Source: http://www.hensche.de/Rechtsanwalt_Arbeitsrecht_Urteile_KSch_Kleinbetrieb_1%20BvL15-87.html
Timestamp: 2018-07-23 04:20:39
Document Index: 246385804

Matched Legal Cases: ['§ 23', '§ 23', '§ 1', '§ 1', '§ 23', '§ 23', '§ 24', 'Art. 1', '§ 23', '§ 23', '§ 1', '§ 10', 'Art. 3', 'Art. 12', 'Art. 19', 'Art. 20', 'Art. 103', '§ 10', 'Art. 12', '§ 23', 'Art. 3', '§ 23', '§ 23', '§ 23', 'Art. 103', 'Art. 19', '§ 23', '§ 9', 'Art. 12', 'Art. 12', 'Art. 12', 'Art. 12', 'Art. 12', 'Art. 12', 'Art. 2', 'Art. 12', 'Art. 12', 'Art. 12', '§ 23', 'Art. 3', '§ 1', '§ 138', '§ 23', '§ 23', 'Art. 3', 'Art. 3', 'Art. 3', '§ 23', 'Art. 12', '§ 23', '§ 23', 'Art. 12', 'Art. 3', '§ 23', '§ 1', '§ 1', '§ 23', 'Art. 3', '§ 23', '§ 23', '§ 23', 'Art. 20', 'Art. 12', '§ 23', 'Art. 12', 'Art. 3']

BVerfG, Beschluss vom 27.01.1998, 1 BvL 15/87 - HENSCHE Arbeitsrecht
BVerfG, Be­schluss vom 27.01.1998, 1 BvL 15/87
Entscheidungsdatum: 27.01.1998
Leitsätze: 1. § 23 Abs 1 Satz 2 des Kündigungsschutzgesetzes in der Fassung des Gesetzes vom 26. April 1985 war bei verfassungskonformer Auslegung mit dem Grundgesetz vereinbar.
Vorinstanzen: ArbG Reutlingen
ob § 23 Abs. 1 Satz 2 des Kündi­gungs­schutz­ge­set­zes, geändert durch Ge­setz vom 26. April 1985 (BGBl I S. 710), mit dem Grund­ge­setz ver­ein­bar ist,
- Aus­set­zungs- und Vor­la­ge­be­schluß des Ar­beits­ge­richts Reut­lin­gen vom 11. De­zem­ber 1986 (1 Ca 397/86) -
hat das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt - Ers­ter Se­nat un­ter
Mit­wir­kung des Vi­ze­präsi­den­ten Seidl,
der Rich­ter Grimm,
der Rich­te­rin­nen Sei­bert,
Ja­e­ger,
und der Rich­ter Hömig,
am 27. Ja­nu­ar 1998 be­schlos­sen:
23 Ab­satz 1 Satz 2 des Kündi­gungs­schutz­ge­set­zes (KSchG) in der Fas­sung des Ge­set­zes vom 26. April 1985 (Bun­des­ge­setz­blatt I Sei­te 710) war nach Maßga­be der Ent­schei­dungs­gründe mit dem Grund­ge­setz ver­ein­bar.
Das Ver­fah­ren be­trifft die Fra­ge, ob es mit dem Grund­ge­setz ver­ein­bar war, Be­trie­be und Ver­wal­tun­gen mit ge­rin­ger Beschäftig­ten­zahl - Klein­be­trie­be - vom Gel­tungs­be­reich des Kündi­gungs­schutz­ge­set­zes aus­zu­neh­men.
1. Nach § 1 Abs. 1 und 2 des Kündi­gungs­schutz­ge­set­zes (KSchG) in der Fas­sung der Be­kannt­ma­chung vom 25. Au­gust 1969 (BGBl I S. 1317), geändert durch Ge­setz vom 26. April 1985 (BGBl I S. 710) ist die ar­beit­ge­ber­sei­ti­ge Kündi­gung ei­nes Ar­beits­verhält­nis­ses so­zi­al un­ge­recht­fer­tigt und da­mit un­wirk­sam, wenn sie nicht durch Gründe, die in der Per­son oder in dem Ver­hal­ten des Ar­beit­neh­mers lie­gen, oder durch drin­gen­de be­trieb­li­che Er­for­der­nis­se, die ei­ner Wei­ter­beschäfti­gung des Ar­beit­neh­mers im Be­trieb ent­ge­gen­ste­hen, be­dingt ist. Der Ar­beit­ge­ber muß die Kündi­gungs­gründe dar­le­gen und be­wei­sen (§ 1 Abs. 2 Satz 4 KSchG). Darüber hin­aus ist nach der in Recht­spre­chung und Leh­re vor­herr­schen­den Auf­fas­sung ei­ne Kündi­gung nur zulässig, wenn sie im Verhält­nis zu dem
mit ihr ver­folg­ten Zweck an­ge­mes­sen er­scheint. Da­bei sind die In­ter­es­sen der Ar­beits­ver­trags­par­tei­en ge­gen­ein­an­der ab­zuwägen. Die ver­hal­tens­be­ding­te Kündi­gung wird als äußers­tes Mit­tel ei­ner an­ders nicht zu be­sei­ti­gen­den Störung des Ar­beits­verhält­nis­ses be­trach­tet. Ei­ne be­triebs­be­ding­te Kündi­gung darf nur aus­ge­spro­chen wer­den, wenn der Ar­beit­neh­mer nicht an­ders­wo im Un­ter­neh­men beschäftigt wer­den kann.
2. Nach § 23 Abs. 1 Satz 2 KSchG gel­ten die all­ge­mei­nen Be­stim­mun­gen des Ge­set­zes nicht für die so­ge­nann­ten Klein­be­trie­be. Die Ver­fas­sungsmäßig­keit die­ser Be­stim­mung ist Ge­gen­stand des Vor­la­ge­be­schlus­ses. § 23 Abs. 1 KSchG lau­tet in sei­ner für das vor­lie­gen­de Ver­fah­ren maßgeb­li­chen Fas­sung:
Die Vor­schrif­ten des Ers­ten und Zwei­ten Ab­schnitts gel­ten für Be­trie­be und Ver­wal­tun­gen des pri­va­ten und des öffent­li­chen Rechts, vor­be­halt­lich der Vor­schrif­ten des § 24 für die See­schif­fahrts-, Bin­nen­schif­fahrts- und Luft­ver­kehrs­be­trie­be. Die Vor­schrif­ten des Ers­ten Ab­schnitts gel­ten nicht für Be­trie­be und Ver­wal­tun­gen, in de­nen in der Re­gel fünf oder we­ni­ger Ar­beit­neh­mer aus­sch­ließlich der zu ih­rer Be­rufs­bil­dung Beschäftig­ten beschäftigt wer­den. Bei der Fest­stel­lung der Zahl der beschäftig­ten Ar­beit­neh­mer nach Satz 2 sind nur Ar­beit­neh­mer zu berück­sich­ti­gen, de­ren re­gelmäßige Ar­beits-zeit wöchent­lich 10 St­un­den oder mo­nat­lich 45 St­un­den über­steigt. ...
3. Durch Art. 1 des Ar­beits­recht­li­chen Ge­set­zes zur Förde­rung von Wachs­tum und Beschäfti­gung (Ar­beits­recht­li­ches Beschäfti­gungsförde­rungs­ge­setz) vom 25. Sep­tem­ber 1996 (BGBl I S. 1476) wur­de § 23 KSchG geändert. Da­nach gilt der all­ge­mei­ne Kündi­gungs­schutz nach dem ers­ten Ab­schnitt des Kündi­gungs­schutz­ge­set­zes nicht mehr für Be­trie­be und Ver­wal­tun­gen, in
de­nen in der Re­gel zehn oder we­ni­ger Ar­beit­neh­mer aus­sch­ließlich der zu ih­rer Be­rufs­aus­bil­dung Beschäftig­ten beschäftigt wer­den. Nach dem neu­ge­faßten Satz 3 wer­den bei der Fest­stel­lung der Zahl der beschäftig­ten Ar­beit­neh­mer teil­zeit­beschäftig­te Ar­beit­neh­mer mit ei­ner re­gelmäßigen wöchent­li­chen Ar­beits­zeit von nicht mehr als zehn St­un­den mit 0,25, nicht mehr als 20 St­un­den mit 0,5 und nicht mehr als 30 St­un­den mit 0,75 berück­sich­tigt.
1. Der im Jah­re 1941 ge­bo­re­ne Kläger des Aus­gangs­ver­fah­rens, ein ge­lern­ter Bäcker, war seit Mai 1968 bei dem Be­klag­ten tätig, der da­mals vier Ar­beit­neh­mer und zwei Aus­zu­bil­den­de beschäftig­te. Der Be­klag­te kündig­te das Ar­beits­verhält­nis frist­gemäß we­gen ei­ner länger an­dau­ern­den Er­kran­kung des Klägers. Die­ser er­hob Kla­ge vor dem Ar­beits­ge­richt mit dem An­trag fest­zu­stel­len, daß das Ar­beits­verhält­nis fort­be­steht.
2. Das Ar­beits­ge­richt hat das Ver­fah­ren aus­ge­setzt und die Sa­che dem Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt zur Ent­schei­dung über die Ver­fas­sungsmäßig­keit des § 23 Abs. 1 Satz 2 KSchG vor­ge­legt.
a) Es führt aus, der vom Kündi­gungs­schutz­ge­setz be­zweck­te Be­stands­schutz wer­de in der ar­beits­ge­richt­li­chen Pra­xis fast gänz­lich durch Ab­fin­dun­gen ver­drängt. Da­von sei­en die Ar­beit­neh­mer in Klein­be­trie­ben aus­ge­schlos­sen. Denn nur wenn der Ar­beit­ge­ber mit ei­ner ge­richt­li­chen Ent­schei­dung zu­guns­ten des gekündig­ten Ar­beit­neh­mers rech­nen müsse oder ei­ne sol­che je­den­falls nicht aus­sch­ließen könne, sei er er­fah­rungs­gemäß
be­reit, mit die­sem ernst­haft über ei­nen Ab­fin­dungs­ver­gleich zu ver­han­deln. Ge­ra­de im Klein­be­trieb sei der Ar­beit­neh­mer an­ge­sichts der un­verhält­nismäßig ho­hen Zahl von Kündi­gun­gen auf den ge­richt­li­chen Schutz be­son­ders an­ge­wie­sen.
b) Die Kla­ge hätte bei An­wend­bar­keit des Kündi­gungs­schutz­ge­set­zes Er­folg. Der Ar­beit­ge­ber wäre dann auch zur Zah­lung ei­ner Ab­fin­dung be­reit ge­we­sen. Die Kündi­gung hätte als so­zi­al­wid­rig im Sin­ne des § 1 Abs. 2 KSchG be­wer­tet wer­den müssen. Der Kläger sei während sei­ner 18jähri­gen Be­triebs­zu­gehörig­keit so gut wie nie ar­beits­unfähig krank ge­we­sen. Außer­dem hätten die Lohn­fort­zah­lungs­kos­ten den Be­klag­ten we­gen des Er­stat­tungs­an­spruchs gemäß §§ 10 ff. Lohn­fort­zah­lungs­ge­setz (im fol­gen­den: LFZG) kaum be­las­tet. Fer­ner sei nach ärzt­li­cher Pro­gno­se mit der bal­di­gen Ge­sun­dung des Klägers zu rech­nen ge­we­sen.
c) Der Aus­schluß von Klein­be­trie­ben aus dem Gel­tungs­be­reich des Kündi­gungs­schutz­ge­set­zes sei mit Art. 3 Abs. 1, Art. 12 Abs. 1, Art. 19 Abs. 4, Art. 20 Abs. 1 und Art. 103 Abs. 1 GG nicht zu ver­ein­ba­ren. Im Jah­re 1970 sei­en et­wa acht vom Hun­dert al­ler Ar­beit­neh­mer in Be­trie­ben mit nicht mehr als fünf Ar­beit­neh­mern beschäftigt ge­we­sen. 1978 sei­en nach ei­nem For­schungs­be­richt des Max-Planck-In­sti­tuts für ausländi­sches und in­ter­na­tio­na­les Pri­vat­recht rund 21 vom Hun­dert al­ler Kündi­gun­gen in Klein­be­trie­ben aus­ge­spro­chen wor­den (Fal­ke/Höland/Rho­de/Zim­mer­mann, Kündi­gungs­pra­xis und Kündi­gungs­schutz in der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land, For­schungs­be­richt Ar­beits­recht Nr. 47, 1981, S. 74; im fol­gen­den: For-
schungs­be­richt). Die be­tref­fen­den Ar­beit­neh­mer sei­en da­mit oh­ne wirk­sa­men Rechts­schutz und oh­ne ei­ne rea­lis­ti­sche Möglich­keit zum Ab­schluß ei­nes Ab­fin­dungs­ver­gleichs ge­blie­ben.
Klein­be­trie­be sei­en heu­te im all­ge­mei­nen in der La­ge, ei­ne Ab­fin­dung zu zah­len. In­fol­ge des tech­ni­schen Fort­schritts könn­ten bei nied­ri­gem Per­so­nal­ein­satz ho­he Ge­win­ne er­zielt wer­den. Not­falls las­se sich ei­ne ge­rin­ge­re Leis­tungsfähig­keit durch ein Um­la­ge­ver­fah­ren ent­spre­chend § 10 LFZG aus­glei­chen. Sch­ließlich lie­ge auch ein mit Art. 12 Abs. 1 GG un­ver­ein­ba­rer Wett­be­werbs­vor­teil der Klein­un­ter­neh­mer dar­in, daß sie nicht mit Ab­fin­dungs­ver­pflich­tun­gen zu rech­nen brauch­ten und des­halb ge­rin­ge­re so­zia­le Ne­ben- und Vor­hal­te­kos­ten hätten.
Zu dem Aus­set­zungs- und Vor­la­ge­be­schluß ha­ben sich der Bun­des­mi­nis­ter für Ar­beit und So­zi­al­ord­nung na­mens der Bun­des­re­gie­rung, das Bun­des­ar­beits­ge­richt, der Deut­sche Ge­werk­schafts­bund, die Deut­sche An­ge­stell­ten-Ge­werk­schaft so­wie - in ei­ner ge­mein­sa­men Stel­lung­nah­me - die Bun­des­ver­ei­ni­gung der Deut­schen Ar­beit­ge­ber­verbände und der Bun­des­ver­band der Deut­schen In­dus­trie geäußert.
1. Der Bun­des­mi­nis­ter für Ar­beit und So­zi­al­ord­nung hält § 23 Abs. 1 Satz 2 KSchG für ver­fas­sungs­kon­form. Der Gleich­heits­grund­satz des Art. 3 Abs. 1 GG sei nicht ver­letzt. Der Ge­setz­ge­ber ha­be den be­son­de­ren Verhält­nis­sen in Klein­be­trie­ben Rech­nung tra­gen wol­len. In der­ar­ti­gen Be­trie­ben sei der persönli­che Kon­takt bei der Ar­beits­leis­tung so eng, daß bei
Span­nun­gen im Be­trieb ei­ne nicht an be­son­de­re Gründe ge­bun­de­ne or­dent­li­che Kündi­gung möglich sein müsse. Der Ge­setz­ge­ber se­he des­we­gen ei­nen Schutz vor un­ge­recht­fer­tig­ten ar­beit­ge­ber­sei­ti­gen Kündi­gun­gen nur vor, wenn der Rechts­un­wirk­sam­keits­grund außer­halb des Kündi­gungs­schutz­ge­set­zes lie­ge. Über­dies be­las­te ein Kündi­gungs­schutz­ver­fah­ren den Ar­beit­ge­ber ei­nes Klein­be­trie­bes un­verhält­nismäßig stark.
Mit der fak­ti­schen Un­gleich­be­hand­lung beim Ab­schluß von Ab­fin­dungs­ver­glei­chen könne die Ver­fas­sungs­wid­rig­keit des § 23 Abs. 1 Satz 2 KSchG selbst nicht be­gründet wer­den. Sol­che Ver­glei­che sei­en nicht zwangsläufig Fol­ge des ge­setz­li­chen Kündi­gungs­schut­zes. Die Zahl der Ab­fin­dungs­ver­glei­che be­sa­ge zu­dem nichts über die Ef­fek­ti­vität des durch das Kündi­gungs­schutz­ge­setz gewähr­ten Rechts­schut­zes.
Das So­zi­al­staats­prin­zip wer­de durch § 23 Abs. 1 Satz 2 KSchG eben­falls nicht ver­letzt. Der Staat ha­be sei­ne Auf­ga­be, für ei­nen so­zia­len Aus­gleich und ei­ne ge­rech­te So­zi­al­ord­nung zu sor­gen, erfüllt: Zum ei­nen sei­en auch die Ar­beit­neh­mer in Klein­be­trie­ben durch Rechts­nor­men außer­halb des Kündi­gungs­schutz­ge­set­zes ge­gen willkürli­che Kündi­gun­gen geschützt, zum an­de­ren sa­ge das So­zi­al­staats­prin­zip nichts darüber aus, wie der Ge­setz­ge­ber den dar­in ent­hal­te­nen Ge­stal­tungs­auf­trag im ein­zel­nen zu rea­li­sie­ren ha­be.
Sch­ließlich ver­s­toße § 23 Abs. 1 Satz 2 KSchG auch nicht ge­gen Art. 103 Abs. 1 in Ver­bin­dung mit Art. 19 Abs. 4 GG. Auch Ar­beit­neh­mer in Klein­be­trie­ben könn­ten ge­gen willkürli­che Kündi­gun­gen Rechts­schutz er­lan­gen.
2. Der Zwei­te Se­nat des Bun­des­ar­beits­ge­richts teilt mit, daß er in sei­ner bis­he­ri­gen Spruch­pra­xis § 23 Abs. 1 Satz 2 KSchG oh­ne wei­te­res als ver­fas­sungs­kon­form an­ge­se­hen ha­be.
3. Der Deut­sche Ge­werk­schafts­bund teilt die Auf­fas­sung des vor­le­gen­den Ge­richts. Die Be­nach­tei­li­gung der Ar­beit­neh­mer in Klein­be­trie­ben sei sach­lich nicht ge­recht­fer­tigt. Un­sach­lich sei die An­knüpfung an den Be­trieb; die­ser Be­griff er­fas­se das Bild des mit­telständi­schen Klein­un­ter­neh­mers, der durch die vor­ge­leg­te Re­ge­lung geschüzt wer­den sol­le, nicht zu­tref­fend. Die In­ten­si­vie­rung der Ar­beits­for­men so­wohl im Pro­duk­ti­ons-als auch im Dienst­leis­tungs­be­reich hätten zu höchst wett­be­werbsfähi­gen und ka­pi­tal­in­ten­si­ven Be­trie­ben mit klei­ner Be­leg­schaft geführt. Außer­dem würden von der Re­ge­lung auch kon­zern­an­gehöri­ge Klein­be­trie­be er­faßt.
Dem Ge­sichts­punkt der en­gen persönli­chen Zu­sam­men­ar­beit tra­ge § 9 KSchG hin­rei­chend Rech­nung. Die be­ab­sich­tig­te fi­nan­zi­el­le und or­ga­ni­sa­to­ri­sche Ent­las­tung der Klein­be­trie­be sei sach­lich nicht ge­recht­fer­tigt. Fi­nanz­schwäche sei für den Klein­be­trieb nicht ty­pisch. In or­ga­ni­sa­to­ri­scher Hin­sicht würden Klein­be­trie­be durch ih­re Kam­mern oder Verbände hinläng­lich un­terstützt. Die vor­ge­leg­te Norm sei je­den­falls un­verhält­nismäßig. Ar­beit­neh­mer in Klein­be­trie­ben sei­en in be­son­de­rer Wei­se schutz­bedürf­tig. In ei­ni­gen Sek­to­ren - Wer­be­agen­tu­ren, Da­ten­ver­ar­bei­tung und Soft­ware-Be­ra­tung - ar­bei­te­ten 98 vom Hun­dert der Beschäftig­ten in Klein­be­trie­ben, ins­ge­samt han­de­le es sich da­bei um rund drei Mil­lio­nen Beschäftig­te.
4. Die Deut­sche An­ge­stell­ten-Ge­werk­schaft pflich­tet dem vor­le­gen­den Ge­richt bei. Jähr­lich blei­be knapp ein Vier­tel al­ler in Deutsch­land aus­ge­spro­che­nen Kündi­gun­gen oh­ne wirk­sa­me recht­li­che Über­prüfung, weil die be­trof­fe­nen Ar­beit­neh­mer in Klein­be­trie­ben beschäftigt sei­en. Das Kündi­gungs­ri­si­ko sei im Klein­be­trieb un­gefähr dop­pelt so groß wie in Be­trie­ben mit ei­ner Beschäftig­ten­zahl zwi­schen 20 und 50 Ar­beit­neh­mern, vier Mal größer als in Be­trie­ben mit 300 bis 2.000 Ar­beit­neh­mern und bei­na­he sie­ben Mal größer als in Großbe­trie­ben mit über 2.000 Ar­beit­neh­mern. Ar­beit­ge­ber von Klein­be­trie­ben sei­en er­fah­rungs­gemäß aus frei­en Stücken nicht be­reit, über die Zah­lung ei­ner Ab­fin­dung zu ver­han­deln. Die Wirt­schafts­kraft vie­ler Klein­be­trie­be über­stei­ge die­je­ni­ge von Großbe­trie­ben. Der Ge­setz­ge­ber könne durch Um­la­ge ei­nen Aus­gleich schaf­fen.
5. Die Bun­des­ver­ei­ni­gung der Deut­schen Ar­beit­ge­ber­verbände und der Bun­des­ver­band der Deut­schen In­dus­trie hal­ten die Re­ge­lung für sach­lich ge­recht­fer­tigt. Die Son­der­stel­lung der Klein­be­trie­be ha­be sich his­to­risch ent­wi­ckelt und seit lan­gem in der Pra­xis bewährt. Sie sei auch aus ar­beits­markt­po­li­ti­schen Gründen ge­recht­fer­tigt. Klein­be­trie­be müßten ih­ren Per­so­nal­be­stand ge­ge­be­nen­falls auch kurz­fris­tig an die Auf­trags­la­ge an­pas­sen können. Da­mit kor­re­spon­die­re ei­ne höhe­re Ein­stel­lungs­be­reit­schaft bei stei­gen­der Nach­fra­ge.
Klein­be­trie­be verfügten über ei­ne ge­rin­ge­re Ka­pi­tal­de­cke als Großbe­trie­be. Der aus den ho­hen An­for­de­run­gen an die so­zia­le Recht­fer­ti­gung ei­ner Kündi­gung re­sul­tie­ren­de fak­ti­sche Zwang zur Wei­ter­beschäfti­gung so­wie die ho­hen Ver­wal­tungs-
und Pro­zeßkos­ten könn­ten zu ei­ner über­pro­por­tio­na­len fi­nan­zi­el­len Be­las­tung führen. Das Be­triebs­kli­ma in Klein­be­trie­ben sei we­gen der persönli­chen Bin­dun­gen anfälli­ger als in Großbe­trie­ben. Ab­fin­dun­gen im Rah­men von Ver­glei­chen be­ruh­ten auf dem Grund­satz der Ver­trags­frei­heit und nicht auf Vor­schrif­ten des Kündi­gungs­schutz­ge­set­zes.
Die zur Prüfung ge­stell­te Norm war nach Maßga­be der Ent­schei­dungs­gründe mit dem Grund­ge­setz ver­ein­bar.
Vor­ran­gig ist sie am Maßstab des Art. 12 Abs. 1 GG zu mes­sen.
1. Die­ses Grund­recht ga­ran­tiert die freie Wahl des Ar­beits­plat­zes. Der Ein­zel­ne wird in sei­nem Ent­schluß, ei­ne kon­kre­te Beschäfti­gungsmöglich­keit in dem gewähl­ten Be­ruf zu er­grei­fen oder ein be­ste­hen­des Ar­beits­verhält­nis bei­zu­be­hal­ten oder auf­zu­ge­ben, vor staat­li­chen Maßnah­men geschützt, die ihn am Er­werb ei­nes zur Verfügung ste­hen­den Ar­beits­plat­zes hin­dern oder zur An­nah­me, Bei­be­hal­tung oder Auf­ga­be ei­nes be­stimm­ten Ar­beits­plat­zes zwin­gen. Da­ge­gen ist mit der Be­rufs­wahl­frei­heit we­der ein An­spruch auf Be­reit­stel­lung ei­nes Ar­beits­plat­zes ei­ge­ner Wahl noch ei­ne Be­stands­ga­ran­tie für den ein­mal gewähl­ten Ar­beits­platz ver­bun­den. Eben­so­we­nig gewährt Art. 12 Abs. 1 GG ei­nen un­mit­tel­ba­ren Schutz ge­gen den Ver­lust des Ar­beits­plat­zes auf­grund pri­va­ter Dis­po­si­ti­on. In­so­fern ob­liegt dem Staat aber ei­ne aus dem Grund­recht fol­gen­de
Schutz­pflicht, der die gel­ten­den Kündi­gungs­vor­schrif­ten Rech­nung tra­gen (vgl. BVerfGE 84, 133 <146 f.>; 85, 360 <372 f.>; 92, 140 <150>).
2. Die Klein­be­triebs­klau­sel greift in be­ste­hen­de Ar­beits­verhält­nis­se und da­mit in ei­ne grund­recht­lich geschütz­te Po­si­ti­on von Ar­beit­neh­mern nicht ein. Es han­delt sich um ei­ne das pri­va­te Ver­trags­recht aus­ge­stal­ten­de Norm, die al­lein am ob­jek­ti­ven Ge­halt der Grund­rech­te zu mes­sen ist. Art. 12 Abs. 1 GG kann durch sie nur ver­letzt sein, wenn der Ge­setz­ge­ber da­mit sei­ner aus die­sem Grund­recht ab­zu­lei­ten­den Pflicht zum Schutz der Ar­beit­neh­mer vor Ar­beit­ge­berkündi­gun­gen nicht hin­rei­chend nach­ge­kom­men ist.
3. Die Norm ist mit Art. 12 Abs. 1 GG ver­ein­bar.
a) Bei pri­vat­recht­li­chen Re­ge­lun­gen, die der Ver­trags­frei­heit Gren­zen set­zen, geht es um den Aus­gleich wi­der­strei­ten­der In­ter­es­sen, die re­gelmäßig grund­recht­lich ver­an­kert sind. So liegt es auch hier. Dem durch Art. 12 Abs. 1 GG geschütz­ten In­ter­es­se des Ar­beit­neh­mers an ei­ner Er­hal­tung sei­nes Ar­beits­plat­zes steht das In­ter­es­se des Ar­beit­ge­bers ge­genüber, in sei­nem Un­ter­neh­men nur Mit­ar­bei­ter zu beschäfti­gen, die sei­nen Vor­stel­lun­gen ent­spre­chen, und ih­re Zahl auf das von ihm be­stimm­te Maß zu be­schränken. Er übt da­mit re­gelmäßig sei­ne Be­rufs­frei­heit im Sin­ne von Art. 12 Abs. 1 GG, je­den­falls aber sei­ne wirt­schaft­li­che Betäti­gungs­frei­heit, aus, die durch Art. 2 Abs. 1 GG geschützt ist. Für den Ge­setz­ge­ber stellt sich da­mit ein Pro­blem prak­ti­scher Kon­kor­danz. Die kol­li­die­ren­den Grund­rechts­po­si­tio­nen sind in ih­rer Wech­sel-
wir­kung zu er­fas­sen und so zu be­gren­zen, daß sie für al­le Be­tei­lig­ten möglichst weit­ge­hend wirk­sam wer­den (vgl. BVerfGE 89, 214 <232>).
Dem Ge­setz­ge­ber, der die­se In­ter­es­sen zu ei­nem ge­rech­ten Aus­gleich brin­gen will, ist ein wei­ter Ge­stal­tungs­frei­raum ein­geräumt. Die Einschätzung der für die Kon­flikt­la­ge maßgeb­li­chen öko­no­mi­schen und so­zia­len Rah­men­be­din­gun­gen liegt in sei­ner po­li­ti­schen Ver­ant­wor­tung, eben­so die Vor­aus­schau auf die künf­ti­ge Ent­wick­lung und die Wir­kun­gen sei­ner Re­ge­lung. Das­sel­be gilt für die Be­wer­tung der In­ter­es­sen­la­ge, das heißt die Ge­wich­tung der ein­an­der ent­ge­gen­ste­hen­den Be­lan­ge und die Be­stim­mung ih­rer Schutz­bedürf­tig­keit. Ei­ne Ver­let­zung grund-recht­li­cher Schutz­pflich­ten kann da­her in ei­ner sol­chen La­ge nur fest­ge­stellt wer­den, wenn ei­ne Grund­rechts­po­si­ti­on den In­ter­es­sen des an­de­ren Ver­trags­part­ners in ei­ner Wei­se un­ter­ge­ord­net wird, daß in An­be­tracht der Be­deu­tung und Trag­wei­te des be­trof­fe­nen Grund­rechts von ei­nem an­ge­mes­se­nen Aus­gleich nicht mehr ge­spro­chen wer­den kann (so et­wa in BVerfGE 81, 242 <255>; 89, 214 <232 ff.›).
b) Dar­an ge­mes­sen ver­letzt die Klein­be­triebs­klau­sel Art. 12 Abs. 1 GG nicht. Der Ge­setz­ge­ber hat mit ihr ei­nen Aus­gleich zwi­schen den Be­lan­gen der Ar­beits­ver­trags­par­tei­en ge­trof­fen, der der aus die­ser Grund­rechts­norm ab­zu­lei­ten­den Schutz­pflicht genügt. Die ein­an­der ge­genüber­ste­hen­den Be­lan­ge sind an­ge­mes­sen berück­sich­tigt wor­den. Die be­trof­fe­nen Ar­beit­neh­mer sind Kündi­gun­gen durch den Ar­beit­ge­ber nicht schutz­los aus­ge­lie­fert.
aa) Bei ei­ner Re­ge­lung des Kündi­gungs­schut­zes sind auf sei­ten des Ar­beit­neh­mers ge­wich­ti­ge Be­lan­ge in die Waag­scha­le zu wer­fen. Be­ruf­li­che Tätig­keit, für die Art. 12 Abs. 1 GG den er­for­der­li­chen Frei­raum gewähr­leis­tet, kann er aus­sch­ließlich durch den Ab­schluß und den Fort­be­stand von Ar­beits­verträgen rea­li­sie­ren (vgl. BVerfGE 81, 242 <254>). Der Ar­beits­platz ist die wirt­schaft­li­che Exis­tenz­grund­la­ge für ihn und sei­ne Fa­mi­lie. Le­bens­zu­schnitt und Wohn­um­feld wer­den da­von be­stimmt, eben­so ge­sell­schaft­li­che Stel­lung und Selbst­wert­gefühl. Mit der Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses wird die­ses öko­no­mi­sche und so­zia­le Be­zie­hungs­ge­flecht in Fra­ge ge­stellt. Die Aus­sich­ten, ei­ne ähn­li­che Po­si­ti­on oh­ne Ein­bußen an Le­bens­stan­dard und Ver­lust von Nach­bar­schafts­be­zie­hun­gen zu fin­den, hängen vom Ar­beits­markt ab. In Zei­ten struk­tu­rel­ler Ar­beits­lo­sig­keit sind sie vor al­lem für den älte­ren Ar­beit­neh­mer schlecht. Ge­lingt es ihm nicht, als­bald ei­nen neu­en Ar­beits­platz zu fin­den, gerät er häufig in ei­ne Kri­se, in der ihm durch die Leis­tun­gen der Ar­beits­lo­sen­ver­si­che­rung nur teil­wei­se und auch nur für ei­nen be­grenz­ten Zeit­raum ge­hol­fen wird.
bb) Auf der an­de­ren Sei­te ist auch das Kündi­gungs­recht des Klein­un­ter­neh­mers in ho­hem Maße schutzwürdig. In ei­nem Be­trieb mit we­ni­gen Ar­beits­kräften hängt der Geschäfts­er­folg mehr als bei Großbe­trie­ben von je­dem ein­zel­nen Ar­beit­neh­mer ab. Auf sei­ne Leis­tungsfähig­keit kommt es eben­so an wie auf Persönlich­keits­merk­ma­le, die für die Zu­sam­men­ar­beit, die Außen­wir­kung und das Be­triebs­kli­ma von Be­deu­tung sind. Klei­ne Teams sind anfällig für Mißstim­mun­gen und Que­re­len. Störun­gen
des Be­triebs­kli­mas können zu Leis­tungs­min­de­run­gen führen, die bei ge­rin­gem Geschäfts­vo­lu­men spürbar auf das Er­geb­nis durch­schla­gen. Ausfälle las­sen sich bei nied­ri­gem Per­so­nal­be­stand nur schwer aus­glei­chen. Ty­pi­scher­wei­se ar­bei­tet bei klei­nen Be­trie­ben der Un­ter­neh­mer selbst als Chef vor Ort mit. Da­mit be­kommt das Ver­trau­ens­verhält­nis zu je­dem sei­ner Mit­ar­bei­ter ei­nen be­son­de­ren Stel­len­wert. Auch die re­gelmäßig ge­rin­ge­re Fi­nanz­aus­stat­tung fällt ins Ge­wicht. Ein Klein­be­trieb ist häufig nicht in der La­ge, Ab­fin­dun­gen bei Auflösung ei­nes Ar­beits­verhält­nis­ses zu zah­len oder we­ni­ger leis­tungsfähi­ges, we­ni­ger benötig­tes oder auch nur we­ni­ger ge­neh­mes Per­so­nal mit­zu­tra­gen. Sch­ließlich be­las­tet auch der Ver­wal­tungs­auf­wand, den ein Kündi­gungs­schutz­pro­zeß mit sich bringt, den Klein­be­trieb stärker als ein größeres Un­ter­neh­men.
cc) Mit der zur Prüfung ge­stell­ten Norm hat die­ser In­ter­es­sen­ge­gen­satz ei­nen Aus­gleich ge­fun­den, der ver­fas­sungs-recht­lich nicht zu be­an­stan­den ist.
Den Ar­beit­neh­mern in Klein­be­trie­ben ist das größere recht­li­che Ri­si­ko ei­nes Ar­beits­platz­ver­lus­tes an­ge­sichts der schwer­wie­gen­den und grund­recht­lich geschütz­ten Be­lan­ge der Ar­beit­ge­ber zu­zu­mu­ten. Da­bei fällt ins Ge­wicht, daß die Ar­beit­neh­mer durch ih­re Her­aus­nah­me aus dem ge­setz­li­chen Kündi­gungs­schutz nicht völlig schutz­los ge­stellt sind. Wo die Be­stim­mun­gen des Kündi­gungs­schutz­ge­set­zes nicht grei­fen, sind die Ar­beit­neh­mer durch die zi­vil­recht­li­chen Ge­ne­ral­klau­seln vor ei­ner sit­ten- oder treu­wid­ri­gen Ausübung des Kündi­gungs­rechts des Ar­beit­ge­bers geschützt. Im Rah­men die­ser Ge­ne-
ral­klau­seln ist auch der ob­jek­ti­ve Ge­halt der Grund­rech­te zu be­ach­ten (vgl. BVerfGE 7, 198 <204 ff.>). Hier er­ge­ben sich die maßge­ben­den Grundsätze vor al­lem aus Art. 12 Abs. 1 GG. Der ver­fas­sungs­recht­lich ge­bo­te­ne Min­dest­schutz des Ar­beits­plat­zes vor Ver­lust durch pri­va­te Dis­po­si­ti­on ist da­mit in je­dem Fall gewähr­leis­tet. Wie weit die­ser Schutz im ein­zel­nen reicht, ist von den Ar­beits­ge­rich­ten zu ent­schei­den.
Aus­gangs­punkt ei­ner sol­chen Würdi­gung ist der Re­spekt vor der ge­setz­ge­be­ri­schen Ein­gren­zung des ge­setz­li­chen Kündi­gungs­schut­zes durch § 23 Abs. 1 KSchG. Der durch die Ge­ne­ral­klau­seln ver­mit­tel­te Schutz darf nicht da­zu führen, daß dem Klein­un­ter­neh­mer prak­tisch die im Kündi­gungs­schutz­ge­setz vor­ge­ge­be­nen Maßstäbe der So­zi­al­wid­rig­keit auf­er­legt wer­den. Das hat das Bun­des­ar­beits­ge­richt zu­tref­fend in ständi­ger Recht­spre­chung be­tont (BA­GE 28, 176 <184>; 77, 128 <133> je­weils m.w.N.). Darüber hin­aus wirkt der durch die Ge­ne­ral­klau­seln ver­mit­tel­te Grund­rechts­schutz um so schwächer, je stärker die mit der Klein­be­triebs­klau­sel geschütz­ten Grund­rechts­po­si­tio­nen des Ar­beit­ge­bers im Ein­zel­fall be­trof­fen sind.
In sach­li­cher Hin­sicht geht es vor al­lem dar­um, Ar­beit­neh­mer vor willkürli­chen oder auf sach­frem­den Mo­ti­ven be­ru­hen­den Kündi­gun­gen zu schützen (vgl. da­zu et­wa BA­GE 77, 128 <133 f.>). Zu­tref­fend wer­den in der Li­te­ra­tur als Bei­spie­le dafür Dis­kri­mi­nie­run­gen im Sin­ne von Art. 3 Abs. 3 GG ge­nannt (Oet­ker, Ar­buR 1997, S. 41 <48>; Preis, NZA 1997, S. 1256 <1266>). So­weit un­ter meh­re­ren Ar­beit­neh­mern ei­ne Aus­wahl zu
tref­fen ist, ge­bie­tet der ver­fas­sungs­recht­li­che Schutz des Ar­beits­plat­zes in Ver­bin­dung mit dem So­zi­al­staats­prin­zip ein ge­wis­ses Maß an so­zia­ler Rück­sicht­nah­me (vgl. BVerfGE 84, 133 <154 ff.>; SA­GE 79, 128 <138>). Sch­ließlich darf auch ein durch langjähri­ge Mit­ar­beit er­dien­tes Ver­trau­en in den Fort­be­stand ei­nes Ar­beits­verhält­nis­ses nicht un­berück­sich­tigt blei­ben.
Der ob­jek­ti­ve Ge­halt der Grund­rech­te kann auch im Ver­fah­rens­recht Be­deu­tung er­lan­gen (vgl. BVerfGE 89, 276 <289 f.>). Für die Wirk­sam­keit des ge­richt­li­chen Kündi­gungs­schut­zes ist die Ver­tei­lung der Dar­le­gungs- und Be­weis­last von be­son­de­rer Be­deu­tung (vgl. Preis, NZA 1997, S. 1256 <1268>). Nach § 1 Abs. 2 Satz 4 KSchG hat der Ar­beit­ge­ber die Tat­sa­chen zu be­wei­sen, die die Kündi­gung be­din­gen. Außer­halb des Kündi­gungs­schutz­ge­set­zes gilt die­se Re­gel nicht. Wie die Dar­le­gungs-und Be­weis­last un­ter Be­ach­tung ver­fas­sungs­recht­li­cher Po­si­tio­nen bei der An­wen­dung der Ge­ne­ral­klau­seln in §§ 138 oder 242 BGB zu be­ur­tei­len ist, läßt sich nicht all­ge­mein fest­le­gen (vgl. da­zu Oet­ker, Ar­buR 1997, S. 41 <53>; Preis, NZA 1997, S. 1256 <1269>; Prütting, Ge­gen­warts­pro­ble­me der Be­weis­last, 1983, S. 248 f.). Für ei­ne ab­ge­stuf­te Dar­le­gungs-und Be­weis­last bie­tet das Pro­zeßrecht aber ge­eig­ne­te Hand­ha­ben (vgl. Preis, a.a.O.).
c) Der Um­stand, daß in Ver­fah­ren nach dem Kündi­gungs­schutz­ge­setz zu­meist we­ni­ger um die Fortführung des Ar­beits­verhält­nis­ses ge­strit­ten als über ei­ne Ab­fin­dung ver­han­delt wird, ändert nichts an die­ser Be­ur­tei­lung. Durch die­se Ent-
wick­lung wird we­der die Ziel­set­zung des Kündi­gungs­schutz­ge­set­zes ver­fehlt noch ver­liert die Her­aus­nah­me der Klein­be­trie­be aus dem ge­setz­li­chen Kündi­gungs­schutz ih­re in­ne­re Recht­fer­ti­gung.
Die Er­war­tung des Ar­beit­ge­bers, ein Ar­beits­verhält­nis nur ge­gen Ab­fin­dung be­en­den zu können, wirkt sich im Vor­feld ei­ner Kündi­gung ar­beits­platzschützend aus. Er wird die­se Auf­wen­dung nur in Fällen in Kauf neh­men, die ihm be­son­ders dring­lich er­schei­nen. Im Ab­fin­dungs­ver­gleich wird der vom Ge­setz in ers­ter Li­nie er­streb­te Be­stands­schutz von den Par­tei­en in ei­nen Geld­aus­gleich um­gemünzt, des­sen Höhe der übe­rein­stim­men­den Be­wer­tung der Pro­zeßaus­sich­ten ent­spricht. Auch dar­in schlägt sich mit­hin der durch das Ge­setz ver­mit­tel­te Schutz nie­der. Die spe­zi­fi­schen und vom Ge­setz­ge­ber als be­son­ders schutzwürdig an­ge­se­he­nen In­ter­es­sen des Klein­un­ter­neh­mers an der Be­en­di­gung ei­nes Ar­beits­verhält­nis­ses würden sei­ne Ver­hand­lungs­po­si­ti­on bei Ab­fin­dungs­ver­hand­lun­gen schwächen, wenn er den Re­ge­lun­gen des Kündi­gungs­schutz­ge­set­zes un­ter­wor­fen wäre. Außer­dem würde der wirt­schaft­lich schwa­che Klein­be­triebs­in­ha­ber durch ei­ne Ab­fin­dung härter ge­trof­fen als ein größerer Be­trieb, der Ab­fin­dun­gen eher auf­brin­gen kann (vgl. da­zu Wank, Anm. zu BAG, EzA § 23 KSchG Nr. 8).
d) Ob der Ge­setz­ge­ber in § 23 Abs. 1 Satz 2 und 3 KSchG die Gren­ze zum Klein­be­trieb in ver­fas­sungs­kon­for­mer Wei­se ge­zo­gen hat, ist im Zu­sam­men­hang mit Art. 3 Abs. 1 GG als dem in­so­weit sachnähe­ren Grund­recht zu erörtern.
Die zur Prüfung ge­stell­te Norm ist nach Maßga­be der Ent­schei­dungs­gründe auch mit dem all­ge­mei­nen Gleich­heits­satz (Art. 3 Abs. 1 GG) ver­ein­bar.
1. Für die Prüfung der Ver­fas­sungsmäßig­keit von Nor­men gibt der all­ge­mei­ne Gleich­heits­satz kei­nen ein­heit­li­chen Prüfungs­maßstab vor. Je nach Re­ge­lungs­ge­gen­stand und Dif­fe­ren­zie­rungs­merk­ma­len er­ge­ben sich un­ter­schied­li­che Gren­zen für den Ge­setz­ge­ber, die vom bloßen Willkürver­bot bis zu ei­ner stren­gen Bin­dung an Verhält­nismäßig­keits­er­for­der­nis­se rei­chen. Die An­for­de­run­gen sind um so stren­ger, je mehr sich die per­so­nen­be­zo­ge­nen Merk­ma­le den in Art. 3 Abs. 3 GG ge­nann­ten nähern. Bei ei­ner an Sach­ver­hal­ten ori­en­tier­ten Un­gleich­be­hand­lung kommt es ent­schei­dend dar­auf an, in­wie­weit die Be­trof­fe­nen in der La­ge sind, durch ihr Ver­hal­ten die Ver­wirk­li­chung der Dif­fe­ren­zie­rungs­merk­ma­le zu be­ein­flus­sen. Die un­ter­schied­li­che Bin­dung des Ge­setz­ge­bers wirkt sich ent­spre­chend auf die ihm zu­ste­hen­de Einschätzungs­präro­ga­ti­ve und auch auf die ver­fas­sungs­ge­richt­li­che Kon­troll­dich­te aus (vgl. im ein­zel­nen BVerfGE 88, 87 <96 f.>).
2. § 23 Abs. 1 Satz 2 KSchG be­nach­tei­ligt die Ar­beit­neh­mer in Klein­be­trie­ben im Ver­gleich zu Ar­beit­neh­mern in größeren Be­trie­ben. Die Re­ge­lung hat, wie dar­ge­legt, Aus­wir­kun­gen auf die durch Art. 12 GG geschütz­te Frei­heit der be­ruf­li­chen Tätig­keit; der Ge­setz­ge­ber un­ter­liegt so­mit grundsätz­lich ei­ner stren­ge­ren Bin­dung (vgl. BVerfGE 82, 126 <146>).
3. Das Feh­len des all­ge­mei­nen Kündi­gungs­schut­zes trifft die Ar­beit­neh­mer im Klein­be­trieb nicht leicht. Die recht­li­chen Un­ter­schie­de zwi­schen dem Kündi­gungs­schutz nach dem Kündi­gungs­schutz­ge­setz und dem nur durch die zi­vil­recht­li­chen Ge­ne­ral­klau­seln gewähr­ten Min­dest­schutz sind be­reits dar­ge­legt wor­den. § 23 Abs. 1 Satz 2 KSchG hat zur Fol­ge, daß ein sehr er­heb­li­cher Teil des Hand­werks, des Ein­zel­han­dels, der bäuer­li­chen Be­trie­be und der Be­trie­be von An­gehöri­gen frei­er Be­ru­fe aus dem Kündi­gungs­schutz her­aus­ge­nom­men ist. Nach ei­ner recht­statsächli­chen Un­ter­su­chung wa­ren da­von En­de der 70er Jah­re rund 1,8 Mil­lio­nen Ar­beit­neh­mer be­trof­fen (vgl. da­zu die vom Bun­des­mi­nis­ter für Ar­beit und So­zi­al­ord­nung ver­ge­be­ne em­pi­ri­sche Un­ter­su­chung von Fal­ke/Höland/Rho­de/Zim­mer­mann, For­schungs­be­richt, S. 74; Hu­eck/von Ho­y­nin­gen-Hue­ne, Kündi­gungs­schutz­ge­setz, 12. Aufl. 1997, § 23 Rn. 19). Die vor­han­de­nen Sta­tis­ti­ken ent­hal­ten nach wie vor kei­ne Da­ten über Be­trie­be, die höchs­tens fünf Ar­beit­neh­mer beschäfti­gen, de­ren re­gelmäßige Ar­beits­zeit wöchent­lich zehn St­un­den oder mo­nat­lich 45 St­un­den über­steigt, und die des­halb nicht un­ter das Kündi­gungs­schutz­ge­setz fal­len. Nach der Ar­beitsstättenzählung 1987 wa­ren in den 1.688.000 Ar­beitsstätten mit ei­nem bis zu vier Beschäftig­ten 2.608.000 Männer und 854.000 Frau­en, in den 495.000 Ar­beitsstätten mit fünf bis neun Beschäftig­ten 1.579.000 Männer und 1.612.000 Frau­en tätig (vgl. da­zu die An­ga­ben der Bun­des­re­gie­rung ge­genüber dem Eu­ropäischen Ge­richts­hof in der Rechts­sa­che C 189/91, S. 19 ff. des Sit­zungs­be­richts).
4. Gleich­wohl liegt ein Gleich­heits­ver­s­toß nicht vor.
a) Daß die schon ge­nann­ten Sach­ge­sichts­punk­te, die es recht­fer­ti­gen, die Ar­beit­neh­mer aus Klein­be­trie­ben in ih­rem Grund­recht auf freie Wahl des Ar­beits­plat­zes zu be­schränken, zu­gleich auch ei­ne Un­gleich­be­hand­lung die­ser Ar­beit­neh­mer im Ver­gleich zu de­nen recht­fer­ti­gen, die in größeren Be­trie­ben tätig sind, be­darf nach den Ausführun­gen zu Art. 12 Abs. 1 GG kei­ner wei­te­ren Dar­le­gung.
b) Die Norm ist aber auch im Hin­blick auf die vom Ge­setz­ge­ber vor­ge­nom­me­ne De­fi­ni­ti­on des Klein­be­trie­bes nicht zu be­an­stan­den, durch die die Grup­pe der be­nach­tei­lig­ten Ar­beit­neh­mer ge­bil­det wird. Das gilt so­wohl hin­sicht­lich der Größe des Klein­be­trie­bes (aa) als auch - bei ver­fas­sungs­kon­for­mer Aus­le­gung - hin­sicht­lich der An­knüpfung an den Be­griff "Be­trieb" (bb).
aa) Mit der Fest­le­gung der maßgeb­li­chen Be­triebs­größe durch die Zahl der dort voll­beschäftig­ten Ar­beit­neh­mer hat der Ge­setz­ge­ber ei­ne ty­pi­sie­ren­de Re­ge­lung ge­trof­fen, die den dafür gel­ten­den ver­fas­sungs­recht­li­chen Maßstäben genügt. Je­de ge­setz­li­che Re­ge­lung muß ge­ne­ra­li­sie­ren. Der Ge­setz­ge­ber ist da­her ins­be­son­de­re bei Mas­sen­er­schei­nun­gen ge­zwun­gen, aber auch be­rech­tigt, bei sei­nen Ent­schei­dun­gen von dem Ge­samt­bild aus­zu­ge­hen, das sich aus den vor­lie­gen­den Er­fah­run­gen er­gibt (vgl. BVerfGE 11, 245 <254>; stRspr; zu­letzt BVerfGE 89, 15 <24>). Die ar­beit­ge­ber­sei­ti­ge Kündi­gung ist ei­ne ty­pi­sche Mas­sen­er­schei­nung. Kla­re Re­ge­lun­gen sind für das Funk­tio­nie­ren ei­ner ar­beits­tei­li­gen Wirt­schaft und ei­ner kom­ple­xen öffent­li­chen Ver­wal­tung un­ent­behr­lich. Sie lie­gen auch im In-
ter­es­se bei­der Ar­beits­ver­trags­par­tei­en. Dies recht­fer­tigt es, den be­trieb­li­chen Gel­tungs­be­reich des Kündi­gungs­schutz­ge­set­zes an­hand ein­fa­cher, leicht fest­stell­ba­rer Tat­sa­chen ab­zu­gren­zen.
In der Sa­che geht es da­bei um ei­ne Ab­gren­zung ty­pi­scher In­ter­es­sen­la­gen. Der Ge­setz­ge­ber ging da­von aus, daß die im ers­ten und zwei­ten Ab­schnitt des Kündi­gungs­schutz­ge­set­zes ge­trof­fe­nen Re­ge­lun­gen erst ab ei­ner be­stimm­ten Be­triebs­größe ei­nen an­ge­mes­se­nen Aus­gleich der wi­der­strei­ten­den In­ter­es­sen von Ar­beit­ge­ber und Ar­beit­neh­mer dar­stel­len. Das ist im An­satz sach­ge­recht. Es ist schon dar­ge­legt wor­den, daß bei en­ger persönli­cher Zu­sam­men­ar­beit, ins­be­son­de­re persönli­cher Mit­ar­beit des Ar­beit­ge­bers im Be­trieb, so­wie bei ge­rin­ge­rer Fi­nanz­aus­stat­tung und Ver­wal­tungs­ka­pa­zität des Un­ter­neh­mens gu­te Gründe dafür spre­chen, dem Ar­beit­ge­ber freie­re Hand bei der Ausübung sei­nes Kündi­gungs­rechts ein­zuräum­en, als ihm die all­ge­mei­nen Vor­schrif­ten des Kündi­gungs­schutz­ge­set­zes er­lau­ben.
Die im Ge­setz fest­ge­leg­te Gren­ze ist in­so­fern kei­ne ab­so­lu­te, als Teil­zeit­kräfte, die we­ni­ger als zehn Wo­chen­stun­den oder 45 St­un­den im Mo­nat ar­bei­ten, un­berück­sich­tigt blei­ben. Die da­mit auf­ge­wor­fe­nen Fra­gen sind Ge­gen­stand ei­nes an­de­ren Nor­men­kon­troll­ver­fah­rens, über das heu­te ent­schie­den wor­den ist. Da­nach steht die Norm nur in­so­weit mit Art. 3 Abs. 1 GG im Ein­klang, als un­ter Zu­grun­de­le­gung der An­rech­nungs­mo­da­lität des Sat­zes 3 in der seit dem 1. Ok­to­ber 1996 gel­ten­den Neu­fas­sung von § 23 Abs. 1 KSchG ein Klein­be­trieb vor­liegt.
We­gen der Ein­zel­hei­ten wird auf den Be­schluß in der Sa­che 1 BvL 22/93 ver­wie­sen.
Mit die­ser Grenz­zie­hung trifft das Ge­setz die Grup­pe der . schutzwürdi­gen Klein­un­ter­neh­mer mit hin­rei­chen­der Ge­nau­ig­keit. Bei Be­trie­ben in die­ser Größen­ord­nung können die Verhält­nis­se durch­aus noch so lie­gen, wie der Ge­setz­ge­ber an­nimmt. Je­den­falls lie­gen kei­ne hin­rei­chen­den Gründe dafür vor, daß dies mit be­acht­li­cher Häufig­keit nicht der Fall ist. Si­cher­lich gibt es zahl­rei­che hoch­au­to­ma­ti­sier­te Be­trie­be mit klei­ner Be­leg­schaft, die so fi­nanz­stark sind, daß ih­nen der ge­setz­li­che Kündi­gungs­schutz oh­ne wei­te­res zu­ge­mu­tet wer­den könn­te, und die bei der Auflösung ei­nes Ar­beits­verhält­nis­ses auch an­ge­mes­se­ne Ab­fin­dun­gen zah­len können. An­de­rer­seits gibt es aber auch per­so­nal­in­ten­si­ve Be­trie­be mit größerer Be­leg­schaft, für die das nicht in glei­chem Um­fang zu­trifft. Ver­glei­chen­des Zah­len­ma­te­ri­al, aus dem sich ergäbe, daß der Ge­setz­ge­ber die Verhält­nis­se mit der von ihm vor­ge­nom­me­nen Grenz­zie­hung gröblich ver­kannt hätte, liegt nicht vor. Soll­te der gemäß der Ent­schließung des Bun­des­ta­ges vom 28. Ju­ni 1996 (Sit­zungs­pro­to­koll 13/117, S. 10616) an­ge­for­der­te Be­richt über Kündi­gungs­pra­xis und Kündi­gungs­schutz in der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land (BT­Drucks 13/5107) et­was an­de­res er­ge­ben, wäre der Ge­setz­ge­ber ge­hal­ten, sei­ne Re­ge­lung zu über­prüfen.
bb) Im Er­geb­nis ist auch nicht zu be­an­stan­den, daß der Ge­setz­ge­ber an dem Be­griff "Be­trieb" als Un­ter­schei­dungs­merk­mal fest­ge­hal­ten hat, ob­wohl im Schrift­tum viel­fach dar­auf hin­ge-wie­sen wor­den ist, daß die für die Klein­be­triebs­klau­sel be-
stim­men­de In­ter­es­sen­la­ge sich ge­nau­er durch den Be­griff "Un­ter­neh­men" kenn­zeich­nen las­se (vgl. Ver­hand­lun­gen des 59. Deut­schen Ju­ris­ten­ta­ges, Han­no­ver 1992, Bd. 1 <Gut­ach­ten> Teil D, S. 129; auch Ha­nau, ZRP 1978, S. 215 <221>). Un­ter "Be­trieb" wird all­ge­mein die or­ga­ni­sa­to­ri­sche Ein­heit ver­stan­den, in­ner­halb de­rer der Ar­beit­ge­ber be­stimm­te ar­beits­tech­ni­sche Zwe­cke ver­folgt (vgl. et­wa Et­zel, in: Ge­mein­schafts­kom­men­tar zum Kündi­gungs­schutz­ge­setz und zu sons­ti­gen kündi­gungs­schutz­recht­li­chen Vor­schrif­ten - KR -, 4. Aufl. 1996, § 1 KSchG Rn. 138 ff.; Kitt­ner/Trit­tin, Kündi­gungs­schutz­recht, 3. Aufl. 1997, § 1 KSchG Rn. 17 bei­de m.w.N.). Dar­un­ter können im Ein­zel­fall auch Tei­le größerer Un­ter­neh­men fal­len, für die die Ge­sichts­punk­te nicht zu­tref­fen, die ei­ne Be­nach­tei­li­gung der Ar­beit­neh­mer von Klein­be­trie­ben bei der Aus­ge­stal­tung des Kündi­gungs­rechts recht­fer­ti­gen (kri­tisch da­zu: Wei­gand, in: KR, § 23 KSchG Rn. 17). Das ist in der Tat mit Art. 3 Abs. 1 GG nicht zu ver­ein­ba­ren.
Der Be­triebs­be­griff läßt sich je­doch im We­ge ver­fas­sungs­kon­for­mer Aus­le­gung auf die Ein­hei­ten be­schränken, für de­ren Schutz die Klein­be­triebs­klau­sel al­lein be­stimmt ist. Die Ver­wen­dung die­ses Be­grif­fes in § 23 KSchG hat his­to­ri­sche Gründe; ursprüng­lich war der Kündi­gungs­schutz im Be­triebs­ver­fas­sungs­ge­setz ver­an­kert und auf die Be­trie­be be­schränkt, bei de­nen ei­ne Ver­tre­tung be­stand (vgl. Joost, Be­trieb und Un­ter­neh­men als Grund­be­grif­fe im Ar­beits­recht, 1988, S. 335 ff.). Der Be­griff ist aber da­durch nicht so ein­deu­tig vor­ge­prägt, daß er im Zu­sam­men­hang des Kündi­gungs­schutz­ge­set­zes kei­ner ein­schränken­den Aus­le­gung zugäng­lich wäre. Durch ei­ne am Sinn
und Zweck der Klein­be­triebs­klau­sel ori­en­tier­te In­ter­pre­ta­ti­on des Be­triebs­be­griffs läßt sich ver­mei­den, daß Ein­hei­ten dar­un­ter fal­len, für die der Schutz­ge­dan­ke des § 23 Abs. 1 Satz 2 KSchG nicht zu­trifft. Der An­wen­dungs­be­reich der Norm wird da­mit auf Fälle be­schränkt, für die die Be­nach­tei­li­gung der be­trof­fe­nen Ar­beit­neh­mer sach­lich be­gründet ist. Ei­ne Ver­let­zung des Gleich­heits­grund­sat­zes wird da­durch ver­mie­den (so im Er­geb­nis be­reits BAG, AP Nr. 1 zu § 23 KSchG 1969; da­zu Joost, a.a.O., S. 339 f. m.w.N.).
Die zur Prüfung ge­stell­te Norm steht mit die­ser Maßga­be auch mit dem So­zi­al­staats­prin­zip (Art. 20 Abs. 1 GG) im Ein­klang. Es be­gründet die Pflicht des Staa­tes, für ei­ne ge­rech­te So­zi­al­ord­nung zu sor­gen; bei der Erfüllung die­ser Pflicht kommt dem Ge­setz­ge­ber in­des­sen ein wei­ter Ge­stal­tungs­spiel­raum zu (vgl. BVerfGE 5, 85 <198>; 59, 231 <263>). Zu der Fra­ge, in­wie­weit der be­trieb­li­che Gel­tungs­be­reich des Kündi­gungs­schutz­ge­set­zes ein­ge­schränkt und da­mit den dort beschäftig­ten Ar­beit­neh­mern der all­ge­mei­ne Kündi­gungs­schutz ge­nom­men wer­den kann, läßt sich die­sem Prin­zip nichts Nähe­res ent­neh­men. In­so­fern setzt Art. 12 Abs. 1 GG den kon­kre­te­ren Maßstab.
Pro­zeßgrund­rech­te wer­den durch die vor­ge­leg­te Norm nicht ver­letzt.
Auch in bürger­lich­recht­li­chen Strei­tig­kei­ten ist das Recht auf Zu­gang zu den Ge­rich­ten und ei­ne grundsätz­lich um­fas­sen­de tatsächli­che und recht­li­che Prüfung des Streit­ge­gen­stan­des so­wie ei­ne ver­bind­li­che Ent­schei­dung durch den Rich­ter gewähr­leis­tet (vgl. BVerfGE 85, 337 <345> m.w.N.). Die­ser Jus­tiz­gewähr­leis­tungs­an­spruch wird auch den Ar­beit­neh­mern in Klein­be­trie­ben durch § 23 Abs. 1 Satz 2 KSchG nicht vor­ent­hal­ten. Sie können vor den Ar­beits­ge­rich­ten um Rechts­schutz ge­gen ei­ne Kündi­gung ih­res Ar­beits­verhält­nis­ses durch den Ar­beit­ge­ber nach­su­chen. Die Fra­ge nach den Er­folgs­aus­sich­ten ei­ner sol­chen Kla­ge und der dar­in be­gründe­ten Aus­sich­ten auf ei­nen Ab­fin­dungs­ver­gleich be­trifft das ma­te­ri­el­le Kündi­gungs­schutz­recht, das hier, wie dar­ge­legt, al­lein an Art. 12 Abs. 1 GG und Art. 3 Abs. 1 GG zu mes­sen ist und die­ser Prüfung nach Maßga­be der vor­ste­hen­den Ausführun­gen standhält.
Vi­ze­präsi­dent Seidl ist aus dem Amt aus­ge­schie­den und des­halb an der Un­ter­schrift ge­hin­dert. Grimm
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