Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Text=BStBl%20II%201984,%2056
Timestamp: 2019-09-15 23:05:22
Document Index: 57827293

Matched Legal Cases: ['§ 152', '§ 5', '§ 156', '§ 253', '§ 535', '§ 6', '§ 5']

BFH, 19.07.1983 - VIII R 160/79 - dejure.org
https://dejure.org/1983,222
BFH, 19.07.1983 - VIII R 160/79 (https://dejure.org/1983,222)
BFH, Entscheidung vom 19.07.1983 - VIII R 160/79 (https://dejure.org/1983,222)
BFH, Entscheidung vom 19. Juli 1983 - VIII R 160/79 (https://dejure.org/1983,222)
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Rückstellung - Drohender Verlust aus schwebenden Geschäften - Dauerschuldverhältnis - Mietverhältnis - Höhe der Rückstellung
AktG § 152 Abs. 7; EStG § 5
Zur Bildung von Rückstellungen für drohende Verluste aus schwebenden Geschäften bei verlustbringender Vermietung
BFHE 139, 244
BB 1984, 120
BStBl II 1984, 56
Der Wert der Sachleistungsverpflichtung des Klägers sei mit dem Geldwert aller Aufwendungen (Vollkosten) zu bewerten, die zu ihrer Bewirkung erforderlich seien (BFH-Urteil vom 19. Juli 1983 VIII R 160/79, BFHE 139, 244, BStBl II 1984, 56).
Verlustrückstellungen sind deshalb auch in der Steuerbilanz anzusetzen (BFH-Urteile vom 18. Januar 1995 I R 44/94, BFHE 177, 61, BStBl II 1995, 742, m. w. N.; in BFHE 139, 244, BStBl II 1984, 56).
Bei Dauerschuldverhältnissen, die ein Absatzgeschäft zum Gegenstand haben (z. B. die entgeltliche Überlassung von Räumen zur Nutzung), ist zur Ermittlung des Verpflichtungsüberschusses der Wert des Anspruchs auf die Gegenleistung (Mietzins) mit dem Geldwert der Aufwendungen zu vergleichen, die zur Bewirkung der Leistung erforderlich sind (Urteil in BFHE 139, 244, BStBl II 1984, 56).
Andererseits sei in Übereinstimmung mit der überwiegenden Meinung im Schrifttum entgegen dem Urteil des Bundesfinanzhofs (BFH) vom 19. Juli 1983 VIII R 160/79 (BFHE 139, 244, BStBl II 1984, 56) von einer Abzinsung abgesehen worden.
Sie bemessen sich nach dem Geldwert aller Aufwendungen (Vollkosten), die zu ihrer Bewirkung erforderlich sind (BFHE 139, 244, 249, BStBl II 1984, 56, unter III.3.).
Eine Veränderung des Mietzinses infolge der Wertsicherungsklauseln wäre erst zu berücksichtigen, wenn deren Voraussetzungen eintreten (BFHE 139, 244, 249, BStBl II 1984, 56, unter III.2.).
d) Der Bildung der Rückstellung steht - jedenfalls nach der bisherigen Rechtsprechung des BFH - nicht entgegen, daß der Kläger bewußt ein Verlustgeschäft eingegangen ist (BFHE 139, 244, 250, BStBl II 1984, 56, unter III.6.).
Der Senat folgt den Ausführungen des Urteils in BFHE 139, 244, 250, BStBl II 1984, 56 (unter III.5.) darin, daß nach dem Grundsatz der Einzelbewertung in eine drohende Verlustrückstellung nur die Aufwendungen und Erträge einbezogen werden dürfen, die durch die Verpflichtungen und Ansprüche des einzelnen schwebenden Geschäfts ausgelöst werden; eine Erhöhung des Geschäftswerts steht außerhalb des Saldierungsbereichs.
Der BFH hat in dem Urteil in BFHE 139, 244, 250, BStBl II 1984, 56 (unter III. 4.) dargelegt, daß auch für Rückstellungen für drohende Verluste aus schwebenden Geschäften der Grundsatz der Bewertung nach den Verhältnissen am Bilanzstichtag gelte; daher sei - ähnlich wie bei Renten (§ 156 Abs. 2 AktG 1965, jetzt § 253 Abs. 1 Satz 2 HGB) - der durch Abzinsung zu ermittelnde Barwert der künftigen Ansprüche und Verpflichtungen anzusetzen (für eine Abzinsung von Verbindlichkeitsrückstellungen: BFH-Urteile vom 7. Juli 1983 IV R 47/80, BFHE 139, 154, BStBl II 1983, 753, betreffend Gratifikationen; vom 5. Februar 1987 IV R 81/84, BFHE 149, 55, 61, BStBl II 1987, 845, betreffend Jubiläumsgelder; einschränkend für Rückzahlungsverpflichtungen BFH-Urteile vom 12. Dezember 1990 I R 153/86, BFHE 163, 146, 155 f., BStBl II 1991, 479; vom 12. Dezember 1990 I R 18/89, BFHE 163, 157, 160 f., BStBl II 1991, 485).
Der Senat schließt sich im Ergebnis der Auffassung des VIII. Senats in BFHE 139, 244, 250, BStBl II 1984, 56 an.
b) Zur zweiten Vorlagefrage: Der Senat möchte in Übereinstimmung mit dem Urteil in BFHE 139, 244, BStBl II 1984, 56 die nach seiner Auffassung anzuerkennende Rückstellung abzinsen.
Diese Ansicht dürfte auf der Auffassung des VIII. Senats beruhen, daß die Pachterneuerungsrückstellung als Erfüllungsrückstand zu begreifen ist; jedenfalls hat der VIII. Senat nicht erkennen lassen, daß er von seiner Entscheidung in BFHE 139, 244, BStBl II 1984, 56 abrücken wollte.
Sie können auch bei Dauerschuldverhältnissen - wie z. B. aufgrund von Miet-, Arbeits- oder Leasingverträgen - geboten sein (s. BFH-Urteile in BFHE 139, 244, BStBl II 1984, 56; in BFHE 146, 146, BStBl II 1986, 465, und in BFHE 154, 121, BStBl II 1988, 999).
Er schließt aber weder aus, mehrere Geschäfte wirtschaftlich als Einheit zu betrachten (s. BFH-Urteil in BFHE 139, 244, BStBl II 1984, 56), noch verbietet er, alle wirtschaftlichen Folgen eines Geschäfts in den Saldierungsbereich einzubeziehen.
Danach mußten Rückstellungen insbesondere für ungewisse Verbindlichkeiten und für drohende Verluste aus schwebenden Geschäften gebildet werden; insoweit bestand entgegen dem Gesetzeswortlaut nicht nur ein Recht, sondern eine Pflicht zur Passivierung (Urteile in BFHE 142, 26, BStBl II 1985, 44, und vom 19. Juli 1983 VIII R 160/79, BFHE 139, 244, BStBl II 1984, 56).
aa) Nach der Rechtsprechung des BFH sind Rückstellungen für drohende Verluste aus schwebenden Geschäften auch bei Dauerschuldverhältnissen und damit auch bei Mietverträgen zu bilden (Urteile vom 3. Juli 1980 IV R 138/76, BFHE 131, 57, BStBl II 1980, 648; vom 16. November 1982 VIII R 95/81, BFHE 137, 427, BStBl II 1983, 361, und in BFHE 139, 244, BStBl II 1984, 56).
Voraussetzung ist, daß am Bilanzstichtag aus dem einzelnen Mietvertrag insgesamt ein Verlust droht; es genügt nicht, daß einzelne Geschäftsjahre mit Verlust abschließen (Urteile in BFHE 131, 57, BStBl II 1980, 648, und in BFHE 139, 244, BStBl II 1984, 56).
Die Höhe der Rückstellung für einen dem Vermieter drohenden Verlust aus dem einzelnen Mietvertrag ist nach dem Urteil in BFHE 139, 244, BStBl II 1984, 56 in der Weise zu bestimmen, daß dem Anspruch des Vermieters auf Zahlung des Mietzinses für die ganze Laufzeit des Vertrags der Wert der Verpflichtungen des Vermieters zur Überlassung und Erhaltung der Mietsache (§§ 535, 536 des Bürgerlichen Gesetzbuches - BGB -) gegenübergestellt wird.
Der Wert dieser Verpflichtung ist mit den Vollkosten (Einzel- und Gemeinkosten der Gebrauchsüberlassung und Erhaltung) anzusetzen (Urteil in BFHE 139, 244, BStBl II 1984, 56).
cc) Mit den in den Urteilen in BFHE 131, 57, BStBl II 1980, 648 und in BFHE 139, 244, BStBl II 1984, 56 dargelegten Grundsätzen zur Bilanzierung schwebender Mietverträge wäre es unvereinbar, in Anwendung der unter aa) und bb) dargelegten Grundsätze vom Vorliegen eines zwar zunächst ausgeglichenen Vertrags auszugehen, einen drohenden Verlust jedoch anzunehmen, sobald die noch anfallenden Kosten und der kalkulierte Verwertungserlös die noch ausstehenden Mietraten übersteigen.
Einzubeziehen sind aber nur die tatsächlich zu erwartenden (buchmäßigen) Aufwendungen, nicht hingegen kalkulatorische Kostenbestandteile (BFH-Urteil vom 19. Juli 1983 VIII R 160/79, BFHE 139, 244, BStBl II 1984, 56).
Das entspricht der ständigen Rechtsprechung des BFH (Urteile vom 19. Juli 1983 VIII R 160/79, BFHE 139, 244, 249, BStBl II 1984, 56, und vom 19. Januar 1972 I R 114/65, BFHE 104, 422, 430, BStBl II 1972, 392).
Dem kann sich der Senat nicht anschließen; denn die gesetzliche Vorschrift, auf der die Bemessung einer Rückstellung beruht, ist § 6 Abs. 1 Nr. 3 EStG (vgl. BFHE 139, 244, BStBl II 1984, 56, und BFHE 104, 422, BStBl II 1972, 392).
Er ist auch bei der Ermittlung des für die Besteuerung maßgebenden Gewinns zu beachten (§ 5 Abs. 1 des Einkommensteuergesetzes - EStG -) und gilt insbesondere auch für die Beurteilung von schwebenden Dauerschuldverhältnissen (Urteil des Bundesfinanzhofs - BFH - vom 19. Juli 1983 VIII R 160/79, BFHE 139, 244, BStBl II 1984, 56); um solche Dauerschuldverhältnisse handelte es sich auch bei den in Frage stehenden Charterverträgen.
Hierbei wird die Verpflichtung nach denselben Grundsätzen bewertet, die für eine Rückstellung für ungewisse Verbindlichkeiten gelten (BFHE 139, 244, BStBl II 1984, 56).
Nach der Auffassung des Urteils in BFHE 139, 244, BStBl II 1984, 56 müssen zur Ermittlung des Verpflichtungsüberschusses und der Verlustrückstellung die Ansprüche und Verpflichtungen aus dem Dauerschuldverhältnis abgezinst werden.
Nach der bisherigen Rechtsprechung des BFH hängt die Bildung einer Verlustrückstellung für ein Dauerschuldverhältnis davon ab, daß sich aus dem Vertrag über die gesamte Laufzeit, nicht allein für die nach dem Bilanzstichtag verbleibende Restlaufzeit, ein Verlust ergibt (sog. Ganzheitsbetrachtung, z.B. BFH-Urteile vom 20. März 1980 IV R 89/79, BFHE 130, 165, BStBl II 1980, 297; BFHE 139, 244, BStBl II 1984, 56).
Die Umstände ergeben, daß die Charterverträge auch im ganzen gesehen jeweils einen Verlust mit sich brachten; für die Höhe des zurückzustellenden Verlustes ist daher in jedem Fall auf die Verhältnisse während der Restlaufzeit abzustellen (Urteil in BFHE 139, 244, BStBl II 1984, 56).
Es liegt auch keine Abweichung vom BFH-Urteil vom 19. Juli 1983 VIII R 160/79 (BFHE 139, 244, BStBl II 1984, 56) vor.
BFH, 27.07.1988 - I R 133/84
Rückstellungen für drohende Verluste aus einem Leasingvertrag beim Leasingnehmer …
BFH, 20.06.1984 - I R 250/81