Source: https://www.rechtslupe.de/wirtschaftsrecht/gesellschaftsrecht/der-atypisch-stille-gesellschafters-in-der-insolvenz-seiner-gmbh-co-kg-346043
Timestamp: 2020-04-05 14:00:21
Document Index: 239205585

Matched Legal Cases: ['§ 39', '§ 32', 'Art. 10', 'Art. 103', 'Art. 25', '§ 39', '§ 44', '§ 39', '§ 39', '§ 32', '§ 39', '§ 44', '§ 52', '§ 174', '§ 39', '§ 38', '§ 164', '§ 172', '§ 32', '§ 39', '§ 236', '§ 1', '§ 164', '§ 1', '§ 161', '§ 105', '§ 718', '§ 14', '§ 235', '§ 39', 'BGH', '§ 39', 'BGH', 'BGH']

Der aty­pisch stil­le Gesell­schaf­ters in der Insol­venz sei­ner GmbH & Co. KG | Rechtslupe
& Co. KG" title="Der atypisch stille Gesellschafters in der Insolvenz seiner GmbH & Co. KG" srcset="" data-srcset="https://www.rechtslupe.de/wp-content/uploads/2019/01/typewriter-407695_1920-1.jpg 1920w, https://www.rechtslupe.de/wp-content/uploads/2019/01/typewriter-407695_1920-1-300x200.jpg 300w, https://www.rechtslupe.de/wp-content/uploads/2019/01/typewriter-407695_1920-1-768x512.jpg 768w, https://www.rechtslupe.de/wp-content/uploads/2019/01/typewriter-407695_1920-1-1024x683.jpg 1024w" sizes="(max-width: 880px) 100vw, 880px">
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Aus dem geän­der­ten Geset­zes­wort­laut kann nicht gefol­gert wer­den, dass § 39 Abs. 1 Nr. 5 InsO anders als noch § 32a Abs. 3 Satz 1 GmbHG aF Ansprü­che aus der Betei­li­gung Drit­ter an Kapi­tal­ge­sell­schaf­ten oder gleich­ge­stell­ten Per­so­nen­han­dels­ge­sell­schaf­ten unter kei­nen Umstän­den in den Nach­rang ver­wei­se. Nach dem durch Art. 10 MoMiG in das Ein­füh­rungs­ge­setz zur Insol­venz­ord­nung ein­ge­führ­ten Art. 103d Satz 1 ist hier das alte Kapi­ta­ler­satz­recht nicht mehr anzu­wen­den, weil das Insol­venz­ver­fah­ren über das Ver­mö­gen der Geschäfts­in­ha­be­rin nach Inkraft­tre­ten des neu­en Rechts am 1. Novem­ber 2008 (Art. 25 MoMiG) eröff­net wor­den ist, näm­lich erst am 1. März 2009.
Zum per­so­nel­len Anwen­dungs­be­reich des § 39 Abs. 1 Nr. 5 InsO hat der Bun­des­ge­richts­hof bereits bei ande­rer Gele­gen­heit dar­auf hin­ge­wie­sen, dass von der Neu­re­ge­lung nach der Begrün­dung zum Regie­rungs­ent­wurf des Geset­zes vom 23.10.2008 1 auch Rechts­hand­lun­gen Drit­ter erfasst wer­den, wel­che der Dar­le­hens­ge­wäh­rung durch einen Gesell­schaf­ter wirt­schaft­lich ent­spre­chen 2.
Aus § 44a InsO kann ein Aus­schluss von Nicht­ge­sell­schaf­tern vom Nach­rang gemäß § 39 Abs. 1 Nr. 5 InsO nF im Sin­ne der Revi­si­on eben­falls nicht her­ge­lei­tet wer­den. Die Vor­schrift soll­te durch den Ver­weis auf § 39 Abs. 1 Nr. 5 InsO rechts­form­neu­tral aus­ge­stal­tet wer­den 3, im Übri­gen aber § 32a Abs. 2 GmbHG aF über­neh­men. Die­se Vor­schrift betraf gesell­schaf­ter­be­si­cher­te Dar­le­hen Drit­ter, die wirt­schaft­lich einem Gesell­schaf­ter­dar­le­hen nicht ent­spra­chen, nach neu­em Recht also nicht unter § 39 Abs. 1 Nr. 5 InsO fal­len. Die Vor­schrift des § 44a InsO erstreckt also das Aus­fall­prin­zip des § 52 InsO auf Gesell­schaf­ter­si­cher­hei­ten, gleich­viel, ob der Gläu­bi­ger sei­ne Insol­venz­for­de­rung gemäß § 174 Abs. 3 InsO erst nach beson­de­rer Auf­for­de­rung als nach­ran­gig anmel­den kann, wie in den Fäl­len des § 39 Abs. 1 Nr. 5 InsO, oder nicht. Hier­aus kann hin­ge­gen nicht geschlos­sen wer­den, For­de­run­gen Drit­ter sei­en in der Insol­venz des Schuld­ners nach der Neu­re­ge­lung stets im all­ge­mei­nen Rang des § 38 InsO anzu­mel­den, selbst wenn sie wirt­schaft­lich der Rück­ge­währ eines Gesell­schaf­ter­dar­le­hens ent­spre­chen, weil Gesell­schaf­ter­si­cher­hei­ten in der Insol­venz der Gesell­schaft wegen des Nach­rangs der For­de­rung kein Abson­de­rungs­recht gewäh­ren 4.
Die aty­pisch stil­le Gesell­schaft war nicht mit einer GmbH ein­ge­gan­gen, son­dern mit der von einer GmbH als allei­ni­ger per­sön­lich haf­ten­den Gesell­schaf­te­rin nach § 164 HGB geschäft­lich gelei­te­ten Kom­man­dit­ge­sell­schaft (GmbH & Co. KG). Hier waren nach altem Recht gemäß § 172a Satz 1 HGB die Vor­schrif­ten des § 32a GmbHG mit der Maß­ga­be anzu­wen­den, dass an die Stel­le der Gesell­schaf­ter der GmbH neben den Gesell­schaf­tern oder den Mit­glie­dern der per­sön­lich haf­ten­den Gesell­schaf­ter der Kom­man­dit­ge­sell­schaft auch die Kom­man­di­tis­ten tra­ten. Die­ser Wil­le des Gesetz­ge­bers gilt für die Neu­re­ge­lung des § 39 Abs. 1 Nr. 5 InsO fort 5. Zu prü­fen ist dem­nach, ob die aty­pi­sche stil­le Betei­li­gung an der GmbH & Co. KG (Insol­venz­schuld­ne­rin) wirt­schaft­lich einer Kom­man­dit­ein­la­ge ent­sprach. Für die typi­sche stil­le Betei­li­gung ist dies gemäß § 236 HGB wei­ter­hin ein­deu­tig zu ver­nei­nen. So gese­hen hat das Beru­fungs­ge­richt zutref­fend vor allem auf die im Urteils­tat­be­stand wie­der­ge­ge­be­ne Ver­ein­ba­rung in § 1 Nr. 3 des Gesell­schafts­ver­tra­ges vom 23.11.2007 abge­stellt. Denn der Ein­fluss des stil­len Gesell­schaf­ters einer GmbH & Co. KG auf die Geschäfts­füh­rung kann hier anders als bei der stil­len Gesell­schaft mit einer GmbH von vorn­her­ein kein Gleich­stel­lungs­kri­te­ri­um sein, weil Kom­man­di­tis­ten nach dem gesetz­li­chen Leit­bild des § 164 HGB eben­so wie ein stil­ler Gesell­schaf­ter von der Füh­rung der Geschäf­te aus­ge­schlos­sen sind.
Die im Urteil des Bun­des­ge­richts­hofs vom 17.02.2011 6 ent­hal­te­ne Bemer­kung, es bedür­fe aus Anlass des dama­li­gen Streit­falls kei­ner Prü­fung, ob an der Recht­spre­chung zu die­sem Fra­gen­kreis im Anwen­dungs­be­reich des neu­en Gesell­schafts­in­sol­venz­rechts fest­zu­hal­ten sei, bezieht sich nur auf die Betei­li­gung ver­bun­de­ner Unter­neh­men an der Gesell­schafts­fi­nan­zie­rung. Die Fra­ge, ob die stil­le Gesell­schaft mit einer GmbH & Co. KG auf Sei­ten des Stil­len wirt­schaft­lich einer Kom­man­dit­ein­la­ge gleich steht, ist dort nicht berührt.
Der aty­pisch stil­le Gesell­schaf­ter einer GmbH & Co. KG ent­spricht mit sei­nen Ansprü­chen wirt­schaft­lich dem Gläu­bi­ger eines Gesell­schaf­ter­dar­le­hens, wenn in einer Gesamt­be­trach­tung sei­ne Stel­lung nach dem Betei­li­gungs­ver­trag der eines Kom­man­di­tis­ten im Innen­ver­hält­nis weit­ge­hend ange­nä­hert ist. Der Nach­rang sei­ner Ansprü­che in der Insol­venz der Geschäfts­in­ha­be­rin kann danach jeden­falls ein­tre­ten, wenn im Innen­ver­hält­nis das Ver­mö­gen der Geschäfts­in­ha­be­rin und die Ein­la­ge des Stil­len als gemein­schaft­li­ches Ver­mö­gen behan­delt wer­den, die Gewinn­ermitt­lung wie bei einem Kom­man­di­tis­ten statt­fin­det, die Mit­wir­kungs­rech­te des Stil­len in der GmbH & Co. KG der Beschluss­kom­pe­tenz eines Kom­man­di­tis­ten in Grund­la­gen­an­ge­le­gen­hei­ten jeden­falls in ihrer schuld­recht­li­chen Wir­kung gleich kom­men und die Infor­ma­ti­ons- und Kon­troll­rech­te des Stil­len denen eines Kom­man­di­tis­ten nach­ge­bil­det sind. Im Schrift­tum wird die­se Gestal­tungs­form dem­entspre­chend bild­haft auch als "Innen-KG" bezeich­net 7. So liegt es hier.
Im hier ent­schie­de­nen Fall stand die Klä­ge­rin mit ihrer Betei­li­gung am Ver­mö­gen der Geschäfts­in­ha­be­rin nach § 1 Nr. 3 des Ver­tra­ges vom 23.11.2007 schuld­recht­lich der gesamt­hän­de­ri­schen Ver­mö­gens­be­tei­li­gung eines Kom­man­di­tis­ten nach § 161 Abs. 2, § 105 Abs. 3 HGB, § 718 BGB gleich, da die­ses Ver­mö­gen unbe­scha­det der nicht exis­ten­ten Gesamt­hand im Innen­ver­hält­nis ein­schließ­lich der offe­nen und stil­len Reser­ven wie gemein­schaft­li­ches Ver­mö­gen behan­delt wer­den soll­te 8. Eine dem­entspre­chen­de Aus­ein­an­der­set­zung unter Ein­be­zie­hung des Geschäfts­wer­tes der Inha­be­rin und der stil­len Reser­ven bei Been­di­gung der stil­len Gesell­schaft war nach § 14 des Betei­li­gungs­ver­tra­ges vor­ge­se­hen. Dem­ge­gen­über ist der typi­sche stil­le Gesell­schaf­ter bei der Aus­ein­an­der­set­zung nach § 235 Abs. 1 HGB nicht an den stil­len Reser­ven des Inha­bers und des­sen Geschäfts­wert betei­ligt 9.
In der gebo­te­nen Gesamt­be­trach­tung war die Recht­stel­lung der Klä­ge­rin als aty­pisch stil­le Gesell­schaf­te­rin daher der einer Kom­man­di­tis­tin wirt­schaft­lich so nahe, dass ihre For­de­run­gen in der Insol­venz der Geschäfts­in­ha­be­rin nach § 39 Abs. 1 Nr. 5 InsO einem Gesell­schaf­ter­dar­le­hen im Nach­rang gleich ste­hen. Wel­ches gesetz­li­che Ord­nungs­prin­zip hin­ter der Neu­re­ge­lung steht, ist hier­bei im Streit­fall genau­so wenig ent­schei­dungs­er­heb­lich wie in dem BGH-Urteil vom 17. Febru­ar 2011 10. Eine Aus­nah­me ent­spre­chend § 39 Abs. 5 InsO kommt nach der Höhe der stil­len Ein­la­ge nicht in Betracht.
vgl. in Fäl­len des Kapi­ta­ler­sat­zes für Gesell­schafts­si­cher­hei­ten: BGH, Urteil vom 19.09.1996 – IX ZR 249/​95, BGHZ 133, 298, 305 mwN[↩]