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Timestamp: 2020-01-19 10:48:41
Document Index: 374165033

Matched Legal Cases: ['§ 55', '§ 141', '§ 44', '§ 44', '§ 322', '§ 141', '§ 7', '§ 44', '§ 44', '§ 24', '§ 110', 'BGH', 'BGH', '§ 141']

Die Berufs­krank­heit und die Rechts­kraft eines sozi­al­ge­richt­li­chen Urteils | Rechtslupe
Die Berufskrankheit und die Rechtskraft eines sozialgerichtlichen Urteils
Weist das Sozi­al­ge­richt eine Kla­ge auf gericht­li­che Fest­stel­lung einer bestimm­ten Berufs­krank­heit (§ 55 SGG) ab, steht mit Rechts­kraft die­ses Urteils (§ 141 SGG) das Gegen­teil der begehr­ten Fest­stel­lung fest, näm­lich dass die­se Berufs­krank­heit beim Ver­si­cher­ten nicht vor­liegt. Die­se Rechts­kraft­wir­kung ist – anders als bei Anfech­tungs- und Ver­pflich­tungs- bzw. Leis­tungs­kla­gen – nicht durch § 44 SGB X ein­ge­schränkt. Dies bedeu­tet zugleich, dass der zuvor ergan­ge­ne, die­se Berufs­krank­heit eben­falls ableh­nen­de Bescheid nicht rechts­wid­rig war und somit nicht nach § 44 SGB X zurück­zu­neh­men ist.
Mit der Abwei­sung einer auf Fest­stel­lung eines Rechts­ver­hält­nis­ses gerich­te­ten Kla­ge steht das Gegen­teil der begehr­ten Fest­stel­lung, näm­lich das Nicht­be­stehen des Rechts­ver­hält­nis­ses fest 1. Auf Grund der Rechts­kraft­wir­kung (vgl. § 322 Abs. 1 ZPO: "Urtei­le sind der Rechts­kraft … fähig, als … über den Anspruch ent­schie­den ist") ist dies – das Nicht­be­stehen des zur Fest­stel­lung begehr­ten Rechts­ver­hält­nis­ses – auch für spä­te­re Aus­ein­an­der­set­zun­gen zu berück­sich­ti­gen. Denn aus dem Lebens­sach­ver­halt, der der (abge­wie­se­nen) Fest­stel­lungs­kla­ge zu Grun­de lag, kann wegen der Rechts­kraft­wir­kung auch künf­tig nichts her­ge­lei­tet wer­den 2.
Im sozi­al­ge­richt­li­chen Ver­fah­ren gilt Glei­ches. Denn auch hier bin­den gemäß § 141 Abs. 1 Nr. 1 SGG rechts­kräf­ti­ge Urtei­le die Betei­lig­ten, soweit über den Streit­ge­gen­stand ent­schie­den wor­den ist. Ein sozi­al­ge­richt­li­ches Urteil über eine Kla­ge auf Fest­stel­lung eines Ver­si­che­rungs­fal­les in der gesetz­li­chen Unfall­ver­si­che­rung (Arbeits­un­fäl­le und Berufs­krank­hei­ten, § 7 Abs. 1 SGB VII) ist eben­falls nicht nur der for­mel­len, son­dern auch der mate­ri­el­len Rechts­kraft fähig 3. Mit der rechts­kräf­ti­gen Abwei­sung einer auf Fest­stel­lung gerich­te­ten Kla­ge ist somit auch im sozi­al­ge­richt­li­chen Ver­fah­ren das Gegen­teil der begehr­ten Fest­stel­lung fest­ge­stellt 4. Dies bedeu­tet im hier ent­schie­de­nen Fall, dass mit Rechts­kraft des Urteils des Sozi­al­ge­richts über die Abwei­sung der Kla­ge auf Fest­stel­lung der Leber­er­kran­kung als Berufs­krank­heit Nr. 1101, 1302, 1306, 1316, hilfs­wei­se als Wie-BK, rechts­kräf­tig und damit für die Betei­lig­ten und das Gericht ver­bind­lich fest steht, dass es sich bei der Leber­er­kran­kung des Klä­gers um weder eine BK Nr. 1101, 1302, 1306, 1316 noch um eine Wie-BK han­delt.
Die­se Rechts­kraft­wir­kung ist – anders als bei kom­bi­nier­ten Anfech­tungs- und Ver­pflich­tungs- bzw. Leis­tungs­kla­gen 5 – nicht durch §§ 44 ff. SGB X „ein­ge­schränkt“. Denn mit der Fest­stel­lung­kla­ge wird nicht über den Rege­lungs­ge­gen­stand eines (mit Ver­pflich­tungs- bzw. Leis­tungs­kla­ge zum Erlass begehr­ten) Ver­wal­tungs­ak­tes über Ansprü­che (z.B. auf bestimm­te Leis­tun­gen, aber auch all­ge­mein auf Aner­ken­nung eines Ver­si­che­rungs­fal­les oder von gesund­heit­li­chen Fol­gen eines Ver­si­che­rungs­fal­les, zum sub­jek­tiv öffent­li­chen Recht auf „Aner­ken­nung“ 6), des­sen Bestand­kraft nach den §§ 44 ff. SGB X durch­bro­chen wer­den kann, son­dern über das Rechts­ver­hält­nis als sol­ches ent­schie­den. Dem ent­spre­chend stellt sich die Rechts­po­si­ti­on der Betei­lig­ten wegen der Rechts­kraft­wir­kung gericht­li­cher Fest­stel­lungs­ur­tei­le im Gegen­satz zur durch­bre­chungs­fä­hi­gen Bin­dungs­wir­kung fest­stel­len­der oder eine Fest­stel­lung ableh­nen­der Ver­wal­tungs­ak­te – was die Durch­bre­chungs­fä­hig­keit anbe­langt – anders dar 7.
Lan­des­so­zi­al­ge­richt Baden-Würt­tem­berg, Urteil vom 16. Febru­ar 2012 – L 10 U 3886/​10
Nach­ho­lung der Anhö­rung im Wider­spruchs­ver­fah­ren Im Wider­spruchs­ver­fah­ren kann eine unter­blie­be­ne Anhö­rung unein­ge­schränkt nach­ge­holt wer­den, weil das Ver­fah­ren noch im Ver­ant­wor­tungs­be­reich des Leis­tungs­trä­gers steht. Nach § 24 Abs. 1 SGB X…
Rechts­kraft­wir­kung kla­ge­ab­wei­sen­der Urtei­le – und das… Die Wir­kung der mate­ri­el­len Rechts­kraft besteht nach § 110 Abs. 1 FGO dar­in, dass die Betei­lig­ten an die rechts­kräf­ti­ge Ent­schei­dung soweit gebun­den sind, als über…
Über­lan­ge Ver­fah­rens­dau­er beim Sozi­al­ge­richt Beim Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt war jetzt eine Ver­fas­sungs­be­schwer­de gegen über­lan­ge Ver­fah­rens­dau­er beim Sozi­al­ge­richt Osna­brück erfolg­reich: Der 1958 gebo­re­ne Beschwer­de­füh­rer war selb­stän­dig tätig und nicht kran­ken­ver­si­chert. Sei­ne finan­zi­el­le…
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BGH, Urteil vom 16.01.2008 – XII ZR 216/​05[↩]
BGH, a.a.O. für eine Leis­tungs­kla­ge nach rechts­kräf­tig abge­wie­se­ner Fest­stel­lung­kla­ge[↩]
BSG, Urteil vom 28.06.1984 – 2 RU 64/​83[↩]
BSG a.a.O.: mit der Abwei­sung einer Kla­ge auf Aner­ken­nung von Wir­bel­säu­len­be­schwer­den als Fol­gen eines Arbeits­un­fal­les steht fest, dass die Wir­bel­säu­len­be­schwer­den kei­ne Unfall­fol­gen sind[↩]
s. hier­zu Kel­ler in Mey­er-Lade­wig, SGG, 9. Auf­la­ge, § 141 Rdnrn. 11 ff.[↩]
s. BSG, Urteil vom 05.07.2011- B 2 U 17/​10 R[↩]
BSG, Urteil vom 27.04.2010 – B 2 U 23/​09 R; und Urtei­le vom 09.11.2010 – B 2 U 6/​10 R und B 2 U 14/​10 R, für Fal­le der Statt­ga­be der Fest­stel­lungs­kla­ge[↩]
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