Source: https://www.rechtslupe.de/zivilrecht/unfallregulierung-und-die-sachverstaendigenkosten-398741
Timestamp: 2020-07-12 06:28:50
Document Index: 178811363

Matched Legal Cases: ['§ 249', '§ 249', '§ 249', '§ 254', '§ 249', '§ 249', '§ 287', '§ 249', '§ 249', '§ 249', '§ 254', '§ 254', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH']

Unfallregulierung - und die Sachverständigenkosten | Rechtslupe
Unfallregulierung - und die Sachverständigenkosten
Der Geschä­dig­te eines Ver­kehrs­un­falls kann vom Schä­di­ger und des­sen Haft­pflicht­ver­si­che­rung in der Regel die vom Sach­ver­stän­di­gen in Rech­nung gestell­ten Kos­ten ersetzt ver­lan­gen, es sei denn, dass die­se deut­lich über den markt­üb­li­chen Prei­sen lie­gen und die­se Abwei­chung für den Geschä­dig­ten ohne Wei­te­res erkenn­bar war; eine Markt­for­schung muss er nicht betrei­ben.
Er genügt sei­ner ihn im Rah­men des § 249 BGB tref­fen­den Dar­le­gungs­last nicht schon allein durch die Vor­la­ge der Rech­nung des in Anspruch genom­me­nen Sach­ver­stän­di­gen; für die Begrün­dung der Indi­zwir­kung ist viel­mehr auch die Beglei­chung der Rech­nung durch den Geschä­dig­ten erfor­der­lich. Soll­te die­se Indi­zwir­kung nicht gege­ben sein, ist Beweis zu erhe­ben.
Aus Rechts­grün­den nicht in Ansatz gebracht wer­den kön­nen die Kos­ten für das Ein­stel­len des Fahr­zeugs in die Rest­wert­bör­se und Fahrt­kos­ten­er­satz, soweit der Sach­ver­stän­di­ge von mehr als 25 km Ent­fer­nung anreist.
Grund­sätz­lich sind auch die Kos­ten der Scha­dens­fest­stel­lung Teil des nach § 249 Abs. 2 Satz 1 BGB zu erset­zen­den Scha­dens, mit­hin auch die Kos­ten von Sach­ver­stän­di­gen­gut­ach­ten, soweit die­se zu einer zweck­ent­spre­chen­den Rechts­ver­fol­gung not­wen­dig sind [1]. Der Geschä­dig­te ist nach scha­dens­recht­li­chen Grund­sät­zen in der Wahl der Mit­tel zur Scha­dens­be­he­bung frei, er kann jedoch nach § 249 Abs. 2 BGB vom Schä­di­ger als erfor­der­li­chen Her­stel­lungs­auf­wand nur die Kos­ten erstat­tet ver­lan­gen, die vom Stand­punkt eines ver­stän­di­gen, wirt­schaft­lich den­ken­den Men­schen in der Lage des Geschä­dig­ten zur Behe­bung des Scha­dens zweck­mä­ßig und ange­mes­sen erschei­nen. Dabei ist der Geschä­dig­te aber nach dem Begriff des Scha­dens und dem Zweck des Scha­dens­er­sat­zes wie auch dem Rechts­ge­dan­ken des § 254 Abs. 2 Satz 1 BGB gehal­ten, im Rah­men des ihm Zumut­ba­ren den wirt­schaft­li­che­ren Weg der Scha­dens­be­he­bung zu wäh­len. Jedoch darf hier­bei nicht das Grund­an­lie­gen des § 249 Abs. 2 Satz 1 BGB aus den Augen ver­lo­ren wer­den, dass näm­lich dem Geschä­dig­ten bei vol­ler Haf­tung des Schä­di­gers ein mög­lichst voll­stän­di­ger Scha­dens­aus­gleich zukom­men soll [2].
um Zweck der Erstel­lung eines Scha­dens­gut­ach­tens, wel­ches regel­mä­ßig von der Haft­pflicht­ver­si­che­rung des Schä­di­gers vor­aus­ge­setzt wird, darf sich der Geschä­dig­te daher damit begnü­gen, den ihm in sei­ner Lage ohne wei­te­res erreich­ba­ren KfZ-Sach­ver­stän­di­gen zu beauf­tra­gen. Er muss – wie auch das Amts­ge­richt völ­lig rich­tig aus­führt – nicht zuvor eine Markt­for­schung nach dem hono­rar­güns­tigs­ten Sach­ver­stän­di­gen betrei­ben [3]. Der Bun­des­ge­richts­hof hat in Abkehr sei­ner Recht­spre­chung vom Urteil vom 11.02.2014 [4] im Urteil vom 22.07.2014 [5] dar­auf hin­ge­wie­sen, dass der Geschä­dig­te sei­ner ihn im Rah­men des § 249 BGB tref­fen­den Dar­le­gungs­last nicht schon allein durch die Vor­la­ge der Rech­nung des in Anspruch genom­me­nen Sach­ver­stän­di­gen [6], son­dern aus­schließ­lich durch Vor­la­ge der von ihm begli­che­nen Rech­nung des mit der Begut­ach­tung sei­nes Fahr­zeugs beauf­trag­ten Sach­ver­stän­di­gen genügt. Damit bil­det (ex post gese­hen) aus­schließ­lich der in Über­ein­stim­mung mit der Rech­nung und der ihr zugrun­de lie­gen­den getrof­fe­nen Preis­ver­ein­ba­rung vom Geschä­dig­ten tat­säch­lich erbrach­te Auf­wand bei der Scha­dens­schät­zung nach § 287 ZPO ein Indiz für die Bestim­mung des zur Her­stel­lung "erfor­der­li­chen" (ex ante zu bemes­sen­den) Betra­ges im Sin­ne von § 249 Abs. 2 Satz 1 BGB [7].
Die­ser Beweis­last ist der Sach­ver­stän­di­ge im hier ent­schie­de­nen Fall nicht unein­ge­schränkt nach­ge­kom­men. Die Rech­nung war zwar an den Geschä­dig­ten gerich­tet; jedoch nicht er, son­dern die Haft­pflicht­ver­si­che­rung des Unfall­ver­ur­sa­chers hat unstrei­tig die Rech­nung des Sach­ver­stän­di­gen (teil­wei­se) bezahlt. Nach­dem gera­de die Beglei­chung der Rech­nung jedoch ein wesent­li­ches Indi­z­mo­ment dar­stellt, da der Geschä­dig­te damit bestä­tigt, dass die ent­spre­chen­de Preis­ver­ein­ba­rung getrof­fen wur­de und die für ihn nicht vor­her­seh­ba­ren Kos­ten nicht ein­fach auf den Schä­di­ger abge­wälzt wer­den sol­len, ist die Indi­zwir­kung der Ange­mes­sen­heit der Kos­ten damit vor­lie­gend ent­fal­len.
Dem Geschä­dig­ten steht damit ein Anspruch auf Ersatz der Kos­ten für das Scha­dens­gut­ach­ten, bestehend aus dem Grund­ho­no­rar und den tat­säch­lich ent­stan­de­nen Neben­kos­ten, zu, wenn und soweit die­se nicht deut­lich über­höht sind und dies für den Geschä­dig­ten erkenn­bar ist. Zumin­dest letz­te­res war vor­lie­gend nicht der Fall.
Ob die Gut­ach­ter­kos­ten deut­lich über­höht sind, bestimmt sich nach Auf­fas­sung des Land­ge­richts nicht durch einen Ver­gleich mit von Sach­ver­stän­di­gen­ver­bän­den ermit­tel­ten Tabel­len wie etwa der­je­ni­gen der BVSK-Hono­rar­be­fra­gung. Das Land­ge­richt teilt inso­weit die Ein­schät­zung des Land­ge­richts Saar­brü­cken [8], wel­che auch vom Bun­des­ge­richts­hof bestä­tigt wur­de [9]. Dass ins­be­son­de­re die BVSK-Neben­kos­ten­ta­bel­le nicht zur Fest­stel­lung der im Rah­men des § 249 BGB erfor­der­li­chen Neben­kos­ten geeig­net ist, wird auch dadurch bestä­tigt, dass hier­in nicht allein auf die tat­säch­lich ent­stan­de­nen Auf­wen­dun­gen abge­stellt wird, son­dern in den Neben­kos­ten in der Regel Gewinn­an­tei­le ent­hal­ten sind, die "bei ande­rer Betrach­tung dem Grund­ho­no­rar zuzu­rech­nen wären, das dann ent­spre­chend höher anzu­set­zen wäre" [10].
Allein der Umstand, dass die vom Scha­dens­gut­ach­ter abge­rech­ne­ten Kos­ten die "übli­chen Kos­ten" über­schrei­ten, führt auch weder dazu, dass die gel­tend gemach­ten Kos­ten von vor­ne­her­ein aus dem Rah­men des nach § 249 Abs. 2 Satz 1 BGB für die Scha­dens­be­he­bung erfor­der­li­chen Geld­be­tra­ges fal­len, noch recht­fer­tigt sich dar­aus die Annah­me eines Ver­sto­ßes des Geschä­dig­ten gegen sei­ne Pflicht zur Scha­dens­min­de­rung nach § 254 Abs. 2 Satz 1 Fall 2 BGB [11].
Die Kos­ten für das Ein­stel­len in die Rest­wert­bör­se (hier: in Höhe von 17, 50 €) kön­nen nach Auf­fas­sung des Land­ge­richts Stutt­gart nicht ver­langt wer­den. Es ist nicht nach­voll­zieh­bar, dass Auf­wen­dun­gen, die im Zusam­men­hang mit der Scha­dens­kal­ku­la­ti­on über die EDV getä­tigt wer­den müs­sen, zusätz­lich zu bezah­len sind und nicht im Grund­ho­no­rar ent­hal­ten sind, nach­dem die­se Tätig­keit den wesent­li­chen Teil der Arbeit des Sach­ver­stän­di­gen bei der Erstel­lung des Gut­ach­tens dar­stellt. Dar­über hin­aus gehört die Nut­zung des EDV-Pro­gramms nebst Lizen­zen zu den übli­chen Vor­hal­te­kos­ten eines Sach­ver­stän­di­gen­bü­ros, so dass dem Scha­dens­gut­ach­ter inso­weit bereits kei­ne geson­der­ten Neben­kos­ten ent­stan­den sein dürf­ten.
Das Land­ge­richt Stutt­gart teilt auch die Auf­fas­sung, dass die Fahrt­kos­ten des Scha­dens­gut­ach­ters ledig­lich für einen Bereich bis 25 km, für Hin- und Rück­fahrt mit­hin 50 km zu erstat­ten sind. Im Groß­raum Stutt­gart ist davon aus­zu­ge­hen, dass im nahen Umkreis von 25 km ein Sach­ver­stän­di­ger gefun­den wer­den kann, der in der Lage ist, den Scha­den ange­mes­sen zu beur­tei­len. Anlass, einen Sach­ver­stän­di­gen mit einem wei­te­ren Anrei­se­weg zu beauf­trag­ten, besteht nicht; ande­ren­falls muss sich der Geschä­dig­te, wie vor­lie­gend, ein Mit­ver­schul­den anrech­nen las­sen, § 254 Abs. 2 BGB.
Land­ge­richt Stutt­gart, Urteil vom 29. Juli 2015 – 13 S 58/​14
BGH, Urteil vom 23.12.2007 – VI ZR 67/​06, 1450; Urteil vom 11.02.2014 – VI ZR 225/​13; Urteil vom 22.07.2014 – VI ZR 357/​13[↩]
BGH, Urteil vom 11.02.2014 – VI ZR 225/​13[↩]
BGH a.a.O.; sowie Urteil vom 22.07.2014 – VI ZR 357/​13[↩]
BGH, Urteil vom 11.02.2014 – VI 225/​13[↩]
BGH, Urteil vom 22.07.2014 – VI ZR 357/​13[↩]
so noch BGH, Urteil vom 11.02.2014 – VI ZR 225/​13[↩]
anders noch LG Stutt­gart, Urteil vom 16.07.2014 – 13 S 54/​14[↩]
Urteil vom 29.07.2013 – 13 S 41/​13[↩]
Urteil vom 22.07.2014 – VI ZR 357/​13[↩]
BVSK-Hono­rar­be­fra­gung 2013 Nr. 8[↩]
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