Source: https://www.strafjournal.com/beitraege/antidopg-strafbarkeit-selbstdoping
Timestamp: 2017-03-28 02:26:10
Document Index: 16587265

Matched Legal Cases: ['§ 3', '§ 3', '§ 4', '§ 4', '§ 4', '§ 4']

Anti-Doping-Gesetz: Strafbarkeit des Selbstdopings — Strafjournal
Das Gesetz gegen Doping im Sport (Anti-Doping-Gesetz) macht seit Anfang des Jahres das Selbstdoping zu einer Straftat.
Die Strafbarkeit des Selbstdopings ist die Neuerung des Anti-Doping-Gesetzes (AntiDopG). Daher möchte ich heute diesen Aspekt in einem eigenen Beitrag beleuchten. Zu sagen gibt es reichlich dazu. Wie hart ist die Strafe? Wieso richtet sich die Bestrafung des Selbstdopings in erster Linie an Spitzensportler? Und was bitte ist “ein Wettbewerb des organisierten Sports”?
Falls Sie zuerst eine allgemeine Einführung zum Anti-Doping-Gesetz benötigen, möchte ich Ihnen diesen Beitrag im Blog empfehlen: “Das Anti-Doping-Gesetz”. Außerdem können Sie in meinem zweiten Beitrag zum AntiDopG mehr über die ersten Skandalfälle in denen die Staatsanwaltschaft ermittelt, sowie meine Meinung zur Verfassungswidrigkeit des Gesetzes nachlesen. Nun aber zur Strafbarkeit des Selbstdopings...
Verbot & Strafbarkeit des Selbstdopings
Zunächst ein bisschen Lektüre des Gesetzes. Zu langweilig? Dann scrollen Sie zum nächsten Abschnitt “Die bestraften Tathandlungen im Überblick”.
Verbot des Selbstdopings
Zunächst einmal regelt § 3 des AntiDopG, dass das Selbstdoping verboten ist. Das Gesetz im Wortlaut:
“(1) Es ist verboten,
(4) Es ist verboten, ein Dopingmittel nach Absatz 1 Satz 1 Nummer 1 zu erwerben oder zu besitzen, um es ohne medizinische Indikation bei sich anzuwenden oder anwenden zu lassen und um sich dadurch in einem Wettbewerb des organisierten Sports einen Vorteil zu verschaffen. Absatz 1 Satz 2 gilt entsprechend.”
Wer den Wortlaut aufmerksam liest der merkt, dass in § 3 nur steht, dass Selbstdoping verboten sei. Die Strafbarkeit des Selbstdopings folgt aus diesem Verbot hingegen noch nicht. Sie ergibt sich aber aus § 4 des AntiDopG.
Strafbarkeit des Selbstdopings
Dass Selbstdoping nicht nur verboten, sondern strafbar ist, ergibt sich aus § 4 des Gesetzes gegen Doping im Sport - wie das Anti-Doping-Gesetz offiziell heißt: (1) Mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe wird bestraft, wer
Die bestraften Tathandlungen im Überblick
Strafbar ist es daher, sich selbst zu dopen bzw. dopen zu lassen,
gedopt an einem Wettkampf teilzunehmen, oder
Dopingmittel zu erwerben oder zu besitzen.
Das ist es, was Juristen als Tathandlungen bezeichnen. Hinsichtlich Nummer 1 und 2 ist übrigens auch schon der bloße Versuch strafbar.
Einschränkung 1: “Wettbewerb des organisierten Sports”
Das Gesetz hat es nicht auf zu ehrgeizige Teilnehmer an Hobby-Sportevents abgesehen. Daher werden das Selbstdoping-Verbot und die Strafbarkeit dahingehend eingeschränkt, dass sich die Tathandlung auf einen “Wettbewerb des organisierten Sports” beziehen muss.
Was ein “Wettbewerb des organisierten Sports”?
Was unter diesem Begriff zu verstehen ist, sagt das Gesetz:
Ein Wettbewerb des organisierten Sports [...] ist jede Sportveranstaltung, die
Also müssen zwei Elemente zusammen vorliegen um von einem organisierten Sportwettbewerb sprechen zu können:
Element Nr. 1: Organisation und
Element Nr. 2: bindende Regeln
und beides mit Bezug zu einer internationalen oder nationalen Sportorganisation.
Wie ich schon angedeutet habe reicht es nicht, wenn nur eines der beiden Elemente gegeben ist. Sie müssen zusammen vorliegen um von einem Wettbewerb des organisierten Sports ausgehen zu können. Das ist aber eher ein theoretisches Problem. Welcher Sportverband wird schon einen Wettkampf anerkennen, ohne auf die Anwendung seiner bindenden Regeln zu bestehen?
Spätestens an dieser Stelle wird es Zeit in die Begründung des Gesetzes (siehe hier) zu schauen. Demnach geht es in erster Linie um:
“Sportwettbewerbe des Spitzen- und Leistungssports, wie Olympische und Paralympische Spiele oder Jugendspiele, Weltspiele (World-Games), nationale oder internationale Meisterschaften, Spiele oder Wettkampfbetriebe einer nationalen oder internationalen Liga, nationale oder internationale Pokalwettbewerbe oder internationale Freundschaftsspiele.”
Das hört sich nur nach riesigen Sportevents aus dem Profisportbereich an. Aber...
“Erfasst sind aber auch größere Laufveranstaltungen (z. B. Marathon) und regionale Ligen, Sportfeste und Sportveranstaltungen privater Veranstalter, wenn und soweit diese von den jeweils zuständigen (nationalen oder internationalen) Sportorganisationen im Vorfeld anerkannt worden sind. “
Nun weiß man also, was (positiv) in den Bereich des organisierten Sports fällt. Maßgeblich ist die Einbindung einer Sportorganisation bzw. eine Anerkennung durch eine solche. Aber die Gesetzesbegründung legt erfreulicherweise zusätzlich (negativ) fest was nicht darunter fallen soll:
Der Absatz schließt damit Sportveranstaltungen und Sporttreiben aus, die rein privat sind, d. h. dem Freizeitbereich zugeordnet werden, und die ohne unmittelbare oder mittelbare Einbindung einer Sportorganisation und ohne ihre Anerkennung durchgeführt werden. Hierzu zählen z. B. reine Firmenläufe, Freizeitkickerturniere, rein privates Sporttreiben (z. B. Jogging im Park) oder Wettbewerbe, die ausschließlich im Rahmen des Schulsports (z. B. Spiele verschiedener Schulen gegeneinander) ausgetragen werden.
Diese negativen Beispiele sollten klar machen, dass es lediglich für den absoluten Freizeit- und Hobbysport Klarheit gibt, dass dieser nicht erfasst wird. Im Zweifel sollte man als Sportler oder Funktionär vorsichtshalber davon ausgehen, dass das Sportevent in ein Wettbewerb des organisierten Sports ist. Außerdem: wer dopt schon für ein Freizeitkickerturnier oder Jogging im Park?
Einschränkung 2: Spitzensportler oder Verdiensterzieler
Eine weitere Einschränkung der Strafbarkeit ist das Erfordernis, dass der Täter Spitzensportler ist oder aus seinem Leben als Sportler erhebliche Einnahmen erzielt. Wozu dient diese Einschränkung?
Der Gesetzgeber hat es bei der neu eingeführten Strafbarkeit vor allem auf die Vorbilder und leuchtenden Idole er Zunft abgesehen. So eifern junge Fußballspieler Mario Götze nach. Angehende Boxer Felix Sturm oder den Klitschkos. Angehende Leichtathleten...Rouven Christ? Jetzt hoffentlich nicht mehr, siehe meinen Beitrag zu den ersten Fällen des AntiDopG.
Gemeint sind die Top-Athleten und diejenigen, die gut vom Sport leben können, denn beide Gruppen laden zum Nacheifern ein. Und umso verheerender die Signalwirkung, wenn diese beim Doping erwischt werden. Dem Gesetzgeber ist es - anders formuliert - egal, wenn ein Spieler der Oberliga dopt, der zudem vom Fußball nicht leben kann. Die Gesetzesbegründung sagt deshalb wer darunter zu verstehen ist: [...] Sportlerinnen und Sportlern [...], die ihren Sport leistungs- und wettkampforientiert auf hohem Niveau betreiben bzw. erhebliche Einnahmen aus der sportlichen Tätigkeit ziehen. Diese Sportlerinnen und Sportler stehen für den organisierten Sport, sie stellen Vorbilder dar und nehmen das Vertrauen in Anspruch, ihre sportlichen Erfolge mit lauteren Mitteln erlangt zu haben.
Wer ist “Spitzensportler”? Das Gesetz fasst hierunter Mitglieder eines Testpools, die im Rahmen des Dopingkontrollsystems Trainingskontrollen unterliegen (§ 4 Absatz 7 Nr. 1 AntiDopG). Das ist ziemlich unproblematisch, da der jeweilige Athlet von der Aufnahmen in einen Testpool informiert wird. Also droht hier kein Risiko “kalt erwischt” zu werden. Derzeit sind übrigens mehrere tausend Sportler in solchen Testpools. Es gibt drei Pools:
Registered Testpool (RTP)
Wer aufgenommen wird, bestimmt sich nach der Dopinggefahr in der jeweiligen Sportart sowie dem Leistungsniveau des Sportlers. Mehr zu den Testpools auf der Seite der NADA.
Das Kontrollsystem der NADA im ÜberblickErhebliche Einnahmen
Auch erfasst werden Sportler, die zwar nicht notwendigerweise Spitzensportler sind, aber jedenfalls “aus der sportlichen Betätigung unmittelbar oder mittelbar Einnahmen von erheblichem Umfang” erzielen. Da es sich um eine sehr schwammige Formulierung handelt, lohnt sich ein Blick in die Materialien aus dem Gesetzgebungsverfahren.
Die Gesetzesbegründung fordert das “wiederholte Erlangen wirtschaftlicher Vorteile”. Einmalig erzielte Gelder reichen also nicht. Vorausgesetzt, dass das der Fall ist, sollen genügen: Startgelder
Leistungen der Sportförderung
Ebenfalls genügt natürlich ein Gehalt oder der Sold, etwa bei den Biathleten der Bundeswehr (Sportsoldaten).
Das Gesetz spricht übrigens davon, dass die Einnahmen von “erheblichem Umfang” sein müssen. Also reichen Kleinbeträge nicht. Auch bloße Kostenerstattungen - beispielsweise für Zugreise, Flugticket oder Hotel - genügen nicht. Der gewährte Vorteil muss sichtlich darüber hinausgehen.
Welche Strafe erwartet den Dopingsünder?
Wer beim Selbstdoping erwischt wird, den erwarten nach § 4 AntiDopG folgende Strafen nach dem neuen Anti-Doping-Gesetz:
bis zu drei Jahre Freiheitsstrafe oder Geldstrafe bei
Eigenanwendung oder Anwendenlassen von Dopingmitteln
Teilnahme an Wettbewerb des organisierten Sports wenn gedopt
bis zu zwei Jahre Freiheitsstrafe oder Geldstrafe bei Erwerb oder Besitz von Dopingmitteln
Dopingsündern wird das Leben schwerer gemacht. Sie müssen damit rechnen, dass sie sich strafbar machen. Es droht sogar eine Haftstrafe. Es gibt eine wichtige Einschränkung. Man muss Spitzensportler sein oder mit der sportlichen Betätigung erhebliche Einnahmen erzielen. Dagegen stellt die zweite Einschränkung, dass das Doping einen Bezug zu einem Wettbewerb des organisierten Sports aufweisen muss, keine große Hürde für die Staatsanwaltschaft dar. *Hervorhebungen des Gesetzeswortlauts und des Gesetzentwurfs durch Strafjournal.com
Hat Ihnen dieser Artikel gefallen? Dann lesen Sie hier mehr über die ersten Anwendungsfälle des AntiDopG und zu verfassungsrechtlichen Bedenken.
MindMap zur Strafbarkeit des Selbstopings nach dem Anti-Doping-Gesetz
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