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Timestamp: 2018-07-21 18:59:19
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Matched Legal Cases: ['§ 29', '§ 29', '§ 2', '§ 15', '§ 3', '§ 4', '§ 30', '§ 2']

DGUV Regel 112-191: Benutzung von Fuß- und Knieschutz, Titel
vom Januar 2007
DGUV Regel 112-191: Benutzung von Fuß- und Knieschutz, Inhalt
Beschaffung und Bereitstellung
Gebrauchsdauer (Verwendungsdauer)
Anhang 1 Gefährdungsermittlung und Maßnahmen
Durch Fußschutz im Wesentlichen abzudeckende Gefährdungen
Muster einer Checkliste für die Gefährdungsermittlung (Fußschutz)
Berechnung der Risikoprioritätszahl
Anhang 2 Auswahl, Beschaffung und Bereitstellung von Fußschutz
Anhang 3 Auswahl, Beschaffung und Bereitstellung von Knieschutz
Typisierung und Leistungsstufen von Knieschutz nach DIN EN 14404
Anhang 4 Allgemeine Informationen zum Schuhaufbau
Anhang 5 Prüfgrundsätze für Gamaschen als Schutz bei Arbeiten mit handgeführten Spritzeinrichtungen
Anhang 6 Vorschriften und Regeln
DGUV Regel 112-191: Benutzung von Fuß- und Knieschutz, Vorbemerkung
In dieser BG-Regel sind die Achte Verordnung zum Geräte- und Produktsicherheitsgesetz, das Arbeitsschutzgesetz und die PSA-Benutzungsverordnung berücksichtigt.
DGUV Regel 112-191: Benutzung von Fuß- und Knieschutz, 1 Anwendungsbereich
Diese BG-Regel findet Anwendung
auf die Auswahl, Beschaffung, Bereitstellung und die Benutzung von Fußschutz, z.B. Sicherheitsschuhe, Schutzschuhe und Berufsschuhe,
auf den Knieschutz.
Die Auswahl und Benutzung von Beinschutz in der Form von Schutzkleidung sind in der BG-Regel "Einsatz von Schutzkleidung" (BGR 189) festgelegt, z.B. Schutzkleidung für die Benutzung von handgeführten Kettensägen, Kleidung zum Schutz gegen Hitze und Flammen, Schutzkleidung gegen Wärmestrahlung bei leichter, schwerer Beanspruchung.
DGUV Regel 112-191: Benutzung von Fuß- und Knieschutz, 2 Begriffsbestimmungen
Zum Fußschutz zählen z.B. Sicherheitsschuhe (Sicherheitsschuhe mit Schutz gegen Kettensägenschnitte, Feuerwehrstiefel, Schuhe zum Schutz gegen Chemikalien und Ähnliches), Schutzschuhe, Berufsschuhe, Gamaschen und Überschuhe.
Sicherheitsschuhe sind Schuhe, die die sicherheitstechnischen Anforderungen erfüllen; sie sind mit Zehenkappe für hohe Belastungen, deren Schutzwirkung mit einer Prüfenergie von 200 J bzw. mit einer Druckkraft von 15 kN geprüft wurden (Kurzbezeichnung S) ausgestattet.
Siehe auch DIN EN ISO 20345 "Persönliche Schutzausrüstung; Sicherheitsschuhe" bzw. Abschnitt 4 des Anhanges 2.
Schutzschuhe sind Schuhe, die die sicherheitstechnischen Anforderungen erfüllen; sie sind mit Zehenkappe für mittlere Belastungen, deren Schutzwirkung mit einer Prüfenergie von 100 J bzw. mit einer Druckkraft von 10 kN geprüft wurde (Kurzbezeichnung P) ausgestattet.
Siehe auch DIN EN ISO 20346 "Persönliche Schutzausrüstung; Schutzschuhe" bzw. Abschnitt 4 des Anhanges 2.
Berufsschuhe sind Schuhe, die mit mindestens einem schützenden Bestandteil (siehe Tabelle 6) ausgestattet sind, jedoch keine Zehenkappen haben müssen (Kurzbezeichnung O).
Siehe auch Normen der Reihe DIN EN ISO 20347 "Persönliche Schutzausrüstung; Berufsschuhe" bzw. Abschnitt 4 des Anhanges 2.
Bild 1: Beispiele für Bestandteile eines Schuhes
Zehenkappe durchtrittsichere Einlage
Knöchelschutz kälte-/wärmeisolierender Unterbau
Polsterkragen Überkappe
Bild 2: Beispiele für sicherheitstechnische Ausrüstungen beim Fußschutz
Gamaschen sind abnehmbare Abdeckungen in Verbindung mit einem der Größe und der Gefährdung abgestimmten Fußschutz, die den Vorderfuß und den unteren Beinbereich bedecken. Sie sollen die Füße gegen äußere, schädigende Einwirkungen schützen.
Dies sind z.B.: Gamaschen für Arbeiten mit handgeführten Flüssigkeitsstrahlern, Schweißergamaschen, Gamaschen zum Schutz gegen Kettensägenschnitte.
Knieschutz zählt zu den persönlichen Schutzausrüstungen für Arbeiten in kniender Haltung zum Schutz z.B. der Schleimbeutel, der Menisken, von Stellungskräften auf die Kniescheibe vor oberflächigen Verletzungen der Haut.
Siehe auch DIN EN 14404 "Persönliche Schutzausrüstung; Knieschutz für Arbeiten in kniender Haltung", Typisierung siehe Anhang 3.
DGUV Regel 112-191: Benutzung von Fuß- und Knieschutz, 3 Maßnahmen zur Verhütung von Gefahren für Leben und Gesundheit bei der Arbeit
Vor der Auswahl und der Benutzung von Fuß- oder Knieschutz hat der Unternehmer eine Beurteilung der Arbeitsbedingungen (auch Einsatzbedingungen) durchzuführen, die insbesondere beinhaltet
Art und Umfang der Gefährdungen,
Gefährdungsdauer
persönliche Voraussetzungen des Versicherten.
3.11 Gefährdungsermittlung
Eine Gefährdung ist nicht unbedingt an bestimmte Tätigkeiten oder an Berufe gebunden. Sie ist dann vorhanden, wenn Verletzungen durch Ausrutschen möglich sind oder wenn mit Fuß-, Bein- oder Knieverletzungen, insbesondere durch
Einklemmen,
umfallende, herabfallende oder abrollende Gegenstände,
Hineintreten in spitze Gegenstände,
zu rechnen ist sowie bei
Arbeiten in kniender Haltung,
Hochdruckstrahlarbeiten.
Zu berücksichtigende Gefährdungen bei der Auswahl von geeignetem Fußschutz sind in Anhang 1 und 2 aufgeführt.
Individueller Beratungsbedarf besteht gegebenenfalls bei Diabetikern oder Allergikern. In solchen Fällen sollte der Arbeitsmediziner hinzugezogen werden.
3.1.2 Bewertung des Risikos
Eine Bewertung des Risikos ist erforderlich, um eine Auswahl des jeweiligen Fuß- oder Knieschutzes nach Art der Gefährdungen treffen zu können. Hierbei ist auch zu berücksichtigen, wann und wie häufig die Gefährdungen tatsächlich auftreten können.
Häufig liegen Gefährdungsbeurteilungen vor, in denen das Risiko bereits bewertet wurde. Sofern dies nicht der Fall ist, kann bei der Bewertung des Risikos z.B. die Berechnung der Risikoprioritätszahl eine Hilfestellung sein.
Zur Berechnung der Risikoprioritätszahl siehe Abschnitt 3 des Anhanges 1.
3.1.3 Maßnahmen
Falls technische und organisatorische Maßnahmen die Gefährdung nicht oder nicht ausreichend beseitigen, ist als personenbezogene Maßnahme die Verwendung des geeigneten Fuß- oder Knieschutzes erforderlich. Dieser muss der Achten Verordnung zum Geräte- und Produktsicherheitsgesetz entsprechen.
Diese Übereinstimmung ist z.B. gegeben, wenn beim Fußschutz die Normen DIN EN ISO 20345 bis DIN EN ISO 20347 eingehalten werden, was an der CE-Kennzeichnung erkennbar wird.
Gleiches gilt für den Knieschutz, wenn z.B. die Norm DIN EN 14404 eingehalten wird; siehe Abschnitt 2 des Anhanges 3.
DGUV Regel 112-191: Benutzung von Fuß- und Knieschutz, 3.2 Auswahl, Beschaffung und Bereitstellung
3.2 Auswahl, Beschaffung und Bereitstellung
Bei der Auswahl und Beschaffung hat der Unternehmer zu berücksichtigen, dass der Fuß- oder Knieschutz unter anderem folgenden Mindestanforderungen genügt:
Eignung für die am Arbeitsplatz gegebenen Bedingungen, z.B. für den Fußschutz in Hinblick auf Schuharten (Sicherheits-, Schutz- oder Berufsschuhe; siehe Tabellen 3 bis 6), Schuhformen (z.B. Halbschuh, Stiefel niedrig; siehe Abschnitt 3 des Anhanges 2).
Schutz gegenüber den Gefährdungen, ohne selbst eine größere Gefährdung zu schaffen (siehe Checkliste in Abschnitt 2 des Anhanges 1),
Beim Fußschutz kann z.B. in explosionsgefährdeten Bereichen eine unzureichende Antistatik zu einer größeren Gefährdung führen. Siehe Tabellen 3 bis 6 für den Fußschutz bzw. Tabelle 13 für den Knieschutz.
Einhaltung ergonomischer Anforderungen
Der Tragekomfort für den Fußschutz hängt maßgeblich von der individuellen Anpassung des Schuhes an den Fuß ab. Es sind unter anderem folgende Einflussfaktoren zu berücksichtigen:
Gleiche Schuhgrößen verschiedener Hersteller haben nicht immer die gleiche Passform. Auf Grund des Herstellungsverfahrens, z.B. unterschiedliche Leisten, können die Schuhe in Länge und Breite voneinander abweichen. Es sollte deshalb ein ergonomisches Maßsystem angewendet werden, das einen möglichst großen Teil der individuellen Fußformen abdeckt.
Die Zehenkappen dürfen z.B. bei knienden Tätigkeiten keinen unakzeptablen Druck auf den Fuß ausüben.
Zur Vermeidung von Druckstellen sollten der Bein- und Knöchelbereich sowie die Lasche mit einer Polsterung versehen sein.
Sie ist geeignet, sowohl die Wasserundurchlässigkeit von außen nach innen zu gewährleisten als auch die Wasserdampfdurchlässigkeit von innen nach außen zu erhalten. Die Feuchte im Schuh wird verringert. In diesem Zusammenhang unterstützt das Benutzen von so genannten Funktionssocken den Fußschweißtransport "weg von der Haut".
Unter Berücksichtigung des notwendigen Schutzes sowie der Einsatzbedingungen sollte ein möglichst leichter Schuh gewählt werden.
Überwiegend wird der Fußschutz als Halbschuh (Form A siehe Bild 3 in Abschnitt 3 des Anhanges 2) oder knöchelhoher Schuh hergestellt (Formen B und C siehe Bild 3 in Abschnitt 3 des Anhanges 2), wobei vorrangig der knöchelhohe Schuh zur Vermeidung von Knöchelverletzungen verwendet werden sollte.
Die individuelle Anpassung durch Schnürung, Klettverschluss usw. an die Fußform, z.B. hoher Rist, oder besondere Arbeitsbedingungen, z.B. kniende Haltung, muss möglich sein.
Der Tragekomfort für den Knieschutz wird wesentlich beeinflusst durch:
Lage des Knieschutzes
Der Knieschutz soll so befestigt werden können, dass er während der üblichen Benutzung, z.B. knien, gehen, in seiner Position am Knie verbleibt. Befestigungen dürfen nicht im Bereich der Kniekehlen liegen.
Gewicht des Knieschutzes
Unter Berücksichtigung der Schutzfunktion und der Haltbarkeit ist ein möglichst leichter Knieschutz auszuwählen.
Kennzeichnung entsprechend der PSA Richtlinie (siehe Abschnitt 1 des Anhanges 2).
Eine Übersicht der in Betracht kommenden Bauformen und Eigenschaften von Fuß- bzw. Knieschutz ist in Anhang 2 bzw. Anhang 3 aufgeführt.
Nach § 29 der Unfallverhütungsvorschrift "Grundsätze der Prävention" (BGV A1) hat der Unternehmer die Versicherten vor der Beschaffung von Fuß- oder Knieschutz anzuhören.
3.2.2 Beschaffung und Bereitstellung
Der Unternehmer hat ausschließlich Fuß- und Knieschutz zu beschaffen, der mit der CE-Kennzeichnung versehen ist. Diese Produkte entsprechen in der Regel den gültigen harmonisierten Normen. Hierzu gehören auch orthopädische Zurichtungen.
Nach § 29 der Unfallverhütungsvorschrift "Grundsätze der Prävention" (BGV A1) hat der Unternehmer den Versicherten für den vorgesehenen Einsatzzweck geeigneten Fuß- und Knieschutz in ausreichender Anzahl zur persönlichen Verwendung zur Verfügung zu stellen. Kosten für die Bereitstellung von erforderlichem Fuß- und Knieschutz darf der Unternehmer den Versicherten nach § 2 der Unfallverhütungsvorschrift "Grundsätze der Prävention" nicht auferlegen.
3.2.3 Kennzeichnung
Der Fuß- bzw. Knieschutz muss mit der CE-Kennzeichnung versehen sein.
Die CE-Kennzeichnung besteht aus dem Kurzzeichen "CE" ("CE" = Communauté européenne = Europäische Gemeinschaft).
Sofern Fußschutz nach den harmonisierten Normen hergestellt wurde, ist er wie folgt zusätzlich gekennzeichnet:
Nummer der Europäischen Norm, z.B. "EN ISO 20345:2004",
Schuhgröße z.B. "43",
Zeichen des Herstellers z.B. "OP",
Typbezeichnung/Artikelnummer des Herstellers z.B. "BOWES",
Herstellungsdatum (mind. Quartal und Jahr) z.B. "4/2006",
für möglicherweise vorhandene zusätzliche sicherheitstechnische Ausrüstungen sind die Kennzeichnungssymbole nach Tabelle 9 oder das Kurzzeichen nach Tabelle 6 zu verwenden, z.B. "S 3",
falls erforderlich Piktogramm.
Fußschutz gehört mindestens der Zertifizierungskategorie II an. D.h., es müssen eine EG-Baumusterprüfbescheinigung und eine Konformitätserklärung vorliegen.
Im Oktober 2004 sind die neuen für den Fußschutz relevanten Normen DIN EN ISO 20344 bis DIN EN ISO 20347 erschienen. In ihnen ist unter anderem festgelegt, dass für die Prüfungen und Zertifizierungen die bisherigen Normen der Reihe DIN EN 344 bis Normen der Reihe DIN EN 347 in einer Übergangszeit bis Ende August 2005 angewandt werden durften. Die Hersteller können jedoch diesen nach alten Normen geprüften und zertifizierten Fußschutz weiterhin in Verkehr bringen. Die Schuhe sind bis auf die Nummer der europäischen Norm (z.B. DIN EN 345) analog gekennzeichnet.
Die Kennzeichnung von
Sicherheitsschuhen mit Schutz gegen Kettensägenschnitte siehe Abschnitt 4.2.4 des Anhanges 2,
elektrisch isolierenden Schuhen zum Arbeiten unter Spannung siehe Abschnitt 4.2.5 des Anhanges 2.
Die Kennzeichnung nach Norm enthält beim Knieschutz:
Größenbezeichnung,
Name oder Handelsname des Herstellers, z.B.: "DOPA"
Typbezeichnung/Artikelnummer des Herstellers, z.B.: "SEWOB"
DIN EN 14404 und Leistungsstufe", z.B.: "Leistungsstufe 1"
Für Knieschutz, der in Verbindung mit Taschen in Hosen getragen wird (Typ 2), ist einerseits die Innenseite zu kennzeichnen. Andererseits muss die Kennzeichnung des Knieschutzes auch auf der Hose vorhanden sein.
Falls von Bedeutung, die Körperseite, auf der der Knieschutz getragen werden sollte,
Anweisung, die mit dem Produkt gelieferten Herstellerinformationen zu lesen.
Knieschutz gehört der Zertifizierungskategorie II an. D.h., es müssen eine EG-Baumusterprüfbescheinigung und eine Konformitätserklärung vorliegen.
DGUV Regel 112-191: Benutzung von Fuß- und Knieschutz, 3.3 Benutzung
Der vom Unternehmer zur Verfügung gestellte Fuß- oder Knieschutz ist von den Versicherten nach § 15 Arbeitsschutzgesetz bestimmungsgemäß zu benutzen. Der Unternehmer hat darauf zu achten, dass die Trageverpflichtung eingehalten wird.
Hinweise zu Gebrauchseinschränkungen sind in der Herstellerinformation enthalten, z.B. für den Fußschutz Hinweise zur Rutschhemmung bei tiefen Temperaturen oder für den Knieschutz Hinweise zur Chemikalienbeständigkeit.
3.3.2 Gebrauchsdauer (Verwendungsdauer)
Die Gebrauchsdauer von Fuß- und Knieschutz ist von der Beanspruchung und der Pflege abhängig. Fuß- und Knieschutz in nicht ordnungsgemäßem Zustand ist der Benutzung zu entziehen.
Hinweise zur Gebrauchsdauer und zu dem nicht ordnungsgemäßen Zustand sind in der Herstellerinformation enthalten.
Ein nicht ordnungsgemäßer Zustand könnte beim Fußschutz z.B. bei abgelaufenen Profilen, freiliegender Zehenkappe oder aufgegangenen Schaftnähten vorliegen.
Es ist empfehlenswert, Fußschutz mit einer antimikrobiellen Lösung am Ende einer Arbeitsschicht zu desinfizieren, um Infektionen durch Mikroorganismen (z.B. Pilze) vorzubeugen.
Geeignete Lösungen werden z.B. als Pumpspray angeboten.
Für eine wirksame Fußhygiene empfiehlt sich außerdem ein regelmäßiger Wechsel der Strümpfe sowie bei erhöhter Fußschweißbildung gegebenenfalls ein täglicher Wechsel der Schuhe.
3.3.4 Informationen für die Benutzung
Der Unternehmer hat die Benutzer von Fuß- oder Knieschutz nach § 3 der PSA-Benutzungsverordnung und § 4 der Unfallverhütungsvorschrift "Grundsätze der Prävention" (BGV A1) vor der ersten Benutzung und danach wiederholt nach Bedarf, mindestens jedoch einmal jährlich, zu unterweisen. Die Unterweisungsinhalte sind von den Gefährdungen abhängig und können z.B. umfassen:
Angaben zu spezifischen Gefährdungen, z.B. durch Chemikalien, Hitze, Elektrizität,
Hinweise auf mögliche Verwendungsbeschränkungen,
Gebrauchsdauer,
Herstellerinformationen,
Hinweise auf Lagerung und Entsorgung
Hinweise für "leitfähige", "antistatische" und "elektrisch isolierende" Schuhe.
3.3.5 Wartungs-, Reparatur- und Ersatzmaßnahmen
3.3.5.1 Prüfungen
Die Benutzer sind nach § 30 Abs. 2 der Unfallverhütungsvorschrift "Grundsätze der Prävention" (BGV A1) verpflichtet, den ihnen zur Verfügung gestellten Fuß- und Knieschutz vor der Benutzung durch Inaugenscheinnahme auf ihren ordnungsgemäßen Zustand zu prüfen und festgestellte Mängel unverzüglich zu melden.
Insbesondere vor jeder Benutzung von elektrisch isolierendem Fußschutz nach DIN EN 50321 (VDE 0682-331) "Elektrisch isolierende Schuhe für Arbeiten an Niederspannungsanlagen" ist vom Benutzer eine Sichtprüfung durchzuführen. Im Zweifelsfall sind die Schuhe einer elektrischen Stückprüfung zu unterziehen. Bei Feststellung von mechanischen Schäden, chemischen Schäden oder leichten Rissen, dürfen die Schuhe nicht weiter benutzt werden. Die regelmäßige Wiederholungsprüfung ist entsprechend den Herstellerempfehlungen durchzuführen.
Das Datum der Prüfung oder das Datum der Wiederholungsprüfung ist auf dem vorgesehenen Kennzeichnungsfeld am Schuh dauerhaft zu vermerken.
Näheres zu elektrisch isolierendem Fußschutz siehe auch Abschnitt 4.2.5 des Anhanges 2.
3.3.5.2 Reinigung, Pflege und Aufbewahrung
Fuß- und Knieschutz sind gemäß Herstellerinformation zu reinigen, zu pflegen und aufzubewahren.
Nasser Fußschutz sollte nach der Arbeit so gelagert werden, dass die Möglichkeit zum Trocknen besteht. Lederschuhe dürfen nicht zu nah an eine Heizquelle gestellt werden, um ein zu starkes Austrocknen und damit Brüchigwerden des Leders zu vermeiden. Trocknungsanlagen bietet der Handel an; bewährt hat sich auch ein Ausstopfen mit Zeitungspapier.
Elektrisch isolierender Fußschutz nach DIN EN 50321 (VDE 0682-331) ist vor der ersten Benutzung und zwischen jeder folgenden nach den Vorgaben des Herstellers zu lagern.
Die Schuhe dürfen in der Regel nicht gedrückt, geknickt, in der Nähe einer Heizquelle gelagert oder für längere Zeit dem Sonnenlicht, künstlichem Licht oder anderen Ozon erzeugenden Quellen ausgesetzt werden.
3.3.5.3 Instandhaltung
Der Unternehmer hat nach § 2 der PSA-Benutzungsverordnung für einen ordnungsgemäßen Zustand des Fuß- oder Knieschutzes zu sorgen. Er hat hierbei die erforderliche Instandhaltung und den Austausch von Fuß- oder Knieschutz, einen bleibenden Schutz und gute hygienische Bedingungen zu gewährleisten.
Das Ersetzen oder Austauschen von Einlegesohlen ist nur zulässig, wenn der Hersteller es ausdrücklich zulässt und eine entsprechende Sohle verwendet wird.
DGUV Regel 112-191: Benutzung von Fuß- und Knieschutz, Anhang 1: Gefährdungsermittlung und Maßnahmen
Gefährdungsermittlung und Maßnahmen
1 Durch Fußschutz im Wesentlichen abzudeckende Gefährdungen
Gefährdungen Ursachen und Art der Einwirkungen Auswahlkriterien
Herabfallende Gegenstände oder Einklemmen des Vorderfußes
Festigkeit des Schuhes im Bereich der Zehen
Sturz und Auftreffen mit der Ferse
Energieaufnahmevermögen des Absatzes
Verstärkung der Hinterkappe
Einwirkung auf
den Mittelfuß
Vorhandensein wirksamer Ausrüstungen, z.B. Polsterung
Treten auf spitze und schneidende Gegenstände
Sturz durch Ausgleiten
Rutschhemmung der Sohle
Einwirkung von Elektrizität
Isolierung, Ableitung von Spannung
Flüssigmetallspritzer
Wärme- bzw. Kälteisolierung
Flüssigkeiten, Stäube oder Nebel
Dichtheit, Beständigkeit
Mikroorganismen oder andere biologische Stoffe
Zündung explosionsfähiger Atmosphäre
Einwirkungen durch den Fußschutz
mangelhafter Tragekomfort, z.B.
eingeschränkte Passform
Form, Abpolsterung und Größe des Schuhs
Dampfdurchlässigkeiten und Wasserdampfaufnahme
hohes Schuhgewicht oder Steifigkeit
Flexibilität, Gewicht
Eingeschränkte Reinigungsmöglichkeiten
Eingeschränkter Halt des Fußes
Passform, Aussteifung in Querrichtung des Schuhs und im Gelenk,
2 Muster einer Checkliste für die Gefährdungsermittlung beim Fußschutz
Diese Checkliste ist vom Unternehmer unter Beteiligung der Benutzer zu erstellen.
Für Arbeits bzw. Betriebsbereiche mit unterschiedlichen Gefährdungen sind gesonderte Checklisten zu erstellen.
Die Checklisten dienen der Einholung von Vergleichsangeboten verschiedener Hersteller oder Lieferanten.
Die Checklisten sollten auch Bestandteil der Beschaffungsspezifikation sein.
Checkliste für die Auswahl von Fußschutz
Art des Betriebes/Arbeitsbereiches
Art der Gefährdung ja nein Weitere Angaben bei *) erforderlich, ansonsten gewünscht
Einklemmen des Fußes
Treten auf spitze oder schneidende Gegenstände
Einwirkung auf die Knöchel
Einwirkung auf den Mittelfuß
Einwirkung von Elektrizität *)
Elektrische Spannung Spannung Volt
Thermische Einwirkungen *)
Kälte Temperatur
Exposition Std./Tag
Chemische Einwirkungen*) Art der Chemikalien:
Biologische Einwirkungen *) Art der biologischen Stoffe:
Einwirkung von UV-Strahlung *) Art der Strahlung/Kontamination:
Kontamination durch radioaktive Stoffe
Einwirkung durch Feuchte und Witterung *) Art der Verwendung/Einwirkung:
Verwendung überwiegend im Freien ganzjährig
im Freien im Winter
in überdachten Gebäuden
in geschlossenen Gebäuden
Sonstige Angaben zur Spezifikation des Fußschutzes:
3 Berechnung der Risikoprioritätszahl
Das nachfolgend beschriebene Verfahren stellt eine Möglichkeit zur Risikobeurteilung dar und ist angelehnt an die DIN EN 1050 "Sicherheit von Maschinen; Leitsätze zur Risikobeurteilung".
3.2 Durchführung der Risikobeurteilung
Nach der DIN EN 1050 wird das Risiko durch die "Risikoprioritätszahl (RPZ)" ausgedrückt. Diese ergibt sich aus dem Produkt "Schwere der Verletzung" multipliziert mit der "Wahrscheinlichkeit des Auftretens".
Risikoprioritätszahl (RPZ) =
Schwere der Verletzung/des Schadens (V) x Wahrscheinlichkeit des Auftretens (A)
Die "Schwere der Verletzung/des Schadens" ergibt sich aus Tabelle 1 und die "Wahrscheinlichkeit des Auftretens" aus Tabelle 2 dieses Anhangs, wobei jeweils Zahlenwerte von 1 bis 10 möglich sind.
Die Ziffer der "Schwere der Verletzung/des Schadens" ist entsprechend den Arbeitsverfahren möglichst objektiv festzulegen. Die Bewertungsskala reicht hier von einer minimalen "leichten Fuß- und Beinverletzung bzw. leichten Verletzung durch fehlenden/unzureichenden Fuß- und Knieschutz" (Ziffer 1) bis hin zum Tod (Ziffer 10). Infektionsgefahr kann die Folgen der Verletzung deutlich erhöhen.
Schwere der Verletzung/ des Schadens Fuß-, Beinverletzungen bzw. Verletzungen oder Gesundheitsgefahren durch fehlenden oder unzureichenden Fuß-, Knieschutz Beispiele
1 Leicht Kein Arbeitsunfall z.B. Umknicken ohne Folgen
2 Kein Arbeitsunfall z.B. Umknicken mit subjektiv leichten Beeinträchtigungen
3 AU1) ≤ 3 Tage Ambulante Behandlung erforderlich, z.B.:
4 Mittel 3 Tage < AU1) ≤ 2 Wochen z.B.:
Stich-/Schnittverletzungen z.B. durch spitze/scharfe Gegenstände
Schwere Zehenprellungen
Distorsionen/Zerrungen z.B. durch Umknicken
Fußsohlenverbrennungen z.B. beim Einbau bituminöser Massen
5 2 Wochen < AU1) ≤ 6 Wochen z.B.:
Bänderrisse z.B. durch Umknicken
Zehenbrüche der kleinen Zehen z.B. durch fallende, umkippende Gegenstände
Schwere Prellungen/Quetschungen z.B. durch fallende, umkippende Gegenstände oder durch Überrollen
Amputation eines Kleinzehs oder beider Kleinzehen
6 6 Wochen < AU1) ≤ 3 Monate z.B.:
Bänderabrisse evtl. mit Außenknöchelbrüchen z.B. durch Umknicken
Mittelfußbrüche z.B. durch fallende, umkippende Gegenstände oder durch Überrollen
Bruch des Wadenbeins z.B. durch Absturz, umfallende Gegenstände, Überfahren
7 AU1) > 3 Monate z.B.:
Amputation eines Großzehs oder mehrerer Kleinzehen z.B. durch fallende, umkippende Gegenstände
Bruch des Schienbeins z.B. durch Absturz, umfallende Gegenstände, Überfahren
8 Schwer Dauerhafte Verletzungsfolgen mit einer Minderung der Leistungsfähigkeit (MdE2) zwischen 20 % und 40 %) z.B.:
Fußverletzungen z.B. durch heiße, tiefkalte oder ätzende hineinlaufende, spritzende oder tropfende Massen
Fersenbeinbrüche durch z.B. Absturz, Stürzen, Stolpern
Trümmerbrüche z.B. durch Absturz, Umknicken, Überfahren, fallende Gegenstände
Verletzungen des Sprungbeinknochens
9 Dauerhafte Verletzungsfolgen mit einer Minderung der Leistungsfähigkeit (MdE2) über 40 %) z.B. Amputationen evtl. bis zum Knie, z.B. durch Überfahren, Abschneiden, Abscheren oder Abtrennen bei Hochdruckstrahlarbeiten
10 tödlich z.B.:
Elektroarbeiten an spannungsführenden Teilen, die isolierendes Schuhwerk erfordern
Arbeiten, bei denen der Schuh Zündquelle für Explosionen sein kann
1) AU = Arbeitsunfähigkeit
2) MdE = Minderung der Erwerbsfähigkeit
Tabelle 1: Schwere der Verletzung/des Schadens (Verletzungsziffer 1 bis 10)
Die Ziffer zur "Wahrscheinlichkeit des Auftretens" ist unter anderem von folgenden Einflüssen abhängig:
Betriebsorganisation, z.B. Unterweisungen, Kontrollen, Zeitdruck, vertragliche Verpflichtung zur Benutzung der persönlichen Schutzausrüstungen
bisher verwendete persönliche Schutzausrüstungen
Betriebserfahrung (festgestellte Verstöße gegen Arbeitsanweisungen)
Häufigkeit (seltene Tätigkeiten, Unterschätzen der Gefahr durch Routine)
Körperliche und geistige Verfassung des Mitarbeiters
Arbeitsunfälle und Beinahe-Unfälle (Verbandbucheinträge)
4 Mittel Wahrscheinlich
7 Hoch Äußerst wahrscheinlich
Zwangsläufig, unabdingbar
Tabelle 2: Wahrscheinlichkeit des Auftretens (A)
Die Ziffern zur Wahrscheinlichkeit des Auftretens sind generell den drei Stufen "Gering, Mittel, Hoch" zugeordnet, wobei sich die Zwischenwerte insbesondere durch die oben genannten Faktoren ergeben. Ziffer 10 beschreibt ein unabwendbares Ereignis.
Beispiele für die Berechnung der Risikoprioritätszahl sind im Internetauftritt des Fachausschusses PSA unter www.hvbg.de/psa zusammengestellt.
DGUV Regel 112-191: Benutzung von Fuß- und Knieschutz, Anhang 4: Allgemeine Informationen zum Schuhaufbau
Allgemeine Informationen zum Schuhaufbau
1 Grundanforderungen
1.1 Schuhoberteil
Das Schuhoberteil darf aus Leder oder anderen Materialien bestehen.
Gutes Schuhleder hat die Eigenschaft, sich in kurzer Zeit der individuellen Fußform anzupassen. Es kann sich in Grenzen dehnen, aber nicht zu sehr ausweiten, und nach der bleibenden Dehnung passt es sich elastisch der Änderung des Fußvolumens im Laufe des Tages an. Die Volumenänderung beträgt bei normaler Belastung 4 bis 5 %, kann aber in Einzelfällen bis zu 8 % betragen.
Anforderungen an das Schuhoberteil sind Dicke, Reißkraft, Festigkeit, Biegeverhalten, Wasserdampfdurchlässigkeit, Wasserdampfzahl, pH-Wert, Hydrolyse und - neu in den Normen DIN EN ISO 20345 bis DIN EN ISO 20347 aufgenommen - Chrom VI-Gehalt. Im Vergleich mit den zurückgezogenen Normen der Reihe DIN EN 345 bis Normen der Reihe DIN EN 347 definieren die aktuellen relevanten Normen des Fußschutzes eine neue Mindesthöhe für die Schuhformen B, C, D und E, bis zu der alle verwandten Materialien die Anforderungen an das Schuhoberteil vollständig erfüllen müssen. Darüber hinaus muss das Obermaterial ebenfalls die Anforderungen erfüllen, ausgenommen sind jedoch Einsätze und Polsterkragen. Hier gelten die für das Futter geringeren Anforderungen an Reißkraft und Abriebwiderstand.
Wasserdampfdurchlässigkeit und Wasserdampfaufnahme ergeben die Wasserdampfzahl als Maßstab für den bekleidungsphysiologischen Wert des Schuhes. Die Wasserdampfzahl kann sich aus hoher Wasserdampfdurchlässigkeit und geringer Wasserdampfaufnahme oder umgekehrt aus geringer Wasserdampfdurchlässigkeit und hoher Wasserdampfaufnahme ergeben, wobei ein Mindestwert für die Wasserdampfdurchlässigkeit nicht unterschritten werden darf.
Renommierte Schuhhersteller verkleben das Futterleder mit dem Oberleder so wenig wie möglich, damit der Kleber keine Sperrschicht bildet. Weitgehende Reduzierung der Klebestellen und der Anwendung der Punktverklebung lassen gute Ledereigenschaften voll zur Geltung kommen. Die Prüfung erfolgt am fertigen Schuh durch Herausschneiden der erforderlichen Prüfstücke.
Chrom VI darf mit der in den harmonisierten Normen beschriebenen Prüfmethode nicht nachweisbar sein. Als Nachweisgrenze ist 10 mg/kg angegeben.
Die Hinterkappe gibt dem Fuß im Fersenbereich einen festen seitlichen Halt. Auch unter Feuchtigkeitseinfluss (Fußschweiß) darf sie ihre Festigkeit nicht verlieren. Die Funktion der Hinterkappe darf auch durch eine äußere Verstärkung erreicht werden.
Zur Vermeidung eines vorzeitigen Verschleißes des Oberleders an der Zehenkappe z.B. bei häufig kniender Tätigkeit ist die Abdeckung mit einer Überkappe aus Sohlenmaterial oder ähnlich verschleißfestem, nicht kreidendem Material empfehlenswert.
Der Polsterkragen mit integriertem Knöchelschutz hat sich gut bewährt. Für diesen Bereich entfällt das manchmal schmerzhafte Eingewöhnen an neue Schuhe. Auch die Abpolsterung der Faltenlasche, zweckmäßig über die oberste Schnürung hinausgehend, verbessert die Trageeigenschaften.
Es wird unterschieden zwischen Blatt- und Quartierfutter. Blattfutter wird bei allen Schuhausführungen gefordert. Quartierfutter muss nicht, darf aber vorhanden sein. Falls es vorhanden ist, muss es den Anforderungen der Norm genügen.
Zu Blatt- und Quartierfutter siehe Bild 1.
Die Anforderungen an das Futter richten sich an Reißkraft, Abriebwiderstand, Wasserdampfdurchlässigkeit, Wasserdampfzahl, pH-Wert und - neu in den Normen DIN EN ISO 20345 bis DIN EN ISO 20347 aufgenommen - den Chrom VI-Gehalt.
Durchgescheuerte Fersenfutter sind häufige Reklamationsgründe. Der Hersteller gibt Auskunft über die Anzahl der Scheuerzyklen. Chrom VI darf mit der in den harmonisierten Normen beschriebenen Prüfmethode nicht nachweisbar sein. Als Nachweisgrenze ist 10 mg/kg angegeben.
1.3 Lasche
Ist eine Lasche vorhanden, müssen die Reißkraft, der pH-Wert und - neu in den Normen DIN EN ISO 20345 bis DIN EN ISO 20347 aufgenommen - der Chrom VI-Gehalt den Anforderungen genügen.
1.4 Laufsohle
Die Laufsohle muss ausreichend fest mit dem Schaft verbunden (Trennkraft) sein.
Es werden keine Anforderungen an die Profilgestaltung gestellt. Es dürfen auch glatte Sohlen ohne Profil verwendet werden. Dies ist bei direkt angespritzten, vulkanisierten oder geklebten Laufsohlen oder bei mehrschichtigen Laufsohlen der Fall, wenn die Höhe des Profils geringer als 2,5 mm ist.
Die Laufsohle von Sicherheits- und Schutzschuhen muss kraftstoffbeständig sein. Bei Berufsschuhen ist die Kraftstoffbeständigkeit der Laufsohle eine Zusatzanforderung.
Die Laufsohle muss eine durchgehende Mindestdicke und Festigkeit (Reißkraft, Abrieb, Biegeverhalten, Hydrolyse, Trennkraft zwischen den Schichten bei Mehrschichtensohlen) haben.
1.5 Brandsohle
Die Brandsohle ist die Aufstandsfläche des Fußes und musste gemäß den zurückgezogenen Normen der Reihe DIN EN 345 bis Normen der Reihe DIN EN 347 in allen Schuhausführungen außer bei der Klassifizierungsart II (ganz geformte oder vulkanisierte Schuhe) vorhanden sein. Nach den neuen Normen DIN EN ISO 20345 bis DIN EN ISO 20347 kann Fußschutz der Klassifizierungsart I auch ohne Brandsohle hergestellt werden. Voraussetzung ist, dass eine nicht herausnehmbare Einlegesohle vorhanden ist, die die entsprechenden Anforderungen erfüllt. Darüber hinaus ist eine Reihe von Kombinationen von Brandsohle und Einlegesohle bzw. Fersendecksohle möglich (siehe Tabelle 8), wobei diese Kombinationen einen optimalen Tragekomfort (Anforderungen an Mindestdicke, Abriebwiderstand, pH-Wert, Chrom VI - Gehalt sowie Wasseraufnahme und Wasserabgabe) gewährleisten sollen. Das Material für die Brand- bzw. der Einlegesohle ist nicht vorgeschrieben.
Nur die vom jeweiligen Schuhhersteller zugelassen Einlegesohlen dürfen benutzt werden. Werden andere Einlegesohlen verwendet, wird einerseits das Baumuster verändert, d.h. ein neuer Schuh vorschriftswidrig in Verkehr gebracht, und werden andererseits möglicherweise der elektrischen Durchgangswiderstand des gesamten Schuhs und die Mindestresthöhe unter der Zehenkappe (siehe Abschnitt 1.6 dieses Anhanges) beeinträchtigt.
1.6 Zehenkappe
An die Zehenkappe der Sicherheits- oder Schutzschuhe werden unterschiedliche Anforderungen gestellt, und zwar an die dynamische und die statische Belastbarkeit (Stoß und Druck).
Es wird zwischen zwei Zehenkappenausführungen unterschieden (Prüfenergien 200 J und 100 J, bzw. Druckkräfte von 15 KN und 10 KN).
200 J entspricht in etwa der Energie, die beim Auftreffen einer 20 kg schweren Masse aus einer Höhe von 1 m entsteht, eine Druckkraft von 15 KN resultiert aus einer Masse von 1500 kg.
Nach der Prüfung dürfen die in Abhängigkeit von der Schuhgröße festgesetzten Mindestresthöhen nicht unterschritten werden. Soweit Zehenkappen in Berufsschuhe eingebaut werden, sind keine Anforderungen an die Zehenkappe gestellt. Solche Schuhe dürfen darum nicht als Sicherheits- oder Schutzschuh verwendet werden.
Die Prüfung der Zehenkappen gemäß den harmonisierten Normen erfolgt senkrecht von oben. Gegenüber einer seitlichen Belastung, z.B. bei einem seitlichen Überrollen, ist kein Schutz gegeben bzw. bietet die Zehenkappe aufgrund ihrer Konstruktion nur einen begrenzten Schutz.
Die harmonisierten Normen schreiben kein Material vor, aus dem die Zehenkappe herzustellen ist. Die Zehenkappe besteht üblicherweise entweder aus metallischen Werkstoffen, z.B. Stahl oder Aluminium, oder aus nichtmetallischen Werkstoffen, z.B. Verbundwerkstoffen oder Kunststoff. Sie darf sich nicht ohne Zerstörung des Schuhes entfernen lassen.
Auf Grund der Materialeigenschaften weisen die Zehenkappen aus Metall - im Vergleich mit den nichtmetallischen Zehenkappen - ein höheres Gewicht und eine höhere Festigkeit auf. Nach der dynamischen Belastung entsprechend den harmonisierten Normen verbleibt eine plastische Verformung, die, wenn die Anforderung erfüllt ist, eine Mindestresthöhe unter der Zehenkappe garantiert. Dagegen sind nichtmetallische Zehenkappen leichter und können sich elastischer verhalten, d.h. sie können sich gegebenenfalls nach einer Beaufschlagung zurück verformen. Der Benutzer muss aber trotz gegebenenfalls geringer Deformation den Zustand der Zehenkappe gemäß den Herstellerangaben beurteilen und entsprechend der Herstellerangaben handeln.
Nichtmetallische Zehenkappen müssen neben der statischen und dynamischen Belastbarkeit gemäß den harmonisierten Normen DIN EN ISO 20345 bis DIN EN ISO 20347 die Anforderung "chemische und thermische Alterung" erfüllen. Chemische Alterung bedeutet, dass die Zehenkappe jeweils vor der dynamischen Belastung 24 Stunden vollständig in Säure, Lauge und Kraftstoff getaucht wird. Bei der thermischen Alterung wird die dynamische Belastung der Zehenkappe bei +40 °C bzw. -1 °C durchgeführt.
Die Mindestzehenkappengröße ist der jeweiligen Schuhgröße zugeordnet. Die Länge der Zehenkappe wird durch die Abrollbewegung des Fußes begrenzt, die sich im Oberleder in der so genannten Gehfalte auswirkt. Je flexibler der Schuhunterbau ist, umso mehr nähert sich die Zehenkappenkante dem Fußrücken. Bei sorgfältiger Abdeckung der Zehenkappenkante wird eine großflächige Druckverteilung erreicht und eine örtliche Druckstelle vermieden. Die sorgfältige Ausbildung des Überganges von der Zehenkappe zum Schaft ist ein wesentlicher Maßstab für einen guten Sicherheits- bzw. Schutzschuh. Die häufigsten Beanstandungen beziehen sich auf diesen Bereich. Auf Wunsch verarbeiten Schuhhersteller auch überbreite Zehenkappen oder bieten Schuhe mit Überweiten an.
Aus dem Unfallgeschehen ist zu erkennen, dass in vielen Fällen die Zehenkappe (der kleine Zeh ist nicht abgedeckt) mehr als nur die von ihr abgedeckte Fläche des Fußes schützen kann, weil viele auftreffende Gegenstände flächig sind.
1.7 Rutschhemmung
Nach der Achten Verordnung zum Geräte- und Produktsicherheitsgesetz (Verordnung über das Inverkehrbringen von persönlichen Schutzausrüstungen 8. GPSGV) wird generell rutschhemmender Fußschutz gefordert.
Die Analyse von Unfällen ergibt einen besonderen Schwerpunkt bei den Sturzunfällen. Eine große Anzahl dieser Unfälle entsteht durch Ausrutschen beim Gehen. Die Ursachen für das Ausrutschen sind vielfältig. Sie sind insbesondere in der Beschaffenheit und Verschmutzung des Fußbodens bzw. Geländes, in der Form des Fußschutzes und in der Gestaltung der Laufsohle zu suchen.
Hinweise für die Auswahl von Fußböden in Arbeitsräumen und Arbeitsbereichen mit Rutschgefahr sind der BG-Regel "Fußböden in Arbeitsräumen und Arbeitsbereichen mit Rutschgefahr" (BGR 181) zu entnehmen.
In den zurückgezogenen Normen der Reihe DIN EN 344 bis 347 wurden keine Anforderungen an die Rutschhemmung definiert. In Deutschland erfolgte die Bestimmung der Rutschhemmung mit dem Verfahren der "Schiefen Ebene". Im Prinzip geht eine Person auf einer sich neigenden Ebene mit dem zu prüfenden Fußschutz im Trippelgang vor- und rückwärts. Der Bodenbelag und das Gleitmittel sind vorgeschrieben. Gemessen wird der Winkel, bei dem die Person nicht mehr bereit oder in der Lage ist, den Trippelgang weiterzuführen. Als Mindestanforderung bei allen Schuhen ist die Bewertungsgruppe R1 (Akzeptanzwinkel von 4 bis 10 °) erforderlich. Bei einem Akzeptanzwinkel > 10° ist die Bewertungsgruppe R2 erreicht.
In den harmonisierten Normen DIN EN ISO 20345 bis DIN EN ISO 20347 werden ebenfalls keine Anforderungen an die Rutschhemmung definiert. Es ist beabsichtigt, diese auf der Basis des Prüfverfahrens nach DIN EN 13287 "Elektrisch isolierende Schuhe für Arbeiten an Niederspannungsanlagen" einzufügen. Bei dem Prüfverfahren nach DIN EN 13287 handelt es sich um ein maschinelles Prüfverfahren. Bestimmt werden die Reibungskoeffizienten auf den Untergründen "Keramikfliese" und "Stahlboden" mit den Gleitmitteln "Glycerin" und einer Detergenslösung aus "Wasser + NaLS" gemäß dem Abrollen des Fußes beim Gehen, d.h. für das Vorwärtsgleiten der Ferse (+7°), das ebene Vorwärtsgleiten (0°) sowie das Rückwärtsgleiten auf der Schuhspitze (-7°).
Die Laborergebnisse der Rutschhemmungsprüfungen von Fußböden und Fußschutz sind nur begrenzt für die Praxis nutzbar. Weil die Prüfmethoden bei der Fußboden- und der Fußschutzprüfung unterschiedlich sind, besteht kein Zusammenhang zwischen den Ergebnissen.
2 Zusatzanforderungen
Neben den vorgenannten Grundanforderungen können auf Grund der Gefährdungsbeurteilung an den Fußschutz zusätzliche Anforderungen gestellt werden. Zusatzanforderungen, die den Normen DIN EN ISO 20345 bis DIN EN ISO 20347 entsprechen, sind gemäß den Normen zu kennzeichnen (siehe Tabellen 7 und 9). Welche zusätzliche Anforderung von einem Schuh erfüllt wird, muss aus der Kennzeichnung ersichtlich sein.
2.1 Wasserdurchtritt und Wasseraufnahme beim Schuhoberteil
An das Schuhoberteil von Schuhen aus Leder oder anderen Materialien (Klassifizierungsart I) darf eine zusätzliche Anforderung an den Wasserdurchtritt und die Wasseraufnahme gestellt werden (Kennzeichnung "WRU"). Im Vergleich mit den zurückgezogenen Normen der Reihe DIN EN 345 bis Normen der Reihe DIN EN 347 wurde in den aktuellen Normen das Prüfverfahren modifiziert und die Grenzwerte entsprechend verändert.
2.2 Profilierung, Kontaktwärme und Kraftstoffbeständigkeit bei der Laufsohle
Profilierte Laufsohlen unterliegen einer Zusatzanforderung. Eine Laufsohle gilt als profiliert, wenn einerseits bei direkt angespritzten, vulkanisierten, geklebten oder bei mehrschichtigen Laufsohlen die Profilhöhe nicht weniger als 2,5 mm oder andererseits bei Vollgummi- oder Gesamtpolymerschuhen die Profilhöhe nicht weniger als 4 mm beträgt. Die Zusatzanforderung beinhaltet in Abhängigkeit der Art der Laufsohle darüber hinaus Anforderungen an die profilierten Flächen und die Dicke der Laufsohlen.
Weitere Zusatzanforderungen sind:
die Beständigkeit gegen Kontaktwärme (Kennzeichnung "HRO"). Diese Sohlen aus Gummi- oder Polymermaterial sowie aus Leder bieten einen thermischen Schutz vor einer Temperatur von bis zu 300 °C und einem kurzzeitigen Kontakt von bis zu 60 s und
bei Berufsschuhen die Kraftstoffbeständigkeit (Kennzeichnung "ORO" gemäß der zurückgezogenen DIN EN 347 bzw. "FO" nach DIN EN ISO 20347).
2.3 Durchtrittsicherheit
Aufgabe des durchtrittsicheren Unterbaus ist es, das Eindringen von spitzen und scharfen Gegenständen in die Fußsohle zu verhindern.
Für die durchtrittsichere Einlage ist kein bestimmter Werkstoff vorgeschrieben. Maßgebend ist die beim Durchdrücken eines Prüfnagels erforderliche Kraft, die größer als 1100 N sein muss.
1100 N entsprechen ca. der Gewichtskraft einer Masse von 110 kg oder der auftretenden Kraft eines 80 bis 90 kg schweren Menschen beim Gehen. Trotzdem sind die Fälle selten, in denen die durchtrittsichere Einlage aus Stahl vom Nagel durchdrungen wird.
Im Allgemeinen hat sich Bandstahl von ca. 0,45 mm Dicke durchgesetzt.
Die Flexibilität der Laufsohle im Ballenbereich bleibt weitgehend erhalten, wenn die Stahlzwischensohle richtig eingebaut wird. Sie sollte im Ballenbereich längsverschiebbar sein. Bei fester Verbindung mit dem Schuhunterbau im hinteren Steg und im Absatzbereich wird das Wandern der Stahlsohle im Schuh verhindert. Damit wird der so genannte Sperrholzeffekt vermieden, der die Abrollbewegung stark behindert. Inzwischen gibt es Schuhkonstruktionen mit Stahlzwischensohlen, die so flexibel sind, dass das Vorhandensein der Stahlsohle nicht zu erkennen ist.
Um eine Verbindung innerhalb der Laufsohle und mit dem Schaft sicherzustellen, darf die Stahlzwischensohle nicht bis an den Sohlenrand reichen.
Mit der Festlegung der zur Schuhgröße zugeordneten Breite ist der Fußgrundriss praktisch abgedeckt. Allerdings kann ein seitlich oder im inneren Gelenkbereich eindringender Nagel den Fuß noch treffen. Diese Fälle sind selten.
Verschiedene Schuhhersteller bieten durchtrittsichere Einlagen aus nichtmetallischem Material an. Diese Einlagen können mit dem Schaft vernäht werden, so dass der gesamte Sohlenbereich abgedeckt wird. Gemäß den neuen harmonisierten Normen DIN EN ISO 20345 bis DIN EN ISO 20347 müssen die nichtmetallischen durchtrittsicheren Einlagen die Anforderung "chemische und thermische Alterung" erfüllen. Chemische Alterung bedeutet, dass die durchtrittsichere Einlage jeweils vor dem Durchdrücken des Prüfnagels in Säure, Lauge und Kraftstoff getaucht wird. Bei der thermischen Alterung wird das Durchdrücken des Prüfnagels bei +40 °C bzw. -1 °C durchgeführt.
Die Einlage darf ohne Zerstörung des Unterbaues nicht entfernt werden können, sie darf nicht über der Bördelung der Zehenkappe liegen und nicht mit ihr fest verbunden sein.
Herausnehmbare durchtrittsichere Einlagen sind unzulässig. (Die Durchtrittsicherheit wird mit "P" gekennzeichnet.)
2.4 Elektrischer Durchgangswiderstand des Schuhunterbaues
Je nach Größe des elektrischen Durchgangswiderstandes wird zwischen "leitfähigen", "antistatischen" und "elektrisch isolierenden" Schuhen unterschieden.
Leitfähige Schuhe werden erforderlich, wenn ein elektrostatisches Aufladen durch ein Ableiten der elektrostatischen Ladung in kürzester Zeit zu verhindern und eine Berührung mit unter Spannung stehenden Teilen ausgeschlossen ist.
Diese Schuhe werden z.B. bei der Montage von empfindlichen elektronischen Bauteilen eingesetzt.
Die obere Grenze des Widerstandes beträgt dabei 105Ω (Kennzeichnung "C") nach Konditionierung in einer trockenen Atmosphäre (30 % Feuchtigkeit).
Antistatische Schuhe müssen benutzt werden, wenn die Notwendigkeit besteht, elektrostatische Aufladung zu vermindern, und gleichzeitig die Berührung von unter Spannung stehenden Geräten nicht ausgeschlossen ist. Nach Konditionierung in trockener (30% Feuchtigkeit) sowie in feuchter Atmosphäre (85% Feuchtigkeit) muss der elektrische Widerstand zwischen 105Ω und 109Ω liegen (Kennzeichnung "A").
Gemäß der BG-Regel "Vermeidung von Zündgefahren infolge elektrostatischer Aufladungen" (BGR 132) stellt ein ableitendes Schuhwerk sicher, dass eine auf ableitendem Boden stehende Person einen Ableitwiderstand gegen Erde von höchstens 108 aufweist. Der Fußschutz erfüllt nicht automatisch die Anforderungen gemäß BGR 132, weil sich die Messmethoden zur Bestimmung des elektrischen Durchgangswiderstandes unterscheiden. Vor dem Beginn der Arbeiten in explosionsgefährdeten Bereichen ist z.B. durch Messungen festzustellen, ob der Fußschutz für diese Arbeiten geeignet ist.
Elektrisch isolierende Schuhe (Kennzeichnung I) sollen ein Durchströmen des Körpers verhindern und müssen der elektrischen Klasse O bzw. der elektrischen Klasse OO entsprechen (siehe Abschnitt 4.2.5 des Anhanges 2).
2.5 Schuhe mit wärmeisolierendem Unterbau (Hitzeschuhe)
Damit es beim Betreten von heißen Flächen, z.B. beim Einbau von heißem bituminösem Mischgut oder in Schmelz-, Gieß-, Flämm- und Brennbetrieben nicht zu Verbrennungen der Fußsohlen kommt, müssen Schuhe mit wärmeisolierendem Schuhunterbau benutzt werden, deren Sohlenaufbau die erforderliche thermische Eigenschaft besitzt.
In den Schuhen hat die metallische Zehenkappe keinen negativen Einfluss auf die Erwärmung im Schuhinneren bei hohen Außentemperaturen.
Besteht die Gefahr des Hineintretens in spitze oder scharfe Gegenstände, muss der Unterbau von Hitzeschuhen durchtrittsicher ausgebildet werden. Bei der Verwendung einer durchtrittsicheren Einlage aus Stahl hat diese keinen negativen Einfluss auf die Wärmeisolation des Schuhunterbaues.
Der wärmeisolierende Unterbau kann immer nur eine begrenzte Schutzfunktion erfüllen. Die Prüfung wird mit einer Kontakttemperatur von 150 °C durchgeführt. Gemessen wird der Temperaturanstieg im Schuh nach 30 Minuten. Zusätzlichen Wärmeschutz bieten z.B. dicke Wollsocken.
Bild 8: Beispiel für Schaftstiefel aus metallisiertem Leder
Eine Höchsttemperatur im Innern des Schuhes von 42 °C gilt medizinisch noch als unbedenklich.
Schuhe, die den Anforderungen an die Wärmeisolierung genügen, sind mit "HI" gekennzeichnet.
Bei Beanspruchung durch Wärmestrahlung haben sich Schaftstiefel und hohe Schnürstiefel bewährt, die aus wärmereflektierendem metallisiertem Leder gefertigt sind (siehe Bild 8).
Beim Umgang mit feuerflüssigem Material, heißen Funken und Spritzern bieten Stiefel aus metallisiertem Leder der Formen D und C bestmöglichen Schutz gegen Verbrennungen des Fuß und Unterschenkelbereichs; sie sind Schuhen mit Gamaschen vorzuziehen. In diesen Fällen haben sich Schuhe mit einteiligem Schaft und Hinterkappennaht bewährt. Die Hosenbeine sind immer über den Stiefelschäften zu tragen.
2.6 Schuhe mit kälteisolierendem Unterbau
Zum Schutz gegen Kälte sind Schuhe mit kälteisolierendem Unterbau ausgerüstet (Kennzeichnung "CI"). Gemäß den zurückgezogenen Normen der Reihe DIN EN 345 bis Normen der Reihe DIN EN 347 erfolgte die Prüfung bei einer Außentemperatur von -20 °C und einer Temperatur im Schuhinnern von + 20 °C. In den Normen DIN EN ISO 20345 bis DIN EN ISO 20347 beträgt die Außentemperatur -17 °C und die Temperatur im Schuhinnern + 23 °C. Die Anforderung kälteisolierender Unterbau gilt als erfüllt, wenn der Temperaturabfall nach 30 Minuten im Schuhinnern auf der Oberfläche der Brandsohle nicht mehr als 10 °C beträgt.
In diesen Schuhen haben weder die metallische Zehenkappe noch eine eingebaute durchtrittsichere Einlage aus Stahl einen negativen Einfluss auf die Abkühlung im Schuhinneren bei tiefen Außentemperaturen. Schuhe mit einer PUR-Laufsohle haben gute Isolationseigenschaften, während bei Gummi und PVC-Sohlen zusätzliche Maßnahmen zur Verbesserung der Isolation notwendig sind. Bei Schuhen für die kalte Jahreszeit kommt dem Isolationsvermögen des Schuhunterbaues mehr Bedeutung zu als der Schaftisolation. Deshalb kann bei Winterschuhen auf eine Schaftisolierung verzichtet werden, um die Behaglichkeit des Benutzers (thermischer Komfort) möglichst wenig einzuengen. Dieser ist von der Umgebungstemperatur und der jeweiligen körperlichen Leistung abhängig. Die Isolation im Schaftbereich lässt sich durch eine geeignete Fuß- und Beinkleidung den jeweiligen Verhältnissen anpassen.
2.7 Energieaufnahme im Fersenbereich
Das physikalische Maß für die Schutzwirkung ist das Energieaufnahmevermögen des Fersenbereichs der Schuhe. Es muss mindestens 20 J betragen (Kennzeichnung "E").
20 J entspricht in etwa der Energie, die beim Auftreffen einer 2 kg schweren Masse aus einer Höhe von 1 m entsteht.
Die Prüfung erfolgt mittels eines definierten Prüfstempels, der mit einer vorgegebenen Geschwindigkeit bis zu einer Kraft von 5000 N im Bereich des Absatzes von innen gegen den Schuhunterbau gepresst wird. Hieraus lässt sich das Energieaufnahmevermögen bestimmen.
Eine Kraft von 5000 N resultiert aus einer Masse von 500 kg.
Innerhalb der gewerblichen Wirtschaft bilden die Fersenbeinbrüche bei den neuen Unfallrenten einen wesentlichen Unfallschwerpunkt. Die Behandlungs- und Folgekosten der Fersenbeinbrüche belasten die gewerblichen Berufsgenossenschaften mit deutlich mehr als 270 Millionen Euro jährlich.
60 % der neuen Unfallrenten resultieren durch Absturz und ca. 30 % der Fälle werden durch Stolpern, Rutschen und Stürzen hervorgerufen. Unfallursächlich ist vor allem das Arbeiten auf Leitern und Tritten. Die am häufigsten betroffenen Wirtschaftszweige sind der Baubereich, die Bereiche Metall, Handel und Verwaltung sowie Verkehr.
2.8 Mittelfußschutz
Der Mittelfußschutz schützt nicht nur den Mittelfuß vor einer dynamischen Belastung (Stoß), sondern übernimmt auch den Schutz der nicht von der Zehenkappe abgedeckten Grundglieder der 4. und 5. Zehe. Er kann sowohl im Schuh integriert oder außen am Schuh befestigt sein und darf nicht ohne den Schuh zu beschädigen entfernt werden können. Die Kennzeichnung eines Schuhs mit Mittelfußschutz ist "M".
Der Sicherheitsschuh mit Mittelfußschutz wird z.B. in Bereichen des Bergbaus und der Stahlindustrie getragen, ist aber auch zweckmäßig für Bereiche, in denen beispielsweise mit Bohr- und Aufbruchwerkzeugen gearbeitet wird.
Der Mittelfußschutz verteilt die bei einer Stoßeinwirkung auftretenden Kräfte über Sohle, Zehenkappe und einen möglichst großen Bereich des Fußes. Die Prüfung des Mittelfußschutzes erfolgt mit einer Energie von 100 J. Gemessen wird die Resthöhe, die je nach Schuhgröße eine Mindesthöhe nicht unterschreiten darf.
100 J entspricht in etwa der Energie, die beim Auftreffen einer 10 kg schweren Masse aus einer Höhe von 1 m entsteht.
3 Schuhverschluss
Triangelösen für den Schuhverschluss haben sich wegen ihrer Zweckmäßigkeit weitgehend durchgesetzt. Sie liegen flach auf, gleichen die Schnürsenkelspannung aus und schonen die Schnürsenkel. Damit sind Haken entbehrlich geworden, die abbrechen, ausreißen und mit ihrer Vernietung auf den Fußrücken drücken können. Ein mögliches Hängenbleiben wird vermieden. In das Leder eingesetzte Ösen, besonders solche mit einem kleinen Durchmesser, lassen sich schlecht schnüren und beanspruchen die Schnürsenkel sehr.
Hochwertige Schnürsenkel haben normalerweise die gleiche Lebensdauer wie der Schuh selbst und tragen durchaus dazu bei, dass der Schuh getragen wird. Hitzebeständige Schnürsenkel sind bei Arbeiten mit heißen Massen und Brandbekämpfung erforderlich.
Zum schnellen An- und Ausziehen haben Stiefel z.B. eine Überschlaglasche mit ein oder zwei Patentschnallen, die sich mit einem Handgriff lösen lassen. Es finden auch Einhängeknopfverschlüsse, Schnallenschnell , Klettverschlüsse oder Reißverschlüsse Verwendung.
Ein anderer Schnellverschluss besteht aus einer scharnierartig angebrachten Lederlasche. Er wird durch das Ziehen eines biegsamen Drahtseilstabes am oben angebrachten Ring geöffnet. Bei geschlossener Verbindung wird der Stiefel normal geschnürt (siehe Bild 9).
Beim Rangieren im Gleisbetrieb kann der Zugstiefel eingesetzt werden. Er ermöglicht das schnelle Ausschlüpfen durch einen elastischen Schaftabschluss. Ein am oberen Schaftrand angebrachter Gummiriemen verbessert den Halt des Fußes im Schuh.
Stiefel mit Überschlaglasche
Zugstiefel mit elastischem Schaftabschluss
scharnierartig angebrachte Lederlasche mit biegsamem Drahtseilstab
Bild 9: Schuhe mit unterschiedlichen Schnellverschlüssen
DGUV Regel 112-191: Benutzung von Fuß- und Knieschutz, Anhang 5: Prüfgrundsätze
Prüfgrundsätze für Gamaschen als Schutz bei Arbeiten mit handgeführten Spritzeinrichtungen (Stand: 9.Dezember 2003)
1 Anforderungen an die Gamasche
1.1 Befestigung der Gamasche am Schaft des Fußschutzes/des Beins/der Hose
Die Gamasche darf sich nicht unbeabsichtigt lösen können, wenn sie entsprechend der Herstellerinformation angelegt wird.
Zugversuch: - Zugrichtung seitlich, senkrecht zum Bein am Kraftangriffspunkt M1 mit einer Kraft (F1) von 10 N und einer Dauer von 10 (siehe Bild 10)
Anforderung - zulässige Verformung nach Entlastung ≤ 5 mm
Zugversuch: - Zugrichtung parallel zum Bein am Kraftangriffspunkt M2 mit einer Kraft (F2) von 10 N und einer Dauer von 10 s (siehe Abbildung 1)
Es ist die kleinste und größte Gamasche mit den jeweiligen Größen des Fußschutzes gegebenenfalls auch mit der zugehörigen Schutzkleidung zu prüfen (siehe Herstellerinformation).
Die Gamasche bzw. die Befestigung der Gamasche darf keine Verletzungen verursachen können.
Optische Prüfung bzw. Prüfung durch Tasten
Anforderung: Die Gamascheninnenseite bzw. die Befestigung der Gamasche, die mit der Haut/Hose/dem Fußschutz in Berührung kommt, muss frei von Unebenheiten, scharfen Kanten sein. Falls bei den Schuhformen A, B, C die Befestigung der Gamaschen mittels Bänder erfolgt, müssen diese Bänder in Längs- und Querrichtung elastisch sein.
Metrische Prüfung:
Anforderung: Falls bei den Schuhformen A, B, C die Befestigung der Gamaschen mittels Bänder erfolgt, müssen diese Bänder mindestens 40 mm breit sein.
Es ist die kleinste und größte Gamasche zu prüfen.
Die Befestigung der Gamasche muss stufenlos individuell verstellbar sein. Optische Prüfung bzw. Gebrauchsanweisung überprüfen.
1.2 Befestigung der Gamasche am Fußschutz
Die Gamasche darf sich nicht unbeabsichtigt vom Fuß lösen können.
Zugversuch: - Zugrichtung nach oben, senkrecht zum Fuß am Kraftangriffspunkt M3 mit einer Kraft (F3) von 10 N und einer Dauer von 10 s (siehe Bild 10)
Anforderung: - zulässige Verformung nach Entlastung: ± 2 mm
Zugversuch: - Zugrichtung zur Seite, senkrecht zum Fuß am Kraftangriffspunkt M3 mit einer Kraft (F3) von 10 N und einer Dauer von 10 s (siehe Bild 10)
Es ist die kleinste und größte Gamasche mit den jeweiligen Größen des Fußschutzes zu prüfen.
Die Gamasche darf nicht selbst Stolper-, Rutsch- und Sturzunfälle auslösen können.
Anforderung: - keine Befestigung der Gamasche mit Bändern oder Ähnliches unter der Laufsohle,
- keine unfallverursachenden vorstehenden/überstehenden Teile.
Metrische Prüfung der Passgenauigkeit zwischen Gamasche und Laufsohle des Fußschutzes
Anforderung: - maximale Abweichung der Gamasche zur Laufsohle im Bereich des Vorderfusses ≤ 2 mm,
- maximale Abweichung der Gamasche zur Laufsohle im Gelenkbereich ≤ 2 mm.
Die Gamasche darf den Sitz bei Bewegung nicht wesentlich verändern können.
Trageversuch mit anschließender metrischer Prüfung
Trageversuch: - 10 m gehen
- 5 Stufen steigen
- 3 x hinknien und aufstehen
Anforderung: Nach dem Trageversuch müssen die Anforderungen der Zugversuche und die Anforderungen an die Passgenauigkeit zwischen Gamasche und Laufsohle des Fußschutzes erfüllt sein.
1.3 Mindestschutzbereich der Gamasche
Metrische und optische Prüfung
Anforderung: Die Gamasche muss einen durchgehenden Schutzbereich aufweisen, der den Blatt-, Laschen- und Zehenbereich des Schuhs abdeckt (siehe Bild 10). Der Schutzbereich wird zum Schaft hin begrenzt durch zwei vertikale Linien im Abstand von mindestens 70 mm beiderseits der Mittellinie der Gamasche, gemessen zwischen den Punkten A. Nach unten begrenzt die Ablasskante des Fußschutzes den Schutzbereich. Die Mindesthöhe des Schutzbereichs wird parallel zur Ablasskante gemessen, dabei dürfen die in Tabelle 14 angegebenen Werte nicht unterschritten werden.
Bild 10 Gamasche mit Mindestschutzbereich
Schuhgröße Mindesthöhe l (mm)
Stich Englisch Form A, B, C Form D, E
Klasse I Klasse II Klasse I Klasse II
bis 36 bis 3,5 100 172 100 195
37 und 38 4 bis 5 100 175 100 195
39 und 40 5, 5 bis 6,5 100 182 100 195
41 und 42 7 bis 8 100 188 100 195
43 und 44 8,5 bis 10 100 195 100 195
45 und größer 11 und größer 100 195 100 195
Tabelle 14: Mindesthöhe des Schutzbereiches der Gamasche in Abhängigkeit der Klassen
1.4 Schutz vor dem Flüssigkeitsstrahl
Prüfung: - Rückstoßkraft der Lanze 250 N
- Düsengröße 1 mm Rundstrahldüse
- Abstand der Düse zur Gamasche 75 mm
- Vorschubgeschwindigkeit 0,2 m/s
- Überfahren des Vorderfußes (hinter der Zehenschutzkappe) im Bereich des Rists
Anforderung: Der Fußschutz unter der Gamasche darf keine optisch erkennbaren Beschädigungen aufweisen.
Nach der Beaufschlagung mit dem Flüssigkeitsstrahl müssen die Anforderungen der Zugversuche und die Anforderungen an die Passgenauigkeit zwischen Gamasche und Laufsohle des Fußschutzes erfüllt sein.
Es ist die kleinste und größte Gamasche mit dem jeweiligen Fußschutz zu prüfen.
Zeichen des Herstellers,
Typbezeichnung / Artikelnummer des Herstellers / Klasse,
DGUV Regel 112-191,
1.6 Anzahl der Prüfmuster
Für die Durchführung der Baumusterprüfung sind jeweils zwei der kleinsten und größten Gamaschen mit den entsprechenden Größen des Fußschutzes bzw. der entsprechenden Schutzkleidung erforderlich.
1.7 Beizulegende Informationen
Die vom Hersteller beizufügende Information muss mindestens alle zweckdienlichen Angaben enthalten über
das Datum der beizulegenden Information,
den Namen und die Anschrift des Herstellers oder seines in der Gemeinschaft niedergelassenen Bevollmächtigten,
die notifizierte Stelle, die für die Zulassung des Baumusters verantwortlich ist,
den mit der Gamasche zu verwendenden Fußschutz, z.B. Typ, Herstellerbezeichnung, bzw. die mit der Gamasche zu verwendende Schutzkleidung, z.B. Typ, Herstellerbezeichnung,
die Leistungsfähigkeit der Gamasche als Schutz vor dem Flüssigkeitsstrahl,
die Verwendungsgrenzen, Warnhinweise für eventuelle Gebrauchseinschränkungen, z.B. Temperatur, Chemikalienbeständigkeit,
die Überprüfung des funktionsfähigen Zustandes vor dem Gebrauch,
das An- und Ablegen der Gamaschen, das Anpassen der Befestigung,
die Wartung, unter Angabe der Höchstabstände zwischen den Wartungsüberprüfungen,
die Haltbarkeit und Gebrauchsdauer der Gamasche oder bestimmter Teile der Gamasche,
die geeignete Verpackungsart der Gamaschen für den Transport.
Für eine verständlichere Darstellung der beizulegenden Informationen könnten Abbildungen hilfreich sein. Die Bedeutungen etwaiger Markierungen sind zu erläutern.
DGUV Regel 112-191: Benutzung von Fuß- und Knieschutz, Anhang 6: Vorschriften und Regeln
Nachstehend sind die in der BG-Regel aufgeführten Vorschriften und Regeln zusammengestellt:
Arbeitsschutzgesetz - ArbSchG (CHV 2 ),
Achte Verordnung zum Geräte- und Produktsicherheitsgesetz - 8. GPSGV,
PSA-Benutzungsverordnung PSA-BV,
Drittes Buch Sozialgesetzbuch - Arbeitsförderung (SGB III),
Sechstes Buch Sozialgesetzbuch - Gesetzliche Rentenversicherung (SGB VI),
Siebtes Buch Sozialgesetzbuch - Unfallversicherungseinordnungsgesetz (SGB VII),
Neuntes Buch Sozialgesetzbuch - Rehabilitation und Teilhabe behinderter Menschen (SGB IX),
Eingliederungshilfe-Verordnung.
2 Berufsgenossenschaftliche Vorschriften für Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit (Unfallverhütungsvorschriften)
BG-Regel "Grundsätze der Prävention" (BGR A1),
BG-Regel "Einsatz von Schutzkleidung" (BGR 189),
BG-Regel "Fußböden in Arbeitsräumen und Arbeitsbereichen mit Rutschgefahr" (BGR 181),
BG-Regel "Vermeidung von Zündgefahren infolge elektrostatischer Aufladungen" (BGR 132).
DIN EN ISO 20344 Persönliche Schutzausrüstung; Prüfverfahren für Schuhe,
DIN EN ISO 20345 Persönliche Schutzausrüstung; Sicherheitsschuhe,
DIN EN ISO 20346 Persönliche Schutzausrüstung; Schutzschuhe,
DIN EN ISO 20347 Persönliche Schutzausrüstung; Berufsschuhe,
DIN EN ISO 17249 Sicherheitsschuhe mit Schutz gegen Kettensägenschnitte,
DIN EN 14404 Persönliche Schutzausrüstung; Knieschutz für Arbeiten in kniender Haltung,
DIN EN 50321
(VDE 0682 331) Elektrisch isolierende Schuhe für Arbeiten an Niederspannungsanlagen,
DIN EN 1050 Sicherheit von Maschinen; Leitsätze zur Risikobeurteilung,
DIN 66074-1 Schuhgrößen; Grundlagen eines Größensystems (Mondopoint - System,
DIN 66074-2 Schuhgrößen; Längenstufen,
DIN EN 13287 Persönliche Schutzausrüstung; Schuhe; Prüfverfahren zur Bestimmung der Rutschhemmung.
Die BG-Regel "Benutzung von Fuß- und Beinschutz" (DGUV Regel 112-191) vom Juli 2000 wurde vollständig überarbeitet; der bislang behandelte Beinschutz wurde hierbei auf den Knieschutz abgestellt.
Webcode: M1438-1