Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Gericht=VGH%20Baden-W%C3%BCrttemberg&Datum=29.08.1990&Aktenzeichen=1%20S%202648/89
Timestamp: 2019-05-26 16:40:18
Document Index: 295917905

Matched Legal Cases: ['Art 1', 'Art 2', '§ 1', '§ 1', '§ 1', '§ 12', 'Art. 2', '§ 69', '§ 48', '§ 48']

VGH Baden-Württemberg, 29.08.1990 - 1 S 2648/89 - dejure.org
https://dejure.org/1990,3762
VGH Baden-Württemberg, 29.08.1990 - 1 S 2648/89 (https://dejure.org/1990,3762)
VGH Baden-Württemberg, Entscheidung vom 29.08.1990 - 1 S 2648/89 (https://dejure.org/1990,3762)
VGH Baden-Württemberg, Entscheidung vom 29. August 1990 - 1 S 2648/89 (https://dejure.org/1990,3762)
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Art 1 Abs 1 GG, Art 2 Abs 1 GG, § 1 Abs 2 PersAuswG, § 1 Abs 3 PersAuswG, § 1 Abs 5 PersAuswG, § 12 BGB
ESVGH 41, 55
Das allgemeine Persönlichkeitsrecht aus Art. 2 Abs. 1 GG gilt zwar nicht uneingeschränkt, sondern steht unter dem Vorbehalt der verfassungsmäßigen Ordnung, d.h. der Gesamtheit der Normen, die formell und materiell verfassungsgemäß sind (vgl. nur VGH Bad.-Württ. U. v. 29.08.1990 - 1 S 2648/89).
Auf die gegen dieses Urteil gerichtete Berufung der Beigeladenen hat der Verwaltungsgerichtshof durch Urteil vom 29. August 1990 (ESVGH 41, 55 = BWVPr 1991, 66) unter Abänderung der erstinstanzlichen Entscheidung die Klage abgewiesen und dazu ausgeführt: Die Versagung des Personalausweises in der gewünschten Schreibweise seines Familiennamens verletze den Kläger nicht in seinem Namens- und Persönlichkeitsrecht.
Mitwirkungspflicht; Sicherheitsgespräch; Reiseausweis; zwingende Gründe der …
Auch wenn es sich bei der Ausstellung eines Reiseausweises um einen Realakt handelt, ist die auf dessen Ausstellung gerichtete Klage auf den Erlass eines Verwaltungsakts gerichtet, weil der Ausstellung eine regelnde Entscheidung des Beklagten über die Ausgabe des Dokuments vorausgeht (…BVerwG, Urt. v. 17. März 2004 - 1 C 1.03 -, juris Rn. 36; VGH BW, Urt. v. 29. August 1990 - 1 S 2648/89 -, juris Rn. 16).
Seine Ausstellung ist ein Realakt, dem eine regelnde Entscheidung der Behörde zwar über die Ausgabe des Dokuments (acutus contrarius: Einziehung), nicht aber - über das mit entsprechenden Feststellungen abgeschlossene Verwaltungsverfahren nach § 69 Abs. 1, 3, 4 SGB IX hinaus - (nochmals) über dessen Inhalt vorauszugehen hat (vgl. BSG…, Urteil vom 11.08.2015 - B 9 SB 2/15 R -, SozR 4-1300 § 48 Nr. 31, Rn. 26 m. w. Nachw.; vgl. für andere Ausweisdokumente: BVerwG, Urteil vom 17.03.2004 - 1 C 1.03 - BVerwGE 120, 206, 218; Urteil vom 16.07.1996 - 1 C 30.93 - BVerwGE 101, 295, 307; VGH Mannheim, Urteil vom 29.08.1990 - 1 S 2648/89 -, Rn. 16, juris; VG Bremen…, Urteil vom 06.11.2014 - 5 K 795/13 -, Rn. 11, juris).
Die Ausstellung und Aushändigung eines (Schwerbehinderten)ausweises ist ein Realakt, dem jedoch eine regelnde Entscheidung der Behörde über die Ausgabe des Dokuments - entsprechenden Inhaltes (vgl. präzise insbesondere VGH Mannheim, Urteil vom 29.08.1990 - 1 S 2648/89 -, Rn. 16, juris) - vorauszugehen hat (vgl. ferner: BSG…, Urteil vom 11.08.2015 - B 9 SB 2/15 R -, SozR 4-1300 § 48 Nr. 31, Rn. 26 m. w. Nachw.; BVerwG, Urteil vom 17.03.2004 - 1 C 1.03 - BVerwGE 120, 206, 218; Urteil vom 16.07.1996 - 1 C 30.93 - BVerwGE 101, 295, 307; VG Stuttgart…, Urteil vom 15. März 2011 - 6 K 5085/10 -, Rn. 18, 24, juris; VG Bremen…, Urteil vom 06.11.2014 - 5 K 795/13 -, Rn. 11, juris;… Urteil der Kammer vom 23. Februar 2016 - S 18 SB 1135/15 -, Rn. 17, juris; in vorliegender Konstellation dies voraussetzend: Landessozialgericht für das Land Nordrhein-Westfalen…, Beschluss vom 23. März 1998 - L 10 SVs 15/97 -, Rn. 18, juris; SG Köln…, Urteil vom 27. Januar 2010 - S 21 SB 35/09 -, Rn. 18, juris).
Dies gilt insbesondere im Hinblick auf die auch vom Verwaltungsgericht zitierte Rechtsprechung des erkennenden Gerichtshofs, wonach eine abweichende Angabe persönlicher Daten in amtlichen Papieren zu einem Grundrechtseingriff nur unter der Voraussetzung führt, dass darin eine Missachtung der Identität und Individualität zu erblicken ist (Urteil vom 29.08.1990 - 1 S 2648/89 -, ESVGH 41, 55 ff. m.w.N.).
Dieser geht jedoch eine regelnde Entscheidung der Behörde über die Ausgabe des Dokuments voraus (vgl. VGH Mannheim, Urteil vom 29. August 1990 - 1 S 2648/89 - juris ; für andere Ausweisdokumente vgl. BVerwG, Urteil vom 17. März 2004 - 1 C 1.03 - BVerwGE 120, 206 ; Urteil vom 16. Juli 1996 - 1 C 30.93 - BVerwGE 101, 295 ).
Vielmehr ergibt sich aus dem Bezug des persönlichkeitsrechtlichen Namensschutzes zur Menschenwürde, dass eine abweichende Angabe persönlicher Daten in amtlichen Papieren zu einem Grundrechtseingriff nur unter der Voraussetzung führt, dass darin eine Missachtung der Identität und Individualität zu erblicken ist (vgl. VGH Bad.-Württ., Urteil vom 29.8.1990 - 1 S 2648/89 - ESVGH 41, 55).
Nach der Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts ist auch die Änderung allein der Schreibweise - so der Austausch eines Umlautes durch einen Vokal mit angefügtem "e" im Familiennamen - in rechtlicher Hinsicht eine Namensänderung (vgl. dazu VGH Baden-Württemberg, Urteil vom 29.08.1990 - 1 S 2648/89 - m. w. N.; zitiert nach juris; siehe auch Bundesverwaltungsgericht, Urteil vom 29.09.1992 - 1 C 41/90 - Rz 21; zitiert nach juris).