Source: https://www.agahp.org/index/die-berufsordnung/
Timestamp: 2020-04-06 10:58:50
Document Index: 82043018

Matched Legal Cases: ['§1', '§2', '§3', '§ 833', '§ 847', 'BGH', 'Art. 4', 'BGH']

Die Berufsordnung - AGAHP
Berufsordnung der Anthroposophischen Heilpraktiker: Die in der AGAHP e.V. zusammengeschlossenen Heilpraktiker geben sich die im Folgenden dargestellte Berufsordnung:
§1: Tätigkeit der Anthroposophischen Heilpraktiker
a) Die Tätigkeitsbezeichnung für die Anthroposophischen Heilpraktiker ist
„Anthroposophische Heilkunde“.
b) Die Definition der Anthroposophische Heilkunde ist in Leitbild und Berufsbild der
Anthroposophischen Heilpraktiker gegeben.
c) Die Ausübung der Anthroposophischen Medizin ist den Anthroposophischen Ärzten vorbehalten.
§2: Die Anthroposophische Grundlage
Die Anthroposophischen Heilpraktiker üben ihre Tätigkeit auf der Grundlage der von
Rudolf Steiner bei der Weihnachtstagung 1923 begründeten Neuen Mysterien aus.
Insbesondere beinhaltet dies die Anerkennung der Hochschule für Geisteswissenschaft am Goetheanum in Dornach als Zentrum der Anthroposophie weltweit.
§3: Die Berufständische Grundlage
a) Die Anthroposophischen Heilpraktiker orientieren sich an der „Berufsordnung der
Heilpraktiker“, wie sie vom Dachverband DDH erstellt wurde, in ihrer jeweils aktuellen
b) Falls sich durch Gesetzesänderungen z.B. des Heilmittelwerbegesetzes, des Gesetzes
gegen den unlauteren Wettbewerb, des Patientenrechtegesetzes u.Ä. Abweichungen von
den Forderungen der Berufsordnung ergeben, gilt im Zweifelsfall die Regelung des
jeweiligen Gesetzes.
Berufsordnung für Heilpraktiker (DDH)
1. Heilpraktiker dienen der Gesundheit des einzelnen Menschen sowie der gesamten
Bevölkerung. Sie üben ihre berufliche Tätigkeit nach bestem Wissen und Gewissen sowie nach
den Erfahrungen der heiIkundlichen Überlieferungen und dem jeweiligen Erkenntnisstand der
Heilkunde aus. Heilpraktiker haben den hohen ethischen Anforderungen ihres freien Heilberufs
gerecht zu werden und alles zu vermeiden, was dem Ansehen des Berufsstandes schaden könnte.
Sie müssen in ihrer namentlichen Eigenverantwortlichkeit auf Schildern und Schriftstücken stets für
den Patienten erkennbar sein.
1. Heilpraktiker verpflichten sich, ihren Beruf gewissenhaft auszuüben. Bei ihren Patienten
wenden sie stets solche Heilmethoden an, die nach ihrer Überzeugung möglichst einfach und kostengünstig zu einem Heilerfolg oder zur Linderung der Krankheit führen können.
3. Heilpraktiker sind in der Ausübung ihres Berufes frei. Sie können eine Behandlung ablehnen.
Die Verpflichtung, in Notfällen zu helfen, bleibt davon unberührt (BGB).
4. Heilpraktiker dürfen laut HWG für Fernbehandlungen nicht werben. Bei einer Durchführung
könnte sich ein Verstoß gegen die medizinische Sorgfaltspflicht ergeben.
Eine Fernbehandlung liegt u.a. dann vor, wenn Heilpraktiker den Kranken nie gesehen noch
untersucht haben. Es entspricht ebenso nicht der medizinischen Sorgfaltspflicht, Diagnosen zu stellen und Arzneimittel oder Heilverfahren zu empfehlen, wenn ausschließlich die Ergebnisse von eingesandtem Untersuchungsmaterial wie Blut, Urin oder andere Unterlagen zur Verfügung stehen.
5. In allen die Öffentlichkeit berührenden Standesfragen gelten die ethischen Grundsätze der
Wahrung von Achtung, Sorgfalt, Takt und Zuückhaltung.
1. Heilpraktiker sind verpflichtet, über alles Schweigen zu bewahren, was ihnen bei der
Ausübung ihres Berufes anvertraut oder zugänglich gemacht wird. Im Gegensatz zur ärztlichen
Schweigepflicht haben Heilpraktiker kein Zeugnisverweigerungsrecht.
2. Heilpraktiker haben ihre Helfer, Praktikanten und Assistenten über die Pflicht zur
Verschwiegenheit zu belehren und dies in schriftlicher Form festzuhalten.
3. Heilpraktiker haben die Verpflichtung zur Verschwiegenheit auch gegenüber ihren
Familienangehörigen zu beachten.
4. Heilpraktiker dürfen vertrauliche Patientendaten nur dann weitergeben, wenn die Patienten
sie von der Schweigepflicht entbunden haben. Dies gilt auch gegenüber den Angehörigen eines
Patienten, wenn nicht die Art der Erkrankung oder die Behandlung eine Mitteilung not- wendig
5. Auskünfte über den Gesundheitszustand eines Arbeitnehmers an seinen Arbeitgeber dürfen
nur mit Zustimmung des Arbeitnehmers erfolgen.
6. Notwendige Auskünfte an Krankenversicherungen müssen nach bestem Wissen und
Gewissen gegeben werden.
Anmerkung: Eine Schweigepflicht besteht in diesem Fall nicht, da Versicherte bei
Versicherungsbeginn grundsätzlich ihre Behandler von der Schweigepflicht entbunden haben.
1. Heilpraktiker stellen ihr ganzes Wissen und Können in den Dienst ihres Berufes und wenden
jede mögliche Sorgfalt bei der Betreuung ihrer Patienten an.
2. Patienten sind über die Art ihrer Erkrankung sowie über die voraussichtliche Dauer der
Behandlung nach bestem Wissen aufzuklären. Da- bei entscheiden die behandelnden
Heilpraktiker unter Berücksichtigung des körperlichen und seelischen Zustandes der Patienten
nach ih- rer Erfahrung, inwieweit die Patienten über ihren derzeitigen Zustand aufzuklären sind.
3. Patienten müssen bei einer vorgesehenen Behandlung auf mögliche Risiken aufmerksam
4. Es wird dringend empfohlen, schon aus Rechtssituationsgründen alle Daten einer
Behandlung zu dokumentieren. Dies gilt insbesondere unter den Prämissen einer möglichen
Berufsordnung der Anthroposophischen Heilpraktiker:
Beweislastumkehr im Einzelfall. Danach könnte in Rechtsfällen dem Therapeuten eine
mangelhafte Dokumentation seiner Behandlung bei umstrittenen Fakten stets zum Nachteil
ausgelegt werden (Arzthaftungsrecht - §§ 833 ff. BGB; § 847 BGB).
5. Im Rahmen der wirtschaftlichen Aufklärungspflicht sind die Patienten nach bestem Wissen
und Gewissen über die voraussichtlich entstehenden ungefähren Behandlungskosten zu
unterrichten (siehe auch Artikel 2, Abs. 1).
6. Heilpraktiker haben sich stets ihrer erworbenen Fähigkeiten sowie den Grenzen ihres
Wissens und Könnens bewusst zu sein. In diesem Zusammenhang wird auf das Urteil des
Bundesgerichtshofes vom 29.01.1991 verwiesen (BGH VI ZR 206/90). Das diagnostische und therapeutische
Heilpraktiker müssen die Voraussetzungen fachgemäßer Behandlungen kennen und beachten.
Solange kein ausreichendes medizinisches Fachwissen und Können erworben wurde, dürfen
keine Methoden angewendet werden, deren Indikationsstellungen oder Risiken sonst eine
medizinisch-wissenschaftliche Ausbildung erfordern.
Danach sind Heilpraktiker verpflichtet, sich eine ausreichende Sachkunde über die von ihnen
angewendeten Behandlungsweisen, ein- schließlich ihrer Risiken, vor allem die richtigen
Techniken für deren gefahrlose Anwendung anzueignen.
7. In Fällen, in denen eine Spezialuntersuchung, eine Operation oder eine sonstige
therapeutische Maßnahme erforderlich ist, die vom Heilpraktiker nicht selbst vorgenommen
werden kann, sollte rechtzeitig mit allem Nachdruck auf die Notwendigkeit einer solchen
Maßnahme hingewiesen werden.
8. Führt auch ein neuer und eindringlicher Hinweis an den Patienten und dessen Angehörige
nicht zum Ziel, so kann die Ablehnung der Behandlung bzw. Weiterbehandlung geboten sein.
Dieser Vorgang sollte im Rahmen der Dokumentationspflicht schriftlich festgehalten wer- den.
9. Heilungsversprechen sind gesetzlich untersagt (HWG / UWG). 10. Die Ausstellung von
Attesten ohne vorgenommene Untersuchung ist nicht zulässig (StGB - Strafrecht). 11. In
Bescheinigungen und Befundberichten haben Heilpraktiker ihrer fachlichen Überzeugung
gewissenhaft Ausdruck zu verleihen.
12. Im Rahmen einer möglichen gutachterlichen Tätigkeit für Gerichte, private
Krankenversicherungen, Beihilfestellen oder andere Institutionen haben sich Heilpraktiker in ihren gutachterlichen Aussagen ausschließlich auf die sachliche Beurteilung der jeweiligen Behandlung zu beschränken.
1. Heilpraktiker sind zur ständigen Weiterbildung in den von ihnen ausgeübten Disziplinen
verpflichtet (BOH Art. 4 Abs. 6 - BGH VI ZR 206/90. Danach beruht die Weiterbildungspflicht auf
einer höchstrichterlichen Rechtsprechung und verpflichtet Heilpraktiker, „sich über die Fortschritte
der Heilkunde und auch über anderweitig gewonnene Erkenntnisse von Nutzen und Risiken der
von ihnen angewendeten Heilverfahren fortlaufend zu unterrichten“).
2. Die Berufsorganisationen und ihre Beauftragten bieten nach ihren Satzungen fachlich
qualifizierte Weiterbildungen an. Sie geben dazu Nachweise aus.
1. Heilpraktiker üben in der Regel ihre Tätigkeit am Ort ihrer Niederlassung aus. Hausbesuche
sind jederzeit möglich. Es ist nicht zulässig, Patienten in Sammelbestellungen oder einzeln an
einen anderen Ort als den der Niederlassung zur Behandlung zu bestellen (HPG).
3. Eine Änderung des Niederlassungsortes sollte unverzüglich unter Angabe der neuen
Anschrift den zuständigen Behörden sowie dem zu- ständigen Berufsverband mitgeteilt werden.
2. Die Praxisräume sollten dabei so gestaltet sein, dass die Vertraulichkeit der Gespräche und
Behandlungen gewährleistet ist.
2. Jede anpreisende, irreführende oder vergleichende Werbung verstößt gegen die
Bestimmungen des „Gesetzes über den unlauteren Wettbewerb - UWG -“ und des Gesetzes über die „Werbung auf dem Gebiete des HeiIwesens - HWG -“ und ist darüber hinaus auch standesunwürdig.
Rechtsprechung zu beobachten und zu berücksichtigen. In Zweifelsfällen stehen alle
Berufsverbände für Auskünfte zur Verfügung.
Folgende Werbeaktionen sollten aus ethischen und berufsständischen Gründen nicht
• Verbreiten von Werbematerial wie Flyern in Postwurfsendungen und Mailingaktionen o.ä.• Eigene
Zeitungsbeilagen • Plakatierungen, z.B. in Supermärkten • Trikotwerbung, Bandenwerbung
•Flyer, Patientenbroschüren oder andere Hinweise und Informationen über den eigenen
Tätigkeitsbereich zur Auslage im Wartezimmer. • Tage der offenen Tür zu veranstalten (auf die
nicht eindeutige rechtliche Auslegung des HWG muss ausdrücklich verwiesen werden). • Hinweise
auf Ortstafeln, in kostenlos verteilten Stadtplänen, Info-Broschüren und in
Bürgerinformationsstellen.
1. Die Art und Größe von Praxisschildern ist nicht gesetzlich geregelt. Sie sollten jedoch in
Größe und Gestaltung unaufdringlich sein und den Hinweisen in Artikel 8 entsprechen. Die Angabe
des Namens sowie der Berufsbezeichnung Heilpraktiker/in ist zwingend (HPG/UWG). Für
zusätzliche Angaben sind außerdem die einschränkenden gesetzlichen Bestimmungen,
insbesondere des HWG und des UWG zu beachten. Zusätzliche Angaben sollten sich auf
Sprechzeiten, Telefonnummer und Methoden, für welche die entsprechenden Qualifikationen vorhanden
sind, beschränken.
Bezeichnungen, wie beispielsweise „Zentrum“, „Institut“ oder „Tagesklinik“ verwendet werden, wenn die Praxis in Ausstattung, Methodenangebot und Personalstärke einer solchen Einrichtung nicht entspricht.
1. Heilpraktiker benutzen keine anderen Zusatzbezeichnungen, die sie gegenüber ihren
Standeskollegen wettbewerbswidrig hervorheben. Neben der Berufsbezeichnung „Heilpraktiker/in“ dürfen keine Bezeichnungen wie beispielsweise „Akupunkteur“, „Chiropraktiker“, „Homöopath“, „Psychologe“, „Psychotherapeut“, „Osteopath“ u.a. geführt werden, da durch diese Koppelung der Eindruck einer ebenfalls gesetzlich und/oder behördlich genehmigten Berufsausübung bzw. Berufsbezeichnung wie der des Heilpraktikers entsteht (UWG / HWG).
2. Im beruflichen Umfeld dürfen akademische Grade und Titel nur in Verbindung mit der
Fakultätsbezeichnung verwendet werden.
1. Bei Krankenbesuchen muss jeder Patient in seiner Wohnung oder dem vorübergehenden
Aufenthaltsort behandelt werden (HPG).
2. Patienten in Kliniken, Kurheimen usw. können nur mit vorherigem Einverständnis des
leitenden Arztes oder Heilpraktikers beraten, untersucht und behandelt werden (BGB Hausrecht – Sorgfaltspflicht).
1. Eine Verbandszugehörigkeit sollte auf Rezepten, Rechnungen u.a. durch Abdruck des
Mitgliedsstempels kenntlich gemacht werden.
medizinischen Geräten usw. keine Vergütung oder sonstige Vergünstigungen gewähren (AMG).
3. Patienten dürfen nicht ohne hinreichenden Grund an bestimmte Apotheken verwiesen
werden (Apothekengesetz).
1. Heilpraktiker verpflichten sich zum Abschluss einer ausreichenden
Berufshaftpflichtversicherung. Der Abschluss einer zusätzlichen Strafrechtsschutzversicherung
2. Im eigenen Interesse sollten Heilpraktiker beim Eintritt von Personenschäden und vor der
Einleitung von Strafverfahren und Schadenersatzansprüchen unverzüglich ihrem Berufsverband
und ihrer Berufshaftpflichtversicherung (Verpflichtung!) Mitteilung machen. Alle erforderlichen
Angaben sind dabei lückenlos und in aller Offenheit darzulegen.
Vorschriften anzuzeigen, wie: Gesundheits- bzw. Ordnungsamt, Berufsgenossenschaft für
Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege, Finanzamt.
1. Werden in der Praxis Angestellte, wie z.B. Assistenten, Sprechstundenhilfen oder
Reinigungspersonal beschäftigt, so sind die für Beschäftigungsverhältnisse geltenden Vorschriften zu beachten (Berufsgenossenschaft – Finanzamt – Krankenversicherung).
1. Heilpraktiker erhalten von ihrer Standesorganisation einen Berufsausweis sowie einen
Mitgliedsstempel. Beide bleiben Eigentum des ausgebenden Verbandes und müssen bei
Beendigung der Mitgliedschaft zurückgegeben werden. Unberechtigter Besitz und Gebrauch
werden gerichtlich verfolgt. Die Berufsinsignien werden nur an Heilpraktiker ausgegeben.
2. Der Berufsausweis dient dazu, sich bei Behörden und in entsprechenden Situationen als
Heilpraktiker/in ausweisen zu können.
3. Ausweis und Stempel müssen die Mitgliedsnummer und den Namen des Verbandes
(Berufsorganisation) enthalten. Weitere Vorschriften über die Vergabe usw. sind den jeweiligen Verbandsstatuten zu entnehmen.
1. Heilpraktiker unterstellen sich im Interesse des Berufsstandes der Berufsaufsicht ihres
Berufsverbandes.
1. Heilpraktiker verpflichten sich grundsätzlich zur Standesdisziplin. Kollegen begegnen sich
stets mit Achtung und Kollegialität.
2. Herabsetzende Äußerungen über die Person, die Behandlungsweise oder das berufliche
Können von Angehörigen der Heilberufe sind zu unterlassen.
Heilpraktiker unter Zustimmung des Kranken oder der Angehörigen dies für erforderlich halten, können weitere Heilpraktiker zur gemeinsamen Beratung und Behandlung zugezogen werden.
2. Von hinzugezogenen Heilpraktikern darf lediglich die Untersuchung durchgeführt werden.
Weitere Behandlungen von hinzugezogenen Kol- legen sollten nur erfolgen, wenn der Patient selbst, seine Angehörigen oder der bisher behandelnde Heilpraktiker im Einvernehmen mit dem Patienten diese Tätigkeit weiterhin wünscht.
1. Der Meinungsaustausch und die Beratung von mehreren zugezogenen Heilpraktikern
müssen vertraulich bleiben und dürfen nicht in Gegenwart des Patienten stattfinden. Die
Angehörigen sollten bei der Beratung nicht zugegen sein.
2. Das Ergebnis der gemeinsamen Beratung soll dem Patienten in der Regel vom
behandelnden Heilpraktiker mitgeteilt werden.
1. Verstöße gegen die Berufsordnung können im Wege eines satzungsgemäßen Verfahrens
geahndet werden. Vorher sollte jedoch immer der Versuch einer kollegialen Bereinigung durch die zuständigen Berufsvertreter unternommen werden.
Durchführungsverordnungen und anderer gesetzlicher Regularien werden durch die BOH nicht berührt.
Sie tritt am 12. September 2013 in Kraft.