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Timestamp: 2019-04-22 00:39:19
Document Index: 261929309

Matched Legal Cases: ['§218', '§ 218', '§ 218', '§ 218', '§ 218', '§ 218', '§ 218', '§ 218', '§ 218', '§ 218', '§ 218', '§ 218', '§ 218', '§ 218', '§ 218', '§ 218', '§ 218', '§ 218', '§ 218', '§218', '§ 218', '§ 218', '§218', '§ 218', '§ 218', '§218']

aufklaerungshomepage.de ::: Abtreibung 3 - Geschichte + Personen
.. IMPRESSUM.. .. .. ..UpDate: 27.12.2018..
Abtreibung Teil 3/3
. Daten und §-Regelungen zur Abtreibung (weltweit)
. Geschichte des §218 in Gesellschaft, Kunst und Medizin
. Bekannte Personen
DATEN UND §-REGELUNGEN ZUR ABTREIBUNG (1913-1999)
1913, 01. Dezember, Montag
In Köln wird eine Frau unter der Anschuldigung verhaftet, für einen grösseren Kundenkreis Abtreibungen - "die nach § 218 Reichsstrafgesetzbuch verboten sind" - vorgenommen zu haben. Eine schwangere Frau war während der Abtreibung gestorben.
1926, 14. Mai, Freitag
Der Deutsche Reichstag verabschiedet in dritter Lesung eine Reform des Abtreibungsparagraphen 218.
Berlin. In dritter Lesung verabschiedet der Reichstag eine Reform des § 218. Die Abtreibung ist weiterhin strafbar, das Strafmass von 5 Jahren Zuchthaus wird allerdings in eine Gefängnisstrafe bis zu 5 Jahren umgewandelt.
Seit der Jahrhundertwende besteht die Diskussion um das Abtreibungsrecht. Die Weimarer Verfassung nahm in den Paragraphen 218-220 den Schutz »ungeborenen Lebens« bei schwerer Strafandrohung gegen Abtreibende auf. In der Diskussion der 20er Jahre wurde entweder die ersatzlose Streichung des § 218 oder Straffreiheit in den ersten drei Schwangerschaftsmonaten gefordert.
Die jetzt beschlossene Reform berücksichtigt weder soziale Aspekte noch die Realität. Während wohlhabende Frauen ungestraft bei guten Ärzten im Ausland abtreiben, müssen Frauen aus der Unterschicht unter Lebensgefahr heimlich in Deutschland abtreiben und auch noch das Risiko einer Bestrafung in Kauf nehmen. Die geschätzte Zahl der Todesfälle jährlich geht in die Tausende. Eine Liberalisierung des § 218 wird 1992 vom Bundestag beschlossen (Fristenregelung).
I. Zwerenz: Frauen - Die Geschichte des § 218.
1926, 23. April, Freitag
Ein Vortrag über Geburtenrückgang und sexuelle Fragen, den der Münchner Arzt Julian Marcuse am Abend in München auf einer Frauenversammlung halten wollte, wird von der Polizei verboten. Der Arzt tritt für eine Reform des § 218 (Verbot des Schwangerschaftsabbruchs) ein.
1928, 14. Februar, Dienstag
Der Schriftsteller und Arzt Alfred Döblin spricht sich auf einer Veranstaltung der Gesellschaft für Sexualreform in Berlin gegen den Abtreibungsparagraphen 218 des Strafgesetzbuches aus.
1928, 30. Juni, Samstag
Die kommunistische Fraktion im Reichstag legt einen Gesetzentwurf zum Schutz von Mutter und Kind vor, der die Abschaffung des Abtreibungsparagraphen 218 im Strafgesetzbuch enthält.
1929, 06. September, Freitag
Die Gruppe Junger Schauspieler bringt am Lessing-Theater in Berlin das Stück »Cyankali« von Friedrich Wolf zur Uraufführung, das sich gegen den Abtreibungsparagraphen 218 des Strafgesetzbuches richtet.
1929, 05. Oktober, Samstag
Nach "Cyankali" wird in Leipzig ein weiteres Stück zum Thema Abtreibung, "§ 218 - Gequälte Menschen" von Carl Crede, uraufgeführt.
1930, 04. Mai, Sonntag
Im Berliner Wallnertheater wird eine Vormittags-Sondervorstellung von »§ 218«, einem zeitkritischen Stück des deutschen Schriftstellers und Gynäkologen Carl Crede, vor Anwälten, Richtern und Vertretern von Ministerien und der Presse gegeben. Über das Für und Wider des § 218, der einen Schwangerschaftsabbruch unter Strafe stellt, wird in der deutschen Öffentlichkeit seit einigen Jahren heftig diskutiert.
1930, 23. Mai, Freitag
In Berlin wird der Film »Cyankali« uraufgeführt. Regie führt Hans Tintner. Als Vorlage für das Lichtspiel diente das gleichnamige Bühnenstück von Friedrich Wolf, das für das Recht auf Abtreibung bei einer sozialen Notlage der Mutter eintritt. Im Deutschen Reich steht der Schwangerschaftsabbruch unter Strafe.
1930, 02. Juli, Mittwoch
Die Eröffnung eines Prozesses in Gleiwitz (Oberschlesien) gegen die Bergarbeiterfrau Johanna Albrecht, der 50 Abtreibungen vorgeworfen werden, führt zu einer landesweiten Diskussion des § 218 des Strafgesetzbuches (StGB), der den Schwangerschaftsabbruch unter Strafe stellt.
1930, 09. November, Sonntag
Das Schauspiel »Die Matrosen von Cattaro« von Friedrich Wolf wird an der Volksbühne in Berlin unter der Regie von Günter Stark uraufgeführt. Wolf schreibt vorwiegend zeit- und sozialkritische Dramen, wie das 1929 uraufgeführte Stück »Cyankali - § 218«, das die Abschaffung des § 218 propagiert.
1931, 10. Januar, Samstag
Das Thüringische Oberverwaltungsgericht hebt das von Innenminister Wilhelm Frick (NSDAP) erlassene Aufführungsverbot gegen das Stück »Frauen in Not - § 218« auf.
1931, 21. Februar, Samstag
Der Arzt und Bühnendichter Friedrich Wolf wird in Stuttgart wegen Verstosses gegen den Abtreibungsparagraphen 218 StGB verhaftet.
1931, 28. Februar, Samstag
Gegen eine Kaution von 10 000 Reichsmark wird der wegen Verstosses gegen den § 218 StGB in Stuttgart verhaftete Arzt und Bühnendichter Friedrich Wolf auf freien Fuss gesetzt.
1935, 28. Juni, Freitag
1935, 07. August, Mittwoch
In einer Durchführungsverordnung zum Gesetz zur Verhütung erbkranken Nachwuchses werden die Indikationen für Schwangerschaftsabbrüche festgelegt. Darin wird u. a. die soziale Indikation ausdrücklich abgelehnt.
1937, 15. Januar, Freitag
Der Reichsführer der Schutzstaffel (SS) und Chef der deutschen Polizei, Heinrich Himmler (geb. 07.10.1900 - gest. 23.05.1945), nennt anlässlich des "Tages der Polizei" in einer Rundfunkansprache die Reduzierung der Verkehrsunfälle sowie die Bekämpfung der Homosexuellen und der Abtreibung als wichtigste Ziele der Polizei.
Zwangsabtreibungen im dritten Reich
1947, 18. Dezember, Donnerstag
Der thüringische Landtag beschliesst die Abschaffung des Abtreibungsparagraphen 218.
1954, 10. September, Freitag
Aus Angst vor einem Ermittlungsverfahren wegen verbotener Schwangerschaftsabbrüche, begeht ein Arzt zusammen mit seiner vierköpfigen Familie in Gelnhausen bei Hanau Selbstmord.
1955, 24. November, Donnerstag
Die sowjetische Regierung verkündet in Moskau ein neues Gesetz, das Abtreibungen legalisiert. Damit wird eine Verordnung von 1936 aufgehoben, die Schwangerschaftsabbrüche unter Strafe stellte.
1957, 05. Juni, Mittwoch
Abtreibung und Sterilisierung werden in der Volksrepublik China als Gesundheitsmassnahmen legalisiert.
1967, 15. Juli, Samstag
Das britische Unterhaus verabschiedet ein neues Gesetz über den Schwangerschaftsabbruch. Künftig soll eine Unterbrechung der Schwangerschaft dann möglich sein, wenn zwei Ärzte sie aufgrund des körperlichen oder seelischen Zustands der Mutter oder der Familie für notwendig halten.
1971, 05. Juni, Samstag
Das Allensbacher Institut für Demoskopie veröffentlicht eine Umfrage, in der sich 46% der befragten Bundesbürger für die völlige Streichung des Abtreibungsparagraphen 218 aussprechen.
1971, 25. Juni, Freitag
Der Verband der Niedergelassenen Ärzte in Deutschland spricht sich für die Beibehaltung des Paragraphen 218 aus, da jede Schwangerschaftsunterbrechung eine »Vernichtung neuen Lebens« und deshalb »ein Akt der Tötung« sei.
1971, 15. September, Mittwoch
1971, 22. Oktober, Freitag
Bundesjustizminister Gerhard Jahn legt einen Entwurf zur Neufassung des Abtreibungsparagraphen 218 StGB vor. Die Gesetzesnovelle sieht die Möglichkeit einer »sozialen Indikation« vor.
1971, 08. November, Montag
In der Volksrepublik China läuft ein Programm zur Geburtenkontrolle an. Mit Verhütungsmitteln, Abtreibung und Sterilisierung will Peking verhindern, dass die chinesische Bevölkerung derzeit rund 800 Mio. Menschen weiterhin rapide wächst.
1971, 18. November, Donnerstag
In Bonn beginnt der dreitägige ausserordentliche Parteitag der SPD. Im Mittelpunkt der Diskussion stehen eine Reform der Steuer- und Vermögenspolitik sowie die Reform der Parteiorganisation. Darüber hinaus werden auch Änderungen zum Abtreibungsparagraphen 218 erörtert.
1972, 09. März, Donnerstag
1972, 10. April, Montag
Der Strafrechts-Sonderausschuss des Bundestags veranstaltet eine dreitägige Sachverständigen-Anhörung zur geplanten Reform des § 218.
1973, 22. Januar, Montag
Der Oberste Gerichtshof der USA erklärt das in zahlreichen Bundesstaaten praktizierte Gesetz, Schwangerschaftsabbrüche bis zum dritten Monat strafrechtlich zu verfolgen, als verfassungswidrig. Diese Entscheidung wird von der US-amerikanischen Frauenbewegung als Durchbruch im Kampf um die Straffreiheit bei Schwangerschaftsabbrüchen gesehen. Nach der Urteilsverkündung formiert sich in den Vereinigten Staaten die neue Bewegung »Recht auf Leben«, die ein verfassungsmässig verankertes Abtreibungsverbot fordert.
1973, 21. März, Mittwoch
Die bundesdeutsche Regierungskoalition aus SPD und FDP legt einen Gesetzentwurf zur Reform der Regelung des Schwangerschaftsabbruchs vor. Sie sieht die Fristenlösung und flankierende Sozialmassnahmen vor.
1973, 21. April, Samstag
Das bulgarische Gesundheitsministerium erschwert die Bedingungen für den Schwangerschaftsabbruch. Bisher war es jeder Frau erlaubt, auf eigenen Wunsch den Eingriff in einer entsprechenden Einrichtung vornehmen zu lassen. Künftig ist kinderlosen Frauen und Frauen mit nur einem Kind der Schwangerschaftsabbruch verboten Begründet wird das neue Gesetz u. a. mit den häufigen Nachfolgeerkrankungen nach einer Abtreibung.
1973, 17. Mai, Donnerstag
Im Deutschen Bundestag beginnen in erster Lesung die Beratungen über die Reform des § 218.
1973, 03. Juni, Sonntag
»Aktion für das Leben« heisst das Motto einer Münchener Kundgebung, an der sich 15.000 Menschen beteiligen. Sie demonstrieren gegen die Fristen- und Indikationsregelung beim Schwangerschaftsabbruch.
1973, 29. November, Donnerstag
Das vom österreichischen Nationalrat nach 25stündiger Debatte mit knapper Mehrheit beschlossene neue Strafrecht enthält die mit den Stimmen der Sozialistischen Partei Österreichs (SPÖ) durchgesetzte Fristenlösung bei Abtreibung.
1974, 25. Januar, Freitag
1974, 11. März, Montag
Die ARD-Intendanten beschliessen per Schaltkonferenz, eine Filmdokumentation über eine Abtreibung kurzfristig aus dem Programm zu nehmen.
1974, 16. März, Samstag
Die US-amerikanische Gesundheitsbehörde gibt die »Pille danach« für den Markt frei.
In zahlreichen Grossstädten der Bundesrepublik Deutschland demonstrieren Zehntausende für die ersatzlose Streichung des sog. Abtreibungsparagraphen 218. Sie fordern zudem die Kostenübernahme für Schwangerschaftsabbrüche und Verhütungsmittel durch die Krankenkassen.
1974, 21. März, Donnerstag
1974, 01. Juni, Samstag
Der schwedische Reichstag gibt per Gesetz den Schwangerschaftsabbruch bis zur zwölften Woche frei. Mit dem Gutachten eines Sozialberaters ist eine Abtreibung bis zur 18. Woche möglich.
1974, 05. Juni, Mittwoch
Der Deutsche Bundestag billigt die Fristenlösung des § 218, der einen Schwangerschaftsabbruch in den ersten drei Monaten straffrei stellt.
1975, 01. Januar, Mittwoch
In Österreich gilt die sog. Fristenlösung beim Schwangerschaftsabbruch. Danach bleibt die Abtreibung in den ersten drei Schwangerschaftsmonaten straffrei.
1975, 25. Februar
BVG gegen Fristenlösung
Karlsruhe. Der Erste Senat des Bundesverfassungsgerichts (BVG) in Karlsruhe erklärt die vom Bundestag beschlossene Reform des Paragraphen 218 (Fristenregelung) für verfassungswidrig. Damit bleibt eine Unterbrechung der Schwangerschaft auch in den ersten zwölf Wochen weiterhin verboten. Die Richter begründen ihre Entscheidung damit, dass der Staat grundsätzlich - vor dem Selbstbestimmungsrecht der Schwangeren - den Schutz des ungeborenen Lebens zu garantieren habe.
Nachdem 1972 in der DDR die Fristenlösung eingeführt worden war, hatte 1974 auch der Bundestag einen Gesetzesentwurf verabschiedet, nach dem der Schwangerschaftsabbruch in den ersten drei Monaten straffrei sein sollte. Am 12.2.1976 beschliesst der Bundestag eine neue Fassung zur Änderung des Paragraphen 218; die sog. Indikationsregelung tritt am 21.6. in Kraft. 1992 wird wiederum die Straffreiheit des Schwangerschaftsabbruchs innerhalb der ersten zwölf Wochen beschlossen. 1993 befindet das BVG, dass der Schwangerschaftsabbruch, der in den ersten drei Monaten rechtswidrig ist, strafrechtlich nicht verfolgt wird.
I. Zwetenz: Frauen - Die Geschichte des Paragraphen 218.; V. Krieger: Entscheiden. Was Frauen und Männer über den § 218 wissen sollten, 1987.
1975, 25. September, Donnerstag
Die Bonner Koalition aus SPD und FDP legt einen neuen Gesetzentwurf zum Abtreibungsparagraphen 218 vor, der den Schwangerschaftsabbruch weiter mit Strafe bedroht, jedoch eine soziale Indikation vorsieht. Ein bereits vom Bundestag verabschiedetes Gesetz über eine Fristenregelung ist am 25. Februar vom Bundesverfassungsgericht zurückgewiesen worden.
1976, 12. Februar, Donnerstag
1976, 04. Juli, Sonntag
Der Oberste Gerichtshof der USA bestätigt in Washington das Recht der Frau auf Abtreibung innerhalb einer bestimmten Frist. Dabei ist die Abtreibung auch ohne Zustimmung des Ehemannes zulässig.
1976, 29. September, Mittwoch
In Den Haag verabschiedet das niederländische Parlament ein Gesetz, das Frauen das Recht auf Abtreibung in staatlich anerkannten Kliniken einräumt.
1977, 01. Januar, Samstag
1977, 01.02.
Frauenzeitschrift »Emma« erscheint
Köln. Das von der feministischen Journalistin Alice Schwarzer herausgegebene Monatsblatt »Emma. Eine Zeitschrift für Frauen von Frauen« erscheint mit einer Startauflage von 200 000 Exemplaren. Bereits seit 1976 wird die Frauenzeitschrift »Courage« veröffentlicht, die sich ebenso wie »Emma« für die politische und gesellschaftliche Emanzipation der Frauen engagiert.
Schwerpunkte der Berichterstattung bilden Probleme von Frauen in der Arbeitswelt, Gewalt in der Familie sowie die Behandlung von Vergewaltigungen durch die Justiz. Breiten Raum nimmt die Auseinandersetzung um den Paragraphen 218 ein. Bereits Anfang der 70er Jahre hatte Alice Schwarzer mit ihrem publizistischen Kampf gegen das Abtreibungsverbot begonnen: In einem von ihr initiierten Artikel im Wochenmagazin »stern« bezichtigten sich zahlreiche Frauen, abgetrieben zu haben.
1977, 25. September, Sonntag
1978, 19. Dezember, Dienstag
Papst Johannes Paul II. kündigt an, dass jede katholische Frau, die eine Abtreibung vornehmen lässt, von der katholischen Kirche exkommuniziert wird. Die beteiligten Ärzte und Krankenschwestern sollen ebenfalls von den Sakramenten ausgeschlossen werden.
1979, 25. September, Dienstag
In Fulda bekräftigen die Teilnehmer an der Deutschen Bischofskonferenz ihre ablehnende Haltung gegenüber dem geltenden Indikationenmodell bei der Abtreibung.
1979, 30. November, Freitag
Die französische Nationalversammlung billigt mit 271 gegen 201 Stimmen endgültig das 1974 zunächst für fünf Jahre beschlossene Gesetz über den Schwangerschaftsabbruch. Innerhalb der ersten zehn Wochen der Schwangerschaft ist es der Frau überlassen, über eine Abtreibung zu entscheiden.
1979, 13. Dezember, Donnerstag
Der Chefredakteur der DGB-Jugendzeitschrift »'ran«, Dieter Schmidt, wird seines Postens enthoben. Anlass ist ein Cartoon in der Dezembernummer des Blattes, in dem Maria und Josef in Bethlehem einen Schwangerschaftsabbruch erwägen.
1979, 25. Dezember, Dienstag (1. Weihnachtstag)
1980, 20. Dezember, Samstag
1981, 17. Mai, Sonntag
1981, 15. Dezember, Dienstag
In seinem in Rom veröffentlichten Apostolischen Schreiben »Familiaris Consortio« erläutert Papst Johannes Paul II. die katholischen Leitlinien für das Familienleben. In dem Schreiben wird die Unauflöslichkeit der Ehe betont. Geburtenkontrolle, Abtreibung und "Ehe auf Probe" verurteilt der Papst, die Familie bezeichnet er als die "Zukunft der Menschheit".
1982, 26. September, Sonntag
1983, 05. Mai, Donnerstag
Die Abgeordnete Waltraud Schoppe von den Grünen plädiert in einer Bundestagsrede für die ersatzlose Streichung des »Abtreibungsparagraphen« 218.
1983, 07. Juni, Dienstag
In Norwegen bildet der konservative Ministerpräsident Kaare Willoch eine bürgerliche Mehrheitsregierung durch die Aufnahme der Zentrumspartei und der Christlichen Volkspartei. Die Christliche Volkspartei hatte bisher eine direkte Regierungsbeteiligung an dem konservativen Minderheitskabinett verweigert. Vorbehalt war das Abtreibungsgesetz, das jedoch nicht, wie befürchtet, zu einer Erhöhung der Schwangerschaftsabbrüche geführt hatte.
1983, 02. November, Mittwoch
Mit Inkrafttreten des »Gesetzes über Familienplanung« legalisiert die Türkei den Schwangerschaftsabbruch. Danach kann jede Türkin bis zur 10. Schwangerschaftswoche straffrei eine Abtreibung vornehmen lassen.
1984, 27. Januar, Freitag
Das portugiesische Parlament verabschiedet ein Gesetz, das den Schwangerschaftsabbruch unter bestimmten Bedingungen legalisiert.
1984, 11. Juli, Mittwoch
Bundesfamilienminister Heiner Geissler bekräftigt vor dem Bundestag, dass die Regierung in Bonn nicht daran denke, den Paragraphen §218 zu ändern. In seiner Rede weist er zugleich die Kritik von der Organisation »Pro Familia« an der Stiftungsgründung »Mutter und Kind« zurück.
1984, 06. August, Montag
1985, 09. Juni, Sonntag
Bei einem Referendum in der Schweiz wird eine Initiative "Recht auf Leben" gegen die Liberalisierung von Abtreibung und Sterbehilfe von rd. zwei Dritteln der Stimmberechtigten zurückgewiesen.
1985, 26. August, Montag
Die Landesregierung von Rheinland-Pfalz verzichtet auf eine Verfassungsklage gegen die sog. Abtreibung auf Krankenschein. Ministerpräsident Bernhard Vogel (CDU) war damit auf heftigen Widerstand bei den Frauen in seiner eigenen Partei gestossen.
1989, 05. Mai, Freitag
Wegen illegaler Schwangerschaftsabbrüche wird der Frauenarzt Horst Theissen vom Landgericht Memmingen zu zwei-einhalb Jahren Freiheitsstrafe und einem dreijährigen Berufsverbot verurteilt.
1989, 03. Juli, Montag
Der Oberste Gerichtshof der USA schränkt in einer umstrittenen Entscheidung das Recht zum Schwangerschaftsabbruch erheblich ein.
1990, 16. Juni, Samstag
In Bonn demonstrieren rund 10 000 Menschen für und etwa 3000 gegen die ersatzlose Streichung des § 218 zum Schwangerschaftsabbruch.
1990, 23. Juli, Montag
Bundestagspräsidentin Rita Süssmuth (CDU, geb. 1937 Wupperthal) stellt in Bonn einen »dritten Weg« im Streit über das Abtreibungsrecht im vereinten Deutschland vor. Er sieht Straffreiheit für Schwangerschaftsabbrüche in den ersten drei Monaten bei obligatorischer Beratung vor.
1991, 13. Juli, Samstag
In ihrem Vorschlag zur Neuregelung des Abtreibungsrechts (§ 218 StGB), der sog. Ansbacher Erklärung, lehnt die CSU jede Form der Fristenlösung ab.
1992, 08. Mai, Freitag
SPD und FDP legen in Bonn einen fraktionsübergreifenden Antrag für ein neues Abtreibungsrecht vor, der ein Fristenmodell mit Beratungspflicht vorsieht.
1992, 09. Dezember, Mittwoch
Der Bundestag verabschiedet in Bonn mit breiter Mehrheit das Gesundheitsstrukturgesetz. Die zweitägige Verhandlung vor dem Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe (BVG) über die Fristenlösung im Abtreibungsrecht geht zu Ende. Eine Entscheidung wird voraussichtlich im Januar 1993 gefällt.
1994, 11. Januar, Dienstag
Frauenarzt Horst Thiessen erneut verurteilt - Revisionsverfahren.
1995, 01. Oktober, Sonntag
Der Bundestag verabschiedet das neue Abtreibungsrecht.
Ein Schwangerschaftsabbruch bleibt in den ersten drei Monaten straffrei, wenn sich die Frau mindestens drei Tage vor dem Eingriff beraten lässt und dies durch eine Bescheinigung nachweist. Auch die katholische Kirche führt diese Beratungen durch. Sie hat sich trotz Bedenken des Papstes gegen einen Ausstieg aus dem staatlichen System der Schwangerschaftsberatung entschieden.
Die Straf-Akte des von der Bayrischen Justiz verurteilten Memminger Frauenarztes Horst Thiessen im Zusammenhang der sog. 'Hexenprozessen' um 156 illegale Abtreibungen wird geschlossen.
1999, 6. Juli, Dienstag,
Umstrittene Abtreibungspille Mifegyne zugelassen
Berlin (dpa) - Die umstrittene Abtreibungspille Mifegyne darf auch in Deutschland verkauft werden. Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte liess das erste Medikament für einen frühzeitigen Schwangerschaftsabbruch heute zu. Bundesfamilienministerin Bergmann begrüsste die Entscheidung. Bayerns CSU-Sozialministerin Stamm sprach hingegen von einer schrecklichen Bagatellisierung der Tötung ungeborener Kinder. Der Kölner Erzbischof Kardinal Meisner sprach von einem Rechtsbruch.
dt. Publizistin, Autorin
geb. 03.12.1942 Wuppertal, Deutschland
1969: Reporterin bei der Zeitschrift pardon.
1970-74: Freie Korrespondentin in Paris.
1971: »Frauen gegen den §218« (Schr.).
seit 1977: Hg. der Zeitschrift "Emma".
1983: Mitbegründerin des Hamburger Inst. für Sozialforschung; »Simone de Beauvoir heute« (Schr.).
1985: »Mit Leidenschaft« (Schr.).
1989: »Warum gerade sie? Weibliche Rebellen. Begegnungen mit berühmten Frauen« (Schr.).
Alice Schwarzer ist die bekannteste Feministin der bundesdeutschen Frauenbewegung. Sie schrieb den Bestseller »Der kleine Unterschied und seine grossen Folgen« (1975) und gibt seit 1977 die Frauenzeitschrift "Emma" heraus. Aufsehen erregte Anfang der 70er Jahre ihr publizistischer Kampf gegen das Abtreibungsverbot, der mit einem von ihr initiierten Artikel in dem Wochenmagazin STERN begann, in dem sich Frauen bezichtigten, abgetrieben zu haben. Ausserdem initiierte sie die Kampagne gegen Pornografie.
- geb. 16.05.1936 im schwäbischen Sigmaringen, Deutschland
- gest. 11.03.2018 in Mainz
- dt. Kardinal von Mainz
- Professor für Dogmatik und Ökumenische Theologie (15 Jahre bis 1983)
- ehm. Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz
- Vater: Dorfschullehrer
- Mutter: Hausfrau
- wuchs auf einem Bauernhof auf
- Studium: in Freiburg und Rom
1962: Doktor der Philosophie
1963: Priesterweihe
1967: Doktor der Theologie
1983: Bischof von Mainz (bis Jan. 2001)
1985: stellv. Vors. der DBK
1987: Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz ( DBK)
1999: dritte Wiederwahl zum Vors. d. DBK
2001: 29.01., Ernennung zum Kardinal
2008: Rücktritt als Vors. der Deutschen Bischofskonferenz
Sein Lehrer und Vorbild war der Theologe Karl Rahner (geb. 05.03.1904 Freiburg i. Br. - gest. 30.03.1984 Innsbruck) und arbeitete mit ihm beim Zweiten Vatikanischen Konzil zusammen. Seine Haltung und Einsatz für einen anderen Umgang mit dem Abtreibungsthema innerhalb der kathol. Kirche brachte ihm im Volk Ansehen und Achtung. Er wurde von Papst Johannes Paul II. (1920-2005) bei der Ernennung zum Kardinal übergangen. Grund ist die pos. Ansicht Karl Lehmann's für die Frauenpriesterweihe, Laienpredigt und Kommunion für wiederverheiratete Geschiedene. Menschen stehen bei ihm im Vordergrund. Ist für die Beibehaltung der katholischen Beratungsstellen. Aussage: Glück sei für ihn, "Menschen Mut, Kraft und Mitgefühl" zu geben.
dt. Schriftsteller und Arzt,
geb. 23.12.1888 Neuwied
gest. 05.10.1953 Lehnitz bei Ost-Berlin
1924: »Der arme Konrad« (Dr.).
1928: Mitgl. der KPD.
1930: »Die Matrosen von Cattaro« (Dr.).
1933: Emigration in die Schweiz, dann nach Frankreich; Verhaftung.
1941-45: Exil der Familie - mit den Söhnen K. Wolf und M. Wolf - in der UdSSR.
1949-53: Kulturpolitiker der DDR, ohne an frühere Theatererfolge anknüpfen zu können.
1949-51: Botschafter der DDR in Polen.
Friedrich Wolf war als erfolgreicher Autor aktueller zeitkritischer Dramen und als engagierter medizinischer Aufklärer eine zentrale Gestalt der Weimarer Republik, als Kommunist Symbolfigur der Arbeiter. Die gleichen Eigenschaften liessen ihn jedoch auch zu einem der meistgehassten Gegner der Nationalsozialisten werden. Unter dem Motto »Kunst ist Waffe« (Rede, 1928) provozierte er die Öffentlichkeit - z. B. mit seinem populärsten Stück »Cyankali. 218« (1929) über die sozial ungerechten, für Mittellose oft tödlichen Folgen des Abtreibungsparagraphen. Früh griff W. in »Professor Mamlock« (Dr., 1935) das Thema der Judenverfolgung durch die Nazis auf.
Uraufführungen 1929: Deutsches Reich
Cyankali - § 218
Schauspiel in acht Bildern
»Cyankali - § 218«, Friedrich Wolfs (1888-1953) erfolgreiches und spektakuläres Kampfstück gegen den Abtreibungsparagraphen und seine sozialen Konsequenzen, wird am 6. September 1929 im Berliner Lessingtheater durch die Gruppe Junger Schauspieler uraufgeführt. Das Agitprop-Drama spielt im Berliner Arbeitermilieu der Inflationszeit. Hete, die Freundin des nach illegaler Lebensmittelbeschaffung untergetauchten Arbeiterführers Paul, entscheidet sich, das Kind, das sie von ihm erwartet, abzutreiben. Von einem Modearzt, der nur zahlungskräftigen Damen »behilflich« ist, wird sie an eine »weise Frau« verwiesen. Auch diese verlangt zuviel Geld, gibt Hete aber das »populäre« Mittel Cyankali. Hetes Mutter verabreicht ihr versehentlich eine tödliche Dosis und wird daraufhin von der Polizei verhaftet.
W. Jehser: Friedrich Wolf, 1965; W. Pollatschek: Friedrich Wolf, 1974.
dt. Jurist und Politiker,
geb. 15.01.1925 Berlin
gest. 02.03.2009 Karlsruhe
ab 1956: Anwaltspraxis in Berlin/West
1957-71: MdB (CDU)
1966: »Die Notstandverfassung« (Schr.); »Industrielle Herrschaft und sozialer Staat« (Schr.).
1971: »Der Rechtsstaat in der Krise« (Schr.)
1979: »Grundrechtswidrige Gesetze. Ein Beitrag zu den Ursachen verfassungsgerichtlicher Beanstandung« (Schr.)
seit 1983: Prof. für Öffentliches Recht an der Univ. Freiburg i. Br.; Mithg. des »Handbuchs des Verfassungsrechts«
1943 Einberufung in die NS-Kriegsmarine bis zum Obergefreiten. Ernst Benda wird im April 1967 parlamentarischer Staatssekretär im Bundesinnenministerium. Als Bundesinnenminister (März 1968 bis Herbst 1969) der Grossen Koalition stand er im Mittelpunkt der Diskussion um die Verabschiedung der von ihm mitgetragenen Notstandsgesetze. 1971-83 ergingen unter B.s Präsidentschaft wichtige Entscheidungen des BVG: 1973 zum Grundlagenvertrag zwischen BRD und DDR, zum sog. Radikalenerlass, zum Schwangerschaftsabbruch (1975) und zu der aus Gründen des Datenschutzes umstrittenen Volkszählung (1983). B., der mit seiner Schrift »Rechtsstaat und Verjährung« (1965) eine allgemein akzeptierte Lösung für die umstrittene Frage der Verjährung von NS-Verbrechen fand, legte als Verfassungsrichter das Grundgesetz oft gegen die Regierungsparteien aus; z. B. im sog. Diätenurteil (1975), das den steuerlichen Interessen der Parlamentarier widersprach, mit der Suspendierung der Wehrnovelle (1977) und der Kritik am Scheidungsrecht (1981).
- dt. Frauenarzt und Naturmediziner
- geb. 1949
Fast neun Monate (1988 / 1989) dauert der grösste Abtreibungsprozess (auch genannt 'Hexenprozess') der deutschen Rechtsgeschichte. Angeklagt: der Memminger Frauenarzt Dr. Horst Theissen wegen 156 gewerbsmässigen und illegalen Abtreibungen, bei denen kein Nachweis für eine Beratung oder Indikationsfeststellung durch einen zweiten Arzt vorlag. Die Figur Theissen spaltet die Nation in Abtreibungsbefürworter und -gegner. An seinem Fall entzündet sich eine hitzige Abtreibungsdebatte.
"Es war damals erst mal so, dass ich gar nicht wusste was auf mich zukam. Wird das jetzt anerkannt an Arbeit, was ich gemacht habe oder wird das eher in den Dreck gezogen. Ich wusste ja, was in der ganzen Materie drin steckt und da musste ich ja mit Schlimmstem rechnen. Aber es kam genau umgekehrt, dass es eine fast globale Zustimmung war."
Das Urteil vom 05. Mai 1989: zwei-einhalb Jahre Haft und ein dreijähriges Berufsverbot. Zwei Jahre später wird der Fall in Augsburg erneut verhandelt. Die Strafe: ein-einhalb Jahre Haft auf Bewährung. Nach den Prozessen ist Theissen finanziell ruiniert und verkauft seine Praxis. Er wendet sich mehr der Naturheilkunde zu und vertreibt Naturheilmittel. Heute arbeitet der 64-Jährige wieder als Arzt und referiert über alternative Therapiekonzepte.
"Ich mache Praxisvertretungen und arbeite in anderen Praxen mit. Ich habe auch ein Infoblatt herausgebracht das heisst: 'Nicht Symptome behandeln, sondern kranke Menschen'. Jetzt ist mir die Naturheilkunde und andere Verfahren wichtig, denn ich halte das Gesundheitssystem, wie wir es heutzutage praktizieren für patientenfeindlich, denn im wesentlichen kommen die Gelder anderen zugute als den Patienten, die das System ja finanzieren."
"Die Bilanz von damals war: leider habe ich da einiges für opfern müssen aber zumindest ist durch den Prozess von Memmingen ist ja nun die heutige Gesetzgebung ermöglicht worden. Das finde ich grundsätzlich begrüssenswert und gut aber ich bleibe prinzipiell bei meinem Standpunkt: ich finde es wichtig, dass die Frau ohne Wenn und Aber entscheiden kann, ob sie die Schwangerschaft austragen kann oder nicht." (Quelle: MDR)
Doch der eigentliche Skandal war: Die Frauen, die abgetrieben hatten, wurden von Ermittlern und vor Gericht auf infame Weise nach ihren intimsten Lebensumständen ausgefragt - inquisitorisch wie zu Zeiten der Hexenprozesse im Mittelalter. Monatelang befeindeten sich in Demonstrationen Abtreibungsgegner und Abtreibungsbefürworter - der Kampf gegen den §218 wurde zum Symbol für den Kampf der Frauen um Gleichstellung und Gleichberechtigung: Der Bauch gehört mir! (Quelle: ARD.de)