Source: https://www.jusmeum.de/urteil/vg_minden/afbf0c92ef8fb19dd74612c14e37a07f61d2876b6286720c6e7cdb0b9474285c
Timestamp: 2019-12-11 05:33:55
Document Index: 129845612

Matched Legal Cases: ['§ 113', '§ 114', '§ 3', '§ 2', '§ 10', '§ 13', '§ 13', '§ 1', '§ 10', '§ 13', '§ 13', '§ 13', '§ 13', '§ 10', '§ 10', '§ 10', '§ 10', '§ 13', '§ 53', '§ 1', '§ 13', '§ 2', '§ 154', '§ 167', '§ 708']

VG Minden, 11 K 888/08: VG Minden: erneuerung, stadt, abwasseranlage, ersetzung, anschluss, grundstück, bestandteil, zustand, sammelleitung, sondervorteil
Urteil des VG Minden vom 30.07.2008, 11 K 888/08
Aktenzeichen: 11 K 888/08
VG Minden: erneuerung, stadt, abwasseranlage, ersetzung, anschluss, grundstück, bestandteil, zustand, sammelleitung, sondervorteil
Verwaltungsgericht Minden, 11 K 888/08
Tenor: Die Klage wird abgewiesen. Der Kläger trägt die Kosten des Verfahrens. Das Urteil ist wegen der Kosten vorläufig vollstreckbar. Der Kläger kann die Vollstreckung durch Sicherheitsleistung in Höhe des beizutreibenden Betrages abwenden, wenn die Beklagte nicht zuvor in gleicher Höhe Sicherheit leistet.
Der Kläger ist Teileigentümer des mit einem Wohnhaus bebauten Grundstücks "H.-----straße 7" (Flur 5 Flurstück 132) in der Gemarkung E. der Stadt N. . Er wendet sich gegen die Heranziehung zu Kosten für die Erneuerung eines Regenwasseranschlusses an sein Grundstück durch die Stadt N. im Jahre 2005. Die Beklagte ist eine eigenbetriebsähnliche Einrichtung der Stadt N. , die seit dem 1.1.2007 Aufgaben der Abwasserwirtschaft für die Stadt N. wahrnimmt.
3Bei den Häusern an der "H1.-----straße " handelt es sich um eine ehemalige Bergmannssiedlung. Die Bebauung an der Straße entstand um ca. 1938. Das Regenwasser der nördlich der "H1.-----straße " gelegenen Grundstücke wird seit 1938 in einen Regenwasserkanal eingeleitet, der nach der zum 1.1.1973 durchgeführten Gebietsreform und Angliederung der ehemals selbständigen Gemeinde E. im Kanalbestandsverzeichnis der Stadt N. als öffentlicher Regenwassersammler geführt wird. Die südlich der "H1.----- straße " gelegenen Grundstücke - zu denen auch das Grundstück des Klägers gehört - leiteten das Regenwasser zunächst in einen auf ihren Grundstücken privat verlegten Kanal. Ob dieser eine Verbindung zu dem im Bestandsverzeichnis als öffentlicher Regenwassersammler geführten Kanal an der Nordseite der H1.-----straße hat, ist unklar. Mitte der 50er-Jahre entschlossen sich zumindest zwei Grundstückseigentümer von an der Südseite der "H1.----- straße " gelegenen Grundstücken ihr Grundstück ebenfalls in Eigeninitiative an den an der Nordseite der "H1.-----straße " gelegenen Regenwassersammler anzuschließen. Ca. 1974/1975 wurde in der "H1.-----straße " eine öffentliche Schmutzwasserleitung verlegt, an die sämtliche an der H1.-----straße gelegenen Grundstücke angeschlossen sind.
Der in der "H1.-----straße " im nördlichen Bereich verlegte Regenwasserkanal wurde im Jahr 1994 mittels Kanalfernauge untersucht. Hierbei wurden nach Angaben der Beklagten erhebliche Mängel festgestellt. Im Abwasserbeseitigungskonzept der Stadt N. 2
wurde deshalb die Erneuerung des Regenwasserkanals vorgesehen. Im Vorfeld des im Jahre 2005 erfolgten Straßenausbaus der H1.-----straße erneuerte die Stadt N. den vorhandenen Regenwasserkanal sowie die Grundstücksanschlussleitungen. Auf diese Maßnahme und eventuell entstehende Kosten durch die Sanierung der Grundstücksanschlussleitungen wurden die Anlieger in einem Schreiben der Stadt N. vom 21.09.2004 hingewiesen. Die Fertigstellung des neuen Regenwasserkanals und der Grundstücksanschlüsse erfolgte im April 2005. Im Rahmen des anschließend erfolgten Straßenausbaus wurde die Fahrstrecke der "H1.-----straße " in zwei Teile geteilt. Die beiden Fahrstrecken werden durch eine Ruhezone unterbrochen, auf der sich u.a. ein Spielplatz und Sitzbänke befinden.
5Mit Bescheid vom 09.03.2007 stellte die Beklagte dem Kläger für die Herstellung eines Anschlusses an den Regenwasserkanal einen Betrag i.H.v. 1.210,00 EUR in Rechnung.
6Gegen diesen Bescheid legte der Kläger am 03.04.2007 Widerspruch ein und trug zur Begründung vor: Die "H1.-----straße " sei in zwei Fahrstrecken und eine Spielplatzfläche aufgeteilt. In beiden Fahrstrecken seien vor den Straßenarbeiten Abflussrohre verlaufen, die das Wasser der Grundstücke aufnahmen. Die Restauration bzw. Erneuerung der Leitung im oberen Bereich (südlich des Spielplatzes) wären mit deutlich geringeren Kosten für die Anlieger möglich gewesen. Auch hätte bei der Berechnung der Straßenbreite die Spielplatzfläche nicht berücksichtigt werden dürfen.
7Mit Bescheid vom 11.02.2008 wies die Beklagte den Widerspruch des Klägers zurück und trug zur Begründung ergänzend vor: Die Kosten für die Erneuerung der Grundstücksanschlüsse seien von dem Kläger zu zahlen. Sie seien auch rechnerisch richtig ermittelt worden. Bei der Herstellung und Erneuerung von Grundstücksanschlüssen werde der Kostenaufwand nach Einheitssätzen ermittelt, die je angefangenen Meter bei Regenwassergrundstücksanschlüssen 220,00 EUR betragen würden. Der Einheitssatz werde je angefangenen Meter Anschlussleitung berechnet und von der Straßenmitte bis zur Grundstücksgrenze ermittelt. Hierbei sei "Straße" im Sinne der Satzung nicht nur die gepflasterte Fahrbahn, sondern grundsätzlich die für den öffentlichen Verkehr zur Verfügung stehende Fläche, insoweit also auch die für diesen Zweck gebildete Straßenparzelle einschließlich etwaiger Wendeplätze, Geh- /Radwege und Begleitgrünflächen.
8Der Kläger hat daraufhin am 11.03.2008 Klage erhoben und durch seine Prozessbevollmächtigten vortragen lassen: Die Beklagte habe im Zuge des Straßenausbaus im Jahre 2005 zwei öffentliche Regenwasserkanäle durch einen neuen ersetzt. Sie könne hierfür keinen Kostenersatz geltend machen, weil die Erneuerung durch den Straßenausbau veranlasst worden sei. Sie habe sich die Erneuerung zweier vorhandener Abwasserkanäle erspart, zugleich aber bei den Anliegern einen höheren Kostenersatz generiert, da der neue Regenwasserkanal als in der Straßenmitte verlaufend gelte und sich damit die Grundstücksanschlussleitung für jedes Grundstück im Vergleich zum bisherigen Zustand verlängere. Dadurch seien unverhältnismäßig hohe Kosten entstanden. Der Kostenersatz müsse auf den Aufwand beschränkt werden, der bei Erneuerung der vorhandenen Regenwasserkanäle entstanden wäre.
den Heranziehungsbescheid der Beklagten vom 09.03.2007 in Gestalt des Widerspruchsbescheides vom 11.02.2008 aufzuheben. 10
13Sie trägt zur Begründung des Antrages vor: Nur der an der nördlichen Seite der "H1.----straße " verlaufende öffentliche Regenwassersammler sei im Jahre 1994 mittels Kamerabefahrung untersucht worden. Eine Kamerabefahrung der Grundstücksanschlüsse sei nicht möglich gewesen, weil diese nur einen Durchmesser vom 80 mm gehabt hätten. Bei der Erneuerung des Regenwasserkanals hätte sich jedoch herausgestellt, dass diese in einem ähnlich schlechten und schadhaften Zustand gewesen seien wie der Hauptsammler und deshalb ebenfalls erneuert werden mussten. Erstmals im Rahmen der Bauausführung habe man auch Kenntnis von dem privaten Abwasserkanal auf den Grundstücken südlich der "H1.-----straße " erlangt und von dem Umstand, dass diese Anlieger ihre Grundstücke im Laufe der Zeit ebenfalls an den im nördlichen Bereich der "H1.-----straße " verlegten öffentlichen Regenwassersammler angeschlossen hätten. Der private Kanal sei im Rahmen der Bausausführung weder untersucht noch beseitigt worden. Für diesen auf privaten Grundstücken verlegten Kanal seien die jeweiligen Eigentümer verantwortlich.
14Wegen der weiteren Einzelheiten des Sach- und Streitstandes wird Bezug genommen auf den Inhalt der Gerichtsakte und die beigezogenen Verwaltungsvorgänge der Beklagten.
Der Kostenerstattungsbescheid der Beklagten vom 9.3.2007 in Gestalt des Widerspruchsbescheides vom 11.2.2008 ist rechtmäßig und verletzt den Kläger nicht in seinen Rechten (§ 113 Abs. 1 Satz 1 VwGO).
18Zum Erlass des Kostenerstattungsbescheides ist die Beklagte zuständig. Nach § 114 GO, § 3 Abs. 1 EigVO und § 2 Abs. 2 der Betriebssatzung der Stadt N. für die eigenbetriebsähnliche Einrichtung Städtische Betriebe N. vom 15.12.2006 obliegt der Beklagten im Bereich des Abwasser- und Straßenwesen die Erhebung von Kanalanschlussbeiträgen und die Erhebung des Kostenersatzes für Kanalanschlussleitungen.
Der Kostenerstattungsbescheid ist auch materiell-rechtlich nicht zu beanstanden. Bescheide der vorliegenden Art finden ihre Rechtsgrundlage in § 10 Abs. 1 KAG NRW i.V.m. § 13 der Beitrags- und Gebührensatzung der Stadt N. vom 20.10.1986 i.d.F. der Änderungssatzung vom 17.12.2007 - im Folgenden: BGS - zur Entwässerungssatzung der Stadt N. vom 19.12.1991 i.d.F. der Änderungssatzung vom 15.12.2006 - im Folgenden : ES -. Nach § 13 Abs. 1 BGS ist der Stadt N. der Aufwand für die Herstellung, Erneuerung, Veränderung, Unterhaltung, Reparatur und Beseitigung eines Grundstücksanschlusses bis zur öffentlichen Abwasseranlage zu ersetzen. Der Begriff der Grundstücksanschlussleitungen ist in § 1 Abs. 3 ES definiert. Danach sind Grundstücksleitungen die Anschlussleitungen von der öffentlichen Abwasseranlage bis 17
zur Grundstücksgrenze. Von der Möglichkeit, diese durch Satzung zum Bestandteil der öffentlichen Abwasseranlage zu erklären, hat die Stadt N. keinen Gebrauch gemacht, so dass die Geltendmachung eines Kostenerstattungsanspruches nicht nach § 10 Abs. 3 KAG NRW ausgeschlossen ist.
20Zur Höhe des Kostenerstattungsanspruches bestimmt § 13 Abs. 1 Satz 2 KAG NRW, dass die Höhe des Erstattungsanspruches nach den tatsächlich entstandenen Kosten oder nach Einheitssätzen ermittelt werden kann. Die Stadt N. hat sich für die Ermittlung des Kostenaufwandes nach Einheitssätzen entschieden und in § 13 Abs. 1 Satz 2 BGS für die Herstellung und Erneuerung von Grundstücksanschlüssen DN 150 - 200 mm an die Regenwasserkanalisation einen Einheitssatz von 220 EUR je angefangener Meter Grundstücksanschlussleitung zugrunde gelegt. Von der nach § 13 Abs. 1 Satz 3 KAG NRW eröffneten Möglichkeit, Abwasserleitungen als in der Straßenmitte verlaufend zu fingieren, hat die Stadt N. in § 13 Abs. 2 2. Hs. BGS Gebrauch gemacht.
21Die Voraussetzungen für die Geltendmachung des Kostenerstattungsanspruchs der Beklagten sind erfüllt. Soweit es die südlich der "H1.-----straße " gelegenen Grundstücke - damit auch das Grundstück des Klägers - betrifft, handelt es sich bei der die Erstattungspflicht auslösenden Maßnahme um eine "Erneuerung" i.S.d. § 10 Abs. 1 KAG NRW, da diese Grundstücke bereits vor der Ersetzung der Grundstücksanschlüsse im Jahre 2005 über einen Anschluss an die öffentliche Regenwasserkanalisation verfügten.
22Hierbei kann an dieser Stelle dahingestellt bleiben, ob die auf den Grundstücken südlich der "H1.-----straße " verlegte Regenwasserleitung bereits Teil der öffentlichen Abwasseranlage ist oder sich es um eine gemeinsame private Grundstücksanschlussleitung handelt. Nach den Angaben der Prozessbevollmächtigten in der Klagebegründung vom 2.6.2008 verfügte diese Leitung jedenfalls an ihren Enden über eine Verbindung an den im nördlichen Bereich der "H1.-----straße " vorhandenen öffentlichen Regenwassersammler. Zudem hat der Kläger in der mündlichen Verhandlung angegeben, dass diese Leitung seit langem verstopft gewesen sei und zur Abführung des anfallenden Grundwassers aufgrund zu geringer Tiefe nicht in der Lage. Ein Teil der Anlieger an der Südseite der "H1.-----straße " - so auch sein Rechtsvorgänger bereits vor 1960 - habe deshalb zusätzlich einen direkten Anschluss zum tiefer liegenden Regenwasserkanal an der Nordseite der "H1.-----straße " gelegt. Nach den Angaben des Bauleiters der Beklagten, Dipl.-Ing. T. sollen alle Anlieger an der Südseite der H1.-----straße in gleicher Weise verfahren haben. Im Rahmen des Ausbaus im Jahre 2005 habe man festgestellt, dass alle südlich der H1.-----straße gelegenen Grundstücke über einen Anschluss an den Regenwasserkanal an der Nordseite der "H1.----- straße " verfügt hätten.
23Ausgehend von diesen Angaben des damals zuständigen Bauleiters und des Klägers stellt sich der Anschluss der südlich der "H1.-----straße " gelegenen Grundstücke an den im nördlichen Bereich der H1.-----straße verlegten neuen Regenwassersammler nicht als (erstmalige) "Herstellung" eines Grundstücksanschlusses, sondern als "Erneuerung" dar, weil ein Anschluss an diesen Regenwassersammler - sei es direkt oder über die auf den Grundstücken verlegte Sammelleitung - bereits vorhanden war.
24Als "Erneuerung" gilt jede Wiederherstellung eines nach bestimmungsgemäßer Nutzung abgenutzten Anschlusses durch die Ersetzung der ganzen Leitung oder eines nicht unerheblichen Teils der Leitung.
25Vgl.: Dietzel in Driehaus, Kommunalabgabenrecht, Kommentar, Loseblattsammlung, Stand: § 10 Rdn. 21.
26Die "Erneuerung" einer Anschlussleitung trägt dem Umstand Rechnung, dass Anschlussleitungen dem Verschleiß unterliegen und deshalb nur eine zeitlich begrenzte Nutzungsdauer aufweisen. Definitionsgemäß setzt eine "Erneuerung" als Grundlage eines Kostenerstattungsanspruches deshalb voraus, dass die Anschlussleitung aufgrund der Abnutzung nicht mehr bestimmungsgemäß genutzt werden kann oder in absehbarer Zeit verschleißbedingte Störungen zu erwarten sind. Dabei steht der Gemeinde bei der Frage, ob und wann es infolge eines Verschleißes einer Erneuerung bedarf, ein Einschätzungsermessen zu,
27Vgl. Dietzel a.a.O. m.w.N. auf die Rechtsprechung des OVG NRW und des VGH Kassel; ebenso: VG N. , Urteil vom 5.1.2005 - 11 K 933/04 -,
28dass sich daran orientieren kann, wann nach den Regeln der Entsorgungstechnik verschleißbedingte Störungen zu erwarten sind.
29Vgl. OVG NRW, Urteil vom 8.2.1990 - 22 A 2053/88 -, unter Bezugnahme auf die Wertermittlungsrichtlinien des Bundesministeriums für Raumordnung, Bauwesen und Städtebau, Anlage 7 ("Technische Lebensdauer von Außenanlagen") zu Teil I der Richtlinien für die Ermittlung des Verkehrswertes von Grundstücken vom 31.5.1976, Beilage 21/76 zum Bundesanzeiger vom 6.8.1976 Nr. 146.
30Soweit derartigen Richtlinien Aussagen darüber entnommen werden können, wann für einen Grundstücksanschluss ein "Erneuerungsbedarf" besteht,
31nach den o.g. Wertermittlungsrichtlinien wird bei Entwässerungsanlagen aus Betonrohren von einer Lebensdauer von 30 - 50 Jahren, bei solchen aus Steinzeug von 80 - 100 Jahren ausgegangen,
32ergeben sich hieraus lediglich Anhaltspunkte, allerdings keine starren Vorgaben oder sogar Bindungen für den Einzelfall. Über das übliche Maß hinausgehende Beanspruchungen des Straßenkörpers können wegen der hiervon ausgehenden Erschütterungen eine Erneuerung des Grundstücksanschlusses auch vor Ablauf der sich aus den o.g. Richtlinien ergebenden mutmaßlichen Lebensdauer von Entwässerungsanlagen erfordern.
Vgl. OVG NRW, Urteil vom 8.2.1990 - 22 A 2053/88 -. 33
34Gemessen an diesen Voraussetzungen handelte es sich zum Zeitpunkt der Ersetzung der Grundstücksanschlüsse auch für die südlich an die "H1.-----straße " angrenzenden Grundstücke im Jahre 2005 um eine "Erneuerung" i.S.d. § 10 Abs. 1 KAG NRW. Wie der damals für die Durchführung der Baumaßnahme zuständige Bauleiter der Beklagten, Dipl.- Ing. T. , in der mündlichen Verhandlung angegeben hat, war nicht nur der Regenwasserhauptsammler - wie bereits durch die Kanaluntersuchung 1994 bestätigt (vgl. die Untersuchungsprotokolle in BA III) - an vielen Stellen beschädigt und deshalb erneuerungsbedürftig, sondern auch die im öffentlichen Straßenraum liegenden Grundstücksanschlüsse der hieran angeschlossenen Grundstückseigentümer. Die Anschlüsse bestanden - so seine Angaben - aus einem "Sammelsurium" von Rohren
unterschiedlicher Art und Dimension ohne ordnungsgemäße Verbindungen, wiesen Scherbenbildung auf und waren an vielen Stellen mit Wurzelwerk durchzogen.
35Es bedarf deshalb keiner Erörterung der Frage, ob von einer "Erneuerung" der Grundstücksanschlüsse i.S.d. § 10 Abs. 1 KAG NRW auch dann auszugehen wäre, wenn diese zum Zeitpunkt der Ersetzung noch keine sichtbaren Beschädigungen aufgewiesen hätten. Im Hinblick auf das Alter der Leitungen - der ca. 1938 verlegte Regenwasserhauptsammler war aus Beton, die 1938 und nachträglich in den 50er- Jahren verlegten Grundstücksanschlussleitungen teilweise ebenfalls - dürfte allerdings nach den o.g. Richtlinien in absehbarer Zeit mit verschleißbedingten Schäden an den Grundstücksleitungen und Störungen im Entwässerungssystem zu rechnen gewesen sein, so dass die Beklagte auch unter diesen Voraussetzungen zu Recht von einem Erneuerungsbedarf ausgegangen wäre.
36Als zusätzliches, ungeschriebenes Tatbestandsmerkmal setzt die Geltendmachung eines Erstattungsanspruches allerdings voraus, dass die Maßnahme im "Sonderinteresse" des Erstattungspflichtigen lag.
Vgl. OVG NRW, Urteil vom 14.7.1987 - 22 A 1605/86 -, NVwZ 1996, 599. 37
38Sofern es sich - wie hier - um Maßnahmen der "Erneuerung" "Veränderung", oder "Unterhaltung" eines Grundstücksanschlusses handelt, ist entscheidend, wodurch die durchgeführten Maßnahmen veranlasst wurden und welchem Zweck sie dienen. Ein "Sondervorteil" für den Grundstückseigentümer besteht nur dann, wenn er mit den durchgeführten Maßnahmen einen konkreten "Vorteil" erlangt hat. Maßgebend ist auch insoweit die sich aus dem Anschluss- und Benutzungsverhältnis ergebende Aufgabenund Risikoverteilung.
39Vgl. OVG NRW, Urteile vom 18.5.1993 - 22 A 2169/91 -, NWVBL 1993,419 = = KStZ 1995, 118 und vom 17.1.1996 - 22 A 3091/93 - NVwZ-RR 1996, 389 = Gemeindehaushalt 1997, 262.
40Bei einer "Erneuerung" von Grundstücksanschlüssen - wie im vorliegenden Fall - ist deshalb zu differenzieren: Grundsätzlich liegt - sofern diese nicht zur öffentlichen Abwasseranlage gehören - die Verantwortung für den ordnungsgemäßen Zustand des Grundstücksanschlusses beim Grundstückseigentümer. Tritt z.B. bei Beschädigungen des Anschlusses Abwasser aus, liegen hierauf gerichtete Reparaturmaßnahmen im Sonderinteresse des Grundstückseigentümers, weil sie der ordnungsgemäßen Erfüllung der Benutzungspflicht dienen.
OVG NRW, Urteil vom 18.5.1993 - 22 A 2169/91 -, NWVBl. a.a.O. 41
42Etwas Anderes gilt nur dann, wenn die "Erneuerung" nicht in Erfüllung der dem Grundstückseigentümer obliegenden Benutzerpflicht erfolgt, sondern im Rahmen des der Stadt selbst von der Rechtsordnung zugewiesenen Pflichtenkreises durchgeführt wird. Dies ist z.B. dann anzunehmen, wenn die Reparaturbedürftigkeit eines Anschlusses auf vorangegangenen, rechtswidrigen Einwirkungen beruht, zu deren Beseitigung die Stadt unter dem Gesichtspunkt der Folgenbeseitigung verpflichtet ist. Hiervon ist z.B. auszugehen, wenn die Beschädigung auf mangelhaft ausgeführte Arbeiten bei der Verlegung des Grundstücksanschlusses, die Regeln der Baukunst missachtende Straßenbauarbeiten oder die Anpflanzung stark wurzelnder Bäume
unmittelbar neben vorhandenen Grundstücksanschlüssen zurückzuführen ist.
43Vgl. OVG NRW, Urteile vom 11.4.1996 - 22 A 3106/94 -, NWVBl. 1996, 489 = NVwZ-RR 1997, 207 und vom 21.2.1996 - 22 A 3216/92 -.
44Nichts Anderes hinsichtlich der vorgenannten Risikoverteilung und Pflichtenstellung im Anschluss- und Benutzungsverhältnis ergibt sich auch aus der von den Prozessbevollmächtigten in der Klagebegründung vom 11.3.2008 genannten weiteren Rechtsprechung des OVG NRW.
Vgl. OVG NRW, Urteil vom 15.6.1970 - II A 1397/68 -, KStZ 1970, 234 ff. 45
46Auch in dieser Entscheidung wird ausgeführt, dass die Gemeinde die Kosten für die Erneuerung der Grundstücksanschlüsse (nur) dann nicht von den Anliegern ersetzt verlangen kann, wenn die Schäden an der Anschlussleitung auf einen Mangel des Hauptkanals zurückzuführen sind und die Gemeinde die rechtzeitige Beseitigung des Mangels unterlassen hat, m.a.W. ohne Hinzutreten derartiger besondere Umstände ein Erneuerungsbedarf für die Grundstücksanschlüsse gerade nicht bestanden hätte. Für einen derartigen Verursachungszusammenhang zwischen dem Zustand des Hauptsammlers und den festgestellten Schäden an den Grundstücksanschlussleitungen ist durch die Prozessbevollmächtigten und den Kläger weder konkret vorgetragen worden noch sind Anhaltspunkte dafür ersichtlich.
47Ein darüber hinaus gehender Entscheidungssatz, dass ein Sondervorteil zugunsten des Anliegers auch dann nicht vorliege, wenn die Ersetzung der Grundstücksanschlüsse durch eine Ersetzung oder Veränderung des Hauptsammlers veranlasst worden sei, lässt sich dem Urteil vom 15.6.1970 nicht entnehmen. Diese Frage hat das OVG NRW in der Entscheidung ausdrücklich offengelassen. Soweit es in einer späteren Entscheidung
48vgl. OVG NRW, Urteil vom 24.5.1978 - II A 1429/76 - KStZ 1979, 134 = Gemeindehaushalt 1979, 70; aA wohl: OVG Lüneburg, Urteil vom 22.11.1984 - 3 A 33/83 -, KStZ 1985, 33 und VGH Kassel, Urteil vom 7.7.1997 - 5 UE 3780/96 -, KStZ 1998,179,
49ausgeführt hat, dass ein Sondervorteil des Grundstückseigentümers nicht gegeben sei, wenn die Gemeinde sich entschließe, ihre Abwasserbeseitigungspflicht anders zu erfüllen, z.B. bei der Ersetzung der vorhandenen Mischkanalisation durch eine Trennkanalisation, und hierdurch neue Grundstücksanschlüsse erforderlich werden, betrifft dies ersichtlich nur die Fälle, in denen nicht zugleich ein Austausch der Grundstücksanschlussleitungen aufgrund eines Verschleißes geboten war. Von einer derartigen Situation war hier aber auszugehen. Im Übrigen kommt es auf das Vorliegen eines "Sondervorteils" dann nicht an, wenn der Anschluss mit Wissen und Wollen des Anschlussnehmers verlegt worden ist. In diesem Fall ist wegen der subjektiven Zweckbestimmung ohne weiteres von einem objektiven Sondervorteil auszugehen.
50Vgl. OVG NRW, Urteile vom 15.2.2000 - 15 A 5328/06 -vom 17.1.1996 - 22 A 2467/93 -, NWVBl. 1996, 390 = NVwZ-RR 1996, 599 = DÖV 1997, 305 = EstT NW 1996, 447 und vom 25.2.1981 - 2 A 484/80 -.
Über die geplante Erneuerung des Regenwasserhauptsammlers sind die Anlieger der 51
"H1.-----straße " - damit auch der Kläger - vor der Durchführung der Maßnahmen in einem Schreiben der Stadt N. vom 21.9.2004 (Bl. 41 d.A. in 11 K 696/08) informiert worden. Hierbei wurde ausdrücklich darauf hingewiesen, dass die vorhandenen Regenwassergrundstücksanschlüsse aufgrund des geringen Durchmessers nicht mittels Kamerabefahrung hätten untersucht werden können und über einen eventuellen Sanierungsbedarf erst im Zuge der Bauausführung entschieden werden könne. Auf die sich aus § 13 BGS ergebende Verpflichtung, die Kosten für notwendige Erneuerungen der Grundstückshausanschlüsse selbst zu tragen, wurden die Anlieger hingewiesen. Der Kläger hat diesem Schreiben und der späteren Bauausführung nicht widersprochen, vielmehr sein Grundstück nach Fertigstellung des Grundstücksanschlusses an den neuen Regenwasserkanal angeschlossen. Damit ist davon auszugehen, dass die Verlegung des neuen Grundstücksanschlusses mit Wissen und Wollen des Klägers erfolgte. Verdeutlicht wird dies auch durch den vom Kläger unter dem 20.3.2007 gegen den Kostenbescheid eingelegten Widerspruch, mit dem er sich nur gegen die Kostentragungspflicht bzw. die Höhe der Kosten wendet, dagegen weder einen Erneuerungsbedarf bestreitet noch geltend macht, die Erneuerung sei ohne sein Wissen und seine Zustimmung erfolgt.
52Der streitige Erstattungsanspruch der Beklagten ist auch in der geltend gemachten Höhe rechtlich nicht zu beanstanden.
53Soweit die Prozessbevollmächtigten in der Klagebegründung vom 11.3.2008 vorgetragen haben, die Stadt N. habe sich durch die Verlegung eines neuen Regenwassersammlers anstelle der zwei vorhandenen selbst Kosten erspart und bei den Anliegern zusätzliche Kosten generiert, so dass der Kostenerstattungsanspruch auf die Kosten zu beschränken sei, die bei pflichtgemäßer Ausübung des Ermessens entstanden seinen, vermag das Gericht dem nicht zu folgen. Die Begründung geht schon von einem unzutreffenden Ansatz aus, nämlich der Annahme, auch bei dem auf den südlich angrenzenden Grundstücken der "H1.-----straße " verlaufenden Regenwassersammler habe es sich um einen öffentlichen Kanal gehandelt.
54Ob ein Kanal Teil der öffentlichen Entwässerungsanlage ist, hängt davon ab, ob er zum entwässerungsrechtlichen Zweck technisch geeignet ist und durch Widmung bestimmt ist, die nicht formgebunden ist und auch konkludent erfolgen kann. Dies beurteilt sich nach einer Würdigung der Gesamtumstände, soweit sie einen Schluss auf das Vorhandensein oder Fehlen einer Bestimmung des Kanals zum öffentlichen Entwässerungszweck durch die Gemeinde zulassen.
55Vgl. OVG NRW, Urteile vom 12.12.2006 - 15 A 2173/04 - und vom 18. Mai 1999 - 15 A 2880/96 -, NWVBl. 2000, 300 sowie Beschlüsse vom 5. März 2001 - 15 A 1564/97 -, NWVBl. 2002, 311 und vom 27. Januar 1999 - 15 A 1929/96 -.
56Es kann dahingestellt bleiben, ob der auf den Grundstücken südlich der "H1.----- straße " verlegte Kanal überhaupt zur Ableitung des Regenwassers technisch geeignet war. Nach den Angaben des Anliegers H2. (11 K 887/08) haben sein Rechtsvorgänger und andere Anlieger, nach den Feststellungen der Beklagten alle Anlieger an der Südseite der "H1.-----straße " bereits vor 1960 direkte Zugänge zum Regenwassersammler an der Nordseite der "H1.-----straße " gelegt, weil die vorhandene Sammelleitung aufgrund zu geringer Tiefe zur Ableitung des Grundwassers nicht in der Lage war. Sie war offensichtlich seit langer Zeit unbrauchbar und funktionslos. Dies spricht dafür, dass sie zum Zeitpunkt der Erneuerung der Grundstücksanschlüsse im Jahre 2005 zu dem ihr
zugedachten Entwässerungszweck schon nicht (mehr) geeignet war.
Jedenfalls kann sie bei Würdigung der Gesamtumstände nicht als Bestandteil der öffentlichen Abwasseranlage angesehen werden. Die Leitung wurde vermutlich um 1938 auf privatem Grund verlegt. Dafür, dass sie schon vor der Gebietsreform zum 1.1.1973 von der ehemals selbständigen Gemeinde E. als Teil der öffentlichen Abwasseranlage angesehen und behandelt wurde, ist von den Anliegern weder etwas vorgetragen worden noch sonst etwas ersichtlich. Hiergegen spricht schon die damalige Rechtslage. Die Abwasserbeseitigung war bis zur Änderung des Landeswassergesetzes im Jahre 1979 eine freiwillige Selbstverwaltungsaufgabe der Gemeinde. Sie wurde erst durch eine im Jahr 1979 erfolgte Änderung des Gesetzes zu einer Pflichtaufgabe der Gemeinden (§ 53 LWG NRW 1979). Es ist deshalb durchaus möglich, wenn nicht aufgrund der damaligen Rechtslage sogar nahe liegend, dass diese Leitung auf privatem Grund von den Anliegern errichtet, finanziert und unterhalten wurde. Jedenfalls haben weder der Prozessbevollmächtigte noch der Kläger noch die anderen in der mündlichen Verhandlung anwesenden Anlieger konkrete Umstände vorgetragen, dass diese Leitung vor der Gebietsreform zum 1.1.1973 von der ehemaligen Gemeinde E. als öffentliche Abwasseranlage betrieben und unterhalten wurde.
58Es ist auch nicht ersichtlich, dass diese Leitung nach der Gebietsreform zum 1.1.1973 von der Stadt N. durch einen späteren Übernahme- und Widmungsakt zum Bestandteil der öffentlichen Abwasseranlage erklärt wurde. Im Bestandsverzeichnis der öffentlichen Kanalisation der Stadt N. ist sie - im Gegensatz zur Regenwasserleitung an der Nordseite der "H1.-----straße " - nicht enthalten. Es handelt sich hierbei auch nicht um ein Versehen. Denn - wie die Vertreter der Beklagten in der mündlichen Verhandlung unwidersprochen erklärten - war sie bis zu den Bauarbeiten im Jahre 2005 der Stadt N. gar nicht bekannt.
59Soweit die Prozessbevollmächtigten in der Klagebegründung vom 2.6.2008 (Bl. 35 d.A.) unter Bezugnahme auf
60OVG NRW, Urteil vom 18.5,1999 - 15 A 2880/96 -, OVGE MüLü 48,1 = ZMR 1999, 730 = NWVBl 2000, 300 und Beschluss vom 5.3.2001, VG Arnsberg, Urteil vom 15.1.2002 - 11 K 3570/00 -,
61darauf hingewiesen haben, dass eine Widmung grundsätzlich auch konkludent - etwa durch die Erhebung von Regenwassergebühren erfolgen könne - triff dies zwar. Dass der Kläger und die anderen, südlich der "H1.-----straße " gelegenen Grundstücke seit 1998 - wie vorgetragen wurde (Bl. 36 d.A.) - zu Regenwassergebühren herangezogen wurden, hat die Beklagte auch nicht bestritten.
Gleichwohl lässt sich aus der Heranziehung zu Regenwassergebühren hier nicht der Schluss ziehen, der auf den Grundstücken der Anlieger verlaufende Abwasserkanal sei konkludent zum Bestandteil der öffentlichen Abwasseranlage gewidmet worden. Das Regenwasser von den südlich angrenzend Grundstücken wurde seit jeher dem im nördlichen Bereich der "H1.-----straße " gelegenen öffentlichen Regenwasserkanal zugeleitet - sei es zunächst über eine auf den Grundstücken verlegte Sammelleitung, später durch von den Anliegern gelegte direkte Anschlüsse. Insoweit ist die Erhebung von Regenwassergebühren schon deshalb zu Recht und wohl deshalb erfolgt, weil auch diese Anlieger der "H1.----- straße " ihr Regenwasser letztlich in einen öffentlichen 57
Regenwasserkanal geleitet haben. Ist die Rechtsqualität der Sammelleitung für die Erhebung der Benutzungsgebühren aber ohne Belang, kann sie auch nicht durch diesen Umstand konkludent zum Bestandteil der öffentlichen Abwasseranlage gewidmet worden seien. Im Übrigen ist bei der Frage, ob eine Leitung Grundstücksanschlussleitung oder Teil der öffentlichen Abwasseranlage ist, maßgeblich darauf abzustellen, on die jeweilige Leitung der abwassermäßigen Erschließung aller an einer Verkehrsfläche liegenden Grundstücks dient (dann öffentliche Abwasseranlage) oder nur der Ableitung des Abwassers einzelner mehrerer Grundstücke (dann einzelne oder gemeinsame Grundstücksanschlussleitung).
Vgl. OVG NRW, Urteil vom 15.2.2000 - 15 A 5328/06 -. 63
64Danach handelt es sich bei dem auf den südlich der "H1.-----straße " verlegten Regenwassersammler um eine gemeinsame Anschlussleitung und keine öffentliche Abwasseranlage, weil sie von vornherein dazu bestimmt war, das Regenwasser nur eines Teils der Anlieger der "H1.-----straße " aufzunehmen.
65Selbst wenn es sich bei der Regenwasserleitung auf den südlich an die "H1.----- straße " angrenzenden Grundstücken um Teil einer öffentlichen Abwasseranlage handeln sollte, war die Stadt N. nicht gehalten, im Rahmen der Erneuerung der Regenwasserkanäle in der H1.-----straße weiterhin zwei separate Regenwasserkanäle für die Anlieger als öffentliche Abwassersammler zu erhalten.
66Die Ausgestaltung der öffentlichen Abwasserbeseitigung liegt grundsätzlich im planerischen Ermessen der Gemeinde und ist vom Gericht nur eingeschränkt überprüfbar.
Vgl. OVG NRW Urteil vom 27. April 1988 - 22 A 580/86 -, MittNWStGB 1988, 289. 67
68Seine Grenzen findet dieser Gestaltungsspielraum erst dann, wenn die Gemeinde ihn ohne sachlichen Grund einseitig zulasten der Anschlusspflichtigen ausgenutzt hat. Diese Voraussetzungen liegen aber nicht schon dann vor, wenn die Gemeinde sich bei der Auswahl unter mehreren Alternativen in erster Linie davon leiten lässt, welche Alternative für sie am kostengünstigsten ist.
69Vgl. OVG NRW, Urteil vom 18.6.1997 - 22 A 1406/96 -, Städte- und Gemeinderat 1997, 284 = NWVBl 1998, 154 ZfW 1998, 384 = Gemeindehaushalt 1999, 214.
70Zu einem derartigen Verhalten ist die Gemeinde regelmäßig schon nach den Grundsätzen einer sparsamen und wirtschaftlichen Haushaltsführung verpflichtet.
71Selbst wenn die Stadt N. durch die Ersetzung von zwei Regenwasserkanälen für sich Kosten erspart, den Anliegern aber zusätzliche Kosten aufgebürdet haben sollte, hat sie hierdurch deshalb ihren Gestaltungsspielraum noch nicht verletzt. Es bedarf keiner weiteren Erörterungen, dass für die Ersetzung zweier, nicht mehr bestimmungsgemäß nutzbarer Regenwasserkanäle in einer Straße - auch die Regenwasserleitung südlich der "H1.-----straße " war verstopft und diente den Anliegern an der Südseite nicht mehr zur Entwässerung ihrer Grundstücke - durch einen neuen Regenwasserkanal ein sachlicher Grund schon deshalb besteht, weil hierdurch geringere Herstellungs- und Unterhaltungskosten entstehen. Die Anlieger der H1.-----straße können sich demgegenüber nicht auf einen "Bestandschutz" der vorhandenen
Entwässerungssituation, insbesondere hinsichtlich Lage und Anzahl der öffentlichen Abwassersammler, berufen. Denn nach § 1 Abs. 4 Satz 1 ES bestimmt die Stadt Art, Lage und Umfang der öffentlichen Abwasseranlage sowie den Zeitpunkt ihrer Erweiterung, Änderung oder Sanierung.
72Soweit die Prozessbevollmächtigten des Klägers im Übrigen darauf hinweisen, dass durch die Entscheidung der Stadt, nur einen öffentlichen Regenwassersammler vorzuhalten, hierdurch für den Kläger Grundstückanschlusskosten in unverhältnismäßiger Höhe entstanden seien, ist darauf hinzuweisen, dass in Fällen eines Erstanschlusses an die öffentliche Kanalisation die Rechtsprechung Anschlusskosten von bis zu 25.000 EUR nicht als unverhältnismäßig ansieht. vgl. OVG NW, Urteil vom 18. Juni 1997 - 22 A 1406/96 -, NWVBl 1998 S. 154 und Beschlüsse vom 24. Januar 2006 - 15 A 5080/05 - und vom 5. Juni 2003 - 15 A 1738/03 -, NWVBl. 2003 S. 435.
73Von einer derartigen Summe ist der hier für den Kläger entstandene Kostenmehraufwand weit entfernt.
74Der streitige Erstattungsanspruch ist auch in der geltend gemachten Höhe rechtlich nicht zu beanstanden. Da der neue Regenwassersammler im nördlichen Bereich der "H1.----straße " und nicht in der Straßenmitte verlegt wurde, hat die Beklagte die Fiktionsregelung des § 13 Abs. 2 2. Hs. BGS angewandt. Zu Recht ist sie hierbei davon ausgegangen, dass die "Straßenmitte" i.S.d. der Fiktionsregelung sich nicht nur aus den beiden Fahrbahnen der "H1.-----straße " errechnet, sondern auch die zwischen beiden Fahrstrecken befindliche und im Rahmen des Straßenausbaus angelegte Ruhezone hinzugerechnet werden muss. Da die Satzung insoweit keine eigene Definition der "Straße" enthält, ist insoweit § 2 Abs. 2 Buchtstabe b StrWG NRW maßgeblich. Danach gehören zur öffentlichen Straße nicht nur die Fahrbahnen sondern u.a. auch Rastplätze, soweit sie mit einer Fahrbahn in Zusammenhang stehen (unselbständige Parkflächen, unselbständige Rastplätze) und die Flächen verkehrsberuhigter Bereiche.
75Die Kostenentscheidung folgt aus § 154 Abs. 1, die Entscheidung zur vorläufigen Vollstreckbarkeit beruht auf § 167 VwGO i.V.m. §§ 708 Nr. 11, 711 ZPO.
11 K 888/08
Erneuerung, Stadt, Abwasseranlage, Ersetzung, Anschluss, Grundstück, Bestandteil, Zustand, Sammelleitung, Sondervorteil