Source: https://www.anwalt24.de/urteile/bgh/2015-04-23/v-zr-200_14
Timestamp: 2018-01-23 05:59:28
Document Index: 245488481

Matched Legal Cases: ['BGH', '§ 952', 'Art. 103', 'Art. 103', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 141', '§ 445', 'BGH', '§ 141']

BGH, 23.04.2015 - V ZR 200/14 - Voraussetzungen für die Herausgabe von Grundschuldbriefen | anwalt24.de
Beschl. v. 23.04.2015, Az.: V ZR 200/14
Voraussetzungen für die Herausgabe von Grundschuldbriefen
Referenz: JurionRS 2015, 17318
Aktenzeichen: V ZR 200/14
LG Bremen - 18.12.2013 - AZ: 11 O 130/13
OLG Bremen - 25.07.2014 - AZ: 2 U 5/14
§ 952 Abs. 2 BGB
IBR 2015, 462
Der V. Zivilsenat des Bundesgerichtshofs hat am 23. April 2015 durch die Vorsitzende Richterin Dr. Stresemann, die Richterin Prof. Dr. Schmidt-Räntsch und die Richter Dr. Czub, Dr. Kazele und Dr. Göbel
1. Art. 103 Abs. 1 GG verpflichtet in Verbindung mit den Grundsätzen der Zivilprozessordnung die Gerichte, erheblichen Beweisanträgen nachzugehen (BVerfGE 69, 141, 143 [BVerfG 30.01.1985 - 1 BvR 393/84]; BVerfG, NJW 1993, 254 [BVerfG 28.02.1992 - 2 BvR 1179/91]; WM 2012, 492, 493 [BVerfG 24.01.2012 - 1 BvR 1819/10]). Die Nichtberücksichtigung eines erheblichen Beweisangebots, die im Prozessrecht keine Stütze hat, verstößt gegen Art. 103 Abs. 1 GG (Senat, Beschluss vom 28. April 2011 - V ZR 182/10, [...] Rn. 10; Beschluss vom 12. Juni 2014 - V ZR 308/13, [...] Rn. 6; BGH, Beschluss vom 11. Mai 2010 - VIII ZR 212/07, NJW-RR 2010, 1217, 1281 - std. Rspr.).
Dabei geht das Zivilprozessrecht von dem Grundsatz der Pflicht des Gerichts zur Erschöpfung der Beweisaufnahme aus. Das Gericht muss grundsätzlich alle angetretenen und angebotenen Beweise erheben, soweit nicht ein bestimmter Grund zur Ablehnung des Antrags gegeben ist (BGH, Urteil vom 19. Februar 1970 - III ZR 139/67, BGHZ 53, 245, 259). Ein erhebliches Beweisangebot kann - wenn es nicht aus besonderen Vorschriften der Zivilprozessordnung (z.B. wegen Verspätung) zurückzuweisen ist - nur dann außer Acht bleiben, wenn das Beweismittel ungeeignet ist, weil es im Einzelfall zur Beweisbehauptung erkennbar keine sachdienlichen Ergebnisse erbringen kann, oder wenn die Partei ohne greifbare Anhaltspunkte für das Vorliegen eines bestimmten Sachverhalts willkürlich Behauptungen "aufs Geratewohl" oder "ins Blaue hinein" aufstellt, so dass der Beweisantritt nicht dem Beweis vorgetragener Tatsachen zu dienen bestimmt ist, sondern stattdessen die Ausforschung von Tatsachen bezweckt (BVerfG, NJW 2009, 1585 Rn. 24 [BVerfG 10.02.2009 - 1 BvR 1232/07] und 26; WM 2012, 492, 493 [BVerfG 24.01.2012 - 1 BvR 1819/10]). An Beidem fehlt es hier.
b) Dem Beweisantrag hätte das Berufungsgericht auch ungeachtet dessen nachgehen müssen, dass seiner Ansicht nach den Angaben des in erster Instanz angehörten Geschäftsführers der Klägerin die von dem Beklagten behauptete Abrede nicht zu entnehmen ist. Eine Anhörung einer Partei nach § 141 ZPO kann die von dem Gegner beantragte Vernehmung gemäß § 445 ZPO nicht ersetzen (vgl. Senat, Urteil vom 16. Oktober 1987 - V ZR 170/86, NJW-RR 1988, 394, 395; Beschluss vom 28. April 2011 - V ZB 220/10, [...] Rn. 13; BGH, Urteil vom 3. Juli 1967 - VII ZR 48/65, LM Nr. 3 zu § 141 ZPO).