Source: https://statistik.arbeitsagentur.de/DE/Navigation/Grundlagen/Methodik-Qualitaet/Methodische-Hinweise/Uebergreifend/Methodische-Hinweise-Uebergreifend-Nav.html
Timestamp: 2020-08-09 05:44:46
Document Index: 225089657

Matched Legal Cases: ['§ 66', '§ 42', '§ 281', '§ 281', '§ 6', '§ 6', '§ 281', '§ 81', '§ 81', '§ 82', '§ 131', '§ 2']

Statistik der Bundesagentur für Arbeit - Übergreifende Themen
Methodische Hinweise zu übergreifenden Themen
Hier finden Sie alle zu übergreifenden Themen relevanten methodischen Hinweise.
Aggregat "Kritische Infrastruktur"
Auf Basis der Klassifikation der Wirtschaftszweige von 2008 (WZ 2008)
Kritische Infrastrukturen (KRITIS) sind Organisationen oder Einrichtungen mit wichtiger Bedeutung für das staatliche Gemeinwesen, bei deren Ausfall oder Beeinträchtigung nachhaltig wirkende Versorgungsengpässe, erhebliche Störungen der öffentlichen Sicherheit oder andere dramatische Folgen eintreten würden1).
Die vorliegende Aggregatbeschreibung orientiert sich zum einen an der vom Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe und dem Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik herausgegebenen Übersicht zu den Sektoren und Branchen der „Kritischen Infrastruktur“2) und zum anderen an der Konkretisierung des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales, die im Rahmen der Hinzuverdienstgrenze für das Kurzarbeitergeld herausgegeben wurde3).
Grundsätzlich wird bei diesem Aggregat von einer kurzfristigen, wenige Wochen andauernden Beeinträchtigung ausgegangen. Somit beinhaltet das Aggregat Kernbereiche, welche bei länger währender Beeinträchtigung erweitert werden müssten (bspw. um den Bereich Erziehung und Unterricht).
Die Kritische Infrastruktur wurde in Sektoren und Teilsektoren gegliedert, denen einzelne Wirtschaftsabschnitte/-abteilungen/-gruppen/-klassen und -unterklassen der WZ 2008 zugeordnet wurden. Bei der Interpretation ist zu berücksichtigen, dass einzelne Gliederungsebenen mehrere wirtschaftliche Tätigkeiten zusammenfassen können und dass u. U. nicht alle Tätigkeiten der Kritischen Infrastruktur angehören. Außerdem kann es vorkommen, dass die für die eindeutige Bestimmung einzelner Branchen zu einem Sektor erforderliche Gliederungstiefe in der WZ 2008 nicht vorhanden ist (z. B. Wirtschaftsabschnitt „O Öffentliche Verwaltung, Verteidigung Sozialversicherung“), was zu einer Überzeichnung in Teilbereichen führen kann.
Der Sektor „Reparatur und Instandhaltung der Kritischen Infrastruktur“ wurde zusätzlich aufgenommen, da die dort erbrachten Güter und Dienstleistungen mehreren Sektoren zugeordnet werden können.
Grundsätzlich werden nur die Sektoren und die Zusammenfassungen zu den Teilsektoren der „Kritischen Infrastruktur“ berichtet.
1) https://www.kritis.bund.de/SubSites/Kritis/DE/Einfuehrung/einfuehrung_node.html
2) https://www.kritis.bund.de/SubSites/Kritis/DE/Einfuehrung/Sektoren/sektoren_node.html
3) https://www.bmas.de/DE/Schwerpunkte/Informationen-Corona/Kurzarbeit/liste-systemrelevante-bereiche.html
Teilsektor Gewinnung und Verarbeitung von Öl und Gas
06 Gewinnung von Erdöl und Erdgas
091 Erbr. v. Dl. für die Gew. von Erdöl und Erdgas
192 Mineralölverarbeitung
Teilsektor Energieversorgung
Teilsektor Handel mit Mineralölerzeugnissen und Motorenkraftstoffen
46712 Großhandel mit Mineralölerzeugnissen
473 Einzelhandel mit Motorenkraftstoffen (Tankstellen)
Teilsektor Telekommunikation
61 Telekommunikation
Teilsektor Datenverarbeitung und -speicherung
6203 Betrieb von Datenverarbeitungseinrichtungen für Dritte
6311 Datenverarbeitung, Hosting und damit verbundene Tätigkeiten
Teilsektor Landverkehr und Transport in Rohrfernleitungen
49 Landverkehr u. Transp. i. Rohrfernleitungen (ohne 49392 Omnibus-Gelegenheitsverkehr)
Teilsektor Schifffahrt
50 Schifffahrt
Teilsektor Luftfahrt
51 Luftfahrt
Teilsektor Lagerei inkl. Abfüllen und Verpacken
52 Lagerei sowie Erbringung von sonstigen Dienstleistungen für den Verkehr
8292 Abfüllen und Verpacken
Teilsektor Post-, Kurier- und Expressdienste
53 Post-, Kurier- und Expressdienste
Teilsektor Herstellung von pharmazeut., orthopädischen und medizinischen Produkten; Hygieneartikel
202 Herstellung von Schädlingsbekämpfungs-, Pflanzenschutz- und Desinfektionsmitteln
2041 Herstellung von Seifen, Wasch-, Reinigungs- und Poliermitteln
21 Herstellung von pharmazeutischen Erzeugnissen
32501 Herstellung von medizintechnischen Apparaten und Materialien a. n. g.
32502 Herstellung von orthopädischen Erzeugnissen
Teilsektor Groß- und Einzelhandel mit pharmazeutischen, orthopädischen und medizinischen Produkten
4646 Großhandel mit pharmazeutischen, medizinischen und orthopädischen Erzeugnissen
4773 Apotheken
4774 Einzelhandel mit medizinischen und orthopädischen Artikeln
Teilsektor Krankenhäuser und Hochschulkliniken
86101 Krankenhäuser (ohne Hochschulkliniken, Vorsorge- und Rehabilitationskliniken)
86102 Hochschulkliniken
Teilsektor Arzt- und Facharztpraxen sowie sonstige Tätigkeiten im Gesundheitswesen
8621 Arztpraxen für Allgemeinmedizin
8622 Facharztpraxen
86909 Sonstige selbstständige Tätigkeiten im Gesundheitswesen
Teilsektor Heime und ambulante soziale Dienste
87 Heime (ohne Erholungs- und Ferienheime)
88101 Ambulante soziale Dienste
Sektor Wasser und Entsorgung
Teilsektor Wasserversorgung und Abwasserentsorgung
36 Wasserversorgung
37 Abwasserentsorgung
Teilsektor Sammlung und Beseitigung von Abfällen und Umweltverschmutzungen
381 Sammlung von Abfällen
382 Abfallbehandlung und -beseitigung
39 Beseitig. v.UW-Verschm. u.sonst.Entsorg.
Sektor Ernährung
Teilsektor Landwirtschaft und Fischerei
011 Anbau einjähriger Pflanzen
012 Anbau mehrjähriger Pflanzen
014 Tierhaltung (ohne 0143/0144 Haltung von Pferden, Eseln und Kamelen)
015 Gemischte Landwirtschaft
016 Erbringung von landwirtschaftlichen Dienstleistungen
03 Fischerei und Aquakultur
Teilsektor Herstellung von Nahrungsmitteln, Erfrischungsgetr. u. Gew. v. Mineralwasser
10 Herstellung von Nahrungs- und Futtermitteln
1107 Herstellung von Erfrischungsgetränken; Gewinnung natürlicher Mineralwässer
Teilsektor Großhandel mit Rohstoffen, Nahrungsmitteln u. lebenden Tieren
4621 Großhandel mit Getreide, Rohtabak, Saatgut und Futtermitteln
4623 Großhandel mit lebenden Tieren
463 Großhandel mit Nahrungs- und Genussmitteln, Getränken und Tabakwaren
469 Großhandel ohne ausgeprägten Schwerpunkt
Teilsektor Einzelhandel mit Nahrungsmitteln u. Getränken
4711 Einzelh. m. Waren verschied. Art, Hauptrichtung Nahrungs- und Genussmittel, Getränke und Tabakwaren
472 Einzelh. m. Nahrungsm. usw.
4781 Einzelh. m. Nahrungs- und Genussmitteln, Getränken und Tabakwaren an Verkaufsständen und auf Märkten
Sektor Finanz- und Versicherungswesen
Teilsektor Erbringung von Finanzdienstleistungen
64 Erbringung von Finanzdienstleistungen
Teilsektor Versicherungen, Rückversicherungen und Pensionskassen (ohne Sozialversicherung)
65 Versicherungen, Rückversicherungen und Pensionskassen (ohne Sozialversicherung)
Teilsektor mit Finanz- und Versicherungsdienstleistungen verbundene Tätigkeiten
66 Mit Finanz- und Versicherungsdienstleistungen verbundene Tätigkeiten
Sektor Staat und Verwaltung
Teilsektor Herstellung und Vertrieb von Printmedien (inkl. Onlinemedien)
181 Herstellung von Druckerzeugnissen
46494 Großhandel mit Karton, Papier, Pappe, Schreibwaren, Bürobedarf, Büchern, Zeitschriften und Zeitungen
47621 Einzelhandel mit Zeitschriften und Zeitungen
5813 Verlegen von Zeitungen
Teilsektor Rundfunk
59201 Tonstudios und Herstellung von Hörfunkbeiträgen
60 Rundfunkveranstalter
Teilsektor Lieferung von Nachrichten und Bildmaterial
6391 Korrespondenz- und Nachrichtenbüros
90035 Selbstständige Journalistinnen und Journalisten, Pressefotografinnen und Pressefotografen
Sektor Reparatur und Instandhaltung der Kritischen Infrastruktur
3312 Reparatur von Maschinen
3313 Reparatur von elektronischen und optischen Geräten
3314 Reparatur von elektrischen Ausrüstungen
3315 Reparatur und Instandhaltung von Schiffen, Booten und Yachten
3316 Reparatur und Instandhaltung von Luft- und Raumfahrzeugen
3317 Reparatur und Instandhaltung von Fahrzeugen a. n. g.
45201 Lackieren von Kraftwagen
45203 Instandhaltung und Reparatur von Kraftwagen mit einem Gesamtgewicht von 3,5 t oder weniger (ohne Lackierung und Autowäsche)
45204 Instandhaltung und Reparatur von Kraftwagen mit einem Gesamtgewicht von mehr als 3,5 t (ohne Lackierung und Autowäsche)
951 Reparatur von Datenverarbeitungs- und Telekommunikationsgeräten
Anforderungsniveau eines Berufes
Die „Klassifikation der Berufe 2010“ strukturiert und gruppiert die in Deutschland üblichen Berufsbezeichnungen anhand ihrer Ähnlichkeit über ein hierarchisch aufsteigendes, numerisches System in fünf Ebenen. Neben der „Berufsfachlichkeit“ als strukturgebender Dimension auf den ersten vier Aggregationsebenen weist die KldB 2010 auf Ebene der Berufsgattungen (5. Stelle der KldB 2010) die Dimension „Anforderungsniveau“ aus.
Das Anforderungsniveau beschreibt die Komplexität einer beruflich ausgeübten Tätigkeit. Sie ist immer für einen bestimmten Beruf typisch und außerdem unabhängig von der formalen Qualifikation einer Person. Zur Einstufung werden zwar die für die Ausübung des Berufs erforderlichen formalen Qualifikationen herangezogen, informelle Bildung und/oder Berufserfahrung sind bei der Zuordnung aber ebenfalls von Bedeutung.
Das Anforderungsniveau wird in folgende vier Ausprägungsstufen unterteilt:
Anforderungsniveau 1: Helfer- und Anlerntätigkeiten
Anforderungsniveau 2: Fachlich ausgerichtete Tätigkeiten
Anforderungsniveau 3: Komplexe Spezialistentätigkeiten
Anforderungsniveau 4: Hoch komplexe Tätigkeiten
Nähere Informationen, systematische Übersichten und Dokumentationen zur Entwicklung und Ausprägung des Anforderungsniveaus finden Sie im Internet unter KldB 2010.
Übersicht und Beispielzuordnungen von Berufen
Anforderungsniveau der KldB 2010 Beispiel für formale Qualifikation Beispielberufe mit Zuordnung
„Helfer“
Helfer- und Anlerntätigkeiten Helfer 82101:
- Altenpflegehelfer/in
- Helfer/in - Altenpflege
- Altenpflegehelfer/in - ambulante Altenhilfe
83111:
Beamte einfacher Dienst
1-jährige Berufsausbildung
„Fachkraft“
fachlich ausgerichtete Tätigkeiten Fachkräfte 29222:
- Fachkraft Süßwarentechnik Dauerbackwaren
83112:
- Sozialpädagogische/r Assistent/in, Kinderpfleger/in
Beamte mittlerer Dienst
Ausbildung behinderter Menschen (mind. 2-jährig) nach § 66 BBiG bzw. § 42m HwO
„Spezialist“
komplexe Spezialistentätigkeiten Meister, Techniker 43353:
- Datenbankadministrator/in
- Data-Warehouse-Analyst/in
24593:
- Uhrmachermeister/in
61213:
- Fachwirt/in Außenhandel
- Betriebswirt/in (FS) Groß- und Außenhandel
Kaufmännische Fortbildungen u. ä. Weiterbildungen
Beamte gehobener Dienst
„Experte“
hoch komplexe Tätigkeiten Studienberufe (mind. 4-jährig) 73204:
- Verwaltungsangestellte/r - höherer Dienst
- Beamte/r - Kommunalverwaltung - höherer Dienst
- Verwaltungswissenschaftler/in
Die Regelaltersgrenze stellt den Zeitpunkt dar, ab dem für eine Person kein Anspruch mehr auf Sozialleistungen nach dem SGB III bzw. SGB II besteht und stattdessen unter den Anspruchsvoraussetzungen des SGB VI die Regelaltersrente geleistet wird. Bisher lag die Grenze bei 65 Jahren.
Am 20.04.2007 wurde das „Gesetz zur Anpassung der Regelaltersgrenze an die demografische Entwicklung und zur Stärkung der Finanzierungsgrundlagen der gesetzlichen Rentenversicherung“ beschlossen. Dieses sieht eine sukzessive Anhebung der Altersgrenze von 65 auf 67 Jahre vor. Ab 01.01.2012 sind die ersten Personen des Geburtsjahrgangs 1947 von dieser Anhebung betroffen (Regelaltersgrenze: 65 Jahre und 1 Monat). Die letzte Anhebung findet für den Geburtsjahrgang 1964 am 01.01.2031 statt. Ab dann liegt die Regelaltersgrenze bei 67 Jahren.
Die Änderung wird auch in der statistischen Berichterstattung berücksichtigt, z. B. in der Arbeitslosenstatistik. Denn als „arbeitslos“ können Personen nur gezählt werden, solange sie die Regelaltersgrenze nicht erreicht haben.
IAB-Substituierbarkeitspotenzial 2016
Zur Bestimmung des Substituierbarkeitspotenzials hat das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) die Tätigkeiten eines jeden Berufs betrachtet und analysiert, welcher Anteil der Einzeltätigkeiten, die typischerweise im Rahmen eines bestimmten Berufes zu erledigen sind, schon heute durch Computer oder computergesteuerte Maschinen erledigt werden könnte. Daraus ergibt sich ein niedriges, mittleres oder hohes Substituierbarkeitspotenzial des jeweiligen Berufs.
Die Kennzahl soll helfen, den aktuellen Stand der Digitalisierung sowie deren zukünftige Auswirkungen und Herausforderungen am Arbeitsmarkt besser einschätzen zu können.
Für Auswertungen wird das Substituierbarkeitspotenzial 2016 verwendet.
Wie wird das Substituierbarkeitspotenzial berechnet?
Ausgangspunkt für die Berechnung des Substituierbarkeitspotenzials sind die berufskundlichen Informationen der Expertendatenbank BERUFENET der Bundesagentur für Arbeit, die auch zur Berufsberatung und -vermittlung genutzt wird.
Für knapp 4.000 Einzelberufe wurde geprüft, ob die für die Berufsausübung zwingend erforderlichen Kernanforderungen Routine-Tätigkeiten oder Nicht-Routine-Tätigkeiten darstellen und entsprechend nach aktueller Experteneinschätzung durch Computer oder computergesteuerte Maschinen ersetzt werden können oder nicht.
Das Substituierbarkeitspotenzial wird dann als gleichgewichteter Anteil der IT-technisch ersetzbaren Tätigkeiten an allen Kernanforderungen eines Berufes errechnet.
Gibt das Substituierbarkeitspotenzial an, welche Berufe zukünftig durch Computer ersetzt werden?
Nein, diese Aussage kann aus verschiedenen Gründen nicht getroffen werden:
Beim Substituierbarkeitspotenzial wird die Ersetzbarkeit von einzelnen Tätigkeiten im Rahmen eines Berufs, nicht der Berufe insgesamt, betrachtet. Viele Berufe werden sich voraussichtlich durch die fortschreitende Digitalisierung in ihrer Zusammensetzung und Ausgestaltung verändern. Ob Berufe aufgrund der Entwicklung tatsächlich gänzlich verschwinden, kann zum jetzigen Zeitpunkt nicht beantwortet werden.
Durch die IT-technische Ersetzbarkeit von beruflichen Einzelanforderungen wird keine Prognose für die Zukunft erstellt. Es wird lediglich das aktuell mögliche Potenzial der Ersetzbarkeit dargestellt.
Aus der technischen Möglichkeit einer Rationalisierungsmaßnahme allein kann noch nicht auf ihre tatsächliche Realisierung geschlossen werden. Hierbei spielen auch deren Kosten und Nutzen/Einsparpotenziale eine entscheidende Rolle.
Die Digitalisierung kann nicht nur zu einem geringeren Arbeitskräftebedarf in einzelnen Berufsfeldern führen, sondern durch die Kostenreduzierung auch zu einer Erhöhung der (sektoralen und/oder gesamtwirtschaftlichen) Nachfrage. Der Nettoeffekt auf die berufsspezifische Arbeitsnachfrage ist schwer einzuschätzen.
Gibt es regionale Unterschiede im Substituierbarkeitspotenzial?
Nein, die technischen Möglichkeiten der Digitalisierung können in ganz Deutschland als annähernd gleich eingeschätzt werden. Daher unterscheiden sich die Substituierbarkeitspotenziale auf Ebene der Einzelberufe nicht.
Allerdings gibt es Unterschiede in den regionalen Wirtschaftsstrukturen und in der berufsfachlichen Zusammensetzung von Arbeitskräfteangebot und -nachfrage, so dass die Substituierbarkeitspotenziale von Berufsaggregaten oder für lokale Arbeitsmärkte regional differieren können.
Beispiel: Das durchschnittliche Substituierbarkeitspotenzial ist in Baden-Württemberg höher als in Mecklenburg-Vorpommern. Grund dafür ist, dass in Baden-Württemberg ein höherer Anteil der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in Berufen tätig ist, die durch ein hohes Substituierbarkeitspotenzial gekennzeichnet sind. So übt in Baden-Württemberg ein Viertel der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten einen Fertigungs- oder Fertigungstechnischen Beruf aus, während es in Mecklenburg-Vorpommern nur jede/r Achte ist. Fertigungsberufe und Fertigungstechnische Berufe sind durch einen besonders hohen Anteil an Kerntätigkeiten gekennzeichnet, die durch einen Computer oder eine computergesteuerte Maschine ersetzt werden können.
Die Berichterstattung beschränkt sich zunächst, analog zur Visualisierung „Strukturwandel nach Berufen“, auf folgende Indikatoren:
Sozialversicherungspflichtig Beschäftigte der Kerngruppe (Entgelt)
gemeldete sozialversicherungspflichtige Arbeitsstellen
Weitere Informationen sowie die Visualisierung „Strukturwandel nach Berufen“ finden Sie im Internet.
Aktuelle Publikationen des IAB zum Substituierbarkeitspotenzial:
Dengler, Katharina; Matthes, Britta (2018): Substituierbarkeitspotenziale von Berufen: Wenige Berufsbilder halten mit der Digitalisierung Schritt. IAB-Kurzbericht 04/2018.
Dengler, Katharina; Matthes, Britta; Wydra-Somaggio, Gabriele (2018): Digitalisierung in den Bundesländern: Regionale Branchen- und Berufsstrukturen prägen die Substituierbarkeitspotenziale.
Begriffserläuterungen zum IAB-Substituierbarkeitspotenzial
Das Anforderungsniveau gibt Hinweise auf die Komplexität der ausgeübten Tätigkeit. Sie ist immer für einen bestimmten Beruf typisch und außerdem unabhängig von der formalen Qualifikation einer Person. Zur Einstufung werden zwar die für die Ausübung des Berufs erforderlichen formalen Qualifikationen herangezogen, informelle Bildung und/oder Berufserfahrung sind bei der Zuordnung aber ebenfalls von Bedeutung.
Es werden vier Anforderungsniveaus unterschieden: 1 – Helfer und Anlerntätigkeiten (Helfer), keine berufliche Ausbildung oder eine einjährige Berufsausbildung, 2 – fachlich ausgerichtete Tätigkeiten (Fachkraft), mindestens zweijährige Berufsausbildung, 3 – komplexe Spezialistentätigkeiten (Spezialist), Meister- oder Technikerausbildung, Bachelor, 4 – hoch komplexe Tätigkeiten (Experte), mindestens vierjähriges abgeschlossenes Hochschulstudium.
In der Klassifikation der Berufe 2010 (KldB 2010) wird die Dimension über die 5. Stelle der zugeordneten Klassifikationskennziffer abgelesen. Beispiel: der Einzelberuf „Bäcker/in" wird der Berufsgattung 29222 zugewiesen und hat damit das Anforderungsniveau 2.
Arbeitslose (= arbeitslose Arbeitsuchende)
Arbeitsstellen, sozialversicherungspflichtig
Bei sozialversicherungspflichtigen Arbeitsstellen handelt es sich um Stellen mit einer vorgesehenen Beschäftigungsdauer von mehr als sieben Kalendertagen, die den Agenturen für Arbeit und den Jobcentern in gemeinsamen Einrichtungen mit einem Auftrag zur Besetzung gemeldet werden.
In der Beschäftigungsstatistik wird die ausgeübte berufliche Tätigkeit anhand der Klassifikation der Berufe 2010 (KldB 2010) systematisch gruppiert. Entsprechend der zugrunde gelegten Berufsdefinition strukturiert die KldB 2010 Berufe anhand von zwei Dimensionen: Berufsfachlichkeit und Komplexität der beruflichen Tätigkeiten (siehe auch Anforderungsniveau). Dabei ist zwischen der tatsächlich ausgeübten Tätigkeit einerseits und dem jeweiligen Berufsabschluss zu unterscheiden. Grundlage für die berufliche Tätigkeit ist die tatsächlich ausgeübte Tätigkeit.
Berufssegment
Um die tatsächliche berufsfachliche Segmentierung des Arbeitsmarktes in Deutschland abzubilden, wurden zusätzlich zu den Berufsbereichen und Berufshauptgruppen der Klassifikation der Berufe (KldB 2010) 14 „Berufssegmente" geschaffen, die als Aggregate auf den Berufshauptgruppen (2-Steller) der KldB 2010 aufgebaut sind. Die KldB 2010 besteht auf der ersten Ebene der Klassifikationshierarchie aus zehn Berufsbereichen und auf der zweiten Ebene aus 37 Berufshauptgruppen. Die Berufshauptgruppen (2-Steller) sind für statistische Übersichten häufig zu differenziert, während die Berufsbereiche (1-Steller) lediglich einen guten thematischen Überblick bieten und keine analytische Kategorie darstellen.
Kennzeichnend für Dienstleistungsberufe ist, dass diese an oder mit der Person bzw. für Unternehmen erbracht werden oder auf den Schutz und der Sicherheit von Personen, Werten und Objekten, den Transport von Personen und Gütern oder das Reinigen von Gebäuden und Haushalten gerichtet sind. Dienstleistungsberufe setzen sich aus den Berufssektoren „Personenbezogene Dienstleistungsberufen“, den „Kaufmännischen und unternehmensbezogene Dienstleistungsberufen“, den „IT- und naturwissenschaftlichen Dienstleistungsberufen“ sowie den „Sonstigen wirtschaftlichen Dienstleistungsberufen“ zusammen. Als zentrales Abgrenzungskriterium wurde die berufsfachliche Nähe der Berufshauptgruppen verwendet.
IAB-Arbeitsmarktregionen
Bei den IAB-Arbeitsmarktregionen handelt es sich um 50 kreisscharf abgegrenzte Gebiete, die jeweils räumlich zusammenhängend sind und das Gebiet Deutschlands vollständig abdecken. Diese Arbeitsmarktregionen zeichnen sich durch hohe Pendlerverflechtungen innerhalb der Arbeitsmarktregion und geringe Pendlerverflechtungen mit anderen Arbeitsmarktregionen aus, so dass die meisten Beschäftigten innerhalb der Arbeitsmarktregion wohnen und arbeiten. Für arbeitsmarktanalytische Zwecke wie die Gegenüberstellung von Arbeitskräfteangebot und Arbeitskräftenachfrage sind derartige Arbeitsmarktregionen besser geeignet als rein administrative Verwaltungseinheiten wie Kreise.
Für eine übersichtliche, schnelle und sachgerechte räumlich differenzierte Darstellung ist es häufig sinnvoll, Variablen mit sehr vielen Ausprägungen zu klassifizieren, d. h. mehrere Werte zu einem Wertebereich zusammenzufassen. Klassen sind disjunkte, d. h. nicht überlappende, aneinandergrenzende Intervalle von Merkmalswerten, die durch eine untere und eine obere Klassengrenze begrenzt und eindeutig festgelegt sind. Die Wahl der Klassen und ihrer Grenzen hängt weitgehend von inhaltlichen Kriterien ab. Zu kleine Intervalle beeinträchtigen die Übersichtlichkeit, zu große Intervalle führen zu erheblichen Informationsverlusten. Für die in der Visualisierung dargestellten Karten wurde eine Einteilung in vier Klassen mit einer gleichen Klassenbreite gewählt.
Klassifikation der Berufe (KldB 2010)
Die aktuelle Berufslandschaft in Deutschland wird anhand der Klassifikation der Berufe (KldB) 2010 in systematischer Gruppierung abgebildet. Entsprechend der zugrunde gelegten Berufsdefinition strukturiert die KldB 2010 Berufe anhand von zwei Dimensionen: Berufsfachlichkeit und Komplexität der beruflichen Tätigkeiten (siehe auch Anforderungsniveau). Die KldB 2010 besteht auf der ersten Ebene der Klassifikationshierarchie aus zehn Berufsbereichen und auf der zweiten Ebene aus 37 Berufshauptgruppen. Die Berufshauptgruppen (2-Steller) sind für statistische Übersichten häufig zu differenziert, während die Berufsbereiche (1-Steller) lediglich einen guten thematischen Überblick bieten und keine analytische Kategorie darstellen.
Die Angabe des Berufs oder der beruflichen Tätigkeit ist in allen Statistiken und Erhebungen zum Arbeitsmarkt oder zur sozioökonomischen Lage in Deutschland unverzichtbar. Der Beruf ist weiterhin ein dominierender Aspekt in der Beschreibung von Ausgleichprozessen am Arbeitsmarkt. Auch in der Vermittlungsarbeit der Arbeitsverwaltung hat die Angabe des Berufs eine zentrale Bedeutung. Eine Berufsklassifikation schafft für die Vermittlung die Möglichkeit, über sinnvolle und praxisgerechte Zusammenfassungen von ähnlichen beruflichen Tätigkeiten zu verfügen.
Sie wird für die Verschlüsselung von Bewerber- und Stellenangebote für die Statistik über den Arbeits- und Ausbildungsmarkt sowie der Beschäftigungsstatistik verwendet und findet darüber hinaus in den Wirtschaftsstatistiken der Länder und des Bundes sowie der Arbeitsmarkt- und Berufsforschung Eingang.
Die aktuelle KldB 2010 löst Vorgängerversionen ab. Für längerfristige Vergleiche gibt es Umsteigeschlüssel. Eine bruchfreie Anschlüsselung ist aber nicht immer eindeutig möglich.
Den Berufen der Berufssegmente „Land-, Forst- und Gartenbauberufe“, „Fertigungsberufe“, „Fertigungstechnische Berufe“ und „Bau- und Ausbauberufe“ ist gemeinsam, dass sie auf die Herstellung von Produkten ausgerichtet sind. Aus diesem Grund wurden diese Berufssegmente zu einem Berufssektor zusammengefasst und „Produktionsberufe“ genannt. Als zentrales Abgrenzungskriterium wurde die berufsfachliche Nähe der Berufshauptgruppen verwendet.
Zu den sozialversicherungspflichtig Beschäftigten zählen alle Arbeitnehmer einschließlich der Auszubildenden, die kranken-, renten-, pflegeversicherungspflichtig und/oder beitragspflichtig zur Arbeitslosenversicherung sind oder für die von den Arbeitgebern Beitragsanteile zu entrichten sind. Aus dieser Abgrenzung ergibt sich, dass in der Regel alle Arbeiter und Angestellten von der Sozialversicherungspflicht erfasst werden. In wenigen Fällen besteht auch für Selbstständige eine Versicherungspflicht. Geringfügig Beschäftigte zählen nicht zu den sozialversicherungspflichtig Beschäftigten, da für diese nur pauschale Beiträge zur Sozialversicherung zu leisten sind. Unbezahlt mithelfende Familienangehörige, Beamte, Richter und Soldaten zählen ebenso nicht zu dieser Gruppe. Die Statistik der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten beruht auf den Sozialversicherungsmeldungen der Arbeitgeber.
Sozialversicherungspflichtig Beschäftigte ohne einzelne Personengruppen (sogenannte Kerngruppe-Entgelt)
Die sogenannte Kerngruppe-Entgelt der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten umfasst ausschließlich Personengruppen, deren Entgelt und damit deren Arbeitskosten sich an der wirtschaftlichen Verwertbarkeit ihrer Arbeitsleistung orientieren und nicht durch besondere (gesetzliche) Regelungen zur Ausbildung, zur Jugendhilfe, zur Berufsförderung, zu Tätigkeiten in Behindertenwerkstätten oder zu Freiwilligendiensten bestimmt werden. Die Abgrenzung erfolgt analog zur Entgelt-Statistik, umfasst allerdings auch Teilzeit-Beschäftigte, die in der Entgelt-Statistik lediglich aus Normierungsgründen (gleiche Arbeitszeit) ausgeschlossen sind.
Die Kerngruppe der Entgeltstatistik sind die sozialversicherungspflichtig Beschäftigten ohne Auszubildende, Beschäftigte in Altersteilzeit, Praktikanten, Werkstudenten, mithelfende Familienangehörige in der Landwirtschaft, Personen mit vermuteter Beschäftigung, Heimarbeiter ohne Anspruch auf Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall, Seeleute in Altersteilzeit, Beschäftigte (Haushaltsscheck), Hausgewerbetreibende, behinderte Menschen in anerkannten Werkstätten oder gleichartigen Einrichtungen, Personen in Einrichtungen der Jugendhilfe, Berufsbildungswerken oder ähnlichen Einrichtungen für behinderte Menschen, Personen, die ein freiwilliges soziales, ein freiwilliges ökologisches Jahr oder einen Bundesfreiwilligendienst leisten, behinderte Menschen, die im Anschluss an eine Beschäftigung in einer anerkannten Werkstatt in einem Integrationsprojekt beschäftigt sind und Teilnehmer an Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben.
Substituierbarkeitspotenzial
Zur Bestimmung des Substituierbarkeitspotenzials hat das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) die Aufgaben eines jeden Berufs betrachtet und ermittelt, welcher Anteil der Einzelaufgaben, die typischerweise im Rahmen eines bestimmten Berufes zu erledigen sind, schon heute durch Computer oder computergesteuerte Maschinen erledigt werden könnte.
Die Anzahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten (bzw. der Arbeitslosen/gemeldeten Stellen) nach ihrer beruflichen Tätigkeit werden für die Klassen mit einem hohen (über 70 %), mittleren (über 30 % bis 70 %) und niedrigen (bis 30 %) Substituierbarkeitspotenzial ausgewiesen.
Siehe auch Methodische Hinweise zum IAB Substituierbarkeitspotenzial 2016
Migrationshintergrund nach § 281 Abs. 2 SGB III
In § 281 Abs. 2 SGB III hat der Gesetzgeber das Interesse an einem zusätzlichen Nachweis über den Migrationshintergrund in den Arbeitsmarktstatistiken der BA zum Ausdruck gebracht. Um den Informationsbedarf zu decken, beginnt die BA-Statistik – nach Bereitstellung der methodischen Grundlagen und ersten Daten – nunmehr mit der quartalsweisen Publikation der Befragungsergebnisse für die Arbeitslosenstatistik, die Grundsicherungsstatistik, die Statistik über Leistungen nach dem SGB III und die Statistik über arbeitsmarktpolitische Maßnahmen. Erweiterungen sind für die Statistik zum Ausbildungsstellenmarkt und für ein größeres Merkmalsspektrum vorgesehen. Die regionalen Auswertungsmöglichkeiten erstrecken sich bis auf die Ebene der Kreise und kreisfreien Städte.
Der Begriff „Migrationshintergrund“ fasst facettenreiche soziale Phänomene zusammen. Zur Vermeidung sinnentstellender verkürzter Darstellungen wird der Migrationshintergrund in der Statistik immer in seinem vollen Merkmalsspektrum und mit Hinweisen auf die Repräsentativität publiziert und nicht als dichotomes ja/nein-Merkmal.
Definition des Merkmals Migrationshintergrund
Die Definition des Merkmals Migrationshintergrund ist in § 6 der Migrationshintergrund-Erhebungsverordnung (MighEV) geregelt:
Ein Migrationshintergrund liegt vor, wenn
die befragte Person nicht die deutsche Staatsangehörigkeit besitzt oder
der Geburtsort der befragten Person außerhalb der heutigen Grenzen der Bundesrepublik Deutschland liegt und eine Zuwanderung in das heutige Gebiet der Bundesrepublik Deutschland nach 1949 erfolgte oder
der Geburtsort mindestens eines Elternteiles der befragten Person außerhalb der heutigen Grenzen der Bundesrepublik Deutschland liegt sowie eine Zuwanderung dieses Elternteiles in das heutige Gebiet der Bundesrepublik Deutschland nach 1949 erfolgte.
Eine Teilgruppe der Personen mit Migrationshintergrund nach obiger Definition sind nach § 6 MighEV Aussiedler oder Spätaussiedler, sofern sie als Aussiedler oder Spätaussiedler, als dessen Ehegatte oder als dessen Abkömmling die deutsche Staatsangehörigkeit erworben haben und eine Zuwanderung in das heutige Gebiet der Bundesrepublik Deutschland nach 1949 erfolgte.
Aus den Angaben der Befragten lässt sich jeder Person ein Migrationsstatus zuordnen. In der statistischen Darstellung werden folgende Gruppen unterschieden:
Ausländer ohne eigene Migrationserfahrung
Ausländer mit eigener Migrationserfahrung
Deutsche mit eigener Migrationserfahrung, darunter: Aussiedler/Spätaussiedler
Deutsche ohne eigene Migrationserfahrung mit Migrationshintergrund, der sich aus der Zuwanderung der Eltern ableitet
Deutsche ohne Migrationshintergrund
Weiterführende Informationen zur Definition und Abgrenzung des Merkmals Migrationshintergrund finden sich in den Methodenberichten der Statistik der BA „Migrationshintergrund nach § 281 Abs. 2 SGB III - Grundlagen der Erhebung“ (PDF, 434KB) und „Arbeitslose mit Migrationshintergrund“ (PDF, 1MB) .
Erhebungstechnische Besonderheiten und Risiken für die Qualität der Ergebnisse
Das Merkmal Migrationshintergrund fällt nicht im operativen Handeln der Agenturen für Arbeit und Träger der Grundsicherung an, sondern muss durch gesonderte Befragung ermittelt werden. Die Migrationshintergrund-Erhebungsverordnung (MighEV) nennt als Gesamtheit der zu befragenden Personen alle Ausbildung- und Arbeitsuchenden, Arbeitslosen und von Arbeitslosigkeit bedrohten Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer sowie alle erwerbsfähigen Hilfebedürftigen und Personen, die mit ihnen in einer Bedarfsgemeinschaft leben.
Da keine Auskunftspflicht für die Befragten besteht, handelt es sich statistisch-methodisch um eine Vollerhebung mit freiwilliger Teilnahme. Aufgrund der erhebungstechnischen Besonderheiten des Merkmals Migrationshintergrund, das über mehrere Teilfragen ermittelt wird, können sich Einschränkungen hinsichtlich der Qualität der erhobenen Daten ergeben. Gründe hierfür sind:
Fehlende Vollständigkeit der Erhebung: Ein Großteil der zu befragenden Personen wurde inzwischen befragt, der Anteil der Befragten fällt regional jedoch unterschiedlich aus.
Freiwilligkeit der Erhebung – keine Teilnahme an der Befragung (Non-Response): Die Freiwilligkeit der Teilnahme an der Befragung kann sich auf die Ergebnisse auswirken, wenn die Zustimmung oder Ablehnung der Teilnahme mit Ausprägungen des Merkmals Migrationshintergrund korreliert.
Freiwilligkeit der Beantwortung einzelner Fragen (Item-Non-Response): Werden einzelne Fragen des Fragebogens nicht beantwortet, kann dies zu verzerrten Ergebnissen führen, wenn die Gründe hierfür mit Ausprägungen des Migrationshintergrundes zusammenhängen.
Einmaligkeit der Befragung: Die Befragten sollen nur einmalig befragt werden. Veränderungen des Migrationsstatus einer Person können wegen der Einmaligkeit der Befragung statistisch meist nicht nachvollzogen werden.
Fehlen von Nachweisen: Da keine Kontrolle der Richtigkeit der Angaben stattfindet, können bewusst oder unbewusst falsche Angaben von den Befragten gemacht werden.
Fehlender operativer und fachlicher Bezug zur Leistungsgewährung und Arbeitsvermittlung: Die Erhebung erfolgt zu rein statistischen Zwecken. Aus den Angaben der Befragten ergeben sich keine rechtlichen Konsequenzen oder Leistungen für die Befragten und die erhebenden Stellen dürfen die erhobenen Daten nicht nutzen.
Weiterführende Informationen finden sich im Methodenbericht der Statistik der BA „Arbeitslose mit Migrationshintergrund“ (PDF, 1MB).
Veröffentlichungskriterien des Migrationshintergrundes
Die oben genannten Einschränkungen können Einfluss auf die Repräsentativität der Ergebnisse haben. Aus diesem Grund werden nicht alle Ergebnisse veröffentlicht. Darüber hinaus unterliegen manche Ergebnisse einer höheren Unsicherheit und werden deshalb nur geklammert dargestellt. Dabei werden verschiedene Kriterien angewendet. Die Beurteilung der Kriterien findet getrennt für jedes Themengebiet und für jede Agentur für Arbeit und jedes Jobcenter als jeweils erhebende Einheit statt. Sind Kriterien nicht erfüllt, wird das Ergebnis des betroffenen Kreises entsprechend gekennzeichnet oder nicht veröffentlicht. Die Kriterien kommen auch für regionale Aggregate (Deutschland, Ost- und Westdeutschland und alle Bundesländer) zur Anwendung.
Kriterium 1: Vollständigkeit der Befragung
Das Kriterium der Vollständigkeit gibt an, wie groß der Anteil der Personen ist, zu dem bereits Befragungsdaten zum Migrationshintergrund gemeldet wurden. Je höher der Vollständigkeitsgrad ist, desto gesicherter ist das Ergebnis. Je niedriger der Vollständigkeitsgrad ist, desto größer ist das Risiko, dass zufällige Effekte das Ergebnis verzerren. Auch das Risiko systematischer Effekte steigt, da der Befragungsprozess nicht als Zufallsstichprobe realisiert ist.
Für alle in diesem Heft dargestellten Gruppen wird erwartet, dass grundsätzlich für alle Personen Befragungsversuche stattfinden müssen:
Leistungsberechtigte SGB II
Leistungsberechtigte SGB III
Teilnehmer an arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen
Aufgrund von Fluktuationen und unterschiedlicher Erreichbarkeit einzelner Gruppen der Befragten wird eine Vollständigkeit von 100 % nur selten erreicht. Wurden weniger als 80 % einer Personengruppe befragt, wird das Ergebnis nicht veröffentlicht.
Die Förderung der beruflichen Weiterbildung (FbW) nach § 81 ff SGB III umfasst auch die Förderung der Weiterbildung Geringqualifizierter und beschäftigter Aelterer in Unternehmen (Programm WeGebAU). Das Programm WeGebAU richtet sich an geringqualifizierte Beschäftigte (§ 81 Abs. 2) und Beschäftigte in kleineren und mittleren Unternehmen (§§ 82, § 131a). Dieser Personenkreis fällt grundsätzlich nicht unter die nach § 2 MighEV zu befragenden Personen, was im Vergleich mit allen geförderten Teilnehmenden an beruflichen Weiterbildungsmaßnahmen zu einer deutlich unterdurchschnittlichen Vollständigkeit der Befragung von Personen mit WeGebAU-Förderung führt. Um die Auswertbarkeit der FbW-Ergebnisse, insbesondere für Agenturen für Arbeit mit einem relativ hohen Anteil von WeGebAU-Förderungen an allen FbW-Förderungen, trotzdem herstellen zu können, wurden die nach dem Sonderprogramm WeGebAU geförderten Teilnahmen an Maßnahmen der beruflichen Weiterbildung nicht in die vorliegende Auswertung einbezogen.
Kriterium 2: Fehlerhafte Daten
In (wenigen) Einzelfällen wurden von Agenturen oder Jobcentern fehlerhafte Daten zum Migrationshintergrund an die Statistik der BA gemeldet oder es fand eine selektive Befragung einzelner Personengruppen statt. In diesen Fällen wird das Ergebnis nicht veröffentlicht und die Daten fließen nicht in Ergebnisse des Bundes und der Bundesländer ein.
Kriterium 3: Besetzungszahlen
Bei geringen Besetzungszahlen einer Merkmalskategorie steigt das Risiko von zufälligen Fehlern, wenn nicht alle Personen der Merkmalskategorie verwertbare Angaben zum Migrationshintergrund gemacht haben. Besetzungszahlen unter 25 in einer Zelle der Publikationstabellen werden aufgrund der erhöhten Unsicherheit der Ergebnisse deshalb gekennzeichnet.
Kriterium 4: Teilnahme an der Befragung
Das Kriterium der Teilnahme gibt an, wie groß der Anteil der Befragten ist, bei denen der Migrationsstatus ermittelt werden kann, im Verhältnis zu allen Befragten. Bei einer geringen Teilnahme an der Befragung erhöht sich die Unsicherheit der Ergebnisse, da das Risiko von verzerrenden Effekten steigt.
Die Teilnahme an der Befragung fällt bei den erhebenden Einheiten unterschiedlich aus. Organisation und Durchführung der Erhebung spielen dabei eine wichtige Rolle. Machen weniger als 50 % der Befragten verwertbare Angaben zum Migrationshintergrund, werden die Ergebnisse gekennzeichnet.
Kriterium 5: Ausschöpfungsquoten bei Deutschen und Ausländern
Die Ausschöpfungsquote gibt den Anteil der Personen an, bei denen der Migrationsstatus ermittelt werden kann, im Verhältnis zur Gesamtheit der zu befragenden Personen. Die Ausschöpfungsquoten sollten bei unterschiedlichen Personengruppen möglichst gleich groß sein. Unterscheiden sich die Ausschöpfungsquoten bei unterschiedlichen Personengruppen stark voneinander, könnten die Ergebnisse verzerrt sein. Dies ist insbesondere dann der Fall, wenn sich die Personengruppen hinsichtlich des Migrationsstatus stark voneinander unterscheiden.
Das Merkmal Staatsangehörigkeit (Deutsche/Ausländer), das im operativen Prozess ohnehin erhoben wird, hängt eng mit dem Migrationsstatus zusammen. Je stärker sich die Ausschöpfungsquote der Personen mit deutscher Staatsangehörigkeit von der Ausschöpfungsquote der Personen mit ausländischer Staatsangehörigkeit unterscheidet, desto größer ist das Risiko, dass die Ergebnisse systematisch verzerrt sind. Bei einer Differenz von mehr als 15 Prozentpunkten wird das Ergebnis gekennzeichnet.
Überblickstabellen zu den Veröffentlichungskriterien, getrennt nach Agenturen für Arbeit und Jobcenter, finden Sie hier (zip, 2MB).
Darstellung des Migrationshintergrundes
In der Publikation wird neben den Gesamtwerten der dargestellten Gruppen die Anzahl der Personen nach der differenzierten Merkmalsdimension des Migrationshintergrundes ausgewiesen. Die Zahlen zum Migrationshintergrund enthalten dabei nur diejenigen Personen, die bei der Befragung verwertbare Angaben gemacht haben. Eine Hochrechnung auf die Gesamtzahl der jeweils in Spalte 1 dargestellten Gruppe findet nicht statt. Die Zahlen zum Migrationshintergrund können deshalb nur im Zusammenhang mit der Anzahl der befragten Personen mit verwertbarer Angabe betrachtet werden. Sie können nicht als absolutes Ergebnisniveau der Grundgesamtheit interpretiert werden. Die folgende Darstellung soll dies verdeutlichen: