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Timestamp: 2020-02-18 11:03:10
Document Index: 383304116

Matched Legal Cases: ['§ 102', '§ 131', '§ 33', '§ 131', '§ 2', '§ 102']

BFH, 26.07.1972 - I R 158/71 - dejure.org
https://dejure.org/1972,183
BFH, 26.07.1972 - I R 158/71 (https://dejure.org/1972,183)
BFH, Entscheidung vom 26.07.1972 - I R 158/71 (https://dejure.org/1972,183)
BFH, Entscheidung vom 26. Juli 1972 - I R 158/71 (https://dejure.org/1972,183)
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Gerichtliche Prüfung - Ablehnung eines Billigkeitserlasses - Unterlassung eines Billigkeitserlasses - Gesetzliche Grenzen des Ermessens - Zweck der Ermächtigung - Zeitpunkt der Ermessensentscheidung
BFHE 106, 489
DB 1972, 2095
BStBl II 1972, 919
Denn aus dem Wesen einer Ermessensvorschrift, einen Spielraum dafür zu geben, unter einer Mehrzahl rechtlich zulässiger Verhaltensweisen wählen zu lassen, folgt, daß die durch § 102 der Finanzgerichtsordnung (FGO) dem Umfang nach umschriebene gerichtliche Rechtskontrolle der Ermessensentscheidung nur auf den Zeitpunkt der Wahl durch die Verwaltungsbehörde selbst bezogen sein kann (vgl. z.B. BFH-Urteile vom 10. Mai 1972 II 57/64, BFHE 105, 458, BStBl II 1972, 649; vom 26. Juli 1972 I R 158/71, BFHE 106, 489, BStBl II 1972, 919, 920; Senatsurteil vom 24. November 1987 VII R 138/84, BFHE 152, 289, BStBl II 1988, 364, 365 m.w.N.).
Haftungsbescheid - Zweigliedrige Entscheidung - Umfang der gerichtlichen …
Das FA beruft sich für seine gegenteilige Meinung auf die Rechtsprechung des BFH, nach der die Prüfung der Rechtmäßigkeit einer Ermessensentscheidung nur auf die Tatsachen abstellen kann, welche der zuständigen Behörde bei ihrer Entscheidung bekannt waren oder bekannt sein konnten (vgl. Urteile vom 26. Januar 1966 II 90/62, BFHE 84, 584, BStBl III 1966, 211; vom 10. Mai 1972 II 57/64, BFHE 105, 458, BStBl II 1972, 649; vom 26. Juli 1972 I R 158/71, BFHE 106, 489, BStBl II 1972, 919; vom 18. November 1975 VII R 85/74, BFHE 117, 430, BStBl II 1976, 257, die sämtlich die - hier nicht vorliegende - Fallgestaltung betreffen, daß nach dem Ergehen der letzten Verwaltungsentscheidung neue tatsächliche Umstände eingetreten sind; ferner Urteile vom 1. August 1961 I 100/60 S, BFHE 74, 144, BStBl III 1962, 55; vom 31. März 1976 I R 51/74, BFHE 118, 537, BStBl II 1976, 499, unter Ziff. 2 b für den Fall, daß der Steuerpflichtige im Erlaßverfahren nach § 131 AO nicht bereit war, an der Aufklärung des Sachverhalts mitzuwirken).
Die von der Beklagten herangezogene Rechtsprechung betrifft nicht den Grundsteuererlass nach § 33 Abs. 1 Satz 1 GrStG, sondern Ermessensentscheidungen über einen Billigkeitserlass (VGH Bad.-Württ., Urteil vom 20.10.1987, ZKF 1988, 34; BFH, Urteile vom 10.5.1972, BFHE 105, 458 und Urteil vom 26.7.1972, BFHE 106, 489).
Da das Wesen einer Ermessensentscheidung darin besteht, einen Spielraum zu geben, unter einer Mehrzahl rechtlich zulässiger Verhaltensweisen wählen zu können, darf sich die gerichtliche Rechtskontrolle nur auf den Zeitpunkt der Entscheidung durch die Verwaltungsbehörde selbst beziehen (vgl. zur Überprüfung einer Entscheidung über einen Billigkeitserlass BFH, Urteil vom 26.7.1972, BFHE 106, 489).
Die Entscheidung über einen Erlaßantrag aus Billigkeitsgründen ist eine Ermessensentscheidung (Beschluß des Gemeinsamen Senats der obersten Gerichtshöfe des Bundes GmS -- OGB 3/70 vom 19. Oktober 1971, BFHE 105, 101, BStBl II 1972, 603; Urteil des Senats I R 158/71 vom 26. Juli 1972, BFHE 106, 489, BStBl II 1972, 919).
Es führte aus, für die gerichtliche Prüfung komme es auf den Zeitpunkt der letzten Verwaltungsentscheidung an (Urteil des BFH vom 26. Juli 1972 I R 158/71, BFHE 106, 489, BStBl II 1972, 919).
Das FG hat sich zur Begründung seiner Auffassung auf die ständige Rechtsprechung des BFH berufen (vgl. Urteile vom 10. Mai 1972 II 57/64, BFHE 105, 458, BStBl II 1972, 649, und vom 26. Juli 1972 I R 158/71, BFHE 106, 489, BStBl II 1972, 919, und die in diesen Urteilen zitierte Rechtsprechung).
Ob diese Voraussetzungen zum maßgeblichen Zeitpunkt (der letzten Verwaltungsentscheidung - BFH-Urteil vom 26. Juli 1972 I R 158/71, BFHE 106, 489, BStBl II 1972, 919; bzw. - im Erstattungsfall - demjenigen der Abgabenentrichtung - BFH-Urteil vom 24. September 1976 I R 41/75, BFHE 120, 212, BStBl II 1977, 127, 130) erfüllt waren, kann der erkennende Senat nicht abschließend beurteilen, weil die tatsächlichen Feststellungen des FG dies nicht ermöglichen.
Diese Ausführungen des Gemeinsamen Senats sind in dem Sinne zu verstehen, daß der in § 131 Abs. 1 Satz 1 AO enthaltene Begriff der Unbilligkeit der Einziehung einer Steuer die Grenze bildet, die das Gesetz dem Ermessen setzt und daß die Ermessensausübung innerhalb dieser Grenze durch Billigkeit und Zweckmäßigkeit bestimmt wird, wobei Zweckmäßigkeit i. S. des § 2 Abs. 2 StAnpG bedeutet, daß der Gesetzeszweck zu berücksichtigen ist (vgl. Urteil des BFH vom 26. Juli 1972 I R 158/71, BFHE 106, 489, BStBl II 1972, 919).
BFH, 06.12.1979 - V R 125/76
Streitwert - Beschwer des Haftungsschuldners - Haftungsbescheid - Tilgung der …
Für dieses Verfahren beschränkt sich die - für die Einspruchsentscheidung des Finanzamts unbeschränkte - Ermessensnachprüfung des Gerichts (§ 102 FGO) auf die Rechtmäßigkeit des erlassenen Verwaltungsaktes im Zeitpunkt der letzten Verwaltungsentscheidung (vgl. Urteile vom 10. Mai 1972 II 57/64, BFHE 105, 458 [459], BStBl II 1972, 649, und vom 26. Juli 1972 I R 158/71, BFHE 106, 489 [490], BStBl II 1972, 919); Besonderheiten der Art, wie sie im Urteil vom 18. November 1975 VII R 85/74 (BFHE 117, 430 [432 ff.], BStBl II 1976, 257) erwogen sind, liegen hier nicht vor.
Zum anderen kommt es dabei auf den Sachverhalt an, welcher im Zeitpunkt der Beschwerdeentscheidung vorlag (vgl. BFH-Urteile vom 26. Juli 1972 I R 158/71, BFHE 106, 489, BStBl II 1972, 919; vom 18. November 1975 VII R 85/74, BFHE 117, 430, BStBl II 1976, 257).
BFH, 18.05.2004 - VI B 51/01
Nachprüfung einer Ermessensentsch.
BFH, 04.05.1977 - I R 236/74
Steuererlaß - Sachliche Unbilligkeit - Fehler eines rechtskräftigen Urteils - …
BFH, 07.07.1976 - I B 93/75
Verfahren der Aussetzung der Vollziehung - Ermessensgebundener Verwaltungsakt - …
BFH, 21.08.1974 - I R 78/74
Ersatzzustellung - Wirksamkeit - Niederlegung eines Schriftstückes - Postanstalt …
BFH, 10.08.1976 - VII R 111/74
Aussetzung von Beitreibungsmaßnahmen - Nicht bestandskräftig abgeschlossenes …
VG Regensburg, 18.04.2007 - RN 3 K 06.1192