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Timestamp: 2018-03-19 17:58:16
Document Index: 63929239

Matched Legal Cases: ['§ 1', '§ 4', '§ 41', '§ 4', '§ 4', '§ 4', '§ 4', '§ 4']

Brauchbarkeitsprüfung Niedersachsen PO
Richtlinien über den Nachweis der Brauchbarkeit von Jagdhunden
(Brauchbarkeitsrichtlinien)
Der zur Jagd brauchbare Hund muss aufgrund seines Wesens sowie seiner Sinnesleistungen und seiner körperlichen Verfassung die ihm im Jagdbetrieb gestellten Aufgaben erfüllen.
Die durch die Zuchtauslese geförderten Anlagen der Sinne und der körperlichen Merkmale - geprägt von Kraft und Ausdauer - müssen dem späteren Einsatz entsprechen. Dies wird für die jagdliche Brauchbarkeit vorausgesetzt. Es ist in die Verantwortung der Jägerschaft gegeben, die Auflagen des Gesetzgebers zu erfüllen und im Sinne des Tierschutzes nur mit geprüften Jagdhunden zu jagen, die diese Grundforderungen erfüllen.
Hannover, den 15.07.2002
1. Grundlage der Brauchbarkeitsprüfungen
2. Veranstaltung der Brauchbarkeitsprüfungen
2.2 Prüfungstermin
2.3 Ausschreibung
2.6 Nenngeld
2.7 Prüfungsleitung
2.8 Prüfergruppe
2.9 Prüfungsvergütung
2.10 Formblätter
3. Durchführung der Brauchbarkeitsprüfungen
4. Prüfungsfächer
4.1 Gehorsam
4.2 Schussfestigkeit
4.3 Bringen
4.4 Schweißarbeit
4.5 Wasserarbeit
5. Sonderregelung für Nachsuchenhunde
6. Sonderregelung für Stöberhunde
8. Wiederholung der Brauchbarkeitsprüfungen
9. Verfahren bei Einsprüchen
1.1 Nach § 1 Abs. 3 BJagdG sind bei der Ausübung der Jagd die allgemein anerkannten Grundsätze deutscher Weidgerechtigkeit zu beachten.
1.2 § 4 NJagdG setzt voraus:
1. Den Jagdausübungsberechtigten muss ein für den Jagdbezirk brauchbarer Jagdhund, der geprüft ist, zur Verfügung stehen.
2. Bei jeder Such-, Drück- oder Treibjagd sowie jeder Jagd auf Federwild muss ein hierfür brauchbarer, geprüfter Jagdhund mitgeführt werden.
3. Bei der Nachsuche ist ein hierfür brauchbarer, geprüfter Jagdhund einzusetzen.
1.3 Nach § 41 NJagdG handelt ordnungswidrig, wer
1. entgegen § 4 Abs. 1 keinen für den Jagdbezirk brauchbaren Jagdhund, der geprüft ist, zur Verfügung hat,
2. entgegen § 4 Abs. 2 bei einer Such-, Drück- oder Treibjagd oder einer Jagd auf Federwild keinen hierfür brauchbaren, geprüften Jagdhund mitführt und
3. entgegen § 4 Abs. 3 bei einer Nachsuche keinen hierfür brauchbaren, geprüften Jagdhund einsetzt, obwohl es den Umständen nach erforderlich ist.
1Die örtlichen Jägerschaften führen für ihren Bereich im Namen der Landesjägerschaft Niedersachsen Brauchbarkeitsprüfungen durch. ²Sie sind in jedem Fall alleinige Veranstalter einer solchen Prüfung.
Die Prüfungen der jagdlichen Brauchbarkeit sollen zwischen dem 15. August und dem 30. November eines jeden Jahres abgehalten werden.
2.3.1 Bekanntmachung
1Bei Bedarf schreibt die örtliche Jägerschaft Brauchbarkeitsprüfungen aus. ²Der Prüfungstermin ist nach den örtlichen Gepflogenheiten bekanntzumachen sowie dem zuständigen Bezirksobmann für das Jagdgebrauchshundwesen mitzuteilen.
- Veranstalter und Prüfungsleiter,
- Zulassung von nur zweifelsfrei identifizierbaren Jagdhunden (Nr.2.4.2 Satz 3),
- Termin und Ort der Prüfung,
- Treffpunkt,
- Höhe des Nenngeldes,
- Termin des Meldeschlusses,
- Vorzulegende Unterlagen (z.B. Jagdschein bzw. Name der zur Jagd befugten Begleitperson, Ausbildungs- und Prüfbuch, Bestätigung zur Wasserarbeit, Bescheinigung über gültige Tollwutschutzimpfung, Abstammungsnachweis des Hundes),
- Bereitstellung des Schleppwildes,
- Art der Herstellung der Schweißfährten.
2.4.1 1Es werden nur Hunde geprüft, die dem Phänotyp einer vom JGHV als Jagdhund anerkannten Rasse entsprechen. ²Jagdhunde im Sinne dieser Richtlinien sind:
a) Vorstehhunde,
b) Schweißhunde,
c) Stöberhunde,
d) Bracken,
e) Erdhunde,
f) Apportierhunde.
2.4.2 1Der Jagdhund muss zur Feststellung der jagdlichen Brauchbarkeit mindestens im Jahr zuvor gewölft worden sein und soll zum Zeitpunkt der Prüfung mindestens 12 Monate alt sein. ²Die Identität des zu prüfenden Hundes kann durch die Vorlage einer Ahnentafel des die betreffende Rasse betreuenden Zuchtverbandes erbracht werden. ³Jeder zu prüfende Hund muss über eine Tätowiernummer oder einen Identifikationschip
zweifelsfrei identifizierbar sein.
2.4.3 Ein Hundeführer darf auf einer Brauchbarkeitsprüfung nicht mehr als zwei Hunde führen.
2.4.4 1Da die Prüfung von Jagdhunden auf ihre Brauchbarkeit gemäß § 4 Abs. 4 NJagdG Jagdausübung ist, muss der Führer eines Hundes am Prüfungstag im Besitz eines gültigen Jagdscheins sein oder von einer zur Jagd befugten Person begleitet werden. ²Eine Flinte und ausreichend Patronen sind mit zu führen.
2.4.5 Alle in der Ausschreibung geforderten Unterlagen sind vor Beginn der Prüfung dem Prüfungsleiter vorzulegen.
Die Hunde müssen bis zu dem in der Ausschreibung genannten Meldetermin an den Prüfungsleiter der veranstaltenden Jägerschaft unter Verwendung des Vordruckes BrP1 gemeldet sein.
2.6.1 1Mit der Anmeldung zur Teilnahme an der Brauchbarkeitsprüfung ist das Nenngeld an den Veranstalter zu entrichten. ²Falls eine Zahlung bis zum Meldeschluss nicht erfolgt ist, besteht kein Anspruch auf Teilnahme an der Prüfung.
2.6.2 Das Nenngeld verfällt, wenn der Hund für eine Brauchbarkeitsprüfung gemeldet ist und an dieser nicht teilnimmt, sofern er nicht vor Schluss des Meldetermins durch eine schriftlich Mitteilung zurückgezogen wurde.
1Die veranstaltende Jägerschaft hat einen Prüfungsleiter für die Vorbereitung und Durchführung der Brauchbarkeitsprüfung zu bestellen. ²Der Prüfungsleiter muss vom JGHV anerkannter Verbandsrichter sein.
2.8.1 1Es sind Prüfungsgruppen mit je drei Prüfern zu bilden.² Die Prüfer müssen vom JGHV anerkannte Verbandsrichter sein; im Ausnahmefall kann auch ein erfahrener Jagdgebrauchshundführer als Prüfer eingesetzt werden. ³Fachrichter im JGHV gelten in ihrem speziellen Prüfungsfach als anerkannt.
2.8.2 1Prüft eine Prüfergruppe die ihr zugeteilten Hunde in allen Fächern, so soll sie an einem Prüfungstag nicht mehr als sechs Hunde prüfen. ²Wird in Fachgruppen geprüft, soll jede Prüfergruppe alle Hunde im selben Fach prüfen.
Der Prüfungsleiter und die Prüfer erhalten eine Prüfungsvergütung in gleicher Höhe wie die Mitglieder der Jägerprüfungskommission.
Die erforderlichen Vordrucke für die Prüfungen werden der veranstaltenden Jägerschaft von der Landesjägerschaft Niedersachsen zur Verfügung gestellt.
3.1 Die Durchführung der Brauchbarkeitsprüfungen ist öffentlich.
3.2 1Die Brauchbarkeitsprüfungen sind in geeigneten Revieren durchzuführen. ²Die erforderlichen Reviere und die Zustimmung des/der Jagdausübungsberechtigten sind von der jeweiligen Jägerschaft zu besorgen.
³Alle Hunde sollen in den einzelnen Fächern unter möglichst gleichen Bedingungen geprüft werden.
1Die Normen für die jagdliche Brauchbarkeit ergeben sich aus den Erfordernissen des Jagdbetriebes und des Tierschutzes sowie aus der Notwendigkeit, Schmerzen und Leiden von bei Verkehrsunfällen zu Schaden gekommenem Wild zu vermeiden oder zu verkürzen. ²Die Prüfungsinhalte ergeben sich aus dem Anspruch, eine bestmögliche Grundausbildung der Jagdhunde für die anfallenden Arbeiten im Jagdbetrieb zu erlangen.
4.1.1 Allgemeiner Gehorsam ohne Wildberührung
1Der Hundeführer hat den Hund nach Weisung zu schnallen und ihn einige Minuten laufen zu lassen. ²Auf Pfiff, Zuruf oder Zeichen hat der Hund dem Hundeführer Folge zu leisten und darf sich ohne Befehl nicht von ihm entfernen.
4.1.2 Verhalten auf dem Stand
1Bei einem improvisierten Treiben hat sich der am Stand neben seinem Führer sitzende oder abgelegte, angeleinte Hund ruhig zu verhalten. ²Bei der Abgabe von Schüssen, auch der Führer oder die zur Jagd befugte Begleitperson muss schießen, darf er nicht
an der Leine zerren oder vom Führer weichen.
4.1.3 Leinenführigkeit
1Der Hund muss bei lose durchhängender Leine ohne lautes Kommando dicht hinter oder neben dem Fuß seines Führers folgen. ²Er soll nicht an der Leine ziehen und muss beim Umgehen von Bäumen unmittelbar seinem Führer folgen.
4.1.4 1Der im Jagdbetrieb notwendige Gehorsam an lebendem Wild wird im Zusammenhang mit dieser Prüfung nicht festgestellt. ²Wer im Gehorsam nicht besteht, ist von der weiteren Prüfung auszuschließen.
4.2.1 Schussfestigkeit im Feld oder Wald
1Wenn der Hund bei der Prüfung des allgemeinen Gehorsams etwa 30 bis 50 Meter von seinem Führer entfernt ist, gibt dieser oder die zur Jagd befugte Begleitperson auf Anordnung der Prüfer zwei oder - falls erforderlich- auch weitere Schrotschüsse zur Prüfung der Schussfestigkeit im Abstand von ca. 30 Sekunden ab. ²Stark schussempfindliche Hunde (länger als 1 Minute dauernde Einschüchterung) oder schussscheue Hunde sind von der weiteren Prüfung auszuschließen.
4.2.2 Schussfestigkeit am Wasser
1Ein erlegtes Stück Wasserwild wird sichtig vor den Hund möglichst weit ins offene Wasser geworfen und der Hund dann zum Bringen aufgefordert. ²Während der Hund auf das Wasserwild zuschwimmt, wird vom Führer oder der zur Jagd befugten Begleitperson ein Schrotschuss auf das Wasser in Richtung des Wildes abgegeben. ³Der Hund muss das Wasserwild selbständig ohne weitere Kommandos bringen. 4Bricht der Hund nach dem Schuss ab und nimmt auf einmaligen Befehl das Wasser nicht wieder an, gilt er nicht als brauchbar. 5Ein Hund, der bei der Überprüfung der Schussfestigkeit versagt, darf nicht weiter geprüft werden.
4.3.1 Bringen von Haarwild auf der Schleppe
1Die Haarwildschleppe ist von einem Prüfer mit einem Kaninchen oder einem Hasen, möglichst im Wald oder im unübersichtlichen Gelände, zu legen und muss mindestens 300 m (400 Schritte) lang sein. ²Das Wild wird von dem mit etwas Bauchwolle bezeichneten Anschuss unter Einlegung von zwei stumpfwinkligen Haken möglichst mit Nackenwind geschleppt. ³Die Entfernung zwischen den einzelnen Schleppen soll mindestens 100 m betragen. 4Am Ende der Schleppe ist das geschleppte Stück ohne Schleppenleine bzw. ein möglichst frisch geschossenes Stück der gleichen Wildart frei abzulegen. 5Das Stück darf nicht in eine Bodenvertiefung gelegt oder versteckt werden. 6Nach dem Legen der Schleppe hat sich der Prüfer in Verlängerung der Schleppe zu entfernen und sich so zu verbergen, dass er vom Hund nicht eräugt werden kann.
7Dort hat er das zweite Stück der gleichen Wildart frei vor sich hinzulegen. 8Er darf dem Hund nicht verwehren, dieses Stück aufzunehmen. 9Auf Verlangen des Führers kann mit nur einem Stück Wild geprüft werden.
10Der Hund darf das Legen der Schleppe nicht eräugen. 11Der Führer kann die ersten 20 m der Schleppe an der Leine arbeiten, dann ist der Hund zu schnallen und der Führer hat stehen zu bleiben.
12Durch die Beschaffenheit des Geländes oder geeigneten Sichtschutz (z. B. Gebüsch, Strohballen etc.) muss sichergestellt sein, dass der Hund spätestens ab ca. 50 m Entfernung vom Ansetzen ohne Sichtverbindung zum Führer arbeitet. 13Falls der Hund, ohne gefunden zu haben, zurückkehrt und nicht selbständig die Schleppe wieder annimmt, darf der Hundeführer ihn noch zweimal ansetzen. 14Unter “Ansetzen" ist
dabei jede Einwirkung des Führers auf den Hund zu verstehen, erneut die Schleppe aufzunehmen. 15Wird der Hund bei der Schleppenarbeit oder beim Bringen durch außergewöhnliche Umstände gestört, so ist es in das Ermessen der Prüfer gestellt, ihm eine neue Arbeit zu gewähren. 16Der Hund muss das geschleppte oder zweite ausgelegte Stück Wild finden und seinem Führer zutragen. 17Ein Hund, der das Wild beim ersten Finden nicht selbständig bringt, hat die Prüfung nicht bestanden. 18Das Finden des einen und das Bringen des anderen Stückes ist dem Hund nicht als Fehler anzurechnen.
4.3.2 Bringen von Federwild auf der Schleppe
1Die Schleppe ist von einem Prüfer auf bewachsenem Boden möglichst mit Nackenwind unter Einlegung von zwei stumpfwinkligen Haken mindestens 150 m (200 Schritt) weit zu legen. ²Im übrigen gelten die Bestimmungen für die Haarwildschleppe (Nr. 4.3.1) sinngemäß, jedoch kann die Sichtverbindung zwischen Führer und Hund bestehen bleiben.
4.3.3 Freiverlorensuche und Bringen von Federwild
1Ein Stück Federwild wird in ein Feld mit hoher Deckung (z. B. Rüben, Raps) ohne Verbindung zum Rand frei geworfen. ²Der Hund darf weder das Auslegen noch das Wild selbst eräugen. ³In Schrotschussentfernung (ca. 30 m) vom Wild wird dem Führer die ungefähre Richtung angegeben, in der das Stück liegt. 4Der Hund muss das ausgelegte Stück Wild in Freiverlorensuche finden und seinem Führer zutragen. 5Ein Hund, der das Wild beim ersten Finden nicht selbständig bringt, hat die Prüfung nicht bestanden. 6Falls der Hund, ohne gefunden zu haben, zurückkehrt, darf der Hundeführer ihn noch zweimal ansetzen. 7Unter “Ansetzen" ist dabei jede Einwirkung des Führers auf den Hund zu verstehen, erneut die Suche aufzunehmen. 8Wird der Hund bei der Suche oder beim Bringen durch außergewöhnliche Umstände gestört, so ist es in das Ermessen der Prüfer gestellt, ihm eine neue Arbeit zu gewähren.
4.3.4 Ein Hund, der die Bestimmungen zum Bringen nicht erfüllt, ist von der weiteren Prüfung auszuschließen.
4.4.1 Vorbereitung der Schweißarbeit
1Die Fährten sind im Wald zu legen. ²Bei Geländeschwierigkeiten ist es gestattet, die Fährten bis zu einer Länge von 50 m auf freiem Gelände beginnen zu lassen. ³Die Entfernung zwischen den einzelnen Fährten muss überall mindestens 100 m betragen. 4Sie dürfen an aufeinanderfolgenden Tagen nicht im selben Gelände
gelegt werden. 5Der Beginn der Schweißfährte ist durch eine Markierung mit der Aufschrift “Fährte Nr. …, gelegt … Uhr" kenntlich zu machen. 6Die Fährte muss mindestens 400 m lang sein und soll auf den ersten 50 m in annähernd gleicher Richtung verlaufen. 7Sie muss im weiteren Verlauf zwei stumpfwinklige
Haken und zwei Wundbetten aufweisen. 8Die Wundbetten sind durch leichtes Festtreten des Bodens, Schnitthaar und etwas vermehrten Schweiß als Pirschzeichen kenntlich zu machen. 9Weitere Markierungen dürfen nicht erfolgen. 10Das Festlegen des Fährtenverlaufs und das Legen der Fährte erfolgen in einem Arbeitsgang. 11Ein Prüfer der betreffenden Gruppe muss am Legen der Fährte teilnehmen und hat den
Fährtenverlauf zu dokumentieren. 12Beim Legen der Fährte darf vom Prüfer und seinem Gehilfen jeweils nur eine Spur ausgegangen werden, und zwar nur vom Anschuss zum Stück. 13Der Fährtenleger muss stets als Letzter gehen. 14Die Schweißfährten können im Tupf- oder Tropfverfahren hergestellt werden. 15Die Benutzung von Fährtenschuhen ist zulässig. 16Für die Fährte darf nicht mehr als ¼ Liter Wildschweiß
oder frisches Haustierblut (Rind/Schaf) bzw. eine Mischung aus Wildschweiß und Haustierblut verwendet werden. 17Chemische Zusätze zum Frischhalten von Schweiß sind nicht gestattet. 18Zulässig ist jedoch Schweiß, der in frischem Zustand tiefgekühlt wurde. 19Der Schweiß oder das Blut müssen auf allen Fährten der Prüfung gleich sein. 20Die Schweißfährten müssen über Nacht stehen. 21An das Ende der künstlichen
Fährte soll ein Stück Schalenwild frei abgelegt werden. 22Ist dies nicht verfügbar, kann an seiner Stelle die Decke oder Schwarte von einem Stück Schalenwild verwendet werden. 23Danach muss sich der Wildträger vom ausgelegten Stück entfernen und so verbergen, dass er bei der nachfolgenden Arbeit weder vom Führer noch vom Hund wahrgenommen werden kann. 24Die im Zusammenhang mit der Prüfung eingesetzten
Fahrzeuge sind so abzustellen, dass sie vom Führer während der Fährtenarbeit nicht gesehen werden können.
4.4.2 Durchführung der Schweißarbeit
1Für die Schweißarbeit ist eine Schweißhalsung zu verwenden; sie ist am mindestens 6 m langen, voll abgedockten Schweißriemen durchzuführen. ²Für die Riemenarbeit, bei der alle drei Prüfer dem Hund folgen müssen, ist von besonderer Bedeutung, wie der Hund die Schweißfährte hält. ³Er soll sie ruhig, konzentriert
und zügig und nicht in stürmischem Tempo arbeiten. 4Der Hundeführer darf den Hund vorübergehend anhalten oder ablegen, um selbst nach Pirschzeichen zu suchen. 5Er darf den Hund auch durch Vor- und Zurückgreifen oder sonstige gerechte Hilfen unterstützen. 6Nur in diesen Fällen sollen die Prüfer stehen
bleiben, niemals aber dürfen sie warten, wenn sie feststellen, dass der Hund von der Fährte abgekommen ist, ohne dass der Führer es merkt. 7Vielmehr
müssen die Prüfer auch in einem solchen Fall dem arbeitenden Hund folgen. 8Die Prüfer sollen den Hundeführer nur dann korrigieren, wenn er an dem Benehmen seines Hundes nicht erkennt, dass der Hund seine Ansatzfährte verloren hat. 9Bei der Riemenarbeit darf der Hund zweimal zurückgenommen und neu angelegt werden. 10Zum erneuten Anlegen haben die Prüfer den Führer zum letzten von ihm gemeldeten
Pirschzeichen zurückzuführen. 11Als erneutes Anlegen gilt nur das Zurücknehmen des auf eine Länge von ca. 60 - 80 m von der Fährte abgekommenen Hundes durch die Prüfer. 12Korrigiert der Hundeführer seinen Hund, so gilt dies nicht als erneutes Anlegen. 13Ein Hund, der bei der Riemenarbeit öfter als zweimal weit abgekommen ist und von den Prüfern zurückgenommen wurde, hat die Prüfung nicht bestanden.
4.5.1 Voraussetzungen
1Jeder zu prüfende Hund darf nur an maximal drei lebenden Enten ausgebildet sein. ²Dieses ist durch ein Ausbildungs- und Prüfbuch zu belegen, in dem die eindeutige Identifizierung des Hundes, die Ergebnisse des Ausbildungsganges und Prüfung zur Wasserarbeit mit der lebenden Ente dokumentiert sind. ³Die Ausbildung und Prüfung mit der lebenden Ente hat stets unter Aufsicht eines erfahrenen Ausbilders zu geschehen
und ist von diesem in dem vorgenannten Buch abzuzeichnen.
4.5.2 Gewässer
1Ein Übungs- und Prüfungsgewässer muss hinsichtlich seiner Größe (mindestens 0,25 ha Wasserfläche), seiner Tiefe bzw. Breite von stellenweise 6 m, seiner Wassertiefe (die vom Hund nur schwimmend überwunden werden kann), seiner Deckung (ca. 500 m²) so beschaffen sein, dass die Ente ihre überlegenen Fluchtmöglichkeiten voll ausnutzen kann. ²Die in Frage kommenden Gewässer werden im Einvernehmen mit dem zuständigen Veterinäramt festgelegt.
4.5.3 Verantwortung
1Bei von der Jägerschaft durchgeführten Übungen und Prüfungen von Jagdhunden am Wasser ist sie für die genaue Einhaltung aller Bestimmungen verantwortlich. ²Die Jägerschaft ist nicht verantwortlich für tierschutzrechtlich nicht zulässige Übungen der Hundeführer außerhalb der durch sie veranstalteten Übungstage.
³Bei jeder Übung und Prüfung muss ein geprüfter, jagderfahrener Hund zur Verfügung stehen, der ggf. zur Nachsuche einzusetzen ist. 4Spätestens 14 Tage vor Beginn einer Übung oder Prüfung meldet die Jägerschaft dem örtlich zuständigen Veterinäramt
a) den genauen Termin und Ort (Gewässer) der Übung oder Prüfung,
b) die für die Wasserprüfung verantwortliche Person und
c) die Herkunft der verwendeten Stockenten (Nr. 4.5.4 Satz 4)
5Die Bestimmungen der Tollwutverordnung bleiben hiervon unberührt.
4.5.4 Enten
1Zur Wasserarbeit dürfen nur voll ausgewachsene Stockenten verwendet werden, deren Flugfähigkeit mit einer Krepppapiermanschette über einzelne Schwungfedern einer Schwinge für kurze Zeit eingeschränkt wird. ²Die Enten müssen schon während ihrer Zucht und/oder Haltung mit Wasser und Deckung vertraut sein, d. h. schwimmen, tauchen und sich in einer Deckung drücken können. ³Die ordnungsgemäße Aufzucht
muss vom Zuchtbetrieb bestätigt werden. 4Dem zuständigen Veterinäramt sind auf Verlangen Nachweise über Aufzucht und Haltung der Enten beizubringen, aus denen im besonderen hervorgeht, dass die Enten während der Aufzucht und/oder Haltung mit Wasser und Deckung vertraut gemacht wurden und bis kurz vor der Übung oder Prüfung Gelegenheit hatten, ihr Gefieder zu fetten. 5Sofern es nicht möglich ist, die Enten zumindest vorübergehend zur Eingewöhnung zu halten, dürfen sie erst unmittelbar vor der Übung oder Prüfung an das Übungs- oder Prüfungsgewässer verbracht werden und sind dort so zu halten, dass sie vom Übungs- oder Prüfungsgeschehen nicht beeindruckt werden. 6Die Übungs- oder Prüfungszeit an einer Ente darf 15 Minuten nicht überschreiten. 7Sichthetzen sind unerwünscht und schnellstmöglich zu
beenden. 8Eine evtl. vom Hund lebend gebrachte Ente ist sofort weidgerecht zu töten. 9Tote Enten sind getrennt von lebenden Enten aufzubewahren. 10Grundsätzlich darf nur eine Ente zur Prüfung des Hundes eingesetzt werden, die Verwendung einer weiteren Ente ist nur zulässig, wenn der Hund an der zunächst ausgesetzten Ente nicht geprüft werden konnte (z. B. weil die Ente abgestrichen ist). 11Die Entenbehälter sind so abzustellen, dass der Hund sie während seiner Arbeit nicht finden kann.
4.5.5 Zeitpunkt
1Die Prüfungen zur Nachsuche auf Wasserwild sollen zwischen dem 15. August und dem 30. November eines jeden Jahres abgehalten werden. 2Der Nachweis der Brauchbarkeit für die Jagd auf Wasserwild darf nur außerhalb der Brutzeit nach dem 15.7. eines jeden Jahres erbracht werden.
4.5.6 Freiverlorensuche und Bringen toten Wasserwildes aus deckungsreichem Gewässer
1Zu Beginn dieses Prüfungsteils wird ein Stück Wasserwild so in eine Deckung geworfen, dass der Hund weder das Werfen noch das Wasserwild selbst vom Ufer aus eräugen kann. 2Dabei ist das Wild möglichst
so zu platzieren (z. B. Insel, gegenüberliegendes Ufer), dass der Hund über eine freie Wasserfläche in die Deckung geschickt werden muss. ³Dem Führer wird von einem Ort am Ufer aus die ungefähre Richtung angegeben in der das Wild liegt. 4Der Hund soll von dort aus das Wild selbständig suchen, er muss es finden und seinem Führer zutragen. 5Der Führer darf seinen Hund bei dieser Arbeit durch Zuruf, Wink oder Pfiff, ggf. auch durch Schuss oder Steinwurf unterstützen und lenken. 6Ein Hund, der Wasserwild
beim erstmaligen Finden nicht selbständig bringt, hat die Prüfung nicht bestanden und ist von der weiteren Prüfung auszuschließen.
4.5.7 Stöbern mit Ente im deckungsreichen Gewässer
1Dieses Prüfungsfach darf nur von den Hunden absolviert werden, die alle anderen Prüfungsfächer der Brauchbarkeitsprüfung (Nrn. 4.1 bis 4.4 und 4.5.6) bereits bestanden haben. 2Eine Prüfung in diesem Fach darf außerdem nicht erfolgen, wenn bereits zu einem früheren Zeitpunkt auf einer Prüfung mit Erfolg hinter der lebenden Ente gearbeitet wurde. ³Die Ente wird in der Deckung ausgesetzt, ohne dass ein Anschuss markiert wird. 4Diese Vorbereitung darf der Hund nicht eräugen können. 5Nach dem Aussetzen führen die Prüfer den Führer zu einem Punkt in Schrotschussentfernung vom Aussetzort bzw. von der Ente und geben ihm die Richtung an. 6Hier fordert der Führer seinen Hund zur Nachsuche auf. 7Der Hund soll die Ente selbständig suchen und finden. 8Der Führer darf ihn bei der Arbeit lenken und unterstützen. 9Sobald der Hund die Ente aus der Deckung drückt und sichtig verfolgt, ist sie vom Führer oder der zur Jagd befugten
Begleitperson zu erlegen, wenn das ohne Gefährdung der Sicherheit möglich ist. 10Die erlegte Ente muss vom Hund selbständig gebracht werden. 11Die Prüfer sollen die Arbeit eines Hundes beenden, sobald sie sich ein abschließendes Urteil gebildet haben. 12Das gilt auch dann, wenn die Ente nicht vor dem Hund erlegt wurde. 13Spätestens nach 15 Minuten ist die Arbeit zu beenden. 14Ein Hund, der eine Ente beim
erstmaligen Finden nicht selbständig bringt, hat die Prüfung nicht bestanden. 15Eine vom Hund eräugte Ente gilt als gefunden. 16Stößt der Hund bei seiner Arbeit zufällig auf eine andere Ente, so ist auch diese Arbeit zu bewerten. 17Die Prüfer können die Arbeit beenden, wenn sie den Eindruck gewonnen haben, dass der Hund den Anforderungen genügt. 18Die Sätze 3-17 gelten für die Übung des Hundes hinter der lebenden Ente entsprechend.
4.5.8 Ausnahmeregelung
1Für die Zulassung zur Ausbildung und Prüfung der Wasserarbeit hinter der lebenden Ente (Nr.4.5.7) ist zu bestätigen, dass der Hund in einem Jagdbezirk zur Jagd auf Wasserfederwild mitgeführt werden soll (§ 4 Abs. 2 NJagdG). ²Dieser Prüfungsteil hat daher zu entfallen, sofern eine schriftliche Bestätigung vorliegt, dass der Hund nicht zur Jagd auf Wasserfederwild eingesetzt wird.
5.1 Für Jagdhunde, die dem Phänotyp der vom JGHV anerkannten Rassen Schweißhunde, Bracken und Teckel entsprechen, kann der Nachweis der Brauchbarkeit für Nachsuchen gesondert nach Maßgabe dieser Richtlinien erbracht werden.
5.2 1Diese Hunde müssen ausschließlich die Prüfung in den Fächern “Gehorsam” (Nr. 4.1), “Schussfestigkeit im Feld oder Wald” (Nr. 4.2.1) und “Schweißarbeit” (Nr. 4.4) sowie eine Anschneideprüfung (Nr. 5.3) bestehen. ²Abweichend von Nr. 4.4.1 Satz 6 muss die Fährte mindestens 1000 m lang sein.
5.3 Anschneideprüfung
1Im Anschluss an die Schweißarbeit wird der Hund im Wald neben einem Stück Schalenwild, das einen Kugelschuss aufweisen und möglichst frisch geschossen sein soll, unangeleint abgelegt. 2Die Aufbruchstelle und sonstige Verletzungen, mit Ausnahme des Ein- und Ausschusses, müssen sorgfältig vernäht sein. 3Um das Verhalten des Hundes am Stück zu prüfen, müssen sich mindestens zwei Richter und der Hundeführer unter Wind so weit verbergen, dass der Hund sie nicht eräugen kann. 4Alle anderen Personen müssen sich ebenfalls weit außer Sicht des Hundes begeben. 5Der Führer darf nicht auf seinen Hund einwirken.
6Sobald die den Hund beobachtenden Richter das Verhalten beurteilen können, was mindestens 5 Minuten dauern sollte, kann der Führer seinen Hund abholen. 7Das vorherige Verlassen des Stückes ist dem Hund nicht als Fehler anzurechnen. 8Hunde, die Wild anschneiden oder vergraben, haben die gesamte Prüfung nicht bestanden.
5.4 Die sonstigen Voraussetzungen und Verfahren nach diesen Richtlinien gelten entsprechend.
6.1 1Für kurzläufige Jagdhunde, die dem Phänotyp der vom JGHV anerkannten Rassen Deutscher Wachtelhund, Terrier, Bracke, Spaniel, Beagel und Teckel entsprechen, kann der Nachweis der ausschließlichen Brauchbarkeit für die Stöberjagd durch eine Stöberjagdprüfung erbracht werden. ²Die Prüfungsinhalte ergeben sich aus den Erfordernissen des Jagdbetriebs, des Tierschutzes und den berechtigten Belangen der
Reviernachbarn, deren Jagdausübungsrecht ohne ihre Zustimmung nicht durch überjagende Hunde beeinträchtigt werden darf.
6.2 1Die Eignung des Hundes ist durch eine Prüfung oder auf einer Stöberjagd unter jeweiliger Einbeziehung der Prüfungsfächer “Gehorsam” (Nrn. 4.1.1 bis 4.1.4) “Schussfestigkeit im Feld oder Wald” (Nr. 4.2.1) und einer “Anschneideprüfung” (Nr. 6.5) nachzuweisen. ²Nrn. 2.7 und 2.8 gelten entsprechend.
6.3 Durchführung der Brauchbarkeitsprüfung für die Stöberjagd
1Die Brauchbarkeitsprüfung für die Stöberjagd ist in geeigneten Schalenwildrevieren so jagdnah wie möglich oder anläßlich einer Jagd durchzuführen. ²Nr. 3.2 gilt entsprechend. 3Sofern kein Schalenwild vorkommt, ist die Prüfung abzubrechen.
6.4 Anforderungen im Prüfungsfach Stöbern
1Als Stöbergelände kommen ausschließlich Dickungen und vergleichbar dichte Waldparzellen (z. B. Bestände mit reichlich Naturverjüngungen) in Betracht. 2Für jeden Hund müssen mindestens 2 – 3 ha zur Verfügung stehen. 3Ist kein geeignetes Waldgelände vorhanden, so können ausnahmsweise auch vergleichbar große Maisfelder, Schilfflächen o. ä. mit vorkommendem Schalenwild genutzt werden. 4Der Hund soll auf Kommando die Deckung planmäßig und gründlich absuchen, dabei gefundenes Wild laut jagend verfolgen bis es zur Strecke gekommen ist oder das Treiben verlassen hat und anschließend willig zu seinem Führer zurückkommen. 5Weites Überjagen ist unerwünscht und als Fehler zu werten. 6Hunde, die anhaltend selbständig überjagen bzw. das zugewiesene Prüfungsgelände verlassen und nicht spätestens nach ca. 30 Minuten zum Führer zurückkehren, haben die Prüfung nicht bestanden.7Stößt der Hund beim Stöbern auf Haarwild und verfolgt dieses auch außerhalb des Treibens, so muss der Hund ebenfalls nach ca. 30 Minuten zurück beim Führer sein, um die Prüfung zu bestehen. 8Kommt der Stöberhund auf dem Rückweg innerhalb des zugewiesenen Stöbergeländes erneut an Wild, so gilt dann die Zeitspanne von Neuem. 9Kommt der Hund bereits nach kurzer Zeit (ohne bewertbare Stöberarbeit) an Wild, so ist die Stöberleistung in einem zweiten Gelände zu überprüfen. 10Jagdhunde die weidlaut (das sind Hunde, die beim Stöbern laut werden, ohne Wild zu verfolgen oder ohne eine Spur/Fährte zu arbeiten) oder stumm sind, haben die Prüfung nicht bestanden. 11In Zweifelsfällen ist zur Feststellung des Weidlautes der Hund in übersichtlichem Gelände, in dem kein Wild oder frische Spuren bzw. Fährten sind, zu schnallen und zum
Stöbern aufzufordern.12Jeder Hund ist mindestens 15 Minuten zu prüfen.13Möglichkeiten der Stöberprüfung sind
a) die Hunde werden vom Stand aus geschnallt, der Führer darf den Stand nicht verlassen oder
b) geführte Stöberhunde im Treiben zur Unterstützung der Treibertätigkeit.
14Der Führer muss bei der Nennung angeben, in welcher Art er den Hund auf der Prüfung führt, dieses ist im Prüfungszeugnis zu vermerken. 15Die Stöberarbeit ist so anzulegen, dass sich die Richter ein abschließendes Urteil über die Arbeit des Hundes bilden können. 16Sie haben vorrangig zu prüfen, ob der Hund planmäßig und laut stöbert. 17Die Richter sollen sich bei der Prüfung zur einwandfreien Feststellung der
Leistung des Hundes auf dem Gelände verteilen, (z. B. eine Dickung umstellen). 18Wird der Hund als geführter Stöberhund im Treiben eingesetzt, müssen zwei Richter das Gespann im Treiben begleiten; der Hund muss selbständig und ohne Sichtkontakt zum Führer stöbern. 19In dem zugewiesenen Prüfungsgelände darf jeweils nur ein Hund geschnallt werden. 20Jeder Hund soll einen Geländeabschnitt erhalten in dem noch kein Hund gestöbert hat.21Die Richter können Hunde, die der Stöberarbeit nicht genügen (z. B. nur Rändeln) von der Weiterprüfung ausschließen.
6.5 1Die Anschneideprüfung entsprechend Nr. 5.3 ist im Anschluss an die Stöberarbeit durchzuführen.
2Können die Richter im Verlauf der Prüfung nach Nr. 6.4 das Verhalten des Hundes an einem frisch geschossenen Stück Schalenwild ausreichend beurteilen, so kann auf die zusätzliche Anschneideprüfung verzichtet werden. 3Hunde, die Wild anschneiden oder vergraben, haben die gesamte Stöberjagdprüfung nicht bestanden.
6.6 Die sonstigen Voraussetzungen und Verfahren nach diesen Richtlinien gelten für die Stöberjagdprüfung entsprechend.
6.7 Übergangsregelungen
6.7.1 Nachweise über die Brauchbarkeit von Stöberhunden zur Stöberjagd, die vor dem In-Kraft-Treten dieser Richtlinien auf der Grundlage der bisherigen Vorschriften erteilt worden sind, bleiben gültig.
6.7.2 1Stöberhunden, die sich bereits über mehrere Jahre nachweisbar durch eine weidgerechte Stöberjagd in der Praxis bewährt, aber bisher keine Prüfung abgelegt oder eine Bestätigung ihrer Eignung erhalten haben, kann ihre Brauchbarkeit ausschließlich für die Stöberjagd von zwei vom JGHV anerkannten Verbandsrichtern oder von einem Niedersächsischen Forstamt oder einem Klosterforstamt im Rahmen von
Jagdeinsätzen unter Berücksichtigung der Prüfungsinhalte und -voraussetzungen nach Nrn. 6.1 bis 6.6 formlos bestätigt werden. ²Diese Ausnahmeregelung tritt zwei Jahre nach In-Kraft-Treten dieser Richtlinien außer Kraft.
7.1 1Bei der Bewertung ist allein die jagdliche Brauchbarkeit der Arbeit des Hundes zu beurteilen. ²Für eine genügende Arbeit nach dem Schuss ist entscheidend, dass der Hund den Führer in den Besitz des Stückes bringt. ³Der Stil der Arbeit und die Art der Ausführung spielen dabei eine untergeordnete Rolle.
7.2 Eine Bewertung nach Noten findet nicht statt.
7.3 1Die von der Prüfergruppe (Nr. 2.8) abzugebende Beurteilung eines Hundes wird mit Stimmenmehrheit gefasst. 2Sie wird endgültig unmittelbar nach Abschluss einer Prüfungsarbeit vorgenommen und kann nur lauten: “Bestanden" oder “Nicht bestanden". ³Sobald dieses Ergebnis feststeht, wird es dem Hundeführer bekanntgegeben.
7.4 1Die drei Teilfächer “Allgemeiner Gehorsam" (Nr. 4.1.1), “Verhalten auf dem Stand" (Nr. 4.1.2) und “Leinenführigkeit" (Nr. 4.1.3) sind bei der Bewertung als ein Fach (Gehorsam) anzusehen. ²Dabei muss der Hund in allen Teilfächern genügende Leistungen erbringen.
7.5 Ein Hund, der in einem Prüfungsfach ungenügende Leistungen zeigt, ist nicht brauchbar und hat die Prüfung nicht bestanden.
7.6 Handscheue, wildscheue, stark schussempfindliche bzw. schussscheue Hunde, Anschneider, Totengräber und hochgradige Knautscher sind jagdlich nicht brauchbar und werden von der Prüfung ausgeschlossen.
8.1 1Die Prüfungen nach diesen Richtlinien können bei Nichtbestehen wiederholt werden. ²Eine Wiederholung des Prüfungsfaches “Stöbern mit Ente” (Nr. 4.5.7) darf nur einmal erfolgen.
8.2 Eine Wiederholung gilt nur dann als “bestanden", wenn alle Prüfungsfächer der entsprechenden Prüfung erneut erfolgreich gearbeitet werden.
9.1 Das Einspruchsrecht steht nur dem Führer eines auf der betreffenden Brauchbarkeitsprüfung laufenden Hundes zu.
9.2. 1Ein Einspruch ist nur möglich bei Fehlern und Irrtümern des Veranstalters, des Prüfungsleiters, der Prüfer und Helfer in Vorbereitung und Durchführung der Brauchbarkeitsprüfung. ²Einwände gegen die Ermessensfreiheit
der Prüfer können nicht Gegenstand eines Einspruchs sein, es sei denn, es handelt sich
um einen offensichtlichen Ermessensmissbrauch.
9.3 Die Einspruchsfrist beginnt mit dem Aufruf der Hunde zur Prüfung und endet eine halbe Stunde nach Kenntniserlangung von dem durch den Einspruch anzufechtenden Tatbestand.
9.4 1Der Einspruch ist schriftlich in einfachster Form unter Benennung des Einspruchsgrundes beim Prüfungsleiter oder dem anwesenden Vorsitzenden der verantwortlichen Jägerschaft oder dem betreffenden Richterobmann unter gleichzeitiger Entrichtung von 25 € Einspruchsgebühr einzulegen. ²Diese Gebühr wird zurückerstattet, wenn dem Einspruch stattgegeben wird; ansonsten verfallen die 25 € und sollen zur Dekkung der Kosten der Prüfung verwendet werden.
9.5 1Über den Einspruch entscheidet ein Ausschuss, soweit nicht die betroffene Prüfergruppe von der Möglichkeit, Abhilfe zu schaffen, Gebrauch gemacht hat. ²Der Ausschuss setzt sich aus einem Vorsitzenden und zwei Beisitzern zusammen. ³Zwei Mitglieder des Ausschusses sollen vom JGHV anerkannte Verbandsrichter sein. 4Als Beisitzer kann auch ein in der Hundeführung erfahrener Jäger eingesetzt werden.
9.6 1Der Einsprucherhebende und die verantwortliche Jägerschaft bestimmen aus dem Kreise der Prüfer je einen Beisitzer. ²Diese beiden Beisitzer bestimmen den Vorsitzenden. ³Kommt es zwischen ihnen zu keiner Einigung hinsichtlich des Vorsitzenden, so wird dieser vom Prüfungsleiter bestimmt.
9.7 1Die Ausschussmitglieder sind nicht Anwälte einer Partei. ²Sie haben gleich dem Vorsitzenden nach Anhörung der Parteien und Prüfung des Sachverhaltes in strenger Beachtung der Bestimmungen dieser Richtlinien nach bestem Wissen und Gewissen und in völliger Objektivität zu entscheiden.
9.8 1Die Entscheidung kann im Falle nichtgütlicher Beilegung lauten auf
- Zurückweisung des Einspruchs,
- Berichtigung der Bewertung bei Ermessensmissbrauch oder
- Wiederholung der Prüfung in dem betreffenden Fach bei Verstößen gegen den sachlichen Inhalt der Prüfungsordnung.
²Die Durchführung der Wiederholungsprüfung hat der Prüfungsleiter zu veranlassen und zu überwachen.
³Er bestimmt aus dem Kreis der anwesenden Prüfer eine Prüfungsgruppe, die die Wiederholungsprüfung abnimmt.4Die Wiederholungsprüfung braucht nicht durch die Prüfer erfolgen, deren Entscheidung angegriffen wurde.
9.9 1Die Entscheidung des Ausschusses ist endgültig. ²Über die Verhandlung hat der Vorsitzende eine Niederschrift zu fertigen, die neben der Entscheidung auch eine Begründung derselben enthalten soll. ³Diese Niederschrift ist zu den Prüfungsakten zu nehmen.
10.1 Über die bestandenen Prüfungen wird eine Bescheinigung nach den anliegenden Mustern (Vordrucke BrP2 bis BrP4) ausgestellt, die von den drei Prüfern und dem Vorsitzenden der Jägerschaft oder dessen Vertreter zu unterschreiben ist.
10.2 1Eine Eintragung in die Ahnentafel eines Zuchtverbandes findet nicht statt. ²Eine Durchschrift der Prüfungsbescheinigung wird bei der die Prüfung veranstaltenden Jägerschaft hinterlegt.
10.3 Eine Zusammenstellung aller Bestätigungen der jagdlichen Brauchbarkeit im Kalenderjahr wird zum Jahresende über die Hundeobleute auf Bezirksebene bei der Landesjägerschaft Niedersachsen eingereicht.
1Diese Richtlinien treten am 15.07.2002 in Kraft. ²Gleichzeitig treten die “Richtlinien über die Abnahme der
Brauchbarkeitsprüfung und die Bestätigung der jagdlichen Brauchbarkeit für Jagdhunde im Land Niedersachsen”
vom 10.5.1997 außer Kraft.
...Unter Ausschluß jeglicher Gewährleistung...
© Lisa-Kathleen Lange 22.03.2015