Source: https://kita.rlp.de/de/themen/kita-gesetz/regelungen-zum-personal/
Timestamp: 2020-05-30 08:49:43
Document Index: 226307801

Matched Legal Cases: ['§ 21', '§ 22', '§ 21', '§ 23', '§ 25', '§ 21', '§ 21', '§ 22', '§ 23', '§ 25']

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Wie gestaltet sich die Personalausstattung in Kindertageseinrichtungen nach dem neuen Gesetz?
Im Bundesschnitt hat Rheinland-Pfalz bereits einen sehr guten Personalschlüssel. Allerdings ist die Kita-Landschaft noch sehr heterogen, das heißt es bestehen große Unterschiede in der Personalausstattung zwischen den Kommunen (vgl. Ländermonitoring der Bertelsmann Stiftung 2018). Das Land aber muss auf einen gleichmäßigen Ausbau der Einrichtungen und gleichmäßige Angebote der Jugendhilfe hinwirken. Ein wesentliches Ziel des neuen Kita-Gesetzes ist es deshalb, die Grundlage für eine transparente und vergleichbare Personalbemessung zu schaffen und so überall im Land für eine gleich gute Personalausstattung zu sorgen.
Wie berechnet sich die Personalgrundausstattung?
Die Grundlage der bisherigen Personalisierung waren die Gruppen einer Einrichtung. Mit dem neuen Gesetz wird auf eine stundengenaue platzbezogene Personalisierung umgestellt, das heißt die Anzahl der Plätze und der Betreuungsumfang jedes Platzes werden zur Grundlage.
Nach § 21 Abs. 3 KiTaG gibt es drei Platzkategorien:
• Plätze für Kinder bis zur Vollendung des zweiten Lebensjahres
• Plätze für Kinder ab dem vollendeten zweiten Lebensjahr bis zum Schuleintritt
• Plätze für Kinder vom Schuleintritt bis zum vollendeten 14. Lebensjahr.
Pro Platzkategorie gibt es bestimmte Personalquoten:
• Pro Platz für ein Kind bis zur Vollendung des zweiten Lebensjahres: 0,263 Vollzeitäquivalente ,
• Pro Platz für ein Kind ab dem vollendeten zweiten Lebensjahr bis zum Schuleintritt: 0,1 Vollzeitäquivalenten,
• Pro Platz für ein Kind vom Schuleintritt bis zum vollendeten 14. Lebensjahr: 0,086 Vollzeitäquivalente.
Diese Personalquoten beziehen sich immer auf eine Betreuungszeit von sieben Stunden pro Tag. Ist für einen Platz eine längere oder kürzere Betreuungszeit vorgesehen, muss die Personalquote entsprechend angepasst werden. Ein Beispiel: Ein Kind im Alter zwischen zwei Jahren und Schuleintritt wird nicht sieben, sondern neun Stunden pro Tag betreut. Rechnet man die Personalquote von 0,1 Vollzeitäquivalenten für sieben Stunden um, so ergibt sich für diesen Platz ein Personalanteil von 0,128 Vollzeitäquivalenten für neun Stunden (0,1 geteilt durch 7 mal 9).
Zu dieser Personalquote pro Platz kommen weitere Personalanteile. Zum einen gibt es nach § 22 KiTaG erstmals gesetzlich festgeschriebene Zeit für die Leitung der Kita. In jeder Einrichtung fallen, unabhängig von ihrer Größe, Leitungsaufgaben an. Deshalb erhält jede Einrichtung einen Sockel von fünf Stunden Leitungszeit pro Woche (entspricht 0,128 Vollzeitäquivalenten). Zusätzlich gibt es einen flexiblen Anteil an Leitungszeit. Er ist abhängig von der Anzahl der Plätze und dem Betreuungsumfang jedes Platzes, berücksichtigt also, dass bei mehr Kindern oder sehr umfangreichen Betreuungszeiten mehr Leitungsaufgaben anfallen. Je 40 Stunden wöchentlicher Betreuungszeit kommen so 0,005 Vollzeitäquivalente dazu. Sollten Kitas bereits heute über mehr Leitungszeit verfügen, kann diese im Einvernehmen mit dem jeweiligen Träger selbstverständlich beibehalten werden.
Um die Leitungsaufgaben zu erfüllen, ist es außerdem möglich, sich Unterstützung durch Verwaltungspersonal zu holen. Bis zu 20 Prozent der Leitungszeit kann durch Verwaltungspersonal erfüllt werden. Damit können bestimmte Verwaltungsaufgaben durch dafür ausgebildete Verwaltungsfachkräfte erfüllt werden. Das entlastet die Leiterinnen und Leiter.
Neben der Personalquote pro Platz und der Zeit für Leitung gibt es außerdem zusätzliche Zeit für die Praxisanleitung von Auszubildenden und Studierenden, die in der Kita im Einsatz sind. Für jede auszubildende oder studierende Person gibt es nach § 21 Abs. 7 KiTaG eine Stunde Praxisanleitung pro Woche (entspricht 0,026 Vollzeitäquivalenten). Auszubildende und Studierende selbst werden übrigens nicht in den Personalschlüssel eingerechnet – sie kommen zusätzlich zum regulären pädagogischen Personal hinzu.
Wie gestaltet sich die Personalisierung über die Personalgrundausstattung hinaus?
Neben den pädagogischen Fachkräften kann eine Kita nach § 23 KiTaG weiteres Personal haben. Das sind vor allem die Wirtschaftskräfte, also Reinigungs- und Küchenpersonal. Sie unterstützen die Erzieherinnen und Erzieher insbesondere in der Mittagszeit, beim Kochen, Tisch vorbereiten und hinterher beim Aufräumen. So können sich die Erzieherinnen und Erzieher auf die pädagogische Arbeit konzentrieren. Jede Kita kann so viele Wirtschaftskräfte einsetzen, wie sie begründet benötigt.
Nicht in allen Kitas sind die Herausforderungen gleich. In vielen Kitas ergeben sich besondere Bedarfe, sei es durch den Sozialraum oder den Umstand, dass überdurchschnittlich viele Kinder im Alter von zwei Jahren mit höherem Betreuungsaufwand die Einrichtung besuchen. Um diesen Bedarfen gerecht zu werden, stellt das Land nach § 25 Abs. 5 KiTaG erstmals ein sogenanntes Sozialraumbudget zur Verfügung. Damit kann in den Kitas zusätzliches Personal eingesetzt werden. Beispielsweise Französischkräfte im grenznahen Raum, interkulturelle Fachkräfte oder Personal für Kita-Sozialarbeit.
Bisher gab es zusätzliche Mittel für Sprachförderung in den Kitas. Aber Sprachförderung ist ein Thema, das alle betrifft. Sie muss alltagsintegriert stattfinden. Die bisherigen Mittel für Sprachförderung wurden deshalb in die Personalquote für Plätze für Kinder ab dem vollendeten zweiten Lebensjahr bis zum Schuleintritt eingerechnet, also in die 0,1 Vollzeitäquivalente. Somit ist in jedem Platz ein Anteil für Sprachförderung vorgesehen.
Was ist mit Toleranzregel gemeint?
Die Jugendämter als örtliche Träger der öffentlichen Jugendhilfe haben die Aufgabe, für ein bedarfsgerechtes Angebot an Kindertagesbetreuung zu sorgen. Bei ihren Planungen brauchen sie dafür einen gewissen Spielraum. Als bedarfsgerecht versteht das Land deshalb die belegten Plätze eines Jahres zuzüglich einer gewissen Planungstoleranz. Das heißt, das Land zahlt einen Anteil unbelegter Plätze mit. Scheidet also beispielsweise ein Kind im Laufe des Kita-Jahres unvorhergesehen aus, haben Jugendamt, Einrichtung und Personal weiterhin Planungssicherheit. Sie sind außerdem flexibel, einen gewissen Anteil weiterer Kinder im Laufe des Jahres über die Planung hinaus aufzunehmen. Für die U2-Plätze wird die Toleranz bei 20 Prozent liegen. Bei Ü2-Kindern wird sie zunächst bei 20 Prozent beginnen und im Laufe der Zeit auf 8 Prozent abschmelzen. Die Toleranz gilt dabei pro Jugendamtsbezirk. Um herauszufinden, wie viele Plätze in den Einrichtungen tatsächlich belegt sind, wird außerdem nicht mehr der Durchschnitt über das Jahr herangezogen, sondern es wird einen festen Stichtag geben. Dieser ist der 30. Mai, nah vor den Sommerferien, wenn traditionell die höchste Zahl an Plätzen belegt ist.
Zahlt das Land auch für Vertretungskräfte?
Jeder Mensch kann in seinem Beruf auch einmal ausfallen. In den Kindertageseinrichtungen ist dann zunächst der jeweilige Träger einer Einrichtung zuständig, schnellstmöglich guten und qualifizierten Ersatz für das pädagogische Personal und die Wirtschaftskräfte zu finden. Das Land zahlt alle Vertretungskräfte ab dem ersten Tag mit – in der Höhe, wie es sich auch am regulären Personal beteiligt, mit 44, 7 % (kommunale Träger) bzw. mit 47, 2 % (freie Träger) der Kosten.
Dass für Vertretungskräfte nicht von Beginn an ein Anteil in die Personalbemessung eingerechnet ist, hat folgenden Hintergrund: Die Landesfinanzierung wäre dann auf diesen Anteil gedeckelt. Vertretungssituationen können aber sehr unterschiedlich sein. Das Land beteiligt sich mit der jetzt gewählten Regelung an allen Personalkosten, die für Vertretungskräfte entstehen, ohne diese zu begrenzen.
Warum wird die Fachkräftevereinbarung überarbeitet?
In einer eigenen Fachkräftevereinbarung für Kitas ist genau festgelegt, welche fachlichen Voraussetzungen für die Eignung von pädagogischem Personal in Tageseinrichtungen für Kinder erfüllt sein müssen. Die Fachkräftevereinbarung gilt weiterhin, wird bedingt durch das neue Gesetz derzeit überarbeitet und aktualisiert. Dies ist vor allem aus folgenden Gründen notwendig:
Die derzeitige Fachkräftevereinbarung orientiert sich am bisherigen Gruppensystem. Durch die Umstellung von einem gruppen- auf ein platzbezogenes Personalbemessungssystem muss auch die Fachkräftevereinbarung angepasst werden.
Erstmals gibt es ein Sozialraumbudget, mit dem Personal für besondere Bedarfe finanziert werden kann. Für diese Personen muss festgelegt werden, welche Qualifikationen sie haben müssen.
Aktuelle Themen, die in der Fachdiskussion erörtert werden, wie z.B. die Ermöglichung von multiprofessionellen Teams sollen in die neue Fachkräftevereinbarung einfließen.
Deshalb arbeitet das Bildungsministerium derzeit zusammen mit allen Beteiligten an der Aktualisierung.
Wie sieht die konkrete personelle Situation in meiner Einrichtung aus?
Sicher fragen Sie sich: Was heißt das alles nun konkret für meine Einrichtung – wie wird die Personalsituation im Vergleich zu heute aussehen? Das ist schwer zu sagen, denn: Das jeweilige Jugendamt ist der Dreh- und Angelpunkt. Das Jugendamt als örtlicher Träger der öffentlichen Jugendhilfe hat die Aufgabe, für ein bedarfsgerechtes Angebot zu sorgen. Das heißt, dass jeder Personalberechnung eine grundlegende Entscheidung zur Bedarfsplanung vorausgeht. Sie müssen zunächst u.a. sagen, wie viele Plätze für Kinder unter zwei Jahren, Kinder über zwei Jahren bis Schuleintritt und wie viele Plätze für Schulkinder es geben wird und welchen zeitlichen Betreuungsumfang diese Plätze jeweils haben.
Zudem steht ab 1. Juli 2021 wie beschrieben das Sozialraumbudget zur Verfügung, um besondere Bedarfe abzudecken. Dadurch kann eine Einrichtung ggf. weiteres Personal bekommen. Auch hier geht eine Entscheidung des Jugendamtes voraus, welchen Bedarf es in seinem Bezirk sieht.
Ohne eine qualifizierte Aussage eines Jugendamtes über das, was zur Erfüllung des bestehenden Bedarfs benötigt wird und zu den Schwerpunkten, die es in den Sozialräumen setzen möchte, lässt sich daher keine endgültige Aussage über die Personalisierung einer Tageseinrichtung treffen.
(Stand: April 2020 )
KiTaG_Regelungen zum Personal
§ 21 Abs. 3 KiTaG
§ 21 Abs. 7 KiTaG
§ 22 KiTaG
§ 23 KiTaG
§ 25 Abs. 5 KiTaG​​​​​​​