Source: https://www.bag-urteil.com/15-03-2012-8-azr-160-11/
Timestamp: 2019-10-19 17:52:08
Document Index: 276602260

Matched Legal Cases: ['§ 253', '§ 15', '§ 81', '§ 15', '§ 15', '§ 15', '§ 15', '§ 15', '§ 15', '§ 15', '§ 15', '§ 61', '§ 15', '§ 194', '§ 3', '§ 3', '§ 15', '§ 4', '§ 12', '§ 17', '§ 626', '§ 22', '§ 9', '§ 4', '§ 17', '§ 256', '§ 15', '§ 280', '§ 311', '§ 311', '§ 280', '§ 311', 'BGH', 'BGH', '§ 242', '§ 242', '§ 311', '§ 311', '§ 280', '§ 311', '§ 195', '§ 195', '§ 82', '§ 22', '§ 82', '§ 82', '§ 22', '§ 81', '§ 82', '§ 823', 'Art. 2', 'Art. 1', '§ 611', '§ 15']

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BAG – 8 AZR 160/11
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 15.03.2012, 8 AZR 160/11
Die Revision des Klägers gegen das Urteil des Landesarbeitsgerichts Saarland vom 17. November 2010 – 1 Sa 23/10 – wird zurückgewiesen.
8 AZR 160/11 > Rn 1
8 AZR 160/11 > Rn 2
8 AZR 160/11 > Rn 3
Das Aufgabengebiet beinhaltet primär die Erteilung von Unterricht zur Vorbereitung von Gefangenen auf den Erwerb des Hauptschulabschlusses – insbesondere in den Fächern Deutsch, Mathematik, Geschichte, Sozialkunde und Erdkunde. Je nach Bedarf umfasst der Tätigkeitsbereich auch die intensive pädagogische Betreuung von Inhaftierten im Bereich der Elementarbildung. Dabei beschränken sich die Aufgaben nicht auf die reine Vermittlung von schulischen Lerninhalten, sondern eröffnen vielfältige Möglichkeiten individueller pädagogisch-kreativer Behandlungs- und Förderangebote. Insofern wären auch Erfahrungen im künstlerisch-gestalterischen Bereich von Vorteil.
8 AZR 160/11 > Rn 4
8 AZR 160/11 > Rn 5
8 AZR 160/11 > Rn 6
8 AZR 160/11 > Rn 7
8 AZR 160/11 > Rn 8
8 AZR 160/11 > Rn 9
8 AZR 160/11 > Rn 10
8 AZR 160/11 > Rn 11
8 AZR 160/11 > Rn 12
8 AZR 160/11 > Rn 13
8 AZR 160/11 > Rn 14
8 AZR 160/11 > Rn 15
8 AZR 160/11 > Rn 16
8 AZR 160/11 > Rn 17
II. Der auf Zahlung einer Entschädigung gerichtete Klageantrag ist zulässig, insbesondere hinreichend bestimmt (§ 253 Abs. 2 Nr. 2 ZPO). Der Kläger durfte die Höhe der von ihm begehrten Entschädigung in das Ermessen des Gerichts stellen. Grundlage hierfür ist § 15 Abs. 2 Satz 1 AGG, der für einen Schaden, der nicht Vermögensschaden ist, eine angemessene Entschädigung in Geld vorsieht. Dem Gericht wird bei der Bestimmung der Höhe der Entschädigung ein Beurteilungsspielraum eingeräumt (vgl. BT-Drucks. 16/1780 S. 38), weshalb eine Bezifferung des Zahlungsantrags nicht notwendig ist. Erforderlich ist allein, dass der Kläger Tatsachen, die das Gericht bei der Bestimmung des Betrags heranziehen soll, benennt und die Größenordnung der geltend gemachten Forderung angibt (vgl. BAG 19. August 2010 – 8 AZR 370/09 – AP SGB IX § 81 Nr. 19 = EzA AGG § 15 Nr. 11). Diese Voraussetzungen sind erfüllt. Der Kläger hat einen Sachverhalt dargelegt, der dem Gericht grundsätzlich die Bestimmung einer Entschädigung ermöglicht, und den Mindestbetrag der angemessenen Entschädigung mit 6.450,00 Euro beziffert.
8 AZR 160/11 > Rn 18
8 AZR 160/11 > Rn 19
8 AZR 160/11 > Rn 20
8 AZR 160/11 > Rn 21
8 AZR 160/11 > Rn 22
c) Der Kläger hat die nach § 15 Abs. 4 AGG für die Geltendmachung von Ansprüchen nach § 15 Abs. 2 AGG einzuhaltende Frist von zwei Monaten nicht gewahrt. Bei dieser Frist handelt es sich um eine materiell-rechtliche Ausschlussfrist (vgl. Adomeit/Mohr AGG 2. Aufl. § 15 Rn. 91; v. Roetteken AGG Stand März 2012 § 15 Rn. 101; Däubler/Bertzbach-Deinert 2. Aufl. § 15 Rn. 99; KR-Treber 9. Aufl. § 15 AGG Rn. 50 Stein in Wendeling-Schröder/Stein AGG § 15 Rn. 66), deren Einhaltung – wie bei tarifvertraglichen Ausschlussfristen – von Amts wegen zu beachten ist (vgl. GMP/Germelmann ArbGG 7. Aufl. § 61b Rn. 10; Palandt/Weidenkaff 71. Aufl. § 15 AGG Rn. 8; ErfK/Preis 12. Aufl. §§ 194 – 218 BGB Rn. 33).
8 AZR 160/11 > Rn 23
8 AZR 160/11 > Rn 24
8 AZR 160/11 > Rn 25
8 AZR 160/11 > Rn 26
8 AZR 160/11 > Rn 27
8 AZR 160/11 > Rn 28
8 AZR 160/11 > Rn 29
8 AZR 160/11 > Rn 30
8 AZR 160/11 > Rn 31
8 AZR 160/11 > Rn 32
8 AZR 160/11 > Rn 33
Bereits mit Urteil vom 24. September 2009 (- 8 AZR 705/08 – AP AGG § 3 Nr. 2 = EzA AGG § 3 Nr. 1) hat der Senat die Vereinbarkeit von § 15 Abs. 4 AGG für Entschädigungsansprüche aus einem bestehenden Arbeitsverhältnis mit dem Grundsatz der Gleichwertigkeit bestätigt und zum Vergleich die § 4 Satz 1, § 12 Satz 1 KSchG, § 17 Satz 1 TzBfG, § 626 Abs. 2 BGB, § 22 Abs. 4 BBiG und § 9 Abs. 1 MuSchG herangezogen. Besteht mangels Vertragsabschlusses jedoch kein Arbeitsverhältnis, sind die zur Verwirklichung des Bestandsschutzes vorgesehenen Feststellungsklagen des deutschen Arbeitsrechts (§§ 4, 9 KSchG, § 17 TzBfG, § 256 ZPO) mit einer Entschädigungsklage nach § 15 Abs. 2 AGG zum Ausgleich des Nichtvermögensschadens, wegen einer Diskriminierung im Stellenbesetzungsverfahren nicht vergleichbar (vgl. Fischinger NZA 2010, 1048, 1050; Rust/Eggert-Weyand ZESAR 2011, 186, 190; v. Roetteken jurisPR-ArbR 1/2011 Anm. 1).
8 AZR 160/11 > Rn 34
8 AZR 160/11 > Rn 35
Bei der Haftung nach § 280 Abs. 1, § 311 Abs. 2 BGB wegen Verschuldens bei Vertragsverhandlungen handelt es sich um keinen typisch arbeitsrechtlichen Anspruch, sondern um die Ausprägung eines allgemeinen Rechtsgedankens. Mit § 311 Abs. 2 BGB hat der Gesetzgeber im Rahmen der Schuldrechtsmodernisierung die culpa-in-contrahendo-Haftung normiert, die als Haftung für in Anspruch genommenes, enttäuschtes Vertrauen seit Langem anerkannt war. Die Fallgruppen der Haftung nach § 280 Abs. 1, § 311 Abs. 2 BGB sind im Hinblick auf eine Vielzahl von Schutzpflichten sehr vielgestaltig und reichen bspw. von dem Abbruch von Vertragsverhandlungen (vgl. BGH 29. März 1996 – V ZR 332/94 – NJW 1996, 1884), der Verletzung von Aufklärungspflichten, wie der unrichtigen Information über wertbildende Merkmale beim Kauf von GmbH-Geschäftsanteilen (vgl. BGH 4. April 2001 – VIII ZR 32/00 – NJW 2001, 2163) oder der unterlassenen Aufklärung in Arbeitsvertragsverhandlungen über einen konkret ins Auge gefassten bevorstehenden Personalabbau (vgl. BAG 14. Juli 2005 – 8 AZR 300/04 – AP BGB § 242 Auskunftspflicht Nr. 41 = EzA BGB 2002 § 242 Nr. 1), bis hin zur Haftung wegen Verletzung von Verkehrssicherungspflichten (vgl. MüKoBGB/Emmerich 6. Aufl. § 311 BGB Rn. 63 ff.). Im Hinblick auf den in § 311 Abs. 2 BGB zum Ausdruck kommenden allgemeinen Rechtsgedanken und die vielfältigen Fallgestaltungen der Haftung nach § 280 Abs. 1, § 311 Abs. 2 BGB fehlt auch eine von der allgemeinen Verjährungsvorschrift abweichende Regelung; es gilt im Grundsatz die Regelverjährung des § 195 BGB (vgl. Palandt/Ellenberger 71. Aufl. § 195 BGB Rn. 4).
8 AZR 160/11 > Rn 36
8 AZR 160/11 > Rn 37
8 AZR 160/11 > Rn 38
8 AZR 160/11 > Rn 39
8 AZR 160/11 > Rn 40
8 AZR 160/11 > Rn 41
8 AZR 160/11 > Rn 42
8 AZR 160/11 > Rn 43
8 AZR 160/11 > Rn 44
8 AZR 160/11 > Rn 45
8 AZR 160/11 > Rn 46
8 AZR 160/11 > Rn 47
8 AZR 160/11 > Rn 48
8 AZR 160/11 > Rn 49
8 AZR 160/11 > Rn 50
8 AZR 160/11 > Rn 51
8 AZR 160/11 > Rn 52
8 AZR 160/11 > Rn 53
8 AZR 160/11 > Rn 54
8 AZR 160/11 > Rn 55
8 AZR 160/11 > Rn 56
8 AZR 160/11 > Rn 57
8 AZR 160/11 > Rn 58
8 AZR 160/11 > Rn 59
8 AZR 160/11 > Rn 60
8 AZR 160/11 > Rn 61
8 AZR 160/11 > Rn 62
8 AZR 160/11 > Rn 63
8 AZR 160/11 > Rn 64
8 AZR 160/11 > Rn 65
8 AZR 160/11 > Rn 66
8 AZR 160/11 > Rn 67
8 AZR 160/11 > Rn 68
8 AZR 160/11 > Rn 69
Unterlässt es der öffentliche Arbeitgeber entgegen § 82 Satz 2 SGB IX, den schwerbehinderten Bewerber zu einem Vorstellungsgespräch einzuladen, so ist dies eine geeignete Hilfstatsache nach § 22 AGG (vgl. BVerwG 3. März 2011 – 5 C 16/10 – BVerwGE 139, 135; BAG 21. Juli 2009 – 9 AZR 431/08 – BAGE 131, 232 = AP SGB IX § 82 Nr. 1 = EzA SGB IX § 82 Nr. 1). Unterstellt man zugunsten des Klägers, dass das beklagte Land verpflichtet gewesen wäre, ihn zu einem Vorstellungsgespräch einzuladen, so hätte er mit dem Zugang des Ablehnungsschreibens am 2. September 2008 Kenntnis von den Tatsachen gehabt, die ein Indiz im Sinne von § 22 AGG begründen. Durch die Mitteilung des Abschlusses des Auswahlverfahrens und die damit verbundene Rücksendung der Bewerbungsunterlagen wusste der Kläger, dass er zu einem Vorstellungsgespräch nicht eingeladen worden und das Besetzungsverfahren abgeschlossen war.
8 AZR 160/11 > Rn 70
8 AZR 160/11 > Rn 71
8 AZR 160/11 > Rn 72
8 AZR 160/11 > Rn 73
8 AZR 160/11 > Rn 74
8 AZR 160/11 > Rn 75
8 AZR 160/11 > Rn 76
8 AZR 160/11 > Rn 77
8 AZR 160/11 > Rn 78
8 AZR 160/11 > Rn 79
8 AZR 160/11 > Rn 80
c) Weder aus den Feststellungen des Landesarbeitsgerichts noch aus den Behauptungen des Klägers ergibt sich eine schwerwiegende Verletzung seines Persönlichkeitsrechts oder ein schwerwiegender Verschuldensvorwurf, der dem beklagten Land zu machen wäre. Auch wenn dieses gegen Verfahrensvorschriften zur Förderung schwerbehinderter Menschen (§ 81 Abs. 1, § 82 SGB IX) verstoßen haben sollte, genügte das nicht, um eine Entschädigungspflicht nach § 823 Abs. 1 BGB iVm. Art. 2 Abs. 1, Art. 1 Abs. 1 GG auszulösen, wie es bei einer „Herabwürdigung“ (vgl. BAG 24. September 2009 – 8 AZR 636/08 – AP BGB § 611 Persönlichkeitsrecht Nr. 41 = EzA AGG § 15 Nr. 3) ggf. anzunehmen wäre. Insbesondere ergibt sich eine Herabwürdigung nicht aus Form oder Inhalt des Ablehnungsschreibens vom 29. August 2008. Auch der Kläger behauptet nichts Gegenteiliges.
8 AZR 160/11 > Rn 81
Das Urteil BAG – 8 AZR 160/11 wird zitiert in: