Source: https://findok.bmf.gv.at/findok?stammNr=116263
Timestamp: 2020-07-13 02:58:26
Document Index: 84658043

Matched Legal Cases: ['§ 2', '§ 8', 'Art. 68', 'Art. 68', 'EuG', 'EuG', 'EuG', 'EuG', '§ 115', '§ 78', '§ 119', '§ 78', '§ 78', '§ 279', '§ 278', 'Art. 133', 'Art. 133', 'Art. 133', '§ 25', '§ 2', '§ 2', '§ 2', 'Art. 1', 'Art. 11', 'Art. 68', '§ 10', '§ 4', 'Art. 68', '§ 85', '§ 92', '§ 269', '§ 85', '§ 278', '§ 284', 'Art. 132', '§ 279', '§ 115', '§ 115', '§ 78', '§ 78', '§ 119', '§ 78', '§ 115', '§ 119', '§ 115', '§ 78', '§ 78', '§ 2', '§ 2', '§ 2', '§ 2', '§ 2', 'Art. 68', 'Art. 68', '§ 8', '§ 33', 'OGH', '§ 2', '§ 278', 'Art. 133', 'Art. 133', 'Art. 133', '§ 25', 'OGH']

Überwiegende Unterhaltstragung? - Findok Internet
Bescheidbeschwerde – Einzel – Erkenntnis des BFG vom 26.07.2017, RV/7103017/2017
Überwiegende Unterhaltstragung?
RV/7103017/2017-RS4 Permalink
Auch wenn allgemein bekannt ist, dass die Preisverhältnisse in einigen östlichen Mitgliedstaaten der Europäischen Union (freilich auch wohnortabhängig) sehr wesentlich unter dem österreichischen Niveau liegen, bedarf es zur rechtsrichtigen Beurteilung, ob die überwiegenden Unterhaltskosten getragen wurden, konkreter Feststellungen zum Unterhaltsbedarf von Kindern des entsprechenden Alters im jeweiligen Mitgliedstaat.
§ 2 Abs. 1 Satz 2 FLAG 1967, Familienlastenausgleichsgesetz 1967, BGBl. Nr. 376/1967
§ 8 Abs. 2 Z 1 FLAG 1967, Familienlastenausgleichsgesetz 1967, BGBl. Nr. 376/1967
RV/7103017/2017-RS5 Permalink
Weder das nationale Recht noch das Unionsrecht kennen als allgemeine Anspruchsvoraussetzung für die Zuerkennung von Familienbeihilfe oder eine Differenzzahlung bzw. Ausgleichszahlung, dass der jeweilige Antragsteller Unterhaltsleistungen zumindest in Höhe der ihm zufließenden Familienleistungen erbringt.
RV/7103017/2017-RS6 Permalink
Das Unionsrecht stellt in Art. 68a VO 883/2004 sicher, dass die Familienleistungen für den Unterhalt der Familienangehörigen verwendet werden. Sollte ein Unionsbürger nach den Vorschriften der VO 883/2004 i. V. m. dem FLAG 1967 Anspruch auf österreichische Familienleistungen haben, die höher sind als seine tatsächliche Unterhaltsleistung, wird die zuständige Stelle im jeweiligen Wohnortmitgliedstaat im Hinblick auf einen Antrag nach Art. 68a VO 883/2004 vom österreichischen Finanzamt zu informieren sein, um sicherzustellen, dass die österreichischen Familienleistungen zur Gänze dem anspruchsvermittelnden Kind zugutekommen.
RV/7103017/2017-RS7 Permalink
Familienleistungen gelten nur dann als nach den Rechtsvorschriften eines Mitgliedstaats geschuldet, wenn das Recht dieses Staates dem Familienangehörigen, der dort arbeitet, einen Anspruch auf Gewährung von Leistungen verleiht. Der Antragsteller muss folglich alle in den internen Rechtsvorschriften dieses Staates aufgestellten – formellen und materiellen – Anspruchsvoraussetzungen erfüllen (vgl. EuGH 20. 4. 1978, 134/77, Ragazzoni; EuGH 13. 11. 1984, 191/83, Salzano; EuGH 14. 10. 2010, C-16/09, Schwemmer), wobei der von einer Erwerbstätigkeit im Beschäftigungsmitgliedstaat abgeleitete Familienleistungsanspruch auch einer Person, die nicht in dem Mitgliedstaat wohnt, der für die Gewährung dieser Leistungen zuständig ist, zustehen kann, sofern alle anderen durch das nationale Recht vorgeschriebenen Voraussetzungen für die Gewährung erfüllt sind (vgl. EuGH 22. 10. 2015, C-378/14, Tomisław Trapkowski).
RV/7103017/2017-RS1 Permalink
RV/7103017/2017-RS2 Permalink
RV/7103017/2017-RS3 Permalink
wie RV/7104415/2016-RS1
§ 115 BAO verpflichtet die Behörde dazu, von Amts wegen den maßgebenden Sachverhalt zu ermitteln. Die Partei (§ 78 BAO) trifft zwar eine Offenlegungs- und Wahrheitspflicht, die in § 119 BAO geregelt ist, diese entbindet die Behörde jedoch nicht von ihrer Ermittlungspflicht. Das Ermittlungsverfahren hat das Finanzamt nicht auf die Partei (§ 78 BAO) abzuwälzen, sondern selbst durchzuführen. Nur dort, wo das Finanzamt begrenzte Ermittlungsmöglichkeiten hat, etwa bei Fragen des höchstpersönlichen Lebensbereichs oder bei der Beischaffung von Unterlagen von Behörden eines Staates, mit dem keine umfassende Amtshilfe besteht, kann eine fehlende Mitwirkung der Partei (§ 78 BAO) dieser zur Last gelegt werden.
Das Bundesfinanzgericht hat durch den Richter Dr. Rudolf Wanke in der Beschwerdesache betreffend die Beschwerde des Dénes Z*****, H 7*****5 G*****, U***** u. 276, Ungarn, Anschrift laut Vorlagebericht H 7*****4 N*****, B**** u. 4, vom 16. 8. 2016, Postaufgabe 17. 8. 2016, gegen den Bescheid des Finanzamtes Wien 4/5/10, 1030 Wien, Marxergasse 4, vom 22. 7. 2016, mit welchem ein Antrag vom 13. 1. 2016 auf Ausgleichszahlung für die im Mai 2006 geborene Vanessa (richtig: Vanessza) Vivien Z***** von Jänner 2013 bis Mai 2015 abgewiesen wurde, Versicherungsnummer 5*****,
Der Beschwerde wird hinsichtlich des Zeitraums Jänner 2015 bis Mai 2015 Folge gegeben.
Der angefochtene Abweisungsbescheid vom 22. 7. 2016 wird, insoweit er einen Antrag vom 13. 1. 2016 hinsichtlich des Zeitraums Jänner 2015 bis Mai 2015 abweist, gemäß § 279 BAO ersatzlos aufgehoben;
Im Übrigen, hinsichtlich des Zeitraums Jänner 2013 bis Dezember 2014, werden der angefochtene Abweisungsb escheid vom 22. 7. 2016 und die diesbezügliche Beschwerdevorentscheidung vom 13. 12. 2016 gemäß § 278 Abs. 1 BAO aufgehoben. Die Sache wird insoweit an das Finanzamt zurückverwiesen.
III. Gegen diese Entscheidung ist gemäß Art. 133 Abs. 4 B-VG bzw. gemäß Art. 133 Abs. 9 B-VG i. V. m. Art. 133 Abs. 4 B-VG und § 25a VwGG eine (ordentliche) Revision nicht zulässig.
Mit Bericht vom 16. 6. 2017 legte das Finanzamt die Beschwerde des Beschwerdeführers (Bf) Dénes Z***** vom 17. 8. 2016 gegen den Abweisungsbescheid vom 22. 7. 2016 dem Bundesfinanzgericht zur Entscheidung vor (OZ 11) und führte unter anderem aus:
1 Beschwerde 17.08.2016
2 Familienbeihilfe (Zeitraum: 01.2013-05.2015) (A.3.2.2.3) 22.07.2016
3 Antrag 13.09.2013
4 Antrag für 2013 13.01.2016
5 Antrag ab 2014 13.09.2016
6 Beschwerdevorentscheidung 13.12.2016
7 Vorlageantrag 10.01.2017
8 Vorhaltsbeantwortung 15.02.2016
9 Vorhalt 30.05.2016
10 Vorhaltsbeantwortung 21.11.2016
§ 2 Abs. 2 FLAG iVm VO 883/2004
Sachverhalt: kein gemeinsamer Haushalt mit KM und Kind
Beweismittel: Vorhaltsbeantwortung vom 21.11.2016
Stellungnahme: zu wenig Unterhalt
Aus dem elektronisch vorgelegten Akt des Finanzamts lässt sich entnehmen (Reihenfolge gemäß Finanzamtsakt):
Mit dem angefochtenen Abweisungsbescheid vom 22. 7. 2016 (OZ 2) wies das Finanzamt den Antrag des Bf vom 13. 1. 2016 auf Ausgleichszahlung für die im Mai 2006 geborene Vanessa (richtig: Vanessza) Vivien Z***** für den Zeitraum von Jänner 2013 bis Mai 2015 ab und begründete dies wie folgt:
Mit Schreiben vom 16. 8. 2016 (OZ 1) erhob der Bf Beschwerde gegen den Abweisungsbescheid mit dem ersichtlichen Antrag auf dessen Aufhebung und führte aus:
Am 03.08.2016. bekam ich eine Abweisungsbescheid von Ihnen, dass die Ausgleichzahlung wird abgewiesen nach meine Tochter Z***** Vanessza Vivien auf Zeitraum Jän.2013-Mai 2015.
Anbei schicke ich ein Kopie von meinem Antrag, dass ich es am 17.02.2016 es verlangt hatte, nur das Amt in Györ hat es liegen lassen. Nach meinem Telephonat am 08.08.2016 bekam ich die Mitteilung (Kopie anbei), dass Sie das Formular E-411 an Finanzamt Wien weitergeschickt hatten.
Ich habe mit Ihnen mein Mitwirkungsplicht befüllt, nur das Amt in Györ hat es nicht weitergeschickt.
Bitte um weitere Verwaltung.
Bescheid von Magyar Államkincstár vom 17. 1. 2016
Magyar Államkincstár Tolna Megyei Igazgatóság (Ungarisches Schatzamt, Direktion Tolna Megyei) erließ gegenüber der Mutter Márta K*****, 7*****7 Gy*****, I***** u. 8, mit Datum 17. 1. 2016 folgenden Bescheid (OZ 1, eine Übersetzung ist nicht aktenkundig):
A Magyar Államkincstár Tolna Megyei Igazgatósághoz K***** Márta 7*****7 Gy*****, I***** u. 8., szám alatti lakos családtámogatási ellátása ügyével kapcsolatos megkeresést hatáskör hiányában a Tolna Megyei Kormányhivatal Családtámogatási és Társadalombiztosítási Föosztály Családtámogatási Osztályához
átteszem.
A végzés ellen önálló fellebbezésnek helye nincs.
K***** Márta 7*****7 Gy*****, I***** u. 8. szám alatti lakos hivatalunkhoz megküldte a családtámogatäsi ellátása ügyével kapcsolatos megkeresést.
Az eljárás során észleltem hatásköröm hiányát, ezért a rendelkezö részben foglaltak szerint jártam el.
Végzésem jogalapja a közigazgatási hatósägi eljárás és szolgáltatás általános szabályairól szóló 2004. évi CXL. törvény (Ket.) 22. § (2) bekezdése.
Végzeéem ellen az önállá fellebbezes a Ket. 98. § (2) bekezdése alapján kizárt, ellene a jogorvoslati jogot aKet. 96. §. biztosítja.
Jelen döntés meghozatala során a hatáskörrel rendelkezö Magyar Államkincstár Tolna Megyei igazgatoja, Fe***** János neveben järtam el.
Schreiben von Győr-Moson-Sopron Megyei Kormányhivatal vom 11. 8. 2016
Die Bezirksbehörde von Győr-Moson-Sopron (Győr-Moson-Sopron Megyei Kormányhivatal) teilte dem Bf mit Schreiben vom 11. 8. 2016 mit, dass das Formular E 411 gleichzeitig an die österreichische Behörde übermittelt worden sei (OZ 2, nicht übersetzt).
Antrag (1. 1. - 15. 5. 2015) vom 13. 9. 2016
Mit am 13. 9. 2016 beim Finanzamt Wien 4/5/10 (Scanvermerk des FA 06, eingelangt offenbar beim FA 04, möglicherweise mit anderen Anträgen am 8. 9. 2016 beim Finanzamt Bruck Eisenstadt Oberwart eingelangt und von diesem weitergeleitet) eingelangtem Antrag Beih 38 (OZ 3, "Antrag") wurde Differenzzahlung für Vanessza Vivien Z***** beantragt.
Als antragstellende Person wurde Dénes Z***** angeben.
Er sei ungarischer Staatsbürger, wohne 7*****4 N*****, B**** u. 4, Ungarn, sei seit 1. 10. 2012 bei der Trockenbau Ki***** Ltd & Co KG beschäftigt, seine Ehegattin Márta K***** sei bei einem näher genannten ungarischen Arbeitgeber seit 1. 3. 2015 beschäftigt ("Beschäftigungszeitraum 01. 01. 2015 - 15. 05. 2015").
Das Feld "Verzichtserklärung des haushaltsführenden Elternteils" weist zwar den Namen Márta K***** aus, nicht aber eine Unterschrift.
Beantragt werde Differenzzahlung für den Zeitraum 1. 1. 2015 bis 15. 5. 2015. Im Zeitraum 1. 1. 2015 bis 31. 12. 2015 seien ungarische Familienleistungen von 146.400 HUF bezogen worden.
Beantragt werde Differenzzahlung für die im Mai 2006 geborene Vanessza Vivien Z*****, wohnhaft 7*****7 Gy*****, I***** u. 8.
Der Bf finanziere monatliche die überwiegenden Kosten.
Die Tochter besuche eine Schule in Gy*****.
Das Formular Beih 38 trägt nicht die Unterschrift des Bf, sondern von Márta K*****.
Aktenkundig ist ein Formular E 411 (OZ 3), dessen Felder 1, 2, 3, 4 (Felder 1 - 3 offenbar vom Bf. oder dessen Arbeitgeber) ausgefüllt sind (Auskunftszeitraum "01.01.2015-05.15.2015").
Demzufolge ist Dénes Z***** ungarischer Staatsbürger, wohnhaft 7*****4 N*****, B**** u. 4, Ungarn (Feld 1). Ehegatte (Feld 2) sei Márta K*****, ungarische Staatsbürgerin, wohnhaft 7*****7 Gy*****, I***** u. 8, Ungarn. Familienangehörige (Feld 3) ist Vanessza Vivien Z*****, 7*****7 Gy*****, I***** u. 8. In Feld 4 ist handschriftlich der ungarische Arbeitgeber der Mutter eingetragen. Weitere Eintragungen sind nicht ersichtlich.
Aktenkundig ist ein Formular E 401 (OZ 3), dessen Felder 1, 2, 4 (offenbar vom Bf. oder dessen Arbeitgeber) ausgefüllt sind (Auskunftszeitraum "01.01.2015-05.15.2015").
Demzufolge ist Dénes Z***** ungarischer Staatsbürger, wohnhaft 7*****4 N*****, B**** u. 4, Ungarn (Feld 1). Ehegatte (Feld 2) sei Márta K*****, ungarische Staatsbürgerin, wohnhaft 7*****7 Gy*****, I***** u. 8, Ungarn. Bei der in Feld 2 genannten Person lebt (Feld 3) Vanessza Vivien Z*****, 7*****7 Gy*****, I***** u. 8.
Das Formular trägt das Amtssiegel Paksi Járási Hivatala (Bezirksverwaltungsbehörde Paks), einen Langstempel dieser Behörde, das Datum 17. 6. 2016 und eine Unterschrift.
Aktenkundig ist ein weiteres Formular E 411 (OZ 3), dessen Felder 1, 2, 3, 4 (Felder 1 - 3 offenbar vom Bf. oder dessen Arbeitgeber) ausgefüllt sind (Auskunftszeitraum "01.01.2015-05.15.2015").
Offenbar ident mit dem obigen E 411.
Geburtsurkunde Kincső Krisztina Z*****
In OZ 3 befindet sich ferner die Geburtsurkunde der im September 2014 geborenen Kincső Krisztina Z*****, Vater Dénes Z*****, Mutter Gyöngyi O*****.
Geburtsurkunde Vanessza Vivien Z*****
In OZ 3 ist außerdem die Geburtsurkunde der im Mai 2006 geborenen Vanessza Vivien Z*****, Vater Dénes Z*****, Mutter Márta K*****, enthalten.
Antrag (1. 1. - 31. 12. 2014 [richtig wohl: 1. 1. - 31. 12. 2013]) vom 29. 12. 2015 / 13. 1. 2016
Mit am 29. 12. 2015 beim Finanzamt Bruck Eisenstadt Oberwart eingelangtem Antrag Beih 38 (OZ 4, "Antrag für 2013"), der von diesem an das Finanzamt Wien 4/5/10 weitergeleitet wurde, wo er am 13. 1. 2016 einlangte, wurde Differenzzahlung für Vanessza Vivien Z***** beantragt.
Er sei ungarischer Staatsbürger, seit 2. 11. 2010 geschieden, wohne 7*****4 G*****, U***** u. 276, Ungarn, sei bei der Trockenbau Ki***** Ltd & Co KG in Wien 5 beschäftigt (im Jahr 2013 von 1. 1. bis 31. 12.), seine Ehegattin Márta K***** sei bei einem näher genannten ungarischen Arbeitgeber seit 1. 3. 2015 beschäftigt.
Das Feld "Verzichtserklärung des haushaltsführenden Elternteils" weist die Unterschrift von Márta K***** auf.
Beantragt werde Differenzzahlung für den Zeitraum 1. 1. - 31. 12. 2014. Im Zeitraum 1. 1. 2013 bis 31. 12. 2013 seien ungarische Familienleistungen von 146.400 HUF bezogen worden. Das Finanzamt werte (in Zusammenschau mit dem weiteren Antrag von diesem Tag) dies als Antrag für das Jahr 2013 und ging insoweit von einem Schreibfehler hinsichtlich des Antragszeitraums aus.
Der Bf finanziere monatlich die überwiegenden Kosten.
Das Formular Beih 38 trägt die Unterschrift des Bf.
Aktenkundig ist ein Formular E 411 (OZ 4, S 7, Finanzamtseingangsstempel 13. 1. 2016), dessen Felder 1, 2, 3, (offenbar vom Bf. oder Márta K*****) ausgefüllt sind (Auskunftszeitraum "01.01.-31.12.2013").
Demzufolge ist Dénes Z***** ungarischer Staatsbürger, wohnhaft 7*****5 G*****, U***** u. 276, Ungarn, Ungarn (Feld 1). Ehegatte (Feld 2) sei Márta K*****, ungarische Staatsbürgerin, wohnhaft 7*****7 Gy*****, I***** u. 8, Ungarn. Familienangehörige (Feld 3) ist Vanessza Vivien Z*****, 7*****7 Gy*****, I***** u. 8. Weitere Eintragungen sind nicht ersichtlich.
Dieses Formular ist zweimal hintereinander in OZ 4 (S 7 ff, S 11 ff) enthalten.
Aktenkundig ist ein Formular E 401 (OZ 4, 15), dessen Felder 1, 2, 4 (offenbar vom Bf. oder Márta K*****) ausgefüllt sind.
Demzufolge ist Dénes Z***** ungarischer Staatsbürger, wohnhaft 7*****4 N*****, B**** u. 4, Ungarn (Feld 1). Geschiedener Ehegatte (Feld 2) sei Márta K*****, ungarische Staatsbürgerin, wohnhaft 7*****7 Gy*****, I***** u. 8, Ungarn, erwerbstätig. Bei der in Feld 2 genannten Person lebt (Feld 3) Vanessza Vivien Z*****, 7*****7 Gy*****, I***** u. 8.
Das Formular trägt das Amtssiegel Paksi Járási Hivatala (Bezirksverwaltungsbehörde Paks), einen Langstempel dieser Behörde, das Datum 18 (?). 9. 2015 und eine Unterschrift.
Antrag (1. 1. - 31. 12. 2014) vom 29. 12. 2015 / 13. 1. 2016
Mit am 29. 12. 2015 beim Finanzamt Bruck Eisenstadt Oberwart eingelangtem weiteren Antrag Beih 38 (OZ 4, S 20, ein Eingangsstempel des Finanzamts Wien 4/5/10 ist nicht ersichtlich, laut Mitteilung des Finanzamts Wien 4/5/10 vom 12. 7. 2017 ist dieser Antrag gleichzeitig mit dem anderen am 29. 12. 2015 beim Finanzamt Bruck Eisenstadt Oberwart eingereichten Antrag dem Finanzamt Wien 4/5/10 übermittelt worden und dort am 13. 1. 2016 eingelangt) wurde Differenzzahlung für Vanessza Vivien Z***** beantragt.
Beantragt werde Differenzzahlung für den Zeitraum 1. 1. - 31. 12. 2014. Im Zeitraum 1. 1. 2014 bis 31. 12. 2014 seien ungarische Familienleistungen von 146.400 HUF bezogen worden.
Aktenkundig ist ein Formular E 411 (OZ 4, S 26), dessen Felder 1, 2, 3, (offenbar vom Bf. oder Márta K*****) ausgefüllt sind (Auskunftszeitraum "01.01.-31.12.2014").
Demzufolge ist Dénes Z***** ungarischer Staatsbürger, wohnhaft 7*****5 G*****, U***** u. 276, Ungarn (Feld 1). Ehegatte (Feld 2) sei Márta K*****, ungarische Staatsbürgerin, wohnhaft 7*****7 Gy*****, I***** u. 8, Ungarn. Familienangehörige (Feld 3) ist Vanessza Vivien Z*****, 7*****7 Gy*****, I***** u. 8. Weitere Eintragungen sind nicht ersichtlich.
Aktenkundig ist ein Formular E 401 (OZ 4, S 30), dessen Felder 1, 2, 4 (offenbar vom Bf. oder Márta K*****) ausgefüllt sind (Auskunftszeitraum "01.01.-31.12.2014").
Demzufolge ist Dénes Z***** ungarischer Staatsbürger, wohnhaft 7*****5 G*****, U***** u. 276, Ungarn (Feld 1). (Früherer) Ehegatte (Feld 2) sei Márta K*****, ungarische Staatsbürgerin, wohnhaft 7*****7 Gy*****, I***** u. 8, Ungarn, erwerbstätig. Bei der in Feld 2 genannten Person lebt (Feld 3) Vanessza Vivien Z*****, 7*****7 Gy*****, I***** u. 8. Weitere Eintragungen sind nicht ersichtlich.
Das Formular trägt das Amtssiegel Paksi Járási Hivatala (Bezirksverwaltungsbehörde Paks), einen Langstempel dieser Behörde, das Datum 18. 9. 2015 und eine Unterschrift.
Aktenkundig ist ein weiteres Formular E 411 (OZ 4, S 35), dessen Felder 1, 2, 3, (offenbar vom Bf. oder Márta K*****) ausgefüllt sind (Auskunftszeitraum "01.01.-31.12.2014").
Laut Meldeabfrage des Finanzamts vom 8. 1. 2016 (OZ 4, S 39) hat der Bf seinen Hauptwohnsitz in *****Adresse_Wien*****. Diese Anschrift stimmt mit jener seines Arbeitgebers überein, Unterkunftgeber ist Jozsef Ki*****.
Antrag (... 9. 2014 - 15. 5. 2015) vom 8. / 13. 9. 2016
Mit am 8. 9. 2016 beim Finanzamt Bruck Eisenstadt Oberwart eingelangtem Antrag Beih 38 (OZ 5, S 1, "Antrag ab 2014"), der von diesem an das Finanzamt Wien 4/5/10 weitergeleitet wurde, wo er am 13. 9. 2016 einlangte, wurde Differenzzahlung für die im September 2014 geborene Kincső Krisztina Z***** (ab deren Geburtsdatum) beantragt.
Er sei ungarischer Staatsbürger, wohne 7*****4 N*****, B**** u. 4, Ungarn, sei seit 1. 10. 2012 bei der Trockenbau Ki***** Ltd & Co KG beschäftigt ("Beschäftigungszeitraum 01. 01. 2015 - 15. 05. 2015"), seine Ehegattin Gyöngyi O***** sei bei einem näher genannten ungarischen Arbeitgeber seit 1. 11. 2013 beschäftigt.
Das Feld "Verzichtserklärung des haushaltsführenden Elternteils" weist zwar den Namen Gyöngyi O***** aus, nicht aber eine Unterschrift.
Beantragt werde Differenzzahlung für den Zeitraum 3. 9. 2014 bis 15. 5. 2015. Im Zeitraum .... 9. 2014 (Geburt seiner Tochter Kincső) - 31. 12. 2015 seien ungarische Familienleistungen von 212.800 HUF bezogen worden.
Beantragt werde Differenzzahlung für die im September 2014 geborene Kincső Krisztina Z*****, wohnhaft beim Antragsteller.
Das Formular Beih 38 trägt nicht die Unterschrift des Bf, sondern von Gyöngyi O*****.
Aktenkundig ist ein Formular E 411 (OZ 5, S 6), dessen Felder 1, 2, 3, 4 (offenbar vom Bf. oder seinem Arbeitgeber) ausgefüllt sind (Auskunftszeitraum "03.09.2014-05.15.2015").
Demzufolge ist Dénes Z***** ungarischer Staatsbürger, wohnhaft 7*****4 N*****, B**** u. 4, Ungarn (Feld 1). (Früherer) Ehegatte (Feld 2) sei Gyöngyi O*****, ungarische Staatsbürgerin, wohnhaft 7*****4 N*****, B**** u. 4, Ungarn. Familienangehörige (Feld 3) ist Kincső Krisztina Z*****, 7*****4 N*****, B**** u. 4, Ungarn. In Feld 4 ist der ungarische Arbeitgeber von Gyöngyi O***** angegeben. Weitere Eintragungen sind nicht ersichtlich.
Dieses Formular ist in OZ 5, S 11, nochmals abgelegt.
Aktenkundig ist ein Formular E 401 (OZ 5, S 16), dessen Felder 1, 2, 4 (offenbar vom Bf. oder seinem Arbeitgeber) ausgefüllt sind.
Demzufolge ist Dénes Z***** ungarischer Staatsbürger, wohnhaft 7*****4 N*****, B**** u. 4, Ungarn (Feld 1). (Früherer) Ehegatte (Feld 2) sei Gyöngyi O*****, ungarische Staatsbürgerin, wohnhaft 7*****4 N*****, B**** u. 4, Ungarn, erwerbstätig. Bei der in Feld 2 genannten Person lebt (Feld 4) Kincső Krisztina Z*****, 7*****4 N*****, B**** u. 4. Weitere Eintragungen sind nicht ersichtlich.
Mit Beschwerdevorentscheidung vom 13. 12. 2016 (OZ 6) wies das Finanzamt die Beschwerde vom 17. 8. 2016 gegen den Abweisungsbescheid vom 22. 7. 2016 als unbegründet ab und führte dazu aus:
Der Begriff des "familienangehörigen Kindes" wird im § 2 Abs. 3 des FLAG 1967 definiert; darunter zu verstehen sind leibliche Kinder, Enkel, Stiefkinder usw., allerdings immer unter der einschränkenden Voraussetzung, dass das Kind mit dem in Frage kommenden Elternteil im E gemeinsamen Haushalt lebt oder dieser Elterntei! überwiegend die Unterhaltskosten für das Kind trägt (§ 2 Abs. 2 FLAG 1967).
Vom Vorliegen einer überwiegenden Kostentragung kann jedoch nur unter der Voraussetzung ausgegangen werden, dass der Unterhalt des Kindes mindestens in Höhe der Familienbeihilfe (einschließlich des Kinderabsetzbetrages) bestritten wird.
Sowohl die Familienbeihilfe -insoweit unstrittig- als auch der Kinderabsetzbetrag stellen eine Familienleistung im Sinne von Art. 1 Buchst, u Ziff. i der Verordnung Nr. 1408/71 dar. Beide Beträge werden für jedes unterhaltsberechtigte Kind gezahlt und stellen einen staatlichen Beitrag zum Familienbudget dar, der die Kosten für den Unterhalt der Kinder verringern soll; sie sind jeweils als staatliche familienfördernde Transferleistung zu werten.
Da Ihre Unterhaltsleistung nicht zumindest in Höhe der Familienbeihilfe war, war die Beschwerde abzuweisen.
Ein Zustellnachweis ist nicht ersichtlich.
Mit Schreiben vom 10. 1. 2017, Postaufgabe 10. 1. 2017, beim Finanzamt am selben Tag eingelangt, stellte der Bf Vorlageantrag (OZ 7, S 5):
Sehr geehrte Frau Gr***** !
Am 12.12.2016. entstand (angekommen erst in der erste Woche im Januar) eine Beschwerdevorentscheidung über Kindergeld für meine erste Tochter Z***** Vanessza Vivien. Sie lebt nicht in meinem Haushalt, sondern bei Ihre Mutter, ich zahle jeden Monat 20.000 Ft für Sie.
Wir haben das Formular nach Vorschrift ausgefüllt, unterschrieben und bewiesen. Die Mutter hat kein Konto in Österreich, deshalb wurde mein Konto angegeben, das Geld gehört natürlich dem Kind und Sie bekommt es auch von mir.
Jetzt schicke ich noch einmal die Geburtsurkunde und die Vereinbarung, was vor einem Rechtsanwalt geschrieben wurde.
Wo haben wir Fehler gemacht ? Was können wir noch machen ? Besteht für das Kind kein Kindergeld ?
Bitte teilen Sie es mir mit.
Beigefügt war die bereits aktenkundige Geburtsurkunde (OZ 7, S 1) sowie eine (nicht übersetzte) Urkunde eines Rechtsanwalts ("MEGÁLLAPODÁS GYERMEKTARTÁSDÍJ FIZETÉSÉRŐL ÉS MÁS JÁRULÉKOS KÉRDÉSEKRŐL", Unterhaltszahlungsvereinbarung und damit zusammenhängende Fragen), unterfertigt am 11. 11. 2010 von Márta K***** und Dénes Z*****. Soweit ersichtlich ergibt sich hieraus neben anderen Vereinbarungen, dass Vanessza Vivien bei ihrer Mutter lebt und sich der Vater verpflichtet, 20% seines Einkommens, mindestens aber 15.000 HUF monatlich an Unterhalt für Vanessza zu zahlen.
Vorhaltsbeantwortung vom 11. 2. 2016
Mit Schreiben vom 11. 2. 2016, beim Finanzamt eingelangt am 15. 2. 2016, gab der Bf bekannt (OZ 9):
Sehr geehrter Finanzamt Wien !
Am 28.01.2016 hatte ich ein Schreibens erhalten über Kindergeld für Vanessa Vivien.
Zum Ergänzung schicke ich ein Kopie von Geburtsurkunde.
Die Bestätigung habe ich beantragt bei Amt in Ungarn in Komitat, es dauert aber länger, bis ich es habe.
Sie schicken es nach Györ und wenn ich es bestätigt habe, kann ich es Ihnen zum Ergänzung weiterleiten. Sie haben mich aber so informiert in Szekszárd, wenn es in Györ ist, können Sie Kontakt aufnehmen mit dem Amt in Györ automatisch.
Wenn es nicht so funktioniert, bitte teilen Sie es mir mit.
Beigefügt war die Geburtsurkunde von Vanessza Vivien (bereits in OZ 3 enthalten).
Vorhalt vom 30. 5. 2016
Mit Vorhalt vom 30. 5. 2016 (in OZ 10 ist hierüber lediglich ein Screenshot enthalten) ersuchte das Finanzamt den Bf:
Versdat 300516 Atermin 200616 Art E Betrag Pers RS
Sachbearbeiter ALLGEMEINVERANLAGUNG DW ... Zi AV2
89 Bestätigung über die monatlichen Unterhaltszahlungen nach Ungarn für Vanessa Vivien
Vorhaltsbeantwortung vom 21. 11. 2016
Mit Schreiben vom 21. 11. 2016, beim Finanzamt eingelangt am 21. 11. 2016, gab der Bf bekannt (OZ 11):
Anbei schicke ich die Kopien über die Unterhaltsleistungen für Z***** Vanessza Vivien.
Ich hatte Sie Monatlich besucht und das Geld bar für die Mutter übergeben, Sie hat es mit Unterschrift bestätigt, bzw. 2-mal wurde es per Post geschickt.
Ein Monat fehlt, das hatte ich vermisst, aber sicherlich übergeben.
Ich habe es so verstanden, dass diese Ergänzung fehlt, wenn es falsch war, bitte schreiben Sie es und ich schicke es noch nach.
Beigefügt waren Bestätigungen auf einem Formular von Maygar Posta Zrt mit Unterschrift von Márta K***** wie folgt (Reihenfolge wie auf der Kopie):
Vermerk: ab 01 - bis 06. Monat 2013
8. 3. 2013 18.000,00 HUF
14. 1. 2015 18.000,00 HUF
7. 6. 2013 18.000,00 HUF
10. 5 2013 18.000,00 HUF
12. 4. 2013 18.000,00 HUF
Vermerk: ab 07 - bis 12. Monat 2013
1. 9. 2013 18.000,00 HUF
11. 8. 2013 18.000,00 HUF
... 2013 18.000,00 HUF
13. 12. 2013 18.000,00 HUF
17. 11. 2013 18.000,00 HUF
11. 10. 2013 18.000,00 HUF
Vermerk: ab 01 - bis 06. Monat 2014
13. 6. 2014 20.000,00 HUF
16. 5. 2014 20.000,00 HUF
6. 4. 2014 20.000,00 HUF
9. 8. 2014 20.000,00 HUF
17. 2. 2014 (Post) 20.000,00 HUF
5. 1. 2014 20.000,00 HUF
Vermerk: ab 07 - bis 12. Monat 2014
12. 9. 2014 20.000,00 HUF
15. 8. 2015 20.000,00 HUF
20. 7. 2014 20.000,00 HUF
30. 11. 2014 20.000,00 HUF
2. 11. 2014 20.000,00 HUF
10. 10. 2014 20.000,00 HUF
Vermerk: ab 01 - bis 05. Monat 2015
13. 3. 2015 20.000,00 HUF
13. 2. 2015 20.000,00 HUF
... (Post) 20.000,00 HUF
3. 5. 2015 20.000,00 HUF
5. 4. 2015 20.000,00 HUF
Mitteilung des Finanzamts vom 12. 7. 2017
Über Anfrage des Gerichts teilte das Finanzamt Wien 4/5/10 mit E-Mail vom 12. 7. 2017 mit, dass ein Antrag mit Dénes Z***** als Antragsteller in Bezug auf Vanessza vom 13. 1. 2016 betreffend den Zeitraum Jänner bis Mai 2015 nicht existiere, sondern nur ein solcher eingelangt am 13. 9. 2016, aber "mit der falschen Unterschrift". Die beiden Anträge betreffend die Jahre 2013 und 2014 seien am 13. 1. 2016 gleichzeitig eingelangt.
Der angefochtene Bescheid vom 13. 1. 2016 betrifft die Zeiträume Jänner 2013 bis Mai 2015.
Hinsichtlich der im Mai 2006 geborenen Vanessza Vivien Z***** sind folgende Anträge auf Differenzzahlung, die den Vater Dénes Z***** als Antragsteller aufweisen und teilweise vom Vater, teilweise von der Mutter Márta K***** unterfertigt sind, aktenkundig:
OZ eingelangt beim FA 38 am eingelangt beim FA 04 am Antragszeitraum unterfertigt von
3/1 8. 9. 2016? 13. 9. 2016 1. 1. 2015 - 15. 5. 2015 Márta K*****
4/1 29. 12. 2015 13. 1. 2016 "1. 1. 2014 - 31. 12. 2014", richtig wohl:
1. 1. 2013 - 31. 12. 2013 Dénes Z*****
4/20 29. 12. 2015 13. 1. 2016 1. 1. 2014 - 31. 12. 2014 Dénes Z*****
Die Anträge OZ 4 Seite 1 und OZ 4 Seite 20 weisen eine Verzichtsverklärung von Márta K***** zugunsten Dénes Z***** aus.
Hinsichtlich der im September 2014 geborenen Kincső Krisztina Z***** sind ebenfalls Anträge auf Differenzzahlung aktenkundig, diese sind aber nicht verfahrensgegenständlich.
Im Beschwerdezeitraum Jänner 2013 bis Mai 2015 wohnte Vanessza Vivien Z***** bei ihrer Mutter Márta K***** in 7*****7 Gy*****, I***** u. 8., ihr Vater getrennt von ihnen in 7*****4 N*****, B**** u. 4 bzw. 7*****4 G*****, U***** u. 276, jeweils Ungarn, und hatte auch eine Wohnung bei seinem Arbeitgeber in Wien 5.
Der Vater Dénes Z***** arbeitete im Beschwerdezeitraum als Arbeitnehmer bei der Trockenbau Ki***** Ltd & Co KG in Wien 5.
Vanessza Vivien Z***** besuchte in Ungarn eine Schule, ihre Mutter war in Ungarn teilweise erwerbstätig.
Der Vater Dénes Z***** leistete der Mutter Márta K***** für Vanessza Vivien Z***** im Beschwerdezeitraum bis Ende 2013 gemäß einer Vereinbarung vom 11. 10. 2010 monatlichen Unterhalt von 18.000,00 HUF, seit Anfang 2014 von 20.000,00 HUF.
Die Höhe der Unterhaltskosten für Vanessza Vivien Z***** im Beschwerdezeitraum steht bislang nicht fest, ebenso nicht, wer diese jeweils überwiegend getragen hat.
Die (bisher) getroffenen Sachverhaltsfeststellungen ergeben sich aus der Aktenlage. Sie sind nicht strittig.
Zur Höhe der Unterhaltskosten für Vanessza gibt es keine Feststellungen des Finanzamts, ebenso nicht zur Frage, wer gegebenenfalls die die Unterhaltszahlungen des Bf übersteigenden Unterhaltskosten getragen hat.
Nach Art. 11 Abs. 3 lit. a VO 883/2004 unterliegt daher eine Person, die (nur) in einem Mitgliedstaat eine Beschäftigung oder selbstständige Erwerbstätigkeit ausübt, den Rechtsvorschriften dieses Mitgliedstaats.
Art. 68a VO 883/2004 lautet:
Verwendet die Person, der die Familienleistungen zu gewähren sind, diese nicht für den Unterhalt der Familienangehörigen, zahlt der zustän­dige Träger auf Antrag des Trägers im Mitgliedstaat des Wohnorts der Familienangehörigen, des von der zuständigen Behörde im Mitgliedstaat ihres Wohnorts hierfür bezeichneten Trägers oder der von dieser Behörde hierfür bestimmten Stelle die Familienleistungen mit befreiender Wirkung über diesen Träger bzw. über diese Stelle an die natürliche oder juristische Person, die tatsächlich für die Familienangehörigen sorgt.
Zeitraum Jänner 2015 bis Mai 2015 (Spruchpunkt I.)
Der angefochtene Abweisungsbescheid vom 22. 7. 2016 spricht über einen Antrag des Bf vom 13. 1. 2016 (13. Jänner 2016) auf Ausgleichszahlung für die im Mai 2006 geborene Vanessa (richtig: Vanessza) Vivien Z***** für den Zeitraum von Jänner 2013 bis Mai 2015 ab.
Hinsichtlich des Zeitraumes Jänner 2015 bis Mai 2015 ist nach der Aktenlage ein Antrag des Bf vom 13. 1. 2016 nicht ersichtlich.
Es besteht lediglich ein am 13. 9. 2016 (13. September 2016) beim Finanzamt Wien 4/5/10 eingelangter, undatierter Antrag betreffend Differenzzahlung von 1. 1. 2015 bis 15. 5. 2015, der möglicherweise am 8. 9. 2016 beim Finanzamt Bruck Eisenstadt Oberwart eingelangt ist und von diesem weitergeleitet wurde (OZ 3, S 1).
Anhaltspunkte dafür, dass ein weiterer Antrag für diesen Zeitraum (am 13. 1. 2016) gestellt wurde, finden sich im Finanzamtsakt nicht.
Das Finanzamt hat am 12. 7. 2017 bestätigt, dass ein Antrag vom 13. 1. 2016 für den Zeitraum Jänner 2015 bis Mai 2015 nicht bestehe, jedoch ein Antrag vom 13. 9. 2016 "mit der falschen Unterschrift".
Ein Zusammenhang eines am 8. 9. oder 13. 9. eingebrachten undatierten Antrags mit einem Antrag vom 13. 1. ist nicht herstellbar.
Hingegen sind die undatierten Anträge für die Zeiträume 1. 1. 2013 bis 31. 12. 2013 (OZ 4, S 1, wenn man die zweimalige Angabe in zwei Anträgen "1. 1. 2014 - 31. 12. 2014" in Zusammenhang mit den übrigen Angaben einmal als Schreibfehler, der richtig 1. 1. 2013 - 31. 12. 2013 lauten soll, liest) und 1. 1. 2014 bis 31. 12. 2014 (OZ 4, Seite 20) zwar am 29. 12. 2015 beim unzuständigen Finanzamt Bruck Eisenstadt Oberwart eingelangt, trafen aber erst am 13. 1. 2016 beim zuständigen Finanzamt Wien 4/5/10 ein.
Hier ist von einem unmittelbaren Zusammenhang des im Abweisungsbescheid genannten Antragsdatum mit diesen beiden undatierten, am 13. 1. 2016 beim zuständigen Finanzamt Wien 4/5/10 eingelangten Anträgen auszugehen.
Jedenfalls teilweise Rechtswidrigkeit des angefochtenen Bescheids
Gemäß § 10 Abs. 1 FLAG 1967 wird die Familienbeihilfe nur auf Antrag gewährt, gleiches gilt für eine Ausgleichszahlung gemäß § 4 Abs. 4 FLAG 1967 bzw. Differenzzahlung nach Art. 68 VO 883/2004.
Der angefochtene Bescheid vom 22. 7. 2016 spricht mit der Abweisung eines Antrags "vom 13. 1. 2016" hinsichtlich des Zeitraumes Jänner 2015 bis Mai 2015 über ein Anbringen ab, das überhaupt nicht gestellt wurde.
Für die Bedeutung einer Aussage im Spruch eines Bescheides kommt es darauf an, wie der Inhalt objektiv zu verstehen ist, und nicht, wie ihn die Abgabenbehörde verstanden wissen wollte oder wie ihn der Empfänger verstand (VwGH 15. 12. 1994, 93/15/0243).
Bei eindeutigem Spruch ist die Begründung nicht zu seiner Ergänzung oder Abänderung heranzuziehen (VwGH 23. 1. 1996, 95/05/0210), abgesehen davon, dass die spärliche und rechtlich überdies unrichtige Begründung keinerlei Rückschlüsse darauf zulässt, über welche Anträge der Bescheid konkret absprechen wollte.
Gleiches gilt für nachträgliche Erläuterungen durch die Bescheid erlassende Behörde (vgl. BFG 17. 3. 2016, RV/7101890/2015), wobei sich freilich auch aus der Beschwerdevorentscheidung diesbezüglich nichts gewinnen lässt.
Da der Bf am 13. 1. 2016 keinen Antrag auf Differenzzahlung für Jänner 2015 bis Mai 2015 gestellt hat, durfte die belangte Behörde einen derartigen Antrag auch nicht abweisen.
Es kann angehen, wenn anstelle des im Anbringen angeführten Datums das Datum des Einbringens eines schriftlichen Anbringens oder das Datum des Einlangens dieses Anbringens als Datum einer Eingabe angeführt wird, wenn damit das Anbringen ohne Zweifel zu identifizieren ist. Dies gilt auch hinsichtlich des Eingangsdatums bei der zuständigen Behörde, wenn ein Anbringen bei einer unzuständigen Behörde eingebracht und von dieser weitergeleitet wurde.
Die richtige Bezeichnung von Anbringen (§ 85 BAO) und Bescheiden (§§ 92 - 96 BAO) ist gerade im Familienbeihilfenverfahren von Bedeutung (vgl. das auf Grund einer Amtsbeschwerde ergangene Erkenntnis VwGH 10. 12. 2013, 2012/16/0037). Es ist keineswegs völlig unüblich, dass von Beihilfewerbern hintereinander an verschiedenen Tagen Anbringen mit unterschiedlichem Inhalt gestellt werden. Es zeigt auch das gegenständliche Verfahren, dass mehrere Anträge an unterschiedlichen Tagen gestellt wurden.
In einem antragsbedürftigen Verwaltungsverfahren bestimmt in erster Linie der Antragsteller, was Gegenstand des Verfahren ist, der Antrag die Sache des behördlichen Verfahrens fest (vgl. VwGH 12. 9. 2016, Ro 2016/04/0014; VwGH 19. 12. 2013, 2011/03/0160).
Als Sache des Beschwerdeverfahrens, somit als Prozessgegenstand des verwaltungsgerichtlichen Verfahrens, ist jene Angelegenheit anzusehen, die den Inhalt des Spruches des Bescheides der vor dem Verwaltungsgericht belangten Behörde gebildet hat (vgl. für viele etwa VwGH 12. 9. 2016, Ra 2014/04/0037; VwGH 12. 9. 2016, Ro 2016/04/0014; VwGH 10. 11. 2015, Ro 2015/19/0001, oder VwGH 29. 1. 2015, 2012/15/0030).
Anders als etwa bei mangelhaften Eingaben, die auch vom Bundesfinanzgericht gemäß § 269 Abs. 1 BAO i. V. m. § 85 Abs. 2 BAO einem Mängelbehebungsverfahren unterzogen werden können, oder bei einer Entscheidung "in der Sache" durch Änderung des Spruches des angefochtenen Bescheides gemäß § 278 Abs. 1 BAO ist es dem Bundesfinanzgericht im Bescheidbeschwerdeverfahren verwehrt, durch Änderung des Antragsdatums, auf das sich ein antragsbedürftiger Bescheid in seinem Spruch bezieht, den Prozessgegenstand auszutauschen (vgl. BFG 1. 3. 2016, RV/7100093/2016; BFG 17. 3. 2016, RV/7101890/2015; BFG 8. 9. 2016, RV/7103135/2015).
Spricht ein antragsbedürftiger Bescheid über einen Antrag vom Tag X ab, ist Sache des Bescheidbeschwerdeverfahrens ein Antrag vom Tag X und nicht ein solcher vom Tag Y. Hat die Behörde mit ihrem Bescheid ein nicht gestelltes Anbringen vom Tag X vermeintlich erledigt, ist der diesbezügliche Bescheid ersatzlos aufzuheben. Ein allfällig am Tag Y gestelltes Anbringen wurde mit einem Bescheid, der über einen Antrag vom Tag X abspricht, hingegen nicht erledigt, und ist gegebenenfalls einer Säumnisbeschwerde gemäß § 284 BAO zugänglich (vgl. BFG 1. 3. 2016, RV/7100093/2016; BFG 17. 3. 2016, RV/7101890/2015; BFG 8. 9. 2016, RV/7103135/2015).
Teilweise ersatzlose Aufhebung des angefochtenen Bescheides
Der Abweisungsbescheid vom 22. 7. 2016 ist daher insoweit jedenfalls rechtswidrig (Art. 132 Abs. 1 Z 1 B-VG), als er über einen am 13. 1. 2016 nicht gestellten Antrag für den Zeitraum Jänner 2015 bis Mai 2015 abspricht; er ist nach mittlerweile ständiger Rechtsprechung des Bundesfinanzgerichts gemäß § 279 Abs. 1 BAO (ersatzlos) aufzuheben (vgl. BFG 10. 4. 2014, RV/7100643/2014; BFG 9. 9. 2014, RV/7103494/2012; BFG 2. 2. 2015, RV/7103048/2014; BFG 5. 6. 2015, RV/7104516/2014; BFG 2. 2. 2016, RV/7101204/2015; BFG 1. 3. 2016, RV/7100093/2016; BFG 10. 3. 2016, RV/7100943/2016; BFG 17. 3. 2016, RV/7101890/2015; BFG 13. 5. 2016, RV/7101741/2015; BFG 2. 7. 2016, RV/7102318/2015; BFG 1. 9. 2016, RV/7102211/2015; BFG 8. 9. 2016, RV/7103135/2015).
Hinweise für das weitere Verfahren betreffend Jänner bis Mai 2015
Für das weitere Verfahren betreffend Jänner bis Mai 2015 wird bemerkt, dass der Antrag vom 13. September 2016 (OZ 3 Seite 1) für den Zeitraum Jänner bis Mai 2015 unerledigt ist.
Dieser Antrag nennt zwar Dénes Z***** als Antragsteller, ist aber (nur) von Márta K***** unterfertigt.
Es wird daher der Bf entweder seine Unterschrift auf diesem Antrag nachzuholen oder zu erklären haben, dass Márta K***** zu seiner Vertretung bevollmächtigt gewesen sei.
Außerdem setzt ein Anspruch des Bf für diesen Zeitraum eine wirksame Verzichtserklärung der haushaltsführenden Mutter Márta K***** voraus.
Im Übrigen werden die zu Spruchpunkt II. genannten Ermittlungen durchzuführen sein.
Zeitraum Jänner 2013 bis Dezember 2014 (Spruchpunkt II.)
Zunächst ist festzuhalten, dass die Ansicht des Finanzamts, die zweimalige Antragstellung für "1. 1. 2014 - 31. 12. 2014" sei ein Schreibfehler und tatsächlich sei einmal für das Jahr 2013 und das andere Mal für das Jahr 2014 beantragt worden, in Zusammensicht mit den übrigen Angaben in den einzelnen Anträgen sowie den diesen beigeschlossenen Beilagen keinen Bedenken durch das Bundesfinanzgericht begegnet.
Fehlende Mitwirkung des Bf
Der angefochtene Abweisungsbescheid wirft dem Bf unter Hinweis auf § 115 BAO mangelnde Mitwirkung vor und nimmt an, dass ein Anspruch auf Familienbeihilfe nicht bestehe.
Ein Blick in das Gesetz würde genügen um zu sehen, dass § 115 BAO der Partei (§ 78 BAO) keine Mitwirkungspflichten auferlegt, sondern im Gegenteil die Behörde dazu verpflichtet, von Amts wegen den maßgebenden Sachverhalt zu ermitteln (vgl. BFG 10. 3. 2017, RV/7104415/2016).
Die Partei (§ 78 BAO) trifft zwar eine Offenlegungs- und Wahrheitspflicht, die in § 119 BAO geregelt ist, diese entbindet die Behörde jedoch nicht von ihrer Ermittlungspflicht. Die amtswegige Ermittlungspflicht besteht auch dann, wenn die Partei (§ 78 BAO) ihre Verpflichtungen verletzt (vgl. Ritz, BAO5, § 115 Tz. 9 m.w.N.).
Auch wenn den Bf gemäß § 119 BAO eine Mitwirkungspflicht am Verfahren trifft, ändert dies nichts daran, dass die Abgabenbehörden gemäß § 115 BAO zur amtswegigen Ermittlung der tatsächlichen und rechtlichen Verhältnisse verpflichtet sind. Das Ermittlungsverfahren hat das Finanzamt nicht auf die Partei (§ 78 BAO) abzuwälzen, sondern selbst durchzuführen. Nur dort, wo das Finanzamt begrenzte Ermittlungsmöglichkeiten hat, etwa bei Fragen des höchstpersönlichen Lebensbereichs oder bei der Beischaffung von Unterlagen von Behörden eines Staates, mit dem keine umfassende Amtshilfe besteht, kann eine fehlende Mitwirkung der Partei (§ 78 BAO) dieser zur Last gelegt werden (vgl. BFG 10. 3. 2017, RV/7104415/2016).
Dieser Verpflichtung ist die belangte Behörde nur unzureichend nachgekommen.
Für den Zeitraum Jänner 2013 bis Dezember 2014 ist die Sache daher nicht entscheidungsreif:
Überwiegende Unterhaltskostentragung
Anspruchsvoraussetzung nach dem nationalen Recht ist zufolge § 2 Abs. 2 FLAG 1967 vorrangig die Haushaltszugehörigkeit, nachrangig die überwiegende Unterhaltskostentragung.
Nach den getroffenen Sachverhaltsfeststellungen steht fest, dass im Zeitraum Jänner 2013 bis Dezember 2014 Vanessza Vivien Z***** dem Haushalt ihrer Mutter angehörte, die von dem Vater von Vanessza, dem Bf, getrennt lebte.
Ein Anspruch des Bf auf Familienbeihilfe (Ausgleichzahlung) nach § 2 Abs. 2 Satz 1 FLAG 1967 kommt mangels Zugehörigkeit von Vanessza zu seinem Haushalt im Beschwerdezeitraum nicht in Betracht.
Ob der Bf einen Anspruch nach § 2 Abs. 2 Satz 2 FLAG 1967 hat, hängt davon ab, ob er im Beschwerdezeitraum die überwiegenden Unterhaltskosten für Vanessza getragen hat.
Das Gesetz verlangt für den Anspruch auf Familienleistungen nicht die Leistung des gesetzlichen Unterhalts, sondern die Tragung der überwiegenden tatsächlichen Unterhaltskosten.
Selbst wenn der Bf seiner Tochter im Beschwerdezeitraum den gesetzlichen Unterhalt geleistet haben soll, sagt dies allein noch nichts über einen Anspruch auf österreichische Familienleistungen aus.
Da Vanessza im Beschwerdezeitraum beim Bf nicht haushaltszugehörig war, kommt es entscheidend darauf an, ob der Bf die überwiegenden Unterhaltskosten für Vanessza getragen hat.
Das Finanzamt vertritt in der Beschwerdevorentscheidung vom 13. 12. 2016 die Ansicht, vom Vorliegen einer überwiegenden Kostentragung könne nur unter der Voraussetzung ausgegangen werden, dass der Unterhalt des Kindes mindestens in Höhe der Familienbeihilfe (einschließlich des Kinderabsetzbetrages) bestritten wird.
Diese Ansicht ist in dieser Form unzutreffend.
§ 2 Abs. 2 FLAG 1967 will sicherstellen, dass die Familienbeihilfe jener Person zugute kommt, die entweder Naturalunterhalt leistet oder die überwiegenden (tatsächlichen) Unterhaltskosten trägt.
Die Regelung des § 2 Abs. 5 lit. c FLAG 1967 in Bezug auf in Anstaltspflege befindliche Kinder lässt sich auf andere Fallkonstellationen nicht ohne weiters übertragen, da es sich zum einen um eine Ausnahmeregelung und keine allgemeine Vorschrift des FLAG 1967 handelt und zum anderen bei einer Anstaltspflege der Kindesunterhalt grundsätzlich durch die öffentliche Hand sichergestellt wird.
Eine generelle Regelung, bei Leistung des tatsächlichen überwiegenden Unterhalts Familienleistungen gänzlich zu versagen, weil der tatsächliche überwiegende Unterhalt die Höhe der Familienleistungen nicht erreicht, wäre nicht verfassungskonform. Eine Begrenzung der Höhe der Familienleistungen mit den tatsächlich für das Kind erbrachten Leistungen sieht das FLAG 1967 nicht vor.
Das Unionsrecht stellt in Art. 68a VO 883/2004 sicher, dass die Familienleistungen für den Unterhalt der Familienangehörigen verwendet werden. Sollte ein Unionsbürger nach den Vorschriften der VO 883/2004 i. V. m. dem FLAG 1967 Anspruch auf österreichische Familienleistungen haben, die höher sind als seine tatsächliche Unterhaltsleistung, wird die zuständige Stelle im jeweiligen Wohnortmitgliedstaat im Hinblick auf einen Antrag nach Art. 68a VO 883/2004 vom österreichischen Finanzamt zu informieren sein, um sicherzustellen, dass die österreichischen Familienleistungen zur Gänze dem anspruchsvermittelnden Kind zugute kommen.
Dem Finanzamt ist beizupflichten, dass auch bei niedrigeren Lebenshaltungskosten am Wohnort des Kindes als in Österreich zweifelhaft sein kann, ob ein Unterhaltsbeitrag, der die Höhe der österreichischen Familienleistungen unterschreitet, tatsächlich die überwiegenden Unterhaltskosten eines Kindes abdeckt.
In Ungarn betrugen nach den Daten des Zentralen Statistischen Amtes von Ungarn die monatlichen Verbrauchskosten im ersten Quartal 2016 pro Person 74.400 HUF (vgl. https://ec.europa.eu/eures/main.jsp?catId=8701&acro=living&lang=de&parentId=7813&countryId=HU), also rund 240 €.
Zu den Lebenshaltungskosten der Vorjahre im Detail etwa (Quelle: http://www.ksh.hu/docs/hun/xftp/stattukor/haztfogy/haztfogyhavi1406.pdf):
Bei durchschnittlichen Pro-Kopf-Monatsausgaben von 66.539 HUF im Jahr 2014 (entsprach rund 215 €) und nach den Angaben des Bf tatsächlich erbrachten Unterhaltsleistungen von 20.000 HUF in diesem Jahr läge der Unterhaltsbeitrag des Bf für die damals achtjährige Vanessza deutlich unter der Hälfe der statistischen Lebenshaltungskosten.
Die österreichische Familienbeihilfe betrug ab Juli 2014 gemäß § 8 Abs. 2 Z 1 FLAG 1967 i. d. F. BGBl. I Nr. 35/2014 monatlich 117,30 € für jedes Kind ab Beginn des Kalendermonats, in dem es das 3. Lebensjahr vollendet, der Kinderabsetzbetrag gemäß § 33 Abs. 3 EStG 1988 i. d. F. BGBl. I Nr. 35/2014 monatlich 58,40 € für jedes Kind, zusammen somit österreichische Familienleistungen 175,70 €. Dieser Betrag wäre jedoch weitaus höher als die Hälfte der statistischen Pro-Kopf-Lebenshaltungskosten.
Auch wenn allgemein bekannt ist, dass die Preisverhältnisse in Ungarn (freilich auch wohnortabhängig) sehr wesentlich unter dem österreichischen Niveau liegen, bedarf es zur rechtsrichtigen Beurteilung, ob die überwiegenden Unterhaltskosten getragen wurden, konkreter Feststellungen zum Unterhaltsbedarf (im gegenständlichen Fall von Kindern im Grundschulalter) in Ungarn (vgl. BFG 8. 9. 2016, RV/7103135/2015; BFG 1. 9. 2016, RV/7102211/2015; BFG 18. 10. 2015, RV/7101655/2015 oder BFG 2. 7. 2016, RV/7102318/2015 sowie - für das Unterhaltsrecht - OGH 26. 2. 2001, 3 Ob 194/00a).
Richtig ist, dass der Bf bisher nicht nachgewiesen hat, dass er die überwiegenden Unterhaltskosten für seine Tochter getragen hat.
Nach den bisherigen Ermittlungen des Finanzamts stehen die tatsächlichen Unterhaltskosten von Vanessza (wozu vor allem Nahrung, Kleidung, Wohnung, ferner Unterricht und Erziehung, aber auch weitere Bedürfnisse, zB in kultureller u sportlicher Hinsicht, für Freizeitgestaltung, Urlaub und medizinische Versorgung, gehören, vgl. Nowotny in Csazsar/Lenneis/Wanke, FLAG, § 2 Rz 150) nicht fest, ebenso nicht, wer sie getragen hat.
Um diese Frage beurteilen zu können, sind ergänzende Ermittlungen geboten.
Die Behörde hat aber bisher nicht zielgerichtet versucht, die hier entscheidungswesentliche Frage zu klären.
Brauchbare Ermittlungsergebnisse, die im Zusammenhalt mit einer allenfalls durchzuführenden mündlichen Verhandlung bloß zu vervollständigen sind (vgl. etwa VwGH 9. 9. 2015, Ra 2014/04/0031 oder VwGH 16. 10. 2015, Ra 2015/08/0042), liegen im gegenständlichen Fall nicht vor. Das Finanzamt hat im gegenständlichen Fall, wie oben ausgeführt, den Sachverhalt nicht in einer Weise ermittelt, dass sich hierauf eine Entscheidung stützen lässt.
Zur entscheidenden Frage, nämlich der tatsächlichen Höhe der Unterhaltskosten und deren Tragung, liegen nämlich - abgesehen von den Angaben des Bf über seine Unterhaltsleistungen - überhaupt keine Ermittlungen des Finanzamts vor.
Da es nicht Sache des Verwaltungsgerichts ist, anstelle der Verwaltungsbehörde im Ergebnis erstmals ein Ermittlungsverfahren zu führen, ist der angefochtene Bescheid gemäß § 278 BAO aufzuheben und die Sache an das Finanzamt zurückzuverweisen. Dies ist sowohl im Interesse der Raschheit der Entscheidung gelegen als auch mit einer erheblichen Kostenersparnis verbunden. Sollte das Finanzamt im weiteren Verfahren einen Anspruch des Bf auf Ausgleichszahlung/Differenzzahlung feststellen, kann dieses verwaltungsökonomisch mit der Auszahlung vorgehen, ohne dass eine Entscheidung durch das Verwaltungsgericht zu treffen und diese dann erst vom Finanzamt umzusetzen ist (vgl. BFG 9. 6. 2015, RV/7102797/2015).
Falls mit den Angaben des Bf und dem von ihm im weiteren Verfahren vorzulegenden Beweise nicht das Auslangen gefunden werden kann, wäre gegebenenfalls Kontakt mit der zuständigen ungarischen Behörde durch das Finanzamt aufzunehmen.
Der Bf wird daher im fortgesetzten Verfahren vom Finanzamt zunächst aufzufordern sein, die tatsächlichen Unterhaltskosten für Vanessza im Antragszeitraum detailliert aufzuschlüsseln und diesbezüglich auch eine Bestätigung der haushaltsführenden Mutter beizubringen haben.
Könnten in weiterer Folge die tatsächlichen Unterhaltskosten nicht festgestellt werden, trifft die Beweislast denjenigen, zu dessen Gunsten die entsprechende Tatsache wirken würde: Die Abgabenbehörde hat damit die Beweislast für Tatsachen zu tragen, die den Abgabenanspruch begründen; der Steuerpflichtige für Tatsachen, die Begünstigungen, Steuerermäßigungen u.ä. begründen bzw. die den Abgabenanspruch einschränken oder aufheben oder eine (ihn treffende) gesetzliche Vermutung widerlegen (vgl. Ehrke-Rabel in Doralt/Ruppe, Grundriss des österreichischen Steuerrechts, II7, Tz. 1301).
Wenn die Feststellung, dass eine Anspruchsvoraussetzung vorliegt, nämlich hier die Tragung der überwiegenden Unterhaltskosten, nicht getroffen werden kann, geht dies daher zu Lasten des Bf, die Familienbeihilfe bzw. Differenzzahlung oder Ausgleichszahlung beantragt (vgl. BFG 6. 4. 2017, RV/7106413/2016).
Verzicht auf den vorrangigen Anspruch der haushaltsführenden Mutter
Bemerkt wird, dass nach der Aktenlage die haushaltsführende Mutter jedenfalls hinsichtlich des Zeitraums Jänner 2013 bis Dezember 2014 auf den ihr primär zustehenden Anspruch auf Familienleistungen zugunsten des Bf verzichtet hat.
Solange dieser Verzicht nicht widerrufen ist, kann der vorrangige Anspruch der Mutter auf Familienleistungen (vgl. BFG 19. 8. 2016, RV/7101889/2016, BFG 24. 10. 2016, RV/7101771/2015 und BFG 15. 11. 2016, RV/7103786/2015; BFG 7. 2. 2017, RV/7106469/2016) nicht zum Tragen kommen.
Im Hinblick auf die Ausführungen des Bf zum Verzicht der Mutter ist anzumerken, dass es für den vorrangigen Anspruch der Mutter ohne Bedeutung ist, ob diese über ein Konto bei einer österreichischen Bank verfügt. Österreichische Familienleistungen können auch auf ein Konto der Mutter in einem anderen Unionsstaat überwiesen werden, ebenso besteht die Möglichkeit das die Mutter ein nicht auf sie lautendes Konto bei einer österreichischen Bank benennt.
Gegen diese Entscheidung ist gemäß Art. 133 Abs. 4 B-VG bzw. gemäß Art. 133 Abs. 9 B-VG i. V. m. Art. 133 Abs. 4 B-VG und § 25a VwGG eine (ordentliche) Revision nicht zulässig, da der hier zu lösenden Rechtsfrage keine grundsätzliche Bedeutung zukommt. Hinsichtlich Spruchpunkt I und II sind die Rechtsfragen vielmehr geklärt. Zur Lösung von Tatfragen ist der Verwaltungsgerichtshof nicht berufen (Spruchpunkt I), zu Spruchpunkt II sind noch Ermittlungen zur Sachverhaltsfeststellung erforderlich.
VwGH 12.09.2016, Ro 2016/04/0014
VwGH 19.12.2013, 2011/03/0160
VwGH 12.09.2016, Ra 2014/04/0037
BFG 10.04.2014, RV/7100643/2014
BFG 09.09.2014, RV/7103494/2012
BFG 02.02.2015, RV/7103048/2014
BFG 02.02.2016, RV/7101204/2015
BFG 10.03.2016, RV/7100943/2016
BFG 13.05.2016, RV/7101741/2015
BFG 02.07.2016, RV/7102318/2015
BFG 10.03.2017, RV/7104415/2016
BFG 18.10.2015, RV/7101655/2015
OGH 26.02.2001, 3 Ob 194/00a
VwGH 30.06.2015, Ra 2014/03/0054
VwGH 04.08.2015, Ra 2015/06/0039
VwGH 09.09.2015, Ra 2014/04/0031
VwGH 16.10.2015, Ra 2015/08/0042
BFG 09.06.2015, RV/7102797/2015
BFG 06.04.2017, RV/7106413/2016
ECLI:AT:BFG:2017:RV.7103017.2017
Findok-Nr: 116263.1, aufgenommen am: 26.09.2017 10:24:33, zuletzt geändert am: 26.09.2017, Dokument-ID: 576eb8c5-145f-4e4b-bfc6-d3ea72b0b204, Segment-ID: 9043fe0c-109c-4a4e-88d8-4d07343a0d24