Source: https://www.der-tieranwalt.de/hund-recht-anwalt-urteile/files/old-english-bulldog-trotz-aussehen-american-bulldog-kein-gefaehrlicher-hund.html
Timestamp: 2019-07-22 08:25:26
Document Index: 133651288

Matched Legal Cases: ['§ 10', '§ 10', '§ 3', '§ 3', '§ 10', '§ 3', '§ 3', '§ 10']

Old english Bulldog: Trotz Aussehens wie ein American Bulldog – Mischling | OEB ist kein gefährlicher Hund | HUNDERECHT | ANWALT - Anwalt für Hunde - bundesweit
Old English Bulldog: Ein gefährlicher Hund nach dem Landeshundegesetz NRW? Viele Hundebesitzer von Old English Bulldoggen bekommen nach der Anmeldung ihres Hundes ein Schreiben von der Behörde, dass ihr Hund aufgrund des § 10 LHundG NRW als ein Hund bestimmter Rasse gilt. Ihre Old English Bulldogge soll phänotypisch aussehen wie ein Mischling aus einem American Bulldog?
Die Frage, ob es sich bei dem Hund "Kalle", den die Hundebesitzerin von den Züchtern als "Old English Bulldog" erworben hat, um einen Hund bestimmter Rasse § 10 Abs. 1 Satz 1 LHundG NRW handelt, hatte das Oberverwaltungsgericht in Münster jetzt aktuell zu klären.
Landeshundegesetz NRW: Hunde bestimmter Rasse
Hunde bestimmter Rasse weisen aufgrund ihrer rassespezifischen Merkmale ein im Vergleich zu anderen großen Hunden höheres Gefährdungspotential auf. Für ihre Haltung und den Umgang mit ihnen gelten deshalb besondere gesetzliche Anforderungen (etwa Erlaubnisbedürftigkeit der Haltung, erweiterte Leinenpflicht, Maulkorbzwang). Zu den Hunden bestimmter Rasse gehören unter anderem Hunde der Rassen "Bullmastiff" und "American Bulldog" und deren Kreuzungen.
Old english Bulldog ist kein Listenhund
In Nordrhein-Westfalen findet man unter § 3 LHundG folgende Hunderassen, die aufgrund ihrer Rasse als gefährlich gelten (Listenhund):
Die Rasse Old English Bulldog oder auch Old English Bulldogge ist hierunter nicht zu finden.
Old englisch Bulldog kein Listenhund, aber dennoch gefährlich?
Des Weiteren gelten nach § 3 LHundG auch deren Kreuzungen untereinander als gefährliche Hunde aufgrund ihrer Rassezugehörigkeit:
Nach dem Kauf des Rüden hatte die Hundebesitzerin ihn als Old English Bulldog bei der Stadt angemeldet. Die Stadt stufte den Hund als Hund bestimmter Rasse nach dem Landeshundegesetz ein. Es handelt sich bei dem Hund der Rasse Old english Bulldog um eine Kreuzung aus „Englisch Bulldog“, „Pitbull Terrier“, „Bullmastiff“ und „American Bulldog“. Die letzten zwei gelten als Rassen mit „höherem Gefährdungspotenzial“; ihre Halter benötigen daher eine Erlaubnis, und die Hunde müssen häufiger angeleint werden und einen Maulkorb tragen.
Stadt stuft Old english Bulldog als „gefährlich“ ein
Hunde vom Typ "Old English Bulldog" seien als Kreuzung aus den Rassen "English Bulldog", "Bullmastiff", "American Bulldog" und "Pitbull Terrier" hervorgegangen. Da der Hund der Klägerin nach den Feststellungen des Kreisveterinäramtes wesentliche äußere Merkmale eines "American Bulldog" aufweise, handele es sich um einen Mischling der Rasse American Bulldog. Demgegenüber war die Hundebesitzerin und Klägerin der Auffassung, Hunde der Züchtung "Old English Bulldog" bildeten eine eigenständige Rasse und könnten daher nicht mehr als Kreuzung anderer Rassen angesehen werden.
Die Hundebesitzerin klagte gegen die behördliche Einstufung ihres Hundes als potentiell gefährlichen Hund. Das Verwaltungsgericht in Köln wies jedoch die Klage ab und gab der Stadt recht.
Ist eine Old english Bulldog ein Mischling aus American Bulldog?
Das Oberverwaltungsgericht Münster hat im Ergebnis der Hundehalterin recht gegeben und der Klage stattgegeben.
Mit seiner Besitzerin erschien der Old English Bulldog Rüde „Kalle“ persönlich vor dem Oberverwaltungsgericht in Münster. Während der ersten zwei Stunden der Verhandlung machte er zunächst ein ausgiebiges Nickerchen. Aber auch danach im wachen Zustand verhielt er sich so, wie es sich in einem Gerichtssaal gehört. Zudem bestätigte ein unabhängiger Veterinär der Old English Bulldogge „Kalle“ einen friedfertigen Charakter. Trotz seines Aussehens weise er keine wesentlichen Züge eines „American Bulldog“ auf. Daher, so das OVG, sei er auch rechtlich nicht als Kreuzung dieser Rasse anzusehen.
Nach Auffassung des Oberverwaltungsgerichts hat die im Berufungsverfahren durchgeführte Beweisaufnahme ergeben, dass der Hund der Klägerin keine wesentlichen Züge eines "American Bulldog" aufweise.
Dies sei jedoch erforderlich, um von einer Kreuzung von Hunden bestimmter Rassen nach dem Landeshundegesetz NRW auszugehen.
Old english Bulldog keine eigenständige Hunderasse
Dahinstehen könne hingegen, so die Richter, ob Hunde der Züchtung "Old English Bulldog" nach heutigem Stand von Wissenschaft und Praxis eine eigenständige Rasse im biologisch-zoologischen Sinn darstellten. Der "Old English Bulldog" sei jedenfalls keine eigenständige Rasse im Sinne des Landeshundegesetzes NRW. Zwar sei es grundsätzlich ausgeschlossen, reinrassige Hunde einer bestimmten Rasse gleichzeitig als Kreuzungen anderer Rassen anzusehen und nach den für diese maßgeblichen Vorschriften zu behandeln.
Das gelte aber nicht für solche Rassen, die der Landesgesetzgeber bei Inkrafttreten des Landeshundegesetzes im Jahr 2003 nicht als eigenständige Rasse eingeordnet habe. Anderenfalls entschiede letztlich die Definition neuer Rassen durch private Interessenverbände über die Anwendungsreichweite des Gesetzes. Die im Gesetz zugrunde gelegte Unterscheidbarkeit von Hunden nach Rassezugehörigkeit sei nicht dynamisch zu verstehen, sondern knüpfe statisch an einen vom Gesetzgeber vorgefundenen Bestand an Hunderassen an.
Die Züchtung "Old English Bulldog" sei relativ neu und verfüge erst seit dem 01.01.2014 über eine Rasseanerkennung durch den amerikanischen Zuchtverband United Kennel Club. Einige Zuchtverbände hätten die Hunderasse „Old English Bulldog“ inzwischen als neue Rasse anerkannt, das schon 2003 in Kraft getretene Landeshundegesetz NRW allerdings nicht.
Vom Aussehen kann man auch bei Hunden nicht auf das innere Wesen schließen. So ähnelt der Hund „Kalle“ zwar äußerlich teils einem „American Bulldog“, gleich gefährlich ist er deswegen aber nicht, urteilte am Dienstag, 12. März 2019, das Oberverwaltungsgericht (OVG) Nordrhein-Westfalen in Münster (Az.: 5 A 1210/17).
Offen ließ das OVG, ob Kalle einer ganz neuen Rasse angehört. Wie der Sachverständige den Richtern erläuterte, ist die „Old English Bulldog“ trotz des „Old“ im Namen eine recht neue Züchtung.
Was können Hundehalter tun deren Hunde gemäß § 10 LHundG oder § 3 LHundG als gefährliche Hunde eingestuft wurden?
Hundehaltern einer Old English Bulldogge, die einen Bescheid von der Behörde erhalten haben, in dem ihre Old English Bulldogge oder alternativ Bulldograsse als ein gefährlicher Hund eingestuft wurde kann man nur dringend anraten, gegen diese Bescheide Widerspruch einzulegen und notfalls dagegen zu klagen. Selbst in der aktuellen Entscheidung des Verwaltungsgerichts Köln, Urteil Az.: 20 K 5754/16, wies die Kammer daraufhin, dass bezüglich der Einstufung als gefährlicher Hund unter den Gesichtspunkten des äußeren Erscheinungsbildes des Hundes auch der Einzelfall entschieden werden kann.
Welche Auflagen kommen Haltern von Old English Bulldoggen zu, wenn die Bulldogge als ein Hund besonderer Rasse von der Behörde eingestuft wurde?
Will man einen Hund, der als gefährlich oder als Listenhund von der Behörde eingestuft wurde, halten, muss man als Halter besondere Voraussetzungen erfüllen. Die Behörde kann u.a. verlangen:
- Nein, die Rasse Old English Bulldog ist kein Listenhund.
ABER : Eine Old English Bulldog kann als ein Hund bestimmter Rasse nach § 3 LHundG NRW als ein American Bulldog-Mischling angesehen werden und damit als Hund bestimmter Rasse i.S.d. § 10 Abs. 1 LHundG NRW klassifiziert und eingestuft werden. Hier entscheidet der Einzelfall.
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