Source: http://www.schiessstandsachverstaendiger.de/schiessstandbau_planung.html
Timestamp: 2017-01-18 15:56:49
Document Index: 3445944

Matched Legal Cases: ['§ 27', '§ 27', '§ 27', '§ 27', '§ 10', '§ 27', '§ 36', '§ 27', '§ 12', '§ 27']

Schießstandsachverständiger Ing. Dieter Stiefel - Schießstandbau, Antragsstellung und Planung von Schießständen, Betriebserlaubnis
> Planung, Bau Schießstandsachverständiger
Ing. Dieter Stiefel
Planung und Bau Be- und Entlüftung Materialien
Antragstellung und Planung
bei Schießständen für Druckluft-, Federdruckwaffen
und Waffen, bei denen zum Antrieb der Geschosse kalte Treibgase
eines Antrages für die Betriebserlaubnis
Neben der baurechtlichen Genehmigung zur Errichtung eines Schießstandes zum Schießen mit Druckluft-, Federdruckwaffen und Waffen, bei denen zum Antrieb der Geschosse kalte Treibgase Verwendung finden (im Folgenden kurz als DL-Waffen bezeichnet) muss vor der Aufnahme des Schießbetriebes die waffenrechtliche Erlaubnis der zuständigen Behörde zum Betreiben einer Schießstätte gemäß § 27 Abs. 1 Waffengesetz vorliegen. Dieser Antrag – entsprechende Formulare sind im Regelfall bei der Behörde erhältlich – sollte folgende Angaben enthalten:
- Name des Schützenvereins bzw. der -gesellschaft
- Name und Anschrift des gesetzlichen Vertreters
(1. Vorsitzender bzw. 1. Schützenmeister)
- Ort der Schießstätte (Anschrift, ev. Gemarkung mit Flur-Nr.)
- Nachweise über die vorgeschriebene Haftpflicht- und Unfallversicherung
- Bezeichnung der zur Anwendung kommenden Waffen und Munition bzw. Geschosse
- Anzahl der Schützenpositionen und Angabe der Schussentfernung
- Art der Scheibenbedienung (z.B. elektrische Zuganlagen, elektronische Scheibensysteme).
Diesem Antrag sind entsprechende Pläne bzw. Auszüge im Maßstab 1:100 oder möglichst exakte Skizzen beizufügen, die genaue Maßangaben enthalten. Bei geschlossenen Schießständen z.B. in Nebenräumen von Gaststätten müssen in den Plänen und Skizzen alle Fenster und Türen im Schießstand eingezeichnet und die Schussrichtung dargestellt sein. Außerdem sollte sich aus den Unterlagen die übliche Zugangsmöglichkeit zu den Schützenständen und die Rettungswege (Notausgang) ergeben.
Bei offenen Schießständen (z.B. Sommerbiathlon mit DL – Waffen) muss zur Beurteilung des Gefahrenbereiches (250 m in Schussrichtung) ein Lageplan im Maßstab 1:1000 mit Bebauungszustand sowie Darstellung eventueller Verkehrswege beigefügt werden. Sobald die Umgebung in Schussrichtung gesehen nicht eben ist, sondern stark ansteigt, so ist auch ein entsprechender Geländeschnitt beizufügen.
Die Dauer der Nutzung spielt hinsichtlich der Erlaubnispflicht gemäß waffenrechtlicher Bestimmungen keine Rolle, es kommt nur auf die besondere Herrichtung einer Örtlichkeit zur Durchführung des Schießbetriebes an (siehe Nr. 27.1 WaffVwV). Auch nur vorübergehend genutzte oder behelfsmäßig errichtete Schießstätten bedürfen grundsätzlich der sicherheitstechnischen Abnahme und waffenrechtlichen Betriebserlaubnis (Schießstätten für Gau- und Preisschießen). Schießbuden als sog. fliegende Bauten können u.U. je nach Art der Nutzung (z.B. gewerblich, nur vereinsintern) waffenrechtlich in unterschiedlichen Erlaubnisverfahren zu behandeln sein.
Anforderungen an geschlossene Schießstände für LD-Waffen
Die prinzipiellen Anforderungen an geschlossene Schießstände zum Schießen mit DL - Waffen ergeben sich aus Nr. 3 der aktuellen Schießstandrichtlinien (SRL). Hierbei wird grundsätzlich davon ausgegangen, dass die Umfassungsbauteile des Schießstandes durchschusssicher sind (ev. mit Ausnahme der Fenster) und somit die äußere Sicherheit gewährleistet ist.
Ergänzend wird noch auf folgende Punkte hingewiesen:
Abstände der Schützenstände
Die Abstände der Schützenpositionen, von Standmitte zu Standmitte gemessen, müssen bei Neuanlagen mindestens ein Meter betragen, der Abstand zu den Seitenwänden die Hälfte dieses Maßes. Die einzuhaltenden Abmessungen ergeben sich aus Tabelle 3.1.1 der SRL. Gerade bei der Erstellung von Bauplänen sollte die Gesamtbreite etwas großzügiger bemessen werden, damit auch Wandverkleidungen aus Holz o.ä. berücksichtigt werden. Soll in einem solchen Schießstand auch die Disziplin Dreistellungskampf unter Verwendung von Pritschen ausgeübt werden, so ist zwischen den jeweils genutzten Bahnen ein Schützenstand freizulassen. Teilweise wird auch gefordert, die Breite der Schützenstände bei ”Dreistellung” auf mind. 1,20 m zu erhöhen, was aus der Sicht des Schießsports durchaus sinnvoll und notwendig sein kann (es verbleibt bei Pritschenbreite 0,8 m dann ein Gang von gerade 0,4 m).
Insbesondere im Breitensport soll eine Absperrung über die gesamte Breite der Schießbahnen bzw. des Raumes reichen, um ein Betreten der Schießbahnen bei Schießbetrieb zu unterbinden. Solche Brüstungen besitzen in der Regel eine Höhe von 0,80 m, wobei die Toleranz zwischen 0,7 und 1,0 m liegt. Die obere Breite muss mehr als 0,3 m betragen; eine solche ergibt sich meist von selbst aus der benötigten Montagefläche für die Scheibenzuganlagen bzw. Abstellfläche für die Schützenmonitore.
Werden anstelle einer durchgehende Brüstung einzelne Ablagetische verwendet (solche gibt es auch in der Höhe verstellbar für die Disziplin ”Dreistellungskampf”), so sind zwischen den einzelnen Tischen gegebenenfalls Absperrketten oder dgl. vorzusehen.
Gemäß Nr. 2.3.4 SRL sind die Ablageflächen mit einem glatten und gut abwischbaren Belag zu versehen; Teppichboden ist demnach zumindest bei Neuanlagen nicht mehr zulässig.
Absicherung der Schießbahn
In der Schießbahn befindliche Türen und Fenster sind bei Schießbetrieb geschlossen zu
halten (Bei Türen bedeutet dies natürlich, dass diese von außen nicht zu öffnen sind).
Befinden sich in der Schießbahn Fenster, die aus einfachem Fensterglas bestehen und somit nicht durchschusssicher sind, müssen diese gegen direkten Beschuss abgeschirmt werden. Für seitliche Bekleidungen, die nicht senkrecht zu den zulässigen Schussrichtungen stehen, sind folgende Baustoffe oder gleichwertige Materialien (siehe 3.1.2.3 SRL) einzusetzen: – Sperrholzplatten d ≥ 8 mm – Weichholz d ≥ 19 mm – Spanplatten d ≥ 18 mm Durch die Abdeckungen der Fenster wird ein beim Schießen störender seitlicher Lichteinfall vermieden. Sicherheitstechnisch nicht erforderlich ist die Abdeckung bei Isolierverglasungen, Verbundglasfenstern oder z. B. bei Einfach­fenstern mit außen vorgesetzten Kellerlichtschächten.
Fenster in der Abschlusswand müssen sowohl durchschuss- als auch rückprallsicher schießbahnseitig bekleidet werden.
Erfolgt z.B. in einem größeren Saal der Zugang zu den Schützenständen seitlich neben der Schießbahn, so ist dieser begehbare Teil des Raumes mit einer fugenlosen Schutzwand abzuschirmen. Solche Trennwände bestehen meist aus transportablen Einzelelementen, müssen mindestens 2 m hoch sein und bündig auf dem Fußboden aufsitzen. Als Material kommen beispielsweise 18 mm dicke Holzfeinspanplatten (hier ist durch das seitliche Aufstellen keine Rückprallergefahr gegeben!) oder 19 mm starke Weichholzbretter in Betracht, ebenso aber im bezug auf die Durchschusssicherheit gleichwertige Materialien.
Planen oder Decken sind nicht ausreichend.
Die Trennwände müssen an der Brüstung mind. 50 cm nach hinten reichen, damit die außen bzw. seitlich stehenden Schützen beim Hantieren mit ihren Waffen nicht neben die Trennwand gelangen können. Die einzelnen Teile solcher Wände sind so aufzustellen und miteinander zu verbinden, dass auch ein Anlehnen oder Anstossen nicht zu einem Verschieben der Elemente führen kann.
Seitenwände, Decke
Für die Bekleidung von Seitenwände und Decke sind 3.1.2.2 und 3.2.1.4 der SRL zu beachten. Eine Raumhöhe über 2,40 m ist anzustreben. Die Raumdecke ist ebenfalls rückprallsicher auszuführen. Für Deckenbekleidungen können z. B. verwendet werden:
Holzfaserdämmplatten nach DIN EN 13171 d ≥ 10,0 mm
Gipskarton-Bauplatten nach DIN EN 520 d ≥ 12,5 mm
Holzwolleplatten nach DIN 1101 d ≥ 15,0 mm
Bei Nut- und Federbrettern sollten die Fugen in Längs-(Schuss-)richtung verlaufen, um Rückpraller zu vermeiden.
Es erscheint aber sinnvoll, beim Einbau von Bekleidungen darauf Wert zu legen, dass diese möglichst schallabsorbierende Eigenschaften besitzen. So kann man bei abgehängten Decken auf im Innenausbau bewährte Systeme zurückgreifen, in die sich auch die Beleuchtungseinrichtungen blendfrei integrieren lassen.
Bekleidungen der Seitenwände mit z.B. gelochten Gipskartonplatten bieten neben guten akustischen Eigenschaften auch ein gutes optisches Bild. Ansonsten steht bei solchen Bekleidungen die Rückprallsicherheit im Vordergrund.
Schützenscheiben aus Holz dürfen an den Seitenwänden nur dann aufgehängt werden, wenn sich deren Unterkanten in einer Höhe mehr als 2,00 m über dem Niveau des Fußbodens in den Schützenständen befinden oder die sicherheitsrelevanten Flächen rückprallsicher bekleidet sind.
Unter Abschlusswand versteht man die Wandfläche, auf der die Geschossfänge montiert sind. Diese ist aus Sicherheitsgründen nach Nr. 3.1.3 SRL so zu gestalten, dass keine gefährlichen Geschossrückpraller entstehen können. Holzverkleidungen dürfen aus diesem Grund keine Verwendung mehr finden. Als sehr problematisch haben sich insbesondere Holzfeinspanplatten erwiesen, von denen extreme Rückpraller bis weit in die Schützenstände auftreten können.
Die Abschlusswand, auf der die Geschossfänge montiert werden, ist in einer Höhe bis ≥ 3,00 m so zu gestalten, dass keine gefährlichen Geschossrückpraller auftreten. Holz (auch Weichholz) und Holzwerkstoffe (Span-, OSB-, MDF-Platten o. Ä.) sind an der Oberfläche nicht zulässig. Als rückprallsicher gelten nach derzeitigem Stand der Technik folgende Materialien: Betonwand oder verputztes Mauerwerk
Stahlblech nach DIN EN 10130, Güte DC 01 oder gleichwertig, d ≥ 2 mm
Holzfaserdämmplatten nach DIN EN 13171, d ≥ 20 mm, auf Abstandslattung
Gipskarton-Bauplatten nach DIN EN 520, d ≥ 12,5 mm
Holzwolleplatten nach DIN EN 13168, d ≥ 25 mm
Die Plattenbaustoffe müssen jeweils auf nicht federnden Unterkonstruktionen angebracht werden.
Geschoßfangeinrichtung
Heute findet man in Schießständen für DL-Waffen überwiegend elektrische Scheibenzuganlagen und zunehmend elektronische Scheibensysteme, wobei die Anbieter hierzu auch entsprechende Geschossfangeinrichtungen liefern.
Es handelt sich meist um Konstruktionen aus Stahlblech, bei denen das Abweisblech für die Geschosse zur Schießbahnsohle hin geneigt ist. Neuere Produkte besitzen Abweiser aus speziellen Kunststoffen, die ein geändertes Auftreffgeräusch hervorrufen und eine verminderte Zerlegung der Bleiprojektile bewirken sollen. Außerdem dienen Auffangbehälter dazu, die abgeleiteten Geschosse aufzufangen und deren Herumspritzen in der Schießbahn zu unterbinden.
In einigen Schießständen findet man immer noch Geschossfangeinrichtungen in Form von mehrere Zentimeter dicke Bleiplatten, die bei entsprechender Wartung ein zerstörungsfreies und vor allem leises Auffangen der Geschosse gewährleisten.
Die Leuchtstärke in einer RSA für DL-Waffen muss im Schützenstand und in der Schießbahn z.B. gemäß Sportordnung des DSB mindestens 300 lx (indirekt) betragen. Die Scheiben sind gleichmäßig mit mindestens 1 000 lx zu beleuchten. Für die Prüfung der vorgeschriebenen Beleuchtungswerte für die Durchführung von internationalen Wettkämpfen nach ISSF-Regeln ist nach Abbildung 3.1.4.1 der SRL zu verfahren.
Abbildung 3.1.4.1 Beleuchtung auf DL-Ständen
Für einen ausschließlich im Breitensport betriebenen Schießstand darf die Beleuchtungsstärke in der Schießbahn und im Schützenstand auf = 150 lx (indirekte, blendfreie und weitgehend gleichmäßige Ausleuchtung) reduziert werden. Sicherheitstechnisch erforderlich ist nur eine Raumausleuchtung, die eine ungehinderte Beaufsichtigung des Schießbetriebs zulässt. Alle Beleuchtungskörper in der Schießbahn oder im begehbaren Teil des abgetrennten Raumes neben dem Schießstand sind, soweit sie von direkten Schüssen getroffen werden können, mit einer transparenten, nicht splitternden Abdeckung oder Blenden (durchschuss- und rückprallsicher) abzuschirmen. Beleuchtungseinrichtungen direkt über den Schützenpositionen sind zu vermeiden oder abzuschirmen. Die Abdeckungen der Scheibenbeleuchtungen, die direkt an den Geschossfängen montiert sind, sind durchschuss- und rückprallsicher auszuführen. Wird die Scheibenbeleuchtung hinter einer durchgehenden Blende montiert, so muss auch diese Blende durchschusssicher und schützenseitig rückprallsicher gestaltet werden. Blenden aus Holzwerk¬stoffen sind schützenseitig rückprallsicher nachzurüsten (Materialien siehe Nummer 3.1.3 SRL). Bei vielen Schießständen im Breitensport lässt bei der Überprüfung feststellen, dass diese
nicht ausreichend beleuchtet werden. Die notwendigen 700 lx werden auf der Scheibenoberfläche zwar oft noch erreicht, dafür aber sind Schießbahn und Schützenstände nahezu dunkel. Wie Praxiserfahrungen zeigen, liegt aber das Leistungsniveau von Schützen, die in ausreichend beleuchteten Schießständen - mit den geforderten 150 Lx in den Schützenständen – deutlich über dem Durchschnitt. Vielleicht ergibt sich hierdurch ein Anreiz für die Betreiber, die oben angeführten Beleuchtungsstärken durch Nachrüsten in ihren Schießständen zu erreichen.
Insbesondere bei der farblichen Gestaltung von Abschlusswänden taucht die Frage auf, welche Farbtöne aus schießsportlicher Sicht der Vorzug gegeben werden sollte. In der Praxis hat sich gezeigt, dass zartgrüne (RAL 6019) oder zartgraue (RAL 7038) Farbtöne (heute auch beige) dazu führen sollen, dass die Augen der Schützen nicht zu schnell ermüden und auch keine Blendwirkung durch zu helle Farbgebung der Abschlusswand um die Geschossfänge auftritt.
Lagerung von Gegenständen in der Schießbahn
Innerhalb der gesamten Schießbahn dürfen sich nur solche Gegenstände befinden, die für die Aufrechterhaltung des Schießbetriebes notwendig sind. Oft werden in Schießbahnen, insbesondere bei Mehrfachnutzung eines einer Gaststätte angeschlossenen Saales, Stühle, Bänke und Tische aufbewahrt. An diesen Gegenständen können, oft nicht reproduzierbar, für die Schützen gefährliche Geschossrückpraller (Augenverletzungen!) entstehen.
Aus diesem Grund müssen die Schießbahnen von Möbeln freigehalten werden. Lässt sich dies in Einzelfällen nicht gewährleisten, so können durch Abdeckungen mit Planen und dergleichen Rückpraller vermieden werden.
Neuerdings findet man vermehrt durch Schützenvereine angebrachte Tafeln mit den Werbeschriftzügen der Sponsoren in den Schießbahnen. In vielen Fällen bestehen diese aus Holzfeinspanplatten, die dann teilweise so schräg aufgestellt sind, dass an deren Oberfläche zurückprallende Bleigeschosse direkt in Augenhöhe – und dann noch auf kurze Distanzen – in die Schützenstände zurückfliegen. Deshalb sollten diese Werbeschriftzüge nur in Form von Folienbahnen sich in der Schießbahn befinden.
Zusätzliche Zieleinrichtungen
Zum Beschießen mit DL-Waffen werden heute im Handel unterschiedlichste Vorrichtungen wie laufende Scheibe, Klappscheiben, Pins u.ä. angeboten. Bei deren Aufstellen oder einer Umrüstung auf elektronische Scheibensysteme muss beachtet werden, dass diese Nutzungsänderung im Regelfall durch die bestehende waffenrechtliche Erlaubnis für die Schießstätte nicht abgedeckt sein kann. Um seinen ausreichenden Versicherungsschutz nicht zu gefährden, sollte der Betreiber die zuständige Behörde über den geplanten Einbau solcher Einrichtungen schriftlich in Kenntnis setzen.
Die Erlaubnisbehörde kann somit – eventuell unter Beteiligung eines Sachverständigen für Schießstände – eine Entscheidung herbeiführen, ob es sich hier um eine wesentliche Nutzungsänderung i.S.d. § 27 Abs.1 WaffG handelt, die dann der Erlaubnis bedarf. Im Regelfall kann man der Auffassung folgen, dass durch den nachträglichen Einbau von Klappscheibenanlagen etc. zwar eine Nutzungsänderung erfolgt, die aber nicht wesentlich i.S.d. § 27 Abs.1 WaffG sein muss und somit keiner zusätzlichen waffenrechtlichen Erlaubnis bedarf.
In § 27 Abs. 1 Waffengesetz (Schießstätten) wird u.a. sinngemäß ausgeführt:
”Wer eine Schießstätte betreiben oder in ihrer Beschaffenheit oder in der Art ihrer Nutzung wesentlich ändern will, bedarf der Erlaubnis der zuständigen Behörde.”
Anforderungen an offene Schießstände an LD-Waffen
Offene Schießstände zum Schießen mit DL - Waffen, erhalten durch die erfreuliche Zunahme der Aktivitäten im Bereich Sommerbiathlon zunehmend Verbreitung. Oft handelt es sich um behelfsmäßig errichtete Anlagen, die nur für diese eine Veranstaltung genutzt werden. Hierbei ergibt sich häufig die berechtigte Frage, welche Mindestanforderungen an die Sicherheit erfüllt werden müssen, da aufwendige Sicherheitsbauten oft kaum in Relation zu der dann tatsächlichen Nutzungsdauer stehen. Für das eigentliche Gefährdungspotential selbst spielt die Nutzungsdauer naturgemäß natürlich keine Rolle.
Grundsätzlich muss unterschieden werden, ob der zu errichtende Schießstand im Bezug auf seinen Gefahrenbereich in einem freien, sog. schwach besiedelten Gebiet oder in einem bebauten, von Menschen regelmäßig begangenen Bereich liegt. Weiterhin ist auf die einschlägigen Vorschriften nach Nr. 3.2 der SRL zu verweisen.
Der Gefahrenbereich für offene Schießstätten zum Schießen mit DL – Waffen wird unter Nr. 3.2.2 der SRL definiert:
Der Gefahrenbereich weist den Teil des Hintergeländes aus, in dem bei unzureichender Absicherung oder vorschriftswidriger Durchführung des Schießens eine Gefährdung durch Freiflieger oder Querschläger eintreten kann.
Der Gefahrenbereich wird von 25° seitlich der äußeren Schießbahnen und der möglichen Gesamtflugweite des Geschosses bestimmt. Bei DL - Waffen beträgt die anzunehmende maximale Gesamtflugweite der Bleikelchgeschosse ca. 250 m.
Notwendige Sicherheitsbauten
Offene Schießbahnen für DL - Waffen sind nach außen immer durch eine mind. 2 m hohe fugenlose Schutzwand (z.B. aus 2 cm dicke Weichholzbretter, gefalzt oder überlappend angebracht, mit einer rückprallsicheren Verkleidung), die bündig auf dem Boden aufsitzen muss, abzuschließen. Ein Abschirmen durch Seiten- und Hochblendenabdeckung kann entfallen, wenn das Gelände in Schussrichtung in einer Tiefe von 250 m und seitlich in einem Winkel von 25° zur Schussrichtung gegen ein Betreten abgesichert wird. Eine solche Maßnahme kommt insbesondere in den sog. schwach besiedelten Gebieten i.S.d. Nr. 4.5 der SRL in Betracht.
Ein Gelände ist als schwach besiedelt und wenig begangen anzusehen, wenn es z.B.
aus wenig besuchten Wasserflächen, Mooren oder ähnlichen Flächen besteht nur land- und forstwirtschaftlich genutzt und während des Schießens abgesperrt wird nur von Nutzungsberechtigten oder deren Beauftragten zur Vornahme zeitbedingter, nicht in die Schießzeiten fallende Arbeiten betreten wird. Ist die angegebene Absperrung des Gefahrenbereiches nicht durchführbar oder befinden sich hier Straßen, Wanderwege bzw. Bebauung, so sind die Schießbahnen durch abgestimmte Sicherheitsbauten in Form von Seitenwände und Hochblenden abzuschirmen. Die maßgebliche Höhensicherung beträgt bei solchen Schießständen 20°, bezogen auf die Schussrichtung und die jeweilige Antragshöhe (liegender Anschlag 30 cm, ansonsten tatsächliche Brüstungshöhe).
Behelfsmäßige Schießstände
Behelfsmäßige Schießstände lassen sich oft in Maschinenhallen oder Feldscheunen unterbringen, so dass die entsprechende Abschirmung des Gefahrenbereiches durch diese Gebäudeteile gewährleistet ist. In diesen Fällen muss nur noch auf die innere Sicherheit des Schießstandes, insbesondere hinsichtlich gefährlicher Rückpraller, geachtet werden.
An den Schützenständen muss in solchen Anlagen eine Absperrung (zumindest Trennlinie) über die ganze Breite der Schießbahnen vorhanden sein. Bei der Seitensicherung ist darauf zu achten, dass diese deutlich bis hinter die Schützenstände reicht, weil insbesondere beim Spannen und Laden im Liegendanschlag ansonsten Gefährdungen für seitlich stehende Zuschauer auftreten könnten. Für die Waffen, die beim Sommerbiathlon in den Schützenständen zurückgelassen werden, sind entsprechende Gewehrständer bereitzustellen.
Da meist im stehenden und liegenden Anschlag geschossen wird, sind die Klappscheiben-
anlagen in entsprechenden Höhen anzubringen. Die gesamte Abschlusswand muss rückprall-
sicher gestaltet sein. Bei Eigenbauten muss darauf geachtet werden dass von dem Abdeckungen der Klappscheiben keine rückprallenden Geschosse hervorgerufen werden.
Regelauflagen für das Betreiben von Schießständen
Bei der Nutzung von Schießständen sind spezielle Regelauflagen zu beachten, die übersichtsartig im folgenden aufgelistet werden:
Auf der Schießstätte darf nur mit den für diese zugelassenen Waffen- und Munitionsarten geschossen werden. Ein entsprechender deutlicher Aushang ist in dem jeweiligen Schützenstand anzubringen. Es darf nur auf der im Abnahmegutachten bzw. Erlaubnisbescheid der zuständigen Behörde genannten maximalen Anzahl von Schießbahnen geschossen werden. Die Schützen haben nur auf die dem jeweiligen Schützenstand zugehörige Scheibe zu schießen; zugelassene Anschlagsarten sind zu beachten. In der Schießstätte muss eine aktuelle Schießstandordnung und eine Tafel zum Anschreiben der verantwortlichen Aufsichtsperson(en) an gut sichtbarer Stelle vorhanden sein. Es darf nur unter Aufsicht verantwortlicher Aufsichtspersonen (Schießleiter) geschossen werden, die Vorgaben gemäß § 10 der AWaffV für Aufsichtspersonenen sind zu beachten. Jedes Schießen darf erst begonnen werden, wenn die verantwortliche Aufsichtsperson anwesend ist und das Schießen freigegeben hat. Die Aufsichtsperson darf selbst während ihrer Aufsichtstätigkeit am Schießen nicht teilnehmen. Sie hat sicherzustellen, dass niemand mit einer geladenen Waffe den Schießstand verlässt. Im Schießstand bzw. in den Schützenständen dürfen sich während des Schießens nur die jeweiligen Schützen sowie die Aufsichtspersonen (mit den eventuell von diesen bestellten Helfern) aufhalten.
Erkennbar unter Alkohol- oder sonstigem Rauschmitteleinfluss stehenden Personen ist das Schießen und der Aufenthalt im Schießstand zu untersagen. Waffen dürfen nicht auf Stühlen oder Bänken abgelegt werden. Gewehrständer oder Ablagen sind in ausreichender Anzahl von dem Betreiber der Schießstätte bereitzustellen.
Die Schießbahnen sind von Gegenständen aller Art, die nicht dem Schießbetrieb dienen, freizuhalten. Bei Störungen z.B. der Scheibenzuganlagen dürfen die Schießbahnen erst betreten werden, wenn das Schießen auf allen Bahnen vorher eingestellt worden ist und alle Waffen entladen bzw. abgeschossen sind. Unbeschadet anderer Forderungen sind grundsätzlich in einer Schießstätte bereitzuhalten:
- ausreichender Verbandskasten
- geeigneter und überprüfter Feuerlöscher
- netzunabhängige Notbeleuchtung mind. starke Taschenlampe).
Die Verwahrorte der o.a. Gegenstände sind ordnungsgemäß zu kennzeichnen. Der zuständigen Behörde ist von dem Betreiber der Schießstätte ein Nachweis über den Abschluss einer ausreichenden Haftpflicht- und Unfallversicherung im gesetzlich vorgeschriebenen Rahmen (§ 27 Abs. 1 WaffG) z.B. über die Rahmenversicherung des Landesverbandes zu erbringen. Der Erlaubnisinhaber ist verpflichtet, die Schießstätte mit allen Sicherungseinrichtungen laufend auf einen ordnungsgemäßen Zustand hin zu überprüfen. Eventuelle Schäden wie z.B. an den Geschossfängen oder Einzäunungen bei offenen Anlagen sind unverzüglich zu beheben. Sollen Waffen und Munition in der Schießstätte aufbewahrt werden, so müssen diese diebstahlsicher entsprechend den einschlägigen Vorschriften (§ 36 WaffG und AWaffV) untergebracht sein. Schusswaffen sind im ungeladenen Zustand und räumlich getrennt von Munition sowie Geschossen aufzubewahren. Jede wesentliche Änderung in der Beschaffenheit und der Art der Nutzung der Schießstätte bedarf der erneuten Erlaubnis. Die sicherheitstechnischen Auflagen und Festlegungen aus früheren Gutachten und Bescheiden gelten weiterhin, sofern sie nicht ausdrücklich aufgehoben worden sind. Auf die gesetzlichen Vorschriften bezüglich der Benutzung von Schießstätten (Abschnitt 4. der AWaffV), insbesondere im Bezug auf die Aufgaben der verantwortlichen Aufsichtspersonen und die Vorschriften über das Schießen von Kindern und Jugendlichen (siehe § 27 Abs. 3 WaffG) wird ausdrücklich hingewiesen. Der Schießbetrieb bei neuerstellten Schießständen darf erst begonnen werden, wenn die Schießstätte sicherheitstechnisch von einem Schießstandsachverständigen überprüft bzw. durch die zuständige Behörde abgenommen worden ist und dabei eventuell festgestellte Mängel beseitigt worden sind (siehe § 12 Abs. 1 AWaffV).
Vor der Inbetriebnahme soll der Erlaubnisbescheid gemäß § 27 Abs.1 WaffG vorliegen. Die Aufgabe des Schießbetriebes bzw. die Auflassung der Schießstätte sowie eine Änderung in der Person des verantwortlichen Betreibers ist der zuständigen Erlaubnisbehörde unverzüglich mitzuteilen.
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