Source: https://bdb-ev.de/240_Jahrestagung_2018.php?kurztext_ausklappen=3404
Timestamp: 2020-07-14 07:20:05
Document Index: 203691961

Matched Legal Cases: ['§ 1902', '§ 1901', '§ 1901', '§ 1896', '§ 1901', '§ 1897', 'Art. 12', 'BGH']

Lars Mückner, Lydia Rensen
In ihrem Aufgabenkreis vertreten Betreuer/innen ihre Klienten und Klientinnen gerichtlich außergerichtlich (§ 1902 BGB). Sie haben Wünschen der Klient/innen zu entsprechen, soweit dies deren Wohl nicht zuwiderläuft und der Betreuerin bzw. dem Betreuer zuzumuten ist. Ehe Betreuer/innen wichtige Angelegenheiten erledigen, besprechen sie diese mit ihren Klient/innen, soweit dies deren Wohl nicht zuwiderläuft (§ 1901 Abs. 3 BGB). Selbst über Entscheidungen zum Lebensende beraten rechtliche Betreuer/innen, sie informieren sich auch über die Wünsche ihrer Klient/innen (§ 1901a BGB, der 2017 neu eingefügte Abs. 3 legt Betreuer/innen weitere Pflichten auf).
Betreuer bzw. Betreuerinnen dürfen nur für Aufgabenkreise bestellt werden, in denen die Vertretung erforderlich ist (§ 1896 Abs. 2 S. 1 BGB); darum dürfen sie auch nur dort handeln, wo es ihre Klient/innen nicht selber können; schließlich haben Betreuer/innen innerhalb ihres Aufgabenkreises dazu beizutragen, dass Möglichkeiten genutzt werden, die Krankheit oder Behinderung zu beseitigen, zu bessern, ihre Verschlimmerung zu verhüten oder ihre Folgen zu mildern (§ 1901 Abs. 4 BGB). Voraussetzung ist, dass die Betreuer/innen im erforderlichen Umfang persönlich Kontakt zu Ihren Klient/innen halten.
Wer das nicht kann oder will, ist nicht geeignet und darf nicht als Betreuer bzw. Betreuerin bestellt werden (§ 1897 Abs. 1 BGB).
Toll. Das soll das Thema dieser Arbeitsgruppe sein? Ein Gesetz lesen kann jeder. Und damit sollte eigentlich alles gesagt sein. Ist es aber nicht.
Denn: Qualitativ hochwertige Betreuungsarbeit kann geplant werden. Vom Beginn der Tätigkeit an, über jeden Jahresbericht und bei jeder Vertreterentscheidung sind die oben genannten Prinzipien zur Ermittlung der Wünsche der Klient/innen zu beachten. Selbst wenn es nicht im Gesetz stünde, Art. 12 der UN BRK würde den Staat [und damit die Justiz vom Amtsgericht über Landgericht und BGH bis zum Verfassungsgericht sowie die Betreuungsbehörden] verpflichten, dieselben Prinzipien zu wahren.
Die Forderung aufzustellen ist billig.
Aber wie kann das in der Praxis gelingen?
Begrüßen Sie Ihre Klient/innen mit der Frage, wie sie sich eigentlich ihren Tod vorstellen, oder fragen Sie doch vielleicht zuerst nach den Lieblingsspeisen und der Religionszugehörigkeit?
Wie gehen Sie mit Menschen mit eingeschränktem Ausdrucksvermögen um?
Wie erfahren Sie von Menschen mit reduzierten kognitiven Fähigkeiten etwas über deren eigene Wünsche?
Und vor allem – welche Kommunikationsform passt zu Ihnen?
Nicht jede Bürokauffrau – auch wenn sie eine ausgezeichnete Betreuerin ist – hat eine Affinität zu Rollenspielen. Nicht jeder Pädagoge bringt es emotional über sich, nach dem Tod von Angehörigen und den Schlussfolgerungen für das eigene Leben zu fragen. Die beruflichen Vorerfahrungen und die Lebenswirklichkeit der Akteure im Betreuungswesen sind bunt, vielfältig und alles andere als einheitlich.
In der Arbeitsgruppe sollen verschiedene Methoden der Ermittlung von Wünschen der Klient/innen vorgestellt und diskutiert werden. Wer extrovertiert ist, ist eingeladen, den eigenen Zugang zu seinen Klient/innen kurz zu skizzieren und einer größeren Gruppe vorzustellen. Wer für sich noch den Weg nicht gefunden hat oder lieber nicht laut sprechen mag, kann einfach still teilnehmen und Anregungen und Ideen sammeln.
Die berufliche Erfahrung zeigt: Kein Weg ist zu verrückt, um ihn nicht wenigstens einmal zu versuchen.
Denn es sind die Klient/innen, die das Gespräch bestimmen. Sie sind es, die uns nicht verstehen.
Präsentation AG 7_Lars Mückner
Präsentation AG 7_Lydia Rensen