Source: https://www.weindl-partner.de/blog/category/strafrecht.html
Timestamp: 2019-05-21 12:40:08
Document Index: 146830721

Matched Legal Cases: ['§ 266', '§ 266', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 266', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 263']

Rechtsanwalt Schladt erhält den Finance Monthly Global Award 2016 in der Kategorie Strafrecht
Wir freuen uns Sie darüber informieren zu können, dass Herr Rechtsanwalt / Fachanwalt für Strafrecht Patrick Schladt als Gewinner der 2016 Finance Monthly Global Awards in der Kategorie „Criminal Lawyer of the Year - Germany" ausgezeichnet wurde.
Finance Monthly Global Awards 2016 - (http://www.finance-monthly.com/)
Weiterlesen … Rechtsanwalt Schladt erhält den Finance Monthly Global Award 2016 in der Kategorie Strafrecht
Die Schwierigkeit der Bestimmung des Vermögensschadens bei Untreue
Die Bestimmung der Schadenshöhe bei dem Tatbestand der Untreue gemäß § 266 StGB ist und bleibt ein vieldiskutiertes Thema in Literatur und Rechtsprechung. Jüngst aus diesem Bereich geht der Beschluss des Bundesgerichtshof (5. Strafsenat) vom 02.07.2014 (AZ 5 StR 182/14) auf diese Problematik zusammenfassend ein. § 266 I StGB schützt als Vermögensdelikt das Vermögen als Ganzes. Ob ein Vermögensnachteil eingetreten ist, muss grundsätzlich durch einen Vergleich des gesamten Vermögens vor und nach der etwaigen Tathandlung unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten geprüft werden. Innerhalb der Frage der Bestimmung der Schadenshöhe gibt es zahlreiche Fallgruppen. Die Frage, ob die Rechtsfigur des persönlichen Schadenseinschlags angesichts der neuen Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts angepasst werden muss, hat der BGH in einer jüngeren Entscheidung (AZ 5 StR 182/14 ) offengelassen:
Ob die Rechtsfigur des persönlichen Schadenseinschlags angesichts der neueren Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts (BVerfGE 126, 170; 130, 1), nach der normative Gesichtspunkte bei der Bewertung von Schäden zwar eine Rolle spielen, die wirtschaftliche Betrachtung allerdings nicht überlagern oder verdrängen dürfen (vgl. schon BGH, Beschluss vom 28. Juni 1983 – 1 StR 576/82, BGHSt 32, 22, 23), in Teilen einer Korrektur bedarf, muss auch hier weiterhin nicht entschieden werden (vgl. zuletzt Senat, Beschluss vom 19. Februar 2014 – 5 StR 510/13, NStZ 2014, 318).
Allerdings stellte der BGH nochmals die Tragweite, Fallgruppen und Voraussetzungen für die Frage des persönlichen Schadenseinschlags als Maßstab eines Vermögensschadens im Sinne des
§ 266 StGB dar.
Bei wirtschaftlich ausgeglichenen Verträgen können Gesichtspunkte eines persönlichen Schadenseinschlags einen Vermögensnachteil bei der Untreue bzw. einen Vermögensschaden beim Betrug nur in engen Ausnahmefällen begründen, etwa wenn der Vermögensinhaber durch deren Abschluss zu vermögensschädigenden Maßnahmen genötigt oder wenn er durch die Verfügung sonst in seiner wirtschaftlichen Bewegungsfreiheit weitgehend beeinträchtigt wird (BGH, Beschluss vom 16. August 1961 – 4 StR 166/61, BGHSt 16, 321, 327 f.; Urteile vom 4. November 1997 – 1 StR 273/97, BGHSt 43, 293, 298 f., und vom 24. Juni 2010 – 3 StR 90/10, wistra 2010, 445, 447).
Vorrangig ist jedoch stets zunächst der sich aus dem Vergleich des Vermögens vor und nach der Verfügung bzw. Pflichtverletzung ergebende Saldo zu ermitteln. Nur soweit sich hiernach kein Negativsaldo ergibt, kann bei Vorliegen entsprechender Anhaltspunkte in einem zweiten Schritt zu prüfen sein, ob im Hinblick auf eine weitgehende Beeinträchtigung der wirtschaftlichen Bewegungsfreiheit gleichwohl unter dem Aspekt des persönlichen Schadenseinschlags ein Vermögensnachteil anzunehmen ist. Dies würde indessen – insoweit in Einklang mit der zitierten Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts – wiederum voraussetzen, dass ein objektiver Wert des Erlangten für den Erwerber nicht realisierbar ist, da es ihm unmöglich (oder unzumutbar) ist, diesen letztlich in Geld umzusetzen (BGH, Beschluss vom 19. Februar 2014 – 5 StR 510/13, aaO). Diesen für die Nachteilsfeststellung bestehenden Anforderungen wird das angefochtene Urteil schon deswegen nicht gerecht, weil es die gebotene Prüfungsreihenfolge nicht wahrt.
Im weiteren wird noch auf einzelne Fallgruppen (aliud u.ä.) eingegangen, wobei anmerkenswert ist, dass der BGH am Ende (auf die in der Praxis regelmäßig schwammige Begründung) der subjektiven Tatbestandseite eingeht:
Gleichermaßen halten die Ausführungen zur subjektiven Tatseite hinsichtlich des Vorsatzes einer Nachteilszufügung unter den Bedingungen eines vom Landgericht angenommenen persönlichen Schadenseinschlags rechtlicher Überprüfung nicht stand. Die Darlegungen erschöpfen sich in der pauschalen Feststellung, der Angeklagte habe, indem er sich mit der Möglichkeit abgefunden habe, für einen Vertrieb mit betrügerischen Verkaufsmethoden zu beurkunden, die Entstehung „eines Vermögensnachteils“ billigend in Kauf genommen (UA S. 155 f., 157).
Damit ist weder festgestellt noch in den Urteilsgründen sonst belegt, dass der Angeklagte bei den Beurkundungsvorgängen die Voraussetzungen eines persönlichen Schadenseinschlags auf Seiten der Geschädigten kannte oder billigend in Kauf nahm (vgl. LK-Tiedemann, StGB, 12. Aufl., § 263 Rn. 242).
Weiterlesen … Die Schwierigkeit der Bestimmung des Vermögensschadens bei Untreue