Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Text=BVerwGE%20154,%20231
Timestamp: 2019-02-20 04:24:18
Document Index: 282481285

Matched Legal Cases: ['§ 1', '§ 5', '§ 6', '§ 7', '§ 8', '§ 11', '§ 5', '§ 113', '§ 1', '§ 1', '§ 5', '§ 6', '§ 7', '§ 5', '§ 5', '§ 5', '§ 3', '§ 3', '§ 6', '§ 5', '§ 16', '§ 2', '§ 5', '§ 5', '§ 5', '§ 5', '§ 5', '§ 5', '§ 12', '§ 7', '§ 1']

BVerwG, 17.03.2016 - 7 C 2.15 - dejure.org
IFG § 1 Abs. 1 Satz 1 und Abs. 3, § 5 Abs. 1 Satz 1, § 6 Satz 2, § 7 Abs. 2 Satz 1, § 8 Abs. 1, § 11 Abs. 1; BArchG § 5; VwGO § 113 Abs. 5 Satz 1
Informationszugang; Akteneinsicht; außerordentlich umfangreiche Aktenbestände; Ausschlussgründe; Darlegungsanforderungen; exemplarisch; Stichprobe; informationspflichtige Behörde; personenbezogene Daten; Informationsinteresse; Interessenabwägung; Betriebs- oder Geschäftsgeheimnisse; Wettbewerbsrelevanz; Teilanspruch; unverhältnismäßiger Verwaltungsaufwand; Archivgut; Umwidmung; maßgeblicher Zeitpunkt.
§ 1 Abs 1 S 1 IFG, § 1 Abs 3 IFG, § 5 Abs 1 S 1 IFG, § 6 S 2 IFG, § 7 Abs 2 S 1 IFG
Informationszugang; Einsicht in die Ordner des Vorgangs "Privatisierung L."
Zugangsbegehren zu Unterlagen über die Anfang der 1990er Jahre durchgeführte Privatisierung von Unternehmen auf Grundlage des Informationsfreiheitsgesetzes (IFG); Annahme eines unverhältnismäßig hohen Verwaltungsaufwands i. S. des IFG; Eingang des Antrags auf Informationszugang bei der informationspflichtigen aktenführenden Behörde als maßgeblicher Zeitpunkt für das Vorhandensein der Information; Schutz von Betriebs- oder Geschäftsgeheimnissen
Informationszugang; Akteneinsicht; außerordentlich umfangreiche Aktenbestände; Ausschlussgründe; Darlegungsanforderungen; exemplarisch; Stichprobe; informationspflichtige Behörde; personenbezogene Daten; Informationsinteresse; Interessenabwägung; Betriebs- oder Geschäftsgeheimnisse; Wettbewerbsrelevanz; Teilanspruch; unverhältnismäßiger Verwaltungsaufwand; Archivgut; Umwidmung; maßgeblicher Zeitpunkt
Informationsfreiheit - und die Ausschlussgründe bei umfangreichen Aktenbeständen
OVG Berlin-Brandenburg, 16.01.2014 - 12 B 50.09
BVerwG, 28.01.2015 - 7 B 20.14
BVerwGE 154, 231
NVwZ 2016, 1014
DÖV 2016, 697
a) Das Oberverwaltungsgericht geht bei der Prüfung des Versagungsgrundes nach § 5 Abs. 1 und 2 IFG zutreffend davon aus, dass es sich bei den streitigen Passagen des Schlussberichts jeweils um personenbezogene Daten im Sinne des § 5 Abs. 1 IFG handelt, deren Integrität nach der Grundregel des Satzes 1 - vorbehaltlich einer Abwägung im Einzelfall - grundsätzlich der Vorrang vor einem gegenläufigen Informationsinteresse des Antragstellers zukommt (BVerwG, Urteil vom 17. März 2016 - 7 C 2.15 - BVerwGE 154, 231 Rn. 26).
Soweit diese Daten im Zusammenhang u.a. mit einem Dienstverhältnis stehen, kommt dem Geheimhaltungsinteresse des Betroffenen immer der Vorrang im Sinne eines abwägungsresistenten Versagungsgrundes zu (…BVerwG, Urteile vom 27. November 2014 - 7 C 20.12 - BVerwGE 151, 1 Rn. 19 und vom 17. März 2016 - 7 C 2.15 - BVerwGE 154, 231 Rn. 26).
Es dient der Ermittlung schutzwürdiger Interessen Dritter, um so festzustellen, ob die tatbestandlichen Voraussetzungen eines dem Informationszugang entgegenstehenden privaten Rechtsguts vorliegen (BVerwG, Urteil vom 17. März 2016 - 7 C 2.15 - BVerwGE 154, 231 Rn. 22).
Ob schließlich bei einer Vielzahl von Betroffenen der Aufwand - von einem Ermittlungsaufwand im Hinblick auf die aktuelle Adresse und die Erreichbarkeit des Betroffenen kann schon wegen der weiterhin bestehenden Rechtsbeziehungen zum ehemaligen Bediensteten als Pensions- bzw. Rentenempfänger keine Rede sein - der Durchführung des Drittbeteiligungsverfahrens entgegenstehen kann (vgl. hierzu BVerwG, Urteil vom 17. März 2016 - 7 C 2.15 - BVerwGE 154, 231 Rn. 22), bedarf keiner Klärung, denn eine solche Konstellation ist schon aufgrund der übersichtlichen Anzahl der Betroffenen hier nicht gegeben.
Die Auslegung des Begriffs der personenbezogenen Daten richtet sich nach datenschutzrechtlichen Bestimmungen (…BVerwG, Urteile vom 27. November 2014 - 7 C 20.12 - BVerwGE 151, 1 Rn. 20 und vom 17. März 2016 - 7 C 2.15 - BVerwGE 154, 231 Rn. 22;… Schoch, a.a.O., § 5 Rn. 22).
vgl. BVerwG, Urteil vom 17.3.2016 - 7 C 2.15 -, NVwZ 2016, 1014 = juris, Rn. 26, 30, 33 (zu den Ausschlussgründen nach §§ 3-6 IFG).
vgl. etwa BVerwG, Urteil vom 17.3.2016 - 7 C 2.15 -, NVwZ 2016, 1014 = juris, Rn. 20, für unternehmensbezogene Daten.
vgl. auch BVerwG, Urteil vom 17.3.2016 - 7 C 2.15 -, NVwZ 2016, 1014 = juris, Rn. 17 ff. (zu den Ausschlussgründen nach §§ 3-6 IFG).
Bei der Prüfung der Voraussetzungen des § 6 Satz 2 IFG (Schutz von Betriebs- oder Geschäftsgeheimnissen) hat er ohne weitere Ausführungen festgestellt, dass der Regelfall einer vollen gerichtlichen Überprüfung vorliegt (BVerwG, Urteil vom 17. März 2016 - 7 C 2.15 - NVwZ 2016, 1014 Rn. 35).
Sowohl die Entscheidung über die Trennbarkeit von geschützten und nicht geschützten Informationen im Sinne der Möglichkeit einer faktischen Aussonderung als auch die Frage eines unverhältnismäßigen Verwaltungsaufwandes unterliegen voller gerichtlicher Kontrolle (vgl. BVerwG, Urteil vom 17. März 2016 - 7 C 2.15 - NVwZ 2016, 1014 Rn. 23 f.).
Bei der insoweit vergleichbaren Vorschrift des § 5 Abs. 1 IFG geht der Senat von einer vollen gerichtlichen Überprüfbarkeit der Abwägungsentscheidung aus (BVerwG, Urteil vom 17. März 2016 - 7 C 2.15 - NVwZ 2016, 1014 Rn. 25).
Zu solchen besonderen Verfahren zählt nach der Rechtsprechung des Senats auch das dem Schutz geheimhaltungsbedürftiger Informationen dienende Drittbeteiligungsverfahren, das hier in § 16 Abs. 2 LTranspG RP geregelt ist (…zum IFG BVerwG, vgl. Urteile vom 27. November 2014 - 7 C 18.12 - NVwZ 2015, 823 Rn. 13 und vom 17. März 2016 - 7 C 2.15 - NVwZ 2016, 1014 Rn. 39;… zum UIG Urteil vom 18. Oktober 2005 - 7 C 5.04 - Buchholz 406.252 § 2 UIG Nr. 1 Rn. 28 zu personenbezogenen Daten des Beigeladenen).
§ 5 Abs. 1 Satz 2 und Abs. 2 bis 4 IFG enthält eine Vorwegnahme bzw. einen Ausschluss der von § 5 Abs. 1 Satz 1 IFG vorgesehenen Abwägung (vgl. BVerwG, Urteil vom 17. März 2016 - 7 C 2.15 - NVwZ 2016, 1014 Rn. 26).
d) § 5 Abs. 1 Satz 1 IFG verlangt bei fehlender Einwilligung des Dritten eine Abwägung zwischen dem Informationsinteresse des Antragstellers und dem schutzwürdigen Interesse des Dritten am Ausschluss des Informationszugangs, die gerichtlich voll überprüfbar ist (BVerwG, Urteile vom 17. März 2016 - 7 C 2.15 - NVwZ 2016, 1014 Rn. 25 …und vom 28. Juli 2016 - 7 C 7.14 - juris Rn. 29).
Denn die dienstlichen Telefonnummern werden als personenbezogene Daten der Mitarbeiter vom Schutzbereich des Grundrechts auf informationelle Selbstbestimmung erfasst (vgl. BVerwG, Urteil vom 17. März 2016 - 7 C 2.15 - NVwZ 2016, 1014 Rn. 25;… Beschlüsse vom 19. Juni 2013 - 20 F 10.12 - ZIP 2014, 442 Rn. 10, 13 …und vom 29. Oktober 2015 - 1 B 32.15 - CR 2016, 154 Rn. 7).
Bei ihrer Gewichtung ist daher dem relativen Vorrang des Datenschutzes vor dem Informationsinteresse, der § 5 Abs. 1 Satz 1 IFG zugrunde liegt (BVerwG, Urteil vom 17. März 2016 - 7 C 2.15 - NVwZ 2016, 1014 Rn. 25), Rechnung zu tragen.
d) § 5 Abs. 1 Satz 1 IFG verlangt bei fehlender Einwilligung des Dritten eine Abwägung zwischen dem Informationsinteresse des Antragstellers und dem schutzwürdigen Interesse des Dritten am Ausschluss des Informationszugangs, die gerichtlich voll überprüfbar ist (BVerwG, Urteile vom 17. März 2016 - 7 C 2.15 NVwZ 2016, 1014 Rn. 25 …und vom 28. Juli 2016 - 7 C 7.14 - juris Rn. 29).
Sie werden vom Schutzbereich des Grundrechts auf informationelle Selbstbestimmung erfasst (vgl. BVerwG, Urteil vom 17. März 2016 - 7 C 2.15 - NVwZ 2016, 1014 Rn. 25;… Beschlüsse vom 19. Juni 2013 - 20 F 10.12 - ZIP 2014, 442 Rn. 10, 13, …und vom 29. Oktober 2015 - 1 B 32.15 - CR 2016, 154 Rn. 7).
Allgemein zugängliche Quellen Personenbezogene Daten Beeinträchtigungen der …
Eine Konstellation, in der - abgesehen vom Anwendungsbereich des § 5 Abs. 4 IFG NRW - ausnahmsweise auf Neubescheidung erkannt werden könnte, vgl. dazu OVG NRW, Urteile vom 6. Mai 2015 - 8 A 1943/13 -, juris Rn. 115, und vom 19. März 2013 - 8 A 1172/11 -, juris Rn. 135 ff.; siehe außerdem BVerwG, Urteil vom 17. März 2016 - 7 C 2.15 -, juris Rn. 39, liegt nicht vor.
Dabei kann dahinstehen, ob für die Frage, ob die Behörde die Akte führt, auf den Zeitpunkt der gerichtlichen Entscheidung (vgl. OVG Berlin-Brandenburg…, Urteil vom 18. März 2010 - OVG 12 B 41.08 - Juris Rn. 19) oder des Eingangs des Antrags bei der Behörde (vgl. BVerwG, Urteil vom 17. März 2016 - BVerwG 7 C 2.15 - Juris Rn. 42) abzustellen ist, da eine Weggabe der Akten nach Antragseingang beim Beklagten nicht in Rede steht.
Nur so kann das Gericht prüfen, ob die Akte vollumfänglich vom Ausschlussgrund betroffen oder nach § 12 IFG Bln bezogen auf einzelne Aktenteile Informationszugang zu gewähren ist (vgl. zu den Darlegungsanforderungen im IFG Bund: BVerwG, Urteil vom 17. März 2016 - BVerwG 7 C 2/15 - Juris Rn. 17).
Denn Unmögliches kann naturgemäß von der Behörde nicht verlangt werden (vgl. hierzu auch BVerwG, Urteil vom 17. März 2016 - BVerwG 7 C 2/15 - Juris Rn. 17 zum IFG).
Sie sind daher grundsätzlich gehalten, sich in ihrer Arbeitsorganisation und Aktenführung auf die mit der Erfüllung von IFG-Anträgen verbundenen (Zusatz-)Aufgaben einzustellen (vgl. BVerwG, Urteil vom 17. März 2016, a.a.O, Juris Rn. 23 f. zu § 7 Abs. 2 IFG Bund).
Die Vorschrift geht davon aus, dass ein Informationszugang nach den materiell-rechtlichen Vorgaben wenigstens teilweise besteht (BVerwG, Urteil vom 17. März 2016 - 7 C 2.15 - BVerwGE 154, 231 = Buchholz 404 IFG Nr. 18 Rn. 19).
In der Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts ist geklärt, dass der Zugangsanspruch nach § 1 Abs. 1 Satz 1 IFG auf diejenigen Informationen beschränkt ist, die bei der Behörde im Zeitpunkt des Eingangs des Antrags vorhanden sind (BVerwG, Urteil vom 17. März 2016 - 7 C 2.15 - BVerwGE 154, 231 = Buchholz 404 IFG Nr. 18 Rn. 41).
vgl. zur Grundregel des voraussetzungslosen Informationszugangs etwa BVerwG, Urteile vom 17. März 2016 - 7 C 2.15 -, juris Rn. 25, vom 25. Juni 2015 - 7 C 1.14 -, juris Rn. 37, Beschluss vom 9. November 2010 - 7 B 43.10 -, juris Rn. 9; OVG NRW, Urteile vom 18. Oktober 2017 - 15 A 530/16 -, juris Rn. 48, vom 5. Mai 2017 - 15 A 1578/15 -, juris Rn. 67, und vom 24. Mai 2016 - 15 A 2051/14 -, juris Rn. 30, siehe die Begründung des Entwurfs des Informationsfreiheitsgesetzes, BT-Drs.
OVG Nordrhein-Westfalen, 02.03.2017 - 4 A 1808/16
Gewährung von Akteneinsicht zur Durchführung eines Schadensersatzprozesses; …
OVG Berlin-Brandenburg, 20.12.2017 - 12 B 12.16
Akteneinsichtsbegehren; Grundstücksgeschäft; Investorenmodell; Grundstücksakten; …
VG Berlin, 19.12.2017 - 2 K 236.16
VG Köln, 15.12.2016 - 13 K 6691/14
VG Köln, 17.05.2018 - 13 K 2254/18
Informationszugang zu Justizlaufzeiten
VG Berlin, 11.11.2016 - 2 K 106.16
Anspruch auf Zugang zu den Daten einer bestimmten Projektförderung; Zugang zu …
VG Berlin, 10.05.2017 - 2 L 69.17
Anspruch einer Kirchengemeinde auf Zugang zu den Namen der Mitglieder einer …