Source: http://vho.org/D/dam/M4IIB3.html
Timestamp: 2018-02-23 05:59:22
Document Index: 339663521

Matched Legal Cases: ['§ 72', '§ 249', '§ 249', '§ 249', '§ 93', '§ 86', '§ 86']

Die gegen die Angeklagten des Auschwitz-Prozesses erhobenen Vorwürfe waren recht unterschiedlicher Art. Neben Mißhandlungen wurden einigen von ihnen Morde an einzelnen oder kleineren Gruppen von Häftlingen vorgeworfen, wozu beispielsweise auch die Teilnahme an Exekutionen auf Grund von Standgerichtsurteilen gehörte. Der Hauptvorwurf gegen fast alle Angeklagten bestand jedoch darin, in irgendeiner Weise bei den angeblichen Massenvergasungen von Juden mitgewirkt zu haben. Bei den meisten von ihnen erschöpfte sich dieser Vorwurf in der Behauptung, sie hätten sich an sog. "Selektionen" beteiligt, deren alleiniger Zweck die Aussonderung der Gaskammeropfer gewesen sei. Einige wurden auch beschuldigt, die zur "Vergasung" bestimmten Häftlinge zu den Gaskammern geführt oder sogar das Einwerfen von Zyklon B in die Gaskammern überwacht zu haben [115].
Es drängt sich in diesem Zusammenhang wieder einmal der Vergleich mit den Nürnberger Schauprozessen der Alliierten auf. Damals galt der Grundsatz, daß "allgemein bekannte Tatsachen" keines Beweises bedürften, sondern vom Gericht "von Amts wegen zur Kenntnis zu nehw men" seient [116]. Diese Devise galt offensichtlich auch im Auschwitz-Prozeß. Denn selbstverständlich waren auch die legendären "Gaskammern" von Auschwitz auf Grund der an der zionistisch-bolschewistischen Greuelpropaganda ausgerichteten Umerziehung "allgemein bekannt" und zur "geschichtlichen Tatsache" gemacht worden. Auch die Richter im Auschwitz-Prozeß hatten sie also gewissermaßen "von Amts wegen" zur Kenntnis zu nehmen, wollten sie sich nicht selbst schwersten Nachteilen und Angriffen aussetzen. So beschränkte sich also die Beweisaufnahme insoweit darauf, in der Regel für sich allein wertneutrale d. h. auf kein Verbrechen hindeutende -- Handlungen der Angeklagten festzustellen, die ihr Gewicht nur dadurch erhielten, daß sie durch stillschweigende oder ausdrückliche Übereinstimmung der Prozeßbeteiligten zum wesentlichen Bestandteil imaginärer "Verbrechen" gemacht wurden. Die "Verbrechen" selbst wurden dagegen nicht oder nur unvollkommen unter Beweis gestellt.
Sachverständige sind Beweismittel im Sinne der Strafprozeßordnung (vgl. §§ 72ff. StPO). Nach Langbeins Darstellung wurden im Auschwitz-Prozeß insgesamt 12 Sachverständigengutachten erstattet [117]. Zum Teil betrafen diese Gutachten Einzelfragen, die für unsere Untersuchung unwichtig sind. Als wichtigste Gutachten werden allgemein die der zeitgeschichtlichen Sachverständigen angesehen. Sie wurden vom Institut für Zeitgeschichte nach Abschluß des Prozesses unter dem Titel "Anatomie des SS-Staates" (2 Bände) veröffentlicht. Diese Dokumentation enthält die folgenden Gutachten:
Dr. Hans Buchheim, "Die SS - das Herrschaftsinstrument" und "Befehl und Gehorsam";
Laternser zufolge erstattete Dr. Broszat außerdem noch ein Gutachten über "NS-Polenpolitik", das in der Dokumentation des Instituts für Zeitgeschichte nicht enthalten ist [118].
Schon an den Themen der Gutachten ist abzulesen, daß sie mit dem eigentlichen Gegenstand des Auschwitz-Prozesses und den angeblichen Taten der Angeklagten im allgemeinen recht wenig oder sogar überhaupt nichts zu tun hatten. Dieser Eindruck wird bestätigt, wenn man die Gutachten näher studiert. Vor allem die angeblichen "Gaskammern" von Auschwitz-Birkenau -- das Kernstück der Legende -- werden nur in dem insgesamt 165 Druckseiten langen Gutachten von Krausnick auf nicht ganz 4 Seiten ausführlicher behandelt. Der Gutachter stützte sich dabei im wesentlichen auf die Krakauer Höß-Aufzeichnungen, die wir insoweit bereits als völlig unzuverlässig und offensichtlich gefälscht erkannten (vgl. oben Seiten 253ff). Laternser spricht deshalb völlig zu Recht von "Gutachten im luftleeren Raum" und "in Bezug auf das Prozeßgeschehen sachverständige Freiübungen" [119]. Das Gericht aber hat zweifellos, als es sich diese Gutachten erstatten ließ, die Aufgabe des Sachverständigen in einem Strafprozeß verkannt.
Sachverständige sind nach deutschem Prozeßrecht Gehilfen des Richters, die lediglich die Aufgabe haben, diesem die besonderen Fachkenntnisse zu vermitteln, über die er selbst nicht verfügt, die aber für die richterliche Entscheidung unbedingt notwendig sind. Es kann sich dabei um technische, medizinische oder andere Sachfragen handeln, die sich im Verlauf des Verfahrens als für die Urteilsfindung unentbehrlich herausschälen. Sie müssen also in enger Beziehung zu dem konkreten Sachverhalt, der den Gegenstand des Verfahrens bildet, oder zur Person des Angeklagten stehen. Die an den Sachverständigen zu richtenden Fragen werden daher auch normalerweise vom Gericht eng umschrieben und meist auf bestimmte Punkte hin genau fixiert. "Allgemeinbildende Vorlesungen" über einen zum Gegenstand des strafrechtlichen Vorwurfs nicht in unmittelbarer Beziehung stehenden Sachkomplex -- wie die oben erwähnten Prozeßgutachten im Auschwitz-Prozeß -- verfehlen den prozessualen Zweck und sind daher abwegig. Das würde jedenfalls gelten, wenn dieser Prozeß wirklich nur ein normaler Strafprozeß gewesen wäre. Gerade das sollte er nach den Zielsetzungen seiner Urheber -- wie wir schon sahen- ja aber nicht sein. So wird die Zulassung dieser Gutachten durch das Gericht nur dann verständlich, wenn man den Schauprozeßcharakter dieses Verfahrens, seine "gesellschaftspädagogische Bedeutung" (Naumann) in Rechnung stellt, der das Gericht auch und vor allem durch die Beweisaufnahme ersichtlich Genüge tun wollte. So gesehen waren die Gutachten eine Art von Unterricht zur Zeitgeschichte aus erwünschter Sicht für Publikum und Presse, vielleicht auch für die Geschworenen und andere Prozeßbeteiligte, deren Anschauungen noch nicht allzu gefestigt erschienen.
Hätte das Gericht allerdings diese und andere Fragen durch qualifizierte Sachverständige beantworten lassen, so wären aller Voraussicht nach viele Behauptungen der Anklage ebenso in sich zusammengefallen wie die meisten "Augenzeugen" der angeblichen Judenvernichtung als Lügner entlarvt worden wären. Die "Schau" wäre in diesem Fall nicht mehr gelaufen! Das Gericht konnte sich solche ketzerischen Fragen kaum leisten und die Sachverständigen stellten sie von sich aus ebenfalk nicht. Die Aufrechterhaltung der Vernichtungslegende war schließlich ihr Broterwerb [120].
Wissenschaftliche Vertreter der Gegenposition wurden als Gutachte in diesem Verfahren selbstverständlich nicht herangezogen. Ein Mann wie der französische Historiker Prof. Paul Rassinier, der sich als ehemaliger Häftling der KL Buchenwald und Dora große Verdienste um die Aufhellung des tatsächlichen Geschehens in den KL erworben hatte. wurde im Auschwitz-Prozeß nicht einmal als Prozeßbeobachter zugelassen. Man fürchtete wohl seinen scharfen Verstand nicht minder wie seine spitze Feder [121].
Dabei hätte eigentlich nichts näher gelegen, als gerade ihn, der sich damals schon mehr als ein Jahrzehnt hindurch intensiv mit KL-Fragen wissenschaftlich befaßt hatte, ebenfalls als Gutachter heranzuziehen, Soweit es überhaupt auf zeitgeschichtliche Aspekte ankam. Man kann diese offensichtliche und besonders weitgehende Ausschaltung von Sachverständigen, deren Gegenposition zur offiziellen Lehrmeinung bekannt war, einmal mehr als Indiz dafür nehmen, daß das Vernichtungsdogma in diesem Prozeß ein Tabu war, an dem nicht gerührt werden durfte. Das Gericht machte hiervon keine Ausnahme.
Zusammenfassend kann festgestellt werden, daß die Sachverständigen im Auschwitz-Prozeß weitgehend unter dem Gesichtspunkt ausgewählt worden waren, dem Prozeß den "richtigen" zeitgeschichthchen Hintergrund für die beabsichtigte "Schau" zu liefern. Das Gericht setzte dem nicht nur keinen Widerstand entgegen, sondern förderte dieses Bestreben sogar. Die sehr umfangreichen Gutachten der zeitgeschichtlichen Sachverständigen des im Dienste der "Umerziehung"" stehenden Insituts für Zeitgeschichte dienten in keiner Weise Beweiszwecken, weil sie entweder überhaupt beweisunerheblich waren oder "Tatsachen" mit durchaus unzureichender Begründung bestätigten, von denen alle Prozeßbeteiligten -- vor allem auch das Gericht -- ohnehin als gegeben ausgingen [122]. Auf diese Weise wurde der Sachverständigenbeweis zu einem schauprozessualen Requisit herabgewürdigt.
Der Urkundenbeweis ist im allgemeinen das sicherste und zuverlässigste Beweismittel, soweit eine Urkunde zutreffende Aussagen über einen bestimmten Sachverhalt enthält und ihre Authentizität unzweifelhaft ist. Die Beweisführung erfolgt bei Schriftdokumenten durch Verlesung der Urkunde (§ 249 StPO). In strafprozessualer Hinsicht fallen unter den Begriff der Urkunde aber alle Sachen, die einen Gedanken zum Ausdruck bringen, gleichviel aus welchem Stoff sie bestehen oder in welcher Form oder mit welchem Mittel der Gedanke erkennbar gemacht ist[123]. Im Auschwitz-Prozeß spielten nur Schriftdokumente eine Rolle. Sie gingen nicht über das hinaus, was wir im Rahmen dieser Untersuchung Schon kennengelernt haben, lieferten also ebenfalls keinen Beweis dafür, daß es in Auschwitz "Gaskammern" und "Vergasungen" gab. Es öhnt sich nicht, sie hier einer nochmaligen Betrachtung zu unterziehen. Nur einige ergänzende Bemerkungen sind erforderlich.
Wenn Langbein in seiner Prozeßdokumentation schreibt, im Auschwitz-Prozeß sei "eine Fülle von Dokumenten" verlesen worden [124], so soll damit zweifellos der Eindruck erweckt werden, daß die Auschwitzlegende durch diesen Prozeß auch dokumentarisch- also in besonders zuverlässiger Form -- bestätigt worden sei. Davon kann indessen überhaupt keine Rede sein. Soweit Langbeins Bemerkung nicht schon quantitativ weit übertrieben ist, muß jedenfalls darauf hingewiesen werden daß der überwiegende Teil der zur Verlesung gekommenen Dokumente bezüglich der Gaskammerfrage nur zweitrangige Bedeutung hatte, d. h. allenfalls mittelbar damit in Zusammenhang zu bringen war. Auch hat Langbein in seine Behauptung vermutlich die sehr zahlreichen Vernehmungsprotokolle abwesender oder verstorbener Zeugen einbegriffen. Die Verlesung derartiger Protokolle ersetzt unter bestimmten Bedingungen die persönliche Vernehmung der betreffenden Zeugen in der Hauptverhandlung, die die Regel ist. Sie beweist aber nur, daß ein bestimmter Zeuge über einen Sachverhalt eine bestimmte Aussage gemacht hat, nicht dagegen die Richtigkeit des von ihm bekundeten Sachverhalts. Solche Urkunden beweisen also die vom Zeugen behaupteten Tatsachen ebensowenig wie jede andere Zeugenaussage schon aus sich heraus. Tatsächlich ist ihr Beweiswert sogar noch geringer als der der unmittelbaren Zeugenaussage in der Hauptverhandlung, weil der für die Glaubwürdigkeit der Aussage sehr wesentliche persönliche Eindruck von dem Zeugen fehlt.
In besonderem Maße gilt das vorstehend Gesagte für die vom Gericht angeordnete Verlesung von Vernehmungsprotokollen aus dem 1946 von der britischen Besatzungsmacht durchgeführten Belsen-Prozeß. Es handelte sich um die Aussagen des ehemaligen Birkenau-Kommandanten Josef Kramer sowie der Auschwitz-Ärzte Dr. Klein und Dr. Entreß [125]. Es ist fast unglaublich, aber wiederum kennzeichnend für den Auschwitz-Prozeß, daß ein deutsches Gericht noch im Jahre 1964 Vernehmungsprotokolle aus Militärgerichtsverfahren einer Besatzungsmacht als Beweismittel heranzog, obwohl doch kein Zweifel mehr daran bestehen konnte, daß die Angeklagten jener Verfahren weitgehend inhumanen und rechtlich fragwürdigen Behandlungsmethoden ausgesetzt waren. Soweit sie "Vergasungen" in Auschwitz bestätigten. waren ihre Aussagen erpreßt oder gefälscht. Keinesfalls können sie nach den ganzen Umständen, unter denen jene Prozesse stattfanden, als beweiskräftig angesehen werden [126]. Diese Art der "Beweiserhebung" hatte wieder einmal nichts mit Rechts- oder Wahrheitsfindung zu tun. Sie war nur in einem Schauprozeß möglich.--
Größte Bedeutung wurde dem sog. Broad-Bericht (vgl. oben Seiten 189ff, 212ff), der vollständig zur Verlesung kam [127], und den Krakauer Aufzeichnungen von Rudolf Höß (vgl. oben Seiten 253 ff), die auszugsweise Gegenstand des Urkundenbeweises waren [128], beigemessen. Von beiden Urkunden standen dem Gericht nur Fotokopien zur Verfugung Wenn auch der Urkundenbeweis mit Hilfe von Fotokopien geführt werden kann [129], so muß es bei der Fragwürdigkeit gerade dieser beiden Dokumente doch befremden, daß das Gericht sich in diesem Fall mit Fotokopien und einigen zusätzlichen Erklärungen zufrieden gab. Wie wir schon sahen, handelte es sich bei der Fotokopie des Broad-Berichts sogar nur um die Fotokopie einer Abschrift des handschriftlichen Originalberichts von Broad, deren Übereinstimmung mit dem Original nur durch höchst fragwürdige Zeugenaussagen "erhärtet" werden konnte (vgl. oben Seiten 213f) [130]. Hinsichtlich der Hößaufzeichnungen begnügte sich das Gericht damit, daß der Sachverständige Dr. Broszat "glaubhaft versicherte", die von ihm vorgelegten Fotokopien stimmten mit den in Polen unter Verschluß gehaltenen "Originalen" überein [131]. Darüber, ob die "Originalaufzeichnungen" echt waren, machte sich das Gericht offenbar überhaupt keine Gedanken [132]. Gerade hieran ist deutlich erkennbar, daß die Kernfrage des ganzen Prozesses nämlich die angeblichen "Gaskammern" von Auschwitz -- in Wirklichkeit gar nicht Gegenstand der Beweiserhebung war, sondern -- wie bereits festgestellt wurde -- von vornherein als "geschichtliche Tatsache" hingenommen wurde. Andernfalls hätte man sich vor allem über die Echtheit der Höß-Aufzeichnungen Gedanken machen müssen, soweit sie für die Beurteilung dieser Frage von Bedeutung sein konnten. Ihr übriger Inhalt war im Rahmen des Prozesses unerheblich.
Die Verlesung dieser beiden "Dokumente", die über die Beteiligung der einzelnen Angeklagten an den angeblichen Judenmorden nichts aussagten, konnte mithin nur den Sinn haben, mit Hilfe entsprechender Presseberichte darüber Emotionen zu schüren und so in der Öffentlichkeit die Vorstellung von Auschwitz als dem größten "Vernichtungslager" noch zu verstärken. Sie waren also nicht eigentlich Beweismittel, Sondern vielmehr ebenfalls schauprozessuale Demonstrationsmittel. Es ist bei Schauprozessen jeder Art nicht ungewöhnlich, daß in dieser oder ähnlicher Weise für die "Lehre", die durch sie erteilt werden soll "Stimmung gemacht" wird. Ein Gericht, das sich nur der Wahrheit und dem Recht verpflichtet fühlte, hätte diese nach Herkunft und Inhalt äußerst obskuren "Beweisurkunden" zumindest kritisch betrachtet. Das Auschwitz-Gericht stellte nicht einmal ihre formale Echtheit in Frage. --
Als "Augenschein" wird jede Art von Beweisaufnahme bezeichnet. die nicht als Zeugen-, Sachverständigen- oder Urkundenbeweis oder wie die Vernehmung des Beschuldigten gesetzlich besonders geregelt ist [133]. Hierzu gehören vor allem die Besichtigung des Tatorts, der Tatwerkzeuge oder anderer mit der Tat zusammenhängender Gegenstände. aber auch das Abhören von Tonbändern oder die Überprüfung von Lichtbildern, Ortsskizzen und ähnlichen Unterlagen über den Täter oder den Tathergang. Soweit damit der Täter zuverlässig identifiziert bzw. der Tathergang zweifelsfrei rekonstruiert werden kann, was selbstverständlich die Authentizität oder die Originalität der jeweiliger, Augenscheinsobjekte voraussetzt, steht dieses Beweismittel in seiner Bedeutung dem Urkundenbeweis nicht nach.
Im Auschwitz-Prozeß beantragte der Nebenklagevertreter Rechtsanwalt Henry Ormond am 8. Juni 1964, dem 53. Verhandlungstag, die "Besichtigung des Tatortes Auschwitz" mit der Begründung, daß noch so gute Skizzen und Schaubilder nicht den persönlichen Eindruck von dem "Vernichtungslager" ersetzen könnten [134]. Hiermit spielte er offenbar auf die im Gerichtssaal ausgehängten Lagerpläne und das Abbild des Modells einer "Gaskammer" an, die das polnische Auschwitz-Museum für den Prozeß zur Verfügung gestellt hatte.
Die Einnahme des Augenscheins als Beweismittel kann aus prozessualen Gründen nur durch das vollbesetzte Gericht unter Teilnahme aller übrigen Prozeßbeteiligten erfolgen [135]. Hiergegen hatte das Schwurgericht offenbar gewisse Bedenken. Am 22. Oktober 1964 wurde jedenfalis der Beschluß des Gerichts verkündet, daß nur ein Mitglied de Richterkollegiums, Amtsgerichtsrat Hotz, im ehemaligen KL Auschwitv eine Ortsbesichtigung vornehmen solle, falls das durch staatliche Vcreinbarungen zwischen Bonn und Warschau ermöglicht werde. Diese Ortsbesichtigung fand in der Zeit vom 14. bis 16. Dezember 1964 statt. Den übrigen Prozeßbeteiligten war die Teilnahme daran freigestellt worden; lediglich den 14 in Untersuchungshaft befindlichen Angeklagten wurde die Erlaubnis zur Reise nach Auschwitz von vornherein verweigert. Außer Amtsgerichtsrat Hotz nahmen alle vier Staatsanwälte sowie die drei Nebenklagevertreter daran teil. Dagegen fuhren nur 13 Verteidiger -- also nicht einmal die Hälfte der Verteidiger -- und von den sechs auf freiem Fuß befindlichen Angeklagten nur ein einziger -- Dr Lucas -- mit nach Auschwitz. Rechtsanwalt Laternser hatte sich von Anfang an sehr energisch gegen die beantragte Ortsbesichtigung ausgesprochen und gewichtige Bedenken dagegen geltend gemacht. In seiner Stellungnahme vom 22. Juni 1964 wies er darauf hin, daß nach Ablauf von 20 Jahren nicht allein "die naturgemäßen Veränderungen ein völlig anderes Bild" ergeben müßten, sondern daß der zu besichtigende Ort auch "musealen Zwecken gewidmet" worden sei, die "umfangreiche Wiederinstandsetzungen" und "tendenziöse Verdeutlichungen" voraussetzten [136]..
Indessen war das Ergebnis der Ortsbesichtigung anscheinend so unbedeutendb daß es den finanziellen Aufwand für die Reise kaum gelohnt haben dürfte. Jedenfalls lassen die Urteilsgründe nicht erkennen, daß dle Ortsbesichtigung für die Urteilsfindung unumgänglich war, was sie allein hätte rechtfertigen können. Allerdings wurde der Angeklagte Breitwieser im wesentlichen unter Hinweis auf das Ergebnis der Ortsbesichtigung freigesprochen, weil der einzige Belastungszeuge dieses Angeklagten dadurch widerlegt wurde. Dieser wollte nämlich den Angeklagten bei einer im sog. Bunker vorgenommenen "Vergasung" von aftlingen beobachtet haben. Bei der Ortsbesichtigung wurde jedoch festgestelltu daß der Zeuge von seinem angegebenen Standort aus den Angeklagten gar nicht hätte sehen können, weil zwischen diesem Standort und dem "Bunker" ein die Sicht versperrendes weiteres Gebäude lag. Gab es dieses Gebäude aber damals wirklich schon? Dem Zeugen hätte freilich bereits deshalb nicht geglaubt werden dürfen. weil er den Angeklagten Breitwieser aus einer Entfernung von 70 bis 80 Metern zur Nachtzeit (!) an der angegebenen Stelle erkannt zu haben behauptete [137].
Immerhin gab der Ortstermin den mitreisenden Journalisten reichlich Gelegenheit, durch gefühlvoll-dramatische Berichte den Schaueffekt des Prozesses nochmals in seinen Wirkungen zu steigern. Die Auslassungen von Bernd Naumann, die auch in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung erschienen, sind nur ein Beispiel hierfür [138]. Und Langbein, der den "Lokalaugenschein" als "wichtiges Ereignis im Prozeßverlauf" hezeichnet, meint hierzu [139]:
Von ähnlicher Fragwürdigkeit wie die Ortsbesichtigung waren übrigens die bereits erwähnten, zum Zwecke des Augenscheins im Gerichtssaal ausgehängten Schaubilder. Die Frage. ob die Lagerpläne authentisch waren oder nach welchen Unterlagen das Gaskammermodell angefertigt worden war, wurde offenbar ebenfalls von niemandem gestellt. Die Herkunft dieser Augenscheinsobjekte aus dem polnischen Auschwitz-Museum ersetzte vermutlich den Echtheitsbeweis, obwohl daraus eher das Gegenteil hätte gefolgert werden müssen. Bezeichnend ist, daß das Gericht und seine Helfer -- wie Langbein mit törichter Genugtuung feststellt -- auf den Lagerplänen besser "zu Hause waren", als manche Zeugen, die Auschwitz als Häftlinge kennen gelernt hatten. Zur Erläuterung des Gaskammer-Modells stand dem Gericht nur ein einziger Zeuge zur Verfügungl [140]. Selbstverständlich bestätigte er die Richtigkeeit der Darstellung; denn dazu hatte man ihn ja aus Polen nach Frankfurt zitiert. Langbein glaubt seine "Bedeutung" noch mit folgendem Satz unterstreichen zu müssen:
Wie wir sahen, stand bei den bisher behandelten Beweismitteln der politische Demonstrationseffekte auf den es den Drahtziehern des Verfahrens entscheidend ankam. im Vordergrund. Zur Belastung oder Entlastung der einzelnen Angeklagten trugen sie kaum etwas bei. Insoweit kam es also im wesentlichen auf die Zeugenaussagen an, die indessen in diesem Verfahren noch weit problematischer waren. als das ohnehin schon in jedem Strafprozeß der Fall ist. Das Schwurgericht selbst beklagte in seinem Urteil die durchaus unzureichenden Erkenntnismöglichkeiten, indem es ausführte [141]:
Die Vernehmung der insgesamt 409 Zeugen nahm mehr als ein volles Jahr in Anspruch. 248 von ihnen waren ehemalige Auschwitzhäftlinge, 91 hatten der SS angehört und 70 gehörten keiner dieser beiden Gruppen an [142]. Selbstverständlich handelte es sich ganz überwiegend um Belastungszeugen; sie kamen sogar teilweise aus den Reihen der ehemaligen SS [143]. Entlastungszeugen waren von der Verteidigung- ähnlich wie in den Nürnberger Prozessen -- nur unter größten Schwierigkeiten aufzutreiben. Waren solche Zeugen in den Ostblockländern ansässig, so erhielten sie in der Regel nicht die Ausreisegenehmigung, da die Justizbehörden dieser Länder - wie Laternser in einigen Fällen nachweisen konnte- sich die Entscheidung über ihre Unentbehrlichkeit im Prozeß durch das deutsche Gericht nicht aus der Hand nehmen ließen [144]. Konnten solche Zeugen aber doch ausreisen oder wurden sie in ihren Heimatländern vernommen, so konnte man sicher sein, daß sie inzwischen zu Belastungszeugen "umgedreht" worden waren [145]. Deutsche Entlastungszeugen waren in ihren Aussagen naturgemäß äußerst zurückhaltend.
In diesem Zusammenhang soll uns nicht nochmals das bereits behandelte Problem der Zuverlässigkeit des Zeugenbeweises an sich beschäftigen (vgl. Drittes Kapitel, I; oben Seiten 143f). Es sei nur wiederholt, daß der Zeugenbeweis im allgemeinen das unzuverlässigste Beweismittel ist. Gerade deshalb bedarf jede Zeugenaussage grundsätzlich der Überprüfung anhand sicher bekannter Umstände. Das Auschwitz-Gericht aber hatte hierzu -- wie es selbst zugab -- kaum die Möglichkeit. Die Aussagen ausländischer Belastungszeugen wagte es anscheinend ohnehin nicht in Frage zu stellen. Laternser bemerkt hierzu [146]:
"Sie (die Zeugen) erschienen vor Gericht, machten ihre Angaben -- deren Zustandekommen nicht nachprüfbar war -- und reisten wieder ab. Für ihre Aussagen trugen sie keinerlei praktische Verantwortung. Ein solches Verantwortungtragen-Müssen ist aber ein sehr wichtiger Faktor für die Beurteilung einer Aussage. Bei einer Reihe von Zeugen ergab sich nach der Meinung der Verteidigunt der Eindruck, daß sie davon ausgingen, es komme bei diesen Angeklagten -- diesen ›Bestien in Menschengestalt‹, wie sie in einem großen Teil der Presse genannt wurden -- auf die Aussagen im einzelnen gar nicht mehr so genau an.
Welche Mühe und welches Maß von Aufklärung wird in normalen Strafprozessen aufgewendet, um die Richtigkeit einer Aussage und ihr Werden nachzuprüfen! In dieser Richtung hat sich während des Auschwitzverfahrens nur die Verteidigung betätigt,... Es schien so, als ob die anderen Prozeßbeteiligten die Aussagen ausländischer Zeugen jeweils so hinnehmen wollten, wie sie gemacht worden waren. Und es entstand der Eindruck, die Staatsanwaltschaft wolle es auf alle Fälle verhindern, daß ausländische Zeugen einer genauen und ins einzelne gehenden Befragung ausgesetzt werden. Die Nebenklagevertreter vertraten die Interessen dieser Zeugen in ganz besonderem Maße. Leider gab das Schwurgericht der überwiegenden Zahl der Einsprüche sowohl der Staatsanwaltschaft als auch der Nebenklagevertreter gegenüber Fragen der Verteidigung statt. Auf diese Weise waren die meisten Versuche der Verteidigung zur Erfolgslosigkeit verurteilt "
Indessen galt das nicht immer nur für die ausländischen Zeugen. Auch inländischen Zeugen wurde nicht weiter "auf den Zahn gefühlt", wenn sie mit ihrer Aussage "richtig" lagen. Im umgekehrten Fall konnte es allerdings vorkommen, daß der Zeuge im Gerichtssaal verhaftet wurde [147], was ausländischen Zeugen selbst bei erwiesenen Falschaussagen nicht passieren konnte. Das Gericht freilich versuchte in seinen Urteilsgründen diesen Eindruck dadurch zu verwischen, daß es die oben zitierte Passage über die Unzulänglichkeit seiner Erkenntnismöglichkeiten wie folgt fortsetzte:
Zunächst sei hier nochmals der Zeuge Dr. Morgen erwähnt, mit dessen Person wir uns bereits im Rahmen des IMT-Prozesses beschäftigten. Er bekundete folgendes über einen "Ende 1943 oder Anfang 1944" stattgefundenen Besuch im "Vernichtungslager Birkenau" [148]:
Wir erinnern uns, daß Morgen im, IMT-Prozeß Monowitz als das "Vernichtungslager" bezeichnet hatte (vgl. oben Seite 173f). Inzwischen hatte er sich offensichtlich der gängigen Version angepaßt, was dem Gericht jedoch keinen Anlaß gab, seine Glaubwürdigkeit in Frage zu stellen. Doch auch im übrigen trägt seine Aussage den Stempel der Lüge. Denn daß Tausende von Menschen innerhalb einer Nacht so restlos vernichtet werden können, daß "nicht einmal ein Stäubchen auf den Ofenarmaturen" mehr davon Kunde gibt, ist schlechthin unmöglich.
Morgens Aussagen standen übrigens in keinerlei Zusammenhang mit irgendwelchen Handlungen der Angeklagten [149]. Er belastete keinen der Angeklagten direkt. Somit erscheint die Vermutung nicht unbegründet daß seine Ladung nur im Interesse des Schauprozeßcharakters erfolgte der diesem Prozeß zugedacht war.
Ein weiterer Zeuge, dessen Unglaubwürdigkeit sozusagen offenkundig ist, wenn man sich nur ein wenig mit der einschlägigen Literatur über Auschwitz befaßt hat, war der aus England angereiste Dr. Rudolf Vrba. Hinsichtlich der Person und der angeblichen Erlebnisse dieses Zeugen in Auschwitz sei auf die bisherigen Ausführungen verwiesen (vgl. oben Seiten 123ff, 208ff). Im Auschwitz-Prozeß ließ sich dieser Zeuge -- wenn man den vorliegenden Prozeßdokumentationen insoweit trauen darf auf verfängliche Einzelheiten nicht ein und wurde auch vom Gericht auf die Widersprüche und Ungereimtheiten in seinen früheren schriftlichen Zeugnissen nicht angesprochen. Vrba belastete vor allem den Angeklagten Mulka schwer, der allein auf Grund der Aussage dieses notorischen Lügners wieder in Haft genommen wurde, nachdem ihm erst wenige Monate zuvor in Anbetracht seiner angeschlagenen Gesundheit Haftverschonung gewährt worden war [150]. Auch diesen Erzähler "phantasievoller Geschichten" hielt das Gericht mithin für glaubwürdig. Es mag dahingestellt bleiben, ob die Richter die Glaubwürdigkeit dieses Zeugen nicht anzuzweifeln wagten oder ob sie nur seine literarischen Zeugnisse nicht kannten. Im letzteren Fall wäre ihnen allerdings der Vorwurf zu machen, sich auf diesen Prozeß nicht hinreichend vorbereitet zu haben
Ein besonders schönes Beispiel dafür, daß das Gericht jede auch noch so unsinnige Aussage widerspruchslos entgegennahm und dem betreffenden Zeugen trotzdem glaubte, ist der tschechische Zeuge Filip Müller. Er gehörte seiner Darstellung nach dem Sonderkommando für dic Krematorien an. Vrba behauptet in seinem Buch "Ich kann nicht vergeben", Müller sei in einem der Krematorien als "Heizer" beschäftigt und in der Lage gewesen, anhand des Brennstoffverbrauchs die Zahl der verbrannten Leichen zu errechnen! (aaO. Seiten 200-201) Wunderbarerweise teilte Müller, der -- wiederum nach eigenen Angaben -- seit 1942 beim Sonderkommando für die Krematorien arbeitete, nicht das übliche Schicksal der Angehörigen dieses Kommandos, die der Legende zufolge jeweils im Abstand von 3 bis 4 Monaten aus Geheimhaltungsgründen selbst "vergast und verbrannt" worden sein sollen. Eine überzeugende Erklärung für sein Überleben blieb er schuldig; im übrigen aber war er besonders redselig [151].
Ein Kommentar hierzu erübrigt sich. Man muß sich nur darüber wundern, daß erfahrene Richter sich diesen ganzen -- z.T. physikalisch unmöglichen -- Unsinn überhaupt anhörten, anstatt sofort nach den ersten offensichtlichen Lügen auf die weitere Vernehmung eines solchen "Augenzeugen" zu verzichten. Darüber hinaus stützte das Gericht auf einige Aussagen dieses Mannes sogar die Verurteilung der Angeklagten Stark, Dr. Lucas und Dr. Frank [152]. Obwohl er ersichtlich "zum Erzählen phantasievoller Geschichten" neigte, hatte das Gericht also keine grundsätzlichen Zweifel hinsichtlich seiner Glaubwürdigkeit.
Das Gericht nahm dementsprechend auch in keiner Weise Notiz davon, daß wohl die meisten Zeugen in irgendeiner Hinsicht abhängig und ihre Aussagen weitgehend fremdbestimmt waren. Laternser hat das anhand zahlreicher Beispiele belegt [153]. Seine wohl gravierendste Feststellung ist, daß es sogar "Informationsblätter des Auschwitz-Komitees" gab, die an alle Zeugen zu deren Orientierung versandt wurden. Sie enthielten neben Angaben über die allgemeinen Lagerverhältnisse in Auschwitz und über die angeblichen Verbrechen der einzelnen Angeklagten auch deren Bilder sowie ihre persönlichen Lebensdaten und ihre Sitznummern im Verhandlungsraum [154]. Es ist fast unvorstellbar, paßt jedoch ins Bild eines Schauprozesses, daß das Gericht unter diesen Umständen dem angeblichen Wiedererkennen eines Angeklagten durch ehemalige Häftlinge überhaupt noch irgendeinen Wert beimessen konnte.
Die Tatsache, daß viele Aussagen trotz der weitgehenden "Vorbereitung" der Zeugen höchst widerspruchsvoll waren, soll hier nur am Rande erwähnt werden. Der interessierte Leser mag sich selbst hiervon anhand der vorliegenden Prozeßdokumentationen überzeugen, in dich Allerdings die auffälligsten Widersprüche vermutlich noch nicht einmal aufgenommen wurden. Insoweit ergab der Auschwitz-Prozeß kein anderes Bild, als es uns bereits aus der Literatur über Auschwitz bekannt geworden ist.
Sehr wichtig für die Beantwortung unserer Frage, ob der Auschwitz-Prozeß ein Schauprozeß war, ist jedoch die Feststellung, daß die meisten Zeugen sich nicht darauf beschränkten, zu den gegen die einzelnen Angeklagten erhobenen Vorwürfen etwas auszusagen. Sie ergingen sich vielmehr daneben auch in allgemeinen Schilderungen der Lagerverhältnisse oder eigener angeblicher Erlebnisse, die mit den konkreten Anklagepunkten nur wenig oder nichts zu tun hatten. Auch hier begegnen wir wieder dem beabsichtigten politischen Demonstrationseffekt, der auch in diesem Zusammenhang wieder allein durch den Gerichtsvorsitzenden ermöglicht oder sogar gefördert wurde. Denn er hätte als Verhandlungsleiter derartige Abschweifungen von vornherein unterbinden können und müssen [155].
Daß auch dieser Teil der Beweisaufnahme dem Schauprozeßcharakter des gesamten Verfahrens Rechnung trug, zeigt wohl am eindeutigsten die Tatsache, daß die drei ersten Häftlingszeugen -- wie Langbein mit unverkennbarer Befriedigung vermerkt -- dem Gericht "nur einen allgemeinen Überblick" zu geben hatten. Es handelte sich um die Zeugen Wolken, Lingens-Reiner und den an der Vorbereitung des Auschwitz-Prozesses maßgeblich beteiligten Hermann Langbein selbst. Hierbei konnte z.B. der Zeuge Otto Wolken [156] an zwei vollen Verhandlungstagen (!) dem Gericht neben der Schilderung angeblicher Lagerverhältnisse, die ersichtlich den Charakter von Auschwitz als einem "Vernichtungslager" unterstreichen sollten, eine Aneinanderreihung bekannter und unbekannter, aber in keiner Weise nachprüfbarer Greuelgeschichten bieten, die zu den Vorwürfen gegenüber den einzelnen Angeklagten in keinerlei Beziehung standen. Mit den Zeugen Lingens-Reiner und Langbein verhielt es sich ähnlich. Als der Verteidiger Laternser endlich bei dem "Zeugen" Langbein den vorsichtigen Versuch machte, dessen Aussage auf das für den Prozeß Wesentliche zu beschränken, tat der Gerichtsvorsitzende so, als habe er diese Mahnung nicht verstanden, und ließ den "Zeugen" weiter schwafeln [157].
Ob das durch die Zeugenaussagen vermittelte Auschwitz-Bild auch einmal- wie Langbein meint [158] -- "historisches Gewicht" haben wird und dem "Historiker von morgen Quellenmaterial liefern" kann, muß allerdings schon auf Grund des Bildes, das der seiner Grundeinstellung nach gewiß unverdächtige Verteidiger Laternser von der Handhabung des Zeugenbeweises entworfen hat, bezweifelt werden -- vom Inhalt der meisten Aussagen einmal ganz abgesehen.
Eine jeden Zweifel ausschließende Beschreibung vom Aussehen der "Gaskammern" und von der Durchführung der "Vergasungen" konnte keiner der Zeugen geben. Das ist offenbar selbst dem "Experten" für die Gaskammerlegende Hermann Langbein aufgefallen. Denn er gibt im Hinblick auf die Birkenauer Krematorien zu [159]: "Nur sehr wenig von dem, was sich vor und in diesen größten Gebäuden des Lagers Auschwitz abgespielt hat, können heute Augenzeugen bekunden."
Mit anderen Worten also: Niemand von den Zeugen hatte wirklich umfassenden Einblick in jenen Gebäudekomplex, hinter diesen Mauerl die Judenvernichtung angeblich vor sich gegangen sein soll. Der einzige Zeuge, der das vom Auschwitz-Museum zur Verfügung gestellte Modellbild einer Gaskammer "erläuterte" (vgl. oben Seite 342), ist gewiß kein Gegenbeweis. Langbein gibt bezeichnenderweise weder seinen Namen noch seine berufliche Tätigkeit preis, und Naumann erwähnt ihn überhaupt nicht. Vermutlich handelte es sich um einen Angestellten des Auschwitz-Museums, der auch nur dieses Modell kannte, das unzweifelhaft ein Phantasieprodukt war.
Naumann aaO. Seiten 16-35; Langbein, "Der Auschwitz-Prozeß", Band 1 Seiten 163ff., 213ff., 231ff., 249ff., 258ff.. 367ff., 435ff., 485ff., 509ff.. 543ff., 561ff. und Band 2, Seiten 599ff., 643ff., 689ff., 701 ff., 709ff. 763ff.. 773 ff., 785 ff., 793 ff.
Vgl. Artikel 21 des den Nachkriegsprozessen der Alliierten zugrunde liegenden Londoner Statuts vom 8. August 1945; zitiert z.B. bei Walendy, "Die Methoden der Umerziehung", Seite 10.
Langbein, "Der Auschwitz-Prozeß", Band 1, Seite 43, und Band 2, Seiten 973-975, 980, 986.
Laternser aaO. Seite 83. Auf den Inhalt der Sachverständigengutachten gehen weder Laternser noch Langbein näher ein. Bernd Naumann (aaO. Seiten 156-159) behandelt nur das Gutachten von Dr. Buchheim zur Frage des Befehlsnotstandes.
AaO. Seite 82.
Der amerikanische Historiker David Hoggan behauptet, das Institut werde von Rockefelier unterstützt: "Der Unnötige Krieg", Seite 275. Jedenfalls aber kann kaum ein Zweifel über die völlig einseitige "Ausrichtung" des Instituts für Zeitgeschichte bestehen. Das zeigen nicht nur seine einschlägigen Veröffentlichungen, sondern auch entsprechende Äußerungen von Mitarbeitern des Instituts. Vgl. hierzu Sündermann, "Das Dritte Reich" (erweiterte Auflage 1964), Seite 17. Siehe hierzu auch Walendy, "Methoden der Umerziehung", Seiten 30ff. und Stäglich, "Historiker oder Propagandisten?".
Rassiniers Arbeiten haben insbesondere deshalb Gewicht, weil sich in ihnen wissenschaftliche Redlichkeit mit eigenem KL-Erleben verbinden.
Das gilt z. B. für die Frage, ob es einen Führerbefehl zur Judenvernichtung gab, ebenso wie für die Frage, ob das KL Auschwitz ein speziell für die angebliche Judenvernichtung eingerichtetes Lager war und ob es entsprechende Einrichtungen (Gaskammern) hatte. Die Sachverständigen gingen ohne weiteres hiervon aus, ohne dies durch einwandfreie Quellen belegen zu können. Vgl. hierzu nochmals die allgemeinen Ausführungen zur Fragwürdigkeit der von den sog. Zeitgeschichtlern bisher präsentierten Quellen zur Judenvernichtung (Erstes Kapitel III 2).
Löwe-Rosenberg, Anm. 3 zu § 249 StPO.
"Der Auschwitz-Prozeß", Band 1, Seite 43.
Langbein, "Der Auschwitz-Prozeß", Band 2, Seiten 949 und 983. Hinsichtlich der widerspruchlichen Aussagen Kramers vgl. nochmals Anm. 35 zu Kapitel 3.
Über die brutale Behandlung der gefangenen SS-Leute in Belsen durch die britischen Vernehmer existiert ein sehr anschaulicher Bericht eines britischen Journalisten, der in "Nation Europa", Nr. 5/1968 nachgedruckt wurde. Vgl. auch Heinz Roth, "Was geschah nach 1945?", Teil 2, Seiten 70-71.
Naumann aa O. Seiten 141 ff.; Langbein, "Der Auschwitz-Prozeß", Band l, Seite 537. Vgl. auch Langbein aaO. Band 1, Seiten 87,105f.,120f.,133-135, 139, 146, 229f. und 358f.
Langbein, "Der Auschwitz-Prozeß", Band 2, Seiten 949 und 952.
Löwe-Rosenberg. Anm. 4 zu § 249 StPO.
In den Gründen des Auschwitz-Urteils wird der Zeuge Rothmann, der Langbein zufolge (aaO. S.537) dem Gericht die später verlesene Fotokopie des Broad-Berichts überreichte, nicht erwähnt. Die Verlesung dieses "Dokuments" machte -- wie Langbein versichert (aaO. S.538) -- "einen nachhaltigen Eindruck auf alle". Nichts weiter war wohl auch beabsichtigt, da das "Dokument" konkrete "Verbrechen" der einzelnen Angeklagten nicht zum Gegenstand hatte.
Seite 87 der Gründe des Auschwitz-Urteils. Das vollständige Urteil wurde m. W. bisher nicht veröffentlicht. Eine Abschrift stand mir für einige Tage zur Verfügung.
Selbstverständlich bedeutet die Verlesung einer Urkunde und erst recht nicht der Fotokopie einer Urkunde, daß das Dokument auch echt ist. In jedem normalen Strafprozeß wäre bei derart fragwürdigen Urkunden wie den Höß-Aufzeichnungen ein Schriftsachverständiger hinzugezogen worden, der sich auch kaum mit der Prüfung einer Fotokopie begnügen würde. Nach einer Entscheidung des Oberlandesgerichts Braunschweig stellt ein Sachverständiger seine Sachkunde in Frage, wenn er sich allein auf Fotokopien verläßt, obwohl er die Originalschriften haben könnte (Neue Juristische Wochenschrift 1953, S .1035; Juristen-Zeitung 1953, S .515) . Vgl. auch Löwe-Rosenberg, Anm.5 a zu § 93 StPO.
Löwe-Rosenberg, Anm. 2 zu § 86 StPO.
Naumann aaO. Seite 149; Langbein, "Der Auschwitz-Prozeß", Seite 41.
Löwe-Rosenberg, Anm. 6a zu § 86 StPO.
Naumann aaO. Seiten 149, 184, 186, 208-215; Langbein, "Der Auschwitz-Prozeß", Band 2, Seiten 837ff.; Laternser aaO. Seiten 48-49, 411-413.
Naumann aaO. Seiten 71-72,116,283; Langbein, "Der Auschwitz-Prozeß", Band 2, Seiten 787-789, 791-792, 898.
Naumann aaO. Seiten 210ff., der seiner Darstellung die pathetische Überschrift "Keine Spur mehr von Millionen Füßen" gegeben hat. Darin sollte wohl zugleich ein Hinweis auf die angebliche Opferzahl (2-4 Millionen!) liegen.
"Der Auschwitz-Prozeß", Band 1, Seite 41.
Vgl. hierzu Langbein, "Der Auschwitz-Prozeß", Band 1, Seiten 35-36.
Seite 109 der Urteilsgründe.
Vgl. den bei Langbein ("Der Auschwitz-Prozeß", Band 2, Seiten 937ff.) im einzelnen dargestellten zeitlichen Ablauf des Prozesses. Langbeins Dokumentation enthält 193 Häftlingsaussagen,43 SS-Aussagen und 37 Aussagen von anderen Zeugen, wobei die Auswahl selbstverständlich einseitig im Sinne der Auschwitz-Legende getroffen wurde (aaO. Band 1, Seiten 15, 43-45).
Ein wichtiger SS-Zeuge war z. B. der ehemalige SS-Mann Richard Böck, der zur Fahrbereitschaft des Lagers Auschwitz als Kraftfahrer gehörte. Man zitiert seine zum Teil phantastischen Aussagen verschiedentlich in der einschlägigen Literatur, wobei sich mitunter auch Widersprüche ergeben: vgl. einerseits Kaul, "Ärzte in Auschwitz" (Seite 245) und andererseits Langbein, "Der Auschwitz-Prozeß" (Band 1, Seite 74).
"Die andere Seite im Auschwitz-Prozeß", Seiten 42 43, 111-112.
Diesen Eindruck vermittelt jedenfalls Langbeins Darstellung; vgl. "Der Auschwitz-Prozeß", Band 1, Seiten 42-43.
"Die andere Seite im Auschwitz-Prozeß", Seiten 85-86.
So erging es z. B. dem deutschen Zeugen Walter, ehemaliger SS-Hauptscharführer in Auschwitz; erst nach "Berichtigung" seiner Aussage in der Haft wurde er wieder auf freien Fuß gesetzt. Vgl. Langbein, "Der Auschwitz-Prozeß", Band 1, Seiten 219-223, 314, und Band 2, Seiten 955, 981; Laternser aaO., Seiten 58-59, 110-111.
Zitiert nach Langbein, "Der Auschwitz-Prozeß", Band 1, Seite 144; vgl. auch Naumann aaO. Seite 112.
Morgen berichtete über seine ehemalige Tätigkeit als SS-Richter, vor allem über die von ihm angeblich 1944/45 in Auschwitz durchgeführten Ermittlungen in Korruptionsfällen. Vgl. Langbein, "Der Auschwitz-Prozeß", Band 1, Seiten 143f., 243f., 335f. und Naumann aaO., Seiten 111-113.
Langbein, "Der Auschwitz-Prozeß", Band 1, Seiten 77f.,122-124,198; Naumann aaO. Seite 209.
Vgl. hierzu und zum folgenden Langbein, "Der Auschwitz-Prozeß", Band 1, Seiten 86f., 88-89, 91, 131-133, 424f., 459-463; Band 2, Seiten 499, 549, 569f., 698f.; Naumann aaO. Seiten 181-184.
Seiten 116, 254 und 472 der Gründe des Auschwitz-Urteils. Vgl. auch Langbein, "Der Auschwitz-Prozeß", Band 2, Seiten 884-885, 889 und 893.
"Die andere Seite im Auschwitz-Prozeß", Seiten 85-126.
"Die andere Seite im Auschwitz-Prozeß", Seiten 91-93.
Vgl. hierzu Laternser aaO. Seite 34.
Wolken war ein in Wien approbierter Arzt. Er war seiner Darstellung zufolge nach Auschwitz "als Jude verschleppt" worden (Naumann aaO. Seite 98). Der Österreichische Jurist und Historiker Dr. Scheidl behauptet hingegen, Wolken sei wegen des kriminellen Delikts der Notzucht und der Abtreibung ins KL eingeliefert worden; auch den Doktortitel habe man ihm aus diesem Grunde aberkannt. Vgl. Scheidl, "Geschichte der Verfemung Deutschlands", Band 4, Seiten 168-169 (unter Berufung auf die "Deutsche Wochenzeitung", vom 31.7. 1964, S. 4).
Laternser, "Die andere Seite im Auschwitz-Prozeß", Seite 34. Vgl. zum ganzen auch Naumann aaO. Seiten 98-105, 107-110; ferner Langbein, "Der Auschwitz-Prozeß", Band 1, Seite 39 und Band 2, Seiten 938-939 (zum Inhalt der Aussagen im einzelnen vgl. die im Namensregister aaO. angegebenen Seitenzahlen).
"Der Auschwitz-Prozeß", Band 1, Seiten 10 und 12.