Source: https://www.bad-gmbh.de/glossar/list-terms/G/
Timestamp: 2018-12-09 20:42:41
Document Index: 87754196

Matched Legal Cases: ['§ 157', '§ 3', '§ 20', '§ 20', '§ 1', '§ 14']

Gefährdung ist ein Zustand oder eine Situation, die bei jedem Arbeitsprozess entsteht. Die Gefährdung entsteht durch das räumliche und/oder zeitliche Zusammentreffen einer Person mit einem Gefährdungsfaktor. (Abbildung)
Gefährdungsermittlung ist ein analytischer Prozess, in dem Gefährdungsfaktoren und ihre Gefahrenquellen (Ursachen) ermittelt werden. Bei der systematischen Analyse werden Gefährdungsfaktoren mit ihren Gefahrquellen und Entstehungsbedingungen identifiziert, ohne diese dabei zu bewerten. Dies geschieht erst in der Gefährdungsbeurteilung, die sich an die Gefährdungsermittlung anschließt.
Die Gefahrenanalyse ist ein Begriff aus den Europäischen Richtlinien nach Artikel 95 des EG-Vertrages. Diese Richtlinien und die darauf beruhenden nationalen Rechtsvorschriften sollen den europäischen Binnenmarkt fördern und Handelshemmnisse beseitigen, die z. B. infolge unterschiedlicher Sicherheitsanforderungen der Mitgliedstaaten der Europäischen Union an Bau und Ausrüstung von Produkten, wie Maschinen, Einrichtungen und anderen technischen Geräten, entstehen können. Deshalb sind in diesen Richtlinien grundlegende Sicherheitsanforderungen an die Beschaffenheit der Produkte festgelegt. Sie gelten einheitlich in allen Mitgliedstaaten für alle Produkte, die auf den europäischen Binnenmarkt gebracht werden sollen. Kein Produkt darf wegen seiner Beschaffenheit in einem Mitgliedstaat nicht zugelassen werden, wenn es diesen grundlegenden Sicherheitsanforderungen entspricht.
Gefahrenbewusstsein, also das Wissen über mögliche Einwirkungen, die den Menschen schädigen können, ist eine wesentliche Voraussetzung für sicheres Verhalten. Jedes Gefahrenbewusstsein ist subjektiv unterschiedlich empfundenes Erleben und abhängig von der Persönlichkeit des Einzelnen. Ein Teilaspekt des Gefahrenbewusstseins ist die Gefährdungseinschätzung: das Bewusstsein über eine ganz spezifische, abgrenzbare Gefahr. Von Gefährdung spricht man im Allgemeinen, wenn Gefahr und Mensch räumlich und zeitlich zusammentreffen.
Der Mensch kann viele Gefahren am Arbeitplatz und im privaten Bereich mit seinen Sinnesorganen wahrnehmen. Die Fähigkeit dazu ist jedoch von vielen Faktoren abhängig. Eine wichtige Rolle spielen die Umgebungsverhältnisse (Beleuchtung, Lärm usw.), die Tageszeit, das Alter und der Gesundheitszustand, die Ausbildung und die Erfahrung, die Konzentration und die Ermüdung, die Adaption und die Gewöhnung usw. Zur Warnung vor Gefahren, die der Mensch nicht mit seinen Sinnesorganen wahrnehmen kann, z. B. geruchlose Gase oder radioaktive Strahlen, müssen technische Einrichtungen eingesetzt werden.
In Abgrenzung zu den Sicherheits- und Gesundheitsschutzkennzeichnungen am Arbeitsplatz und in anderen Bereichen des täglichen Lebens (z. B. Verkehrszeichen, Feuermelder), die ständig auf bestimmte Gefahren, Verhaltensweisen, Gebote und Verbote hinweisen, machen Warneinrichtungen auf besondere Gefährdungen für Sicherheit und Gesundheit aufmerksam. Es wird unterschieden in:
Gefahrensignale: Signale, die den Beginn und gegebenenfalls die Dauer und das Ende einer Gefahrenlage anzeigen. Je nach Intensität und Einwirkungsmöglichkeit wird weiterhin zwischen Warn- und Notsignal differenziert.
Warnsignale sind Signale, die die Möglichkeit oder das tatsächliche Vorhandensein einer Gefahrenlage anzeigen und die Aufforderung beinhalten, geeignete Maßnahmen zur Eindämmung oder zur Verringerung der Gefahr zu treffen bzw. die persönliche Verhaltensweise darauf einzustellen.
Notsignale sind Signale, die den Beginn oder das Vorhandensein eines Notzustandes mit einer unmittelbaren Schädigungsmöglichkeit anzeigen und die Aufforderung an Personen enthalten, diesen Notzustand zu beseitigen und/oder den Gefahrenbereich zu verlassen, ohne eine Schreckreaktion herbeizuführen.
Gefahrensymbole sind international festgelegte bildliche Warnzeichen zur Kennzeichnung gefährlicher Stoffe. Bei der Kennzeichnung von gefährlichen Stoffen wird nach der Gefahrstoffverordnung auf die Hauptgefahren durch ein oder mehrere Gefahrensymbole und Gefahrenbezeichnungen (Abbildung) hingewiesen. Sie erscheinen auf dem Gebinde als schwarzer Aufdruck auf orangefarbigem Grund.
Die Berufsgenossenschaften haben zur Einstufung der Betriebe und Betriebsteile Gefahrklassen nach dem Grad der dort jeweils vorliegenden Unfallgefahren gebildet (§ 157 SGB VII). Sie berücksichtigen die unterschiedliche Unfallbelastung der jeweiligen Branche und Tätigkeit und damit das Kostenrisiko der einzelnen Gewerbezweige in der Unfallversicherung. Nach der Veranlagung zur Gefahrklasse richtet sich u. a. die Beitragshöhe des Unternehmens an seine Berufsgenossenschaft.
Der Gefahrtarif ist die Zusammensetzung aller für die Berufsgenossenschaft festgesetzten Gefahrklassen. Dieser Tarif ist mindestens alle sechs Jahre neu aufzustellen. Hierzu werden über einen Beobachtungszeitraum von zwei Jahren die für jede Betriebsart oder Betriebsteilart gezahlten Entschädigungen des Unfallversicherungsträgers für Arbeitsunfälle und Berufskrankheiten bewertet.
Der Begriff "gefährliche Arbeiten" ist nicht eindeutig definiert. Allgemein versteht man darunter Tätigkeiten, bei denen wegen besonderer Gefahren oder Arbeitsbedingungen die Wahrscheinlichkeit, sich zu verletzen, zu erkranken oder psychisch oder physisch besonders belastet zu werden, größer als "normalerweise" ist.
Ebenso kann man darunter auch Tätigkeiten verstehen, bei denen schon durch geringfügiges Fehlverhalten Sach- und Personenschaden bei Dritten entstehen kann. Dies bedeutet z. B., dass für die Ausführung gefährlicher Arbeiten Zuverlässigkeit, Verantwortungsbewusstsein, besondere Kenntnisse, Erfahrungen, Fertigkeiten, der Einsatz spezieller Werkzeuge, Schutzausrüstungen oder Hilfsmittel erforderlich sind. Für bestimmte Personengruppen, z. B. werdende oder stillende Mütter, Jugendliche, leistungsgewandelte Personen sind gefährlichen Arbeiten durch - an den Arbeitgeber gerichtete - Beschäftigungsverbote oder -beschränkungen gekennzeichnet.
Gefährliche Stoffe und Zubereitungen im Sinne des § 3a des Chemikaliengesetzes und der Gefahrstoffverordnung weisen mindestens eines von 15 Gefährlichkeitsmerkmalen auf. Die Gefährlichkeitsmerkmale sind:
Bis auf Ausnahmen sind gefährliche Stoffe/Zubereitungen an Gefahrensymbolen und R- und S-Sätzen zu erkennen. Wichtige Vorschriften für das Inverkehrbringen von gefährlichen Arbeitsstoffen sind die Gefahrstoffverordnung bzw. die EU-Stoff- und die Zubereitungsrichtlinien.
Die neue "Verordnung zum Schutz vor Gefahrstoffen" (Gefahrstoffverordnung - GefStoffV) vom 23. 12. 2004 gilt für das Inverkehrbringen von Stoffen, Zubereitungen und Erzeugnissen und dient zum Schutz der Beschäftigten und anderer Personen vor Gefährdungen ihrer Gesundheit und Sicherheit. Sie ist am 1. 1. 2005 in Kraft getreten.
Genehmigungsbedürftige Anlagen sind solche Anlagen, bei deren Errichtung oder Betrieb schädliche Umwelteinwirkungen hervorgerufen werden können. Im Sinne des Bundes-Immissionsschutzgesetzes (BImSchG) sind dies Einwirkungen, die nach Art, Ausmaß oder Dauer geeignet sind, Gefahren, erhebliche Nachteile oder erhebliche Belästigungen für die Allgemeinheit oder die Nachbarschaft herbeizuführen, d. h. auf Menschen, Tiere und Pflanzen, den Boden, das Wasser, die Atmosphäre sowie Kultur- und sonstige Sachgüter einwirkende Luftverunreinigungen, Geräusche, Erschütterungen, Licht, Wärme, Strahlen und ähnliche Umwelteinwirkungen.
Für die Errichtung und den Betrieb solcher Anlagen besteht die Pflicht, eine behördliche Genehmigung einzuholen.
Das Geräte- und Produktsicherheitsgesetz (GPSG) ist aus der Zusammenlegung von Gerätesicherheitsgesetz und Produktsicherheitsgesetz entstanden und erfasst vom Industrieroboter über Büromöbel bis hin zur Blumenerde alle Verbraucherprodukte und technischen Arbeitsmittel.
Verbraucherprodukte sind nach dem GPSG alle Produkte, die für Verbraucher bestimmt sind oder unter vernünftigerweise vorhersehbaren Bedingungen von Verbrauchern benutzt werden können, selbst wenn sie nicht für diese bestimmt sind. Auch Produkte, die dem Verbraucher im Rahmen der Erbringung einer Dienstleistung zur Verfügung gestellt werden, fallen unter Verbraucherprodukte, so z. B. die zur Selbstbedienung durch den Kunden vorgesehene Brotschneidemaschine beim Bäcker oder der Föhn zum Selberföhnen beim Frisör.
Technische Arbeitsmittel sind Produkte, die ausschließlich bei der Arbeit verwendet werden. Auch Zubehörteile und Schutzausrüstungen fallen hierunter. Voraussetzung ist, dass die Produkte keine Verbraucherprodukte sind.
Gerüste sind Baukonstruktionen, die mit Belagflächen veränderlicher Länge und Breite an der Verwendungsstelle aus Gerüstbauteilen zusammengesetzt, ihrer Bestimmung entsprechend verwendet und wieder auseinander genommen werden können. Sie werden nach ihrem Verwendungszweck in Arbeitsgerüste, Schutzgerüste und Traggerüste unterteilt. Von diesen Gerüstarten nehmen die Traggerüste hinsichtlich ihrer Konstruktion und Verwendung als Tragkonstruktion für noch nicht selbst tragende Bauteile eine Sonderstellung ein, während sich Arbeits- und Schutzgerüste im Wesentlichen nur durch die Dimensionierung ihrer Beläge bzw. der Gestaltung des Seitenschutzes unterscheiden. Letztere werden in den Vorschriften weitgehend gemeinsam behandelt.
"Gesundheit" und "Krankheit" bilden die einander gegenüberliegenden Endpunkte eines Kontinuums. Die Position einer Person auf diesem Kontinuum hängt von mehreren Aspekten ab: dem Ausmaß empfundener Schmerzen, der Notwendigkeit präventiver bzw. therapeutischer Maßnahmen, dem Ausmaß der Beeinträchtigung von Lebensaktivitäten und der Prognose (durch einen Experten, z. B. Arzt).
Es gibt verschiedene Ansätze, die sich darum bemühen, "Gesundheit" und "Krankheit" zu definieren und voneinander abzugrenzen.
Unter Gesundheitsbericht (Gesundheitsberichterstattung, betriebliche Epidemiologie) versteht man allgemein die statistische Analyse von Gesundheitsdaten einer bestimmten Population (Bevölkerung, Bevölkerungsgruppe, Branche, Belegschaft). Dazu werden Daten aus verschiedenen Quellen herangezogen und zusammengeführt. Ziel dabei ist, Hinweise auf gesundheitliche Problembereiche und mögliche Ursachen zu erhalten, Schlussfolgerungen zu ziehen und Handlungsbedarf aufzuzeigen. Für die erwerbstätige Bevölkerung werden die Daten meist region- oder branchenbezogen erfasst.
Bei der betrieblichen Gesundheitsberichterstattung findet die Analyse der Gesundheitsdaten auf betrieblicher Ebene statt. Der betriebliche Gesundheitsbericht ist wesentlicher Bestandteil der Gesundheitsförderung am Arbeitsplatz.
Mit dem In-Kraft-Treten des Gesundheitsreformgesetzes (1989) wurden in § 20 Sozialgesetzbuch Teil V (SGB V) (Gesetzliche Krankenversicherung) die Krankenkassen dazu aufgefordert, Gesundheitsförderung und Krankheitsverhütung in ihr Programm aufzunehmen. In § 20 heißt es u. a.: "Krankenkassen sollen den Ursachen von Gesundheitsgefährdung und Gesundheitsschäden nachgehen und auf ihre Beseitigung hinwirken." Im Weiteren heißt es, dass die "Krankenkassen bei der Verhütung arbeitsbedingter Gesundheitsgefahren mit den Unfallversicherungsträgern zusammenarbeiten und diese über Erkenntnisse, die sie über Zusammenhänge zwischen Erkrankungen und Arbeitsbedingungen gewonnen haben, unterrichten sollen". Diesen Vorgaben entsprechend wurde auch der Zuständigkeitsbereich der Träger der gesetzlichen Unfallversicherung erweitert. So heißt es im § 1 SGB VII, dass "mit allen geeigneten Mitteln Arbeitsunfälle, Berufskrankheiten sowie arbeitsbedingte Gesundheitsgefahren zu verhüten" sind, und weiter im § 14 Abs. 2 SGB VII, dass "bei der Verhütung arbeitsbedingter Gesundheitsgefahren die Unfallversicherungsträger mit den Krankenkassen zusammenarbeiten".
Die Ursachen der zu bekämpfenden Gesundheitsstörungen müssen nicht zwingend arbeitsbedingt sein. Betriebliche Gesundheitsförderung (betriebliche Gesundheitsüberwachung) bedeutet nur, dass Maßnahmen gegen Gesundheitsstörungen im Rahmen des Betriebs und für die Belegschaft getroffen werden.
Gesundheitsmanagementsystem (BGMS)