Source: https://www.hausarbeiten.de/document/189853
Timestamp: 2019-12-07 04:02:08
Document Index: 177256586

Matched Legal Cases: ['Art. 95', 'Art. 137', 'Art. 74', 'Art. 72', '§ 109', '§ 4']

Aufgaben und Ausbildung einer Fachkraft für Arbeitssicherheit | Hausarbeiten publizieren
I: Inhaltsverzeichnis
III: Abkürzungsverzeichnis
2. Grundlagen des Arbeitsschutzes und Systematisierung des Arbeitsschutzrechts
3. Leitbild des modernen Arbeitsschutzes
4. Einordnung der Fachkraft für Arbeitssicherheit in die Organisation
5. Die Ausbildung zur Fachkraft für Arbeitssicherheit auf der Leitzielebene
6. Die Ausbildung zur Fachkraft für Arbeitssicherheit auf der curricularen Ebene
7. Aufgaben der Fachkraft für Arbeitssicherheit
7.1 Gemeinsame Aufgaben mit dem Betriebsarzt
7.2 Die sicherheitstechnische Prüfung als fachspezifische Hauptaufgabe der Fachkraft für Arbeitssicherheit
Abbildung 1: Ansatzpunkte der Arbeitszeitsystemgestaltung, entnommen aus BGZ-Report 1/2006 - Die Ausbildung zur Fachkraft für Arbeitssicherheit - Optimierung 2006 [Online] / Verf. Hauptverband der gewerblichen Berufsgenossenschaften (Hrsg.); Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (Hrsg.); Wienhold, Lutz; Schmauder, Martin. - Dezember 2006. - 25. September 2010. - http://www.dguv.de/bgag/de/qualifizierung/angebot/fuehrung/sifa/bgz1_06.pdf,
Abbildung 2: Grundsätze des modernen Arbeitsschutzes, entnommen aus BGZ-Report 1/2006 - Die Ausbildung zur Fachkraft für Arbeitssicherheit - Optimierung 2006 [Online] / Verf. Hauptverband der gewerblichen Berufsgenossenschaften (Hrsg.); Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (Hrsg.); Wienhold, Lutz; Schmauder, Martin. - Dezember 2006. - 25. September 2010. - http://www.dguv.de/bgag/de/qualifizierung/angebot/fuehrung/sifa/bgz1_06.pdf,
Abbildung 3: Kerncurriculum des Weiterbildungsgangs zur Fachkraft für Arbeitssicherheit entnommen aus BGZ-Report 1/2006 - Die Ausbildung zur Fachkraft für Arbeitssicherheit - Optimierung 2006 [Online] / Verf. Hauptverband der gewerblichen Berufsgenossenschaften (Hrsg.); Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (Hrsg.); Wienhold, Lutz; Schmauder, Martin. - Dezember 2006. - 25. September 2010. - http://www.dguv.de/bgag/de/qualifizierung/angebot/fuehrung/sifa/bgz1_06.pdf,
Unsere Gesellschaft befindet sich im Wandel von der Industrie- zur Dienstleistungsgesellschaft[1], welcher beispielsweise durch verstärkten Einsatz von Kommunikations- und Informationstechniken sowie der Globalisierung von Märkten gekennzeichnet ist. Auch sich verändernde gesellschaftliche Rahmenbedingungen wie die Demographie, Einstellung zur Familie sowie ein verändertes Rollenverständnis von Männern und Frauen[2] zeichnet diese Epoche aus. Diese Entwicklungen beeinflussen Strukturen in Unternehmen und stoßen Veränderungs- und Innovationsprozesse an. Mitarbeiter müssen sich daher auf neue Arbeitsbedingungen einstellen und ihre Kompetenz entsprechend anpassen, denn Wissen ist heute die wichtigste Ressource eines Unternehmens.[3] Durch sich veränderte Tätigkeitsabläufe und neue Belastungen können Erkrankungen oder Verletzungen auftreten. „Es gilt, die Kompetenz, Leistungsfähigkeit und Gesundheit des Einzelnen u.a. durch eine gesundheitsgerechte und sichere Gestaltung der Arbeit zu fördern. Dies ist Aufgabe des Arbeitsschutzes.“[4] Eine wichtige Stellung im System des Arbeitsschutzes hat dabei die Fachkraft für Arbeitssicherheit[5], welche Betrachtungsgegenstand dieser Arbeit ist. Hauptaugenmerke liegen dabei in der Betrachtung von Aufgaben einer Sicherheitsfachkraft und der Ausbildung zur Fachkraft für Arbeitssicherheit. Jedoch ist es unerlässlich, beim beschreiben dieser Themen darauf einzugehen, was Arbeitsschutz eigentlich ist, was seine Ziele sind und warum er in Betrieben verankert ist. Darauf aufbauend lässt sich sowohl ein Leitbild für die Fachkraft für Arbeitssicherheit erstellen und der Ausbildungsgang auf der Leitzielebene analysieren (Kapitel 5). Im Anschluss wird der curriculare Aufbau der Ausbildung zur Sicherheitsfachkraft beschrieben (Kapitel 6). Auf eine detaillierte Auseinandersetzung mit der Lehr-Lern-Prozess-Ebene wird aufgrund des juristischen Schwerpunktes dieser Hausarbeit verzichtet. Kapitel 7 widmet sich den Aufgaben der Sifa und beleuchtet dabei insbesondere das Zusammenwirken mit dem Betriebsarzt. Das letzte Kapitel dieser Hausarbeit fasst die Ergebnisse zusammen und gibt einen Ausblick.
Als Arbeitsschutz soll in dieser Ausarbeitung der umfassende Schutz von Arbeitnehmern vor berufsbedingten Gefahren und schädigenden Belastungen, welche im Zusammenhang mit ihrer Tätigkeit entstehen, verstanden werden. Dabei umfasst er alle Maßnahmen zur Unfallprävention und der Vermeidung arbeitsbedingter Erkrankungen sowie der menschengerechten Gestaltung der Arbeit. Sein Ziel ist es, die physische und psychische Leistungsfähigkeit der Beschäftigten zu erhalten bzw. zu stärken. Der Begriff Arbeitsschutz ist in Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz sowie Gesundheitsförderung zu unterteilen. Ziel der Arbeitssicherheit ist der verletzungsfreie Betrieb, was Sicherheitstechnik und Betriebssicherheit umfasst, während unter Gesundheitsschutz Maßnahmen zur Vermeidung von arbeitsbedingten Erkrankungen verstanden wird. „Betriebliche Gesundheitsförderung umfasst alle gemeinsamen Maßnahmen von Arbeitnehmern und Arbeitgebern, die die Gesundheit der Mitarbeiter verbessern und das Wohlbefinden am Arbeitsplatz steigern.“[6] Diese Maßnahmen zielen darauf ab Verbesserungen der Gesundheit, den Erhalt der Arbeitskraft, die Senkung des Krankenstandes, die Stärkung der Arbeitszufriedenheit, die Steigerung der Arbeitsmotivation bzw. des Wohlbefindens und eine Verbesserung des Betriebsklimas zu erreichen.
Das Arbeitsschutzrecht ist, den Schutzcharakter gegenüber dem Arbeitnehmer betonend, dem Arbeitsrecht zuzuordnen und umfasst im Wesentlichen Regelungsinhalte, welche vom Öffentlichen Recht her konzipiert sind.[7] Daneben steht das autonome Recht der Unfallversicherungsträger, welche berufsgenossenschaftliche Vorschriften, Richtlinien und Sicherheitsregeln erlassen. Diese beiden Rechtssäulen werden von privatrechtlichen Verträgen wie Tarifverträgen und Betriebsvereinbarungen ergänzt. Zudem fördern zwei EU-Richtlinien die Harmonisierung staatlicher Arbeitsschutznormen, wobei die bedeutendsten Inhalte in Art. 95 (zur technischen Harmonisierung) und Art. 137 (zum Arbeitsschutz) des EG-Vertrages geregelt sind. Nationale Gesetzgebungskompetenzen zum Arbeitsschutz obliegen überwiegend dem Bund nach der konkurrierenden Gesetzgebung gemäß Art. 74 I Satz 12 GG. Danach sind landesgesetzliche Regelungen nur zulässig, solange und soweit der Bund von seiner Gesetzgebungskompetenz keinen Gebrauch gemacht hat (Art. 72 I GG). Die Regelungsinhalte lassen sich in vier Gruppen unterteilen: Den technischen Gefahrenschutz, welcher auf eine Verhütung von Arbeitsunfällen abzielt (im Wesentlichen ArbSchG, ASiG, ArbStättV), dem Arbeitszeitschutz, welcher Regelungen wie Höchstarbeitszeit oder Pausenzeiten zum Gegenstand hat (ArbZG, JArbSchG, MuSchG) und dem Arbeitsvertragsschutz (z.B. § 109 II GewO), welcher Arbeitnehmer vor unsozialer Gestaltung der individualvertragsrechtlichen Arbeitsvertragsbestimmungen schützen soll, in Deutschland aufgrund der hohen Bedeutung des Kollektivarbeitsrechts allerdings eine geringe Bedeutung hat.[8] Die Überwachung der bundesrechtlichen Normen ist Aufgabe der Arbeitsaufsichtsbehörden auf Länderebene.[9]
Unter dem Begriff Arbeitsschutzsystem wird die Kooperation der betrieblichen und überbetrieblichen Akteure im Arbeitsschutz bezeichnet. Dabei unterscheidet man zwischen dem überbetrieblichen Arbeitsschutzsystem, bei dem im Wesentlichen Staat und Unfallversicherungsträger kooperieren (Gesetzgebung, Prävention und Kontrolle, Beratung betrieblicher Akteure, Rehabilitation, Renten), und dem betrieblichem Arbeitsschutzsystem, in dem die vom Unternehmer bestimmten Funktionsträger, Führungskräfte, Fachkräfte für Arbeitssicherheit, Betriebsärzte, Sicherheitsbeauftrage und Mitglieder der Personalvertretung, Aufgaben und Pflichten zu erfüllen haben.
Wer die Aufgaben einer Fachkraft für Arbeitssicherheit beleuchten will, muss hinterfragen, was „guten“ Arbeitsschutz eigentlich ausmacht. Dieser umfasst nach einem zeitgemäßen Verständnis mehr als lediglich eine Vermeidung von Unfällen in Betrieben. Vielmehr gilt es, die Arbeit dem Menschen so weit möglich menschengerecht zu gestalten und so Nutzen im Betrieb zu schaffen. Leitfrage ist demnach nicht mehr „Was macht krank?“ sondern „Was erhält gesund?“, weshalb alle salutogenen Faktoren in das betriebliche Handeln mit einbezogen werden sollen. Dieses ganzheitliche Verständnis erfordert es, sämtliche Erkrankungs- und Verletzungsgefahren sowie Potentiale der Gesundheitsförderung einzusetzen und zu optimieren, wobei Gefährdungen risikoorientiert bekämpft werden sollen (§ 4 ArbSchG). Dabei sollen die Wechselwirkungen der physikalischen, chemischen, biologischen, physischen, psychischen und sozialen Wirkungseinflüsse beachtet werden, womit deutlich wird, dass nicht ausschließlich naturwissenschaftlich analysierbare Gefährdungsfaktoren zu betrachten sind.
Motive des Arbeitsschutzes sind neben rechtlichem Zwang somit eine human-ethische Verpflichtung gegenüber allen Beschäftigten, welche die Unversehrtheit und Würde des Menschen als wichtiges Gut betrachtet, sowie betriebswirtschaftliche und volkswirtschaftliche Aspekte. So kosten krankheits- und verletzungsbedingte Fehlzeiten, wodurch unter anderem Produktionsausfälle sowie Kosten im Gesundheitssystem entstehen, die nationale Volkswirtschaft etwa 70 Mrd. € jährlich.[10] Der Aufwand der Unfallversicherungsträger betrug im Jahr 2008 für Entschädigungen, Heilbehandlungen und Renten etwa 17,1 Mrd. €.[11]
Weiterhin gilt Arbeitsschutz nicht mehr als isoliert zu betrachtende betriebliche Funktion, sondern soll als integraler Bestandteil aller Aufgaben und Funktionen betrachtet werden. Damit folgt der Arbeitsschutz dem Leitbild einer integrierten Unternehmensführung, nach deren Maxime ein Unternehmen als soziales System gesehen und dessen innere Struktur sowie seine Wechselwirkungen mit der Umwelt untersucht werden.[12] Daraus resultiert ein abstrakt-formales Denkgerüst, das es ermöglicht, verschiedene Wissenschaftsdisziplinen zu verbinden. Somit ist Arbeitsschutz „eine gemeinschaftliche Aufgabe, der jeder im Rahmen seiner Möglichkeiten nachkommen muss. Er beginnt im Denken und Handeln der Unternehmensführung“[13] und ist daher als unternehmerische Zielsetzung zu verfolgen.
Ferner soll der zeitgemäße Arbeitsschutz stets präventiv handeln, um Verletzungen und Erkrankungen zu vermeiden bevor sie entstehen (Primärprävention). Maßnahmen, welche dieses Ziel auf betrieblicher Ebene realisieren sollen, werden konzeptives Handeln genannt und umfassen (im Gegensatz zum korrektiven Handeln) das vorausschauende Vermeiden oder das aktive Suchen von Gefahren im Betrieb. Dies setzt bereits bei der Beschaffung von technischen Anlagen und Maschinen an und umfasst eine kontinuierliche Verbesserung der Arbeitsbedingungen. Betrachtungsgegenstand ist stets das komplette Arbeitssystem bestehend aus Technik, Organisation und Personal und den Wechselwirkungen zwischen ihnen (vgl. Abbildung 1). Dabei wird deutlich, dass verschiedene Wissenschaftsdisziplinen hier involviert sind.
Abbildung 1: Ansatzpunkte der Arbeitszeitsystemgestaltung
[1] Vgl. Statistisches Bundesamt (Hrsg.), et al., S. 83
[2] Vgl. Klimpel, et al., 2006, S. 30f.
[3] Vgl. Wilhelm, 2007, S. 28
[4] Vgl.Kern, et al., 2005, S. 5
[5] Die Begriffe Fachkraft für Arbeitssicherheit, Sicherheitsfachkraft und Sifa werden in dieser Arbeit analog verwendet.
[6] Vgl. Unternehmensnetzwerk zur betrieblichen Gesundheitsförderung e.V., 2007, S. 1
[7] Vgl. Zöllner, et al., 2008, S.321
[8] Vgl. Söllner, et al., 2009, S. 182f.
[9] Vgl. Hans Böckler Stiftung, 2006, S. 1
[10] Vgl. Deutscher Verkehrssicherheitsrat, 2006, S.13ff.
[11] Vgl. Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung, 2008, S. 79ff.
[12] Vgl. Macharzina, et al., 2008, S. 70
[13] Vgl. Kern, et al., 2005, S. 33
Universität Kassel (Institut für Wirtschaftsrecht)
Technik- und Produktrecht
Master of Education, Diplom-Kaufmann (FH) Sebastian Aha (Autor)
V189853
9783656142775
aufgaben ausbildung fachkraft arbeitssicherheit Sifa; Fasi Arbeitsschutz
Master of Education, Diplom-Kaufmann (FH) Sebastian Aha (Autor), 2010, Aufgaben und Ausbildung einer Fachkraft für Arbeitssicherheit , München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/189853
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