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Timestamp: 2020-08-13 14:35:29
Document Index: 47769542

Matched Legal Cases: ['§ 234', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH']

Keine Reaktion auf den Fristverlängerungsantrag | Rechtslupe
Keine Reaktion auf den Fristverlängerungsantrag
19. Januar 2016 Rechtslupe
Kei­ne Reak­ti­on auf den Frist­ver­län­ge­rungs­an­trag
Der Anwalt hat durch geeig­ne­te Orga­ni­sa­ti­ons­maß­nah­men sicher­zu­stel­len, dass bei aus­blei­ben­der Reak­ti­on des Gerichts auf sein Frist­ver­län­ge­rungs­ge­such noch vor Ablauf der bean­trag­ten ver­län­ger­ten Frist dort Nach­fra­ge gehal­ten wird, ob und in wel­chem Umfang dem Antrag statt­ge­ge­ben wur­de. Kommt er dem nicht nach, wird die Wie­der­ein­set­zungs­frist spä­tes­tens zu dem Zeit­punkt in Gang gesetzt, zu dem er eine klä­ren­de Ant­wort auf eine sol­che Nach­fra­ge erhal­ten hät­te [1].
Ein Rechts­an­walt darf auf die Gewäh­rung einer bean­trag­ten Frist­ver­län­ge­rung nicht so lan­ge ver­trau­en, wie er kei­ne anders lau­ten­de Nach­richt vom Gericht erhält [2]. Er hat viel­mehr durch geeig­ne­te Orga­ni­sa­ti­ons­maß­nah­men sicher­zu­stel­len, dass bei aus­blei­ben­der Reak­ti­on des Gerichts auf sein Frist­ver­län­ge­rungs­ge­such noch vor Ablauf der bean­trag­ten ver­län­ger­ten Frist dort Nach­fra­ge gehal­ten wird, ob und in wel­chem Umfang dem Antrag statt­ge­ge­ben wur­de [3]. Kommt der Rechts­an­walt dem nicht nach, wird die Monats­frist des § 234 Abs. 1 Satz 2 ZPO spä­tes­tens zu dem Zeit­punkt in Gang gesetzt, zu dem er eine klä­ren­de Ant­wort auf eine sol­che Nach­fra­ge erhal­ten hät­te. Denn die Wie­der­ein­set­zungs­frist beginnt, sobald die Par­tei oder ihr Pro­zess­be­voll­mäch­tig­ter erkannt hat oder bei Anwen­dung der gebo­te­nen Sorg­falt hät­te erken­nen kön­nen, dass die Begrün­dungs­frist ver­säumt wor­den ist [4]. Soweit dem BGH, Beschluss vom 28.03.2001 [5] im Hin­blick auf die dort ver­nein­te Erfor­der­lich­keit, sich über den Ein­gang eines Frist­ver­län­ge­rungs­an­trags bei Gericht zu erkun­di­gen, eine abwei­chen­de Auf­fas­sung ent­nom­men wer­den kann, hält der Bun­des­ge­richts­hof an die­sen, die sei­ner­zei­ti­ge Ent­schei­dung ohne­hin nicht tra­gen­den, Aus­füh­run­gen nicht fest.
Dem Rechts­an­walt wäre es aller­dings nicht anzu­las­ten, wenn sei­ne irri­ge Rechts­auf­fas­sung über den Frist­ab­lauf vom Gericht ver­an­lasst und hier­durch ein Ver­trau­ens­tat­be­stand geschaf­fen wor­den wäre. Vor­aus­set­zung hier­für ist aber, dass die zur Frist­ver­säu­mung füh­ren­de Fehl­vor­stel­lung des Rechts­an­walts unmit­tel­bar durch unzu­tref­fen­de gericht­li­che Hin­wei­se ver­ur­sacht wur­de [6]. Im Übri­gen gilt auch inso­weit, dass der Rechts­an­walt sich auf eine unzu­tref­fen­de Rechts­aus­kunft des Gerichts nicht ohne wei­te­res ver­las­sen darf, son­dern ver­pflich­tet ist, die sich bei der Pro­zess­füh­rung stel­len­den Rechts­fra­gen in eige­ner Ver­ant­wor­tung zu über­prü­fen. Dem­entspre­chend schlie­ßen selbst ursäch­li­che Gerichts­feh­ler im All­ge­mei­nen ein anwalt­li­ches Ver­schul­den nicht aus [7].
Dabei hat es der Bun­des­ge­richts­hof offen gelas­sen, ob die Ver­fah­rens­be­voll­mäch­tig­te der Antrags­geg­ne­rin – wie das Ober­lan­des­ge­richt Mün­chen meint [8] – spä­tes­tens zwei bis drei Wochen nach Stel­lung des Ver­län­ge­rungs­an­trags gehal­ten war nach­zu­fra­gen, ob die bean­trag­te Frist­ver­län­ge­rung bewil­ligt wur­de. Sie hät­te jeden­falls spä­tes­tens am letz­ten Tag der von ihr bean­trag­ten ver­län­ger­ten Frist, beim Gericht Nach­fra­ge hal­ten müs­sen, ob und in wel­chem Umfang ihrem Ver­län­ge­rungs­an­trag statt­ge­ge­ben wur­de.
Das Ober­lan­des­ge­richt hat zwar kei­ne aus­drück­li­chen Fest­stel­lun­gen dazu getrof­fen, wann die Ver­fah­rens­be­voll­mäch­tig­te der Antrags­geg­ne­rin eine klä­ren­de Ant­wort auf eine sol­che Nach­fra­ge erhal­ten hät­te. Es hat die­sen Umstand aber für ent­schei­dungs­er­heb­lich gehal­ten und ist ersicht­lich davon aus­ge­gan­gen, dass die Aus­kunft jeden­falls inner­halb von 3 Wochen erteilt wor­den wäre. Dage­gen ist nichts zu erin­nern.
Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 2. Dezem­ber 2015 – XII ZB 211/​12
im Anschluss an BGH Beschluss vom 13.10.2011 – VII ZR 29/​11, NJW 2012, 159; Abgren­zung zu BGH, Beschluss vom 28.03.2001 – XII ZB 100/​00 VersR 2002, 1045[↩]
BGH Beschluss vom 24.11.2009 – VI ZB 69/​08 FamRZ 2010, 370 Rn. 9[↩]
BGH Beschluss vom 16.10.2014 – VII ZB 15/​14 NJW-RR 2015, 700 Rn. 12 mwN[↩]
BGH Beschluss vom 13.10.2011 – VII ZR 29/​11, NJW 2012, 159 Rn. 9 mwN[↩]
BGH, Beschluss vom 28.03.2001 – XII ZB 100/​00 VersR 2002, 1045, 1046[↩]
vgl. BVerfG NJW 2004, 2887, 2888[↩]
BGH, Urteil vom 15.12 2010 – XII ZR 27/​09, FamRZ 2011, 362 Rn. 30 mwN[↩]
OLG Mün­chen, Beschluss vom 26.03.2012 – 33 UF 2143/​11[↩]
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