Source: https://diskreteswissen.wordpress.com/abmahn-betrugereien/
Timestamp: 2018-05-20 13:45:53
Document Index: 303391198

Matched Legal Cases: ['§ 113', '§ 78', '§ 19', '§ 96', '§ 53', '§ 53', '§ 97', '§ 85', '§ 97']

Abmahn Betrügereien | Diskretes Wissen
In den ersten Tagen des Aprils 2012 überraschte mich eine eMail einer Anwaltskanzlei aus München, die nur über mobile Rufnummern erreichbar ist und die nur ein Bankkonto in Tschechien hat.
Maximilianstrasse 13 · D-80539 München
Az: 12-387.472354 RM
Folgende Daten konnte unsere Mandantschaft – neben weiteren Einwahlen – aufgrund einer speziell entwickelten Software feststellen und beweissicher dokumentieren lassen.“
Hier folgt eine Liste mit fünf Einträgen. Sie beinhaltet Datum, Uhrzeit und eine IP-Adresse.
Dann geht es so im Text des Anwalts weiter:
„Im Rahmen eines staatsanwaltlichen Auskunftsverlangens gemäß § 113 TKG wurde mitgeteilt, dass der festgestellte Internetanschluss auf Ihren Nahmen angemeldet ist, so dass Sie für die Urheberrechts-Verletzung, welche unter Nutzung des Anschlusses begangen wurde, zivilrechtlich haften.
Das Herunterladen von Filmen, TV Serien sowie der Musikaufnahmen, auf dem Computer zum Abruf durch Teilnehmer von Filesharing-Systemen verstößt ohne Einwilligung der Rechteinhaber gegen §§ 78 Nr. 1, 85, 19a UrhG. Seit der Urheberrechtsreform vom 10.09.2003 wird das Angebot urheberrechtlich geschützter Inhalte zum Abruf durch Angehörige der Öffentlichkeit von dem „Recht der Zugänglichmachung“ (§ 19a UrhG) erfaßt. Tonträgerhersteller konnten schon vorher die öffentliche Wiedergabe ihrer Tonträgeraufnahmen in Filesharing- Systemen über § 96 Abs. 1 UrhG untersagen. Diese
Verwertung der Musikaufnahmen wird auch nicht durch Ausnahmeregelungen des UrhG gestattet. Vervielfältigungen zum Zweck des öffentlichen Download-Angebots sind gerade nicht von § 53 Abs. 1 UrhG (zulässige Vervielfältigung zum privaten
Gebrauch) gedeckt. Auch ursprünglich legal zum privaten Gebrauch hergestellte Kopien dürfen nicht öffentlich wiedergegeben werden (§ 53 Abs. 6 UrhG).
Unseren Mandanten steht der geltend gemachte Unterlassungsanspruch aus §§ 97 Abs. 1 UrhG zu, da sie Inhaber der ausschließlichen Verwertungsrechte gemäß § 85 Abs. 1 UrhG sind. Diese nach dem UrhG geschützten Rechte haben Sie verletzt. An dem Unterlassungsanspruch ändert auch nichts, dass zwischenzeitlich alle streitgegenständlichen Dateien von Ihrem Computer gelöscht wurden. Der Unterlassungsanspruch soll nämlich sicherstellen, dass Sie in Zukunft keine weiteren
Rechtsverletzungen begehen.
Des weiteren stehen unseren Mandanten Schadensersatzansprüche gemäß § 97 Abs. 1 UrhG zu. Bei der hohen Anzahl der von Ihnen zum Download vorgehaltenen Audiodateien stehen unseren Mandanten hohe Schadensersatzbeträge zu. Außerdem gehen die Kosten unserer Inanspruchnahme nach ständiger Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs wegen Geschäftsführung ohne Auftrag ebenfalls zu Ihren Lasten. In Fällen wie dem vorliegenden beträgt der gerichtlich angenommene Gegenstandswert pro
Titel 10.000,00 EUR, so dass Sie mit erheblichen Kosten zu rechnen hätten. Um zu einer zügigen außergerichtlichen Beilegung der Angelegenheit beizutragen sind wir bereit, Ihnen hinsichtlich der Höhe der Forderungen erheblich entgegen zu kommen.
Dieses Angebot ist befristet und gilt bis zum 17.04.2012.
Nach Ablauf dieser Frist behalten wir uns die gerichtliche Geltendmachung eines höheren Betrages vor. Den Eingang der Zahlung erwarten wir bis zum 17.04.2012. Nach vollständigem Ausgleich des Zahlungsbetrags ist diese Angelegenheit für Sie endgültig erledigt!
Wir fordern Sie hiermit auf, den Betrag für diese Abmahnung in Höhe von
innerhalb von 7 Tagen als SEPA Überweisung auf das Konto unseren Dienstleisters:
kanzlei@kroner-kollegen.de“
Auffallend sind schon einmal folgende Punkte:
Die angeblichen Anwälte sind ausschliesslich über mobile Rufnummern erreichbar. So weit mir bekannt ist, hat jede seröse Anwaltskanzlei mindestens eine Festnetznummer.
Die Bankverbindung befindet sich in Tschechien. Warum benutzen deutsche Anwälte Konten in Tschechien?
Die angegebenen IP-Nummern sind niemandem zugeordnet (scheinen also der Phantasie zu entspringen).
Ich überlege, ob ich eine Strafanzeige bei der Staatsanwaltschaft München wegen Betrug und Amtsanmaßung erstatten soll.
Allerdings, wer so dreist vorgeht, der wird wohl auch Maßnahmen ergriffen haben, dass er von den Behörden nicht gefasst werden kann. Somit werde ich wohl nur Zeit und Nerven verschwenden …
Ihnen sollte dieser Bericht helfen, etwas sensibler mit solchen Schreiben umzugehen und nicht gleich eingeschüchtert die Zahlung vorzunehmen.