Source: http://www.hensche.de/Arbeitslosengeld_Sperrzeit_Arbeitsaufgabe_Kuendigung_des_unbefristeten_Arbeitsverhaeltnisses_zur_Aufnahme_eines_befristeten_wichtiger_Grund_verfassungskonforme_Auslegung_BSG_B11aAL55-05R-u.html
Timestamp: 2019-06-25 12:33:25
Document Index: 323692567

Matched Legal Cases: ['§ 144', '§ 119', '§ 54', '§ 117', 'Art 7', '§ 101', '§ 144', '§ 144', '§ 144', '§ 144', '§ 144', '§ 144', '§ 144', '§ 121', '§ 119', '§ 144', '§ 119', '§ 119', '§ 119', '§ 163', '§ 119', '§ 144', '§ 119', '§ 119', '§ 144', '§ 144', '§ 144', 'Art 12', '§ 144', 'Art 12', '§ 119', 'Art 12', '§ 1', '§ 144', '§ 144', '§ 27', '§ 8', '§ 37', '§ 37', '§ 144', '§ 37']

BSG, Urteil vom 12.07.2006, B 11a AL 55/05 R - HENSCHE Arbeitsrecht
BSG, Ur­teil vom 12.07.2006, B 11a AL 55/05 R
Schlagworte: Sperrzeit, Arbeitslosengeld
Vorinstanzen: Sozialgericht Itzehoe, Gerichtsbescheid vom 20.04.2004, S 2 AL 119/02
Schleswig-Holsteinisches Landessozialgericht, Urteil vom 22.07.2005, L 3 AL 48/04
12. Ju­li 2006
Der 11a. Se­nat des Bun­des­so­zi­al­ge­richts hat auf die münd­li­che Ver­hand­lung vom 12. Ju­li 2006 durch die Vi­ze­präsi­den­tin Dr. W e t z e l - S t e i n w e d e l , die Rich­ter Dr. V o e l z k e und Dr. L e i t h e r e r so­wie den eh­ren­amt­li­chen Rich­ter K l e e m a n n und die eh­ren­amt­li­che Rich­te­rin G o v o r u s i c für Recht er­kannt:
Auf die Re­vi­si­on der Kläge­rin wer­den das Ur­teil des Schles­wig-Hol­stei­ni­schen Lan­des­so­zi­al­ge­richts vom 22. Ju­li 2005 und der Ge­richts­be­scheid des So­zi­al­ge­richts It­ze­hoe vom 20. April 2004 so­wie der Sperr­zeit­be­scheid der Be­klag­ten vom 10. Ja­nu­ar 2002 in der Ge­stalt des Wi­der­spruchs­be­schei­des vom 17. Ju­ni 2002 auf­ge­ho­ben.
Die Be­klag­te wird un­ter Ände­rung des Be­wil­li­gungs­be­schei­des vom 10. Ja­nu­ar 2002 ver­ur­teilt, der Kläge­rin auch für die Zeit ab 1. No­vem­ber 2001 bis 23. Ja­nu­ar 2002 Ar­beits­lo­sen­geld zu zah­len.
Die Be­klag­te trägt - un­ter Berück­sich­ti­gung des be­reits auf Grund des Teil­ver­gleichs über­nom­me­nen Kos­ten­an­teils - die not­wen­di­gen außer­ge­richt­li­chen Kos­ten der Kläge­rin.
Die Kläge­rin wen­det sich ge­gen die Ab­leh­nung ih­res An­trags auf Ar­beits­lo­sen­geld (Alg) für die Dau­er von 12 Wo­chen we­gen des Ein­tritts ei­ner Sperr­zeit.
Die 1978 ge­bo­re­ne Kläge­rin war ab 1. Sep­tem­ber 1995 un­be­fris­tet bei der P GmbH in H beschäftigt, zu­letzt als An­ge­stell­te im Ver­triebs­in­nen­dienst zu ei­nem mo­nat­li­chen Brut­to­ge­halt von 4.516,00 DM zuzüglich be­stimm­ter Ein­mal­zah­lun­gen. Die Kläge­rin kündig­te das un­be­fris­te­te Ar­beits­verhält­nis am 2. Ja­nu­ar 2001 zum 31. März 2001.
Be­reits un­ter dem 28. No­vem­ber 2000 hat­te sie mit der N Tou­ris­tik Ser­vice AG/T (Sitz je­weils P /Schweiz) ei­nen Ar­beits­ver­trag über ei­ne Beschäfti­gung als Kin­der­ani­ma­teu­rin ge­schlos­sen. Das Ar­beits­verhält­nis soll­te am 1. April 2001 be­gin­nen und am 31. Ok­to­ber 2001 en­den. Sie er­hielt während die­ser Beschäfti­gung nach ei­ner Schu­lung vom 1. bis 14. April 2001 ei­nen mo­nat­li­chen Grund­lohn von durch­schnitt­lich 1.790,00 CHF (= 2.244,45 DM). Das Beschäfti­gungs­verhält­nis en­de­te mit Aus­lau­fen des Zeit­ver­trags am 31. Ok­to­ber 2001. Den am 28. Sep­tem­ber 2001 mit der T Ser­vice GmbH für die Zeit vom 1. April bis 31. Ok­to­ber 2002 ge­schlos­se­nen be­fris­te­ten Ar­beits­ver­trag über ei­ne er­neu­te Beschäfti­gung als Kin­der­ani­ma­teu­rin kündig­te die Kläge­rin mit Schrei­ben vom 7. Ja­nu­ar 2002.
Sie mel­de­te sich am 1. No­vem­ber 2001 ar­beits­los und be­an­trag­te Alg. Mit Be­scheid vom 10. Ja­nu­ar 2002 lehn­te die Be­klag­te den An­trag für die Zeit vom 1. No­vem­ber 2001 bis zum 23. Ja­nu­ar 2002 ab, weil der An­spruch we­gen des Ein­tritts ei­ner Sperr­zeit mit ei­ner Dau­er von 12 Wo­chen ru­he. Die Sperr­zeit min­de­re den An­spruch auf Alg um 90 Ta­ge. Mit ei­nem wei­te­ren Be­scheid vom 10. Ja­nu­ar 2002 be­wil­lig­te die Be­klag­te der Kläge­rin Alg ab 24. Ja­nu­ar 2002 in Höhe von wöchent­lich 165,90 Eu­ro. Ab 18. März 2002 wur­de die Alg-Be­wil­li­gung we­gen der
Auf­nah­me ei­ner Tätig­keit bei der Fir­ma G in P auf­ge­ho­ben.
Der Wi­der­spruch der Kläge­rin wur­de mit Wi­der­spruchs­be­scheid vom 17. Ju­ni 2002 zurück­ge­wie­sen. Zur Be­gründung führ­te die Be­klag­te aus, die Kläge­rin ha­be ih­re Ar­beits­lo­sig­keit durch die Lösung des un­be­fris­te­ten Beschäfti­gungs­verhält­nis­ses grob fahrlässig her­bei­geführt. Ihr sei die Fort­set­zung die­ses Beschäfti­gungs­verhält­nis­ses so­lan­ge zu­mut­bar ge­we­sen, bis sie ei­nen un­be­fris­te­ten An­schluss­ar­beits­platz ge­fun­den hätte.
Das So­zi­al­ge­richt hat die Kla­ge durch Ge­richts­be­scheid vom 20. April 2004 ab­ge­wie­sen. Das Lan­des­so­zi­al­ge­richt (LSG) hat ei­ne schrift­li­che Aus­kunft beim ehe­ma­li­gen Ar­beit­ge­ber zu den Aus­sich­ten auf ei­nen An­schluss­ar­beits­platz ab 1. No­vem­ber 2001 ein­ge­holt. Das LSG hat die
Be­ru­fung der Kläge­rin zurück­ge­wie­sen (Ur­teil vom 22. Ju­li 2005): Es sei nach § 144 Abs 1 Nr 1 So­zi­al­ge­setz­buch - Drit­tes Buch - (SGB III) ei­ne Sperr­zeit ein­ge­tre­ten. Die Ar­beits­lo­sig­keit der Kläge­rin ab 1. No­vem­ber 2001 sei durch die Kündi­gung vom 2. Ja­nu­ar 2001 ver­ur­sacht wor­den. Zwar ha­be die Kläge­rin nach dem Wirk­sam­wer­den die­ser Kündi­gung ab 1. April 2001 zunächst in ei­nem An­schluss­beschäfti­gungs­verhält­nis ge­stan­den, je­doch sei die­ses von vorn­her­ein be­fris­tet ge­we­sen, was die Kläge­rin auch ge­wusst ha­be. Da­mit ha­be sie zu­min­dest grob fahrlässig den Ein­tritt von Ar­beits­lo­sig­keit nach Aus­lau­fen des be­fris­te­ten Beschäfti­gungs­verhält­nis­ses in Kauf ge­nom­men. In die­sem Zu­sam­men­hang könne sich die Kläge­rin nicht dar­auf be­ru­fen, dass ihr ei­ne An­schluss­beschäfti­gung für die Win­ter­sai­son in Aus­sicht ge­stellt wor­den sei. Bei Würdi­gung al­ler Umstände könne nicht da­von aus­ge­gan­gen wer­den, dass ob­jek­tiv ei­ne Wei­ter­beschäfti­gung zu­ge­sagt wor­den sei. Die Kläge­rin ha­be für ihr Ver­hal­ten auch kei­nen wich­ti­gen Grund ge­habt. Lie­ge kei­ne kon­kre­te Aus­sicht auf ei­ne Verlänge­rung des be­fris­te­ten Ar­beits­verhält­nis­ses vor, so sei der Wech­sel von ei­nem un­be­fris­te­ten Ar­beits­verhält­nis in ein be­fris­te­tes Beschäfti­gungs­verhält­nis nicht von ei­nem wich­ti­gen Grund ge­deckt. Dies gel­te um­so mehr, wenn das Beschäfti­gungs­verhält­nis auf we­ni­ge Mo­na­te be­fris­tet sei. Zwar möge das Beschäfti­gungs­verhält­nis für die Kläge­rin we­gen der da­mit ver­bun­de­nen Aus­lands­er­fah­run­gen und der Möglich­keit, Fremd­spra­chen­kennt­nis­se zu er­wei­tern, at­trak­tiv ge­we­sen sein, ob­wohl die Be­zah­lung deut­lich hin­ter dem zu­vor be­zo­ge­nen Ent­gelt zurück­ge­blie­ben sei. Bei Abwägung al­ler Umstände sei es ihr zu­zu­mu­ten ge­we­sen, in ih­rem - oh­ne­hin bes­ser vergüte­ten - Dau­er­ar­beits­verhält­nis je­den­falls so­lan­ge zu ver­blei­ben, bis ein dau­er­haf­tes An­schluss­ar­beits­verhält­nis be­gründet hätte wer­den können oder zu­min­dest ein be­fris­te­tes Beschäfti­gungs­verhält­nis mit kon­kre­ter Aus­sicht auf ei­ne Verlänge­rung.
Die Kläge­rin hat die vom LSG zu­ge­las­se­ne Re­vi­si­on ein­ge­legt. Das LSG ha­be sei­ner Ent­schei­dung feh­ler­haft zu Grun­de ge­legt, dass kei­ner­lei Aus­sicht auf ei­ne Verlänge­rung des be­fris­te­ten Ar­beits­ver­tra­ges be­stan­den ha­be. Das LSG sei fer­ner dem Merk­mal der gro­ben Fahrlässig­keit nicht nach­ge­gan­gen. Sie ha­be be­wusst in Kauf ge­nom­men, dass die Be­zah­lung deut­lich hin­ter dem zu­vor ge­zahl­ten Ent­gelt zurück­ge­blie­ben sei. Zu­dem ha­be sie freie Kost und Lo­gis er­hal­ten. Darüber hin­aus sei zu berück­sich­ti­gen, dass die Beschäfti­gung mit ei­ner be­ruf­li­chen Fort­bil­dung und Ver­bes­se­rung der Qua­li­fi­ka­ti­on ein­her­ge­gan­gen sei. Sie ha­be um­fang­rei­che eng­li­sche Sprach­kennt­nis­se er­wor­ben, die Vor­aus­set­zung für ih­re jet­zi­ge An­stel­lung ge­we­sen sei­en. Den Ver­trag für die Som­mer­sai­son 2002 ha­be sie nicht mehr wahr­ge­nom­men, weil sich ih­re persönli­chen Verhält­nis­se geändert hätten und sie ei­ne an­der­wei­ti­ge Beschäfti­gung ha­be auf­neh­men können.
das Ur­teil des Schles­wig-Hol­stei­ni­schen Lan­des­so­zi­al­ge­richts vom 22. Ju­li 2005 und den Ge­richts­be­scheid des So­zi­al­ge­richts It­ze­hoe vom 20. April 2004 so­wie die Be­schei­de der Be­klag­ten vom 10. Ja­nu­ar 2002 in der Ge­stalt des Wi­der­spruchs­be­schei­des der Be­klag­ten vom 17. Ju­ni 2002 auf­zu­he­ben bzw zu ändern und die Be­klag­te zu ver­ur­tei­len, der
Kläge­rin für die Zeit vom 1. No­vem­ber 2001 bis zum 23. Ja­nu­ar 2002 Ar­beits­lo­sen­geld zu zah­len.
Sie ist der Auf­fas­sung, das LSG ha­be un­ter Be­ach­tung der höchst­rich­ter­li­chen Recht­spre­chung zu­tref­fend ent­schie­den. Zwar ha­be der 7. Se­nat des Bun­des­so­zi­al­ge­richts (BSG) im Ur­teil vom 28. Ok­to­ber 2004 - B 7 AL 98/03 R - an­ge­deu­tet, außer ei­nem höhe­ren Ar­beits­ent­gelt könn­ten auch sons­ti­ge Umstände als wich­ti­ger Grund für den Wech­sel von ei­nem un­be­fris­te­ten zu ei­nem be­fris­te­ten Ar­beits­verhält­nis ge­wer­tet wer­den. Die­se Rechts­auf­fas­sung sei je­doch schon vom An­satz her pro­ble­ma­tisch. Denn ein Ar­beits­platz­wech­sel kom­me für den Ar­beit­neh­mer nur in Be­tracht, wenn er für ihn in ir­gend­ei­ner Wei­se at­trak­tiv sei. Zwar sei nicht zu ver­ken­nen, dass Aus­lands­er­fah­run­gen auch im In­ter­es­se der er­leich­ter­ten Ver­mit­tel­bar­keit von Ar­beit­neh­mern lägen. Sol­che Er­fah­run­gen ha­be die Kläge­rin aber auch erst zu ei­nem späte­ren Zeit­punkt sam­meln können, zu dem sie kon­kre­te Aus­sich­ten auf ei­nen An­schluss­ar­beits­platz ge­habt ha­be.
Die Be­tei­lig­ten ha­ben sich in ei­nem Teil­ver­gleich, der von der Be­klag­ten mit Schrift­satz vom 4. Ju­li 2006 und von dem Pro­zess­be­vollmäch­tig­ten der Kläge­rin mit Schrift­satz vom 10. Ju­li 2006 an­ge­nom­men wor­den ist, über die Höhe des der Alg-Be­wil­li­gung zu Grun­de zu le­gen­den Be­mes­sungs­ent­gelts ge­ei­nigt.
Die Re­vi­si­on der Kläge­rin ist be­gründet.
Ge­gen­stand des Rechts­streits ist nicht nur der "Sperr­zeit­be­scheid" vom 10. Ja­nu­ar 2002, son­dern auch der wei­te­re Be­scheid vom 10. Ja­nu­ar 2002, mit dem der Kläge­rin ab­wei­chend von der Ar­beits­los­mel­dung zum 1. No­vem­ber 2001 Alg erst ab 24. Ja­nu­ar 2002 gewährt wor­den ist (vgl BSG SozR 3-4100 § 119 Nr 15).
Rich­ti­ge und zulässi­ge Kla­ge­art ist die kom­bi­nier­te An­fech­tungs- und Leis­tungs­kla­ge (§ 54 Abs 1 und 4 So­zi­al­ge­richts­ge­setz <SGG>), denn in der Sa­che ver­folgt die Kläge­rin ih­ren Leis­tungs­an­spruch für die Zeit vom 1. No­vem­ber 2001 bis zum 23. Ja­nu­ar 2002. Die Vor­aus­set­zun­gen des An­spruchs auf Alg (§§ 117 ff SGB III) ha­ben für den vor­ge­nann­ten Zeit­raum vor­ge­le­gen; dies wird auch von der Be­klag­ten aus­weis­lich ih­rer Erklärung im Ter­min zur münd­li­chen Ver­hand­lung am 12. Ju­li 2006 nicht in Zwei­fel ge­zo­gen. Da­bei ist für die recht­li­che Be­ur­tei­lung un­er­heb­lich, dass die Kläge­rin vor ih­rer Ar­beits­lo­sig­keit ab 1. No­vem­ber 2001 ein be­fris­te­tes Ar­beits­verhält­nis im Aus­land zurück­ge­legt hat. Denn nach dem hier maßgeb­li­chen Ab­kom­men
zwi­schen der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land und der Schwei­ze­ri­schen Eid­ge­nos­sen­schaft über Ar­beits­lo­sen­ver­si­che­rung vom 20. Ok­to­ber 1982 (BGBl I 1983, 579) wer­den Zei­ten der schwei­ze­ri­schen bei­trags­pflich­ti­gen un­selbständi­gen Beschäfti­gung für den An­spruch auf deut­sches Alg so berück­sich­tigt, als wären sie nach deut­schen Rechts­vor­schrif­ten zurück­ge­legt wor­den (vgl Art 7 Abs 1). Über die Höhe des An­spruchs hat der Se­nat auf Grund des zwi­schen den Be­tei­lig­ten im Re­vi­si­ons­ver­fah­ren ge­schlos­se­nen Teil­ver­gleichs (§ 101 Abs 1 SGG) nicht zu be­fin­den.
Ent­ge­gen der An­sicht der Vor­in­stan­zen und der Be­klag­ten hat der An­spruch der Kläge­rin auch nicht we­gen des Ein­tritts ei­ner Sperr­zeit ge­ruht. Nach § 144 Abs 1 Nr 1 SGB III (idF des Ar­beitsförde­rungs-Re­form­ge­set­zes vom 24. März 1997, BGBl I 594) tritt ei­ne Sperr­zeit von 12 Wo­chen ein, wenn der Ar­beits­lo­se das Beschäfti­gungs­verhält­nis gelöst oder durch ein ar­beits­ver­trags­wid­ri­ges Ver­hal­ten An­lass für die Lösung des Beschäfti­gungs­verhält­nis­ses ge­ge­ben und er da­durch vorsätz­lich oder grob fahrlässig die Ar­beits­lo­sig­keit her­bei­geführt hat (Sperr­zeit we­gen Ar­beits­auf­ga­be), oh­ne für sein Ver­hal­ten ei­nen wich­ti­gen Grund zu ha­ben. Die­se Vor­aus­set­zun­gen sind nicht erfüllt. Die Kläge­rin hat zwar das Beschäfti­gungs­verhält­nis zum 31. März 2001 gelöst und da­durch ih­re späte­re Ar­beits­lo­sig­keit grob fahrlässig her­bei­geführt (da­zu un­ter 1). Sie kann sich je­doch auf ei­nen wich­ti­gen Grund iS des § 144 Abs 1 SGB III stützen (da­zu un­ter 2).
1. Die Kläge­rin hat ihr Beschäfti­gungs­verhält­nis da­durch gelöst, dass sie das (un­be­fris­te­te) Ar­beits­verhält­nis bei der P GmbH durch die Kündi­gungs­erklärung vom 2. Ja­nu­ar 2001 zum 31. März 2001 be­en­det hat. Die­se Kündi­gung war nach den Fest­stel­lun­gen des LSG für den Ein­tritt der Ar­beits­lo­sig­keit ab 1. No­vem­ber 2001 ursächlich, da das An­schluss-Beschäfti­gungs­verhält­nis ab 1. April 2001 von vorn­her­ein be­fris­tet war und auch tatsächlich mit dem Aus­lau­fen der Be­fris­tung en­de­te. Zwi­schen dem En­de des un­be­fris­te­ten und der Auf­nah­me des be­fris­te­ten Ar­beits­verhält­nis­ses lag kein Zeit­raum der Beschäfti­gungs­lo­sig­keit, so­dass al­lein auf die am 1. No­vem­ber 2001 nach Be­en­di­gung des be­fris­te­ten Ar­beits­verhält­nis­ses ein­ge­tre­te­ne Ar­beits­lo­sig­keit ab­zu­stel­len ist (vgl in­so­weit die ab­wei­chen­de tatsächli­che Si­tua­ti­on in BSG SozR 4-4300 § 144 Nr 9). Die Ar­beits­lo­sig­keit muss - wie der Ver­gleich mit der 2. Alt der Sperr­zeit we­gen Ar­beits­auf­ga­be zeigt - nicht un­mit­tel­bar durch die Lösung her­bei­geführt wer­den (vgl auch Wink­ler in Ga­gel, SGB III, § 144 Rd­Nr 82; Schwei­ger NZS 2002, 79, 80 ff). Der in der Li­te­ra­tur ver­tre­te­nen ge­gen­tei­li­gen Auf­fas­sung, nach der die Be­en­di­gung ei­nes un­be­fris­te­ten Ar­beits­verhält­nis­ses nicht als kau­sal für die nach Aus­lau­fen der Be­fris­tung ei­nes An­schluss­ar­beits­verhält­nis­ses ein­tre­ten­de Ar­beits­lo­sig­keit an­zu­se­hen sei (Nie­sel in Nie­sel, SGB III, 3. Aufl 2005, § 144 Rd­Nr 19; Val­go­lio in Hauck/Noftz, SGB III, § 144 Rd­Nr 59; Rolfs in Er­fur­ter Komm, 4. Aufl, § 144 Rd­Nr 14; We­ber, AuB 2004, 97, 102), folgt der Se­nat nicht (vgl auch BS­GE 3, 298, 302 - zum Ar­beits­platz­wech­sel). Der an­geb­li­che Wer­tungs­wi­der­spruch zu § 121 Abs 5 SGB III, wo­nach ei­ne Beschäfti­gung nicht schon des­halb un­zu­mut­bar ist, weil sie be­fris­tet ist, be­steht nicht. Denn die Re­ge­lung über die Zu­mut­bar­keit
von Beschäfti­gun­gen be­fasst sich nur mit der Fra­ge, wel­che Beschäfti­gun­gen aus der Ar­beits­lo­sig­keit her­aus auf­ge­nom­men wer­den sol­len und be­trifft da­mit ei­ne an­de­re Aus­gangs­la­ge. Ob der Wech­sel von ei­nem un­be­fris­te­ten in ein be­fris­te­tes Ar­beits­verhält­nis für die später ein­ge­tre­te­ne Ar­beits­lo­sig­keit ursächlich ist, be­ur­teilt sich nach der Ur­sa­chen­leh­re von der we­sent­li­chen Be­din­gung (vgl BS­GE 69, 108, 110 = SozR 3-4100 § 119 Nr 6; SozR 4-4300 § 144 Nr 12). Tritt die Ar­beits­lo­sig­keit - wie hier - auf Grund der (ers­ten) Be­fris­tung ein, so ist der Zu­rech­nungs­zu­sam­men­hang mit der Ei­genkündi­gung des un­be­fris­te­ten Ar­beits­verhält­nis­ses je­den­falls zu be­ja­hen.
Fer­ner hat die Kläge­rin nach den für den Se­nat bin­den­den Fest­stel­lun­gen des LSG ih­re Ar­beits­lo­sig­keit auch grob fahrlässig her­bei­geführt. Nach ständi­ger Recht­spre­chung des BSG führt der Ar­beit­neh­mer mit ei­ner frei­wil­li­gen Kündi­gung sei­nes Ar­beits­verhält­nis­ses die Ar­beits­lo­sig­keit in der Re­gel min­des­tens grob fahrlässig her­bei, wenn er nicht kon­kre­te Aus­sich­ten auf ei­nen An­schluss­ar­beits­platz hat (BS­GE 43, 269, 270 = SozR 4100 § 119 Nr 2; BS­GE 52, 276, 281 = SozR 4100 § 119 Nr 17; BSG SozR 4100 § 119 Nr 28). Nach die­ser Recht­spre­chung ist für den Aus­schluss der gro­ben Fahrlässig­keit nicht un­be­dingt die fes­te Zu­si­che­rung ei­nes An­schluss­ar­beits­plat­zes zu ver­lan­gen; viel­mehr genügt es, dass der Kündi­gen­de kon­kre­te An­halts­punk­te für die An­nah­me hat, er wer­de nach Be­en­di­gung des al­ten Ar­beits­verhält­nis­ses recht­zei­tig ei­nen neu­en Ar­beits­platz er­hal­ten. Die­se Grundsätze sind sinn­gemäß auf die Kündi­gung ei­nes un­be­fris­te­ten Ar­beits­verhält­nis­ses zum Zweck der Auf­nah­me ei­nes be­fris­te­ten Ar­beits­verhält­nis­ses zu über­tra­gen. Der Ar­beit­neh­mer führt in Fällen der vor­lie­gen­den Art sei­ne Ar­beits­lo­sig­keit nicht grob fahrlässig her­bei, wenn er be­reits bei Auf­ga­be des un­be­fris­te­ten Ar­beits­verhält­nis­ses kon­kre­te An­halts­punk­te für die Über­nah­me in ein neu­es un­be­fris­te­tes Ar­beits­verhält­nis oder er zu die­sem Zeit­punkt die Aus­sicht hat, nach Aus­lau­fen der Be­fris­tung ei­ne an­der­wei­ti­ge un­be­fris­te­te Beschäfti­gung - zB beim frühe­ren Ar­beit­ge­ber - auf­neh­men zu können.
Den für den Se­nat bin­den­den Fest­stel­lun­gen (§ 163 SGG) des LSG kann (noch) mit hin­rei­chen­der Deut­lich­keit ent­nom­men wer­den, dass die­se Vor­aus­set­zun­gen im Fal­le der Kläge­rin nicht erfüllt wa­ren. Ins­be­son­de­re war ihr kei­ne Wei­ter­beschäfti­gung für die Win­ter­sai­son nach Aus-lau­fen des be­fris­te­ten Ar­beits­verhält­nis­ses in Aus­sicht ge­stellt wor­den. So­weit die Re­vi­si­on die­se Fest­stel­lung des LSG be­strei­tet und ei­ne feh­ler­haf­te Würdi­gung des Sach­ver­halts gel­tend macht, lie­gen kei­ne zulässi­gen und be­gründe­ten Re­vi­si­onsrügen vor.
2. Der Kläge­rin steht je­doch für ihr Ver­hal­ten ein wich­ti­ger Grund zur Sei­te. Ob ein wich­ti­ger Grund für die Lösung des Beschäfti­gungs­verhält­nis­ses an­ge­nom­men wer­den kann, ist un­ter Berück­sich­ti­gung des Grund­ge­dan­kens der Sperr­zeit­re­ge­lung zu be­ur­tei­len, dass sich die Ver­si­cher­ten­ge­mein­schaft ge­gen Ri­si­kofälle weh­ren muss, de­ren Ein­tritt der Ver­si­cher­te selbst zu ver­tre­ten hat oder an de­ren Be­he­bung er un­be­gründet nicht mit­hilft. Im Er­geb­nis soll ei­ne Sperr­zeit nur dann ein­tre­ten, wenn dem Ar­beit­neh­mer un­ter Berück­sich­ti­gung al­ler Umstände
des Ein­zel­falls und un­ter Abwägung sei­ner In­ter­es­sen mit den In­ter­es­sen der Ver­si­cher­ten­ge­mein­schaft ein an­de­res Ver­hal­ten zu­ge­mu­tet wer­den kann (vgl BS­GE 66, 94, 97 = SozR 4100 § 119 Nr 36; BSG SozR 3-1500 § 144 Nr 12; SozR 3-4100 § 119 Nr 14 und 15; SozR 4-4100 § 119 Nr 1). Dies ist nicht nach den sub­jek­ti­ven Vor­stel­lun­gen des Ar­beits­lo­sen zu be­ur­tei­len, son­dern ein wich­ti­ger Grund iS des Sperr­zeit­rechts muss ob­jek­tiv ge­ge­ben sein (stRspr, vgl BS­GE 92, 74, 82 = SozR 4-4300 § 144 Nr 6; SozR 4-4300 § 144 Nr 9 mwN).
20 Der 7. Se­nat des BSG hat be­reits mit Ur­teil vom 26. Ok­to­ber 2004 - B 7 AL 98/03 R - (= SozR 4-4300 § 144 Nr 9; zu­stim­mend Pilz, SGb 2005, 309 ff) ers­te Hin­wei­se zu der er­for­der­li­chen Ge­wich­tung der ab­zuwägen­den In­ter­es­sen ge­ge­ben, wenn ein Ar­beit­neh­mer ein un­be­fris­te­tes Beschäfti­gungs­verhält­nis zu Guns­ten ei­ner be­fris­te­ten Beschäfti­gung löst. Da­nach ist zunächst die in der Rechts­wirk­lich­keit der Ar­beits­welt be­ste­hen­de - auch po­li­tisch ge­woll­te - Ten­denz zum Ab­schluss von be­fris­te­ten bzw kurz­fris­ti­gen Ar­beits­verhält­nis­sen zu berück­sich­ti­gen. Dies schließt es aus, ei­nen der­ar­ti­gen Wech­sel ge­ne­rell nicht als wich­ti­gen Grund an­zu­se­hen. Der 7. Se­nat hat fer­ner den Stand­punkt ein­ge­nom­men, es sei aus Art 12 Abs 1 Grund­ge­setz (GG) ab­zu­lei­ten, dass Ar­beit­neh­mern grundsätz­lich auch die Möglich­keit of­fen ste­hen müsse, be­fris­te­te - ih­nen at­trak­tiv er­schei­nen­de - Ar­beits­verhält­nis­se auf­zu­neh­men. Der 7. Se­nat brauch­te je­doch - wie er in dem oben ge­nann­ten Ur­teil klar­ge­stellt hat - bei der von ihm zu be­ur­tei­len­den Fall­ge­stal­tung nicht ab­sch­ließend zu ent­schei­den, ob ein wich­ti­ger Grund bei ei­ner aus Sicht des Ar­beit­neh­mers at­trak­ti­ven Beschäfti­gung auch an­ge­nom­men wer­den könne, wenn der Ar­beit­neh­mer in­fol­ge der Auf­nah­me der be­fris­te­ten Beschäfti­gung "se­hen­den Au­ges" in die Ar­beits­lo­sig­keit ge­he.
Der er­ken­nen­de Se­nat schließt sich der Recht­spre­chung des 7. Se­nats an und führt sie in der Wei­se fort, dass sich Ar­beit­neh­mer auf ei­nen wich­ti­gen Grund iS des § 144 Abs 1 SGB III je­den­falls dann be­ru­fen können, wenn die (naht­lo­se) Auf­nah­me der be­fris­te­ten Beschäfti­gung mit ei­nem Wech­sel in ein an­de­res Be­rufs­feld und der da­mit ver­bun­de­nen Er­lan­gung zusätz­li­cher be­ruf­li­cher Fer­tig­kei­ten ver­bun­den ist. Bei der Auf­nah­me ei­nes an­de­ren Be­rufs wird die durch Art 12 GG geschütz­te Be­rufs­wahl­frei­heit in ih­rem Kern­be­reich be­trof­fen. Der Se­nat hat be­reits in sei­ner Recht­spre­chung zur Auf­ga­be ei­nes Aus­bil­dungs­verhält­nis­ses aus be­ruf­li­chen Gründen auf die be­son­de­re Be­deu­tung des Grund­rechts der Be­rufs­wahl­frei­heit bei der Kon­kre­ti­sie­rung des Merk­mals "wich­ti­ger Grund" hin­ge­wie­sen (BSG SozR 3-4100 § 119 Nr 2). Er hat in die­sem Zu­sam­men­hang aus­geführt, dass der Aus­zu­bil­den­de sich mit Rück­sicht auf die freie Wahl des Be­rufs nach Art 12 Abs 1 GG auf ei­nen wich­ti­gen Grund be­ru­fen könne, wenn er aus be­ruf­li­chen Gründen be­sch­ließe, die Aus­bil­dung zu wech­seln oder zu be­en­den. Die­ser Schutz be­schränkt sich in­des nicht nur auf Aus­zu­bil­den­de.
Auch ei­ne vom Ver­si­cher­ten be­ab­sich­tig­te be­ruf­li­che Um­ori­en­tie­rung un­ter Auf­ga­be ei­ner un­be­fris­te­ten Beschäfti­gung darf durch die Ar­beits­lo­sen­ver­si­che­rung nicht in ei­ner Wei­se er­schwert wer­den, dass die Auf­nah­me ei­ner be­fris­te­ten Beschäfti­gung durch das dro­hen­de Ein­grei­fen der Sank­ti­on der Sperr­zeit prak­tisch unmöglich ge­macht wird. Die be­ruf­li­che Um­ori­en­tie­rung, die mit ei­nem - auch im In­ter­es­se der Ver­si­cher­ten­ge­mein­schaft lie­gen­den - Zu­wachs an be­ruf­li­chen Fer­tig­kei­ten ver­bun­den ist, führt des­halb da­zu, in der Re­gel ei­nen wich­ti­gen Grund an­zu­er­ken­nen. Wäre dem Ar­beit­neh­mer auf Grund der dro­hen­den wirt­schaft­li­chen Fol­gen ei­ner Sperr­zeit nur der Wech­sel in ein un­be­fris­te­tes Beschäfti­gungs­verhält­nis eröff­net, so wäre ihm ein Wech­sel in Be­rufs­fel­der prak­tisch ver­wehrt, in de­nen be­fris­te­te Ar­beits­verhält­nis­se die Re­gel bil­den. Hier­bei ist im Übri­gen an­zu­mer­ken, dass auch der Wech­sel in ein neu­es
un­be­fris­te­tes Ar­beits­verhält­nis für den Ar­beit­neh­mer mit er­heb­li­chen Ri­si­ken ver­bun­den ist, weil zB der all­ge­mei­ne Kündi­gungs­schutz gemäß § 1 Kündi­gungs­schutz­ge­setz (KSchG) erst nach ei­ner War­te­zeit von sechs Mo­na­ten greift (vgl zu den ar­beits­recht­li­chen Ge­stal­tungsmöglich­kei­ten zu Be­ginn ei­nes Ar­beits­verhält­nis­ses Ka­nia/Kütt­ner, Per­so­nal­buch, 13. Aufl. 2006, Pro­be­ar­beits­verhält­nis Rd­Nr 1 ff; eben­so Val­go­lio in Hauck/Noftz, SGB III § 144 Rd­Nr 59).
Die Kläge­rin kann sich da­nach auf das ob­jek­ti­ve Vor­lie­gen ei­nes wich­ti­gen Grun­des iS des § 144 Abs 1 SGB III be­ru­fen, weil sie durch die Auf­nah­me der Beschäfti­gung als Kin­der­ani­ma­teu­rin in ein an­de­res Be­rufs­feld wech­sel­te und die­ser Wech­sel mit der Er­lan­gung wei­te­rer be­ruf­li­cher Fer­tig­kei­ten ver­bun­den war. Nach den Fest­stel­lun­gen des LSG durch­lief die Kläge­rin zu Be­ginn des Beschäfti­gungs­verhält­nis­ses ei­ne ent­spre­chen­de kurz­fris­ti­ge Schu­lungs­maßnah­me. Sie ver­pflich­te­te sich ar­beits­ver­trag­lich so­gar da­zu, die Schu­lungs­kos­ten in Höhe von 800,00 CHF bei ei­ner vor­zei­ti­gen Be­en­di­gung des be­fris­te­ten Ar­beits­verhält­nis­ses an­tei­lig zu er­stat­ten. Auch die Be­klag­te räumt in der Re­vi­si­ons­er­wi­de­rung im Übri­gen ein, dass die in der neu­en Tätig­keit er­wor­be­nen Qua­li­fi­ka­tio­nen (Aus­lands­er­fah­rung und Fremd­spra­chen­kennt­nis­se) im In­ter­es­se der Ver­si­cher­ten­ge­mein­schaft ge­le­gen hätten, da die Kläge­rin hier­durch leich­ter ver­mit­tel­bar ge­wor­den ist. Auf die­ser Grund­la­ge ist es auch un­er­heb­lich, ob im be­fris­te­ten Ar­beits­verhält­nis ei­ne höhe­re Be­zah­lung er­zielt wird. Im Rah­men der geschütz­ten Be­rufs­wahl­frei­heit ist es fer­ner oh­ne Be­lang, ob und in­wie­weit die Kläge­rin die mit dem Be­rufs­wech­sel ver­bun­de­nen Qua­li­fi­ka­tio­nen nicht auch im Rah­men des fort­be­ste­hen­den (un­be­fris­te­ten) Ar­beits­verhält­nis­ses oder - wie die Be­klag­te meint - je­den­falls zu ei­nem späte­ren Zeit­punkt oh­ne vorüber­ge­hen­de Beschäfti­gungs­lo­sig­keit hätte er­wer­ben können.
Sch­ließlich hat das LSG kei­ne Umstände fest­ge­stellt, die auf ein miss­bräuch­li­ches - auf die Er­lan­gung der Ver­si­che­rungs­leis­tung ge­rich­te­tes - Han­deln der Kläge­rin schließen ließen. Ein Miss­brauch lässt sich nicht et­wa den Ausführun­gen des LSG ent­neh­men, die In­ten­sität des In­ter­es­ses der Kläge­rin an der Aus­lands­beschäfti­gung er­schei­ne zwei­fel­haft, wenn man berück­sich­ti­ge, dass sie den Ar­beits­ver­trag für ei­ne wei­te­re be­fris­te­te Beschäfti­gung im Som­mer 2002 be­reits im Ja­nu­ar 2002 gekündigt ha­be. Die­ses späte­re Ver­hal­ten kann der Kläge­rin ins­be­son­de­re des­we­gen nicht ent­ge­gen ge­hal­ten wer­den, weil sich das 2001 auf­ge­nom­me­ne be­fris­te­te Ar­beits­verhält­nis auf ei­nen Zeit­raum von mehr als ei­nem hal­ben Jahr er­streck­te und da­mit sei­nem Um­fang nach deut­lich über ein Ar­beits­verhält­nis von kur­zer Dau­er hin­aus­ging. Pro­ble­ma­tisch könn­te aus Sicht des Se­nats al­len­falls ein Zeit­raum un­ter­halb von zwei bzw drei Mo­na­ten sein. Letz­te­res fol­gert der Se­nat aus der Re­ge­lung zur ge­ringfügi­gen Beschäfti­gung (§ 27 Abs 2 Satz 1 SGB III iVm § 8 Abs 1 Nr 2 So­zi­al­ge­setz­buch Vier­tes Buch) und der Drei-Mo­nats-Gren­ze, die der Ge­setz­ge­ber - al­ler­dings erst mit Wir­kung ab 1. Ju­li 2003 - für die Mel­de­pflicht bei be­fris­te­ten Ar­beits­verhält­nis­sen in § 37b Satz 2 SGB III in der Fas­sung des Ge­set­zes vom 23. De­zem­ber 2002 (BGBl I 4607), ab 31. De­zem­ber 2005 in § 37b Satz 1
SGB III in der geänder­ten Fas­sung des Ge­set­zes vom 22. De­zem­ber 2005 (BGBl I 3676) an­ge­spro­chen hat (vgl BT-Drucks 15/25, S 27 und BT-Drucks 16/109, S 6 so­wie zu die­ser Vor­schrift BS­GE 91, 90, 93 = SozR 4-4300 § 144 Nr 3; SozR 4-4300 § 37b Nr 2 mwN).
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06/09 BSG: Kei­ne Sperr­zeit bei Kün­di­gung und Ab­schluß ei­nes Zeit­ver­trags
01.08.2006. Wer ein si­che­res un­be­fris­te­tes Ar­beits­ver­hält­nis ge­gen ein un­si­che­res be­fris­te­tes ein­tauscht, um sei­nen Be­ruf zu wech­seln, ver­wirkt kei­ne Sperr­zeit nach Aus­lau­fen des be­fris­te­ten ...