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Timestamp: 2017-06-27 14:23:41
Document Index: 141188826

Matched Legal Cases: ['BGH', 'Art. 16', 'Art. 1', 'Art. 18', 'Art. 4', 'Art. 1']

Sozialleistungen zur Krankenbehandlung nichtversicherter - PDF
Sozialleistungen zur Krankenbehandlung nichtversicherter
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1 Georg Classen, Flüchtlingsrat Berlin e.v., Georgenkirchstr , Berlin Tel , Fax , gmx.net Sozialleistungen zur Krankenbehandlung nichtversicherter Ausländer - Nothilfe und Krankenhilfe nach SGB XII und Asylbewerberleistungsgesetz für Menschen ohne legalen Aufenthaltsstatus, Asylbewerber, Touristen, EU-Bürger und andere Nichtversicherte - Georg Classen, Flüchtlingsrat Berlin e.v. Berufsordnung: Ärztliches Gelöbnis und ärztliche Ethik 2 Ausländerrecht - Aufenthaltstitel für Ausländer 3 Sozialrecht - Träger von Leistungen der Krankenbehandlung 6 AsylbLG - Classen: Krankenhilfe nach dem Asylbewerberleistungsgesetz 7 Rechtsvorschriften: Existenzsicherung und Krankenbehandlung 19 Nothelferregelung 25 SGB XII: Das Krankenhaus 1/2009: Kristina Schwarz: Erstattung von Behandlungskosten nach der Eilfallregelung des 25 SGB XII 30 Das Krankenhaus 4/2010: Wolfgang Leber: Der sozialhilferechtliche Notfall - Auszug: (Vermeintliche) Unaufklärbarkeit der Einkommens- und Vermögensverhältnisse? 34 Forderungsausfälle von Krankenhäusern bei der Behandlung von Asylbewerbern - BMAS v Antragsformular 25 SGB XII und Hinweise zu 25 SGB XII - SenSozBerlin v Denkbare Fallkonstellationen zu 25 SGB XII 46 BSG : Erstattungsanspruch des Krankenhauses nach 25 SGB XII bei Notfallbehandlung von Alg-II- Berechtigten, die beim Jobcenter noch keinen Antrag gestellt haben 47 OVG Berlin: Einzelfall zum Erstattungsanspruch des Krankenhauses als Nothelfer 48 LSG Bln-Brandenburg: Kein Anspruch des Patienten, da Krankenhaus die Behandlung nach 25 SGB XII beim Sozialamt hätte geltend machen müssen. Der erkennbar mittellose Patient hätte ersichtlich keine Privatbehandlung gewünscht 51 BGH: Kein Entschädigunganspruch des Krankenhauses gegen den Staat für Behandlung mittelloser Patienten 53 Schreiben Sozialamt Kreuzberg v an Vivantes: ausnahmslos alle Menschen sind GKV- oder PKVpflichtversichert, 25 SGB XII ist gegenstandslos? 54 GKV-Pflichtversicherung nach 5 Abs. 1 Nr. 13 SGB V - Formular Anzeige 56 DVKA - Deutsche Verbindungsstelle Krankenversicherung Ausland 59 EHIC - Europäische Krankenversicherungskarte - FAQ 60 Keine Datenübermittlung an Polizei und Ausländerbehörde bei Notfallbehandlung nach 25 SGB XII - Ärztliche Schweigepflicht - SenGes Berlin v Berlin: "Duldung" zur Legalisierung für Schwangere ohne legalen Aufenthalt 3 Monate vor und nach Geburt - SenGes Berlin v Dolmetscherkosten bei stationärer Behandlung muss Krankenhaus übernehmen - BMGS v Dolmetscherkosten bei ambulanter Psychotherapie von Asylbewerbern - BMAS v2 Berufsordnung der Ärztekammer Berlin 3.1 Berufsordnung der Ärztekammer Berlin vom 30. Mai 2005, die zuletzt durch den 4. Nachtrag zur Berufsordnung der Ärztekammer Berlin vom 23. September 2009 (ABl S. 317) geändert worden ist. GELÖBNIS Für jeden Arzt gilt folgendes Gelöbnis: Bei meiner Aufnahme in den ärztlichen Berufsstand gelobe ich, mein Leben in den Dienst der Menschlichkeit zu stellen. Ich werde meinen Beruf mit Gewissenhaftigkeit und Würde ausüben. Die Erhaltung und Wiederherstellung der Gesundheit meiner Patienten soll oberstes Gebot meines Handelns sein. Ich werde alle mir anvertrauten Geheimnisse auch über den Tod des Patienten hinaus wahren. Ich werde mit allen meinen Kräften die Ehre und die edle Überlieferung des ärztlichen Berufes aufrechterhalten und bei der Ausübung meiner ärztlichen Pflichten keinen Unterschied machen weder nach Religion, Nationalität, Rasse noch nach Parteizugehörigkeit oder sozialer Stellung. Ich werde jedem Menschenleben von der Empfängnis an Ehrfurcht entgegenbringen und selbst unter Bedrohung meine ärztliche Kunst nicht in Widerspruch zu den Geboten der Menschlichkeit anwenden. Ich werde meinen Lehrern und Kollegen die schuldige Achtung erweisen. Dies alles verspreche ich auf meine Ehre. A. Präambel Die auf der Grundlage des Berliner Kammergesetzes beschlossene Berufsordnung stellt die Überzeugung der Ärzteschaft zum Verhalten von Ärzten gegenüber den Patienten, den Kollegen, den anderen Partnern im Gesundheitswesen sowie zum Verhalten in der Öffentlichkeit dar. Dafür geben sich die Berliner Ärztinnen und Ärzte die nachstehende Berufsordnung, in deren Text die Berufsbezeichnung Arzt ( Ärzte ) einheitlich und neutral für Ärztinnen und Ärzte verwendet wird. Mit der Festlegung von Berufspflichten der Ärzte dient die Berufsordnung zugleich dem Ziel, - das Vertrauen zwischen Arzt und Patient zu erhalten und zu fördern; - die Qualität der ärztlichen Tätigkeit im Interesse der Gesundheit der Bevölkerung sicherzustellen; - die Freiheit und das Ansehen des Arztberufes zu wahren; - berufswürdiges Verhalten zu fördern und berufsunwürdiges Verhalten zu verhindern. B. Regeln zur Berufsausübung I. Grundsätze 1 Aufgaben des Arztes (1) Der Arzt dient der Gesundheit des einzelnen Menschen und der Bevölkerung. Der ärztliche Beruf ist kein Gewerbe. Er ist seiner Natur nach ein freier Beruf. (2) Aufgabe des Arztes ist es, das Leben zu erhalten, die Gesundheit zu schützen und wiederherzustellen, Leiden zu lindern, Sterbenden Beistand zu leisten und an der Erhaltung der natürlichen Lebensgrundlagen im Hinblick auf ihre Bedeutung für die Gesundheit der Menschen mitzuwirken. 2 Allgemeine ärztliche Berufspflichten (1) Der Arzt übt seinen Beruf nach seinem Gewissen, den Geboten der ärztlichen Ethik und der Menschlichkeit aus. Er darf keine Grundsätze anerkennen und keine Vorschriften oder Anweisungen beachten, die mit seiner Aufgabe nicht vereinbar sind oder deren Befolgung er nicht verantworten kann. (2) Der Arzt hat seinen Beruf gewissenhaft auszuüben und dem ihm bei seiner Berufsausübung entgegengebrachten Vertrauen zu entsprechen. Seite 1 von 11 23 Die Aufenthaltstitel nach dem AufenthG, dem AsylVfG und dem FreizügG/EU Georg Classen 05/2012 Aufenthaltserlaubnis Die Aufenthaltserlaubnis ist befristet gültig, in der Regel zwischen einem und drei Jahren, 7 AufenthG. Für die Verlängerung gelten die gleichen Voraussetzungen wie für die Erteilung, solange noch keine (unbefristet gültige) Niederlassungserlaubnis beansprucht werden kann, 8 AufenthG. Mögliche Aufenthaltszwecke sind: Sonstige Zwecke, 7 I S. 3 AufenthG Studium, studienvorbereitender Sprachkurs, Studienkolleg, 16 I AufenthG Arbeitsuche nach abgeschlossenem Studium, 16 IV AufenthG Sprachkurs; Schulbesuch, 16 V AufenthG Sonstige Ausbildungszwecke, 17 AufenthG Beschäftigung, 18 AufenthG Beschäftigung qualifizierter Geduldeter ( 18a) Aufenthaltstitel zur Arbeitsplatzsuche für qualifizierte Fachkräfte - 18c AufenthG Forschung, 20 AufenthG Selbstständige Tätigkeit, 21 AufenthG Aufnahme aus dem Ausland aus völkerrechtlichen, humanitären oder politischen Gründen, 22 AufenthG Aufenthaltsgewährung durch oberste Landesbehörden aus völkerrechtlichen, humanitären oder polit. Gründen, z. B. Bleiberechtsregelung, oder Abschiebestopp für mehr als 6 Monate nach IMK-Beschluss, 23 I AufenthG Aufnahme aus völkerr., humanitären oder polit. Gründen, z. B. Resettlement, jüd. Zuwanderer, 23 II AufenthG Aufenthalt auf Empfehlung der Härtefallkommission, 23a AufenthG Vorübergehender Schutz nach EU-Richtlinie 2001/55/EG (Kriegsflüchtlinge), 24 AufenthG Asylberechtigte, 25 I AufenthG - Art. 16a GG Konventionsflüchtlinge, 25 II AufenthG - Voraussetzungen des 60 I AufenthG Menschenrechtlicher Abschiebungsschutz, 25 III AufenthG - Voraussetzungen des 60 II bis VII AufenthG Vorübergehender Aufenthalt aus humanitären Gründen, 25 IV S. 1 AufenthG Verlängerter Aufenthalt wegen außergewöhnlicher humanitärer Härte, 25 IV S. 2 AufenthG Vorübergehender Aufenthalt für Opfer einer Straftat, 25 IV a/b AufenthG Sonstige rechtliche oder tatsächliche Ausreisehindernisse, 25 V AufenthG Aufenthalt für gut integrierte Jugendliche und Heranwachsende, 25a AufenthG Ehegattennachzug zu Deutschen, 28 I 1 AufenthG Aufenthaltserlaubnis für Eltern eines minderjährigen deutschen Kindes zur Ausübung der Personensorge, 28 I S. 1 Nr. 3 AufenthG Ehegattennachzug zu Ausländern, 30 AufenthG Eigenständiges Aufenthaltsrecht der Ehegatten, 31 AufenthG Kindernachzug zu Ausländern, hier geborene Kinder, Aufenthaltsrecht der Kinder, 32, 33, 34 AufenthG Nachzug sonstiger Familienangehöriger, 36 AufenthG Rückkehroption für junge Ausländer/ für Opfer von Zwangsehe, 37 AufenthG Aufenthaltserlaubnis für ehemalige Deutsche, 38 AufenthG Aufenthaltserlaubnis für in anderen EU-Staaten langfristig Aufenthaltsberechtigte, 38a AufenthG Aufenthaltserlaubnis nach der Altfallregelung, 104a I S. 1 AufenthG Aufenthaltserlaubnis für integrierte Kinder im Falle der Ausreise ihrer Eltern, 104b AufenthG 34 Fiktionsbescheinigung Wenn die Ausländerbehörde - z. B. wegen fehlender Unterlagen oder noch erforderlicher Nachfragen bei anderen Behörden - noch keine Entscheidung über den Antrag auf Erteilung oder Verlängerung einer Aufenthaltserlaubnis treffen kann, stellt sie - z. B. für einen Monat - zunächst eine "Fiktionsbescheinigung" aus. Das AufenthG unterscheidet zwei Fälle: Antrag auf Verlängerung einer Aufenthaltserlaubnis vor deren Ablauf, 81 IV AufenthG. In diesem Fall gelten - zumindest bei rechtzeitigem oder unwesentlich verspätetem Antrag - der bisherige Aufenthaltstitel mit der Erwerbserlaubnis und allen daraus resultierenden sozialrechtlichen Ansprüchen als unverändert fortbestehend. Erstmaliger Antrag auf Aufenthaltserlaubnis. Der Aufenthalt gilt als erlaubt, wenn der Aufenthalt bei Antragstellung z. B. aufgrund eines Visums noch rechtmäßig war, 81 III S. 1 AufenthG. Bei verspätetem Antrag gilt der Aufenthalt als geduldet, 81 III S. 2 AufenthG. Niederlassungserlaubnis/ Erlaubnis zum Daueraufenthalt-EG Die Niederlassungserlaubnis ist unbefristet gültig, der stärkste Aufenthaltstitel und der sicherste Schutz vor Ausweisung. Niederlassungserlaubnis, allgemeine Norm - 9 AufenthG Erlaubnis zum Daueraufenthalt-EG, RL-EG 2003/109, 9a-c AufenthG Niederlassungserlaubnis für Absolventen deutscher Hochschulen - 18b AufenthG Niederlassungserlaubnis für Hochqualifizierte, 19 AufenthG Niederlassungserlaubnis zur Aufenthaltsgewährung durch die obersten Landesbehörden aus humanitären Gründen bei besonders gelagerten politischen Interessen, 23 II AufenthG - z. B. jüdische Kontingentflüchtlinge Niederlassungserlaubnis für Asylberechtigte und Konventionsflüchtlinge, 26 III AufenthG Niederlassungserlaubnis für Ausländer mit langjährigem Aufenthalt aus humanitären Gründen, 26 IV AufenthG Niederlassungserlaubnis bei Familiennachzug zu Deutschen, 28 II AufenthG Niederlassungserlaubnis als eigenständiges Aufenthaltsrecht für Kinder, 35 AufenthG Blaue Karte EU Blaue Karte EU - 19a AufenthG Visum Schengen-Visum für die Durchreise, 6 I 1 AufenthG Schengen-Visum für einen Aufenthalt von bis zu 3 Monaten, 6 I 2 AufenthG nationales Visum, für längerfristige Aufenthalte in Deutschland - 6 IV AufenthG Duldung Bei Abschiebungsstopp durch die obersten Landesbehörde aus völkerrechtlichen, humanitären oder politischen Gründen für bis zu 6 Monate, 60a I AufenthG Bei rechtlichen oder tatsächlichen Abschiebungshindernissen, 60a II AufenthG Grenzübertrittsbescheinigung Die Ausländerbehörden erteilen in der Praxis häufig an Stelle einer Duldung nur eine "Grenzübertrittsbescheinigung", "Passeinzugsbescheinigung", "Identitätsbescheinigung", "Bescheinigung" oder ein ähnliches Papier, obwohl solche Bescheinigungen vom Gesetzgeber eigentlich nicht vorgesehen sind. Dem Ausländer wird meist eine Ausreisefrist gesetzt, 50 AufenthG. Alte Aufenthaltsgenehmigungen nach dem Ausländergesetz (AuslG) Eine nach dem bis 2004 geltenden AuslG erteilte "unbefristete Aufenthaltserlaubnis" oder "Aufenthaltsberechtigung" gilt unbefristet weiter als "Niederlassungserlaubnis" entsprechend dem der Erteilung zu Grunde liegenden Aufenthaltszweck und Sachverhalt, ohne dass es hierzu einer Umschreibung bedarf, 101 I AufenthG. Die befristeten Aufenthaltsgenehmigungen (Aufenthaltserlaubnis, Aufenthaltsbefugnis, Aufenthaltsbewilligung) nach AuslG galten weiter als Aufenthaltserlaubnis nach dem AufenthG entsprechend dem zu Grunde liegenden Aufenthaltszweck und Sachverhalt, 101 II AufenthG. 45 Ausländer ohne legalen ausländerrechtlichen Status ("Illegale") Ausländer, deren legaler Aufenthalt abgelaufen ist, oder die sich zu keinem Zeitpunkt legal aufgehalten haben, und sich "heimlich" bzw. "illegal" in Deutschland aufhalten, ohne sich bei den zuständigen Behörden zu melden. Aufenthaltsgestattung nach dem AsylVfG Zur Durchführung des Asylverfahrens beim BAMF und Verwaltungsgericht, 63 AsylVfG Aufenthaltsrechte nach dem FreizügG/EU Die Bescheinigung über das gemeinschaftsrechtliche Aufenthaltsrecht ist "von Amts wegen" auszustellen, ohne dass es eines Antrags bedarf. Bescheinigungen und Aufenthaltskarten nach dem FreizügG/EU haben nur "deklaratorischen Charakter", die betreffenden Aufenthaltsrechte - auch das Daueraufenthaltsrecht nach 5 Jahren - bestehen bei Vorliegen der Voraussetzungen, auch ohne dass bereits ein entsprechendes behördliches Dokument ausgestellt wurde. Freizügigkeitsbescheinigung für Unionsbürger, 5 I FreizügG/EU - Aufenthalt bis zu 3 Monaten ohne weiteren Aufenthaltsgrund, 2 V FreizügG/EU - Arbeitnehmer, 2 II Nr. 1 FreizügG/EU - Auszubildende, 2 II Nr. 1 FreizügG/EU - Arbeitsuchende, 2 II Nr. 1 FreizügG/EU - Selbständige, 2 II Nr. 2 FreizügG/EU - Verbleibeberechtige (arbeitslos gewordene) Arbeitnehmer und Selbständige, 2 III FreizügG/EU - Erbringer und Empfänger von Dienstleistungen, 2 II Nr. 3 und 4 FreizügG/EU - Familienangehörige (Ehe- und Lebenspartner, Kinder unter 21), 2 II Nr. 6, 3 II Nr. 1 FreizügG/EU - Familienangehörige (weitere Verwandte in auf- und absteigender Linie, denen Unterhalt geleistet wird), 2 II Nr. 6, 3 II Nr. 2 FreizügG/EU - nicht Erwerbstätige mit ausreichend Existenzmitteln (Studierende, Rentner, Vermögende), 2 II Nr. 5, 4 FreizügG/EU - Familienangehörige nicht Erwerbstätiger mit ausreichend Existenzmitteln, 2 II Nr. 6, 4 FreizügG/EU - Wenn das AufenthG eine günstigere Rechtstellung als das FreizügG/EU vermittelt, kann ein Aufenthaltstitel nach AufenthG beansprucht werden (z.b. als Familienangehöriger eines Deutschen oder eines hier bleibeberechtigten Ausländers, 29, 28 AufenthG), 11 I V FreizügG/EU Bescheinigung über das Daueraufenthaltsrecht für Unionsbürger, 4a, 5 VI FreizügG/ EU - immer nach 5 Jahren legalen Aufenthaltes, Zeiten von EU-Beitritt rechnen mit 1 - bei Erwerbsunfähigkeit und Rente wg. Alters ggf früher - sofort bei Erwerbsunfähigkeit durch Arbeitsunfall, der einen Rentenanspruch begründet - nach 2 Jahren bei Tod des Ehepartners oder Elternteils - sofort bei Tod des dt. Ehepartners, oder Tod des Ehepartners durch Arbeitsunfall Aufenthaltskarte für Familienangehörige von Unionsbürgern Aufenthaltskarte für Familienangehörige von freizügigkeitsberechtigten EU-Angehörigen, die selbst keine Unionsbürger, sondern Drittstaater sind, 3 i.v.m. 5 II FreizügG/EU Daueraufenthaltskarte für Familienangehörige von Unionsbürgern, 3 i.v.m. 5 VI FreizügG/ EU 1 a.a. OVG Berlin-Brandenburg 2 B 23.07, B.v6 Zugang zu Leistungen der Krankenbehandlung - Überblick Gesetzliche Krankenversicherung SGB V - Mitgliedschaft 5 SGB V (Arbeitnehmer, Azubis, Studis, Rentner, ALG I, ALG II usw.) - Familienversicherung 10 SGB V (Ehep. und Kinder ohne Einkommen) - freiwillige (Weiter)Versicherung 9 SGB V (auch nach Vorversicherung im Ausland, wenn Sozialabkommen besteht, Antragsfrist 3 Monate beachten > Tipp: im EU-Ausland Vorversicherungszeiten-Nachweis E 104 besorgen!) - Leistungen auch bei Beitragsschulden - 16 III a SGB V "Unechte" Gesetzliche Krankenversicherung SGB V - wenn laufende Leistungen nach SGB XII, 2 AsylbLG oder stationäre Leistungen nach SGB VIII Gesetzliche Krankenversicherung für bisher nicht Versicherte - Versicherung kraft Gesetzes - 5 I Nr. 13 SGB V, neu ab nicht bei AE für 12 Monate oder weniger - nicht wenn Erteilung der AE/NE LU-Sicherung vorausgesetzt hat > idr Ausschluss von Drittstaatsangehörigen! Private Krankenversicherung - PKV-Basistarif als Pflichtversicherung für bisher nicht Versicherte ab Januar 2009, wenn keine GKV möglich - keine Gesundheitsprüfung - Praxis: nicht bei AE für 12 Monate oder weniger - Leistungen auch bei Beitragsschulden, 193 Abs. 6 VVG Krankenbehandlung nach Abkommensrecht - Inländergleichbehandlung - Krankenversicherung im Ausland und Sozialabkommen mit Deutschland, Übersicht: > - EU-VO 883/2004: Anspruch auf alle Leistungen die anlässlich von Art und Dauer des Aufenthaltes erforderlich sind (keine Beschränkung auf Notfälle!), nur Einreisen zum Zweck der Behandlung im Ausland sind genehmigungspflichtig. Nachweis: EHIC, bzw. aus Ausland anzufordernde EHIC-Ersatzbescheinigung! Leistung über eine in D gewählte GKV. - Sozialhilfe zur med. Versorgung - Gleichbehandlung nach Europäischem Fürsorge Abkommen EFA: alte EU (aber nicht A, CH, SF), N, TR, Estland, IS Arbeitslosengeld II - materielle Bedürftigkeit - Anspruch für zur Arbeitssuche neu eingereiste Unionsbürger strittig - Pflichtversicherung für ALG II Empfänger, Ausnahme: unmittelbar zuvor nicht gesetzlich versicherte Selbständige (Tipp: > im EU-Ausland Vorversicherungszeiten-Nachweis E 104 besorgen!) - Beiträge freiw. Vers/PKV vom Jobcenter nach 26 SGB II Sozialhilfe SGB XII - materielle Bedürftigkeit - für zur Arbeitssuche neu eingereiste Unionsbürger, bei Einreise zum Zweck des Leistungsbezugs oder zur Krankenbehandlung nur unabweisbare Hilfe - bei lfd. SGB XII-Bezug Übernahme der Beitrage nach 32 SGB XII, hilfsweise Behandlung nach 264 SGB V - wenn kein lfd. SGB XII-Bezug und keine Versicherung nach SGB V usw.: Krankenhilfe nach 48 SGB XII - Notfallbehandlung für nicht Versicherte nach 25 SGB XII AsylbLG - materielle Bedürftigkeit; AE 25 V, Asylbewerber, Geduldete, Ausreisepflichtige, Illegale - Leistungsumfang 2 / 4 / 6 AsylbLG Pflegeversicherung SGB XI - Zugang folgt GKV /PKV Unfallversicherung SGB VII - Arbeitsunfall, Wegeunfall, Kiga- und Schulunfall - auch für "Illegale", auch bei "Schwarzarbeit" weitere Träger - BVG Bundesversorgungsgesetz, OEG Opferentschädigung für Gewaltopfer, Kriegsopfer etc. - BGB Haftpflichtversicherung bei Verkehrsunfall ohne eigenes Verschulden - BGB Reiseversicherung - BGB Selbstzahler Zuzahlungen - Gesundheitsreform 2004 (> zur Belastungsgrenze siehe 62 SGB V! Nicht nach 4/6 AsylbLG!) Eigenleistungen - Gesundheitsreform 2004 (> ggf. über 73 SGB XII! Nicht nach 4/6 AsylbLG!) Schwangerschaftsabbruch - Kosten bei materieller Bedürftigkeit über GKV nach 19 ff Schwangerschaftskonfliktgesetz - SchKG 67 Krankenhilfe nach dem Asylbewerberleistungsgesetz 1 - aktualiserte Version, Stand Mai von Georg Classen, Flüchtlingsrat Berlin 2 Inhalt Nach dem AsylbLG anspruchsberechtigte Ausländer - auch "Illegale" Nach dem SGB XII (Sozialhilfe) anspruchsberechtigte Ausländer Materielle Notlage und Versicherungsschutz Anspruchseinschränkung bei Einreise zum Sozialhilfebezug und zur Arbeitsuche Welches Sozialamt ist zuständig? 25 SGB XII - Nothelferparagraf Datenschutz bei "illegalem" Aufenthalt? Der "Denunziationsparagraf" Kann medizinische Hilfe strafbar sein? Der Schlepperparagraf Behandlungsanspruch nach AsylbLG nur bei akuter Krankheit? Anspruch Schwangerer nach dem AsylbLG Anspruch auf Impfungen und Vorsorgeuntersuchungen nach dem AsylbLG Feststellung des Behandlungsbedarfs Behandlung chronischer Krankheiten nach dem AsylbLG Nach vier Jahren AsylbLG: Leistungen der gesetzlichen Krankenversicherung Zuzahlungen und Eigenleistungen in Folge der Gesundheitsreform 2004 Ärztliche Begutachtung und Abschiebeschutz Forderungen Literatur Materialien und Arbeitshilfen unter Rechtsprechungsübersicht Nach dem AsylbLG anspruchsberechtigte Ausländer - auch "Illegale" Anspruchsberechtigt nach dem Asylbewerberleistungsgesetz sind Asylbewerber sowie Ausländer mit einer Duldung, aber auch sonstige "ausreisepflichtige Ausländer", die sich mit oder ohne Kenntnis der Behörden, mit abgelaufenem Aufenthaltstitel, Grenzübertrittbescheinigung usw. oder ganz ohne Papiere "illegal" hier aufhalten ( 1 Abs. 1 Nr. 5 AsylbLG). Zudem fallen auch manche Ausländer mit humanitärem Aufenthaltstitel (Aufenthaltserlaubnis nach 25 Abs. 4 Satz 1, 25 Abs. 4 a oder b, 25 Abs. 5 AufenthG) unter das AsylbLG. 3 Die Bezeichnung "Asylbewerberleistungsgesetz " ist demnach irreführend, denn für die Anspruchsberechtigung ausreisepflichtiger Ausländer nach dem AsylbLG spielt es keine Rolle, ob zuvor Asyl beantragt wurde. Auch Ausländer, die in keiner Hinsicht als "Flüchtlinge" anzusehen sind, fallen unter das AsylbLG, sobald sie ausreisepflichtig sind - beispielsweise Touristen ohne gültiges Visum. Da die Sozialämter verpflichtet sind, der Ausländerbehörde den Aufenthaltsort (und dazu kann auch der nächste Sozialamtstermin gehören...) eines "illegalen" Ausländer zu melden, und somit Folge des Sozialhilfeantrags die Abschiebung bzw. Abschiebehaft wäre, wird der Anspruch "Illegaler" in der Praxis nur relevant, wenn entweder eine Abschiebung (und folglich auch die Abschiebehaft) aktuell nicht durchführbar oder rechtlich unzulässig ist (Herkunftsland verweigert Rücknahme, fehlende Verkehrsverbindung, Abschiebestopp für das betreffende Land, Mutterschutzfrist, etc.), oder wenn eine schwere akute oder chronische Erkrankung eine unabweisbare stationäre medizinische Akutversorgung erforderlich macht. 1 Dieser Text ist erhältlich unter Der hier aktualisierte und um eine Rechtsprechungsübersicht ergänzte Beitrag 'Krankenhilfe nach dem AsylbLG' wurde erstmals veröffentlicht im Asylmagazin 11/2000, S. 11 ff., 2 Georg Classen, Flüchtlingsrat Berlin, Georgenkirchstr 69-70, Berlin, Tel , Fax -5763, gmx.net, 3 Nach 1 Abs. 1 Nr. 3 AsylbLG fallen darüber hinaus Ausländer mit "wegen des Krieges" erteilter Aufenthaltserlaubnis nach 23 Abs. 1 oder nach 24 AufenthG unter das AsylbLG. Aufenthaltserlaubnisse nach 24 werden derzeit in der Praxis nicht erteilt. Aufenthaltserlaubnisse nach 23 Abs. 1 werden in der Praxis regelmäßig nicht "wegen des Krieges", sondern aus nur anderen Gründen (Bleiberechts- oder Altfallregelung) erteilt. Ausländer mit Aufenthaltserlaubnis nach 23 Abs. 1 AufenthG fallen daher regelmäßig nicht unter das AsylbLG und haben Anspruch auf Leistungen nach SGB II oder SGB XII8 Nach dem SGB II/XII 4 (Sozialhilfe/Alg 2) anspruchsberechtigte Ausländer Ist der Aufenthalt des Ausländers (noch) legal, und gehört der Antragsteller auch sonst zu keiner unter das AsylbLG fallenden Ausländergruppe (vgl. 1 AsylbLG), richtet sich sein Anspruch auf medizinische Versorgung nicht nach dem AsylbLG, sondern nach dem Sozialhilferecht, 23 Abs. 1 i.v.m. 48 SGB XII. Eine Zuständigkeitslücke gibt es nicht - fällt ein Ausländer wegen seines Aufenthaltstatus nicht (mehr) unter das SGB XII, hat er automatisch Anspruch auf medizinische Versorgung nach dem AsylbLG (vgl. 23 Abs. 2 SGB XII). Somit muss der Antragsteller letztendlich nicht entscheiden, auf welcher Rechtsgrundlage er seine medizinische Versorgung beantragt, er kann schlicht "Sozialhilfe" bzw. einen "Krankenschein für... / die Kostenübernahme für... nach SGB XII bzw. AsylbLG" beantragen. Maßgeblich ist allein, dass er beim Sozialamt seine materielle Notlage sowie seinen Behandlungsbedarf glaubhaft macht. Ein Verweis auf die Zuständigkeit des Jobcenters ist möglich, wenn ein Anspruch auf Arbeitslosengeld II (Alg 2) besteht. Mit der Gewährung von ALG II ist in der Regel (Ausnahme: Selbständige) eine Pflichtversicherung bei einer Gesetzlichen Krankenkasse verbunden. Ein Verweis auf das Jobcenter kommt nicht in Betracht für Ausländer, die gemäß 7 und 8 SGB II ohnehin kein ALG II beanspruchen könnten, weil sie unter das AsylbLG fallen, oder keinen Wohnsitz und gewöhnlichen Aufenthalt in Deutschland haben (Touristen), oder weder eine Arbeitserlaubnis besitzen noch eine solche erhalten könnten, oder 65 Jahre oder älter sind, oder voraussichtlich länger als 6 Monate erwerbsunfähig sind. Ein Verweis auf eine Pflichtversicherung über das ALG II kommt auch nur dann in Betracht, wenn bereits ALG II bezogen wird oder es sich um eine entsprechend aufschiebbare Behandlung handelt. Besteht kein Anspruch auf ALG II oder ist es nicht möglich, diesen Anspruch rechtzeitig zu realisieren, muss die Krankenhilfe gemäß 48 SGB XII vom Sozialamt erbracht werden. 5 Materielle Notlage und Versicherungsschutz Voraussetzung für die Anspruchsberechtigung von Ausländern auf "Sozialhilfe" zur medizinischen Versorgung nach SGB XII oder AsylbLG ist allein die materielle Notlage (kein - ausreichendes und tatsächlich verfügbares - Einkommen oder Vermögen; kein Krankenversicherungsschutz) sowie die "tatsächliche" (physische) Anwesenheit in Deutschland ( 1 Abs. 1 AsylbLG; 23 Abs. 1 SGB XII). Die materielle Notlage (kein Geld, um die Behandlung selbst zu bezahlen...) wie auch den fehlenden Krankenversicherungsschutz sollte der Antragsteller - bei Notaufnahme ins Krankenhaus ggf. das Krankenhaus für ihn - dokumentieren bzw. glaubhaft machen. Dazu gehört auch eine Erklärung, wovon man bisher gelebt hat, und ob es unterhaltspflichtige und -fähige Angehörige gibt. Zu prüfen ist zudem, ob eine Versicherung im Herkunftsland besteht, die nach internationalen Abkommen auch in Deutschland gültig ist (EU-Staaten, Norwegen, Island, Liechtenstein, Schweiz, Türkei, alle Länder des ehem. Jugoslawien) 6, oder ob die Krankenbehandlung nach anderen Gesetzen zu übernehmen ist. Die gesetzliche Unfallversicherung muss im Falle eines Wege- oder Arbeitsunfalls beispielsweise auch dann leisten, wenn der Arbeitgeber keine Sozialversicherungsbeiträge abgeführt hat ("Schwarzarbeit"), und zwar auch dann, wenn der Ausländer ohne Aufenthalts- und/oder Arbeitsgenehmigung beschäftigt wurde. Eine - z.b. zwecks Erhalt eines Visums abgegebene - "Verpflichtungserklärung" nach 68 AufenthG 7 steht einem Anspruch auf Krankenhilfe (und auf Leistungen zum Lebensunterhalt) nach AsylbLG oder SGB XII nicht entgegen, solange der Leistungsberechtigte vom Unterzeichner der Verpflichtungserklärung "tatsächlich" nicht die nötige Hilfe erhält. Der Leistungsberechtigte könnte aus der Erklärung auch gar keine Ansprüche gegen den Verpflichteten gelten machen. Unabhängig davon ist aber zu prüfen, ob das Sozialamt vom Verpflichteten Kostenersatz für die gewährte Krankenhilfe fordern kann, dieser sollte dann ggf. anwaltliche Hilfe in Anspruch nehmen, da in jedem Fall die Reichweite der Erklärung zu prüfen ist und diese z.b. auch "sittenwidrig" und deshalb unwirksam sein kann. Zu Anbietern befristeter Krankenversicherungen für ausländische Touristen siehe die Behandlung von Vorerkrankungen ist jedoch ausgeschlossen, zudem gelten weitere Einschränkungen. 4 Das SGB XII - Sozialhilfe - ersetzt seit das frühere BSHG (Bundessozialhilfegesetz) 5 BSG B 8 SO 4/08 R, U.v Wurde trotz Anspruchs kein ALG II beantragt, ist die Krankenhilfe nach 48 SGB XII weder nach 5 SGB II noch nach 21 SGB XII ausgeschlossen. 6 Die Sozialabkommen sind zu finden auf den Seiten der Deutschen Verbindungsstelle der Krankenversicherung Ausland 7 Das Aufenthaltsgesetz ersetzt seit das frühereausländergesetz9 Anspruchseinschränkungen bei Einreise zum Sozialhilfebezug und zur Arbeitsuche Ausländer, die eingereist sind, um hier Sozialhilfe zu beanspruchen, haben keinen Anspruch auf Hilfe zum Lebensunterhalt ( 1a AsylbLG / 23 Abs. 3 SGB XII). Diese Regelung wird in der Praxis vor allem auf Touristen angewandt, die ihre Notlage fahrlässig durch mangelnde finanzielle Vorsorge verursachen, teilweise aber auch auf Kriegsflüchtlinge - denen machen Sozialämter im einem oft unglaublichen Zynismus vorhalten, in ihrer Heimat habe es weder Krieg noch bzw. Schikanierung oder Vertreibung durch Polizei- und Armee gegeben. Die Anspruchseinschränkung gilt nicht für eine unvorhergesehene, erst in Deutschland aufgetretene Notlage, wie beispielsweise eine erst hier aufgetretene Krankheit oder einen Unfall in Deutschland. In diesen Fällen ist uneingeschränkte Krankenhilfe nach 48 SGB XII bzw. 4 und 6 AsylbLG zu leisten. Auch wenn der Vorwurf der Einreise, um Sozialhilfe bzw. Krankenhilfe zu erhalten zutrifft, muss in verfassungskonformer Auslegung (Art. 1 und 20 GG) des SGB XII bzw. des AsylbLG jedem Fall zumindest die "unerlässliche" Krankenbehandlung ( 1a AsylbLG) bzw. die "unabweisbare Behandlung einer schweren oder ansteckenden Krankheit" ( 23 Abs. 3 SGB XII) geleistet werden. Unionsbürger erhalten vielfach weder ALG II noch Sozialhilfe, weil ihr Aufenthaltsrecht sich nach Auffassung der Behörden allein aus der Arbeitsuche ergibt, 7 Abs. 1 Satz 2 SGB II, 23 Abs. 3 SGB XII. Derartige Ablehnungen sind häufig fehlerhaft, weil Unionsbürger nach dem FreizügG/EU und/oder dem AufenthG neben der Arbeitsuche oft auch ein anderes Aufenthaltsrecht besitzen, z.b. als Arbeitnehmer oder Selbständiger mit einer nicht nur völlig unwesentlichen legalen Erwerbstätigkeit (mindestens ca. 300 /Monat an mind. ca. 10 Std/Woche), als verbleibeberechtigter Arbeitnehmer oder Selbständiger nach 2 Abs. 3 FreizügG/EU bei unfreiwillig eingetretener Arbeitslosigkeit nach 12 Monaten legaler Erwerbstätigkeit bzw. für bis zu 6 Monate auch nach kürzerer Erwerbstätigkeit, als Familienangehörige eines Deutschen oder eines hier z.b. als Arbeitnehmer/Selbständigen/Verbleibeberechtigten lebenden Unionsbürgers oder Drittstaaters, oder weil der EU-Bürger (nach 5 Jahren legalem Aufenthalt) das an keine weiteren Voraussetzungen mehr geknüpfte Daueraufenthaltsrecht besitzt. 8 Umstritten ist zudem, ob der Ausschluss europarechtlich zulässig ist, weil er gegen den für alle Unionsbürger geltenden Gleichbehandlungsgrundsatz nach Art. 18 AEUV und Art. 4 VO 883/2004 EG verstößt. Dies gilt insbesondere für einen Zeitraum von mehr als 3 Monaten ab Einreise oder bei Eintritt der Hilfebedürftigkeit erst einige Zeit nach Einreise. 9 Wenn sich das Aufenthaltsrecht eines Unionsbürgers tatsächlich allein aus der Arbeitsuche ergibt, entfällt möglicherweise der ALG II-Anspruch. Das Sozialamt bleibt jedoch verpflichtet, trotz des grundsätzlichen Ausschlusses Erwerbsfähiger von der Sozialhilfe ( 5 SGB II, 21 SGB XII) in verfassungskonformer Auslegung (Art. 1 und 20 GG) des SGB XII als letztes soziales Netz eine Ermessensentscheidung über die Sozialhilfegewährung zu treffen und zumindest die unabweisbare Krankenbehandlung als Sozialhilfeleistung nach 48 SGB XII, ggf. aber auch Leistungen zum Lebensunterhalt nach dem 3. Kapitel des SGB XII im unabweisbaren Umfang zu erbringen. Dabei darf das Sozialamt in Ausübung des pflichtgemäßen Ermessens das Niveau der unabweisbaren Leistungen nach 1a AsylbLG nicht unterschreiten. 10 Im Zweifelsfall sollten Unionsbürger daher zusätzlich zum ALG II - Antrag immer auch einen Antrag auf Sozial- und Krankenhilfe beim örtlich zuständigen Sozialamt stellen! Welches Sozialamt ist zuständig? Nach SGB XII ist in der Regel das Sozialamt am "tatsächlichen Aufenthaltsort" zuständig ( 98 SGB XII). Die Zuständigkeit nach AsylbLG ist komplizierter, weil im Falle einer erfolgten ausländerrechtlichen oder asylverfahrensrechtlichen Zuweisung an einen bestimmten Wohnort (meist verbunden mit einer sog "Residenzpflicht") das Sozialamt am Zuweisungsort zuständig ist ( 10a Abs. 1 Satz 1 AsylbLG). Fehlt eine solche Zuweisung, ist auch nach AsylbLG das Sozialamt am "tatsächlichen Aufenthaltsort" zuständig ( 10a Abs. 1 Satz 2 AsylbLG). Im Einzelfall kann offen sein, ob eine frühere Zuweisung noch wirksam ist, 8 Vgl. dazu Classen, Leitfaden Sozialleistungen für Ausländer nach SGB II und SGB XII, sowie Frings, Sozialleistungen für Unionsbürger, 9 Siehe dazu ausführlich mit weiteren Nachweisen Classen, Sozialleistungen für MigrantInnen nach SGB II, SGB XII und AsylbLG, 10 so LSG NRW L 9 B 80/07 AS ER,10 etwa für einen ehemaligen Asylbewerber, der sich inzwischen mit einer Duldung oder illegal an einem anderen Ort aufhält, weshalb dann auch die Zuständigkeit des Sozialamts unklar ist. Komplizierter wird es im Falle einer stationären Behandlung. Nach 98 Abs. 2 SGB XII ebenso wie nach 10a Abs. 2 AsylbLG ist dafür das Sozialamt an dem Ort zuständig, wo der Hilfeempfänger zuletzt seinen gewöhnlichen Aufenthalt hatte oder in den letzten zwei Monaten vor Aufnahme gelebt hat. Durch diese Regelung sollen die Sozialämter am Ort des Krankenhauses entlastet werden. Handelte es sich jedoch um einen medizinisch unabweisbaren "Eilfall", muss auch bei stationärer Behandlung das Sozialamt am tatsächlichen Aufenthaltsort vorleisten, das dann einen Erstattungsanspruch gegen das eigentlich zuständige Sozialamt hat ( 10a Abs. 2 Satz 3, 10b Abs. 1 AsylbLG). In manchen Fällen, insbesondere bei Ausländern ohne legalen Status, ist der letzte "gewöhnliche" Aufenthaltsort kaum feststellbar. Anknüpfungspunkt ist dann der tatsächliche Aufenthaltsort. Wenn eine frühere "Zuweisung" nach AufenthG oder AsylVfG noch fortwirkt, ist jedoch das Sozialamt am Zuweisungsort zuständig. Bei nicht feststellbarem Wohnsitz und gewöhnlichen Aufenthalt gilt als "tatsächlicher Aufenthaltsort" nicht immer der Ort des Krankenhauses. Handelt es sich z.b. um einen Unfall auf der Autobahn, kommt als zuständiger Träger am "tatsächlichen Aufenthaltsort" das Sozialamt am Ort des Unfalls in Betracht, da an diesem Ort (und nicht im Krankenhaus) die Hilfebedürftigkeit erstmals eingetreten ist. Im Zweifelsfall ist zu empfehlen, die Kosten - unter Hinweis auf die mehrfachen Anträge - bei allen ggf. in Frage kommenden Ämtern schriftlich zu beantragen. Wenn ein Sozialamt sich für unzuständig hält, muss es nach 18 Abs 1 SGB XII bzw. 16 SGB I den Antrag an das zuständige Amt weiterleiten. Normalerweise ist zur Antragstellung eine persönliche Vorsprache des Antagstellers beim Sozialamt erforderlich. Ist dies aus gesundheitlichen Gründen und/oder wegen Aufenthalts an einem anderen Ort nicht möglich ist, muss es reichen, den Antrag z.b. über den Sozialdienst des Krankenhauses oder das Sozialamt am tatsächlichen Aufenhaltsort stellen zu lassen und die Antragsunterlagen z.b. per Post zu übermitteln, soweit nicht ohnehin bei Notaufnahmen das Erstattungsverfahren nach 25 SGB XII greift. 25 SGB XII - Nothelferparagraf Ist dem Kranken ein Antrag auf die Sozialhilfeleistung beim Sozialamt nicht mehr möglich, was regelmäßig bei einer Notaufnahme ins Krankenhaus der Fall ist, hat die im Notfall Hilfe leistende Person bzw. Institution (z.b. das Krankenhaus) einen Erstattungsanspruch gegen das Sozialamt. Dabei muss es sich auch medizinisch gesehen um einen unabweisbaren "Eilfall" handeln, der unverzügliches Handeln erforderlich macht, so dass ein Verweis auf die vorherige Antragstellung bei Sozialamt angesichts der Umstände nicht möglich ist. Der Erstattungsanspruch setzt voraus, dass das Sozialamt zur Hilfe verpflichtet gewesen wäre. Das Krankenhaus muss daher im Rahmen seiner Möglichkeiten durch Befragung des Patienten prüfen, ob Versicherungsschutz vorhanden ist und eine materielle Notlage vorliegt, und dieses soweit möglich für das Sozialamt dokumentieren (Kopien der Nachweise). Voraussetzung für den Erstattungsanspruch des Krankenhauses ist zudem, dass es den Anspruch "innerhalb angemessener Frist" geltend macht, was von der Rechtsprechung streng ausgelegt wird, d.h. der Erstattungsanspruch des Krankenhauses nach 25 SGB XII (bis : 121 BSHG) sollte - auch wenn er wegen der noch nicht abgeschlossenen Behandlung der Höhe nach noch nicht bezifferbar ist - umgehend, d.h. innerhalb von etwa 14 Tagen nach Aufnahme des Kranken beim Sozialamt geltend gemacht werden. 11 Obwohl im AsylbLG eine 25 SGB XII entsprechende Regelung fehlt, ist in der Rechtsprechung allgemein anerkannt, dass 25 SGB XII (bzw. bis zum Jahr BSHG) auch auf Leistungsberechtigten nach dem AsylbLG entsprechend anwendbar ist. 12 Zu empfehlen ist zudem, dass baldmöglichst auch der Kranke selbst (mit Hilfe des Sozialdienstes) Sozialhilfe für die Krankenhausbehandlung beantragt, da rechtlich umstritten ist, ob das Krankenhaus einen Erstattungsanspruch gegen das Sozialamt auch noch für Zeiträume hat, in denen der Kranke selbst wieder handlungsfähig und das Sozialamt erreichbar war. 11 Vgl. zum Verfahren die Hinweise und Antragsformulare der Senatssozialverwaltung Berlin 12 vgl. OVG Berlin 6 B 17.02, U.v , FEVS 2005, 425 OVG Berlin 6 B 9.02, U.v , FEVS 2005, 545,11 Neben der Krankenbehandlung ist auch der Transport mit dem Rettungswagen oder Rettungshubschrauber eine Nothilfeleistung, die in dem Fall der zuständige Träger (z.b. Feuerwehr) nach 25 SGB XII beim Sozialamt geltend zu machen hat. Liegt offensichtlich ein Nothilfefall vor, da der Kranke angibt mittellos und nicht krankenversichert zu sein oder aber von Sozialleistungen zu leben, obliegt es dem Krankenhaus, die entsprechenden Ansprüche beim Sozialamt geltend zu machen. Es kann sich nicht darauf berufen, einen privatrechtlichen Behandlungsvertrag geschlossen zu haben und die Behandlung dem Patienten in Rechnung stellen. 13 Datenschutz bei "illegalem" Aufenthalt? Der "Denunziationsparagraf" Sowohl der Antrag des Kranken selbst als auch ein nach 25 SGB XII bzw. AsylbLG gestellter Kostenerstattungsantrag des Krankenhauses können dazu führen, dass ein illegaler Aufenthalt des Patienten dem Sozialamt bekannt wird. Anders als Ärzte (Schweigepflicht) und Krankenhausverwaltung (Datenschutz) ist das Sozialamt berechtigt und auch verpflichtet, den gegenwärtigen und künftigen Aufenthaltsort eines illegalen Ausländers der Ausländerbehörde zu melden ( 87 AufenthG; 68 SGB X). Hierzu wurde durch die VwV AufenthG vom klargestellt, dass das Sozialamt die aus einem Nothilfeantrag des Krankenhauses erhaltene Information über einen illegalen Ausländer nicht der Ausländerbehörde melden darf. In einem solchen Fall gilt die verlängerte ärztliche Schweigepflicht nach 203 StGB nicht nur für die die Daten erhebenden ärztlichen Gehilfen im Krankenhaus (Krankenhausverwaltung), sondern auch für das Sozialamt, und verbietet die Information der Polizei bzw. Ausländerbehörde. Für das Sozialamt gilt dies aber nur, wenn tatsächlich ein Nothilfefall vorliegt, das Sozialamt die Vorschriften der VwV AufenthG kennt, und sich daran auch hält. 15 Hingegen bleibt das Sozialamt gegenüber der Ausländerbehörde meldepflichtig, wenn der sich illegal aufhaltende Ausländer selbst beim Sozialamt eine medizinische Behandlung beantragt. Zudem sehen in jedem Fall 11 Abs. 3 AsylbLG sowie weitere sozial- und ausländerrechtliche Regelungen vor, dass das Sozialamt mit der Ausländerbehörde einen Datenabgleich bezüglich des Aufenthaltsstatus vornimmt. Die Rechtslage bezüglich der Datenweitergabe bleibt somit unklar. Die Angst vor der Meldung an die Ausländerbehörde ist der Hauptgrund für die extrem zurückhaltende Inanspruchnahme medizinischer Hilfen durch "Illegale" und entsprechend verschleppte Krankheiten. Bei längerandauernden Behandlungen bzw. Erkrankungen kann ggf. die Realisierung einer zumindest vorübergehenden "Duldung" wegen Krankheit durch Attestierung des dringenden stationären Behandlungsbedarfes (sowie der Reiseunfähigkeit) seitens der behandelnden Ärzte erreicht werden. Der Leistungsberechtigte kann einer Festnahme vorbeugen, in dem er zurückhaltend ist bei Angaben zu seiner derzeitigen bzw. (nach Entlassung) künftigen Wohnanschrift. Er könnte zwar auch versuchen, die Daten einer anderen (versicherten) Person anzugeben, allerdings macht er sich hierbei strafbar. Da Sozialhilfe grundsätzlich nicht für die Vergangenheit gewährt wird, wird ein nach Entlassung vom Leistungsberechtigten selbst gestellter Erstattungsantrag beim Sozialamt in der Regel abgelehnt. Auch eine Abtretung des Anspruch an das Krankenhaus zwecks Abrechnung ist nach dem Sozialhilferecht nicht zulässig ( 17 Abs. 1 SGB XII) Notwendig wäre ein strafgesetzliches Verbot der Übermittlung von Daten an die Ausländerbehörde durch medizinische Dienstleister, Sozialleistungsträger und weitere Beteiligte im Zusammenhang mit der Inanspruchnahme medizinischer Versorgung. Kann medizinische Hilfe strafbar sein? Der Schlepperparagraf Gemäß 96 AufenthG ("Schlepperparagraf"), wird mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder mit Geldstrafe bestraft, wer andere zu den in 95 AufenthG (illegaler Aufenthalt) bezeichneten Handlungen anstiftet oder ihnen dazu Hilfe leistet und dafür einen Vermögensvorteil erhält oder wiederholt und zugunsten mehrerer handelt. 13 LSG Berlin-Brandenburg, L 23 B 27/06 AY PKh, B.v Allgemeine Verwaltungsvorschriften des Bundesinnenministeriums zum AufenthG vwvbund.juris.de/pdf/bmi-mi sf-a001.pdf Rn , Vgl. Erläuterungen des Kath. Forum Illegalität, 15 Vgl. die Rundschreiben der Berliner Senatsverwaltung hierzu an Krankenhäuser und Sozialämter12 "Anstiftung" läge vor, wenn Ärzte ihre Patientinnen vorsätzlich dazu veranlassen, sich illegal in Deutschland aufzuhalten. "Beihilfe" wäre gegeben, wenn es Zweck der medizinischen Behandlung wäre, den illegalen Aufenthalt zu ermöglichen, zu erleichtern, zu intensivieren oder abzusichern. Der Vermögensvorteil müsste sich dabei auf die Förderung des rechtswidrigen Aufenthalts beziehen, die Zahlung der Behandlungskosten fällt nicht darunter. Wenn Mediziner wiederholt mehrere erkrankte Ausländer behandeln, könnte argumentiert werden, dass es sich um Beihilfe zum illegalen Aufenthalt handele, da dieser durch die medizinische Behandlung schließlich erleichtert werde. Dagegen stehen allerdings gewichtige Rechtfertigungsgründe für das ärztliche Handeln, vor allem der rechtfertigende Notstand ( 34 StGB), der eine Behandlung zumindest bei akuten Notfällen rechtfertigt und auch gebietet. Es hängt hier also von der Schwere der Erkrankung ab. Um diese beurteilen zu können, muss zuerst in jedem Fall eine medizinische Untersuchung erfolgen. 16 Hinzu tritt die ärztliche Ethik. ÄrztInnen geloben bei ihrer Approbation: "Ich werde mich bei der Ausübung meiner ärztlichen Pflichten meinen Patienten gegenüber nicht beeinflussen lassen durch Alter, Krankheit oder Behinderung, Konfession, ethnische Herkunft, Geschlecht, Staatsangehörigkeit, politische Zugehörigkeit, Rasse, sexuelle Orientierung oder sozialer Stellung" (Genfer Gelöbnis - in Anlehnung an den Hippokratischen Eid vom Weltärztebund 1948 beschlossene Neufassung der ärztliche Berufspflichten). In der Berufsordnung der Ärzte ist festgelegt: "Ärztinnen und Ärzte üben ihren Beruf nach ihrem Gewissen, den Geboten der ärztlichen Ethik und der Menschlichkeit aus. Sie dürfen keine Grundsätze anerkennen und keine Vorschriften oder Anweisungen beachten, die mit ihren Aufgaben nicht vereinbar sind oder deren Befolgung sie nicht verantworten können." 17 In einem Schreiben vom an den Jesuiten-Flüchtlingsdienst hat Berlins Innensenator Körting in Absprache mit Justizsenatorin Schubert festgestellt, dass die "gesundheitliche Versorgung eines sich unerlaubt im Bundesgebiet aufhaltenden Ausländers unter keine ausländerrechtliche Strafbestimmung" fällt. Maßgebend sei dafür, dass der Ausländer seinen weiteren Aufenthalt nicht allein von der medizinischen Behandlung abhängig mache und der Arzt aus humanitären Gründen handele. Darüber hinaus können dem Arzt im Falle unterlassener medizinischer Hilfeleistung auch strafrechtliche Konsequenzen drohen (unterlassene Hilfeleistung - 323c StGB). Zur Problematik der Gesundheitsversorgung von Flüchtlingen wurde auf der 50. Generalversammlung des Weltärztebundes im Oktober 1998 in Ottawa beschlossen, "dass Ärzte die Pflicht haben, einem Patienten unabhängig von seinem Status die notwendige Versorgung zukommen zu lassen und Regierungen dürfen weder das Recht des Patienten auf medizinische Behandlung, noch die Pflicht des Arztes zu helfen einschränken". Behandlungsanspruch nach AsylbLG nur bei akuter Krankheit? Die in der Praxis dokumentierten Fälle von Einschränkungen des Behandlungsanspruchs durch Sozialämter und Amtsärzte (Verweigerung von Krankenscheinen, Verweigerung von Rollstühlen für spastisch behinderte Kinder, Verweigerung lebensnotwendiger Lebertransplantationen etc.) sind fast immer gesetzes-, zumeist auch verfassungswidrig. Nach unserer Erfahrung mit der Begutachtung durch Amtsärzte muss festgestellt werden, dass diese in aller Regel die Rechtsgrundlagen des AsylbLG und SGB XII nicht kennen, was häufig zu rechtswidrigen Ablehnungen führt. Unzutreffend ist insbesondere die weit verbreitete Annahme, dass Leistungsberechtigte nach AsylbLG nur bei akuten Krankheiten und Schmerzzuständen behandelt werden dürften. Richtig ist, dass regelmäßig dann ein uneingeschränkter Behandlungsanspruch besteht, einschl. der Versorgung mit Heil- und Hilfsmitteln, wenn eine Krankheit entweder "akut" oder "schmerzhaft" ist ( 4 AsylbLG). Ein uneingeschränkter Anspruch auf Krankenbehandlung besteht daher z.b. auch bei schmerzhaften chronischen Erkrankungen. Der aus 4 AsylbLG häufig gezogene Umkehrschluss, dass wegen des dort geregelten Behandlungsanspruch bei "akuter" Erkrankung ein Anspruch (jedenfalls nach 4) bei "chronischer" Krankheit nicht bestehe, ist schon deshalb fragwürdig, weil in vielen Fällen eine medizinisch sinnvolle Unterscheidung zwischen akuter und chronischer Krankheit gar nicht möglich ist, oder jedenfalls bei Nichtbehandlung ein 16 vgl. Lehmann, J., ZAR 2008, 24, Ärztliche Hilfe für "Illegale": eine Straftat nach dem AufenthG? Lehmann geht davon aus, dass sich Stellen der öff. Verwaltung bei akuter Hilfebedürftigkeit des Kranken auf 34 StGB berufen können. Privaten und kirchlichen Organisationen erlaube 34 StGB auch eine darüber hinausgehende gesundheitliche Betreuung von Personen ohne Aufenthaltsrecht. 17 Musterberufsordnung der Bundesärztekammer, die Regelung wurde in die Berufsordnungen der Landesärztekammern übernommen13 akuter Krankheitszustand droht. Angesichts dessen, dass kein Arzt einem über Krankheit oder Schmerzen klagenden Patienten Diagnose und Behandlung verweigern darf, kann das Kriterium "akute Krankheit" allein im Sinne von "akuter Behandlungsbedarf" zur Heilung, Linderung oder Verhinderung von Krankheit interpretiert werden (Meyer/Röseler, 4 Rn 7). Unaufschiebbarkeit, Unabweisbarkeit oder Unerlässlichkeit oder sonstwie gesteigerte Formen der Notwendigkeit einer Krankenbehandlung sind daher nach 4 nicht erforderlich, solange die Krankheit entweder Schmerzen verursacht oder aber ein akuter Krankheitszustand bzw. ein akuter Behandlungsbedarf vorliegt. Es reicht die "Notwendigkeit" der Behandlung analog der Regeln der gesetzlichen Krankenversicherung. Dabei hat die Behandlung nach den anerkannten Regeln der ärztlichen Kunst zu erfolgen. Nach 4 sind z.b. auch orthopädische Einlagen bei schmerzhaften Plattfüßen (VG Osnabrück 6 B 61/99 v , oder orthopädische Schuhe (VGH Baden- Württemberg 7 S 920/98 v , FEVS 1999, 33, zu leisten. In solchen Fällen stattdessen z.b. Schmerzmittel zu verabreichen, wäre medizinisch falsch und daher unzulässig. Einschränkungen gibt es nach 4 beim Zahnersatz. Unaufschiebbar im Sinne von 4 ist Zahnersatz, wenn Folgeschäden bei Nichtbehandlung drohen oder bereits eingetreten sind (Verlust von weiteren Zähnen; Magenerkrankung durch fehlende Kaufähigkeit etc.). Die Einschränkungen des 4 beziehen sich nicht auf Zahnbehandlungen, bei denen kein Zahnersatz geleistet wird. Hier reicht es, dass die Zahnerkrankung akut behandlungsbedürftig oder schmerzhaft ist. Kariesbehandlungen, Wurzelbehandlungen etc. sind daher ohne Einschränkung zu leisten. Anspruch Schwangerer nach dem AsylbLG Schwangere haben nach 4 Abs. 2 AsylbLG wie gesetzlich Versicherte einen uneingeschränkten Anspruch auf Vorsorgeuntersuchungen, Leistungen zur Entbindung, Pflege, Hebammenhilfe etc. Anspruch auf Impfungen und Vorsorgeuntersuchungen nach dem AsylbLG Nach 4 Abs. 3 AsylbLG besteht - auch ohne Vorliegen einer akuten oder sonstigen Erkrankung - Anspruch auf Krankenscheine für "medizinisch gebotene" Vorsorgeuntersuchungen. Was geboten ist, richtet sich nach den Regeln der gesetzlichen Krankenversicherung (vgl. dazu im Einzelnen 20 bis 26 und 30 SGB V). Zahnkrankenscheine können zum Zweck der Vorsorge unter 18 Jahren alle 6 Monate, danach jährlich beansprucht werden. Krankenscheine für ärztliche Vorsorgeuntersuchungen können Schwangere, kleine Kinder (U1 bis U10), Frauen (gynäkologische Untersuchung), Menschen ab 35 (Gesundheitsuntersuchung alle 2 Jahre), Frauen ab 20 und Männer ab 45 (Krebsvorsorge jährlich), sowie neu eingereiste Flüchtlinge ohne Asylantrag (eine freiwillige Untersuchung dürfte analog 62 AsylVfG regelmäßig geboten sein) beanspruchen. Nach 4 Abs. 3 besteht zudem Anspruch auf "amtlich empfohlene Schutzimpfungen". Neben den üblichen Kinderimpfungen haben auch Erwachsene Anspruch auf Impfungen gegen Tetanus, Diphtherie, Polio sowie nach individuellem Risiko weitere Impfungen. Zudem besteht Anspruch auf alle im Hinblick auf die Situation im Herkunftsland anzuratenden Impfungen. Als amtliche Empfehlungen im Sinne von 4 Abs. 3 sind die Empfehlungen der STIKO (Ständige Impfkommission) beim Robert Koch Institut Berlin anzusehen, im Internet unter -> Infektionsschutz -> Impfen. Krankenscheinvergabe und Feststellung des Behandlungsbedarfs Möchte ein Flüchtling einen Krankenschein, reicht die Angabe von Schmerzen oder diffusen Krankheitssymptomen, da ein Verwaltungssachbearbeiter 18 beim Sozialamt regelmäßig nicht in der Lage ist, eine Diagnose zu stellen und über den Behandlungsbedarf zu entscheiden. Hierüber kann auch ein Arzt erst nach Durchführung einer Untersuchung entscheiden. Schon zur Feststellung des Behandlungsbedarfs ist also der Krankenschein erforderlich. Für den Anspruch auf einen Krankenschein reicht es aber auch, wenn der Flüchtling zur Begründung angibt, er/sie möchte eine der vorgenannten Impfungen oder Vorsorgeuntersuchungen erhalten. 18 In der Praxis maßen sich teilweise Verwaltungssachbearbeiter, Heimleiter, Wachschutzmitarbeiter, Sanitäter, Krankenpfleger usw. an, ohne Hinzuziehen eines Arztes Diagnosen zu stellen und über den Behandlungsbedarf zu entscheiden. Hier sollte Strafanzeige erwogen werden14 Das Verfahren zur Krankenscheinvergabe ist vielerorts schikanös. Erst wenn man bereits akut erkrankt ist, darf man an einem Sprechtag beim Sozialamt um einen Krankenschein bitten. Bis dahin wird die Behandlung verschleppt, oder man versucht es bei der Erste-Hilfe-Stelle eines Krankenhauses. Durch verschleppte Behandlung müssen Flüchtlinge unnötig Schmerzen erleiden, Krankheiten verschlimmern sich, auch Todesfälle sind dokumentiert. Selbst manche Gerichte decken solche Verstöße gegen die Menschenwürde. 19 Es gibt aber auch positive Beispiele: In Berlin sind seit Ende 2010 Krankenscheine quartalsweise vorab auszugeben. 20 Bremen und Hamburg geben aufgrund von Verträgen nach 264 Abs. 1 SGB V mit der AOK an AsylbLG-Berechtigte auch den ersten vier Jahren Krankenversichertenkarten nach 4 und 6 AsylbLG aus - und sparen damit viel Geld, denn unnötige Doppeltbehandlungen bei Erste-Hilfe- Stellen und die Verschleppung von Krankheiten wird vermieden. 21 Behandlung chronischer Krankheiten nach dem AsylbLG Nur bei einer Krankheit, bei der keine der beiden Voraussetzungen des 4 Abs. 1 AsylbLG gegeben ist, die also weder akut bzw. akut behandlungsbedürftig noch schmerzhaft ist, darf der Behandlungsanspruch gegenüber dem sonst üblichen Umfang überhaupt eingeschränkt werden. Nur in solchen Fällen reduziert sich der Anspruch auf Leistungen, die "zur Sicherung der Gesundheit unerlässlich" sind ( 6 AsylbLG). Die Behandlung einer chronischen Krankheit dürfte im Regelfall "zur Sicherung der Gesundheit unerlässlich" sein, womit dann ein Anspruch auf Behandlung nach 6 AsylbLG besteht. Eine Behandlung ist "zur Sicherung der Gesundheit unerlässlich", wenn bei Nichtbehandlung eine wesentliche Verschlechterung des Gesundheitszustandes, Folgeerkrankungen oder dauerhafte (nicht wieder gutzumachende) gesundheitliche Beeinträchtigungen drohen. Zu den medizinischen Leistungen nach 6 AsylbLG können beispielsweise auch ambulante Psychotherapien 22 einschl. der in diesem Zusammenhang notwendigen Fahrt- und/oder Dolmetscherkosten oder die Unterbringung in einer Behinderteneinrichtung 23 gehören. Auch die Hilfsmittelversorgung ist, soweit sie nicht bereits nach 4 im Rahmen der Behandlung von Schmerzen bzw. akuter Krankheit erforderlich ist, nach 6 zu leisten, z.b. Rollstühle, Prothesen, Brillen, Hörgeräte etc. Mobilität, Sehen, Hören, Sprechen sind menschliche Grundbedürfnisse. Der Menschenwürdegrundsatz gebietet es, diese Bedürfnisse im Rahmen des medizinisch möglichen auch für Leistungsberechtigte nach dem AsylbLG sicherzustellen. Zu beachten sind der Auslegung des eingeschränkten Leistungsumfangs nach 4 und 6 AsylbLG die Regeln der ärztlichen Ethik sowie die von Verfassung wegen gebotenen, auch für Ausländer geltenden Grundsätze der Menschenwürde und des Rechts auf Leben und auf körperliche Unversehrtheit (Artikel 1 und 2 Grundgesetz). Der Behandlungsumfang ist damit in fast allen Fällen identisch mit dem Behandlungsanspruch Deutscher. Einschränkungen sind im Ergebnis vor allem beim Zahnersatz in den ersten drei Jahren des Leistungsbezugs möglich - wobei allerdings auch hier regelmäßig das medizinisch Unaufschiebbare geleistet werden muss. Nach vier Jahren AsylbLG: Leistungen der gesetzlichen Krankenversicherung möglich Asylbewerber erhalten nach mindestens vier Jahren Bezugs von Leistungen nach AsylbLG gemäß 2 AsylbLG Leistungen zum Lebensunterhalt und zur medizinischen Versorgung, deren Umfang und Höhe der Sozialhilfe für Deutsche entspricht. Geduldete können nach vier Jahren ebenfalls die besseren Leistungen nach 2 AsylbLG beanspruchen, allerdings nicht in jedem Fall: Wenn sie zu irgendeinem Zeit- 19 Vgl. Classen, Das AsylbLG und das Grundrecht auf ein menschenwürdiges Existenzminimum, Stellungnahme zur Anhörung im Bundestagsausschuss für Arbeit und Soziales am , Kapitel 6, 20 Schreiben StS Fritsch an Sozialämter, Krankenscheine zum Quartalsbeginn auszugeben, um zeitnahe Versorgung spontan auftretender Erkrankungen sicherzustellen, 21 Bremer Modell Krankenversichertenkarten nach 4 und 6 AsylbLG, 22 OVG Lüneburg 4 M 3551/99 v , VG Berlin 8 A 366/97 vom , IBIS e.v.: C1347; VG Braunschweig 3 B 67/00 v , Asylmagazin 7-8/2000, 62, 23 VG Freiburg 5 K 1594/98 v , VG Hildesheim 3 B 1553/97 Hi v ; ZfF 2000, 16,15 punkt ihre Aufenthaltsdauer rechtsmissbräuchlich selbst beeinflusst haben, erhalten sie und ihre Kinder dauerhaft nur Leistungen nach 4/6 AsylbLG. 24 Leistungsberechtigte nach 2 AsylbLG und nach SGB XII erhalten gemäß 264 SGB V Chipkarten und Leistungen einer gesetzlichen Krankenversicherung ihrer Wahl. Damit besteht Anspruch auf Krankenbehandlung wie für deutsche gesetzlich Krankenversicherte, so dass beispielsweise auch Einschränkungen beim Zahnersatz unzulässig sind. Zuzahlungen und Eigenleistungen 25 Leistungsberechtigte nach 2 AsylbLG oder nach SGB XII, die gemäß 264 SGB V Leistungen einer gesetzlich Krankenversicherung erhalten, müssen - ebenso wie Sozialhilfeberechtigte, die reguläre Mitglieder einer gesetzlichen Krankenkasse sind - Zuzahlungen (10.- bei Arzt, Apotheke, Krankenhaus etc.) in Höhe von bis zu 2 % des Sozialhilferegelsatzes im Jahr leisten. Seit beträgt die 2 % Obergrenze für Alleinstehende und Haushaltsgemeinschaften gleichermaßen 89,76 (374,- Regelleistung x 12 Monate x 2 %). Ist der Betrag erreicht, muss die Kasse für den Rest des Jahres einen Befreiungsausweis ausstellen und evtl. geleistete Überzahlungen erstatten. Gravierender als die Zuzahlungen ist die Tatsache, dass viele Leistungen (nichtverschreibungspflichtige Medikamente, Fahrtkosten zu ambulanter Behandlung, Brillen für Erwachsene u.a.) seit der "Gesundheitsreform" 2004 weder von der Krankenversicherung noch vom Sozialamt übernommen werden sollen. Der Patient soll diese Kosten im Normalfall als Eigenleistungen aus seinem Sozialhilfe- bzw. Alg 2- Regelsatz bezahlen. Daraus können sich verfassungsrechtlich problematische Lücken in der Gesundheitsversorgung ergeben. Handelt es sich um einen fortlaufenden unabweisbaren Bedarf, kann dieser als Mehrbedarf nach 21 Abs. 6 SGB II bzw. 27a Abs. 4 SGB XII übernommen werden. Ein erheblicher einmaliger unabweisbarer Bedarf kann ggf. nach 73 SGB XII beim Sozialamt beantragt werden. Anders ist die Situation bei der Krankenhilfe nach 4 und 6 AsylbLG, bei der zwar der Behandlungsumfang selbst in problematischer Weise eingeschränkt ist, aber mangels rechtlicher Grundlage im AsylbLG auch keine Zuzahlungen oder Eigenleistungen verlangt werden dürfen! Sofern ein Anspruch auf Behandlung der Krankheit nach 4 oder 6 AsylbLG besteht, sind beispielsweise auch im Zusammenhang mit der Behandlung notwendige nichtverschreibungspflichtige Medikamente und medizinisch notwendige Fahrtkosten zur ambulanten Behandlung als Leistung nach AsylbLG zu übernehmen. Ärztliche Begutachtung und Abschiebeschutz Sowohl zur Durchsetzung eines Anspruchs auf Krankenbehandlung nach dem AsylbLG oder SGB XII als auch zur Geltendmachung eines vorübergehenden oder auch dauerhaften Abschiebungshindernisses nach dem Aufenthaltsgesetz ( 25 III - V, 60 AufenthG, vgl. auch die Beispiele in der u.g. Rechtsprechungsübersicht) kann eine qualifizierte fachärztliche Begutachtung erforderlich sein. Diese sollte - je nach Zweck der Begutachtung - für einen medizinischen Laien (der beim Sozialamt, Ausländerbehörde, Verwaltungsgericht tätig) verständlich formuliert folgende Angaben enthalten Darstellung von Vorbefunden und eigener Befunderhebung, vor allem bei psychiatrischer Begutachtung: wurde ein Dolmetscher hinzugezogen und wenn ja wer?, Diagnose, Entstehung, bisherige Behandlung, langfristige Prognose, mögliche Komplikationen, Schwere der Erkrankung, konkrete physische und psychische Krankheitsfolgen für den Patienten, Definition aller voraussichtlich erforderlichen Maßnahmen zur medizinischen Versorgung (Art und Häufigkeit der notwendigen Behandlungen, Kontrolluntersuchungen und dazu ggf. nötige technische Einrichtungen, Medikamente, Hilfsmittel, Angewiesensein auf fremde Hilfe im Alltag, Notwendigkeit einer besonderen Ernährung, zu vermeidende Belastungen etc., ggf. Kosten der Medikamente in Deutschland in ) ggf. Prognose im Falle ganz oder teilweise unterbliebener Behandlung (für Ansprüche nach AsylbLG/SGB XII), ggf. Aussage was in diesem Fall normalerweise von der gesetzlichen Krankenkasse geleistet würde ggf. Reisefähigkeit (Flugtauglichkeit etc.) 24 Vgl. dazu Classen, Eckpunkte zu 2 AsylbLG, 25 Zur Problematik der seit 2004 verlangten Zuzahlungen und Eigenleistungen ( 61, 62 SGB V; 38 BSHG, 48 SGB XII) siehe ausführlich Classen, Die Gesundheitsreform und die medizinische Versorgung von Sozialhilfeberechtigten und Flüchtlingen,16 ggf. Prognose im Falle ganz oder teilweise fehlender unterbliebener Behandlung, Medikamenteneinnahme, Kontrolluntersuchungen usw. ggf. Prognose bei psychischer Erkrankung für den Fall einer Abschiebung ins Herkunftsland, ob (insbesondere im Falle einer posttraumatischen Belastungsstörung) die Abschiebung als solche (zwangsweise Rückkehr an den Ort den traumaauslösenden Ereignisses) trotz ggf. vorhandener Reisefähigkeit in der Folge zu einer ggf. lebensbedrohlichen Retraumatisierung führt 26 auf Aussagen zu den medizinischen Umständen und Standards im Herkunftsland sollte verzichtet werden, da sonst das Gutachten insgesamt unglaubwürdig wird! (Ausnahme: der Gutachter kenn die aktuellen Verhältnisse im Herkunftsland nachweislich aus persönlicher medizinischer Expertise vor Ort!) Für die Feststellung eines Abschiebehindernisses ist das Vorhandensein der benötigten medizinischen Versorgung im Herkunftsland zu prüfen, sowie die konkrete Zugänglichkeit dieser Leistungen für den Rückkehrer (Frage der Zugänglichkeit für Personen mit normalem/geringem Einkommen, z.b. über kostenlose staatliche Angebote oder ein für den Rückkehrer zugängliches Krankenversicherungssystem etc., ggf. Zugänglichkeit in einer bestimmten Region bzw. für eine bestimmte ethnische Gruppe etc.). Diese Fragen sind von hier tätigen Ärzten im Regelfall nicht zu beurteilen! Behörden und Gerichte ziehen hierzu die jeweiligen Lageberichte des Auswärtigen Amtes heran. Darüber hinausgehende Einschätzungen sind ggf. über Berichte und Stellungnahmen einschlägige in den Herkunftsländern tätige Fachleute bzw. Organisationen in Erfahrung zu bringen (Recherche unter Ein weiteres Problem ist - vor allem bei hier geborenen Kindern und Personen mit langjährigem Aufenthalt in Deutschland - fehlende Immunabwehr gegen im Herkunftsland verbreitete, für Personen ohne entsprechende Immunabwehr lebensbedrohliche Krankheiten (z.b. Malaria). Hier wäre ggf. zu prüfen, ob gegen diese Krankheiten durch Impfungen der erforderliche Schutz erreicht werden kann, und deshalb - vor einer Abschiebung - zunächst diese Impfungen durchzuführen sind (vgl. 4 Abs. 3 AsylbLG, sowie die Empfehlungen der Impfkommission STIKO unter In manchen Fällen - z.b. Malaria - gibt es keinen wirksamen Impfschutz, so dass eine Prognose anzustellen ist, mit welcher Wahrscheinlichkeit es durch die fehlende Immunabwehr zu einer lebensbedrohlichen Situation kommt. Forderungen Leistungsberechtigten nach AsylbLG müssen wie gesetzlich Versicherten Versichertenkarten vorab zur Verfügung gestellt werden (Bremer Modell) 27 Hilfsweise sind auch ohne Vorliegen einer konkreten Erkrankung Krankenscheine quartalsweise vorab zur Verfügung zu stellen. Hierdurch werden unnötige Verzögerungen von Krankenbehandlungen und die weit überdurchschnittliche (und kostenträchtige) Inanspruchnahme von ärztlichen Notdiensten und Krankenhäusern durch AsylbLG-Berechtigte vermieden. Sozialamtssachbearbeiter sind regelmäßig nicht in der Lage, über einen Krankenbehandlungsbedarf zu entscheiden, dies können auch Ärzte erst nach (gründlicher) Untersuchung und Stellung der Diagnose, bereits hierzu sind aber Krankenscheine unerlässlich. Krankenscheine dürfen keine (in der Praxis regelmäßig missverständliche, weil juristisch auslegungsbedürftige) einschränkende Kennzeichnungen des Behandlungsumfangs enthalten. Der Behandlungsumfang nach AsylbLG muss gesetzlich klargestellt werden, anstelle der bisherigen (missverständlichen) Formulierungen soll ein Verweis auf das SGB V erfolgen. 26 vgl zur Traumabegutachtung Lindstedt, BAFl-Asylpraxis Bd. 7, S. 97, ;Treiber, ZAR 2002, 282 ff.; Wenk-Ansohn u.a. in BAFl-Einzelentscheiderbrief 8-9/2002, S. 3, - Anforderungen an Gutachten ; Ganten-Lange u. a., best-practice-empfehlungen, Standards für ärztliche/psychotherapeutische Stellungnahmen bei traumatisierten Flüchtlingen, IBIS M4948, Projektgruppe 'Standards zur Begutachtung psychotraumatisierter Menschen - SPBM, IBIS M1863, 27 Bremer Modell Krankenversichertenkarten nach 4 und 6 AsylbLG,17 Leistungsberechtigte nach AsylbLG und SGB XII sowie Strafgefangene sind in gleicher Weise wie ArbeitnehmerInnen, Studierende, RentnerInnen und Arbeitslose in die Pflichtversicherung der GKV nach 5 SGB V hilfsweise nach 264 Abs. 2 SGB V einzubeziehen. Die freiwillige Inanspruchnahme von Vorsorgeuntersuchungen und Impfungen ist - auch im Hinblick auf die Situation in den Herkunftsländern - durch Ausgabe von Krankenscheinen und umfassende Information der Leistungsberechtigten entsprechend 4 Abs. 3 AsylbLG sicherzustellen. Bei der Behandlung aller Leistungsberechtigten nach AsylbLG und nach SGB XII einschl. Vorsorgeuntersuchungen und Impfungen ist die freie Arztwahl sicherzustellen, dies gilt auch für Diagnosestellung und Feststellung des Behandlungsbedarfs. Der Behandlungsumfang nach SGB V, SGB XII und AsylbLG muss auch die notwendigen Dolmetscherkosten beinhalten (vgl. BVerwG, NJW 1996, 3092, das für 37 BSHG den Anspruch bestätigt hat). Selbstverständnis und gesetzlicher Auftrag der öffentlichen Gesundheitsdienste sind zu überprüfen. Flächendeckend sind kostenlose und gesichert anonyme Behandlungsmöglichkeiten für Kranke in akuten Notsituationen (Obdachlose, Prostituierte, Drogenabhängige, illegalisierte Ausländerinnen etc.) unabhängig von Einkommensnachweis, Wohnsitz, Aufenthalts- und Versichertenstatus anzubieten. Die Inanspruchnahme notwendiger medizinischer Hilfe darf keinesfalls zu ausländerrechtlichen Sanktionen (Meldung an die Ausländerbehörde, Abschiebehaft, Ausweisung oder Abschiebung) führen. Die Übermittlung von Daten an die Ausländerbehörde im Zusammenhang mit der Inanspruchnahme medizinischer Versorgung ist daher gesetzlich zu verbieten. Literatur Behrensen, B., Groß, V., Auf dem Weg in ein "normales Leben"? Eine Analyse der gesundheitlichen Situation von Asylsuchenden in der Region Osnabrück Classen, G., Das AsylbLG und das Grundrecht auf ein menschenwürdiges Existenzminimum, Stellungnahme zur Anhörung im Bundestagsausschuss für Arbeit und Soziales am , Classen, G. Sozialleistungen für MigrantInnen und Flüchtlinge, Handbuch für die Praxis, 2008, download Volltext Classen, G. Die Gesundheitsreform und die medizinische Versorgung von Sozialhilfeberechtigten und Flüchtlingen, in Barwig/Davy, Auf dem Weg zur Rechtsgleichheit?, Baden-Baden 2004, 233 ff. Aktualisierte Fassung unter Frings, D. Sozialleistungen für Unionsbürger/innen nach der VO 883/2004, März 2012, Veröffentlichung vorgesehen in Barwig, Hohenheimer Tage zum Ausländerrecht 2012, Baden-Baden 2012 Gierlichs, H., Begutachtung psychotraumatisierter Flüchtlinge: Konflikt mit ärztlich-ethischen Belangen, Deutsches Ärzteblatt v , Seite A Gierlichs, H., Leitfaden für Traumagutachten, Januar Gierlichs, H. u.a, Grenzen und Möglichkeiten klinischer Gutachten im Ausländerrecht, ZAR 2005, 158 Ganten-Lange, C. u.a, best practice Empfehlungen - Standards für ärztliche/psychotherapeutische Stellungnahmen bei traumatisierten Flüchtlingen, Gesundheitsamt Bremen, Das Bremer Modell - Gesundheitsversorgung Asylsuchender, Bericht 08/2011 Groß, Jessica, Medizinische Versorgung von Menschen ohne legalen Aufenthaltsstatus, Berlin 2005, Hohm, K., Gemeinschaftskommentar zum AsylbLG, Loseblatt, Luchterhand18 Jakober, H., Zur ausländerrechtlichen Beurteilung medizinisch-psychologischer Begutachtungen traumatisierter Ausländer, ZAR 2005, 152 Lehmann, J., Ärztliche Hilfe für "Illegale": eine Straftat nach dem Aufenthaltsgesetz? ZAR 2008, 24 Müller, Doreen, Recht auf Gesundheit? Medizinische Versorgung illegalisierter MigrantInnen zwischen exklusiven Staatsbürgerrechten und universellen Menschenrechten, Zeitschrift des Flüchtlingsrates Niedersachsen, Sonderheft 101, September 2004, 6 zzgl. Versand, Neumann, V., Das medizinische Existenzminimum, NZS 2006, 393 Robert-Koch-Institut, Stellungnahme zu den gesundheitlichen Risiken für HIV-positive MigrantInnen bei Ausreise in afrikanische Länder, März 2003, Schwarz, K. Erstattung von Behandlungskosten nach der Eilfallregelung des 25 SGB XII, Das Krankenhaus (Fachzeitschrift) 11/2009, 1022 UNHCR Berlin, August 2003, Verpflichtung zur Registrierung von neugeborenen Kindern Asylsuchender und Flüchtlinge, ZAR 2003, 333 Materialien unter Adressbuch Flüchtlingsberatung Berlin Anträge auf Leistungen nach AsylbLG, SGB II und SGB XII, SGB V: Formularanträge auf Leistungen, Mehrbedarf, Unterkunft, Krankenhilfe, Kleidung, Schwangerschaftsbedarf, Fahrtkosten u.a.; Leistungen der Krankenkasse Bremer Modell Krankenversichertenkarten nach 4 AsylbLG, Chipkarten für alle Asylbewerber, Vertrag nach 264 Abs. 1 SGB V mit AOK Bremen, ebenso in Hamburg ab Juli Classen, G. Krankenhilfe nach 4 und 6 Asylbewerberleistungsgesetz. Umfang der Krankenhilfe nach AsylbLG; Zuständigkeit; Krankenhilfe für MigrantInnen ohne Aufenthaltsstatus (=dieser Text!) Classen, G. Psychotherapie für Flüchtlinge, Finanzierung ambulanter Psychotherapien für Flüchtlinge einschl. Fahrt- und Dolmetscherkosten nach AsylbLG, SGB V, SGB XII, SGB VIII, OEG, Februar 2011, pdf Classen, G. Rechtsprechungsübersicht zum Flüchtlingssozialrecht Classen, G. Sozialleistungen für MigrantInnen nach SGB II, SGB XII und AsylbLG, Flüchtlingsrat Berlin: Medizin in der Abschiebungshaft - Alternativen zum Polizeiärztlichen Dienst, Mai 2010, Kath. Forum Illegalität zu Strafbarkeit, Schweigepflicht und Datenschutz bei der med. Versorgung "Illegaler": VwV AufenthG, ärztliche Schweigepflicht und Verbot der Datenweitergabe, keine Strafbarkeit wegen Beihilfe zu unerlaubtem Aufenthalt, Okt SenSoz Berlin: AsylbLG-Krankenscheine quartalsweise vorab, Schreiben v an Sozialämter Sen Soz Berlin, Erstattung von Krankenhausbehandlung in Notfällen nach 25 SGB XII. Hinweise und Antragsformulare. März 2011, SenSoz Berlin und SenGes Berlin Rundschreiben an Krankenhäuser und Sozialämter zur med. Versorgung "illegal" aufhältiger Ausländer: Verbot der Datenübermittlung nach VwV AufenthG bei der Notfallbehandlung, Dez Sen Ges Berlin und Sen Inn Berlin: Duldung, Geburtsurkunden, Behördenzuständigkeit für Schwangere ohne legalen Aufenthalt drei Monate vor und nach der Geburt. Februar19 Rechtsvorschriften zur Existenzsicherung und Krankenbehandlung Zusammenstellung: Georg Classen, Mai 2012 SGB II - Grundsicherung für Arbeitsuchende... 1 SGB XII - Sozialhilfe... 1 AsylbLG - Asylbewerberleistungsgesetz... 2 FreizügG/EU- Gesetz über die allgemeine Freizügigkeit von Unionsbürgern... 3 Mitgliedschaft bei der GKV... 4 Zuzahlungen nach SGB V... 6 Umgang der GKV mit Beitragsschulden... 7 Pfichtversicherung für bisher nicht Versicherte bei der PKV... 8 Gesetzliche Unfallversicherung - SGB VII OEG - Gewaltopferentschädigung Schwerbehindertenrecht - SGB IX SGB II - Grundsicherung für Arbeitsuchende 7 - Leistungsberechtigte (1) Leistungen nach diesem Buch erhalten Personen, die 1. das 15. Lebensjahr vollendet und die Altersgrenze nach 7a noch nicht erreicht haben, 2. erwerbsfähig sind, 3. hilfebedürftig sind und 4. ihren gewöhnlichen Aufenthalt in der Bundesrepublik Deutschland haben, (erwerbsfähige Leistungsberechtigte). Ausgenommen sind 1. Ausländerinnen und Ausländer, die weder in der Bundesrepublik Deutschland Arbeitnehmerinnen, Arbeitnehmer oder Selbstständige noch aufgrund des 2 Abs. 3 des FreizügG/EU freizügigkeitsberechtigt sind, und ihre Familienangehörigen für die ersten drei Monate ihres Aufenthalts, 2. Ausländerinnen und Ausländer, deren Aufenthaltsrecht sich allein aus dem Zweck der Arbeitsuche ergibt, und ihre Familienangehörigen, 3. Leistungsberechtigte nach 1 des AsylbLG. 8 - Erwerbsfähigkeit (1) Erwerbsfähig ist, wer nicht wegen Krankheit oder Behinderung auf absehbare Zeit außerstande ist, unter den üblichen Bedingungen des allgemeinen Arbeitsmarktes mindestens drei Stunden täglich erwerbstätig zu sein. (2) Im Sinne von Absatz 1 können Ausländer nur erwerbstätig sein, wenn ihnen die Aufnahme einer Beschäftigung erlaubt ist oder erlaubt werden könnte. Die rechtliche Möglichkeit, eine Beschäftigung vorbehaltlich einer Zustimmung nach 39 AufenthG aufzunehmen, ist ausreichend. SGB XII - Sozialhilfe 23 SGB XII - Sozialhilfe für Ausländerinnen und Ausländer (1) Ausländern, die sich im Inland tatsächlich aufhalten, ist Hilfe zum Lebensunterhalt, Hilfe bei Krankheit, Hilfe bei Schwangerschaft und Mutterschaft sowie Hilfe zur Pflege nach diesem Buch zu leisten.... Im Übrigen kann Sozialhilfe geleistet werden, soweit dies im Einzelfall gerechtfertigt ist20 (2) Leistungsberechtigte nach 1 des AsylbLG erhalten keine Leistungen der Sozialhilfe. (3) Ausländer, die eingereist sind, um Sozialhilfe zu erlangen, oder deren Aufenthaltsrecht sich allein aus dem Zweck der Arbeitsuche ergibt, sowie ihre Familienangehörigen haben keinen Anspruch auf Sozialhilfe. Sind sie zum Zweck einer Behandlung oder Linderung einer Krankheit eingereist, soll Hilfe bei Krankheit insoweit nur zur Behebung eines akut lebensbedrohlichen Zustandes oder für eine unaufschiebbare und unabweisbar gebotene Behandlung einer schweren oder ansteckenden Erkrankung geleistet werden. 21 SGB XII - Sonderregelung für Leistungsberechtigte nach dem Zweiten Buch Personen, die nach dem SGB II als Erwerbsfähige oder als Angehörige dem Grunde nach leistungsberechtigt sind, erhalten keine Leistungen für den Lebensunterhalt Erstattung von Aufwendungen Anderer Hat jemand in einem Eilfall einem Anderen Leistungen erbracht, die bei rechtzeitigem Einsetzen von Sozialhilfe nicht zu erbringen gewesen wären, sind ihm die Aufwendungen in gebotenem Umfang zu erstatten, wenn er sie nicht auf Grund rechtlicher oder sittlicher Pflicht selbst zu tragen hat. Dies gilt nur, wenn die Erstattung innerhalb angemessener Frist beim zuständigen Träger der Sozialhilfe beantragt wird Hilfe bei Krankheit Um eine Krankheit zu erkennen, zu heilen, ihre Verschlimmerung zu verhüten oder Krankheitsbeschwerden zu lindern, werden Leistungen zur Krankenbehandlung entsprechend dem Dritten Kapitel Fünften Abschnitt Ersten Titel SGB V erbracht. Die Regelungen zur Krankenbehandlung nach 264 SGB V gehen den Leistungen der Hilfe bei Krankheit nach Satz 1 vor. 50 Hilfe bei Schwangerschaft und Mutterschaft Bei Schwangerschaft und Mutterschaft werden 1. ärztliche Behandlung und Betreuung sowie Hebammenhilfe, 2. Versorgung mit Arznei-, Verband- und Heilmitteln, 3. Pflege in einer stationären Einrichtung und 4. häusliche Pflegeleistungen nach 65 Abs. 1 geleistet. 52 Leistungserbringung, Vergütung (1) Die Hilfen nach den 47 bis 51 entsprechen den Leistungen der gesetzlichen Krankenversicherung.... AsylbLG - Asylbewerberleistungsgesetz 1 Leistungsberechtigte (1) Leistungsberechtigt... sind Ausländer, die sich tatsächlich im Bundesgebiet aufhalten und die 1. eine Aufenthaltsgestattung nach dem AsylVfG besitzen, 4. eine Duldung nach 60 a des AufenthG besitzen, 5. vollziehbar ausreisepflichtig sind, Mehr anzeigen
Kreisverband Aurich e.v. Bernd Tobiassen Projekt Förderung der beruflichen Eingliederungschancen von MigrantInnen im ländlichen Raum Große Mühlenwallstr. 32, 26603 Aurich Tel. 04941/604888 Fax 04941/604889 Mehr Sozialrechtliche Bedingungen für Ausländer mit Niederlassungserlaubnis
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