Source: http://www.koerperverletzung-rechtsanwalt.de/fragen-zur-koerperverletzung/
Timestamp: 2019-07-17 22:21:35
Document Index: 97944331

Matched Legal Cases: ['§ 224', '§ 223', '§ 224', '§ 226', '§ 226', '§ 227', '§ 229', '§ 340', '§ 32', '§ 823', '§ 230', '§ 20', '§ 323']

Fragen und Antworten - Rechtsanwalt für Körperverletzungsdelikte Tel. 0231 18 9999 40
Wann liegt eine gefähr­li­che Körperverletzung vor?
Ich habe mich nur gewehrt. Habe ich aus Notwehr gehan­delt?
Kann die ver­letz­te Person von mir Schmerzensgeld ver­lan­gen? In wel­cher Höhe?
Werde ich straf­recht­lich nur zur Verantwortung gezo­gen, wenn kei­ne Strafanzeige gegen mich erstat­tet wur­de?
Droht mir eine Eintragung in mei­nem poli­zei­li­chen Führungszeugnis?
Ich wur­de von der Polizei als Beschuldigte vor­ge­la­den. Muss ich dahin hin­ge­hen?
Ich habe im alko­ho­li­sier­ten Zustand eine ande­re Person geschla­gen. Habe ich schuld­haft gehan­delt?
Eine gefähr­li­che Körperverletzung liegt vor, wenn eine ande­re Person kör­per­lich miss­han­delt oder an der Gesundheit geschä­digt wird und der Verletzende eines der zusätz­li­chen Merkmale des Tatbestands nach § 224 StGB erfüllt sind.
Hierzu zäh­len die Begehungsarten:
mit­tels Gift oder ande­ren gefähr­li­chen Stoffen (Kochsalz in gro­ßer Menge, kochen­des Wasser, zer­sto­ßen­des Glas),
mit­tels einer Waffe oder eines gefähr­li­chen Werkzeugs (Pistole, Messer, fes­tes Schuhwerk),
mit­tels eines hin­ter­lis­ti­gen Überfalls (Ausnutzung des Überraschungsmomentes nicht aus­rei­chend)
mit einem ande­ren Beteiligten gemein­schaft­lich oder
mit­tels einer lebens­ge­fähr­li­chen Handlung (fes­ter Tritt oder Schlag gegen den Kopf).
Die Körperverletzungsdelikte sehen als Sanktion sowohl eine Geldstrafe als auch eine Freiheitsstrafe bis zu 15 Jahren vor. Dabei rich­tet sich die zu erwar­ten­de Strafe von der jewei­li­gen Art der Körperverletzung.
Im Einzelnen sieht das Gesetz fol­gen­de Strafen vor:
Die ein­fa­che Körperverletzung nach § 223 StGB sieht eine Geldstrafe oder eine Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren vor.
Die gefähr­li­che Körperverletzung gemäß § 224 StGB kann mit einer Freiheitsstrafe von sechs Monaten bis zu zehn Jahren bestraft wer­den. Liegt ein min­der schwe­rer Fall vor, so wird die gefähr­li­che Körperverletzung mit einer Freiheitsstrafe von drei Monaten bis zu fünf Jahren bestraft.
Die schwe­re Körperverletzung (§ 226 StGB) sieht als Sanktion eine Freiheitsstrafe von einem Jahr bis zu zehn Jahren und in min­der schwe­ren Fällen eine Freiheitsstrafe von sechs Monaten bis zu fünf Jahren vor. Des Weiteren sieht der § 226 StGB für den Fall einer absicht­lich oder wis­sent­lich ver­ur­sach­ten schwe­ren Körperverletzung einen Strafrahmen von drei Jahren bis zu 15 Jahren Freiheitsstrafe und in min­der schwe­ren Fällen eine Freiheitsstrafe von einem Jahr bis zu zehn Jahren.
Eine Körperverletzung mit Todesfolge nach § 227 StGB wird mit einer Freiheitsstrafe von drei Jahren bis zu 15 Jahren und in min­der schwe­ren Fällen mit einer Freiheitsstrafe von einem Jahr bis zu zehn Jahren bestraft.
Die fahr­läs­si­ge Körperverletzung nach § 229 StGB sieht als Sanktion eine Geldstrafe oder eine Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren vor.
Die Körperverletzung im Amt (§ 340 StGB) wird mit einer Freiheitsstrafe von drei Monaten bis zu fünf Jahren und in min­der schwe­ren Fällen mit einer Geldstrafe oder einer Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren bestraft.
Ich habe mich nur gewehrt. Habe ich aus Notwehr gehandelt?
Die Frage kann man so pau­schal nicht beant­wor­ten. Ob Sie aus Notwehr gehan­delt haben, müs­sen wir in Ihrem Einzelfall genau prü­fen.
Grundsätzlich ist gem. § 32 StGB eine Körperverletzung durch Notwehr gerecht­fer­tigt, wenn Sie sich ver­tei­digt haben und die Verteidigung, erfor­der­lich war, um einen gegen­wär­ti­gen rechts­wid­ri­gen Angriff von sich oder einer ande­ren Person abzu­wen­den.
Im Einzelnen bedeu­tet dies fol­gen­des:
Zunächst müss­te Sie durch eine ande­re Person ange­grif­fen wor­den sein und die­ser Angriff müss­te zum Zeitpunkt Ihrer Verteidigung gegen­wär­tig sein, d.h. eine Rechtsgutsverletzung müss­te unmit­tel­bar bevor ste­hen. Holt also eine ande­re Person zum Schlag aus oder hat die­se Person Sie bereits geschla­gen und greift Sie wei­ter an, so liegt ein gegen­wär­ti­ger Angriff vor.
Sie dür­fen sich also bereits ver­tei­di­gen, auch wenn Sie noch nicht geschla­gen wur­den.
Des Weiteren müss­te Ihre Verteidigungshandlung erfor­der­lich sein. Das bedeu­tet Ihre Verteidigungshandlung müss­te geeig­net gewe­sen sein, den Angriff end­gül­tig abzu­weh­ren. Dabei müs­sen Sie das mil­des­te Mittel zur Verteidigung wäh­len, das Ihnen zur Verfügung steht. Sie dür­fen zum Beispiel sich nicht mit einem Messerstich weh­ren, wenn der Angreifer Sie mit der Faust geschla­gen hat.
Zudem müss­te Ihre Verteidigungshandlung auch gebo­ten gewe­sen sein. Die Gebotenheit des Angriffs fehlt in den sog. Bagatellangriffe sowie bei einem kras­sen Missverhältnis zwi­schen der dro­hen­den Verletzung für den Angreifer und Ihrem ver­tei­dig­tem Rechtsgut. Werden Sie in einer Warteschlange von einer ande­ren Person geschubst und schla­gen Sie daher die ande­re Person, so fällt Ihr Schlag nicht unter die Notwehr.
Kann die verletzte Person von mir Schmerzensgeld verlangen? In welcher Höhe?
Ja. Die ver­letz­te Person kann von Ihnen die Zahlung eines Schmerzensgeldes ver­lan­gen. Ein sol­cher Anspruch ergibt sich für den Geschädigten aus § 823 BGB. Die Höhe des Schmerzensgeldes ist in jedem Einzelfall sepa­rat zu ermit­teln. Dem Schmerzensgeld kommt eine Ausgleichs- und Genugtuungsfunktion zu. Bei der Bemessung der Schmerzensgeldhöhe wird ins­be­son­de­re das Ausmaß der erlit­te­nen Verletzungen, die Intensität und die Dauer der medi­zi­ni­schen Behandlungsmaßnahmen sowie ver­blei­ben­de Dauerfolgen berück­sich­tigt. Zudem wird aber auch Ihre wirt­schaft­li­che Situation berück­sich­tigt.
Werde ich strafrechtlich nur zur Verantwortung gezogen, wenn keine Strafanzeige gegen mich erstattet wurde?
Nach § 230 Abs. 1 StGB wird die ein­fa­che Körperverletzung sowie die fahr­läs­si­ge Körperverletzung nur auf Strafantrag ver­folgt es sei denn, dass die Strafverfolgungsbehörde wegen des beson­de­ren öffent­li­chen Interesses an der Strafverfolgung ein Einschreiten von Amts wegen für gebo­ten hält. Ein solch beson­de­res öffent­li­ches Interesse liegt vor, wenn Sie ein­schlä­gig vor­be­straft sind, Sie roh oder beson­ders leicht­fer­tig oder aus ras­sis­ti­schen, frem­den­feind­li­chen oder sons­ti­gen men­schen­ver­ach­ten­den Beweggründen gehan­delt haben, durch die Tat eine erheb­li­che Verletzung ver­ur­sacht wur­de oder dem Opfer wegen sei­ner per­sön­li­chen Beziehung zu Ihnen nicht zuge­mu­tet wer­den kann, Strafantrag zu stel­len, und die Strafverfolgung ein gegen­wär­ti­ges Anliegen der Allgemeinheit ist. Letztes wird im Falle einer Kindesmisshandlung ange­nom­men. Alle ande­ren Körperverletzungsdelikte wer­den hin­ge­gen auch ohne Vorliegen eines Strafantrages ver­folgt.
Droht mir eine Eintragung in meinem polizeilichen Führungszeugnis?
Nicht jede Strafe wegen der Begehung einer Körperverletzung führt zu einer Eintragung im poli­zei­li­chen Führungszeugnis. In das Führungszeugnis wer­den Geldstrafen unter 90 Tagessätze nicht ein­ge­tra­gen, sofern Sie nicht schon ein­mal von einem Gericht zu einer Geldstrafe oder Freiheitsstrafe ver­ur­teilt wur­den.
Ich wurde von der Polizei als Beschuldigte vorgeladen. Muss ich dahin hingehen?
Nein. Sie müs­sen einer Vorladung als Beschuldigter durch die Polizei nicht Folge leis­ten. Die Polizei darf Sie auch nicht zwangs­wei­se vor­füh­ren. Haben Sie aller­dings eine Beschuldigtenvorladung von der Staatsanwaltschaft oder dem Gericht bekom­men und erschei­nen zu dem Termin nicht, so darf man Sie zwangs­wei­se vor­füh­ren. Allerdings kann das Strafverfahren gegen Sie wei­ter­ge­führt wer­den, da aus­rei­chend ist, dass Ihnen die Gelegenheit zur Stellungnahme gege­ben wur­de. Es ist also gut mög­lich, dass Ihnen als nächs­tes die Anklage zuge­stellt wird. Sie soll­ten uns daher — wenn Sie eine Ladung als Beschuldigter erhal­ten – schnellst­mög­lich kon­tak­tie­ren, um irrepa­ra­ble Fehler, z.B. durch eine über­stürz­te Aussage oder schlich­tes Nichtstun, zu ver­mei­den. Wir sagen den Vernehmungstermin für Sie ab, bean­tra­gen Akteneinsicht in die Ermittlungsakten, bespre­chen mit Ihnen den Akteninhalt und geben ggfs. in Abstimmung mit Ihnen eine Einlassung ab.
Ich habe im alkoholisierten Zustand eine andere Person geschlagen. Habe ich schuldhaft gehandelt?
Die Frage nach Ihrer Schuld hängt vom Grad Ihrer Alkoholisierung zum Zeitpunkt der Tat ab. Die Schuldunfähigkeit ist in § 20 StGB gere­gelt und setzt vor­aus, dass Sie zur Tatzeit das Unrecht der Tat ein­ge­se­hen haben und in Ihrer Steuerungsfähigkeit ein­ge­schränkt waren. Sind Sie nach der Tat geflüch­tet oder haben Sie die Körperverletzung heim­lich began­gen, so wird das Gericht wahr­schein­lich anneh­men, dass Sie das Unrecht Ihres Handelns kann­ten. Eine Einschränkung in Ihrer Steuerungsfähigkeit wird das Gericht auf­grund Ihrer Alkoholisierung in der Regel anneh­men, wenn Sie zur Tatzeit eine Blutalkoholkonzentration von min­des­tens 3,0 Promille und dem Fehlen von sog. Leistungsmerkmalen anneh­men. Einen Rückschluss auf feh­len­de Leistungsmerkmale kön­nen zum Beispiel anhand fol­gen­der Merkmale gezo­gen wer­den: Koordinationsprobleme, ver­wa­sche­ne Sprache sowie lang­sa­me Reaktionen.
Ist in Folge Ihrer Körperverletzungshandlung die Person ums Leben gekom­men, so ver­langt die Rechtsprechung eine Blutalkoholkonzentration von min­des­tens 3,3 Promille sowie das Fehlen von sog. Leistungsmerkmalen.
Es ist jedoch zu beach­ten, dass Sie trotz Schuldunfähigkeit wegen der Körperverletzungshandlung bestraft wer­den kön­nen. Dies ist ins­be­son­de­re dann der Fall. wenn Sie sich absicht­lich in den alko­hol­be­ding­ten Zustand der Schuldunfähigkeit ver­setzt haben, um in die­sem Zustand eine ande­re Person zu ver­let­zen. Des Weiteren kön­nen Sie wegen eines sog. Vollrausches nach § 323 a StGB bestraft wer­den, wenn Sie sich vor­sätz­lich oder fahr­läs­sig in einen Vollrausch ver­setzt haben. Sie sich also vor­sätz­lich oder fahr­läs­sig bis zu dem Zustand der Schuldunfähigkeit betrun­ken haben.