Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Gericht=OLG%20Karlsruhe&Datum=07.05.2010&Aktenzeichen=17%20U%2088/09
Timestamp: 2019-06-16 20:07:17
Document Index: 256520920

Matched Legal Cases: ['§ 280', '§ 249', '§ 291', 'BGH', '§ 287', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH']

OLG Karlsruhe, 07.05.2010 - 17 U 88/09 - dejure.org
https://dejure.org/2010,353
OLG Karlsruhe, 07.05.2010 - 17 U 88/09 (https://dejure.org/2010,353)
OLG Karlsruhe, Entscheidung vom 07.05.2010 - 17 U 88/09 (https://dejure.org/2010,353)
OLG Karlsruhe, Entscheidung vom 07. Mai 2010 - 17 U 88/09 (https://dejure.org/2010,353)
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Bankenhaftung bei Anlageberatung: Aufklärungspflicht über erhaltene Rückvergütungen bei dem Vertrieb von Medienfonds; Darlegungs- und Beweislast bei Verletzung der Aufklärungspflicht
Zur Aufklärungspflicht einer Bank im Rahmen der Anlageberatung über verdeckte Rückvergütungen für die Vermittlung der von ihr empfohlenen Beteiligung an einem Filmfonds sowie zur Irreführung durch die besonders hervorgehobene Bezeichnung "Garantiefonds"
BGB § 280; BGB § 249; BGB § 291
Pflicht der Bank zur Aufklärung über verdeckte Rückvergütungen im Rahmen der Anlageberatung; Irreführung der Bezeichnung einer Kapitalanlage als "Garantiefonds"
Pflicht der Bank zur Aufklärungüber verdeckte Rückvergütungen i.R.d. Anlageberatung; Irreführung der Bezeichnung einer Kapitalanlage als "Garantiefonds"
Beratungspflichten der Bank beim Vertrieb von Medienfonds
Zur Haftung einer Bank bei irreführender Bezeichnung eines Medienfonds als "Garantiefonds"
Aufklärungspflichten bei Rückvergütungen und zumindest irreführenden Bezeichnungen ("Garantiefonds")
Bank zu Schadensersatz aufgrund fehlerhafter Aufklärung über Rückvergütungen und wegen Prospekthaftung verurteilt
Aufklärung über Rückvergütung im Rahmen einer Anlageberatung über Medienfonds
LG Karlsruhe, 19.06.2009 - 8 O 599/08
ZIP 2010, 2289 (Ls.)
WM 2010, 1264
In der instanzgerichtlichen Rechtsprechung wird teilweise - bezogen auf den streitgegenständlichen Prospekt bzw. den Prospekt für die VIP 4 GmbH & Co. KG (VIP 4) - mit dem Oberlandesgericht - angenommen, dass bereits die Bezeichnung "Garantiefonds" auf dem Deckblatt des Prospekts den unzutreffenden Eindruck vermittele, dass der Anleger seine Einlage in jedem Fall zurückerhalte (OLG München, WM 2010, 836, 840 [VIP 4]; OLG Karlsruhe, WM 2010, 1264, 1267 [VIP 3]; OLG Frankfurt…, Urteil vom 2. August 2010 - 23 U 253/09, juris Rn. 31 [VIP 4]).
(1) In der instanzgerichtlichen Rechtsprechung wird teilweise - bezogen auf den streitgegenständlichen Prospekt bzw. den Prospekt für die VIP 3 GmbH & Co. KG (VIP 3) - angenommen, dass bereits die Bezeichnung "Garantiefonds" auf dem Deckblatt des Prospekts den unzutreffenden Eindruck vermittele, dass der Anleger seine Einlage in jedem Fall zurückerhalte (OLG München, WM 2010, 836, 840 [VIP 4]; OLG Karlsruhe, WM 2010, 1264, 1267 [VIP 3]; OLG Frankfurt…, Urteil vom 2. August 2010 - 23 U 253/09, juris Rn. 31 [VIP 4]).
Aufgrund dieses Urteils, das alsbald in bankenrechtlichen Fachzeitschriften veröffentlicht wurde (vgl. etwa BGH WM 2001, 267 ff.), musste die Beklagte zum Zeitpunkt der Beratung damit rechnen, dass auch sie zur Offenbarung eigener Rückvergütungen verpflichtet ist (OLG Karlsruhe, Urt. v. 07.05.2010, 17 U 88/09).
In Übereinstimmung hiermit hat mittlerweile auch die überwiegende Zahl der Oberlandesgerichte bereits für Zeichnungen ab dem Jahr 2001 eine Erkennbarkeit der Pflicht zur Aufklärung über Rückvergütungen angenommen (OLG Karlsruhe, Urt. v. 07.05.2010, 17 U 88/09;… OLG München, Urt. v. 29.03.2010, 17 U 3457/09;… OLG Celle, Urt. v. 21.10.2009, 3 U 94/09;… OLG Düsseldorf, Urt. v. 30.11.2009, 9 U 30/09;… OLG Stuttgart, Urt. v. 09.10.2009, 6 U 126/09;… OLG Hamm, Urt. v. 03.03.2010, 31 U 106/08;… OLG Frankfurt, Urt. v. 20.10.2009, 14 U 98/08, jeweils zit. nach Juris).
Die Beklagte als Anlageberaterin kann ihrer Haftung für eine fehlerhafte Beratung und Aufklärung über die für die Anlageentscheidung erheblichen Umstände nicht dadurch entgehen, dass sie den Anleger auf die Einholung anderweitiger Informationen verweist (so OLG Karlsruhe Urt. v. 07.05.2010 - 17 U 88/09 Rz. 71).
Dem Tatrichter ist nach § 287 ZPO diesbezüglich ein Schätzungsermessen eingeräumt; dessen Ausübung erfordert indes den Vortrag konkreter Ausgangs- bzw. Anknüpfungstatsachen, die eine Gewinnerwartung wahrscheinlich machen (so OLG Karlsruhe, Urt. v. 07.05.2010 - 17 U 88/09 unter Verweis auf BGH NJW 2004, 1945, 1946 f. m.w.N.).
Solche Anlageformen sind aber typischerweise gerade nicht mit einer festen Verzinsung bzw. garantierten Rendite, sondern mit bloßen Gewinnchancen bei entsprechenden Risiken verbunden (vgl. OLG Karlsruhe, Urt. v. 07.05.2010 - 17 U 88/09; OLG Düsseldorf, Urteil vom 30.11.2009 - 9 U 30/09 - Tz. 48; OLG Hamm, Urteil vom 25.11.2009 - 31 U 70/09 - Tz.83, jeweils zitiert nach juris).
Dies entspricht der bisherigen Rechtsprechung des Senats (…Urteil vom 6.10.2009 - 6 U 126/09, aaO, Tz. 57;… so auch OLG Stuttgart v. 24.2.2010, aaO, Tz. 40-46; OLG Karlsruhe v. 7.5.2010 - 17 U 88/09, juris, Tz. 42, 43).
Solche Anlageformen sind aber typischerweise gerade nicht mit einer festen Verzinsung bzw. garantierten Rendite, sondern mit bloßen Gewinnchancen bei entsprechenden Risiken verbunden (OLG Karlsruhe v. 17.5.2010 - 17 U 88/09 m.w.N.).
Bei der Schätzung der erzielbaren Rendite im Rahmen des entgangenen Gewinns ist jedoch die vorgetragenen Alternativanlage im Hinblick auch die Anlageziele des Klägers einer Plausibilitätsprüfung zu unterziehen (…vgl. BGH, Urt. v. 08.05.2012 - XI ZR 262/10, juris, Rn. 65;… BGH, Urt. v. 17.11.2005 - III ZR 350/04, WM 2006, 174 [175 f].;… OLG Stuttgart, Urt. v. 30.11.2010 - 6 U 2/10 - juris; OLG Karlsruhe, WM 2010, 1264, 1270 f.).
Anlagen in Form einer unternehmerische Beteiligung mit Verlustzuweisungen sind typischerweise jedoch gerade nicht mit einer festen Verzinsung bzw. garantierten Rendite, sondern mit bloßen Gewinnchancen bei entsprechenden Risiken verbunden (OLG Frankfurt am Main, Urteil vom 08. Juli 2013 - 23 U 132/12 -, juris;… OLG Brandenburg, Urt. v. 23.04.2012 - 4 U 63/11, juris, Rn. 108;… OLG Hamm, Urt. v. 31.01.2012 - 34 U 110/11, juris, Rn. 72;… OLG Stuttgart, Urt. v. 30.11.2010 - 6 U 2/10, juris; OLG Karlsruhe, Urt. v. 07.05.2010 - 17 U 88/09, juris, Rn. 90. m.w.N.), so dass insofern die Erzielung eines Gewinnes gerade nicht hinreichend sicher zu erwarten steht (vgl. vgl. BGH WM 2012, 1188-1189).
Dabei lässt der Senat die Frage, ob die Bezeichnung "Garantiefonds" für sich genommen schon einen haftungsrelevanten Prospektmangel darstellt, weil konzeptionell lediglich eine Schuldübernahme vorgesehen ist und bei dem Anleger durch das Wort "Garantie" ein unzutreffender Eindruck erweckt wird (…so etwa OLG München, Urt. v. 08.02.2010 - 17 U 2893/09, WM 2010, 836, zit. nach juris;… OLG Frankfurt a.M., Urt. v. 02.08.2010 - 23 U 253/09, zit. nach juris; OLG Karlsruhe, Urt. v. 07.05.2010 - 17 U 88/09, zit. nach juris;… a.A. OLG Düsseldorf, Urt. v. 19.04.2012 - 6 U 52/11, zit. nach juris), oder ob die schlagwortartige Überschrift lediglich als werbende Anpreisung zu werten ist, ausdrücklich offen.
Solche Anlageformen sind aber typischerweise gerade nicht mit einer festen Verzinsung bzw. garantierten Rendite, sondern mit bloßen Gewinnchancen bei entsprechenden Risiken verbunden (vgl OLG Karlsruhe, Urteil vom 17.5.2010, 17 U 88/09 m.w.N, zitiert nach juris).
Das hiernach erforderliche konkrete Klägervorbringen zum entgangenen Gewinn ist - wie ausgeführt - jedoch nicht erfolgt, und zwar weder hinsichtlich einer vergleichbaren Anlageform, die typischerweise gerade nicht mit einer festen Verzinsung bzw. garantierten Rendite, sondern mit bloßen Gewinnchancen bei entsprechenden Risiken verbunden ist (so auch OLG Düsseldorf…, Urteil vom 30.11.2009, I - 9 U 30/09, Rz. 48; OLG Karlsruhe, Urteil vom 07.05.2010, 17 U 88/09, Rz. 90; Brandenburgisches OLG…, Urteil vom 14.07.2010, 4 U 152/09, Rz. 67, alle zitiert nach juris), noch hinsichtlich anderer Anlageformen, die durchweg eine Rendite von 5% erzielt hätten.
Selbst wenn man annimmt, dass die Bank ihre Leistungen nicht kostenlos erbringt, erschließt sich ihrem Kunden aber regelmäßig nicht ohne weiteres, ob dies durch eine direkte Vergütung für jeden einzelnen Geschäftsvorgang oder im Rahmen einer Mischkalkulation unter Berücksichtigung ihrer Einkünfte aus sonstigen Bankgeschäften erfolgt (OLG Karlsruhe, Urt. vom 07.05.2010 - 17 U 88/09, Rn. 41, juris).
Ohne deren Kenntnis konnte der Kläger das Interesse der Beklagten an dem jeweils empfohlenen Erwerb der Beteiligung und die damit verbundene Gefährdung seiner Interessen nicht richtig einschätzen (…BGH, Urt. v. 19.12.2006, XI ZR 56/05, Rn. 24;… Urt. v. 27.10.2009, XI ZR 338/08, Rn. 31; OLG Karlsruhe, Urt. v. 07.05.2010, 17 U 88/09, Rn. 41;… OLG Frankfurt, Urt. v. 14.07.2010, 17 U 230/09, unveröffentlicht;… anders noch OLG Frankfurt, Urt. v. 24.06.2009, 17 U 307/08, Rn. 50, 52 - juris).
Wenn sich ein Anleger in der Vergangenheit trotz Kenntnis von einer konkreten Vergütung nicht von dem Erwerb einer Beteiligung hat abhalten lassen, stellt dies keine tragfähige Grundlage für die Schlussfolgerung dar, dieser Umstand habe für ihn auch bei allen weiteren Anlageentscheidungen, bei denen eine Aufklärung unterblieben ist, keine Bedeutung (OLG Karlsruhe, Urt. v. 07.05.2010 - 17 U 88/09, Rn.67, juris).
OLG Frankfurt, 03.11.2010 - 19 U 135/10
OLG Frankfurt, 31.01.2011 - 17 U 174/10
Voraussetzungen für entgangenen Gewinn als Schadensersatz bei …