Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Text=3%20O%20206/14
Timestamp: 2019-05-24 06:25:06
Document Index: 107448951

Matched Legal Cases: ['§ 346', '§ 357', '§ 346', '§ 346', '§ 357', '§ 346', '§ 346', '§ 495', 'BGH', '§ 346', 'BGH', '§ 357', '§ 490', 'BGH', '§ 346']

LG Bonn, 19.05.2015 - 3 O 206/14 - dejure.org
https://dejure.org/2015,15003
LG Bonn, 19.05.2015 - 3 O 206/14 (https://dejure.org/2015,15003)
LG Bonn, Entscheidung vom 19.05.2015 - 3 O 206/14 (https://dejure.org/2015,15003)
LG Bonn, Entscheidung vom 19. Mai 2015 - 3 O 206/14 (https://dejure.org/2015,15003)
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Zur Frage der ordnungsgemäßen Widerrufsbelehrung und der Verwirkung des Widerrufs sowie zur Frage des Nutzungsersatzes durch ein Kreditinstitut bei Widerruf des auf Abschluss eines Immobiliendarlehensvertrags gerichteten Willenserklärung des Kunden
Erstattung vermeintlich zu viel erbrachter Zahlungen nach erklärtem Widerruf eines Verbraucherdarlehens
BGB a. F. §§ 346, 355 Abs. 2, §§ 357, 495 Abs. 1
Kein Nutzungsersatzanspruch des Darlehensnehmers auf Zins- und Tilgungsleistungen bei Widerruf eines Immobiliardarlehensvertrags
WM 2015, 1988
Es oblag dem Darlehensnehmer, einen geringeren Gebrauchsvorteil nachzuweisen (vgl. OLG Brandenburg…, Urteil vom 20. Januar 2016 - 4 U 79/15, juris Rn. 96; OLG Düsseldorf…, Urteil vom 17. Januar 2013 - 6 U 64/12, juris Rn. 35; OLG Frankfurt/Main…, Beschluss vom 17. Februar 2016 - 23 U 135/15, juris Rn. 18; OLG Hamm…, Urteil vom 12. April 2017 - 31 U 52/16, juris Rn. 48; OLG Köln…, Beschluss vom 3. Mai 2016 - 13 U 33/16, juris Rn. 17; OLG Nürnberg…, Urteil vom 29. Mai 2017 - 14 U 118/16, juris Rn. 44;… OLG Schleswig, BKR 2017, 22 Rn. 98; OLG Zweibrücken…, Beschluss vom 10. Mai 2010 - 7 U 84/09, juris Rn. 9; LG Bonn, WM 2015, 1988, 1990; LG Freiburg, BeckRS 2015, 08173; LG Limburg…, Urteil vom 14. Januar 2016 - 2 O 204/15, juris Rn. 51; LG Mönchengladbach…, Urteil vom 28. Juli 2016 - 10 O 235/15, juris Rn. 58; LG Nürnberg-Fürth…, Urteil vom 4. August 2015 - 6 O 7471/14, juris Rn. 73; LG Ulm…, Urteil vom 25. April 2014 - 4 O 343/13, juris Rn. 51;… MünchKommBGB/Gaier, 7. Aufl., § 346 Rn. 22 unter Verweis auf BT-Drucks. 14/9266, S. 45;… Palandt/Grüneberg, BGB, 73. Aufl., § 346 Rn. 10 und 76. Aufl., § 357a Rn. 4; Staudinger/Kaiser, BGB, Neubearb.
Weil § 346 Abs. 2 Satz 2 Halbsatz 1 BGB den Vertragszins zur Richtgröße macht, bestimmt sich der nach § 346 Abs. 2 Satz 2 Halbsatz 2 BGB maßgebliche Vergleichswert anhand der Verhältnisse im Zeitpunkt des Vertragsschlusses (vgl. OLG Düsseldorf…, Urteil vom 17. Januar 2013 - 6 U 64/12, juris Rn. 36; OLG Köln…, Beschluss vom 3. Mai 2016 - 13 U 33/16, juris Rn. 17;… OLG Schleswig, BKR 2017, 22 Rn. 99, 101; LG Bielefeld…, Urteil vom 24. Juni 2016 - 6 O 127/15, juris Rn. 67; LG Mönchengladbach…, Urteil vom 28. Juli 2016 - 10 O 235/15, juris Rn. 58) und gegebenenfalls jeweils im Zeitpunkt vertraglich vereinbarter Zinsanpassungen (vgl. OLG Köln aaO; LG Bonn, WM 2015, 1988, 1991;… LG Bielefeld aaO;… LG Mönchengladbach aaO; a.A. Piekenbrock/Rodi, WM 2015, 1085, 1089 ff.;… Bülow/Artz, Verbraucherkreditrecht, 9. Aufl., § 495 BGB Rn. 224a).
Nach zutreffender Auffassung, der das Gericht folgt, ist der Wertersatzanspruch der Bank anhand des bei Vertragsschluss geltenden Marktzinses zu berechnen ( OLG Düsseldorf, Urteil vom 17.01.2013 - I-6 U 64/12 - OLG Schleswig, NJOZ 2011, 145; OLG Brandenburg, NJOZ 2010, 1980; Urteil vom 20.01.2016 - 4 U 79/15 - KG, Urteil vom 22.12.2014 - 24 U 169/13 - LG Bonn, Urteil vom 19.05.2015 - 3 O 206/14 -).
Dem entspräche es, dass der Darlehensgeber beim einfachen Darlehen (…anders beim verbundenen Geschäft, s. insoweit BGH, Urt. v. 12.11.2001, XI ZR 47/01; v. 24.4.2007, XI ZR 17/06; v. 10.3.2009, XI ZR 33/08 s. zu dieser Differenzierung auch LG Bonn, Urt. v. 19.5.2015, 3 O 206/14;… Schnauder, NJW 2015, S. 2689, 2690;… s. auch Ditges/Dendorfer-Ditges, BKR 2015, S. 36lf) auch im Rahmen der Rückabwicklung die Tilgungsleistungen des Darlehensnehmers behalten kann, sie also nicht erstatten und insoweit auch keine Nutzungsentschädigung leisten muss.
Eine bis zum Widerruf gleichbleibende Bewertung der Nutzungen führt weder zu Wertungswidersprüchen, noch zu einem unbilligen Festhaltenmüssen an vereinbarten Entgeltkonditionen, sondern entspricht vielmehr dem Gesetzeswortlaut und der Intention des § 346 Abs. 2 S. 2 BGB, wonach die im Vertrag bestimmte Gegenleistung bei der Berechnung des Wertersatzes grundsätzlich zugrunde zu legen ist, Grundlage der Rückabwicklung also der Vertrag ist und es maßgeblich auf den Zeitpunkt des Vertragsschlusses ankommt (LG Bonn, Urt. v. 19.5.2015, 3 O 206/14, i. Erg. auch OLG Düsseldorf, Urt. v. 17.01.2013, Az. 6 U 64/12;… OLG Brandenburg, Urt. v. 14.6.2010, 4 U 141/09;… vgl. auch BGH, Urt. v. 15.4.2010, III ZR 218/09;… s. allgemein Kaiser in Staudinger (2012), § 357 BGB, Rn. 26 mN).
Insofern folgt die Kammer vielmehr der Ansicht der 3. Zivilkammer des Landgerichts Bonn im Urteil vom 19.05.2015 - 3 O 206/14.
Der Verweis auf die allgemeinen Rücktrittsregelungen ist entfallen; wobei sich nach Auffassung der Kammer den Gesetzesmaterialien nicht der gesetzgeberische Wille entnehmen lässt, dass durch die Neuregelung die bisherige Rechtslage bewusst geändert werden sollte (vgl. i.e.: LG Bonn 3 O 206/14 v. 19.05.2015; Hölldampf/Suchowerskyj, WM 2015, 999, 1004 m.w.N.).
Folglich schuldet die Beklagte weder die Rückzahlung der ihr nach § 490 Abs. 2 S. 3 BGB gebührenden Vorfälligkeitsentschädigung in Höhe von 18.016,57 EUR noch eine - ohnehin bereits dem Grunde nach nicht erstattungsfähige (vgl. LG Bonn, Az. 3 O 206/14) - Nutzungsentschädigung in Höhe von 5.555,35 EUR (insg. 23.571,92 EUR).
Auf die Frage, ob der Kläger sein Widerrufsrecht darüber hinaus verwirkt hat bzw. die Beklagte sich auf den Einwand des Rechtsmissbrauchs berufen kann, kommt es vorliegend mithin ebenso wenig an wie auf die Frage, ob und wenn ja in welcher Höhe im Falle der Rückabwicklung eines Darlehens infolge eines wirksamen Widerrufs Nutzungsersatz geschuldet ist (vgl. dazu 3 O 206/14).
Dort sei diese Rechtsfolge deshalb sachgerecht, weil der Darlehensgeber in diese Fällen anders als der reine Darlehensgeber weitgehend dem Vertragspartner des mit dem Darlehensvertrag verbundenen Geschäfts gleichgestellt sei (s. zu dieser Differenzierung auch LG Bonn, Urt. v. 19.5.2015, 3 O 206/14;… Schnauder, NJW 2015, S. 2689, 2690;… i.Erg. auch Ditges/Dendorfer-Ditges, BKR 2015, S. 361f).
Der Verweis auf die allgemeinen Rücktrittsregelungen ist entfallen, wobei sich den Gesetzesmaterialien nicht der gesetzgeberische Wille entnehmen lässt, dass durch die Neuregelung die bisherige Rechtslage bewusst geändert werden sollte (vgl. LG Bonn, Urt. v. 19.05.2015, 3 O 206/14; Hölldampf/Suchowerskyj, WM 2015, 999, 1004 m.w.N.).
Dem entspräche es, dass der Darlehensgeber beim einfachen Darlehen (…anders beim verbundenen Geschäft, s. insoweit BGH, Urt. v. 12.11.2001, XI ZR 47/01; v. 24.4.2007, XI ZR 17/06; v. 10.3.2009, XI ZR 33/08 s. zu dieser Differenzierung auch LG Bonn, Urt. v. 19.5.2015, 3 O 206/14;… Schnauder, NJW 2015, S. 2689, 2690;… s. auch Ditges/Dendorfer-Ditges, BKR 2015, S. 36 lf) auch im Rahmen der Rückabwicklung die Tilgungsleistungen des Darlehensnehmers behalten kann, sie also nicht erstatten und insoweit auch keine Nutzungsentschädigung leisten muss.
Die Berechnung des Wertersatzes (§ 346 BGB) ist - soweit ersichtlich - in der hier vorliegenden Fallkonstellation noch nicht höchstrichterlich entschieden, so dass eine hinreichende Wahrscheinlichkeit dafür besteht, dass sich die E. Bank auf eine ihr günstige Berechnungsmethode berufen wird mit der Folge, dass die Kläger einen Folgeprozess mit dem Gegenstand des Wertersatzes zur Klärung der streitigen Rechtsfrage zur Berechnung (monatliche Anpassung des marktüblichen Zinses oder marktüblicher Zinssatz bei Vertragsschluss - vgl. hierzu: Servais, NJW 2014, 3748; LG Bonn, WM 2015, 1988) zu führen hätten.