Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Gericht=BGH&Datum=21.07.2006&Aktenzeichen=V%20ZR%20158/05
Timestamp: 2019-12-16 09:58:34
Document Index: 9037991

Matched Legal Cases: ['BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 49', '§ 242', 'BGH', 'BGH', '§ 40', 'BGH', 'BGH', '§ 49', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 6', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 3', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 3', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH']

BGH, 21.07.2006 - V ZR 158/05 - dejure.org
https://dejure.org/2006,1549
BGH, 21.07.2006 - V ZR 158/05 (https://dejure.org/2006,1549)
BGH, Entscheidung vom 21.07.2006 - V ZR 158/05 (https://dejure.org/2006,1549)
BGH, Entscheidung vom 21. Juli 2006 - V ZR 158/05 (https://dejure.org/2006,1549)
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VwVfG §§ 49 Abs. 3, 56; BGB § 242
Rückforderung einer durch zivilrechtlichen Vertrag vergebenen Subvention unterliegt verwaltungsrechtlichen Beschränkungen (hier: verbilligte, zweckgebundene Grundstücksveräußerung)
Geltendmachung eines vertraglichen Anspruchs auf Rückgewähr einer Subvention; Bedeutung des Vorliegens einer Fehlverwendung öffentlicher Mittel; Einschränkung bei der Ausübung eines vereinbarten Rückzahlungsanspruchs; Anwendung der Grundsätze des Verwaltungsprivatrechts; ...
Keine privatautonome Gestaltung der Voraussetzungen einer Subvention
Subventionsrückzahlung nach Grundsätzen des Verwaltungsprivatrechts; Beihilfe; Nachlaß auf Kaufpreis eines öffentlichen Grundstücks; Grundstücksverbilligung für Sozialwohnungsbau
Zu den Voraussetzungen der Geltendmachung eines vertraglichen Anspruchs auf Rückgewähr einer Subvention
Gestaltungsfreiheit der Behörde bei der Gewährung von Subventionen?
Rückforderung einer Subvention ausgeschlossen, wenn Zweck verfehlt
Vertragliche Rückforderung von Subventionen
Kurznachricht zu "Anmerkung zum Urteil des BGH vom 21.07.2006, Az.: V ZR 158/05 ( Keine privatautonom freie Gestaltung der Voraussetzungen einer Subvention durch Behörde trotz Gewährung durch Kaufpreisnachlass)" von Notar Dr. Dr. Herbert Grziwotz, original erschienen in: ZfIR 2006 ...
Zusammenfassung von "Anmerkung zum Urteil des BGH vom 21.07.2006, Az.: V ZR 158/05 (Bürgerliches Recht. Verwaltungsrecht)" von Prof. Dr. Dr. Rolf Stober, original erschienen in: JZ 2007, 417 - 418.
LG Karlsruhe, 17.11.2004 - 10 O 256/04
OLG Karlsruhe, 28.06.2005 - 8 U 277/04
MDR 2007, 145
NVwZ 2007, 246
WM 2006, 2101
Nach ständiger Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts und des Bundesgerichtshofs wird dort, wo sich der Staat zur Erfüllung seiner Aufgaben privater Gestaltungsformen bedient, die Privatrechtsordnung lediglich in einzelnen Punkten durch öffentlich-rechtliche Bindungen ergänzt, modifiziert und überlagert, ohne dass darum das Verwaltungshandeln selbst dem öffentlichen Recht zuzuordnen wäre (sog. Verwaltungsprivatrecht); infolgedessen haben über derartige öffentlich-rechtliche Bindungen des privatrechtlichen Verwaltungshandelns die ordentlichen Gerichte im Rahmen ihrer Zuständigkeit mit zu entscheiden (Beschlüsse vom 6. März 1990 - BVerwG 7 B 120.89 - Buchholz 310 § 40 VwGO Nr. 244 = NVwZ 1990, 754 und vom 29. Mai 1990 - BVerwG 7 B 30.90 - Buchholz 415.1 AllgKommR Nr. 103 = NVwZ 1991, 59;… BGH, Urteile vom 5. April 1984 a.a.O. S. 96 f., vom 17. Juni 2003 - XI ZR 195/02 - BGHZ 155, 166 und vom 21. Juli 2006 - V ZR 158/05 - NVwZ 2007, 246;… Beschluss vom 7. Dezember 1999 a.a.O. S. 1043).
Im Anwendungsbereich des Verwaltungsprivatrechts scheidet ein Rückgriff auf die Jahresfrist nach §§ 49 Abs. 3 Satz 2, 48 Abs. 4 VwVfG aus (Abgrenzung zu dem Senatsurteil v. 21. Juli 2006, V ZR 158/05, WM 2006, 2101, 2103).
Zwar haben die Parteien mit der Vereinbarung vom 26. Oktober 1994 auch wenn es sich bei dem Verbilligungsabschlag um eine Subvention handelt mit Blick auf den Hauptgegenstand des Vertrages die Rechtsform eines privatrechtlichen Rechtsgeschäfts gewählt (vgl. auch Senat, BGHZ 153, 93, 97; Urt. v. 21. Juli 2006, V ZR 158/05, WM 2006, 2101, 2103; Stober, JZ 2007, 417, 418) und dieses folgerichtig als Kaufvertrag bezeichnet (vgl. auch den im Tatbestand zitierten Haushaltsvermerk).
Das ändert jedoch nichts daran, dass in Konstellationen der vorliegenden Art die Grundsätze des Verwaltungsprivatrechts eingreifen (…vgl. Senat, a.a.O.), wonach die Normen des Privatrechts durch Bestimmungen des öffentlichen Rechts ergänzt, überlagert und modifiziert werden (vgl. BGHZ 91, 84, 96; 93, 372, 381; 155, 166, 173 ff.;… Senat, Urt. v. 15. Oktober 1993, V ZR 19/92, NJW 1994, 586, 589; Urt. v. 21. Juli 2006, V ZR 158/05, a.a.O., S. 2103) und deshalb u.a. auch das Übermaßverbot zu beachten ist (…Senat, Urt. v. 21. Juli 2006, V ZR 252/05, NJW-RR 2006, 1452, 1453 m.w.N.;… BGH, Urt. v. 17. Juni 2003, XI ZR 195/02, NJW 2003, 2451, 2453).
Nach den Grundsätzen des Verwaltungsprivatrechts kann die Klägerin die an diese Vertragsverletzung anknüpfenden Rechtsfolgen allerdings nur geltend machen, wenn dadurch auch der Subventionszweck verfehlt worden ist (…Senat, Urt. v. 4. Mai 2007, V ZR 162/06, NJ 2008, 43, 44; vgl. auch Senat, Urt. v. 21. Juli 2006, V ZR 158/05, WM 2006, 2101, 2103).
Auszugehen ist davon, dass haushaltsrechtliche Grundsätze der Wirtschaftlichkeit und der Sparsamkeit (vgl. § 6 Abs. 1 HGrG) das Interesse der Beklagten überwiegen, die Zuwendung ohne zweckentsprechende Nutzung behalten zu dürfen (vgl. BGHZ 155, 166, 176; Senat, Urt. v. 21. Juli 2006, V ZR 158/05, a.a.O.;… BGH, Urt. v. 28. April 2009, XI ZR 86/08, WM 2009, 1180, 1184; BVerwG NVwZ 2003, 221, 223).
Sie kommt zwar in Betracht, wenn eine Regelung Ausfluss eines allgemeinen Rechtsgedankens ist (…vgl. BGH, Urt. v. 17. Juni 2003, XI ZR 195/02, NJW 2003, 2451, 2453), und auch dann, wenn für ihre Heranziehung ein besonderes Bedürfnis besteht (vgl. Senatsurteil v. 21. Juli 2006, V ZR 158/05, WM 2006, 2101, 2103).
Abweichende vertragliche Bestimmungen werden durch diese Vorgaben überlagert und modifiziert (vgl. Senat, Urteile vom 21. Juli 2006 - V ZR 158/05, WM 2006, 2101, 2103 …und vom 4. Mai 2007 - V ZR 162/06, ZOV 2007, 30 Rn. 10); die BVVG könnte deshalb keine Rechte und Ansprüche geltend machen, die über die gesetzlich vorgesehenen hinausgehen.
Diese gelten auch dann, wenn die Verwaltung einen privatrechtlich organisierten Dritten mit der faktischen Erfüllung einer öffentlichen Aufgabe betraut (vgl. BGHZ 91, 84, 96; Senat, Urt. v. 21. Juli 2006, V ZR 158/05, WM 2006, 2101, 2103;… Urt. v. 4. Mai 2007, V ZR 162/06, ZOV 2007, 30 sowie OVG Lüneburg, Urt. v. 13. Dezember 2006, 9 KN 180/04, [...] Rdn. 42 für einen Kurverein und OVG Bautzen, ZNER 2004, 379 für den Betrieb einer öffentlichen Einrichtung).
Demgemäß kann sich die zuständige Verwaltungsbehörde den für die Erfüllung der öffentlichen Aufgabe bestehenden gesetzlichen Vorgaben nicht durch den Hinweis auf die Grundsätze der Privatautonomie entziehen (vgl. BGHZ 91, 84, 96; Senat, Urt. v. 21. Juli 2006, V ZR 158/05, WM 2006, 2101, 2103).
Insbesondere kann sie die Bedingungen für die Gewährung von Subventionen und ähnlichen Vergünstigungen nicht privatautonom, also abweichend von den gesetzlich festgelegten Voraussetzungen bestimmen (Senat, Urt. v. 21. Juli 2006, V ZR 158/05, aaO).
Ebenso wenig wie die Verwaltung die Voraussetzungen für die Gewährung einer Subvention privatautonom gestalten kann, (vgl. Senat, Urt. v. 21. Juli 2006, V ZR 158/05, WM 2006, 2101, 2103), war die im Auftrag der Bundesanstalt für vereinigungsbedingte Sonderaufgaben tätige Klägerin berechtigt, die Voraussetzungen für die Teilnahme an dem begünstigen Flächenerwerb gemäß § 3 AusglLeistG abweichend von den gesetzlichen Vorgaben nach eigenem Ermessen zu bestimmen.
Die staatlichen Stellen haben im Bereich des Verwaltungsprivatrechts neben den zivilrechtlichen auch die öffentlich-rechtlichen Bindungen, insbesondere aus dem Übermaßverbot und den Grundrechten zu beachten (BGHZ 93, 372, 381; 153, 93, 106 [Senat];… Senat, Urt. v. 21. Juli 2006, V ZR 252/05, NJW-RR 2006, 1452, 1453; Urt. v. 21. Juli 2006, V ZR 158/05, ZfIR 2006, 682, 683 f.;… Urt. v. 13. Oktober 2006, V ZR 33/06, NotBZ 2007, 140, 142).
Durch eine zivilrechtliche Gestaltung der Subventionsvergabe kann die Verwaltung sich den Regelungen des Verwaltungsrechts ebenso wenig entziehen (BGH Urt. V. 21.7.2006, V ZR 158/05, NVwZ 2007, 246 mit zahlreichen Nachweise; BGH, Urt. V. 17.6.2003, XI ZR 195/02, NJW 2003, 2451), wie dadurch, dass der Staat Zuschüsse durch eine von ihm beherrschte Kapitalgesellschaft vornehmen lässt (vgl. BGH Urt. V. 5.3.1982, III ZR 12/83, BGHZ 91, 84, 96 f = NJW 1985, 197).
Dass die Klägerin hier durch einen privatrechtlichen Vertrag gehandelt hat, entbindet sie nicht von der Verpflichtung zur Ermessensausübung (BGH, Urt. v. 21.7.2006, V ZR 158/05, NVwZ 2007, 246 sowie die Ausführungen oben unter Ziffer 2.a).
Grundsätzlich gelten die Beschränkungen des öffentlichen Rechts auch für den Bereich des Verwaltungsprivatrechts, so dass auch im Rahmen privatrechtlicher Verträge insbesondere das Übermaßverbot zu beachten ist (…BGH a. a. O., Rn. 9; BGH, Urteil vom 21.07.2006, Az.: V ZR 158/05, Rn. 21; BGH…, Urteil vom 28.04.2009, Az.: XI ZR 86/08, Rn. 41).
Dies ist der Fall, wenn der mit der Subvention verfolgte Zweck auf andere Weise erreicht wurde (BGH, Urteil vom 21.07.2006, Az.: V ZR 158/05, Rn. 21).
Zur Ermittlung des Zwecks der Subvention ist nicht nur auf die vertraglichen Vereinbarungen, sondern auch auf den gesetzlichen Rahmen der Subvention sowie die einschlägigen Verwaltungsrichtlinien abzustellen (BGH, Urteil vom 21.07.2006, Az.: V ZR 158/05, Rn. 21).
Sie darf die Bedingungen, zu denen die Verkäufe nach § 3 AusglLeistG durchgeführt werden, nicht privatautonom, also abweichend von den gesetzlich bestimmten Voraussetzungen festlegen (Senat…, Urteil vom 4. Mai 2007 - V ZR 162/06, ZOV 2007, 30 Rn. 9; vgl. auch Senat, Urteil vom 21. Juli 2006 - V ZR 158/05, WM 2006, 2101 Rn. 22).
Insoweit fehle ausreichender Vortrag der Klägerin zur Verfehlung des Subventionszwecks, was nach der Rechtsprechung des BGH (insbesondere Urt. v. 21.07.2006, V ZR 158/05) stets Voraussetzung für einen Rückgewähranspruch sei.
Hieran hat der Senat - entgegen den Ausführungen des Landgerichts im angefochtenen Urteil - im Einklang mit der insoweit einschlägigen Rechtsprechung des BGH und der Literatur (vgl. BGH, Urt. v. 21.07.2006, V ZR 158/05, MDR 2007, 145; Stober, JZ 2007, 417) keine durchgreifenden Zweifel.
Nach der Rechtsprechung des BGH, insbesondere der Entscheidung vom 21.07.2006 (a. a. O.), die entgegen der Auffassung des Landgerichts insoweit durchaus einschlägig ist, kann die über die Gewährung einer Subvention entscheidende Behörde deren Voraussetzungen auch dann nicht privatautonom frei gestalten, wenn sie die Beihilfe nicht durch einen Verwaltungsakt, sondern zivilrechtlich durch einen Nachlass vom Kaufpreis gewährt (…vgl. auch BGH, Urt. v. 04.05.2007, V ZR 163/06, NJ 2008, 43).