Source: https://www.rechtslupe.de/steuerrecht/einkommensteuer/einkommensteuer-privat/freifahrtscheine-fuer-mitarbeiter-der-deutschen-bahn-ag-und-der-rabattfreibetrag-3200826
Timestamp: 2020-08-15 00:31:44
Document Index: 226232380

Matched Legal Cases: ['§ 19', '§ 8', '§ 8', '§ 12', '§ 8', '§ 8', '§ 8', '§ 162']

Freifahrtscheine für Mitarbeiter der Deutschen Bahn AG - und der Rabattfreibetrag | Rechtslupe
Bei den Fahr­ver­güns­ti­gun­gen han­delt es sich um Arbeits­lohn i.S. des § 19 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 i.V.m. § 8 Abs. 1 EStG. Die Tages­frei­fahrt­schei­ne für Mit­ar­bei­ter und Ange­hö­ri­ge (mit und ohne Zuzah­lung) stel­len dem Grun­de nach geld­wer­te Vor­tei­le dar, die der Bahn­mit­ar­bei­ter auf­grund sei­nes (frü­he­ren) Dienst­ver­hält­nis­ses erhielt. Denn sie ermög­li­chen ihm, Beför­de­rungs­leis­tun­gen der DB AG unent­gelt­lich oder (im Fall der Zuzah­lung) ver­güns­tigt in Anspruch zu neh­men [1].
Zuge­flos­sen sind Ein­nah­men dann, wenn der Emp­fän­ger die wirt­schaft­li­che Ver­fü­gungs­macht über die in Geld oder Gel­des­wert bestehen­den Güter erlangt hat. Der Über­gang der wirt­schaft­li­chen Ver­fü­gungs­macht rich­tet sich nach den Umstän­den des Ein­zel­falls. Bei einer Sach­zu­wen­dung ist der Zufluss eines geld­wer­ten Vor­teils zu beja­hen, wenn der Arbeit­neh­mer den Vor­teil tat­säch­lich in Anspruch genom­men hat [2].
Die Ver­güns­ti­gung des § 8 Abs. 3 EStG gilt nur für Waren oder Dienst­leis­tun­gen, die der Arbeit­ge­ber als eige­ne her­stellt, ver­treibt oder erbringt. Mit den Begrif­fen „Waren oder Dienst­leis­tun­gen“ wer­den alle in Betracht kom­men­den Sach­be­zü­ge und damit die gesam­te eige­ne Lie­fer- und Leis­tungs­pa­let­te des jewei­li­gen Arbeit­ge­bers bezeich­net. Aus den Begrif­fen „her­ge­stellt, ver­trie­ben oder erbracht“ ergibt sich, dass der Arbeit­ge­ber hin­sicht­lich der Sach­be­zü­ge, die er an Arbeit­neh­mer ver­bil­ligt oder unent­gelt­lich abgibt, selbst Markt­teil­neh­mer sein muss [3].
Auf Fahr­ver­güns­ti­gun­gen, die die DB AG bzw. deren Kon­zern­ge­sell­schaf­ten Ruhe­stands­be­am­ten des BEV in Form von Tages­frei­fahrt­schei­nen mit und ohne Zuzah­lung gewäh­ren, ist gemäß § 12 Abs. 8 des Deut­sche Bahn Grün­dungs­ge­set­zes der Rabatt­frei­be­trag nach § 8 Abs. 3 EStG ent­spre­chend anwend­bar. Dies gilt, obwohl in einem sol­chen Fall die Zuwen­dung nicht durch den Arbeit­ge­ber des Ruhe­stands­be­am­ten, also das BEV, son­dern durch einen Drit­ten (die DB AG bzw. deren Kon­zern­ge­sell­schaf­ten) gewährt wird und die Zuwen­dung nicht zur Lie­fer- und Leis­tungs­pa­let­te des Arbeit­ge­bers des Ruhe­stands­be­am­ten gehört [4].
Der sach­li­che Anwen­dungs­be­reich des § 8 Abs. 3 EStG ist vor­lie­gend eben­falls eröff­net. Ent­ge­gen der Auf­fas­sung des Finanz­amt han­delt es sich bei den vom Bahn­mit­ar­bei­ter in Anspruch genom­me­nen Fahr­ver­güns­ti­gun­gen nicht um „Waren oder Dienst­leis­tun­gen“, die die DB AG über­wie­gend für den Bedarf ihrer Arbeit­neh­mer erbringt. Zwar weist das Finanz­amt zutref­fend dar­auf hin, dass die­se (ver­güns­tig­ten) (Frei-)Fahrtberechtigungen, soweit sie den Fern­ver­kehr betref­fen, auf­grund der stre­cken­un­ab­hän­gi­gen Tages­gül­tig­keit und der beson­de­ren Nut­zungs­be­stim­mun­gen von der DB AG nicht auch frem­den Letzt­ver­brau­chern im all­ge­mei­nen Geschäfts­ver­kehr ange­bo­ten wer­den. Bewer­tungs­ge­gen­stand ist aber nicht der Tages­frei­fahrt­schein als sol­cher, son­dern die dar­in ver­kör­per­te Beför­de­rungs­leis­tung.
Mit der Über­las­sung der Tages­frei­fahrt­schei­ne erhielt der Bahn­mit­ar­bei­ter Wert­pa­pie­re, die den Beför­de­rungs­an­spruch gegen­über der DB AG ver­brief­ten [5]. Die­se ermög­lich­ten dem Bahn­mit­ar­bei­ter, das Beför­de­rungs­an­ge­bot der DB AG zu nut­zen. Die (Personen-)Beförderung gehört aber unstrei­tig zur Pro­dukt­pa­let­te der DB AG. Per­so­nen­be­för­de­rungs­leis­tun­gen erbringt die DB AG nicht über­wie­gend gegen­über ihren Arbeit­neh­mern, son­dern gegen­über jeder­mann. Ent­ge­gen der Auf­fas­sung des Finanz­amt ist daher bei Anwen­dung des Rabatt­frei­be­trags nur auf die Beför­de­rungs­leis­tung und nicht auf die Art der Fahrt­be­rech­ti­gun­gen abzu­stel­len.
Dem steht der Ein­wand des Finanz­amt, es feh­le wegen der Beson­der­hei­ten der Mit­ar­bei­ter­fahr­ver­güns­ti­gun­gen der DB AG im Fern­ver­kehr an einem der Bewer­tung zugrun­de zu legen­den „End­preis“, nicht ent­ge­gen. Er ver­mag ins­be­son­de­re nicht für eine Bewer­tung des geld­wer­ten Vor­teils nach § 8 Abs. 2 EStG zu strei­ten. Denn danach sind Ein­nah­men, die nicht in Geld bestehen (wie die im Streit­fall zu bewer­ten­den Sach­be­zü­ge), mit den um übli­che Preis­nach­läs­se gemin­der­ten übli­chen End­prei­sen am Abga­be­ort anzu­set­zen. Auch inso­weit bedarf es mit­hin der Bestim­mung eines übli­chen „End­prei­ses“. Tat­säch­li­chen Schwie­rig­kei­ten bei der Ermitt­lung eines sol­chen End­prei­ses ist ggf. mit einer Schät­zung gemäß § 162 Abs. 1 der Abga­ben­ord­nung zu begeg­nen [6].
s. BFH, Urtei­le vom 26.06.2014 – VI R 41/​13, BFHE 246, 423, BStBl II 2015, 39, Rz 10; und vom 12.04.2007 – VI R 89/​04, BFHE 217, 555, BStBl II 2007, 719, unter II. 1.[↩]
z.B. BFH, Urteil vom 14.11.2012 – VI R 56/​11, BFHE 239, 410, BStBl II 2013, 382, Rz 16, m.w.N.[↩]
BFH, Urteil vom 26.04.2018 – VI R 39/​16, BFHE 261, 485, BStBl II 2019, 286, Rz 8 ff., m.w.N.[↩]
BFH, Urteil in BFHE 246, 423, BStBl II 2015, 39, Rz 13[↩]
s. BFH, Urteil vom 06.06.2018 – VI R 32/​16, BFHE 261, 516, BStBl II 2018, 764, Rz 27[↩]