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Timestamp: 2016-10-27 20:48:23
Document Index: 108695769

Matched Legal Cases: ['Art. 122', 'BGE', 'BGE', 'Art. 122', 'Art. 125', 'BGE', 'Art. 122', 'Art. 125']

97 IV 8
97 IV 83. Auszug aus dem Urteil des Kassationshofes vom 21. Januar 1971 i.S. Schmidheiny gegen Generalprokurator des Kantons Bern und Ayer.
Art. 122 ch. 1, 123 ch. 2, 125 al. 2 CP. Notion de l'atteinte grave � l'int�grit� corporelle. Faits � partir de page 8
BGE 97 IV 8 S. 8
A.- Am 4. August 1969 um 17.45 Uhr lenkte P. Ayer den Anh�ngerzug seines Arbeitgebers von der Schlossstrasse her kommend durch die Schwarztorstrasse in Bern. Er beabsichtigte, nach rechts in die Zieglerstrasse einzubiegen, und brachte sein Fahrzeug beim Stopsignal vor dieser Seitenstrasse zum Stillstand. Als der Verkehr in der Zieglerstrasse es ihm gestattete, fuhr er an, bemerkte jedoch einen Augenblick darauf, dass das rechte Vorderrad des Zugwagens �ber ein Hindernis fuhr. Er hielt sofort an. Die Motorfahrradfahrerin Monika Schmidheiny lag unter dem Lastwagen. Sie war derart verletzt, dass sie mehrere Monate im Spital verbringen musste.
B.- Der fahrl�ssigen K�rperverletzung angeklagt, ist Ayer vom Gerichtspr�sidenten VIII von Bern und, auf Appellation des Opfers hin, am 12. November 1970 vom Obergericht freigesprochen worden.
C.- Gegen das obergerichtliche Urteil f�hrt Monika Schmidheiny Nichtigkeitsbeschwerde. Sie beantragt R�ckweisung der Sache zur Bestrafung Ayers wegen K�rperverletzung.
BGE 97 IV 8 S. 9
1. Die Beschwerdef�hrerin h�lt die von ihr erlittenen K�rperverletzungen f�r schwer. Weder das erstinstanzliche noch das angefochtene Urteil beschreiben diese. Nach einem Bericht des Tiefenauspitals vom 2. Dezember 1969 bestehen sie in einer suprakondyl�ren Tr�mmerfraktur des linken Oberschenkelknochens, die nicht lebensgef�hrlicher Natur war, aber einen Spitalaufenthalt von mehreren Monaten erforderte (die Spitalentlassung war f�r Ende 1969 vorgesehen); eine vollst�ndige Heilung erschien wahrscheinlich, wenn auch eine zweite Operation im Laufe des Jahres 1970 nicht ausgeschlossen wurde; vor Ende 1970 k�nne nicht mit Sicherheit gesagt werden, ob ein dauernder Nachteil zur�ckbleiben werde. An der erstinstanzlichen Verhandlung vom 7. Juli 1970 erkl�rte Monika Schmidheiny, sie m�sse an St�cken gehen und die Metallschienen in ihrem Bein m�ssten noch entfernt werden. In ihrer Beschwerde erkl�rt sie, das gebrochene Bein werde 2 bis 3 cm k�rzer bleiben.
Da sie ein Verschulden des Angeklagten verneinen, haben die Vorinstanzen keine Ausf�hrungen �ber die K�rperverletzung gemacht. Deren Feststellung ist eine Frage tats�chlicher Natur. An sich w�re deshalb die Sache zur Vervollst�ndigung des Entscheids in diesem Punkte an die Vorinstanz zur�ckzuweisen. Das liefe indessen im vorliegenden Fall auf einen �berspitzten Formalismus hinaus. Die oben wiedergegebenen Angaben sind nicht bestritten, und es ist kein Grund ersichtlich, dass die Vorinstanz davon abweichen k�nnte.
Eine Tr�mmerfraktur, die zu f�nfmonatiger Bettl�grigkeit f�hrt, zwei Operationen nach sich zieht, nach elf Monaten nicht ausgeheilt ist und wahrscheinlich eine bleibende Invalidit�t (Hinken) zur�ckl�sst, ist von erheblich mehr als mittlerer Schwere. Tats�chlich entspricht sie einigen der in Art. 122 StGB beispielsweise aufgez�hlten Verletzungen. Sie muss deshalb als schwer im Sinne von Art. 125 Abs. 2 StGB bezeichnet werden (BGE 93 IV 12).
93 IV 12
Art. 122 StGB,
Art. 125 Abs. 2 StGB