Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Text=WM%201976,%20740
Timestamp: 2020-04-03 08:18:44
Document Index: 340238778

Matched Legal Cases: ['BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 459', '§ 459', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 459', '§ 537', '§ 459', '§ 3', '§ 3', '§ 459', 'BGH', 'BGH', '§ 4', '§ 9', 'BGH', '§ 9', 'BGH', '§ 4']

BGH, 12.05.1976 - VIII ZR 33/74 - dejure.org
https://dejure.org/1976,2148
BGH, 12.05.1976 - VIII ZR 33/74 (https://dejure.org/1976,2148)
BGH, Entscheidung vom 12.05.1976 - VIII ZR 33/74 (https://dejure.org/1976,2148)
BGH, Entscheidung vom 12. Mai 1976 - VIII ZR 33/74 (https://dejure.org/1976,2148)
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Jahrelange Vorbenutzung eines Gebrauchtwagens als Taxi - Aufklärungspflicht
Bedeutung der Klausel "gebraucht, wie besichtigt und unter Ausschluss jeder Gewährleistung" - Abgrenzung zwischen Erteilung eines Rats und Zusicherung einer Eigenschaft - Vorliegen eines Mangels bei Vorbenutzung eines gekauften Pkw als Taxe - Arglistiges Verschweigen der ...
WM 1976, 740
DB 1976, 1475
Dem steht hier nicht entgegen, daß die Vorschriften der §§ 459 ff BGB auch insoweit eine vorgehende Sonderregelung für die Haftung des Verkäufers sind, als es um zusicherungsfähige Eigenschaften der Kaufsache gemäß § 459 Abs. 2 BGB geht, die im Einzelfall nicht zugesichert worden sind (BGHZ 60, 3 [BGH 23.11.1972 - VII ZR 197/71].19, 322 f.; 88, 130, 134; BGH, Urt. v. 12. Mai 1976, VIII ZR 33/74, WM 1976, 740; Senatsurt. v. 10. Juli 1987, V ZR 236/85, NJW-RR 1988, 10 f.; v. 30. März 1990, V ZR 13/89, NJW 1990, 1658 f.;… BGH, Urt. v. 16. Januar 1991, VIII ZR 335/89, Umdruck S. 11; anders noch Senats urteile BGHZ 79, 183, 185 [BGH 19.12.1980 - V ZR 185/79] und v. 30. Oktober 1987, V ZR 144/86, WM 1988, 48, 51).
Es ist allgemein anerkannt, dass nicht nur übermäßiger Verschleiß, sondern schon das Risiko erhöhten Verschleißes durch eine besondere Art der Vornutzung einen Sachmangel begründen kann, so z.B. die längere Verwendung als Taxi oder Fahrschulwagen (vgl. BGH, Urt. v. 12.05.1976, VIII ZR 33/74, MDR 1976, 1012f. = BeckRS 1976 311221;… OLG Köln, Urt. v. 20.11.1998, 19 U 53/98, NZV 1999, 338;… OLG Düsseldorf, Urt. v. 16.10.2009, 22 U 166/08, unveröffentlicht;… Reinking/Eggert, Autokauf, 11. Aufl. 2012, Rn 3207).
Der Bundesgerichtshof, insbesondere auch der erkennende Senat, hat die ständige Rechtsprechung des Reichsgerichts fortgeführt, wonach die Sondervorschriften über die Gewährleistung eine Haftung aus dem Gesichtspunkt des Verschuldens bei Vertragsschluß für fahrlässig unzutreffende Erklärungen des Verkäufers ausschließen, die sich auf Eigenschaften des Liefergegenstandes beziehen (Senatsurteile vom 5. Mai 1959 - VIII ZR 80/58, vom 13./14. Mai 1971 - VIII ZR 142/70 und vom 12. Mai 1976 - VIII ZR 33/74 = WM 1976, 740 mit Abgrenzung zu BGH Urteil vom 16. März 1973 - V ZR 118/71 = BGHZ 60, 319).
Der erkennende Senat hat andererseits ausgesprochen, daß in Fällen, in denen der Verkäufer im Rahmen eingehender Vertragsverhandlungen und auf Befragen des Käufers jeweils einen ausdrücklichen Rat erteilt, bei fahrlässig falscher Auskunfts- oder Ratserteilung eine Schadensersatzpflicht wegen Verletzung einer im Rahmen des Kaufvertrages übernommenen Nebenpflicht neben Gewährleistungsansprüchen bestehen kann, und zwar auch dann, wenn sich das Verschulden des Verkäufers auf Angaben über Eigenschaften der Kaufsache bezieht (Senatsurteil vom 25. März 1958 - VIII ZR 48/57 = NJW 1958, 866; vom 31. Januar 1962 - VIII ZR 120/60 = NJW 1962, 1196; vom 12. Mai 1976 - VIII ZR 33/74 aaO; vom 29. Juni 1977 - VIII ZR 309/75 = WM 1977, 1027, 1028 und vom 13. Juli 1983 - VIII ZR 112/82 = BGHZ 88, 130 = WM 1983, 987, 988).
Der Bundesgerichtshof hat im Anschluß an die Rechtsprechung des Reichsgerichts (z.B. RGZ 135, 339, 346 f.; 161, 193, 195 f.) verschiedentlich ausgeführt, daß fahrlässige Angaben oder Nichtangaben des Verkäufers über Eigenschaften der Kaufsache keinen Anspruch auf Ersatz des Vertrauensschadens unter dem Gesichtspunkt der culpa in contrahendo begründen (BGHZ 60, 319; BGH, Urteil vom 19. März 1976 - V ZR 146/74 = WM 1976, 791; Senatsurteile vom 25. März 1958 - VIII ZR 48/57 = LM BGB § 459 Abs. 1 Nr. 5 und vom 12. Mai 1976 - VIII ZR 33/74 = WM 1976, 740), und zwar unabhängig davon, ob sich die Nichtangabe auf Mängel oder auf sonstige für den Kaufentschluß maßgeblichen Eigenschaften des Kaufgegenstandes bezieht (Senatsurteil vom 12. Mai 1976 aaO).
Diese Regelung entspricht - wie die amtliche Begründung zum Entwurf des AGB-Gesetzes hervorhebt (BT-Drucks. 7/3919 S. 19) - inhaltlich den von Rechtsprechung und Schrifttum vor Inkrafttreten des AGB-Gesetzes zur Unwirksamkeit überraschender Klauseln entwickelten Grundsätzen, Maßgebend für die Qualifizierung als "überraschend" sind danach in erster Linie der Grad der Abweichung des Klauselinhalts von einem dispositivgesetzlichen Vertragsleitbild oder - falls ein solches fehlt - von dem für den betreffenden Geschäftskreis Üblichen, ferner die Umstände des konkreten Vertragsabschlusses, zu denen außer Erörterungen und Hinweisen auch die Gestaltung und Anordnung des Vertragstextes und der Allgemeinen Geschäftsbedingungen gehören (vgl. - jeweils mit weiteren Nachweisen - Senatsurteile vom 8. Oktober 1975 - VIII ZR 81/74 = LM BGB § 537 Nr. 21 = NJW 1977, 195 = WM 1975, 1203, vom 12. Mai 1976 - VIII ZR 33/74 = LM BGB § 459 Nr. 40 = WM 1976, 740, vom 1. März 1978 - VIII ZR 70/77 = LM Allg.
Unabhängig davon, daß das Abtretungsverbot in Automobilkaufverträgen nach den von der Beklagten vorgelegten Vertragsbedingungen anderer Händler der Marken Daimler-Benz, Opel, Ford, BMW, Citroen, Peugeot und Fiat offensichtlich allgemein üblich ist, vermag auch eine deutliche, nicht an versteckter Stelle in die Lieferbedingungen aufgenommene Bestimmung den Vorwurf der "Überraschung" auszuräumen (vgl. insbes. Senatsurteile vom 12. Mai 1976 a.a.O. …und vom 1. März 1978 - VIII ZR 183/76 - aaO;… zustimmend auch Löwe/Graf von Westphalen/Trinkner AGBG § 3 Rdn. 12, Ulmer/Brandner/Hensen AGBG 3. Aufl. § 3 Rdn. 17).
Sollte sich ergeben, daß die Erklärungen des Beklagten nicht als Zusicherung einer Eigenschaft im Sinne der §§ 459 Abs. 2, 463 BGB zu werten sind, so wäre ein Anspruch wegen Verschuldens bei den Vertragsverhandlungen (vgl. insoweit BGHZ 60, 319, 321 ff; BGH Urteil vom 12. Mai 1976, VIII ZR 33/74, WM 1976, 740) nicht mehr von vornherein ausgeschlossen (vgl. insoweit zur Hauszinssteuer RG DR 1940, 795, 796 a.E.; a.A. KG JW 1937, 1253).
Es ist zwar richtig, daß im konkreten Fall wegen § 4 AGB-Gesetz die Verbindlichkeit mündlicher Zusagen durch eine Schriftformklausel nicht beeinträchtigt wird und damit durch die Schriftformklausel auch in den hier erörterten Fällen nach der Rechtslage keine Benachteiligung des Vertragspartners des Verwenders entsteht (…so auch Ulmer-Brandner-Hensen, a.a.O., Anh. nach §§ 9-11 AGB-Gesetz Rdziff. 628; ebenso auf der Grundlage des früheren Rechts vor Inkrafttreten des AGB-Gesetzes BGH in WM 76, 740).
Die Klausel zielt insoweit auf eine Beschränkung der Vertretungsmacht sonstiger Hilfspersonen hin, deren sich die Beklagte bedient, und ist durch das berechtigte Interesse der Beklagten, sich gegen Verpflichtungen aus haltlosen mündlichen Zusagen solcher Personen zu sichern, gedeckt (…so auch Ulmer-Brandner-Hensen, a.a.O., Anh. nach §§ 9-11 AGB-Gesetz Rdziff. 629; ebenso auf der Grundlage des früheren Rechts BGH in WM 76, 740; a.A. Kötz in Münch.Komm., § 4 AGB-Gesetz Rdziff. 8).
Voraussetzungen für die Anfechtung eines Leasingvertrages wegen arglistiger …