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Timestamp: 2016-10-23 18:01:23
Document Index: 205373195

Matched Legal Cases: ['Art. 519', 'Art. 467', 'Art. 16', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'Art. 16', 'Art. 63', 'BGE', 'Art. 16', 'Art. 467', 'Art. 8', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'Art. 63', 'Art. 55', 'Art. 63', 'Art. 16', 'Art. 16', 'Art. 467', 'Art. 369', 'Art. 16', 'Art. 467', 'BGE', 'Art. 55', 'BGE']

5C.259/2002 (06.02.2003)
Berufung gegen das Urteil des Kantonsgerichts von Graub�nden, Zivilkammer, vom 19./20. August 2002.
E.________ wurde am 8. November 1912 in O.________ geboren. Sie verbrachte ihr Leben im familieneigenen Berglandwirtschaftsbetrieb, den sie nach dem Tod ihrer Eltern (1945 bzw. 1963) und ihres j�ngeren Bruders (1974) allein weiterf�hrte. Auf eigenes Begehren - wegen Altersschw�che und Unerfahrenheit, ihre finanziellen Angelegenheiten geh�rig besorgen zu k�nnen - wurde ihr 1976 ein Beistand bestellt, den die Vormundschaftsbeh�rde drei Jahre sp�ter auf Wunsch von E.________ wieder entliess. Vor allem ab 1989 war E.________ mehrfach krank und musste teilweise hospitalisiert werden. Im Oktober 1997 wurde eine Beiratschaft angeordnet nach R�ckfrage beim langj�hrigen Hausarzt, der best�tigte, dass E.________ vor allem in Folge von Ged�chtnisst�rungen nicht mehr im Stande sei, ihre Interessen wahrzunehmen. Am 8. Dezember 1997 trat E.________ in ein Alters- und Pflegeheim ein, woselbst sie am 29. August 1998 verstarb.
E.________ blieb ledig und ohne direkte Nachkommen. Ihre gesetzlichen Erben stammen von ihren Onkeln und Tanten ab (grosselterliche Parentel). Es handelt sich um ihre Vettern und Basen und teilweise bereits wieder um deren Nachkommen, also um ihre Grossvettern und Grossbasen. Mit ihrem Grossvetter K.________ schloss sie am 28. M�rz 1990 einen Erbvertrag ab, mit dem sie ihm ein Maiens�ss hinterliess. Wenige Tage nach ihrem vierundachtzigsten Geburtstag setzte sie mit eigenh�ndiger letztwilliger Verf�gung vom 12. November 1996 B.________ als Alleinerben ein und vermachte ihm ihr ganzes Verm�gen. Die zust�ndigen Beh�rden erliessen Massregeln zur Sicherung des Erbganges, da bereits bei der Er�ffnung der letztwilligen Verf�gung deren Anfechtung von Seiten gesetzlicher Erben angek�ndigt worden war. Gem�ss Inventar betr�gt der Nettowert des Nachlasses rund Fr. 620'000.--.
Bei den im Rubrum als Kl�ger aufgef�hrten Personen handelt es sich um neun von elf gesetzlichen Erben. Sie erhoben Ung�ltigkeitsklage gegen den eingesetzten Erben B.________. Das Bezirksgericht O.________ hiess die Klage gut und erkl�rte das durch E.________ verfasste Testament vom 12. November 1996 f�r ung�ltig. Die dagegen eingereichte Berufung des Beklagten wies das Kantonsgericht von Graub�nden ab. Beide kantonalen Gerichte verneinten den behaupteten Formmangel betreffend Datum, kamen aber �bereinstimmend zum Schluss, dass E.________ zur Zeit der Testamentserrichtung nicht verf�gungsf�hig war (Urteile vom 6. Juli/8. August 2001 und vom 19./20. August 2002).
Mit eidgen�ssischer Berufung beantragt der Beklagte dem Bundesgericht die Abweisung der Klage. Das Kantonsgericht schliesst auf Abweisung, soweit auf die Berufung eingetreten werden k�nne, hat aber auf Gegenbemerkungen verzichtet. Eine Berufungsantwort ist nicht eingeholt worden.
Mit Urteil vom heutigen Tag hat die II. Zivilabteilung die vom Beklagten gleichzeitig gegen das n�mliche Urteil erhobene staatsrechtliche Beschwerde abgewiesen, soweit darauf eingetreten werden konnte (5P.444/2002).
Die kantonalen Gerichte haben die Ung�ltigkeitsklage gutgeheissen, weil die letztwillige Verf�gung von der Erblasserin zu einer Zeit errichtet worden sei, als sie nicht verf�gungsf�hig gewesen sei (Art. 519 Abs. 1 Ziffer 1 ZGB). �ber sein Verm�gen letztwillig zu verf�gen, ist nur befugt, wer urteilsf�hig ist und das 18. Altersjahr zur�ckgelegt hat (Art. 467 ZGB). Urteilsf�hig ist gem�ss Art. 16 ZGB ein jeder, dem nicht wegen seines Kindesalters oder infolge von Geisteskrankheit, Geistesschw�che, Trunkenheit oder �hnlichen Zust�nden die F�higkeit mangelt, vernunftgem�ss zu handeln.
1.1 F�r die Beurteilung der Urteilsf�higkeit ist im Einzelfall von den konkreten Umst�nden hinsichtlich einer bestimmten Handlung auszugehen. Urteilsunf�higkeit kann angenommen werden, wenn es an der F�higkeit fehlt, eine bestimmte Lage richtig zu beurteilen und in Angelegenheiten der in Frage stehenden Art ein vern�nftiges Urteil zu bilden sowie die Beweggr�nde und Folgen eines bestimmten Verhaltens richtig zu erkennen. Das Vorliegen einer Geisteskrankheit hat nicht zwangsl�ufig Urteilsunf�higkeit zur Folge, sondern ist mit der konkret zu beurteilenden Handlung in Beziehung zu setzen (zuletzt: BGE 127 I 6 E. 7b/aa Abs. 2 S. 19; ausf�hrlich zum Begriff: BGE 124 III 5 E. 1a S. 7).
1.2 Urteilsf�higkeit wird vermutet. Wer sie bestreitet, hat die Urteilsunf�higkeit zu beweisen. Eine sehr grosse Wahrscheinlichkeit, die jeden ernsthaften Zweifel ausschliesst, gen�gt dabei insbesondere bei verstorbenen Personen, weil diesfalls die Natur der Dinge selber einen strikten Beweis der Urteilsunf�higkeit verunm�glicht. Trotz dieser Herabsetzung des Beweismasses auf �berwiegende Wahrscheinlichkeit bleibt es schwierig, die Urteilsunf�higkeit einer verstorbenen Person f�r einen bestimmten Zeitpunkt nachzuweisen. Die Praxis behilft sich mit einer Rechtsvermutung: Wenn die handelnde Person ihrer allgemeinen Verfassung nach im Normalfall und mit Wahrscheinlichkeit als urteilsunf�hig gelten muss, ist der Beweispflicht insoweit Gen�ge getan und die Vermutung der Urteilsf�higkeit umgestossen; der Gegenpartei steht in diesem Fall der Gegenbeweis offen, dass die betreffende Person trotz ihrer grunds�tzlichen Urteilsunf�higkeit auf Grund ihrer allgemeinen Gesundheitssituation in einem luziden Intervall gehandelt hat (BGE 124 III 5 E. 1b S. 8/9).
1.3 Mit Blick auf die bundesgerichtliche Rechtsprechung hebt der Kl�ger richtig hervor, dass Geistesschw�che oder Geisteskrankheit nicht mit Urteilsunf�higkeit gleichgesetzt werden darf. Demgegen�ber trifft seine Darstellung nicht zu, was das Beweisthema angeht. Die Kl�ger sind nicht auf den Beweis beschr�nkt, dass bei der Erblasserin "wegen einer Geisteskrankheit auf eine permanent vorhandene Beeintr�chtigung der geistigen F�higkeiten zu schliessen ist und damit auch luzide Intervalle auszuschliessen sind" (BGE 124 III 5 E. 1b S. 8). Es gen�gt vielmehr der Nachweis, dass die geistige Verfassung im Normalfall ("en principe") gegen die Urteilsf�higkeit der Erblasserin spricht (Deschenaux/ Steinauer, Personnes physiques et tutelle, 4.A. Bern 2001, N. 94a S. 30). Die Kl�ger haben - prozessrechtlich ausgedr�ckt - die Vermutungsbasis (Urteilsunf�higkeit im Normalfall) zu beweisen, w�hrend der Beklagte den Nachweis der Vermutungsfolge (Urteilsf�higkeit in Bezug auf das konkret zu beurteilende Rechtsgesch�ft) zu leisten hat (Vogel/Sp�hler, Grundriss des Zivilprozessrechts, 7.A. Bern 2001, 10 N. 47 f. S. 262). Abweichendes sagt auch die vom Beklagten angerufene Kommentatorin nicht: Ist aber im Einzelfall Geisteskrankheit, Geistesschw�che oder Trunkenheit offenkundig und unbestritten, hat z.B. der Testamentsinhalt und der allgemeine Gesundheitszustand der testierenden Person die grosse Wahrscheinlichkeit einer Urteilsunf�higkeit aufgezeigt, so erfolgt eine Umkehr der Beweislast. Das heisst, die Beweislast liegt dann bei derjenigen Person, welche f�r den massgebenden Zeitraum Urteilsf�higkeit behauptet (Bigler-Eggenberger, Basler Kommentar, 2002, N. 48 zu Art. 16 ZGB).
In tats�chlicher Hinsicht hatte das Kantonsgericht vorweg die Fragen zu beantworten, ob bei der Erblasserin in der kritischen Zeit - vor und nach dem 12. November 1996 - eine geistige St�rung festzustellen war und ob sich diese allenfalls auf die Errichtung der letztwilligen Verf�gung auswirkte.
2.1 Das Kantonsgericht hat die Fragen gest�tzt auf die Krankengeschichte des behandelnden Hausarztes und dessen schriftlichen Bericht als sachverst�ndigem Zeugen, auf der Grundlage weiterer Zeugenaussagen und in Ber�cksichtigung zweier Gutachten beantwortet. Seine Feststellungen �ber den geistigen Zustand der Erblasserin im fraglichen Zeitraum sowie Art und Tragweite m�glicher st�render Einwirkungen sind f�r das Bundesgericht grunds�tzlich verbindlich (Art. 63 f. OG; BGE 124 III 5 E. 4 S. 13).
2.2 Der Beklagte bringt vor, das Bundesgericht k�nne die kantonsgerichtlichen Schl�sse aus der Krankengeschichte und der Aussage des Arztes korrigieren und selber beurteilen, welche Zeugenaussage glaubhafter sei, die von Z-F.________ oder jene des Arztes. Der Beklagte beruft sich hiezu auf die allgemeine Lebenserfahrung und behauptet zudem Aktenwidrigkeiten in der Beurteilung von Zeugenaussagen. Was die kantonsgerichtlichen Feststellungen �ber die allgemeine Gesundheitssituation der Erblasserin angeht, stimmen Berufungs- und Beschwerdeschrift denn auch praktisch w�rtlich �berein; sie unterscheiden sich lediglich in �berleitungen und in angepassten Formulierungen, wenn dem Kantonsgericht eine Beweisw�rdigung "gegen alle Lebenserfahrung" (S. 12 der Berufungsschrift) statt "in gr�bster Willk�r" (S. 13 der Beschwerdeschrift) vorgehalten wird.
Das materielle Recht (hier: Art. 16 und Art. 467 ZGB) bestimmt, was rechtserheblich ist. Hat das Kantonsgericht �ber alle rechtserheblichen Sachvorbringen Beweis f�hren lassen und die tauglichen und formg�ltigen Beweisantr�ge der Parteien ber�cksichtigt, ist weder materielles Bundesrecht noch die Beweisvorschrift in Art. 8 ZGB verletzt (BGE 123 III 35 E. 2b S. 40). Das Ergebnis des kantonalen Beweisverfahrens ist f�r das Bundesgericht verbindlich (BGE 126 III 189 E. 2a Abs. 3 S. 191; 125 III 78 E. 3a S. 79). Diese Un�berpr�fbarkeit betrifft insbesondere die Beweisw�rdigung, die immer auch auf sachgerichtlicher Lebenserfahrung beruht (BGE 118 II 365 E. 1 S. 366/367). Nur wo sich das kantonale Gericht auf Erfahrungss�tze st�tzt, die �ber den konkreten Sachverhalt hinaus Bedeutung haben und damit gleichsam die Funktion von Normen �bernehmen, �berpr�ft das Bundesgericht solche auf der gerichtlichen Lebenserfahrung beruhenden Schl�sse im Berufungsverfahren frei. Diese Regelfunktion kommt einem Erfahrungssatz nun aber bloss zu, wenn das in ihm enthaltene hypothetische Urteil, das aus den in anderen F�llen gemachten Erfahrungen gewonnen wird, in gleich gelagerten F�llen allgemeine Geltung f�r die Zukunft beansprucht (vgl. die Zusammenfassung in BGE 117 II 256 E. 2b S. 258; seither: BGE 126 III 10 E. 2b S. 12/13). Diese Voraussetzung trifft auf die kantonsgerichtlichen Schl�sse aus der Krankengeschichte und aus den Zeugenaussagen nicht zu; sie bleiben im konkreten Einzelfall verhaftet und beruhen nicht auf Erfahrungss�tzen von allgemeiner Tragweite (vgl. dazu mit Beispielen: Sp�hler, Wann sind Grunds�tze der Lebenserfahrung allgemeine Rechtss�tze ?, SJZ 93/1997 S. 392 ff.; Hohl, Proc�dure civile, t. I: Introduction et th�orie g�n�rale, Bern 2001, S. 217 N. 1129 f., und t. II: Organisation judiciaire, comp�tence, proc�dures et voies de recours, Bern 2002, S. 297 N. 3227 f.).
Ebenso wenig kann auf die Berufung eingetreten werden, soweit der Beklagte Aktenwidrigkeiten r�gt und damit ein offensichtliches Versehen im Sinne von Art. 63 Abs. 2 OG meint. Sein Einwand bezieht sich wiederum auf die Schl�sse des Kantonsgerichts aus einer Zeugenaussage und betrifft damit nur einen Ausschnitt aus der Beweisw�rdigung, gegen die mit einer Versehensr�ge nicht aufzukommen ist; die R�ge l�uft auf eine unzul�ssige Kritik an der kantonsgerichtlichen Beweisw�rdigung hinaus (vgl. Messmer/Imboden, Die eidgen�ssischen Rechtsmittel in Zivilsachen, Z�rich 1992, S. 138 bei/in Anm. 8; Poudret/Sandoz-Monod, Commentaire de la loi f�d�rale d'organisation judiciaire, II, Bern 1990, N. 1.6.3 zu Art. 55 und N. 5.4 zu Art. 63 OG, mit Nachweisen).
2.3 Gest�tzt auf die Krankengeschichte des langj�hrigen Hausarztes der Erblasserin und in W�rdigung des schriftlichen Berichts dieses sachverst�ndigen Zeugen hat das Kantonsgericht angenommen, dass der Gesundheitszustand der Erblasserin 1996 durch ein Herzleiden m�ssig stark sowie durch Symptome einer senilen Demenz vom Alzheimer-Typ (Ged�chtnisst�rungen und Verkennungen v.a.) beeintr�chtigt war (E. 3c S. 20 ff.). Auf der Grundlage der weiteren Aussagen von Zeugen und unter Ber�cksichtigung des Gutachtens von G-A.________ hat das Kantonsgericht festgestellt, dass bei der Erblasserin bereits im Zeitraum der Errichtung ihres Testaments auch f�r psychiatrische Laien Anzeichen f�r mnestische St�rungen (scil. St�rungen von Ged�chtnis, Merkf�higkeit, Auffassung u.a.m.) und darauf basierenden Wahnideen erkennbar waren (E. 3a S. 14 ff.). Sein Beweisergebnis hat das Kantonsgericht schliesslich durch ein graphologisches Gutachten best�tigt gesehen, wonach die Erblasserin an deutlichen Altersbeschwerden gelitten habe, die sich in einer reduzierten geistigen und k�rperlichen Leistungsf�higkeit sowie in einer verminderten pers�nlichen Flexibilit�t und Belastbarkeit ge�ussert h�tten. Das Testament sei geschrieben worden, als diese Beschwerden schon deutliche Formen angenommen h�tten (E. 3b S. 20 des kantonsgerichtlichen Urteils).
3. In rechtlicher Hinsicht ist das Kantonsgericht davon ausgegangen, dass die Erblasserin "ihr Testament in einer geistigen Verfassung abgefasst hat, welche keine Garantie daf�r bot, dass sie sich voll bewusst war, was sie durch ihre Verf�gung bewirkte und dass das Niedergeschriebene wirklich ihrem eigenen Willen entsprach" (S. 22). Das Kantonsgericht hat sich �berzeugt gezeigt, dass die Erblasserin "im Sp�therbst 1996 mit grosser Wahrscheinlichkeit an einer Geistesschw�che litt, welche sie als grunds�tzlich nicht mehr urteilsf�hig erscheinen liess" (S. 23). Der Beklagte wendet ein, Altersdemenz und Alzheimererkrankung w�rden Urteilsf�higkeit nicht "per se" ausschliessen. Es m�ssten h�here Anforderungen an die St�rungen gestellt werden, damit Urteilsunf�higkeit als Normalzustand angesehen werden k�nne.
3.1 Entgegen der Darstellung des Beklagten hat das Kantonsgericht die festgestellte Geistesschw�che nicht einfach mit Urteilsunf�higkeit gleichgesetzt (E. 1.1 hiervor). Es ist davon ausgegangen, die Geistesschw�che habe die Urteilsf�higkeit der Erblasserin derart beeintr�chtigt, dass sie nicht mehr in der Lage gewesen sei, "vernunftgem�ss zu handeln" (Art. 16 ZGB).
Zutreffend hat das Kantonsgericht angenommen, dass auch alte und sehr alte Menschen in den Genuss der vermuteten Urteilsf�higkeit gelangen und in diesem Zusammenhang nicht einfach ausgegrenzt werden. Die Gefahr einer Verminderung der Geisteskr�fte und einer �berm�ssigen Beeinflussbarkeit sowie der Fremdsteuerung ihres Willens gerade etwa mit Blick auf die Testierfreiheit l�sst sich dennoch nicht �bersehen (Bigler-Eggenberger, N. 22 f. zu Art. 16 ZGB; Weimar, Berner Kommentar, 2000, N. 11 zu Art. 467 ZGB). Es ist beweism�ssig erstellt, dass die Erblasserin an einer senilen Demenz gelitten hat und in praktisch geistiger Umnachtung verstorben ist. Der Beklagte bestreitet heute nicht mehr, dass die Erblasserin bei der Errichtung der letztwilligen Verf�gung aller Wahrscheinlichkeit nach an Alzheimer erkrankt gewesen sei.
Der Hausarzt hat den Verlauf der senilen Demenz vom Alzheimer-Typ als kontinuierliche Verschlechterung der intellektuellen F�higkeiten beschrieben. Der Gutachter hat bei voller Auspr�gung der Hirnsch�digung als typische psychische Begleitsymptome St�rungen der mnestischen Funktionen genannt, d.h. von Ged�chtnis, Merkf�higkeit, Auffassung u.a., und ferner St�rungen des Denkens, indem dieses �berm�ssig von affektbetonten Vorstellungen beherrscht wird, pr�zise Begriffe verloren gehen und Wichtiges nicht mehr von Unwichtigem unterschieden werden kann.
3.2 Es stellt sich die Frage, wie weit die festgestellte Krankheit im Sp�therbst 1996 fortgeschritten war und wie nachhaltig sie die Urteilsf�higkeit der Erblasserin beeintr�chtigt hat. Im Einzelnen ergibt sich rechtlich Folgendes:
3.2.1 Zum Beginn der Krankheit haben sich die Zeugen unterschiedlich ge�ussert. Z-F.________, w�hrend langer Jahre Nachbarin der Erblasserin, will seit Anfang der Neunzigerjahre eine Wesensver�nderung festgestellt haben (S. 15). Dasselbe gilt f�r die Beobachtungen des Posthalters Z-G.________, der die Erblasserin nie anders gekannt hat, aber erst 1990 zugezogen ist (S. 16). Der begutachtende Graphologe hat den Eintritt der von ihm geschilderten Altersbeschwerden auf vor Ende 1994 angesetzt (S. 20). Die Beobachtungen des Zeugen Z-H.________ betreffen die Zeit ab Mitte 1996 (S. 22 des kantonsgerichtlichen Urteils).
Die verschiedenen Angaben k�nnen angesichts der unterschiedlichen Beobachtungsgabe der Zeugen und deren jeweiliger Beziehungsn�he zur Erblasserin nicht verwundern und darin eine plausible Erkl�rung finden, dass - wie der Hausarzt sich ausgedr�ckt hat - die Erblasserin gewisse "verschrobene" Seiten gehabt hat, die nicht genau von einer dementiellen St�rung abzugrenzen gewesen sind. Der Hausarzt hat den Beginn der nachmals als senile Demenz vom Alzheimer-Typ diagnostizierten Krankheit aus medizinischer Sicht auf das Jahr 1995 festgelegt. Aus eigener Beobachtung hat er feststellen k�nnen, dass die Urteilsf�higkeit der Erblasserin w�hrend der schweren Erkrankungen zwischen 1989 und 1994 jeweilen beeintr�chtigt war, nach der Erholung aber nicht mehr. Ab 1996 will der Hausarzt eine eigentliche Wesensver�nderung bemerkt haben. Eindeutig ist seine zeitliche Festlegung, wonach die Erblasserin sicher ab dem Sp�therbst 1996 an der diagnostizierten Krankheit gelitten habe (S. 20 ff. des kantonsgerichtlichen Urteils).
Dass die erste Eintragung von Demenzsymptomen in der Krankengeschichte �ber die Erblasserin am 7. Dezember 1996 erfolgt ist, gestattet nach der allgemeinen Lebenserfahrung h�chstens den Schluss, dass die Krankheit angesichts ihres schleichenden Verlaufs schon vor ihrer Diagnose bestanden hat, hingegen nicht den Umkehrschluss des Beklagten, dass als Krankheit nicht existiert, was in der Krankengeschichte nicht verzeichnet ist. Es kann diesbez�glich auf die Ausf�hrungen im Urteil �ber die staatsrechtliche Beschwerde verwiesen werden (E. 3.2 dortselbst). Insgesamt muss auf Grund der kantonsgerichtlichen Feststellungen davon ausgegangen werden, dass die Erblasserin ab 1996 deutliche Symptome einer senilen Demenz vom Alzheimer-Typ gezeigt und im Sp�therbst 1996 an dieser Krankheit erkennbar gelitten hat.
3.2.2 Wie sich die Krankheit bei der Erblasserin ge�ussert hat, ist vom Hausarzt dahin umschrieben worden, die Erblasserin habe sich ab 1996 zur�ckgezogener und verschlossener gezeigt. Im Rahmen der senilen Demenz sei es zu betr�chtlichen Ged�chtnisst�rungen mit Verkennung der Situation gekommen. Der Hausarzt hat f�r seine Beobachtungen beispielhaft darauf verwiesen, dass die Erblasserin des �ftern nicht mehr wusste, wo sie ihre Gegenst�nde verr�umt und diese alsdann als gestohlen beklagt habe, wie sie sich ganz allgemein vor Diebst�hlen gef�rchtet und solche in ungewohnt starkem Ausmass behauptet und vermutet habe (S. 20 ff. des kantonsgerichtlichen Urteils).
Die weiteren Zeugen berichten �bereinstimmend von der Vergesslichkeit der Erblasserin und der Verminderung des Kurzzeitged�chtnisses, was Schl�ssel, Geld (S. 19: Z-F.________) oder etwa die Bezahlung von Pachtzinsen (S. 22: Z-H.________) angeht. Sodann wollen die Zeugen eine geradezu wahnhafte oder doch auffallende Angst der Erblasserin vor Diebst�hlen festgestellt haben, die sich aber - soweit nachpr�fbar - nicht ereignet hatten; so soll bei ihr eingebrochen, soll ihr Geld und sollen ihr �pfel gestohlen worden sein (S. 16: Z-F.________ und Z-G.________; S. 15: Z-H.________). Vereinzelt werden eigentliche Wahnvorstellungen erw�hnt, wonach die Erblasserin nach Begegnungen mit ihrer Mutter und ihrem Bruder gefragt haben soll, die l�ngst verstorben sind (S. 16 des kantonsgerichtlichen Urteils).
Insgesamt k�nnen die beobachteten Eigenheiten weder einzig mit dem hohen Alter noch allein mit einer gewissen "Verschrobenheit" der Erblasserin erkl�rt werden. Sie entsprechen vielmehr den vom Hausarzt und vom Gutachter genannten Symptomen einer senilen Demenz vom Alzheimer-Typ.
3.2.3 Bei der geschilderten Sachlage kann Geistesschw�che oder gar Geisteskrankheit im juristischen Sinne nicht verneint werden. Geistesschw�che liegt vor, wenn auf die Dauer psychische St�rungen auftreten, die dem besonnenen Laien (unter Umst�nden sehr stark) auffallen, ihm jedoch nicht den Eindruck uneinf�hlbarer, qualitativ tiefgehend abwegiger St�rung und "Verr�cktheit" wie bei Geisteskrankheit machen, sondern noch einf�hlbar erscheinen, weil sie nach aussen nur als quantitativ vom "Normalen" abweichend in Erscheinung treten (Deschenaux/Steinauer, a.a.O., N. 89 S. 28 und N. 122 S. 37 f.; Basler Kommentar, 2002: Langenegger, N. 23 zu Art. 369 ZGB, und Bigler-Eggenberger, N. 29 zu Art. 16 ZGB; Weimar, N. 12-14 zu Art. 467 ZGB).
Entgegen der Darstellung des Beklagten fehlt es nicht an der Dauerhaftigkeit der St�rung im Rechtssinne. Es trifft zwar zu, dass sich die Erblasserin nach ihren schweren Erkrankungen zwischen 1989 und 1994 und den damit verbundenen geistigen Beeintr�chtigungen jeweilen wieder gut erholt hat. Ab 1996 kann aber beinahe mit Sicherheit davon ausgegangen werden, dass die aufgetretenen St�rungen nicht mehr bloss vor�bergehender Art oder bloss altersbedingt gewesen sind, sondern bleibende Auswirkung einer senilen Demenz. Auch an der Nachhaltigkeit der St�rungen fehlt es nicht. Gewiss haben die kognitiven F�higkeiten der Erblasserin nicht derart abgenommen, dass sie den Alltag nicht mehr h�tte bew�ltigen k�nnen. Hier geht es indessen um Rechtshandlungen, die den Bereich des Gewohnten und Allt�glichen gesprengt und an die intellektuellen F�higkeiten Anforderungen gestellt haben, denen die Erblasserin im Sp�therbst 1996 offenkundig nicht mehr gewachsen sein konnte. Ernsthafte Zweifel daran k�nnen angesichts der verbindlichen Tatsachenfeststellungen des Kantonsgerichts nicht aufkommen. Freilich hatte die Erblasserin auch gute Tage, doch muss bez�glich ihres Normalzustands angenommen werden, dass ihre geistige Leistungsf�higkeit erheblich herabgesetzt und ein eigentlicher Realit�tsverlust eingetreten war.
Insgesamt hat das Kantonsgericht kein Bundesrecht verletzt, indem es davon ausgegangen ist, auf Grund ihres allgemeinen Gesundheitszustands habe die Erblasserin f�r den Normalfall sehr wahrscheinlich nicht mehr �ber die erforderlichen geistigen F�higkeiten beim Testieren verf�gt.
3.3 Schliesslich beruft sich der Beklagte auf eine sog. Apperzeption, die hinl�nglich erstellt sei (unter Verweis auf die Besprechung des BGE 124 III 5 Nr. 2 von Druey, in: AJP 1998 S. 730 ff., S. 735 Ziffer 5). Im besprochenen Entscheid hat das Bundesgericht bei der Beurteilung der Urteilsf�higkeit ber�cksichtigt, "dass sich die Erblasserin an ihre fr�heren testamentarischen Verf�gungen offensichtlich nicht mehr erinnerte" (E. 4c/bb S. 17). Es hat die umstrittene Verf�gung auf ihre Vern�nftigkeit gepr�ft und verneint, dass sie den habituellen Einstellungen und �berzeugungen der Erblasserin entsprach, was als Indiz gegen die Urteilsf�higkeit gewertet werden musste (E. 4c/cc S. 17 ff.). Insoweit kann gesagt werden, ein Element der Urteilsf�higkeit der Erblasserin sei "die F�higkeit der Eingliederung ihres Tuns in den Kontext ihrer Lebensumst�nde" (Druey, a.a.O.).
Es wird nicht v�llig klar, was der Beklagte aus der genannten Apperzeption ableiten will. Das Kantonsgericht hat festgestellt, der Beklagte habe sich w�hrend einiger Jahre um die Erblasserin gek�mmert und ihr in manchen Dingen geholfen; die Erblasserin sei ihm sehr zugetan gewesen. Andererseits seien die Beziehungen zu ihren Angeh�rigen intakt gewesen, so dass es sich nicht aufgedr�ngt habe, alle Verwandten leer ausgehen zu lassen (S. 22/23). Auf Grund dieser Tatsachenfeststellungen sprechen die Motive der Erblasserin f�r ihre letztwillige Verf�gung und deren Vern�nftigkeit weder f�r noch gegen ihre Testierf�higkeit.
Die Vorbringen des Beklagten weisen allerdings auf einen Umstand hin, der als Indiz daf�r gelten kann, dass sich die Erblasserin ihrer Handlungen bzw. deren Folgen nicht mehr bewusst gewesen ist. In ihrer eigenh�ndigen letztwilligen Verf�gung wird mit keinem Wort auf den Erbvertrag eingegangen, mit dem die Erblasserin nur sechs Jahre zuvor dem Kl�ger 1 ein Maiens�ss hinterlassen hat. Dass sie sich an den damaligen feierlichen Beurkundungsakt mit Notar und Siegel vor zwei Zeugen nicht mehr erinnert haben soll, erscheint f�r die Erblasserin, die in ihrem Leben h�chstens ein paar Standardkaufvertr�ge �ber landwirtschaftliche Parzellen im kleinen Notariat geschlossen hat, doch eher als ungew�hnlich, und dass sie den fr�her Bedachten in der umstrittenen Verf�gung trotz intakter Beziehungen ohne ein Wort �bergeht, spricht gegen das angef�hrte Kriterium der Apperzeption.
Aus den dargelegten Gr�nden ist die kantonsgerichtliche Auffassung nicht zu beanstanden, dass die Erblasserin im Sp�therbst 1996 an einer Geistesschw�che gelitten hat, die sie grunds�tzlich als urteilsunf�hig hat erscheinen lassen. In tats�chlicher Hinsicht hat sich damit die dritte Frage gestellt, ob die Erblasserin trotz vermuteter Urteilsunf�higkeit in einem luziden Intervall gehandelt hat. Wiewohl der Hausarzt diese M�glichkeit nicht ausgeschlossen hat, ist das Kantonsgericht zum Schluss gelangt, der dem Beklagten obliegende Beweis sei nicht erbracht (S. 23). Der Beklagte kommt darauf in seiner Berufung nicht zur�ck, so dass sich Ausf�hrungen dazu er�brigen (Art. 55 Abs. 1 lit. c OG; BGE 116 II 745 E. 3 S. 748 f.). Es bleibt damit beim kantonsgerichtlichen Ergebnis, dass die eigenh�ndige letztwillige Verf�gung der Erblasserin mangels Testierf�higkeit als ung�ltig anzusehen ist.