Source: http://agsp.de/html/d44.html
Timestamp: 2019-01-18 11:20:45
Document Index: 267003301

Matched Legal Cases: ['§ 56', '§ 33', '§ 79', '§ 36', '§ 34', '§ 35', '§ 39']

Entwurf vom 22. 10. 2002
SenSchulJugSport -V D 11
Tel. 9026-5572 intern (926) 5572
Vorbemerkung: Den hier zur Diskussion gestellten Entwurf der neuen Berliner Pflegekinder-Vorschriften verdanken wir einer Indiskretion. Es wird höchste Zeit, daß er den Pflegeeltern und der am Pfegekinderwesen interessierten Fachwelt bekannt wird, denn er ist eine gefährliche Attacke auf das vielgerühmte Berliner Modell der heilpädagogischen Pflegefamilie.
K.E. (Dez. 2002)
Auf Grund von § 56 des Gesetzes zur Ausführung des Kinder- und Jugendhilfe-gesetzes (AG KJHG) in der Fassung vom 27. April 2001 (GVBl. S. 134) wird nach Anhörung des Landesjugendhilfeausschusses bestimmt:
(1) Diese Ausführungsvorschriften regeln die Vermittlung, Unterbringung und Erziehung von Kindern und Jugendlichen sowie die materiellen Leistungen für den Unterhalt und die Erziehung des Kindes oder Jugendlichen bei Hilfen zur Erziehung in Vollzeitpflege auf Grund von § 33 SGB VIII.
(2) Vollzeitpflege umfasst die Unterbringung, Erziehung und Betreuung eines Kindes oder Jugendlichen in einem familiären Lebenszusammenhang außerhalb der Herkunftsfamilie.
2. Grundsätze zu Hilfen in Vollzeitpflege
(1) Nach § 79 SGB VIII haben die Träger der öffentlichen Jugendhilfe die Gesamtverantwortung für die Verfügbarkeit dieser Hilfe einschließlich Planungsverantwortung und Gewährleistungsverpflichtung. Der öffentliche Träger kann Träger der freien Jugendhilfe an der Durchführung der Hilfe zur Erziehung in Vollzeitpflege beteiligen. Zur Wahrnehmung von Aufgaben durch einen Träger der freien Jugendhilfe wird ein Vertrag geschlossen.
(2) Für diese Form der Hilfe zur Erziehung kommen Kinder und Jugendliche in Betracht, deren Verbleib in der Herkunftsfamilie vorübergehend oder auf Dauer nicht angezeigt ist und für deren Entwicklung das Leben in einem familiären Lebenszusammenhang notwendig und förderlich ist. Dieses Leistungsangebot richtet sich insbesondere an jüngere Kinder. Besondere Merkmale sind verlässliche Bezugspersonen in einem überschaubaren und kontinuierlichen Familienverband. Die enge personale elternähnliche Beziehung zwischen Kind und Erziehungsperson und die daraus resultierende Bindungsdynamik unterscheidet die Vollzeitpflege von anderen Formen der Fremdunterbringung.
(3) Das Ziel dieser Hilfe zur Erziehung wird im Einzelfall durch die Hilfeplanung (§ 36 SGB VIII) festgelegt. Danach kann es sich um eine vorübergehende oder auf Dauer angelegte Hilfeleistung handeln. Die Rückkehrmöglichkeit zu den Herkunftseltern ist vorrangig zu prüfen. Die konstruktive Zusammenarbeit zwischen Herkunftsfamilie und Pflegefamilie ist anzustreben und stellt hohe Anforderungen an die Kooperationsfähigkeit und -bereitschaft von Erziehungsperson und Herkunftseltern. Die Förderung des Kontaktes zu den Herkunftseltern ist Bestandteil der Hilfe unabhängig davon, ob die Hilfe in Vollzeitpflege auf eine Rückkehr des Kindes oder einen Verbleib in der Pflegefamilie zielt. Die Herkunftseltern sind, soweit es das Kindeswohl zuläßt, in den Entwicklungsprozess einzubinden.
(4) In einer Vollzeitpflegefamilie leben in der Regel nicht mehr als drei Pflegekinder. Die Hilfeplanung hat ggf. den Zusammenhalt von Geschwisterkindern zu berücksichtigen. Mischformen mit Erziehungsstellen nach § 34 SGB VIII sind nicht möglich.
(5) Zur Regelleistung können erweiterte Anforderungen an die Erziehungsleistung auch kurzfristig hinzutreten. Diese sind durch einen - ggf. zeitlich begrenzten - erweiterten Förderbedarf des Kindes auf Basis der Diagnostik im Rahmen der Hilfeplanung begründet (auch i.V.m. § 35a SGB VIII oder § 39 BSHG).
3. Vollzeitpflege
(1) Vollzeitpflege ist bestimmt für Kinder und Jugendliche, bei denen die Erziehung in ihrer Herkunftsfamilie nicht ausreichend gewährleistet ist und andere Hilfen zur Erziehung nicht geeignet sind. Ziel ist die soziale Integration des in seiner Entwicklung beeinträchtigten Pflegekindes