Source: http://m.hensche.de/Urlaubsabgeltung_vererblich_EuGH_C-118-13_Bollacke.html
Timestamp: 2017-07-27 08:32:06
Document Index: 112709003

Matched Legal Cases: ['EuG', 'EuG', 'EuG', 'EuG', 'EuG', 'EuG']

Sollten Ansprüche auf Urlaubsabgeltung vererblich sein?
Dar­aus hat das BAG in sei­ner frühe­ren Recht­spre­chung ab­ge­lei­tet, dass langjährig er­krank­te Ar­beit­neh­mer ih­ren krank­heits­be­dingt nicht ge­nom­me­nen Vor­jah­res­ur­laub je­weils zum 31. März des Fol­ge­jah­res ver­lie­ren. Die­se Recht­spre­chung muss­te das BAG auf­ge­ben, nach­dem der EuGH in sei­nem Grund­satz­ur­teil vom 20.01.2009 (C-350/06 - Schultz-Hoff) klar­ge­stellt hat, dass krank­heits­be­dingt nicht ge­nom­me­ner Ur­laub be­ste­hen blei­ben muss (je­den­falls im Um­fang des eu­ro­pa­recht­lich vor­ge­schrie­be­nen Min­des­t­ur­laubs von vier Wo­chen). Seit dem Schultz-Hoff-Ur­teil ha­ben Ansprüche auf Ur­laubs­ab­gel­tung an fi­nan­zi­el­ler Be­deu­tung ge­won­nen. Denn oft führt ei­ne lan­ge Krank­heit zur Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses, so dass der über meh­re­re Jah­re an­ge­sam­mel­te Ur­laub aus­zu­zah­len ist. Im­mer­hin ver­langt der EuGH kein end­lo­ses An­wach­sen von krank­heits­be­dingt nicht ge­nom­me­nen Ur­laub, son­dern lässt ei­ne Auf­recht­er­hal­tung des Ur­laubs für 15 Mo­na­te genügen, ge­rech­net ab dem En­de des Ka­len­der­jah­res (EuGH, Ur­teil vom 22.11.2011, C-214/10 - KHS, wir be­rich­te­ten in: Ar­beits­recht ak­tu­ell: 11/234 Ur­laub und Krank­heit: Krank­heits­be­dingt nicht ge­nom­me­ner Ur­laub kann nach 15 Mo­na­ten ver­fal­len).
Der Vorlagefall: Schwerkranker Arbeitnehmer hat über 140 (!) offene Resturlaubstage, deren Abgeltung seine Witwe verlangt
Im Streit­fall hei­ra­te­te Frau Gülay Bol­la­cke am 17.11.2010 ei­nen schwer­kran­ken Ar­beit­neh­mer, der zwei Ta­ge später ver­starb. Zum Zeit­punkt sei­nes To­des stan­den über 140 of­fe­ne Ur­laubs­ta­ge zu Bu­che, da der Ar­beit­neh­mer über Jah­re hin­weg kei­nen Ur­laub ge­macht hat­te und weil im Be­trieb des Ar­beit­ge­bers in die­sen Fällen ein jah­re­lan­ges An­sam­meln von Rest­ur­laub prak­ti­ziert wur­de. Frau Bol­la­cke klag­te vor dem Ar­beits­ge­richt Bo­cholt auf Zah­lung von über 14.000 EUR Ur­laubs­ab­gel­tung, hat­te dort aber kein Glück, denn das Ar­beits­ge­richt wies die Kla­ge un­ter Be­ru­fung auf das o.g. BAG-Ur­teil ab (Ur­teil vom 01.12.2011, 3 Ca 310/11).
EuGH: Der finanzielle Ausgleich für nicht genommenen Urlaub muss beim Tod des Arbeitnehmers auf dessen Erben übergehen
So ge­se­hen ist die jetzt vom EuGH ver­tre­te­ne Mei­nung eben­so gut oder schlecht ver­tret­bar wie die ge­gen­tei­li­ge An­sicht des BAG. Für den EuGH spricht im­mer­hin, dass auch an­de­re fi­nan­zi­el­le Ansprüche, die bei Be­en­di­gung ei­nes Ar­beits­verhält­nis­ses ent­stan­den sind wie z.B. der An­spruch auf ei­ne Ab­fin­dung, un­strei­tig ver­erbt wer­den können, ob­wohl sie dann nicht mehr die ih­nen ursprüng­lich zu­ge­dach­te Funk­ti­on erfüllen können: Ei­ne Ab­fin­dung z.B. soll die Ein­kom­mens­ver­lus­te des Ar­beit­neh­mers bis zur Ren­te oder bis zum nächs­ten Ar­beits­verhält­nis über­brücken hel­fen, aber wenn der ab­fin­dungs­be­rech­tig­te Ar­beit­neh­mer stirbt, können die­se Zwe­cke nicht mehr er­reicht wer­den.
Bewertung: Der An­spruch auf Ur­laubs­ab­gel­tung ist ver­erb­lich