Source: http://www.hensche.de/arbeitsrecht-urteile-lag-nuernberg-7-sa-560-16-09.05.2017-ausschlussfrist-u.html
Timestamp: 2018-09-21 11:48:50
Document Index: 213567571

Matched Legal Cases: ['§ 3', '§ 5', '§ 10', '§ 307', '§ 309', '§ 306', '§ 139', '§ 307', '§ 309', '§ 147', '§ 64', '§ 66', '§ 10', '§ 10', '§ 242', '§ 203', '§ 203', '§ 203', '§ 164', '§ 3', '§ 134', '§ 10', '§ 3', 'Art. 20', 'Art. 2', 'Art. 20', '§ 3', '§ 3', '§ 1', '§ 11', '§ 2', '§ 10', '§ 202', '§ 10', '§ 202', '§ 10', '§ 134', '§ 134', '§ 139', '§ 306', '§ 306', '§ 305', '§ 306', '§ 139', '§ 10', '§ 305', '§ 305', '§ 3', '§ 10', '§ 305', '§ 305', '§ 10', '§ 309', '§ 309', '§ 309', '§ 309', '§ 202', '§ 10', '§ 307', '§ 307', '§ 10', '§ 307', '§ 307', '§ 307', '§ 10']

Da­tum: 09.05.2017
Rechts­vor­schrif­ten: §§ 3, 2 Ab­satz 2 Mi­LoG
1. Die Be­ru­fung des Klägers ge­gen das Teil­ur­teil des Ar­beits­ge­richts Nürn­berg vom 06.10.2016 und ge­gen das Schlus­s­ur­teil des Ar­beits­ge­richts Nürn­berg vom 09.02.2017 wird kos­ten­pflich­tig zurück­ge­wie­sen.
Die Par­tei­en strei­ten um Über­stun­den und Ur­laubs­ab­gel­tung.
Der Kläger war vom 01.01.2014 bis 31.07.2015 bei der Be­klag­ten beschäftigt. Die mo­nat­li­che Vergütung be­trug zu­letzt 4.361,00 € brut­to.
Dem Ar­beits­verhält­nis lag ein schrift­li­cher Ar­beits­ver­trag zu­grun­de. Nach des­sen § 5 hat­te der Kläger ei­nen Ur­laubs­an­spruch von 28 Ta­gen im Jahr.
§ 10 des Ar­beits­ver­trags lau­tet:
Ansprüche bei­der Par­tei­en aus dem Ar­beits­verhält­nis ver­fal­len, wenn sie nicht in­ner­halb von drei Mo­na­ten ab Fällig­keit schrift­lich ge­genüber der Ge­gen­sei­te gel­tend ge­macht wer­den. Ent­schei­dend ist der Zu­gang des Schrei­bens.
Nach Ab­lauf der Frist kann der An­spruch nicht mehr gel­tend ge­macht wer­den.
Lehnt die Ge­gen­sei­te den An­spruch ab oder äußert sie sich nicht in­ner­halb von zwei Wo­chen ab Zu­gang der Gel­tend­ma­chung, so ist der An­spruch in­ner­halb von wei­te­ren drei Mo­na­ten ab Zu­gang der Ab­leh­nung bzw. Ab­lauf der Zwei­wo­chen­frist bei Ge­richt anhängig zu ma­chen. An­de­ren­falls ist der An­spruch ver­fal­len und kann nicht mehr gel­tend ge­macht wer­den.
Mit Schrei­ben vom 14.09.2015 (Bl. 55 d.A.) mach­te der Kläger ge­genüber dem Be­klag­ten gel­tend, es sei­en 4 Ur­laubs­ta­ge aus 2014 und 28 Ur­laubs­ta­ge aus dem Jahr 2015 mit ei­nem Be­trag von ins­ge­samt 6.387,52 € ab­zu­gel­ten.
Fer­ner for­der­te er 4.671,88 € brut­to als Ab­gel­tung von 182,25 Über­stun­den.
Der Be­klag­te wand­te mit Schrei­ben sei­nes Pro­zess­ver­tre­ters vom 28.09.2015 (Bl. 57 d.A.), dem Pro­zess­ver­tre­ter des Klägers per Fax am sel­ben Tag zu­ge­gan­gen, bezüglich der 4 Ur­laubs­ta­ge aus dem Jahr 2014 ein, die­se sei­en ver­fal­len, der An­spruch auf Ur­laubs­ab­gel­tung be­lau­fe sich da­her ma­xi­mal auf 5.589,08 € brut­to, wo­bei er sich die Über­prüfung der übri­gen Pa­ra­me­ter vor­be­hal­te. Der An­spruch bezüglich der Über­stun­den wur­de zurück­ge­wie­sen. Darüber hin­aus wur­de die Auf­rech­nung mit ei­ner For­de­rung in Höhe von 6.245,43 € erklärt.
Am 28.10.2015 fand zwi­schen den Pro­zess­ver­tre­tern der Par­tei­en ein Te­le­fo­nat statt. In dem Te­le­fo­nat erklärte der Pro­zess­ver­tre­ter des Klägers, er sei be­auf­tragt, das ar­beits­recht­li­che Kla­ge­ver­fah­ren anhängig zu ma­chen. Der Pro­zess­ver­tre­ter des Be­klag­ten un­ter­brei­te­te den Ver­gleichs­vor­schlag, dass der Be­klag­te bei Ab­gel­tung sämt­li­cher wech­sel­sei­ti­ger Ansprüche noch ei­nen Be­trag in Höhe von 3.000,00 € brut­to ab­rech­ne und vergüte.
Am 25.11.2015 fand ein wei­te­res Te­le­fo­nat zwi­schen den Pro­zess­ver­tre­tern statt. Die Pro­zess­ver­tre­ter ver­ein­bar­ten, beim Kläger nach­zu­fra­gen, ob Ver­gleichs­be­reit­schaft bezüglich ei­nes Be­trags von 5.000,00 € brut­to bestünde.
Un­ter dem 26.11.2015 (Bl. 89 d.A.) teil­te der Pro­zess­ver­tre­ter des Klägers sei­nem Man­dan­ten mit, er sei mit Herrn Rechts­an­walt K… so ver­blie­ben, dass er dem Kläger das mo­di­fi­zier­te Ver­gleichs­an­ge­bot der Ge­gen­sei­te mit­tei­le und vor Kla­ge­ein­rei­chung mit ihm Rück­spra­che hal­te.
Dem Be­klag­ten wur­de sei­tens des Klägers ein Ge­gen­an­ge­bot in Höhe zwi­schen 7.500,00 € brut­to und 8.000,00 € brut­to ge­macht. Die­sen lehn­te der Be­klag­te am 15.01.2016 per Fax ab.
Der Kläger er­hob am 21.01.2016 die vor­lie­gen­de Kla­ge zum Ar­beits­ge­richt Nürn­berg, mit der er die Ab­gel­tung für nicht ge­nom­me­nen Ur­laub aus den Jah­ren 2014 und 2015, die Be­zah­lung von Über­stun­den so­wie die Er­tei­lung ei­nes qua­li­fi­zier­ten Ar­beits­zeug­nis­ses gel­tend mach­te.
Das Ar­beits­ge­richt Nürn­berg wies die Ansprüche auf Ur­laubs­ab­gel­tung für Ur­laub aus 2014 und Über­stun­den mit Teil­ur­teil vom 06.10.2016 ab, die übri­gen Ansprüche wies es mit Schlus­s­ur­teil vom 09.02.2017 ab.
Bezüglich der Ur­laubs­ta­ge aus dem Jahr 2014 wies das Erst­ge­richt die Kla­ge mit der Be­gründung ab, der Ur­laubs­an­spruch sei bei Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses be­reits ver­fal­len ge­we­sen. Den An­spruch auf Vergütung von Über­stun­den ver­nein­te es, weil der Kläger die­se nicht aus­rei­chend sub­stan­ti­iert dar­ge­legt ha­be. Die Kla­ge­anträge hin­sicht­lich der Ur­laubs­ab­gel­tung für 2015 und der Er­tei­lung ei­nes Zeug­nis­ses wies das Erst­ge­richt zurück, weil die Ansprüche nach der ver­trag­li­chen Aus­schluss­frist ver­fal­len sei­en.
Das Teil­ur­teil wur­de dem Kläger am 29.11.2016, das Schlus­s­ur­teil am 16.02.2017 zu­ge­stellt.
Der Kläger leg­te ge­gen das Teil­ur­teil am 12.12.2016 Be­ru­fung ein und be­gründe­te sie am 13.02.2017. Bis da­hin war die Be­ru­fungs­be­gründungs­frist verlängert wor­den.
Ge­gen das Schlus­s­ur­teil leg­te der Kläger un­ter dem Ak­ten­zei­chen 7 Sa 560/16 am 06.03.2017 Be­ru­fung ein und be­gründe­te sie gleich­zei­tig.
Der Kläger macht gel­tend, der Be­klag­te ha­be hin­sicht­lich der Ur­laubs­ansprüche für 2015 ei­nen Be­trag in Höhe von 5.589,08 € brut­to an­er­kannt.
Der Be­klag­te sei nach den Grundsätzen von Treu und Glau­ben ge­hin­dert, sich auf die Aus­schluss­frist zu be­ru­fen, da der Pro­zess­ver­tre­ter des Be­klag­ten ihn, den Kläger, durch sein Han­deln da­von ab­ge­hal­ten ha­be, die Kla­ge in­ner­halb der Aus­schluss­frist zu er­he­ben.
Der Kläger trägt vor, bei dem Te­le­fo­nat am 25.11.2015 ha­be der Pro­zess­ver­tre­ter des Be­klag­ten das Ver­gleichs­an­ge­bot auf 5.000,00 € brut­to erhöht.
Die Aus­schluss­frist sei im Übri­gen un­wirk­sam.
Aus­schluss­fris­ten in Ar­beits­verträgen, die nach In­kraft­tre­ten des Min­dest­l­ohn­ge­set­zes ab­ge­schlos­sen wor­den sei­en, ver­stießen ge­gen § 307 Ab­satz 1 Satz 2 BGB, wenn sie den An­spruch auf Min­dest­lohn nicht aus­drück­lich ausnähmen.
Die Aus­schluss­frist ver­s­toße darüber hin­aus ge­gen § 309 Nr. 7 BGB. Sie um­fas­se auch die Ver­schul­dens­haf­tung bei ei­ner Ver­let­zung von Körper, Le­ben und Ge­sund­heit so­wie die Haf­tung we­gen gro­ben Ver­schul­dens. Fol­ge sei, dass die Aus­schluss­klau­sel ins­ge­samt un­wirk­sam sei. § 306 Ab­satz 2 BGB sei ge­genüber § 139 BGB die spe­zi­el­le­re Vor­schrift.
Die Un­wirk­sam­keit der Aus­schluss­frist er­ge­be sich zusätz­lich aus § 307 Ab­satz 1 Satz 2 BGB. Die Aus­schluss­frist ver­s­toße ge­gen das Trans­pa­renz­ge­bot, weil sie die Ansprüche aus der Ver­schul­dens­haf­tung im Sin­ne des § 309 Nr. 7 BGB nicht aus­drück­lich aus­neh­me.
Das Teil­ur­teil des Ar­beits­ge­richts Nürn­berg vom 06.10.2016 so­wie das Schlus­s­ur­teil des Ar­beits­ge­richts Nürn­berg vom 09.02.2017 wer­den ab­geändert und
I. Der Be­klag­te wird ver­ur­teilt, an den Kläger 6.440,86 Eu­ro brut­to nebst Zin­sen in Höhe von 5 %-Punk­ten über dem je­weils gülti­gen EU-Ba­sis­zins­satz seit 01.08.2015 zu be­zah­len.
II. Der Be­klag­te wird ver­ur­teilt, an den Kläger 805,08 Eu­ro brut­to nebst Zin­sen in Höhe von 5 %-Punk­ten über dem je­weils gülti­gen EU-Ba­sis­zins­satz seit 01.08.2015 als Rest­ur­laubs­an­spruch für das Jahr 2014 zu be­zah­len.
III. Der Be­klag­te wird ver­ur­teilt, an den Kläger 5.635,56 € nebst Zin­sen in Höhe von 5 % Punk­ten über dem je­weils gülti­gen Ba­sis­zins­satz seit 01.08.2015 zu be­zah­len.
IV. Der Be­klag­te trägt die Kos­ten des Rechts­strei­tes.
I. Die am 12.12.2016 ein­ge­leg­te Be­ru­fung des Klägers ge­gen das am 06.10.2016 verkünde­te und am 29.11.2016 zu­ge­stell­te Teil­ur­teil des Ar­beits­ge­richts Nürn­berg, Az.: 11 Ca 340/16, wird zurück­ge­wie­sen.
II. Die am 06.03.2017 ein­ge­leg­te Be­ru­fung des Klägers ge­gen das am 09.02.2017 verkünde­te und am 16.02.2017 zu­ge­stell­te Schlus­s­ur­teil des Ar­beits­ge­richts Nürn­berg, Az.: 11 Ca 340/16, wird ver­wor­fen, rein vor­sorg­lich zurück­ge­wie­sen.
Der Be­klag­te wen­det ein, die Be­ru­fung ge­gen das Schlus­s­ur­teil sei un­zulässig, weil der Kläger sie un­ter dem Ak­ten­zei­chen 7 Sa 560/16 ein­ge­legt ha­be. Er macht gel­tend, die Ansprüche des Klägers sei­en auf­grund der ver­trag­li­chen Aus­schluss­frist seit dem 28.12.2015 ver­fal­len. Er ha­be den Kläger durch sein Ver­hal­ten nicht da­von ab­ge­hal­ten, sei­ne Ansprüche recht­zei­tig ge­richt­lich gel­tend zu ma­chen. Der Be­klag­te trägt vor, das Ver­gleichs­an­ge­bot des Klägers über ei­nen Be­trag von 7.500,00 € brut­to bis 8.000,00 € brut­to sei am 13.01.2016 te­le­fo­nisch erklärt wor­den.
In der münd­li­chen Ver­hand­lung am 09.05.2017 sind die Ver­fah­ren 7 Sa 560/16 und 7 Sa 85/17 gemäß § 147 ZPO mit­ein­an­der ver­bun­den wor­den.
Die Be­ru­fun­gen des Klägers ge­gen das Teil­ur­teil so­wie ge­gen das Schlus­s­ur­teil sind zulässig. Sie sind statt­haft, § 64 Ab­satz 2 b) ArbGG, so­wie form- und frist­ge­recht ein­ge­legt und be­gründet wor­den, § 66 Ab­satz 1 ArbGG.
Die Be­ru­fung des Klägers ge­gen das Schlus­s­ur­teil des Ar­beits­ge­richts vom 09.02.2016 ist auch nicht des­halb un­zulässig, weil der Kläger sie un­ter dem Ak­ten­zei­chen des be­reits anhängi­gen Ver­fah­rens 7 Sa 560/16 ein­ge­legt hat. Die Be­hand­lung ei­ner ein­ge­hen­den Be­ru­fungs­schrift, ins­be­son­de­re die Zu­wei­sung ei­nes Ak­ten­zei­chens, ist Sa­che der Ge­richts­ver­wal­tung und er­folgt un­abhängig von der Be­zeich­nung durch die Par­tei­en. So war die Be­ru­fung des Klägers ge­gen das Schlus­s­ur­teil gemäß Zif­fer 3.6 des rich­ter­li­chen Ge-
schäfts­ver­tei­lungs­plans der Kam­mer 7 zu­zu­wei­sen und hat ein ent­spre­chen­des Ak­ten­zei­chen er­hal­ten.
Die Be­ru­fun­gen des Klägers sind un­be­gründet.
Das Erst­ge­richt hat die gel­tend ge­mach­ten Ansprüche zu Recht ab­ge­wie­sen.
Die er­ho­be­nen Ansprüche sind ent­spre­chend der in § 10 des Ar­beits­ver­trags ent­hal­te­nen Aus­schluss­frist ver­fal­len.
Nach dem Wort­laut der Ver­ein­ba­rung un­ter­fal­len al­le gel­tend ge­mach­ten Ansprüche der Aus­schluss­klau­sel. Die ver­trag­li­che Re­ge­lung nimmt kei­nen et­wai­gen An­spruch aus.
Die streit­ge­genständ­li­chen Ansprüche sind nicht in­ner­halb der Aus­schluss­frist gel­tend ge­macht.
Nach der ver­trag­li­chen Aus­schluss­frist hätten al­le Ansprüche schrift­lich bis 31.10.2015 gel­tend ge­macht wer­den müssen. Dies ist bezüglich der in der Be­ru­fung noch gel­tend ge­mach­ten Ansprüche mit dem außer­ge­richt­li­chen Schrei­ben vom 14.09.2015 er­folgt.
Der Kläger hat in­des sei­ne Kla­ge nicht in­ner­halb der Frist des § 10 Ab­satz 2 des Ar­beits­ver­trags er­ho­ben. Der Be­klag­te hat die mit Schrei­ben vom 14.09.2015 er­ho­be­nen Ansprüche am 28.09.2015 zurück­ge­wie­sen. Dies ist un­strei­tig. Der Kläger hätte so­mit bis 28.12.2015 sei­ne Ansprüche kla­ge­wei­se gel­tend ma­chen müssen. Die Kla­ge ist in­des erst am 21.01.2015 bei Ge­richt ein­ge­gan­gen.
Da­mit ist die Aus­schluss­frist hin­sicht­lich al­ler Ansprüche versäumt wor­den.
Der Be­klag­te ist auf­grund der Grundsätze von Treu und Glau­ben (§ 242 BGB) nicht ge­hin­dert, sich auf die Aus­schluss­frist zu be­ru­fen.
Nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts kann ein An­spruchs­geg­ner dem Ab­lauf ei­ner ta­rif­li­chen Aus­schluss­frist mit dem Ein­wand der un­zulässi­gen Rechts­ausübung be­geg­nen, wenn der an­de­re ihn durch ak­ti­ves Han­deln von der Ein­hal­tung der Aus­schluss­frist ab­ge­hal­ten oder es pflicht­wid­rig un­ter­las­sen hat, ihm Umstände mit­zu­tei­len, die ihn zur Ein­hal­tung der Aus­schluss­frist ver­an­lasst hätten (Bun­des­ar­beits­ge­richt ‒ Ur­teil vom 10.03.2005 ‒ 6 AZR 217/04; ju­ris).
Auf­grund des vor­lie­gen­den Er­kennt­nis­stands kann nicht da­von aus­ge­gan­gen wer­den, dass dies der Fall ist.
Nach dem Sach­vor­trag des Klägers erhöhte der Pro­zess­ver­tre­ter des Be­klag­ten in dem Te­le­fo­nat am 25.11.2015 das Ver­gleichs­an­ge­bot auf 5.000,00 € brut­to. Dem­ent­spre­chend teil­te der Pro­zess­ver­tre­ter des Klägers die­sem mit Schrei­ben vom 26.11.2015 mit, der Be­klag­ten­ver­tre­ter ha­be das An­ge­bot in dem Te­le­fo­nat am 25.11.2015 auf 5.000,00 € brut­to erhöht und zwi­schen den Pro­zess­ver­tre­tern sei ver­ein­bart wor­den, dass das An­ge­bot mit dem Kläger be­spro­chen wer­den würde und vor Er­he­bung der Kla­ge ei­ne Rück­spra­che mit dem Pro­zess­ver­tre­ter des Be­klag­ten er­fol­gen wer­de.
In die­sem Ab­lauf las­sen sich kei­ner­lei An­halts­punk­te dafür fin­den, dass der Kläger vom Be­klag­ten da­von ab­ge­hal­ten wur­de, Kla­ge zu er­he­ben. Es fehlt ins­be­son­de­re an ei­nem ak­ti­ven Ein­grei­fen des Be­klag­ten oder sei­nes Pro­zess­ver­tre­ters, das den Kläger an der Er­he­bung der Kla­ge hätte hin­dern können.
Nach dem un­strei­ti­gen Sach­ver­halt wies viel­mehr der Kläger­ver­tre­ter den Be­klag­ten­ver­tre­ter te­le­fo­nisch dar­auf hin, dass die Kla­ge im Ent­wurf be­reits ge­fer­tigt sei. Der Kläger trägt selbst nicht vor, zwi­schen den Pro­zess­ver­tre­tern sei darüber ge­spro­chen wor­den, die Kla­ge sol­le bis zu ei­nem be­stimm­ten Zeit­punkt nicht er­ho­ben wer­den. Ins­be­son­de­re ist nicht er­sicht­lich, dass der Pro­zess­ver­tre­ter des Be­klag­ten ei­ne ent­spre­chen­de Zu­sa­ge er­teil­te.
Die Aus­schluss­frist war durch die Ver­gleichs­ver­hand­lun­gen nicht gemäß § 203 BGB ge­hemmt. Auf Aus­schluss­fris­ten fin­det § 203 BGB kei­ne An­wen­dung. Durch Ver­hand­lun­gen wird le­dig­lich der Ab­lauf der Verjährung ge­hemmt, d.h., die Zei­ten, in de­nen die Par­tei­en über den strit­ti­gen An­spruch ver­han­deln, wer­den beim Ab­lauf der Verjährungs­frist nicht berück­sich­tigt. Die Verjährung hat zur Fol­ge, dass der An­spruchs­geg­ner durch die ent­spre­chen­de Ein­re­de die Durch­setz­bar­keit des Rechts ver­hin­dern kann, oh­ne dass das Recht als sol­ches er­lischt. Da­ge­gen be­wirkt der Ab­lauf ei­ner Aus­schluss­frist, dass das Recht selbst er­lischt und in kei­ner Form mehr gel­tend ge­macht wer­den kann. Der An­wen­dungs­be­reich des § 203 BGB ist so­mit nicht eröff­net.
Der Be­klag­te hat die Ansprüche auf die Rest­ur­laubs­ta­ge für 2014 nicht an­er­kannt. Dies er­gibt sich ins­be­son­de­re nicht aus den Ver­mer­ken, die Frau S… auf der e-mail des Klä-
gers vom 06.07.2015 an­ge­bracht hat. Es ist we­gen des Ver­merks „Herr E… bit­te RS wg. Ab­stim­mung!“ be­reits zwei­fel­haft, ob die­sen No­ti­zen der vom Kläger re­kla­mier­te Rechts­bin­dungs­wil­le zu­ge­spro­chen wer­den kann. Soll in ei­ner An­ge­le­gen­heit mit dem An­spruchs­geg­ner Rück­spra­che ge­nom­men wer­den, ist im Zwei­fel da­von aus­zu­ge­hen, dass das Be­ste­hen des An­spruchs eben (noch) nicht als si­cher an­ge­nom­men wird. Selbst wenn dies be­jaht würde, ist nicht er­sicht­lich, in­wie­weit die Erklärung von Frau S… dem Be­klag­ten zu­zu­rech­nen ist, ins­be­son­de­re, ob Frau S… als Ver­tre­te­rin des Be­klag­ten ge­han­delt hat, § 164 BGB.
Auch der Ur­laubs­an­spruch für 2015 ist nicht an­er­kannt wor­den. Das Schrei­ben vom 28.09.2015 enthält kein An­er­kennt­nis. Viel­mehr hat der Be­klag­te sich aus­drück­lich vor­be­hal­ten, den An­spruch prüfen zu wol­len.
Die Aus­schluss­frist ist wirk­sam ver­ein­bart wor­den.
Die Aus­schluss­klau­sel ist nicht gemäß § 3 Satz 1 Mi­LoG iVm § 134 BGB (ins­ge­samt) un­wirk­sam.
Al­ler­dings sind Ver­ein­ba­run­gen, die den An­spruch auf Min­dest­lohn un­ter­schrei­ten oder sei­ne Gel­tend­ma­chung be­schränken oder aus­sch­ließen, nach der zi­tier­ten Be­stim­mung un­wirk­sam. Dem Wort­laut nach be­schränkt § 10 des Ar­beits­ver­trags die Gel­tend­ma­chung des Min­dest­lohns. Die Be­stim­mung un­ter­schei­det nicht zwi­schen Min­dest­lohn und sons­ti­gen Ansprüchen.
So­weit die Klau­sel et­wai­ge Ansprüche auf Min­dest­lohn er­fasst, ist sie un­wirk­sam. Die­se Wir­kung um­fasst in­des nicht die ge­sam­te Klau­sel, son­dern le­dig­lich die An­wen­dung auf Min­dest­lohn­ansprüche. Das Ziel des Ge­setz­ge­bers war es u.a., die Ar­beit­neh­mer vor un­an­ge­mes­sen nied­ri­gen Löhnen zu schützen. Ein In­stru­ment der Durch­set­zungsfähig­keit ist die Re­ge­lung des § 3 Mi­LoG, der den An­spruch auf Min­dest­lohn si­chern und den Ar­beit­neh­mer vor miss­bräuch­li­chen Kon­struk­tio­nen be­wah­ren soll (vgl. BT-Druck­sa­che 18/1558). Da­ge­gen war es nicht das An­lie­gen des Ge­setz­ge­bers, (ar­beits­ver­trag­li­che) Aus­schluss­klau­seln ge­ne­rell zu un­ter­bin­den. Dies er­gibt sich aus der ein­deu­ti­gen For­mu­lie­rung des Ge­set­zes. Der Be­griff „in­so­weit“ schränkt die Rechts­fol­ge ‒ die Un­wirk­sam­keit ei­ner ent­spre­chen­den, den Min­dest­lohn gefähr­den­den Re­ge­lung ‒ ein und be­grenzt sie auf die­sen Fall. Dies ent­spricht dem am Re­ge­lungs­zweck ori­en­tier­ten Über­maßver­bot.
Ei­ne an­de­re Aus­le­gung wäre im Hin­blick auf das rechts­staat­li­che Prin­zip der Ge­wal­ten­tei­lung be­denk­lich.
Nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts steht die An­wen­dung und Aus­le­gung der Ge­set­ze durch die Ge­rich­te mit dem Rechts­staats­prin­zip des Art. 20 Ab­satz 3 GG in Ein­klang, wenn sie sich in den Gren­zen ver­tret­ba­rer Aus­le­gung und zulässi­ger rich­ter­li­cher Rechts­fort­bil­dung be­wegt. Art. 2 Ab­satz 1 GG gewähr­leis­tet in Ver­bin­dung mit Art. 20 Ab­satz 3 GG dem Ein­zel­nen, dass ihm ge­genüber er­ge­hen­de Ent­schei­dun­gen die­sen An­for­de­run­gen genügen. Zu den Auf­ga­ben der Recht­spre­chung gehört die Rechts­fort­bil­dung. Von da­her ist auch ei­ne ana­lo­ge An­wen­dung ein­fach­ge­setz­li­cher Vor­schrif­ten so­wie die Sch­ließung von Re­ge­lungslücken von Ver­fas­sungs we­gen grundsätz­lich nicht zu be­an­stan­den. Rechts­fort­bil­dung stellt kei­ne un­zulässi­ge rich­ter­li­che Ei­gen­macht dar, so­fern durch sie der er­kenn­ba­re Wil­le des Ge­setz­ge­bers nicht bei­sei­te ge­scho­ben und durch ei­ne aut­ark ge­trof­fe­ne rich­ter­li­che Abwägung der In­ter­es­sen er­setzt wird. Rich­ter­li­che Rechts­fort­bil­dung darf hin­ge­gen nicht da­zu führen, dass die Ge­rich­te ih­re ei­ge­ne ma­te­ri­el­le Ge­rech­tig­keits­vor­stel­lung an die Stel­le der­je­ni­gen des Ge­setz­ge­bers set­zen. Die Auf­ga­be der Recht­spre­chung be­schränkt sich viel­mehr dar­auf, den vom Ge­setz­ge­ber fest­ge­leg­ten Sinn und Zweck ei­nes Ge­set­zes un­ter ge­wan­del­ten Be­din­gun­gen möglichst zu­verlässig zur Gel­tung zu brin­gen oder ei­ne plan­wid­ri­ge Re­ge­lungslücke mit den an­er­kann­ten Aus­le­gungs­me­tho­den zu füllen. Ei­ne In­ter­pre­ta­ti­on, die als rich­ter­li­che Rechts­fort­bil­dung den Wort­laut des Ge­set­zes hint­an­stellt und sich über den klar er­kenn­ba­ren Wil­len des Ge­setz­ge­bers hin­weg­setzt, greift un­zulässig in die Kom­pe­ten­zen des de­mo­kra­tisch le­gi­ti­mier­ten Ge­setz­ge­bers ein (vgl. Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt ‒ Ur­teil vom 11.07.2012 ‒ 1 BvR 3142/07 und 1 BvR 1569/08; ju­ris).
Nach­dem der Ge­setz­ge­ber in § 3 Mi­LoG das Wort „in­so­weit“ ein­gefügt hat, ist die Aus­schluss­frist nur in­so­weit un­wirk­sam, wie sie Ansprüche auf Min­dest­lohn aus­sch­ließen würde.
Vor­lie­gend sind Min­dest­lohn­ansprüche nicht tan­giert.
Der An­spruch auf die Ur­laubs­ab­gel­tung un­ter­liegt nicht der Re­ge­lung des § 3 Mi­LoG. Der An­spruch auf Ur­laubs­ab­gel­tung, ins­be­son­de­re de­ren Höhe, er­gibt sich nicht un­mit­tel­bar aus § 1 Mi­LoG. Der Min­dest­lohn ist nach dem Ge­set­zes­wort­laut Ar­beits­vergütung, d.h.,
Vergütung für ge­leis­te­te Ar­beit. Da­ge­gen be­stimmt sich das Ur­laubs­ent­gelt gemäß § 11 BUrlG nach dem durch­schnitt­li­chen Ar­beits­ver­dienst. We­der enthält das Min­dest­l­ohn­ge­setz Re­ge­lun­gen bezüglich des Ur­laubs­ent­gelts/der Ur­laubs­ab­gel­tung noch ver­weist das Bun­des­ur­laubs­ge­setz auf das Min­dest­l­ohn­ge­setz (vgl. hier­zu Bun­des­ar­beits­ge­richt ‒ Ur­teil vom 13.05.2015 ‒ 10 AZR 495/14; ju­ris).
Die zwi­schen den Par­tei­en ver­ein­bar­te Vergütung liegt weit über dem Min­dest­lohn. Der Ur­laubs­ab­gel­tungs­an­spruch be­misst sich nach dem Ver­dienst, den der Kläger im Re­fe­renz­zeit­raum auf der Ba­sis die­ser Ver­ein­ba­rung er­hal­ten hat.
Auch hin­sicht­lich der gel­tend ge­mach­ten Über­stun­den be­steht kein An­spruch nach dem Min­dest­l­ohn­ge­setz. Zwar han­delt es sich bei der Vergütung für Über­stun­den um Ar­beits­lohn, der je­den­falls in Höhe des Min­dest­lohns ge­schul­det wird und der des­halb auch nicht ein­ge­schränkt wer­den kann. Die gel­tend ge­mach­ten Über­stun­den können in­des nicht iso­liert von der im Übri­gen ge­zahl­ten Vergütung be­trach­tet wer­den. Viel­mehr ist in­so­weit § 2 Ab­satz 2 Satz 1 Mi­LoG zu­min­dest ent­spre­chend an­zu­wen­den, d.h., so­weit die ver­ste­tigt ge­zahl­te Vergütung für die Zeiträume, in de­nen die Über­stun­den ge­leis­tet wor­den sind, den Min­dest­lohn­an­spruch be­reits erfüllt ha­ben, be­steht kein ge­son­der­ter An­spruch auf ei­nen Min­dest­lohn.
Nach den vom Kläger vor­ge­leg­ten St­un­den­nach­wei­sen hat er im De­zem­ber 2014 die meis­ten St­un­den ge­leis­tet, nämlich 211,75. Das Ge­halt be­trug 4.361,00 € brut­to im Mo­nat, dies er­gibt für De­zem­ber 2014 ei­nen St­un­den­lohn von 20,60 € brut­to.
§ 10 des vor­lie­gen­den Ar­beits­ver­trags ist nicht gemäß §§ 202 Ab­satz 1, 134 BGB un­wirk­sam. Zwar verkürzt § 10 Ar­beits­ver­trag ent­ge­gen § 202 Ab­satz 1 BGB die Verjährung auch für Ansprüche aus Haf­tung we­gen Vor­sat­zes. Dies führt in­des nicht zur Un­wirk­sam­keit des § 10 des Ar­beits­ver­trags ins­ge­samt. Es ist der Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts zu fol­gen, wo­nach ei­ne Aus­schluss­klau­sel, wenn das Ge­setz die Ein­be­zie­hung be­stimm­ter Ansprüche ver­bie­tet, nur in­so­weit un­wirk­sam ist (Bun­des­ar­beits­ge­richt ‒ Ur­teil vom 25.05.2005 ‒ 5 AZR 572/04; ju­ris).
Ins­be­son­de­re sind die Be­stim­mun­gen der §§ 134, 139 BGB an­zu­wen­den.
Verstößt ei­ne ver­trag­li­che Re­ge­lung un­mit­tel­bar ge­gen ein ge­setz­li­ches Ver­bot, er­gibt sich ih­re Un­wirk­sam­keit aus § 134 BGB. Be­trifft der Ver­s­toß ge­gen ein ge­setz­li­ches Ver-
bot nur ei­nen Teil der Re­ge­lung, ist die Fra­ge, ob der Ver­trag bzw. die in Re­de ste­hen­de ver­trag­li­che Re­ge­lung ins­ge­samt un­wirk­sam ist, gemäß § 139 BGB zu ent­schei­den. Ins­be­son­de­re fin­det § 306 Ab­satz 2 BGB kei­ne An­wen­dung. Das Ver­bot der gel­tungs­er­hal­ten­den Re­duk­ti­on nach § 306 Ab­satz 2 BGB ist, auch wenn die strit­ti­ge Re­ge­lung ei­ne AGB ist, auf die Fälle be­schränkt, in de­nen die ver­trag­li­che Re­ge­lung zu­min­dest auch nach den Be­stim­mun­gen der §§ 305 ff BGB un­wirk­sam ist. (Nur) in­so­weit ist § 306 Ab­satz 2 BGB lex spe­cia­lis ge­genüber § 139 BGB.
Die ar­beits­ver­trag­li­che Aus­schluss­frist hält, wie noch aus­geführt wird, ei­ner AGB-Kon­trol­le stand.
Es ist da­von aus­zu­ge­hen, dass die Par­tei­en die Aus­schluss­klau­sel auch oh­ne die Ein­be­zie­hung der Haf­tung we­gen Vor­sat­zes ab­ge­schlos­sen hätten.
§ 10 des Ar­beits­ver­trags ist nicht un­ter dem Ge­sichts­punkt der §§ 305 ff BGB zu be­an­stan­den.
Die §§ 305 ff BGB sind grundsätz­lich ne­ben § 3 Mi­LoG an­wend­bar.
§ 10 des Ar­beits­ver­trags stellt ei­ne AGB im Sin­ne des § 305 BGB dar. Es be­steht zwi­schen den Par­tei­en ins­be­son­de­re kein Streit darüber, dass der Be­klag­te den Ar­beits­ver­trag vor­for­mu­liert hat.
Die Aus­schluss­klau­sel enthält kei­ne Un­klar­hei­ten, die zu Las­ten des Be­klag­ten ge­hen würden, § 305 c Ab­satz 2 BGB. Dies würde vor­aus­set­zen, dass Zwei­fel bei der Aus­le­gung der Be­stim­mung be­ste­hen. Es kommt be­reits ei­ne Aus­le­gung des § 10 des Ar­beits­ver­trags nicht in Be­tracht. Die Klau­sel ist we­der aus­le­gungsfähig noch aus­le­gungs­bedürf­tig, son­dern ein­deu­tig. Sie be­trifft al­le Ansprüche, die sich aus dem Ar­beits­verhält­nis er­ge­ben können. Ei­ne an­de­re Deu­tung ist aus­ge­schlos­sen.
Die Klau­sel ist auch nicht we­gen Ver­s­toßes ge­gen § 309 Nr. 7 BGB un­wirk­sam. Die Aus­schluss­frist erfüllt nicht die dort ge­nann­ten Tat­be­stands­vor­aus­set­zun­gen. § 309 Nr. 7 BGB be­trifft das Ent­ste­hen und den Um­fang von Scha­dens­er­satz­ansprüchen so­wie die Ver­ant­wort­lich­keit des Schädi­gers. In ei­ner Aus­schluss­frist geht es dar­um nicht. Ei­ne Aus­schluss­frist lässt so­wohl das Ent­ste­hen des An­spruchs als auch sei­nen Um­fang so­wie die Haf­tung des Schädi­gers un­berührt. Es wird le­dig­lich die Möglich­keit, den ent­stan­de-
nen An­spruch gel­tend zu ma­chen, zeit­lich ein­ge­schränkt (s.a. Bun­des­ar­beits­ge­richt ‒ Ur­teil vom 28.09.2005 ‒ 5 AZR 52/05; ju­ris).
Dies steht zwar im Wi­der­spruch zur Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs. Da­nach stellt auch die ge­ne­rel­le Verkürzung der Verjährungs­frist ei­ne gemäß § 309 Nr. 7 BGB un­zulässi­ge (mit­tel­ba­re) Haf­tungs­be­schränkung dar (Bun­des­ge­richts­hof ‒ Ur­teil vom 22.09.2015 ‒ II ZR 340/14; ju­ris).
Das er­ken­nen­de Ge­richt folgt in­des der Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts.
§ 309 Nr. 7 BGB be­inhal­tet das Ver­bot ei­ner in­halt­li­chen, ma­te­ri­el­len Be­schränkung der dort ge­nann­ten Haf­tungs­ansprüche. Die­ses Ver­bot ist durch ei­ne Verkürzung der Verjährungs­frist nicht tan­giert. Ins­be­son­de­re wirkt sich ei­ne sol­che Klau­sel we­der auf die Höhe ei­nes Scha­dens­er­satz­an­spru­ches aus noch schränkt sie die Ver­ant­wort­lich­keit des Schädi­gers ein. Der Aus­wei­tung der Rechts­fol­ge über den ge­setz­li­chen An­wen­dungs­be­reich hin­aus ste­hen recht­li­che Be­den­ken ent­ge­gen. Dies gilt vor al­lem auch des­halb, weil der Ge­setz­ge­ber be­reits in § 202 Ab­satz 1 BGB zum Aus­druck ge­bracht hat, wel­che Ansprüche im Scha­dens­recht ei­ner zeit­li­chen Be­schränkung jen­seits der Verjährung nicht un­ter­wor­fen wer­den dürfen.
Darüber hin­aus verstößt § 10 des Ar­beits­ver­trags nicht ge­gen das Trans­pa­renz­ge­bot des § 307 Ab­satz 1 Satz 2 BGB.
Das Trans­pa­renz­ge­bot schließt das Be­stimmt­heits­ge­bot ein. Da­nach müssen die tat­be­stand­li­chen Vor­aus­set­zun­gen und Rechts­fol­gen so ge­nau be­schrie­ben wer­den, dass für den Ver­wen­der kei­ne un­ge­recht­fer­tig­ten Be­ur­tei­lungs­spielräume ent­ste­hen. Sinn des Trans­pa­renz­ge­bots ist es, der Ge­fahr vor­zu­beu­gen, dass der Ver­trags­part­ner des Klau­sel­ver­wen­ders von der Durch­set­zung be­ste­hen­der Rech­te ab­ge­hal­ten wird. Die Vor­aus­set­zun­gen und der Um­fang der Leis­tungs­pflicht müssen des­halb so be­stimmt oder zu­min­dest so be­stimm­bar sein, dass der Ver­trags­part­ner des Ver­wen­ders be­reits bei Ver­trags­schluss er­ken­nen kann, was auf ihn zu­kommt. Ei­ne Klau­sel ver­letzt das Be­stimmt­heits­ge­bot, wenn sie ver­meid­ba­re Un­klar­hei­ten enthält und Spielräume eröff­net. Ein Ver­s­toß ge­gen das Trans­pa­renz­ge­bot liegt des­halb nicht schon dann vor, wenn der Ar­beit­neh­mer kei­ne oder nur ei­ne er­schwer­te Möglich­keit hat, die be­tref­fen­de Re­ge­lung zu ver­ste­hen. Erst in der Ge­fahr, dass der Ver­trags­part­ner des Klau­sel­ver­wen­ders we­gen
un­klar ab­ge­fass­ter All­ge­mei­ner Ver­trags­be­din­gun­gen sei­ne Rech­te nicht wahr­nimmt, liegt ei­ne un­an­ge­mes­se­ne Be­nach­tei­li­gung im Sin­ne des § 307 Ab­satz 1 Satz 2 BGB (Bun­des­ar­beits­ge­richt - Ur­teil vom 15.11.2016 - 3 AZR 579/15; ju­ris).
Ei­ne Klau­sel, de­ren Wort­laut ein ge­setz­li­ches Ver­bot nicht wie­der­gibt, ist nicht in­trans­pa­rent, son­dern je­den­falls in­so­weit un­wirk­sam. Ge­setz­li­che Ver­bo­te gel­ten er­sicht­lich für je­der­mann und sind ins­be­son­de­re auch Ar­beit­neh­mern zugäng­lich. Das Wis­sen oder je­den­falls das Wis­senkönnen um das ge­setz­li­che Ver­bot steht der Kau­sa­lität zwi­schen der ver­trag­li­chen Klau­sel und der Ent­schei­dung, da­von ab­zu­se­hen, ei­nen An­spruch gel­tend zu ma­chen, ent­ge­gen.
Sch­ließlich ist § 10 des Ar­beits­ver­trags nicht nach § 307 Ab­satz 1 Satz 1 und Ab­satz 2 BGB un­wirk­sam. Verstößt ei­ne ver­trag­li­che Be­stim­mung (teil­wei­se) ge­gen ein ge­setz­li­ches Ver­bot, ist von vorn­her­ein kein Raum für die Fra­ge, ob die Re­ge­lung an­ge­mes­sen im Sin­ne des § 307 Ab­satz 1 Satz 1 und Ab­satz 2 BGB ist. § 307 BGB be­inhal­tet ein Prüfungs­er­mes­sen. Der Be­griff „un­an­ge­mes­se­ne Be­nach­tei­li­gung“ stellt ei­nen un­be­stimm­ten Rechts­be­griff dar, der ei­ne Prüfung im Ein­zel­fall er­for­dert. Liegt ein ge­setz­li­ches Ver­bot vor, kommt ei­ne Prüfung im Ein­zel­fall nicht in Be­tracht. Die Be­stim­mung ist viel­mehr, oh­ne dass dies im Ein­zel­fall ab­ge­wo­gen wer­den könn­te, kraft Ge­set­zes stets un­wirk­sam.
Die Aus­schluss­frist in § 10 des Ar­beits­ver­trags stellt sich so­mit un­ter al­len recht­li­chen Ge­sichts­punk­ten als wirk­sam dar.
Ei­ne Ände­rung der Ur­tei­le des Erst­ge­richts war da­her nicht ver­an­lasst.
Die Re­vi­si­on wur­de we­gen grundsätz­li­cher Be­deu­tung der Rechts­fra­gen zu­ge­las­sen.
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