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Timestamp: 2020-08-10 15:12:35
Document Index: 131882880

Matched Legal Cases: ['Art. 80', 'Art. 80', 'Art. 80', 'Art. 21', 'Art. 9', 'BGE', 'Art. 25', 'BGE', 'BGE', 'Art. 261', 'Art. 180', 'Art. 14', 'Art. 28', 'Art. 10', 'Art. 5', 'Art. 2', 'BGE', 'Art. 261', 'BGE', 'BGE', 'Art. 261', 'Art. 261', 'Art. 261', 'Art. 261', 'Art. 171', 'Art. 261', 'Art. 261', 'Art. 63', 'Art. 63', 'Art. 73', 'Art. 5', 'Art. 8']

A. , vertreten durch Fürsprecher Walter Heuberger,
F. Nachdem anlässlich einer Einigungsverhandlung vom 19. August 2019 in den Räumlichkeiten der Staatsanwaltschaft III des Kantons Zürich A. durch seinen Rechtsvertreter zum Rechtshilfeersuchen Stellung nehmen liess und er einer vereinfachten Ausführung des Rechtshilfeersuchens nicht zustimm­te, verfügte die Staatsanwaltschaft III des Kantons Zürich am 9. September 2019 die Herausgabe folgender Dokumente: Kontoauszüge der Bank B. IBAN-Nr. 1 für die Zeitspanne von Dezember 2018 bis März 2019, lautend auf A., zwei Berichte der Kantonspolizei Zürich vom 25. April und 7. Mai 2019 betreffend Hausdurchsuchung und Datensicherung sowie ein weiterer Bericht über die Sichtung und Sicherstellungen vom 7. Juni 2019 inklusive diverse Ausdrucke von USB-Memory-Sticks und von einem Mobiltelefon (Verfahrensakten Urk. 15/8 und 16).
2.1 Die Schlussverfügung der ausführenden kantonalen Behörde in internationalen Rechtshilfeangelegenheiten unterliegt der Beschwerde an die Beschwerdekammer des Bundesstrafgerichts (Art. 80 e Abs. 1 IRSG). Die entsprechende Beschwerdefrist beträgt 30 Tage (Art. 80 k IRSG). Zur Beschwerde ist berechtigt, wer persönlich und direkt von einer Rechtshilfemassnahme betroffen ist und ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung oder Änderung hat (Art. 80 h lit. b IRSG). Personen, gegen die sich das ausländische Strafverfahren richtet, sind unter denselben Bedingungen beschwerdelegitimiert (Art. 21 Abs. 3 IRSG). Als persönlich und direkt betroffen im Sinne dieser Artikel gelten namentlich bei der Erhebung von Kontoinformationen der Kontoinhaber und bei Hausdurchsuchungen der Eigentümer oder der Mieter (Art. 9 a lit. a und lit. b IRSV; TPF 2007 79 E. 1.6 S. 82; 136 E. 3.1 und 3.3). Das Gleiche gilt nach der Rechtsprechung für Personen, gegen die unmittelbar Zwangsmassnahmen angeordnet wurden (BGE 128 II 221 E. 2.3-2.5; 123 II 153 E. 2b, je m.w.H.).
2.2 Die Schlussverfügung umfasst einerseits Kontoauszüge der Bank B., IBAN-Nr. 1, lautend auf den Beschwerdeführer, die anlässlich der Durchsuchung der Wohnung des Beschwerdeführers sichergestellt und alsdann beschlagnahmt worden sind. Zudem sollen verschiedene Berichte der Kantonspolizei Zürich an den ersuchenden Staat herausgegeben werden, wie der Bericht betreffend die Hausdurchsuchung vom 25. April 2019 (inklusive Beilagen), der Bericht betreffend die Datensicherung vom 7. Mai 2019 sowie der Bericht über die Sichtung und Sicherstellungen vom 7. Juni 2019 inklusive diverse Ausdrucke der anlässlich der Hausdurchsuchung sichergestellten USB-Sticks (Verfahrensakten Urk. 16). Die Beschwerdelegitimation des Beschwerdeführers hinsichtlich der beschlagnahmten Kontoauszüge ist ohne Weiteres zu bejahen. Gleiches gilt mit Bezug auf die Polizeiberichte (und deren Beilagen), die im Zusammenhang mit der Hausdurchsuchung, der sich der Beschwerdeführer unterziehen musste, erstellt worden sind (vgl. auch Entscheid des Bundesstrafgerichts RR.2013.228 vom 25. Februar 2014 E. 2.4.2). Die Schlussverfügung vom 9. September 2019 ist ferner dem Beschwerdeführer am 18. September 2019 zugestellt worden (Verfahrensakten Urk. 15/10), sodass sich die Beschwerde vom 18. Oktober 2019 (Poststempel) als fristgerecht erhoben erweist. Auf die Beschwerde ist daher einzutreten.
3. Die Beschwerdekammer ist nicht an die Begehren der Parteien gebunden (Art. 25 Abs. 6 IRSG). Sie prüft die bei ihr erhobenen Rügen grundsätzlich mit freier Kognition. Sie ist aber nicht verpflichtet, nach weiteren der Gewährung der Rechtshilfe allenfalls entgegenstehenden Gründen zu forschen, die aus der Beschwerde nicht hervorgehen (BGE 132 II 81 E. 1.4; 130 II 337 E. 1.4; Urteil des Bundesgerichts 1A.1/2009 vom 20. März 2009 E. 1.6; TPF 2011 97 E. 5). Ebenso wenig muss sich die urteilende Instanz mit allen Parteistandpunkten einlässlich auseinandersetzen. Sie kann sich auf die für ihren Entscheid wesentlichen Punkte beschränken, und es genügt, wenn die Behörde wenigstens kurz die Überlegungen nennt, von denen sie sich leiten liess und auf welche sich ihr Entscheid stützt (BGE 141 IV 249 E. 1.3.1; 139 IV 179 E. 2.2; Urteil des Bundesgerichts 1A.59/2004 vom 16. Juli 2004 E. 5.2, mit weiteren Hinweisen).
4.1 Der Beschwerdeführer rügt eine Verletzung des Prinzips der doppelten Strafbarkeit, da weder der Tatbestand der Rassendiskriminierung im Sinne von Art. 261 bis Abs. 4 StGB noch derjenige der Drohung gemäss Art. 180 StGB erfüllt seien. Insbesondere fehle es am Tatbestandsmerkmal der Öffentlichkeit bei der Rassendiskriminierung. Der Paketversand sei auf Bestellung des Adressaten C. erfolgt, der wie der Beschwerdeführer ein Sammler sei. Das Ganze habe sich daher im privaten Rahmen abgespielt (act. 1 S. 3 ff.; act. 13 S. 2 f.).
4.2 Gemäss Art. 14 EUeR müssen die Rechtshilfeersuchen insbesondere Angaben über den Gegenstand und den Grund des Ersuchens enthalten (Ziff. 1 lit. b). Ausserdem müssen sie in Fällen wie vorliegend die strafbare Handlung bezeichnen und eine kurze Darstellung des Sachverhalts enthalten (Ziff. 2). Art. 28 Abs. 2 und 3 IRSG und Art. 10 Abs. 2 IRSV stellen entsprechende Voraussetzungen an das Rechtshilfeersuchen. Diese Angaben müssen der ersuchten Behörde die Prüfung erlauben, ob die doppelte Strafbarkeit gegeben ist (Art. 5 Ziff. 1 lit. a EUeR), ob die Handlungen, wegen denen um Rechtshilfe ersucht wird, nicht ein politisches oder fiskalisches Delikt darstellen (Art. 2 lit. a EUeR) und ob der Grundsatz der Verhältnismässigkeit gewahrt wird (BGE 129 II 97 E. 3.1; TPF 2011 194 E. 2.1 S. 195 f.).
4.3 Gemäss Art. 261 bis StGB wird wegen Rassendiskriminierung unter anderem bestraft, wer öffentlich gegen eine Person oder eine Gruppe von Personen wegen ihrer Rasse, Ethnie oder Religion zu Hass oder Diskriminierung aufruft (Abs. 1), wer öffentlich Ideologien verbreitet, die auf die systematische Herabsetzung oder Verleumdung der Angehörigen einer Rasse, Ethnie oder Religion gerichtet sind (Abs. 2), wer mit dem gleichen Ziel Pro­pa­gan­da­aktionen organisiert, fördert oder daran teilnimmt (Abs. 3), wer öffentlich durch Wort, Schrift, Bild, Gebärden, Tätlichkeiten oder in anderer Weise eine Person oder eine Gruppe von Personen wegen ihrer Rasse, Ethnie oder Religion in einer gegen die Menschenwürde verstossender Weise herabsetzt oder diskriminiert (Abs. 4 erste Hälfte) oder aus einem dieser Gründe Völkermord oder andere Verbrechen gegen die Menschlichkeit leugnet, gröblich verharmlost oder zu rechtfertigen sucht (Abs. 4 zweite Hälfte).
Die Strafbarkeit der Tathandlung wird durch das Erfordernis der Öffentlichkeit eingeschränkt. Nach der Rechtsprechung des Bundesgerichts gelten Tathandlungen als öffentlich, wenn sie an einen grösseren, durch persönliche Beziehungen nicht zusammenhängenden Kreis von Personen gerichtet sind bzw. von diesem wahrgenommen werden könnten. Öffentlichkeit ist nicht abhängig von der konkreten Wahrnehmung durch Dritte, sondern von der Möglichkeit der Wahrnehmung durch einen unbestimmten Personenkreis (BGE 130 IV 111 E. 3.1; 111 IV 161 E. 2; 123 IV 202 E. 3d). Öffentlich sind damit Handlungen, die nicht im privaten Rahmen erfolgen, d.h. nicht im Familien- und Freundeskreis oder sonst durch persönliche Beziehungen oder besonderes Vertrauen geprägten Umfeld. Der Entscheid, ob eine Handlung noch im privaten Kreis erfolgt, ist auf Grund der konkreten Umstände zu treffen. Die Zahl der anwesenden Personen kann eine Rolle spielen. Je enger diese miteinander verbunden sind, umso umfangreicher kann der Kreis sein, ohne den privaten Charakter zu verlieren. Mit zunehmender Anzahl von Personen nimmt lediglich die Wahrscheinlichkeit zu, dass die Äusserungen weitergetragen werden bzw. dass ein Vertrauensverhältnis fehlt. Umgekehrt ist etwa ein Gespräch unter vier Augen auf Grund der dadurch geschaffenen Vertraulichkeit auch dann dem privaten Kreis zuzurechnen, wenn sich die involvierten Personen nicht näher kennen. Die Zahl der Adressaten einer Äusserung kann daher den Entscheid über die Privatheit bzw. Öffentlichkeit mitbeeinflussen, ohne aber für sich allein auschlaggebend zu sein. Massgeblich ist, ob der Täter eine Kontrolle über den Wirkungskreis seiner Handlungen hatte (BGE 130 IV 111 E. 5.2.2; Schleiminger Mettler, Basler Kommentar, 4. Aufl. 2019, N. 22 ff. zu Art. 261 bis StGB).
4.4 Die Staatsanwaltschaft Bayreuth führt gegen den Beschwerdeführer ein Strafverfahren wegen Verstosses gegen das Jugendmedienschutzgesetz sowie wegen Volksverhetzung. Dem ergänzenden Rechtshilfeersuchen vom 14. Februar 2019 liegt zusammengefasst folgender Sachverhalt zugrunde: Der Beschwerdeführer soll vor dem 12. Februar 2018 aus der Schweiz eine Paktsendung an C. nach Bayreuth übersandt haben. Diese Sendung soll am 12. Februar 2018 in Bayreuth eingegangen sein und habe diverse CDs mit rechtsextremem Inhalt enthalten. So auch die CD «Planet ZOG-The End», in welcher der Völkermord im Konzentrationslager Auschwitz verherrlicht und propagiert werde, diesen wieder aufleben zu lassen (Verfahrensakten Urk. 2). Dass es sich diesbezüglich um verbotenes Material im Sinne von Art. 261 bis Abs. 4 StGB handelt, ist offensichtlich. Gemäss den deutschen Behörden wusste und wollte der Beschwerdeführer, dass die Liedtexte der CD öffentlich bekannt werden. Zwar gibt es im Rechtshilfeersuchen keine Hinweise über den konkreten modus operandi des Beschwerdeführers, aber es ist gerade die Aufgabe der Untersuchung und des Ersuchens, dies abzuklären. Die Tatbestände des Art. 261 bis StGB stellen Tätigkeitsdelikte dar. Dementsprechend ist bei diesen Delikten gemäss herrschender Lehre und Rechtsprechung der vollendete Versuch ausgeschlossen und nur der unvollendete Versuch denkbar ( Niggli, Rassendiskriminierung, Ein Kommentar zu Art. 261 bis StGB und Art. 171 c MStG, 2. Aufl. 2007, S. 541). Im Sinne einer prima-face-Beurteilung genügt es für die Bejahung der doppelten Strafbarkeit, wenn mindestens ein unvollendeter Versuch der Rassendiskriminierung im Sinne von Art. 261 bis Abs. 4 StGB vorliegt.
Unabhängig davon, wie die Rollenverteilung zwischen dem Beschwerdeführer und C. war, ist der Beitrag des Beschwerdeführers eine conditio sine qua non für die öffentliche Verbreitung des Materials. Zumindest der unvollendete Versuch der Rassendiskriminierung im Sinne von Art. 261 bis StGB ist daher zu bejahen und damit auch die doppelte Strafbarkeit.
6. Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Gerichtskosten dem Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Die Gerichtsgebühr ist auf Fr. 5'000.-- festzusetzen (Art. 63 Abs. 5 VwVG i.V.m. Art. 73 StBOG sowie Art. 5 und Art. 8 Abs. 3 lit. a BStKR), unter Anrechnung des geleisteten Kostenvorschusses in derselben Höhe.
111-IV-159
123-IV-202
130-IV-111
1A.59/2004
RR.2013.228
RR.2019.279
14, 2, 5,
1, 12, 21, 25, 28, 74, 80e, 80h, 80k,
10, 9a,
180, 261bis,