Source: https://www.rechtslupe.de/verwaltungsrecht/der-vom-personalrat-bestellte-intranetredakteur-365342
Timestamp: 2020-07-03 20:13:15
Document Index: 391736

Matched Legal Cases: ['§ 34', '§ 34', '§ 34', '§ 34', '§ 34', '§ 88', '§ 44', '§ 44', '§ 40', '§ 44', '§ 44', '§ 44', '§ 44', '§ 44', '§ 34', '§ 40', '§ 46', '§ 43', '§ 43', '§ 44', '§ 44', '§ 44', '§ 44', '§ 44']

Der vom Personalrat bestellte Intranetredakteur | Rechtslupe
Der vom Per­so­nal­rat bestell­te Intra­net­re­dak­teur
Ein Beschluss des Per­so­nal­rats, durch wel­chen ein in der Dienst­stel­le beschäf­tig­ter Sach­be­ar­bei­ter zum Intra­net­re­dak­teur bestellt wird, ist für die Dienst­stel­le nicht ver­bind­lich.
Dies ergibt sich bereits aus Wort­laut, Sys­te­ma­tik und Ent­ste­hungs­ge­schich­te der Rege­lung in § 34 MBGSH. In Absatz 1 Satz 1 der Vor­schrift ist grund­le­gend bestimmt, dass die Dienst­stel­le die durch die Tätig­keit des Per­so­nal­rats ent­ste­hen­den Kos­ten trägt. Wel­che Kos­ten dazu­ge­hö­ren, ist dem nicht abschlie­ßen­den, aus sechs Num­mern bestehen­den Kata­log in § 34 Abs. 1 Satz 2 MBGSH zu ent­neh­men. Im Anschluss dar­an bestimmt § 34 Abs. 1 Satz 3 und 4 MBGSH: "In den Fäl­len des Sat­zes 2 Nr. 3 bis 6 sind Beschlüs­se des Per­so­nal­ra­tes für die Dienst­stel­le bin­dend, soweit sie sich im Rah­men der für den Per­so­nal­rat bereit­ge­stell­ten Haus­halts­mit­tel hal­ten, es sei denn, dass das Schles­wig-Hol­stei­ni­sche Ver­wal­tungs­ge­richt sie auf Antrag der Dienst­stel­le auf­hebt. Der Antrag ist inner­halb von zehn Arbeits­ta­gen nach Unter­rich­tung der Dienst­stel­le über den Beschluss des Per­so­nal­ra­tes zu stel­len."
Danach sind Beschlüs­se des Per­so­nal­rats zu Rei­se­kos­ten sowie zu Kos­ten des sach­li­chen Geschäfts­be­darfs und des Infor­ma­ti­ons­be­darfs für die Dienst­stel­le unter dem Vor­be­halt ver­bind­lich, dass sie die bereit­ge­stell­ten Haus­halts­mit­tel nicht über­schrei­ten und nicht auf Initia­ti­ve der Dienst­stel­le vom Ver­wal­tungs­ge­richt auf­ge­ho­ben wer­den. In allen ande­ren, nicht von § 34 Abs. 1 Satz 2 Nr. 3 bis 6 MBGSH erfass­ten Fäl­len muss der Dienst­stel­len­lei­ter Beschlüs­se des Per­so­nal­rats nicht befol­gen, wenn er der Auf­fas­sung ist, dass sie mit dem gel­ten­den Recht nicht im Ein­klang ste­hen. Dies gilt daher auch hin­sicht­lich der Rege­lun­gen in § 34 Abs. 2 MBGSH, wonach die Dienst­stel­le für die lau­fen­de Geschäfts­füh­rung des Per­so­nal­rats in erfor­der­li­chem Umfang Büro­per­so­nal zur Ver­fü­gung zu stel­len hat. In die­ser Hin­sicht ist es dem Per­so­nal­rat frei­lich unbe­nom­men, sei­ne Ansprü­che im per­so­nal­ver­tre­tungs­recht­li­chen Beschluss­ver­fah­ren durch­zu­set­zen (§ 88 Abs. 1 Nr. 5 MBGSH).
Die beschrie­be­ne Rechts­la­ge unter­schei­det sich nicht von der­je­ni­gen, wie sie auch sonst im Per­so­nal­ver­tre­tungs­recht zur Bereit­stel­lung von Büro­per­so­nal für den Per­so­nal­rat besteht (vgl. § 44 Abs. 2 BPersVG und ent­spre­chen­de Bestim­mun­gen der Lan­des­per­so­nal­ver­tre­tungs­ge­set­ze). Das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt hat ent­schie­den, dass die Ent­schei­dung, wel­chen Beschäf­tig­ten der Dienst­stel­len­lei­ter damit beauf­tragt, der Per­so­nal­ver­tre­tung als Büro­kraft Hil­fe zu leis­ten, allein ihm obliegt, so dass er auch über die Been­di­gung die­ses Auf­tra­ges ohne Betei­li­gung der Per­so­nal­ver­tre­tung ent­schei­den kann [1]. Dem gegen­über wird in der Kom­men­tar­li­te­ra­tur durch­weg ver­tre­ten, dass dem Per­so­nal­rat bei der Aus­wahl des Büro­per­so­nals wegen des erfor­der­li­chen Ver­trau­ens­ver­hält­nis­ses ein Mit­spra­che­recht zusteht [2]. Das die Dienst­stel­le eine Aus­wahl­ent­schei­dung des Per­so­nal­rats bis zu einer gegen­tei­li­gen rechts­kräf­ti­gen gericht­li­chen Ent­schei­dung befol­gen muss, schei­det dage­gen in jedem Fall aus. Durch die Aus­wahl des Büro­per­so­nals wird die in Ver­ant­wor­tung des Dienst­stel­len­lei­ters ste­hen­de Per­so­nal­ho­heit berührt. Es han­delt sich daher nicht um eine Ange­le­gen­heit, wel­che der auto­no­men Wil­lens­bil­dung des Per­so­nal­rats zuge­wie­sen und vom Dienst­stel­len­lei­ter hin­zu­neh­men ist [3].
Erst recht muss die Dienst­stel­le einer Per­so­nal­vor­stel­lung des Per­so­nal­rats nicht Fol­ge leis­ten, wel­che das Qua­li­fi­ka­ti­ons­ni­veau über­schrei­tet, das durch den Begriff "Büro­per­so­nal" defi­niert ist. Die­sen Begriff hat der Schles­wig-Hol­stei­ni­sche Lan­des­ge­setz­ge­ber bei der Ver­ab­schie­dung sei­nes Mit­be­stim­mungs­ge­set­zes vom 11.12.1990 bereits in § 44 Abs. 2 des Bun­des­per­so­nal­ver­tre­tungs­ge­set­zes vom 15.03.1974 vor­ge­fun­den, sodass man­gels ent­ge­gen­ste­hen­der Anhalts­punk­te von einem gleich­ar­ti­gen Ver­ständ­nis aus­zu­ge­hen ist. Im Ent­wurf des Bun­des­per­so­nal­ver­tre­tungs­ge­set­zes war noch der Begriff "Büro­hilfs­kräf­te" ver­wandt und in der Begrün­dung dazu klar­ge­stellt wor­den, dass Sach­be­ar­bei­ter nicht zur Ver­fü­gung zu stel­len sind [4]. Auf Initia­ti­ve des Innen­aus­schus­ses hat der Bun­des­tag den Begriff "Büro­hilfs­kräf­te", um einer damit etwa ver­bun­de­nen Dis­kri­mi­nie­rung vor­zu­beu­gen, durch den Begriff "Büro­per­so­nal" ersetzt, ohne dass damit eine mate­ri­el­le Ände­rung beab­sich­tigt war [5]. Es ent­spricht daher ein­hel­li­ger Auf­fas­sung, dass die Dienst­stel­le nicht ver­pflich­tet ist, dem Per­so­nal­rat Sach­be­ar­bei­ter zur Ver­fü­gung zu stel­len [6]. Da der Per­so­nal­rat in die­ser Hin­sicht über kei­ne Rechts­po­si­ti­on ver­fügt, kann sein Beschluss, ihm einen in der Dienst­stel­le beschäf­tig­ten Sach­be­ar­bei­ter zur Ver­fü­gung zu stel­len, für die Dienst­stel­le kei­ne Ver­bind­lich­keit ent­fal­ten.
Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Beschluss vom 18. Juni 2013 – 6 PB 14.13
BVerwG, Beschluss vom 21.03.1984 – 6 P 3.82, Buch­holz 238.37 § 40 NWPersVG Nr. 2 S. 12[↩]
vgl. Ger­hold, in: Lorenzen/​Etzel/​Gerhold/​Schlatmann/​Rehak/​Faber, Bun­des­per­so­nal­ver­tre­tungs­ge­setz, § 44 Rn. 45a; Kröll, in: Altvater/​Baden/​Kröll/​Lemcke/​Peiseler, Bun­des­per­so­nal­ver­tre­tungs­ge­setz, 7. Aufl.2011, § 44 Rn. 65; Ilbertz, in: Ilbertz/​Widmaier/​Sommer, Bun­des­per­so­nal­ver­tre­tungs­ge­setz, 12. Aufl.2012, § 44 Rn. 45; Fischer/​Goeres/​Gronimus, in: GKÖD Bd. V, K § 44 Rn. 75a; Jacobs, in: Richardi/​Dörner/​Weber, Per­so­nal­ver­tre­tungs­recht, 4. Aufl.2012, § 44 Rn. 93; Dona­lies/Hüb­ner-Ber­ger, Mit­be­stim­mungs­ge­setz Schles­wig-Hol­stein, § 34 Rn.02.2; eben­so BayVGH, Beschluss vom 07.10.2010 – 17 PC 10.1580; zum Betriebs­ver­fas­sungs­recht: BAG, Beschluss vom 05.03.1997 – 7 ABR 3/​96, AP Nr. 56 zu § 40 BetrVG 1972[↩]
vgl. zur Aus­wahl frei­zu­stel­len­der Per­so­nal­rats­mit­glie­der: BVerwG, Beschluss vom 10.05.1984 – 6 P 33.83, BVerw­GE 69, 222, 224 = Buch­holz 238.3 A § 46 BPersVG Nr. 15 S. 11 f.[↩]
BT-Drs. 7/​176 S. 10 und 30 zu § 43[↩]
vgl. BT-Drs. 7/​1339 S. 18; 7/​1373 S. 4 zu § 43[↩]
vgl. Beschluss vom 21.03.1984 a.a.O. S. 10; BayVGH, Beschluss vom 08.04.2008 – 18 P 07.1370; Ger­hold, a.a.O. § 44 Rn. 44; Kröll, a.a.O. § 44 Rn. 63; Fischer/​Goeres/​Gronimus, a.a.O. K § 44 Rn. 74; Ilbertz, a.a.O. § 44 Rn. 45; Jacobs, a.a.O. § 44 Rn. 91[↩]