Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Gericht=BGH&Datum=29.09.2011&Aktenzeichen=VII%20ZR%2087/11
Timestamp: 2019-11-17 02:03:31
Document Index: 280251361

Matched Legal Cases: ['BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 280', '§ 633', 'BGH', '§ 645', '§ 529', '§ 398', 'Art. 103', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 633', 'BGH', 'BGH', '§ 633', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH']

BGH, 29.09.2011 - VII ZR 87/11 - dejure.org
https://dejure.org/2011,253
BGH, 29.09.2011 - VII ZR 87/11 (https://dejure.org/2011,253)
BGH, Entscheidung vom 29.09.2011 - VII ZR 87/11 (https://dejure.org/2011,253)
BGH, Entscheidung vom 29. September 2011 - VII ZR 87/11 (https://dejure.org/2011,253)
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BGB §§ 280 Abs. 1, 633 Abs. 2 S. 1, 634 Nr. 4
Mangel eines Werks bei bindender Anordnung durch Auftraggeber
Vorliegen einer Abweichung von der vereinbarten Beschaffenheit i.R.e. Werkvertrags im Falle der Nichterfüllung der vereinbarten oder nach dem Vertrag vorausgesetzten Funktion durch das Werk
Bauunternehmen schuldet Funktionsfähigkeit des Werkes; Abweichung von vereinbarter Beschaffenheit; untaugliche Ausführungsweise; Beweislast
Zur Frage, wann eine Abweichung von der vereinbarten Beschaffenheit vorliegt; zur Darlegungs- und Beweislast des Unternehmers für die Behauptung, er habe die vereinbarte Beschaffenheit infolge einer bindenden Anweisung des Auftraggebers nicht herstellen können
Leistung muss funktionstauglich sein - Ausnahme: Bedenkenhinweis!
Der Werkvertrag und die Beschaffenheitsvereinbarung
Zu Mängeln eines Werks aufgrund bindender Anordnung einer untauglichen Ausführungsweise durch den Auftraggeber
Funktionaler Mangelbegriff im Werkvertragsrecht
Untaugliche Ausführungsweise: Auftragnehmer muss verbindliche Bestelleranweisung beweisen! (IBR 2011, 694)
Kurznachricht zu "Zur Funktionalität verpflichtet!" von RA/FABau-/ArchR Benjamin Gartz, original erschienen in: NZBau 2012, 90 - 92.
LG Potsdam, 11.02.2010 - 3 O 113/08
OLG Brandenburg, 30.03.2011 - 13 U 16/10
NJW 2011, 3780
MDR 2012, 89
NZBau 2011, 746
NJ 2012, 160
WM 2012, 906
BauR 2012, 115
ZfBR 2012, 30
Beruht der Mangel eines Werks auf Anweisungen oder verbindlichen Vorgaben des Bestellers, entfällt die Haftung für Mängel, sofern der Unternehmer die erforderlichen Prüfungen durchgeführt und die notwendigen Hinweise gegeben hat (…Palandt/Sprau, BGB, 76. Aufl., § 633 Rn. 4; BGH, Urteil vom 29. September 2011 - VII ZR 87/11, NJW 2011, 3780 Rn. 14 mwN; vgl. auch § 645 Abs. 1 Satz 1 BGB).
aa) Will das Berufungsgericht die Aussagen eines Zeugen anders würdigen als die Vorinstanz, muss es den in erster Instanz vernommenen Zeugen nochmals vernehmen, § 529 Abs. 1 Nr. 1, § 398 Abs. 1 ZPO, anderenfalls verletzt es das Verfahrensgrundrecht nach Art. 103 Abs. 1 GG (BGH, Urteil vom 29. September 2011 - VII ZR 87/11, BauR 2012, 115 Rn. 15 f. = NZBau 2011, 746;… Beschluss vom 10. Oktober 2013 - VII ZR 269/12, BauR 2014, 141 Rn. 7 f.).
Es wäre deshalb verpflichtet gewesen, die beiden Zeugen erneut zu vernehmen (…vgl. BGH, Beschlüsse vom 14. Juli 2009 - VIII ZR 3/09, NJW-RR 2009, 1291 Rn. 5;… vom 10. November 2010 - IV ZR 122/09, NJW 2011, 1364 Rn. 6;… vom 21. März 2012 - XII ZR 18/11, NJW-RR 2012, 704 Rn. 6 f.; Urteil vom 29. September 2011 - VII ZR 87/11, NJW 2011, 3780 Rn. 16).
Zur vereinbarten Beschaffenheit gehören alle Eigenschaften des Werks, die nach der Vereinbarung der Parteien den vertraglich geschuldeten Erfolg herbeiführen sollen (BGH…, Urteil vom 8. Mai 2014 - VII ZR 203/11, BGHZ 201, 148 Rn. 14; Urteil vom 29. September 2011 - VII ZR 87/11, BauR 2012, 115 Rn. 11 = NZBau 2011, 746;… Urteil vom 8. November 2007 - VII ZR 183/05, BGHZ 174, 110 Rn. 15).
Denn die Herstellungspflicht der Beklagten als Auftragnehmerin beschränkt sich - im Rahmen des funktionalen Leistungs- bzw. Mangelbegriffs - gerade nicht nur auf die Einhaltung der (mündlich bzw. schriftlich) vereinbarten Leistung oder Ausführungsart (im Sinne des sog. Vergütungssolls, zu Sowiesokosten noch unten), sondern die Leistungsvereinbarung der Parteien wurde auch hier überlagert von der Pflicht der Beklagten als Auftragnehmerin, ein nach den maßgeblichen Vertragsumständen zweckentsprechendes, funktionstaugliches Werk zu erbringen (vgl. BGH, Urteil vom 29.09.2011, VII ZR 87/11, BauR 2012, 115;… Kniffka/Koeble, a.a.O., 6. Teil, Rn 18 mwN).
(a) Dass die Klägerin die vorstehenden Bedenken selbst gekannt hat, hat die Beklagte - auch in zweiter Instanz - im Rahmen der insoweit ihr obliegenden Darlegungs- bzw. Beweislast (vgl. BGH, Urteil vom 29.09.2011, VII ZR 87/12, BauR 2012, 115) schon nicht hinreichend dargetan bzw. jedenfalls nicht bewiesen.
(b) Die Beklagte ist auch im Berufungsverfahren schon den ihr obliegenden Vortrag bzw. jedenfalls den ihr obliegenden Beweis dafür fällig geblieben, dass und aus welchen konkreten Gründen sie bei einer pflichtgemäßen Prüfung nicht hat erkennen können, dass die technischen Parameter der im o.a. Nachtragsangebot bzw. Nachtragsauftrag enthaltenen Leistungsbeschreibung der Betonbodenplatte nicht zu einem nach den Vertragsumständen zweckentsprechenden, funktionstauglichen Werk führen würden (vgl. zur diesbezüglichen Beweislast des Auftragnehmers: BGH, Urteil vom 29.09.2011, VII ZR 87/11, BauR 2012, 115;… Kniffka/Koeble, a.a.O., 6. Teil, Rn 54).
Der Bundesgerichtshof hat deshalb in Fortführung des zu § 633 BGB a.F. entwickelten funktionalen Mangelbegriffs eine Abweichung von der vereinbarten Beschaffenheit angenommen, wenn der mit dem Vertrag verfolgte Zweck der Herstellung eines Werks nicht erreicht wird und das Werk seine vereinbarte oder nach dem Vertrag vorausgesetzte Funktion nicht erfüllt (vgl. BGH, Urteil vom 29.11.2011, VII ZR 87/11, NJW 2011, 3780; BGH, Urteil vom 08.11.2007, VII ZR 183/05, NJW 2008, 511).
In Fortführung des zu § 633 BGB a.F. entwickelten funktionalen Mangelbegriffs wird eine Abweichung von der vereinbarten Beschaffenheit angenommen, wenn der mit dem Vertrag verfolgte Zweck der Herstellung eines Werks nicht erreicht wird und das Werk seine vereinbarte oder nach dem Vertrag vorausgesetzte Funktion nicht erfüllt hat (BGH, Urteil vom 29. September 2011, VII ZR 87/11, Rn. 11, juris; BGH…, Urteil vom 8. November 2007, VII ZR 183/05, Rn. 15, juris).
Ist die Funktionstauglichkeit für den vertraglich vorausgesetzten oder gewöhnlichen Gebrauch vereinbart und ist dieser Erfolg mit der vertraglich vereinbarten Leistung oder Ausführungsart nicht zu erreichen, schuldet der Unternehmer die vereinbarte Funktionstauglichkeit (BGH, Urteil v. 29.09.2011 - Az.: VII ZR 87/11 -, NJW 2011, 3780 ff., Rdn. 11;… BGH, Urteil v. 08.11.2007 - Az.: VII ZR 183/05 -, NJW 2008, 511 ff., Rdn. 15).
Das gilt unabhängig davon, ob die Parteien eine bestimmte Leistung, wie z.B. ein bestimmtes Planungsdetail, vereinbart haben (BGH, Urteil vom 29. September 2011 - VII ZR 87/11, BauR 2012, 115, 117 = NZBau 2011, 746 m.w.N.).
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