Source: https://www.rechtslupe.de/verwaltungsrecht/beamtenrecht/berliner-richterbesoldung-3216383
Timestamp: 2020-08-09 06:17:21
Document Index: 236611845

Matched Legal Cases: ['Art. 33', 'Art. 33', '§ 37', '§ 85', '§ 2', '§ 2', '§ 2', '§ 2', '§ 2', 'Art. 74', '§ 37', 'Art. 125', '§ 85', '§ 40', '§ 2', 'Art. 125', '§ 1', '§ 1', '§ 1', '§ 37', '§ 2', '§ 14', '§ 2', '§ 5', '§ 5', 'Art. 33', 'Art. 33', 'Art. 33', 'Art. 33', 'Art. 33', 'Art. 33', 'Art. 33', 'Art. 33', 'Art. 33', 'Art. 33', '§ 20', '§ 20', '§ 12', '§ 22', '§ 22', '§ 22', '§ 22', '§ 72', '§ 69', '§ 1', '§ 52', 'Art. 94', 'Art. 3', '§ 22', '§ 24', '§ 23', '§ 28', '§ 28', '§ 28', '§ 28', '§ 28', '§ 28', '§ 28', '§ 28', '§ 28', '§ 21', '§ 2', '§ 193', '§ 23', '§ 26', '§ 26', '§ 152', '§ 110', 'Art. 3', 'Art. 33', 'Art. 97', 'Art. 97', 'Art. 33', 'Art. 109', 'Art. 109', 'Art. 109', 'Art. 109', 'Art. 109', 'Art. 143', 'Art. 143', 'Art. 143', 'Art. 109', 'Art. 33', 'Art. 109', 'Art. 3', 'Art. 109', 'Art. 33', 'Art. 33', '§ 1', 'Art. 2', '§ 1', 'Art. 2', 'Art. 1', 'Art. 1', 'Art. 1', 'Art. 1', 'Art. 1', '§ 5', '§ 5', '§ 77', '§ 2', '§ 76', 'Art. 33', 'Art. 3', 'Art. 109', 'Art. 143', 'Art. 33', '§ 5', '§ 82', '§ 78', '§ 82', '§ 79', '§ 31', '§ 2', '§ 1', 'Art. 1', '§ 2', '§ 2', '§ 2', '§ 2', '§ 2', '§ 2', 'Art. 3', 'Art. 11', 'Art. 143', 'Art. 143', 'Art. 1', 'Art.20', 'Art. 5', 'Art. 72']

Berliner Richterbesoldung | Rechtslupe
Die Rich­ter­be­sol­dung im Land Ber­lin war in den Jah­ren 2009 bis 2015 in ver­fas­sungs­wid­ri­ger Wei­se zu nied­rig bemes­sen. Die Besol­dungs­vor­schrif­ten des Lan­des Ber­lin sind nach einer aktu­el­len Ent­schei­dung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts mit dem von Art. 33 Abs. 5 GG gewähr­leis­te­ten Ali­men­ta­ti­ons­prin­zip unver­ein­bar, soweit sie die Besol­dung der Rich­ter und Staats­an­wäl­te der Besol­dungs­grup­pen R 1 und R 2 in den Jah­ren 2009 bis 2015 sowie der Besol­dungs­grup­pe R 3 im Jahr 2015 betref­fen.
Zu den her­ge­brach­ten Grund­sät­zen des Berufs­be­am­ten­tums im Sin­ne des Art. 33 Abs. 5 GG zählt das Ali­men­ta­ti­ons­prin­zip. Es ver­pflich­tet den Dienst­herrn, Rich­tern und Staats­an­wäl­ten nach ihrem Dienst­rang, nach der mit ihrem Amt ver­bun­de­nen Ver­ant­wor­tung und nach der Bedeu­tung der recht­spre­chen­den Gewalt und des Berufs­be­am­ten­tums für die All­ge­mein­heit ent­spre­chend der Ent­wick­lung der all­ge­mei­nen wirt­schaft­li­chen und finan­zi­el­len Ver­hält­nis­se und des all­ge­mei­nen Lebens­stan­dards einen ange­mes­se­nen Lebens­un­ter­halt zu gewäh­ren. Damit wird der Bezug der Besol­dung sowohl zu der Ein­kom­mens- und Aus­ga­ben­si­tua­ti­on der Gesamt­be­völ­ke­rung als auch zur Lage der Staats­fi­nan­zen her­ge­stellt.
Die­se Gewähr­leis­tung einer recht­lich und wirt­schaft­lich gesi­cher­ten Posi­ti­on bil­det die Vor­aus­set­zung und inne­re Recht­fer­ti­gung für die lebens­lan­ge Treue­pflicht sowie das Streik­ver­bot.
Der Besol­dungs­ge­setz­ge­ber ver­fügt über einen wei­ten Ent­schei­dungs­spiel­raum. Dem ent­spricht eine zurück­hal­ten­de, auf den Maß­stab evi­den­ter Sach­wid­rig­keit beschränk­te ver­fas­sungs­ge­richt­li­che Kon­trol­le. Ob die Bezü­ge evi­dent unzu­rei­chend sind, muss anhand einer Gesamt­schau ver­schie­de­ner Kri­te­ri­en und unter Berück­sich­ti­gung der kon­kret in Betracht kom­men­den Ver­gleichs­grup­pen geprüft wer­den.
Die­se Gesamt­schau voll­zieht sich in zwei Schrit­ten: Auf der ers­ten Prü­fungs­stu­fe wird mit Hil­fe von fünf in der Recht­spre­chung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts zum Ali­men­ta­ti­ons­prin­zip ange­leg­ten Para­me­tern ein Ori­en­tie­rungs­rah­men für eine grund­sätz­lich ver­fas­sungs­ge­mä­ße Aus­ge­stal­tung der Ali­men­ta­ti­ons­struk­tur und des Ali­men­ta­ti­ons­ni­veaus ermit­telt (Ver­gleich der Besol­dungs­ent­wick­lung mit der Ent­wick­lung der Tari­fent­loh­nung im öffent­li­chen Dienst, des Nomi­nal­lohn­in­dex sowie des Ver­brau­cher­preis­in­dex, sys­tem­in­ter­ner Besol­dungs­ver­gleich und Quer­ver­gleich mit der Besol­dung des Bun­des und ande­rer Län­der).
Beim sys­tem­in­ter­nen Besol­dungs­ver­gleich ist neben der Ver­än­de­rung der Abstän­de zu ande­ren Besol­dungs­grup­pen in den Blick zu neh­men, ob in der unters­ten Besol­dungs­grup­pe der gebo­te­ne Min­dest­ab­stand zum Grund­si­che­rungs­ni­veau ein­ge­hal­ten ist. Ein Ver­stoß gegen die­ses Min­dest­ab­stands­ge­bot betrifft inso­fern das gesam­te Besol­dungs­ge­fü­ge, als sich der vom Gesetz­ge­ber selbst gesetz­te Aus­gangs­punkt für die Besol­dungs­staf­fe­lung als feh­ler­haft erweist. Die indi­zi­el­le Bedeu­tung für die ver­fas­sungs­wid­ri­ge Aus­ge­stal­tung der zur Prü­fung gestell­ten Besol­dungs­grup­pe ist dabei umso grö­ßer, je näher die­se an der Gren­ze zur Min­dest­be­sol­dung liegt und je deut­li­cher der Ver­stoß aus­fällt.
Auf der zwei­ten Prü­fungs­stu­fe sind die Ergeb­nis­se der ers­ten Prü­fungs­stu­fe mit den wei­te­ren ali­men­ta­ti­ons­re­le­van­ten Kri­te­ri­en im Rah­men einer Gesamt­ab­wä­gung zusam­men­zu­füh­ren. Wer­den min­des­tens drei Para­me­ter der ers­ten Prü­fungs­stu­fe erfüllt, besteht die Ver­mu­tung einer ver­fas­sungs­wid­ri­gen Unte­rali­men­ta­ti­on, die im Rah­men der Gesamt­ab­wä­gung sowohl wider­legt als auch erhär­tet wer­den kann. Wer­den umge­kehrt bei allen Para­me­tern die Schwel­len­wer­te unter­schrit­ten, wird eine ange­mes­se­ne Ali­men­ta­ti­on ver­mu­tet. Sind ein oder zwei Para­me­ter erfüllt, müs­sen die Ergeb­nis­se der ers­ten Stu­fe, ins­be­son­de­re das Maß der Über- bezie­hungs­wei­se Unter­schrei­tung der Para­me­ter, zusam­men mit den auf der zwei­ten Stu­fe aus­ge­wer­te­ten ali­men­ta­ti­ons­re­le­van­ten Kri­te­ri­en im Rah­men der Gesamt­ab­wä­gung ein­ge­hend gewür­digt wer­den.
Ergibt die Gesamt­schau, dass die zur Prü­fung gestell­te Besol­dung grund­sätz­lich als ver­fas­sungs­wid­ri­ge Unte­rali­men­ta­ti­on ein­zu­stu­fen ist, bedarf es auf der drit­ten Stu­fe der Prü­fung, ob dies im Aus­nah­me­fall ver­fas­sungs­recht­lich gerecht­fer­tigt sein kann.
Eine Gesamt­schau der für die Bestim­mung der Besol­dungs­hö­he maß­geb­li­chen Para­me­ter ergab hier­nach für das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt, dass die gewähr­te Besol­dung evi­dent unzu­rei­chend war. Sie genüg­te nicht, um Rich­tern und Staats­an­wäl­ten einen nach der mit ihrem Amt ver­bun­de­nen Ver­ant­wor­tung ange­mes­se­nen Lebens­un­ter­halt zu ermög­li­chen. Der Gesetz­ge­ber des Lan­des Ber­lin hat nun­mehr ver­fas­sungs­kon­for­me Rege­lun­gen mit Wir­kung spä­tes­tens vom 01.07.2021 an zu tref­fen. Eine rück­wir­ken­de Behe­bung ist hin­sicht­lich der­je­ni­gen Rich­ter und Staats­an­wäl­te erfor­der­lich, sie sich gegen die Höhe ihrer Besol­dung zeit­nah mit den statt­haf­ten Rechts­be­hel­fen gewehrt haben. Dabei ist es uner­heb­lich, ob inso­weit ein Wider­spruchs- oder ein Kla­ge­ver­fah­ren schwebt.
Mit Arti­kel 33 Absatz 5 des Grund­ge­set­zes unver­ein­bar sind
Anla­ge IV Num­mer 4 zu § 37 Absatz 1 Satz 2 des Bun­des­be­sol­dungs­ge­set­zes in der am 31.08.2006 gel­ten­den Fas­sung des Bun­des­be­sol­dungs- und ‑ver­sor­gungs­an­pas­sungs­ge­set­zes 2003/​2004 vom 10.09.2003 [1], soweit sie gemäß Arti­kel 125a Absatz 1 Satz 1 des Grund­ge­set­zes in Ver­bin­dung mit § 85 des Bun­des­be­sol­dungs­ge­set­zes vom 01.01.2009 bis zum 31.07.2010 die Besol­dungs­grup­pen R 1 und R 2 im Land Ber­lin betrifft,
Anla­ge 1 Num­mer 4 zu § 2 Absatz 1 Satz 1 Num­mer 1 des Geset­zes zur Besol­dungs- und Ver­sor­gungs­an­pas­sung für Ber­lin 2010/​2011 vom 08.07.2010 [2], Anla­ge 2 des Geset­zes zur Besol­dungs­neu­re­ge­lung für das Land Ber­lin vom 29.06.2011 [3], Anla­ge 1 Num­mer 4 zu Arti­kel I § 2 Absatz 1 Satz 1 Num­mern 1 und 2 des Geset­zes zur Anpas­sung der Besol­dung und Ver­sor­gung für das Land Ber­lin 2012/​2013 vom 21.09.2012 [4] und Anla­ge 16 Num­mer 4 zu Arti­kel I § 2 Absatz 3 des Geset­zes zur Anpas­sung der Besol­dung und Ver­sor­gung für das Land Ber­lin 2012/​2013 vom 21.09.2012 [5], soweit sie vom 01.08.2010 bis zum 31.07.2014 die Besol­dungs­grup­pen R 1 und R 2 betref­fen, sowie
Anla­ge 1 Num­mer 4 zu Arti­kel I § 2 Absatz 1 Satz 1 Num­mer 1 des Geset­zes zur Anpas­sung der Besol­dung und Ver­sor­gung für das Land Ber­lin 2014/​2015 und zur Ände­rung wei­te­rer besol­dungs­recht­li­cher Vor­schrif­ten vom 09. Juli 2014 [6] und Anla­ge 15 Num­mer 4 zu Arti­kel I § 2 Absatz 4 des Geset­zes zur Anpas­sung der Besol­dung und Ver­sor­gung für das Land Ber­lin 2014/​2015 und zur Ände­rung wei­te­rer besol­dungs­recht­li­cher Vor­schrif­ten vom 09.07.2014 [7], soweit sie vom 01.08.2014 bis zum 31.12.2015 die Besol­dungs­grup­pen R 1 und R 2; und vom 01.01.bis zum 31.12.2015 die Besol­dungs­grup­pe R 3 betref­fen.
Der Gesetz­ge­ber des Lan­des Ber­lin hat ver­fas­sungs­kon­for­me Rege­lun­gen mit Wir­kung spä­tes­tens vom 01. Juli 2021 an zu tref­fen.
Die Ent­wick­lung der Rich­ter­ber­sol­dung im Land Ber­lin
Die Rich­ter­vor­la­ge des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts
Zuläs­sig­keit der Rich­ter­vor­la­ge
Besol­dung und die her­ge­brach­ten Grund­sät­ze des Berufs­be­am­ten­tums
Ali­men­ta­ti­ons­prin­zip
Der Ermes­sens­spiel­raum des Gesetz­ge­bers
Ver­fas­sungs­ge­mäß­heit der Ali­men­ta­ti­on
1. Prü­fungs­stu­fe: Fünf Para­me­ter einer amts­an­ge­mes­sen Besol­dung
1. Para­me­ter: Abwei­chung der Besol­dungs­ent­wick­lung von den Tarif­er­geb­nis­sen im öffent­li­chen Dienst
2. Para­me­ter: Abwei­chung der Besol­dungs­ent­wick­lung vom Nomi­nal­lohn­in­dex
3. Para­me­ter: Abwei­chung der Besol­dungs­ent­wick­lung vom Ver­brau­cher­preis­in­dex
4. Para­me­ter: Sys­tem­in­ter­ner Besol­dungs­ver­gleich
1 Fall: Unter­schied­lich hohe oder zeit­lich ver­zö­ger­te Besol­dungs­an­pas­sung
2. Fall: Miss­ach­tung des gebo­te­nen Min­des­ab­stands zum Grund­si­che­rungs­ni­veau
5. Para­me­ter: Quer­ver­gleich mit der Besol­dung des Bun­des und der ande­ren Län­der
2. Prü­fungs­stu­fe: Gesamt­ab­wä­gung mit wei­te­ren ali­men­ta­ti­ons­re­le­van­ten Kri­te­ri­en
Kom­pe­ni­sie­rung von Defi­zi­ten in der 1. Prü­fungs­stu­fe
Wei­te­re zu berück­sich­ti­gen­de Kri­te­ri­en
Aus­nahms­wei­se Recht­fer­ti­gung einer ver­fas­sungs­wid­ri­gen Unte­rali­men­ta­ti­on
Rela­ti­ver Norm­be­stands­schutz
Pro­ze­du­ra­le Anfor­de­run­gen als „zwei­te Säu­le“ des Ali­men­ta­ti­ons­prin­zips
Über­prü­fung der Ber­li­ner Rich­ter­be­sol­dung
Ent­wick­lung der Rich­ter­be­sol­dung
Ver­gleich mit der Tarif­ent­wick­lung im öffent­li­chen Diens
Ver­gleich mit der Nomi­nal­lohn­in­dex-Ent­wick­lung
Ver­gleich mit der Ver­brau­cher­preis­in­dex-Ent­wick­lung
Ver­let­zung des Min­dest­ab­stands­ge­bots
Quer­ver­gleich mit dem Bund und ande­ren Län­dern
Zwi­schen­er­geb­nis: Ers­te Prü­fungs­stu­fe
Ver­let­zung wei­te­rer ali­men­ta­ti­ons­re­le­van­ter Kri­te­ri­en im Rah­men der Gesamt­ab­wä­gung
Kei­ne Recht­fer­ti­gung durch kol­li­die­ren­des Ver­fas­sungs­recht
Fol­gen der ver­fas­sungs­wid­rig nied­ri­gen Rich­ter­be­sol­dung
Die Vor­la­ge betrifft die Fra­ge, ob die Besol­dung der Rich­te­rin­nen und Rich­ter sowie der Staats­an­wäl­tin­nen und Staats­an­wäl­te des Lan­des Ber­lin in den Besol­dungs­grup­pen R 1 bis R 3 in den Jah­ren 2009 bis 2015 amts­an­ge­mes­sen war.
Seit Anfang der 1970er Jah­re bis zum Jahr 2003 war allein der Bun­des­ge­setz­ge­ber für die Besol­dung der Rich­ter und Staats­an­wäl­te zustän­dig. Er hat­te von sei­ner kon­kur­rie­ren­den Gesetz­ge­bungs­kom­pe­tenz in Art. 74a Abs. 1 GG a. F. für die Besol­dung und Ver­sor­gung der Ange­hö­ri­gen des öffent­li­chen Diens­tes [8] durch den Erlass des Bun­des­be­sol­dungs­ge­set­zes abschlie­ßend Gebrauch gemacht. Bis zum Jahr 2003 war auch die Gewäh­rung einer jähr­li­chen Son­der­zu­wen­dung (soge­nann­tes Weih­nachts­geld) und eines jähr­li­chen Urlaubs­gel­des bun­des­ein­heit­lich gere­gelt. Das Urlaubs­geld wur­de letzt­ma­lig im Jahr 2003 aus­ge­zahlt [9].
Im Anschluss dar­an wur­de das Besol­dungs­recht föde­ra­li­siert. Nach­dem der Bun­des­ge­setz­ge­ber den Län­dern bereits im Jahr 2003 die Befug­nis ein­ge­räumt hat­te, die jähr­li­che Son­der­zah­lung unter Beach­tung eines bun­des­ein­heit­li­chen Höchst­be­trags abwei­chend zu regeln [10], ging infol­ge einer Grund­ge­setz­än­de­rung die Gesetz­ge­bungs­kom­pe­tenz für die Besol­dung und Ver­sor­gung der Lan­des­be­am­ten (ein­schließ­lich der Rich­ter) mit Wir­kung vom 01.09.2006 auf die Län­der über [11].
Die Besol­dung der Rich­ter und Staats­an­wäl­te des Lan­des Ber­lin ent­wi­ckel­te sich im ver­fah­rens­ge­gen­ständ­li­chen Zeit­raum von 2009 bis 2015 wie folgt:
Bis zum 31.07.2010 ergab sie sich im Wesent­li­chen aus der zu § 37 Abs. 1 Satz 2 BBesG erlas­se­nen Anla­ge IV Nr. 4 in der Fas­sung des Bun­des­be­sol­dungs- und ‑ver­sor­gungs­an­pas­sungs­ge­set­zes 2003/​2004 (BBVAnpG 2003/​2004) vom 10.09.2003 [12]. Hin­sicht­lich der Grund­ge­halts­sät­ze für die R‑Besoldung hat­te der Lan­des­ge­setz­ge­ber zunächst kei­ne Rege­lung getrof­fen, sodass die bun­des­recht­li­chen Bestim­mun­gen auf der Grund­la­ge von Art. 125a Abs. 1 Satz 1 GG in Ver­bin­dung mit § 85 BBesG in der am 31.08.2006 gel­ten­den Fas­sung des BBVAnpG 2003/​2004 fort­gal­ten. Davon aus­ge­nom­men war ledig­lich der Fami­li­en­zu­schlag, der bereits durch Art. I des Geset­zes zur Ände­rung besol­dungs- und ver­sor­gungs­recht­li­cher Vor­schrif­ten vom 01.10.2008 [13] in einer eige­nen Anla­ge III zum Lan­des­be­sol­dungs­ge­setz gere­gelt wur­de, wel­che die bis dahin fort­gel­ten­de Anla­ge V zu § 40 BBesG ersetz­te.
Durch § 2 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 des Geset­zes zur Besol­dungs- und Ver­sor­gungs­an­pas­sung für Ber­lin 2010/​2011 (BerlB­VAnpG 2010/​2011) vom 08.07.2010 [14] wur­den die Grund­ge­halts­sät­ze aller Anla­gen zum Bun­des­be­sol­dungs­ge­setz in der am 31.08.2006 gel­ten­den Fas­sung sowie der Fami­li­en­zu­schlag zum 1.08.2010 um 1,5 % erhöht [15]. Zur Begrün­dung des Umfangs der Erhö­hung wur­de aus­ge­führt, dass auf die­se Wei­se den aktu­el­len Ent­wick­lun­gen der all­ge­mei­nen wirt­schaft­li­chen und finan­zi­el­len Ver­hält­nis­sen unter Berück­sich­ti­gung der wei­ter­hin ange­spann­ten Haus­halts­la­ge Ber­lins Rech­nung getra­gen wer­de. Seit den Jah­ren 2004 und 2006 leis­te­ten die Beam­ten, Rich­ter und Ver­sor­gungs­emp­fän­ger des Lan­des Ber­lin wich­ti­ge Bei­trä­ge zur not­wen­di­gen Kon­so­li­die­rung des Lan­des­haus­halts [16].
Das Land Ber­lin mach­te mit Wir­kung vom 01.07.2011 von der durch Art. 125a Abs. 1 Satz 2 GG ein­ge­räum­ten Erset­zungs­be­fug­nis umfas­send Gebrauch. Durch Art. III § 1 Nr. 3 des Zwei­ten Dienst­rechts­än­de­rungs­ge­set­zes vom 21.06.2011 [17] wur­de § 1b des Lan­des­be­sol­dungs­ge­set­zes (im Fol­gen­den: LBesG BE) ein­ge­fügt. Danach gel­ten die bun­des­recht­li­chen Besol­dungs­be­stim­mun­gen (nach Maß­ga­be der bereits ange­ord­ne­ten lan­des­recht­li­chen Modi­fi­ka­tio­nen) als Lan­des­recht fort. Durch Art. I § 1 Nr. 6 Buch­sta­be a des Geset­zes zur Besol­dungs­neu­re­ge­lung für das Land Ber­lin (Berl­BesNG) vom 29.06.2011 [18] wur­de der auf die­se Wei­se in Lan­des­recht trans­for­mier­te § 37 BBesG dahin­ge­hend geän­dert, dass sich die Grund­ge­halts­sät­ze der Lan­des­be­sol­dungs­ord­nung R aus Anla­ge 2 zum Berl­BesNG erge­ben. Die­se fass­te die Grund­ge­halts­sät­ze zum 1.08.2011 – unter Umstel­lung auf Erfah­rungs­stu­fen – neu, wobei die Erhö­hung für die­je­ni­gen Rich­ter und Staats­an­wäl­te am höchs­ten aus­fiel, die bereits zuvor die End­stu­fe erreicht hat­ten. Beim Fami­li­en­zu­schlag ver­blieb es bei der ursprüng­lich vor­ge­se­he­nen Erhö­hung um 2 % [19]. Die Geset­zes­be­grün­dung erläu­ter­te ledig­lich die Über­lei­tung in Lan­des­recht [20]. Eine Aus­ein­an­der­set­zung mit der Höhe der nun gel­ten­den Besol­dungs­sät­ze fand nicht statt.
Durch das Gesetz zur Anpas­sung der Besol­dung und Ver­sor­gung für das Land Ber­lin 2012/​2013 (BerlB­VAnpG 2012/​2013) vom 21.09.2012 [21] wur­den die Grund­ge­halts­sät­ze sowie der Fami­li­en­zu­schlag zum 1.08.2012 und zum 1.08.2013 jeweils um 2 % erhöht [22]. Die Geset­zes­be­grün­dung wies dar­auf hin, dass die Anpas­sung der Bezü­ge auch im Hin­blick auf die Ent­wick­lung im Tarif­be­reich erfol­ge. Für die Tarif­be­schäf­tig­ten sei eine Rück­kehr in den Flä­chen­ta­rif­ver­trag der Tarif­ge­mein­schaft deut­scher Län­der und als ers­ter Schritt eine Anhe­bung der Ent­gel­te auf 97 % des dor­ti­gen Niveaus ver­ein­bart wor­den [23]; im Übri­gen ent­spricht die Begrün­dung der­je­ni­gen zum BerlB­VAnpG 2010/​2011.
Schließ­lich wur­den durch das Gesetz zur Anpas­sung der Besol­dung und Ver­sor­gung für das Land Ber­lin 2014/​2015 und zur Ände­rung wei­te­rer besol­dungs­recht­li­cher Vor­schrif­ten (BerlB­VAnpG 2014/​2015) vom 09.07.2014 [24] die Grund­ge­halts­sät­ze und der Fami­li­en­zu­schlag zum 1.08.2014 um 3 % erhöht, wobei beim Fami­li­en­zu­schlag Erhö­hungs­be­trä­ge für die unte­ren Besol­dungs­grup­pen ein­ge­führt wur­den [25]. Zum 1.08.2015 wur­den die Grund­ge­halts­sät­ze sowie der Fami­li­en­zu­schlag um wei­te­re 3,2 % erhöht. Zugleich bestimm­te Art. I § 2 Abs. 6 BerlB­VAnpG 2014/​2015 jedoch, dass die­se Erhö­hung der Bezü­ge nach Maß­ga­be des § 14a Abs. 2 Satz 1 in Ver­bin­dung mit Abs. 1 Satz 2 BBesG in der Über­lei­tungs­fas­sung für Ber­lin ver­min­dert wer­de. Das bedeu­tet, dass die Bezü­ge effek­tiv statt um 3,2 % nur um 3 % erhöht und die Ein­spa­run­gen der Ver­sor­gungs­rück­la­ge zuge­führt wur­den. Die Höhe der Bezü­ge wur­de in Anla­ge 15 Nr. 4 und Anla­ge 16 zu Art. I § 2 Abs. 4 BerlB­VAnpG 2014/​2015 aus­ge­wie­sen. Die Geset­zes­be­grün­dung führ­te zur Höhe der Besol­dungs­an­pas­sung aus: Auf Grund des Ali­men­ta­ti­ons­prin­zips dürf­ten die Beam­ten­be­zü­ge gegen­über der mate­ri­el­len Aus­stat­tung der sons­ti­gen Beschäf­tig­ten des öffent­li­chen Diens­tes nicht greif­bar zurück­blei­ben. Es bestehe jedoch kei­ne Ver­pflich­tung, die Ergeb­nis­se von Tarif­ver­hand­lun­gen spie­gel­bild­lich zu über­tra­gen. Mit Blick auf die im Grund­ge­setz ver­an­ker­te Schul­den­brem­se kom­me der­glei­chen auch nicht in Betracht. Das Besol­dungs­ni­veau in den ande­ren Län­dern und beim Bund habe im Okto­ber 2013 durch­schnitt­lich rund 7 % über dem des Lan­des Ber­lin gele­gen. Unter Berück­sich­ti­gung der Infla­ti­ons­ra­te sei die vor­ge­schla­ge­ne Anpas­sung der Bezü­ge unum­gäng­lich, um eine Wir­kung auf die Real­ein­kom­men zu erzie­len. Damit wer­de der Ent­wick­lung der all­ge­mei­nen wirt­schaft­li­chen und finan­zi­el­len Ver­hält­nis­se unter Berück­sich­ti­gung der wei­ter­hin ange­spann­ten Haus­halts­la­ge Rech­nung getra­gen [26].
Das Recht der Son­der­zah­lung ent­wi­ckel­te sich wie folgt: Nach dem bis zum Jahr 2002 auch für die Rich­ter und Staats­an­wäl­te des Lan­des Ber­lin maß­geb­li­chen Son­der­zu­wen­dungs­ge­setz des Bun­des belief sich die Son­der­zu­wen­dung auf einen bestimm­ten Pro­zent­satz der monat­li­chen Bezü­ge. Das Gesetz über die Gewäh­rung einer jähr­li­chen Son­der­zah­lung (SZG) vom 05.11.2003 [27] redu­zier­te die­se auf ein­heit­lich 640 € (§ 5 Abs. 1 SZG). Mit dem Ers­ten Gesetz zur Ände­rung des Son­der­zah­lungs­ge­set­zes vom 01.10.2008 [28] wur­de die Son­der­zah­lung abwei­chend von die­ser Rege­lung für die Kalen­der­jah­re 2008 und 2009 auf jeweils 940 € ange­ho­ben (§ 5 Abs. 1 Satz 2 SZG). In den Jah­ren 2010 bis 2015 betrug sie wie zuvor 640 €.
Das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt hat drei Ver­fah­ren zur gemein­sa­men Ver­hand­lung und Ent­schei­dung ver­bun­den. Ihnen lie­gen die fol­gen­den Sach­ver­hal­te zugrun­de:
Der Klä­ger des ers­tens Ver­fah­rens [29] trat im Jahr 2008 in den Ber­li­ner Lan­des­dienst ein und wur­de spä­ter vom Rich­ter am Amts­ge­richt (Besol­dungs­grup­pe R 1) zum Vor­sit­zen­den Rich­ter am Land­ge­richt (Besol­dungs­grup­pe R 2) beför­dert.
Der Klä­ger des zwei­ten Ver­fah­rens [30] steht seit 1995 als Rich­ter am Land­ge­richt (Besol­dungs­grup­pe R 1) im Dienst des Lan­des Ber­lin.
Die Klä­ge­rin des drit­ten Ver­fah­rens [31] ist die Erbin ihres im Juli 2015 ver­stor­be­nen Ehe­manns. Die­ser war 1988 in den Ber­li­ner Jus­tiz­dienst ein­ge­tre­ten und seit 1999 als Vor­sit­zen­der Rich­ter am Land­ge­richt Ber­lin (Besol­dungs­grup­pe R 2) tätig. Im Mai 2015 war er zum Vor­sit­zen­den Rich­ter am Kam­mer­ge­richt (Besol­dungs­grup­pe R 3) ernannt wor­den.
Die erst­mals im Jahr 2009 gegen die Besol­dungs­hö­he erho­be­nen Wider­sprü­che der Klä­ger blie­ben eben­so wie ihre nach­fol­gen­den Kla­gen vor dem Ver­wal­tungs­ge­richt erfolg­los. Das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt Ber­lin-Bran­den­burg wies ihre Beru­fun­gen mit im Wesent­li­chen gleich­lau­ten­den Urtei­len vom 12.10.2016 zurück.
Das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt hat mit Beschluss vom 22.09.2017 das Revi­si­ons­ver­fah­ren aus­ge­setzt, um dem Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt die Fra­ge vor­zu­le­gen, ob die Besol­dung im Land Ber­lin in den Besol­dungs­grup­pen R 1 und R 2 in den Jah­ren 2009 bis 2015 sowie in der Besol­dungs­grup­pe R 3 im Jahr 2015 mit Art. 33 Abs. 5 GG ver­ein­bar sei [32]. Die von den Klä­gern berech­tig­ter­wei­se begehr­te Fest­stel­lung, dass dies nicht der Fall sei, kön­ne nicht getrof­fen wer­den, ohne die Gül­tig­keit der maß­geb­li­chen Besol­dungs­ge­set­ze in Fra­ge zu stel­len. Des­halb sei die Rich­ter­vor­la­ge unum­gäng­lich.
Das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt ist von der Ver­fas­sungs­wid­rig­keit der sich für die Klä­ger im streit­ge­gen­ständ­li­chen Zeit­raum nach den vor­ge­leg­ten Besol­dungs­vor­schrif­ten erge­ben­den Besol­dung über­zeugt. Die jün­ge­re Besol­dungs­recht­spre­chung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts sei so zu ver­ste­hen, dass sich die Ver­mu­tung einer ver­fas­sungs­wid­ri­gen Unte­rali­men­ta­ti­on auch erge­ben kön­ne, wenn nur zwei der fünf vom Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt für die Prü­fung auf der ers­ten Stu­fe benann­ten Para­me­ter erfüllt sei­en, dies aber in beson­ders deut­li­cher Wei­se. Auch dann sei eine umfas­sen­de Gesamt­ab­wä­gung gebo­ten. Im vor­lie­gen­den Fall hät­ten mit der Dif­fe­renz zwi­schen der Besol­dungs­ent­wick­lung und den Tarif­er­geb­nis­sen im öffent­li­chen Dienst und der­je­ni­gen zur Ent­wick­lung der Ver­brau­cher­prei­se zwei maß­geb­li­che Para­me­ter sehr deut­lich und über Jah­re hin­weg über dem vom Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt als maß­geb­lich erach­te­ten Grenz­wert von 5 % gele­gen. Die Gesamt­ab­wä­gung aller ali­men­ta­ti­ons­re­le­van­ten Kri­te­ri­en auf der zwei­ten Prü­fungs­stu­fe erge­be ein ein­heit­li­ches Bild: Die R 1‑Besoldung sei weder in der Lage, ihre qua­li­täts­si­chern­de Funk­ti­on sicher­zu­stel­len oder die Ver­ant­wor­tung des Amts zu wah­ren, noch hal­te das Besol­dungs­ni­veau einem Ver­gleich mit dem Gehalts­ni­veau in der Pri­vat­wirt­schaft stand. Die­ser Befund wer­de durch Ent­wick­lun­gen im Bereich ande­rer Ali­men­ta­ti­ons­leis­tun­gen nicht ent­kräf­tet, son­dern ver­stärkt. Der Gesamt­be­fund einer Unte­rali­men­tie­rung gel­te wegen des Abstands­ge­bots eben­so für die Rich­ter der Besol­dungs­grup­pe R 2 und für das – inso­weit allein streit­be­fan­ge­ne – Jahr 2015 auch der Besol­dungs­grup­pe R 3. Anhalts­punk­te für eine ver­fas­sungs­recht­li­che Recht­fer­ti­gung der Unte­rali­men­ta­ti­on sei­en nicht ersicht­lich. Es sei nicht erkenn­bar, dass die Unter­schrei­tung des amts­an­ge­mes­se­nen Besol­dungs­ni­veaus Teil eines umfas­sen­den Gesamt­s­par­kon­zep­tes des beklag­ten Lan­des sei. Ent­spre­chen­des kön­ne weder den Gesetz­ge­bungs­ma­te­ria­li­en ent­nom­men wer­den, noch habe das beklag­te Land aus­rei­chen­de Anhalts­punk­te dafür benannt. Aus den defi­zi­tä­ren Geset­zes­be­grün­dun­gen fol­ge zugleich, dass die pro­ze­du­ra­len Anfor­de­run­gen nicht ein­ge­hal­ten wor­den sei­en, die jeden­falls seit der Klar­stel­lung in der Ent­schei­dung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts zur W‑Besoldung hät­ten bekannt sein müs­sen. Dar­über hin­aus habe die Besol­dung den erfor­der­li­chen Min­dest­ab­stand zum Grund­si­che­rungs­ni­veau nicht gewahrt. Nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts habe die Ein­hal­tung die­ses Min­dest­ab­stands auch bei der Prü­fung der Ver­fas­sungs­mä­ßig­keit der Ali­men­ta­ti­on für Ämter aus höhe­ren Besol­dungs­grup­pen Bedeu­tung. Wegen des Abstands­ge­bots füh­re die Feh­ler­haf­tig­keit des Besol­dungs­ni­veaus in unte­ren Besol­dungs­grup­pen jeden­falls so lan­ge auch zu einem Man­gel bei den höhe­ren Besol­dungs­grup­pen, wie kei­ne gesetz­ge­be­ri­sche Ent­schei­dung über eine Neu­ord­nung der Abstän­de vor­lie­ge. In den frag­li­chen Jah­ren habe das Net­to­ein­kom­men auf Grund­la­ge der nied­rigs­ten Besol­dung das zum Ver­gleich her­an­zu­zie­hen­de Grund­si­che­rungs­ni­veau einer vier­köp­fi­gen Fami­lie nur knapp über­schrit­ten, so dass der Min­dest­ab­stand deut­lich ver­fehlt wor­den sei.
Die Vor­la­ge ist zuläs­sig.
Das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt hat auch sei­ne Über­zeu­gung davon, dass die Besol­dung der Klä­ger der Aus­gangs­ver­fah­ren in den streit­ge­gen­ständ­li­chen Jah­ren den ver­fas­sungs­recht­li­chen Anfor­de­run­gen nicht genügt, hin­rei­chend dar­ge­legt. Es hat mit aus­führ­li­chen und nach­voll­zieh­ba­ren Erwä­gun­gen begrün­det, war­um es die von Art. 33 Abs. 5 GG geschütz­te amts­an­ge­mes­se­ne Ali­men­ta­ti­on nicht mehr gewahrt sieht.
Die beschrie­be­nen Vor­schrif­ten sind, soweit sie die Besol­dungs­grup­pen R 1 und R 2 in den Jah­ren 2009 bis 2015 sowie die Besol­dungs­grup­pe R 3 im Jahr 2015 betref­fen, mit Art. 33 Abs. 5 GG unver­ein­bar.
Der ver­fas­sungs­recht­li­che Maß­stab, an dem die Rechts­grund­la­gen für die Besol­dung der Rich­ter und Staats­an­wäl­te zu mes­sen sind, ergibt sich aus Art. 33 Abs. 5 GG. Danach ist das Recht des öffent­li­chen Diens­tes unter Berück­sich­ti­gung der her­ge­brach­ten Grund­sät­ze des Berufs­be­am­ten­tums zu regeln und fort­zu­ent­wi­ckeln.
Zu den vom Gesetz­ge­ber wegen ihres grund­le­gen­den und struk­tur­prä­gen­den Cha­rak­ters nicht nur zu berück­sich­ti­gen­den, son­dern zu beach­ten­den [33] her­ge­brach­ten Grund­sät­zen des Berufs­be­am­ten­tums zählt das auch für die Besol­dung der Rich­ter und Staats­an­wäl­te maß­geb­li­che [34] Ali­men­ta­ti­ons­prin­zip. Art. 33 Abs. 5 GG ist unmit­tel­bar gel­ten­des Recht und ent­hält einen Rege­lungs­auf­trag an den Gesetz­ge­ber sowie eine insti­tu­tio­nel­le Garan­tie des Berufs­be­am­ten­tums [35]. Des Wei­te­ren begrün­det Art. 33 Abs. 5 GG ein grund­rechts­glei­ches Recht der Rich­ter und Staats­an­wäl­te, soweit deren sub­jek­ti­ve Rechts­stel­lung betrof­fen ist [36].
Das Ali­men­ta­ti­ons­prin­zip wird von ver­schie­de­nen Deter­mi­nan­ten geprägt. Es ver­pflich­tet den Dienst­herrn, Rich­ter und Staats­an­wäl­te sowie ihre Fami­li­en lebens­lang ange­mes­sen zu ali­men­tie­ren und ihnen nach ihrem Dienst­rang, nach der mit ihrem Amt ver­bun­de­nen Ver­ant­wor­tung und nach der Bedeu­tung der recht­spre­chen­den Gewalt und des Berufs­be­am­ten­tums für die All­ge­mein­heit ent­spre­chend der Ent­wick­lung der all­ge­mei­nen wirt­schaft­li­chen und finan­zi­el­len Ver­hält­nis­se und des all­ge­mei­nen Lebens­stan­dards einen ange­mes­se­nen Lebens­un­ter­halt zu gewäh­ren. Damit wird der Bezug der Besol­dung sowohl zu der Ein­kom­mens- und Aus­ga­ben­si­tua­ti­on der Gesamt­be­völ­ke­rung als auch zur Lage der Staats­fi­nan­zen, das heißt zu der sich in der Situa­ti­on der öffent­li­chen Haus­hal­te aus­drü­cken­den Leis­tungs­fä­hig­keit des Dienst­herrn, her­ge­stellt [37].
Die prä­gen­den Struk­tur­merk­ma­le des Berufs­be­am­ten­tums ste­hen nicht unver­bun­den neben­ein­an­der, son­dern sind eng auf­ein­an­der bezo­gen [38]. Die Besol­dung stellt in die­sem Zusam­men­hang kein Ent­gelt für bestimm­te Dienst­leis­tun­gen dar. Sie ist viel­mehr ein „Kor­re­lat“ des Dienst­herrn für die mit der Beru­fung in das Rich­ter- und Beam­ten­ver­hält­nis ver­bun­de­ne Pflicht, unter Ein­satz der gan­zen Per­sön­lich­keit – grund­sätz­lich auf Lebens­zeit – die vol­le Arbeits­kraft zur Ver­fü­gung zu stel­len und gemäß den jewei­li­gen Anfor­de­run­gen die Dienst­pflich­ten nach Kräf­ten zu erfül­len [39]. Die Gewähr­leis­tung einer recht­lich und wirt­schaft­lich gesi­cher­ten Posi­ti­on, zu der die indi­vi­du­el­le Garan­tie einer amts­an­ge­mes­se­nen Besol­dung und Ver­sor­gung durch das Ali­men­ta­ti­ons­prin­zip und die Mög­lich­keit ihrer gericht­li­chen Durch­set­zung wesent­lich bei­tra­gen, bil­det die Vor­aus­set­zung und inne­re Recht­fer­ti­gung für die lebens­lan­ge Treue­pflicht sowie das Streik­ver­bot, wäh­rend die­se umge­kehrt eine gericht­li­che Kon­trol­le der Ali­men­ta­ti­on erfor­dern; die­se Struk­tur­prin­zi­pi­en sind untrenn­bar mit­ein­an­der ver­bun­den [40].
Im Rah­men sei­ner Ver­pflich­tung zu einer dem Amt ange­mes­se­nen Ali­men­ta­ti­on hat der Gesetz­ge­ber auch die Attrak­ti­vi­tät der Dienst­ver­hält­nis­se von Rich­tern und Staats­an­wäl­ten für über­durch­schnitt­lich qua­li­fi­zier­te Kräf­te, das Anse­hen des Amtes in den Augen der Gesell­schaft, die vom Amts­in­ha­ber gefor­der­te Aus­bil­dung und sei­ne Bean­spru­chung zu berück­sich­ti­gen [41]. Für die Beur­tei­lung der Ange­mes­sen­heit der Ali­men­ta­ti­on kommt es auf deren Gesamt­hö­he an, zu deren Ermitt­lung neben dem Grund­ge­halt auch wei­te­re Besol­dungs­be­stand­tei­le wie Son­der­zah­lun­gen oder Stel­len­zu­la­gen [42] her­an­zu­zie­hen sind, auch wenn die­se für sich betrach­tet nicht den ver­fas­sungs­recht­li­chen Schutz eines her­ge­brach­ten Grund­sat­zes des Berufs­be­am­ten­tums gemäß Art. 33 Abs. 5 GG genie­ßen [43].
Bei der Umset­zung der aus Art. 33 Abs. 5 GG resul­tie­ren­den Pflicht zur amts­an­ge­mes­se­nen Ali­men­ta­ti­on besitzt der Gesetz­ge­ber einen wei­ten Ent­schei­dungs­spiel­raum [44]. Dies gilt sowohl hin­sicht­lich der Struk­tur als auch hin­sicht­lich der Höhe der Besol­dung [45]; die­se ist der Ver­fas­sung nicht unmit­tel­bar, als fes­ter und exakt bezif­fer­ba­rer Betrag, zu ent­neh­men [46]. Inso­fern stellt die in Art. 33 Abs. 5 GG ent­hal­te­ne Garan­tie eines „amts­an­ge­mes­se­nen“ Unter­halts ledig­lich eine den Besol­dungs­ge­setz­ge­ber in die Pflicht neh­men­de ver­fas­sungs­recht­li­che Gestal­tungs­di­rek­ti­ve dar [47]. Inner­halb des ihm zukom­men­den Ent­schei­dungs­spiel­raums muss der Gesetz­ge­ber das Besol­dungs­recht den tat­säch­li­chen Not­wen­dig­kei­ten und der Ent­wick­lung der all­ge­mei­nen wirt­schaft­li­chen und finan­zi­el­len Ver­hält­nis­se anpas­sen. Die von ihm jeweils gewähl­te Lösung – hin­sicht­lich Struk­tur und Höhe der Ali­men­ta­ti­on – unter­liegt aller­dings der gericht­li­chen Kon­trol­le [48].
Es ist nicht Auf­ga­be des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts zu prü­fen, ob der Gesetz­ge­ber dabei die gerech­tes­te, zweck­mä­ßigs­te und ver­nünf­tigs­te Lösung gewählt hat [49]. Dem wei­ten Ent­schei­dungs­spiel­raum des Gesetz­ge­bers ent­spricht viel­mehr eine zurück­hal­ten­de, auf den Maß­stab evi­den­ter Sach­wid­rig­keit beschränk­te Kon­trol­le der ein­fach­ge­setz­li­chen Rege­lung [50]. Im Ergeb­nis beschränkt sich die mate­ri­el­le Kon­trol­le dabei auf die Fra­ge, ob die Bezü­ge der Rich­ter und Staats­an­wäl­te evi­dent unzu­rei­chend sind. Ob dies der Fall ist, muss anhand einer Gesamt­schau ver­schie­de­ner Kri­te­ri­en und unter Berück­sich­ti­gung der kon­kret in Betracht kom­men­den Ver­gleichs­grup­pen geprüft wer­den [51].
Die­se Gesamt­schau voll­zieht sich in zwei Schrit­ten: Auf der ers­ten Prü­fungs­stu­fe wird mit Hil­fe von aus dem Ali­men­ta­ti­ons­prin­zip ableit­ba­ren und volks­wirt­schaft­lich nach­voll­zieh­ba­ren Para­me­tern ein durch Zah­len­wer­te kon­kre­ti­sier­ter Ori­en­tie­rungs­rah­men für eine grund­sätz­lich ver­fas­sungs­ge­mä­ße Aus­ge­stal­tung der Ali­men­ta­ti­ons­struk­tur und des Ali­men­ta­ti­ons­ni­veaus ermit­telt. In der Recht­spre­chung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts zum Ali­men­ta­ti­ons­prin­zip sind fünf Para­me­ter ange­legt, denen eine indi­zi­el­le Bedeu­tung bei der Ermitt­lung des ver­fas­sungs­recht­lich geschul­de­ten Ali­men­ta­ti­ons­ni­veaus zukommt [52]. Die Her­an­zie­hung die­ser volks­wirt­schaft­li­chen Para­me­ter dient vor allem der Ratio­na­li­sie­rung der ver­fas­sungs­recht­li­chen Prü­fung, darf aber nicht dahin miss­ver­stan­den wer­den, dass sich die Höhe der amts­an­ge­mes­se­nen Besol­dung unter Rück­griff auf sta­tis­ti­sche Daten exakt berech­nen lie­ße. Mit der Her­an­zie­hung die­ser Para­me­ter kann es schon des­halb nicht sein Bewen­den haben, weil sich der Inhalt des Ali­men­ta­ti­ons­prin­zips nicht allein nach volks­wirt­schaft­li­chen Kri­te­ri­en bemisst. Die ers­te Prü­fungs­stu­fe berei­tet die auf der zwei­ten Prü­fungs­stu­fe stets gebo­te­ne Gesamt­ab­wä­gung aller ali­men­ta­ti­ons­re­le­van­ten Aspek­te [53] vor, ersetzt sie aber nicht.
Der Gesetz­ge­ber muss den für die Bemes­sung der amts­an­ge­mes­se­nen Ali­men­ta­ti­on rele­van­ten Kri­te­ri­en sowohl bei struk­tu­rel­len Neu­aus­rich­tun­gen im Besol­dungs­recht als auch bei der kon­ti­nu­ier­li­chen Fort­schrei­bung der Besol­dung über die Jah­re hin­weg Rech­nung tra­gen [54]. Eben­so wenig wie die exak­te Höhe der amts­an­ge­mes­se­nen Besol­dung lässt sich dabei der Zeit­punkt, zu dem die­se als gera­de noch amts­an­ge­mes­sen anzu­se­hen ist, unmit­tel­bar der Ver­fas­sung ent­neh­men. Ob der Gesetz­ge­ber sei­ner Pflicht zur Anpas­sung der Ali­men­ta­ti­on an die all­ge­mei­nen wirt­schaft­li­chen und finan­zi­el­len Ver­hält­nis­se bei der Fort­schrei­bung der Besol­dungs­hö­he nach­kommt, zeigt sich viel­mehr erst anhand einer Gegen­über­stel­lung der Besol­dungs­ent­wick­lung einer­seits mit ver­schie­de­nen Ver­gleichs­grö­ßen ande­rer­seits über einen aus­sa­ge­kräf­ti­gen Zeit­raum hin­weg.
Die hier­bei regel­mä­ßig her­an­zu­zie­hen­den Schwel­len­wer­te, bei deren Über­schrei­tung eine erkenn­ba­re Dif­fe­renz zwi­schen der Besol­dungs­ent­wick­lung oder ‑höhe und der Ver­gleichs­grö­ße vor­liegt, haben ledig­lich Ori­en­tie­rungs­cha­rak­ter [55]. Sie sol­len vor allem Indi­zi­en für eine Unte­rali­men­ta­ti­on iden­ti­fi­zie­ren. Vor die­sem Hin­ter­grund haben die Erstel­lung der Indi­ces und die Berech­nung der Para­me­ter mög­lichst ein­fa­chen und kla­ren Regeln zu fol­gen. Eine „Spitz­aus­rech­nung“, bei der ins­be­son­de­re alle Ver­än­de­run­gen der Besol­dung, aber auch der Tarif­löh­ne minu­ti­ös abge­bil­det wer­den, wür­de der ers­ten Prü­fungs­stu­fe eine ver­meint­li­che Objek­ti­vi­tät zumes­sen, die ihr gera­de nicht zukommt. Die Para­me­ter sind weder dazu bestimmt noch geeig­net, aus ihnen mit mathe­ma­ti­scher Exakt­heit eine Aus­sa­ge dar­über abzu­lei­ten, wel­cher Betrag für eine ver­fas­sungs­mä­ßi­ge Besol­dung erfor­der­lich ist. Ein sol­ches Ver­ständ­nis wür­de die metho­di­sche Ziel­rich­tung der Besol­dungs­recht­spre­chung des Senats ver­ken­nen.
Im Aus­gangs­punkt genügt es daher, die von den Besol­dungs­ge­setz­ge­bern im Regel­fall für alle Besol­dungs­grup­pen glei­cher­ma­ßen vor­ge­nom­me­nen linea­ren Anpas­sun­gen der Bezü­ge um einen bestimm­ten Pro­zent­wert zu erfas­sen. Es stellt die Aus­sa­ge­kraft der Para­me­ter auch nicht in Fra­ge, wenn unter­jäh­ri­ge Besol­dungs­an­pas­sun­gen dabei so behan­delt wer­den, als sei­en sie zu Jah­res­be­ginn erfolgt. Der Senat ver­kennt nicht, dass sich der Zeit­punkt der Besol­dungs­an­pas­sung dar­auf aus­wirkt, was den Rich­tern und Staats­an­wäl­ten in einem Besol­dungs­jahr zur Deckung ihres Lebens­be­darfs tat­säch­lich zur Ver­fü­gung steht. Einer ungleich auf­wen­di­ge­re „Spitz­aus­rech­nung“ bedarf es jeden­falls dann nicht, wenn die jewei­li­gen Schwel­len­wer­te ohne­hin über­schrit­ten wer­den. Wenn die­se bei einer für die Ent­schei­dung erheb­li­chen Zahl von Para­me­tern knapp unter­schrit­ten wer­den oder Beson­der­hei­ten der (Besoldungs-)Entwicklung im Raum ste­hen, kann jedoch Anlass bestehen, die­sen Umstän­den im Rah­men der Gesamt­be­trach­tung der Ergeb­nis­se der ers­ten Prü­fungs­stu­fe Rech­nung zu tra­gen [56]. Aus dem glei­chen Grund sind auch sons­ti­ge Besol­dungs­ver­än­de­run­gen wie nament­lich Ver­än­de­run­gen der beson­de­ren Bezü­ge­be­stand­tei­le (Son­der­zah­lun­gen, Urlaubs­geld) sowie nicht­li­nea­re Besol­dungs­er­hö­hun­gen durch Sockel­be­trä­ge oder Ein­mal­zah­lun­gen für die hier ange­wand­ten Para­me­ter nur dann bereits auf der ers­ten Prü­fungs­stu­fe zu berück­sich­ti­gen, wenn von vorn­her­ein fest­steht, dass sie einen erheb­li­chen Ein­fluss auf die Besol­dungs­ent­wick­lung haben kön­nen [57]. Die not­wen­di­ge Typi­sie­rung legt es schließ­lich nahe, bei nicht­li­nea­ren Besol­dungs­ver­än­de­run­gen den in die Berech­nung des Besol­dungs­in­dex ein­zu­stel­len­den Pro­zent­wert ein­heit­lich anhand der höchs­ten Erfah­rungs­stu­fe der Besol­dungs­grup­pe [42] zu ermit­teln.
Ent­spre­chen­des gilt auch für die Ermitt­lung der Ver­gleichs­grö­ßen: So erfasst der durch das Sta­tis­ti­sche Bun­des­amt ermit­tel­te Tarif­lohn­in­dex [58] allein linea­re Tarif­er­hö­hun­gen; Sockel­be­trä­ge, Ein­mal­zah­lun­gen sowie Ver­än­de­run­gen der Son­der­zah­lun­gen blei­ben eben­so außen vor wie der Zeit­punkt der Tarif­er­hö­hung. Auch bei der Gegen­über­stel­lung des brut­to­lohn­ba­sier­ten Nomi­nal­lohn­in­dex mit der Ver­än­de­rung der Brut­to­be­sol­dung sind Ver­zer­run­gen infol­ge der Steu­er­pro­gres­si­on oder der Belas­tung mit Sozi­al­ab­ga­ben nicht aus­zu­schlie­ßen [59].
Wie bei der Ermitt­lung der Besol­dungs­ent­wick­lung geht es auch hier nicht um die exak­te Berech­nung der Tarif­lohn­ent­wick­lung, son­dern um Ori­en­tie­rungs­wer­te für die erfor­der­li­che Gesamt­ab­wä­gung. Einer „genaue­ren“ Berech­nung ste­hen auch prak­ti­sche Schwie­rig­kei­ten ent­ge­gen. Woll­te man bei­spiels­wei­se die Ver­än­de­run­gen der Son­der­zah­lun­gen beim Über­gang vom Bun­des­an­ge­stell­ten­ta­rif (BAT) zum Tarif­ver­trag für den öffent­li­chen Dienst der Län­der (TV‑L) abbil­den, deren Bemes­sungs­grund­la­gen sich seit­her je nach Ent­gelt­grup­pe unter­schei­den, müss­te der zu prü­fen­den Besol­dungs­grup­pe eine kon­kre­te Tari­fent­gelt­grup­pe als Ver­gleichs­maß­stab zuge­ord­net wer­den. Eine sol­che drängt sich bei den Besol­dungs­ord­nun­gen R und W nicht auf. Aber auch für die Besol­dungs­ord­nung A kann nicht ohne Wei­te­res von einem Gleich­lauf der Besol­dungs- und Tari­fent­gelt­grup­pen aus­ge­gan­gen wer­den, unter ande­rem weil für bestimm­te Tarif­be­schäf­tig­te geson­der­te Ent­gelt­ord­nun­gen ein­schlä­gig sind (z.B. für Ärz­te, Kran­ken­pfle­ger sowie den Schul- und Erzie­hungs­dienst). Gra­vie­ren­den Ver­zer­run­gen, wel­che die Aus­sa­ge­kraft eines Ver­gleichs nach­hal­tig erschüt­tern wür­den, kann im Rah­men der Gesamt­be­trach­tung Rech­nung getra­gen wer­den.
Eine deut­li­che Dif­fe­renz zwi­schen der Besol­dungs­ent­wick­lung und den Tarif­er­geb­nis­sen der Beschäf­tig­ten im öffent­li­chen Dienst im betrof­fe­nen Land oder – bei der Bun­des­be­sol­dung – auf Bun­des­ebe­ne ist ein wich­ti­ges Indiz für eine evi­den­te Miss­ach­tung des Ali­men­ta­ti­ons­ge­bo­tes (ers­ter Para­me­ter) [60].
Bezugs­rah­men für die Amts­an­ge­mes­sen­heit der Ali­men­ta­ti­on sind zunächst die Ein­kom­men der Arbeit­neh­mer mit ver­gleich­ba­rer Aus­bil­dung und Tätig­keit inner­halb des öffent­li­chen Diens­tes [61]. Dem Ein­kom­mens­ni­veau die­ser pri­vat­recht­lich beschäf­tig­ten Arbeit­neh­mer kommt eine beson­de­re Bedeu­tung für die Bestim­mung der Wer­tig­keit des Amtes und damit der Ange­mes­sen­heit der Besol­dung zu [62], zumal die Tarif­ab­schlüs­se im öffent­li­chen Dienst ein gewich­ti­ges Indiz für die Ent­wick­lung sowohl der (sons­ti­gen) all­ge­mei­nen wirt­schaft­li­chen und finan­zi­el­len Ver­hält­nis­se sowie des all­ge­mei­nen Lebens­stan­dards einer­seits als auch der wirt­schaft­li­chen Leis­tungs­fä­hig­keit des Lan­des oder des Bun­des ande­rer­seits sind. Zwar ist der Besol­dungs­ge­setz­ge­ber – auch ange­sichts der grund­sätz­li­chen Unter­schie­de zwi­schen der Tari­fent­loh­nung und der Beam­ten­be­sol­dung – von Ver­fas­sungs wegen nicht ver­pflich­tet, bei Anpas­sun­gen der Bezü­ge eine strik­te Par­al­le­li­tät zu den Tarif­er­geb­nis­sen des öffent­li­chen Diens­tes zu gewähr­leis­ten [63]. Er darf die Tarif­er­geb­nis­se bei der Fest­set­zung der Beam­ten­be­sol­dung aber nicht in einer über die Unter­schied­lich­keit der Ent­loh­nungs­sys­te­me hin­aus­ge­hen­den Wei­se außer Betracht las­sen. Wird bei einer Gegen­über­stel­lung der Besol­dungs­ent­wick­lung mit der Ent­wick­lung der Tarif­er­geb­nis­se im öffent­li­chen Dienst eine Abkopp­lung der Bezü­ge der Amts­trä­ger hin­rei­chend deut­lich sicht­bar, steht dies im Wider­spruch zur Ori­en­tie­rungs­funk­ti­on der Tarif­er­geb­nis­se [64].
Dies ist in der Regel der Fall, wenn die Dif­fe­renz zwi­schen den Tarif­er­geb­nis­sen und der Besol­dungs­an­pas­sung min­des­tens 5 % des Index­wer­tes der erhöh­ten Besol­dung beträgt [65]. Aus­ge­hend vom ver­fah­rens­ge­gen­ständ­li­chen Kalen­der­jahr ist die Betrach­tung dabei auf den Zeit­raum der zurück­lie­gen­den 15 Jah­re zu erstre­cken, um einer­seits zufäl­li­ge Aus­schlä­ge auf­zu­fan­gen und ande­rer­seits eine metho­di­sche Ver­gleich­bar­keit noch zu gewähr­leis­ten. Ergän­zend ist gege­be­nen­falls für einen wei­te­ren gleich­lan­gen Zeit­raum, der auch den Zeit­raum der fünf Jah­re vor Beginn des oben genann­ten 15-jäh­ri­gen Betrach­tungs­zeit­raums abdeckt und sich mit die­sem Zeit­raum über­lappt, eine Ver­gleichs­be­rech­nung durch­zu­füh­ren. Durch eine der­ar­ti­ge Staf­fel­prü­fung wird sicher­ge­stellt, dass etwai­ge sta­tis­ti­sche Aus­rei­ßer berei­nigt wer­den [66].
Eine deut­li­che Abwei­chung der Besol­dungs­ent­wick­lung von der Ent­wick­lung des Nomi­nal­lohn­in­dex im jeweils betrof­fe­nen Land ist ein wei­te­res Indiz für eine evi­den­te Miss­ach­tung des Ali­men­ta­ti­ons­ge­bo­tes (zwei­ter Para­me­ter) [67].
Die Ver­pflich­tung zur Anpas­sung der Besol­dung an die Ent­wick­lung der all­ge­mei­nen wirt­schaft­li­chen Ver­hält­nis­se [68] erfor­dert, dass die Besol­dung der Rich­ter und Staats­an­wäl­te zu der Ein­kom­mens­si­tua­ti­on und ‑ent­wick­lung der Gesamt­be­völ­ke­rung in Bezug gesetzt wird [69]. Zur Ori­en­tie­rung eig­net sich inso­weit der Nomi­nal­lohn­in­dex, der ein all­ge­mein aner­kann­ter Indi­ka­tor für die Ein­kom­mens- und Wohl­stands­ent­wick­lung der abhän­gig Beschäf­tig­ten in Deutsch­land ist. Die­ser Index misst die Ver­än­de­rung des durch­schnitt­li­chen Brut­to­mo­nats­ver­diens­tes inklu­si­ve Son­der­zah­lun­gen der voll­zeit, teil­zeit- und gering­fü­gig beschäf­tig­ten Arbeit­neh­mer. Er ist weit­ge­hend reprä­sen­ta­tiv für die Ver­dienst­ent­wick­lung und bil­det sie trans­pa­rent, exakt, zeit­nah und in regel­mä­ßi­gen Zeit­ab­stän­den ab [59]. Beträgt die Dif­fe­renz zwi­schen der Ent­wick­lung des Nomi­nal­lohn­in­dex und der Besol­dungs­ent­wick­lung bei Zugrun­de­le­gung eines Zeit­raums von 15 Jah­ren bis zu dem ver­fah­rens­ge­gen­ständ­li­chen Zeit­ab­schnitt sowie in einem über­lap­pen­den gleich­lan­gen Zeit­raum in der Regel min­des­tens 5 % des Index­wer­tes der erhöh­ten Besol­dung, ist dies ein wei­te­res Indiz für die evi­den­te Unan­ge­mes­sen­heit der Ali­men­ta­ti­on [70].
Eine deut­li­che Abwei­chung der Besol­dungs­ent­wick­lung von der Ent­wick­lung des Ver­brau­cher­preis­in­dex in dem jeweils betrof­fe­nen Land oder – bei der Bun­des­be­sol­dung – auf Bun­des­ebe­ne ist eben­falls ein Indiz für eine Ver­let­zung des Kern­ge­halts der Ali­men­ta­ti­on (drit­ter Para­me­ter) [71]. Der Ver­brau­cher­preis­in­dex bemisst die durch­schnitt­li­che Preis­ent­wick­lung aller Waren und Dienst­leis­tun­gen (Mie­ten, Nah­rungs­mit­tel, Beklei­dung, Kraft­fahr­zeu­ge, Fri­seur, Rei­ni­gung, Repa­ra­tu­ren, Ener­gie­kos­ten, Rei­sen etc.), die von pri­va­ten Haus­hal­ten für Kon­sum­zwe­cke in Anspruch genom­men wer­den [72].
Der Gesetz­ge­ber hat bei der Bemes­sung der Besol­dung zu berück­sich­ti­gen, dass die­se dem Rich­ter oder Staats­an­walt über die Befrie­di­gung der Grund­be­dürf­nis­se hin­aus einen sei­nem Amt ange­mes­se­nen Lebens­un­ter­halt ermög­li­chen muss [73]. Das Ali­men­ta­ti­ons­prin­zip ver­langt – par­al­lel zu der Kon­stel­la­ti­on eines fami­li­är beding­ten Unter­halts­be­darfs [74] –, durch eine ent­spre­chen­de Bemes­sung der Bezü­ge zu ver­hin­dern, dass das Gehalt infol­ge eines Anstiegs der all­ge­mei­nen Lebens­hal­tungs­kos­ten auf­ge­zehrt wird und dem Rich­ter oder Staats­an­walt infol­ge des Kauf­kraft­ver­lus­tes die Mög­lich­keit genom­men wird, den ihm zukom­men­den Lebens­zu­schnitt zu wah­ren. Zur Ermitt­lung der wirt­schaft­li­chen Situa­ti­on des Rich­ters oder Staats­an­walts ist der Ent­wick­lung sei­nes Ein­kom­mens die all­ge­mei­ne Preis­ent­wick­lung anhand des Ver­brau­cher­preis­in­dex gegen­über­zu­stel­len [72].
Beträgt die Dif­fe­renz zwi­schen der Ent­wick­lung des Ver­brau­cher­preis­in­dex und der Besol­dungs­ent­wick­lung bei Zugrun­de­le­gung eines Zeit­raums von 15 Jah­ren bis zu dem ver­fah­rens­ge­gen­ständ­li­chen Zeit­ab­schnitt sowie in einem über­lap­pen­den gleich­lan­gen Zeit­raum in der Regel min­des­tens 5 % des Index­wer­tes der erhöh­ten Besol­dung, ist dies ein wei­te­res Indiz für die evi­den­te Unan­ge­mes­sen­heit der Ali­men­ta­ti­on [75].
Der vier­te Para­me­ter ergibt sich aus einem sys­tem­in­ter­nen Besol­dungs­ver­gleich [76].
Die Amts­an­ge­mes­sen­heit der Ali­men­ta­ti­on der Rich­ter und Staats­an­wäl­te bestimmt sich auch durch ihr Ver­hält­nis zur Besol­dung und Ver­sor­gung ande­rer Beam­ten­grup­pen [77]. Durch die Anknüp­fung der Ali­men­ta­ti­on an inner­dienst­li­che, unmit­tel­bar amts­be­zo­ge­ne Kri­te­ri­en wie den Dienst­rang soll sicher­ge­stellt wer­den, dass die Bezü­ge ent­spre­chend der unter­schied­li­chen Wer­tig­keit der Ämter abge­stuft sind. Gleich­zei­tig kommt dar­in zum Aus­druck, dass jedem Amt eine Wer­tig­keit imma­nent ist, die sich in der Besol­dungs­hö­he wider­spie­geln muss. Die Wer­tig­keit wird ins­be­son­de­re durch die Ver­ant­wor­tung des Amtes und die Inan­spruch­nah­me des Amts­in­ha­bers bestimmt. Die „amts“-angemessene Besol­dung ist not­wen­di­ger­wei­se eine abge­stuf­te Besol­dung [78]. Die Orga­ni­sa­ti­on der öffent­li­chen Ver­wal­tung stellt dar­auf ab, dass in den höher besol­de­ten Ämtern die für den Dienst­herrn wert­vol­le­ren Leis­tun­gen erbracht wer­den. Des­halb muss im Hin­blick auf das Leis­tungs- und das Lauf­bahn­prin­zip mit der orga­ni­sa­ti­ons­recht­li­chen Glie­de­rung der Ämter eine Staf­fe­lung der Gehäl­ter ein­her­ge­hen. Ver­glei­che sind dabei nicht nur inner­halb einer Besol­dungs­ord­nung, son­dern gera­de auch zwi­schen den ver­schie­de­nen Besol­dungs­ord­nun­gen gebo­ten [79]. Amts­an­ge­mes­se­ne Gehäl­ter sind auf die­ser Grund­la­ge so zu bemes­sen, dass sie Rich­tern und Staats­an­wäl­ten eine Lebens­hal­tung ermög­li­chen, die der Bedeu­tung ihres jewei­li­gen Amtes ent­spricht [80].
Das Ergeb­nis des sys­tem­in­ter­nen Besol­dungs­ver­gleichs kann in zwei­fa­cher Hin­sicht indi­zi­el­le Bedeu­tung dafür haben, dass die Besol­dung hin­ter den Vor­ga­ben des Ali­men­ta­ti­ons­prin­zips zurück­bleibt.
Im ers­ten Fall ergibt sich die indi­zi­el­le Bedeu­tung aus dem Umstand, dass es infol­ge unter­schied­lich hoher linea­rer oder zeit­lich ver­zö­ger­ter Besol­dungs­an­pas­sun­gen zu einer deut­li­chen Ver­rin­ge­rung der Abstän­de zwi­schen zwei zu ver­glei­chen­den Besol­dungs­grup­pen kommt. Die­se Schwel­le ist nicht erst dann über­schrit­ten, wenn die Abstän­de ganz oder im Wesent­li­chen ein­ge­eb­net wer­den. Das wäre mit dem Abstands­ge­bot als eigen­stän­di­gem her­ge­brach­ten Grund­satz des Berufs­be­am­ten­tums unver­ein­bar [81]. Ein im Rah­men der Gesamt­ab­wä­gung zu gewich­ten­des Indiz für eine unzu­rei­chen­de Ali­men­ta­ti­on liegt viel­mehr bereits dann vor, wenn die Abstän­de um min­des­tens 10 % in den zurück­lie­gen­den fünf Jah­ren abge­schmol­zen wur­den [82].
Im zwei­ten Fall folgt die indi­zi­el­le Bedeu­tung aus der Miss­ach­tung des gebo­te­nen Min­dest­ab­stands zum Grund­si­che­rungs­ni­veau in der unters­ten Besol­dungs­grup­pe.
Beim Min­dest­ab­stands­ge­bot han­delt es sich – wie beim Abstands­ge­bot – um einen eigen­stän­di­gen, aus dem Ali­men­ta­ti­ons­prin­zip abge­lei­te­ten Grund­satz. Es besagt, dass bei der Bemes­sung der Besol­dung der qua­li­ta­ti­ve Unter­schied zwi­schen der Grund­si­che­rung, die als staat­li­che Sozi­al­leis­tung den Lebens­un­ter­halt von Arbeit­su­chen­den und ihren Fami­li­en sicher­stellt, und dem Unter­halt, der erwerbs­tä­ti­gen Beam­ten und Rich­tern geschul­det ist, hin­rei­chend deut­lich wer­den muss [83]. Die­ser Min­dest­ab­stand wird unter­schrit­ten, wenn die Net­to­ali­men­ta­ti­on (unter Berück­sich­ti­gung der fami­li­en­be­zo­ge­nen Bezü­ge­be­stand­tei­le und des Kin­der­gelds) um weni­ger als 15 % über dem Grund­si­che­rungs­ni­veau liegt [84]. Man­gels gegen­tei­li­ger Anhalts­punk­te ist nach wie vor davon aus­zu­ge­hen, dass die Besol­dungs­ge­setz­ge­ber das Grund­ge­halt von vorn­her­ein so bemes­sen, dass – zusam­men mit den Fami­li­en­zu­schlä­gen für den Ehe­part­ner und die ers­ten bei­den Kin­der – eine bis zu vier­köp­fi­ge Fami­lie amts­an­ge­mes­sen unter­hal­ten wer­den kann, so dass es einer geson­der­ten Prü­fung der Besol­dung mit Blick auf die Kin­der­zahl erst ab dem drit­ten Kind bedarf [85]. Die vier­köp­fi­ge Allein­ver­die­n­er­fa­mi­lie ist dem­nach eine aus der bis­he­ri­gen Besol­dungs­pra­xis abge­lei­te­te Bezugs­grö­ße, nicht Leit­bild der Beam­ten­be­sol­dung. Auch hin­sicht­lich der Struk­tu­rie­rung der Besol­dung ver­fügt der Besol­dungs­ge­setz­ge­ber über einen brei­ten Gestal­tungs­spiel­raum [86]. Es besteht ins­be­son­de­re kei­ne Ver­pflich­tung, die Grund­be­sol­dung so zu bemes­sen, dass Beam­te und Rich­ter ihre Fami­lie als Allein­ver­die­ner unter­hal­ten kön­nen. Viel­mehr steht es dem Besol­dungs­ge­setz­ge­ber frei, etwa durch höhe­re Fami­li­en­zu­schlä­ge bereits für das ers­te und zwei­te Kind stär­ker als bis­her die Besol­dung von den tat­säch­li­chen Lebens­ver­hält­nis­sen abhän­gig zu machen.
Wird bei der zur Prü­fung gestell­ten Besol­dungs­grup­pe der Min­dest­ab­stand zur Grund­si­che­rung für Arbeit­su­chen­de nicht ein­ge­hal­ten, liegt allein hier­in eine Ver­let­zung des Ali­men­ta­ti­ons­prin­zips. Hin­sicht­lich der Ver­fas­sungs­mä­ßig­keit der Ali­men­ta­ti­on einer höhe­ren Besol­dungs­grup­pe, bei der das Min­dest­ab­stands­ge­bot selbst gewahrt ist, lässt sich eine sol­che Schluss­fol­ge­rung nicht ohne Wei­te­res zie­hen. Eine Ver­let­zung des Min­dest­ab­stands­ge­bots betrifft aber inso­fern das gesam­te Besol­dungs­ge­fü­ge, als sich der vom Besol­dungs­ge­setz­ge­ber selbst gesetz­te Aus­gangs­punkt für die Besol­dungs­staf­fe­lung als feh­ler­haft erweist. Das für das Ver­hält­nis zwi­schen den Besol­dungs­grup­pen gel­ten­de Abstands­ge­bot zwingt den Gesetz­ge­ber dazu, bei der Aus­ge­stal­tung der Besol­dung ein Gesamt­kon­zept zu ver­fol­gen, das die Besol­dungs­grup­pen und Besol­dungs­ord­nun­gen zuein­an­der in Ver­hält­nis setzt und abhän­gig von­ein­an­der auf­baut. Erweist sich die Grund­la­ge die­ses Gesamt­kon­zepts als ver­fas­sungs­wid­rig, weil für die unterste(n) Besoldungsgruppe(n) die Anfor­de­run­gen des Min­dest­ab­stands­ge­bots miss­ach­tet wur­den, wird der Aus­gangs­punkt für die dar­auf auf­bau­en­de Stu­fung in Fra­ge gestellt. Der Besol­dungs­ge­setz­ge­ber ist danach gehal­ten, eine neue kon­sis­ten­te Besol­dungs­sys­te­ma­tik mit einem ande­ren Aus­gangs­punkt zu bestim­men.
Aller­dings hat der Gesetz­ge­ber einen wei­ten Gestal­tungs­spiel­raum, wie er bei der Fest­set­zung der Bezü­ge den Anfor­de­run­gen des Gebo­tes eines Min­dest­ab­stands zum Grund­si­che­rungs­ni­veau Rech­nung trägt. Neben der Anhe­bung der Grund­ge­halts­sät­ze und Ver­än­de­run­gen im Bei­hil­fe­recht kommt ins­be­son­de­re auch eine Anhe­bung des Fami­li­en­zu­schlags in Betracht [87]. Ob eine zur Behe­bung eines Ver­sto­ßes gegen das Min­dest­ab­stands­ge­bot erfor­der­li­che Neu­struk­tu­rie­rung des Besol­dungs­ge­fü­ges zu einer Erhö­hung der Grund­ge­halts­sät­ze einer höhe­ren Besol­dungs­grup­pe führt, lässt sich daher nicht mit der für die Annah­me eines Ver­fas­sungs­ver­sto­ßes erfor­der­li­chen Gewiss­heit fest­stel­len. Die Wahr­schein­lich­keit hier­für ist umso grö­ßer, je näher die zur Prü­fung gestell­te Besol­dungs­grup­pe selbst an der Gren­ze zur Min­dest­be­sol­dung liegt. Je deut­li­cher der Ver­stoß aus­fällt und je mehr Besol­dungs­grup­pen hin­ter dem Min­dest­ab­stands­ge­bot zurück­blei­ben, des­to eher ist damit zu rech­nen, dass es zu einer spür­ba­ren Anhe­bung des gesam­ten Besol­dungs­ni­veaus kom­men muss, um die gebo­te­nen Abstän­de zwi­schen den Besol­dungs­grup­pen wah­ren zu kön­nen. Die Ver­let­zung des Min­dest­ab­stands­ge­bots bei einer nied­ri­ge­ren Besol­dungs­grup­pe ist daher (nur) ein Indiz für die unzu­rei­chen­de Aus­ge­stal­tung der höhe­ren Besol­dungs­grup­pe, das mit dem ihm nach den Umstän­den des Fal­les zukom­men­den Gewicht in die Gesamt­ab­wä­gung ein­zu­stel­len ist.
Das zur Bestim­mung der Min­des­ta­li­men­ta­ti­on her­an­ge­zo­ge­ne Grund­si­che­rungs­ni­veau umfasst alle Ele­men­te des Lebens­stan­dards, der den Emp­fän­gern von Grund­si­che­rungs­leis­tun­gen staat­li­cher­seits gewährt wird, unab­hän­gig davon, ob die­se zum von Ver­fas­sungs wegen garan­tier­ten Exis­tenz­mi­ni­mum [88] zäh­len oder über die­ses hin­aus­ge­hen und ob zur Befrie­di­gung der aner­kann­ten Bedürf­nis­se Geld­leis­tun­gen gewährt oder bedarfs­de­cken­de Sach- bezie­hungs­wei­se Dienst­leis­tun­gen erbracht wer­den.
Ist der Gesetz­ge­ber gehal­ten, den Umfang der Sozi­al­leis­tun­gen rea­li­täts­ge­recht [89] zu bemes­sen, kann dies nicht ohne ver­ein­fa­chen­de Annah­men gelin­gen. Die zu berück­sich­ti­gen­den Posi­tio­nen müs­sen not­wen­di­ger­wei­se typi­siert wer­den [90]. Weder der in ers­ter Linie zur Durch­füh­rung einer ent­spre­chen­den Berech­nung beru­fe­ne Besol­dungs­ge­setz­ge­ber noch das zur Nach­prü­fung beru­fe­ne Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt muss sich an aty­pi­schen Son­der­fäl­len ori­en­tie­ren. Die Her­an­ge­hens­wei­se muss jedoch von dem Ziel bestimmt sein, sicher­zu­stel­len, dass die Net­to­ali­men­ta­ti­on in mög­lichst allen Fäl­len den gebo­te­nen Min­dest­ab­stand zu dem den Emp­fän­gern der sozia­len Grund­si­che­rung gewähr­leis­te­ten Lebens­stan­dard wahrt [91]. Damit kommt eine Ori­en­tie­rung an einem Durch­schnitts­wert jeden­falls dann nicht in Betracht, wenn die Vari­anz so groß ist, dass er in einer grö­ße­ren Anzahl von Fäl­len erkenn­bar nicht aus­rei­chen wür­de [92]. Zwar hat der Senat dem Steu­er­ge­setz­ge­ber in der Ver­gan­gen­heit unter Durch­bre­chung des Grund­sat­zes, dass kein Steu­er­pflich­ti­ger infol­ge einer Besteue­rung sei­nes Ein­kom­mens dar­auf ver­wie­sen wer­den dür­fe, sei­nen exis­tenz­not­wen­di­gen Bedarf durch Inan­spruch­nah­me von Staats­leis­tun­gen zu sichern, zuge­bil­ligt, sich bei einem erheb­li­chen Preis­ge­fäl­le auf dem Woh­nungs­markt hin­sicht­lich der Wohn­kos­ten bei der Bemes­sung des Grund­frei­be­trags an einem „unte­ren Wert“ zu ori­en­tie­ren. Er hat dies aber unter der Bedin­gung getan, dass der Gesetz­ge­ber zugleich zur ergän­zen­den Deckung des Bedarfs nach dem Ein­zel­fall bemes­se­ne Sozi­al­leis­tun­gen, wie etwa ein Wohn­geld, zur Ver­fü­gung stellt [93]. Weil die Besol­dung der Beam­ten und Rich­ter nicht dem Gewähr­leis­tungs­be­reich des Art. 33 Abs. 5 GG ent­zo­gen wer­den kann, darf der Besol­dungs­ge­setz­ge­ber sie, wenn es um die Ein­hal­tung der aus dem Ali­men­ta­ti­ons­prin­zip fol­gen­den Min­dest­an­for­de­run­gen geht, indes nicht auf den Bezug von Sozi­al­leis­tun­gen ver­wei­sen. Allen­falls dür­fen tat­säch­lich bezo­ge­ne Sozi­al­leis­tun­gen auf die Bezü­ge ange­rech­net wer­den [94]. Ande­res gilt nur für das Kin­der­geld [95], weil mit ihm im Aus­gangs­punkt die – bei der Ermitt­lung des Net­to­ge­halts ohne­hin zu berück­sich­ti­gen­de – ver­fas­sungs­recht­lich gebo­te­ne steu­er­li­che Frei­stel­lung des Exis­tenz­mi­ni­mums des Kin­des bewirkt wird [96] und es daher nur in bestimm­ten Fäl­len und in unter­schied­li­chem Umfang den Cha­rak­ter einer Sozi­al­leis­tung hat [97].
Die nach­fol­gen­den Aus­füh­run­gen stel­len kei­ne für den Besol­dungs­ge­setz­ge­ber in jeder Ein­zel­heit ver­bind­li­che Berech­nungs­grund­la­ge dar. Ihm stün­de es ins­be­son­de­re frei, die Höhe des Grund­si­che­rungs­ni­veaus mit Hil­fe einer ande­ren plau­si­blen und rea­li­täts­ge­rech­ten Metho­dik zu bestim­men [98]. Ihn trifft jedoch die Pflicht, die ihm zu Gebo­te ste­hen­den Erkennt­nis­mög­lich­kei­ten hin­sicht­lich der Höhe der Grund­si­che­rungs­leis­tun­gen aus­zu­schöp­fen, um die Ent­wick­lung der Lebens­ver­hält­nis­se zu beob­ach­ten und die Höhe der Besol­dung an die­se Ent­wick­lung kon­ti­nu­ier­lich im gebo­te­nen Umfang anzu­pas­sen [99]. Stellt er dabei eine erheb­li­che (regio­na­le) Sprei­zung inner­halb sei­nes Ver­ant­wor­tungs­be­reichs fest, kann er dar­auf mit einer regio­na­len Dif­fe­ren­zie­rung der Beam­ten­be­sol­dung reagie­ren.
Gemäß § 20 SGB II wird zur Befrie­di­gung des Regel­be­darfs zur Siche­rung des Lebens­un­ter­halts ein monat­li­cher Pau­schal­be­trag aner­kannt, des­sen Höhe regel­mä­ßig neu fest­ge­setzt wird. Dabei wird typi­sie­rend für unter­schied­li­che Lebens­um­stän­de ein unter­schied­li­cher Regel­be­darf ange­nom­men. Für in einer Bedarfs­ge­mein­schaft zusam­men­le­ben­de Erwach­se­ne gilt gemäß § 20 Abs. 4 SGB II die Bedarfs­stu­fe 2. Für Kin­der rich­tet sich die Zuord­nung zu einer Regel­be­darfs­stu­fe nach dem Lebens­al­ter. Inso­fern kann auf die im Exis­tenz­mi­ni­mum­be­richt der Bun­des­re­gie­rung eta­blier­te Berech­nungs­me­tho­de zurück­ge­grif­fen wer­den, bei der die Regel­be­darfs­sät­ze mit der Anzahl der für die ein­zel­nen Regel­be­darfs­stu­fen rele­van­ten Lebens­jah­re gewich­tet wer­den [100].
Hin­sicht­lich der Kos­ten der Unter­kunft bie­tet sich ein Rück­griff auf die von der Bun­des­agen­tur für Arbeit sta­tis­tisch ermit­tel­ten Wer­te an.
Eine Über­nah­me der in den Exis­tenz­mi­ni­mum­be­rich­ten ange­wand­ten Metho­de kommt nicht in Betracht. Im streit­ge­gen­ständ­li­chen Zeit­raum wur­den dar­in neben dem gesamt­deut­schen Mie­ten­ni­veau der Wohn­geld­emp­fän­ger der für die Mie­ten­stu­fen I bis IV nach Fall­zah­len gewich­te­te Durch­schnitts­wert zugrun­de gelegt [101] und damit gera­de die Mie­ten der (damals) höchs­ten Mie­ten­stu­fen V und VI nach § 12 WoGG außer Ansatz gelas­sen [102]. Dass die Auf­fas­sung der Bun­des­re­gie­rung, die­se Metho­dik sei auch für die Bestim­mung der Min­des­ta­li­men­ta­ti­on her­an­zu­zie­hen, nicht zutref­fen kann, folgt schon dar­aus, dass sie in ihrer Stel­lung­nah­me die Beam­ten aus­drück­lich auf den Wohn­geld­be­zug ver­weist. Der Besol­dungs­ge­setz­ge­ber kann sich sei­ner aus dem Ali­men­ta­ti­ons­prin­zip erge­ben­den Ver­pflich­tung aber nicht mit Blick auf Sozi­al­leis­tungs­an­sprü­che ent­le­di­gen; die ange­mes­se­ne Ali­men­ta­ti­on muss durch das Beam­ten­ge­halt selbst gewahrt wer­den [103].
Um der ver­fas­sungs­recht­li­chen Ziel­set­zung, das Grund­si­che­rungs­ni­veau als Aus­gangs­punkt für die Fest­le­gung der Unter­gren­ze der Beam­ten­be­sol­dung zu bestim­men, gerecht zu wer­den, muss der Bedarf für die Kos­ten der Unter­kunft so erfasst wer­den, wie ihn das Sozi­al­recht defi­niert und die Grund­si­che­rungs­be­hör­den tat­säch­lich aner­ken­nen. Auch muss der Ansatz so bemes­sen sein, dass er auch in den Kom­mu­nen mit höhe­ren Kos­ten der Unter­kunft das Grund­si­che­rungs­ni­veau nicht unter­schrei­tet.
§ 22 Abs. 1 Satz 1 SGB II sieht vor, dass Bedar­fe für Unter­kunft und Hei­zung in Höhe der tat­säch­li­chen Auf­wen­dun­gen aner­kannt wer­den, soweit die­se ange­mes­sen sind. Solan­ge nicht auf­grund von § 22a Abs. 1 in Ver­bin­dung mit § 22b Abs. 1 SGB II durch Sat­zung (oder Ver­ord­nung) bestimmt wird, wel­che Kos­ten der Unter­kunft bezie­hungs­wei­se wel­che Wohn­flä­che ent­spre­chend der Struk­tur des ört­li­chen Woh­nungs­mark­tes als ange­mes­sen aner­kannt wer­den, muss die Ange­mes­sen­heit der Kos­ten nach der Recht­spre­chung des Bun­des­so­zi­al­ge­richts in einer mehr­stu­fi­gen Ein­zel­fall­prü­fung ermit­telt wer­den: Zunächst ist die soge­nann­te abs­trak­te Ange­mes­sen­heit der Mie­te zu bestim­men, für die es auf Wohn­flä­che, Wohn­stan­dard (ins­be­son­de­re Lage und Aus­stat­tung) und ört­li­ches Preis­ni­veau ankommt. Nach der soge­nann­ten Pro­dukt­theo­rie ist eine Unter­kunft ange­mes­sen, deren Kos­ten dem Pro­dukt aus ange­mes­se­ner Wohn­flä­che einer­seits und dem im Ver­gleichs­raum für Woh­nun­gen ein­fa­chen Stan­dards ermit­tel­ten Miet­zins pro Qua­drat­me­ter ande­rer­seits ent­spricht [104]. Der Ver­gleichs­raum ist aus­ge­hend vom Wohn­ort zu bestim­men, wobei es dar­auf ankommt, wel­che Orte auf­grund ihrer räum­li­chen Nähe, der Infra­struk­tur und ins­be­son­de­re ihrer ver­kehrs­tech­ni­schen Ver­bun­den­heit einen ins­ge­samt betrach­tet homo­ge­nen Lebens- und Wohn­be­reich bil­den [105]. Dabei kann der Grund­si­che­rungs­emp­fän­ger sei­nen Wohn­ort frei wäh­len: Nach einem Umzug über die Gren­zen des kom­mu­na­len Ver­gleichs­raums hin­aus sind die anzu­set­zen­den Kos­ten der Unter­kunft nicht auf die Auf­wen­dun­gen am bis­he­ri­gen Wohn­ort begrenzt [106]. Die anzu­set­zen­de Wohn­flä­che wird aus den im jeweils frag­li­chen Zeit­raum gel­ten­den lan­des­recht­li­chen Vor­ga­ben für den sozia­len Miet­woh­nungs­bau abge­lei­tet [107]. Der Qua­drat­me­ter­preis für Woh­nun­gen ein­fa­chen Stan­dards ist auf der Grund­la­ge eines über­prüf­ba­ren, schlüs­si­gen Kon­zepts zur Daten­er­he­bung und ‑aus­wer­tung zu ermit­teln, das die Gewähr dafür bie­tet, die Ver­hält­nis­se des ört­li­chen Woh­nungs­markts in einem bestimm­ten Zeit­raum wie­der­zu­ge­ben [108]. Über­schrei­ten die tat­säch­li­chen Auf­wen­dun­gen den nach die­sen Maß­ga­ben bestimm­ten abs­trakt ange­mes­se­nen Betrag, wird im Ver­fah­ren nach § 22 Abs. 1 Satz 3 SGB II geprüft, ob im kon­kre­ten Ein­zel­fall eine bedarfs­ge­rech­te und kos­ten­güns­ti­ge Woh­nung tat­säch­lich ver­füg­bar und zugäng­lich ist. Ist dies nicht der Fall, sind die höhe­ren Kos­ten anzu­er­ken­nen [109].
Die Höhe der grund­si­che­rungs­recht­li­chen Kos­ten der Unter­kunft wird rea­li­täts­ge­recht erfasst, wenn die von der Bun­des­agen­tur für Arbeit län­der­spe­zi­fisch erho­be­nen und in ihrer Aus­kunft über­mit­tel­ten Daten über die tat­säch­lich aner­kann­ten Bedar­fe (95 %-Per­zen­til) zugrun­de gelegt wer­den. Hier­bei han­delt es sich um den Betrag, mit dem im jewei­li­gen Jahr bei rund 95 % der Part­ner-Bedarfs­ge­mein­schaf­ten mit zwei Kin­dern der aner­kann­te monat­li­che Bedarf für lau­fen­de Kos­ten der Unter­kunft abge­deckt wor­den ist. Der Anteil der Haus­hal­te, bei denen ein noch höhe­rer monat­li­cher Bedarf für die lau­fen­den Kos­ten der Unter­kunft aner­kannt wor­den ist, liegt bei unter 5 %. Auf die­se Wei­se wer­den die tat­säch­lich als ange­mes­sen aner­kann­ten Kos­ten der Unter­kunft erfasst, wäh­rend zugleich die sta­tis­ti­schen Aus­rei­ßer, die auf beson­de­ren Aus­nah­me­fäl­len beru­hen mögen, außer Betracht blei­ben. Damit wird sicher­ge­stellt, dass die auf die­ser Basis ermit­tel­te Min­dest­be­sol­dung unab­hän­gig vom Wohn­ort des Beam­ten aus­reicht, um eine ange­mes­se­ne Woh­nung bezah­len zu kön­nen.
Anders als die Regie­rung des Saar­lan­des in ihrer Stel­lung­nah­me aus­führt, kann der Dienst­herr nicht erwar­ten, dass Beam­te der unters­ten Besol­dungs­grup­pe ihren Wohn­sitz „amts­an­ge­mes­sen“ in dem Ort wäh­len, der lan­des­weit die nied­rigs­ten Wohn­kos­ten auf­weist. Die­se Über­le­gung ent­fernt sich unzu­läs­sig vom Grund­si­che­rungs­recht, das die freie Wohn­ort­wahl gewähr­leis­tet, ins­be­son­de­re auch den Umzug in den Ver­gleichs­raum mit den höchs­ten Wohn­kos­ten. Unab­hän­gig davon dür­fen Beam­te weder ihre Dienst­stel­le noch ihren Wohn­ort belie­big wäh­len. Der Bestim­mung der Dienst­stel­le durch den Dienst­herrn kön­nen nur schwer­wie­gen­de per­sön­li­che Grün­de oder außer­ge­wöhn­li­che Här­ten ent­ge­gen­ge­hal­ten wer­den [110]. Die Beam­ten sind zudem auch ohne aus­drück­li­che Anord­nung einer Resi­denz­pflicht ver­pflich­tet, ihre Woh­nung so zu neh­men, dass die ord­nungs­mä­ßi­ge Wahr­neh­mung ihrer Dienst­ge­schäf­te nicht beein­träch­tigt wird (vgl. § 72 Abs. 1 BBG sowie § 69 LBesG BE).
Der Besol­dungs­ge­setz­ge­ber ist aller­dings nicht ver­pflich­tet, die Min­dest­be­sol­dung eines Beam­ten oder Rich­ters auch dann an den regio­na­len Höchst­wer­ten aus­zu­rich­ten, wenn die­ser hier­von gar nicht betrof­fen ist. Der Gesetz­ge­ber muss nicht pau­scha­lie­ren, son­dern kann den maß­geb­li­chen Bedarf indi­vi­du­ell oder grup­pen­be­zo­gen erfas­sen [93]. Ins­be­son­de­re ist er frei, Besol­dungs­be­stand­tei­le an die regio­na­len Lebens­hal­tungs­kos­ten anzu­knüp­fen, etwa durch (Wieder-)Einführung eines an den ört­li­chen Wohn­kos­ten ori­en­tier­ten (Orts-)Zuschlags [111], wie es der­zeit regel­mä­ßig bei einer Aus­lands­ver­wen­dung (vgl. § 1b Abs. 1 Nr. 1 LBesG BE i.V.m. § 52 Abs. 1 BBesG i.d.F. vom 06.08.2002) und teil­wei­se auch inner­halb eines Lan­des (vgl. Art. 94 Bay­BesG) prak­ti­ziert wird. Eine an Wohn­sitz oder Dienst­ort anknüp­fen­de Abstu­fung ist mit dem Ali­men­ta­ti­ons­prin­zip ver­ein­bar, sofern sie sich vor Art. 3 Abs. 1 GG recht­fer­ti­gen lässt [112]. Mit den Mie­ten­stu­fen des Wohn­geld­ge­set­zes, denen alle Kom­mu­nen ent­spre­chend den ört­li­chen Ver­hält­nis­sen des Miet­woh­nungs­mark­tes zuge­ord­net sind, stün­de ein leicht zu hand­ha­ben­des Kri­te­ri­um bereit.
Zum grund­si­che­rungs­recht­li­chen Bedarf zäh­len nach § 22 Abs. 1 Satz 1 SGB II auch Heiz­kos­ten, sofern sie ange­mes­sen sind. Nach der Recht­spre­chung des Bun­des­so­zi­al­ge­richts kön­nen dem bun­des­wei­ten Heiz­spie­gel, der jähr­lich nach Ener­gie­trä­ger und Grö­ße der Wohn­an­la­ge gestaf­fel­te Ver­gleichs­wer­te aus­weist, Richt­wer­te ent­nom­men wer­den. Nur wenn die Heiz­kos­ten das Pro­dukt aus der ange­mes­se­nen Wohn­flä­che und dem Höchst­wert des Heiz­spie­gels über­stei­gen, besteht Anlass dazu, die Auf­wen­dun­gen kon­kret auf ihre Ange­mes­sen­heit hin zu über­prü­fen [113].
Die Berech­nun­gen des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts beru­hen auf die­sen Vor­ga­ben und kön­nen des­halb als rea­li­täts­ge­rech­ter Ansatz über­nom­men wer­den. Dass dabei auf bun­des­ein­heit­li­che Wer­te des Heiz­spie­gels abge­stellt wird, steht nicht im Wider­spruch zur Föde­ra­li­sie­rung des Besol­dungs­rechts, weil das Grund­si­che­rungs­recht inso­fern kei­ne Regio­na­li­sie­rung vor­sieht.
Für Kin­der, Jugend­li­che und jun­ge Erwach­se­ne hat der Gesetz­ge­ber über den Regel­be­darf hin­aus Bedar­fe für Bil­dung und Teil­ha­be am sozia­len und kul­tu­rel­len Leben in der Gemein­schaft (im Fol­gen­den: Bil­dung und Teil­ha­be) geson­dert erfasst. Auch sie zäh­len zum sozi­al­hil­fe­recht­li­chen Grund­be­darf [114].
Bis 2011 wur­den ins­be­son­de­re ein fes­ter Betrag von 100 € für den per­sön­li­chen Schul­be­darf pro Schul­jahr (§ 24a SGB II a.F.) und der Ersatz der erfor­der­li­chen Aus­ga­ben für mehr­tä­gi­ge Klas­sen­fahr­ten (§ 23 Abs. 3 Satz 1 Nr. 3 SGB II a. F.) aner­kannt. Von 2011 bis 2015 wur­den in § 28 SGB II fol­gen­de Bedar­fe erfasst: Leis­tun­gen für Schul­aus­flü­ge und mehr­tä­gi­ge Klas­sen­fahr­ten im Rah­men der schul­recht­li­chen Bestim­mun­gen (§ 28 Abs. 2 SGB II), per­sön­li­cher Schul­be­darf (§ 28 Abs. 3 SGB II), Kos­ten der Schü­ler­be­för­de­rung, soweit sie nicht von Drit­ten über­nom­men wer­den und es nicht zumut­bar ist, sie aus dem Eigen­be­darf zu bestrei­ten (§ 28 Abs. 4 SGB II), ange­mes­se­ne Kos­ten der Lern­för­de­rung, soweit die­se geeig­net und zusätz­lich erfor­der­lich ist, um die nach den schul­recht­li­chen Bestim­mun­gen fest­ge­leg­ten wesent­li­chen Lern­zie­le zu errei­chen (§ 28 Abs. 5 SGB II), Mehr­auf­wen­dun­gen für die Teil­nah­me an einer gemein­schaft­li­chen Mit­tags­ver­pfle­gung von Schü­lern und von Kin­dern, die in Tages­ein­rich­tun­gen oder in der Kin­der­ta­ges­pfle­ge betreut wer­den (§ 28 Abs. 6 SGB II), sowie Auf­wen­dun­gen im Zusam­men­hang mit der Teil­ha­be am sozia­len und kul­tu­rel­len Leben in der Gemein­schaft (§ 28 Abs. 7 SGB II). Pau­scha­liert sind ledig­lich der per­sön­li­che Schul­be­darf (100 € pro Schul­jahr) und die Auf­wen­dun­gen für die Teil­ha­be am sozia­len und kul­tu­rel­len Leben in der Gemein­schaft (zehn € pro Monat bis zum 18. Lebens­jahr), wobei seit 2013 in Aus­nah­me­fäl­len auch die (höhe­ren) tat­säch­li­chen Auf­wen­dun­gen berück­sich­tigt wer­den kön­nen (§ 28 Abs. 7 Satz 2 SGB II). Im Übri­gen wer­den im Grund­satz die tat­säch­li­chen Auf­wen­dun­gen aner­kannt.
Die Bun­des­re­gie­rung legt ihren Berech­nun­gen in den ein­schlä­gi­gen Exis­tenz­mi­ni­mum­be­rich­ten [115] nur „typi­sche Bedarfs­po­si­tio­nen“ zugrun­de, wobei sie hier­un­ter Leis­tun­gen ver­steht, deren Höhe sich aus den ent­spre­chen­den sozi­al­recht­li­chen Rege­lun­gen erge­be. Sie berück­sich­ti­ge daher jähr­lich 100 € für den Schul­be­darf, monat­lich 3 € für Aus­flü­ge von Kin­dern in Schu­len und Kin­der­ta­ges­ein­rich­tun­gen sowie monat­lich 10 € für die Teil­nah­me an Ange­bo­ten zur Frei­zeit­ge­stal­tung. Die­ser Ansatz ist in mehr­fa­cher Hin­sicht wider­sprüch­lich: Das dort gewähl­te Kri­te­ri­um einer unmit­tel­bar im Gesetz erfolg­ten Bezif­fe­rung passt mit dem Ansatz, typi­scher­wei­se anfal­len­de Bedarfs­pos­ten zu erfas­sen, nicht zusam­men. Abge­se­hen davon, dass es mit Blick auf die Tages­aus­flü­ge nicht kon­se­quent durch­ge­hal­ten wird, ist nicht nach­voll­zieh­bar, war­um Klas­sen­fahr­ten, die auf­grund der schul­recht­li­chen Bestim­mun­gen erfah­rungs­ge­mäß mehr­mals im Lau­fe der Schul­lauf­bahn anfal­len und erheb­li­che Kos­ten ver­ur­sa­chen, außer Betracht blei­ben soll­ten. Ver­gleich­ba­res gilt ange­sichts der zuneh­men­den Ganz­tags­be­treu­ung für die Mit­tags­ver­pfle­gung.
Für die Bestim­mung des Grund­si­che­rungs­ni­veaus sind viel­mehr im Aus­gangs­punkt alle Bedar­fe des § 28 SGB II rele­vant. Nur wenn fest­steht, dass bestimm­te Bedar­fe auf außer­ge­wöhn­li­che Lebens­si­tua­tio­nen zuge­schnit­ten sind und des­halb tat­säch­lich nur in Aus­nah­me­fäl­len bewil­ligt wer­den, kön­nen sie außer Ansatz blei­ben. Danach dürf­ten der per­sön­li­che Schul­be­darf, Auf­wen­dun­gen für Schul­aus­flü­ge, Klas­sen­fahr­ten und das Mit­tag­essen in Gemein­schafts­ver­pfle­gung sowie die Kos­ten der Teil­ha­be bei sozia­len, sport­li­chen und kul­tu­rel­len Akti­vi­tä­ten dem Grun­de nach zu berück­sich­ti­gen sein. Um einen rea­li­täts­ge­rech­ten Wert zu ermit­teln, sind die Aus­ga­ben mit der Zahl der­je­ni­gen ins Ver­hält­nis zu set­zen, die den jewei­li­gen Bedarf auch tat­säch­lich gel­tend machen. Fal­len bestimm­te Bedar­fe nur in bestimm­ten Alters­stu­fen an, wie etwa der Schul­be­darf oder Klas­sen­fahr­ten, ist wie bei den Regel­sät­zen ein gewich­te­ter Durch­schnitt zu bil­den.
Nach § 21 SGB II sind bestimm­te Mehr­be­dar­fe anzu­er­ken­nen, die auf beson­de­re Lebens­um­stän­de zurück­zu­füh­ren sind. Aus der Sta­tis­tik der Bun­des­agen­tur für Arbeit geht her­vor, dass seit 2011 zwar der Mehr­be­darf für dezen­tra­le Warm­was­ser­ver­sor­gung in nen­nens­wer­ter Häu­fig­keit anfällt, im Durch­schnitt aber nur mit weni­ger als 1 € monat­lich. Mehr­be­dar­fe im Baga­tell­be­reich kön­nen bei der Typi­sie­rung außer Ansatz blei­ben.
Weil die gewähr­ten Vor­tei­le über­wie­gend regio­nal und nach den Lebens­um­stän­den der Betrof­fe­nen höchst unter­schied­lich aus­fal­len, ist es für Gerich­te kaum mög­lich, hier­zu – zumal rück­wir­kend – Fest­stel­lun­gen zu tref­fen. Hin­zu kommt, dass noch auf­zu­klä­ren wäre, inwie­fern bei der Ermitt­lung der Regel­sät­ze die­se Ver­güns­ti­gun­gen berück­sich­tigt wor­den sind. Solan­ge aber auch ohne Berück­sich­ti­gung etwai­ger geld­wer­ter Vor­tei­le fest­steht, dass der Min­dest­ab­stand zum Grund­si­che­rungs­ni­veau nicht gewahrt ist, sind Fest­stel­lun­gen zu Art und Umfang der genann­ten geld­wer­ten Vor­tei­le man­gels Ent­schei­dungs­er­heb­lich­keit ent­behr­lich. Auch inso­weit ist in ers­ter Linie der Besol­dungs­ge­setz­ge­ber gefor­dert, die Ent­wick­lung der Lebens­ver­hält­nis­se zu beob­ach­ten, um Art und Aus­maß der geld­wer­ten Vor­tei­le zu ermit­teln und die Höhe der Besol­dung die­sen kon­ti­nu­ier­lich im gebo­te­nen Umfang anzu­pas­sen [116].
Dem Grund­si­che­rungs­ni­veau gegen­über­zu­stel­len ist die Net­to­ali­men­ta­ti­on, die einer vier­köp­fi­gen Fami­lie auf Grund­la­ge der unters­ten Besol­dungs­grup­pe zur Ver­fü­gung steht.
Bezugs­punkt ist das Gehalt als Gan­zes [117]. Neben dem Grund­ge­halt sind daher sol­che Bezü­ge­be­stand­tei­le zu berück­sich­ti­gen, die allen Beam­ten einer Besol­dungs­grup­pe gewährt wer­den [118].
Maß­geb­lich ist die nied­rigs­te vom Dienst­herrn für akti­ve Beam­te aus­ge­wie­se­ne Besol­dungs­grup­pe. Sind Besol­dungs­grup­pen nur noch für die Berech­nung von Ver­sor­gungs­be­zü­gen rele­vant, weil durch gesetz­li­che Bestim­mung das Ein­gang­samt für die ers­te Lauf­bahn­grup­pe ange­ho­ben (vgl. § 2a LBesG BE) oder ein ent­spre­chen­der Ver­merk in der jewei­li­gen Besol­dungs­ord­nung auf­ge­nom­men wor­den ist [119], und sind auch tat­säch­lich kei­ne akti­ven Beam­ten mehr vor­han­den, wer­den sie nicht berück­sich­tigt.
Abzu­stel­len ist auf die nied­rigs­te Erfah­rungs­stu­fe, weil ange­sichts der Viel­ge­stal­tig­keit der Erwerbs­bio­gra­phien und im Hin­blick auf die ange­ho­be­nen Ein­stel­lungs­höchst­al­ters­gren­zen nicht von vorn­her­ein aus­ge­schlos­sen wer­den kann, dass ein ver­hei­ra­te­ter Beam­ter mit zwei Kin­dern noch in der ers­ten Erfah­rungs­stu­fe ein­ge­ord­net ist.
Bei der Ermitt­lung des Net­to­ein­kom­mens sind die Kos­ten einer die Bei­hil­fe­leis­tun­gen des Dienst­herrn ergän­zen­den Krank­heits­kos­ten- und Pfle­ge­ver­si­che­rung in Abzug zu brin­gen [120]. Gewährt der Dienst­herr freie Heil­für­sor­ge oder erhöht er den Bei­hil­fe­satz [87], wirkt sich dies auf die Höhe des Net­to­ein­kom­mens aus.
Gemäß § 193 Abs. 3 Satz 1 des Geset­zes über den Ver­si­che­rungs­ver­trag (Ver­si­che­rungs­ver­trags­ge­setz – VVG) vom 23.11.2007 [121] ist jede Per­son mit Wohn­sitz im Inland, die nicht gesetz­lich ver­si­chert oder ander­wei­tig abge­si­chert ist, ver­pflich­tet, eine Krank­heits­kos­ten­ver­si­che­rung abzu­schlie­ßen. Aus § 23 Abs. 1 SGB XI folgt die Ver­pflich­tung, sich auch für das Ein­tre­ten des Pfle­ge­falls zu ver­si­chern. Gemäß § 26 SGB II sind ange­mes­se­ne Bei­trä­ge für eine Kran­ken- und Pfle­ge­ver­si­che­rung als Bedarf der Grund­si­che­rungs­emp­fän­ger anzu­er­ken­nen. Die Auf­wen­dun­gen für eine pri­va­te Kran­ken- und Pfle­ge­ver­si­che­rung sind daher auch Teil des ein­kom­men­steu­er­recht­lich zu ver­scho­nen­den Exis­tenz­mi­ni­mums, soweit sie zur Erlan­gung eines von der Grund­si­che­rung gewähr­leis­te­ten Ver­sor­gungs­ni­veaus erfor­der­lich sind [122].
Eine Beschrän­kung der zu berück­sich­ti­gen­den Auf­wen­dun­gen ent­spre­chend § 26 Abs. 1 Satz 1 und Abs. 3 Satz 1 SGB II, wonach die Bei­trä­ge zur pri­va­ten Kran­ken- und Pfle­ge­ver­si­che­rung nur bis zur Höhe des nach § 152 Abs. 4 des Ver­si­che­rungs­auf­sichts­ge­set­zes bezie­hungs­wei­se § 110 Abs. 2 Satz 3 des Elf­ten Sozi­al­ge­setz­buchs ermä­ßig­ten Bei­trags aner­kannt wer­den, schei­det aus. Die­se Rege­lung ver­min­dert nicht den Gesamt­auf­wand, der erfor­der­lich ist, um den zum sozi­al­hil­fe­recht­li­chen Bedarf zäh­len­den Kran­ken- und Pfle­ge­ver­si­che­rungs­schutz sicher­zu­stel­len, sie ver­teilt nur die Las­ten anders. Es han­delt sich um eine sozi­al­staat­li­che Indienst­nah­me der pri­va­ten Kran­ken­ver­si­che­rungs­un­ter­neh­men [123]. Hin­zu kommt, dass nur Ver­si­cher­te in den Genuss der Prä­mien­re­duk­ti­on kom­men, die tat­säch­lich grund­si­che­rungs­be­rech­tigt sind. Auch eine Beschrän­kung auf den steu­er­lich absetz­ba­ren Bei­trags­an­teil kommt nicht in Betracht. Hier­bei han­delt es sich um einen allein für die Zwe­cke der Besteue­rung ermit­tel­ten Wert, zu dem ein Ver­si­che­rungs­schutz nicht zu erlan­gen ist.
Vom Brut­to­ein­kom­men abzu­zie­hen sind die Steu­ern. Dabei ist auch die Absetz­bar­keit der Kos­ten der Kran­ken- und Pfle­ge­ver­si­che­rung zu berück­sich­ti­gen. Hin­zu­zu­rech­nen ist das Kin­der­geld [124]. In der unters­ten Besol­dungs­grup­pe wirkt sich der Kin­der­frei­be­trag nicht güns­ti­ger aus.
Als fünf­ter Para­me­ter bil­det schließ­lich der Quer­ver­gleich mit der Besol­dung des Bun­des und der ande­ren Län­der ein wei­te­res Indiz für die Bestim­mung des Kern­ge­halts der Ali­men­ta­ti­on [125]. Durch das Gesetz zur Ände­rung des Grund­ge­set­zes vom 28.08.2006 [126] hat der Gesetz­ge­ber die Gesetz­ge­bungs­kom­pe­tenz für die Besol­dung und Ver­sor­gung der Beam­ten und Rich­ter auf die Län­der (zurück-)übertragen. Der Gleich­heits­satz (Art. 3 Abs. 1 GG) hin­dert den Besol­dungs­ge­setz­ge­ber zwar grund­sätz­lich nicht, eigen­stän­di­ge Rege­lun­gen zu tref­fen und dabei den unter­schied­li­chen wirt­schaft­li­chen und finan­zi­el­len Ver­hält­nis­sen Rech­nung zu tra­gen [127]. Gleich­wohl ist eine unbe­grenz­te Aus­ein­an­der­ent­wick­lung der Bezü­ge im Bund und in den Län­dern durch die infol­ge der Neu­ord­nung der Kom­pe­tenz­ver­tei­lung im Grund­ge­setz eröff­ne­te Befug­nis zum Erlass jeweils eige­ner Besol­dungs­re­ge­lun­gen nicht gedeckt. Art. 33 Abs. 5 GG setzt der Gestal­tungs­frei­heit des Gesetz­ge­bers inso­weit Gren­zen, ohne ein besol­dungs­recht­li­ches Homo­ge­ni­täts­ge­bot zu pos­tu­lie­ren [128].
Die Ali­men­ta­ti­on muss es Rich­tern und Staats­an­wäl­ten ermög­li­chen, sich ganz dem öffent­li­chen Dienst als Lebens­be­ruf zu wid­men und in recht­li­cher wie wirt­schaft­li­cher Sicher­heit und Unab­hän­gig­keit zur Erfül­lung der ihnen zuge­wie­se­nen Auf­ga­ben bei­zu­tra­gen. Sie dient damit nicht allein dem Lebens­un­ter­halt, son­dern hat – ange­sichts der Bedeu­tung des Berufs­be­am­ten­tums für die All­ge­mein­heit – zugleich eine qua­li­täts­si­chern­de Funk­ti­on [129]. Damit die Ent­schei­dung für eine Tätig­keit als Rich­ter oder Staats­an­walt für über­durch­schnitt­lich qua­li­fi­zier­te Kräf­te attrak­tiv ist, muss sich die Amts­an­ge­mes­sen­heit der Ali­men­ta­ti­on auch durch ihr Ver­hält­nis zu den Ein­kom­men bestim­men, die für ver­gleich­ba­re und auf der Grund­la­ge ver­gleich­ba­rer Aus­bil­dung erbrach­te Tätig­kei­ten außer­halb des in Rede ste­hen­den öffent­li­chen Diens­tes erzielt wer­den [130]. Neben einem Ver­gleich mit den Ent­loh­nungs­sys­te­men in der Pri­vat­wirt­schaft, der auf der zwei­ten Prü­fungs­stu­fe in die not­wen­di­ge Gesamt­ab­wä­gung ein­be­zo­gen wird [131], ist dabei vor allem die Besol­dung in den ande­ren Län­dern und im Bund zu berück­sich­ti­gen. Die Attrak­ti­vi­tät eines Amtes bemisst sich – gera­de ange­sichts einer erfah­rungs­ge­mäß erhöh­ten Fle­xi­bi­li­tät von Berufs­ein­stei­gern – auch nach der Höhe der Bezü­ge im Ver­gleich der Län­der und des Bun­des. Eine Ver­en­gung des Blicks aus­schließ­lich auf die wirt­schaft­li­che und finan­zi­el­le Situa­ti­on des betref­fen­den Lan­des ver­lö­re aus dem Auge, dass im föde­ra­len Sys­tem des Grund­ge­set­zes die opti­ma­le Erle­di­gung der eige­nen Auf­ga­ben bei gleich­zei­tig begrenz­ten per­so­nel­len Res­sour­cen durch den Wett­be­werb mit ande­ren Dienst­her­ren bestimmt wird. Inso­weit ist neben dem eben­falls bun­des­wei­ten Ver­gleich mit der Pri­vat­wirt­schaft der Ver­gleich mit den Kon­di­tio­nen des Staats­diens­tes und der Besol­dung im Diens­te des Bun­des und ande­rer Län­der aus­sa­ge­kräf­tig [132].
Maß­geb­lich sind die Durch­schnitts­wer­te der jähr­li­chen Brut­to­be­zü­ge (ein­schließ­lich all­ge­mein gewähr­ter Stel­len­zu­la­gen und Son­der­zu­wen­dun­gen) in den ver­gleich­ba­ren Besol­dungs­grup­pen aller Län­der und (soweit dort vor­han­den) des Bun­des, die zu jeweils glei­chen Antei­len in die Berech­nung ein­flie­ßen. Weil der fünf­te Para­me­ter anzei­gen soll, wie weit sich die den Rich­tern und Staats­an­wäl­ten tat­säch­lich gewähr­ten Bezü­ge aus­ein­an­der­ent­wi­ckelt haben, wird sei­ne Bedeu­tung nicht dadurch geschmä­lert, dass die Höhe ande­rer Besol­dun­gen eben­falls ver­fas­sungs­recht­li­chen Zwei­feln aus­ge­setzt ist. Aller­dings sind sol­che Besol­dun­gen aus dem Ver­gleich aus­ge­schlos­sen, deren Ver­fas­sungs­wid­rig­keit durch das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt bereits fest­ge­stellt wor­den ist. Einer inzi­den­ten Prü­fung der Ver­fas­sungs­mä­ßig­keit der zum Ver­gleich her­an­ge­zo­ge­nen Besol­dun­gen bedarf es nicht. Wegen der jeweils spe­zi­fi­schen Aus­sa­ge­kraft sind sowohl das arith­me­ti­sche Mit­tel als auch der Medi­an als Bezugs­punkt her­an­zu­zie­hen.
Zeigt sich eine erheb­li­che Gehalts­dif­fe­renz im Ver­gleich zum Durch­schnitt der Bezü­ge der jewei­li­gen Besol­dungs­grup­pe im Bund und in den ande­ren Län­dern, spricht dies dafür, dass die Ali­men­ta­ti­on ihre qua­li­täts­si­chern­de Funk­ti­on nicht mehr erfüllt. Wann eine sol­che Erheb­lich­keit gege­ben ist, kann nicht pau­schal beant­wor­tet wer­den. Liegt das streit­ge­gen­ständ­li­che jähr­li­che Brut­to­ein­kom­men ein­schließ­lich etwai­ger Son­der­zah­lun­gen 10 % unter dem arith­me­ti­schen Mit­tel oder dem Medi­an für den glei­chen Zeit­raum, was regel­mä­ßig einem Besol­dungs­un­ter­schied von mehr als einem Monats­ge­halt ent­spre­chen dürf­te, ist dies ein wei­te­res Indiz für eine ver­fas­sungs­wid­ri­ge Unte­rali­men­ta­ti­on [133].
Auf einer zwei­ten Prü­fungs­stu­fe sind die Ergeb­nis­se der ers­ten Prü­fungs­stu­fe mit den wei­te­ren ali­men­ta­ti­ons­re­le­van­ten Kri­te­ri­en im Rah­men einer Gesamt­ab­wä­gung zusam­men­zu­füh­ren.
Dafür sind zunächst die Fest­stel­lun­gen der ers­ten Prü­fungs­stu­fe, ins­be­son­de­re das Aus­maß der Über- oder Unter­schrei­tung der Schwel­len­wer­te, im Wege einer Gesamt­be­trach­tung zu wür­di­gen und etwai­ge Ver­zer­run­gen – ins­be­son­de­re durch genaue­re Berech­nun­gen – zu kom­pen­sie­ren. Den fünf Para­me­tern der ers­ten Prü­fungs­stu­fe kommt für die Gesamt­ab­wä­gung eine Steue­rungs­funk­ti­on hin­sicht­lich der Prü­fungs­rich­tung und ‑tie­fe zu: Sind min­des­tens drei Para­me­ter der ers­ten Prü­fungs­stu­fe erfüllt, besteht die Ver­mu­tung einer der ange­mes­se­nen Betei­li­gung an der all­ge­mei­nen Ent­wick­lung der wirt­schaft­li­chen und finan­zi­el­len Ver­hält­nis­se und des Lebens­stan­dards nicht genü­gen­den und damit ver­fas­sungs­wid­ri­gen Unte­rali­men­ta­ti­on. Die­se kann im Rah­men der Gesamt­ab­wä­gung sowohl wider­legt als auch erhär­tet wer­den [134]. Wer­den umge­kehrt bei allen Para­me­tern die Schwel­len­wer­te unter­schrit­ten, wird eine ange­mes­se­ne Ali­men­ta­ti­on ver­mu­tet. Sind ein oder zwei Para­me­ter erfüllt, müs­sen die Ergeb­nis­se der ers­ten Stu­fe, ins­be­son­de­re das Maß der Über- bezie­hungs­wei­se Unter­schrei­tung der Para­me­ter, zusam­men mit den auf der zwei­ten Stu­fe aus­ge­wer­te­ten ali­men­ta­ti­ons­re­le­van­ten Kri­te­ri­en im Rah­men der Gesamt­ab­wä­gung ein­ge­hend gewür­digt wer­den.
Zu den auf der zwei­ten Stu­fe zu unter­su­chen­den ali­men­ta­ti­ons­re­le­van­ten Kri­te­ri­en zäh­len neben dem Anse­hen des Amtes in der Gesell­schaft sowie der vom Amts­in­ha­ber gefor­der­ten Aus­bil­dung und Bean­spru­chung [135] vor allem die beson­de­re Qua­li­tät der Tätig­keit und Ver­ant­wor­tung eines Rich­ters oder Staats­an­walts, die Ent­wick­lung der Qua­li­fi­ka­ti­on der ein­ge­stell­ten Bewer­ber, der Ver­gleich mit den durch­schnitt­li­chen Brut­to­ver­diens­ten sozi­al­ver­si­che­rungs­pflich­tig Beschäf­tig­ter mit ver­gleich­ba­rer Qua­li­fi­ka­ti­on und Ver­ant­wor­tung sowie die Ent­wick­lun­gen im Bereich der Bei­hil­fe und der Ver­sor­gung [136].
In der Höhe der Ali­men­ta­ti­on muss sich die beson­de­re Qua­li­tät und Ver­ant­wor­tung eines Amts­trä­gers wider­spie­geln [137]. Die Ali­men­ta­ti­on bil­det die Vor­aus­set­zung dafür, dass sich der Beam­te ganz dem öffent­li­chen Dienst als Lebens­be­ruf wid­men und in recht­li­cher und wirt­schaft­li­cher Unab­hän­gig­keit zur Erfül­lung der dem Berufs­be­am­ten­tum vom Grund­ge­setz zuge­wie­se­nen Auf­ga­be, im poli­ti­schen Kräf­te­spiel eine sta­bi­le, geset­zes­treue Ver­wal­tung zu sichern, bei­tra­gen kann [138]. Inso­weit ent­fal­tet das Ali­men­ta­ti­ons­prin­zip (auch) eine Schutz­funk­ti­on für den Beam­ten [139]. Die­se Grund­sät­ze gel­ten auch für Rich­ter. Zu den her­ge­brach­ten Grund­sät­zen des Rich­ter­amts­rechts, die der Gesetz­ge­ber dar­über hin­aus zu beach­ten hat, zählt ins­be­son­de­re der Grund­satz der sach­li­chen und per­sön­li­chen Unab­hän­gig­keit [140]. Nach Art. 97 Abs. 1 GG sind Rich­ter „unab­hän­gig und nur dem Geset­ze unter­wor­fen“. Die­se sach­li­che Unab­hän­gig­keit ist gewähr­leis­tet, wenn der Rich­ter sei­ne Ent­schei­dun­gen frei von Wei­sun­gen fäl­len kann [141]. Die sach­li­che Unab­hän­gig­keit wird durch die Garan­tie der per­sön­li­chen Unab­hän­gig­keit in Art. 97 Abs. 2 GG insti­tu­tio­nell gesi­chert [142]. Die rich­ter­li­che Unab­hän­gig­keit muss auch durch die Besol­dung der Rich­ter gewähr­leis­tet wer­den [143]. Die Art und Wei­se der Rege­lung von Besol­dung und Ver­sor­gung des Rich­ters sind von ganz erheb­li­cher Bedeu­tung für das inne­re Ver­hält­nis zu sei­nem Amt und für die Unbe­fan­gen­heit, mit der er sich sei­ne rich­ter­li­che Unab­hän­gig­keit bewahrt [144]. Durch die Fest­le­gung der Besol­dung in ange­mes­se­ner Höhe wird gewähr­leis­tet, dass der Rich­ter unab­hän­gig nach Gesetz und Gewis­sen ent­schei­den kann [145].
Ob die Ali­men­ta­ti­on ihre qua­li­täts­si­chern­de Funk­ti­on erfüllt [146], zeigt sich vor die­sem Hin­ter­grund auch dar­an, ob es in dem betref­fen­den Land gelingt, über­durch­schnitt­lich qua­li­fi­zier­te Kräf­te für den höhe­ren Jus­tiz­dienst anzu­wer­ben. Grad­mes­ser für die fach­li­che Qua­li­fi­ka­ti­on der ein­ge­stell­ten Rich­ter und Staats­an­wäl­te sind vor­ran­gig die Ergeb­nis­se in der Ers­ten Prü­fung und der Zwei­ten Staats­prü­fung. Sinkt – auch im Ver­gleich zu den Ergeb­nis­sen aller Absol­ven­ten im Ver­gleichs­zeit­raum – das Noten­ni­veau über einen Zeit­raum von fünf Jah­ren in erheb­li­cher Wei­se und/​oder wer­den die Vor­aus­set­zun­gen für die Ein­stel­lung in den höhe­ren Jus­tiz­dienst spür­bar her­ab­ge­setzt, kann man in der Regel davon aus­ge­hen, dass die Aus­ge­stal­tung der Besol­dung nicht genügt, um die Attrak­ti­vi­tät des Diens­tes eines Rich­ters oder Staats­an­walts zu gewähr­leis­ten [147]. Das Glei­che gilt, wenn in grö­ße­rem Umfang Bewer­ber zum Zuge kom­men, die nicht in bei­den Exami­na ein Prä­di­kat­s­examen („voll­be­frie­di­gend“ oder bes­ser) erreicht haben.
Zugleich muss sich die Amts­an­ge­mes­sen­heit der Ali­men­ta­ti­on, um ihre qua­li­täts­si­chern­de Funk­ti­on zu erfül­len, auch durch ihr Ver­hält­nis zu den Ein­kom­men bestim­men, die für ver­gleich­ba­re oder auf der Grund­la­ge ver­gleich­ba­rer Aus­bil­dung erbrach­te Tätig­kei­ten außer­halb des öffent­li­chen Diens­tes erzielt wer­den [148]. Ob die Ali­men­ta­ti­on in einem Amt, das für über­durch­schnitt­lich qua­li­fi­zier­te Kräf­te attrak­tiv sein soll, ange­mes­sen ist, zeigt auch ein Ver­gleich der Besol­dungs­hö­he mit den durch­schnitt­li­chen Brut­to­ver­diens­ten sozi­al­ver­si­che­rungs­pflich­tig Beschäf­tig­ter mit ver­gleich­ba­rer Qua­li­fi­ka­ti­on und Ver­ant­wor­tung in der Pri­vat­wirt­schaft, wobei die Beson­der­hei­ten des Sta­tus und des beam­ten­recht­li­chen Besol­dungs- und Ver­sor­gungs­sys­tems nicht außer Acht gelas­sen wer­den dür­fen [149].
Die Amts­an­ge­mes­sen­heit der Ali­men­ta­ti­on ist fer­ner im Lich­te des Niveaus der Bei­hil­fe­leis­tun­gen zu bewer­ten [150]. Die Gewäh­rung von Bei­hil­fen fin­det ihre Grund­la­ge in der Für­sor­ge­pflicht des Dienst­herrn [151]. Das gegen­wär­ti­ge Sys­tem der Bei­hil­fe ist zwar nicht Bestand­teil der ver­fas­sungs­recht­lich geschul­de­ten Ali­men­ta­ti­on; von Ver­fas­sungs wegen muss die amts­an­ge­mes­se­ne Ali­men­ta­ti­on ledig­lich die Kos­ten einer Kran­ken­ver­si­che­rung decken, die zur Abwen­dung krank­heits­be­ding­ter, durch Leis­tun­gen auf­grund der Für­sor­ge­pflicht nicht aus­ge­gli­che­ner Belas­tun­gen erfor­der­lich ist [152]. Die Ali­men­ta­ti­on ist aber dann nicht mehr aus­rei­chend, wenn die Kran­ken­ver­si­che­rungs­prä­mi­en, die zur Abwen­dung krank­heits­be­ding­ter und nicht von der Bei­hil­fe aus­ge­gli­che­ner Belas­tun­gen erfor­der­lich sind, einen sol­chen Umfang errei­chen, dass der ange­mes­se­ne Lebens­un­ter­halt des Rich­ters, Beam­ten oder Ver­sor­gungs­emp­fän­gers nicht mehr gewähr­leis­tet ist. Das Prin­zip der amts­an­ge­mes­se­nen Ali­men­ta­ti­on ver­langt, eine Aus­zeh­rung der all­ge­mei­nen Gehalts­be­stand­tei­le durch krank­heits­be­zo­ge­ne Auf­wen­dun­gen zu ver­hin­dern [153]. Bei einer sol­chen Sach­la­ge kann daher eine ent­spre­chen­de Kor­rek­tur der Besol­dungs- und Ver­sor­gungs­ge­set­ze, die das Ali­men­ta­ti­ons­prin­zip kon­kre­ti­sie­ren, ver­fas­sungs­recht­lich gebo­ten sein [154]. Glei­ches gilt, wenn eine Viel­zahl zeit­lich gestaf­fel­ter, für sich genom­men ver­fas­sungs­recht­lich nicht zu bean­stan­den­der Ein­schnit­te des Gesetz­ge­bers im Bei­hil­fe­be­reich das für den sons­ti­gen Lebens­un­ter­halt des Rich­ters oder Staats­an­walts zur Ver­fü­gung ste­hen­de Ein­kom­men unan­ge­mes­sen redu­zie­ren [155].
Ver­sor­gung und Besol­dung sind Teil­ele­men­te des ein­heit­li­chen Tat­be­stands der Ali­men­ta­ti­on und schon bei Begrün­dung des Rich­ter- und Beam­ten­ver­hält­nis­ses garan­tiert [156]. Der Dienst­herr ist gehal­ten, den Unter­halt der Rich­ter und Staats­an­wäl­te lebens­lang – und damit auch nach Ein­tritt in den Ruhe­stand – zu garan­tie­ren [157]. Die­ser Ver­pflich­tung kommt er gegen­wär­tig durch Bereit­stel­lung einer Voll­ver­sor­gung nach. Rich­ter und Staats­an­wäl­te haben ihre Alters­ver­sor­gung und die ihrer Hin­ter­blie­be­nen nicht selbst zu ver­an­las­sen [158]; statt­des­sen sind die Brut­to­be­zü­ge der akti­ven Rich­ter und Staats­an­wäl­te von vorn­her­ein – unter Berück­sich­ti­gung der künf­ti­gen Pen­si­ons­an­sprü­che – nied­ri­ger fest­ge­setzt [159]. Kür­zun­gen im Bereich des Ver­sor­gungs­rechts haben zur Kon­se­quenz, dass die Amts­trä­ger einen grö­ße­ren Teil ihrer Bezü­ge zum Zwe­cke der pri­va­ten Alters­vor­sor­ge auf­wen­den müs­sen, um nicht über­mä­ßi­ge Ein­bu­ßen ihres Lebens­stan­dards bei Ein­tritt in den Ruhe­stand hin­neh­men zu müs­sen. Auch dies kann zu einer Unter­schrei­tung der ver­fas­sungs­recht­lich gebo­te­nen Ali­men­ta­ti­on füh­ren [160].
Ergibt die Gesamt­schau, dass die als unzu­rei­chend ange­grif­fe­ne Ali­men­ta­ti­on grund­sätz­lich als ver­fas­sungs­wid­ri­ge Unte­rali­men­ta­ti­on ein­zu­stu­fen ist, bedarf es der Prü­fung, ob dies im Aus­nah­me­fall ver­fas­sungs­recht­lich gerecht­fer­tigt sein kann.
Der Grund­satz der amts­an­ge­mes­se­nen Ali­men­ta­ti­on ist Teil der mit den her­ge­brach­ten Grund­sät­zen ver­bun­de­nen insti­tu­tio­nel­len Garan­tie des Art. 33 Abs. 5 GG. Soweit er mit ande­ren ver­fas­sungs­recht­li­chen Wert­ent­schei­dun­gen oder Insti­tu­ten kol­li­diert, ist er – wie dies auch sonst der Fall ist – ent­spre­chend dem Grund­satz der prak­ti­schen Kon­kor­danz im Wege der Abwä­gung zu einem scho­nen­den Aus­gleich zu brin­gen (drit­te Prü­fungs­stu­fe) [161].
Ver­fas­sungs­rang hat nament­lich das Ver­bot der Neu­ver­schul­dung in Art. 109 Abs. 3 Satz 1 GG. Gemäß Art. 109 Abs. 3 Satz 1 GG sind Haus­hal­te von Bund und Län­dern grund­sätz­lich ohne Ein­nah­men aus Kre­di­ten aus­zu­glei­chen (soge­nann­te Schul­den­brem­se). Aus­nahms­wei­se ist eine Neu­ver­schul­dung bei kon­junk­tu­rel­len Abwei­chun­gen von der Nor­mal­la­ge (vgl. Art. 109 Abs. 3 Satz 2 Vari­an­te 1 GG) sowie bei Natur­ka­ta­stro­phen oder außer­ge­wöhn­li­chen Not­si­tua­tio­nen zuläs­sig (vgl. Art. 109 Abs. 3 Satz 2 Vari­an­te 2 GG). Die Haus­hal­te der Län­der waren in den Haus­halts­jah­ren 2011 bis 2019 so auf­zu­stel­len, dass im Haus­halts­jahr 2020 die Vor­ga­be aus Art. 109 Abs. 3 Satz 5 GG (kei­ne struk­tu­rel­le Net­to­kre­dit­auf­nah­me) erfüllt wird (vgl. Art. 143d Abs. 1 Satz 4 GG). Dabei muss­ten die Haus­halts­ge­setz­ge­ber der Län­der das Ziel der Haus­halts­kon­so­li­die­rung im Jahr 2020 im Blick behal­ten. Kon­kre­te­re Ver­pflich­tun­gen zur Errei­chung die­ses Ziels erge­ben sich aus Art. 143d Abs. 1 Satz 4 GG nicht [162].
Der in Art. 143d Abs. 1 Satz 4 GG ange­leg­ten Vor­wir­kung des Ver­bots der struk­tu­rel­len Net­to­kre­dit­auf­nah­me hat der Haus­halts­ge­setz­ge­ber auch bei der Anpas­sung der Bezü­ge der Rich­ter und Staats­an­wäl­te Rech­nung zu tra­gen [163]. Unge­ach­tet der Ver­schär­fung der Regeln für die Kre­dit­auf­nah­me durch die Neu­fas­sung des Art. 109 Abs. 3 GG [164] ver­mö­gen indes allein die Finanz­la­ge der öffent­li­chen Haus­hal­te oder das Ziel der Haus­halts­kon­so­li­die­rung den Grund­satz der amts­an­ge­mes­se­nen Ali­men­tie­rung nicht ein­zu­schrän­ken. Andern­falls lie­fe die Schutz­funk­ti­on des Art. 33 Abs. 5 GG ins Lee­re [165]. Auch das beson­de­re Treue­ver­hält­nis ver­pflich­tet Rich­ter und Staats­an­wäl­te nicht dazu, stär­ker als ande­re zur Kon­so­li­die­rung öffent­li­cher Haus­hal­te bei­zu­tra­gen [163]. Eine Ein­schrän­kung des Grund­sat­zes der amts­an­ge­mes­se­nen Ali­men­tie­rung aus rein finan­zi­el­len Grün­den kann zur Bewäl­ti­gung einer der in Art. 109 Abs. 3 Satz 2 GG genann­ten Aus­nah­me­si­tua­tio­nen jedoch in Ansatz gebracht wer­den, wenn die betref­fen­de gesetz­ge­be­ri­sche Maß­nah­me Teil eines schlüs­si­gen und umfas­sen­den Kon­zepts der Haus­halts­kon­so­li­die­rung ist, das anhand einer aus­sa­ge­kräf­ti­gen Begrün­dung in den Gesetz­ge­bungs­ma­te­ria­li­en – gege­be­nen­falls unter ergän­zen­der Her­an­zie­hung der im Rah­men eines Kon­so­li­die­rungs- oder Sanie­rungs­hil­fe­ver­fah­rens getrof­fe­nen Ver­ein­ba­run­gen – erkenn­bar sein muss [166]. Ein sol­ches Kon­zept setzt inhalt­lich wenigs­tens die Defi­ni­ti­on eines ange­streb­ten Spar­ziels sowie die nach­voll­zieh­ba­re Aus­wahl der zu des­sen Errei­chung erfor­der­li­chen Maß­nah­men vor­aus [167]. Vor dem Hin­ter­grund der Wer­tun­gen des Art. 3 Abs. 1 GG ist das not­wen­di­ge Spar­vo­lu­men dabei gleich­heits­ge­recht zu erwirt­schaf­ten [168].
Jen­seits des ver­fas­sungs­recht­lich gebo­te­nen Min­dest­ma­ßes, wie es sich auf­grund der oben dar­ge­stell­ten Gesamt­schau ergibt, genießt die Ali­men­ta­ti­on einen rela­ti­ven Norm­be­stands­schutz. Der Gesetz­ge­ber darf hier Kür­zun­gen oder ande­re Ein­schnit­te in die Bezü­ge vor­neh­men, wenn dies aus sach­li­chen Grün­den gerecht­fer­tigt ist [169]. Kür­zun­gen oder ande­re Ein­schnit­te kön­nen durch sol­che Grün­de sach­lich gerecht­fer­tigt wer­den, die im Bereich des Sys­tems der Beam­ten­be­sol­dung lie­gen [170]. Zu sol­chen sys­tem­im­ma­nen­ten Grün­den kön­nen finan­zi­el­le Erwä­gun­gen zwar hin­zu­tre­ten [171]; das Bemü­hen, Aus­ga­ben zu spa­ren, kann aber nicht als aus­rei­chen­de Legi­ti­ma­ti­on für eine Kür­zung der Besol­dung ange­se­hen wer­den [172], soweit sie nicht als Teil eines schlüs­si­gen Gesamt­kon­zepts dem in Art. 109 Abs. 3 GG ver­an­ker­ten Ziel der Haus­halts­kon­so­li­die­rung dient [173].
Die Fest­le­gung der Besol­dungs­hö­he durch den Gesetz­ge­ber ist an die Ein­hal­tung pro­ze­du­ra­ler Anfor­de­run­gen geknüpft. Die­se tre­ten als „zwei­te Säu­le“ des Ali­men­ta­ti­ons­prin­zips neben sei­ne auf eine Evi­denz­kon­trol­le beschränk­te mate­ri­el­le Dimen­si­on und die­nen sei­ner Flan­kie­rung, Absi­che­rung und Ver­stär­kung [174]. Eine Ein­schrän­kung dahin­ge­hend, dass eine unzu­rei­chen­de Begrün­dung nur dann zur Ver­fas­sungs­wid­rig­keit des Geset­zes führt, wenn sich zuvor Anhalts­punk­te für eine Ver­let­zung des abso­lu­ten oder rela­ti­ven Ali­men­ta­ti­ons­schut­zes erge­ben haben [175], wür­de die Aus­gleichs­funk­ti­on der pro­ze­du­ra­len Anfor­de­run­gen, den wei­ten Ent­schei­dungs­spiel­raum des Gesetz­ge­bers durch eine Ver­pflich­tung zur Selbst­ver­ge­wis­se­rung zu kana­li­sie­ren [176], unter­lau­fen.
Für den Besol­dungs­ge­setz­ge­ber fol­gen aus dem Pro­ze­du­ra­li­sie­rungs­ge­bot in ers­ter Linie Begrün­dungs­pflich­ten [177]. Zwar schul­det der Gesetz­ge­ber nach über­kom­me­ner Auf­fas­sung von Ver­fas­sungs wegen grund­sätz­lich nur ein wirk­sa­mes Gesetz. Da aber das grund­rechts­glei­che Recht auf Gewäh­rung einer amts­an­ge­mes­se­nen Ali­men­ta­ti­on kei­ne quan­ti­fi­zier­ba­ren Vor­ga­ben im Sin­ne einer exak­ten Besol­dungs­hö­he lie­fert, bedarf es pro­ze­du­ra­ler Siche­run­gen, damit die ver­fas­sungs­recht­li­che Gestal­tungs­di­rek­ti­ve des Art. 33 Abs. 5 GG auch tat­säch­lich ein­ge­hal­ten wird [178]. Nach gefes­tig­ter Recht­spre­chung des Senats ist der Gesetz­ge­ber daher gehal­ten, bereits im Gesetz­ge­bungs­ver­fah­ren die Fort­schrei­bung der Besol­dungs­hö­he zu begrün­den. Die Ermitt­lung und Abwä­gung der berück­sich­tig­ten und berück­sich­ti­gungs­fä­hi­gen Bestim­mungs­fak­to­ren für den ver­fas­sungs­recht­lich gebo­te­nen Umfang der Anpas­sung der Besol­dung müs­sen sich in einer ent­spre­chen­den Dar­le­gung und Begrün­dung des Gesetz­ge­bers im Gesetz­ge­bungs­ver­fah­ren nie­der­schla­gen. Eine blo­ße Begründ­bar­keit genügt nicht den ver­fas­sungs­recht­li­chen Anfor­de­run­gen der Pro­ze­du­ra­li­sie­rung. Der mit der Aus­gleichs­funk­ti­on der Pro­ze­du­ra­li­sie­rung ange­streb­te Ratio­na­li­sie­rungs­ge­winn kann – auch mit Blick auf die Ermög­li­chung von Rechts­schutz – effek­tiv nur erreicht wer­den, wenn die erfor­der­li­chen Sach­ver­halts­er­mitt­lun­gen vor­ab erfol­gen und dann in der Geset­zes­be­grün­dung doku­men­tiert wer­den. Die Pro­ze­du­ra­li­sie­rung zielt auf die Her­stel­lung von Ent­schei­dun­gen und nicht auf ihre Dar­stel­lung, das heißt nach­träg­li­che Begrün­dung [179].
An die­sen Maß­stä­ben gemes­sen sind die Vor­ga­ben des Art. 33 Abs. 5 GG nicht erfüllt. Eine Gesamt­schau der für die Bestim­mung der Besol­dungs­hö­he maß­geb­li­chen Para­me­ter ergibt, dass die im Land Ber­lin in den Jah­ren 2009 bis 2015 in den Besol­dungs­grup­pen R 1 und R 2 sowie die im Jahr 2015 in der Besol­dungs­grup­pe R 3 gewähr­te Besol­dung evi­dent unzu­rei­chend war.
Sie genüg­te nicht, um Rich­tern und Staats­an­wäl­ten nach der mit ihrem Amt ver­bun­de­nen Ver­ant­wor­tung und nach der Bedeu­tung die­ser Ämter für die All­ge­mein­heit einen der Ent­wick­lung der all­ge­mei­nen wirt­schaft­li­chen und finan­zi­el­len Ver­hält­nis­se und des all­ge­mei­nen Lebens­stan­dards ange­mes­se­nen Lebens­un­ter­halt zu ermög­li­chen. Bei der Fest­le­gung der Grund­ge­halts­sät­ze wur­de die Siche­rung der Attrak­ti­vi­tät des Amtes eines Rich­ters oder Staats­an­walts für ent­spre­chend qua­li­fi­zier­te Kräf­te, das Anse­hen die­ses Amtes in den Augen der Gesell­schaft, die von Rich­tern und Staats­an­wäl­ten gefor­der­te Aus­bil­dung, ihre Ver­ant­wor­tung und ihre Bean­spru­chung nicht hin­rei­chend berück­sich­tigt.
Dies ergibt sich in ers­ter Linie aus einem Ver­gleich der Ent­wick­lung der Besol­dung mit der­je­ni­gen der Ein­kom­men der Tarif­be­schäf­tig­ten im öffent­li­chen Dienst, der Ent­wick­lung des Nomi­nal­lohn- und des Ver­brau­cher­preis­in­dex. Auch wur­de das Min­dest­ab­stands­ge­bot in den unte­ren Besol­dungs­grup­pen durch­ge­hend deut­lich ver­letzt. Die­ser Befund wird durch die Her­an­zie­hung wei­te­rer ali­men­ta­ti­ons­re­le­van­ter Kri­te­ri­en, nament­lich der Absen­kung der Ein­stel­lungs­vor­aus­set­zun­gen, im Rah­men der Gesamt­ab­wä­gung bestä­tigt. Kol­li­die­ren­des Ver­fas­sungs­recht steht ihm nicht ent­ge­gen.
Die Ent­wick­lung der Grund­ge­halts­sät­ze zuzüg­lich der Son­der­zu­la­gen gestal­te­te sich für die hier zu betrach­ten­den Zeit­räu­me wie folgt:
Die Grund­ge­halts­sät­ze und Amts­zu­la­gen wur­den zum 1.01.1995 um 2,0 % durch § 1 Abs. 1 Nr. 1 und 3 des Art. 2 BBVAnpG 94 vom 24.08.1994 [180], zum 1.05.1995 um 3,2 % durch § 1 Abs. 1 Nr. 1 und 3 des Art. 2 BBVAnpG 95 vom 18.12.1995 [181], zum 1.03.1997 um 1,3 % durch Art. 1 Abs. 1 Nr. 1 BBVAnpG 96/​97 vom 24.03.1997 [182], zum 1.01.1998 um 1,5 % durch Art. 1 Abs. 1 Nr. 1 und 3 BBVAnpG 98 vom 06.08.1998 [183], zum 1.06.1999 um 2,9 % durch Art. 1 Abs. 1 Nr. 1 und 3 BBVAnpG 99 vom 19.11.1999 [184], durch Art. 1 Abs. 1 Nr. 1 und 3 BBVAnpG 2000 vom 19.04.2001 [185] zum 1.01.2001 um 1,8 % und zum 1.01.2002 um 2,2 % sowie durch Art. 1 bis 3 BBVAnpG 2003/​2004 vom 10.09.2003 [186] zum 1.07.2003 um 2,4 %, zum 1.04.2004 um 1,0 % und zum 1.08.2004 um 1,0 % erhöht [187].
Nach­dem zuletzt im Jahr 2002 auf bun­des­recht­li­cher Grund­la­ge eine Son­der­zu­wen­dung in Höhe von 86,31 % der für den Monat Dezem­ber maß­geb­li­chen Bezü­ge gewährt wor­den war, senk­te das Land Ber­lin die Son­der­zah­lung für Beam­te und Rich­ter auf ein­heit­lich 640 € (§ 5 Abs. 1 SZG) ab. Eine Gegen­über­stel­lung des Jah­res­brut­to­ge­halts – in der End­stu­fe [42] – mit dem Wert, der sich ohne die­se Neu­re­ge­lung erge­ben hät­te, zeigt, dass die Bezü­ge in der Besol­dungs­grup­pe R 1 um 5,56 %, in der Besol­dungs­grup­pe R 2 um 5,64 % und in der Besol­dungs­grup­pe R 3 um 5,72 % ver­min­dert wor­den sind. Die­se erheb­li­che Besol­dungs­kür­zung ist zu berück­sich­ti­gen [188]. Für 2008 und 2009 wur­de die Son­der­zah­lung vor­über­ge­hend auf jeweils 940 € ange­ho­ben (§ 5 Abs. 1 Satz 2 SZG). Anschlie­ßend betrug die Son­der­zah­lung wie zuvor 640 €. Dies bewirk­te in den Jah­ren 2008 bezie­hungs­wei­se 2010 in der Besol­dungs­grup­pe R 1 eine effek­ti­ve Besol­dungs­ver­än­de­rung von 0,49 %, in der Besol­dungs­grup­pe R 2 von 0,45 % und in der Besol­dungs­grup­pe R 3 von 0,41 %.
In den Jah­ren 2005 bis 2009 wur­den die Grund­ge­halts­sät­ze nicht ange­passt. Zum 1.08.2010 wur­den sie mit dem BerlB­VAnpG 2010/​2011 um 1,5 % erhöht. Die mit der Neu­fas­sung der Grund­ge­halts­sät­ze zum 1.08.2011 ein­her­ge­hen­de Anhe­bung fiel für die vor­han­de­nen Rich­ter und Staats­an­wäl­te der Besol­dungs­grup­pen R 1 und R 2 je nach der von ihnen bis­her erreich­ten Dienst­al­ters­stu­fe unter­schied­lich aus. In der End­stu­fe der Besol­dungs­grup­pe R 1 betrug sie 2,33 %, in der End­stu­fe der Besol­dungs­grup­pe R 2 2,30 %. Die Bezü­ge in der Besol­dungs­grup­pe R 3 stie­gen um 2,01 %. Das BerlB­VAnpG 2012/​2013 bewirk­te eine Erhö­hung der Grund­ge­halts­sät­ze mit Wir­kung vom 01.08.2012 und 2013 um jeweils 2 %. Zum 1.08.2014 und zum 1.08.2015 wur­den sie – unter Berück­sich­ti­gung des Ver­sor­gungs­ab­schlags im letzt­ge­nann­ten Fall – durch das BerlB­VAnpG 2014/​2015 um wei­te­re 3,0 % ange­ho­ben.
Der Besol­dungs­in­dex wird aus der Mul­ti­pli­ka­ti­on des Index­wer­tes des Vor­jah­res mit einem die Besol­dungs­er­hö­hung abbil­den­den Fak­tor (z. B.1995: 103,20 %; 1997: 101,30 %) ermit­telt.
Für das Jahr 2009 ergibt sich gegen­über dem Basis­jahr 1994 für die Besol­dungs­grup­pe R 1 eine Stei­ge­rung der Besol­dung von 12,61 % und für die Besol­dungs­grup­pe R 2 von 12,47 %. Dabei muss­te die Besol­dungs­er­hö­hung zum 1.01.1995 außer Betracht blei­ben. Sie betraf nur die Besol­dung für Beam­te und Rich­ter der Besol­dungs­grup­pen A 9 bis A 16, B, C und R. Die Besol­dung der Besol­dungs­grup­pen bis A 8 war bereits zum 1.10.1994 ange­ho­ben wor­den. Die­se Maß­nah­me wirk­te sich nach­tei­lig auf das Ali­men­ta­ti­ons­ni­veau der Betrof­fe­nen aus. Die­ser Befund darf nicht dadurch in sein Gegen­teil ver­kehrt wer­den, dass die Ver­zö­ge­rung als ver­meint­lich beson­ders hohe Besol­dungs­an­pas­sung im Jahr 1995 in die Ver­gleichs­be­rech­nung ein­fließt [189].
Besol­dungs­grup­pe R 1
Besol­dungs­grup­pe R 2
Besol­dungs­er­hö­hung
Im Zeit­raum 1995 bis 2010 stieg die Besol­dung der Besol­dungs­grup­pe R 1 um 10,22 % und die­je­ni­ge der Besol­dungs­grup­pe R 2 um 10,13 %.
Im Zeit­raum 1996 bis 2011 ergibt sich für die Besol­dungs­grup­pe R 1 eine Stei­ge­rung der Besol­dung von 12,79 % und für die Besol­dungs­grup­pe R 2 von 12,66 %.
Im Zeit­raum 1997 bis 2012 ergibt sich für die Besol­dungs­grup­pe R 1 eine Stei­ge­rung der Besol­dung von 13,57 % und für die Besol­dungs­grup­pe R 2 von 13,44 %.
Im Zeit­raum 1998 bis 2013 ergibt sich für die Besol­dungs­grup­pe R 1 eine Stei­ge­rung der Besol­dung von 14,13 % und für die Besol­dungs­grup­pe R 2 von 14,00 %.
Im Zeit­raum 1999 bis 2014 ergibt sich für die Besol­dungs­grup­pe R 1 eine Stei­ge­rung der Besol­dung von 14,24 % und für die Besol­dungs­grup­pe R 2 von 14,11 %.
Im Zeit­raum 2000 bis 2015 ergibt sich für die Besol­dungs­grup­pe R 1 eine Stei­ge­rung der Besol­dung von 17,66 %, für die Besol­dungs­grup­pe R 2 von 17,53 % und für die Besol­dungs­grup­pe R 3 von 17,10 %.
Besol­dungs­grup­pe R 3
- 5,72 %
Bei den Staf­fel­prü­fun­gen kann wei­test­ge­hend auf die Berech­nun­gen des Ober­ver­wal­tungs­ge­richts zurück­ge­grif­fen wer­den.
Besol­dung für das Jahr
Staf­fel­prü­fung
Anstieg der Besol­dung
Weil das Land Ber­lin zwi­schen­zeit­lich eine eigen­stän­di­ge Tarif­po­li­tik betrie­ben hat, kann nur teil­wei­se auf den im Aus­gangs­ver­fah­ren bei­gezo­ge­nen Tarif­lohn­in­dex des Sta­tis­ti­schen Bun­des­am­tes zurück­ge­grif­fen wer­den, um die linea­ren Ver­än­de­run­gen der Tarif­löh­ne zu ermit­teln.
Für die Ange­stell­ten des Lan­des Ber­lin, das seit 1994 nicht mehr Mit­glied der Tarif­ge­mein­schaft deut­scher Län­der war, galt der Bun­des­an­ge­stell­ten­ta­rif­ver­trag (BAT) zunächst auf­grund dyna­mi­scher Über­nah­me­ta­rif­ver­trä­ge fort [190]. Mit dem Tarif­ver­trag zur Anwen­dung von Tarif­ver­trä­gen des öffent­li­chen Diens­tes (Anwen­dungs-TV Land Ber­lin) vom 31.07.2003 wur­de die sta­ti­sche Gel­tung des BAT in der Fas­sung vom 01.01.2003 beschlos­sen, das heißt mit den dort bereits ver­ein­bar­ten Tarif­er­hö­hun­gen von 2,4 % im Jahr 2003 und von zwei Mal 1,0 % im Jahr 2004 [191]. In Abwei­chung vom BAT wur­den die Tari­fent­gel­te – nach Ent­gelt­grup­pe gestaf­felt – um 8 bis 12 % abge­senkt. Im Gegen­zug wur­den nicht nur betriebs­be­ding­te Kün­di­gun­gen aus­ge­schlos­sen, son­dern es wur­de auch die bezahl­te Arbeits­zeit im glei­chen Ver­hält­nis auf nun­mehr 35,42 bis 33,88 Wochen­stun­den ver­min­dert. Zwar wur­de gleich­zei­tig eine höhe­re tat­säch­lich zu erbrin­gen­de Arbeits­zeit von 37 Wochen­stun­den ver­ein­bart, der Dif­fe­renz­be­trag wur­de jedoch auf einem Arbeits­zeit­kon­to unver­fall­bar gut­ge­schrie­ben, das ent­we­der durch bezahl­ten Frei­zeit­aus­gleich oder durch direk­te finan­zi­el­le Abgel­tung aus­ge­gli­chen wer­den konn­te. Vor dem Hin­ter­grund, dass die­se Rege­lung den Stun­den­lohn unver­än­dert ließ und ein ent­gelt­li­cher Aus­gleich der Mehr­ar­beit erfolg­te, erweist sich die­se Rege­lung für die Tarif­lohn­ent­wick­lung als neu­tral.
Mit dem Tarif­ver­trag zur Anglei­chung des Tarif­rechts des Lan­des Ber­lin an das Tarif­recht der Tarif­ge­mein­schaft deut­scher Län­der (Anglei­chungs-TV Land Ber­lin) vom 14.10.2010 wur­de für die Ange­stell­ten des Lan­des Ber­lin im Grund­satz das Recht des Tarif­ge­biets West des TV‑L dyna­misch zur Anwen­dung gebracht. Nach einer Über­gangs­pha­se waren ab dem 1.08.2011 im Aus­gangs­punkt die Ent­gel­te des TV‑L in der jeweils gül­ti­gen Fas­sung maß­geb­lich. Von den TV-L-Ent­gel­ten wur­de zunächst ein Betrag von 97 % gezahlt; die­ser Abschlag wur­de in den dar­auf­fol­gen­den Jah­ren suk­zes­si­ve ver­kürzt. Die Arbeits­zeit wur­de eben­so ange­gli­chen, wobei zwi­schen­zeit­lich erwirt­schaf­te­te Arbeits­zeit­gut­ha­ben fort­ge­schrie­ben wur­den. Bei der Über­lei­tung in die grund­le­gend umge­stal­te­te Tarif­struk­tur des TV‑L kamen Besitz­stands­wah­rungs­re­ge­lun­gen zur Anwen­dung, so dass eine rea­le Ver­min­de­rung der Ent­gel­te bei Bestands­be­schäf­tig­ten aus­ge­schlos­sen war [192].
Der Anglei­chungs-TV Land Ber­lin hat­te dar­über hin­aus zur Fol­ge, dass die in den Vor­jah­ren im Bereich des TV‑L ver­ein­bar­ten Tarif­er­hö­hun­gen (2008: 2,8 %, 2009: 3,0 % und 2010: 1,2 %) nach­ge­holt wur­den. Geht man aus Grün­den der Ver­ein­fa­chung von einer voll­stän­di­gen Anglei­chung aus, kann ab dem Jahr 2011 wie­der der vom Sta­tis­ti­schen Bun­des­amt für den Bereich der TV‑L ermit­tel­te Tarif-index ange­setzt wer­den. Aus des­sen Ver­hält­nis zum für Ber­lin errech­ne­ten Index­stand des Vor­jah­res ergibt sich ein Stei­ge­rungs­wert von 8,87 %. Die­ser fie­le etwas nied­ri­ger und der­je­ni­ge in den Fol­ge­jah­ren etwas höher aus, wür­de man die Annä­he­rung an das TV-L-Niveau im Wege einer „Spitz­aus­rech­nung“ exakt nach­voll­zie­hen. Auf den kla­ren Befund, dass der Schwel­len­wert für die Jah­re nach 2011 über­wie­gend zwei­stel­lig über­schrit­ten wor­den ist, hät­te dies jedoch kei­nen Ein­fluss. Die Anglei­chung von Arbeits­zeit und Arbeits­lohn wirkt sich – wie die Absen­kung im Jahr 2003 – auf den Tari­f­in­dex nicht aus.
Die Dif­fe­renz zwi­schen der Ent­wick­lung der Tarif­ein­kom­men im öffent­li­chen Dienst, des Nomi­nal­lohn­in­dex und des Ver­brau­cher­preis­in­dex (100 + x) einer­seits und der Besol­dungs­ent­wick­lung (100 + y) ande­rer­seits wird in Rela­ti­on zur Besol­dungs­ent­wick­lung in Pro­zent wie folgt ermit­telt: [(100 + x) /(100 + y)] x 100 – 100 [193]. Ver­gleicht man die Ent­wick­lung der Ein­kom­men der Tarif­be­schäf­tig­ten im öffent­li­chen Dienst mit der Besol­dungs­ent­wick­lung (ers­ter Para­me­ter), zeigt sich, dass die Tarif­ent­wick­lung die Besol­dungs­ent­wick­lung in den meis­ten ver­fah­rens­ge­gen­ständ­li­chen Jah­ren um mehr als 5 % über­schrit­ten hat. Nur im Jahr 2010 wur­de der Schwel­len­wert bei ver­grö­bern­der Berech­nung der Besol­dungs­ent­wick­lung für die Besol­dungs­grup­pe R 1 knapp unter­schrit­ten. Dem ist im Rah­men der Gesamt­be­trach­tung nach­zu­ge­hen.
Anstieg der Tarif­ver­diens­te
1. Para­me­ter
im 15-jäh­ri­gen Betrach­tungs­zeit­raum
Ein Ver­gleich der Ent­wick­lung des vom Sta­tis­ti­schen Bun­des­amt im Aus­gangs­ver­fah­ren über­mit­tel­ten Nomi­nal­lohn­in­dex mit der Besol­dungs­ent­wick­lung (zwei­ter Para­me­ter) ergibt, dass der Schwel­len­wert von 5 % nicht erreicht wor­den ist.
Anstieg des Nomi­nal­lohn­in­dex
2. Para­me­ter
– 2,31 %
Eine Gegen­über­stel­lung der Ent­wick­lung des im Aus­gangs­ver­fah­ren bei­gezo­ge­nen Ver­brau­cher­preis­in­dex des Amtes für Sta­tis­tik Ber­lin-Bran­den­burg (drit­ter Para­me­ter) und der Besol­dungs­ent­wick­lung zeigt, dass die Ent­wick­lung der Ver­brau­cher­prei­se in den Jah­ren 2009 bis 2014 deut­lich über die Ent­wick­lung der Besol­dung hin­aus­ge­gan­gen ist. Nur für das Jahr 2015 bleibt die Dif­fe­renz im Ver­hält­nis zur Besol­dungs­ent­wick­lung knapp unter­halb des Schwel­len­wer­tes; auch hier­auf ist im Rah­men der Gesamt­be­trach­tung ein­zu­ge­hen.
Anstieg des Ver­brau­cher­preis­in­dex
3. Para­me­ter
– 6,32 %
– 3,49 %
– 6,24 %
– 3,41 %
Wäh­rend die Abstän­de der Brut­to­ge­häl­ter in den Besol­dungs­grup­pen, wie die Berech­nun­gen des Ober­ver­wal­tungs­ge­richts gezeigt haben, im Wesent­li­chen unver­än­dert geblie­ben sind, wur­de in den ver­fah­rens­ge­gen­ständ­li­chen Jah­ren das Min­dest­ab­stands­ge­bot nicht ein­ge­hal­ten (vier­ter Para­me­ter). Der gebo­te­ne Abstand zum Grund­si­che­rungs­ni­veau wur­de durch­ge­hend für die jeweils unters­te Besol­dungs­grup­pe bei wei­tem unter­schrit­ten.
Die Regel­sät­ze der Grund­si­che­rung sind im Vor­la­ge­be­schluss zutref­fend ermit­telt und für die Kin­der ent­spre­chend der Anzahl der Lebens­jah­re gewich­tet wor­den. Auch der Ansatz für die Heiz­kos­ten kann dar­aus ent­nom­men wer­den. Hin­sicht­lich der Kos­ten der Unter­kunft wird der von der Bun­des­agen­tur für Arbeit über­mit­tel­te sta­tis­ti­sche Wert ange­setzt, der in 95 % der Fäl­le aus­rei­chend war.
Die Bun­des­agen­tur für Arbeit und die Ber­li­ner Senats­ver­wal­tung für Inte­gra­ti­on, Arbeit und Sozia­les haben sich auf­grund unzu­rei­chen­der sta­tis­ti­scher Erfas­sung in der Ver­gan­gen­heit nur in Teil­be­rei­chen im Stan­de gese­hen, belast­ba­re Aus­künf­te zur Inan­spruch­nah­me der Leis­tun­gen für Bil­dung und Teil­ha­be und zur Höhe der aner­kann­ten Bedar­fe zu ertei­len. Aus den über­mit­tel­ten Daten­sät­zen geht jedoch her­vor, dass ins­be­son­de­re die Auf­wen­dun­gen für die Mit­tags­ver­pfle­gung bei so vie­len Leis­tungs­be­rech­tig­ten ange­fal­len sind, dass die­se nicht als aty­pi­sche Fäl­le außer Betracht gelas­sen wer­den dür­fen. Eine wei­te­re Auf­klä­rung ist vor­lie­gend nicht erfor­der­lich, weil auch ohne Berück­sich­ti­gung aller Bedarfs­pos­ten fest­steht, dass das Min­dest­ab­stands­ge­bot deut­lich ver­letzt wor­den ist. Des­sen unge­ach­tet obliegt es dem Besol­dungs­ge­setz­ge­ber, zukünf­tig die Erhe­bung der erfor­der­li­chen Daten zu ver­an­las­sen und hier­aus rea­li­täts­ge­rech­te Ansät­ze abzu­lei­ten.
Vor die­sem Hin­ter­grund wer­den im vor­lie­gen­den Ver­fah­ren nur die Bedar­fe für Bil­dung und Teil­ha­be in die Berech­nung ein­be­zo­gen, für deren Höhe sich aus dem Gesetz ein Anhalts­punkt ergibt. In den Jah­ren 2009 und 2010 war dies der per­sön­li­che Schul­be­darf von 100 € je Schul­jahr. Auf den Zeit­raum von der Geburt bis zur Voll­jäh­rig­keit umge­legt, ergibt sich ein Monats­be­trag von rund 5,56 € je Kind bezie­hungs­wei­se von rund 11,12 € für zwei Kin­der. In den Jah­ren 2011 bis 2015 wur­den dar­über hin­aus fol­gen­de Leis­tun­gen ein­ge­führt, für deren Höhe sich aus dem Gesetz ein Anhalts­punkt ergibt: Zur Teil­ha­be am sozia­len und kul­tu­rel­len Leben in der Gemein­schaft wur­den Kin­dern aller Alters­stu­fen 10 € monat­lich gewährt. Die Mehr­auf­wen­dun­gen für die gemein­schaft­li­che Mit­tags­ver­pfle­gung wur­den zwar in tat­säch­li­cher Höhe über­nom­men, in § 77 Abs. 11 SGB II hat der Gesetz­ge­ber aber selbst zu erken­nen gege­ben, dass er bereits anfäng­lich mit zusätz­li­chen Leis­tun­gen in Höhe von 26 € monat­lich rech­ne­te. Geht man davon aus, dass Kin­der im Durch­schnitt erst mit drei Jah­ren an der gemein­schaft­li­chen Mit­tags­ver­pfle­gung in Kin­der­gar­ten und Schu­le teil­neh­men, ergibt sich ein alters­ge­wich­te­ter Betrag von rund 21,67 € je Kind. Für die Jah­re 2011 bis 2015 sum­mie­ren sich die aus dem Gesetz abge­lei­te­ten Monats­be­trä­ge (5,56 € + 10 € + 21,67 €) auf rund 37,23 € je Kind bezie­hungs­wei­se auf rund 74,46 € für zwei Kin­der.
Der grund­si­che­rungs­recht­li­che Gesamt­be­darf und die davon abge­lei­te­te Min­des­ta­li­men­ta­ti­on belie­fen sich danach min­des­tens auf die fol­gen­den Beträ­ge:
1.170,67 €
Wohn­kos­ten
Monats­be­trag
2.189,36 €
2.266,13 €
2.348,13 €
Jah­res­be­trag
25.703,04 €
26.272,32 €
27.193,56 €
28.177,56 €
Min­des­ta­li­men­ta­ti­on (115 % des Grund­sicherungsbedarfs)
2.463,21 €
2.606,05 €
2.700,35 €
29.558,50 €
30.213,17 €
31.272,59 €
32.404,19 €
2.357,73 €
2.401,81 €
2.438,48 €
28.292,76 €
28.821,72 €
29.261,76 €
2.711,39 €
2.762,08 €
32.536,67 €
33.144,98 €
33.651,02 €
Ver­gleichs­ge­gen­stand bil­det die Net­to­ali­men­ta­ti­on eines in der nied­rigs­ten Besol­dungs­grup­pe in der nied­rigs­ten Erfah­rungs­stu­fe besol­de­ten Beam­ten, der ver­hei­ra­tet ist und zwei Kin­der hat. Für das Land Ber­lin war vom 01.01.bis 28.02.2009 die Besol­dungs­grup­pe A 2 (Stu­fe 1) maß­geb­lich. Nach der rück­wir­ken­den Anhe­bung des Ein­gang­sam­tes (§ 2a LBesG BE) durch das Dienst­rechts­än­de­rungs­ge­setz vom 19.03.2009 [194] ist seit dem 1.03.2009 auf die Besol­dungs­stu­fe A 4 (Stu­fe 1) abzu­stel­len. Die anzu­set­zen­den Besol­dungs­be­stand­tei­le (hier: Grund­ge­halt, Fami­li­en­zu­schlag und Son­der­zah­lung) kön­nen im Wesent­li­chen dem Vor­la­ge­be­schluss ent­nom­men wer­den.
Das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt hat sei­ne Berech­nun­gen auf den vom Bun­des­mi­nis­te­ri­um der Finan­zen im Inter­net zur Ver­fü­gung gestell­ten Lohn­steu­er­rech­ner gestützt. Die­se sind von den Betei­lig­ten des Aus­gangs­ver­fah­rens und den Äuße­rungs­be­rech­tig­ten nicht bean­stan­det wor­den. Für die hier zu betrach­ten­de Beam­ten­fa­mi­lie, die über kei­ne wei­te­ren steu­er­pflich­ti­gen Ein­nah­men ver­fügt und kei­ne beson­de­ren Auf­wen­dun­gen gel­tend machen kann, erge­ben sich kei­ne Unter­schie­de zwi­schen dem Lohn­steu­er­ab­zug und der Ein­kom­men­steu­er­be­rech­nung. Vor die­sem Hin­ter­grund spricht nichts dage­gen, dass auch das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt so ver­fährt. Für das Jahr 2009 muss die Berech­nung wegen der abwei­chen­den Abzugs­fä­hig­keit von Vor­sor­ge­auf­wen­dun­gen mit Hil­fe des Ein­kom­men­steu­er­rech­ners durch­ge­führt wer­den. Im Übri­gen wird der vom Ver­band der Pri­va­ten Kran­ken­ver­si­che­rung zu den Durch­schnitts­prä­mi­en für eine das Ber­li­ner Bei­hil­fe­re­gime ergän­zen­de pri­va­te Kran­ken­ver­si­che­rung und die Pfle­ge­pflicht­ver­si­che­rung mit­ge­teil­te steu­er­lich absetz­ba­re Anteil berück­sich­tigt. Bei Steu­er­klas­se III und zwei Kin­der­frei­be­trä­gen fal­len weder Soli­da­ri­täts­zu­schlag noch Kir­chen­steu­er an. Des­halb kann die Fra­ge, ob wei­ter­hin ein Kir­chen­steu­er­ab­zug zu berück­sich­ti­gen ist [195], offen­blei­ben. Von den Bezü­gen in Abzug gebracht wer­den die mit­ge­teil­ten Durch­schnitts­prä­mi­en für die Kran­ken- und Pfle­ge­pflicht­ver­si­che­rung. Ob in die­sem Zusam­men­hang der Abzug einer Kos­ten­dämp­fungs­pau­scha­le von den Bei­hil­fe­leis­tun­gen zu berück­sich­ti­gen ist, bedarf vor­lie­gend kei­ner Ent­schei­dung, weil im streit­ge­gen­ständ­li­chen Zeit­raum vom Land Ber­lin eine Kos­ten­dämp­fungs­pau­scha­le erst ab der Besol­dungs­grup­pe A 7 erho­ben wur­de (vgl. § 76 Abs. 5 LBesG BE vom 19.03.2009).
Die Jah­res­net­to­ali­men­ta­ti­on berech­net sich danach wie folgt:
23.331,02 €
23.352,36 €
23.737,48 €
24.196,30 €
- Ein­kom­men­steu­er
- Kran­ken- und Pfle­ge­ver­si­che­rung
4.931,76 €
5.123,76 €
5.303,04 €
+ Kin­der­geld
Jah­res­net­to­ali­men­ta­ti­on
22.517,18 €
22.474,60 €
22.643,72 €
22.871,26 €
24.660,23 €
25.233,20 €
25.960,33 €
5.426,88 €
5.486,88 €
5.586,24 €
23.189,35 €
23.688,32 €
24.340,09 €
In allen ver­fah­rens­ge­gen­ständ­li­chen Jah­ren wur­de das Min­dest­ab­stands­ge­bot ver­letzt. Die Net­to­ali­men­ta­ti­on blieb min­des­tens 24 % hin­ter der aus dem Grund­si­che­rungs­ni­veau abge­lei­te­ten Min­des­ta­li­men­ta­ti­on zurück.
Min­des­ta­li­men­ta­ti­on
Net­to­ali­men­ta­ti­on
Fehl­be­trag (abso­lut und in % der Min­des­ta­li­men­ta­ti­on)
7.041,32€
rd. 24 %
7.738,57 €
rd. 26 %
8.628,87 €
9.532,93 €
9.347,32 € rd. 29 %
9.456,66 € rd. 29 %
9.310,93 € rd. 28 %
Im Aus­gangs­ver­fah­ren wur­de ein Quer­ver­gleich mit den ande­ren Län­dern und dem Bund (fünf­ter Para­me­ter) stich­pro­ben­ar­tig für die Jah­re 2010, 2013 und 2015 durch­ge­führt. Die größ­te Abwei­chung vom Mit­tel­wert bezie­hungs­wei­se Medi­an betrug zwi­schen 5 und 8 %; der Schwel­len­wert von 10 % wur­de also deut­lich unter­schrit­ten. Des­halb bedarf es kei­ner Berech­nun­gen für die ande­ren Jah­re.
Ins­ge­samt hat die ers­te Prü­fungs­stu­fe fol­gen­de Ergeb­nis­se erbracht:
Tarif­lohn­ent­wick­lung
Nomi­nal­lohn­in­dex
Ver­brau­cher­preis­in­dex
Min­dest­ab­stands­ge­bot
Quer­ver­gleich (Maxi­mal­wert)
ver­letzt (24 %)
ver­letzt (26 %)
ver­letzt (28 %)
ver­letzt (29 %)
Die Gesamt­be­trach­tung der Para­me­ter auf der ers­ten Prü­fungs­stu­fe begrün­det somit die Ver­mu­tung, dass im Land Ber­lin die Grund­ge­halts­sät­ze der Besol­dungs­grup­pen R 1 und R 2 in den Jah­ren 2009 bis 2015 sowie die Grund­ge­halts­sät­ze der Besol­dungs­grup­pe R 3 im Jahr 2015 das Min­dest­maß amts­an­ge­mes­se­ner Ali­men­ta­ti­on unter­schrit­ten haben. Die Gesamt­ab­wä­gung unter Ein­be­zie­hung wei­te­rer ali­men­ta­ti­ons­recht­li­cher Deter­mi­nan­ten bestä­tigt die­se Ver­mu­tung.
In allen ver­fah­rens­ge­gen­ständ­li­chen Jah­ren sind drei von fünf Para­me­tern der ers­ten Stu­fe erfüllt.
Für das Jahr 2009 betrug der Abstand der Besol­dungs­ent­wick­lung zum Anstieg der Tarif­löh­ne im öffent­li­chen Dienst (ers­ter Para­me­ter) und der Ver­brau­cher­prei­se (drit­ter Para­me­ter) – bezo­gen auf den Zeit­raum der vor­an­ge­hen­den 15 Jah­re – in den Besol­dungs­grup­pen R 1 und R 2 jeweils rund 6 %. In den Jah­ren 2011 bis 2014 fiel die Abwei­chung von der Tarif­lohn­ent­wick­lung mit rund 12 %; und vom Anstieg der Ver­brau­cher­prei­se mit rund 7 bis 9 % deut­lich grö­ßer aus. Hin­zu kommt, dass das Min­dest­ab­stands­ge­bot als Teil des vier­ten Para­me­ters deut­lich miss­ach­tet wor­den ist.
Im Jahr 2010 wur­den in den Besol­dungs­grup­pen R 1 und R 2 wie­der­um der drit­te und vier­te Para­me­ter deut­lich erfüllt, hin­sicht­lich des ers­ten Para­me­ters wur­de der Schwel­len­wert für die Besol­dungs­grup­pe R 2 knapp über­schrit­ten, für die Besol­dungs­grup­pe R 1 hin­ge­gen knapp unter­schrit­ten. Für das Jahr 2015 lässt sich für alle Besol­dungs­grup­pen neben der ekla­tan­ten Ver­let­zung des Min­dest­ab­stands­ge­bots eine beson­ders deut­li­che Abkopp­lung der Besol­dung von der Tarif­lohn­ent­wick­lung von über 9 % fest­stel­len, der Schwel­len­wert hin­sicht­lich des Ver­brau­cher­preis­in­dex wur­de hin­ge­gen knapp ver­fehlt.
Für die­se Zeit­räu­me, in denen nicht bereits auf Grund­la­ge der ver­ein­fach­ten Berech­nung der Besol­dungs­ent­wick­lung eine Ver­mu­tung für eine unzu­rei­chen­de Ali­men­ta­ti­on besteht, erscheint es daher ange­zeigt, den Zeit­punkt zu berück­sich­ti­gen, in dem die Besol­dungs­er­hö­hung tat­säch­lich erfolgt ist. Der Deut­sche Rich­ter­bund hat in sei­ner Stel­lung­nah­me eine Berech­nung vor­ge­legt, bei der er auch für die Zeit­räu­me 1994 bis 2010 und 2000 bis 2015 das in der Besol­dungs­grup­pe R 1 gewähr­te Jah­res­brut­to­ge­halt (End­stu­fe, mit allen all­ge­mei­nen Zula­gen und Son­der­zah­lun­gen, ohne Fami­li­en­zu­schlag) ermit­telt hat. Legt man die­se schlüs­si­ge und rech­ne­risch von kei­ner Sei­te in Zwei­fel gezo­ge­ne „Spitz­aus­rech­nung“ zugrun­de und berück­sich­tigt umge­kehrt, dass die Tarif­löh­ne in Ber­lin im Jahr 2015 auf­grund des Anglei­chungs-TV Land Ber­lin noch um rund 1,5 % hin­ter dem TV‑L zurück­ge­blie­ben sind, zeigt sich, dass in bei­den Jah­ren sowohl die Abwei­chung von der Tarif­lohn­ent­wick­lung als auch die­je­ni­ge vom Ver­brau­cher­preis­in­dex sehr deut­lich über dem Schwel­len­wert von 5 % lie­gen. Für das Jahr 2015 lässt sich dies über­dies für das Ver­hält­nis zum Nomi­nal­lohn­in­dex fest­stel­len:
Besol­dungs­grup­pe R 1 (2010)
Besol­dungs­ent­wick­lung
Ver­än­de­rung seit 1995
Para­me­ter 1 – 3
Besol­dungs­grup­pe R 1 (2015)
Ver­än­de­rung seit 2000
Die­se Ergeb­nis­se las­sen sich auf die Besol­dungs­grup­pen R 2 und R 3 über­tra­gen. Denn bei die­sen Besol­dungs­grup­pen blieb die Besol­dungs­stei­ge­rung hin­ter der in der Besol­dungs­grup­pe R 1 zurück, weil sich die Kür­zung der Son­der­zah­lung im Jahr 2003 stär­ker aus­wirk­te und die Über­füh­rung in die neue Besol­dungs­ta­bel­le im Jahr 2011 mit einer pro­zen­tu­al gerin­ge­ren Besol­dungs­er­hö­hung ein­her­ging. Auch in den Jah­ren 2010 und 2015 sind folg­lich für alle Besol­dungs­grup­pen (min­des­tens) drei Para­me­ter erfüllt. Die Staf­fel­prü­fun­gen geben kei­nen Anlass zu einer abwei­chen­den Beur­tei­lung.
Die Ver­mu­tung einer der ange­mes­se­nen Betei­li­gung an der all­ge­mei­nen Ent­wick­lung der wirt­schaft­li­chen und finan­zi­el­len Ver­hält­nis­se und des Lebens­stan­dards nicht genü­gen­den und damit ver­fas­sungs­wid­ri­gen Unte­rali­men­ta­ti­on wird erhär­tet, wenn man im Rah­men der Gesamt­ab­wä­gung die wei­te­ren ali­men­ta­ti­ons­re­le­van­ten Kri­te­ri­en ein­be­zieht.
Mit dem Amt eines Rich­ters oder Staats­an­wal­tes sind viel­fäl­ti­ge und anspruchs­vol­le Auf­ga­ben ver­bun­den, wes­halb hohe Anfor­de­run­gen an den aka­de­mi­schen Wer­de­gang und die Qua­li­fi­ka­ti­on ihrer Inha­ber gestellt wer­den [196]. Dies gilt in ver­stärk­tem Maße für die den Besol­dungs­grup­pen R 2 (u.a. Vor­sit­zen­der Rich­ter am Land­ge­richt, Rich­ter am Ober­lan­des­ge­richt; Ober­staats­an­walt) und R 3 (u.a. Vor­sit­zen­der Rich­ter am Ober­lan­des­ge­richt; Lei­ten­der Ober­staats­an­walt) zuge­ord­ne­ten Ämter.
Die Absen­kung der Ein­stel­lungs­an­for­de­run­gen zeigt, dass die Ali­men­ta­ti­on ihre qua­li­täts­si­chern­de Funk­ti­on, durch­ge­hend über­durch­schnitt­li­che Kräf­te zum Ein­tritt in den höhe­ren Jus­tiz­dienst in Ber­lin zu bewe­gen, nicht (mehr) erfüllt hat. Wur­de zunächst als Ein­gangs­vor­aus­set­zung noch die Note „voll­be­frie­di­gend“ in bei­den Exami­na benannt, wur­de dies seit 2007 nur noch „in der Regel“ erwar­tet. Von 2011 an wur­de in das Aus­wahl­ver­fah­ren ein­be­zo­gen, wer 7,5 Punk­te in der Ers­ten Prü­fung und 8,5 Punk­te in der Zwei­ten Staats­prü­fung erzielt hat­te. Wenn das Land Ber­lin in sei­ner Stel­lung­nah­me vor­bringt, auch zuvor sei­en Bewer­ber „nach Ange­bot und Nach­fra­ge“ ohne die gefor­der­te Qua­li­fi­ka­ti­on zum Zuge gekom­men, ändert dies nichts dar­an, dass ein vor­mals jeden­falls im Aus­gangs­punkt nicht für geeig­net erach­te­ter Bewer­ber­kreis ange­spro­chen wer­den muss­te.
Zur Qua­li­fi­ka­ti­on der Ein­ge­stell­ten hat das Land Ber­lin im fach­ge­richt­li­chen Ver­fah­ren eine Aus­wer­tung vor­ge­legt und hin­sicht­lich der Examens­er­geb­nis­se auf die Sta­tis­tik des Bun­des­am­tes für Jus­tiz ver­wie­sen. Es ergibt sich fol­gen­des Bild:
Ein­stel­lun­gen in den höhe­ren Jus­tiz­dienst des Lan­des Ber­lin
Absol­ven­ten in Ber­lin
davon mit der Note „befrie­di­gend“
mit der Note „voll­be­frie­di­gend“ und bes­ser
35 % (171)
25 % (229)
40 % (220)
21 % (190)
35 % (215)
25 % (223)
40 % (248)
28 % (257)
41 % (252)
28 % (259)
Staats­an­walt­schaft
40 % (240)
27 % (255)
45 % (303)
25 % (252)
Das Land Ber­lin hat erklärt, die Absen­kung der for­ma­len Anfor­de­run­gen sei nicht aus der Not her­aus erfolgt, son­dern fol­ge der Erkennt­nis, dass man nicht von vorn­her­ein auf die Bewer­bung ein­zel­ner her­vor­ra­gend geeig­ne­ter Bewer­ber mit befrie­di­gen­dem Examen ver­zich­ten wol­le, deren Eig­nung erst im Rah­men des struk­tu­rier­ten Aus­wahl­ge­sprächs zuta­ge tre­te. Dann wäre aber zu erwar­ten, dass in allen Jah­ren Bewer­ber ohne Prä­di­kat­s­examen in pro­por­tio­na­lem Ver­hält­nis zur Zahl der besetz­ten Stel­len zum Zuge kom­men. Das Land muss­te indes in den Jah­ren 2009 bis 2011 und 2014, in denen mehr als zwan­zig Stel­len zu beset­zen waren, in grö­ße­rem Umfang Bewer­ber ein­stel­len, die nur ein befrie­di­gen­des Ergeb­nis auf­zu­wei­sen hat­ten. Dabei über­stieg die Zahl der Absol­ven­ten, die in der Zwei­ten Staats­prü­fung ein Prä­di­kat­s­examen erreicht hat­ten, auch in die­sen Jah­ren die Stel­len­zahl um ein Mehr­fa­ches. Davon, dass es dem Land Ber­lin gelun­gen wäre, durch­ge­hend über­durch­schnitt­lich qua­li­fi­zier­te Kräf­te für den höhe­ren Jus­tiz­dienst anzu­wer­ben [197], kann daher kei­ne Rede sein.
Gegen­über­stel­lun­gen mit Ver­gleichs­grup­pen außer­halb des öffent­li­chen Diens­tes füh­ren im Rah­men der Gesamt­ab­wä­gung zu kei­ner ande­ren Bewer­tung. Das Sta­tis­ti­sche Bun­des­amt hat im Aus­gangs­ver­fah­ren eine Aus­kunft zum Ver­gleich der Besol­dung von Rich­tern und Staats­an­wäl­ten in Ber­lin mit den Gehäl­tern erteilt, die mit ver­gleich­ba­rem Qua­li­fi­ka­ti­ons­ni­veau in der Pri­vat­wirt­schaft erzielt wor­den sind. Danach hat­ten im Jahr 2006 86 % der ver­gleich­ba­ren Arbeit­neh­mer in der Pri­vat­wirt­schaft einen höhe­ren Ver­dienst als ein Berufs­an­fän­ger der Besol­dungs­grup­pe R 1; im Jahr 2010 waren es 92 %. Selbst wenn man die Besol­dung der End­stu­fe zugrun­de legt, die nach mehr als 20 Berufs­jah­ren erreicht wird, ver­füg­ten im Jahr 2006 40 % der ver­gleich­ba­ren Arbeit­neh­mer in der Pri­vat­wirt­schaft über ein höhe­res Ein­kom­men; im Jahr 2010 war der Anteil auf 51 % gestie­gen. In der Ver­gleichs­grup­pe der Ange­stell­ten mit juris­ti­schen Beru­fen ver­dien­ten 85 % (2006) bezie­hungs­wei­se 93 % (2010) mehr als ein Berufs­an­fän­ger im Bereich der Jus­tiz. In 55 % (2006) bezie­hungs­wei­se 65 % (2010) der Fäl­le lag das Ein­kom­men auch über den Bezü­gen in der End­stu­fe der Besol­dungs­grup­pe R 1.
Schließ­lich sind die im Vor­la­ge­be­schluss im Ein­zel­nen auf­ge­führ­ten Ein­schnit­te im Bereich des Bei­hil­fe- und Ver­sor­gungs­rechts zu berück­sich­ti­gen, die das zum lau­fen­den Lebens­un­ter­halt ver­füg­ba­re Ein­kom­men zusätz­lich gemin­dert haben [198].
In der Gesamt­ab­wä­gung ergibt sich, dass die Bemes­sung der Grund­ge­halts­sät­ze der Besol­dungs­grup­pen R 1 bis R 3 in Ber­lin im ver­fah­rens­ge­gen­ständ­li­chen Zeit­raum nicht mehr amts­an­ge­mes­sen war.
Kol­li­die­ren­des Ver­fas­sungs­recht ver­mag die Unter­schrei­tung des durch Art. 33 Abs. 5 GG gebo­te­nen Besol­dungs­ni­veaus nicht zu recht­fer­ti­gen. Ins­be­son­de­re hat das Land Ber­lin weder im Aus­gangs­ver­fah­ren noch in sei­ner Stel­lung­nah­me dar­ge­tan, dass die teil­wei­se dras­ti­sche Abkopp­lung der Besol­dung der Rich­ter und Staats­an­wäl­te von der all­ge­mei­nen wirt­schaft­li­chen Ent­wick­lung in Ber­lin, wie sie nicht zuletzt in den Tarif­ab­schlüs­sen zum Aus­druck gekom­men ist, Teil eines schlüs­si­gen und umfas­sen­den Kon­zepts der Haus­halts­kon­so­li­die­rung gewe­sen wäre, bei dem die Ein­spa­run­gen – wie es mit Blick auf Art. 3 Abs. 1 GG gebo­ten ist [199] – gleich­heits­ge­recht erwirt­schaf­tet wer­den soll­ten. Dies ist aber Vor­aus­set­zung dafür, eine Ein­schrän­kung des Grund­sat­zes der amts­an­ge­mes­se­nen Ali­men­ta­ti­on mit Blick auf die Ver­pflich­tung zur Haus­halts­kon­so­li­die­rung (Art. 109 Abs. 3 Satz 1 i.V.m. Art. 143d Abs. 1 GG) zu recht­fer­ti­gen.
Es erscheint bereits zwei­fel­haft, ob die vom Land Ber­lin in Bezug genom­me­nen Doku­men­te eine hin­rei­chen­de Defi­ni­ti­on des Spar­ziels und eine nach­voll­zieh­ba­re Aus­wahl der für erfor­der­lich erach­te­ten Maß­nah­men erken­nen las­sen. In der Finanz­pla­nung des Lan­des Ber­lin 2003 – 2007 wur­de die „Stra­te­gie zur Absen­kung der Per­so­nal­aus­ga­ben“ dahin umschrie­ben, dass der Per­so­nal­be­stand glo­bal auf 100.000 Voll­zeit­äqui­va­len­te abge­baut und die Per­so­nal­aus­ga­ben um jähr­lich 250 bezie­hungs­wei­se 500 Mil­lio­nen € ver­min­dert wer­den soll­ten. Als kon­kre­te Maß­nah­men wur­den der im Anwen­dungs-TV Land Ber­lin ver­ein­bar­te „Tausch von Ent­gelt gegen Frei­zeit“ benannt, der zu einer Absen­kung der Lohn­sum­me um 10 % füh­re, sowie die Strei­chung des Urlaubs­gelds und die Absen­kung der Son­der­zu­wen­dung. Abge­se­hen davon, dass der Auf­bau erheb­li­cher Arbeits­zeit­gut­ha­ben bei den Tarif­be­schäf­tig­ten uner­wähnt blieb, wur­den die erziel­ten Ein­spa­run­gen weder quan­ti­fi­ziert noch mit­ein­an­der oder mit der Ent­wick­lung ande­rer Aus­ga­ben­pos­ten ins Ver­hält­nis gesetzt.
Jeden­falls steht einer Recht­fer­ti­gung der Unter­schrei­tung des durch Art. 33 Abs. 5 GG gebo­te­nen Besol­dungs­ni­veaus ent­ge­gen, dass nicht ein­mal der Ver­such unter­nom­men wur­de, die Ein­spa­run­gen gleich­heits­ge­recht zu erwirt­schaf­ten. Im ers­ten gemäß der Ver­ein­ba­rung zum Sanie­rungs­pro­gramm nach § 5 des Sta­bi­li­täts­rats­ge­set­zes vom 10.08.2009 [200] erstell­ten Bericht wur­de hin­sicht­lich der Begren­zung der Per­so­nal­aus­ga­ben nur mit­ge­teilt, dass am genann­ten Ziel der Absen­kung des Per­so­nal­be­stands fest­ge­hal­ten und hier­für die natür­li­che Fluk­tua­ti­on genutzt wer­de. Der zwei­te Bericht bezif­fer­te die Ein­spa­run­gen, die 2013 und 2014 durch Absen­kung des Besol­dungs- bezie­hungs­wei­se Ent­gelt­ni­veaus im Bereich der Beam­ten und der Tarif­be­schäf­tig­ten erzielt wer­den soll­ten. Wäh­rend die geplan­ten Ein­spa­run­gen bei den Beam­ten mit einer im Ver­gleich zum bun­des­wei­ten Durch­schnitt rund 6,8 % nied­ri­ge­ren Besol­dung erklärt wur­den, wur­de zugleich hin­sicht­lich der Tarif­be­schäf­tig­ten mit­ge­teilt, dass zum Okto­ber 2011 das Ent­gelt­ni­veau auf 97 % des TV‑L ange­ho­ben wor­den sei und der ver­blie­be­ne Abstand in den Fol­ge­jah­ren suk­zes­si­ve abge­baut wer­de. In den Finanz­pla­nun­gen 2010 bis 2014 und 2013 bis 2017 wur­de wie­der­um nur pau­schal ein Kon­so­li­die­rungs­bei­trag durch Redu­zie­rung der Neu­ein­stel­lun­gen bezie­hungs­wei­se durch Begren­zung der Per­so­nal­aus­ga­ben aus­ge­wie­sen. Die­se Finanz­pla­nung bestä­tigt den auf der ers­ten Prü­fungs­stu­fe gewon­ne­nen Ein­druck, dass das Land Ber­lin die Besol­dung sehen­den Auges hin­ter die von ihm aus­ge­han­del­ten Tarif­löh­ne hat zurück­fal­len las­sen.
Steht danach fest, dass die zur Prü­fung gestell­te Besol­dung den mate­ri­el­len Anfor­de­run­gen des Ali­men­ta­ti­ons­prin­zips nicht genüg­te, bedarf die Fra­ge nach der Beach­tung der pro­ze­du­ra­len Anfor­de­run­gen kei­ner Ent­schei­dung.
Der Ver­stoß einer Norm gegen das Grund­ge­setz kann ent­we­der zur Nich­tig­erklä­rung (vgl. § 82 Abs. 1 i.V.m. § 78 Satz 1 BVerfGG) oder dazu füh­ren, dass das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt die Unver­ein­bar­keit der Norm mit dem Grund­ge­setz fest­stellt (vgl. § 82 Abs. 1 i.V.m. § 79 Abs. 1 und § 31 Abs. 2 BVerfGG). Eine Nich­tig­erklä­rung hät­te zur Fol­ge, dass es für die Besol­dung an der gesetz­li­chen Grund­la­ge fehl­te, derer es mit Blick auf den ver­fas­sungs­recht­lich vor­ge­ge­be­nen und ein­fach­recht­lich (vgl. § 2 Abs. 1 BBesG i.d.F. der Bekannt­ma­chung vom 06.08.2002 i.V.m. § 1b Abs. 1 Nr. 1 LBesG BE) ange­ord­ne­ten Geset­zes­vor­be­halt bedarf. Damit wür­de ein Zustand geschaf­fen, der von der ver­fas­sungs­mä­ßi­gen Ord­nung noch wei­ter ent­fernt wäre als der bis­he­ri­ge [201]. Stellt das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt die Unver­ein­bar­keit einer Norm oder meh­re­rer Nor­men mit dem Grund­ge­setz fest, folgt dar­aus grund­sätz­lich die Ver­pflich­tung des Gesetz­ge­bers, die Rechts­la­ge rück­wir­kend ver­fas­sungs­ge­mäß umzu­ge­stal­ten. Aus­nah­men von die­ser Regel­fol­ge der Unver­ein­bar­keit hat das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt wie­der­holt bei haus­halts­wirt­schaft­lich bedeut­sa­men Nor­men bejaht. Spe­zi­ell bei besol­dungs­recht­li­chen Nor­men gilt es zu beach­ten, dass die Ali­men­ta­ti­on der Rich­ter und Beam­ten der Sache nach die Befrie­di­gung eines gegen­wär­ti­gen Bedarfs aus gegen­wär­tig zur Ver­fü­gung ste­hen­den Haus­halts­mit­teln dar­stellt. Eine all­ge­mei­ne rück­wir­ken­de Behe­bung des Ver­fas­sungs­ver­sto­ßes ist daher mit Blick auf die Beson­der­hei­ten des Rich­ter- und Beam­ten­ver­hält­nis­ses nicht gebo­ten [202]. Eine rück­wir­ken­de Behe­bung ist jedoch sowohl hin­sicht­lich der Klä­ger der Aus­gangs­ver­fah­ren als auch hin­sicht­lich etwai­ger wei­te­rer Rich­ter und Staats­an­wäl­te erfor­der­lich, über deren Anspruch noch nicht abschlie­ßend ent­schie­den wor­den ist [203]. Dabei kommt es nicht dar­auf an, ob inso­weit ein Wider­spruchs- oder ein Kla­ge­ver­fah­ren schwebt. Ent­schei­dend ist, dass sie sich gegen die Höhe ihrer Besol­dung zeit­nah mit den statt­haf­ten Rechts­be­hel­fen gewehrt haben, so dass der Haus­halts­ge­setz­ge­ber nicht im Unkla­ren geblie­ben ist, in wie vie­len Fäl­len es mög­li­cher­wei­se zu Nach­zah­lun­gen kom­men wird.
Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt, Beschluss vom 4. Mai 2020 – 2 BvL 4/​18
BGBl. I S. 1798 – Grund­ge­halts­sät­ze der Bun­des­be­sol­dungs­ord­nung R ab 1.08.2004[↩]
GVBl. Bln S. 362 – Grund­ge­halts­sät­ze der Lan­des­be­sol­dungs­ord­nung R ab 1.08.2010[↩]
GVBl. Bln S. 306 – Grund­ge­halts­sät­ze der Lan­des­be­sol­dungs­ord­nung R ab 1.08.2011[↩]
GVBl. Bln S. 291 – Grund­ge­halts­sät­ze der Lan­des­be­sol­dungs­ord­nung R ab 1.08.2012[↩]
GVBl. Bln S. 291 – Grund­ge­halts­sät­ze der Lan­des­be­sol­dungs­ord­nung R ab 1.08.2013[↩]
GVBl. Bln S. 250 – Grund­ge­halts­sät­ze der Lan­des­be­sol­dungs­ord­nung R ab 1. August 2014[↩]
GVBl. Bln S. 250 – Grund­ge­halts­sät­ze der Lan­des­be­sol­dungs­ord­nung R ab 1.08.2015[↩]
ein­ge­fügt durch Art. 1 Nr. 1 des Acht­und­zwan­zigs­ten Geset­zes zur Ver­än­de­rung des Grund­ge­set­zes vom 18.03.1971[↩]
vgl. zu den Ein­zel­hei­ten BVerfGE 139, 64, 73 ff. Rn. 6 ff.[↩]
vgl. zu den Ein­zel­hei­ten BVerfGE 139, 64, 76 ff. Rn. 12 ff.[↩]
vgl. BVerfGE 139, 64, 85 f. Rn. 29 f.[↩]
BGBl I S. 1798 – Anhang 27 Nr. 4: Grund­ge­halts­sät­ze der Bun­des­be­sol­dungs­ord­nung R ab dem 1.08.2004[↩]
GVBl S. 272[↩]
GVBl S. 362[↩]
vgl. Anla­ge 1 Nr. 4 und Anla­ge 2 zu § 2 Abs. 1 Nr. 1 BerlB­VAnpG 2010/​2011[↩]
vgl. AbgH-Drs 16/​3242, S. 10[↩]
GVBl S. 306[↩]
vgl. Anla­ge 16 zu § 2 Abs. 3 BerlB­VAnpG 2010/​2011[↩]
AbgH-Drs 16/​3242, S. 10[↩]
GVBl S. 291[↩]
vgl. Anla­ge 1 Nr. 4 und Anla­ge 2 zu Art. I § 2 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 und 2 und zu Nr. 5 BerlB­VAnpG 2012/​2013 bezie­hungs­wei­se Anla­ge 16 Nr. 4 und Anla­ge 17 zu Art. I § 2 Abs. 3 BerlB­VAnpG 2012/​2013[↩]
AbgH-Drs 17/​0450, S. 9 f.[↩]
GVBl S. 250[↩]
vgl. Anla­ge 1 Nr. 4 zu Art. I § 2 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 bezie­hungs­wei­se Anla­ge 2 zu Art. I § 2 Abs. 2 BerlB­VAnpG 2014/​2015[↩]
AbgH-Drs 17/​1677, S. 46 ff.[↩]
GVBl S. 538[↩]
GVBl S. 271[↩]
BVerwG – 2 C 56.16[↩]
BVerwG – 2 C 57.16[↩]
BVerwG – 2 C 58.16[↩]
BVerwG, Beschluss vom 22.09.2017 [in der Fas­sung des Berich­ti­gungs­be­schlus­ses vom 22.01.2018] – 2 C 56.16, 2 C 57.16, 2 C 58.16[↩]
vgl. BVerfGE 8, 1, 16; 117, 330, 349; 119, 247, 263, 269; 130, 263, 292; 139, 64, 111 Rn. 92; 140, 240, 277 Rn. 71; 141, 56, 69 Rn. 34; 145, 304, 324 Rn. 64; 149, 382, 391 Rn. 15; 150, 169, 178 Rn. 25[↩]
vgl. BVerfGE 12, 81, 88; 55, 372, 392; 107, 218, 238[↩]
vgl. BVerfGE 106, 225, 232; 117, 330, 344; 130, 263, 292; 139, 64, 111 Rn. 92; 140, 240, 277 Rn. 71[↩]
vgl. BVerfGE 99, 300, 314; 107, 218, 236 f.; 117, 330, 344; 119, 247, 266; 130, 263, 292; 139, 64, 111 Rn. 92; 140, 240, 277 Rn. 71[↩]
vgl. BVerfGE 8, 1, 14; 107, 218, 238; 117, 330, 351; 119, 247, 269; 130, 263, 292; 139, 64, 111 f. Rn. 93; 140, 240, 278 Rn. 72; 149, 382, 391 f. Rn. 16; 150, 169, 180 Rn. 28[↩]
zu Lebens­zeit- und Ali­men­ta­ti­ons­prin­zip vgl. BVerfGE 119, 247, 263; 121, 205, 221; zu Treue­pflicht und Ali­men­ta­ti­ons­prin­zip vgl. BVerfGE 21, 329, 345; 44, 249, 264; 130, 263, 298; zu Treue- und Für­sor­ge­pflicht vgl. BVerfGE 9, 268, 286; fer­ner auch BVerfGE 71, 39, 59 f.[↩]
vgl. BVerfGE 39, 196, 200 f.; 121, 241, 261; 139, 64, 123 Rn. 123; 140, 240, 292 Rn. 106; 145, 1, 14 Rn. 32; 150, 169, 180 Rn. 28[↩]
vgl. BVerfGE 8, 1, 17; 44, 249, 264; 119, 247, 264; 148, 296, 347 Rn. 121; 364 Rn. 152[↩]
vgl. BVerfGE 44, 249, 265 f.; 99, 300, 315; 107, 218, 237; 114, 258, 288; 130, 263, 292; 139, 64, 111 f. Rn. 93; 140, 240, 278 Rn. 72; 149, 382, 392 Rn. 16[↩]
vgl. BVerfGE 99, 300, 321[↩][↩][↩]
vgl. BVerfGE 83, 89, 98; 117, 330, 350; 130, 52, 67; 139, 64, 111 f. Rn. 93; 140, 240, 278 Rn. 72[↩]
vgl. BVerfGE 8, 1, 22 f.; 114, 258, 288; 117, 372, 381; 121, 241, 261; 130, 263, 294; 139, 64, 112 Rn. 94; 140, 240, 278 f. Rn. 73[↩]
vgl. BVerfGE 81, 363, 375 f.; 130, 263, 294; 139, 64, 112 Rn. 94; 140, 240, 278 f. Rn. 73[↩]
vgl. BVerfGE 44, 249, 264 ff.; 117, 330, 352; 130, 263, 294; 139, 64, 112 Rn. 94; 140, 240, 278 f. Rn. 73[↩]
vgl. BVerfGE 117, 330, 352; 130, 263, 294; 139, 64, 112 Rn. 94; 140, 240, 279 Rn. 73[↩]
vgl. BVerfGE 139, 64, 112 Rn. 94; 140, 240, 279 Rn. 74[↩]
vgl. BVerfGE 103, 310, 320; 117, 330, 353; 121, 241, 261; 130, 263, 294; 139, 64, 112 Rn. 95; 140, 240, 279 Rn. 75[↩]
vgl. BVerfGE 65, 141, 148 f.; 103, 310, 319 f.; 110, 353, 364 f.; 117, 330, 353; 130, 263, 294 f.; 139, 64, 113 Rn. 96; 140, 240, 279 Rn. 75[↩]
vgl. BVerfGE 44, 249, 263, 267 f.; 114, 258, 288 f.; 130, 263, 295; 139, 64, 113 Rn. 96; 140, 240, 279 Rn. 75[↩]
vgl. BVerfGE 139, 64, 113 Rn. 97; 140, 240, 279 f. Rn. 76[↩]
vgl. BVerfGE 139, 64, 120 Rn. 116; 140, 240, 289 Rn. 99[↩]
vgl. BVerfGE 130, 263, 292 f.; 139, 64, 113 Rn. 98; 140, 240, 280 Rn. 77[↩]
vgl. BVerfGE 139, 64, 113 f. Rn. 98; 140, 240, 280 Rn. 77[↩]
vgl. BVerfGE 139, 64, 132 f. Rn. 148; für den Nomi­nal­lohn­in­dex BVerfGE 139, 64, 115 f. Rn. 104; 140, 240, 282 f. Rn. 83[↩]
vgl. BVerfGE 139, 64, 129 Rn. 135[↩]
vgl. BVerfGE 139, 64, 130 Rn. 141; 140, 240, 300 Rn. 125[↩]
vgl. BVerfGE 139, 64, 115 f. Rn. 104; 140, 240, 282 f. Rn. 83[↩][↩]
vgl. BVerfGE 139, 64, 114 Rn. 99; 140, 240, 281 Rn. 78[↩]
vgl. BVerfGE 114, 258, 293; 139, 64, 114 f. Rn. 100; 140, 240, 281 Rn. 79[↩]
vgl. BVerfGE 114, 258, 293 f.; 139, 64, 114 f. Rn. 100; 140, 240, 281 Rn. 79[↩]
vgl. BVerfGE 139, 64, 114 f. Rn. 100; 140, 240, 281 Rn. 79; 145, 304, 339 Rn. 110[↩]
vgl. BVerfGE 139, 64, 114 f. Rn. 100; 140, 240, 281 Rn. 79[↩]
vgl. BVerfGE 139, 64, 115 Rn. 101; 140, 240, 281 f. Rn. 80[↩]
vgl. BVerfGE 139, 64, 115 Rn. 102; 140, 240, 282 Rn. 81[↩]
vgl. BVerfGE 139, 64, 115 Rn. 103; 140, 240, 282 Rn. 82[↩]
vgl. BVerfGE 114, 258, 287; 119, 247, 269; 130, 263, 292[↩]
vgl. BVerfGE 107, 218, 238; 139, 64, 115 f. Rn. 104; 140, 240, 282 Rn. 83[↩]
vgl. BVerfGE 139, 64, 116 Rn. 105; 140, 240, 283 Rn. 84[↩]
vgl. BVerfGE 139, 64, 116 Rn. 106; 140, 240, 283 Rn. 85[↩]
vgl. BVerfGE 139, 64, 116 f. Rn. 107; 140, 240, 283 f. Rn. 86[↩][↩]
vgl. BVerfGE 8, 1, 14; 44, 249, 265 f.; 117, 330, 351; 119, 247, 269; 130, 263, 292[↩]
vgl. BVerfGE 44, 249, 275; 81, 363, 378; 99, 300, 316; 117, 330, 351 f.[↩]
vgl. BVerfGE 139, 64, 117 Rn. 108; 140, 240, 284 Rn. 87[↩]
vgl. BVerfGE 139, 64, 117 Rn. 109; 140, 240, 284 Rn. 88[↩]
vgl. BVerfGE 130, 263, 293 f.; 139, 64, 117 Rn. 110; 140, 240, 284 Rn. 89[↩]
vgl. BVerfGE 114, 258, 293; 117, 330, 355; 130, 263, 293; 139, 64, 118 Rn. 111; 140, 240, 284 f. Rn. 90[↩]
vgl. BVerfGE 130, 263, 293; 139, 64, 118 Rn. 111; 140, 240, 285 Rn. 90[↩]
vgl. BVerfGE 117, 330, 355; 139, 64, 118 Rn. 111; 140, 240, 285 Rn. 90[↩]
vgl. BVerfGE 145, 304, 328 f. Rn. 74 ff.; 150, 169, 183 f. Rn. 34, 191 Rn. 60[↩]
vgl. BVerfGE 139, 64, 118 Rn. 112; 140, 240, 286 Rn. 92[↩]
vgl. BVerfGE 81, 363, 378; 99, 300, 321 f.; 140, 240, 286 f. Rn. 93 f.[↩]
vgl. BVerfGE 81, 363, 382 f.; 99, 300, 321 f.; 140, 240, 286 f. Rn. 93 f.[↩]
vgl. BVerfGE 44, 249, 272 f.; 81, 363, 377 f.; 99, 300, 315 f.[↩]
vgl. BVerfGE 44, 249, 267; 81, 363, 376; 99, 300, 315[↩]
vgl. BVerfGE 140, 240, 287 Rn. 94[↩][↩]
vgl. BVerfGE 125, 175, 221 ff.; 137, 34, 72 Rn. 74[↩]
vgl. BVerfGE 66, 214, 223; 68, 143, 153; 82, 60, 88; 87, 153, 172; 99, 246, 260; 99, 300, 1. Leit­satz[↩]
vgl. BVerfGE 99, 246, 261[↩]
vgl. BVerfGE 82, 60, 91; 99, 246, 261[↩]
vgl. BVerfGE 120, 125, 160[↩]
vgl. BVerfGE 87, 153, 172[↩][↩]
vgl. BVerfGE 44, 249, 269 f.; 70, 69, 81[↩]
vgl. BVerfGE 81, 363, 375 f.; 99, 300, 315, 321[↩]
vgl. BVerfGE 99, 246, 265[↩]
vgl. BVerfGE 82, 60, 78 f.[↩]
vgl. BVerfGE 137, 34, 75 f. Rn. 82 ff.[↩]
vgl. BVerfGE 117, 330, 355; 130, 263, 302; 137, 34, 76 Rn. 85; 146, 164, 197 Rn. 85[↩]
vgl. BSG, Urteil vom 07.11.2006 – B 7b AS 18/​06 R, Rn.20[↩]
vgl. BSG, Urteil vom 19.10.2010 – B 14 AS 2/​10 R, Rn. 18 m.w.N.[↩]
vgl. BSG, Urteil vom 01.06.2010 – B 4 AS 60/​09 R, Rn. 18 ff. unter Ver­weis auch auf Art. 3 Abs. 1 i.V.m. Art. 11 Abs. 1 GG[↩]
vgl. BSG, Urteil vom 16.05.2012 – B 4 AS 109/​11 R, Rn. 18[↩]
vgl. BSG, Urteil vom 22. Sep­tem- ber 2009 – B 4 AS 18/​09 R, Rn. 17 ff.[↩]
vgl. BSG, Urteil vom 11.12.2012 – B 4 AS 44/​12 R, Rn. 21 ff.[↩]
vgl. hier­zu BVerfGE 117, 330, 345 ff.[↩]
vgl. BVerfGE 107, 218, 238, 243 ff.; 117, 330, 350 f.[↩]
vgl. BSG, Urteil vom 20.08.2009 – B 14 AS 41/​08 R, Rn. 30; Urteil vom 12.06.2013 – B 14 AS 60/​12 R, Rn. 22[↩]
vgl. BVerfGE 137, 34, 95 ff. Rn. 130 ff.[↩]
BT-Drs. 16/​11065, S. 5; 17/​5550, S. 5; 17/​11425, S. 5[↩]
vgl. BVerfGE 44, 249, 272[↩]
vgl. BVerfGE 99, 300, 321; 139, 39, 112 Rn. 93; 140, 240, 278 Rn. 72[↩]
vgl. Anla­ge I zum LBesG BE, Vor­be­mer­kung Ziff. 2[↩]
vgl. BVerfGE 140, 240, 286 f. Rn. 94 f.; vgl. auch BT-Drs. 18/​9533, S. 36 f.[↩]
vgl. BVerfGE 120, 125, 161[↩]
vgl. BVerfGE 123, 186, 249[↩]
vgl. BVerfGE 99, 300, 315, 321[↩]
vgl. BVerfGE 139, 64, 118 f. Rn. 113; 140, 240, 287 f. Rn. 96[↩]
vgl. BVerfGE 30, 90, 103; 93, 319, 348 f.[↩]
vgl. BVerfGE 139, 64, 119 Rn. 113; 140, 240, 288 Rn. 96[↩]
vgl. BVerfGE 150, 169, 182 Rn. 30; stRspr[↩]
vgl. BVerfGE 114, 258, 293 f.; 117, 330, 354; 119, 247, 268; 130, 263, 293 f.; 139, 64, 119 Rn. 114; 140, 240, 288 Rn. 97[↩]
vgl. BVerfGE 139, 64, 124 Rn. 124; 140, 240, 293 Rn. 107[↩]
vgl. BVerfGE 139, 64, 119 f. Rn. 114; 140, 240, 288 Rn. 97[↩]
vgl. BVerfGE 139, 64, 120 Rn. 115; 140, 240, 289 Rn. 98[↩]
vgl. BVerfGE 139, 64, 120 f. Rn. 116; 140, 240, 289 Rn. 99[↩]
vgl. BVerfGE 44, 249, 265; 99, 300, 315; 114, 258, 288; 130, 263, 292; 139, 64, 120 f. Rn. 116; 140, 240, 289 Rn. 99[↩]
vgl. BVerfGE 139, 64, 121 Rn. 116; 140, 240, 290 Rn. 99[↩]
vgl. BVerfGE 139, 64, 121 Rn. 118; 140, 240, 290 Rn. 100[↩]
vgl. BVerfGE 119, 247, 264; 139, 64, 121 Rn. 119; 140, 240, 291 Rn. 104; 150, 169, 181 Rn. 29[↩]
vgl. BVerfGE 130, 263, 299; 139, 64, 121 Rn. 119; 140, 240, 291 Rn. 104[↩]
vgl. BVerfGE 12, 81, 88; 55, 372, 391 f.; 139, 64, 121 f. Rn. 120[↩]
vgl. BVerfGE 4, 331, 346; 14, 56, 70; 17, 252, 259; 18, 241, 255; 26, 186, 198 f.; 42, 206, 209; 87, 68, 85; 139, 64, 121 f. Rn. 120[↩]
vgl. BVerfGE 26, 141, 155 f.[↩]
vgl. BVerfGE 107, 257, 274 f.; 139, 64, 122 Rn. 121; vgl. zur inter­na­tio­na­len Per­spek­ti­ve zuletzt die Stu­die der Euro­pean Com­mis­si­on for the Effi­ci­en­cy of Jus­ti­ce „Euro­pean judi­cial sys­tems – Effi­ci­en­cy and qua­li­ty of jus­ti­ce“ des Euro­pa­ra­tes Nr. 26, 2018; Daten von 2016, wonach sich die Rich­ter­be­sol­dung in Deutsch­land wie schon in den Vor­jah­ren ver­gli­chen mit dem durch­schnitt­li­chen Brut­to­jah­res­ge­halt am unte­ren Ende aller Mit­glied­staa­ten des Euro­pa­ra­tes bewegt[↩]
vgl. BVerfGE 114, 258, 294; 130, 263, 292; 150, 169, 182 Rn. 30[↩]
vgl. BVerfGE 139, 64, 121 Rn. 117[↩]
vgl. BVerfGE 114, 258, 293 f.; 117, 330, 354; 119, 247, 268; 130, 263, 293 f.; 139, 64, 124 Rn. 124; 140, 240, 293 Rn. 107[↩]
vgl. BVerfGE 130, 263, 294; 139, 64, 124 Rn. 124; 140, 240, 293 Rn. 107[↩]
vgl. BVerfGE 139, 64, 122 f. Rn 122; 140, 240, 291 f. Rn. 105[↩]
vgl. BVerfGE 83, 89, 99; 106, 225, 232[↩]
vgl. BVerfGE 83, 89, 98; 106, 225, 233; 139, 64, 122 f. Rn. 122; 140, 240, 291 f. Rn. 105[↩]
vgl. BVerfGE 117, 330, 351 f.; 139, 64, 122 f. Rn. 122; 140, 240, 291 f. Rn. 105[↩]
vgl. BVerfGE 58, 68, 78; 106, 225, 233; 139, 64, 122 f. Rn. 122; 140, 240, 291 f. Rn. 105[↩]
vgl. BVerfGE 139, 64, 122 f. Rn. 122; 140, 240, 291 f. Rn. 105[↩]
vgl. BVerfGE 114, 258, 298[↩]
vgl. BVerfGE 76, 256, 298; 114, 258, 298[↩]
vgl. BVerfGE 39, 196, 202; 114, 258, 298[↩]
vgl. BVerfGE 105, 73, 115, 125; 114, 258, 298[↩]
vgl. BVerfGE 139, 64, 123 f. Rn. 123; 140, 240, 291 f. Rn. 105[↩]
vgl. BVerfGE 139, 64, 124 f. Rn. 125; 140, 240, 293 f. Rn. 108[↩]
vgl. Kube, in: Maunz/​Dürig, GG, Art. 143d Rn. 16 mit Ver­weis auf BT-Drs. 16/​12410, S. 13; Rei­mer, in: Epping/​Hillgruber, Beck­OK GG, Art. 143d Rn. 9[↩]
vgl. BVerfGE 139, 64, 125 f. Rn. 127; 140, 240, 294 f. Rn. 110; 145, 304, 325 f. Rn. 68; 149, 382, 394 Rn.19[↩][↩]
vgl. BVerfGE 129, 124, 170; 132, 195, 245[↩]
vgl. BVerfGE 44, 249, 264 f.; 76, 256, 311; 99, 300, 320; 114, 258, 291; 117, 372, 388; 139, 64, 125 f. Rn. 127; 140, 240, 294 f. Rn. 110; 145, 304, 325 f. Rn. 68; 149, 382, 394 Rn.19; stRspr[↩]
vgl. BVerfGE 139, 64, 125 f. Rn. 127; 140, 240, 294 f. Rn. 110; 145, 304, 325 f. Rn. 68; 149, 382, 394 f. Rn.19[↩]
vgl. BVerfGE 149, 382, 399 Rn. 28[↩]
vgl. BVerfGE 149, 382, 395 Rn.19[↩]
vgl. BVerfGE 130, 263, 295 f.; 139, 64, 126 Rn. 128; 140, 240, 295 f. Rn. 111 m.w.N.[↩]
vgl. BVerfGE 76, 256, 311; 114, 258, 288 f.; 139, 64, 126 Rn. 128; 140, 240, 295 f. Rn. 111[↩]
vgl. BVerfGE 44, 249, 264 f.; 76, 256, 311; 81, 363, 378; 99, 300, 320; 114, 258, 291; 117, 372, 388; stRspr[↩]
vgl. BVerfGE 76, 256, 311; 114, 258, 291 f.[↩]
vgl. BVerfGE 139, 64, 126 Rn. 128; 140, 240, 295 f. Rn. 111[↩]
vgl. BVerfGE 149, 382, 395 Rn. 20[↩]
vgl. BVerw­GE 161, 297, 303 Rn. 19[↩]
vgl. BVerfGE 130, 263, 302; 139, 64, 127 Rn. 130; 140, 240, 296 Rn. 113; 149, 382, 395 Rn. 21[↩]
vgl. BVerfGE 130, 263, 302; 139, 64, 126 f. Rn. 129; 140, 240, 296 Rn. 112; 149, 382, 395 Rn. 21[↩]
vgl. BVerfGE 130, 263, 301[↩]
vgl. BVerfGE 139, 64, 127 Rn. 130; 140, 240, 296 Rn. 113; 149, 382, 395 f. Rn. 21; vgl. auch BVerfGE 76, 107, 121 f.; 101, 158, 216 ff.; anders für das Grund­recht auf Gewähr­leis­tung eines men­schen­wür­di­gen Exis­tenz­mi­ni­mums aus Art. 1 Abs. 1 GG i.V.m. Art.20 Abs. 1 GG: BVerfGE 132, 134, 162 f. Rn. 70; 137, 34, 73 f. Rn. 77; für das Grund­recht der Wis­sen­schafts­frei­heit aus Art. 5 Abs. 3 Satz 1 GG: BVerfGE 139, 148, 180 Rn. 61; für die Dar­le­gung der Erfor­der­lich­keit einer bun­des­ge­setz­li­chen Rege­lung im Sin­ne des Art. 72 Abs. 2 GG: BVerfGE 140, 65, 79 f. Rn. 33; und für die all­ge­mein an den Gesetz­ge­ber bezüg­lich einer Sach­auf­klä­rung zu stel­len­den Anfor­de­run­gen: BVerfGE 143, 246, 343 f. Rn. 274[↩]
BGBl I S. 2229[↩]
BGBl I S.1942[↩]
BGBl I S. 590[↩]
BGBl I S. 2026[↩]
BGBl I S. 2198[↩]
BGBl I S. 1798[↩]
vgl. BVerfGE 139, 64, 128 Rn. 134[↩]
vgl. BVerfGE 139, 64, 129 Rn. 135; 140, 240, 300 Rn. 122[↩]
vgl. BVerfGE 139, 64, 132 f. Rn. 148[↩]
vgl. Boch­mann, ZTR 2011, S. 459, 460[↩]
vgl. Boch­mann, ZTR 2011, S. 459, 462[↩]
vgl. Boch­mann, ZTR 2011, S. 459, 464 ff.[↩]
vgl. BVerfGE 139, 64, 131 Rn. 144[↩]
GVBl S. 70[↩]
vgl. BVerfGE 81, 363, 380; 99, 300, 320[↩]
vgl. BVerfGE 139, 64, 134 Rn. 151; 135 f. Rn. 153 ff.[↩]
vgl. BVerfGE 139, 39, 121 Rn. 117[↩]
vgl. BVerfGE 139, 64, 136 f. Rn. 158[↩]
vgl. BVerfGE 149, 382, 395 Rn. 19[↩]
BGBl I S. 2702[↩]
vgl. BVerfGE 139, 64, 146 Rn.194; 140, 240, 315 f. Rn. 169; 150, 169, 192 Rn. 63 m.w.N.[↩]
vgl. BVerfGE 139, 64, 148 Rn.195; 140, 240, 316 Rn. 170; 150, 169, 193 Rn. 64 m.w.N.[↩]
vgl. BVerfGE 139, 64, 148 Rn.195; 140, 240, 316 Rn. 170; 150, 169, 193 Rn. 64[↩]
Das Kon­tra­zep­ti­vum als Arz­nei­mit­tel – und die Bei­hil­fe Kon­tra­zep­ti­va, deren arz­nei­mit­tel­recht­li­che Zulas­sung auf die Emp­fäng­nis­ver­hü­tung beschränkt ist, kön­nen nach der Säch­si­schen Bei­hil­fe­ver­ord­nung bei­hil­fe­fä­hig sein, wenn sie aus Anlass einer Krank­heit ver­ord­net wer­den. Das…