Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Gericht=BFH&Datum=17.12.2014&Aktenzeichen=XI%20R%2016/11
Timestamp: 2019-10-21 09:02:05
Document Index: 268323475

Matched Legal Cases: ['§ 4', '§ 4', '§ 4', '§ 4', '§ 126', 'Art. 135', 'Art. 13', '§ 118', '§ 9', '§ 9', '§ 135', '§ 4', 'Art 13', '§ 118', 'EuG', 'BGH', '§ 118', '§ 4', '§ 118', '§ 4', 'Art. 135', 'Art. 13', 'EuG', '§ 4']

BFH, 17.12.2014 - XI R 16/11 - dejure.org
https://dejure.org/2014,49630
BFH, 17.12.2014 - XI R 16/11 (https://dejure.org/2014,49630)
BFH, Entscheidung vom 17.12.2014 - XI R 16/11 (https://dejure.org/2014,49630)
BFH, Entscheidung vom 17. Dezember 2014 - XI R 16/11 (https://dejure.org/2014,49630)
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§ 4 Nr. 12 Satz 2 des Umsatzsteuergesetzes... (UStG), § 4 Nr. 12 UStG, § 4 Nr. 12 Satz 1 Buchst. a UStG, § 4 Nr. 12 Satz 2 UStG, § 126 Abs. 2 der Finanzgerichtsordnung, Richtlinie 77/388/EWG, Art. 135 Abs. 1 Buchst. l der Richtlinie 2006/112/EG, Art. 13 Teil B Buchst. b der Richtlinie 77/388/EWG, § 118 Abs. 2 FGO, § 9 UStG, § 9 Abs. 1 UStG, § 135 Abs. 2 FGO
§ 4 Nr 12 S 1 Buchst a UStG 1993, Art 13 Teil B Buchst b EWGRL 388/77
Überlassung möblierter Zimmer an Prostituierte ist keine umsatzsteuerfreie Vermietung!
Die Prostituierte und ihr möbliertes Zimmer - umsatzsteuerlich gesehen
Überlassung möblierter Zimmer zur Prostitution nicht umsatzsteuerfrei
Überlassung möblierter Zimmer an Prostituierte ist bei weiteren Leistungen keine umsatzsteuerfreie Vermietung
BFHE 248, 436
NZM 2015, 754
BStBl II 2015, 427
Sie bindet damit den Senat gemäß § 118 Abs. 2 FGO (…vgl. z.B. BFH-Urteil vom 17. April 2008 V R 39/05, BFH/NV 2008, 1712, unter II.3.b, Rz 35; vom 17. Dezember 2014 XI R 16/11, BFHE 248, 436, BStBl II 2015, 427, Rz 33; jeweils m.w.N.).
Der XI. Senat hat sich dem angeschlossen (z.B. BFH-Urteile vom 17. Dezember 2014 XI R 16/11, BFH/NV 2015, 636, Rz 21;… vom 19. Februar 2014 XI R 1/12, BFH/NV 2014, 1398, Rz 23).
Ob eine Vermietungstätigkeit vorliegt, richtet sich umsatzsteuerrechtlich aufgrund richtlinienkonformer Auslegung nicht nach den Vorschriften des nationalen Zivilrechts, sondern nach dem Unionsrecht (BFH, Urteil vom 17. Dezember 2014 XI R 16/11, BStBl. II 2015, 427, .429 Tz. 22 m. w. N.).
Nach Auffassung des BFH kommt eine derartige Beurteilung insbesondere dann in Betracht, wenn Unterkünfte an Prostituierte vermietet werden und nicht die Grundstücksnutzung, sondern die Möglichkeit, die Prostitution auszuüben, aus der Sicht des Leistungsempfängers im Vordergrund steht (BFH, Urteil vom 17. Dezember 2014 XI R 16/11, BStBl. II 2015, 427, 429 Tz. 26;… Beschluss vom 13. September 2002 V B 51/02, BFH/NV 2003, 212 = Juris Rdnr. 12).
An dieser Rechtsprechung hat der BFH auch später stets festgehalten (…Beschlüsse vom 26. April 2002 V B 168/01, BFH/NV 2002, 1345 = Juris Rdnr. 15;… vom 13. September 2002 V B 51/02, BFH/NV 2003, 212 = Juris Rdnr. 12; Urteile vom 17. Dezember 2014 XI R 16/11, BStBl. II 2015, 427, 429 Tz. 26;… vom 19. Februar 2014 XI R 1/12, BFH/NV 2014, 1398 = Juris Rdnr. 25).
Von einer andersartigen Leistung ist der Senat bei einer Vermietung in einem "Bordell" ausgegangen (BFH-Urteil vom 22. August 2013 V R 18/12, BFHE 243, 32, BStBl II 2013, 1058, Leitsatz; vgl. zur entgeltlichen Überlassung möblierter Zimmer an Prostituierte, bei der zusätzliche Leistungen der Gesamtleistung ein anderes Gepräge geben als einer Vermietung, auch BFH-Urteil vom 17. Dezember 2014 XI R 16/11, BFHE 248, 436, BStBl II 2015, 427; vgl. allgemein zur Abgrenzung der Grundstücksvermietung zu sonstigen Leistungen Urteil des EuGH Varenne vom 22. Januar 2015 C-55/14, EU:C:2015:29).
Dies ist der Fall, wenn nach dem Gesamtbild der tatsächlichen Verhältnisse die Vermietung eines Grundstücks oder von Grundstücksteilen durch andere wesentliche Leistungen überlagert wird und die Zimmervermietung nur vorgeschoben ist (BFH-Urteil vom 17. Dezember 2014 XI R 16/11, BFHE 248, 436, BStBl II 2015, 427 zur Vermietung in einem Bordell).
Hierbei ist es unerheblich, ob die Prostituierten weisungsgebunden als Arbeitnehmerinnen oder als Subunternehmerinnen anzusehen sind (…BFH-Urteile vom 19. Februar 2014 XI R 1/12, BFH/NV 2014, 1398; in BFHE 248, 436, BStBl II 2015, 427;… BFH-Beschlüsse vom 21. Januar 2015 XI B 88/14, BFH/NV 2015, 864;… vom 25. November 2009 V B 31/09, BFH/NV 2010, 959;… vom 31. März 2006 V B 181/05, BFH/NV 2006, 2138;… vom 29. Januar 2008 V B 201/06, BFH/NV 2008, 827; Beschluss des Bundesgerichtshofes --BGH-- vom 6. Oktober 1989 3 StR 80/89, Höchstrichterliche Finanzrechtsprechung --HFR-- 1990, 582).
Sie bindet damit den Senat gemäß § 118 Abs. 2 FGO (vgl. dazu z.B. BFH-Urteile vom 17. Dezember 2014 XI R 16/11, BFHE 248, 436, BStBl II 2015, 427, Rz 33;… vom 12. August 2015 XI R 16/14, BFHE 251, 275, BFH/NV 2016, 346, Rz 32).
Eine Grundstücksvermietung im Sinne des § 4 Nr. 12 Buchst. a UStG ist allerdings auch nicht anzunehmen, wenn nicht die Grundstücksnutzung, sondern die Möglichkeit, eine bestimmte Betätigung auf dem Grundstück auszuüben, aus der Sicht des Leistungsempfängers im Vordergrund steht, es sich mithin um einen Vertrag besonderer Art handelt und zusätzliche Leistungen der Gesamtleistung ein anderes Gepräge geben (vgl. BFH-Urteil vom 17.12.2014 XI R 16/11, BStBl II 2015, 427;… Beschluss vom 13.09.2002 V B 51/02, BFH/NV 2003, 212).
Sie bindet damit den Senat gemäß § 118 Abs. 2 FGO (vgl. z.B. BFH-Urteil vom 17. Dezember 2014 XI R 16/11, BFHE 248, 436, BStBl II 2015, 427, Rz 33).
Das gilt jedoch nicht, wenn sie widersprüchlich, unklar, lückenhaft oder mehrdeutig ist oder gegen Denkgesetze oder allgemeine Erfahrungssätze verstößt (vgl. etwa BFH-Urteile vom 5. Mai 2011 IV R 34/08, BFHE 234, 1, BStBl II 2011, 787, unter II.1.d bb; vom 1. Februar 2012 I R 57/10, BFHE 236, 374, BStBl II 2012, 407, unter II.d cc;… vom 26. Juli 2012 III R 37/11, BFH/NV 2013, 351, unter II.3.a; vom 17. Dezember 2014 XI R 16/11, BFHE 248, 436, BStBl II 2015, 427, unter II.2.c).
Der Begriff "Vermietung von Grundstücken" im Sinne des § 4 Nr. 12 a Satz 1 Buchst. a UStG und des Art. 135 1 Buchst. I der MwStSystRL (bzw. der inhaltlich identischen Vorgängervorschrift des Art. 13 Teil B Buchst. b der Richtlinie 77/388/EWG) ist eng auszulegen, da diese Bestimmungen eine Ausnahme von dem Grundsatz vorsehen, dass jede Dienstleistung, die ein Unternehmer gegen Entgelt erbringt, der USt unterliegt (vgl. BFH Urteil vom 17.12.2014 XI R 16/11 Ziffer II 1 b, BFHE 248, 436, BStBl II 2015, 427 m.w.N. aus der Rechtsprechung des EuGH).
Kann aber der Hallenbetreiber auf Grund eines zu seinen Gunsten vertraglich vereinbarten Rechts die eingeräumte Nutzungsmöglichkeit kurzfristig entziehen, liegt kein Fall einer Vermietung im Sinne des § 4 Nr. 12 Satz 1 Buchst. a UStG durch den Betreiber an den Nutzenden vor (…vgl. BFH Beschluss vom 26.04.2002 V B 168/01, BFH/NV 2002, 1345 m.w.N.; BFH Urteil vom 17.12.2014 XI R 16/11 Ziffer II 2 f am Ende, a.a.O., betreffend die Überlassung von Räumen an Prostituierte zur Ausübung ihrer geschäftlichen Tätigkeit).