Source: https://www.bag-urteil.com/24-05-2012-bag-2-azr-27711/
Timestamp: 2019-08-18 01:20:24
Document Index: 314894885

Matched Legal Cases: ['§ 102', '§ 72', '§ 102', '§ 102', '§ 2', '§ 2']

﻿ ﻿ BAG – 2 AZR 277/11 | bag-urteil.com
Betriebsratsanhörung – Restmandat – Betriebsbedingte Kündigung
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 24.5.2012, 2 AZR 277/11
Die Revision des Klägers gegen das Urteil des Landesarbeitsgerichts Düsseldorf vom 18. Januar 2011 – 17 Sa 1678/10 – wird auf seine Kosten zurückgewiesen.
2 AZR 277/11 > Rn 1
2 AZR 277/11 > Rn 2
Der 1966 geborene Kläger war seit Dezember 1990 bei der A AG in deren Werk L im Geschäftsbereich Consumer Imaging (CI) beschäftigt. Die A AG ist seit dem 27. Dezember 2006 unter Formwechsel eingetragen als die Beklagte. Neben dem Bereich CI gab es bei ihr – an unterschiedlichen Standorten in Deutschland – die Geschäftsbereiche „Health Care“ und „Graphic Systems“.
2 AZR 277/11 > Rn 3
2 AZR 277/11 > Rn 4
2 AZR 277/11 > Rn 5
2 AZR 277/11 > Rn 6
2 AZR 277/11 > Rn 7
2 AZR 277/11 > Rn 8
2 AZR 277/11 > Rn 9
Im Februar 2006 widersprach der Kläger dem Übergang seines Arbeitsverhältnisses auf die A-GmbH. In einem hierüber geführten Vorprozess wurde durch – rechtskräftiges – Urteil des Landesarbeitsgerichts Düsseldorf vom 19. September 2007 festgestellt, dass zwischen den Parteien weiterhin ein Arbeitsverhältnis bestand.
2 AZR 277/11 > Rn 10
Mit Schreiben vom 27. Juli 2007 kündigte die Beklagte das Arbeitsverhältnis der Parteien ordentlich. Dagegen erhob der Kläger – rechtzeitig – die vorliegende Kündigungsschutzklage.
2 AZR 277/11 > Rn 11
2 AZR 277/11 > Rn 12
2 AZR 277/11 > Rn 13
Die Beklagte hat beantragt, die Klage abzuweisen. Sie hat die Auffassung vertreten, die Kündigung sei wirksam. In keinem ihrer früheren Geschäftsbereiche sei sie im Kündigungszeitpunkt noch operativ tätig gewesen. Einen Betrieb im kündigungsschutzrechtlichen Sinne habe sie nicht mehr geführt. Eine Weiterbeschäftigung in den – unstreitig – auf andere Unternehmen ausgegliederten Bereichen „Health Care“ oder „Graphic Systems“ könne der Kläger nicht verlangen. Abgesehen davon, dass auch dort keine geeigneten Beschäftigungsmöglichkeiten bestünden, habe sie auf die fraglichen Unternehmen keinen bestimmenden Einfluss. Ein Betriebsrat habe im Kündigungszeitpunkt nicht mehr bestanden. Der für das Werk L gewählte Betriebsrat sei „mit dem Betrieb“ auf die A-GmbH übergegangen. Ein Abfindungsanspruch sei durch Nr. 7.3 ÜV 2004 wirksam ausgeschlossen.
2 AZR 277/11 > Rn 14
2 AZR 277/11 > Rn 15
2 AZR 277/11 > Rn 16
2 AZR 277/11 > Rn 17
2 AZR 277/11 > Rn 18
2 AZR 277/11 > Rn 19
2 AZR 277/11 > Rn 20
2 AZR 277/11 > Rn 21
2 AZR 277/11 > Rn 22
2 AZR 277/11 > Rn 23
2 AZR 277/11 > Rn 24
2 AZR 277/11 > Rn 25
2 AZR 277/11 > Rn 26
2 AZR 277/11 > Rn 27
2 AZR 277/11 > Rn 28
2 AZR 277/11 > Rn 29
2 AZR 277/11 > Rn 30
2 AZR 277/11 > Rn 31
2 AZR 277/11 > Rn 32
2 AZR 277/11 > Rn 33
2 AZR 277/11 > Rn 34
(2) Soweit der Kläger bemängelt, das Landesarbeitsgericht habe ihn nicht darauf hingewiesen, dass es von einer unzulänglichen Bezugnahme auf erstinstanzliches Vorbringen ausgehe, ist diese Rüge schon deshalb unzulässig, weil er nicht aufzeigt, welchen neuen, entscheidungserheblichen Vortrag er auf den vermissten Hinweis hin geleistet hätte. Der Kläger beschränkt sich auf die Behauptung, es wäre „nochmals entsprechender Sachvortrag erfolgt“. Überdies hat das Landesarbeitsgericht seine Entscheidung – anders als der Kläger meint – nicht damit begründet, dieser habe sein erstinstanzliches Vorbringen im Berufungsrechtszug nur unzulänglich in Bezug genommen. Es brauchte deshalb einen entsprechenden Hinweis nicht zu erteilen.
2 AZR 277/11 > Rn 35
2 AZR 277/11 > Rn 36
2 AZR 277/11 > Rn 37
2 AZR 277/11 > Rn 38
(2) Ob etwas anderes dann zu gelten hätte, wenn in einem der ausgegliederten Bereiche freie Arbeitsplätze vorhanden gewesen wären und die Beklagte schon Anfang August 2005 mit einem erfolgversprechenden Widerspruch des Klägers gegen den Übergang seines Arbeitsverhältnisses auf die A-GmbH hätte rechnen müssen (vgl. dazu, wenn auch bei anderer Sachverhaltsgestaltung, BAG 15. August 2002 – 2 AZR 195/01 – zu II 1 d bb der Gründe, BAGE 102, 197), kann dahinstehen. Der Kläger hat sich auf freie Kapazitäten im Zeitpunkt der Ausgliederung nicht berufen. Er stützt eine Verpflichtung der Beklagten, ihn dem Geschäftsbereich „Health Care“ zuzuordnen, ausschließlich auf sein Schreiben vom 29. Juni 2005 und eine bewusste Fehlinformation über die Folgen des Betriebsübergangs. Das reicht für die Annahme einer treuwidrigen Zuordnungsentscheidung nicht aus.
2 AZR 277/11 > Rn 39
2 AZR 277/11 > Rn 40
(1) Es hat angenommen, der Kläger habe seine Darlegungsverpflichtungen nicht erfüllt. Er habe nicht aufgezeigt, wie er sich ggf. bei welchem mit der Beklagten konzernrechtlich verbundenen Unternehmen eine Weiterbeschäftigung vorstelle. Einen Rechtsfehler zeigt der Kläger insoweit nicht auf. Soweit er beanstandet, er habe „im Instanzenzug“ zu der konzernweiten Versetzungsklausel vorgetragen, ist eine darin liegende Verfahrensrüge unzulässig. Seinem Vorbringen ist nicht zu entnehmen, welchen entscheidungserheblichen Vortrag er in den Vorinstanzen zu einer – freien – Beschäftigungsmöglichkeit bei anderen Konzernunternehmen geleistet haben will. Auf eine Überforderung durch die ihn insoweit treffende Darlegungslast hat er sich nicht berufen.
2 AZR 277/11 > Rn 41
2 AZR 277/11 > Rn 42
2 AZR 277/11 > Rn 43
2 AZR 277/11 > Rn 44
1. Gemäß § 102 Abs. 1 BetrVG ist die Anhörung des Betriebsrats Wirksamkeitsvoraussetzung für jede Kündigung durch den Arbeitgeber. Die Anhörungspflicht besteht grundsätzlich gegenüber dem Betriebsrat des Betriebs, dessen Belegschaft der Arbeitnehmer im Zeitpunkt der Kündigung angehört (BAG 12. Mai 2005 – 2 AZR 149/04 – zu B I 1 der Gründe, AP BetrVG 1972 § 72 Nr. 145 = EzA BetrVG 2001 § 102 Nr. 13; APS/Koch 4. Aufl. § 102 BetrVG Rn. 69). Eine Zuständigkeit des Gesamtbetriebsrats scheidet bei personellen Einzelmaßnahmen wie einer Kündigung grundsätzlich aus (BAG 16. Dezember 2010 – 2 AZR 576/09 – Rn. 15, AP KSchG 1969 § 2 Nr. 150 = EzA KSchG § 2 Nr. 81; 21. März 1996 – 2 AZR 559/95 – zu II 1 der Gründe, BAGE 82, 316).
2 AZR 277/11 > Rn 45
2 AZR 277/11 > Rn 46
2 AZR 277/11 > Rn 47
2 AZR 277/11 > Rn 48
2 AZR 277/11 > Rn 49
2 AZR 277/11 > Rn 50
2 AZR 277/11 > Rn 51
2 AZR 277/11 > Rn 52
2 AZR 277/11 > Rn 53
2 AZR 277/11 > Rn 54
2 AZR 277/11 > Rn 55
2 AZR 277/11 > Rn 56
2 AZR 277/11 > Rn 57
2 AZR 277/11 > Rn 58
2 AZR 277/11 > Rn 59
2 AZR 277/11 > Rn 60
2 AZR 277/11 > Rn 61
2 AZR 277/11 > Rn 62
2 AZR 277/11 > Rn 63
2 AZR 277/11 > Rn 64
2 AZR 277/11 > Rn 65
2 AZR 277/11 > Rn 66
2 AZR 277/11 > Rn 67
2 AZR 277/11 > Rn 68
2 AZR 277/11 > Rn 69
2 AZR 277/11 > Rn 70
2 AZR 277/11 > Rn 71
2 AZR 277/11 > Rn 72
2 AZR 277/11 > Rn 73
2 AZR 277/11 > Rn 74
2 AZR 277/11 > Rn 75
2 AZR 277/11 > Rn 76
2 AZR 277/11 > Rn 77
2 AZR 277/11 > Rn 78
2 AZR 277/11 > Rn 79
2 AZR 277/11 > Rn 80
2 AZR 277/11 > Rn 81
Das Urteil BAG – 2 AZR 277/11 wird zitiert in: