duk­ti­on und dem Ver­trieb ihr Betäti­gungs­feld ha­ben, oh­ne dass er­sicht­lich ist, dass nach­hal­ti­ge Be­ein­träch­ti­gun­gen des be­ruf­li­chen Fort­kom­mens für die Zu­kunft zu er­war­ten ge­we­sen wären. Wer im Pro­duk­ti­ons­be­reich Fens­ter und Türen als Pro­dukt­ma­na­ger er­folg­reich ist, der kann ge­wiss auch an­de­re Pro­duk­te er­folg­reich ver­mark­ten, oh­ne des­we­gen gleich­zei­tig im Seg­ment der Be­klag­ten tätig sein zu müssen, dies auch nur für ei­nen Zeit­raum von 2 Jah­ren.
Der Kläger hätte al­so durch­aus die Möglich­keit ge­habt sich gänz­lich jeg­li­cher Tätig­keit zu ent­hal­ten, die durch das ver­trag­lich über­nom­me­ne Wett­be­werbs­ver­bot be­schrie­ben ist und hätte dann die Zah­lung der ver­ein­bar­ten Ka­ren­zentschädi­gung für sich be­an­spru­chen können.
Es geht je­den­falls nicht an, dass der Kläger sich nur die Vor­tei­le (Ro­si­nen­theo­rie) aus der ge­trof­fe­nen Wett­be­werbs­ab­re­de für sich re­kla­miert, al­so sich dar­auf be­ruft, dass er an sich nicht ver­pflich­tet ist, sich an das Wett­be­werbs­ver­bot zu hal­ten, an­de­rer­seits die Be­klag­te aber hierfür die ver­ein­bar­te Ka­ren­zentschädi­gung zu zah­len hätte.
Der im Be­ru­fungs­ver­fah­ren vom Kläger wei­ter ge­ge­be­ne Hin­weis, er sei vom Vor­stand der Be­klag­ten er­mun­tert wor­den, bei der Fir­ma F. tätig zu wer­den, be­sagt nichts an­de­res. Hier­in liegt ins­be­son­de­re kei­ne Zu­sa­ge, dass die Be­klag­te sich ver­pflich­ten würde, an den Kläger auch dann Ka­ren­zentschädi­gung zu zah­len, wenn der Kläger bei der Fir­ma F. tätig wird. Al­len­falls kann hier­aus her­ge­lei­tet wer­den, dass die Be­klag­te auf Ansprüche, die sich in­so­fern aus ei­ner even­tu­el­len Ver­let­zung ei­nes Wett­be­werbs­ver­bo­tes er­ge­ben würde, ver­zich­tet. Ei­ne still­schwei­gen­de Auf­he­bung des Wett­be­werbs­ver­bots ist hier­in nicht zu se­hen, ins­be­son­de­re würde dies auch nicht da­zu führen, dass der Kläger Ka­ren­zentschädi­gung ver­lan­gen könn­te, weil dann die ver­trag­li­che Grund­la­ge zur Zah­lung die­ser Entschädi­gung ent­fal­len wäre.
II. Die Be­ru­fung der Be­klag­ten hat im Er­geb­nis kei­nen Er­folg.
Zunächst ist die Kam­mer nicht ge­hin­dert, über den An­trag der Be­klag­ten, der Kläger möge an die Be­klag­te die gel­tend ge­mach­te Wi­der­kla­ge­for­de­rung aus 1. In­stanz zah­len, ma­te­ri­ell zu ent­schei­den.
Die Be­klag­te hat die Be­ru­fung ge­gen das erst­in­stanz­li­che Ur­teil nicht auf die in der Be­ru­fungs­schrift ge­stell­ten Anträge be­schränkt. Dar­aus, dass die Be­klag­te in der Be­ru­fungs­schrift nur den An­trag auf Kla­ge­ab­wei­sung ge­stellt hat, konn­te nicht ge­schlos­sen wer­den, sie woll­te das Rechts­mit­tel ent­spre­chend be­schränken und ih­nen Kla­ge­an­trag zu 3) in der Be­ru­fungs­in­stanz nicht wei­ter ver­fol­gen.
Dies er­gibt sich schon dar­aus, dass nach § 518 ZPO die Be­ru­fungs­schrift­anträge noch nicht ent­hal­ten muss.
Da­her kann nach all­ge­mei­ner Mei­nung der Ankündi­gung be­schränk­ter Anträge in der Be­ru­fungs­schrift ei­ne ent­spre­chen­de Be­schränkung des Rechts­mit­tels re­gelmäßig nicht ent­nom­men wer­den. Von ei­ner Be­schränkung kann nur dann aus­ge­gan­gen wer­den, wenn der kla­re und ein­deu­ti­ge Wil­le zum Aus­druck ge­bracht wor­den ist, dass das erst­in­stanz­li­che Ur­teil in­so­weit hin­ge­nom­men und nicht an­ge­foch­ten wer­den soll (vgl. BAG Ur­teil vom 04.08.1993, 4 AZR 511/92).
Aus der Be­ru­fungs­schrift der Be­klag­ten er­gibt sich ein der­ar­ti­ger Wil­le nicht. Die Be­klag­te hat die Erklärung, dass sie ge­gen das erst­in­stanz­li­che Ur­teil Be­ru­fung ein­legt, in dem Um­fang nicht aus­drück­lich be­schränkt. Zwar könn­ten mögli­cher­wei­se Zwei­fel auf­tau­chen, ob die Be­klag­te die erst­in­stanz­li­che ab­ge­wie­se­ne Wi­der­kla­ge auch im Be­ru­fungs­ver­fah­ren noch wei­ter ver­folgt. Die­se Zwei­fel genügen aber nicht von Be­schränkung des Rechts­mit­tels aus­zu­ge­hen.
Dass die Be­klag­te in der Be­ru­fungs­be­gründung aus­drück­lich die Anträge auf Ver­ur­tei­lung nach der Wi­der­kla­ge nicht ge­stellt hat, ist eben­falls nicht schädlich. Aus der Be­ru­fungs­be­gründung er­gibt sich ein­deu­tig, dass die Be­klag­te das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts in­so­fern für feh­ler­haft hält, als es die Wi­der­kla­ge un­ter Hin­weis auf Rechts­spre­chung zu In­halts­kon­trol­le zu all­ge­mei­ner Geschäfts­be­din­gun­gen ab­ge­wie­sen hat. Die Be­ru­fungs­be­gründung um­fasst sich auch oh­ne aus­drück­li­che An­trag­stel­lung da­her mit der Kla­ge­ab­wei­sung des Ar­beits­ge­richts, so­weit die Ver­trags­stra­fe der Be­klag­ten nicht zu­ge­spro­chen wur­de.
Ge­gen­stand und Um­fang des Be­ru­fungs­ver­fah­rens sind da­mit klar­ge­stellt. Ei­ner aus­drück­li­chen Ankündi­gung ei­ne An­tra­ges, auch nach den Schluss­anträgen zur Wi­der­kla­ge in ers­ter In­stanz zu be­fin­den, be­durf­te es dem­gemäß in­ner­halb der ge­nann­ten Fris­ten nicht.
Die Be­ru­fung der Be­klag­ten hat aber in der Sa­che kei­nen Er­folg.
So­weit die Be­klag­te wei­ter­hin die Zah­lung von Ver­trags­stra­fe be­gehrt, ist das an­ge­foch­te­ne Ur­teil zu­tref­fend.
Auf die­se Ur­teil wird gemäß § 69 Abs. 2 ArbGG ver­wie­sen.
Im Be­ru­fungs­ver­fah­ren sind kei­ne neu­en rechts­er­heb­li­chen Ge­sichts­punk­te auf­ge­tre­ten, die ei­ne Ab­wei­chung von dem ge­fun­de­nen Er­geb­nis recht­fer­ti­gen könn­ten. So­fern die Be­klag­te auf die Be­stim­mun­gen zur An­pas­sung der Ver­trags­stra­fe hin­weist, ist zum ei­nen auf die Rechts­spre­chung Be­zug zu neh­men, die auch vom Ar­beits­ge­richt an­ge­spro­chen wur­de, dass ei­ne gel­tungs­er­hal­ten­de Re­duk­ti­on nicht in Be­tracht kommt bei in­trans­pa­ren­ten Klau­seln, um ei­ne sol­che han­delt es sich, wie vom Ar­beits­ge­richt zu­tref­fend her­aus­ge­ar­bei­tet, Zum An­de­ren ver­kennt die Be­klag­te, dass der Ver­trag nicht nach den Mo­da­litäten ei­nes Han­del­ver­tre­ter­ver­tra­ges zu be­han­deln ist, son­dern die Ver­ein­ba­rung zwi­schen den Par­tei­en in ei­nem be­ste­hen­den Ar­beits­verhält­nis ge­trof­fen wur­de, der Kläger al­so ein Wett­be­werbs­ver­bot als Hand­lungs­ge­hil­fe auf­ge­nom­men hat. Des­wei­te­ren ist fest­zu­hal­ten, dass auch im Be­reich der Ver­trags­stra­fe im all­ge­mei­nen bürger­li­chen Recht ei­ne Her­ab­set­zung durch das Ge­richt in Be­tracht kommt, al­ler­dings die Be­stim­mun­gen über die Un­wirk­sam­keit von vor­for­mu­lier­ten Ver­trags­be­stim­mun­gen, die in­trans­pa­rent sind, die­sen all­ge­mei­nen Re­geln so­wohl im bürger­li­chen Recht, als auch im Han­dels­recht vor­ge­hen.
III. So­weit die Be­klag­te gel­tend macht, dass Ar­beits­ge­richt ha­be dem Kläger Ka­ren­zentschädi­gung zu Un­recht zu­ge­spro­chen, ist die Be­ru­fung zum Teil nicht hin­rei­chend be­gründet, zum Teil ent­spricht die Ent­schei­dung des Ar­beits­ge­richts ma­te­ri­el­ler Rechts­la­ge.
Der Kläger hat nämlich erst­in­stanz­lich nicht le­dig­lich vor­ge­tra­gen, er ha­be in der Zeit vom 01.03.2005 bis zum 31.03.2005 nur ein ge­rin­ges Ein­kom­men be­zo­gen, er hat, auch dies ist vom Ar­beits­ge­richt bei sei­ner Ent­schei­dungs­fin­dung berück­sich­tigt wor­den, darüber hin­aus un­ter Vor­la­ge von Do­ku­men­ten vor­ge­tra­gen, dass sein Rechts­verhält­nis zur Fir­ma F. mit dem 28.02.2005 ge­en­det hat. An­halts­punk­te dafür, dass der Kläger nach die­sem Zeit­raum Tätig­kei­ten aus­geübt hat, die mit dem vom ihm über­nom­me­nen Wett­be­werbs­ver­bot nicht in Ein­klang zu brin­gen sind, hat die Be­klag­te nicht dar­ge­legt. Es ist da­her wie vom Ar­beits­ge­richt da­von aus­zu­ge­hen, dass sich der Kläger in der Zeit vom 01.03.2005 bis 31.05.2005 an das Wett­be­werbs­ver­bot ge­hal­ten hat, mit der Fol­ge, dass ihm die ver­trag­lich zu­ge­si­cher­te Ka­ren­zentschädi­gung zu­steht.
Dass der Kläger ab 01.06.2005 bei der Fir­ma R. ge­ar­bei­tet hat, steht der Zah­lung eben­falls nicht ent­ge­gen. In­so­fern liegt ei­ne hin­rei­chen­de Aus­ein­an­der­set­zung mit den tra­gen­den Gründen der an­ge­foch­te­nen Ent­schei­dung nicht vor. Die Be­klag­te schreibt le­dig­lich, wenn sie den Kläger er­mun­tert ha­be, ei­ne Tätig­keit bei der Fir­ma R. auf­zu­neh­men, könne hier­aus nicht der Schluss ge­zo­gen wer­den, dass die Be­klag­te ei­nen Wett­be­werbs­ver­s­toß nicht mehr se­he. Mit den ausführ­li­chen Be­gründun­gen des ar­beits­ge­richt­li­chen Ur­teils, ob und in­wie­weit die­ses Ver­hal­tens­mus­ter ge­gen Treu und Glau­ben verstößt, setzt sich die Be­ru­fungs­be­gründung nicht in hin­rei­chend deut­li­cher Form aus­ein­an­der, ins­be­son­de­re wird nicht dar­ge­legt, wes­we­gen die Auf­fas­sung des Ar­beits­ge­richts feh­ler­haft sein soll. Ei­ne Ver­pflich­tung des Klägers vor Auf­nah­me der Tätig­keit mit dem Vor­stand ei­ne ent­spre­chen­de Klärung her­bei­zuführen, wird hier zwar be­haup­tet, al­ler­dings nicht ar­ge­stellt, aus wel­chen Gründen des­we­gen die Ent­schei­dung falsch sein soll.
Er­weist sich so­mit in­so­weit die an­ge­foch­te­ne Ent­schei­dung des Ar­beits­ge­richts als zu­tref­fend, muss­te auch die Be­ru­fung der Be­klag­ten er­folg­los blei­ben.
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