Source: http://www.hensche.de/Arbeitsrecht_Urteile_Leiharbeit_Gewerbsmaessigkeit_Gewinnerzielungsabsicht_Gestaltungsmissbrauch_BAG_7AZR946-08.html
Timestamp: 2018-09-21 09:51:33
Document Index: 375373896

Matched Legal Cases: ['§ 4', '§ 12', '§ 10', '§ 253', '§ 17', '§ 256', '§ 10', '§ 10', '§ 9', '§ 9', '§ 1', '§ 1', '§ 1', '§ 14', '§ 1', '§ 1', '§ 1', '§ 10', '§ 1', '§ 14', '§ 1', '§ 1', '§ 1', '§ 1', '§ 51', '§ 44', '§ 11', '§ 10', '§ 10', '§ 1', '§ 9', '§ 10', '§ 10', '§ 13', 'Art. 63', '§ 1', '§ 1', '§ 10', '§ 1', 'Art. 7', 'Art. 28', '§ 8', 'Art. 2', '§ 91', '§ 145']

BAG, Urteil vom 02.06.2010, 7 AZR 946/08 - HENSCHE Arbeitsrecht
BAG, Ur­teil vom 02.06.2010, 7 AZR 946/08
Aktenzeichen: 7 AZR 946/08
Vorinstanzen: Arbeitsgericht Bremen-Bremerhaven, Urteil vom 19.4.2007 - 9 Ca 9381/06
Landesarbeitsgericht Bremen, Urteil vom 11.6.2008 - 2 Sa 111/07
7 AZR 946/08
2 Sa 111/07
2. Ju­ni 2010
hat der Sieb­te Se­nat des Bun­des­ar­beits­ge­richts auf­grund der münd­li­chen Ver­hand­lung vom 2. Ju­ni 2010 durch den Vor­sit­zen­den Rich­ter am Bun­des­ar­beits­ge­richt Lin­sen­mai­er, die Rich­te­rin­nen am Bun­des­ar­beits­ge­richt Gräfl und Schmidt so­wie die eh­ren­amt­li­chen Rich­ter Bea und Glock für Recht er­kannt:
1. Auf die Re­vi­si­on der Be­klag­ten wird das Ur­teil des Lan­des­ar­beits­ge­richts Bre­men vom 11. Ju­ni 2008 - 2 Sa 111/07 - auf­ge­ho­ben.
2. Auf die Be­ru­fung der Be­klag­ten wird das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts Bre­men-Bre­mer­ha­ven vom 19. April 2007 - 9 Ca 9381/06 - ab­geändert, so­weit es der Kla­ge statt-ge­ge­ben hat:
Die Kla­ge wird in­so­weit ab­ge­wie­sen.
Die Kläge­rin hat die Kos­ten des ge­gen die Be­klag­te geführ­ten Rechts­streits zu tra­gen.
Die Par­tei­en strei­ten im We­sent­li­chen darüber, ob zwi­schen ih­nen ein Ar­beits­verhält­nis be­steht.
Die Kläge­rin ist aus­ge­bil­de­te Lehr­kraft. Sie schloss am 1. Fe­bru­ar 2005 mit dem in Bre­men ansässi­gen S eV ei­nen vom 1. Fe­bru­ar bis zum 31. Ju­li 2005 be­fris­te­ten Ar­beits­ver­trag, der ei­ne wöchent­li­che Ar­beits­zeit von 21,4 St­un­den und ei­ne Vergütung nach der Vergütungs­grup­pe III des BAT vor­sah. Am 12. Ju­li 2005 ver­ein­bar­ten die Kläge­rin und der S eV ei­nen wei­te­ren be­fris­te­ten Ar­beits­ver­trag für die Zeit vom 1. Au­gust 2005 bis zum 31. Ju­li 2006, in dem ei­ne wöchent­li­che Ar­beits­zeit von 15 Un­ter­richts­stun­den fest­ge­legt war. Da­ne­ben schlos­sen die Kläge­rin und der S eV am 31. Au­gust 2005 ei­nen zwei­ten be­fris­te­ten Ar­beits­ver­trag für die Zeit vom 1. Sep­tem­ber 2005 bis zum 31. Ja­nu­ar 2006, der zunächst ei­ne Ar­beits­zeit von zwei Un­ter­richts­stun­den vor­sah und mit Ver­ein­ba­rung vom 13. Ja­nu­ar 2006 un­ter Erhöhung der wöchent­li­chen Ar­beits­zeit auf vier Un­ter­richts­stun­den bis zum 31. Ju­li 2006 verlängert wur­de.
Der S eV un­terhält kei­nen ei­ge­nen Schul­be­trieb und hat kei­ne Er­laub­nis zur Ar­beit­neh­merüber­las­sung. Mit Frei­stel­lungs­be­scheid für die Ka­len­der­jah­re
1999, 2000 und 2001 wur­de dem Ver­ein vom zuständi­gen Fi­nanz­amt be­schei­nigt, dass er von der Körper­schaft­steu­er und der Ge­wer­be­steu­er be­freit ist, weil er aus­sch­ließlich und un­mit­tel­bar steu­er­begüns­tig­ten ge­meinnützi­gen Zwe­cken dient. Des Wei­te­ren be­schei­nig­te das Fi­nanz­amt am 19. De­zem­ber 2006, dass der Ver­ein ei­ne ge­meinnützi­ge Körper­schaft iSd. Be­stim­mun­gen des Ein­kom­men­steu­er­ge­set­zes ist.
Während der ge­sam­ten Dau­er ih­res Ar­beits­verhält­nis­ses war die Kläge­rin in der In­te­grier­ten Stadt­teil­schu­le I in Bre­men, ei­ner öffent­li­chen Schu­le der be­klag­ten Stadt­ge­mein­de, tätig. Dort war sie ua. als Klas­sen­leh­re­rin für ei­ne 7. und 8. Haupt­schul­klas­se ein­ge­setzt und bei ei­ner wöchent­li­chen Ar­beits­zeit von 19 Un­ter­richts­stun­den in den Schul­be­trieb ein­ge­glie­dert. Grund­la­ge für den Ein­satz war ei­ne zwi­schen dem S eV und der Be­klag­ten im Jahr 2001 ge­schlos­se­ne Ko­ope­ra­ti­ons­ver­ein­ba­rung, in der es aus­zugs­wei­se heißt:
Ge­gen­stand
Ge­gen­stand die­ses Ver­tra­ges ist die Be­reit­stel­lung von Per­so­nal zum Zweck der Wahr­neh­mung fol­gen­der Auf­ga­ben für den Se­na­tor für Bil­dung und Wis­sen­schaft
- Ergänzen­der Förder­un­ter­richt für Kin­der und Ju­gend­li­che nicht-deut­scher Her­kunfts­spra­che
- Ergänzen­de Förde­rung von Kin­dern mit aus­ge­wie­se­ner Le­se-Recht­schreib­schwäche
- Ergänzen­de Maßnah­men zur Un­ter­richts­ver­tre­tung
Die o.a. Pro­jek­te wer­den in den an­lie­gen­den Ein­zel­ver­ein­ba­run­gen be­schrie­ben.
Die S e.V. erfüllt im Auf­trag des Se­na­tors für Bil­dung und Wis­sen­schaft die Or­ga­ni­sa­ti­on und den Ein­satz von Per­so­nal an Bre­mer Schu­len zur Durchführung der o.a. Pro­jek­te.
Die Aus­wahl und die An­stel­lung von Per­so­nal ob­liegt der S e.V.
Die Aus­wahl der Mit­ar­bei­ter/in­nen hat sich am vor­her fest­ge­leg­ten Be­darf (sie­he Ein­zel­ver­ein­ba­run­gen) zu ori­en­tie­ren. Ne­ben der persönli­chen Eig­nung muss die Mit­ar­bei­te­rin/der Mit­ar­bei­ter auch über die vom Se­na­tor für Bil­dung und Wis­sen­schaft ge­for­der­te Qua­li­fi­ka­ti­on verfügen, um In­halt und Ziel der Maßnah­me ver­wirk­li­chen zu können. In­so­weit ist die Aus­wahl mit dem Se­na­tor für Bil­dung und Wis­sen­schaft im Ein­zel­fall ab­zu­stim­men.
An­ge­stell­ten­verhält­nis
Die un­ter § 4 ge­nann­ten Mit­ar­bei­ter/in­nen sind Ar­beit­neh­mer/in­nen der S e.V. und un­ter­lie­gen in ar­beits­recht­li­cher und so­zi­al­ver­si­che­rungs­recht­li­cher Hin­sicht aus­sch­ließlich den zwi­schen ih­nen und der S e.V. ge­trof­fe­nen ar­beits­ver­trag­li­chen Ver­ein­ba­run­gen. Die S e.V. als Ar­beit­ge­ber hat die al­lei­ni­ge Dienst- und Fach­auf­sicht.
Während der Er­brin­gung von Dienst­leis­tun­gen in der Schu­le ord­net sich das ein­ge­setz­te Per­so­nal in die schul­or­ga­ni­sa­to­ri­schen Abläufe ein und nimmt im Rah­men der fest­ge­leg­ten Maßnah­me und im Sin­ne des Haus­halts-rechts Ein­zel­an­wei­sun­gen der Schul­lei­tung ent­ge­gen.
Die Zuständig­keit der S e.V. für die ge­ne­rel­le Dienst- und Fach­auf­sicht nach Ab­satz 1 Satz 2 bleibt da­durch un­berührt. ...
Zur Ab­si­che­rung der Ar­beit des Ver­eins S e.V. im Bil­dungs­be­reich wer­den für Lei­tung, Ver­wal­tung, Per­so­nal­ent­wick­lung, Ko­or­di­na­ti­on etc. Over­head-Kos­ten/ Ver­wal­tungs­kos­ten ge­zahlt. Die Over­head-Kos­ten be­tra­gen höchs­tens 12 % der jähr­li­chen Zu­wen­dungs­sum­me (Per­so­nal­kos­ten für die Ein­zel­maßnah­men). Die Zu­wen­dung er­folgt im Rah­men der in­sti­tu­tio­nel­len Förde­rung als Fehl­be­darfs­fi­nan­zie­rung. Die Höhe der Zu­wen­dung wird abhängig von der ver­ab­re­de­ten Leis­tung im Zu­wen­dungs­be­scheid ge­re­gelt.
Ein­zel­ver­ein­ba­run­gen
Das Ver­fah­ren zur Fest­le­gung der Be­dar­fe, so­wie Um­fang und In­halt der je­wei­li­gen Pro­jek­te wer­den in Ein­zel­ver­ein­ba­run­gen fest­ge­legt, die die­sem Ko­ope­ra­ti­ons­ver­trag bei­gefügt sind.
Die Ein­zel­ver­ein­ba­run­gen sind Be­stand­teil die­ses Ver­tra­ges.“
In der in § 12 des Ko­ope­ra­ti­ons­ver­trags erwähn­ten Ein­zel­ver­ein­ba­rung zwi­schen dem S eV und dem Se­na­tor für Bil­dung und Wis­sen­schaft der be­klag­ten Stadt­ge­mein­de ist ua. aus­geführt:
„Die S e.V. bie­tet im Rah­men des Pro­jek­tes ‚Ergänzen­de Maßnah­men zur Un­ter­richts­ver­tre­tung’ Un­ter­richt durch fach­lich aus­ge­bil­de­te Lehr­kräfte an.
A. Ge­gen­stand der Ver­ein­ba­rung
Ge­gen­stand die­ser Ver­ein­ba­rung ist die Be­reit­stel­lung von Per­so­nal für das Pro­jekt ‚Ergänzen­de Maßnah­men zur Un­ter­richts­ver­tre­tung’ an den Schu­len der Stadt­ge­mein­de Bre­men.
Die Maßnah­men um­fas­sen fol­gen­de Ein­zel­pro­jek­te:
- Leh­rer­feu­er­wehr (LFW)
Un­ter­richts­ver­tre­tung bei länger­fris­ti­gen Krank­heits­ausfällen in den Schu­len (3 Mo­na­te und länger) im Rah­men ei­ner sog. Leh­rer­feu­er­wehr
- Fle­xi­ble Un­ter­richts­ver­tre­tung (FUV)
Fle­xi­ble Un­ter­richts­ver­tre­tung bei Krank­heits­ausfällen, die durch schu­li­sche Maßnah­men nicht ab­ge­deckt wer­den können (länger als 1 Mo­nat)
- Nach­wuchs­si­che­rung (NWS)
Si­che­rung des Nach­wuch­ses zur Ab­de­ckung des Un­ter­richts in den Man­gelfächern bzw. Fach­be­rei­chen.
Die An­stel­lung des Per­so­nals ob­liegt der S e.V. als Ar­beit­ge­ber.
C. Ver­fah­rens­ver­ein­ba­rung
1. Auf An­for­de­rung der Schu­len nach ei­ner fle­xi­blen Un­ter­richts­ver­tre­tung bei Krank­heits­ausfällen oder nach ei­ner sog. Leh­rer­feu­er­wehr bei länger­fris­ti­gen Krank­heits­ausfällen be­auf­tragt der Se­na­tor für Bil­dung und Wis­sen­schaft die S e.V. schrift­lich mit
der Durchführung der Un­ter­richts­ver­tre­tung.
Die Be­auf­tra­gung be­inhal­tet den Schul­stand­ort, die Beschäfti­gungs­dau­er, den St­un­den­um­fang und den Ver­tre­tungs­an­lass.
2. Per­so­nal
Die S e.V. stellt zur Durchführung der Pro­jek­te qua­li­fi­zier­tes Per­so­nal zur Verfügung.
Das Per­so­nal wird je nach Qua­li­fi­ka­ti­on nach dem BAT vergütet, im Höchst­fal­le nach BAT III. Hier­bei ist die Ein­hal­tung des Bes­ser­stel­lungs­ver­bots zu be-ach­ten.
Die Ar­beits­zeit des Per­so­nals ist ana­log der Ar­beits-zeit der Lehr­kräfte im öffent­li­chen Dienst ge­re­gelt.
Die Fi­nan­zie­rung des Pro­jekts er­folgt im verfügba­ren Res­sour­cen­rah­men.“
In ei­nem Schrei­ben der Re­fe­rats­lei­te­rin Fi­nanz­ma­nage­ment des Se­na­tors für Bil­dung und Wis­sen­schaft der Frei­en Han­se­stadt Bre­men vom 13. De­zem­ber 2006 heißt es, der S eV ha­be für die Durchführung des Ver­tre­tungs­pro­gramms bis­her kei­ne ge­son­der­ten Ver­wal­tungs­kos­ten be­an­tragt oder er­hal­ten, son­dern be­zie­he ei­ne auch Ver­wal­tungs­kos­ten be­inhal­ten­de Zu­wen­dung im Rah­men der in­sti­tu­tio­nel­len Förde­rung; die Ver­wen­dung die­ser Ver­wal­tungs­kos­ten wer­de cent­ge­nau nach­ge­wie­sen und ab­ge­rech­net.
Mit der am 7. Au­gust 2006 ge­gen die Be­klag­te und den S eV er­ho­be­nen Kla­ge hat die Kläge­rin die Fest­stel­lung ei­nes Ar­beits­verhält­nis­ses mit der Be­klag­ten und die vorläufi­ge Wei­ter­beschäfti­gung be­gehrt. Ge­genüber dem S eV hat sie zu­letzt die Fest­stel­lung, dass das Ar­beits­verhält­nis nicht mit dem 31. Ju­li 2006 be­en­det sei, und die Ver­ur­tei­lung zur vorläufi­gen Wei­ter­beschäfti­gung gel­tend ge­macht. Sie hat die Auf­fas­sung ver­tre­ten, zwi­schen ihr und der Be­klag­ten sei von Be­ginn ih­rer Tätig­keit in der Ein­satz­schu­le an ein un­be­fris­te­tes Ar­beits­verhält­nis zu den Be­din­gun­gen ver­gleich­ba­rer, bei der Be­klag­ten an­ge­stell­ter Lehr­kräfte zu­stan­de ge­kom­men. Der S eV fun­gie­re le­dig­lich for­mal als Ar­beit­ge­ber. Er ha­be we­der in persönli­cher noch in fach­li­cher Hin­sicht Vor­ge­setz­ten­funk­ti­on aus­geübt. Auch or­ga­ni­sie­re der Ver­ein nicht nur die Kran­ken­ver­tre­tung an Schu­len, son­dern stel­le die bei ihm ein­ge­stell­ten Lehr­kräfte der Be­klag­ten auch bei an­de­ren per­so­nel­len Engpässen
zur Verfügung. Die vor­lie­gen­de Kon­struk­ti­on sei ein Um­ge­hungs­geschäft. Je­den­falls han­de­le es sich um un­zulässi­ge Ar­beit­neh­merüber­las­sung oder über­las­sen­de Ar­beits­ver­mitt­lung.
Die Kläge­rin hat zu­letzt - so­weit für das Re­vi­si­ons­ver­fah­ren von In­ter­es­se - be­an­tragt
1. fest­zu­stel­len, dass zwi­schen ihr und der Be­klag­ten seit dem 1. Fe­bru­ar 2005 ein un­be­fris­te­tes An­stel­lungs­verhält­nis über ei­ne Tätig­keit als Leh­re­rin im öffent­li­chen Schul­dienst nach Maßga­be des BAT und den die­sen ergänzen­den, ändern­den und er-set­zen­den Ta­rif­be­stim­mun­gen in der je­weils gülti­gen Fas­sung so­wie un­ter Ein­grup­pie­rung der Kläge­rin in Vergütungs­grup­pe II a BAT und ei­ner wöchent­li­chen Ar­beits­zeit von 15 Un­ter­richts­stun­den im Zeit­raum bis 31. Au­gust 2005, von 17 Un­ter­richts­stun­den bis 15. Ja­nu­ar 2006 und von 19 Un­ter­richts­stun­den seit dem 16. Ja­nu­ar 2006 be­steht, und dass die­ses Ar­beits­verhält­nis nicht auf­grund der Be­fris­tun­gen vom 12. Ju­li 2005, 31. Au­gust 2005 und 13. Ja­nu­ar 2006 mit dem 31. Ju­li 2006 be­en­det wur­de und
2. die Be­klag­te zu ver­ur­tei­len, die Kläge­rin zu den un­ter Ziff. 1 ge­nann­ten Be­din­gun­gen mit ei­ner wöchent­li­chen Ar­beits­zeit von 19 Un­ter­richts­stun­den vorläufig bis zum rechts­kräfti­gen Ab­schluss des Rechts­streits über den 31. Ju­li 2006 hin­aus wei­ter zu beschäfti­gen.
Die Be­klag­te hat Kla­ge­ab­wei­sung be­an­tragt und ge­meint, zwi­schen ihr und der Kläge­rin sei kein Ar­beits­verhält­nis be­gründet wor­den. Die Fik­ti­on ei­nes Ar­beits­verhält­nis­ses nach § 10 Abs. 1 Satz 1 AÜG schei­de schon des­halb aus, weil der S eV als an­er­kann­te ge­meinnützi­ge Körper­schaft kei­ne ge­werbsmäßige Ar­beit­neh­merüber­las­sung be­trei­be. Im Übri­gen ha­be der Ver­ein al­le Ar­beit­ge­ber­pflich­ten und das Ar­beit­ge­ber­ri­si­ko ge­tra­gen.
Das Ar­beits­ge­richt hat der ge­gen die Be­klag­te ge­rich­te­ten Kla­ge - mit dem oben wie­der­ge­ge­be­nen An­trag - statt­ge­ge­ben und die ge­gen den S eV ge­rich­te­te Kla­ge ab­ge­wie­sen. Hier­ge­gen ha­ben die Kläge­rin und die Be­klag­te im Um­fang ih­res je­wei­li­gen Un­ter­lie­gens Be­ru­fung ein­ge­legt. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt hat das Ver­fah­ren zwi­schen der Kläge­rin und dem S eV ab-ge­trennt und aus­ge­setzt und die Be­ru­fung der Be­klag­ten zurück­ge­wie­sen. Mit
ih­rer Re­vi­si­on ver­folgt die Be­klag­te wei­ter­hin das Ziel der Kla­ge­ab­wei­sung.
Die zulässi­ge Re­vi­si­on der Be­klag­ten ist be­gründet. Die Vor­in­stan­zen ha­ben zu Un­recht an­ge­nom­men, zwi­schen den Par­tei­en be­ste­he ein un­be­fris­te­tes Ar­beits­verhält­nis. Der Wei­ter­beschäfti­gungs­an­trag fällt dem Se­nat nicht zur Ent­schei­dung an.
I. Die ge­gen die be­klag­te Stadt­ge­mein­de ge­rich­te­te Fest­stel­lungs­kla­ge ist zulässig.
1. Der An­trag ist hin­rei­chend be­stimmt iSv. § 253 Abs. 2 Nr. 2 ZPO. Wie die ge­bo­te­ne Aus­le­gung er­gibt, han­delt es sich um ei­ne all­ge­mei­ne Fest-stel­lungs­kla­ge, mit der das Be­ste­hen ei­nes Ar­beits­verhält­nis­ses für be­stimm­te Zeiträume zu den im An­trag be­zeich­ne­ten Be­din­gun­gen fest­ge­stellt wer­den soll. Da­mit ver­bun­den ist ei­ne Be­fris­tungs­kon­troll­kla­ge iSv. § 17 Satz 1 Tz­B­fG, mit der die Fest­stel­lung be­gehrt wird, das zwi­schen den Par­tei­en ent­stan­de­ne Ar­beits­verhält­nis ha­be nicht durch die zwi­schen der Kläge­rin und dem S eV ver­ein­bar­te Be­fris­tung zum 31. Ju­li 2006 ge­en­det.
2. Der An­trag genügt den Er­for­der­nis­sen des § 256 Abs. 1 ZPO. Die Kläge­rin hat ein recht­li­ches In­ter­es­se dar­an, dass das Be­ste­hen ei­nes Ar­beits­verhält­nis­ses mit der Be­klag­ten in den be­zeich­ne­ten Zeiträum­en und des­sen Fort­be­stand über den 31. Ju­li 2006 hin­aus als­bald fest­ge­stellt wird.
II. Der all­ge­mei­ne Fest­stel­lungs­an­trag ist un­be­gründet. Zwi­schen den Par­tei­en ist kein Ar­beits­verhält­nis zu­stan­de ge­kom­men. Ein sol­ches ist we­der durch ver­trag­li­che Ver­ein­ba­rung noch kraft ge­setz­li­cher Fik­ti­on noch auf­grund der Um­ge­hung zwin­gen­der ge­setz­li­cher Vor­schrif­ten oder ei­nes Ge­stal­tungs­miss­brauchs ent­stan­den.
1. Ein Ar­beits­verhält­nis zur Be­klag­ten be­steht nicht kraft ver­trag­li­cher Ver­ein­ba­rung. Die Ein­glie­de­rung der Kläge­rin in die Or­ga­ni­sa­ti­on der Schu­le der Be­klag­ten genügt un­ter Berück­sich­ti­gung der von der Kläge­rin und der Be­klag­ten mit dem S eV ge­trof­fe­nen Ver­ein­ba­run­gen nicht, um ei­nen Ver­trags­schluss zwi­schen den Par­tei­en durch schlüssi­ges Ver­hal­ten zu be­gründen.
2. Ent­ge­gen der An­sicht des Lan­des­ar­beits­ge­richts ist zwi­schen den Par­tei­en kein Ar­beits­verhält­nis kraft ge­setz­li­cher Fik­ti­on nach § 10 Abs. 1 Satz 1 AÜG zu­stan­de ge­kom­men. Es fehlt be­reits an der hier­zu er­for­der­li­chen Ge­werbsmäßig­keit der Ar­beit­neh­merüber­las­sung.
a) Nach § 10 Abs. 1 Satz 1 AÜG gilt ein Ar­beits­verhält­nis zwi­schen Ent­lei­her und Leih­ar­beit­neh­mer zu dem zwi­schen dem Ent­lei­her und dem Ver­lei­her für den Be­ginn der Tätig­keit vor­ge­se­he­nen Zeit­punkt als zu­stan­de ge­kom­men, wenn der Ver­trag zwi­schen dem Ver­lei­her und dem Leih­ar­beit­neh­mer nach § 9 Nr. 1 AÜG un­wirk­sam ist. Nach § 9 Nr. 1 AÜG ist der Ver­trag zwi­schen Ver­lei­her und Leih­ar­beit­neh­mer un­wirk­sam, wenn der Ver­lei­her nicht die nach § 1 AÜG er­for­der­li­che Er­laub­nis hat. § 1 Abs. 1 Satz 1 AÜG be­stimmt, dass Ar­beit­ge­ber, die als Ver­lei­her Drit­ten Ar­beit­neh­mer ge­werbsmäßig zur Ar­beits­leis­tung über­las­sen wol­len, der Er­laub­nis bedürfen.
aa) Ge­werbsmäßig iSd. § 1 Abs. 1 Satz 1 AÜG ist nach der ständi­gen Recht­spre­chung des Se­nats je­de nicht nur ge­le­gent­li­che, son­dern auf ei­ne ge­wis­se Dau­er an­ge­leg­te und auf die Er­zie­lung un­mit­tel­ba­rer oder mit­tel­ba­rer wirt­schaft­li­cher Vor­tei­le ge­rich­te­te selbständi­ge Tätig­keit. Ent­schei­den­des Kri­te­ri­um ist die Ge­winn­erzie­lungs­ab­sicht. Da­bei kommt es nicht dar­auf an, ob tatsächlich ein Ge­winn er­zielt wird (BAG 20. April 2005 - 7 ABR 20/04 - zu B II 2 c aa der Gründe, EzA AÜG § 14 Nr. 5 mwN). An ei­ner Ge­winn­erzie­lungs­ab­sicht fehlt es, wenn die Über­las­sung le­dig­lich ge­gen Er­stat­tung der Per­so­nal­kos­ten er­fol­gen soll und dem Ver­lei­her da­durch auch mit­tel­bar kei­ne wirt­schaft­li­chen Vor­tei­le er­wach­sen (BAG 25. Ja­nu­ar 2005 - 1 ABR 61/03 - zu B II 4 b bb (2) der Gründe, BA­GE 113, 218; 21. März 1990 - 7 AZR 198/89 - zu I 2 a bb der Gründe, BA­GE 65, 43).
bb) An die­sem Verständ­nis der ge­werbsmäßigen Ar­beit­neh­merüber­las­sung iSd. § 1 Abs. 1 Satz 1 AÜG und ins­be­son­de­re dem Er­for­der­nis der Ge­winn­erzie­lungs­ab­sicht hält der Se­nat fest. Es ent­spricht dem Wort­laut der Vor­schrift, dem ge­setz­li­chen Ge­samt­zu­sam­men­hang, dem Sinn und Zweck, der Ge­set­zes­ge­schich­te und den Er­for­der­nis­sen der Rechts­si­cher­heit.
(1) Hierfür spricht be­reits der Ge­set­zes­wort­laut. Der Be­griff der „Ge­werbsmäßig­keit“ legt es zu­min­dest na­he, ei­ne Ge­winn­erzie­lungs­ab­sicht zu ver­lan­gen und ei­ne un­ei­gennützi­ge Tätig­keit nicht aus­rei­chen zu las­sen.
(2) Sys­te­ma­ti­sche Erwägun­gen spre­chen dafür, den Be­griff der Ge­werbsmäßig­keit eben­so wie im Ge­wer­be­recht zu ver­ste­hen, in dem die Ge­winn­erzie­lungs­ab­sicht not­wen­di­ge Vor­aus­set­zung für den Be­trieb ei­nes Ge­wer­bes iSd. Ge­wer­be­ord­nung ist (vgl. et­wa BVerwG 11. März 2008 - 6 B 2/08 - Rn. 5 mwN, NJW 2008, 1974).
(3) Auch nach Sinn und Zweck der in § 1 Abs. 1 Satz 1 AÜG nor­mier­ten Er­laub­nis­pflicht er­scheint es an­ge­zeigt, bei der Ge­werbsmäßig­keit auf das Merk­mal der Ge­winn­erzie­lungs­ab­sicht nicht zu ver­zich­ten. Bei ei­ner nicht auf Ge­winn­erzie­lung an­ge­leg­ten, un­ei­gennützi­gen Ar­beit­neh­merüber­las­sung ist die Ge­fahr der Ab­sen­kung des So­zi­al­schut­zes der be­trof­fe­nen Ar­beit­neh­mer je­den­falls ty­pi­scher­wei­se ge­rin­ger als wenn die Ar­beit­neh­merüber­las­sung dar­auf aus­ge­rich­tet ist, durch sie wirt­schaft­li­che Ge­win­ne zu er­zie­len.
(4) Für die­ses Verständ­nis spricht auch die Ge­set­zes­ge­schich­te. In der Ge­set­zes­be­gründung zum Ent­wurf des AÜG vom 7. Au­gust 1972 heißt es (BT-Drucks. VI/2303 S. 10 und BR-Drucks. 200/71 S. 10): „Er­laub­nis­pflich­tig ist nur die ge­werbsmäßige Ar­beit­neh­merüber­las­sung, da im übri­gen kein be­son­de­res Kon­troll­bedürf­nis be­steht. Das ge­werbsmäßige Über­las­sen setzt vor­aus, daß der Haupt­zweck des Be­trie­bes oder ei­nes Be­triebs­teils dar­auf ge­rich­tet ist, aus der Ar­beit­neh­merüber­las­sung ei­nen wirt­schaft­li­chen Ge­winn zu er­zie­len.“ Die­ses Verständ­nis hat der Ge­setz­ge­ber bei den späte­ren Ge­set­zesände­run­gen und -re­for­men des AÜG nicht auf­ge­ge­ben.
(5) Die­se Aus­le­gung ist schließlich auch aus Gründen der Rechts­si­cher­heit ver­an­lasst. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt hat an­ge­nom­men, zur Be­stim­mung der Ge­werbsmäßig­keit sei ei­ne wer­ten­de Be­trach­tung al­ler Umstände des Ein­zel­falls er­for­der­lich, um Ge­stal­tungs­miss­brauch aus­zu­sch­ließen, und nur die­je­ni­gen For­men der Ar­beit­neh­merüber­las­sung sei­en von der Er­laub­nis­pflicht aus­zu­neh­men, die un­ter Be­trach­tung der In­ter­es­sen­la­ge die­ser Er­leich­te­rung bedürf­ten. Ei­ne der­art wer­ten­de Be­trach­tung der öffent­lich-recht­lich aus­ge­stal­te­ten Er­laub­nis­pflicht würde aber zu kaum noch hand­hab­ba­ren Ab­gren­zungs­schwie­rig­kei­ten und Rechts­un­si­cher­hei­ten führen.
(6) Ein an­de­res Verständ­nis der Ge­werbsmäßig­keit iSv. § 1 Abs. 1 Satz 1 AÜG ist auch im Hin­blick auf die bis zum 5. De­zem­ber 2011 in na­tio­na­les Recht um­zu­set­zen­de Richt­li­nie 2008/104/EG des Eu­ropäischen Par­la­ments und des Ra­tes vom 19. No­vem­ber 2008 über Leih­ar­beit (Leih­ar­bei­tRL, ABl. 5. De­zem­ber 2008 L 327 S. 9) nicht ge­bo­ten. Da­bei kann da­hin­ste­hen, ob die Richt­li­nie - wofür Ei­ni­ges spricht - auch für die nicht ge­werbsmäßige Ar­beit­neh­merüber­las­sung gilt. Je­den­falls sieht sie we­der zwin­gend ei­ne Er­laub­nis­pflicht für die Ar­beit­neh­merüber­las­sung noch für den Fall des Feh­lens ei­ner sol­chen Er­laub­nis die Fik­ti­on ei­nes Ar­beits­verhält­nis­ses zwi­schen dem Leih­ar­beit­neh­mer und dem Ent­lei­her vor. Viel­mehr ist es Sa­che des na­tio­na­len Ge­setz­ge­bers, in­ner­halb der Um­set­zungs­frist zu ent­schei­den, wie er den Richt­li­ni­en­vor­ga­ben genügt.
b) Hier­nach sind im Streit­fall die Vor­aus­set­zun­gen des § 10 Abs. 1 Satz 1 AÜG nicht erfüllt. Der S eV be­durf­te zur Ge­stel­lung der Leh­rer an die Be­klag­te kei­ner Er­laub­nis nach § 1 Abs. 1 Satz 1 AÜG. Da­bei kann zu­guns­ten der Kläge­rin da­von aus­ge­gan­gen wer­den, dass es sich bei der Ge­stel­lung um Ar­beit­neh­merüber­las­sung iSd. AÜG han­del­te (vgl. da­zu et­wa BAG 20. April 2005 - 7 ABR 20/04 - zu B II 2 b aa der Gründe mwN, EzA AÜG § 14 Nr. 5). Je­den­falls er­folg­te die Über­las­sung nicht ge­werbsmäßig. Es fehlt an ei­ner mit der Ar­beit­neh­merüber­las­sung ver­bun­de­nen Ge­winn­erzie­lungs­ab­sicht des S eV.
aa) Die für die Ge­werbsmäßig­keit er­for­der­li­che Ge­winn­erzie­lungs­ab­sicht fehlt, wenn mit der Über­las­sung von Ar­beit­neh­mern un­mit­tel­bar ge­meinnützi­ge
Zwe­cke ver­folgt wer­den (Schüren/Ha­mann AÜG 4. Aufl. § 1 Rn. 276; ErfK/Wank 10. Aufl. AÜG § 1 Rn. 35; Thüsing/Waas AÜG 2. Aufl. § 1 Rn. 100). Das ist re­gelmäßig der Fall bei Ein­rich­tun­gen und In­sti­tu­tio­nen, die als ge­meinnützig iSd. steu­er­recht­li­chen Vor­schrif­ten an­er­kannt sind (Schüren/Ha­mann § 1 Rn. 276 mwN). Hier wur­de dem S eV steu­er­recht­lich für die Ka­len­der­jah­re 1999, 2000 und 2001 be­schei­nigt, dass er von der Körper­schaft- und Ge­wer­be­steu­er be­freit ist, weil er aus­sch­ließlich und un­mit­tel­bar steu­er­begüns­tig­ten und ge­meinnützi­gen Zwe­cken im Sin­ne der §§ 51 ff. AO dient. Mit Be­scheid des Fi­nanz­amts Bre­men-Mit­te vom 19. De­zem­ber 2006 wur­de für Ka­pi­tal­er­träge, die in der Zeit vom 1. Fe­bru­ar 2007 bis 31. De­zem­ber 2009 zu­fließen, be­schei­nigt, dass der Ver­ein ei­ne ge­meinnützi­ge Körper­schaft iSv. § 44a Abs. 4, 7 EStG ist.
bb) Die Kläge­rin hat auch ei­ne Ge­winn­erzie­lungs­ab­sicht ih­res Ver­trags­ar­beit­ge­bers we­der be­haup­tet noch Umstände vor­ge­tra­gen, die für ei­ne sol­che Ab­sicht - un­ge­ach­tet der steu­er­recht­li­chen An­er­ken­nung der Ge­meinnützig­keit - spre­chen könn­ten. Nach § 11 des Ko­ope­ra­ti­ons­ver­trags wer­den von der Be­klag­ten im Rah­men der in­sti­tu­tio­nel­len Förde­rung als Fehl­be­darfs­fi­nan­zie­rung le­dig­lich „für Lei­tung, Ver­wal­tung, Per­so­nal­ent­wick­lung, Ko­or­di­na­ti­on etc. Over­head-Kos­ten/Ver­wal­tungs­kos­ten ge­zahlt“. Aus­weis­lich der Erklärung der zuständi­gen Se­nats­ver­wal­tung der Frei­en Han­se­stadt Bre­men vom 13. De­zem­ber 2006 hat der S eV für die Durchführung des Ver­tre­tungs­pro­gramms bis­her kei­ne ge­son­der­ten Ver­wal­tungs­kos­ten be­an­tragt oder er­hal­ten, son­dern ei­ne auch Ver­wal­tungs­kos­ten be­inhal­ten­de, cent­ge­nau nach­ge­wie­se­ne und ab­ge­rech­ne­te Zu­wen­dung im Rah­men der in­sti­tu­tio­nel­len Förde­rung be­zo­gen. Dies spricht ge­ra­de ge­gen ei­ne auf Ge­winn­erzie­lung ge­rich­te­te Tätig­keit. Sch­ließlich be­ste­hen auch kei­ne An­halts­punk­te dafür, dass der Ver­ein mit­tel­bar wirt­schaft­li­che Vor­tei­le aus der Ar­beit­neh­merüber­las­sung zieht.
3. Zwi­schen den Par­tei­en ist kein Ar­beits­verhält­nis in ana­lo­ger An­wen­dung des § 10 Abs. 1 Satz 1 AÜG zu­stan­de ge­kom­men. Die Re­ge­lung ist bei ei­ner nicht ge­werbsmäßigen Ar­beit­neh­merüber­las­sung nicht ent­spre­chend
an­wend­bar. Es fehlt an ei­ner plan­wid­ri­gen Re­ge­lungslücke. Die Be­stim­mung des § 10 Abs. 1 Satz 1 AÜG ist er­for­der­lich, weil bei Feh­len der nach § 1 Abs. 1 Satz 1 AÜG er­for­der­li­chen Er­laub­nis der Ver­trag des Leih­ar­beit­neh­mers mit dem Ver­lei­her nach § 9 Nr. 1 AÜG un­wirk­sam ist. Da­mit der Ar­beit­neh­mer in die­sem Fall über­haupt in ei­nem Ar­beits­verhält­nis steht, fin­giert § 10 Abs. 1 Satz 1 AÜG ein sol­ches zum Ent­lei­her (vgl. BAG 28. Ju­ni 2000 - 7 AZR 100/99 - zu III 2 der Gründe, BA­GE 95, 165). In den Fällen nicht ge­werbsmäßiger Ar­beit­neh­merüber­las­sung be­steht aber kei­ne Er­laub­nis­pflicht, so dass das Ar­beits­verhält­nis zwi­schen Leih­ar­beit­neh­mer und Ver­lei­her nicht un­wirk­sam ist. Es be­darf des­halb kei­nes Zu­stan­de­kom­mens ei­nes Ar­beits­verhält­nis­ses kraft Ge­set­zes. Da­her kommt auch im Fal­le der - sich et­wa aus ei­nem Ver­s­toß ge­gen schul­recht­li­che Be­stim­mun­gen er­ge­ben­den - Un­wirk­sam­keit der dem Ein­satz der Kläge­rin zu­grun­de lie­gen­den Ko­ope­ra­ti­ons- und Ein­zel­ver­ein­ba­run­gen ei­ne ent­spre­chen­de An­wen­dung des § 10 Abs. 1 Satz 1 AÜG nicht in Be­tracht. Aus den vom Lan­des­ar­beits­ge­richt her­an­ge­zo­ge­nen schul­recht­li­chen Vor­schrif­ten folgt nicht die Un­wirk­sam­keit des Ar­beits­ver­trags der Kläge­rin mit dem S eV.
4. Zwi­schen den Par­tei­en be­steht kein Ar­beits­verhält­nis auf­grund ver­mu­te­ter Ar­beits­ver­mitt­lung. Nach­dem § 13 AÜG durch Art. 63 Nr. 9 des Ar­beits-förde­rungs-Re­form­ge­set­zes vom 24. März 1997 (BGBl. I S. 594) mit Wir­kung vom 1. April 1997 er­satz­los auf­ge­ho­ben wur­de, gibt es in den Fällen der nach § 1 Abs. 2 AÜG ver­mu­te­ten Ar­beits­ver­mitt­lung oh­ne­hin kei­ne ge­setz­li­che Grund­la­ge mehr für die Be­gründung ei­nes Ar­beits­verhält­nis­ses zwi­schen dem Leih­ar­beit­neh­mer und dem Ent­lei­her. Die Ent­ste­hung ei­nes Ar­beits­verhält­nis­ses mit dem Ent­lei­her kann we­der mit § 1 Abs. 2 AÜG noch mit ei­ner ent­spre­chen­den An­wen­dung von § 10 Abs. 1 Satz 1 AÜG be­gründet wer­den (ausführ­lich: BAG 28. Ju­ni 2000 - 7 AZR 100/99 - zu III der Gründe mwN, BA­GE 95, 165). Im Übri­gen lie­gen auch die Vor­aus­set­zun­gen des § 1 Abs. 2 AÜG nicht vor. Es ist nicht er­sicht­lich, dass der S eV ge­genüber der Kläge­rin nicht die übli­chen Ar­beit­ge­ber­pflich­ten über­nom­men hätte.
5. Ent­ge­gen der An­sicht des Lan­des­ar­beits­ge­richts folgt die Be­gründung ei­nes Ar­beits­verhält­nis­ses der Par­tei­en nicht aus der Um­ge­hung (lan­des-) ver­fas­sungs­recht­li­cher und lan­des­ge­setz­li­cher Vor­ga­ben zum staat­li­chen Schul­be­trieb oder aus ei­ner rechts­miss­bräuch­li­chen Ge­stal­tungs­form.
a) Die vom Lan­des­ar­beits­ge­richt her­an­ge­zo­ge­nen Art. 7 GG und Art. 28 der Lan­des­ver­fas­sung der Frei­en Han­se­stadt Bre­men so­wie die Vor­schrif­ten des Bre­mi­schen Schul­ge­set­zes und Bre­mi­schen Schul­ver­wal­tungs­ge­set­zes (Bre­mSchVwG) ver­bie­ten den Ein­satz von bei pri­vat­recht­lich or­ga­ni­sier­ten Ver­ei­nen an­ge­stell­ten Lehr­kräften in öffent­li­chen Schu­len - zu­min­dest aus­drück­lich - nicht. § 8 Abs. 1 Satz 4 Bre­mSchVwG lässt viel­mehr so­gar zu, zur Erfüllung schu­li­scher Auf­ga­ben Verträge mit an­de­ren In­sti­tu­tio­nen zu schließen. Aber auch wenn der Ein­satz der nicht bei der Be­klag­ten an­ge­stell­ten Kläge­rin in ei­ner öffent­li­chen Schu­le nach den Ver­fas­sungs­vor­ga­ben so­wie schul- und schul­ver­wal­tungs­recht­li­chen Re­ge­lun­gen ver­bo­ten wäre, hätte dies al­len­falls zur Fol­ge, dass er nicht prak­ti­ziert wer­den dürf­te. Den vom Lan­des­ar­beits­ge­richt an­geführ­ten Re­ge­lun­gen kommt kein ar­beit­neh­mer­be­zo­ge­ner Schutz­zweck da­hin ge­hend zu, dass bei ei­nem Fremd­per­so­nal­ein­satz in den Schu­len der Stadt­ge­mein­de Bre­men ein Ar­beits­verhält­nis mit der Be­klag­ten zu fin­gie­ren wäre. Die Frei­heit, ein Ar­beits­verhält­nis ein­zu­ge­hen oder dies zu un­ter­las­sen, ist Aus­druck der durch Art. 2 Abs. 1 GG geschütz­ten Ver­trags­frei­heit. In die­se wird ein­ge­grif­fen, wenn oh­ne die zu ei­nem Ver­trags­schluss er­for­der­li­chen bei­der­sei­ti­gen übe­rein­stim­men­den Wil­lens­erklärun­gen oder gar ge­gen den Wil­len ei­ner oder auch bei­der Par­tei­en kraft Ge­set­zes ein Ar­beits­verhält­nis be­gründet wer­den soll. Die Ent­schei­dung des Ge­setz­ge­bers zu ei­nem sol­chen Ein­griff muss im Ge­setz ei­nen hin­rei­chen­den Aus­druck fin­den (BAG 28. Ju­ni 2000 - 7 AZR 100/99 - zu III 1 a der Gründe, BA­GE 95, 165). Dies ist bei den vom Lan­des­ar­beits­ge­richt zi­tier­ten schul­recht­li­chen Vor­schrif­ten nicht der Fall.
b) An­halts­punk­te für ei­nen Miss­brauch der ver­trag­li­chen Ge­stal­tungs­frei­heit be­ste­hen nicht. Zwi­schen der Kläge­rin und dem S eV be­steht ein dem Kündi­gungs­schutz und dem Gel­tungs­be­reich des Tz­B­fG un­ter­lie­gen­der
Ar­beits­ver­trag. Da­mit wird der ge­setz­li­che Be­stands­schutz ge­ra­de nicht um­gan­gen.
III. Da es be­reits an ei­nem Ar­beits­verhält­nis zwi­schen den Par­tei­en fehlt, konn­te auch die Be­fris­tungs­kon­troll­kla­ge kei­nen Er­folg ha­ben.
IV. Der Wei­ter­beschäfti­gungs­an­trag fällt dem Se­nat nicht zur Ent­schei­dung an. Er ist für den Fall des Ob­sie­gens mit dem all­ge­mei­nen Fest­stel­lungs­an­trag und der Ent­fris­tungs­kla­ge ge­stellt und auf die Wei­ter­beschäfti­gung bis zum rechts­kräfti­gen Ab­schluss des Rechts­streits ge­rich­tet. Die­ser tritt mit der Ent­schei­dung des Se­nats ein.
V. Die Kos­ten­ent­schei­dung be­ruht auf § 91 ZPO. We­gen der Tren­nung der ge­gen den S eV er­ho­be­nen Ansprüche in der Be­ru­fungs­in­stanz (§ 145
Abs. 1 ZPO) sind die ge­genüber der Be­klag­ten ge­stell­ten Anträge kos­ten­recht­lich so zu be­han­deln, als sei­en sie von vorn­her­ein in ei­ner nur ge­gen die Be­klag­te ge­rich­te­ten Kla­ge ver­folgt wor­den.
zur Übersicht 7 AZR 946/08
10/228 Ar­beit­neh­mer­über­las­sung zu Un­ter­richts­ver­tre­tung durch ge­mein­nüt­zi­gen ...
22.11.2010. Ei­ne un­recht­mä­ßi­ge Ar­beit­neh­mer­über­las­sung hat zur Fol­ge, dass zwi­schen dem Ent­lei­her und dem Leih­ar­beit­neh­mer ein Ar­beits­ver­hält­nis kraft Ge­set­zes zu Stan­de kommt. Zu­gleich ist der ...