Source: https://www.rechtslupe.de/zivilrecht/vorbeugende-unterlassungsklage-und-die-bestimmtheit-des-unterlassungsantrags-3100465
Timestamp: 2020-08-12 04:50:29
Document Index: 23371485

Matched Legal Cases: ['§ 253', '§ 253', '§ 308', '§ 253', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'EuG', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 253', '§ 253', '§ 253']

Vorbeugende Unterlassungsklage - und die Bestimmtheit des Unterlassungsantrags | Rechtslupe
Vor­beu­gen­de Unter­las­sungs­kla­ge – und die Bestimmt­heit des Unter­las­sungs­an­trags
Die Anfor­de­run­gen an die Bestimmt­heit eines Unter­las­sungs­an­trags unter­schei­den sich bei der vor­beu­gen­den Unter­las­sungs­kla­ge regel­mä­ßig nicht von den­je­ni­gen einer Ver­let­zungs­un­ter­las­sungs­kla­ge.
Der Bestimmt­heit des Kla­ge­an­trags steht nicht ent­ge­gen, dass der Klä­ger sein gegen die Beklag­te zu 2 gerich­te­tes ein­heit­li­ches Kla­ge­be­geh­ren aus meh­re­ren Schutz­rech­ten und aus Wett­be­werbs­recht her­lei­tet und es sich dabei um ver­schie­de­ne pro­zes­sua­le Ansprü­che (Streit­ge­gen­stän­de) han­delt.
In dem hier vom Bun­des­ge­richts­hof ent­schie­de­nen Fall hat der Klä­ger dem Bestimmt­heits­ge­bot des § 253 Abs. 2 Nr. 2 ZPO dadurch genügt, dass er die Rei­hen­fol­ge bezeich­net hat, in der er die Streit­ge­gen­stän­de gel­tend macht [1].
Dem Haupt­an­trag fehlt die Bestimmt­heit jedoch des­halb, weil er offen lässt, wel­che For­men der Ver­wen­dung des ange­grif­fe­nen, der ange­mel­de­ten Gemein­schafts­mar­ke ent­spre­chen­den Rot­tons dem Ver­bot der kenn­zei­chen­mä­ßi­gen Benut­zung durch die Beklag­te zu 2 unter­fal­len sol­len.
Mit dem Haupt­an­trag soll der Beklag­ten zu 2 unter­sagt wer­den, die von ihr als Gemein­schafts­farb­mar­ke ange­mel­de­te Far­be „Rot“ in Deutsch­land im Zusam­men­hang mit Dienst­leis­tun­gen eines Geld­in­sti­tuts im Bereich des Retail-Ban­kings zu benut­zen. Der Klä­ger hat dabei hin­rei­chend ver­deut­licht, dass er kein Ver­bot jed­we­der Benut­zung des ange­grif­fe­nen Rot­tons erstrebt. In sei­nem Kla­ge­vor­brin­gen, das zur Aus­le­gung des Antrags mit her­an­zu­zie­hen ist [2], und auch in der Revi­si­ons­be­grün­dung hat er klar­ge­stellt, dass er mit der Wen­dung „ent­spre­chend der ange­mel­de­ten Gemein­schafts­mar­ke Nr. 006728356 im Zusam­men­hang mit den Dienst­leis­tun­gen eines Geld­in­sti­tuts im Bereich Retail-Ban­king“ allein eine kenn­zei­chen­mä­ßi­ge Benut­zung des roten Farb­tons für die ange­ge­be­nen Dienst­leis­tun­gen unter­sagt wis­sen will. Auch mit die­ser Klar­stel­lung ist der Haupt­an­trag jedoch nicht hin­rei­chend bestimmt.
Nach § 253 Abs. 2 Nr. 2 ZPO darf ein Ver­bots­an­trag nicht der­art undeut­lich gefasst sein, dass Gegen­stand und Umfang der Ent­schei­dungs­be­fug­nis des Gerichts (§ 308 Abs. 1 ZPO) nicht erkenn­bar abge­grenzt sind, sich der Beklag­te des­halb nicht erschöp­fend ver­tei­di­gen kann und letzt­lich die Ent­schei­dung dar­über, was ihm ver­bo­ten ist, dem Voll­stre­ckungs­ge­richt über­las­sen bleibt [3]. Der Haupt­an­trag des Klä­gers genügt die­sen Anfor­de­run­gen nicht.
Bei der Anga­be der kenn­zei­chen­mä­ßi­gen Benut­zung han­delt es sich um einen aus­le­gungs­be­dürf­ti­gen Begriff. Die Par­tei­en strei­ten vor­lie­gend dar­über, wo die Gren­ze zwi­schen einer in das Schutz­recht einer abs­trak­ten Farb­mar­ke ein­grei­fen­den mar­ken­mä­ßi­gen und einer recht­mä­ßi­gen, weil nur deko­ra­ti­ven Ver­wen­dung des ange­grif­fe­nen roten Farb­tons liegt. Die Abgren­zung ist im Ein­zel­fall schwie­rig, weil der Ver­kehr eine im Zusam­men­hang mit einem Pro­dukt oder einer Dienst­leis­tung ver­wen­de­te Far­be in der Regel nicht als Hin­weis auf die Her­kunft aus einem bestimm­ten Unter­neh­men, son­dern nur als Gestal­tungs­mit­tel ansieht [4]. Die dafür erfor­der­li­che kom­ple­xe recht­li­che Wür­di­gung ist grund­sätz­lich dem Erkennt­nis­ver­fah­ren vor­be­hal­ten und kann nicht ins Voll­stre­ckungs­ver­fah­ren ver­la­gert wer­den. Der Klä­ger muss das Merk­mal der kenn­zei­chen­mä­ßi­gen Ver­wen­dung daher kon­kret umschrei­ben und gege­be­nen­falls mit Bei­spie­len unter­le­gen [5]. Es besteht regel­mä­ßig kein Anlass, den Klä­ger im Rah­men der vor­beu­gen­den Unter­las­sungs­kla­ge anders als bei der Erhe­bung einer Ver­let­zungs­un­ter­las­sungs­kla­ge zu behan­deln, bei der er sei­nen Antrag eben­falls nicht all­ge­mein gegen jede kenn­zei­chen­mä­ßi­ge Nut­zung eines näher defi­nier­ten Farb­tons rich­ten kann [6]. Dies gilt auch vor­lie­gend.
Nichts ande­res ergibt sich aus der Ent­schei­dung „REAL-Chips“ des Bun­des­ge­richts­hofs [7]. In dem die­ser Ent­schei­dung zugrun­de lie­gen­den Fall stand nicht in Streit, dass der beab­sich­tig­te Ein­satz der ange­mel­de­ten Wort­mar­ke als kenn­zei­chen­mä­ßig anzu­se­hen war.
Die­se Anfor­de­run­gen an die Bestimmt­heit eines auf einen vor­beu­gen­den Unter­las­sungs­an­spruch des Mar­ken­in­ha­bers gestütz­ten Kla­ge­an­trags füh­ren nicht dazu, dass kein ange­mes­se­ner Rechts­schutz zu erlan­gen ist. Im Streit­fall ist es dem Klä­ger ohne wei­te­res mög­lich, aus der geschäft­li­chen Tätig­keit der Beklag­ten außer­halb Deutsch­lands mög­li­che Bei­spie­le für im Inland dro­hen­de kenn­zei­chen­mä­ßi­ge Ver­wen­dungs­for­men der ange­mel­de­ten roten Far­be zu fin­den und damit den Kla­ge­an­trag der­art zu fas­sen, dass er dem Bestimmt­heits­ge­bot des § 253 Abs. 2 Nr. 2 ZPO genügt. Zu berück­sich­ti­gen ist bei der Antrags­fas­sung, dass der auf vor­beu­gen­den Rechts­schutz gerich­te­te Haupt­an­trag nur Ver­hal­tens­wei­sen der Beklag­ten zu 2 erfas­sen kann, die sie in Deutsch­land noch nicht umge­setzt hat [8].
Die feh­len­de Bestimmt­heit des Haupt­an­trags hat nicht zur Fol­ge, dass er als unzu­läs­sig abzu­wei­sen ist. Das Beru­fungs­ge­richt hat den Haupt­an­trag unein­ge­schränkt als zuläs­sig ange­se­hen und die Bege­hungs­ge­fahr ver­neint. Bei einer sol­chen Sach­la­ge ist dem Klä­ger aus Grün­den der pro­zes­sua­len Fair­ness Gele­gen­heit zu geben, das mit dem Haupt­an­trag ver­folg­te Begeh­ren in einen Antrag zu fas­sen, der dem Bestimmt­heits­ge­bot genügt [9].
vgl. BGH, Beschluss vom 24.03.2011 – I ZR 108/​09, BGHZ 189, 56 Rn. 8 – TÜV I[↩]
vgl. BGH, Urteil vom 24.07.2014 – I ZR 27/​13, GRUR 2015, 269 Rn.19 = WRP 2015, 353 – K‑Theory; Urteil vom 05.02.2015 – I ZR 240/​12, GRUR 2015, 485 Rn. 23 = WRP 2015, 577 – Kin­der­hoch­stüh­le im Inter­net III[↩]
vgl. BGH, Urteil vom 04.09.2003 – I ZR 23/​01, BGHZ 156, 126, 130 – Farb­mar­ken­ver­let­zung I; Urteil vom 04.11.2010 – I ZR 118/​09, GRUR 2011, 539 Rn. 13 = WRP 2011, 742 – Rechts­be­ra­tung durch Lebens­mit­tel­che­mi­ker; Urteil vom 21.12 2011 – I ZR 190/​10, GRUR 2012, 842 Rn. 12 = WRP 2012, 1096 – Neue Per­so­nen­kraft­wa­gen I[↩]
vgl. EuGH, Urteil vom 06.05.2003 – C104/​01, Slg. 2003, I3793 = GRUR 2003, 604 Rn. 65 – Liber­tel; BGHZ 156, 126, 136 f. – Farb­mar­ken­ver­let­zung I; BGH, Urteil vom 07.10.2004 – I ZR 91/​02, GRUR 2005, 427, 428 = WRP 2005, 616 Lila-Scho­ko­la­de; BGH, GRUR 2014, 1101 Rn. 23 – Gel­be Wör­ter­bü­cher, mwN[↩]
vgl. BGH, Urteil vom 19.04.2007 – I ZR 35/​04, BGHZ 172, 119 Rn. 50 – Inter­net-Ver­stei­ge­rung II; BGH, GRUR 2011, 152 Rn. 58 – Kin­der­hoch­stüh­le im Inter­net I; GRUR 2015, 485 Rn. 30 – Kin­der­hoch­stüh­le im Inter­net III[↩]
vgl. BGHZ 156, 126, 131 f. – Farb­mar­ken­ver­let­zung I[↩]
BGH, Urteil vom 22.01.2014 – I ZR 71/​12, GRUR 2014, 382 = WRP 2014, 452[↩]
vgl. Teplitz­ky, Wett­be­werbs­recht­li­che Ansprü­che und Ver­fah­ren, 10. Aufl., Kap. 10 Rn. 14[↩]
vgl. BGH, Urteil vom 08.03.2012 – I ZR 85/​10, GRUR 2012, 1153 Rn. 16 = WRP 2012, 1390 – Unfall­ersatz­ge­schäft; Urteil vom 20.06.2013 – I ZR 55/​12, GRUR 2013, 1235 Rn. 14 = WRP 2014, 75 – Rest­wert­bör­se II; Urteil vom 08.05.2014 – I ZR 217/​12, BGHZ 201, 129 Rn. 26[↩]
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