Source: https://www.lecturio.de/jura/erstes-staatsexamen/totschlag-212-stgb.vortrag
Timestamp: 2019-08-23 18:19:41
Document Index: 330688826

Matched Legal Cases: ['§ 212', '§ 212', '§ 212', '§ 212', '§ 212', '§ 211', '§ 15', '§ 218', '§ 218', '§ 222', '§ 218', '§ 218', '§ 218', '§ 212', '§ 212', '§ 212', '§ 218', '§ 218', '§ 212', '§ 218', '§ 212', '§ 218', '§ 212', '§ 218', '§ 212', '§ 212', '§ 212', '§ 13', '§ 212', '§ 212', '§ 212', '§ 212', '§ 212', '§ 211', '§ 212', '§ 212', '§ 212', '§ 212']

Strafrecht: Totschlag § 212 StGB – Online Jura Video | Lecturio
Totschlag (§ 212 StGB) von RA Stefan Koslowski
Der Vortrag „Totschlag (§ 212 StGB)“ von RA Stefan Koslowski ist Bestandteil des Kurses „1. Staatsexamen | von Lilien & Kraatz | Studio-Rep“. Der Vortrag ist dabei in folgende Kapitel unterteilt:
Der maßgebliche Zeitpunkt für § 212 StGB
Die Hemmschwellentheorie
Fallbeispiel: Der wütende Fußballfan
Was ist das geschützte Rechtsgut des § 212 StGB?
Das fremde menschliche Leben
Das fremde und das eigene menschliche Leben
Das fremde menschliche Leben und der ungeborene Leben
Das Leben aller Lebewesen
Wann beginnt der strafrechtliche Lebensschutz im Rahmen der §§ 211-213 StGB?
Mit Beginn der Geburtstaktes (Einsetzen der Eröffnungswehen, bzw. des diese Wehen ersetzenden Ärztlichen Eingriffs)
Mit Abschluss des Geburtsaktes (mit vollständigem Austritt des Neugeborenen aus dem Mutterleib)
Mit dem Beginn der Geschäftsfähigkeit
Mit Einnisten der Eizelle in der Gebärmutter
Wann endet nach h.M. das menschliche Leben im strafrechtlichen Sinne?
Mit dem Hirntod (irreparabler Ausfall des Gesamthirns)
Mit endgültigem, nicht mehr umkehrbaren Bewusstseinsverlust
Mit dem klinischen Tod (Stillstand von Kreislauf und Atmung)
Mit dem Herztod (Endgültiges Aussetzen des Herzschlags)
Ist der fahrlässige Schwangerschaftsabbruch strafbar?
Nein, § 15 StGB enthält den Grundsatz, dass fahrlässiges Handeln nur strafbar ist, wenn das Gesetz es ausdrücklich bestimmt. Ein Fahrlässigkeitstatbestand ist in § 218 StGB ff. nicht enthalten.
Ja, denn ein Fahrlässigkeitstatbestand ist zwar nicht in § 218 StGB enthalten, führt aber zu einer analogen Anwendung der § 222 StGB.
Ja, ein Fahrlässigkeitstatbestand ist zwar nicht in § 218 StGB enthalten, bei einem fahrlässigen Schwangerschaftsabbruch wendet man zur Vermeidung von Strafbarkeitslücken jedoch § 218 I StGB analog an.
Ja, ein Fahrlässigkeitstatbestand ist zwar nicht in § 218 StGB enthalten, jedoch ist der Täter bei fahrlässigem Handeln wegen Körperverletzung mit Todesfolge an dem ungeborenen Leben zu bestrafen.
Ist die eigenverantwortliche Selbsttötung bzw. deren Versuch strafbar?
Nein, § 212 ff. StGB schützen nur "fremdes" Leben.
Ja, denn auch das eigene Leben ist von den §§ 212 ff. StGB geschützt.
Der Versuch einer Selbsttötung ist stets strafbar, die Vollendung aber nicht. Weil der Täter im Falle einer Vollendung nicht mehr am Leben wäre, wäre eine Strafbarkeit im Falle der Vollendung ohnehin sinnfrei.
Der Versuch einer Selbsttötung ist stets strafbar, die Vollendung aber nicht. Es greift aber im Falle eines Versuchs ein ungeschriebener Strafaufhebungsgrund, da der Täter bereits genug gestraft ist, sofern er den Versuch überlebt.
Auf welchen Zeitpunkt ist bei der Abgrenzung von § 212 ff. StGB zu § 218 ff. StGB abzustellen?
Es ist darauf abzustellen, ob das schädigende Ereignis eintrat bevor (dann § 218 ff. StGB) oder nachdem die Eröffnungswehen einsetzten bzw. der diese ersetzenden ärztliche Eingriff stattfand (dann § 212 ff. StGB)
Es ist darauf abzustellen, ob der Erfolg, also der Tod des Opfers vor (dann § 218 ff. StGB) oder nach Beginn der Eröffnungswehen bzw. dem diese ersetzenden ärztlichen Eingriff eintrat (dann § 212 ff. StGB)
Tritt der Zeitpunkt des Todes bis zur 12. Schwangerschaftswoche ein, finden § 218 ff. StGB Anwendung, danach die §§ 212 ff. StGB
Es ist darauf abzustellen, ob die das schädigende Ereignis auslösende Handlung eintrat, bevor (dann § 218 ff. StGB) oder nachdem die Eröffnungswehen einsetzten bzw. der diese ersetzende ärztliche Eingriff stattfand (dann § 212 ff. StGB)
Kann § 212 StGB nur durch aktives Tun oder auch durch Unterlassen begangen werden?
§ 212 kann sowohl durch aktives Tun, als auch durch Unterlassen begangen werden, sofern die Voraussetzungen des § 13 StGB vorliegen
§ 212 fordert ein "Totschlagen" und kann daher nur durch aktives Tun begangen werden
§ 212 StGB ist ein echtes Unterlassungsdelikt
§ 212 StGB ist ein unechtes Unterlassungsdelikt
Welche Vorsatzform ist für eine Strafbarkeit nach § 212 StGB erforderlich?
Für die Verwirklichung von § 212 genügt fahrlässiges Handeln.
Was besagt die sogenannte "Hemmschwellentheorie" und wann ist diese zu beachten?
Die Hemmschwellentheorie besagt, dass der Täter bei Tötungsdelikten eine erhöhte Hemmschwelle, die Tötungshemmschwelle, überwinden muss. Sie ist bei der Ermittlung des Vorsatzes bei allen Tötungsdelikten zu beachten
Die Hemmschwellentheorie ist nicht nur bei Tötungsdelikten wichtig, sondern auch bei anderen Delikten
Die Hemmschwellentheorie ist nicht mehr zu beachten, da sie mittlerweile veraltet ist und ihr deshalb keine Bedeutung zukommt
Die Hemmschwellentheorie ist ausschließlich bei der der Ermittlung des Vorsatzes bzgl. der Begehung eines Mordes (§ 211 StGB) zu beachten. Nur im Rahmen eines Mordes muss der Täter eine erhöhte Hemmschwelle überwinden, nicht aber für die Begehung eines Totschlags nach § 212 StGB
Findet die Hemmschwellentheorie auch bei der Begehung des § 212 StGB durch Unterlassen Anwendung?
Nein, da es bei einem bloßen Unterlassen keine psychologisch vergleichbare Hemmschwelle wie bei einem aktiven Tun gibt
Die Hemmschwellentheorie ist auch bei der Ermittlung des Vorsatzes eines Unterlassungstäter zu beachten. Denn auch das bloße "Geschehenlassen" erfordert vom Täter die Überwindung einer besonderen Hemmschwelle
Nur wenn eine enge familiäre Bindung zu dem Opfer besteht, muss bei der Ermittlung des Vorsatzes beachtet werden, dass der Unterlassungstäter eine erhöhte Hemmschwelle überwinden muss
Ja, aber nur wenn die Tathandlung durch einen Mediziner begangen wurde
Kann im Rahmen des § 212 StGB eine rechtfertigende oder mutmaßliche Einwilligung als möglicher Rechtfertigungsgrund eingreifen?
Nein, da das Rechtsgut "Leben" nicht disponibel ist
Ja, es gibt keine Einschränkung bei der Dispositionsbefugnis. Das Opfer kann über das eigene Leben frei verfügen
Nein, da nur Ärzte über das Leben disponieren können
Ja, der Rechtfertigungsgrund ist unter Umständen einer Abwägung zulässig
Dozent des Vortrages Totschlag (§ 212 StGB)