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Timestamp: 2019-07-20 21:07:58
Document Index: 106422325

Matched Legal Cases: ['§ 73', '§ 77', '§ 25', '§ 60', '§ 53', 'Art. 4', 'Art. 15', '§ 73', '§ 77', '§ 73', '§ 77', '§ 25', '§ 60', '§ 60', '§ 60', 'Art. 4', 'Art. 15', 'Art. 15', '§ 60', 'Art. 4', '§ 60', '§ 25', '§ 73', '§ 77', 'Art. 3', '§ 60', 'Art. 4', 'Art. 15', 'Art. 15', 'Art. 15', 'EuG', 'EuG', 'EuG', 'EuG', 'EuG', 'Art. 15', 'Art. 15', 'EuG', 'Art. 15', 'Art. 15', 'Art. 3', 'EGMR', '§ 60', 'Art. 15', '§ 60', '§ 60', '§ 60', '§ 60', 'Art. 15', '§ 60', '§ 53', '§ 60', '§ 25', '§ 144', '§ 144', '§ 53', '§ 60', 'Art. 15', '§ 60', '§ 60', 'Art. 4', 'Art. 15', '§ 60', '§ 60', 'Art. 4', 'Art. 4', 'Art. 15', 'Art. 4']

BVerwG, 27.04.2010 - 10 C 4.09 - dejure.org
https://dejure.org/2010,235
BVerwG, 27.04.2010 - 10 C 4.09 (https://dejure.org/2010,235)
BVerwG, Entscheidung vom 27.04.2010 - 10 C 4.09 (https://dejure.org/2010,235)
BVerwG, Entscheidung vom 27. April 2010 - 10 C 4.09 (https://dejure.org/2010,235)
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AsylVfG § 73 Abs. 3, § 77; AufenthG § 25 Abs. 3, § 60 Abs. 2, Abs. 7 Satz 2 und Abs. 11; AuslG 1990 § 53 Abs. 6; Richtlinie 2004/83/EG Art. 4 Abs. 4, Art. 15 Buchst. b und c
Abschiebungsschutz; Abschiebungsverbot; Widerrufsverfahren; subsidiärer Schutz; subsidiärer Schutzstatus; Rechtsschutzinteresse; innerstaatlicher bewaffneter Konflikt; humanitäres Völkerrecht; Afghanistan; Konfliktparteien; ernsthafter Schaden; willkürliche Gewalt; wahllose Gewalt; hohes Niveau willkürlicher Gewalt; Gefahrendichte; Zivilbevölkerung; allgemeine Gefahr; individuelle Bedrohung; gefahrerhöhende persönliche Umstände; Beweiserleichterung; Zwangsrekrutierung
Abschiebungsschutz; Abschiebungsverbot; Widerrufsverfahren; subsidiärer Schutz; subsidiärer Schutzstatus; Rechtsschutzinteresse; innerstaatlicher bewaffneter Konflikt; humanitäres Völkerrecht; Afghanistan; Konfliktparteien; ernsthafter Schaden; willkürliche Gewalt; wahllose Gewalt; hohes Niveau
AsylVfG § 73 Abs. 3, § 77
Abschiebungsschutz; Abschiebungsverbot; Widerrufsverfahren; subsidiärer Schutz; subsidiärer Schutzstatus; Rechtsschutzinteresse; innerstaatlicher bewaffneter Konflikt; humanitäres Völkerrecht; Afghanistan; Konfliktparteien; ernsthafter Schaden; willkürliche Gewalt; wahllose Gewalt; hohes Niveau willkürlicher Gewalt; Gefahrendichte; Zivilbevölkerung; allgemeine Gefahr; individuelle Bedrohung; gefahrerhöhende persönliche Umstände; Beweiserleichterung; Zwangsrekrutierung.; Abschiebungsschutz; Abschiebungsverbot; Afghanistan; allgemeine Gefahr; Ausländer; Bedrohung; Beweiserleichterung; Einbeziehung; ernsthafter Schaden; Gefahrendichte; Gemeinschaftsrecht; humanitäres Völkerrecht; individuelle Gefahr; innerstaatlicher bewaffneter Konflikt; Konfliktpartei; Rechtsschutzinteresse; Streitgegenstand; subsidiärer Schutz; Taliban; wahllose Gewalt; Widerrufsverfahren; willkürliche Gewalt; Zivilbevölkerung; Zwangsrekrutierung
§ 73 Abs 3 AsylVfG 1992, § 77 AsylVfG 1992, § 25 Abs 3 AufenthG 2004, § 60 Abs 2 AufenthG 2004, § 60 Abs 3 AufenthG 2004
Subsidiärer gemeinschaftsrechtlich begründeter Abschiebungsschutz; Rechtsschutzinteresse; innerstaatlicher bewaffneter Konflikt; Beweiserleichterung; willkürliche Gewaltakte; Einbeziehung der neuen Abschiebungsverbote in den Streitgegenstand
Auswirkung der Zuerkennung eines Abschiebungsverbots nach nationalem Recht und der Erteilung einer Aufenthaltserlaubnis auf das Rechtsschutzinteresse an der Zuerkennung eines unionsrechtlich begründeten subsidiären Abschiebungsverbots; Definition eines innerstaatlichen und bewaffneten Konflikts i.S.d. § 60 Abs. 7 S. 2 Gesetz über den Aufenthalt, die Erwerbstätigkeit und die Integration von Ausländern im Bundesgebiet (AufenthG) in Hinblick auf die Erfüllung der Verpflichtungen nach den Genfer Konventionen von 1949; Anforderungen an das Eingreifen einer Beweiserleichterung nach Art. 4 Abs. 4 Richtlinie 2004/83/EG (RL 2004/83/EG) i.R.d. subsidiären Schutzes; Bewertung der Gewaltakte von Konfliktparteien in einem Land nach den Regeln des humanitären Völkerrechts und zusätzlichen erweiterten Kriterien bei Ermittlung des erforderlichen Niveaus willkürlicher Gewalt i.S.v. Art. 15 Buchst. c Richtlinie 2004/83/EG (RL 2004/83/EG)
RL 2004/83/EG Art. 15 Bst. c, AufenthG § 60 Abs. 7 S. 2, RL 2004/83/EG Art. 4 Abs. 4, AufenthG § 60 Abs. 11, AufenthG § 25 Abs. 3, AsylVfG § 73 Abs. 3, AsylVfG § 77, EMRK Art. 3
Abschiebungsverbot, Abschiebungsschutz, Afghanistan, Qualifikationsrichtlinie, innerstaatlicher bewaffneter Konflikt, willkürliche Gewalt, Zwangsrekutrierung, Taliban, Revisionsverfahren, ernsthafter Schaden, Widerruf, Widerrufsverfahren, subsidiärer Schutz, Gefährdungsdichte, erhebliche individuelle Gefahr, Zwangsrekrutierung, Rechtsschutzinteresse, Paktia, Taliban
Auswirkung der Zuerkennung eines Abschiebungsverbots nach nationalem Recht und der Erteilung einer Aufenthaltserlaubnis auf das Rechtsschutzinteresse an der Zuerkennung eines unionsrechtlich begründeten subsidiären Abschiebungsverbots; Definition eines innerstaatlichen und bewaffneten Konflikts i.S.d. § 60 Abs. 7 S. 2 Gesetz über den Aufenthalt, die Erwerbstätigkeit und die Integration von Ausländern im Bundesgebiet ( AufenthG ) in Hinblick auf die Erfüllung der Verpflichtungen nach den Genfer Konventionen von 1949; Anforderungen an das Eingreifen einer Beweiserleichterung nach Art. 4 Abs. 4 Richtlinie 2004/83/EG (RL 2004/83/EG) i.R.d. subsidiären Schutzes; Bewertung der Gewaltakte von Konfliktparteien in einem Land nach den Regeln des humanitären Völkerrechts und zusätzlichen erweiterten Kriterien bei Ermittlung des erforderlichen Niveaus willkürlicher Gewalt i.S.v. Art. 15 Buchst. c Richtlinie 2004/83/EG (RL 2004/83/EG)
Kein Schutz vor Abschiebung wegen bewaffneten Konflikts in Afghanistan - Feststellungen des Vorliegens einer erheblichen individuellen Gefahr mit rechtlichen Anforderungen des Abschiebungsverbots nicht vereinbar
Innerstaatlicher bewaffneter Konflikt
Kurznachricht zu "Anmerkung zum Urteil des BVerwG v. 27.4.2010 - 10 C 4.09 (Abschiebungsschutz, Widerrufsverfahren, subsidiärer Schutz, innerstaatlicher bewaffneter Konflikt, ...)" von Vors. RiVG Andreas Pfersich, original erschienen in: ZAR 2010, 359 - 364.
BVerwGE 136, 360
NVwZ 2011, 56
DÖV 2010, 907
Der Kläger beantragt, die Frage, ob die Definition des Grades willkürlicher Gewalt bzw. der notwendigen Gefährdungsdichte seitens des Bundesverwaltungsgerichts in seinem Urteil vom 27. April 2010 - 10 C 4.09 - mit Art. 15 lit. c) RL 2004/83/EG bzw. Art. 15 lit. c) RL 2011/95/EU vereinbar ist, dem Gerichtshof der Europäischen Union (im Folgenden: EuGH) zur Entscheidung vorzulegen.
vgl. BVerwG, Urteile vom 27. April 2010 - 10 C 4.09 -, juris, 22 f. und vom 24. Juni 2008 - 10 C 43.07 -, juris, Rn. 22 ff.
vgl. BVerwG, Urteil vom 27. April 2010 - 10 C 4.09 -, juris, Rn. 23 f.
vgl. dazu BVerwG, Urteil vom 27. April 2010 - 10 C 4.09 - juris, Rn. 33; EuGH, Urteil vom 30. Januar 2014 - Rs. C-285/12 (Diakité) -, juris, Rn. 30 ff.
vgl. BVerwG, Urteil vom 27. April 2010 - 10 C 4.09 -, juris, Rn. 33.
vgl. EuGH, Urteile vom 17. Februar 2009 - Rs. C-465/07 (Elgafaji) -, juris, Rn. 35 und 39, und vom 30. Januar 2014 - Rs. C-285/12 (Diakité) -, juris, Rn. 30; BVerwG, Urteile vom 27. April 2010 - 10 C 4.09 -, juris, Rn. 32 und vom 17. November 2011 - 10 C 13.10 -, juris, Rn. 19.
Erforderlich ist eine Situation mit Ausnahmecharakter, vgl. EuGH, Urteil vom 17. Februar 2009 - Rs. C- 465/07 (Elgafaji) -, juris, Rn. 38; BVerwG, Urteil vom 27. April 2010 - 10 C 4.09 -, juris, Rn. 32, und damit eine individuell besonders exponierte Gefahrenlage.
Diese unterscheidet sich von einer durch persönliche gefahrerhöhende Umstände begründeten ernsthaften individuellen Bedrohung, die gleichermaßen die Feststellung eines hohen Niveaus willkürlicher Gewalt bzw. eine hohe Gefahrendichte für die Zivilbevölkerung erfordert, vgl. BVerwG, Urteil vom 27. April 2010 - 10 C 4.09 -, juris, Rn. 33, lediglich in gradueller Hinsicht.
vgl. EuGH, Urteil vom 17. Februar 2009 - Rs. C- 465/07 (Elgafaji) -, juris, Rn. 39; BVerwG, Urteil vom 27. April 2010 -10 C 4.09 -, juris, Rn. 33.
vgl. BVerwG, Urteil vom 27. April 2010 -10 C 4.09 - juris, Rn. 34.
vgl. BVerwG, Urteil vom 27. April 2010 -10 C 4.09 -, juris, Rn. 33.
Der Senat sieht davon ab, die Fragen, ob die Definition des Grades willkürlicher Gewalt bzw. der notwendigen Gefährdungsdichte seitens des BVerwG in seinem Urteil vom 27. April 2010 - 10 C 4.09 - mit Art. 15 lit. c) QRL I und QRL II vereinbar ist.
Der Senat sieht auch keinen weiteren Klärungsbedarf, insbesondere keinen Anhalt dafür, dass das für die Zuerkennung subsidiären Schutzes nach der Entscheidung des BVerwG vom 27. April 2010 - 10 C 4.09 - erforderliche Niveau willkürlicher Gewalt nicht mit Art. 15 lit. c) QRL I vereinbar ist, zumal sich das BVerwG auf die zu dieser Vorschrift ergangene Rechtsprechung des EuGH bezieht.
Hinsichtlich der weiteren Frage sieht der Senat bereits deswegen keinen Klärungsbedarf, weil auch nach der Rechtsprechung des BVerwG neben der quantitativen Ermittlung der Gefahrendichte eine wertende Gesamtbetrachtung vorzunehmen ist, vgl. BVerwG, Urteile vom 27. April 2010 - 10 C 4.09 -, juris, Rn. 33, und vom 17. November 2011 -10 C 13.10 -, juris, Rn. 23, mit der die Berücksichtigung qualitativer Gesichtspunkte einhergeht.
den Rechtsstreit dem Gerichtshof der Europäischen Gemeinschaften zur Klärung der Rechtsfrage vorzulegen, ob die Definition des Grades willkürlicher Gewalt bzw. der notwendigen Gefährdungsdichte seitens des Bundesverwaltungsgerichtes in seinem Urteil vom 27. Februar 2010 - 10 C 4.09 - mit Art. 15 Buchst. c der Richtlinie 2004/83/EG vereinbar ist,.
Die unionsrechtlichen Abschiebungsverbote bilden einen eigenständigen, vorrangig vor den nationalen Abschiebungsverboten zu prüfenden Streitgegenstand (vgl. BVerwG, Urteil vom 27. April 2010 - 10 C 4/09 ─, BVerwGE 136, 360 und juris Rn. 16;… Urteil vom 29. Juni 2010 - 10 C 10.09 -, BVerwGE 137, 226 und juris, Rn. 6).
Typische Beispiele hierfür sind Bürgerkriegsauseinandersetzungen und Guerillakämpfe (vgl. BVerwG…, Urteil vom 24. Juni 2008, a.a.O. und juris, Rn. 22; Urteil vom 27. April 2010 - 10 C 4.09 -, a.a.O. und juris, Rn. 23).
Wie sich der Begründung des Regierungsentwurfs zu diesem Gesetz entnehmen lässt (BT-Drs. 16/5065, S. 187), war es Absicht des Gesetzgebers, den Tatbestand des Art. 15 Buchst. c der Qualifikationsrichtlinie und damit auch das Erfordernis willkürlicher Gewalt in vollem Umfang in nationales Recht umzusetzen (vgl. BVerwG, Urteil vom 27. April 2010 - 10 C 4.09 -, a.a.O. und juris, Rn. 32).
Hierzu können aber auch persönliche Umstände gerechnet werden, wie etwa die Zugehörigkeit zu einer bestimmten Religion oder Ethnie, aufgrund derer der Betroffene zusätzlich der Gefahr gezielter Gewaltakte ausgesetzt ist (vgl. BVerwG, Urteil vom 27. April 2010 - 10 C 4.09 -, a.a.O. und juris, Rn. 33;… Urteil vom 17. November 2011 - 10 C 13/10 -, juris Rn. 18).
Weiterhin bedarf es einer wertenden Gesamtbetrachtung mit Blick auf die Anzahl der Opfer und die Schwere der Schädigungen bei der Zivilbevölkerung (vgl. BVerwG, Urteil vom 27. April 2010 - 10 C 4.09 -, a.a.O. und juris, Rn. 33).
(3) Hinsichtlich der bei dem Kläger vor seiner Ausreise aus Afghanistan festzustellenden Vorschädigung kann auch ein innerer Zusammenhang zu der befürchteten zukünftigen Beeinträchtigung festgestellt werden (vgl. zu diesem Erfordernis: BVerwG, Urteil vom 27. April 2010 - 10 C 4.09 -, a.a.O. und juris, Rn. 31;… Urteil vom 27. April 2010 - 10 C 5.09 -, a.a.O. und juris, Rn. 21;… Urteil vom 17. November 2011, a.a.O., juris, Rn. 21).
Möglich sind aber auch solche persönlichen Umstände, aufgrund derer der Antragsteller als Zivilperson zusätzlich der Gefahr gezielter Gewaltakte - etwa wegen seiner religiösen oder ethnischen Zugehörigkeit - ausgesetzt ist, sofern deswegen nicht bereits die Zuerkennung der Flüchtlingseigenschaft in Betracht kommt (Urteil vom 27. April 2010 - BVerwG 10 C 4.09 - BVerwGE 136, 360 Rn. 33).
Liegen keine gefahrerhöhenden persönlichen Umstände vor, ist ein besonders hohes Niveau willkürlicher Gewalt erforderlich (Urteil vom 27. April 2010 a.a.O. Rn. 33).
Dieser stellt bei der Prüfung des Art. 3 EMRK auf die tatsächliche Gefahr ab ("real risk"; vgl. nur EGMR (GK), Urteil vom 28. Februar 2008 - Nr. 37201/06, Saadi/Italien - NVwZ 2008, 1330 ); das entspricht dem Maßstab der beachtlichen Wahrscheinlichkeit (Urteil vom 27. April 2010 a.a.O. Rn. 22 zu § 60 Abs. 2 AufenthG und Art. 15 Buchst. b Richtlinie 2004/83/EG).
Denn die der Vorschrift zugrunde liegende Wiederholungsvermutung beruht wesentlich auf der Vorstellung, dass eine Verfolgungs- oder Schadenswiederholung - bei gleichbleibender Ausgangssituation - aus tatsächlichen Gründen naheliegt (Urteil vom 27. April 2010 a.a.O. Rn. 31).
Zwar bedarf es - wie die Revision im Ansatz zu Recht rügt - neben dieser quantitativen Ermittlung auch einer wertenden Gesamtbetrachtung des statistischen Materials mit Blick auf die Anzahl der Opfer und die Schwere der Schädigungen (Todesfälle und Verletzungen) bei der Zivilbevölkerung (Urteil vom 27. April 2010 a.a.O. Rn. 33).
Nach der Rechtsprechung des Senats gilt dies jedenfalls dann, wenn - wie hier - das Bundesamt für Migration und Flüchtlinie - Bundesamt - in seinem Ablehnungsbescheid über sämtliche zielstaatsbezogenen ausländerrechtlichen Abschiebungsverbote sachlich entschieden und der Kläger die neuen, auf Unionsrecht beruhenden subsidiären Abschiebungsverbote in das anhängige gerichtliche Verfahren einbezogen hat (vgl. Urteil vom 27. April 2010 - BVerwG 10 C 4.09 -, zur Veröffentlichung in der Entscheidungssammlung BVerwGE vorgesehen).
Der asylgerichtliche Prüfungsrahmen in einem Asylerstantragsverfahren erfasst als eigenständige Streitgegenstände grundsätzlich die Anerkennung als Asylberechtigter, die Zuerkennung der Flüchtlingseigenschaft, die Zuerkennung subsidiären Schutzes (…in diesem Sinne zu § 60 Abs. 2, 3 und 7 Satz 2 AufenthG a.F. BVerwG, Urteile vom 24. Juni 2008 - 10 C 43.07 - BVerwGE 131, 198 Rn. 11 …und vom 27. April 2010 - 10 C 5.09 - BVerwGE 136, 377 Rn. 13) und die Feststellung des Vorliegens der Voraussetzungen eines nationalen Abschiebungsverbotes (BVerwG…, Urteil vom 24. Juni 2008 - 10 C 43.07 - BVerwGE 131, 198 Rn. 15;… zum Verhältnis von § 60 Abs. 2, 3 und 7 Satz 2 AufenthG a.F. und § 60 Abs. 5 AufenthG BVerwG, Urteile vom 24. Juni 2008 - 10 C 43.07 - BVerwGE 131, 198 Rn. 11 und 13, vom 27. April 2010 - 10 C 4.09 - BVerwGE 136, 360 Rn. 17 …und vom 31. Januar 2013 - 10 C 15.12 - BVerwGE 146, 12 Rn. 11).
Das Bundesverwaltungsgericht hat mit Urteil vom 27. April 2010 - 10 C 4/09 -) das Urteil des Senats vom 11. Dezember 2008 aufgehoben, soweit die Beklagte verpflichtet worden ist, das Vorliegen eines Abschiebungsverbots nach § 60 Abs. 7 Satz 2 AufenthG festzustellen, und die Sache insoweit an den Verwaltungsgerichtshof zurückverwiesen.
Die nur noch auf die Feststellung der Voraussetzungen des durch Art. 15c der Richtlinie 2004/83/EG des Rates vom 29. April 2004 über Mindestnormen für die Anerkennung und den Status von Drittstaatsangehörigen oder Staatenlosen als Flüchtlinge oder als Personen, die anderweitig internationalen Schutz benötigen, und über den Inhalt zu gewährenden Schutzes (ABl. EU Nr. L 304 S. 12; ber. ABl. EU vom 05. August 2005 Nr. L 204 S. 24) - Qualifikationsrichtlinie (QRL) - europarechtlich determinierten absoluten Abschiebungsverbots gemäß § 60 Abs. 7 Satz 2 AufenthG beschränkte Berufung ist zulässig, insbesondere fehlt dem Kläger trotz der rechtskräftigen Aufhebung des Widerrufs der bestandskräftigen Zuerkennung des nationalen Abschiebungsschutzes gemäß § 53 Abs. 6 Satz 1 AuslG/§ 60 Abs. 7 Satz 1 AufenthG durch Bescheid des Bundesamtes vom 18. Juli 2001 und der darauf beruhenden Erteilung einer Aufenthaltserlaubnis gemäß § 25 Abs. 3 AufenthG nach der für den Senat gemäß § 144 Abs. 6 VwGO bindenden Rechtsauffassung des Bundesverwaltungsgerichts in dem zurückverweisenden Urteil vom 27. April 2010 (BVerwGE 136 S. 360 ff. = InfAuslR 2010 S. 404 ff. = NVwZ 2011 S. 56 ff. = ZAR 2010 S. 359 ff. = juris Rdnr. 18) nicht das Rechtsschutzinteresse.
Unabhängig von der Frage, ob der erkennende Senat an die in dem zurückverweisenden Urteil des Bundesverwaltungsgerichts vom 27. April 2010 (a.a.O. juris Rdnr. 33) aufgestellten Anforderungen an die Vorgehensweise bei der Feststellung eines den bewaffneten Konflikt kennzeichnenden hohen Niveaus willkürlicher Gewalt bzw. einer hohen Gefahrendichte für die Zivilbevölkerung gebunden ist, obwohl diese Aufklärungs- und Bewertungsanweisungen die (allein) dem Tatrichter obliegende Sachverhaltsermittlung und Sachverhalts- sowie Beweiswürdigung betreffen (vgl. BVerwG…, Beschluss vom 14. Juli 2010 - 10 B 7/10 - InfAuslR 2010 S. 462 ff. = NVwZ 2011 S. 55 f. = juris Rdnr. 6) und das Berufungsgericht gemäß § 144 Abs. 6 VwGO (nur) die rechtliche Beurteilung des Revisionsgerichts zugrunde zu legen hat, steht jedenfalls für den Senat unter Berücksichtigung der Größe und Einwohnerzahl der Provinz Paktia einerseits und der jedenfalls annäherungsweise im Rahmen des Möglichen ermittelten und in den obigen Ausführungen nach Zahl, Umständen, Entwicklung und Folgen dargestellten, wahllos oder gezielt gegen Zivilpersonen gerichteten Gewaltakte der Konfliktparteien andererseits aufgrund einer wertenden Gesamtbetrachtung zur tatrichterlichen Überzeugung fest, dass der derzeit in dieser Provinz nach wie vor stattfindende innerstaatliche bewaffnete Konflikt ein hohes Niveau willkürlicher Gewalt mit einer hohen Gefahrendichte für die dortige Zivilbevölkerung aufweist.
Ob das Niveau willkürlicher Gewalt des bewaffneten Konflikts in der Provinz Paktia und die sich daraus ergebende Gefahrendichte für die Zivilbevölkerung so hoch sind, dass eine Zivilperson dort "allein durch ihre Anwesenheit" einer ernsthaften individuellen Bedrohung ausgesetzt wäre (so überzeugend für die ebenfalls an Pakistan angrenzende Ostprovinz Kunar: VG Ansbach, Urteil vom 28. Juni 2011 - AN 11 K 11.30080 - juris Rdnrn. 34 f.), kann vorliegend dahingestellt bleiben, weil beim Kläger jedenfalls gefahrerhöhende persönliche Umstände vorliegen, so dass eine individuelle Bedrohung auch bei einem nicht "extrem" hohen Niveau willkürlicher Gewalt anzunehmen ist (vgl. BVerwG, Urteil vom 27. April 2010 a.a.O. juris Rdnr. 31).
Schon in dem bestandskräftigen Bescheid des Bundesamtes vom 18. Juli 2001, mit dem dem Kläger wegen der Gefahr einer Zwangsrekrutierung durch die Taliban Abschiebungsschutz gemäß § 53 Abs. 6 Satz 1 AuslG/§ 60 Abs. 7 Satz 1 AufenthG gewährt worden war, war dazu ausgeführt, dass Zwangsrekrutierte "wie Leibeigene behandelt" werden, was der Senat in seinem aufgehobenen Berufungsurteil vom 11. Dezember 2008 im Tatbestand so auch wiedergegeben (…vgl. juris Rdnr. 12), vom Bundesverwaltungsgericht in seinem aufhebenden Revisionsurteil vom 27. April 2010 a.a.O. (…juris Rdnr. 29) allerdings nicht berücksichtigt worden ist (vgl. dazu auch Pfersich, ZAR 2010 S. 364).
Ein dem Kläger nach Überzeugung des Senats demgegenüber im Falle seiner Rückkehr drohender gezielter Gewaltakt in Form einer Bestrafung und/oder Zwangsrekrutierung durch die Taliban wäre im Rahmen des Art. 15c QRL/§ 60 Abs. 7 Satz 2 AufenthG auch zu berücksichtigen und stünde angesichts des Verfolgungsgrundes und der Identität der verfolgenden Partei des seit mehr als zehn Jahre fortgeführten bewaffneten innerstaatlichen Konflikts auch in einem inneren Zusammenhang mit der fluchtbegründenden Gefahr der Zwangsrekrutierung (vgl. BVerwG, Urteil vom 27. April 2010 a.a.O. juris Rdnr. 33).
83 Unabhängig von der Anwendbarkeit der Beweiserleichterung gemäß § 60 Abs. 11 AufenthG i.V.m. Art. 4 Abs. 4 QRL stellt die dem Kläger drohende Bestrafung und/oder Zwangsrekrutierung durch die Taliban oder einen ihrer Verbündeten aber jedenfalls für ihn einen persönlichen gefahrerhöhenden Umstand dar, der angesichts der hohen Gefahrendichte zu einer individuellen Bedrohung führt (vgl. BVerwG, Urteil vom 27. April 2010 a.a.O. juris Rdnr. 31).
Bezüglich der Frage der erforderlichen Gefährdungsdichte müsse der Europäische Gerichtshof gefragt werden, ob der Maßstab des Bundesverwaltungsgerichts im Urteil vom 27.02.2010 - 10 C 4.09 - mit Art. 15 lit. c QRL vereinbar sei.
Hiernach dürfte kriminelle Gewalt bei der Feststellung, ob ein innerstaatlicher bewaffneter Konflikt vorliegt, jedenfalls dann keine Berücksichtigung finden, wenn sie nicht von einer der Konfliktparteien begangen wird (…ausführlich: BVerwG, Urteile vom 24.06.2008 - 10 C 43.07 - juris Rn. 19 ff. und vom 27.04.2010 - 10 C 4.09 -juris Rn. 23).
Gemäß § 60 Abs. 11 AufenthG gilt auch für die Feststellung eines Abschiebungsverbots nach § 60 Abs. 7 Satz 2 AufenthG u.a. die Beweisregel des Art. 4 Abs. 4 QRL (ausführlich: BVerwG, Urteil vom 27.04.2010 - 10 C 4.09 - juris Rn. 32 ff.; vgl. auch Dolk, Asylmagazin 12/2011, 418 ff., m.w.N.).
Geht es um die Anwendung des Art. 4 Abs. 4 der Richtlinie bei der Feststellung eines unionsrechtlich vorgezeichneten subsidiären Abschiebungsverbots, greift die Vermutung nach dieser Vorschrift ein, wenn der Antragsteller vor seiner Ausreise aus dem Heimatland einen ernsthaften Schaden im Sinne von Art. 15 der Richtlinie erlitten hat oder unmittelbar von einem solchen Schaden bedroht war (Vorschädigung; vgl. Urteil vom 27. April 2010 - BVerwG 10 C 4.09 - zur Veröffentlichung in der Entscheidungssammlung BVerwGE vorgesehen, Rn. 27).
Außerdem setzt die Vermutung nach Art. 4 Abs. 4 der Richtlinie, dass der Antragsteller "erneut von einem solchen Schaden bedroht wird", einen inneren Zusammenhang zwischen der Vorschädigung und dem befürchteten künftigen Schaden voraus (Urteil vom 27. April 2010 - BVerwG 10 C 4.09 - a.a.O. Rn. 31).
Liegen keine gefahrerhöhenden persönlichen Umstände vor, ist ein besonders hohes Niveau willkürlicher Gewalt erforderlich (Urteil vom 27. April 2010 - BVerwG 10 C 4.09 - a.a.O. Rn. 33).
Denn die der Vorschrift zugrunde liegende Wiederholungsvermutung beruht wesentlich auf der Vorstellung, dass eine Verfolgungs- oder Schadenswiederholung - bei gleichbleibender Ausgangssituation - aus tatsächlichen Gründen naheliegt (Urteil vom 27. April 2010 - BVerwG 10 C 4.09 - a.a.O. Rn. 31).
Zwar bedarf es - wie die Revisionen im Ansatz zu Recht rügen - neben dieser quantitativen Ermittlung auch einer wertenden Gesamtbetrachtung des statistischen Materials mit Blick auf die Anzahl der Opfer und die Schwere der Schädigungen (Todesfälle und Verletzungen) bei der Zivilbevölkerung (Urteil vom 27. April 2010 - BVerwG 10 C 4.09 - a.a.O. Rn. 33).
VGH Bayern, 17.08.2016 - 13a ZB 16.30090
BVerwG, 29.06.2010 - 10 C 9.09
VGH Bayern, 20.06.2012 - 13a ZB 11.30497
Asylrecht Afghanistan; Beweiserleichterung; Zwangsrekrutierung; fehlende …
VG Wiesbaden, 21.07.2011 - 2 K 92/10
Abschiebungsverbot, subsidiärer Schutz, innerstaatlicher bewaffneter Konflikt, …
OVG Nordrhein-Westfalen, 10.01.2019 - 9 A 4590/18
Darstellung der Wahrscheinlichkeit einer erheblichen individuellen Gefahr bei …
OVG Rheinland-Pfalz, 19.12.2012 - 9 C 10741/12
Flurbereinigung - Erschließung eines Nachbargrundstücks - Berücksichtigung eines …
VGH Bayern, 10.08.2015 - 13a ZB 15.30050
Asylrecht Afghanistan; Gruppenverfolgung; Zwangsrekrutierung; subsidiärer Schutz; …
OVG Sachsen, 26.11.2013 - A 1 A 535/12
Afghanistan, Kandahar, Gefahrendichte
VGH Bayern, 03.02.2017 - 13a ZB 16.31045
Abschiebung nach Afghanistan - Frage über Sicherheitslage vor Ort
VGH Bayern, 04.07.2018 - 20 ZB 18.31213
Gezielte Gewalt wegen verweigerter Mitwirkung bei al-Shabaab - kein …
VG München, 11.06.2014 - M 9 K 13.30560
Herkunftsland: Afghanistan; Süd-Ost-Grenze
VG Köln, 03.07.2012 - 14 K 953/09
Vorliegen der Voraussetzungen des Widerrufs der Anerkennung als Asylberechtigter …
VGH Bayern, 11.10.2011 - 13a ZB 11.30132
Asylrecht Afghanistan; Zwangsrekrutierung durch Taliban; fehlende …
VGH Bayern, 05.10.2011 - 13a ZB 11.30134
OVG Nordrhein-Westfalen, 02.05.2011 - 14 A 958/11
VGH Bayern, 07.10.2011 - 13a ZB 11.30297
Asylrecht Irak; innerstaatlicher bewaffneter Konflikt; Gefahrendichte in Mosul; …
VGH Bayern, 14.01.2011 - 13a ZB 10.30381
VG Köln, 07.12.2016 - 21 K 5766/15
VGH Bayern, 15.10.2012 - 13a ZB 12.30010
Asylrecht Afghanistan; Gefährdung eines Kameramanns; Einzelfallproblematik
VGH Bayern, 01.08.2011 - 13a ZB 10.30262
VG Augsburg, 13.09.2010 - Au 7 S 10.30255
Nigeria; Ende des Amnestieangebots für das Niger-Delta
VG München, 14.12.2016 - M 4 K 16.31452
VG München, 02.12.2016 - M 4 K 16.31617
VG Meiningen, 16.06.2011 - 8 K 20163/10
Flüchtlingsanerkennung, Abschiebungsverbot, Afghanistan, politische Verfolgung, …