Source: https://datenbank.nwb.de/Dokument/Anzeigen/126904/?shigh=werbungskosten%20arbeitnehmer&listPos=1&listId=1360047
Timestamp: 2020-07-03 14:48:50
Document Index: 351180173

Matched Legal Cases: ['§ 9', '§ 9', '§ 19', '§ 3', '§ 9', '§ 9', '§ 9', '§ 9', '§ 11', '§ 6', '§ 12']

Werbungskosten Arbeitnehmer - NWB Datenbank
Dokument Werbungskosten Arbeitnehmer
Änderungen des Einkommensteuergesetzes, die im Jahr 2020 in Kraft getreten sind
Mit dem Gesetz zur weiteren steuerlichen Förderung der Elektromobilität und Änderung weiterer steuerlicher Vorschriften ist ab dem Veranlagungszeitraum 2020 neben der Einführung eines Pauschbetrags für Berufskraftfahrer (8 € pro Kalendertag) auch die Anhebung der Pauschalen für Verpflegungsmehraufwendungen von 24 € auf 28 € bzw. von 12 € auf 14 € umgesetzt worden.
Mit dem Gesetz zur Umsetzung des Klimaschutzprogramms 2030 wird zur Entlastung der Pendler ab dem 1.1.2021 befristet bis zum 31.12.2026 für die Fahrten zwischen Wohnung und erster Tätigkeitsstätte die Entfernungspauschale ab dem 21. Kilometer um 5 Cent auf 35 Cent (und ab dem 1.1.2024 um weitere 3 Cent auf dann 38 Cent) angehoben. Das gilt auch für Fahrten von Selbständigen zu ihrer Betriebsstätte und für Familienheimfahrten im Rahmen der doppelten Haushaltsführung. Für Personen, die mit ihrem zu versteuernden Einkommen innerhalb des Grundfreibetrags liegen, führt ein höherer Werbungskostenabzug infolge der erhöhten Entfernungspauschalen zu keiner entsprechenden steuerlichen Entlastung. Für diesen Personenkreis ist die Möglichkeit geschaffen werden, alternativ zu der erhöhten Entfernungspauschale von 35 Cent (38 Cent) ab dem 21. Entfernungskilometer eine Mobilitätsprämie in Höhe von 14 % dieser erhöhten Pauschale zu beantragen.
I. Definition der Werbungskosten bei nichtselbständiger Arbeit
Aufwendungen, die der Erwerbung, Sicherung und Erhaltung der Einnahmen aus nichtselbständiger Arbeit dienen, sind als Werbungskosten abzugsfähig (§ 9 Abs. 1 Satz 1 EStG). Dies sind alle durch den gegenwärtigen oder zukünftigen Beruf veranlassten Aufwendungen, soweit sie der Arbeitnehmer selbst getragen hat und sie nicht von dritter Seite steuerfrei erstattet worden sind.
Schönfeld/Plenker, Werbungskosten, Lexikon
Stier, Welche Abzugsmöglichkeiten bestehen für ein häusliches Arbeitszimmer im Rahmen der Werbungskosten?, Steuerfach-Scout Lohn und Gehalt
Schwarzkopf, Liegen Werbungskosten vor, wenn ein Arbeitnehmer eine Umwegfahrt zum Betanken vornimmt und dabei Unfallkosten entstehen?, Steuerfach-Scout Einkommensteuer
Geserich, Feste feiern mit dem Finanzamt? - Zum Werbungskostenabzug bei beruflich und/oder privat veranlassten Feiern, NWB 33/2016 S. 2500
KKB/Weiss, § 9 EStG, 5. Aufl. 2020, NWB
KKB/Merx, § 19 EStG, 5. Aufl. 2020, NWB
Maier/Gunsenheimer/Schneider/Kremer, Lehrbuch Einkommensteuer, 25. Aufl. 2019 Tz. 1860 ff., NWB
Aufwendungen sind als Werbungskosten abzugsfähig, wenn ein objektiver (wirtschaftlicher) Zusammenhang mit dem Beruf besteht und sie subjektiv der Förderung des Berufs dienen.
1. Eigene Aufwendungen
Der Steuerpflichtige muss wirtschaftlich belastet sein. Aufwendungen Dritter sind nicht abzugsfähig.
2. Zusammenhang mit den Einnahmen
Die Aufwendungen müssen durch die Erzielung steuerpflichtiger Einnahmen veranlasst sein. Somit können auch überhöhte, unübliche, unzweckmäßige oder erfolglose Aufwendungen Werbungskosten sein.
Sind Aufwendungen durch mehrere Einkunftsarten veranlasst, z.B. durch eine selbständige und eine nichtselbständiger Tätigkeit, so sind die Aufwendungen im Schätzungswege anteilig als Betriebsausgaben und als Werbungskosten zu berücksichtigen. Eine Aufteilung nach den Einnahmen ist grundsätzlich unzulässig.
Stehen Aufwendungen im Zusammenhang mit steuerfreien Einkünften, ist ein Werbungskostenabzug ausgeschlossen (§ 3c Abs. 1 EStG). Unterliegen die steuerfreien Einkünfte dem Progressionsvorbehalt, sind die Aufwendungen im Rahmen dieser Berechnung zu erfassen.
Es muss ein objektiver wirtschaftlicher Zusammenhang mit der auf Einnahmeerzielung gerichteten Tätigkeit des Arbeitnehmers bestehen.
Bei in Altersteilzeit befindlichen Arbeitnehmern sind die Werbungskosten nicht zu kürzen, weil ein unmittelbarer Veranlassungszusammenhang fehlt.
Ein zeitlicher Zusammenhang ist nicht erforderlich; maßgebend ist allein der wirtschaftliche Zusammenhang. So sind auch vorweggenommene oder nachträgliche Werbungskosten abzugsfähig.
Vorweggenommene Werbungskosten sind insbesondere Bewerbungskosten und ggf. Fortbildungskosten.
Nachträgliche Werbungskosten sind insbesondere nach Aufgabe der Berufstätigkeit gezahlte, aber schon vorher entstandene Aufwendungen sowie Schadensersatzleistungen.
3. Nachweis der Aufwendungen
Werbungskosten sind nachzuweisen oder glaubhaft zu machen. Soweit keine höheren Aufwendungen nachgewiesen werden, wird für jeden Ehegatten gesondert der Arbeitnehmer-Pauschbetrag i.H. von 1.000 € bei der Einkunftsermittlung abgezogen (§ 9a Satz 1 Nr. 1 EStG).
Weitere pauschalierte Beträge sind für Aufwendungen anlässlich von Fahrten zwischen Wohnung und Arbeitsstätte sowie für notwendige Verpflegungsmehraufwendungen zugelassen (§ 9 Abs. 1 Satz 3 Nr. 4 EStG, § 9 Abs. 4a EStG).
4. Sofortabzug oder Verteilung
Werbungskosten nach § 9 Abs. 1 Satz 1 EStG sind im Zeitpunkt des Abflusses zu berücksichtigen (§ 11 Abs. 2 EStG). Die Erstattung von Werbungskosten führt zu entsprechenden Einnahmen im Zeitpunkt des Zuflusses.
Anschaffungs- und Herstellungskosten für Wirtschaftsgüter, die der Berufsausübung dienen, sind hingegen nur im Wege der AfA (ggf. GWG gemäß § 6 Abs. 2 EStG) zu berücksichtigen.
Ansparleistungen können erst dann als Werbungskosten abgezogen werden, wenn sie auch tatsächlich für den entsprechenden Zweck verausgabt werden (R 9.1 Abs. 4 LStR).
5. Zurechnung
Werbungskosten kann derjenige geltend machen, dem auch die Einnahmen aus nichtselbständiger Tätigkeit zuzurechnen sind.
6. Veräußerung von beruflich genutzten Wirtschaftsgütern
Erlöse aus der Veräußerung von Wirtschaftsgütern, wie z.B. Arbeitsmitteln, deren Anschaffungskosten zunächst als Werbungskosten berücksichtigt wurden, gehören nicht zu den Einnahmen aus nichtselbständiger Arbeit.
7. Einkunftserzielungsabsicht
Werbungskosten sind nur zu berücksichtigen, wenn eine Einkunftserzielungsabsicht vorliegt. Liegt diese nicht vor, sind die Aufwendungen den nicht abzugsfähigen Kosten der privaten Lebensführung zuzurechnen.
8. Berufliche und private Veranlassung
Sind Werbungskosten sowohl beruflich als auch privat veranlasst und ist eine leichte und einwandfreie Trennung nicht möglich, wie z.B. bei Telefonkosten (R 9.1 Abs. 5 LStR), sind die Aufwendungen gemäß § 12 Nr. 1 Satz 2 EStG insgesamt den nicht abzugsfähigen Kosten der privaten Lebensführung zuzurechnen.
Nach der Entscheidung des Großen Senats des BFH vom 21.09.2009 sind sowohl beruflich als auch privat veranlasste Reisekosten nach Maßgabe der jeweiligen Zeitanteile aufteilbar, sofern der berufliche Anteil von nicht untergeordneter Bedeutung ist.
Auch unangemessen hohe Aufwendungen können in Ausnahmefällen vom Werbungskostenabzug ausgeschlossen sein (R 9.1 Abs. 1 LStR).