Source: http://www.360report.org/de/artikel/faq-csr-berichtspflicht.html
Timestamp: 2018-10-15 08:16:41
Document Index: 226348877

Matched Legal Cases: ['§ 264', '§ 2', '§ 2', '§ 290', '§ 170', '§ 111']

FAQ zur CSR-Berichtspflicht in Deutschland und Österreich
09:52 - 09.05.2017
Im März ist das CSR-Richtlinie-Umsetzungsgesetz rückwirkend zum 01.01.2017 offiziell in Kraft getreten. Nach wie vor sind aber bei vielen Unternehmen Fragen offen: Wer ist vom Gesetz betroffen? Welche Themen muss der CSR-Bericht beinhalten? Welche Sanktionen drohen bei Nicht-Erfüllung der Berichtspflicht? Wir haben hier übersichtlich noch einmal die wesentlichen Punkte für Deutschland und Österreich zusammengefasst.
[Letztes Update dieses Artikels: 22.01.2018]
Was ist ein CSR-Bericht?
Ein CSR-Bericht verschafft Share- und Stakeholdern Einblick in die Management-Strategie von Unternehmen. Berichtet wird über Risiken und Folgen hinsichtlich ökologischer, sozialer und mitarbeiterrelevanter Aspekte. Darüber hinaus beinhaltet ein CSR-Bericht Informationen zur Haltung gegenüber Korruption und Bestechung.
Was ist die CSR-Berichtspflicht?
Im Oktober 2014 wurde die CSR-Richtlinie, genauer gesagt die Richtlinie 2014/95/EU “zur Änderung der Richtlinie 2013/34/EU im Hinblick auf die Angabe nichtfinanzieller und die Diversität betreffender Informationen durch bestimmte große Unternehmen und Gruppen” vom Europäischen Parlament und dem Europäischen Rat beschlossen. Durch die Mitgliedsländer der EU musste die Richtlinie bis zum 6. Dezember 2016 in nationales Gesetz umgesetzt werden.
In Deutschland erfolgte die Umsetzung der Richtlinie als “CSR-Richtlinie-Umsetzungsgesetz” (CSR-RUG) durch Änderungen im Handelsgesetzbuch (HGB).
In Österreich erfolgte die Umsetzung analog durch das “Nachhaltigkeits- und Diversitätsverbesserungsgesetz” (NaDiVeG), genannt “NFI-Richtlinie”. Hier erfolgten die Änderungen im Unternehmensgesetzbuch (UGB), im Aktiengesetz und im GmbH-Gesetz.
Was ist das Ziel der Berichtspflicht?
Nichtfinanzielle Informationen stellen einen immer wichtiger werdenden Bereich der Unternehmenskommunikation dar. Anspruchsgruppen wie Investoren, Unternehmen, die Politik oder die Verbraucher verlangen transparente Informationen über die Geschäftstätigkeit von Unternehmen, die über die rein finanziellen Kennzahlen hinausgehen. Das sind beispielsweise Informationen über ökologische und soziale Auswirkungen der Geschäftstätigkeit, die übergeordnet dem Begriff “Nachhaltigkeit” zugeordnet werden können. Gleichzeitig sollen diese Informationen eine wichtigere Rolle für unternehmensinterne Entscheidungen spielen und damit als Hebel für die nachhaltige Entwicklung im Unternehmen dienen.
Ab wann gilt die CSR-Berichtspflicht?
In Deutschland wurde die Frist zur Umsetzung der CSR-Berichtspflicht (6. Dezember 2016) nicht eingehalten. Erst am 9. März 2017 wurde das Gesetz durch den Bundestag beschlossen und am 31. März 2017 durch den Bundesrat angenommen. Dennoch tritt das Gesetz rückwirkend zum 1. Januar 2017 in Kraft und wird erstmals wirksam für Geschäftsjahre, die nach dem 31. Dezember 2016 beginnen.
Die gleiche Gültigkeit besteht auch in Österreich, wo das NaDiVeG Mitte Dezember 2016 vom Nationalrat beschlossen und am 17. Januar 2017 offiziell kundgemacht wurde.
Welche Unternehmen sind von der Berichtspflicht betroffen?
Folgende Rechtsformen sind sowohl in Deutschland als auch in Österreich betroffen:
Kapitalmarktorientierte Kapitalgesellschaften wie AGs, KGaAs, SEs - unabhängig von der Branche
Kapitalmarktorientierte haftungsbeschränkte Personenhandelsgesellschaften wie bspw. bestimmte GmbH & Co. KGs - unabhängig von der Branche
Kreditinstitute - unabhängig von der Rechtsform, da sie zu den Unternehmen von öffentlichem Interesse zählen
Versicherungsunternehmen - unabhängig von der Rechtsform, da sie zu den Unternehmen von öffentlichem Interesse zählen
Es sind nur Unternehmen der oben genannten Unternehmens- und Rechtsformen betroffen, die an jeweils zwei hintereinander liegenden Abschlussstichtagen:
im Jahresdurchschnitt mehr als 500 Arbeitnehmer beschäftigen
eine Bilanzsumme von mehr als 20 Mio. oder
einen Umsatz von mehr als 40 Mio. Euro ausweisen
In Deutschland wird von circa 550 direkt betroffenen Unternehmen ausgegangen, in Österreich von circa 120.
Wann ist ein Unternehmen "kapitalmarktorientiert"?
In Deutschland ist eine Gesellschaft gemäß § 264d HGB kapitalmarktorientiert, wenn sie einen organisierten Markt im Sinn des § 2 Abs. 5 des Wertpapierhandelsgesetzes durch von ihr ausgegebene Wertpapiere im Sinn des § 2 Absatz 1 des Wertpapierhandelsgesetzes in Anspruch nimmt oder die Zulassung solcher Wertpapiere zum Handel an einem organisierten Markt beantragt hat. Typische Wertpapiere sind Aktien, andere Anteile an juristischen Personen und Schuldtitel wie Genussscheine und Inhaberschuldverschreibungen.
Müssen Tochterunternehmen berichten?
Tochterunternehmen sind von der Berichtspflicht zu nichtfinanziellen Kennzahlen befreit, wenn diese Kennzahlen in den Lagebericht des Mutterkonzerns einbezogen sind. Das gilt auch für den Fall, dass der Mutterkonzern in einem Mitgliedstaat außerhalb der EU sitzt. Die Voraussetzung ist jedoch, dass das Mutterunternehmen einen nichtfinanziellen Bericht öffentlich zugänglich macht, der die Anforderungen der europäischen CSR-Richtlinie erfüllt.
Dennoch müssen in diesem Fall die Tochterunternehmen systematisch CSR-Daten sammeln und dem Mutterkonzern für dessen Bericht zur Verfügung stellen.
Außerdem muss das befreite Tochterunternehmen in seinem Lagebericht auf die Befreiung hinweisen und eindeutig angeben, welches Mutterunternehmen den Konzernlagebericht oder den gesonderten nicht finanziellen Konzernbericht öffentlich zugänglich gemacht hat oder machen wird. Hierdurch soll die Auffindbarkeit in mehrstufigen Konzernen ermöglicht werden.
Tochterunternehmen sind in Deutschland gemäß § 290 HGB definiert. Demzufolge sind Tochterunternehmen von einer Muttergesellschaft abhängige Kapitalgesellschaften, überwiegend GmbHs oder AGs, deren Kapital zum großen Teil, meist 100 Prozent, im Besitz der herrschenden Gesellschaft sind.
Wenn der Mutterkonzern den Bericht erstellt, müssen also die Tochtergesellschaften Daten erfassen. Dies muss nach dem Recht der Bundesrepublik Deutschland erfolgen, auch wenn ein Teil der einbezogenen Tochterunternehmen ihren Sitz im Ausland haben.
Müssen Unternehmen berichten, die nur in der Gesamtheit von Muttergesellschaft und Tochterunternehmen mehr als 500 Mitarbeiter aufweisen?
Ja, auch dann ist der Konzern von der Berichtspflicht betroffen, da nur die Gesamtmitarbeiterzahl über alle Unternehmen relevant ist, auch wenn die Tochtergesellschaften GmbHs sind. Die Mitarbeiterzahl wird also kumuliert betrachtet. Die Gesamtmitarbeiterzahl umfasst auch Tochterunternehmen mit Sitz im Ausland.
Beispiel: Das Mutterunternehmen fällt unter die Berichtspflicht, da sie eine AG ist. Sie hat jedoch nur 200 Mitarbeiter. Zur Muttergesellschaft gehören 10 Tochtergesellschaften mit der Rechtsform GmbH mit jeweils 50 Mitarbeitern. Da die Mitarbeiterzahl kumuliert über die gesamte Gruppe betrachtet wird, ist mit den insgesamt 700 Mitarbeitern also die Grenze von 500 Mitarbeitern überstiegen und damit unterliegt die Gruppe der Berichtspflicht.
Wie weit reicht die Berichterstattung über die Lieferkette?
In der nichtfinanziellen Erklärung sind auch Angaben zu den wesentlichen Risiken zu machen, die mit mit den Geschäftsbeziehungen des Unternehmens zusammenhängen. Dadurch steigt die Bedeutung der Lieferkette für die öffentliche Wahrnehmung des berichtenden Unternehmens. Wenn das Unternehmen aufgrund seines Geschäftsmodells wesentlich von Zulieferern für seine Produkte und Dienstleistungen abhängt, wird empfohlen anzugeben, bis zu welcher Tiefe die Lieferanten einbezogen werden. Es ist jedoch darauf zu achten, dass der Verwaltungsaufwand bei den Lieferanten verhältnismäßig bleibt.
Es ist also davon auszugehen, dass berichtspflichtige Unternehmen ihre Lieferkette und damit kleine und mittlere Unternehmen (KMU) stärker einbeziehen werden. Das kann in der Praxis dazu führen, dass auch Zulieferer Informationen zu CSR sammeln müssen, um sie ihren Abnehmern zur Verfügung stellen zu können. Beispielsweise hat BMW bereits feste Nachhaltigkeitsstandards für das Lieferantenmanagement implementiert, demzufolge alle Lieferanten Informationen zu Nachhaltigkeitsaspekten offenlegen müssen. Durch Kaskadeneffekte werden sich also mittelfristig sehr viel mehr nicht direkt verpflichtete Unternehmen, innerhalb der Wertschöpfungsketten großer Unternehmen aktiver mit dem Thema auseinandersetzen müssen.
Welche Themenfelder muss ein Nachhaltigkeitsbericht beinhalten?
Von der EU-Richtlinie und der deutschen Umsetzung werden keine konkreten inhaltlichen Vorgaben gemacht. Es werden lediglich fünf Themenfelder (genannt Aspekte) vorgegeben, zu denen berichtet werden muss. Innerhalb der Aspekte schlägt der Regierungsentwurf nur Beispiele vor:
Umweltbelange: beispielsweise Angaben zu Treibhausgasemissionen, Wasserverbrauch, Luftverschmutzung, Nutzung von erneuerbaren und nicht erneuerbaren Energien oder den Schutz der biologischen Vielfalt
Arbeitnehmerbelange: beispielsweise Angaben zu den Maßnahmen, die zur Gewährleistung der Geschlechtergleichstellung ergriffen wurden; die Arbeitsbedingungen; die Umsetzung der grundlegenden Übereinkommen der Internationalen Arbeitsorganisation; die Achtung der Rechte der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, informiert und konsultiert zu werden; den sozialen Dialog; die Achtung der Rechte der Gewerkschaften; den Gesundheitsschutz oder die Sicherheit am Arbeitsplatz
Sozialbelange: beispielsweise Angaben zum Dialog auf kommunaler oder regionaler Ebene oder auf die zur Sicherstellung des Schutzes und der Entwicklung lokaler Gemeinschaften ergriffenen Maßnahmen
Menschenrechte: beispielsweise Angaben über die Vermeidung von Menschenrechtsverletzungen
Korruption und Bestechung: beispielsweise Angaben zu bestehenden Instrumenten zur Bekämpfung von Korruption und Bestechung
Welche Informationen müssen veröffentlicht werden?
Betroffene Unternehmen müssen für jeden der oben genannten Aspekte eine Erklärung über das Verständnis des Geschäftsverlaufs, das Geschäftsergebnis, die Lage der Kapitalgesellschaft sowie die Auswirkungen aller Tätigkeiten erstellen, die Folgendes umfasst:
Beschreibung der vom Unternehmen verfolgten Konzepte, inklusive der angewandten Due-Diligence-Prozesse - das entspricht den "Managementansätzen" bei GRI
Ergebnisse dieser Konzepte ("Managementansätze")
Wesentliche Risiken, die mit der Geschäftstätigkeit (falls relevant auch mit den Geschäftsbeziehungen, den Produkten und Dienstleistungen) verknüpft sind, und die Handhabung dieser Risiken
Die wichtigsten nichtfinanziellen Leistungsindikatoren, die für die Geschäftstätigkeit von Bedeutung sind (beispielsweise die klassischen GRI- oder EFFAS-Indikatoren)
Soweit für das Verständnis erforderlich, Hinweise auf im Lagebericht enthalte Beiträge und zusätzliche Erläuterungen hierzu
Eine Übersicht mit Abgleich des HGB, welche konkreten Angaben und Indikatoren Sie beim Nachhaltigkeitsstandard "GRI Standards" berichten müssen, um die gesetzlichen Anforderungen zu erfüllen, finden Sie HIER.
Muss alles zu den vorgenannten Themen berichtet werden?
Nein, es muss nicht alles berichtet werden, denn das Gesetz folgt dem Ansatz „Comply or Explain“. Sollte ein Unternehmen keine klare Strategie, bezogen auf einen oder mehrere der oben genannten Belange verfolgen, so muss es erläutern, warum dies so ist. Dazu gehören auch Ausnahmesituationen wie beispielsweise Geschäftsgeheimnisse oder Informationen, die aus Gründen des Wettbewerbs nicht veröffentlicht werden können.
Wie detailliert muss der Nachhaltigkeitsbericht sein?
Es muss nur insoweit berichtet werden, wie es für das Verständnis des Geschäftsverlaufs, der Lage und Entwicklung der Gesellschaft sowie der Auswirkungen der Geschäftstätigkeit für nichtfinanzielle Belange erforderlich ist. Jedoch sind Angaben zu jedem einzelnen der oben genannten Aspekte erforderlich.
Muss über nachteilige Aspekte berichtet werden?
Ja, es muss auch über nachteilige bzw. negative Belange berichtet werden. Dies gilt für Ergebnisse in der Vergangenheit auch wenn sie einen erheblichen Nachteil für das Unternehmen bedeuten können wie z.B. Reputationsschäden. Nachteilige Angaben dürfe nur unterbleiben wenn alle drei folgenden Punkte erfüllt sind:
Die Angaben betreffen künftige Entwicklungen oder Belange, über die Verhandlungen geführt werden
Die Angaben sind nach vernünftiger kaufmännischer Beurteilung der Geschäftsführung bzw. des Vorstands geeignet , dem Unternehmen einen erheblichen Nachteil zuzufügen
Das Weglassen der Angaben ein den tatsächlichen Verhältnissen entsprechendes Verständnis des des Geschäftsverlaufs, des Geschäftsergebnisses, der Lage des Unternehmen und der Auswirkungen ihrer Tätigkeit nicht verhindert
Sobald einer der Punkte nicht mehr zutrifft, muss die Berichterstattung über diese Angaben künftig nachgeholt werden.
Gibt es Unterschiede zwischen der nationalen Richtlinie und der EU-Richtlinie?
In Deutschland und Österreich wurde die EU-Richtlinie eins zu eins umgesetzt und es gibt keine Verschärfungen bei den geforderten Inhalten.
Was wird in der Abschlussprüfung geprüft?
Es ist keine inhaltliche Abschlussprüfung des Nachhaltigkeitsberichts durch Dritte notwendig. Bei der Abschlussprüfung wird wird nur geprüft, ob eine Erklärung bzw. der gesonderte Bericht vorliegt, nicht jedoch die Richtigkeit und Vollständigkeit Um die Prüfungspflicht zu erfüllen, wird kein externer Prüfer benötigt, sie kann auch intern erfolgen.
Wenn jedoch der Bericht freiwillig inhaltlich durch einen Externen (wie Abschlussprüfer oder anderen unabhängigen Erbringer von Bestätigungsleistungen) überprüft wird, müssen die Prüfungsergebnisse erst ab dem Geschäftsjahr 2019 auch veröffentlicht werden.
Siehe jedoch auch nächsten Punkt, wenn der Aufsichtsrat Dritte mit der Prüfung beauftragt.
Was prüft der Aufsichtsrat?
Hier ist eine Besonderheit der Umsetzung in deutsches und österreichisches Recht wichtig, die nicht durch die EU-Richtlinie vorgesehen war:
Der Aufsichtsrat prüft gemäß §§ 170, 171 AktG die rechtmäßige, ordnungsgemäße und zweckmäßige Berichterstattung der nichtfinanziellen Informationen. Das bedeutet eine inhaltliche Prüfungspflicht des Aufsichtsrats. Dabei muss er sich kritisch mit den Risiken, den verfolgten Konzepten und den erreichten Ergebnissen auseinandersetzen. Das beinhaltet also auch die Vertrautmachung mit dem Managementansatz als auch das Verstehen der Prozesse der Datenerhebung und genutzten Methoden und Verfahren. Beispielhaft zu überprüfende Themen sind die Verifizierung von CO2-Bilanzen, die gesetzten Ziele zur Abfallvermeidung oder rechtliche Anforderungen zur Korruptionsbekämpfung.
Da der Aufsichtsrat damit vor einer großen Herausforderung steht, hat der Gesetzgeber in § 111 Abs. 2 AktG die Möglichkeit geschaffen, sich dabei durch externe Sachverständige (Wirtschaftsprüfer) unterstützen lassen oder auch eine externe inhaltliche Überprüfung zu beauftragen. Der genaue Umfang der Prüfung ist mit dem Wirtschaftsprüfer abzustimmen, es ist zu erwarten, dass eine „prüferische Durchsicht“ („Limited Assurance“) normalerweise ausreicht. Die „prüferische Durchsicht“ ist deutlich weniger umfangreich als die „Prüfung“ („Reasonable Assurance“) und fokussiert sich auf die Überprüfung der Plausibilität des Berichts.
Weitere Informationen zur Prüfung der nichtfinanziellen Berichterstattung durch den Aufsichtsrat finden Sie bei der Financial Experts Association (FEA) unter folgendem Link.
Muss das Ergebnis der Prüfung auf der Hauptversammlung vorgestellt werden?
Ja, der Aufsichtsrat muss in seiner Information über die Prüfung in seinem Bericht an die Hauptversammlung darauf eingehen. Wenn die Veröffentlichung des gesonderten nichtfinanziellen Berichts erst nach der Hauptversammlung erfolgen sollte, muss im Folgejahr darüber berichtet werden.
Drohen Sanktionen, wenn die CSR Berichtspflicht nicht erfüllt wird?
Bei Nichterfüllung des Gesetzes können Bußgelder von maximal 10 Mio. Euro, abhängig von Umsatz und Gewinn, verhängt werden. Damit ist die deutsche Gesetzgebung weit über die Mindestvorgaben der EU hinausgegangen.
Welche formalen Kriterien gelten für die Berichterstattung?
In welchem Format kann der CSR-Bericht veröffentlicht werden?
Das Unternehmen kann zwischen drei Möglichkeiten wählen. Der Bericht über die nichtfinanziellen Kennzahlen, kann
als Erweiterung des (Konzern-)Lageberichts im Geschäftsbericht veröffentlicht werden (Integrierte Berichterstattung) oder
als separater Bericht (Nachhaltigkeitsbericht) außerhalb des (Konzern-)Lageberichts zeitgleich mit dem Lagebericht im Bundesanzeiger oder
als separater Bericht (Nachhaltigkeitsbericht) außerhalb des (Konzern-)Lageberichts in Deutschland bis spätestens vier Monate nach Bilanzstichtag veröffentlicht werden. Dabei muss jedoch im Lagebericht mittels eines Verweises darüber informiert werden, wo der separate Nachhaltigkeitsbericht auf der Internetseite des Unternehmens zu finden sein wird.
Zu 1.: Wenn nicht-finanziellen Angaben in den Lagebericht aufgenommen werden sollen, erfordert dies eine hohe Daten- und Prozesssicherheit. Dies ist also der schwerste Weg, jedoch zeigt diese Form der "integrierten Berichterstattung" einen hohen Stellenwert von Nachhaltigkeit im Unternehmen.
In welcher Sprache muss der Bericht veröffentlicht werden?
Grundsätzlich sind in Deutschland und Österreich jeweils Deutsch und Englisch als Publikationssprachen möglich.
Wann muss der Bericht veröffentlicht werden?
Das Gesetz findet erstmals Anwendung für alle Geschäftsjahre, die nach dem 31.12.2016 beginnen.
Die nichtfinanzielle Erklärung muss gemäß der deutschen Gesetzgebung vier Monate nach Bilanzstichtag veröffentlicht werden. Dies bedeutet eine deutliche Verkürzung im Vergleich zum Gesetzentwurf, in dem eine Frist von sechs Monaten vorgesehen war. Unternehmen sollten also nicht erst Anfang 2018 mit den Vorbereitungen beginnen, denn dann wird die Zeit für die Erfüllung der Pflichten nicht mehr ausreichen.
In Österreich kann die Veröffentlichung des gesonderten Berichts bis zu neun Monate nach Bilanzstichtag erfolgen.
Welche Standards können verwendet werden?
Das Gesetz schreibt nur vor, dass die Berichterstattung anhand von nationalen, europäischen oder internationalen Rahmenwerken erfolgen soll, jedoch wird kein einzelner Standard vorgeschrieben. Es werden einige Rahmenwerke genannt wie die ILO Kernarbeitsnormen, EMAS, ISO 14001, OECD Leitsätze für multinationale Unternehmen, VN Leitprinzipien für Wirtschaft und Menschenrechte, die ISO 26000, CDP (ehemals Carbon Disclosure Project), die Dreigliedrige Grundsatzerklärung über multinationale Unternehmen und Sozialpolitik der Internationalen Arbeitsorganisation. Jedoch umfassen diese genannten Rahmenwerke alle nur Teilbereiche. Das Unternehmen muss darlegen, ob ein Rahmenwerk genutzt wurde und wenn ja, welches. Wenn kein Rahmenwerk verwendet wurde, muss diese Entscheidung aussagekräftig begründet werden.
Für eine konsistente Darstellung empfehlen wir deshalb, sich auf eines der beiden folgenden Rahmenwerke festzulegen, da damit alle Vorgaben des Gesetzes sicher erfüllt werden können.
Global Reporting Initiative (GRI) mit ihren Leitlinien G4 bzw. dem Nachfolger “GRI Standards”, der ab dem 01. Juli 2018 die bisherigen Leitlinien GRI G4 ablöst
Auf Basis von DNK oder GRI wurden auch zahlreiche branchenspezifische Ergänzungen entwickelt, die auf den Basisstandards aufbauen, aber noch besser auf die jeweilige Branche eingehen. Für den DNK wurden beispielsweise bisher branchenspezifische Ergänzungen für die Sparkassen, Banken, Wohnungswirtschaft, Ernährungsindustrie oder Abfallwirtschaft und Stadtreinigung entwickelt. Diese Art von Rahmenwerken können natürlich auch genutzt werden. Alle diese Rahmenwerke können Sie selbstverständlich auch in unserer Nachhaltigkeitssoftware 360report nutzen.
Einen übersichtlichen Vergleich der beiden Berichtsstandards DNK und GRI finden Sie HIER.
Eine Übersicht, welche konkreten Angaben und Indikatoren Sie bei GRI Standards berichten müssen, um die gesetzlichen Anforderungen zu erfüllen, finden Sie HIER.
Wer beispielsweise schon ein Umweltmanagementsystem wie EMAS oder ISO 14001 oder ein Energiemanagementsystem wie ISO 50001 nutzt, hat den Vorteil, dass er eine Vielzahl an Leistungsindikatoren bereits aus diesen Systemen nutzen kann.
Was nützen die Leitlinien für die Offenlegung nichtfinanzieller Informationen der EU Kommission?
Die EU Kommission hat am 05.07.2017 ihre angekündigten Leitlinien für die Offenlegung nichtfinanzieller Informationen veröffentlicht. Die Leitlinien beziehen Best Practices und Entwicklungen wie die UN Sustainability Development Goals (SDG), das Pariser Klimaabkommen, den Rat für Finanzstabilität und anderes mit ein. Die Leitlinien sind jedoch unverbindlich und erweitern nicht den Geltungsbereich der CSR-Richtlinie. Das 20-seitige Dokument beschreibt zwar die Grundprinzipien der Berichterstattung, jedoch nicht die genaue praktische Umsetzung. Sie ersetzen also nicht weitergehende Standards wie GRI oder DNK. Sie ist als Anleitung für eine Berichterstattung also ungeeignet und wir empfehlen deshalb die Orientierung an GRI oder DNK die konsistente Rahmen für alle wesentlichen Themenfelder liefern.
Wenn Sie weitere Fragen zum Thema CSR-Berichtspflicht haben, sprechen Sie uns an!