Source: http://www.post-und-telekommunikation.de/PuT/KEP_1992_2_Juli-Dez.php
Timestamp: 2017-08-19 11:20:47
Document Index: 53618213

Matched Legal Cases: ['§ 238', '§ 264', '§ 266', '§ 37', 'Art. 24', 'Art. 131', '§ 17', '§ 28', '§ 17', '§ 42', 'Art. 28', '§ 6', '§ 63', '§ 37', '§ 17', '§ 37']

Post und Telekommunikation, Deutsche Bundespost POSTDIENST - KEP 1992, Juli bis Dezember
Einzelheiten zu den folgenden Meldungen finden Sie im 2. Teil dieser Seite mit Auszügen aus dem Geschäftsbericht.
Bundesministerium für Post und Telekommunikation lässt Brieflaufzeiten messen
Weil der Briefdienst zu den Monopoldienstleistungen gehört, legt das Bundespostministerium gewisse Leistungs- und Qualitätskriterien fest und überprüft deren Einhaltung. Es wird deshalb durch sein Bundesamt für Post und Telekommunikation künftig ein neutrales, unabhängiges und von der Deutschen Bundespost POSTDIENST organisatorisch getrenntes Messsystem für Brieflaufzeiten einrichten. Es sind end-to-end-Messungen geplant, also Laufzeitprüfungen vom Einwurf in den Briefkasten bis zur Aushändigung an den Empfänger. Das neue Messsystem beschränkt sich anfangs auf Standardbriefe im Inlandsverkehr.
Bei jährlich rd. 6,5 Milliarden Standardbriefsendungen sollen 250.000 Testbriefe verschickt werden. Die Ergebnisse will das Ministerium regelmäßig veröffentlichen.
Postminister schlägt Höhe der Abgeltung der Postschalternutzung durch die Deutsche Bundespost POSTBANK vor
Um bei der derzeitigen Diskussion um die Postreform II nichts zu präjudizieren, hat Bundespostminister Dr. Christian Schwarz-Schilling entschieden, in der Frage der Abgeltungsmaßstäbe bei der Postschalternutzung dem Direktorium der Deutschen Bundespost zunächst nur einen Vorschlag für 1992 und 1993 zu machen.
Postminister genehmigt Konzept „Brief 2000”
Der Bundesminister für Post und Telekommunikation, Dr. Christian Schwarz-Schilling, hat am 8. Dezember 1992 das Konzept „Brief 2000” genehmigt. Das völlig neue kundenorientierte Produkt- und Betriebskonzept der Deutschen Bundespost POSTDIENST tritt am 1. April 1993 in Kraft. Bei den Preismaßnahmen im Bereich der Massenkommunikation (Infopost) wird es Übergangsfristen geben.
Schwarz-Schilling wies darauf hin, dass die Tarifmaßnahmen dringend erforderlich sind, weil die Deutsche Bundespost POSTDIENST überproportionale Kostenanstiege - vor allem im Personalbereich und in den neuen Bundesländern - habe und die finanzielle Unabhängigkeit der Deutschen Bundespost TELEKOM angestrebt werden müsse. Zudem werde die Dienstleistungsgüte durch den Aufbau eines neuen Logistiknetzes erheblich verbessert.
Post erprobt neues Zustell-Modell
Mehr Wirtschaftlichkeit, eine höhere Motivation der Mitarbeiter und bessere Qualität - das sind die 3 Eckpunkte eines neuen Modells für die Briefzustellung. Ein Jahr lang wird bei den Postämtern Göttingen, Kiel, Nürnberg 1 und Oldenburg ein sogenanntes Gruppenmodell erprobt.
Dabei übernimmt eine Gruppe von ca. 10 Zustellern auf freiwilliger Basis die Verantwortung für ihren Zustellverband und passt ihren Personaleinsatz eigenverantwortlich an die Schwankungen der Verkehrsmenge an. Die Gruppe erhält - gemessen am bestehenden Bedarf - ein Jahresbudget an Stunden. Für jede eingesparte Stunde erhält die Gruppe 20 DM gutgeschrieben. Auszahlung vierteljährlich.
Weniger Personal durch neue Unternehmenskonzepte
Die neuen Unternehmenskonzepte der Deutschen Bundespost POSTDIENST führen zur Verringerung des Personalbedarfs. So will das Unternehmen bis 1995 im Frachtdienst 3.000 Stellen, in der Verwaltung 10.500 Stellen abbauen und im Briefdienst bis zum Jahr 2000 ca. 20.000 Stellen einsparen.
Wie der Vorstand der Deutschen Bundespost POSTDIENST in Gesprächen mit den Gewerkschaften betonte, lässt sich dies ohne Entlassungen im Rahmen der normalen Fluktuation und der Reduzierung der Neueinstellungen realisieren. Vorstandsmitglied Wolfhard Bender: „Keiner der 385.000 Beschäftigten muss entlassen werden.”
Großversandhaus Quelle bleibt der Post treu
Die Quelle bleibt der Post treu. Ihre Pläne, einen eigenen Paketservice aufzubauen, hat sie ad acta gelegt. Quelle-Chef Dr. Klaus Mangold sagte in der Bilanzpressekonferenz seines Unternehmens, die Quelle-Entscheidung zugunsten der Post sei wegen des neuen Frachtkonzepts gefallen, das ab 1995 flächendeckend zur Verfügung stehen soll. Es werde, so der Quelle-Chef, „unschlagbar schnell, sicher und von hoher Wirtschaftlichkeit sein”.
Die konsequente Ausrichtung der Deutschen Bundespost POSTDIENST auf ein markt- und kundenorientiertes Unternehmen kommt am 1. Januar 1993 ein Stück voran. Von diesem Datum an wird die Organisation des Unternehmens bis 1996 auf die Sparten Brief, Fracht und Schalter ausgerichtet. Die 23 Direktionsstandorte bleiben bestehen. Die Direktionen werden künftig aber nur für jeweils eine Sparte in einem größeren Bereich als ihrem heutigen Direktionsbezirk zuständig sein. Die Spartenorganisation wird durchgängig vom Vorstand und Generaldirektion bis auf Amtsebene realisiert.
Künftig gibt es 10 Briefdirektionen (Berlin, Dresden, Dortmund, Frankfurt am Main, Hannover, Koblenz, Köln, München, Schwerin, Stuttgart), 8 Schalterdirektionen (Bremen, Düsseldorf, Erfurt, Freiburg, Kiel, Potsdam, Regensburg, Saarbrücken) und 5 Frachtdirektionen (Halle, Hamburg, Karlsruhe, Münster, Nürnberg).
Deutsche Bundespost POSTDIENST schreitet bei der Umstrukturierung schnell voran
Der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bundespost POSTDIENST, Dr. Klaus Zumwinkel, berichtete im September 1992 vor der Presse über die Ergebnisse 1991:
Alte Bundesländer: Erlöse +10 Prozent auf 22,3 Milliarden DM, Ergebnis: 665 Millionen DM. Nach Ablieferung an den Bund: Defizit 1,2 Milliarden DM.
Neue Bundesländer: Erlöse 2,2 Milliarden DM, Aufwendungen 3,2 Milliarden DM (einschließlich Ablieferung), Defizit eine Milliarde DM.
Gesamtergebnis: vor dem Hintergrund der Integration der Ex-DDR-Post „sehr befriedigend”: 24,7 Milliarden DM Erlöse, Verlust 180 Millionen DM (vor Ablieferung), nach Ablieferung 2,2 Milliarden DM. Eigenkapitalquote 46 Prozent (9,6 Milliarden DM).
Neue Bundesländer: Hohe Investitionen der Deutschen Bundespost POSTDIENST
Die Deutsche Bundespost POSTDIENST hat seit der Wiedervereinigung 650 Millionen DM in den neuen Bundesländern investiert. Bis Mitte der 90er Jahre werden sich die Investitionen auf 3 bis 4 Milliarden DM belaufen.
Post führt kaufmännische Buchführung ein
Um den Vorschriften des Postverfassungsgesetzes zu entsprechen, führt die Deutsche Bundespost POSTDIENST (wie TELEKOM) am 1. Januar 1993 die kaufmännische Buchführung ein. Die Oberpostkassen werden zum 31. Dezember 1992 aufgelöst. Stattdessen werden Regionale Buchhaltungszentren eingerichtet, die die Buchhaltung für mehrere Direktionen übernehmen (Beispiel: Buchhaltungszentrum Karlsruhe für die Direktionen Karlsruhe, Nürnberg und Stuttgart).
Brief 2000: Regionen für 83 Briefzentren festgelegt
Die Deutsche Bundespost POSTDIENST hat die 83 Regionen festgelegt, in denen in den nächsten 7 Jahren Briefzentren errichtet werden sollen, die künftig die gesamte Briefbearbeitung übernehmen.
Aus dem Geschäftsbericht 1992 der Deutschen Bundespost POSTDIENST:
Vorstandsvorsitzender Dr. Klaus Zumwinkel: „Die Neuausrichtung greift”
Die Grafiken und Fotos entstammen dem Geschäftsbericht 1992 / © Deutsche Bundespost POSTDIENST
3 Jahre nach der Postreform I ist die Situation des Unternehmens POSTDIENST gekennzeichnet durch eine weitere Festigung der wirtschaftlichen Basis. Im Verkehrsgebiet West sind klare Erfolge aufgrund der zunehmend wirkenden operativen und strategischen Maßnahmen zu verzeichnen. In den neuen Bundesländern beginnen die Aufbaumaßnahmen gegen die übernommenen Strukturdefizite zu greifen. Im Geschäftsjahr 1992 kam der POSTDIENST einen wichtigen Schritt nach vorn auf dem Weg zu einem leistungs- und wettbewerbsfähigen Partner für Bürger und Wirtschaft.
Alte Bundesländer: Deutliche Verbesserung
Im 3. Geschäftsjahr des Unternehmens wurden in den alten Bundesländern Erträge von insgesamt 23,4 Milliarden DM erwirtschaftet und damit gegenüber dem Vorjahr eine Steigerung von 4,7 Prozent erzielt. Von den Umsatzerlösen in Höhe von insgesamt 20,3 Milliarden DM entfielen auf die Briefdienste 14,5 Milliarden DM, auf die Frachtpost 3,4 Milliarden DM und auf die internationale Post 1,4 Milliarden DM. Die Umsatzerlöse bei der Pressepost lagen bei 0,9 Milliarden DM. Die übrigen Erträge in Höhe von 3,1 Milliarden DM enthalten vor allem die Kostenerstattungen der beiden Schwesterunternehmen TELEKOM und POSTBANK für die erbrachten Service- und Verbundleistungen.
Auf der Absatzseite wurden wiederum Mengensteigerungen in allen Geschäftsfeldern erzielt. Die Sendungszahl im Briefdienst (inkl. Auslandsverkehr) stieg um 6,8 Prozent auf 14,7 Milliarden. Dabei konnte im Segment Massendrucksachen (neuer Name ab 1. April 1993: Infopost) gegenüber dem Vorjahr eine Steigerung von 22 Prozent auf 5,4 Milliarden Sendungen erreicht werden. Bei der Frachtpost (inkl. Auslandsverkehr) stieg die Sendungszahl leicht auf 609 Millionen Stück. Konjunkturelle Einflüsse haben hier stärkeres Wachstum gebremst. Hinzu kamen die Auswirkungen des 11-tägigen Poststreiks in den alten Bundesländern, bei dem der POSTDIENST sein Leistungsangebot ohne große Einbrüche aufrechterhalten konnte. Trotz der weitgehend sichergestellten Postversorgung für Bürger und Wirtschaft mussten Umsatzverluste hingenommen werden.
Aufwendungen: Fast 79 Prozent für den Personalbereich
Die Aufwendungen (unter Berücksichtigung der Beteiligungs- und Zinsergebnisse ohne Ablieferung und Steuern) stiegen 1992 auf 22,6 Milliarden DM und lagen damit um 4,1 Prozent über dem Vorjahreswert. Davon entfielen mit insgesamt 17,8 Milliarden DM fast 79 Prozent auf den Personalbereich.
Das Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit konnte erneut deutlich verbessert werden. Mit 810 Millionen DM wurde hier gegenüber dem Vorjahr eine Steigerung von 22 Prozent erzielt. Das Unternehmen liegt mit dieser Leistung erneut deutlich über der Planung. So konnte in den letzten 3 Jahren der Unternehmenserfolg in den alten Bundesländern mit 176 Millionen DM (1990), 665 Millionen DM (1991) und 810 Millionen DM (1992) nachdrücklich gesteigert werden.
Nach der umsatzbezogenen Ablieferung an den Bund und nach Steuern über Plan wird für die alten Bundesländer ein Verlust von 1.229 Millionen DM ausgewiesen.
Neue Bundesländer: Erhebliche Strukturdefizite
Bei 2,3 Milliarden DM Gesamtertrag und 3,5 Milliarden DM Aufwendungen (unter Berücksichtung der Beteiligungs- und Zinsergebnisse) verschlechterte sich das Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit auf minus 1,2 Milliarden DM. Bei einer wertschöpfungsmäßigen Aufteilung der Leistungen und Erträge für beide Verkehrsgebiete würde sich das Ergebnis Ost jedoch um 436 Millionen DM verbessern.
Die Lohnkosten stiegen trotz erheblichen Stellenabbaus wegen der Tarifsteigerungen kräftig gegenüber 1991. Sie sind mit 2,4 Milliarden DM deutlich höher als die erzielten Erträge. Zudem liegt das Sendungsvolumen noch immer weit unter dem Westniveau. Pro Kopf der Bevölkerung werden im Briefdienst lediglich gut 40 Prozent, bei der Frachtpost gerade 20 Prozent der alten Bundesländer erreicht.
Erste Teilerfolge sind schon sichtbar
Aber auch in den neuen Ländern gibt es Teilerfolge. 2 Beispiele: Der Flughafen Leipzig/Halle wurde zum 2. Stern des Nachtluftpostnetzes. Der Service in den neuen Bundesländern wurde so erheblich verbessert und der Umschlagplatz Frankfurt am Main entlastet. Erfolge auch bei den Verkehrsmengen: Die Massendrucksachen (Infopost) konnten 1992 im Vergleich zum Vorjahr um fast 70 Prozent auf 118 Millionen gesteigert werden.
In den neuen Bundesländer investiert der POSTDIENST in Milliardenhöhe in modernste Technik und Organisation. „Auf dem Weg zu einem einheitlichen Leistungsstandard in ganz Deutschland sind wir ein gutes Stück vorangekommen. Niemand kann erwarten, dass Versäumnisse von Jahrzehnten bei der Post irn Handumdrehen in Ordnung gebracht werden können.”
Gesamtentwicklung: 5 Prozent Umsatzplus
Insgesamt wurden Erträge von 25,6 Milliarden DM erzielt und damit eine Steigerung gegenüber dem Vorjahr um fast 5 Prozent erreicht. Bei den Aufwendungen zeigt sich die hohe Personalintensität von Postdienstleistungen. Unter Einbeziehung der Lohnnebenkosten und der Tarifabschlüsse für die neuen Bundesländer sind die Personalaufwendungen 1991 und 1992 - trotz erheblichen Stellenabbaus - insgesamt um über 20 Prozent gestiegen.
Das Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit lag konsolidiert bei minus 410 Millionen DM. Nach Ablieferung erreicht das Defizit 2,6 Milliarden DM. Damit entspricht der Verlust der Größenordnung der an den Bund zu zahlenden Ablieferung.
Anders als es im Postverfassungsgesetz vorgesehen ist, erfolgt gegenwärtig kein vollständiger Finanzausgleich durch das Schwesterunternehmen Deutsche Bundespost TELEKOM. Da die TELEKOM aufgrund der angespannten eigenen Finanzlage 1992 lediglich 1,3 Milliarden DM als Ausgleich zahlen konnte, bleibt ein Jahresfehlbetrag von 1.311 Millionen DM.
Im Geschäftsjahr 1992 wurden insgesamt 1,9 Milliarden DM investiert, davon 0,5 Millarden in den neuen Bundesländern. Für 1993 sind Investitionen in Höhe von 3,2 Milliarden DM geplant, davon 1 Drittel für die neuen Bundesländer.
Aufgrund des fehlenden vollen Finanzausgleichs sinkt die Eigenkapitalquote zum 31. Dezember 1992 bei einer Bilanzsumme von 22,1 Milliarden DM auf 38 Prozent.
Mitarbeiter: Basis für den Erfolg des Unternehmens
Zum Jahresende 1992 waren im Unternehmen insgesamt 378.054 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beschäftigt. Gegenüber dem Vorjahr verringerte sich die Beschäftigtenzahl um 4,6 Prozent. Diese Verringerung ist vor allem auf den notwendigen Stellenabbau in den neuen Bundesländern zurückzuführen, wo ganze Geschäftsfelder der früheren Deutschen Post (insbesondere im Bereich des Postzeitungsvertriebs) wegfielen. Hier wurde die Beschäftigtenzahl um 16.271 auf 61.996 gesenkt.
1992 stellte der POSTDIENST 7.562 Ausbildungsplätze zur Verfügung, davon 837 in den neuen Bundesländern.
Ein großangelegtes Personalaustauschprogramm zwischen beiden Verkehrsgebieten soll Leistungs- und Qualitätsverbesserungen durch Know-how-Transfer sicherstellen. In dieser Form einmalig in Deutschland erhalten die Führungskräfte die Chance, in 6 Monaten im jeweils anderen Verkehrsgebiet neue Erfahrungen zu sammeln und Wissen auszutauschen. Die Teilnahme wird ausdrücklich als Bonus bei der Karriereplanung gewertet. Schon weit über 2.000 der Führungskräfte haben an dem Programm teilgenommen.
„Vor allem dem Engagement der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ist es zu danken, dass auch 1992 wieder wichtige Schritte auf dem Weg zu einem erfolgreichen Unternehmen geschafft wurden. Das gilt auch für unsere etwa 13.000 ausländischen Beschäftigten, ohne deren Hilfe wir unsere Aufgaben nicht bewältigen könnten.”
Das Postgeschäft ist in der gesamten westlichen Welt durch eine Intensivierung des Wettbewerbs geprägt. Zum direkten Wettbewerb durch private Transportdienste (teilweise auch durch ausländische Postunternehmen) kommt der indirekte Wettbewerb durch die Telekommunikation.
Weitere Deregulierung und Reduzierung der geschützten Bereiche (Postmonopole) sind unverkennbare Trends. Auch die Deutsche Bundespost POSTDIENST akzeptiert eine schrittweise Liberalisierung im Postwesen. Die Finanzierung der besonderen Infrastrukturaufgaben und der politisch bestimmten Lasten erfordert aber in den kommenden Jahren angemessene reservierte Bereiche. Generell muss gelten: Je mehr Wettbewerb, desto mehr unternehmerische Handlungsfreiheit.
Auch öffentliche Unternehmen müssen kostenorientiert arbeiten und sich in Wettbewerbsmärkten behaupten können. Strukturelle Anpassungen und neue Rahmenbedingungen müssen möglich sein. In turbulenten Zeiten kann nur bestehen, wer zum fortlaufenden Wandel fähig ist. Dazu braucht die Unternehmensleitung ausreichende Gestaltungsspielräume.
Schwerpunkt strategische Neuausrichtung
Nationale und internationale Herausforderungen zwingen zu neuen Antworten. Orientiert auf die Geschäftsfelder und damit auf den Markt und die Kunden wird derzeit die Neuausrichtung auf die Sparten Brief, Frachtpost und Vertriebsfilialen realisiert. Zusätzlich zu diesen Geschäftsfeldstrategien sind in den Querschnittsbereichen Personal, Organisation und Finanzen neue Konzepte entwickelt worden, die zurzeit ebenfalls konsequent umgesetzt werden. Diese strategische Neuausrichtung des Kerngeschäfte ist der Schlüssel für den Unternehmenserfolg des POSTDIENSTES.
Die Umsetzung des neuen Konzepts für die Frachtpost erfolgt zügig und planmäßig. Kundenorientierung und Defizitabbau bestimmen die Zielrichtung. 33 moderne Frachtzentren bilden die Grundlage für ein attraktives, marktgerecht auf die Kundenwünsche zugeschnittenes Leistungsangebot. 1993/94 werden die neuen Frachtzentren im Rohbau fertiggestellt sein. Ein Milliardenauftrag für die technische Ausstattung der Zentren wurde 1992 erteilt. 1995 wird das gesamte neue System am Netz sein. Der POSTDIENST wird dann das modernste Frachtsystem in Europa haben.
„BRIEF 2000”: Ein Konzept für mehr Qualität und Wirtschaftlichkeit
Für das größte Geschäftsfeld des POSTDIENSTES, die Briefdienste, sind im Rahmen des Programmes „BRIEF 2000” wichtige Grundpfeiler gesetzt worden. Qualität und Zukunftssicherung sind hier die Leitlinien. Neugestaltung des Produktangebots, gestraffte Betriebsabläufe und Verwendung modernster Technologien sowie ein transparentes Preissystem bilden die Grundlage für weitreichende Leistungsverbesserungen.
In den nächsten 7 Jahren sollen 3,9 Milliarden DM in die Infrastruktur des Briefdienstes investiert werden. Damit werden Kosteneinsparungen von 1,8 Milliarden DM pro Jahr möglich werden.
Gleichzeitig wird das Unternehmensziel der kundenorientierten Qualitätsverbesserung mit dem neuen Briefkonzept umgesetzt. Betrieb, Vertrieb, Marketing und Kundenservice werden konsequent auf das Ziel ausgerichtet, die volle Zufriedenheit der Kunden mit den Leistungen des Briefdienstes zu erreichen. Die betriebliche Neukonzeption berücksichtigt dabei besonders die Erwartungen der Kunden nach Schnelligkeit und Zuverlässigkeit für die Brief-, Info- und Pressepost.
Pressepost: Schrittweise zur Wirtschaftlichkeit
Die schrittweise Neuausrichtung der Pressepost, die vor allem infolge politischer Vorgaben nach wie vor hohe Defizite erwirtschaftet, konzentriert sich auf Qualitätsverbesserung, übergreifende Kostenreduzierungen sowie auf markt- und kostenorientierte Preisstrukturen.
Filialnetz: Mehr Service und weniger Kosten
Das Vertriebsfilialnetz wird systematisch optimiert und modernisiert. Hier geht es um 2 Ziele: eine bedarfsgerechte Versorgung der Bevölkerung mit Postdienstleistungen sowie eine verbesserte Wirtschaftlichkeit der Vertriebsstruktur. Mehr Service und weniger Kosten heißt die Richtung. Zum Jahresende 1992 verfügte das Unternehmen über 22.000 Vertriebsfilialen (Postämter und Poststellen), davon gut 5.000 in den neuen Bundesländern. Insbesondere im ländlichen Bereich sind die Vertriebskosten im Verhältnis zum Kundenaufkommen zu hoch. In jedem Fall wird auch künftig die flächendeckende Präsenz garantiert sein.
POSTBANK: Zusammenarbeit auf fairer Basis
In der Auseinandersetzung mit der Deutschen Bundespost POSTBANK konnte eine für den POSTDIENST akzeptable Lösung gefunden werden. Die Verrechnung der Schalterleistungen muss wie in der Vergangenheit auch künftig zu vollkostenorientierten Preisen erfolgen. So kann sich eine faire Form der Zusammenarbeit in den Vertriebsfilialen entwickeln.
Neue und innovative Leistungsangebote: ePost
Das Unternehmen bereitet zahlreiche neue und innovative Leistungsangebote vor und nutzt dabei auch neue Kommunikationstechniken. Ein Beispiel dafür ist die ePOST. Bei diesem Service werden elektronische Kommunikation und traditionelle Postdienstleistung sinnvoll verknüpft. ePOST wird derzeit zügig ausgebaut. Es ist der Einstieg in die Zukunft der elektronischen Mehrwertdienste.
Um eine bessere Auslastung der Filialen zu erreichen und dem Kunden attraktive Angebote unterbreiten zu können, wird der Verkauf von Produkten und Dienstleistungen für Dritte getestet (z.B. Bundesbahnfahrkarten, Schweizer Autobahn-Vignetten oder Müllmarken).
Konsequente Spartenorganisation
Auf dem Weg zu einer konsequenten Spartenorganisation ist das Unternehmen 1992 weiter vorangekommen. Die klare Aufgliederung auf Briefdienste, Frachtpost und Vertriebsfilialen ist die Grundlage für mehr Markt- und Kundennähe, effizientere Führungs- und Informationswege sowie rationellere Arbeitsabläufe. Von den 23 Direktionen sind 10 der Sparte Briefdienste, 5 der Frachtpost und 8 den Vertriebsfilialen zugeordnet.
Neues Express-Logistik-Netz für Presseprodukte
Der POSTDIENST testet ab 1993 ein neues Express-Logistik-Netz für Presseprodukte mit einer Auslieferung spätestens 2 Tage nach der Einlieferung. Ein Schnellläufernetz für Tageszeitungen (Zustellung am Erscheinungstag) wird ebenfalls 1993 gestartet.
Übersichtlicheres Produktangebot bei der Briefpost
Zum 1. April 1993 wird im Rahmen des Programmes „BRIEF 2000” ein neues Produkt-Preis-Konzept eingeführt. Ein Teil der Entgeltanpassungen erfolgte zum 1. September 1992. Produkte und Preise werden einfacher und übersichtlicher. Das Preissystem berücksichtigt die tatsächlichen Kostenstrukturen. Wie bereits in vielen anderen Ländern üblich, entfällt weitgehend die Differenzierung nach Sendungsinhalten. Neue Formen der Entgeltermäßigung (Rabatte) für Eigenleistungen der Kunden werden eingeführt. Insbesondere unter Berücksichtigung des hohen Leistungsstandards kann sich die Preisstruktur im internationalen Vergleich weiterhin sehen lassen.
Ähnlich wie im Inlandsverkehr sind auch die Leistungsangebote für den Briefversand ins Ausland durch Übersichtlichkeit und spezielle Einsparungsmöglichkeiten geprägt. Hier ist vor allem der neue Kilotarif für Großkunden zu nennen.
Die neue 5-stellige Postleitzahl
Die neue 5-stellige Postleitzahl wird zum 1. Juli 1993 eingeführt. Sie ist der Schlüssel für eine moderne Postlogistik, ein wichtiger Baustein bei der Einführung automatisierter Produktionsabläufe.
Zeitgemäße Vertriebsformen im Test: „Postagenturen” und „Nachbarschaftsladen 2000”
Die Sparte Vertriebsfilialen führt bundesweit an 500 Standorten Betriebsversuche mit neuen und zeitgemäßen Vertriebsformen durch. Hier werden in Zusammenarbeit mit Lebensmitteleinzelhandel, Schreibwarengeschäften, Lotto-Toto-Annahmestellen und Tankstellen „Postagenturen” eingerichtet. Diese Vertriebsform, mit der das schon früher bewährte Konzept des „Posthalters” wiederbelebt wird, ist in vielen anderen Ländern sehr erfolgreich. Nach Abschluss der Testphase (mindestens 1 Jahr) soll mithilfe von Kundenbefragungen und vor dem Hintergrund der Nachfrageentwicklung geklärt werden, ob das Prinzip der Agentur in Zukunft genutzt werden soll. Daneben beteiligt sich das Unternehmen seit 1992 am bundesweiten Projekt „Nachbarschaftsladen 2000”.
Schalterterminalisierung verbessert Service und Wirtschaftlichkeit
Mehr Servicequalität, eine verbesserte Wirtschaftlichkeit, attraktive Arbeitsplätze und die aktuelle Verfügbarkeit von Managementdaten sind die Ziele des neuen Konzepts für die Tenninalisierung der POSTDIENST-Verkaufsstellen.
Das Schalterterminalsystern EPOS92 ist im April 1993 an mehr als 150 Schaltern eingeführt worden und wird bis zum Jahresende auf bis zu 1.000 Terminals erweitert. Auch das neue Einrichtungskonzept (Wegfall der Trennscheibe), das 1993 getestet wird, verbessert den Kundenservice.
Fazit: „Gute Erfolge in schwierigen Zeiten - Die Weichen sind richtig gestellt”
In Anbetracht der besonderen Herausforderungen war das Jahr 1992 für das junge Unternehmen POSTDIENST erfolgreich. In den alten Bundesländern ist es gelungen, das wirtschaftliche Ergebnis deutlich zu steigern und entscheidende Grundlagen für weitere nachhaltige Verbesserungen zu legen. Auch in den neuen Bundesländern wurde viel erreicht. Hier allerdings bestehen weiterhin gravierende Strukturprobleme.
Der POSTDIENST steht im Wettbewerb und ist bereit, sich dem Wandel zu öffnen. Die intensive Arbeit an der strategischen Neuausrichtung kommt gut voran. Das zeigen die Ergebnisse. „Wir sind zuversichtlich, dass die Post in den alten und den neuen Bundesländern auf dem richtigen Weg ist.”
von links: Dr. Günter W. Tumm, Vorstandsbereich Produktion Brief; Wolfhard Bender, Vorstandsbereich Personal; Richard Wohlfart, Vorstandsbereich Marketing Brief; Dr. Klaus Zumwinkel, Vorstandsvorsitzender; Dr. Hans-Dieter Petram, Vorstandsbereich Vertriebsfilialen; Dieter Seegers-Krückeberg, Vorstandsbereich Frachtpost; Dr. Edgar Ernst, Vorstandsbereich Finanzen
Briefdienste: Weiter ein Wachstumsbereich
Die Briefdienste bleiben ein Wachstumsbereich. 1992 stieg die Zahl der Sendungen in ganz Deutschland um ca. 7,5 Prozent, der Umsatz nahm um 5,0 Prozent zu. Die Briefdienste konnten mit diesem erfreulichen Zuwachs 1992 ihre Stellung als bedeutendster Geschäftszweig des POSTDIENSTES festigen.
1 Milliarde Sendungen mehr
Bei den eingelíeferten Sendungen im Bereich der alten Bundesländer gab es 1992 im Vergleich zum Vorjahr einen Mengenzuwachs von 6,8 Prozent. Noch deutlicher fiel das Mengenwachstum mit einem Zuwachs von 11,5 Prozent im Bereich der neuen Bundesländer aus. Insgesamt wurden - einschließlich der Sendungen, die für das Ausland bestimmt sind - 16,6 Milliarden Sendungen eingeliefert. Das ist eine Zunahme von über 1 Milliarde Sendungen gegenüber 1991.
Mailing: Ein Werbemedium im Aufwind
Trotz des Beförderungsvorbehalts befinden sich die Briefdienste in einem ausgeprägten Wettbewerb. Die Briefdienste, dazu zählen Briefe, Postkarten, Drucksachen, Briefdrucksachen, Waren- und Büchersendungen sowie Massendrucksachen (Infopost), Wurfsendungen und Blindensendungen, konkurrieren in zunehmendem Maße mit den Angeboten verschiedener Kurierunternehmen, aber auch verstärkt mit elektronischen Medien, deren Marktanteil stetig wächst. Die Massendrucksache (Infopost) und die Wurfsendung stehen zusätzlich im Wettbewerb mit anderen Werbemedien. Der Zuwachs bei den Massendrucksachen (Infopost) von bundesweit 18 Prozent zeigt die große Attraktivität dieser Sendungsart bei der werbetreibenden Wirtschaft.
BRIEF 2000>
Das sowohl Produkte als auch Betriebsabläufe und Preise umfassende System „BRIEF 2000” ist Kern der strategischen Neuausrichtung des Briefdienstes. Am 1. April 1993 (Briefpost) bzw. am 1. September 1993 (Infopost) trat neben Preisveränderungen eine transparente Produktgestaltung (s. Grafik) in Kraft.
Die neuen vereinheitlichten Formatbegrenzungen (nur noch 4 „Basisprodukte”) erlauben eine rationellere und schnellere Bearbeitung der Sendungen im Briefdienst. Erstmals hat der Kunde auch die Möglichkeit, Entgeltermäßigungen durch Eigenleistungen in Anspruch zu nehmen.
Elektronischer Briefdienst
Die Arbeiten zum Aufbau eines bundesweit flächendeckenden ePOST-Netzes sind einen guten Schritt vorangekommen. ePOST ermöglicht eine elektronische Einlieferung von Briefsendungen über PC oder kommerzielle Großrechner. Die zunächst auf elektronischem Weg übermittelten Nachrichten werden in empfängernahen ePOST-Stationen gedruckt und als Briefe, Briefe mit Eilzustellung, Telebriefe oder Infopost an die Empfänger weitergeleitet.
Seit Sommer 1992 befindet sich die ePOST-Zentrale in Frankfurt am Main im Pilotbetrieb. Die technischen, räumlichen und personellen Voraussetzungen für die Errichtung von 4 weiteren Stationen in Leipzig, Hannover, Berlin und Nürnberg sind realisiert.
Die Weichenstellung für die internationale Anwendung von ePOST erfolgt durch die Zusammenarbeit mit der International Data Post. Diese Gesellschaft internationaler Postunternehmen entwickelt einen einheitlichen technologischen Standard für den elektronischen Briefservice.
Schon 1.525 Telebriefstellen
Der Ausbau des bereits am Markt etablierten Telebriefdienstes wird zügig fortgesetzt: Die Zahl der Telebriefstellen ist in den neuen Bundesländern auf 125 und in den alten Bundesländern auf 1.400 erhöht worden.
Die Frachtpost ist auf Kurs
1992 konnte das Rekordergebnis des Jahres 1991 noch einmal um mehr als 73 Millionen Sendungen auf nunmehr 677,9 Millionen Sendungen (national) übertroffen werden. Begleitet wurde dieses Mengenwachstum von einer äußerst erfreulichen Umsatzsteigerung von rund 8 Prozent auf über 3,5 Milliarden DM. Die Realisierung des Konzepts Frachtpost ist 1992 planmäßig vorangekommen. Das Ziel der vollen Inbetriebnahme aller 33 Frachtpostzentren wird in der ersten Jahreshälfte 1995 erreicht werden.
In den alten Bundesländern konnte mit einer erneuten Steigerung der Jahresverkehrsmenge national um knapp 13 Millionen auf insgesamt 588,1 Millionen Sendungen das Rekordergebnis von 1991 noch einmal übertroffen werden. Deutlich über dem Mengenzuwachs lag die Steigerung der Umsatzerlöse. Sie nahmen um 8,5 Prozent auf rund 3,4 Milliarden DM zu.
Die schwache Konjunktur in den neuen Bundesländern spiegelt sich in einer negativen Mengen- und Umsatzentwicklung wider. Die Verkehrsmenge Frachtpost lag bei rund 30 Millionen Sendungen, die Umsatzerlöse betrugen 148 Millionen DM.
Wichtigster Indikator für eine marktgerechte Gestaltung der Frachtpost ist neben den Preisen eine verlässliche Laufzeit der Sendungen. Hier ist es nach den Umstrukturierungs- und Kapazitätsproblemen infolge der Wiedervereinigung im vergangenen Jahr gelungen, ein gutes Stück voranzukommen. Erfreulich ist vor allem, dass gerade in den Spitzenverkehrszeiten des letzten Quartals keine Qualitätseinbußen zu verzeichnen waren.
Große Leistungs- und Qualitätsfortschritte wurden auch in den neuen Bundesländern erreicht. Hier konnte mit der flächendeckenden Wiedereinführung der Hauszustellung durch die Einrichtung von ca. 3.600 Paketzustellbezirken und in ländlich strukturierten Gebieten durch die Nutzung der Vereinigten Zustellung und der Landzustellung der Service erheblich verbessert werden.
Zu einer weiteren Verbesserung der Verteillogistik trug auch die Inbetriebnahme von 7 neuerrichteten Zustellbasen in den neuen Bundesländern bei. Weitere werden 1993 folgen.
Zum 1. Juli 1992 wurde im Bereich der Frachtpost die 1. Stufe eines neuen Tarifsystems eingeführt. Ziel ist die Zusammenfassung der für die Kunden wesentlichen Leistungsmerkmale zu einem Normprodukt mit einer übersichtlichen, kostenorientierten Tarifierung bis 1995. Der 1. Schritt zum Normprodukt erfolgte 1992 mit dem Wegfall der 3. Entfernungszone und der Zusammenfassung von Standard- und Nichtstandardpaket. Zum 1. Juli 1993 wurde als 2. Schritt eine entfernungsunabhängige Tarifierung eingeführt.
Neues Produktsystem
Die Realisierung des Konzepts Frachtpost ist 1992 planmäßig vorangekommen: 30 der 33 für die Frachtpostzentren benötigten Grundstücke konnten bereits erworben werden; für 25 Frachtpostzentren wurden die Bauaufträge erteilt bzw. das Gebäude bereits fertiggestellt (Stand Juli 1993).
Die Tests für die wichtigsten Komponenten der betriebstechnischen Anlagen und ihr Zusammenspiel auf der eigens dafür errichteten Versuchsanlage wurden bereits im Februar 1993 abgeschlossen. Seit März 1993 erfolgt der Einbau der ersten Verteilanlage in das im Hochbau fertiggestellte Frachtpostzentrum Hagen-Fley.
Große Bedeutung hat die möglichst umweltverträgliche Gestaltung des Konzepts Frachtpost. So liefen die Planungen für den Transport der Sendungen in engem Kontakt mit der Bundesbahn nach der Maxime: „So viel Schiene wie möglich, so wenig Straße wie nötig”. Die Standortwahl für die Frachtpostzentren ist daher auf das im Aufbau befindliche KLV-Netz (Kombinierter Ladungsverkehr) der Deutschen Bahnen ausgerichtet worden.
Zudem liegen die Zentren verkehrstechnisch so, dass Belastungen für Wohngebiete weitestgehend vermieden werden. Dies wird insbesondere durch Verlagerung aus innerstädtischen in Gewerbegebiete erreicht.
Vertriebsfilialen: Mehr Service - weniger Kosten
„Mehr Service - weniger Kosten” - das ist die Vorgabe für ein verbessertes Vertríebsnetz, für dessen Realisierung 1992 die Weichen gestellt wurden. Die erforderliche Neukonzeption des Schalterdienstes ist ein langfristiger Prozess mit vielschichtigen Aufgaben. Schwerpunkte dabei sind:
Optimierung des Vertriebsnetzes
Umsetzung eines Einrichtungs- und Termínalísierungskonzepts
Test alternativer Vertriebsformen
Bessere Öffnungszeiten statt Mehrfachversorgung
Ein entscheidender Schritt auf dem Weg zu einer kundenorientierten Qualitätsverbesserung ist die Filialnetzüberprüfung auf Über- und Unterversorgung in Städten. Der Kunde hat bei 22.000 Filialen heute oft mehrere zur Auswahl, bei denen aber nicht alle Schalter besetzt sind, und oft sind auch die Öffnungszeiten wegen der auf mehrere Filialen zersplitterten Nachfrage stark eingeschränkt. Deshalb sollen Mehrfachversorgungen abgebaut und statt dessen Öffnungszeiten und Schalterbesetzungen entsprechend der gestiegenen Kundenfrequenz im konzentrierten Filialnetz verbessert werden. Auch in Zukunft wird dabei die Entfernung zur nächsten Vertriebsfiliale für den Kunden im Regelfall nicht weiter als 2.000 Meter sein.
Neues Einrichtungskonzept „open service”
Zu einem verbesserten Service im Vertriebsnetz gehört auch eine attraktive Einrichtung der Schalterhallen. Ein wichtiger Bestandteil des neuen Schalterkonzepts ist deshalb eine neue, moderne Einrichtungsform. Das Konzept „open service” ist durch eine offene Thekenlandschaft ohne Schalterverglasung gekennzeichnet. Ziel ist eine kundenfreundliche Atmosphäre, insbesondere eine bessere Kommunikation zwischen Kunden und Post-Personal. Die Kassensicherheit wird durch modernste Sicherheitseinrichtungen wie automatische Kassentresore und Time-Tresore gewährleistet.
Die Neukonzeption beinhaltet die Auflösung von Spezialschaltern zugunsten eines Universalservices und den erweiterten Einsatz von Selbstbedienungsautomaten. Der Verkauf von „postnahen” Produkten wie Schreibbedarf und Büroartikel ergänzt das Leistungsangebot.
Voraussetzung für die Verwirklichung einer neuen Servicequalität ist eine Terminalisierung der Schalter. Durch den Einsatz von Personalcomputern, den Schalterterminals, wird die zeitintensive Handarbeit mit Listen, Kugelschreiber und Lineal zugunsten einer besseren Kundenbedienung entfallen. 1992 wurde das Schalterterminalsystem EPOS (elektronischer Postschalter) zur Praxisreife entwickelt. Der Einsatz hat in den Bereichen Mannheim und Wiesbaden bereits begonnen.
Ein weiterer Schritt auf dem Weg zur Qualitätsverbesserung bei geringeren Kosten ist der Test alternativer Vertriebsformen. Der POSTDIENST beteiligt sich an dem Projekt „Nachbarschaftsladen 2000”, das auf Initiative des Bundesministers für Raumordnung, Bauwesen und Städtebau zustande kam, um die Infrastruktur auf dem Lande zu stärken. Im Nachbarschaftsladen werden neben dem üblichen Warensortiment unterschiedliche Dienste und Leistungen angeboten, die für sich alleine nicht lebensfähig wären. Auf diese Weise soll eine wohnungsnahe Grundversorgung mit Produkten des täglichen Bedarfs sichergestellt werden. Um das postalische Angebot auf dem Land kostendeckender zu gestalten und durch längere Öffnungszeiten zu verbessern, hat sich der POSTDIENST zu dieser Kooperation entschlossen. Seit Ende 1992 können die Einwohner der schleswig-holsteinischen Dörfer Bimöhlen und Norderhackstedt in den beiden ersten Nachbarschaftsläden mit postalischer Beteiligung einkaufen und postalische Dienstleistungen in Anspruch nehmen.
Postagentur: Kooperation hilft allen
Die gleiche Zielsetzung verfolgt das Konzept „Postagenturen”, eine Wiederbelebung des schon früher bewährten Konzepts „Posthalter”. In die näheren Überlegungen sind Kooperationspartner aus den Branchen Lebensmitteleinzelhandel, Schreibwarengeschäfte, Tankstellen und Lotto-Toto-Annahmestellen einbezogen. Gerade auf dem Land lässt sich so die Versorgungsqualität verbessern. Für viele Einzelhändler in ländlichen Gegenden kann die Einrichtung einer Postagentur zusätzlichen Umsatz bedeuten, der für die Existenzsicherung notwendig ist. So kann die Postagentur einen Beitrag zur Erhaltung und Sicherung der örtlichen Infrastruktur leisten.
Dienstleistungen auch für Dritte
Zu einem weiter verbesserten Service gehört aber auch der Verkauf von Produkten und Dienstleistungen für Dritte in ca. 5.000 Filialen des POSTDIENSTES. An den Schaltern dieser Postämter und Poststellen sind Fahrkarten der Bundesbahn oder regionaler Verkehrsverbände, Schweizer Autobahn-Vignetten, Rubbellose und Müllmarken erhältlich. In mehr als 500 Filialen können zudem kommunale Dienstleistungen wie Entgegennahme von Anträgen für Personalausweise nachgefragt werden.
Internationale Post auf neuer Basis
Die verstärkte Kooperation mit ausländischen Postverwaltungen und die Einführung neuer Produkte im internationalen Brief- und Frachtdienst wurde 1992 in ersten Schritten erfolgreich am Markt getestet. Die Verschärfung des Wettbewerbs im internationalen Bereich bestätigt die Notwendigkeit dieser Maßnahmen.
Im Bereich des internationalen Briefdienstes wurden insgesamt 381 Millionen Briefe, Postkarten und Drucksachen durch den POSTDIENST in das Ausland versandt. Aus dem Ausland gingen rund 553 Millionen Sendungen ein. Das Gesamtvolumen der Sendungen nahm damit leicht zu. Das ist besonders auf die gute Entwicklung bei der internationalen Massendrucksache zurückzuführen. Das Medium für die adressierte Direktwerbung hat seit seiner Einführung im Jahr 1989 ein stetiges Wachstum zu verzeichnen. Der internationale Werbeantwortdienst wird mittlerweile für 24 Länder angeboten.
Zur Verbesserung der Laufzeiten und postbetrieblichen Organisation im internationalen Briefdienst beteiligte sich der POSTDIENST an einer von der Europäischen Kommission unterstützten Initiative (C.A.P.E. - Computer Aided Post in Europe). Kern ist hierbei ein computergestütztes Kommunikationssystem, das frühzeitig über das Mengenaufkommen informiert.
Internationale Frachtpost: Neue Produkte
Der seit 1989 zu verzeichnende Verkehrsmengenrückgang bei der internationalen Frachtpost (Auslandspäckchen und -pakete) setzte sich 1992 fort. Das Gesamtvolumen lag im Eingang und Abgang bei 27,2 Millionen Sendungen (1991: 31,9).
Die im Verbund mit anderen europäischen Postunternehmen konzipierten Maßnahmen zur Wettbewerbsstärkung konnten 1992 erfolgreich am Markt getestet werden. Dazu gehört der neue Service Consignment, der gezielt große Versender anspricht. Er bietet ein vereinfachtes, preisgünstiges und schnelles Verfahren für den Palettenversand von Auslandspaketen. Die Anzahl der Partnerländer, in die der Consignment-Versand möglich ist, hat sich auf 8 europäische Länder erhöht.
Zur Verbesserung der Laufzeiten und der Zuverlässigkeit im internationalen Frachtdienst wurde mit dem Abschluss von Qualitätsabkommen mit ausgewählten ausländischen Postverwaltungen begonnen.
1992 wurde die Optimierung und Neugestaltung der Produktpalette mit dem Ziel der Markteinführung in der 2. Jahreshälfte 1993 vorbereitet. Vor diesem Hintergrund sind auch eine Reihe von Postverbindungen im europäischen und außereuropäischen Verkehr verbessert worden. Dazu gehörte 1992 auch Osteuropa. Hier hat der POSTDIENST besonders durch den Ausbau der direkten Postverbindungen in Länder der „Gemeinschaft unabhängiger Staaten” (GUS) den politischen Entwicklungen Rechnung getragen und einen wesentlichen Beitrag zur Verbesserung der Postlaufzeiten geleistet.
Joint Venture: GD Express Worldwide
Im Frühjahr 1992 haben die Postunternehmen von Frankreich, Kanada, den Niederlanden, Schweden und der POSTDIENST mit dem australischen international tätigen Transportkonzern TNT einen Vertrag über die Gründung eines Gemeinschaftsunternehmens unterzeichnet. Das Gemeinschaftsunternehmen mit dem Namen GD Express Worldwide hat seinen Sitz in Amsterdam. Gegenstand des neugegründeten Unternehmens ist die Erbringung von internationalen Kurierdienstleistungen. Das internationale Kurierprodukt „EMS international” wird sowohl an den Postschaltern als auch von der Posttochter „EMS KURIERPOST GmbH” im Namen und auf Rechnung der GD Express Worldwide (Deutschland) GmbH verkauft.
GD Express Worldwide hat Anfang Oktober 1992 in Deutschland seine Tätigkeit aufgenommen. Der Kunde kann nunmehr in ca. 180 Länder statt wie bisher in nur 120 Länder seine Dokumenten- bzw. Warensendungen verschicken. Die Sendungen werden dort von GD Express Worldwide oder einem Vertragsnehmer befördert und ausgeliefert. Auch Postverwaltungen werden bei entsprechendem Leistungspotenzial Vertragsnehmer in einem der 180 Länder.
Philatelie: Erfreuliche Zuwächse
Die Philatelie konnte 1992 erfreuliche Zuwächse verbuchen. Basis des Erfolgs waren das deutlich gestiegene Sammlerinteresse durch philatelístische Anreize im Rahmen der Wiedervereinigung und gezielte Marketing-Maßnahmen.
1992 erschien das erste Briefmarken-Jahresprogramm, das für das wiedervereinigte Deutschland geplant und gestaltet wurde. Die Wiedervereinigung war auch das Schwerpunktthema der 63 Neuausgaben. So wurde eine Serie „Wappen der Länder der Bundesrepublik Deutschland” mit den Marken Berlin und Brandenburg gestartet.
Die Sonderbriefmarke „Familie schafft Zukunft” wurde aus 500.000 Einsendungen von den Postkunden zur schönsten Briefmarke des Jahrgangs 1992 gewählt. Der Entwurf stammt von Joachim Rieß, Chemnitz. Erstausgabetag: 16. Juli 1992
© Joachim Rieß / Deutsche Bundespost POSTDIENST
Die „Kunstwerke im Kleinformat” sind neben ihren Motiven auch in der Gestaltung ein lebendiger Ausdruck der Einheit Deutschlands. Von den 7 Grafikern, die jeweils zum Gestaltungswettbewerb für ein Briefmarkenthema eingeladen wurden, kamen stets 2 bis 3 aus den neuen Bundesländern. Diese Künstler konnten ihre Entwürfe auch mit etwa 1 Drittel im Programm platzieren. Dazu gehörte auch die „Siegermarke” des Jahres 1992. Im Rahmen einer großen PR-Aktion wurde aus 500.000 Einsendungen als schönste Marke des Ausgabenprogramms das Motiv „Familie schafft Zukunft” von Joachim Rieß aus Chemnitz ermittelt.
Das Interesse an einem ersten Briefmarken-Jahresprogramm, das von Anfang an für das geeinte Deutschland konzipiert wurde, war so groß wie niemals zuvor. Über die 3 Versandstellen für Postwertzeichen in Berlin, Frankfurt am Main und Weiden wurden die 1992er-Briefmarken im Durchschnitt mehr als 3 Millionen Mal verkauft. Gegenüber dem Vorjahr bedeutet dies eine Steigerung um 13 Prozent.
Interesse am Sammeln stieg deutlich
Briefmarkensammeln hat Zukunft. Das belegen die Zahlen der laufend vom POSTDIENST für den Bereich Philatelíe durchgeführten Marktforschung. Danach ist die Zahl der Personen, die sich selbst als Briefmarkensammler bezeichnen, deutlich gestiegen: Zur Jahresmitte 1992 gaben 8,25 Prozent der Befragten an, neu herausgegebene Briefmarken des POSTDIENSTES zum Sammeln zu kaufen. Im Dezember 1991 waren es nur 6,2 Prozent.
Umfangreiche Werbe- und PR-Maßnahmen wecken Interesse
Zu dieser positiven Entwicklung haben die umfangreichen Werbe- und PR-Maßnahmen des POSTDIENSTES entscheidend beigetragen. Die Markenkiste - ein Anfängerset für Kinder - wurde inzwischen mehr als 300.000 Mal verkauft. Nicht weniger erfolgreich verlief die Entwicklung der seit Januar 1991 monatlich über das Schalternetz vertriebenen Kinderzeitschrift „SALTO”. Für die Zielgruppe der 8- bis 14-Jährigen hat sich die bunte und witzige Zeitschrift, die auch Briefmarken zum Sammeln enthält, inzwischen als eine der auflagenstärksten Publikationen für diese Altersgruppe etabliert.
Für die Erwachsenen gibt es seit Ende Oktober 1992 unter dem Namen „Collector” ein spannendes Gesellschaftsspiel, das sich mit Briefmarken und deren interessanten Themen beschäftigt. „Collector” ist außergewöhnlich umfangreich ausgestattet und liegt so voll im Trend zu anspruchsvollen Spielen. Bis zum Jahresende konnte dieses neue Produkt bereits mehr als 20.000 Mal verkauft werden.
Pressepost: Eine neue Qualität
1992 stand im Zeichen der Zukunftsorientierung des Postzeitungsdíenstes (nunmehr Pressepost). Auf der Basis eines an den Kundenwünschen ausgerichteten Qualitätsstandards wurde der Postzeitungsdienst völlig neu strukturiert und erheblich in den verbesserten Leistungsstandard investiert. Das Investitionsvolumen beträgt in der ersten Phase bis zu 100 Millionen DM. Bei der Neuausrichtung der Pressepost steht die Qualitätsverbesserung an erster Stelle. Daneben sind umfangreiche Rationalisierungen vorgesehen sowie markt- und kostenorientíerte Preise.
Qualitätsziel E+2 gesichert
Mit dem neuen Konzept wird das Qualitätsziel E+2 für Zeitschriften bundesweit gesichert. Damit erreichen Zeitschriften innerhalb von 2 Tagen die Abonnenten. Der Vertriebsweg des POSTDIENSTES garantiert damit die gleiche Aktualität wie beim Kiosk-Verkauf.
Durch das 1992 neugeschaffene und ab 1993 eingesetzte Express-Logistik-Netz des POSTDIENSTES wird dieses Ziel erfüllt. Die Express-Logistik Leistung wird in einem ersten Schritt den Großkunden der Pressepost angeboten. Das gesamte System wird im Euro-Palettenverkehr abgewickelt, die Mindesteinlieferungsmenge beträgt zunächst 5 Tonnen.
Entscheidende Vorteile für die Kunden sind:
Abholung in der Druckerei
elektronische Laufzeitverfolgung
verbesserter Qualitätsstandard
bessere Laufzeiten durch weniger Bearbeitungsstufen
Der Zeitungsdienst in den neuen Bundesländern wurde zum 1. Juli 1992 in vollem Umfang an den Produktstandard der Pressepost in den alten Bundesländern angepasst. Durch den Abbau des ursprünglichen „Vollzeitungsservices” der Deutschen Post, inkl. Bestellannahme, Aboverwaltung und Inkasso auf die reine Vertriebsfunktion ist allerdings 1992 ein stetiger Sendungsmengenrückgang zu verzeichnen.
Rationalisierung durch neue Logistik
Das neue Transportnetz für die Pressepost schafft sowohl durch logistische wie technische Neuerungen ein hohes Rationalisierungspotenzial. Basierend auf 12 regionalen Depots und einer zentralen Hauptumschlagbasis in Bad Hersfeld werden Sendungsströme konzentriert und über eine zentrale Disposition und Verkehrssteuerung gelenkt.
Zur Koordination des neuen Transportsystems verbinden Datenleitungen alle Depots online untereinander. Kunden können Versandinformationen in die Datenverarbeitung eingeben und ständig über den Verbleib und die Laufzeit ihrer Sendungen informiert werden.
Neben der betrieblichen Kostenoptimierung muss auch in der Preisgestaltung der Aspekt der Wirtschaftlichkeit stärker berücksichtigt werden. Dies wurde in einem ersten Schritt durch die Pressepost-Preiserhöhungen in Höhe von 6 Prozent p.a. erreicht, wobei die Preiserhöhung für Postvertriebsstücke zum 1. April 1992 im Durchschnitt 9,9 Prozent betrug.
Der absolute Verlust im Bereich der Pressepost konnte 1992 bei einem Umsatz von 1,1 Milliarden DM auf 900 Millionen DM zurückgeführt werden (Vorjahr 1,2 Milliarden DM).
Die Mitarbeiter: Qualifizierung und Leistungsorientierung
Nachdem der Strukturwandel von einer Behörde zu einem modernen Dienstleistungsunternehmen große Schritte vorangekommen ist, steht in der Personalarbeit des POSTDIENSTES der verstärkte Einsatz unternehmensorientierter Personalführungsinstrumente im Vordergrund. Für die personalpolitischen Herausforderungen der nächsten Jahre gibt es dabei 2 vorrangige Maximen:
Qualifizierung und Managementförderung sowie
Diesen Zielen entspricht das Personalentwicklungskonzept, mit dem ein deutliches Signal in Richtung persönlicher Förderung und systematischer beruflicher Entwicklung von Führungskräften gesetzt wurde. Durch die Verbindung der persönlichen Berufsplanung mit den Zielen des Unternehmens wird ein von beiden Seiten getragener Entwicklungsprozess erreicht.
Jeder Mitarbeiter kann freiwillig Angaben zur Mobilität, zu angestrebten Aufgaben und Funktionen sowie zum persönlichen Fortbildungsbedarf machen. Diese fließen möglichst weitgehend in eine individuelle Personalplanung ein.
2-stufige Potenzialanalyse
Das Kernstück der Personalentwicklungsplanung ist eine 2-stufige Potenzialanalyse. Mit ihrer Hilfe wird festgestellt, inwieweit ein Mitarbeiter die Fähigkeit besitzt, andere, auch höherwertige Führungsaufgaben zu übernehmen (sogenanntes Management-Potenzial).
In der 1. Stufe der Analyse wird jeder Mitarbeiter des höheren Dienstes in regelmäßigen Abständen von einem aus Vorgesetzten bestehenden Team eingeschätzt. Verfügt ein Mitarbeiter über ein deutlich erkennbares Potenzial für eine andere höherwertige Führungsaufgabe, erfolgt seine Nominierung für die freiwillige Teilnahme an einem Personalentwicklungsseminar (PES). Interessenten können sich auch unabhängig von diesem Verfahren selbst für eine Teilnahme melden. Das Personalentwicklungsseminar endet mit der Aussage über Art und Umfang des erkannten Management-Potenzials.
Daneben wurde ein Managementförderkreis gebildet, der - abhängig vom Potenzial - bestimmte Pflichrprogramme (z.B. Auslandsaufenthalte, Beschäftigung bei branchennahen Unternehmen) anbietet. Im Mittelpunkt des Personalentwicklungsseminars steht die gezielte Förderung der persönlichen Kompetenz, nicht die Auswahl für eine konkrete Personalpostenbesetzung.
Seit dem letzten Geschäftsjahr werden an Beamte mit herausragenden Leistungen Zulagen gezahlt. Aufgrund der positiven Wirkung dieses neuen Führungsinstruments, das zu erhöhter Motivation und auch zu Qualitätssteigerungen geführt hat, wurde im Geschäftsjahr 1992 die Gewährung von Leistungszulagen noch erweitert.
Für Angestellte und Arbeiter wurde im Geschäftsjahr 1992 die Zahlung von Leistungszulagen tarifvertraglich vereinbart. Ab 1993 können die Leistungszulagen auch an die Beschäftigten in den neuen Bundesländern gezahlt werden.
Gruppenmodell für die Auslieferung
Der Zusteller als wichtige Kontaktstelle zum Kunden prägt nachhaltig das Image des POSTDIENSTES. Hohe Motivation der Zusteller ist die Voraussetzung für einen zuverlässigen und freundlichen Service. Eine verbesserte Mitarbeitermotivation durch neue Leistungsanreize und eine höhere Wirtschaftlichkeit durch flexibleren Personaleinsatz sind die beiden Hauptziele eines Pilotprojekts im Bereich der Auslieferung. Es wird seit September 1992 getestet.
Eine Gruppe von Zustellern erhält dabei ein Jahresbudget in Stunden und passt ihren Personaleinsatz in eigener Verantwortung an die Schwankungen der Verkehrsmenge an. Bei Budgetunterschreitungen kann sie das Einkommen ihrer Mitglieder spürbar steigern.
Die Lohnrunde West ergab 1992 eine Steigerung der Löhne und Vergütungen um 5,4 Prozent. Durch Strukturveränderungen führte dies zu einer Steigerung von insgesamt 6,1 Prozent. Zudem wurde eine Einmalzahlung in Höhe von 750 DM für Arbeiter und für Angestellte in Höhe von 750 bzw. 600 DM je nach Vergütungsgruppe vereinbart. Das Urlaubsgeld wurde um 200 DM erhöht. In der Lohnrunde Ost wurde die stufenweise Anpassung der Löhne und Vergütungen von zunächst 74 Prozent und ab 1. Juli 1993 auf 80 Prozent vereinbart. Hinzu kommen Einmalzahlungen von 450 bzw. 360 DM.
Die Ein- und Höhergruppierung der Angestellten wurde tarifvertraglich für beide Verkehrsgebiete neu geregelt. Dadurch wurden die beruflichen Möglichkeiten der Angestellten verbessert. Die Orientierung an der aktuellen Arbeitsmarktlage stärkt zugleich die Wettbewerbsfähigkeit des POSTDIENSTES bei der Gewinnung von qualifizierten Arbeitskräften.
Im Zuge der Angleichung des Tarifrechts in den neuen und alten Bundesländern wurde ein Tarifvertrag über die Anerkennung von Beschäftigungszeiten bei der ehemaligen DDR-Post abgeschlossen. Dieser Tarifvertrag gewährleistet die Gleichbehandlung der Beschäftigten im Hinblick auf ihre Vordienstzeiten und ist damit ein weiterer Schritt der tariflichen Anpassung.
Durch den Tarifabschluss über die Zahlung von stückbezogenen Zulagen für die Katalogzustellung gelang es, ein neues Element leistungsbezogener Bezahlung in das Tarifsystem des POSTDIENSTES einzubringen.
Um die Betriebskonzepte Fracht und „BRIEF 2000” sozialverträglich durchführen zu können und deren Umsetzung zu sichern, wurden Tarifverhandlungen über den Abschluss projektbezogener Tarifverträge für diese Bereiche aufgenommen.
Personalaustauschprogramm
Sehr erfolgreich verlief das Personalaustauschprogramm zwischen den alten und neuen Bundesländern - konzipiert als Know-how-Transfer und zur Beschleunigung eines einheitlichen Leistungsstandards. So lag die Zahl der vermittelten Kräfte 1992 deutlich über der Zielvorgabe. Das Programm wurde auf freiwilliger Basis durchgeführt. Dabei zeigte sich eine in diesem Umfang nicht erwartete Bereitschaft, am Aufbau einer postalischen Infrastruktur in den neuen Bundesländern aktiv mitzuwirken bzw. in umgekehrter Richtung Erfahrungen und Erkenntnisse des Westens aufzunehmen und in die neuen Bundesländer zu transferieren.
Größter Arbeitgeber für Frauen
Der POSTDIENST ist mit über 180.000 beschäftigten Frauen (48 Prozent) der größte Frauenarbeitgeber. Dabei ist der Anteil der Frauen in den neuen Bundesländern mit 76,5 Prozent weiterhin besonders hoch.
Auch bei den Nachwuchskräften ist der Frauenanteil sehr hoch. Während in den alten Bundesländern fast die Hälfte aller Nachwuchskräfte weiblich ist (49 Prozent), beträgt dieser Anteil in den neuen Bundesländern bereits mehr als 75 Prozent. Das Unternehmen POSTDIENST hat einen erheblichen Beitrag geleistet, den weiblichen Jugendlichen in den neuen Bundesländern berufliche Perspektiven zu eröffnen und die Jugendarbeitslosigkeit zu bekämpfen.
Betriebsbedingt ist der Anteil der Frauen mit 2 Dritteln an der Gesamtzahl im einfachen Dienst sehr hoch. Viele Frauen sind teilzeitbeschäftigt und sorgen für eine zügige Sortierung, Verteilung und Zustellung der Brief- und Frachtsendungen.
Im mittleren Dienst sind Frauen überwiegend in den Vertriebsfilialen eingesetzt, während Frauen im gehobenen Dienst vorwiegend Verwaltungsarbeit leisten.
Im Bereich der Führungskräfte des höheren Dienstes ist der Anteil der Frauen in den letzten Jahren stetig gestiegen und liegt heute bei etwa 1 Fünftel.
7.562 Ausbildungsplätze stellte der POSTDIENST 1992 zur Verfügung, davon in den alten Bundesländern 6.725 und in den neuen 837. Wie schon im Vorjahr konnten die Ausbildungsplätze nicht alle besetzt werden. Insbesondere blieben viele Ausbildungsplätze für Dienstleistungsfachkräfte im Postbetrieb frei. Allen beim POSTDIENST ausgebildeten Nachwuchskräften konnte 1992 ein Arbeitsplatz angeboten werden.
Der POSTDIENST arbeitet weiterhin erfolgreich an einer attraktiveren Berufsausbildung für den einfachen Postdienst, um hierdurch dessen Attraktivität auf dem Stellenmarkt zu verbessern. Insgesamt wird die Ausbildung für alle Sparten bedarfsgerechter gestaltet und stärker an der Praxis ausgerichtet.
Auch 1992 waren bevorzugte Themen der Fortbildung verstärkte Kundenorientierung, verbesserte Produktqualität und flexiblere Reaktion auf technischen und wettbewerbsbedingten Wandel.
Schwerpunkt aller Maßnahmen war die Fortbildung der Kräfte in den Vertriebsfilialen. Die Einführung der kaufmännischen Buchführung im POSTDIENST wurde in großem Stil flankierend durch Fortbildung begleitet. Auch wurden verstärkt betriebswirtschaftliche Grundlagenseminare für Kräfte in Führungspositionen angeboten.
Das bereits 1990 mit 1.000 Lernstationen eingeführte computerunterstützte Lernen im Postdienst (Clip) wurde 1992 auf 2.000 Lernstationen ausgebaut. Jede Lernstation ist neben dem Personalcomputer auch mit einem Bildplattenspieler ausgestattet. Clip arbeitet multimedial, d.h. mit Texten, Grafiken und Videofilmen. Die Lernprogramme sind lebendig, abwechslungsreich und nach neuesten didaktischen Erkenntnissen gestaltet. Mit rund 1 Million Lernstunden im Jahr 1992 hat sich Clip zu einem innovativen und effizienten Lernsystem entwickelt, das in der beruflichen Bildung neue Perspektiven eröffnet.
zum Jahresabschluss 31. Dezember 1992 des öffentlichen Unternehmens Deutsche Bundespost POSTDIENST
(I) RECHTLICHE GRUNDLAGEN FÜR DIE AUFSTELLUNG DES JAHRESABSCHLUSSES
Entsprechend den Vorgaben des PostVerfG bestimmen sich die für die Bilanzierungs-Richtlinie maßgeblichen handelsrechtlichen Grundsätze nach den Vorschriften über die Rechnungslegung im Dritten Buch des Handelsgesetzbuches (§§ 238 ff. HGB), wobei vorrangig die für große Kapitalgesellschaften maßgeblichen Vorschriften der §§ 264 ff. HGB übernommen worden sind, unter Berücksichtigung der besonderen Verhältnisse der Deutschen Bundespost.
Das Unternehmen hat mit Wirkung vom 1. Januar 1993 die kaufmännische Buchführung eingeführt. Es nutzt hierbei die Software der Firma SAP Walldorf (SAP). Hierdurch ist das bisherige Finanzbuchführungssystem der gehobenen Karneralistik abgelöst worden. Für die Übergangszeit bis zur Einführung der kaufmännischen Buchführung, also auch noch für den Jahresabschluss 1992, sieht die Bilanzierungs-Richtlinie Übergangsvorschriften vor.
Im Rahmen des Übergangs auf die kaufmännische Buchführung wurde bereits in 1992 das Sachanlagevermögen im SAP-Modul RA (Anlagenbuchführung) erfasst und im Jahresabschluss 1992 berücksichtigt.
Für eine unternehmensspezifische Ausgestaltung des Jahresabschlusses wurden in Bilanz und GuV einige Anpassungen vorgenommen. Durch sie werden Klarheit und Übersichtlichkeit verbessert.
Die Gliederungen der Bilanz sowie der GuV gehen von den Gliederungsvorschriften der §§ 266 und 275 HGB aus. Jedoch sind wegen der Besonderheiten der Deutschen Bundespost und aufgrund der fortgeführten DM-Eröffnungsbilanz für das VGO zusätzliche Ausweisposten - z. B. Sonderverlustkonto aus Rückstellungsbildung, Sonderrücklage und Sonderposten mit Rücklageanteil aus öffentlichen Investitionszuschüssen - erforderlich.
Bei den Finanzanlagen wird der Posten „Ausleihungen für Wohnungsbauförderung” gesondert ausgewiesen. Es handelt sich dabei um eine Verbundaufgabe, die das Unternehmen DBP POSTDIENST für die gesamte DBP wahrnimmt und bilanziert.
Im Umlaufvermögen und in den Verbindlichkeiten trägt der Ausweis der Forderungen bzw. Verbindlichkeiten gegenüber den Schwesterunternehrnen DBP TELEKOM und DBP POSTBANK der besonderen Unternehmensgliederung der DBP Rechnung.
Die GuV wurde um den Posten „Erträge aus Finanzausgleich” erweitert. Die Ergänzung beruht auf § 37 Abs. 3 PostVerfG, wonach zwischen den DBP-Unternehmen ein Finanzausgleich vorzunehmen ist, wenn ein Unternehmen die Aufwendungen aus den eigenen Erträgen nicht decken kann. Im Übrigen ist die GuV nach dem Gesamtkostenverfahren gegliedert.
Die Entwicklung des Anlagevermögens wird anhand eines Anlagespiegels (Anlage 1 [des Geschäftsbericht]) dargestellt. In analoger Anwendung der Übergangsvorschriften des Art. 24 Abs. 6 EGHGB werden dabei die Buchwerte der Eröffnungsbilanz zum 1. Januar 1990 als ursprüngliche Anschaffungs- bzw. Herstellungskosten betrachtet.
Die gegen Entgelt erworbenen immateriellen Vermögensgegenstände werden mit den Anschaffungskosten aktiviert und über 4 Jahre abgeschrieben. Die Vermögensgegenstände des Sachanlagevermögens werden mit ihren Anschaffungskosten (einschließlich Nebenkosten) bzw. Herstellungskosten abzüglich der planmäßigen und - soweit erforderlich - außerplanmäßigen Abschreibungen ausgewiesen. Alle Wirtschaftsgüter des Sachanlagevermögens werden linear abgeschrieben.
Dabei werden Wohn-, Dienst- und Betriebsgebäude bis zu 60 Jahre, Technische Anlagen und Maschinen sowie Andere Anlagen, Betriebs- und Geschäftsausstattung in längstens 30 Jahren, überwiegend aber über 4 bis 12 Jahre, abgeschrieben. Auf Anlagenzugänge in 1992 wurde die halbe Jahresabschreibung verrechnet. Geringwertige Anlagegüter werden im Zugangsjahr in voller Höhe als Aufwand gebucht. Anlagen im Bau werden im Zeitpunkt der Bezugsfertigkeit bzw. der Inbetriebnahme umgebucht.
Die stark eingeschränkte wirtschaftliche und technische Verwertbarkeit des Sachanlagevermögens im VGO ist durch Wertabschläge und Rückstellungen für notwendige Entkernungs- und Instandhaltungsmaßnahmen berücksichtigt.
Unter den Vorräten werden Betriebsstoffe, Ersatzteile, Werkstatt- und Dienstbedarf sowie Postwertzeichen und andere Druckerzeugnisse zu Anschaffungskosten abzüglich angemessener Wertberichtigungen angesetzt.
Die Forderungen und sonstigen Vermögensgegenstände sind zum Nennwert abzüglich angemessener Einzelwertberichtigungen und pauschaler Abwertungen zur Deckung des allgemeinen Kreditrisikos bilanziert.
Das bei der Aufnahme von Anleihen und Schuldscheindarlehen von den Gläubigern einbehaltene Disagio wird unter den aktiven Rechnungsabgrenzungsposten ausgewiesen und linear über die Laufzeit der Kredite abgeschrieben.
Von der Möglichkeit der Bildung eines Sonderverlustkontos aus Rückstellungsbildung als Ausgleich für erstmals gebildete Pflichtrückstellungen im VGO wurde in 1990 Gebrauch gemacht.
Die Rückstellungen für Pensionen und ähnliche Verpflichtungen betreffen ausschließlich die seit dem Gj. 1990 erteilten Pensionszusagen, Verpflichtungen aus Nachversicherungen gemäß Art. 131 Grundgesetz sowie aus sonstigen Nachversicherungen. Sie werden nach versicherungsmathematischen Berechnungen mit dem Teilwert bilanziert. Der Abzinsungssatz beträgt 6 Prozent p.a.
Bei der Bildung der übrigen Rückstellungen ist den erkennbaren Risiken und ungewissen Verbindlichkeiten angemessen Rechnung getragen worden. Sie sind in der Höhe bemessen, die nach vernünftiger kaufmännischer Beurteilung notwendig ist.
In den im Anlagespiegel unter den historischen Anschaffungs- und Herstellungskosten der Sachanlagen ausgewiesenen Abgängen in Höhe von 1.118 Millionen DM sind die bisherigen Auflösungen der zum 1. Januar 1991 in der Eröffnungsbilanz VGO verrechneten Wertberichtigungen (369 Millionen DM) sowie die im Rahmen der Realteilung zwischen DBP POSTDIENST und DBP TELEKOM im VGO vorgenommenen Umsetzungen zur DBP TELEKOM (527 Millionen DM) enthalten.
Die Zugänge zu Anteilen an verbundenen Unternehmen von 132 Millionen DM betreffen im Wesentlichen freiwillige Kapitaleinlagen in die PDB POSTDIENST Beteiligungen GmbH, Bonn (120 Millionen DM) und verschiedene Pflichteinlagen.
Eine Aufstellung über die verbundenen Unternehmen sowie die Beteiligungsunternehmen ist als Anlage 2 beigefügt. An Erträgen sind von verbundenen Unternehmen und von Beteiligungsunternehmen insgesamt 1 Million DM (2 Millionen DM) zugeflossen.
Von den in der Beteiligungsliste aufgeführten Beteiligungsunternehmen sind die Deutsche Postphilatelie GmbH (Postphilatelie) und die PSG-Postdienst Service GmbH (PSG) im VGO bilanziert.
Beide Gesellschaften sind Service-Gesellschaften, die Dienstleistungen der ehemaligen Deutschen Post anbieten.
Die PSG hat u.a. den Vertrieb von Zeitungen (Bereich Einzelverkauf) übernommen. Der Bereich „Abonnement” wurde von der DBP POSTDIENST noch bis zum 30. Juni 1992 weitergeführt.
Von den Ausleihungen für Wohnungsbauförderung wurden 573 Millionen DM (553 Millionen DM), von den sonstigen Ausleihungen 15 Millionen DM (77 Millionen DM) an verbundene Unternehmen ` gewährt. Des Weiteren betreffen von den Ausleihungen für Wohnungsbauförderung 440 Millionen DM (428 Millionen DM) Unternehmen, mit denen ein Beteiligungsverhältnis besteht.
Der überwiegende Teil der ausgewiesenen Forderungen in Höhe von 3.540 Millionen DM (4.712 Millionen DM) betrifft mit 3.088 Millionen DM (2.727 Millionen DM) fast ausschließlich das DBP-Unternehmen TELEKOM; davon entfallen 1.973 Millionen DM auf Ausgleichsforderungen aus der Realteilung im VGO zum 1. Januar 1991. Von den Forderungen und sonstigen Vermögensgegenständen haben alle Posten eine Restlaufzeit von bis zu 1 Jahr. Von den Forderungen gegen verbundene Unternehmen in Höhe von 2 Millionen DM bestehen 28.000 DM aus Lieferungen und Leistungen.
(3) FLÜSSIGE MITTEL
Dieser Bilanzausweis beinhaltet im Wesentlichen das Postgiroguthaben des Bilanzstichtags.
(4) SONDERVERLUSTKONTO AUS RÜCKSTELLUNGSBILDUNG VGO
Gemäß § 17 Absatz 4 des Gesetzes über die Eröffnungsbilanz in Deutscher Mark und die Kapitalneufestsetzung (DMBilG) war in der Eröffnungsbilanz zum 1. Juli 1990 in Höhe der erstmals gebildeten handelsrechtlichen Pflichtrückstellungen auf der Aktivseite der Bilanz ein Sonderverlustkonto aus Rückstellungsbildung als Bilanzierungshilfe gebildet worden. Das Sonderverlustkonto wurde im Geschäftsjahr entsprechend dem Verbrauch bzw. der Auflösung der betreffenden Rückstellungen um 22 Millionen DM abgeschrieben.
Das Eigenkapital der DBP POSTDIENST beträgt am Bilanzstichtag 8.499 Millionen DM. Hiervon entfallen auf das VGW 8.285 Millionen DM, auf das VGO 214 Millionen DM. Das Eigenkapital hat sich um 1.144 Millionen DM infolge des nicht vollständig durchgeführten Finanzausgleichs vermindert, davon im VGW um 618 Millionen DM und im VGO um 526 Millionen DM. Um die Eigenkapitalbasis im VGO zu verbessern, wurde das VGO von der Ablieferungspflicht gemäß § 28 Abs. 1 Haushaltsgesetz befreit. Die Ablieferungsbefreiung ist mit der Maßgabe verbunden, dass der erlassene Betrag (167 Millionen DM) dem Eigenkapital zugeführt wird. Zusätzlich besteht eine Sonderrücklage gem. § 17 Abs. 4 DMBilG. Sie wurde in Höhe des in der Eröffnungsbilanz zum 1. Juli 1990 erstmalig gebildeten Sonderverlustkontos bilanziert und unterliegt - unabhängig von der Entwicklung des Sonderverlustkontos - den Auflösungsbeschränkungen des DMBilG. Sie darf nur zum Ausgleich von Verlusten verwendet werden. Im Geschäftsjahr wurde die Rücklage in Höhe von 23 Millionen DM (178 Millionen DM) aufgelöst und beträgt nunmehr 617 Millionen DM (640 Millionen DM).
Nach dem PostVerfG soll die Eigenkapitalquote (Eigenkapital im Verhältnis zum Gesamtkapital) mindestens 1 Drittel betragen. Zur Sicherung einer angemessenen Eigenkapitalausstattung sollen nach § 42 Abs. 4 PostVerfG Gewinne im Unternehmen verbleiben, soweit das Eigenkapital 50 von Hundert des Gesamtkapitals nicht überschreitet.
(6) SONDERPOSTEN MIT RÜCKLAGEANTEIL AUS ÖFFENTLICHEN INVESTITIONSZUSCHÜSSEN FÜR DAS VGO
Im 2. Halbjahr 1990 sind dem VGO öffentliche Förderungsmittel für die Durchführung von Infrastrukturverbesserungsmaßnahmen zugeflossen, die nicht von den Anschaffungs- bzw. Herstellungskosten abgesetzt, sondern als Sonderposten passiviert wurden.
Die Auflösung des Sonderpostens erfolgt seit 1991 in Höhe der mittleren Nutzungsdauer der bezuschussten Anlagegüter; im Geschäftsjahr wurden wie im Vorjahr 5 Millionen DM (20 Prozent) aufgelöst.
(7) RÜCKSTELLUNGEN FÜR PENSIONEN UND ÄHNLICHE VERPFLICHTUNGEN
Die Pensionsrückstellungen umfassen in entsprechender Anwendung des Art. 28 EGHGB nur die unmittelbaren Pensionsverpflichtungen, soweit sie aus ab 1. Januar 1990 neu begründeten Anwartschaften von beamteten Mitarbeitern bzw. Beschäftigten des Leitungsbereichs und hieraus in den Jahren 1990 und später eingetretenen Versorgungsansprüchen einschließlich der Ansprüche auf Witwen- und Waisenrenten resultieren. Die Verpflichtungen des POSTDIENSTES aus entsprechenden bis Ende 1989 erteilten Versorgungszusagen, für die keine Rückstellungen bestehen, betragen 47.909 Millionen DM (45.005 Millionen DM). Für nicht beamtete Mitarbeiter bestehen mittelbare Versorgungszusagen über die Versorgungsanstalt der DBP (VAP). Die hieraus anteilig auf den POSTDIENST entfallenden mittelbaren Verpflichtungen, versicherungsmathematisch berechnet nach den Grundsätzen des § 6a EStG und nach Verrechnung des am Stichtag vorhandenen Kassenvermögens, sind ebenfalls nicht zurückgestellt; sie betragen 9.852 Millionen DM (9.052 Millionen DM). Daneben bestehen mittelbare Verpflichtungen in Höhe von 1.750 Millionen DM aufgrund möglicher Satzungsänderungen der VAP hinsichtlich des Umfangs der Einbeziehung von Teilzeitkräften.
RÜCKSTELLUNGEN FÜR ABLIEFERUNGEN AN DEN BUND UND FÜR STEUERN
Der POSTDIENST ist als öffentliches Unternehmen von den üblichen Steuerpflichten befreit; stattdessen besteht derzeit die Ablieferungsverpflichtung an den Bund nach § 63 Abs. 1 PostVerfG. Um die Eigenkapitalsituation im VGO zu verbessern, ist die 1992 für das VGO ermittelte Ablieferung in Höhe von 167 Millionen DM erlassen worden. Die am Bilanzstichtag noch für das VGW zu entrichtende Ablieferung in Höhe von 30 Millionen DM (110 Millionen DM) wurde zurückgestellt.
Steuerliche Außenprüfungen bei der DBP für Umsatzsteuer und abzuführende Lohnsteuer haben für zurückliegende Zeiträume zu erwartende Nachzahlungen an die Finanzverwaltung ergeben. Hierfür besteht eine Rückstellung von 67 Millionen DM (64 Millionen DM).
Die sonstigen Rückstellungen decken alle erkennbaren Risiken und enthalten Vorsorgen u.a. für Urlaubslöhne und -gehälter, Abgeltung von Überzeitarbeitsansprüchen, Aufwendungen im Rahmen von Tarifverträgen Beihilfen zu Krankheitskosten, Altlastensanierungen, unterlassene Instandhaltungen, Wiederherstellungsverpflichtungen bei Mietobjekten, Verluste aus der Vermietung von Wohnungen an Postangehörige, Sozialplanverpflichtungen sowie Verpflichtungsüberschüsse aus dem Personalbereich, Eigentumsansprüche Dritter auf Grundvermögen, Abbau und Wiederherstellungsverpflichtungen von Postzustellanlagen sowie noch zu erbringende Leistungen für am Bilanzstichtag verkaufte Wertvorgaben für Freistempelmaschinen und Briefmarken. Die Zunahme an Rückstellungen um 339 Millionen DM betrifft vor allem den Personalbereich sowie noch zu erbringende Leistungen.
(11) HAFTUNGSVERHÃLTNISSE
Umsatzerlöse für Marktleistungen an die Schwesterunternehmen DBP TELEKOM und DBP POSTBANK sowie den BMPT sind mit 1.077 Millionen DM (1.201 Millionen DM) enthalten; Kostenerstattungen aus Verbund- und Serviceleistungen an die Schwesterunternehmen sind unter den sonstigen betrieblichen Erträgen ausgewiesen.
Die übrigen Erträge beinhalten fast ausschließlich „sonstige betriebliche Erträge”. Bestandsveränderungen liegen nicht vor. Andere aktivierte Eigenleistungen in Höhe von 1.739.000 DM entfallen ausschließlich auf das VGW.
Der Rückgang der aktivierten Eigenleistungen gegenüber dem Vorjahr hat seine Ursache darin, dass bis zum Jahresabschluss 1991 wertschaffende Gehälter und Löhne im System der gehobenen Kameralistik pauschal ermittelt und aktiviert worden sind. Mit der Umstellung des Bestandführungssystems beim Sachanlagevermögen auf das SAP-Modul RA werden wertschaffende Gehälter und Löhne nur aktiviert, wenn sie den Wirtschaftsgütern direkt zugeordnet werden können.
Die sonstigen betrieblichen Erträge umfassen im Wesentlichen Erträge aus Verbund- und Serviceleistungen an die Schwesterunternehmen DBP TELEKOM und DBP POSTBANK in Höhe von 2.985 Millionen DM. Hiervon entfallen auf TELEKOM 1.535 Millionen DM und auf POSTBANK 1.450 Millionen DM.
Die Aufwendungen fur Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffe und für bezogene Waren betreffen insbesondere Energiebezüge, Kosten für Druckerzeugnisse und Büromaterial sowie Betriebsstoffe für Kraftfahrzeuge.
Von den 2.357 Millionen DM an Aufwendungen für bezogene Leistungen entfallen auf Beförderungskosten 1.402 Millionen DM, Instandhaltungen 720 Millionen DM und die Inanspruchnahme von Dienstleistungen der Schwesterunternehmen DBP TELEKOM und POSTBANK 227 Millionen DM.
Der Personalaufwand verteilt sich wie folgt auf das VGW und das VGO:
Die über die tarifliche Anhebung der Bezüge wesentlich hinausgehende Personalkostensteigerung gegenüber dem Vorjahr beruht auf der Neu-Eingruppierung der Angestellten ab 1. Januar 1992, der Schichtzulage für Tarifpersonal und der Steigerung bei den Beihilfeaufwendungen und der Sozialversicherung.
(9) ABSCHREIBUNGEN AUF FINANZANLAGEN
Die Ablieferungen des VGO in Höhe von 167 Millionen DM wurden der DBP POSTDIENST zur Eigenkapitalverstärkung erlassen. In den sonstigen Steuern ist erstmals pauschale Lohnsteuer enthalten (91 Millionen DM), die im Vorjahr unter Personalaufwand ausgewiesen wurde.
Das Unternehmen DBP POSTDIENST schließt im Gj. 1992 mit einem Jahresfehlbetrag nach Ablieferung an den Bund und Steuern von 2.622 Millionen DM ab.
Gemäß § 37 PostVerfG hat die DBP TELEKOM an die DBP POSTDIENST einen Finanzausgleich zu leisten, da die DBP POSTDIENST derzeit nicht in der Lage ist, die Aufwendungen aus den eigenen Erträgen zu decken. Die DBP TELEKOM hat in 1992 im Hinblick auf den zu erwartenden Finanzausgleich Abschlagzahlungen geleistet. Da die DBP TELEKOM nach dem Jahresabschlussergebnis 1992 nicht in der Lage ist, den Finanzausgleich in voller Höhe zu leisten, liegt seitens der DBP TELEKOM für 1992 eine Überzahlung vor. Die sich hierdurch ergebene Verbindlichkeit ist in den Forderungen verrechnet.
(12) ERTRÄGE AUS DER AUFLÖSUNG DER SONDERRÜCKLAGE GEMÄSS § 17 ABS. 4 DMBilG
Der von der DBP TELEKOM nicht gedeckte Jahresfehlbetrag beträgt 1.289 Millionen DM. Davon entfallen 618 Millionen DM auf das VGW und 671 Millionen DM auf das VGO.
Aufgrund einer zwischen den Unternehmen der DBP auf der Grundlage von § 37 Abs. 3 PostVerfG getroffenen Vereinbarung ist dieser nicht ausgeglichene Bilanzverlust der DBP POSTDIENST von der TELEKOM zulasten der Jahresüberschüsse nachfolgender Geschäftsjahre auszugleichen. Diese aus zukünftigen Jahresüberschüssen der Schwesterunternehmen zu bedienende Forderung der DBP POSTDIENST war entsprechend den handelsrechtlichen Grundsätzen am Bilanzstichtag noch nicht zu bilanzieren.
Im Durchschnitt des Berichtsjahres wurden 371.255 Mitarbeiter (ohne Auszubildende) beschäftigt, die in den folgenden Dienstverhaltnissen standen:
Die Aufwendungen im Berichtsjahr betragen für den Aufsichtsrat 0,7 Millionen DM (0,6 Millionen DM) und für den Vorstand 3,1 Millionen DM (2,8 Millionen DM).