Source: https://www.rechtslupe.de/allgmeines/die-kostengrundentscheidung-im-erinnerungsverfahren-gegen-einen-kostenfestsetzungsbeschluss-345821
Timestamp: 2020-07-10 13:52:40
Document Index: 313993707

Matched Legal Cases: ['§ 3', '§ 3', '§ 18', '§ 18', '§ 16', '§ 19', '§ 18', '§ 164', '§ 18', '§ 18', '§ 19', '§ 66', '§ 56', '§ 66', '§ 56', '§ 197', '§ 197', '§ 197', '§ 13', '§ 164', '§ 18']

Die Kostengrundentscheidung im Erinnerungsverfahren gegen einen Kostenfestsetzungsbeschluss | Rechtslupe
Im Rah­men der Kos­ten­fest­set­zung ist das Erin­ne­rungs­ver­fah­ren gerichts­kos­ten­frei. Gerichts­kos­ten sind hier­für gem. § 3 GKG i.V.m. Teil 7 der Anla­ge 1 des GKG nicht vor­ge­se­hen. Aller­dings ist gleich­wohl eine eige­ne Kos­ten­ent­schei­dung für das Erin­ne­rungs­ver­fah­ren zu tref­fen.
Dies folgt aus der Rege­lung in §§ 3 Abs. 1 Satz 1, 18 Abs. 1 Nr. 3 RVG i.V.m. Nr. 3500 VV RVG. Das Erin­ne­rungs­ver­fah­ren ist nicht mehr Teil des Haupt­sa­che­ver­fah­rens, son­dern eine geson­der­te Ange­le­gen­heit i.S.d. § 18 Abs. 1 Nr. 3 RVG [1]. Nach § 18 Abs. 1 Nr. 3 RVG han­delt es sich bei Ver­fah­ren über eine Erin­ne­rung gegen eine Ent­schei­dung des Rechts­pfle­gers in Ange­le­gen­hei­ten, in denen sich die Gebüh­ren nach Teil 3 des Ver­gü­tungs­ver­zeich­nis­ses rich­ten, soweit sich aus § 16 Nr. 10 RVG nichts ande­res ergibt, um eine beson­de­re Ange­le­gen­heit i.S.d. § 19 Abs. 1 S. 1 RVG.
Etwas ande­res ergibt sich auch nicht dar­aus, dass § 18 Abs. 1 Nr. 3 RVG von Erin­ne­run­gen gegen eine Ent­schei­dung des Rechts­pfle­gers spricht. Inso­weit ist die Vor­schrift im Wege der berich­ti­gen­den Aus­le­gung auf Kos­ten­fest­set­zun­gen des Urkund­s­be­am­ten zu erstre­cken, wie es das BVerwG zutref­fend für ver­wal­tungs­ge­richt­li­che Ver­fah­ren fest­ge­stellt hat [2]. Das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt führt dazu aus:
Nach § 164 VwGO setzt der Urkund­s­be­am­te des Gerichts des ers­ten Rechts­zugs (bzw. der jewei­li­gen Rechts­mit­tel­in­stanz) auf Antrag den Betrag der zu erstat­ten­den Kos­ten fest. Rechts­pfle­ger i.S.d. Rechts­pfle­ger­ge­set­zes gibt es bei den Ver­wal­tungs­ge­rich­ten nicht. Der Begriff des Urkund­s­be­am­ten ist nicht beam­ten- oder dienst­recht­lich defi­niert; er ist ein pro­zes­sua­ler Funk­ti­ons­be­griff [3]. Die Fest­set­zung von Gerichts- und Anwalts­kos­ten wird in der Regel Beam­ten des höhe­ren oder geho­be­nen Diens­tes mit ent­spre­chen­der Aus­bil­dung über­tra­gen. Funk­tio­nal betrach­tet erfüllt der Urkund­s­be­am­te der Geschäfts­stel­le mit der Kos­ten­fest­set­zung Auf­ga­ben, die in der ordent­li­chen Gerichts­bar­keit dem Rechts­pfle­ger zuge­wie­sen sind. Bei der Kos­ten­fest­set­zung wird der Urkund­s­be­am­te der Geschäfts­stel­le als rich­ter­li­ches Organ tätig und ist des­halb inso­weit an Wei­sun­gen nicht gebun­den [4]. Grün­de für eine unter­schied­li­che Kos­ten­er­stat­tungs­re­ge­lung bei Erin­ne­run­gen gegen Kos­ten­fest­set­zun­gen des Rechts­pfle­gers und des Urkund­s­be­am­ten der Geschäfts­stel­le sind nicht erkenn­bar. Die Urkund­s­be­am­tin der Geschäfts­stel­le weist in dem ange­grif­fe­nen Kos­ten­fest­set­zungs­be­schluss zu Recht dar­auf hin, dass bei einer streng am Wort­laut ori­en­tier­ten Aus­le­gung des § 18 Nr. 5 RVG wesent­lich Glei­ches ungleich behan­delt wür­de. § 18 Nr. 5 RVG ist daher so zu ver­ste­hen, dass auch Erin­ne­run­gen gegen Kos­ten­fest­set­zun­gen des Urkund­s­be­am­ten der ver­wal­tungs­ge­richt­li­chen Geschäfts­stel­len erfasst wer­den [5].
Grün­de, die es gerecht­fer­tigt erschei­nen las­sen, im sozi­al­ge­richt­li­chen Ver­fah­ren davon abzu­wei­chen, sind nicht ersicht­lich. Auch der Gesetz­ge­ber geht davon aus, dass es sich bei Erin­ne­run­gen gegen Kos­ten­ent­schei­dun­gen des Urkund­s­be­am­ten gene­rell um beson­de­re Ange­le­gen­hei­ten i.S.v. § 19 Abs. 1 S. 1 RVG han­delt. Anders lie­ße es sich näm­lich nicht erklä­ren, dass er für bestimm­te Erin­ne­rungs­ver­fah­ren, nament­lich Erin­ne­run­gen nach § 66 Abs. 1 GKG und § 56 Abs. 1 RVG die Kos­ten­er­stat­tung expres­sis ver­bis (§ 66 Abs. 8 S. 2 GKG u. § 56 Abs. 2 S. 3 RVG) aus­ge­nom­men hat [6].
Die Kos­ten­grund­ent­schei­dung für das Erin­ne­rungs­ver­fah­ren folgt aus § 197a SGG und trägt dem Ergeb­nis des Ver­fah­rens Rech­nung.
so auch SG Ful­da, Beschluss vom 10.02.2010 – S 3 SF 22/​09 E, NZS 2011, 200; SG Ham­burg, Beschluss vom 11.08.2011 – S 6 RJ 969/​03; SG Ber­lin, Beschluss vom 27.07.2011 – S 165 SF 6502/​10 E; Mün­ker, in: Hen­ning, SGG, § 197 Rdn. 16; Leit­he­rer, in: Mey­er-Lade­wi­g/Kel­ler/​Leitherer, SGG, 10. Aufl. 2012, § 197 Rdn. 10[↩]
BVerwG, Beschluss vom 18.06.2007 – 4 KSt 1002/​07 u.a.[↩]
Stel­kens, in: Scho­ch­/­Schmidt-Aßman­n/­Pietz­ner, VwGO, § 13 Rn. 9 m. w. N.[↩]
Kopp/​Schenke, VwGO, 14. Aufl., 2005, § 164 Rn. 3[↩]
a. A. VG Regens­burg, Beschluss vom 11.07.2005 – RN 11 S 03.2905, AGS 2005, 549 = KostRsp. § 18 RVG Nr. 1 mit ableh­nen­der Anmer­kung von Lap­pe und N. Schnei­der[↩]
SG Ful­da, Beschluss vom 10.02.2010 – S 3 SF 22/​09 E, NZS 2011, 200[↩]
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