Source: https://www.personalpraxis24.de/aktuelles/thema-der-woche/archiv-themen-der-woche/praktikumsvertrag-muss-das-sein/
Timestamp: 2020-04-08 02:02:43
Document Index: 45988335

Matched Legal Cases: ['§ 2', '§ 10', '§ 10', '§ 2', '§ 11', '§ 2', '§ 11']

Praktikumsvertrag, muss das sein?
Ob Schnupper-, Schüler- oder Pflichtpraktikum: Streitfälle über die Rechte und Pflichten von Praktikanten gibt es immer wieder. Dabei können vor allem schriftliche Vereinbarungen viele Unklarheiten aus dem Weg räumen. Welche Einzelheiten Arbeitgeber in Praktikumsverträgen festhalten sollten, erfahren Sie hier.
Der Gesetzgeber sieht für Praktikumsverträge weder eine bestimmte Form noch einen bestimmten Inhalt vor. Die §§ 2 NachwG und 11 BBiG sprechen lediglich im Zusammenhang mit BGB-Arbeits- und BBiG-Berufsbildungsverträgen von Nachweis und Niederschrift. Das NachwG sieht aber ebenso wenig wie das BBiG vor, dass Arbeits- oder Berufsausbildungsverträge schriftlich zu vereinbaren sind. Unabhängig vom Fehlen besonderer Vorschriften sollten Arbeitgeber dennoch stets Schriftform wählen. Nur sie hat eine ausreichende Dokumentations- und Beweisfunktion.
Das BGB sieht nicht einmal für einen "echten" Arbeitsvertrag Schriftform vor. § 10 Abs. 1 BBiG sagt zwar, dass Ausbilder und Auszubildender einen "Berufsausbildungsvertrag" schließen müssen. Auf diesen Berufsausbildungsvertrag sind dann nach § 10 Abs. 2 BBiG "die für den Arbeitsvertrag geltenden Rechtsvorschriften und Rechtsgrundsätze anzuwenden" - und die schreiben ja gerade keine besondere Vertragsform vor.
§ 2 NachwG verpflichtet Arbeitgeber, spätestens einen Monat nach dem vereinbarten Beginn des Arbeitsverhältnisses "die wesentlichen Vertragsbedingungenschriftlich niederzulegen". Gleichzeitig gibt er in Satz 2 Nr. 1 bis Nr. 10 vor, was er unter den "wesentlichen Vertragsbedingungen" versteht. Und § 11 BBiG sagt: "Ausbildende haben unverzüglich nach Abschluss des Berufsbildungsvertrages, spätestens vor Beginn der Berufsausbildung, den wesentlichen Inhalt des Vertrages gemäß Satz 2 schriftlich niederzulegen".
Praxistipp: Auch wenn ein Praktikumsvertrag kein BGB-Arbeitsverhältnis und kein BBiG-Berufbildungsvertrag ist: Praktikumgeber und Praktikant sollten ihn in jedem Fall schriftlich schließen. Ein schriftlicher Vertrag ist in seiner Wirkung viel nachhaltiger als eine mündliche Vereinbarung. Außerdem darf seine Dokumentations- und Beweisfunktion nicht unterschätzt werden. Nur ein schriftlicher Praktikumsvertrag hilft, zukunftsorientiert Streitfälle über Rechte und Pflichten des Praktikanten im Sinne des Praktikumgebers zu lösen.
Sowohl § 2 Abs. 1 Satz 1 NachwG als auch § 11 Abs. 3 BBiG sprechen davon, dass der Arbeitgeber/Ausbilder seinem Vertragspartner die Niederschrift (Nachweis) bzw. eine Ausfertigung der Niederschrift (Berufsausbildungsvertrag) aushändigen muss. Es ist eine Selbstverständlichkeit, dass der Praktikumgeber den Praktikumsvertrag in zweifacher Ausfertigung erstellt und eine der beiden Ausfertigungen seinem Praktikanten überlässt.
die Art des Praktikums (unter Umständen mit einer sachlichen und zeitlichen Gliederung sowie der Angabe des Praktikumszwecks und des Praktikumsziels - den sogenannten Praktikumsplan)
der Praktikumsort - oder, wenn der Pratikant sein Praktikum nicht nur an einem bestimmten Ort leisten soll, der Hinweis darauf, dass der Praktikumgeber dem Praktikanten an verschiedenen Orten Gelegenheit geben wird, Eindrücke zu sammeln
Praxistipp: Bei Praktikantenverträgen besteht immer die Gefahr, dass Form und Wirklichkeit auseinanderfallen. Wer seinen Praktikanten "richtig" arbeiten lässt, kann nicht allen Ernstes erwarten, mit einem "Praktikumsvertrag" die Rechtsfolgen echter Arbeitsverhältnisse auszuhebeln. So kann die Vereinbarung von Unentgeltlichkeit im "Praktikumsvertrag" die Vergütungspflicht nicht ausschließen, wenn der "Praktikant" tatsächlich Arbeit schuldet und leistet.
Praxistipp: Ob und in welchen Zweigen der Sozialversicherung (Arbeitslosen-, Kranken-, Pflege- und Rentenversicherung) ein Praktikant versicherungspflichtig ist, entscheiden nicht die Vertragspartner, sondern die gesetzlichen Bestimmungen. Es ist immer sinnvoll, den sozialversicherungsrechtlichen Status rechtzeitig vor Beginn des Praktikums und vor Vertragsschluss zu klären - und dann einen entsprechenden Hinweis mit in den Vertrag aufzunehmen. Mehr dazu im Stichwort "Praktikum - Sozialversicherung" unseres Arbeitsrechtslexikons.
Praxistipp: Kommt es im Vertrag auf spezifische - durch eine Ausbildungs-, Berufs-, Prüfungs- oder Studienordnung vorgegebene - Inhalte an, ist es sinnvoll, diese spezifischen vertraglichen Regelungen mit den Trägern der Maßnahme abzustimmen. Maßnahmenträger können unter anderem die Hochschulen, private Bildungseinrichtungen oder die Handwerks- beziehungsweise Industrie- und Handelskammern sein.
Hinweis: Weiterführende Informationen und Rechtsprechungen zum Thema "Praktikumsvertrag" finden Sie in unserem Wissenspool.