Source: https://www.rechtslupe.de/arbeitsrecht/arbeit-innerhalb-der-rufbereitschaft-und-die-ueberstundenverguetung-3216248
Timestamp: 2020-08-08 14:54:44
Document Index: 291304187

Matched Legal Cases: ['§ 7', '§ 8', '§ 8', '§ 8', '§ 8', '§ 8', '§ 8', '§ 8', '§ 10', '§ 3', '§ 8', '§ 8', '§ 8', '§ 10', '§ 8', '§ 8', '§ 8', '§ 8', '§ 8', '§ 8', '§ 8', '§ 8', '§ 8', '§ 8', '§ 8', '§ 8', '§ 43', '§ 43']

Arbeit innerhalb der Rufbereitschaft - und die Überstundenvergütung | Rechtslupe
Arbeit innerhalb der Rufbereitschaft - und die Überstundenvergütung
Arbeit inner­halb der Ruf­be­reit­schaft – und die Über­stun­den­ver­gü­tung
Wird ein Arbeit­neh­mer im Gel­tungs­be­reich des Tarif­ver­trags für den öffent­li­chen Dienst der Län­der (TV‑L) inner­halb der ange­ord­ne­ten Ruf­be­reit­schaft außer­halb sei­nes Auf­ent­halts­orts iSd. § 7 Abs. 4 TV‑L tat­säch­lich zur Arbeit her­an­ge­zo­gen, wird die­se Zeit der Inan­spruch­nah­me ein­schließ­lich der erfor­der­li­chen Wege­zei­ten auf eine vol­le Stun­de gerun­det und mit dem Ent­gelt für Über­stun­den bezahlt (§ 8 Abs. 5 Satz 5 Alt. 1 TV‑L).
Dabei kommt es nicht dar­auf an, ob es sich tat­säch­lich um zusätz­lich geleis­te­te Arbeit bzw. um Über­stun­den im Tarif­sinn han­delt. Nach der tarif­li­chen Rege­lung sind – wovon das Lan­des­ar­beits­ge­richt zutref­fend aus­geht – Zei­ten der tat­säch­li­chen Inan­spruch­nah­me inner­halb der Ruf­be­reit­schaft unab­hän­gig davon „mit dem Ent­gelt für Über­stun­den“ zu bezah­len [1]. Damit schul­det der Arbeit­ge­ber sowohl das Über­stun­den­ent­gelt iSd. Pro­to­koll­erklä­rung zu § 8 Abs. 1 TV‑L als auch den Über­stun­den­zu­schlag nach § 8 Abs. 1 Satz 2 Buchst. a TV‑L unter Berück­sich­ti­gung der Run­dungs­re­ge­lung in § 8 Abs. 5 Satz 5 TV‑L [2].
Gemäß § 8 Abs. 5 Satz 7 TV‑L kann der Arbeit­neh­mer ent­spre­chend § 8 Abs. 1 Satz 4 TV‑L statt des nach § 8 Abs. 5 Satz 5 TV‑L zu zah­len­den Ent­gelts eine Gut­schrift in Zeit auf sei­nem Arbeits­zeit­kon­to bean­spru­chen. Eine sol­che Buchung ist nach § 10 Abs. 3 Satz 2 TV‑L iVm. § 3 Abs. 2 Nr. 1.2 Buchst. b DV Nr. 33 zuläs­sig. Unge­ach­tet des Umstands, dass § 8 Abs. 1 Satz 4 TV‑L unmit­tel­bar nur die Fak­to­ri­sie­rung der Zeit­zu­schlä­ge nach Satz 2 ermög­licht, kön­nen im Rah­men der nach § 8 Abs. 5 Satz 7 TV‑L ange­ord­ne­ten ent­spre­chen­den Anwen­dung die­ser Tarif­norm sämt­li­che von § 8 Abs. 5 TV‑L erfass­ten Ent­gelt­be­stand­tei­le in Zeit umge­wan­delt und auf dem Arbeits­zeit­kon­to gut­ge­schrie­ben wer­den, sofern die wei­te­ren Vor­aus­set­zun­gen vor­lie­gen [3]. Dafür spricht auch die Ver­knüp­fung mit § 10 Abs. 3 Satz 2 TV‑L, die die Zeit­gut­schrift für „wei­te­re Kon­tin­gen­te (zum Bei­spiel Ruf­be­reit­schafts-/Be­reit­schafts­dienst­ent­gel­te)“ ermög­licht.
Die betrieb­li­chen Ver­hält­nis­se las­sen eine sol­che Umwand­lung von Ent­gelt in Zeit u.a. dann zu, wenn die Gut­schrift für die an sich geleis­te­te Arbeits­zeit in das Arbeits­zeit­kon­to ein­ge­stellt wer­den kann.
Wie bereits der Wort­laut des § 8 Abs. 5 Satz 5 TV‑L („sowie“) ein­deu­tig belegt, wer­den Zei­ten der tat­säch­li­chen Inan­spruch­nah­me inner­halb der Ruf­be­reit­schaft mit dem Ent­gelt für Über­stun­den und zusätz­lich mit „etwai­gen Zeit­zu­schlä­gen nach Absatz 1“ bezahlt.
Auf die Fra­ge, ob die Gut­schrift eines in Zeit umge­wan­del­ten Ent­gelts für Über­stun­den nach § 8 Abs. 5 Satz 5 TV‑L auf dem Arbeits­zeit­kon­to zugleich auch einen Frei­zeit­aus­gleich dar­stellt und der Arbeit­ge­ber des­halb den Fei­er­tags­zu­schlag nur noch in Höhe von 35 % gemäß § 8 Abs. 1 Satz 2 Buchst. d Spie­gel­strich 2 TV‑L schul­det, kam es im hier ent­schie­de­nen Streit­fall hin­ge­gen nicht streit­ent­schei­dend an [4], denn der Arbeit­neh­mer bean­spruch­te die Gut­schrift des in Zeit umge­wan­del­ten Über­stun­den­ent­gelts, hin­ge­gen nicht den Fei­er­tags­zu­schlag bzw. des­sen Umwand­lung in Zeit und Gut­schrift auf dem Arbeits­zeit­kon­to, und begehr­te auch nicht den Frei­zeit­aus­gleich für geleis­te­te Fei­er­tags­ar­beit.
Bun­des­ar­beits­ge­richt, Urteil vom 30. Okto­ber 2019 – 6 AZR 581/​18
zu § 8 Abs. 3 Satz 4 TVöD-K aF: BAG 24. Sep­tem­ber 2008 – 6 AZR 259/​08 – Rn. 19; Breier/​Dassau/​Kiefer/​Thivessen TV‑L Stand Okto­ber 2007/​März 2009 Teil B 1 § 8 Rn. 58[↩]
zu § 8 Abs. 3 Satz 4 TVöD‑K aF: BAG 24. Sep­tem­ber 2008 – 6 AZR 259/​08 – Rn. 19 ff.; Breier/​Dassau/​Kiefer/​Thivessen TV‑L Stand März 2009 Teil B 1 § 8 Rn. 59[↩]
Clemens/​Scheuring/​Steingen/​Wiese TV‑L Stand Febru­ar 2016 Teil II § 8 Rn. 110; Fie­berg in Fürst GKÖD Bd. IV Stand Mai 2015 E § 8 Rn. 44; Beck­OK TV‑L/​Welkoborsky Stand 1. Janu­ar 2013 TV‑L § 8 Rn. 17; Breier/​Dassau/​Kiefer/​Thivessen TV‑L Stand März 2009 Teil B 1 § 8 Rn. 62; Spo­ner in Sponer/​Steinherr TV‑L Stand Mai 2007 § 8 Rn. 137 f.[↩]
vgl. dazu BAG 17.11.2016 – 6 AZR 465/​15, Rn. 23 ff. zu § 43 Nr. 3 Abs. 3 Satz 5, § 43 Nr. 5 Abs. 1 Satz 2 Buchst. d TV‑L[↩]
ArbeitszeitFreizeitausgleichÖffentlicher DienstRufbereitschaftTV-LÜberstunden