Source: https://www.hensche.de/Resturlaub_nach_langer_Krankheit_muss_im_Jahr_der_Genesung_genommen_werden_LAG_Koeln_12Sa38-10-u.html
Timestamp: 2020-08-13 14:25:28
Document Index: 263664187

Matched Legal Cases: ['§ 7', '§ 15', 'EuG', '§ 7', '§ 7', '§ 1', '§ 3', '§ 7', '§ 7', '§ 17', '§ 7', '§ 7', '§ 7']

LAG Köln, Urteil vom 18.05.2010, 12 Sa 38/10 - HENSCHE Arbeitsrecht
LAG Köln, Ur­teil vom 18.05.2010, 12 Sa 38/10
Schlagworte: Urlaub: Krankheit
Aktenzeichen: 12 Sa 38/10
Leitsätze: Kann Urlaub aufgrund einer Erkrankung des Arbeitnehmers bis zum Ablauf des Übertragungszeitraums nicht genommen werden und steht er deshalb dem Arbeitnehmer noch zum Zeitpunkt der Wiedergenesung zu, unterfällt er bei fortbestehendem Arbeitsverhältnis gemeinsam mit dem Urlaub aus dem Jahr der Wiedergenesung der Verfallfrist des § 7 Abs. 3 BUrlG.(Rn.29) Dies gilt jedenfalls dann, wenn der Zeitraum zwischen Wiedergenesung und Ende Urlaubsjahres zur vollständigen Inanspruchnahme des Urlaubs ausreicht.(Rn.30) Anders als beim Urlaubsabgeltungsanspruch greifen (allgemeine) vertragliche oder tarifvertragliche Verfallfristen nicht ein.(Rn.28)
Vorinstanzen: Arbeitsgericht Aachen, Urteil vom 08.12.2009, 4 Ca 2559/09
Die Par­tei­en strei­ten darüber, ob dem Kläger noch Ur­laubs­ansprüche für die Jah­re 2005 - 2007 zu­ste­hen. Der Kläger ist seit dem 01.01.1991 bei der
b) Der Ver­fall der Ansprüche folgt je­doch nicht schon aus der all­ge­mei­nen
Ver­fall­frist des § 15 TV-N NW. In der Li­te­ra­tur nicht ein­heit­lich be­ant­wor­tet wird die Fra­ge, ob der nach der Recht­spre­chung des EuGH über­tra­ge­ne Ur­laubs­an­spruch nach Wie­der­ge­ne­sung des Ar­beit­neh­mers ta­rif­li­chen Ver­fall­fris­ten un­ter­liegt (befürwor­tend Gaul/Jos­ten/Strauf BB 2009, 479 [499]; Schlach­ter, RdA Bei­la­ge 2009, 36; Bau­er, NJW 2009, 631 [635]; zum Ein­grei­fen von Ver­fall­fris­ten beim Ur­laubs­ab­gel­tungs­an­spruch: LAG Köln, Ur­teil v. 20.04.2010 – 12 Sa 1448/09). Un­abhängig da­von, ob dem Ein­grei­fen ei­ner Aus­schluss­frist schon der Um­stand ent­ge­gen steht, dass je­den­falls der ge­setz­li­che Ur­laubs­an­spruch un­ab­ding­bar ist, kommt ei­ne An­wen­dung auf den über­tra­ge­nen Ur­laubs­an­spruch nur dann in Be­tracht, wenn die­ser nicht ei­ner ei­genständi­gen, spe­zi­el­le­ren ge­setz­li­chen Ver­fall­frist, hier der Vor­schrift des § 7 Abs. 3 BUrlG un­ter­liegt (vgl. BAG, Ur­teil vom 20.01.2009 – 9 AZR 650/07 – zi­tiert nach ju­ris, Rn. 27; BAG, Ur­teil vom 24.11.1992 – 9 AZR 549/91).
c) Nach An­sicht der Kam­mer ist dies je­doch der Fall. § 7 Abs. 3 BUrlG ist
auch auf den Ur­laub an­zu­wen­den, der aus Krank­heits­gründen aus den Jah­ren 2005 – 2007 ins Jah­re 2008 über­tra­gen wur­de. Zwar ist dem Kläger zu­zu­ge­ste­hen, dass sich die Vor­schrift an sich auf den Ur­laub des je­wei­li­gen Ka­len­der­jah­res be­zieht. Dies folgt aus Wort­laut, Sys­te­ma­tik und Ge­set­zes­zu­sam­men­hang der hier­zu in §§ 1, 3 Abs. 1, 7 Abs. 1 - 3 BUrlG ge­trof­fe­nen Re­ge­lun­gen (vgl. Gaul/Bo­nan­ni/Lud­wig, DB 2009, 1013 [1015]). Zu berück­sich­ti­gen ist je­doch, dass der aus krank­heits­be­ding­ten Gründen über­tra­ge­ne Ur­laub auch nach der neu­en Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts ge­setz­li­cher Min­des­t­ur­laub im Sin­ne von § 3 Abs. 1 BUrlG ist. Dies spricht dafür, ihn eben­so wie den ge­setz­li­chen Min­des­t­ur­laub zu be­han­deln, der erst im lau­fen­den Ka­len­der­jahr ent­stan­den ist (Gaul/Bo­nan­ni/Lud­wig a. a. O.). Dass § 7 Abs. 3 BUrlG sich an sich nur den Ur­laub aus dem lau­fen­den Ka­len­der­jahr be­zieht, ist al­lein da­durch zu erklären, dass nach des­sen ge­setz­li­cher Kon­zep­ti­on Ur­laubs­ansprüche aus Vor­jah­ren, sieht man von den Son­der­re­ge­lun­gen in § 7 Abs. 3 S. 2 und 4 BUrlG und § 17 BEEG ab, nicht exis­tie­ren können. Erst durch die richt­li­ni­en­kon­for­me Aus­le­gung bzw. te­le­lo­gi­sche Re­duk­ti­on der Vor­schrift ist ei­ne wei­ter­ge­hen­de Über­tra­gung möglich ge­wor­den. Da nach der Kon­zep­ti­on des § 7 Abs. 3 BUrlG je­doch der vor­han­de­ne ge­setz­li­che Ur­laub verfällt, wenn er nicht in­ner­halb der dar­in vor­ge­se­he­nen Fris­ten ge­nom­men wird, ist zu­min­dest ei­ne ana­lo­ge An­wen­dung der Vor­schrift vor­zu­neh­men. Der Wort­laut der Vor­schrift steht dem je­den­falls nicht ent­ge­gen. Glei­ches gilt für die Recht­spre­chung des eu­ropäischen Ge­richts­hofs, da der na­tio­na­le Ge­setz­ge­ber le­dig­lich die Möglich­keit der In­an­spruch­nah­me des Ur­laubs einräum­en muss, während grundsätz­lich je­doch Ver­fall­fris­ten vor­ge­se­hen wer­den können. Die ein­schränken­de Aus­le­gung bzw. te­le­lo­gi­sche Re­duk­ti­on des § 7 Abs. 3 BUrlG während der Ar­beits­unfähig­keit des Ar­beit­neh­mers steht nach Wie­der­ge­ne­sung ei­ner An­wen­dung auf den er­hal­ten ge­blie­be­nen Ur­laub nicht ent­ge­gen. Pro­ble­me können sich nur dann er­ge­ben, wenn die Ge­ne­sung des Ar­beit­neh­mers so spät im Ka­len­der­jahr er­folgt, dass die ver­blie­be­ne Zeit nicht zur vollständi­gen In­an­spruch­nah­me des Ur­laubs reicht (vgl. hier­zu Gaul/Bo­nan­ni/Lud­wig a. a. O., S. 1015 - 1016).
Ist aber § 7 Abs. 3 BUrlG auch auf die we­gen Krank­heit über­tra­ge­nen Ur­laubs­an­spruch des Klägers aus den Jah­ren 2005 bis 2007 an­zu­wen­den, ist er
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10/145 Kön­nen krank­heits­be­dingt an­ge­sam­mel­te Ur­laubs­an­sprü­che ver­fal­len?
28.07.2010. Seit "Schultz-Hoff" ver­än­dert sich die Recht­spre­chung der Ar­beits­ge­rich­te zu Ur­laub und Ur­laubs­ab­gel­tung deut­lich. In letz­ter Zeit sind ge­wis­se Be­stre­bun­gen er­kenn­bar, das über­mä­ßi­ge ...