Source: https://www.rechtslupe.de/steuerrecht/ust/wasseranschlus-34484
Timestamp: 2020-01-28 19:05:56
Document Index: 336964743

Matched Legal Cases: ['§ 12', 'EuG', '§ 12', 'EuG', 'Art. 12', '§ 12', '§ 9']

Was­ser­an­schluß | Rechtslupe
19. November 2008 Rechtslupe
Was­ser­an­schluß
Das Legen eines Haus­an­schlus­ses, also die Ver­bin­dung des Was­ser­ver­tei­lungs­net­zes mit der Haus­in­stal­la­ti­on, durch ein Was­ser­ver­sor­gungs­un­ter­neh­men gegen geson­dert berech­ne­tes Ent­gelt fällt unter den Begriff "Lie­fe­run­gen von Was­ser" i.S. von § 12 Abs. 2 Nr. 1 UStG i.V.m. Nr. 34 der Anla­ge zum UStG und ist des­halb mit dem ermä­ßig­ten Steu­er­satz zu ver­steu­ern, wenn die Anschluss­leis­tung an den spä­te­ren Was­ser­be­zie­her erbracht wird. Mit die­ser Ent­schei­dung setzt der Bun­des­fi­nanz­hof ein ent­spre­chen­des Urteil des EuGH um. Kos­tet also 7% Mehr­wert­steu­er.
Klä­ger war ein aus meh­re­ren Städ­ten und Krei­sen bestehen­der Zweck­ver­band zur Trink­was­ser­ver­sor­gung und Abwas­ser­be­sei­ti­gung. Er belie­fer­te Kun­den mit Was­ser und leg­te auf Ver­lan­gen von Grund­stücks­ei­gen­tü­mern gegen Kos­ten­er­stat­tung Haus­an­schlüs­se, d.h. er ver­band sein Was­ser-Ver­tei­ler­netz mit der jewei­li­gen Anla­ge des Grund­stücks­ei­gen­tü­mers. Die Haus­an­schlüs­se blie­ben im Eigen­tum des Klä­gers.
Der Klä­ger war der Mei­nung, auf die­se Umsät­ze (Legen des Haus­an­schlus­ses) sei – eben­so wie für die Was­ser­lie­fe­rung selbst – nach § 12 Abs. 2 Nr. 1 UStG in Ver­bin­dung mit Nr. 34 der Anla­ge zum UStG der ermä­ßig­te Steu­er­satz von 7 % anzu­wen­den, soweit sie an Grund­stücks­ei­gen­tü­mer aus­ge­führt wur­den, die zugleich Emp­fän­ger der nach­fol­gen­den Was­ser­lie­fe­run­gen waren. Das Finanz­amt hat­te dage­gen ent­spre­chend einem Schrei­ben des Bun­des­mi­nis­te­ri­ums der Finan­zen vom 4. Juli 2000 auf die­se Umsät­ze den Regel­steu­er­satz (damals 16 %) ange­wen­det.
Der BFH folg­te im Ergeb­nis der Auf­fas­sung des Klä­gers. Er führ­te zur Begrün­dung aus, in dem im vor­lie­gen­den Ver­fah­ren auf sei­ne Vor­la­ge hin ergan­ge­nen Urteil vom 3. April 2008 habe der Gerichts­hof der Euro­päi­schen Gemein­schaf­ten (EuGH) ent­schie­den, dass unter den Begriff "Lie­fe­run­gen von Was­ser" i.S. von Art. 12 Abs. 3 Buchst. a und Anhang H Kate­go­rie 2 der Richt­li­nie 77/​388/​EWG auch das Legen eines Haus­an­schlus­ses fal­le. Das müs­se – so der BFH – dann auch für die Aus­le­gung des UStG gel­ten. Zwar dürf­ten die Mit­glied­staa­ten das Legen eines Haus­an­schlus­ses von der grund­sätz­li­chen Steu­er­ermä­ßi­gung für die "Lie­fe­run­gen von Was­ser" aus­schlie­ßen. Dies erfor­de­re aber eine gesetz­li­che Rege­lung und kön­ne nicht durch eine blo­ße Ver­wal­tungs­vor­schrift gesche­hen. § 12 Abs. 2 Nr. 1 UStG ent­hal­te einen sol­chen Aus­schluss nicht.
Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 8. Okto­ber 2008 – V R 61/​03
Gerichts­hof der Euro­päi­schen Gemein­schaf­ten, Urteil vom 3. April 2008 – C‑442/​05
UPDATE 7. April 2009: Das Bun­des­fi­nanz­mi­nis­te­ri­um hat hier­auf mitt­ler­wei­le mit einem Anwen­dungs­er­lass reagiert.
Der vor­be­rei­ten­de Schrift­satz und der nach­fol­gen­de… Durch das Ein­rei­chen eines die münd­li­che Ver­hand­lung ledig­lich vor­be­rei­ten­den Schrift­sat­zes hat sich eine Par­tei noch nicht in eine Ver­hand­lung vor dem als befan­gen abge­lehn­ten Rich­ter…
Bau­kos­ten­zu­schuss für den Was­ser­an­schluss Zu den Vor­aus­set­zun­gen des Anspruchs des Was­ser­ver­sor­gungs­un­ter­neh­mens gegen den Anschluss­neh­mer auf Zah­lung eines Bau­kos­ten­zu­schus­ses gemäß § 9 Abs. 1 AVB­Was­serV und auf Erstat­tung der Kos­ten…
Legen von Haus­was­ser­an­schlüs­sen und die Umsatz­steu­er Der Bun­des­fi­nanz­hof hat­te im Okto­ber 2008 in zwei Urtei­len 1 über die Umsatz­steu­er beim…
BFH, Urtei­le vom 8. Okto­ber 2008 – V R 61/​03 und V R 27/​06[↩]
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