Source: http://relevancy.bger.ch/php/aza/http/index.php?lang=de&zoom=&type=show_document&highlight_docid=aza%3A%2F%2F10-02-2014-8C_653-2013
Timestamp: 2016-10-22 19:53:12
Document Index: 199518421

Matched Legal Cases: ['Art. 6', 'BGE', 'BGE', 'Art. 44', 'BGE', 'BGE', 'Art. 44', 'BGE', 'Art. 65', 'Art. 66', 'Art. 68']

8C_653/2013 � � Urteil vom 10. Februar 2014
AXA-ARAG Rechtsschutz AG, Rechtsdienst, Affolternstrasse 42, 8050 Z�rich,
Beschwerde gegen den Entscheid des Sozialversicherungsgerichts des Kantons Z�rich vom 29. Juli 2013.
J.________, geboren 1958, war bei der Firma A.________ AG als Monteur von Spielger�ten besch�ftigt, als er sich am 20. Juli 2009 an der rechten Schulter verletzte. Die Supraspinatussehne wurde am 14. September 2009 revidiert. Per 31. Mai 2010 wurde J.________ die Arbeitsstelle gek�ndigt. Bei einer Auseinandersetzung verpasste ihm sein Vorgesetzter am 8. Mai 2010 einen Schlag auf die Schulter. Es erfolgte am 9. Juli 2010 eine zweite Operation. Gest�tzt auf die Einsch�tzung des Dr. med. S.________, Orthop�dische Chirurgie FMH, vom 16. Dezember 2011 stellte die Basler Versicherung AG (nachfolgend: Basler), bei welcher J.________ f�r die Folgen von Berufs- und Nichtberufsunf�llen sowie Berufskrankheiten versichert war, ihre Leistungen per 1. Januar 2012 ein mit der Begr�ndung, dass die noch geklagten Beschwerden nicht mehr auf die beiden Unfallereignisse zur�ckzuf�hren seien (Verf�gung vom 10. Januar 2012 und Einspracheentscheid vom 14. Februar 2012).
Die dagegen erhobene Beschwerde wies das Sozialversicherungsgericht des Kantons Z�rich mit Entscheid vom 29. Juli 2013 ab.
J.________ l�sst Beschwerde in �ffentlich-rechtlichen Angelegenheiten f�hren mit dem Antrag auf Aufhebung des angefochtenen Entscheides, Zusprechung von �bergangstaggeldern sowie einer Integrit�tsentsch�digung und Pr�fung des Rentenanspruchs, eventualiter auf R�ckweisung an die Vorinstanz zu weiteren Abkl�rungen.
Die Basler l�sst auf Abweisung der Beschwerde schliessen, w�hrend das Bundesamt f�r Gesundheit auf Vernehmlassung verzichtet.
Das kantonale Gericht hat die Bestimmungen und Grunds�tze zu dem f�r die Leistungspflicht des Unfallversicherers gem�ss Art. 6 Abs. 1 UVG vorausgesetzten nat�rlichen Kausalzusammenhang zwischen dem Unfallereignis und dem eingetretenen Schaden (BGE 129 V 179 E. 3.1 S. 181), insbesondere auch bei krankhaften Vorzust�nden (SVR 2009 UV Nr. 3 S. 9, 8C_354/2007 E. 2.2; RKUV 1994 Nr. U 206 S. 326 E. 3b S. 328; 1992 Nr. U 142 S. 75 E. 4b), sowie zum Beweiswert von Arztberichten und medizinischen Gutachten (BGE 135 V 465 E. 4.3 S. 468 ff.; 125 V 351 E. 3 S. 352 ff.) zutreffend dargelegt. Darauf wird verwiesen.
Streitig und zu pr�fen ist, ob die Basler bei ihrer Beurteilung der Gesundheitssch�digung aus den Unfallereignissen vom 20. Juli 2009 und vom 8. Mai 2010 zu Recht auf die Einsch�tzung ihres Vertrauensarztes Dr. med. S.________ abgestellt hat.
4.1.�Berichten versicherungsinterner medizinischer Fachpersonen wurde zwar stets Beweiswert zuerkannt, jedoch kommt ihnen praxisgem�ss nicht dieselbe Beweiskraft wie einem gerichtlichen oder einem im Verfahren nach Art. 44 ATSG vom Versicherungstr�ger in Auftrag gegebenen Gutachten zu. Soll ein Versicherungsfall ohne Einholung eines externen Gutachtens entschieden werden, so sind an die Beweisw�rdigung strenge Anforderungen zu stellen. Bestehen auch nur geringe Zweifel an der Zuverl�ssigkeit und Schl�ssigkeit der versicherungsinternen �rztlichen Feststellungen, so sind erg�nzende Abkl�rungen vorzunehmen (BGE 135 V 465 E. 4.4 S. 469 f.).
4.2.�F�r die vom Beschwerdef�hrer geltend gemachte �ber den 1. Januar 2012 hinausgehende Leistungspflicht des Unfallversicherers ist entscheidwesentlich, ob der Zustand der Schulter, wie sich er vor dem Supraspinatussehnenriss pr�sentiert hatte, wieder hergestellt (Status quo ante) beziehungsweise der Zustand, wie er sich nach dem schicksalsm�ssigen Verlauf auch ohne die beiden Unf�lle fr�her oder sp�ter eingestellt h�tte, nunmehr erreicht ist (Status quo sine; SVR 2009 UV Nr. 3 S. 9, 8C_354/2007 E. 2.2). Das Dahinfallen jeder kausalen Bedeutung von unfallbedingten Ursachen eines Gesundheitsschadens muss mit dem im Sozialversicherungsrecht allgemein �blichen Beweisgrad der �berwiegenden Wahrscheinlichkeit (BGE 126 V 353 E. 5b S. 360; 130 III 321 E. 3.2 und 3.3 S. 324 f.; RKUV 1985 Nr. K 613 S. 19 E. 3a) nachgewiesen sein. Die Beweislast daf�r liegt beim Unfallversicherer (RKUV 1994 Nr. U 206 S. 328 E. 3b; SVR 2011 UV Nr. 4 S. 12, 8C_901/2009 E. 3.2). Dass eine degenerative Vor sch�digung bestand, bestreitet der Beschwerdef�hrer nicht.
Dr. med. S.________ - der nach Lage der Akten nicht im Verfahren gem�ss Art. 44 ATSG beauftragt wurde - stellte in seiner konsiliarischen Beurteilung vom 16. Dezember 2011 nach der Untersuchung des Versicherten am 21. und am 27. April 2011 eine leicht eingeschr�nkte Beweglichkeit der rechten Schulter fest. Der Versicherte hatte zwischenzeitlich einen Herzinfarkt erlitten und war seit dem Verlust der vormaligen Stelle nicht mehr erwerbst�tig gewesen. Dr. med. S.________ erachtete ihn in der fr�heren T�tigkeit nur noch zu 50 % als arbeitsf�hig; eine den Schulterbeschwerden angepasste T�tigkeit sei ihm zu 100 % zumutbar.
Gem�ss der Stellungnahme des Dr. med. S.________ sei es am 20. Juli 2009 zu einer Kontusion/Distorsion des rechten Armes gekommen und der Beschwerdef�hrer habe in der Folge unter einer schmerzhaften Bewegungseinschr�nkung der rechten Schulter gelitten, welche vorerst konservativ behandelt worden sei. Am 11. September 2009 sei eine Refixation eines Teilabrisses der Supraspinatussehne erfolgt, am 9. Juli 2010, nach dem Vorfall vom 8. Mai 2010, habe eine immer noch vorhandene L�sion dieser Sehne erneut versorgt werden m�ssen. Der angestrebte Heilungserfolg habe dabei erst mit Beseitigung eines subacromialen Impingements bei der Reoperation erreicht werden k�nnen; die zweite Operation vom 9. Juli 2010 sei nicht prim�r wegen Folgen des Ereignisses vom 8. Mai 2010 angezeigt gewesen. Dr. med. S.________ war der Auffassung, dass mit diesen beiden Operationen indessen in erster Linie ein degenerativer Vorzustand der Rotatorenmanschette saniert worden sei. Am 16. Juli 2007 und somit kurz vor dem ersten Unfall sei ein R�ntgenbild der rechten Schulter angefertigt worden, weitere diesbez�gliche Angaben f�nden sich jedoch nicht in den Akten. Der status quo sine habe zwei Jahre nach der ersten (beziehungsweise zwei Monate nach der zweiten) Operation wieder erreicht werden k�nnen. Die Supraspinatussehne sei bis heute in ihrer Kontinuit�t erhalten geblieben und es sei nach zwei Jahren Behandlung und zwei Operationen anhand der von ihm veranlassten Magnetresonanzuntersuchung vom 27. April 2011 keine Atrophie des Supraspinatusmuskels erkennbar.
6.1.�Gest�tzt auf die Angaben des Vertrauensarztes ist davon auszugehen, dass sich der Versicherte beim ersten Unfallereignis am 20. Juli 2009 beim Montieren von Ger�ten auf einem Kinderspielplatz einen Supraspinatussehnenriss zugezogen hat. Die Sehne wurde bei der Operation vom 14. September 2009 fixiert. Nach einem Schlag seines Vorgesetzten auf die betroffene Schulter am 8. Mai 2010 erfolgte am 9. Juli 2010 eine Reoperation, wobei nach der Einsch�tzung des Dr. med. S.________ nicht eine erneute Verletzung den Eingriff erforderlich gemacht hat, sondern der Defekt anl�sslich der ersten Operation nicht g�nzlich behoben werden konnte. Der Vertrauensarzt ist indessen der Auffassung, dass durch die beiden Eingriffe nicht nur die unfallbedingte Verletzung versorgt wurde, sondern auch ein krankhafter Vorzustand zu sanieren war, welcher nunmehr die noch anhaltenden Beschwerden verursacht.
Aus diesen Ausf�hrungen des Vertrauensarztes l�sst sich indessen nicht zuverl�ssig schliessen, dass die Folgen der beiden Unfallereignisse zwischenzeitlich geheilt werden konnten.
6.2.�Dem Bericht des Dr. med. S.________ ist zwar ausdr�cklich zu entnehmen, dass der Status quo sine auch unter Ber�cksichtigung des zweiten Vorfalls zwei Jahre nach dem ersten Unfallereignis, somit im Juli 2011, erreicht gewesen sei. Soweit aus den Akten ersichtlich war der Versicherte vor dem ersten Unfall jedoch in seiner k�rperlich schweren T�tigkeit noch voll arbeitsf�hig, w�hrend ihm der Gutachter heute eine 50%ige Einschr�nkung attestiert. Es finden sich in seinen Ausf�hrungen keine Anhaltspunkte daf�r, weshalb es seit Juli 2009 ohne die beiden Unf�lle, also rein krankheitsbedingt, zu einer derartigen Verschlechterung h�tte kommen k�nnen. Nach dem von Dr. med. S.________ aufgezeichneten R�ntgendossier waren am 16. Juli 2009, also kurz vor dem Unfall, in der Innen- und Aussenrotation keine wesentlichen Ver�nderungen festzustellen. Am 25. Oktober 2009 fanden sich beginnende degenerative Ver�nderungen, und der gleiche Befund wurde auch am 27. April 2011 erhoben.
Dr. med. S.________ schloss - im Zusammenhang mit der Frage des Unfallversicherers nach allf�lligen Regressm�glichkeiten - denn auch nicht aus, dass der heutige Zustand auf das erste Unfallereignis vom 20. Juli 2009 zur�ckzuf�hren sei. Des Weiteren attestiert der Vertrauensarzt, dass die angestammte schwere k�rperliche Arbeit unfallbedingt, zufolge des ersten Ereignisses vom 20. Juli 2009, nur noch zu 50 % zumutbar und dass der Beschwerdef�hrer durch diesen Unfall - wegen leicht eingeschr�nkter Schulterfunktion nach zwei Operationen und postoperativem Infekt - dauernd und erheblich in seiner Integrit�t beeintr�chtigt sei, wobei Dr. med. S.________ eine diesbez�gliche Entsch�digung von 10 % als angemessen erachtete.
Ob die anhaltenden Schulterbeschwerden noch in einem nat�rlichen Kausalzusammenhang mit den erlittenen Unf�llen stehen, l�sst sich nach den dargelegten Erw�gungen anhand des Gutachtens des Vertrauensarztes nicht hinreichend schl�ssig (oben E. 4.1) beurteilen. Zur Kl�rung wird die Vorinstanz ein Gerichtsgutachten einholen (BGE 137 V 210 E. 4.4.1.4 S. 264).
Das Verfahren ist kostenpflichtig (Art. 65 Abs. 1 BGG). Die Gerichtskosten werden dem Prozessausgang entsprechend der Beschwerdegegnerin auferlegt (Art. 66 Abs. 1 Satz 1 BGG); des Weiteren hat sie dem Beschwerdef�hrer eine Parteientsch�digung zu bezahlen (Art. 68 Abs. 2 BGG).
Die Beschwerde wird teilweise gutgeheissen. Der Entscheid des Sozialversicherungsgerichts des Kantons Z�rich vom 29. Juli 2013 wird aufgehoben. Die Sache wird an die Vorinstanz zur�ckgewiesen, damit sie �ber den Anspruch des Beschwerdef�hrers auf Leistungen aus der obligatorischen Unfallversicherung ab dem 1. Januar 2012 neu entscheide. Im �brigen wird die Beschwerde abgewiesen.