Source: http://rrop.schaumburg.de/page/page_ID/78
Timestamp: 2020-01-20 11:36:31
Document Index: 61824489

Matched Legal Cases: ['§ 1', '§ 200', '§ 26', '§ 26', '§ 28', '§ 28', '§ 28', '§ 28', '§ 24', '§ 11', '§ 28', '§ 26']

Regionales Raumordnungsprogramm (RROP) Landkreis Schaumburg Naturschutz und Landschaftspflege
E 2.1.01
Natur und Landschaft im Landkreis Schaumburg sind geprägt durch die historische Landschaftsentwicklung, insbesondere durch die Intensivierung der Landwirtschaft, den Kohlebergbau und den im 19. Jahrhundert einsetzenden Industrialisierungsprozess. Letzterer führte zu besonders einschneidenden Veränderungen des Landschaftsbildes, beispielsweise durch den Bau und Ausbau der Verkehrswege, die Veränderung der Siedlungsstruktur und den Boden- und Gesteinsabbau im Wesertal bzw. im Wesergebirge. In weiten Teilen des Landkreises dominiert heute das Bild einer landwirtschaftlich genutzten, relativ dicht besiedelten Landschaft. Nur noch vereinzelt finden sich Fragmente einer traditionellen, extensiv genutzten und kleinräumig strukturierten Kulturlandschaft (z.B. im Lipper Bergland oder in den Rehburger Bergen). Weitaus häufiger sind nur noch einzelne Elemente der historischen Kulturlandschaft anzutreffen, so z.B. die Hagenhufendörfer, landschaftsprägende Zeugnisse des Bergbaus, historische Parkanlagen und eine Vielzahl historischer baulicher Anlagen.
Naturschutz und Landschaftspflege gehen deshalb auch nicht von der unberührten Natur aus, sondern orientieren sich maßgeblich an dem gewachsenen Charakter der Landschaft und an dem Wechselspiel von natürlichen Strukturen, Kulturlandschaftselementen und Siedlungen. Neben dem Schutz von Arten, Lebensgemeinschaften und Lebensräumen ist daher der Sicherung und Entwicklung des Landschaftsbildes sowohl in seiner natürlichen bzw. naturnahen Ausprägung als auch in seinen historisch gewachsenen Formen eine besondere Bedeutung beizumessen. Hiermit wird dem Aspekt Rechnung getragen, dass die Erhaltung und behutsame Weiterentwicklung der naturraumtypischen Landschaftsbilder sowie die Erhaltung der historischen Kulturlandschaften und -landschaftsteile nicht nur die wesentliche Voraussetzung für die naturnahe Erholung des Menschen, sondern auch für die Stärkung regionaler Identität bilden.
Im Landkreis besonders schützenswerte bzw. entwicklungsfähige Gebiete und Landschaftsbestandteile sind in der Zeichnerischen Darstellung als Vorrang- und Vorsorgegebiete für Natur und Landschaft ausgewiesen. Diese sollen dem Aufbau und der Weiterentwicklung eines flächenübergreifenden Schutzgebietssystems in der Region dienen, das naturraumtypische Biotoptypen und –komplexe sichert und ausreichend bemessene Arealansprüche für Tier- und Pflanzenarten gewährleistet. Verbundstrukturen wie Hecken, Waldränder, Säume und Gewässer sind dabei in besonderer Weise zu erhalten, zu ergänzen und in ein Netzwerk einzugliedern (siehe auch E 2.1.02). Gefährdete Tier- und Pflanzenarten bzw. deren Populationen sind durch geeignete Artenhilfsmaßnahmen zu schützen und in ihrem Bestand zu fördern.
Bereiche, Einzelobjekte und Strukturen mit Bedeutung für Arten und Lebensgemeinschaften erfordern besondere Schutz-, Pflege- und Entwicklungsmaßnahmen über die nutzungsbezogenen Ziele hinaus. Aus diesem Grund wird im Landkreis Schaumburg bereits seit längerem der Gedanke des Angebotsnaturschutzes erfolgreich praktiziert. Hierbei wird die naturschutzrechtliche Sicherung im Rahmen von Schutzgebieten, geschützten Landschaftsbestandteilen und besonders geschützten Biotopen durch Förderprogramme in den unterschiedlichsten Bereichen ergänzt. Flächeneigentümer, in der Regel Landwirte, werden für Maßnahmen zur Pflege und Entwicklung von Flächen oder Einzelobjekten bzw. für betriebliche Umstrukturierungen finanziell entschädigt. Es bestehen im Landkreis Schaumburg zur Zeit folgende Förderprogramme:
Ackerwildkrautprogramm:
Förderprogramm zur Wiederansiedlung und Ausbreitung seltener und gefährdeter Ackerwildkräuter durch Verzicht des Einsatzes von chemischen Pflanzenbehandlungsmitteln und Düngemitteln auf einem 5 bis 10 m breiten Randstreifen
Gewässerrandstreifenprogramm:
Förderprogramm zum Schutz der Fließgewässer 2. und 3. Ordnung vor Schadstoffeintrag durch Verzicht der landwirtschaftlichen Nutzung auf einem 5 bis 10 m breiten Randstreifen
Obstbaumprogramm:
Förderprogramm zur Anlage von Streuobstwiesen durch die kostenlose Abgabe von Pflanzgut alter Obstsorten
Programm zur Förderung von Umstellungsbetrieben auf den ökologischen Landbau: Förderung durch direkte Beihilfe zum Ausgleich von Verlusten innerhalb der ersten sieben Umstellungsjahre.
Diese Programme haben gegenüber der naturschutzrechtlichen Sicherung den Vorteil, dass die Akzeptanz für Maßnahmen des Naturschutzes und der Landschaftspflege und die Bereitschaft des Einzelnen zu Umsetzungen in sehr viel höherem Maße erreicht werden kann. Beides, naturschutzrechtliche Sicherung und Angebotsnaturschutz, sollen sich ergänzen und auch zukünftig nebeneinander bestehen bleiben.
E 2.1.02
In der Vergangenheit sind naturbetonte Gebiete verkleinert oder vernichtet worden und zunehmend in Insellage geraten. Naturschutzbemühungen auf isolierten Schutzgebietsflächen reichen nicht mehr aus, um z.B. das Artensterben zu stoppen oder auch nur zu verlangsamen. Naturschutz und Landschaftspflege können sich nicht allein auf die Entwicklung der für diesen Zweck ausgewiesenen Flächen begrenzen, sondern müssen, um nachhaltig wirksam sein zu können, auch auf anderen, zumeist landwirtschaftlich oder forstwirtschaftlichen genutzten Flächen Berücksichtigung finden.
Vor diesem Hintergrund hat die Ministerkonferenz für Raumordnung 1992 die Entschließung „Aufbau eines ökologischen Verbundsystems in der räumlichen Planung“ gefasst. Darin strebt sie an, „ausgehend von größeren Gebieten, die der weitgehend ungestörten Erhaltung und Entwicklung von Fauna und Flora dienen sollen und raumordnerisch wie auch naturschutzrechtlich zu sichern sind, ein funktional zusammenhängendes Netz ökologisch bedeutsamer Freiräume aufzubauen“.
Die in der Zeichnerischen Darstellung festgelegten Vorrang- und Vorsorgegebiete für Natur und Landschaft und die Gebiete zur Verbesserung der Landschaftsstruktur und des Naturhaushaltes umfassen die wesentlichen Komponenten des regionalen Biotopverbundsystems für den Landkreis Schaumburg:
Die überwiegend nach ihrer hohen und sehr hohen Bedeutung für den Arten- und Biotopschutz festgelegten Vorranggebiete für Natur und Landschaft bilden die Kernflächen des Biotopverbundes. Diese sollen dem langfristigen Erhalt aller naturraumtypischen Tier- und Pflanzenarten in stabilen Populationen dienen.
Zwischen diesen Kernflächen des Biotopverbundes sind verteilt über den gesamten Landkreis naturnahe Strukturen und Landschaftselemente in flächiger, linienhafter und punktueller Ausdehnung zu erhalten und zu entwickeln. Diese erfüllen sowohl eigenständige Lebensraumfunktionen für Populationen von Tier- und Pflanzenarten als auch Funktionen für wandernde Tierarten und den Individuenaustausch zwischen verschiedenen Einzelpopulationen. Solche sog. „Trittstein- und Korridorfunktionen“ können die in der Zeichnerischen Darstellung festgelegten Vorsorgegebiete für Natur und Landschaft (siehe E 2.1.10 und E 2.1.11) und Gebiete zur Verbesserung der Landschaftsstruktur und des Naturhaushaltes (siehe E 2.1.05) übernehmen.
Verbindende Funktionen kommen neben Strukturen wie Hecken, Säumen, Waldrändern und Randzonen von Feuchtgebieten sowie Magerrasen in besonderer Weise den Fließgewässern und Auen zu (siehe auch E 2.3.04). Wesentliches Ziel ist ein Netzwerk aus renaturierten, das heißt ökologisch durchgängigen und strukturell vielseitig ausgeprägten, Fluss- und Bachtälern, in das die Vorranggebiete für Natur- und Landschaft funktionell und räumlich eingebunden sind. Fließgewässer und Auenbereiche mit relativ naturferner Struktur und stark beeinträchtigter Wasserqualität – die nicht als Vorrang- oder Vorsorgegebiete für Natur und Landschaft festgelegt sind, aber hohe Bedeutung für das regionale Biotopverbundsystem besitzen -, sind daher in der Zeichnerischen Darstellung als Gebiete zur Verbesserung der Landschaftsstruktur und des Naturhaushaltes ausgewiesen (siehe E 2.1.05). Entsprechende Festlegungen sind insbesondere in der landwirtschaftlich intensiv genutzten Bördenlandschaft getroffen.
Hecken, Säume, Feldraine, Feldgehölze, Baumreihen, Gebüsche, Gräben, Böschungen und ähnliche kleinflächige und lineare Strukturen sind Elemente des Biotopverbundes, die auf regionaler Ebene nicht darstellbar sind. Innerhalb der landwirtschaftlichen Flächen, insbesondere im Bereich strukturarmer weiträumiger Ackerlandschaften, ist ein Verbund mit entsprechenden Elementen zu entwickeln (siehe auch E 2.1.05).
Die aktuelle Naturschutzarbeit des Landkreises befasst sich derzeit vor allem mit Gebieten, die eine herausragende Bedeutung als Bausteine bzw. vernetzende Elemente des regionalen Biotopverbundsystems einnehmen. Gefördert wird ihr Erhalt und ihre Entwicklung insbesondere durch gezielten Flächenerwerb unter Ausnutzung von Zuschussprogrammen des Bundes und des Landes Niedersachsen. Dabei wurden in den folgenden Gebieten bisher erworben (Stand 11/2000):
Meerbruchwiesen ca. 92 ha
Bückeburger Niederung ca. 82 ha
Goldbeck ca. 35 ha
Brummershop ca. 14 ha
Waltershagener Bach ca. 14 ha
Rodenberger Aue ca. 12 ha.
Gemäß § 1a Abs. 3 und § 200a BauGB können die Städte und Gemeinden die durch Eingriffe in Natur und Landschaft erforderlichen Ausgleichsmaßnahmen auch an anderer Stelle als am Ort des Eingriffs durchführen, soweit dies u.a. mit den Zielen der Raumordnung vereinbar ist. Bei den sog. „Flächenpools“ handelt es sich um zusammenhängende Flächen für die Durchführung von Ausgleichsmaßnahmen, die aufgrund der Aufstellung mehrerer Bauleitpläne der Gemeinden erforderlich sind. Diese Pools können auch Reservepotenziale für notwendigen Kompensationsbedarf zukünftiger Bauleitpläne oder für Fachplanungen enthalten („Ökokonten“). Die Konzentration von Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen auf größere zu entwickelnde Standorte ist eher in der Lage, einen dauerhaften Beitrag zum Artenschutz und für den Naturhaushalt zu leisten, als sehr kleine, verstreut liegende Einzelflächen. Die Einrichtung von Flächenpools wird daher regionalplanerisch grundsätzlich begrüßt. Eine Ausweisung potenzieller Gebiete sollte bereits auf der Ebene der Flächennutzungsplanung erfolgen.
E 2.1.03
Es wird auf die Erläuterungen E 2.1.05 bis E 2.1.08, E 3.2.01 und E 3.3.02/05 verwiesen.
E 2.1.04
Großflächige Räume mit Flächen von mindestens 100 km2, die nicht von Autobahnen, Hauptverkehrstraßen oder Eisenbahnstrecken zerschnitten sind, weisen eine herausragende Bedeutung für ungestörte naturnahe Erholungsformen, den Arten- und Biotopschutz sowie die Leistungsfähigkeit des Naturhaushaltes auf. Der Landkreis Schaumburg gehört zu einem größeren Gebiet - in einer Ost-West-Achse von Braunschweig über Hannover bis nach Osnabrück entlang der Mittelgebirgsschwelle -, in dem keine unzerschnittenen, verkehrsarmen Räume entsprechender Flächengröße mehr vorhanden sind (vgl. LROP Nds. 1994, S. 148, „Erläuterungskarte zu C 2.1.04 Unzerschnittene verkehrsarme Räume von 100 km2 in Niedersachsen“). Vor diesem Hintergrund kommt der Freihaltung verkehrsarmer, wenig zerschnittener Räume des Landkreises unterhalb der Größenordnung des o.g. Schwellenwertes von weiteren Beeinträchtigungen - insbesondere des Verkehrswegebaus - aus regionaler Sicht eine hohe Bedeutung zu. Die unter D 2.1.04 aufgeführten, von gravierenden Beeinträchtigungen relativ freien Räume setzen sich teilweise in den benachbarten Landkreisen fort. (Vgl. LRP Landkreis Schaumburg (Vorentwurf Juli 2000), S. 3-32 f..)
E 2.1.05
Weite Bereiche des Landkreises Schaumburg sind durch nutzungsbedingte Einflüsse und Belastungen wie Bodenabbau, Altablagerungen, Bodenbelastungen, Gewässerausbau- bzw. –belastungen im Naturhaushalt und Landschaftsbild gestört oder geschädigt. Diese Bereiche sind zur Wiederherstellung eines funktionsfähigen Naturhaushaltes und der Entwicklung eines adäquaten Landschaftsbildes zu sanieren, zu rekultivieren oder zu renaturieren.
Gebiete mit weitgehender Biotop- und Artenarmut sind im Landkreis Schaumburg die Räume intensiver landwirtschaftlicher Bodennutzung. Großflächige ausgeräumte Ackerfluren sind vor allem in der Bördenregion, im Wesertal und im Rodenberger Auetal anzutreffen. In diesen Räumen sind flächendeckend die noch vorhandenen Reste von naturnahen und landschaftsbildbelebenden Kleinstrukturen wie Hecken, Säume, Feldgehölze, Einzelbäume und kleine Wälder in besonderer Weise zu schützen, zu entwickeln und durch Neuanlagen zu ergänzen. Im Landschaftsrahmenplan des Landkreises Schaumburg (Vorentwurf Juli 2000) sind die weiträumigen, besonders strukturarmen Ackerlandschaften dargestellt. Teilbereiche dieser Landschaften, in denen besondere Potenziale vorhanden sind, sind in der Zeichnerischen Darstellung als Gebiete zur Verbesserung der Landschaftsstruktur und des Naturhaushaltes ausgewiesen (siehe unten).
Einen besonderen Schwerpunkt bei der Wiederherstellung eines funktionsfähigen Naturhaushaltes und der Entwicklung einer adäquaten Landschaftsstruktur bilden strukturell verarmte und verödete Fließgewässerabschnitte einschließlich ihrer Auen. Ziel ist hier eine mittelfristige Verbesserung von Gewässergüte und -struktur durch geeignete Maßnahmen der Fließgewässerrenaturierung, wie z.B. die Ausweisung von Gewässerrandstreifen, die Wiederherstellung der ökologischen Durchgängigkeit, die Erhöhung der Strukturvielfalt im Gewässerbett, die Anbindung von Überschwemmungsflächen sowie die generelle Verminderung von Beeinträchtigungen durch u.a. Landwirtschaft, Siedlungsbau, Bodenabbau, Straßenverkehr, Gewässerhaltung (siehe auch E 2.3.03 und E 2.3.04).
Als Gebiete zur Verbesserung der Landschaftsstruktur und des Naturhaushaltes festgelegt sind folgende Bereiche
Gebiete, die nach dem Vorentwurf des Landschaftsrahmenplans die Voraussetzungen zur Ausweisung als Landschaftsschutzgebiet nach § 26 NNatG erfüllen, bei denen jedoch weniger der Erhalt besonderer Werte und Funktionen von Natur und Landschaft, sondern der Entwicklungsaspekt – das heißt die Wiederherstellung der Leistungsfähigkeit des Naturhaushaltes oder der Nutzbarkeit der Naturgüter - im Vordergrund stehen.
Zeichnerisch festgelegt sind Bereiche
der Kulturlandschaft zwischen Rusbend, Seggebruch und Hiddensen einschließlich Niederungsbereiche der Riehe,
der Büntegraben-Niederung westlich und östlich Riehe,
des Wesertales,
am Südhang der Rehburger Berge einschließlich des Raumes zwischen Sachsenhagen und Schaumburger Wald,
der Hanglagen der Bückeberge bei Rolfshagen,
der Hanglagen der Bückeberge bei Kathrinhagen/Westerwald,
der Feldflur südöstlich des OT Obernkirchen,
der Feldflur bei Hattendorf und Antendorf,
der Feldflur nördlich Pohle.
In den Niederungsbereichen stehen für den Biotopverbund und zur Vermeidung von Bodenerosionen Maßnahmen zur Renaturierung der Gewässer, Extensivierung der landwirtschaftlichen Nutzung bzw. Vermehrung des Grünlandes und Erhöhung landschaftsgliedernder Gehölzstrukturen im Vordergrund. In der Weseraue ist zudem auf geeigneten Standorten die Entwicklung von Auwald als potenzieller natürlicher Vegetation anzustreben.
Im Umfeld des Naturschutzgebietes „Brummershop“ sowie in den avifaunistisch bedeutsamen Gebieten südlich und westlich von Seggebruch kommt der Extensivierung der landwirtschaftlichen Nutzung bzw. der Vermehrung des Grünlandanteils eine besondere Bedeutung zu. Die weitere Ackerflur zwischen Rusbend, Seggebruch und Hiddensen ist zur Entwicklung der avifaunistischen Bereiche des Offenlandes durch die Neuanlage von wegbegleitenden Säumen und Brachflächen ökologisch aufzuwerten.
In den Hanglagen sind zur Aufwertung des Landschaftsbildes, für den Biotopverbund und zur Vermeidung von Bodenerosionen insbesondere die Anteile an Gehölzstrukturen und Grünland zu erhöhen.
Im Bereich der Feldflur bei Hattendorf und Antendorf ist auf geeigneten Flächen die Entwicklung von Biotopen trockenwarmer Standorte besonders zu berücksichtigen. Die Ackerwildkrautflora der Feldflur nördlich Pohle ist durch Extensivierung der ackerbaulichen Nutzung auf ausreichend breiten Ackerrandstreifen zu fördern und durch wegbegleitende Säume zu ergänzen.
Strukturell verarmte und verödete Fließgewässerabschnitte von Haster Bach, Osterriehe, Flahbach, Grenzbach, Heßbach, Warber Entlastungsgraben, Schloßbach, Maulbeeke und Deckberger Bach einschließlich ihrer Auen, die nach dem Vorentwurf des Landschaftsrahmenplans die Voraussetzungen zur Ausweisung als Landschaftsschutzgebiet nach § 26 NNatG nicht erfüllen, im Rahmen des regionalen Biotopverbundsystems jedoch lineare Verbundelemente von besonderer Bedeutung darstellen. Ziel ist hier vor allem eine mittelfristige Verbesserung von Gewässergüte und -struktur durch geeignete Renaturierungs- und Extensivierungsmaßnahmen.
Zeichnerisch festgelegt sind hauptsächlich Fließgewässer in der intensiv genutzten Bördenlandschaft.
E 2.1.07
Ein außerordentlich hohes Entwicklungspotenzial für hochschutzwürdige Lebensräume und die daran gebundenen Lebensgemeinschaften bieten Bereiche, deren betriebliche oder anderweitige Nutzung beendet wird oder die seit jeher nur extensiv genutzt bzw. gepflegt werden. Im Landkreis Schaumburg handelt es sich dabei vor allem um Abgrabungsgewässer im Wesertal, Steinbrüche, Schachtgelände mit Abraumhalden, Acker- und Grünlandbrachen sowie Freiflächen und sonstige Kleinstrukturen im Siedlungsbereich. Auf diesen oftmals über Jahrzehnte äußerst intensiv genutzten Flächen entwickeln sich nach Aufgabe der Nutzung reichhaltig strukturierte Kleinstlebensräume und eine vielfältige Flora und Fauna. Derartige Bereiche sind besonders geeignet, der natürlichen Entwicklungsdynamik überlassen oder, beispielsweise auf landwirtschaftlichen Flächen, einer extensiven Nutzungsform zugeführt zu werden.
Einen Schwerpunkt des Biotopschutzes und der Biotopentwicklung bilden Landschaftsbereiche mit extremen Standortbedingungen. Im Landkreis Schaumburg handelt es sich dabei um Wälder feuchter und nasser bzw. trockenwarmer Standorte, Schluchtwälder, Feucht- und Trockengebüsche, Sümpfe und Niedermoore, Feucht- und Nassgrünland, Magerrasen, Ruderalfluren trockenwarmer Standorte sowie natürlich entstandene Felsfluren. Hinzu kommen die Biotopkomplexe der Bodenabbau- und ehemaligen Bergbaugebiete mit zahlreichen anthropogenen Extremstandorten (z.B. Schutthalden, Steilwände), die oftmals nur von Spezialisten der Tier- und Pflanzenwelt besiedelt werden können.
Viele dieser Biotoptypen, so z.B. die Wälder trockenwarmer Kalkstandorte, die Kalk-Felsfluren und die Kalk-Magerrasen bilden exponierte Vorposten eines zusammenhängenden Areals und markieren damit eine Verbreitungsgrenze, die es in besonderer Weise zu schützen und zu erhalten gilt. Andere Bereiche, z.B. Grünlandflächen in Niederungsgebieten wurden aufgrund der Bodenvernässung seit jeher nur extensiv bewirtschaftet und bilden heute Refugien für bedrohte Arten in einer ansonsten strukturell verarmten und standörtlich nivellierten Agrarlandschaft. Die Bodenabbau- und Bergbaugebiete bieten ein oftmals kleinräumiges, eng verzahntes Mosaik an unterschiedlichsten Lebensräumen mit einer weiten standörtlichen Amplitude. In einer Landschaft mit allgemein fortschreitendem Verlust an Biotopvielfalt bilden sie wertvolle Sekundärbiotope und werden von Tier- und Pflanzenarten besiedelt, die nur noch hier dauerhaft überleben können.
E 2.1.08
Zu den halbnatürlichen, durch extensive Nutzung entstandenen Elementen der Kulturlandschaft in der Region – die in besonderer Weise zu schützen, zu pflegen und zu entwickeln sind - zählen insbesondere die zusammenhängenden Wiesen- und Weidelandschaften, Obstwiesen und -weiden und die relikthaften Vorkommen historischer Waldnutzungsformen (Nieder-, Mittel- und Hudewald, Schneitelwirtschaft) (siehe auch E 2.6.01). Hinzu kommen extensiv genutzte bzw. gepflegte Freiflächen oder Kleinstrukturen in den Siedlungsbereichen, Bauernhöfe mit altem Baumbestand und alte Mauerstandorte.
E 2.1.09
Die regionalplanerischen Ziele für den Sachbereich Naturschutz und Landschaftspflege sind zum einen in der Beschreibenden Darstellung des RROP – vor allem in den Kapiteln D 1.7 und D 2.1 - festgelegt und andererseits in der Zeichnerischen Darstellung, vor allem durch die Festlegung von Vorranggebieten und Vorsorgegebieten für Natur und Landschaft sowie Gebieten zur Verbesserung des Landschaftsstruktur und des Naturhaushaltes, auf der Grundlage des LROP Nds. räumlich konkretisiert. Wesentliche Grundlage zur Konkretisierung bildete der Landschaftsrahmenplan des Landkreises Schaumburg (Vorentwurf Juli 2000).
E 2.1.10
Die für den Naturschutz besonders wertvollen Gebiete sind in der Zeichnerischen Darstellung als Vorranggebiete für Natur und Landschaft festgelegt. Im Einzelnen liegen der Festlegung der Vorranggebiete folgende Kriterien zu Grunde:
(1.) Besonders geschützte Teile von Natur und Landschaft
Die bestehenden Naturschutzgebiete (NSG) und Naturdenkmale (ND) erfüllen die Kriterien für die Ausweisung als Vorranggebiete für Natur und Landschaft.
Derzeit sind im Landkreis 14 Naturschutzgebiete ausgewiesen:
NSG HA 19
Auf dem Knickbrink
NSG HA 23
Aher Kämpe
NSG HA 37
Auhagener Schier
NSG HA 41
NSG HA 67
Alte Tongrube Borstel
NSG HA 75
NSG HA 101 Brummershop
NSG HA 124
NSG HA 130
Im Bergkamp
NSG HA 132
Ostenuther Kiesteiche
NSG HA 141
NSG HA 163
Tonstich bei Goldbeck
NSG HA 167
Tiefe Sohle
NSG HA 190
NSG HA 201
Hofwiesenteiche.
Ausgewiesene Naturdenkmale flächenhafter Ausprägung:
ND SHG 3 Höltgenbusch bei Düdinghausen
ND SHG 16 Tuffsteindurchbruch in Bad Eilsen
ND SHG 20 Krater bei Bad Nenndorf
ND SHG 24 Buchengruppe bei Bad Nenndorf
ND SHG 32 Hain bei Gut Dankersen
ND SHG 37 Orchideenwiese in Hülsede
ND SHG 38 Moorartiges Sumpfgebiet bei Goldbeck
ND SHG 40 Schlosspark Arensburg
ND SHG 56 Eichen-Hudewald im sog. Katzengrund bei der Domäne Coverden
ND SHG 60 Orchideenwiese in Goldbeck.
Die Naturschutzgebiete und Naturdenkmale sind in die Zeichnerische Darstellung integriert, soweit sie im Maßstab 1:50.000 flächenmäßig darstellbar sind.
Die Erfassung der gemäß § 28a und § 28b NNatG besonders geschützten Biotope ist im Landkreis Schaumburg noch nicht abgeschlossen. Derzeit sind außerhalb der ausgewiesenen Naturschutzgebiete sowie sonstiger Projektgebiete (z.B. Brut- und Rastgebiet Meerbruch) 262 § 28a-Biotope und 21 § 28b-Biotope erfasst (Stand 11/2000). Der größte Teil der erfassten Biotope ist durch die landesweite Kartierung der für den Naturschutz wertvollen Bereiche mitabgedeckt (siehe unten). Andere sind zu kleinteilig für eine Darstellung im RROP. Eine Festlegung dieser Biotope als Vorranggebiete erfolgt daher i.d.R. über eine der folgenden Kategorien oder ist aufgrund der Kleinflächigkeit auf RROP-Ebene nicht möglich.
Schutzgebiete aufgrund internationaler Abkommen
Aufgrund internationaler Abkommen sind folgende Gebiete als „Vorranggebiete für Natur und Landschaft“ berücksichtigt:
Schutzgebiete gemäß EU-Richtlinie „Flora, Fauna, Habitat“ (FFH-Gebiete),
Besondere Schutzgebiete gemäß Artikel 4 der EU-Vogelschutzrichtlinie („Important Bird Areas“),
Feuchtgebiete internationaler Bedeutung gemäß Ramsar-Konvention.
Als Bestandteile eines zukünftigen europaweiten kohärenten Netzes besonderer (ökologischer) Schutzgebiete (Natura 2000) sind die Gebiete „Steinhuder Meer“ und „Süntel, Wesergebirge, Deister“ nach Artikel 4 Abs. 1 der FFH-Richtlinie durch die Bundesrepublik Deutschland gegenüber der EU gemeldet worden. Teile dieser durch die Landesregierung zur Meldung vorgeschlagenen Gebiete gehören zum Kreisgebiet.
Das Steinhuder Meer ist als besonderes Schutzgebiet gemäß Artikel 4 der EU-Vogelschutzrichtlinie und als Feuchtgebiet internationaler Bedeutung gemeldet worden. Mit ihren südlichen Teilflächen liegen die gemeldeten Gebiete im Landkreis Schaumburg.
Die aufgrund internationaler Abkommen gemeldeten Flächen decken sich weitgehend mit Flächen, die aus anderen Begründungen heraus als Vorranggebiete für Natur und Landschaft festgelegt sind.
Gebiete von gesamtstaatlich repräsentativer Bedeutung für den Naturschutz
Als Gebiet von gesamtstaatlich repräsentativer Bedeutung für den Naturschutz ist im Jahr 1989 für einen Förderzeitraum von zwölf Jahren das „Brut- und Rastgebiet Meerbruch-Steinhuder Meer“ in das Bundesförderprogramm „Errichtung und Sicherung schutzwürdiger Teile von Natur und Landschaft mit gesamtstaatlich repräsentativer Bedeutung“ aufgenommen worden. Mit seinen südlichen Teilflächen liegt das Fördergebiet im Landkreis Schaumburg und entspricht im Kreisgebiet dem NSG „Meerbruchwiesen“.
Haupt- und Nebengewässer des Niedersächsischen Fließgewässerschutzsystems
Das Niedersächsische Fließgewässerschutzsystem umfasst die Fließgewässer einschließlich ihrer zugehörigen Auen, die zum Aufbau eines landesweiten, ökologisch funktionsfähigen Fließgewässernetzes erforderlich sind. Dabei wird unterschieden zwischen Hauptgewässern, Nebengewässern und Verbindungsgewässern. Neben der Erhaltung vorhandener schutzwürdiger Substanz ist die Wiederherstellung gestörter Teilbereiche (Renaturierung) wesentlicher Inhalt dieses Konzeptes (siehe auch E 2.3.04).
Im Landkreis Schaumburg sind
als Hauptgewässer des Niedersächsischen Fließgewässerschutzsystems die Rodenberger Aue und der Waltershagener Bach (anstelle des Oberlaufes der Rodenberger Aue),
und als ihre Nebengewässer der Quellbach des Waltershagener Baches, der Oberlauf der Rodenberger Aue, der Meinser Bach, der Riesbach, der Salzbach, die Südaue und die Sachsenhäger Aue mit Bornau und Ziegenbach
vorrangig zu schützen und zu entwickeln. Diese Fließgewässer und ihre Auen sind so weitgehend zu renaturieren, dass sich die unter naturnahen Bedingungen typische Arten- und Biotopvielfalt auf der gesamten Fließstrecke wieder einstellt.
Landesweit für den Naturschutz wertvolle Bereiche
Das Niedersächsische Landesamt für Ökologie (NLÖ) führt regelmäßig eine Kartierung der aus landesweiter Sicht wertvollen Bereiche durch. Die dabei erfassten Biotope erfüllen zum Zeitpunkt der Kartierung die Kriterien zur Ausweisung als Naturschutzgebiet. Es handelt sich um solche Gebiete, die aufgrund fehlender oder vergleichsweise extensiver Nutzung durch den Menschen als Lebensraum eines Großteils der heimischen Pflanzen- und Tierarten sowie ihrer Lebensgemeinschaften verblieben sind. Die Bestandsaufnahme des im Vorentwurf (Stand Juli 2000) vorliegenden neuen Landschaftsrahmenplanes hat die Kartierung des NLÖ aktualisiert und ergänzt (siehe unten).
Waldschutzgebiete in den Landesforsten
Das Niedersächsische Forstplanungsamt entwickelt in Zusammenarbeit mit der Naturschutzverwaltung im Rahmen des Programms für die „Langfristige ökologische Waldentwicklung in den Landesforsten“ (LÖWE) eine Waldschutzgebietskonzeption. Ziel ist der Aufbau eines repräsentativen Schutzgebietssystems, in dem Waldflächen entsprechend ihrem potentiellen Flächenanteil geschützt werden. In dem im Entwurf vorliegenden Waldschutzgebietskonzept sind im Landkreis Schaumburg Waldschutzgebiete in den Waldgebieten des Deisters, des Wesergebirges, des Lipper Berglandes und des Haster Waldes dargestellt. Es handelt sich um
Naturwälder aus Beständen natürlicher Waldgesellschaften, die nicht bewirtschaftet werden,
Naturwirtschaftswälder, die der repräsentativen Erhaltung, Entwicklung und nachhaltigen Nutzung naturnaher Waldgesellschaften dienen, die ausschließlich mit Baumarten der jeweiligen potentiellen Waldgesellschaft bewirtschaftet werden,
lichte Wirtschaftswälder mit Habitatkontinuität, in denen Lichtbaumarten auf Standorten vorherrschen, die natürlicherweise von Schattbaumarten beherrscht würden,
kulturhistorisch bedeutsame Wirtschaftswälder als Relikte historischer Waldnutzungsformen (in der Regel Hude-, Mittel-, Schneitel- und Niederwälder),
Generhaltungswälder, die der Sicherung genetischer Informationen bestimmter Baum- und Straucharten dienen,
Sonderbiotope außerhalb der vorgenannten Schutzkategorien mit besonderer Bedeutung für den Arten und Biotopschutz.
Die im Waldschutzgebietskonzept (Entwurf) dargestellten Flächen sind – nach erfolgter Abwägung – als Vorranggebiete für Natur und Landschaft festgelegt.
Gebiete, die gemäß dem Vorentwurf des Landschaftsrahmenplans die Voraussetzungen für eine Ausweisung als Naturschutzgebiet erfüllen
Neben den 14 im Landkreis Schaumburg ausgewiesenen Naturschutzgebieten benennt der Vorentwurf des Landschaftsrahmenplans Gebiete, die die Voraussetzungen zur Ausweisung als Naturschutzgebiet erfüllen. Deren Auswahl und Abgrenzung im Landschaftsrahmenplan beruht zum einen auf den bereits genannten Planungsvorgaben des Naturschutzes, Naturschutzgebietsplanungen der Bezirksregierung Hannover sowie Vorschlägen aus den Landschaftsplänen der Gemeinden zur Ausweisung weiterer Naturschutzgebiete und zum anderen auf einer Ergänzung und Aktualisierung dieser Planungsvorgaben durch die Ergebnisse einer eigens im Zuge der Erarbeitung des Landschaftsrahmenplans durchgeführten Bestandserhebung.
Nach dem Kriterienrahmen des Landschaftsrahmenplans handelt es sich um
Gebiete mit sehr hoher (bis hoher) Bedeutung für den Arten- und Biotopschutz,
Lebensräume mit besonderer Repräsentanz für den Landkreis und/oder die naturräumliche Region,
Kernflächen sowie wichtige Pufferzonen und Verbundstrukturen im Biotopverbundsystem, ggf. Arrondierungsbereiche,
Gebiete mit besonderer kulturhistorischer oder geowissenschaftlicher Bedeutung,
Gebiete mit sehr hoher Bedeutung für das Landschaftsbild (vgl. LRP Landkreis Schaumburg (Vorentwurf Juli 2000), S. M-81).
Diese Gebiete sind wegen ihrer Schutzwürdigkeit – nach erfolgter Abwägung mit anderen Nutzungsansprüchen – als Vorranggebiete für Natur und Landschaft festgelegt.
Die raumordnerische Festlegung als Vorranggebiete für Natur und Landschaft beinhaltet keine Vorentscheidung über die ggf. erforderliche Ausweisung dieser Flächen als Naturschutzgebiete und damit eventuell verbundener Bewirtschaftungsauflagen. Der mit dieser Raumordnungskategorie verbundene Schutz- und Sicherungsauftrag bedeutet in erster Linie, dass diese als schutzwürdig erkannten Bereiche vor der Inanspruchnahme durch entgegenstehende raumbedeutsame Planungen und Maßnahmen (z.B. großflächige Siedlungsentwicklung oder Rohstoffgewinnung) zu sichern sind. Diese müssen hier mit den Erfordernissen des Naturschutzes und der Landschaftspflege vereinbar sein. Eine naturschutzrechtliche Unterschutzstellung zur Bewahrung der Seltenheit, der besonderen Eigenart, Vielfalt oder hervorragenden Schönheit der Gebiete (vgl. § 24 u. 27 NNatG) ist im Einzelfall zu prüfen, wird jedoch nur dann erforderlich sein, wenn eine akute Gefährdung des Schutzzwecks vorliegt.
Die in der Zeichnerischen Darstellung enthaltenen Vorranggebiete für Natur und Landschaft bewirken keine Einschränkungen bestehender rechtmäßiger Nutzungen in den entsprechenden Gebieten (siehe auch E 3.3.07). Die Festlegung von Vorranggebieten für Natur und Landschaft hat keine Auswirkungen auf die Wirtschaftsweise vorhandener land- und forstwirtschaftlicher Betriebe. Maßgaben darüber, mit welcher Nutzungsintensität die festgelegten Vorranggebiete zu bewirtschaften sind, werden mit der raumordnerischen Festlegung von Vorranggebieten für Natur und Landschaft nicht getroffen. Durch eine Überlagerung der Vorranggebiete für Natur und Landschaft mit Vorsorgegebieten für Land- und Forstwirtschaft wird jedoch deutlich gemacht, dass der Schutz und der Erhalt der einzelnen Biotope im Wesentlichen durch eine (i.d.R. extensive) land- und forstwirtschaftliche Nutzung erreicht werden kann bzw. eine solche Nutzung erforderlich macht (z.B. extensive Grünlandnutzung). Eine Gefährdung land- und forstwirtschaftlicher Betriebe wäre daher aus naturschutzfachlicher Sicht geradezu kontraproduktiv. In der Zeichnerischen Darstellung werden große Teile der Vorsorgegebiete für Forstwirtschaft mit Vorranggebieten für Natur und Landschaft überlagert. Dies beinhaltet keine Beeinträchtigung der ordnungsgemäßen Forstwirtschaft nach § 11 NWaldLG, des dazu erforderlichen Waldwegebaus und der Verwendung standortgerechter Holzarten. Die nachhaltige Nutzung von Altholzbeständen bleibt Ziel ordnungsgemäßer Forstwirtschaft. Eine Einschränkung der land- und forstwirtschaftlichen Nutzung im Sinne der Naturschutzverwaltung ist i.d.R. nur im Einvernehmen mit den Eigentümern und gegen Entschädigung möglich. Auch im Rahmen von eventuellen Schutzgebietsausweisungen lässt sich die naturschutzfachliche Umsetzung der Vorranggebietsfestlegung häufig nur durch Übereinkünfte (z.B. Kauf u.ä.) mit dem Bewirtschafter bzw. Eigentümer erreichen. Daher ist bei allen in den Vorranggebieten angestrebten Umwelt- und Naturschutzmaßnahmen eine frühzeitige Beteiligung der betroffenen Landwirtschafts- und Forstbetriebe erforderlich. Dabei sind sowohl die Eigentümer als auch die Pächter der land- und forstwirtschaftlichen Flächen einzubeziehen.
E 2.1.11
Gebiete, die aufgrund ihres vielfältigen und abwechslungsreichen Landschaftsbildes und ihrer Funktionen für den Naturhaushalt von Bedeutung sind, werden in der Zeichnerischen Darstellung als Vorsorgegebiete für Natur und Landschaft festgelegt. Darüber hinaus bieten sie dem Menschen die natürlichen Voraussetzungen für die ruhige Erholung in Natur und Landschaft.
Im Einzelnen beruht die Festlegung der Vorsorgegebiete für Natur und Landschaft auf folgenden Grundlagen:
Ein großer Teil der festgelegten Vorsorgegebiete für Natur und Landschaft sind bereits als Landschaftsschutzgebiete ausgewiesen. Die 18 im Landkreis Schaumburg vorhandenen Landschaftsschutzgebiete (LSG) nehmen mit rd. 43 % der Kreisfläche weiträumige Landschaftsbereiche ein. Sie konzentrieren sich auf alle größeren Waldgebiete, mehrere Niederungsbereiche der größeren Gewässer und größere Bereiche der offenen Kulturlandschaft im Lipper Bergland, Auetal und Wesergebirge.
Es handelt sich um folgende Landschaftsschutzgebiete:
LSG SHG 2 Fohlenstall - Haster Wald
LSG SHG 3
Düdinghäuser Berg - Aueniederung
LSG SHG 4
LSG SHG 5 Bückeburg-West / Sandfurth
LSG SHG 6 Stadthagen-Süd / Bergehalden
LSG SHG 7 Obere Gehle-Levesen
LSG SHG 8 Bückeberge
LSG SHG 9 Schaumburger Wald
LSG SHG 10 Auetal
LSG SHG 11 Wesertal im Bereich der Stadt Rinteln
LSG SHG 12 Lipper Bergland
LSG SHG 13 Wesergebirge im Bereich des Landkreises Schaumburg
LSG SHG 14 Feuchtgebiet internationaler Bedeutung Steinhuder Meer
LSG SHG 15 Hohenholz
LSG SHG 16 Süntel
LSG SHG 17 Süd-Deister
LSG SHG 18 Rehren / Horsten
LSG SHG 19 Bückeburger Niederung
LSG SHG 20 Alter Rodenberg / Altebusch.
Die im Landkreis Schaumburg gemäß § 28 NNatG ausgewiesenen Geschützten Landschaftsbestandteile flächenhafter Ausprägung „Riehewiesen“, Samtgemeinde Nienstädt, und „Ölmühlenwiesen“, Stadt Obernkirchen, sind als Vorsorgegebiete festgelegt.
Verbindungsgewässer des Niedersächsischen Fließgewässerschutzsystems
Die sog. Verbindungsgewässer des Niedersächsischen Fließgewässerschutzsystems erschließen mehrere naturräumliche Regionen und stellen die Verbindung zwischen allen zufließenden Gewässern im Einzugsbereich und zum Meer her. Innerhalb des Landkreises Schaumburg nimmt die Weser die Funktion als Verbindungsgewässer wahr. Neben Mindestanforderungen zur Biotopstruktur und Gewässergüte (Güteklasse II) stellen sich besondere Anforderungen an die Durchgängigkeit für wandernde Tierarten oder sich ausbreitende Tier- und Pflanzenarten.
Gebiete, die gemäß dem Vorentwurf des Landschaftsrahmenplans die Voraussetzungen für eine Ausweisung als Landschaftsschutzgebiet erfüllen
Die Ergebnisse des Landschaftsrahmenplans weisen aus, dass es neben den rechtskräftigen Landschaftsschutzgebieten weitere Gebiete gibt, die über besondere Werte und Funktionen von Natur und Landschaft verfügen und in der Regel die Voraussetzungen nach § 26 NNatG zur Ausweisung als Landschaftsschutzgebiete erfüllen (vgl. LRP Landkreis Schaumburg (Vorentwurf Juli 2000), S. M-81). Hierbei handelt es sich zum einen um zahlreiche kleinflächige Gebiete, insbesondere im Bereich der Bördenregion sowie dem Bückeburger und Rodenberger Auetal, die zumeist durch Gehölzstrukturen und einen hohen Grünlandanteil geprägt sind. Zum anderen sind im Landschaftsrahmenplan (Vorentwurf Juli 2000) einige großflächige Gebiete im Wesertal, im Bereich der Rehburger Berge und zwischen Pollhagen und Obernwöhren abgegrenzt.
Diese Gebiete sind in der Zeichnerischen Darstellung – nach erfolgter Abwägung – als Vorsorgegebiet für Natur und Landschaft festgelegt, wenn bei ihnen neben einem in der Regel bestehenden Entwicklungsbedarf vorrangig der Erhalt besonderer Werte und Funktionen von Natur und Landschaft, das heißt
der Leistungsfähigkeit des Naturhaushalts oder der Nutzbarkeit der Naturgüter und/oder
der Vielfalt, Eigenart und/oder Schönheit des Landschaftsbildes und/oder
der Wichtigkeit des Gebietes für die Erholung
Die raumordnerische Festlegung als Vorsorgegebiete für Natur und Landschaft beinhaltet keine Vorentscheidung über die ggf. erforderliche Ausweisung dieser Flächen als Landschaftsschutzgebiete. Die Erforderlichkeit einer naturschutzrechtlichen Unterschutzstellung ist im Einzelfall zu prüfen.
Gebiete, bei denen allein die Wiederherstellung der Leistungsfähigkeit des Naturhaushaltes oder die Nutzbarkeit der Naturgüter vorrangig erforderlich sind, sind in der Zeichnerischen Darstellung als „Gebiete zur Verbesserung der Landschaftsstruktur und des Naturhaushaltes“ festgelegt; siehe hierzu auch E 2.1.05.
Nicht als Vorsorgegebiet für Natur und Landschaft, sondern als Kulturelles Sachgut festgelegt sind die Hagenhufenlandschaft im nördlichen und östlichen Umland von Stadthagen und weitere besonders wertvolle Teile der Schaumburger Kulturlandschaft im Bereich Möllenbeck, Bergkirchen und Deckbergen/Schaumburg (siehe auch E 2.6.02).
In Vorsorgegebieten für Natur und Landschaft, die durch einen Vorrang für Rohstoffgewinnung überlagert sind, ist für die Ziele des Naturschutzes und der Landschaftspflege ggf. im Rahmen einer möglichen späteren Abbaugenehmigung Sorge zu tragen.
Durch die Festlegung von Vorsorgegebieten für Natur und Landschaft werden keinerlei Maßgaben darüber getroffen, mit welcher Nutzungsintensität und welchen Auflagen die festgelegten Gebiete land- und forstwirtschaftlich zu bewirtschaften sind. Mit einer Überlagerung der Vorsorgegebiete für Natur und Landschaft mit Vorsorgegebieten für Landwirtschaft bzw. für Forstwirtschaft wird aus raumordnerischer Sicht zum Ausdruck gebracht, dass die land- und forstwirtschaftlichen Nutzflächen nicht nur alleine wegen ihrer ökonomischen Funktionen, z.B. gegenüber Baulandnutzungen zu sichern sind, sondern auch insbesondere wegen ihres besonderen Beitrages zur Erhaltung, Pflege und Entwicklung der Kulturlandschaft. Aus diesem Grund ist innerhalb der Vorsorgegebiete für Natur und Landschaft eine ordnungsgemäße nachhaltige land- und forstwirtschaftliche Bodennutzung weiterhin zu erhalten und zu fördern.