Source: http://m.hensche.de/Anwaltskosten_Betriebsrat_keine_Freistellung_des_Betriebsrats_fuer_Anwaltskosten_die_fuer_die_Vertretung_der_JAV_angefallen_sind_BAG_7ABR83-10-u.html
Timestamp: 2017-11-24 00:06:57
Document Index: 304945920

Matched Legal Cases: ['§ 78', '§ 78', '§ 40', '§ 78', '§ 78', '§ 40', '§ 78', '§ 83', '§ 78', '§ 78', '§ 40', '§ 253', '§ 40', '§ 40', '§ 40', '§ 40', '§ 65', '§ 40', '§ 78', '§ 78', '§ 78', '§ 40', '§ 60', '§ 60', '§ 60', '§ 60', '§ 78', '§ 78', '§ 78', '§ 78', '§ 78', '§ 83', '§ 83', '§ 78', '§ 40']

HENSCHE Arbeitsrecht: 7 ABR 83/10
Schlag­worte: Betriebsrat, Anwaltskosten, JAV
Akten­zeichen: 7 ABR 83/10
Vor­ins­tan­zen: Arbeitsgericht Detmold, Beschluss vom 22.01.2009, 3 BV 38/08
Landesarbeitsgericht Hamm, Beschluss vom 5.03.2010, 13 TaBV 18/09
hat der Sieb­te Se­nat des Bun­des­ar­beits­ge­richts auf­grund der Anhörung vom 18. Ja­nu­ar 2012 durch den Vor­sit­zen­den Rich­ter am Bun­des­ar­beits­ge­richt Lin­sen­mai­er, die Rich­te­rin am Bun­des­ar­beits­ge­richt Gall­ner, den Rich­ter am Bun­des­ar­beits­ge­richt Prof. Dr. Kiel so­wie den eh­ren­amt­li­chen Rich­ter Dr. Ger­scher­mann und die eh­ren­amt­li­che Rich­te­rin Gmo­ser für Recht er­kannt:
Auf die Rechts­be­schwer­de der Ar­beit­ge­be­rin wird der Be­schluss des Lan­des­ar­beits­ge­richts Hamm vom 5. März 2010 - 13 TaBV 18/09 - auf­ge­ho­ben.
Die Be­schwer­de des Be­triebs­rats ge­gen den Be­schluss des Ar­beits­ge­richts Det­mold vom 22. Ja­nu­ar 2009 - 3 BV 38/08 - wird zurück­ge­wie­sen.
I. Die Be­tei­lig­ten strei­ten über die Ver­pflich­tung der Ar­beit­ge­be­rin zur Frei­stel­lung des Be­triebs­rats von Rechts­an­walts­kos­ten, die da­durch ent­stan­den sind, dass der Be­triebs­rat in Ver­fah­ren nach § 78a Abs. 4 Be­trVG ne­ben dem von ihm man­da­tier­ten Rechts­an­walt ei­nen wei­te­ren Rechts­an­walt mit der Wahr­neh­mung der In­ter­es­sen der Ju­gend- und Aus­zu­bil­den­den­ver­tre­tung be­auf­tragt hat.
Die Ar­beit­ge­be­rin be­treibt Kli­ni­ken in D und L so­wie ei­ne Am­bu­lanz und Kin­der- und Ju­gend­psych­ia­trie in B. Sie beschäftigt ins­ge­samt ca. 2.700 Ar­beit­neh­mer, dar­un­ter ca. 25 Aus­zu­bil­den­de. Im Ju­li 2007 be­an­trag­te die Ar­beit­ge­be­rin in meh­re­ren Ver­fah­ren beim Ar­beits­ge­richt die Auflösung der Ar­beits­verhält­nis­se von fünf Mit­glie­dern der Ju­gend- und Aus­zu­bil­den­den­ver­tre­tung nach § 78a Abs. 4 Satz 1 Nr. 2 Be­trVG. In den - erst­in­stanz­lich rechts­kräftig ab­ge­schlos­se­nen - Ver­fah­ren ver­tra­ten die Rechts­anwälte I & R den Be­triebs­rat, während die Rechts­anwälte W & A auf­grund ei­nes Be­schlus­ses des Be­triebs­rats vom 15. Au­gust 2007 in den­sel­ben Ver­fah­ren als Be­vollmäch­tig­te der Ju­gend- und Aus­zu­bil­den­den­ver­tre­tung auf­tra­ten. Am 6. De­zem­ber 2007 und 5. März 2008 rich­te­ten die Rechts­anwälte W & A ins­ge­samt fünf Kos­ten­rech-
nun­gen an den Be­triebs­rat. Die Ar­beit­ge­be­rin wei­ger­te sich, den Be­triebs­rat von die­sen Kos­ten frei­zu­stel­len.
Der Be­triebs­rat hat die Auf­fas­sung ver­tre­ten, er könne von der Ar­beit­ge­be­rin nach § 40 Abs. 1 Be­trVG die Frei­stel­lung von den durch die Be­auf­tra­gung der Rechts­anwälte W & A ent­stan­de­nen Rechts­an­walts­kos­ten ver­lan­gen. Er ha­be die ge­son­der­te an­walt­li­che Ver­tre­tung der Ju­gend- und Aus­zu­bil­den­den­ver­tre­tung für er­for­der­lich hal­ten dürfen. Das er­ge­be sich be­reits dar­aus, dass die Ju­gend- und Aus­zu­bil­den­den­ver­tre­tung im Ver­fah­ren nach § 78a Abs. 4 Satz 2 Be­trVG be­tei­ligt sei. Außer­dem hätten die In­ter­es­sen der vom Be­triebs­rat re­präsen­tier­ten Be­leg­schaft und die In­ter­es­sen der Ju­gend- und Aus­zu­bil­den­den­ver­tre­tung nicht überein­ge­stimmt. Die Ju­gend- und Aus­zu­bil­den­den­ver­tre­tung ha­be ei­ne dau­er­haf­te Über­nah­me ih­rer Mit­glie­der an­ge­strebt. Der Be­triebs­rat ha­be da­ge­gen die vor­han­de­nen Beschäfti­gungsmöglich­kei­ten auch für die be­fris­tet Beschäftig­ten berück­sich­ti­gen wol­len, de­ren Verträge aus­lie­fen.
Der Be­triebs­rat hat zu­letzt - so­weit für das Rechts­be­schwer­de­ver­fah­ren noch von In­ter­es­se - be­an­tragt,
ihn von den Ver­pflich­tun­gen ge­genüber den Rechts­anwälten W & A aus den Rech­nun­gen
a) vom 6. De­zem­ber 2007, Nr. 7.299 A - iHv. 570,49 Eu­ro nebst Zin­sen in Höhe von fünf Pro­zent­punk­ten über dem Ba­sis­zins­satz seit dem 21. De­zem­ber 2007 und
b) vom 5. März 2008 - Nr. 8.084 A, 8.085 A, 8.086 A und 8.087 A - iHv. 1.187,02 Eu­ro, 1.053,15 Eu­ro, 1.139,43 Eu­ro und 1.139,43 Eu­ro nebst Zin­sen in Höhe von je­weils fünf Pro­zent­punk­ten über dem Ba­sis­zins­satz seit dem 20. März 2008 frei­zu­stel­len.
Die Ar­beit­ge­be­rin hat be­an­tragt, die Anträge ab­zu­wei­sen. Sie hat die Auf­fas­sung ver­tre­ten, zur ef­fek­ti­ven Ver­tre­tung der gleich­lau­fen­den In­ter­es­sen von Be­triebs­rat und Ju­gend- und Aus­zu­bil­den­den­ver­tre­tung hätte es aus­ge­reicht, ei­ne Rechts­an­walts­kanz­lei mit der Ver­tre­tung in Ver­fah­ren nach § 78a
Abs. 4 Satz 1 Be­trVG zu be­auf­tra­gen. Dies gel­te um­so mehr, als die Ver­fah­rens­be­vollmäch­tig­ten der Ju­gend- und Aus­zu­bil­den­den­ver­tre­tung zu kei­nem Zeit­punkt über die sach­ge­rech­ten und not­wen­di­gen Anträge der Ver­fah­rens­ver­tre­tung des Be­triebs­rats hin­aus­ge­gan­gen sei­en.
Das Ar­beits­ge­richt hat die Anträge ab­ge­wie­sen. Auf die Be­schwer­de des Be­triebs­rats hat das Lan­des­ar­beits­ge­richt den Anträgen - mit Aus­nah­me der in drei Fällen ursprüng­lich gel­tend ge­mach­ten Fahrt­kos­ten - statt­ge­ge­ben. Mit der vom Se­nat zu­ge­las­se­nen Rechts­be­schwer­de ver­folgt die Ar­beit­ge­be­rin die Wie­der­her­stel­lung der erst­in­stanz­li­chen Ent­schei­dung.
II. Die Rechts­be­schwer­de der Ar­beit­ge­be­rin hat Er­folg. Der zulässi­ge An­trag des Be­triebs­rats ist un­be­gründet. Dem Be­triebs­rat steht ge­genüber der Ar­beit­ge­be­rin kein An­spruch nach § 40 Abs. 1 Be­trVG auf Frei­stel­lung von Kos­ten zu, die durch die Be­auf­tra­gung der Rechts­anwälte W & A mit der Ver­tre­tung der Ju­gend- und Aus­zu­bil­den­den­ver­tre­tung in den Ver­fah­ren nach § 78a Abs. 4 Satz 1 Be­trVG ent­stan­den sind.
1. In dem Ver­fah­ren sind nach § 83 Abs. 3 ArbGG ne­ben dem Be­triebs­rat und der Ar­beit­ge­be­rin kei­ne wei­te­ren Per­so­nen oder Stel­len zu hören. Auch die Ju­gend- und Aus­zu­bil­den­den­ver­tre­tung ist nicht be­tei­ligt. Sie gehörte zwar nach § 78a Abs. 4 Satz 2 Be­trVG zu den Be­tei­lig­ten der Aus­gangs­ver­fah­ren, in de­nen die hier streit­be­fan­ge­nen Kos­ten ent­stan­den sind. Dies gilt je­doch nicht für vor­lie­gen­des Ver­fah­ren. Die Ju­gend- und Aus­zu­bil­den­den­ver­tre­tung ist kein selbständi­ges Mit­wir­kungs­or­gan der Be­triebs­ver­fas­sung (BAG 5. April 2000 - 7 ABR 6/99 - zu B I 3 a der Gründe, AP Be­trVG 1972 § 78a Nr. 33 = EzA Be­trVG 1972 § 40 Nr. 91). Sie wird auch durch den Streit, ob die Ar­beit­ge­be­rin die durch die ge­son­der­te Be­auf­tra­gung der Rechts­anwälte ent­stan­de­nen Kos­ten zu tra­gen hat, nicht in ei­ner be­triebs­ver­fas­sungs­recht­li­chen Rechts­stel­lung un­mit­tel­bar be­trof­fen (vgl. da­zu auch BAG 30. März 1994 - 7 ABR 45/93 - zu B I 3 a der Gründe, BA­GE 76, 214). Die Ver­pflich­tung, um die ge­strit­ten wird,
ist nicht die Ju­gend- und Aus­zu­bil­den­den­ver­tre­tung, son­dern der Be­triebs­rat ein­ge­gan­gen.
2. Der An­trag des Be­triebs­rats ist zulässig. Der Streit­ge­gen­stand ist hin­rei­chend be­stimmt im Sin­ne des auch im Be­schluss­ver­fah­ren an­wend­ba­ren § 253 Abs. 2 Nr. 2 ZPO. Der Be­triebs­rat ist an­trags­be­fugt. Er macht ein ei­ge­nes Recht aus § 40 Abs. 1 Be­trVG gel­tend.
3. Der An­trag ist ent­ge­gen der Auf­fas­sung des Lan­des­ar­beits­ge­richts un­be­gründet. Der Be­triebs­rat hat kei­nen An­spruch auf Frei­stel­lung von der Ver­pflich­tung zur Zah­lung der Rechts­an­walts­kos­ten, die durch die ge­son­der­te Be­auf­tra­gung der Rechts­anwälte W & A mit der Ver­tre­tung der Ju­gend- und Aus­zu­bil­den­den­ver­tre­tung ent­stan­den sind. Er durf­te die­se Be­auf­tra­gung nicht für er­for­der­lich hal­ten.
a) Nach § 40 Abs. 1 Be­trVG trägt der Ar­beit­ge­ber die durch die Tätig­keit des Be­triebs­rats ent­ste­hen­den Kos­ten.
aa) Hier­zu gehören auch die Ho­no­rar­kos­ten für ei­nen Rechts­an­walt, des­sen Her­an­zie­hung der Be­triebs­rat in ei­nem ar­beits­ge­richt­li­chen Be­schluss­ver­fah­ren in Wahr­neh­mung sei­ner be­triebs­ver­fas­sungs­recht­li­chen Rech­te für er­for­der­lich hal­ten durf­te (BAG 29. Ju­li 2009 - 7 ABR 95/07 - Rn. 16 mwN, AP Be­trVG 1972 § 40 Nr. 93 = EzA Be­trVG 2001 § 40 Nr. 15). Die Prüfung der Er­for­der­lich­keit hat der Be­triebs­rat nicht al­lein an­hand sei­ner sub­jek­ti­ven Bedürf­nis­se vor­zu­neh­men. Er ist viel­mehr ge­hal­ten, die In­ter­es­sen der Be­leg­schaft an ei­ner sach­ge­rech­ten Ausübung des Be­triebs­rats­amts ei­ner­seits und die be­rech­tig­ten In­ter­es­sen des Ar­beit­ge­bers an­de­rer­seits ge­gen­ein­an­der ab­zuwägen. Der Be­triebs­rat darf bei der Wahl sei­ner Rechts­ver­fol­gung bzw. -ver­tei­di­gung das In­ter­es­se des Ar­beit­ge­bers an der Be­gren­zung sei­ner Kos­ten­tra­gungs­pflicht nicht außer Acht las­sen. Er hat wie je­der, der auf Kos­ten ei­nes an­de­ren han­deln kann, die Maßstäbe ein­zu­hal­ten, die er ge­ge­be­nen­falls bei ei­ge­ner Kos­ten­tra­gung an­wen­den würde, wenn er selbst bzw. sei­ne be­sch­lie-
ßen­den Mit­glie­der die Kos­ten tra­gen müss­ten (BAG 29. Ju­li 2009 - 7 ABR 95/07 - Rn. 16 mwN, aaO). Die Kos­ten­tra­gungs­pflicht des Ar­beit­ge­bers entfällt bei ei­ner of­fen­sicht­lich aus­sichts­lo­sen oder mut­wil­li­gen Rechts­ver­fol­gung des Be­triebs­rats. Of­fen­sicht­lich aus­sichts­los ist die Rechts­ver­fol­gung, wenn die Rechts­la­ge un­zwei­fel­haft ist und das ein­ge­lei­te­te Be­schluss­ver­fah­ren zu ei­nem Un­ter­lie­gen des Be­triebs­rats führen muss. Mut­wil­lig­keit kann vor­lie­gen, wenn das In­ter­es­se des Ar­beit­ge­bers an der Be­gren­zung sei­ner Kos­ten­tra­gungs­pflicht miss­ach­tet wird. Der Be­triebs­rat darf bei der Wahl der Rechts­durch­set­zung un­ter meh­re­ren gleich ge­eig­ne­ten Möglich­kei­ten nur die für den Ar­beit­ge­ber kostengüns­ti­ge­re Lösung für er­for­der­lich hal­ten (vgl. BAG 29. Ju­li 2009 - 7 ABR 95/07 - Rn. 17 mwN, aaO). So­weit der Be­triebs­rat nach die­sen Grundsätzen die Frei­stel­lung von ent­stan­de­nen Auf­wen­dun­gen ver­lan­gen kann, er­gibt sich nichts an­de­res durch die Vor­schrift in § 65 Abs. 1 Be­trVG, die § 40 Be­trVG für ent­spre­chend an­wend­bar erklärt.
bb) In ei­nem Ver­fah­ren nach § 78a Abs. 4 Satz 1 Be­trVG darf der Be­triebs­rat ne­ben der Man­da­tie­rung ei­nes ihn ver­tre­ten­den Rechts­an­walts re­gelmäßig nicht die wei­te­re Be­auf­tra­gung ei­nes Rechts­an­walts zur ge­son­der­ten Ver­tre­tung der Ju­gend- und Aus­zu­bil­den­den­ver­tre­tung für er­for­der­lich hal­ten. Das folgt vor al­lem aus der be­triebs­ver­fas­sungs­recht­li­chen Stel­lung der Ju­gend- und Aus­zu­bil­den­den­ver­tre­tung, die kein selbständi­ges Mit­wir­kungs­or­gan ist. Die Not­wen­dig­keit der Be­tei­li­gung der Ju­gend- und Aus­zu­bil­den­den­ver­tre­tung nach § 78a Abs. 4 Satz 2 Be­trVG steht dem nicht ent­ge­gen.
(1) Nach der ständi­gen Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts ist die Ju­gend- und Aus­zu­bil­den­den­ver­tre­tung kein ei­genständi­ger Re­präsen­tant der ju­gend­li­chen Ar­beit­neh­mer und kein selbständi­ges Mit­wir­kungs­or­gan der Be­triebs­ver­fas­sung. Ih­re Rech­te und Pflich­ten be­ste­hen ge­genüber dem Be­triebs­rat, nicht ge­genüber dem Ar­beit­ge­ber (BAG 5. April 2000 - 7 ABR 6/99 - zu B I 3 a der Gründe, AP Be­trVG 1972 § 78a Nr. 33 = EzA Be­trVG 1972 § 40 Nr. 91). Ih­re Auf­ga­be be­steht dar­in, die spe­zi­el­len In­ter­es­sen der Ju­gend­li­chen
und der zu ih­rer Aus­bil­dung beschäftig­ten Ar­beit­neh­mer ge­genüber dem Be­triebs­rat an­ge­mes­sen und sach­ge­recht zum Aus­druck zu brin­gen. Nach außen ver­tritt da­ge­gen al­lein der Be­triebs­rat die In­ter­es­sen sämt­li­cher Ar­beit­neh­mer ein­sch­ließlich der­je­ni­gen, die von der Ju­gend- und Aus­zu­bil­den­den­ver­tre­tung ver­tre­ten wer­den (BAG 13. März 1991 - 7 ABR 89/89 - zu B I 2 der Gründe, BA­GE 67, 320; Fit­ting 25. Aufl. § 60 Rn. 4 f.; GK-Be­trVG/Oet­ker 9. Aufl. vor § 60 Rn. 27 ff. mwN; Ri­char­di/An­nuß 13. Aufl. § 60 Rn. 13 ff.; et­was aA DKKW/Trit­tin 13. Aufl. § 60 Rn. 5 ff.).
(2) Die­ser Stel­lung der Ju­gend- und Aus­zu­bil­den­den­ver­tre­tung ent­spricht es, dass die­se auch in ei­nem Ver­fah­ren nach § 78a Abs. 4 Satz 1 Be­trVG nicht be­fugt ist, selbst ei­nen Rechts­an­walt zu be­auf­tra­gen. Aber auch der Be­triebs­rat darf in ei­nem sol­chen Fall ne­ben der Man­da­tie­rung ei­nes ihn ver­tre­ten­den Rechts­an­walts nicht die Be­auf­tra­gung ei­nes wei­te­ren, die In­ter­es­sen der Ju­gend- und Aus­zu­bil­den­den­ver­tre­tung ar­ti­ku­lie­ren­den Rechts­an­walts für er­for­der­lich hal­ten. Viel­mehr ist es Sa­che des Be­triebs­rats, im Rah­men des von ihm er­teil­ten Man­dats durch ent­spre­chen­de In­for­ma­tio­nen und Vor­ga­ben an den Rechts­an­walt dafür Sor­ge zu tra­gen, dass auch die vom Be­triebs­rat zu berück­sich­ti­gen­den Stand­punk­te und In­ter­es­sen der Ju­gend- und Aus­zu­bil­den­den­ver­tre­tung Be­ach­tung fin­den. Die Not­wen­dig­keit, ggf. auch un­ter­schied­li­che In­ter­es­sen ver­schie­de­ner Ar­beit­neh­mer­grup­pen zu berück­sich­ti­gen, stellt sich für den Be­triebs­rat häufig. Auch bei mögli­chen In­ter­es­sen­ge­gensätzen kann der Be­triebs­rat nicht meh­re­re Rechts­anwälte be­auf­tra­gen, son­dern muss sich durch­rin­gen, nach außen „mit ei­ner Stim­me“ zu spre­chen.
(3) Dem steht nicht ent­ge­gen, dass an ei­nem Be­schluss­ver­fah­ren über die Auflösung des Ar­beits­verhält­nis­ses nach der aus­drück­li­chen Re­ge­lung des § 78a Abs. 4 Satz 2 Be­trVG un­ter be­stimm­ten Umständen ne­ben dem Be­triebs­rat auch die Ju­gend- und Aus­zu­bil­den­den­ver­tre­tung zu be­tei­li­gen ist. Die Not­wen­dig­keit der Be­tei­li­gung der Ju­gend- und Aus­zu­bil­den­den­ver­tre­tung be­deu­tet nicht, dass die­se in ei­nem Ver­fah­ren nach § 78a Abs. 4 Satz 1 Be­trVG
durch ei­nen ei­ge­nen Rechts­an­walt ver­tre­ten sein müss­te. Die Be­tei­li­gung der in § 78a Abs. 4 Satz 2 Be­trVG ge­nann­ten Stel­len dient in ers­ter Li­nie da­zu, dass kol­lek­ti­ve In­ter­es­se der Gre­mi­en an der Kon­ti­nuität der Amtsführung in das Ver­fah­ren ein­zu­brin­gen (vgl. GK-Be­trVG/Oet­ker § 78a Rn. 184). Außer­dem er­leich­tert die Be­tei­li­gung die um­fas­sen­de Er­mitt­lung des Sach­ver­halts, den das Ge­richt nach § 83 Abs. 1 Satz 1 ArbGG von Amts we­gen er­forscht und an der die Be­tei­lig­ten nach § 83 Abs. 1 Satz 2 ArbGG mit­zu­wir­ken ha­ben. Die­ser Zweck er­for­dert es nicht, dass ne­ben dem vom Be­triebs­rat man­da­tier­ten Rechts­an­walt noch ein wei­te­rer Rechts­an­walt für die Ju­gend- und Aus­zu­bil­den­den­ver­tre­tung auf­tritt. Tatsächli­che Umstände, die aus ih­rer Sicht von Be­deu­tung sind, kann die Ju­gend- und Aus­zu­bil­den­den­ver­tre­tung auch selbst in der münd­li­chen Anhörung ar­ti­ku­lie­ren. Recht­li­che Ge­sichts­punk­te kann der vom Be­triebs­rat man­da­tier­te Rechts­an­walt in das Ver­fah­ren ein­brin­gen. Ob un­ter ganz be­son­de­ren Umständen et­was an­de­res gel­ten kann, be­darf vor­lie­gend kei­ner Ent­schei­dung.
b) Da­nach hat der Be­triebs­rat kei­nen An­spruch auf Frei­stel­lung von den im An­trag be­zeich­ne­ten Rechts­an­walts­kos­ten, die durch die Be­stel­lung zusätz­li­cher Ver­fah­ren­be­vollmäch­tig­ter für die Ju­gend- und Aus­zu­bil­den­den­ver­tre­tung in fünf Ver­fah­ren nach § 78a Abs. 4 Satz 1 Be­trVG ent­stan­den sind. Der Be­triebs­rat durf­te ne­ben dem von ihm be­auf­trag­ten Rechts­an­walt die Man­da­tie­rung ei­nes wei­te­ren Rechts­an­walts zur Ver­tre­tung der In­ter­es­sen der Ju­gend-und Aus­zu­bil­den­den­ver­tre­tung im Sin­ne von § 40 Abs. 1 Be­trVG nicht für er­for­der­lich hal­ten. Es ist we­der dar­ge­tan noch sonst er­sicht­lich, dass nur ein ge­son­dert be­auf­trag­ter Rechts­an­walt in der La­ge war, in die­se Ver­fah­ren zur Wah­rung der In­ter­es­sen der Ju­gend- und Aus­zu­bil­den­den­ver­tre­tung recht­li­che Ge­sichts­punk­te ein­zu­brin­gen, die gel­tend zu ma­chen der vom Be­triebs­rat man­da­tier­te Rechts­an­walt nicht be­reit oder in der La­ge war. Ei­ne be­son­de­re Si­tua­ti­on, in der der Be­triebs­rat mögli­cher­wei­se die Man­da­tie­rung ei­nes wei­te­ren Rechts­an­walts ganz aus­nahms­wei­se für er­for­der­lich hätte hal­ten dürfen, lag nicht vor. Der Um­stand, dass der Be­triebs­rat nicht nur die Kon­ti­nuität der
Ju­gend- und Aus­zu­bil­den­den­ver­tre­tung, son­dern auch die In­ter­es­sen der zur Be­leg­schaft gehören­den be­fris­tet Beschäftig­ten zu berück­sich­ti­gen hat­te, mach­te die Be­auf­tra­gung ei­nes wei­te­ren Rechts­an­walts nicht er­for­der­lich.
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