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Timestamp: 2020-07-09 02:29:54
Document Index: 75130824

Matched Legal Cases: ['Art. 79', 'Art. 58', 'Art. 60', 'Art. 159', 'Art. 177', 'Art. 934', 'Art. 554', 'Art. 596', 'Art. 765', 'Art. 552', 'Art. 594', 'Art. 620', 'Art. 772', 'Art. 828', 'Art. 60', 'Art. 80', 'Art. 36', 'Art. 98', 'Art. 15', 'Art. 151', 'Art. 17', 'Art. 177', 'Art. 89', 'Art. 31', 'Art. 58', 'Art. 60', 'Art. 57', 'Art. 2', 'Art. 324', 'Art. 2', 'Art. 818', 'Art. 2', 'Art. 2', 'Art. 58', 'Art. 60', 'Art. 58', 'Art. 60', 'Art. 68', 'Art. 15', 'Art. 1', 'Art. 106', 'Art. 106', 'Art. 93', 'Art. 1', 'Art. 321', 'Art. 106', 'Art. 265', 'Art. 77', 'Art. 179', 'Art. 3', 'Art. 323', 'Art. 163', 'Art. 324', 'Art. 79', 'Art. 18', 'Art. 378', 'Art. 3', 'Art. 3', 'Art. 3', 'Art. 2', 'Art. 35', 'Art. 20', 'Art. 3', 'Art. 83', 'Art. 110', 'Art. 93', 'Art. 169', 'Art. 94', 'Art. 934', 'Art. 936', 'Art. 116', 'Art. 360', 'Art. 281', 'Art. 110', 'Art. 219', 'Art. 5', 'Art. 6', 'Art. 7', 'Art. 8', 'Art. 52', 'Art. 832', 'Art. 126', 'Art. 127', 'Art. 92', 'Art. 68', 'Art. 110', 'Art. 37', 'Art. 169', 'Art. 14', 'Art. 886', 'Art. 806', 'Art. 58', 'Art. 60', 'Art. 169', 'Art. 14', 'Art. 828', 'Art. 58', 'Art. 60', 'Art. 135', 'Art. 126', 'Art. 33']

Lawbrary | SchKG - Bundesgesetz über Schuldbetreibung und Konkurs
I. Organisation (1 - 30)
II. Verschiedene Vorschriften (31 - 37)
I. Arten der Schuldbetreibung (38 - 45)
II. Ort der Betreibung (46 - 55)
III. Geschlossene Zeiten, Betreibungsferien und Rechtsstillstand (56 - 63)
IV. Zustellung der Betreibungsurkunden (64 - 66)
V. Anhebung der Betreibung (67 - 68)
VI. Betreibung eines in Gütergemeinschaft lebenden Ehegatten (68 - 68)
VII. Betreibung bei gesetzlicher Vertretung oder Beistandschaft (68 - 68)
VIII. Zahlungsbefehl und Rechtsvorschlag (69 - 87)
IX. Fortsetzung der Betreibung (88 - 88)
I. Pfändung (89 - 115)
II. Verwertung (116 - 150)
Betreibung auf Pfandverwertung (151 - 158)
I. Ordentliche Konkursbetreibung (159 - 176)
II. Wechselbetreibung (177 - 189)
III. Konkurseröffnung ohne vorgängige Betreibung (190 - 194)
IV. Widerruf des Konkurses (195 - 196)
I. Wirkungen des Konkurses auf das Vermögen des Schuldners (197 - 207)
II. Wirkungen des Konkurses auf die Rechte der Gläubiger (208 - 220)
I. Feststellung der Konkursmasse und Bestimmung des Verfahrens (221 - 231)
II. Schuldenruf (232 - 234)
III. Verwaltung (235 - 243)
IV. Erwahrung der Konkursforderungen. Kollokation der Gläubiger (244 - 251)
V. Verwertung (252 - 260)
VI. Verteilung (261 - 267)
VII. Schluss des Konkursverfahrens (268 - 270)
Arrest (271 - 281)
Besondere Bestimmungen über Miete und Pacht (282 - 284)
Besondere Bestimmungen bei Trustverhältnissen (284 - 284)
Anfechtung (285 - 292)
I. Nachlassstundung (293 - 304)
II. Allgemeine Bestimmungen über den Nachlassvertrag (305 - 313)
III. Ordentlicher Nachlassvertrag (314 - 316)
IV. Nachlassvertrag mit Vermögensabtretung (317 - 331)
V. Nachlassvertrag im Konkurs (332 - 332)
VI. Einvernehmliche private Schuldenbereinigung (333 - 336)
Notstundung (337 - 350)
Schlussbestimmungen (351 - 352)
Schlussbestimmungen der Änderung vom 16. Dezember 1994 (1 - 4)
Schlussbestimmung zur Änderung vom 24. März 2000
Schlussbestimmung der Änderung vom 19. Dezember 2003
Übergangsbestimmung der Änderung vom 18. Juni 2010
Übergangsbestimmung zur Änderung vom 21. Juni 2013
vom 11. April 1889 (Stand am 1. Januar 2019)
gestützt auf Artikel 64 der Bundesverfassung2 (BV),3
A. Be­trei­bungs- und Kon­kurs­krei­se1
1Das Ge­biet je­des Kan­tons bil­det für die Durch­füh­rung der Schuld­be­trei­bun­gen und der Kon­kur­se einen oder meh­re­re Krei­se.
2Die Kan­to­ne be­stim­men die Zahl und die Grös­se die­ser Krei­se.
3Ein Kon­kurs­kreis kann meh­re­re Be­trei­bungs­krei­se um­fas­sen.
1 Durch Ziff. I des BG vom 16. Dez. 1994, in Kraft seit 1. Jan. 1997 wur­den sämt­li­che Art. mit Rand­ti­teln ver­se­hen (AS 1995 1227; BBl 1991 III 1).
B. Be­trei­bungs- und Kon­kur­säm­ter
1. Or­ga­ni­sa­ti­on
1In je­dem Be­trei­bungs­kreis be­steht ein Be­trei­bungs­amt, das vom Be­trei­bungs­be­am­ten ge­lei­tet wird.
2In je­dem Kon­kurs­kreis be­steht ein Kon­kur­samt, das vom Kon­kurs­be­am­ten ge­lei­tet wird.
3Je­der Be­trei­bungs- und Kon­kurs­be­am­te hat einen Stell­ver­tre­ter, der ihn er­setzt, wenn er in Aus­stand tritt oder an der Lei­tung des Am­tes ver­hin­dert ist.
4Das Be­trei­bungs- und das Kon­kur­samt kön­nen zu­sam­men­ge­legt und vom glei­chen Be­am­ten ge­lei­tet wer­den.
5Die Kan­to­ne be­stim­men im Üb­ri­gen die Or­ga­ni­sa­ti­on der Be­trei­bungs- und der Kon­kur­säm­ter.
1 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I des BG vom 16. Dez. 1994, in Kraft seit 1. Jan. 1997 (AS 1995 1227; BBl 1991 III 1).
2. Be­sol­dung
Die Be­sol­dung der Be­trei­bungs- und der Kon­kurs­be­am­ten so­wie ih­rer Stell­ver­tre­ter ist Sa­che der Kan­to­ne.
C. Rechts­hil­fe
1Die Be­trei­bungs- und die Kon­kur­säm­ter neh­men auf Ver­lan­gen von Äm­tern, aus­ser­amt­li­chen Kon­kurs­ver­wal­tun­gen, Sach­wal­tern und Li­qui­da­to­ren ei­nes an­dern Krei­ses Amts­hand­lun­gen vor.
2Mit Zu­stim­mung des ört­lich zu­stän­di­gen Am­tes kön­nen Be­trei­bungs- und Kon­kur­säm­ter, aus­ser­amt­li­che Kon­kurs­ver­wal­tun­gen, Sach­wal­ter und Li­qui­da­to­ren auch aus­ser­halb ih­res Krei­ses Amts­hand­lun­gen vor­neh­men. Für die Zu­stel­lung von Be­trei­bungs­ur­kun­den an­ders als durch die Post so­wie für die Pfän­dung, die öf­fent­li­che Ver­stei­ge­rung und den Bei­zug der Po­li­zei ist je­doch al­lein das Amt am Ort zu­stän­dig, wo die Hand­lung vor­zu­neh­men ist.
Cbis. Ver­fah­ren in ei­nem sach­li­chen Zu­sam­men­hang
1Bei Kon­kur­sen und Nach­lass­ver­fah­ren, die in ei­nem sach­li­chen Zu­sam­men­hang ste­hen, ko­or­di­nie­ren die be­tei­lig­ten Zwangs­voll­stre­ckungs­or­ga­ne, Auf­sichts­be­hör­den und Ge­rich­te ih­re Hand­lun­gen so­weit als mög­lich.
2Die be­tei­lig­ten Kon­kurs- und Nach­lass­ge­rich­te so­wie die Auf­sichts­be­hör­den kön­nen im ge­gen­sei­ti­gen Ein­ver­neh­men ei­ne ein­heit­li­che Zu­stän­dig­keit für al­le Ver­fah­ren be­zeich­nen.
1 Ein­ge­fügt durch Ziff. I des BG vom 21. Ju­ni 2013, in Kraft seit 1. Jan. 2014 (AS 2013 4111; BBl 2010 6455).
D. Haf­tung
1Der Kan­ton haf­tet für den Scha­den, den die Be­am­ten und An­ge­stell­ten, ih­re Hilfs­per­so­nen, die aus­ser­amt­li­chen Kon­kurs­ver­wal­tun­gen, die Sach­wal­ter, die Li­qui­da­to­ren, die Auf­sichts- und Ge­richts­be­hör­den so­wie die Po­li­zei bei der Er­fül­lung der Auf­ga­ben, die ih­nen die­ses Ge­setz zu­weist, wi­der­recht­lich ver­ur­sa­chen.
2Der Ge­schä­dig­te hat ge­gen­über dem Fehl­ba­ren kei­nen An­spruch.
3Für den Rück­griff des Kan­tons auf die Per­so­nen, die den Scha­den ver­ur­sacht ha­ben, ist das kan­to­na­le Recht mass­ge­bend.
4Wo die Schwe­re der Ver­let­zung es recht­fer­tigt, be­steht zu­dem An­spruch auf Ge­nug­tu­ung.
2. Ver­jäh­rung
1Der An­spruch auf Scha­den­er­satz ver­jährt in ei­nem Jahr von dem Ta­ge hin­weg, an wel­chem der Ge­schä­dig­te von der Schä­di­gung Kennt­nis er­langt hat, je­den­falls aber mit dem Ab­lauf von zehn Jah­ren von dem Ta­ge der Schä­di­gung an ge­rech­net.
3. Zu­stän­dig­keit des Bun­des­ge­richts
Wird ei­ne Scha­den­er­satz­kla­ge mit wi­der­recht­li­chem Ver­hal­ten der obe­ren kan­to­na­len Auf­sichts­be­hör­den oder des obe­ren kan­to­na­len Nach­lass­ge­richts be­grün­det, so ist das Bun­des­ge­richt als ein­zi­ge In­stanz zu­stän­dig.
E. Pro­to­kol­le und Re­gis­ter
1. Füh­rung, Be­weis­kraft und Be­rich­ti­gung
1Die Be­trei­bungs- und die Kon­kur­säm­ter füh­ren über ih­re Amt­stä­tig­kei­ten so­wie die bei ih­nen ein­ge­hen­den Be­geh­ren und Er­klä­run­gen Pro­to­koll; sie füh­ren die Re­gis­ter.
2Die Pro­to­kol­le und Re­gis­ter sind bis zum Be­weis des Ge­gen­teils für ih­ren In­halt be­weis­kräf­tig.
3Das Be­trei­bungs­amt be­rich­tigt einen feh­ler­haf­ten Ein­trag von Am­tes we­gen oder auf An­trag ei­ner be­trof­fe­nen Per­son.
2. Ein­sichts­recht
1Je­de Per­son, die ein In­ter­es­se glaub­haft macht, kann die Pro­to­kol­le und Re­gis­ter der Be­trei­bungs- und der Kon­kur­säm­ter ein­se­hen und sich Aus­zü­ge dar­aus ge­ben las­sen.
2Ein sol­ches In­ter­es­se ist ins­be­son­de­re dann glaub­haft ge­macht, wenn das Aus­kunfts­ge­such in un­mit­tel­ba­rem Zu­sam­men­hang mit dem Ab­schluss oder der Ab­wick­lung ei­nes Ver­tra­ges er­folgt.
3Die Äm­ter ge­ben Drit­ten von ei­ner Be­trei­bung kei­ne Kennt­nis, wenn:
die Be­trei­bung nich­tig ist oder auf­grund ei­ner Be­schwer­de oder ei­nes ge­richt­li­chen Ent­scheids2 auf­ge­ho­ben wor­den ist;
der Schuld­ner mit ei­ner Rück­for­de­rungs­kla­ge ob­siegt hat;
der Gläu­bi­ger die Be­trei­bung zu­rück­ge­zo­gen hat;
der Schuld­ner nach Ab­lauf ei­ner Frist von drei Mo­na­ten seit der Zu­stel­lung des Zah­lungs­be­fehls ein ent­spre­chen­des Ge­such ge­stellt hat, so­fern der Gläu­bi­ger nach Ab­lauf ei­ner vom Be­trei­bungs­amt an­ge­setz­ten Frist von 20 Ta­gen den Nach­weis nicht er­bringt, dass recht­zei­tig ein Ver­fah­ren zur Be­sei­ti­gung des Rechts­vor­schla­ges (Art. 79-84) ein­ge­lei­tet wur­de; wird die­ser Nach­weis nach­träg­lich er­bracht oder wird die Be­trei­bung fort­ge­setzt, wird sie Drit­ten wie­der zur Kennt­nis ge­bracht.
4Das Ein­sichts­recht Drit­ter er­lischt fünf Jah­re nach Ab­schluss des Ver­fah­rens. Ge­richts- und Ver­wal­tungs­be­hör­den kön­nen im In­ter­es­se ei­nes Ver­fah­rens, das bei ih­nen hän­gig ist, wei­ter­hin Aus­zü­ge ver­lan­gen.
1 Ein­ge­fügt durch Ziff. I des BG vom 16. Dez. 1994, in Kraft seit 1. Jan. 1997 (AS 1995 1227; BBl 1991 III 1).
2 Aus­druck ge­mä­ss An­hang 1 Ziff. II 17 der Zi­vil­pro­zess­ord­nung vom 19. Dez. 2008, in Kraft seit 1. Jan. 2011 (AS 2010 1739; BBl 2006 7221).
3 Ein­ge­fügt durch Ziff. I des BG vom 16. Dez. 2016, in Kraft seit 1. Jan. 2019 (AS 2018 4583; BBl 2015 3209 5785).
F. Auf­be­wah­rung von Geld oder Wert­sa­chen
Die Be­trei­bungs- und die Kon­kur­säm­ter ha­ben Geld­sum­men, Wert­pa­pie­re und Wert­sa­chen, über wel­che nicht bin­nen drei Ta­gen nach dem Ein­gan­ge ver­fügt wird, der De­po­si­ten­an­stalt zu über­ge­ben.
G. Aus­stands­pflicht
1Die Be­am­ten und An­ge­stell­ten der Be­trei­bungs- und der Kon­kur­säm­ter so­wie die Mit­glie­der der Auf­sichts­be­hör­den dür­fen kei­ne Amts­hand­lun­gen vor­neh­men:
in ei­ge­ner Sa­che;
in Sa­chen ih­rer Ehe­gat­ten, ein­ge­tra­ge­nen Part­ne­rin­nen oder Part­ner oder von Per­so­nen, mit de­nen sie ei­ne fak­ti­sche Le­bens­ge­mein­schaft füh­ren;
in Sa­chen von Ver­wand­ten und Ver­schwä­ger­ten in ge­ra­der Li­nie oder bis zum drit­ten Gra­de in der Sei­ten­li­nie;
in Sa­chen ei­ner Per­son, de­ren ge­setz­li­che Ver­tre­ter, Be­voll­mäch­tig­te oder An­ge­stell­te sie sind;
in Sa­chen, in de­nen sie aus an­de­ren Grün­den be­fan­gen sein könn­ten.
2Der Be­trei­bungs- oder der Kon­kurs­be­am­te, der in Aus­stand tre­ten muss, über­mit­telt ein an ihn ge­rich­te­tes Be­geh­ren so­fort sei­nem Stell­ver­tre­ter und be­nach­rich­tigt da­von den Gläu­bi­ger durch un­ein­ge­schrie­be­nen Brief.
2 Fas­sung ge­mä­ss An­hang Ziff. 16 des Part­ner­schafts­ge­set­zes vom 18. Ju­ni 2004, in Kraft seit 1. Jan. 2007 (AS 2005 5685; BBl 2003 1288).
3 Ein­ge­fügt durch An­hang Ziff. 16 des Part­ner­schafts­ge­set­zes vom 18. Ju­ni 2004, in Kraft seit 1. Jan. 2007 (AS 2005 5685; BBl 2003 1288).
H. Ver­bo­te­ne Rechts­ge­schäf­te
Die Be­am­ten und An­ge­stell­ten der Be­trei­bungs- und der Kon­kur­säm­ter dür­fen über die vom Amt ein­zu­trei­ben­den For­de­run­gen oder die von ihm zu ver­wer­ten­den Ge­gen­stän­de kei­ne Rechts­ge­schäf­te auf ei­ge­ne Rech­nung ab­sch­lies­sen. Rechts­hand­lun­gen, die ge­gen die­se Vor­schrift ver­stos­sen, sind nich­tig.
I. Zah­lun­gen an das Be­trei­bungs­amt
1Das Be­trei­bungs­amt hat Zah­lun­gen für Rech­nung des be­trei­ben­den Gläu­bi­gers ent­ge­gen­zu­neh­men.
2Die Schuld er­lischt durch die Zah­lung an das Be­trei­bungs­amt.
K. Auf­sichts­be­hör­den
1. Kan­to­na­le
a. Be­zeich­nung
1Zur Über­wa­chung der Be­trei­bungs- und der Kon­kur­säm­ter hat je­der Kan­ton ei­ne Auf­sichts­be­hör­de zu be­zeich­nen.
2Die Kan­to­ne kön­nen über­dies für einen oder meh­re­re Krei­se un­te­re Auf­sichts­be­hör­den be­stel­len.
b. Ge­schäfts­prü­fung und Dis­zi­plin­ar­mass­nah­men
1Die Auf­sichts­be­hör­de hat die Ge­schäfts­füh­rung je­des Am­tes all­jähr­lich min­des­tens ein­mal zu prü­fen.
2Ge­gen einen Be­am­ten oder An­ge­stell­ten kön­nen fol­gen­de Dis­zi­plin­ar­mass­nah­men ge­trof­fen wer­den:1
Rü­ge;
Geld­bus­se bis zu 1000 Fran­ken;
Amtseinstel­lung für die Dau­er von höchs­tens sechs Mo­na­ten;
Amts­ent­set­zung.
2 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I des BG vom 16. Dez. 1994, in Kraft seit 1. Jan. 1997 (AS 1995 1227; BBl 1991 III 1).
2. Bun­des­rat
1Der Bun­des­rat übt die Ober­auf­sicht über das Schuld­be­trei­bungs- und Kon­kurs­we­sen aus und sorgt für die gleich­mäs­si­ge An­wen­dung die­ses Ge­set­zes.
2Er er­lässt die zur Voll­zie­hung die­ses Ge­set­zes er­for­der­li­chen Ver­ord­nun­gen und Re­gle­men­te.
3Er kann an die kan­to­na­len Auf­sichts­be­hör­den Wei­sun­gen er­las­sen und von den­sel­ben jähr­li­che Be­rich­te ver­lan­gen.
5Er ko­or­di­niert die elek­tro­ni­sche Kom­mu­ni­ka­ti­on zwi­schen den Be­trei­bungs- und Kon­kur­säm­tern, den Grund­buch- und Han­dels­re­gis­teräm­tern, den Ge­rich­ten und dem Pu­bli­kum.3
1 Fas­sung ge­mä­ss An­hang Ziff. 6 des Bun­des­ge­richts­ge­set­zes vom 17. Ju­ni 2005, in Kraft seit 1. Jan. 2007 (AS 2006 1205; BBl 2001 4202).
2 Auf­ge­ho­ben durch An­hang 1 Ziff. II 17 der Zi­vil­pro­zess­ord­nung vom 19. Dez. 2008, mit Wir­kung seit 1. Jan. 2011 (AS 2010 1739; BBl 2006 7221).
3 Ein­ge­fügt durch An­hang 1 Ziff. II 17 der Zi­vil­pro­zess­ord­nung vom 19. Dez. 2008, in Kraft seit 1. Jan. 2011 (AS 2010 1739; BBl 2006 7221).
L. Ge­büh­ren
1Der Bun­des­rat setzt den Ge­büh­ren­ta­rif fest.
2Die im Be­trei­bungs- und Kon­kurs­ver­fah­ren er­rich­te­ten Schrift­stücke sind stem­pel­frei.
M. Be­schwer­de
1. An die Auf­sichts­be­hör­de
1Mit Aus­nah­me der Fäl­le, in de­nen die­ses Ge­setz den Weg der ge­richt­li­chen Kla­ge vor­schreibt, kann ge­gen je­de Ver­fü­gung ei­nes Be­trei­bungs- oder ei­nes Kon­kur­sam­tes bei der Auf­sichts­be­hör­de we­gen Ge­set­zes­ver­let­zung oder Un­an­ge­mes­sen­heit Be­schwer­de ge­führt wer­den.1
2Die Be­schwer­de muss bin­nen zehn Ta­gen seit dem Ta­ge, an wel­chem der Be­schwer­de­füh­rer von der Ver­fü­gung Kennt­nis er­hal­ten hat, an­ge­bracht wer­den.
3We­gen Rechts­ver­wei­ge­rung oder Rechts­ver­zö­ge­rung kann je­der­zeit Be­schwer­de ge­führt wer­den.
4Das Amt kann bis zu sei­ner Ver­nehm­las­sung die an­ge­foch­te­ne Ver­fü­gung in Wie­der­er­wä­gung zie­hen. Trifft es ei­ne neue Ver­fü­gung, so er­öff­net es sie un­ver­züg­lich den Par­tei­en und setzt die Auf­sichts­be­hör­de in Kennt­nis.2
2 Ein­ge­fügt durch Ziff. I des BG vom 16. Dez. 1994, in Kraft seit 1. Jan. 1997 (AS 1995 1227; BBl 1991 III 1).
2. An die obe­re Auf­sichts­be­hör­de
1Der Ent­scheid ei­ner un­te­ren Auf­sichts­be­hör­de kann in­nert zehn Ta­gen nach der Er­öff­nung an die obe­re kan­to­na­le Auf­sichts­be­hör­de wei­ter­ge­zo­gen wer­den.
2We­gen Rechts­ver­wei­ge­rung oder Rechts­ver­zö­ge­rung kann ge­gen ei­ne un­te­re Auf­sichts­be­hör­de je­der­zeit bei der obe­ren kan­to­na­len Auf­sichts­be­hör­de Be­schwer­de ge­führt wer­den.
3. An das Bun­des­ge­richt
Die Be­schwer­de an das Bun­des­ge­richt rich­tet sich nach dem Bun­des­ge­richts­ge­setz vom 17. Ju­ni 20052.
4. Be­schwer­de­fris­ten bei Wech­sel­be­trei­bung
Bei der Wech­sel­be­trei­bung be­tra­gen die Fris­ten für An­he­bung der Be­schwer­de und Wei­ter­zie­hung der­sel­ben bloss fünf Ta­ge; die Be­hör­de hat die Be­schwer­de bin­nen fünf Ta­gen zu er­le­di­gen.
5. Ver­fah­ren vor kan­to­na­len Auf­sichts­be­hör­den2
2Für das Ver­fah­ren vor den kan­to­na­len Auf­sichts­be­hör­den gel­ten die fol­gen­den Be­stim­mun­gen:4
Die Auf­sichts­be­hör­den ha­ben sich in al­len Fäl­len, in de­nen sie in die­ser Ei­gen­schaft han­deln, als sol­che und ge­ge­be­nen­falls als obe­re oder un­te­re Auf­sichts­be­hör­de zu be­zeich­nen.
Die Auf­sichts­be­hör­de stellt den Sach­ver­halt von Am­tes we­gen fest. Sie kann die Par­tei­en zur Mit­wir­kung an­hal­ten und braucht auf de­ren Be­geh­ren nicht ein­zu­tre­ten, wenn sie die not­wen­di­ge und zu­mut­ba­re Mit­wir­kung ver­wei­gern.
Die Auf­sichts­be­hör­de wür­digt die Be­wei­se frei; un­ter Vor­be­halt von Ar­ti­kel 22 darf sie nicht über die An­trä­ge der Par­tei­en hin­aus­ge­hen.
Der Be­schwer­de­ent­scheid wird be­grün­det, mit ei­ner Rechts­mit­tel­be­leh­rung ver­se­hen und den Par­tei­en, dem be­trof­fe­nen Amt und all­fäl­li­gen wei­te­ren Be­tei­lig­ten schrift­lich er­öff­net.
Die Ver­fah­ren sind kos­ten­los. Bei bös­wil­li­ger oder mut­wil­li­ger Pro­zess­füh­rung kön­nen ei­ner Par­tei oder ih­rem Ver­tre­ter Bus­sen bis zu 1500 Fran­ken so­wie Ge­büh­ren und Aus­la­gen auf­er­legt wer­den.
3Im Üb­ri­gen re­geln die Kan­to­ne das Ver­fah­ren.
2 Fas­sung ge­mä­ss An­hang Ziff. 6 des Bun­des­ge­richts­ge­set­zes vom 17. Ju­ni 2005, in Kraft seit 1. Jan. 2007 (AS 2006 1205; BBl 2001 4202).
3 Auf­ge­ho­ben durch An­hang Ziff. 6 des Bun­des­ge­richts­ge­set­zes vom 17. Ju­ni 2005, mit Wir­kung seit 1. Jan. 2007 (AS 2006 1205; BBl 2001 4202).
4 Fas­sung ge­mä­ss An­hang Ziff. 6 des Bun­des­ge­richts­ge­set­zes vom 17. Ju­ni 2005, in Kraft seit 1. Jan. 2007 (AS 2006 1205; BBl 2001 4202).
5 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I 6 der V der BVers vom 20. Dez. 2006 über die An­pas­sung von Er­las­sen an die Be­stim­mun­gen des Bun­des­ge­richts­ge­set­zes und des Ver­wal­tungs­ge­richts­ge­set­zes, in Kraft seit 1. Jan. 2007 (AS 2006 5599; BBl 2006 7759).
6 Ein­ge­fügt durch An­hang Ziff. 6 des Bun­des­ge­richts­ge­set­zes vom 17. Ju­ni 2005, in Kraft seit 1. Jan. 2007 (AS 2006 1205; BBl 2001 4202).
6. Be­schwer­de­ent­scheid
Die Be­hör­de, wel­che ei­ne Be­schwer­de be­grün­det er­klärt, ver­fügt die Auf­he­bung oder die Be­rich­ti­gung der an­ge­foch­te­nen Hand­lung; sie ord­net die Voll­zie­hung von Hand­lun­gen an, de­ren Vor­nah­me der Be­am­te un­be­grün­de­ter­mas­sen ver­wei­gert oder ver­zö­gert.
N. Nich­ti­ge Ver­fü­gun­gen
1Ver­stos­sen Ver­fü­gun­gen ge­gen Vor­schrif­ten, die im öf­fent­li­chen In­ter­es­se oder im In­ter­es­se von am Ver­fah­ren nicht be­tei­lig­ten Per­so­nen er­las­sen wor­den sind, so sind sie nich­tig. Un­ab­hän­gig da­von, ob Be­schwer­de ge­führt wor­den ist, stel­len die Auf­sichts­be­hör­den von Am­tes we­gen die Nich­tig­keit ei­ner Ver­fü­gung fest.
2Das Amt kann ei­ne nich­ti­ge Ver­fü­gung durch Er­lass ei­ner neu­en Ver­fü­gung er­set­zen. Ist bei der Auf­sichts­be­hör­de ein Ver­fah­ren im Sin­ne von Ab­satz 1 hän­gig, so steht dem Amt die­se Be­fug­nis bis zur Ver­nehm­las­sung zu.
O. Kan­to­na­le Aus­füh­rungs­be­stim­mun­gen
1. Rich­ter­li­che Be­hör­den
Die Kan­to­ne be­zeich­nen die rich­ter­li­chen Be­hör­den, wel­che für die in die­sem Ge­set­ze dem Rich­ter zu­ge­wie­se­nen Ent­schei­dun­gen zu­stän­dig sind.
2. De­po­si­ten­an­stal­ten
Die Kan­to­ne be­zeich­nen die An­stal­ten, wel­che ge­hal­ten sind, in den in die­sem Ge­set­ze vor­ge­se­he­nen Fäl­len De­po­si­ten an­zu­neh­men (De­po­si­ten­an­stal­ten). Sie haf­ten für die von die­sen An­stal­ten ver­wahr­ten De­po­si­ten.
1 Auf­ge­ho­ben durch An­hang 1 Ziff. II 17 der Zi­vil­pro­zess­ord­nung vom 19. Dez. 2008, mit Wir­kung seit 1. Jan. 2011 (AS 2010 1739; BBl 2006 7221).
4. Öf­fent­lichrecht­li­che Fol­gen der frucht­lo­sen Pfän­dung und des Kon­kur­ses
1Die Kan­to­ne kön­nen, so­weit nicht Bun­des­recht an­wend­bar ist, an die frucht­lo­se Pfän­dung und die Kon­kurser­öff­nung öf­fent­lich-recht­li­che Fol­gen (wie Un­fä­hig­keit zur Be­klei­dung öf­fent­li­cher Äm­ter, zur Aus­übung be­wil­li­gungs­pflich­ti­ger Be­ru­fe und Tä­tig­kei­ten) knüp­fen. Aus­ge­schlos­sen sind die Ein­stel­lung im Stimm­recht und im ak­ti­ven Wahl­recht so­wie die Pu­bli­ka­ti­on der Ver­lust­schei­ne.
2Die Rechts­fol­gen sind auf­zu­he­ben, wenn der Kon­kurs wi­der­ru­fen wird, wenn sämt­li­che Ver­lust­schein­gläu­bi­ger be­frie­digt oder ih­re For­de­run­gen ver­jährt sind.
3Kommt als ein­zi­ger Gläu­bi­ger der Ehe­gat­te, die ein­ge­tra­ge­ne Part­ne­rin oder der ein­ge­tra­ge­ne Part­ner des Schuld­ners zu Ver­lust, so dür­fen kei­ne öf­fent­lich-recht­li­chen Fol­gen der frucht­lo­sen Pfän­dung oder des Kon­kur­ses aus­ge­spro­chen wer­den.2
5. Ver­tre­tung im Zwangs­voll-stre­ckungs­ver­fah­ren
1Je­de hand­lungs­fä­hi­ge Per­son ist be­rech­tigt, an­de­re Per­so­nen im Zwangs­voll­stre­ckungs­ver­fah­ren zu ver­tre­ten. Dies gilt auch für die ge­werbs­mäs­si­ge Ver­tre­tung. Die Kan­to­ne kön­nen ei­ner Per­son aus wich­ti­gen Grün­den die ge­werbs­mäs­si­ge Ver­tre­tung ver­bie­ten.
2Die Kos­ten der Ver­tre­tung im Ver­fah­ren vor den Be­trei­bungs- und Kon­kur­säm­tern dür­fen nicht der Ge­gen­par­tei über­bun­den wer­den.
1 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I des BG vom 25. Sept. 2015 (Ge­werbs­mäs­si­ge Ver­tre­tung im Zwangs­voll­stre­ckungs­ver­fah­ren), in Kraft seit 1. Jan. 2018 (AS 2016 3643; BBl 2014 8669).
P. Be­kannt­ma­chung der kan­to­na­len Or­ga­ni­sa­ti­on
1Die Kan­to­ne ge­ben dem Bun­des­rat die Be­trei­bungs- und Kon­kurs­krei­se, die Or­ga­ni­sa­ti­on der Be­trei­bungs- und der Kon­kur­säm­ter so­wie die Be­hör­den an, die sie in Aus­füh­rung die­ses Ge­set­zes be­zeich­net ha­ben.
2Der Bun­des­rat sorgt für an­ge­mes­se­ne Be­kannt­ma­chung die­ser An­ga­ben.
1 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I 6 der V der BVers vom 20. Dez. 2006 über die An­pas­sung von Er­las­sen an die Be­stim­mun­gen des Bun­des­ge­richts­ge­set­zes und des Ver­wal­tungs­ge­richts­ge­set­zes, in Kraft seit 1. Jan. 2007 (AS 2006 5599; BBl 2006 7759).
R. Be­son­de­re Voll­stre­ckungs­ver­fah­ren
1Die­ses Ge­setz gilt nicht für die Zwangs­voll­stre­ckung ge­gen Kan­to­ne, Be­zir­ke und Ge­mein­den, so­weit dar­über be­son­de­re eid­ge­nös­si­sche oder kan­to­na­le Vor­schrif­ten be­ste­hen.
2Vor­be­hal­ten blei­ben fer­ner die Be­stim­mun­gen an­de­rer Bun­des­ge­set­ze über be­son­de­re Zwangs­voll­stre­ckungs­ver­fah­ren.
S. Völ­ker­recht­li­che Ver­trä­ge und in­ter­na­tio­na­les Pri­vat­recht
Die völ­ker­recht­li­chen Ver­trä­ge und die Be­stim­mun­gen des Bun­des­ge­set­zes vom 18. De­zem­ber 19872 über das In­ter­na­tio­na­le Pri­vat­recht (IPRG) sind vor­be­hal­ten.
A. Fris­ten
Für die Be­rech­nung, die Ein­hal­tung und den Lauf der Fris­ten gel­ten die Be­stim­mun­gen der Zi­vil­pro­zess­ord­nung vom 19. De­zem­ber 20082 (ZPO), so­fern die­ses Ge­setz nichts an­de­res be­stimmt.
1 Fas­sung ge­mä­ss An­hang 1 Ziff. II 17 der Zi­vil­pro­zess­ord­nung vom 19. Dez. 2008, in Kraft seit 1. Jan. 2011 (AS 2010 1739; BBl 2006 7221).
2. Ein­hal­tung
2Ei­ne Frist ist auch dann ge­wahrt, wenn vor ih­rem Ab­lauf ein un­zu­stän­di­ges Be­trei­bungs- oder Kon­kur­samt an­ge­ru­fen wird; die­ses über­weist die Ein­ga­be un­ver­züg­lich dem zu­stän­di­gen Amt.3
4Bei schrift­li­chen Ein­ga­ben, die an ver­bes­ser­li­chen Feh­lern lei­den, ist Ge­le­gen­heit zur Ver­bes­se­rung zu ge­ben.
3 Fas­sung ge­mä­ss An­hang 1 Ziff. II 17 der Zi­vil­pro­zess­ord­nung vom 19. Dez. 2008, in Kraft seit 1. Jan. 2011 (AS 2010 1739; BBl 2006 7221).
4 Auf­ge­ho­ben durch An­hang 1 Ziff. II 17 der Zi­vil­pro­zess­ord­nung vom 19. Dez. 2008, mit Wir­kung seit 1. Jan. 2011 (AS 2010 1739; BBl 2006 7221).
3. Än­de­rung und Wie­der­her­stel­lung
1Die in die­sem Ge­set­ze auf­ge­stell­ten Fris­ten kön­nen durch Ver­trag nicht ab­ge­än­dert wer­den.
2Wohnt ein am Ver­fah­ren Be­tei­lig­ter im Aus­land oder ist er durch öf­fent­li­che Be­kannt­ma­chung an­zu­spre­chen, so kann ihm ei­ne län­ge­re Frist ein­ge­räumt oder ei­ne Frist ver­län­gert wer­den.1
3Ein am Ver­fah­ren Be­tei­lig­ter kann dar­auf ver­zich­ten, die Nicht­ein­hal­tung ei­ner Frist gel­tend zu ma­chen, wenn die­se aus­sch­liess­lich in sei­nem In­ter­es­se auf­ge­stellt ist.2
4Wer durch ein un­ver­schul­de­tes Hin­der­nis da­von ab­ge­hal­ten wor­den ist, in­nert Frist zu han­deln, kann die Auf­sichts­be­hör­de oder die in der Sa­che zu­stän­di­ge rich­ter­li­che Be­hör­de um Wie­der­her­stel­lung der Frist er­su­chen. Er muss, vom Weg­fall des Hin­der­nis­ses an, in der glei­chen Frist wie der ver­säum­ten ein be­grün­de­tes Ge­such ein­rei­chen und die ver­säum­te Rechts­hand­lung bei der zu­stän­di­gen Be­hör­de nach­ho­len.3
3 Ein­ge­fügt durch Ziff. I des BG vom 16. Dez. 1994, in Kraft seit 1. Jan. 1997 (AS 1995 1227; BBl 1991 III 1).
Abis. Elek­tro­ni­sche Über­mitt­lung
1Ein­ga­ben kön­nen bei den Be­trei­bungs- und Kon­kur­säm­tern und den Auf­sichts­be­hör­den elek­tro­nisch ein­ge­reicht wer­den.
2Die Ein­ga­be ist mit ei­ner qua­li­fi­zier­ten elek­tro­ni­schen Si­gna­tur ge­mä­ss Bun­des­ge­setz vom 18. März 20162 über die elek­tro­ni­sche Si­gna­tur zu ver­se­hen. Für das Mas­sen­ver­fah­ren kann der Bun­des­rat Aus­nah­men vor­se­hen.
1 Ein­ge­fügt durch An­hang 1 Ziff. II 17 der Zi­vil­pro­zess­ord­nung vom 19. Dez. 2008 (AS 2010 1739; BBl 2006 7221). Fas­sung ge­mä­ss An­hang Ziff. II 6 des BG vom 18. März 2016 über die elek­tro­ni­sche Si­gna­tur, in Kraft seit 1. Jan. 2017 (AS 2016 4651; BBl 2014 1001).
B. Zu­stel­lung
1. Schrift­lich und elek­tro­nisch
1Die Zu­stel­lung von Mit­tei­lun­gen, Ver­fü­gun­gen und Ent­schei­den der Be­trei­bungs- und Kon­kur­säm­ter so­wie der Auf­sichts­be­hör­den er­fol­gen durch ein­ge­schrie­be­ne Post­sen­dung oder auf an­de­re Wei­se ge­gen Emp­fangs­be­stä­ti­gung, so­fern die­ses Ge­setz nichts an­de­res be­stimmt.
2Mit dem Ein­ver­ständ­nis der be­trof­fe­nen Per­son kön­nen Mit­tei­lun­gen, Ver­fü­gun­gen und Ent­schei­de elek­tro­nisch zu­ge­stellt wer­den. Sie sind mit ei­ner elek­tro­ni­schen Si­gna­tur ge­mä­ss Bun­des­ge­setz vom 18. März 20162 über die elek­tro­ni­sche Si­gna­tur zu ver­se­hen. Der Bun­des­rat re­gelt:
das For­mat der Mit­tei­lun­gen, Ver­fü­gun­gen und Ent­schei­de so­wie ih­rer Bei­la­gen;
den Zeit­punkt, zu dem die Mit­tei­lung, die Ver­fü­gung oder der Ent­scheid als zu­ge­stellt gilt.3
3 Fas­sung ge­mä­ss An­hang Ziff. II 6 des BG vom 18. März 2016 über die elek­tro­ni­sche Si­gna­tur, in Kraft seit 1. Jan. 2017 (AS 2016 4651; BBl 2014 1001).
2. Durch öf­fent­li­che Be­kannt­ma­chung
1Die öf­fent­li­chen Be­kannt­ma­chun­gen er­fol­gen im Schwei­ze­ri­schen Han­delsamts­blatt und im be­tref­fen­den kan­to­na­len Amts­blatt. Für die Be­rech­nung von Fris­ten und für die Fest­stel­lung der mit der Be­kannt­ma­chung ver­bun­de­nen Rechts­fol­gen ist die Ver­öf­fent­li­chung im Schwei­ze­ri­schen Han­delsamts­blatt mass­ge­bend.1
2Wenn die Ver­hält­nis­se es er­for­dern, kann die Be­kannt­ma­chung auch durch an­de­re Blät­ter oder auf dem We­ge des öf­fent­li­chen Aus­rufs ge­sche­hen.
C. Auf­schie­ben­de Wir­kung
Ei­ne Be­schwer­de, Wei­ter­zie­hung oder Be­ru­fung hat nur auf be­son­de­re An­ord­nung der Be­hör­de, an wel­che sie ge­rich­tet ist, oder ih­res Prä­si­den­ten auf­schie­ben­de Wir­kung. Von ei­ner sol­chen An­ord­nung ist den Par­tei­en so­fort Kennt­nis zu ge­ben.
D. Be­grif­fe
1Der Aus­druck «Grund­pfand­recht» im Sin­ne die­ses Ge­set­zes um­fasst: die Grund­pfand­ver­schrei­bung, den Schuld­brief, die Grund­pfand­rech­te des bis­he­ri­gen Rech­tes, die Grund­last und je­des Vor­zugs­recht auf be­stimm­te Grund­stücke so­wie das Pfand­recht an der Zu­ge­hör ei­nes Grund­stücks.2
2Der Aus­druck «Faust­pfand» be­greift auch die Vieh­ver­pfän­dung, das Re­ten­ti­ons­recht und das Pfand­recht an For­de­run­gen und an­de­ren Rech­ten.
3Der Aus­druck «Pfand» um­fasst so­wohl das Grund­pfand als das Fahr­nis­pfand.
1 Fas­sung ge­mä­ss Art. 58 SchlT ZGB, in Kraft seit 1. Jan. 1912 (AS 24 233 Art. 60 SchlT ZGB; BBl 1904 IV 1, 1907 VI 367).
2 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. II 4 des BG vom 11. Dez. 2009 (Re­gis­ter-Schuld­brief und wei­te­re Än­de­run­gen im Sa­chen­recht), in Kraft seit 1. Jan. 2012 (AS 2011 4637; BBl 2007 5283).
Zweiter Titel: Schuldbetreibung
I. Arten der Schuldbetreibung
A. Ge­gen­stand der Schuld­be­trei­bung und Be­trei­bungs­ar­ten
1Auf dem We­ge der Schuld­be­trei­bung wer­den die Zwangs­voll­stre­ckun­gen durch­ge­führt, wel­che auf ei­ne Geld­zah­lung oder ei­ne Si­cher­heits­leis­tung ge­rich­tet sind.
2Die Schuld­be­trei­bung be­ginnt mit der Zu­stel­lung des Zah­lungs­be­feh­les und wird ent­we­der auf dem We­ge der Pfän­dung oder der Pfand­ver­wer­tung oder des Kon­kur­ses fort­ge­setzt.
3Der Be­trei­bungs­be­am­te be­stimmt, wel­che Be­trei­bungs­art an­wend­bar ist.
B. Kon­kurs­be­trei­bung
1Die Be­trei­bung wird auf dem Weg des Kon­kur­ses, und zwar als «Or­dent­li­che Kon­kurs­be­trei­bung» (Art. 159-176) oder als «Wech­sel­be­trei­bung» (Art. 177-189), fort­ge­setzt, wenn der Schuld­ner in ei­ner der fol­gen­den Ei­gen­schaf­ten im Han­dels­re­gis­ter ein­ge­tra­gen ist:
als In­ha­ber ei­ner Ein­zel­fir­ma (Art. 934 und 935 OR1);
als Mit­glied ei­ner Kol­lek­tiv­ge­sell­schaft (Art. 554 OR);
als un­be­schränkt haf­ten­des Mit­glied ei­ner Kom­man­dit­ge­sell­schaft (Art. 596 OR);
als Mit­glied der Ver­wal­tung ei­ner Kom­man­di­tak­ti­en­ge­sell­schaft (Art. 765 OR);
als Kol­lek­tiv­ge­sell­schaft (Art. 552 OR);
als Kom­man­dit­ge­sell­schaft (Art. 594 OR);
als Ak­ti­en- oder Kom­man­di­tak­ti­en­ge­sell­schaft (Art. 620 und 764 OR);
als Ge­sell­schaft mit be­schränk­ter Haf­tung (Art. 772 OR);
als Ge­nos­sen­schaft (Art. 828 OR);
als Ver­ein (Art. 60 ZGB3);
als Stif­tung (Art. 80 ZGB);
In­vest­ment­ge­sell­schaft mit va­ria­blem Ka­pi­tal (Art. 36 Kol­lek­ti­v­an­la­gen­ge­setz vom 23. Ju­ni 20065, KAG);
Kom­man­dit­ge­sell­schaft für kol­lek­ti­ve Ka­pi­tal­an­la­gen (Art. 98 KAG).7
3Die Ein­tra­gung äus­sert ih­re Wir­kung erst mit dem auf die Be­kannt­ma­chung im Schwei­ze­ri­schen Han­delsamts­blatt fol­gen­den Ta­ge.
2 Auf­ge­ho­ben durch An­hang Ziff. 3 des BG vom 16. Dez. 2005 (GmbH-Recht so­wie An­pas­sun­gen im Ak­ti­en-, Ge­nos­sen­schafts-, Han­dels­re­gis­ter- und Fir­men­recht), mit Wir­kung seit 1. Jan. 2008 (AS 2007 4791; BBl 2002 3148, 2004 3969).
4 Ein­ge­fügt durch An­hang Ziff. II 3 des Kol­lek­ti­v­an­la­gen­ge­set­zes vom 23. Ju­ni 2006, in Kraft seit 1. Jan. 2007 (AS 2006 5379; BBl 2005 6395).
6 Ein­ge­fügt durch An­hang Ziff. II 3 des Kol­lek­ti­v­an­la­gen­ge­set­zes vom 23. Ju­ni 2006, in Kraft seit 1. Jan. 2007 (AS 2006 5379; BBl 2005 6395).
7 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I des BG vom 16. Dez. 1994, in Kraft seit 1. Jan. 1997 (AS 1995 1227; BBl 1991 III 1).
8 Auf­ge­ho­ben durch Art. 15 Ziff. 1 Schl- und UeB zu den Tit. XXIV-XX­XIII OR (AS 53 185; BBl 1928 I 205, 1932 I 217).
2. Wir­kungs­dau­er des Han­dels­re­gis­te­r­ein­tra­ges
1Die Per­so­nen, wel­che im Han­dels­re­gis­ter ein­ge­tra­gen wa­ren, un­ter­lie­gen, nach­dem die Strei­chung durch das Schwei­ze­ri­sche Han­delsamts­blatt be­kannt­ge­macht wor­den ist, noch wäh­rend sechs Mo­na­ten der Kon­kurs­be­trei­bung.
2Stellt der Gläu­bi­ger vor Ab­lauf die­ser Frist das Fort­set­zungs­be­geh­ren oder ver­langt er den Er­lass ei­nes Zah­lungs­be­fehls für die Wech­sel­be­trei­bung, so wird die Be­trei­bung auf dem Weg des Kon­kur­ses fort­ge­setzt.1
C. Be­trei­bung auf Pfand­ver­wer­tung
1Für pfand­ge­si­cher­te For­de­run­gen wird die Be­trei­bung, auch ge­gen die der Kon­kurs­be­trei­bung un­ter­lie­gen­den Schuld­ner, durch Ver­wer­tung des Pfan­des (Art. 151-158) fort­ge­setzt.
1bisWird für ei­ne pfand­ge­si­cher­te For­de­rung Be­trei­bung auf Pfän­dung oder Kon­kurs ein­ge­lei­tet, so kann der Schuld­ner mit Be­schwer­de (Art. 17) ver­lan­gen, dass der Gläu­bi­ger vor­erst das Pfand in An­spruch neh­me.
2Für grund­pfand­ge­si­cher­te Zin­se oder An­nui­tä­ten kann je­doch nach der Wahl des Gläu­bi­gers ent­we­der die Pfand­ver­wer­tung oder, je nach der Per­son des Schuld­ners, die Be­trei­bung auf Pfän­dung oder auf Kon­kurs statt­fin­den. Vor­be­hal­ten blei­ben fer­ner die Be­stim­mun­gen über die Wech­sel­be­trei­bung (Art. 177 Abs. 1).
D. Be­trei­bung auf Pfän­dung
1In al­len an­dern Fäl­len wird die Be­trei­bung auf dem Weg der Pfän­dung (Art. 89-150) fort­ge­setzt.
2Wird ein Schuld­ner ins Han­dels­re­gis­ter ein­ge­tra­gen, so sind die hän­gi­gen Fort­set­zungs­be­geh­ren den­noch durch Pfän­dung zu voll­zie­hen, so­lan­ge über ihn nicht der Kon­kurs er­öff­net ist.
E. Aus­nah­men von der Kon­kurs­be­trei­bung
Die Kon­kurs­be­trei­bung ist in je­dem Fall aus­ge­schlos­sen für:
Steu­ern, Ab­ga­ben, Ge­büh­ren, Spor­teln, Bus­sen und an­de­re im öf­fent­li­chen Recht be­grün­de­te Leis­tun­gen an öf­fent­li­che Kas­sen oder an Be­am­te;
1bis.2
Prä­mi­en der ob­li­ga­to­ri­schen Un­fall­ver­si­che­rung;
pe­ri­odi­sche fa­mi­li­en­recht­li­che Un­ter­halts- und Un­ter­stüt­zungs­bei­trä­ge so­wie Un­ter­halts­bei­trä­ge nach dem Part­ner­schafts­ge­setz vom 18. Ju­ni 20044;
An­sprü­che auf Si­cher­heits­leis­tung.
2 Ein­ge­fügt durch Ziff. I des BG vom 3. Okt. 2003, in Kraft seit 1. Ju­li 2004 (AS 2004 2757; BBl 2002 7107 7116).
3 Fas­sung ge­mä­ss An­hang Ziff. 16 des Part­ner­schafts­ge­set­zes vom 18. Ju­ni 2004, in Kraft seit 1. Jan. 2007 (AS 2005 5685; BBl 2003 1288).
F. Vor­be­halt be­son­de­rer Be­stim­mun­gen
1. Ver­wer­tung be­schlag­nahm­ter Ge­gen­stän­de
Die Ver­wer­tung von Ge­gen­stän­den, wel­che auf­grund straf­recht­li­cher oder fis­ka­li­scher Ge­set­ze oder auf­grund des Bun­des­ge­set­zes vom 18. De­zem­ber 20152 über die Sper­rung und die Rück­er­stat­tung un­recht­mäs­sig er­wor­be­ner Ver­mö­gens­wer­te aus­län­di­scher po­li­tisch ex­po­nier­ter Per­so­nen mit Be­schlag be­legt sind, ge­schieht nach den zu­tref­fen­den eid­ge­nös­si­schen oder kan­to­na­len Ge­set­zes­be­stim­mun­gen.
1 Fas­sung ge­mä­ss Art. 31 Abs. 2 Ziff. 2 des BG vom 18. Dez. 2015 über die Sper­rung und die Rück­er­stat­tung un­recht­mäs­sig er­wor­be­ner Ver­mö­gens­wer­te aus­län­di­scher po­li­tisch ex­po­nier­ter Per­so­nen, in Kraft seit 1. Ju­li 2016 (AS 2016 1803; BBl 2014 5265).
2. For­de­run­gen der Pfand­leih­an­stal­ten
Für die Gel­tend­ma­chung von For­de­run­gen der Pfand­leih­an­stal­ten gilt Ar­ti­kel 910 des Zi­vil­ge­setz­bu­ches (ZGB)2.
A. Or­dent­li­cher Be­trei­bungs­ort
1Der Schuld­ner ist an sei­nem Wohn­sit­ze zu be­trei­ben.
2Die im Han­dels­re­gis­ter ein­ge­tra­ge­nen ju­ris­ti­schen Per­so­nen und Ge­sell­schaf­ten sind an ih­rem Sit­ze, nicht ein­ge­tra­ge­ne ju­ris­ti­sche Per­so­nen am Haupt­sit­ze ih­rer Ver­wal­tung zu be­trei­ben.
3Für die Schul­den aus ei­ner Ge­mein­der­schaft kann in Er­man­ge­lung ei­ner Ver­tre­tung je­der der Ge­mein­der am Or­te der ge­mein­sa­men wirt­schaft­li­chen Tä­tig­keit be­trie­ben wer­den.1
4Die Ge­mein­schaft der Stock­werk­ei­gen­tü­mer ist am Ort der ge­le­ge­nen Sa­che zu be­trei­ben.2
1 Ein­ge­fügt durch Art. 58 SchlT ZGB, in Kraft seit 1. Jan. 1912 (AS 24 233 Art. 60 SchlT ZGB; BBl 1904 IV 1, 1907 VI 367).
1 Auf­ge­ho­ben durch Ziff. I des BG vom 16. Dez. 1994 (AS 1995 1227; BBl 1991 III 1).
B. Be­son­de­re Be­trei­bungs­or­te
1. Be­trei­bungs­ort des Auf­ent­hal­tes
Schuld­ner, wel­che kei­nen fes­ten Wohn­sitz ha­ben, kön­nen da be­trie­ben wer­den, wo sie sich auf­hal­ten.
2. Be­trei­bungs­ort der Erb­schaft
Die Erb­schaft kann, so­lan­ge die Tei­lung nicht er­folgt, ei­ne ver­trag­li­che Ge­mein­der­schaft nicht ge­bil­det oder ei­ne amt­li­che Li­qui­da­ti­on nicht an­ge­ord­net ist, in der auf den Ver­stor­be­nen an­wend­ba­ren Be­trei­bungs­art an dem Ort be­trie­ben wer­den, wo der Erb­las­ser zur Zeit sei­nes To­des be­trie­ben wer­den konn­te.
3. Be­trei­bungs­ort des im Aus­land woh­nen­den Schuld­ners
1Im Aus­lan­de woh­nen­de Schuld­ner, wel­che in der Schweiz ei­ne Ge­schäfts­nie­der­las­sung be­sit­zen, kön­nen für die auf Rech­nung der letz­tern ein­ge­gan­ge­nen Ver­bind­lich­kei­ten am Sit­ze der­sel­ben be­trie­ben wer­den.
2Im Aus­lan­de woh­nen­de Schuld­ner, wel­che in der Schweiz zur Er­fül­lung ei­ner Ver­bind­lich­keit ein Spe­zi­al­do­mi­zil ge­wählt ha­ben, kön­nen für die­se Ver­bind­lich­keit am Or­te des­sel­ben be­trie­ben wer­den.
4. Be­trei­bungs­ort der ge­le­ge­nen Sa­che
1Haf­tet für die For­de­rung ein Faust­pfand, so kann die Be­trei­bung ent­we­der dort, wo sie nach den Ar­ti­keln 46-50 statt­zu­fin­den hat, oder an dem Ort, wo sich das Pfand oder des­sen wert­volls­ter Teil be­fin­det, ein­ge­lei­tet wer­den.1
2Für grund­pfand­ge­si­cher­te For­de­run­gen2 fin­det die Be­trei­bung nur dort3 statt, wo das ver­pfän­de­te Grund­stück liegt. Wenn die Be­trei­bung sich auf meh­re­re, in ver­schie­de­nen Be­trei­bungs­krei­sen ge­le­ge­ne Grund­stücke be­zieht, ist die­sel­be in demje­ni­gen Krei­se zu füh­ren, in wel­chem der wert­volls­te Teil der Grund­stücke sich be­fin­det.
2 Be­zeich­nung ge­mä­ss Ziff. I des BG vom 16. Dez. 1994, in Kraft seit 1. Jan. 1997 (AS 1995 1227; BBl 1991 III 1). Die­se Änd. ist im gan­zen Er­lass be­rück­sich­tigt.
3 Be­zeich­nung ge­mä­ss Ziff. I des BG vom 16. Dez. 1994, in Kraft seit 1. Jan. 1997 (AS 1995 1227; BBl 1991 III 1). Die­se Änd. ist im gan­zen Er­lass be­rück­sich­tigt.
5. Be­trei­bungs­ort des Ar­res­tes
Ist für ei­ne For­de­rung Ar­rest ge­legt, so kann die Be­trei­bung auch dort ein­ge­lei­tet wer­den, wo sich der Ar­rest­ge­gen­stand be­fin­det.1 Die Kon­kur­san­dro­hung und die Kon­kurser­öff­nung kön­nen je­doch nur dort er­fol­gen, wo or­dent­li­cher­wei­se die Be­trei­bung statt­zu­fin­den hat.
C. Be­trei­bungs­ort bei Wohn­sitz­wech­sel
Ver­än­dert der Schuld­ner sei­nen Wohn­sitz, nach­dem ihm die Pfän­dung an­ge­kün­digt oder nach­dem ihm die Kon­kur­san­dro­hung oder der Zah­lungs­be­fehl zur Wech­sel­be­trei­bung zu­ge­stellt wor­den ist, so wird die Be­trei­bung am bis­he­ri­gen Or­te fort­ge­setzt.
D. Kon­kur­sort bei flüch­ti­gem Schuld­ner
Ge­gen einen flüch­ti­gen Schuld­ner wird der Kon­kurs an des­sen letz­tem Wohn­sit­ze er­öff­net.
E. Ein­heit des Kon­kur­ses
Der Kon­kurs kann in der Schweiz ge­gen den näm­li­chen Schuld­ner gleich­zei­tig nur an ei­nem Or­te er­öff­net sein. Er gilt dort als er­öff­net, wo er zu­erst er­kannt wird.
III. Geschlossene Zeiten, Betreibungsferien und Rechtsstillstand
A. Grund­sät­ze und Be­grif­fe
Aus­ser im Ar­rest­ver­fah­ren oder wenn es sich um un­auf­schieb­ba­re Mass­nah­men zur Er­hal­tung von Ver­mö­gens­ge­gen­stän­den han­delt, dür­fen Be­trei­bungs­hand­lun­gen nicht vor­ge­nom­men wer­den:
in den ge­schlos­se­nen Zei­ten, näm­lich zwi­schen 20 Uhr und 7 Uhr so­wie an Sonn­ta­gen und staat­lich an­er­kann­ten Fei­er­ta­gen;
wäh­rend der Be­trei­bungs­fe­ri­en, näm­lich sie­ben Ta­ge vor und sie­ben Ta­ge nach Os­tern und Weih­nach­ten so­wie vom 15. Ju­li bis zum 31. Ju­li; in der Wech­sel­be­trei­bung gibt es kei­ne Be­trei­bungs­fe­ri­en;
ge­gen einen Schuld­ner, dem der Rechts­s­till­stand (Art. 57-62) ge­währt ist.
1 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I des BG vom 21. Ju­ni 2013, in Kraft seit 1. Jan. 2014 (AS 2013 4111; BBl 2010 6455).
B. Rechts­s­till­stand
1. We­gen Mi­li­tär-, Zi­vil- oder Schutz­dienst2
a. Dau­er
1Für einen Schuld­ner, der sich im Mi­li­tär-, Zi­vil- oder Schutz­dienst be­fin­det, be­steht wäh­rend der Dau­er des Diens­tes Rechts­s­till­stand.3
2Hat der Schuld­ner vor der Ent­las­sung oder Be­ur­lau­bung min­des­tens 30 Ta­ge oh­ne we­sent­li­chen Un­ter­bruch Dienst ge­leis­tet, so be­steht der Rechts­s­till­stand auch noch wäh­rend der zwei auf die Ent­las­sung oder Be­ur­lau­bung fol­gen­den Wo­chen.
3Für pe­ri­odi­sche fa­mi­li­en­recht­li­che Un­ter­halts- und Un­ter­stüt­zungs­bei­trä­ge kann der Schuld­ner auch wäh­rend des Rechts­s­till­stan­des be­trie­ben wer­den.4
4Schuld­ner, die auf­grund ei­nes Ar­beits­ver­hält­nis­ses zum Bund oder zum Kan­ton Mi­li­tär- oder Schutz­dienst leis­ten, ge­nies­sen kei­nen Rechts­s­till­stand.5
1 Fas­sung ge­mä­ss Art. 2 des BG vom 28. Sept. 1949, in Kraft seit 1. Fe­br. 1950 (AS 1950 57; BBl 1948 I 1218).
2 Aus­druck ge­mä­ss An­hang Ziff. 4 des Zi­vil­dienst­ge­set­zes vom 6. Okt. 1995, in Kraft seit 1. Okt. 1996 (AS 1996 1445; BBl 1994 III 1609). Die­se Änd. ist im gan­zen Er­lass be­rück­sich­tigt.
3 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I des BG vom 16. Dez. 1994, in Kraft seit 1. Jan. 1997 (AS 1995 1227; BBl 1991 III 1).
4 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I des BG vom 16. Dez. 1994, in Kraft seit 1. Jan. 1997 (AS 1995 1227; BBl 1991 III 1).
5 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I des BG vom 16. Dez. 1994, in Kraft seit 1. Jan. 1997 (AS 1995 1227; BBl 1991 III 1).
b. Aus­kunfts­pflicht Drit­ter
1Kann ei­ne Be­trei­bungs­hand­lung nicht vor­ge­nom­men wer­den, weil der Schuld­ner sich im Mi­li­tär-, Zi­vil- oder Schutz­dienst be­fin­det, so sind die zu sei­nem Haus­halt ge­hö­ren­den er­wach­se­nen Per­so­nen und, bei Zu­stel­lung der Be­trei­bungs­ur­kun­den in ei­nem ge­schäft­li­chen Be­trieb, die Ar­beit­neh­mer oder ge­ge­be­nen­falls der Ar­beit­ge­ber bei Straf­fol­ge (Art. 324 Ziff. 5 StGB2) ver­pflich­tet, dem Be­am­ten die Dienst­adres­se und das Ge­burts­jahr des Schuld­ners mit­zu­tei­len.3
1bisDer Be­trei­bungs­be­am­te macht die Be­trof­fe­nen auf ih­re Pflich­ten und auf die Straf­fol­ge bei de­ren Ver­let­zung auf­merk­sam.4
2Die zu­stän­di­ge Kom­man­do­stel­le gibt dem Be­trei­bungs­amt auf An­fra­ge die Ent­las­sung oder Be­ur­lau­bung des Schuld­ners be­kannt.
1 Ein­ge­fügt durch Art. 2 des BG vom 28. Sept. 1949, in Kraft seit 1. Fe­br. 1950 (AS 1950 I 57; BBl 1948 I 1218).
4 Ein­ge­fügt durch Ziff. I des BG vom 16. Dez. 1994, in Kraft seit 1. Jan. 1997 (AS 1995 1227; BBl 1991 III 1).
5 Auf­ge­ho­ben durch Ziff. I des BG vom 16. Dez. 1994, mit Wir­kung seit 1. Jan. 1997 (AS 1995 1227; BBl 1991 III 1).
c. Haf­tung des Grund­pfan­des
1Ge­gen­über ei­nem Schuld­ner, der we­gen Mi­li­tär-, Zi­vil- oder Schutz­diens­tes Rechts­s­till­stand ge­niesst, ver­län­gert sich die Haf­tung des Grund­pfan­des für die Zin­se der Grund­pfand­schuld (Art. 818 Abs. 1 Ziff. 3 ZGB2) um die Dau­er des Rechts­s­till­stan­des.3
2In der Be­trei­bung auf Pfand­ver­wer­tung ist der Zah­lungs­be­fehl auch wäh­rend des Rechts­s­till­stan­des zu­zu­stel­len, wenn die­ser drei Mo­na­te ge­dau­ert hat.
d. Gü­ter­ver­zeich­nis
1Ge­gen­über ei­nem Schuld­ner, der we­gen Mi­li­tär-, Zi­vil- oder Schutz­diens­tes Rechts­s­till­stand ge­niesst, kann der Gläu­bi­ger für die Dau­er des Rechts­s­till­stan­des ver­lan­gen, dass das Be­trei­bungs­amt ein Gü­ter­ver­zeich­nis mit den in Ar­ti­kel 164 be­zeich­ne­ten Wir­kun­gen auf­nimmt.2 Der Gläu­bi­ger hat in­des­sen den Be­stand sei­ner For­de­rung und ih­re Ge­fähr­dung durch Hand­lun­gen des Schuld­ners oder Drit­ter glaub­haft zu ma­chen, die auf ei­ne Be­güns­ti­gung ein­zel­ner Gläu­bi­ger zum Nach­teil an­de­rer oder auf ei­ne all­ge­mei­ne Be­nach­tei­li­gung der Gläu­bi­ger hin­zie­len.
2Die Auf­nah­me des Gü­ter­ver­zeich­nis­ses kann durch Si­cher­stel­lung der For­de­rung des an­trag­stel­len­den Gläu­bi­gers ab­ge­wen­det wer­den.
e. Auf­he­bung durch den Rich­ter
Der Rechts­s­till­stand we­gen Mi­li­tär- oder Schutz­diens­tes kann vom Rechts­öff­nungs­rich­ter auf An­trag ei­nes Gläu­bi­gers all­ge­mein oder für ein­zel­ne For­de­run­gen mit so­for­ti­ger Wir­kung auf­ge­ho­ben wer­den, wenn der Gläu­bi­ger glaub­haft macht, dass:2
dass der Schuld­ner Ver­mö­gens­wer­te dem Zu­griff der Gläu­bi­ger ent­zo­gen hat oder dass er An­stal­ten trifft, die auf ei­ne Be­güns­ti­gung ein­zel­ner Gläu­bi­ger zum Nach­teil an­de­rer oder auf ei­ne all­ge­mei­ne Be­nach­tei­li­gung der Gläu­bi­ger hin­zie­len, oder
der Schuld­ner, so­fern er frei­wil­lig Mi­li­tär- oder Schutz­dienst leis­tet, zur Er­hal­tung sei­ner wirt­schaft­li­chen Exis­tenz des Rechts­s­till­stan­des nicht be­darf, oder
der Schuld­ner frei­wil­lig Mi­li­tär- oder Schutz­dienst leis­tet, um sich sei­nen Ver­pflich­tun­gen zu ent­zie­hen.
f. Mi­li­tär-, Zi­vil- oder Schutz­dienst des ge­setz­li­chen Ver­tre­ters
Die Be­stim­mun­gen über den Rechts­s­till­stand fin­den auch auf Per­so­nen und Ge­sell­schaf­ten An­wen­dung, de­ren ge­setz­li­cher Ver­tre­ter sich im Mi­li­tär-, Zi­vil- oder Schutz­dienst be­fin­det, so­lan­ge sie nicht in der La­ge sind, einen an­dern Ver­tre­ter zu be­stel­len.
1 Ein­ge­fügt durch Art. 2 des BG vom 28. Sept. 1949 (AS 1950 I 57; BBl 1948 I 1218). Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I des BG vom 16. Dez. 1994, in Kraft seit 1. Jan. 1997 (AS 1995 1227; BBl 1991 III 1).
2. We­gen To­des­fal­les
Für einen Schuld­ner, des­sen Ehe­gat­te, des­sen ein­ge­tra­ge­ne Part­ne­rin oder ein­ge­tra­ge­ner Part­ner, des­sen Ver­wand­ter oder Ver­schwä­ger­ter in ge­ra­der Li­nie oder des­sen Haus­ge­nos­se ge­stor­ben ist, be­steht vom To­des­tag an wäh­rend zwei Wo­chen Rechts­s­till­stand.
1 Fas­sung ge­mä­ss An­hang Ziff. 16 des Part­ner­schafts­ge­set­zes vom 18. Ju­ni 2004, in Kraft seit 1. Jan. 2007 (AS 2005 5685; BBl 2003 1288).
3. In der Be­trei­bung für Erb­schafts­schul­den
1In der Be­trei­bung für Erb­schafts­schul­den be­steht vom To­des­ta­ge des Erb­las­sers an wäh­rend der zwei fol­gen­den Wo­chen so­wie wäh­rend der für An­tritt oder Aus­schla­gung der Erb­schaft ein­ge­räum­ten Über­le­gungs­frist Rechts­s­till­stand.1
2Ei­ne zu Leb­zei­ten des Erb­las­sers an­ge­ho­be­ne Be­trei­bung kann ge­gen die Erb­schaft ge­mä­ss Ar­ti­kel 49 fort­ge­setzt wer­den.2
3Ge­gen die Er­ben kann sie nur dann fort­ge­setzt wer­den, wenn es sich um ei­ne Be­trei­bung auf Pfand­ver­wer­tung han­delt oder wenn in ei­ner Be­trei­bung auf Pfän­dung die in den Ar­ti­keln 110 und 111 an­ge­ge­be­nen Fris­ten für die Teil­nah­me der Pfän­dung be­reits ab­ge­lau­fen sind.
1 Fas­sung ge­mä­ss Art. 2 des BG vom 28. Sept. 1949, in Kraft seit 1. Fe­br. 1950 (AS 1950 I 57; BBl 1948 I 1218).
2 Fas­sung ge­mä­ss Art. 58 SchlT ZGB, in Kraft seit 1. Jan. 1912 (AS 24 233 Art. 60 SchlT ZGB; BBl 1904 IV 1, 1907 VI 367).
4. We­gen Ver­haf­tung
Wird ein Ver­haf­te­ter be­trie­ben, wel­cher kei­nen Ver­tre­ter hat, so setzt ihm der Be­trei­bungs­be­am­te ei­ne Frist zur Be­stel­lung ei­nes sol­chen.1 Wäh­rend die­ser Frist be­steht für den Ver­haf­te­ten Rechts­s­till­stand.
1 Fas­sung ge­mä­ss An­hang Ziff. 12 des BG vom 19. Dez. 2008 (Er­wach­se­nen­schutz, Per­so­nen­recht und Kin­des­recht), in Kraft seit 1. Jan. 2013 (AS 2011 725; BBl 2006 7001).
5. We­gen schwe­rer Er­kran­kung
Ei­nem schwer­kran­ken Schuld­ner kann der Be­trei­bungs­be­am­te für ei­ne be­stimm­te Zeit Rechts­s­till­stand ge­wäh­ren.
6. Bei Epi­de­mi­en oder Lan­des­un­glück
Im Fal­le ei­ner Epi­de­mie oder ei­nes Lan­des­un­glücks so­wie in Kriegs­zei­ten kann der Bun­des­rat oder mit sei­ner Zu­stim­mung die Kan­tons­re­gie­rung für ein be­stimm­tes Ge­biet oder für be­stimm­te Tei­le der Be­völ­ke­rung den Rechts­s­till­stand be­schlies­sen.
C. Wir­kun­gen auf den Fris­ten­lauf
Be­trei­bungs­fe­ri­en und Rechts­s­till­stand hem­men den Fris­ten­lauf nicht. Fällt je­doch für den Schuld­ner, den Gläu­bi­ger oder den Drit­ten das En­de ei­ner Frist in die Zeit der Be­trei­bungs­fe­ri­en oder des Rechts­s­till­stan­des, so wird die Frist bis zum drit­ten Tag nach de­ren En­de ver­län­gert. Bei der Be­rech­nung der Frist von drei Ta­gen wer­den Sams­tag und Sonn­tag so­wie staat­lich an­er­kann­te Fei­er­ta­ge nicht mit­ge­zählt.
A. An na­tür­li­che Per­so­nen
1Die Be­trei­bungs­ur­kun­den wer­den dem Schuld­ner in sei­ner Woh­nung oder an dem Or­te, wo er sei­nen Be­ruf aus­zuü­ben pflegt, zu­ge­stellt. Wird er da­selbst nicht an­ge­trof­fen, so kann die Zu­stel­lung an ei­ne zu sei­ner Haus­hal­tung ge­hö­ren­de er­wach­se­ne Per­son oder an einen An­ge­stell­ten ge­sche­hen.
2Wird kei­ne der er­wähn­ten Per­so­nen an­ge­trof­fen, so ist die Be­trei­bungs­ur­kun­de zu­han­den des Schuld­ners ei­nem Ge­mein­de- oder Po­li­zei­be­am­ten zu über­ge­ben.
B. An ju­ris­ti­sche Per­so­nen, Ge­sell­schaf­ten und un­ver­teil­te Erb­schaf­ten
1Ist die Be­trei­bung ge­gen ei­ne ju­ris­ti­sche Per­son oder ei­ne Ge­sell­schaft ge­rich­tet, so er­folgt die Zu­stel­lung an den Ver­tre­ter der­sel­ben. Als sol­cher gilt:
für ei­ne Ge­mein­de, einen Kan­ton oder die Eid­ge­nos­sen­schaft der Prä­si­dent der voll­zie­hen­den Be­hör­de oder die von der voll­zie­hen­den Be­hör­de be­zeich­ne­te Dienst­stel­le;
für ei­ne Ak­ti­en­ge­sell­schaft, ei­ne Kom­man­di­tak­ti­en­ge­sell­schaft, ei­ne Ge­sell­schaft mit be­schränk­ter Haf­tung, ei­ne Ge­nos­sen­schaft oder einen im Han­dels­re­gis­ter ein­ge­tra­ge­nen Ver­ein je­des Mit­glied der Ver­wal­tung oder des Vor­stan­des so­wie je­der Di­rek­tor oder Pro­ku­rist;
für ei­ne an­der­wei­ti­ge ju­ris­ti­sche Per­son der Prä­si­dent der Ver­wal­tung oder der Ver­wal­ter;
für ei­ne Kol­lek­tiv­ge­sell­schaft oder Kom­man­dit­ge­sell­schaft je­der zur Ver­tre­tung der Ge­sell­schaft be­fug­te Ge­sell­schaf­ter und je­der Pro­ku­rist.
2Wer­den die ge­nann­ten Per­so­nen in ih­rem Ge­schäfts­lo­ka­le nicht an­ge­trof­fen, so kann die Zu­stel­lung auch an einen an­dern Be­am­ten oder An­ge­stell­ten er­fol­gen.
3Ist die Be­trei­bung ge­gen ei­ne un­ver­teil­te Erb­schaft ge­rich­tet, so er­folgt die Zu­stel­lung an den für die Erb­schaft be­stell­ten Ver­tre­ter oder, wenn ein sol­cher nicht be­kannt ist, an einen der Er­ben.3
3 Ein­ge­fügt durch Art. 58 SchlT ZGB, in Kraft seit 1. Jan. 1912 (AS 24 233 Art. 60 SchlT ZGB; BBl 1904 IV 1, 1907 VI 367).
C. Bei aus­wär­ti­gem Wohn­sitz des Schuld­ners oder bei Un­mög­lich­keit der Zu­stel­lung
1Wohnt der Schuld­ner nicht am Or­te der Be­trei­bung, so wer­den die Be­trei­bungs­ur­kun­den der von ihm da­selbst be­zeich­ne­ten Per­son oder in dem von ihm be­stimm­ten Lo­ka­le ab­ge­ge­ben.
2Man­gels ei­ner sol­chen Be­zeich­nung er­folgt die Zu­stel­lung durch Ver­mitt­lung des Be­trei­bungs­am­tes des Wohn­or­tes oder durch die Post.
3Wohnt der Schuld­ner im Aus­land, so er­folgt die Zu­stel­lung durch die Ver­mitt­lung der dor­ti­gen Be­hör­den oder, so­weit völ­ker­recht­li­che Ver­trä­ge dies vor­se­hen oder wenn der Emp­fän­ger­staat zu­stimmt, durch die Post.1
4Die Zu­stel­lung wird durch öf­fent­li­che Be­kannt­ma­chung er­setzt, wenn:
der Wohn­ort des Schuld­ners un­be­kannt ist;
der Schuld­ner sich be­harr­lich der Zu­stel­lung ent­zieht;
der Schuld­ner im Aus­land wohnt und die Zu­stel­lung nach Ab­satz 3 nicht in­nert an­ge­mes­se­ner Frist mög­lich ist.2
3 Auf­ge­ho­ben durch Ziff. I des BG vom 16. Dez. 1994, mit Wir­kung seit 1. Jan. 1997 (AS 1995 1227; BBl 1991 III 1).
A. Be­trei­bungs­be­geh­ren
1Das Be­trei­bungs­be­geh­ren ist schrift­lich oder münd­lich an das Be­trei­bungs­amt zu rich­ten. Da­bei sind an­zu­ge­ben:
der Na­me und Wohn­ort des Gläu­bi­gers und sei­nes all­fäl­li­gen Be­voll­mäch­tig­ten so­wie, wenn der Gläu­bi­ger im Aus­lan­de wohnt, das von dem­sel­ben in der Schweiz ge­wähl­te Do­mi­zil. Im Fal­le man­geln­der Be­zeich­nung wird an­ge­nom­men, die­ses Do­mi­zil be­fin­de sich im Lo­kal des Be­trei­bungs­am­tes;
der Na­me und Wohn­ort des Schuld­ners und ge­ge­be­nen­falls sei­nes ge­setz­li­chen Ver­tre­ters; bei Be­trei­bungs­be­geh­ren ge­gen ei­ne Erb­schaft ist an­zu­ge­ben, an wel­che Er­ben die Zu­stel­lung zu er­fol­gen hat;
die For­de­rungs­s­um­me oder die Sum­me, für wel­che Si­cher­heit ver­langt wird, in ge­setz­li­cher Schwei­zer­wäh­rung; bei ver­zins­li­chen For­de­run­gen der Zins­fuss und der Tag, seit wel­chem der Zins ge­for­dert wird;
die For­de­rungs­ur­kun­de und de­ren Da­tum; in Er­man­ge­lung ei­ner sol­chen der Grund der For­de­rung.
2Für ei­ne pfand­ge­si­cher­te For­de­rung sind aus­ser­dem die in Ar­ti­kel 151 vor­ge­se­he­nen An­ga­ben zu ma­chen.
3Der Ein­gang des Be­trei­bungs­be­geh­rens ist dem Gläu­bi­ger auf Ver­lan­gen ge­büh­ren­frei zu be­schei­ni­gen.
B. Be­trei­bungs­kos­ten
1Der Schuld­ner trägt die Be­trei­bungs­kos­ten. Die­sel­ben sind vom Gläu­bi­ger vor­zu­schies­sen. Wenn der Vor­schuss nicht ge­leis­tet ist, kann das Be­trei­bungs­amt un­ter An­zei­ge an den Gläu­bi­ger die Be­trei­bungs­hand­lung einst­wei­len un­ter­las­sen.
2Der Gläu­bi­ger ist be­rech­tigt, von den Zah­lun­gen des Schuld­ners die Be­trei­bungs­kos­ten vor­ab zu er­he­ben.
VI. Betreibung eines in Gütergemeinschaft lebenden Ehegatten
A. Zu­stel­lung der Be­trei­bungs­ur­kun­den. Rechts­vor­schlag
1Wird ein in Gü­ter­ge­mein­schaft le­ben­der Ehe­gat­te be­trie­ben, so sind der Zah­lungs­be­fehl und al­le üb­ri­gen Be­trei­bungs­ur­kun­den auch dem an­dern Ehe­gat­ten zu­zu­stel­len; das Be­trei­bungs­amt holt die­se Zu­stel­lung un­ver­züg­lich nach, wenn erst im Lau­fe des Ver­fah­rens gel­tend ge­macht wird, dass der Schuld­ner der Gü­ter­ge­mein­schaft un­ter­steht.
2Je­der Ehe­gat­te kann Rechts­vor­schlag er­he­ben.
1 Ur­sprüng­lich Art. 68bis. Ein­ge­fügt durch Art. 15 Ziff. 3 Schl- und UeB zu den Tit. XXIV-XX­XIII OR (AS 53 185; BBl 1928 I 205, 1932 I 217). Fas­sung ge­mä­ss Ziff. II 3 des BG vom 5. Okt. 1984 über die Än­de­rung des ZGB, in Kraft seit 1. Jan. 1988 (AS 1986 122 153 Art. 1; BBl 1979 II 1191).
2 Auf­ge­ho­ben durch Ziff. I des BG vom 16. Dez. 1994, mit Wir­kung seit 1. Jan. 1997 (AS 1995 1227; BBl 1991 III 1).
B. Be­son­de­re Be­stim­mun­gen
1Je­der Ehe­gat­te kann im Wi­der­spruchs­ver­fah­ren (Art. 106-109) gel­tend ma­chen, dass ein ge­pfän­de­ter Wert zum Ei­gen­gut des Ehe­gat­ten des Schuld­ners ge­hört.
2Be­schränkt sich die Be­trei­bung ne­ben dem Ei­gen­gut auf den An­teil des Schuld­ners am Ge­samt­gut, so kann sich über­dies je­der Ehe­gat­te im Wi­der­spruchs­ver­fah­ren (Art. 106-109) der Pfän­dung von Ge­gen­stän­den des Ge­samt­gu­tes wi­der­set­zen.
3Wird die Be­trei­bung auf Be­frie­di­gung aus dem Ei­gen­gut und dem An­teil am Ge­samt­gut fort­ge­setzt, so rich­ten sich die Pfän­dung und die Ver­wer­tung des An­teils am Ge­samt­gut nach Ar­ti­kel 132; vor­be­hal­ten bleibt ei­ne Pfän­dung des künf­ti­gen Er­w­erb­sein­kom­mens des be­trie­be­nen Ehe­gat­ten (Art. 93).2
4Der An­teil ei­nes Ehe­gat­ten am Ge­samt­gut kann nicht ver­stei­gert wer­den.
5Die Auf­sichts­be­hör­de kann beim Rich­ter die An­ord­nung der Gü­ter­tren­nung ver­lan­gen.
1 Ein­ge­fügt durch Ziff. II 3 des BG vom 5. Okt. 1984 über die Än­de­rung des ZGB, in Kraft seit 1. Jan. 1988 (AS 1986 122 153 Art. 1; BBl 1979 II 1191).
VII. Betreibung bei gesetzlicher Vertretung oder Beistandschaft
1. Min­der­jäh­ri­ger Schuld­ner
1Ist der Schuld­ner min­der­jäh­rig, so wer­den die Be­trei­bungs­ur­kun­den dem ge­setz­li­chen Ver­tre­ter zu­ge­stellt. Im Fall ei­ner Bei­stand­schaft nach Ar­ti­kel 325 ZGB2 er­hal­ten der Bei­stand und die In­ha­ber der el­ter­li­chen Sor­ge die Be­trei­bungs­ur­kun­den, so­fern die Er­nen­nung des Bei­stands dem Be­trei­bungs­amt mit­ge­teilt wor­den ist.
2Stammt die For­de­rung je­doch aus ei­nem be­wil­lig­ten Ge­schäfts­be­trieb oder steht sie im Zu­sam­men­hang mit der Ver­wal­tung des Ar­beits­ver­diens­tes oder des frei­en Ver­mö­gens durch ei­ne min­der­jäh­ri­ge Per­son (Art. 321 Abs. 2, 323 Abs. 1 und 327b ZGB), so wer­den die Be­trei­bungs­ur­kun­den dem Schuld­ner und dem ge­setz­li­chen Ver­tre­ter zu­ge­stellt.
2. Voll­jäh­ri­ger Schuld­ner un­ter ei­ner Mass­nah­me des Er­wach­se­nen­schut­zes
1Ist ein Bei­stand oder ei­ne vor­sor­ge­be­auf­trag­te Per­son für die Ver­mö­gens­ver­wal­tung des voll­jäh­ri­gen Schuld­ners zu­stän­dig und hat die Er­wach­se­nen­schutz­be­hör­de dies dem Be­trei­bungs­amt mit­ge­teilt, so wer­den die Be­trei­bungs­ur­kun­den dem Bei­stand oder der vor­sor­ge­be­auf­trag­ten Per­son zu­ge­stellt.
2Ist die Hand­lungs­fä­hig­keit des Schuld­ners nicht ein­ge­schränkt, so wer­den die Be­trei­bungs­ur­kun­den auch die­sem zu­ge­stellt.
3. Haf­tungs­be­schrän­kung
Haf­tet der Schuld­ner nur mit dem frei­en Ver­mö­gen, so kann im Wi­der­spruchs­ver­fah­ren (Art. 106-109) gel­tend ge­macht wer­den, ein ge­pfän­de­ter Wert ge­hö­re nicht da­zu.
A. Zah­lungs­be­fehl
1Nach Emp­fang des Be­trei­bungs­be­geh­rens er­lässt das Be­trei­bungs­amt den Zah­lungs­be­fehl.
2Der Zah­lungs­be­fehl ent­hält:
die An­ga­ben des Be­trei­bungs­be­geh­rens;
die Auf­for­de­rung, bin­nen 20 Ta­gen den Gläu­bi­ger für die For­de­rung samt Be­trei­bungs­kos­ten zu be­frie­di­gen oder, falls die Be­trei­bung auf Si­cher­heits­leis­tung geht, si­cher­zu­stel­len;
die Mit­tei­lung, dass der Schuld­ner, wel­cher die For­de­rung oder einen Teil der­sel­ben oder das Recht, sie auf dem Be­trei­bungs­we­ge gel­tend zu ma­chen, be­strei­ten will, in­ner­halb zehn Ta­gen nach Zu­stel­lung des Zah­lungs­be­fehls dem Be­trei­bungs­am­te dies zu er­klä­ren (Rechts­vor­schlag zu er­he­ben) hat;
die An­dro­hung, dass, wenn der Schuld­ner we­der dem Zah­lungs­be­fehl nach­kommt, noch Rechts­vor­schlag er­hebt, die Be­trei­bung ih­ren Fort­gang neh­men wer­de.
2. Aus­fer­ti­gung
1Der Zah­lungs­be­fehl wird dop­pelt aus­ge­fer­tigt. Die ei­ne Aus­fer­ti­gung ist für den Schuld­ner, die an­de­re für den Gläu­bi­ger be­stimmt. Lau­ten die bei­den Ur­kun­den nicht gleich, so ist die dem Schuld­ner zu­ge­stell­te Aus­fer­ti­gung mass­ge­bend.
2Wer­den Mit­schuld­ner gleich­zei­tig be­trie­ben, so wird je­dem ein be­son­de­rer Zah­lungs­be­fehl zu­ge­stellt.1
3. Zeit­punkt der Zu­stel­lung
1Der Zah­lungs­be­fehl wird dem Schuld­ner nach Ein­gang des Be­trei­bungs­be­geh­rens zu­ge­stellt.1
2Wenn ge­gen den näm­li­chen Schuld­ner meh­re­re Be­trei­bungs­be­geh­ren vor­lie­gen, so sind die sämt­li­chen Zah­lungs­be­feh­le gleich­zei­tig zu­zu­stel­len.
3In kei­nem Fal­le darf ei­nem spä­ter ein­ge­gan­ge­nen Be­geh­ren vor ei­nem frü­hern Fol­ge ge­ge­ben wer­den.
4. Form der Zu­stel­lung
1Die Zu­stel­lung ge­schieht durch den Be­trei­bungs­be­am­ten, einen An­ge­stell­ten des Am­tes oder durch die Post.1
2Bei der Ab­ga­be hat der Über­brin­ger auf bei­den Aus­fer­ti­gun­gen zu be­schei­ni­gen, an wel­chem Ta­ge und an wen die Zu­stel­lung er­folgt ist.
B. Vor­la­ge der Be­weis­mit­tel
1Der Schuld­ner kann je­der­zeit nach Ein­lei­tung der Be­trei­bung ver­lan­gen, dass der Gläu­bi­ger auf­ge­for­dert wird, die Be­weis­mit­tel für sei­ne For­de­rung zu­sam­men mit ei­ner Über­sicht über al­le ge­gen­über dem Schuld­ner fäl­li­gen An­sprü­che beim Be­trei­bungs­amt zur Ein­sicht vor­zu­le­gen.
2Die Auf­for­de­rung hat kei­ne Aus­wir­kung auf lau­fen­de Fris­ten. Falls der Gläu­bi­ger der Auf­for­de­rung nicht oder nicht recht­zei­tig nach­ge­kom­men ist, be­rück­sich­tigt das Ge­richt beim Ent­scheid über die Pro­zess­kos­ten in ei­nem nach­fol­gen­den Rechtss­treit den Um­stand, dass der Schuld­ner die Be­weis­mit­tel nicht hat ein­se­hen kön­nen.
1 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I des BG vom 16. Dez. 2016, in Kraft seit 1. Jan. 2019 (AS 2018 4583; BBl 2015 3209 5785).
C. Rechts­vor­schlag
1Will der Be­trie­be­ne Rechts­vor­schlag er­he­ben, so hat er dies so­fort dem Über­brin­ger des Zah­lungs­be­fehls oder in­nert zehn Ta­gen nach der Zu­stel­lung dem Be­trei­bungs­amt münd­lich oder schrift­lich zu er­klä­ren.1
2Be­strei­tet der Be­trie­be­ne die For­de­rung nur teil­wei­se, so hat er den be­strit­te­nen Be­trag ge­nau an­zu­ge­ben; un­ter­lässt er dies, so gilt die gan­ze For­de­rung als be­strit­ten.2
3Die Er­klä­rung des Rechts­vor­schlags ist dem Be­trie­be­nen auf Ver­lan­gen ge­büh­ren­frei zu be­schei­ni­gen.
2. Be­grün­dung
1Der Rechts­vor­schlag be­darf kei­ner Be­grün­dung. Wer ihn trotz­dem be­grün­det, ver­zich­tet da­mit nicht auf wei­te­re Ein­re­den.
2Be­strei­tet der Schuld­ner, zu neu­em Ver­mö­gen ge­kom­men zu sein (Art. 265, 265a), so hat er dies im Rechts­vor­schlag aus­drück­lich zu er­klä­ren; an­dern­falls ist die­se Ein­re­de ver­wirkt.
3Vor­be­hal­ten blei­ben die Be­stim­mun­gen über den nach­träg­li­chen Rechts­vor­schlag (Art. 77) und über den Rechts­vor­schlag in der Wech­sel­be­trei­bung (Art. 179 Abs. 1).
3. Mit­tei­lung an den Gläu­bi­ger
1Der In­halt des Rechts­vor­schlags wird dem Be­trei­ben­den auf der für ihn be­stimm­ten Aus­fer­ti­gung des Zah­lungs­be­fehls mit­ge­teilt; er­folg­te kein Rechts­vor­schlag, so ist dies auf der­sel­ben vorzu­mer­ken.
2Die­se Aus­fer­ti­gung wird dem Be­trei­ben­den un­mit­tel­bar nach dem Rechts­vor­schlag, und wenn ein sol­cher nicht er­folgt ist, so­fort nach Ab­lauf der Be­strei­tungs­frist zu­ge­stellt.
4. Nach­träg­li­cher Rechts­vor­schlag bei Gläu­bi­ger­wech­sel
1Wech­selt wäh­rend des Be­trei­bungs­ver­fah­rens der Gläu­bi­ger, so kann der Be­trie­be­ne einen Rechts­vor­schlag noch nach­träg­lich bis zur Ver­tei­lung oder Kon­kurser­öff­nung an­brin­gen.1
2Der Be­trie­be­ne muss den Rechts­vor­schlag in­nert zehn Ta­gen, nach­dem er vom Gläu­bi­ger­wech­sel Kennt­nis er­hal­ten hat, beim Rich­ter des Be­trei­bungs­or­tes schrift­lich und be­grün­det an­brin­gen und die Ein­re­den ge­gen den neu­en Gläu­bi­ger glaub­haft ma­chen.2
3Der Rich­ter kann bei Emp­fang des Rechts­vor­schlags die vor­läu­fi­ge Ein­stel­lung der Be­trei­bung ver­fü­gen; er ent­schei­det über die Zu­las­sung des Rechts­vor­schla­ges nach Ein­ver­nah­me der Par­tei­en.
4Wird der nach­träg­li­che Rechts­vor­schlag be­wil­ligt, ist aber be­reits ei­ne Pfän­dung voll­zo­gen wor­den, so setzt das Be­trei­bungs­amt dem Gläu­bi­ger ei­ne Frist von zehn Ta­gen an, in­nert der er auf An­er­ken­nung sei­ner For­de­rung kla­gen kann. Nutzt er die Frist nicht, so fällt die Pfän­dung da­hin.3
5Das Be­trei­bungs­amt zeigt dem Schuld­ner je­den Gläu­bi­ger­wech­sel an.4
5. Wir­kun­gen
1Der Rechts­vor­schlag be­wirkt die Ein­stel­lung der Be­trei­bung.
2Be­strei­tet der Schuld­ner nur einen Teil der For­de­rung, so kann die Be­trei­bung für den un­be­strit­te­nen Be­trag fort­ge­setzt wer­den.
D. Be­sei­ti­gung des Rechts­vor­schla­ges
1. Im Zi­vil­pro­zess oder im Ver­wal­tungs­ver­fah­ren
Ein Gläu­bi­ger, ge­gen des­sen Be­trei­bung Rechts­vor­schlag er­ho­ben wor­den ist, hat sei­nen An­spruch im Zi­vil­pro­zess oder im Ver­wal­tungs­ver­fah­ren gel­tend zu ma­chen. Er kann die Fort­set­zung der Be­trei­bung nur auf­grund ei­nes voll­streck­ba­ren Ent­scheids er­wir­ken, der den Rechts­vor­schlag aus­drück­lich be­sei­tigt.
2. Durch de­fi­ni­ti­ve Rechts­öff­nung
a. Rechts­öff­nungs­ti­tel
1Be­ruht die For­de­rung auf ei­nem voll­streck­ba­ren ge­richt­li­chen Ent­scheid, so kann der Gläu­bi­ger beim Rich­ter die Auf­he­bung des Rechts­vor­schlags (de­fi­ni­ti­ve Rechts­öff­nung) ver­lan­gen.2
2Ge­richt­li­chen Ent­schei­den gleich­ge­stellt sind:3
ge­richt­li­che Ver­glei­che und ge­richt­li­che Schuld­an­er­ken­nun­gen;
1bis.4 voll­streck­ba­re öf­fent­li­che Ur­kun­den nach den Ar­ti­keln 347-352 ZPO5;
Ver­fü­gun­gen schwei­ze­ri­scher Ver­wal­tungs­be­hör­den;
die end­gül­ti­gen Ent­schei­de der Kon­troll­or­ga­ne, die in An­wen­dung von Ar­ti­kel 16 Ab­satz 1 des Bun­des­ge­set­zes vom 17. Ju­ni 20059 ge­gen die Schwarz­ar­beit ge­trof­fen wer­den und die Kon­troll­kos­ten zum In­halt ha­ben;
im Be­reich der Mehr­wert­steu­er: Steu­er­ab­rech­nun­gen und Ein­schät­zungs­mit­tei­lun­gen, die durch Ein­tritt der Fest­set­zungs­ver­jäh­rung rechts­kräf­tig wur­den, so­wie Ein­schät­zungs­mit­tei­lun­gen, die durch schrift­li­che An­er­ken­nung der steu­er­pflich­ti­gen Per­son rechts­kräf­tig wur­den.
2 Fas­sung ge­mä­ss An­hang 1 Ziff. II 17 der Zi­vil­pro­zess­ord­nung vom 19. Dez. 2008, in Kraft seit 1. Jan. 2011 (AS 2010 1739; BBl 2006 7221).
4 Ein­ge­fügt durch An­hang 1 Ziff. II 17 der Zi­vil­pro­zess­ord­nung vom 19. Dez. 2008, in Kraft seit 1. Jan. 2011 (AS 2010 1739; BBl 2006 7221).
6 Fas­sung ge­mä­ss An­hang 1 Ziff. II 17 der Zi­vil­pro­zess­ord­nung vom 19. Dez. 2008, in Kraft seit 1. Jan. 2011 (AS 2010 1739; BBl 2006 7221).
7 Auf­ge­ho­ben durch An­hang 1 Ziff. II 17 der Zi­vil­pro­zess­ord­nung vom 19. Dez. 2008, mit Wir­kung seit 1. Jan. 2011 (AS 2010 1739; BBl 2006 7221).
8 Ein­ge­fügt durch An­hang Ziff. 3 des BG vom 17. Ju­ni 2005 ge­gen die Schwarz­ar­beit, in Kraft seit 1. Jan. 2008 (AS 2007 359; BBl 2002 3605).
9 SR 822.41
10 Ein­ge­fügt durch An­hang Ziff. 2 des BG vom 30. Sept. 2016, in Kraft seit 1. Jan. 2018 (AS 2017 3575; BBl 2015 2615).
b. Ein­wen­dun­gen
1Be­ruht die For­de­rung auf ei­nem voll­streck­ba­ren Ent­scheid ei­nes schwei­ze­ri­schen Ge­richts oder ei­ner schwei­ze­ri­schen Ver­wal­tungs­be­hör­de, so wird die de­fi­ni­ti­ve Rechts­öff­nung er­teilt, wenn nicht der Be­trie­be­ne durch Ur­kun­den be­weist, dass die Schuld seit Er­lass des Ent­scheids ge­tilgt oder ge­stun­det wor­den ist, oder die Ver­jäh­rung an­ruft.
2Be­ruht die For­de­rung auf ei­ner voll­streck­ba­ren öf­fent­li­chen Ur­kun­de, so kann der Be­trie­be­ne wei­te­re Ein­wen­dun­gen ge­gen die Leis­tungs­pflicht gel­tend ma­chen, so­fern sie so­fort be­weis­bar sind.
3Ist ein Ent­scheid in ei­nem an­de­ren Staat er­gan­gen, so kann der Be­trie­be­ne über­dies die Ein­wen­dun­gen gel­tend ma­chen, die im be­tref­fen­den Staats­ver­trag oder, wenn ein sol­cher fehlt, im Bun­des­ge­setz vom 18. De­zem­ber 19872 über das In­ter­na­tio­na­le Pri­vat­recht vor­ge­se­hen sind, so­fern nicht ein schwei­ze­ri­sches Ge­richt be­reits über die­se Ein­wen­dun­gen ent­schie­den hat.3
3 Fas­sung ge­mä­ss Art. 3 Ziff. 2 des BB vom 11. Dez. 2009 (Ge­neh­mi­gung und Um­set­zung des Lu­ga­no-Über­eink.), in Kraft seit 1. Jan. 2011 (AS 2010 5601; BBl 2009 1777).
3. Durch pro­vi­so­ri­sche Rechts­öff­nung
a. Vor­aus­set­zun­gen
1Be­ruht die For­de­rung auf ei­ner durch öf­fent­li­che Ur­kun­de fest­ge­stell­ten oder durch Un­ter­schrift be­kräf­tig­ten Schuld­an­er­ken­nung, so kann der Gläu­bi­ger die pro­vi­so­ri­sche Rechts­öff­nung ver­lan­gen.
2Der Rich­ter spricht die­sel­be aus, so­fern der Be­trie­be­ne nicht Ein­wen­dun­gen, wel­che die Schuld­an­er­ken­nung ent­kräf­ten, so­fort glaub­haft macht.
b. Wir­kun­gen
1Der Gläu­bi­ger, wel­chem die pro­vi­so­ri­sche Rechts­öff­nung er­teilt ist, kann nach Ab­lauf der Zah­lungs­frist, je nach der Per­son des Schuld­ners, die pro­vi­so­ri­sche Pfän­dung ver­lan­gen oder nach Mass­ga­be des Ar­ti­kels 162 die Auf­nah­me des Gü­ter­ver­zeich­nis­ses be­an­tra­gen.
2Der Be­trie­be­ne kann in­des­sen in­nert 20 Ta­gen nach der Rechts­öff­nung auf dem Weg des or­dent­li­chen Pro­zes­ses beim Ge­richt des Be­trei­bungs­or­tes auf Ab­er­ken­nung der For­de­rung kla­gen.1
3Un­ter­lässt er dies oder wird die Ab­er­ken­nungs­kla­ge ab­ge­wie­sen, so wer­den die Rechts­öff­nung so­wie ge­ge­be­nen­falls die pro­vi­so­ri­sche Pfän­dung de­fi­ni­tiv.2
4Zwi­schen der Er­he­bung und der ge­richt­li­chen Er­le­di­gung der Ab­er­ken­nungs­kla­ge steht die Frist nach Ar­ti­kel 165 Ab­satz 2 still. Das Kon­kurs­ge­richt hebt in­des­sen die Wir­kun­gen des Gü­ter­ver­zeich­nis­ses auf, wenn die Vor­aus­set­zun­gen zu des­sen An­ord­nung nicht mehr ge­ge­ben sind.3
4. Rechts­öff­nungs­ver­fah­ren
1Der Rich­ter des Be­trei­bungs­or­tes ent­schei­det über Ge­su­che um Rechts­öff­nung.
2Er gibt dem Be­trie­be­nen so­fort nach Ein­gang des Ge­su­ches Ge­le­gen­heit zur münd­li­chen oder schrift­li­chen Stel­lung­nah­me und er­öff­net da­nach in­nert fünf Ta­gen sei­nen Ent­scheid.
E. Rich­ter­li­che Auf­he­bung oder Ein­stel­lung der Be­trei­bung
1. Im sum­ma­ri­schen Ver­fah­ren
Be­weist der Be­trie­be­ne durch Ur­kun­den, dass die Schuld samt Zin­sen und Kos­ten ge­tilgt oder ge­stun­det ist, so kann er je­der­zeit beim Ge­richt des Be­trei­bungs­or­tes im ers­te­ren Fall die Auf­he­bung, im letz­te­ren Fall die Ein­stel­lung der Be­trei­bung ver­lan­gen.
2. Im or­dent- li­chen und im ver­ein­fach­ten Ver­fah­ren2
1Un­ge­ach­tet ei­nes all­fäl­li­gen Rechts­vor­schla­ges kann der Be­trie­be­ne je­der­zeit vom Ge­richt des Be­trei­bungs­or­tes fest­stel­len las­sen, dass die Schuld nicht oder nicht mehr be­steht oder ge­stun­det ist. 3
2Nach Ein­gang der Kla­ge hört das Ge­richt die Par­tei­en an und wür­digt die Be­weis­mit­tel; er­scheint ihm die Kla­ge als sehr wahr­schein­lich be­grün­det, so stellt es die Be­trei­bung vor­läu­fig ein:
in der Be­trei­bung auf Pfän­dung oder auf Pfand­ver­wer­tung vor der Ver­wer­tung oder, wenn die­se be­reits statt­ge­fun­den hat, vor der Ver­tei­lung;
in der Be­trei­bung auf Kon­kurs nach der Zu­stel­lung der Kon­kur­san­dro­hung.
3Heisst das Ge­richt die Kla­ge gut, so hebt es die Be­trei­bung auf oder stellt sie ein.
3 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I des BG vom 16. Dez. 2016, in Kraft seit 1. Jan. 2019 (AS 2018 4583; BBl 2015 3209 5785).
F. Rück­for­de­rungs­kla­ge
1Wur­de der Rechts­vor­schlag un­ter­las­sen oder durch Rechts­öff­nung be­sei­tigt, so kann der­je­ni­ge, wel­cher in­fol­ge­des­sen ei­ne Nicht­schuld be­zahlt hat, in­ner­halb ei­nes Jah­res nach der Zah­lung auf dem Pro­zess­we­ge den be­zahl­ten Be­trag zu­rück­for­dern.1
2Die Rück­for­de­rungs­kla­ge kann nach der Wahl des Klä­gers ent­we­der beim Ge­rich­te des Be­trei­bungs­or­tes oder dort an­ge­ho­ben wer­den, wo der Be­klag­te sei­nen or­dent­li­chen Ge­richts­stand hat.
3In Ab­wei­chung von Ar­ti­kel 63 des Ob­li­ga­tio­nen­rechts (OR)2 ist die­ses Rück­for­de­rungs­recht von kei­ner an­dern Vor­aus­set­zung als dem Nach­weis der Nicht­schuld ab­hän­gig.3
G. Be­trei­bung auf Pfand­ver­wer­tung und Wech­sel­be­trei­bung
Für den Zah­lungs­be­fehl in der Be­trei­bung auf Pfand­ver­wer­tung gel­ten die be­son­dern Be­stim­mun­gen der Ar­ti­kel 151-153, für den Zah­lungs­be­fehl und den Rechts­vor­schlag in der Wech­sel­be­trei­bung die­je­ni­gen der Ar­ti­kel 178-189.
IX. Fortsetzung der Betreibung
1Ist die Be­trei­bung nicht durch Rechts­vor­schlag oder durch ge­richt­li­chen Ent­scheid ein­ge­stellt wor­den, so kann der Gläu­bi­ger frü­he­s­tens 20 Ta­ge nach der Zu­stel­lung des Zah­lungs­be­fehls das Fort­set­zungs­be­geh­ren stel­len.
2Die­ses Recht er­lischt ein Jahr nach der Zu­stel­lung des Zah­lungs­be­fehls. Ist Rechts­vor­schlag er­ho­ben wor­den, so steht die­se Frist zwi­schen der Ein­lei­tung und der Er­le­di­gung ei­nes da­durch ver­an­lass­ten Ge­richts- oder Ver­wal­tungs­ver­fah­rens still.
3Der Ein­gang des Fort­set­zungs­be­geh­rens wird dem Gläu­bi­ger auf Ver­lan­gen ge­büh­ren­frei be­schei­nigt.
4Ei­ne For­de­rungs­s­um­me in frem­der Wäh­rung kann auf Be­geh­ren des Gläu­bi­gers nach dem Kurs am Ta­ge des Fort­set­zungs­be­geh­rens er­neut in die Lan­des­wäh­rung um­ge­rech­net wer­den.
Dritter Titel: Betreibung auf Pfändung
A. Voll­zug
1. Zeit­punkt
Un­ter­liegt der Schuld­ner der Be­trei­bung auf Pfän­dung, so hat das Be­trei­bungs­amt nach Emp­fang des Fort­set­zungs­be­geh­rens un­ver­züg­lich die Pfän­dung zu voll­zie­hen oder durch das Be­trei­bungs­amt des Or­tes, wo die zu pfän­den­den Ver­mö­gens­stücke lie­gen, voll­zie­hen zu las­sen.
2. An­kün­di­gung
Dem Schuld­ner wird die Pfän­dung spä­tes­tens am vor­her­ge­hen­den Ta­ge un­ter Hin­weis auf die Be­stim­mung des Ar­ti­kels 91 an­ge­kün­digt.
3. Pflich­ten des Schuld­ners und Drit­ter
1Der Schuld­ner ist bei Straf­fol­ge ver­pflich­tet:
der Pfän­dung bei­zu­woh­nen oder sich da­bei ver­tre­ten zu las­sen (Art. 323 Ziff. 1 StGB2);
sei­ne Ver­mö­gens­ge­gen­stän­de, ein­sch­liess­lich der­je­ni­gen, wel­che sich nicht in sei­nem Ge­wahr­sam be­fin­den, so­wie sei­ne For­de­run­gen und Rech­te ge­gen­über Drit­ten an­zu­ge­ben, so­weit dies zu ei­ner ge­nü­gen­den Pfän­dung nö­tig ist (Art. 163 Ziff. 1 und 323 Ziff. 2 StGB)3.
2Bleibt der Schuld­ner oh­ne ge­nü­gen­de Ent­schul­di­gung der Pfän­dung fern und lässt er sich auch nicht ver­tre­ten, so kann ihn das Be­trei­bungs­amt durch die Po­li­zei vor­füh­ren las­sen.
3Der Schuld­ner muss dem Be­am­ten auf Ver­lan­gen Räum­lich­kei­ten und Be­hält­nis­se öff­nen. Der Be­am­te kann nö­ti­gen­falls die Po­li­zei­ge­walt in An­spruch neh­men.
4Drit­te, die Ver­mö­gens­ge­gen­stän­de des Schuld­ners ver­wah­ren oder bei de­nen die­ser Gut­ha­ben hat, sind bei Straf­fol­ge (Art. 324 Ziff. 5 StGB) im glei­chen Um­fang aus­kunfts­pflich­tig wie der Schuld­ner.
5Be­hör­den sind im glei­chen Um­fang aus­kunfts­pflich­tig wie der Schuld­ner.
6Das Be­trei­bungs­amt macht die Be­trof­fe­nen auf ih­re Pflich­ten und auf die Straf­fol­gen aus­drück­lich auf­merk­sam.
3AS 2005 79
4. Un­pfänd­ba­re Ver­mö­gens­wer­te
1Un­pfänd­bar sind:
die dem Schuld­ner und sei­ner Fa­mi­lie zum per­sön­li­chen Ge­brauch die­nen­den Ge­gen­stän­de wie Klei­der, Ef­fek­ten, Haus­ge­rä­te, Mö­bel oder an­de­re be­weg­li­che Sa­chen, so­weit sie un­ent­behr­lich sind;
Tie­re, die im häus­li­chen Be­reich und nicht zu Ver­mö­gens- oder Er­werbs­zwe­cken ge­hal­ten wer­den;
die re­li­gi­ösen Er­bau­ungs­bü­cher und Kul­tus­ge­gen­stän­de;
die Werk­zeu­ge, Ge­rät­schaf­ten, In­stru­men­te und Bü­cher, so­weit sie für den Schuld­ner und sei­ne Fa­mi­lie zur Aus­übung des Be­rufs not­wen­dig sind;
nach der Wahl des Schuld­ners ent­we­der zwei Milch­kü­he oder Rin­der, oder vier Zie­gen oder Scha­fe, so­wie Klein­tie­re nebst dem zum Un­ter­halt und zur Streu auf vier Mo­na­te er­for­der­li­chen Fut­ter und Stroh, so­weit die Tie­re für die Er­näh­rung des Schuld­ners und sei­ner Fa­mi­lie oder zur Auf­recht­er­hal­tung sei­nes Be­trie­bes un­ent­behr­lich sind;
die dem Schuld­ner und sei­ner Fa­mi­lie für die zwei auf die Pfän­dung fol­gen­den Mo­na­te not­wen­di­gen Nah­rungs- und Feue­rungs­mit­tel oder die zu ih­rer An­schaf­fung er­for­der­li­chen Bar­mit­tel oder For­de­run­gen;
die Be­klei­dungs-, Aus­rüs­tungs- und Be­waff­nungs­ge­gen­stän­de, das Dienst­pferd und der Sold ei­nes An­ge­hö­ri­gen der Ar­mee, das Ta­schen­geld ei­ner zi­vil­dienst­leis­ten­den Per­son so­wie die Be­klei­dungs- und Aus­rüs­tungs­ge­gen­stän­de und die Ent­schä­di­gung ei­nes Schutz­dienst­pflich­ti­gen;
das Stamm­recht der nach den Ar­ti­keln 516-520 OR9 be­stell­ten Leib­ren­ten;
Für­sor­ge­leis­tun­gen und die Un­ter­stüt­zun­gen von Sei­ten der Hilfs-, Kran­ken- und Für­sor­ge­kas­sen, Ster­be­fall­ver­ei­ne und ähn­li­cher An­stal­ten;
Ren­ten, Ka­pi­tal­ab­fin­dung und an­de­re Leis­tun­gen, die dem Op­fer oder sei­nen An­ge­hö­ri­gen für Kör­per­ver­let­zung, Ge­sund­heits­stö­rung oder Tö­tung ei­nes Men­schen aus­ge­rich­tet wer­den, so­weit sol­che Leis­tun­gen Ge­nug­tu­ung, Er­satz für Hei­lungs­kos­ten oder für die An­schaf­fung von Hilfs­mit­teln dar­stel­len;
die Ren­ten ge­mä­ss Ar­ti­kel 20 des Bun­des­ge­set­zes vom 20. De­zem­ber 194613 über die Al­ters- und Hin­ter­las­se­nen­ver­si­che­rung oder ge­mä­ss Ar­ti­kel 50 des Bun­des­ge­set­zes vom 19. Ju­ni 195914 über die In­va­li­den­ver­si­che­rung, die Leis­tun­gen ge­mä­ss Ar­ti­kel 12 des Bun­des­ge­set­zes vom 19. März 196515 über Er­gän­zungs­leis­tun­gen zur Al­ters-, Hin­ter­las­se­nen- und In­va­li­den­ver­si­che­rung so­wie die Leis­tun­gen der Fa­mi­li­en­aus­gleichs­kas­sen;
An­sprü­che auf Vor­sor­ge- und Frei­zü­gig­keits­leis­tun­gen ge­gen ei­ne Ein­rich­tung der be­ruf­li­chen Vor­sor­ge vor Ein­tritt der Fäl­lig­keit;
Ver­mö­gens­wer­te ei­nes aus­län­di­schen Staa­tes oder ei­ner aus­län­di­schen Zen­tral­bank, die ho­heit­li­chen Zwe­cken die­nen.
2Ge­gen­stän­de, bei de­nen von vorn­her­ein an­zu­neh­men ist, dass der Über­schuss des Ver­wer­tungs­er­lö­ses über die Kos­ten so ge­ring wä­re, dass sich ei­ne Weg­nah­me nicht recht­fer­tigt, dür­fen nicht ge­pfän­det wer­den. Sie sind aber mit der Schät­zungs­s­um­me in der Pfän­dungs­ur­kun­de vorzu­mer­ken.18
3Ge­gen­stän­de nach Ab­satz 1 Zif­fern 1-3 von ho­hem Wert sind pfänd­bar; sie dür­fen dem Schuld­ner je­doch nur weg­ge­nom­men wer­den, so­fern der Gläu­bi­ger vor der Weg­nah­me Er­satz­ge­gen­stän­de von glei­chem Ge­brauchs­wert oder den für ih­re An­schaf­fung er­for­der­li­chen Be­trag zur Ver­fü­gung stellt.19
4Vor­be­hal­ten blei­ben die be­son­de­ren Be­stim­mun­gen über die Un­pfänd­bar­keit des Bun­des­ge­set­zes vom 2. April 190820 über den Ver­si­che­rungs­ver­trag (Art. 79 Abs. 2 und 80 VVG), des Ur­he­ber­rechts­ge­set­zes vom 9. Ok­to­ber 199221 (Art. 18 URG) und des Straf­ge­setz­bu­ches22 (Art. 378 Abs. 2 StGB).23
2 Ein­ge­fügt durch Ziff. IV des BG vom 4. Okt. 2002 (Grund­satz­ar­ti­kel Tie­re), in Kraft seit 1. April 2003 (AS 2003 463; BBl 2002 4164 5806).
3 Fas­sung ge­mä­ss Art. 3 des BG vom 28. Sept. 1949, in Kraft seit 1. Fe­br. 1950 (AS 1950 I 57; BBl 1948 I 1218).
5 Fas­sung ge­mä­ss Art. 3 des BG vom 28. Sept. 1949, in Kraft seit 1. Fe­br. 1950 (AS 1950 I 57; BBl 1948 I 1218).
6 Fas­sung ge­mä­ss Art. 3 des BG vom 28. Sept. 1949, in Kraft seit 1. Fe­br. 1950 (AS 1950 I 57; BBl 1948 I 1218).
7 Fas­sung ge­mä­ss An­hang Ziff. 4 des Zi­vil­dienst­ge­set­zes vom 6. Okt. 1995, in Kraft seit 1. Okt. 1996 (AS 1996 1445; BBl 1994 III 1609).
8 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I des BG vom 16. Dez. 1994, in Kraft seit 1. Jan. 1997 (AS 1995 1227; BBl 1991 III 1).
10 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I des BG vom 16. Dez. 1994, in Kraft seit 1. Jan. 1997 (AS 1995 1227; BBl 1991 III 1).
11 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I des BG vom 16. Dez. 1994, in Kraft seit 1. Jan. 1997 (AS 1995 1227; BBl 1991 III 1).
12 Ein­ge­fügt durch Ziff. I des BG vom 16. Dez. 1994, in Kraft seit 1. Jan. 1997 (AS 1995 1227; BBl 1991 III 1).
14 SR 831.20
15 [AS 1965 537, 1971 32, 1972 2483 Ziff. III, 1974 1589 Ziff. II, 1978 391 Ziff. II 2, 1985 2017, 1986 699, 1996 2466 An­hang Ziff. 4, 1997 2952, 2000 2687, 2002 701 Ziff. I 6 3371 An­hang Ziff. 9 3453, 2003 3837 An­hang Ziff. 4, 2006 979 Art. 2 Ziff. 8. AS 2007 6055 Art. 35]. Heu­te: ge­mä­ss Art. 20 des BG vom 6. Okt. 2006 (SR 831.30).
16 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I des BG vom 16. Dez. 1994, in Kraft seit 1. Jan. 1997 (AS 1995 1227; BBl 1991 III 1).
17 Ein­ge­fügt durch Art. 3 des BG vom 28. Sept. 1949 (AS 1950 I 57; BBl 1948 I 1218). Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I des BG vom 16. Dez. 1994, in Kraft seit 1. Jan. 1997 (AS 1995 1227; BBl 1991 III 1).
18 Ein­ge­fügt durch Ziff. I des BG vom 16. Dez. 1994, in Kraft seit 1. Jan. 1997 (AS 1995 1227; BBl 1991 III 1).
19 Ein­ge­fügt durch Ziff. I des BG vom 16. Dez. 1994, in Kraft seit 1. Jan. 1997 (AS 1995 1227; BBl 1991 III 1).
20 SR 221.229.1
21 SR 231.1
22 SR 311.0. Sie­he heu­te Art. 83 Abs. 2.
23 Ein­ge­fügt durch Ziff. I des BG vom 16. Dez. 1994, in Kraft seit 1. Jan. 1997 (AS 1995 1227; BBl 1991 III 1).
5. Be­schränkt pfänd­ba­res Ein­kom­men
1Er­w­erb­sein­kom­men je­der Art, Nutz­nies­sun­gen und ih­re Er­trä­ge, Leib­ren­ten so­wie Un­ter­halts­bei­trä­ge, Pen­sio­nen und Leis­tun­gen je­der Art, die einen Er­werbs­aus­fall oder Un­ter­halts­an­spruch ab­gel­ten, na­ment­lich Ren­ten und Ka­pi­tal­ab­fin­dun­gen, die nicht nach Ar­ti­kel 92 un­pfänd­bar sind, kön­nen so weit ge­pfän­det wer­den, als sie nach dem Er­mes­sen des Be­trei­bungs­be­am­ten für den Schuld­ner und sei­ne Fa­mi­lie nicht un­be­dingt not­wen­dig sind.
2Sol­ches Ein­kom­men kann längs­tens für die Dau­er ei­nes Jah­res ge­pfän­det wer­den; die Frist be­ginnt mit dem Pfän­dungs­voll­zug. Neh­men meh­re­re Gläu­bi­ger an der Pfän­dung teil, so läuft die Frist von der ers­ten Pfän­dung an, die auf Be­geh­ren ei­nes Gläu­bi­gers der be­tref­fen­den Grup­pe (Art. 110 und 111) voll­zo­gen wor­den ist.
3Er­hält das Amt wäh­rend der Dau­er ei­ner sol­chen Pfän­dung Kennt­nis da­von, dass sich die für die Be­stim­mung des pfänd­ba­ren Be­tra­ges mass­ge­ben­den Ver­hält­nis­se ge­än­dert ha­ben, so passt es die Pfän­dung den neu­en Ver­hält­nis­sen an.
6. Pfän­dung von Früch­ten vor der Ern­te
1Hän­gen­de und ste­hen­de Früch­te kön­nen nicht ge­pfän­det wer­den:
auf den Wie­sen vor dem 1. April;
auf den Fel­dern vor dem 1. Ju­ni;
in den Reb­ge­län­den vor dem 20. Au­gust.
2Ei­ne vor oder an den be­zeich­ne­ten Ta­gen vor­ge­nom­me­ne Ver­äus­se­rung der Ern­te ist dem pfän­den­den Gläu­bi­ger ge­gen­über un­gül­tig.
3Die Rech­te der Grund­pfand­gläu­bi­ger auf die hän­gen­den und ste­hen­den Früch­te als Be­stand­tei­le der Pfand­sa­che blei­ben vor­be­hal­ten, je­doch nur un­ter der Vor­aus­set­zung, dass der Grund­pfand­gläu­bi­ger selbst die Be­trei­bung auf Ver­wer­tung des Grund­pfan­des ein­ge­lei­tet1 hat, be­vor die Ver­wer­tung der ge­pfän­de­ten Früch­te statt­fin­det.2
1 Be­zeich­nung ge­mä­ss Ziff. I des BG vom 16. Dez. 1994, in Kraft seit 1. Jan. 1997 (AS 1995 1227; BBl 1991 III 1).
7. Rei­hen­fol­ge der Pfän­dung
1In ers­ter Li­nie wird das be­weg­li­che Ver­mö­gen mit Ein­schluss der For­de­run­gen und der be­schränkt pfänd­ba­ren An­sprü­che (Art. 93) ge­pfän­det. Da­bei fal­len zu­nächst die Ge­gen­stän­de des täg­li­chen Ver­kehrs in die Pfän­dung; ent­behr­li­che­re Ver­mö­gens­stücke wer­den je­doch vor den we­ni­ger ent­behr­li­chen ge­pfän­det.1
2Das un­be­weg­li­che Ver­mö­gen wird nur ge­pfän­det, so­weit das be­weg­li­che zur De­ckung der For­de­rung nicht aus­reicht.2
3In letz­ter Li­nie wer­den Ver­mö­gens­stücke ge­pfän­det, auf wel­che ein Ar­rest ge­legt ist, oder wel­che vom Schuld­ner als drit­ten Per­so­nen zu­ge­hö­rig be­zeich­net oder von drit­ten Per­so­nen be­an­sprucht wer­den.
4Wenn Fut­ter­vor­rä­te ge­pfän­det wer­den, sind auf Ver­lan­gen des Schuld­ners auch Vieh­stücke in ent­spre­chen­der An­zahl zu pfän­den.
4bisDer Be­am­te kann von die­ser Rei­hen­fol­ge ab­wei­chen, so­weit es die Ver­hält­nis­se recht­fer­ti­gen oder wenn Gläu­bi­ger und Schuld­ner es ge­mein­sam ver­lan­gen.3
5Im üb­ri­gen soll der Be­am­te, so­weit tun­lich, die In­ter­es­sen des Gläu­bi­gers so­wohl als des Schuld­ners be­rück­sich­ti­gen.
b. For­de­run­gen ge­gen den Ehe­gat­ten, die ein­ge­tra­ge­ne Part­ne­rin oder den ein­ge­tra­ge­nen Part­ner
For­de­run­gen des Schuld­ners ge­gen sei­nen Ehe­gat­ten, sei­ne ein­ge­tra­ge­ne Part­ne­rin oder sei­nen ein­ge­tra­ge­nen Part­ner wer­den nur ge­pfän­det, so­weit sein üb­ri­ges Ver­mö­gen nicht aus­reicht.
1 Ein­ge­fügt durch Ziff. II 3 des BG vom 5. Okt. 1984 über die Än­de­rung des ZGB (AS 1986 122; BBl 1979 II 1191). Fas­sung ge­mä­ss An­hang Ziff. 16 des Part­ner­schafts­ge­set­zes vom 18. Ju­ni 2004, in Kraft seit 1. Jan. 2007 (AS 2005 5685; BBl 2003 1288).
B. Wir­kun­gen der Pfän­dung
1Der Schuld­ner darf bei Straf­fol­ge (Art. 169 StGB1) oh­ne Be­wil­li­gung des Be­trei­bungs­be­am­ten nicht über die ge­pfän­de­ten Ver­mö­gens­stücke ver­fü­gen. Der pfän­den­de Be­am­te macht ihn dar­auf und auf die Straf­fol­ge aus­drück­lich auf­merk­sam.2
2Ver­fü­gun­gen des Schuld­ners sind un­gül­tig, so­weit da­durch die aus der Pfän­dung den Gläu­bi­gern er­wach­se­nen Rech­te ver­letzt wer­den, un­ter Vor­be­halt der Wir­kun­gen des Be­sit­z­er­wer­bes durch gut­gläu­bi­ge Drit­te.3
C. Schät­zung. Um­fang der Pfän­dung
1Der Be­am­te schätzt die ge­pfän­de­ten Ge­gen­stän­de, nö­ti­gen­falls mit Zu­zie­hung von Sach­ver­stän­di­gen.
2Es wird nicht mehr ge­pfän­det als nö­tig ist, um die pfän­den­den Gläu­bi­ger für ih­re For­de­run­gen samt Zin­sen und Kos­ten zu be­frie­di­gen.
D. Si­che­rungs­mass­nah­men
1. Bei be­weg­li­chen Sa­chen
1Geld, Bank­no­ten, In­ha­ber­pa­pie­re, Wech­sel und an­de­re in­dossa­ble Pa­pie­re, Edel­me­tal­le und an­de­re Kost­bar­kei­ten wer­den vom Be­trei­bungs­amt ver­wahrt.1
2An­de­re be­weg­li­che Sa­chen kön­nen einst­wei­len in den Hän­den des Schuld­ners oder ei­nes drit­ten Be­sit­zers ge­las­sen wer­den ge­gen die Ver­pflich­tung, die­sel­ben je­der­zeit zur Ver­fü­gung zu hal­ten.
3Auch die­se Sa­chen sind in­des­sen in amt­li­che Ver­wah­rung zu neh­men oder ei­nem Drit­ten zur Ver­wah­rung zu über­ge­ben, wenn der Be­trei­bungs­be­am­te es für an­ge­mes­sen er­ach­tet oder der Gläu­bi­ger glaub­haft macht, dass dies zur Si­che­rung sei­ner durch die Pfän­dung be­grün­de­ten Rech­te ge­bo­ten ist.2
4Die Be­sitz­nah­me durch das Be­trei­bungs­amt ist auch dann zu­läs­sig, wenn ein Drit­ter Pfand­recht an der Sa­che hat. Ge­langt die­sel­be nicht zur Ver­wer­tung, so wird sie dem Pfand­gläu­bi­ger zu­rück­ge­ge­ben.
2 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I des BG vom 3. April 1924, in Kraft seit 1. Jan. 1925 (AS 40 391; BBl 1921 I 507).
2. Bei For­de­run­gen
Bei der Pfän­dung von For­de­run­gen oder An­sprü­chen, für wel­che nicht ei­ne an den In­ha­ber oder an Or­der lau­ten­de Ur­kun­de be­steht, wird dem Schuld­ner des Be­trie­be­nen an­ge­zeigt, dass er rechts­gül­tig nur noch an das Be­trei­bungs­amt leis­ten kön­ne.
3. Bei an­dern Rech­ten, For­de­rungs­ein­zug
Das Be­trei­bungs­amt sorgt für die Er­hal­tung der ge­pfän­de­ten Rech­te und er­hebt Zah­lung für fäl­li­ge For­de­run­gen.
4. Bei Grund­stücken
a. Vor­mer­kung im Grund­buch
1Die Pfän­dung ei­nes Grund­stücks hat die Wir­kung ei­ner Ver­fü­gungs­be­schrän­kung. Das Be­trei­bungs­amt teilt sie dem Grund­buchamt un­ter An­ga­be des Zeit­punk­tes und des Be­tra­ges, für den sie er­folgt ist, zum Zwe­cke der Vor­mer­kung un­ver­züg­lich mit. Eben­so sind die Teil­nah­me neu­er Gläu­bi­ger an der Pfän­dung und der Weg­fall der Pfän­dung mit­zu­tei­len.
2Die Vor­mer­kung wird ge­löscht, wenn das Ver­wer­tungs­be­geh­ren nicht in­nert zwei Jah­ren nach der Pfän­dung ge­stellt wird.
b. Früch­te und Er­träg­nis­se
1Die Pfän­dung ei­nes Grund­stückes er­fasst un­ter Vor­be­halt der den Grund­pfand­gläu­bi­gern zu­ste­hen­den Rech­te auch des­sen Früch­te und sons­ti­ge Er­träg­nis­se.
2Das Be­trei­bungs­amt hat den Grund­pfand­gläu­bi­gern so­wie ge­ge­be­nen­falls den Mie­tern oder Päch­tern von der er­folg­ten Pfän­dung Kennt­nis zu ge­ben.
3Es sorgt für die Ver­wal­tung und Be­wirt­schaf­tung des Grund­stücks2.
c. Ein­heim­sen der Früch­te
1Das Be­trei­bungs­amt sorgt für das Ein­heim­sen der Früch­te (Art. 94 und 102).1
2Im Fal­le des Be­dürf­nis­ses sind die Früch­te zum Un­ter­halt des Schuld­ners und sei­ner Fa­mi­lie in An­spruch zu neh­men.
5. Bei Ge­mein­schafts­rech­ten
Wird ein Niess­brauch oder ein An­teil an ei­ner un­ver­teil­ten Erb­schaft, an Ge­sell­schafts­gut oder an ei­nem an­dern Ge­mein­schafts­ver­mö­gen ge­pfän­det, so zeigt das Be­trei­bungs­amt die Pfän­dung den be­tei­lig­ten Drit­ten an.
6. Kos­ten für Auf­be­wah­rung und Un­ter­halt
Der Gläu­bi­ger hat dem Be­trei­bungs­amt auf Ver­lan­gen die Kos­ten der Auf­be­wah­rung und des Un­ter­halts ge­pfän­de­ter Ver­mö­gens­stücke vor­zu­schies­sen.
E. An­sprü­che Drit­ter (Wi­der­spruchs­ver­fah­ren)
1. Vor­mer­kung und Mit­tei­lung
1Wird gel­tend ge­macht, ei­nem Drit­ten ste­he am ge­pfän­de­ten Ge­gen­stand das Ei­gen­tum, ein Pfand­recht oder ein an­de­res Recht zu, das der Pfän­dung ent­ge­gen­steht oder im wei­tern Ver­lauf des Voll­stre­ckungs­ver­fah­rens zu be­rück­sich­ti­gen ist, so merkt das Be­trei­bungs­amt den An­spruch des Drit­ten in der Pfän­dungs­ur­kun­de vor oder zeigt ihn, falls die Ur­kun­de be­reits zu­ge­stellt ist, den Par­tei­en be­son­ders an.
2Drit­te kön­nen ih­re An­sprü­che an­mel­den, so­lan­ge der Er­lös aus der Ver­wer­tung des ge­pfän­de­ten Ge­gen­stan­des noch nicht ver­teilt ist.
3Nach der Ver­wer­tung kann der Drit­te die An­sprü­che, die ihm nach Zi­vil­recht bei Dieb­stahl, Ver­lust oder sons­ti­gem Ab­han­den­kom­men ei­ner be­weg­li­chen Sa­che (Art. 934 und 935 ZGB2) oder bei bö­sem Glau­ben des Er­wer­bers (Art. 936 und 974 Abs. 3 ZGB) zu­ste­hen, aus­ser­halb des Be­trei­bungs­ver­fah­rens gel­tend ma­chen. Als öf­fent­li­che Ver­stei­ge­rung im Sin­ne von Ar­ti­kel 934 Ab­satz 2 ZGB gilt da­bei auch der Frei­hand­ver­kauf nach Ar­ti­kel 130 die­ses Ge­set­zes.
2. Durch­set­zung
a. Bei aus­sch­liess­li­chem Ge­wahr­sam des Schuld­ners
1Schuld­ner und Gläu­bi­ger kön­nen den An­spruch des Drit­ten beim Be­trei­bungs­amt be­strei­ten, wenn sich der An­spruch be­zieht auf:
ei­ne be­weg­li­che Sa­che im aus­sch­liess­li­chen Ge­wahr­sam des Schuld­ners;
ei­ne For­de­rung oder ein an­de­res Recht, so­fern die Be­rech­ti­gung des Schuld­ners wahr­schein­li­cher ist als die des Drit­ten;
ein Grund­stück, so­fern er sich nicht aus dem Grund­buch er­gibt.
2Das Be­trei­bungs­amt setzt ih­nen da­zu ei­ne Frist von zehn Ta­gen.
3Auf Ver­lan­gen des Schuld­ners oder des Gläu­bi­gers wird der Drit­te auf­ge­for­dert, in­ner­halb der Be­strei­tungs­frist sei­ne Be­weis­mit­tel beim Be­trei­bungs­amt zur Ein­sicht vor­zu­le­gen. Ar­ti­kel 73 Ab­satz 2 gilt sinn­ge­mä­ss.
4Wird der An­spruch des Drit­ten nicht be­strit­ten, so gilt er in der be­tref­fen­den Be­trei­bung als an­er­kannt.
5Wird der An­spruch be­strit­ten, so setzt das Be­trei­bungs­amt dem Drit­ten ei­ne Frist von 20 Ta­gen, in­nert der er ge­gen den Be­strei­ten­den auf Fest­stel­lung sei­nes An­spruchs kla­gen kann. Reicht er kei­ne Kla­ge ein, so fällt der An­spruch in der be­tref­fen­den Be­trei­bung aus­ser Be­tracht.
b. Bei Ge­wahr­sam oder Mit­ge­wahr­sam des Drit­ten
1Gläu­bi­ger und Schuld­ner kön­nen ge­gen den Drit­ten auf Ab­er­ken­nung sei­nes An­spruchs kla­gen, wenn sich der An­spruch be­zieht auf:
ei­ne be­weg­li­che Sa­che im Ge­wahr­sam oder Mit­ge­wahr­sam des Drit­ten;
ei­ne For­de­rung oder ein an­de­res Recht, so­fern die Be­rech­ti­gung des Drit­ten wahr­schein­li­cher ist als die­je­ni­ge des Schuld­ners;
ein Grund­stück, so­fern er sich aus dem Grund­buch er­gibt.
2Das Be­trei­bungs­amt setzt ih­nen da­zu ei­ne Frist von 20 Ta­gen.
3Wird kei­ne Kla­ge ein­ge­reicht, so gilt der An­spruch in der be­tref­fen­den Be­trei­bung als an­er­kannt.
4Auf Ver­lan­gen des Gläu­bi­gers oder des Schuld­ners wird der Drit­te auf­ge­for­dert, in­ner­halb der Kla­ge­frist sei­ne Be­weis­mit­tel beim Be­trei­bungs­amt zur Ein­sicht vor­zu­le­gen. Ar­ti­kel 73 Ab­satz 2 gilt sinn­ge­mä­ss.
c. Ge­richts­stand
1Beim Ge­richt des Be­trei­bungs­or­tes sind ein­zu­rei­chen:
Kla­gen nach Ar­ti­kel 107 Ab­satz 5;
Kla­gen nach Ar­ti­kel 108 Ab­satz 1, so­fern der Be­klag­te Wohn­sitz im Aus­land hat.
2Rich­tet sich die Kla­ge nach Ar­ti­kel 108 Ab­satz 1 ge­gen einen Be­klag­ten mit Wohn­sitz in der Schweiz, so ist sie an des­sen Wohn­sitz ein­zu­rei­chen.
3Be­zieht sich der An­spruch auf ein Grund­stück, so ist die Kla­ge in je­dem Fall beim Ge­richt des Or­tes ein­zu­rei­chen, wo das Grund­stück oder sein wert­volls­ter Teil liegt.
4Das Ge­richt zeigt dem Be­trei­bungs­amt den Ein­gang und die Er­le­di­gung der Kla­ge an. …2
5Bis zur Er­le­di­gung der Kla­ge bleibt die Be­trei­bung in Be­zug auf die strei­ti­gen Ge­gen­stän­de ein­ge­stellt, und die Fris­ten für Ver­wer­tungs­be­geh­ren (Art. 116) ste­hen still.
2 Zwei­ter Satz auf­ge­ho­ben durch An­hang 1 Ziff. II 17 der Zi­vil­pro­zess­ord­nung vom 19. Dez. 2008, mit Wir­kung seit 1. Jan. 2011 (AS 2010 1739; BBl 2006 7221).
F. Pfän­dungs­an­schluss
1Gläu­bi­ger, die das Fort­set­zungs­be­geh­ren in­ner­halb von 30 Ta­gen nach dem Voll­zug ei­ner Pfän­dung stel­len, neh­men an der Pfän­dung teil. Die Pfän­dung wird je­weils so weit er­gänzt, als dies zur De­ckung sämt­li­cher For­de­run­gen ei­ner sol­chen Gläu­bi­ger­grup­pe not­wen­dig ist.
2Gläu­bi­ger, die das Fort­set­zungs­be­geh­ren erst nach Ab­lauf der 30-tä­gi­gen Frist stel­len, bil­den in der glei­chen Wei­se wei­te­re Grup­pen mit ge­son­der­ter Pfän­dung.
3Be­reits ge­pfän­de­te Ver­mö­gens­stücke kön­nen neu­er­dings ge­pfän­det wer­den, je­doch nur so weit, als de­ren Er­lös nicht den Gläu­bi­gern, für wel­che die vor­ge­hen­de Pfän­dung statt­ge­fun­den hat, aus­zu­rich­ten sein wird.
2. Pri­vi­le­gier­ter An­schluss
1An der Pfän­dung kön­nen oh­ne vor­gän­gi­ge Be­trei­bung in­nert 40 Ta­gen nach ih­rem Voll­zug teil­neh­men:
der Ehe­gat­te, die ein­ge­tra­ge­ne Part­ne­rin oder der ein­ge­tra­ge­ne Part­ner des Schuld­ners;
die Kin­der des Schuld­ners für For­de­run­gen aus dem el­ter­li­chen Ver­hält­nis und voll­jäh­ri­ge Per­so­nen für For­de­run­gen aus ei­nem Vor­sor­ge­auf­trag (Art. 360-369 ZGB4);
die voll­jäh­ri­gen Kin­der und die Gross­kin­der des Schuld­ners für die For­de­run­gen aus den Ar­ti­keln 334 und 334bis ZGB;
der Pfrün­der des Schuld­ners für sei­ne Er­satz­for­de­rung nach Ar­ti­kel 529 OR6.
2Die Per­so­nen nach Ab­satz 1 Zif­fern 1 und 2 kön­nen ihr Recht nur gel­tend ma­chen, wenn die Pfän­dung wäh­rend der Ehe, der ein­ge­tra­ge­nen Part­ner­schaft, des el­ter­li­chen Ver­hält­nis­ses oder der Wirk­sam­keit des Vor­sor­ge­auf­trags oder in­nert ei­nes Jah­res nach de­ren En­de er­folgt ist; die Dau­er ei­nes Pro­zess- oder Be­trei­bungs­ver­fah­rens wird da­bei nicht mit­ge­rech­net. An­stel­le der Kin­der oder ei­ner Per­son un­ter ei­ner Mass­nah­me des Er­wach­se­nen­schut­zes kann auch die Kin­des- und Er­wach­se­nen­schutz­be­hör­de die An­schlus­s­er­klä­rung ab­ge­ben.7
3So­weit dem Be­trei­bungs­amt an­schluss­be­rech­tig­te Per­so­nen be­kannt sind, teilt es die­sen die Pfän­dung durch un­ein­ge­schrie­be­nen Brief mit.
4Das Be­trei­bungs­amt gibt dem Schuld­ner und den Gläu­bi­gern von ei­nem sol­chen An­spruch Kennt­nis und setzt ih­nen ei­ne Frist von zehn Ta­gen zur Be­strei­tung.
5Wird der An­spruch be­strit­ten, so fin­det die Teil­nah­me nur mit dem Recht ei­ner pro­vi­so­ri­schen Pfän­dung statt, und der An­spre­cher muss in­nert 20 Ta­gen beim Ge­richt des Be­trei­bungs­or­tes kla­gen; nutzt er die Frist nicht, so fällt sei­ne Teil­nah­me da­hin. …8
3 Fas­sung ge­mä­ss An­hang Ziff. 12 des BG vom 19. Dez. 2008 (Er­wach­se­nen­schutz, Per­so­nen­recht und Kin­des­recht), in Kraft seit 1. Jan. 2013 (AS 2011 725; BBl 2006 7001).
5 Fas­sung ge­mä­ss An­hang Ziff. 12 des BG vom 19. Dez. 2008 (Er­wach­se­nen­schutz, Per­so­nen­recht und Kin­des­recht), in Kraft seit 1. Jan. 2013 (AS 2011 725; BBl 2006 7001).
7 Fas­sung ge­mä­ss An­hang Ziff. 12 des BG vom 19. Dez. 2008 (Er­wach­se­nen­schutz, Per­so­nen­recht und Kin­des­recht), in Kraft seit 1. Jan. 2013 (AS 2011 725; BBl 2006 7001).
8 Zwei­ter Satz auf­ge­ho­ben durch An­hang 1 Ziff. II 17 der Zi­vil­pro­zess­ord­nung vom 19. Dez. 2008, mit Wir­kung seit 1. Jan. 2011 (AS 2010 1739; BBl 2006 7221).
G. Pfän­dungs­ur­kun­de
1. Auf­nah­me
1Über je­de Pfän­dung wird ei­ne mit der Un­ter­schrift des voll­zie­hen­den Be­am­ten oder An­ge­stell­ten zu ver­se­hen­de Ur­kun­de (Pfän­dungs­ur­kun­de) auf­ge­nom­men. Die­sel­be be­zeich­net den Gläu­bi­ger und den Schuld­ner, den Be­trag der For­de­rung, Tag und Stun­de der Pfän­dung, die ge­pfän­de­ten Ver­mö­gens­stücke samt de­ren Schät­zung so­wie, ge­ge­be­nen­falls, die An­sprü­che Drit­ter.
2Wer­den Ge­gen­stän­de ge­pfän­det, auf wel­che be­reits ein Ar­rest ge­legt ist, so wird die Teil­nah­me des Ar­rest­gläu­bi­gers an der Pfän­dung (Art. 281) vor­ge­merkt.
3Ist nicht ge­nü­gen­des oder gar kein pfänd­ba­res Ver­mö­gen vor­han­den, so wird die­ser Um­stand in der Pfän­dungs­ur­kun­de fest­ge­stellt.
2. Nach­trä­ge
Neh­men neue Gläu­bi­ger an ei­ner Pfän­dung teil oder wird ei­ne Pfän­dung er­gänzt, so wird dies in der Pfän­dungs­ur­kun­de nach­ge­tra­gen.
3. Zu­stel­lung an Gläu­bi­ger und Schuld­ner
Das Be­trei­bungs­amt stellt den Gläu­bi­gern und dem Schuld­ner nach Ab­lauf der 30-tä­gi­gen Teil­nah­me­frist un­ver­züg­lich ei­ne Ab­schrift der Pfän­dungs­ur­kun­de zu.
4. Pfän­dungs­ur­kun­de als Ver­lust­schein
1War kein pfänd­ba­res Ver­mö­gen vor­han­den, so bil­det die Pfän­dungs­ur­kun­de den Ver­lust­schein im Sin­ne des Ar­ti­kels 149.
2War nach der Schät­zung des Be­am­ten nicht ge­nü­gen­des Ver­mö­gen vor­han­den, so dient die Pfän­dungs­ur­kun­de dem Gläu­bi­ger als pro­vi­so­ri­scher Ver­lust­schein und äus­sert als sol­cher die in den Ar­ti­keln 271 Zif­fer 5 und 285 be­zeich­ne­ten Rechts­wir­kun­gen.
3Der pro­vi­so­ri­sche Ver­lust­schein ver­leiht dem Gläu­bi­ger fer­ner das Recht, in­nert der Jah­res­frist nach Ar­ti­kel 88 Ab­satz 2 die Pfän­dung neu ent­deck­ter Ver­mö­gens­ge­gen­stän­de zu ver­lan­gen. Die Be­stim­mun­gen über den Pfän­dungs­an­schluss (Art. 110 und 111) sind an­wend­bar.1
A. Ver­wer­tungs­be­geh­ren
1Der Gläu­bi­ger kann die Ver­wer­tung der ge­pfän­de­ten be­weg­li­chen Ver­mö­gens­stücke so­wie der For­de­run­gen und der an­dern Rech­te frü­he­s­tens einen Mo­nat und spä­tes­tens ein Jahr, die­je­ni­ge der ge­pfän­de­ten Grund­stücke frü­he­s­tens sechs Mo­na­te und spä­tes­tens zwei Jah­re nach der Pfän­dung ver­lan­gen.
2Ist künf­ti­ger Lohn ge­pfän­det wor­den, und hat der Ar­beit­ge­ber ge­pfän­de­te Be­trä­ge bei de­ren Fäl­lig­keit nicht ab­ge­lie­fert, so kann die Ver­wer­tung des An­spru­ches auf die­se Be­trä­ge in­nert 15 Mo­na­ten nach der Pfän­dung ver­langt wer­den.
3Ist die Pfän­dung we­gen Teil­nah­me meh­re­rer Gläu­bi­ger er­gänzt wor­den, so lau­fen die­se Fris­ten von der letz­ten er­folg­rei­chen Er­gän­zungs­pfän­dung an.
2. Be­rech­ti­gung
1Das Recht, die Ver­wer­tung zu ver­lan­gen, steht in ei­ner Gläu­bi­ger­grup­pe je­dem ein­zel­nen Teil­neh­mer zu.
2Gläu­bi­ger, wel­che Ver­mö­gens­stücke ge­mä­ss Ar­ti­kel 110 Ab­satz 3 nur für den Mehr­er­lös ge­pfän­det ha­ben, kön­nen gleich­falls de­ren Ver­wer­tung ver­lan­gen.
3. Bei pro­vi­so­ri­scher Pfän­dung
Ein Gläu­bi­ger, des­sen Pfän­dung ei­ne bloss pro­vi­so­ri­sche ist, kann die Ver­wer­tung nicht ver­lan­gen. In­zwi­schen lau­fen für ihn die Fris­ten des Ar­ti­kels 116 nicht.
4. Wir­kun­gen
1Die ge­pfän­de­ten Ver­mö­gens­stücke wer­den nach den Ar­ti­keln 122-143a ver­wer­tet.
2Die Ver­wer­tung wird ein­ge­stellt, so­bald der Er­lös den Ge­samt­be­trag der For­de­run­gen er­reicht, für wel­che die Pfän­dung pro­vi­so­risch oder end­gül­tig ist. Ar­ti­kel 144 Ab­satz 5 ist vor­be­hal­ten.
5. An­zei­ge an den Schuld­ner
Das Be­trei­bungs­amt be­nach­rich­tigt den Schuld­ner bin­nen drei Ta­gen von dem Ver­wer­tungs­be­geh­ren.
6. Er­lö­schen der Be­trei­bung
Wenn bin­nen der ge­setz­li­chen Frist das Ver­wer­tungs­be­geh­ren nicht ge­stellt oder zu­rück­ge­zo­gen und nicht er­neu­ert wird, so er­lischt die Be­trei­bung.
B. Ver­wer­tung von be­weg­li­chen Sa­chen und For­de­run­gen
1Be­weg­li­che Sa­chen und For­de­run­gen wer­den vom Be­trei­bungs­amt frü­he­s­tens zehn Ta­ge und spä­tes­tens zwei Mo­na­te nach Ein­gang des Be­geh­rens ver­wer­tet.1
2Die Ver­wer­tung hän­gen­der oder ste­hen­der Früch­te darf oh­ne Zu­stim­mung des Schuld­ners nicht vor der Rei­fe statt­fin­den.
b. Auf­schub der Ver­wer­tung
1Macht der Schuld­ner glaub­haft, dass er die Schuld ra­ten­wei­se til­gen kann, und ver­pflich­tet er sich zu re­gel­mäs­si­gen und an­ge­mes­se­nen Ab­schlag­zah­lun­gen an das Be­trei­bungs­amt, so kann der Be­trei­bungs­be­am­te nach Er­halt der ers­ten Ra­te die Ver­wer­tung um höchs­tens zwölf Mo­na­te hin­aus­schie­ben.2
2Bei Be­trei­bun­gen für For­de­run­gen der ers­ten Klas­se (Art. 219 Abs. 4) kann die Ver­wer­tung um höchs­tens sechs Mo­na­te auf­ge­scho­ben wer­den.3
3Der Be­trei­bungs­be­am­te setzt die Hö­he und die Ver­fall­ter­mi­ne der Ab­schlags­zah­lun­gen fest; er hat da­bei die Ver­hält­nis­se des Schuld­ners wie des Gläu­bi­gers zu be­rück­sich­ti­gen.
4Der Auf­schub ver­län­gert sich um die Dau­er ei­nes all­fäl­li­gen Rechts­s­till­stan­des. In die­sem Fall wer­den nach Ab­lauf des Rechts­s­till­stan­des die Ra­ten und ih­re Fäl­lig­keit neu fest­ge­setzt.4
5Der Be­trei­bungs­be­am­te än­dert sei­ne Ver­fü­gung von Am­tes we­gen oder auf Be­geh­ren des Gläu­bi­gers oder des Schuld­ners, so­weit die Um­stän­de es er­for­dern. Der Auf­schub fällt oh­ne wei­te­res da­hin, wenn ei­ne Ab­schlag­zah­lung nicht recht­zei­tig ge­leis­tet wird.5
1 Fas­sung ge­mä­ss Art. 5 des BG vom 28. Sept. 1949, in Kraft seit 1. Fe­br. 1950 (AS 1950 I 57; BBl 1948 I 1218).
c. Vor­zei­ti­ge Ver­wer­tung
1Auf Be­geh­ren des Schuld­ners kann die Ver­wer­tung1 statt­fin­den, auch wenn der Gläu­bi­ger noch nicht be­rech­tigt ist, die­sel­be zu ver­lan­gen.
2Der Be­trei­bungs­be­am­te kann je­der­zeit Ge­gen­stän­de ver­wer­ten, die schnel­ler Wert­ver­min­de­rung aus­ge­setzt sind, einen kost­spie­li­gen Un­ter­halt er­for­dern oder un­ver­hält­nis­mäs­sig ho­he Auf­be­wah­rungs­kos­ten ver­ur­sa­chen.2
1 Be­zeich­nung ge­mä­ss Ziff. I des BG vom 16. Dez. 1994, in Kraft seit 1. Jan. 1997 (AS 1995 1227; BBl 1991 III 1). Die­se Änd. ist im gan­zen Er­lass be­rück­sich­tigt.
2. Ver­stei­ge­rung
a. Vor­be­rei­tung
1Die Ver­wer­tung ge­schieht auf dem We­ge der öf­fent­li­chen Stei­ge­rung. Ort, Tag und Stun­de der­sel­ben wer­den vor­her öf­fent­lich be­kannt­ge­macht.
2Die Art der Be­kannt­ma­chung so­wie die Art und Wei­se, der Ort und der Tag der Stei­ge­rung wer­den vom Be­trei­bungs­be­am­ten so be­stimmt, dass da­durch die In­ter­es­sen der Be­tei­lig­ten best­mög­li­che Be­rück­sich­ti­gung fin­den. Die Be­kannt­ma­chung durch das Amts­blatt ist in die­sem Fal­le nicht ge­bo­ten.
3Ha­ben der Schuld­ner, der Gläu­bi­ger und die be­tei­lig­ten Drit­ten in der Schweiz einen be­kann­ten Wohn­ort oder einen Ver­tre­ter, so teilt ih­nen das Be­trei­bungs­amt we­nigs­tens drei Ta­ge vor der Ver­stei­ge­rung de­ren Zeit und Ort durch un­ein­ge­schrie­be­nen Brief mit.1
b. Zu­schlag, De­ckungs­prin­zip
1Der Ver­wer­tungs­ge­gen­stand wird dem Meist­bie­ten­den nach drei­ma­li­gem Auf­ruf zu­ge­schla­gen, so­fern das An­ge­bot den Be­trag all­fäl­li­ger dem be­trei­ben­den Gläu­bi­ger im Ran­ge vor­ge­hen­der pfand­ge­si­cher­ter For­de­run­gen über­steigt.
2Er­folgt kein sol­ches An­ge­bot, so fällt die Be­trei­bung in Hin­sicht auf die­sen Ge­gen­stand da­hin.
1 Fas­sung ge­mä­ss Art. 6 des BG vom 28. Sept. 1949, in Kraft seit 1. Fe­br. 1950 (AS 1950 I 57; BBl 1948 I 1218).
c. Ver­zicht auf die Ver­wer­tung
Ist von vor­ne­he­rein an­zu­neh­men, dass der Zu­schlag ge­mä­ss Ar­ti­kel 126 nicht mög­lich sein wird, so kann der Be­trei­bungs­be­am­te auf An­trag des be­trei­ben­den Gläu­bi­gers von der Ver­wer­tung ab­se­hen und einen Ver­lust­schein aus­stel­len.
d. Ge­gen­stän­de aus Edel­me­tall
Ge­gen­stän­de aus Edel­me­tall dür­fen nicht un­ter ih­rem Me­tall­wert zu­ge­schla­gen wer­den.
e. Zah­lungs­mo­dus und Fol­gen des Zah­lungs­ver­zu­ges
1Die Zah­lung muss un­mit­tel­bar nach dem Zu­schlag ge­leis­tet wer­den. Der Be­trei­bungs­be­am­te kann je­doch einen Zah­lungs­ter­min von höchs­tens 20 Ta­gen ge­wäh­ren. Die Über­ga­be fin­det erst statt, wenn das Be­trei­bungs­amt un­wi­der­ruf­lich über das Geld ver­fü­gen kann.1
2Die Zah­lung kann bis zum Be­trag von 100 000 Fran­ken in bar ge­leis­tet wer­den. Liegt der Preis hö­her, so ist der Teil, der die­sen Be­trag über­steigt, über einen Fi­nan­zin­ter­me­di­är nach dem Geld­wä­sche­rei­ge­setz vom 10. Ok­to­ber 19972 ab­zu­wi­ckeln. Im Üb­ri­gen be­stimmt der Be­trei­bungs­be­am­te den Zah­lungs­mo­dus.3
3Wird die Zah­lung nicht recht­zei­tig ge­leis­tet, so hat das Be­trei­bungs­amt ei­ne neue Stei­ge­rung an­zu­ord­nen, auf die Ar­ti­kel 126 An­wen­dung fin­det.4
4Der frü­he­re Er­stei­ge­rer und sei­ne Bür­gen haf­ten für den Aus­fall und al­len wei­tern Scha­den. Der Zins­ver­lust wird hier­bei zu fünf vom Hun­dert be­rech­net.
1 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I 3 des BG vom 12. Dez. 2014 zur Um­set­zung der 2012 re­vi­dier­ten Emp­feh­lun­gen der Grou­pe d'ac­ti­on fi­nan­ciè­re, in Kraft seit 1. Jan. 2016 (AS 2015 1389; BBl 2014 605).
2 SR955.0
3 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I 3 des BG vom 12. Dez. 2014 zur Um­set­zung der 2012 re­vi­dier­ten Emp­feh­lun­gen der Grou­pe d'ac­ti­on fi­nan­ciè­re, in Kraft seit 1. Jan. 2016 (AS 2015 1389; BBl 2014 605).
4 Fas­sung ge­mä­ss Art. 7 des BG vom 28. Sept. 1949, in Kraft seit 1. Fe­br. 1950 (AS 1950 I 57; BBl 1948 I 1218).
3. Frei­hand­ver­kauf
An die Stel­le der Ver­stei­ge­rung kann der frei­hän­di­ge Ver­kauf tre­ten:1
wenn al­le Be­tei­lig­ten aus­drück­lich da­mit ein­ver­stan­den sind;
wenn Wert­pa­pie­re oder an­de­re Ge­gen­stän­de, die einen Markt- oder Bör­sen­preis ha­ben, zu ver­wer­ten3 sind und der an­ge­bo­te­ne Preis dem Ta­ges­kur­se gleich­kommt;
wenn bei Ge­gen­stän­den aus Edel­me­tall, für die bei der Ver­stei­ge­rung die An­ge­bo­te den Me­tall­wert nicht er­reich­ten, die­ser Preis an­ge­bo­ten wird;
im Fal­le des Ar­ti­kels 124 Ab­satz 2.
4. For­de­rungs­über­wei­sung
1Geld­for­de­run­gen des Schuld­ners, wel­che kei­nen Markt- oder Bör­sen­preis ha­ben, wer­den, wenn sämt­li­che pfän­den­de Gläu­bi­ger es ver­lan­gen, ent­we­der der Ge­samt­heit der Gläu­bi­ger oder ein­zel­nen von ih­nen für ge­mein­schaft­li­che Rech­nung zum Nenn­wert an Zah­lungs Statt an­ge­wie­sen. In die­sem Fal­le tre­ten die Gläu­bi­ger bis zur Hö­he ih­rer For­de­run­gen in die Rech­te des be­trie­be­nen Schuld­ners ein.
2Sind al­le pfän­den­den Gläu­bi­ger ein­ver­stan­den, so kön­nen sie oder ein­zel­ne von ih­nen, oh­ne Nach­teil für ih­re Rech­te ge­gen­über dem be­trie­be­nen Schuld­ner, ge­pfän­de­te An­sprü­che im ei­ge­nen Na­men so­wie auf ei­ge­ne Rech­nung und Ge­fahr gel­tend ma­chen. Sie be­dür­fen da­zu der Er­mäch­ti­gung des Be­trei­bungs­am­tes. Das Er­geb­nis dient zur De­ckung der Aus­la­gen und der For­de­run­gen der­je­ni­gen Gläu­bi­ger, wel­che in die­ser Wei­se vor­ge­gan­gen sind. Ein Über­schuss ist an das Be­trei­bungs­amt ab­zu­lie­fern.1
5. Be­son­de­re Ver­wer­tungs­ver­fah­ren
1Sind Ver­mö­gens­be­stand­tei­le an­de­rer Art zu ver­wer­ten, wie ei­ne Nutz­nies­sung oder ein An­teil an ei­ner un­ver­teil­ten Erb­schaft, an ei­ner Ge­mein­der­schaft, an Ge­sell­schafts­gut oder an ei­nem an­dern ge­mein­schaft­li­chen Ver­mö­gen, so er­sucht der Be­trei­bungs­be­am­te die Auf­sichts­be­hör­de um Be­stim­mung des Ver­fah­rens.
2Die glei­che Re­gel gilt für die Ver­wer­tung von Er­fin­dun­gen, von Sor­ten­schutz­rech­ten, von ge­werb­li­chen Mus­tern und Mo­del­len, von Fa­brik- und Han­dels­mar­ken und von Ur­he­ber­rech­ten.2
3Die Auf­sichts­be­hör­de kann nach An­hö­rung der Be­tei­lig­ten die Ver­stei­ge­rung an­ord­nen oder die Ver­wer­tung ei­nem Ver­wal­ter über­tra­gen oder ei­ne an­de­re Vor­keh­rung tref­fen.
1 Fas­sung ge­mä­ss Art. 8 des BG vom 28. Sept. 1949, in Kraft seit 1. Fe­br. 1950 (AS 1950 I 57; BBl 1948 I 1218).
2 Fas­sung ge­mä­ss Art. 52 Ziff. I des Sor­ten­schutz­ge­set­zes vom 20. März 1975, in Kraft seit 1. Ju­ni 1977 (AS 1977 862; BBl 1974 I 1469).
6. An­fech­tung der Ver­wer­tung
1Die Ver­wer­tung kann nur durch Be­schwer­de ge­gen den Zu­schlag oder den Ab­schluss des Frei­hand­ver­kaufs an­ge­foch­ten wer­den.
2Die Be­schwer­de­frist von Ar­ti­kel 17 Ab­satz 2 be­ginnt, wenn der Be­schwer­de­füh­rer von der an­ge­foch­te­nen Ver­wer­tungs­hand­lung Kennt­nis er­hal­ten hat und der An­fech­tungs­grund für ihn er­kenn­bar ge­wor­den ist.
3Das Be­schwer­de­recht er­lischt ein Jahr nach der Ver­wer­tung.
C. Ver­wer­tung der Grund­stücke
1Grund­stücke wer­den vom Be­trei­bungs­amt frü­he­s­tens einen Mo­nat und spä­tes­tens drei Mo­na­te nach Ein­gang des Ver­wer­tungs­be­geh­rens öf­fent­lich ver­stei­gert.
2Auf Be­geh­ren des Schuld­ners und mit aus­drück­li­cher Zu­stim­mung sämt­li­cher Pfän­dungs- und Grund­pfand­gläu­bi­ger kann die Ver­wer­tung statt­fin­den, auch wenn noch kein Gläu­bi­ger be­rech­tigt ist, sie zu ver­lan­gen.
2. Stei­ge­rungs­be­din­gun­gen
a. Auf­le­gung
1Die Stei­ge­rungs­be­din­gun­gen sind vom Be­trei­bungs­am­te in orts­üb­li­cher Wei­se auf­zu­stel­len und so ein­zu­rich­ten, dass sich ein mög­lichst güns­ti­ges Er­geb­nis er­war­ten lässt.
2Die­sel­ben wer­den min­des­tens zehn Ta­ge vor der Stei­ge­rung im Lo­kal des Be­trei­bungs­am­tes zu je­der­manns Ein­sicht auf­ge­legt.
1Die Stei­ge­rungs­be­din­gun­gen be­stim­men, dass Grund­stücke mit al­len dar­auf haf­ten­den Be­las­tun­gen (Dienst­bar­kei­ten, Grund­las­ten, Grund­pfand­rech­ten und vor­ge­merk­ten per­sön­li­chen Rech­ten) ver­stei­gert wer­den und da­mit ver­bun­de­ne per­sön­li­che Schuld­pflich­ten auf den Er­wer­ber über­ge­hen. Der Schuld­ner ei­ner über­bun­de­nen Schuld aus Grund­pfand­ver­schrei­bung oder aus Schuld­brief wird frei, wenn ihm der Gläu­bi­ger nicht in­nert ei­nem Jahr nach dem Zu­schlag er­klärt, ihn bei­be­hal­ten zu wol­len (Art. 832 ZGB1). Fäl­li­ge grund­pfand­ge­si­cher­te Schul­den wer­den nicht über­bun­den, son­dern vor­weg aus dem Er­lös be­zahlt.2
2Die Stei­ge­rungs­be­din­gun­gen stel­len fer­ner fest, wel­che Kos­ten dem Er­wer­ber ob­lie­gen.
c. Zah­lungs­mo­dus
1Der Be­trei­bungs­be­am­te legt den Zah­lungs­mo­dus in den Stei­ge­rungs­be­din­gun­gen fest; er kann einen Zah­lungs­ter­min von höchs­tens sechs Mo­na­ten ge­wäh­ren.
2Die Zah­lung kann bis zum Be­trag von 100 000 Fran­ken in bar ge­leis­tet wer­den. Liegt der Preis hö­her, so ist der Teil, der die­sen Be­trag über­steigt, über einen Fi­nan­zin­ter­me­di­är nach dem Geld­wä­sche­rei­ge­setz vom 10. Ok­to­ber 19972 ab­zu­wi­ckeln.
d. Zah­lungs­frist
Wenn ein Zah­lungs­ter­min ge­währt wird, bleibt das Grund­stück bis zur Zah­lung der Kaufsum­me auf Rech­nung und Ge­fahr des Er­wer­bers in der Ver­wal­tung des Be­trei­bungs­am­tes. Oh­ne des­sen Be­wil­li­gung darf in­zwi­schen kei­ne Ein­tra­gung in das Grund­buch vor­ge­nom­men wer­den. Über­dies kann sich das Be­trei­bungs­amt für den ge­stun­de­ten Kauf­preis be­son­de­re Si­cher­hei­ten aus­be­din­gen.
3. Ver­stei­ge­rung
a. Be­kannt­ma­chung, An­mel­dung der Rech­te
1Die Stei­ge­rung wird min­des­tens einen Mo­nat vor­her öf­fent­lich be­kannt­ge­macht.
2Die Be­kannt­ma­chung ent­hält:
Ort, Tag und Stun­de der Stei­ge­rung;
die An­ga­be des Ta­ges, von wel­chem an die Stei­ge­rungs­be­din­gun­gen auf­lie­gen;
die Auf­for­de­rung an die Pfand­gläu­bi­ger und al­le üb­ri­gen Be­tei­lig­ten, dem Be­trei­bungs­amt in­nert 20 Ta­gen ih­re An­sprü­che am Grund­stück, ins­be­son­de­re für Zin­sen und Kos­ten, ein­zu­ge­ben. In die­ser Auf­for­de­rung ist an­zu­kün­di­gen, dass sie bei Nicht­ein­hal­ten die­ser Frist am Er­geb­nis der Ver­wer­tung nur teil­ha­ben, so­weit ih­re Rech­te im Grund­buch ein­ge­tra­gen sind.
3Ei­ne ent­spre­chen­de Auf­for­de­rung wird auch an die Be­sit­zer von Dienst­bar­kei­ten ge­rich­tet, so­weit noch kan­to­na­les Recht zur An­wen­dung kommt.2
b. An­zei­ge an die Be­tei­lig­ten
Das Be­trei­bungs­amt stellt dem Gläu­bi­ger, dem Schuld­ner, ei­nem all­fäl­li­gen drit­ten Ei­gen­tü­mer des Grund­stücks und al­len im Grund­buch ein­ge­tra­ge­nen Be­tei­lig­ten ein Ex­em­plar der Be­kannt­ma­chung durch un­ein­ge­schrie­be­nen Brief zu, wenn sie einen be­kann­ten Wohn­sitz oder einen Ver­tre­ter ha­ben.
c. Las­ten­be­rei­ni­gung, Schät­zung
1Vor der Ver­stei­ge­rung er­mit­telt der Be­trei­bungs­be­am­te die auf dem Grund­stück ru­hen­den Las­ten (Dienst­bar­kei­ten, Grund­las­ten, Grund­pfand­rech­te und vor­ge­merk­te per­sön­li­che Rech­te) an­hand der Ein­ga­ben der Be­rech­tig­ten und ei­nes Aus­zu­ges aus dem Grund­buch.
2Er stellt den Be­tei­lig­ten das Ver­zeich­nis der Las­ten zu und setzt ih­nen gleich­zei­tig ei­ne Be­strei­tungs­frist von zehn Ta­gen. Die Ar­ti­kel 106-109 sind an­wend­bar.
3Aus­ser­dem ord­net der Be­trei­bungs­be­am­te ei­ne Schät­zung des Grund­stückes an und teilt de­ren Er­geb­nis den Be­tei­lig­ten mit.
d. Aus­set­zen der Ver­stei­ge­rung
1Ist ein in das Las­ten­ver­zeich­nis auf­ge­nom­me­ner An­spruch strei­tig, so ist die Ver­stei­ge­rung bis zum Aus­trag der Sa­che aus­zu­set­zen, so­fern an­zu­neh­men ist, dass der Streit die Hö­he des Zu­schlags­prei­ses be­ein­flusst oder durch ei­ne vor­he­ri­ge Ver­stei­ge­rung an­de­re be­rech­tig­te In­ter­es­sen ver­letzt wer­den.
2Be­steht le­dig­lich Streit über die Zu­ge­hö­rei­gen­schaft oder dar­über, ob die Zu­ge­hör nur ein­zel­nen Pfand­gläu­bi­gern ver­pfän­det sei, so kann die Ver­stei­ge­rung des Grund­stückes samt der Zu­ge­hör gleich­wohl statt­fin­den.
e. Dop­pelauf­ruf
1Ist ein Grund­stück oh­ne Zu­stim­mung des vor­ge­hen­den Grund­pfand­gläu­bi­gers mit ei­ner Dienst­bar­keit, ei­ner Grund­last oder ei­nem vor­ge­merk­ten per­sön­li­chen Recht be­las­tet und er­gibt sich der Vor­rang des Pfand­rechts aus dem Las­ten­ver­zeich­nis, so kann der Grund­pfand­gläu­bi­ger in­nert zehn Ta­gen nach Zu­stel­lung des Las­ten­ver­zeich­nis­ses den Auf­ruf so­wohl mit als auch oh­ne die Last ver­lan­gen.
2Er­gibt sich der Vor­rang des Pfand­rechts nicht aus dem Las­ten­ver­zeich­nis, so wird dem Be­geh­ren um Dop­pelauf­ruf nur statt­ge­ge­ben, wenn der In­ha­ber des be­trof­fe­nen Rechts den Vor­rang an­er­kannt hat oder der Grund­pfand­gläu­bi­ger in­nert zehn Ta­gen nach Zu­stel­lung des Las­ten­ver­zeich­nis­ses am Ort der ge­le­ge­nen Sa­che Kla­ge auf Fest­stel­lung des Vor­ran­ges ein­reicht.
3Reicht das An­ge­bot für das Grund­stück mit der Last zur Be­frie­di­gung des Gläu­bi­gers nicht aus und er­hält er oh­ne sie bes­se­re De­ckung, so kann er die Lö­schung der Last im Grund­buch ver­lan­gen. Bleibt nach sei­ner Be­frie­di­gung ein Über­schuss, so ist die­ser in ers­ter Li­nie bis zur Hö­he des Wer­tes der Last zur Ent­schä­di­gung des Be­rech­tig­ten zu ver­wen­den.
4. Zu­schlag. De­ckungs­prin­zip. Ver­zicht auf die Ver­wer­tung
Die Be­stim­mun­gen über den Zu­schlag und das De­ckungs­prin­zip (Art. 126) so­wie über den Ver­zicht auf die Ver­wer­tung (Art. 127) sind an­wend­bar.
5. Fol­gen des Zah­lungs­ver­zu­ges
1Er­folgt die Zah­lung nicht recht­zei­tig, so wird der Zu­schlag rück­gän­gig ge­macht, und das Be­trei­bungs­amt ord­net so­fort ei­ne neue Ver­stei­ge­rung an. Ar­ti­kel 126 ist an­wend­bar.1
2Der frü­he­re Er­stei­ge­rer und sei­ne Bür­gen haf­ten für den Aus­fall und al­len wei­tern Scha­den. Der Zins­ver­lust wird hier­bei zu fünf vom Hun­dert be­rech­net.
6. Er­gän­zen­de Be­stim­mun­gen
Für die Ver­wer­tung von Grund­stücken gel­ten im Üb­ri­gen die Ar­ti­kel 123 und 132a.
7. Frei­hand­ver­kauf
1An die Stel­le der Ver­stei­ge­rung kann der frei­hän­di­ge Ver­kauf tre­ten, wenn al­le Be­tei­lig­ten da­mit ein­ver­stan­den sind und min­des­tens der Schät­zungs­preis an­ge­bo­ten wird.
2Der Ver­kauf darf nur nach durch­ge­führ­ten Las­ten­be­rei­ni­gungs­ver­fah­ren im Sin­ne von Ar­ti­kel 138 Ab­satz 2 Zif­fer 3 und Ab­satz 3 und Ar­ti­kel 140 so­wie in ent­spre­chen­der An­wen­dung der Ar­ti­kel 135-137 er­fol­gen.
D. Ver­tei­lung
1. Zeit­punkt. Art der Vor­nah­me
1Die Ver­tei­lung fin­det statt, so­bald al­le in ei­ner Pfän­dung ent­hal­te­nen Ver­mö­gens­stücke ver­wer­tet sind.
2Es kön­nen schon vor­her Ab­schlags­ver­tei­lun­gen vor­ge­nom­men wer­den.
3Aus dem Er­lös wer­den vor­weg die Kos­ten für die Ver­wal­tung, die Ver­wer­tung, die Ver­tei­lung und ge­ge­be­nen­falls die Be­schaf­fung ei­nes Er­satz­ge­gen­stan­des (Art. 92 Abs. 3) be­zahlt.1
4Der Rein­er­lös wird den be­tei­lig­ten Gläu­bi­gern bis zur Hö­he ih­rer For­de­run­gen, ein­sch­liess­lich des Zin­ses bis zum Zeit­punkt der letz­ten Ver­wer­tung und der Be­trei­bungs­kos­ten (Art. 68), aus­ge­rich­tet.2
5Die auf For­de­run­gen mit pro­vi­so­ri­scher Pfän­dung ent­fal­len­den Be­trä­ge wer­den einst­wei­len bei der De­po­si­ten­an­stalt hin­ter­legt.
2. Nach­p­fän­dung
1Deckt der Er­lös den Be­trag der For­de­run­gen nicht, so voll­zieht das Be­trei­bungs­amt un­ver­züg­lich ei­ne Nach­p­fän­dung und ver­wer­tet die Ge­gen­stän­de mög­lichst rasch. Ein be­son­de­res Be­geh­ren ei­nes Gläu­bi­gers ist nicht nö­tig, und das Amt ist nicht an die or­dent­li­chen Fris­ten ge­bun­den.
2Ist in­zwi­schen ei­ne an­de­re Pfän­dung durch­ge­führt wor­den, so wer­den die dar­aus ent­stan­de­nen Rech­te durch die Nach­p­fän­dung nicht be­rührt.
3Die Be­stim­mun­gen über den Pfän­dungs­an­schluss (Art. 110 und 111) sind an­wend­bar.
3. Kol­lo­ka­ti­ons­plan und Ver­tei­lungs­lis­te
a. Rang­fol­ge der Gläu­bi­ger
1Kön­nen nicht sämt­li­che Gläu­bi­ger be­frie­digt wer­den, so er­stellt das Be­trei­bungs­amt den Plan für die Rang­ord­nung der Gläu­bi­ger (Kol­lo­ka­ti­ons­plan) und die Ver­tei­lungs­lis­te.
2Die Gläu­bi­ger er­hal­ten den Rang, den sie nach Ar­ti­kel 219 im Kon­kurs des Schuld­ners ein­neh­men wür­den. An­stel­le der Kon­kurser­öff­nung ist der Zeit­punkt des Fort­set­zungs­be­geh­rens mass­ge­bend.
b. Auf­le­gung
Der Kol­lo­ka­ti­ons­plan und die Ver­tei­lungs­lis­te wer­den beim Be­trei­bungs­amt auf­ge­legt. Die­ses be­nach­rich­tigt die Be­tei­lig­ten da­von und stellt je­dem Gläu­bi­ger einen sei­ne For­de­rung be­tref­fen­den Aus­zug zu.
c. An­fech­tung durch Kla­ge
1Will ein Gläu­bi­ger die For­de­rung oder den Rang ei­nes an­dern Gläu­bi­gers be­strei­ten, so muss er ge­gen die­sen in­nert 20 Ta­gen nach Emp­fang des Aus­zu­ges beim Ge­richt des Be­trei­bungs­or­tes Kol­lo­ka­ti­ons­kla­ge er­he­ben.1
3Heisst das Ge­richt die Kla­ge gut, so weist es den nach der Ver­tei­lungs­lis­te auf den Be­klag­ten ent­fal­len­den An­teil am Ver­wer­tungs­er­lös dem Klä­ger zu, so­weit dies zur De­ckung sei­nes in der Ver­tei­lungs­lis­te aus­ge­wie­se­nen Ver­lus­tes und der Pro­zess­kos­ten nö­tig ist. Ein all­fäl­li­ger Über­schuss ver­bleibt dem Be­klag­ten.3
4. Ver­lust­schein
a. Aus­stel­lung und Wir­kung
1Je­der Gläu­bi­ger, der an der Pfän­dung teil­ge­nom­men hat, er­hält für den un­ge­deck­ten Be­trag sei­ner For­de­rung einen Ver­lust­schein. Der Schuld­ner er­hält ein Dop­pel des Ver­lust­scheins.1
1bisDas Be­trei­bungs­amt stellt den Ver­lust­schein aus, so­bald die Hö­he des Ver­lus­tes fest­steht.2
2Der Ver­lust­schein gilt als Schuld­an­er­ken­nung im Sin­ne des Ar­ti­kels 82 und ge­währt dem Gläu­bi­ger die in den Ar­ti­keln 271 Zif­fer 5 und 285 er­wähn­ten Rech­te.
3Der Gläu­bi­ger kann wäh­rend sechs Mo­na­ten nach Zu­stel­lung des Ver­lust­schei­nes oh­ne neu­en Zah­lungs­be­fehl die Be­trei­bung fort­set­zen.
4Der Schuld­ner hat für die durch den Ver­lust­schein ver­ur­kun­de­te For­de­rung kei­ne Zin­sen zu zah­len. Mit­schuld­ner, Bür­gen und sons­ti­ge Rück­griffs­be­rech­tig­te, wel­che an Schuld­ners Statt Zin­sen be­zah­len müs­sen, kön­nen ihn nicht zum Er­sat­ze der­sel­ben an­hal­ten.
3 Auf­ge­ho­ben durch Ziff. I des BG vom 16. Dez. 1994 (AS 1995 1227; BBl 1991 III 1).
b. Ver­jäh­rung und Lö­schung
1Die durch den Ver­lust­schein ver­ur­kun­de­te For­de­rung ver­jährt 20 Jah­re nach der Aus­stel­lung des Ver­lust­schei­nes; ge­gen­über den Er­ben des Schuld­ners je­doch ver­jährt sie spä­tes­tens ein Jahr nach Er­öff­nung des Erb­gan­ges.
2Der Schuld­ner kann die For­de­rung je­der­zeit durch Zah­lung an das Be­trei­bungs­amt, wel­ches den Ver­lust­schein aus­ge­stellt hat, til­gen. Das Amt lei­tet den Be­trag an den Gläu­bi­ger wei­ter oder hin­ter­legt ihn ge­ge­be­nen­falls bei der De­po­si­ten­stel­le.
3Nach der Til­gung wird der Ein­trag des Ver­lust­schei­nes in den Re­gis­tern ge­löscht. Die Lö­schung wird dem Schuld­ner auf Ver­lan­gen be­schei­nigt.
5. Her­aus­ga­be der For­de­rungs­ur­kun­de
1So­fern die For­de­rung ei­nes Gläu­bi­gers voll­stän­dig ge­deckt wird, hat der­sel­be die For­de­rungs­ur­kun­de zu quit­tie­ren und dem Be­trei­bungs­be­am­ten zu­han­den des Schuld­ners her­aus­zu­ge­ben.1
2Wird ei­ne For­de­rung nur teil­wei­se ge­deckt, so be­hält der Gläu­bi­ger die Ur­kun­de; das Be­trei­bungs­amt hat auf der­sel­ben zu be­schei­ni­gen oder durch die zu­stän­di­ge Be­am­tung be­schei­ni­gen zu las­sen, für wel­chen Be­trag die For­de­rung noch zu Recht be­steht.
3Bei Grund­stück­ver­wer­tun­gen ver­an­lasst das Be­trei­bungs­amt die er­for­der­li­chen Lö­schun­gen und Än­de­run­gen von Dienst­bar­kei­ten, Grund­las­ten, Grund­pfand­rech­ten und vor­ge­merk­ten per­sön­li­chen Rech­ten im Grund­buch.2
Vierter Titel: Betreibung auf Pfandverwertung
1Wer für ei­ne durch Pfand (Art. 37) ge­si­cher­te For­de­rung Be­trei­bung ein­lei­tet, hat im Be­trei­bungs­be­geh­ren zu­sätz­lich zu den in Ar­ti­kel 67 auf­ge­zähl­ten An­ga­ben den Pfand­ge­gen­stand zu be­zeich­nen. Fer­ner sind im Be­geh­ren ge­ge­be­nen­falls an­zu­ge­ben:
der Na­me des Drit­ten, der das Pfand be­stellt oder den Pfand­ge­gen­stand zu Ei­gen­tum er­wor­ben hat;
die Ver­wen­dung des ver­pfän­de­ten Grund­stücks als Fa­mi­li­en­woh­nung (Art. 169 ZGB3) oder als ge­mein­sa­me Woh­nung (Art. 14 des Part­ner­schafts­ge­set­zes vom 18. Ju­ni 20044) des Schuld­ners oder des Drit­ten.
2Be­treibt ein Gläu­bi­ger auf­grund ei­nes Faust­pfan­des, an dem ein Drit­ter ein nach­ge­hen­des Pfand­recht hat (Art. 886 ZGB), so muss er die­sen von der Ein­lei­tung der Be­trei­bung be­nach­rich­ti­gen.
B. Zah­lungs­be­fehl
1. In­halt. An­zei­ge an Mie­ter und Päch­ter
1Nach Emp­fang des Be­trei­bungs­be­geh­rens er­lässt das Be­trei­bungs­amt einen Zah­lungs­be­fehl nach Ar­ti­kel 69, je­doch mit fol­gen­den Be­son­der­hei­ten:1
Die dem Schuld­ner an­zu­set­zen­de Zah­lungs­frist be­trägt einen Mo­nat, wenn es sich um ein Faust­pfand, sechs Mo­na­te, wenn es sich um ein Grund­pfand han­delt.
Die An­dro­hung lau­tet da­hin, dass, wenn der Schuld­ner we­der dem Zah­lungs­be­feh­le nach­kommt, noch Rechts­vor­schlag er­hebt, das Pfand ver­wer­tet wer­de.
2Be­ste­hen auf dem Grund­stück Miet- oder Pacht­ver­trä­ge und ver­langt der be­trei­ben­de Pfand­gläu­bi­ger die Aus­deh­nung der Pfand­haft auf die Miet- oder Pacht­zins­for­de­run­gen (Art. 806 ZGB2), so teilt das Be­trei­bungs­amt den Mie­tern oder Päch­tern die An­he­bung der Be­trei­bung mit und weist sie an, die fäl­lig wer­den­den Miet- oder Pacht­zin­se an das Be­trei­bungs­amt zu be­zah­len.3
3 Ein­ge­fügt durch Art. 58 SchlT ZGB (AS 24 233 Art. 60 SchlT ZGB; BBl 1904 IV 1, 1907 VI 367). Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I des BG vom 16. Dez. 1994, in Kraft seit 1. Jan. 1997 (AS 1995 1227; BBl 1991 III 1).
2. Aus­fer­ti­gung. Stel­lung des Drit­tei­gen­tü­mers des Pfan­des
1Die Aus­fer­ti­gung des Zah­lungs­be­fehls er­folgt ge­mä­ss Ar­ti­kel 70.
2Das Be­trei­bungs­amt stellt auch fol­gen­den Per­so­nen einen Zah­lungs­be­fehl zu:
dem Drit­ten, der das Pfand be­stellt oder den Pfand­ge­gen­stand zu Ei­gen­tum er­wor­ben hat;
dem Ehe­gat­ten, der ein­ge­tra­ge­nen Part­ne­rin oder dem ein­ge­tra­ge­nen Part­ner des Schuld­ners oder des Drit­ten, falls das ver­pfän­de­te Grund­stück als Fa­mi­li­en­woh­nung (Art. 169 ZGB2) oder als ge­mein­sa­me Woh­nung (Art. 14 des Part­ner­schafts­ge­set­zes vom 18. Ju­ni 20043) dient.
Der Drit­te und der Ehe­gat­te kön­nen Rechts­vor­schlag er­he­ben wie der Schuld­ner.4
2bisDie in Ab­satz 2 ge­nann­ten Per­so­nen kön­nen Rechts­vor­schlag er­he­ben wie der Schuld­ner.5
3Hat der Drit­te das Ab­lö­sungs­ver­fah­ren ein­ge­lei­tet (Art. 828 und 829 ZGB), so kann das Grund­stück nur ver­wer­tet wer­den, wenn der be­trei­ben­de Gläu­bi­ger nach Be­en­di­gung die­ses Ver­fah­rens dem Be­trei­bungs­amt nach­weist, dass ihm für die in Be­trei­bung ge­setz­te For­de­rung noch ein Pfand­recht am Grund­stück zu­steht.6
4Im Üb­ri­gen fin­den mit Be­zug auf Zah­lungs­be­fehl und Rechts­vor­schlag die Be­stim­mun­gen der Ar­ti­kel 71-86 An­wen­dung.7
3 SR 211.231
5 Ein­ge­fügt durch An­hang Ziff. 16 des Part­ner­schafts­ge­set­zes vom 18. Ju­ni 2004, in Kraft seit 1. Jan. 2007 (AS 2005 5685; BBl 2003 1288).
6 Ein­ge­fügt durch Art. 58 SchlT ZGB (AS 24 233 Art. 60 SchlT ZGB; BBl 1904 IV 1, 1907 VI 367). Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I des BG vom 16. Dez. 1994, in Kraft seit 1. Jan. 1997 (AS 1995 1227; BBl 1991 III 1).
7 Ur­sprüng­lich Abs. 3.
C. Rechts­vor­schlag. Wi­der­ruf der An­zei­ge an Mie­ter und Päch­ter
1Wird Rechts­vor­schlag er­ho­ben, so kann der Gläu­bi­ger in­nert zehn Ta­gen nach der Mit­tei­lung des Rechts­vor­schla­ges Rechts­öff­nung ver­lan­gen oder auf An­er­ken­nung der For­de­rung oder Fest­stel­lung des Pfand­rechts kla­gen.
2Wird der Gläu­bi­ger im Rechts­öff­nungs­ver­fah­ren ab­ge­wie­sen, so kann er in­nert zehn Ta­gen nach Er­öff­nung des Ent­scheids2 Kla­ge er­he­ben.
3Hält er die­se Fris­ten nicht ein, so wird die An­zei­ge an Mie­ter und Päch­ter wi­der­ru­fen.
2 Aus­druck ge­mä­ss An­hang 1 Ziff. II 17 der Zi­vil­pro­zess­ord­nung vom 19. Dez. 2008, in Kraft seit 1. Jan. 2011 (AS 2010 1739; BBl 2006 7221). Die­se Änd. wur­de im gan­zen Er­lass be­rück­sich­tigt.
D. Ver­wer­tungs­fris­ten
1Der Gläu­bi­ger kann die Ver­wer­tung ei­nes Faust­pfan­des frü­he­s­tens einen Mo­nat und spä­tes­tens ein Jahr, die Ver­wer­tung ei­nes Grund­pfan­des frü­he­s­tens sechs Mo­na­te und spä­tes­tens zwei Jah­re nach der Zu­stel­lung des Zah­lungs­be­fehls ver­lan­gen. Ist Rechts­vor­schlag er­ho­ben wor­den, so ste­hen die­se Fris­ten zwi­schen der Ein­lei­tung und der Er­le­di­gung ei­nes da­durch ver­an­lass­ten ge­richt­li­chen Ver­fah­rens still.1
2Wenn bin­nen der ge­setz­li­chen Frist das Ver­wer­tungs­be­geh­ren nicht ge­stellt oder zu­rück­ge­zo­gen und nicht er­neu­ert wird, so er­lischt die Be­trei­bung.
E. Ver­wer­tungs­ver­fah­ren
1Hat der Gläu­bi­ger das Ver­wer­tungs­be­geh­ren ge­stellt, so sind die Ar­ti­kel 97 Ab­satz 1, 102 Ab­satz 3, 103 und 106-109 auf das Pfand sinn­ge­mä­ss an­wend­bar.1
2Das Be­trei­bungs­amt be­nach­rich­tigt den Schuld­ner bin­nen drei Ta­gen von dem Ver­wer­tungs­be­geh­ren.
1Für die Ver­wer­tung gel­ten die Ar­ti­kel 122-143b. Die Stei­ge­rungs­be­din­gun­gen (Art. 135) be­stim­men je­doch, dass der An­teil am Zu­schlags­preis, der dem be­trei­ben­den Pfand­gläu­bi­ger zu­kommt, in Geld zu be­zah­len ist, wenn die Be­tei­lig­ten nichts an­de­res ver­ein­ba­ren. Sie be­stim­men fer­ner, dass die Be­las­tung des Grund­stücks, die zu­guns­ten des Be­trei­ben­den be­stand, im Grund­buch ge­löscht wird.
2Vom Grund­ei­gen­tü­mer zu Faust­pfand be­ge­be­ne Ei­gen­tü­mer- oder In­ha­ber­ti­tel wer­den im Fal­le se­pa­ra­ter Ver­wer­tung auf den Be­trag des Er­lö­ses her­ab­ge­setzt.
3. Ver­tei­lung
1Aus dem Pfan­d­er­lös wer­den vor­weg die Kos­ten für die Ver­wal­tung, die Ver­wer­tung und die Ver­tei­lung be­zahlt.1
2Der Rein­er­lös wird den Pfand­gläu­bi­gern bis zur Hö­he ih­rer For­de­run­gen ein­sch­liess­lich des Zin­ses bis zum Zeit­punkt der letz­ten Ver­wer­tung und der Be­trei­bungs­kos­ten aus­ge­rich­tet.2
3Kön­nen nicht sämt­li­che Pfand­gläu­bi­ger be­frie­digt wer­den, so setzt der Be­trei­bungs­be­am­te, un­ter Be­rück­sich­ti­gung des Ar­ti­kels 219 Ab­sät­ze 2 und 3 die Rang­ord­nung der Gläu­bi­ger und de­ren An­tei­le fest.
4Die Ar­ti­kel 147, 148 und 150 fin­den ent­spre­chen­de An­wen­dung.
4. Pfand­aus­fall­schein
1Konn­te das Pfand we­gen un­ge­nü­gen­den An­ge­bo­ten (Art. 126 und 127) nicht ver­wer­tet wer­den oder deckt der Er­lös die For­de­rung nicht, so stellt das Be­trei­bungs­amt dem be­trei­ben­den Pfand­gläu­bi­ger einen Pfand­aus­fall­schein aus.1
2Nach Zu­stel­lung die­ser Ur­kun­de kann der Gläu­bi­ger die Be­trei­bung, je nach der Per­son des Schuld­ners, auf dem We­ge der Pfän­dung oder des Kon­kur­ses füh­ren, so­fern es sich nicht um ei­ne Gült (Art. 33a SchlT ZGB2) oder an­de­re Grund­last han­delt. Be­treibt er bin­nen Mo­nats­frist, so ist ein neu­er Zah­lungs­be­fehl nicht er­for­der­lich.3
3Der Pfand­aus­fall­schein gilt als Schuld­an­er­ken­nung im Sin­ne von Ar­ti­kel 82.4
3 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. II 4 des BG vom 11. Dez. 2009 (Re­gis­ter-Schuld­brief und wei­te­re Än­de­run­gen im Sa­chen­recht), in Kraft seit 1. Jan. 2012 (AS 2011 4637; BBl 2007 5283).
C: CC CEDH CL CLaH 2000 CLaH 96 CO CP CPC CPM CPP Caclid Cpecmdi Cprlsaé Crdl Crpc Cst. Ctflij D: DPA DPMin L: LAA LACI LAGH LAMal LAP LAPG LAVI LAVS LArm LAsi LB LBVM LCA LCD LCF LCR LCart LCdF LD LDA LDFR LDIP LDP LEH LEI LEg LF-CLaH LF-EEA LFAIE LFC LFINMA LFLP LFPr LFus LHID LIA LIFD LIMF LLCA LLG LMP LN LOAP LP LPCC LPD LPM LPMA LPP LPPCi LParl LPart LPers LRCF LRFP LSA LSPr LSR LStup LSu LT LTAF LTF LTFB LTI LTVA LTaD LTr O: OAAE OACata OAIE OAOF OAdo OB OBVM OCEl-PCPP ODAu ODFR OEC OELP OFA-FINMA OFPC-FINMA OGPCT OHS-LP OIA OIB-FINMA OIMF OIMF-FINMA OIP OLAA OLPD OLT 1 ONCR OPC OPC-FINMA OPCC OPE