Source: https://www.ebnerstolz.de/de/mittelbare-berufliche-taetigkeit-ausreichend-fuer-32-d-abs-2-nr-3b-estg-148618.html
Timestamp: 2020-04-01 11:06:03
Document Index: 167797848

Matched Legal Cases: ['§ 32', '§ 32', '§ 32', '§ 32', '§ 32', '§ 20', '§ 32']

Mittelbare berufliche Tätigkeit ausreichend für § 32 d Abs. 2 Nr. 3b) EStG? - Ebner Stolz
Mittelbare berufliche Tätigkeit ausreichend für § 32 d Abs. 2 Nr. 3b) EStG?
Der Klä­ger war bis zu sei­ner Pen­sio­nie­rung im Juni 2012 Geschäfts­füh­rer der A-GmbH. Fer­ner war er Geschäfts­füh­rer der B-GmbH sowie der C-GmbH. Im Jahr 2007 hatte er ein Dar­le­hen i.H.v. 200.000 € bei der Fa. D. auf­ge­nom­men. Die­ses diente dem Erwerb von 10 % der Anteile (ent­sp­re­chend 5.000 €) an der A-GmbH von der Fa. E. Das Dar­le­hen war mit 3 % p.a. ver­zins­lich. Die Zah­lung der Zin­sen sollte erfol­gen, wenn Anteile an der Gesell­schaft ver­äu­ßert wer­den. Im Mai 2013 ver­äu­ßerte der Klä­ger u.a. aus sei­nem Anteil an der A-GmbH einen Anteil von 4.500 € an die Fa. E. Im Juni 2013 zahlte er ins­ge­s­amt 242.313 € an die Fa. D zurück.
Mit sei­ner Ein­kom­men­steue­r­er­klär­ung für das wurde im Streit­jahr 2013 bean­tragte der Klä­ger u.a. gem. § 32d Abs.2 Nr.3 EStG in der damals gel­ten­den Fas­sung die Anwen­dung der tarif­li­chen Ein­kom­men­steuer und die Berück­sich­ti­gung von Zin­sen i.H.v. 42.313 € als Wer­bungs­kos­ten bei den Ein­künf­ten aus Kapi­tal­ver­mö­gen. Dem folgte das Finanz­amt aller­dings nicht. Die Behörde war der Ansicht, die Vor­aus­set­zun­gen des Wer­bungs­kos­ten­ab­zugs nach § 32d Abs.2 Nr.3 EStG seien nicht erfüllt. Der Klä­ger sei nach der Auf­gabe sei­nes Geschäfts­füh­r­er­pos­tens bei der A-GmbH im Jahr 2012 nicht mehr für diese beruf­lich tätig gewe­sen. Es müsse eine direkte Leis­tungs­be­zie­hung zwi­schen der Gesell­schaft und dem Steu­erpf­lich­ti­gen beste­hen. Eine sol­che bestehe jedoch nur zwi­schen der C-GmbH und der A-GmbH.
Das FG wies die hier­ge­gen gerich­tete Klage ab. Aller­dings wurde wegen grund­sätz­li­cher Bedeu­tung der Sache die Revi­sion zuge­las­sen.
Ein­kom­men­steu­er­be­scheid 2013 war recht­mä­ßig.
Nach § 32d Abs.2 Nr.3 S. 1b) i.V.m. S. 2 EStG in der im Streit­jahr gel­ten­den Fas­sung fin­det auf Antrag eines Steu­erpf­lich­ti­gen der Aus­schluss der Abzugs­fähig­keit von Wer­bungs­kos­ten über den Spar­er­f­rei­be­trag hin­aus bei den Ein­künf­ten aus Kapi­tal­ver­mö­gen gem. § 20 Abs. 9 EStG in der im Streit­jahr gel­ten­den Fas­sung keine Anwen­dung, wenn der Steu­erpf­lich­tige, für den der Antrag ges­tellt wird, unmit­tel­bar oder mit­tel­bar zu min­des­tens mit einem Pro­zent an der Kapi­tal­ge­sell­schaft betei­ligt und beruf­lich für diese tätig ist. Unter den Begriff der beruf­li­chen Tätig­keit fal­len sowohl selb­stän­dig als auch nicht­selb­stän­dig aus­ge­übte Tätig­kei­ten. Ob es sich bei der beruf­li­chen Tätig­keit um eine gewerb­li­che, frei­be­ruf­li­che oder um eine andere unter die Gewinn­ein­künfte fal­lende Tätig­keit han­delt, ist uner­heb­lich.
Der Klä­ger war im Streit­jahr 2013 für die A-GmbH weder selb­stän­dig noch unselb­stän­dig beruf­lich tätig. Seine nicht­selb­stän­dige Tätig­keit endete mit sei­nem Aus­schei­den als Geschäfts­füh­rer. Etwas ande­res ergab sich auch nicht dar­aus, dass er als Geschäfts­füh­rer der C-GmbH tätig war und dass diese Firma für die A-GmbH ent­gelt­li­che Bera­tungs­leis­tun­gen erbracht hatte. Auf­grund die­ser Ver­hält­nisse bestan­den zwi­schen dem Klä­ger selbst und der A-GmbH keine unmit­tel­ba­ren Ver­trags­be­zie­hun­gen. Der­ar­tige Leis­tungs­be­zie­hun­gen bestan­den viel­mehr nur noch zwi­schen A-GmbH und der C-GmbH.
Zwar beruht diese Ent­schei­dung auf mitt­ler­weile aus­ge­lau­fe­nem Recht. Die Frage, ob eine mit­tel­bare beruf­li­che Tätig­keit für die Anwen­dung des § 32d Abs.2 Nr.3 b) EStG aus­rei­chend ist, wird nach Ansicht des Senats von der nach­fol­gen­den Geset­zes­än­de­rung jedoch nicht berührt. Infol­ge­des­sen wurde die Revi­sion zum BFH zuge­las­sen.