Source: http://m.hensche.de/Arbeitsrecht_Urteile_Leistungsentgelt_TVoeD_Leistungsentgelt_nach_TVoeD_betriebliche_Regelung_Leistungsentgelt_BAG_10AZR202-11.html
Timestamp: 2018-01-24 03:52:38
Document Index: 175140979

Matched Legal Cases: ['§ 18', '§ 18', '§ 18', '§ 18', '§ 22', '§ 18', '§ 38', '§ 18', '§ 18', '§ 18', '§ 18', '§ 18', '§ 18', '§ 18', '§ 18', '§ 18', '§ 18', '§ 18', '§ 18', '§ 18']

HENSCHE Arbeitsrecht: 10 AZR 202/11
Schlag­worte: Leistungsentgelt, TVöD
Akten­zeichen: 10 AZR 202/11
Leit­sätze: Die Pro­to­kollerklärung Nr. 1 zu Ab­satz 4 des § 18 TVöD (VKA) gewährt ab dem Jahr 2008 für den Fall des Nicht­be­ste­hens ei­ner Dienst-/Be­triebs­ver­ein­ba­rung nach § 18 Abs. 6 TVöD (VKA) nur ei­nen An­spruch auf ein un­dif­fe­ren­zier­tes Leis­tungs­ent­gelt in Höhe von 6 vH des in­di­vi­du­el­len Ta­bel­len­ent­gelts. Der nicht aus­geschütte­te Teil des für die Leis­tungs­ent­gel­te zur Verfügung ste­hen­den Ge­samt­vo­lu­mens wird je­weils auf das Fol­ge­jahr über­tra­gen, oh­ne zu ei­ner Erhöhung des un­dif­fe­ren­zier­ten Leis­tungs­ent­gelts zu führen.
Vor­ins­tan­zen: Arbeitsgericht Wuppertal, Urteil vom 22.9.2010 - 2 Ca 1911/10
Landesarbeitsgericht Düsseldorf, Urteil vom 13.1.2011 - 13 Sa 1424/10
hat der Zehn­te Se­nat des Bun­des­ar­beits­ge­richts auf­grund der münd­li­chen Ver­hand­lung vom 16. Mai 2012 durch den Vor­sit­zen­den Rich­ter am Bun­des­ar­beits­ge­richt Prof. Dr. Mi­kosch, die Rich­ter am Bun­des­ar­beits­ge­richt
Rein­fel­der und Mest­werdt so­wie die eh­ren­amt­li­chen Rich­te­rin­nen Ziel­ke und Ru­dolph für Recht er­kannt:
1. Die Re­vi­si­on des Klägers ge­gen das Ur­teil des Lan­des­ar­beits­ge­richts Düssel­dorf vom 13. Ja­nu­ar 2011 - 13 Sa 1424/10 - wird zurück­ge­wie­sen.
Die Par­tei­en strei­ten über die Höhe des Leis­tungs­ent­gelts nach § 18 TVöD (VKA) für das Jahr 2009.
Der Kläger ist bei der Be­klag­ten als Di­plom­so­zi­al­ar­bei­ter beschäftigt. Er ist Mit­glied des Per­so­nal­rats. Auf das Ar­beits­verhält­nis der Par­tei­en fin­det der Ta­rif­ver­trag für den öffent­li­chen Dienst (TVöD) in der für Ge­mein­den gülti­gen Fas­sung (VKA) je­den­falls kraft ver­trag­li­cher Re­ge­lung An­wen­dung. Zum Ab­schluss ei­ner Dienst­ver­ein­ba­rung über das Leis­tungs­ent­gelt kam es bis zum Schluss der münd­li­chen Ver­hand­lung vor dem Lan­des­ar­beits­ge­richt nicht. Der Kläger er­hielt im De­zem­ber 2008 als Leis­tungs­ent­gelt 6 vH sei­nes Ta­bel­len­ent­gelts (220,93 Eu­ro brut­to). Im De­zem­ber 2009 zahl­te die Be­klag­te als Leis­tungs­ent­gelt wie­der­um 6 vH sei­nes Ta­bel­len­ent­gelts (227,11 Eu­ro brut­to). Mit Schrei­ben vom 16. März 2010 mach­te der Kläger für das Jahr 2009 die Zah­lung wei­te­rer 6 vH sei­nes Ta­bel­len­ent­gelts aus dem Jahr 2008 als Leis­tungs­ent­gelt gel­tend.
§ 18 TVöD (VKA) lau­te­te in der 2009 maßgeb­li­chen Fas­sung aus­zugs­wei­se:
„(1) Die leis­tungs- und/oder er­folgs­ori­en­tier­te Be­zah­lung soll da­zu bei­tra­gen, die öffent­li­chen Dienst­leis­tun­gen zu ver­bes­sern. Zu­gleich sol­len Mo­ti­va­ti­on, Ei­gen-
ver­ant­wor­tung und Führungs­kom­pe­tenz gestärkt wer­den.
(3) Aus­ge­hend von ei­ner ver­ein­bar­ten Ziel­größe von 8 v. H. ent­spricht bis zu ei­ner Ver­ein­ba­rung ei­nes höhe­ren Vom­hun­dert­sat­zes das für das Leis­tungs­ent­gelt zur Verfügung ste­hen­de Ge­samt­vo­lu­men 1 v. H. der ständi­gen Mo­nats­ent­gel­te des Vor­jah­res al­ler un­ter den Gel­tungs­be­reich des TVöD fal­len­den Beschäftig­ten des je­wei­li­gen Ar­beit­ge­bers. Das für das Leis­tungs­ent­gelt zur Verfügung ste­hen­de Ge­samt­vo­lu­men ist zweck­ent­spre­chend zu ver­wen­den; es be­steht die Ver­pflich­tung zu jähr­li­cher Aus­zah­lung der Leis­tungs­ent­gel­te.
Pro­to­kollerklärung zu Ab­satz 3 Satz 1:
Ständi­ge Mo­nats­ent­gel­te sind ins­be­son­de­re das Ta­bel­len­ent­gelt (oh­ne So­zi­al­ver­si­che­rungs­beiträge des Ar­beit­ge­bers und des­sen Kos­ten für die be­trieb­li­che Al­ters­vor­sor­ge), die in Mo­nats­beträgen fest­ge­leg­ten Zu­la­gen ein­sch­ließlich Be­sitz­stands­zu­la­gen so­wie Ent­gelt im Krank­heits­fall (§ 22) und bei Ur­laub, so­weit die­se Ent­gel­te in dem be­tref­fen­den Ka­len­der­jahr aus­ge­zahlt wor­den sind; nicht ein­be­zo­gen sind da­ge­gen ins­be­son­de­re Ab­fin­dun­gen, Auf­wands­entschädi­gun­gen, Ein­mal­zah­lun­gen, Jah­res­son­der­zah­lun­gen, Leis­tungs­ent­gel­te, Struk­tur­aus­glei­che, unständi­ge Ent­gelt­be­stand­tei­le und Ent­gel­te der außer­ta­rif­li­chen Beschäftig­ten. Unständi­ge Ent­gelt­be­stand­tei­le können be­trieb­lich ein­be­zo­gen wer­den.
(4) Das Leis­tungs­ent­gelt wird zusätz­lich zum Ta­bel­len­ent­gelt als Leis­tungs­prämie, Er­folgs­prämie oder Leis­tungs­zu­la­ge gewährt; das Ver­bin­den ver­schie­de­ner For­men des Leis­tungs­ent­gelts ist zulässig. ...
Pro­to­kollerklärun­gen zu Ab­satz 4:
1. Die Ta­rif­ver­trags­par­tei­en sind sich darüber ei­nig, dass die zeit­ge­rech­te Einführung des Leis­tungs­ent­gelts sinn­voll, not­wen­dig und des­halb bei­der­seits ge­wollt ist. Sie for­dern des­halb die Be­triebs­par­tei­en da­zu auf, recht­zei­tig vor dem 1. Ja­nu­ar 2007 die be­trieb­li­chen Sys­te­me zu ver­ein­ba­ren. Kommt bis zum 30. Sep­tem­ber 2007 kei­ne be­trieb­li­che Re­ge­lung zu­stan­de,
er­hal­ten die Beschäftig­ten mit dem Ta­bel­len­ent­gelt des Mo­nats De­zem­ber 2008 6 v. H. des für den Mo­nat Sep­tem­ber je­weils zu­ste­hen­den Ta­bel­len­ent­gelts. Das Leis­tungs­ent­gelt erhöht sich im Fol­ge­jahr um den Rest­be­trag des Ge­samt­vo­lu­mens. So­lan­ge auch in den Fol­ge­jah­ren kei­ne Ei­ni­gung ent­spre­chend Satz 2 zu­stan­de kommt, gel­ten die Sätze 3 und 4 eben­falls. Für das Jahr 2007 er­hal­ten die Beschäftig­ten mit dem Ta­bel­len­ent­gelt des Mo­nats De­zem­ber 2007 12 v. H. des für den Mo­nat Sep­tem­ber 2007 je­weils zu­ste­hen­den Ta­bel­len­ent­gelts aus­ge­zahlt, ins­ge­samt je­doch nicht mehr als das Ge­samt­vo­lu­men gemäß Ab­satz 3 Satz 1, wenn bis zum 31. Ju­li 2007 kei­ne Ei­ni­gung nach Satz 3 zu­stan­de ge­kom­men ist.
2. Die Ta­rif­ver­trags­par­tei­en be­ken­nen sich zur wei­te­ren Stärkung der Leis­tungs­ori­en­tie­rung im öffent­li­chen Dienst.
(6) Das je­wei­li­ge Sys­tem der leis­tungs­be­zo­ge­nen Be­zah­lung wird be­trieb­lich ver­ein­bart. ... Die Aus­ge­stal­tung ge­schieht durch Be­triebs­ver­ein­ba­rung oder ein­ver­nehm­li­che Dienst­ver­ein­ba­rung, ...
Pro­to­kollerklärung zu Ab­satz 6:
Be­steht in ei­ner Dienst­stel­le/in ei­nem Un­ter­neh­men kein Per­so­nal- oder Be­triebs­rat, hat der Dienst­stel­len­lei­ter/Ar­beit­ge­ber die jähr­li­che Ausschüttung der Leis­tungs­ent­gel­te im Um­fang des Vom­hun­dert­sat­zes der Pro­to­kollerklärung Nr. 1 zu Ab­satz 4 si­cher­zu­stel­len, so­lan­ge ei­ne Kom­mis­si­on im Sin­ne des Ab­sat­zes 7 nicht be­steht.
(7) Bei der Ent­wick­lung und beim ständi­gen Con­trol­ling des be­trieb­li­chen Sys­tems wirkt ei­ne be­trieb­li­che Kom­mis­si­on mit, de­ren Mit­glie­der je zur Hälf­te vom Ar­beit­ge­ber und vom Be­triebs-/Per­so­nal­rat aus dem Be­trieb be­nannt wer­den.“
Die Pro­to­kollerklärung Nr. 2 zu Ab­satz 4 lau­te­te bis zum 2. Ände­rungs-TV vom 31. März 2008 wie folgt:
„In der Ent­gelt­run­de 2008 wer­den die Ta­rif­ver­trags­par­tei-en die Um­set­zung des § 18 (Leis­tungs­ent­gelt) ana­ly­sie­ren und ggf. not­wen­di­ge Fol­ge­run­gen (z. B. Schieds­stel­len) zie­hen. In die­sem Rah­men wer­den auch Höchst­fris­ten für
ei­ne teil­wei­se Nicht­aus­zah­lung des Ge­samt­vo­lu­mens gemäß Satz 3 der Pro­to­kollerklärung Nr. 1 fest­ge­legt; fer­ner wird ei­ne Ver­zin­sung des et­wai­gen ab dem Jahr 2008 nicht aus­ge­zahl­ten Ge­samt­vo­lu­mens geklärt.“
§ 38 Abs. 3 TVöD (VKA) lau­tet:
„Ei­ne ein­ver­nehm­li­che Dienst­ver­ein­ba­rung liegt nur oh­ne Ent­schei­dung der Ei­ni­gungs­stel­le vor.“
Der Kläger hat die Auf­fas­sung ver­tre­ten, ihm ste­he für das Jahr 2009 ein höhe­res Leis­tungs­ent­gelt zu. Dies er­ge­be die Aus­le­gung von Satz 4 der Pro­to­kollerklärung Nr. 1 zu § 18 Abs. 4 TVöD (VKA). Ab De­zem­ber 2009 sei auch der aus dem Vor­jahr ver­blie­be­ne Rest­be­trag des Ge­samt­vo­lu­mens mit min­des­tens 12 vH als Leis­tungs­ent­gelt aus­zuschütten, oh­ne dass die Be­triebs­par­tei­en die Ver­tei­lungs­grundsätze ge­re­gelt ha­ben müss­ten. Die Zah­lung des zwei­ten Teils in Höhe von 220,93 Eu­ro brut­to wer­de im Fall der Nicht­ei­ni­gung le­dig­lich um ein Jahr auf­ge­scho­ben. Je­den­falls müsse die Be­klag­te den im Jahr 2008 nicht aus­geschütte­ten Rest­be­trag des Ge­samt­vo­lu­mens nach Kopf­tei­len an die Beschäftig­ten aus­zah­len. Dar­aus ergäbe sich ein Be­trag von 219,79 Eu­ro brut­to.
die Be­klag­te zu ver­ur­tei­len, an ihn 220,93 Eu­ro brut­to nebst Zin­sen in Höhe von fünf Pro­zent­punk­ten über dem Ba­sis­zins­satz seit dem 1. Ja­nu­ar 2010 zu zah­len.
Die Be­klag­te hat Kla­ge­ab­wei­sung be­an­tragt. Sie hat die Auf­fas­sung ver­tre­ten, die pau­scha­lier­te Son­der­zah­lung be­tra­ge in je­dem Jahr, in dem ei­ne be­trieb­li­che Ver­ein­ba­rung zum Leis­tungs­ent­gelt feh­le, nur 6 vH des dem ein­zel­nen Beschäftig­ten je­weils im Sep­tem­ber zu­ste­hen­den Ta­bel­len­ent­gelts. Die darüber hin­aus­ge­hen­den Beträge würden in das Ge­samt­vo­lu­men des nächs­ten Jah­res über­tra­gen und the­sau­ri­ert. Da­mit wer­de der ta­rif­ver­trag­lich nor­mier­te Zweck ver­folgt, auf die Be­triebs­par­tei­en ei­nen ent­spre­chen­den Ei­ni­gungs­druck aus­zuüben. Ta­rif­ver­trag­li­che In­ten­ti­on sei die Ver­ein­ba­rung von Leis­tungs­ent­gel­ten ge­we­sen. Die Aus­ge­stal­tung der Ziel­ver­ein­ba­run­gen und der Aus­zah-
lungs­mo­da­litäten soll­te den Be­triebs­par­tei­en über­las­sen blei­ben. Würden man­gels ent­spre­chen­der Ver­ein­ba­run­gen vor Ort je­weils 12 vH aus­zu­zah­len sein, würde die­ser Zweck ver­fehlt.
Ar­beits­ge­richt und Lan­des­ar­beits­ge­richt ha­ben die Kla­ge ab­ge­wie­sen. Mit der vom Lan­des­ar­beits­ge­richt zu­ge­las­se­nen Re­vi­si­on ver­folgt der Kläger sei­nen Kla­ge­an­trag wei­ter.
Die zulässi­ge Re­vi­si­on ist un­be­gründet. Der Kläger hat­te im Jahr 2009 kei­nen An­spruch auf Aus­zah­lung des im Jahr 2008 nicht aus­geschütte­ten Teils des Leis­tungs­ent­gelts nach § 18 TVöD (VKA).
I. Ein An­spruch auf Aus­zah­lung ei­nes höhe­ren Leis­tungs­ent­gelts er­gibt 11 sich nicht aus § 18 Abs. 3 Satz 2, Abs. 4, Abs. 6 TVöD (VKA), da es an ei­ner be­trieb­li­chen Re­ge­lung iSd. Abs. 6 fehl­te. Die Ver­pflich­tung zur jähr­li­chen Aus­zah­lung der Leis­tungs­ent­gel­te nach § 18 Abs. 3 Satz 2 TVöD (VKA) steht un­ter dem Vor­be­halt der Exis­tenz ei­ner ent­spre­chen­den be­trieb­li­chen Ver­ein­ba­rung. Nur aus die­sem Grund be­durf­te es über­haupt der Re­ge­lun­gen der Pro­to­kollerklärung Nr. 1 zu Ab­satz 4 (PE Nr. 1).
II. Ein Aus­zah­lungs­an­spruch er­gibt sich nicht aus der PE Nr. 1.
1. Die Pro­to­kollerklärung hat nor­ma­ti­ve Wir­kung, sie ist ma­te­ri­el­ler Be­stand­teil des Ta­rif­ver­trags (BAG 23. Sep­tem­ber 2010 - 6 AZR 338/09 - Rn. 13, BA­GE 135, 318) und kann des­halb grundsätz­lich ei­nen An­spruch be­gründen.
2. Über das für die Jah­re 2008 und 2009 aus­ge­zahl­te un­dif­fe­ren­zier­te Leis­tungs­ent­gelt (vgl. zum Be­griff BAG 23. Sep­tem­ber 2010 - 6 AZR 338/09 - BA­GE 135, 318) in Höhe von je­weils 6 vH des Ta­bel­len­ent­gelts hin­aus hat­te der Kläger im Jahr 2009 oh­ne Vor­lie­gen ei­ner ent­spre­chen­den be­trieb­li­chen Re­ge­lung kei­nen An­spruch auf Aus­zah­lung ei­nes höhe­ren Leis­tungs­ent­gelts. Dies er­gibt ei­ne Aus­le­gung der PE Nr. 1.
a) Be­reits der Wort­laut der Re­ge­lung, von dem bei der Ta­rif­aus­le­gung vor­ran­gig aus­zu­ge­hen ist (st. Rspr., zB BAG 14. Sep­tem­ber 2011 - 10 AZR 358/10 - Rn. 15, NZA 2011, 1358), spricht ge­gen ei­nen höhe­ren An­spruch. Nach Satz 3 der PE Nr. 1 be­stand ein An­spruch auf Teil­aus­zah­lung in fest­ge­leg­ter Höhe im De­zem­ber 2008, wenn es an ei­ner be­trieb­li­chen Ver­ein­ba­rung fehl­te. Nach Satz 4 erhöht sich „das Leis­tungs­ent­gelt“ im Fol­ge­jahr um den Rest­be­trag des Ge­samt­vo­lu­mens. Satz 5 schreibt die­se Re­ge­lung für die Fol­ge­jah­re fort, so­weit kei­ne be­trieb­li­che Ei­ni­gung zu­stan­de kommt. Der Be­griff des Leis­tungs­ent­gelts wird in der ta­rif­li­chen Re­ge­lung ver­schie­den, kei­nes­falls aber als pau­scha­le Zah­lung an die Ar­beit­neh­mer ver­wen­det.
Hauptsächlich han­delt es sich - wie die Über­schrift zeigt - um ei­nen Ober­be­griff für ei­ne be­stimm­te neue Vergütungs­art. § 18 Abs. 2 Satz 2 TVöD (VKA) de­fi­niert die­se als „va­ria­ble und leis­tungs­ori­en­tier­te Be­zah­lung“. § 18 Abs. 4 Satz 1 TVöD (VKA) be­nennt wie­der­um mögli­che For­men ei­nes sol­chen Leis­tungs­ent­gelts (Leis­tungs­prämie, Er­folgs­prämie oder Leis­tungs­zu­la­ge), wo­bei ei­ne Ver­bin­dung ver­schie­de­ner For­men zulässig ist. Der An­spruch nach Satz 3 der PE Nr. 1 wird hin­ge­gen von den Ta­rif­ver­trags­par­tei­en nicht als Leis­tungs­ent­gelt be­zeich­net. Es han­delt sich auch nicht um ei­ne Leis­tung nach der ta­rif­li­chen De­fi­ni­ti­on, son­dern um ei­ne Ausschüttung des er­wirt­schaf­te­ten Vo­lu­mens nach dem „Gießkan­nen­prin­zip“ (BAG 23. Sep­tem­ber 2010 - 6 AZR 338/09 - Rn. 23, BA­GE 135, 318). Die­ses „un­dif­fe­ren­zier­te Leis­tungs­ent­gelt“ stellt le­dig­lich ein Sur­ro­gat für den feh­len­den ori­ginären Leis­tungs­ent­gelt­an­spruch dar, es ist nicht das Leis­tungs­ent­gelt selbst. Die Höhe des Sur­ro­gats ori­en­tiert sich nicht an dem gemäß § 18 Abs. 3 TVöD (VKA) zur Verfügung ste­hen­den Ge­samt­vo­lu­men für das Leis­tungs­ent­gelt, son­dern legt ei­ne Leis­tung in Abhängig­keit vom Ta­bel­len­ent­gelt des je­wei­li­gen Beschäftig­ten in Höhe ei­nes be­stimm­ten Pro­zent­sat­zes fest. Um Dop­pel­zah­lun­gen zu ver­mei­den, ist die Zah­lung aber aus dem Ge­samt­vo­lu­men zu leis­ten. Der nach die­ser Re­ge­lung nicht aus­geschütte­te Rest­be­trag wird auf das Fol­ge­jahr über­tra­gen. Wenn Satz 4 der PE Nr. 1 von Leis­tungs­ent­gelt spricht, kann vor die­sem Hin­ter­grund we­der das in­di­vi­du­el­le Leis­tungs­ent­gelt bei Vor­lie­gen ei­ner ent­spre­chen­den Ver­ein­ba­rung noch das un­dif­fe­ren­zier­te Leis­tungs­ent­gelt oh­ne Vor­lie­gen ei­ner
sol­chen Ver­ein­ba­rung ge­meint sein. Viel­mehr wird der Be­griff in­so­weit als Ober­be­griff für das im Fol­ge­jahr zur Verfügung ste­hen­de Ge­samt­vo­lu­men ver­wen­det, wel­ches sich um den Rest­be­trag aus dem Vor­jahr erhöht.
b) Dies ent­spricht auch der Sys­te­ma­tik der ta­rif­li­chen Re­ge­lung. Im Jahr 2007 er­folg­te mit 12 vH ei­ne (fast) vol­le Ausschüttung des an­ge­sam­mel­ten Ge­samt­vo­lu­mens. Da­mit war für die­ses Jahr si­cher­ge­stellt, dass der für das Leis­tungs­ent­gelt zur Verfügung ste­hen­de Leis­tungs­topf auch dann aus­geschüttet wird, wenn die Be­triebs­par­tei­en ent­ge­gen der in Satz 1 und Satz 2 der PE Nr. 1 zum Aus­druck ge­brach­ten In­ten­ti­on die zur Einführung ei­ner leis­tungs­ori­en­tier­ten Be­zah­lung er­for­der­li­chen Dienst- bzw. Be­triebs­ver­ein­ba­run­gen nicht recht­zei­tig ver­ein­bart hat­ten (vgl. BAG 23. Sep­tem­ber 2010 - 6 AZR 338/09 - Rn. 21, BA­GE 135, 318). Im Jahr 2008 (Satz 3 und Satz 4) und in den Fol­ge­jah­ren (Satz 5) steht dem­ge­genüber le­dig­lich et­wa die Hälf­te die­ses Vo­lu­mens zur un­dif­fe­ren­zier­ten und da­mit ge­ra­de nicht leis­tungs­abhängi­gen Ausschüttung zur Verfügung. Da­bei be­schränkt sich die ta­rif­li­che Re­ge­lung beim un­dif­fe­ren­zier­ten Leis­tungs­ent­gelt auf die Ausschüttung ei­nes be­stimm­ten Pro­zent­sat­zes vom in­di­vi­du­el­len Ta­bel­len­ent­gelt und schafft da­mit ei­ne ein­fa­che und kla­re Re­ge­lung für den ein­zel­nen Beschäftig­ten, so­lan­ge be­trieb­lich kei­ne Ver­tei­lungs­grundsätze ver­ein­bart sind. Kommt es hin­ge­gen zu ei­ner sol­chen Ver­ein­ba­rung, er­folgt die Ausschüttung des nach § 18 Abs. 3 TVöD (VKA) iVm. der ent­spre­chen­den Pro­to­kollerklärung zu be­mes­sen­den Ge­samt­vo­lu­mens nach den be­trieb­lich ver­ein­bar­ten Kri­te­ri­en. Schon der Aus­gangs­punkt für die zu ver­tei­len­de Leis­tung ist da­mit nicht de­ckungs­gleich.
c) Die ge­fun­de­ne Aus­le­gung ent­spricht dem er­kenn­ba­ren Sinn und Zweck der PE Nr. 1. Aus dem Satz 1 und Satz 2 der PE Nr. 1 wird der Wil­le der Ta­rif­ver­trags­par­tei­en deut­lich, das Leis­tungs­ent­gelt zeit­nah ein­zuführen und be­trieb­lich um­zu­set­zen. Da­bei be­stimmt § 18 TVöD (VKA) für die Dienst­stel­len oder Un­ter­neh­men we­der ein­heit­lich die ge­naue Art des Leis­tungs­ent­gelts noch die Ver­tei­lungs­grundsätze. Bei­des ist viel­mehr ei­ner Ver­ein­ba­rung der Be­triebs­par­tei­en vor­be­hal­ten. Dem­ent­spre­chend enthält Satz 2 der PE Nr. 1 die kla­re und ein­deu­ti­ge Auf­for­de­rung an die­se, sich vor dem 1. Ja­nu­ar 2007 zu ei­ni­gen.
Le­dig­lich im ers­ten Jahr er­folgt im Fall der Nicht­ei­ni­gung ei­ne fast vollständi­ge Ausschüttung, in den Fol­ge­jah­ren le­dig­lich ei­ne et­wa hälf­ti­ge Ausschüttung des Ge­samt­vo­lu­mens. Dies dient er­sicht­lich dem Ziel, den Ei­ni­gungs­druck auf be­trieb­li­cher Ebe­ne zu erhöhen. Die­ses Ziel würde ver­fehlt, wenn le­dig­lich ei­ne ein­ma­li­ge Hal­bie­rung der Aus­zah­lung im Jahr 2008 er­folg­te, aber im Jahr 2009 und in den Fol­ge­jah­ren auch bei Nicht­ei­ni­gung 12 vH des je­wei­li­gen Ta­bel­len­ent­gelts un­dif­fe­ren­ziert und leis­tungs­un­abhängig ge­zahlt wer­den würde.
d) Be­son­ders deut­lich stützt die Ta­rif­ge­schich­te die­ses Er­geb­nis. Die Ta­rif­ver­trags­par­tei­en ha­ben mit der ursprüng­li­chen Fas­sung der Pro­to­kollerklärung Nr. 2 zu Ab­satz 4 des § 18 TVöD (VKA) deut­lich ge­macht, dass sie das Pro­blem der teil­wei­sen Nicht­aus­zah­lung bei Nicht­ei­ni­gung und da­mit der The­sau­rie­rung ge­se­hen ha­ben. Des­halb wur­de für die Ent­gelt­run­de 2008 die Ana­ly­se der Si­tua­ti­on und die mögli­che Fest­set­zung von Höchst­fris­ten für die teil­wei­se Nicht­aus­zah­lung des Ge­samt­vo­lu­mens ver­ab­re­det. Auch die Fra­ge ei­ner Ver­zin­sung soll­te geklärt wer­den. Die­se Pro­to­kollerklärung wäre wei­test­ge­hend überflüssig ge­we­sen, wenn es je­weils im Fol­ge­jahr be­reits nach der PE Nr. 1 zu ei­ner fast vollständi­gen Ausschüttung ge­kom­men wäre. Dass die Ta­rif­par­tei­en in der Ent­gelt­run­de 2008 ent­ge­gen ih­rer Ankündi­gung das Pro­blem nicht gelöst, son­dern mit dem 2. Ände­rungs-TV vom 31. März 2008 die PE Nr. 2 in ei­nen all­ge­mei­nen Pro­gramm­satz um­ge­wan­delt ha­ben, führt zu kei­nem an­de­ren Er­geb­nis. Ei­ne Ände­rung der PE Nr. 1 oder sons­ti­ger re­le­van­ter Tei­le des § 18 TVöD (VKA) ist nicht er­folgt.
e) Letzt­lich spricht für die Aus­le­gung des Se­nats auch die Prak­ti­ka­bi­lität in der An­wen­dung der Vor­schrift. So­lan­ge kei­ne dif­fe­ren­zier­te be­trieb­li­che Re­ge­lung ver­ein­bart wird, be­steht ein pau­scha­ler Sur­ro­gat­an­spruch, der aus dem in­di­vi­du­el­len Ta­bel­len­ent­gelt zu er­mit­teln ist, oh­ne dass das ins­ge­samt zur Verfügung ste­hen­de Vo­lu­men nach bis­her nicht be­stimm­ten Kri­te­ri­en ver­teilt wer­den müss­te.
f) Et­was an­de­res er­gibt sich - ent­ge­gen der Auf­fas­sung der Re­vi­si­on - nicht aus der Re­ge­lung für Dienst­stel­len oder Un­ter­neh­men oh­ne Per­so­nal- oder Be­triebs­rat in der Pro­to­kollerklärung zu Ab­satz 6 des § 18 TVöD (VKA). Es
kann da­hin­ste­hen, ob die­ser Pro­to­kollerklärung tatsächlich ent­nom­men wer­den kann, dass in Dienst­stel­len oder Un­ter­neh­men oh­ne Per­so­nal- oder Be­triebs­rat ei­ne vollständi­ge Ausschüttung des Ge­samt­vo­lu­mens durch den Dienst­stel­len­lei­ter/Ar­beit­ge­ber zu er­fol­gen hat. Selbst wenn die­se An­nah­me rich­tig wäre, kann nicht auf­grund der Re­ge­lung ei­nes Aus­nah­me­falls dar­auf ge­schlos­sen wer­den, dass dies im Fall der Exis­tenz von Mit­be­stim­mungs­or­ga­nen ent­ge­gen § 18 Abs. 6 Satz 1 TVöD (VKA) eben­so ge­hand­habt wer­den soll­te.
zur Übersicht 10 AZR 202/11