Source: https://www.rechtslupe.de/familienrecht/unterbringung-durch-den-betreuer-zur-vermeidung-der-selbstschaedigung-3106830?pk_campaign=feed&pk_kwd=unterbringung-durch-den-betreuer-zur-vermeidung-der-selbstschaedigung
Timestamp: 2017-02-27 18:07:53
Document Index: 241660680

Matched Legal Cases: ['§ 1906', '§ 1906', 'BGH', '§ 321', '§ 1906', 'BGH']

Unterbringung durch den Betreuer – zur Vermeidung der Selbstschädigung | Rechtslupe
Rechtslupe » Familienrecht » Unterbringung durch den Betreuer – zur Vermeidung der Selbstschädigung
Unterbringung durch den Betreuer – zur Vermeidung der Selbstschädigung	15. März 2016 | FamilienrechtGeschätzte Lesezeit: 1 Minuten	Gemäß § 1906 Abs. 1 Nr. 1 BGB ist eine Unterbringung des Betreuten durch den Betreuer, die mit Freiheitsentziehung verbunden ist, nur zulässig, so lange sie zum Wohl des Betreuten erforderlich ist, weil aufgrund einer psychischen Krankheit oder geistigen oder seelischen Behinderung des Betreuten die Gefahr besteht, dass er sich selbst tötet oder erheblichen gesundheitlichen Schaden zufügt.
Alkoholismus für sich gesehen ist keine psychische Krankheit bzw. geistige oder seelische Behinderung im Sinne von § 1906 Abs. 1 Nr. 1 BGB, so dass allein darauf die Genehmigung der Unterbringung nicht gestützt werden darf.
Ebenso wenig vermag die bloße Rückfallgefahr eine Anordnung der zivilrechtlichen Unterbringung zu rechtfertigen. Etwas anderes gilt, wenn der Alkoholismus entweder im ursächlichen Zusammenhang mit einem geistigen Gebrechen, insbesondere einer psychischen Erkrankung, steht oder ein auf den Alkoholmissbrauch zurückzuführender Zustand eingetreten ist, der das Ausmaß eines geistigen Gebrechens erreicht hat.
Die Grundrechte eines psychisch Kranken schließen einen staatlichen Eingriff nicht aus, der ausschließlich den Zweck verfolgt, ihn vor sich selbst in Schutz zu nehmen und ihn zu seinem eigenen Wohl in einer geschlossenen Anstalt unterzubringen.
Die zivilrechtliche Unterbringung ist wie das Betreuungsrecht insgesamt ein Institut des Erwachsenenschutzes als Ausdruck der staatlichen Wohlfahrtspflege, deren Anlass und Grundlage das öffentliche Interesse an der Fürsorge für den schutzbedürftigen Einzelnen ist. Deshalb kann die geschlossene Unterbringung zur Vermeidung einer erheblichen Selbstgefährdung auch dann genehmigt werden, wenn eine gezielte Therapiemöglichkeit nicht besteht.
Zwar steht es nach der Verfassung in der Regel jedermann frei, Hilfe zurückzuweisen, sofern dadurch nicht Rechtsgüter anderer oder der Allgemeinheit in Mitleidenschaft gezogen werden.
Das Gewicht, das dem Freiheitsanspruch gegenüber dem Gemeinwohl zukommt, darf aber nicht losgelöst von den tatsächlichen Möglichkeiten des Betroffenen bestimmt werden, sich frei zu entschließen. Mithin setzt eine Unterbringung zur Verhinderung einer Selbstschädigung infolge einer psychischen Erkrankung voraus, dass der Betroffene aufgrund der Krankheit seinen Willen nicht frei bestimmen kann1.
Bundesgerichtshof, Beschluss vom 3. Februar 2016 – XII ZB 317/15
BGH, Beschluss vom 25.03.2015 XII ZA 12/15 FamRZ 2015, 1017 Rn. 7 ff.↩
Weitere Informationen:Unterbringung bei Alkoholabhängigkeit – und der freieUnterbringung eines Alkoholikers – zum Schutz vor…Unterbringung – und die fehlende Krankheitseinsicht…Genehmigung einer Unterbringung eines Betreuten entgegen demUnterbringung – und ihre DauerGeschlossene Unterbringung wegen Selbstgefährdung?	Weiterlesen auf der Rechtslupe:
Themenseiten zu diesem Artikel: Alkoholismus, Betreuer, Betreuung, Selbstgefährdung, Selbstschädigung, Unterbringung	Weitere Beiträge aus diesem Rechtsgebiet: Familienrecht
Leser dieses Artikels lasen auch:Ruhendstellung einer Kontenpfändung – gegen den… Die Ruhendstellung einer Kontenpfändung gegen den Willen des Drittschuldners ist unzulässig. Die Rechtsordnung sieht eine hoheitliche Anordnung des Inhalts, dass ein durch gerichtlichen Pfändungs- und…Unterbringung – und ihre Dauer Die Prognose, welche Dauer für die Unterbringung erforderlich ist, ist regelmäßig auf Grundlage des einzuholenden Sachverständigengutachtens vorzunehmen (vgl. § 321 Abs. 1 Satz 3 FamFG).…Geschlossene Unterbringung wegen Selbstgefährdung? Zur Feststellung, für einen Betreuten bestehe aufgrund seiner psychischen Krankheit die Gefahr, dass er sich selbst tötet oder erheblichen gesundheitlichen Schaden zufügt, genügt nicht die…Unterbringung zur Zwangsbehandlung Eine Unterbringung des Betreuten durch den Betreuer gemäß § 1906 BGB Abs. 1 Nr. 2 zwecks Heilbehandlung bzw. zwecks ärztlichen Eingriffs, die mit Freiheitsentziehung verbunden…Unterbringung eines Alkoholikers – zum Schutz vor… Mit den Voraussetzungen der zivilrechtlichen Unterbringung zum Schutz vor Selbstgefährdung bei einem alkoholkranken Betroffenen hatte sich jetzt erneut ((im Anschluss an BGH, Beschluss vom 17.08.2011…