Source: https://www.klugo.de/rechtsgebiete/erbrecht/erbengemeinschaft
Timestamp: 2018-12-12 18:33:01
Document Index: 303024169

Matched Legal Cases: ['§ 2032', '§ 2033', '§ 2033', '§ 2033', '§ 2034', '§ 2040', '§ 2038', '§ 2039', '§ 2043', '§ 2048', '§ 2042', '§ 2197', '§ 2048', '§ 2042', '§ 2044']

Erbengemeinschaft: Rechte und Pflichten | KLUGO
Wenn der Erblasser mehrere Erben hinterlässt, wird die Erbengemeinschaft relevant. Im Folgenden erläutern wir, was eine Erbengemeinschaft ist, welche Rechte und Pflichten hierbei bestehen und wie diese aufgelöst werden kann.
In den §§ 2032 ff. BGB finden sich Vorschriften, die sich der Mehrheit von Erben widmen. Laut diesen Paragrafen liegt immer dann eine Erbengemeinschaft vor, wenn der Erblasser mehrere Erben hinterlässt. Dann wird der Nachlass gemeinschaftliches Vermögen der Miterben.
Man spricht bei einer Erbengemeinschaft von einer Gesamthandsgemeinschaft. Dies bedeutet, dass die einzelnen Miterben sogenannte Gesamthandsberechtigte sind, sodass jedem das gesamte Vermögen – beschränkt durch die Mitberechtigung der anderen – gehört. Da das Vermögen des Erblassers ungeteilt auf die Erben übergeht, spricht man auch von einer ungeteilten Erbengemeinschaft.
Eine solche Erbengemeinschaft besteht jedoch nicht auf Dauer. Sie ist ihrer Natur nach auf Liquidation ausgerichtet und endet, wenn alle Rechtsbeziehungen im Innen- und Außenverhältnis abgewickelt wurden, also insbesondere der Nachlass bei einer Auseinandersetzung verteilt wurde.
Zunächst darf jeder Miterbe über seinen eigenen Anteil am Nachlass verfügen (§ 2033 Absatz 1 Satz 1 BGB). Ein solcher Vertrag muss jedoch gemäß § 2033 Absatz 1 Satz 2 BGB notariell beurkundet werden. Dabei ist zu beachten, dass hiervon nur die Verfügung über einen Anteil am Nachlass gemeint ist und über einen Anteil an den einzelnen Nachlassgegenständen nicht verfügt werden kann (§ 2033 Absatz 2 BGB).
Hat ein Miterbe seinen Anteil verkauft, so steht den übrigen Miterben ein befristetes Vorkaufsrecht gemäß § 2034 BGB zu. Ein Vorkaufsrecht bedeutet in diesem Zusammenhang, dass der Miterbe bei dem geplanten Kaufvertrag durch eine einseitige Erklärung zu den gleichen Vertragsbedingungen anstatt Dritter in diesen Vertrag eintreten darf. Über Nachlassgegenstände können die Erben nur gemeinschaftlich verfügen (§ 2040 Absatz 1 BGB).
Sofern keine entsprechenden Vereinbarungen zwischen den Miterben vorliegen, kann jeder Miterbe einen Nutzungsanspruch bezüglich eines Gegenstandes der Erbmasse erheben. Ansonsten sind die Miterben zur Verwaltung des ungeteilten Nachlasses verpflichtet. Inwiefern diese Verwaltung abzulaufen hat, unterteilt sich in drei Gruppen:
Gemeinschaftliche Verwaltung des Nachlasses nach § 2038 BGB
Gehört ein Anspruch zum Nachlass, so kann ein Verpflichteter nur an alle Erben gemeinschaftlich leisten und jeder Miterbe kann nur die Leistung an alle Erben fordern (§ 2039 Satz 1 BGB).
Wie Sie als einzelner Miterbe Maßnahmen bezüglich des Nachlasses treffen dürfen, hängt entscheidend davon ab, welche Bedeutung diese Maßnahme für den Nachlass hat. Als Miterbe dürfen Sie nur über Ihren gesamten Nachlassanteil, nicht aber allein über einzelne Nachlassgegenstände verfügen.
Jeder Miterbe kann jederzeit die Auseinandersetzung verlangen, soweit sich nicht aus den §§ 2043 bis 2045 etwas anderes ergibt. Wie und ob Sie eine Erbengemeinschaft auflösen können, richtet sich danach, ob die Auseinandersetzung der Erbgemeinschaft erfolgt ist. Dies kann entweder durch eine vertragliche Auseinandersetzung, eine Teilungsanordnung nach § 2048 BGB, eine Erbauseinandersetzung kraft Gesetzes gemäß §§ 2042 ff. BGB oder durch die Einsetzung eines Testamentsvollstreckers gemäß § 2197 BGB geschehen.
Für eine Auseinandersetzung müssen zunächst alle Miterben einverstanden sein. Zudem ist ein Auseinandersetzungsvertrag abzuschließen und von allen Parteien zu unterzeichnen. Entsprechend dieses Vertrags werden die Gegenstände des Erbes übertragen, dies nennt sich Nachlassteilung. Gemäß § 2048 BGB kann eine Teilungsanordnung bestehen, bei der der Erblasser festgelegt hat, dass bestimmte Gegenstände des Nachlasses einer bestimmten Person der Miterbengemeinschaft zugutekommen sollen. Der bedachte Miterbe hat dann einen schuldrechtlichen Anspruch gegen die Miterbengemeinschaft.
Mehrere Erben bilden eine Erbengemeinschaft – Infografik
Die Erbauseinandersetzung kraft Gesetzes gemäß §§ 2042 ff. BGB regelt:
Die Verteilung der Gegenstände auf die Miterben
Die Veräußerung nicht teilbarer Gegenstände nach den Grundsätzen des Pfandverkaufs bzw. der Versteigerung bei Immobilien
Den Einsatz eines Testamentsvollstreckers
Denken Sie im Rahmen der Auseinandersetzung daran, dass der Erblasser gemäß § 2044 BGB durch letztwillige Verfügung die Auseinandersetzung ganz oder teilweise ausschließen kann.
Abschließend fassen wir noch einmal alles Wissenswerte zur Erbengemeinschaft in einer Checkliste zusammen:
Eine Erbengemeinschaft entsteht, wenn ein Erblasser mehrere Erben hinterlässt.
Jeder Miterbe kann über seinen gesamten Anteil am Nachlass verfügen.
Über einzelne Nachlassgegenstände kann ein Miterbe nur gemeinschaftlich verfügen.
Maßnahmen zur ordnungsgemäßen Verwaltung erfordern einen Mehrheitsbeschluss.
Maßnahmen außerhalb der ordnungsgemäßen Verwaltung erfordern einen einstimmigen Beschluss aller Miterben.
Notmaßnahmen können allein von einem Miterben getroffen werden.
Die Auseinandersetzung einer Miterbengemeinschaft erfolgt entweder vertraglich, durch eine Teilungsanordnung, kraft Gesetzes oder durch die Einsetzung eines Testamentsvollstreckers.
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