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Timestamp: 2019-08-20 02:58:12
Document Index: 353342255

Matched Legal Cases: ['§ 14', 'Art.203', '§ 14', '§ 14', 'EuG', '§ 14', 'EuG', '§ 14']

§ 14c Abs. 2 UStG beruht uni­ons­recht­lich auf Art.203 MwSt­Sys­tRL, wonach jede Per­son, die die Mehr­wert­steu­er in einer Rech­nung aus­weist, die Mehr­wert­steu­er schul­det. Damit soll einer Gefähr­dung des Steu­er­auf­kom­mens ent­ge­gen­ge­wirkt wer­den, die sich aus dem Recht auf Vor­steu­er­ab­zug erge­ben kann1.
Die Rech­nung, die i.S. von § 14c UStG zu einem unbe­rech­tig­ten Steu­er­aus­weis führt, muss gewis­se Min­destan­ga­ben ent­hal­ten. Hier­zu gehö­ren nach der Recht­spre­chung des Bun­des­fi­nanz­hofs Anga­ben zum Rech­nungs­aus­stel­ler, zum Leis­tungs­emp­fän­ger, zur Leis­tungs­be­schrei­bung, zum Ent­gelt und zur geson­dert aus­ge­wie­se­nen Umsatz­steu­er2. Ob die­se Anga­ben unzu­tref­fend sind und zu einer Steu­er­schuld auf­grund eines unbe­rech­tig­ten Steu­er­aus­wei­ses füh­ren kön­nen, bestimmt sich nach all­ge­mei­nen Grund­sät­zen. Daher sind wie bei der Prü­fung, ob eine Rech­nung hin­rei­chen­de Anga­ben ent­hält, die zum Vor­steu­er­ab­zug berech­tig­ten, auch bei Anwen­dung von § 14c Abs. 2 UStG Bezug­nah­men in der Rech­nung auf ande­re Doku­men­te zu berück­sich­ti­gen3. Der­ar­ti­ge Bezug­nah­men sind auch nach der bis ein­schließ­lich 2003 bestehen­den Rechts­la­ge zu beach­ten.
Eine Berück­sich­ti­gung der­ar­ti­ger Bezug­nah­men ist auch uni­ons­recht­lich gebo­ten. Kann der tat­säch­li­che Inhalt einer Rech­nung durch Bezug­nah­men geklärt und die Gefahr eines unbe­rech­tig­ten Steu­er­aus­wei­ses aus­ge­schlos­sen wer­den, ent­fällt die miss­bil­lig­te Gefähr­dung des Steu­er­auf­kom­mens. Uni­ons­recht­lich ist zudem zu berück­sich­ti­gen, dass sich die Steu­er­ver­wal­tung nach dem „Bar­lis 06”-Urteil des Uni­ons­ge­richts­hofs4 nicht auf die Prü­fung der Rech­nung selbst beschrän­ken darf, son­dern auch die vom Steu­er­pflich­ti­gen bei­gebrach­ten zusätz­li­chen Infor­ma­tio­nen zu berück­sich­ti­gen hat.
Soll­te im Streit­fall trotz der Bezug­nah­me auf den Ver­trag eine Aus­le­gung der­ge­stalt, dass die Erfin­der­ge­mein­schaft in den Gut­schrif­ten als Leis­ten­de genannt war, nicht mög­lich sein, wird sich das Finanz­ge­richt zudem mit der Fra­ge aus­ein­an­der­set­zen müs­sen, ob eine an einen Nicht­un­ter­neh­mer vom Gut­schrif­ten­aus­stel­ler erteil­te Gut­schrift über­haupt eine Steu­er­schuld auf­grund eines Steu­er­aus­wei­ses begrün­den kann5.
vgl. EuGH, Urtei­le Schmeink & Cofreth und Stro­bel vom 19.09.2000 – C‑454/​98, EU:C:2000:469, BFH/​NV 2001, Bei­la­ge 1, 33, Rz 57 und 61; Kara­ge­or­gou u.a. vom 06.11.2003 – C‑78/​02 bis – C‑80/​02, EU:C:2003:604, BFH/​NV 2004, Bei­la­ge 1, 48, Rz 50 und 53; Sta­de­co vom 18.06.2009 – C‑566/​07, EU:C:2009:380, BFH/​NV 2009, 1371, Rz 28; LVK-56 vom 31.01.2013 – C‑643/​11, EU:C:2013:55, UR 2013, 346; Ruse­des­p­red vom 11.04.2013 – C‑138/​12, EU:C:2013:233, UR 2013, 432, Rz 23 f.↩
BFH, Urteil vom 17.02.2011 – V R 39/​09, BFHE 233, 94, BSt­Bl II 2011, 734↩
vgl. BFH, Urteil vom 16.01.2014 – V R 28/​13, BFHE 244, 126, BSt­Bl II 2014, 867, Leit­satz zum Vor­steu­er­ab­zug, und BFH, Urteil vom 19.11.2014 – V R 29/​14, BFH/​NV 2015, 706 zu § 14c Abs. 2 UStG↩
EuGH, Urteil „Bar­lis 06” vom 15.09.2016 – C‑516/​14, EU:C:2016:690, Rz 44↩
ver­nei­nend z.B. Sta­die in Rau/​Dürrwächter, UStG, § 14c Anm. 101↩