Source: http://m.hensche.de/Rechtsanwalt_Arbeitsrecht_Urteile_Tarifvertrag_LAG-Berlin-BB_7Sa1766-06.html
Timestamp: 2017-07-24 14:27:55
Document Index: 305208512

Matched Legal Cases: ['§ 39', 'Art. 9', '§ 11', '§ 6', '§ 11', '§ 3', 'Art. 9', '§ 3', '§ 4', 'Art. 9', 'Art. 9', '§ 64', '§ 3', '§ 6', 'Art. 9', '§ 39', '§ 3', '§ 6', '§ 39', '§ 39', 'Art. 9', 'BGH', 'Art 9', 'Art. 9', 'Art. 9', '§ 3', '§ 4', '§ 3', '§ 4', 'Art. 9', '§ 242', '§ 3', '§ 11', '§ 3', '§ 3', '§ 4', '§ 11', '§ 97', '§ 72']

1. Un­ter wel­chen Vor­aus­set­zun­gen die Mit­glied­schaft in ei­ner ta­rif­ver­trag­schließen­den Ko­ali­ti­on be­en­det wer­den kann, rich­tet sich zunächst nach der Sat­zung i.V.m. den ver­eins­recht­li­chen Be­stim­mun­gen, ins­bes. § 39 BGB. (Rn.26) 2. Ei­ne Sat­zungs­ermäch­ti­gung zum vor­zei­ti­gen Aus­tritt von Mit­glie­dern ist wirk­sam und ver­letzt nicht nach Art. 9 Abs 3 GG geschütz­te In­ter­es­sen des Ta­rif­part­ners. (Rn.30) Vor­ins­tan­zen:
60 Ca 19109/05 H, VAals Ur­kunds­be­am­ter/inder Geschäfts­stel­le
hat das Lan­des­ar­beits­ge­richt Ber­lin-Bran­den­burg, 7. Kam­mer,auf die münd­li­che Ver­hand­lung vom 16.01.2007 durch die Vor­sit­zen­de Rich­te­rin am Lan­des­ar­beits­ge­richt R. als Vor­sit­zen­deso­wie die eh­ren­amt­li­chen Rich­ter E. und K.
I. Die Be­ru­fung des Klägers ge­gen das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts Ber­lin vom 30. Au­gust 2006 – 60 Ca 19109/05 – wird auf sei­ne Kos­ten zurück­ge­wie­sen.
Die Par­tei­en strei­ten über die Ver­pflich­tung der Be­klag­ten, an den Kläger für das Jahr 2004 ei­ne Son­der­zu­wen­dung zu zah­len. Der Kläger war auf der Grund­la­ge meh­re­rer be­fris­te­ter Ar­beits­verträge seit dem 17. Fe­bru­ar 2002 bei der Be­klag­ten als stu­den­ti­sche Hilfs­kraft beschäftigt. Im ers­ten Ar­beits­ver­trag, der für die Zeit vom 17.01.2002 bis zum 16.1.2004 ab­ge­schlos­sen wor­den war (Bl. 13 d.A.), wur­de die Gel­tung des Ta­rif­ver­tra­ges für stu­den­ti­sche Hilfs­kräfte II (TVStud II) vom 24. Fe­bru­ar 1986 mit al­len künf­ti­gen Ände­run­gen und Ergänzun­gen ver­ein­bart. Die­ser Ta­rif­ver­trag war zwi­schen dem Ar­beit­ge­ber­ver­band VAdöD Ber­lin, des­sen Mit­glied die Be­klag­te war, und der Ge­werk­schaft Ver.di, de­ren Mit­glied der Kläger seit De­zem­ber 2004 war, ab­ge­schlos­sen wor­den. Er enthält in § 11 die Ver­ein­ba­rung ei­ner Zu­wen­dung in sinn­gemäßer An­wen­dung des Ta­rif­ver­tra­ges über ei­ne Zu­wen­dung für An­ge­stell­te vom 12.10.1973. Der Ta­rif­ver­trag über ei­ne Zu­wen­dung von An­ge­stell­ten vom 12.10.1973 (Zu­wen­dungs­ta­rif­ver­trag) wur­de von der TdL zum 30. Ju­ni 2003 gekündigt. Am 15. Mai 2003 ver­ein­bar­ten die Ta­rif­ver­trags­par­tei­en rück­wir­kend mit Wir­kung zum 31. Ja­nu­ar 2003 Ta­rif­verträge zur Ände­rung der Zu­wen­dungs­ta­rif­verträge West und Ost.
In den fol­gen­den Zu­satz­ver­ein­ba­run­gen zum Ar­beits­ver­trag des Klägers, die un­ter dem Da­tum vom 17.12.2003 (Bl. 16 d.A.), vom 29.07.2004 (Bl. 15 d.A.) und vom 03.01.2005 (Bl. 13 d.A.) un­ter­zeich­net wur­den, heißt es zur An­wend­bar­keit ta­rif­li­cher Be­stim­mun­gen u.a.:
Das Beschäfti­gungs­verhält­nis be­stimmt sich nach dem Ta­rif­ver­trag für stu­den­ti­sche Hilfs­kräfte (TV Stu­dII) in der am 7. Ja­nu­ar 2003 für die F.U. Ber­lin gel­ten­den Fas­sung... Der gekündig­te Ta­rif­ver­trag über ei­ne Zu­wen­dung fin­det kei­ne An­wen­dung. Ei­ne Zu­wen­dungs­zah­lung er­folgt nicht...
Am 7. Ja­nu­ar 2003 be­schloss der Vor­stand des VadöD, für die Hoch­schu­len des Lan­des Ber­lin die Möglich­keit des Aus­tritts oh­ne Ein­hal­tung ei­ner Aus­tritts­frist als Aus­nah­me von der Sat­zung zu­zu­las­sen (vgl. Ab­lich­tung des Pro­to­kolls Bl. 79 u. 80 d.A.). Ob zu die­sem Zeit­punkt dem Vor­stand be­reits Anträge der Ber­li­ner Uni­ver­sitäten auf Ge­neh­mi­gung ei­nes vor­zei­ti­gen Aus­tritts vor­la­gen – so die Be­klag­te –, ist zwi­schen den Par­tei­en strei­tig. Mit Schrei­ben vom 10. Ja­nu­ar 2003 erklärte die Be­klag­te dar­auf­hin ge­genüber dem Ver­band ih­ren Aus­tritt mit so­for­ti­ger Wir­kung (Bl. 81 d.A.). Die Sat­zung des VAdöD (Bl. 74-78 d.A.) re­gelt in ih­rem § 6 „Erlöschen der Mit­glied­schaft durch Aus­tritts­erklärung des Mit­glieds“ fol­gen­des:
(1) Die Mit­glied­schaft er­lischt durch schrift­li­che Aus­tritts­erklärung des Mit­glieds ge­genüber dem Vor­stand. (2) Der Aus­tritt ist nur zulässig zum Schluss ei­nes Ka­len­der­mo­nats un­ter Ein­hal­tung ei­ner sechs­mo­na­ti­gen Kündi­gungs­frist. Über Aus­nah­men ent­schei­det der Vor­stand. ..
Mit Schrei­ben vom 26.Ja­nu­ar 2005 (Bl. 17 d.A.) mach­te der Kläger die Zah­lung ei­ner Zu­wen­dung nach § 11 des TV Stud II für das Jahr 2004 in Höhe von 360,76 € gel­tend. Die Be­klag­te zahl­te dar­auf­hin an den Kläger auf der Grund­la­ge des zunächst bis zum 16. Ja­nu­ar 2004 be­fris­te­ten Ar­beits­ver­tra­ges 1/12 der Zu­la­ge (30,06 €) aus. Der Kläger hat die Auf­fas­sung ver­tre­ten, der ar­beits­ver­trag­li­che Aus­schluss des An­spruchs auf ei­ne Son­der­zu­wen­dung sei un­wirk­sam, da der Aus­tritt der Be­klag­ten aus dem Ar­beit­ge­ber­ver­band nicht wirk­sam zum 10. Ja­nu­ar 2003 ha­be er­fol­gen können. Ein außer­or­dent­li­ches Kündi­gungs­recht ha­be der Be­klag­ten nicht zu­ge­stan­den. Noch während ih­rer Mit­glied­schaft im Ar­beit­ge­ber­ver­band sei der neue TV Son­der­zu­wen­dung un­ter­zeich­net wor­den, an den sie nach § 3 Abs. 3 TVG ge­bun­den sei. Das Ar­beits­ge­richt hat mit Ur­teil vom 30. Au­gust 2006, auf des­sen Tat­be­stand we­gen der wei­te­ren Ein­zel­hei­ten des erst­in­stanz­li­chen Par­tei­vor­brin­gens Be­zug ge­nom­men wird, die Kla­ge ab­ge­wie­sen und die Be­ru­fung zu­ge­las­sen. Zur Be­gründung hat es im We­sent­li­chen aus­geführt, es feh­le die bei­der­sei­ti­ge Ta­rif­ge­bun­den­heit der Par­tei­en. Die Be­klag­te sei wirk­sam durch Erklärung vom 10. Ja­nu­ar 2003 mit so­for­ti­ger Wir­kung aus dem Ar­beit­ge­ber­ver­band aus­ge­tre­ten. Ei­nes wich­ti­gen Grun­des für die so­for­ti­ge Be­en­di­gung der Mit­glied­schaft ha­be es nicht be­durft. Denn der Vor­stand ha­be dem frist­lo­sen Aus­tritt im Rah­men der Sat­zung vor­ab wirk­sam zu­ge­stimmt. Die vom Kläger be­haup­te­ten Mängel der Be­schluss­fas­sung würden nicht zu ei­ner Un­wirk­sam­keit des Be­schlus­ses führen. So­fern dem Vor­stand nicht be­reits am 7. Ja­nu­ar 2003 ein ent­spre­chen­der An­trag der Be­klag­ten vor­ge­le­gen ha­be, sei die Aus­nah­me­ge­neh­mi­gung als Vor­rats­ge­neh­mi­gung zulässig. Die Sat­zungs­ermäch­ti­gung zum vor­zei­ti­gen Aus­tritt ei­nes Ar­beit­ge­bers aus dem Ar­beit­ge­ber­ver­band oh­ne Ein­hal­tung ei­ner Frist sei mit Art. 9 Abs. 3 GG ver­ein­bar. Sie stel­le kei­ne Be­ein­träch­ti­gung der kol­lek­ti­ven und in­di­vi­du­el­len Ko­ali­ti­ons­frei­heit dar. Die ne­ga­ti­ve in­di­vi­du­el­le Ko­ali­ti­ons­frei­heit der Ver­bands­mit­glie­der for­de­re so­gar die Möglich­keit ei­ner Be­en­di­gung der Mit­glied­schaft in verhält­nismäßig kur­zer Zeit. Da der Ver­band auch kur­ze Kündi­gungs­fris­ten re­geln könne, müsse dies in glei­cher Wei­se für sat­zungsmäßige Aus­nah­me­re­ge­lun­gen von den re­gulären Kündi­gungs­fris­ten gel­ten. Ei­ne Ein­schränkung sol­cher so­for­ti­gen Aus­trit­te sei – je­den­falls im vor­lie­gen­den Fall, in dem der Aus­tritt vier Mo­na­te vor In­kraft­tre­ten des maßgeb­li­chen Ta­rif­ver­tra­ges er­folgt sei - auch nicht zum Schutz der Ko­ali­ti­ons­frei­heit des (po­ten­ti­el­len) Ta­rif­part­ners bzw. sei­ner Mit­glie­der
ver­fas­sungs­recht­lich ge­bo­ten. De­ren Schutz sei be­reits ge­setz­lich aus­rei­chend durch die Wei­ter­gel­tung von Ta­rif­recht nach § 3 Abs. 3 TVG und § 4 Abs. 5 TVG ge­re­gelt. Ge­gen die­ses dem Kläger am 02. Sep­tem­ber 2006 zu­ge­stell­te Ur­teil rich­tet sich sei­ne Be­ru­fung, die er mit ei­nem beim Lan­des­ar­beits­ge­richt Ber­lin am 29. Sep­tem­ber 2006 ein­ge­gan­ge­nen Schrift­satz ein­ge­legt und mit ei­nem beim Lan­des­ar­beits­ge­richt am 02. No­vem­ber 2006 ein­ge­gan­ge­nen Schrift­satz be­gründet hat. Der Kläger und Be­ru­fungskläger ver­tritt wei­ter­hin die Auf­fas­sung, der Aus­tritt der Be­klag­ten mit so­for­ti­ger Wir­kung sei un­wirk­sam. Für ei­nen sol­chen „Blitz­aus­tritt“ ha­be es ei­nes wich­ti­gen Grun­des be­durft. Da durch die Betäti­gung der Ko­ali­tio­nen Drit­t­in­ter­es­sen bzw. Schutzgüter der All­ge­mein­heit berührt wer­den könn­ten, er­ge­be sich schon aus Art. 9 Abs. 3 GG, dass be­stimm­te Or­ga­ni­sa­ti­ons­grundsätze auch für die ver­bands­in­ter­ne Ko­ali­ti­ons­struk­tur ein­ge­hal­ten wer­den müss­ten. Die Sat­zungs­au­to­no­mie der Verbände fin­de ih­re Gren­ze dort, wo die Maßnah­me Drit­t­in­ter­es­sen berühren würden. In die­sem Rah­men sei die Pflicht zur Rück­sicht­nah­me zu be­ach­ten, die für ei­nen so­for­ti­gen Aus­tritt ei­nen wich­ti­gen Grund ver­lan­ge. An­ders als bei kur­zen Kündi­gungs­fris­ten könne sich der Ko­ali­ti­ons­part­ner auf sol­che Aus­nah­me­re­ge­lun­gen nicht ein­stel­len. Der Kläger und Be­ru­fungskläger be­an­tragt, 1. Auf die Be­ru­fung des Klägers wird das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts Ber­lin vom 30. Au­gust 2006, Ak­ten­zei­chen 60 Ca 19109/05, ab­geändert. 2. Die Be­klag­te wird ver­ur­teilt, an den Kläger € 330,70 brut­to nebst Zin­sen in Höhe von fünf Pro­zent­punk­ten über dem Ba­sis­zins­satz seit dem 02. De­zem­ber 2006 zu zah­len. Die Be­klag­te und Be­ru­fungs­be­klag­te be­an­tragt, die Be­ru­fung zurück­zu­wei­sen. Die Be­klag­te und Be­ru­fungs­be­klag­te ver­tei­digt das erst­in­stanz­li­che Ur­teil. An ei­ner Ta­rif­bin­dung der Be­klag­ten feh­le es un­ter al­len recht­li­chen Ge­sichts­punk­ten. Der Aus­tritt mit so­for­ti­ger Wir­kung sei zulässig. Aber selbst wenn die Sat­zungs­be­stim­mung in­so­weit vor dem Hin­ter­grund des Art. 9 GG als un­wirk­sam an­ge­se­hen würde, ent­fie­le nicht die Möglich­keit ei­nes vor­zei­ti­gen Aus­tritts ins­ge­samt. Viel­mehr sei die­ser auf ein ver­fas­sungs­recht­lich zulässi­ges Maß zurück­zuführen. Für ei­nen zulässi­gen Aus­tritt sei aber ei­ne Frist von 4 Mo­na­ten,
die noch vor Un­ter­zeich­nung des Ta­rif­ver­tra­ges Son­der­zu­wen­dung ab­ge­lau­fen sei, als an­ge­mes­sen zu­grun­de zu le­gen. We­gen der wei­te­ren Ein­zel­hei­ten des zweit­in­stanz­li­chen Par­tei­vor­brin­gens wird auf den Schrift­satz des Klägers vom 02. No­vem­ber 2006 (Bl. 139 – 143 d.A.) und der Be­klag­ten vom 14. De­zem­ber 2006 (Bl. 148 – 151 d.A.) Be­zug ge­nom­men. Ent­schei­dungs­gründe
1. Die gemäß § 64 Abs. 2 a ArbGG statt­haf­te Be­ru­fung ist vom Kläger form­ge­recht ein­ge­legt und be­gründet wor­den. Die Be­ru­fung war da­her zulässig. 2. Die Be­ru­fung hat­te in der Sa­che je­doch kei­nen Er­folg. Der Kläger hat kei­nen wei­te­ren An­spruch auf Zah­lung ei­ner Son­der­zu­wen­dung für das Jahr 2004. Ein sol­cher An­spruch wur­de in den Zu­satz­ver­ein­ba­run­gen für das über den 16. Ja­nu­ar 2004 hin­aus fort­ge­setz­te Ar­beits­verhält­nis aus­ge­schlos­sen. Die­se ar­beits­ver­trag­li­che Re­ge­lung war zulässig, da ei­ne bei­der­sei­ti­ge Ta­rif­bin­dung nicht mehr be­stand. Die Be­klag­te hat­te wirk­sam zum 10. Ja­nu­ar 2003 ih­re Mit­glied­schaft im Ar­beit­ge­ber­ver­band VAdöD mit der Fol­ge be­en­det, dass die Ta­rif­bin­dung nach § 3 Abs. 3 TVG nur noch bis zur Be­en­di­gung des Ta­rif­ver­tra­ges be­stand (2.1). Der Ta­rif­ver­trag für stu­den­ti­sche Hilfs­kräfte en­de­te aber je­den­falls hin­sicht­lich des hier strei­ti­gen An­spruchs auf Zah­lung ei­ner Son­der­zu­wen­dung mit Ab­schluss des Zu­wen­dungs­ta­rif­ver­tra­ges am 15.5.2003 (2.2). Da­nach fan­den die Re­ge­lun­gen des TVStud II nur noch kraft Nach­wir­kung auf das Ar­beits­verhält­nis An­wen­dung und wur­den durch die die Zah­lung ei­ner Son­der­zu­wen­dung aus­drück­lich aus­sch­ließen­den ar­beits­ver­trag­li­chen Re­ge­lun­gen er­setzt (2.3.).
2.1Ent­ge­gend der Auf­fas­sung des Klägers en­de­te die Mit­glied­schaft der Be­klag­ten im Ar­beit­ge­ber­ver­band VAdöD Ber­lin mit Wir­kung zum 10. Ja­nu­ar 2003. Ei­nes wich­ti­gen Grun­des für die so­for­ti­ge Be­en­di­gung der Mit­glied­schaft be­durf­te es nicht.
- 7 - 2.1.1Die Be­kla­ge hat mit dem Ar­beit­ge­ber­ver­band VAdöD Ber­lin ei­nen ein­ver­nehm­li­chen Aus­tritt zum 10. Ja­nu­ar 2003 ver­ein­bart. Da­bei kann da­hin­ste­hen, ob be­reits zum Zeit­punkt des Vor­stands­be­schlus­ses ein ent­spre­chen­der förm­li­cher An­trag auf Er­tei­lung der Zu­stim­mung zu ei­nem vor­zei­ti­gen Aus­tritt sei­tens der Be­klag­ten vor­ge­le­gen hat. Wie das Ar­beits­ge­richt zu­tref­fend aus­geführt hat, hat der Vor­stand der Be­klag­ten mit sei­nem Be­schluss vom 7. Ja­nu­ar 2003 in Kennt­nis der ent­spre­chen­den Ab­sicht der Hoch­schu­len, ei­nen sol­chen An­trag zu stel­len (sie­he Top 3 des Pro­to­kolls der Vor­stands­sit­zung vom 7. Ja­nu­ar 2003, Bl. 80 d.A.) im Vor­aus sein Ein­verständ­nis zu ei­nem sol­chen Aus­tritt oh­ne Ein­hal­tung der Aus­tritts­frist erklärt. Erklärte die Be­klag­te dann un­verzüglich nach die­sem Be­schluss ih­ren Aus­tritt mit so­for­ti­ger Wir­kung, gilt die­ser Aus­tritt oh­ne Ein­hal­tung der sat­zungsmäßigen Kündi­gungs­frist auf­grund des Be­schlus­ses vom 7. Ja­nu­ar 2003 als ge­neh­migt. Auf das Vor­lie­gen ei­nes wich­ti­gen Grun­des für ei­ne außer­or­dent­li­che Kündi­gung kam es in­so­weit schon des­halb nicht an, weil der Aus­tritt nicht durch Kündi­gung er­folg­te. 2.1.2Die­se Ver­ein­ba­rung zwi­schen der Be­klag­ten und dem Ar­beit­ge­ber­ver­band VadöD Ber­lin über ei­ne so­for­ti­ge Be­en­di­gung der Mit­glied­schaft oh­ne Ein­hal­tung ei­ner Kündi­gungs­frist war wirk­sam. Sie ent­sprach der Ver­bands­sat­zung des VAdöD Ber­lin, die ei­ne Zu­stim­mung des Vor­stan­des zum vor­zei­ti­gen Aus­tritt in § 6 Abs. 2 vor­sah. Die­se Sat­zungs­be­stim­mung ist in­so­weit wirk­sam, ins­be­son­de­re verstößt sie nicht ge­gen Art. 9 Abs. 3 GG. 2.1.2.1Un­ter wel­chen Vor­aus­set­zun­gen die Mit­glied­schaft in ei­ner ta­rif­ver­trags­sch­ließen­den Ko­ali­ti­on be­en­det wer­den kann, rich­tet sich zunächst nach de­ren Sat­zung in Ver­bin­dung mit den an­wend­ba­ren ver­eins­recht­li­chen Be­stim­mun­gen, ins­be­son­de­re § 39 BGB (Fran­zen ErfKo. 7. Aufl. 2007 § 3 TVG Rz.9). Die hier maßgeb­li­che Sat­zung des VAdöD Ber­lin schreibt in § 6 Abs. 2 zunächst die Ein­hal­tung ei­ner sechs­mo­na­ti­gen Kündi­gungs­frist zum Mo­nats­en­de vor, sieht dies­bezüglich je­doch aus­drück­lich auch Aus­nah­men vor, über die der Vor­stand zu ent­schei­den hat. Mit­hin er­laubt die Sat­zung je­den­falls dem Vor­stand, Kündi­gungs­fris­ten ab­zukürzen bzw. sich auch mit ei­ner so­for­ti­gen Be­en­di­gung der Mit­glied­schaft ein­ver­stan­den zu erklären. In­so­fern kam es auf die Fra­ge, ob vor­zei­ti­ge Aus­trit­te auch dann zulässig sind, wenn die Ver­bands­sat­zung da­zu kei­ne Re­ge­lun­gen vor­sieht (vgl. da­zu Plan­der NZA 2005, 897 ff.), nicht an.
- 8 - 2.1.2.2Die­se Zu­stim­mung wur­de vom Vor­stand sat­zungs­gemäß am 7. Ja­nu­ar 2003 er­teilt. So­weit der Kläger erst­in­stanz­lich Mängel der Be­schluss­fas­sung gerügt hat, führ­ten die­se nicht zur Un­wirk­sam­keit des Be­schlus­ses. Auf die Ausführun­gen des Ar­beits­ge­richts wird Be­zug ge­nom­men. Zweit­in­stanz­lich hat der Kläger ge­gen die­se Ausführun­gen nichts ein­ge­wen­det. 2.1.2.3Ei­ne sol­che Sat­zungs­ermäch­ti­gung zum vor­zei­ti­gen Aus­tritt von Mit­glie­dern ist wirk­sam. Ver­eins­recht­lich be­ste­hen schon des­halb kei­ne Be­den­ken, weil nach § 39 Abs. 1 BGB Mit­glie­der ei­nes Ver­eins je­der­zeit aus­tre­ten können, oh­ne ei­ne Frist ein­hal­ten zu müssen. Die Re­ge­lung von vor­zei­ti­gen Aus­trit­ten mit Zu­stim­mung des Vor­stan­des ist nach die­sen ge­setz­li­chen Maßga­ben möglich (vgl. Plan­der NZA 2005, 897, 890). Durch Sat­zung kann der Ver­ein für den Aus­tritt auf der Grund­la­ge von § 39 Abs. 2 BGB zwar in sei­ner Sat­zung ei­ne Frist be­stim­men, ei­ne be­stimm­te Min­dest­frist sieht das Ge­setz hin­ge­gen nicht vor. Gren­zen be­ste­hen nur in­so­weit, als die Sat­zung im Hin­blick auf die in Art. 9 Abs. 3 GG ver­fas­sungs­recht­lich gewähr­leis­te­te ne­ga­ti­ve Ko­ali­ti­ons­frei­heit den Aus­tritt nicht un­verhält­nismäßig er­schwe­ren (BGH vom 4. Ju­li 1977, II ZR 30/76, AP Nr. 25 zu Art 9 GG) und die ge­setz­li­che Höchst­frist von 2 Jah­ren nicht über­schrei­ten darf. Die ne­ga­ti­ve Ko­ali­ti­ons­frei­heit des Mit­glieds wird aber durch ei­ne ein­ver­nehm­li­che Be­en­di­gung der Mit­glied­schaft oh­ne­hin nicht tan­giert. Ei­ne sol­che Sat­zungs­ermäch­ti­gung zum vor­zei­ti­gen Aus­tritt aus dem Ar­beit­ge­ber­ver­band nach Zu­stim­mung des Vor­stan­des ver­letzt auch nicht – wie das Ar­beits­ge­richt zu­tref­fend aus­geführt hat – nach Art. 9 Abs. 3 GG geschütz­te In­ter­es­sen des Ta­rif­part­ners (so auch LAG Ber­lin vom 15.11.2005 – 3 Sa 1211/05; ArbG Ber­lin vom 14.04.2005 – 38 Ca 228884/04,; vgl. ausführ­lich Plan­der NZA 2005, 8898 ff.). We­der wird die Funk­ti­onsfähig­keit des Ta­rif- und Ar­beits­kampf­sys­tems noch das Streik­recht der Ge­werk­schaf­ten durch die­se Sat­zungs­be­stim­mung und dem dar­auf be­ru­hen­den Aus­tritt der Be­klag­ten in recht­lich er­heb­li­cher Wei­se berührt. Da­bei ist zunächst zu berück­sich­ti­gen, dass die Ver­bands­sat­zung in ers­ter Li­nie die Rechts­be­zie­hun­gen im In­nen­verhält­nis zwi­schen dem Ver­band und sei­nen Mit­glie­dern, nicht aber die Rechts­be­zie­hun­gen sei­ner Mit­glie­der zu den po­ten­ti­el­len Ta­rif­part­nern re­gelt. Für die in­ter­nen Re­ge­lun­gen verfügt der Ver­band aber über Sat­zungs­au­to­no­mie. Die­se be­inhal­tet das Recht der Mit­glie­der und des Ver­eins, über die ei­ge­ne Or­ga­ni­sa­ti­on, das Ver­fah­ren der Wil­lens­bil­dung und die Führung der Geschäfte selbst zu be­stim­men und ist
vom Schutz des Grund­rechts nach Art. 9 GG um­fasst (BVerfG vom 15.6.1989 – 2 BvL 4/87 – BVerfGE 80, 253). Ei­ne be­son­de­re Ver­pflich­tung des Ver­ban­des ge­genüber dem Ta­rif­part­ner, im In­nen­verhält­nis den Ab­schluss zukünf­ti­ger Ta­rif­verträge zu si­chern, be­steht nicht (LAG Ber­lin vom 15.11.2005 – 3 Sa 1211/05; ArbG Ber­lin vom 14.04.2005 – 38 Ca 228884/04). Die Rechts­be­zie­hun­gen im Außen­verhält­nis zu den Ta­rif­part­nern und de­ren Mit­glie­dern wer­den durch das Ta­rif­ver­trags­ge­setz be­stimmt. Dort wird der Schutz der Ta­rif­par­tei­en aber durch die Nach­bin­dung gemäß § 3 Abs. 3 TVG und die Nach­wir­kung in § 4 Abs. 5 TVG aus­rei­chend gewähr­leis­tet. Nach § 3 Abs. 3 TVG bleibt auch nach Be­en­di­gung der Mit­glied­schaft die Ta­rif­bin­dung so­lan­ge be­ste­hen, bis der Ta­rif­ver­trag en­det. Im An­schluss dar­an wirkt der Ta­rif­ver­trag noch gemäß § 4 Abs. 5 TVG nach, bis er durch ei­ne neue Re­ge­lung, sei es ei­ne ta­rif­ver­trag­li­che oder ar­beits­ver­trag­li­che, er­setzt wird. Die­se Vor­schrif­ten ent­hal­ten ein ge­setz­li­ches Re­ge­lungs­sys­tem zum Aus­gleich der kol­li­die­ren­den Grund­rech­te, nämlich der ne­ga­ti­ven Ko­ali­ti­ons­frei­heit des aus­tre­ten­den Ar­beit­ge­bers ei­ner­seits und dem Recht der Ge­werk­schaft an­de­rer­seits, die Ar­beits- und Wirt­schafts­be­din­gun­gen durch Ta­rif­verträge zu ge­stal­ten. Ein wei­ter­ge­hen­der Schutz der Ta­rif­au­to­no­mie, die ei­nen Ein­griff in die ne­ga­ti­ve Ko­ali­ti­ons­frei­heit und die Sat­zungs­au­to­no­mie da­hin­ge­hend er­for­dern könn­te, dass ei­ne ein­ver­nehm­li­che Abkürzung der Kündi­gungs­fris­ten nur bei Vor­lie­gen ei­nes wich­ti­gen Grun­des zulässig ist, ist im Hin­blick auf die ge­nann­ten ge­setz­li­chen Nach­wir­kungs­re­ge­lun­gen nicht ge­bo­ten. Ge­genüber dem aus­tre­ten­den Ar­beit­ge­ber kann ein Fir­men­ta­rif­ver­trag oder aber ein An­er­ken­nungs­ta­rif­ver­trag durch­ge­setzt wer­den. Dass der Ver­such zum Ab­schluss ei­ge­ner Ta­rif­verträge ge­ra­de im Be­reich des öffent­li­chen Diens­tes nicht er­folg­los ist, zei­gen die in der Ver­gan­gen­heit für das Land Ber­lin nach Aus­tritt aus der TdL ab­ge­schlos­se­nen Ta­rif­verträge. Der Aus­tritt der Be­klag­ten verstößt auch nicht im kon­kre­ten Fall ge­gen Art. 9 Abs. 3 GG. Er er­folg­te kurz nach Ab­schluss des Ta­rif­ver­tra­ges für stu­den­ti­sche Hilfs­kräfte, konn­te al­so des­sen Bin­dung zunächst nicht ver­hin­dern. Bis zur Ände­rung des hier maßgeb­li­chen Zu­wen­dungs­ta­rif­ver­tra­ges aber la­gen 4 Mo­na­te. Dies war ei­ne Frist, die auch als Kündi­gungs­frist aus­rei­chend lang ge­we­sen wäre. Ein be­son­de­res Droh- oder Druck­po­ten­ti­al hat die Be­klag­te da­bei nicht auf­ge­baut, so dass auch ein Ver­s­toß ge­gen Treu und Glau­ben (§ 242 BGB) nicht er­sicht­lich ist. 2.1.3 Mit der Be­en­di­gung der Mit­glied­schaft im Ar­beit­ge­ber­ver­band blieb die Ta­rif­bin­dung gemäß § 3 Abs. 3 TVG bis zur Be­en­di­gung des Ta­rif­ver­tra­ges Stud II be­ste­hen.
- 10 - 2.2Der Ta­rif­ver­trag für stu­den­ti­sche Hilfs­kräfte en­de­te hin­sicht­lich der hier maßgeb­li­chen Re­ge­lun­gen zur Zah­lung der Son­der­zu­wen­dung mit Ände­rung des Zu­wen­dungs­ta­rif­ver­tra­ges, auf den § 11 TV Stud II Be­zug nimmt, al­so mit dem 15.5.2003. Denn die Ände­rung ei­nes Be­zugs­ta­rif­ver­tra­ges stellt sich als Ände­rung der als Ein­heit ver­stan­de­nen ta­rif­li­chen Re­ge­lung von Ver­wei­sungs- und Be­zugs­ta­rif­ver­trag dar (BAG vom 17.5.2000 – 4 AZR 363/99 – AP § 3 TVG Ver­bands­aus­tritt Nr. 8). Je­de Ände­rung des Ta­rif­ver­tra­ges führt aber zu sei­ner Be­en­di­gung im Sin­ne von § 3 Abs. 3 TVG (BAG vom 17.5. 2000 a.a.O). Der geänder­te Zu­wen­dungs­ta­rif­ver­trag fand ent­ge­gen der Auf­fas­sung des Klägers kei­ne An­wen­dung auf das Ar­beits­verhält­nis mehr, da es auf­grund der wirk­sa­men Be­en­di­gung der Mit­glied­schaft vor Ab­schluss des Ta­rif­ver­tra­ges an der Ta­rif­bin­dung der Be­klag­ten fehl­te. 2.3Nach En­de des Ta­rif­ver­tra­ges Stud II fan­den sei­ne Re­ge­lun­gen noch gemäß § 4 Abs. 5 TVG auf das Ar­beits­verhält­nis zwi­schen den Par­tei­en An­wen­dung bis sie durch ei­ne an­de­re Ab­ma­chung er­setzt wur­den. Ei­ne sol­che an­de­re Ab­ma­chung ha­ben die Par­tei­en mit dem Ab­schluss der Zu­satz­ver­ein­ba­rung ge­trof­fen, in der sie aus­drück­lich die An­wend­bar­keit des Zu­wen­dungs­ta­rif­ver­tra­ges aus­ge­schlos­sen, al­so § 11 TV Stud II ab­be­dun­gen ha­ben. Die bis zum 16.1. 2003 be­ste­hen­den Ansprüche hat die Be­klag­te erfüllt. 3.Aus die­sen Gründen war die Be­ru­fung des Klägers zurück­zu­wei­sen, mit der Fol­ge, dass er gemäß § 97 ZPO die Kos­ten sei­nes er­folg­lo­sen Rechts­mit­tels zu tra­gen hat. 4. Die Zu­las­sung der Re­vi­si­on er­folg­te nach § 72 Abs. 2 ArbGG. Ge.
Die Re­vi­si­ons­schrift muss die Be­zeich­nung des Ur­teils, ge­gen das die Re­vi­si­on ge­rich­tet wird und die Erklärung ent­hal­ten, dass ge­gen die­ses Ur­teil Re­vi­si­on ein­ge­legt wer­de. Die Re­vi­si­ons­schrift und die Re­vi­si­ons­be­gründung müssen von ei­nem bei ei­nem deut­schen Ge­richt zu­ge­las­se­nen Rechts­an­walt un­ter­zeich­net sein. R.
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