Source: http://m.hensche.de/Rechtsanwalt_Arbeitsrecht_Urteile_Ausschlussklauseln_LAG-Koeln_9Sa1011-06.html
Timestamp: 2018-04-24 02:47:51
Document Index: 56473797

Matched Legal Cases: ['§ 305', '§ 307', '§ 305', '§ 308', '§ 308', '§ 305', '§ 307', '§ 307', '§ 242', '§ 310', '§ 305', '§ 307', '§ 307', '§ 307', '§ 306', '§ 307', '§ 306']

HENSCHE Arbeitsrecht: 9 Sa 1011/06
Schlag­worte: Ausschlussfrist
Akten­zeichen: 9 Sa 1011/06
Ent­scheid­ungs­datum: 16.01.2007
Leit­sätze: Ist ein­zel­ver­trag­lich ver­ein­bart, dass die Ansprüche aus dem Ar­beits­verhält­nis ver­fal­len, wenn sie nicht in­ner­halb von 3 Mo­na­ten nach Fällig­keit ge­genüber der an­de­ren Ver­trags­par­tei schrift­lich gel­tend ge­macht wer­den (1. Stu­fe), und sie nach Ab­leh­nung oder Nichterklärung nicht in­ner­halb ei­nes Mo­nats ge­richt­lich gel­tend ge­macht wer­den (2. Stu­fe), berührt die Un­wirk­sam­keit der zwei­ten Stu­fe der Aus­schluss­klau­sel nicht die Wirk­sam­keit der ers­ten Stu­fe.
Lan­des­ar­beits­ge­richt Köln, 9 Sa 1011/06
1. Die Be­ru­fung des Klägers ge­gen das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts Köln vom 25. Ju­li 2006 – 11 Ca 2180/06 – wird kos­ten­pflich­tig zurück­ge­wie­sen.
2. Die Re­vi­si­on ge­gen die­ses Ur­teil wird zu­ge­las­sen.
Die Par­tei­en strei­ten über Prämi­en­ansprüche aus dem Jahr 2004.
Der Kläger, ge­bo­ren am 2. Ju­li 1953, war auf­grund ei­nes schrift­li­chen For­mu­lar- Ar­beits­ver­tra­ges vom 3. Ju­li 2002 bei der Be­klag­ten als Geschäfts­lei­ter zu ei­nem mo­nat­li­chen Ge­halt in Höhe von zu­letzt EUR 4.600,00 beschäftigt.
Un­ter Ziff. 17 des Ar­beits­ver­tra­ges hat­ten die Par­tei­en Fol­gen­des be­stimmt:
"Al­le bei­der­sei­ti­gen Ansprüche aus dem Ar­beits­ver­trag und sol­che, die mit dem Ar­beits­ver­trag in Ver­bin­dung ste­hen, ver­fal­len, wenn sie nicht in­ner­halb von drei Mo­na­ten nach Fällig­keit ge­genüber der an­de­ren Ver­trags­par­tei schrift­lich er­ho­ben wer­den. Lehnt die Ge­gen­par­tei den An­spruch ab oder erklärt sie sich nicht in­ner­halb von zwei Wo­chen nach der Gel­tend­ma­chung des An­spruchs, so verfällt die­ser, wenn er nicht in­ner­halb ei­nes Mo­nats nach Ab­leh­nung oder Frist­ab­lauf ge­richt­lich gel­tend ge­macht wird."
Un­ter dem 17. De­zem­ber 2003 ver­ein­bar­ten die Par­tei­en ei­ne Prämi­en­re­ge­lung, wo­nach an den Kläger als Geschäfts­lei­ter ei­ne vier­teljähr­li­che Um­satz­prämie in Höhe von EUR 4.500,00 er­hal­ten soll­te, wenn der bud­ge­tier­te Um­satz der Nie­der­las­sung mit ei­nem Grad von min­des­tens 104,0 % er­reicht wur­de. Zu­gleich soll­te der Kläger ei­ne Jah­res­prämie in Höhe von EUR 20.000,00 er­hal­ten, wenn das bud­ge­tier­te Er­geb­nis der Nie­der­las­sung mit ei­nem Grad von min­des­tens 110,0 % er­reicht wur­de.
Un­ter Ziff. 5 der Prämi­en­re­ge­lung wur­de u. a. be­stimmt, dass es sich um frei­wil­li­ge Leis­tun­gen hand­le, auf die kein Rechts­an­spruch für Fol­ge­jah­re be­ste­he. Ins­be­son­de­re ste­he der Be­klag­ten auch das Recht zu, die Höhe der Prämi­en so­wie die zur Be­rech­nung re­le­van­ten Eck­wer­te ent­spre­chend der wirt­schaft­li­chen Ent­wick­lung so­wie bei be­trieb­li­chen Er­for­der­nis­sen ein­sei­tig zu ändern. Re­kla­ma­tio­nen des Prämien­empfängers müss­ten in­ner­halb von 4 Wo­chen nach Fest­stel­lung der Prämi­enhöhe bzw. Zah­lung er­fol­gen. Da­nach gel­te die Prämie als rich­tig an­er­kannt.
Der Kläger erfüll­te die ge­nann­ten Prämi­en­vor­aus­set­zun­gen so­wohl hin­sicht­lich der Um­satz­prämie für das 4. Quar­tal 2004 als auch hin­sicht­lich der Jah­res­prämie für das Jahr 2004. Die Be­klag­te zahl­te mit der Ab­rech­nung für Ja­nu­ar 2005 die Um­satz­prämie für das 4. Quar­tal 2004 le­dig­lich in Höhe von EUR 2.250,00 brut­to und mit der Ab­rech­nung für April 2005 die Jah­res­prämie für das Jahr 2004 le­dig­lich in Höhe von EUR 10.000,00 brut­to.
Nach­dem die Be­klag­te das Ar­beits­verhält­nis mit Schrei­ben vom 22. Fe­bru­ar 2006 zum 30. April 2006 gekündigt hat­te, er­hob der Kläger mit ei­nem am 15. März 2006 beim Ar­beits­ge­richt Köln ein­ge­gan­ge­nen Schrift­satz so­wohl Kündi­gungs­schutz­kla­ge als auch Kla­ge auf Zah­lung der rest­li­chen Um­satz­prämie in Höhe von EUR 2.250,00 brut­to und der Jah­res­prämie in Höhe von EUR 10.000,00 brut­to. Die Par­tei­en ver­ein­bar­ten durch ge­richt­li­chen Teil­ver­gleich ei­ne Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses zum 30. April 2006 und die Zah­lung ei­ner Ab­fin­dung in Höhe von EUR 8.500,00 brut­to durch die Be­klag­te an den Kläger.
Der Kläger hat erst­in­stanz­lich vor­ge­tra­gen, sei­ne Prämi­en­ansprüche sei­en nicht ver­fal­len, ob­wohl er sie nicht bin­nen der un­ter Ziff. 17 des Ar­beits­ver­tra­ges be­stimm­ten Aus­schluss­frist schrift­lich gel­tend ge­macht ha­be. Es lie­ge ei­ne mehr­deu­ti­ge Ver­fall­re­ge­lung vor, weil un­ter Ziff. 5 der Prämi­en­re­ge­lung nur ei­ne form­lo­se Gel­tend­ma­chung in­ner­halb von 4 Wo­chen nach der Zah­lung vor­aus­ge­setzt wor­den sei. Ab­ge­se­hen da­von sei die Ver­fall­fris­ten­re­ge­lung ins­ge­samt un­wirk­sam, weil die Re­ge­lung über die ge­richt­li­che Gel­tend­ma­chung als zwei­te Stu­fe zu ei­ner un­an­ge­mes­se­nen Be­nach­tei­li­gung führe.
die Be­klag­te zu ver­ur­tei­len, an ihn EUR 12.250,00 nebst Zin­sen in Höhe von 5 Pro­zent­punk­ten über dem Ba­sis­zins von EUR 2.250,00 seit dem 15 .Ja­nu­ar 2005 und von EUR 10.000,00 seit dem 1. Mai 2005 zu zah­len.
Die Be­klag­te hat erst­in­stanz­lich vor­ge­tra­gen, der Kläger selbst ha­be ge­genüber ih­rem Geschäftsführer erklärt, dass sei­ne Zah­len nicht gut sei­en. Sie hat sich auf die ver­trag­li­che Aus­schluss­fris­ten­re­ge­lung be­ru­fen. Die Be­stim­mung, wo­nach die Ansprüche bin­nen 3 Mo­na­ten nach Fällig­keit schrift­lich gel­tend zu ma­chen sei­en, sei wirk­sam.
Das Ar­beits­ge­richt Köln hat durch Ur­teil vom 25. Ju­li 2006 die Kla­ge ab­ge­wie­sen. Zu Be­gründung hat es aus­geführt, die ers­te Stu­fe der Aus­schluss­frist mit der Be­stim­mung über die schrift­li­che Gel­tend­ma­chung bin­nen 3 Mo­na­ten nach Fällig­keit sei wirk­sam. Die Un­wirk­sam­keit der zwei­ten Stu­fe der Aus­schluss­frist mit der Be­stim­mung über die
ge­richt­li­che Gel­tend­ma­chung bin­nen ei­nes wei­te­ren Mo­nats sei zwar un­wirk­sam und
des­halb er­satz­los zu strei­chen. Dies berühre aber nicht die Wirk­sam­keit der Re­ge­lung über die schrift­li­che Gel­tend­ma­chung.
Das Ur­teil ist dem Kläger am 4. Au­gust 2006 zu­ge­stellt wor­den. Er hat hier­ge­gen am 4. Sep­tem­ber 2006 Be­ru­fung ein­le­gen und die­se – nach Verlänge­rung der Be­ru­fungs­be­gründungs­frist bis zum 6. No­vem­ber 2006 – am 6. No­vem­ber 2006 beim Lan­des­ar­beits­ge­richt be­gründen las­sen.
Er ist wei­ter­hin der An­sicht, auf­grund der ge­son­der­ten Be­stim­mung un­ter Ziff. 5 der Prämi­en­ver­ein­ba­rung lie­ge ei­ne mehr­deu­ti­ge Ver­fall­re­ge­lung vor. Zu­dem führe die Un­wirk­sam­keit der zwei­ten Stu­fe der Ver­fall­frist auch zur Un­wirk­sam­keit der ers­ten Stu­fe, da die Fris­ten­re­ge­lun­gen auf­ein­an­der auf­bau­ten.
In der münd­li­chen Ver­hand­lung am 16. Ja­nu­ar 2007 hat er erklärt, er ha­be nach Er­halt der Zah­lun­gen je­weils bin­nen 2 Wo­chen bei Tref­fen mit dem Geschäftsführer der Be­klag­ten re­kla­miert, dass ihm nicht die Um­satz­prämie in Höhe von EUR 4.500,00 und die Jah­res­prämie in Höhe von EUR 20.000,00 ge­zahlt wor­den sei­en. Sei­ne Ar­beits­leis­tung sei gut ge­we­sen, was sich schon aus dem Grad er­ge­be, mit dem er die Um­satz­vor­ga­be er­reicht ha­be. Er ha­be von der wei­te­ren Gel­tend­ma­chung Ab­stand ge­nom­men, nach­dem ihm der Geschäftsführer für die­sen Fall den Aus­spruch ei­ner Kündi­gung an­ge­deu­tet ha­be.
un­ter Abände­rung des Ur­teils des Ar­beits­ge­richts Köln vom 25. Ju­li 2006 – 11 Ca 2180/06 – ent­spre­chend dem erst­in­stanz­li­chen An­trag zu er­ken­nen.
Sie ist wei­ter der An­sicht, der An­spruch sei ver­fal­len, weil der Kläger die ers­te Stu­fe der Aus­schluss­frist nicht ge­wahrt ha­be.
In der münd­li­chen Ver­hand­lung am 16. Ja­nu­ar 2007 hat die Be­klag­te gel­tend ge­macht, nach Ziff. 5 der Prämi­en­ver­ein­ba­rung sei sie be­rech­tigt ge­we­sen, die Prämi­en ab­wei­chend von den grundsätz­lich gel­ten­den Be­rech­nungssätzen "ent­spre­chend der wirt­schaft­li­chen Ent­wick­lung so­wie bei be­trieb­li­chen Er­for­der­nis­sen" in der ge­zahl­ten Höhe fest­zu­le­gen. Der Kläger ha­be nicht durch sei­nen Ar­beits­ein­satz die Umsätze in der Nie­der­las­sung er­zielt. Viel­mehr sei­en sie we­sent­lich auf die vorüber­ge­hen­de Sch­ließung ei­nes in der Nähe be­find­li­chen Kon­kur­renz­be­trie­bes zurück­zuführen. Der Kläger ha­be nicht münd­lich dar­auf be­stan­den, ihm höhe­re Prämi­en zu zah­len.
II. Die Be­ru­fung ist aber nicht be­gründet.
Der Kläger hat kei­nen An­spruch ge­gen die Be­klag­te auf Zah­lung ei­ner höhe­ren Prämie für das 4. Quar­tal 2004 und für das Jahr 2004.
1. Zwar ist der An­spruch des Klägers auf Zah­lung der Prämi­en in der von ihm ver­lang­ten 32 Höhe nach Ziff. 1 (Um­satz­prämie) und Ziff. 2 (Jah­res­prämie) der Ver­ein­ba­rung vom 17. De­zem­ber 2003 ent­stan­den.
Die Be­klag­te hat nicht be­strit­ten, dass dem Kläger nach den un­ter Ziff. 1 und 2 der Prämi­en­re­ge­lung fest­ge­leg­ten Vor­aus­set­zun­gen ein An­spruch auf ei­ne Prämie für das 4. Quar­tal 2004 in Höhe von EUR 4.500,00 und für das Jahr 2004 in Höhe von EUR 20.000,00 zu­stand.
Aus dem erst­mals in der Be­ru­fungs­ver­hand­lung er­folg­ten bloßen Hin­weis der Be­klag­ten auf den Frei­wil­lig­keits­vor­be­halt (Ziff. 5 Abs. 1 S. 2) und den ein­sei­ti­gen Ände­rungs­vor­be­halt (Ziff. 5 Abs. 1 S. 3) er­gibt sich nicht ein­mal, wel­che "wirt­schaft­li­che Ent­wick­lung und wel­che be­trieb­li­chen Er­for­der­nis­se" zu ei­ner Abände­rung der Prämi­enhöhe und der zur Be­rech­nung re­le­van­ten Eck­wer­te geführt ha­ben sol­len. Ab­ge­se­hen da­von be­geg­net die Re­ge­lung auch recht­li­chen Be­den­ken, so­wohl was den Frei­wil­lig­keits- als auch den Ände­rungs­vor­be­halt an­geht. Aus der all­ge­mein ge­hal­te­nen Fas­sung der Prämi­en­be­stim­mun­gen für Geschäfts­lei­ter er­gibt sich, dass die Re­ge­lung im Be­trieb der Be­klag­ten stan­dardmäßig An­wen­dung fin­det und es sich da­her um All­ge­mei­ne Geschäfts­be­din­gun­gen im Sin­ne der §§ 305 ff. BGB han­delt. Nach §§ 307 Abs. 1 und Abs. 2, 308 Nr. 4 BGB müssen die Vor­aus­set­zun­gen und der Um­fang der vor­be­hal­te­nen Ände­run­gen möglichst kon­kre­ti­siert wer­den. Der Ar­beit­neh­mer muss er­ken­nen können, was ggf. auf ihn zu­kommt. Es reicht nicht, all­ge­mein auf die "wirt­schaft­li­che Ent­wick­lung" oder "be­trieb­li­che Er­for­der­nis­se" ab­zu­stel­len (vgl. BAG, Ur­teil vom 11. Ok­to­ber 2005 – 5 AZR 721/05 -; für Frei­wil­lig­keits­vor­be­hal­te: Lak­ies, AGB im Ar­beits­recht, Rdn. 620 ff.).
2. Die Gel­tend­ma­chung des An­spruchs auf Zah­lung der höhe­ren Prämi­en ist auch nicht nach Ziff. 5 Ab­satz 4 der Prämi­en­re­ge­lung aus­ge­schlos­sen.
Da­nach müssen Re­kla­ma­tio­nen des Prämien­empfängers in­ner­halb von 4 Wo­chen nach Fest­stel­lung der Prämi­enhöhe bzw. Zah­lung er­fol­gen, an­sons­ten gilt die Prämie als rich­tig an­er­kannt. Für die Re­kla­ma­tio­nen be­steht kei­ne Form­vor­schrift.
Der Kläger hat vor­ge­tra­gen, er ha­be nach Er­halt der Zah­lun­gen je­weils bin­nen 2 Wo­chen münd­lich bei dem Geschäftsführer be­an­stan­det, dass ihm die Um­satz- und die Jah­res­prämie nicht in vol­ler Höhe ge­zahlt wor­den sei­en. Die Be­klag­te hat zwar be­strit­ten, dass der Kläger die Zah­lung der höhe­ren Prämi­en ver­langt hat. Je­doch er­gibt sich auch aus ih­rem Vor­brin­gen, dass über die Be­rech­nung der Prämie ge­spro­chen wor­den ist. Ihr Vor­brin­gen, der Kläger ha­be im Zu­sam­men­hang mit der Prämie erklärt, sei­ne Zah­len sei­en nicht gut und er wer­de kei­ne wei­te­ren Prämi­en­ansprüche gel­tend ma­chen, macht nur Sinn, wenn zu­vor die un­zu­tref­fen­de Be­rech­nung erörtert wor­den war.
Ab­ge­se­hen da­von be­ste­hen recht­li­che Be­den­ken ge­gen die Wirk­sam­keit die­ser Be­stim­mung.
Wie be­reits aus­geführt, han­delt es sich bei der Prämi­en­re­ge­lung um All­ge­mei­ne Geschäfts­be­din­gun­gen im Sin­ne der §§ 305 ff. BGB. Nach § 308 Ziff. 5 BGB sind Re­ge­lun­gen über fin­gier­te Erklärun­gen un­wirk­sam, es sei denn, dass dem Ver­trags­part­ner ei­ne an­ge­mes­se­ne Frist zur Ab­ga­be ei­ner aus­drück­li­chen Erklärung ein­geräumt ist und der Ver­wen­der sich ver­pflich­tet, den Ver­trags­part­ner bei Be­ginn der Frist auf die vor­ge­se­he­ne Be­deu­tung sei­nes Ver­hal­tens be­son­ders hin­zu­wei­sen.
Da­nach ist die Klau­sel schon des­halb un­wirk­sam, weil sie nicht klar­stellt, dass die Erklärungs­fik­ti­on nur dann ein­tritt, wenn die Be­klag­te den er­for­der­li­chen Hin­weis auf die Erklärungs­fik­ti­on (An­er­ken­nung der Prämi­enhöhe) tatsächlich er­teilt hat (vgl. PWW/KP Ber­ger, BGB, § 308 Rdn. 41). Im Übri­gen be­ste­hen kei­ne An­halts­punk­te dafür, dass die Be­klag­te bei Zah­lung der Prämi­en auch ei­nen sol­chen Hin­weis tatsächlich er­teilt hat.
3. Je­doch ist der An­spruch auf Zah­lung der höhe­ren Prämi­en nach Ziff. 17 S. 1 des schrift­li­chen Ar­beits­ver­tra­ges vom 3. Ju­li 2002 ver­fal­len, weil der Kläger nicht bin­nen 3 Mo­na­ten nach Fällig­keit den je­wei­li­gen Dif­fe­renz­be­trag schrift­lich ge­genüber der Be­klag­ten gel­tend ge­macht hat.
a. Die ver­trag­lich ver­ein­bar­te Ver­fall­klau­sel ist rechts­wirk­sam, so­weit sie die schrift­li­che Gel­tend­ma­chung der bei­der­sei­ti­gen Ansprüche aus dem Ar­beits­ver­trag in­ner­halb von 3 Mo­na­ten nach Fällig­keit vor­schreibt.
aa. In For­mu­lar­ar­beits­verträgen können Aus­schluss­fris­ten ver­ein­bart wer­den. Die §§ 305 ff. BGB ent­hal­ten kei­ne Be­stim­mun­gen, die Aus­schluss­fris­ten ge­ne­rell für un­wirk­sam erklären.
Die zwi­schen den Par­tei­en ver­ein­bar­te Aus­schluss­klau­sel un­ter­liegt der In­halts­kon­trol­le gemäß §§ 307 bis 309 BGB. Die Aus­schluss­frist stellt ei­ne von Rechts­vor­schrif­ten ab­wei­chen­de Re­ge­lung (§ 307 Abs. 3 S. 1 BGB) dar; denn ge­setz­lich blei­ben Ansprüche ab­ge­se­hen von ei­ner Ver­wir­kung (§ 242 BGB) er­hal­ten und sind nur im Rah­men des Verjährungs­rechts gel­tend zu ma­chen. Die Klau­sel ent­spricht auch nicht ei­ner ta­rif­li­chen Be­stim­mung oder an­de­ren Norm im Sin­ne des § 310 Abs. 4 S. 3 BGB, die auf das Ar­beits­verhält­nis der Par­tei­en un­mit­tel­bar An­wen­dung fin­den kann (vgl. BAG, Ur­teil vom 1. März 2006 – 5 AZR 511/05 -).
bb. Zunächst kann an­ge­sichts der äußeren Ge­stal­tung der Ver­trags­be­stim­mung und der Üblich­keit von ein- und zwei­stu­fi­gen Aus­schluss­klau­seln im Ar­beits­le­ben von ei­ner über­ra­schen­den oder un­gewöhn­li­chen Klau­sel im Sin­ne des § 305 c BGB kei­ne Re­de sein (vgl. BAG, Ur­teil vom 25. Mai 2005 – 5 AZR 572/04 -).
cc. Die Klau­sel ist nicht nach § 307 Abs. 1 S. 1 in Ver­bin­dung mit Abs. 2 Nr. 1 BGB un­wirk­sam. Nach die­ser Rechts­norm sind Be­stim­mun­gen in All­ge­mei­nen Geschäfts­be­din­gun­gen un­wirk­sam, wenn sie den Ver­trags­part­ner des Ver­wen­ders ent­ge­gen den Ge­bo­ten von Treu und Glau­ben un­an­ge­mes­sen be­nach­tei­li­gen. Ei­ne ein­zel­ver­trag­li­che Aus­schluss­frist, die die schrift­li­che Gel­tend­ma­chung al­ler Ansprüche aus dem
Ar­beits­verhält­nis in­ner­halb ei­ner Frist von 3 Mo­na­ten ab Fällig­keit ver­langt, be­nach­tei­ligt den Ar­beit­neh­mer nicht un­an­ge­mes­sen (vgl. BAG, Ur­teil vom 28. Sep­tem­ber 2005 – 5 AZR 52/05 -).
dd. Die Re­ge­lung verstößt auch nicht ge­gen das Trans­pa­renz­ge­bot des § 307 Abs. 1 S. 2 BGB. Aus­drück­lich wird dar­auf hin­ge­wie­sen, dass die Ansprüche bei un­ter­las­se­ner schrift­li­cher Gel­tend­ma­chung "ver­fal­len". So­weit der Kläger gel­tend macht, aus dem Ne­ben­ein­an­der der ar­beits­ver­trag­li­chen Aus­schluss­frist und der be­son­de­ren Re­ge­lung un­ter Ziff. 5 Ab­satz 4 der Prämi­en­ver­ein­ba­rung über die Frist für Re­kla­ma­tio­nen er­ge­be sich die feh­len­de Trans­pa­renz, kann dem nicht ge­folgt wer­den. Die Re­ge­lun­gen ha­ben ei­nen un­ter­schied­li­chen In­halt. Un­ter Ziff. 5 Ab­satz 4 der Prämi­en­ver­ein­ba­rung geht es aus­sch­ließlich um die Be­an­stan­dung, die Prämie sei nicht rich­tig be­rech­net wor­den, wo­hin­ge­gen die Aus­schluss­frist ei­ne schrift­li­che Gel­tend­ma­chung ver­langt, wenn die Prämie nicht ge­zahlt wird.
ee. Die Un­wirk­sam­keit der zwei­ten Stu­fe der Aus­schluss­klau­sel führt nicht zum er­satz­lo­sen Weg­fall der ge­sam­ten Ver­fall­re­ge­lung.
Die Un­wirk­sam­keit der Re­ge­lung, wo­nach bei Ab­leh­nung oder Nichterklärung nach schrift­li­cher Gel­tend­ma­chung in­ner­halb ei­nes Mo­nats ei­ne ge­richt­li­che Gel­tend­ma­chung er­fol­gen muss, er­gibt sich aus § 307 Abs. 1 S. 1 in Ver­bin­dung mit Abs. 2 Nr. 1 BGB, da die Frist zu kurz ist und des­halb zu ei­ner un­an­ge­mes­se­nen Be­nach­tei­li­gung führt. Ei­ne sog. gel­tungs­er­hal­ten­de Re­duk­ti­on in dem Sin­ne, dass die Aus­schluss­klau­sel auf ei­ne ge­ra­de noch oder in je­dem Fal­le zulässi­ge Dau­er aus­zu­deh­nen wäre, kommt nicht in Be­tracht. § 306 BGB sieht ei­ne sol­che Rechts­fol­ge nicht vor (vgl. BAG, Ur­teil vom 25. Mai 2005 – 5 AZR
572/04 -).
Die zulässi­ge ers­te Stu­fe der Aus­schluss­klau­sel wird aber nicht da­durch un­wirk­sam, dass zur Wah­rung der Aus­schluss­frist zusätz­lich noch in der zwei­ten Stu­fe die ge­richt­li­che Gel­tend­ma­chung ver­langt wird und die­se Frist zu kurz be­mes­sen ist. Denn die Klau­sel ist teil­bar, d. h. sie lässt sich mit ih­rer wirk­sa­men ers­ten Stu­fe auf­recht­er­hal­ten. Sie ist aus sich her­aus verständ­lich und lässt sich sinn­voll in ei­nen zulässi­gen Re­ge­lungs­teil (1. Stu­fe) und ei­nen un­zulässi­gen (2. Stu­fe) tren­nen. Ei­ne sprach­lich ab­trenn­ba­re Be­stim­mung liegt vor, wenn der un­wirk­sa­me Teil der Ver­trags­be­stim­mung ge­stri­chen wer­den kann, oh­ne das der Sinn der rest­li­chen Klau­sel dar­un­ter lei­det (sog. blue-pen­cil-test). Dies kol­li­diert nicht mit dem Ver­bot der gel­tungs­er­hal­ten­den Re­duk­ti­on, weil nicht das Ge­richt ei­ne Klau­sel von sich aus auf das zulässi­ge Maß re­du­ziert, son­dern ei­ne sprach­lich und in­halt­lich teil­ba­re Klau­sel oh­ne ih­re un­zulässi­gen Be­stand­tei­le mit ih­rem zulässi­gen In­halt auf­recht­er­hal­ten wird (vgl. da­zu: Pa­landt-Hein­richs, BGB, 65. Aufl., Vorb. Vor § 307 Rdn. 11; PWW/KP Ber­ger, BGB, § 306 Rdn. 6; Lak­ies, AGB im Ar­beits­recht, Rdn. 373 f., 554; Rei­ne­cke BB 2005, S. 378, 382).
Die Par­tei­en ha­ben so­wohl von der Satz­stel­lung als auch vom In­halt her die ers­te Stu­fe von der zwei­ten Stu­fe der Aus­schluss­klau­sel ge­trennt. Der ers­te Satz der Aus­schluss­re­ge­lung be­trifft aus­sch­ließlich die schrift­li­che Gel­tend­ma­chung. An­ders als bei der im zwei­ten Satz ge­re­gel­ten Gel­tend­ma­chung durch ei­ne Kla­ge be­steht kei­ne Abhängig­keit von der an­de­ren Stu­fe. Nach Strei­chen des zwei­ten Sat­zes er­gibt sich ei­ne im Ar­beits­le­ben übli­che und zulässi­ge ein­zel­ver­trag­li­che ein­stu­fi­ge Aus­schluss­frist (vgl. da­zu: BAG, Ur­teil vom 28. Sep­tem­ber 2005 – 5 AZR 52/05 -).
b. Der Kläger hat un­strei­tig nicht bin­nen 3 Mo­na­ten nach Fällig­keit der Um­satz­prämie im Ja­nu­ar 2005 und der Jah­res­prämie im April 2005 die Zah­lung der höhe­ren Prämie schrift­lich ver­langt. Für die Rich­tig­keit sei­nes von der Be­klag­ten be­strit­te­nen Vor­brin­gens, der Geschäftsführer der Be­klag­ten ha­be ihm ei­ne Maßre­ge­lung durch den Aus­spruch ei­ner Kündi­gung an­ge­droht für den Fall, dass er die ent­stan­de­nen Ansprüche auf höhe­re Prämi­en gel­tend ma­che, hat er kei­nen Be­weis an­ge­tre­ten.
Die Re­vi­si­on war zu­zu­las­sen we­gen der grundsätz­li­chen Be­deu­tung der Fra­ge, wie sich die Un­wirk­sam­keit der zwei­ten Stu­fe der Aus­schluss­frist auf die ers­te Stu­fe aus­wirkt.
(Hu­dec)
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