Source: https://it-sec.de/ger/Aktuelles-Termine/it.sec-blog/(tag)/Hack
Timestamp: 2020-01-23 05:55:25
Document Index: 146710579

Matched Legal Cases: ['§ 50', '§ 50', '§ 51', 'Art. 17', 'Art. 25', 'Art. 26', 'Art. 32', 'Art. 37', 'Art. 4', 'Art. 45', 'Art. 8', 'Art. 9', 'BGH', 'EuG', '§ 15', '§ 26', '§ 32', '§ 32', '§ 35', '§ 38', '§ 3', '§ 42', '§ 42', '§ 88']

Aktuelle Datenpannen und Bußgelder
Tags: Beamte , Britische Datenschutzbehörde , Bußgeld , Datenpanne , DSGVO , Hacker , LfDI Baden-Württemberg , Meldebehörde , Polizei , rechtswidrig , Strafe
LfDI Baden-Württemberg verhängt Bußgeld gegen Polizeibeamten
Der Landesbeauftragten für den Datenschutz und die Informationsfreiheit (LfDI) Baden-Württemberg hat ein Bußgeld von 1.400 Euro gegen einen Polizeibeamten verhängt. Damit wurde das erste Bußgeld nach Inkrafttreten der Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) gegen einen Mitarbeiter einer öffentlichen Stelle verhängt.
Der Polizeibeamte wollte die Daten einer privaten Zufallsbekanntschaft in Erfahrung bringen und nutzte dafür seine dienstliche Benutzerkennung, um über das Zentrale Verkehrsinformationssystem (ZEVIS) des Kraftfahrbundesamtes die Halterdaten ihres Autos abzufragen. Diese Daten nutzte er wiederum, um bei der Bundesnetzagentur ihre Festnetz- und Mobilfunknummer zu erfragen. Anschließend kontaktierte er die Frau telefonisch. All das geschah ohne dienstlichen Bezug oder Einwilligung der Geschädigten, ausschließlich zu privaten Zwecken. Damit verarbeitete der Polizeibeamte die dienstlich erlangten personenbezogenen Daten rechtswidrig zu privaten Zwecken.
Bei der Höhe des Bußgeldes wurde berücksichtigt, dass es sich um einen Erstverstoß handelte und nur eine Person betroffen war. Das Bußgeld ist mittlerweile rechtskräftig.
Das zeigt, dass auch für Mitarbeiter öffentlicher Stellen keine Ausnahmen gelten und sie sich genauso an den Datenschutz halten und Bußgelder bei rechtswidriger Datenverarbeitung zu privaten Zwecken befürchten müssen.
Britische Datenschutzbehörde kündigt Rekordstrafen an
Die britische Datenschutzbehörde will ein Bußgeld von 183,39 Millionen Pfund, das sind umgerechnet etwa 204 Millionen Euro, gegen British Airways wegen Verstoßes gegen die DSGVO verhängen. Das entspricht etwa 1,5 Prozent des weltweiten Umsatzes des Unternehmens im letzten Geschäftsjahr und wäre das bislang höchste Bußgeld seit Inkrafttreten der DSGVO.
Hacker verschafften sich 2018 Zugriff auf persönliche Daten und Kreditkarteninformationen mit CVV-Sicherheitsnummern von rund 500.000 Kunden, die in einem bestimmten Zeitraum Flüge mit ihrer Kreditkarte bezahlt hatten. Grund dafür waren nach Ansicht der Datenschutzbehörde gravierende Sicherheitsmängel bei British Airways.
Auch gegen die Hotelkette Marriott hat die britische Datenschutzbehörde ein hohes Bußgeld angekündigt – 99,2 Millionen Pfund, umgerechnet etwa 110 Millionen Euro. Das entspricht etwa 3 Prozent des weltweiten Umsatzes des Unternehmens im letzten Geschäftsjahr.
Auch hier wurden bei einem Hack 2018 Kundendaten abgegriffen. Betroffen waren rund 339 Millionen Gästeaufzeichnungen, davon waren allerdings „nur“ 30 Millionen Personen in Europa betroffen.
In beiden Fällen handelt es sich bisher nur um eine Ankündigung, d.h. die Unternehmen haben jetzt zunächst die Möglichkeit dazu Stellung zu nehmen. Beide Unternehmen haben bereits angekündigt von dieser Möglichkeit Gebrauch zu machen. Erst im Anschluss entscheidet die Datenschutzbehörde über die endgültige Höhe der Bußgelder. Es bleibt also abzuwarten, was am Ende von den Rekordstrafen übrigbleibt.
Datenpanne bei Meldebehörden
Parteien, Wählergruppen und andere Träger von Wahlvorschlägen können nach § 50 Abs. 1 BMG von der Meldebehörde Daten von Wahlberechtigten für personalisierte Wahlwerbung erhalten. Wenn man das nicht möchte, muss man dieser Übermittlung der Daten widersprechen, § 50 Abs. 5 BMG. Viele Bürger kennen diese Regelung jedoch nicht, weshalb bei den letzten Europa- und Kommunalwahlen zahlreiche Beschwerden beim LfDI Baden-Württemberg eingegangen sind.
In dem Zusammenhang gab es aber auch massive Datenpannen bei den Meldebehörden, die zu rechtswidrigen Datenübermittlungen führten. So wurden Daten von Nichtwahlberechtigten oder Personen, für die Auskunftssperren eingetragen sind, übermittelt. Eine Auskunftssperre kann beispielsweise eingetragen werden, wenn für eine Person durch eine Melderegisterauskunft eine Gefahr für Leben, Gesundheit, persönliche Freiheit oder ähnliche schutzwürdige Interessen erwachsen kann, § 51 Abs. 1 BMG. Durch diese Datenpannen erhielten dann beispielsweise auch Säuglinge und Kleinkinder personalisierte Wahlwerbung.
Solche Vorfälle können bereits durch einfache Maßnahmen vermieden oder jedenfalls reduziert werden – wie etwa durch Sensibilisierung und Schulung von Mitarbeitern oder durch Anwendung des Vier-Augen-Prinzips.
Hacken im Auftrag der Regierung?
Tags: Angriff , Anklage , Cyber , FBI , hacken , Hacker , Jin-hyok , Kriminalität , Lazarus , Malware , Nordkorea , Schaden , Sony , Virus , WannaCry
Das US-Justizministerium hat gegen den nordkoreanischen Staatsbürger Park Jin-hyok Anklage erhoben und veröffentlicht. Jin-hyok soll an mehreren sehr bekannten Cyberangriffen beteiligt gewesen sein. Unter anderem werden ihm ein Angriff gegen Sony, die Ransomware "WannaCry" und ein Angriff auf die Zentralbank Bangladeschs zur Last gelegt. Die Anklage lautet somit auf Verschwörung und elektronische Kriminalität (Wire Fraud).
Jin-hyok soll dabei im Auftrag der nordkoreanischen Regierung gearbeitet haben und Teil der Gruppe "Lazarus" sein. Dieser Gruppe werden die oben genannten Angriffe zur Last gelegt. Damit ist der angeklagte Jin-hyok möglicherweise nur ein Teil einer organisierten, im Regierungsauftrag handelnden, Gruppe. So wie es heutzutage in vielen Ländern gängige Praxis und damit ein offenes Geheimnis ist. Eine offizielle Bestätigung dieses Vorgehens hat bis dato aber noch keine Regierung verlauten lassen.
Jede dieser bekannten Attacken verursachte immense Schäden, nicht nur finanzieller Natur. Im Falle des Ransomware-Virus "WannaCry" wurden Hunderttausende Computer in über 150 Ländern lahmgelegt. Der verursachte Schaden wurde auf 4 Milliarden US-Dollar geschätzt und schon damals hat das FBI Nordkorea dafür verantwortlich gemacht. Das beispiellose Ausmaß dieser Attacke wurde sogar von der Europol anerkannt.
Gestoppt wurde „WannaCry“ von dem Briten Marcus Hutchins, der dadurch allerdings selbst verdächtigt und in Gewahrsam genommen wurde. Durch die Anklageerhebung gegen Jin-hyok sollte nun aber dieser Verdacht ausgeräumt sein.
Auch der Angriff auf das Filmstudio Sony Pictures im September 2014 wurde kurz vor einem geplanten Release einer Komödie um das nordkoreanische Staatsoberhaupt Kim Jong-un durchgeführt. Damals hatte Nordkorea gewarnt, die Veröffentlichung dieses Filmes als kriegerische Handlung anzusehen. Es wurden auch hier durch „WannaCry“ riesige Datenmengen vernichtet, vertrauliche Informationen gestohlen und veröffentlicht. Für Sony Pictures entstand gemäß eigenen Angaben ein Schaden von 35 Millionen US-Dollar.
Und auch die verwendete Malware für den Angriff auf die Zentralbank Bangladeschs im Februar 2016 weist genug technische Gemeinsamkeiten mit „WannaCry“ auf, um zu schlussfolgern, dass diese ebenfalls von der "Lazarus" Gruppe stammt. Dabei erlangten die Angreifer die Möglichkeit von der Bank aus Überweisungen zu tätigen. Es wurden 81 Millionen USD auf ihre Konten überwiesen und es hätten noch 850 weitere Millionen Dollar folgen können, wenn die Angreifer nicht einen Tippfehler beim Empfänger gemacht hätten.
Nordkorea streitet jegliche Beteiligung an allen Cyberangriffen ab, jedoch legt das FBI in der 180-seitigen Anklageschrift ihren Ermittlungsstand dar, in dem die Beteiligung der nordkoreanischen Regierung erläutert wird. Da der angeklagte Jin-hyok in Nordkorea lebt und sein Land ihn nicht ausliefern wird, wird er vermutlich nie vor einem amerikanischen Gericht landen. Dennoch setzt die USA ein Zeichen, dass sie hart gegen Cyberkriminalität vorgeht.
Wie groß die Gruppe "Lazarus" tatsächlich ist, ist unbekannt. Die Vermutung, dass Nordkorea nicht das einzige Land mit einer offensiv ausgelegten Hackergruppe ist, liegt nahe. Dass damit jedoch auch weit weniger aufmerksamkeitserregende Angriffe durchgeführt werden können, besser gesagt gemacht werden konnten, ist durchaus realistisch.
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