Source: https://www.up-aktuell.de/aktuell/2011/05/das-hat-sich-geandert.html
Timestamp: 2019-08-21 11:10:49
Document Index: 115822430

Matched Legal Cases: ['§ 1', '§ 3', '§ 6', '§ 7', '§ 8', '§ 8', '§ 8', '§ 8', '§ 106', '§ 8', '§ 11', '§ 12', '§ 13', '§ 15', '§ 16', '§ 16', '§ 13', '§ 13', '§ 18', '§ 19', '§8', '§11', '§28', '§ 8', '§ 15', '§ 18', '§13', '§ 11']

Neufassung der Heilmittel-Richtlinie: Das hat sich geändert – up|unternehmen praxis
Die Neufassung der Heilmittel-Richtlinie soll Interpretationsspielräume einschränken und sich formal an die aktuelle Rechtsprechung anpassen. Der Großteil aller Änderungen betrifft den Richtlinientext, der Heilmittel-Katalog ist nur in ganz geringem Umfang betroffen. Wir haben alle Änderungen für Sie zusammengetragen und zeigen die möglichen Auswirkungen auf Ihre tägliche Arbeit.
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Früher gab es die Heilmittel-Richtlinien, jetzt wird durchgängig der Singular benutzt. Es heißt also jetzt:„Heilmittel-Richtlinie“. Die bisherige Absatznummerierung wurde so umgestellt, dass jetzt Paragrafen den Richtlinientext besser strukturieren. Dabei ist es jedoch zu einer Umstellung diverser Absätze gekommen, so dass der Richtlinientext jetzt in einer geänderten Reihenfolge verfasst ist. In § 1 „Grundlagen“ ist nun bis auf weiteres festgelegt, dass die Heilmittel-Richtlinie nur für Vertragsärzte gilt, nicht jedoch für Vertragszahnärzte. Damit bleibt es weiter dabei, dass Zahnärzte vergleichsweise unproblematisch auf dem klassischen rosa Rezept (Muster 16) und losgelöst von den Regelungen der Heilmittel-Richtlinie verordnen können.
Auswirkungen auf die Praxis: Man muss sich den Richtlinientext sicher einmal in der neuen Struktur durchlesen, damit man weiß, wo die wichtigen Textstellen für die eigene Arbeit jetzt stehen. Verweise auf die Heilmittel-Richtlinie in der Arztkommunikation müssen auf die neue Paragrafenstruktur umgestellt werden. Wer mit Zahnärzten zusammenarbeitet, übermittelt schnell die gute Botschaft, dass die Heilmittel-Richtlinie nicht für Zahnärzte gilt. Aber Vorsicht: Der G-BA arbeitet bereits an der nächsten Revision der Heilmittel-Richtlinie. In vermutlich einem Jahr werden sich auch Zahnärzte den (dann vermutlich erweiterten) Regelungen der Heilmittel-Richtlinie unterwerfen müssen.
Einführung der ICF
Die „Voraussetzungen der Verordnung“ in § 3 legen jetzt neu fest, dass nicht mehr die „Diagnose/Leitsymptomatik“ allein für eine Verordnung von Heilmitteln wichtig ist, sondern führt die Systematik der ICF (International Classification of Functioning, Disability and Health) ein: „Die Indikation für die Verordnung von Heilmitteln ergibt sich nicht aus der Diagnose allein, sondern nur dann, wenn unter Gesamtbetrachtung der funktionellen/strukturellen Schädigungen, der Beeinträchtigung der Aktivitäten (Fähigkeitsstörungen) unter Berücksichtigung der individuellen Kontextfaktoren in Bezug auf Person und Umwelt eine Heilmittelanwendung notwendig ist.“
Auswirkungen auf die Praxis: Ärzte haben jetzt mehr Arbeit beim Ausfüllen der Heilmittel-Verordnung. Wer die ICF-Systematik wirklich umsetzen will, muss sich in die Thematik einarbeiten und das benötigt viel Zeit. Vermutlich wird die Bereitschaft der Ärzte dazu zunächst gering sein. Umso wichtiger ist es, dass Praxisinhaber sich mit der ICF auseinandersetzen und z.B. in Therapieberichten die für den Arzt notwendigen Informationen gemäß ICF liefern. Möglicherweise werden die Ärzte deswegen in Zukunft mehr Therapieberichte anfordern.
Mehr Verordnungsausschlüsse
Der § 6 „Verordnungsausschlüsse“ nimmt sich dem Problem der Abgrenzung zwischen medizinischer und zum Beispiel pädagogischer Intervention an. War bisher nur eine Abgrenzung zu „heilpädagogischen oder sonderpädagogischen Maßnahmen“ festgeschrieben, ist in der Neufassung ausdrücklich festgelegt, dass Heilmittel dann nicht verschrieben werden dürfen, „wenn an sich störungsbildspezifische pädagogische, heilpädagogische oder sonderpädagogische Maßnahmen zu Beeinflussung von Schädigungen geboten sind.“ Damit werden die Grenzen deutlich enger gezogen: Es wird festgelegt, dass eine Abgrenzung zwischen den medizinischen Maßnahmen, die in die Leistungspflicht der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) fallen, und anderen nicht-medizinischen Maßnahmen, zum Beispiel schulische oder heilpädagogische Maßnahmen, erforderlich ist. Aus Sicht des G-BA beziehen sich erzieherische, schulische und soziale bzw. sozialpädiatrische Leistungen auf die soziale Dimension der Erkrankung und stellen somit keine medizinische Indikation zur Verordnung von Heilmitteln dar.
Auswirkungen auf die Praxis: Für Kindertherapeuten wird es mit dieser Erweiterung der Verordnungsausschlüsse deutlich schwieriger. Denn die Einfügung des Wortes „pädagogisch“ erweitert die Verordnungsausschlüsse ganz erheblich. Vermutlich werden die KVen ihre Ärzte auffordern, immer dann auf Heilmitteltherapie bei Kindern zu verzichten, wenn eine pädagogische Maßnahme eine Alternative darstellt. Im Verordnungsforum der KV Baden-Württemberg werden bereits Beispiele wie Schwierigkeiten mit der Graphomotorik oder Mehrsprachigkeit genannt, bei denen Ergotherapie oder Logopädie nicht indiziert seien. Deswegen wird es noch wichtiger als bisher, die medizinische Indikation und die neurobiologische Verursachung auf der Verordnung klar und deutlich herauszuarbeiten. Das Postulat „Pädagogik vor Therapie“ dürfte später auch in Regressverfahren eine Rolle für die verordnenden Ärzte spielen. Therapieberichte, die eine inhaltlich saubere Trennung zwischen sozialer und medizinischer Indika- tion vornehmen, können in Zukunft für die verordnenden Ärzte von großer Bedeutung sein. Deshalb sollten in den Therapieberichten Begriffe aus der Pädagogik wie „fördern“ oder „ganzheitlich“ tabu sein.
Nachbesserungen aus dem Fragen-/Antwortkatalog
In den § 7 und 8 werden Regelungen aufgenommen, die bereits allen Beteiligten aus dem berüchtigten „Konsertierten Fragen-/ Antwortkatalog der Spitzenverbände der Krankenkassen und der Kassenärztlichen Bundesvereinigung“ bekannt sind. Es gilt also jetzt auch in der Neufassung der Heilmittel-Richtlinie: Bei zwei Regelfällen, die im zeitlichen Zusammenhang entstehen, sind zwei separate Verordnungen auszustellen. Bei der Verordnung von zwei Heilmitteln ist für die Gesamtverordnungsmenge die Verordnungsmenge des vorrangigen Heilmittels ausschlaggebend. Eine ursprünglich ebenfalls vorgesehene Regelung aus dem Fragen-/Antwortkatalog zur Begrenzung der Verordnungen von Massagetherapie außerhalb des Regelfalls auf die Anzahl der im Regelfall vorgesehenen Menge, ist im letzten Moment doch wieder gestrichen worden. Daher gilt bis auf weiteres, dass auch Massagetherapien außerhalb des Regelfalls mengenmäßig unbegrenzt verordnet werden können.
Auswirkungen auf die Praxis: Diese Regelungen sind schon seit langem geübte Praxis. Insofern ist keine Veränderung zu erwarten.
Genehmigungsverzicht bedeutet Genehmigung
Ebenfalls im § 8 „Verordnungen außerhalb des Regelfalls“ wurde ein Passus neu eingefügt: „Verzichtet die Krankenkasse auf ein Genehmigungsverfahren, hat dies die gleiche Rechtswirkung wie eine erteilte Genehmigung.“ Damit wird der Verzicht auf das Genehmigungsverfahren endlich rechtlich verbindlich ausgelegt.
Auswirkungen auf die Praxis: Jetzt sollten die Abrechnungen von Verordnungen außerhalb des Regelfalls besser klappen! Der G-BA hat in seiner Begründung für die Regelungen des § 8 geschrieben, dass das Ziel des Genehmigungsverfahrens bei Verordnungen außerhalb des Regelfalls (oder der Verzicht auf das Genehmigungsverfahren) dazu führen soll, dass dem Versicherten „hierdurch sein Leistungsanspruch gegenüber seiner Krankenkasse bestätigt [wird], mit der Folge, dass der vom Versicherten gewählte zugelassene Leistungserbringer die verordneten Leistungen erbringen und vertragsgemäß mit der Krankenkasse abrechnen kann.“
Anmerkung: Der G-BA sagt hinsichtlich der Thematik der Wirtschaftlichkeit in § 8 (Genehmigungsverzicht): „Nach mehrheitlicher Auffassung im G-BA kann die Neufassung des § 8 Abs. 4 und 5 keine Regelung zu Fragen der Wirtschaftlichkeit umfassen… Die Genehmigung bzw. der Verzicht auf die Genehmigung hat keine unmittelbare Auswirkungen auf die Wirtschaftlichkeitsprüfungen nach § 106 SGB V.“
Langfristige Genehmigung von Heilmittel-Verordnungen außerhalb des Regelfalls
Ebenfalls im § 8 Abs. 5 findet sich eine neue Regelung, die zum Beispiel chronisch kranken Patienten erlaubt, einen Antrag auf eine langfristige Genehmigung von Heilmittel-Verordnungen bei schweren, dauerhaften Schädigungen zu stellen. Damit soll insbesondere bei Fällen, in denen der Behandlungsbedarf mit Heilmitteln für einen längeren Zeitraum feststeht, die Genehmigungspraxis vereinfacht werden. Dabei soll die Genehmigung mindestens ein Jahr gelten.
Auswirkungen auf die Praxis: Jetzt wird die Behandlung von Patienten mit chronischen Krankheiten deutlich einfacher. Die lästigen Genehmigungsverfahren entfallen und der Arzt muss nicht bei jeder Verordnung eine neue medizinische Begründung finden. Der Antrag auf eine langfristige Genehmigung muss vom Versicherten gestellt werden. Gerade jedoch die chronisch kranken geriatrischen Patienten sind mit diesem Antrag häufig überfordert. Therapeuten können diese Patienten mit den bei der up-premium plus Hotline erhältlichen Formblättern unterstützen.
Mehr Behandlungen außerhalb der Praxis (Tagesfördereinrichtungen)
Bisher galt: Außerhalb der Praxis darf nur behandelt werden, wenn ein Hausbesuch verordnet worden ist und ein Hausbesuch darf nur aus medizinischen Gründen verordnet werden. Damit war die Therapie zum Beispiel in Kindertagesstätten für Behinderte nicht erlaubt und konnte nur durch Sondervereinbarung mit der Krankenkasse geregelt werden. Im dem neuen § 11 wird jetzt festgelegt, dass auch ohne Verordnung eines Hausbesuchs die Behandlung außerhalb der Praxis möglich ist, wenn es sich bei den Versicherten um Kinder und Jugendliche bis zur Vollendung des 18. Lebensjahres und gegebenfalls darüber hinaus bis zum Abschluss der bereits begonnenen schulischen Ausbildung handelt, die ganztägig in einer auf deren Förderung ausgerichteten Tageseinrichtung untergebracht sind. In der Begründung des G-BA wird ausdrücklich darauf hingewiesen, dass es sich bei solchen Tagesfördereinrichtungen auch um Regelschulen handeln kann.
Auswirkungen auf die Praxis: Die Behandlung von Kindern und Jugendlichen außerhalb der Praxis ist wieder vergleichsweise problemlos möglich. Das sollte die Bereitschaft der Ärzte erhöhen, zu verordnen. Ärgerlich ist die Begründung des G-BA: „Die Behandlung in einer Einrichtung wird der Behandlung in einer Praxis eines Heilmittelerbringers gleichgestellt. Mehrkosten im Vergleich zur Leistungserbringung in der Therapiepraxis können somit nicht begründet werden.“ Soll heißen, dass Therapeuten in Einrichtungen behandeln, ohne für den erhöhten Aufwand bezahlt zu werden. Höchste Zeit für eine neue zusätzliche Abrechnungsposition „Therapie in Tagesfördereinrichtungen“ oder eine Öffnung der Verträge dahingehend, dass die Mehrkosten dem Versicherten in Rechnung gestellt werden können. Denkbar ist auch, dass Therapeuten mit den Einrichtungen entsprechende Verträge abschließen und von diesen den Fahrkostenaufwand vergütet bekommen. Denn häufig werben die Einrichtungen ja auch damit, dass Physiotherapeuten, Ergotherapeuten und Logopäden ins Haus kommen.
Weitere Nachbesserungen aus dem Fragen-/Antwortkatalog
In § 12 „Auswahl der Heilmittel“ werden erneut Vereinbarungen aus dem oben genannten Fragen-/Antwortkatalog in der Neufassung der Heilmittel-Richtlinie festgeschrieben. Dabei handelt es sich um folgende altbekannte Punkte: Mehr als ein ergänzendes Heilmittel kann auf einer Verordnung isoliert (also ohne vorrangiges Heilmittel) nicht verordnet werden. Standardisierte Heilkombinationen (D) können außerhalb des Regelfalls nur noch so oft verordnet werden, wie dies der Menge nach im Regelfall möglich war. Bei der Verordnung von Ergotherapie gilt, dass auch zwei vorrangige Heilmittel auf einer Verordnung zusammen verordnet werden können, wenn die Diagnosegruppe die entsprechenden Heilmittel vorsieht und wenn die Summe der Verordnung die Gesamtverordnungsmenge nicht überschreitet. Die gleichzeitige Verordnung von Heilmitteln aus verschiedenen Abschnitten des Heilmittelkataloges muss immer auf getrennten Verordnungsvordrucken erfolgen.
Auswirkungen auf die Praxis: Im Prinzip sollten diese Regelungen schon bundesweit seit Jahren so umgesetzt worden sein. Nur bei D1 haben einige Kassen die Abrechnung von Verordnungen außerhalb des Regelfalls bisher auch langfristig toleriert. Das hat sich jetzt endgültig erledigt.
Konkrete Diagnose notwendig
Im neuen § 13 „Verordnungsvordruck“ werden einige Unklarheiten bereinigt. Beim Therapiebericht muss jetzt verbindlich ein „Ja“ oder „Nein“ angekreuzt werden und die Manuelle Lymphdrainage wird hinsichtlich der Therapiedauer konkretisiert. Für Logopädie und Ergotherapie muss immer verbindlich die Leitsymptomatik gemäß Heilmittelkatalog angegeben werden. Therapieziele sind nur anzugeben, wenn sie sich nicht aus der Angabe der Diagnose und Leitsymptomatik ergeben. Früher war die Diagnose verordnungsbegründend, in der Neufassung hat man das nun in „konkrete Diagnose“ geändert.
Auswirkungen auf die Praxis: Die Forderung nach einer konkreten Diagnose ist im Rahmen von Wirtschaftlichkeitsprüfungen schon häufiger laut geworden. Die Grundregel gilt: Je konkreter die Diagnose (und die daraus abgeleitete Heilmittelverordnung), desto sicherer ist die Verordnung vor Regressen. Wichtig ist, dass die verordnenden Ärzte diese Änderung nicht als weitere Schikane interpretieren und weniger verordnen, sondern sich darüber klar werden, dass hier mit ganz wenig Aufwand ihre Verordnungen regresssicher gemacht werden können. Heilmittelerbringer sollten das Thema offensiv bei den Ärzten ansprechen und womöglich konkrete Hilfe und Unterstützung (zum Beispiel über Therapieberichte) anbieten.
Einheitliche (längere) Fristen
In § 15 wird die Frist für den Behandlungsbeginn einheitlich auf 14 Kalendertage (Podologie 28 Tage) festgesetzt. Im folgenden § 16 wird diese einheitliche Fristsetzung fortgeführt: Die Unterbrechung einer Behandlung darf jetzt einheitlich bis zu 14 Kalendertagen dauern (Podologie ohne Einschränkungen). Außerdem wurde der ursprüngliche Begriff „Tage“ durch den neuen Begriff „Kalendertage“ ersetzt.
Auswirkungen auf die Praxis: Physiotherapeuten freuen sich über weniger Stress bei der Fristenregelung und nun ist klar: im Rahmen der Heilmittel-Richtlinie sind Tage immer Kalendertage und keine Arbeitstage.
Verschärfte Anforderungen an Gültigkeit der Verordnung
Der § 16 „Durchführung der Heilmittelbehandlung“ hat das Potential für viele neue Abrechnungsprobleme. Ein neu eingefügter Absatz (1) legt fest: „Die Behandlung kann nur durchgeführt werden, wenn auf dem Verordnungsvordruck die in § 13 Abs. 2 erforderlichen Angaben enthalten sind.“
Auswirkungen auf die Praxis: In § 13 Abs. 2 werden alle Details einer Heilmittelverordnung aufgezählt. Nimmt man diese Regelung ernst (und die Krankenkassen werden das umgehend tun), würde das bedeuten, dass zum Beispiel ein fehlendes Kreuz bei „Therapiebericht Ja/Nein“ dazu führt, dass man nicht mit der Therapie beginnen kann! Egal welches Detail in der Verordnung nicht ausgefüllt wurde – die Behandlung kann schlichtweg nicht aufgenommen werden! Das bedeutet noch mehr Verordnungskontrolle und Änderung des Umgangs mit ungültigen Verordnungen. Sind Verordnungen nicht vollständig ausgefüllt, sollte die Behandlung nicht begonnen, sondern die Verordnung dem Arzt zurückgegeben werden. Wer eine Behandlung beginnt, bevor der Arzt die fehlenden Angaben ergänzt hat, wird die bis dahin geleisteten Behandlungen mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht bezahlt bekommen. Hier ist noch viel Abstimmungsbedarf und Motivation der Ärzte notwendig, damit es nicht zu plötzlichen Verordnungsrückgängen kommt!
Massagetherapie konkretisiert, Bewegungstherapie erweitert
Der § 18 „Massagetherapie“ konkretisiert die Körperregionen, auf die sich die unterschiedlich langen Therapiezeiten der Manuellen Lymphdrainage beziehen. Auch hiermit wird wiederum nur eine Regelung aus dem Fragen-/Antwortkatalog umgesetzt und ist insofern nicht neu. In § 19 „Bewegungstherapie“ wird einerseits klargestellt, dass zur „Allgemeinen Krankengymnastik (KG)“ auch die „Atemtherapie (KG-Atemtherapie)“ zählt. Neu dagegen ist, dass die Position „KG-Mukoviszidose“ (neues Kürzel: KG-Muko) für die zeitlich aufwendigere „Krankengymnastik zur Behandlung von schweren Atemerkrankungen“ nun ausdrücklich nicht auf die Diagnose Mukoviszidose beschränkt ist. Diese Neuerung führt auch zu entsprechenden Änderungen im Heilmittelkatalog in der Diagnosegruppe AT 3.
Auswirkungen auf die Praxis: Im Prinzip handelt es sich bei diesen Änderungen um eine Übernahme einer Fußnote aus den Leistungsbeschreibungen der Maßnahmen der Physikalischen Therapie. Durch die Übernahme der Regelung in die Heilmittel-Richtlinie sollte es leichter werden, Ärzte zu entsprechenden Verordnungen zu motivieren.
Heilmittel-Katalog fast ohne Veränderungen
Im Heilmittel-Katalog wurden die Kopfzeilen der ICFSystematik angepasst. Die Kopfzeile des Heilmittelkataloges ersetzt nun die Begriffe „Schädigung/ Funktionsstörung“ durch „funktionelle/strukturelle Schädigungen“. Bei den Diagnosegruppen ZN 1 und ZN 2 wurde die Muskeldystrophie als ein weiteres Beispiel aufgenommen. In dem Indikationsschlüssel AT1a Ergänzung der Schädigung um „ggf. auch Auswurf“ . Dies beinhaltet dann die Möglichkeit, die Inhalation als ergänzendes Heilmittel bei diesem Indikationsschlüssel zu verordnen. In der Diagnosegruppe AT2 wurden zusätzliche Beispiele für Atemwegserkrankungen aufgeführt. Ebenso wurde bei der Leitsymptomatik AT2a die Schädigung um „ggf. auch Auswurf“ ergänzt. In der Diagnosegruppe AT3 wurde klargestellt, dass die KG Mukoviszidose nicht nur bei einer Mukoviszidose, sondern auch bei Lungenerkrankungen mit vergleichbaren funktionellen/strukturellen Schädigungen verordnet werden kann. Die Schädigung wurde ergänzt um „ggf. mit Auswurf bei sehr produktiver Bronchitis und/oder Obstruktion, Bronchiektasen; respiratorische Insuffizienz“, so dass auch hier die Inhalation als ergänzendes Heilmittel unter dem Indikationsschlüssel AT3a verordnet werden kann.
Auswirkungen auf die Praxis: Diese Änderungen sind so geringfügig, dass sie in der täglichen Arbeit fast keine Rolle spielen – es sei denn, Sie sind auf Atemtherapie spezialisiert.
Service: Für up-premium plus Kunden haben wir eine besondere Form der Neufassung der Heilmittel-Richtlinie vorbereitet. Dort sind alle Texte, die neu eingefügt wurden, farblich markiert, so dass Sie die Änderungen direkt im Zusammenhang lesen können. Diese PDF-Datei können Sie bei der Hotline 0800-9477360 kostenlos anfordern.
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21.01.2014 at 8:12
Mich interessiert der Unterschied zwischen ICF + ICD Kodierung.
21.01.2014 at 13:56
Die ICD-10 Kodierung ist eine Verschlüsselung von Diagnosen/Krankheiten.
Die ICF ist eine Verschlüsselung von Lebensqualität oder auch Lebensumstände (vereinfacht gesagt).
Beispiel: Ein Schlaganfall kann man mit der ICD-10 Verschlüsselung als I64 darstellen. Die Folgen des Schlaganfalls, also z.B. kann sich nur noch eingeschränkt selbst ernähren/anziehen etc. würde man über die ICF verschlüsseln.
S. Gscheidle
14.11.2013 at 14:20
seit vielen Jahren habe ich bedingt durch einen(unverschuldeten) Autounfall Bandscheibenprobleme – wurde in der Zwischenzeit auch schon 2 mal operiert(Nachdem die 1.OP von der falschen Seite operiert wurde).
Mein Arzt verordnete mir D1 Rezepte (seit 2006), jetzt bekam mein
Pysiotherapeut ein Rezept wieder unbezahlt zurück, mit der Begründung, das es mehr als 10 Rezepte wären.
Was kann ich nun machen, damit mein Pysiotherapeut sein Geld bekommt ?
Die Krankenkasse sagt, es wäre gesetzlich so geregelt und mich würde es nichts angehen- daß sehe ich aber nicht so, da es um meine Gesundheit geht.
Sie meinten auch das der Pysiotherapeut eine Pflicht hätte die Rezepte zu prüfen, wenn er dies entgegennimmt(theoretisch)- aber wie soll dies in der Praxis gehen ?
Ihre Krankenkasse hat leider recht, das Bundessozialgericht hat bestimmt, dass Therapeuten die Gültigkeit einer Verordnung prüfen müssen. Und die Heilmittel-Richtlinie legt fest, dass D1 nur 10 Mal innerhalb eines Behandlungsfalls verordnet und erbracht werden darf. Hält sich der Therapeut nicht an diese Regel, bekommt er ab der 11. D1 Behandlung kein Geld mehr.
Eine Lösung haben findige Patienten herausgekommen: Wenn man den Arzt wechselt und dem neuen Arzt nichts davon erzählt, dass man schon Therapie bekommen hat, ist es ziemlich wahrscheinlich das ein erneuter Behandlungsfall beginnt und wieder 10 mal D1 verordnet wird. Das ist allerdings eine nicht so vorgesehene Möglichkeit an die Therpie zu kommen. Strafbar macht man sich damit nicht.
Eine andere Möglichkeit besteht darin, dass der Arzt die Möglichkeiten des Heilmittel-Katalogs besser ausschöpft. Es gibt die Möglichkeit, mehrere Heilmittel als Komplextherapie zu verordnen. Hier kann Ihnen Ihr Therapeut mit Vorschlägen helfen.
Und Sie könnten eine separaten Antrag bei der Krankenkasse stellen, das dürfte zwar nur in seltenen Fällen erfolgreich sein, aber manchmal hat man dann eben auch
Viele Erfolg wünscht Ihnen#
01.11.2013 at 22:14
wie sieht die Unterbrechungsregelung bei Reha aus?(3 W.) Ist diese auch erlaubt oder muß das angefangene Rezept (3 Behandlungen) vorzeitig abgerechnet werden (10xKGZNSHB)NRW ? ImRahmenvertrag des vdek steht leider auch keine Konkretisierung dazu.
04.11.2013 at 10:46
Patienten gehen mit dem Ziel in die Reha, dass sich etwas ändert. Insofern könnte sich die Krankenkasse hier auf den Standpunkt stellen, dass der Behandlungsfall mit dem Beginn der Reha endet und nach der Reha ein neuer Behandlungsfall unter veränderten Rahmenbedingungen beginnt. Deswegen würde ich das Rezept vorzeitig abbrechen, den Arzt darüber informieren und nach der Reha mit einem neuen Rezept beginnen.
dagmar freund-drawert
14.10.2013 at 18:06
Seit vielen Jahren leide ich an Wirbelsäulenbeschwerden. Immer wieder redet der Orthopäde von Abnutzung. Tabletten helfen nicht! Das einzige, was kurzfristig Erleichterung bringt, ist eine mT mit vorheriger Fango. Da besonders die HWS betroffen ist, ich habe einen Bandscheibenvorfall zwischen dem 6. Und 7. Halswirbel. Außerdem leide ich seit Jahren unter massiven, chronischen Schmerzen des Kreuzdarmbeines. Mein Arzt sagte mir, er kann mir pro Quartal nur 5x mT verschreiben, während mein Therapeut mir versicherte, sogar ein An recht auf Dauertherapie zu haben.
Was kann ich tun, um eine wahrheitsgetreue Aussage zu bekommen.
DDagmar Freund-Drawert
15.10.2013 at 3:40
Liebe Frau Freund-Drawert,
Ihr Arzt irrt – hoffentlich aus Unkenntnis – mit der Aussage, seine Heilmittelverordnungen seien der Höhe nach auf eine bestimmte Anzahl von Behandlungen je Quartal beschränkt.
1. Fordern Sie Ihren Arzt auf, mehr Heilmittel zu verordnen. Das Ziel sollte sein, das Sie einen Antrag auf einen langfristigen Heilmittelbedarf bei Ihrer Krankenkasse stellen können. Dabei kann Ihnen dann der Therapeut helfen. (siehe dazu auch unserer Broschüre “Schwer Kranke langfristig extrabudgetär mit Heilmitteln versorgen” – Kostet 5 Euro und enthält zahlreiche Tipps, was der Arzt, Sie und Ihr Therapeut machen können. Gibt es bei uns im Shop)
2. Spielt der Arzt nicht mit, suchen Sie sich einen anderen Arzt, der das macht, was Ihnen hilft. Das ist Ihr gutes Recht!
3. Klappt das auch nicht, gibt es Patienten, die sich damit helfen ständig den Arzt zu wechseln, ohne die Ärzte darüber zu informieren. Den Therapeuten können Sie aus Datenschutzgründen verbieten, diese Information an die Ärzte weiterzugeben, so dass es vermutlich mindestens ein Jahr dauert, bis sich die Krankenkasse beschweren könnte. Und selbst das ist egal, weil Sie nichts verbotenes getan haben.
4. Ein weiterer Weg könnte Sie zu Ihrer Krankenkasse führen. Dort bitten Sie die Sachbearbeiter darum Ihnen einen fachkundigen Arzt zu nennen.
Erika Glasenhardt
08.08.2013 at 18:03
ich bin “nur Patient” und habe eine für mich wichtige Frage.
Ich wurde im Mai am Sprunggelenk operiert und mir wurde eine Mosaikplastik (am Kniegelenk entnommen) eingefügt. Da es eine komplizierte Stelle war, musste der Knochen durchgesägt werden und anschließend mit einer Platte stabilisiert werden.
Bei der letzten Nachuntersuchung in der Klinik erhielt ich ein Rezept über 10 x D1. Die Physiopraxis meinte, sie könne keine 10x auf einem Rezept abrechnen, es müsste in 6x und 4x gesplittet werden. Also wurde das Rezept von der Klinik auf 6x geändert.
Nun wollte ich das Rezept für die restlichen 4x, bekam von der Klinik die Antwort, sie dürften kein Folgerezept ausstellen.
Dann hab ich beim behandelnden Arzt nachgefragt, Antwort:
“Das dürfen wir nicht ausstellen, die Kasse hat es verboten, da wir das D1 Rezept in der Vergangenheit zu oft ausgestellt haben.”
Somit erhalte ich von keiner Stelle die restlichen 4 Behandlungen.
Gibt es eine Möglichkeit diese doch noch zu erhalten.
01.09.2013 at 21:45
Hallo Frau Glasenhardt,
Die Krankenkasse kann die Ausstellung von Heilmittel-Verordnungen nicht verbieten. Allerdings versuchen Krankenkassen immer wieder Ärzte dahingehend zu beeinflussen, dass diesen weniger verordnen – manchmal eben auch mit Informationen, die auf den Arzt wie ein Verbot wirken.
1. Beschweren Sie sich bei Ihrer Krankenkasse über das vermeintliche Verbot und bitten Sie um eine Begutachtung Ihres Falles durch den MDK – vermutlich werden Sie abgewimmelt…
2. Beschweren sie sich in der Klinik-Ambulanz: Hier hätte man ohne Problem die Möglichkeit ein Folgerezept auszustellen. Wenn die Klinikärzte das nicht wollen, dann bestehen Sie auf einem Überweisungsbericht an den nachbehandelnden Arzt, aus dem hervorgeht, dass eine weitere Verordnung von D1 notwendig ist. (Man kann maximal 10 x D1 je Behandlungsfall erhalten)
3. Es gibt Patienten, die einfach den Arzt wechseln, weil Sie mit dem “alten” Arzt nicht zufrieden sind. Im Prinzip haben Sie das Recht dazu. Dem “neuen” Arzt müssen Sie ja auch nicht alles erzählen, z.B. von der Weigerung der weiteren D1 Verordnung… Mit Chance stellt der dann eine neue Heilmittelverordnung aus. Das ist eigentlich ziemlich unsinnig und sicherlich nicht im Sinne des Sozialgesetzbuchs, aber durchaus rechtlich nicht zu beanstanden.
Zu Beanstanden ist nur, dass die Kasse rechtswidrige Verordnungs-Verbote “verhängt” und sich nicht darum kümmert, dass Sie gut versorgt werden. Aber das sollten Sie sich nicht gefallen lassen.
Schreiben Sie doch mal, ob Sie mit einer dieser Methoden vorwärts gekommen sind.
Lena Balzer Podologin
11.01.2013 at 20:48
Der Arzt verordnet keinen Hausbesuch bei HMV, die Patienten hat aber trotzdem keine Gelegneheit in die Praxis zu kommen.
Darf ich den Hausbesuch auf Privatbasis machen?
Die reine HMV wird regulär abgerechnet, so dass die Kasse heirfür nicht in Anspruch genommen wird. Wenn NEIN, warum nicht?
11.03.2013 at 10:32
Ein Hausbesuch darf nur dann durchgeführt werden, wenn der Arzt das auf der Verordnung ausdrücklich vermerkt hat. Eine einzige Ausnahme gibt es für behinderte Kinder in Tagesfördereinrichtungen. Der Hausbesuch darf auch nicht als private Zusatzleistung verkauft werden, weil die Leistungserbringung ausdrücklich an die Praxisräume gebunden ist. Das wird damit begründet, dass die Qualität der Leistungserbringung in der Praxis durch die Ausstattung besser ist, als wenn beim Patienten zu Hause behandelt wird.
Wer als Therapeut ohne ausdrücklich Hausbesuchsverordnung einen erwachsenen Patienten außerhalb der zugelassenen Praxisräume behandelt verstößt gegen seinen Rahmenvertrag und kann damit rechnen einerseits das Honorar bei einer späteren Prüfung zurück zahlen zu müssen, andererseits eine Vertragsstrafe zahlen zu müssen. Das wollen Sie sicher nicht!
Silvia Schlicht-Gieseler
Guten Tag Herr Buchner, ich rechne als PT mit der Optica ab. Ich hatte bei Ihnen gelesen, das ich selbst ‘leicht’ abrechnen kann. Giebt es Zahlungsziele mit den KK? Und , wie geht so eine Abrechnung?Wird mit jeder KK einzeln abgerechnet. Ich hatte mal mit Diskettenübermittlung abgerechnet-haben wir das 2 Mon. probiert und unsere Gelder mit dem Kommentar bekommen : wenn Sie an der Rehe sind…..,es vergingen leicht 8-12 Wochen.Das ist unhaltbar.
11.03.2013 at 10:35
Die Zahlungsziele der Krankenkassen sind in den jeweiligen Rahmenverträgen geregelt. Das Bundessozialgericht hat festgelegt, dass Krankenkassen, die die Zahlungsziele nicht einhalten nach den Regeln des BGB gemahnt werden können. D.h. Verzugszinsen können berechnet werden. Spätestens dann zahlen die Krankenkassen!
Die Krankenkassen halten sich fast immer an die Zahlungsziele – und zwar unabhängig davon, ob Sie selbst oder über ein Rechenzentrum abrechnen.
19.12.2012 at 10:42
Ersteinmal ein großes Lob an Ihre detaillierten Kommentare. Beim lesen der vielen Fragen habe ich festgestellt, dass die Verordnung Hausbesuch für viele ein Problem darstellt, irgendwie eine Grauzone und unterschiedlich gehandhabt von Ärzten, Kassen, Bundesländern.
Konkret: ich arbeite als Physio in einer Praxis und bin über diese 2x die Woche in einer Behinderteneinrichtung in der die Kinder wohnen (intern) und zur Schule gehen, es kommen aber auch externe Kinder dorthin. Immer wieder gibt es Probleme mit der Verordnung HB, Argumentation der Ärztin im aktuellen Fall – sie darf nicht verordnen, da das Kind extern ist. Ich habe Ihren Kommentar (s.o.) so verstanden: vorher durften wir nicht ohne HB ausserhalb der Praxis behandeln, jetzt ist es möglich, die Ärzte können verordnen, müssen aber nicht. Mit dem Argument der Ärzte sie/er darf nicht verordnen tue ich mich schwer, denn für schwerstbehingerte Kinder gibt es oft keine Möglichkeit (organisatorisch, medizinisch, Praxisräume zu klein etc.) in eine Praxis zu kommen. Ich sehe auch nicht ein ohne HB zu behandeln, habe den gleichen Aufwand wie zuvor, für weniger Geld (ärgerlich) nur damit ich auf meine Rezeptanzahl komme, während der Arzt jeden Wattebausch abrechnet, mir aber das Kreuz bei HB verweigert!
Frage: Sollte ich in dieser Behinderteneinrichtung ohne HB behandeln, das Kind verletzt sich, ist dieses über die Schule versichert und ich über die Praxisberufshaftpflicht. Habe ich in solch einem Fall irgendwelche rechtlichen oder versicherungstechnischen Nachteile? Schließlich könnte die Haftpflicht argumentieren, dass ich ohne HB dort nichts zu suchen hätte. Das wäre ja fast gut für meine Argumentation mit den Ärzten, ansonsten sehe ich in der Zukunft bald alle meine Rezepte ohne HB. Gruß und ein frohes Weihnachtsfest
Rodica Wenzel
30.11.2012 at 21:17
ich bin Ergotherapeutin und habe eine eigene Praxis im Land Brandenburg. Seit Juli 2011 hat sich die AOK Nord (Berlin, Brandenburg, Mecklenburg- Vorpommern) gegründet. Seit dem werden unsere Verordnungen a.d. Regelfalls nur noch mit dem Hinweis “ab …” (das ab bezieht sich auf den Tag, an dem der Sachbearbeiter die Verordnung gesehen hat)genehmigt. Auch die Frequenz wird uns vorgeschrieben und wir haben keine Möglichkeit sie zu ändern, selbst der Arzt nicht. Bei den Langfristgenehmigungen ist es auch so, aber dann gleich für mehrere Monate.
Ich habe Patienten, bei denen die Frequenz dringend erhöht werden müßte, habe aber keine Möglichkeit. Vielleicht können Sie mir einen Rat geben, ob das so überhaupt rechtens ist.
07.12.2012 at 16:58
die Krankenkassen gaben gem. §8 HeilM-RL die Aufgabe Verordnungen außerhalb des Regelfalls zu Genehmigen. Auf diese Genehmigung können die Kassen verzichten. In Ihrem Fall bestehen die Kassen auf der Genehmigungspflicht. Allerdings haben die Kassen nicht das Recht in den Inhalt der Verordnung einzugreifen. Eine Änderung der Frequenz durch die Kasse ist nicht zulässig. Darauf hat auch die Kassenärztliche Bundesvereinigung vor Jahren hingewiesen.
Wenn so etwas bei Ihnen vorkommt, sollten Sie die verordnenden Ärzte auf diesen Umstand aufmerksam machen. Denn die Ärzte haften in einer späteren Wirtschaftlichkeitsprüfung für ihre Verordnungsweise. Nimmt die AOK hier Änderungen vor ist das weder medizinisch noch formal richtig. Die Ärzte sollten sich bei ihrer jeweiligen KV über diese nachträgliche Veränderung der Verordnung beschweren, damit die KV dann auf die AOK einwirken kann diesen offensichtlichen Rechtsverstoß zukünftig zu unterlassen!
Ursula Reisch
01.11.2012 at 17:45
ich bin kein Therapeut, kein Arzt sondern “nur” Patient und habe eine Frage zu der D1 Verordnung. Ich hatte im August 2012 eine Fraktur Cavitas glenoiudalis die arthroskopisch mit der Entfernung kleiner knöcherner Fragmente therapiert wurde. Nach der OP begann man mit allg. KG, die jedoch die Beweglichkeit des Gelenks nicht verbesserte. Danach wurde eine D1 Verordnung verschrieben und insgesamt 10 x durchgeführt. Die Beweglichkeit des Schultergelenks verbesserte sich, ist aber noch immer eingeschrenkt. Mein Arzt verschrieb mir keine weitere D1 Verordnung, da er lt. seiner Aussage in den vergangenen Monaten alle fortführenden Verodnungen (außerhalb des Regelfalls) anderer Patienten von den Krankenkassen zurück bekam bzw. nicht bezahlt bekam. Erst bei einer schriftl. Bestätigung durch meine Krankenkasse würde er eine erneute D1 Verordnung rezeptieren. Eine Rückfrage bei meiner Krankenkasse ergab: der Arzt kann mit Begründung weitere D1 Verordnungen – außerhalb des Regelfalls – verschreiben. Schriftlich wollte man mir das jedoch nicht bestätigen. Nach einem Telefonat zwischen Krankenkasse, meinem Arzt und DAK kam heraus, dass tatsächlich auch außerhalb des Regelfalls insgesamt nur 10 Anwendungen der D1 Verordnung von DAK bewilligt und bezahlt werden. Stimmt das? Bitte erklären Sie mir den Sachverhalt. Was kann ich unternehmen um eine weitere D1 Verordnung zu erhalten?
16.11.2012 at 11:12
leider stimmt es, dass D1 nur noch 10 mal je Behandlungsfall verschrieben werden dürfen. Das ist so in den Heilmittel-Richtlinien festgeschrieben, die für den verordnenden Arzt verbindlich gelten. Verstößt der Arzt gegen diese Regel, muss er die zusätzlich entstehenden Kosten aus seinem persönlichen Einkommen bezahlen. Insofern hat sich Ihr Arzt in diesem Punkt vollkommen richtig verhalten.
Aber es gibt andere Wege, wie Sie die Ihnen rechtmäßig zustehende Therapie bekommen können. Ein Weg ist es, die Krankenkasse zu einer schriftlichen Auskunft zu zwingen. Wenn Sie als Versicherter eine Anfrage/Antrag an Ihre Krankenkasse stellen, haben Sie eine Rechtsanspruch auf eine schriftliche Auskunft. Darauf sollten Sie im Zweifel bestehen. Übrigens gibt es sehr wohl Kassen, die trotz der Heilmittel-Richtlinie Ausnahmereglungen bezahlen – wichtig dabei: Schriftlichkeit!
Der Arzt kann in der Regel aber auch andere Therapien verschreiben, die inhaltlich einer D1 Verordnung ähnlich sind. Ich denke da an Positionen wie z.B. KGG und Wärmetherapie. Am besten, Sie bitten den Therapeuten, Ihnen Verordnungsbeispiele aufzuschreiben, die Sie dann dem Arzt vorschlagen können.
Viele Erfolg wünschen wir Ihnen!
02.10.2012 at 11:40
ich habe ein ähnliches Anliegen wie Ramona. Ich bin Logopädin in Bayern und habe unterschiedliche Aussagen darüber, ob Therapie im Regelkindergarten durchgeführt werden dürfen oder nicht bzw. ob dafür spezielle Vorraussetzungen erfüllt werden müssen. Gibt es darüber denn schon eine eindeutige rechtliche Grundlage oder ist das alles gerade in einem Prozess? Auch meine Patienten könnten aufgrunde familiärer Veränderung keine Therapie in der Praxis mehr erhalten, brauchen aber dringend Logopädie!
Vielen Dank im Vorraus für das Licht im Verordnungsdschungel!
28.09.2012 at 17:01
ich bin Logopädin in NRW und führe in einem Kindergarten die Sprachförderung durch. Der Kindergarten kam nun auf mich zu und fragte, ob die Möglichkeit besteht ein Kind im Kindergarten zu therapieren, da die Eltern keine Möglichkeit haben in eine Praxis zu kommen. Die Eltern sind wohl finanziell sehr eingeschränkt. Die Familie wird auch von Jugendamt betreut. Das Kind habe ich auch in der Sprachförderung. Es ist auf der Phonologischen Ebene sehr stark auffällig.
Im Internet habe ich jetzt gelesen, dass es möglich ist, mit der Krankenkasse eine Sondervereinbarung zu erhalten, dass die Therapie im Kindergarten stattfinden kann. Stimmt das und unter welchen Umständen kann dies erfolgen?
Das Jugendamt meinte das Kind müsste zum SPZ und dort müsste dann ein Antrag auf eine Behinderung stellen. Das ist bei dem Kind aber nicht der Fall und ob die Eltern diesen Weg gehen würden bezweifel ich.
Boehm Detlef
03.07.2012 at 9:18
besteht nach den neuen Heilmittelrichtlinien die Möglichkeit, dass Physiotherapeuten die Anpassung von Hilfsmitteln und die Schulung im Umgang mit den Hilfsmitteln als KG-Leistung mit der Krankenkasse abrechnen können?
05.07.2012 at 14:15
Weder in der HeilM-RL noch in der Leistungsbeschreibung lässt sich für den Bereich der Physiotherapie die Anpassung von Hilfsmittel als ausdrücklich Leistungsbeschreibung finden. Bei den Ergotherapeuten gibt es durchaus solche Leistungsbeschreibungen.
Deswegen sollte eine Physiotherapiebehandlung die Anpassung von Hilfsmittel nur als Nebenleistung beinhalten, die notwendig ist, um z.B. die Mobilität des Patienten zu verbessern.
25.06.2012 at 19:08
In Kooperation mit den Zahnärzten führen wir in unserer Praxis auch die Kiefergelenktherapie durch.Nun habe ich eine solche Verordnung(6 mal MT/KG auf Muster16) von einem Allgemeinmediziner bekommen.Auf mein Nachfragen sagte er mir er dürfte ein solches Rezept nach den neuen Regeln ausstellen, stimmt das?
viele Grüße M.Wolf
26.06.2012 at 11:47
Nein, das stimmt leider nicht. Ein Arzt, der als Vertragsarzt zugelassen und Mitglied in einer KV ist, unterliegt den Bestimmungen der HeilM-RL.
Das ist bei Zahnärzten anders: Die HeilM-RL legt ausdrücklich fest, dass die HeilM-RL nicht für Kassenzahnärzte gilt.
Eine Heilmittel-VO eines Allgemeinmediziners auf Muster 16 ist für Sie nicht abrechenbar und bedeutet für den Arzt einen Verstoß gegen diverse Vorschriften und Verträge und würde zu einem Regress beim Arzt führen.
22.06.2012 at 7:43
ich möchte gerne wissen, ob Hausbesuche mit Einverständnis des Patienten, ohne ausdrückliche Verordnung, erlaubt sind oder nicht, und wer im Fall eines Unfalls haftet.
Eine ehemalige Mitarbeiterin meiner Praxis (die Praxis befindet sich in einem kleinen Dorf)behandelt weiterhin Patienten aus meinem Patientenstamm zu Hause und rechnet jetzt über eine andere Praxis ab. Natürlich ist das für mich sehr ärgerlich und auch geschäftsschädigend. Es ist nur die Frage, was kann ich dagegen unternehmen, denn der Patient hat natürlich freie Therapeutenwahl. Bisher haben sich die Patienten bei mir immer wohl und gut betreut gefühlt. Aber ältere Patienten nehmen das Angebot einer häuslichen Therapie natürlich sehr gerne an.
Es würde mich sehr freuen, wenn Sie mir weiterhelfen können und freue mich auf Ihre Antwort.
22.06.2012 at 12:06
Zu Frage 1: Nein, Hausbesuche bei Erwachsenen Patienten müssen grundsätzlich vom Arzt aus medizinischen Gründen verordnet werden. Fehlt eine solche Verordnung darf ein Hausbesuch nicht durchgeführt werden, auch wenn der Patient z.B. bereit ist, die Hausbesuchspauschale selbst zu zahlen. Wenn die Kassen so etwas merken, dann können die erbrachten und bezahlten Therapien wieder zurückgefordert werden, in der Regel für mindestens 4 Jahre rückwirkend.
Zu Frage 2: Grundsätzlich darf eine Mitarbeiterin einen Patienten nicht einfach “mitnehmen”. Rechtlich gegen solche Praktiken absichern kann man sich nur wenig, z.B. im Arbeitsvertrag. Die Frage hier ist, ob die Mitarbeiterin z.B. die Therapiedokumentation mitgenommen hat – das dürfte nicht ohne ausdrückliche, schriftliche Einwilligung der Patientin geschehen. Und ob die Patientin überhaupt eingewilligt hat, in einer anderen Praxis abgerechnet zu werden.
A. Bandorf
28.03.2012 at 21:17
hat man durch die neue Regelung der Ergotherapie in Einrichtungen nun vielleicht sogar die Möglichkeit, eine Zulassung für eine mobile Ergotherapiepraxis zu bekommen, wenn man sich auf dieses Klientel beschränkt? Oder muß man weiterhin eine Praxiszulassung haben?
30.03.2012 at 22:27
Nein, eine mobile Zulassung ist grundsätzlich nicht vorgesehen. Alle Praxen, die mit mobiler Ergotherapie werben, haben immer auch eine Praxiszulassung.
16.03.2012 at 23:14
in Ausnahmefällen z.B. bei langer Anwesenheit der Kinder ab 7 Std. in unserer Kindertagesstätte in Nürnberg würden wir gerne eine Logotherapie in unserer Kindertagesstätte im Rahmen eines Hausbesuches gewähren. Eine Logotherapeutin meint, sie würde die Fahrtkosten nicht erstattet bekommen. Ist dies in Bayern so geregelt und gibt es Unterschiede zwischen den Krankenkassen?
Außerdem wäre bei einer Therapie in unserer Einrichtung ohne Hausbesuch das Kind nicht versichert im Verletzungsfall.
Mit herzlichen Grüßen E.Kopp
Christiane Schrick
14.03.2012 at 12:14
laut Rechtsabteilung des DBL verhält es sich bei “mehr Behandlungen außerhalb der Praxis” so, dass man nur “Behinderte oder von Behinderung Bedrohte in Ganztagseinrichtungen therapieren darf” und “dass auf der Verordnung der Hausbesuch nicht mehr angekreuzt sein darf.” Laut Rechtsstelle muss jeder Therapeut mit der jeweiligen Kasse verhandeln, ob sie dafür den Hausbesuchszuschlag bezahlt.
Das wäre ja enger geschnürt, als es jetzt ist.
Mann sollte doch davon ausgehen, dass die Rechtsbteilung sich da auskennt, habe ich Ihren Text falsch interpretiert?
Viele Grüße, C. Schrick
14.03.2012 at 13:50
Die Krankenkassen auf Länderebene verhalten sich – wie immer – höchst unterschiedlich bei der Frage, wer zu dem Personenkreis “Behinderte oder von der Behinderung bedrohte” zählt und was eine Ganztageseinrichtung ist. Aber letztlich kann das den Krankenkassen auch relativ egal sein, weil die wichtigste Änderung für Kassen darin besteht, dass die Therapie in Tagesfördereinrichtungen KEIN Hausbesuch ist und damit definitiv auch nicht von den Kassen bezahlt werden darf (siehe dazu auch die “Tragenden Gründe” des G-BA). Insofern wird vermutlich niemand mit Ihnen darüber streiten, wo genau die Grenzen liegen.
Für die Therapeuten besteht der Vorteil der neuen Regelung darin, dass Sie wieder außerhalb der Praxis behandeln dürfen ohne deswegen in Konflikt mit Ihren Kassenverträgen zu kommen, solange sie die o.g. Abgrenzung einigermaßen sinnvoll umsetzen (Sie können also keine “normalen” Kinder im Kindergarten therapieren).
Die Rechtsabteilung des dbl hat Recht, wenn sie darauf aufmerksam macht, dass ein Hausbesuch nur aus medizinischen Gründen verordnet werden darf – das ist bei Behandlungen in Tagesfördereinrichtungen meistens nicht der Fall. Wenn jedoch ein Arzt einen Hausbesuch verordnet hat, dürfen Sie diesen verordneten Hausbesuch auch abrechnen.
Die Idee der Rechtsabteilung, mit den Kassen über die Fahrtkosten zu verhandeln halte ich für wenig zielführend: Der G-BA hat eine Kostenerstattung für Fahrtkosten ausdrücklich ausgeschlossen (s.o.). Daher darf eine Kasse eine solche Vereinbarung nicht mit Ihnen abschließen. Sie könnten jedoch alternativ mit dem Träger der Tagesfördereinrichtung einen entsprechende Vertrag aushandeln, dass würde ich für sinnvoller und erfolgsversprechender halten.
Otto, Ramona
17.02.2012 at 16:23
Hallo Herr Buchner!
Ich habe heute gehört, dass man in Thüringen wieder in die Kindergärten gehen kann und dort logopädisch außerhalb der eigenen Praxis tätig sein darf. Nun meine Frage: Gilt dies für alle Kinder oder nur für Integrationskinder und gilt dies für alle staatlichen Kindergärten und Kindergärten in freier Trägerschaft oder nur für bestimmte Einrichtungen, wie z.B Montessorikindergarten?
LG Ramona Otto
19.02.2012 at 10:29
Was man darf oder nicht hängt nicht mit dem Standort zusammen (z.B. Thüringen). Die Behandlung von Kinder außerhalb der Praxisräume ohne Verordnung von Hausbesuchen wird im §11 Abs. 2 HeilM-RL geregelt. Die Krankenkassen haben dazu in einem Fragen-/Antworten-Katalog unter Punkt 15 erläutert, dass “behinderte Kinder und Jugendliche ausnahmsweise auch ohne Verordnung eines Hausbesuchs in Fördereinrichtungen vom Therapeuten behandelt werden” können. Dazu sagt die HeilM-RL: “Voraussetzung ist, dass sich aus der ä4rztlichen Begründung eine besondere Schwere und Langfristigkeit der funktionelle/strukturellen Schädigungen sowie der Beeinträchtigungen der Aktivitäten ergibt und die Tageseinrichtung auf die Förderung dieses Personenkreises ausgerichtet ist und die Behandlung in diesen Einrichtungen durchgeführt wird.”
Nach Ansicht der AOK BaWü gehören zu den Einrichtungen, in denen Therapie durchgeführt werden darf auch “normale” Kindergärten, wenn hier Integrationskinder betreut werden. Die Trägerschaft der Einrichtung ist egal.
Wichtig ist: Der Arzt muss die “Schwere und Langfristigkeit” auf der Verordnung dokumentiert haben.
Melanie Völge
05.02.2012 at 22:48
Ich bin freiberufliche Logopädin. Ich habe einen Patienten (Privatpatient), jener zuerst eine Verordnung (vom Zahnarzt)wegen myofunktioneller Dysfunktion(Indikationsschlüssel SP3) und nunmehr parallel ein weiteres Rezept ausgestellt bekam (von einem Hausarzt,)bzgl. einer Störung der Sprachentwicklung / Störung der Artikulation (da der Patient 11 Jahre alt ist, entspräche dies ebenfalls dem Indikationsschlüssel SP3). Kann ich diese Rezepte zeitgleich behandeln, da der Schwerpunkt jeweils ein anderer ist, oder bekomme ich dann Probleme bei der Abrechnung? Was muss ich beachten? Über eine Antwort wäre ich Ihnen sehr dankbar! Eine schöne Woche wünscht,
31.01.2012 at 15:39
Hallo zusammen und guten tag Herr Buchner,
mein Name ist Philipp Botermann ich bin Ergotherapeut in eigener Praxis in Niedersachsen und meine Fragen sind,
1. Ist es möglich Einzeltherapie und Gruppentherapie
gleichzeitig zu machen? Nicht am selben tag sondern z.b. Mo.
Einzelth. und Di. Gruppeth.
2. Wen ja. Wie müsste dan das Rezept aussehen? Es soll bei mir
in der Praxis balt eine Konzentrationsgruppe starten und es
gibt einige Kinder bei mir die sind in der Einzelth. und
bräuchten diese auch weiterhin. Aber die Gruppe währe
entsprächend gut um weiter bereich abzudecken.
Ich hoffe ich konnte mein anliegen richtig benennen und verständlich machen.
jessica gabsi
27.01.2012 at 19:01
vielen dank für die schnelle antwort,jedoch würde ich gerne wissen,ob die praxis,in der ich angestellt bin,von mir das geld für die nicht erstatteten rezepte verlangen kann.
j.gabsi
27.01.2012 at 19:04
Wie immer gilt: Kommt d’rauf an…
Wenn Sie angestellt sind, können Sie nicht für das Unternehmerrisiko in Haft genommen werden. Aber es gibt Konstellationen, in denen Sie sich zumindest eine Abmahnung einhandeln könnten, vorausgesetzt, Sie sind entsprechend informiert worden…
Wichtiger als jetzt Verantwortlichkeit zu verteilen wäre es, dass Sie in Zukunft wissen, wie das richtig läuft!
27.01.2012 at 18:39
habe seit 4 jahren eine dauerpatientin mld-45. sie bekommt seit ca. 10 jahren schon mld-45. da ich als physiotherapeutin nicht in die thematik “richtig ausgefüllte heilmittelverordnung” eingearbeitet bin habe ich immer die rezepte angenommen. nun wurde das letzte rezept von der kasse zurückgeschickt,schon mit dem hinweis,auch die 3 vorhergegangenen rezepte aus 2011 sind nicht gültig-der arzt hatte alle rezepte als folgerez. und nicht ausserhalb des regelfalles ausgestellt.zum teil wurden auch 10 anwendungen verordnet,obwohl der indikationsschlüssel dies nicht zulässt.kann ich rechtlich für diesen fehler der arztpraxis verantwortlich gemacht werden ?
mfg j.gabsi
27.01.2012 at 18:47
Nein, die Arztpraxis können Sie nicht dafür verantwortlich machen. Ohne Kenntnis der weiteren Details können wir Ihnen dazu nicht wirklich weiterhelfen. Vielleicht nehmen Sie einfach Kontakt mit unserer Hotline auf: 0800/9477360
Schlicht-Gieseler
25.01.2012 at 7:55
Hallo Herr Buchner, durch Ärztehopping(wie angeraten den Regelfall zu umgehen) immer erneute Regelfälle bei gleich lautender Diagnose wird dadurch verhindert, daß die Pflicht der Therapeuten auf Stimmigkeit des Rezeptes ( hierunter zählt auch die Anzahl der Rezepte), verpflichtet sind. Daraus soll folgern, daß der Therapeut der wieder besseren Wissens handelt, diese Kostenerstattung nicht bezahlt bekommt oder die Kosten erstatten muß.
Welche Vorgehensweise ist denn nun Möglich, ohne Regressgefahr?
27.01.2012 at 19:18
Das Problem, dass Patienten von ihrem Recht auf freie Arztwahl Gebrauch machen, lässt sich nicht auf Heilmittelerbringer oder Ärzte abwälzen – auch wenn die Kassen das immer wieder versuchen.
Für den Arzt gilt: Neuer Patient –> Neuer Regelfall, einzige Ausnahme: Es liegt ein schriftlicher Bericht eines Kollegen vor, aus dem die vorangegangene Therapie ersichtlich ist. Wenn der Arzt sich nur auf die mündliche Überlieferung durch den Patienten verlassen müsste (was die Kassen fordern), dann wäre die Gefahr wegen Formfehler in Regress genommen zu werden unendlich groß. Also wird der Arzt immer einen neuen Regelfall beginnen.
Für den Therapeuten bedeutet das: Gem. Rahmenvertrag gilt, dass eine gültige VO immer abgearbeitet werden muss. Wenn ein Patient jetzt mit einer erneuten Erstverordnung in die Praxis kommt, dann ist die Situation für den Heilmittelerbringer schwierig. Darf er den Arzt darüber informieren, dass der Patient schon mal früher andere Heilmittelverordnungen bekommen hat? – Wohl kaum, Datenschutz sei dank! Im übrigen würde dass vermutlich nichts an dem Verordnungsverhalten des Arztes ändern, denn der würde trotz der Intervention des Therapeuten bei seiner “Sicherheitsverordnung” bleiben.
Also gilt: Gültige Verordnung muss bezahlt werden – notfalls auch nach Schriftwechsel mit der Krankenkasse.
PS: Ich empfehle nicht Ärztehopping zu betreiben – und werde das auch in Zukunft nicht tun – wenn dieser Eindruck entstanden ist, möchte ich das hiermit ausdrücklich korrigieren. Ich habe lediglich die oben geschilderten Tatbestände beschrieben und darauf aufmerksam gemacht, welche Punkte dabei zu berücksichtigen sind.
23.01.2012 at 14:34
ich suche eine Aufliestung über die Dauer der einzelnen, verordneten Anwendungen. Soll heisen: MT = XY Minuten, ET = XY Minuten, Massage = XY MINUTEN. EIS/WÄRMEM = XY MINUTEN
Können sie mir da evtl weiterhelfen, wo kann ich sowas finden-nachlesen?
27.01.2012 at 18:59
Sie suchen die Leistungsbeschreibung, die Sie zum Beispiel auf den Seiten vom GKV-Spitzenverband finden: Hier Klicken!
Kirsten Klimczak
10.01.2012 at 15:40
eine Frage zu den Therapieberichten: Als Therapeut bin ich verpflichtet, dem Arzt Bericht zu erstatten, sofern er das auf dem Rezept so ankreuzt. Das ist in Ordnung, aber wer bezahlt die Zeit für das Verfassen der Berichte? Nach meinem Wissen, wird das bisher weder von den Kassen, noch von den Ärzten und Patienten erstattet. Kann man mich gesetzlich dazu verpflichten, eine Leistung ohne Bezahlung zu erbringen?
10.01.2012 at 19:13
Siehe Antwort unter https://www.praxisfragen.de
11.11.2011 at 10:53
meine Frage betrifft die Notiz, die man auf allen meinen Rezepten und Heilmitelverordnungen finden kann:”ausserhalb des Regelfalls”. Ich hatte 1993 einen sehr schweren, unverschuldeten Verkehrsunfall. Ich war im Anschluß, ca. acht Jahre in Behandlung, bis vor zwei Monaten!
Da bin verschiedenen stationären Reha`s. Seit 2000 bin ich nun in ambulanter,Krankengymnastik und Ergotherapie, Logopädie wurde schon vor Jahren gestrichen. Als ein Ergotherapierezept zu Ende war, bin zu meinem Orthopäden, um ein weiteres abzuholen. Die Rezeptionsangestellte hatte sich ohne, dass ich dieses Gespräch mithören konnte,mit dem Arzt kurzgeschlossen und dabei kamen die beiden zu dem Resultat,
Meine Frage: Welchen Vorteil trägt eigentlich, “ausserhalb des Regelfalls?” Das ich mittlerweile als chronischer kranker Patient eingestuft werde, hat mich zwar verwundert, ist aber nur eine Erfindung der Krankenkassen.
Mittlerweile kann ich wieder Strecken, ohne Rollator Gehen, also ist keine Behandlung an mir umsonst.
Muß ich jetzt wirklich bis 11. Januar 2912 warten, bis ich ein Folgerezept für Ergotherapie bekomme?
18.11.2011 at 15:11
Grundsätzlich wird über die Heilmittel-Richtlinie geregelt, ob und wie viel Ergotherapie einem Patienten zusteht. Mit der Neufassung der HeilM-RL im Juli 2011 sind auch die Patienten als Adressaten der HeilM-RL festgelegt worden. Folglich könnten Sie mit fachkundiger Hilfe (z.B. Ergotherapeut) überprüfen, inwieweit die Weigerung Ihres Arztes Ergotherapie zu verordnen überhaupt rechtens ist. Allerdings darf man nicht vergessen, dass die Ärzte mit ihrem persönlichen Einkommen dafür haften, wenn Sie zu viel verordnen – deswegen ist die Weigerung des Arztes zumindest vor diesem Hintergrund zu verstehen. Tatsächlich kenne ich Fälle in denen Ärzte ein Heilmittel-Regress in Höhe von 250.000 Euro angedroht wurde.
Verordnungen im Regelfall sind in Bayern vor Regressen weitgehend sicher, Verordnungen außerhalb des Regelfalls aus Sicht der Ärzte problematisch. Wenn Sie eine Therapiepause von 12 Wochen einhalten, kann der Arzt wieder mit einer Verordnung im Regelfall beginnen. Daraus erklären sich die von Ihnen beschriebenen Fristen.
Zu Lösung Ihres Problems (Wie komme ich schnell an eine Ergotherapie – Verordnung?) gibt es aus meiner Sicht “saubere” und “unsaubere” Wege.
Im Sinne der Sozialgesetzgebung “sauber” sind folgende Möglichkeiten:
1. Sie bitten Ihre Krankenkasse darum, das der MDK (Medizinischer Dienst der Krankenkassen) Sie begutachtet und die Therapiebedürftigkeit feststellt. Vermutlich wird Ihre Krankenkasse sich weigern, das zu tun. Lassen Sie sich diese Weigerung schriftlich geben, dann kann man versuchen dagegen vorzugehen.
2. Wie wenden sich an die bayerische Ärztekammer und beschweren sich über die “Verordnungsverweigerung” des Arztes. Mir sind Fälle bekannt, in denen das erfolgreich war – manchmal gab es allerdings auch den Rat sich so zu verhalten wie hier unter 4. beschrieben.
3. Ihr Therapeut erstellt einen fundierten Therapiebericht, der als Vorlage für eine regresssichere Verordnung außerhalb des Regelfalls des Arztes dienen kann. Wenn der Arzt sich gut aukennt, wird er auf solche Informationen eingehen, wenn nicht könnte es noch mehr Stress nicht nur für Sie sondern auch für den Therapeuten geben.
Im Sinne der Sozialgesetzgebung “unsauber” ist folgende Möglichkeit:
4. Es gibt Patienten, die einfach den Arzt wechseln. Wenn Sie einem neuen Arzt einfach nichts davon erzählen, dass Sie schon in einer anderen Praxis Heilmittel verordnet bekommen haben (und dazu sind Sie nicht verpflichtet), haben Sie gute Chancen eine neue Heilmittel-Erst-Verordnung zu bekommen. Sie schöpfen den Regelfall bei dem neuen Arzt aus, dann wechseln Sie wieder zurück zu Ihrem alten Arzt und bekommen dann erneut Verordnungen im Regelfall. Im Prinzip kann man diese “Ärztehopping” relativ weit treiben, die Kasse hat kaum Möglichkeiten solche Aktivitäten kurzfristig zu unterbinden. Sie müssen nur konsequent von Ihrem “Selbstbestimmungsrecht” als Patient gebrauch machen. Diese Methode ist nicht im Sinne der HeilM-RL, funktioniert aber vergleichsweise gut und wird auch durchaus mal von Krankenkassenmitarbeitern empfohlen, um sich Arbeit zu sparen. Rechtliche oder sonstige Bewertungen müssen Sie selbst vornehmen oder den Anwalt Ihres Vertrauens fragen.
Ich hoffe, Ihnen mit dieser Übersicht geholfen zu haben.
Elvira Prömper
28.10.2011 at 16:06
Neufassung Heil-RL vom 01.07.2011
Mir wurde die Diagnose Motoneuronerkrahkung gestellt und habe von meiner Kindheit an Epilepsie. Auß Gründen meiner Motoneuronerkrankung wurde mir Physiotherapie außerhalb des Regelfalles verordnet.Meine Therapiepraxis hatim August 2011 in meinem Namen eine langfristige Genehmigung bei der Krankenkasse (AOK PLUS Die Gesundheitskasse für Sachsen und Thürigen) eingereicht.Bis heute wurde keine schriftliche Antwort darauf erteilt.
Eine Mitarbeiter der Krankenkasse sagte mir heute das all dieses nicht für mich zutrifft, da ich in Thüringen wohne und die AOK Thüringen sowieso keine Gehnemigung verlangt.Es bleibt alles wie es war.
Ich weiß nicht mehr wie ich dran bin. Bitte teilen Sie mir mit wie es wirklich ist. An wen wird die Gehnemigung versandt und was hat die zuständige Hausärtzin zu tun? Muß diese auch weiterhin Rezepte ausschreiben und diese begründen? Wird Physiotherapie auch auf das Buquet des Arztes angechnet? Wie müssen sich meine Therapeuten und ich jetzt verhalten?
Wenn die AOK Thüringen auf die Genehmigung von Verordnungen außerhalb des Regelfalls verzichtet, dass gelten alle entsprechenden Verordnungen außerhalb des Regelfalls durch Ihren Arzt als genehmigt. Ihr Arzt muss weiterhin immer neue Verordnungen ausstellen, und Ihr Therapeut sollte weiterhin Therapieberichte schreiben, aus denen hervorgeht, dass Therapie in Ihrem Fall medizinisch notwendig ist. Leider werden die Verordnungen, die in Ihrem Fall ausgestellt werden, dem Heilmittelbudget des Arztes zugeschlagen.
Deshalb könnte es eine gute Idee sein, bei der Krankenkasse eine Begutachtung durch den Medizinischen Dienst der Krankenkassen zu beantragen, mit dem Ziel, dass der MDK die Therapiebedürftigkeit bescheinigt. So ein Gutachten würde es dem Arzt es sicherlich leichter machen, Heilmittel zu verschreiben.
Wenn Ihr Therapeut Unterstützung bei der Formulierung des richtigen Therapieberichtes braucht, darf er sich gern an uns wenden.
Conny Ostermann
30.07.2011 at 16:06
Ich habe zur Neufassung der Heilmittelrichtlinien einige Fragen:
1. Ich bin angestellt in einer Interdisziplinären Frühförderung ( Physiotherapeutin / Kinderbobath- Therapeutin ) welche Auswirkungen hat die Neufassung auf Frühförderstellen ?
2. Ich bin im Rahmen der IFF noch in zwei integrativen Kindertagesstätten tätig – wir bekommen einen ” Hungerlohn ” pro Behandlung von den Krankenkassen 16,20 € für eine Behandlung /Bobath und dies für behinderte oder von Behinderung bedrohte Kindder -bis September 2010 waren es noch 27,10 € -diese Verträge wurden gekündigt und es gab in Thüringen neue Rahmenverträge -es ist kaum zu schaffen als Therapeut und hat große Auswirkungen auf das gesamte Frühförderteam. Für mich wäre es ein “Traum” , wenn dieser Stress sich endlich wieder in positiven umwandelt -denn ich bin dankbar für meine Tätigkeit und hoffe das endlich mal jemand an die gedacht hat um die es geht – die Kinder und Eltern !!!
29.08.2011 at 7:00
Zu 1.: Die Finanzierung der Frühförderstellen läuft nach anderen Kriterien ab, als die der ambulanten Heilmittelpraxen, daher ist die Änderung nur dann relevant, wenn in den Finanzierungsverträgen ausdrücklich auf die HeilM-RL bezug genommen wird.
Renate Dornhofer
06.07.2011 at 8:49
bringen die neuen Heilmittelrichtlinien Auswirkungen für den Bereich Privatverordnungen in meiner Heilpraktiker-Praxis mit sich?
06.07.2011 at 9:39
Kein Problem: Die Heilmittel-Richtlinie gilt nur für Leistungen zu Lasten der GKV! Nicht für Privatpatienten, Selbstzahler etc.
22.06.2011 at 22:37
wo, von wem und wem gegenüber muss die ICF Dokumentation erbracht werden? Und in welcher Form?
In der Arztakte?
Auf dem Rezept?
Auf den Therapieberichten?
Wie ist hier die Transparenz gegenüber den Leistungsträgern gewährleistet?
23.06.2011 at 17:19
kurzfristig wird sich bezüglich ICF vermutlich erst einmal nicht viel ändern. Sie können also entspannt den Sommer genießen!
Mittelfristig werden die Ärzte vermehrt Therapieberichte anfordern. Diese Berichte sollten dann allerdings langsam aber sicher das Thema ICF aufnehmen, also nicht nur über die Krankheit und die Schädigung schreiben, sondern unbedingt auch über die Aktivitäten. Bei letztgenannten bitte sowohl die Perspektive des Patienten selbst, als auch seine Umweltfaktoren berücksichtigen. Handelt es sich bei dem jeweiligen Patienten um eine Person über 18 Jahre, dann können Sie auch noch gut das Thema Teilhabe in den Bericht einfließen lassen.
Für Ärzte könnte es interessant sein, bei Verordnungen außerhalb des Regelfalls die ICF-Terminologie für die medizinische Begründung zu nutzen. Dafür könnten Sie in den Therapieberichten die Vorlage liefern.
17.06.2011 at 16:37
hier in Freiburg im Breisgau (wie wahrscheinlich fast überall) werden zunehmend Therapien abgebrochen mit dem Hinweis auf Budgetüberschreitung. Ein Neurologe, der nach ARztwechsel einer Aphasikerin, die auch dementielle Symptome entwickelt, keine VO mehr ausstellen will, obwohl Therapeutin, Schwestern und Angehörige dies für sinnvoll erachten, begründete dies folgendermaßen: Nach den Heilmittelrichtlinien sei er nur verpflichtet, “die wirtschaftlich ausreichende Therpaie zu verordnen, nicht die medizinisch optimale”. Haben Sie Argumentationshilfen für diese Fälle?
18.06.2011 at 21:25
Hallo Frau Koll,
der Neurologe irrt leider: Es soll die nicht die “medizinisch optimale” Therapie verordnen, sondern die “medizinisch notwendige”. Daraus lässt sich auch Ihre Argumentation ableiten: Streng medizinisch argumentieren, möglichst konkret werden bei der Prognose was Sie mit der oder den nächsten VOen bei der Patientin erreichen werden. Außerdem würde ich mir die Diagnose ansehen und prüfen, ob es sich dabei vielleicht um eine Vorab-Praxisbesonderheit handelt. Wäre das so, dann hätte sich Ihr Problem wahrscheinlich erledigt.
Wenn Sie dazu weitere Unterstützung benötigen, nehmen Sie bitte über die up-premium plus Hotline Kontakt mit mir auf – telefonisch oder via E-Mail. Dann brauch ich aber auf jeden Fall die Diagnose.
13.06.2011 at 18:27
Hallo Herr Buchner, ich suche nach den neuen Heilmittelrichtlinien ob diese auch für Podologie gelten. Ich gehe mal davon aus ja. Ich finde aber bei Ihren Beispielen nur über Physiotherapie etwas. Könnten Sie mir einen Tip geben wo ich über Podologie etwas erfahre bzw. was ? Viele Grüße !
13.06.2011 at 19:59
Ja, die Heilmittel-Richtlinie gilt auch für die Podologie, ich bitte die etwas unausgewogene Berichterstattung zu entschuldigen.
Die Podologie wird in ersten der Teil der Heilmittel-Richtlinie im Richtlinientext in den Paragrafen 27 bis 29 geregelt (entspricht der alten Ziffer 17.B). Im zweiten Teil wird im Heilmittel-Katalog die Podologie unter I. B Maßnahmen der Podologischen Therapie behandelt.
Hauptänderung für die Podologen ist der Behandlungsbeginn mit 28 Kalendertagen und eine Änderung in §28 Abs. 4 Ziffer 4 (Behandlung von Fehlbeschwielung bei Wagner-Stadium 0). Darüber hinaus gelten natürlich auch alle anderen Änderungen, die sich nicht ausdrücklich auf eine bestimmte Fachrichtung beziehen (z.B. Vollständigkeit von VOen). Das Verordnungsmuster teilen sich die Podologen wie gewohnt mit den Physiotherapeuten (Muster 13).
10.06.2011 at 20:59
meine Frage gilt den Verordnungen außerhalb des Regelfalls. Ab 01. Juli gilt nun dass die Verordnungen nur noch genauso oft ausgestellt werden duerfen wie innerhalb der Regel Leistung. Zählen bereits die V.a.R, die schon ausgestellt wurden mit?
Ich glaube, dass es da ein Missverständnis gibt: VOen außerhalb des Regelfalls dürfen nur in ganz wenigen Einzelfällen begrenzt auf die Höhe des Regelfalls ausgestellt werden (z.B. D1 in der Physikalischen Therapie). Bei Ergotherapie ist mir kein Fall bekannt.
10.06.2011 at 11:19
zuerst: vielen Dank für das anregende Webinar. Wir hatten keine Pizza, sondern Käse-Baguette. Sehr aufschlussreich, echt was gelernt und neue Feindbilder aufgebaut ;-)
Ich sehe das größte Problem bei den nicht korrekt ausgefüllten Rezepten. Insb. die ICF-Systematik wird bei Ärzten, die bisher Diagnosen wie “Wirbelsäulen-Syndrom” verteilt haben, ein rotes Tuch werden. jetzt meine Frage: darf ein Physio., n.n.n.A.m.d.A. (NATÜRLICH nur nach Absprache mit dem Arzt), den ICF-Schlüssel (so nenne ich das jetzt mal) eintragen / ändern? Haben Sie vorgefertigte Infos für Ärzte (“Fahrplan zur korrekt ausgefüllten Heilmittelverordnung”? Übrigens: nach meiner Erfahrung werden die VO meist von der Arzthelferin ausgefüllt -vielleicht müssen wir diese informieren… Danke! A. Lieschke
10.06.2011 at 12:37
Ich hoffe, es hat geschmeckt ;-)
Das ICF-Thema wird gar nicht so heiß gegessen, wie es gekocht wird. Vermutlich entwickelt das Thema erst mittelfristig irgendeine Relevanz. In der Hilfsmittel-Richtlinie ist die ICF als Nomenklatur ebenfalls eingeführt worden und hat zu keinerlei Veränderungen beim Ausfüllen der Verordnungen geführt.
Also: Sich mit dem Thema beschäftigen ja, aber Ärzte dürften sich damit erst sehr viel später auseinandersetzen!
Herzliche Grüße aus dem Norden und Danke für das nette Feedback
08.06.2011 at 13:54
1. Gibt es eine Übergangsregelung für den neuen HMK? Und wenn wie lange? ( Probleme sind da vorprogrammiert da auch die Regelung zudem noch in die Sommerferien fällt…!)
2.Wie soll eine Daeurbehandlung gehandhabt werden? Mit einer schriftl. Genehmigung auf z.B. ein Jahr und der behandelnde Arzt stellt dann Rezepte mit einer Anzahl nach Gutdünken oder per verabredung aus? ( so wie es die AOK in Hessen breits schon teilweise macht…) Die VO müssen ja trotzdem übersichtlich bleiben in ihrer Anzahl so dass ich nicht ein Jahr auf das Geld warten muß…
3.Betrifft § 8: ich bin bei der Optika und erhalte monatlich eine Liste aus der ich entnehmen kann welche Kasse welche Indikationsschlüssel von einer Genehmigung befreit, diese Listen ändern sich monatlich. Haben diese Listen noch Relevanz nach dem 1.7.? Und wie ist das mit den VdaK-Kassen die ja bislang auf eine Genehmigung verzichtet haben?
4. § 15 – Fristenverlängerung: Die VdaK hatte bislang eine Unterbrechungsmöglichkeit von bis zu 21 Kalendertagen gestattet ( bei Krankheit, Urlaub ). Bedeutet das jetzt, dass diese gekürzt werden auf 14 Tage?
5. § 18 – MLD läßt sich doch oft nicht nur auf eine Körperregion begrenzen da oft das ganze System betroffen ist. Wird dennoch nach OP nur eine Eingrenzung auf z.B. Knie möglich sein?
6. §13 – konkrete Diagnosen: dürfen Diagnosen wie “HWS-Syndrom” überhaupt noch verwendet werden oder MUSS ich sie ändern lassen?
7. Wann bekommen wir die neuen Kataloge? Hatte bei IHnen einen bestellt sowie bei INtellimed, aber es tut sich noch nichts und dann sind Ferien…
08.06.2011 at 16:55
Sehr geehrte Frau Graf-Laubenthal,
Zu 1: Übergangsregelung wird nicht wirklich notwendig sein, weil sich im Heilmittel-Katalog praktisch nichts ändert. Und für den Bereich der Heilmittel-Richtlinie gilt: Verordnungen, die vor dem 1. Juli 2011 begonnen wurden, werden nach der alten Richtlinie bearbeitet, VO nach dem 1. Juli 2011 nach den neuen Richtlinien. Wo sehen Sie da Probleme?
Zu 2: Das genauer Procedere wird bestimmt noch früh genug bekannt gegeben. Grundsätzlich besteht aber bei den meisten Krankenkassen die Möglichkeit VO nur teilweise als Zwischenabrechnung vorzunehmen. Wenn Sie das Verfahren dazu interessiert, melden Sie sich gern bei unserer Hotline.
Zu 3: An diesem Verfahren ändert sich ganz einfach nichts! Diese Regelung ist nur dahingehend ergänzt worden, dass bei einem Verzicht auf die Genehmigungspflicht, alle so tun können, als wäre die VO genehmigt worden. Das erleichtert den Versicherten und Ihnen als Therapeutin die Arbeit. Eine Internetseite, auf der alle KVen die Kassen verzeichnen, die auf die Genehmigung verzichten finden Sie hier.
Zu 4: Bisher galt, dass bei einer Überschreitung von 10 Tagen die Verordnung ungültig wird. Ausnahme bei VdeK-Kassen: Mit den Kürzeln T, K und F kann eine längere Überschreitung der Frist begründet werden, wenn das Therapieziel trotzdem erreicht werden kann. Die Überschreitung ist zeitlich bei den VdeK-Verträgen nicht begrenzt, insofern kann ich den Hinweis mit den 21 Tagen nicht nachvollziehen. Mit der Neufassung der Heilmittel-Richtlinie wird die Überschreitung von 10 auf 14 Kalendertage verändert. Ansonsten gilt alles so weiter wie gehabt. Aufpassen: Bei den Ortskrankenkassen (AOK) sind die Regelung mit der Fristüberschreitung von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich – einfach mal in den Vertrag reingucken.
Zu 5: Keine Änderung zum vorherigen Status.
Zu 6: Heilmittelerbringer dürfen keine Diagnose stellen, ergo können Sie nicht dafür zuständig sein, die hinreichende Konkretisierung einer Diagnose zu überprüfen! Diese Regelung betrifft hauptsächlich den Arzt, der hier einfach besser als bisher in Heilmittelregress genommen werden kann.
Zu 7: Die Katalog, die Sie bestellt haben sind bei uns bereits im Druck und werden bestimmt vor dem 1. Juli bei Ihnen eintreffen. Wie andere Firma da verfahren, kann ich Ihnen leider nicht sagen.
Erlauben Sie mir eine Anmerkung: Wenn Sie noch weitere Fragen haben, sollten Sie sich einmal überlegen, ob ein Seminar zu Thema nicht hilfreich wäre. Auf unserer Seminar-Internetseite finden Sie entsprechende Angebote. Da kann man dann auch noch mal Rückfragen bzw. ausführlicher begründen, als das bei solchen Kommentaren die Möglichkeit ist.
Ich freue mich über Ihre Rückmeldung, hoffen Ihnen mit den Antworten geholfen zu haben und verbleibe
Sab. Winnemöller
Der BED hat zur Behandlungen außerhalb der Praxis (Tagesfördereinrichtungen)andere Informationen verschickt und zwar mit einer wichtigen Einschränkung:
>>Der Ort der Leistungserbringung wurde in § 11 Absatz 2 erweitert. “Ohne Verordnung eines Hausbesuchs ist die Behandlung außerhalb der Praxis des Therapeuten oder der Therapeutin ausnahmsweise für Kinder und Jugendliche bis zum vollendeten 18. Lebensjahr, ggf. darüber hinaus bis zum Abschluss der bereits begonnenen schulischen Ausbildung möglich, die ganztägig in einer auf deren Förderung ausgerichteten Tageseinrichtung untergebracht sind…Voraussetzung ist, dass sich aus der ärztlichen Begründung eine besondere Schwere und Langfristigkeit der funktionellen/strukturellen Schädigungen sowie der Beeinträchtigungen der Aktivitäten ergibt und die Tageseinrichtung auf die Förderung dieses Personenkreises ausgerichtet ist und die Behandlung in diesen Einrichtungen durchgeführt wird.” <<
Diese Behandlungen wären nur dann möglich, wenn eine bes. Schwere und Langfristigkeit der funktionellen/strukturellen Schädigungen vorhanden sind. Dies macht für mich einen deutlichen Unterschied in der Umsetzung aus.
05.06.2011 at 15:46
Die Information des BED sind nicht anders, sondern zitieren genau die Richtlinie. Der G-BA schreibt in seiner Begründung dieser Änderung, dass es Sinn der Regelung sei, “den Zugang zur Möglichkeit der Heilmittelerbringung in Einrichtungen für Kinder und Jugendliche nachhaltig zu erleichtern.” Hier gibt es weniger Stresspotential für die behandelnden Therapeuten, weil die Krankenkassen bestimmt kein Problem damit haben werden, dass Hausbesuche ohne Hausbesuchspauschale erbracht werden. Tatsache ist doch, dass auch jetzt schon viele Krankenkassen Ausnahmegenehmigungen zu Behandlung in Einrichtungen erteilt haben, die jetzt durch die Neufassung der HeilM-RL überflüssig werden.
Problematischer könnte es für die verordnenden Ärzte werden, weil im Falle eines Prüfverfahrens die besondere Schwere und Langfristigkeit unter Umständen schwer zu belegen sein könnte.
Frage zur Fristenregelung: Ich habe ein Rezept von der Abrechnungsstelle zurückbekommen bei dem ich eine Unterbrechung von drei Wochen rund um Weihnachten mit Urlaub und Feiertagen begründet hatte. Laut Abrechnungsstelle müsste eine solche Unterbrechung vom Arzt genehmigt werden. Kann das sein? Muss ich meinen Urlaub vom Arzt genehmigen lassen? Ich habe eine kleine Praxis in der nur ich die Kinder behandle.
26.05.2011 at 9:18
Die Fristenregelgungen sind von Bundesland zu Bundesland verschieden. Allerdings ist eines immer gleich: Eine Genehmigung durch den Arzt ist nicht erforderlich. Einzige Ausnahme: therapeutisch indizierte Pausen müssen in einigen Bundesländern mit dem Arzt abgesprochen (nicht unterschrieben) werden. Grundlage aller akzeptierten Fristenregelungen ist immer, dass das Therapieziel trotz Pause erreicht wird.
Ich weiß nicht, was Sie mit Abrechnungsstelle meine, einen Stelle, die Sie bezahlen – oder die Abrechnungsstelle der Krankenkasse? Wenn Sie die Abrechnungsstelle bezahlen, dann sollten Sie schleunigst kündigen, denn wer so falsche Informationen verteilt, sollte dafür nicht auch noch bezahlte werden. Wenn Sie wissen wollen, wie man ganz einfach selbst abrechnet, schicken Sie mir eine Mail, ich helfe Ihnen dann einfach weiter.
Genauere Informationen können Sie bekommen, wenn Sie uns Ihr Bundesland verraten.
Viel Spaß beim Abrechnen wünscht Ihnen
PS: Als unternehmen praxis premium Kunden, könnten Sie das Schreiben an die Kasse kostenlos erhalten! Kostenlose Hotline: 0800/9477360
Ergänzung/Anmerkung am 14.6.2011:
Hier ist ein bitterböser Brief einer Abrechnungsstelle eingegangen (offensichtlich einer, die von Therapeuten bezahlt wird): “Geschäftsschädigend” sei unser Hinweis, man möge das doch bitte noch einmal korrigieren. Kein Problem, ich gehe gern noch einmal ins Detail:
1. Wie schon oben erwähnt, hängen Art und Ausgestaltung der Fristenregelungen ganz konkret vom Bundesland und von der Kassenart ab. Deswegen hatte ich oben auch nach dem Bundesland gefragt. Inzwischen ist klar: Es handelt sich um Bayern. (Hinweis: Ein weiteres Kriterium ist auch noch die Fachrichtung und in manchen Regionen die jeweilige Verbandszugehörigkeit!)
2. Aus der Frage heraus wurde nicht ganz klar, um welche Kassenart es sich bei der fraglichen Verordnung gehandelt hat. Für den Bereich der Ersatzkassen treffen meine oben getroffenen Aussagen im vollen Umfang zu: Therapeutisch indizierte Fristüberschreitungen bedürfen der Rücksprache mit dem Arzt (T), bei Krankheit (K) oder Ferien (F) geht es auch ohne Rücksprache. Direkt auf der Verordnung kann man die Fristüberschreitungen dann mit dem entsprechenden Buchstaben begründen, Datum und Handzeichen nicht vergessen. Der Arzt muss in diesem Fall nicht unterschreiben!
3. Für den Bereich der AOK, BKK, Knappschaft und IKK ticken die Uhren in Bayern in der Tat etwas anders. Seit Juni letzten Jahres benötigt man in Bayern als Physiotherapeut Stempel und Unterschrift des Arztes um im Prinzip genau so mit den Fristenregelungen umgehen zu können, wie bei den Ersatzkassen. Hier gibt es noch ein weiteres Kürzel für Urlaub (U), dafür bedeutet das (F) hier Fortbildung. Insofern hat das Abrechnungszentrum nicht falsch informiert und ich freue mich, dass das Abrechnungszentrum Kontakt aufgenommen hat, um mir die Gelegenheit zu geben, diese Details hier noch einmal zu ergänzen.
4. Eine Rückfrage bei der AOK Bayern (Dienstleistungszentrum Heilmittel) hat das ergeben, was in ganz Deutschland bei Fristüberschreitungen um die Weihnachtszeit “gelebte Praxis” ist: “…normalerweise drücken wir mal ein Auge zu!” hat gerade eine Kollegin des Dienstleistungszentrums über die Abrechnung von Verordnungen über die Weihnachtsfeiertage gesagt. Es gibt sogar mindestens einen Rahmenvertrag, in dem solche Regelung als Protokollnotiz vereinbart wurde. Vielleicht wäre die Verordnung, um die es hier geht, doch abzurechnen gewesen? Wie schon gesagt: Selbstabrechnen ist sicherlich eine gute Alternative!
In der nächsten Ausgabe von up wird es, wie im vergangenen Jahr eine aktualisierte Fassung unserer Tabelle “Unterbrechnungsregelungen” geben. Damit sollten Sie in der Lage sein, alle Verordnungen ohne Fristenproblem abrechnen zu können.