Source: http://www.economia48.com/deu/d/treuhaender/treuhaender.htm
Timestamp: 2017-03-24 10:17:12
Document Index: 6041205

Matched Legal Cases: ['§ 669', '§ 259', '§ 276', '§ 278', '§ 1909', '§ 276', '§ 662', '§ 677', '§ 823', '§ 34', '§ 69']

Treuhänder - WirtschaftsEnzyklopädie
A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z Treuhänder
I. Allgemeines: 1. Begriff: Natürliche oder juristische Person, der aufgrund von privatrechtlichen Verträgen oder gesetzlichen Bestimmungen Sachen oder Rechte mit der Maßgabe übertragen wurden, hierüber im Rahmen der Treuhandschaft zu verfügen. - 2. Persönliche Voraussetzungen: Der Treuhänder muß vertrauenswürdig und sachkundiger Experte sein und die Gewähr bieten, die ihm anvertrauten Interessen uneigennützig wahrzunehmen. Er muß sein Amt treu und gewissenhaft führen und seine Aufgaben sorgfältig und ordnungsgemäß durchführen. Betriebs- und Geschäftsgeheimnisse darf er nicht für sich oder andere auswerten. Der Treuhänder muß keiner bestimmten Berufsgruppe angehören. Seine Kompetenz kann durch die Zugehörigkeit zu einer bestimmten Berufsgruppe mit sehr hoher fachlicher Qualifikation zum Ausdruck kommen. Die Tätigkeit als Treuhänder gehört z. B. zum Berufsbild des Wirtschaftsprüfers.
II. Rechte/Pflichten: 1. Bei rechtsgeschäftlich gestalteter Treuhandschaft: Rechte und Pflichten ergeben sich aus dem Treuhandvertrag, evtl. in Verbindung mit rechtlichen Rahmenbedingungen. Der Treuhänder hat Anspruch auf ein angemessenes Honorar und auf Auslagenersatz (§§ 669 f. BGB). Der Treuhänder ist zur Anfertigung von ordnungsmäßigen Aufzeichnungen über das Treugut und zur Rechnungslegung verpflichtet (§ 259 BGB). Die gesonderte Verwaltung des Treuguts ist sicherzustellen; die Trennung eigener von fremden Geldmitteln kann z. B. durch die Zahlungsabwicklung über Anderkonten erleichtert werden. Der Treuhänder haftet gegenüber dem Treugeber für Vorsatz und Fahrlässigkeit (§ 276 BGB), auch bei Verschulden seiner Erfüllungsgehilfen (§ 278 BGB). - 2. Bei gesetzlicher Treuhandschaft: Rechte und Pflichten ergeben sich aus der Bestallungsurkunde, aus allgemeinen gesetzlichen Vorschriften zur gesetzlichen Treuhandschaft und evtl. aus einschlägigen speziellen Gesetzesvorschriften und Weisungen der aufsichtführenden Behörde. Der Aufgabenbereich des Treuhänder besteht insbes. aus der Sicherung und dem Schutz von Vermögenswerten Abwesender oder nicht geschäftsfähiger Personen. Der Treuhänder kann alle Geschäfte eingehen, die im Normalfall bei einer ordentlichen Verwaltung anfallen. Maßnahmen und Entscheidungen, die die wirtschaftliche Zwecksetzung der Treuhandschaft verändern würden, sind untersagt, können jedoch im Einzelfall ausdrücklich genehmigt werden. Rechtsgrundlagen für Aufgaben und Handlungsbefugnisse der Treuhänder sind die Bestimmungen zur Vermögenspflegschaft (§§ 1909-1921 BGB). Die Vergütung wird von der Aufsichtsbehörde festgesetzt. Der gesetzliche Treuhänder haftet dem Eigentümer für Vorsatz und Fahrlässigkeit (§ 276 BGB). Die gesetzlichen Grundlagen zur Haftung ergeben sich aus den Bestimmungen zum Auftrag (§§ 662-676 BGB), zur Geschäftsführung ohne Auftrag (§§ 677-687 BGB) und aus den Vorschriften zur unerlaubten Handlung (§§ 823, 826, 831 und 839 BGB).
III. Steuerliche Behandlung: Treuhänder haben, soweit ihre Verwaltung reicht, die gleichen Pflichten wie der Steuerpflichtige (§ 34 III AO). Sie haften, soweit durch vorsätzliche oder grob fahrlässige Verletzung ihrer Pflichten Steuern verkürzt werden (§ 69 AO). - Gewerbesteuerrecht: a) Der Treuhänder eines Betriebes ist i. d. R. in selbständiger Arbeit tätig, also gewerbesteuerfrei. Auch wenn die treuhänderische Verwaltung im Rahmen einer gewerblichen Tätigkeit ausgeübt wird, pflegt die Treuhändervergütung bei der Ermittlung des Gewerbeertrags außer Betracht zu bleiben. b) Eine Treuhänderschaft über mehrere Betriebe kann einen solchen Umfang annehmen, daß zur Bewältigung der Aufgaben ein kaufmännisch eingerichteter Geschäftsbetrieb mit Angestellten notwendig wird. Dann wird die Treuhändertätigkeit zum Gewerbebetrieb, der der Gewerbesteuer unterliegt. << vorheriger Begriff
Weitere Begriffe : Zwischenscheine | Geschlechterproportion | compensation scheme | landwirtschaftliche Nutzfläche | angelsächsischer Typ Thematische Gliederung | Unser Projekt | Impressum Copyright © 2009 All rights reserved. Wirtschaftslexikon