Source: http://www.law-blog.de/713/mixtapes-im-internet-legal-veroeffentlichen-geht-das-musikrecht-teil-1/
Timestamp: 2017-01-22 22:20:33
Document Index: 25833426

Matched Legal Cases: ['§ 19', '§ 85', '§ 23', '§ 23', '§ 19', '§ 23', '§ 85']

»Mixtapes« im Internet legal veröffentlichen - geht das?! (Musikrecht - Teil 1) | Law-Blog
Veröffentlicht am Juni 29, 2016 von Maximilian Greger	Elektronische Musik ist seit Jahren auf dem Vormarsch. DJs (Diskjockeys) füllen seit langem große Hallen. Dabei produzieren sie die einzelnen Tracks meistens nicht selbst. Ihre Kunst besteht vielmehr darin, die Stimmung der Menge mit ihren Mixes zum Kochen zu bringen. Unter Mix versteht man also zum einen, dass der DJ sich Gedanken macht, welche Songs er in welcher Reihenfolge abspielt. Vor allem aber spielt der DJ die Songs nicht einfach nacheinander ab, sondern lässt sie so geschickt ineinander übergehen, dass der Beat bzw. die Spannungskurve nicht abbricht.
Was für Bands meistens problemlos möglich ist, bereitet DJs allerdings großes Kopfzerbrechen: Wie gelingt es einem DJ, seine Mitschnitte dieser Mixes (»Mixtapes«), zur Promotion / Werbung ins Internet zu stellen?
Wer Mixtapes im Internet zum Anhören / Download bereitstellt (Music-On-Demand), erfüllt den Tatbestand des öffentlichen Zugänglichmachens (§ 19a UrhG). Das heißt, der DJ braucht für jeden einzelnen im Mixtape enthaltenen Track die Erlaubnis des Urhebers bzw. der Urheber (Beispiel: Eine Person hat den Song komponiert, eine andere Person hat den Text dazu geschrieben). Das ist dann unproblematisch, wenn alle Komponisten bei der GEMA sind, denn die GEMA bietet die Möglichkeit, gegen Zahlung einer Pauschale Mixtapes öffentlich zugänglich zu machen, ohne jeweils die einzelnen Urheber der Tracks zu benennen. Der Haken an der Sache: Viele Künstler sind nicht bei der GEMA bzw. haben die Online-Rechte nicht der GEMA zur Wahrnehmung eingeräumt. Die Folge: Der DJ braucht von jedem einzelnen der letztgenannten Urheber die Zustimmung – das ist schon kaum zu bewerkstelligen.
Nicht nur der / die Urheber haben Rechte an einem Track, sondern auch ggf. ein vom Urheber personenverschiedener Produzent (Tonträgerherstellerrecht, § 85 UrhG) und manchmal sogar noch ausübende Künstler (Sänger / Musiker). Diese Rechte bekommt man normalerweise bei der GVL. Die GVL hält aber leider gerade nicht die Rechte für Music-On-Demand vor. Das bedeutet, man müsste jeden einzelnen Produzenten und unter Umständen noch ausübende Künstler fragen.
Letztlich scheitert das legale Bereitstellen eines Mixtapes im Internet aber vor allem daran, dass es sich bei jedem darin enthaltenen Track um Bearbeitungen (§ 23 UrhG) handelt. Grund: Bei Mixtapes werden alle Einzelstücke nicht einfach nur von Anfang bis Ende unverändert wiedergegeben sondern mit anderen Tracks oder Beats oder Sounds gemixt / überlagert.
Für die Bearbeitung bräuchte der DJ für jedes einzelne Stück das Bearbeitungsrecht jedes einzelnen Urhebers (§ 23 UrhG), da die GEMA nicht über das Bearbeitungsrecht verfügt. Besteht das Mixtape aus 40 Songs, müssen mindestens 40 Urheber gefragt werden – es können natürlich auch mehr sein.
Faktisch gibt es keine Alternative dazu, jeden einzelnen Urheber und Produzenten (und ggf. sogar noch ausübenden Künstler) zu fragen – ein logistisch wohl nicht oder kaum zu bewerkstelligender Aufwand.
Dieser Eintrag wurde veröffentlicht in Medienrecht, Musikrecht, Onlinerecht und verschlagwortet mit § 19a UrhG, § 23 UrhG, § 85 UrhG, öffentliche Zugänglichmachung, Bearbeitungsrecht, DJ, GEMA, GVL, Mixcloud, Mixtape, Soundcloud, Tonträgerhersteller von Maximilian Greger. Permanenter Link zum Eintrag.	13 Gedanken zu „»Mixtapes« im Internet legal veröffentlichen – geht das?! (Musikrecht – Teil 1)“	hack with luckypatcher sagte am Juli 21, 2016 um 5:06 pm :
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