Source: https://www.weka.ch/themen/recht/gesellschaftsrecht/transaktionen-ma/article/umwandlung-von-einer-gmbh-in-eine-aktiengesellschaft/
Timestamp: 2018-07-21 17:41:27
Document Index: 369734715

Matched Legal Cases: ['Art. 54', 'Art. 2', 'Art. 53', 'Art. 56', 'Art. 105', 'Art. 57', 'Art. 58', 'Art. 136']

Falls einige Zeit nach der Gründung einer GmbH das Bedürfnis nach einem Rechtswahlwechsel besteht, bietet das Fusionsgesetz die Möglichkeit eine GmbH in eine Aktiengesellschaft umzuwandeln
Art. 54 Abs. 1 lit. a FusG. Eine Umwandlung in eine Aktiengesellschaft kann dann Sinn machen, wenn sich der Kapitalbedarf nach der Startphase erhöht und die Gesellschaft ihre Finanzierungsmöglichkeiten verbessern will. Auch wenn die Anteilsrechte breiter gestreut werden und neue Geldgeber an der Gesellschaft beteiligt werden sollen, ist eine Aktiengesellschaft in der Regel besser geeignet als eine GmbH.
Nicht zuletzt können nach wie vor Prestigegründe für die Umwandlung in eine Aktiengesellschaft sprechen.
Mit der Umwandlung kann eine Gesellschaft die rechtliche Struktur an die veränderten wirtschaftlichen Bedürfnisse anpassen, ohne dass die bisherige Gesellschaft aufgelöst und eine neue gegründet werden muss.
Die Voraussetzungen, unter welchen sich eine GmbH in eine Aktiengesellschaft umwandeln kann und die dabei einzuhaltenden Formalitäten sind im Bundesgesetz über Fusion, Spaltung, Umwandlung und Vermögensübertragung (FusG) geregelt.
Erleichterung für KMU
Das Fusionsgesetz sieht für kleinere und mittlere Unternehmen (KMU) ein erleichtertes Umwandlungsverfahrens vor. Als KMU gelten gemäss Art. 2 lit. e FusG Gesellschaften, die keine Anleihensobligationen ausstehend haben, deren Anteile nicht an der Börse gehandelt werden und überdies zwei der nachfolgenden Grössen in den zwei letzten dem Umwandlungsbeschluss vorangegangenen Geschäftsjahren nicht überschreiten: Bilanzsumme von 20 Millionen Franken, Umsatzerlös von 40 Millionen Franken und 200 Vollzeitstellen im Jahresdurchschnitt. Gesellschaften, die nicht alle drei Kriterien erfüllen, gelten nicht als KMU im Sinn des Fusionsgesetzes. Da ein grosser Teil der GmbHs von dieser Erleichterung profitieren dürften beschränkt sich dieser Beitrag auf die KMU-Umwandlung.
Wirkungen einer Umwandlung
Das Gesetz definiert die Umwandlung als "Änderung der Rechtsform einer Gesellschaft, ohne dass deren Rechtsverhältnisse geändert werden" (Art. 53 FusG). Die bisherige Gesellschaft bleibt also bestehen und ändert lediglich ihre Rechtsform. Es kommt zu keiner Rechtsnachfolge und zu keinen Übertragungen von Rechtsbeziehungen. Die oberste Maxime bei der Umwandlung ist die Wahrung der Anteils- und Mitgliedschaftsrechte der bisherigen Gesellschafter (Art. 56 Abs. 1 FusG). Die Umwandlung darf deren Rechte grundsätzlich nicht beeinträchtigen. Die bisherigen Stammanteilsinhaber der GmbH haben Anspruch auf Aktien der neuen Aktiengesellschaft, die ihrer bisherigen Wertquote entsprechen (vgl. Küng Manfred/Hauser Isabel, Gründung und Führung der Gesellschaft mit beschränkter Haftung, Basel 2005, S. 173).
Alle Vermögens- und mitgliedschaftlichen Beziehungen bleiben bei einer Umwandlung gewahrt und bestehen fort.
Werden die gesetzlichen Bestimmungen über die Wahrung der Anteils- und Mitgliedschaftsrechte verletzt, können die Gesellschafter, deren Rechte verletzt worden sind, gestützt auf Art. 105 FusG beim Gericht die Festsetzung einer angemessenen Ausgleichszahlung beantragen.
Einhaltung der Gründungsvorschriften
Die Umwandlung führt lediglich zu einem Wechsel in der Rechtsform und nicht zur Neugründung einer Gesellschaft. Dennoch müssen die auf die neue Rechtsform anwendbaren Gründungsvorschriften bei der Umwandlung eingehalten werden (Art. 57 FusG). Damit soll gewährleistet werden, dass die Umwandlung nicht dazu verwendet wird, die spezifischen Gründungsvorschriften zu umgehen. Zu beachten sind dabei insbesondere die Liberierungsvorschriften für das Gesellschaftskapital, die Regeln des Firmenrechts für die Bildung der Firma, die Bestimmungen über den Gesellschaftszweck und die Organisation der Gesellschaft sowie die Formvorschriften. So hat bei der Umwandlung einer GmbH in eine Aktiengesellschaft das Kapital zwingend CHF 100 000.- zu betragen.
Ist das bisherige Stammkapital niedriger als CHF 100 000.-, so muss es die GmbH im Hinblick auf die Umwandlung entsprechend.
Vorbereitung der Umwandlung
Da die Umwandlung auf der Basis einer aktuellen Bilanz erfolgen muss, schreibt Art. 58 Abs. 1 FusG die Erstellung eines Zwischenabschlusses vor, wenn der Bilanzstichtag zum Zeitpunkt des Umwandlungsberichtes bzw. bei KMU der Erstellung des Umwandlungsplans mehr als sechs Monate zurückliegt oder seit Abschluss der letzten Bilanz wichtige Änderungen in der Vermögenslage der umzuwandelnden GmbH eingetreten sind. Falls die Gesellschaft ihre Jahresrechnung aufgrund einer gesetzlichen oder statutarischen Revisionspflicht prüfen lassen muss, ist eine allfällige Zwischenbilanz ebenfalls prüfungspflichtig.
Da die umzuwandelnde GmbH in der Regel nicht über das Nennkapital verfügt, das den Mindestanforderungen der Aktiengesellschaft genügt, ist im Hinblick auf die Umwandlung zunächst eine Kapitalerhöhung durchzuführen. Die Kapitalerhöhung muss dabei vor dem Rechtsformwechsel durchgeführt werden und richtet sich noch nach den Vorschriften über die GmbH. Die Stammkapitalerhöhung und die Umwandlung können jedoch in einem Schritt erfolgen, wobei die korrekte Reihenfolge, zunächst die Kapitalerhöhung und dann die Umwandlung, eingehalten werden muss (vgl. Gwelessiani Michael, Praxiskommentar zur Handelsregisterverordnung, Zürich/Basel/Genf 2008, N 493 zu Art. 136 HRegV). Die Art der vorgängigen Kapitalaufbringung (durch Bareinlage, Sacheinlage, Verrechnung oder Umwandlung von frei verwendbarem Eigenkapital) ist unerheblich, da im Ergebnis nur zählt, dass die Gesellschaft im Zeitpunkt der Umwandlung tatsächlich über die gesetzlich vorgeschriebenen Mittel verfügt (Champeaux Christian, Fusionsgesetz - Aspekte der Handelsregisterpraxis, in: REPRAX 3/2011, S. 3).
Gemäss Handelsregisterpraxis muss bei der Umwandlung einer GmbH in eine Aktiengesellschaft das volle Aktienkapital einbezahlt werden. Eine Teilliberierung des Aktienkapitals ist in diesem Fall nicht möglich.