Source: https://www.frag-einen-anwalt.de/Fehlerhaftes-Angebot--f303758.html
Timestamp: 2018-09-25 13:45:54
Document Index: 116956500

Matched Legal Cases: ['§ 631', '§ 631', '§ 633', '§ 633', 'BGH', '§ 631', '§ 633', 'BGH']

Fehlerhaftes Angebot (Vertragsrecht) - frag-einen-anwalt.de
18.10.2017 13:52 |
vor einiger Zeit ließ ich mir durch Fachbetriebe für Elektro und Heizungstechnik ein Angebot über die Installation einer Luftwärmepumpe nebst Heizungskörpern erstellen.
Desweiteren ein Angebot über die Installation einer Erdwärmepumpe.
Nach Prüfung der Angebote entschied ich mich für die 2000,00 € günstigere Variante und somit für die Luftwärmepumpe.
Nach der Installation stellte sich nun heraus, dass die Anlage nicht die gewünschte Heiztemperatur erreicht und eine Raumwärme von über 21 Grad Celsius nicht erreicht wurde. Ferner erhöhte sich der Stromverbrauch im Vergleich zur vorherigen Heizungsart um ein vielfaches, Hier ist anzuführen, dass es sich vorher um Nachtspeicheröfen handelte, denen man keinen günstigen Stromverbrauch zurechnen kann.
Der Sachmangel wurde dem Unternehmen mehrmals mitgeteilt und es folgte der Nacherfüllungsversuch dreimal vergebens.
Nach Einschaltung eines Sachverständigen wurde festgestellt, dass die im Angebot aufgeführten und installierten Heizkörper nicht für die Luftwärmepumpe geeignet sind, da es sich nicht um Niedertemperaturheizkörper handelt.
Ich habe den Unternehmer mit dem Gutachten konfrontiert. Dieser unterbreitete mir jetzt ein Angebot zum Tausch der nicht geeigneten Heizkörper mit den für die Heuzungsanlage geeigneten. Hierfür soll ich dann nach Abzug der Erstattung für die alten und dem Kauf der neuen Heizkörper, sowie die Elektroinstallation die für die neuen Heizkörper notwendig ist nochmals einen Betrag in Höhe von ca 3000,00 € entrichten. Es handelt sich hier um kein Festpreisangebot, so das wohl mit einem höheren Betrag zu rechnen ist.
Meiner Meinung nach kann es aber nicht sein, dass ich aufgrund eines Fehlers des Fachbetrtiebes den ich als Laie nicht hätte erkennen können nun für die Mangelbeseitigung noch unfreiwillige Vermögensopfer in dieser Höhe in Kauf nehmen muß, zumal ich mich dann aufgrund des gübnstigeren Angebotes für die Erdwärme entschieden hätte.
Inwieweit muß sich der Fachbetrieb den Fehler zurechnen lassen ? Ich als Laie muß mich darauf verlassen können, daß wenn ich eine komplette Heizungsanlage wünsche diese auch einwandfrei funktionieren sollte und die aufgeführten Bauteile miteinander kompatibel sind.
18.10.2017 | 15:22
Nach Ihrer Schilderung haben Sie auf der Grundlage eines Fachbetriebes für Elektro- und Heiztechnik einen Werkvertrag (§ 631 BGB) zur Installation einerLuftwärmeppumpe nebst Heizkörpern abgeschlossen.
Nach § 631 Abs. 1 BGB war der Unternehmer "zur Herstellung des versprochenen Werkes verpflichtet".
Nach § 633 Abs.BGB hat der Unternehmer dem Besteller das Werk frei von Sachmängeln zu verschaffen.
Nach § 633 Abs.2 BGB ist das Werk frei von Sachmängeln, wenn es die "vereinbarte Beschaffenheit hat.
Diese richtet sich nich tin erster Linie danach, welche Heizkörperr Sie aufgrund des (fehlerhaften) Angebots beauftragt haben.
Ein Werk soll vor allem funktionstauglich sein (BGH NJW 2008,511;NJW 2011,380).
Daran fehlt es, wenn ungeeignete Heizkörper eingebaut wurden.
Das Werk ist mangelhaft i.S:d. § 631 BGB.
Nach §§ 633,635 BGB können Sie Nacherfüllung verlangen.
Dabei hat der Unternehmer nach 635 Abs. 2 BGB "die zum Zwecke der Nachbesserung erforderlichen Aufwendungen,insbesondere Transport-, Wege-,Arbeits- und Materialkosten zu tragen."
Eine Einschränkung ist hier allerdings möglich nach den Grundsätzen des Vorteilsausgleichs, wenn zusätzliche oder höherwertigere Ausführungen erforderlich sind, sog. Sowiesokosten (BGH NJW 2002,141).
Dabei könnte in Betracht kommen, dass die erforderlichen Heizkörper höherwertig und teurer sind als die gelieferten, was ich nicht beurteilen kann.
Es ist denkbar dass Sie zusätzlich etwas zahlen müssen.
Die Argumentation des Unternehmers geht aber aus meiner Sicht völlig fehl.
Ich empfehle die Einschaltung eines Rechtsanwalts
Nachfrage vom Fragesteller	19.10.2017 | 08:33
vielen Dank für die schnelle Bearbeitung der Frage.
Ich möchte noch zu den "sowieso" Kosten Bezug nehmen und ob diese denn seitens des Betriebes geltend gemacht werden könnten.
Denn ich habe ein Angebot angefordert für eine funktionstüchtig Heizungsanlage.
Kraft Verkehrssitte kann man nicht erwarten, dass ich als Laie Kenntnisse über die Heizungsanlage haben muss und muss mich darauf verlassen, dass die Komponenten miteinander funktionieren. Eine Begehung der Räumlichkeit fand vor Angebotserstellung statt und ein Bemaßungsplan lagen dem Unternehmer vor.
Somit muß ich doch davon ausgehen das die Anlage funktioniert und das die Berechnung zur Heizleistung korrekt erfolgt ist und sich der Unternehmer daran festhalten muß.
Ich vergleiche diesen Sachverhalt mit einem komplexen Kalkulationsirrtum, bei dem der Unternehmer ebenfalls an sein Angebot gebunden ist.
Antwort auf die Nachfrage vom Anwalt 19.10.2017 | 15:47
Ob der Betrieb "Sowiesokosten" erfolgreich geltend machen könnte, kann ich leider nicht beurteilen, da mir keine Unterlagen vorliegen.
Sicher kann von Ihnen als technischem Laien keine Kennntnis über die Heizungsanlage verlangt werden. Der Betrieb schuldet eine funktionsfähige Heizung und ist deshalb zur Nachbesserung verpflichet.
Falls aber im Rahmen der Nachbesserung höherwertige Heizkörper eingebaut werden müsen, ist möglicherweise ein Vorteilsausgleich wegen Sowiesokosten geboten. Wenn von voornherein eine funktionsfähige Heizung mit (höherwertigen) Heizkörpern angeboten und eingebaut worden wären, wären Ihnen ggf. von vornherein höhere Kosten entstanden (Sowiesokosten).
"Sowisokosten" sind Kosten, die dem Auftraggeber auch entstanden wären, wenn die Leistung mangelfrei erbracht worden wäre. Dann hätten Sie von vornherein ("sowieso) eine höhere Werklohnvergütung bezahlen müssen.
Ein Kalkulationsirrtum ist etwas ganz anderes. Er läge vor, wenn der Aufragnehmer funktionsfähige Heizkörper angeboten, sich aber wegen der Kosten verkalkuliert hätte.
In Ihrem Fall hat sich der Auftragnehmer nicht verkalkuliert, sondern er hat untaugliche Heizkörper <ngeboten und eingebaut und ist deshalb zur Nachbesserung verpflichtet.
Die Frage ist allein,ob Sie sich unter dem Gesichtspunkt des Vorteilsausgleichs anetwaigen Mehrkosten höherwertigerer Heizkörper beteiligen müssen.
Ich empfehle Ihnen nochmals, einen Rechtsanwalt mit der Wahrnehmung Ihrer Interessen zu beauftragen. Juristische Laien sind da überfordert.
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