Source: http://praxis-psa.de/online-buch/64-sachgebiet-kopfschutz
Timestamp: 2020-06-06 00:43:51
Document Index: 156158090

Matched Legal Cases: ['§ 30', '§ 4', '§ 29', '§ 2', '§ 2', '§ 2', '§ 6']

6.4 Sachgebiet Kopfschutz | Praxis-PSA
Persönliche Schutzausrüstungen, also auch Kopfschutz, sind vom Unternehmer nach vorangegangener Gefährdungsbeurteilung unter Beachtung einschlägiger Vorschriften und Gesetze (DGUV Vorschrift 1 „Grundsätze der Prävention“, Arbeitsschutzgesetz, PSA-Benutzungsverordnung) auszuwählen und den Beschäftigten zur Verfügung zu stellen. Die Verpflichtung der Versicherten zur Benutzung des zur Verfügung gestellten Kopfschutzes ergibt sich aus § 30 Benutzung der DGUV Vorschrift 1 „Grundsätze der Prävention“. Demzufolge haben die Versicherten "die persönliche Schutzausrüstung bestimmungsgemäß zu benutzen, regelmäßig auf ihren ordnungsgemäßen Zustand zu prüfen und festgestellte Mängel dem Unternehmer unverzüglich zu melden."
Eine Ausnahme besteht, wenn der Hersteller ausdrücklich erklärt, dass eine Beeinträchtigung der Schutzwirkung durch Anstrichstoffe, Klebeetiketten etc. nicht zu erwarten ist.
Im Gegensatz zu thermoplastischen Kunststoffen weisen Duroplaste eine sehr gute Hitzebeständigkeit auf, ihre Formbeständigkeit ist bis ca. +500 °C gegeben. Diese Helmschalen sind daher bestens für den Einsatz bei sehr hohen Umgebungstemperaturen geeignet. Darüber hinaus besitzen sie eine gute chemische Beständigkeit, weshalb sie auch häufig in Betrieben der Chemischen Industrie eingesetzt werden. Gängige duroplastische Werkstoffe für Industrieschutzhelme sind z. B. faserverstärktes Phenol-Formaldehyd-Harz (PF-SF) oder glasfaserverstärktes ungesättigtes Polyesterharz (UP-GF).
Industrie-Anstoßkappen hingegen bieten lediglich bei Arbeiten und Tätigkeiten Schutz, bei denen der Kopf nur durch Anstoßen an harte, feststehende Gegenstände verletzt werden kann. Industrie- Anstoßkappen dürfen daher nur eingesetzt werden, wenn die gemäß §§ 4 und 5 Arbeitsschutzgesetz vom Arbeitgeber durchgeführte Gefährdungsbeurteilung ergeben hat, dass mit Gefährdungen durch herabfallende, pendelnde, umfallende oder wegfliegende Gegenstände nicht zu rechnen ist.
Industrieschutzhelme nach DIN EN 397 sind in erster Linie dazu bestimmt, dem Benutzer Schutz vor „fallenden Gegenständen und deren Konsequenzen wie Gehirnverletzung und Schädelbruch zu bieten“. Erfüllt der Helm zusätzlich die optionale Anforderung „Elektrische Eigenschaften“, bietet er auch Schutz bei kurzfristigem, unbeabsichtigtem Kontakt mit spannungsführenden Teilen mit Wechselspannungen bis zu 440 V. Schutzhelme, die diese Zusatzanforderung erfüllen, dürfen keine Belüftungsöffnungen aufweisen.
Im Anwendungsbereich der DIN EN 50365 hingegen wird zum Ausdruck gebracht, dass diese Norm für elektrisch isolierende Helme zum Arbeiten an unter Spannung stehenden Teilen oder in der Nähe unter Spannung stehender Teile bis Wechselspannung 1000 V (AC) oder Gleichspannung 1500 V (DC) gilt. Bei Verwendung mit anderer elektrisch isolierender PSA verhindern sie eine gefährliche Körperdurchströmung durch den Kopf. Schutzhelme nach DIN EN 50365 dürfen unter bestimmten Voraussetzungen Belüftungsöffnungen haben.
Kopfschutz muss mit der CE-Kennzeichnung versehen sein. Sie besteht entsprechend der 8. Verordnung zum Produktsicherheitsgesetz (8. ProdSV) aus dem Kurzzeichen „CE“ und gegebenenfalls aus der vierstelligen Kenn-Nummer der notifizierten Stelle, die die Produktionsüberwachung durchführt. Die CE-Kennzeichnung muss gut sichtbar, lesbar und dauerhaft angebracht sein. Hinzu kommt die jeweilige normspezifische Helmkennzeichnung. Sie muss im Regelfall eingegossen oder eingeprägt sein und beinhaltet die angewendete Norm, Namen und Zeichen des Herstellers, Typbezeichnung des Herstellers, Jahr und Quartal der Herstellung sowie die Größe bzw. den Größenbereich in cm. Industrieschutzhelme müssen außerdem mit dem Kurzzeichen des verwendeten Helmmaterials gekennzeichnet sein. Erfüllt der Kopfschutz auch zusätzliche Anforderungen, sind diese ebenfalls in der Kennzeichnung aufzunehmen, z. B. Schutz bei sehr niedrigen/hohen Temperaturen, Schutz bei kurzfristigem, unbeabsichtigtem Kontakt mit Wechselspannungen bis 440 V oder Schutz bei Spritzern von geschmolzenem Metall.
Außerdem unterliegen Industrieschutzhelme einer altersbedingten Minderung ihrer Schutzfunktion. Ihre Haltbarkeit, insbesondere die der Helmschalen, hängt von mehreren Einflussfaktoren ab. Unter anderem sind hier Witterungseinflüsse, UV-Bestrahlung und Luftverunreinigung zu nennen. Ein Industrieschutzhelm dessen Helmschale aus einem thermoplastischen Kunststoff besteht, soll nach vier Jahren Gebrauchsdauer ersetzt werden. Besteht die Helmschale aus einem duroplastischem Material, kann mit einer acht-jährigen Gebrauchsdauer gerechnet werden.
Ja, hier empfiehlt sich der sogenannte „Knacktest“. Er kann zur Groborientierung über die Versprödung von Helmschalen aus nicht glasfaserverstärktem thermoplastischem Kunststoff herangezogen werden. Bei diesem Test wird die Helmschale mit den Händen seitlich leicht eingedrückt bzw. der Schirm leicht verbogen. Nimmt man bei aufgelegtem Ohr Knister- oder Knackgeräusche wahr, sollte der Helm der weiteren Benutzung entzogen werden.
Industrieschutzhelme sollen vornehmlich vor Gefährdungen durch herabfallende Gegenstände schützen. Deshalb verlangt die DIN EN 397 „Industrieschutzhelme“ eine Stoßdämpfungsprüfung im Scheitelbereich des Helmes. Um Erkenntnisse über das Verhalten von Industrieschutzhelmen bei horizontaler dynamischer Belastung zu erhalten, wurden bei der BGIA in Sankt Augustin Untersuchungen an verschiedenen Helmtypen durchgeführt.
Zu den Begriffen „ableitfähig“ und „antistatisch“ besteht kein einheitlicher Sprachgebrauch. Nach DGUV Information 213-060 „Vermeidung von Zündgefahren infolge elektrostatischer Aufladungen“ gilt ein Stoff als ableitfähig, wenn sein Oberflächenwiderstand R < 1011 Ohm bei 30 % rel. Luftfeuchte beträgt. Nur wenn zusätzlich experimentell keine Entladungen erzeugt werden können, sollte der Begriff „antistatisch“ verwendet werden.
Industrieschutzhelme aus üblichen Kunststoffen erfüllen die genannten Anforderungen in der Regel allerdings nicht. Die Fa. Schuberth GmbH hat einen Schutzhelm entwickelt, der durch die Beimischung bestimmter Zuschlagstoffe als ableitfähig bezeichnet werden kann. Bei der Beurteilung der Ableitfähigkeit bzw. der Antistatik ist immer das „Gesamtsystem“, also das Zusammenspiel von Schutzhelm, Schutzkleidung und Schutzschuhen zu betrachten.
Ret-Wert < 40Grundsätzlich soll ein Industrieschutzhelm den Benutzer vor herabfallenden Gegenständen schützen. Er ist nicht dafür konzipiert, im Absturzfall Schutz zu bieten. Ein Kinnriemen verhindert, dass der Helm beim Neigen des Kopfes nach unten oder durch Windböen bedingt vom Kopf fällt. Da Industrieschutzhelme auch bei Arbeiten in engen räumlichen Verhältnissen benutzt werden, öffnet sich der Kinnriemen bereits bei Zugbelastungen zwischen 150 N und 250 N. So wird der Gefahr einer möglichen Strangulation vorgebeugt. Wenn bei bestimmten Arbeiten PSA gegen Absturz getragen werden muss, kann es passieren, dass der Helm im Absturzfall, auch bei angelegtem Kinnriemen, durch den Fangstoß vom Kopf gerissen wird. Sollte sich aus der Gefährdungsbeurteilung ergeben, dass in einem derartigen Fall mit Kopfverletzungen durch Anstoßen an Gegenstände der Umgebung zu rechnen ist (z. B. bei Korrosionsschutzarbeiten in Gittermasten), empfiehlt sich der Einsatz von Industrieschutzhelmen für Arbeiten in der Höhe. Dies sind Schutzhelme, die aus dem Bereich Bergsport stammen und zusätzlich nach DIN EN 397 „Industrieschutzhelme“ zertifiziert wurden. Sie besitzen zumeist Gabelkinnriemen mit einer höheren Bruchlast. Dadurch kann sichergestellt sein, dass der Helm auch im Absturzfall auf dem Kopf des Trägers verbleibt.
Aus der Straßenverkehrsordnung, die normalerweise auf Werksgeländen gilt, lässt sich für den Fahrradverkehr keine Helmtragepflicht herleiten. Wohl aber ist der Unternehmer aufgrund des Arbeitsschutzgesetzes und der PSA-Benutzungsverordnung (Fahrradhelme unterliegen nicht verkehrsrechtlichen Vorschriften) verpflichtet, eine Gefährdungsbeurteilung vorzunehmen und gegebenenfalls Persönliche Schutzausrüstungen zur Verfügung zu stellen, falls die Gefährdungen nicht durch technische oder organisatorische Maßnahmen beseitigt werden können. Eine entsprechende Anforderung ergibt sich ebenfalls aus § 29 der DGUV Vorschrift 1 „Grundsätze der Prävention“, der auch auf den innerbetrieblichen Werksverkehr Anwendung findet.
Ein geeigneter Kopfschutz für den Fahrradverkehr ist sicherlich ein Schutzhelm gem. DIN EN 1078 „Helme für Radfahrer und für Benutzer von Skateboards und Rollschuhen“. Daraus folgt, dass die Versicherten ständig zwei unterschiedliche Schutzhelme zur Verfügung haben und benutzen müssten, einen Industrieschutzhelm nach DIN EN 397 für ihre eigentlichen Arbeitsaufgaben und einen Radfahrerhelm nach DIN EN 1078 für den Werksverkehr. Da dies in den meisten Fällen aus praktischen Gründen nicht umsetzbar sein wird, empfiehlt das Sachgebiet „Kopfschutz“ im innerbetrieblichen Werksverkehr mit Fahrrädern als Mindestanforderung Industrieschutzhelme mit Kinnriemen.
Ist es nach Veröffentlichung der neuen DIN EN 14052 Hochleistungs-Industrieschutzhelme noch zulässig, die alten Helme nach DIN EN 397 Industrieschutzhelme zu tragen bzw. zur Verfügung zu stellen?
Ja, auf jeden Fall. Industrieschutzhelme nach DIN EN 397 dürfen auch weiterhin zur Verfügung gestellt und verwendet werden. Die Helme nach der neuen Norm sollen keineswegs die bewährten Industrieschutzhelme nach DIN EN 397 ablösen. Vielmehr sollen sie für solche Einsatzzwecke eine Alternative bieten, in denen der „alte“ Industrieschutzhelm an seine Leistungsgrenzen stößt.
Hochleistungs-Industrieschutzhelme bieten u.a. einen verbesserten Schutz gegen fallende und neu auch gegen seitlich anprallende Gegenstände. Weitere Anforderungen der neuen Norm an das Befestigungssystem sollen für einen besseren Sitz des Helmes sorgen. Ansonsten besitzt ein Hochleistungs-Industrieschutzhelm im Wesentlichen die gleichen Schutzeigenschaften wie der „normale“ Industrieschutzhelm nach DIN EN 397 (Ausnahme: seitliche Verformungseigenschaften, hierzu gibt es in der neuen Norm keine Anforderungen).
Insgesamt gesehen, bieten Industrieschutzhelme nach der neuen Norm DIN EN 14052 in einigen Bereichen einen verbesserten Schutz. Dennoch können auch bei Benutzung dieses Helmes Kopfverletzungen nicht ausgeschlossen werden.
Ob ein Industrieschutzhelm nach DIN EN 397 oder ein Hochleistungs-Industrieschutzhelm nach DIN EN 14052 zur Verfügung gestellt und getragen werden muss, hat letztendlich der Arbeitgeber im Rahmen einer Gefährdungsbeurteilung festzulegen.
Gemäß § 2 der PSA-Benutzungsverordnung dürfen nur solche Industrieschutzhelme ausgewählt und zur Verfügung gestellt werden, welche die erforderliche CE-Kennzeichnung tragen und für die eine Konformitätserklärung vorliegt. Mit der CE-Kennzeichnung und der Konformitätserklärung bescheinigt der Hersteller nach erfolgreichem EG-Baumusterprüfverfahren, dass sein Produkt die Anforderungen der PSA-Hersteller-Richtlinie (EG-Richtlinie 89/686/EWG) erfüllt. Das EG-Baumusterprüfverfahren wird von zugelassenen Prüfstellen auf der Grundlage der o.g. Richtlinie und der DIN EN 397 „Industrieschutzhelme“ durchgeführt. Hieraus ergibt sich, dass auch andere Schutzhelme als Industrieschutzhelm verwendet werden dürfen, sofern sie im Rahmen einer EG-Baumusterprüfung zusätzlich auf Grundlage der DIN EN 397 „Industrieschutzhelme“ geprüft und zertifiziert worden sind.
Gemäß § 2 der PSA-Benutzungsverordnung darf der Arbeitgeber seinen Beschäftigten u. a. nur Persönliche Schutzausrüstungen zur Verfügung stellen, die den Anforderungen der Verordnung über das Inverkehrbringen von Persönlichen Schutzausrüstungen (8. ProdSV) entsprechen. Dies ist der Fall, wenn die PSA die grundlegenden Anforderungen für Gesundheitsschutz und Sicherheit des Anhangs II der Richtlinie 89 ⁄ 686 ⁄ EWG erfüllt (§ 2 der 8.ProdSV). Der Nachweis wird durch eine erfolgreich bestandene EG-Baumusterprüfung (§ 6 der 8.ProdSV) gem. der o.g. Richtlinie auf Grundlage der EN 397 erbracht. Als sichtbares Zeichen der Konformität dient neben der EG-Baumusterprüfbescheinigung das vom Hersteller ⁄ niedergelassenen Bevollmächtigten nach erfolgreicher Baumusterprüfung an der PSA angebrachte CE-Zeichen. Industrieschutzhelme, die einer nichteuropäischen Norm genügen, dürfen also nur dann zur Verfügung gestellt und genutzt werden, wenn für sie EG-Baumusterprüfbescheinigungen vorliegen und die Helme CE-gekennzeichnet sind. Dies bedeutet de facto, dass diese Industrieschutzhelme auch der EN 397 entsprechen müssen.
Der Freiraum zwischen Helminnenausstattung und Innenseite der Helmschale erfüllt wichtige Aufgaben insbesondere im Hinblick auf das Stoßdämpfungsvermögen des Helmes und seiner Belüftungskapazität. Dies kann durch im Freiraum untergebrachte Gegenstände gestört werden.
Eine derartige Nutzung ist daher nicht zulässig.
Einige Helmhersteller liefern Industrieschutzhelme mit einer besonderen Innenausstattung für Personen, die aufgrund von Beeinträchtigungen durch eine Kopfverletzung keinen regulären Industrieschutzhelm tragen können. Diese Helme besitzen dann eine Schaumstoffinnenausstattung bzw. Zackenleder anstelle der normalen Bebänderung. Auch für diese speziellen Helme gilt, dass sie die CEKennzeichnung tragen müssen und dass eine Konformitätserklärung des Helmherstellers vorliegt.