Source: https://www.vdvka.de/BGH-zur-Beschaffenheitsvereinbarung-beim-OldtimerKauf/
Timestamp: 2018-04-21 00:11:05
Document Index: 239815964

Matched Legal Cases: ['BGH', 'BGH', '§ 21', 'BGH', '§ 21', '§ 21', '§ 21', '§ 21', '§ 434']

<span class="caps">BGH</span> zur Beschaf­fen­heits­ver­ein­ba­rung beim Old­ti­mer-Kauf | Verband deutscher VerkehrsrechtsAnwälte e.V.
BGH zur Beschaf­fen­heits­ver­ein­ba­rung beim Old­ti­mer-Kauf
(Kiel) Der Bun­des­ge­richts­hof hat sich soeben in einer Ent­schei­dung mit der Fra­ge befasst, ob die in einem Kauf­ver­trag ent­hal­te­ne Klau­sel “posi­ti­ve Begut­ach­tung nach § 21c StVZO (Old­ti­mer) im Ori­gi­nal” eine Beschaf­fen­heits­ver­ein­ba­rung dar­stellt, mit der der Ver­käu­fer die Gewähr dafür über­nimmt, dass sich das Fahr­zeug in einem die Ertei­lung der TÜV-Beschei­ni­gung recht­fer­ti­gen­den Zustand befin­det.
Dar­auf ver­weist der Kie­ler Rechts­an­walt Jens Klar­mann, Prä­si­dent des VdVKA — Ver­band deut­scher Ver­kehrs­rechts­An­wäl­te e. V. mit Sitz in Kiel, unter Hin­weis auf die Mit­tei­lung des Bun­des­ge­richts­hofs (BGH) vom 13.03.2013 zu sei­nem Urteil vom sel­ben Tage, Az.: VIII ZR 172/12.
Der Klä­ger erwarb von der Beklag­ten, einer Auto­händ­le­rin, am 6. Dezem­ber 2005 zu einem Preis von 17.900 € einen Old­ti­mer Daim­ler Benz 280 SE, der ihm am 10. Dezem­ber 2005 über­ge­ben wur­de. In der dem Kauf­ver­trag zugrun­de lie­gen­den “Ver­bind­li­chen Bestel­lung” ist unter der Rubrik “Aus­stat­tung” aus­ge­führt “posi­ti­ve Begut­ach­tung nach § 21c StVZO (Old­ti­mer) im Ori­gi­nal”.
Die Beklag­te hat­te das Fahr­zeug zum Zweck der Begut­ach­tung nach § 21c StVZO aF (“Old­tim­er­zu­las­sung”) beim TÜV vor­füh­ren las­sen und am 14. Okto­ber 2004 eine gemäß § 21c Abs. 1 Satz 5 StVZO die Haupt­un­ter­su­chung erset­zen­de posi­ti­ve Begut­ach­tung erhal­ten.
Im Sep­tem­ber 2007 wur­de der Klä­ger anläss­lich ver­schie­de­ner durch­zu­füh­ren­der Arbei­ten auf erheb­li­che Durch­ros­tungs­schä­den auf­merk­sam. Ein von ihm ein­ge­schal­te­ter Gut­ach­ter kam zu dem Ergeb­nis, dass mas­si­ve Kor­ro­si­ons­schä­den nicht fach­ge­mäß repa­riert und durch star­ken Auf­trag von Unter­bo­den­schutz kaschiert wor­den sei­en.
Der Klä­ger hat Zah­lung der (nach sei­ner Behaup­tung) für die Her­stel­lung des ver­trags­ge­mä­ßen Zustands des Old­ti­mers erfor­der­li­chen Kos­ten in Höhe von 34.344,75 € nebst Zin­sen ver­langt. Das Land­ge­richt hat der Kla­ge in Höhe von 33.300 € statt­ge­ge­ben und sie im Übri­gen abge­wie­sen. Das Beru­fungs­ge­richt hat das erst­in­stanz­li­che Urteil teil­wei­se abge­än­dert und die Kla­ge ins­ge­samt abge­wie­sen. Es meint, dass sich die von der Beklag­ten bezüg­lich der “Old­tim­er­zu­las­sung” über­nom­me­ne Ver­pflich­tung dar­auf beschrän­ke, dem Klä­ger die TÜV-Beschei­ni­gung im Ori­gi­nal aus­zu­hän­di­gen.
Der unter ande­rem für das Kauf­recht zustän­di­ge VIII. Zivil­se­nat des Bun­des­ge­richts­hofs hat ent­schie­den, dass die Klau­sel “posi­ti­ve Begut­ach­tung nach § 21c StVZO (Old­ti­mer) im Ori­gi­nal” eine Beschaf­fen­heits­ver­ein­ba­rung dar­stellt. Die Ver­trags­par­tei­en haben dadurch ver­ein­bart, dass sich das Fahr­zeug in einem Zustand befin­det, der die Ertei­lung einer ent­spre­chen­den TÜV-Beschei­ni­gung recht­fer­tigt. Denn es ent­spricht dem — für den Ver­käu­fer erkenn­ba­ren – Inter­es­se des Käu­fers, dass die­se amt­li­che Beschei­ni­gung zu Recht erteilt wur­de, dass also der Zustand des Fahr­zeugs hin­sicht­lich der Ver­kehrs­si­cher­heit und der weit­ge­hend ori­gi­na­len Beschaf­fen­heit die Ertei­lung der “Old­tim­er­zu­las­sung” recht­fer­tigt.
Da der Wagen wegen mas­si­ver Durch­ros­tun­gen an Rad­häu­sern und Innen­schwel­lern nicht fahr­be­reit war und die TÜV-Prü­fung daher nicht zu einer Ertei­lung der Beschei­ni­gung hät­te füh­ren dür­fen, hat­te er bei Über­ga­be an den Klä­ger nicht die ver­ein­bar­te Beschaf­fen­heit und war des­halb nicht gemäß § 434 Abs.1 Satz 1 BGB frei von Sach­män­geln.
Der Bun­des­ge­richts­hof hat das Urteil des Beru­fungs­ge­richts auf­ge­ho­ben und den Rechts­streit zur neu­en Ver­hand­lung und Ent­schei­dung an das Beru­fungs­ge­richt zurück­ver­wie­sen, da die­ses noch kei­ne Fest­stel­lun­gen zur Scha­dens­hö­he getrof­fen hat.
Klar­mann emp­fahl, dies zu beach­ten und in ähn­li­chen Fäl­len ggfs. recht­li­chen Rat in Anspruch zu neh­men, wobei er dabei u. a. auch auf den VdVKA — Ver­band deut­scher Ver­kehrs­rechts­an­wäl­te e. V. – www.vdvka.de– ver­wies.