Source: https://www.rechtslupe.de/strafrecht/der-streit-richterablehnung-3132034?pk_campaign=feed&pk_kwd=der-streit-richterablehnung
Timestamp: 2020-03-29 21:33:40
Document Index: 349409944

Matched Legal Cases: ['Art. 101', 'Art. 101', '§ 90', 'BGH', 'BGH', '§ 26']

Der Streit um die Rich­terab­leh­nung – und der Grund­satz des gesetz­li­chen Rich­ter | Rechtslupe
Der Streit um die Richterablehnung - und der Grundsatz des gesetzlichen Richter
Der Streit um die Rich­terab­leh­nung – und der Grund­satz des gesetz­li­chen Rich­ter
Eine "Ent­zie­hung" des gesetz­li­chen Rich­ters im Sin­ne des Art. 101 Abs. 1 Satz 2 GG durch die Recht­spre­chung, der die Anwen­dung der Zustän­dig­keits­re­geln und die Hand­ha­bung des Ableh­nungs­rechts im Ein­zel­fall obliegt, kann nicht in jeder feh­ler­haf­ten Rechts­an­wen­dung gese­hen wer­den.
Andern­falls müss­te jede feh­ler­haf­te Hand­ha­bung des ein­fa­chen Rechts zugleich als Ver­fas­sungs­ver­stoß ange­se­hen wer­den 1.
Die Gren­zen zum Ver­fas­sungs­ver­stoß sind aber jeden­falls dann über­schrit­ten, wenn die Aus­le­gung einer Zustän­dig­keits­norm oder ihre Hand­ha­bung im Ein­zel­fall will­kür­lich oder offen­sicht­lich unhalt­bar ist oder wenn die rich­ter­li­che Ent­schei­dung Bedeu­tung und Trag­wei­te der Ver­fas­sungs­ga­ran­tie des Art. 101 Abs. 1 Satz 2 GG grund­le­gend ver­kennt 1.
Im Übri­gen ist die Annah­me der Ver­fas­sungs­be­schwer­de jeden­falls nicht zur Durch­set­zung der in § 90 Abs. 1 BVerfGG genann­ten Rech­te ange­zeigt, wenn die gel­tend gemach­te Grund­rechts­ver­let­zung – selbst wenn sie vor­lä­ge – jeden­falls kein beson­de­res Gewicht hät­te, weil der Ableh­nungs­an­trag erkenn­bar ledig­lich eine völ­lig unge­eig­ne­te Begrün­dung ent­hielt. Ein Ableh­nungs­an­trag, der zwar – rein for­mal betrach­tet – eine Begrün­dung für die angeb­li­che Befan­gen­heit ent­hält, der aber – ohne nähe­re Prü­fung und los­ge­löst von den kon­kre­ten Umstän­den des Ein­zel­falls – zur Begrün­dung der Besorg­nis einer Befan­gen­heit völ­lig unge­eig­net ist, kann recht­lich dem völ­li­gen Feh­len einer Begrün­dung gleich­ge­ach­tet wer­den, ohne dass dies ver­fas­sungs­recht­li­cher Bean­stan­dung unter­lä­ge 2.
vgl. BVerfGE 82, 286, 299[↩][↩]
vgl. BVerfG, Beschluss vom 24.02.2006 – 2 BvR 836/​04 48 m.w.N.; vgl. auch BGH, Beschluss vom 24.10.1996 – 5 StR 474/​96 4 f.; BGH, Beschluss vom 22.11.2000 – 1 StR 442/​00, juris; Scheu­ten, in: Karls­ru­her Kom­men­tar zur StPO, 7. Aufl.2013, § 26a Rn. 6 f. m.w.N.[↩]