Source: https://solidarityagainstrepression.noblogs.org/about/
Timestamp: 2020-03-28 11:53:57
Document Index: 254207399

Matched Legal Cases: ['§ 114', '§114', '§114', '§114', '§114', '§114', '§ 114']

ABOUT | Solidarität mit den Angeklagten im "Schlepperei"-Prozess!
Erst Ende März 2014 wurden alle acht Personen aus der Untersuchungshaft entlassen. Richterin und Staatsanwältin begründeten diese Entscheidung damit, dass eine Verlängerung angesichts der Tatsache, dass die Verhandlung länger dauern wird, als erwartet, „unverhältnismäßig“ wäre. Ein weiterer heuchlerischer Versuch eine noch größere Blamage für die Behörden zu umgehen. Selbstverständlich ist es erfreulich, dass nun alle Angeklagten aus der Haft entlassen sind und in relativer Freiheit auf den Fortgang und das Ende des Prozesses warten, aber klar bleibt: jede Sekunde im Gefängnis war eine zuviel!
Seit den Enthaftungen hat sich die Medienrezeption erneut gewandelt. Punkte, die von Anwält_innen und solidarischen Gruppen seit Monaten angeprangert und von der Öffentlichkeit ignoriert wurden, scheinen plötzlich für alle klar zu sein: Dieser Prozess reiht sich ein in die Geschichte politischer Repression der Polizei in Kooperation mit der übermotivierten Staatsanwaltschaft Wiener Neustadt. Die Beweislage entspricht keineswegs den kolportierten Anschuldigungen seitens der Innenministerin Mikl-Leitner von letztem Sommer. Dass die Öffentlichkeit der österreichischen Justiz erst kritisch gegenüber steht, wenn die Gerichte ihre eigene Gerichtsbarkeit in Zweifel ziehen, spricht für sich.
Der Paragraph ist nicht so formuliert, dass er unmenschliches Verhalten juristisch verfolgen will. Sondern er kriminalisiert Unterstützung beim irregulären Grenzübertritt an sich. Die Bedingungen unter denen diese stattfindet, spielen im Paragraphen nur eine sekundäre Rolle. In erster Linie sollen also durch § 114 die Grenzen weiter dicht gemacht, und die Solidaität zwischen Menschen gebrochen werden.
Deshalb: Weg mit “dem Schleppereiparagraphen” §114 FPG!!
Wir, die Unterstützer*innengruppe solidarityagainstrepression, versuchen, den Prozess solidarisch zu begleiten und äußern uns kritisch zum §114 FPG, dem sogenannten “Schleppereiparagraphen”, auf dem die Anklage beruht. Wir haben die Gefangenen regelmäßig in der Untersuchungshaft zu besucht, sind mit den Enthafteten in Kontakt und begleiten den Prozess solidarisch.
Außerdem organisieren wir solidarische Aktionen, wie Kundgebungen und Demonstrationen, sowie Infoveranstaltungen, in denen wir Infos über das aktuelle Verfahren geben. Wir organisieren auch solidarische Prozessbeobachtung. Nicht zuletzt betreiben wir diesen Blog, sammeln Medienberichte und haben Hintergrundinformationen in einer vorläufigen Broschüre zusammengestellt.
Wir sind in Kontakt mit den Angeklagten und leiten ihre Statements weiter, aber wir sprechen nicht im Namen der Angeklagten. Soweit Aussagen nicht explizit als Statements der Angeklagten gekennzeichnet sind, repräsentieren sie die Auffassung der Unterstützer_innengruppe. Neben der praktischen Unterstützung der Angeklagten möchten wir diesen Prozess als Anlass nutzen, um über den Hintergrund der Inhalte, die dort verhandelt werden, zu sprechen. Wir fordern alle auf, sich kritisch mit dem Thema sogenannter “undokumentierter Migration” auseinanderzusetzen.
Das aktuelle Verfahren ist ein Beispiel von vielen, das die Mechanismen der Repression und Kriminalisierung von “irregulärer” Migration zeigt. Deswegen beobachten wir den Prozess kritisch und mit Fokus auf die Arbeit der Behörden. Wir veröffentlichen keine Details der Aussagen der Angeklagten und es geht uns nicht um eine juristische Wertung im Sinne von “Schuld” oder “Unschuld”.
Wir sehen den “Schleppereiparagrafen” als Teil der Kriminalisierung von bestimmten Migrationsbewegungen und bestimmten Personen(gruppen) und fordern die Abschaffung des §114 FPG.
Gleichzeitig wollen wir analysieren, wie und warum dieser Paragraph bestimmte Migrationsbewegungen bzw. bestimmte Personen(gruppen) kriminalisiert und darauf aufmerksam machen, dass es für viele Personen nicht möglich ist, Gesetze wie den §114 FPG als System der europäischen Abschottungspolitik zu entlarven ohne selbst kriminalisiert zu werden.
Wir nutzen unseren sicheren Aufenthaltsstatus und unsere Kommunikationskanäle dafür, Gesetze wie den §114 FPG als Teil der europäischen Abschottungspolitik zu entlarven und die Angeklagten in diesem Fall zu unterstützen. Wir sprechen damit jedoch nicht im Namen derer, die in der abwertenden Sprache der Behörden als “Schlepper”, “Schleppungswillige” oder “Geschleppte” bezeichnet werden.
Unsere Position macht es uns leichter, diese Analysen und Forderungen nach Außen zu tragen. Wir wollen aber keine Repräsentationspolitik betreiben und verweisen auf die zahlreichen Kämpfe, Aktionen und Kampagnen in denen sich Geflüchtete, non-citizens, sans-papiers, people of colour,… organisieren um gegen Rassismus und die Einschränkung von Bewegungsfreiheit zu kämpfen. Ihnen gilt unsere Solidarität!
Die Gruppe überschneidet sich NICHT mit Kampagnen die zum Thema “Fluchthilfe” arbeiten oder dem “Refugee Protest Movement Vienna”.
Bei Anfragen, Interesse an Vernetzung oder ähnlichem mailt uns bitte:
solidarityagainstrepression[at]riseup.net
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On March 17th 2014 the trial against eight persons accused of “Schlepperei/human smuggling in the frame of a criminal association” started at Landesgericht Wiener Neustadt. Furthermore there are people accused of similar “crimes” in different trials. Shortly after the start, the trial was recessed, because within the trial it became more and more clear, how flimsy and absurd the accusations are and that the cause is based on a file, that cannot be taken seriously, even not by the judge herself. In fact, this trial is a miserable try of the police and justice to criminalize and to silence full-throated protests and political activism.
In the end of July 2013, several activists of the Refugee-Protests were deported after months of political fights. The Protest Movement, which had its beginning in November 2012 with a march – for freedom of movement and better conditions for Refugees – from Traiskirchen to Vienna, got more visible again, after falling to the public background
for several months. The reactions to the deportations were demonstrations, blockades in front of the Polizeianhaltezentrum Rossauer Lände and at the airport Vienna-Schwechat. The media was reporting again about the protesters´ situation. A few days later, the atmosphere started to tilt: several persons were arrested due to the accusation of “Schlepperei/human smuggling in the frame of a criminal association”, some of them were active in the Refugee-Movement. Shortly after this, the minister of interior, Mikl-Leitner, called the accused as “Schlepper-Mafia bosses, hard as bone” within an interview with the newspaper “Kurier”. One article in the “Falter” invalidated the accusations shortly afterwards. A request to Staatsanwaltschaft Wien showed even at that time, that there are no references about the so-called million-gains or the narrated cruelties, the files do not contain any information about something like this. Nevertheless, the media used the given “info” from ministry of interior and police and
also the Caritas was stating in a racist way, that the accused were “black sheep”. The protests´ reputations were destroyed and police and the justice system tried to maintain the stabile image of the constitutional state and to secure their white hegemony. The eight accused were put to imprisonment on remand for 6-8 months. This imprisonment was held active with the racist argumentation of “a lack of integration”. Next to the eight, some individuals were also arrested for the same accusation, but they will have their own trials. Criminalization in relation to this law is taking place every day in all parts of Austria and the EU. Based on the racist and structural diverse social conditions, usually persons with a precarious residence permit status are affected by this. Until the end of march 2014 all of the eight persons were released from prison. The judge and the state prosecutor justified this decision with the disproportion of the trial. Another hypocritical try to avoid disgrace for the authorities. Of course, it is cool that nobody of them is in prison anymore and can await the ongoing trial in “relative” freedom, but one thing is clear: every second in prison was one second too much!
The media reports changed again after they came out of prison. Facts, that were being pushed by the lawyers and solidarity groups since months, seem to be clear for everybody now: This trial is an example amongst lots of others, for political repression by the police in collaboration with the highly motivated Staatsanwaltschaft Wiener Neustadt. The evidence has nothing to do with the minister of interior´s denunciations from the last summer.
We mustn´t forget to look at the methods, with which the police is working here. The so-called “Schlepperei/human smuggling”- law has to be seen as a part of the European border regime and can be used because of its vague formulation to criminalize every form of support for irregular border crossings. A system, in which lots of persons cannot move “legally”, is producing these constructs like “Schlepperei”, “marriage for documents”, “illegal stay or travelling”. Irregular border crossings are not possible without support – under this circumstances, “Schlepperei” is a necessary service. As long as there are persons, who are forced to or want to cross borders, they will need support for this actions, because the borders are closed for them. And as long as this lasts, there will also be a market for these commercial forms of support. The law is not made to punish “inhuman” behaviour, but it criminalizes the support to cross borders itself. The circumstances, in which the border crossings take place, are secondary for this law. The main point of § 114 is to continue to close