Source: https://www.rechtslupe.de/familienrecht/externe-teilung-im-versorgungsausgleich-und-die-verzinsung-des-ausgleichswerts-3109792
Timestamp: 2020-07-04 13:14:40
Document Index: 23248585

Matched Legal Cases: ['§ 76', '§ 76', '§ 222', '§ 14', '§ 15', '§ 120', '§ 15', '§ 288', '§ 15', '§ 120', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH']

Externe Teilung im Versorgungsausgleich - und die Verzinsung des Ausgleichswerts | Rechtslupe
Bei der exter­nen Tei­lung kann eine Ver­zin­sung des Aus­gleichs­werts nicht des­halb unter­blei­ben, weil die gesetz­li­che Ren­ten­ver­si­che­rung der Ziel­ver­sor­gungs­trä­ger ist.
Ist die gesetz­li­che Ren­ten­ver­si­che­rung die Ziel­ver­sor­gung, wird der an den Trä­ger der gesetz­li­chen Ren­ten­ver­si­che­rung zu zah­len­de Kapi­tal­be­trag nach § 76 Abs. 4 Satz 2 SGB VI zwar mit den am Ende der Ehe­zeit maß­geb­li­chen Umrech­nungs­fak­to­ren in Ent­gelt­punk­te umge­rech­net. Damit ist gewähr­leis­tet, dass der aus­gleichs­be­rech­tig­ten Per­son die Dyna­mik der Ziel­ver­sor­gung unab­hän­gig vom Zeit­punkt der Ent­schei­dung über den Ver­sor­gungs­aus­gleich und deren Umset­zung rück­wir­kend schon seit dem Zeit­punkt des Ehe­zei­t­en­des zugu­te­kommt.
Abwei­chend davon ist nach dem mit Wir­kung zum 1.01.2013 in das Gesetz ein­ge­füg­ten § 76 Abs. 4 Satz 4 SGB VI aller­dings dann, wenn nach der Ent­schei­dung des Fami­li­en­ge­richts der Kapi­tal­be­trag zu ver­zin­sen ist, für des­sen Umrech­nung in Ent­gelt­punk­te der Zeit­punkt maß­geb­lich, bis zu dem nach der Ent­schei­dung des Fami­li­en­ge­richts Zin­sen zu berech­nen sind.
Durch die­se Rege­lung soll ver­mie­den wer­den, dass die aus­gleichs­be­rech­tig­te Per­son in dem Zeit­raum, in dem Zin­sen zu berech­nen sind, dop­pelt sowohl an der Wert­ent­wick­lung der Aus­gangs­ver­sor­gung (durch die Ver­zin­sung des Aus­gleichs­werts) als auch an der Wert­ent­wick­lung der Ziel­ver­sor­gung (durch die Rück­be­zie­hung der Umrech­nungs­fak­to­ren auf das Ehe­zei­t­en­de) teil­ha­ben kann [1]. Mit die­ser Rege­lung hat der Gesetz­ge­ber aber gleich­zei­tig aner­kannt, dass der Aus­gleichs­wert auch dann ver­zinst wer­den kann, wenn die gesetz­li­che Ren­ten­ver­si­che­rung Ziel­ver­sor­gungs­trä­ger ist [2].
Wie der Bun­des­ge­richts­hof in meh­re­ren Ent­schei­dun­gen aus­ge­spro­chen hat, ist die Ver­zin­sung des Aus­gleichs­wer­tes für den Zeit­raum seit dem Ende der Ehe­zeit bis zur Rechts­kraft der Ent­schei­dung über den Ver­sor­gungs­aus­gleich und nicht dar­über hin­aus bis zum tat­säch­li­chen Ein­gang der Zah­lung beim Ziel­ver­sor­gungs­trä­ger anzu­ord­nen [3].
Die Anord­nung der exter­nen Tei­lung ist ein rich­ter­li­cher Gestal­tungs­akt. Mit der Rechts­kraft der Ent­schei­dung über den Ver­sor­gungs­aus­gleich wird zwi­schen der aus­gleichs­be­rech­tig­ten Per­son und dem Trä­ger der Ziel­ver­sor­gung unmit­tel­bar ein Rechts­ver­hält­nis begrün­det bzw. ein bestehen­des Rechts­ver­hält­nis aus­ge­baut. Der aus­gleichs­be­rech­tig­te Ehe­gat­te erwirbt des­halb bereits mit Rechts­kraft der Ent­schei­dung im Umfang des zu sei­nen Guns­ten zu begrün­den­den Anrechts einen Anspruch auf die von der Ziel­ver­sor­gung nach sei­ner Ver­sor­gungs­ord­nung gewähr­ten Leis­tun­gen, und zwar unab­hän­gig davon, ob und gege­be­nen­falls zu wel­chem Zeit­punkt es zu einem Kapi­tal­trans­fer zwi­schen dem Trä­ger der Ziel­ver­sor­gung und dem zah­lungs­pflich­ti­gen Ver­sor­gungs­trä­ger kommt. Das Risi­ko der Bei­trei­bung des vom Gericht nach § 222 Abs. 3 FamFG iVm § 14 Abs. 4 VersAus­glG fest­ge­setz­ten Kapi­tal­be­trags trägt somit grund­sätz­lich der Trä­ger der Ziel­ver­sor­gung. Die­se Risi­ko­ver­tei­lung ent­spricht erkenn­bar den Vor­stel­lun­gen des Gesetz­ge­bers, was sich auch dar­aus erschließt, dass für die gesetz­li­che Ren­ten­ver­si­che­rung als Auf­fang­ver­sor­gung (§ 15 Abs. 5 Satz 1 VersAus­glG) mit § 120 g SGB VI eine vom Gesetz­ge­ber aus­drück­lich als "Son­der­be­stim­mung" [4] bezeich­ne­te Vor­schrift geschaf­fen wur­de, durch die an sich sys­tem­wid­rig die Begrün­dung des Anrechts zuguns­ten der aus­gleichs­be­rech­tig­ten Per­son auf den Zeit­punkt des tat­säch­li­chen Kapi­tal­trans­fers hin­aus­ge­scho­ben wor­den ist [5].
Weder die Inter­es­sen der aus­gleichs­be­rech­tig­ten Per­son noch die Inter­es­sen des Ziel­ver­sor­gungs­trä­gers gebie­ten die Anord­nung einer über die Rechts­kraft der Ent­schei­dung hin­aus­ge­hen­den Ver­zin­sung.
Der aus­gleichs­be­rech­tig­te Ehe­gat­te erwirbt auf­grund der Gestal­tungs­wir­kung der gericht­li­chen Ent­schei­dung über den Ver­sor­gungs­aus­gleich bereits mit deren Rechts­kraft beim Trä­ger der Ziel­ver­sor­gung ein Anrecht in einer kon­kret bestimm­ba­ren Höhe. Ist die gesetz­li­che Ren­ten­ver­si­che­rung wie hier auf­grund der Aus­übung des Wahl­rechts nach § 15 Abs. 1 VersAus­glG mit ihrer Zustim­mung Ziel­ver­sor­gung gewor­den, gel­ten für sie inso­weit kei­ne Beson­der­hei­ten gegen­über ande­ren Ziel­ver­sor­gun­gen. Leis­tet der zah­lungs­pflich­ti­ge Ver­sor­gungs­trä­ger auf eine Zah­lungs­auf­for­de­rung nicht, kann der Trä­ger der Ziel­ver­sor­gung nach den all­ge­mei­nen Regeln über den Ver­zug mit einer Geld­schuld (§§ 288 ff. BGB) sei­nen Ver­zö­ge­rungs­scha­den gel­tend machen; die­ser Scha­den kann sich auch auf die kapi­ta­li­sier­ten Zin­sen bezie­hen und den im Ver­sor­gungs­sys­tem des zah­lungs­pflich­ti­gen Ver­sor­gungs­trä­gers ver­wen­de­ten Rech­nungs­zins durch­aus über­stei­gen [6].
Im Übri­gen ergä­be sich auch dann, wenn die gesetz­li­che Ren­ten­ver­si­che­rung gemäß § 15 Abs. 5 Satz 1 VersAus­glG als Auf­fang­ver­sor­gungs­trä­ger für die exter­ne Tei­lung her­an­ge­zo­gen wird, hin­sicht­lich der Anord­nun­gen zum Zins­lauf nichts ande­res. Zwar wird in die­sem Fall wegen der Schutz­vor­schrift des § 120 g SGB VI die Begrün­dung des Anrechts für die aus­gleichs­be­rech­tig­te Per­son auf den Zeit­punkt des Kapi­tal­trans­fers her­aus­ge­scho­ben. Auch aus die­ser Vor­schrift lässt sich jedoch nichts dafür ent­neh­men, dass der Aus­gleichs­wert bis zu sei­ner tat­säch­li­chen Zah­lung zu ver­zin­sen sein könn­te [7].
Bei der exter­nen Tei­lung einer betrieb­li­chen Alters­ver­sor­gung müs­sen im Übri­gen anders als bei der inter­nen Tei­lung nach stän­di­ger Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs die Fas­sung und das Datum der zu Grun­de lie­gen­den Ver­sor­gungs­ord­nung nicht in der Beschluss­for­mel benannt wer­den [8].
Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 13. April 2016 – XII ZB 130/​13
BT-Drs. 17/​11185 S. 5[↩]
Ruland Ver­sor­gungs­aus­gleich 4. Aufl. Rn. 471[↩]
vgl. BGH, Beschlüs­se vom 13.02.2013 XII ZB 631/​12 , FamRZ 2013, 1019 Rn. 6 ff.; und vom 06.02.2013 XII ZB 204/​11 , FamRZ 2013, 773 Rn. 22 ff.[↩]
BT-Drs. 16/​10444 S. 101[↩]
vgl. BGH, Beschlüs­se vom 13.02.2013 XII ZB 631/​12 FamRZ 2013, 1019 Rn. 7; und vom 06.02.2013 XII ZB 204/​11 FamRZ 2013, 773 Rn. 23[↩]
vgl. BGH, Beschlüs­se vom 13.02.2013 XII ZB 631/​12 FamRZ 2013, 1019 Rn. 8; und vom 06.02.2013 XII ZB 204/​11 FamRZ 2013, 773 Rn. 24[↩]
vgl. Ruland Ver­sor­gungs­aus­gleich 4. Aufl. Rn. 471[↩]
vgl. BGH, Beschlüs­se vom 29.05.2013 XII ZB 663/​11 FamRZ 2013, 1546 Rn. 11 f.; und vom 23.01.2013 XII ZB 541/​12 FamRZ 2013, 611 Rn. 10[↩]
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