Source: http://de.slideshare.net/JosefHindels/internet-7293863
Timestamp: 2016-12-10 17:14:45
Document Index: 164948276

Matched Legal Cases: ['§ 8', 'OGH', '§ 97', '§ 96', '§ 16', '§ 118', '§ 10', '§ 96', '§ 96', '§ 96', '§ 96', '§ 10', '§ 96', '§ 115']

(Privat)nutzung elektronischer Medien Mag ª . Andrea Komar Rechtsabteilung - djp 2.
Betriebsmittel <ul><li>ArbeitnehmerInnen verwenden im Zuge ihrer beruflichen Tätigkeit in der Regel Betriebsmittel (Telefon, PC, Internet, Intranet, E-Mail, Blogs, Facebook, etc.). </li></ul><ul><li>Inwieweit darf der/die ArbeitgeberIn diese Nutzung kontrollieren? </li></ul><ul><li>Inwieweit ist die private Nutzung dieser Betriebsmittel zulässig? </li></ul><ul><li>Bei der Privatnutzung sind zunächst zwei Fallgruppen zu unter- </li></ul><ul><li>scheiden: </li></ul><ul><ul><li>Die private Nutzung während der Arbeitszeit. </li></ul></ul><ul><ul><li>Die private Nutzung außerhalb der Arbeitszeit. </li></ul></ul>
Was schuldet der/die ANIn ? <ul><ul><li>Während der Arbeitszeit schulden ANInnen primär ihre Arbeitskraft . Gibt es im Betrieb keine diesbezügliche Regelung bzw Anweisung, sind private Verrichtungen dann zu tolerieren, wenn sie zeitlich maßvoll sind und/oder der Betriebssitte entsprechen. </li></ul></ul><ul><ul><li>Die Verwendung von Betriebsmitteln zu Privatzwecken ist außerdem auch unter dem Kostengesichtspunkt zu betrachten. ANInnen sind jedenfalls verpflichtet, die Kosten, die dem/der AGIn als EigentümerIn der Betriebsmittel entstehen, gering zu halten ( Exzessgrenze ). </li></ul></ul>
3 Fallgruppen <ul><li>Zur Privatnutzung von Diensttelefonen gibt es genügend </li></ul><ul><li>Judikatur , die sich entsprechend auf die Privatnutzung von </li></ul><ul><li>elektronischen Medien umlegen lässt. </li></ul><ul><li>Man unterscheidet 3 Fallgruppen: </li></ul><ul><ul><li>Ausdrückliches Verbot der Privatnutzung </li></ul></ul><ul><ul><li>Duldung der Privatnutzung </li></ul></ul><ul><ul><li>Ausdrückliche Genehmigung der Privatnutzung </li></ul></ul>
Verbot der Privatnutzung <ul><li>Der/die AGIn kann als EigentümerIn der Betriebsmittel die </li></ul><ul><li>Privatnutzung untersagen ! </li></ul><ul><li>Das absolute Verbot gilt allerdings nicht in Notfällen (zB Fälle des § 8 </li></ul><ul><li>Abs 3 AngG). Hier wird eine Interessenabwägung vorzunehmen sein. </li></ul><ul><li>Weiters wird wohl auch eine sehr kurze private Nutzung zB zur </li></ul><ul><li>Vereinbarung von Arztterminen, Behördenterminen, etc zulässig sein. </li></ul><ul><li>Ebenfalls zulässig sind dienstlich veranlasste Privattelefonate (zB im </li></ul><ul><li>Zusammenhang mit einer überraschenden Überstundenanordnung, </li></ul><ul><li>die es für den/die ANIn erforderlich macht, privat umzudisponieren). </li></ul>
Duldung der Privatnutzung <ul><li>Liegen weder ein Verbot noch eine ausdrückliche Genehmigung der </li></ul><ul><li>Privatnutzung vor, ist auf die Verhältnismäßigkeit Bedacht zu </li></ul><ul><li>nehmen. </li></ul><ul><li>Verhältnismäßigkeit muss sowohl hinsichtlich der Kosten als auch </li></ul><ul><li>der Arbeitszeit gegeben sein. </li></ul><ul><li>Der OGH hat wiederholt ausgesprochen, dass die verhältnismäßige </li></ul><ul><li>Privatnutzung während der Arbeitszeit durchaus als üblich angesehen </li></ul><ul><li>werden kann. Daraus folgt wohl, dass sie außerhalb der Arbeitszeit </li></ul><ul><li>umso mehr erlaubt sein muss. </li></ul>
Genehmigung der Privatnutzung <ul><li>Auch wenn der/die ArbeitgeberIn die private Nutzung von </li></ul><ul><li>Betriebsmitteln genehmigt, darf von dieser Genehmigung </li></ul><ul><li>nicht exzessiv Gebrauch gemacht werden. </li></ul><ul><li>Es wird hier aber v.a. am Arbeitgeber/ an der Arbeitgeberin liegen, </li></ul><ul><li>Grenzen zu ziehen. </li></ul><ul><li>Zu empfehlen wäre jedenfalls der Abschluss einer Betriebs- </li></ul><ul><li>vereinbarung oder einer anderweitigen Regelung hinsichtlich der </li></ul><ul><li>Privatnutzung von Betriebsmitteln (Rechtssicherheit!). </li></ul>
Betriebsvereinbarung <ul><li>Die Rechtsnatur einer solchen Betriebsvereinbarung ist strittig. </li></ul><ul><li>§ 97 Abs 1 Z 6 ArbVG bezieht sich auf die zweckentsprechende </li></ul><ul><li>Benützung von Betriebseinrichtungen/-mitteln (erzwingbare </li></ul><ul><li>BV). </li></ul><ul><li>Strittig ist, ob die „zweckentsprechende Benützung“ lediglich die </li></ul><ul><li>dienstliche oder auch die private Nutzung umfasst. </li></ul><ul><li>Weiters steht im Raum, dass eine Betriebsvereinbarung gemäß </li></ul><ul><li>§ 96 Abs 1 Z 3 ArbVG erforderlich ist, damit elektronische </li></ul><ul><li>Systeme wie Internet und Email überhaupt eingeführt werden </li></ul><ul><li>können. </li></ul>
Kontrolle durch den/die AGIn <ul><li>Gerade im Zusammenhang mit elektronischen Medien hat der/die </li></ul><ul><li>AGIn weit reichende Kontrollmöglichkeiten. </li></ul><ul><li>Man unterscheidet Vermittlungsdaten und Inhalte . </li></ul><ul><li>Vermittlungsdaten werden bei Internet- und E-Mail-Nutzung </li></ul><ul><li>jedenfalls gespeichert. Vor allem beim Internet lassen bereits diese </li></ul><ul><li>Daten Rückschlüsse auf Inhalte zu. Sie sind aber technisch </li></ul><ul><li>erforderlich und somit nicht vermeidbar. </li></ul><ul><li>Hinsichtlich der Inhalte muss sichergestellt sein, dass private E- </li></ul><ul><li>Mails nicht gelesen werden und auch nicht kontrolliert wird, welche </li></ul><ul><li>Websites der/die ANIn aufgerufen hat. </li></ul>
Kontrollbeschränkungen <ul><li>Die Kontrollmöglichkeiten werden u.a. eingeschränkt durch </li></ul><ul><ul><li>EMRK und § 16 ABGB (Persönlichkeitsrechte) </li></ul></ul><ul><ul><li>Datenschutzgesetz 2000 </li></ul></ul><ul><ul><li>Strafgesetzbuch (§§ 118 ff) </li></ul></ul><ul><ul><li>§ 10 AVRAG (Umsetzung der Bildschirm-RL 90/270) </li></ul></ul><ul><ul><li>ArbVG (§§ 96 ff) </li></ul></ul>
Kontrollbeschränkungen <ul><li>Das ArbVG kennt Kontrollmaßnahmen , die der Zustimmung des </li></ul><ul><li>Betriebsrates bedürfen; ohne Betriebsvereinbarung können diese </li></ul><ul><li>Maßnahmen nicht rechtswirksam eingeführt und idF genutzt werden: </li></ul><ul><ul><li>Zustimmungspflichtige Maßnahmen, die die Menschenwürde berühren (§ 96 Abs 1 Z 3) </li></ul></ul><ul><ul><li>Maßnahmen, die zustimmungspflichtig sind, wobei die Zustimmung durch die Schlichtungsstelle ersetzt werden kann (§ 96 a) </li></ul></ul>
Kontrollbeschränkungen <ul><li>E-Mail: </li></ul><ul><li>Vermittlungsdaten werden idR keinen Aufschluss über den Inhalt </li></ul><ul><li>eines privaten E-Mails geben. Auch eine zeitliche Kontrolle lässt sich </li></ul><ul><li>kaum durchführen. </li></ul><ul><li>Inhalt : Lesen darf der/die AGIn private E-Mails jedenfalls nicht. Es </li></ul><ul><li>empfiehlt sich, einen eigenen Ordner für private E-Mails anzulegen </li></ul><ul><li>oder diese zumindest im Betreff als „privat“ zu bezeichnen. </li></ul><ul><li>Internet: </li></ul><ul><li>Schon Vermittlungsdaten geben Aufschluss über Inhalte (welche </li></ul><ul><li>Websites wurden aufgerufen). </li></ul><ul><li>Über den Inhalt besuchter Websites darf sich der/die AGIn keine </li></ul><ul><li>Kenntnis verschaffen. </li></ul>
Kontrollbeschränkungen <ul><li>Was Vermittlungsdaten betrifft, wird deren (technisch erforder- </li></ul><ul><li>liche) Aufzeichnung bei E-Mails wohl eher nicht die Menschenwürde </li></ul><ul><li>berühren, weil die umfassende Kontrollmöglichkeit fehlt. Beim </li></ul><ul><li>Internet kann die Menschenwürde rascher berührt sein, weil aufge- </li></ul><ul><li>zeichnet wird, welche Websites aufgerufen wurden. </li></ul><ul><li>Reissner meint: Schon die Protokollierung der aufgerufenen Websites </li></ul><ul><li>in so genannten log-files erfüllt den Tatbestand des § 96 Abs 1 Z 3 </li></ul><ul><li>ArbVG („sofern die Menschenwürde berührt wird“) sowie des § 10 </li></ul><ul><li>AVRAG. </li></ul>
Kontrollbeschränkungen <ul><li>Was den Inhalt betrifft, so machen die elektronischen Systeme </li></ul><ul><li>eine Kontrolle jedenfalls möglich. </li></ul><ul><li>Das genügt, um den Tatbestand des § 96 Abs 1 Z 3 ArbVG zu </li></ul><ul><li>erfüllen (die Menschenwürde ist zumindest berührt). </li></ul><ul><li>Daraus müsste folgen, dass die Einführung und idF die Nutzung </li></ul><ul><li>von Internet und Email im Betrieb nur mit zugrunde liegender </li></ul><ul><li>Betriebsvereinbarung zulässig ist. </li></ul>
Dienstliche Nutzung <ul><li>Auch bei dienstlicher Nutzung von Internet, E-Mail, etc. stellt </li></ul><ul><li>sich die Frage des zulässigen Umfangs der Kontrolle durch den/ </li></ul><ul><li>die ArbeitgeberIn. </li></ul><ul><li>Insbesondere wird genau zu regeln sein, wann und in welcher Form </li></ul><ul><li>der/die ArbeitgeberIn dienstliche E-Mails (ohne Wissen des/der </li></ul><ul><li>Betroffenen) lesen darf. </li></ul>
Worauf muss der Betriebsrat achten? <ul><li>Auch der Betriebsrat arbeitet mit Internet, E-Mail und anderen </li></ul><ul><li>elektronischen Medien. </li></ul><ul><li>Möglichkeiten sind u.a.: </li></ul><ul><li>Ein Intranet-Auftritt des Betriebsrates </li></ul><ul><li>Ein Blog des Betriebsrates </li></ul><ul><li>Ein Facebook-Auftritt des Betriebsrates </li></ul><ul><li>Fotos vom Betriebsausflug oder von Feiern im Betrieb werden online gestellt </li></ul>
Worauf muss der Betriebsrat achten? <ul><li>Wenn der Betriebsrat Informationen, Fotos, usw. veröffentlicht, </li></ul><ul><li>muss stets darauf geachtet werden, welchem Personenkreis diese </li></ul><ul><li>Informationen, Fotos, usw. zugänglich sind. </li></ul><ul><li>Danach richtet sich die Beurteilung, was veröffentlicht werden darf </li></ul><ul><li>und was nicht. </li></ul><ul><li>Zu beachten sind insbesondere </li></ul><ul><li>Die Verschwiegenheitspflicht des Betriebsrates, </li></ul><ul><li>Persönlichkeitsrechte der ArbeitnehmerInnen </li></ul><ul><li>Urheberrechte </li></ul>
Verschwiegenheitspflicht <ul><li>Die Mitglieder und Ersatzmitglieder des Betriebsrates unterliegen </li></ul><ul><li>einer gesetzlichen Verschwiegenheitspflicht (§ 115 Abs 4 ArbVG). </li></ul><ul><li>Man unterscheidet </li></ul><ul><li>Verschwiegenheit in betrieblichen Angelegenheiten </li></ul><ul><li>Verschwiegenheit in persönlichen Angelegenheiten </li></ul>
Verschwiegenheitspflicht <ul><li>Betriebliche Angelegenheiten: </li></ul><ul><li>Geschäfts- und Betriebsgeheimnisse , die einem BR-Mitglied in Ausübung seines Amtes bekannt geworden sind, insb. als geheim bezeichnete technische Einrichtungen, Verfahren und Eigentümlichkeiten des Betriebes. </li></ul><ul><li>Persönliche Angelegenheiten: </li></ul><ul><li>Persönliche Verhältnisse oder Angelegenheiten von ArbeitnehmerInnen, die einer vertraulichen Behandlung bedürfen. </li></ul>
Persönlichkeitsrechte <ul><li>Die Persönlichkeitsrechte der ArbeitnehmerInnen sind auch im </li></ul><ul><li>Arbeitsverhältnis zu wahren. </li></ul><ul><li>Solche Rechte sind zB </li></ul><ul><li>Recht auf Datenschutz </li></ul><ul><li>Recht am eigenen Bild </li></ul><ul><li>Recht auf Privatsphäre </li></ul><ul><li>Schutz des Briefgeheimnisses </li></ul>
Urheberrecht <ul><li>Bei der Verwendung von Fotos, Grafiken, Texten, usw. muss </li></ul><ul><li>außerdem das Recht des/der Urhebers/Urheberin gewahrt bleiben. </li></ul><ul><li>Schon eine Verlinkung auf eine Website kann diesbezüglich ein </li></ul><ul><li>Problem darstellen. </li></ul>
Danke für eure Aufmerksamkeit ! <ul><li>Rechtsabteilung </li></ul> - djp Empfohlen