Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Text=BFHE%20119,%20188
Timestamp: 2020-01-24 20:09:15
Document Index: 130162427

Matched Legal Cases: ['Art. 108', '§ 7', '§ 421', '§ 134', '§ 5', '§ 85', '§ 426']

BFH, 12.05.1976 - II R 187/72 - dejure.org
https://dejure.org/1976,395
BFH, 12.05.1976 - II R 187/72 (https://dejure.org/1976,395)
BFH, Entscheidung vom 12.05.1976 - II R 187/72 (https://dejure.org/1976,395)
BFH, Entscheidung vom 12. Mai 1976 - II R 187/72 (https://dejure.org/1976,395)
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Freistellung von der Grunderwerbsteuer - Sozialer Wohnungsbau - Nachversteuerungsfall - Konkurs des Erwerbers - Kenntnis des Veräußerers - Errichtung von steuerbegünstigten Wohnungen
BFHE 119, 188
BStBl II 1976, 579
An die Stelle von dessen Worten "nach Belieben" treten sinngemäß die Worte "nach Ermessen" (vgl. Urteil vom 29. September 1982 - BVerwG 8 C 138.81 - Buchholz 11 Art. 108 GG Nr. 1 S. 1 m. Hinw. auf BFH; Urteil vom 12. Mai 1976 - II R 187/72 - BStBl II 1976 S. 579).
Das folgt, da die Abgabenordnung eine dem früheren § 7 Abs. 3 Satz 2 StAnpG entsprechende Regelung nicht enthält, aus dem Rechtsgedanken des § 421 BGB, wobei an die Stelle der Worte "nach seinem Belieben" sinngemäß die Worte "nach seinem Ermessen" treten (vgl. BFH, Urteil vom 12. Mai 1976 - II R 187/72 - BStBl. 1976 II S. 579).
Maßstab der Ermessensbildung haben die Zweckmäßigkeit und die Billigkeit zu sein (vgl. Urteil vom 31. Januar 1975 - BVerwG IV C 46.72 - Buchholz 406.11 § 134 BBauG Nr. 2 S. 1 [3]; BFH, Urteil vom 12. Mai 1976 a.a.O.).
Wegfall der Auswahlmöglichkeit unter mehreren Steuersubjekten nach Verfristung …
Dabei entspricht es, wovon auch das FG ausgegangen ist, pflichtgemäßem Ermessensgebrauch, daß das FA zunächst denjenigen zur Grunderwerbsteuer heranzieht, der im Kaufvertrag die Grunderwerbsteuer übernommen hat, und den anderen Vertragsteil erst dann, wenn die Steuer von jenem nicht zu erlangen ist (BFH-Urteil vom 12. Mai 1976 II R 187/72, BFHE 119, 188, BStBl II 1976, 579).
Ist die Steuer von demjenigen der Gesamtschuldner, der danach zunächst in Anspruch zu nehmen wäre, nicht mehr zu erlangen, so entfällt -- mangels einer Auswahlmöglichkeit -- eine Ausübung des Ermessens (§ 5 AO 1977) bei der Auswahl des in Anspruch zu Nehmenden (BFH-Urteile vom 28. Februar 1973 II R 57/71, BFHE 109, 164, BStBl II 1973, 573, und in BFHE 119, 188, BStBl II 1976, 579); dies entspricht der Verpflichtung der Finanzbehörde zur Geltendmachung des nach dem Gesetz entstandenen Steueranspruchs (§ 85 AO 1977).
Es kann dann nur mehr um die Frage gehen, ob die Inanspruchnahme des anderen Gesamtschuldners noch zulässig ist, weil das FA die Geltendmachung des Steueranspruchs ihm gegenüber nicht verwirkt hat (BFH-Urteile in BFHE 109, 164, BStBl II 1973, 573, und in BFHE 119, 188, BStBl II 1976, 579).
Dabei kommt sowohl in Betracht, daß durch das vom FG erwähnte, aber nicht näher dargestellte Vergleichsverfahren eine Situation eingetreten war, durch die das Ermessen des FA -- wie es der BFH im Urteil in BFHE 119, 190, BStBl II 1976, 579 für die Eröffnung des Konkurses angenommen hat -- so stark eingeengt war, daß nurmehr eine Festsetzung der Steuer gegen die Klägerin in Frage kam; hierauf hat das FA in seiner Revisionsbegründung zutreffend hingewiesen.
Zwar entspricht es dem bei der Auswahl unter den Gesamtschuldnern auszuübenden pflichtgemäßen Ermessen, zunächst denjenigen Gesamtschuldner in Anspruch zu nehmen, der die Steuer im Innenverhältnis unter den Beteiligten zu tragen hat, und den anderen Vertragsteil erst dann heranzuziehen, wenn die Steuer von jenem nicht zu erlangen ist (BFH-Urteile vom 12. Mai 1976 II R 187/72, BFHE 119, 188, BStBl II 1976, 579;… vom 26. Juni 1996 II R 31/93, BFH/NV 1997, 2).
Erfüllt die Klägerin die Haftungsschuld, kann sie nach bürgerlichem Recht von dem anderen Gesamtschuldner Ausgleich verlangen (§ 426 Abs. 2 des Bürgerlichen Gesetzbuches - BGB - vgl. z. B. BFH-Urteil vom 12. Mai 1976 II R 187/72, BFHE 119, 188, BStBl II 1976, 579).
BFH, 18.05.1983 - II R 86/80
Grundstückserwerb - Steuerbefreiungsantrag - Pflichtwidrige Entscheidung über …
Mit dieser Entscheidung weicht der Senat nicht von seinem Urteil vom 12. Mai 1976 II R 187/72 (BFHE 119, 188, BStBl II 1976, 579) ab.
Auf diese unbefriedigende Gesetzeslage hat der Senat damals in seinen Urteilsgründen hingewiesen, sich aber nicht für befugt gehalten, "diesen Wertungskonflikt durch Gesetzesauslegung zu beheben" (BFHE 119, 189, BStBl II 1976, 579).
Bei Zahlung aufgrund der Haftungsbescheide würden die Konkursforderungen auf den Zahlenden übergehen (vgl. das Urteil des Senats vom 12. Mai 1976 II R 187/72, BFHE 119, 188, BStBl II 1976, 579).