Source: https://www.bsbrandschutz.de/artikel/spezialfaelle-richtig-abschotten_3432540.html
Timestamp: 2019-12-15 16:45:54
Document Index: 32578341

Matched Legal Cases: ['§ 40', '§ 40', '§ 16', '§ 21', '§ 16', '§ 21']

Spezialfälle richtig abschotten - BS BRANDSCHUTZ
Bild: SWS Radebeul
Solche Situationen gilt es zu meistern.
Bild: Brandschutzatlas, Josef Mayr/Lutz Battran
Abbildung 1: Holzbalkendecke mit Putz und Einschub
Bild: Walraven, Gutachterliche Stellungnahme Nr.128-PG-2011
Abbildung 2: Brandschutzschaum als Vergussmasse
Abbildung 3: Weichschott (Mineralwollplatten)
Bild: www.sws-radebeul.de
Abbildung 4: Deckenstanzer System SWS
Bild: Walraven, Gutachterliche Stellungnahme Nr. 128-PG-2011
Abbildung 5: Erleichterungen für einzelne Leitungen gemäß MLAR Abschnitt 4.3 –
Bestehende Holzbalkendecken können im Allgemeinen mit einer Feuerwiderstandsfähigkeit von 30 Minuten (feuerhemmend) beurteilt werden. Unter Berücksichtigung von Einschüben, vorhandenen Putzen und breiten Holzbalken sind, im Einzelfall, sogar Einstufungen in der Feuerwiderstandsklasse F 60 (hochfeuerhemmend) möglich (Abb. 1).
Brandschutzexperte Prof. Dr.-Ing. Gerd Geburtig gibt dabei zu bedenken, dass hochfeuerhemmende Decken – wegen der als technische Baubestimmung geltenden M-HFHHolzR – der DIN EN 13501-2 entsprechen müssen, was im (historischen) Bestand formal eigentlich nicht möglich ist (das Bauteil müsste normgeprüft sein). Gegebenenfalls ist die Klassifikation F 60-B vorhanden. Häufig liegt eine Klassifikation F 30-B vor, da die Ausbildung von oben formal nur ganz selten F 60 ist. Damit sind Decken im historischen Bestand grundsätzlich nicht als hochfeuerhemmend nach DIN EN 13501-2 anzusehen, da dies F 90-B entsprechen würde.
Laut § 40 f. Musterbauordnung (MBO), Fassung November 2002, zuletzt geändert durch Beschluss der Bauministerkonferenz vom 13.05.2016, „dürfen Leitungen durch raumabschließende Bauteile, für die eine Feuerwiderstandsfähigkeit vorgeschrieben ist, nur hindurchgeführt werden, wenn eine Brandausbreitung ausreichend lang nicht zu befürchten ist oder Vorkehrungen hiergegen getroffen sind“.
Installationen (Leitungs- und Lüftungsanlagen) dürfen nicht in hochfeuerhemmenden Bauteilen geführt werden. Sie sind vor Wänden bzw. unterhalb von Decken oder in Schächten und Kanälen zu führen. Für Öffnungen in hochfeuerhemmenden Wänden und Decken zur Durchführung von Schächten, Kanälen und von Installationen gilt Abschnitt 3.5 entsprechend (M-HFHHolzR, 4.1 Allgemeines)
Dabei sind zudem die Abstandsregeln des DIBt zu beachten. Diese Anforderungen bringen schon vor der Ausführung hohen Planungsbedarf mit sich, um die Herausforderung – der Anwender ist quasi gezwungen, eine „geprüfte Situation“ (Betondecke) herzustellen – zu meistern. Zudem sollte bei größeren Durchbrüchen ein Statiker mit hinzugezogen werden.
Hier finden sich Angaben über Durchführungen bei feuerhemmenden, hochfeuerhemmenden und feuerbeständigen Bauteilen. Zum Beispiel Punkt 4.1.2: „Die Leitungen müssen durch Abschottungen geführt werden, die mindestens die gleiche Feuerwiderstandsfähigkeit aufweisen wie die raumabschließenden Bauteile“.
1.	Prüfen, welche Feuerwiderstandsfähigkeit gefordert ist
2	Deckenaufbau untersuchen
3.	Kontrollieren, ob die Durchführung statisch unbedenklich ist
4.	Passendes Abschottungsprodukt auswählen
5.	Einbau nach Vorgaben des Verwendbarkeitsnachweisinhabers
6.	Nicht wesentliche Abweichung bestätigen, Hersteller des Bauprodukts/
der Bauart hinzuziehen.
Tipp: Den Zulassungsinhaber mit einbeziehen
Bei der Auswahl der Abschottungsprodukte sollte darauf geachtet werden, dass beim Verwenden bzw. Anwenden von Produkten bzw. Bauarten der Verwendbarkeitsnachweisinhaber mit „ins Boot“ genommen wird.
Mittlerweile ist, nach der Umstellung der Bauproduktenverordnung (BauPVO) vom 1. Juli 2013, eine nicht wesentliche Abweichung von europäischen Bauprodukten bzw. Bauarten möglich.
1.	Entfernen der Dielen inklusive inliegendem Sand, Schlacke bzw. Füll–materialien
2.	Anbringen der Schalung (ggf. doppelt mit Fugenversatz)
3.	Wenn statisch erforderlich: Wechsel einziehen
4.	Anbringen einer umlaufenden Halteleiste
5.	Installation(en) durchführen
6.	Mörtel bzw. Beton einbringen
7.	Abschottungsprodukt anbringen
8.	Gegebenenfalls Sand, Schlacke bzw. Füllmaterialien wieder einfüllen
9.	Eventuell neu verputzen
Die folgenden Lösungsvorschläge bieten eine ausreichende Sicherheit hinsichtlich der §§ 40/41 MBO, da das Schutzziel erreicht wird. Sie müssen im Regelfall aber dennoch begründet werden, da entweder eine nicht wesentliche Abweichung vom Verwendbarkeitsnachweis oder von den technischen Baubestimmungen vorliegt.
1.	Brandschutzschaum als Vergussmasse (Abb. 2)
Abschottungsvariante mit Brandschutzschaum als „Vergussmasse“: Das System belastet die Deckenkonstruktion auf Grund des geringen Gewichts erheblich weniger als ein Verguss mit Mörtel oder Beton. Ebenfalls ermöglicht es relativ geringe Randabstände. Eventuelle Nachbelegungen lassen sich durch eine weiche Brandschutzschaummasse einfach realisieren. Kombischotts sind möglich.
2.	Weichschott (Mineralwollplatten) (Abb. 3)
3.	Deckenstanzer System SWS (Abb. 4)
4.	Erleichterungen für einzelne Leitungen gemäß MLAR Abschnitt 4.3 (Abb. 5)
Als Beispiel dienen ein Wickelfalzrohr oder eine Blechhülse (Durchmesser ≥ 160 mm; Blechstärke ≤ 1,0 mm) als „Hüllrohr“. Der Restringverschluss wird mit Mineralwolle (A1, Schmelzpunkt ≥ 1000 Grad Celsius) realisiert. Zusätzlich wird die Mineralwolle mit einer Brandschutz-Fugenfüllmasse (Tangit FP 440) gegen das Herausfallen gesichert.
Karl-Heinz Ullrich, Walraven, Bayreuth
Information „Nicht wesentliche Abweichung“
(§ 16a „Bauarten“, § 21 „Übereinstimmungsbestätigung“ Musterbauordnung (MBO 11/2005 in der Fassung geändert durch Beschluss der Bauministerkonferenz vom 13.05.2106))
§ 16a Abs. 5 MBO
„Bauarten bedürfen einer Bestätigung ihrer Übereinstimmung mit … den allgemeinen Bauartgenehmigungen, den allgemeinen bauaufsichtlichen Prüfzeugnissen für Bauarten oder den vorhabenbezogenen Bauartgenehmigungen; als Übereinstimmung gilt auch eine Abweichung, die nicht wesentlich ist.“
§ 21 Abs. 1 MBO
„Bauprodukte bedürfen einer Bestätigung ihrer Übereinstimmung mit … den allgemeinen bauaufsichtlichen Zulassungen, den allgemeinen bauaufsichtlichen Prüfzeugnissen oder den Zustimmungen im Einzelfall; als Übereinstimmung gilt auch eine Abweichung, die nicht wesentlich ist.“
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