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Timestamp: 2018-09-22 21:29:05
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Matched Legal Cases: ['§ 287', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH']

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8. August 2017 | Berufshaftung
In Fällen der Rechts- und Steuerberaterhaftung bestimmen sich die Beweiserleichterungen für den Ursachenzusammenhang zwischen Pflichtverletzung und Schaden nach den Grundsätzen des Anscheinsbeweises1.
Die erforderliche Kausalität zwischen Pflichtverletzung und Schaden gehört zur haftungsausfüllenden Kausalität, die grundsätzlich der Mandant nach § 287 ZPO zu beweisen hat. Dabei kann die Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs in Anlagefällen nicht auf die Anwaltshaftung übertragen werden.
Die Rechtsfrage, ob die in Anlagefällen angenommene Beweislastumkehr auch für den Fall des Regresses gegen Rechtsanwälte (oder Steuerberater) anzunehmen ist, hat der Bundesgerichtshof in mehreren dem Berufungsgericht freilich noch nicht bekannt gewesenen Fällen bereits entschieden und verneint2. Die auf anderem Gebiet ergangene Rechtsprechung zum aufklärungsrichtigen Verhalten gibt keinen Anlass, die Rechtsprechung zur Anwalts- und Steuerberaterhaftung zu ändern. Dies gilt insbesondere im Hinblick auf die vom Berufungsgericht allein in Bezug genommene Entscheidung des XI. Zivilsenats vom 08.05.20123. Mit dem von dieser Rechtsprechung gewählten Ansatz hat sich der Bundesgerichtshof schon wiederholt auseinandergesetzt und für richtig erachtet, dass nur die Grundsätze des Anscheinsbeweises zu einer angemessenen Risikoverteilung zwischen rechtlichem Berater und Mandanten führen4. Daran wird festgehalten.
Zugunsten des Mandanten kommen allerdings Beweiserleichterungen in Betracht. Im Rahmen von Verträgen mit rechtlichen oder steuerlichen Beratern gilt die Vermutung, dass der Mandant beratungsgemäß gehandelt hätte, aber nur, wenn im Hinblick auf die Interessenlage oder andere objektive Umstände eine bestimmte Entschließung des zutreffend unterrichteten Mandanten mit Wahrscheinlichkeit zu erwarten gewesen wäre. Voraussetzung sind danach tatsächliche Feststellungen, die im Falle sachgerechter Aufklärung durch den Berater aus der Sicht eines vernünftig urteilenden Mandanten eindeutig eine bestimmte tatsächliche Reaktion nahegelegt hätten5.
Die genannte Beweiserleichterung gilt also nicht generell; sie setzt einen Tatbestand voraus, bei dem der Ursachenzusammenhang zwischen Pflichtverletzung des Beraters und einem bestimmten Verhalten seines Mandanten typischerweise gegeben ist, beruht also auf den Umständen, die nach der Lebenserfahrung eine bestimmte tatsächliche Vermutung rechtfertigen6. Um dies beurteilen zu können, müssen bestehende Handlungsalternativen miteinander verglichen werden, die nach pflichtgemäßer Beratung zur Verfügung gestanden hätten. Die Regeln des Anscheinsbeweises sind unanwendbar, wenn unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten unterschiedliche Schritte in Betracht kommen und der Berater den Mandanten lediglich die erforderlichen fachlichen Informationen für eine sachgerechte Entscheidung zu geben hat7.
Kommen danach mehrere objektiv gleich vernünftige Verhaltensweisen in Betracht, hat der Mandant grundsätzlich den Weg zu bezeichnen, für den er sich entschieden hätte8. Lässt der Mandant offen, für welche von mehreren Vorgehensweisen er sich entschieden hätte, ist die notwendige Schadenswahrscheinlichkeit nur gegeben, wenn diese sich für alle in Betracht kommenden Ursachenverläufe – nicht notwendig in gleicher Weise – ergibt9. Will der Mandant sich in diesem Fall nicht – auch nicht in einer durch Hilfsvorbringen gestaffelten Reihenfolge – festlegen, welchen Weg er bei ordnungsgemäßer Beratung gegangen wäre, muss er folglich für jede einzelne der von ihm aufgezeigten Alternativen die notwendige Schadenswahrscheinlichkeit nachweisen.
Ist für die behauptete Vorgehensweise notwendigerweise die Bereitschaft Dritter erforderlich, den beabsichtigten Weg mitzugehen, muss der Mandant dessen Bereitschaft hierzu im damaligen maßgeblichen Zeitpunkt darlegen und beweisen10. Dabei ist es ausreichend, wenn er darlegt und beweist, dass er jedenfalls die Variante gewählt hätte, bei welcher der Dritte nachweisbar mitgewirkt hätte.
Bei der Schadensberechnung sind alle Folgen des haftungsbegründenden Umstandes bis zum Zeitpunkt der letzten mündlichen Verhandlung in den Tatsacheninstanzen einzubeziehen. Es geht bei dem erforderlichen Gesamtvermögensvergleich nicht um Einzelpositionen, sondern um eine Gegenüberstellung der hypothetischen und der tatsächlichen Vermögenslage11.
Festhaltung an der ständigen Rechtsprechung, zuletzt BGH, Beschluss vom 15.05.2014 – IX ZR 267/12, WM 2014, 1379 [↩]
BGH, Beschluss vom 15.05.2014 – IX ZR 267/12, WM 2014, 1379 Rn. 2 ff; vom 05.06.2014 – IX ZR 235/13 nv [↩]
XI ZR 262/10, BGHZ 193, 159; vgl. auch Urteil vom 26.02.2013 – XI ZR 318/10, BKR 2013, 212 [↩]
BGH, Urteil vom 30.09.1993 – IX ZR 73/93, BGHZ 123, 311, 313 ff; Beschluss vom 15.05.2014, aaO Rn. 3 f [↩]
BGH, Urteil vom 05.02.2009 – IX ZR 6/06, WM 2009, 715 Rn. 9 mwN; st. Rspr. [↩]
BGH, Urteil vom 05.02.2009, aaO mwN [↩]
BGH, Beschluss vom 18.09.2008 – IX ZR 210/06, nv, mwN [↩]
BGH, Urteil vom 20.03.2008 – IX ZR 104/05, WM 2008, 1042 Rn. 12; vom 10.05.2012 – IX ZR 125/10, BGHZ 193, 193 Rn. 36, jeweils mwN [↩]
BGH, Urteil vom 19.01.2006 – IX ZR 232/01, WM 2006, 927 Rn. 29; G. Fischer in Zugehör/G. Fischer/Vill/D. Fischer/Rinkler/Chab, Handbuch der Anwaltshaftung, 3. Aufl. Rn. 1102 [↩]
BGH, Urteil vom 19.01.2006, aaO Rn. 30 mwN [↩]
BGH, Urteil vom 19.01.2006, aaO Rn. 33; vom 07.02.2008 – IX ZR 149/04, WM 2008, 946 Rn. 24 [↩]
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