Source: http://www.myjurazone.de/strafrecht/strafrecht-at/meinungsstreitigkeiten/
Timestamp: 2018-08-16 01:59:33
Document Index: 91087077

Matched Legal Cases: ['§ 127', '§ 35', '§ 35', '§ 30', '§ 15', '§ 16', 'BGH', '§ 32', '§ 32', '§ 32', '§ 32', '§ 33', '§ 33', '§ 33', '§ 33', '§ 35', '§ 33', '§ 127', '§ 127', '§ 17', '§ 16', '§ 16', '§ 16', '§ 16', '§ 16', '§ 16', '§ 20', '§ 20', 'Art. 103', '§ 20', '§ 35', '§ 13', '§ 13', 'BGH', '§ 13', '§ 25', '§ 26', '§ 25', '§ 22', '§ 22', '§ 22', '§ 30', '§ 24', 'BGH', '§ 24']

myJurazone - Strafrecht AT/Streite
Probleme im Strafrecht AT
Rechtsfolge des aberratio ictus bei rechtlich gleichwertigen individuellen Tatobjekten/ -opfern
Fälle ärztlichen Fehlverhaltens in Zusammenhang mit objektiver Zurechnung
Abgrenzung Eventualvorsatz - Bewusste Fahrlässigkeit: Willenstheorien
Bombe an Auto: Welcher Irrtum?
Notwehr – Definition: Rechtswidrigkeit des Angriffs
Notwehr: Qualität des Vorverhaltens
Notwehrhandlung: Erforderlichkeit eines subjektiven Rechtfertigungselements
Festnahmelage, § 127 I 1 StPO: Tatsächliche Tatbegehung
Einordnung des Unrechtsbewusstseins
Rechtsfolge des Erlaubnistatbestandsirrtums
Der übergesetzliche entschuldigende Notstand, § 35 StGB analog – Begründung
Strafbarkeit des Täters bei Unkenntnis objektiv rechtfertigender Umstände
Abschluss des Versuchs bei zeitlich aufeinanderfolgenden Handlungen
Abgrenzung: Aktives Tun und Unterlassen
Beginn des Unterlassungsversuches
Abbruch eigener Rettungsbemühungen, ab wann Unterlassen?
Unterlassung: Unbeendeter und beendeter Versuch
Wann endet Garantenstellung bei einer Ehe?
Tatbegehung in Abgrenzung von der Teilnahme
Funktionale Tatherrschaft:Verursachungsbeiträge im Vorbereitungsstadium
Mittelbare Täterschaft: Ausübung von Zwang unterhalb der Schwelle des § 35 StGB
Versuchsbeginn: Mittelbare Täterschaft
Versuchsbeginn Mittäterschaft
Versuchsbeginn bei vermeintlicher Mittäterschaft
Versuchsbeginn beim Stellen von Fallen und bei Distanzdelikten
Vorläufige Aufgabe eines Versuchs
§ 30 StGB: Unmittelbares Ansetzen
Grund der Straflosigkeit beim Rücktritt
Rücktrittsmöglichkeit trotz außertatbestandlicher Zielerreichung
Konstellation: Erster Versuch schlägt fehl, vom zweiten Versuch tritt Täter wirksam zurück
Tätervorsatz umfasst zwar auch die Verwirklichung mehrerer Tatbestände/Erfolge aber iSe Entweder-Oder-Verhältnisses, von den vorgestellten Tatbeständen/Erfolgen will Täter iE nur einen herbeiführen
Herrschende Meinung: Bestrafung aller konstruktiv erfassbaren Delikte
(P) zur Last gelegt werden ihm zwei in Tateinheit konkurrierende Vorsatztaten, obwohl er es nur zu einer Rechtsgutsverletzung kommen lassen wollte
Eine Ansicht: Bestrafung nur aus dem vollendeten Delikt, Vorsatz bzgl. der versuchten Tat verbraucht
Kritik: Keine Überzeugung schweres Versuchsunrecht unberücksichtigt zu lassen, wenn vollendetes Delikt geringeres Gewicht hat
Andere Ansicht: Versuchsunrecht geht vor, falls dieses schwerer wiegt
Kritik: Befremdlich nicht wegen vollendeten Delikts zu bestrafen
Konkurrenzlösung (hM): Praktikabel, deutlich, dass Tätervorsatz sich weiter erstreckt
s.a. Kudlich, § 15 Rn. 26 f. in: BeckOK StGB
Rechtsfolge der aberratio ictus bei rechtlich gleichwertigen individuellen Tatobjekten/ -opfern
Meinung 1 – Gleichwertigkeitstheorie: Bestrafung aus Vorsatztat,wenn die Zielverfehlung innerhalb der Lebenserfahrung lag und die Tat deshalb keine andere Bewertung verdient; Abweichung unbeachtlich, da sich der Vorsatz ausschließlich auf die gesetzlichen Merkmale beziehen muss
Meinung 2 – Konkretisierungstheorie (h.M.): Versuch hinsichtlich der beabsichtigten Tat am Zielobjekt und ggf. eine Fahrlässigkeitstat hinsichtlich der ungewollten Verletzung des verletzten Objekts
s.a. Kudlich, § 16 Rn. 8 f., in: BeckOK StGB
Fälle ärztlichen Fehlverhaltens im Zusammenhang mit der objektiven Zurechnung
Meinung 1: Zurechnung des Erfolges dem Erstverursacher bei leichten oder mittelschweren Kunstfehlern, da diese vorhersehbar sind
Meinung 2: Keine Zurechnung, wenn der Arzt durch den Kunstfehler eine hinzukommende Gefahr geschaffen hat, an der der Patient stirbt
ABER: Zurechnung (+) bei unterlassener oder unzureichender Behandlung durch den Arzt
s.a. NJOZ 2014, 386 (386 f.)
Setzen zwei Elemente des Vorsatzes voraus
Meinung 1: Gleichgültigkeitstheorie
Eventualvorsatz: Positive Gutheißung oder gleichgültige Hinnahme der bloß möglichen Nebenfolge
Bewusste Fahrlässigkeit: Nebenfolge unerwünscht und auf Ausbleiben hoffen
Meinung 2: Vermeidungstheorie
Eventualvorsatz: Unerwünschte Folge als möglich vorstellen
Bewusste Fahrlässigkeit: Steuernder Wille auf Vermeidung gerichtet
Meinung 3: Ernstnahmetheorie (herrschende Literatur)
Eventualvorsatz: Möglichkeit der Rechtsgutverletzung ernst nehmen (damit rechnen, abfinden)
Bewusste Fahrlässigkeit: Vertrauen auf das Ausbleiben
Meinung 4: Billigungstheorie (Rspr.)
Eventualvorsatz: Erfolgseintritt möglich und innerliche Billigung
Bewusste Fahrlässigkeit: Kein Einverständnis mit Tatbestandsvoraussetzungen und ernsthaftes Hoffen auf Ausbleiben
s.a. Herzberg, JuS 1986, 249
Meinung 1: Aberratio ictus
durch Konkretisierung des Wagens wurde der Nutzer des Wagens
(, welcher Opfer sein soll) hinreichend konkretisiert
Meinung 2: Error in persona
erforderliche Tatumstandskenntnis nicht gegeben
nur Konkretisierung des Wagens
s.a. Herzberg, NStZ 1999, 217
Notwehr – Definition: Rechtswidrigkeit der Angriffs
Meinung 1 (BGH u. Teile Lit.): Rechtswidrigkeit (+), wenn der Angegriffene die drohende Rechtsgutsverletzung nicht zu dulden braucht -> drohendes Erfolgsunrecht
Meinung 2: Rechtswidrigkeit (+), wenn das Angreiferverhalten objektiv im Widerspruch zur Rechtsordnung steht -> Verhaltensunrecht (entfällt bei Rechtfertigungsgrund und wenn Täter sich objektiv fehlerfrei verhalten hat)
s.a. Lackner, § 32 Rn. 5, in: Lackner/Kühl
Meinung 1 (Rspr.): Beschränkung des Notwehrrechts, wenn das Vorverhalten sozialethisch zu beanstanden ist
Meinung 2 (Lit.): Beschränkung des Notwehrrechts, wenn durch Vorverhalten rechtswidrig und nicht nur sozialethisch missbilligenswert gehandelt hat
s.a. Lackner, § 32 Rn. 13 ff., in: Lackner/Kühl
Notwehrhandlung: Erforderlichkeit eines subjektiven Rechtfertigungselementes
Meinung 1: Subjektive Theorie
Handlung mit Wille zur Verteidigung erforderlich (Wortlaut §§ 32, 34 StGB)
Meinung 2: Objektive Theorie
Objektive Notwehrvoraussetzungen ausreichend
Gegenargument: Daraus folgt: Rechtfertigung der Notwehrhandlung, auch wenn der Täter Notwehrlage nicht kennt->Straflosigkeit
s.a. Perron, § 32 Rn. 63 ff., in: Schönke/Schröder
Rechtsprechung: Nicht erfasst von § 33 StGB
Extreme Gegenmeinung: Sowohl vorzeitiger als auch nachzeitiger Exzess erfasst
Herrschende Lehre: Nachzeitig unter § 33 StGB einbezogen ->Voraussetzung: Enger zeitlicher Zusammenhang
s.a. Perron, § 33 Rn. 1 ff., in: Schönke/Schröder
Herrschende Meinung: Gedanke der Unrechtsminderung = (-)
Andere Ansicht: Analoge Anwendung § 33 StGB, (+), wenn Betroffener selbst schuld, weil beim Täter Irrtum verursacht hat
Besser: Analoge Anwendung § 35 II StGB
s.a. Heuchemer, § 33 Rn. 11 ff., in: BeckOK StGB
Meinung 1 – materielle Theorie (h.M.): Straftat muss wirklich begangen worden sein
Systematik des § 127 StPO; Abs. 2 wäre überflüssig, würde der dringende Tatverdacht ausreichen
Meinung 2 – Verdachtslösung/prozessuale Theorie: Erforderlich, aber auch ausreichend, dass sich aus der Zusammenschau aller erkennbaren äußeren Umstände im Tatzeitpunkt zweifelsfrei dringender Tatverdacht für eine Straftat ergibt
StPO knüpft an Verdacht an, also muss auch für das Festnahmerecht der Bürger der Tatverdacht ausreichen
s.a. Schultheis, § 127 Rn. 9 ff., in: Karlsruher Kommentar zur StPO
Meinung 1: Vorsatztheorie
Unrechtsbewusstsein = Bestandteil des Vorsatzes
bei Fehlen = kein Vorsatz
Meinung 2: Schuldtheorie
Unrechtsbewusstsein =Bestandteil der Schuld
bei Fehlen = Vorsatz gegeben, aber unter dem Aspekt der Vermeidbarkeit in der Schuld zu prüfen
Meinung 1: Strenge Schuldtheorie -> § 17 StGB
Vorsatz = Kenntnis der Umstände, die zum objektiven Tatbestand gehören
fehlendes Unrechtsbewusstsein nur in der Schuld -> Irrtum über Rechtwidrigkeit = Verbotsirrtum
Meinung 2: Eingeschränkte Schuldtheorien -> § 16 I 1 StGB
Lehre von den negativen Tatbestandsmerkmalen, § 16 I 1 StGB direkt
Gesamtunrechtstatbestand = Vorliegen des objektiven Tatbestandes + Fehlen von Rechtfertigungsgründen
Vorsatz muss sich auf beides erstrecken
sollte kein Vorsatz hinsichtlich dem Fehlen von Rechtfertigungsgründen bestehen, dann entfällt Strafbarkeit des Vorsatzdeliktes aus § 16 I 1 StGB direkt
Vorsatzunrechtsverneinende eingeschränkte Schuldtheorie, § 16 I 1 StGB analog
Strukturelle Nähe zum Tatbestandsirrtum -> keine vorsätzliche Herbeiführung des Erfolgsunrechtes
Vorsatzschuldverneinende rechtsfolgenverweisende eingeschränkte Schuldtheorie, § 16 I 1 StGB analog
keine Berührung des Tatbestandvorsatzes durch irrige Annahme eines Rechtfertigungsgrundes, sondern nur Ausschluss der Vorsatzschuld
die vorsätzliche Tatbestandsverwirklichung ist kein Ausdruck einer rechtsfeindlichen Gesinnung
s.a. Kudlich, § 16 Rn. 22 ff., in: BeckOK StGB
Schuldausnahmetheorie
Actio libera in causa als gewohnheitsrechtlich anerkannte Ausnahme zu der von § 20 StGB geforderten Simultaneität von Tatausführung und Schuld
Vorverlagerung der Prüfung der strafrechtlichen Verantwortlichkeit
Kritik: Nicht mehr vertretbar! § 20 StGB sieht nicht die Möglichkeit vor, trotz Schuldunfähigkeit des Täters aus einer Vorsatztat zu bestrafen; Verstoß gegen Art. 103 II GG
Vorverlagerungstheorie (h.M.)
Schon in einer Handlung vor Eintritt der Schuldunfähigkeit liegt der Beginn der tatbestandsmäßigen Handlung -> Vorverlagerung des strafrechtlichen Anknüpfungspunktes
Erforderlichkeit des Doppelvorsatzes
Rspr. lehnt diese Theorie für solche Straftatbestände ab, die eine bestimmte Art und Weise der Tathandlung voraussetzen, sog. verhaltensgebundene Delikte
Kritik: Wer schon mit dem Herbeiführen der Schuldunfähigkeit beginnt, macht sich wegen Versuchs strafbar
Differenzierung in verhaltensneutraler und verhaltensgebundener Delikten überzeugt nicht -> keine gespaltene Strafbarkeit (Mord (-), Totschlag (+))
s.a. Streng, § 20 Rn. 114 ff., in: MüKO StGB
Theorie des ethisch geringeren Übels: Ausreichend, dass der Täter bei ethischer Gesamtbetrachtung das geringere Übel gewählt hat
Kritik: Ethische Betrachtung als Einfallstor für quantitative Überlegungen
Theorie der Gefahrengemeinschaft: Zwischen den geopferten und den gefährdeten Menschen muss eine Gefahrengemeinschaft bestehen. Sicherstellung, dass der Täter nur solche Menschenleben opfert, die ohne sein Tun sowieso verloren gewesen wären
s.a. Neumann, § 35 Rn. 54 ff., in: Kindhäuser/Neumann/Paeffgen
Meinung 1 (Rspr.): Fehlen der Kenntnis der Notwehrlage -> Handlung in Einklag mit der Rechtsordnung wird nur bei Strafzumessung berücksichtigt
Meinung 2 (Lit.): Strafbarkeit nur wegen Versuchs
Unterscheidung von Handlungsunrecht und Erfolgsunrecht: Erfolgsunrecht fehlt bei dieser Tat (ist aber notwendig für das Unrecht eines Erfolgsdelikts)
Einzelakttheorie: Jeder Versuch hat spätestens in dem Zeitpunkt seinen tatsächlichen Abschluss gefunden, in dem jeweils eine aus Tätersicht zur Herbeiführung des Taterfolges ausreichende Handlung vorgenommen wurde
Kritik: Künstliche Aufsplitterung eines einheitlichen Geschehens
Gesamtbetrachtungslehre (h.M.):
1. Abstellen auf die letzte Perspektive des Täters vor der Entscheidung zum Nichtweiterhandeln – Rücktrittshorizont
2. Gesamtbetrachtung: Vorstellung des Täters über weitere Handlungsmöglichkeiten und ob diese mit den bereits verwirklichten eine natürliche Handlungseinheit bilden
Kann der Täter nach seiner Vorstellung ohne zeitliche Unterbrechung und ohne grundlegende Änderung seines ursprünglichen Tatplans weitermachen, so befindet er sich noch bei demselben, durch die erste Handlung begonnen Versuch
Unbeendeter Versuch, wenn er glaubt, dass der Erfolg ohne weiteres Zutun nicht eintreten werde
s.a. Herzberg, NJW 1989, 197
Meinung 1: Naturalistische Betrachtung, welche in zwei Schritten anhand des Energie- und Kausalitätskriteriums prüft
1. Energiekriterium: Feststellung, ob der Täter irgendwie in Richtung auf das geschützte Rechtsgut tätig geworden ist und eine reale Außenweltveränderung bewirkt hat
2. Kausalitätskriterium: Frage, ob dieser Energieeinsatz im Wege eines naturgesetzlichen Bedingungszusammenhangs kausal für den Eintritt des schädlichen Erfolges war
Meinung 2 (h.M.): Liegt nach dem Energie- und Kausalitätskriterium ein mehrdeutiges Verhalten vor, nimmt die h.M. in einem zweiten Denkschritt eine Wertung vor
Schwerpunkt der Tatgeschehens: Tun oder Unterlassen?
Fallgruppen, in denen nur die h.M. zur einem aktiven Tun gelangt:
Abbruch eigener Rettungsmaßnahmen nach erlangen eiern sicheren Rettungschance
Abhalten Rettungswilliger
Ausschalten lebenserhaltender Apparaturen
Abbruch durch behandelnden Arzt: Unterlassen der Weiterbehandlung
Abbruch durch Dritten: Schwerpunkt Tun
s.a. Wohlers/Gaede, § 13 Rn. 4 ff., in: Kindhäuser/Neumann/Paeffgen
Meinung 1: Beginn mit Versäumung der ersten Handlungspflicht
Kritik: Lässt den Versuch früher beginnen als beim Begehungsdelikt und vernachlässigt, dass eine unmittelbare Rechtsgutsgefährdung verlangt wird
Meinung 2: Beginn mit Verstreichenlassen der letzten Handlungsmöglichkeit
Kritik: Unterlassungstäter wird bessergestellt
Meinung 3 (h.M.): Abstellen auf unmittelbare Gefährdung des Opfers
Meinung 4 – Alternativ- oder Entlassungsformel: Versuchsbeginn, wenn der Garant das Geschehen aus der Hand gibt, auch wenn dadurch noch keine unmittelbare Gefährdung eintritt, aber der Erfolg zeitnah verwirklicht wird
s.a. Wohlers/Gaede, § 13 Rn. 23, in: Kindhäuser/Neumann/Paeffgen
Herrschende Meinung: Solange beim Unterlassen bis Rettungsmöglichkeit das Opfer erreicht hat
Andere Ansicht: Rettende Kausalverlauf muss nicht beim Opfer angekommen sein
Meinung 1: Kein beendeter Versuch, weil der Täter hier nicht durch Passivität Strafbefreiung erlangen kann
Meinung 2 (BGH): Unterlassungsversuch solange unbeendet, wie der Täter annimmt, den Erfolg durch die ursprünglich gebotene Handlung abwenden zu können
s.a. Herzebrg/Hoffmann-Holland, § 13 Rn. 71 ff., in: MüKo StGB
Eine Ansicht: Auflösung der Ehe durch rechtskräftiges Urteil
Andere Ansicht: Einbeziehung der faktischen Situation = Ende, wenn mit ernsthafter Absicht getrennt
s.a. Freund, NJW 2003, 3384
Meinung 1 – Tatherrschaftslehre (Lit.): Tatherrschaft meint das vom Vorsatz umfasste In-den-Händen-Halten des tatbestandsmäßigen Geschehensablaufs. -> Täter beherrscht das Ob und Wie der Tat
Meinung 2 – Subjektive Theorie (Rspr.): Abgrenzung nach der inneren Willensrichtung der Beteiligten
Täter = wer einen Tatbeitrag mit Täterwillen (animus auctoris) leistet, also die Tat als eigene will
Teilnehmer = wer einen Tatbeitrag mit Teilnehmerwillen (animus socii) leistet, also die Tat als fremde will
Beweisanzeichen für Täterwillen
Tatherrschaft oder der Wille zur Tatherrschaft
s.a. Joecks, § 25 Rn. 4 ff., in: MüKo StGB
Meinung 1: Tatherrschaft als reale Mitbeherrschung des tatbestandsmäßigen Geschehens vor Ort; Ausnahme: Wenn der Ortsabwesende eine Verbindung zu seinen Komplizen bei der Tatausführung hat und darüber direkten Einfluss nehmen kann
Meinung 2 – weite Tatherrschaftslehre (h.M.): Ortsabwesender kann auch Mittäter sein; Kompensation der fehlenden Beteiligung durch Plus an Mitwirkung iRd Vorbereitung -> Gesamtbewertung aller objektiven und subjektiven Umstände
Meinung 3 (Rspr.): Ausreichend sind alle Verursachungsbeiträge, wenn sie nur mit Täterwillen geleistet worden sind
Zur Begehung einer Qualifikation anstiften
Literatur: (-) Anstiftung, Gedanke des omnimodo facturus
Rechtsprechung: (+) Unrechtsgehalt erheblich erhöht, zu weit, wenn innerhalb desselben Tatbestands nur
s.a. Kudlich, § 26 Rn. 16, in: BeckOK StGB
Vordermann unterliegt keinem Strafbarkeitsmangel -> STR., ob in bestimmten Fällen dennoch eine Bestrafung des Hintermanns als mittelbarer Täter in Betracht kommt
Meinung 1: (-), tatbestandsbezogene Tatherrschaft des Hintermanns ist durch die volle Verantwortlichkeit des Vordermanns ausgeschlossen
Meinung 2 (h.M.): (+) „Täter hinter dem Täter“; entscheidend, dass der Hintermann den Vordermann in Bezug auf den konkreten Erfolgseintritt kraft Wissens-, Willens- oder Organisationsherrschaft unter Kontrolle hat
s.a. Heine/Weißer, § 25 Rn. 22 ff., in: Schönke/Schröder
Mindermeinung: (+), Hintermann beherrscht Genötigten ausreichend
Herrschende Meinung: (-), Vordermann hat standzuhalten, Verantwortungsprinzip, besserer Abgrenzungsmaßstab
Meinung 1 – Einwirkungstheorie : Mit Beginn der Einflussnahme auf den Tatmittler
Meinung 2 – Allgemeine Ansatzformel: Kombination des Wissenshorizontes des Hintermanns mit den tatplangemäßen Handlungen des Tatmittlers -> aus der Perspektive des Hintermannes muss der Tatmittler die Schwelle zum „Jetzt geht’s los“ überschritten haben
Meinung 3 – Entlassungstheorie: Mittelbarer Täter muss nichts mehr tun, sobald er das Werkzeug losgeschickt hat -> abgeschlossenes Täterhandeln
s.a. Beckemper, § 22 Rn. 56 ff., in: BeckOK StGB
Gesamtlösung: Sobald nur einer von ihnen gem. § 22 StGB zur Tatbestandsverwirklichung ansetzt
Einzellösung: Jeder Mittäter getrennt zu betrachten, selbst Schwelle überschritten oder im Versuchsstadium einen Tatbeitrag erbracht
s.a. Eser/Bosch, § 22 Rn. 55, in: Schönke/Schröder
Eine Ansicht: Untauglicher mittäterschaftlicher Versuch, fremde Versuchshandlung zurechnen
Andere Ansicht: Nicht nur objektiv, subjektive Komponente nicht gegeben, nur Versuch der Beteiligung
Frühere herrschende Meinung: Beendigung der Tathandlung stets Beginn des Versuchs
Kritik: Erfasst keine Konstellationen, wo der Täter wie beim unbeendeten Versuch Geschehen noch in der Hand hält
Andere Ansicht: Erst wenn sich das Opfer in den Wirkungskreis des Tatmittels begibt und von daher unmittelbar gefährdet ist
Kritik: Zu eng
Herrschende Meinung: Andere Ansicht wird erweitert um -> wenn der Täter die Herrschaft über den Geschehensverlauf aus der Hand gegeben hat
herrschende Meinung: Ausreichend
Vorteil: Einheitliches Tatgeschehen erfasst
Andere Ansicht: Endgültigkeit notwendig
Kritik: Anknüpfung an bloße Gesinnung
Weite Ansicht: Allgemeine Versuchsregeln = Beginn eines Anstiftungsgesprächs
Enge Ansicht: Zugang der Anstiftungserklärung
Herrschende Meinung: Auffordernde hat Kausalverlauf aus der Hand gegeben
s.a. Beckemper, § 30 RN. 8 f., in: BeckOK StGB
Kriminalpolitische Theorie: „Goldene Brücke“ zurück in die Legalität; Gedanke des Opferschutzes; Je stärker die Anreize für einen Rücktritt, umso besser wird das Opfer geschützt
Verdienstlichkeitstheorie (Gnadentheorie): Täter für Rückkehr in Legalität belohnen
Strafzwecktheorie: Gedanke der General- und Spezialprävention
s.a. Lackner, § 24 Rn. 2, in: Lackner/Kühl
Einzelakttheorie: Rücktrittsunfähiger Fehlschlag
Andere Ansicht: Keine Aufgabe, wenn Ziel bereits erreicht, keine honorierungswürdige Rücktrittshandlung möglich
BGHSt 39, 221 ff.: Aufgabe der Tat verlangt von § 24 StGB, daher Rücktritt (+) ->Opferschutzgedanke
Konstellation: Erster Veruch schlägt fehl, vom zweiten Versuch tritt Täter wirksam zurück
Einzelakttheorie: Getrennte Betrachtung des Geschehens
Kritik: Kriminelle Energie geringer
Gesamtbetrachtungslehre: Einheitliches Geschehen
Vorteil: Tat als gesamter einheitlicher Lebensvorgang, Rücktrittseinheit gewahrt, keine genereller Ausschluss
Die hier dargestellten Meinungsstreite sind angelehnt an Rengier, Rudolf, Strafrecht Allgemeiner Teil, 3. Auflage 2011 und Krüger, Rolf, BasisSkript Strafrecht AT, 2011.