Source: https://mobil.kostenlose-urteile.de/BGH_XII-ZR-9914_Einwilligung-zur-kuenstlichen-Befruchtung-der-Lebensgefaehrtin-durch-Samenspende-begruendet-vertragliche-Unterhaltspflicht-des-Vaters-fuer-das-Kind.news21630.htm
Timestamp: 2020-03-29 18:41:56
Document Index: 93629038

Matched Legal Cases: ['BGH', '§ 328', '§ 1600', '§ 1600', '§ 328', '§ 1600', 'BGH']

23.09.2015 [XII ZR 99/14] BGH, Urteil | Einwilligung zur künstlichen Befruchtung der Lebensgefährtin durch Samenspende begründet vertragliche Unterhaltspflicht des Vaters für das Kind < kostenlose-urteile.de
Die Klägerin des zugrunde liegenden Verfahrens macht gegen den Beklagten Unterhalt geltend und stützt den Anspruch auf eine zwischen ihrer Mutter und dem Beklagten im Rahmen einer heterologen Insemination geschlossene Vereinbarung. Die Mutter der Klägerin und der Beklagte unterhielten seit 2000 bis mindestens September 2007 eine intime Beziehung, ohne in einem gemeinsamen Haushalt zusammenzuleben. Da die Mutter sich ein Kind wünschte und der Beklagte zeugungsunfähig war, führte der Hausarzt der Mutter am 23. Juli 2007 mit Zustimmung des Beklagten, der auch das Fremdsperma beschafft hatte, eine heterologe Insemination durch, die jedoch nicht zur Schwangerschaft führte. Der Beklagte hatte am selben Tag auf einem seitens des Hausarztes vorgelegten "Notfall-/Vertretungsschein" handschriftlich vermerkt: "Hiermit erkläre ich, dass ich für alle Folgen einer eventuell eintretenden Schwangerschaft aufkommen werde und die Verantwortung übernehmen werde!". Nach den Feststellungen des Oberlandesgerichts gab es im Dezember 2007 und Januar 2008 weitere einvernehmliche Versuche, von denen der letzte zum Erfolg führte. Der Beklagte hat seine Beteiligung an den weiteren Versuchen bestritten. Die Klägerin wurde am 18. Oktober 2008 geboren. Der Beklagte zahlte für sie die Erstlingsausstattung sowie für die Zeit von Oktober bis Dezember 2008 Unterhalt. Eine Klage auf Feststellung der Vaterschaft des Beklagten blieb ohne Erfolg, weil dieser nicht der leibliche Vater der Klägerin ist.
Klägerin verlangt Unterhalt
Beklagter muss wie rechtlicher Vater für Kind sorgen
Der Bundesgerichtshof wies die Revision des Beklagten zurück. Nach Auffassung des Gerichts enthält eine Vereinbarung, mit welcher ein Mann die Einwilligung zu einer heterologen künstlichen Befruchtung einer Frau mit dem Ziel erteilt, die Vaterstellung für das zu zeugende Kind einzunehmen, regelmäßig zugleich einen berechtigenden Vertrag zugunsten des aus der künstlichen Befruchtung hervorgehenden Kindes (§ 328 Abs. 1 BGB*). Daraus ergibt sich für den Mann gegenüber dem Kind die Pflicht, wie ein rechtlicher Vater für dessen Unterhalt zu sorgen.
Nicht anerkannte Vaterschaft steht Unterhaltspflicht nicht entgegen
Die Einwilligung des Mannes richtet sich auf die auf die Begründung einer der Vaterschaft entsprechenden Verantwortung und besteht in der Einwilligung in die künstliche Befruchtung mittels Samenspende eines Dritten. Sie entspricht insoweit der Einwilligung im Sinn von § 1600 Abs. 5 BGB**, welche die Anfechtung der Vaterschaft durch einen rechtlichen Vater und die Mutter ausschließt. Dass im vorliegenden Fall keine rechtliche Vaterschaft begründet worden ist, weil der nicht mit der Mutter verheiratete Beklagte die Vaterschaft nicht anerkannt hat, steht einer Unterhaltsverpflichtung nicht entgegen. Zwar hat der Gesetzgeber mit der Regelung in § 1600 Abs. 5 BGB das Ziel verfolgt, eheliche und nichteheliche Kinder gleich zu behandeln. Dieses ist allerdings nicht vollständig erreicht worden, weil das nichteheliche Kind erst durch die Anerkennung einen rechtlichen Vater erhält. Deswegen darf das nichteheliche Kind aber jedenfalls in Bezug auf den Unterhalt nicht schlechter gestellt werden als das eheliche.
Schutz vor übereilten Erklärungen vom Gesetz nicht vorgesehen
* - § 328 BGB Vertrag zugunsten Dritter
** - § 1600 BGB Anfechtungsberechtigte
Landgericht Stuttgart, Urteil vom 24.01.2014
[Aktenzeichen: 2 O 86/13]
Oberlandesgericht Stuttgart, Urteil vom 04.09.2014
[Aktenzeichen: 13 U 30/14]
Anerkennung | künstliche Befruchtung | In-vitro-Fertilisation | Samenspende | Unterhaltsanspruch | Unterhaltskosten | Unterhaltspflicht | Vaterschaft
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Dokument-Nr. 21630