Source: https://www.fid-gesundheitswissen.de/innere-medizin/infektionsschutz/
Timestamp: 2018-12-15 03:07:51
Document Index: 32720707

Matched Legal Cases: ['§6', '§42', '§7', '§9', '§10', '§8', '§9', '§6', '§4', '§6', '§23', '§23']

Infektionsschutz: die ärztliche Meldepflicht
Von Redaktionsteam FID Gesundheitswissen 30. November 2018
Infektionsschutz-Meldepflicht-Anpassungsverordnung – Was ist das?
Infektionsschutz: der richtige Umgang mit Krankenhauswäsche
Aufbereitung der Krankenhausbetten
Infektionsschutz: Die Vorgaben zur persönlichen Hygiene und der Dienstkleidung des Pflegepersonals
Infektionsschutz: Welche Isolierungsmaßnahmen sind bei Infektionskrankheiten vorgeschrieben?
Laut §6 Infektionsschutzgesetz müssen folgende Krankheiten an das zuständige Gesundheitsamt gemeldet werden. Die Meldung hat auch dann zu erfolgen, wenn es sich nur um einen Verdacht handelt.
Was ist zu tun, damit sich Viren im Krankenhaus nicht verteilen? © Sebastian Kaulitzki - Fotolia
Varizellen, eine Erkrankung die laut IfsG erst seit 2013 meldepflichtig ist
Rötelnembryphatie und Röteln sind erst seit 2013 meldepflichtig
Bis auf die familiär-hetären Formen ist die humane spongiforme Enzephalopathie immer dem Gesundheitsamt zu melden.
HUS, ausgeschrieben enteropathisches hämolytisches-urämische Symptome
seit 2013 gehören auch Mumps und Pertussis zu den laut Infektionsschutz meldepflichtigen Erkrankungen.
Eine durch Meningokokken ausgelöste Hirnhautentzündung oder Sepsis
Tod oder Erkrankung durch TBC (Tuberkulose)
Wissenswert: Besteht der Verdacht einer infektiösen Gastroenteritis oder einer mikrobiell bedingten Lebensmittelvergiftung hat immer dann eine Meldung an das Gesundheitsamt zu verfolgen, wenn mehrere Erkrankungen gleichzeitig auftreten oder der betroffene Patient einer Berufstätigkeit nach §42 Abs. 1 Infektionsschutzgesetz nachgeht.
Des Weiteren muss der behandelte Arzt Patienten beim Gesundheitsamt melden, deren Reaktionen weit über normale Impfreaktionen hinausgeht. Auch Verletzungen, die durch ein Tier entstanden sind, das unter dem Verdacht steht, an Tollwut zu leiden müssen dem örtlich zuständigen Gesundheitsamt mitgeteilt werden.
Achtung: Damit eine eventuelle Epidemie gleich im Keim erstickt werden kann, bezieht sich die Mitteilungspflicht des Arztes auch auf das Auftreten gleichartiger Erkrankungen, die eine schwerwiegende Gefahr für die Allgemeinheit bedeuten können. Vor allem, wenn es sich um Krankheitserreger handelt, die nicht im §7 des Infektionsschutzgesetzes aufgeführt sind.
Wissenswert: Die ärztliche Meldepflicht geht weit über den Absatz 1 Nr. 1 des Infektionsschutzgesetzes hinaus. So sind laut den Paragrafen 8 Abs. 1 Nr. 1, §9 Abs. 1 3Satz und 1 auch Patienten zu melden, die an einer behandlungsbedürftigen Lungen-TBC leiden, die Behandlung abbrechen oder diese komplett verweigern.
Sobald nosokomiale Infektionen auftreten und der Verdacht eines epidemischen Zusammenhangs besteht, hat ebenfalls eine Meldung beim Gesundheitsamt zu erfolgen. Bei den beiden Paragrafen die die Meldepflicht des Arztes in diesem Fall untermauern handelt es sich um §10 abs. 6 Infektionsschutzgesetz und §8 Abs. 1 Nr.3
Achtung: Erkrankungen, die eine namentliche Meldung des Patienten verlangen sind laut §9 Abs. 3 Satz 1 IfsG innerhalb 24 Stunden nach Bekanntwerden zu melden.
Die im §6 Absatz 1 Satz Nr. 1 Infektionsschutzgesetz enthaltene Meldepflicht für Ärzte wurde erweitert in dem jetzt auch Patienten gemeldet werden müssen, die an einer zoonotischen Influenza gestorben sind. Mittlerweile greift die Meldepflicht des Arztes sogar schon, wenn nur ein Verdacht eine meldepflichtige Erkrankung besteht. Allerdings nur dann, wenn der Verdacht mithilfe aktueller wissenschaftlicher Standards begründet werden kann und die Wahrscheinlichkeit eines epidemiologischen Zusammenhangs besteht. Gleichzeitig sollten aufgrund §4 Absatz 2 Nr. 1 des Infektionsschutzgesetzes auch die Empfehlungen des Robert Koch-Instituts beachtet werden.
Erweitert wurde ebenfalls die Meldepflicht des Arztes nach §6 Absatz 1 Nr. 1 Infektionsschutzgesetz. Dadurch muss der Arzt auch Patienten melden, die an einer Clostrium-differalen Infektion mit schwerem klinischem Verlauf erkrankt oder gestorben sind.
Clostrium-difficile Infektion: Was spricht für einen schweren klinischen Verlauf?
Ein schwerer klinischer Verlauf ist gegeben, wenn
der Patient nach der Feststellung der Infektion innerhalb dreißig Tage verstirbt und davon auszugehen ist, dass diese die direkte oder indirekte Ursache für seinen Tod war.
aufgrund der Infektion und der dadurch entstehenden Erkrankungen (refraktäre Kolitis, Megakolon, usw. ) ein chirurgischer Eingriff notwendig wird.
es bei der Behandlung zu Komplikationen kommt und der von der Clostrium difficilen Infektion betroffene Patient auf die Intensivstation verlegt werden muss.
Bezüglich der Krankenhauswäsche und dem Infektionsschutz gelten verschiedene Richtlinien:
RKI-Richtlinie „Anforderung an die Krankenhauswäsche“
Infektionsschutzgesetz (vor allem beim Auftreten meldepflichtiger Erkrankungen)
Wie ist mit Reinwäsche richtig zu verfahren?
Unabhängig, ob ein Krankenhaus über eine interne Wäscherei verfügt oder auf dem Service eines externen Dienstleisters zurückgreift, Reinwäsche muss immer kontaminationsgeschützt in die Fachbereiche oder Stationen gebracht werden z. B. mit einem abgedeckten Wagen. Das Befüllen der Wäschewagen der einzelnen Bereiche und Stationen erfolgt immer vom Wäschewagen zum Stationswäschewagen. Um zu verhindern, dass der Wagen zum Überträger von Infektionen und Krankheiten wird, ist dieser mindestens einmal die Woche per Wischinfektion zu reinigen. Ist der Stationswagen nicht im Gebrauch, wird er mit einer Haube aus Stoff abgedeckt.
Wichtig: Bevor die Reinwäsche herausgegeben wird, hat die Pflegekraft eine Händedesinfektion durchzuführen. Das ist auch der Grund, warum an jedem Wäschewagen ein eigener Händedesinfektionsmittelspender befestigt ist.
Wie wird mit Stations- und/oder Schmutzwäsche in einer Pflegeeinrichtung richtig umgegangen?
Die gebrauchte Wäsche einer Station wird üblicherweise in textilen Wäschesäcken gesammelt.
Wichtig: Abhängig vom Krankenhaus und der Einrichtung kann das Benutzen von Wäschesäcken in jeweils anderen Farbkennungen vorgeschrieben sein.
Beim Befüllen der Wäschesäcke muss darauf geachtet werden, dass diese nicht überfüllt werden, da diese laut Krankenhaushygiene fest verschlossen sein müssen. Die vollen Säcke sind bis zur Abholung im Entsorgungsraum zu lagern.
Ist die Wäsche durchnässt, muss der Wäschesack zusätzlich in einem Plastiksack verpackt werden.
Inkontinenzeinlagen werden üblicherweise nicht in einem Wäschesack, sondern in einem durchsichtigen Plastiksack gesammelt.
So wird infektiöse Wäsche richtig behandelt
Sobald Patienten von übertragbaren Infektionskrankheiten betroffen sind, müssen bezüglich deren Wäscheentsorgung die Empfehlungen des Robert-Koch-Instituts und die „Hygienestandards bei Infektionen“ der medizinischen Einrichtung zu berücksichtigen. In der Regel wird die Wäsche noch im Isolierraum in einen textilen Wäschesack verpackt. Über diesen muss aus Infektionsschutzgründen ein verschließbarer Plastiksack gezogen werden. Des Weiteren ist eine Kennzeichnung mit der Aufschrift „Infektiös“ notwendig.
Wichtig: Wie hochinfektiöse Wäsche richtig zu entsorgen ist, wird von der Krankenhaushygiene genau vorgegeben.
Bereichs-, Dienst- und Berufskleidung: Das ist wichtig
Bei Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen, die die Berufs-, Bereichs- und/oder Dienstbekleidung für ihre Mitarbeiter stellen, ist das Personal dazu verpflichtet vor der Entnahme und nach dem Abwerfen der Dienstleistung die Hände nach den Vorschriften des Hand- und Hautschutzplans zu desinfizieren.
Mögliche Bereichskleidung im Krankenhaus. © Adobe Stock - maryadam
Aufbereitung der Krankenhausbetten nach §23 Infektionsschutzgesetz/RKI-Richtlinien
Zur Prävention werden durch das Reinigungs- und Hygienemanagement eines Krankenhauses Konzepte zur Bettenaufbereitung erstellt. Die dort entwickelten Arbeitsanweisungen sind vom gesamten Personal und allen externen Dienstleistern einzuhalten, die in die Aufbereitung der Betten involviert sind. Nur so kann sichergestellt werden, dass keine nosokomialen Infektionen entstehen und sich ausbreiten können.
Wissenswert: Zur Qualitätskontrolle werden in regelmäßigen Abständen an den manuell aufbereiteten Betten mikrobiologische Untersuchungen durchgeführt.
Bettenaufbereitung nach §23 Infektionsschutzgesetz: Wann ist der richtige Zeitpunkt?
Sobald ein Patient entlassen bzw. dessen Isolierung aufgehoben wird, ist dessen Bett entsprechend aufzubereiten.
Wichtig, die Aufbereitung des Bettes umfasst nicht nur das Bettgestell, sondern auch das Zubehör wie Patienten-Notrufknopf, Galgen, Nachttisch usw.
Bettenaufbereitung: Die Vorgaben des Robert Koch-Instituts
Laut den Empfehlungen des Robert Koch-Instituts kann die Bettenaufbereitung zentral (Station) oder dezentral (Bettenlager bzw. Bettenzentrale) erfolgen. Dabei muss es im Bettenlager eine funktionale Trennung von unreinen und reinen Betten geben. Ist das zum Beispiel aus bautechnischen Gründen nicht umzusetzen, hat das Reinigungs- und Hygienemanagement die Aufgabe eine Alternative zu finden. Die Grundvoraussetzung ist allerdings, dass diese Lösung den Anforderungen des Robert-Koch-Instituts gerecht werden muss.
So wird die Aufbereitung der Betten durchgeführt
Das Stationspersonal hat die Aufgabe, die Betten zu kennzeichnen, die zur Aufbereitung anstehen. Die Kennzeichnung muss wie vom Hygienehandbuch vorgegeben für jeden Mitarbeiter der Einrichtung klar zu erkennen sein.
Ein weiterer wichtiger Aspekt der Bettenaufbereitung ist die Einhaltung des Arbeitsschutzes. Vor Beginn der Aufbereitung muss die Pflegekraft eine Einmalschürze und Einmalhandschuhe anlegen. Beide müssen unbedingt desinfektionsmittelbeständig sein. Wurden die entsprechenden Arbeitsschutzmaßnahmen ergriffen, geht es an die Bettenaufbereitung. Ziehen Sie als Erstes die Bettwäsche ab und sammeln Sie diese in einen textilen Wäschesack. Wurde die Bettwäsche mit Flüssigkeiten kontaminiert, ist die Doppelsackmethode sinnvoll, um das Austreten der Flüssigkeiten während des Transports zur Wäscherei zu verhindern, Stichwort: Infektionsrisiko. Hierfür wird der Wäschesack noch in einem auslaufsicheren Plastiksack verpackt.
Kissen- und Deckenaufbereitung: Wann ist sie notwendig?
Das Kissen und die Decke eines Krankenhausbetts sind immer dann aufzubereiten, wenn sie von ein und demselben Patienten für mehr als fünf Tage benutzt wurden und/oder sichtbare Verunreinigungen zeigen. Wird die Kissen- und Deckenaufbereitung aufgrund eines längeren Patientenaufenthalts notwendig, muss das Bett mit einem entsprechenden Hinweis gekennzeichnet werden.
Tipp: Aus Gründen der Kosteneffizienz lohnt sich für Krankenhäuser die Investition in wisch-desinfizierbare Kissen.
Patientenbetten: So funktioniert die manuelle Aufbereitung
Die Bettenaufbereitung im Krankenhaus erfolgt sobald der Patient seinen Aufenthalt beendet hat. © Adobe Stock - VILevi
Bei der Aufbereitung des Betts wird nicht nur das Gestell, sondern auch das gesamte Bettzubehör (Patientennotruf, Galgen, Nachttisch usw.) und die Laufrollen mithilfe eines Flächendesinfektionsmittels gereinigt.
Tipp: Pflegekräfte, die zum ersten Mal diese Tätigkeit ausführen empfiehlt es sich, sich mit dem Desinfektionsplan ihres Arbeitgebers auseinanderzusetzen. Im Desinfektionsplan der Klinik ist genau aufgegliedert, welche Desinfektionsmittel für die Bettenaufbereitung zu verwenden sind und was bezüglich der Konzentration und der Einwirkzeit zu beachten gilt.
Die maschinelle Bettenaufbereitung hat nach den Robert-Koch-Richtlinien für hygienische Standards zu erfolgen.
Wissenswert: Die Matratzen der Patientenbetten sind immer mit einem Kunststoffüberzug zu versehen, der eine Wischdesinfektion erlaubt. Deren Aufbereitung hat nach denselben Vorgaben, wie die Bettenaufbereitung zu erfolgen.
Achtung, Nachttisch nicht vergessen!
Während der Bettenaufbereitung muss natürlich auch der dazugehörige Nachttisch aufbereitet werden. Dabei sind der Innen- und Außenbereich zu desinfizieren.
Nach Abschluss aller Arbeiten entsorgt die durchführende Kraft ihre Schutzkleidung und muss ihre Hände, entsprechend der Vorgabe des Hand- und Hautschutzplans, desinfizieren.
Infektiöse Betten aufbereiten: Das ist wichtig!
Betten werden als infektiös bezeichnet, wenn diese von Patienten belegt waren, die an einer meldepflichtigen Erkrankung (TBC, Meningokokken usw.) oder einer Erkrankung litten, die Isolierungsmaßnahmen notwendig machte. Auch durch Fäkalien verunreinigte Betten fallen unter die Kategorie „Infektiös“!
Die Robert Koch-Institut-Richtlinie zur Aufbereitung infektiöser Betten
Aufzubereitende hochinfektiöse Betten müssen so gekennzeichnet werden, dass es bezüglich des hohen Infektionsrisikos, das von den Betten ausgeht, keine Missverständnisse geben kann.
Beim Abziehen der Bettwäsche muss die Verfahrensanweisung des Hygienehandbuchs bezüglich des Umgangs mit hochinfektiösen Krankheiten eingehalten werden. Achtung, die Bettwäsche gilt ebenfalls als hochinfektiös, warum sie nach dem Abziehen nur per Doppelsackmethode für den Transport zur Wäscherei fertig gemacht werden darf. Dabei darf die Kennzeichnung „hochinfektiös“ nicht fehlen.
Für die Aufbereitung hochinfektiöser Betten ist eine Wischdesinfektion aller Außen- und Kontaktflächen nicht ausreichend, eine Scheuerwischdesinfektion ist laut den Vorgaben des Robert Koch-Instituts Pflicht! Zu den verpflichtenden Arbeiten gehört in diesem Fall natürlich auch eine Desinfektion von Kissen und Bettdecke.
Ein weiterer wichtiger Bestandteil des Hygienehandbuchs sind die Arbeits-, Verfahrens- und Dienstanweisungen bezüglich der persönlichen Hygiene und Dienstkleidungen. Diese sind als Präventionsmaßnahmen zwecks des Infektionsschutzes immer einzuhalten!
Welche Gesetze spielen beim Bestimmen der Dienstkleidungsvorschriften und den Vorgaben zur persönlichen Hygiene des medizinischen Personals eine Rolle?
E-Zigaretten: Vor- und Nachteile der Verdampfer als Tabak-AlternativeDass in regelmäßigen Abständen über das Qualmen von Zigaretten berichtet wird – nicht zuletzt seitdem es eine Zeit lang in fast jedem Bundesland unterschiedliche Gesetze zum Rauchen in Gaststätten gab… › mehr lesen
Welche Maßnahmen zum Infektionsschutz sind hier einzuhalten?
In Klinikbereichen in denen invasive Eingriffe durchgeführt werden, sollte das medizinische Personal mit langen Haaren eine Kopfhaube tragen, um zu verhindern, dass die Haare versehentlich mit infektiösem Material in Kontakt kommen.
Bei allen Arbeiten, bei denen es zu einer Aerosolbildung kommen kann oder die Wahrscheinlichkeit besteht, dass Chemikalien oder erregerhaltige Stoffe und/oder Materialien verspritz werden können, ist das Tragen einer Schutzbrille Pflicht!
Wann bei welchen Tätigkeiten Handschuhe getragen werden müssen, wird im Handschutzplan der Klinik beschrieben. Das Tragen von Handschuhen ist immer dann notwendig, wenn zum Beispiel mit Chemikalien gearbeitet wird oder Kontaminationsgefahr besteht.
Achtung, medizinisches Personal darf im patientennahen Bereich auf keinen Fall eine Strickjacke tragen, da diese nur schwer bis gar nicht hygienisch gereinigt werden kann.
Warum ist das Tragen von Arbeits- und Schutzbekleidung für den Infektionsschutz so wichtig?
Während der Tätigkeit im Krankenhaus oder dem Pflegeheim hat der Arbeitnehmer nicht nur aus Infektionsschutzgründen Arbeitskleidung zu tragen, sondern auch aufgrund der Vorgaben des Arbeitsschutzes. Die Schutzkleidung eines Krankenhauses gehört zur persönlichen Schutzausrüstung der Mitarbeiter und soll diese vor schädigende Einflüsse schützen.
Wissenswert: Die Arbeits- und Schutzbekleidung eines Krankenhauses besteht in der Regel aus Materialien, die desinfiziert oder bei extrem hohen Temperaturen gereinigt werden können. Zusätzlich ist im Krankenhaus Schutzbekleidung üblich, die nach einmaliger Verwendung sofort entsorgt wird.
Bei Ihrer Tätigkeit müssen alle Angestellten im patientennahen Bereich entsprechend Arbeitsbekleidung tragen. In Kliniken wird diese üblicherweise direkt vom Arbeitgeber gestellt. Er ist auch derjenige, der sich um die anschließende Aufbereitung kümmert, da der Arbeitnehmer zu Hause überhaupt nicht die Möglichkeit hätte, die Arbeitsbekleidung so zu reinigen, dass tatsächlich alle Keime oder Bakterien auf dem Gewebe zurückbleiben.
Die Arbeitsbekleidung ist in einem Intervall von spätestens zwei Tagen zu wechseln. Zeigen sichtbare Verschmutzungen, natürlich früher. Das Tragen privater Kleidung ist in einer Klinik aus Infektionsschutzgründen üblicherweise untersagt. Manche Einrichtungen stellen eine Ausnahme dar, da sie ihren Mitarbeitern das Tragen privater Kleidung während ihrer Tätigkeit in der Geriatrie oder Psychiatrie erlauben.
Achtung, in patientennahen Bereichen oder bei einer möglichen Kontaminationsgefahr durch infektiöses Material ist immer Schutzkleidung anzulegen.
Was ist Bereichskleidung?
Um die unterschiedlichen Bereiche des Krankenhauses deutlich zu kennzeichnen ist es nicht unüblich, dass die Mitarbeiter in den verschiedenen Arbeitsbereichen eine andersfarbige Arbeitsbekleidung tragen, Stichwort: Bereichskleidung.
Infektionsschutz: Wann werden Vorbinder getragen?
Der Vorbinder wird umgebunden, um die Bereichs- und Arbeitsbekleidung während einer Tätigkeit zu tragen, bei der eine Kontaminationsgefahr mit infektiösem Material besteht. Je nach Infektionsgefahr sind dabei entweder Einmal- oder Stoffvorbinder zu nutzen. Beide werden nach Gebrauch entweder entsorgt oder in die Reinigung gegeben.
Achtung, eine Ausnahme stellt die Serviceassistentin dar. Diese muss während Ihrer Tätigkeit aufgrund des direkten Umgangs mit Lebensmittel immer einen Vorbinder tragen.
Infektionsschutz: Wann sind langärmelige Kittel Pflicht?
Langärmelige Schutzkittel, die mit abschließenden Bündchen ausgestattet sind, sind immer dann zu tragen, wenn infektiöse Patienten betreut oder behandelt müssen.
Wissenswert: Der Schutzkittel wird üblicherweise hinten geschlossen. Er muss nach jeder Schicht gewechselt werden. Beim Tragen des Kittels muss sich unbedingt an die Verfahrensanweisungen des Hygienehandbuchs gehalten werden.
Infektionsschutz: Atemschutzmasken, Nasen- und Mundschutz
Zwar hat der chirurgische Nasen- und Mundschutz nichts mit einer Atemschutzmaske gemein, dennoch ist er eine effektive Infektionsschutzprävention, da er die Speicheltropfen des Trägers auffängt und gleichzeitig einen Schutz vor Spritzern ins Gesicht darstellt.
Wichtig: Der Nasen- und Mundschutz muss so getragen werden, dass er die Nase und den Mund abdeckt. Gleichzeitig ist darauf zu achten, dass die Maske eng anliegt.
Wann müssen die Mitarbeiter der Klinik einen Mundschutz tragen?
bei direkten Maßnahmen am Patienten, wenn diese zum Beispiel unter einem eingeschränkten Immunsystem leiden. Dasselbe gilt umgedreht und weil der Patient von einer hochansteckenden Infektion betroffen ist, die per Tröpfcheninfektion übertragen werden kann.
bei verschiedenen Tätigkeiten, wie z. B. das endotracheale Absaugen.
Mundschutz: Das ist wichtig!
Im Krankenhaus werden Atemschutzmasken unterschiedlicher Klassen verwendet. Jede Klasse verfügt über eine andere Schutzwirkung:
Eine Atemschutzmaske der Klasse 1 bietet in etwa dieselbe Schutzwirkung wie ein mehrlagiger Mund-Nasen-Schutz. Die Maske ist so konzipiert, dass weder Hustensekret, Tröpfchen oder Speichel durchdringen kann.
Eine Atemschutzmaske der Klasse 2 dient als Prävention vor Infektionen und Erreger, die sich über große Aerosole übertragen, wie das zum Beispiel bei einer offenen Lungenentzündung der Fall ist.
Atemschutzmasken der FFP-Klasse 3 haben die beste Schutzwirkung und können den Träger auch vor einer Ansteckung durch Viren bewahren.
Atemschutzmasken: Anwendungshinweis
Wie beim Nasen- und Mundschutz muss auch bei der Atemschutzmaske auch darauf geachtet werden, dass diese gut anliegt, da die Maske nur so wirklich dicht ist. Durch zu starken Schwitzen kann die Maske durchfeuchtet werden, wodurch deren Schutzwirkung leidet, warum in so einem Fall ein Austausch notwendig ist. Achtung, der Atemwiderstand steigt, je höher die Filterleistung der Atemschutzmaske ist. Genau das ist der Grund, warum Patienten weder eine Atemschutzmaske der Klasse 2 oder Klasse 3 tragen sollten.
Wissenswert: Atemschutzmasken, die mit einem Auslassventil ausgestattet sind, sind rein nur für das Personal gedacht!
Kopfhauben: Das ist zu beachten!
Kopfhauben müssen nicht nur vom medizinischen Personal und/oder den Pflegekräften getragen werden, um zu verhindern, dass die Haare versehentlich mit infektiösem Material in Kontakt kommen können, sondern auch, um den Patienten vor Infektionen zu schützen. Die Maske ist so konzipiert, dass weder Haare noch Hautschuppen in die OP-Wunde bzw. das Wundgebiet gelangen können.
Bereichs- und/oder Arbeitsschuhe: die Vorgaben
Medizinisches Personal hat bei allen Arbeiten das passende Schuhwerk zu tragen. Sobald sich eine sichtbare Verschmutzung bzw. Kontamination zeigt, hat sofort eine Desinfektion bzw. Reinigung der Schuhe zu erfolgen. In Bereichen, wie dem OP, sind Bereichsschuhe vorgeschrieben. Die Schuhe dürfen nur dort und in keinem anderen Bereich getragen werden. Nach Gebrauch müssen Bereichsschuhe immer desinfiziert werden.
Infektionsschutz: Diese persönlichen Hygienevorschriften müssen das Personal einhalten
Strikte Hygienevorschriften im Krankenhaus. © Adobe Stock - OscarStock
Personal mit langen Haaren muss die Haare hochstecken bzw. zusammenbinden, um sich nicht selbst durch eine versehentliche Kontamination selbst anzustecken oder den Patienten zu gefährden. Darum ist im OP-Bereich das Tragen einer Kopfhaube Pflicht!
Das männliche Personal hat auf einen kurzen und gepflegten Bart zu achten. Im OP-Bereich muss der Bart komplett vom Mundschatz bedeckt sein.
Krankenhaus-Personal, das in Bereichen arbeitet, die ein regelmäßiges Desinfizieren der Hände verlangt, muss über kurz geschnittene Fingernägel verfügen. Die Nägel dürfen nicht weiter als bis zu den Fingerkuppen gehen. Medizinisches Personal oder Pflegepersonal darf weder Nagellack noch künstliche Fingernägel tragen.
Aus Gründen des Infektions- und Arbeitsschutzes darf das Personal in patientennahen Bereichen keinerlei Schmuck während der Arbeit tragen.
Ein maßgeblicher Bestandteil des Infektionsschutzes ist das Isolieren von Patienten, die unter bestimmten Infektionskrankheiten leiden. Mit dieser Maßnahme sollen Patienten und Personal gleichermaßen geschützt werden. Gleichzeitig dienen die Isolierungsmaßnahmen dazu, eine Ausbereitung der Infektionskrankheiten zu verhindern.
Wichtig: Isolierungsmaßnahmen sind nicht nur bei diagnostizierten Infektionskrankheiten zu treffen, sondern auch dann, wenn nur ein Krankheitsverdacht in diese Richtung besteht.
Isolierungsmaßnahmen: Der Ablauf
In der Regel erhält das betreuende Personal als erstes die Information, sollten bei einem Patienten der Verdacht bestehen oder Erreger oder Krankheiten nachgewiesen werden, die eine Isolierung dessen notwendig machen.
Wurde in einem mikrobiologischen Labor positiv getestet, ist der Mitarbeiter , der den Befund angenommen hat dafür zuständig, dass der Patient zeitnah isoliert wird. Dafür muss natürlich vorher eine entsprechende Rücksprache mit Stationsarzt und Schichtleitung getroffen werden. Als Hinweis für Besucher, die anderen Patienten und das Personal muss an die Tür ein entsprechendes Hinweisschild angebracht werden. Des Weiteren sind das komplette Personal und die Besucher das Patienten direkt zu informieren.
Welche Formen der Isolierung gibt es?
Protektive Isolierung
Kohorten Isolierung
Standardisolierung
Strikte Isolierung
Wann ist eine Standardisolierung notwendig?
Eine Standardisolierung ist immer dann üblich, wenn der Patient unter Erkrankungen leidet, bei denen es nur zu einer Übertragung über Extremente oder infizierte Sekrete kommen kann.
Welche Verfahrensanweisungen gelten im Falle einer Standardisolierung für das Personal?
Das Personal muss bei direktem Patientenkontakt oder dem Umgang mit dessen Ausscheidungen Einmalhandschuhe und einen Einmalkittel tragen. Der Kittel muss beim verlassen des Raums oder Verunreinigungen sofort entsorgt bzw. ausgetauscht werden. Das Tragen eines Mundschutzes ist nur dann notwendig, sollte der Patient von einer Infektion betroffen sein, die auf aerogenem Weg übertragen werden kann. Sobald das medizinische Personal das Zimmer verlässt, muss es eine hygienische Händedesinfektion durchführen.
Achtung, Patienten und Besucher müssen über das Risiko aufgeklärt werden! Schon allein aus Sicherheitsgründen, um eine versehentliche Ansteckung und Weiterverbreitung zu vermeiden. Üblicherweise wird die Information des Patienten vom zuständigen Arzt übernommen. Dieser klärt ihn über eventuelle Übertragungsrisiken und die nötigen Schutzmaßnahmen auf. Auch die Besucher müssen natürlich genau über die zu ergreifenden Infektionsschutzmaßnahmen informiert werden. Dazu gehört zum Beispiel das Desinfizieren der Hände nach dem Verlassen des Isolierzimmers.
Welche Infektionsschutzmaßnahmen sind von Begleitpersonen bei einer Standardisolierung einzuhalten?
Ist es notwendig, dass zusätzlich zum isolierenden Patienten eine Begleitperson mit aufgenommen werden muss, wie das zum Beispiel bei erkrankten Kindern der Fall ist, sind natürlich auch hier entsprechende Vorgaben zum Infektionsschutz zu erfüllen.
So darf die Begleitperson nur dann die Isolierung verlassen, wenn sie selbst keine Anzeichen der Krankheit oder Infektion zeigt. Bevor sie das Zimmer verlässt, muss sie einen Schutzkittel anziehen und ihre Hände desinfizieren. Der Kittel ist jeden Tag auszutauschen! Die Begleitperson darf nur im Isolierzimmer essen, da ihr aufgrund des hohen Übertragungsrisikos das Betreten der Stationsküche untersagt ist. Die Begleitperson muss darauf achten, nicht mehr Kontakt als unbedingt nötig zu anderen Patienten zu haben.
Wissenswert: Krankheitsabhängig kann es notwendig sein, dass für zu isolierende Patienten eine eigene Toilette eingerichtet werden muss, um zu verhindern, dass sich die Krankheit über eventuelle Ausscheidungen weiterverbreitet.
Die Standardisolierung und die Desinfektion
Für die regelmäßige Desinfektion eines Isolier-Zimmers sind Desinfektionsmittel in der Konzentration zu verwenden, die der Desinfektionsplan vorschreibt.
Sind Pflegeutensilien notwendig, dürfen Sie in so einem Fall nur patientengebunden verwendet werden. Mit dem Auflösen der Isolation ist es unumgänglich alle Pflegeutensilien zu desinfizieren. Dasselbe gilt für alle medizinischen Gegenstände, die für die Untersuchung des Patienten benötigt wurden.
Mit dem Auflösen der Isolation ist eine komplette Schlussdesinfektion des kompletten Raums durchzuführen.
Natürlich ist bei einer Standardisolierung eine Kohorten-Isolierung möglich.
Die Entsorgung des infektiösen Abfalls hat entsprechend des Hygienehandbuchs der Klinik zu erfolgen.
Was ist eine Kohorten-Isolierung?
Bei einer Kohorten Isolierung gelten dieselben Infektionsschutzvorgaben wie bei einer Standardisolierung, aber mit dem kleinen Unterschied, dass mehrere von derselben Infektion oder Erkrankung betroffenen Patienten auf einem Zimmer liegen.
Was hat es mit der strikten Isolierung auf sich?
Bei einer strikten Isolierung handelt es sich um eine äußerst strenge Form der Isolation. Sie ist dann notwendig, wenn ein hohes Infektionsrisiko besteht, weil sich die Keime über die Luft, Sekrete, Ausscheidungen des Patienten oder Gegenstände übertragen können.
Strikte Isolierung: die Vorgaben
Bei einer strikten Isolierung ist des dem Patienten untersagt sein Zimmer zu verlassen. Einzige Ausnahme stellt der Besuch in diagnostischen Einrichtungen dar. Hierfür sind entsprechende Sicherheitsmaßnahmen zu treffen, um die Ansteckung anderer zu verhindern. Dazu gehört zum Beispiel das Tragen eines Mundschutzes. Patienten, die in strikter Isolierung sind, dürfen nur von engen Familienmitgliedern besucht werden. Diese müssen vor dem Betreten des Zimmers entsprechend Schutzkleidung anlegen. Nach dem Verlassen des Zimmers wird diese entsorgt. Gleichzeitig muss eine hygienische Desinfektion der Hände erfolgen.
Wissenswert: Das Isolierzimmer muss über eine Vorraumschleuse und eine Nasszelle verfügen.
Natürlich wäre auch bei einer strikten Isolierung eine Kohorten Isolierung möglich.
Strikte Isolierung: Welche Vorgaben gelten bezüglich der Patientenwäsche?
Die Wäsche eines Patienten aus einer strikten Isolierung darf nur per Doppelsack-Methode zur Wäscherei transportiert werden. Dabei muss der Sack entsprechend mit dem Hinweis „infektiös“ gekennzeichnet werden.
Aus Infektionsschutzgründen werden alle Instrumente, die zur Untersuchung oder Pflege notwendig sind, als Einmalinstrumente behandelt. Bevor diese aus dem Isolierzimmer mitgenommen werden dürfen, ist eine Desinfektion notwendig!
Das Essgeschirr des Patienten darf erst mitgenommen werden, wenn das Geschirr der anderen Patienten auf Station eingesammelt wurde. Anschließend hat eine chemothermische Aufbereitung des Geschirrs zu erfolgen.
Nach der Genesung, dem Tod oder die Verlegung des Patienten hat eine Schlussdesinfektion des Zimmers zu erfolgen. Welche Desinfektionsmittel in welcher Konzentration verwenden werden müssen, wird durch das Reinigungs- und Hygienemanagement im Hygienehandbuch vorgegeben.
Was ist eine protektive Isolierung?
Eine protektive Isolierung dient ebenfalls zum Infektionsschutz aber in umgedrehter Art und Weise. Diese Isolierungsmaßnahme ist immer dann notwendig, um einen immungeschwächten Patienten auf Station vor Ansteckung zu schützen. Grundsätzlich gilt hier, alles was zum Patienten ins Zimmer gebracht wird, muss 100% keimfrei sein, um dessen Leben und Gesundheit nicht zu gefährden. Ansonsten können Gegenstände, Wäsche und Abfall aus dem Zimmer ganz normal entsprechend der hausinternen Vorgaben entsorgt werden.