Source: http://www.uni-protokolle.de/foren/viewt/115058,0.html
Timestamp: 2019-10-16 17:54:42
Document Index: 125770935

Matched Legal Cases: ['BGH', 'BGH', '§ 239', '§ 240', '§ 249', '§ 239', '§ 239', '§224']

HA Strafrecht Raub/räuberische Erpressung?
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Verfasst am: 14 Feb 2007 - 16:26:31 Titel: HA Strafrecht Raub/räuberische Erpressung?
Ja nun ist es wieder so weit, eine HA muss erstellt werden.
Meine Frage nun, handelt es sich um räuberische Erpressung oder nur Raub? Soll ich beides prüfen oder nur eins?
Und wie verhält es sich bezüglich des Tode´s von O? Körperverletzung mit Todesfolge?Nee oder? Raub mit Todesfolge??
A bietet im Internet einen BMW Z3 an(den es in Wirklichkeit gar nicht gibt), um so aus seiner finanziellen Not zu gelangen. Auf die Anzeige des A meldet sich O. A geht davon aus, dass O den Wagen(45 000€) nicht kaufen wird, ohne ihn vorher zu gesicht zu bekommen. A lockt O in einen Hinterhalt um diesem dort die 45.000 Euro abzunehmen. Sie verabreden sich in einem abgelegten Gewerbegebiet, wo O den Z 3 besichtigen soll. Da A Barzahlung verlangt, will O die Geldsumme zum verabredeten Ort mitbringen.
Als O im Gewerbegebiet ankommt, steht dort lediglich A am Straßenrand. Der Z 3 ist nicht zu sehen. Nachdem O irritiert den Motor seines VW Käfer abgestellt und ausgestiegen ist, um A nach dem Verbleib des Z 3 zu fragen, streckt A den O mit einem kräftigen Faustschlag ans Kinn nieder. A fesselt die Hände und Füße des O mit einem Strick. A durchsucht den O und findet in der Jackentasche den Umschlag mit 45.000 Euro. Außerdem stellt er erfreut fest, dass O eine Digitalkamera und ein Handy bei sich hat. Er beschliesst, diese unerwartete, günstige Gelegenheit auszunutzen, und steckt nicht nur das Geld ein, sondern auch Handy und Kamera. Dann löst er die Fesseln des O und flieht.
Der unter psychischen Schock stehende O setzt sich in seinen VW Käfer, um nach Hause zu fahren. An einer Kreuzung übersieht er, weil er infolge seiner psychischen Verfassung unkonzentriert ist, ein Stopp-Schild und wird von einem Lastwagen überrollt. O verstirbt noch am Unfallort.
Zuletzt bearbeitet von trinethy1984 am 14 Feb 2007 - 18:48:47, insgesamt einmal bearbeitet
Verfasst am: 14 Feb 2007 - 18:32:16 Titel:
Sachverhalte bitte nur zusammengefasst in eigenen Worten darstellen oder verlinken. Vgl. Forenregeln.
Also ich sehe hier nur einen (schweren) Raub. Eine räuberische Erpressung würde eine Weggabe fordern, die hier nach keiner Ansicht (weder BGH noch hLit) vorliegt. Wenn A sein Opfer vorher bedrohen würde, würde es auf dessen Handlungsalternativen ankommen und somit ein Abgrenzungsstreit erforderlich machen - das tut er aber nicht. Er wendet sofort vis absoluta an. Hier haben wir es also mit einer Wegnahme zu tun, also mit einem Raub. Da der Raub auch unabhängig von der Wegnahme vorliegt (Zueignungsabsicht besteht), braucht es auch keinen problematischen Rückgriff auf die räuberische Erpressung. Dann wäre hier in der Tat im Rahmen der räuberischen Erpressung zu diskutieren, da hier nämlich keine Vermögensverfügung vorliegt und somit BGH und hLit zu verschiedenen Ergebnissen kämen.
Probleme könnte es mit Digicam und Handy geben. Diese sind vom Tatentschluss nicht umfasst und werden nur "bei Gelegenheit" des Raubes weggenommen. Es ist daher fraglich, ob diese Sachen nur gestohlen oder auch geraubt werden.
Hinsichtliches des Todes des O dürfte die Frage nach der Kausalität und der objektiven Zurechnung des Tuns des T interessant werden. Einen Raub mit Todesfolge zu prüfen, halte ich für eine gute Idee. Hier käme es dann darauf an, ob ein Verkehrsunfall aufgrund der psychischen Raubfolgen beim Opfer noch eine spezifische Raubgefahr darstellen und wenn ja, ob man hier den nötigen zeitlichen Zusammenhang noch bejaht. Würde wahrscheinlich zumindest letzteres verneinen. Erfolgsqualifiziertes Delikt in Reinkultur, da kann man schön ein wenig labern. Ein räuberischer Angriff auf Kraftfahrer scheidet schon aufgrund des Motorabstellens aus.
Verfasst am: 14 Feb 2007 - 18:52:05 Titel:
Ok danke für den Tipp, habe es zusammengefasst
Dann wird also der Schwerpunkt bei der Wegnahme des Handy´s und der Kamera liegen oder?Naja und in dem Tod des O.
Hälst du es denn auch für sinnvoll erst den 239 und dann den 240er zu prüfen bzgl. der Fesselung des O? Denn 239 würde ja wahrscheinlich auf Grund des minimalen Zeitraums verneint werden.
Verfasst am: 14 Feb 2007 - 18:59:15 Titel:
Ach und noch eijne Frage, ich prüfe ja den Raub bzgl. des Geldes separat zu der Wegnahme des Handy´s und der Kamera. Wenn ich also den Raub mit den 45 000€ bejahe, kann ich dann überhaupt nochmal den Raub prüfen? Oder soll ich dann den 242er erst prüfen? Aber das geht ja auch nicht, oder?
Verfasst am: 14 Feb 2007 - 19:06:45 Titel:
Hm nun ja, sowohl § 239 als auch § 240 sind gegenüber § 249 allgemeinere Delikte. Darauf kommt es also hier m.E. nicht wirklich an. Nebenbei bedarf § 239 aber keinem längerfristigeren Eingriff in die Bewegungsfreiheit; nur extrem kurze Beschränkungen wie Griff an den Arm etc. scheiden aus, diese Fesselung hier ist aber ohne weiteres vom Tatbestand des § 239 umfasst.
Bezüglich der zweiten Frage: Ich würde das ähnlich wie in den gleichgelagerten Diebstahlsfällen machen. Zum Beispiel: A stiehlt beim Obsthändler ein Schälchen mit Kirschen, verzehrt die Kirschen auf dem Heimweg und wirft das Schälchen weg. Hier ist kein Diebstahl bzgl. des Schälchens verwirklicht. Aufbautechnisch habe ich das schonmal so gesehen, dass man erst innerhalb des subjektiven Tb aufsplittet zwischen Kirschen und Schälchen und die Zueignungsabsicht nur hinsichtlich der Kirschen bejaht. So könnte man es auch hier machen: Im Raub (Wegnahme Geld + Kamera/Handy gemeinsam) splittet man in der Finalzusammenhangsprüfung auf. Nach dem Raub prüfst du dann ggf. noch seperat einen Diebstahl von Kamera und Handy.
Verfasst am: 14 Feb 2007 - 19:19:09 Titel:
Ok das hört sich gut an, ich werd mich da gleich und morgen mal dran setzen und wenn ich fragen habe melde ich mich nochmal
Dann bin ich mal gespannt ob ich die 25 Seiten voll bekomme
Verfasst am: 15 Feb 2007 - 09:15:41 Titel:
So da bin ich wieder, arbeiter gerade fleißig an der Hausarbeit und bleib gerade hängen
Also ich wollte den Sachverhalt bzw. das Gutachten, wie auch immer, in 3 Tatkomplexe unterteilen. 1.TK= Fesselung des O (dort würde ich den faustschlag 223 dann den 239 bzgl. der Fesselung und evtl. den 240er??? bzgl. der Gewalt(Faustschlag) und dem fesseln lassen???)
Erscheint dies sinnvoll?
2.TK= Die Wegnahme
3.TK= Tod d.O
Soll ich den 240er noch prüfen nach dem 223 und dem 239?
Und meine Frage nun, soll ich noch§224INr.3 prüfen?(hinterlistiger Überfall) denn eigentlich hat A ja alles planmäßig berechnet, also mit dem in den Hinterhalt locken, aber andernfalls habe ich als TK ja "nur" die Fesselung, oder soll ich das in 4 unterteilen?
Wäre wirklich lieb wenn mir einer helfen könnte.