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Timestamp: 2017-11-19 01:08:19
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Matched Legal Cases: ['§218', '§ 218', '§ 218', '§ 218', '§ 218', '§ 218', '§ 218', '§ 218', '§ 218']

Schwangerschaftsabbruch. Moralische und ethische Sichtweisen | Hausarbeiten publizieren
2.3 Moral und Ethik
3 Der Schwangerschaftsabbruch
3.2 Historische Entwicklung des §218 und derzeitiger Stand
3.3 Verfahren zum Schwangerschaftsabbruch
3.4 Folgen des Schwangerschaftsabbruches
3.5 Schwangerschaftsabbruch aus der Sicht von Moral
4 Der Schwangerschaftsabbruch in der philosophischen Diskussion
4.1 Beginn des Lebensrechts nach dem Philosophen Norbert Hoerster
4.2 Die Abtreibung als moralisch zulässig: Eine Theorie von Peter Singer
4.2 Die Abtreibung als unmoralisch: Eine Position von Don Marquis
5 Soziologischer Zugang
5.1 Utilitarismus und Schwangerschaftsabbrüche
5.2 Die hedonistische Theorie als Zugang zum Thema des Schwangerschaftsabbruches ..
6 Sichtweise und Zugang über die christliche Religion
Papst Benedikt XVI. bezieht 2007 klare Stellung zum Thema Schwangerschaftsab- bruch: „In Europa ist zuerst der Begriff der Menschenrechte formuliert worden. Das grundlegende Menschenrecht, die Voraussetzung für alle anderen Rechte, ist das Recht auf das Leben selbst. Das gilt für das Leben von der Empfängnis bis zu sei- nem natürlichen Ende. Abtreibung kann demgemäß kein Menschenrecht sein - sie ist das Gegenteil davon.“1
Das Zitat von Papst Benedikt XVI. macht deutlich, wie sehr das Thema in der Ge- sellschaft diskutiert wird. Eine grundsätzliche Betrachtung der Problematik des Schwangerschaftsabbruchs ist nicht neu. Schon immer musste sich die Gesellschaft mit moralischen und rechtlichen Fragen bezüglich des Schwangerschaftsabbruchs auseinandersetzen. Die moralische und rechtliche Beurteilung über den Abbruch ei- ner Schwangerschaft ist jedoch immer noch ein gesellschaftlich sehr umstrittenes Thema.
Eine Frau kann oft diversen Gründen ausgesetzt sein, die einen Abbruch der Schwangerschaft in Erwägung ziehen. Oft gibt es viele Argumente die nicht für das fortsetzten einer Schwangerschaft sprechen. Argumente wie zum Beispiel ein unzu- reichend gesichertes Umfeld der Schwangeren, finanzielle Notlagen oder eine Gene- tisch vererbte Krankheit des Ungeborenen. Befindet sich eine Frau in solch einer Lage, ist der Abbruch der heute abtreibungsfreundlichen Gesetzgebung geregelt. Je- doch reicht die Regelung der Rechtsprechung nicht aus um eine Entscheidung eines Schwangerschaftsabbruchs vornehmen zu können. Geht es um die Thematik eine Schwangerschaft vorzeitig zu beenden, ist die Schwangere auch der Frage der Moral und Ethik ausgesetzt.
In dieser Hausarbeit soll zunächst ein Überblick über die historische Entwicklung des Schwangerschaftsabbruchs, anhand des § 218 StGB gegeben werden. Dabei soll die Frage der gesetzlichen Regelung innerhalb Deutschlands geklärt werden. Des Weiteren wird es eine philosophische Diskussion gegeben. Dadurch sollen die Fra- gen, wann das Lebensrecht beginnt und wann Schwangerschaftsabbruch als mora- lisch zulässig oder moralisch unzulässig gilt, beantwortet werden. Ein Soziologischer Zugang des Schwangerschaftsabbruchs wird durch das anwenden zweier Theorien aufgezeigt. Anschließend wird die Sichtweise der christlichen Religion betrachtet. Zum Schluss findet eine Zusammenfassung der erarbeiteten Punkte statt um die zu- vor aufgezeigten Fragen zu klären.
Um eine Grundlage für das Thema ,Moralische und Ethische Sichtweisen am Beispiel des Schwangerschaftsabbruchs‘ zu schaffen, werden zunächst die Begriffe Schwangerschaft, Schwangerschaftsabbruch, Moral und Ethik definiert.
Um eine Beurteilung eines Schwangerschaftsabbruches vornehmen zu können, ist es entscheidend, wie der Begriff der Schwangerschaft definiert wird. Der Beginn einer Schwangerschaft wird aus juristischer Sicht mit der Einnistung der Eizelle in der Ge- bärmutterschleimhaut festgesetzt, die etwa sechs Tage nach der Befruchtung beginnt. In Bezug auf die für Abbrüche relevanten Regelungen, wird das Ende einer Schwan- gerschaft, bereits mit dem Einsetzen der Austreibungswehen festgelegt. Die Dauer der Schwangerschaft wird in der Medizin vom ersten Tag der letzten Regelblutung an be- rechnet (p. m., post menstruationem). In der Deutschen Gesetzgebung beziehen sich die Fristen für einen Schwangerschaftsabbruch dagegen auf den Befruchtungszeit- punkt (p. c., post conceptionem oder p. o., post ovulationem). Da die Empfängnis nur unmittelbar nach dem Follikelsprung, etwa 14 Tage nach der letzten Regelblutung, möglich ist, sind hier zwei Wochen zur angenommenen Befruchtung (p. c.) dazuzu- rechnen, um zu der üblichen (p. m.) Berechnung der Schwangerschaftswochen in der Medizin zu kommen. Diese aufgezeigten Angaben beziehen sich auf die medizinische (p. m.) Zählung. Spricht man in der Medizin von Schwangerschaftsmonaten, sind da- runter keine kalendarischen Monate gemeint, sondern jeweils vier Wochen. Daraus ergeben sich unterschiedliche Zeitangaben mit scheinbaren Abweichungen.2
„Schwangerschaftsabbruch wird unterschiedlich definiert. Tröndle/Fischer definieren sie für StGB als ,jede [vorsätzliche] Handlung, die [vorsätzlich] zum Tod eines zum Handlungszeitpunkt im Mutterleib befindlichen, (nicht notwendig: überlebensfähigen) lebenden Embryos führt; der Begriff Schwangerschaftsabbruch ist eher irreführend, denn nicht die Schwangerschaft, sondern der Embryo ist das Tatobjekt.‘ Der Bundesgerichtshof definiert sie als ,jede Einwirkung auf die Schwangere oder die Frucht, die das Absterben der noch lebenden Frucht im Mutterleib oder den Abgang der Frucht in nicht lebensfähigen Zustand herbeiführt‘“.3
Die oben genannten Definitionen müssen differenziert werden. Nach Tröndle/Fischer wird der Schwangerschaftsabbruch so definiert, dass das Wissen über die Tat und deren Folgen dem „Täter“ vorliegen. Die bewusste Umsetzung der Tat führt zum Tod des zum Handlungszeitpunkt im Mutterleib befindlichen Embryos. Daher ist nach Tröndle/Fischer der Embryo das Tatobjekt und nicht die Schwangerschaft. Laut dem Bundesgerichtshof können es diverse Einwirkungen auf die Frucht oder die Schwangere sein, die zum Abbruch einer Schwangerschaft führen können. Somit beinhaltet die Definition laut dem Bundesgerichtshof auch natürliche Prozesse, die den Abgang oder das Absterben der Frucht herbeiführen.4
Der Begriff der Moral fasst die als gültig angesehenen Überzeugungen, Argumentationsweisen und Grundhaltungen in Bezug auf das menschliche Handeln zusammen. In dem Fachbereich der Ethik bezeichnet man dies fachsprachlich auch als die Gesamtheit der geltenden Werte, Normen und Tugenden. Der Geltungsbereich der Moral kann sich dabei auf die Gesellschaft insgesamt, eine Berufsgruppe, eine Organisation oder auch auf ein einzelnes Individuum beziehen.5
Im Unterschied dazu ist die Ethik das methodische Nachdenken über die Moral. Als ein Teil der Philosophie hat sich die Ethik seit 2.500 Jahren entwickelt und dort eine Fülle von Methoden, Begriffen, Ansätzen und Theorien hervorgebracht.6
Schwangerschaftsabbrüche im Sinne eines Eingriffes in die Menschenwürde sind in Deutschland im § 218 StGB geregelt. Im folgenden Kapitel soll ein Überblick über die historische Entwicklung des § 218 StGB bis zum derzeitigen Stand gegeben werden. Es werden die Verfahren des Schwangerschaftsabbruchs in der modernen Medizin und der dazugehörige Entwicklungsstand des Embryos zum Zeitpunkt der Abtreibung aufgezeigt.
Nach dem Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland ist laut dem Artikel 1, die Würde des Menschen unantastbar. Es ist die Verpflichtung aller staatlichen Gewalt diese Würde zu achten und zu schützen.7
Unter dem Artikel 2 Absatz 2 heißt es: „Jeder hat das Recht auf Leben und körperliche Unversehrtheit.“8 Dies bedeutet, dass die Würde des Menschen schon den Ungeborenen zukommt. Nur auf Grund eines Gesetzes darf in diese Rechte eingegriffen werden. In diesem Fall ist das der § 218 StGB.9
Am Ende des 19. und im 20. Jahrhunderts stieg die Anzahl der Schwangerschaftsabbrüche extrem stark an. Die Durchführung erfolgte mit gefährlichen Mitteln. Dadurch entwickelten sich Schwangerschaftsabbrüche zu „dramatischen Problemen“. Doch das Verständnis für die Problematik beginnt nicht erst mit der Umsetzung des § 218 StGB. Der Schwangerschaftsabbruch ist in der menschlichen Zivilisation in fast allen Zeitaltern und Epochen nachweisbar.10
In der Antike kam es seltener zu Abtreibungen. Dadurch führte es gesellschaftlich zu weniger Problemen. Doch es herrschte eine andere Vorstellung über die Art der Ge- burtenkontrolle. Man führte keine Abtreibung während der Schwangerschaft durch, sondern betrieb nachträgliche Fruchtbarkeitsregelungen. Das bedeutete, dass wenn die gewünschte Anzahl der Kinder erreicht war, man die Säuglinge einfach tötete. Dass Abtreibung mit Mord gleichzusetzen sei, ohne Rücksicht auf das Leben und die Lage der Frau, wurde von Kaiser Augustinus in die Moralvorstellungen übernommen.11 Das Aussetzen von Neugeborenen, die nicht erwünscht waren, war eine gängige und verbreitete Verfahrensweise im Mittelalter und in der frühen Neuzeit. Eine von der damaligen Gesellschaft akzeptierte Art der Geburtenregelung war der Tod der Säug- linge, der durch die Folgen der Vernachlässigung der Mütter zustande kam. In der Zeit der Industrialisierung war die Armut ein häufiger Grund für die Abtreibung. Das Fehlen von medizinischen und finanziellen Möglichkeiten führte bei der Abtreibung häufig zum Tod der Frau.12
Diese Probleme, die Schwangerschaftsabbrüche mit sich bringen, machten eine ge- setzliche Regulierung erforderlich. „Bereits auf das Jahr 1871 gehen die Wurzeln des § 218 StGB zurück: Im Mai wurde ,[d]er Paragraph 218 […] im Reichsstrafgesetzbuch festgeschrieben‘. Der Text lautete wie folgt: Eine Schwangere, welche vorsätzlich ab- treibt oder im Mutterleib tötet, wird mit Zuchthaus bis zu 5 Jahren bestraft…‘“.13 Anfang des 20. Jahrhunderts forderten in der Weimarer Republik Sozialdemokraten und Kommunisten die Streichung des § 218 StGB. Aufgrund des Mangels an Aufklä- rung der Arbeiterinnen, bezeichnete Justizminister Gustav Radbruch 1921 den § 218 als Klassenparagraph, da nur arme Frauen verurteilt worden seien. In den 20er Jahren des 20. Jahrhunderts wurde die medizinische Indikation legal und die Abtreibung wurde vom Verbrechen zum Vergehen. Eine ambivalente Situation herrschte 1933 bis 1945. In dieser Zeit wurde zum einen die Abtreibung grundsätzlich verboten. Im Falle einer Abtreibung musste man mit einer Todesstrafe rechnen. Zum anderen wurde zur Verhütung erbkranken Nachwuchses der Abbruch einer Schwangerschaft erzwungen. Es wurden Zwangssterilisationen durchgeführt und zur selben Zeit gab es auch eine medizinische und eugenische Indikation. Im letzten Kriegsjahr wurde eine Abtreibung für Frauen, die durch eine Vergewaltigung von sowjetischen Soldaten Schwanger ge- worden waren, erlaubt.14
1 www.vatican.va
2 vgl. www.elternberatung.at
3 zit. nach Tröndle/Fischer auf www.elternberatung.at
4 vgl. www.elternberatung.at
5 vgl. Gordijn, B. & Steinkamp,N. 2005, S. 40
7 vgl. Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland 2003, S. 6
10 vgl. Hörner, R. 2005, S. 15-17
11 vgl. Hörner, R. 2005, S. 15-17
14 vgl. ebd., S. 19-21
V341678
9783668314078
9783668314085
schwangerschaftsabbruch moralische sichtweisen
Stefan Müller, 2014, Schwangerschaftsabbruch. Moralische und ethische Sichtweisen, München, GRIN Verlag, http://www.hausarbeiten.de/faecher/vorschau/341678.html