Source: https://www.rechtslupe.de/steuerrecht/ust/vorsteuerabzug-altgoldlieferungen-strohmanngeschaeft-3110860
Timestamp: 2019-08-23 03:00:16
Document Index: 143212563

Matched Legal Cases: ['§ 675', '§ 41', '§ 14', '§ 18', 'BGH', '§ 117']

Wer bei einem Umsatz als „ande­rer Unter­neh­mer” anzu­se­hen ist, ergibt sich regel­mä­ßig aus den abge­schlos­se­nen zivil­recht­li­chen Ver­ein­ba­run­gen. Leis­ten­der ist in der Regel der­je­ni­ge, der die Lie­fe­run­gen oder sons­ti­gen Leis­tun­gen im eige­nen Namen gegen­über einem ande­ren selbst oder durch einen Beauf­trag­ten aus­führt.
Tritt jemand im Rechts­ver­kehr im eige­nen Namen, aber für Rech­nung eines ande­ren auf, der aus wel­chen Grün­den auch immer nicht selbst als berech­tig­ter bzw. ver­pflich­te­ter Ver­trags­part­ner in Erschei­nung tre­ten will, ist zivil­recht­lich grund­sätz­lich nur der „Stroh­mann” aus dem Rechts­ge­schäft berech­tigt und ver­pflich­tet1; dem­entspre­chend sind auch dem sog. Stroh­mann die Leis­tun­gen zuzu­rech­nen, die der sog. Hin­ter­mann berech­tig­ter­wei­se im Namen des Stroh­manns tat­säch­lich aus­ge­führt hat2.
Aus wel­chen Grün­den der Hin­ter­mann im Ver­hält­nis zum Drit­ten, dem Ver­trags­part­ner des Stroh­manns und Leis­tungs­emp­fän­gers, als Leis­ten­der nicht in Erschei­nung tre­ten will, ist für die Beur­tei­lung der Rechts­be­zie­hun­gen zwi­schen den Ver­trags­part­nern regel­mä­ßig ohne Bedeu­tung. Auch dass der Stroh­mann, der das Rechts­ge­schäft für Rech­nung des Hin­ter­man­nes abschließt, wirt­schaft­lich am Erfolg des zwi­schen ihm und dem Drit­ten wirk­sa­men Rechts­ge­schäf­tes nicht oder ggf. nur in Form einer „Pro­vi­si­on” für sei­ne Stroh­mann-Diens­te teil­ha­ben soll, berührt nicht die Beur­tei­lung der Leis­tungs­be­zie­hun­gen zwi­schen Stroh­mann und Drit­tem, son­dern nur die Fra­ge, ob auch zwi­schen dem Hin­ter­mann und dem Stroh­mann eine ent­gelt­li­che Leis­tung ‑in der Regel ein ent­gelt­li­cher Geschäfts­be­sor­gungs­ver­trag (vgl. § 675 BGB)- vor­liegt.
Unbe­acht­lich ist das „vor­ge­scho­be­ne” Stroh­mann­ge­schäft ‑zivil­recht­lich und (umsatz-)steuerrechtlich (vgl. auch § 41 Abs. 2 AO 1977)- aller­dings dann, wenn es nur zum Schein abge­schlos­sen wor­den ist, d.h. wenn die Ver­trags­par­tei­en ‑der Stroh­mann und der Drit­te- ein­ver­ständ­lich oder still­schwei­gend davon aus­ge­hen, dass die Rechts­wir­kun­gen des Geschäf­tes gera­de nicht zwi­schen ihnen, son­dern zwi­schen dem Drit­ten und dem Hin­ter­mann ein­tre­ten sol­len3. Dem­entspre­chend kommt umsatz­steu­er­recht­lich eine von den ver­trag­li­chen Ver­ein­ba­run­gen abwei­chen­de Bestim­mung der Per­son des leis­ten­den Unter­neh­mers in Betracht, wenn das Rechts­ge­schäft zwi­schen dem Leis­tungs­emp­fän­ger und dem Stroh­mann nur zum Schein abge­schlos­sen wor­den ist und der Leis­tungs­emp­fän­ger weiß oder davon aus­ge­hen muss, dass der Stroh­mann kei­ne eige­ne ‑ggf. auch durch Sub­un­ter­neh­mer aus­zu­füh­ren­de- Ver­pflich­tung aus dem Rechts­ge­schäft über­neh­men und dem­entspre­chend auch kei­ne eige­nen Leis­tun­gen ver­steu­ern will4.
Ist eine Anschrift bewusst falsch erklärt, ist sie nicht „voll­stän­dig” im Sin­ne des § 14 Abs. 4 Satz 1 Nr. 1 UStG. Der Abzug der in der Rech­nung aus­ge­wie­se­nen Umsatz­steu­er ist nur mög­lich, wenn die in der Gut­schrift als leis­ten­der Unter­neh­mer bezeich­ne­te Per­son die dort aus­ge­wie­se­nen Umsät­ze aus­ge­führt hat und wenn die­se Vor­aus­set­zun­gen anhand der Anga­ben in der Gut­schrift durch die Finanz­ver­wal­tung nach­ge­prüft wer­den kön­nen. Davon ist nach der vom Finanz­ge­richt geteil­ten Auf­fas­sung des BFH nicht aus­zu­ge­hen, wenn der in der Rech­nung ange­ge­be­ne Sitz des leis­ten­den Unter­neh­mers bei Aus­füh­rung der Leis­tung und bei Rech­nungs­stel­lung tat­säch­lich nicht bestan­den hat7.
Vor­steu­er­ab­zug – und die Anschrift auf der Rech­nung Für die Aus­übung des Rechts auf Vor­steu­er­ab­zug ist erfor­der­lich, dass der Leis­tungs­emp­fän­ger eine Rech­nung besitzt, in der eine Anschrift des Leis­ten­den genannt ist, unter der jener pos­ta­lisch erreich­bar ist. Für…
Umsatz­steu­er­hin­ter­zie­hung – der Stroh­mann als Unter­neh­mer Zur Abga­be von Umsatz­steu­er­erklä­run­gen ist in der Regel der Unter­neh­mer gemäß § 18 UStG ver­pflich­tet, der die Leis­tung erbracht hat. Dies ist regel­mä­ßig der­je­ni­ge Unter­neh­mer, der die Lie­fe­run­gen oder sons­ti­gen…
BFH, Beschluss vom 31.01.2002 – V B 108/​01, BFHE 198, 208, BSt­Bl II 2004, 622 m.w.N.↩
BFH, Beschluss in BSt­Bl II 2004, 622 unter Hin­weis auf BFH, Beschlüs­se vom 18.07.2001 – V B 198/​00, BFH/​NV 2002, 78, unter 3. b; vom 25.06.1999 – V B 107/​98, BFH/​NV 1999, 1649↩
BFH, Beschluss vom 31.01.2002 – V B 108/​01 unter Hin­weis auf das BGH, Urteil in NJW-RR 1997, 238 und Kra­mer in Münch­Komm, § 117 BGB Rz. 12, 15, m.w.N.↩
vgl. BFH, Urteil in BFH/​NV 2000, 353; BFH, Beschluss in BFH/​NV 2000, 611↩