Source: http://m.hensche.de/Arbeitsrecht_aktuell_Verschmelzen_Verleihergesellschaften_erlischt_die_Erlaubnis_zur_Arbeitnehmerueberlassung_LAG_Duesseldorf_17Sa153-08.html
Timestamp: 2017-01-20 03:40:03
Document Index: 283102391

Matched Legal Cases: ['§ 1', '§ 9', '§ 10', '§ 2', '§ 10', '§ 9']

HENSCHE Arbeitsrecht: Verschmelzen Zeitarbeitsunternehmen, erlischt die Erlaubnis zur Arbeitnehmerüberlassung.
Ver­schmel­zen Zeit­ar­beits­un­ter­neh­men, er­lischt die Er­laub­nis zur Ar­beit­neh­mer­über­las­sung.
Ei­ne Über­gangs­frist bis zum Er­lö­schen der Er­laub­nis ist nicht zu ge­wäh­ren: Lan­des­ar­beits­ge­richt Düs­sel­dorf, Ur­teil vom 25.08.2008, 17 Sa 153/08
05.11.2008. Die Er­laub­nis zur ge­werb­li­chen Ar­beit­neh­mer­über­las­sung er­lischt, wenn sich ein Zeit­ar­beits­un­ter­neh­men im We­ge der ge­sell­schafts­recht­li­chen Ver­schmel­zung mit ei­ner an­de­ren Ge­sell­schaft ver­bin­det. Ei­ne Über­gangs­frist ist da­bei nicht zu ge­wäh­ren. Ver­leiht das aus der Ver­schmel­zung her­vor­ge­gan­ge­ne neue Un­ter­neh­men Ar­beit­neh­mer, ste­hen die­se kraft Ge­set­zes in ei­nem Ar­beits­ver­hält­nis mit dem ent­lei­hen­den Un­ter­neh­men, da der Ent­lei­her kei­ne gü­li­ge Er­laub­nis be­sitzt.
Da­her muss rech­tei­tig vor der Ein­tra­gung der Ver­schmel­zung bwz. des Er­lö­schens der al­ten Fir­ma ein neu­er An­trag auf Er­laub­nis zur ge­werb­li­chen Ar­beit­neh­mer­über­las­sung ge­stellt wer­den. Lan­des­ar­beis­ge­richt Düs­sel­dorf, Ur­teil vom 25.08.2008, 17 Sa 153/08.
Erlischt die Erlaubnis zur Arbeitnehmerüberlassung beim verschmelzungsbedingetn Untergang einer Zeitarbeitsfirma sofort oder mit einer Übergangsfrist?
Das Ar­beit­neh­merüber­las­sungs­ge­setz (AÜG) schreibt vor, dass Ar­beit­ge­ber, die als Ver­lei­her ge­werbsmäßig Ar­beit­neh­mer Drit­ten („Ent­lei­hern“) zur Ar­beits­leis­tung über­las­sen wol­len, da­zu ei­ne Er­laub­nis der Ar­beits­ver­wal­tung benöti­gen, § 1 Abs.1 Satz 1 AÜG. Verträge zwi­schen Ver­lei­hern und Ent­lei­hern so­wie zwi­schen Ver­lei­hern und Leih­ar­beit­neh­mern sind un­wirk­sam, wenn der Ver­lei­her nicht die er­for­der­li­che Er­laub­nis hat, § 9 Nr.1 AÜG. Die Un­wirk­sam­keit die­ser Verträge wie­der­um hat die Kon­se­quenz, dass ein Ar­beits­verhält­nis zwi­schen Ent­lei­her und Leih­ar­beit­neh­mer ent­steht, § 10 Abs.1 Satz 1 AÜG. Ent­lei­her, die mit un­se­riösen Zeit­ar­beits­fir­men Geschäfte ma­chen, ris­kie­ren da­her, dass die ver­meint­li­chen Zeit­ar­beits­kräfte auf ein­mal zur ei­ge­nen Be­leg­schaft gehören.
In der Re­gel un­ter­liegt es kei­nen Zwei­feln, ob der Ver­lei­her ei­ne Er­laub­nis be­sitzt oder nicht. Die­se wird in den ers­ten drei Jah­ren der Tätig­keit des Ver­lei­hers im­mer nur auf ein Jahr be­fris­tet er­teilt, da­nach in der Re­gel un­be­fris­tet, § 2 AÜG. Klar ist auch, je­den­falls im Prin­zip, dass das Erlöschen ei­ner als Ver­lei­her täti­gen Ge­sell­schaft auch zum Erlöschen der Er­laub­nis zur Ar­beit­neh­merüber­las­sung führt. Das folgt aus dem höchst­persönli­chen Cha­rak­ter der Er­laub­nis, die ei­ne po­si­ti­ve Be­ur­tei­lung der Zu­verlässig­keit des Ver­lei­hers vor­aus­setzt. Fu­sio­nie­ren da­her zwei Gmb­Hs im We­ge der ge­sell­schafts­recht­li­chen Ver­schmel­zung zu ei­ner neu­en GmbH, so er­lischt die Er­laub­nis zur Ar­beit­neh­merüber­las­sung, die ei­ne der bei­den ursprüng­li­chen Gmb­Hs hat­te, in­fol­ge des Erlöschens der fu­sio­nier­ten GmbH. Die Fra­ge ist nur, wann und wie, d.h. ob mögli­cher­wei­se ei­ne Art „Gna­den­frist“ bis zum Erlöschen der Er­laub­nis gewährt wer­den muss. Mit die­sen Fra­gen hat­te sich das Lan­des­ar­beits­ge­richt (LAG) Düssel­dorf in ei­nem ak­tu­el­len Ur­teil aus­ein­an­der­zu­set­zen (LAG Düssel­dorf, Ur­teil vom 25.08.2008, 17 Sa 153/08).
Der Streitfall: Im Bergbau beschäftigte Leiharbeitnehmer klagen auf Feststellung von Arbeitsverhältnissen mit dem Entleiher, nachdem ihre Leiharbeitsfirma mit einem anderen Unternehmen verschmolzen wurde
Der Kläger, ein im Berg­bau ar­bei­ten­der Die­sel­kat­zen­fah­rer, war Ar­beit­neh­mer ei­ner GmbH, die im Be­reich der ge­werb­li­chen Ar­beit­neh­merüber­las­sung tätig war. Die­sel­kat­zen sind Hänge­bah­nen, die im Berg­bau für den Per­so­nen- und Ma­te­ri­al­trans­port ein­ge­setzt wer­den. Die GmbH hat­te zunächst ei­ne un­be­fris­te­te Er­laub­nis zur Ar­beit­neh­merüber­las­sung. Im drit­ten Quar­tal 2003 wur­de sie auf ei­ne an­de­re GmbH, die E.-GmbH, ver­schmol­zen und die­ser Vor­gang En­de Ja­nu­ar 2004 in das Han­dels­re­gis­ter ein­ge­tra­gen. Im Lau­fe des Jah­res 2004 ar­bei­te­te der Kläger in ei­nem Berg­werk der Be­klag­ten, ei­ner Ak­ti­en­ge­sell­schaft, die ihr Berg­werk, das Berg­werk „West“, un­ter ständi­gem Ein­satz ei­ner großen Zahl von Leih­ar­beit­neh­mern be­treibt und da­bei ständig auf die Diens­te der E.-GmbH zurück­griff. Im Ein­zel­nen war der Kläger vom 01.06.2004 bis zum 09.07.2004 in ins­ge­samt 25 Schich­ten im Berg­werk West für die Be­klag­te tätig. Da­bei war er in den Be­trieb der Be­klag­ten ein­ge­glie­dert und un­ter­lag ih­rem Di­rek­ti­ons­recht. Ins­be­son­de­re trug er Dienst- bzw. Schutz­klei­dung, die sich von der Be­klei­dung der Ar­beit­neh­mer der Be­klag­ten nicht un­ter­schied.
Mit­te Mai 2005 teil­te die Bun­des­agen­tur für Ar­beit der E.-GmbH un­ter Ver­weis auf ih­re Durchführungs­an­wei­sun­gen zum AÜG mit, dass die er­teil­te Er­laub­nis zur Ar­beit­neh­merüber­las­sung auf­grund der Ver­schmel­zung 2003/2004 er­lo­schen sei. Erst ei­ni­ge Mo­na­te später - An­fang Sep­tem­ber 2005 - er­hielt die E.-GmbH ei­ne neue Über­las­sungs­er­laub­nis. Im März 2006 – die GmbH hat­te zwi­schen­zeit­lich In­sol­venz an­ge­mel­det - ver­klag­te der Kläger die Ak­ti­en­ge­sell­schaft vor dem Ar­beits­ge­richt Es­sen und mach­te gel­tend, dass auf­grund ei­ner un­er­laub­ten Ar­beit­neh­merüber­las­sung ein Ar­beits­verhält­nis mit der ent­lei­hen­den Be­klag­ten zu­stan­de ge­kom­men sei. Zeit­nah reich­ten mehr als 1.000 wei­te­re Ar­beit­neh­mer vor dem Ar­beits­ge­richt Es­sen Kla­ge auf Fest­stel­lung ei­nes Ar­beits­verhält­nis­ses mit der Ak­ti­en­ge­sell­schaft ein. Das Ar­beits­ge­richt Es­sen gab dem Kläger in der ers­ten In­stanz Recht (Ur­teil vom 06.12.2007, 8 Ca 1295/06). Die Be­klag­te leg­te ge­gen die­se Ent­schei­dung Be­ru­fung zum LAG Düssel­dorf ein.
LAG Düsseldorf: Die Erlaubnis zur gewerblichen Arbeitnehmerüberlassung erlischt mit der Eintragung der Verschmelzung, und zwar ohne Übergangsfrist
Das LAG Düssel­dorf ent­schied eben­so wie das Ar­beits­ge­richt Es­sen: Da­nach ist zwi­schen den Par­tei­en auf­grund un­er­laub­ter ge­werb­li­cher Ar­beit­neh­merüber­las­sung ein Ar­beits­verhält­nis zu­stan­de ge­kom­men. In den Ur­teils­gründen setzt sich das LAG mit der Fra­ge aus­ein­an­der, un­ter wel­chen Vor­aus­set­zun­gen ei­ne Ar­beit­neh­merüber­las­sungs­er­laub­nis in den Fällen ei­ner ge­sell­schafts­recht­li­chen Um­wand­lung er­lischt. Da­bei berück­sich­tigt es vor al­lem Kom­men­tar­li­te­ra­tur, da die ein­schlägi­ge Recht­spre­chung nur spärlich ist. Nach Auf­fas­sung des LAG er­lischt ei­ne Er­laub­nis zur Ar­beit­neh­merüber­las­sung mit der Ein­tra­gung der neu ent­stan­de­nen Ge­sell­schaft in das Han­dels­re­gis­ter. Die­se Be­ur­tei­lung stimmt mit den Durchführungs­an­wei­sun­gen der Bun­des­agen­tur für Ar­beit zum AÜG übe­rein. Die der ursprüng­li­chen Ar­beit­ge­ber-GmbH er­teil­te Er­laub­nis war dem­zu­fol­ge En­de Ja­nu­ar 2004 er­lo­schen.
Über die­se für die Be­klag­te in die­sem Ver­fah­ren ne­ga­ti­ve Bot­schaft hin­aus zeigt das Ur­teil des LAG den an ei­ner Ver­schmel­zung be­tei­lig­ten Ge­sell­schaf­ten al­ler­dings auch - po­si­tiv - ei­ne Möglich­keit auf, die be­ste­hen­de Er­laub­nis in die neue Ge­sell­schaft naht­los herüber zu ret­ten: Die Er­laub­nis er­lischt da­nach nicht, wenn die auf­neh­men­de Ge­sell­schaft bei Ab­schluss des Ver­schmel­zungs­ver­tra­ges bei der Ar­beits­agen­tur ei­nen ord­nungs­gemäßen An­trag auf Neu­er­tei­lung ei­ner Über­las­sungs­er­laub­nis stellt. Wird die Er­laub­nis erst nach der Han­dels­re­gis­ter­ein­tra­gung er­teilt, so wirkt sie - so das LAG Düssel­dorf - auf den Zeit­punkt der Ein­tra­gung zurück. Da­hin­ter steht die Über­le­gung, dass es un­ge­recht wäre, wenn Verzöge­run­gen bei der Be­ar­bei­tung ei­nes ein­mal ge­stell­ten An­trags zu Las­ten der Ge­sell­schaft ge­hen würden (vor­aus­ge­setzt natürlich, bei An­trag­stel­lung lie­gen be­reits sämt­li­che Vor­aus­set­zun­gen für die Er­tei­lung der Er­laub­nis vor). In dem vom LAG ent­schie­de­nen Fall hat­te die auf­neh­men­de Ge­sell­schaft ei­nen sol­chen An­trag nicht ge­stellt. So­mit war die ursprüng­lich ein­mal be­ste­hen­de Er­laub­nis En­de Ja­nu­ar 2004 er­lo­schen. Das wie­der­um hat­te zur Fol­ge, dass die aus der Ver­schmel­zung neu ent­stan­de­ne E.-GmbH den Kläger in der Zeit vom 01.06.2004 bis zum 09.07.2004 oh­ne Er­laub­nis an die Be­klag­te ver­lie­hen hat­te. Dem Ar­gu­ment der Be­klag­ten, die­se Zeit sei als ein „un­er­heb­li­cher Zeit­raum“ an­zu­se­hen und könne da­her nicht zum Ent­ste­hen ei­nes Ar­beits­verhält­nis­ses zwi­schen Ent­lei­her und Leih­ar­beit­neh­mer führen, woll­te das LAG nicht fol­gen. § 10 AÜG sei zwin­gen­des Ar­beit­neh­mer­schutz­recht und sol­le ei­nen Aus­gleich dafür schaf­fen, dass der Ar­beits­ver­trag mit dem Ver­lei­her we­gen feh­len­der behörd­li­cher Er­laub­nis un­wirk­sam ist. Das LAG sah da­her kei­ne Möglich­keit, von dem ein­deu­ti­gen Ge­set­zes­wort­laut, der kei­ne zeit­li­che Be­schränkun­gen enthält, zu­guns­ten der Be­klag­ten ab­zu­wei­chen. Ge­gen sei­ne Ent­schei­dung lies das LAG Düssel­dorf die Re­vi­si­on zu. Ob von dem Rechts­mit­tel Ge­brauch ge­macht wur­de, ist bis­her nicht be­kannt.
Fa­zit: Bei ge­sell­schafts­recht­li­chen Ver­schmel­zun­gen von Un­ter­neh­men, die ge­werb­li­che Ar­beit­neh­merüber­las­sung be­trei­ben, ist Vor­sicht ge­bo­ten. Den be­tei­lig­ten Un­ter­neh­men ist drin­gend zu ra­ten, lau­fen­de Ar­beit­neh­merüber­las­sun­gen und die die­sen zu­grun­de lie­gen­den Er­laub­nis­se sorgfältig zu über­prüfen. Für Ar­beit­neh­mer hin­ge­gen bie­tet die strik­te An­wen­dung der §§ 9, 10 AÜG durch das Ar­beits­ge­richt Es­sen und das LAG Düssel­dorf die Möglich­keit, aus kom­ple­xen ge­sell­schafts­recht­li­chen Trans­ak­tio­nen, an de­nen ihr Ver­lei­her-Ar­beit­ge­ber be­tei­ligt ist, recht­li­che Vor­tei­le zu zie­hen, falls sich später her­aus­stellt, dass die Er­tei­lung ei­ner neu­en Er­laub­nis zur Ar­beit­neh­merüber­las­sung nicht oder nicht recht­zei­tig be­an­tragt wur­de.
Lan­des­ar­beits­ge­richt Düssel­dorf, Ur­teil vom 25.08.2008, 17 Sa 153/08