Source: http://www.haerlein.de/was-man-wissen-sollte-wenn-nach-dem-tod-des-erblasser-ein-von-ihm-eigenhandig-errichtetes-testament/
Timestamp: 2019-12-15 23:58:54
Document Index: 276760031

Matched Legal Cases: ['§ 2255', '§ 2247', '§ 2247', '§ 2255', '§ 2255', '§ 2271', '§ 2255', '§ 2255']

Was man wissen sollte, wenn nach dem Tod des Erblasser ein von ihm eigenhändig errichtetes Testament - Haerlein
Startseite » Was man wissen sollte, wenn nach dem Tod des Erblasser ein von ihm eigenhändig errichtetes Testament
Was man wissen sollte, wenn nach dem Tod des Erblasser ein von ihm eigenhändig errichtetes Testament
…. nicht (mehr) auffindbar ist.
Ein nicht mehr vorhandenes Testament ist nicht allein wegen seiner Unauffindbarkeit ungültig.
Auch besteht im Falle der Unauffindbarkeit eines Testamentes keine Vermutung dafür, dass es
vom Erblasser vernichtet worden und deshalb gem. § 2255 Bürgerliches Gesetzbuch (BGB)
als widerrufen anzusehen ist
Denn auch (Original-) Testamente werden unbeabsichtigt verlegt oder entsorgt und es ist auch nicht lebensfremd, dass Testamente oder Kopien von Testamenten auch bei sorgfältiger Suche nach dem Tod einer Person zunächst nicht, später aber zufällig an einem Ort gefunden werden, wo mit einem Testament oder einer Kopie eines Testamentes nicht unbedingt zu rechnen war.
Ist ein Testament nicht mehr auffindbar, muss derjenige, der sich auf dieses unauffindbare Testament beruft,
die formgültige Errichtung (§§ 2247 Abs. 1, 2265 BGB) und den Inhalt des Testaments beweisen
trägt insoweit im Verfahren auf Erteilung eines Erbscheins die Feststellungslast.
Bewiesen werden kann die formgerechte Errichtung des Testaments und dessen Inhalt
mit allen zulässigen Beweismitteln,
wobei allerdings an diesen Nachweis,
wegen der für die Errichtung des Testaments geltenden Formvorschriften,
strenge Anforderungen zu stellen sind.
Ausreichen als Nachweis kann
eine Kopie des Originaltestamentes,
wenn mit ihr
und ggf. einem graphologischem Gutachten
die formgerechte Errichtung des Originaltestamentes nachgewiesen werden kann.
Ist nachgewiesen, dass
ein Testament ursprünglich wirksam in der Form der §§ 2247 Abs. 1, 2265 BGB errichtet wurde,
hat derjenige,
der aus dem Widerruf des Testaments Rechte herleiten will,
diesen Widerruf zu beweisen,
entweder mit Beweismitteln, mit denen sich der Widerruf direkt beweisen lassen kann, wie insbesondere etwa die zerstörte Urkunde
oder mittels Indizien, die den Schluss auf einen Widerruf zulassen.
Die bloße Tatsache der Unauffindbarkeit des Originaltestaments besagt für sich allein nämlich noch nicht und begründet insbesondere
keine tatsächliche Vermutung oder
einen Erfahrungssatz,
dass das Testament durch den Erblasser vernichtet worden ist.
Denn die Vermutung,
dass mit der Vernichtung eines Testaments dessen Aufhebung beabsichtigt ist (§ 2255 S. 2 BGB),
setzt ihrerseits voraus, dass
eine Vernichtung des Testaments festgestellt ist.
Auch bei einem gemeinschaftlichen Testament steht den Testatoren für den Widerruf ihres Testaments die Form des § 2255 BGB zur Verfügung, so dass ein gemeinschaftliches Testament grundsätzlich auch durch Vernichtung aufgehoben werden kann.
Allerdings gilt dabei Folgendes:
Der Widerruf wechselbezüglicher Verfügungen in einem Ehegattentestament (§ 2271 BGB) durch Vernichtung der Urkunde gemäß § 2255 BGB setzt voraus, dass
beide Ehegatten mit Testier- und Widerrufswillen an der Vernichtung der Urkunde mitgewirkt haben.
Da somit
eine einseitige Aufhebung wechselbezüglicher Verfügungen in der Form des § 2255 BGB oder
eine spätere „Genehmigung“ einer einseitigen Zerstörung
nicht möglich sind, setzt der Nachweis des Widerrufs insbesondere voraus, dass die Möglichkeit,
dass ein Ehegatte die Urkunde ohne Kenntnis und Mitwirkung des anderen vernichtet hat,
ausgeschlossen werden kann (Oberlandesgericht (OLG) München, Beschluss vom 31.10.2019 – 31 Wx 398/17 –, OLG Köln, Beschluss vom 02.12.2016 – 2 Wx 550/16 –).