Source: https://jurcase.com/die-berechnung-des-bak-wertes-blutalkoholkonzentration-in-der-assessorklausur/
Timestamp: 2018-09-21 10:27:38
Document Index: 340688464

Matched Legal Cases: ['in dubio', '§ 315', '§ 20', 'in dubio', '§ 20', 'in dubio']

Die Berechnung des BAK-Wertes (Blutalkoholkonzentration) in der Assessorklausur - JurCase.com Die Berechnung des BAK-Wertes (Blutalkoholkonzentration) in der Assessorklausur - JurCase.com
By JurCase Redaktion11. September 2018 No Comments
Vielen Referendaren ist es ein Graus, wenn sie von den zahlreichen Berechnungsmethoden des BAK-Wertes lesen. Dabei wissen die wenigsten (so ging es jedenfalls mir), wie verkompliziert viele Lehrbücher dieses Themengebiet ansprechen und wie einfach diese eigentlich ist. Dabei ist es gerade in der Klausursituation, in der man unter enormen Stress und Zeitdruck steht, wichtig, dass man noch in der Lage ist, diesen auf seine rechtmäßige Berechnung zu prüfen. Gerade auch in der Revisionsklausur, kann sich hier das eine oder andere Problem stellen.
Die Berechnungsgrundlage und ihre Auswirkungen
Zunächst einmal muss im ersten Schritt geprüft werden, wofür die BAK-Berechnung zu Grunde zu legen ist. Dabei ist der Ausgangspunkt immer der Grundsatz: „in dubio pro reo“. Wer das verstanden hat, dem wird sich auch die eigentlich simplen zwei Berechnungsmethoden erschließen.
Im Grundsatz sind nämlich nur zwei Berechnungsmodelle zu beherrschen. Der BAK-Wert für die Straßenverkehrsdelikte (§§ 315c, 316 StGB) und der für die Schuld (§ 20, 21 StGB).
Merke: „in dubio pro reo“! Für die Straßenverkehrsdelikte ist es für den Beschuldigten gut, je niedriger der Wert ist. Für die Schuldfähigkeit ist es für den Beschuldigten gut, je höher der BAK-Wert ist.
Berechnung für Straßenverkehrsdelikte
Ausgehend von dem oben gesagten, wird der BAK- Wert bei Straßenverkehrsdelikten wie folgt berechnet:
Man rechnet erst zwei Stunden nach Tatzeit (merke: hier je niedriger, desto besser)
Man rechnet dann 0,1 Promille pro Stunde weg
Tatzeit: 01: 00 Uhr
Entnahmezeitpunkt: 05:00 Uhr
Messung: 0,9 Promille
1. Berechnung erst ab 03:00 Uhr
2. 03:00 Uhr bis Entnahmezeitpunkt sind 2 Stunden
Also: 2 mal 0,1 Promille wird auf 0,9 Promille draufgerechnet
Ergebnis: BAK-Wert von 1,1 Promille ist zugrunde zu legen
Berechnung für Schuldfähigkeit
1. Einmaliger Sicherheitszuschlag von 0,2 Promille (merke: hier je höher desto besser)
2. Pro Stunde zwischen Tatzeit und Entnahmezeitpunkt werden 0,2 Promille weggerechnet
Tatzeit: 03:00 Uhr
Messung: 2,8 Promille
1. einmalig auf die 2,8 Promille werden 0,2 Promille drauf gerechnet= 3,0 Promille
2. Zeit zwischen Tatzeit und Entnahmezeitpunkt: 2 (Std) mal 0,2 Promille= 0,4 Promille.
Diese 0,4 Promille werden dann zu den 3,0 Promille hinzugerechnet= 3,4 Promille.
„Widmarksche Formel“ (teilweise auch „Widmark-Formel“)
Vorab: Diese komplexe Formel steht in vielen Lehrbüchern und Kommentaren, sie regelt jedoch nur einen Spezialfall. Wichtig ist nur zu wissen, dass es sie gibt. Es wird in keiner Klausur erwartet sie anzuwenden. Das hat einfach den Hintergrund, dass es keinen Praktiker gibt, der hingeht und den Promillewert anhand dieser Formel selbst ausrechnet. In der Praxis übernimmt diese Aufgabe ein Gutachter. Diese ist immer in den Fällen anzuwenden, wenn der sogenannte „Nachtrunk“ vorliegt. Beispiel: Täter trinkt um 0:00 Uhr, verursacht um 01:00 Uhr einen Unfall, geht dann nach Hause und trinkt dort weiter (siehe dazu Fischer, § 20 RN 14).
Wie ihr seht, ist die Berechnung des BAK-Wertes in seiner Struktur nicht so kompliziert, wie es in viele Lehrbüchern dargestellt wird. Wenn man sie ein paar Mal angewendet hat, sollte sie auch sitzen. Es ist jedoch immer schön, in einer Klausur kurz vorher zu erwähnen, dass sich die Berechnungsmethoden aus dem in dubio pro reo-Grundsatz ergeben.