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Timestamp: 2019-10-15 21:05:11
Document Index: 326478076

Matched Legal Cases: ['Art. 2', 'Art. 31', 'Art. 43', 'Art. 43', 'Art. 61', 'Art. 9']

wildtierkrankheiten skript zum fach gemäss stoffprogramm
SKRIPT ZUM FACH GEMÄSS STOFFPROGRAMM
JAGDEIGNUNGSPRÜFUNG 2017
Dr. Peter Malin, Landestierarzt
Amt für Lebensmittelkontrolle und Veterinärwesen, Postplatz 2, Postfach 37, 9494 Schaan
0209_01 / Wildtierkrankheiten_Skript_161115.docx
Rechtliche Grundlagen ................................................................................... 4
1.1 Das Jagdgesetz ...................................................................................... 4
1.2 Tierseuchenverordnung (TSV) .............................................................. 4
1.3 Verordnung über das Schlachten und die Fleischkontrolle (VSFK)....... 5
Definitionen .................................................................................................... 5
Allgemeine Krankheitslehre ........................................................................... 7
3.1 Krankheitsursache................................................................................. 7
3.2 Krankheitsverlauf .................................................................................. 8
3.3 Krankheitshäufigkeit in ihrer zeitlichen und örtlichen Verteilung........ 9
Infektionskrankheiten .................................................................................. 11
4.1 Parasiten ............................................................................................. 12
4.2 Bakterien ............................................................................................. 13
4.3 Viren .................................................................................................... 13
4.4 Pilze ..................................................................................................... 13
Parasitäre Infektionen .................................................................................. 14
5.1 Zecken ................................................................................................. 14
5.2 Räude (Sarcoptes) ............................................................................... 15
5.3 Bandwurm und Bandwurmfinnen ...................................................... 16
5.4 Leberegel ............................................................................................. 17
5.5 Trichinen ............................................................................................. 19
5.6 Lungenwürmer .................................................................................... 20
5.7 Nasen- und Rachen-Bremsenkrankheit .............................................. 21
5.8 Dasselkrankheit ................................................................................... 22
5.9 Kokzidiose ........................................................................................... 23
5.10 Magen-Darm-Parasitosen ................................................................... 23
Bakterielle Krankheiten ................................................................................ 24
6.1 Gamsblindheit (Infektiöse Keratokonjunktivitis) ................................ 24
6.2 Aktinomykose (Strahlenpilz) ............................................................... 25
6.3 Brucellose ............................................................................................ 26
6.4 Moderhinke (Klauenfäule) .................................................................. 27
6.5 Paratuberkulose .................................................................................. 28
6.6 Pseudotuberkulose der Wiederkäuer (Verkäsende Lymphadenitis).. 29
6.7 Tuberkulose......................................................................................... 30
6.8 Tularämie ............................................................................................ 31
VirusKrankheiten .......................................................................................... 33
7.1 Klassische Schweinepest ..................................................................... 33
7.2 Tollwut ................................................................................................ 34
7.3 Aujesky'sche Krankheit (Pseudowut) .................................................. 35
7.4 Klassische Geflügelpest (Aviäre Influenza) ......................................... 36
7.5 Lippengrind (Winterräude) ................................................................. 38
7.6 Staupe ................................................................................................. 39
Vergiftungen ................................................................................................. 40
Geschwülste ................................................................................................. 40
Untersuchung des Wildes vor dem Erlegen ................................................. 41
Untersuchungen des Wildes nach dem Erlegen .......................................... 42
Die Notwendigkeit und Verpflichtung des Jägers, sich fundierte Kenntnisse über Wildkrankheiten anzueignen, basiert auf verschiedenen rechtlichen Grundlagen.
Jagd darf nur in weidgerechter Weise ausgeübt werden. Dazu gehört u.a. das Recht und die
Pflicht zur Hege des Wildes (Art. 2 JagdG). Damit soll ein artenreicher und gesunder Wildbestand erhalten werden. Dieser Zielsetzung dient prioritär die Schonzeit, insbesondere
während der Aufzucht des Nachwuchses, aber auch das Recht, kümmerndes Wild ungeachtet von Abschussplan und Schonzeit zu erlegen (Art. 31 Abs. 2 und 3 JagdG).
Ausserdem besteht die Verpflichtung, Wildseuchen und Wildkrankheiten dem Amt für
Umwelt zu melden (Art. 43 Abs. 1 JagdG).
Ausserdem sind die Jagdgemeinschaften verpflichtet, die vom Amt für Lebensmittelkontrolle und Veterinärwesen (ALKVW) angeordneten Vorbeugungs- und Bekämpfungsmassnahmen durchzuführen (Art. 43 Abs. 2 JagdG).
Mit diesen Bestimmungen werden zwei grundlegende Ziele verfolgt. Zum einen soll erkranktes Wild als mögliche Ansteckungsquelle für gesunde Tiere raschestmöglich erlegt
werden, um eine weitere Ausbreitung der Erkrankung und damit grössere Verluste im
Wildbestand des Jagdgebietes zu vermeiden. Zum anderen wird der Hegeabschuss vom
Tierschutzgedanken geleitet, da krankes und schwaches Wild sonst qualvoll zugrunde gehen kann.
Im Übrigen verlangt auch das Tierseuchenrecht die Meldung verschiedener Erkrankungen
oder den Verdacht darauf.
Auch die in Liechtenstein anwendbare schweiz. Tierseuchenverordnung nimmt den Jäger in
Bezug auf das Auftreten im Zusammenhang mit Tierseuchen in die Pflicht. So sind Jäger und
Jagdaufseher verpflichtet, den Ausbruch einer Seuche bei freilebenden Wildtieren und jede
verdächtige Erscheinung, die den Ausbruch einer solchen vermuten lässt, unverzüglich dem
ALKVW zu melden (Art. 61 Abs. 6 TSV). Im Übrigen trifft das ALKVW alle Massnahmen, die
nach dem jeweiligen Stand der Wissenschaft und der Erfahrung angezeigt sind, um das Auftreten und die Ausdehnung einer Tierseuche zu verhindern (Art. 9 Tierseuchengesetz).
Endzweck der Jagd ist der Erwerb von Wildbret. Die lebensmittelrechtlichen Bestimmungen
zielen auf eine hygienisch einwandfreie Gewinnung dieses hochwertigen Nahrungsmittels
ab. Ausser beim Eigengebrauch des Wildbrets unterliegt der Jäger mehr oder weniger weitgehenden Fleischhygienebestimmungen. Zu den Grundvoraussetzungen für deren Einhaltung gehört ein Basiswissen über die wichtigsten Wildkrankheiten. Deren Kenntnis ermöglicht eine korrekte und verantwortungsvolle Untersuchung des erlegten Wildes und ist daher Grundvoraussetzung, um den gesetzlichen Aufträgen Folge leisten zu können.
Einzelne Wildkrankheiten sind auch auf den Menschen übertragbar. Kenntnisse über Ursachen, Erscheinungsbild und Folgen von Wildkrankheiten helfen dem Jäger, einer Übertragung von Wildkrankheiten auf Haustiere vorzubeugen und eine Ansteckung von Menschen
oder von sich selbst zu verhindern.
Voraussetzung für eine zielführende Auseinandersetzung mit einer bestimmten Thematik
ebenso wie für eine zweckmässige gemeinsame Erörterung oder eine fruchtbare Diskussion
eines Sachgebietes ist die Kenntnis einiger wesentlicher Grundbegriffe. Es geht also darum,
die gleiche Sprache zu sprechen.
Darum werden im Folgenden einige Begriffe erläutert:
Das Erscheinungsbild, das sich aus der Auseinandersetzung zwischen Schadwirkung und
dem tierischen Organismus ergibt. Es handelt sich also um eine Störung/Funktionsstörung
der Lebensvorgänge in Organen (z.B. Leber, Niere, Lunge), in Organsystemen (z.B. Nervensystem, Herz-Kreislauf-System, Verdauungsapparat, Atmungsapparat) oder im gesamten
Organismus mit der Folge von objektiv feststellbaren körperlichen und/oder verhaltensbezogenen Veränderungen.
Jede Abweichung vom Normalen
Eine vom Tier auf den Menschen und umgekehrt übertragbare Krankheit (z.B.: Tollwut,
"Vogelgrippe", Tuberkulose, …)
Krankmachende Wirkung; der Begriff ist relativ, da bestimmte Mikroorganismen, Parasiten
oder andere Noxen nur für bestimmte Wirtstiere krankmachend sind
Kraft des Erregers, in einen Makroorganismus (Wirtstier) einzudringen und zu haften, sowie
damit mehr oder weniger deutliche Krankheitserscheinungen auszulösen
Individuelle oder artgebundene Widerstandskraft eines Organismus gegenüber einem Infektionserreger; z.B.: Reh- und Rotwild gegen Schweinepesterreger
erworbene Widerstandskraft
natürliche Immunität: der Wirtsorganismus entwickelt im Laufe der Auseinandersetzung mit einem Erreger Abwehrmechanismen gegen diesen;
künstliche Immunität durch Schutzimpfung
Krankheiten können hinsichtlich dreier Kriterien beurteilt werden.
Krankheitshäufigkeit in ihrer zeitlichen und örtlichen Verteilung
Krankheitsursachen bzw. krankheitsauslösende Faktoren werden unter der Sammelbezeichnung Noxe zusammengefasst (lat. Noxa = Schaden). Grundsätzlich wird zwischen
Krankheitsursachen unterschieden, die von Seiten der Umwelt auf den Organismus einwirken (= exogene Krankheitsursachen) und solchen, die im Körper selbst entstanden sind (=
endogene Krankheitsursachen).
Infektionserreger (Parasiten Bak-
terien, Viren, Pilze)
Chromosomen- bzw. Gendefekt
(Erbkrankheiten, Missbildungen)
(UV-,
Krankmachende Faktoren wie Bakterien, Viren, Parasiten etc. sind Schäden, die den Körper
zu einer krankhaften Reaktion veranlassen. Dabei verfügt jeder Organismus über eine gewisse natürliche Anpassungsfähigkeit. Wird die konstitutionelle, d.h. die ererbte und im
Laufe des Lebens erworbene Adaptionsbreite des Organismus überschritten, so entstehen
Störungen im Ablauf der Lebensvorgänge, die sich als Krankheit äussern. Die natürliche
Anpassungsfähigkeit des Organismus kann durch verschiedene Hilfsfaktoren wie z.B. Unterund Mangelernährung, Stress oder vorbestehende andere Krankheiten (z.B. Parasitenbefall) stark herabgesetzt sein. Daraus resultiert eine erhöhte Krankheitsbereitschaft, die den
Ausbruch einer anderen Krankheit erst ermöglicht. Diese Art von Erkrankungen nennt man
Faktorenerkrankungen.
Prinzipiell wird zwischen akutem, chronischem, rezidivierendem und latentem Krankheitsverlauf unterschieden.
Akute Krankheiten zeichnen sich dadurch aus, dass sie plötzlich auftreten und aufgrund
der Immunabwehr des Körpers einen meist heftigen, raschen und fieberhaften Verlauf
nehmen. Nach einer vielfach typischen Krankheitsdauer führt die akute Krankheit zur Heilung, zum Tod oder geht in ein chronisches Leiden über.
Chronische Krankheiten dagegen entwickeln sich langsam, oft ohne nennenswerten Temperaturanstieg und zeigen einen eher schleichenden, progressiven Verlauf. Eine klare Tren-
nung zwischen beiden Krankheitsverläufen ist oft schwierig, da es eine Reihe von Abstufungen gibt und Übergänge von der einen in die andere Form möglich sind.
Ein rezidivierender Krankheitsverlauf ist gekennzeichnet durch Krankheitsschübe, die in
Abständen wiederkehren und von Phasen der scheinbaren Heilung unterbrochen werden.
Der latente Krankheitsverlauf zeichnet sich dadurch aus, dass von aussen (für den Betrachter) über Monate oft sogar Jahre keine Anzeichen der Erkrankung zu erkennen sind. Die
Erkrankung verläuft stumm.
Die Lehre, die sich neben der Erforschung von Ursachen und Folgen mit der Häufigkeit des
Auftretens von Krankheiten sowie ihrer zeitlichen und räumlichen Verteilung befasst, wird
als Epidemiologie bezeichnet. Hier ist nicht das einzelne Tier die Untersuchungsgrösse,
sondern eine Population oder Teilpopulation, wie z.B. der Wildbestand einer Region oder
alle Angehörigen einer Wildart. Ziel der Epidemiologie ist es, die Herkunft bestimmter Erkrankungen herauszufinden, die Ursache einer bisher unbekannten Erkrankung zu entdecken sowie Informationen über die Ökologie und den natürlichen Ablauf einer Erkrankung
zusammen zu tragen. In der Veterinärmedizin spricht man mit Bezug auf Tiere von der
Epizootiologie. Der Jäger kann dazu einen massgeblichen Beitrag leisten, indem er beim
Auftreten einer Wildkrankheit versucht, auf folgende Fragen eine Antwort zu finden:
Handelt es sich um einen Einzelfall (Zufallsbefund) oder zeigen mehrere Tiere die
gleichen Krankheitssymptome
Bleibt das Auftreten der Erkrankung auf das eigene Revier beschränkt oder werden
auch aus Nachbarrevieren Krankheitsfälle gemeldet
Treten Krankheitsfälle über das ganze Jahr hinweg oder nur zu einer bestimmten Jahreszeit auf
Die Beantwortung dieser Fragen ermöglicht die Klassifizierung einer Wildkrankheit nach
Einzeltiererkrankung
Massenerkrankung- "Seuche"
Als Endemie bezeichnet man eine Erkrankung (in der Regel Infektionskrankheit), die ohne
zeitliche Begrenzung in einem bestimmten Gebiet, in einem Land oder Klimabereich bodenständig vorkommt und nicht die Neigung hat, sich über weite Strecken auszudehnen.
Unter Epidemie versteht man das gehäufte, aber zeitlich und räumlich begrenzte Auftreten
einer Infektionskrankheit in einer Population. Im weiteren Sinne handelt es sich bei Epidemie stets um eine starke Häufung von gleichen Erkrankungen in einem grösseren Gebiet.
Unter Pandemie versteht man die Ausbreitung einer Erkrankung (in der Regel Infektionskrankheit) ohne örtliche Begrenzung über Länder und Kontinente hinweg, z.B. HIVInfektion, Aviäre Influenza/Geflügelpest ("Vogelgrippe").
Unter einer Seuche versteht man das örtlich und zeitlich stark gehäufte Auftreten einer
gefährlichen Infektionskrankheit. Bei vergleichbarem Verlauf anderer Erkrankungen (z.B.
Parasitenbefall) spricht man besser von einem seuchenhaften Verlauf.
Unter einer Infektion/Infestation versteht man die Übertragung, das Haftenbleiben und
Eindringen von Mikroorganismen (Bakterien, Viren, Pilze) bzw. Parasiten in ein Tier mit anschliessender Vermehrung im Inneren. Die Infektion bildet die Voraussetzung für die Entstehung einer Infektionskrankheit.
Einflussfaktoren auf die Entstehung einer Infektionskrankheit
Virulenz: Ausmass der infektiösen und krankmachenden Eigenschaften des Mikroorganismus (Übertragbarkeit, Haftfähigkeit, Eindringungsvermögen, Vermehrungsvermögen, Toxinbildungsvermögen).
Empfänglichkeit des Tieres
Resistenz und Immunität, d.h. Widerstands- und Abwehrkraft des Tieres
Erreger von Infektionskrankheiten gelangen über die äusseren (Haut, Schleimhaut) oder
inneren (Magen-Darm-, Atmungs- oder Genital-Trakt) Körperoberflächen in den Organismus. Bleibt bei einer Infektion die Vermehrung der Krankheitserreger auf die Eintrittsstelle
oder ihre Umgebung beschränkt, so spricht man von einer lokalen oder örtlichen Infektion.
Kommt es dagegen zu einer Ausbreitung der Erreger im Gesamtorganismus über die Blut-,
Lymph- oder Nervenbahnen, so spricht man von einer Allgemeininfektion.
Infektionen, bei denen nur eine Erregerspezies beteiligt ist, nennt man Monoinfektionen.
Sind bei einer Infektion dagegen mehr als eine Erregerart beteiligt, so spricht man von einer
Mischinfektion. Unter Faktorenerkrankungen (multikausalen Infektionskrankheiten) versteht man Infektionskrankheiten, die durch das synergistische Zusammenwirken verschiedener, für sich alleine nicht krankmachenden Faktoren entstehen. Es sind dies Faktoren, die
die Widerstandskraft des Wildes schwächen, wie etwa Unterernährung, Stress oder Parasitenbefall.
Die Übertragung von Infektionserregern erfolgt entweder direkt von Tier zu Tier (z.B. als
Tröpfcheninfektion oder Kontaktinfektion) oder indirekt über Zwischenträger oder Zwischenwirte (= Vektoren, wie Futter, Wasser, aber auch Unterstände, Heuraufen, …).
In gleicher Weise kann zwischen aktiven und passiven Krankheitsüberträgern unterschieden werden. Als aktive Krankheitsüberträger fungieren End- oder Zwischenwirte, in denen
sich die Erreger weiterentwickelt oder vermehrt haben. Passive Krankheitsüberträger dagegen sind sog. Keimverschlepper, die rein mechanisch Bakterien, Viren oder Wurmeier auf
empfängliche Individuen oder Futtermittel übertragen (z.B. Fliegen).
Die Eintrittspforte eines Erregers in den Organismus ist also vom Infektions- bzw. Übertragungsmodus abhängig. Die Zeit vom Eindringen des Erregers bis zum Beginn der ersten
Krankheitssymptome nennt man Inkubationszeit.
Wird eine Infektionskrankheit überstanden, so bleibt vielfach eine Immunität zurück, die
lebenslang bestehen oder nur zeitlich begrenzt sein kann. Unter Immunität versteht man
die durch Abwehrstoffe (Antikörper) bedingte Abwehrkraft des Körpers gegen einen bestimmten Erreger. Künstlich wird solche Immunität durch eine Schutzimpfung erzeugt.
Die wichtigsten Infektionserreger bei Wildtieren werden hinsichtlich ihres Aufbaus und ihrer Eigenschaft den folgenden Gruppen zugeordnet:
Ein Befall mit Parasiten bedeutet nicht gleich eine Erkrankung. Vielmehr besteht zwischen
Wirtstier und Parasit eine Wechselbeziehung. So reagiert ein gesunder Wirtsorganismus
auf den Befall durch bestimmte Parasiten mit der Bildung spezieller Abwehrstoffe, die der
schädlichen Wirkung der Parasiten und einer weiteren Ansteckung entgegenwirken (Immunität). Nur wenn das Gleichgewicht in dieser Wechselbeziehung zu Gunsten der Parasiten
gestört wird, kommt es tatsächlich zu einer Erkrankung, die für den Wirt schwerwiegende –
im Extremfall sogar tödliche – Folgen haben kann.
Bakterien sind einzellige Mikroorganismen von unterschiedlicher Grösse und Form, die sich
durch Querteilung vermehren. Sie verfügen über alle drei eine Zelle charakterisierenden
Eigenschaften: Vermehrung, Stoffwechsel und Reizbarkeit. Bakterien besitzen eine Zellwand und eine Zytoplasmamembran, die gemeinsam das Zytoplasma umschliessen. Letzteres beherbergt die Nukleinsäuren (DNS + RNS), die sich zu einer kernähnlichen Struktur
zusammenlagern. Unter ungünstigen Lebensbedingungen haben einzelne Bakteriengattungen (Bazillen, Clostridien) die Fähigkeit, Sporen zu bilden. Sporen sind Dauerformen mit
praktisch ruhendem Stoffwechsel und hoher Resistenz gegen schädliche Umwelteinflüsse.
Unter günstigen Bedingungen keimt die Spore zu einem neuen infektiösen Bakterium aus.
Viele krankheitsverursachende Bakterien bilden zudem spezifische Giftstoffe, die sog. Bakterientoxine.
Rickettsien und Chlamydien sind kleine, bakterienähnliche Mikroorganismen, die sich nur in
lebenden Zellen vermehren können und deshalb früher den Viren zugerechnet wurden.
Viren sind kleinste, infektiöse Partikelchen ohne Zellstruktur. Es fehlen ihnen ein eigener
Stoffwechsel und die Reizbarkeit. Daher ist eine Virusvermehrung ausschliesslich in lebenden Zellen möglich. Ein Virus besteht lediglich aus einer Nukleinsäuresequenz (= genetische
Information für seinen Aufbau und seine Vermehrung), die von einem Proteinmantel und
ggfs. von einer zweiten Hülle umschlossen wird. Viren sind z.T. tierartspezifisch (z.B.
Schweinepest), z.T. zellartspezifisch (z.B. Tollwut).
Pilze sind chlorophyllos und daher zur Photosynthese nicht befähigte Angehörige des Pflanzenreiches. Sie bestehen aus einer Zellmembran und einem Chromosomenkern (im Gegensatz zu den kernlosen Bakterien). Sie ernähren sich von organischen Substanzen, schädigen
teilweise direkt an der Körperstelle an der sie leben, oder – wenn sie beispielsweise mit
dem Futter aufgenommen werden – durch ihre Giftstoffe, die Pilztoxine. Auch Pilze sind
unter ungünstigen Lebensbedingungen in der Lage Sporen zu bilden.
Zecken sind spinnenartige Tiere (4
Beinpaare). Sie gehören zu den Milben. Sie übertragen bei Tieren und
beim Mensch vielfältige verschiedenste Erkrankungen. Blutsaugender Parasit.
Alle Wildtierarten, Mensch und Hund.
„Lauerer“ und „Jäger“: Zecken klammern sich an Gräser oder Buschäste
und halten sich bei Berührung fest. Sie
nehmen über das hallersch’e Organ
Schweissgeruch/Ammoniak,
säure, etc. wahr.
Überträger von bedeutsamen Infektionskrankheiten:
- Leim-Borreliose: Kreisrunder roter
Fleck -> umgehender Arztbesuch und
Einleitung einer Antibiotikabehandlung
- FSME: Schutzimpfung gegen Hirnhautentzündung
Räude (Sarcoptes)
Die Sarcoptes-Räude ist eine Hautkrankheit, die durch eine Milbe verursacht wird.
Zahlreiche Säugetierarten, inklusive
den Menschen. Beim Schalenwild sind
Gämsen und Steinböcke häufige Opfer
Hauptsächlich durch direkten Kontakt
zwischen infizierten Tieren.
Die Räude ist eine hochansteckende
Krankheit, die sich innerhalb einer
Tierpopulation sehr schnell verbreiten
kann. Die Sterblichkeit bei betroffenen
Schalenwildpopulationen
Nachweis der Fuchsräude, seit einigen
Jahren landesweit
Die Krankheit kommt beim Fuchs seit
Jahren vor allem in den Nordwestalpen und südlicheren Gebieten vor
(Kantonen Genf, Tessin und Graubünden). In der Schweiz/FL ist die Räude
noch nie beim Schalenwild nachgewie-
Haarausfall und Krusten, Abmagerung,
manchmal auch abnormales Verhalten.
Bandwurm und Bandwurmfinnen
Bandwürmer brauchen zu ihrer Entwicklung ein End- und Zwischenwirt.
Der eigentliche, geschlechtsreife, eierproduzierende Bandwurm lebt im
Darm des Endwirtes. Bandwurmlarvenstadium (so genannte "Finnen")
entwickelt sich in einem Organ des
Zwischenwirtes.
Schalenwild, Hasen, Fuchs;
Die im Kot ausgeschiedenen Eier werden vom Zwischenwirt mit der Äsung
aufgenommen. Durch Einfressen der
Zwischenwirte infiziert sich der Endwirt wieder.
Das Wild kann Bandwurm- und Finnenträger sein.
Bandwurmbefall wird immer wieder
festgestellt, ist aber selten krankmachend.
Bei massivem Befall treten Störungen
(Durchfall, Zurückbleiben in der Entwicklung).
Würmer: Kaum sichtbar, da die Verdauungsorgane bei der Verwertung
von Wildbret in der Regel nicht eröffnet werden.
Finnen: Beim Aufbrechen sind verschieden grosse, mit Flüssigkeit gefüllte Blasen (Finnen) ersichtlich. Im Hirn
verursachen sie hingegen Verhaltensstörungen ("Drehkrankheit") und führen zum Tod.
Die Finne des Fuchsbandwurmes gilt in
Mitteleuropa als der gefährlichste Parasit des Menschen (Der Mensch infiziert sich durch die Aufnahme von
Bandwurmeiern und gilt als Zwischenwirt). Ein Befall kann zum Tod führen,
weil die Finne aufgrund ihres tumorartigen Wachstums in der Leber kaum
operativ entfernt werden können.
Bluttest gibt Aufschluss!
Man unterscheidet den grossen Lebe-
regel (2 – 5 cm) und den kleinen Leberegel (6 – 12 mm). Der grosse Leberegel
Zwergschlamm-
schnecke als Zwischenwirt und ein
feuchtes Biotop für seine Entwicklung.
Der kleine Leberegel benötigt eine
Landlungenschnecke und eine Ameise
als Zwischenwirt.
Schalenwild und Hasen
Durch die Nahrungsaufnahme gelangen die Leberegel in den Tierkörper
Wo Rinder, Schafe und Schweine in
davon ausgegangen werden, dass auch
das Schalenwild mit Leberegel befallen
Kommt vor; eine besondere Gefährdung geht von vernässten, versumpften Äsungsflächen aus.
Beim Ansprechen der Tiere erkennt
man bei starkem Leberegelbefall ein
struppiges Fell, Schwellungen im Kehlbereich und mangelndes Verfärben.
Beim Ausweiden sind Verkalkungen
auf der Leberoberfläche (weisse Punkte) leicht zu erkennen. Beim Einschneiden der Leber und dem Heraus-
pressen der Gallengänge kommen die
Parasiten zum Vorschein.
Weltweit verbreitete, für den Menschen schwere Krankheit, die durch
kleine Rundwürmer (Trichinellen) verursacht wird. Mehrere TrichinellenArten sind bekannt.
Schwarzwild, Nagetiere, Raubtiere
Verzehr von kontaminiertem rohem
Larven sind sehr resistent und können
auch mehrere Monate nach dem Tod
des Wirtes noch ansteckend bleiben.
Seit Jahren wurden keine Trichinellen
(Trichinella spiralis) im Schwarzwild
nachgewiesen, jedoch werden regelmässig Trichinellen (Trichinella britovi)
bei Füchsen und Luchsen nachgewiesen.
Keine sichtbaren Erkennungsmerkmale
Trichinellen-
Untersuchung von Wildschweinfleisch
in einem anerkannten Labor.
Der grosse Lungenwurm (4 – 10 cm)
befindet sich in der Luftröhre und in
den Hauptaufzweigungen der Lunge,
der kleine Lungenwurm (1 – 3 cm) in
den feinen Bronchien und im Lungengewebe.
Schalenwild und Feldhasen
Ansteckung bei der Nahrungsaufnahme
Die Eier werden mit dem Kot ausgeschieden, um wieder durch den Wirt
(oder Zwischenwirt) mit der Nahrung
Kleine Lungenwürmer kommen beim
Schalenwild sehr häufig vor. Grosse
Lungenwürmer werden seltener beobachtet.
Einen starken Befall erkennt man an
einem matten Haarkleid, mangelhaften
grossen Lungenwürmer sind als lange,
weissliche,
beim Aufschneiden der Luftröhre und
der Hauptbronchien mit blossem Auge
erkennbar. Bei einem Befall mit kleinen Lungenwürmern sind so genannte
Brutknötchen im Lungengewebe erkennbar (weisslich-gräulich feste Herde, meistens an der Spitze der Hauptlungenlappen).
Nasen- und Rachen-Bremsenkrankheit
Die Larven der Rachenbremse können
eine partielle oder totale Verstopfung
der oberen Atemwege verursachen
und zum Tode führen.
Hauptsächlich beim Reh- und Rotwild.
Die weibliche Rachenbremse setzt die
Larven in die Nasenöffnung.
Die Larven kriechen zum Rachen und
Kehlkopfgegend und wachsen bis zum
nächsten Frühling zur erwachsenen
Rachenbremse (bis 2.5 cm) heran.
Häufig beim Reh
Schütteln des Hauptes, Niesen und
Husten sind Merkmale, die beim Ansprechen von Tieren sichtbar sind.
Wenn Zunge und Luftröhre herausgenommen werden, sind Rachenbremsen im Rachenbereich sichtbar. Beim
Aufschneiden der Luftröhre können
Larven von Dasselfliegen verursachen
die so genannten Dasselbeulen in der
Haut der befallenen Tiere.
Wildtiere: Rot-, Gams- und Rehwild
Die Dasselfliegen legen ihre Eier in den
warmen Monaten auf die Läufe der
Wildtiere ab.
Die Eier entwickeln sich zu Larven.
Diese bohren sich durch die Haut und
wandern im Unterhautbindegewebe in
die Rücken- und Lendenpartien, wo sie
Hautbeulen bilden. Nach einiger Zeit
entwickelt sich die Larve zur geschlechtsreifen Fliege und gelangt
durch das Atemloch wieder ins Freie,
wo der Zyklus von vorne beginnen
Seit 2000 praktisch eliminiert.
Beim Entfernen der Decke der Wildtiere erkennt man die kleinen weissen
Eier der Dasselfliegen.
Die Erreger sind mikroskopisch kleine
Parasiten (einzellige Sporentierchen),
die in der Darmschleimhaut oder in
den Gallengängen der Leber schmarotzen.
Feldhasen, Federwild, und seltener
junges Schalenwild
Die Tiere werden mit der Äsung angesteckt
Nicht alle befallenen Tiere (insbesondere Jungtiere) zeigen Krankheitserscheinungen
Konnte in den letzten Jahren nicht
nachgewiesen werden. In Frankreich
kommt die Kokzidiose sporadisch vor.
Stark befallene Jungtiere bleiben in
Durchfall und sind abgemagert. Sie
können an der Krankheit eingehen.
5.10 Magen-Darm-Parasitosen
Es gibt viele unterschiedliche Parasiten, die im Magen-Darm-Trakt vorkommen können (Spul-, Faden-, Haken-, Peitschen- und Haarwürmer), die
jedoch auf die Wildbretqualität in der
Regel keinen Einfluss haben. Ausnahme: Wenn das Wild durch den Parasitenbefall stark abgemagert ist.
Die Tiere stecken sich während der
Nahrungsaufnahme an.
Die Entwicklungszyklen sind je nach
Parasit sehr unterschiedlich.
Kommen oft vor.
Durchfall, Darmentzündung. Beim Aufschneiden des Darmes sind selten
Band- oder Rundwürmer zu sehen.
Gründen beim Aufschneiden von Wild
der Verdauungstrakt in der Regel nicht
eröffnet!)
Gamsblindheit (Infektiöse Keratokonjunktivitis)
Die Gamsblindheit ist eine seuchenhafte Augenerkrankung
Gams- und Steinwild. Mufflon, Schaf,
Die Ansteckung von Tier zu Tier erfolgt
durch direkten Kontakt und vermutlich
auch durch Fliegen.
Ansteckende Krankheit mit seuchenhaftem Verlauf. Hausschafe als Reservoir
Beim Wild immer wieder Epidemien
mit manchmal hoher Mortalität; zuletzt im Sommer 2013 in den Revieren
Malbun und Valüna bei Einzeltieren
Verhaltensstörung der Wildtiere durch
die Sichteinschränkung. Bei genauerem Ansprechen ist die Augensekretstrasse an den Wangen gut erkennbar.
Bei schweren Fällen sind starke Hornhautveränderungen vorhanden, die
Augen können durchlöchert und "ausgelaufen" sein.
Genusstauglich, falls keine Abmagerung und die veränderten Teile entfernt werden
durch Bakterien hervorgerufen wird
Rehwild, seltener Rotwild, Schwarzwild, Dachse und Hasen
Der Erreger dringt in Verletzungen der
Schleimhäute ein (z.B. beim Zahnwechsel)
Keine offiziellen Angaben; kommt immer wieder vor.
Knochenaktinomykose
des Kieferknochens. Weichteilaktinomykose gelb-braune, weiche Knötchen
Genusstauglich, falls keine starke Abmagerung und die Veränderungen
nicht generalisiert auftreten
Langsam verlaufende Infektionskrankheit die seuchenhaftes Verwerfen
(Fehlgeburten), Hoden-, und GelenksEntzündungen verursacht
Hasen, Schwarzwild und Wildwiederkäuer
Die Übertragung erfolgt meist durch
Aufnahme von infiziertem Material;
durch Ansteckung über Haut- und
Schleimhautverletzungen, durch infizierten Samen oder direkte Kontakte
mit infizierten Tieren
ansteckend, seuchenhaft
Zurzeit ist die Schweiz/FL amtlich anerkannt frei von der Brucellose der
Rinder, Schafe, Ziegen und Schweine.
Die Krankheit kommt bei Hasen ab und
zu vor: rezente Untersuchungen zeigen, dass Infektionen bei Schwarzwild
nicht selten sind
Rötungen, Schwellungen und Abszesse
in Scheide, Gebärmutter und Eierstöcken. Käsige Veränderungen der Leber,
Lunge, Nieren und Lymphknoten
Anzeigepflichtig; ungeniessbar
chelobacter nodosus verursacht; beim
Schaf weit verbreitet
Wild: Steinwild
Haustiere: Schafe, Ziegen, Rinder
Die Übertragung kann durch Tierkon-
takt oder die Begehung verseuchter
Weiden erfolgen
Ansteckende Krankheit, die oft seuchenhaft verläuft
Steinwild sporadisch, Schafe häufig
Gehbehinderung durch Schmerzen an
den Klauen. Rötungen der Zwischenklauenhaut bis Verfaulen der Klauen.
Die Ansteckung erfolgt meist durch die
Wassers oder erregerhaltiger Milch.
Die Inkubationszeit (d.h. Zeit von der
Ansteckung bis zum Auftreten der ersten Krankheitssymptome) beträgt 6
Monate bis 15 Jahre. Ältere Tiere können infiziert werden und Erreger ausscheiden, ohne dabei Symptome zu
entwickeln (sog. "gesunde Träger")
Kommt bei Haustieren vor. Keine Angabe über Wildtiere.
starke Abmagerung, Durchfall, ver-
grösserte Darmlymphknoten, verdickte
Pseudotuberkulose der Wiederkäuer (Verkäsende Lymphadenitis)
Infektionskrankheit der Haut- und Organlymphknoten
Wild: Gams- und Steinwild
Haustiere: Schafe, Ziegen
Kontakt von Hautverletzungen mit Kot,
Harn und Eiter. Aufnahme von kontaminiertem Futter und Wasser
Die Krankheit ist in Ländern mit intensiver Schafhaltung stark verbreitet. In
Europa tritt sie bei schlechten Hygieneverhältnissen immer wieder auf.
Kommt sporadisch in der Schweiz/FL
vor (1999 beim Steinwild). Bei Haustieren wird die Krankheit vor allem bei
Ziegen regelmässig beobachtet.
Die Krankheit verläuft oft symptomlos.
Wenn Symptome vorhanden sind, sind
häufig die oberflächlichen Lymphknoten stark vergrössert, mit Abfluss von
gelb-grünem Eiter. Auch Entzündun-
gen der inneren Organe können vorhanden sein (Lunge, Euter, Gelenke,
Hoden).
Die Tuberkulose ist eine chronische
Säugetiere und Vögel, Mensch
Die Übertragung kann durch direkten
Kontakt (Tröpfcheninfektion bei der
Lungenform) oder Aufnahme von kontaminierter roher Milch und anderen
Sekreten und Exkreten wie Scheidenausfluss, Kot, Harn oder Sperma erfolgen; auch indirekt über Lecksteine,
Fütterungen, ..
Eine mögliche Infektionsgefahr geht
von Wildtierreservoiren aus. Wechselseitige Infektionen Weidevieh - Wild
Ursprünglich epidemisches Vorkommen im Tiroler Lechtal, in den letzten
Jahren viele Fälle im benachbarten
Bundesland Vorarlberg; ein Übergreifen auf FL wird befürchtet. Deshalb
läuft aktuell ein Überwachungspro-
gramm, innerhalb dessen ausgewählte
Lymphknoten von erlegten mehrjährigen Tieren, bevorzugt der Altersklasse
Beim lebenden Wildtier ist die Tuberkulose ausgesprochen schwierig zu
erkennen. Bei fortgeschrittenem Stadium bemerkt man Abmagerung und
Schwäche. Beim Aufbrechen erkennt
man z.B. auf der Lunge weisslich-gelbe,
trockene bis bröckelige Massen. Ebenfalls
(Perlsucht) an Brust- und Bauchfell;
Lymphknoten im Mittelfell und Gekröse können vergrössert sein.
kleiner Säugetiere und des Menschen.
Diese Infektionen gehen in der Regel
von hochempfänglichen Nagetieren
aus. In den letzten Jahren wurden in
Deutschland bis zu 10 Fälle pro Jahr
beim Menschen gemeldet.
Hochempfänglich:
wenig empfänglich: andere Säugetiere
Wenige Exemplare des kälteresistenten Bakteriums genügen, um eine Infektion zu verursachen. Der Erreger ist
in den Organen und im Blut und damit
im Wildbret der kranken Tiere enthalten und gelangt mit deren Sekreten
und Ausscheidungen in die Umwelt.
Die Ansteckung geschieht somit durch
direkten Kontakt, durch Auffressen
oder durch blutsaugende Ektoparasiten wie Läuse, Zecken, usw.
Auf den Menschen kann die Krankheit
durch Blutspritzer, Verletzungen beim
Aufbrechen, jedoch auch durch das
Essen von unzureichend erhitztem
Wildbret übertragen werden.
Zecken, Nagetiere und wenig empfängliche sowie chronisch erkrankte
Tiere stellen ein permanentes Reservoir dar. Dabei ist eine saisonale Häufung der klinischen Fälle im Sommer.
In der Schweiz/FL kommt die Tularämie anscheinend selten vor (sporadische Fälle bei Hasen).
Kranke Tiere sind auffallend teilnahmslos, schwankend, torkelnd, haben die
natürliche Scheu verloren und sind
leicht zu erlegen. Die Lymphknoten
(Haut und Unterhaut), Leber, Lunge
und Milz sind stark angeschwollen.
Hochansteckende Viruskrankheit mit
unterschiedlichen klinischen Formen
Sowohl Wild- wie auch Hausschweine
Direkter Kontakt (Handel mit infizierten Tieren, Wildschweinen), Verfütterung
Fleischabfällen von Haus- und Wildschweinen,
Transportfahrzeuge oder Jagdutensilien
Der Virus kann schon vor Beginn der
Mögliche Reservoirs sind infizierte
Wildschweine und Hausschweinferkel
Es wurden keine Fälle der klassischen
Schweinepest in der Schweiz/FL gemeldet. (Letzter Fall bei den Wildschweinen im Tessin 1999). Jedoch
gibt es befallene Schwarzwildpopulationen im benachbarten Ausland.
Dunkle Verfärbung der Haut oder
stecknadelgrosse punktförmige Blutungen auf Herz und Nieren.
Tollwut ist eine lebensbedrohliche
Infektionskrankheit, die durch Viren
Das Virus wird hauptsächlich mit dem
Speichel ausgeschieden. Die Übertragung erfolgt durch Bisse von Karnivoren
Der Hauptüberträger der Tollwut in
Westeuropa ist der Fuchs. Als weitere
Überträger kommen wildlebende Karnivoren, wie Marder und Dachse, sowie Hunde und Katzen in Frage. Auch
infizierte Wiederkäuer und Pferde stellen für den Menschen eine mögliche
Schweiz/FL ist tollwutfrei; Gefahr geht
besonders von importierten Hunden
aus Ländern mit urbaner Tollwut aus
(Osteuropa, Nordafrika).
Verlust der natürlichen Scheu, keine
sichtbaren Veränderungen an den inneren Organen
Die Pseudowut ist eine fieberhafte
Viruserkrankung die u.a. bei Reh-, Rotund Schwarzwild beobachtet werden
Wild: Rot-, Reh- und Schwarzwild,
Haustiere: Schweine, Rinder, Hunde
Beim Schwein erfolgt die Ansteckung
durch direkten Körperkontakt oder
durch die Aufnahme von kontaminiertem Futter.
Die latent infizierten Tiere scheiden
lebenslänglich periodisch Viren aus
und sind damit eine der wichtigsten
Infektionsquellen. Die Verfütterung
ungekochter Abfälle aus Metzgereien
und Küchen stellt auch eine potentielle
Ansteckungsquelle dar.
Schweiz/FL ist amtlich anerkannt frei
von der Aujeszkyschen Krankheit. Allerdings deuten neue Untersuchungen
darauf hin, dass die Krankheit ab und
zu beim Schwarzwild vorkommt.
Starker Juckreiz, der zu Hautverletzungen führt. Beim Aufbrechen Entzündungen des Magen-Darmtraktes und
der Lunge, sowie Blutungen auf Organen.
Die Aviäre Influenza ist eine akute,
hochansteckende, fieberhaft verlaufende Viruserkrankung.
(Hühner), selten auch Säuger und
Mensch (H5N1)
Die Übertragung erfolgt durch direkten
Tierkontakt (Kot, Ausscheidungen aus
den Atemwegen) und indirekt durch
kontaminierte Gegenstände, Fahrzeuge oder Personen.
Der Virus ist in der Aussenwelt nicht
sehr stabil, überlebt aber in Abhängigkeit von den Umgebungstemperaturen
mehrere Tage bis Wochen in Geflügelfleisch, Eiern, Kot oder Wasser. Ein
Wirtswechsel kann vorkommen. Wildvögel, vor allem Wasservögel, stellen
ein Virusreservoir dar. Es gibt mehr
oder weniger krankmachende, sowie
nicht-krankmachende Virusstämme.
Schweiz/FL ist zurzeit amtlich anerkannt frei von klassischer Geflügelpest.
2005/2006 in einigen Kantonen tote
Wildvögel aufgefunden, die mit dem
krankmachenden ("highly pathogenic")
Influenza-A-Stamm H5N1 infiziert waren.
Nasenausfluss, Schwellungen an Kopf
und Hals, Atembeschwerden, Durchfall, und viele kleine und grössere Blutungen im Tierkörper (in den verschiedenen Organen). Bei plötzlichen Todesfällen können diese Veränderungen
Anzeigepflichtig; ungeniessbar / Ansteckungsgefahr für den Menschen.
Meldung, auch eines einzelnen aufgefundenen toten Schwans, zwei und
mehr Wasservögel und Greifvögel an
bung/Untersuchung.
Zoonose?!
Lippengrind (Winterräude)
Viruskrankheit, die vor allem in der
kalten Jahreszeit vorkommt. Gleicher
Erreger wie beim Schaf und bei der
Ziege. Die Viren überleben in der Aussenwelt ausserordentlich lange.
Gams-, Stein- und Rotwild
Die Übertragung kann direkt durch
Tierkontakt oder indirekt mit kontaminierten Gegenständen oder Böden
stattfinden. Der Erreger dringt dabei in
kleine Verletzungen ein (vor allem im
Maulbereich, Klauen und Euter).
Ansteckende Krankheit, die seuchenhaft verlaufen kann
Bei Gamswild sporadisch, beim Schaf
allgemein häufige Krankheit
Blasen- und Krustenbildung im Maul-,
Gaumen-, Klauen- und Euterbereich
Häufig, besonders bei Jungtieren, tödlich verlaufende Infektionskrankheit
Darmentzündung; häufig zentralnervöse Störungen/Verhaltensstörungen im
fortgeschrittenen Krankheitsstadium.
Fuchs, Dachs und andere Marderartige;
Das Virus wird mit allen Körperflüssigkeiten ausgeschieden und kann durch
direkten Kontakt, aber auch über Vektoren (Wasser, …) übertragen werden.
Derzeit ist in Liechtenstein, Vorarlberg
und im süddeutschen Raum der Fuchs
Hauptüberträger der Staupe. Die Infektionskrankheit ist für Hunde hochgefährlich: Schutzimpfung!; Schalenwild,
Vögel und der Mensch werden nicht
Seit einigen Jahren endemisch in unserer Gegend, zuletzt seltener.
Verlust der natürlichen Scheu; ge-
schwächte Tiere, vermehrt in Siedlungsnähe.
hochansteckend für Hunde - Schutzimpfung!
Für das Vorliegen von Vergiftungen spricht gehäuftes Auftreten von Fallwild, bei dem bei
der Sektion keine Anzeichen auf eine andere Todesursache gefunden werden. Beim lebenden Tier können besonders Erregungszustände, Aufblähungen, zum Schaum geschlagener
Speichel, Durchfall oder auch Verstopfung Hinweise auf eine Vergiftung liefern. Als Ursache
für Vergiftungen kommen Schwermetalle, Pflanzeninhaltsstoffe, Herbizide und Pestizide in
Vergiftetes oder einer Vergiftung verdächtiges Wildbret ist genussuntauglich.
Geschwülste treten am häufigsten beim Rotwild, aber auch beim Gamswild, Damwild,
Schwarzwild und beim Federwild auf. diese Tumoren können sowohl gutartig als auch bösartig sein. Je nach Art, Lokalisation und Grösse der Neubildungen kann der Gesundheitszustand mehr oder weniger beeinflusst sein.
Die Genusstauglichkeit des Tierkörpers ist gegeben, wenn keine starke Abmagerung vorhanden ist, die Geschwülste nicht zahlreich sind und die veränderten Teile restlos entfernt
UNTERSUCHUNG DES WILDES VOR DEM ERLEGEN
Die Untersuchung vor dem Erlegen ist deswegen besonders wichtig, da viele krankhafte
Veränderungen nur am lebenden Tier erkannt werden können. Diese Untersuchung kann
beim Wildtier nur vom Jäger vorgenommen werden. Der aufmerksame Jäger kann in der
Zeit, die er zum Ansprechen des Wildes benötigt, eine Reihe wichtiger Informationen sammeln, die Rückschlüsse auf den Gesundheitszustand ermöglichen.
Schwierig ist die Situation beim Niederwild. Hier ist besonderes Augenmerk auf diejenigen
Tiere zu richten, die ein verändertes Fluchtverhalten, geringe Fluchtgeschwindigkeit, Bewegungsstörungen oder Fehlfärbungen aufweisen.
Für die sichere und rasche Beurteilung des Gesundheitszustandes beim lebenden Wild
empfiehlt sich die Einhaltung des folgenden Untersuchungsablaufes:
1. Ernährungszustand
Gut – minder gut – schlecht – abgemagert – stark abgemagert
2. Körperhaltung, Gang, Aufmerksamkeit
Abnorme Haltung des Trägers
Fehlstellungen der Läufe
Anstossen an Hindernisse
3. Decke, Haarkleid
Der Jahreszeit und dem Fellwechsel entsprechend
Glänzend, matt oder verschmutzt
Verletzungen, Abschürfungen oder kahle Stellen
4. Körperöffnungen
Veränderungen am Äser (Speichelfluss, Schaum)
Verschmutzungen am Spiegel
5. Auffällige Lautäusserungen
Klagen, Husten, Schniefen, Röcheln
UNTERSUCHUNGEN DES WILDES NACH DEM ERLEGEN
Frisch und vollständig steht der Tierkörper nur dem Jäger zur Verfügung. Ihm kommt daher
eine grosse Verantwortung für die gewissenhafte Beurteilung zu. Es ist daher dringend anzuraten, sich an den folgenden Untersuchungsgang zu halten.
1. Besichtigung der Körperoberfläche und der Körperöffnungen sowie des Ernährungszustandes
2. Beurteilung der eröffneten Körperhöhlen
3. Beurteilung der Organe sowie des Brust- und Bauchfelles
4. Beurteilung der sichtbaren Muskulatur
12. Untersuchungsstellen
Universität Bern, Abteilung für Fisch- und Wildtiermedizin, Länggass-Strasse 122, CH-3012
Institut für Veterinärbakteriologie, Vetsuisse Fakultät der Universität Zürich, Winterthurerstrasse 270, 8057 Zürich
Untersuchungen/Abklärungen über das ALKVW
Untersuchungen auf Tuberkulose werden vom Amt für Lebensmittelkontrolle und Veterinärwesen auf Basis der den Revieren zur Verfügung gestellten Hilfsmittel im Rahmen des
Tb-Stichprobenprogramms und des risikobasierten Programms veranlasst.
Tollwutuntersuchungen werden vom Amt für Lebensmittelkontrolle und Veterinärwesen
veranlasst im Rahmen der Seuchenüberwachung.
Weitere Untersuchungen auf Wunsch bzw. bei Seuchenverdacht erfolgen ebenfalls über
Xcluder Beschreibung und Anwendungsinformation
Seminarprogramm 2017.indd
Mittagstisch vom 26.10.2015 bis zum 06.11.2015
Unterrichtsfreie Samstage im Schuljahr 2015/2016
Existenzgründung für Psychotherapeut(inn)en: Basis-Seminar
Bericht Teinahme am 63 Europäischen Wettbewerb 2016