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Timestamp: 2016-10-23 17:56:43
Document Index: 2489591

Matched Legal Cases: ['Art. 4', 'BGE', 'BGE', 'Art. 40', 'Art. 135', 'Art. 95', 'Art. 113', 'Art. 85', 'Art. 69', 'BGE', 'BGE']

I 144/01 (16.05.2002)
S.________, 1946, Beschwerdef�hrer, vertreten durch den Rechtsdienst f�r Behinderte, Sch�tzenweg 10, 3014 Bern,
A.- S.________, geboren 1946, ist Hochbauzeichner und Bauleiter und f�hrte von 1993 bis 1996 als Selbstst�ndigerwerbender ein Architekturb�ro. Am 9. Mai 1997 meldete er sich bei der IV wegen einer psychischen Erkrankung zum Leistungsbezug (Berufsberatung, Umschulung und Arbeitsvermittlung) an.
Die IV-Stelle Bern holte in der Folge einen Bericht des behandelnden Arztes, Dr. med. W.________, Spezialarzt f�r Psychiatrie und Psychotherapie FMH, vom 5. Juni 1997 ein. Weiter gab sie bei Dr. med. H.________, Psychiatrie und Psychotherapie FMH, Psychiatrische Klinik A.________, ein Gutachten in Auftrag, welches am 16. Dezember 1997 erstattet wurde. Dr. med. W.________ lieferte am 14. November 1998 und am 20. Mai 1999 je einen �rztlichen Zwischenbericht.
Gest�tzt auf diese Abkl�rungen stellte die IV-Stelle S.________ mit Vorbescheid vom 4. August 1999 die Ablehnung seines Leistungsersuchens in Aussicht. Nachdem der Versicherte und die Sozialarbeiterin T.________ vom Sozialdienst der Psychiatrischen Klinik A.________ am 11. bzw. 13. August 1999 dazu Stellung bezogen und dabei auf eine infolge einer vertieften Depressivit�t notwendig gewordene Einweisung in die genannte Klinik aufmerksam gemacht hatte, holte die IV-Stelle einen Bericht der Klinik vom 10. November 1999 und ein zweites Gutachten von Dr. med. H.________ vom 15. Mai 2000 ein. Mit Verf�gung vom 6. Juni 2000 wies sie das Leistungsbegehren ab.
B.- Die daraufhin eingereichte Beschwerde wurde vom Verwaltungsgericht des Kantons Bern, Sozialversicherungsrechtliche Abteilung, mit Entscheid vom 26. Januar 2001 abgewiesen. Zur Begr�ndung f�hrte das Gericht aus, der Beschwerdef�hrer sei in seiner angestammten T�tigkeit wie auch in einer anderen ad�quaten Arbeit voll erwerbsf�hig, und es liege kein chronifizierter und fixierter Gesundheitsschaden vor.
C.- S.________ l�sst Verwaltungsgerichtsbeschwerde f�hren mit dem Rechtsbegehren, der Entscheid der Vorinstanz sei aufzuheben und es sei ihm mit Wirkung ab 1. September 1997 eine ganze Invalidenrente zuzusprechen. Eventualiter wird eine erneute fach�rztliche Begutachtung beantragt.
1.- a) Das kantonale Gericht hat die gesetzliche Bestimmung �ber den Begriff der Invalidit�t (Art. 4 IVG) und die Rechtsprechung zu den invalidisierenden psychischen Gesundheitssch�den (BGE 102 V 165; AHI 2000 S. 151 Erw. 2a, 1996 S. 302 Erw. 2a; ZAK 1992 S. 170 Erw. 2a mit Hinweisen; siehe jetzt auch BGE 127 V 298 Erw. 4c mit Hinweisen) richtig dargelegt. Darauf wird verwiesen.
b) Das Bundesrecht schreibt nicht vor, wie die einzelnen Beweismittel zu w�rdigen sind. F�r das gesamte Verwaltungs- und Verwaltungsgerichtsbeschwerdeverfahren gilt der Grundsatz der freien Beweisw�rdigung (Art. 40 BZP in Verbindung mit Art. 135 OG; Art. 95 Abs. 2 OG in Verbindung mit Art. 113 und 132 OG; Art. 85 Abs. 2 lit. c AHVG in Verbindung mit Art. 69 IVG; Meyer-Blaser, Rechtsprechung des Bundesgerichts zum IVG, S. 229). Danach haben Versicherungstr�ger und -richter die Beweise frei, d.h. ohne Bindung an f�rmliche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgem�ss zu w�rdigen. F�r das Beschwerdeverfahren bedeutet dies, dass der Sozialversicherungsrichter alle Beweismittel, unabh�ngig davon, von wem sie stammen, objektiv zu pr�fen und danach zu entscheiden hat, ob die verf�gbaren Unterlagen eine zuverl�ssige Beurteilung des streitigen Rechtsanspruchs gestatten. Insbesondere darf er bei einander widersprechenden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu w�rdigen und die Gr�nde anzugeben, warum er auf die eine und nicht die andere medizinische These abstellt. Hinsichtlich des Beweiswerts eines Arztberichts ist entscheidend, ob er f�r die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden ber�cksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Beurteilung der medizinischen Zusammenh�nge und der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Experten begr�ndet sind (BGE 125 V 352 Erw. 3a, 122 V 160 f. Erw. 1c).
2.- Die Entwicklung der gesundheitlichen und erwerblichen Situation des Beschwerdef�hrers zeigt folgendes Bild:
a) Der Beschwerdef�hrer befindet sich seit September 1996 in psychiatrischer Behandlung. Im Bericht des behandelnden Arztes, Dr. med. W.________, vom 5. Juni 1997 wurde die Diagnose einer l�ngeren depressiven Reaktion auf eine l�nger anhaltende Belastungssituation (ICD-10 F43. 21) bei vorbestehender schwerer neurotischer Fehlentwicklung gestellt.
Die Arbeitsunf�higkeit im bisherigen Beruf betrug nach Einsch�tzung des Arztes durchschnittlich 40 % f�r die Zeit von September 1996 bis Februar 1997 und anschliessend 100 % bis zum Zeitpunkt der Untersuchung. Berufsberatung und Umschulung wurden als angezeigt erachtet. Dr. med.
H.________ hielt in seinem ersten Gutachten vom 16. Dezember 1997 eine Pers�nlichkeitsst�rung im Sinne einer neurotisch-charakterneurotischen Fehlentwicklung fest. Das Scheitern des Exploranden im beruflichen Alltag sei vermutungsweise nicht ausschliesslich Folge der Rezession, sondern es habe sich hier mit gr�sster Wahrscheinlichkeit die Pers�nlichkeitsst�rung ausgewirkt. Auch sei eine gewisse Suizidalit�t anzunehmen. Eine verbindliche Aussage zur Arbeitsunf�higkeit sei nicht m�glich; einzig ein Arbeitsversuch k�nnte erweisen, ob die chronifizierende depressive Verstimmung die Arbeitsf�higkeit wesentlich beeintr�chtige.
Im �rztlichen Zwischenbericht vom 14. November 1998 schrieb Dr. med. W.________ bei unver�nderter Diagnose von einem verbesserten Gesundheitszustand des Versicherten. Der Versicherte hatte zwischenzeitlich wieder eine selbstst�ndige T�tigkeit als Architekt aufgenommen. F�r die Zeit von M�rz bis September 1997 wurde vom Arzt eine 100 %ige, von Oktober 1997 bis Februar 1998 eine 70 %ige und ab M�rz 1998 noch eine 50 %ige Arbeitsunf�higkeit angegeben. Diese halbe Arbeitsleistung sei bei vollem zeitlichem Einsatz zu erbringen.
Dr. W.________ erachtete eine Steigerung der Arbeitsleistung auf 100 % bis Ende 1998 als m�glich.
Auf Grund eines extern begutachteten Business-Planes des Versicherten und eigener Abkl�rungen empfahl der Berufsberater bei der IV-Stelle Bern, eine Kapitalhilfe zur Finanzierung von B�roinfrastrukturen, Miete, Material- und Inseratekosten, um dem Beschwerdef�hrer den erneuten Einstieg in eine selbstst�ndige Erwerbst�tigkeit zu erm�glichen.
Mit Verf�gung vom 21. September 1999 gew�hrte die IV-Stelle die Kosten�bernahme f�r die Begutachtung des Business-Planes.
Dr. med. W.________ gab am 20. Mai 1999 in einem weiteren �rztlichen Zwischenbericht an, der Gesundheitszustand des Patienten habe sich seit seinem letzten Bericht wieder verschlechtert; er sei auf Grund anhaltenden beruflichen Stresses (finanzielle Engp�sse) erneut depressiv dekompensiert und stehe wieder unter Medikation mit Antidepressiva.
Die Arbeitsunf�higkeit wurde - entgegen der optimistischen Einsch�tzung im vorangehenden Bericht - mit weiterhin 50 % angegeben, wobei eine Beschr�nkung der zeitlichen Belastung auf 50 % eines Normalpensums zu empfehlen und die Produktivit�t laufend zu evaluieren sei. Die gesundheitliche Prognose sei von der beruflichen Entwicklung abh�ngig: sofern der Patient beruflich wieder Fuss fassen k�nne, sei seine psychische/psychiatrische Prognose gut, andernfalls schlecht. Die Erwerbsf�higkeit sei geradezu von beruflichen Massnahmen abh�ngig. In einem Schreiben vom 12. Juni 1999 pr�zisierte Dr. W.________ auf Anfrage hin, dass eine finanzielle Unterst�tzung zur Steigerung der Arbeitsf�higkeit dann sinnvoll sei, wenn dem Beschwerdef�hrer jemand zur Seite stehe, der absch�tze, ob seine Gesch�ftschancen intakt seien, was angesichts des Zustandes des Patienten und angesichts der von diesem geschilderten Situation fraglich sei. Wenn sie sich aber erbringen liesse, k�nne mit einer raschen und erheblichen Verbesserung der Arbeitsf�higkeit gerechnet werden.
b) Im nach dem Vorbescheidverfahren eingeholten Arztbericht der Psychiatrischen Klinik M.________ vom 10. November 1999 wurde die Diagnose einer chronifizierten schweren Depression bei selbstunsicherer Pers�nlichkeit (ICD-10 F33. 2, F60. 6) gestellt. Seit September 1996 und auch nach dem Klinikaustritt liege eine 100 %ige Arbeitsunf�higkeit vor. Zugleich wurde allerdings auch angegeben, der Beschwerdef�hrer k�nne eventuell noch als Bauzeichner eingesetzt werden, allerdings zu nicht mehr als 50 % und nur in einem wohlwollenden, unterst�tzenden Klima. Am 15. Mai 2000 lieferte Dr. med. H.________ sein zweites Gutachten ab.
Darin f�hrte er aus, am Gesundheitszustand des Versicherten habe sich seit 1997 nichts Grundlegendes ge�ndert; es sei nicht von einer relevanten Verschlechterung auszugehen. Der Explorand habe nicht etwa infolge einer psychischen Krankheit seine T�tigkeit als selbstst�ndiger Architekt aufgeben m�ssen, sondern es habe umgekehrt die berufliche Situation zu einer depressiv gef�rbten Dekompensation gef�hrt, womit ganz eindeutig ein reaktiv-depressives Geschehen vorliege.
Zur Arbeitsunf�higkeit f�hrte der Gutachter aus, der Versicherte d�rfte als angestellter Architekt wohl voll arbeitsf�hig sein.
c) Der Verwaltungsgerichtsbeschwerde liegt ein Schreiben von Dr. med. W.________ vom 3. M�rz 2001 an die Rechtsvertreterin des Beschwerdef�hrers bei, in welchem der Arzt den gegenw�rtigen Zustand des Patienten als schwere, aktuell chronifiziert wirkende depressive St�rung bezeichnet und eine 100 %ige Arbeitsunf�higkeit sowohl in der angestammten als auch in jeder denkbaren anderen T�tigkeit attestiert.
3.- Damit liegen insgesamt sieben �rztliche Berichte vor, wovon einer nach Erlass der streitigen Verf�gung verfasst wurde. Vier stammen vom behandelnden Arzt, Dr. med.
W.________, zwei vom Gutachter Dr. med. H.________ und einer von den Dres. med. K.________ und R.________ von der psychiatrischen Klinik A.________, in welcher der Patient zeitweise hospitalisiert war. Die Diagnosen, wenn auch im einzelnen differierend, stimmen insofern �berein, als eine sich w�hrend l�ngerer Zeit auswirkende psychische St�rung bei vorbestehenden Fehlentwicklungen der Psyche festgehalten wird. Die Aussagen zur Arbeitsunf�higkeit sind uneinheitlich und reichen von voller Erwerbsf�higkeit �ber eingeschr�nkte Arbeitsf�higkeit bis zu vollst�ndiger Unf�higkeit zur Erwerbst�tigkeit. Von Dr. H.________ wird auf eine Stellungnahme zu dieser Frage verzichtet, weil sich dazu keine gesicherten Aussagen machen liessen.
a) Die Vorinstanz hat ihre Entscheidung wesentlich auf das von ihr als umfassend und schl�ssig bezeichnete Gutachten von Dr. med. H.________ vom 15. Mai 2000 gest�tzt. Diese W�rdigung vermag nicht zu �berzeugen. Die Zuschreibung einer vollen Erwerbsf�higkeit wird im fraglichen Gutachten nicht begr�ndet. Des Weitern liegt ein Widerspruch darin, dass der berufliche Misserfolg des Beschwerdef�hrers im ersten Gutachten "mit gr�sster Wahrscheinlichkeit" auch als Auswirkung der Pers�nlichkeitsst�rung betrachtet wurde, w�hrend im zweiten Gutachten der Ursache-Wirkungs-Zusammenhang ausschliesslich so gesehen wird, dass die Schwierigkeiten im Beruf zu psychischen Problemen gef�hrt h�tten.
K.________ und R.________ gestellt worden war, ungen�gend, wird sie doch einfach als "etwas unverst�ndlich" bezeichnet.
Der Gutachter verweist auf die allerdings tats�chlich widerspr�chlichen Aussagen dieser �rzte zur Arbeitsunf�higkeit und nimmt zur Diagnose nicht weiter Stellung.
Schliesslich ist zu sagen, dass es f�r den Krankheitswert einer psychischen St�rung auf deren Genese (zumindest im Bereich der Invalidenversicherung) nicht ankommen kann.
Entscheidend ist allein, ob die Erwerbsf�higkeit w�hrend l�ngerer Zeit in bedeutendem Umfang eingeschr�nkt ist (BGE 127 V 298 Erw. 4c mit Hinweisen). Die Aussage, dass eindeutig eine Reaktion (n�mlich auf wirtschaftliche Verh�ltnisse) vorliege, hilft daher nicht weiter. Damit ist dem Gutachten von Dr. med. H.________ vom 15. Mai 2000 im Rahmen der Beweisw�rdigung kein spezielles Gewicht zuzumessen.
Es bleiben gleichgewichtig mehrere Stellungnahmen medizinischer Fachleute zu beachten, aus denen sich bez�glich der Erwerbsf�higkeit des Beschwerdef�hrers keine klaren Schl�sse ziehen lassen. Der Sachverhalt muss als in diesem Punkt nicht gen�gend gekl�rt bezeichnet werden.
b) In der Verwaltungsgerichtsbeschwerde wird geltend gemacht, die Vorinstanz sei zu Unrecht von einer �bereinstimmung zwischen den Dres. med. H.________ und W.________ in Bezug auf die Erwerbsf�higkeit des Beschwerdef�hrers ausgegangen. Dieser Einwand trifft zu. Auch wenn Dr.
W.________ in seinem vom kantonalen Gericht angef�hrten Schreiben vom 10. Juni 2000 eine Verbesserung der Arbeitsf�higkeit unter g�nstigen Umst�nden als m�glich erachtet, ist es nicht statthaft, dadurch die Aussage von Dr.
H.________ best�tigt zu sehen, der Beschwerdef�hrer k�nnte als selbstst�ndiger Architekt wieder uneingeschr�nkt arbeiten, w�rden ihm nur die n�tigen Mittel zur Verf�gung gestellt.
c) Die IV-Stelle wird, entsprechend dem Eventualantrag in der Verwaltungsgerichtsbeschwerde, eine fach�rztliche Begutachtung des Beschwerdef�hrers durchf�hren lassen und gest�tzt auf die Ergebnisse �ber dessen Leistungsanspruch neu verf�gen.
des Kantons Bern vom 26. Januar 2001 und die Verf�gung
Sache wird an die IV-Stelle Bern zur�ckgewiesen, damit
III. Die IV-Stelle Bern hat dem Beschwerdef�hrer f�r das Verfahren vor dem Eidgen�ssischen Versicherungsgericht eine Parteientsch�digung von Fr. 1000.- (einschliesslich