Source: https://www.reiserechtslupe.de/reiserecht/reisemaengel/das-hochbett-ohne-absturzsicherung-als-reisemangel-5667
Timestamp: 2019-06-16 18:51:18
Document Index: 199555811

Matched Legal Cases: ['§ 1631', '§ 832', '§ 1631', '§ 832', 'BGH', 'BGH', '§ 651', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 651', '§ 254', 'BGH', '§ 651', '§ 823', 'BGH', '§ 254', '§ 1631', '§ 1631', 'BGH', 'BGH', '§ 832', 'BGH', '§ 1631', 'BGH', '§ 651']

Das Hochbett ohne Absturzsicherung – als Reisemangel | Reiserechtslupe
Trotz der unterschiedlichen Schutzrichtungen der Aufsichtspflicht nach § 1631 Abs. 1 BGB einerseits und derjenigen nach § 832 BGB andererseits können in erster Näherung die zu der letztgenannten Bestimmung entwickelten Kriterien bei der Bestimmung des Inhaltes der Aufsichtspflicht im Sinne von § 1631 Abs. 1 BGB herangezogen werden13. Maßgeblich sind danach die Umstände des Einzelfalls, insbesondere Alter, Eigenart und Charakter der Aufsichtsbedürftigen, das örtliche Umfeld, das Ausmaß der drohenden Gefahren, die Voraussehbarkeit des schädigenden Ereignisses sowie die Zumutbarkeit der Aufsichtsmaßnahme für den Aufsichtspflichtigen14. Normal entwickelte Kinder im Alter von 5 1/2 Jahren können danach bereits eine gewisse Zeit ohne unmittelbare Einwirkungsmöglichkeit und Aufsicht gelassen werden. Zu ihrer Entwicklung gehört die Möglichkeit zum Aufenthalt und Spielen im Freien, ohne dass sie auf “Schritt und Tritt” zu beaufsichtigen sind15. Für den Aufenthalt in einer häuslichen Umgebung gilt dies erst recht. Soweit die Rechtsprechung eine Überwachung im Abstand von mindestens 30 Minuten für erforderlich gehalten hat, betrifft dies allerdings das Spiel im Freien, etwa auf einem Spielplatz, Sportgelände oder in einer verkehrsarmen Straße auf dem Bürgersteig16 oder dem Außengelände einer Tagesstätte bei gefährlichen Tätigkeiten wie Gartenarbeiten unter Zuhilfenahme von Gartengeräten17. Auf das kindliche Spiel in einer häuslichen Umgebung ist diese – zudem zu § 832 BGB ergangene – Rechtsprechung nicht schematisch übertragbar, denn eine Gefährdung unbeteiligter Dritter ist hierbei im Allgemeinen weniger zu besorgen18.
Nach diesen Maßstäben kann hier eine ins Gewicht fallende Aufsichtspflichtverletzung nicht festgestellt werden. Nach der glaubhaften Darstellung des Zeugen T., die die Tochter sich konkludent auch insoweit zu Eigen gemacht hat19, haben die erwachsenen Teilnehmer der Reisegruppe die von den ungesicherten Hochbetten ausgehenden Gefahren erkannt und ihr bei der Zimmereinteilung dadurch Rechnung getragen, dass sie das Zimmer mit den ungesicherten Hochbetten der Familie mit den ältesten Kindern zugewiesen haben. Eine weitergehende Maßnahme war jedenfalls zu dieser Zeit – unmittelbar bei der Ankunft – nicht möglich oder jedenfalls nicht zumutbar, weil das betreffende Zimmer wegen der Größe der Reisegruppe nicht ungenutzt bleiben konnte. Die von den ungesicherten Hochbetten ausgehende Gefahr war daher für die Reisegruppe nicht vollständig abwendbar.
Der Sachverhalt unterscheidet sich damit maßgeblich von demjenigen, der der Entscheidung des OLG Karlsruhe vom 18.04.200720 zugrunde lag. In jenem Fall war das Kind (erst) in der zweiten Nacht im Schlaf aus dem Bett abgestürzt. Zudem war das Hochbett mit einer “gewissen Absturzsicherung” versehen, die erwarten ließ, dass jedenfalls bei älteren Kindern und/oder bei Kindern mit ruhigem Schlaf eine Gefährdung durch Herausfallen nicht bestand. So liegt es hier nach dem Gesagten nicht.
Abgrenzung zu OLG Karlsruhe, Urteil vom 18.04.2007-7 U 73/06, NJW-RR 2007, 1356 [↩]
vgl. BGH, Urteile vom 01.03.1988 – VI ZR 190/87 10; vom 09.09.2008 – VI ZR 279/06 16 [↩]
vgl. BGH, Urteil vom 01.03.1988 – VI ZR 190/87 10 [↩]
vgl. zur Maßgeblichkeit der Sicherheitsstandards und Verkehrssicherungspflichten im Zielland der Reise OLG Bamberg, Urteil vom 15.01.2013 – 5 U 36/12 29; OLG Düsseldorf, Urteil vom 16.12 2014 – I-21 U 69/14 97; Staudinger/Ansgar Staudinger, BGB, § 651f [2016] Rn. 91 [↩]
BGH, Urteil vom 23.10.2012 – X ZR 157/11 25 [↩]
BGH, Urteil vom 09.06.2009 – Xa ZR 99/06 25 [↩]
BGH, Urteil vom 25.02.1988 – VII ZR 348/86 26 [↩]
BGH, Urteil vom 25.02.1988 – VII ZR 348/86 27 [↩]
BGH, Urteil vom 23.09.1982 – VII ZR 22/82 29; OLG Hamm, Urteil vom 23.06.2009 – I-9 U 192/08 26; Staudinger/Ansgar Staudinger, BGB, § 651f [2016] Rn. 46; Staudinger/Gottfried Schiemann, BGB, § 254 [2005] Rn. 102 [↩]
BGH, Urteil vom 19.04.1991 – V ZR 349/89 25; Staudinger/Ansgar Staudinger, BGB, § 651f [2016] Rn. 87; Staudinger/Johannes Hager, BGB, § 823 E [2009] Rn. E 72 [↩]
vgl. BGH, Urteil vom 01.03.1988 – VI ZR 190/87 12 [↩]
Staudinger/Gottfried Schiemann, BGB, § 254 [2005] Rn. 102 [↩]
OLG Köln, Urteil vom 13.08.2015 – I-8 U 67/14 23; MünchKomm.BGB/Huber, 6. Aufl., § 1631 Rn. 8; zurückhaltend Staudinger/Ludwig Salgo, BGB, § 1631 [2015] Rn. 35 [↩]
BGH, Urteil vom 13.12 2012 – III ZR 226/12 13 [↩]
BGH, Urteil vom 24.03.2009 – VI ZR 51/08 14; Staudinger/Detlev W. Belling, BGB, § 832 [2012] Rn. 79 [↩]
BGH, Urteil vom 24.03.2009 – VI ZR 51/08 14 [↩]
vgl. Staudinger/Ludwig Salgo, BGB, § 1631 [2015] Rn. 35 [↩]
vgl. BGH, Beschluss vom 24.03.2015 – VI ZR 179/13 17 [↩]
OLG Karlsruhe, Urteil vom 18.04.2007 – 7 U 73/06, NJW-RR 2007, 1356 mit abl. Anm. Tonner, RRa 2007, 164; ablehnend auch Staudinger/Ansgar Staudinger, BGB, § 651f [2016] Rn. 91 [↩]