Source: https://www.rechtslupe.de/sozialrecht/auskunftserteilung-wegen-der-weitergabe-von-gespeicherten-sozialdaten-350940
Timestamp: 2019-12-07 12:19:12
Document Index: 33488256

Matched Legal Cases: ['§ 83', '§ 54', '§ 83', '§ 54', '§ 54', '§ 54', '§ 83', '§ 83', '§ 83', '§ 83', '§ 83', '§ 25', '§ 83', '§ 83', '§ 83', '§ 35', '§ 83', '§ 54', '§ 31', '§ 78', '§ 78', '§ 85', '§ 83', '§ 25', '§ 83', '§ 83', '§ 83', '§ 83', '§ 83', 'Art 2', 'Art 1', '§ 82', '§ 7', '§ 8', '§ 78', 'Art 23', 'Art 17', 'Art 5', '§ 67', '§ 35', '§ 83', 'Art 19', '§ 83', '§ 83', '§ 83', '§ 83', 'Art 19', '§ 54', '§ 54', '§ 92', '§ 54', '§ 131', '§ 83', '§ 84', '§ 54', '§ 54', '§ 83', '§ 83', '§ 84', '§ 71', '§ 34', '§ 10', '§ 34', '§ 78', '§ 88', '§ 26', '§ 82', '§ 19', '§ 78', '§ 82', '§ 78', '§ 7', '§ 7', '§ 83', '§ 11', '§ 11', '§ 83', '§ 83', '§ 83', '§ 19', '§ 19', '§ 19', '§ 19', '§ 19', '§ 19', '§ 25', '§ 19', '§ 19', '§ 106', '§ 368', '§ 35', '§ 131']

Aus­kunfts­an­spruch wegen der Wei­ter­ga­be von gespei­cher­ten Sozi­al­da­ten | Rechtslupe
Aus­kunfts­an­spruch wegen der Wei­ter­ga­be von gespei­cher­ten Sozi­al­da­ten
Begehrt ein Ver­si­cher­ter von sei­ner (gesetz­li­chen) Kran­ken­kas­se nach § 83 Abs 1 S 1 Nr 1 und 2 SGB X Aus­kunft dar­über, ob und ggf wel­che der über ihn bei der Kran­ken­kas­se gespei­cher­ten Sozi­al­da­ten die Kran­ken­kas­se an wel­che Emp­fän­ger mit wel­chen Medi­en wei­ter­gab, so ist rich­ti­ge Kla­ge­art für die­ses Begeh­ren die kom­bi­nier­te Anfech­tungs- und Leis­tungs­kla­ge (§ 54 Abs 4 SGG). Gericht­li­cher Rechts­schutz für die­ses Begeh­ren ist erst nach Durch­füh­rung eines Vor­ver­fah­rens zuläs­sig.
Rich­ti­ge Kla­ge­art
Maß­geb­lich für die statt­haf­te Kla­ge­art einer Kla­ge auf Ertei­lung einer Aus­kunft nach § 83 SGB X ist, ob über die Ableh­nung der Aus­kunfts­er­tei­lung ein Ver­wal­tungs­akt zu erge­hen hat. Zwar kann mit der Kla­ge die Ver­ur­tei­lung zu einer Leis­tung, auf die ein Rechts­an­spruch besteht, auch dann begehrt wer­den, wenn ein Ver­wal­tungs­akt nicht zu erge­hen hat­te (ech­te Leis­tungs­kla­ge, § 54 Abs 5 SGG). Hat die Behör­de dage­gen über die Ableh­nung durch Ver­wal­tungs­akt zu ent­schei­den, ist die unech­te Leis­tungs­kla­ge statt­haft. In die­sem Fal­le kann mit der Kla­ge neben der Auf­he­bung des Ver­wal­tungs­akts gleich­zei­tig die Leis­tung ver­langt wer­den, wenn der ange­foch­te­ne Ver­wal­tungs­akt eine Leis­tung betrifft, auf die ein Rechts­an­spruch besteht (§ 54 Abs 4 SGG). Erteilt eine Behör­de eine Aus­kunft, erfolgt dies durch Realakt. Steht allein die Ertei­lung einer Aus­kunft im Streit, kommt inso­weit die iso­lier­te Leis­tungs­kla­ge in Betracht (§ 54 Abs 5 SGG) 1.
Die vor­lie­gend streit­be­fan­ge­ne ableh­nen­de Ent­schei­dung über die Ertei­lung einer Aus­kunft nach § 83 SGB X hat durch Ver­wal­tungs­akt zu erge­hen 2. Der anders­lau­ten­den Auf­fas­sung des Beru­fungs­ge­richts, das eine all­ge­mei­ne Leis­tungs­kla­ge genü­gen lässt, ver­mag der erken­nen­de Senat nicht zu fol­gen.
§ 83 SGB X for­dert, über die Ableh­nung der Ertei­lung einer Aus­kunft durch Ver­wal­tungs­akt zu ent­schei­den. Das folgt ins­be­son­de­re aus § 83 Abs 5 SGB X im Zusam­men­spiel mit § 83 Abs 1 SGB X. Nach § 83 Abs 1 SGB X ist dem Betrof­fe­nen auf Antrag Aus­kunft zu ertei­len über 1. die zu sei­ner Per­son gespei­cher­ten Sozi­al­da­ten, auch soweit sie sich auf die Her­kunft die­ser Daten bezie­hen, 2. die Emp­fän­ger oder Kate­go­ri­en von Emp­fän­gern, an die Daten wei­ter­ge­ge­ben wer­den, und 3. den Zweck der Spei­che­rung. In dem Antrag soll die Art der Sozi­al­da­ten, über die Aus­kunft erteilt wer­den soll, näher bezeich­net wer­den. Sind die Sozi­al­da­ten nicht auto­ma­ti­siert oder nicht in nicht auto­ma­ti­sier­ten Datei­en gespei­chert, wird die Aus­kunft nur erteilt, soweit der Betrof­fe­ne Anga­ben macht, die das Auf­fin­den der Daten ermög­li­chen, und der für die Ertei­lung der Aus­kunft erfor­der­li­che Auf­wand nicht außer Ver­hält­nis zu dem vom Betrof­fe­nen gel­tend gemach­ten Infor­ma­ti­ons­in­ter­es­se steht. Die ver­ant­wort­li­che Stel­le bestimmt das Ver­fah­ren, ins­be­son­de­re die Form der Aus­kunfts­er­tei­lung, nach pflicht­ge­mä­ßem Ermes­sen. § 25 Abs 2 SGB X gilt ent­spre­chend. § 83 Abs 2 bis 4 SGB X regelt Grün­de, einen Aus­kunfts­an­trag nach § 83 Abs 1 SGB X abzu­leh­nen.
Die Ableh­nung der Aus­kunfts­er­tei­lung bedarf nach § 83 Abs 5 SGB X kei­ner Begrün­dung, soweit durch die Mit­tei­lung der tat­säch­li­chen und recht­li­chen Grün­de, auf die die Ent­schei­dung gestützt wird, der mit der Aus­kunfts­ver­wei­ge­rung ver­folg­te Zweck gefähr­det wür­de. In die­sem Fall ist der Betrof­fe­ne dar­auf hin­zu­wei­sen, dass er sich, wenn die in § 35 SGB I genann­ten Stel­len der Kon­trol­le des Bun­des­be­auf­trag­ten für den Daten­schutz unter­lie­gen, an die­sen, sonst an die nach Lan­des­recht für die Kon­trol­le des Daten­schut­zes zustän­di­ge Stel­le wen­den kann. Die Ein­schrän­kung der Begrün­dungs­pflicht nach § 83 Abs 5 S 1 SGB X spie­gelt die Regel wider, dass die Ableh­nung grund­sätz­lich durch einen zu begrün­den­den Ver­wal­tungs­akt zu erfol­gen hat. Im Übri­gen ist inner­halb des Kla­ge­sys­tems des SGG, das im Ver­hält­nis zwi­schen Bür­ger und öffent­lich-recht­li­chem Leis­tungs­trä­ger vom Ver­wal­tungs­akt als typi­schem Rege­lungs­in­stru­ment nach dem SGB X und der dar­auf auf­bau­en­den Anfech­tungs- und Ver­pflich­tungs­kla­ge aus­geht (§ 54 Abs 1, 2 SGG), die iso­lier­te oder ech­te Leis­tungs­kla­ge des Bür­gers gegen den öffent­lich-recht­li­chen Leis­tungs­trä­ger die Aus­nah­me 3.
Für die Zuläs­sig­keit der Kla­ge fehlt es an einem Vor­ver­fah­ren. Zwar ist die Grund­vor­aus­set­zung einer kom­bi­nier­ten Anfech­tungs- und Leis­tungs­kla­ge erfüllt, dass die Behör­de durch Ver­wal­tungs­akt ent­schie­den hat. Denn die Kran­ken­kas­se lehn­te es nach Erhe­bung der ursprüng­li­chen Untä­tig­keits­kla­ge ab, die bean­trag­te Aus­kunft zu ertei­len 4. Die­se Ableh­nung des Antrags erfüllt sach­lich alle Vor­aus­set­zun­gen eines Ver­wal­tungs­ak­tes (§ 31 SGB X). Es ist unschäd­lich, dass die­se Ent­schei­dung der Kran­ken­kas­sen nicht äußer­lich in die Form eines Ver­wal­tungs­ak­tes geklei­det war. Hier­ge­gen wand­te sich die Klä­ge­rin auch unver­züg­lich und beharr­te auf der Erfül­lung ihres Anspruchs. Sie lei­te­te damit das Wider­spruchs­ver­fah­ren ord­nungs­ge­mäß ein.
Vor Erhe­bung der Anfech­tungs­kla­ge sind Recht­mä­ßig­keit und Zweck­mä­ßig­keit des Ver­wal­tungs­akts in einem Vor­ver­fah­ren nach­zu­prü­fen (§ 78 Abs 1 S 1 SGG). Das hier­nach obli­ga­to­ri­sche Vor­ver­fah­ren ist nicht ent­behr­lich, weil kei­ner der in § 78 Abs 1 S 2 SGG genann­ten Aus­nah­me­fäl­le vor­liegt. Das Vor­ver­fah­ren konn­te – unab­hän­gig von der Mög­lich­keit im Übri­gen – hier auch nicht wäh­rend des Kla­ge­ver­fah­rens dadurch kon­klu­dent nach­ge­holt wer­den, dass die Kran­ken­kas­se der Kla­ge ent­ge­gen­ge­tre­ten ist und ihre Abwei­sung bean­tragt hat. Die Kran­ken­kas­se pro­zess­füh­ren­de Behör­de ist näm­lich mit der zur Ent­schei­dung beru­fe­nen Wider­spruchs­be­hör­de (vgl § 85 Abs 2 Nr 2 SGG) nicht iden­tisch 5.
Der Klä­ge­rin muss mit Blick auf die­sen Ver­fah­rens­feh­ler Gele­gen­heit zur Nach­ho­lung des Vor­ver­fah­rens im Beru­fungs­ver­fah­ren gege­ben wer­den, bevor das Gericht über ihre Kla­ge abschlie­ßend ent­schei­det 6.
Bestehen eines Aus­kunfts­an­spruchs
Rechts­grund­la­ge des Aus­kunfts­be­geh­rens ist § 83 Abs 1 S 1 Nr 2 iVm Nr 1 SGB X. Danach ist – wie dar­ge­legt – dem Betrof­fe­nen auf Antrag Aus­kunft zu ertei­len ua über die zu sei­ner Per­son gespei­cher­ten Sozi­al­da­ten, auch soweit sie sich auf die Her­kunft die­ser Daten bezie­hen, und über die Emp­fän­ger oder Kate­go­ri­en von Emp­fän­gern, an die Daten wei­ter­ge­ge­ben wer­den. In dem Antrag soll die Art der Sozi­al­da­ten, über die Aus­kunft erteilt wer­den soll, näher bezeich­net wer­den. Sind die Sozi­al­da­ten nicht auto­ma­ti­siert oder nicht in nicht auto­ma­ti­sier­ten Datei­en gespei­chert, wird die Aus­kunft nur erteilt, soweit der Betrof­fe­ne Anga­ben macht, die das Auf­fin­den der Daten ermög­li­chen, und der für die Ertei­lung der Aus­kunft erfor­der­li­che Auf­wand nicht außer Ver­hält­nis zu dem vom Betrof­fe­nen gel­tend gemach­ten Infor­ma­ti­ons­in­ter­es­se steht. Die ver­ant­wort­li­che Stel­le bestimmt das Ver­fah­ren, ins­be­son­de­re die Form der Aus­kunfts­er­tei­lung, nach pflicht­ge­mä­ßem Ermes­sen. § 25 Abs 2 SGB X gilt ent­spre­chend (§ 83 Abs 1 S 2 bis 5 SGB X). Für Sozi­al­da­ten, die nur des­halb gespei­chert sind, weil sie auf Grund gesetz­li­cher, sat­zungs­mä­ßi­ger oder ver­trag­li­cher Auf­be­wah­rungs­vor­schrif­ten nicht gelöscht wer­den dür­fen, oder die aus­schließ­lich Zwe­cken der Daten­si­che­rung oder der Daten­schutz­kon­trol­le die­nen, gilt Absatz 1 nicht, wenn eine Aus­kunfts­er­tei­lung einen unver­hält­nis­mä­ßi­gen Auf­wand erfor­dern wür­de (§ 83 Abs 2 SGB X). Die Aus­kunfts­er­tei­lung unter­bleibt ua, soweit die Aus­kunft die ord­nungs­ge­mä­ße Erfül­lung der in der Zustän­dig­keit der ver­ant­wort­li­chen Stel­le lie­gen­den Auf­ga­ben gefähr­den wür­de, und des­we­gen das Inter­es­se des Betrof­fe­nen an der Aus­kunfts­er­tei­lung zurück­tre­ten muss (§ 83 Abs 4 Nr 1 SGB X).
Es spricht viel dafür, dass der Aus­kunfts­an­spruch nach § 83 Abs 1 S 1 Nr 2 iVm Nr 1 SGB X nicht nur die Aus­kunft dar­über umfasst, ob und ggf wel­che der über die Klä­ge­rin bei der Kran­ken­kas­sen gespei­cher­ten Sozi­al­da­ten die Kran­ken­kas­se an wel­che Emp­fän­ger wei­ter­gab. Über den Wort­laut der Rege­lung hin­aus dürf­te auch die Aus­kunft über das Über­mitt­lungs­me­di­um ein­zu­be­zie­hen sein, wenn dies erfor­der­lich ist, um ins­be­son­de­re Rech­te auf künf­ti­ges Unter­las­sen, Löschung und Scha­dens­er­satz ver­fol­gen zu kön­nen, wenn näm­lich der Über­mitt­lungs­weg den Zugriff unbe­rech­tig­ter Drit­ter eröff­net. Genau dar­auf beruft sich die Klä­ge­rin. Es ist Sinn und Zweck des Aus­kunfts­an­spruchs nach § 83 Abs 1 S 1 Nr 1 und Nr 2 SGB X, den Betrof­fe­nen in die Lage zu ver­set­zen, zu erfah­ren, wer was wann und bei wel­cher Gele­gen­heit über ihn weiß. Dies dient dazu, die Rech­te auf Löschung, Berich­ti­gung, Sper­rung und Scha­dens­er­satz 7 effek­tiv gel­tend machen zu kön­nen. Der Aus­kunfts­an­spruch sichert hier­durch ver­fas­sungs­kon­form das Grund­recht auf infor­ma­tio­nel­le Selbst­be­stim­mung (Art 2 Abs 1 iVm Art 1 Abs 1 GG) ab 8.
Die Klä­ge­rin beruft sich gera­de dar­auf, dass die Kran­ken­kas­se die Klä­ge­rin betref­fen­de Sozi­al­da­ten ohne Schutz vor dem Zugriff unbe­rech­tig­ter Drit­ter über­mit­telt habe. Kennt­nis über das Über­mitt­lungs­me­di­um kann inso­weit zur Kennt­nis über eine "unzu­läs­si­ge Ver­ar­bei­tung" füh­ren. Eine unzu­läs­si­ge Ver­ar­bei­tung kann einen Scha­dens­er­satz­an­spruch nach § 82 SGB X (i.V.m. § 7 bzw § 8 BDSG) aus­lö­sen und eine gegen die Anfor­de­run­gen nach § 78a SGB X ver­sto­ßen­de Daten­ver­ar­bei­tung sein 9. Dafür spre­chen auch Art 23 und Art 17 Abs 1 der Richt­li­nie des Euro­päi­schen Par­la­ments und des Rates vom 24.10.1995 zum Schutz natür­li­cher Per­so­nen bei der Ver­ar­bei­tung per­so­nen­be­zo­ge­ner Daten und zum frei­en Daten­ver­kehr 10 (vgl auch Art 5 Richt­li­nie 95/​46/​EG).
Die Grund­vor­aus­set­zun­gen des gel­tend gemach­ten Aus­kunft­an­spruchs dürf­ten erfüllt sein: Die Klä­ge­rin bean­trag­te bei der Kran­ken­kas­sen als "ver­ant­wort­li­che Stel­le" (§ 67 Abs 9 S 2 SGB X, § 35 SGB I) die gewünsch­te Aus­kunft dar­über, ob und ggf wel­che der über die Klä­ge­rin bei der Kran­ken­kas­sen gespei­cher­ten, noch nicht mit­ge­teil­ten Sozi­al­da­ten die Kran­ken­kas­se an wel­che Emp­fän­ger mit wel­chen Medi­en wei­ter­gab. Weder bedurf­te es einer wei­te­ren Kon­kre­ti­sie­rung des Antrags 11 noch der Dar­le­gung eines schüt­zens­wer­ten Aus­kunfts­in­ter­es­ses 12.
Die Ein­wen­dun­gen der Kran­ken­kas­sen dürf­ten kaum durch­grei­fen. Uner­heb­lich ist inso­weit der Ein­wand der Kran­ken­kas­sen hin­sicht­lich der tele­fo­ni­schen Wei­ter­ga­be von Sozi­al­da­ten, dass sie nicht jedes Tele­fo­nat akten­kun­dig mache. Der Aus­kunfts­an­spruch nach § 83 Abs 1 S 1 Nr 2 SGB X erstreckt sich näm­lich auch auf nicht gespei­cher­te Emp­fän­ger bzw die nicht doku­men­tier­te Über­mitt­lung von Sozi­al­da­ten 13. Das Gebot effek­ti­ven Rechts­schut­zes (Art 19 Abs 4 GG) gebie­tet grund­sätz­lich, die Über­mitt­lung per­so­nen­be­zo­ge­ner Daten zu pro­to­kol­lie­ren, sodass der Betrof­fe­ne von der Wei­ter­ga­be sei­ner Daten Kennt­nis erlan­gen und dage­gen den Rechts­weg beschrei­ten kann 14.
Dem Aus­kunfts­an­spruch der Klä­ge­rin steht nicht ent­ge­gen, dass die Aus­kunft, wenn die Sozi­al­da­ten nicht auto­ma­ti­siert oder nicht in nicht auto­ma­ti­sier­ten Datei­en gespei­chert sind, nur erteilt wird, soweit der Betrof­fe­ne Anga­ben macht, die das Auf­fin­den der Daten ermög­li­chen, und der für die Ertei­lung der Aus­kunft erfor­der­li­che Auf­wand nicht außer Ver­hält­nis zu dem vom Betrof­fe­nen gel­tend gemach­ten Infor­ma­ti­ons­in­ter­es­se steht (§ 83 Abs 1 S 3 SGB X). Bei Prü­fung die­ser Vor­aus­set­zung ist zu beach­ten, dass mit Blick auf das Recht auf infor­ma­tio­nel­le Selbst­be­stim­mung Ein­schrän­kun­gen des Infor­ma­ti­ons­rechts nur zuläs­sig sind, wenn sie gegen­läu­fi­gen Inter­es­sen von grö­ße­rem Gewicht die­nen. Gesetz­li­che Aus­schluss­tat­be­stän­de müs­sen sicher­stel­len, dass die betrof­fe­nen Inter­es­sen ein­an­der umfas­send und auch mit Blick auf den Ein­zel­fall zuge­ord­net wer­den 15. Grund­sätz­lich kann die Siche­rung der ord­nungs­ge­mä­ßen Auf­ga­ben­er­fül­lung staat­li­cher Stel­len eine Ein­schrän­kung des Aus­kunfts­rechts recht­fer­ti­gen. Ob im Ein­zel­fall eine Aus­kunfts­er­tei­lung aus­ge­schlos­sen wer­den darf oder nicht, rich­tet sich ins­be­son­de­re nach der Bedeu­tung des Aus­kunfts­rechts für die Grund­rech­te des Betrof­fe­nen, nach dem Gewicht der jewei­li­gen behörd­li­chen Auf­ga­be und nach den Aus­wir­kun­gen einer Aus­kunft auf die Auf­ga­ben­er­fül­lung 16.
Die Klä­ge­rin hat Anga­ben gemacht, die das Auf­fin­den der Daten (hin­sicht­lich der Emp­fän­ger) ermög­li­chen. Der für die Ertei­lung der Aus­kunft erfor­der­li­che Auf­wand steht nicht außer Ver­hält­nis zu dem von ihr gel­tend gemach­ten Infor­ma­ti­ons­in­ter­es­se. Das Infor­ma­ti­ons­in­ter­es­se der Klä­ge­rin ergibt sich nicht nur all­ge­mein aus ihrem Recht auf infor­ma­tio­nel­le Selbst­be­stim­mung. Sie unter­mau­ert es mit dem Hin­weis, die Kran­ken­kas­se habe die Klä­ge­rin betref­fen­de medi­zi­ni­sche Daten über das Inter­net ver­sandt. Zudem habe sie medi­zi­ni­sche Daten an die Stadt­ver­wal­tung K. ohne erkenn­ba­re Recht­fer­ti­gung (im Rah­men des SGB IX) wei­ter­ge­ge­ben. Schließ­lich habe sie ohne gesetz­li­che Grund­la­ge Sozi­al­da­ten an die Bun­des­agen­tur für Arbeit über­mit­telt.
Der für die Ertei­lung der Aus­kunft erfor­der­li­che Auf­wand ist zudem unter Berück­sich­ti­gung effi­zi­en­ter, kos­ten­spa­ren­der Ver­fah­ren zu bemes­sen. Um eine Aus­kunft zu ermög­li­chen, bestimmt die ver­ant­wort­li­che Stel­le unter Berück­sich­ti­gung die­ses Inter­es­ses das Ver­fah­ren, ins­be­son­de­re die Form der Aus­kunfts­er­tei­lung (vgl § 83 Abs 1 S 4 SGB X). In die­sem Sin­ne ist es der Kran­ken­kas­sen durch­aus mög­lich, der Klä­ge­rin in einer Art und Wei­se Aus­kunft zu ertei­len, die den orga­ni­sa­to­ri­schen Auf­wand in Gren­zen hält, bei­spiels­wei­se in Form der Gewäh­rung von Akten­ein­sicht. Die Kran­ken­kas­se hat es bei alle­dem in der Hand, die Akten­füh­rung gene­rell so zu gestal­ten, dass der Auf­wand für die gesetz­li­chen Aus­kunfts­rech­te mög­lichst gering gehal­ten wird 17.
Die Kran­ken­kas­se kann auch nicht mit Erfolg gel­tend machen, die Aus­kunfts­er­tei­lung müs­se unter­blei­ben, soweit die Aus­kunft die ord­nungs­ge­mä­ße Erfül­lung der in der Zustän­dig­keit der ver­ant­wort­li­chen Stel­le lie­gen­den Auf­ga­ben gefähr­den wür­de, und des­we­gen das Inter­es­se des Betrof­fe­nen an der Aus­kunfts­er­tei­lung zurück­tre­ten muss (vgl § 83 Abs 4 Nr 1 SGB X). Wenn die Kran­ken­kas­se die begehr­te Aus­kunft erteilt, gefähr­det die gewünsch­te Infor­ma­ti­on als sol­che nicht die ord­nungs­ge­mä­ße Auf­ga­ben­er­fül­lung der Kran­ken­kas­sen 18. Selbst wenn man ent­ge­gen den ver­fas­sungs- und euro­pa­recht­li­chen Wer­tun­gen – über den Wort­laut hin­aus – Rechts­miss­brauch durch die Rege­lung des § 83 Abs 4 Nr 1 SGB X abweh­ren könn­te, grif­fe eine sol­che Fol­ge zu Las­ten der Klä­ge­rin nach den dar­ge­leg­ten Grund­sät­zen effek­ti­ver Aus­kunfts­ge­stal­tung nicht ein.
Soll­ten die Wider­spruchs­stel­le im Vor­ver­fah­ren und sodann das LSG den­noch nicht das gesam­te Begeh­ren für begrün­det erach­ten, bestehen Beden­ken gegen die Rechts­auf­fas­sung des LSG, das Gericht müs­se sich bei Ableh­nung des Gesamt­an­spruchs nicht mit zu beja­hen­den Teil­an­sprü­chen befas­sen. Das LSG ist nach all­ge­mei­nen Grund­sät­zen bei teil­ba­rem Streit­ge­gen­stand der Kla­ge und unter­schied­li­chen Ergeb­nis­sen für Tei­le des Streit­ge­gen­stands zwecks Gewäh­rung effek­ti­ven Rechts­schut­zes (Art 19 Abs 4 GG) ver­pflich­tet, hin­sicht­lich des erfolg­rei­chen Kla­ge­teils der Kla­ge statt­zu­ge­ben, also bei der unech­ten Leis­tungs­kla­ge den ange­foch­te­nen Ver­wal­tungs­akt "abzu­än­dern" (§ 54 Abs 1 S 1 SGG) und den Kran­ken­kas­sen zu der Teil­leis­tung zu ver­ur­tei­len, auf die Anspruch besteht (§ 54 Abs 4 SGG), soweit dies dem Kla­ge­be­geh­ren ent­spricht. Bestehen Zwei­fel dar­über, dass hilfs­wei­se die zuläs­si­ge Teil­leis­tung begehrt wird, ist dies im Ver­fah­ren zu klä­ren (§§ 92, 106, 123 SGG) 19. Das SGG gibt selbst nicht vor, wann und unter wel­chen Vor­aus­set­zun­gen die Rege­lun­gen eines Ver­wal­tungs­ak­tes teil­bar und damit der teil­wei­sen Bestands­kraft zugäng­lich sind. Viel­mehr knüpft es an die nach mate­ri­ell-recht­li­chen Vor­schrif­ten zu beur­tei­len­de Teil­bar­keit an (vgl § 54 Abs 1 S 1 iVm § 131 Abs 1 S 1 SGG) 20. Aus­kunfts­be­geh­ren, die sich – wie vor­lie­gend – auf § 83 SGB X stüt­zen, sind ihrer Art nach grund­sätz­lich teil­bar. Das belegt die dif­fe­ren­zier­te Rege­lungs­struk­tur die­ser Norm.
Bun­des­so­zi­al­ge­richt, Urteil vom 13. Novem­ber 2012 – B 1 KR 13/​12 R
vgl zB BSG SozR 4 – 1300 § 84 Nr 1; Kel­ler in Mey­er-Lade­wi­g/Kel­ler/­Leit­he­rer, SGG, 10. Aufl 2012, § 54 RdNr 41; Zei­he, SGG, Stand Novem­ber 2010, Vor § 54 Anm B II 6[↩]
vgl auch BSGE 107, 86 = SozR 4 – 1300 § 83 Nr 1, RdNr 2, 13; Bie­resborn in von Wulffen, SGB X, 7. Aufl 2010, § 83 RdNr 9 und 19[↩]
vgl BSG SozR 4 – 1300 § 84 Nr 1 RdNr 24[↩]
vgl ent­spre­chend zur Erle­di­gung der Untä­tig­keits­kla­ge und zuläs­si­gen Fort­füh­rung der Kla­ge in sol­chen Fäl­len BSG SozR 4 – 3300 § 71 Nr 2 RdNr 23 f mwN[↩]
zur Kri­tik im Übri­gen vgl zB BSGE 97, 47 = SozR 4 – 2700 § 34 Nr 1, RdNr 29 mwN; BSG SozR 3 – 5540 Anl 1 § 10 Nr 1 S 10 f[↩]
vgl zB BSGE 97, 47 = SozR 4 – 2700 § 34 Nr 1, RdNr 30; Leit­he­rer in Mey­er-Lade­wi­g/Kel­ler/­Leit­he­rer, SGG, 10. Aufl 2012, § 78 RdNr 3a mwN; zu einer abwei­chen­den Kon­zep­ti­on des § 88 SGG und der Not­wen­dig­keit eines Vor­ver­fah­rens bei einem Son­der­fall vgl BSGE 75, 262 = SozR 3 – 8560 § 26 Nr 2[↩]
vgl §§ 82, 84 SGB X[↩]
vgl grund­le­gend BVerfGE 65, 1, 43; Grund­satz der Trans­pa­renz; zur ver­fas­sungs­kon­for­men Kon­kre­ti­sie­rung der Par­al­lel­norm des § 19 BDSG vgl BVerfGE 120, 351, 359 ff[↩]
zum Bei­spiel des Feh­lens einer nach Nr 2 der Anla­ge zu § 78a SGB X ein­zu­rich­ten­den Zugangs­kon­trol­le vgl Rom­bach in Hauck/​Noftz, SGB X, Online-Aus­ga­be, § 82 RdNr 21, Stand März 2002; der­sel­be eben­da, § 78a RdNr 35, Stand Mai 2011; so auch bzgl § 7 BDSG Wag­ner, MittL­VA Württ 1991, 268, 270; Gabel in Taeger/​Gabel, BDSG, 2010, § 7 RdNr 7; vgl auch Schult­ze-Mel­ling, CR 2005, 73, 77; Klett/​Lee, CR 2008, 644, 647[↩]
ABl EG Nr L 281/​31 vom 23.11.1995[↩]
zur blo­ßen Beschleunigungs‑, nicht Aus­schluss­funk­ti­on des § 83 Abs 1 S 2 SGB X vgl Ent­wurf der Bun­des­re­gie­rung zum BDSG, BT-Drucks 7/​1027 S 26, Zu § 11; vgl auch Bericht des Innen­aus­schus­ses zum BDSG, BT-Drucks 7/​5277 S 7, Zu § 11, wonach die Vor­schrift "im Inter­es­se des Bür­gers" in eine Soll­vor­schrift umge­wan­delt wor­den ist; s auch Rom­bach in Hauck/​Noftz, SGB X, Online-Aus­ga­be, § 83 RdNr 20, Stand Ein­zel­kom­men­tie­rung August 2002[↩]
vgl BVerw­GE 89, 14, 17 f; Kne­mey­er, JZ 1992, 348, 350[↩]
vgl auch Rom­bach in Hauck/​Noftz, SGB X, Online-Aus­ga­be, § 83 RdNr 8, Stand August 2002; Bie­resborn in von Wulffen, SGB X, 7. Aufl 2010, § 83 RdNr 4; Gola/​Schomerus, BDSG, 11. Aufl 2012, § 19 RdNr 6; Mall­mann in Simi­tis, BDSG, 7. Aufl 2011, § 19 RdNr 26; Schaffland/​Wiltfang, BDSG, § 19 RdNr 3, Stand Ein­zel­kom­men­tie­rung Okto­ber 2011; Mes­ter in Taeger/​Gabel, BDSG, 2010, § 19 RdNr 14[↩]
vgl BVerfGE 65, 1, 70; s auch Bau­mann, DVBl 1984, 612, 618; für eine "Spei­che­rungs­pflicht" auf­grund des § 19 Abs 1 S 1 Nr 2 BDSG auch: Mall­mann in Simi­tis, BDSG, 7. Aufl 2011, § 19 RdNr 26[↩]
vgl BVerfG Beschluss vom 10.10.2000 – 1 BvR 586/​90, 1 BvR 673/​90, NVwZ 2001, 185, 186[↩]
vgl BVerfGE 120, 351, 365[↩]
vgl auch BVerfGK 7, 168, 184 = SozR 4 – 1300 § 25 Nr 1 RdNr 54[↩]
vgl zu die­sem wort­laut­ge­treu­en Ansatz auch BVerw­GE 89, 14, 18; BFHE 203, 227, 233; BFHE 202, 425, 428; s auch Mall­mann in Simi­tis, BDSG, 7. Aufl 2011, § 19 RdNr 84; Wed­de in Däubler/​Klebe/​Wedde/​Weichert, BDSG, 3. Aufl 2010, § 19 RdNr 23[↩]
vgl all­ge­mein Hauck in Hen­nig, SGG, Stand Sep­tem­ber 2012, § 106 RdNr 7 ff[↩]
vgl. BSGE 59, 137, 143 = SozR 2200 § 368a Nr 13 S 38; BVerwG Beschluss vom 02.01.1997 – 8 B 240/​96; BVerwG Beschluss vom 30.07.2010 – 8 B 125/​09; BFH Beschluss vom 24.03.2009 – III B 120/​07 – BFH/​NV 2009, 1142; BSGE 107, 287 = SozR 4 – 2500 § 35 Nr 4, RdNr 17; Hauck in Zei­he, SGG, Stand Novem­ber 2010, § 131 Anm 3 mwN[↩]
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