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Timestamp: 2019-08-25 22:53:45
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Matched Legal Cases: ['§ 255', '§ 203', '§ 253', '§ 203', '§ 253', '§ 255', '§ 203', '§ 252', '§ 203']

Herstellungskosten • Definition | Gabler Wirtschaftslexikon
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In Deutschland und Österreich gibt es eine übereinstimmende Legaldefinition des Begriffs Herstellungskosten (§ 255 Abs. 2 HGB, § 203 UGB). Danach handelt es sich nicht nur um Kosten für die Herstellung eines Vermögensgegenstands, sondern auch für dessen Erweiterung und für eine über seinen ursprünglichen Zustand hinausgehende wesentliche Verbesserung. Herstellungskosten sind wesentlich schwieriger zu ermitteln als die Anschaffungskosten, weil letztere meist aufgrund von Rechnungen genau bestimmt werden können.[1] Um die Herstellungskosten eines Vermögensgegenstandes zu ermitteln, bedient sich ein Unternehmen in der Regel seiner Kostenrechnung. Grundlage ihrer Ermittlung ist die Produktion im Betrieb, die nicht nur den eigentlichen Produktionsprozess, sondern auch die Beschaffung, den Transport und die Lagerung der zur Fertigung benötigten Produktionsfaktoren umfasst.[1] Die Herstellungskosten enthalten jedoch nicht alle Kosten, die in die Herstellkosten der Kostenrechnung einbezogen werden. Insbesondere Kosten, die nicht auf geleistete oder zukünftige Anzahlungen zurückzuführen sind, werden nicht zu den Herstellungskosten gerechnet.
In Deutschland und Österreich wird zwischen Herstellungskosten und Anschaffungskosten unterschieden. Anschaffungskosten sind ein Bewertungsmaßstab für erworbene Vermögensgegenstände. Andere Rechnungslegungssysteme, wie zum Beispiel die International Financial Reporting Standards (IFRS) und die US-amerikanischen United States Generally Accepted Accounting Principles (US-GAAP) kennen nur einen Bewertungsmaßstab, Anschaffungs- und Herstellungskosten oder Historical Cost genannt, der die Bewertungsmaßstäbe Anschaffungskosten und Herstellungskosten vereint.[2]
Nach den Vorschriften des deutschen Handelsgesetzbuches und österreichischen Unternehmensgesetzbuches sind die Herstellungskosten der Bewertungsmaßstab für hergestellte Vermögensgegenstände. Aufgrund des dort in § 253 Absatz 1 HGB bzw. den §§ 203 bis 208 UGB verankerten Anschaffungswertprinzips sind die (fortgeführten) Herstellungskosten der höchste Wert, mit dem ein Vermögensgegenstand in der Folgezeit bewertet werden kann. Bei abnutzbaren Vermögensgegenständen des Anlagevermögens dienen die Herstellungskosten der Bemessung der planmäßigen Abschreibung. Die um planmäßige Abschreibungen verminderten Herstellungskosten werden auch fortgeführte Herstellungskosten genannt. Im deutschen Bilanzrecht sind Vermögensgegenstände, die ausschließlich der Erfüllung von Altersversorgungsverpflichtungen dienen und dem Zugriff aller übrigen Gläubiger entzogen sind, gemäß § 253 Absatz 1 Satz 4 HGB mit dem Zeitwert anzusetzen.
In Deutschland sind aufgrund des Maßgeblichkeitsprinzips die Herstellungskosten auch in der Steuerbilanz der Bewertungsmaßstab für die Erstbewertung von hergestellten Vermögensgegenständen. Auch hier gilt das Anschaffungswertprinzip analog zum deutschen Handelsrecht.
Für Abschlüsse nach deutschen handelsrechtlichen Vorschriften definiert § 255 Absatz 2 HGB die Bestandteile der Herstellungskosten. Diese Definition gilt über das Maßgeblichkeitsprinzip auch für die Steuerbilanz. In Österreich definiert § 203 UGB die Herstellungskosten. Beide Vorschriften unterscheiden zwischen Kosten, die in die Herstellungskosten mit einbezogen werden müssen (Pflichtbestandteile), Kosten die in die Herstellungskosten einbezogen werden dürfen (Wahlbestandteile), und Kosten, die nicht in die Herstellungskosten einbezogen werden dürfen (Verbote). Die Summe der Pflichtbestandteile bildet die Wertuntergrenze der Herstellungskosten, die Summe aus allen Pflicht- und Wahlbestandteilen die Wertobergrenze der Herstellungskosten. Von den IFRS werden die Herstellungskosten innerhalb des Begriffs „Anschaffungs- und Herstellungskosten“ in den Standards IAS 2 für Vorräte und IAS 16 für Sachanlagen definiert. Nach IAS 2 sind sämtliche Kosten, die dem Produktionsprozess zuzurechnen sind, in die Herstellungskosten einzubeziehen.[3] Die Zusammensetzung der Historical Cost nach US-GAAP gleicht Zusammensetzung der „Anschaffungs- und Herstellungskosten“ nach IAS 2 im Wesentlichen.
Materialgemeinkosten, soweit keine Leerkosten Pflicht Pflicht[4] Pflicht
Fertigungsgemeinkosten, soweit keine Leerkosten Pflicht Pflicht[5] Pflicht
Allgemeine Verwaltungskosten, die der Produktion zugerechnet werden[3] Wahlrecht Verbot Pflicht
Allgemeine Verwaltungskosten, die nicht der Produktion zugerechnet werden[3] Wahlrecht Verbot Verbot
Zinsen auf Fremdkapital, das für die Herstellung des Vermögensgegenstandes (qualifizierten Vermögenswertes) aufgenommen wurde Wahlrecht Wahlrecht Pflicht[6]
außerplanmäßige Abschreibungen[7] Verbot Verbot Verbot
Bereitstellungszinsen für Fremdkapital[8] Verbot Verbot Verbot
Verwaltungskosten, die im Material- und Fertigungsbereich anfallen.[9]
Teil der Herstellungskosten sind nur solche Kosten, die im Zeitraum der Herstellung angefallen sind. Zum Zeitraum der Herstellung gehören auch vorbereitende Handlungen, sofern der Vermögensgegenstand durch externe Aufträge oder betriebsinterne Vorgaben konkretisiert wurde. Wird der Herstellungsvorgang durch Ereignisse unterbrochen, die nicht zum Produktionsprozess gehören, so sind die dort entstehenden Kosten den Herstellungskosten nicht zuzurechnen. Der Herstellungsvorgang ist beendet, wenn der Vermögensgegenstand bestimmungsgemäß genutzt werden kann.[10]
Durch Wahlrechte bei der Zuordnung von Kosten gibt es einen Spielraum bei der Ermittlung der Herstellungskosten. Dieser kann als Herstellungskosten jeden Wert zwischen Wertuntergrenze und Wertobergrenze festlegen, der sich aus der Kostenrechnung ergibt. Legt er sich einmal fest, welche Kosten er in die Herstellungskosten einbeziehen will, so ist er durch das Stetigkeitsgebot des § 252 Abs. 1 Nr. 6 HGB an seine Wahl für die Zukunft gebunden. Nur in Ausnahmefällen darf er davon abweichen.
Teil der Herstellungskosten eines Gebäudes können nach EStH 6.4 folgende Kosten sein:
Abbruchkosten und Restbuchwert des Abbruchhaus in den Fällen der Wertopfertheorie,
Baukosten (Maurer, Zimmerer, Klempner, Heizungsbauer, Tischler, Elektriker) = Rohbau & Innenausbau
Bauplanungskosten,
Baumängelbeseitigung, auch wenn dies erst nach Fertigstellung geschieht,
Entschädigungs- oder Abfindungszahlungen an Mieter oder Pächter für vorzeitige Räumung zur Errichtung eines Gebäudes,
Fahrtkosten des Steuerpflichtigen zur Baustelle in tatsächlicher Höhe,
Prozesskosten, sofern sie Folgekosten der Herstellungskosten sind.
Nicht zu den Herstellungskosten von Gebäuden gehören:
Außenanlagen wie Hofbefestigungen und Straßenzufahrt
Bauzeitversicherung (= vorweggenommene Betriebsausgaben)
erstmaliger Anschluss an Erdgasnetz bei Umstellung einer bereits vorhandenen Heizungsanlage (→ Erhaltungsaufwand)
Gartenanlage und Vorgarten (selbständiges Wirtschaftsgut)
Säumniszuschläge und Aussetzungszinsen für Grunderwerbsteuer
Waschmaschine (selbständig nutzbares Wirtschaftsgut)
Wiktionary: Herstellungskosten – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
↑ ab Günter Wöhe in Wolfgang Lück (Hrsg.), Lexikon der Betriebswirtschaft, 1983, S. 504.
↑ Vgl. IAS 2
↑ abc Vgl. Adolf Coenenberg u. a.: Jahresabschluss und Jahresabschlussanalyse, 21. Auflage, Schäffer-Poeschel Verlag, Stuttgart 2009, S. 112
↑ ADVOKAT Unternehmensberatung: § 203 UGB (Unternehmensgesetzbuch), Anschaffungs- und Herstellungskosten - JUSLINE Österreich. Abgerufen am 15. Dezember 2018.
↑ IDW Stellungnahme zur Rechnungslegung: Aktivierung von Herstellungskosten (IDW RS HFA 31), Tz. 17
↑ Vgl. IDW Stellungnahme zur Rechnungslegung: Aktivierung von Herstellungskosten (IDW RS HFA 31), Tz. 6 bis 12
Normdaten (Sachbegriff): GND: 4120442-6 (OGND, AKS) | LCCN: sh85033235