Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Gericht=BSG&Datum=09.06.2011&Aktenzeichen=B%208%20AY%201%2F10%20R
Timestamp: 2019-04-19 21:35:54
Document Index: 164661826

Matched Legal Cases: ['§ 2', '§ 2', '§ 330', '§ 1', '§ 2', '§ 2', '§ 3', '§ 4', '§ 2', '§ 2', '§ 44', '§ 2', '§ 44', '§ 44', '§ 160', '§ 44', '§ 44', '§ 116', '§ 2', '§ 2', '§ 22', '§ 2', '§ 22', '§ 22', '§ 2', '§ 2', '§ 23', '§ 2', '§ 2', '§ 2', '§ 2', '§ 44', '§ 3', '§ 4', '§ 44', '§ 44', '§ 2', '§ 44', '§ 2']

BSG, 09.06.2011 - B 8 AY 1/10 R - dejure.org
Asylbewerberleistung - Zugunstenverfahren - Nachzahlung von Analogleistungen gem § 2 AsylbLG für die Vergangenheit - fortbestehender Bedarf - Einmalleistungen und ersparte Aufwendungen bei Leistungen bei Krankheit
Asylbewerberleistung; Zugunstenverfahren; Nachzahlung von Analogleistungen gem § 2 AsylbLG für die Vergangenheit; fortbestehender Bedarf; Einmalleistungen und ersparte Aufwendungen bei Leistungen bei Krankheit; keine Anwendung des § 330 SGB 3; fehlende einheitliche Verwaltungspraxis der Leistungs
§ 1 AsylbLG vom 14.03.2005, § 2 Abs 1 AsylbLG vom 30.07.2004, § 2 Abs 3 AsylbLG vom 30.07.2004, § 3 AsylbLG vom 31.10.2006, § 4 Abs 1 AsylbLG vom 05.08.1997
Anspruch auf nachträglich zu erbringende Leistungen nach dem Asylbewerberleistungsgesetz; Rückwirkende Überprüfung der Leistungsgewährung für Analogleistungen nach § 2 AsylbLG
Anspruch auf nachträglich zu erbringende Leistungen nach dem Asylbewerberleistungsgesetz , rückwirkende Überprüfung der Leistungsgewährung für Analogleistungen nach § 2 AsylbLG
SG Gelsenkirchen, 18.01.2010 - S 12 AY 41/09
LSG Nordrhein-Westfalen, 17.05.2010 - L 20 AY 10/10
NVwZ-RR 2012, 204
NZS 2012, 77 (Ls.)
LSG Nordrhein-Westfalen, 24.05.2012 - L 20 AY 9/12
Das Klageverfahren ruhte im Hinblick auf das beim Bundessozialgericht (BSG) anhängige Revisionsverfahren - B 8 AY 1/10 R (Beschluss des Sozialgerichts vom 07.10.2010).
Die Beklagte vertritt nunmehr die Auffassung, die Klage sei abzuweisen, weil das BSG im Urteil vom 09.06.2010 - B 8 AY 1/10 R (…Rn. 20) erneut klargestellt habe, dass eine Nachzahlung von Leistungen nach § 44 SGB X nur erfolgen könne, wenn ununterbrochen Bedürftigkeit im Sinne des AsylbLG, des Zwölften Buches des Sozialgesetzbuches oder des Zweiten Buches des Sozialgesetzbuches vorliege.
Die pauschalierte Berechnung der Beklagten sei zwar nach Maßgabe der Entscheidung des BSG vom 09.06.2011 - B 8 AY 1/10 R wohl nicht rechtmäßig gewesen.
Eines erneuten Ruhens des Verfahrens bis zum Abschluss des beim BSG nunmehr anhängigen Revisionsverfahrens B 7 AY 4/11 R, in dem erneut zu prüfen sei, unter welchen Voraussetzungen einem Leistungsempfänger ein Nachzahlungsanspruch auf der Grundlage von § 2 AsylbLG i.V.m. § 44 SGB X zustehe, bedürfe es nicht; denn das BSG habe diese Rechtsfrage im Urteil vom 09.06.2011 - B 8 AY 1/10 R bereits beantwortet.
Diese Rechtsfrage sei bereits abschließend vom BSG geklärt (Urteil vom 09.06.2011 - B 8 AY 1/10 R).
Darüber hinaus liege beim Kläger zudem keine rechtlich besondere Fallkonstellation vor, wie dies etwa bei einem Bedürftigkeitswegfall nur durch Wohngeldbezug oder Bezug von Kinderzuschlag der Fall sei, wo über die Ergebnisse des Verfahrens B 8 AY 1/10 R hinaus weitere rechtliche Überlegungen erforderlich seien.
Das Sozialgericht geht vielmehr zutreffend davon aus, dass mit dem Urteil des BSG vom 09.06.2011 - B 8 AY 1/10 R die Folgen eines Bedürftigkeitswegfalls für einen Nachleistungsanspruch nach § 44 SGB X grundsätzlich geklärt sind.
Die Revisionszulassung für das weitere Revisionsverfahren B 7 AY 4/11 R war noch notwendig, weil die Entscheidung im Verfahren B 8 AY 1/10 R noch nicht vorgelegen hatte.
Angesichts der eindeutigen Ausführungen des BSG im Verfahren B 8 AY 1/10 R (…Rn. 20) geht der Senat davon aus, dass der Revisionszulassung im Verfahren B 7 AY 3/12 R nicht der Revisionsgrund der grundsätzlichen Bedeutung der Rechtssache (§ 160 Abs. 2 Nr. 1 SGG) zugrundegelegen hat.
Solche Besonderheiten hat zwar bisher zur Sozialhilfe und zum Asylbewerberleistungsrecht der für diese Rechtsgebiete zuständige Senat des BSG in ständiger Rechtsprechung angenommen, weil Leistungen der Sozialhilfe nur der Behebung einer gegenwärtigen Notlage dienen würden und deshalb für zurückliegende Zeiten nur dann zu erbringen seien, wenn die Leistungen ihren Zweck noch erfüllen könnten, was wiederum nur der Fall sei, wenn die Bedürftigkeit fortbestehe, also nicht temporär oder auf Dauer entfallen sei (…vgl BSG vom 29.9. 2009 - B 8 SO 16/08 R - BSGE 104, 213 = SozR 4-1300 § 44 Nr. 22; BSG vom 9.6. 2011 - B 8 AY 1/10 R - SozR 4-1300 § 44 Nr. 22 RdNr 20;… zuletzt BSG vom 17.12.2015 - B 8 SO 24/14 R - BSG SozR 4-3500 § 116a Nr. 2 RdNr 16 mwN).
Unabhängig von der Frage, wie diese Regelung dogmatisch einzuordnen ist (…vgl. dazu Oppermann in jurisPK-SGB XII, § 2 AsylbLG Rdnr. 119 m.w.N.; ferner Bundessozialgericht , Urteil vom 9. Juni 2011 - B 8 AY 1/10 - juris Rdnr. 15), besteht jedenfalls Einigkeit, dass gem. § 2 Abs. 1 AsylbLG - auch unter Berücksichtigung der Besonderheiten des AsylbLG - § 22 SGB XII entsprechend anzuwenden ist (Landessozialgericht Berlin-Brandenburg…, Urteil vom 15. Januar 2010 - L 23 AY 1/07 - juris Rdnr. 31 …und Beschluss vom 15. November 2005 - L 23 B 1008/05 AY ER - juris Rdnr. 19; SG Hamburg…, Beschluss vom 15. April 2016 - S 10 AY 25/16 ER - juris Rdnr. 5;… Hohm in Schellhorn/Hohm/Scheider, SGB XII, 19. Aufl. 2015, § 2 AsylbLG Rdnr. 27;… Oppermann, a.a.O. Rdnr. 129;… Schlette in Hauck/Noftz, § 22 SGB XII Rdnr. 1;… Voelzke in jurisPK-SGB XII, § 22 Rdnr. 12).
Hierbei kann die in Rechtsprechung und Literatur umstrittene Frage, ob § 2 Abs. 1 AsylbLG eine Rechtsfolgenverweisung (vgl hierzu ausführlich Hohm in AsylbLG, Stand Juli 2011, § 2 RdNr 94 ff mwN) oder eine Rechtsgrundverweisung auf § 23 SGB XII (so Decker in Oestreicher, SGB II/SGB XII, Stand Juni 2011, § 2 AsylbLG RdNr 37 ff, 41 mwN; Herbst in Mergler/Zink, SGB XII - AsylbLG, Stand Januar 2011, § 2 RdNr 40) enthält, unbeantwortet bleiben (ebenfalls offen gelassen durch BSG Urteil vom 17.6.2008 - B 8/9b AY 1/07 R - BSGE 101, 49 = SozR 4-3520 § 2 Nr. 2, RdNr 21 und BSG Urteil vom 9.6.2011 - B 8 AY 1/10 R - zur Veröffentlichung vorgesehen in SozR RdNr 14 f;… zur praktischen Bedeutung dieses Streits vgl auch Oppermann in jurisPK-SGB XII, 1. Aufl 2010, § 2 AsylbLG RdNr 108) .
Sie ist der Meinung, einer nachträglichen Erbringung von Leistungen nach § 44 SGB X stehe hier entgegen, dass die Klägerin seit November 2009 nicht mehr bedürftig ist, und verweist insoweit auf die Rechtsprechung des BSG (Urteile vom 29. September 2009 - B 8 SO 16/08 R - und vom 9. Juni 2011 - B 8 AY 1/10 R -).
Dies rechtfertigt es, die Differenz zwischen der nach dem AsylbLG und der nach dem SGB XII pauschalierten Leistung in voller Höhe nachzuzahlen und nicht auf eine konkrete Bedarfsdeckung im Einzelfall abzustellen (BSG, Urteil vom 9. Juni 2011 - B 8 AY 1/10 R -, juris Rdn. 16).
Auch Einmalleistungen, die nach §§ 3 ff AsylbLG erbracht wurden, nach dem SGB XII jedoch von der Regelsatzleistung erfasst werden, sind bei dem Gesamtvergleich in Ansatz zu bringen (zur Berechnungsmethode, auch bei Krankenbehandlung nach § 4 Abs. 1 AsylbLG, ausführlich BSG Urteil vom 9. Juni 2011 - B 8 AY 1/10 R - juris Rdn. 18 f.).
LSG Nordrhein-Westfalen, 12.01.2011 - L 20 AY 145/10
Bereits mit Schreiben vom 26.07.2010 hat das SG den Beteiligten im Hinblick auf ein bei dem Bundessozialgericht (BSG) unter dem Az. B 8 AY 1/10 R anhängiges Musterverfahren vorgeschlagen, das Verfahren zum Ruhen zu bringen.
Dies gilt im Hinblick auf die Frage der konkreten Berechnung des Nachzahlungsanspruches nach § 44 SGB X in der vorliegenden Fallkonstellation bereits aufgrund des Urteils des Senats vom 17.05.2010 - L 20 AY 10/10, hinsichtlich dessen das zitierte Revisionsverfahren - B 8 AY 1/10 R - beim BSG anhängig ist.
Dieses Interesse wäre einzig dann ausgeschlossen, wenn sich etwa die Beklagte vergleichsweise dazu verpflichtet hätte, je nach Ausgang des beim BSG anhängigen Verfahrens - B 8 AY 1/10 R - die Klägerin ggf. besser zu stellen und zugleich einen nach einem bestimmten Stichtag eingetretenen Wegfall der Bedürftigkeit ggf. unberücksichtigt zu lassen.
SG Lüneburg, 22.02.2018 - S 26 AY 26/17
Streitigkeiten nach dem Asylbewerberleistungsgesetz - keine Streitsachengebühren
Nach der Rechtsprechung des Bundessozialgerichts (BSG), der sich das SG anschließt, scheidet eine Nachzahlung von Leistungen nach dem AsylbLG aus, wenn die Bedürftigkeit inzwischen vorübergehend oder auf Dauer entfallen ist (vgl. BSG, Urteil vom 09. Juni 2011, Az.: B 8 AY 1/10 R unter Berufung auf das Urteil vom 29. September 2009, Az.: B 8 SO 16/08 R; Urteil vom 20. Dezember 2012, Az.: B 7 AY 4/11 R sowie Urteil vom 26. Juni 2013, Az.: B 7 AY 3/12 R).
Maßgeblicher Zeitpunkt für die Prüfung der ununterbrochen fortbestehenden Bedürftigkeit ist derjenige der letzten mündlichen Verhandlung in der Tatsacheninstanz (vgl. BSG, Urteil vom 9. Juni 2011, Az.: B 8 AY 1/10 R und Urteil vom 29. September 2009, Az.: B 8 SO 16/08 R).
Diese Erwägung zeigt sich bereits darin, dass es auf die Dauer des Bedürftigkeitswegfalles nicht ankommen soll und bereits eine nur kurzzeitige Unterbrechung im grundsicherungsrechtlichen Leistungsbedarf zu einem Wegfall des Nachzahlungsanspruches führt (vgl. BSG, Urteil vom 9.6.2011 - B 8 AY 1/10 R, Rn. 20).
c) Haben die Kläger wegen eines zumindest für Oktober 2008 feststellbaren Bedürftigkeitswegfalls von vornherein keinen Nachzahlungsanspruch nach § 44 Abs. 4 Satz 1 SGB X, so ist unerheblich, dass die Beklagte zu den mit den angefochtenen Bescheiden vorgenommenen Nachzahlungsabschlägen nicht berechtigt gewesen wäre, wäre die Bedürftigkeit nicht entfallen (dazu BSG, Urteil vom 9.6.2011 - B 8 AY 1/10 R; vorgehend Urteil des Senats vom 17.5.2010 - L 20 AY 10/10).
LSG Nordrhein-Westfalen, 23.05.2011 - L 20 AY 139/10
Soweit der erkennende Senat mit seinem Urteil vom 17.05.2010 - L 20 AY 10/10 (Revision beim BSG anhängig unter B 8 AY 1/10 R) die Anwendung des Aktualitätsgrundsatzes bei rückwirkender Erbringung von Leistungen nach § 2 AsylbLG wegen der pauschalierte Leistungen für eine längerfristige Ausgabenplanung (Ansparkomponente) enthaltenden Leistungserbringung entsprechend dem SGB XII nicht für möglich angesehen hat, unterscheidet sich der dieser Entscheidung zu Grunde liegende Sachverhalt von dem hier maßgeblichen Sachverhalt insofern in entscheidungserheblicher Weise, als der dortige Kläger bis zum Zeitpunkt der Entscheidung des Senats ununterbrochen im Bezug von Leistungen nach dem AsylbLG stand.
Dass die angefochtenen Bescheide - einen Anspruch gemäß § 44 Abs. 1 Satz 1 SGB X dem Grunde nach unterstellt - nicht in Einklang mit den Ausführungen des BSG sowie denjenigen des Senats in seinem Urteil vom 17.05.2010 - L 20 AY 10/10 (Revisionsverfahren anhängig beim BSG - B 8 AY 1/10 R) stehen dürften, bleibt somit hier bedeutungslos.
LSG Hamburg, 20.11.2017 - L 4 AY 3/14
Leistungen zur Sicherung des Lebensunterhalts nach dem AsylbLG ; Nachzahlung von …
LSG Hamburg, 01.09.2016 - L 4 AY 1/15
Geltendmachung höherer Leistungen zur Sicherung des Lebensunterhalts nach § 2 …
Aufhebung einer Entscheidung des SG über die Verhängung von Verschuldenskosten …
LSG Nordrhein-Westfalen, 20.11.2017 - L 20 SO 470/15
BSG, 03.05.2018 - B 8 SO 9/18 B
LSG Nordrhein-Westfalen, 28.01.2011 - L 20 AY 85/10
LSG Berlin-Brandenburg, 30.01.2012 - L 15 AY 23/11
Libanesischer Staatsangehöriger - rechtsmissbräuchliche Beeinflussung der …
LSG Nordrhein-Westfalen, 26.05.2014 - L 20 AY 151/13
LSG Nordrhein-Westfalen, 27.12.2011 - L 20 AY 124/11
LSG Sachsen, 14.01.2011 - L 7 AY 8/09
SG Berlin, 09.03.2012 - S 184 AY 9/12
Anspruch eines Ausländers auf Gewährung von Leistungen nach dem …
LSG Nordrhein-Westfalen, 29.04.2011 - L 20 AY 182/10
SG Gelsenkirchen, 30.08.2010 - S 12 AY 252/10
SG Gelsenkirchen, 19.07.2010 - S 12 AY 203/10
SG Detmold, 19.06.2013 - S 16 SF 198/12
Einigungsgebühr, Teilvergleich, vertragliche Beilegung, vertragliche Beilegung …
SG Dessau-Roßlau, 18.11.2011 - S 17 AY 25/08
Rechtsmissbräuchliche Beeinflussung der Aufenthaltsdauer, Mitwirkungspflicht, …