Source: http://www.hensche.de/Arbeitsrecht-Urteile-Befristung-Arzt-in-Weiterbildung-LAG-Baden-Wuerttemberg-1Sa5-15-11-09-2015-u.html
Timestamp: 2017-11-19 01:26:12
Document Index: 289633883

Matched Legal Cases: ['§ 1', '§ 1', '§ 2', '§ 4', '§ 5', '§ 64', '§ 313', '§ 64', '§ 66', '§ 519', '§ 551', '§ 112', '§ 551', '§ 1', '§ 1', '§ 17', '§ 1', '§ 1', '§ 17', '§ 1', '§ 1', '§ 1', '§ 1', '§ 1', '§ 1', '§ 1', '§ 1', '§ 1', '§ 1', '§ 97', '§ 14', '§ 14', '§ 14', '§ 1', '§ 1', '§ 1', '§ 1', '§ 1', '§ 14', '§ 14', '§ 1', '§ 16', '§ 1', '§ 91', '§ 72']

LAG Baden-Württemberg, Urteil vom 11.09.2015, 1 Sa 5/15 - HENSCHE Arbeitsrecht
LAG Ba­den-Würt­tem­berg, Ur­teil vom 11.09.2015, 1 Sa 5/15
Schlagworte: Befristung, Klage gegen Befristung, Entfristungsklage
Aktenzeichen: 1 Sa 5/15
Leitsätze: Voraussetzung für eine Befristung eines Arbeitsvertrags mit einem Arzt in Weiterbildung ist nach § 1 Abs. 1 ÄArbVtrG, dass die Beschäftigung des Arztes seiner zeitlich und inhaltlich strukturierten Weiterbildung dient. Dies bedeutet, dass der Arbeitgeber bei Abschluss des befristeten Arbeitsvertrags zu diesem Zweck eine Weiterbildungsplanung erstellen muss, die zeitlich und inhaltlich auf die konkrete Weiterbildung zugeschnitten ist. Die Planung muss nicht Inhalt der (schriftlichen) Befristungsabrede sein; sie muss aber objektiv vorliegen.
LArbG Ba­den-Würt­tem­berg Ur­teil vom 11.9.2015, 1 Sa 5/15
Be­fris­tung - Arzt in Wei­ter­bil­dung - Fach­arzt­aus­bil­dung
1. Auf die Be­ru­fung der Kläge­rin wird das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts Heil­bronn vom 28.01.2015 - 4 Ca 299/14 - ab­geändert:
Es wird fest­ge­stellt, dass das Ar­beits­verhält­nis der Par­tei­en nicht auf­grund der Be­fris­tung vom 13./21.06.2012 ge­en­det hat.
1 Die Par­tei­en strei­ten darüber, ob das zwi­schen ih­nen ge­schlos­se­ne Ar­beits­verhält­nis auf­grund ar­beits­ver­trag­li­cher Be­fris­tung mit Ab­lauf des 30.06.2014 ge­en­det hat.
2 Die am … 1969 ge­bo­re­ne Kläge­rin schloss un­ter dem Da­tum des 13./21.06.2012 mit der Be­klag­ten ei­nen be­fris­te­ten Ar­beits­ver­trag für die Zeit vom 01.07.2012 bis 30.06.2014 als teil­zeit­beschäftig­te Ärz­tin ab. In der Ver­trags­ur­kun­de (An­la­ge K 1) ist in § 1 an­ge­kreuzt, dass die Be­fris­tung „zum Er­werb ei­ner Zu­satz­be­zeich­nung, ei­nes Fach­kun­de­nach­wei­ses oder ei­ner Be­schei­ni­gung über ei­ne fa­kul­ta­ti­ve Wei­ter­bil­dung“ er­folgt. Nach § 2 des Ar­beits­ver­tra­ges wur­de die Kläge­rin als As­sis­tenzärz­tin ein­ge­stellt. Es wur­de wei­ter an­ge­ge­ben, dass die Tätig­keit in den (ver­schie­de­nen) Ein­rich­tun­gen der Be­klag­ten zu er­brin­gen sei. Das Ar­beits­verhält­nis be­stimm­te sich nach § 4 des Ar­beits­ver­trags nach dem Ta­rif­ver­trag für Ärz­tin­nen und Ärz­te an kom­mu­na­len Kran­kenhäusern im Be­reich der Ver­ei­ni­gung der kom­mu­na­len Ar­beit­ge­ber­verbände (TV-Ärz­te/VKA). Das durch­schnitt­li­che Brut­to­mo­nats­ent­gelt der Kläge­rin be­lief sich auf EUR 5.700,00.
3 Im Zeit­punkt des Ver­trags­schlus­ses war die Kläge­rin seit rund 16 Jah­ren ap­pro­bier­te Ärz­tin. Im Rah­men von ver­schie­de­nen Ar­beits­verhält­nis­sen hat­te sie aus­weis­lich des Zwi­schen­zeug­nis­ses des Städti­schen Kli­ni­kums K. vom 12.05.2009 im April 2007 die Ge­biets­be­zeich­nung „Fachärz­tin für in­ne­re Me­di­zin“ er­wor­ben. Die Wei­ter­bil­dung er­folg­te vom 01.12.2001 bis 31.07.2006 bei der Be­klag­ten an de­ren Kli­ni­kum AGH. Die Kläge­rin war darüber hin­aus bei der Be­klag­ten vom 01.05.2007 bis 31.07.2007 in de­ren Kran­ken­haus M. tätig. Außer­dem stand die Kläge­rin zum Er­werb des Schwer­punkts Gas­tro­en­te­ro­lo­gie vom 01.01.2008 bis 31.07.2008 in ei­nem Ar­beits­verhält­nis mit dem Land­kreis E. in des­sen Kli­ni­kum KN. und vom 01.09.2008 bis 30.04.2009 in ei­nem Ar­beits­verhält­nis mit dem Städti­schen Kli­ni­kum K. gGmbH.
4 Die Be­klag­te be­treibt Kran­kenhäuser in BF., B., H. und M.. En­de 2011 nahm die Kläge­rin Kon­takt mit dem Chef­arzt der Ab­tei­lung In­ne­re Me­di­zin des Kran­ken­hau­ses B., Herrn Dr. B., auf. Die Kläge­rin be­ab­sich­tig­te, ih­re Wei­ter­bil­dung im Schwer­punkt Gas­tro­en­te­ro­lo­gie fort­zu­set­zen. Herr Dr. B. be­sitzt ei­ne Wei­ter­bil­dungs­be­rech­ti­gung für das Ge­biet In­ne­re Me­di­zin und den Schwer­punkt Gas­tro­en­te­ro­lo­gie für die Dau­er von 18 Mo­na­ten (An­la­ge K 2). Außer­dem be­sitzt er ei­ne Be­fug­nis in der sta­ti­onären in­ter­nis­ti­schen Pa­ti­en­ten­ver­sor­gung für 36 Mo­na­te (An­la­ge zum Pro­to­koll der Be­ru­fungs­ver­hand­lung vom 20.07.2015). Die Wei­ter­bil­dungs­be­rech­ti­gung hat­te Herr Dr. B. auf­grund ei­nes ge­glie­der­ten Pro­gramms gemäß § 5 Abs. 5 der seit dem Jahr 2006 gel­ten­den Wei­ter­bil­dungs­ord­nung der Lan­desärz­te­kam­mer Ba­den-Würt­tem­berg (im Fol­gen­den: WBO 2006) er­hal­ten (An­la­ge BB 1).
5 Die Kläge­rin be­warb sich dar­auf­hin bei der Be­klag­ten für ei­ne Tätig­keit als As­sis­tenzärz­tin in der Ab­tei­lung von Herrn Dr. B. zur Fort­set­zung ih­rer Wei­ter­bil­dung im Schwer­punkt „Gas­tro­en­te­ro­lo­gie“. Wel­che Ab­spra­chen die Kläge­rin und Herr Dr. B. zu Be­ginn des Ar­beits­verhält­nis­ses über den In­halt der Wei­ter­bil­dung ge­trof­fen ha­ben, ist zwi­schen den Par­tei­en strei­tig.
6 Im Ver­lauf des Ar­beits­verhält­nis­ses kam es zwi­schen der Kläge­rin und Herrn Dr. B. zu Mei­nungs­ver­schie­den­hei­ten über den In­halt der Wei­ter­bil­dung. Die­se wur­den anläss­lich von Mit­ar­bei­ter­gesprächen im Jahr 2012, No­vem­ber 2013 und vom 28.01.2014 the­ma­ti­siert. Am 04.02.2014 rich­te­te die Kläge­rin ein Schrei­ben an Herrn Dr. B. (nicht vor­ge­legt). Die­ser teil­te hier­zu mit Schrei­ben vom 13.02.2014 (An­la­ge B 4) mit, es ge­be ei­ne Rei­he von Gründen, wes­halb die En­do­sko­pie­zah­len der Kläge­rin ge­ring sei­en. Herr Dr. B. sprach in die­sem Zu­sam­men­hang die man­gel­haf­te Ar­beits­or­ga­ni­sa­ti­on, den späten Ar­beits­be­ginn, die schlech­te Zu­sam­men­ar­beit und die Teil­zeit­beschäfti­gung der Kläge­rin an. Mit Schrei­ben vom 18.02.2014 (An­la­ge K 4) be­klag­te die Kläge­rin, dass sie bis­her die ge­for­der­ten Un­ter­su­chungs­zah­len nicht er­reicht ha­be. Sie be­an­stan­de­te ver­schie­de­ne Ur­sa­chen im Ver­ant­wor­tungs­be­reich des Chef­arz­tes und ver­lang­te ei­nen kon­kre­ten Wei­ter­bil­dungs­plan. Mit ei­nem wei­te­ren Schrei­ben, ge­rich­tet an die Per­so­nal­ver­wal­tung der Be­klag­ten, vom 19.05.2014 (An­la­ge K 5) rügte die Kläge­rin er­neut die un­zu­rei­chen­de Wei­ter­bil­dung. Sie schlug hier­in ei­ne Verlänge­rung ih­res Ar­beits­ver­trags um wei­te­re zwei Jah­re vor. Mit Schrei­ben ih­rer späte­ren Pro­zess­be­vollmäch­tig­ten vom 27.06.2014 (An­la­ge K 6) mach­te die Kläge­rin den un­be­fris­te­ten Fort­be­stand ih­res Ar­beits­verhält­nis­ses gel­tend.
7 Mit ih­rer am 18.07.2014 ein­ge­gan­ge­nen Kla­ge hat die Kläge­rin den un­be­fris­te­ten Fort­be­stand des Ar­beits­verhält­nis­ses gel­tend ge­macht. Sie hat vor­ge­tra­gen, nach der Wei­ter­bil­dungs­ord­nung ha­be sie be­stimm­te Un­ter­su­chungs­zah­len für die Wei­ter­bil­dung im Schwer­punkt Gas­tro­en­te­ro­lo­gie vor­zu­wei­sen. Hier­von ha­be sie im Lau­fe des Ar­beits­verhält­nis­ses aber nur ei­nen Teil er­wer­ben können. Die Wirk­sam­keit des be­fris­te­ten Ar­beits­ver­trags hänge da­von ab, dass die Wei­ter­bil­dung zeit­lich und in­halt­lich struk­tu­riert sei. Nach dem zu­tref­fen­den Ur­teil des Ar­beits­ge­richts Mann­heim vom 16.05.2013 (3 Ca 285/12) müsse der Wei­ter­bil­dungs­plan in den Ar­beits­ver­trag auf­ge­nom­men wer­den. Auf­grund der Sta­ti­ons­ar­beit ha­be sie die er­for­der­li­chen Wei­ter­bil­dungs­in­hal­te nicht er­wer­ben können. Zu­dem sei es im Kran­ken­haus B. nicht möglich, al­le Wei­ter­bil­dungs­in­hal­te zu er­wer­ben. Die Be­klag­te ha­be nicht für ei­ne Ro­ta­ti­on an an­de­re Stand­or­te Sor­ge ge­tra­gen.
8 Die Kläge­rin hat be­an­tragt:
9 Es wird fest­ge­stellt, dass das zwi­schen den Par­tei­en be­ste­hen­de Ar­beits­verhält­nis über den 30.06.2014 hin­aus un­be­fris­tet fort­be­steht.
10 Die Be­klag­te hat be­an­tragt,
11 die Kla­ge ab­zu­wei­sen.
12 Sie hat vor­ge­tra­gen, auf­grund der Gespräche mit Herrn Dr. B. sei der Kläge­rin klar ge­we­sen, dass sie nicht al­le Wei­ter­bil­dungs­in­hal­te im Kran­ken­haus B. er­wer­ben könne. Ei­ne Ro­ta­ti­on an an­de­re Stand­or­te sei nicht ver­ein­bart wor­den. Be­reits im Be­wer­bungs­gespräch sei der für die Wei­ter­bil­dung vor­ge­se­he­ne Ar­beits­ab­lauf be­spro­chen wor­den. Dem Ver­trags­verhält­nis ha­be der der Lan­desärz­te­kam­mer vor­ge­leg­te Wei­ter­bil­dungs­plan zu­grun­de ge­le­gen. Die Wei­ter­bil­dung ha­be die im Schrift­satz vom 12.11.2014 auf Sei­te 6 ge­schil­der­te zeit­li­che Struk­tur ge­habt. Die Kläge­rin ha­be mehr Wei­ter­bil­dungs­in­hal­te er­wor­ben, als von ihr in der Kla­ge­schrift an­ge­ge­ben wer­de. Die Kläge­rin ha­be genügend Zeit für ih­re Wei­ter­bil­dung ge­habt. Sie sei von Herrn B. und den bei­den lei­ten­den Oberärz­ten un­terstützt wor­den. Die Kläge­rin ha­be je­doch viel Zeit dafür auf­ge­wandt, sich um an­de­re Auf­ga­ben zu kümmern. Sie ha­be ge­genüber ih­ren Vor­ge­setz­ten ei­nen äußerst re­spekt­lo­sen Ton ge­pflegt. Kein an­de­rer ärzt­li­cher Mit­ar­bei­ter ha­be je­mals so vie­le Be­schwer­de­brie­fe von Pa­ti­en­ten, An­gehöri­gen und Mit­ar­bei­tern er­hal­ten wie die Kläge­rin. Die Kläge­rin ha­be mit Macht zur Funk­ti­ons­oberärz­tin er­nannt wer­den wol­len.
13 Die Be­fris­tung des Ar­beits­verhält­nis­ses sei auf der Grund­la­ge des Ge­set­zes über be­fris­te­te Ar­beits­verträge mit Ärz­ten in der Wei­ter­bil­dung rechts­wirk­sam. Dem Schrift­for­mer­for­der­nis sei genügt. Ent­ge­gen der Auf­fas­sung der Kläge­rin müsse der Wei­ter­bil­dungs­plan nicht Ge­gen­stand des Ar­beits­ver­trags sein. Ein de­tail­lier­ter St­un­den­plan sei nicht er­for­der­lich. Ein Ab­ar­bei­ten ei­nes an­fangs ent­wor­fe­nen Pro­gramms sei auch der Wei­ter­bil­dung nicht dien­lich.
14 Die Kläge­rin hat er­wi­dert, die Be­klag­te ver­ken­ne die wei­ter­bil­dungs­recht­li­che Si­tua­ti­on. Sie ha­be ih­re Fach­arzt­be­zeich­nung noch un­ter der Gel­tung der Wei­ter­bil­dungs­ord­nung vom 17.03.1995 (im Fol­gen­den: WBO 1995) er­wor­ben. Die An­nah­men der Be­klag­ten zu Wei­ter­bil­dungs­zeit und Wei­ter­bil­dungs­in­hal­ten gin­gen von der „neu­en“ WBO aus. Die Auf­stel­lung ei­nes Plans zur struk­tu­rier­ten Wei­ter­bil­dung stel­le kei­ne Ne­bensächlich­keit dar. Oh­ne Plan könne es kei­ne Wei­ter­bil­dung ge­ben. Die Kla­ge sei be­gründet, weil die Be­klag­te kei­nen Wei­ter­bil­dungs­plan ge­schaf­fen ha­be und auch nicht in der La­ge ge­we­sen sei, am Kran­ken­haus B. die vollständi­ge Wei­ter­bil­dung zu gewähr­leis­ten. Sie be­strei­te en­er­gisch, dass sie sich ge­genüber den Vor­ge­setz­ten re­spekt­los ver­hal­ten ha­be. Sie sei von Herrn Dr. B. und den Oberärz­ten nicht aus­rei­chend un­terstützt wor­den.
15 Mit Ur­teil vom 20.01.2015 hat das Ar­beits­ge­richt die Kla­ge ab­ge­wie­sen. Zur Be­gründung hat das Ar­beits­ge­richt aus­geführt, die Vor­aus­set­zun­gen für ei­ne Be­fris­tung nach dem Ge­setz über be­fris­te­te Ar­beits­verträge mit Ärz­ten in der Wei­ter­bil­dung sei­en erfüllt. Es genüge, dass dem Arzt die Ab­leis­tung der Wei­ter­bil­dungs­ab­schnit­te ermöglicht wer­de. Die­se An­for­de­rung sei im vor­lie­gen­den Fall erfüllt. Die zeit­li­che Struk­tur er­ge­be sich durch die Vor­ga­be der Zeit­fens­ter für die Wei­ter­bil­dung. Die in­halt­li­che Struk­tur er­ge­be sich durch den Ein­satz und der As­sis­tenz bei den durch­geführ­ten Ein­grif­fen. Ei­ne Auf­nah­me des Wei­ter­bil­dungs­plans in die Ver­trags­ur­kun­de sei nicht er­for­der­lich.
16 Ei­ne vom Wei­ter­bil­dungs­plan ab­wei­chen­de fak­ti­sche Durchführung des Ar­beits­verhält­nis­ses sei von der Kläge­rin nicht vor­ge­tra­gen. Die Kläge­rin sei in der La­ge ge­we­sen, nach den Vi­si­ten die er­for­der­li­chen Un­ter­su­chungs­zah­len zu er­wer­ben. Die Nicht­er­rei­chung der Fall­zahl ha­be we­nig Aus­sa­ge­wert. Ei­nen Grund­satz, dass ei­ne zulässi­ge Be­fris­tung nur dann ge­ge­ben sei, wenn in­ner­halb der Min­dest­aus­bil­dungs­zeit die Fall­zah­len er­reicht würden, ge­be es nicht. Die Er­rei­chung der er­for­der­li­chen Fall­zah­len hänge auch von der Wei­ter­bil­dungs­wil­lig­keit ab. Zur Fra­ge ei­ner Ro­ta­ti­on an an­de­re Stand­or­te ent­hal­te der Ar­beits­ver­trag der Par­tei­en kei­ne Ver­ein­ba­rung. Was die An­wen­dung der zu­tref­fen­den Wei­ter­bil­dungs­ord­nung an­ge­he, so sei es ei­ne Ob­lie­gen­heit der Kläge­rin ge­we­sen dar­auf hin­zu­wei­sen, dass für sie die „al­te“ Wei­ter­bil­dungs­ord­nung gel­te.
17 Ge­gen das ihr am 03.02.2015 zu­ge­stell­te Ur­teil hat die Kläge­rin am 02.03.2015 Be­ru­fung ein­ge­legt und die­se nach Verlänge­rung der Be­ru­fungs­be­gründungs­frist am 07.05.2015 be­gründet. Sie trägt vor, das Ar­beits­ge­richt ver­ken­ne die Na­tur ei­nes Wei­ter­bil­dungs­verhält­nis­ses. Das Ge­setz über be­fris­te­te Ar­beits­verträge mit Ärz­ten in der Wei­ter­bil­dung schrei­be vor, dass die Beschäfti­gung der Wei­ter­bil­dung die­nen müsse. „Die­nen“ be­deu­te nicht, dass et­was le­dig­lich „förder­lich“ sei. Die Wei­ter­bil­dung müsse den we­sent­li­chen In­halt des Ar­beits­verhält­nis­ses aus­ma­chen. Im vor­lie­gen­den Fall sei die Be­klag­te am Stand­ort B. gar nicht in der La­ge ge­we­sen, sämt­li­che Wei­ter­bil­dungs­in­hal­te zu ver­mit­teln. Die Be­klag­te sei fer­ner ver­pflich­tet ge­we­sen, der Kläge­rin ei­ne Wei­ter­bil­dung zu ver­schaf­fen, wie sich die­se aus der Wei­ter­bil­dungs­ord­nung er­ge­be. Der Wei­ter­bil­dungs­ver­trag sei ein Aus­bil­dungs­ver­trag. Der Arzt müsse Wei­ter­bil­dungs­zei­ten und Wei­ter­bil­dungs­in­hal­te er­wer­ben. Das Ar­beits­ge­richt neh­me fälsch­li­cher­wei­se an, dass der Ar­beit­ge­ber nur ver­pflich­tet sei, ein An­ge­bot zum Er­werb von Wei­ter­bil­dungs­in­hal­ten zu un­ter­brei­ten.
19 das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts Heil­bronn auf­zu­he­ben und die Be­klag­te zu ver­ur­tei­len, dass fest­ge­stellt wird, dass das zwi­schen den Par­tei­en be­ste­hen­de Ar­beits­verhält­nis über den 30.06.2014 hin­aus un­be­fris­tet fort­be­steht.
20 Die Be­klag­te be­an­tragt,
21 die Be­ru­fung der Kläge­rin kos­ten­pflich­tig zurück­zu­wei­sen.
22 Sie trägt vor, die Kläge­rin miss­ver­ste­he die Be­fris­tungs­vor­ga­ben nach dem Ge­setz über be­fris­te­te Ar­beits­verträge mit Ärz­ten in der Wei­ter­bil­dung. Das Ge­setz sol­le die Be­fris­tung von Ar­beits­verträgen mit Ärz­ten in der Wei­ter­bil­dung er­leich­tern. Es genüge, dass die Ab­leis­tung der Wei­ter­bil­dungs­ab­schnit­te ermöglicht wer­de. Es sei nicht er­for­der­lich, dass der Ar­beit­ge­ber in der La­ge sei, sämt­li­che Wei­ter­bil­dungs­in­hal­te zu ver­mit­teln. Es sei üblich und so­gar wünschens­wert, dass die Wei­ter­bil­dung bei ver­schie­de­nen Ar­beit­ge­bern statt­fin­de. Die Kläge­rin wol­le dem Ar­beit­ge­ber ab­ver­lan­gen, dass die­ser sie so weit aus­bil­de, dass sie sich zur Fach­arzt­prüfung an­mel­den könne. Die Kläge­rin ha­be je­doch die An­ge­bo­te zur Wei­ter­bil­dung nicht an­ge­nom­men.
23 Auf den Hin­weis des Vor­sit­zen­den vom 19.06.2015 hat die Be­klag­te das von Herrn Dr. B. er­stell­te Wei­ter­bil­dungs­pro­gramm vom 13.07.2010 für die Wei­ter­bil­dung zum Fach­arzt für In­ne­re Me­di­zin/In­ne­re Me­di­zin und All­ge­mein­me­di­zin vor­ge­legt. Die Kläge­rin hat hier­auf vor­ge­tra­gen, die­ses Pro­gramm sei ihr nie­mals vor­ge­legt wor­den. Das Pro­gramm pas­se auch aus ver­schie­de­ner Sicht nicht auf ih­re Wei­ter­bil­dungs­bedürf­nis­se. Es sei auf ei­ne Wei­ter­bil­dungs­zeit von 36 Mo­na­ten zu­ge­schnit­ten. Der Plan sei wert­los, weil er nicht berück­sich­ti­ge, dass sie an ih­ren bis­he­ri­gen Tätig­kei­ten be­reits ei­ne Viel­zahl von Wei­ter­bil­dungs­in­hal­ten er­wor­ben ha­be. Ihr sei von Herrn Dr. B. zu­ge­si­chert wor­den, dass sie al­le noch feh­len­den En­do­sko­pie­zah­len am Stand­ort B. er­rei­chen könne. Ei­ne Ro­ta­ti­on an an­de­re Stand­or­te der Be­klag­ten sei möglich ge­we­sen.
24 Die Be­klag­te hat ergänzend vor­ge­tra­gen, der vor­ge­leg­te Wei­ter­bil­dungs­plan ent­spre­che den Vor­ga­ben der Lan­desärz­te­kam­mer. Die Lan­desärz­te­kam­mer ha­be Herrn Dr. B. ei­ne Wei­ter­bil­dungs­ermäch­ti­gung für 18 Mo­na­te er­teilt, weil be­stimm­te Un­ter­su­chun­gen im Kran­ken­haus B. nicht an­ge­bo­ten wer­den könn­ten. Ent­ge­gen der Auf­fas­sung der Kläge­rin bedürfe es kei­nes mi­nu­tiösen St­un­den­plans. Auf ei­ne Ro­ta­ti­on be­ste­he kein An­spruch.
We­gen der Ein­zel­hei­ten des Sach- und Streit­stands wird gemäß § 64 Abs. 6 ArbGG, § 313 Abs. 2 Satz 2 ZPO auf den In­halt der ge­wech­sel­ten Schriftsätze nebst An­la­gen so­wie auf die Pro­to­kol­le über die münd­li­chen Ver­hand­lun­gen ver­wie­sen.
26 Die Be­ru­fung der Kläge­rin ist gemäß § 64 Abs. 2 a ArbGG statt­haft. Sie ist auch gemäß § 66 Abs. 1 Satz 1 ArbGG, §§ 519, 520 ZPO in der ge­setz­li­chen Form und Frist ein­ge­legt und be­gründet wor­den.
27 1. Nach der ge­nann­ten Vor­schrift muss die Be­ru­fungs­be­gründung die Umstände be­zeich­nen, aus de­nen sich die Rechts­ver­let­zung durch das an­ge­foch­te­ne Ur­teil und de­ren Er­heb­lich­keit für das Er­geb­nis der Ent­schei­dung er­gibt. Die Re­ge­lung soll gewähr­leis­ten, dass der Rechts­streit für die Be­ru­fungs­in­stanz durch ei­ne Zu­sam­men­fas­sung und Be­schränkung des Rechts­stoffs aus­rei­chend vor­be­rei­tet wird. Die Be­ru­fungs­be­gründung muss des­halb auf den Streit­fall zu­ge­schnit­ten sein. Ei­ne schlüssi­ge Be­gründung kann zwar nicht ver­langt wer­den. Doch muss sich die Be­ru­fungs­be­gründung mit den recht­li­chen oder tatsächli­chen Ar­gu­men­ten des an­ge­foch­te­nen Ur­teils be­fas­sen, wenn sie die­se bekämp­fen will (zu­letzt BAG 19.02.2013 - 9 AZR 543/11 - Ju­ris; BAG 16.05.2012 - 4 AZR 245/10 - NZA - RR 2012, 599). Bei meh­re­ren Streit­ge­genständen muss für je­den Streit­ge­gen­stand ei­ne sol­che Be­gründung ge­ge­ben wer­den. Fehlt sie zu ei­nem Streit­ge­gen­stand, ist die Be­ru­fung in­so­weit un­zulässig (BAG 15.03.2006 - 4 AZR 73/05 - AP ZPO § 551 Nr. 63; BAG 12.11.2002 - 1 AZR 632/01 - AP Be­trVG 1972 § 112 Nr. 155; je­weils zur ver­gleich­ba­ren Vor­schrift des § 551 Abs. 3 Nr. 2 ZPO).
28 2. Die­sen An­for­de­run­gen genügt die Be­ru­fung der Kläge­rin. Die - knap­pe - Be­ru­fungs­be­gründung setzt sich noch hin­rei­chend mit der tra­gen­den Be­gründung des Ar­beits­ge­richts un­ter 2.5 des Ur­teils aus­ein­an­der, für ei­ne zeit­lich und in­halt­lich struk­tu­rier­te Wei­ter­bil­dung genüge es, wenn die Ab­leis­tung der Wei­ter­bil­dungs­ab­schnit­te durch den Ar­beit­ge­ber ermöglicht wer­de. Die Kläge­rin rügt, un­ter „die­nen“ im Sin­ne von § 1 Abs. 1 ÄArbV­trG sei mehr als nur „förder­lich“ sein zu ver­ste­hen. Der Arzt müsse ganz über­wie­gend zu sei­ner Wei­ter­bil­dung beschäftigt wer­den. Die Wei­ter­bil­dung müsse den we­sent­li­chen In­halt des Ar­beits­verhält­nis­ses aus­ma­chen.
Mit die­sen Erwägun­gen hat die Kläge­rin hin­rei­chend deut­lich ge­macht, mit wel­chen Ar­gu­men­ten sie das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts bekämp­fen will. Von sei­ner Grund­an­nah­me aus­ge­hend hat das Ar­beits­ge­richt un­ter 2.5.2 des Ur­teils im Ein­zel­nen aus­geführt, aus wel­chen Gründen der Kläge­rin die Ab­leis­tung der Wei­ter­bil­dungs­ab­schnit­te möglich ge­we­sen sei. Un­ter 2.5.3 des Ur­teils hat das Ar­beits­ge­richt schließlich erörtert, dass die Kläge­rin kei­ne ab­wei­chen­de Durchführung des Ar­beits­verhält­nis­ses dar­ge­legt ha­be. Stellt man - wie die Kläge­rin - aber die Grund­an­nah­me des Ar­beits­ge­richts in Fra­ge, so er­gibt sich zwangsläufig, dass auch die Sub­sum­ti­on hätte an­ders aus­fal­len müssen. Es war da­her nicht er­for­der­lich, dass sich die Kläge­rin mit den Ein­zel­be­gründun­gen des Ar­beits­ge­richts un­ter 2.5.2 und 2.5.3 des Ur­teils aus­ein­an­der­setz­te.
Die Be­ru­fung der Kläge­rin ist be­gründet. Die Kam­mer kann sich nicht der Auf­fas­sung des Ar­beits­ge­richts an­sch­ließen, dass das Ar­beits­verhält­nis der Par­tei­en mit Ab­lauf des 30.06.2014 ge­en­det hat. Die Be­fris­tung war nicht auf der Grund­la­ge des § 1 Abs. 1 ÄArbV­trG rechts­wirk­sam.
31 1. Die Kla­ge ist zulässig. Die Kläge­rin hat in der Be­ru­fungs­ver­hand­lung klar­ge­stellt, dass Ge­gen­stand ih­rer Kla­ge ei­ne Be­fris­tungs­kon­troll­kla­ge nach § 17 Tz­B­fG ist. Gemäß § 1 Abs. 5 ÄArbV­trG sind die ar­beits­recht­li­chen Vor­schrif­ten und Grundsätze über be­fris­te­te Ar­beits­verträge an­zu­wen­den, so­weit sie den Vor­schrif­ten des § 1 Abs. 1 - 4 ÄArbV­trG nicht wi­der­spre­chen. Dies be­deu­tet, dass bei Strei­tig­kei­ten über die Wirk­sam­keit ei­ner Be­fris­tung § 17 Tz­B­fG An­wen­dung fin­det (statt vie­ler Er­fur­ter Kom­men­tar/Müller-Glöge, 15. Aufl., §§ 1 - 3 ÄArbV­trG Rn 12).
32 2. Die Kla­ge ist auch be­gründet. Man­gels ei­ner zeit­lich und in­halt­lich struk­tu­rier­ten Wei­ter­bil­dung für den Er­werb ei­ner An­er­ken­nung für den Schwer­punkt „Gas­tro­en­te­ro­lo­gie“ kann die Be­klag­te die Be­fris­tung in § 1 des Ar­beits­ver­trags vom 13./21.06.2012 nicht auf § 1 Abs. 1 ÄArbV­trG stützen.
33 a) Nach § 1 Abs. 1 ÄArbV­trG liegt ein die Be­fris­tung ei­nes Ar­beits­ver­tra­ges mit ei­nem Arzt recht­fer­ti­gen­der sach­li­cher Grund vor, wenn die Beschäfti­gung des Arz­tes sei­ner zeit­lich und in­halt­lich struk­tu­rier­ten Wei­ter­bil­dung zum Fach­arzt oder dem Er­werb ei­ner An­er­ken­nung für ei­nen Schwer­punkt oder dem Er­werb ei­ner Zu­satz­be­zeich­nung, ei­nes Fach­kun­de­nach­wei­ses oder ei­ner Be­schei­ni­gung über ei­ne fa­kul­ta­ti­ve Wei­ter­bil­dung dient. Nach § 1 Abs. 2 ÄArbV­trG be­stimmt sich die Dau­er der Be­fris­tung im Rah­men der Abs. 3 und 4 aus­sch­ließlich nach der ver­trag­li­chen Ver­ein­ba­rung; sie muss ka­len­dermäßig be­stimmt oder be­stimm­bar sein.
34 Gemäß § 1 Abs. 3 Sätze 1-5 ÄArbV­trG kann ein be­fris­te­ter Ar­beits­ver­trag nach Abs. 1 auf die not­wen­di­ge Zeit für den Er­werb der An­er­ken­nung als Fach­arzt oder den Er­werb ei­ner Zu­satz­be­zeich­nung, höchs­tens bis zur Dau­er von 8 Jah­ren, ab­ge­schlos­sen wer­den. Zum Zwe­cke des Er­werbs ei­ner An­er­ken­nung für ei­nen Schwer­punkt oder des an die Wei­ter­bil­dung zum Fach­arzt an­sch­ließen­den Er­werbs ei­ner Zu­satz­be­zeich­nung, ei­nes Fach­kun­de­nach­wei­ses oder ei­ner Be­schei­ni­gung über ei­ne fa­kul­ta­ti­ve Wei­ter­bil­dung kann ein wei­te­rer be­fris­te­ter Ar­beits­ver­trag für den Zeit­raum, der für den Er­werb vor­ge­schrie­ben ist, ver­ein­bart wer­den. Wird die Wei­ter­bil­dung im Rah­men ei­ner Teil­zeit­beschäfti­gung ab­ge­leis­tet und verlängert sich der Wei­ter­bil­dungs­zeit­raum hier­durch über die zeit­li­chen Gren­zen der Sätze 1 und 2 hin­aus, können die­se um die Zeit die­ser Verlänge­rung über­schrit­ten wer­den. Er­folgt die Wei­ter­bil­dung nach Abs. 1 im Rah­men meh­re­rer be­fris­te­ter Ar­beits­verträge, so dürfen sie ins­ge­samt die zeit­li­chen Gren­zen nach den Sätzen 1, 2 und 3 nicht über­schrei­ten. Die Be­fris­tung darf den Zeit­raum nicht un­ter­schrei­ten, für den der wei­ter­bil­den­de Arzt die Wei­ter­bil­dungs­be­fug­nis be­sitzt.
35 b) Im Ar­beits­ver­trag der Par­tei­en vom 13./21.06.2012 ist un­ter § 1 an­ge­kreuzt, dass die vor­lie­gen­de Be­fris­tung zum Er­werb ei­ner Zu­satz­be­zeich­nung etc. er­fol­ge. Die­se Be­zeich­nung ist nach dem übe­rein­stim­men­den Vor­brin­gen der Par­tei­en un­rich­tig. Die Be­fris­tung er­folg­te, weil die Kläge­rin die An­er­ken­nung für den Schwer­punkt „Gas­tro­en­te­ro­lo­gie“ er­wer­ben woll­te. So­wohl nach der „al­ten“ Wei­ter­bil­dungs­ord­nung 1995 als auch nach der der­zeit gel­ten­den Wei­ter­bil­dungs­ord­nung 2006 han­delt es sich bei der Spe­zia­li­sie­rung auf die Gas­tro­en­te­ro­lo­gie um ei­nen Schwer­punkt in­ner­halb der Fach­arzt­wei­ter­bil­dung „In­ne­re Me­di­zin“. In der Wei­ter­bil­dungs­ord­nung 1995 war die Gas­tro­en­te­ro­lo­gie un­ter 15.C.3 (Sei­te 44 der WBO 1995 im An­la­gen­band) aus­drück­lich als Schwer­punkt aus­ge­wie­sen. Aus der Wei­ter­bil­dungs­ord­nung 2006 er­gibt sich nichts an­de­res. Dort ist der Fach­arzt/die Fachärz­tin für In­ne­re Me­di­zin und Gas­tro­en­te­ro­lo­gie im Ab­schnitt B.13.4 (Sei­te 79 der WBO 2006, ab­ruf­bar aus dem In­ter­net­auf­tritt der Lan­desärz­te­kam­mer Ba­den-Würt­tem­berg) im Ab­schnitt B „Ge­bie­te, Fach­arzt- und Schwer­punkt­kom­pe­ten­zen“ auf­geführt.
36 Die Falsch­be­zeich­nung der Par­tei­en im Ar­beits­ver­trag führt al­ler­dings nicht zur Un­wirk­sam­keit der Be­fris­tung. Das Ge­setz über be­fris­te­te Ar­beits­verträge mit Ärz­ten in der Wei­ter­bil­dung kennt kein Zi­tier­ge­bot. Der je­wei­li­ge Be­fris­tungs­grund muss da­her im Ar­beits­ver­trag nicht kon­kret be­nannt wer­den. Der sach­grund­be­zo­ge­ne Wei­ter­bil­dungs­zweck muss ggf. durch die Aus­le­gung des Ver­trags er­mit­telt wer­den (KR-Tre­ber, 10. Aufl., § 1-3 ÄArbV­trG Rn 15; APS-Schmidt, 4. Aufl., §§ 1-3 ÄArbV­trG Rn 16; LAG Hamm 02.10.2008 - 17 Sa 816/08 - Rn 86 ff.). Im Streit­fall er­gibt die Aus­le­gung des Ar­beits­ver­tra­ges, dass die Par­tei­en die Be­fris­tung auf ei­ne Wei­ter­bil­dung zum Er­werb ei­ner An­er­ken­nung für den Schwer­punkt „Gas­tro­en­te­ro­lo­gie“ stützen woll­ten. Denn aus­sch­ließlich die­se Wei­ter­bil­dung war der Ge­gen­stand der Par­tei­ver­ein­ba­run­gen.
37 c) Nach § 1 Abs. 1 ÄArbV­trG liegt ein Be­fris­tungs­grund im Sin­ne des Ge­set­zes nur dann vor, wenn die Beschäfti­gung des Arz­tes sei­ner „zeit­lich und in­halt­lich struk­tu­rier­ten Wei­ter­bil­dung“ dient. Ent­ge­gen der Auf­fas­sung der Kläge­rin ist es hierfür nicht er­for­der­lich, dass die Par­tei­en ei­nen ent­spre­chen­den Wei­ter­bil­dungs­plan förm­lich zum In­halt ih­res Ar­beits­ver­trags ma­chen.
38 aa) Die Kläge­rin hat sich in­so­weit auf ein Ur­teil des Ar­beits­ge­richts Mann­heim vom 16.05.2013 in der Rechts­sa­che 3 Ca 285/12 be­ru­fen. In die­sem Ur­teil hat das Ar­beits­ge­richt Mann­heim auf Sei­te 7 aus­geführt, ein ent­spre­chen­des Pro­gramm, das nicht nur in­halt­li­che, son­dern auch zeit­li­che Ab­fol­gen der Wei­ter­bil­dungs­in­hal­te re­ge­le, müsse ent­we­der in den Ver­trag auf­ge­nom­men wer­den oder mit die­sem ver­bun­den sein.
39 bb) Die­se Auf­fas­sung fin­det je­doch im Ge­setz kei­ne Stütze. Da das Ge­setz über be­fris­te­te Ar­beits­verträge mit Ärz­ten in der Wei­ter­bil­dung kein Zi­tier­ge­bot kennt, be­darf es auch kei­ner kon­kre­ten An­ga­be des Be­fris­tungs­grun­des im Ar­beits­ver­trag (so be­reits BAG 24.04.1996 - 7 AZR 428/95 - AP HRG § 97 b Nr. 10). Wenn es aber nicht ein­mal der An­ga­be des Be­fris­tungs­grun­des im Ar­beits­ver­trag be­darf, dann sind erst recht kei­ne wei­terführen­den An­ga­ben zur zeit­li­chen und in­halt­li­chen Struk­tur der Wei­ter­bil­dung auf­zu­neh­men. So­weit sich das Ar­beits­ge­richt Mann­heim auf Par­al­le­len zum Teil­zeit- und Be­fris­tungs­ge­setz be­ruft, so sind die­se nicht er­sicht­lich. Es ent­spricht viel­mehr der ein­hel­li­gen Auf­fas­sung in Recht­spre­chung und Li­te­ra­tur, dass der Be­fris­tungs­grund im Sin­ne der §§ 14 Abs. 1-3 Tz­B­fG nicht Ver­trags­in­halt sein muss. Es ist aus­rei­chend, dass der sach­li­che Grund bei Ver­trags­schluss ob­jek­tiv vor­liegt (vgl. nur BAG 23.06.2004 - 7 AZR 636/03 - AP Tz­B­fG § 14 Nr. 12; APS-Grei­ner, 4. Aufl. § 14 Tz­B­fG Rn 486 mit zahl­rei­chen Nach­wei­sen). Dem­zu­fol­ge stellt die Auf­nah­me des Wei­ter­bil­dungs­plans in den be­fris­te­ten Ar­beits­ver­trag kei­ne Wirk­sam­keits­vor­aus­set­zung dar.
40 d) Wirk­sam­keits­vor­aus­set­zung für die Be­fris­tung nach § 1 Abs. 1 ÄArbV­trG ist es je­doch, dass die Beschäfti­gung des Arz­tes sei­ner zeit­lich und in­halt­lich struk­tu­rier­ten Wei­ter­bil­dung ob­jek­tiv dient. Die Fra­ge, wel­che An­for­de­run­gen an ei­ne sol­che Wei­ter­bil­dung im Ein­zel­nen zu stel­len sind, wird in Recht­spre­chung (LAG Ber­lin 10.10.2006 - 12 Sa 806/06 - Rn 27; LAG Ber­lin-Bran­den­burg 16.10.2009 - 9 Sa 1242/09- Rn. 23) und Schrift­tum (KR-Tre­ber aaO Rn. 20; APS-Schmidt aaO Rn. 15; KSchR-Däubler/Wro­blew­ski 9. Aufl. § 1 ÄArbV­trG Rn: 9; Er­fur­ter Kom­men­tar/Müller-Glöge, 15. Aufl. §§ 1 - 3 ÄArbV­trG Rn. 4; Künzl NZA 2008, 1101) bis­her nicht ver­tieft erörtert. Die Aus­le­gung der Vor­schrift er­gibt, dass der Ar­beit­ge­ber bei Ab­schluss des be­fris­te­ten Ar­beits­ver­trags zu die­sem Zweck ei­ne Wei­ter­bil­dungs­pla­nung er­stel­len muss, die zeit­lich und in­halt­lich auf die kon­kre­te Wei­ter­bil­dung zu­ge­schnit­ten ist. Die Pla­nung muss nicht In­halt der (schrift­li­chen) Be­fris­tungs­ab­re­de sein. Sie muss je­doch ob­jek­tiv vor­lie­gen und im Pro­zess dar­ge­legt wer­den.
41 aa) Der Wort­laut der Vor­schrift ist nur ein­ge­schränkt er­gie­big. Nach dem Ge­set­zes­wort­laut genügt es, wenn die Beschäfti­gung dem Wei­ter­bil­dungs­zweck „dient“. Al­ler­dings soll die Wei­ter­bil­dung zeit­lich und in­halt­lich struk­tu­riert sein. Vor der Einfügung der letzt­ge­nann­ten Tat­be­stands­vor­aus­set­zung durch das 1. Ge­setz zur Ände­rung des Ge­set­zes über be­fris­te­te Ar­beits­verträge mit Ärz­ten in der Wei­ter­bil­dung vom 16.12.1997 (BGBl I S. 2994) ver­trat das Bun­des­ar­beits­ge­richt mit Ur­teil vom 24.04.1996 (aaO Rn 19) die Auf­fas­sung, das Ge­setz las­se es genügen, dass die Beschäfti­gung die­sen Zweck fördert. Der Arzt müsse nicht aus­sch­ließlich zu sei­ner Wei­ter­bil­dung beschäftigt sein. Aus die­sen Ausführun­gen er­gibt sich aber noch nicht, wel­che An­for­de­run­gen an die Struk­tu­rie­rung der Wei­ter­bil­dung zu stel­len sind.
42 bb) We­sent­li­che An­halts­punk­te hier­zu er­ge­ben sich aus den Ge­setz­ge­bungs­ma­te­ria­li­en. Das Ge­setz über be­fris­te­te Ar­beits­verträge mit Ärz­ten in der Wei­ter­bil­dung vom 15.05.1986 wur­de im Zu­sam­men­hang ei­nes Ge­setz­ent­wur­fes der Frak­tio­nen der CDU/CSU und FDP zur Ände­rung der Bun­desärz­te­ord­nung vom 25.06.1985 ge­schaf­fen (Bun­des­tags-Drs. 10/3559). Aus­weis­lich der Ent­wurfs­be­gründung hat­te die ge­setz­li­che Neu­re­ge­lung das Ziel, nach Einführung des „Arz­tes im Prak­ti­kum“ die Fluk­tua­ti­on von Ärz­ten im Kran­ken­haus­be­reich zu fördern. Aus die­sem Grund soll­ten ge­setz­li­che Möglich­kei­ten zum Ab­schluss be­fris­te­ter Ar­beits­verträge für Ärz­te in der Wei­ter­bil­dung ge­schaf­fen wer­den. Im wei­te­ren Ver­lauf des Ge­setz­ge­bungs­ver­fah­rens wur­de die vor­ge­se­he­ne Neu­re­ge­lung in ei­ne ei­genständi­ge ar­beits­recht­li­che Re­ge­lung, je­doch oh­ne we­sent­li­che Ände­rung, überführt (Bun­des­tags-Drs. 10/4748).
43 Das bis zum 31.12.1997 be­fris­te­te Ge­setz wur­de durch das 1. Ge­setz zur Ände­rung des Ge­set­zes über be­fris­te­te Ar­beits­verträge mit Ärz­ten in der Wei­ter­bil­dung vom 16.12.1997 auf un­be­stimm­te Zeit verlängert und in we­sent­li­chen Tei­len geändert. So wur­de in § 1 Abs. 1 ÄArbV­trG die Wörter „zeit­lich und in­halt­lich struk­tu­rier­ten“ vor das Wort „Wei­ter­bil­dung“ ein­gefügt. Zur Be­gründung für die­se Ände­rung wur­de in der Ent­wurfs­be­gründung aus­geführt (Bun­des­tags-Drs. 13/8668 S. 6):
44 „Die Be­fris­tung von Ar­beits­verhält­nis­sen in der Wei­ter­bil­dung stellt ei­nen ge­nau um­ris­se­nen Aus­nah­me­tat­be­stand dar, der zu ei­ner Ein­schränkung der Ge­stal­tungs­frei­heit der Ar­beits­ver­trags­par­tei­en führen kann. Des­halb sind stren­ge An­for­de­run­gen an die Be­fris­tung fest­zu­le­gen. Die Be­fris­tungsmöglich­keit ist da­her dar­an ge­bun­den, dass es sich bei den be­fris­te­ten Ar­beits­verhält­nis­sen im­mer kon­kret um Wei­ter­bil­dung han­delt. Tätig­kei­ten, die nicht der Wei­ter­bil­dung die­nen, können nicht für ei­ne Be­fris­tung her­an­ge­zo­gen wer­den. Nur auf die­se Wei­se kann Miss­brauch aus­ge­schlos­sen wer­den. Durch die Bin­dung der Be­fris­tung an die Er­for­der­nis­se ei­ner zeit­lich und in­halt­lich struk­tu­rier­ten Wei­ter­bil­dung wird si­cher­ge­stellt, dass die ärzt­li­che Tätig­keit tatsächlich der Wei­ter­bil­dung dient und dem Arzt die für sei­ne Wei­ter­bil­dung er­for­der­li­che Ab­leis­tung der Wei­ter­bil­dungs­ab­schnit­te ermöglicht wird.“
45 In der Be­schluss­emp­feh­lung und dem Be­richt des Aus­schus­ses für Ge­sund­heit vom 29.10.1997 (Bun­des­tags-Drs. 13/8862 S. 6) wer­den die­se Ausführun­gen na­he­zu wört­lich wie­der­holt.
46 An die­ser Rechts­la­ge hat sich bis heu­te nichts mehr geändert, auch wenn der ursprüng­li­che Re­ge­lungs­an­lass für das Ge­setz, die Einführung ei­ner 18-mo­na­ti­gen Pra­xis­pha­se als Arzt im Prak­ti­kum mitt­ler­wei­le ent­fal­len ist. Der Arzt im Prak­ti­kum wur­de mit Wir­kung vom 01.10.2004 wie­der ab­ge­schafft.
47 Aus den Ge­set­zes­ma­te­ria­li­en folgt, dass die vom Ar­beits­ge­richt her­vor­ge­ho­be­ne Zweck­set­zung, die Ab­leis­tung der Wei­ter­bil­dungs­ab­schnit­te sol­le ermöglicht wer­den, nicht iso­liert von dem Be­stre­ben des Ge­setz­ge­bers ge­se­hen wer­den darf, die Be­fris­tungsmöglich­keit kon­kret an den Wei­ter­bil­dungs­zweck zu bin­den. Der Ge­setz­ge­ber woll­te die Be­fris­tungs­vor­aus­set­zun­gen verschärfen (so auch KR-Tre­ber aaO Rn 21; LAG Ber­lin 10.10.2006 - 12 Sa 806/06 - Rn 27). Dies be­deu­tet, dass der Ar­beit­ge­ber dem in Wei­ter­bil­dung be­find­li­chen Arzt die Ab­leis­tung der Wei­ter­bil­dungs­ab­schnit­te nicht durch „ir­gend­ei­ne“ Wei­ter­bil­dung, son­dern ge­ra­de durch ei­ne zeit­lich und in­halt­lich struk­tu­rier­te Wei­ter­bil­dung ermögli­chen muss.
48 cc) Der Sinn und Zweck des Ge­set­zes spricht dafür, dass der Ar­beit­ge­ber bei Ab­schluss des be­fris­te­ten Ar­beits­ver­trags ei­nen auf die kon­kre­te Wei­ter­bil­dung zu­ge­schnit­te­nen Wei­ter­bil­dungs­plan zu er­stel­len hat. Die­ser Plan muss nicht schrift­lich nie­der­ge­legt wer­den, auch wenn sich dies aus Be­weis­gründen emp­feh­len wird. Es muss aber ob­jek­tiv fest­stell­bar sein, wie sich der Ar­beit­ge­ber ei­ne zeit­lich und in­halt­lich struk­tu­rier­te Wei­ter­bil­dung vor­ge­stellt hat. Die­se Be­fris­tungs­vor­aus­set­zung folgt aus fol­gen­den Erwägun­gen:
49 § 1 Abs. 1 ÄArbV­trG knüpft durch die Be­zug­nah­me auf den die Be­fris­tung recht­fer­ti­gen­den Sach­grund an die all­ge­mei­nen Re­ge­lun­gen über die Be­fris­tung von Ar­beits­verhält­nis­sen an. Nach der ständi­gen Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts ist die Wirk­sam­keit ei­ner Be­fris­tungs­ab­re­de grundsätz­lich nach den Verhält­nis­sen im Zeit­punkt des Ver­trags­ab­schlus­ses zu be­ur­tei­len. Die Pro­gno­se ist da­her der we­sent­li­che Teil des Sach­grun­des für ei­ne Be­fris­tung. Geht es um den Sach­grund des vorüber­ge­hen­den be­trieb­li­chen Be­darfs nach § 14 Abs. 1 Satz 2 Nr. 1 Tz­B­fG, so hat der Ar­beit­ge­ber im Pro­zess dar­zu­le­gen, dass im Zeit­punkt des Ver­trags­schlus­ses die Pro­gno­se ge­recht­fer­tigt war, nach dem vor­ge­se­he­nen Ver­trags­en­de be­ste­he für die Beschäfti­gung des be­fris­tet ein­ge­stell­ten Ar­beit­neh­mers kein be­trieb­li­cher Be­darf mehr (zu­letzt BAG 15.10.2014 - 7 AZR 893/12 - NZA 2015, 362). Geht es um den Sach­grund der Ver­tre­tung nach § 14 Abs. 1 Satz 2 Nr. 3 Tz­B­fG, so be­darf es ei­ner Pro­gno­se des Ar­beit­ge­bers über den vor­aus­sicht­li­chen Weg­fall des Ver­tre­tungs­be­darfs durch die Rück­kehr der Stamm­kraft (zu­letzt BAG 29.04.2015 - 7 AZR 310/13 NZA 2015, 928).
50 Im vor­lie­gen­den Fall der ärzt­li­chen Wei­ter­bil­dung hat sich die Pro­gno­se des Ar­beit­ge­bers dar­auf zu er­stre­cken, der zur Wei­ter­bil­dung beschäftig­te Arzt wer­de bis zum vor­ge­se­he­nen Ver­trags­en­de die be­ab­sich­tig­te Wei­ter­bil­dung ent­we­der ab­sch­ließen oder zu­min­dest we­sent­li­che Wei­ter­bil­dungs­in­hal­te er­wer­ben können. Eben­so wie bei den oben ge­nann­ten Sach­gründen muss im Zeit­punkt des Ver­trags­schlus­ses mit hin­rei­chen­der Si­cher­heit zu er­war­ten sein, dass die an­ge­streb­ten Wei­ter­bil­dungs­in­hal­te er­wor­ben wer­den können (so auch LAG Ber­lin-Bran­den­burg 16.10.2009 aaO Rn 24).
51 Ei­ne der­ar­ti­ge Pro­gno­se setzt zwin­gend vor­aus, dass der Ar­beit­ge­ber im Zeit­punkt des Ver­trags­schlus­ses Über­le­gun­gen da­zu an­stellt, wel­che Wei­ter­bil­dungs­in­hal­te der be­tref­fen­de Arzt er­wer­ben möch­te und auf wel­che Wei­se der Er­werb im Lau­fe des be­fris­te­ten Ar­beits­verhält­nis­ses statt­fin­den soll. Er­for­der­lich ist so­mit ein Wei­ter­bil­dungs­plan. Wel­che An­for­de­run­gen an die­sen Plan zu stel­len sind, rich­tet sich nach den Umständen des Ein­zel­falls. Steht et­wa ein ap­pro­bier­ter Arzt zu Be­ginn sei­ner Fach­arzt­aus­bil­dung für In­ne­re Me­di­zin, so mag das von der Be­klag­ten vor­ge­leg­te Pro­gramm vom 13.07.2010 (An­la­ge BB1) für ei­nen Wei­ter­bil­dungs­plan genügen. Geht es aber um ei­ne Ärz­tin wie die Kläge­rin, die be­reits vor ei­ni­gen Jah­ren die Fach­arz­ta­n­er­ken­nung er­wor­ben hat und darüber hin­aus je­den­falls in Ar­beits­verhält­nis­sen beim Land­kreis E. und beim Städti­schen Kli­ni­kum K. be­reits Wei­ter­bil­dungs­in­hal­te für den Schwer­punkt „Gas­tro­en­te­ro­lo­gie“ er­wor­ben hat, so genügt ein sol­ches all­ge­mei­nes Pro­gramm er­sicht­lich nicht. Denn um in ei­nem sol­chen Fall die Wei­ter­bil­dung zeit­lich und in­halt­lich zu struk­tu­rie­ren, muss zu Be­ginn des Ar­beits­verhält­nis­ses fest­ge­stellt wer­den, wel­che Wei­ter­bil­dungs­in­hal­te dem be­tref­fen­den Arzt noch feh­len und in wel­chem Zeit­raum er sie mut­maßlich in der be­tref­fen­den Ein­rich­tung er­wer­ben kann. Oh­ne ei­ne sol­che Pla­nung würde die Beschäfti­gung des Arz­tes sei­ne Wei­ter­bil­dung nicht fördern; von ei­ner „Dien­lich­keit“ im Sin­ne des Ge­set­zes könn­te kei­ne Re­de sein. Die Wei­ter­bil­dung wäre ei­ne sol­che „auf das Ge­ra­te­wohl“.
52 e) Den auf­ge­zeig­ten An­for­de­run­gen an ei­ne zeit­lich und in­halt­lich struk­tu­rier­te Wei­ter­bil­dung genügt die von der Be­klag­ten dar­ge­leg­te Wei­ter­bil­dungs­pla­nung nicht.
53 aa) Die Par­tei­en ha­ben zu Be­ginn des Ar­beits­verhält­nis­ses kei­ne Über­le­gun­gen da­zu an­ge­stellt, wel­che Wei­ter­bil­dungs­in­hal­te und -zei­ten die Kläge­rin noch er­wer­ben muss. Maßgeb­lich hängt dies da­von ab, ob auf die vor­lie­gen­de Wei­ter­bil­dung der Kläge­rin die Wei­ter­bil­dungs­ord­nung 1995 oder die Wei­ter­bil­dungs­ord­nung 2006 An­wen­dung fin­det. Nach der Wei­ter­bil­dungs­ord­nung 1995 beträgt die Wei­ter­bil­dungs­zeit im Schwer­punkt „Gas­tro­en­te­ro­lo­gie“ zwei Jah­re (S. 44 der WBO 1995); nach der Wei­ter­bil­dungs­ord­nung 2006 beläuft sich die­se auf drei Jah­re (S. 79 der WBO 2006). Würde ers­te­res zu­tref­fen, so hätte sich an­ge­sichts der schon ab­ge­leis­te­ten Wei­ter­bil­dungs­zeit im Schwer­punkt „Gas­tro­en­te­ro­lo­gie“ (wohl 15 Mo­na­te) die Fra­ge ge­stellt, ob das vor­lie­gen­de Ar­beits­verhält­nis we­gen § 1 Abs. 3 Satz 4 ÄArbV­trG über­haupt noch für die Dau­er von zwei Jah­ren be­fris­tet wer­den kann.
54 Die Kläge­rin ist selbst zunächst von der An­wend­bar­keit der Wei­ter­bil­dungs­ord­nung 2006 aus­ge­gan­gen, weil sie sonst nicht den Aus­zug aus den Richt­li­ni­en zu die­ser Wei­ter­bil­dungs­ord­nung vor­ge­legt hätte (An­la­ge K 3). Erst im Lau­fe des Rechts­streits hat die Kläge­rin vor­ge­tra­gen, die von ihr an­ge­streb­te An­er­ken­nung für den Schwer­punkt „Gas­tro­en­te­ro­lo­gie“ rich­te sich noch nach der Wei­ter­bil­dungs­ord­nung 1995. Hierfür spricht auch vie­les, weil nach den Über­g­angs­be­stim­mun­gen der Wei­ter­bil­dungs­ord­nung 2006 (Sei­te 89 der WBO 2006) Kam­mer­an­gehöri­ge, die vor dem 01.05.2006 ei­ne Wei­ter­bil­dung im Ge­biet In­ne­re Me­di­zin so­wie de­ren Schwer­punk­te be­gon­nen ha­ben, die­se nach den Be­stim­mun­gen der bis­he­ri­gen Wei­ter­bil­dungs­ord­nung bis zum 30.04.2016 ab­sch­ließen können.
55 bb) Dem Vor­brin­gen der Par­tei­en kann nicht ent­nom­men wer­den, dass sie bei Ab­schluss des be­fris­te­ten Ar­beits­ver­trags ab­geklärt ha­ben, wel­che Wei­ter­bil­dungs­in­hal­te die Kläge­rin in ih­ren frühe­ren Ar­beits­verhält­nis­sen zum Schwer­punkt „Gas­tro­en­te­ro­lo­gie“ be­reits er­wor­ben hat­te und wel­che sie noch er­wer­ben muss. Wenn die Be­klag­te auf Sei­te 19 ih­res Schrift­sat­zes vom 12.11.2014 vor­ge­tra­gen hat, Herr Dr. B. ha­be sein der Lan­desärz­te­kam­mer vor­ge­leg­tes Wei­ter­bil­dungs­pro­gramm auf das Ar­beits­verhält­nis mit der Kläge­rin an­ge­wandt, so geht die­ses Pro­gramm an den hie­si­gen Wei­ter­bil­dungs­er­for­der­nis­sen ge­ra­de vor­bei, weil es sich le­dig­lich auf die 36-mo­na­ti­ge Ba­sis­wei­ter­bil­dung be­zieht. Wenn die Be­klag­te hier­zu ein­wen­det (S. 21 des Schrift­sat­zes), ein ein­mal ent­wor­fe­nes Pro­gramm sei der Wei­ter­bil­dung nicht dien­lich, so ist dem ent­ge­gen­zu­hal­ten, dass ein Wei­ter­bil­dungs­plan eben nur ei­ne Pla­nung dar­stellt, von der auf­grund der ak­tu­el­lem Bedürf­nis­se ab­ge­wi­chen wer­den kann.
56 cc) Die von der Be­klag­ten vor­ge­leg­te zeit­li­che Pla­nung (S. 6 des Schrift­sat­zes vom 12.11.2014) hat oh­ne ei­ne in­halt­li­che Struk­tu­rie­rung der Wei­ter­bil­dung kei­ne aus­rei­chen­de Ba­sis. Zu ei­ner zeit­li­chen Wei­ter­bil­dungs­pla­nung gehört zwar si­cher­lich die Auf­stel­lung ei­nes Ta­ges­plans, der dem Arzt in Wei­ter­bil­dung aus­rei­chend die Ge­le­gen­heit zur Wei­ter­bil­dung gibt. Zu ei­ner zeit­li­chen Pla­nung gehört aber auch, dass die Par­tei­en Über­le­gun­gen da­zu an­stel­len, in wel­chen Zeiträum­en die er­for­der­li­chen Wei­ter­bil­dungs­in­hal­te er­wor­ben wer­den sol­len. Oh­ne ei­ne der­ar­ti­ge Pla­nung kann im Lauf des Ar­beits­verhält­nis­ses nicht über­prüft wer­den, ob der Wei­ter­bil­dungs­zweck erfüllt wer­den kann.
57 dd) Un­ter die­sen Umständen kommt es auf die von den Par­tei­en umfäng­lich und emo­tio­nal vor­ge­tra­ge­nen Ein­zel­hei­ten zum Ab­lauf des Ar­beits­verhält­nis­ses nicht an. Es ist nicht ver­wun­der­lich, dass sich die Par­tei­en wech­sel­sei­tig die Ver­ant­wor­tung für das Schei­tern der Wei­ter­bil­dung zu­schie­ben, wenn sie sich bei Ver­trags­ab­schluss kei­ne hin­rei­chen­den Über­le­gun­gen zur zeit­li­chen und in­halt­li­chen Struk­tur der Wei­ter­bil­dung ge­macht ha­ben. Die Dar­le­gungs­last für das Vor­lie­gen ei­ner auf die kon­kre­te Wei­ter­bil­dung zu­ge­schnit­te­nen Wei­ter­bil­dungs­pla­nung trägt der Ar­beit­ge­ber. Denn er hat die Grund­la­gen für die Pro­gno­se im Pro­zess dar­zu­le­gen (zu­letzt BAG 24.09.2014 - 7 AZR 987/12 - NZA 2015, 301 Rn 15).
f) Ist die vor­lie­gen­de Be­fris­tung so­mit rechts­un­wirk­sam, so gilt der Ar­beits­ver­trag nach § 16 Satz 1 Tz­B­fG in Ver­bin­dung mit § 1 Abs. 5 ÄArbV­trG als auf un­be­stimm­te Zeit ge­schlos­sen.
59 Die Be­klag­te hat gemäß § 91 Abs. 1 die Kos­ten des Rechts­streits zu tra­gen, weil sie un­ter­le­gen ist. Die Kam­mer hat gemäß § 72 Abs. 2 Nr. 1 ArbGG die Re­vi­si­on zu­ge­las­sen, weil so­weit er­sicht­lich zur Fra­ge, wel­che An­for­de­run­gen an ei­ne zeit­lich und in­halt­lich struk­tu­rier­te Wei­ter­bil­dung zu stel­len sind, noch kei­ne Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts vor­liegt.
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