Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Gericht=BFH&Datum=29.11.1977&Aktenzeichen=VII%20B%206/77
Timestamp: 2019-07-23 16:44:13
Document Index: 197953049

Matched Legal Cases: ['§ 69', '§ 69', '§ 80', '§ 69', '§ 69', '§ 69']

BFH, 29.11.1977 - VII B 6/77 - dejure.org
https://dejure.org/1977,512
BFH, 29.11.1977 - VII B 6/77 (https://dejure.org/1977,512)
BFH, Entscheidung vom 29.11.1977 - VII B 6/77 (https://dejure.org/1977,512)
BFH, Entscheidung vom 29. November 1977 - VII B 6/77 (https://dejure.org/1977,512)
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Aufhebung der Vollziehung - Steuerentrichtung - Keine Einwirkung des Finanzamtes - Freiwillige Entrichtung
FGO § 69 Abs. 1, 2, 3
BFHE 124, 13
BStBl II 1978, 156
a) Nach ständiger Rechtsprechung des BFH lässt die Aussetzung der Vollziehung die Wirksamkeit und den Bestand des ausgesetzten Verwaltungsaktes unberührt (vgl. Entscheidungen des Senats vom 17. September 1987 VII R 50-51/86, BFHE 151, 304, BStBl II 1988, 366, und vom 29. November 1977 VII B 6/77, BFHE 124, 13, 15, BStBl II 1978, 156, m.w.N.).
Aussetzung der Vollziehung bedeutet, daß der materielle Regelungsinhalt des nach wie vor wirksamen Verwaltungsakts bis auf weiteres nicht mehr verwirklicht werden kann, so daß rechtliche (und tatsächliche) Folgerungen aus dem Verwaltungsakt nicht gezogen werden dürfen (vgl. BFH-Beschlüsse vom 22. Juli 1977 III B 34/74, BFHE 123, 112, BStBl II 1977, 838, und vom 29. November 1977 VII B 6/77, BFHE 124, 13, BStBl II 1978, 156; Urteile des Bundesverwaltungsgerichts - BVerwG - vom 21. Juni 1961 VIII C 398.59, BVerwGE 13, 1; vom 12. Mai 1966 II C 197.62, BVerwGE 24, 92, und vom 27. Oktober 1982 3 C 6.82, BVerwGE 66, 218, 222).
Vollziehung ist jegliches Gebrauchmachen eines Verwaltungsaktes, d. h. jede Verwirklichung seines materiellen Regelungsinhaltes zur Herbeiführung der in ihm ausgesprochenen Rechtsfolge (vgl. bereits BFH-Beschlüsse vom 22. Juli 1977 III B 34/74, BFHE 123, 112, BStBl II 1977, 838, und vom 29. November 1977 VII B 6/77, BFHE 124, 13, 15, BStBl II 1978, 156).
Die Begleichung der Steuerschuld steht deshalb der Aussetzung der Vollziehung nicht entgegen, sondern hat nur zur Folge, daß vorläufiger Rechtsschutz in Form der Aufhebung der Vollziehung nach § 69 Abs. 3 Satz 3 FGO gewährleistet wird (so für freiwillige Zahlungen grundlegend BFH-Beschlüsse in BFHE 123, 112, BStBl II 1977, 838, und in BFHE 124, 13, BStBl II 1978, 156; vgl. auch BFH-Urteil vom 10. Juli 1979 VII R 72/78, BFHE 128, 429, 434, BStBl II 1979, 698).
Die erwähnte Entscheidung des VII. Senats sei außerdem unvereinbar mit den Erkenntnissen des BFH, nach denen ein Verwaltungsakt dann vollzogen werde, wenn sein Regelungsinhalt auf irgendeine Weise verwirklicht werde (BFH- Beschlüsse vom 22. Juli 1977 III B 34/74, BFHE 123, 112, BStBl II 1977, 838; vom 29. November 1977 VII B 6/77, BFHE 124, 13, BStBl II 1978, 156).
In ähnlicher Weise haben auch die BFH-Entscheidungen vom 22. Juli 1977 III B 34/74, BFHE 123, 112, BStBl II 1977, 838, und vom 29. November 1977 VII B 6/77, BFHE 124, 13, BStBl II 1978, 156, die gesamte Durchführung eines Verwaltungsakts als Vollziehung bezeichnet (…zum Verwaltungsrecht vgl. Kopp, Verwaltungsgerichtsordnung, 5. Aufl., § 80 Anm. 12 ff.).
Geht man mit dem FG von einem erweiterten Vollziehungsbegriff aus, so würde die Aussetzung der Vollziehung bedeuten, daß der materielle Regelungsinhalt des Verwaltungsakts vorläufig nicht verwirklicht werden kann (Beschlüsse in BFHE 123, 112, BStBl II 1977, 838; BFHE 124, 13, BStBl II 1978, 156; vom 10. Juli 1979 VIII B 84/78, BFHE 128, 164, BStBl II 1979, 567).
Nach ständiger Rechtsprechung des BFH läßt die Aussetzung die Wirksamkeit und den Bestand des ausgesetzten Verwaltungsakts unberührt (vgl. Entscheidungen vom 29. November 1977 VII B 6/77, BFHE 124, 13, 15, BStBl II 1978, 156; vom 24. April 1979 VIII R 57/76, BFHE 128, 136, 138, BStBl II 1979, 678, und vom 6. Dezember 1979 IV B 32/79, BFHE 129, 300, 303, BStBl II 1980, 427;… vgl. auch die Rechtsprechungsübersicht bei Ziemer/Haarmann/Lohse/Beermann, Rechtsschutz in Steuersachen, Bd. 3 Rdnr. 4037).
Vollziehung ist jegliches Gebrauch machen eines Verwaltungsaktes, d. h. jede Verwirklichung seines materiellen Regelungsinhaltes zur Herbeiführung der in ihm ausgesprochenen Rechtsfolge (vgl. bereits BFH-Beschlüsse vom 22. Juli 1977 III B 34/74, BFHE 123, 112, BStBl II 1977, 838, und vom 29. November 1977 VII B 6/77, BFHE 124, 13, 15, BStBl II 1978, 156).
Bei Aufhebung der Vollziehung kann auch die --vorläufige-- Rückzahlung freiwillig erbrachter Zahlungen in Befolgung des angefochtenen Verwaltungsaktes angeordnet werden (BFH-Beschluß vom 29.November 1977 VII B 6 77, BFHE 124, 13, BStBl II 1978, 156, m.w.N.).
Die Ansicht, daß freiwillige Leistungen der Anwendung des § 69 Abs. 3 FGO entgegenstehen, hat der Bundesfinanzhof (BFH) aufgegeben (Beschlüsse vom 22. Juli 1977 III B 34/74, BFHE 123, 112, BStBl II 1977, 838; vom 29. November 1977 VII B 6/77, BFHE 124, 13, BStBl II 1978, 156).
Auch hinsichtlich solcher freiwilliger Leistungen des Steuerschuldners kommt eine Aufhebung der Vollziehung gemäß § 69 Abs. 3 Satz 4 FGO in Betracht (BFH-Beschlüsse vom 22. Juli 1977 III B 34/74, BFHE 123, 112, BStBl II 1977, 838, und vom 29. November 1977 VII B 6/77, BFHE 124, 13, BStBl II 1978, 156;… Gräber / Koch, a.a.O., § 69 Rdnr. 58).
BFH, 24.07.1984 - IX B 45/84