Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Gericht=BGH&Datum=04.05.1979&Aktenzeichen=I%20ZR%20127/77
Timestamp: 2019-10-16 13:26:33
Document Index: 46290949

Matched Legal Cases: ['BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 115', '§ 116', 'BGH', 'BGH', '§ 674', 'BGH', '§ 23', '§ 674', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 780', '§ 781', 'BGH', 'BGH', '§ 23', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 55', 'BGH']

BGH, 04.05.1979 - I ZR 127/77 - dejure.org
https://dejure.org/1979,284
BGH, 04.05.1979 - I ZR 127/77 (https://dejure.org/1979,284)
BGH, Entscheidung vom 04.05.1979 - I ZR 127/77 (https://dejure.org/1979,284)
BGH, Entscheidung vom 04. Mai 1979 - I ZR 127/77 (https://dejure.org/1979,284)
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Auswirkungen eines Konkurses über das Vermögen eines Kunden auf das Kontokorrentverhältnis zwischen Bank und Kunden - Ende eines Kontokorrentverhältnisses - Möglichkeit des Berufens der Bank auf eine Schutzwirkung
BGHZ 74, 253
NJW 1979, 1658
MDR 1979, 821
DB 1979, 1547
a) Durch die Eröffnung des Insolvenzverfahrens erlischt nach § 115 Abs. 1, § 116 Satz 1 InsO der Girovertrag (so schon BGHZ 70, 86, 93; 74, 253, 254 zur Konkursordnung), sofern er bis dahin noch nicht gekündigt worden ist (…BGHZ 170, 206, 213 Rn. 19).
Demgemäß endete die Schutzwirkung des § 674 BGB (BGHZ 63, 87, 91; 74, 253, 258; 107, 88, 89 f;… Jaeger/Henckel, KO, 9. Aufl., § 23 Rdnr. 42;… Staudinger/Wittmann, BGB, 13. Aufl., § 674 Rdnr. 6), von der die Fiktion des Fortbestandes der erloschenen Ermächtigung abhängt, bereits mit dessen Zugang.
Verfügungsbeschränkungen wirken sich jedoch auf die im Kontokorrentvertrag enthaltenen antizipierten Verrechnungsvereinbarungen aus (grundlegend BGH, Urteil vom 4. Mai 1979 - I ZR 127/77, BGHZ 74, 253, 254 f).
Die im Kontokorrentvertrag enthaltenen Verfügungsvereinbarungen besagen, dass künftige Forderungen lediglich zur Verrechnung zu stellen sind mit der Folge, dass sie nicht mehr selbständig geltend gemacht oder abgetreten werden können und als gestundet zu geltend haben; der antizipierte Verrechnungsvertrag sieht vor, dass sich die Verrechnung am Ende einer Rechnungsperiode automatisch vollzieht (BGH, Urteil vom 4. Mai 1979, aaO).
Die Giroverträge enthalten regelmäßig eine antizipierte Verrechnungsabrede mit der Folge, dass zum Abschluss der jeweiligen Rechnungsperioden die berechtigt ins Kontokorrent eingestellten Einzelforderungen der Parteien automatisch saldiert werden (BGH, Urteil vom 18. April 1989 - XI ZR 133/88, BGHZ 107, 192-200; Urteil vom 04. Mai 1979 - I ZR 127/77, BGHZ 74, 253-258).
Ein Anspruch gemäß § 780 oder § 781 BGB wäre kontokorrentgebunden und könnte nicht selbständig geltend gemacht werden (vgl. BGHZ 74, 253, 254 f.; 77, 256, 261; BGH, Urteile vom 19. Dezember 1969 - I ZR 33/68, WM 1970, 184, 185 und vom 7. Dezember 1995 - IX ZR 110/95, WM 1996, 192, 193).
Für die Zeit nach Eröffnung des Konkurses über das Vermögen der Firma MAT am 26. Juli 1977 scheidet ein Saldoanerkenntnis der Hauptschuldnerin schon deshalb aus, weil das Kontokorrentverhältnis mit der Konkurseröffnung endete (§ 23 KO; BGHZ 58, 108, 111 [BGH 02.02.1972 - VIII ZR 152/70]; 70, 86, 93 [BGH 07.12.1977 - VIII ZR 164/76]; 74, 253, 254 f [BGH 04.05.1979 - I ZR 127/77]).
Zwar ist der Girovertrag zwischen der Beklagten und der Gemeinschuldnerin seit der Eröffnung des Konkursverfahrens beendet (vgl. BGHZ 74, 253, 254; Senatsurteil vom 17. September 1991 - XI ZR 256/90, WM 1991, 1915, 1916).
Der Aufrechnung der Beklagten mit ihrer Saldoforderung steht das Aufrechnungsverbot des § 55 Abs. 1 Nr. 1 KO entgegen (BGHZ 74, 253, 255 f.).