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Timestamp: 2020-01-18 11:42:31
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Matched Legal Cases: ['BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 719', '§ 712', '§ 712', '§ 719', 'BGH', '§ 719', 'BGH', '§ 719', '§ 712', '§ 8', '§ 108']

BGH, XII ZR 262/00: BGH (zpo, überwiegendes interesse, schuldner, zwangsvollstreckung, sicherheitsleistung, festsetzung, einstellung, gesetz, ausnahmefall, ausnahme)
Urteil des BGH vom 18.06.1999, XII ZR 262/00
Aktenzeichen: XII ZR 262/00
BGH (zpo, überwiegendes interesse, schuldner, zwangsvollstreckung, sicherheitsleistung, festsetzung, einstellung, gesetz, ausnahmefall, ausnahme)
XII ZR 262/00
Der XII. Zivilsenat des Bundesgerichtshofs hat am 7. März 2001 durch die
Richter Dr. Hahne, Dr. Krohn, Gerber, Weber-Monecke und Prof. Dr. Wagenitz
Der Antrag der Beklagten, die Zwangsvollstreckung der Klägerin
aus dem Urteil der 4. Zivilkammer des Landgerichts Hanau vom
18. Juni 1999 und dem Urteil des 21. Zivilsenats des Oberlandesgerichts Frankfurt am Main vom 2. August 2000 einstweilen einzustellen, wird zurückgewiesen.
Das Revisionsgericht kann nach Einlegung der Revision gegen ein für
vorläufig vollstreckbar erklärtes Urteil die einstweilige Einstellung der Zwangsvollstreckung bis zur Entscheidung über die Revision anordnen, wenn die Vollstreckung dem Schuldner einen nicht zu ersetzenden Nachteil bringen würde
und nicht ein überwiegendes Interesse des Gläubigers entgegensteht (§ 719
Abs. 2 ZPO). Diese Voraussetzungen sind nicht dargetan.
Nach ständiger Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs, auch des Senats, kann sich der Schuldner nur dann darauf berufen, die Zwangsvollstrekkung bringe ihm nicht zu ersetzende Nachteile, wenn er in der Berufungsinstanz einen Schutzantrag nach § 712 ZPO gestellt hat. Hat es der Schuldner in
der Berufungsinstanz versäumt, von der Möglichkeit eines Antrags nach § 712
ZPO Gebrauch zu machen, scheidet eine Einstellung der Zwangsvollstreckung
nach § 719 Abs. 2 ZPO regelmäßig aus (vgl. etwa Senatsbeschlüsse vom
28. März 1990 - XII ZR 3/90 - und vom 27. August 1998 - XII ZR 167/98 -
BGHR ZPO § 719 Abs. 2 Gläubigerinteressen 1, 5). Eine Ausnahme von diesem Grundsatz kommt in Betracht, wenn es dem Schuldner im Berufungsverfahren aus besonderen Gründen nicht möglich oder nicht zumutbar war, einen
solchen Vollstreckungsschutzantrag zu stellen (vgl. etwa Senatsbeschluß vom
7. September 1999 - XII ZR 237/99 - BGHR § 719 Abs. 2 Einstellungsgründe 3). Das ist hier nicht ersichtlich:
Die Beklagten machen geltend, das Berufungsgericht habe unvorhersehbar eine zu geringe Sicherheitsleistung festgesetzt. Aus dem von ihnen dazu angeführten Senatsbeschluß vom 23. Februar 1994 - XII ZR 199/92 - läßt
sich jedoch nicht herleiten, daß im vorliegenden Fall die Versäumung eines
Vollstreckungsschutzantrags nicht vorwerfbar sei. In dieser Entscheidung hat
der Senat die Versäumung eines Schutzantrags nach § 712 ZPO ausnahmsweise als nicht vorwerfbar angesehen und die Zwangsvollstreckung aus dem
Berufungsurteil eingestellt, weil das Berufungsgericht unvorhersehbar eine
dem Gesetz nicht entsprechende, beträchtlich überhöhte Sicherheitsleistung
festgesetzt hatte. Ein vergleichbarer Ausnahmefall liegt hier nicht vor. Das
Oberlandesgericht hat die Sicherheitsleistung entsprechend § 8 ZPO nach der
Restlaufzeit des Mietvertrags festgesetzt. Diese Festsetzung hielt sich im
des dem Gericht von § 108 ZPO eröffneten Ermessens; deshalb mußten die
Beklagten, die vor dem Oberlandesgericht keinen weitergehenden Schaden
vorgetragen hatten, mit einer solchen Festsetzung rechnen und durften nicht
von der Stellung eines Vollstreckungsschutzantrags absehen.
Hahne Krohn Gerber
Zpo, überwiegendes interesse, Schuldner, Zwangsvollstreckung, Sicherheitsleistung, Festsetzung, Einstellung, Gesetz, Ausnahmefall, Ausnahme