Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Text=VersR%202014,%20588
Timestamp: 2019-03-20 03:52:27
Document Index: 278937360

Matched Legal Cases: ['BGH', '§ 823', '§ 286', '§ 286', '§ 823', 'BGH', '§ 630', '§ 8', 'BGH', 'BGH', '§ 286', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 286', '§ 286', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH']

BGH, 28.01.2014 - VI ZR 143/13 - dejure.org
§ 823 BGB, § 286 ZPO
Arzthaftungsprozess wegen gesundheitlicher Beeinträchtigungen nach einer Herzklappenoperation: Tatrichterliche Überzeugungsbildung hinsichtlich einer erfolgten Risikoaufklärung; Indizwirkung einer unterzeichneten Patienteneinwilligung für den Inhalt des Aufklärungsgesprächs
Arztrecht - Aufklärungsgespräch - Einwilligungsformular, Unterzeichnung des
Aufklärungspflichtverletzung im Zusammenhang mit einer Herzoperation; Schadensersatz für schwere gesundheitliche Beeinträchtigungen nach einer Herzoperation mit tiefhypothermem Kreislaufstillstand in der Klinik
Unterzeichnetes Einwilligungsformular ist sowohl in positiver als auch in negativer Hinsicht Indiz für den Inhalt des ärztlichen Aufklärungsgespräches
ZPO § 286; BGB § 823
Keine übertriebenen Anforderungen an Nachweis über Aufklärung zu Operationserweiterung
Nachweis ordnungsgemäßer Aufklärung durch den (Zahn-)Arzt
Aufklärungsgespräch ist wichtiger als Formulare
Bundesgerichtshof stärkt Ärzten den Rücken
Arzthaftungsrecht - Zur Aufklärungspflicht des Arztes vor einem beabsichtigten Eingriff und zu den Anforderungen an den Nachweis einer ordnungsgemäßen Risikoaufklärung
Beweispflicht des Arztes für ordnungsgemäße Aufklärung
Nachweis der Patientenaufklärungspflicht durch BGH erleichtert
Viel Vertrauensvorschuss für Ärzte - rechtliche Stellung der Ärzte bei Beweis des ärztlichen Aufklärungsgesprächs gestärkt
Schlüssige Darstellungen von Ärzten sind glaubhafter als die Erinnerung ihrer Patienten
Anforderungen an die Aufklärung und Dokumentation dürfen nicht übertrieben sein
Keine unbilligen und übertriebenen Anforderungen an die Aufklärung und Dokumentation
Vertrauensvorschuss bei der Aufklärung: Rechte der Ärzte gestärkt
tacke-krafft.de (Kurzanmerkung)
aerztezeitung.de (Pressekommentar, 05.03.2014)
LG Freiburg, 01.02.2012 - 6 O 479/09
OLG Karlsruhe, 15.03.2013 - 13 U 41/12
NJW 2014, 1527
MDR 2014, 466
VersR 2014, 588
Im Hinblick auf die für die ordnungsgemäße Selbstbestimmungsaufklärung darlegungs- und beweisbelastete Behandlungsseite (vgl. Senatsurteile vom 30. September 2014 - VI ZR 443/13;… NJW 2015, 74 Rn. 5, 9; vom 28. Januar 2014 - VI ZR 143/13, NJW 2014, 1527 Rn. 11; vgl. nunmehr auch § 630h Abs. 2 BGB) dienen das Schriftformerfordernis und die Anwesenheit des weiteren Arztes der Beweissicherung (…Lomb, Der Schutz des Lebendorganspenders, 2012, S. 203;… Esser, Verfassungsrechtliche Aspekte der Lebendspende von Organen zu Transplantationszwecken, 2000, S. 133, 143; Schreiber, Die gesetzliche Regelung der Lebendspende von Organen in der Bundesrepublik Deutschland, 2004 S. 73).
Die gefestigte Rechtsprechung des Senats, wonach an den Nachweis der ordnungsgemäßen Selbstbestimmungsaufklärung des Patienten im Allgemeinen lediglich moderate Anforderungen zu stellen sind (…vgl. Senatsurteile vom 30. September 2014 - VI ZR 443/13, NJW 2015, 74 Rn. 9; vom 28. Januar 2014 - VI ZR 143/13, NJW 2014, 1527 Rn. 11 ff.; vom 8. Januar 1985 - VI ZR 15/83, VersR 1985, 361, 362), lässt sich auf die Aufklärung des Spenders über die Risiken einer Lebendorganspende nicht übertragen.
Auch wird die Erinnerung des - vor der Organentnahme jedenfalls insoweit notwendig gesunden (§ 8 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1c TPG) - Spenders regelmäßig nicht durch therapeutische Interessen überlagert sein (…vgl. zu diesen Kriterien Senatsurteile vom 30. September 2014 - VI ZR 443/13, NJW 2015, 74 Rn. 9; vom 28. Januar 2014 - VI ZR 143/13, NJW 2014, 1527 Rn. 11; vom 8. Januar 1985 - VI ZR 15/83, VersR 1985, 361, 362).
In jedem Fall bedarf es einer verständnisvollen und sorgfältigen Abwägung der tatsächlichen Umstände, für die der Tatrichter einen erheblichen Freiraum hat (vgl. Senatsurteile vom 10. März 1981 - VI ZR 202/79, VersR 1981, 730, 731; vom 21. September 1982 - VI ZR 302/80, VersR 1982, 1193, 1194; vom 28. Februar 1984 - VI ZR 70/82, VersR 1984, 538, 539 f.; vom 8. Januar 1985 - VI ZR 15/83, VersR 1985, 361, 362 und vom 28. Januar 2014 - VI ZR 143/13, VersR 2014, 588 Rn. 11, jeweils mwN; OLG Hamm, VersR 2011, 625, 626, mwN).
Das beruhe zwar nicht auf einer konkreten Erinnerung, habe aber an eine allgemeine Praxis anknüpfen können, die eine erhebliche indizielle Bedeutung habe (…unter Hinweis auf BGH NJW 1994, S. 3009; BGH VersR 2014, S. 588).
Dies folgt bereits aus dem Umstand, dass nach dem Grundsatz der freien Beweiswürdigung (§ 286 ZPO) eine Überzeugung des Gerichts auch (allein) auf die Würdigung von Parteierklärungen gestützt werden kann (vgl. BGH…, Urteil vom 16. Juli 1998 - I ZR 32/96 -, juris, Rn. 21; BGH…, Beschluss vom 25. September 2003 - III ZR 384/02 -, juris, Rn. 3; BGH…, Beschluss vom 10. November 2010 - IV ZR 122/09 -, juris, Rn. 10; BGH, Urteil vom 28. Januar 2014 - VI ZR 143/13 -, juris, Rn. 13;… Greger, in: Zöller, ZPO, 31. Aufl. 2016, § 286 Rn. 14;… Laumen, in: Prütting/Gehrlein, ZPO, 8. Aufl. 2016, § 286 Rn. 2).
Richtig ist auch, dass eine wirksame Einwilligung des Patienten dessen ordnungsgemäße Aufklärung voraussetzt (…vgl. Senatsurteil vom 30. September 2014 - VI ZR 443/13, VersR 2015, 196 Rn. 6;… vom 7. November 2006 - VI ZR 206/05, BGHZ 169, 364 Rn. 7) und dass der aufklärungspflichtige Arzt nachzuweisen hat, dass er die von ihm geschuldete Aufklärung erbracht hat (Senatsurteil vom 28. Januar 2014 - VI ZR 143/13, VersR 2014, 588 Rn. 11).
Das von dem Arzt und dem Patienten unterzeichnete Formular, mit dem der Patient sein Einverständnis zu dem ärztlichen Eingriff gegeben hat, ist lediglich ein Indiz für den Inhalt des Aufklärungsgesprächs (Senatsurteil vom 28. Januar 2014 - VI ZR 143/13, VersR 2014, 588 Rn. 13).
Dies gilt auch mit Rücksicht darauf, dass aus vielerlei verständlichen Gründen Patienten sich im Nachhinein an den genauen Inhalt solcher Gespräche, die für sie etwa vor allem von therapeutischer Bedeutung waren, nicht mehr erinnern (…vgl. BGH-Urteil vom 08.01.1985 VI ZR 15/83 - juris unter Rdn. 13; BGH Urt. v. 28.01.2014 VI ZR 143/13, juris).
Ein unterzeichnetes Einwilligungsformular ist dabei sowohl in positiver als auch in negativer Hinsicht ein Indiz für den Inhalt des Aufklärungsgesprächs (vgl. BGH, Urteil vom 28.01.2014 - VI ZR 143/13, NJW 2014, 1527, 1527 f.).
OLG Dresden, 15.11.2016 - 4 U 507/16
Anforderungen an den zeitlichen Zusammenhang des ärztlichen Aufklärungsgesprächs …
Das Orientierungsgespräch bei Prof. Dr. Z. am 14.07.2008 stellte schon wegen des großen zeitlichen Abstandes von über sechs Monaten bis zur eigentlichen Operation am 10.02.2009 keine ordnungsgemäße Aufklärung dar (…vgl. hierzu OLG Bremen, Urt. v. 16.04.2002 - 3 U 57/01 - zitiert nach juris, wie alle im Urteil zitierten Entscheidungen; offen gelassen bei einem zeitlichen Abstand von Aufklärung zur Operation von sechs Wochen: BGH, Urt. v. 28.01.2014 - VI ZR 143/13).
An den Beweis der geschuldeten Aufklärung dürfen zwar keine unbilligen und übertriebenen Anforderungen gestellt werden (vgl. BGH, Urt. v. 28.01.2014 - VI ZR 143/13).
OLG Hamm, 18.06.2014 - 3 U 66/14
Beauftragung eines neuen Sachverständigen im Arzthaftungsprozess wegen Abweichung …
Dies gilt auch dann, wenn der Arzt erklärt, ihm sei das strittige Aufklärungsgespräch nicht im Gedächtnis geblieben (BGH, VersR 2014, 588, Rn. 13 m.w.N.).
OLG Köln, 28.09.2015 - 5 U 81/15
Anforderungen an den Nachweis der ärztlichen Aufklärung
OLG Hamm, 19.05.2014 - 3 U 160/12
OLG Bremen, 02.04.2015 - 5 U 12/14
Arzthaftung: Aufklärungspflicht über das Risiko einer spinalen Ischämie bei einem …
OLG Köln, 29.01.2018 - 5 U 50/17
Schadensersatzansprüche wegen ärztlicher Behandlungsfehler bei einer …