Source: https://www.steuer-gonze.de/web/index.php/steuertips/gmbhas-kapitalgesellschaften/427-steuerminimierung-steueroptimierung-und-steuervermeidung
Timestamp: 2020-02-27 00:56:34
Document Index: 4808059

Matched Legal Cases: ['§ 12', '§ 23', '§ 7', '§ 7', '§ 34', '§ 15']

﻿ Steuerminimierung, Steueroptimierung und Steuervermeidung
Steuerminimierung, Steueroptimierung und Steuervermeidung
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Zielorientierung / Grundsätze
In vielen Fällen können Steuerbelastungen durch frühzeitiges Handeln gemindert, zeitlich verschoben oder gar gänzlich vermieden werden. Dies gilt insbesondere für die Einkommens-/Körperschaftsteuer, Erbschafts-/Schenkungsteuer, Grunderwerbsteuer, Grundsteuer, Kfz-Steuer, Umsatzsteuer und Gewerbesteuer. Eine erfolgreiche Steuerstrategie erfordert eine gewissenhafte Vorplanung und einen Überblick über die entscheidenden Dinge und ihre Zusammenhänge.
Nachfolgend eine Übersicht über Lebenssachverhalte, die erfahrungsgemäß steuerliche Gestaltungsspielräume bieten. Ein Anspruch auf Vollständigkeit wird nicht erhoben.
Unternehmer / Gewerbetreibende / Selbständige / Freiberufler
– Betriebsausgaben vor Kosten der privaten Lebensführung. Alle Ausgabenpositionen auf ihre betriebliche Veranlassung hin überprüfen. Genaue Belegführung und Dokumentation.
Typische Prüffelder:
Reparaturaufwendungen / Baumarktrechnungen
PC-Kosten
Telefonkosten / Handy und sonstige Telekommunikationseinrichtungen
– Umqualifizierung von bisherigen Kosten der privaten Lebensführung in Betriebsausgaben. Nutzung der neuen Regelung zur Aufteilung gemischter Aufwendungen (vergl. § 12 EStG i.V. m. BFH 21. 4.2010, VI R 5/07, BFH 17.12.2009, X B 115/09, BFH 10. 7.2008, IX R 90/07, BFH 18. 8.2005, VI R 32/03)
– Aktivierung selbsteingebrachter Wirtschaftsgüter (Vorsicht: § 23 EStG/Besteuerung privater Veräußerungsgeschäfte)
– Abschreibungsoptimierung durch die Inanspruchnahme des höchstzulässigen Abschreibungsvolumens (GWG-Sofoert-Afa, degressive Afa, Sonder-Afa, betriebsgewöhnliche Nutzungsdauer überprüfen).
– Sonderabschreibung für klein- und mittelständische Unternehmer (Eigenkapital bis 235.000 €) nach § 7g EStG – Eigenkapital überwachen/gestalten
– Ausnutzung des Investitionsabzugsbetrags gem. § 7g EStG
– Inanspruchnahme der Investitionszulage nach dem InvZulG 2005
– steueroptimierte Gestaltung von Verträgen mit Angehörigen:
– Ehegattenarbeitsvertrag
– Arbeitsverträge mit mitarbeitenden Kindern (ab 15 Jahren)
– Ausbildungsarbeitsverhältnisse mit Kindern (BA-Studium etc. gegen Lohn)
– Arbeitsverträge mit sonstigen Angehörigen
– 400-€-Jobs für Angehörige
– Anmietung von Gewerberäumen, Garagen, Carports und Parkplätzen, die bisher der Gesellschaft unentgeltlich überlassen wurden
- Darlehensverträge mit Angehörigen (Konditionen wie unter Dritten üblich)
– Aufbau einer betrieblichen Altersversorgung (Pensionsrückstellungen/Zukunftssicherungen) für Mitarbeiter und mitarbeitende Familienangehörige und Gesellschafter
– Reduzierung der Gewerbesteuer durch gestalterische Maßnahmen zur Vermeidung einer Überschreitung der steuerunschädlichen Hinzurechnungsgrenze für Zins-, Leasing- und Mietaufwendungen. Gegebenenfalls durch Aufspaltung oder / und Verlagerung des Unternehmens.
– Übernahme von bisher im Privatvermögen gehaltener betrieblich genutzter Immobilien(teile) in das Betriebsvermögen soweit steuerlich und wirtschaftlich sinnvoll. Ggf. Vermögensübertragung zwischen den Ehegatten.
– Übernahme bisher im Betriebsvermögen gehaltener Immobilien(teile) in das Privatvermögen soweit steuerlich und wirtschaftlich sinnvoll. Ggf. Vermögensübertragung zwischen den Ehegatten.
– Ausnutzung des begünstigten Steuertarifs für thesaurierte Gewinne zur langfristigen Stärkung des Eigenkapitals und Vermögensbildung (§ 34a EStG) oder zur Verlagerung in Jahre mit niedrigeren Grenzsteuersätzen.
– Steueroptimierte Umwandlung / Einbringung in eine Personen- oder Kapitalgesellschaft
- Nutzungsüberlassungsvertrag zur befristeter Überlassung des Kundenstamms und Know-hows
– Beteiligung an Start-Ups oder Risiko-GmbHs über GmbH & Still (atypisch stille Gesellschaft mit Beteiligungsoption)
– Steueroptimierte Gewinnermittlung:
1. bei Einnahmen-/Ausgabenrechnung:
– Vorverlagerung von Ausgaben (Wareneinkauf, Reparaturen, Zinszahlungen, Werbeauf­wen­dungen etc.)
– Verschiebung von Einnahmen
– Verschiebung von Anlagekäufen (Pkws), soweit hohe stille Reserven bei den Anlageabgängen zu erwarten sind
2. bei Bilanzierern:
– Bildung betriebsüblicher Rückstellungen
– Inventurbewertung
3. bei Verlusten und niedrigen Einkünften:
– Gewinnerhöhung zur Ausnutzung der niedrigen Steuersätze
– Aktivierung von GWG
– Aktivierung von Leasing- und Mietsonderzahlungen
– Aktivierung von Anlauf- und Gründungskosten
– maximale Inventurbewertung bei Halb- und Fertigleistungen/-erzeugnissen
4. Bei KG-Beteiligungen (Kommanditisten) kann durch Einlagen etc. die Verlustverrechnungsmöglichkeit (Begrenzung durch § 15a EStG) erweitert werden.
Kapitalgesellschaften (aus Sicht der Gesellschafter)
– Sammlung von niedrig besteuerten Gewinnen (rund 30%) zur langfristigen steuerbegünstigten Vermögensbildung.
– Gewinnausschüttungsoptimierung
Auf eine Ausschüttung von Gewinnen sollte aus Sicht von Gesellschafter die uneingeschränkt im Unternehmen tätig sind, verzichtet werden. Die erwirtschafteten Gewinne sollte den Gesellschaftern eine angemessene Verzinsung des Gesellschaftskapitals bzw. der Anschaffungskosten für das Gesellschaftskapital gewähren. Dies kann auch durch eine Gewinnthesaurierung (Gewinn verbleibt zur Erhöhung des Eigenkapitals im Unternehmen) erfolgen. Die Gewinnentnahme erfolgt dann durch den späteren – ggf. steuerbegünstigten – Verkauf des Unternehmens / Gesellschaftsanteils.
Die lfd. Lebenshaltungskosten des Gesellschafters sollten durch die vereinbarten Bezüge gedeckt werden. Die Zukunftssicherung durch eine pfändungssichere betriebliche Altersvorsorge.
Schütt-aus-hol-zurück“-Verfahren zur Erhöhung der Unternehmensliquidität bei niedrigen Gesellschaftersteuersätzen oder Verlustverrechnungsmöglichkeiten.
Notwendige Gewinnausschüttung, bei einem niedrigen persönlichen Grenzsteuersatz, beispielsweise in Jahren mit Verlustverrechnungsmöglichkeiten (V+V).
– steueroptimierte Gestaltung von Verträgen mit Angehörigen
– Arbeitsverträge mit mitarbeitenden Kindern (ab 14 Jahren)
– Anmietung von Gewerberäumen
– Darlehensverträge mit Angehörigen
– Aufbau einer betrieblichen Altersversorgung (Pensionsrückstellungen/Zukunftssicherungen für Mitarbeiter und mitarbeitende Familienangehörige und Gesellschafter)
– Umgestaltung in eine „GmbH & Still“ mit atypisch stillem Gesellschafter
– Reduzierung der Gewerbesteuer durch gestalterische Maßnahmen zur Vermeidung einer Überschreitung der steuerunschädlichen Hinzurechnungsgrenze für Zins-, Leasing- und Mietaufwendungen. Gegebenenfalls Aufspaltung und /oder Verlagerung des Unternehmens.
– Verlagerung von Ausgaben der privaten Lebensführung in den Bereich der betrieblichen Ausgaben durch Überprüfung und Gestaltung des Lebenssachverhalts
– Überführung einer bisher im Privatvermögen gehaltenen betrieblichen Immobilie zum höchstmöglichen Wert in das GmbH-Vermögen (Grunderwerbsteuerpflicht) zur Erlangung neuer Afa- Volumen und steuerfreier Veräußerungsgewinne (nach 10 Jahren im Privatvermögen). Durch die günstige Steuerbelastung (rund 30%) kann eine schnelle Entschuldung erfolgen.
– Rettung eines GmbH-Verlustes durch steueroptimierte Gestaltung
Zur steuerlichen Nutzung eines GmbH-Verlustes sind frühzeitig strategische Überlegungen anzustellen. Hierzu einige Eckpunkte:
Verlust-GmbH übernimmt gewinnbringende GmbH
Zeitpunkt des GmbH-Verkaufs und damit Realisierung des Totalverlustes (GmbH-Anteil + etwaige Ges.-Darlehen) erfolgt im Jahr mit Gewinnverrechnungsmöglichkeiten.
Verlust-GmbH wird unter Beachtung der Bedingungen zur Verlustverrechnung in geänderter Form fortgesetzt.
Zuführung von Kapital und Sicherung von Gesellschafterrechten über die Gründung einer GmbH & Still (atypischen stillen Gesellschaft)
– Steuerwirksame Sicherung eines Gesellschafterdarlehens
Gewährung der GmbH wie unter Dritten üblich
Gewährung der GmbH zu „guten Zeiten“ mit Rangrücktrittserklärung
– Frühzeitige Überlegung zur Nachfolgeregelung / Übernehmensübergabe gegen Versorgungsleistungen etc.
– Bildung von Kapital durch An- und Verkauf gewinnbringender Kapitalgesellschaften im Rahmen einer GmbH (Realisierung von steuerfreien Veräußerungsgewinnen).
– Frühzeitige Überlegungen zur Erlangung des Verschonungsabschlags bei Anteilsübergaben / Schenkungen
Beteiligungsquote mind. 25,1%
Niedriges oder kein Verwaltungsvermögen in der GmbH
– GmbH-Vertragsscheck zur Steueroptimierung
Statt Einziehungsklausel evtl. Zwangsabtretung quotal an verbleibende Gesellschafter
Überprüfung etwaiger ungültiger Wertermittlungsklauseln zur Ermittlung von Abfindungs-/Anteilsansprüchen
Aktualisiert (02. November 2010)