Source: https://www.hausarbeiten.de/document/490225
Timestamp: 2019-08-21 12:05:28
Document Index: 209172957

Matched Legal Cases: ['§ 135', '§ 135', '§ 135', '§ 135', '§ 136', '§ 135', '§ 135', '§ 137']

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Eignen sich Qualitätsberichte als Marketinginstrument für die Bundesverwaltung?
1 Inwiefern können sich Qualitätsberichte auch als Marketinginstrument für die Bundesverwaltung eignen? Zielsetzung und Inhalte sowie Chancen und Risiken unter Berücksichtigung zentraler Vorgaben für Qualitätsberichte nach dem Sozialgesetzbuch (SGB) V (§§ 135 ff).
1.1 Was ist ein Qualitätsbericht?
1.2 Marketingbegriff
1.3 Marketinginstrumente
1.4 Qualitätsberichte als Marketinginstrument – ein Beispiel
1.5 Eignung von Qualitätsberichten als Marketinginstrument für die Bundesverwaltung in Anlehnung an die zentralen Vorgaben des SGB V (§§ 135 ff.)
Geläufige Abkürzungen (in der Regel jene, welche im DUDEN genannt sind) wurden nach den allgemeinen Regeln guten wissenschaftlichen Arbeitens nicht in das Abkürzungsverzeichnis aufgenommen (https://www.topcorrect.de/blog/das-abkuerzungsverzeichnis-in-der-abschlussarbeit/, abgerufen am 25.01.2019, 13:01 Uhr).
Eine verbindliche Definition für den Begriff „Qualitätsbericht“ wird man schwerlich finden (vgl. Lütticke, J. u. Schellschmidt, H., 2009, S. 198-199). Der Terminus des Qualitätsberichtes ist in der Nomenklatur und Theorie der Qualitätsmanagementlehre nicht abgesichert (ebenda). Es muss sich dem Begriff also aus praktischer Perspektive genähert werden.
„Nach Schrappe (2003) ist ein Qualitätsbericht ein -systematisch erstellter Bericht, welcher der interessierten Öffentlichkeit in regelmäßigen zeitlichen Abständen repräsentative und valide Daten zur Qualität der erbrachten Dienstleistung in verständlicher Form zur Verfügung stellt- (ebenda).“
In dieser Arbeit wird der Begriff Qualitätsbericht aus normativer Sicht exklusiv im Sinne des SGB V (§§ 135 ff) geführt und verstanden. Danach ist er ein im Jahre 2005 durch Gesetz für Krankenhäuser, die in Deutschland gesetzlich Versicherte behandeln, verbindlich eingeführtes Instrument zur Information und Sicherung der Qualität (vgl. Gemeinsamer Bundesausschuss, 2018).
Eine anerkannte Definition des modernen Marketingbegriffes der American Marketing Association (AMA) lautet:
„Marketing is an organizational function (1) and set of processes (2) for creating (3), communicating (4) and delivering (5) value to customers (6) and for managing customer relationships (7) in ways that benefit the organization (8) and its stakeholders (9) (Meffert, H. et al, 2018, S. 11). “.
Eine näher an der öffentlichen Verwaltung stehende Definition besagt, dass Marketing eine Führungskonzeption ist, die sich mit der Herbeiführung und Gestaltung von Austauschbeziehungen zwischen einer Organisation und ihrem Umfeld beschäftigt (Schauer, 2008, S. 145).
Marketinginstrumente sind die letzte Stufe der Marketingkonzeption (vgl. Hohn, 2006, S. 119). Sie stellen die operative Seite der Marketingkonzeption dar, die eine konkrete Umsetzung der Ziele und Strategien im Markt bewirken soll (ebenda). Die Literatur nennt überwiegend vier Marketinginstrumente (ebenda). Diese sind Produktpolitik, Preispolitik, Distributionspolitik und Kommunikationspolitik (4P), zusammengefasst auch Marketing-Mix genannt (ebenda) Der Qualitätsbericht lässt sich hier der Gruppe der Kommunikationspolitiken in konkreter Ausgestaltung als Marketinginstrument zuordnen.
Die Helios-Kliniken GmbH, einer der größten deutschen Träger von Akutkliniken, nutzt die seit 2005 gesetzlich vorgeschriebenen Qualitätsberichte für Krankenhäuser auch als Marketinginstrument (Flintrop, J., 2005). Dies berichtete ihr damaliger Geschäftsführer Bernd Drechsel im Ärzteblatt vom 23.9.2005 (ebenda). Vergleichbar der Pannenstatistik für Autohersteller können die Qualitätsberichte als Indikator der Leistungsfähigkeit und Qualität der Kliniken als transparentes Mittel zum Vergleich der Häuser herangezogen werden (vgl. ebenda). Dabei gingen die von Helios bereitgestellten Informationen über das gesetzlich geforderte Maß hinaus (ebenda). Drechsel erklärte, dass er den Qualitätswettbewerb zwischen den Kliniken vorantreiben wolle und insofern die Qualitätsberichte als Marketinginstrument begriff (ebenda). Als wirksame Marketingaussage konnte hier die im Vergleich mit anderen Krankenhäusern geringe Gesamtsterblichkeit in den damals 24 Helios-Kliniken dienen, die nach Konzernangaben 18 Prozent niedriger lag als in deutschen Vergleichskrankenhäusern (ebenda).
§ 135c II SGB V: Dies ist die erste Norm im SGB V, die vom Begriff des Qualitätsberichtes spricht. Hier ist der Verweis auf § 136b I 1 Nr. 3 als die den Qualitätsbericht regelnde u. definierende Norm erstmals gegeben. Im Benehmen mit § 135c I SGB V ist die Aufnahme einer Regelung in die Qualitätsberichte unter Zuarbeit durch die Deutsche Krankenhausgesellschaft vorgegeben, welche finanziellen Anreizen für Leitende Ärzte vorbauen soll, die dazu dienen, dass eben jene Leitenden Ärzte bestimmte Behandlungen oder Mengengerüste vorziehen. Dies soll die Unabhängigkeit der Kliniken stärken und Compliance-Verstößen vorbeugen. Bezug des Ansatzes auf die Bundesverwaltung/Inhalt und Ziele: Auch in der Bundesverwaltung gilt es, Compliance zu fördern und Verstöße hiergegen zu minimieren. Hierzu ist für den Bereich der Bundesverwaltung die „Richtlinie für Korruptionsprävention in der Bundesverwaltung vom 30. Juli 2004“ erlassen worden (Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat [BMI], 2019). Mit den Jahresberichten zur Korruptionsprävention in der Bundesverwaltung legt die Bundesregierung jährlich Rechenschaft, grundsätzlich gegenüber dem Deutschen Bundestag, über den Stand zum Thema ab (ebenda). Dieser Bericht ist im Internet für die Öffentlichkeit leicht einsehbar. Er dokumentiert den Stand der Umsetzung der Korruptionsprävention in der gesamten Bundesverwaltung und wirkt insofern wie ein Qualitätsbericht der Bundesverwaltung zum Themengebiet Korruptionsprävention. Dies ist zwar nicht in Gänze der vor allem der Stärkung der Unabhängigkeit der Krankenhäuser dienenden Regelung des § 135c II SGB inhaltsgleich, verfolgt aber in weiten Teilen die gleiche Zielsetzung. Chance ist es im Bereich Korruptionsprävention, dem Bürger transparent darzustellen, welche Bemühungen getätigt und welche Erfolge generiert werden. Es besteht das Risiko der Darstellung auch von Verschlechterungen, was gleichzeitig die Chance einer neuerlichen intrinsischen Motivation für Verbesserungen zeitigt.
Sebastian Girstenbreu (Autor)
V490225
9783668988385
eignen qualitätsberichte marketinginstrument bundesverwaltung
Sebastian Girstenbreu (Autor), 2019, Eignen sich Qualitätsberichte als Marketinginstrument für die Bundesverwaltung?, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/490225
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