Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Text=NJW%201997,%202191
Timestamp: 2019-05-26 04:15:02
Document Index: 161479326

Matched Legal Cases: ['§ 22', 'BGH', '§ 223', '§ 223', '§ 223', '§ 81', 'EGMR', '§ 823', '§ 223']

OLG Köln, 08.03.1996 - Ss 106/96 - 42 - dejure.org
OLG Köln, 08.03.1996 - Ss 106/96 - 42
https://dejure.org/1996,5268
OLG Köln, 08.03.1996 - Ss 106/96 - 42 (https://dejure.org/1996,5268)
OLG Köln, Entscheidung vom 08.03.1996 - Ss 106/96 - 42 (https://dejure.org/1996,5268)
OLG Köln, Entscheidung vom 08. März 1996 - Ss 106/96 - 42 (https://dejure.org/1996,5268)
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StGB §§ 22, 23, 53, 223, 241, 253
Nachweis der Erheblichkeit einer körperlichen Beeinträchtigung bei einer durch telefonische Drohanrufe verursachten Durchfallerkrankung; Erforderlichkeit einer erheblichen Beeinträchtigung des körperlichen Wohlbefindens für die tatbestandliche Verwirklichung der Körperverletzung; Änderung des Schuldspruchs aufgrund des Entfallens eines Teils der Straftatbestände; Maßstab der Ertragbarkeit von Symptomen psychosomatischer Vorgänge bei einem durchschnittlichen Menschen; Untauglichkeit geringer psychosomatischer Symptome für die Herbeiführung eines pathologischen Zustandes; Notwendigkeit der Aufhebung eines Strafurteils aufgrund der Möglichkeit der Verhängung einer milderen Strafe
NJW 1997, 2191
Angst als solche stellt jedoch - insbesondere wenn die Reaktion "zeitlich begrenzt" bzw. "kurzfristig" auftritt - lediglich eine Beeinträchtigung des seelischen Wohlbefindens und eine normale Reaktion auf Bedrohungen, nicht aber einen pathologischen Zustand dar (Senatsbeschluss vom 5. November 1996 - 4 StR 490/96, NStZ 1997, 123; vgl. BGH, Beschluss vom 11. Juli 2012 - 2 StR 60/12, NStZ-RR 2012, 340 f.; OLG Köln, NJW 1997, 2191, 2192;… NK-StGB/Paeffgen, 4. Aufl., § 223 Rn. 11a).
Die an anderer Stelle in dem Urteil erwähnten Schlafstörungen, temporären Schwindelzustände, Albträume, Nervosität und erhöhte Reizbarkeit reichen - wie oben ausgeführt - mangels näherer Konkretisierung ebenfalls nicht aus, um eine tatbestandsmäßige Beeinträchtigung der körperlichen Unversehrtheit zu begründen (vgl. auch OLG Köln, NJW 1997, 2191, 2192).
Weinkrämpfe und Herzrasen können ebenfalls eine normale körperliche Reaktion auf die mit einer Bedrohungssituation verbundenen Aufregungen unterhalb der Erheblichkeitsschwelle des § 223 StGB darstellen (zur fehlenden Tatbestandsmäßigkeit von "Herzklopfen" bzw. "Herzrasen" vgl. OLG Köln, NJW 1997, 2191, 2192;… NK-StGB/Paeffgen, § 223 Rn. 11a;… Smischek, Stalking, 2006, S. 215).
Solches stellt eine - durch § 81a StPO nicht mehr gerechtfertigte - Körperverletzung dar (vgl. zum Vorliegen einer Körperverletzung OLG Köln NJW 1997, 2191, 2192 m.w.N.; vgl. auch EGMR NJW 2006, 3117, 3124).
Die Beurteilung ändert sich aber, wenn infolge von Abscheu oder Ekel körperliche Wirkungen hinzutreten, etwa in Form von Magenschmerzen, Erbrechen und Atemnot (vgl. etwa OLG Köln NJW 1997, 2191, 2192).
Der Kopfanstoß hat zumindest zu einer nicht unerheblichen Beeinträchtigung des Wohlbefindens des Klägers, somit zu einer Körperverletzung im Sinne der §§ 823 Abs. 1 BGB, 223 StGB (vgl. hierzu OLG Köln in NJW 1997, 2191;… Tröndle, StGB-Kommentar, 48. Aufl., Rn. 3 zu § 223) geführt.