Source: https://erl.phil-fak.uni-koeln.de/lehre/lehrveranstaltungen/sommersemester-2020
Timestamp: 2020-08-06 19:09:26
Document Index: 49097758

Matched Legal Cases: ['EuG', 'EuG', 'EuG', 'EuG', 'EuG', 'EuG', 'Art. 55']

Das Semester wird vollständig kontaktlos durchgeführt. Materialien werden auf ILIAS zur Verfügung gestellt und Links für ZOOM-Konferenzen per Email zugeschickt.
Hauptseminar: Auslegung des mehrsprachig verbindlichen Unionsrechts in der Rechtsprechung des EuGH. Erörterung von Urteilen und Schlussanträgen des Jahres 2019 unter rechtslinguistischem Aspekt
Bauwens-Gebäude 0.A01
Veranstaltungsnummer 14535.0222
Der Schwerpunkt des Hauptseminars liegt in der Analyse von EuGH-Entscheidungen von 2019 sowie einiger relevanter Schlussanträge dieses Zeitraums. Es richtet sich an Studierende der Europäischen Rechtslinguistik und der Rechtswissenschaften. In transdisziplinärer Zusammenarbeit werden Fragen der juristischen Auslegung im Europarecht und rechtslinguistische Vorgehensweisen erörtert, die der Mehrsprachigkeit sowie der Übersetzungstätigkeit eine besondere Rolle zuweist. Implizit ist damit auch der Blick auf die Rezeption von EU-Rechtstexten im nationalen Recht gegeben, die insbesondere in Vorabentscheidungsersuchen angesprochen sind. Ein wichtiger Aspekt stellt die linguistische, sprachvergleichende Betrachtungsweise als Auslegungselement dar. Seit der von juristischer Seite gegebenen maßgeblichen Publikation der Arbeit von Isabel Schübel-Pfister (2004) (
Sprache und Gemeinschaftsrecht. Die Auslegung der mehrsprachig verbindlichen Rechtstexte durch den Europäischen Gerichtshof. Berlin: Duncker) hat sich die Anzahl der EU-Mitgliedsländer und der offizielle EU-Sprachen mehr als verdoppelt. Die wissenschaftliche Literatur zu diesem Thema ist sehr umfänglich geworden und weist auf die stärkere Beachtung einer Europäischen Rechtslinguistik, wie sie u.a. in folgende Arbeiten zum Ausdruck kommt: Joxerramon Bengoetxea (2011) („Multilingual and Multicultural Legal Reasoning: The European Court of Justice“, in: Anne Lise Kjær &Silvia Adamo (Hrsg.): Linguistic Diversity and European Democracy, Farnham: Ashgate; S. 97-122), von Cornelis J.W. Baaij (2012) („Fifty Years of Multilingual Interpretation in the European Union, in: Peter M. Tiersma &Lawrence M. Solan (Hrsg.): The Oxford Handbook of Language and Law, Oxford: Oxford University Press, S. 217-231 sowie von Christoph Sobotta (2015) („Die Mehrsprachigkeit als Herausforderung und Chance bei der Auslegung des Unionsrechts“, in: ZERL 2015 [urn:nbn:de:0009-24-40011]: http://www.zerl.uni-koeln.de/christophsobotta/2015/mehrsprachigkeit-unionsrecht/ [Stand: 02.02.2017]) oder Friederike Zedler (2015): Mehrsprachigkeit und Methode: der Umgang mit dem sprachlichen Egalitätsprinzip im Unionsrecht. Baden-Baden: Nomos.
Um den stärkeren Praxisbezug der Thematik zu veranschaulichen, ist das Seminar in mehrere Phasen eingeteilt. Bis Anfang Juni finden die Seminarsitzungen und alternierend die betreute Gruppenarbeit wöchentlich zu den oben angegebenen Zeiten statt. Kernstück dieser Lehrveranstaltung ist ein Tagesseminar am 8. Juli 2020 beim EuGH in Luxemburg, wo wir die im Seminar behandelte Thematik in Einzelvorträgen mit Praktikern aus verschiedenen Kabinetten, den Übersetzungsabteilungen sowie dem Wissenschaftlichen Dienst des EuGH diskutieren werden. Eine Abschlusssitzung am Ende des Sommersemesters wird die Diskussionsergebnisse für die Ausarbeitung aufbereiten.
Von den Seminarteilnehmenden wird eine rege Beteiligung, die Bereitschaft zur Vorbereitung von Kursmaterialien sowie die Übernahme eines Referats erwartet, dessen Thesenpapier Bestandteil des in Luxemburg vorgelegten Dossiers sein wird. Das Referat wird im Anschluss an die Sitzung im EuGH zu einer Hausarbeit ausgebaut, deren Fertigstellung während der darauffolgenden vorlesungsfreien Zeit (Abgabe: 15. September 2020) erfolgt.
Hauptseminar: Mehrsprachig verbindliche Rechtstexte der EU im Kontext neuronaler maschineller Übersetzungen
Mittwoch 12:00-13:30 Uhr Bauwens-Gebäude 0-A01 Richard-Strauss-Str. 2 50931 Köln
Veranstaltungsnummer: 14535.0221
Eine wesentliche Neuheit im Übersetzungsbereich der letzten Jahre ist die neuronale maschinelle Übersetzung (NMT). Ihre Besonderheit besteht darin, dass diese Maschine, die nach dem Vorbild des menschlichen Gehirns aufgebaut ist, übersetzen lernt. Auf welche Weise dieses Übersetzen für Rechtstexte, insbesondere für EU-Rechtstexte relevant wird, wird Gegenstand dieses Seminars sein. Für die nähere Betrachtung gehen wir von der grundlegenden Funktionsweise der NMÜ aus , nehmen den heutigen Einsatz in den Übersetzungsabteilungen der EU ins Visier und identifizieren Schwachstellen und Risiken, die gerade bei Rechtstexten festzustellen sind. Dazu ist insbesondere bei dem Übersetzungsprozedere die wesentliche Rolle der Prämisse der Authentizität und der unionskonformen Auslegung zu berücksichtigen. Ein Ziel dieses Seminars wird sein, Verbesserungsmöglichkeiten zu erkunden und aufzuzeigen, wie z. B. ontologische / enzyklopädische/framesemantische / lexikographische Informationen für eine bessere Terminologie und Textgestaltung verwendet werden können.
Literatur sowie die Vergabe der Themen bzw. der Hausarbeiten werden zu Beginn des Semesters bekannt gegeben; Studienleistungen werden in der ersten Sitzung besprochen. Im Sinne der Richtlinie der Fakultät handelt es sich um eine Veranstaltung, bei der regelmäßige Teilnahme durch ein Selbststudium kaum zu ersetzen ist. Daher verfällt Ihr Fixplatz, wenn Sie in der ersten Sitzung unentschuldigt nicht erscheinen, d.h. Sie werden von der Teilnahmeliste gelöscht.
Proseminar: Syntaktische Analyse
Dr. Johanna Mattissen-Piaszenski
Mittwoch, 10.00-11.30
Richard-Strauss-Str. 2 50931 Köln. Beginn: 08.04.2020
Veranstaltungsnummer: 14535.0402: Proseminar
Wie analysiere ich einen Satz? Wie beschreibe ich syntaktische Strukturen? Was sind syntaktische Formen und was syntaktische Funktionen? Welche Fachterminologie gibt es, was bedeuten die einzelnen Begriffe und wie wende ich sie an?
Unter diesen Leitlinien erarbeiten und üben wir im Seminar Analyse und Beschreibung des Satzbaus der EU-Amtssprachen anhand von Rechtstexten. Diese Fertigkeiten stellen die Grundlagen für das selbstständige Schreiben von (rechts)linguistischen Arbeiten dar.
Literatur wird zu Beginn des Semesters bekannt gegeben; Studienleistungen werden in der ersten Sitzung besprochen.
Im Sinne der Richtlinie der Fakultät handelt es sich um eine Veranstaltung, bei der regelmäßige Teilnahme durch ein Selbststudium kaum zu ersetzen ist. Daher verfällt Ihr Fixplatz, wenn Sie in der ersten Sitzung unentschuldigt nicht erscheinen, d.h. Sie werden von der Teilnahmeliste gelöscht.
Vorlesung: Modalität in der Rechtssprache: Romanische Sprachen, Deutsch und Englisch im Vergleich
in –01 A.05 Bauwens-Gebäude Richard-Strauss-Str. 2 50931 Köln Beginn: 07.04.2020
Veranstaltungsnummer: 14535.0002
Mit ihren 24 offiziellen Sprachen ist die Europäische Union (EU) hochgradig mehrsprachig. Aufgrund der Schutzbedingungen für die sprachliche Vielfalt als auch der Sprachengarantie in der im Jahr 2000 verabschiedeten Europäische Grundrechte-Charta (GrCh) müssen alle EU-Rechtstexte in den 24 Sprachen gleichwertige Versionen mit gleicher rechtsverbindlicher Wirkung sein. Die Abfassung und Übersetzung von EU-Rechtstexten stellen dabei eine schwierige Balance zwischen sprachspezifischen Präferenzen und Harmonisierung in der Produktion der nicht-divergenten Versionen jedes Dokuments in 24 Vertragssprachen dar (vgl. Burr-Haase 2016).
Vor diesem Hintergrund zielt diese Vorlesung generell auf die Vertiefung der Kenntnisse struktureller Eigenschaften der romanischen Rechtssprachen ab. Der spezielle Fokus der Vorlesung liegt dabei auf dem Phänomen der Modalität : In der Linguistik bezeichnet Modalität eine besondere Art von sprachlicher Bedeutung, die sich z.B. mit Ausdrücken wie den Modalverben müssen, können, mit Adverbien wie möglicherweise, vielleicht, und anderen Ausdrücken (aber auch manchmal ohne äußere Kennzeichen) einstellt. Besonders an diesen modalen Aussagen ist, dass nicht Einzeltatsachen der wirklichen Welt festgestellt werden, sondern andersartige oder weitergehende Aussagen gemacht werden, die auch Vergleiche verschiedener „Optionen“ enthalten, z.B.:
(1) a. Tatsachenbehauptung: Der Fuchs hat die Gans gestohlen.
b. Modalisierte Aussage: Der Fuchs könnte die Gans gestohlen haben.
Unter den verschiedenen Typen der Modalität ist für (EU-)Rechtstexte insbesondere die deontische Modalität (< gr. Deon ‚Pflicht‘) von großer Bedeutung, die sowohl eine Pflicht oder Notwendigkeit als auch eine Möglichkeit und ein Verbot einschließen können (vgl. u.a. Nowak-Michalska 2013, Jaskot & Wiltos 2017), hier an einem deutschen Beispiel der Alltagssprache:
(2) a. Du musst das Fenster öffnen (Verpflichtung/Befehl)
b. Du darfst das Fenster nicht öffnen (Verbot, Abwesenheit einer Möglichkeit)
c. Du kannst das Fenster öffnen (Anwesenheit einer Möglichkeit)
d. Du brauchst das Fenster nicht zu öffnen (Abwesenheit einer Verpflichtung)
Im Rahmen der Vorlesung wollen wir die unterschiedlichen Typen der Modalität mit ihren sprachlichen Realisierungen im Vergleich der romanischen Sprachen (Französisch, Italienisch, Spanisch) untereinander sowie mit dem Deutschen und Englischen genauer kennenlernen und insbesondere ihre Verwendung in (EU-)Rechtstexten untersuchen.
Ausgewählte Literatur und Lehrmittel (Einsatz in Auszügen):
Burr, I. (2013). Article 55. In: Blanke, H.-J. & Mangiameli, S. (Hrsg.). The Treaty on European Union (TEU). A Commentary. Springer.
Burr-Haase, I. (2016). Die Charta – ein mehrsprachiger europäischer Text. In: Stern, K. & Sachs, M. (Hrsg.), Europäische Grundrechte-Charta GRCh. Beck.
Künnecke, M. (2013). Translation in the EU: Language and Law in the EU’s Judicial Labyrinth. Maastricht Journal of European and Comparative Law Vol. 20, 243-260.
Jaskot, M.P. & Wiltos, A. (2017). An Approach to the Translation of Deontic Modality in Legal Texts. The Case of the Polish and English Versions of the Charter of Fundamental Rights of the European Union. Cognitive Studies: Études Cognitives 2017(17). https://doi.org/10.11649/cs.1454.
Nowak-Michalska, J. (2013). A Parametric Description of Deontic Modality in the Polish and Spanish Civil Codes. Comparative Legilinguistics Vol. 16, 23-37.
Vorlesung: Europarecht: vom Kommissionsvorschlag bis zum EU-Gesetzgebungsakt. EU-Rechtsetzungsverfahren in Theorie und Praxis
14535.0001
Dienstag, 14:00-16:15 in –01 A.05 Bauwens-Gebäude Richard-Strauss-Str. 2 50931 Köln. Beginn: 07.04.2020
[Die Vorlesung wird dreistündig vierzehntäglich gehalten mit Ausnahme der ersten beiden Wochen. Also zu folgenden Terminen: 7.4., 14.4., 28.4., 12.5., 26.5., 9.6., 23.6., 7.7. 2020]
Ausgehend von den Bestimmungen der Verträge werden die EU-Rechtsetzungsverfahren im Einzelnen vorgestellt. Insbesondere die konkrete Ausgestaltung des ordentlichen Gesetzgebungsverfahrens in der Praxis wird anhand ausgewählter Texte und praktischer Beispiele der verschiedenen Verfahrensschritte beleuchtet. Weitere Themen u.a.: besondere Gesetzgebungsverfahren; Rolle der nationalen Parlamente; Initiativrecht einschließlich der europäischen Bürgerinitiative; Verhandlungssprache in Trilogen und Finalisierung von Rechtsakten in allen Amtssprachen; einschlägige Rechtsprechung des EuGH; Europa der zwei Geschwindigkeiten - Opt-out und verstärkte Zusammenarbeit; Transparenz der Gesetzgebungsverfahren und Zugang zu Dokumenten.
Frau Ellen Heinemann hat an maßgeblicher Stelle in der Direktion für Rechtsakte des Europäischen Parlaments in Brüssel über Jahre hinweg die EU- Gesetzgebungsverfahren begleitet und verantwortet. Sie ist eine wichtige Gewährsperson aus der Praxis, die dadurch einen weiteren Kreis von Studierenden anspricht.
Dienstag 18:45-20:15 in -1 A.05 (Bauwens-Gebäude; Richard-Strauss-Str. 2 50931 Köln)
14535.0182
Das Kolloquium bietet ein Zusammenführen juristischer, sprachwissenschaftlicher sowie sprachpraktischer Studieninhalte zur Ausarbeitung spezifisch rechtslinguistischer Vorgehensweisen. Nach einer kurzen Einführung in das EU-Recht, insbesondere auch in das unionsrechtliche Gesetzgebungsverfahren, werden wir das Konzept bzw. die Konzepte der Mehrsprachigkeit im EU-Recht in den Blick nehmen. Ausgehend von Art. 55 EUV werden wir sowohl die institutionellen Vorgaben der Mehrsprachigkeit auf EU-Ebene als auch die damit verbundenen Herausforderungen sowie deren Grenzen untersuchen. Die daraus hervorgehenden Erkenntnisse dienen als erste Grundlage für vergleichend-textlinguistische Analysen. Weiterführend folgt anhand ausgewählter Beispiele der EU-Rechtsetzung und Auslegung des EU-Rechts die Schulung in rechtslinguistischer Analyse. Darüber hinaus sind die Techniken der wissenschaftlichen Recherche Gegenstand des Kolloquiums (z.B. der kritische Umgang mit Quellen unter Nutzung relevanter Datenbanken). Für den Leistungsnachweis sind erforderlich: die aktive Teilnahme, Vor- und Nachbereitung der Sitzungen sowie die Abfassung einer Stellungnahme zu einem wissenschaftlichen Textes bzw. die kurze schriftliche Analyse eine Textbeispiels und die Übernahme eines 10minütigen Kurzvortrags.
Erstellt am: 31. August 2019, zuletzt geändert am: 20. Juli 2020