Source: http://www.hensche.de/Jugend-und_Auszubildendenvertretung_Anspruch_auf_eigenen_Rechtsbeistand_der_Jugend-und_Auszubildendenvertretung_LAG_Hamm_13TaBV18-09-u.html
Timestamp: 2018-03-19 16:11:08
Document Index: 156550313

Matched Legal Cases: ['§ 78', '§ 78', '§ 78', '§ 78', '§ 78', '§ 40', '§ 55', '§ 40', '§ 40', '§ 78', '§ 67', '§ 40', '§ 78', '§ 78', '§ 78', '§ 78', '§ 2', '§ 78', '§ 40', '§ 40', '§ 78', '§ 40', '§ 40', '§ 286', '§ 40', '§ 92', '§ 92']

LAG Hamm, Beschluss vom 05.03.2010, 13 TaBV 18/09 - HENSCHE Arbeitsrecht
LAG Hamm, Be­schluss vom 05.03.2010, 13 TaBV 18/09
Schlagworte: Betriebsrat, Jugend- und Auszubildendenvertretung, Rechtsanwalt, Kostenerstattung
Aktenzeichen: 13 TaBV 18/09
Entscheidungsdatum: 05.03.2010
Vorinstanzen: Arbeitsgericht Detmold, Beschluss vom 22.01.2009, 3 BV 38/08
3 BV 38/08
ArbG Det­mold
Verkündet am 05.03.2010
Bre­er Reg.-Beschäftig­te Ur­kunds­be­am­tin der Geschäfts­stel­le
hat die 13. Kam­mer des Lan­des­ar­beits­ge­richts Hamm auf­grund der münd­li­chen Anhörung vom 05.03.2010 durch den Vor­sit­zen­den Rich­ter am Lan­des­ar­beits­ge­richt Dr. Müller so­wie die eh­ren­amt­li­chen Rich­ter Sep­pelf­ri­cke und Rath­mann
Auf die Be­schwer­de des Be­triebs­rats – un­ter Zurück­wei­sung der Be­schwer­de im Übri­gen - wird der Be­schluss des Ar­beits­ge­richts Det­mold vom 22.01.2009 – 3 BV 38/08 – teil­wei­se ab­geändert und ins­ge­samt wie folgt neu ge­fasst:
Der Ar­beit­ge­be­rin wird auf­ge­ge­ben, den Be­triebs­rat von den Ver­bind­lich­kei­ten ge­genüber den Rechts­anwälten W1 & W2, S8 23, 23456 B2, aus den Rech­nun­gen
a) vom 06.12.2007 – Nr. 7299A – in Höhe von 570,49 € nebst Zin­sen in Höhe von 5 Pro­zent­punk­ten über dem Ba­sis­zins­satz seit dem 21.12.2007 und
b) vom 05.03.2008 – Nrn. 8084A, 8085A, 8086A und 8087A – in Höhe von 1187,02 €, 1053,15 €, 1139,43 € und 1139,43 € nebst Zin­sen in Höhe von je­weils 5 Pro­zent­punk­ten über dem Ba­sis­zins­satz seit dem 20.03.2008 frei­zu­stel­len.
Die wei­ter­ge­hen­den Anträge wer­den ab­ge­wie­sen.
Der Be­triebs­rat und die Ar­beit­ge­be­rin strei­ten um die Ver­pflich­tung zur Frei­stel­lung von den Kos­ten der in fünf Ver­fah­ren für die Ju­gend- und Aus­zu­bil­den­den­ver­tre­tung (im Fol­gen­den kurz: JAV) tätig ge­wor­de­nen Rechts­anwälte.
Die Ar­beit­ge­be­rin be­treibt Kli­ni­ken in D2 und L2 so­wie ei­ne Not­fall­am­bu­lanz und Kin­der- und Ju­gend­psych­ia­trie in B3 S9. Sie beschäftigt ins­ge­samt ca. 2.700 Ar­beit­neh­mer, dar­un­ter ca. 25 Aus­zu­bil­den­de.
Im Ju­li 2007 streng­te sie un­ter den Ak­ten­zei­chen 2 BV 51/07, 3 BV 52/07, 1 BV 53/07, 2 BV 45/07 und 3 BV 55/07 (ArbG Det­mold) Be­schluss­ver­fah­ren ein, letzt­lich gemäß § 78 a Be­trVG ge­rich­tet auf die Auflösung der Ar­beits­verhält­nis­se von fünf Mit­glie­dern der JAV, die zu Ge­sund­heits- und Kran­ken­pfle­gern aus­ge­bil­det wor­den wa­ren.
In den in­zwi­schen ab­ge­schlos­se­nen Ver­fah­ren wur­de der Be­triebs­rat von den Rechts­anwälten I1 und R5 ver­tre­ten, während die Rechts­anwälte W1 & W2 mit Sitz in B2 u.a. auf­grund ei­nes ent­spre­chen­den ein­stim­mi­gen Be­schlus­ses des Be­triebs­ra­tes vom 15.08.2007 als Be­vollmäch­tig­te der JAV auf­tra­ten. Die­se hat­te in­so­weit kurz zu­vor in ih­rer Sit­zungs­nie­der­schrift vom 02.08.2007 u.a. fest­ge­hal­ten:
„Für die Mit­glie­der der JAV ist die Si­tua­ti­on schwie­rig. Teil­wei­se wird es so dar­ge­stellt, dass die be­fris­tet beschäftig­ten Mit­ar­bei­terIn­nen im Pfle­ge­dienst kei­ne Ver­trags­verlänge­rung er­hal­ten, da die JAV-Mit­glie­der über­nom­men wer­den. Die be­fris­tet beschäftig­ten Mit­ar­bei­terIn­nen sind al­le im Be­reich der Ger­ia­trie ein­ge­setzt, so dass bei de­ren Aus­schei­den ein Auf­recht­er­hal­ten des Dienst­pla­nes nicht mehr möglich ist. So­wohl Herr Dr. W3 als auch die Sta­ti­on 14 ha­ben sich dies­bezüglich schrift­lich an den Be­triebs­rat ge­wandt. Der Be­triebs­rat hat hier­auf eben­falls Herrn Dr. W3 so­wie Sr. C1 S11 und Sr. M2 R6 an­ge­schrie­ben und mit­ge­teilt, dass für die Per­so­nal­pla­nung und den Per­so­nal­ein­satz die PDL ver­ant­wort­lich ist. Letzt­end­lich trägt der Ar­beit­ge­ber die Ver­ant­wor­tung dafür, dass al­le Mit­ar­bei­terIn­nen in ei­nem Be­reich ein­ge­setzt wur­den. Auch die JAV-Mit­glie­der sol­len al­le nach dem Ab­schluss ih­rer Aus­bil­dung wie­der im Be­reich der Ger­ia­trie ein­ge­setzt wer­den."
Am 06.12.2007 und 05.03.2008 rich­te­ten die Rechts­anwälte W1 & W2 ins­ge­samt fünf Kos­ten­rech­nun­gen u.a. auch den Be­triebs­rat, und zwar über 592,98 € ein­sch­ließlich 22,49 € Fahrt­kos­ten (Nr. 7299A – Bl. 10 f. d.A.), über 1.232,72 € ein­sch­ließlich 45,70 € Fahrt­kos­ten (Nr. 8084A – Bl. 14 f. d.A.), über 1.076,-- € ein­sch­ließlich 22,85 € Fahrt­kos­ten (Nr. 8085A – Bl. 18 f. d.A.) und über je­weils 1.139,43 € (Nrn. 8086A und 8087A - Bl. 21 ff. d.A.).
Nach­dem sich die Ar­beit­ge­be­rin in der Fol­ge­zeit wei­ger­te, die Kos­ten zu über­neh­men, fass­te – ne­ben der JAV – der Be­triebs­rat meh­re­re Be­schlüsse be­tref­fend das vor­lie­gen­de Kos­ten­ver­fah­ren und des­sen Durchführung durch die Rechts­anwälte W1 & W2, und zwar am 16.04.2008, 21.01. und 20.08.2009 so­wie 13.01.2010. In der letzt­ge­nann­ten Sit­zung stimm­te der vollzählig zu­sam­men­ge­kom­me­ne Be­triebs­rat ein­stim­mig dafür (Bl. 317 ff. d.A.).
Der Be­triebs­rat hat die Auf­fas­sung ver­tre­ten, die Er­for­der­lich­keit der an­walt­li­chen Ver­tre­tung der JAV er­ge­be sich be­reits dar­aus, dass die­se nach § 78 a Abs. 4 Be­trVG zwin­gend bei­zu­la­den sei. Da­von ab­ge­se­hen ha­be der Aus­gang der fünf Ver­fah­ren ge­zeigt, dass die recht­li­chen Be­gründun­gen der JAV und des Be­triebs­ra­tes sich ergänzt, je­doch nicht ge­deckt hätten.
So­weit hier noch von In­ter­es­se, hat der An­trag­stel­ler zu 2) = Be­triebs­rat be­an­tragt,
1. die An­trags­geg­ne­rin zu ver­ur­tei­len, den An­trag­stel­ler zu 2) von sei­ner Ver­pflich­tung aus den Rech­nung Nr. 7299A vom 06.12.2007 ge­genüber den Rechts­anwälten W1 & W2, S10. 23, 23456 B2, in Höhe von 592,08 € nebst ei­ner 5 Pro­zent­punk­te über dem Ba­sis­zins­satz der Eu­ropäischen Zen­tral­bank lie­gen­den Ver­zin­sung ab dem 21.12.2007 frei­zu­stel­len,
2. die An­trags­geg­ne­rin zu ver­ur­tei­len, den An­trag­stel­ler zu 2) von sei­ner Ver­pflich­tung aus den Rech­nung Nr. 8084A vom 05.03.2008 in Höhe von wei­te­ren 1.232,72 € nebst ei­ner 5 Pro­zent­punk­te über dem Ba­sis­zins­satz der Eu­ropäischen Zen­tral­bank lie­gen­den Ver­zin­sung ab dem 20.03.2008 frei­zu­stel­len,
3. die An­trags­geg­ne­rin zu ver­ur­tei­len, den An­trag­stel­ler zu 2) von sei­ner Ver­pflich­tung aus den Rech­nung Nr. 8085A vom 05.03.2008 ge­genüber den Rechts­anwälten W1 & W2, S10. 23, 23456 B2, in Höhe von wei­te­ren 1.076,-- € nebst ei­ner 5 Pro­zent­punk­te über dem Ba­sis­zins­satz der Eu­ropäischen Zen­tral­bank lie­gen­den Ver­zin­sung ab dem 21.12.2007 frei­zu­stel­len,
4. die An­trags­geg­ne­rin zu ver­ur­tei­len, den An­trag­stel­ler zu 2) von sei­ner Ver­pflich­tung aus den Rech­nung Nr. 8086A vom 05.03.2008 in Höhe von wei­te­ren 1.139,43 € nebst ei­ner 5 Pro­zent­punk­te über dem Ba­sis­zins­satz der Eu­ropäischen Zen­tral­bank lie­gen­den Ver­zin­sung ab dem 20.03.2008 frei­zu­stel­len,
5. die An­trags­geg­ne­rin zu ver­ur­tei­len, den An­trag­stel­ler zu 2) von sei­ner Ver­pflich­tung aus den Rech­nung Nr. 8087A vom 05.03.2008 in Höhe von wei­te­ren 1.139,43 € nebst ei­ner 5 Pro­zent­punk­te über dem Ba­sis­zins­satz der Eu­ropäischen Zen­tral­bank lie­gen­den Ver­zin­sung ab dem 20.03.2008 frei­zu­stel­len.
Die An­trags­geg­ne­rin hat be­an­tragt,
Sie hat die Mei­nung ver­tre­ten, zur ef­fek­ti­ven Ver­tre­tung der nicht wi­der­strei­ten­den In­ter­es­sen von Be­triebs­rat und JAV ha­be es aus­ge­reicht, dass ei­ne Rechts­an­walts­kanz­lei in den Ver­fah­ren nach § 78 a Be­trVG auf­ge­tre­ten sei.
In je­dem Fall be­ste­he kein An­spruch auf Er­stat­tung der Rei­se­kos­ten, weil die JAV sich ei­nen ver­gleich­bar sach­kun­di­gen und kom­pe­ten­ten Rechts­an­walt am Sitz des Un­ter­neh­mens oder des Ar­beits­ge­richts hätte neh­men können.
Da­von ab­ge­se­hen wer­de die ord­nungs­gemäße Be­schluss­fas­sung zur Durchführung des vor­lie­gen­den Ver­fah­rens be­strit­ten.
Das Ar­beits­ge­richt hat mit Be­schluss vom 22.01.2009 die Anträge zurück­ge­wie­sen. Zur Be­gründung hat es im We­sent­li­chen aus­geführt, in Ver­fah­ren nach § 78 a Be­trVG ver­folg­ten Be­triebs­rat und JAV grundsätz­lich das­sel­be Ziel, nämlich die In­ter­es­sen der JAV-Mit­glie­der wahr­zu­neh­men. Des­halb könne die JAV nur dann ei­nen ei­ge­nen Ver­fah­rens­be­vollmäch­tig­ten be­an­spru­chen, wenn es tatsächlich zu ei­nem In­ter­es­sen­kon­flikt mit dem Be­triebs­rat ge­kom­men sei, wofür es hier kei­ne An­halts­punk­te ge­be.
Ge­gen die­se Ent­schei­dung wen­det sich der Be­triebs­rat mit sei­ner Be­schwer­de.
Er meint, es sei grundsätz­lich nicht so, dass in Ver­fah­ren nach § 78 a Be­trVG der Be­triebs­rat und die JAV grundsätz­lich die­sel­ben Zie­le ver­folg­ten. Hier sei im Übri­gen vor Be­ginn der ge­richt­li­chen Aus­ein­an­der­set­zung ei­ne In­ter­es­sen­kol­li­si­on ab­seh­bar ge­we­sen, weil die Über­nah­me von fünf JAV-Mit­glie­dern im Wi­der­streit ge­stan­den ha­be zur Verlänge­rung be­fris­te­ter Ar­beits­verträge in der Ger­ia­trie.
den Be­schluss des Ar­beits­ge­richts Det­mold vom 22.01.2009 – 3 BV 38/08 – ab­zuändern und der Ar­beit­ge­be­rin auf­zu­ge­ben, den Be­triebs­rat von den Ver­bind­lich­kei­ten ge­genüber den Rechts­anwälten W1 & W2, S10. 23, 23456 B2, aus den Rech­nun­gen
a) vom 06.12.2007 – Nr. 7299A – in Höhe von 592,98 € nebst Zin­sen in Höhe von 5 Pro­zent­punk­ten über dem Ba­sis­zins­satz seit dem 21.12.2007 und
b) vom 05.03.2008 – Nrn. 8084A, 8085A, 8086A und 8087A – in Höhe von 1.232,72 €, 1.076,-- €, 1.139,43 € und 1.139,43 € nebst Zin­sen in Höhe von je­weils 5 Pro­zent­punk­ten über dem Ba­sis­zins­satz seit dem 20.03.2008 frei­zu­stel­len.
Sie weist dar­auf hin, dass ei­ne In­ter­es­sen­kol­li­si­on zwi­schen Be­triebs­rat und JAV zu kei­nem Zeit­punkt be­stan­den ha­be. Dies er­ge­be sich u.a. dar­aus, dass der Be­triebs­rat im Vor­feld erklärt ha­be, sich so­wohl für die In­ter­es­sen der JAV-Mit­glie­der als auch der be­fris­tet beschäftig­ten Mit­ar­bei­ter ein­zu­set­zen.
In je­dem Fall sei es nicht er­for­der­lich ge­we­sen, vor­lie­gend al­le Kos­ten gel­tend zu ma­chen, weil man sich im Vor­feld be­reit erklärt ha­be, ein „Pi­lot­ver­fah­ren" zu führen und sich nach der rechts­kräfti­gen Ge­richts­ent­schei­dung zu rich­ten.
We­gen des wei­te­ren Vor­brin­gens der Be­tei­lig­ten wird auf die ge­wech­sel­ten Schriftsätze nebst de­ren An­la­gen ergänzend Be­zug ge­nom­men.
Die zulässi­ge Be­schwer­de des Be­triebs­ra­tes ist größten­teils be­gründet. Mit Aus­nah­me der in drei Fällen gel­tend ge­mach­ten Fahrt­kos­ten kann er von der Ar­beit­ge­be­rin gemäß § 40 Abs. 1 Be­trVG ver­lan­gen, von den Kos­ten gemäß den fünf Rech­nun­gen der Rechts­anwälte W1 & W2 vom 06.12.2007 und 05.03.2008 nebst Zin­sen frei­ge­stellt zu wer­den.
I. Nach der zu­tref­fen­den Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts (zu­letzt 17.08.2005 – 7 ABR 56/04 – AP In­sO § 55 Nr. 10; zust. z.B. GK-We­ber, 9. Aufl., § 40 Rn. 95 m.w.N.) hat der Ar­beit­ge­ber nach § 40 Abs. 1 Be­trVG Ho­no­rar­kos­ten ei­nes Rechts­an­wal­tes dann zu tra­gen, wenn der Be­triebs­rat die Her­an­zie­hung in ei­nem ar­beits­ge­richt­li­chen Be­schluss­ver­fah­ren für er­for­der­lich hal­ten durf­te. Die Frei­stel­lungs­pflicht entfällt im­mer nur dann, wenn die be­ab­sich­tig­te Rechts­ver­fol­gung von vorn­her­ein aus­sichts­los er­scheint oder die Her­an­zie­hung ei­nes Ver­fah­rens­be­vollmäch­tig­ten rechts­miss­bräuch­lich er­folgt und des­halb das In­ter­es­se des Ar­beit­ge­bers an der Be­gren­zung sei­ner Kos­ten­tra­gungs­pflicht miss­ach­tet wird. Für Kon­stel­la­tio­nen wie hier, wo es um die kos­ten­auslösen­de Ein­schal­tung von Rechts­anwälten für die Ver­tre­tung der JAV in Ver­fah­ren nach § 78 a Be­trVG geht, hat die 10. Kam­mer des Lan­des­ar­beits­ge­richts Hamm am 16.01.2009 (10 TaBV 37/08) be­reits zu­tref­fend ent­schie­den, dass ein ent­spre­chen­der Be­schluss, wie § 67 Abs. 2 Be­trVG zeigt, aus­sch­ließlich vom Be­triebs­rat und nicht von der JAV stam­men muss.
Ei­nen sol­chen Be­schluss hat der Be­triebs­rat am 15.08.2007 ein­stim­mig ge­fasst und sich da­bei in­ner­halb des ihm gemäß § 40 Abs. 1 Be­trVG eröff­ne­ten Be­ur­tei­lungs­spiel­raums ge­hal­ten.
Durch die ge­setz­li­che Be­stim­mung des § 78 a Abs. 4 Satz 2 Be­trVG, wo­nach in Ver­fah­ren um die Be­gründung bzw. Auflösung des Ar­beits­verhält­nis­ses ei­nes Mit­glieds der JAV die­se zwin­gend zu be­tei­li­gen ist, soll die Kon­ti­nuität und Un­abhängig­keit der Ar­beit in dem ge­nann­ten Gre­mi­um si­cher­ge­stellt wer­den (vgl. zu­letzt BAG, 25.02.2009 – 7 ABR 61/07; 16.07.2008 – 7 ABR 13/07 – AP Be­trVG 1972 § 78 a Nr. 50; Fit­ting, 25. Aufl., § 78 a Rn. 1; GK/Oet­ker, a.a.O., § 78 Rn 1).
Der eben­falls zu be­tei­li­gen­de Be­triebs­rat kann dem­ge­genüber an­de­re, wei­ter­ge­hen­de und ggf. auch konträre In­ter­es­sen zu wah­ren ha­ben, weil er gemäß § 2 Abs. 1 Be­trVG das Wohl al­ler Ar­beit­neh­mer und des ge­sam­ten Be­triebs zu berück­sich­ti­gen hat.
Dies macht die Kon­stel­la­ti­on in den kon­kret durch­geführ­ten Ver­fah­ren nach § 78 a Be­trVG ex­em­pla­risch deut­lich. So war es die maßgeb­li­che Auf­ga­be der JAV und ih­rer Ver­fah­rens­be­vollmäch­tig­ten, durch ei­ne Wei­ter­beschäfti­gung der fünf Mit­glie­der für ei­ne kon­ti­nu­ier­li­che Fortführung der Ar­beit in die­sem be­triebs­ver­fas­sungs­recht­li­chen Gre­mi­um zu sor­gen. Dem­ge­genüber stell­te sich für den Be­triebs­rat zusätz­lich die Auf­ga­be, die In­ter­es­sen der in der Ger­ia­trie nur be­fris­tet beschäftig­ten Mit­ar­bei­ter in sei­nen Abwägungs­pro­zess ein­zu­be­zie­hen. Dass er da­bei das Ziel an­streb­te, für möglichst al­le Ar­beit­neh­mer ei­ne Fort­beschäfti­gung zu er­rei­chen, ist nach­voll­zieh­bar. Wenn dies aber nicht zu er­rei­chen ge­we­sen wäre, hätte er bei sei­ner Mei­nungs­fin­dung maßgeb­lich den Hin­weis des Chef­arz­tes Dr. W3 ein­be­zie­hen müssen, in der Ger­ia­trie sei na­ment­lich für die Durchführung von Ab­rech­nun­gen ent­spre­chend ge­schul­tes Pfle­ge­per­so­nal vor­zu­hal­ten, was ge­gen die Über­nah­me von ge­ra­de erst ih­re Be­rufs­aus­bil­dung ab­ge­schlos­se­nen Mit­glie­dern der JAV-Ver­tre­tung hätte spre­chen können.
Nach al­le­dem konn­te es der Be­triebs­rat im Rah­men des § 40 Abs. 1 Be­trVG un­ter pflicht­gemäßer, verständi­ger Würdi­gung al­ler Ein­zel­fal­l­umstände bei der maßgeb­li­chen Be­schluss­fas­sung am 15.08.2007 für er­for­der­lich hal­ten, auch für die JAV Rechts­anwälte mit der Wahr­neh­mung spe­zi­fi­scher Ei­gen­in­ter­es­sen in den fünf Be­schluss­ver­fah­ren zu be­trau­en.
II. Al­ler­dings hat der Be­triebs­rat die Gren­zen des § 40 Abs. 1 Be­trVG in­so­weit über­schrit­ten, als er kein orts­ansässi­ges, son­dern ein auswärti­ges An­waltsbüro mit der Wahr­neh­mung der In­ter­es­sen der JAV be­auf­trag­te und da­durch ver­meid­ba­re
Fahrt­kos­ten ent­stan­den sind. Denn es sind kei­ne recht­lich maßgeb­li­chen Ge­sichts­punk­te dafür er­sicht­lich, war­um die in B2 ansässi­ge Ver­fah­rens­be­vollmäch­tig­te, die die JAV ver­tre­ten hat, ei­ne über das nor­ma­le Maß hin­aus­ge­hen­de Kom­pe­tenz zur Lösung der im Rah­men des § 78 a Be­trVG auf­ge­wor­fe­nen Rechts­fra­gen be­saß. Des­halb hätte es zur sach­kun­di­gen In­ter­es­sen­ver­tre­tung aus­ge­reicht, in L2 oder D2 ein ent­spre­chen­des An­waltsbüro zu be­auf­tra­gen (vgl. BAG, 16.10.1986 – 6 ABR 2/85 – Be­trVG 1972 § 40 Nr. 31; 20.10.1999 – 7 ABR 25/98 – AP Be­trVG 1972 § 40 Nr. 67; 15.11.2000 – 7 ABR 24/00).
So­mit wa­ren bei den Rech­nun­gen Nr. 7299A, Nr. 8084A und Nr. 8085A Fahrt­kos­ten in Höhe von 18,90 €, 38,40 € und 19,20 €, je­weils zuzüglich Mehr­wert­steu­er, in Ab­zug zu brin­gen.
III. Der An­spruch auf Frei­stel­lung von Zin­sen ist eben­falls ge­ge­ben, weil der Be­triebs­rat durch die in den Kos­ten­rech­nun­gen er­folg­ten Frist­set­zun­gen in Ver­zug ge­riet und da­mit auch ent­spre­chen­de Zin­sen nach §§ 286, 288 BGB fällig ge­wor­den sind (vgl. BAG, 03.10.1978 – 6 ABR 102/76 – AP Be­trVG 1972 § 40 Nr. 14).
IV. Was schließlich den ar­beit­ge­ber­sei­ti­gen Ein­wand an­geht, man ha­be dem Be­triebs­rat ver­geb­lich die Durchführung ei­nes Mus­ter­ver­fah­rens be­tref­fend die Kos­ten­er­stat­tung vor­ge­schla­gen, hat das kei­ne Aus­wir­kun­gen auf die vor­lie­gen­de Ent­schei­dung; dies kann al­len­falls Be­deu­tung ha­ben für den Um­fang der für die­ses Ver­fah­ren zu tra­gen­den Kos­ten.
Gründe für die Zu­las­sung der Rechts­be­schwer­de sind nicht ge­ge­ben.
Ge­gen die­sen Be­schluss ist für den Be­triebs­rat ein Rechts­mit­tel nicht ge­ge­ben.
Ge­gen die­sen Be­schluss ist für die Ar­beit­ge­ber­sei­te man­gels aus­drück­li­cher Zu­las­sung die Rechts­be­schwer­de nicht statt­haft, § 92 Abs. 1 ArbGG.
We­gen der Möglich­keit, die Nicht­zu­las­sung der Rechts­be­schwer­de selbständig beim
wird die Ar­beit­ge­ber­sei­te auf die An­for­de­run­gen des § 92 a ArbGG ver­wie­sen.
Sep­pelf­ri­cke
Rath­mann
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11/153 Be­triebs­rats­schu­lung auf Eng­lisch
09.08.2011. Das Ar­beits­ge­richt Ber­lin hat ent­schie­den, dass für eng­lisch­spra­chi­ge Be­triebs­rats­mit­glie­der, die prak­tisch kaum Deutsch kön­nen, ei­ne Grund­la­gen­schu­lung auf Eng­lisch er­for­der­lich ist: ...