Source: http://m.hensche.de/Diskriminierung_Geschlecht_keine_Diskriminierung_wegen_des_Geschlechts_bei_falscher_Anrede_im_Bewerbungsverfahren_ArbG_Duesseldorf_14Ca908-11-u.html
Timestamp: 2017-04-28 08:22:12
Document Index: 282595589

Matched Legal Cases: ['§ 15', '§ 15', '§ 15', '§ 61', '§ 15', '§ 1', '§ 3', '§ 3', '§ 1', '§ 1', '§ 22', '§ 1', '§ 1', '§ 15', '§ 61', '§ 3', '§ 63']

HENSCHE Arbeitsrecht: 14 Ca 908/11
Pro­zess­be­vollmäch­tig­te: B. hat die 14. Kam­mer des Ar­beits­ge­richts Düssel­dorfauf die münd­li­che Ver­hand­lung vom 09.03.2011durch den Rich­ter am Ar­beits­ge­richt E. als Vor­sit­zen­den für Recht er­kannt:
Die Kläge­rin ist der An­sicht, aus der männ­li­chen An­re­de in dem Ab­leh­nungs­schrei­ben wer­de deut­lich, dass die Be­klag­te ih­re Be­wer­bungs­un­ter­la­gen nicht ein­mal an­satz­wei­se ei­nes Bli­ckes gewürdigt ha­be. Sie be­haup­tet, of­fen­sicht­lich sei ih­re Be­wer­bung aus­sor­tiert wor­den, weil sich aus ih­rem Na­men ein Mi­gra­ti­ons­hin­ter­grund er­ge­be. Der außer­pro­zes­sua­le Ein­wand der Be­klag­ten, es ha­be - 3 -
B. Die zulässi­ge Kla­ge ist un­be­gründet. Der Kläge­rin steht ge­gen die Be­klag­te kein An­spruch auf ei­ne Entschädi­gung gemäß § 15 Abs. 2 AGG zu. I. Dies folgt al­ler­dings nicht dar­aus, dass die Kläge­rin den An­spruch ver­spätet gel­tend ge­macht oder die Kla­ge­frist nicht ein­ge­hal­ten hat. Sie hat den Entschädi­gungs­an­spruch nach § 15 Abs. 2 AGG in­ner­halb der Zwei-Mo­nats-Frist des § 15 Abs. 4 AGG schrift­lich gel­tend ge­macht. Die Ab­leh­nung da­tiert vom 29.10.2010, die außer­ge­richt­li­che Gel­tend­ma­chung vom 13.12.2010. Die Kläge­rin hat mit der am 15.02.2011 bei Ge­richt ein­ge­gan­ge­nen Kla­ge auch die drei­mo­na­ti­ge Kla­ge­frist des § 61b Abs. 1 ArbGG ge­wahrt. II. Der für ei­nen Entschädi­gungs­an­spruch nach § 15 Abs. 2 AGG er­for­der­li­che Ver­s­toß ge­gen das Be­nach­tei­li­gungs­ver­bot liegt in­des nicht vor. Aus dem Sach­vor­trag der Kläge­rin er­gibt sich nicht, dass sie we­gen ei­nes in § 1 AGG ge­nann­ten Grun­des – zu de­nen auch die Ras­se oder die eth­ni­sche Her­kunft und das Ge­schlecht gehören – un­mit­tel­bar (§ 3 Abs. 1 AGG) oder mit­tel­bar (§ 3 Abs. 2 AGG) be­nach­tei­ligt wor­den ist. Zur Über­zeu­gung des Ge­richts hat die Kläge­rin kei­ne hin­rei­chen­den In­di­ztat­sa­chen vor­ge­tra­gen, die ei­ne ent­spre­chen­de Be­nach­tei­li­gung ver­mu­ten las­sen.
1. Ei­ne we­ni­ger güns­ti­ge Be­hand­lung we­gen ei­nes der in § 1 AGG ge­nann­ten Merk­ma­le ist be­reits dann ge­ge­ben, wenn die Be­nach­tei­li­gung an das verpönte Merk­mal an­knüpft oder durch sie mo­ti­viert ist. Aus­rei­chend ist, dass das verpönte Merk­mal Be­stand­teil ei­nes Mo­tivbündels ist, das die Ent­schei­dung - 5 -
3. Die­sen An­for­de­run­gen genügt be­reits der Sach­vor­trag der Kläge­rin nicht, so dass es auf die Er­wi­de­rung der Be­klag­ten in dem Schrift­satz vom 04.03.2011 nicht an­kam. Es genügt nicht vor­zu­tra­gen, dass ei­nes der verpönten Merk­ma­le des § 1 AGG in der Per­son der Be­wer­be­rin, d.h. hier der Kläge­rin, zu­trifft, weil es kei­nen Er­fah­rungs­satz gibt, dass je­de Un­gleich­be­hand­lung auf dis­kri­mi­nie­ren­den Merk­ma­len be­ruht (ErfK/Schlach­ter 11. Aufl. 2011 § 22 AGG Rn. 4). So hat das Bun­des­ar­beits­ge­richt z.B. aus­geführt, dass al­lei­ne die Be­ru­fung auf die Merk­ma­le „Frau“, „Le­bens­al­ter über 45“ oder „rus­si­sche Her­kunft“ für sich al­lein kei­ne Ver­mu­tung für ei­ne ungüns­ti­ge­re Be­hand­lung der Be­wer­be­rin we­gen die­ser oder ei­nes die­ser Gründe be­gründen. Es müss­ten viel­mehr von der Be­wer­be­rin wei­te­re Umstände vor­ge­tra­gen wer­den, aus de­nen sich die über­wie­gen­de Wahr­schein­lich­keit er­gibt, dass zu­min­dest ei­ner die­ser Gründe (mit)ursächlich für die nach­tei­li­ge Be­hand­lung war (so BAG vom 20.05.2010 a.a.O. Rn. 20). Dies ist in­des vor­lie­gend nicht der Fall. Auf Nach­fra­ge in der münd­li­chen Ver­hand­lung hat die Kläge­rin an­ge­ge­ben, dass das ein­zi­ge In­diz für ei­ne Be­nach­tei­li­gung in dem Be­wer­bungs­ver­fah­ren die in dem Ab­leh­nungs­schrei­ben ent­hal­te­ne fal­sche männ­li­che An­re­de sei. Auch bei An­le­gung ei­nes nicht stren­gen Maßsta­bes be­steht zur Über­zeu­gung des Ge­richts nach all­ge­mei­ner Le­bens­er­fah­rung kei­ne über­wie­gen­de Wahr­schein­lich­keit dafür, dass aus der fal­schen An­re­de auf ei­ne Be­nach­tei­li­gung ge­schlos­sen wer­den kann. Aus die­sem Feh­ler in dem Ab­leh­nungs­schrei­ben kann ent­ge­gen der An­sicht der Kläge­rin nicht mit der not­wen­di­gen Wahr­schein­lich­keit ge­schlos­sen wer­den, dass ih­re Be­wer­bung auf­grund der Ras­se oder ih­rer ethi­schen Her­kunft oder ih­res Ge­schlechts – wo­bei die Kläge­rin Letz­te­res selbst nicht gel­tend macht -, ab­ge­lehnt wor­den ist; und zwar auch nicht dar­auf, dass ei­ner die­ser Umstände Teil des Mo­tivbündels der Ab­leh­nung war. Die fal­sche An­re­de in dem Ant­wort­schrei­ben kann vie­ler­lei Gründe ha­ben. Es liegt zur Über­zeu­gung des Ge­richts so­gar näher von ei­nem schlich­ten Ver­se­hen oder ei­ner nicht sorgfälti­gen Be­ar­bei­tung des Ab­leh­nungs­schrei­bens aus­zu­ge­hen. Und selbst wenn die fal­sche An­re­de ih­re Ur­sa­che dar­in hat, dass der ausländi­sche Vor­na­me der Kläge­rin dem Ant­wor­ten­den nicht so­fort geläufig war und ihm des­halb ein Feh­ler in der Sach­be­ar­bei­tung der Ant­wort un­ter­lau­fen ist, kann dar­aus nicht mit - 7 -
ei­ner über­wie­gen­den Wahr­schein­lich­keit ge­schlos­sen wer­den, dass ei­nes der verpönten Merk­ma­le des § 1 AGG Teil des Mo­tivbündels der Ab­leh­nung der Be­wer­bung der Kläge­rin war. Ein schlich­ter Feh­ler in der Sach­be­ar­bei­tung ist dann nach wie vor ge­nau­so wahr­schein­lich. Da­bei hat das Ge­richt berück­sich­tigt, dass aus dem Be­wer­bungs­schrei­ben auf­grund des Fo­tos klar er­kenn­bar war, dass die Kläge­rin weib­lich ist. Auch dies be­legt die er­for­der­li­che Kau­sa­lität zu ei­ner Be­nach­tei­li­gung je­doch nicht. Dies kann ge­nau­so gut dafür spre­chen, dass bei dem Ab­leh­nungs­schrei­ben die Be­wer­bung der Kläge­rin nicht noch ein­mal zur Hand ge­nom­men wor­den ist und so ein Feh­ler un­ter­lau­fen ist. Letzt­lich ist zur Über­zeu­gung des Ge­richts ei­ne schlicht man­geln­de Sorg­falt in der Be­ar­bei­tung der Ant­wort zu­min­dest ge­nau­so wahr­schein­lich wie ei­ne von der Kläge­rin aus der männ­li­chen An­re­de ab­ge­lei­te­te Be­nach­tei­li­gung. Ein sol­ches Ver­se­hen kann zu­dem je­de oder je­den tref­fen, der sich be­wirbt. Auch dem Ge­richt ist es schon pas­siert, dass in ei­nem Ur­teil ver­se­hent­lich von ei­nem Kläger statt ei­ner Kläge­rin ge­spro­chen wor­den ist, oh­ne dass Mo­tivbündel der ge­trof­fe­nen Ent­schei­dung ei­nes der verpönten Merk­ma­le des § 1 AGG ge­we­sen wäre. Das Ge­richt ver­steht al­ler­dings, dass die Kläge­rin über die fal­sche An­re­de verärgert ist. Nicht je­des Ärger­nis und nicht je­der Feh­ler führt je­doch zu der Ver­mu­tung ei­ner Dis­kri­mi­nie­rung und so zu ei­nem Entschädi­gungs­an­spruch. III. Auf die Fra­ge, ob die sub­jek­ti­ve Ernst­haf­tig­keit der Be­wer­bung Tat­be­stands­vor­aus­set­zung für Ansprüche nach §§ 15, 6 AGG ist, kam es mit­hin nicht an (die­se Fra­ge of­fen las­send BAG vom 19.08.2010 a.a.O. Rn. 32).
E. Die Wert­fest­set­zung be­ruht auf § 61 Abs. 1 ArbGG i.V.m. § 3 ZPO. Sie er­ging auch gemäß § 63 Abs. 2 GKG. - 8 -
Lan­des­ar­beits­ge­richt Düssel­dorfLud­wig-Er­hard-Al­lee 2140227 Düssel­dorfFax: 0211-7770 2199
1. Rechts­anwälte, 2. Ge­werk­schaf­ten und Ver­ei­ni­gun­gen von Ar­beit­ge­bern so­wie Zu­sam­men­schlüsse sol­cher Verbände für ih­re Mit­glie­der oder für an­de­re Verbände oder Zu­sam­men­schlüsse mit ver­gleich­ba­rer Aus­rich­tung und de­ren Mit­glie­der, 3. ju­ris­ti­sche Per­so­nen, de­ren An­tei­le sämt­lich im wirt­schaft­li­chen Ei­gen­tum ei­ner der in Num­mer 2 be­zeich­ne­ten Or­ga­ni­sa­tio­nen ste­hen, wenn die ju­ris­ti­sche Per­son aus­sch­ließlich die Rechts­be­ra­tung und Pro­zess­ver­tre­tung die­ser Or­ga­ni­sa­ti­on und ih­rer Mit­glie­der oder an­de­rer Verbände oder Zu­sam­men­schlüsse mit ver­gleich­ba­rer Aus­rich­tung und de­ren Mit­glie­der ent­spre­chend de­ren Sat­zung durchführt, und wenn die Or­ga­ni­sa­ti­on für die Tätig­keit der Be­vollmäch­tig­ten haf­tet. Ei­ne Par­tei, die als Be­vollmäch­tig­te zu­ge­las­sen ist, kann sich selbst ver­tre­ten.
* Ei­ne Not­frist ist un­abänder­lich und kann nicht verlängert wer­den.gez. E.	m.hensche.de
zur Übersicht 14 Ca 908/11 Kontakt