Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Gericht=BGH&Datum=04.07.1977&Aktenzeichen=II%20ZR%20150%2F75
Timestamp: 2019-04-26 02:51:23
Document Index: 224785557

Matched Legal Cases: ['BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 708', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 52', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 132', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 65', 'BGH']

BGH, 04.07.1977 - II ZR 150/75 - dejure.org
BGH, 04.07.1977 - II ZR 150/75
Übermäßige Entnahmen aus einer Kommanditgesellschaft - Auf die Aufnahme einer Vielzahl von Kommanditisten gerichtete Kommanditgesellschaft - Haftung eines Gesellschafters, der die Stellung eines Aufsichtsratsmitglieds einer Publikumsgesellschaft erlangt hat - Haftung eines Verwaltungsratsmitglieds bei Außer-Acht-Lassen der im Verkehr erforderlichen Sorgfalt
BGHZ 69, 207
MDR 1978, 33
WM 1977, 1221
DB 1977, 2088
§ 708 BGB ist entgegen der Ansicht der Revision schon aus allgemeinen Erwägungen unanwendbar (Urt. d. Sen. v. 4.7.77 - II ZR 150/75, WM 1977, 1221).
Daß ihm auch alle zur Erfüllung dieser Aufgabe notwendigen Kontrollbefugnisse zustanden, entspricht bei einer Publikumsgesellschaft wie der B. allgemeinen Rechtsgrundsätzen, ohne daß hierzu erst noch die vom Aufsichtsrat beschlossene Geschäftsordnung herangezogen werden muß (vgl. Urt. d. Sen. v. 4.7.77 a.a.O. zu I 3 b aa).
Es entlastet sie auch nicht, daß, soweit ersichtlich, alle Gesellschafter durch die Annahme der vom Kläger beanstandeten Vorauszahlungen diese gebilligt haben; hierauf könnten sie sich allenfalls berufen, wenn die Gesellschafter über die Lage der Gesellschaft zutreffend unterrichtet gewesen wären (vgl. Urt. d. Sen. v. 4.7.77 a.a.O. zu I 3 a dd).
Darüber hinaus hat das Aufsichtsorgan selbst aufgrund seiner Kenntnis der Geschäftsverhältnisse und der vorliegenden Berichte, unter Umständen auch einmal durch Einsichtnahme in die Geschäftsbücher, den Abschluß sorgfältig zu prüfen und, wenn diese Prüfung Anlaß zu Bedenken gibt, ihnen sogleich nachzugehen (Urt. d. Sen. v. 4.7.77 a.a.O. zu I 3 b bb; RGZ 161, 129, 140).
Er ist insbesondere verpflichtet, alle zur Verfügung stehenden Mittel einzusetzen, um den Vorstand von bestimmten rechtswidrigen Maßnahmen abzubringen (vgl. zu den Handlungspflichten des Aufsichtsrats gegenüber dem Vorstand auch BGH, NJW 1977, 2311, 2312).
Das Verhalten des Beklagten als Aufsichtsratsvorsitzender ist daher - unabhängig von eventuellen Beschlüssen des gesamten Aufsichtsrats - ausreichend, um eine Beihilfe zum Betrug und eine entsprechende Schadensersatzhaftung zu begründen (vergleiche zu den Pflichten des einzelnen Aufsichtsratsmitglieds BGH, NJW 1977, 2311, 2312; BGH, NJW 1979, 1823; BGH, NJW 1991, 1830, 1831).
Wie der Senat für den Aufsichtsrat einer solchen Gesellschaft entschieden hat, ist sie mit den Besonderheiten einer von persönlichen Verhältnissen nicht geprägten Massengesellschaft und dem durch sie gebotenen erhöhten Schutz der Anlagegesellschafter unvereinbar (BGHZ 69, 207, 209 f) [BGH 04.07.1977 - II ZR 150/75].
In diesem Falle stehen die Mitglieder dieses Gremiums in einem Rechtsverhältnis zur Gesellschaft selbst mit der Folge, daß jedes Mitglied der Gesellschaft gegenüber verpflichtet ist, für die Erfüllung der übernommenen Aufgaben einzustehen (vgl. BGH WM 1975, 767; BGHZ 69, 207 = NJW 1977, 2311 = WM 1977, .1221, 1222; BGH WM 1983, 555, 556).
Der Bundesgerichtshof hat auch wiederholt entschieden, daß auf die Schadensersatzpflicht der Aufsichtsratsmitglieder einer Publikums-Kommanditgesellschaft die für den Aufsichtsrat der Aktiengesellschaft oder der GmbH geltenden Grundsätze der §§ 52 GmbHG, 116, 93 AktienG entsprechend heranzuziehen sind, und zwar z.B. bezüglich der Bemessung der , Sorgfaltspflicht, der Beweislast und der Verjährung (vgl. BGHZ 69, 207 = NJW 1977, 2311 = WM 1977, 1222, 1223; BGH NJW 1978, 425 = BB 1978, 575 = WM 1977, 1446 [BGH 07.11.1977 - II ZR 43/76]; BGH BB 1980, 546, 549 = DB 1980, 71 [BGH 22.10.1979 - II ZR 151/77]; BGH WM 1983, 472, 473).
Der Beklagte kann sich deshalb nicht damit entlasten, den Geschäftsführer Mxxx treffe ebenfalls ein Vorwurf (vgl. BGHZ 69, 207 = NJW 1977, 2311 = WM 1977, 1221, 1224).
Der Beirat einer Publikums-KG nähert sich, wie der Bundesgerichtshof wiederholt hervorgehoben hat (BGH NJW 1977, 2311, 2313; 1978, 425; 1983, 1675), nach Aufgabe und Funktion dem Aufsichtsrat einer Aktiengesellschaft an.
Dabei kann hier dahingestellt bleiben, ob dies schon daraus folgt, daß es sich bei der Klägerin um eine Massengesellschaft handelt, deren Besonderheiten den Senat schon wiederholt zur Herausbildung von besonderen Rechtsgrundsätzen veranlaßten (…SenUrt. v. 14.12.72 - II ZR 82/70 u. v. 27.2.75 - II ZR 77/73, LM HGB § 132 Nr. 3 und Nr. 4; BGHZ 63, 338; 64, 238; vgl. weiterhin die zur Veröffentl. in BGHZ vorgesehenen Urt. des Sen. v. 12.5.77 - II ZR 89/75 u. v. 4.7.77 - II ZR 150/75).
Bei Publikumsgesellschaften besteht demgemäß das Bedürfnis, die Überwachung und Kontrolle der Geschäftsführung in ähnlicher Weise auszugestalten und an die Gesellschaftsorgane, die dem Aufsichtsrat der Aktiengesellschaft entsprechen, ähnliche Anforderungen zu stellen und für diese ähnliche Rechte und Pflichten zu begründen (vgl. BGHZ 69, 207, 220) [BGH 04.07.1977 - II ZR 150/75].
In gleicher Weise hat er diese Vorschriften herangezogen, um die Kompetenzen des Beirates und die daraus folgenden Pflichten näher zu bestimmen (BGHZ 69, 207, 213, 220 f [BGH 04.07.1977 - II ZR 150/75]).
Obwohl es sich bei einer Publikums-KG rechtlich gesehen um eine Personengesellschaft handelt, kommen im Einzelfall körperschaftliche Grundsätze zur Anwendung (…Gummert, Münchener Handbuch des Gesellschaftsrechts, Bd. 2, 2. Aufl. § 65, Rz. 1), wobei allerdings eine sklavische Übernahme der körperschaftlichen Regelungen ausscheidet (BGHZ 69, 207/220).