Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Text=III%20ZR%20110/64
Timestamp: 2020-02-29 10:51:05
Document Index: 81981173

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BGH, 31.01.1966 - III ZR 110/64 - dejure.org
https://dejure.org/1966,230
BGH, 31.01.1966 - III ZR 110/64 (https://dejure.org/1966,230)
BGH, Entscheidung vom 31.01.1966 - III ZR 110/64 (https://dejure.org/1966,230)
BGH, Entscheidung vom 31. Januar 1966 - III ZR 110/64 (https://dejure.org/1966,230)
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Klage auf Entschädigung wegen Beeinträchtigung des Fischfangs in der Nordsee durch einen Dammbau an der Elbmündung - Dammbau als enteignender oder enteignungsgleicher Eingriff in einen Fischereibetrieb - Begriff der Enteignung - Begriff des enteignungsgleichen Eingriffs ...
BGHZ 45, 150
NJW 1966, 1120
MDR 1966, 660
DVBl 1966, 487
DB 1966, 779
DÖV 1966, 720
Zwar ist der vermögensrechtliche Umfang eines Betriebes auch aus der jeweiligen Situation zu bestimmen, in der er betrieben wird (BGHZ 45, 150, 155; BVerwGE 26, 111, 119 f.) [BVerwG 27.01.1967 - IV C 33/65].
Gewinnaussichten, Hoffnungen und Chancen stellen jedoch keinen solchen Vermögenswert dar (BGHZ 45, 150, 155).
Nicht nur der eigentliche sachliche Bestand des Gewerbebetriebes, sondern auch seine einzelnen Erscheinungsformen sind gegenüber Eingriffen der öffentlichen Hand geschützt; erst die jeweilige Situation, in der das Gewerbe betrieben wird, schafft den vermögensrechtlichen Umfang des Betriebes (vgl. insbesondere Urteile vom 28. Januar 1957 III ZR 141/55 S. 9, 10 = BGHZ 23, 157, 163 [BGH 28.01.1957 - III ZR 141/55] und 31. Januar 1966 III ZR 110/64 S. 11 = BGHZ 45, 150, 155) [BGH 31.01.1966 - III ZR 110/64].
Der Zugang von und zu der Straße kann indessen einen dem Betrieb eigenen Wert nur bedeuten, wenn und insoweit der Betriebsinhaber sich darauf verlassen kann, daß dieser Zustand auf die Dauer erhalten bleiben wird (Urteile vom 28. Januar 1957 III ZB 141/55 S. 13 = BGHZ 23, 157, 165 [BGH 28.01.1957 - III ZR 141/55], 24. April 1958 III ZK 230/56 = LM GG Art. 14 Nr. 76, 31. Januar 1966 III ZR 110/64 S. 13 = BGHZ 45, 150, 158 [BGH 31.01.1966 - III ZR 110/64]/9).
April 1964 III ZR 125/63 S. 7 = LM GG Art. 14 Cf Nr. 24 Bl 2, 31. Januar 1966 III ZK 110/64 S. 14 = BGHZ 45, 150, 159) [BGH 31.01.1966 - III ZR 110/64].
Geschützt sind nicht nur der eigentliche Bestand des Betriebes, sondern auch die geschäftlichen Verbindungen, Beziehungen, der Kundenstamm, also "alles das, was in seiner Gesamtheit den wirtschaftlichen Wert des konkreten Betriebes ausmacht" (BGHZ 23, 157; 30, 241; 45, 150; BGH VersR 1980, 715; BVerfGE 13, 226; 45, 142 (173);… Kreft, Öffentlich-rechtliche Ersatzleistungen, Rz. 65 m.w.N.; Friauf, Bestandsschutz zwischen Investitionssicherheit und Anpassungsdruck, WiVerw 1989, 121 ff.).
Der Eigentumsschutz bezieht sich indessen nur auf vorhandene konkrete Werte, so dass nur ins Werk gesetzte Gewerbe- und Unternehmungstätigkeiten, die auf einer vorhandenen Organisation sachlicher, persönlicher und sonstiger Mittel gründen, von Art. 14 GG erfasst sind (BGHZ 45, 150 (155); BGH NJW 1990, 3260 (3262)).
Für den sogenannten Anlieger-Gewerbebetrieb rechnet danach zum geschützten Bestand des Betriebes auch die besondere Lage an der Straße, der sogenannte "Kontakt nach außen", der dem Betrieb den Zugang von der Straße her gewährt und dem Inhaber eine Einwirkung durch Werbung auf den vorüberfließenden Verkehr und damit das Gewinnen von Kundschaft ermöglicht (BGHZ 23, 157, 162 f [BGH 28.01.1957 - III ZR 141/55] ; 45, 150, 155, 157 [BGH 31.01.1966 - III ZR 110/64] ; LM zu GG Art. H Ea Nr. 32 Bl. 4; BGH WM 1968, 333, 334).
Der Revision ist einzuräumen, daß der eingerichtete und ausgeübte Gewerbebetrieb als ein Vermögenswertes Recht im Sinne des Enteignungsrechts in Betracht zu ziehen ist (BGHZ 23, 158, 162 f [BGH 28.01.1957 - III ZR 141/55]; 45, 150, 154 [BGH 31.01.1966 - III ZR 110/64]; LM GG Art. 14 Nr. 49 Bl. 2 R; Art. 14 (Ea) Nr. 32 Bl. 4; Art. 14 (Cf) Nr. 24 Bl. 1 R und Nr. 27 Bl. 2 R; DÖV 1967, 719; vgl. auch BVerfGE 1, 264, 277).
Zum Gewerbebetrieb gehörig werden nicht nur der eigentliche Bestand im Sinn der früheren Rechtsprechung des Reichsgerichts, sondern auch dessen einzelne Erscheinungsformen bei der gewerblichen Betätigung angesehen (BGHZ 23, 158, 162 [BGH 28.01.1957 - III ZR 141/55]; 45, 150, 155), [BGH 31.01.1966 - III ZR 110/64]nach dem Urteil des VI. Zivilsenats vom 9. Dezember 1958 (BGHZ 29, 65, 70) [BGH 09.12.1958 - VI ZR 199/57] solche Erscheinungsformen, die dem Gewerbebetrieb in seiner wirtschaftlichen und wirtschaften den Tätigkeit spezifisch (wesensgemäß) und als solche eigen sind.
Dazu kommt, daß im Fall der Einschränkung des Gemeingebrauchs an einer öffentlichen Sache solche einschränkende Maßnahmen, die aus der Zweckbestimmung der Straße folgen, auch vom Gewerbetreibenden als Anlieger hingenommen werden müssen (BGHZ 45, 115, 159) und nur überflüssige Verzögerungen oder die Existenzvernichtung eine Enteignungsentschädigung auslösen können (LM GG Art. 14 (Cf) Nr. 24 und 27; DÖV 1967, 719), also ein dem Betrieb eigener Wert nur in Betracht kommt, wenn der Betriebsinhaber sich darauf verlassen kann, daß der ihm günstige Zustand auf die Dauer erhalten bleibt (BGHZ 45, 150, 159) [BGH 31.01.1966 - III ZR 110/64].
Dieser Schutz erstreckt sich auf die den Betrieb bildende Sach- und Rechtsgesamtheit, die gesamte Erscheinungsform und den Tätigkeitskreis, die geschäftlichen Verbindungen und Beziehungen, kurz auf alles, was in seiner Gesamtheit den wirtschaftlichen Wert des konkreten Gewerbebetriebes ausmacht (BGHZ 45, 150, 155).
Hiervon ausgehend ist zum geschützten Bestand eines Gewerbebetriebes auch der sogenannte "Kontakt nach außen" zu rechnen, der dem Betrieb den Zugang zur Straße und die Zugänglichkeit von der Straße her gewährt (BGHZ 45, 150, 155; BGH WM 1968, 333, 334).
Die Antragsteller sind auch nicht davor gefeit, gegebenenfalls längere Anfahrtswege in Kauf nehmen zu müssen (vgl. BGH, Urt. v. 31.1.1966 - III ZR 110/64 -, BGHZ 45, 150).
Sie müssen vielmehr Veränderungen im Meer durch Naturgewalten ebenso hinnehmen wie die erlaubte Benutzung des Meeres durch andere und auch sonst das rechtmäßige Vorgehen Dritter achten (vgl. BGH, Urt. v. 31.1.1966 - III ZR 110/64 -, BGHZ 45, 150;… Senat, Beschl. v. 23.6.2003, aaO).
Das Recht am eingerichteten und ausgeübten Gewerbebetrieb erfasst nicht nur die Betriebsgrundstücke und Betriebsräume, die Einrichtungsgegenstände, Warenvorräte und Außenstände, sondern alles, was in seiner Gesamtheit den wirtschaftlichen Wert des Betriebs ausmacht (vgl. BGH…, Urteil vom 28.1.1957 - III ZR 141/55 - BGHZ 23, 157, juris Rn. 15 und Urteil vom 31.1.1966 - III ZR 110/64 - NJW 1966, 1120, juris Rn. 24).