Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Text=SozR%203-2500%20%C2%A7%2031%20Nr%208
Timestamp: 2020-01-24 23:51:30
Document Index: 220922433

Matched Legal Cases: ['§ 2', '§ 31', '§ 31', '§ 31', '§ 31', '§ 31', '§ 31', '§ 31', '§ 31', '§ 31', '§ 31', '§ 31', '§ 31', '§ 31', '§ 31', '§ 2', '§ 12', '§ 31', '§ 31', '§ 31', '§ 31', '§ 31', '§ 135', '§ 12', '§ 31', '§ 21', '§ 31', '§ 31', '§ 31', '§ 31', '§ 92', '§ 11', '§ 73', '§ 31', '§ 31', '§ 31', '§ 31', '§ 31', '§ 31', '§ 31', '§ 31', '§ 27', '§ 31', '§ 27', '§ 31', '§ 31', '§ 31', '§ 2', '§ 12', '§ 182', '§ 31', '§ 31', '§ 31', '§ 31', '§ 31', '§ 31', '§ 31', '§ 27', '§ 31', '§ 31', '§ 182', '§ 31', '§ 31', '§ 31', '§ 31', '§ 31', '§ 62']

BSG, 19.03.2002 - B 1 KR 37/00 R - dejure.org
https://dejure.org/2002,51
BSG, 19.03.2002 - B 1 KR 37/00 R (https://dejure.org/2002,51)
BSG, Entscheidung vom 19.03.2002 - B 1 KR 37/00 R (https://dejure.org/2002,51)
BSG, Entscheidung vom 19. März 2002 - B 1 KR 37/00 R (https://dejure.org/2002,51)
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Krankenversicherung - Arzneimittel - Zulassung - Vorgreiflichkeit - Verkehrsfähigkeit - Inverkehrbringen - Multiple Sklerose - Immunglobulin - Arzneitherapie - Qualität - Wirksamkeit - Unbedenklichkeit - Zweckmäßigkeit - Anwendungsgebiet - Indikation - ...
Gesetzliche Krankenversicherung - Multiple Sklerose - Zerebrale Ataxie - Autoagressive Immunreaktionen - Heilversuch - Therapie - Immunglobuline - Paul-Ehrlich-Institut - Bundesamt für Sera und Impfstoffe - Zulassung - Anwendungsgebiet - Medizinsicher Dienst - Neue ...
Verordnungsfähigkeit eines Arzneimittels außerhalb seines Zulassungsbereichs (Off-Label-Use)
Arzneiverordnung - Verordnung außerhalb der Indikation muss die Kasse nicht bezahlen
Arzneimittel-Urteil: "Off-label-use" eingeschränkt
Anwendung von Arzneimitteln nur in zugelassenen Behandlungsgebieten
Krankenversicherung; Einsatz von Arzneimitteln außerhalb der durch die Zulassung festgelegten Anwendungsgebiete
Arzneimittelverordnung - Regressfalle "Off-label-use" bei der Richtgrößenprüfung
bdi.de (Aufsatz mit Bezug zur Entscheidung)
Die rechtlichen Aspekte beim "Off-Label-Use" - oder: im Zweifel auf Privatrezept! (RA Dr. Philip Schelling)
Off-label Use: Mehr Sicherheit für Ärzte und Patienten
Off-Label-Use - Konkretisierungen des Off-Label-Use durch aktuelle Beschlüsse des G-BA
Sozialgesetzbuch, Fünftes Buch, §§ 2 Abs. 1, 12 Abs. 1, 27 Abs. 1, 31 Abs. 1 und 135 Abs. 1
SG Dortmund, 20.07.1999 - S 8 KR 275/98
LSG Nordrhein-Westfalen, 08.08.2000 - L 5 KR 80/99
BSGE 89, 184
NJW 2003, 460
NZS 2002, 646
Damit kam mangels Zulassung von Tomudex(r) seine zulassungsüberschreitende Anwendung (vgl dazu BSGE 89, 184 ff = SozR 3-2500 § 31 Nr. 8 - Sandoglobulin(r)) ebenfalls von vornherein nicht in Betracht (…BSGE 93, 1 = SozR aaO, jeweils RdNr 22).
Solche Auswirkungen dürfen einer Versichertengemeinschaft nicht aufgebürdet werden, die die Behandlung - typischerweise unter Anwendung des Instruments der Versicherungspflicht, also zwangsweise - finanziert (vgl schon BSGE 89, 184, 190 = SozR 3-2500 § 31 Nr. 8 S 34;… zuletzt: Senats-Urteil vom 27. September 2005 - B 1 KR 6/04 R - SozR 4-2500 § 31 Nr. 3 RdNr 25 Wobe-Mugos E, auch zur Veröffentlichung in BSGE vorgesehen).
Wie der Senat bereits in seinem Urteil vom 19. März 2002 - B 1 KR 37/00 R (BSGE 89, 184, 185 und 191 = SozR 3-2500 § 31 Nr. 8 S 29, 35 - Sandoglobulin(r)) im Anschluss an frühere Judikatur (…BSGE 82, 233, 235 f = SozR 3-2500 § 31 Nr. 5 S 17 f - Jomol) im Einzelnen ausgeführt hat, sind die Anforderungen des SGB V an Pharmakotherapien mit Medikamenten, die nach den Vorschriften des Arzneimittelrechts der Zulassung bedürfen, nur erfüllt, wenn sie eine solche Zulassung besitzen.
Deshalb ist es nicht Aufgabe des Bundesausschusses, zulassungspflichtige Arzneimittel für den Einsatz in der vertragsärztlichen Versorgung einer nochmaligen, gesonderten Begutachtung zu unterziehen und die arzneimittelrechtliche Zulassung durch eine für den Bereich der gesetzlichen Krankenversicherung geltende Empfehlung zu ergänzen bzw zu ersetzen (so BSGE 89, 184, 191 = SozR 3-2500 § 31 Nr. 8 S 35 f - Sandoglobulin(r)).
Damit zieht der Senat eine gewisse Parallele zu den im Urteil vom 19. März 2002 entwickelten Voraussetzungen für die Leistungspflicht der Krankenkassen bei der zulassungsüberschreitenden Anwendung eines Medikaments, die aus ähnlichen Gründen auf außergewöhnliche Notfälle zu beschränken war (BSGE 89, 184, 191 f = SozR 3-2500 § 31 Nr. 8 S 36 - Sandoglobulin(r)).
Der Senat hat bereits im Sandoglobulin(r)-Urteil vom 19. März 2002 unter Bezugnahme auf Gesetzesinitiativen aus dem Deutschen Bundestag (Entschließungsanträge der Fraktionen des Deutschen Bundestages vom 16. Januar 2001 - BT-Drucks 14/5083 sowie vom 23. Januar 2001 - BT-Drucks 14/5136) darauf hingewiesen, dass bei pädiatrischen Erkrankungen auf Präparate zurückgegriffen werden muss, die für die Therapie speziell dieser Krankheiten nicht zugelassen sind, bzw dass Arzneimittel außerhalb der zugelassenen Indikationen zur Anwendung gebracht werden müssen, wenn andernfalls eine ernste, lebensbedrohende Krankheit nicht behandelt werden kann (BSGE 89, 184, 188 = SozR 3-2500 § 31 Nr. 8 S 32; zum Problemfeld aus neuerer Zeit zB: Richter - Kuhlmann - DÄBl 2003, A-2757; Dierks/Nitz, DMW 2003, 2138 und 2004, 397; Grabar, DÄBl 2004, A-320;… Georgescu/Vollborn, SPIEGEL-online, aaO; von Langsdorff/Schlegel, Der Kassenarzt 18/2004, 56; Fregert/Köch/Lippert ZRP 2003, 446; Trips-Hebert ZRP 2004, 130; Berichte "Sichere Arzneien für Kinder - Erfolge werden bald greifbar" in: Ärzte Zeitung vom 10. April 2002 und "Arzneimittelstudien könnten bald auch mit Kindern möglich sein" in: Ärzte Zeitung vom 30. Oktober 2003).
Im Fall der Klägerin braucht nicht geklärt zu werden, ob bzw unter welchen Voraussetzungen die dargestellten Unzulänglichkeiten des Arzneimittelgesetzes bei seltenen Krankheiten eine über die schon erfolgten legislatorischen Maßnahmen sowie über das Senatsurteil vom 19. März 2002 (BSGE 89, 184 = SozR 3-2500 § 31 Nr. 8 - Sandoglobulin(r)) hinausreichende Neubestimmung der Voraussetzungen des krankenversicherungsrechtlichen Anspruchs auf neue Behandlungsmethoden erfordern bzw rechtfertigen.
Solche Auswirkungen dürfen einer Versichertengemeinschaft nicht aufgebürdet werden, die die Behandlung - typischerweise unter Anwendung des Instruments der Versicherungspflicht, also zwangsweise - finanziert (vgl schon BSGE 89, 184, 190 = SozR 3-2500 § 31 Nr. 8 S 34;… BSGE 95, 132 = SozR 4-2500 § 31 Nr. 3, RdNr 25 - Wobe-Mugos E).
Um ein Arzneimittel zu Lasten der gesetzlichen Krankenversicherung außerhalb seiner Zulassung verordnen zu dürfen, bedarf es während und außerhalb eines arzneimittelrechtlichen Zulassungsverfahrens einer gleichen Qualität der wissenschaftlichen Erkenntnisse über Nutzen und Risiken des Mittels (Weiterführung von BSG vom 19.3.2002 - B 1 KR 37/00 R = BSGE 89, 184 = SozR 3-2500 § 31 Nr. 8).
Selbst wenn aber ein Fall des Off-Label-Use vorgelegen habe, sei die Rechtsprechung des Bundessozialgerichts (BSG, Urteil vom 19. März 2002 - B 1 KR 37/00 R - BSGE 89, 184 = SozR 3-2500 § 31 Nr. 8 - Sandoglobulin(r)) so zu verstehen, dass jedenfalls außerhalb eines Zulassungsverfahrens ein vielversprechendes Zulassungspotenzial für das Mittel genüge, um es zu Lasten der GKV zu verordnen.
Nach der Rechtsprechung des Senats (grundlegend BSGE 89, 184, 191 f = SozR 3-2500 § 31 Nr. 8 S 36 - Sandoglobulin(r)) kommt im Übrigen die Verordnung eines Medikaments in einem von der Zulassung nicht umfassten Anwendungsgebiet grundsätzlich nur in Betracht, wenn es 1.) um die Behandlung einer schwerwiegenden (lebensbedrohlichen oder die Lebensqualität auf Dauer nachhaltig beeinträchtigenden) Erkrankung geht, wenn 2.) keine andere Therapie verfügbar ist und wenn 3.) aufgrund der Datenlage die begründete Aussicht besteht, dass mit dem betreffenden Präparat ein Behandlungserfolg (kurativ oder palliativ) erzielt werden kann.
Ausnahmen können nur in engen Grenzen aufgrund einer Güterabwägung anerkannt werden, die der Gefahr einer krankenversicherungsrechtlichen Umgehung arzneimittelrechtlicher Zulassungserfordernisse entgegenwirkt, die Anforderungen des Rechts der GKV an Qualität und Wirksamkeit der Arzneimittel (§ 2 Abs. 1 und § 12 Abs. 1 SGB V) beachtet und den Funktionsdefiziten des Arzneimittelrechts in Fällen eines unabweisbaren, anders nicht zu befriedigenden Bedarfs Rechnung trägt (vgl BSGE 89, 184, 190 ff = SozR 3-2500 § 31 Nr. 8 S 34 ff;… BSGE 95, 132 RdNr 17 f = SozR 4-2500 § 31 Nr. 3 RdNr 24 f mwN;… von Wulffen, Festschrift für Wiegand, 2003, 161, 174; Hauck, Arzneimittel & Recht 2006, 147, 148 f).
Nach der von ihm zu Recht weiterhin zugrunde gelegten Rechtsprechung des Senats (BSGE 89, 184, 192 = SozR 3-2500 § 31 Nr. 8 S 36 - Sandoglobulin(r)) kann von hinreichenden Erfolgsaussichten dann ausgegangen werden, wenn Forschungsergebnisse vorliegen, die erwarten lassen, dass das Arzneimittel für die betreffende Indikation zugelassen werden kann.
Auch soweit die Revision letztlich aus dem Senatsurteil vom 19. März 2002 (BSGE 89, 184, 192 = SozR 3-2500 § 31 Nr. 8 S 36 - Sandoglobulin(r)) ableitet, gegenüber der Alternative (a), den notwendigen Erkenntnissen während eines Zulassungsverfahrens, fordere die Alternative (b) für die "Veröffentlichung von Erkenntnissen außerhalb eines Zulassungsverfahrens" ein geringeres, von der inhalativen Iloprost-Therapie erreichtes Niveau an wissenschaftlichen Erkenntnissen zum Behandlungserfolg, um einen Off-Label-Use zu Lasten der GKV zu ermöglichen, muss ihr der Erfolg versagt bleiben.
Das Senats-Urteil vom 19. März 2002 (BSGE 89, 184 = SozR 3-2500 § 31 Nr. 8 - Sandoglobulin(r)) lag am letzten Tag der Selbstbeschaffung, dem 19. März 2002, noch nicht vor.
Kontrovers war und ist im Hinblick auf die Kompetenz des GBA zur Methodenanerkennung nach § 135 Abs. 1 SGB V und zur Steuerung der Versorgung der Versicherten mit Arzneimitteln allein die hier nicht entscheidungserhebliche Frage, ob jedes arzneimittelrechtlich zugelassene Arzneimittel auch die Voraussetzungen der Wirtschaftlichkeit und Zweckmäßigkeit iS des § 12 Abs. 1 SGB V erfüllt und wie weit dementsprechend die Vorgreiflichkeit einer Zulassung nach dem AMG für den Einsatz des Arzneimittels im Rahmen der GKV reicht (vgl BSGE 89, 184, 185 = SozR 3-2500 § 31 Nr. 8 - Sandoglobulin).
c) Im Rahmen der Bewertung von Arzneimitteln an Hand der in der GKV geltenden Maßstäbe ist allerdings - im Unterschied zur Methodenanerkennung - die arzneimittelrechtliche Zulassung eines Wirkstoffs zu beachten, bei der gemäß § 21 Abs. 2 AMG Qualität, Wirksamkeit und medizinische Unbedenklichkeit des Wirkstoffs für die vorgesehenen Indikationen geprüft und abschließend bewertet werden (näher BSGE 89, 184, 185 = SozR 3-2500 § 31 Nr. 8 S 29).
Er bezeichnet die dem Arzneimittel gegebene Zweckbestimmung, umschreibt also das Gebiet, in dem das Arzneimittel im konkreten Fall eingesetzt werden soll (…vgl BSG SozR 4-2500 § 31 Nr. 6 RdNr 9;… BSG SozR 4-2500 § 31 Nr. 15 RdNr 21 f; BSGE 89, 184, 191 = SozR 3-2500 § 31 Nr. 8 S 35 f;… BSGE 108, 183 = SozR 4-2500 § 92 Nr. 12 RdNr 43; Kloesel/Cyran, Kommentar zum Arzneimittelrecht - AMG, Stand 1.4.2014, Bd 2, § 11 Anm 36; zum Begriff der Indikation siehe auch Hauck, NJW 2013, 3334).
Soweit Versicherte ausnahmsweise außerhalb des Indikationsgebiets der arzneimittelrechtlichen Zulassung Versorgung mit arzneimittelrechtlich zugelassenen Arzneimitteln nach den Grundsätzen des sogenannten Off-Label-Use beanspruchen können, setzt dies grundsätzlich eine arzneimittelrechtliche Zulassung (…zur Ausnahme des zulässigen Einzelimports nach § 73 Abs. 3 AMG bei Fällen grundrechtsorientierter Auslegung vgl grundlegend BSGE 96, 170 = SozR 4-2500 § 31 Nr. 4 - Tomudex) und ua eine Studienlage voraus, die eine Zulassung des Arzneimittels nach den Anforderungen des AMG zur betroffenen Indikation rechtfertigen würde (stRspr, vgl zB BSGE 89, 184, 191 f = SozR 3-2500 § 31 Nr. 8 S 36 - Sandoglobulin;… BSGE 97, 112 = SozR 4-2500 § 31 Nr. 5, RdNr 17 f - Ilomedin;… BSG SozR 4-2500 § 31 Nr. 15 RdNr 31 mwN - Ritalin).
Der Senat hat in seinem Urteil vom 19.3.2002 (BSGE 89, 184 = SozR 3-2500 § 31 Nr. 8 - Sandoglobulin) dafür die allgemeinen Voraussetzungen aufgezeigt.
Dies kann angenommen werden, wenn entweder (a) die Erweiterung der Zulassung bereits beantragt ist und die Ergebnisse einer kontrollierten klinischen Prüfung der Phase III (gegenüber Standard oder Placebo) veröffentlicht sind und eine klinisch relevante Wirksamkeit respektive einen klinisch relevanten Nutzen bei vertretbaren Risiken belegen oder (b) außerhalb eines Zulassungsverfahrens gewonnene Erkenntnisse veröffentlicht sind, die über Qualität und Wirksamkeit des Arzneimittels in dem neuen Anwendungsgebiet zuverlässige, wissenschaftlich nachprüfbare Aussagen zulassen und aufgrund derer in den einschlägigen Fachkreisen Konsens über einen voraussichtlichen Nutzen in dem vorgenannten Sinne besteht (BSGE 89, 184, 192 = SozR 3-2500 § 31 Nr. 8 S 36;… BSG SozR 4-2500 § 31 Nr. 6 RdNr 12 f mwN - restless legs).
In der Vergangenheit resultierte das Bedürfnis für die (auch krankenversicherungsrechtliche) Ermöglichung des Off-Label-Use durch die Rechtsprechung oftmals aus der umgekehrten, als nicht hinnehmbar empfundenen Sachlage, dass ein Arzneimittel nur für die Behandlung von Erwachsenen zugelassen war, nicht aber für diejenige von Kindern (vgl zu diesem Ausgangspunkt und den aus einer Übertragung auf Kinder resultierenden Gefahren, jeweils mwN: BSGE 89, 184, 188, 189 = SozR 3-2500 § 31 Nr. 8 S 32, 33, 34 - Sandoglobulin;… BSGE 93, 236 = SozR 4-2500 § 27 Nr. 1, jeweils RdNr 26 f, 32 - Visudyne).
Das Urteil des BSG vom 19.3.2002 (BSGE 89, 184 = SozR 3-2500 § 31 Nr. 8 - Sandoglobulin) halte angesichts des Beschlusses des Bundesverfassungsgerichts (BVerfG) vom 6.12.2005 - 1 BvR 347/98 (…BVerfGE 115, 25 = SozR 4-2500 § 27 Nr. 5) verfassungsrechtlichen Anforderungen nicht mehr Stand.
Der Senat hat bereits in seinem von den Vorinstanzen in Bezug genommenen Urteil vom 19.3.2002 - B 1 KR 37/00 R (BSGE 89, 184 ff = SozR 3-2500 § 31 Nr. 8 - Sandoglobulin) sowohl allgemein zu den Voraussetzungen für einen solchen Off-Label-Use ausführlich Stellung genommen als auch speziell für einen an MS (dort in einer primär chronisch-progredienten Verlaufsform) leidenden Versicherten den Anspruch auf eine intravenöse Verabreichung von Immunglobulinen im Einzelnen verneint.
Auch wenn es sich bei der bei der Klägerin bestehenden Form der MS um eine die Lebensqualität auf Dauer nachhaltig beeinträchtigende Krankheit handelt und es zumutbare Behandlungsalternativen wegen aufgetretener erheblicher Nebenwirkungen von Betaferon (vgl aber noch BSGE 89, 184, 192 = SozR 3-2500 § 31 Nr. 8 - Sandoglobulin) nicht zu geben scheint (so die Feststellungen der Vorinstanzen), fehlt es jedenfalls an der für einen Off-Label-Use auf Kosten der GKV erforderlichen Erfolgsaussicht.
Der Senat hat im genannten Urteil darauf abgestellt, dass nach den vom Paul-Ehrlich-Institut veröffentlichten Ergebnissen eines internationalen Symposiums von November 2001 für die sekundär-progressive MS ebenfalls kein wissenschaftlicher Konsens über den Nutzen einer Behandlung mit Immunglobulinen bestand (BSGE 89, 184, 192 = SozR 3-2500 § 31 Nr. 8).
Nach der Rechtsprechung des Senats fehlt es an der krankenversicherungsrechtlichen Zweckmäßigkeit und Wirtschaftlichkeit (vgl § 2 Abs. 1 Satz 1, § 12 Abs. 1 SGB V) speziell einer Arzneimitteltherapie, wenn das verwendete Mittel nach den Regelungen des Arzneimittelrechts einer Zulassung bedarf und diese Zulassung nicht erteilt worden ist (…stRspr, vgl zB BSGE 72, 252, 256 f = SozR 3-2200 § 182 Nr. 17 - Goldnerz-Aufbaucreme;… BSG SozR 3-2500 § 31 Nr. 3 S 8 f mwN - Edelfosin - bestätigt durch BVerfG NJW 1997, 3085;… BSGE 82, 233 ff = SozR 3-2500 § 31 Nr. 5 - Jomol, vgl zu diesem Mittel BVerfG - MedR 1997, 318;… SozR 3-2500 § 31 Nr. 7 S 23 f - ATC; BSGE 89, 184, 185 = SozR 3-2500 § 31 Nr. 8 S 29 - Sandoglobulin).
Obwohl das AMG einem Arzt die indikations- und zulassungsüberschreitende Anwendung eines Arzneimittels nicht verbietet, darf selbst ein zugelassenes Arzneimittel grundsätzlich nicht (sondern nur unter qualifizierten Voraussetzungen) zu Lasten der Krankenkasse in einem Anwendungsgebiet verordnet werden, auf das sich seine Zulassung nicht erstreckt (BSGE 89, 184, 188 = SozR 3-2500 § 31 Nr. 8 S 32 - Sandoglobulin).
Hinzu kommt, dass die umfassende, systematische Ausnutzung enger Ausnahmebestimmungen des Arzneimittelrechts durch das Recht der gesetzlichen Krankenversicherung, welches ca 90% der Bevölkerung erfasst, stets eine umfangreiche Anwendung der streitbefangenen Mittel auf Kosten der Leistungsträger nach sich zu ziehen droht, sodass hier in besonderem Maße der Gefahr einer krankenversicherungsrechtlichen Umgehung arzneimittelrechtlicher Zulassungserfordernisse entgegengewirkt werden muss (vgl schon BSGE 89, 184, 191 = SozR 3-2500 § 31 Nr. 8 S 36;… BSGE 93, 1, 4 = SozR 4-2500 § 31 Nr. 1 RdNr 10;… BSGE 93, 236, 245 = SozR 4-2500 § 27 Nr. 1 RdNr 23).
Könnten außerdem Therapien mit Fertigarzneimitten im System des SGB V beansprucht werden, obwohl bei dem konkret in Rede stehenden Mittel eine vorgesehene innerstaatliche Kontrolle der Sicherheit und Qualität zu keinem positiven Ergebnis geführt hat, wäre dies mit einem inakzeptablen unkalkulierbaren Risiko etwaiger Gesundheitsschäden behaftet, dessen Auswirkungen gerade der Versichertengemeinschaft nicht aufgebürdet werden dürfen, die die Behandlungen - typischerweise unter Anwendung des Instruments der Versicherungspflicht, also zwangsweise - finanziert (vgl schon BSGE 89, 184, 190 = SozR 3-2500 § 31 Nr. 8 S 34;… vgl auch Schmidt, aaO, § 31 SGB V RdNr 86b).
Nach der Rechtsprechung des BSG fehlt es daher an der Zweckmäßigkeit und Wirtschaftlichkeit speziell einer Arzneimitteltherapie, wenn das verwendete Mittel nach den Regelungen des Arzneimittelrechts einer Zulassung bedarf und diese Zulassung nicht erteilt worden ist (…stRspr, vgl zB BSGE 72, 252, 256 f = SozR 3-2200 § 182 Nr. 17;… BSG SozR 3-2500 § 31 Nr. 3 S 8 f mwN;… BSGE 82, 233 ff = SozR 3-2500 § 31 Nr. 5;… SozR 3-2500 § 31 Nr. 7 S 23 f; BSGE 89, 184, 185 = SozR 3-2500 § 31 Nr. 8 S 29).
Schließlich kann die vom Kläger angeführte Rechtsprechung des Senats zur zulassungsüberschreitenden Anwendung von Arzneimitteln (sog Off-Label-Use, vgl Urteil vom 19. März 2002 - B 1 KR 37/00 R - BSGE 89, 184 ff = SozR 3-2500 § 31 Nr. 8) kein ihm günstiges Ergebnis herbeiführen.
Auch wenn sich die klinische Prüfung nur auf die im Zulassungsantrag genannten Anwendungsgebiete bezogen hat, ist damit doch zumindest bereits die Basis für eine ausreichende Arzneimittelsicherheit geschaffen und damit den Grundanliegen des AMG und des Krankenversicherungsrechts Rechnung getragen worden (BSGE 89, 184, 190 = SozR aaO S 34 f).
BSG, 30.10.2019 - B 6 KA 21/18 B
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SG Würzburg, 05.02.2003 - S 3 KR 16/03
SG Nordhausen, 18.11.2002 - S 6 KR 471/02
SG Dessau, 28.08.2002 - S 2 KR 48/02
LSG Bayern, 18.01.2011 - L 5 KR 214/08
Krankenversicherung - kein Anspruch auf Versorgung mit dem Arzneimittel Concerta …
SG Nürnberg, 17.06.2003 - S 7 KR 182/01
LSG Berlin-Brandenburg, 16.12.2014 - L 1 KR 185/13
Off-Label-Use - MADSAM - CIDP - Immunglobulin - seltene Erkrankung
LSG Schleswig-Holstein, 27.06.2007 - L 5 KR 24/06
Krankenversicherung - Kostenerstattung einer Photodynamischen Therapie mit …
LSG Bayern, 22.09.2005 - L 4 KR 167/02
Kostenerstattung für eine Therapie des Fibromyalgie-Syndroms mit Immunglobulinen; …
LSG Baden-Württemberg, 16.09.2005 - L 4 KR 1094/04
Krankenversicherung - Kostenerstattung - Arzneimittel - Octagam (Immunglobulin) - …
LSG Rheinland-Pfalz, 21.07.2005 - L 5 KR 56/05
Krankenversicherung - kein Anspruch von Erwachsenen auf Ritalin oder andere …
SG Düsseldorf, 17.07.2003 - S 8 KR 91/03
LSG Niedersachsen-Bremen, 05.06.2002 - L 4 KR 33/02
Krankenversicherung - einstweiliger Rechtsschutz - Gewährung einer …
LSG Brandenburg, 12.11.2003 - L 4 KR 53/01
Streitigkeit über die Erstattung bzw. Freistellung von Kosten für eine Herzeptin …
LSG Bayern, 06.11.2003 - L 18 SB 113/00
Vorliegen mehrerer Beeinträchtigungen der Teilhabe am Leben in der Gesellschaft; …
LSG Nordrhein-Westfalen, 09.10.2003 - L 5 KR 62/02
LSG Niedersachsen-Bremen, 12.12.2018 - L 3 KA 10/16
SG Berlin, 06.07.2005 - S 71 KA 66/02
Wirtschaftlichkeitsprüfung - Arzneimittelregress - Zuständigkeit der Prüfgremien …
LSG Thüringen, 28.06.2004 - L 6 KR 696/01
Kostenfreistellung für eine Thymuspeptid-Therapie unter Verwendung von aus dem …
LSG Nordrhein-Westfalen, 10.10.2003 - L 16 B 45/03
SG Hamburg, 26.02.2003 - S 3 KA 254/01
Vertragsärztliche Versorgung - Nichtanwendung - Methadon-Richtlinien - ambulant …
SG Aachen, 11.03.2010 - S 2 KR 7/09
LSG Bayern, 24.04.2008 - L 4 KR 75/05
Kostenübernahme bzw. Kostenerstattung für ein in verschiedenen Behandlungszyklen …
LSG Bayern, 25.07.2006 - L 5 KR 24/05
Entfallen des Anspruchs auf eine bestimmte Behandlung bei Nachweislichkeit der …
LSG Baden-Württemberg, 25.10.2005 - L 11 KR 2788/05
Anforderungen an die künftige Freistellung von den Kosten für die Behandlung mit …
LSG Bayern, 06.10.2005 - L 4 KR 214/03
Pflicht zur Zahlung einer Positronen-Emissions-Tomographie (PET); Übernahme der …
LSG Nordrhein-Westfalen, 24.05.2004 - L 16 KR 8/04
LSG Thüringen, 02.04.2002 - L 6 KR 145/02
SG Stuttgart, 01.08.2011 - S 8 KR 354/10
Krankenversicherung - kein Anspruch eines 13-Jährigen auf Versorgung mit dem …
LSG Nordrhein-Westfalen, 28.10.2002 - L 16 KR 39/01
LSG Berlin-Brandenburg, 07.11.2011 - L 9 KR 179/11
Off-Label-Use - Stiff-Man-Syndrom
LSG Bremen, 13.03.2002 - L 6 KR 23/00
SG Hamburg, 03.07.2015 - S 33 KR 55/10
Anspruch eines Intelligenzgeminderten auf Kostenübernahme des Medikaments Invega …
SG Aachen, 18.11.2010 - S 2 KR 68/10
SG Berlin, 12.04.2005 - S 81 KR 323/99
Erstattungspflicht bezüglich der Kosten für mehrere Behandlungen mit dem …
SG Duisburg, 20.10.2003 - S 7 KR 131/01
SG Fulda, 03.07.2003 - S-1/KR-553/01
SG Augsburg, 28.05.2003 - S 12 KR 286/02
SG Aachen, 14.04.2003 - S 6 KR 91/02
LSG Bayern, 13.12.2002 - L 4 KR 179/01
SG Magdeburg, 09.05.2012 - S 21 KA 151/08
(Krankenversicherung - Wirtschaftlichkeitsprüfung - Arzneimittelverordnung - …
SG Aachen, 02.11.2011 - S 13 KR 296/11
SG Aachen, 01.06.2011 - S 13 KR 122/11
SG Frankfurt/Main, 14.04.2008 - S 25 KR 2180/04
Krankenversicherung - Kostenübernahme eines Off-Label-Use von intravenösem …
SG Speyer, 08.10.2004 - S 7 KR 805/03
Krankenversicherung - photodynamische Therapie - neue Behandlungsmethode - …
SG Gelsenkirchen, 24.07.2002 - S 6 KN 61/02
SG Aachen, 08.07.2002 - S 6 KR 18/02
SG Gelsenkirchen, 22.05.2002 - S 18 KN 5/02
SG Aachen, 06.05.2002 - S 6 KR 30/02
SG Karlsruhe, 20.02.2006 - S 5 KR 307/05
Krankenversicherung - Behandlung mit Arzneimittel "Venimmun" bei …
SG Freiburg, 10.09.2003 - S 5 KR 1070/03
BSG, 18.12.2002 - B 1 KR 45/02 B
Gesetzliche Krankenversicherung - Beschwerde gegen Nichtzulassung der Revision - …
SG Karlsruhe, 15.11.2002 - S 3 KR 3359/01
SG Oldenburg, 25.09.2002 - S 61 KR 6/01
SG Oldenburg, 24.09.2002 - S 63 KR 148/00
SG Hamburg, 17.11.2003 - S 37 KR 729/03
SG Koblenz, 14.11.2002 - S 5 ER KR 29/02