Source: https://www.rechtslupe.de/sozialrecht/medizinisches-versorgungszentrum-und-die-anerkennung-als-belegarzt-329856
Timestamp: 2020-07-15 06:20:10
Document Index: 45460245

Matched Legal Cases: ['§ 121', '§ 95', '§ 95', '§ 72', 'Art 3', '§ 95', '§ 95', '§ 39', '§ 31', '§ 39', '§ 121', '§ 121', '§ 39', '§ 31', '§ 103', '§ 39', '§ 31', '§ 103', '§ 39', '§ 31', '§ 121', '§ 103', '§ 103', '§ 103']

Medizinisches Versorgungszentrum und die Anerkennung als Belegarzt | Rechtslupe
Die Aner­ken­nung als Beleg­arzt im Sin­ne von § 121 Abs 2 SGB V ist per­so­nen­be­zo­gen; einem bestimm­ten, nament­lich benann­ten und hin­sicht­lich sei­ner Qua­li­fi­ka­ti­on iden­ti­fi­zier­ba­ren Arzt wird die Berech­ti­gung erteilt, neben ambu­lan­ten ver­trags­ärzt­li­chen Leis­tun­gen auch sta­tio­nä­re Leis­tun­gen zu erbrin­gen und zu Las­ten der ver­trags­ärzt­li­chen Gesamt­ver­gü­tung abzu­rech­nen. Des­halb ist es aus­ge­schlos­sen, einem Medi­zi­ni­schen Ver­sor­gungs­zen­trum (MVZ) ohne Bezug auf einen kon­kre­ten Arzt die Geneh­mi­gung zur Aus­übung der beleg­ärzt­li­chen Tätig­keit zu ertei­len. Auf der ande­ren Sei­te bie­ten die Öff­nung der Zulas­sung zur ver­trags­ärzt­li­chen Ver­sor­gung auch für MVZen in § 95 Abs 1 Satz 2 SGB V und die Ver­wei­sung auf die für Ver­trags­ärz­te gel­ten­den Rege­lung in § 95 Abs 3 Satz 2 SGB V kei­ne hin­rei­chen­de Grund­la­ge für die Auf­fas­sung der Beklag­ten, wonach MVZen – anders als Ver­trags­ärz­te – gene­rell nicht beleg­ärzt­lich tätig sein könn­ten.
So hat das Bun­des­so­zi­al­ge­richt in Über­ein­stim­mung mit dem Sozi­al­ge­richt Mar­burg [1] und – in der Beru­fungs­in­stanz – dem Hes­si­schen Lan­des­so­zi­al­ge­richt [2] ange­nom­men, dass einem Medi­zi­ni­schem Ver­sor­gungs­zen­trum bezo­gen auf einen dort täti­gen Arzt die Geneh­mi­gung erteilt wer­den kann, dass die­ser Arzt beleg­ärzt­li­che Leis­tun­gen erbringt, die dann aller­dings (nur) von sei­nem MVZ abge­rech­net wer­den kön­nen. Anders kann der (mög­li­che) Wider­spruch zwi­schen der Bin­dung der beleg­ärzt­li­chen Tätig­keit an den ver­trags­ärzt­li­chen Sta­tus und die grund­sätz­li­che Gel­tung aller Vor­schrif­ten für Ver­trags­ärz­te auch für MVZen (§ 72 Abs 1 Satz 2 SGB V) nicht auf­ge­löst wer­den. Hät­te der Gesetz­ge­ber – wie es der Auf­fas­sung der Beklag­ten ent­spricht – an der Bin­dung der beleg­ärzt­li­chen Tätig­keit an den Zulas­sungs­sta­tus eines Ver­trags­arz­tes fest­hal­ten wol­len, hät­te dies im Zusam­men­hang mit den Vor­schrif­ten über das MVZ aus­drück­lich bestimmt wer­den müs­sen. Ob dies mit Art 3 Abs 1 GG ver­ein­bar wäre, bedarf kei­ner Ent­schei­dung, weil eine der­ar­ti­ge expli­zi­te Rege­lung nicht ergan­gen ist und sich die von der Beklag­ten ange­nom­me­ne Rechts­fol­ge auch nicht zwin­gend aus dem Rege­lungs­zu­sam­men­hang der §§ 95, 121 SGB V ergibt.
Aner­ken­nung nur für Beleg­arzt oder auch für MVZ?
Das Bun­des­so­zi­al­ge­richt lässt offen, ob die Auf­fas­sung der Beklag­ten zutrifft, dass bei der Tätig­keit von Ver­trags­ärz­ten in einem MVZ nur die­sen und nicht (auch) dem MVZ selbst die Aner­ken­nung als Beleg­arzt zu ertei­len ist.
Wenn allein der im MVZ täti­ge Ver­trags­arzt und nicht das MVZ selbst im for­mel­len Sin­ne beleg­ärzt­li­che Leis­tun­gen erbringt, die­se Leis­tun­gen wohl nicht unter der Abrech­nungs­num­mer des MVZ abge­rech­net wer­den könn­ten. Das hät­te zur Fol­ge, dass die ambu­lan­ten Leis­tun­gen eines im MVZ täti­gen Ver­trags­arz­tes über das MVZ und die sta­tio­nä­ren Leis­tun­gen über eine eige­ne Abrech­nungs­num­mer erfasst wür­den. Ein sol­ches Neben­ein­an­der lie­fe auf eine Dif­fe­ren­zie­rung hin­aus, die im Gesetz zumin­dest typi­scher­wei­se nicht ange­legt ist. Es könn­ten sich auch Frik­tio­nen zur Recht­spre­chung des Senats erge­ben, wonach bei der Anwen­dung von Hono­rar­be­gren­zungs­re­ge­lun­gen die Ver­gü­tung aus beleg­ärzt­li­cher Tätig­keit mit zu berück­sich­ti­gen ist [3]. Jeden­falls ist es aus­ge­schlos­sen, einem als Ver­trags­arzt in einem MVZ täti­gen Arzt eine Beleg­arzt­an­er­ken­nung ohne Mit­wir­kung des MVZ zu ertei­len. Solan­ge ein Ver­trags­arzt in einem MVZ tätig wird, kann er auch eine Erwei­te­rung sei­nes Leis­tungs­spek­trums wie etwa die Berech­ti­gung zur Aus­übung der beleg­ärzt­li­chen Tätig­keit nicht ohne oder gegen sein MVZ errei­chen.
Auch der Annah­me, MVZen, in denen Ver­trags­ärz­te tätig sei­en, kön­ne zuguns­ten die­ser Ver­trags­ärz­te die beleg­ärzt­li­che Tätig­keit geneh­migt wer­den, wäh­rend das in einem MVZ, in dem nur ange­stell­te Ärz­te tätig sind, nicht mög­lich sei, ver­mag sich das Bun­des­so­zi­al­ge­richt dem nicht anzu­schlie­ßen. In einem MVZ kön­nen sowohl Ver­trags­ärz­te wie ange­stell­te Ärz­te tätig wer­den (§ 95 Abs 1 Satz 2 SGB V), und es leuch­tet nicht ein, wes­halb die­ser Sta­tus im Unter­schied zum Zulas­sungs­sta­tus des MVZ dar­über ent­schei­den soll, ob die im MVZ tat­säch­lich arbei­ten­den Ärz­te beleg­ärzt­lich tätig wer­den kön­nen oder nicht.
Beim Medi­zi­ni­schen Ver­sor­gungs­zen­trum ange­stell­te Ärz­te
Der per­so­nen­be­zo­ge­ne Cha­rak­ter der Beleg­arzt­an­er­ken­nung auch bei ange­stell­ten Ärz­ten in einem MVZ kommt ins­be­son­de­re dadurch zum Aus­druck, dass die recht­li­che Vor­ga­be, wonach die Aus­übung der beleg­ärzt­li­chen Tätig­keit nicht den Schwer­punkt der ver­trags­ärzt­li­chen Tätig­keit bil­den darf (§ 39 Abs 2 Satz 1 BMV‑Ä bzw. § 31 Abs 2 Satz 1 EKV‑Ä), sinn­ge­mäß sowohl auf das MVZ wie auf jeden Arzt zu bezie­hen ist, der beleg­ärzt­lich tätig wer­den will. Inso­weit folgt das Bun­des­so­zi­al­ge­richt nicht der Auf­fas­sung des Hes­si­schen Lan­des­so­zi­al­ge­richts [2], wonach für die Kon­kre­ti­sie­rung der Vor­ga­be des § 39 Abs 2 Satz 1 BMV‑Ä hin­sicht­lich des Über­wie­gens der ambu­lan­ten Tätig­keit nur auf den Zulas­sungs­sta­tus des MVZ abzu­stel­len sei. Danach könn­te das MVZ einen Arzt anstel­len, der aus­schließ­lich sta­tio­nä­re Leis­tun­gen erbringt, wenn nur im Gesamt­spek­trum des MVZ die ambu­lan­te Tätig­keit der sta­tio­nä­ren Tätig­keit quan­ti­ta­tiv über­le­gen ist. Das ist nicht mög­lich. Die in § 121 SGB V ange­leg­te begrenz­te Öff­nung der sta­tio­nä­ren Ver­sor­gung für Ver­trags­ärz­te darf nicht zur Fol­ge haben, dass fak­tisch aus­schließ­lich im sta­tio­nä­ren Bereich täti­ge Ärz­te for­mell ver­trags­ärzt­lich tätig sind. Die beleg­ärzt­li­che Tätig­keit muss für den ein­zel­nen Arzt, der sie aus­übt, ein Annex zu sei­ner schwer­punkt­mä­ßig ambu­lan­ten Tätig­keit sein. Dafür ist uner­heb­lich, ob ein Ver­trags­arzt sei­ne eige­ne Pra­xis führt, ob ein Arzt als Ver­trags­arzt in einem MVZ tätig ist oder ob er als ange­stell­ter Arzt in einem MVZ arbei­tet. Nur auf die­se Wei­se kann die von § 121 Abs 1 SGB V inten­dier­te effek­ti­ve Ver­zah­nung von ambu­lan­ter und sta­tio­nä­rer Behand­lung durch einen Arzt gegen­über dem­sel­ben Pati­en­ten umge­setzt wer­den.
Im hier vom Bun­des­so­zi­al­ge­richt ent­schie­de­nen Fall sind daher nach Ansicht des Bun­des­so­zi­al­ge­richts in der Per­son des Dr. H. die Vor­aus­set­zun­gen des § 39 Abs 2 Satz 1 BMV‑Ä bzw. § 31 Abs 2 Satz 1 EKV‑Ä erfüllt, weil die­sem nach dem Beleg­arzt­ver­trag in der H.-Klinik nur ein Beleg­bett für sei­ne neu­ro­chir­ur­gi­sche Tätig­keit zur Ver­fü­gung steht. Das schließt aus, dass die sta­tio­nä­re Tätig­keit in Zukunft den Schwer­punkt der Betei­li­gung die­ses Arz­tes an der ver­trags­ärzt­li­chen Tätig­keit des kla­gen­den MVZ bil­det. Auf der ande­ren Sei­te erge­ben sich aus dem Umstand, dass Dr. H. nur ein Beleg­bett zur Ver­fü­gung steht, kei­ne Beden­ken gegen sei­ne Eig­nung zur Aus­übung der beleg­jähr­li­chen Tätig­keit. Aller­dings hat das Bun­des­so­zi­al­ge­richt in Zusam­men­hang mit der Son­der­zu­las­sung zur Aus­übung der beleg­ärzt­li­chen Tätig­keit nach § 103 Abs 7 SGB V mehr­fach ent­schie­den, dass die Zulas­sungs­gre­mi­en eine sehr gerin­ge Zahl von Beleg­bet­ten als Indiz wer­ten dür­fen, dass eine beleg­ärzt­li­che Tätig­keit nicht ernst­lich gewollt ist [4]. Die­ser Aspekt spielt im Rah­men des Aner­ken­nungs­ver­fah­rens nach §§ 39, 40 BMV‑Ä bzw. §§ 31, 32 EKV‑Ä kei­ne Rol­le. Abge­se­hen davon, dass im Rah­men von Son­der­zu­las­sun­gen nach § 103 Abs 7 SGB V die Vor­ga­ben der Kran­ken­haus­pla­nung beach­tet wer­den und des­halb auch eine (ver­meint­lich) gerin­ge Zahl aus­ge­wie­se­ner Bet­ten in einer Beleg­ab­tei­lung hin­ge­nom­men wer­den müs­sen [5], liegt der erwähn­ten Recht­spre­chung die Erwä­gung zu Grun­de, das Unter­lau­fen von Zulas­sungs­be­schrän­kun­gen durch pro-for­ma-Beleg­arzt­tä­tig­kei­ten zu ver­hin­dern. Beleg­arzt­an­er­ken­nun­gen nach §§ 39, 40 BMV‑Ä bzw. §§ 31, 32 EKV‑Ä gegen­über bereits im jewei­li­gen Pla­nungs­be­reich zuge­las­se­nen Ärz­ten und MVZen beein­flus­sen den Ver­sor­gungs­grad in die­sem Pla­nungs­be­reich jedoch nicht.
Bun­des­so­zi­al­ge­richt, Urteil vom 23. März 2011 – B 6 KA 15/​10 R
SG Mar­burg, Urteil vom 30.01.2008 – S 12 KA 1082/​06[↩]
Hess. LSG, Urteil vom 24.06.2009 – L 4 KA 17/​08[↩][↩]
BSG SozR 3 – 2500 § 121 Nr 4[↩]
BSGE 88, 6, 15 = SozR 3 – 2500 § 103 Nr 6 S 48; zuletzt BSG SozR 4 – 2500 § 103 Nr 5 RdNr 38 bis 41[↩]
BSG, SozR 4 – 2500 § 103 Nr 5 RdNr 41[↩]
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