Source: http://www.trans-lex.org/113500/
Timestamp: 2016-10-25 04:55:30
Document Index: 280537954

Matched Legal Cases: ['§ 138', '§ 7', '§ 6', '§ 256', '§ 19', '§ 247', '§ 247', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 352', '§ 352', 'BGH', 'BGH', '§ 138', '§ 352']

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Document-Id: 113500, Please cite as: "http://www.trans-lex.org/113500"TitleHorn, Norbert, Zinsforderung und Zinsverbot im Kanonischen-Islamischen und Deutschen Recht - Eine rechtsvergleichende Problemskizze, in: Festschrift Lange, Stuttgart 1991, at 769 et seq.Content99 Zinsforderung und Zinsverbot im kanonischen, islamischen und deutschen Recht. Eine rechtshistorisch-rechtsvergleichende Problemskizze
100 2. Rechtsethische Einwände gegen Zinsforderungen
101 II. Das Zinsverbot im historischen kanonischen Recht und im islamischen Recht
102 Gebt Darlehen und erhofft euch nichts dafür (mutuum date nihil deinde sperantes).
103 daher für die Frage des Zinsverbots nicht von Gewicht. Das Riba-Verbot findet sich in mehreren eindringlichen Texten des Koran;14 dort heilt es u. a.:
104 d. h. daß Geld nicht durch Geld geschaffen werden könne, findet sich im islamischen Denkens17 .
105 Wirtschaftsplatz, sondern als enge Lebensgemeinschaft23 . Das Zinsverbot der Bibel ist am Fall des Notdarlehens (Konsumptivdarlehens) orientiert, der für die überwiegend naturalwirtschaftlich lebende Gesellschaft der Bibel wie des frühen und hohen Mittelalters - von den aufblühenden Handelszentren abgesehen - typisch war24 . Bezeichnenderweise hat auch der Koran den Fall des Darlehens an den Bedürftigen im Auge. An einer der oben erwähnten Koranstellen heißt es, daß man sogar die Hauptschuld im Notfall als Almosen (Zakat) erlassen soll (II. 280).
106 ist der Rentenkauf. Denn wenn eine Summe ohne feste Rückzahlungsverpflichtung hingegeben wurde, lag kein Darlehen vor und es konnten laufende Zinsen als Gegenleistung vereinbart werden, ohne daß diese als Zins klassifiziert werden mußten; sie waren vielmehr eine Art teilweiser Rückzahlung der Hauptschuld (sors)26 .
107 nicht im Detail zu resümieren ist. Bezeichnend für Bedeutung und Gewicht dieses Gedankens ist es, daß man damit sogar bestimmte Formen eines direkten Verstoßes gegen das kanonische Zinsverbot zu rechtfertigen suchte, etwa die Verzinsung der kommunalen Zwangsanleihen, bei denen Depositengelder der Bürger herangezogen wurden, um auswärtige Anleihen zu finanzieren31 .
108 Geschäft entspricht also einem partiarischen Darlehen. Die in der Sharia anzutreffenden Grundvorstellungen der Zusammenarbeit und Risikobeteiligung erlauben es den Banken auch, eine Reihe von gesellschaftsrechtlichen Formen der Kapitalbeteiligung zu praktizieren36 .
109 len Wirtschaftsverkehr der Gesichtspunkt des Schadensersatzes. Das Iran-US-Schiedsgericht im Haag hat in mehreren iranisch-amerikanischen Streitfällen Zinsen unter dem Gesichtspunkt des Verzugsschadens zugesprochen, ohne das Zinsverbot der Sharia zu erörtern41 . In einer Grundsatzentscheidung in einem Verfahren, in dem die Regierung des Iran auch auf das iranische Recht des Zinsverbots hinwies und eine Einschränkung der Verurteilung zu Zinsen anstrebte, hat das Schiedsgericht den Grundsatz aufrechterhalten, Zinsen generell als Ausgleich des Verzugsschadens anzuerkennen42 .
110 te der Zentralbanken an. Die zentrale wirtschaftliche Bedeutung des Zinses wird eindrucksvoll bestätigt durch den Zusammenbruch der sozialistischen Volkswirtschaften, in denen man aus sozialethischen Prinzipien des Marxismus-Leninismus den Zins zurückdrängte und als Steuerungsinstrument der Wirtschaft eliminierte45 .
111 Seit Schaffung des BGB hat sich die Rechtslage stark verändert. § 138 BGB hat über Einzelfälle hinaus eine große Bedeutung für umfangreiche Fallgruppen gewonnen. Die Rechtsprechung hat Tatbestände unzulässiger Zinsvereinbarungen herausgearbeitet, und der Gesetzgeber hat neue Sonderregelungen geschaffen. Einige Tatbestände befassen sich allgemein mit der Abwehr von Gefahren der Kreditverschuldung, andere speziell mit unzulässigen Zinsforderungen. Wir begnügen uns hier mit einem Überblick über die wichtigsten Fallgruppen.
112 schützt werden (§ 7). Das Gesetz sucht den säumigen Kreditschuldner durch Begrenzung der Verzugszinsen (im Zweifel) auf Bundesbankdiskont plus 5 Prozent zu schützen49 . Auf die technischen Defizite des Gesetzes ist hier nicht einzugehen.
113 Rechtsprechung unabhängig davon bei absoluter Überschreitung des Marktzinses um einen bestimmten Prozentsatz (12%) ebenfalls das erforderliche Mißverhältnis an54 . Es ist mit Recht darauf hingewiesen worden, daß damit alte Maßstäbe des Verstoßes gegen die Preisgerechtigkeit - die laesio enormis - in neuer Gestalt wiedererstanden sind, freilich relativiert durch das Erfordernis, daß jedenfalls erst die Gesamtwürdigung des Falles einschließlich der subjektiven Merkmale das Unwerturteil rechtfertige55 . Die Masse der Fälle kritischer Verbraucherkredite zwingt freilich die Rechtsprechung zu Standardisierungen, um der Kreditwirtschaft einigermaßen handhabbare Kriterien zu bieten, nachdem der Gesetzgeber des Verbraucherkreditgesetzes es aus begreiflichen Gründen unterlassen hat, diesen Bereich ebenfalls zu normieren. Lehre und Rechtsprechung müssen sich also bemühen, die verbotenen Zinsgestaltungen und Zinshöhen für die einzelnen Fallgruppen möglichst präzise herauszuarbeiten. Sie müssen hier und in den anderen genannten Fällen problematischer Zinsvereinbarungen, etwa in der Frage der nicht transparenten Zins- und Tilgungsklauseln, ähnlich viel Mühe aufwenden, wie sie die Juristen unter der Herrschaft des Zinsverbots auf die Herausarbeitung zulässiger Ausnahmen verwendet haben und im Bereich der Sharia noch verwenden.
1 Hermann Lange, Schadensersatz und Privatstrafe in der mittelalterlichen Rechtstheorie, Köln/Graz 1955, S. 60ff. ; zu Zinsen im modernen Schadensersatzrecht ders., Schadensersatz (Handbuch des Schuldrechts in Einzeldarstellungen, hrsg. v. J. Gernhuber, Bd. 1), 2. Aufl. Tübingen 1990, § 6 XI 2, XII 4 u. XIII 2 b.2 Bekannt ist der starke Einfluß des Judentums auf den Propheten Mohammed. Die Schriften des Aristoteles lagen vollständig in Arabisch erst im 10. Jahrhundert vor, was nicht ausschließt, daß einzelne (ggf. neoplatonisch vermittelte) aristotelische Lehren auch zur Zeit der Entstehung des Korans im arabischen Raum bekannt waren.3 Vgl. nur Gabriel Le Bras, Usure, in: Dictionnaire de Théologie catholique, Paris 1950, Sp. 2336-2372; Auguste Dumas, Intérêt et Usure, Dictionnaire du Droit canonique, Bd. 5, Paris 1953, 1475-1518; Jacques Le Goff, Wucherzins und Höllenqualen. Ökonomie und Religion im Mittelalter, Stuttgart 1988.4 Dtn 23, 20 - 21; Lev 25, 35 - 37; Ex 22, 24.5 D 46 c. 9 und 10; D 47 c. 1- 8; C 14 q. 1 c. 2; q. 3 c. 1- 4; q. 4 c. 1-12.6 X 5. 19; VI 5. 5; Clem. 5. 5.7 Ernst Ramp, Das Zinsproblem. Eine historische Untersuchung, Zürich 1949, S. 15f.8 D 22. 1. 32.1 und 34; C 4. 32. 13; C 4. 34. 2; dazu Lange, Schadensersatz und Privatstrafe, S. 61 .9 D 19. 5. 24; vgl. auch Max Kaser, Das römische Privatrecht, Bd. 2, 2. Aufl. 1975, § 256 III.10 Gl. »Petrum Apostolum« C 1. 1. 1 und Gl. »cadat« Auth. »ad haec qui fructus« C 4. 32. 16.11 Lange, a. a. O., S. 63.12 Norbert Horn, Aequitas in den Lehren des Baldus, Köln/Graz 1968, § 19 S. 191 ff.13 Zum Folgenden H. Shirazi (Hrsg.), Islamic Banking, London 1990, S. 7ff.; Hamoud, Islamic Banking, Deventer 1985; vgl. ferner Klingmüller, Recht und Religion im Islam, in: v. Schall (Hrsg.), Fremde Welt Islam, 1982, S. 95; Beate Maiwald, Das Zinsverbot des Islam und die islamischen Banken, RIW 1984, 521- 524.14 Kap. 30 (Sure Rum) Vers 39; Kap. 2 (Sure Baqara) Verse 275, 276, 278-280; Kap. 3 (Sure Aal-i-Imran) Vers 130 und Kap. 4 (Sure Nisaa) Vers 161.15 The Islamic Foundation (Hrsg.), Monetary and Fiscal Economics of Islam, An Outline of Some Major Subjects for Research, 2. Aufl. 1980, S. 9ff.; Maiwald RIW 1984, 521.16 Summa theologiae, IIa IIae qu, 78 art. 1 und 3 (zit. Ausg. P. Caramello, Rom 1962); dazu John T. Noonan, The Scholastic Analysis of Usury, Cambridge (Mass.) 1957, S. 51-57; Günther Steuer; Studien über die theoretischen Grundlagen der Zinslehre bei Thomas v. Aquin, Stuttgart 1936, S. 78-91.17 Imam Muhammad Ghazali, The Renaissance of Religious Knowledge, zit. nach Shirazi, a. a. O. (Fn. 13), S. 13.18 IIa IIae qu. 78 art. 3.19 Shirazi, a. a. O. (Fn. 13), S. 10.20 Baldus: ». . . usura non potest proportionari nisi tempore . . . in tempore nulla est proportio: quia communis est sicut aer, et sol«; dazu Horn, Aequitas, a. a. O. (Fn. 12), S. 193 m. Nachw.21 Zubair Iqbal/Abbas Mirakhor, Islamic Banking, IMF Occasional Paper 49, hrsg. International Monetary Fund, March 1987, S. 2.22 Hans G. Ulrich, Das Zinsnehmen in der christlichen Ethik - Historische und gegenwärtige Perspektiven, in: Max Vollkommer (Hrsg.), Der Zins in Recht, Wirtschaft und Ethik (Erlanger Forschungen Reihe A Band 47), Erlangen 1989, S. 53, 55.23 Ulrich, a. a. O., S. 56.24 Horn, Aequitas, a. a. O. (Fn. 12), S. 193.25 Allg. Levin Goldschmidt, Universalgeschichte des Handelsrechts Bd. I, Stuttgart 1891 (Neudruck Aalen 1957), S. 141, 317ff.; Wilhelm Endemann, Studien in der romanisch-kanonistischen Wirtschafts- und Rechtslehre bis gegen Ende des 17. Jahrhunderts, Bd. I Berlin 1874 (Neudruck Aalen 1962), S. 13, 22f.; Dumas, a. a. O. 479.26 Allg. Endemann Bd. II Berlin 1883 (Neudruck Aalen 1962), S. 125; Dumas, a. a. O. 1513 ff.; Horn, a. a. O., S. 200.27 Baldus zu C 1. 1. 1 n. 36 (in Codicem Commentaria, Venetiis 1577); Horn, a. a. O.28 Gl. »Petrum apostolum« C 1. 1. 1 (Accursius, Glossa Ordinaria, Lugduni 1569); dazu Lange, Schadensersatz und Privatstrafe, S. 63.29 Allg. Lange, Schadensersatz und Privatstrafe, S. 60ff., 63; Hermann Dilcher, Die Theorie der Leistungsstörungen bei Glossatoren, Kommentatoren und Kanonisten, Frankfurt 1960, S. 148ff.30 Horn, a. a. O., S. 194.31 Baldus zu X 2. 24.1 n. 14 (ad tres priores libros Decretalium Commentaria, Augustae Taurinorum 1578).32 Muhammad Nejatullah Siddiqi, Muslim Economic Thinking, Leicester (The Islamic Foundation) 1981, S. 16.33 Shirazi, a. a. O., S. 76 ff.; vgl. auch Maiwald, a. a. O., S. 523.34 Shirazi, a. a. O., S. 31 ff.; Maiwald a. a. O., S. 522.35 Shirazi, S. 35.36 A. a. O., S. 41 ff.37 Koran Kap. 57 Vers 11.38 Shirazi, S. 25ff.39 A. a. O., S. 26.40 Shirazi, S. 7; Text a. a. O., S. 93 ff.41 McCollough & Co, Inc. v. Ministry of Post etc., 11 CTR (= Iran-US Claims Tribunal Report) 1986-II, S. 3, 27-31; Atomic Energy Organization of Iran v. U.S., 12 CTR 1986-III, S. 25, 28f.; Parguin Private Joint Stock Co. v. U.S., 13 CTR 1986-IV S. 261, 268f.42 The Islamic Republic of Iran v. U.S. (Case No. A 19), 16 CTR 1987-III, S. 285, 289f.43 The Islamic Republic of Iran v. U.S. a. a. O., S. 288.44 Zur Zinstheorie Überblick bei Norbert Reetz, Der Zins als Preis. Zur Funktion des Zinssatzes in einer Marktwirtschaft, in: Vollkommer, a. a. O., S. 29ff.45 Zur mangelhaften und ruinösen Kapitalversorgung der Wirtschaftseinheiten in der ehemaligen DDR vgl. Norbert Horn, Das Zivil- und Wirtschaftsrecht im neuen Bundesgebiet, Köln 1991, S. 22, 143, 366.46 Bundesgesetz des Norddeutschen Bundes betr. die vertragsmäßigen Zinsen vom 14. November 1867, Bundesgesetzblatt des Norddeutschen Bundes 1867, S. 159. Zur Entwicklung weitere Einzelheiten bei Ekkehardt v. Heymann, Die Kündigung von Darlehen nach § 247 BGB, Frankfurt/M. 1984; ders., Rechtliche und wirtschaftliche Aspekte der Kündigung von Darlehen nach § 247 BGB, BB Beilage 8/1983; Max Vollkommer, Zinsschuld und rechtliche Kontrolle der Zinshöhe, in: ders. (Hrsg.), Der Zins in Recht, Wirtschaft und Ethik, a. a. O. (Fn. 22), S. 7, 13ff.47 BGH ZIP 1991, 299 = WM 1991, 271 (betr. Aufklärungspflicht der Bank bei Umschuldungen); dazu Udo Reifner, EWiR 1991, 299.48 Wolfgang Steppeler/Thomas Astfalk, Preisrecht und Preisangaben in der Kreditwirtschaft, Köln 1986, S. 45 ff.49 Überblick bei Peter Bülow, Das neue Verbraucherkreditgesetz, NJW 1991, 129-134.50 BGHZ 106, 42 = NJW 1989, 222 Anm. Löwe; BGHZ 106, 259 = EWiR 1989, 111 (Köndgen); Heymann/Horn, HGB Bd. 4, Berlin 1990, § 352 Rz. 29.51 OLG Bremen, ZIP 1991, 436 (nicht rechtskräftig) = EWiR 1991, 319 (Reifner).52 Überblick Heymann/Horn, § 352 Rz. 20-27; Vollkommer, a. a. O., S. 18ff.53 BGHZ 98, 174, 176.54 KG Berlin MDR 1985, 582; BGH NJW 1990, 1595.55 Vollkommer, a. a. O., S. 21, 23; vgl. auch Helmut Koziol, Sonderprivatrecht für Konsumentenkredite?, AcP 188, 183, 194; Hammen, Der Maßstab des Doppelten bei der Sittenwidrigkeit von Zinsvereinbarungen, ZBB 1991, 87 ff.. Einzelheiten zur Beurteilung der Ratenkredite nach § 138 BGB bei Heymann/Horn, § 352 Rz. 20-27.Referring PrinciplesTrans-Lex Principle: VII.6 - Duty to pay interest How to search - Contact - Team - Trustees - Disclaimer / Legal information / Privacy - Twitter - FacebookA project of CENTRAL, University of Cologne.