Source: https://www.rechtslupe.de/verwaltungsrecht/vollstreckung-von-rundfunkbeitraegen-und-die-frage-des-leistungsbescheids-398730
Timestamp: 2020-07-09 15:09:38
Document Index: 270040283

Matched Legal Cases: ['§ 12', '§ 7', '§ 12', '§ 10', '§ 13', 'BGH']

Vollstreckung von Rundfunkbeiträgen - und die Frage des Leistungsbescheids | Rechtslupe
Wie bei allen ande­ren gesetz­li­chen Abga­ben (Steu­ern, Gebüh­ren, Bei­trä­ge) ist unab­hän­gig von gesetz­li­cher Fäl­lig­keit vor der Fest­set­zung von Säum­nis­zu­schlä­gen ein anfäng­li­cher (ori­gi­nä­rer, pri­mä­rer, die Abga­ben­hö­he mit Grün­den und Rechts­mit­tel­be­leh­rung fest­set­zen­der) Leistungsbescheid/​Verwaltungsakt erfor­der­lich.
Der Bei­trag wird gesetz­lich ab dem Zeit­punkt geschul­det, in dem die Vor­aus­set­zun­gen dafür vor­lie­gen. Soweit § 12 I RBStV von "fäl­lig" spricht, ist sys­te­ma­tisch nicht der Beginn des für die Bei­trags­schuld rele­van­ten Zeit­punkts gemeint. Inso­weit wur­de durch den Bei­trags­staats­ver­trag ledig­lich im Rah­men des bestehen­den öffent­lich. recht­li­chen Abga­ben­rechts for­mal ein Bei­trag geschaf­fen, ohne dass damit die im öffent­lich-recht­li­chen Abga­ben­recht durch­gän­gig vor­aus­ge­setz­te Bescheids­not­wen­dig­keit tan­giert wür­de.
Im Übri­gen zeigt sich der Umstand, dass in § 7, 10 RBStV nur der Beginn der Bei­trags­pflicht, nicht aber der ver­zugs­re­le­van­te Zeit­punkt der Zah­lungs­fäl­lig­keit (§ 12 I RBStV) gemeint, schon im Staats­ver­trag selbst: Zu zah­len sind die Bei­trä­ge erst in der Mit­te eines Drei­mo­nats­zeit­raums. Der Umstand, dass spä­ter rück­stän­di­ge Bei­trä­ge errech­net und zur Voll­stre­ckung fest­ge­setzt wer­den, hat damit nichts zu tun.
Der ori­gi­nä­re Bescheid hat die Auf­ga­be, klar zu defi­nie­ren wer Gläu­bi­ger ist, wer Schuld­ner ist (d.h. gegen wel­chen von meh­re­ren Woh­nungs­in­ha­bern der Bescheid sich rich­tet), in wel­cher Höhe der Bei­trag geschul­det wird, ob und aus wel­chen Grün­den der Woh­nungs­be­griff erfüllt ist, wann ggf. fik­tiv die Bei­trags­pflicht beginnt (ggf. bis zu 30 Tage vor Beginn der Woh­nungs­in­ha­ber­schaft), wann (in der Mit­te wel­chen Monats, drei Mona­te ab ech­tem oder fik­ti­vem Ein­zug, Mit­te der drei Mona­te oder Mit­te des mitt­le­ren Monats (Z. B.: Ein­zug 28.02. = Bei­trags­pflicht­be­ginn 1.02.; Drei­mo­nats­zeit­raum 28.02. – 28.05. oder 1.02. – 30.04.; letz­te­rer unter­stellt: Mit­te = 15.03. oder 16.03. (= Mit­te des mitt­le­ren Monats) oder 16.03. oder 17.03. (= Mit­te des Drei­mo­nats­zeit­raums); das Bei­spiel zeigt, dass auch die­ses Gesetz nicht ohne defi­nie­ren­den Bescheid für jeden Bei­trags­pflich­ti­gen selbst­er­klä­rend ist) ) und auf wel­ches Kon­to (der Gläu­bi­ge­rin) schuld­be­frei­end bezahlt wer­den soll, alles ver­se­hen mit Begrün­dung und Rechts­mit­tel­be­leh­rung. Erst infol­ge eines Fest­set­zungs­be­scheids wer­den der Gläu­bi­ger, Bei­trags­hö­he und recht­li­che Grund­la­ge nebst Ein­ord­nung mit Rechts­mit­tel­be­leh­rung unter Anga­be der Über­wei­sungs­da­ten benannt.
Hier­von geht auch unein­ge­schränkt § 10 VI RBStV mit Ver­weis auf das Lan­des­ver­wal­tungs­voll­stre­ckungs­ge­setz aus.
Die Sys­te­ma­tik von §§ 13, 14 LVwVG bestä­tigt, dass bei wie­der­keh­ren­den Leis­tun­gen zunächst der Ver­wal­tungs­akt steht, dem eine Mah­nung folgt; danach schlie­ßen sich ggf. ein Bescheid über offe­ne Abgaben/​Zuschläge als kon­kre­ter Titel und das Voll­stre­ckungs­er­su­chen als Ersatz für des­sen voll­streck­ba­re Aus­fer­ti­gung an.
Die Bun­des­re­gie­rung erläu­tert dies [1] anschau­lich: "Dem Schuld­ner ist zunächst ein Leis­tungs­be­scheid zu ertei­len, in dem er zur Leis­tung auf­ge­for­dert wird. In dem Leis­tungs­be­scheid ist dem Schuld­ner bekannt­zu­ge­ben, wel­che Leis­tung er schul­det. … Der Leis­tungs­be­scheid ist mit einer Rechts­mit­tel­be­leh­rung zu ver­se­hen." Die vom Bun­des­ge­richts­hof ver­tre­te­ne Ansicht fin­det, was – ohne Wer­tung zumin­dest offen­le­gungs­wür­dig erscheint – in der zitier­ten Lite­ra­tur aus­schließ­lich durch eine Mit­ar­bei­te­rin des Bei­trags­ser­vices bzw. der Vor­gän­ge­rin [2] sowie nun in einer Anmer­kung zum BGH-Beschluss durch Engel­hart-Keh­le und Seiß (Bei­trags­re­fe­ren­tin­nen des SWR) Rück­halt. Soweit in dem BVerfG-Beschluss, 1 BvR 829/​06 auch noch eine Kom­men­tie­rung durch Hermann/​Lausen zitiert wird, stammt die­se von einem Inten­dan­ten und einem Mit­ar­bei­ter des durch die Rund­funk­an­stal­ten unter­stütz­ten Insti­tuts.
Es wird vom Land­ge­richt abschlie­ßend vor­sorg­lich dar­auf hin­ge­wie­sen, dass es in die­sem Ver­fah­ren nicht um die Ver­fas­sungs­ge­mäß­heit der Rund­funk­fi­nan­zie­rung geht, son­dern ledig­lich um (for­ma­le) Fra­gen der Zwangs­voll­stre­ckung des kon­kre­ten Vor­gangs (= kon­kre­tes Voll­stre­ckungs­er­su­chen) und die Fra­ge, ob "wie bei jeder ande­ren Zwangs­voll­stre­ckungs­maß­nah­me" [3] alle for­ma­len Vor­aus­set­zun­gen vor­lie­gen, basie­rend auf bis 2014 ver­wen­de­ten Bescheids- und Antrags­mus­ter des Bei­trags­ser­vices.
VMBl 1957 S. 630[↩]
Tuchol­ke in Beck`scher Kom­men­tar zum Rund­funk­recht[↩]
LG Det­mold, 21.11.2012 – 3 T 187/​12[↩]
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