Source: https://www.handwerkslupe.de/montage-betriebsbereiter-photovoltaikanlagen-als-bauleistung-1477
Timestamp: 2020-07-08 05:08:14
Document Index: 254064038

Matched Legal Cases: ['§ 13', '§ 69', '§ 69', '§ 13', '§ 13', 'Art.199', 'EuG', '§ 13', '§ 13', '§ 13', '§ 13', '§ 69', '§ 69']

Montage betriebsbereiter Photovoltaikanlagen als Bauleistung | Handwerkslupe
Der Bun­des­fi­nanzhof hat Zweifel daran, dass die Liefer­ung und Mon­tage betrieb­s­bere­it­er (sog. schlüs­selfer­tiger) Pho­to­voltaikan­la­gen umsatzs­teuer­lich eine Bauleis­tung im Sinne von § 13b UStG darstellt.
Nach § 69 Abs. 3 Satz 1, Abs. 2 Satz 2 FGO ist die Vol­lziehung eines ange­focht­e­nen Ver­wal­tungsak­ts ganz oder teil­weise auszuset­zen, wenn ern­stliche Zweifel an der Recht­mäßigkeit des ange­focht­e­nen Ver­wal­tungsak­ts beste­hen. Ern­stliche Zweifel i.S. von § 69 Abs. 2 Satz 2 FGO liegen dann vor, wenn bei sum­marisch­er Prü­fung des ange­focht­e­nen Beschei­des neben für seine Recht­mäßigkeit sprechen­den Umstän­den gewichtige Gründe zutage treten, die Unentsch­ieden­heit oder Unsicher­heit in der Beurteilung von Rechts­fra­gen oder Unklarheit in der Beurteilung entschei­dungser­he­blich­er Tat­fra­gen bewirken1. Die Entschei­dung hierüber erge­ht bei der im AdV-Ver­fahren gebote­nen sum­marischen Prü­fung auf­grund des Sachver­halts, der sich aus dem Vor­trag der Beteiligten und der Akten­lage ergibt2. Zur Gewährung der AdV ist es nicht erforder­lich, dass die für die Rechtswidrigkeit sprechen­den Gründe im Sinne ein­er Erfol­gswahrschein­lichkeit über­wiegen3.
Nach diesen Maß­gaben beste­hen für den Bun­des­fi­nanzhof im Stre­it­fall ern­stliche Zweifel daran, die Mon­ta­gen der PV-Anla­gen als Bauleis­tun­gen i.S. von § 13b Abs. 2 Nr. 4 Satz 1 UStG (bis zum 30.06.2010 § 13b Abs. 1 Satz 1 Nr. 4 Satz 1 UStG), der für die Stre­it­jahre union­srechtlich auf Art.199 Abs. 1 Buchst. a der Richtlin­ie 2006/112/EG des Rates vom 28.11.2006 über das gemein­same Mehrw­ert­s­teuer­sys­tem beruht, einzustufen.
Nach der Recht­sprechung des EuGH fällt ins­beson­dere die Errich­tung eines Gebäudes unter den Begriff der Bauleis­tung4.
Der Bun­des­fi­nanzhof hat entsch­ieden, dass § 13b Abs. 2 Nr. 4 Satz 1 UStG (bis zum 30.06.2010 § 13b Abs. 1 Satz 1 Nr. 4 Satz 1 UStG) nicht alle “Bauleis­tun­gen”, die der Her­stel­lung, Instand­set­zung, Instand­hal­tung, Änderung oder Besei­t­i­gung von Bauw­erken dienen, son­dern nur Werk­liefer­un­gen und son­stige Leis­tun­gen erfasst, die diesen Bauw­erks­bezug aufweisen5. Danach fall­en jeden­falls die Erstel­lung eines Wohn­haus­es6 sowie Rohbauar­beit­en7 in den Anwen­dungs­bere­ich des § 13b Abs. 2 Nr. 4 Satz 1 UStG (bis zum 30.06.2010 § 13b Abs. 1 Satz 1 Nr. 4 Satz 1 UStG).
Wed­er der Gericht­shof der Europäis­chen Union noch der Bun­des­fi­nanzhof hat­ten bish­er über die hier stre­it­ige Ein­stu­fung der Mon­tage von Pho­to­voltaik-Anla­gen (PV-Anla­gen) als Bauleis­tun­gen zu entschei­den.
Angesichts dieser ungek­lärten Recht­slage gewährte der Bun­des­fi­nanzhof die beantragte Aus­set­zung der Vol­lziehung der ange­focht­e­nen Umsatzs­teuerbeschei­de.
Denn ist die Recht­slage nicht ein­deutig, ist über die zu klären­den Fra­gen grund­sät­zlich nicht im sum­marischen Beschlussver­fahren zu entschei­den; die Klärung muss vielmehr dem Haupt­sachev­er­fahren vor­be­hal­ten bleiben8.
Dem fern­er gestell­ten Antrag auf Aufhe­bung der Vol­lziehung der Umsatzs­teuerbeschei­de war mit der Maß­gabe zu entsprechen, dass die ent­stande­nen Säum­niszuschläge ent­fall­en.
Nach § 69 Abs. 3 Satz 3 FGO kann das Gericht der Haupt­sache ganz oder teil­weise die Aufhe­bung der Vol­lziehung anord­nen, wenn der Ver­wal­tungsakt im Zeit­punkt der Entschei­dung schon vol­l­zo­gen ist. Diese Vorschrift ges­tat­tet es auch, die Vol­lziehung eines Steuerbeschei­des mit der Folge aufzuheben, dass in der Ver­gan­gen­heit ent­standene Säum­niszuschläge ent­fall­en9.
Die Aus­set­zung erfol­gt ohne Sicher­heit­sleis­tung. Anhalt­spunk­te dafür, dass die Durch­set­zung der Steuer­forderung nach einem Unter­liegen der Antrag­stel­lerin in der Haupt­sache gefährdet oder erschw­ert sein kön­nte, sind wed­er vom Finan­zamt vor­ge­tra­gen wor­den noch aus der Akte ersichtlich10.
Bun­des­fi­nanzhof, Beschluss vom 2. Juli 2014 — XI S 8/14
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vgl. z.B. BFH, Beschluss vom 11.07.2013 — XI B 41/13, BFH/NV 2013, 1647, Rz 16, m.w.N. [↩]
vgl. BFH, Beschlüsse vom 07.09.2011 — I B 157/10, BFHE 235, 215, BSt­Bl II 2012, 590, Rz 12; in BFH/NV 2013, 1647, Rz 16, jew­eils m.w.N. [↩]
vgl. z.B. BFH, Beschlüsse in BFHE 235, 215, BSt­Bl II 2012, 590, Rz 12; vom 25.04.2013 — XI B 123/12, BFH/NV 2013, 1273, Rz 12; in BFH/NV 2013, 1647, Rz 16 [↩]
BFH, Urteil vom 22.08.2013 — V R 37/10, BFHE 243, 20, BSt­Bl II 2014, 128, Rz 29 [↩]
BFH, Urteil vom 11.12 2013 — XI R 21/11, BFHE 244, 115, BSt­Bl II 2014, 425, UR 2014, 276, Rz 3 und 37 [↩]
vgl. BFH, Beschlüsse vom 14.10.2002 — V B 60/02, BFH/NV 2003, 87, unter II. 3.; vom 25.11.2005 — V B 75/05, BFHE 212, 176, BSt­Bl II 2006, 484, unter II. 3.b; vom 13.03.2012 — I B 111/11, BFHE 236, 501, BSt­Bl II 2012, 611, Rz 22; vom 12.12 2013 — XI B 88/13, BFH/NV 2014, 550, Rz 26, jew­eils m.w.N. [↩]
vgl. BFH, Beschluss vom 31.03.1998 — I S 8/97, BFH/NV 1998, 1318, unter II. 6., m.w.N.; Birken­feld in Hübschmann/Hepp/Spitaler, § 69 FGO Rz 252 [↩]
vgl. z.B. BFH, Beschlüsse vom 05.06.2007 — III S 6/07, BFH/NV 2007, 2256, unter II. 3.; vom 18.12 2013 — I B 85/13, BFHE 244, 320, BFH/NV 2014, 970, Rz 37 [↩]
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