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Timestamp: 2017-01-18 20:27:20
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Matched Legal Cases: ['Art. 2', 'Art. 3', 'Art. 46', 'Art. 46', 'Art. 46', 'Art. 46']

⭐Betriebliche Umweltleistungskennzahlen
Betriebliche Umweltleistungskennzahlen
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1 Betriebliche Umweltleistungskennzahlen Entwicklungen Stand Perspektiven Ein Beitrag des Koordinierungsbüros Normungsarbeit der Umweltverbände (KNU)2 Impressum: Herausgeber: Koordinierungsbüro Normungsarbeit der Umweltverbände (KNU) Redaktion / V.i.S.d.P: Autoren: Gestaltung, Layout und Satz: Druck: Ludwig Glatzner et al. Eberhard K. Seifert et al. Horst Eckert, Druckerei Otto Dennstedt, Dannenberg Berlin, 2010 Sitz des KNU: Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND e.v.), Am Köllnischen Park 1, Berlin, Das KNU Projekt wird finanziell vom Bundesumweltministerium (BMU) gefördert und vom Umweltbundesamt (UBA) fachlich begleitet. Die Förderer übernehmen keine Gewähr für die Richtigkeit, die Genauigkeit und Vollständigkeit der Angaben sowie die Beachtung privater Rechte Dritter. Die geäußerten Ansichten und Meinungen müssen nicht mit denen des Förderers übereinstimmen.3 Inhalt KNU - Selbstdarstellung 4 Marion Hasper Vorwort 5 Dr. Ludwig Glatzner Hauptteil Prof. hon. Dr. Eberhard K. Seifert Vorbemerkungen 7 1. Die ISO 14031: Ausgangs- und Bezugspunkt 8 2. Umweltkennzahlen nach EMAS und die neue EMAS III Die Global Reporting Initiative Standards außerhalb von Normung und Gesetzgebung Die EU- AMD Anforderungen für Geschäftsberichte Der sektororientierte SD-KPI-Standard Methodenvorschläge und EU-Politik-Initiativen Schlussbemerkungen und Ausblick 24 Begleitwort 26 Dr. Joachim Nibbe, inclusive Literaturnachweis4 Seite 4 Umweltleistungskennzahlen KNU-Selbstdarstellung Das Koordinierungsbüro Normungsarbeit der Umweltverbände (KNU) besteht seit 1996 als Kooperationsprojekt des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), dem Bundesverband Bürgerinitiativen Umweltschutz (BBU) und dem Deutschen Naturschutzring (DNR). Es hat seinen Sitz bei der BUND- Bundesgeschäftsstelle in Berlin und arbeitet mit dem Ziel, Umweltexpertinnen und experten auf nationaler Ebene eine eigenständige Vertretung für ihr Engagement im Normungsprozess zu bieten. Über das KNU können sie ihre Arbeit gut aufeinander abstimmen, gemeinsame Strategien entwickeln und organisatorisch-administrative Aufgaben effizient bewältigen. Damit Umweltaspekte in relevanten Normenwerken Berücksichtigung finden, arbeiten die Expertinnen und Experten direkt an ausgewählten Normungsvorhaben beim Deutschen Institut für Normung (DIN) und bei der Deutschen Elektrotechnischen Kommission im DIN (DKE) mit. Hierbei bringen sie ihren Sachverstand in die betreffenden Ausschusssitzungen und Dokumente ein. Das KNU fördert außerdem die Zusammenarbeit mit weiteren, an der Normung beteiligten Akteuren. Hierzu zählen der DIN-Verbraucherrat, der Bundesverband der Verbraucherzentralen (vzbv) und andere Nichtregierungsorganisationen. Gute Beziehungen bestehen ferner zur Koordinierungsstelle Umweltschutz im DIN (DIN-KU). Um den Umweltverbänden eine kontinuierliche Beteiligung am Normungsprozess zu ermöglichen, erhält das KNU eine finanzielle Unterstützung vom Bundesumweltministerium (BMU) und eine fachliche Begleitung durch das Umweltbundesamt (UBA). Auf europäischer Ebene engagiert sich die European Environmental Citizens Organisation for Standardisation (ECOS) dafür, umweltfreundliche Belange in die Normung zu integrieren. ECOS und KNU sind seit vielen Jahren eng miteinander vernetzt und setzen sich gemeinsam für eine Stärkung der Umweltverbände im Normungsbereich ein. Eine gleichzeitige Beteiligung von Umweltexperten in europäischen Gremien und nationalen Spiegelausschüssen gilt als besonders erfolgversprechende Strategie, um Umweltschutzaspekte frühzeitig und dauerhaft im Normungsprozess verankern zu können. Weitere Informationen sind auf den Internetseiten des BUND e.v. unter Menüpunkt Umweltschutznormung zu finden. Marion Hasper KNU-Projektleitung5 Umweltleistungskennzahlen Seite 5 Vorwort Das Thema Betriebliche Umweltleistungskennzahlen ist kein ganz neues, aber durchaus ein aktuelles Thema. Schon Mitte der 90er Jahre des letzten Jahrhunderts wurde auf der Basis erster Anwendungserfahrungen in fortschrittlichen Unternehmen konzeptionelle Entwicklungsarbeit unter anderem im Rahmen der umweltbezogenen Normung, aber auch außerhalb geleistet. Schon damals zeigten sich deutliche Interessensunterschiede zwischen umweltorientierten Pionieren und traditionellen Bremsern unter der Hauptzielgruppe, den umweltrelevant produzierenden Betrieben. Während sich die einen von der Anwendung betrieblicher Umweltleistungskennzahlen im Rahmen einer internen und externen Berichterstattung eine Leistungsdynamik und damit verbunden Vorteile für Umwelt und Unternehmen versprachen, sahen die anderen nur die Gefahr, ihr Umweltverhalten kritisch verglichen und vielleicht sogar (möglicherweise auch ungerecht) bewertet zu sehen. Ergebnis war die Entwicklung freiwilliger und wenig vergleichbarer Kennzahlenkonzepte und Berichtssysteme. In jüngerer Zeit scheinen sich etwas stringentere Kennzahlenkonzepte zu etablieren, so mit der aktuellen EMAS-Verordnung oder der Anwendung des GRI-Systems, die allerdings auch nur diejenigen Unternehmen betreffen, die sich freiwillig für die Anwendung dieser Systeme entscheiden. Und immer noch ist es nur ein geringer Anteil aller Unternehmen, die sich überhaupt solchen Systemen anschließen und kennzahlengestützte Berichtssysteme anwenden. Eine transparente Berichterstattung und Rechenschaftslegung über die Nutzung öffentlicher (Umwelt-) Güter sollte aber eigentlich eine grundsätzliche Pflicht aller Nutzer sein. Geschäftsberichten vergleichbar müssten grundlegende umweltorientierte Berichts- und Rechenschaftspflichten selbstverständlich und verbindlich vorgegeben sein. Auch hier zeigen sich erste zarte Ansätze rechtlich verbindlicher Anforderungen, beispielsweise über Regelungen im Handelsgesetzbuch (HGB). Standardisierte, vergleichbar und transparent darzustellende Umweltleistungskennzahlen können Verbesserungspotentiale anzeigen, umweltorientierten Wettbewerb erzeugen und Leistungsanreize setzen. Diesem Ziel der Umweltleistungsverbesserung fühlten und fühlen sich die in den Fachdiskussionen zu Umweltmanagementinstrumenten aktiven Experten der Umweltverbände verpflichtet. Der Unterstützung dieses Ziels und dieser Diskussionen sollten die nun in der vorliegenden Broschüre gefassten Beiträge dienen. Ab und an ist es in solchen Diskussions- und Entwicklungsprozessen einfach wichtig, Stand und Perspektiven des Themas zu reflektieren. Die in Kurzform wiedergegebene Studie von Eberhard K. Seifert skizziert wesentliche Ansätze und Konzepte, die der Anwendung betrieblicher Umweltleistungskennzahlen zugrunde liegen. Der Beitrag von Umweltgutachter Joachim Nibbe greift mit EMAS einen aktuellen Ansatz heraus. Beide Autoren sind nicht nur Experten in ihrem Fach und aktive Mitarbeiter in DIN-NAGUS-Gremien, sondern persönlich auch den Umweltverbänden verbunden und in diesen engagiert. Wir, die im KNU Koordinierungsbüro Normungsarbeit der Umweltverbände organisierten und in den einschlägigen Gremien mit dem Thema Umweltleistungskennzahlen befassten Experten, haben uns entschlossen, die vorliegenden Beiträge nicht nur intern zu nutzen, sondern in einer Broschüre auch anderen Interessierten zugänglich zu machen. Ermöglicht wurde dies durch die Projektmittel des Bundesumweltministeriums, ohne die unsere Gremienarbeit insgesamt so nicht möglich wäre. Wir hoffen, dass in der Broschüre auch interessierte Praktiker aus Unternehmen Anregungen und Orientierung finden und sich für die Anwendung von Umweltleistungskennzahlen erwärmen lassen im Interesse der Umwelt und ihrer Unternehmen. Denn wer als verantwortliches, umweltfreundliches Unternehmen gelten möchte und sich davon Imagegewinn oder sogar Marktvorteile erhofft, muss auch Umweltleistung ( Environmental Performance ) zeigen und umgekehrt: Wer sich transparent macht und nachvollziehbar seiner Verantwortung gerecht wird, verdient Respekt und Anerkennung. In diesem Sinne sind wir gerne Promotoren für die breitere Anwendung betrieblicher Umweltleistungskennzahlen. Dr. Ludwig Glatzner Umweltmanagement-Experte Mitglied des BUND e.v. AK Wirtschaft und Finanzen Stellvertretender Obmann des zuständigen Normenausschusses DIN NAGUS Umweltmanagement / Umweltaudit Mitglied des UGA (Umweltgutachterausschuss)6 Seite 6 Umweltleistungskennzahlen Betriebliche Umweltleistungskennzahlen Entwicklungen Stand Perspektiven Ein Beitrag des Koordinierungsbüros Normungsarbeit der Umweltverbände (KNU): Ergebnisse einer Studie von Eberhard K. Seifert mit einem Vorwort von Ludwig Glatzner und einem Begleitwort von Joachim Nibbe7 Umweltleistungskennzahlen Seite 7 Vorbemerkungen Ziel dieser Broschüre ist es, zu letztjährigen Entwicklungen, dem aktuellen Stand und den Perspektiven auf dem Gebiet betrieblicher Umweltkennzahlen (ULK) eine Übersicht leitender Ansätze zu geben. 1 Die vorliegende Ausarbeitung basiert auf einer Studie 2, deren Ergebnisse für diese Veröffentlichung stark komprimiert worden sind. Ich danke Ludwig Glatzner für seinen konstruktiven Vorschlag hierzu. Ein wesentlicher Bezugspunkt für diese Übersicht ist die internationale Normung, insbesondere aktuelle Arbeiten zu einer erstmaligen Revision des ISO-Standards zur Umweltleistungsbewertung (Environmental Performance Evaluation = EPE). Des Weiteren sind gesetzliche Ansätze einbezogen, insbesondere das EU-Umweltmanagementsystem, EMAS (Eco Management and Audit Scheme) sowie neue rechtliche Anforderungen der EU an die jährlichen Geschäftsberichte von großen Konzernen. Darüber hinaus werden weitere Initiativen und Leitfäden angesprochen, so dass ein genereller Überblick zum Thema betrieblicher Umweltkennzahlen geboten wird, der allerdings keinen Anspruch auf Vollständigkeit erhebt. Das voranstehende Inhaltsverzeichnis benennt die behandelten Ansätze. Aus Sicht der Umweltverbände sind für diese Ansätze mehrere Aspekte hervorzuheben: nur auf die ISO- Arbeiten und die entsprechende Normentwicklung haben die deutschen Umweltverbände durch ihre Mitarbeit in den zuständigen Spiegelausschüssen des DIN- NAGUS einen gewissen institutionell-direkten Einfluss. Bei der Entwicklung anderer hier vorgestellter Ansätze sind sie nicht unmittelbar vertreten, bzw. können ihre Positionen nur indirekt über politische Prozesse (EMAS) oder ggf. als Stakeholder (Global Reporting Initiative - GRI) einbringen. Auch insofern kommt der ISO Revision besondere Bedeutung zu, da diese im Unterschied zu den schon vorliegenden anderen Ansätzen derzeit noch am Anfang grundlegender Neustrukturierungsmöglichkeiten steht. Dies gilt insbesondere für die im Einzelnen vorzustellenden neuen sektoralen Ansätze. Wie im Kapitel 7 als Ausblick skizziert wird, ist dazu sowohl methodisch noch einiges an Grundfragen zu lösen, wie auch politisch (in der EU) der Gesamtkomplex für Unternehmen how to disclose environmental, social and governance ( ESG ) information neu in Bewegung gekommen. Die Umweltverbände wollen sich hierzu ebenfalls (neu) positionieren. Diese Broschüre bietet hierfür eine repräsentative Übersicht über relevante, die europäische und internationale (ISO)-Diskussionen prägende Ansätze. 1 Die Umweltkennzahlendiskussion reicht schon länger zurück. Eine Bestandsaufnahme zu theoretisch-konzeptionellen und betrieblichpraktischen Anwendungen bis Ende der 90er Jahre vgl. bei Seidel/Clausen/Seifert: Umweltkennzahlen. Planungs-, Steuerungs- und Kontrollgrößen für ein umweltorientiertes Management. Verlag Vahlen/München 1998; darin hat der Verfasser auch die damals kurz vor dem Abschluß stehende Standardisierung der weltweit ersten Performance Evaluation - Norm ISO im Kontext einer zukunftsfähigen Umweltberichterstattung vorgestellt und diskutiert (S ) 2 Diese Untersuchungen wurden in zwei Phasen vorgenommen: zum einen in 2007/2008 zur Vorbereitung eines vom KNU durchgeführten Workshops zum Thema ULK; zum anderen im Frühjahr 2010 im Zusammenhang mit den aufgenommenen Revisionsarbeiten zur ISO Umweltleistungsbewertung. Die vollständige Fassung dieser beiden Ausarbeitungen, ggf. ergänzt um weitere aufzunehmende Entwicklungen, insbesondere nach der ISO TC 207-Jahrestagung im Juli 2010, kann für vertiefende Interessen beim Verfasser nachgefragt werden.8 Seite 8 Umweltleistungskennzahlen 1. Die ISO 14031: Ausgangs- und Bezugspunkt 1.1 Environmental Performance - Umweltleistung Zur Begriffsklärung der Umweltleistung (Environmental Performance) haben v. a. die Normungsarbeiten an der ISO beigetragen, die ungewöhnlich lange dauerten ( ), da es bis dato keine diesbezüglichen Vorbilder gab. Die ISO Definition zur Umweltleistung 3 lautet:... results of an organzation s management of its environmental aspects und zielt damit eindeutig auf den kontinuierlichen Verbesserungsprozess (KVP) der Umweltleistung selbst ab und nicht allein auf einen KVP des Managementsystems. Diese ISO Definition stand längere Zeit der - in der vorher 1996 fertig gestellten - ISO entgegen, wurde aber nach einer ISO-internen Eingabe seitens des für die zuständigen SC4 schließlich auch in die ISO Umweltmanagementsystem übernommen. 1.2 Umweltleistungskennzahlen: Begriffe und Kategorien Zwischen den Begriffsverwendungen im deutschen Sprachraum und im Englischen besteht der Unterschied, dass im Englischen einzig der Terminus indicator Verwendung findet. Im Deutschen hingegen hat sich aus historischen Gründen eine Unterscheidung zwischen Indikatoren und Kennzahlen eingebürgert, die auch in den deutschen Normübersetzungen übernommen wurde. Während Kennzahlen seit längerem schon in der Betriebswirtschaftslehre (BWL) und für einzelwirtschaftliche (mikro-ökonomische) Zwecke gebräuchlich sind, wird für die (überbetriebliche) gesamtwirtschaftliche (makroökonomische) Ebene zumeist der Begriff Indikator verwendet, womit auch regionale, lokale oder gar globale Indikatoren gemeint sein können. Gemäß ISO wird ein Environmental Performance Indicator (EPI) definiert als: specific expression that provides information about an organization s environmental performance. Insofern ist EPI (bzw. ULK) der ISO-Norm zufolge der gemeinsame Oberbegriff für zwei Unterkategorien: Managementleistungskennzahl (MPI = Management Performance Indicator) = ULK, die Informationen über die Aktivitäten des Managements zur Verbesserung der Umweltleistung einer Organisation darstellt. Operative Leistungskennzahl (OPI = Operational Performance Indicator) = ULK, die Informationen über die Umweltleistung im operativen Bereich einer Organisation darstellt. Zudem hat die ISO nach langen Diskussionen eine dritte Kategorie eingeführt: den Umweltzustandsindikator (ECI = Environmental Condition Indicator) = spezifische Größe, die Informationen über den lokalen, regionalen, nationalen oder globalen Zustand der Umwelt darstellt. In der deutschen Übersetzung der Norm als Umweltleistungskennzahl (ULK): Spezifische Größe, die Informationen über die Umweltleistung einer Organisation darstellt. 3 Zudem wurde in der deutschen Veröffentlichung evaluation mit Bewertung übersetzt anstatt mit Messung, wie es Schweizer Kollegen befürwortet haben.9 Umweltleistungskennzahlen Seite BMU/UBA-Leitfaden und EMAS II recommendation Der vom Bundesministerium für Umwelt (BMU) und dem Umweltbundesamt (UBA) veröffentlichte Leitfaden Betriebliche Umweltkennzahlen aus dem Jahre 1997 erschien vor der endgültigen Veröffentlichung der ISO im Jahre 1999, spricht aber in Kenntnis von deren Entwicklung bereits in ähnlicher Weise von: Umweltleistungskennzahlen Umweltmanagementkennzahlen Umweltzustandskennzahlen Während aber nach der ISO beide sowohl MPIs als auch OPIs als Umweltleistungskennzahlen (ULKs) bezeichnet werden, beschränkten BMU/UBA die Umweltleistungskategorie noch allein auf die OPIs = operativen Leistungskennzahlen und verwenden nur für diese den Begriff Umweltleistungskennzahlen. Hingegen hatten die ergänzenden recommendations der EU-Kommission aus dem Jahre 2002 zu Umweltleitungskennzahlen für die im Jahre 2001 in Kraft getretene EMAS II-Verordnung, die in der ISO erarbeitete Systematik der drei o. a. Kennzahlen/Indikatoren-Typen aufgegriffen. Allerdings nicht zum verpflichtenden Verordnungsbestand erhoben, sondern nur als ergänzende, damit unverbindliche Empfehlungen ISO Kennzahlen im Prozess der Umweltleistungsbewertung: Konzept und Praxis Der ISO Standard ist zweigeteilt: im Haupttext wird auf insgesamt 23 Seiten (nur) der zu verfolgende Prozess einer Umweltleistungsbewertung = EPE, nach dem in der ganzen ISO-14000er Serie üblichen pdca - Schema: plan-do-check-act, erläutert. Erst im umfänglichen Anhang folgen unter A.4 aufgelistete Examples of Indicators for EPE. D.h., es werden im normativen Haupttext dieser weltweit ersten Umweltleistungsbewertungsnorm keine Indikatoren angeführt oder gar vorgegeben. Statt dessen wird im informativen Anhang lediglich eine Auswahlliste von potentiellen Indikatoren angeboten, aus der im EPE-Prozess von der Organisation möglichst zusammen mit interessierten Kreisen organisationsspezifische und zweckmäßige für die drei Kategorien ausgesucht werden können oder aber auch mit eigenen/anderweitigen ergänzt/ersetzt werden sollten. Die Liste beansprucht weder Verbindlichkeiten oder Prioritäten sowie auch keinerlei Vollständigkeit und könnte in diesem Sinne beliebig genutzt oder durch andere Indikatoren ersetzt werden. In der bislang geltenden Fassung der ISO wurden seinerzeit nach intensivsten Debatten schließlich mehrere Seiten an Indikatoren für MPI-, OPI- und ECI- Beispielen und Vorschlägen aufgenommen. Diese ausdrücklich,nicht-vorschreibende Vorgehensweise entspricht der ISO 14000er-Philosophie im allgemeinen, sowie der ISO im besonderen. Das wird im Anwendungsbereich wie folgt betont: Diese Internationale Norm legt keine Beurteilungsmaßstäbe für die Umweltleistung fest. Sie ist keine Norm zum Zweck der Zertifizierung oder Registrierung oder der Festsetzung von Anforderungskriterien für andere Umweltmanagementsysteme (S. 4). Tatsächliche Anwendungen des BMU/UBA-Leitfadens, welcher der ISO rund zwei Jahre vorausging, als auch dieses ersten globalen ISO-Standards sowie der darauf basierenden EMAS II Leitlinien -Empfehlungen von 2002 in der betrieblichen Praxis, stellen angesichts ihrer Unverbindlichkeit insofern noch immer eine Untersuchungsaufgabe dar, die u. W. kaum adäquat in Angriff genommen worden ist. Die globalen Anwendungen der Ende 1999 veröffentlichten ISO ab dem Jahre 2000 sind bislang ebenfalls unbekannt und unerforscht. Eine bloße Angabe seitens der Nationalen Normungsinstitute über verkaufte Exemplare des Dokumentes ist alleine kein valider Indikator über die Verbreitung/Anwendung dieser Norm.10 Seite 10 Umweltleistungskennzahlen Dies liegt auch daran, dass die ISO nicht zur Zertifizierung vorgesehen ist; insofern existieren auch keine Instanzen (wie bei der ISO in eingeschränktem Maße), die zumindest ihre numerische Anwendung ermitteln und öffentlich machen. Allerdings haben Pilotprojekte bei KMUs, die der Verfasser initiiert und betreut hatte (1998/99) überzeugend nachweisen können, dass alle Beteiligten inhaltlichen umweltleistungsbezogenen- und auch finanziellen Nutzen aus entsprechenden Anwendungen ziehen können. Ähnlich ein Projekt an der FH Lübeck, gefördert durch das Umweltministerium Schleswig- Holstein. Darüber hinaus hat die über ein Jahrzehnt lang als environmental reporting Pionier geltende KUNERT AG in Kooperation mit dem Verfasser über drei Berichtsjahre die weltweit ersten (und u. W. bislang einzigen) Umweltleistungsberichte nach der ISO erarbeitet und in dieser Zeit kontinuierlich verbessert. Dieses Unternehmen war u. W. auch die weltweit allererste und bislang einzige Organisation, die gemäß den ECI -Vorschlägen der ISO überhaupt begonnen hatte, Environmental Condition Indicators in ihre (Selbst-)Evaluierungs-Prozesse einzubeziehen. Leider wurden auch diese Ansätze durch die generelle Beendigung ihrer pionierhaften Umweltberichterstattungen von der KUNERT AG nicht fortgesetzt und auch weltweit sind keine weiteren Anwendungsbeispiele bekannt geworden. Eine Aktualisierung dieser stiefmütterlichen EPE-Kategorie ECI auf breiterer Ebene könnte allerdings durch die neueren Diskussionen und praktischen Unternehmensbeispiele bezüglich der sog. eco-system services insbesondere verstärkt durch den für das Jahr 2010 gesetzten UN-Themenschwerpunkt Biodiversität erfolgen. 1.5 ISO Revision Unterdessen hat das zuständige ISO TC 207 SC4 während der Jahrestagung 2009 (Kairo) die erstmalige Revision der 1999 veröffentlichten ISO aufgenommen. 4 Alle Inhalte und Methoden der ISO sollen im Lichte der zwischenzeitlich zehnjährigen internationalen Entwicklungen auf den Prüfstand gestellt und Sichtungen einschlägiger Ansätze und Konzeptionen durch alle SC4-Mitglieder vorgenommen werden. Zusätzlich sind zwei Themenbereiche für das SC 4 hinzugenommen worden: Eine neue Arbeitsgruppe WG4 soll den Vorschlag Schwedens zu data quality bearbeiten und hat im Febr hierzu ein erstes Treffen abgehalten. Diese Thematik war ursprünglich für die ganze ISO 14000er-Serie konzipiert worden. Das TC 207 hat auf der Jahrestagung 2009 aber beschlossen, diese Arbeiten im SC4 durchführen zu lassen mit der Maßgabe allerdings, alle 14000er Standards betreffende Aspekte dabei mit zu berücksichtigen. Eine ebenfalls neue, vom Verfasser vorgeschlagene und geleitete Task Group soll im Hinblick auf die internationalen Entwicklungen zu sektoralen oder branchenspezifischen Leistungsindikatoren ermitteln, ob und wie auch die ISO künftig Empfehlungen zu sektorale Indikatoren enthalten solle. Diese sektorale Perspektive wirft folgende methodische Grundsatzfragen auf: Entweder verlässt man die bisherige TC 207- Philosophie, dass die 14000er Serie nur generische Dokumente entwickelt und weder sektorspezifische noch konkrete Indikatoren Empfehlungen,ausspricht, oder es können innerhalb generischer Standards eben auch nur generische Empfehlungen für Sektorindikatoren ausgesprochen werden. Die gesamte ISO 14000er-Serie des TC 207 ist generisch konzipiert, d.h. die Normen gelten für alle Arten, Größen und Sektoren von Organisationen gleichermaßen und das zuständige ISO TC 207 hat sich bislang abgesehen von Konzession an den (auch von NGOs befürworteten) Forstbereich sektorspezifischen Normungsbestrebungen widersetzt. Allerdings wird schon länger außerhalb des ISO TC 207, im Bausektor auf ISO- und auch auf CEN-Ebene zu Sustainable Buildings gearbeitet und dabei werden auch sektorspezifische performance indicators gesucht und diskutiert wenngleich nicht nur zu environment, sondern zugleich auch schon zu den beiden anderen Nachhaltigkeitsdimensionen Ökonomie und Soziales. 4 Eine initiierende und aktive Rolle hat dabei der Verfasser wahrnehmen können: zunächst mit dem Vorschlag auf der SC4-Sitzung während der ISO TC 207-Jahrestagung 2007 (Beijing) zur Organisation eines revisionsorientierten Workshops für die folgende Jahrestagung 2008 (Bogota), den er vorbereitete. Sodann durch die Plädoyers zugunsten einer Befassung mit den neuen sektoralen Ansätzen, aufgrund derer er vom SC4 Vorsitzenden zum Leiter der neuen Task Group für diese Thematik ernannt wurde.11 Umweltleistungskennzahlen Seite 11 Was damit (jenseits hier nicht erfolgender Befassungen mit diesen laufenden Normungsaktivitäten ausserhalb des ISO TC 207) schon - weiteren Ansätzen vorgreifend - hervorgehoben werden soll: Mit Blick auf performanceorientierte Aktivitäten scheint es international einen Trend hin zu branchenspezifischen Performanceindikatoren zu geben und zugleich auch hin zu einer Fokussierung auf nur wenige wesentliche Kennzahlen zur Indizierung der Hauptprobleme in den jeweiligen Sektoren/Branchen. Zugleich deuten sich damit Bestrebungen an zu Vergleichbarkeiten und Benchmarkmöglichkeiten, die ja bislang unter generic -Bedingungen kaum sinnvoll (machbar) sind und immer wieder auch abgelehnt worden sind mit dem Argument: man könne nicht Äpfel mit Birnen vergleichen, wie bspw. große mit kleinen Unternehmen, Organisationen mit unterschiedlichen Tätigkeiten etc.. In laufenden und beabsichtigten (Normungs-)Aktivitäten sowie möglichen Praxisanwendungen spielen in zunehmendem Umfang Performanceorientierunge eine Rolle. Dies v. a. in dem Maße, wie es heute nicht mehr allein und vorrangig um die Einführung von UMS- Ansätzen in verschiedenen Wirtschaftsbereichen geht, sondern mehr und mehr darum, was mit diesen weltweit zunehmend praktizierten und attestierten Systemen für Umwelt- und Nachhaltigkeit an performance improvements tatsächlich auch erreicht werden kann und wie diese möglichen Erfolge im bezweckten continual improvement der Systeme für die jeweilige Performance zu ermitteln und zu bewerten sind? Die im Vergleich zur alten ISO jüngeren, im Folgenden zu skizzierenden Ansätze (wie EMAS III, GRI, EU-AMD Richtlinie und SD-KPIs) zielen hingegen verstärkt auf eine Art Doppelstrategie: Einerseits auf einen nur aus wenige(re)n, hauptsächlichen KPIs bestehenden Pflicht-Teil für alle Organisationen, insofern also generisch, zu fordern, andererseits darauf, diese für alle Branchen geltenden, generische Indikatoren zu ergänzen um spezifische, auf die jeweiligen Besonderheiten von Branchen ausgerichtete Indikatoren, die ebenfalls eher verpflichtender Natur sind, als nur ein bunter Blumenstrauß von beliebigen Auswahl- und Anwendungsmöglichkeiten. Insofern muss an die begonnene ISO Revision und darin einbezogene Diskussion über einen angemessenen Einbau von international wichtiger gewordener sektoraler Gesichtspunkte für die Umweltleistungsbewertung (Environmental Performance Evaluation) von Organisationen vorläufig noch die Frage gestellt werden: quo vadis ISO 14031? Nach der Jahrestagung 2010 in Mexiko und den SC4- Diskussionen wird hoffentlich die Richtung dieser Revisionsarbeiten insgesamt deutlicher erkennbar werden. Für die vom Verfasser geleitete Task Group zu der sektoralen Fragestellung hat er einen Vorschlag eingereicht, der erstmals im SC4 zu beraten sein wird.12 Seite 12 Umweltleistungskennzahlen 2. Umweltkennzahlen nach EMAS und die neue EMAS III 2.1 Operative Leistungskennzahlen in Umwelterklärungen EMAS zeichnet sich vor allem dadurch aus, dass es im Unterschied zur ISO ein leistungsbezogenes Umweltmanagementsystem mit einer Berichtskomponente beinhaltet. In der sogenannten Umwelterklärung soll eine EMAS-validierte Organisation alle wesentlichen Zahlen, Daten, Fakten zu den betreffenden Umweltaspekten, zur Organisation und zu deren Umweltleistungen darstellen. In dieser Hinsicht kommt der u. W. Erstlingsuntersuchung von Volker Teichert (FEST-Heidelberg 5 ) in seinem Beitrag Umweltleistungsbewertung anhand verschiedener Beispiele aus Industrie- und Dienstleistungsunternehmen (2007) eine aufschlussreiche Bedeutung zu. Diese Untersuchung ist auf der Basis von 100 Umwelterklärungen erstellt worden. Auswahlkriterium war, dass aus bestimmten NACE-Codes mindestens 2-3 Unternehmen berücksichtigt werden konnten. In diesen Umwelterklärungen fanden sich primär operative ULKs, während die (in der ISO empfohlenen, von der EMAS II-recommendation ebenfalls aufgenommenen) MPIs fast überhaupt nicht gefunden wurden. Ob auch ECIs berichtet wurden, ist laut Auskunft von V. Teichert nicht untersucht worden. Abfälle zur Verwertung und Beseitigung sowie Abfälle aus Bauvorhaben Abfallmengen (pro Mitarbeiter und Jahr) Verkehrsleistung: Dienstreisen Versorgungsfahrten und Mitarbeiterverkehr, Nutzung von Jobtickets CO2-Emissionen: es wird betont, dass trotz Emissionshandel und Diskussionen zum Klimawandel in erstaunlich wenigen Umwelterklärungen hierzu berichtet wird! Es wird spekuliert, dass für die Berechnung von CO2-Emissionen bis dato keine eindeutigen Vorschriften existieren (erwähnt werden zwar einige solcher, aber nicht die ISO 14064!) Dementsprechend sieht er die Umweltleistungsbewertungspraxis mittels konkreter und ggf. verbindlicher ULKs noch am Anfang stehend. Was allerdings bis dato gänzlich fehle, sind Vergleichswerte zu den operativen Kennzahlen und auch MPIs, weshalb eine Vergleichbarkeit anhand von Kennzahlen nur eingeschränkt möglich ist. Bei der Mehrheit der Organisationen bestenfalls nur ein Längsschnittvergleich über mehrere Jahre der jeweiligen Organisation (wobei viele Umweltberichterstatter noch keine so lange und v. a. auch kontinuierliche Praxis wie etwa KUNERT haben); hingegen aber nicht zwischen Organisationen. Für die operativen ULKs werden in Umwelterklärungen absolute wie auch relative Kennzahlen berichtet. Teichert ermittelte i. E. solche beispielsweise für: Heizenergieverbrauch (absolut und relativ pro Fläche) spezifischen Strom- und Gasverbrauch Energieverbrauch Stromverbrauch (absolut und relativ pro Fläche) Wasserverbrauch (absolut und relativ pro Mitarbeiter) Wasser- und Abwasserverbrauch Dieses Ergebnis liegt nicht zuletzt an der in EMAS I und EMAS II nicht genügend spezifizierten Verbindlichkeit, mit der ULKs ermittelt und ausgewiesen werden sollen. Die lediglich ergänzenden recommendations von 2002 haben hieran nichts Wesentliches verändern können. Demzufolge richtet sich das hier im Vordergrund stehende Interesse an den Indikatoren vor allem auf die diesbezüglichen Neuerungen in EMAS III. 5 Forschungsstätte der Evangelischen Studiengemeinschaft e.v. (FEST)13 Umweltleistungskennzahlen Seite Neuerungen in EMAS III Die novellierte EMAS-Verordnung vom (EG) Nr. 1221/2009 über die freiwillige Teilnahme von Organisationen an einem Gemeinschaftssystem für Umweltmanagement und Umweltbetriebsprüfung (ABl. EG Nr. L 342 S. 1) trat am 11. Januar 2010 in Kraft. 6 In Kap. I der Allg. Bestimmungen wird die Zielsetzung hervorgehoben mit: kontinuierliche Verbesserungen der Umweltleistung von Organisationen fördern, indem die Organisationen ein UMS errichten und anwenden, die Leistung dieser Systeme einer systematischen, objektiven und regelmäßigen Bewertung unterzogen werden (S. 4). In Art. 2 Begriffsbestimmungen wird in Pkt. 2. die Umweltleistung (im Sinne des o. a Verständnisses) definiert als die messbaren Ergebnisse des Managements der Umweltaspekte einer Organisation durch diese Organisation (ebd.). Weiter wird in Pkt. 18 für die nach EMAS verbindliche Berichterstattung eine wesentliche Forderung aufgestellt: damit Relevanz und Vergleichbarkeiten der Informationen gewährleistet sind, sollte die Berichterstattung über die Umweltleistung der Organisationen auf der Grundlage allgemeiner und branchenspezifischer Leistungsindikatoren erfolgen, deren Schwerpunkt bei Verwendung geeigneter Referenzwerte und Skalen auf Prozess- und Produktebene auf den wesentlichen Umweltbereichen liegt. Dies dürfte dazu beitragen, dass die Organisationen ihre Umweltleistung sowohl von einem Berichterstattungszeitraum zum anderen als auch mit der Umweltleistung anderer Organisationen vergleichen können. (S. 2) Als Umweltleistungsindikator wird in Pkt. 27 bezeichnet: ein spezifischer Parameter, mit dem sich die Umweltleistung einer Organisation messen lässt (S. 5) Kernkennzahlen/Core Indicators sind auf folgende Schlüsselbereiche ( key environmental areas ) zu fokussieren: Energieeffizienz, Materialeffizienz, Wasser, Abfall, Biologische Vielfalt, Emissionen. Die Angaben zum gesamten Jahresoutput von Organisationen sollen für alle Bereiche gleich sein, aber zu adaptieren an die verschiedenen Typen von Organisationen, abhängig von deren Aktivitäten. Insbesondere wird unterschieden zwischen Organisationen im Produktionssektor (Industrie), wo die jährliche Gesamtbruttowertschöpfung in Mio. Euro anzugeben ist, und Organisationen in non-production sectors (Administrationen /Dienstleistungen), wo stattdessen die Größe der Organisation in Relation zur Anzahl der Beschäftigten anzugeben ist. In Art. 3 wird erstmals unter Pkt. 4 Bezug auf die neuen branchenspezifischen Referenzdokumente genommen, denen zufolge sofern sie gemäß Art. 46 für die betreffende Branche zur Verfügung stehen die Beurteilung der Umweltleistung der Organisation erfolgen solle. In Art. 46 Ausarbeitung von Referenzdokumenten und Anleitungen werden diese Absichten wie folgt vorgestellt: Die Kommission erarbeitet in Absprache mit den Mitgliedsländern und anderen Interessenträgern branchenspezifische Referenzdokumente, die umfassen sollen: bewährte Praktiken im Umweltmanagement branchenspezifische einschlägige Indikatoren für die Umweltleistung erforderliche Leistungsrichtwerte und Systeme zur Bewertung der Umweltleistungsniveaus Die Kommission kann auch Referenzdokumente zur branchenübergreifenden Verwendung ausarbeiten. Laut Rücksprache mit den EMAS-Zuständigen bestehen hinsichtlich dieser Branchendokumente folgender Arbeitsstand und künftige Vorhaben die (wie die sog. bref-notes zu den BATs) in einem Multi-Stakeholder -Prozess im EU-Institut IPTS in Sevilla durchgeführt werden sollen: bereits in Arbeit befindlich sind die beiden Branchen retail und public administration, in Vorbereitung ist die Bearbeitung von weiteren zwei Branchen: Tourism und Buildings. 7 6 Link zu der neben dem englischen Original verfügbaren deutschen Übersetzung: 7 Hierzu ist der Verfasser auch aufgrund synergetischer Expertisen zu anderen Arbeitszusammenhängen (v. a. zur begonnenen ISO Revision) eingeladen, teilzunehmen.14 Seite 14 Umweltleistungskennzahlen bis Ende 2010 wird die Kommission einen Plan für die weiteren, zu bearbeitenden Branchen erstellen und veröffentlichen (mit regelmäßiger Aktualisierung). Dieser soll als Anhaltspunkt eine Liste der Branchen enthalten, die bei der Ausarbeitung der branchenspezifischen Referenzdokumente in den nächsten drei Jahren Vorrang haben. Damit schlägt EMAS III einen ähnlichen Weg ein wie ihn die GRI (s. a. nachfolgendes Kapitel) schon länger eingeschlagen hat, indem einerseits wesentliche (generische) Kernindikatoren (in EMAS III: insgesamt sechs) für alle Organisationen gefordert werden, sowie zusätzlich andere einschlägige Indikatoren, mit denen jede Organisation jährlich einen Bericht über ihre Umweltleistung in Bezug auf die spezifischen, in ihrer Umwelterklärung genannten Umweltaspekte zu erstatten und dabei soweit verfügbar die branchenspezifischen Referenzdokumente (lt. Art. 46) zu berücksichtigen hat. Dabei können Organisationen erwägen, andere relevante verfügbare environmental performance indicators anzuwenden, vorausgesetzt, die gewählten Indikatoren geben einen wahrhaftigen Einblick in die Leistung der Organisation, sind verständlich und eindeutig, erlauben Jahresvergleiche zur Beurteilung der Entwicklung der Umweltleistung, erlauben Vergleiche in sektoraler Hinsicht, in nationaler oder regionaler Hinsicht, erlauben Vergleiche mit regulatorischen Anforderungen. Eine Würdigung dieser in der EMAS III-Verordnung neuen Bestimmungen zur verbesserten Ausgestaltung des Systems durch core Leistungsindikatoren und sektorale Ergänzungen im Hinblick auf künftige Erfolgsaussichten ihrer nunmehr verpflichtenden Anwendung sowie damit tatsächlich erzielbare Umweltleistungssteigerungen, wird hier nicht vorgenommen. Das Thema Umweltleistungskennzahlen nach EMAS III wird in einem ergänzenden Beitrag noch eingehender aus der Sicht eines Umweltgutachters beleuchtet.15 Umweltleistungskennzahlen Seite Die Global Reporting Initiative Standards außerhalb von Normung und Gesetzgebung Als der wohl prominenteste und bislang auch erfolgreichste Ansatz einer faktischen Art von Standardisierung zu Performance-Indicators außerhalb und jenseits öffentlich-politischer Instanzen (wie der EU-Kommission zu EMAS oder der privatwirtschaftlichen, doch anerkannten Normungsinstitutionen), kann die GRI, die Global Reporting Initiative, gelten. Heute mit Sitz in Amsterdam, ist die GRI eine ursprünglich in den USA entstandene NGO-Initiative, die es mit ihrem mittlerweile in dritter Generation vorliegenden Leitfaden zur Nachhaltigkeitsberichterstattung (G 3) geschafft hat, unabhängig von, ja sogar in z. T. erklärten Absetzungen gegenüber Normungsorganisationen 8 sich zu einem global anerkannten Meinungsführer und Standardsetter zu etablieren (www.globalreporting.org). An den GRI-Guidelines orientieren sich eine zunehmende Zahl von (zumeist großen und multinationalen) Unternehmen in ihrer Nachhaltigkeitsberichterstattung ausdrücklich oder indirekt. Mit Guidelines zur Nachhaltigkeitsberichterstattung ist schon ausgedrückt, dass es sich dabei nicht in erster Linie um Standardisierungen von Umweltleistungskennzahlen für ein UMS bzw. die Evaluierung von Umweltaktivitäten einer Organisation wie bei ISO und EMAS handelt, zumal sich die Guidelines nicht nur auf Umwelt beziehen. Ursprünglich noch allein von Umwelt ausgehend, hatte sich die GRI rasch dem Gesamt-Thema Nachhaltige Entwicklung mit ihren üblichen drei Dimensionen (Ökonomie, Ökologie, Soziales/Gesellschaft) zugewandt und versucht, hierzu insgesamt Empfehlungen für die Berichterstattung zu entwickeln, ausgehend von offenen und ebenfalls konsensorientierten Multi-Stakeholder -Prozessen außerhalb der internationalen Normungsorganisationen. GRI-Version G3 Nach der geltenden Version 3.0 fínden sich im Leitfaden zur Nachhaltigkeitsberichterstattung neben Standardangaben auch Ausführungen für die drei Kategorien Ökonomie, Ökologie und Gesellschaft/Soziales. Diese und weitere GRI Dokumente sind frei zugänglich downloadbar unter Jede Kategorie beinhaltet Angaben zum Managementansatz sowie einen Katalog entsprechender Kernund Zusatzindikatoren zu ökonomischen Leistungsindikatoren, ökologischen Leistungsindikatoren und gesellschaftlichen Leistungsindikatoren. Die GRI verwendet also in ihren deutschen Publikationen auch ausschließlich den Begriff Indikatoren statt (betriebliche) Kennzahlen. Alle so genannten Kernindikatoren werden in GRI-Verfahren unter Beteiligung von Stakeholdern entwickelt. Die als Kernindikatoren bezeichneten Indikatoren sind generell für alle Organisationen anwendbar und es wird davon ausgegangen, dass sie für die meisten Organisationen auch wesentlich sind. Daher sollte nach GRI eine Organisation auch (zumindest) über diese Kernindikatoren berichten, es sei denn, dass sie auf Grundlage der GRI-Prinzipien zur Berichterstattung nicht als wesentlich angesehen werden. Zusätzliche Indikatoren sollen entweder verwendet werden, um neue Praktiken vorzustellen oder um Themen zu behandeln, die nur für einige der in Betracht kommenden Organisationen bedeutsam sein können. Sofern es jedoch Endversionen für sog. Sector Supplements gäbe (an denen fortschreitend gearbeitet wird in GRI-Arbeitsgruppen), wären diese Indikatoren dann als Kernindikatoren zu behandeln. Angaben zum Managementansatz sollen einen kurzen Überblick über die Organisation für die Aspekte enthalten, die in jeder Indikatorenkategorie definiert werden, um zu erklären, vor welchem Hintergrund die betreffenden Leistungsinformationen zu betrachten sind. Damit versucht die GRI, ähnlich wie die bisherige ISO 14031, neben den eigentlichen OPIs auch zur Management Performance weiterführende Informationen zu gewinnen. 8 Anfängliche Kooperationsgespräche, die der Verfasser in beiden Institutionen aktiv angeregt hatte, wurden seitens der GRI nicht vertieft, wenngleich wie auch bspw. zum WBCSD diverse inhaltliche und personale Verbindungen fortbestehen wie auch seitens des Verfassers, der das erste öffentliche Auftreten der GRI in Deutschland organisiert hatte während seiner Tätigkeiten am Wuppertal Institut.16 Seite 16 Umweltleistungskennzahlen Im GRI-Leitfaden werden Umweltkennzahlen als ökologische Indikatoren der Nachhaltigkeit bezeichnet und decken die Umweltleistung bezüglich Input (z.b. Material, Energie und Wasser) und Output (z.b. Emissionen, Abwasser, Abfall) ab. Also liegt auch hier, wie in der ISO 14031, ein Input-Output-Bilanzansatz zu Grunde. Zusätzlich decken sie Leistungen ab hinsichtlich Biodiversität, der Einhaltung umweltrechtlicher Vorschriften und anderen wichtigen Informationen, z.b. Umweltausgaben und Auswirkungen von Produkten und Dienstleistungen. Entsprechend den o. a. ökologischen Aspekten listet die GRI insgesamt 30 Leistungsindikatoren auf, differenziert nach Kern- und zusätzlichen Indikatoren: Materialien: zwei Energie: fünf (davon drei zusätzlich) Wasser: drei (zwei zusätzlich) Biodiversität: fünf (zwei zusätzlich) Emissionen, Abwasser und Abfall: zehn (drei zusätzlich) Produkte und Dienstleistungen: zwei zusätzlich Einhaltung von Rechtsvorschriften: ein zusätzlicher Transport: ein zusätzlicher Insgesamt: ein zusätzlicher Die GRI hat somit in ihrer G3-Version von 2006 die im Haupttext angeführte Unterscheidung zwischen den für alle Berichterstatter geltenden 30 Kernindikatoren sowie zusätzlichen, in sector supplements zu entwickelnden branchenspezifischen Leistungsindikatoren getroffen. Mittlerweile sind bereits insgesamt 15 solcher sector supplements in Arbeit begriffen. Sie können aus Platzgründen hier nicht dargestellt werden. Doch im Hinblick sowohl auf die EMAS III-Arbeiten zu den begonnenen sector documents, wie auch weiteren Tendenzen zu branchenspezifischen Indikatoren z.b. auch im nachfolgenden Abschnitt zu den SD-KPIs werden diese GRI-Vorschläge mit dem jüngsten sector supplement zu Energy Utilities zumindest exemplarisch im Anhang der Langfassung dieser Studie illustriert werden, die beim Verfasser direkt nachgefragt werden kann. Anders als die GRI-Hauptdokumente, sind diese supplements allerdings nur auf Englisch verfügbar. Zu derartigen Entwicklungsprozessen von GRI ist interessant: Im Vergleich mit den üblichen Normungsprozessen und zeitlichen Strukturen in den ISO-Gremien einerseits sowie auch den EMAS-Vorhaben zu sektoralen Referenzdokumenten andererseits sollen nur rund 20 Experten aus ver- schiedenen Regionen, die verschiedene interessierte Kreise repräsentieren, innerhalb von 1-2 Jahren ein entsprechendes Entwurfsdokument erstellen. Dieser Entwurf soll für mind. 90 Tage öffentlich zugänglich sein für Kommentare und Vorschläge interessierter Kreise. Ergänzend kann auch ein practioner s network beratend hinzutreten. Das weiterentwickelte Dokument soll dann einem GRIinternen Technical Advisory Committee (TAC) zur Überprüfung hinsichtlich der GRI-Prinzipien übergeben werden, welches seine Empfehlungen dem GRI-Board of Directors weiterleitet, die entweder eine Aktualisierung oder Weiterentwicklung beinhalten, bzw. auch eine Zustimmung zur Veröffentlichung. Wenn dieses Dokument bereits die Guidelines selber darstellt, begutachtet auch das Stakeholder Council vorgeschlagene Berichtigungen und reicht eine Zustimmung/Widersprechung an das Board ein. Sobald es Endversionen für solche branchenspezifischen Indikatoren gibt, sind diese als Kernindikatoren für die jeweilige Branche und für die Berichterstattung anzusehen und zu behandeln. Dementsprechend gilt seit dem 01. Januar 2010 nun lt. GRI-homepage bspw.:... reporting with the Electric Utilities Sector Supplement will be obligatory for reporters to be recognized as GRI application level A reporter. 9 Was diesbezüglich der generellen = generischen Liste an Umweltleistungsindikatoren heißt, die für alle Organisationen gelten, kann aus dem Dokument Reporting Guidelines and EUSS (Electric Utilities Sector Supplement) entnommen werden, wo in den Definitionen (S. 55) grundsätzlich ausgesagt wird: Sector Supplements complement the guidelines with interpretations and guidance how to apply the Guidelines in a given sector, and include sector-specific Performance Indicators. Applicable Sector Supplements should be used in addition to the Guidelines rather than in place of the Guidelines. In den Guidelines folgen dann nähere Erläuterungen zu den diversen Nachhaltigkeitsbereichen hier für den Bereich Umwelt und zunächst in Bezug auf die dafür als relevant angesehenen insgesamt 30 Umweltaspekte (s. o.) und ihre zusätzlich erfolgende sektorspezifische Detaillierung. Wie diese sektorspezifischen Ergänzungen zu der allg. G3-Indikatorenliste in der tatsächlichen Praxis der Berichterstattung zu diesen sector indicators angenommen wird, ist eine andere, hier nicht untersuchte Frage, die weiterer Forschung bedarf. 9 Auf die hiermit angesprochene und zu beachtende GRI-Reihenfolge von Reportingkategorien kann hier i. E. nicht eingegangen werden.17 Umweltleistungskennzahlen Seite Die EU- AMD - Anforderungen für Geschäftsberichte Vergleichsweise unbemerkt von der Öffentlichkeit und in ihrer umweltpolitischen Relevanz wohl auch noch kaum hinreichend gewürdigt ist mit der EU- Accounts Modernization Directive (AMD) eine Entwicklung angestoßen worden, die eine häufig schon erhoffte stärkere Involvierung des Finanzsektors in die Umweltleistungsdebatte beabsichtigt. Die Richtlinie 2003/51/EG des Europäischen Parlaments und des Rates vom 18. Juni 2003 zur Änderung der Richtlinien 78/660/EWG, 83/349/EWG, 86/635/EWG und 91/674/EWG über den Jahresabschluss und den konsolidierten Abschluss von Gesellschaften bestimmter Rechtsformen, von Banken und anderen Finanzinstituten sowie von Versicherungsunternehmen wendet sich an alle großen und mittelgroßen Unternehmen in Europa, wobei die Größe nach unterschiedlichen Kriterien wie Umsatz, Bilanzgesamtsumme und Anzahl der Beschäftigten bestimmt wird. Der Art. 46 dieser 4. Richtlinie wurde durch die aktuellere AMD-Richtlinie erweitert und fordert explizit, dass die Informationen im sog. Lagebericht der Unternehmen nicht auf rein finanzielle Aspekte der Geschäftstätigkeit einzuschränken sind: Soweit es ( ) für das Verständnis des Geschäftsverlaufs, des Geschäftsergebnisses oder der Lage der Gesellschaft erforderlich ist, umfasst die Analyse die wichtigsten finanziellen und - soweit angebracht nichtfinanziellen Leistungsindikatoren, die für die betreffende Geschäftstätigkeit von Bedeutung sind, einschließlich Informationen in Bezug auf Umwelt- und Arbeitnehmerbelange (Amtsblatt der EU , S. 3). Es wird erwartet, dass diese Forderung zum Verständnis der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen, der Leitung des Betriebes, seiner Positionierung und Entwicklungsperspektiven führt. Dies steht im Einklang mit der Empfehlung 2001/453/EG der EU-Kommission vom 30. Mai 2001 zur Berücksichtigung von Umweltaspekten im Jahresabschluss und Lagebericht von Unternehmen: Ausweis und Bewertung und Offenlegung. 83/349/EEC vor, der vom Parlament und Rat verabschiedet wurde und seit dem 1. April 2005 des beginnenden Finanzjahres (bereits) in Kraft getreten ist. Gemäß diesem Nachtrag müssen die Gesellschaften, die in Europa tätig sind, präzise Informationen in ihren Jahresberichten über Corporate Governance veröffentlichen. Das wird als eine Reaktion gegenüber den bis dato mangelnden Umwelt- und Sozialinformationen gesehen, im Unterschied zu den zahlreichen, weitgehend standardisierten finanziellen Informationen. Im Unterschied zur ursprünglichen Empfehlung, die freiwilliger Natur war, hat nun die aktuelle EU-AMD die Offenlegung wesentlicher Umweltaspekte in Bilanz und Lagebericht verpflichtend gemacht. Laut einer KPMG- Studie vom Juni 2005 (International Survey of Corporate Responsibility) haben 23 Länder die Richtlinie 2003/51/EG auf nationaler Ebene umgesetzt, womit die AMD sozusagen auch europaweite Wirkung zeigt. In Deutschland hat der Bundestag im Oktober 2004 das Bilanzrechtsreformgesetz und das Bilanzkontrollgesetz verabschiedet. Die entsprechenden Änderungen für die Lageberichterstattung galten für die deutschen Unternehmen somit erstmals für das Geschäftsjahr 2005! Gemäß 315, Abs. 1 HGB sind nunmehr im Konzernlagebericht der Geschäftsverlauf, die Geschäftsergebnisse und die Situation des Unternehmens so darzustellen, dass ein den tatsächlichen Verhältnissen entsprechendes Bild vermittelt wird. Dieses soll eine umfassende Analyse des Geschäftsverlaufs und der Lage des Konzerns enthalten. Dabei sind in der Analyse neben den traditionell bedeutsamen finanziellen Leistungsindikatoren nunmehr auch nichtfinanzielle Leistungsindikatoren, wie Informationen über Umwelt und Arbeitnehmerbelange einzubeziehen, soweit sie für das Verständnis des Geschäftsverlaufs oder der Lage der Unternehmung von Bedeutung sind. Am 27. Okt schlug die Kommission einen weiteren Nachtrag zu den Richtlinien 78/660/EEC und Die Nichterwähnung von nichtfinanziellen Leistungsindikatoren mit Nachhaltigkeitsbezug oder der aus-18 Seite 18 Umweltleistungskennzahlen schließliche Verweis auf eine separate Publikation (wie Umwelt- oder Nachhaltigkeitsbericht) ist nur dann zulässig, wenn entsprechende Leistungsindikatoren nicht von Bedeutung waren bzw. für die voraussichtliche Entwicklung zumindest der nächsten zwei Geschäftsjahre nicht sein würden. In Großbritannien - wie oftmals in umweltpolitischer und wirtschaftlich relevanter Hinsicht - hat man frühzeitiger als in anderen Ländern hierauf reagiert und die britische DEFRA (Umweltbehörde) hat mit ihrer Publikation Environmental Key Performance Indicators Reporting Guidelines for UK Business von 2006 (downloadbar unter eine Umsetzung der AMD- Richtlinie und eine konkrete Orientierung an den Umweltschutzbelangen für nichtfinanzielle Leistungsindikatoren vorgenommen. In ihrer Broschüre hat die DEFRA Schlüsselindikatoren (key indicators) vorgeschlagen, womit als einer Art Standard auch die Verlässlichkeit und Vergleichbarkeit von Umweltberichten verbessert werden soll. Diesem Vorschlag zufolge sind 22 KPIs in vier Hauptgruppen eingeteilt: Emissionen zur Luft, Emissionen zum Wasser, Emissionen zum Land und Hilfsmittelgebrauch. Allerdings muss eine Organisation nicht alle 22 KPIs ermitteln und über sie berichten, sondern sollte lediglich die wirklich wichtigen, d. h. die für die Unternehmensund Prozesssteuerung relevanten Indikatoren im Reporting berücksichtigen d. h. bspw. fünf oder sogar weniger Indikatoren, abhängig vom (Haupt-)Bereich der Geschäftstätigkeit. So werden bspw. als Vorschlag für einen Hersteller aus der chemischen Industrie nur drei Indikatoren genannt: Treibhausgase, Schwermetallemissionen und lösbare organische Substanzen. der für die jeweilige Branche relevanten fünf wichtigsten KPIs. In einem Bericht der Federation of European Accountants (FEE) vom Dezember 2008 wird analysiert, wie die Nachhaltigkeitsberichtspflicht von 21 EU-Staaten umgesetzt worden ist. Demnach hatten alle untersuchten Länder eine Umsetzung in nationales Recht durchgeführt, z. T. wurden sogar zusätzliche Anleitungen für das Reporting zu Umwelt- und Sozialbelangen veröffentlicht. Zudem wurden von der FEE 76 Geschäftsberichte aus 12 Ländern ausgewertet mit dem Ergebnis, dass große Unterschiede zu Berichtsumfang und Qualität der Nachhaltigkeitsaspekte erkennbar wurden obwohl die EU- Richtlinie meist wörtlich in nationale Gesetze umgesetzt wurde. Die FEE fordert daher, dass die Berichterstattung zu Nachhaltigkeitsindikatoren in den Geschäftsberichten verbessert werden müsse und ein Verweis auf separate Nachhaltigkeitsberichte nicht genüge, um die Verbindungen zwischen finanziellen und nichtfinanziellen Leistungsindikatoren zur Nachhaltigkeit zu verdeutlichen. Die Umsetzungen in Deutschland durch das Bilanzrechtsformgesetz und entsprechende Änderungen im Handelsgesetzbuch (HGB) 10 bspw. klären jedoch weder im Gesetzestext, noch in der Gesetzesbegründung, welche Nachhaltigkeitsindikatoren für Geschäftsverlauf, Lage und voraussichtliche Entwicklung der Unternehmung als relevant anzusehen und einzubeziehen sind. Auch die Empfehlungen des Deutschen Rechnungslegungs Standards Committee (DRSC) in der DRS 15- Lageberichterstattung bieten keine Hilfen, bis auf die Einbeziehung der Prognose des wesentlichen Einflusses nichtfinanzieller Leistungsindikatoren auf die voraussichtliche Entwicklung (2 Jahre, ggf. auch mehrere). 11 Ähnlich wie seinerzeit der ISO 14031Haupttext schlägt die DEFRA allerdings schon direkt auf ein Reporting orientiert fünf methodische Schritte vor, die ein Unternehmen bei der Erstellung seines Umweltberichtes verfolgen soll. Im Vierten und letzten Kapitel der Guideline werden vier KPI-Hauptgruppen dargestellt und durch eine Tabelle zu Direct KPIs by Sector Type ergänzt. Dies gilt als große praktische Hilfe bei der Wahl Das Institut der Wirtschaftsprüfer (IDW) führt als Umweltaspekte im Rechnungslegungshinweis IDW RH HFA zur Lageberichterstattung an: Emissionswerte, Energieverbrauch, Durchführung eines Umwelt-Audits. Eine Expertenarbeitsgruppe für internationale Rechnungslegungs- und Berichtsstandards (ISAR) der UNCTAD hat 2008 in einem Leitfaden 16 Indikatoren für 10 Die deutschen Umsetzungen in 289 und 315 Handelsgesetzbuch mit Stand vom , s. ebd. S ebd. S. 319 Umweltleistungskennzahlen Seite 19 Corporate Responsibility im Geschäftsbericht vorgeschlagen. Zu Umweltbelangen aber nur einen Hinweis auf fünf Öko-Effizienzindikatoren der UNCTAD aus dem Jahre 2004 gegeben. 12 In Österreich wurde 2008 ein Leitfaden zur nachhaltigen Lageberichterstattung erstellt, der 25 Kennzahlen beinhaltet. Diese wiederum bis zu fünf Unterkennzahlen, was für das Ziel bedeutend in einem Lagebericht, von Hesse 13, als zu viel eingeschätzt wird. Auch eine UBA-Studie Lagebericht zur Lageberichterstattung börsennotierter Unternehmen analysierte den Stand der Behandlung von Nachhaltigkeitsthemen in Geschäftsberichten (GB) und identifiziert best practice Beispiele auf der Basis von 73 GB nicht nur aus Deutschland, sondern auch Großbritannien (UK) und Frankreich sowie Skandinavien, die hinsichtlich der Behandlung nichtfinanzieller Indikatoren untersucht und bewertet werden. Hervorgehoben wird ein Vergleich dieser GB-Praxis mit einer Auswertung der Nachhaltigkeitsberichterstattung von Unternehmen in den Medien. Legen Unternehmen in ihren Lageberichten besonderen Wert auf Themen der Produktion, so besteht das journalistische Interesse vor allem an produkt- und marktbezogenen Themen. Daher kommt die Studie auch zu dem Ergebnis, dass sich Unternehmen wesentlich stärker an den Interessen der Öffentlichkeit und der Analysten und Investoren orientieren sollten, wobei auch dem Thema Kundenkreis und Kundenzufriedenheit mehr Aufmerksamkeit geschenkt werden solle. In seinem Vorwort ermutigte daher der ehemalige UBA-Präsident Troge, Unternehmen, sich proaktiv mit der wachsenden Bedeutung nichtfinanzieller Indikatoren für die Unternehmensberichterstattung auseinanderzusetzen: Nähmen Unternehmen das öffentliche Informationsinteresse ernst und richteten sie ihre Berichte danach aus, so ließen sich die spezifischen Stärken des Unternehmens besser herausstellen, was zu einer positiven Differenzierung gegenüber den Wettbewerbern führte. Unternehmen sollten sich durch die Ergebnisse der Studie ermutigt fühlen, sich auf den Weg zu begeben, fundiert und unternehmensspezifisch über die gesamte Breite der sozialen und ökologischen Aspekte ihres Handelns zu informieren und aussagekräftige Indikatoren entwickeln. Ein näherer Einblick in diese (rd. 70-seitige) Studie ergibt: Zur Darstellung ihrer Nachhaltigkeitsleistung (nicht nur für Umwelt) nutzen die Unternehmen 382 verschiedene Indikatoren, die insgesamt 47 Indikatorengruppen zugeordnet werden konnten. Zum Bereich Betrieblicher Umweltschutz lagen in der Fallstudie insgesamt 117 Fundstellen vor. Am häufigsten genannt waren Indikatoren mit Bezug zum Klimaschutz (36 Nennungen, z.b. eingesetzte Energiearten und Energieeinsparmaßnahmen), des Weiteren gab es Indikatoren zu Einsatzstoffen (11 Nennungen), Wasser (8 Nennungen), Luftreinhaltung (7 Nennungen) und Transport (6 Nennungen). Weitere 9 Nennungen bezogen sich auf themenunabhängige Kosten oder Investitionen und weitere 8 auf Risiken. Aus den wenigen gewählten Fallbeispielen und den darin im Einzelnen ermittelten und angeführten Indikatorenverwendungen, versuchen die Autoren über diesen Ist-Stand hinaus auch erste Schlussfolgerungen und Empfehlungen für Indikatoren zu ermitteln, die zu berichten wären. Ob freilich die aus diesem noch relativ kleinen Sample hergeleiteten generellen Empfehlungen im Fazit schon als valide gelten dürfen, steht zur Frage und Diskussion, wie die Autoren selber hervorheben. Gegenüber voranstehenden Ansätzen hat insofern der nachfolgende Standard von Hesse explizit einen eigenen SD-KPI-Vorschlag entwickelt. 12 ebd. S ebd.20 Seite 20 Umweltleistungskennzahlen 5. Der sektororientierte SD-KPI-Standard Im Auftrag bzw. mit Unterstützung von Deloitte (Düsseldorf) und dem Bundesumweltministerium (BMU) hat Hesse mehrere Studien zu diesem Themenbereich erstellt, resultierend in Mindestanforderungen für seinen SD-KPI Standard Sustainable Development Key Performance Indicators (SD-KPIs). Die erste Studie erfolgte im Februar 2006, also noch während der Erstellungsphase der Geschäftsberichte für das Jahr 2005 damit dem 1. Jahr, für das die EU-AMD gilt. Sie fußt auf einer schriftlichen Befragung von Dax- 30-Unternehmen in Deutschland mit 16 Antworten. Ein Hauptergebnis lautete: Die Investoren bleiben auch für SD-Aspekte in der Finanzberichterstattung die wichtigste Zielgruppe, was eine künftige noch stärkere Konzentrierung auf die für die Finanzperformance materiell wichtigsten nichtfinanziellen Leistungsindikatoren erfordert, die jährlich, quantitativ und vergleichbar berichtet werden sollen. tionsanteils von Nachhaltigkeitsaspekten im Asset Management sowie ökologische Prämienanreize und Risikoprüfung. Übereinstimmend wurden zwei Punkte als bedeutsam bezeichnet: generell SD-KPIs für den Geschäftsverlauf, wie auch die Entwicklung und deren quantitative Messbarkeit, sowie die Bereitstellung branchenspezifisch vergleichbarer Werte. das Verhältnis der SD-KPIs mit ökonomischen Kennzahlen wie Kosten, Ertrag, Wertschöpfung etc. Der Autor Hesse meinte zudem, die Ergebnisse könnten den Aufbau eines nationalen und internationalen Standardisierungsprozesses zur Darstellung und Gewichtung von SD-KPIs in Lageberichten forcieren, denn in den bisherigen DAX-30-Lageberichten fielen diese noch sehr allgemein aus. In einer zweiten Nachfolgestudie, im Rahmen derer europaweit Analysten und Investoren sowie diesmal 23 Dax-30-Unternehmen befragt wurden, ging es um die Hauptfrage, welche wichtigsten SD-KPIs konkret für Analysten und Investoren als die klassische Zielgruppe der Lageberichte, als erheblich angesehen werden. Für 10 Branchen wurden die wichtigsten Leistungsindikatoren (1-3 KPIs) erkundet für die Automobilindustrie: Flottenverbrauch, die chemische Produktion, Industriegüter und IKT-Anbieter: Energie- und Treibhausgasintensität der- Produktion, die Pharmaindustrie: Strategien, die dem ärmeren Teil der Weltbevölkerung Zugang zu Arzneimitteln ermöglichen, die Logistikbranche: Energie- und Treibhausgasausstoß, die Energieversorger: Treibhausgasintensität, die Konsumgüterindustrie und den Einzelhandel: Einhaltung von Umwelt- und Sozialstandards entlang der Lieferantenkette, das Commercial und Investment Banking: Kreditrisiken, die im Bereich Nachhaltigkeit existieren und deren wirksame Überprüfung, das Versicherungswesen: Beachtung des Integra- Dabei ist aber nicht etwa an ISO/CEN-Umweltmanagementstandards gedacht, sondern z.b. Aktivitäten im Rahmen des Management Commentary Project des International Accounting Standards Board (IASB). In einer zusammen mit Baetge 14 erstellten Studie wurden Analysten und Investoren befragt nach den ihrer Meinung drei wichtigsten nicht-finanziellen Sustainable Development Key Performance Indicators (SD- KPIs) aus den zehn Branchen der vorangehenden Studie, sowie neuen SD-KPIs aus weiteren Branchen, die früher noch nicht enthalten waren. Die im Auftrag des BMU erstellte jüngste Studie Was Investoren wollen, erläutert eingangs kurz die Berichtspflicht zu bedeutenden Nachhaltigkeitsindikatoren im Lagebericht nach EU-Bilanzrecht und Handelsgesetzbuch. Dabei kommt diese Studie unter der Überschrift Auf Kernherausforderungen konzentrieren im Unterschied zu anderen Berichtsansätzen zu der Schlussfolgerungen, dass es einer Beschränkung auf Inhalte mit bedeutsamer Auswirkung auf die (zukünftige) Geschäftsentwicklung und damit deutlich weniger Inhalte als in Nachhaltigkeitsberichten bedürfe (S. 4). 14 Für das manager magazin nahm das Team Prof. Baetge/Universität Münster im Jahre 2007 erstmals die SD-KPIs als Kriterium in die Checkliste für deren jährliche Untersuchungen zum damals 13. Best Annual Report auf. In diesem Wettbewerb zu Jahresberichten werden rund 200 Gesellschaften einbezogen aus dem Dow Jones Stoxx 50, DAX, MDAX, SDAX, TecDAX (s.a. Studie (a), 8 f.). Dieser Wettbewerb war die Basis für die neue gemeinsame Studie. Mehr anzeigen
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