Source: http://www.takeover.ch/transactions/document/id/2435
Timestamp: 2017-06-24 08:52:51
Document Index: 329942720

Matched Legal Cases: ['Art. 29', 'Art. 30', 'Art. 30', 'Art. 30', 'Art. 6', 'Art. 31', 'Art. 30', 'Art. 55']

A.AEVIS Holding SA (AEVIS oder Anbieterin) veröffentlichte am 24. Oktober 2013 in den elektronischen Medien und am 28. Oktober 2013 in den Zeitungen die Voranmeldung eines öffentlichen Kaufangebots für sämtliche sich im Publikum befindenden Namenaktien (VJC-Aktien) der Victoria-Jungfrau Collection AG (VJC oder Zielgesellschaft). AEVIS bietet alsAngebotspreis CHF 250 pro VJC-Aktie.
B.Der Angebotsprospekt wurde am 8. November 2013 in den elektronischen Medien und am 13. November 2013 in den Zeitungen publiziert.
C.Mit Verfügung 550/01 vom 7. November 2013 in Sachen Victoria-Jungfrau Collection AG (Verfügung 550/01) stellte die Übernahmekommission fest, dass das öffentliche Kaufangebot von AEVIS an die Aktionäre von VJC (Kaufangebot von AEVIS) den gesetzlichen Bestimmungen über öffentliche Kaufangebote entspricht. Die Zielgesellschaft wurde aufgefordert, den Verwaltungsratsbericht bis spätestens am 29. November 2013 zu veröffentlichen.
D.Mit Eingabe vom 25. November 2013 reichte die Zielgesellschaft Entwürfe des Verwaltungsratsberichts sowie einer Fairness Opinion ein, beide datierend vom 25. November 2013. Der Entwurf der Fairness Opinion wurde von The Corporate Finance Group (TCFG) erstellt. Die Anbieterin erhielt die Gelegenheit, sich bis am 27. November 2013, 17.00 Uhr, zu diesen Entwürfen zu äussern. Am 26. und 27. November 2013 reichte die Zielgesellschaft (geringfügig) überarbeitete Versionen des Verwaltungsratsberichts sowie der Fairness Opinion ein, beide datierend vom 27. November 2013, welche der Anbieterin ebenfalls zugestellt wurden.
E.Mit Eingabe vom 27. November 2013 nahm die Anbieterin Stellung. Sie macht unter anderem geltend, die Entwürfe des Verwaltungsratsberichts und der Fairness Opinion seien unvollständig. Sie beantragt, dass die Übernahmekommission:
F.Mit Eingaben vom 28. November 2013 nahmen die Zielgesellschaft und TCFG innert Frist zur Stellungnahme der Anbieterinvom 27. November 2013 Stellung. Die Zielgesellschaft und TCFG weisen die Einwände der Anbieterin zurück. Auf die diesbezüglichen Argumente wird – soweit erforderlich – in den Erwägungen eingegangen.
G.Am 29. November 2013 publizierte die Zielgesellschaft in den elektronischen Medien den Verwaltungsratsbericht bzw. dessen verkürzte Version. Zudem veröffentlichte sie die Fairness Opinion von TCFG auf ihrer Website. TCFG stützt sich bei ihrer Bewertung hauptsächlich auf die Discounted Cash Flow-Methode (DCF-Methode) und ermittelt für die VJC-Aktie eine Wertbandbreite von CHF 300 bis CHF 325. Infolgedessen beurteilt TCFG das Kaufangebot von AEVIS von CHF 250 CHF pro VJC-Akte aus finanzieller Sicht als nicht fair und nicht angemessen und der Verwaltungsrat von VJC empfiehlt es zur Ablehnung. Auf die Einzelheiten des Verwaltungsratsberichts und der Fairness Opinion wird – soweit erforderlich – in den Erwägungen eingegangen.
H.Mit einer weiteren Eingabe vom 1. Dezember 2013 nahm die Anbieterin unaufgefordert zur Eingabe der Zielgesellschaft und TCFG vom 28. November 2013 (vgl. Sachverhalt lit. F) Stellung. Sie hält daran fest, dass der Verwaltungsratsbericht und die Fairness Opinion unvollständig seien. Insbesondere entsprächen die in der Fairness Opinion im Zusammenhang mit der Anwendung der DCF-Methode offengelegten Informationen nicht den Anforderungen gemäss Praxis der Übernahmekommission. Sie macht im Weiteren geltend, dass in der Presse über ein mögliches Konkurrenzangebot spekuliert werde. Es bestehe der begründete Verdacht, dass die Zielgesellschaft einem Konkurrenzanbieter bereits eine Due Diligence gewährt habe, was als Abwehrmassnahme zu qualifizieren und im Bericht des Verwaltungsrates offenzulegen sei. Sie beantragt, dass die Übernahmekommission:
I.Am 2. Dezember 2013 nahm die Zielgesellschaft ebenfalls unaufgefordert ihrerseits zur Eingabe der Anbieterin vom 1. Dezember 2013 (vgl. Sachverhalt lit. H) Stellung. Sie macht geltend, die in der Fairness Opinion offengelegten Grundlagen seien ausreichend. Die Behauptung der Anbieterin, es sei Standard, in einer Fairness Opinion Mittelfristplanung und Business Plan offenzulegen, sei nicht zutreffend. Die Spekulationen über ein Konkurrenzangebot werden zurückgewiesen: Die Zielgesellschaft habe im Zusammenhang mit dem vorliegenden Verfahren niemanden zu einer Due Diligence zugelassen und suche bzw. suchte zu keinem Zeitpunkt ein weiteres, konkurrierendes Angebot. Auf die weitere Begründung dieser Anträge wird – soweit erforderlich – in den Erwägungen eingegangen.
J.Am 3. Dezember 2013 erfolgte die Publikation des Verwaltungsratsberichts bzw. dessen verkürzte Version in den Zeitungen.
K.Zur Prüfung dieser Angelegenheit wurde ein Ausschuss bestehend aus Luc Thévenoz (Präsident), Raymund Breu und Thomas Müller gebildet.
[1] Gemäss Art. 29 Abs. 1 BEHG hat der Verwaltungsrat der Zielgesellschaft einen Bericht zu veröffentlichen, in dem er zum Angebot Stellung nimmt. Der Verwaltungsratsbericht der Zielgesellschaft hat nach Art. 30 Abs. 1 UEV sämtliche Informationen zu enthalten, die notwendig sind, damit die Angebotsempfänger ihre Entscheidung in Kenntnis der Sachlagetreffen können. Der Bericht muss eine klare Begründung enthalten und alle wesentlichen Elemente darlegen, welche die Stellungnahme beeinflusst haben (Art. 30 Abs. 4 UEV; zum Inhalt im Allgemeinen vgl. insbesondere Empfehlung 343/03 vom 20. Dezember 2007 in Sachen Implenia AG, Erw. 1.2.1). Für weitere Einzelheiten sei auf die gesetzlichen Bestimmungen verwiesen (Art. 30 ff. UEV).
[3] Mit Verfügung 550/01 wurde die Zielgesellschaft aufgefordert, den Verwaltungsratsbericht bis spätestens am 29.November 2013 zu veröffentlichen.
[4] Am 29. November 2013 publizierte die Zielgesellschaft in den elektronischen Medien den Verwaltungsratsbericht bzw.dessen verkürzte Version. Die Publikation in den Zeitungen erfolgte rechtzeitig am 3. Dezember 2013 (vgl. Art. 6b UEV).
[6] Gemäss Art. 31 Abs. 2 UEV ist im Verwaltungsratsbericht gegebenenfalls anzugeben, welche Abwehrmassnahmen dieZielgesellschaft zu ergreifen beabsichtigt oder bereits ergriffen hat. Gemäss Praxis der Übernahmekommission erfasst dies auch den Fall, dass die Zielgesellschaft einen (oder mehrere) Konkurrenzanbieter sucht und ihm (oder ihnen) eine Due Diligence gewährt (Empfehlung 294/01 vom 26. Oktober 2006 in Sachen SIG Holding AG, Erw. 5.3.3 und 5.4.2).
[7] Vorliegend hat die Zielgesellschaft bestätigt, dass sie weder auf der Suche nach einem Konkurrenzanbieter war bzw.ist noch eine Due Diligence gewährt hat (vgl. Sachverhalt lit. I). Die diesbezügliche Berichterstattung in den Medien sei reine Spekulation. Herr Sigg, Präsident des Verwaltungsrates der Zielgesellschaft, habe die in den von der Anbieterin zitierten Medien wiedergegebene Aussage in dieser Form nicht gemacht, sondern stets nur (aber immerhin) erklärt, dass ein Interesse an der Vergrösserung der Gruppe bestehe. Ein Wachstum sei mit mehr Hotels (aus eigener Kraft) oder mit Investoren möglich. Daraus den Schluss zu ziehen, ein Konkurrenzangebot sei in Vorbereitung, stelle reine Spekulation dar.
[11] TCFG ermittelt für die Zielgesellschaft anhand der DCF-Methode eine Wertbandbreite pro VJC-Aktie von CHF 300 bisCHF 325. Diese Wertbandbreite wird mittels unterschiedlicher Sensitivitäten bezüglich gewichtetem Kapitalisierungssatz (WACC), nachhaltiger EBITDA-Marge und ewiger Wachstumsrate ermittelt. TCFG hat die verwendete Finanzplanung hinterfragt. So wurden die vorliegenden Finanzpläne pro Gesellschaft mit CEO und CFO detailliert besprochen, wobei insbesondere die branchenüblichen Profitabilitätskennzahlen (z.B. GOI[=Bruttobetriebs­erfolg] Beherbergung und GOI Restauration, GOI total, GOP[=Bruttobetriebsgewinn] total) und das Benchmarking gemäss hotelleriesuisse sowie der Vergleich mit der historischen Entwicklung von VJC eine wesentliche Rolle spielten (Fairness Opinion, S. 20). TCFG begründet diese Methodenwahl zur Hauptsache damit, dass die DCF-Methode in der heutigen Bewertungspraxis als Standardmethode gelte, da sie sowohl die zukünftige Rentabilität als auch die zukünftigen Investitionen berücksichtige.
[14] Die DCF-Methode ist eine für die Bewertung von Unternehmen übliche Methode. Dabei wird ­ vereinfacht dargestellt­ der Unternehmenswert aufgrund der Summe künftig erzielbarer, auf den Gegenwartswert abgezinster Free Cash Flows (FCF) berechnet, wobei im allgemeinen für einen mittelfristigen Planungshorizont die FCF auf detaillierte Finanzpläne und für den Rest (Terminal Value) auf Annahmen bezüglich das nachhaltige "ewige" Wachstum abgestellt werden.
[15] Gemäss Praxis der Übernahmekommission müssen der jährliche FCF und der Terminal Value in einem Bewertungsbericht nicht offengelegt werden. Hingegen sind die für die Berechnung des FCF und Terminal Value relevanten Eckwerte (bspw. Auftragseingang und -bestand, Umsatz, EBITDA, EBIT, Investitionen) für die relevante Vergangenheit und die Zukunft auszuweisen (Verfügung 468/03 vom 10. März 2011 in Sachen Genolier Swiss Medical Network SA, Erw. 3.1). Für die zukünftigen Zeiträume reicht es aus, wenn Durchschnittswerte bzw. Bandbreiten angegeben werden (vgl. z.B. denergänzten Bewertungsbericht von Ernst & Young vom 1. März 2011 in Sachen Genolier Swiss Medical Network SA, S. 18ff.). Bezüglich des Terminal Value sind die Annahmen bezüglich des ewigen Wachstums offenzulegen, nicht aber der Terminal Value selbst.
[17] Zur Plausibilisierung der DCF-Ergebnisse hat TCFG Marktwerte mittels Trading Multiples und Transaction Multiplesverwendet. Gemäss TCFG widerspiegeln diese Marktwerte die erwartete höhere Profitabilität nach dem Umbau des Hotels Eden au Lac ab dem Jahr 2016 allerdings nur ungenügend. Auch den Substanzwert erachtet TCFG als nicht repräsentativ, da er vergangenheitsorientiert sei und der Rentabilität nicht Rechnung trage. TCFG stellt im Weiteren fest, dass VJC-Aktie als illiquid im Sinne des schweizerischen Übernahmerechtes gelte. Der 60-Tage-VWAP von CHF 182.40 habe deshalb für die Bestimmung des fairen Wertes nur eine beschränkte Aussagekraft.
[18] Die Anbieterin wendet in diesem Zusammenhang ein, die zur Plausibilisierung verwendete Methode der TransactionMultiples sei falsch angewandt worden: TCFG hätte nicht den EBITDA Multiple in Bezug auf das Jahr 2014 nehmen dürfen.
[20] Die Fairness Opinion ist im Sinne der Erwägung 2.2 zu ergänzen, indem die Eckdaten für die Berechnung des FCF undTerminal Value offengelegt werden. Im Übrigen ist die Fairness Opinion transparent, plausibel und nachvollziehbar und damit im Sinne von Art. 30 Abs. 5 UEV hinreichend begründet.
[24] Mit Antrag 2 verlangt die Anbieterin, der Zielgesellschaft sei die Publikation des Verwaltungsratsberichts sowie der Fairness Opinion zu verbieten. Begründet wird dies damit, dass der Verwaltungsratsberichts sowie der Fairness Opinionunvollständig bzw. nicht rechtskonform seien.
[26] Um sicherzustellen, dass die Fairness Opinion sofort ergänzt und veröffentlicht wird und es zu keiner Verlängerung derAngebotsfrist kommt, rechtfertigt es sich, einer allfälligen Beschwerde gegen die vorliegende Verfügung die aufschiebende Wirkung zu entziehen, gemäss Art. 55 Abs. 2 VwVG.
Einer allfälligen Beschwerde gegen die vorliegende Verfügung wird die aufschiebende Wirkung entzogen. Diese Verfügung nach Eröffnung an die Parteien auf der Website der Übernahmekommission veröffentlicht.