Source: https://www.arbeitszeit-klug-gestalten.de/alles-zu-arbeitszeitgestaltung/arbeitszeitmodelle-im-ueberblick/schicht-und-nachtarbeit/
Timestamp: 2018-11-17 23:38:25
Document Index: 200579789

Matched Legal Cases: ['§2', '§6', '§6', '§7', '§7', '§87']

Schichtarbeit und Nachtarbeit: Varianten und Vorteile
Schichtarbeit lässt sich aus unserer Gesellschaft nicht mehr wegdenken. Ob bei der Polizei, im Krankenhaus oder am Flughafen – in vielen Berufsbereichen erwarten wir eine gute Arbeit weit über die klassischen Tag-Arbeitszeiten hinaus. Aber auch bei Dienstleistern wie Call-Center, dem Handel oder bei Bussen und Bahnen sowie in Produktionsbetrieben spielen Schicht- und Nachtarbeit eine immer größere Rolle.
Derzeit arbeiten rund 7% der Beschäftigten in Wechselschichten mit Nachtarbeit, 5% in Schichtarbeit ohne Nachtarbeit (Arbeitszeitreport Deutschland 2016).
Je nach Ausgestaltung spricht man von kontinuierlicher Schichtarbeit (diese enthält Nacht- und Wochenendarbeit) und diskontinuierlicher Schichtarbeit (ohne Wochenenden und/oder ohne Nachtarbeit).
Typische Varianten von Schichtarbeit
Die Variationsbreite bei der Ausgestaltung des passenden Schichtmodells ist breit. Wichtige Einflussfaktoren sind:
die erforderlichen Betriebszeiten
ggf. saisonal schwankende Betriebszeiten
die erforderliche Personenzahl für jede Schicht, dies kann sich zum Beispiel zwischen Früh- und Spätschicht erheblich unterscheiden
die erforderlichen fachlichen Kompetenzen, die in jeder Schicht vertreten sein müssen
sowie die reguläre Wochenarbeitszeit, Urlaubs-, Weiterbildungs- und Krankheitstage
Für die Beschäftigten stellt Schichtarbeit eine erhebliche gesundheitliche und soziale Belastung dar. Um die Beschäftigten zu unterstützen ist eine gesundheitsverträgliche Schichtplangestaltung besonders wichtig. Worauf es dabei besonders ankommt, können Sie in unserenArbeitswissenschaftlichen Empfehlungen zur Nacht- und Schichtarbeit nachlesen.
Ein gutes Schichtmodell passt selten „von der Stange“. Fehlt die fachliche Kompetenz im Unternehmen, lohnt sich eine Beratung zu diesem Thema daher ganz besonders.
Vollkontinuierliches Schichtmodell
Vollkontinuierliche Schichtmodelle ermöglichen ein Arbeiten an 7 Tagen rund um die Uhr. Die Schichtmodelle bauen sich aus einer Früh-, einer Spät- und einer Nachtschicht zusammen, teilweise gibt es auch noch eine Tagschicht.
Teilkontinuierliches Schichtmodell mit freiem Wochenende
In vielen Produktionsunternehmen anzutreffen: 15 Schichten, verteilt auf Montag bis Freitag. Das Wochenende ist frei, sofern keine Überstunden anfallen.
Teilkontinuierliches Schichtmodell ohne Nachtarbeit
Ein teilkontinuierliches Schichtmodell kann auch für 7 Tage pro Woche, aber ohne Nachtarbeit, ausgerichtet sein (z.B. die Verleihstation von Mietwagen, Geschäfte am Flughafen etc.).
Schicht- und Nachtarbeit aus Arbeitgebersicht
Ausdehnung der Betriebszeiten
Bessere Erreichbarkeit/besserer Service für Kunden (z.B. Callcenter)
Geringere Stückkosten durch intensivere Ausnutzung von Maschinen und Anlagen
Schnellere Amortisation von Anlagen, ggf. geringere Anlauf- und damit Rüstzeiten
Höhere Flexibilität bei schwankender Auftragslage
Höhere Kosten für die Nacht- und Sonntagsarbeit aufgrund von in der Regel vereinbarten finanziellen Zuschlägen
Höhere gesundheitliche Belastung der Beschäftigten
Attraktivität für Beschäftigte oft schlechter als reine Tagsarbeit
Schichtmodelle sind starrer als versetzte Arbeitszeiten oder Arbeitszeitkonten
Steigender Koordinationsaufwand in der Arbeitsvorbereitung
Gute Schichtpläne sind in der Regel erst mit einer größeren Personalstärke möglich, bei sehr kleinen Gruppen sind Krankheit und Urlaub schwer zu kompensieren
Ein gutes Schichtmodell ist „maßgeschneidert“ und braucht Sachkenntnis und einigen Vorlauf
Das Modell aus Beschäftigtensicht
Frei haben, während andere arbeiten – das vereinfacht oft Behördengänge, Arztbesuche und sportliche Aktivitäten, die man alleine durchführen kann
Wer abends arbeitet, kann sich tagsüber zumindest teilweise um seine Familie kümmern
Nacht- und Wochenendarbeit wird in vielen Branchen mit Zuschlägen honoriert und damit finanziell attraktiver
Dauerhafte und regelmäßige Schichtarbeit führt zu Schlafmangel und auch zu einem qualitativ schlechteren Schlaf
Dauerhafte und regelmäßige Schichtarbeit steigert das Erkrankungsrisiko, beispielsweise für Übergewicht, Diabetes, Magen-Darm-Beschwerden und Herz-Kreislauferkrankungen
Eine regelmäßige Teilnahme an Vereinsaktivitäten ist schwierig, wenn diese beispielsweise immer abends stattfinden
Ein regelmäßiges, gemeinsames Familienleben ist schwieriger zu gestalten, auch Freunde treffen sich oft abends
Kulturelle Veranstaltungen wie Kino, Theater, Konzerte finden in der Regel in den Abendstunden statt
Klicken Sie auf die Schlagworte, um zu erfahren, was Sie bei der Einführung dieses Modells beachten sollten.
Nacht- und Schichtarbeit muss nach gesicherten arbeitswissenschaftlichen Erkenntnissen gestaltet werden. Zu den aktuellen Empfehlungen
In §2 ArbZG wird Nachtarbeit definiert als Arbeit, die mehr als zwei Stunden in der Zeit zwischen 23:00 und 6:00 Uhr umfasst
Es gelten dieselben Regeln wie bei Tagarbeit, allerdings mit folgender Einschränkung: Dauert die Nachtarbeit mehr als 8 Stunden, muss die Mehrarbeit schon innerhalb von 4 Wochen ausgeglichen werden (statt innerhalb von 24 Wochen) (§6 ArbZG)
Das Unternehmen hat den Beschäftigten für die geleistete Nachtarbeit eine angemessene Zahl freier Tage zu gewähren oder einen Lohnzuschlag zu zahlen
Nachtarbeiter haben das Recht, sich regelmäßig auf Kosten des Arbeitgebers gesundheitlich untersuchen zu lassen (§6 ArbZG)
Rechtliche Hinweise zur Arbeit am Wochenende finden Sie hier
Abweichend zum Arbeitszeitgesetz können Tarifverträge weitergehende Regelungen zur Schicht- und Nachtarbeit enthalten (§7 ArbZG)
Auch die Aufsichtsbehörden können unter bestimmten Bedingungen abweichende Genehmigungen zur Schicht- und Nachtarbeit erteilen (§7 ArbZG)
Für Jugendliche unter 18 Jahren gilt ein Verbot der Nacht- und Wochenendarbeit, auch hier sind Ausnahmen definiert (JArbSchg)
Für Schwangere und Stillende besteht ein Verbot der Nacht- und Wochenendarbeit, auch hier sind Ausnahmen definiert (MuSchG)
Wenn ein Betriebsrat besteht, hat dieser in Bezug auf das Schichtmodell ein besonderes Mitbestimmungsrecht (§87 BetrVG)
Schichtarbeit kann in erheblichem Umfang dazu beitragen, Anlagenkosten schneller zu amortisieren. Im Einzelfall sollten jedoch die geringeren Anlagenkosten und die steigenden Personalkosten pro Arbeitsstunde gegenüber gestellt werden
Schichtarbeit kann erforderlich und sinnvoll sein, wenn Prozesse länger als 8 Stunden laufen müssen oder wenn die Anlaufkosten einer Maschine besonders hoch sind
Nacharbeit und Sonntagsarbeit werden in der Regel überdurchschnittlich vergütet und stellen damit auch teure Arbeitszeiten dar. Im Einzelfall sollte daher immer geprüft werden, in welchem Umfang Arbeit in der Nacht und am Sonntag tatsächlich erforderlich sind
Ein schlecht gestaltetes Schichtmodell kann zu höheren Fehltagen oder zu überdurchschnittlicher Fluktuation führen. Die betroffenen Beschäftigten sollten daher bei der Gestaltung der Schichtpläne eingebunden werden und die arbeitswissenschaftlichen Empfehlungen sollten berücksichtigt werden
Das Schichtmodell sollte immer passgenau auf die Rahmenbedingungen des jeweiligen Arbeitsbereichs im Unternehmen angepasst werden, ein Modell „von der Stange“ führt oft zu Reibungsverlusten in der täglichen Umsetzung
Moderne Schichtpläne sehen alternative Schichtpläne für Zeiten mit Auftragsspitzen und mit schwacher Auftragslage vor, zwischen denen nach Bedarf gewechselt werden kann
Wer jahrelang auch nachts arbeitet, setzt sich erheblichen gesundheitlichen Belastungen aus, denn Körper und Geist werden zu einer Uhrzeit gefordert, in der sie sich normalerweise erholen. Dauerhafte und regelmäßige Schichtarbeit steigert das Erkrankungsrisiko, beispielsweise für Übergewicht, Diabetes, Magen-Darm-Beschwerden und Herz-Kreislauferkrankungen
Ebenso leben Schichtarbeitende gegen den Rhythmus ihrer gesamten Umwelt und haben dadurch erhebliche Nachteil im sozialen Leben
Aus diesem Grund müssen die gesicherten arbeitswissenschaftlichen Empfehlungen für eine gute Schicht- und Nachtarbeit bei der Schichtplangestaltung berücksichtigt werden. Zu den aktuellen Empfehlungen
Beschäftigten in Schichtarbeit mit Nacht- und Wochenendanteilen sollten die Möglichkeit einer Schulung zu gesundheitsgerechtem Verhalten bei Nacht- und Schichtarbeit haben. In vielen Fällen bieten die Berufsgenossenschaften dies an
Für ältere Beschäftigte, die aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr in Schicht arbeiten können, müssen alternative Tätigkeiten in der Tagschicht geschaffen werden. Kriterien für die Nachtschichtuntauglichkeit
Ältere Beschäftigte werden durch ein gutes Schichtmodell entlastet. Insbesondere sollten längere Arbeitsphasen (z. B. 5 Nachtschichten am Stück) vermieden werden. Auch eine Reduzierung der Wochenarbeitszeit und damit verbunden längere Erholzeiten sind für ältere Beschäftigte sinnvoll
Um Beschäftigten möglichst lange ein Arbeiten in Schicht zu ermöglichen, sind gesundheitsverträgliche Schichtmodelle besonders wichtig!
Schichtarbeit wird häufig als wenig wünschenswert wahrgenommen. Attraktive Zulagen, eine geringe Wochenarbeitszeit oder mehr Urlaubstage als Beschäftige in Tagschicht können die Schichtarbeit attraktiver machen
Die Beschäftigten sollten in die Entwicklung des Schichtmodells eingebunden werden, um deren Bedürfnisse angemessen zu berücksichtigen
Die Beschäftigten sollten die Möglichkeit haben, Schichten untereinander zu tauschen, damit sie private und betriebliche Interessen besser miteinander in Einklang bringen können
Schichtarbeit ist in vielen Fällen nicht besonders familienfreundlich, da sie wenig Flexibilität zulässt und Beschäftigte in Schichtarbeit oft dann arbeiten, wenn der Rest der Familie frei hat
Die Vereinbarkeit steigt, wenn die Beschäftigten die Möglichkeit haben, in vollzeitnaher Teilzeit (z.B. 32 Stunden) zu arbeiten, sofern dies finanziell machbar ist
Die Vereinbarkeit steigt ebenfalls, wenn die Beschäftigten eigenständig untereinander Schichten tauschen können, um z.B. private Termine auch kurzfristig wahrnehmen zu können
Eine langfristige Dienstplanung ist für Familien besonders wichtig, damit die gemeinsame freie Zeit langfristig geplant werden kann
Checkliste Schichtarbeit
Versetzte Arbeitszeit
BAuA: Gestaltungsempfehlungen und Praxistool: Leitfaden zur Einführung von Nacht- und Schichtarbeit
BAuA: Software zur Erstellung von Schichtplänen: Arbeitszeit ergonomisch gestalten
DGB: Familienbewusste Schichtarbeit
Webinare zur Arbeitszeitgestaltung
bis Ende Dezember 2016
Innerbetriebliches Seminar: „Schichtarbeit“
Erarbeiten Sie mit Arbeitszeitexperten Lösungsideen und Know How für Ihr Unternehmen.
Unterstützung und Beratung von Arbeitszeitexperten