Source: https://www.icon.at/de/publikationen/news/news/detail/2015-11-03-bilanzierung-erhoehte-schwellenwerte-nach-dem-raeg-2014/
Timestamp: 2019-11-17 17:59:08
Document Index: 313528582

Matched Legal Cases: ['§ 221', '§ 221', '§ 268', '§ 221', '§ 221', '§ 189', '§ 232']

BILANZIERUNG| Erhöhte Schwellenwerte nach dem RÄG 2014 - ICON Wirtschaftstreuhand GmbH
BILANZIERUNG| Erhöhte Schwellenwerte nach dem RÄG 2014
Mit unserer Artikelserie informieren wir Sie bereits seit Herbst 2014 laufend über die bevorstehenden Neuerungen durch das Rechnungslegungs-Änderungsgesetz 2014. Der nachfolgende Beitrag soll einen Überblick über die geänderten Schwellenwerte nach dem RÄG 2014 sowie deren Auswirkungen bzw zeitliche Anwendung geben.
Wie bereits berichtet, wurden im Zuge des RÄG 2014 die Größenklassen des § 221 UGB mit den „Kleinstkapitalgesellschaften“ (sog. „Mikros“) um eine weitere Kategorie erweitert und die Schwellenwerte der §§ 221 (für den Einzelabschluss) und 246 UGB (für den Konzernabschluss) zudem einer Inflationsanpassung unterzogen (vgl dazu bereits unseren NL-Beitrag „BILANZIERUNG | Größenklassen und Prüfungspflicht nach dem RÄG 2014“ vom 9.5.2015).
Die Größenklassen werden in der folgenden Tabelle (zum Vergrößern bitte das Bild einfach anklicken) gegenüber gestellt:
Eine gesetzliche Prüfungspflicht für den Jahresabschluss und Lagebericht besteht gemäß § 268 UGB auch weiterhin für mittelgroße und große Kapitalgesellschaften sowie für kleine Aktiengesellschaften. Ausgenommen sind kleine Gesellschaften mit beschränkter Haftung, sofern diese nicht auf Grund gesetzlicher Vorschriften einen Aufsichtsrat haben müssen. Hat die gesetzlich angeordnete Abschlussprüfung nicht stattgefunden, so kann der Jahresabschluss nicht festgestellt werden bzw wäre dieser nichtig.
Zu beachten ist die sog „Holdingausnahme“: Aktiengesellschaften, die Mutterunternehmen sind, müssen die Schwellenwerte auf konsolidierter oder aggregierter Basis berechnen (§ 221 Abs 4a UGB). Dies hat zur Folge, dass zur Bestimmung der Größenklasse für das Mutterunternehmen auch die Werte der Tochterunternehmen - unabhängig davon, ob sich deren Sitz im In- oder Ausland befindet - heranzuziehen sind. Befinden sich große oder mittelgroße Tochterunternehmen im Konzernkreis, dann sind die Bestimmungen in Abhängigkeit der Größenklasse des größten Tochterunternehmens anzuwenden. Dies betrifft vor allem den Umfang der Anhangangaben. Es soll damit vermieden werden, dass Holdinggesellschaften die Erleichterungen für kleine Kapitalgesellschaften in Anspruch nehmen können.
Die Kategorie von sog. „Kleinstkapitalgesellschaften“ wird neu eingeführt. Es sind dies kleine Kapitalgesellschaften, die keine Investmentunternehmen oder Beteiligungsgesellschaften sind und mindestens zwei der drei oben angeführten Merkmale nicht überschreiten. Solche Kleinstkapitalgesellschaften sind von der Erstellung eines Anhangs befreit und die Zwangsstrafen für nicht zeitgerechte Veröffentlichung des Jahresabschlusses im Firmenbuch werden auf die Hälfte reduziert.
Nach dem Wortlaut des § 221 Abs 4 Z 2 UGB aF treten bei Neu- und Umgründungen die Rechtsfolgen erst ab dem folgenden Geschäftsjahr nach einer Neu- bzw Umgründung ein. Der einjährige Übergangszeitraum entfällt in Hinkunft bzw ändert sich die Größenklasse bereits mit dem ersten Abschlussstichtag nach der Neu- bzw Umgründung. Dies wirkt sich folglich auch auf die Prüfungspflicht bzw deren Wegfall aus.
Neu eingeführt wurde mit dem RÄG 2014 auch ein eigener Paragraph § 189a UGB für Begriffsdefinitionen. Der Begriff der „Umsatzerlöse“ wird darin wie folgt definiert: Umsatzerlöse sind die Beträge, die sich aus dem Verkauf von Produkten und der Erbringung von Dienstleistungen nach Abzug von Erlösschmälerungen und der Umsatzsteuer sowie von sonstigen direkt mit dem Umsatz verbundenen Steuern ergeben. Bis dato war die Definition der Umsatzerlöse in § 232 Abs 1 UGB aF enthalten und wird diese Bestimmung mit dem RÄG 2014 entfallen. Bisher waren als Umsatzerlöse die für die gewöhnliche Geschäftstätigkeit des Unternehmens typischen Erlöse … auszuweisen. Dadurch werden nach RÄG 2014 mehr Einnahmen als bisher unter den Umsatzerlösen dargestellt.
Das Rechnungslegungs-Änderungsgesetz 2014 (RÄG 2014 - BGBl I 22/2015 vom 13.1.2015) ist erstmalig für Geschäftsjahre anzuwenden, die nach dem 31.12.2015 beginnen (dh für Geschäftsjahre 2016 bzw 2016/17). Dies gilt auch für die obigen Änderungen im Bereich der Größenklassen, jedoch ist die Einordnung in die neuen Größenklassen insoweit „rückwirkend“ vorzunehmen, als für den Abschluss 2016 als Vergleichsjahre die Jahre 2015 und 2014 heranzuziehen sind. Grundsätzlich ist somit davon auszugehen, dass bereits ab 2016 ein größere Anzahl von Unternehmen die Erleichterungen für kleine Gesellschaften beanspruchen kann, jedoch darf nicht außer Acht gelassen werden, dass dieser Effekt durch die Neudefinition der Umsatzerlöse (siehe oben) zum Teil wieder kompensiert wird.
Wir werden Sie im Laufe dieses Jahres gerne noch mit weiteren Beiträgen zu ausgewählten Themenbereichen bei Ihrer zeitgerechten Vorbereitung auf die neuen Bilanzierungsregeln unterstützen.
Weiters möchten wir Sie an dieser Stelle auch bereits auf unsere nächsten Seminare im Rahmen der ICON TAX ACADEMY am Donnerstag, 10.9.2015, in Leoben zum Thema „Update Rechnungslegung und UGB-Reform“ sowie am Mittwoch, 28.10.2015, in Linz zum Thema „Das Rechnungslegungs-Änderungsgesetz 2014 in der Praxis“ hinweisen, in deren Mittelpunkt ebenfalls die bevorstehenden Änderungen der Rechnungslegungsvorschriften stehen werden.
Für Fragen stehen Ihnen die Verfasserin und gerne auch die übrigen MitarbeiterInnen unseres Bilanzierungs- und WP-Teams zur Verfügung!