Source: https://grk-recht.de/2057-2/
Timestamp: 2020-07-09 02:54:03
Document Index: 11127111

Matched Legal Cases: ['§ 9', '§ 9', '§ 626', '§ 9', '§ 9', '§ 1', '§ 9']

Kündigungsschutz: erfolgloser Auflösungsantrag gem. § 9 KSchG | Rechtsanwälte Gasteiger Reitzer Liffers & Kollegen
Erfolgloser Auflösungsantrag gemäß § 9 KSchG: Mehrmaliges Fehlverhalten führt nicht automatisch zum zerrütteten Arbeitsverhältnis
Kündigung, Kündigungsschutzverfahren, fristlose Kündigung gem. § 626 BGB, Auflösungsantrag § 9 KSchG
LAG Düsseldorf, Urt. v. 23.01.2019 – 7 Sa 370/18
Aber nicht nur für eine Kündigung reichte das Fehlverhalten nach Meinung der Richter nicht aus. Der Auflösungsantrag der Hochschule war ebenfalls abzulehnen, da keine Gründe vorlagen, die der Hochschule die Fortsetzung des Arbeitsverhältnisses nicht zumuten könnten. Insgesamt stellte sich das Verhalten der Professorin als noch nicht so hartnäckig dar, dass bereits davon ausgegangen werden muss, dass eine künftige Zusammenarbeit der Parteien nicht mehr möglich sei.
Hinweis zur Entscheidung:
Mit einem Auflösungsantrag geschieht etwas sehr Ungewöhnliches: Der Arbeitnehmer gewinnt seinen Kündigungsschutzprozess, ist aber trotzdem seinen Job los. Stellt ein Arbeitsgericht nämlich fest, dass die Fortsetzung des Arbeitsverhältnisses niemandem zuzumuten ist, hat das Gericht entweder auf Antrag des Arbeitnehmers das Arbeitsverhältnis aufzulösen und den Arbeitgeber zur Zahlung einer angemessenen Abfindung zu verurteilen. Oder aber es hat die gleiche Entscheidung auf Antrag des Arbeitgebers zu treffen, wenn Gründe vorliegen, die eine reibungslose Zusammenarbeit zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer nicht mehr erwarten lassen.
Allgemeine Praxishinweise zu den Voraussetzungen eines erfolgreichen Auflösungsantrags gemäß § 9 KSchG:
Die grundsätzliche Voraussetzung für einen Auflösungsantrag ist, dass die Kündigung sozialwidrig, also wegen eines Verstoßes gegen § 1 KSchG unwirksam ist, die Klage damit eigentlich Erfolg hat.
Weiterhin müssen Gründe vorliegen, die eine den Betriebszwecken dienliche weitere Zusammenarbeit zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer nicht erwarten lassen (§ 9 Abs.1 Satz 2 KSchG). Liegen die hohen Anforderungen eines Auflösungsantrags vor, hat das Gericht das Arbeitsverhältnis gegen Zahlung einer Abfindung aufzulösen. Gerade für Führungskräfte ist es wichtig bei einer Auseinandersetzung diese Problematik zu berücksichtigen. Insbesondere für Leitende Angestellte ist der Auflösungsantrag oft eine unbekannte Gefahr.
Empfehlungen im Umgang mit einem Auflösungsantrag