Source: http://www2.lubw.baden-wuerttemberg.de/public/abt2/dokablage/oac_12/vo/4/4297.htm
Timestamp: 2018-12-10 02:47:19
Document Index: 27323582

Matched Legal Cases: ['§ 21', '§ 28', '§ 2', '§ 4', '§ 4', '§ 4', '§ 4', '§ 4', '§ 40', '§ 4', '§ 5', '§ 2', '§ 4']

4.297 Listhof
Verordnung des Regierungspräsidiums Tübingen über das Naturschutzgebiet »Listhof« vom 6. Juli 2000 (GBl. V. 10.08.2000, S. 566).
Auf Grund von §§ 21, 58 Abs. 2 des Naturschutzgesetzes (NatSchG) in der Fassung vom 29. März 1995 (GBI, S. 385) und § 28 Abs. 2 des Landesjagdgesetzes in der Fassung vom 1. Juni 1996 (GBI. S. 369) wird verordnet:
Die in § 2 näher bezeichneten Flächen auf dem Gebiet der Stadt Reutlingen, Gemarkungen Reutlingen, Betzingen und Ohmenhausen, Landkreis Reutlingen werden zum Naturschutzgebiet erklärt. Das Naturschutzgebiet führt die Bezeichnung »Listhof«.
(1) Das Naturschutzgebiet hat eine Größe von rd. 123 ha.
(2) Es umfasst auf Gemarkung Reutlingen die Gewanne Rainwasen, Steig und Steigwiesen, auf Gemarkung Betzingen die Gewanne Eberstall, Guckental, Steig, Steigwäldle und Steigwiesen sowie auf Gemarkung Ohmenhausen die Gewanne Biesenloch, Großholz, Guckental, Hinteres Feld, Kapf und Scheuerleswiesen bzw. Teile davon.
(3) Die Grenzen des Naturschutzgebiets sind in einer Karte im Maßstab 1:5000 sowie einer Übersichtskarte im Maßstab 1:25000 (Stand der Karten: 27. Juni 2000) mit durchgezogener roter Linie gekennzeichnet. Die Karten sind Bestandteil dieser Verordnung. Die Verordnung mit Karte wird beim Regierungspräsidium Tübingen in Tübingen, Konrad-Adenauer-Str. 20 und beim Landratsamt Reutlingen in Reutlingen, Bismarckstr. 47 auf die Dauer von zwei Wochen, beginnend am Tag nach Verkündung dieser Verordnung im Gesetzblatt, zur kostenlosen Einsicht durch jedermann während der Sprechzeiten öffentlich ausgelegt.
‑ eine ökologische Aufwertung des ehemaligen militärischen Übungsgeländes;
‑ die Erhaltung, Pflege und Verbesserung eines Biotopmosaiks aus naturnahen Bachläufen, Auwäldern, Wäldern unterschiedlicher Ausprägung, Hecken‑ und Feldgehölzen, Kleingewässern, Wiesen und Weiden trockener bis feuchter Ausprägung;
‑ die Erhaltung, Pflege und Verbesserung dieses Biotopmosaiks als Lebensraum zahlreicher gefährdeter Pflanzen‑ und Tierarten;
‑ die Erhaltung von Lebensräumen und Arten, die aufgrund von Richtlinien der Europäischen Gemeinschaft besonders geschützt sind;
‑ die Erhaltung des aufgrund dieses Biotopmosaiks vorhandenen reizvollen Landschaftsbildes;
‑ die Sicherung, Pflege und Verbesserung eines ökologisch hochwertigen Biotopmosaiks in stadtnaher Lage.
(1) In dem Naturschutzgebiet sind alle Handlungen verboten, die zu einer Zerstörung, Veränderung oder nachhaltigen Störung im Schutzgebiet oder seines Naturhaushalts oder zu einer Beeinträchtigung der wissenschaftlichen Forschung führen können. Insbesondere sind die in den Absätzen 2 bis 6 genannten Handlungen verboten.
3. Tiere einzubringen, wild lebenden Tieren nachzustellen, sie mutwillig zu beunruhigen, sie zu fangen, zu verletzen oder zu töten oder Puppen, Larven, Eier oder Nester oder sonstige Brut‑, Wohn‑ oder Zufluchtsstätten dieser Tiere zu entfernen, zu beschädigen oder zu zerstören; unter Verstoß gegen diese Bestimmung eingebrachte Tiere, insbesondere Fische, dürfen von den dazu Befugten ohne Befreiung wieder entnommen werden;
1. bauliche Anlagen im Sinne der Landesbauordnung zu errichten oder der Errichtung gleichgestellte Maßnahmen durchzuführen; dies gilt auch für Einfriedungen jeder Art sowie für Sport‑, Spiel‑ oder Erholungseinrichtungen;
2. Straßen, Wege, Plätze oder sonstige Verkehrsanlagen anzulegen, Leitungen zu verlegen oder Anlagen dieser Art zu verändern; ausgenommen sind Leitungen öffentlicher Versorgungsträger und öffentliche Verkehrsanlagen (einschließlich Feldwegen), wenn bei ihrer Planung Einvernehmen mit der höheren Naturschutzbehörde hergestellt wird;
4. neu aufzuforsten, die Entwicklung von Laubholz- oder Mischbeständen hin zu Nadelholzreinbeständen aktiv zu fördern, Christbaum- und Schmuckreisigkulturen und Vorratspflanzungen von Sträuchern und Bäumen anzulegen sowie Gehölze aller Art neu zu pflanzen oder auf andere Weise nicht standortheimische Pflanzen oder Pflanzenteile einzubringen;
1. die Wege (befestigte, unbefestigte und Graswege) zu verlassen oder durch Beschilderung oder tatsächliche Hindernisse gesperrte Wege zu betreten;
2. das Gebiet außerhalb befestigter Wege mit Fahrrädern zu befahren; im Wald gilt dieses Verbot auch für befestigte Wege von weniger als 2 m Breite;
3. zu reiten, ausgenommen auf der in der Karte ausgewiesenen Reitwegführung (die in Ziffer 1‑3 genannten Wege entsprechen der Konzeption der Stadt Reutlingen zur »Wegeführung und Besucherinformation im NSG Listhof« vom 30. März 2000);
4. das Gebiet mit motorisierten Fahrzeugen aller Art zu befahren, ausgenommen mit Krankenfahrstühlen;
7. Luftfahrzeuge aller Art zu betreiben, insbesondere das Starten und Landen von Luftsportgeräten (Hängegleiter, Gleitsegel, Ultraleichtflugzeugen, Sprungfallschirmen) und Freiballonen sowie das Aufsteigenlassen von Flugmodellen; ausgenommen ist das Überfliegen durch Modelle des RC-Modellflugclubs Reutlingen im Rahmen seiner luftverkehrsrechtlichen Erlaubnis.
(1) Für die landwirtschaftliche Bodennutzung gelten die Verbote des § 4 nicht, wenn sie in der bisherigen Art, im bisherigen Umfang und ordnungsgemäß im Sinne des Naturschutzgesetzes erfolgt, dabei den Boden pflegt, Erosion und Humusabbau vermeidet, Gewässerrandstreifen und Ufer, oberirdische Gewässer und Grundwasser nicht in ihrer chemischen, physikalischen und biologischen Beschaffenheit beeinträchtigt und wild lebenden Tieren und Pflanzen ausreichenden Lebensraum erhält.
5. Feldraine, Wälle, ungenutztes Gelände, Hecken, Gebüsche, Bäume, Röhrichtbestände, Tümpel oder sonstige landschaftsprägenden Elemente nicht erheblich oder nachhaltig beeinträchtigt werden.
(2) Für die forstwirtschaftliche Bodennutzung gelten die Verbote des § 4 nicht, wenn sie in der bisherigen Art, im bisherigen Umfang und ordnungsgemäß im Sinne des Naturschutzgesetzes erfolgt. Voraussetzung ist weiter, dass:
1. der Bau von für die Bewirtschaftung des Waldes erforderlichen befestigten Wegen im Einvernehmen mit der höheren Naturschutzbehörde erfolgt;
2. Entwässerungsmaßnahmen nicht begonnen werden;
3. die Zusammensetzung der Baumarten überwiegend aus standortheimischen Arten der potentiell natürlichen Vegetation entsprechend den Standortverhältnissen gefördert wird, insbesondere Laubholz- oder Mischbestände nicht zu Nadelholzreinbeständen umgewandelt werden oder eine solche Entwicklung begünstigt wird;
4. Tothölzer, Höhlenbäume oder Horstbäume bis zu ihrem natürlichen Verfall erhalten werden.
(3) Für die Ausübung der Jagd gelten die Verbote des § 4 nicht, wenn sie ordnungsgemäß im Sinne des Naturschutzgesetzes erfolgt.
1. neue Hochsitze nur mit Zustimmung der höheren Naturschutzbehörde und nur landschaftsgerecht aus naturbelassenen Rundhölzern errichtet werden;
2. Wildäcker, Futterstellen und Kirrungen nur mit Zustimmung der höheren Naturschutzbehörde angelegt werden; dieses wird unter Berücksichtigung des Schutzzwecks und etwa betroffener geschützter Biotope entschieden;
5. das Schutzgebiet nur im Zusammenhang mit der Ausübung der Jagd und nur auf befestigten Wegen mit Kraftfahrzeugen befahren wird, es sei denn, um zur zulässigen Errichtung neuer Jagdeinrichtungen sperriges oder schweres Material zu befördern oder erlegtes Schwarzwild zu bergen.
(5) Die Verbote des § 4 gelten ebenfalls nicht für Maßnahmen mit Ausgleichs‑ oder Ersatzfunktion, die mit der höheren Naturschutzbehörde abgestimmt wurden.
Schutz‑ und Pflegemaßnahmen
Im gesamten Naturschutzgebiet werden Schutz‑ und Pflegemaßnahmen durch die höhere Naturschutzbehörde im Benehmen mit der Stadt Reutlingen (Liegenschaftsverwaltung) in einem Pflege‑ und Entwicklungsplan oder durch Einzelanordnung festgelegt, für Waldflächen im Einvernehmen mit dem zuständigen staatlichen Forstamt. § 4 dieser Verordnung ist insoweit nicht anzuwenden.
(2) Ordnungswidrig im Sinne des § 40 Abs. 2 Nr. 7 des Landesjagdgesetzes handelt, wer in einem Naturschutzgebiet vorsätzlich oder fahrlässig entgegen § 4 oder § 5 die Jagd ausübt.
Diese Verordnung tritt am Tage nach Ablauf der Auslegungsfrist (§ 2 Abs. 3) in Kraft. Nach dem Inkrafttreten einer geplanten Schonwaldverordnung gelten auf der von beiden Verordnungen erfassten Fläche dieses Naturschutzgebiets die §§ 4 und 5 nur, soweit die Schonwaldverordnung keine entsprechenden Regelungen enthält.
Tübingen, den 6. Juli 2000