Source: https://www.rechtslupe.de/strafrecht/wirtschaftsstrafrecht/verzinsungspflicht-fuer-kartellgeldbussen-350727
Timestamp: 2020-01-18 11:16:30
Document Index: 38658811

Matched Legal Cases: ['§ 81', 'Art. 19', '§ 81', 'Art.19', 'Art.19', 'Art 6', 'Art.20', 'Art 6', 'Art.20', 'Art. 103', 'Art. 103', '§ 81', 'Art. 19', '§ 81', '§ 81', '§ 81', '§ 81', '§ 17', '§ 17', '§ 67', '§ 89', '§ 1', '§ 81', '§ 81', 'Art. 3', 'Art. 3', 'Art. 3', 'Art. 3', '§ 81', 'Art. 3', '§ 81', 'Art. 3', '§ 81', '§ 81', 'Art. 3', '§ 81', '§ 81', '§ 48', '§ 81', '§ 81', '§ 81', '§ 73', '§ 81', 'Art. 3', '§ 9', '§ 9', '§ 81', '§ 9', '§ 81', '§ 17', '§ 9', 'Art. 3', '§ 81', 'Art. 3', '§ 81', '§ 81', 'Art.19', 'Art.19', 'Art.19', 'Art.19', 'Art.19', '§ 81', 'Art.19', '§ 81', 'Art.19', 'Art.19', 'Art.19', '§ 81', '§ 81', 'Art.19', '§ 81', '§ 81', 'Art.19', '§ 81', '§ 81', '§ 81', 'Art.19', '§ 71', '§ 411', '§ 71', '§ 303', '§ 411', '§ 71', '§ 411', '§ 72', '§ 72', '§ 81', '§ 81', 'Art.19', '§ 81', '§ 81', 'Art.19', '§ 81', '§ 81', '§ 288', '§ 81', '§ 81', 'Art.19', '§ 81', '§ 81', '§ 81', '§ 288', '§ 288', '§ 288', 'Art 6', 'Art.20', '§ 81', 'Art. 6', 'Art.20', '§ 81', '§ 81', '§ 89', '§ 81', 'Art. 103', '§ 81', 'Art. 103', 'Art. 103', '§ 81', '§ 81', '§ 81', '§ 81', '§ 81', '§ 81', '§ 81', '§ 20', '§ 43', '§ 81', '§ 81', '§ 81', '§ 81', '§ 81', '§ 81', 'BGH', '§ 288', '§ 288', '§ 81', '§ 81', '§ 81', '§ 89', '§ 74']

Ver­zin­sungs­pflicht für Kar­tell­geld­bu­ßen | Rechtslupe
Die in § 81 Abs. 6 GWB gere­gel­te Ver­zin­sung einer durch Buß­geld­be­scheid der Kar­tell­be­hör­de fest­ge­setz­ten Geld­bu­ße ist mit dem Grund­ge­setz ver­ein­bar. Die Rechts­weg­ga­ran­tie aus Art. 19 Abs. 4 GG wird nicht dadurch ver­letzt, dass die Ver­zin­sungs­pflicht Betrof­fe­ne von Ein­sprü­chen gegen Buß­geld­be­schei­de abhal­ten kann, die nur wegen der finan­zi­el­len Vor­tei­le durch die ver­zö­ger­te Voll­streck­bar­keit der Geld­bu­ße ein­ge­legt und noch vor einer gericht­li­chen Sach­ent­schei­dung zurück­ge­nom­men wer­den sol­len.
Das Ober­lan­des­ge­richt Düs­sel­dorf hat­te die ent­spre­chen­de Rege­lung des § 81 Abs. 6 GWB dem Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt zur ver­fas­sungs­recht­li­chen Prü­fung vor­ge­legt 1. Das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt sah in die­ser Ver­zin­sungs­pflicht jedoch weder einen Ver­stoß gegen den Gleich­heits­satz noch eine Ver­stoß gegen die Garan­tie effek­ti­ven Rechts­schut­zes.
Art.19 Abs. 4 GG»">Garan­tie effek­ti­ven Rechts­schut­zes (Rechts­weg­ga­ran­tie), Art.19 Abs. 4 GG
Art 6 Abs. 2 EMRK, Art.20 Abs. 3 GG»">Unschulds­ver­mu­tung, Art 6 Abs. 2 EMRK, Art.20 Abs. 3 GG
Geset­zes­vor­be­halt – nul­la poe­na sine lege, Art. 103 Abs. 2 GG»">Geset­zes­vor­be­halt – nul­la poe­na sine lege, Art. 103 Abs. 2 GG
Gemäß § 81 Abs. 6 GWB sind seit 2005 Geld­bu­ßen wegen Kar­tell­ord­nungs­wid­rig­kei­ten in bestimm­ten Fäl­len zu ver­zin­sen. Die Zins­ver­pflich­tung betrifft nur Geld­bu­ßen, die gegen juris­ti­sche Per­so­nen oder Per­so­nen­ver­ei­ni­gun­gen in einem Buß­geld­be­scheid der Kar­tell­be­hör­de fest­ge­setzt wor­den sind. Der jähr­li­che Zins­satz beträgt – ent­spre­chend der zivil­recht­li­chen Rege­lung für Ver­zugs­zin­sen – fünf Pro­zent­punk­te über dem jeweils gül­ti­gen Basis­zins­satz.
Zur Begrün­dung der Vor­schrift wird im Gesetz­ent­wurf der Bun­des­re­gie­rung 2 aus­ge­führt, in der Pra­xis habe sich gezeigt, dass für Unter­neh­men wegen des zum Teil erheb­li­chen Zins­vor­teils ein deut­li­cher Anreiz bestehen kön­ne, die Zah­lung der Geld­bu­ße so lan­ge wie mög­lich hin­aus­zu­zö­gern. Ins­be­son­de­re im Fal­le hoher Geld­bu­ßen könn­ten Unter­neh­men allein dadurch einen erheb­li­chen Zins­ge­winn erzie­len, dass sie gegen den Buß­geld­be­scheid Ein­spruch ein­leg­ten und die­sen kurz vor der gericht­li­chen Ent­schei­dung wie­der zurück­näh­men. Die Zins­pflicht sei kei­ne zusätz­li­che Sank­ti­on, son­dern die­ne allein der Auf­recht­erhal­tung der Sank­ti­ons­wir­kung der eigent­li­chen Geld­bu­ße (BT-Drucks. 15/​3640, S. 42).
Der Bun­des­rat hat­te sich im Gesetz­ge­bungs­ver­fah­ren gegen die Ver­zin­sungs­re­ge­lung aus­ge­spro­chen, weil sie dem deut­schen Ord­nungs­wid­rig­keits- und Straf­recht fremd sei und auf Beden­ken hin­sicht­lich Art. 19 Abs. 4 GG sto­ße 3.
Die Absät­ze 4 und 5 des § 81 GWB ent­hal­ten Rege­lun­gen über die Höhe der Kar­tell­geld­bu­ße. § 81 Abs. 4 Satz 1 GWB sieht vor, dass die Ord­nungs­wid­rig­keit in bestimm­ten Fäl­len mit einer Geld­bu­ße bis zu einer Mil­li­on € geahn­det wer­den kann. Gegen ein Unter­neh­men oder eine Unter­neh­mens­ver­ei­ni­gung kann dar­über hin­aus eine höhe­re Geld­bu­ße ver­hängt wer­den, die 10 % des in dem der Behör­den­ent­schei­dung vor­aus­ge­gan­ge­nen Geschäfts­jahr erziel­ten Gesamt­um­sat­zes des Unter­neh­mens oder der Unter­neh­mens­ver­ei­ni­gung nicht über­stei­gen darf (§ 81 Abs. 4 Satz 2 GWB). Bei der Fest­set­zung der Höhe der Geld­bu­ße ist nach § 81 Abs. 4 Satz 6 GWB sowohl die Schwe­re der Zuwi­der­hand­lung als auch deren Dau­er zu berück­sich­ti­gen. Dane­ben ist nach über­wie­gen­der Auf­fas­sung die Bemes­sungs­vor­schrift des § 17 Abs. 3 OWiG anzu­wen­den 4. Danach sind Grund­la­ge für die Zumes­sung der Geld­bu­ße die Bedeu­tung der Ord­nungs­wid­rig­keit und der Vor­wurf, der den Täter trifft; auch die wirt­schaft­li­chen Ver­hält­nis­se des Täters kom­men als Anknüp­fungs­punkt in Betracht, blei­ben jedoch bei gering­fü­gi­gen Ord­nungs­wid­rig­kei­ten in der Regel unbe­rück­sich­tigt (vgl. § 17 Abs. 3 Satz 2 OWiG).
Nach § 67 Abs. 1 Satz 1 OWiG kön­nen Betrof­fe­ne gegen den Buß­geld­be­scheid inner­halb von zwei Wochen nach des­sen Zustel­lung Ein­spruch ein­le­gen. Der Ein­spruch steht der Voll­stre­ckung des Buß­geld­be­scheids ent­ge­gen, weil Buß­geld­ent­schei­dun­gen nach § 89 OWiG erst nach Ein­tritt ihrer Rechts­kraft voll­streck­bar sind. Nach Ein­le­gung eines Ein­spruchs ent­schei­det das zustän­di­ge Gericht über die Tat, ohne an den Buß­geld­be­scheid gebun­den zu sein. Der Buß­geld­be­scheid kann aber gleich­wohl noch rechts­kräf­tig wer­den, falls der Ein­spruch zurück­ge­nom­men oder vom Gericht als unzu­läs­sig ver­wor­fen wird.
Antrag­stel­le­rin des Aus­gangs­ver­fah­rens ist ein Ver­si­che­rungs­un­ter­neh­men in der Rechts­form einer Akti­en­ge­sell­schaft. Gegen einen Buß­geld­be­scheid des Bun­des­kar­tell­amts vom 17. März 2005 über ins­ge­samt 6,4 Mio. € wegen vor­sätz­li­cher Ver­stö­ße gegen das Kar­tell­ver­bot (§ 1 GWB) leg­te sie Ein­spruch ein. Bezo­gen auf einen Buß­geld­be­trag von 0,4 Mio. € wur­de das Ver­fah­ren vor Gericht teil­wei­se ein­ge­stellt. Im Übri­gen nahm die Antrag­stel­le­rin spä­ter ihren Ein­spruch am 15. Juli 2009 zurück und beglich die ver­blie­be­ne Geld­bu­ße in Höhe von 6 Mio. €.
Im Jahr 2011 for­der­te das Bun­des­kar­tell­amt die Antrag­stel­le­rin auf, wei­te­re rund 1,77 Mio. € als Zin­sen auf die Geld­bu­ße zu zah­len. Hier­ge­gen wand­te sich die Antrag­stel­le­rin an das Ober­lan­des­ge­richt Düs­sel­dorf. Die­ses hat das Ver­fah­ren aus­ge­setzt und dem Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt die Fra­ge nach der Ver­fas­sungs­mä­ßig­keit des § 81 Abs. 6 GWB zur Ent­schei­dung vor­ge­legt.
Die Ver­zin­sungs­pflicht des § 81 Abs. 6 GWB ver­stößt – ent­ge­gen der Ansicht des vor­le­gen­den Gerichts und ent­ge­gen in der Lite­ra­tur geäu­ßer­ter Beden­ken 5 – unter kei­nem recht­li­chen Gesichts­punkt gegen den all­ge­mei­nen Gleich­heits­satz des Art. 3 Abs. 1 GG.
Der all­ge­mei­ne Gleich­heits­satz des Art. 3 Abs. 1 GG gebie­tet dem Gesetz­ge­ber, wesent­lich Glei­ches gleich und wesent­lich Unglei­ches ungleich zu behan­deln 6. Hier­aus erge­ben sich je nach Rege­lungs­ge­gen­stand und Dif­fe­ren­zie­rungs­merk­ma­len unter­schied­li­che Gren­zen für den Gesetz­ge­ber, die von gelo­cker­ten, auf das Will­kür­ver­bot beschränk­ten Bin­dun­gen bis hin zu stren­gen Ver­hält­nis­mä­ßig­keits­er­for­der­nis­sen rei­chen kön­nen 7. Dif­fe­ren­zie­run­gen bedür­fen stets der Recht­fer­ti­gung durch Sach­grün­de, die dem Dif­fe­ren­zie­rungs­ziel und dem Aus­maß der Ungleich­be­hand­lung ange­mes­sen sind. Art. 3 Abs. 1 GG gebie­tet nicht nur, dass die Ungleich­be­hand­lung an ein der Art nach sach­lich gerecht­fer­tig­tes Unter­schei­dungs­kri­te­ri­um anknüpft, son­dern ver­langt auch für das Maß der Dif­fe­ren­zie­rung einen inne­ren Zusam­men­hang zwi­schen den vor­ge­fun­de­nen Ver­schie­den­hei­ten und der dif­fe­ren­zie­ren­den Rege­lung, der sich als sach­lich ver­tret­ba­rer Unter­schei­dungs­ge­sichts­punkt von hin­rei­chen­dem Gewicht erweist 8. Der Gleich­heits­satz ist dann ver­letzt, wenn eine Grup­pe von Normadres­sa­ten oder Norm­be­trof­fe­nen im Ver­gleich zu einer ande­ren anders behan­delt wird, obwohl zwi­schen bei­den Grup­pen kei­ne Unter­schie­de von sol­cher Art und sol­chem Gewicht bestehen, dass sie die unter­schied­li­che Behand­lung recht­fer­ti­gen kön­nen 9.
Dabei gilt ein stu­fen­lo­ser, am Grund­satz der Ver­hält­nis­mä­ßig­keit ori­en­tier­ter ver­fas­sungs­recht­li­cher Prü­fungs­maß­stab, des­sen Inhalt und Gren­zen sich nicht abs­trakt, son­dern nur nach den jeweils betrof­fe­nen unter­schied­li­chen Sach- und Rege­lungs­be­rei­chen bestim­men las­sen 10. Eine stren­ge­re Bin­dung des Gesetz­ge­bers ist ins­be­son­de­re anzu­neh­men, wenn die Dif­fe­ren­zie­rung an Per­sön­lich­keits­merk­ma­le anknüpft, wobei sich die ver­fas­sungs­recht­li­chen Anfor­de­run­gen umso mehr ver­schär­fen, je weni­ger die Merk­ma­le für Ein­zel­ne ver­füg­bar sind 11 oder je mehr sie sich denen des Art. 3 Abs. 3 GG annä­hern 12. Eine stren­ge­re Bin­dung des Gesetz­ge­bers kann sich auch aus den jeweils betrof­fe­nen Frei­heits­rech­ten erge­ben 13. Im Übri­gen hängt das Maß der Bin­dung unter ande­rem davon ab, inwie­weit die Betrof­fe­nen in der Lage sind, durch ihr Ver­hal­ten die Ver­wirk­li­chung der Kri­te­ri­en zu beein­flus­sen, nach denen unter­schie­den wird 14.
Der all­ge­mei­ne Gleich­heits­satz ist nicht ver­letzt, wenn hin­rei­chen­de Sach­grün­de vor­han­den sind, die eine Dif­fe­ren­zie­rung ver­fas­sungs­recht­lich recht­fer­ti­gen kön­nen. Dabei ist nicht aus­schlag­ge­bend, ob sol­che Grün­de im Gesetz­ge­bungs­ver­fah­ren erwo­gen und etwa in den Mate­ria­li­en doku­men­tiert wor­den sind. Die Ver­fas­sungs­wid­rig­keit lässt sich folg­lich nicht schon dar­aus her­lei­ten, dass sich aus den Geset­zes­ma­te­ria­li­en kei­ne Grün­de für die Ver­schie­den­be­hand­lung erge­ben 15.
Dar­an gemes­sen ver­stößt § 81 Abs. 6 GWB nicht gegen Art. 3 Abs. 1 GG. Eine den all­ge­mei­nen Gleich­heits­satz miss­ach­ten­de Ungleich­be­hand­lung liegt nicht des­halb vor, weil § 81 Abs. 6 GWB ledig­lich juris­ti­sche Per­so­nen und Per­so­nen­ver­ei­ni­gun­gen, nicht aber natür­li­che Per­so­nen mit oder ohne Unter­neh­mens­ei­gen­schaft durch Zin­sen auf gegen sie ver­häng­te Geld­bu­ßen belas­tet. Des Wei­te­ren folgt eine Ver­let­zung des Art. 3 Abs. 1 GG weder dar­aus, dass das Gesetz die Ver­zin­sung nur für Geld­bu­ßen aus dem Bereich des Kar­tell­rechts, nicht aber auch für sol­che aus ande­ren Rege­lungs­ma­te­ri­en anord­net, noch dar­aus, dass § 81 Abs. 6 GWB nach über­wie­gen­der Ansicht ledig­lich die behörd­lich fest­ge­setz­te, nicht jedoch die durch eine gericht­li­che Ent­schei­dung ver­häng­te kar­tell­recht­li­che Geld­bu­ße einer Ver­zin­sungs­pflicht unter­wirft.
Ent­ge­gen der Ansicht des vor­le­gen­den Ober­lan­des­ge­richts Düs­sel­dorf ist § 81 Abs. 6 GWB nicht des­halb im Sin­ne des Art. 3 Abs. 1 GG gleich­heits­wid­rig, weil die Ver­zin­sungs­pflicht aus­schließ­lich juris­ti­sche Per­so­nen und Per­so­nen­ver­ei­ni­gun­gen, nicht aber auch natür­li­che Per­so­nen trifft. Dies gilt im Ver­gleich zu bei­den Grup­pen natür­li­cher Per­so­nen, die von Kar­tell­geld­bu­ßen als natür­li­che Per­so­nen mit Unter­neh­mens­ei­gen­schaft oder als natür­li­che Per­so­nen ohne Unter­neh­mens­ei­gen­schaft betrof­fen sein kön­nen.
Nach ein­hel­li­ger Auf­fas­sung wer­den natür­li­che Per­so­nen von der Rege­lung in § 81 Abs. 6 GWB selbst dann nicht erfasst, wenn die­se ein Unter­neh­men im Sin­ne von § 81 Abs. 4 Satz 2 GWB bil­den 16. Da auch natür­li­che Per­so­nen nicht anders als juris­ti­sche Per­so­nen oder Per­so­nen­ver­ei­ni­gun­gen kar­tell­recht­li­che Ord­nungs­wid­rig­kei­ten bege­hen kön­nen 17, liegt damit zwar eine Ungleich­be­hand­lung vor, die­se ist jedoch ver­fas­sungs­recht­lich gerecht­fer­tigt. Inso­weit sind stren­ge­re, über das Will­kür­ver­bot hin­aus­ge­hen­de Anfor­de­run­gen nicht zu stel­len.
Die Beschrän­kung auf Kar­tell­geld­bu­ßen gegen juris­ti­sche Per­so­nen oder Per­so­nen­ver­ei­ni­gun­gen lässt sich auf einen hin­rei­chen­den Sach­grund stüt­zen. Der Gesetz­ge­ber umschreibt damit eine Fall­grup­pe, bei der er die tat­säch­li­che Gefahr einer rechts­miss­bräuch­li­chen Ein­le­gung von Ein­sprü­chen, der er zur Scho­nung staat­li­cher Res­sour­cen ent­ge­gen­wir­ken will, für beson­ders groß hal­ten darf. Die­se Ein­schät­zung ist nach­voll­zieh­bar und bewegt sich im Rah­men des Pro­gno­se­spiel­raums des Gesetz­ge­bers 18. Er ist nicht gezwun­gen, das opti­ma­le Abgren­zungs­kri­te­ri­um für die Errei­chung sei­ner Zie­le zu wäh­len, son­dern kann sich dar­auf beschrän­ken, ein Kri­te­ri­um zu wäh­len, das zwar die wesent­li­chen, nicht aber alle denk­ba­ren Fäl­le erfasst. Danach ist die Beschrän­kung auf Kar­tell­geld­bu­ßen gegen juris­ti­sche Per­so­nen oder Per­so­nen­ver­ei­ni­gun­gen nicht zu bean­stan­den. Abge­se­hen davon, dass Kar­tell­geld­bu­ßen gegen natür­li­che Per­so­nen als Unter­neh­mens­trä­ger in der behörd­li­chen Pra­xis fak­tisch kaum rele­vant sind, erreicht die durch­schnitt­li­che Höhe der gegen die­se Per­so­nen­grup­pe ver­häng­ten Kar­tell­geld­bu­ßen anders als bei juris­ti­schen Per­so­nen kei­nen Betrag, der finan­zi­el­le Vor­tei­le erwar­ten lässt, um derent­wil­len eine Ein­spruchs­ein­le­gung nur aus Grün­den der Ver­fah­rens­ver­zö­ge­rung erwar­tet wer­den müss­te. Zudem kön­nen für natür­li­che Per­so­nen mit dem Ein­spruch indi­vi­du­el­le Belas­tun­gen ver­bun­den sein, die den Anreiz zur miss­bräuch­li­chen Ein­le­gung des Rechts­be­helfs min­dern.
Aus­weis­lich der Anga­ben in den vom Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt ein­ge­hol­ten Stel­lung­nah­men lässt sich für natür­li­che Per­so­nen mit Unter­neh­mens­ei­gen­schaft eine beacht­li­che Gefahr rechts­miss­bräuch­li­cher Ein­spruchs­er­he­bung zur Erlan­gung finan­zi­el­ler Vor­tei­le, die in Form gespar­ter Kre­dit­zin­sen oder durch die wei­te­re Ver­füg­bar­keit vor­han­de­ner Mit­tel für das ope­ra­ti­ve oder inves­ti­ve Geschäft ent­ste­hen kön­nen, bereits des­halb nicht fest­stel­len, weil in nur uner­heb­li­cher Zahl Kar­tell­geld­bu­ßen gegen die­se Per­so­nen­grup­pe ver­hängt wer­den.
So hat das Bun­des­kar­tell­amt im Berichts­zeit­raum von 1993 bis 2010 über­haupt nur gegen neun natür­li­che Per­so­nen mit Unter­neh­mens­ei­gen­schaft Kar­tell­geld­bu­ßen ver­hängt, wäh­rend die Behör­de im glei­chen Zeit­raum 563 Kar­tell­buß­geld­be­schei­de gegen juris­ti­sche Per­so­nen erlas­sen hat. Die gegen natür­li­che Per­so­nen mit Unter­neh­mens­ei­gen­schaft ergan­ge­nen Beschei­de machen dem­nach nur etwa 1,6 % der Kar­tell­geld­bu­ßen aus, die das Bun­des­kar­tell­amt ins­ge­samt gegen Unter­neh­men ver­hängt hat. Dem­ge­gen­über haben zwar die Lan­des­kar­tell­be­hör­den, deren Zustän­dig­keit in sol­chen Kon­stel­la­tio­nen häu­fi­ger gege­ben ist (vgl. § 48 Abs. 2 GWB), öfter Geld­bu­ßen gegen natür­li­che Per­so­nen mit Unter­neh­mens­ei­gen­schaft ver­hängt. Es waren aber gleich­wohl ins­ge­samt ledig­lich 48 natür­li­che Per­so­nen mit Unter­neh­mens­ei­gen­schaft betrof­fen, was für nur 8 % der ins­ge­samt gegen Unter­neh­men gerich­te­ten Kar­tell­buß­geld­be­schei­de von Lan­des­be­hör­den steht.
Es gibt kei­ne Anhalts­punk­te dafür, dass sich die­se gerin­ge Zahl betrof­fe­ner natür­li­cher Per­so­nen mit Unter­neh­mens­ei­gen­schaft künf­tig spür­bar erhö­hen wird. Das Bun­des­kar­tell­amt hat in sei­ner Stel­lung­nah­me nach­voll­zieh­bar dar­auf hin­ge­wie­sen, dass – nach der Insol­venz einer gro­ßen Dro­ge­rie­ket­te Anfang 2012 – aktu­ell kei­ne ein­zel­kauf­män­nisch geführ­ten Groß­un­ter­neh­men mehr bekannt sind, bei denen wegen des Geschäfts­vo­lu­mens die Ver­hän­gung hoher Kar­tell­geld­bu­ßen unter Aus­schöp­fung des erwei­ter­ten Buß­geld­rah­mens des § 81 Abs. 4 Satz 2 GWB zu erwar­ten sei.
Maß­geb­lich ist inso­weit auch, dass die Höhe der Kar­tell­geld­bu­ßen, die sich an natür­li­che Per­so­nen als Unter­neh­mens­trä­ger rich­ten, typi­scher­wei­se deut­lich hin­ter den Beträ­gen zurück­bleibt, die gegen juris­ti­sche Per­so­nen als Geld­bu­ßen ver­hängt wer­den. Fehlt es an Geld­bu­ßen in beträcht­li­cher Höhe, so sind die zu erzie­len­den finan­zi­el­len Vor­tei­le gering und wer­den oft­mals noch nicht ein­mal die zusätz­li­chen Gerichts- und Ver­fah­rens­kos­ten aus­glei­chen kön­nen. Damit ist für natür­li­che Per­so­nen mit Unter­neh­mens­ei­gen­schaft der Anreiz ver­min­dert, allein zur Ver­zö­ge­rung des Ein­tritts der Bestands­kraft des Buß­geld­be­scheids einen offen­sicht­lich aus­sichts­lo­sen Ein­spruch zu erhe­ben.
Es ist ein­fach­recht­lich bereits umstrit­ten, ob gegen­über natür­li­chen Per­so­nen mit Unter­neh­mens­ei­gen­schaft über­haupt der erhöh­te, über 1 Mio. € hin­aus­rei­chen­de erwei­te­re Buß­geld­rah­men des § 81 Abs. 4 Satz 2 GWB ange­wen­det wer­den kann 19. Des­sen unge­ach­tet wird aus­weis­lich der vor­ge­leg­ten Stel­lung­nah­men in der kar­tell­be­hörd­li­chen Pra­xis selbst der regu­lä­re Höchst­be­trag des § 81 Abs. 4 Satz 1 GWB im Regel­fall nicht annä­hernd erreicht. So hat das Bun­des­kar­tell­amt in der Ver­gan­gen­heit gegen natür­li­che Per­so­nen mit Unter­neh­mens­ei­gen­schaft Geld­bu­ßen ledig­lich in einer Höhe zwi­schen 15.000 € und 30.000 € fest­ge­setzt, im Frei­staat Bay­ern beweg­ten sich die Geld­bu­ßen zwi­schen 600 € und 1.600 €, in Nie­der­sa­chen zwi­schen 13.000 € und 16.000 €. In Nord­rhein-West­fa­len betrug die durch­schnitt­li­che Höhe der Kar­tell­geld­bu­ßen gegen natür­li­che Per­so­nen mit Unter­neh­mens­ei­gen­schaft etwa 5.000 €. Die ver­gleichs­wei­se gerin­ge Höhe die­ser Geld­bu­ßen ver­spricht offen­kun­dig kei­ne finan­zi­el­len Vor­tei­le bei Ein­le­gung eines Ein­spruchs, die an die Beträ­ge her­an­rei­chen kön­nen, wie sie sich ins­be­son­de­re bei den Geld­bu­ßen erzie­len las­sen, die das Bun­des­kar­tell­amt gegen juris­ti­sche Per­so­nen in Höhe von durch­schnitt­lich 4,6 Mio. € fest­ge­setzt hat.
Die vom Bun­des­kar­tell­amt geschil­der­ten Erfah­run­gen, nach denen natür­li­che Per­so­nen die mit der Erhe­bung des Ein­spruchs ver­bun­de­nen per­sön­li­chen Belas­tun­gen regel­mä­ßig inten­si­ver spü­ren als die Ver­tre­ter juris­ti­scher Per­so­nen, bele­gen für die­se Per­so­nen­grup­pe noch ein wei­te­res spe­zi­fi­sches Hin­der­nis gegen eine rechts­miss­bräuch­li­che Ein­spruchs­er­he­bung.
Nach § 73 Abs. 1 OWiG ist der Betrof­fe­ne grund­sätz­lich zum Erschei­nen in der Haupt­ver­hand­lung ver­pflich­tet. Die Durch­füh­rung eines Ein­spruchs­ver­fah­rens kann daher eine erheb­li­che per­sön­li­che Belas­tung bei einer natür­li­chen Per­son her­vor­ru­fen. Die Betrof­fe­nen sehen sich – einem Straf­pro­zess ver­gleich­bar – einer per­sön­li­chen Anschul­di­gung, uner­wünsch­tem öffent­li­chen Inter­es­se und unter Umstän­den auch einer Bericht­erstat­tung in den Medi­en aus­ge­setzt. Die­se Umstän­de, die von der Erhe­bung offen­sicht­lich aus­sichts­lo­ser Ein­sprü­che allein zur Erzie­lung eines finan­zi­el­len Vor­teils abschre­cken kön­nen, tre­ten bei Kar­tell­geld­bu­ßen gegen juris­ti­sche Per­so­nen nicht in ver­gleich­ba­rem Maße auf, weil es regel­mä­ßig an der unmit­tel­ba­ren per­sön­li­chen Betrof­fen­heit ein­zel­ner Ver­ant­wort­li­cher fehlt.
Die Ver­zin­sungs­pflicht des § 81 Abs. 6 GWB ver­stößt fer­ner nicht des­halb gegen Art. 3 Abs. 1 GG, weil sie nur juris­ti­sche Per­so­nen und Per­so­nen­ver­ei­ni­gun­gen, nicht aber nach § 9 OWiG haf­ten­de natür­li­che Per­so­nen ohne Unter­neh­mens­ei­gen­schaft betrifft. Auch die­se Dif­fe­ren­zie­rung dient in nach­voll­zieh­ba­rer Wei­se zur Prä­zi­sie­rung der Fall­grup­pe, für die der Gesetz­ge­ber die rechts­miss­bräuch­li­che Ein­le­gung von Ein­sprü­chen zur Erzie­lung finan­zi­el­ler Vor­tei­le befürch­tet.
Aller­dings erreicht die Zahl der Buß­geld­be­schei­de, die wegen Kar­tell­ver­stö­ßen gegen natür­li­che Per­so­nen ohne Unter­neh­mens­ei­gen­schaft ergan­gen sind, eine Grö­ßen­ord­nung, die der Zahl der Buß­geld­be­schei­de gegen juris­ti­sche Per­so­nen nahe­kommt. Nach den vor­lie­gen­den Stel­lung­nah­men des Bun­des­kar­tell­amts und der Lan­des­kar­tell­be­hör­den ste­hen für den Berichts­zeit­raum ins­ge­samt 547 Buß­geld­be­schei­de gegen natür­li­che Per­so­nen ohne Unter­neh­mens­ei­gen­schaft den 658 Buß­geld­be­schei­den gegen juris­ti­sche Per­so­nen gegen­über. Dass der Gesetz­ge­ber gleich­wohl kei­nen Anlass gese­hen hat, die Ver­zin­sungs­pflicht auf natür­li­che Per­so­nen ohne Unter­neh­mens­ei­gen­schaft zu erstre­cken, begeg­net indes­sen wegen der typi­scher­wei­se gerin­ge­ren Höhe die­ser Geld­bu­ßen kei­nen Beden­ken.
Auch soweit natür­li­che Per­so­nen nicht als Unter­neh­men tätig wer­den, erreicht die Höhe der gegen sie nach Maß­ga­be des § 9 OWiG ver­häng­ten Geld­bu­ßen regel­mä­ßig kein Niveau, das den Gesetz­ge­ber zu der Annah­me ver­an­las­sen müss­te, Ein­sprü­che die­ser Per­so­nen­grup­pe könn­ten in beträcht­li­cher Zahl allein mit der sach­frem­den Absicht der Erzie­lung finan­zi­el­ler Vor­tei­le ein­ge­legt wer­den. Aus­weis­lich der Stel­lung­nah­men der Kar­tell­be­hör­den erreich­te die durch­schnitt­li­che Höhe der Geld­bu­ßen in Baden-Würt­tem­berg ledig­lich 2.200 €, in Hes­sen etwa 3.800 € und in Nord­rhein-West­fa­len etwa 11.000 €. Dar­über geht die Höhe der Geld­bu­ßen in den vom Bun­des­kar­tell­amt erlas­se­nen ins­ge­samt 510 Beschei­den mit im Durch­schnitt etwa 56.000 € zwar erheb­lich hin­aus, erreicht aber trotz­dem nicht annä­hernd die durch­schnitt­li­che Buß­geld­hö­he von 4,6 Mio. € der im glei­chen Zeit­raum gegen juris­ti­sche Per­so­nen ver­häng­ten 563 Kar­tell­buß­geld­be­schei­de.
Die­se Unter­schie­de in der Höhe der Geld­bu­ßen sind auch für die Zukunft zu erwar­ten; denn sie beru­hen nicht auf Zufäl­lig­kei­ten, son­dern haben ihre Ursa­che in den gel­ten­den recht­li­chen Bestim­mun­gen. So fin­det der erwei­ter­te, über 1 Mio. € hin­aus­rei­chen­de Buß­geld­rah­men des § 81 Abs. 4 Satz 2 GWB aus­drück­lich nur auf Unter­neh­men und Unter­neh­mens­ver­ei­ni­gun­gen Anwen­dung und damit nicht auf natür­li­che Per­so­nen ohne Unter­neh­mens­ei­gen­schaft, die neben einem Unter­neh­men auf­grund der Organ- oder Ver­tre­ter­haf­tung nach § 9 OWiG mit einer Geld­bu­ße belegt wer­den. Über­dies erklärt sich die beson­de­re Höhe der Geld­bu­ßen wegen Kar­tell­ver­stö­ßen dar­aus, dass bei ihrer Bemes­sung auch das Ziel der Abschöp­fung des erlang­ten wirt­schaft­li­chen Vor­teils ein­flie­ßen kann (vgl. § 81 Abs. 5 GWB, § 17 Abs. 4 OWiG). Die­se aus der Ord­nungs­wid­rig­keit her­rüh­ren­den Vor­tei­le wer­den sich aber regel­mä­ßig nicht im Ver­mö­gen des han­deln­den Organs oder Ver­tre­ters erge­ben, son­dern bei dem von ihnen reprä­sen­tier­ten Unter­neh­men, und sind daher durch eine ent­spre­chend hohe Geld­bu­ße dort abzu­schöp­fen. Danach errei­chen Geld­bu­ßen gegen natür­li­che Per­so­nen auch bei feh­len­der Unter­neh­mens­ei­gen­schaft typi­scher­wei­se kei­ne Beträ­ge, die im Fal­le eines Ein­spruchs beacht­li­che finan­zi­el­le Vor­tei­le erwar­ten las­sen.
Zudem min­dern die geschil­der­ten per­sön­li­chen Belas­tun­gen im Zusam­men­hang mit der Haupt­ver­hand­lung für natür­li­che Per­so­nen ohne Unter­neh­mens­ei­gen­schaft, die auf­grund ihres Organ- oder Ver­tre­ter­han­delns in die Ahn­dung von Kar­tell­ord­nungs­wid­rig­kei­ten nach § 9 OWiG ein­be­zo­gen wer­den, den Anreiz zur Ein­spruchs­ein­le­gung in glei­cher Wei­se wie für natür­li­che Per­so­nen mit Unter­neh­mens­ei­gen­schaft. Ange­sichts all die­ser Umstän­de durf­te der Gesetz­ge­ber mit­hin die­se Betrof­fe­nen eben­falls bei der Bestim­mung der Fall­grup­pe unbe­rück­sich­tigt las­sen, bei der er einem Miss­brauch von Rechts­mit­teln durch die Ver­zin­sung der Geld­bu­ßen ent­ge­gen­wir­ken will.
Dem Ober­lan­des­ge­richt Düs­sel­dorf ist auch inso­weit nicht zu fol­gen, als es eine Ver­let­zung des Art. 3 Abs. 1 GG dar­aus her­lei­ten will, dass die Rechts­ord­nung – soweit für das vor­le­gen­de Gericht ersicht­lich – neben § 81 Abs. 6 GWB kei­ne wei­te­ren Rege­lun­gen zur Ver­zin­sung von Geld­bu­ßen kennt. Zwar ist hier­nach eine Zins­ver­pflich­tung allein für Kar­tell­geld­bu­ßen geschaf­fen wor­den, wäh­rend Geld­bu­ßen, die wegen Ord­nungs­wid­rig­kei­ten in ande­ren Rechts­ge­bie­ten fest­ge­setzt wer­den, wei­ter­hin nicht zu ver­zin­sen sind. Ein Ver­stoß gegen den all­ge­mei­nen Gleich­heits­satz lässt sich damit aber nicht begrün­den, weil es inso­weit bereits an ver­gleich­ba­ren Sach­ver­hal­ten fehlt, deren unter­schied­li­che Behand­lung am Maß­stab des Art. 3 Abs. 1 GG geprüft wer­den könn­te. Ver­langt wird eine Gleich­be­hand­lung nur für „wesent­lich Glei­ches“. An die­ser Vor­aus­set­zung fehlt es bei Bestim­mun­gen, die ver­schie­de­nen recht­li­chen Ord­nungs­be­rei­chen zuge­hö­rig sind und in ande­ren sys­te­ma­ti­schen Zusam­men­hän­gen ste­hen 20.
Die Dif­fe­ren­zie­rung hin­sicht­lich der Ver­zin­sung zwi­schen Kar­tell­geld­bu­ßen einer­seits und sons­ti­gen Geld­bu­ßen ande­rer­seits betrifft hier­nach kei­ne ver­gleich­ba­ren Sach­ver­hal­te. Die Unter­schei­dung ori­en­tiert sich viel­mehr an den Tat­be­stän­den für Ord­nungs­wid­rig­kei­ten in den ver­schie­de­nen Rechts­ge­bie­ten. Nach Mit­tei­lung der Bun­des­re­gie­rung fin­den sich Nor­men über die Ahn­dung von Geset­zes­ver­stö­ßen als Ord­nungs­wid­rig­kei­ten in mehr als drei­hun­dert Geset­zen. Dabei sind die Tat­be­stän­de der Ord­nungs­wid­rig­kei­ten in Form eines Anne­xes dem jewei­li­gen Fach­recht als „typi­sches Ver­wal­tungs­un­recht“ 21 aus unter­schied­li­chen Rechts­ge­bie­ten zuge­ord­net. Inso­weit fehlt es an einem zusam­men­hän­gen­den recht­li­chen Ord­nungs­be­reich, was bezüg­lich der ein­zel­nen Buß­geld­tat­be­stän­de der Annah­me ver­gleich­ba­rer Sach­ver­hal­te ent­ge­gen­steht.
§ 81 Abs. 6 GWB ist schließ­lich nicht des­halb mit dem all­ge­mei­nen Gleich­heits­satz unver­ein­bar, weil die Norm eine Ver­zin­sung ledig­lich für Geld­bu­ßen bestimmt, die in einem Buß­geld­be­scheid fest­ge­setzt wer­den, nicht hin­ge­gen auch für sol­che Geld­bu­ßen, deren Fest­set­zung durch ein Kar­tell­ge­richt erfolgt. Die­ser ein­ge­schränk­te Anwen­dungs­be­reich der Vor­schrift ist zwar ein­fach­recht­lich nicht unum­strit­ten, ent­spricht aber nicht nur dem Geset­zes­wort­laut, son­dern auch der nicht zu bean­stan­den­den Aus­le­gung durch das vor­le­gen­de Gericht, das damit der über­wie­gen­den Mei­nung folgt 22. Die­ses nach­voll­zieh­ba­re, ein­fach­recht­lich ver­tret­ba­re Aus­le­gungs­er­geb­nis ist der Prü­fung der Vor­la­ge­fra­ge zugrun­de zu legen 23.
Die Dif­fe­ren­zie­rung zwi­schen behörd­lich und gericht­lich fest­ge­setz­ten Geld­bu­ßen hin­sicht­lich der Ver­zin­sung ist durch hin­rei­chen­de Sach­grün­de gerecht­fer­tigt. Maß­geb­lich ist inso­weit ein groß­zü­gi­ger, auf das Will­kür­ver­bot beschränk­ter ver­fas­sungs­recht­li­cher Prü­fungs­maß­stab; denn für die Ungleich­be­hand­lung knüpft das Gesetz weder an Per­sön­lich­keits­merk­ma­le an, noch geben betrof­fe­ne Frei­heits­rech­te Anlass zu einer stren­ge­ren Bin­dung. Die von der Ungleich­be­hand­lung Betrof­fe­nen sind im Gegen­teil dazu in der Lage, durch ihr Ver­hal­ten die Ver­wirk­li­chung der Dif­fe­ren­zie­rungs­kri­te­ri­en zu beein­flus­sen. Ihnen bleibt es näm­lich über­las­sen, ob sie mit dem Ziel einer gericht­li­chen Über­prü­fung nicht nur Ein­spruch gegen den Buß­geld­be­scheid ein­le­gen, son­dern an die­sem Rechts­be­helf auch bis zu einer Ent­schei­dung des Kar­tell­ge­richts fest­hal­ten.
Ange­sichts des gesetz­ge­be­ri­schen Ziels, der rechts­miss­bräuch­li­chen Ein­le­gung von Ein­sprü­chen zur Erlan­gung finan­zi­el­ler Vor­tei­le, ent­ge­gen­zu­wir­ken, ist es frei von Will­kür, wenn nicht sogar nahe­lie­gend, dass § 81 Abs. 6 GWB bei einer Ent­schei­dung des Kar­tell­ge­richts über die zu ver­hän­gen­de Geld­bu­ße eine Ver­zin­sung nicht zwin­gend vor­schreibt. Denn des­sen Rege­lungs­zweck ver­langt bei einer gericht­li­chen Sach­ent­schei­dung gera­de kei­ne Ver­zin­sung. Führt das betrof­fe­ne Unter­neh­men eine gericht­li­che Sach­ent­schei­dung her­bei, so hat es Kar­tell­be­hör­de und Kar­tell­ge­richt nicht zweck­wid­rig nur zur Ver­fah­rens­ver­zö­ge­rung belas­tet, um den Ein­spruch noch vor ihrer end­gül­ti­gen Ent­schei­dung zurück­zu­neh­men, son­dern es hat im Gegen­teil die gericht­li­che Sach­ent­schei­dung abge­war­tet, sich ihren recht­li­chen Wir­kun­gen ein­schließ­lich der Gefahr einer Ver­bö­se­rung der Rechts­fol­ge unter­wor­fen und damit die staat­li­chen Insti­tu­tio­nen ent­spre­chend ihrer Funk­ti­on in Anspruch genom­men. Das Gericht ist dann frei, die Höhe einer etwai­gen Geld­bu­ße unab­hän­gig von deren bis­he­ri­ger Höhe selbst fest­zu­set­zen und kann damit dem Ein­zel­fall – auch im Blick auf die inzwi­schen ver­stri­che­ne Zeit – sach­ge­recht Rech­nung tra­gen.
Garan­tie effek­ti­ven Rechts­schut­zes (Rechts­weg­ga­ran­tie), Art.19 Abs. 4 GG[↑]
Die Pflicht zur Ver­zin­sung von Kar­tell­geld­bu­ßen ver­stößt nicht gegen die Garan­tie effek­ti­ven Rechts­schut­zes nach Art.19 Abs. 4 GG.
Der Rechts­weg, den Art.19 Abs. 4 GG den Recht­su­chen­den gewähr­leis­tet, bedarf der gesetz­li­chen Aus­ge­stal­tung. Rechts­schutz ist eine staat­li­che Leis­tung, deren Vor­aus­set­zun­gen erst geschaf­fen, deren Art näher bestimmt und deren Umfang im Ein­zel­nen fest­ge­legt wer­den müs­sen. Art.19 Abs. 4 GG gibt dem Gesetz­ge­ber dabei nur die Ziel­rich­tung und die Grund­zü­ge der Rege­lung vor, lässt ihm im Übri­gen aber einen beträcht­li­chen Gestal­tungs­spiel­raum. Doch darf er die Not­wen­dig­keit einer umfas­sen­den Nach­prü­fung des Ver­wal­tungs­han­delns in tat­säch­li­cher und recht­li­cher Hin­sicht und eine dem Rechts­schutz­be­geh­ren ange­mes­se­ne Ent­schei­dungs­art und Ent­schei­dungs­wir­kung nicht ver­feh­len 24. Damit sind Begren­zun­gen des Anspruchs auf effek­ti­ven Rechts­schutz nicht aus­ge­schlos­sen 25. Die Aus­ge­stal­tung muss aber dem Schutz­zweck des Art.19 Abs. 4 Satz 1 GG Genü­ge tun 26. Dies ver­bie­tet Maß­nah­men, die dar­auf abzie­len oder geeig­net sind, den Rechts­schutz der Betrof­fe­nen zu ver­ei­teln 27, ins­be­son­de­re dür­fen zu Las­ten der Recht­su­chen­den nicht unan­ge­mes­sen hohe ver­fah­rens­recht­li­che Hin­der­nis­se für den Zugang zum Gericht geschaf­fen wer­den 26.
Dar­an gemes­sen führt die in § 81 Abs. 6 GWB gere­gel­te Ver­zin­sung weder zu einer geziel­ten Beein­träch­ti­gung der Rechts­schutz­ga­ran­tie noch zu einer anders­ar­ti­gen ver­fas­sungs­wid­ri­gen Beein­träch­ti­gung die­ses Grund­rechts.
Durch die Mög­lich­keit des Ein­spruchs gegen Buß­geld­be­schei­de trägt das Gesetz dem durch Art.19 Abs. 4 GG gewähr­leis­te­ten Recht des Betrof­fe­nen Rech­nung, gegen einen ihn belas­ten­den Akt der öffent­li­chen Gewalt ein Gericht anzu­ru­fen 28. Dem­ge­gen­über ver­folgt der Gesetz­ge­ber mit der Ein­füh­rung der Ver­zin­sungs­pflicht für Kar­tell­geld­bu­ßen nach § 81 Abs. 6 GWB zwar das Ziel, Unter­neh­men von Ein­sprü­chen gegen Kar­tell­buß­geld­be­schei­de abzu­hal­ten; er zielt damit jedoch nur auf Ein­sprü­che, die allein zur Erlan­gung finan­zi­el­ler Vor­tei­le ein­ge­legt und noch vor dem Erge­hen einer gericht­li­chen Ent­schei­dung zurück­ge­nom­men wer­den sol­len.
Mit der Abwehr eines sol­cher­ma­ßen zweck­wid­ri­gen Gebrauchs eines Rechts­mit­tels ist kei­ne für Art.19 Abs. 4 GG rele­van­te Beein­träch­ti­gung des Rechts­wegs ver­bun­den. Der Zugang zu den Gerich­ten wird vom Grund­ge­setz nicht ledig­lich als for­mel­les Recht, die Gerich­te anzu­ru­fen, garan­tiert, son­dern zielt auf die Gewähr­leis­tung effek­ti­ven Rechts­schut­zes 29. Der damit garan­tier­te Rechts­schutz erfolgt durch eine grund­sätz­lich umfas­sen­de tat­säch­li­che und recht­li­che Prü­fung des Streit­ge­gen­stan­des sowie eine ver­bind­li­che rich­ter­li­che Ent­schei­dung 30. Dies ent­spricht jedoch nicht der Absicht der betrof­fe­nen Unter­neh­men, die mit dem Ein­spruch ledig­lich den Ein­tritt der Bestands­kraft des Buß­geld­be­scheids ver­zö­gern wol­len, um auf die­se Wei­se finan­zi­el­le Vor­tei­le durch die ver­spä­te­te Zah­lung der gegen sie fest­ge­setz­ten Geld­bu­ße erzie­len zu kön­nen. Sie erstre­ben kei­ne gericht­li­che Prü­fung und Ent­schei­dung über die ihnen zur Last geleg­ten Ord­nungs­wid­rig­kei­ten, son­dern wol­len die­se im Gegen­teil ver­mei­den und neh­men daher ihre Rechts­mit­tel noch vor einer Sach­ent­schei­dung durch das Gericht zurück. Die­se Betrof­fe­nen nut­zen den Ein­spruch nicht um Rechts­schutz zu erlan­gen, son­dern in zweck­wid­ri­ger, rechts­miss­bräuch­li­cher Wei­se nur als Mit­tel der Ver­zö­ge­rung, um finan­zi­el­le Vor­tei­le zu erzie­len. Eine Inan­spruch­nah­me der Gerich­te zu die­sem Zweck steht außer­halb des Schut­zes von Art.19 Abs. 4 GG. In glei­cher Wei­se gilt das für Fäl­le, in denen Betrof­fe­ne wegen der dro­hen­den Zins­be­las­tung von der Ein­le­gung eines unzu­läs­si­gen Ein­spruchs abge­hal­ten wer­den; hier ist die Rechts­weg­ga­ran­tie nicht berührt.
Die Pflicht zur Ver­zin­sung von Kar­tell­geld­bu­ßen kann aber auf ande­re Wei­se als Beein­träch­ti­gung des Zugangs zu den Gerich­ten wir­ken und damit die Garan­tie des Art.19 Abs. 4 GG berüh­ren. § 81 Abs. 6 GWB kann näm­lich dazu füh­ren, dass betrof­fe­ne Unter­neh­men, auch wenn sie ernst­haft eine gericht­li­che Über­prü­fung anstre­ben, wegen der dro­hen­den Zins­be­las­tung von der Ein­le­gung des Ein­spruchs abge­hal­ten wer­den.
Die Befürch­tung, auf­grund des § 81 Abs. 6 GWB über die fest­ge­setz­te Geld­bu­ße hin­aus zusätz­lich noch mit Zin­sen belas­tet zu wer­den, ist aller­dings mit Blick auf die nach einem Ein­spruch erge­hen­de Sach­ent­schei­dung des Kar­tell­ge­richts nicht gerecht­fer­tigt und kann somit nicht zu einer unver­hält­nis­mä­ßi­gen Ein­schrän­kung von Art.19 Abs. 4 GG füh­ren. Inso­weit ist die ver­tret­ba­re Aus­le­gung des § 81 Abs. 6 GWB durch das vor­le­gen­de Gericht zugrun­de zu legen, wonach die Ver­zin­sung aus­schließ­lich für behörd­lich, nicht aber auch für gericht­lich ver­häng­te Geld­bu­ßen gilt. Mit­hin kann ein betrof­fe­nes Unter­neh­men durch Auf­recht­erhal­ten des ein­ge­leg­ten Ein­spruchs der Zins­be­las­tung ent­ge­hen, wird also durch § 81 Abs. 6 GWB von dem Weg zum Gericht nicht abge­hal­ten, soweit die­ser – gemäß der Funk­ti­on des Rechts­schut­zes nach Art.19 Abs. 4 GG – ernst­haft und mit Ziel einer kar­tell­ge­richt­li­chen Sach­ent­schei­dung beschrit­ten wird.
Nichts ande­res folgt aus dem Hin­weis in den Geset­zes­ma­te­ria­li­en, ange­sichts des § 81 Abs. 6 GWB möge das Gericht „bei sei­ner Über­prü­fung auch den Zeit­fak­tor (…) berück­sich­ti­gen“ 2. Für die­se Anre­gung, zwi­schen­zeit­lich ent­stan­de­ne finan­zi­el­le Vor­tei­le auf­grund der all­ge­mei­nen Bemes­sungs­vor­schrif­ten in die Bestim­mung der Höhe der gericht­lich fest­ge­setz­ten Geld­bu­ße ein­flie­ßen zu las­sen, war die Ein­füh­rung der Ver­zin­sungs­pflicht allen­falls Anlass, nicht jedoch recht­li­che Grund­la­ge. Maß­geb­lich für die gericht­li­che Ent­schei­dung über die Höhe der Geld­bu­ße sind auch inso­weit allein die Bestim­mun­gen, die nach wie vor gene­rell die Buß­geld­be­mes­sung im Ord­nungs­wid­rig­kei­ten­recht regeln und aus ver­fas­sungs­recht­li­cher Sicht auch schon vor Inkraft­tre­ten des § 81 Abs. 6 GWB nicht der Berück­sich­ti­gung der finan­zi­el­len Vor­tei­le ent­ge­gen­stan­den, die durch die ver­zö­ger­te Zah­lung der Geld­bu­ße ermög­licht wur­den.
Hin­ge­gen berührt die Ver­zin­sungs­pflicht des § 81 Abs. 6 GWB die Rechts­schutz­ga­ran­tie aus Art.19 Abs. 4 GG auch inso­weit, als sich bei zunächst ernst­haft mit dem Ziel einer gericht­li­chen Sach­ent­schei­dung ein­ge­leg­tem Ein­spruch für das betrof­fe­ne Unter­neh­men nach­träg­lich ein berech­tig­tes Inter­es­se an der Rück­nah­me des Ein­spruchs erge­ben kann. Der Betrof­fe­ne kann den Ein­spruch gemäß § 71 Abs. 1 OWiG, § 411 Abs. 3 Satz 1 StPO bis zum Erge­hen einer gericht­li­chen Ent­schei­dung zurück­neh­men und bedarf hier­für erst nach Beginn der Haupt­ver­hand­lung der Zustim­mung des Geg­ners (§ 71 Abs. 1 OWiG, § 303 Satz 1 und § 411 Abs. 3 Satz 2 StPO).
Ein berech­tig­tes Inter­es­se an der Rück­nah­me des Ein­spruchs kann ins­be­son­de­re dann bestehen, wenn sich im Lauf des gericht­li­chen Ver­fah­rens mit Blick auf die Ahn­dung der Tat als Ord­nungs­wid­rig­keit die Gefahr einer Ver­bö­se­rung mani­fes­tiert. Das Kar­tell­ge­richt ist bei sei­ner Ent­schei­dung nicht an den Buß­geld­be­scheid gebun­den, son­dern setzt die Höhe der Geld­bu­ße selb­stän­dig fest (§ 71 Abs. 1 OWiG, § 411 Abs. 4 StPO). Damit muss der Ein­spruchs­füh­rer aber zu sei­nen Las­ten auch mit einer Ver­bö­se­rung (refor­ma­tio in pei­us) im Sin­ne einer stren­ge­ren Ahn­dung der ihm vor­ge­wor­fe­nen Ord­nungs­wid­rig­keit rech­nen 31. Ledig­lich im Fal­le des § 72 OWiG, wenn ohne Haupt­ver­hand­lung durch Beschluss ent­schie­den wird und die Betei­lig­ten die­ser Vor­ge­hens­wei­se nicht wider­spre­chen, kann gemäß § 72 Abs. 3 Satz 2 OWiG von der im Buß­geld­be­scheid getrof­fe­nen Ent­schei­dung nicht zum Nach­teil des Betrof­fe­nen abge­wi­chen wer­den. Das Kar­tell­ge­richt kann dem­nach das betrof­fe­ne Unter­neh­men zur Zah­lung einer Geld­bu­ße ver­ur­tei­len, die die im behörd­li­chen Ver­fah­ren fest­ge­setz­te Geld­bu­ße um ein Viel­fa­ches über­schrei­tet. Erkennt der Betrof­fe­ne die­se Mög­lich­keit nach Ein­le­gung des Ein­spruchs als ernst­haf­te Gefahr, ist ihm, um sich der Ver­bö­se­rung durch ein Urteil des Kar­tell­ge­richts zu ent­zie­hen, ein legi­ti­mes Inter­es­se an der Rück­nah­me sei­nes Ein­spruchs nicht abzu­spre­chen.
Mit der Rück­nah­me des Ein­spruchs geht aller­dings der Ein­tritt der Bestands­kraft des ange­foch­te­nen Buß­geld­be­scheids ein­her, womit dann auch die dort fest­ge­setz­te Geld­bu­ße nach Maß­ga­be des § 81 Abs. 6 GWB rück­wir­kend zu ver­zin­sen ist. Das von einer Kar­tell­geld­bu­ße betrof­fe­ne Unter­neh­men muss daher in Erwä­gung zie­hen, dass es nach Ein­le­gung eines Ein­spruchs einer sich mög­li­cher­wei­se – etwa nach gericht­li­chem Hin­weis – abzeich­nen­den Ver­bö­se­rung nur um den Preis einer Ver­zin­sung der ange­grif­fe­nen Geld­bu­ße zu ent­ge­hen ver­mag. Als Ergeb­nis die­ser Über­le­gun­gen könn­te ein­zel­nen Betrof­fe­nen die Inan­spruch­nah­me von Rechts­schutz wirt­schaft­lich der­art risi­ko­be­haf­tet erschei­nen, dass sie von der Ein­le­gung des Ein­spruchs von Anfang an abse­hen.
Der Umstand, dass die durch die Kar­tell­be­hör­de fest­ge­setz­te Geld­bu­ße im Fal­le einer Rück­nah­me des Ein­spruchs zu ver­zin­sen wäre, kann dem­nach rechts­schutz­hem­men­de Wir­kung ent­fal­ten. Dies ver­stößt jedoch nicht gegen die Ver­fas­sung. Der Gesetz­ge­ber hat mit § 81 Abs. 6 GWB bei der ihm über­tra­ge­nen Aus­ge­stal­tung des Rechts­schut­zes zwar von der grund­sätz­lich nicht aus­ge­schlos­se­nen Mög­lich­keit einer Begren­zung 25 Gebrauch gemacht, dabei aber den Zugang zu den Gerich­ten nicht in unzu­mut­ba­rer Wei­se erschwert.
Aus Art.19 Abs. 4 GG folgt, dass die Inan­spruch­nah­me von Rechts­schutz nicht in unzu­mut­ba­rer, aus Sach­grün­den nicht mehr zu recht­fer­ti­gen­der Wei­se erschwert wer­den darf 32. Dies bedeu­tet aller­dings nicht, dass den Recht­su­chen­den der Zugang zu den Gerich­ten kos­ten­los oder auch nur ohne Kos­ten­ri­si­ko zur Ver­fü­gung ste­hen muss. Fer­ner ist es dem Gesetz­ge­ber von Ver­fas­sungs wegen nicht ver­wehrt, mit einer Gebüh­ren­re­ge­lung neben der Deckung der dem Staat ent­ste­hen­den Kos­ten auch das Ziel zu ver­fol­gen, einer leicht­fer­ti­gen oder gar miss­bräuch­li­chen Ein­le­gung von Rechts­be­hel­fen ent­ge­gen­zu­wir­ken 33.
Aller­dings darf die Bemes­sung der Ver­fah­rens­kos­ten nicht in einer Wei­se erfol­gen, die es den Betrof­fe­nen prak­tisch unmög­lich macht, das Gericht anzu­ru­fen 34. Hier­zu muss die Höhe der Kos­ten gesetz­lich so gere­gelt sein, dass sie vor­her über­schau­bar ist und bei ver­nünf­ti­ger Abwä­gung mit den Erfolgs­aus­sich­ten nicht von vorn­her­ein rechts­schutz­hem­mend wirkt 34. Außer­dem dür­fen die Kos­ten nicht außer Ver­hält­nis zu dem wirt­schaft­li­chen Wert ste­hen, den das gericht­li­che Ver­fah­ren für die ein­zel­nen Betei­lig­ten hat 35. Eine an sich gerecht­fer­tig­te Rege­lung darf schließ­lich nicht so gestal­tet wer­den, dass sie in ihrer tat­säch­li­chen Aus­wir­kung ten­den­zi­ell dazu führt, Rechts­schutz vor­nehm­lich nach Maß­ga­be wirt­schaft­li­cher Leis­tungs­fä­hig­keit zu eröff­nen 36.
Die geschil­der­ten Maß­stä­be wur­den zwar nicht für den Fall einer Ver­zin­sung von Geld­schul­den ent­wi­ckelt, die als staat­li­che Sank­ti­on ent­stan­den sind. Mit der Zins­pflicht für Kar­tell­geld­bu­ßen gemäß § 81 Abs. 6 GWB ver­folgt das Gesetz aber eben­so, wie dies auch für die Kos­ten­pflich­tig­keit von Gerichts­ver­fah­ren zuläs­sig ist, das Ziel, von einer miss­bräuch­li­chen Ein­le­gung von Rechts­mit­teln abzu­hal­ten. Die geschil­der­ten Grund­sät­ze kön­nen daher auch für die Prü­fung her­an­ge­zo­gen wer­den, ob der in § 81 Abs. 6 GWB sta­tu­ier­ten Pflicht zur Zins­zah­lung eine unzu­mut­ba­re rechts­schutz­hem­men­de Wir­kung zukommt. Ein sol­cher pro­hi­bi­ti­ver Effekt lässt sich jedoch nicht fest­stel­len.
So kön­nen die Betrof­fe­nen die Grö­ßen­ord­nung der mög­li­cher­wei­se anfal­len­den Zin­sen hin­rei­chend im Vor­aus über­schau­en. Da eine prä­zi­se Pro­gno­se auf­grund der Unwäg­bar­kei­ten gericht­li­cher Ver­fah­ren unmög­lich ist, kann auch die Rechts­schutz­ga­ran­tie des Art.19 Abs. 4 GG nicht gewähr­leis­ten, dass den Recht­su­chen­den bereits vor Erhe­bung des Rechts­mit­tels der genaue Betrag aller im Ver­fah­ren anfal­len­den Kos­ten vor Augen steht. Aus­rei­chend ist viel­mehr, dass für sie abseh­bar ist, wel­che Kos­ten dem Grun­de nach über­haupt anfal­len und wel­che Höhe die­se Kos­ten errei­chen kön­nen.
Für ein betrof­fe­nes Unter­neh­men ist auf­grund der Rege­lung in § 81 Abs. 6 GWB bereits vor Erhe­bung des Ein­spruchs aus­rei­chend deut­lich zu erken­nen, dass und in wel­chen Fäl­len Zin­sen zu tra­gen sind. Zwar ent­schei­den letzt­lich die künf­ti­ge Ent­wick­lung des Basis­zins­sat­zes, auf den § 81 Abs. 6 GWB in Ver­bin­dung mit § 288 Abs. 1 Satz 2 BGB ver­weist, und die Dau­er des gericht­li­chen Ein­spruchs­ver­fah­rens über die genaue Höhe einer etwai­gen Zins­last. Die­se Fak­to­ren las­sen sich jedoch zumin­dest inso­weit abschät­zen und in ihrer Ent­wick­lung kon­trol­lie­ren, als die anfal­len­den Kos­ten der Grö­ßen­ord­nung nach über­schau­bar und damit nicht weni­ger unge­wiss als die übli­chen Kos­ten gericht­li­cher Ver­fah­ren sind.
Zudem errei­chen die nach § 81 Abs. 6 GWB auf die Geld­bu­ße zu zah­len­den Zin­sen im Regel­fall kei­ne Grö­ßen­ord­nung, die bei ver­nünf­ti­ger Betrach­tung den Rechts­weg für die betrof­fe­nen Unter­neh­men aus wirt­schaft­li­chen Grün­den ver­stel­len oder auch nur spür­bar erschwe­ren könn­te. Der Annah­me einer rechts­schutz­hem­men­den Wir­kung steht ent­ge­gen, dass die Betrof­fe­nen bis zur Rück­nah­me des Ein­spruchs oder des­sen gericht­li­cher Ver­wer­fung als unzu­läs­sig die Mög­lich­keit hat­ten, wäh­rend der gesam­ten Dau­er des gericht­li­chen Ver­fah­rens ent­we­der Zin­sen für Kre­di­te zu spa­ren oder durch Ein­satz der Gel­der im ope­ra­ti­ven oder inves­ti­ven Geschäfts­be­reich Ein­nah­men zu erzie­len.
Ob es dem betrof­fe­nen Unter­neh­men im Ein­zel­fall mög­lich war, tat­säch­lich die gesam­te spä­ter nach § 81 Abs. 6 GWB zu ent­rich­ten­de Zins­sum­me auf dem Kapi­tal­markt zu erwirt­schaf­ten 37, ist in die­sem Zusam­men­hang uner­heb­lich. Denn Art.19 Abs. 4 GG bie­tet kei­nen Schutz vor finan­zi­el­len Belas­tun­gen als Kon­se­quenz der Erfolg­lo­sig­keit eines Rechts­mit­tels. Ledig­lich die Höhe der anfal­len­den finan­zi­el­len Nach­tei­le darf kei­ne abschre­cken­de und rechts­schutz­hem­men­de Wir­kung ent­fal­ten, die einen wirt­schaft­lich ver­nünf­tig Den­ken­den von Anfang an von der Anru­fung der staat­li­chen Gerich­te abhal­ten könn­te. Im Regel­fall ist das aber nicht zu erwar­ten. Gera­de die von der Ver­zin­sung der Geld­bu­ße allein betrof­fe­nen Unter­neh­men wer­den sich als gewinn­ori­en­tier­te Wirt­schafts­be­trie­be typi­scher­wei­se nicht durch eine etwai­ge Dif­fe­renz zwi­schen dem nach § 81 Abs. 6 GWB zu zah­len­den Zins und den auf dem Kapi­tal­markt zu erwirt­schaf­ten­den Erträ­gen von der Erhe­bung eines ernst­haft ver­folg­ten Ein­spruchs abschre­cken las­sen.
Im Übri­gen ver­bleibt einem betrof­fe­nen Unter­neh­men, das befürch­tet, auf dem Kapi­tal­markt den von § 81 Abs. 6 GWB gefor­der­ten Zins nicht erwirt­schaf­ten zu kön­nen und des­halb im Fal­le einer Rück­nah­me oder einer Ver­wer­fung des Ein­spruchs erheb­li­chen finan­zi­el­len Nach­tei­len aus­ge­setzt zu sein, die Mög­lich­keit, die gefor­der­te Buß­geld­sum­me unge­ach­tet der noch aus­ste­hen­den Voll­streck­bar­keit inner­halb von zwei Wochen nach Zustel­lung des Buß­geld­be­scheids zunächst unter Vor­be­halt zu zah­len und die­se nach Erfolg sei­nes Ein­spruchs zurück­zu­for­dern. Der Ein­wand, der Buß­geld­be­scheid wür­de in die­sem Fall sei­ne ahn­den­de Wir­kung bereits vor Bestands­kraft ent­fal­ten und somit gegen die Unschulds­ver­mu­tung ver­sto­ßen, ver­kennt, dass der Betrof­fe­ne nicht zur Zah­lung der Geld­bu­ße unter Vor­be­halt ver­pflich­tet ist, son­dern ihm die­ser Weg ledig­lich zur Redu­zie­rung mög­li­cher Zins­ver­lus­te offen­steht.
Dem gesetz­ge­be­ri­schen Ziel, ledig­lich rechts­miss­bräuch­li­che Ein­sprü­che zu ver­hin­dern, trägt die Höhe des Zins­sat­zes nach § 81 Abs. 6 GWB in Ver­bin­dung mit § 288 Abs. 1 Satz 2 BGB Rech­nung, ent­fal­tet mit­hin eben­falls kei­ne rechts­schutz­hem­men­de Wir­kung. Die in § 288 Abs. 1 Satz 2 BGB gere­gel­te Zins­hö­he ori­en­tiert sich am Markt­zins und soll mit fünf Pro­zent­punk­ten über dem jewei­li­gen Basis­zins­satz ledig­lich den Scha­den aus­glei­chen, den der Gläu­bi­ger typi­scher­wei­se durch den Zah­lungs­ver­zug erlei­det und der umge­kehrt den dem Schuld­ner typi­scher­wei­se ent­ste­hen­den Vor­tei­len ent­spricht 38. Anhalts­punk­te, die einen Ver­weis auf die Höhe der Ver­zugs­zin­sen des Bür­ger­li­chen Gesetz­buchs will­kür­lich oder mit Blick auf die Rechts­schutz­ge­wäh­rung auch nur sach­wid­rig erschei­nen lie­ßen, sind nicht erkenn­bar. Das Ziel der Ori­en­tie­rung am Markt­zins wird auch dadurch belegt, dass das Gesetz nicht auf die – an sich nahe­lie­gen­de – qua­li­fi­zier­te Zins­hö­he des § 288 Abs. 2 BGB ver­weist, die im Fal­le eines Zah­lungs­ver­zugs ohne Ver­brau­cher­be­tei­li­gung gilt, sich aber aus Grün­den der Abschre­ckung säu­mi­ger Schuld­ner 39 mit acht Pro­zent­punk­ten über dem Basis­zins­satz vom Markt­zins deut­lich ent­fernt.
Unschulds­ver­mu­tung, Art 6 Abs. 2 EMRK, Art.20 Abs. 3 GG[↑]
Ent­ge­gen einer bis­wei­len in der Lite­ra­tur zum Kar­tell­recht ver­tre­te­nen Auf­fas­sung 40 miss­ach­tet die in § 81 Abs. 6 GWB gere­gel­te Ver­zin­sung der Geld­bu­ße nicht die ver­fas­sungs­recht­lich garan­tier­te Unschulds­ver­mu­tung.
Die Unschulds­ver­mu­tung ist nicht nur kraft Art. 6 Abs. 2 EMRK Bestand­teil des posi­ti­ven Rechts der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land, viel­mehr kommt ihr als einer beson­de­ren Aus­prä­gung des Rechts­staats­prin­zips (Art.20 Abs. 3 GG) Ver­fas­sungs­rang zu 41. Sie gilt auch, wenn eine Tat nicht straf­recht­lich als Delikt, son­dern als Ord­nungs­wid­rig­keit geahn­det wer­den soll 42. Aus dem Grund­satz der Unschulds­ver­mu­tung ergibt sich hier, dass den Betrof­fe­nen Tat und Schuld nach­ge­wie­sen wer­den müs­sen 43. Solan­ge der gesetz­li­che Nach­weis der Schuld nicht geführt ist, sind die Betrof­fe­nen auch vor Nach­tei­len geschützt, die einem Schuld­spruch oder einer Stra­fe gleich­kom­men, denen aber kein rechts­staat­li­ches pro­zess­ord­nungs­ge­mä­ßes Ver­fah­ren zur Schuld­fest­stel­lung und Straf­be­mes­sung vor­aus­ge­gan­gen ist 44.
Zwei­fel­haft ist bereits, ob die Rege­lung des § 81 Abs. 6 GWB über­haupt zu Nach­tei­len führt, die im Sin­ne der Unschulds­ver­mu­tung einem Schuld­spruch oder einer Ahn­dung gleich­kom­men. Selbst wenn dies unter­stellt wird, ist sie jeden­falls mit der Unschulds­ver­mu­tung ver­ein­bar. Zwar beginnt die Ver­zin­sungs­pflicht bereits zwei Wochen nach der Zustel­lung des Buß­geld­be­scheids und erfasst somit auch noch nicht bestands­kräf­tig geahn­de­te Ord­nungs­wid­rig­kei­ten. Ent­schei­dend ist jedoch, dass die­se Ver­pflich­tung bei Erfolg des Ein­spruchs wie­der rück­wir­kend ent­fällt, der Betrof­fe­ne also von Anfang an kei­ne Zin­sen schul­det und zwi­schen­zeit­lich auch nicht auf Zah­lung in Anspruch genom­men wer­den kann. Die Rege­lung des § 81 Abs. 6 GWB ändert näm­lich nichts an dem Zeit­punkt der Fäl­lig­keit, die nicht nur für die Geld­bu­ße, son­dern auch für die aus ihr zu zah­len­den Zin­sen gemäß § 89 OWiG – wie alle fest­ge­setz­ten Tat­fol­gen 45 – erst mit der Bestands­kraft des Buß­geld­be­scheids ein­tritt. Die Ver­zin­sungs­pflicht des § 81 Abs. 6 GWB hat dem­nach nur Aus­wir­kun­gen auf die Höhe der ins­ge­samt zu ent­rich­ten­den Geld­sum­me, sie ver­la­gert aber die Zah­lungs­pflicht als sol­che nicht auf einen Zeit­punkt vor bestands­kräf­ti­ger Fest­set­zung der Geld­bu­ße und damit nicht auf einen Zeit­punkt vor einer rechts­kräf­ti­gen Ent­schei­dung über die Täter­schaft und die Schuld der Betrof­fe­nen.
Geset­zes­vor­be­halt – nul­la poe­na sine lege, Art. 103 Abs. 2 GG[↑]
Schließ­lich wider­spricht die Rege­lung zur Ver­zin­sung der Geld­bu­ße gemäß § 81 Abs. 6 GWB nicht dem stren­gen Geset­zes­vor­be­halt aus Art. 103 Abs. 2 GG 46.
An Art. 103 Abs. 2 GG sind zwar auch Sank­tio­nen zu mes­sen, die kei­ne Stra­fe sind, aber wie eine Stra­fe wir­ken 47. Die­se Vor­aus­set­zung ist aller­dings nicht schon dann erfüllt, wenn eine Maß­nah­me mit einer Ein­bu­ße an Frei­heit oder Ver­mö­gen ver­bun­den ist und damit fak­tisch die Wir­kung eines Übels ent­fal­tet. Bei der Beur­tei­lung des pöna­len Cha­rak­ters einer Rechts­fol­ge sind viel­mehr wei­te­re wer­ten­de Kri­te­ri­en her­an­zu­zie­hen, ins­be­son­de­re der Rechts­grund der Anord­nung und der vom Gesetz­ge­ber mit ihr ver­folg­te Zweck 48.
Hier­nach stellt die Ver­zin­sungs­pflicht kei­ne stra­f­ähn­li­che Maß­nah­me dar; denn ihr soll nach dem Wil­len des Gesetz­ge­bers kei­ne zusätz­li­che Ahn­dungs­wir­kung zukom­men. Ihr Ziel ist viel­mehr, die Ange­mes­sen­heit der Sank­ti­on, deren Voll­streck­bar­keit durch den Ein­spruch hin­aus­ge­scho­ben wird, trotz der ein­ge­tre­te­nen Ver­zö­ge­rung auf­recht zu erhal­ten, um auf die­se Wei­se von der rechts­miss­bräuch­li­chen Ein­le­gung des Rechts­mit­tels abzu­hal­ten. Dem trägt die gesetz­li­che Rege­lung Rech­nung.
Des­sen unge­ach­tet lässt sich die Bestimmt­heit des § 81 Abs. 6 GWB nicht mit dem Argu­ment in Fra­ge stel­len, die gesetz­li­chen Rege­lun­gen zur Bemes­sung der Kar­tell­geld­bu­ße, an die die Ver­zin­sung anknüpft, sei­en ihrer­seits wegen Unbe­stimmt­heit ver­fas­sungs­wid­rig 49. Dabei kann dahin­ste­hen, ob die ein­schlä­gi­gen Buß­geld­vor­schrif­ten im Bereich des Kar­tell­rechts hin­rei­chend bestimmt sind. Soll­ten sie sich als ver­fas­sungs­wid­rig erwei­sen, so beträ­fe die­ser Man­gel ledig­lich die Nor­men zur Buß­geld­be­mes­sung. Bei deren Nich­tig­keit wäre zwar auch der Ver­zin­sungs­pflicht die Grund­la­ge ent­zo­gen, dies beruh­te indes­sen nicht auf einer Ver­fas­sungs­wid­rig­keit der Ver­zin­sungs­vor­schrift des § 81 Abs. 6 GWB, son­dern auf dem Umstand, dass dann eine wirk­sam fest­ge­setz­te Geld­bu­ße fehl­te, an der die Ver­zin­sung anknüp­fen könn­te. Eine etwai­ge Unbe­stimmt­heit der Rege­lung zur Bemes­sung der Haupt­schuld ist als sol­che für die Bestimmt­heit der dar­an anschlie­ßen­den Zins­re­ge­lung ohne Belang.
Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt, Beschluss vom 19. Dezem­ber 2012 – 1 BvL 18/​11
OLG Düs­sel­dorf, Beschluss vom 30.05.2011 – V‑1 Kart 1/​11 [↩]
BT-Drucks. 15/​3640, S. 67[↩][↩]
BT-Drucks. 15/​3640, S. 82[↩]
vgl. Cramer/​Pananis, in: Loewenheim/​Meessen/​Riesenkampff, Kar­tell­recht, 2. Aufl. 2009, § 81 Rn. 63 m.w.N.[↩]
vgl. etwa Dannecker/​Biermann, in: Immenga/​Mestmäcker, Wett­be­werbs­recht, Bd. 2 GWB, 4. Aufl.2007, § 81 Rn. 465; Voll­mer, in: Mün­che­ner Kom­men­tar zum Euro­päi­schen und Deut­schen Wett­be­werbs­recht (Kar­tell­recht), Bd. 2, 2008, § 81 Rn. 119[↩]
vgl. BVerfGE 120, 1, 29; 122, 210, 230; 129, 49, 68; stRspr[↩]
vgl. BVerfGE 129, 49, 69 m.w.N.[↩]
vgl. BVerfGE 129, 49, 68 f.; BVerfG, Beschluss vom 24.01.2012 – 1 BvL 21/​11, NVwZ-RR 2012, 257, 258[↩]
vgl. BVerfGE 88, 87, 96; 129, 49, 69[↩]
vgl. BVerfGE 124, 199, 220; 129, 49, 69[↩]
vgl. BVerfGE 88, 87, 96; 129, 49, 69; BVerfG, Beschluss vom 24.01.2012 – 1 BvL 21/​11, NVwZ-RR 2012, 257, 258[↩]
BVerfGE 129, 49, 69 m.w.N.[↩]
vgl. BVerfGE 21, 292, 299; 85, 238, 245[↩]
vgl. Dannecker/​Biermann, in: Immenga/​Mestmäcker, a.a.O., § 81 Rn. 465; Voll­mer, in: Mün­che­ner Kom­men­tar zum Euro­päi­schen und Deut­schen Wett­be­werbs­recht, a.a.O., § 81 Rn. 119[↩]
vgl. Emme­rich, Kar­tell­recht, 11. Aufl.2008, § 20 Rn. 5 ff.[↩]
vgl. BVerfGE 110, 141, 168 f.[↩]
beja­hend etwa Emme­rich, a.a.O., § 43 Rn.20; ver­nei­nend hin­ge­gen Dannecker/​Biermann, in: Immenga/​Mestmäcker, a.a.O., § 81 Rn. 335 f.[↩]
vgl. BVerfGE 40, 121, 139 f. m.w.N.[↩]
vgl. BVerfGE 90, 145, 184[↩]
vgl. Raum, in: Langen/​Bunte, Kom­men­tar zum deut­schen und euro­päi­schen Kar­tell­recht, Bd. 1, 11. Aufl.2010, § 81 Rn. 179; Achen­bach, in: Frank­fur­ter Kom­men­tar zum Kar­tell­recht, 2011, § 81 GWB, Rn. 325; so wohl auch Voll­mer, in: Mün­che­ner Kom­men­tar zum Euro­päi­schen und Deut­schen Wett­be­werbs­recht, a.a.O., § 81 GWB, Rn. 121; a.A. Bech­told, Kar­tell­ge­setz, 6. Aufl.2010, § 81 Rn. 43[↩]
vgl. BVerfGE 117, 1, 27[↩]
BVerfGE 101, 106, 123 f.; 118, 168, 207[↩]
vgl. BVerfGE 100, 313, 364; 109, 279, 364[↩][↩]
vgl. BVerfGE 60, 253, 269[↩][↩]
vgl. BVerfGE 69, 1, 49[↩]
vgl. BVerfGE 40, 46, 49[↩]
vgl. BVerfGE 93, 1, 13; 112, 185, 207[↩]
vgl. BVerfGE 112, 185, 207[↩]
vgl. Bech­told, a.a.O., vor § 81 Rn. 6[↩]
vgl. BVerfGE 40, 272, 274 f.; 78, 88, 99; 88, 118, 124[↩]
vgl. BVerfGE 10, 264, 268; 50, 217, 230 f.; 85, 337, 346 f.[↩]
vgl. BVerfGE 11, 139, 143; 54, 39, 41[↩][↩]
vgl. BVerfGE 85, 337, 347[↩]
vgl. BVerfGE 50, 217, 231; 117, 163, 197[↩]
vgl. dazu BGH, Urteil vom 24.04.2012 – XI ZR 360/​11, NJW 2012, 2266 ff.[↩]
vgl. Grü­ne­berg, in: Palandt, Bür­ger­li­ches Gesetz­buch, 72. Aufl.2013, § 288 Rn. 2[↩]
vgl. Grü­ne­berg, in: Palandt, a.a.O., § 288 Rn. 3[↩]
vgl. etwa Dannecker/​Biermann, in: Immenga/​Mestmäcker, a.a.O., § 81 Rn. 463; Achen­bach, in: Frank­fur­ter Kom­men­tar zum Kar­tell­recht, a.a.O., § 81 GWB, Rn. 327; Voll­mer, in: Mün­che­ner Kom­men­tar zum Euro­päi­schen und Deut­schen Wett­be­werbs­recht, a.a.O., § 81 Rn. 119[↩]
vgl. BVerfGE 74, 358, 370; 110, 1, 22[↩]
vgl. BVerfGE 9, 167, 170[↩]
vgl. BVerfGE 74, 358, 371; 110, 1, 23 m.w.N.[↩]
vgl. Mitsch, in: Karls­ru­her Kom­men­tar zum OWiG, 3. Aufl.2006, § 89 Rn. 1[↩]
vgl. BVerfGE 126, 170, 194[↩]
vgl. BVerfGE 35, 311, 320; 74, 358, 375 f.; 110, 1, 13 f.[↩]
vgl. BVerfGE 110, 1, 14[↩]
so aber Hassemer/​Dallmeyer, Gesetz­li­che Ori­en­tie­rung im deut­schen Recht der Kar­tell­geld­bu­ßen und das Grund­ge­setz, 2010, S. 76 f.[↩]
§ 74 owigKartellgeldbuKartellrecht