Source: https://www.cdu-fraktion-region.de/2013/05/08/jugendhilfeplanung-region-hannover/
Timestamp: 2019-06-19 08:40:45
Document Index: 149364246

Matched Legal Cases: ['§ 80', '§ 2', '§ 80', '§ 79', '§ 80', '§ 80', '§ 78', '§ 80', '§ 78']

Jugendhilfeplanung Region Hannover inkl. Antwort - CDU-Fraktion Region Hannover
Jugendhilfeplanung Region Hannover inkl. Antwort
gem. § 80 des Achten Buches Sozialgesetzbuch (SGB VIII) i. V. m. § 2 Abs. 1 Ziffer b) der Satzung für das Jugendamt der Region Hannover sind die Träger der öffentlichen Jugendhilfe für die örtliche Jugendhilfeplanung verantwortlich.
1) Warum wurde in der Region Hannover keine Kommission (oder Arbeitsgemeinschaft) gebildet, die sich wie in der Landeshauptstadt Hannover auch mit der Jugendhilfeplanung befasst?
2) Wie sieht die Jugendhilfeplanung der Region Hannover für die kommenden drei Jahre aus?
Andrea Behre Lieberum
-Sprecherin- - Referentin-
1. Rechtliche Vorgaben für Jugendhilfeplanung und Beteiligung freier Träger der Jugendhilfe an der Jugendhilfeplanung
2. Jugendhilfeplanung in der Region Hannover
1. Rechtliche Vorgaben für die Jugendhilfeplanung und Beteiligung freier Träger der Jugendhilfe an der Jugendhilfeplanung.
Grundsätzlich ist der Jugendhilfeträger zur Jugendhilfeplanung verpflichtet (§ 80 SGB VIII). Die Jugendhilfeplanung ist das vorgegebene Instrument zur Wahrnehmung der Gesamtverantwortung des Jugendhilfeträgers für eine quantitativ und qualitativ ausreichende Versorgung der Wohnbevölkerung mit Jugendhilfeleistungen (§ 79 SGB VIII). Als Elemente der Jugendhilfeplanung sind im Gesetz benannt: Bestandserhebung, Bedarfsermittlung und Maßnahmenplanung. Diese gesetzlichen Vorgaben lassen den Jugendhilfeträgern einen weiten Spielraum für Art und Umfang der Jugendhilfeplanung; so kann es z.B. bereichsorientierte Planungen, zielorientierte Planungen, sozialraumorientierte Planungen oder zielgruppenorientierte Planungen geben (Wiesner, Kommentar zum SGB VIII, 4.Aufl., Rz 30 zu § 80.)
Hinsichtlich der Bedarfsermittlung schreibt das Gesetz die „Berücksichtigung“ von Wünschen, Bedürfnissen und Interessen der jungen Menschen und Personensorge berechtigten vor. Für die Maßnahmenplanung sind vier –nicht abschließende- Ziele normiert: Sozialraumorientierung, Wirksamkeit eines vielfältigen und aufeinander abgestimmten Angebots, besondere Förderung für junge Menschen und Familien in Gefährdungssituationen und Vereinbarkeit von Familie und Beruf. (§ 80 Abs.2 SGB VIII).
Die anerkannten freien Träger der Jugendhilfe sind in allen Phasen der Planung zu beteiligen. Ein Instrument der Planungsbeteiligung können Arbeitsgruppen nach § 78 SGB VIII sein; die Beteiligung der freien Träger an der Jugendhilfeplanung kann aber auch auf andere Weise sicher gestellt werden. Jugendhilfepläne entfalten keine unmittelbare Verbindlichkeit sondern sind als Absichtserklärung zu qualifizieren (Münder u. a., Frankfurter Kommentar SGB VIII, RZ 21f zu § 80 SGB VIII).
Die Ausgestaltung von Arbeitsgruppen nach § 78 SGB VIII ist nicht normiert, auch hier besteht ein weiter Gestaltungsspielraum sowohl hinsichtlich der Mitgliedschaft als auch hinsichtlich der in den Arbeitsgruppen zu behandelnden Themen und wahrzunehmenden Aufgaben.
2. Jugendhilfeplanung in der Region Hannover.
2.1 Schaffung von Grundlagen für die Jugendhilfeplanung:
Die Region Hannover hat Grundlagen und Voraussetzungen für die Jugendhilfeplanung geschaffen. Hierzu zählen die fortlaufende Sozialberichterstattung sowie die Berichte über die Hilfen zur Erziehung. Gegenwärtig wird der Aufbau einer Berichterstattung zur Kindergesundheit durch die Aufbereitung der Daten aus den Schuleingangsuntersuchungen betrieben. Als Planungsgrundlage sollen künftig auch die Daten aus der Integrierten Berichterstattung Niedersachsen genutzt werden, an der die Region Hannover teilnimmt.
2.2 Regelmäßig wiederkehrende Jugendhilfeplanungen:
a) Kindertagesstätten- und Tagespflegeplanung. Die Planung erfolgt jährlich; Schwerpunkt ist die Bestandserhebung. Bedarfsermittlung und Maßnahmenplanung werden von den Kommunen im Zuständigkeitsgebiet der Region als Jugendhilfeträger durchgeführt und nachrichtlich zusammengefasst in den Planungsbericht übernommen. Die Beteiligung der freien Träger wird vor Ort wahrgenommen.
b) Förderprogramm „Familienunterstützende Maßahmen“. Es handelt sich im Wesentlichen um eine Maßnahmenplanung.
2.3 Bereichs- und Zielgruppenspezifische Planungsprojekte der Jugendhilfe.
a) Frühe Hilfen – Frühe Chancen: Zielgruppe sind Familien mit Kindern unter 6 Jahren.
Laufzeit für Bestandserhebung und Bedarfsermittlung: 01.08.2012-31.12.2014. Maßnahmenplanung: ab 2014.
b) Netzwerk Familienberatung: Planungsbereich: Familien- und Erziehungsberatung,
Laufzeit: 01.10.2012-31.12.2013 (Bestandserhebung und –Bewertung, Maßnahmenplanung im Sinne eines Versorgungskonzepts). Ab 2014: Umsetzungs- und Maßnahmenplanung.
c) Projekt: Rückführung von Minderjährigen in Heimerziehung. Zielgruppe: Minderjährige im Zuständigkeitsbereich der Region Hannover in stationären Einrichtungen der Jugendhilfe.
d) Leistungen für Alleinerziehende: Bestandsaufnahme, Bedarfsanalyse und Maßnahmenplanung (01.06.2012-30.06.2013). Zielgruppe: Alleinerziehende mit minderjährigen Kindern. Im Rahmen des ESF-Bundesprogramms „Netzwerke wirksamer Hilfen für Alleinerziehende“: Bestandsaufnahme, Bedarfsanalyse und Maßnahmenplanung (01.06.2012-30.06.2013). Das Netzwerk verfolgt das Ziel, bestehende Angebote besser zu vernetzen, auf fehlende Angebote aufmerksam zu machen, vorhandene Schnittstellen und Angebote zu analysieren und zu optimieren und mit gezielter Öffentlichkeitsarbeit für die Belange der Zielgruppe zu sensibilisieren.
Nach Auffassung der Verwaltung der Jugendhilfe ist eine Jugendhilfe-Gesamtplanung wegen der hohen Komplexität des Jugendhilfegeschehens und der außerordentlichen Vielzahl von beteiligten Jugendhilfeträgern nicht sinnvoll. Eine solche Gesamtplanung liefe in jedem Fall Gefahr, den sozialräumlichen Bezug zu den Kommunen zu verlieren und wäre notwendig abstrakt.
1. Warum wurde in der Region Hannover keine Kommission (oder Arbeitsgemeinschaft) gebildet, die sich wie in der Landeshauptstadt Hannover auch mit der Jugendhilfeplanung befasst?
Der Fachbereich Jugend verfolgt auch weiterhin das Konzept einer sukzessiven bereichs- und zielgruppenspezifischen Jugendhilfeplanung, ausgerichtet an den strategischen Zielen der Region Hannover. Die Beteiligung der anerkannten freien Träger der Jugendhilfe an der Jugendhilfeplanung erfolgt im Rahmen der laufenden Planungsprojekte. Aus diesen Gründen erscheint die Einrichtung einer zentralen Kommission für Jugendhilfeplanung nicht sinnvoll. Gleichwohl kommunizieren das Dezernat und der Fachbereich Jugend zentral mit Vertreterinnen und Vertreterinnen der Kommunen und Wohlfahrtsverbände in wiederkehrenden Formaten wie der Konferenz der Sozialdezernenten und –Dezernentinnen in der Region Hannover und den Gesprächen zwischen Dezernat und der Arbeitsgemeinschaft der Wohlfahrtsverbände Region Hannover.
Die Beteiligung von freien Trägern der Jugendhilfe an der Jugendhilfeplanung erfolgt in den einzelnen Planungsprojekten.
a) Projekt Frühe Hilfen-Frühe Chancen: ab August 2013 sollen in 3-5 Kommunen, deren Auswahl über ein Interessenbekundungsverfahren läuft, örtliche Netzwerk- und Planungsgruppen entstehen, an denen alle vor Ort für die Zielgruppe der Familien mit Kindern unter 6 Jahren tätigen öffentlichen und freien Träger beteiligt werden sollen.
b) Netzwerk Familienberatung: Im Rahmen des Projektes wurde eine Netzwerk-Arbeitsgruppe gebildet, die am Planungsprozess beteiligt ist. Mitglieder der Netzwerk-AG sind neben den regionseigenen Beratungsstellen im Bereich der Jugendhilfe die Beratungsstellen freier Träger, die von der Region Hannover gefördert werden.
c) Projekt Rückführung von Minderjährigen in Heimerziehung: beteiligt sind freie Träger der Jugendhilfe, die stationäre und teilstationäre Leistungen vorhalten und aktuell Minderjährige aus dem Zuständigkeitsgebiet der Region Hannover als Jugendhilfeträger betreuen.
d) Leistungen für Alleinerziehende: beteiligt sind freie Träger der Jugendhilfe, Verbände, die Kammern, die Agentur für Arbeit und das JobCenter Region Hannover.
2. Wie sieht die Jugendhilfeplanung der Region Hannover für die kommenden drei Jahre aus?
Das Dezernat insgesamt, .d.h. beide Fachbereiche verfolgen unter Beachtung der gemeinsamen Schnittstellen intensiv das Ziel der Etablierung eines regelmäßigen Berichtssystems welches als wesentliche Grundlage und Voraussetzung für die Fachplanungen nutzbar sein soll. Es handelt sich dabei um einen mehrjährigen Prozess unter Einschluss der Einführung hierfür geeigneter, neuer EDV-Systeme.
Aus beiden derzeit laufenden Projekten „Frühe Hilfen-Frühe Chancen“ und „Netzwerk Familienberatung“ werden Versorgungskonzepte resultieren, die spätestens in den nächsten drei Jahren in konkrete Maßnahmenplanungen einmünden und die auf der Grundlage von fachlichen und fiskalischen Entscheidungen der Region Hannover umgesetzt werden sollen.