Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Text=VII%20ZR%20220/82
Timestamp: 2020-01-29 13:52:23
Document Index: 21256566

Matched Legal Cases: ['BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 9', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 9', 'BGH', '§ 9', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 9', 'BGH', 'BGH', 'BGH']

BGH, 19.01.1984 - VII ZR 220/82 - dejure.org
https://dejure.org/1984,324
BGH, 19.01.1984 - VII ZR 220/82 (https://dejure.org/1984,324)
BGH, Entscheidung vom 19.01.1984 - VII ZR 220/82 (https://dejure.org/1984,324)
BGH, Entscheidung vom 19. Januar 1984 - VII ZR 220/82 (https://dejure.org/1984,324)
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Unwirksamkeit einer Haftungsbegrenzung im kaufmännischen Verkehr auf das sechsfache Auftragsentgelt des AGBVerwenders für grob fahrlässig von seinen Erfüllungsgehilfen verursachte Schäden
Zur Freizeichnung für das grobe Verschulden einfacher Erfüllungsgehilfen
Formularmäßige Beschränkung des Schadensersatzes auf einen Höchstbetrag in den "Allgemeinen Bedingungen für die Kaltlagerung"
Haftungsbegrenzungsklausel - Kaufmännischer Verkehr - Kaltlagerung
BGHZ 89, 363
NJW 1984, 1350
ZIP 1984, 457
WM 1984, 477
BB 1984, 746
c) Nach der Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs liegt eine unangemessene Benachteiligung in diesem Sinne vor, wenn die formularmäßige Haftungsbegrenzung bei grob fahrlässiger oder vorsätzlicher Schadensverursachung durch Erfüllungsgehilfen des Klauselverwenders eingreift, sofern es sich um die Verletzung von wesentlichen Vertragspflichten handelt und der Schadensersatzbetrag die voraussehbaren Schäden nicht abdeckt (vgl. BGHZ 89, 363, 367 ff.;… BGH, Urt. v. 12.1.1994 - VIII ZR 165/92, ZIP 1994, 461, 465;… Urt. v. 19.2.1998 - I ZR 233/95, TranspR 1998, 374, 376 f.).
Die Haftungsbeschränkung darf nicht dazu führen, dass der Klauselverwender von Verpflichtungen befreit wird, deren Erfüllung die ordnungsgemäße Durchführung des Vertrages überhaupt erst ermöglicht und auf deren Einhaltung der Vertragspartner regelmäßig vertraut und vertrauen darf (vgl. BGHZ 89, 363, 367 f.; BGH TranspR 1998, 374, 376 m.w.N.).
Das in § 9 Abs. 2 Nr. 2 AGBG enthaltene Verbot soll verhindern, daß vertragswesentliche Rechte und Pflichten durch Allgemeine Geschäftsbedingungen ausgehöhlt werden (BGHZ 89, 363, 367 [BGH 19.01.1984 - VII ZR 220/82];… BGH, Urt. v. 11. November 1992 - VIII ZR 238/91, NJW 1993, 335 [BGH 11.11.1992 - VIII ZR 238/91]).
Die Begrenzung der Haftung für die Verletzung wesentlicher Vertragspflichten auf einen Höchstbetrag ist in AGB auch gegen Kaufleuten dann nicht wirksam, wenn der Höchstbetrag die vertragstypischen vorhersehbaren Schäden nicht abdeckt (Anschluß an BGHZ 89, 363 [BGH 19.01.1984 - VII ZR 220/82] = NJW 1984, 1350 = LM § 9 (Bm) AGBG Nr. 6; BGH, NJW 1985, 3016 = LM § 9 (Cf) AGBG Nr. 8).
Bedenken begegnet auch die Haftungsbegrenzung in Nr. VI 2 BZR-AGB auf einen Höchstbetrag von 100.000 DM, denn auch sie ist geeignet, die Rechte der Klägerin derart auszuhöhlen, daß der Vertragszweck gefährdet sein kann (vgl. BGHZ 89, 363, 368 f) [BGH 19.01.1984 - VII ZR 220/82].
Als unvereinbar mit der gesetzlichen Regelung hat es der Bundesgerichtshof in ständiger Rechtsprechung bereits vor Inkrafttreten des AGB-Gesetzes angesehen, daß der Verwender die Haftung für sein eigenes grob fahrlässiges Verhalten oder für vorsätzliche oder grob fahrlässige Vertragsverstöße seiner leitenden Angestellten formularmäßig ausschließt (vgl. den Überblick in BGHZ 89, 363, 366 und Paulusch, DWiR 1992, 182, 185).
Zwar kommt es im Regelfall auf die Versicherbarkeit des Schadensrisikos für die Angemessenheitsüberprüfung nicht an (BGHZ 38, 183, 186; 89, 363, 369;… vgl. auch Paulusch aaO S. 189 m.w.Nachw.).
Allerdings hat die Rechtsprechung des Bundesgerichtshofes die Frage, ob und in welchem Maße sich der Verwender Allgemeiner Geschäftsbedingungen im kaufmännischen Geschäftsverkehr von der Haftung für grobes Verschulden einfacher Erfüllungsgehilfen freizeichnen kann, wenn es sich - wie hier - nicht um die Verletzung wesentlicher Pflichten im Sinne des § 9 Abs. 2 Nr. 2 AGBG handelt, bisher ausdrücklich offen gelassen (vgl. hierzu und zum Meinungsstand in der Literatur BGHZ 89, 363, 366 f. [BGH 19.01.1984 - VII ZR 220/82]; 95, 170, 182 f. [BGH 03.07.1985 - VIII ZR 102/84]).
OLG Frankfurt, 19.06.1984 - 5 U 187/83
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