Source: https://www.rechtslupe.de/zivilrecht/nachtraegliche-zulassung-der-rechtsbeschwerde-2-361827
Timestamp: 2020-08-07 13:20:29
Document Index: 321518036

Matched Legal Cases: ['§ 574', '§ 319', '§ 568', '§ 574', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH']

Nachträgliche Zulassung der Rechtsbeschwerde | Rechtslupe
Ent­hält ein Beschluss kei­nen Aus­spruch über die Zulas­sung der Rechts­be­schwer­de, kann die­ser im Wege eines Berich­ti­gungs­be­schlus­ses nach­ge­holt wer­den, wenn das Gericht die Rechts­be­schwer­de im Beschluss zulas­sen woll­te und dies nur ver­se­hent­lich unter­blie­ben ist. Die­ses Ver­se­hen muss nach außen her­vor­ge­tre­ten und selbst für Drit­te ohne wei­te­res deut­lich sein [1].
Nach § 574 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 ZPO ist gegen einen Beschluss die Rechts­be­schwer­de statt­haft, wenn das Beschwer­de­ge­richt sie in dem ange­foch­te­nen Beschluss aus­drück­lich zuge­las­sen hat, sei es im Tenor oder in den Grün­den [2].
Nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs kann eine Berich­ti­gung des Beschlus­ses, in dem eine beschlos­se­ne Zulas­sung ver­se­hent­lich nicht auf­ge­nom­men wur­de, ent­spre­chend § 319 ZPO erfol­gen [3]. Das Ver­se­hen muss dann aber, weil eine Berich­ti­gung nach die­ser Vor­schrift auch von einem Rich­ter beschlos­sen wer­den kann, der an der frag­li­chen Ent­schei­dung nicht mit­ge­wirkt hat, selbst für Drit­te ohne wei­te­res deut­lich sein [4]. Dafür ist erfor­der­lich, dass sich das Ver­se­hen aus dem Zusam­men­hang des Beschlus­ses selbst oder min­des­tens aus den Vor­gän­gen bei sei­nem Erlass oder bei sei­ner Ver­kün­dung ergibt, weil nur dann eine „offen­ba­re“ Unrich­tig­keit vor­lie­gen kann [5]. Maß­geb­li­cher Zeit­punkt für die Beur­tei­lung des Vor­lie­gens die­ser Vor­aus­set­zun­gen ist der Zeit­punkt der Ent­schei­dung selbst [6].
Gemes­sen an die­sen Grund­sät­zen sah der Bun­des­ge­richts­hof die Vor­aus­set­zun­gen für eine „offen­ba­re“ Unrich­tig­keit im vor­lie­gen­den Fall als nicht gege­ben: Weder dem Beschluss selbst noch den Zusam­men­hän­gen bei der Beschluss­fas­sung lässt sich ent­neh­men, dass das Beschwer­de­ge­richt sei­ner­zeit die Rechts­be­schwer­de zulas­sen woll­te.
Aus dem Umstand, dass vor Erlass des Beschlus­ses der Ein­zel­rich­ter die Sache mit Beschluss vom glei­chen Tage auf die Kam­mer über­tra­gen hat, kann allen­falls gefol­gert wer­den, dass der Ein­zel­rich­ter selbst der Sache eine grund­sätz­li­che Bedeu­tung gemäß § 568 Satz 2 Nr. 2, § 574 Abs. 2 Nr. 1 ZPO bei­gemes­sen und des­we­gen die Zulas­sung der Rechts­be­schwer­de für erfor­der­lich gehal­ten hat. Dar­aus kann jedoch nicht gefol­gert wer­den, dass die mit drei Rich­tern besetz­te Kam­mer bei ihrer Beschluss­fas­sung der­sel­ben Auf­fas­sung gewe­sen ist und auch eine ent­spre­chen­de Ent­schei­dung getrof­fen hat.
Die vom Beschwer­de­ge­richt selbst für die Tat­sa­che der „offen­ba­ren“ Unrich­tig­keit als maß­geb­lich ange­se­he­ne Ver­fü­gung des Kam­mer­vor­sit­zen­den vom 20.07.2011 kann in zeit­li­cher Hin­sicht kei­ne Berück­sich­ti­gung fin­den, da die Beschwer­de­ent­schei­dung vom 30.06.2011 datiert. Zum Zeit­punkt die­ser Ent­schei­dung war nicht für einen Drit­ten ohne wei­te­res deut­lich nach außen her­vor­ge­tre­ten, dass die Zulas­sung der Rechts­be­schwer­de ver­se­hent­lich unter­blie­ben war.
Selbst für die Rechts­be­schwer­de­füh­re­rin war dies nicht offen­bar. Denn sie hat in ihrer Anhö­rungs­rü­ge zur Begrün­dung aus­ge­führt, gegen den Beschluss des Beschwer­de­ge­richts vom 30.06.2011 sei ein wei­te­res Rechts­mit­tel nicht gege­ben.
Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 29. April 2013 – VII ZB 54/​11
im Anschluss an BGH, Beschluss vom 11. Mai 2004 – VI ZB 19/​04, NJW 2004, 2389[↩]
BGH, Beschluss vom 24.11.2003 – II ZB 37/​02, NJW 2004, 779; Beschluss vom 14.09.2004 – VI ZB 61/​03, NJW 2005, 156[↩]
BGH, Beschlüs­se vom 12.03.2009 – IX ZB 193/​08, NJW-RR 2009, 1349; vom 14.09.2004 – VI ZB 61/​03, aaO; vom 24.11.2003 – II ZB 37/​02, aaO[↩]
BGH, Beschluss vom 14.09.2004 – VI ZB 61/​03, aaO; vgl. auch BGH, Beschluss vom 11.05.2004 – VI ZB 19/​04, NJW 2004, 2389 und Urteil vom 25.02.2000 – V ZR 206/​99, NJW-RR 2001, 61 für die gleich­ge­la­ger­ten Fäl­le der nach­träg­li­chen Zulas­sung der Revi­si­on und der Beru­fung[↩]
BGH, Beschlüs­se vom 12.03.2009 – IX ZB 193/​08, aaO; vom 14.09.2004 – VI ZB 61/​03, aaO; vom 24.11.2003 – II ZB 37/​02, aaO; vgl. auch BGH, Beschluss vom 11.05.2004 – VI ZB 19/​04, aaO; Urtei­le vom 25.02.2000 – V ZR 206/​99, aaO; vom 08.07.1980 – VI ZR 176/​78, BGHZ 78, 22[↩]
BGH, Beschluss vom 30.07.2008 – II ZB 40/​07, MDR 2008, 1292[↩]