Source: https://blog.all-in-one-consulting.de/muss-ich-eine-steuererklaerung-abgeben/
Timestamp: 2019-11-21 02:43:13
Document Index: 395697426

Matched Legal Cases: ['§ 149', '§ 149', '§ 46', '§ 2', '§ 18', '§ 18', '§ 18', '§ 18', '§ 19', '§ 11', '§14', '§25', '§14', '§25', '§ 31', '§ 31', '§ 25']

Muss ich eine Steuererklärung abgeben? | All-In-One-Consulting
Grundlagen der Steuererklärungspflicht
Unabhängig davon ob man gesetzlich zur Abgabe eine Steuererklärung verpflichtet ist oder nicht, resultiert die Aufforderung zur Abgabe einer Steuererklärung durch die Finanzverwaltung gemäß § 149 Abs. 1 S. 2 AO zwingend in einer Abgabepflicht.
Grundsätzlich bestimmen jedoch die Einzelsteuergesetze, wer zur Abgabe einer Steuererklärung verpflichtet ist (§ 149 Abs. 1 S. 1 AO). Diese werden nachfolgend dargestellt.
Der 31. Juli eines jeden Jahres ist der Stichtag für all diejenigen, die zur Abgabe einer Einkommensteuererklärung verpflichtet sind. Wird diese Frist nicht eingehalten, sind in der Regel Verspätungszuschläge seitens des Finanzamts zu erwarten. Wer sich steuerlich beraten lässt (Steuerberater/Lohnsteuerhilfeverein), profitiert jedoch unter anderem von einer Fristverlängerung bis zum 28. Februar des Folgejahres.
Abgabeverpflichtet sind alle Personen mit Einnahmen aus gewerblicher oder selbständigen Tätigkeit (beispielsweise Gewerbetreibende und Freiberufler), mit Einkünften aus Vermietung und Verpachtung, Kapitalvermögen (welches nicht bereits der inländischen Abgeltungssteuer unterzogen wurde), Land- und Forstwirtschaft, sowie Renten und sonstigen Einkünften wenn die Einkünfte dieser Einkunftsarten den Grundfreibetrag (8.130 Euro [2013], 8.354 Euro [2014], 8.472 Euro [2015], 8.652 Euro [2016], 8.820 Euro [2017], 9.000 Euro [2018]) überschritten haben. Diese Werte sind für die Einzelveranlagung heranzuziehen. Bei Zusammenveranlagung sind die Beträge zu verdoppeln.
Wird die gewerbliche oder selbständige Tätigkeit in Kombination mit einer Arbeitnehmertätigkeit (z.B. als Nebenjob) ausgeführt, gilt für die gewerblichen oder selbständigen Einkünfte lediglich eine Freigrenze in Höhe von 410 Euro (§ 46 Abs. 2 Nr. 1 EStG). Überschreitet der Gewinn diese, greift die Abgabepflicht.
Für den Großteil aller Arbeitnehmer gilt:
Erzielen Sie Einnahmen aus nichtselbstständiger Tätigkeit (beispielsweise als Arbeitnehmer), so können Sie Ihrem Lohnzettel entnehmen, dass Ihr Arbeitgeber bereits einen Teil Ihres Einkommens als Lohnsteuer an das Finanzamt abgeführt hat. Diese Konstellation trifft auf den Großteil der Arbeitsverhältnisse in der Bundesrepublik Deutschland zu und resultiert darin, dass die Arbeitnehmer grundsätzlich keine Steuererklärung abgeben müssen. Trotz dieser automatischen Lohnsteuerabführung, sind manche Arbeitnehmer mit nichtselbstständigen Einnahmen dennoch zur Abgabe einer Steuererklärung verpflichtet. Im Folgenden sind die wichtigsten einschlägigen Fälle angeführt:
Nebeneinkünfte (z.B. durch Vermietung und Verpachtung) über 410 Euro
Ehegattensplitting (Steuerklassen 3/5) bei Zusammenveranlagung
Eintragung von Freibeträgen in der Lohnsteuerkarte
parallele Tätigkeit bei mehreren Arbeitgebern
Arbeitslosengeld, Krankengeld oder Kurzarbeitergeld über 410 Euro
Abfindung und Anwendung der Fünftelregelung
offener Verlustausgleich
Erhalt von sonstigen Bezügen, welche dem Finanzamt seitens des Arbeitgebers nicht mitgeteilt wurden
Statistisch gesehen erhalten Arbeitnehmer bei der Abgabe einer Steuererklärung in 9 von 10 Fällen Geld zurück…
Arbeitnehmer ohne Abgabepflicht einer Steuererklärung, sollten sich trotz dessen gründlich überlegen, ob sie nicht dennoch von steuerlicher Beratung (Lohnsteuerhilfeverein oder Steuerberater) profitieren wollen, da durch fachkundige Beratung oftmals Steuererstattungen erzielt werden können. Die Ursache hierfür liegt in der pauschalisierten Abführung der Lohnsteuer an das Finanzamt; mit dem Einreichen einer Steuererklärung können Sie jedoch Ihre individuellen Kosten steuerlich geltend machen, welche zuvor nicht beachtet wurden (subjektives- und objektives Nettoprinzip). Das Finanzamt berechnet nach dem Einreichen Ihrer Steuererklärung die Steuerbelastung erneut und überweist Ihnen die zu viel abgeführten Steuern (Lohnsteuer, Solidaritätszuschlag und falls gegeben Kirchensteuer) als Erstattung auf Ihr Konto.
Im Rahmen unseres kostenlosen Vorab-Checks bieten wir Ihnen die Möglichkeit zu überprüfen, ob sich eine steuerliche Beratung, beispielsweise durch eine Mitgliedschaft im Lohnsteuerhilfeverein, für Sie lohnt.
Neben der Einkommensteuer existieren weitere Steuerarten, welche jedoch für Arbeitnehmer nicht von Interesse sind. Umsatzsteuer, Gewerbesteuer und Körperschaftsteuer betreffen lediglich Unternehmer und sollen nachfolgend dargestellt werden.
Hinsichtlich der Umsatzsteuer ist man bereits dann zur Abgabe einer Umsatzsteuererklärung verpflichtet, wenn man Einnahmen erwirtschaften will. Ab diesem Zeitpunt gilt man als Unternehmer i.S.d. Umsatzsteuergesetzes (§ 2 Abs. 1 S. 1, 3 UStG). Nach § 18 Abs. 3 UStG halt der Unternehmer für das Kalenderjahr oder für den kürzeren Zeitraum eine Umsatzsteuererklärung abzugeben. Des Weiteren hat der Unternehmer unterjährige Umsatzsteuervoranmeldungen zu übermitteln (quartalsweise ab 1.000 Euro Steuer im vorangegangenen Kalenderjahr, § 18 Abs. 2 S. 1-3 UStG oder sogar monatlich ab 7.500 Euro Steuer im vorangegangenen Kalenderjahr, § 18 Abs. 2 S. 2 UStG). Neugründer sind gemäß § 18 Abs. 2 S. 4 UStG im laufenden und im darauffolgenden Kalenderjahr an die monatliche Umsatzsteuervoranmeldungspflicht gebunden. Macht man von der sogenannten Kleinunternehmerregelung des § 19 Abs. 1 UStG Gebrauch, ist lediglich eine Umsatzsteuerjahreserklärung einzureichen.
Die Abgabepflicht für die Gewerbesteuererklärung besteht für natürliche Personen (z.B. Einzelunternehmer und Personengesellschaften) erst dann wenn der Gewerbeertrag (Gewinn) den Freibetrag (§ 11 GewStG) in Höhe von 24.500 Euro übersteigt (§14a GewStG i.V.m. §25 Abs. 1 Nr. 1 GewStDV). Für juristische Personen (z.B. GmbH und AG, als Kapitalgesellschaften) existiert kein Freibetrag. Insofern keine Steuerbefreiungen vorliegen, besteht die Abgabepflicht somit zwangsläufig (§14a GewStG i.V.m. §25 Abs. 1 Nr. 2 GewStDV).
Eine eigenständige Regelung der Steuererklärungspflicht enthält das Körperschaftsteuergesetz nicht. § 31 Abs. 1 S. 1 KStG verweist lediglich auf die Anwendbarkeit der einkommensteuerrechtlichen Vorschriften. Die Anwendung des Grundfreibetrages kommt für Körperschaften, Personenvereinigungen, Vermögensmassen etc. die unter die Steuerpflicht des KStG fallen zweifelsfrei nicht in Betracht. Es ist daher von einer Steuererklärungspflicht kraft Rechtsform und der gesetzlichen Grundlage in § 31 Abs. 1 S. 1 KStG i.V.m. § 25 Abs. 3 EStG auszugehen.
Die angeführten Erläuterungen haben lediglich informatorischen Charakter, stellen keine Rechts- oder Steuerberatung dar und können diese mitnichten ersetzen. Die Informationen sind abstrakt, beziehen sich ausschließlich auf das deutsche Recht, entsprechen dem Rechtsstand des Beitragserstellungsdatums und sollten stets einzelfallspezifisch geprüft werden. In jedem Falle wird diesseitig die Konsultation eines Steuerberaters oder Rechtsanwalts empfohlen.
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