Source: http://soz-web.de/dipl1.htm
Timestamp: 2018-03-24 17:58:52
Document Index: 54509096

Matched Legal Cases: ['§75', '§35', '§87', '§39', '§37', '§23', '§89', '§87', '§11', '§23', '§23', '§36', '§37', '§39', '§ 68', '§70', '§75', '§75', '§75', '§79', '§75', '§75', '§83', '§75', '§75', '§ 75', '§75', '§75', '§69', '§ 69', '§68', '§68', '§68', '§68', '§68', '§75', '§68']

Welche Hilfebedarfe im Alter werden nicht von den sozialstaatlichen Sicherungssytemen abgedeckt?
- Bestandsaufnahme, Ausblick, Lösungsmöglichkeiten -
Dies ist die Abschrift meiner Diplomarbeit, die 1997 an der FH Frankfurt entstand. Sie beschäftigt sich nicht nur mit dem Istzustand der Versorgung hilfebedürftiger Menschen, sondern entwickelt mögliche Perspektiven für die Zukunft. Als Stichworte seien hier der Wohlfahrtsmix, das nebeneinander von Ehrenamtlern und professionellen Helfern sowie ein sich veränderndes Sozialsystem (siehe Kapitel 6,7 und 8) genannt.
Für Kritik, Fragen und Anregungen stehe ich Ihnen gerne zur Verfügung: H.Wolpert@soz-web.de
Kapitel 1: Einfuehrung und Bestandsaufnahme
1.1 Einfuehrung .................................................................................
1.2 Definition des Begriffes Alter .....................................................
1.3 Die Altenpyramide kehrt sich um ................................................
1.4 Alte Menschen leben oft alleine ..................................................
Kapitel 2: Hilfebedarfe alter Menschen
2.1 Der Begriff Hilfebeduerftigkeit im Alter ........................................
2.2 Hilfebeduerftigkeit im Alter ..........................................................
2.3	So unterschiedlich wie sich die Gruppe der Alten
______darstellt, ist deren Hilfebedarf ......................................................
2.4 Hilfebedarfe von Senioren ...........................................................
2.4.1	Hauswirtschaftliche Hilfen ..........................................................
2.4.2	Pflege und Ernaehrung .................................................................
2.4.3 Mobilitaet ....................................................................................
2.4.4 Sozialkommunikative Verrichtungen ..........................................
Kapitel 3: Die sozialstaatlichen Sicherungssysteme
3.1 Ein Ueberblick ueber die sozialstaatlichen Sicherungssysteme ........
3.2 Die Pflegeversicherung ...............................................................
3.3 Das Bundessozialhilfegesetz (BSHG) ..........................................
3.4 Das BSHG ergaenzt die Pflegeversicherung ..................................
3.5 Nicht jeder dem Hilfe zusteht erhaelt sie auch ................................
Kapitel 4: Ehrenamtliche Initiativen und Randnotizen
4.1 Das Ehrenamt .............................................................................
4.2 Hilfe nach dem Punktesystem ......................................................
4.3 Gebraucht werden .......................................................................
4.4 Freizeit und Kommunikationsprojekt fuer verwirrte aeltere
______Menschen des Caritasverbandes in Frankfurt am Main .................
4.5 Soziales Helfernetz in Koeln-Hoehenberg ..............................	........
4.6 Alten- und Begegnungstaedte Seniorentreff Ravensburg e.V.........
4.7 Seniorenvolkshochschule ...........................................................
4.8 Seniorenberatung im Sportverein ...............................................
4.9 Senioren Expert Service ............................................................
Kapitel 5: Das Ehrenamt ist unverzichtbar, aber nicht unumstritten
5 .1 Die aktuelle Versorgungssituation von Senioren wird
______durch ehrenamtliche Arbeit teilweise verbesssert ............
5.2 Ist die ehrenamtliche Arbeit die beste Loesung ? ...........................
Kapitel 6: Ausblick und Loesungsmoeglichkeiten der anstehenden Probleme
6.1 Der Staat ist nicht alleinverantwortlich fuer seine Buerger ...................
6.2 Aufteilung der Wohlfahrtsdienstleister in vier Sektoren ....................
6.3 Der Gedanke der Zusammenarbeit ist nicht neu ................................
6.4 Die Rolle des Staates aendert sich ......................................................
6.5 Die Grenzen der einzelnen Sektoren verschwimmen ..........................
6.6 Der Wohlfahrtsmix muss bedacht umgesetzt werden ..........................
6.7 Das Freiwilligkeitsprinzip birgt Gefahren ...........................................
6.8 Der Wohlfartsmix ist ein Modell fuer die Zukunft ................................
Kapitel 7: Die neue Rolle des Hilfesuchenden in einem veraenderten System
7.1 Der Selbstzahler als Kunde ................................................................
Kapitel 8: Schlussbemerkungen
1. Einfuehrung und Bestandsaufnahme
In diesem Kapitel moechte ich nach der Einfuehrung einige Begriffe klaeren und notwendige Zahlen und Fakten einfuehren, die eine Grundlage fuer die folgenden Kapitel bilden.
1.1 Einfuehrung
Die sozialstaatlichen Sicherungssysteme in Deutschland helfen den Menschen die Folgen des Alterns zu tragen. Die Deutschen werden immer aelter. Das Durchschnittsalter der Bevoelkerung steigt. Diese seit langem absehbare Situation, veraendert die Ansprueche der Gesellschaft an ihre sozialen Sicherungssysteme. Einen Antwortversuch auf die veraenderte Situation gab die Politik 1995 mit der Pflegeversicherung. Diese zeigt exemplarisch das Dilemma auf, in dem die Gesellschaft sich befindet. Gute Versorgung im Alter kostet Geld. Auch aus diesem Grund sind die sozialstaatlichen Sicherungssysteme begrenzt. Sie decken nicht alle Bedarfe, die durch das Altern entstehen, ab. Nun hat nicht jeder Mensch im Alter die gleichen Beduerfnisse. Abhaengig von Kriterien wie gesundheitlichem Befinden, Sozialisation, Bildung etc. hat jeder Mensch von adaequater Versorgung im Alter seine eigenen Vorstellungen. In dieser Diplomarbeit versuche ich darzustellen, welche Hilfebedarfe eine grosse Anzahl alter Menschen hat ,die nicht oder nur teilweise von den sozialstaatlichen Sicherungssystemen befriedigt werden. Speziel die Hilfebedarfe von Menschen die ausserhalb von Heimen oder Anstalten leben sind Thema dieser Diplomarbeit. Nach der Darstellung des Ist-Zustandes werde ich einen Ausblick auf die zu erwartende zukuenftige Entwicklung der Deckung von Hilfebedarfen im Alter geben. Das Konzept des Wohlfartmixes wird hierbei eine bedeutende Rolle spielen.
1.2 Definition des Begriffes Alter
Wann ist ein Mensch alt? Zu welchem Zeitpunkt beginnt der Herbst des Lebens? Philosophen haben dazu ihre eigenen, ganz unterschiedlichen Ansichten. Im allgemeinen Sprachgebrauch wird ein Mensch alt, sobald er das Rentenalter erreicht oder aufgrund von Beschwerden aus dem Arbeitsprozess ausscheiden muss. Dieser Zeitpunkt muss jedoch nicht der Beginn von Hilfebedarfen aufgrund des Alterns sein. Der Hilfebedarf kann deutlich vor oder nach dem Arbeitsleben einsetzten. Der Gesetzgeber hat den Begriff "alter Mensch" ebenfalls nicht abschliessend definiert. Er spricht im §75 BSHG (Altenhilfe) von alten Menschen, wobei man unter Einbeziehung von §§35 bis 40 SGB IV wiederum zu dem Schluss kommen kann, dass hier Menschen ab 60 Jahren bzw. 65 Jahren ( stufenweise Heraufsetzung des Rentenalters auf 65 Jahre) gemeint sind. Wenn ich im Folgenden von alten Menschen oder Senioren spreche, so schliesse ich alle Menschen ein, denen aufgrund ihres Alters Hilfebedarfe erwachsen. Dies kann auch vor dem 60. Lebensjahr geschehen. Dennoch wird sich der Grossteil der Senioren erst deutlich nach dem 60. Lebensjahr selbst als alt einschaetzen.
1.3 Die Altenpyramide kehrt sich um
Von 1961 bis 1991 stieg in Geamtdeutschland der Anteil der ueber 59jaehrigen von 13,1 Millionen auf 16,4 Millionen Menschen an. Bezogen auf die Gesamtbevoelkerung ist das ein Anstieg von 17,8% auf 20,4% an der Gesamtbevoelkerung. (BMFuS Band 32 1994, Seite 5 nach Erster Altenbericht BMFuS 1993, Seite 257) Im Jahre 2025 wird voraussichtlich ein Drittel der Bevoelkerung ueber 60 Jahre alt sein (Sozialbericht BMAuSOZ 1994, Seite 96).
Frauen leben statistisch gesehen ca. 6 Jahre laenger als Maenner. Der prozentuale Anteil der Frauen unter den Senioren der 1991 ca. 62% betrug nimmt dennoch ab. (vergl. BMFus Band 32 1994, Seite 5 bis Seite 12) Bedingt durch die zwei Weltkriege sind die Maennerjahrgaenge in der entsprechenden Altersgruppe dezimiert. Die Generationen nach 1945 haben dieses Problem nicht, so dass in den nicht kriegsgeschaedigten Jahrgaengen der Anteil der Maenner unter den Senioren hoeher liegen duerfte als zur Zeit. Dennoch wird es weiterhin ein deutliches Uebergewicht der Frauen in den hoeheren Altersbereichen geben (vergl. BMFus Band 32 1994, Seite 50 und Seite 59). Ein Grund fuer das aelter werden der Gesellschaft liegt im Geburtenrueckgang. Lag die Geburtenziffer beider deutscher Staaten 1950 im Schnitt bei 2,23 Kindern je Frau so lag sie 1991 im Vereinigten Deutschland bei 1,17 Kindern je Frau. Seit Mitte der 70er Jahre vermindert sich der Bestand an Menschen deutscher Herkunft. Diese Entwicklung wird durch Ein- und Auswanderung beeinflusst. So sind auslaendische Zuwanderer zum groessten Teil juenger als 50 Jahre. Mittelt man die Jahre 1986-1990 so sind ueber 97% der Migranten unter 50 Jahre! (vergl. BMFuS Band 32 1994, Seite 18) Etwas anders sieht diese Bilanz bei den deutschen Ein- und Auswanderern aus. Hier sind im gleichen Zeitraum ca. 70% aller Zuwanderer unter 50 Jahre alt. Insgesamt tragen die Wanderungsbewegungen (sehr viele Einwanderungen und nur wenige Auswanderungen) zu einem Verlangsamen der Alterung der Gesellschaft bei. Da die Wanderungsbewegungen im Verhaeltnis zur Einwohnerzahl in Deutschland gering sind, werden die Zuwanderer das Altern der Gesellschaft nicht aufhalten koennen. Ein weiterer Grund, dass sich die Altenpyramide umdreht, liegt in der steigenden Lebenserwartung. So starben 1901 91% der Gesamtbevoelkerung, bevor sie das 80. Lebensjahr erreichten. 1989 hingegen wurden etwas ueber ein Drittel der Menschen 80 Jahre und aelter.(vergl. BMFuS Band 32 1994, Seite 12)
1.4 Alte Menschen leben oft alleine
97% der Senioren leben in Privathaushalten. Davon leben 85% der Senioren in Ein- oder Zweifamilienhaushalten. Im Zweifamilienhaushalt ist die zweite Person ueberwiegend der Ehe- oder Lebenspartner. Mit steigendem Alter, meist aufgrund des Todes eines Partners, steigt die Anzahl der Personen, die alleine leben. Der Einpersonenhaushalt ist die am haeufigsten anzutreffende Lebensform im Alter. Generell wird erwartet, dass in Zukunft noch mehr Senioren in Singelhaushalten leben werden . Auf Grund der Tatsachen, dass Frauen aelter werden als Maenner und in der jetzigen Seniorengeneration ein deutlicher Frauenueberschuss herrscht, leben sehr viel mehr Frauen als Maenner in Singelhaushalten (vergl. BMFuS Band 32 1994, Seite 63 bis Seite 79).
2. Hilfebedarfe alter Menschen
Im 2. Kapitel beleuchte ich die verschiedenen Interpretationen des Begriffs Hilfebeduerftigkeit. Des weiteren lege ich in diesem Kapitel Hilfebedarfe von Senioren in verschiedenen Bereichen des Lebens dar.
2.1 Der Begriff Hilfebeduerftigkeit im Alter
Das Fachlexikon der sozialen Arbeit Ausgabe 1993 besagt, dass eine Person als hilfebeduerftig anzusehen ist, die ohne fremde Hilfe nicht in der Lage ist, ein Leben zu fuehren, das der Wuerde des Menschen entspricht. Damit ist der Begriff Hilfebeduerftigkeit nicht abschliessend geklaert. Es koennte sich die Frage stellen, ob eine Hilfebeduerftigkeit vorliegt, wenn zum Beispiel ein Senior sein Geschirr nicht mehr spuelen kann und er deshalb aus Papptellern essen muss. Aus diesem Grund moechte ich den Begriff der Hilfebeduerftigkeit noch genauer umreissen. Jede Taetigkeit, die eine Person ueber lange Jahre verrichtet hat, war fuer sie persoenlich wichtig. Moechte sie diese Taetigkeit fortsetzen, ist aber aus Gruenden des Alters nicht mehr in der Lage dazu, so besteht aus meiner Sicht ein Hilfebedarf der betroffenen Person. Ob es moeglich ist diesen Hilfebedarf zu decken, haengt vom Einzelfall ab.
2.2 Hilfebeduerftigkeit im Alter
"Die unter alten Menschen verbreiteten chronischen Krankheiten schraenken zwar deren Handlungsmoeglichkeiten ein, machen die Betroffenen deshalb aber nicht notwendigerweise von fremder Hilfe abhaengig." (Hans Braun 1992, Seite 47)
Hier stellt sich bereits die entscheidende Frage, ob Hilfebeduerftigkeit statistisch korrekt erfassbar ist. Dem Punkt an dem fremde Hilfe unumgaenglich ist, geht eine Zeit des Hilfebedarfs voraus, in der improvisiert und Verzicht geuebt wird, solange bis der Hilfebedarf so offensichtlich ist, dass Handeln zwingend erforderlich ist. So ist es relativ einfach Daten zu erhalten ueber Hilfe und Pflegebedarfe, die durch eine Definition eng eingegrenzt sind. Die Pflegeversicherung kann in Zukunft mit solchen Daten problemlos aufwarten. 1991 wurde eine Infratest Representativerhebung durchgefuehrt, in der folgende Definiton von Hilfe- und Pflegebeduerftigkeit zugrunde gelegt wurde.
"Ein regelmaessiger Hilfebedarf ist definiert als mehrfacher woechentlicher Bedarf an Unterstuetzung bei der Ausfuehrung von koerperbezogenen alltaeglichen Verrichtungen. Hierbei handelt es sich um Taetigkeiten in den Bereichen Hygiene, Mobilitaet/Motorik und Ernaehrung bzw. allgemein Aufsichtsbedarf. Hauswirtschaftlicher Hilfebedarf ist definiert durch Einschraenkungen im Bereich von hauswirtschaftlichen oder sozialkommunikativen Verrichtungen, ohne das bereits Pflegebedarf vorliegt." (BMFus Band 32 1994, Seite 97 nach Infratest 1991)
In dieser Infratestumfrage wurde festgestellt, dass 1991 4,1% der Gesamtbevoelkerung, die in Privathaushalten lebt hilfe und pflegebeduerftig ist (vergl. BMFus Band 32 1994, Seite 106 nach Infratest-Representativerhebung 1991). Im Jahre 2030 soll dieser Bedarf bei 6,3% liegen (vergl. BMFus Band 32 1994, Seite 106).
1991 lebten 80,3 Mio. Menschen in Deutschland. Davon hatten 3,216 Mio. (ca. 4,1%) Menschen einen Hilfebedarf. 1991 wurde die Zahl der Senioren in Deutschland mit 16,4 Mio. angegeben (vergl. BMFus Band 32 1994, Seite 5).Dies bedeutet, dass nach der eben vorgestellten Statistik ca. 19,6% der Senioren hilfebeduerftig sind (16,4 Mio.=100% =>3,216Mio.= 19,6 %).
Hingegen kommt man bei einer weiteren Auslegung des Begriffes Hilfebeduerftigkeit zu ganz anderen Ergebnissen. So benoetigten nach einer Selbsteinschaetzung von Senioren in den neuen Bundeslaendern im Jahre 1992 fast jeder dritte Hilfe (ca. 33%) und Unterstuetzung im Alltag und im Haushalt. Bei Behoerdenangelegenheiten war es fast jeder vierte (vergl. Schwitzer/Winkler 1992, Seite 129 nach sfz/senioren `92 nbl).
Dem ergebniss von 19% Hilfebeduerftigkeit zudem die Infratest Representativumfrage kommt stehen 33% Selbsteingeschaetzter Hilfebedarf gegnueber. Selbst wenn in den alten Bundeslaendern die Senioren Ihren Hilfebedarf anderst einschaetzen als in den neuen Bundeslaender, betraegt die Diskrepanz mit Sicherheit nicht 14% (33%-19%=14%), wie dies der Fall bei den oben zitierten Umfrageergebnissen ist. Hieraus ergibt sich, dass die subjektive Wahrnehmung eines Hilfebedarfes und die amtlichen Definitionen des Begriffes Hilfebedarf, deutlich voneinander abweichen.
In der Literatur herrscht die Einschaetzung vor, dass die Alterung der Gesellschaft zu einer kontinuierlichen Zunahme der hilfebeduerftigen Menschen in Deutschland fuehrt. (vergl. BMFus Band 32 1994, Seite 106 und Seite 107)
2.3	So unterschiedlich wie sich die Gruppe der Alten darstellt, ist deren Hilfebedarf
Die Gruppe der alten Menschen ist nicht homogen. Der Lebenslauf, das familiaere Umfeld, der Gesundheitszustand der Menschen beeinflusst deren Herangehensweise an das Alter und deren Beschaeftigung mit dem Altern. Die Sozialisationsinstanzen bei den sechzig bis einhundertjaehrigen weisen deutliche Unterschiede auf. Waehrend ein hundertjaehriger den ersten und zweiten Weltkrieg inklusive Kaiserzeit, Weimarer Republik und Drittem Reich miterlebt hat, hat ein 1937 geborener Mensch als 8 jaehriger das Ende des Dritten Reiches erlebt und den Hauptteil seiner Jugend in dem aufkeimenden demokratischen antikommunistisch eingestellten System Westdeutschlands verbracht oder er hat den groessten Teil seines Lebens in dem dazu kontraeren System der DDR gelebt.
Die von mir unter Kapitel 2 Abschnitt 1 eingefuehrte Definition des Begriffes Hilfebeduerftigkeit ist abhaengig von dem subjektiven Empfinden einer Person. Dies illustrierte das Beispiel des Papptellers, der anstelle des Geschirrs, das ein Senior nicht mehr spuelen kann, benutzt wird. Fuer den einen stellt dies eine indiskutable Loesung dar, waehrend eine andere Person den Pappteller als zufriedenstellende Alternative ansieht. Daraus ergibt sich, dass eine Person einen Hilfebedarf hat ( in diesem Fall das Reinigen der Teller), waehrend eine andere Person in der gleichen Lage, diese Hilfe ablehnt, da sie eine andere Loesung bevorzugt. Da die Altersspanne der als alt bezeichneten Menschen sehr gross ist, treten Unterschiede in den Hilfebedarfen nicht nur aufgrund der eben erwaehnten Lebensumstaende auf. Mit zunehmendem Alter nehmen die Gebrechen zu. Ebenso waechst die Gefahr, seinen Lebenspartner zu verlieren. Aus diesem Grund verwundert es nicht, das sechzigjaehrige in der Regel andere Hilfebedarfe haben als Neunzigjaehrige.
Ein Begriff macht die Unterschiede besonders deutlich. Die "neuen Alten" sind Menschen, die sich im Alter fit halten, gerne Reisen und am kulturellen Leben teilnehmen. Sie gestalten ihr Leben aktiv (vergl. Hans Braun 1992, Seite 29). Selbstverstaendlich hat es solche Senioren schon immer gegeben. Dennoch waren diese Menschen lange Zeit in der Minderheit. Die Senioren der neuen Generation sind Kinder des Wirtschaftswunders. Sie haben in der Regel mehr Geld zur Verfuegung, als die betagteren Senioren. So koennen sie sich ihre Aktivitaeten auch leisten. Der Wille zur Selbstorganisation (z.B. die Grauen Panther) hat sich erhoeht. Parallel dazu aendert sich das Selbstbewusstsein der Senioren. War es frueher ueblich, Senioren Angebote zu machen, die speziell fuer sie stattfanden und sie somit von den Juengeren abgrenzten, so nehmen Senioren heute oft Angebote war, die sie den Kontakt zu anderen Generationen nicht verlieren lassen. Auch hier gilt, dass Angebote wie Seniorennachmittage, Altenkaffe, etc. weiter existieren. Viele Senioren ergaenzen nicht zuletzt aufgrund ihrer finanziellen Mittel diese Angebote durch Reisen und andere Hobbys oder meiden klassische Angebote fuer Alte bewusst, da Sie sich nicht so alt fuehlen. In einer Gesellschaft, in der Jugend ein sehr hohes Ideal verkoerpert, wird der Begriff alt von vielen Menschen weit von sich geschoben und die Gemeinschaft mit gleichaltrigen wird oft nicht so angestrebt, wie die Gemeinschaft mit juengeren Menschen (vergl. Sinua und Horst Becker 1991, Seite 32 und Seite 37). So empfindet sich die 70 jaehrige gegenueber der 80 jaehrigen durchaus noch als jung. Dennoch veraendert sich das Altenbild durch die neuen Alten. Sie schwaechen das ueberwiegend negative Bild vom alt werden ab. Um wieder den Bogen zur Hilfebeduerftigkeit zu spannen, sei daraufhingewiesen, dass ein Mensch der aktiv am Leben teilnehmen moechte, andere Hilfebedarfe hat, als eine Person, die es vorzieht einen ruhigen Lebensabend in den eigenen vier Waenden zu verbringen. So unterschiedlich wie diese beiden Extreme und die dazwischenliegenden Moeglichkeiten sind, so unterschiedlich sind die Erwartungen von Senioren, was Hilfestellungen betrifft.
2.4 Hilfebedarfe von Senioren
Die Hilfebedarfe moechte ich in Anlehnung an die gaengigen Definitionen in vier Hauptgruppen aufteilen:
I) Hauswirtschaftliche Hilfen
II) Pflege und Ernaehrung
III)Mobilitaet
IV)Sozialkommunikative Verrichtungen.
Um diese Begriffe naeher zu definieren, ziehe ich unter den einzelnen Punkten die entsprechende Definition der Pflegeversicherung hinzu und erweitere diese um die, meiner Meinung nach, nicht erfassten Bedarfe. Zudem moechte ich darauf hinweisen, dass Pflegebedarfe, die von der Pflegeversicherung abzudecken sind, oft nicht zur vollen Zufriedenheit des Hilfebeduerftigen erbracht werden koennen. Die Pflegeversicherungsleistungen werden in der Regel als Komplexleistungen (vergl. §87 Abs. 2 SGB V) zu einem Festpreis, der nur unzureichend Ruecksicht auf die persoenliche Situation des Hilfebeduerftigen nehmen kann, erbacht. Die nun folgenden Hilfebedarfe sind nicht abschliessend. Aufgrund der Komplexitaet der auftretenden Hilfebedarfe werden nur die augenfaelligsten exemplarisch genannt.
2.4.1 Hauswirtschaftliche Hilfen
Die Pflegeversicherung kennt folgende hauswirtschaftliche Versorgungen: einkaufen, kochen, reinigen der Wohnung, spuelen, wechseln und waschen der Waesche und Kleidung, sowie das Beheizen der Wohnung. Diese Taetigkeiten sind notwendig, damit ein hilfebeduerftiger Mensch in seiner Wohnung weiter leben kann.
Taetigkeiten wie Gartenarbeit, das Waschen des Autos, das Aufraeumen des Kellers sind Beispiele fuer anfallende Hilfebedarfe, die von der Pflegeversicherung nicht erfasst werden. Wenn man die in Kapitel 2 Abschnitt 1 erweiterte Definition von Hilfebeduerftigkeit betrachtet, so wird klar, dass die Pflegeversicherung nur einen geringen Teil der tatsaechlichen Hilfebedarfe eines Seniors abdeckt.
Oft genuegt es dem Senior, Teile der Arbeit nicht selbst ausfuehren zu muessen. So ist es vielen Senioren noch moeglich, die Moebel soweit zu reinigen, wie es ihre Koerpergroesse ihnen erlaubt. Die hoeherliegenden zu reinigenden Flaechen (hohe Regale, Schrankoberteile etc.) sowie schwer zugaengliche Flaechen (unter dem Bett, Stellen an denen man knien muss, um sie zu erreichen) muessen von einem Helfer gereinigt werden. Diese Unterstuetzung in Teilbereichen gilt natuerlich nicht nur fuer das Reinigen von Moebeln.
2.4.2 Pflege und Ernaehrung
Die Pflegversicherung zaehlt Waschen, Duschen, Baden, Zahnpflege, Kaemmen, Rasieren, Darm und Blasenentleerung, das mundgerechte Zubereiten der Nahrung sowie die Aufnahme der Nahrung fuer die Bereiche Pflege und Ernaehrung auf.
Auch diese Aufzaehlung laesst wichtige Bereiche ausser acht. So sind Haare waschen und Manikuere der Hand und Fussnaegel keine regelmaessig wiederkehrende Verrichtungen im Sinne der Pflegeversicherung.
2.4.3 Mobilitaet
Die von der Pflegeversicherung unterstuetzte Mobilitaet umfasst lediglich das Bewegen im Bereich der Koerperpflege, der Ernaehrung und der hauswirtschaftlichen Versorgung. Hier wird dem Bedarf des hilfebeduerftigen alten Menschen nach Mobilitaet aeusserst ungenuegend Rechnung getragen.
Unter Mobilitaet sollte man jede Art der Bewegung des Hilfebeduerftigen innerhalb und ausserhalb der Wohnung verstehen. Unabhaengig welchem Zweck sie dient.
Mobilitaet hat fuer alte Menschen einen sehr hohen Stellenwert. Fuer 46% der 55 -70 jaehrigen Menschen in Westdeutschland ist es wichtig sich koerperlich zu betaetigen (Infratest Sozialforschung, Sinua und Horst Becker 1991, Seite 32).
2.4.4 Sozialkommunikative Verrichtungen
Der Begriff der sozialkommunikative Verrichtung wird hier in dem Sinne verwendet, dass ein wechselseitiger Austausch von Gedanken, Meinung, Wissen, Erfahrung und Gefuehlen sowie die Uebertragung von Nachrichten und Informationen aller Art stattfinden kann.
Sozialkommunikative Verrichtungen finden sich in der Pflegeversicherung nur insoweit, dass unterstellt wird, dass moderne Pflegekonzepte auch die psychischen Aspekte der Pflegebeduerftigkeit beruecksichtigen. Kontaktaufnahme zur Aussenwelt ist nur insofern im Umfang der Pflegeversicherung enthalten, als dies zur Aufrechterhaltung der Lebensfuehrung zu Hause unumgaenglich ist (Arztbesuche, Einkauf etc.).
Speziell die Einschaetzung von 55. bis 70. jaehrigen, die Kontakt zu jungen Leuten mit 43% als sehr wichtig fuer ihr Leben angeben sowie deren Verlangen mit gleichaltrigen Menschen zusammenzukommen (35%), unterstreicht die Relevanz der sozialkommunikativen Verrichtungen. Die in diesem Zusammenhang noetigen Verrichtungen sind vielfaeltig.Alle Verrichtungen, die dazu dienen, eine vom Hilfebeduerftigen gewuenschten oder benoetigten Kommunikation moeglich zu machen, fallen darunter. Die eben genannten Prozentangaben stammen aus der Veroeffentlichung der Infratest Sozialforschung von Sinua und Horst Becker 1991 Seite 32 und 37.
3. Die sozialstaatlichen Sicherungssysteme
Die fuer die Senioren relevanten sozialstaatlichen Sicherungssysteme stelle ich in diesem Kapitel vor. Die Arbeitslosenversicherung und andere fuer Senioren nur in Ausnahmefaellen zutreffende Sicherungssystem lasse ich ausser acht.
3.1 Ein Ueberblick ueber die sozialstaatlichen Sicherungssysteme
Es gibt verschiedene sozialstaatliche Sicherungssysteme, die alte Menschen unterstuetzen. Die wichtigsten sind:
Weitere sozialstaatliche Sicherungssyteme haben im Einzelfall ebenfalls Bedeutung fuer Senioren. Als Beispiel sei hier das Stichwort Vorruhestand in Verbindung mit der Arbeitslosenversicherung und die Unfallversicherung genannt.
Ergaenzung: Das Vorruhestandsgesetzt vom 13.4. 1984 wurde durch die Altersteilzeitarbeit abgeloest. Bei der Teilzeitarbeit wird die woechentliche Arbeitszeit auf die Haelfte reduziert (mindestens 18 Stunden), der Arbeit- geber erhaelt, wenn der freiwerdende Teilzeitarbeitsplatz mit einem Arbeits- losen besetzt wird, Zuschuesse des Arbeitsamtes, damit das Arbeitsentgelt auf 70% des bisherigen Vollzeitentgelts erhoeht werden kann. Die Zahlung des Rentenversicherungsbeitrages wird ebenfalls bezuschusst.
Die Rentenversicherung, gegebenenfalls unterstuetzt von den Bestimmungen des BSHG, stellt den Lebensunterhalt von Senioren sicher. Wird ein Mensch in erheblichem oder hoeherem Masse pflegebeduerftig, so kommt die Pflegeversicherung fuer einen Teil der Pflegekosten auf. Ist kein das Schonvermoegen uebersteigendes Vermoegen bzw. eine Absicherung durch z.B. eine private Versicherung vorhanden, tritt die Sozialhilfe fuer die von der Pflegeversicherung nicht bezahlten Kosten ein, sofern keine Ansprueche gegen unterhaltspflichtige Angehoerige bestehen. Unterhaltspflichtige Angehoerige im Sinne des BSHG sind nur Verwandte ersten Grades in aufsteigender und absteigender Linie. In bestimmten zeitlich begrenzten Faellen, kommt die Krankenkasse als Kostentraeger in Frage. Der Leistungsumfang dieser sozialstaatlichen Sicherungsysteme ist aus begreiflichen Gruenden eingegrenzt. Waere dies nicht der Fall, so waeren diese Sicherungssysteme nicht bezahlbar.
Das Rentenversicherungssystems, das dem individuellen versicherungspflichtigen Einkommen eines Menschen waehrend dessen Erwerbslebens entsprechen soll, sowie die Hinterbliebenenrente moechte ich an dieser Stelle nicht hinterfragen. Die Benachteiligung der Frauen, die aus mehreren Gruenden niedrigere Renteneinzahlungen und kuerzerer Rentennachweiszeiten haben und deshalb oefter auf die Sozialhilfe angewiesen sind, sei hier nur am Rande erwaehnt.
Die Krankenversicherung spielt bei der Befriedigung der Hilfebedarfe von alten Menschen ebenfalls eine Rolle (Krankenhausbehandlung (§39 SGB V), haeusliche Krankenpflege (§37 SGB V) und medizinische Vorsorgeleistungen (§23 BSHG). Sie uebernimmt unter anderem teilweise die Kosten fuer Medikamente und andere die Gesundheit unterstuetzende bzw. foerdernde Hilfsmittel. Im akuten Krankheitsfall, der in der Regel eine befristete Hilfebeduerftigkeit mit sich zieht, werden fuer alte Menschen die selben Leistungen, wie fuer alle anderen Kassenmitglieder geleistet.
3.2 Die Pflegeversicherung
Zu der bisher freiwillig-privaten Absicherung tritt seit 1995 eine gesetzliche Pflegeversicherung unter dem Dach der gesetzlichen Krankenversicherung. Die Leistungen der gesetzlichen Pflegeversicherung umfassen die haeusliche Pflege und die stationaere Pflege. Fuer die stationaere Pflege wurde die Pflegeversicherung erst 1996 wirksam. Leistungen der haeuslichen Pflege werden nach dem Grad der Pflegebeduerftigkeit in drei Stufen gestaffelt und als Sachleistungen oder Geldleistungen, jenachdem wofuer sich der Hilfebeduerftige entscheidet, erbracht.
____________Sachleistung _____________Geldleistung
Pflegestufe I_____750DM _________________400DM
Pflegestufe II___1.800DM _________________800DM
Pflegestufe III__2.800	DM ________________1.300DM
Besondere Haerte (max.3% pro Pflegekasse)	3.750DM keine Geldleistung.
Die Pflegeversicherung wird durch einen von Arbeitgeber und Arbeitnehmer je zur Haelfte zu tragenden Beitragssatz finanziert. Dieser Beitragssatz betraegt zur Zeit 1,7 % des Bruttoeinkommens. Zur Kostenentlastung der Arbeitgeber wurde in fast allen Bundeslaender ein auf einen Werktag fallender Feiertag gestrichen. In den Bundeslaendern, in denen kein Feiertag gestrichen wurde, muessen die Arbeitnehmer den vollen Beitrag uebernehmen.
Auf die Leistungen der Pflegeversicherung hat jeder Mensch einen Anspruch, der die von null Jahren bei Beginn der Pflegeversicherung bis zu 5 Jahren gestaffelten Mitgliedszeiten eingehalten hat und Mitglied einer Pflegeversicherung ist.
In Kapitel 2 habe ich bereits die unterschiedlichen Interpretationen des Begriffs Hilfebeduerftigkeit umrissen. Die Pflegeversicherung kennt Verrichtungen im Bereich der Koerperpflege, der Ernaehrung und der hauswirtschaftlichen Versorgung. Diese Hilfen dienen zur Unterstuetzung des Hilfebeduerftigen. Das geht aus den Formulierungen der "Richtlinien der Pflegekassen ueber die Abgrenzung der Merkmale der Pflegebeduerftigkeit und der Pflegestufen sowie zum Verfahren der Feststellung der Pflegebeduerftigkeit hervor. Die Aussage, dass nur gewoehnliche und wiederkehrende Verrichtungen uebernommen werden koennen sowie der Hinweis, dass unter Gehen das Bewegen in Zusammenhang mit den Verrichtungen im Bereich der Koerperpflege, der Ernaehrung und der hauswirtschaftlichen Versorgung zu verstehen ist, unterstreichen den unterstuetzenden Charakter der Pflegeversicherung. Bei genauerem Hinsehen bleibt nicht verborgen, dass die Pflegeversicherung lediglich Haerten durch einen finanziellen Zuschuss lindert.
Diese Ueberlegung soll ein Beispiel illustrieren: Ein hilfebeduerftiger Mensch mit der Pflegestufe I benoetigt im Tagesdurchschnitt eineinhalb Stunden unterstuetzende Massnahmen, wobei der pflegerische Aufwand dem hauswirtschaftlichen Aufwand gegenueber im Vordergrund stehen muss. Dies bedeutet, dass ein Helfer 30 Tage im Monat fuer jeweils 1,5 Stunden pro Tag im Einsatz ist.
30 Tage * 1,5 h = 45 h
Fuer die Geldleistung koennte der Hilfebeduerftige seinem Helfer in Pflegestufe I also 400DM / 45 h = 8,9 DM pro Stunde bezahlen. Erhaelt der Hilfebeduerftige Pflegesachleistungen, so bekommt der Pflegedienst 750 DM / 45 h = 16,66 DM pro Stunde. Selbst wenn man von dem Optimalfall ausgeht, dass jemand in Pflegestufe I nur 1,5 Stunden Betreuung pro Tag benoetigt, ist es unmoeglich, die entstehenden Pflegekosten zu bezahlen, da ein Pflegedienst mit Sicherheit nicht fuer weniger als 17 DM pro Stunde arbeitet. Wenn der Hilfebeduerftige eine Privatperson mit seiner Geldleistung adaequat fuer die entstandenen Muehen entschaedigen moechte, so sind max. 9 DM fuer eine Stunde Arbeit auch nicht gerade eine fuerstliche Anerkennung. Hinzu kommt, dass ein Laie oft laenger braucht um einen Hilfebeduerftigen zu versorgen, als ein Profi. Unterstellen wir, dass zur Versorgung des Hilfebeduerftigen 2 Stunden und 59 Minuten benoetigt werden, halbiert sich der oben genannte Stundensatz annaehernd. Im Februar, der nur 28 Tage hat, faellt diese Rechnung geringfuegig guenstiger aus, waehrend sie sich in Monaten mit 31 Kalendertagen noch negativer darstellt.
Problematisch erscheint mir die gaengige Praxis der Verguetung nach dem Punktesystem. Es wird die Erbringung einer bestimmten Leistung unabhaengig von der benoetigten Zeit bezahlt. Unabhaengig davon, wie lange eine Taetigkeit aufgrund der individuellen Situation dauert, es wird immer der selbe Betrag bezahlt. Der Gesetzgeber unterscheidet zwischen Komplexleistungen und Einzelleistungen. Komplexleistungen werden im §89 Abs. 3 bevorzugt (siehe auch §87 Abs. 2 SGB V). Eine Komplexleistung beinhaltet mehrere Einzelleistungen, die zu einem Paket geschnuert werden. So wird Waschen und Anziehen nicht einzeln berechnet sondern zusammengelegt. Eine Komplexleistung enthaelt somit mehrere Einzelleistungen und wird als Einheit verguetet. Einzelleistungen sollen nur in Ausnahmefaellen bezahlt werden. Sonstige Leistungen koennen auch mit Pauschalen verguetet werden. Dazu zaehlen hauswirtschaftliche Versorgung, Behoerdengaenge, Fahrtkosten etc. Die Verguetung der Komplexleistung wird nicht in Geld angegeben sondern in Punkten. Diese, fuer jeden Komplex individuell festgesetzte Punktzahl, wird dann in Geld umgerechnet. Ein Punkt war laut der Zeitschrift "ah" Jahrgang Mai 96 im Schnitt 6,5 Pfennig wert. Es gibt eine Vielzahl unterschiedlicher Komplex- leistungen, die auch in der Verguetung differieren. Der Hilfebeduerftige wird hier als Durchschnittsmensch gesehen. Da ein professioneller Helfer, in der Regel ein ambulanter Pflegedienst, fuer eine Komplexleistung einen Festbetrag bekommt, muss er, um wirtschaftlich zu arbeiten, diese Leistung in einer bestimmten Zeit erbringen. Dies kann meiner Meinung nach dazu fuehren, dass der pflegerische Aspekte deutlich in den Vordergrund tritt, waehrend der sozialkommunikative Teil zurueckgestellt wird, da auf ihn am ehesten ohne finanzielle Einbussen verzichtet werden kann. Daneben sehe ich die Gefahr, dass der Pflegedienst versucht Mehrkosten, die ihm bei der Betreuung eines sehr zeitaufwendigen Hilfesuchenden entsteht, bei einem "problemloseren" Hilfesuchenden wieder einzusparen. Dieser wirtschaftliche Aspekt steht meiner Meinung nach im Gegensatz zu einer bedarfsorientierten Versorgung des Hilfebeduerftigen. Eine Untersuchung der Berufsgenossenschaft fuer Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege aus dem Jahre 1997 zu Arbeits- und Verkehrsunfaellen belegt, dass durch die neuen Abrechungssysteme, Punktwerte und festgelegte Komplexleistungen eine staerkere Zeitnot als frueher herrscht. Diese Zeitnot stellt laut Untersuchungsergebnis einen deutlichen Unfallfaktor dar (vergl. Rundschreiben der bGw vom Juli 1997) .
Zusammenfassend ergeben sich zwei deutliche Schwachpunkte der Pflegeversicherung.:
Die Pflegeversicherung deckt die Grundbeduerfnisse des Hilfebeduerftigen nicht folstaendig ab.Vor allem sozialkomunikative Verrichtungen und die Mobilitaet des Hilfebeduerftigen beschraenken sich auf ein Minimum.
Wenn der Pflegebeduerftige die fuer die Pflegeversicherungen geforderten Merkmale aufweist, sind die finanziellen Mittel, welche die Pflegeversicherung bereit stellt, zu gering um dem nachgewiesenen Hilfebedarf gerecht zu werden.
Die hier aufgezeigten Schwachpunkte muessen anderweitig kompensiert werden. Dazu ist die Heranziehung eigener Mittel oder gegebenenfalls Drittmittel und der Sozialhilfe erforderlich. Im Folgenden stelle ich zuerst die Moeglichkeiten der Sozialhilfe dar.
3.3 Das Bundessozialhilfegesetz BSHG
Die Leistungen des BSHG sind vielfaeltig. Der prozentuale Anteil der Sozialhilfe empfangenden alten Menschen im Vergleich zur Gesamtzahl der Sozialhilfeempfaenger, nimmt ab. Von 1972 fiel der Anteil von 30% auf etwa 17% im Jahre 1987. Dies ist jedoch nicht darauf zurueckzufuehren, dass weniger alte Menschen Sozialhilfe beziehen, sondern vielmehr darauf, dass deutlich mehr juengere Menschen zu Sozialhilfefaellen werden. Dennoch stellte die Gruppe der ueber 75 jaehrigen Frauen immer noch die hoechste Sozialhilfequote mit 11,4% im Jahre 1991 (vergl. LPK BSHG 1994, Seite 576 nach Stat. Bundesamt 1991, Seite 124). Nach der Einfuehrung der Pflegeversicherung haben sich die eben genannten Daten veraendert. Dennoch ist die erhoffte starke Entlastung der Sozialhilfetraeger bisher nicht in der erwarteten Weise eingetreten.
Es folgen nun fuer alte Menschen relevante Paragraphen des BSHG:
§11 BSHG definiert den Personenkreis fuer Hilfe zum Lebenunterhalt und zaehlt in Abs. 3 den Hilfebedarf zur Verrichtung einzelner Taetigkeiten im Haushalt auf.
§23 Abs.1 BSHG gesteht Personen, die das 65. Lebensjahr vollendet haben oder erwerbsunfaehig im Sinne der gesetzlichen Rentenversicherung sind, einen Mehrbedarf von 20% des massgebenden Regelsatzes zu. Ebenfalls zu beachten ist §23 Abs. 4 BSHG (Mehrbedarf bei kostenaufwendiger Ernaehrung).
§36 BSHG (Vorbeugende Gesundheitshilfe) spricht im Abs.2 die Altenerholung an.
§37 BSHG (Krankenhilfe und sonstige Hilfen) beruecksichtigt ebenfalls alte Menschen deren Einkommen die zulaessigen Einkommensgrenzen nicht uebersteigt. Kommt es aufgrund des Alterungsprozesses zu Behinderungen, kommen unter Umstaenden die §§39 - 47 Eingliederungshilfe fuer Behinderte zum Tragen. Die §§ 68 und 69 (Hilfe zur Pflege ) haben seit Einfuehrung der Pflegeversicherung fuer alte Menschen an Bedeutung verloren. Dennoch ermoeglichen sie, Haerten der Pflegeversicherung zu mildern (siehe dazu Punkt 3.3).
Die zeitlich begrenzte Hilfe zur Weiterfuehrung des Haushalts (§70 BSHG) kommt dann in Frage, wenn alte Menschen in psychische und / oder physische Situationen geraten, die unter anderem durch Formen sozialer Arbeit wieder behoben werden koennen.
§75 soll alten Menschen unabhaengig von ihrer materiellen Situation helfen bei der Verhuetung, Ueberwindung und Milderung von Schwierigkeiten, die durch das Altern entstehen. Die Teilnahme alter Menschen an der Gemeinschaft soll gesichert werden. Altenhilfe im Sinne des BSHG befasst sich vorwiegend mit den Wohnproblemen und den sozialen Kontakten alter Menschen und muss demnach ortsbezogen, lokal und gemeinwesenorientiert sein. In der Regel wird dieses Ziel durch Beratung und allgemeine ambulante und soziale Dienste verwirklicht. Hierzu zaehlen Einkaufshilfen, Postbesorgung, Fahrdienste, Essen auf Raedern . Unterhaltungsnachmittage, Reisen, Beihilfen zum Besuch von Veranstaltungen, verbilligte Karten waeren weitere Anwendungsbeispiele fuer §75 BSHG. Traeger der hilfeleistenden Dienste, die wie bereits erwaehnt eine grosse Spannbreite von Betaetigungsfeldern haben, sind die Dienste und Einrichtungen der Gemeinden, die Kreise, die ueberoertlichen Traeger der Sozialhilfe sowie die sechs Verbaende der freien Wohlfahrtspflege. Einzelne materielle Hilfen sind die Ausnahme. Die altersgerechte Ausstattung der Wohnung kann gegebenenfalls ueber §75 BSHG finanziert werden. Hier gelten dann aber die Regelungen des §79 BSHG (Einkommensgrenze), d.h. materielle Hilfen sind nicht Einkommensunabhaengig (vergl. LPK-BSHG 1994, Seite 583).
Wichtig in diesem Zusammenhang ist, dass Hilfen, die entweder nach §75 BSHG oder nach anderen Bestimmungen des BSHG z.B. Hilfe zum Lebensunterhalt (HLU) geleistet werden koennen, in der Regel nach §75 BSHG erbracht werden muessen, da nach §83 BSHG beim Zusammentreffen mehrer Einkommensgrenzen die vorteilhaftere gewaehlt wird. Vorteilhafter ist wegen der guenstigeren Forderungen an das Vermoegen der Betroffenen in der Regel der §75 der unter Hilfe in besonderen Lebenslagen zu finden ist (vergl. LPK-BSHG 1991, Seite 543 ff.).
Die Gestaltungsmoeglichkeiten, die der Gesetzgeber den Staedten und Kommunen durch den §75 gegeben hat, sind mannigfaltig. Leider fehlt es aber oft an einer ausreichenden personellen und raeumlichen Ausstattung, so dass viele aeltere Menschen nicht erreicht werden koennen. Sehr viele alte Menschen gehen nicht auf Dienste zu. Oft sind ihnen die Anlaufstellen, um Hilfe zu erhalten, ueberhaupt nicht bekannt. Hinzu kommt, dass das Nutzen der Angebote haeufig eine radikale Lebensumstellung bedeutet. Wenn ein alter Mensch die Gewohnheit hat mittags um 13 Uhr zu essen, das Essen auf Raedern aber bereits zwischen 9 und 11 Uhr geliefert wird, so hat er nur die Wahl, das Essen warm zu halten oder seine Essensgewohnheiten umzustellen. Die Einordnung in eine grosse Gemeinschaft, in der das Individuum sich oft praktischen Erwaegungen unterordnen muss, was sich in zeitlichen Festlegungen und ungewohnten Arbeitsweisen fuer den Senior aeussert, laesst viele alte Menschen zoegern, die vorhandenen Hilfen zu nutzen. Wie relativ wenig die Moeglichkeiten des § 75 genutzt werden, zeigt der Umstand, dass 1989 lediglich 0,4% der Sozialhilfeausgaben fuer Altenhilfe nach §75 verwendet wurden (vergl. Fachlexikon der sozialen Arbeit 1993, Seite 24).
3.4 Das BSHG ergaenzt die Pflegeversicherung
Auf den vergangenen Seiten habe ich dargelegt, dass viele Hilfebedarfe nicht von der Pflegeversicherung abgedeckt werden. Das BSHG entspannt diese Situationen auf einigen Gebieten. Die in Kapitel 3 Absatz 3 angesprochenen Unterhaltungsnachmittage, Reisen, Beihilfen zum Besuch von Veranstaltungen etc. die nach §75 unabhaengig vom Einkommen und Vermoegen der Senioren sind, bieten den Senioren deutlich mehr Moeglichkeiten sozialen Beduerfnissen nachzukommen, als die Pflegeversicherung. Zu dem sieht §69b die Erstattung der angemessenen Aufwendungen fuer eine Pflegekraft vor. Kann ein alter Mensch, dem Sozialhilfe zusteht seine Pflege mit Hilfe der Pflegeversicherung nicht sicherstellen, so bekommt er die zusaetzlichen Kosten ueber § 69b erstattet. Dadurch wird die Qualitaet der Pflege jedoch nicht verbessert sondern lediglich die Quantitaet, da die zu leistenden Hilfen sich an der Pflegeversicherung orientieren (vergl. §68 Abs. 6 BSHG).
Die Sozialhilfe tritt bei der sogenannten Pflegestufe 0 ein (§68Abs.1 Satz 2 BSHG). Die Pflegeversicherung kennt diesen Begriff nicht. Sie leistet erst wenn Menschen der Hilfe in erheblichem oder hoeherem Masse fuer mindestens 1,5 Stunden pro Tag beduerfen. Wer lediglich jeden Tag fuer 30 Minuten Hilfe bei z.B. dem An- und Auskleiden benoetigt, kann sofern er die notwendigen Vorraussetzungen erfuellt, die Sozialhilfe in Anspruch nehmen. Auch Personen, die voraussichtlich fuer weniger als 6 Monate der Hilfe beduerfen, profitieren von §68 Abs.1 Satz 2 BSHG . Selbiges gilt fuer Verrichtungen, die keine Verrichtungen im Sinne des Pflegegesetzes bzw. dem daran angelehnten Verrichtungskatalog in §68 Abs. 5 BSHG sind. So waere das Spazierengehen, das Verlassen und Wiederaufsuchen der Wohnung im Zusammenhang des Besuchs kultureller Veranstaltungen bzw. von Verwandten und Bekannten ueber §68 Abs.1 Satz 2 BSHG finanzierbar (vergl. Schaubild Herr Dr. Frommann 1996).
3.5 Nicht jeder dem Hilfe zusteht erhaelt sie auch
Die Pflegeversicherung und die Sozialhilfe ermoeglichen eine lebensnotwendige Versorgung der Hilfesuchenden in den bisher angesprochenen Bereichen Hauswirtschaft, Pflege und Ernaehrung, Mobilitaet sowie sozialkommunikative Verrichtungen. Hierbei ist zu beachten, dass die Sozialhilfe die in Verbindung mit §75 BSHG geleistet wird einkommens- und vermoegensunabhaengig ist, waehrend anderen Leistungen des BSHG in der Regel an die jeweiligen Einkommensgrenzen gebunden sind.
Senioren, die in der Lage und willens sind ihre Hilfe selbst zu organisieren, haben die besten Chancen alle angebotenen Leistungen zu erhalten. Menschen, die sich nicht selbst um Hilfeangebote kuemmern, sind darauf angewiesen, dass Dritte ihre Notlage erkennen und aktiv an der Behebung derselben arbeiten. Dennoch ist eine Mitarbeit des Hilfebeduerftigen unerlaesslich. Hierzu ein Beispiel: Menschen erhalten Leistungen der Pflegeversicherung nicht automatisch, auch wenn sie alle Kriterien der Pflegeversicherung erfuellen. Der Hilfebeduerftige muss zuerst einen Antrag stellen. Unterlaesst der Hilfebeduerftige dies, so bekommt er die Leistungen der Pflegeversicherung nicht.
Die aktive Mitarbeit an einer Problemloesung gestaltet sich oft problematisch. Meist werden Angehoerige als erste auf eine Notlage aufmerksam. Aber auch Vereine haben dieses Problem erkannt und versuchen zu helfen. Ein Beispiel ist das soziale Helfernetz in Koeln-Hoehenberg, das ich in Kapitel 4 Abschnitt 6 beschreibe. Angehoerigen bzw. Nachbarn sehen sich eventuell genoetigt, zuerst eine Einsicht bei dem Hilfebeduerftigen zu schaffen, dass eine Hilfestellung benoetigt wird. Danach muessen die Helfer und / oder der Hilfebeduerftige bereit sein, geeignete Problemloesungen anzuregen bzw. in Gang zu setzen. Bei relativ isoliert lebende Senioren kann fehlende Unterstuetzung dazu fuehren, dass Hilfebeduerftige verspaetet oder gar nicht die Hilfen erhalten die Ihnen per Gesetz zustehen.
4. Ehrenamtliche Initiativen und Randnotizen
In Kapitel 4 stelle ich das Ehrenamt und daraus erwachsende Taetigkeiten vor. Wie bereits mehrfach erwaehnt, koennen die sozialstaatlichen Sicherungssysteme vielen Beduerfnissen von Hilfesuchenden nur teilweise oder gar nicht Rechnung tragen.Aus diesem Grund haben sich viele Gruppen gebildet, die ganz oder teilweise ohne Gelder der sozialstaatlichen Sicherungssyteme auskommen. Oft wird in diesem Fall mit Staatlichen Geldern die Rahmenbedingung bzw. eine Struktur geschaffen, die ehrenamtliches Arbeiten initiiert, unterstuetzt und teilweise auch lenkt. Es sollen die Faehigkeiten von Betroffenen aktiviert und der Aufbau von privaten Netzen ermoeglicht werden. So wird zum Beispiel ein Sozialarbeiter finanziert, der Ehrenamtler anleitet. Anfallende Unkosten fuer Materialbeschaffung, die Miete fuer einen Raum etc. koennen gegebenenfalls auch uebernommen werden. Ein weiteres beliebtes Modell ist es, die Strukturen eines bestehenden Traegers zu nutzen und ehrenamtliche Mitarbeiter anzubinden, um das Leistungsspektrum des Traegers erweitern zu koennen.
Im Folgenden stelle ich das Ehrenamt dar und moechte einige Unternehmungen vorstellen, die mit ehrenamtlichen Mitarbeitern arbeiten. Die Unternehmungen stellen unterschiedliche Betaetigungsfelder in der Altenarbeit exemplarisch dar. Sie kommen in aehnlicher Form in vielen Staedten und Gemeinden Deutschlands vor. Die meisten Beispiele sind der Veroeffentlichung des Bundesministeriums fuer Familie, Senioren, Frauen und Jugend mit dem Titel "Seniorenfreundliche Gemeinde" aus dem Jahre 1995 entnommen.
Fuer welchen Traeger bevorzugt finanzielle Mittel aus sozialstaatlichen Sicherungssystemen zur Verfuegung gestellt werden, ist stark abhaengig von der Prioritaet, die staatliche Stellen setzten. Je nachdem welche soziale Infrastruktur angestrebt wird und in welchem Bereich Menschen bereit sind sich zu engagieren, foerdern staatliche Stellen die unterschiedlichsten Initiativen.
4.1 Das Ehrenamt
Die nun folgenden Unternehmungen koennten nicht ohne ehrenamtliche Mitarbeiter bzw. nicht ohne Spenden- oder Sponsorengelder stattfinden. Diese Art der Hilfeleistung ist abhaengig von sozial engagierten Menschen. Das soziale Engagement unterliegt jedoch einem Wertewandel. Die grossen Traeger, insbesondere die kirchlichen Traeger, die bisher ehrenamtliche Mitarbeiter an sich binden konnten, verlieren an Attraktivitaet, da traditionelle und religioese Normen an Bedeutung verlieren (vergl. Sibylle Knoedler 1995, Seite 20 nach Ingelhart 1989, Seite 235 bis Seite 245). Die Tendenz zu einer groesseren Anspruchshaltung der juengeren Menschen gegenueber dem Staat wirkt sich ebenfalls negativ auf die Motivation zur Uebernahme einer ehrenamtlichen Taetigkeit aus.
Das ehrenamtliche Engagement setzt ein entsprechendes Problembewusstsein der Helfer voraus. Dieses Problembewusstsein ist bei Betroffenen am meisten ausgepraegt. Selbsthilfegruppen sind meiner Meinung nach daher am ehesten in der Lage, neue ehrenamtliche Mitglieder zu erreichen. Diese Tendenz deutet sich auch in einer Veroeffentlichung des Bundesministeriums fuer Familien, Senioren, Frauen und Jugend an. Die Veroeffentlichung stellt unter dem Namen "Seniorenfreundliche Gemeinde" die 12 Gewinner des gleichnamigen Bundeswettbewerbs vor. Senioren sind in den meisten vorgestellten Projekten tragende Saeulen der ehrenamtlichen Arbeit. Eine Ausnahme bildet die Pflege von Senioren.
Der Begriff Ehrenamt ist umstritten. Zum staendisch gepraegten Begriff Ehre haben viele Menschen kaum noch einen Bezug. Auch der Begriff des Amtes, der unter Vorstandsfunktionen und den institutionell geordneten Wirkungskreis im Bereich oeffentlicher Gewalt einzuordnen ist, spiegelt die Realitaet ehrenamtlicher Arbeit oft nicht wieder (vergl. Fachlex. der soz. Arbeit 1993, Seite 253 bis Seite 255). Aus diesem Grund etablieren sich in juengster Zeit andere Begriffe fuer ehrenamtliche Arbeit, wie z.B. freiwillige soziale Taetigkeit oder freiwilliges Engagement. Ich werde im Folgenden den althergebrachten Begriff der ehrenamtlichen Mitarbeit verwenden.
Ehrenamtliche Mitarbeiter initiieren, unterstuetzen und tragen die Arbeit von Kirchen, Genossenschaften, Gemeinden und Vereinen. Sie engagieren sich als Einzelpersonen oder in Gruppen. Die geschaetzte Zahl ehrenamtlicher Mitarbeiter betraegt 1,5 Millionen Menschen (Fachlex. der soz. Arbeit 1993, Seite 254 nach Studie der BAGFW vom 1.1.1990). Dabei hat sich die Ueberrepresentation von den 45-60 jaehrigen auf die ueber 60 jaehrigen verlagert. Vermehrt stellen sich auch 30 - 40 jaehrige als ehrenamtliche Mitarbeiter zur Verfuegung. 1990 gab es 27.000 Gruppen mit ehrenamtlichen Mitarbeitern. Ein ehrenamtlicher Mitarbeiter stellt Monatlich im Schnitt 15,8 Stunden seiner Freizeit fuer seine Taetigkeit zur Verfuegung (Fachlex. der soz. Arbeit 1993, Seite 254 ).
Zwischen ehrenamtlich arbeitenden Menschen und hauptamtlich taetigen Personen kommt es immer wieder zu Spannungen. Es setzt sich aber immer mehr der Standpunkt durch, dass ehrenamtliche Taetigkeit und beruflich ausgeuebte soziale Arbeit nicht gegeneinander auf - bzw. abgewertet werden sollen, sondern dass sie sich wechselseitig ergaenzen und einander beduerfen (Fachlex. der soz. Arbeit 1993, Seite 254 ).
4.2 Hilfe nach dem Punktesystem
In einigen Staedten haben sich Initiativen gegruendet, die nach dem Selbsthilfeprinzip arbeiten. Je nach Groesse und Schwerpunkt des Vereins werden Haushaltshilfen, Hilfe bei der Gartenarbeit, kleinere handwerkliche Arbeiten, Einkaufshilfen, Kinderbetreuung, Freizeitveranstaltungen und so weiter angeboten. Die Entlohnung der Mitglieder erfolgt in Punkten. Fuer eine Stunde Hilfeleistung erhaelt der Hilfeleistende eine bestimmte Anzahl von Punkten. Benoetigt er selbst Hilfe, so kann er diese anfordern und bekommt dementsprechend Punkte von seinem erarbeiteten Punktekonto abgezogen. Menschen, die kein Punkteguthaben besitzen, muessen Betraege zwischen 3 DM (Seniorenhilfe Offenbach) und 15 DM (Solidargemeinschaft der Generationen e.V. Ulm - Wiblingen) pro erhaltener Hilfestunde entrichten. Pflege ist nicht in den Hilfeleistungen enthalten. Die Organisation der Selbsthilfegruppen ist unterschiedlich. So ist das Seniorengenossenschaftsmodell Ulm-Wiblingen Bestandteil eines Modellprogrammes des Landes Baden Wuertenberg waehrend die Seniorenhilfe Offenbach ein eingetragener Verein ist.
4.3 Gebraucht werden
Der Name "Gebraucht werden" ist der Leitgedanke des Foerdervereins Seniorenarbeit e.V. in Schweinfurt. Aeltere Mitmenschen bieten gegen ein geringes Entgelt ihre Dienste als Leihoma/Opa, Haushueter, Gartenhelfer, Seniorennotrufer, Tiersitter etc. an. Es besteht auch eine Seniorenmitfahrzentrale.
Der Verein vermittelt die Senioren, wobei darauf geachtet wird, dass die Senioren nicht ausgenutzt werden. Der Stundenlohn betraegt 9 DM. Davon bekommt die Vereinskasse 2 DM. Aus diesen 2 DM und durch Sponsoren finanziert sich der Verein. Er erhaelt keine oeffentlichen Mittel.
Fast zweihundert Senioren sind bereit, fuer mehrere Hundert Hilfesuchende Dienstleistungen zu erbringen. Die Hilfesuchenden sind sehr oft junge Menschen. Dadurch wird die Kommunikation zwischen den Generationen angeregt. Die aelteren Menschen erhalten Anerkennung fuer ihre Leistungen und erhalten sich ihre Faehigkeiten laenger, da sie immer wieder gefordert werden (vergl. Sachs/Schwarz 1995, Seite 80).
4.4 Freizeit und Kommunikationsprojekt fuer verwirrte aeltere Menschen des Caritasverbandes in Frankfurt am Main
Unter der Projektleitung des Diplom-Sozialarbeiters Herrn Ulrich Amrhein und dem Diplom-Sozialgerontologen Herrn Wolfgang Ruehl entstand in Frankfurt am Main ein Projekt fuer aeltere verwirrte Menschen. Die Initiatoren gehen davon aus, dass sich die Betreuung von alleinstehenden verwirrten aelteren Menschen, die zu Hause versorgt werden, in der Regel auf pflegerische und hauswirtschaftliche Massnahmen beschraenkt. Der ambulanten Betreuung gelingt es nicht, den betroffenen Personenkreis aus der vorzufindenden Isolation herauszufuehren. Nach Meinung der Projektleiter fuehrt dies zu folgenden Symptomen - Einsamkeitsgefuehle, Depression - Persoenlichkeitsverfall - beschleunigter geistiger Abbau - Verstaerkung der Verwirrtheitssymptome Da die im Projekt betreuten Personen aufgrund ihrer Krankheitsbilder nicht in der Lage sind, an offenen Angeboten der Altenhilfe wie Altenclubs, Altenerholung, Seniorenwerkstaetten teilzunehmen bzw. dort auf Ablehnung und Ausgrenzung stossen, versucht das Projekt hier, eine Alternative zu bieten.
Von den Projektleitern angeleitete Studenten der Sozialarbeit besuchen nachmittags die aelteren Menschen in ihren Wohnungen. Spazierengehen, Unterhalten, gemeinsam kleine Dinge wie Kaffeetrinken mit den Betreuten zu unternehmen, sind die Haupttaetigkeiten der Studenten. Die Studenten bekamen durch regelmaessige Praxisreflexionen die Gelegenheit, das Erlebte zu bearbeiten. Nachdem Betreute und Betreuer Vertrauen zueinander gefasst hatten, wurden die aelteren Menschen in Kleingruppen zusammengebracht, d.h. einzelne Betreute besuchten sich mit ihren Betreuern gegenseitig. Auch der Versuch mit allen Projektteilnehmern in einer Grossgruppe etwas zusammen zu unternehmen, wurde gemacht. Die aelteren verwirrten Menschen verbluefften bei diesen Unternehmungen ihre Helfer mit Erinnerungsleistungen, mit denen diese nicht gerechnet hatten.
Nach Beendigung der 1. Phase des Projektes stellten sich in den Bereichen Orientierungsfaehigkeit, Merkfaehigkeit, Gefuehlsleben, Kommunikationsverhalten und Kontaktverhalten Stabilisierungen und in Teilbereichen Verbesserungen ein (vergl. Schlussbericht zur Phase 1(10/93 -06/94) des Freizeit und Kommunikat- ionsprojekts fuer verwirrte aeltere Menschen des Caritasverbandes Ffm).
Das Projekt wurde durch Selbstzahler und Spenden finanziert. Inzwischen uebernimmt die Stadt Frankfurt nach §§68 und 69 BSHG den Stundensatz der Studenten in der Zeit der Betreuung. Die Verwaltungskosten uebernimmt ein Sponsor. Ein weiterer Sponsor moechte nun eine Stiftung gruenden, die alle anfallenden Kosten uebernimmt.Das Projekt kann aus Kostengruenden nur einen kleines Klientel erreichen. So wurden im Programmabschnitt 1 vier und im Programmabschnitt 2 sieben aeltere verwirrte Menschen betreut. Die Zeit, die ein Betreuer mit einem Betreuten verbrachte, betrug 32 Nachmittage á 4 Stunden.
4.5 Soziales Helfernetz in Koeln-Hoehenberg
Der Buergerverein Koeln-Hoehenberg initiierte 1992 das "Soziale Helfernetz", dessen Aufgabengebiet die Erhaltung und Erweiterung von Kontakten hilfebeduerftiger Menschen zur Umwelt durch Nachbarschaftshilfe ist. Erreicht wird dies durch Hilfe beim Schriftverkehr, Behoerdengaengen, Begleitungen diverser Art, Haushaltshilfen, kleinen Reparaturen etc. 1993 waren ca. 12 ehrenamtliche Helfer taetig, die ueber das "Soziale Helfernetz" an Hilfesuchende vermittelt werden konnten.
Fuer die ehrenamtlichen Helfer wird einmal monatlich Supervision angeboten. Die Nachbarschaftsdienste sind als kurzfristige und kurzzeitige Hilfeleistungen ausgelegt. Bei laengerfristiger Beduerftigkeit werden die Hilfesuchenden an bestehende soziale/karitative Einrichtungen mit entsprechendem Leistungsspektrum weitervermittelt.
4.6 Alten und Begegnungstaedte Seniorentreff Ravensburg e.V.
Seit 1981 betreibt ein Verein den Seniorentreff Ravensburg e.V.in eigener Traegerschaft. Der Verein versucht der Isolation alter Menschen entgegenzu- wirken, indem er aeltere Menschen in einer von der Stadt zur Verfuegung gestellten Villa zum Seniorentreff einlaedt. Es werden Gruppenaktivitaeten und andere Massnahmen angeboten, die koerperliche und geistige Faehigkeiten der Teilnehmer trainieren sollen.
Hundertzwanzig ehrenamtliche Mitarbeiter und einige Honorarkraefte begleiten die Gruppenaktivitaeten. Es werden Freizeitkreise, wie z.B. Kegeln, Bergwandern, Radwandern, Tischtennis, Theaterspielen, Gespraechs- und Lesekreise, Sprachkurse, Seidenmalerei und aehnliche Aktivitaeten angeboten.
Der Seniorentreff unterhaelt auch einen Besuchsdienst fuer alte, gebrechliche oder kranke Menschen, die Zuhause, im Altenheim oder im Krankenhaus besucht werden, um deren Vereinsamung entgegenzuwirken.
Eine selbstgestaltete Zeitung der "Senioren-Express" erscheint ebenfalls dreimal im Jahr.
4.7 Seniorenvolkshochschule
Die Seniorenvolkshochschule Freudenstadt bietet ein an Senioren ausgerichtetes Bildungsangebot an. Unter fachlicher Beratung koennen vorwiegend aeltere Menschen unentgeltlich ihr Wissen weitergeben. Die Planung und Durchfuehrung der Lehrveranstaltungen wird von den Lehrenden selbst uebernommen, so dass ein Hoechstmass an organisatorischer und inhaltlicher Kompetenz und Kreativitaet bei den Lehrenden und den Lernenden freigesetzt werden kann.
Jede Aussenstelle der Volkshochschule hat ein Team, das vorwiegend aus Senioren besteht. Dieses Team verwaltet die Kasse, sucht geeignete Raeumlichkeiten, sammelt Ideen fuer neue Lehrveranstallung, spricht geeignete Dozenten an, stellt Werbematerial her und traegt somit zum Fortbestehen der Volkshochschule bei.
Ziel des Besuches der Volkshochschule ist es nicht einen Abschluss zu erwerben. Es werden keine Zertifikate vergeben. Die Volkshochschule moechte nicht nur Wissen vermitteln, sondern es sollen auch soziale Aspekte wie Geselligkeit und Foerderung des Gemeinschaftsgefuehls umgesetzt werden. Die Seniorenvolks- hochschule versteht sich als zielgruppenorientierte Ergaenzung zur Kreisvolks- hochschule und wirbt fuer deren Veranstaltungen, so dass die aelteren Menschen nicht separiert werden.
4.8 Seniorenberatung im Sportverein
Um aeltere Menschen besser in Sportvereine einbinden zu koennen, werden im Landessportbund Rheinland Pfalz seit 1988 Seniorenberater eingesetzt. Der Seniorenberater ist immer dann gefordert, wenn es darum geht, fuer aeltere Menschen im Verein etwas zu tun. Sein Aufgabengebiet reicht von der Schaffung von Angeboten fuer altersgerechte Sportarten, ueber die Planung und Durchfuehrung von geselligen Veranstaltungen, bis hin zur Suche nach geeigneten Schulungsmassnahmen fuer Vereinsmitglieder und Mitarbeiter im Bereich Seniorenarbeit im Sport. Das Kontaktieren und Kooperieren mit anderen Einrichtungen der Altenarbeit gehoert auch zu seinen Aufgaben. So werden z.B. in Altenheimen Uebungsleiter gestellt, die Bewohner bei Leibesuebungen unterstuetzen. Seit 1991 wurden zahlreiche Seniorenberater ausgebildet. 68% dieser ausgebildeten Seniorenberater sind bereits mit Sitz und Stimme im jeweiligen Vereinsvorstand aufgenommen.
4.9 Senioren Experten Service
zum Abschuss moechte ich noch einen Aussergewoehnlichen Dienst vorstellen, der zeigt, dass Senioren sich in allen Bereichen engagieren koennen. Der ehrenamtliche "Dienst der deutschen Wirtschaft fuer internationale Zusammenarbeit GmbH" ist eine gemeinnuetzige Gesellschaft, die mit pensionierten Fachkraeften (Senior- Experten) die beruflich-fachliche Ausbildung, Fortbildung und Qualifizierung von Fach- und Fuehrungskraeften im In- und Ausland foerdert. Die aus dem Berufsleben ausgeschiedenen Senioren stellen ihre Arbeitskraft unentgeltlich zur Verfuegung. Ihnen entstehen keine Kosten, da ein Unkostenbeitrag gezahlt wird.
5. Das Ehrenamt ist unverzichtbar, aber nicht unumstritten
In Kapitel 4 habe ich verschiedene Hilfesysteme fuer Senioren dargestellt. In vielen spielt das Ehrenamt eine wichtige Rolle. Deshalb stelle ich im folgenden Kapitel einige ueber die in Kapitel 4 Abschnitt 2 hinausgehende Betrachtungen ueber das Ehrenamt an.
5.1 Die Versorgungssituation von Senioren wird durch ehrenamtliche Arbeit teilweise verbesssert Der Bereich von Hilfeleistungen, die von sozialstaatlichen Sicherungssystemen nicht oder nur teilweise abgedeckt werden, ist erheblich aber meist nicht existenzgefaehrdent. Eine Grundversorgung ist gegeben unter der Voraussetzung, dass der Hilfesuchende sein Recht einfordert (siehe auch Kapitel 3 Abschnitt 5). Dennoch spricht die hohe Anzahl von Initiativen, die ganz oder teilweise ohne die Gelder der sozialstaatlichen Sicherungssysteme auskommen muessen, eine deutliche Sprache. Aus den in Kapitel 4 vorgestellten Initiativen ist zu erkennen, dass im kommunikativen Bereich ein erhoehter Hilfebedarf zu sehen ist. Gleiches gilt fuer kleine Dienstleistungen und den Bereich der Mobilitaet.
Fehlende Hilfeleistungen koenne dazu fuehren, dass jemand mit Hilfebedarfen im Bereich Mobilitaet oder Hauswirtschaft in eine Pflegekarriere abrutscht, weil er wegen fehlender Versorgung in ein Heim wechseln muss. Um dies zu verhindern, ist Privatinitiative gefragt. Koennten alle Leistungen, die durch ehrenamtliches Engagement in ganz Deutschland angeboten werden, von jedem Hilfesuchenden innanspruch genommen werden, so waere ein Hilfesuchender, meiner Meinung nach, optimal versorgt. Leider ist dies nicht der Fall. Es kommt immer darauf an, wo der Hilfesuchende wohnt und ob das am Ort bestehende Hilfeangebot die Beduerfnisse des Hifesuchenden abdecken kann. Hinzu kommt, dass in dem geeigneten Hilfeprojekt noch Kapazitaet vorhanden sein muss, um den Hilfesuchenden aufzunehmen. Die Grad der Versorgung in den einzelnen Regionen haengt von der Anspruchshaltung und dem Durchhaltevermoegen des Hilfesuchenden sowie von den regionalen und strukturellen Gegebenheiten ab.
5.2 Ist die ehrenamtliche Arbeit die beste Loesung fuer den Hilfesuchenden?
Das Ehrenamt ist ohne Frage das tragende Fundament der nicht staatlichen Sicherungssysteme. Es mindert Haerten die durch die unvolstaendige Versorgung der staatlichen Sicherunggssystem entstehen. Dennoch waechst mit zunehmender Gebrechlichkeit des Hilfesuchenden das Risiko der gut gemeinten Bevormundung durch den Helfer. Alte Menschen sind oft hochgradige Individualisten. Es faellt ihnen schwer, von liebgewonnenen Ritualen abzusehen. Hinzu kommt das Gefuehl dankbar sein zu muessen. Die Betroffenen sind sich durchaus bewusst, dass sie auf den selbstlosen Helfer Ruecksicht nehmen muessen. Dies traegt sicher nicht zum Selbstbewusstsein der Hilfesuchenden bei.
Diese Problematik wird in Selbsthilfegruppen abgeschwaecht, da jemand, der hier Hilfe in Anspruch nimmt, zuvor meist anderen zur Seite gestanden hat. Dennoch kann dies sicher nicht das Abhaengigkeitsgefuehl gegenueber dem Helfer aufheben. Die Verwirklichung des Grundbeduerfnisses eines jeden Menschen nach Selbstbestimmung und Selbstverantwortung geraet mit zunehmender Abhaengigkeit von einem freiwilligen Helfer in Gefahr. Sicher ist eine solche Tendenz auch bei der Nutzung von staatlichen Sicherungsystemen zu erkennen. Dennoch hat der Hilfesuchende hier eine andere Stellung. Er hat ein Recht auf die ihm zustehende Hilfe. Anders ist dies bei der ehrenamtlichen Arbeit. Verhaelt der Hilfesuchende sich nicht erwartungsgemaess, so kann es vorkommen, dass der ehrenamtliche Helfer veraergert ist und im Extremfall nicht mehr kommt. Unabhaengig davon wie real diese Sorge ist, so belastet das selbstverordnete Wohlverhalten sicher viele Hilfesuchende.
Aus der Aussage, dass 1,5 Millionen ehrenamtliche Mitarbeiter monatlich im Schnitt 15,8 Stunden arbeiten, ergibt sich ein Hilfepotentioal von 23,7 Mio Stunden pro Monat (1,5 Mio. *15,8 Stunden/Monat => 23,7 Mio Stunden pro Monat) (vergl. Kapitel 4 Abschnitt 1). Demgegenueber stehen 3,216 Millionen Menschen die eine hilfebedarf haben (vergl. Kapitel 2 Abschnitt 2). Daraus folgt, dass jeder Hilfesuchende ca. 7,4 Stunden ehrenamtlicher Hilfe im Monat erhalten koennte, wenn die passenden Hilfeangebote fuer ihn verfuegbar waeren, was oft nicht der Fall ist (23,7 Mio. Stunden / 3,216 Mio. Menschen = > 7,37 Stunden/Mensch). Diese Berechnung zeigt, dass die ehrenamtliche Arbeit zur Zeit Grenzen hat. Die Berechnung unterstellt, dass alle Hilfen einzeln geleistet werden und unterschlaegt Gruppenarbeit sowie administratorische und organisatorische Taetigkeiten, die immerhin 38% der Zeit der Ehrenamtler in Anspruch nehmen (vergl. Fachlexikon der sozialen Arbeit 1993, Seite254). Ueberdies verschweigt diese viel zu guenstige Rechnung, dass selbstverstaendlich auch andere Menschen, die nicht als hilfebeduerftige Senioren erfasst sind, die ehrenamtlichen Helfer anfordern. Selbst wenn die Ehrenamtler von ihrer Struktur her in der Lage waeren, jedem Hilfebeduerftigen die benoetigte Hilfe qualitativ zu leisten, so waeren Sie nicht in der Lage, dies quantitativ im erforderlichen Masse zu tun. Es gibt zuwenig ehrenamtliche Helfer. Der Hilfebedarf, der zusaetzlich zu den Leistungen der sozialstaatlichen Sicherungssysteme bei den Hilfebeduerftigen Senioren besteht, betraegt sicher mehr als aufgerundet 8 Stunden pro Monat. Diese Behauptung stuetze ich auf die angebotenen Hilfeleistungen, die in Kapitel 4 exemplarisch und nicht abschliessend aufgezaehlt sind. Moechte ein Hilfebeduerftiger nur einen kleinen Teil dieser Hilfen wahrnehmen, so erfordert das einen hoeheren Zeitaufwand als 2 Stunden pro Woche . Noch einmal sei darauf hingewiesen, dass die errechneten 8 Stunden moegliche Hilfe pro Monat bei korrekter Einbeziehung aller relevanter Fakten sich als deutlich zu hoch gegriffen erweist.
6. Ausblick und Loesungsmoeglichkeiten der anstehenden Probleme Die lange Jahre in Deutschland betriebene Politik des Ausbaus des Wohlfahrtsstaates, geraet in Zeiten wirtschaftlicher Rezesion ins Stocken. Die Vorstelllung , dass der Staat eine umfassende Lebensvorsorge fuer seine Buerger betreiben soll, was unter anderem das demokratische System stabilisiert, wird zunehmend in Frage gestellt. Eine andere Sichtweise stellt der Wohlfahrtsmix dar. Mit dem Wohlfartsmix beschaeftige ich mich in Kapitel 6.
6.1 Der Staat ist nicht alleinverantwortlich fuer seine Buerger
Die Erkenntnis, dass der Staat die anstehenden Versorgungsaufgaben alleine nicht in ausreichender Form erfuellt, fuehrte in der Praxis dazu, dass sich vom Staat nur teilweise oder gar nicht unterstuetzte Hilfegruppen bildeten. Legt man das Wohlfahrtsstaatliche denken zugrunde, entstehen diese Gruppen nur dort, wo der Staat und die von ihm beauftragten Organisationen versagen. Dies ist jedoch nur eine Sichtweise. Eine dazu extreme Position waere die Sichtweise, dass der Staat immer nur dann eingreift, wenn alle anderen Hilfesysteme nicht greifen. Zwischen der Positionen das der Staat auf interventionistische Weise in einer marktwirtschaftlich organisierten Industriegesellschaft umfassende Lebensvorsorge fuer seine Buerger treibt und der Vorstellung, dass der Staat nur eingreift wenn alle anderen Systeme versagen, sind alle Varianten denkbar. Es zeichnet sich ab, dass keiner dieser beiden Extremstandpunkte in Deutschland realisiert wird. Ein Mittelweg muss gesucht werden. Dies erfordert neue Ueberlegungen. Eine These ist, das Ressourcen besser genutzt werden koennen, wenn die verschiedenen Anbieter sozialer Dienstleistungen besser zusammenarbeiten wuerden. Diese angestrebte bessere Zusammenarbeit aller Beteiligten aus Markt, Solidarwirtschaft, informellem Sektor und Staat wird als Wohlfahrtsmix bezeichnet. Dabei wird versucht, ausgeglichene Kombinationen zwischen monetaeren und nichtmonetaeren Ressourcen zu finden. Der Wohlfahrtsmix hat im angelsaechsischen Raum seine Vordenker. Nachdem in Deutschland die angespannte Haushaltslage zu Einschnitten in das sozialstaatliche Sicherungssystem gefuehrt hat, werden Elemente des Wohlfahrtsmixes auch hier diskutiert und umgesetzt. Ferner wird sich die Lage aufgrund der wachsenden Zahl von aelteren Mitbuergern weiter verschaerfen, so dass der Wohlfahrtsmix als eine Alternative zur Bewaeltigung der Probleme herangezogen werden muss. Der Wohlfahrtsmix ist keine einheitliche Theorie. Er wird in vielen Laendern umgesetzt, die unterschiedliche soziale Sicherungssystem haben. Selbstverstaendlich muessen in diesen unterschiedlichen Systemen differenzierte Loesungen gefunden werden.
6.2 Aufteilung der Wohlfahrtsdienstleister in vier Sektoren
Man kann die Wohlfahrtsdienstleister in vier Sektoren einteilen. Den Markt-Sektor (private Anbieter), den Staats-Sektor, den informellen Sektor (Familien-, Nachbarschaftshilfe, Zugehoerigkeit zu einer Nation etc.) sowie den Nonprofit-Sektor (ehrenamtliche Hilfe bzw. freiwilliges soziales Engagement wobei vor der Hilfe in der Regel keine persoenliche Bindung zu dem Hilfesuchenden bestand) (vergl. Evers/Olk 1996, Seite 23). Die einzelnen Sektoren haben individuelle Staerken und Schwaechen.
Der Markt-Sektor ermoeglicht ein Maximum an freier Vertragsgestaltung. Er ermoeglicht eine individuelle Hilfeleistung fuer den Hilfesuchenden. Der Hilfesuchende erhaelt die benoetigte Hilfe jedoch nur, wenn er sie auch bezahlen kann.
Der Staats-Sektor ist in der Lage, Hilfen flaechendeckend zur Verfuegung zu stellen. Aufgrund seiner Struktur erbringt er diese Hilfen in standardisierter Form. Dadurch verfehlt er die Beduerfnisse von Minderheiten und "Ausnahmefaellen". Aufgrund seiner hierarchischen Struktur kann er nicht flexibel genug auf neue bzw. veraenderte Beduerfnisse reagieren. Der Statt finanziert sich durch Steuern und Abgaben. Mit jeder erbrachten Hilfeleistung die der Steuerzahler zahlen muss, wird dem Steuerzahler eine Moeglichkeit zur eigenverantwortlichen individuellen Verwendung dieser Mittel fuer z.B. Vorsorge oder Hilfebedarfsdeckung genommen. Eine weitere Ueberlegung ist, dass der versorgende Staat die Eigeninitiative der informellen Sektoren schwaecht.
Der informelle Sektor steht nur aufgenommenen Mitgliedern zur Verfuegung. Nur diejenigen, die anerkannte Mitglieder eines Systems (Familie, Freundeskreis etc. ) sind erhalten Hilfe. Diese Systeme bauen auf gegenseitiges Vertrauen ineinander und Achtung voreinander auf. Jeder der sich innerhalb des Systems befindet, muss nicht fuerchten ausgenutzt zu werden, denn er weiss, dass er ebenfalls Hilfe bekommt, wenn er in Not geraet. Dieser letzte Satz ist eine idealisierte Darstellung des informellen Sektors, da viele informelle Sektoren so klein sind, das sie beim Wegfall einer oder mehrere Mitglieder nicht mehr bestehen (Beispiel: Eine kinderlose Tochter pflegt ihre Mutter. Sie kann nicht hoffen, von ihren Kindern ebenfalls gepflegt zu werden). Daneben stellt die Mitgliedschaft in einem solchen System immer eine, die persoenliche Freiheit einschraenkende Verpflichtung dar.
Der Nonprofit Sektor bietet Raum fuer freiwilliges soziales Engagement. Der Ehrenamtler kann sich die Organisation auswaehlen, die seinen Vorstellungen am naechsten kommt. Die ehrenamtliche Arbeit kommt in der Regel auch Nichtmitgliedern zugute. Der nonprofit Sektor staerkt den Gedanken des politischen und sozialen Engagements jedes einzelnen. Nonprofit-Sektoren sind sehr oft von einem wertgebundenen Leitgedanken gepraegt, der in der praktischen Arbeit mehr oder weniger stark durchschimmert. Dieser Leitgedanke kann dazu fuehren, dass Menschen von der Hilfe ausgegrenzt werden.
6.3 Der Gedanke der Zusammenarbeit ist nicht neu
Der Gedanke der Zusammenarbeit der verschiedenen Sektoren ist nicht neu und findet in kleinem Rahmen seit jeher statt. Die Staerke des Wohlfahrtsmixes ist der konsequente Ausbau von nuetzlichen Beziehungen, wobei nicht nur einzelne Dienstleistungen einander ergaenzen sollen, sondern durch Synergieefekte weitere Ressourcen frei werden. Dies setzt eine Bereitschaft aller Gruppen zur Zusammenarbeit voraus. Nicht ausser acht gelassen werden darf die Tatsache, dass jeder der vier Sektoren seine eigene Logik und Motivation hat, aus der heraus er seine Hilfeleistungen anbietet. Diese Beweggruende koennen sich gegenseitig ergaenzen, weisen aber auch Unvereinbarkeiten auf. Gelingt es die Ziele der einzelnen Sektoren miteinander zu verknuepfen, erhoeht dies den Nutzungswert der einzelnen Dienste fuer den Hilfesuchenden. Die Bereitschaft zur Zusammenarbeit der einzelnen Sektoren steigt in einer Zeit, in der die finanziellen Grenzen und die damit verbundenen Einschraenkungen bei der Verwirklichung der angestrebten Ziele, deutlich zu Tage treten. Die Idee, dass alle Menschen in einer Gesellschaft einander verantwortlich sind, wirft ebenfalls die Frage auf, ob einzelne Gruppen ihre Ziele verfolgen koenne, ohne auf Randgruppen zu achten, die sie durch ihre weltanschauliche Ausrichtung nicht unterstuetzen koennen. Die Eigenlogik und die daraus entstehende Eigenselektivitaet der einzelnen Hilfegruppen darf nicht dazu fuehren, dass die Beduerfnisse des Einzelnen uebergangen werden.
6.4 Die Rolle des Staates aendert sich
Der Staat muss den Rahmen fuer eine Durchfuehrung des Wohlfahrtsmixes kreieren. Sein Spielraum ist gross. So koennen staatliche Aufgaben an Dritte uebertragen werden , wie dies zum Beispiel durch das Subsidiaritaetsprinzip der Fall ist. Kritisch sei hierzu bemerkt, dass das Subsidiaritaetsprinzip einige Sektoren (z.B. Markt-Sektor) ausgrenzt. Ein anderer Weg ist die Ausarbeitung von Gesetzten, die es unterschiedlichen Anbietern erlauben, Dienstleistungsangebote in einem festgelegten Rahmen zu machen. Hierbei hat der Staat die Moeglichkeit, seine Vorgaben so zu machen, dass der einzelne Hilfesuchende nicht benachteiligt werden kann. Die Pflegeversicherung ist hierfuer ein Beispiel. Jeder Hilfesuchende, der die gesetzlichen Voraussetzungen erfuellt, hat ein Recht auf festdefinierte, von den zugelassenen Dienstleistern erbrachte Leistungen. Im uebrigen kann der Staat Gelder zur Verfuegung stellen, um neue benoetigte Hilfesysteme, die durch freiwilliges soziales Engagement getragen werden, zu initiieren und durch Fachkraefte anzuleiten. In Deutschland haben die Spitzenverbaende der freien Wohlfahrtspflege gegenueber den anderen Sektoren ein Uebergewicht. Diese starke Position wurde mit Einfuehrung des Pflegegesetztes und des dort in Frage gestellten Subsidiaritaetsprinzips leicht geschwaecht. Dennoch muss der Staat, moechte er ein Wohlfahrtsmixkonzept fuer Deutschland verfolgen, die fuehrende Rolle der Wohlfahrtsverbaende beruecksichtigen. Dabei wird es einige Kontroversen darueber geben, ob der Staat die Wohlfahrtsverbaende stuetzt oder weiter schwaecht.
6.5 Die Grenzen der einzelnen Sektoren verschwimmen
Die Grenzen der einzelnen Sektoren sind nicht statisch. Sie liegen bereits heute nicht in reiner Form vor. So arbeiten die Nonprofit-Sektoren nicht nur mit Spendengeldern sondern ueberwiegend mit zweckgebundenen Staatsgeldern. Aus der Betriebswirtschaft stammende Organisations- und Managementkonzepte werden auch bei Nonprofit-Sektoren angewendet. Einige Nonprofit-Organisationen gruenden gewerbliche Unterorganisationen, die sich als GmbH´s ausgruenden. Viele Gruppen aus dem informellen Sektor versuchen unter das Dach von grossen Nonprofit-Organsitaionen zu schluepfen, um deren Ressourcen mitbenutzen zu koennen.
Nonprofit-Organisationen stellen auch einen Rahmen zur Verfuegung, der es informellen Gruppen ermoeglicht, taetig zu werden. Dadurch werden die informellen Gruppen genoetigt, ihre Konzepte darzustellen, was zu einer Qualitaetsverbesserung ihrer Arbeit fuehren kann.
6.6 Der Wohlfahrtsmix muss bedacht umgesetzt werden
Entscheidungsprozesse werden vom Staat aufgrund demokratischer Grundsaetze gefaellt. Der Staat kann Ressourcen bereitstellen, Gesetze und Qualitaetsstandards schaffen und kontrollieren. Die Hilfsdienste koennen durch ihre Buergernaehe flexibel auf Hilfebeduerftige reagieren. Jedoch besteht die Gefahr, dass die Hilfsdienste teile ihrer Autonomie einbuessen, wenn sie sich enger an staatliche Stellen binden. Durch die Konkurrenz um knappe Foerdermittel kann der selbstgesteckte Auftrag des einzelnen Hilfsdienstes verzerrt werden. Ueberdies besteht die Gefahr, der nicht immer anzustrebenden Professionalisierung und Buerokratisierung, da der Staat andere Anforderungen stellt als ein Spender.
Je mehr die sozialen Dienste abhaengig werden von staatlichen Stellen, desto schwieriger wird es ihnen fallen, ihre wichtige gesellschaftliche Rolle als Anwalt fuer soziale Belange und Kritiker von Regierungspolitik warzunehmen. Der eventuelle Verlust ihres eigenen Profils bei zu enger Zusammenarbeit mit dem Staat, kann die sozialen Dienste auch unatraktiv machen fuer freiwillige Helfer, die ihre Ideale nicht mehr vertreten sehen. Aus diesem Grund haengt der Erfolg des Wohlfahrtsmixes auch davon ab, dass die Steuerung des Staates durch Richtlinien und Foerderprogramme nicht zu restriktiv ist.
6.7 Das Freiwilligkeitsprinzip birgt Gefahren
Das Freiwilligkeitsprinzip, auf dem der Wohlfartsmix aufbaut, birgt Gefahren. Das Ziel, dass Hilferessourcen in ausreichender Menge flaechendeckend zur Verfuegung stehen, kann eventuell nicht ueberall mit Vernunft, Buergerengagement und Verhandlungen der verschiedenen Hilfesektoren untereinander erreicht werden. Speziell im nonprofit- und informellen Sektor koennen Luecken entstehen, weil nicht genuegend Helfer bereitstehen. Die weltanschauliche, ethische und religioese Grundeinstellung der Gruppen ist eventuell ungeeignet um Minderheiten (Homosexuelle, Behinderte, fremde Rassen, unuebliche Religionen etc.) zu versorgen.
Zu bedenken ist, dass ein freiwilliges Engagement oft auch deshalb uebernommen wird, weil der Helfer damit eine gesellschaftlich anerkannte Taetigkeit ausuebt, auf die er stolz ist. So wird es immer attraktive Betaetigungsfelder geben, auf denen der Bedarf an Helfenden gedeckt werden kann, waehrend auf anderen unattraktiveren Feldern eine Luecke klafft. Ein weiteres Problem im Bereich der Arbeit mit Spendengeldern ist, dass einige wohlhabende Menschen durch ihre finanzielle Mittelvergabe entscheiden, wo der Schwerpunkt der Hilfe liegt. So koennen Bereiche wie Kunst und Kultur, die von Reichen bevorzugt gefoerdert werden, leichter finanzielle Mittel erhalten, waehrend andere Gebiete Finanzierungsluecken aufweisen.
Zuletzt muss die Frage aufgeworfen werden, ob Werte wie Vielfalt, Wettbewerb, Demokratie und Gerechtigkeit in den Tendenzbetrieben der freien Wohlfahrtspflege ausreichend beruecksichtigt werden. Diese Situation schafft neue Abhaengigkeitsverhaeltnisse (vergl. Evers/Olk 1996, Seite 92 und Seite 93). Um diese Defizite zu kompensieren, ist staatliches Handeln erforderlich.
6.8 Der Wohlfartsmix ist ein Modell fuer die Zukunft
In welche Richtung sich der Wohlfahrtsmix entwickelt, haengt auch von der Beantwortung folgender Fragen ab.. -	Wird die Ressource "Solidaritaet von Menschen untereinander" als ausbaubar angesehen oder muss mit dem ausgekommen werden, was bereits vorhanden ist? -	Sollten alle Menschen den gleichen Hilfestandart bekommen oder soll, dadurch dass ein betraechtlicher Teil des eigenen Vermoegens eingesetzt werden muss, eine Differenzierung bzw. ein Zwang zur Eigenvorsorge vorgenommen werden? - Soll der Staat durch eindeutige Regelungen die Hilfeleister zu bestimmten Grundsaetzen verpflichten oder ergibt sich die Versorgung aufgrund von Angebot und Nachfrage?
Wohlfahrtsmix ist in allen Systemen mit mehreren Hilfeanbietern denkbar. Auf Deutschland und sein System der sozialen Marktwirtschaft bezogen heisst das meiner Meinung nach, dass der Staat dem Einzelnen ein Recht auf eine grundlegende Versorgung zugestehen muss, wobei dies aber nicht soweit gehen darf, dass der Staat durch Ueberversorgung die Eigeninitiative des Einzelnen untergraebt. In diesem Spannungsfeld muessen die verschiedenen Anbieter von Hilfeleistungen lernen, Miteinander interessenuebergreifend zusammenzuarbeiten. In einem konstruktiven miteinander der verschiedenen unterschiedlichen Interessengruppen muessen Loesungen gefunden werden, die anerkennen, dass mehrere Ziele gleichwertig nebeneinander stehen koennen, deren Verfolgung gleich wichtig ist.
In freien Gesellschaften kann es keine totale Akzeptanz irgend eines einzelnen Zieles geben (Evers/Olk 1996, Seite 65).
Aus diesem Grund ist der Wohlfahrtspluralismus nach meiner Meinung, der Weg der Zukunft. Nur indem der Einzelne auf unterschiedliche Hilfesystem zurueckgreifen kann, hat er die Moeglichkeit sich adaequat zu versorgen. Die Aufgabe des Staates ist es, Haerten in dieser Versorgung zu vermeiden und dafuer zu sorgen, dass die staatlichen Ministerien, welche die sozialpolitische Planung beeinflussen, reibungslos zusammenarbeiten. Zur Vermeidung von Haerten hat der Staat unterschiedliche Instrumente zur Verfuegung. Realistisch gesehen, entfaellt die Moeglichkeit der garantierten Grundversorgung per Gesetzt auf hohem Niveau, da durch die Umkehrung der Alterspyramide im Bereich der Altenarbeit, eine zu hohe steuerliche Belastung des Buergers erreicht wuerde. Auch die Moeglichkeiten der Pflichtversicherung sind begrenzt, da das Gehalt eines Geringverdieners durch eine Zwangsversicherung genauso geschmaelert wird, wie durch eine Steuer.
Es bleibt aus meiner Sicht nur die Moeglichkeit einer vom Staat garantierten Grundversorgung auf niedrigem Niveau, die durch eine Pflichtversicherung oder aus Steuergeldern (das BSHG ist hier nur eine Moeglichkeit) bzw. einem Gemisch von beiden finanziert wird. Der Einzelne muss dieses Grundpaket durch persoenliche Vorsorge aufstocken. Dies muss nicht zwangsweise durch eine kostenintensive Privatversicherung geschehen. Der Wohlfahrtsmix bietet die zumindest theoretisch Moeglichkeit, durch eigene Beteiligung an sozialen Aufgaben ein Fundament zu schaffen, das ihn spaeter ebenfalls versorgen kann. Jedoch moechte ich nicht verschweigen, dass meiner Meinung nach, hier eher der Wunsch der Vater des Gedanken ist. In einer Zeit, in der Flexibilitaet, Ortsungebundenheit sowie lebenslanges Lernen eine unabdingbare Voraussetzung fuer eine berufliche Existenz darstellen, wird von den Organisatoren sozialer Arbeit sehr viel verlangt, wenn das Individuum in eine Organisation eingebunden werden soll. Umgekehrt ist die Frage, ob die Menschen trotz des haerter werdenden Alltags in der Lage sind, dauerhafte Solidaritaet zu leben. Es erfordert von allen Akteuren viel Vertrauen in die Zukunft, wenn jemand im Moment darauf hofft, dass ihm das gleiche soziale Engagement spaeter zuteil wird, dass er jetzt investiert. Hinzukommt, dass nicht zuletzt durch den Zusammenbruch des Sozialismus der Glaube an die soziale Marktwirtschaft in Deutschland weit verbreitet ist . Wobei in den letzten Jahren der Eindrug entsteht, dass der Zusatz "sozial" immer mehr an Bedeutung verliert. Empirische Studien weisen daraufhin, dass die von den Wohlfahrtsverbaenden mobilisierte ehrenamtliche Arbeit ruecklaeufig ist (vergl. Evers/Olk 1996, Seite 303). Die Zukunft muss klaeren, ob die neuen sozialen Ideen, wie die der Selbsthilfegruppen, in der Lage sind diesen Trend umzukehren.
In Deutschland werden neue Wege der Steuerung sozialer Systeme beschritten, weg von staatlich verfasster Wohlfartspolitik, hin zum Wohlfahrtspluralismus. Dies ist ein Trend in Richtung Deregulierung mit allen damit verbunden Vor- und Nachteilen. So wurden die Hoehe und Dauer von staatlichen Unterstuetzungsleistungen abgesenkt. Tendenzioes sind weitere Einsparungen im sozialen Bereich absehbar. Massnahmen der (Re-)Privatisierung, die Abschaffung wettbewerblicher Ausnahmebereiche sowie der Abbau buerokratischer Hemmnisse koennen positive Impulse setzen. Es ist jedoch nicht damit getan, dass der Staat Rechte garantiert und Aufgaben an Dritte weitergibt . Es muss der Gemeinsinn gefoerdert und ein Klima von Solidaritaet geschaffen werden, das Dritten die Erfuellung der uebertragenen Aufgaben ermoeglicht. Ich halte es fuer wahrscheinlich, dass ein marktorientierter Ansatz des Wohlfahrtsmixes mit dem Hintergrund einer staatlichen Grundversorgung, die Entwicklung der naechsten Jahre sein wird. Unklar ist jedoch, inwieweit die Ressource "Freiwilliges soziales Engagement" hier eher optimistisch oder pessimistisch eingeschaetzt werden muss. Aufbauend auf eine Grundversorgung werden konkurrierende Dienstleister Leistungen zur Verfuegung stellen, die an verschiedene Voraussetzungen gebunden sind. Denkbar sind hier Voraussetzungen wie Finanzkraft, soziales Engagement, Zugehoerigkeit zu einer Gruppe (Religion, Interessengemeinschaft etc.). In Deutschland besteht, bedingt durch das Prinzip der sozialen Marktwirtschaft, eine Tradition, dass der Staat regulierend in den Markt eingreift, um soziale Haerten zu vermeiden. Dies wird in veraenderter Form sicher auch in Zukunft geschehen. Die dazu im Widerspruch stehende These, dass soziale Systeme sich unter entsprechenden Rahmenbedingungen selbst regulieren (vergl. Evers/Olk 1996, Seite 135 ) und damit staatliche Eingriffe unnoetig sind, wird sich meiner Einschaetzung nach in Deutschland nicht durchsetzen. Haelt man sich die Diskussionen ueber einen schlankeren Staat vor Augen, so ist es denkbar, dass Teile des in Amerika verwirklichten Prinzips des "thirdgovernment" auch in Deutschland umgesetzt werden. Dies bedeutet, das die Verwirklichung von staatlichen Zielen auch durch nichtstaatliche Akteure uebernommen wird (vergl. Evers/Olk 1996 Seite 129 bis Seite 131). Auch in einer pluralistischen Wohlfahrtsgesellschaft sind der Staat und die grossen Wohlfahrtsverbaende auf absehbare Zeit immer noch zentrale Ordnungskraefte.
7. Die neue Rolle des Kunden in einem sich veraendernden System
In diesem Kapitel stelle ich einige Kriterien dar, die einen marktwirtschaftlich orientierten Dienstleistungsmarkt kennzeichnen, der seinen Platz innerhalb eines marktwirtschaftlich orientierten Wohlfahrtsmixes haben kann. Hierbei treten einige Schwaechen des marktwirtschaftlich orientierten Dienstleistungsmarktes zutage.
7.1 Der Selbstzahler als Kunde
Selbstbestimmung, Selbstverantwortung und die Teilhabe am sozialen Leben in einer marktorientierten Gesellschaft setzt voraus, dass der Senior seine Rolle als Kunde/Inn aufrecht erhalten kann. Dazu benoetigt er den noetigen finanziellen Hintergrund.
Ein Markt setzt mehrere Anbieter voraus, aus denen der Kunde qualitaetsorientiert auswaehlen kann. Diese beiden Punkte sind oft im hier behandelten Kontext nicht gegeben. Viele Menschen fehlt das Geld um sich zusaetzliche Hilfeleistungen zu kaufen. Das Kriterium, dass mehrere Anbieter vorhanden sein muessen, ist im Bereich der Pflege in der Zwischenzeit durch Einfuehrung der Pflegeversicherung und der damit verbundenen Gleichstellung von oeffentlichen und privaten Anbietern, gegeben. Anders ist dies im Bereich der ehrenamtlichen Hilfeleistungen. Hier fehlt das Angebot entweder gaenzlich oder ist nur auf eine kleine Anzahl von Anbietern begrenzt. Der Anbieter sucht sich oft den Kunden und die Dienstleistungen, die er zu erbringen in der Lage ist, aus. Dies laeuft der in Kapitel 6 entwickelten Vorstellung eines markwirtschaftlich orinetierten Wohlfartsmixes entgegen. Zu bedenken ist generell, dass bei ehrenamtlich erbrachen Leistungen die Steuerung der Qualitaet ueber eine adaequate Bezahlung voellig versagt. Auch bei Erhalt der Leistungen, die das sozialstaatliche Sicherungssystem bereitstellt, treten Probleme auf, wenn der Kunde nach marktwirtschaftlichen Gesichtspunkten vorgehen will. Hier werden viele Aufgaben von Traegern uebernommen, die ihr Leistungsangebot aus einem religioesen oder humanistischen Verstaendnis heraus anbieten. Der Wettbewerbsgedanke und die Anpassung an den Markt spielen nur in eingeschraenkter Weise eine Rolle. Bestimmte Aufgaben werden vom Sozialhilfetraeger nur an einige Anbieter uebertragen, die damit faktisch ein Monopol besitzen. Ausserdem erhalten sie die Bezahlung nicht vom Kunden, sondern von einem Kostentraeger, der die Bezahlung an Auflagen knuepft, die durchaus nicht im Sinne des Kunden sein muessen. Es ist zu ueberlegen, ob die Foerderung der Leistungsanbieter der richtige Weg zu mehr kundenorientierten Leistungen ist. Eine Alternative waere es, den Kunden mit ausreichenden finanziellen Mitteln auszustatten, so dass er einen Dienstleister engagieren kann, der sich ausschliesslich aus der Bezahlung des Kunden finanziert. Diese aus meiner Sicht bessere Alternative scheitert allerdings an den finanziellen Gegebenheiten. Ich halte das von mir in Kapitel 6 Abschnitt 8 beschriebene Zukunftsmodell fuer wahrscheinlicher. Eine Umschichtung der Gelder, die jetzt zu den Traegern sozialer Arbeit fliessen, auf die Hilfesuchenden wuerde nicht genuegen, um die benoetigten Hilfebedarfe der Hilfesuchenden zu decken (Wie bereits mehrfach erwaehnt, decken die heute finanzierten Leistungen den Bedarf der Hilfesuchenden nicht vollstaendig ab). Die Folge waere ein erhoehter Eigenanteil an den Kosten. Dies ist vielen Menschen nicht zumutbar.
Selbstzahler sind in der Praxis stark umkaempft. Sie koennen die Leistungen erhalten, die sie wuenschen. Der Dienstleister ist in der Lage, kundenorientiert zu arbeiten, ohne sich an einschraenkende Vorgaben der Leistungstraeger zu halten. Von dieser Moeglichkeit der kundenorientierten Arbeit machen viele Dienstleister meiner Meinung nach zu wenig Gebrauch, da sie den Selbstzahler in ihre bestehende Struktur eingliedern, die durch ehrenamtlicher Arbeit bzw. durch eine Finanzierung aus sozialstaatliche Sicherungsystemen getragen wird. Dieses Vorgehen erschwert es, Beduerfnissen des Kunden nachzukommen, da die bestehenden Strukturen, die fuer den Selbstzahler nicht geaendert werden, dies nicht zulassen.
Meiner Meinung nach machen viele Hilfebeduerftige zu spaet Gebrauch von der Moeglichkeit der privaten Zuzahlung. Der Grund dafuer ist meines Erachtens nicht ausschliesslich in der Unmoeglichkeit der Finanzierung zu suchen. Viele Menschen haben Schwierigkeiten damit, den Gedanken aufzugeben, dass das soziale System sie nicht vollstaendig versorgt. Diese Haltung fuehrt im Extremfall zu einer unaufhaltsamen Eigendynamik. Wer nicht rechtzeitig in Hilfen Geld investiert, die ihm das Leben in den eigenen vier Waenden ermoeglichen, laeuft Gefahr vorzeitig in ein Heim ziehen zu muessen, welches ihm in der Regel wesentlich mehr Kosten verursacht.
Das in Kapitel 6 Abschnitt 8 erwaehnte Szenario des Wandels hin zu einem marktwirtschaftlich orienterten Wohlfahrtsmix, der genuegend Raum fuer den Markt-Sektor, den Staatssektor, den informellen Sektor und den Nonprofit-Sektor laesst, ist nicht die einzig moegliche, aber aus meiner Sicht, die wahrscheinlichste Entwicklung. Diese Entwicklung fuehrt zu einer groesser werdenden Kluft zwischen den Menschen, die sich Hilfeleistungen erkaufen koennen und solchen, die auf die Grundversorgung und die Barmherzigkeit anderer angewiesen sind. Es wird von entscheidender Bedeutung sein, wie sich die Reform der Rentenversicherung entwickelt. Die aktuelle politische Entwicklung deutet meiner Meinung nach auf eine Absenkung des Rentenniveaus. Die schlechte oekonomische Situation in Deutschland laesst auch nichts anderes erwarten. Kommt es zu dieser Absenkung des Rentenniveaus, so ist eine persoenliche Altersvorsorge aeusserst ratsam. In dieser Diplomarbeit habe ich dargelegt, dass die Versorgung von Senioren momentan nicht optimal ist. Dennoch ist trotz der neuen Konzepte nicht zu erwarten, dass sich diese Situation verbessert. Die fragwuerdige Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt, selbst optimistische Studien gehen bis zum Jahre 2010 von einer Arbeitslosigkeit von mindestens 6% aus (vergl. Prof. Becker/Dr. Ebert 1996, Seite 33 und Seite 83), laesst erwarten, dass sich das Renteneinkommen nicht auf dem heutigen Niveau halten laesst .
Die in Kapitel 1 und 2 belegte Erwartung , dass sich die Alterspyramide umkehrt, unterstreicht die Befuerchtung, dass das jetzige Rentenversicherungssystem weiter nach unten hin modifiziert werden muss. Die Globalisierung der Maerkte fuehrt ebenfalls zu Nachteilen fuer den Standort Deutschland, die sich bereits jetzt in hoeheren Arbeitslosenzahlen und in niedrigeren Loehnen auswirken. Es ist im Moment auch kein Modell erkennbar, das fuer die Zukunft eine positiver Entwicklung erwarten laesst. Die in Amerika erreichten positiven Beschaeftigungszahlen, wurden vorallem durch Schaffung von schlecht bezahlten Stellen erreicht.
Die durch den Wohlfartsmix eintretenden Synergieefekte werden bestenfalls in der Lage sein, die negativen Folgen der schlechten Arbeitsmarktsituation und der Umkehrung der Alterspyramide abzuschwaechen. Eine Verbesserung der Lage von Senioren erwarte ich nicht. Ohne den sinvoll gefoerderten Wohlfahrtsmix, dem es gelingen muss, dass freiwillige soziale Engagement von Menschen zu aktivieren und angemessen einzusetzten, wird es meiner Meinung nach eine deutlich schlechtere Versorgung von Senioren, die geringen finanziellen Resourcen besitzen, in der Zukunft geben. Menschen die aufgrund ihrer guten finanziellen Situation in der Lage sind Hilfeleistungen zu bezahlen, werden hingegen in der Zukunft einen breiteren Markt vorfinden, der flexibel auf ihre Beduerfnisse eingeht.
Bundesministerium fuer Arbeit und Sozialordnung:
Soialbericht 1993,
Bonn April 1994
Infratest Sozialforschung, Sinua und Horst Becker:
Die Aelteren,
Bundesminsiterium fuer Familie und Senioren (BmFuS):
Die Alten der Zukunft - Bevoelkerungsstatistische Datenanalyse,
Stuttgart, Berlin, Koeln 1994 (W. Kohlhammer Verlag GmbH)
Alter als gesellschaftliche Herausforderung,
Regensburg 1992 (Friedrich Pustet Verlag)
Helmut Breitkopf/Norbert Wohlfahrt(Hg.):
Sozialpolitik jenseits von Markt und Staat?,
Bielefeld 1990 (Kleine Verlag)
Klaus Peter Schwitz und Gunnar Winkler (Hg.):
Altenreport 1992,
Berlin 1993 (Morgenbuchverlag)
Sybille Knoedler:
Materialien zur Stadt- und Regionalplanung Heft 11,
Bayreuth 1995 (Universitaet Bayreuth, Abteilung Raumplanung)
Institut fuer Sozialarbeit und Sozialpaedagogik (ISS) e.V. (Hrsg):
Altwerden 2000,
Frankfurt Main 1995 (Am Stockborn 5-7 60439 Ffm Praunheim)
Dr. Ulrich Schneider:
Frankfurt/Main 1992 (Deutscher paritaetischer Wohlfahrtsverband)
Antje Sachse/Wolfgang Schwarz:
Seniorenfreundliche Gemeinde,
Bonn 1995 (Bundesministerium fuer familien, Senioren, Frauen und Jugend )
Rechtsfragen in der Altenarbeit,
Freiburg im Preisgau 1992 (Lambertus-Verlag)
Adalbert Evers /Thomas Olk (Hrsg.)
Wohlfahrtspluralismus -Vom Wohlfahrtsstaat zur Wohlfahrtsgesellschaft-,
Deutschland 1996, (Opladen:Westdt. Verl.)
Prof. Dr. Gerhard Baecker/ Dr. Thomas Ebert:
-Defizite und Reformbedarf in ausgewaehlten Bereichen der sozialen Sicherung-
Duesseldorf 1996 (Ministerium fuer Arbeit, Gesundheit und Soziales des Landes
Ulrich Amrhein / Wolfgang Ruehl:
Freizeit und Kommunikationsprojekt fuer verwirrte aeltere Menschen
Schlussbericht (10/93 - 06/94),
Frankfurt Main (Caritasverband Frankfurt am Main)
Die "Wohnkueche" soll bald verwirrten Menschen helfen,
Frankfurter Neue presse vom 04.06.97
Immer wieder Montag kommt die Studentin,
Frankfurter allgemeinen Zeitung vom 24.02.97, Kulturseite 5
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