Source: https://www.lecturio.de/magazin/aussetzung-%c2%a7-221-stgb/
Timestamp: 2016-10-21 18:24:25
Document Index: 138822675

Matched Legal Cases: ['§ 221', '§ 221', '§ 221', '§ 221', '§ 13', 'BGH', 'BGH', '§ 1', 'BGH', 'BGH', '§ 221', '§ 221', '§ 221', '§ 221', '§ 221', 'Art. 2']

Aussetzung gem. § 221 StGB
die besten video-kurse Entdecken Sie, was Sie lernen können. Mit Videokursen für Beruf, Studium und Freizeit. Jetzt gratis testen! Lecturio Jura Magazin MEINE KURSE JETZT GRATIS TESTEN CURRICULUM
Home > Lecturio Jura Magazin > Lass‘ mich nicht im Stich! – Aussetzung gem. § 221 StGB Lass‘ mich nicht im Stich! – Aussetzung gem. § 221 StGB
Loading... 0 Kommentare https://www.lecturio.de/magazin/aussetzung-%c2%a7-221-stgb/
Einer der Straftaten gegen das Leben aus dem Strafgesetzbuch ist die Aussetzung. Der dazugehörige Paragraph im 16. Abschnitt beschreibt die Folgen bei Nichtbeachtung der Obhutspflichten einer für einen anderen verantwortlichen Person. Bild: Baby von Hernán Piñera. Lizenz: CC BY 2.0
Die Strafe des „Im-Stich-Lassens“ ist in § 221 StGB geregelt. Die hierdurch herbeigeführte Aussetzung stellt stets ein unechtes Unterlassungsdelikt [Wielant, S.166, 168] und ein konkretes Gefährdungsdelikt (Subsidiarität) dar. Diese Regelung ist prüfungsrelevant, da viele realitätsbezogene Fälle durch die Abschnitte im o.g. Paragraphen geklärt werden.
Wann ist aber eine Lage hilflos (Abs. 1 Nrn. 1 und 2)?
Wenn die dem Garanten anvertraute Person sich ahnungslos stellt in Kenntnis der vorliegenden Situation, so ist der eigene Verstand laut der umstrittenen Literatur ausgeschaltet und das „Opfer“ in einer hilflosen Lage.
Beispiele für eine Garantenstellung nach § 13 StGB:
Eltern als Garant für ihre Kinder
Garantenstellung von Ehegatten
Geschäftsführer/Vorstand einer Gesellschaft
Ein Beispiel stellt der Fall des „Kleinkindes im Auto bei Hitze“ dar, welcher jeden Sommer in den Medien für Empörung und Überlegung sorgt. Das Rechtsgut, in diesem Fall das Leben des Kleinkindes, sollte geschützt werden. Wenn jedoch durch aktives Versetzen in eine hilflose Lage (nach h.M. kein Ortswechsel notwendig) das Kind sich nicht selbst wehren kann bzw. zugelassen wird, wie durch dieses „Wegschauen“ die untergeordnete Person sich der Gefahr des Todes aussetzt, bestraft das Gesetz den Täter mit einer Freiheitsstrafe von drei Monaten bis zu fünf Jahren (Abs. 1). Bei einer Tat gegen sein eigenes Kind beträgt die Freiheitsstrafe sogar bis zu zehn Jahren (Abs. 2).
Minder schwerer Fall- Definition
Entscheidend für das Vorliegen eines minder schweren Falls ist nach der Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs, ob das gesamte Tatbild einschließlich aller subjektiven Momente und der Täterpersönlichkeit vom Durchschnitt der erfahrungsgemäß vorkommenden Fälle in einem so erheblichen Maße abweicht, dass die Anwendung des Ausnahmestrafrahmens geboten erscheint. Dem Tatrichter obliegt es, im Rahmen einer Gesamtwürdigung alle maßgeblichen Umstände nach pflichtgemäßem Ermessen gegeneinander abzuwägen (BGHSt 26, 97, 98; BGHR StGB vor § 1/minder schwerer Fall, Prüfungspflicht 1; BGH, Urt. v. 12.1.2000 – 3 StR 363/99 – NStZ 2000, 254; BGH, Beschl. v. 13.2.2001 – 4 StR 23/01).
Ist die Tat somit durch einen minder schweren Fall begründet, so sieht das Gesetz eine Freiheitsstrafe von sechs Monaten bis zu sechs Jahren vor – je nach Sachlage. (§ 221 Abs. 4 StGB).
Schwere Gesundheitsschädigung- Definition
Eine Gesundheitsschädigung kann man dann als schwer bezeichnen, wenn eine langwierige ernsthafte Erkrankung vorliegt, welche die Arbeitskraft herabsetzt. Eine körperliche Misshandlung ist hierfür nicht notwendig.
M E R K E!
Der Versuch von § 221 Abs. 1 StGB ist nicht strafbar, da dies ein Vergehen darstellt. Der Versuch von § 221 Abs. 2 und 3 hingegen schon, da diesmal ein Verbrechen vorliegt.
Folglich entspricht es der gesetzgeberischen Wertung, eine Aussetzung durch Verlassen nur dann als strafbar zu behandeln, wenn das Opfer sich bereits in hilfloser Lage befand und wenn den Täter gegenüber dem Opfer eine besondere Obhutspflicht trifft.
Nützliche Literatur zu dem Thema:
Ebel, NStZ 2002, 404 Die „hilflose Lage“ im Straftatbestand der Aussetzung.
Küper, Jura 1994, 513 Aussetzung, Gefährdung.
Eisele, JA 2009, 698 Nötigung durch Gewalt im Straßenverkehr.
Lackner/Kühl, StGB Kommentar § 221.
Joecks, Studienkommentar StGB § 221.
Loading... Über die Redaktion Unsere Artikel sind das Ergebnis harter Arbeit unseres Redaktionsteams und unserer Fachautoren. Strenge Redaktionsvorgaben und ein effektives Qualitätsmanagement-System helfen dabei, die hohe Relevanz und Validität aller Inhalte zu sichern. Erfahren sie mehr über das Redaktionsteam, unsere Autoren und unsere Arbeitsprozesse. Artikelempfehlungen Ich wollte ihn nicht umbringen! – Der Tatbestandsvorsatz Zur Erfüllung eines gesetzlichen Tatbestandes ist stets Vorsatz vonseiten des Täters erforderlich, wenn keine Fahrlässigkeitsstrafbarkeit gegeben ist. Ob jedoch im konkrete... November 14, 2015 Lecturio mehr… Art. 2 II S. 1 GG: Recht auf Leben und körperliche Unversehrtheit Wenn man sich Artikel 2 II GG anschaut, wird man seinen Inhalt zuerst als eine Selbstverständlichkeit betrachten. Hingegen war das, was so sicher klingt, eine Neuschöpfung i... Oktober 30, 2015 Lecturio mehr… Schreibe einen Kommentar Antworten abbrechen	Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *Name * E-Mail-Adresse * Website Kommentar Kostenlose eBooks Lecturio