Source: https://brandwende.com/deutsch/ueber-uns/presse-und-publikationen/publikationen/bfsb/brandschutzsachverstaendige-staatlich-anerkannt-aber-ohne-ausbildung.html
Timestamp: 2020-02-17 10:21:03
Document Index: 158531008

Matched Legal Cases: ['§58', '§54', '§69', '§85', '§67', '§67', '§68', '§68', '§13', '§14']

„Brandschutzsachverständige staatlich anerkannt aber ohne Ausbildung?“ – Reinhard Eberl-Pacan – Architekten + Ingenieure Brandschutz, Berlin
Brief an die Ministerpräsidentin und an Landtagsabgeordnete des Landtages in NRW
„Brandschutzsachverständige staatlich anerkannt aber ohne Ausbildung?“
Im Rahmen der Neufassung der “Bauordnung Nordrhein-Westfalen” (NRW) hat sich die “Bundesvereinigung der Fachplaner und Sachverständigen im vorbeugenden Brandschutz” (BFSB) mit einem Brief an die Ministerpräsidentin des Landes NRW, Hannelore Kraft, sowie an die Fraktionsvorsitzenden des NRW-Parlaments gewandt und auf bestehende Missstände hingewiesen. Die Ausbildung und Beteiligung der Fachplaner und Sachverständigen im vorbeugenden Brandschutz muss auch in diesem Bundesland weiter verbessert werden.
Dieses Ziel will die BFSB weiterhin energisch verfolgen:
Meldungen aus deutschen Landen über Gebäudeeinstürze wegen mangelhafter Statik oder Bauausführung sind gottlob sehr selten. Dies liegt daran, dass an die Aufsteller und Überwacher von Standsicherheitsnachweisen sehr hohe, gesetzlich eng gefasste Normen angelegt werden. Versuchen, das zu „liberalisieren“ und die Verantwortung für die Standsicherheit in die Hände des Bauherrn zu legen, hat der Landtag NRW bisher stets widerstanden.
Nach den Ereignissen im Winter 2005/2006 – Bad Reichenhall – wurden bundesweit die “Hinweise für die Überprüfung der Standsicherheit von baulichen Anlagen durch den Eigentümer/Verfügungsberechtigten” veröffentlicht und auch in NRW übernommen.
Spätestens seit dem Flughafenbrand Düsseldorf 1996 weiß man aber, dass von einem Gebäude nicht nur beim Versagen der tragenden Struktur, sondern auch im Brandfall enorme, schwer einzuschätzende Gefahren ausgehen. Für 17 Tote kommt diese Erkenntnis allerdings zu spät. Dieses tragische Ereignis sowie das viertägige Feuer im Mont-Blanc-Tunnel, der Brand in der Anna-Amalia Bibliothek in Weimar oder der Brand in der Kabinenbahn in Kaprun mit 155 Toten verdeutlichen die Notwendigkeit ausgefeilter Sicherheitskonzepte.
Umso unverständlicher ist deshalb, dass die Anforderungen an den Brandschutz bisher kaum über einige materielle Vorschriften in der Bauordnung NRW und Sonderbauvorschriften hinaus gehen und insbesondere aber die Qualifikation der Aufsteller und Überwacher gebäudebezogener Brandschutzkonzepte in keiner Weise normiert ist.
Geprüfte Fachplaner, Sachverständige und “Master” werden ausgegrenzt.
Kein Mensch käme auf die Idee, einen Standsicherheitsnachweis nur deshalb von jemandem erstellen zu lassen, weil dieser über „Erfahrung“ darin verfügt und lediglich diese durch eine Prüfung vor der Ingenieurkammer Bau NRW nachgewiesen hat. Genau so aber ist im Bereich Brandschutz die Situation: die Prüfung zum staatlich anerkannten Sachverständigen (s. a. SV.) qua „Erfahrung“ berechtigt zum Aufstellen und Prüfen von Brandschutzkonzepten für Kindergärten über Gewerbehallen von 1500 m² bis hin zu Arenen für 80.000 Besucher.
Gleichzeitig werden ausgewiesene, geprüfte Fachplaner, Sachverständige und “Master …” ausgegrenzt.
In der Praxis führt der sehr uneinheitliche Erfahrungs- und Kenntnisstand oft dazu, dass Bauherrn von im Prinzip gleichen Gebäuden je nach Aufsteller des Brandschutzkonzeptes mit unterschiedlichen, teilweise sehr kostenträchtigen Auflagen belastet werden. Somit hat die als völlig unbefriedigend zu bezeichnende Situation neben dem öffentlich-rechtlichen auch noch einen privaten, finanziellen Aspekt, der nicht zu unterschätzen ist.
Zusätzliche Fachplaner an Brandschutzplanung beteiligen
Wenn Sie zudem die Struktur und Anforderungen an größere, moderne Gebäude betrachten, sehen Sie, dass oftmals die Tätigkeit des klassischen Bauingenieurs oder Architekten nur noch einen geringen Teil der Gebäudeplanung erfasst. Die technische Ausstattung, von den energetischen Maßnahmen, der Heizungs-, Lüftungs- oder Elektrotechnik, bis hin zur Gebäudeautomation für die Barrierefreiheit ist meist umfangreicher als die Gebäudehülle.
Daher ist es unabdingbar, zusätzliche Fachplaner aus diesen Bereichen an einer wirtschaftlichen und sicheren Brandschutzplanung zu beteiligen. Hierfür werden geprüfte Brandschutzfachplaner und -sachverständige, die auch in übergreifenden Ingenieurdisziplinen ausgebildet und koordinierend sind, benötigt. Für die Abstimmung dieser fachübergreifenden Brandschutzmaßnahmen in der Bauausführung sollte eine geeignete Fachbauleitung Brandschutz für Sonderbauten gesetzlich gefordert werden.
Das hat seinen Grund darin, dass es bisher – anders als bei Standsicherheitsnachweisen – keinen qualifizierten Ausbildungsgang zum vorbeugenden Brandschutz gegeben hat. Unter dem Begriff des vorbeugenden Brandschutzes sind alle Maßnahmen zusammengefasst, mit denen der Entstehung eines Brandes und der Ausbreitung von Feuer, vor allem aber Rauch vorgebeugt wird und mit denen die Rettung von Menschen und wirksame Löscharbeiten möglich werden.
Immer mehr qualifizierte Ausbildungsgänge im Brandschutz Foto: EIPOS
Seit einigen Jahren jedoch hat sich in Erkenntnis dieser unhaltbaren Lage an und in Kooperation mit Fachhochschulen und Industrie- und Handelskammern ein zweistufiger Ausbildungsgang zum vorbeugenden Brandschutz etabliert. In dessen erster Stufe erfolgt die Schulung und Prüfung zum geprüften Fachplaner Brandschutz und in seiner zweiten zum geprüften Sachverständigen für den vorbeugenden Brandschutz. Ergänzend kann die Ausbildung und das Studium zum Master… weitergeführt werden.
Dieser Ausbildungsgang erfreut sich stetig wachsender Absolventenzahlen. Auch weiterführende Ausbildungen in den speziellen Fachbereichen werden bereits seit einigen Jahren angeboten und finden gute Anerkennung.
Ausbildungsgang zum vorbeugenden Brandschutz hat sich etabliert
Leider mangelt es an der öffentlich-rechtlichen Anerkennung dieser fundiert und vor allem firmenneutral ausgebildeten Fachleute. Die bisher etablierte Sachverständigenregelung der Bauordnung NRW behindert diese, indem ihre Qualifikation von Seiten der Unteren Bauaufsichtsbehörden nicht die ihr zustehende Anerkennung erhält. Das ist unter öffentlich-rechtlichen, aber auch privatwirtschaftlichen Gesichtspunkten skandalös und somit nicht länger tragbar.
Die Bundesvereinigung für Fachplaner und Sachverständige im vorbeugenden Brandschutz (BFSB e.V.) vertritt die Interessen dieser qualifizierten und geprüften Fachkräfte auf Landes- und Bundesebene und wendet sich an Sie mit der dringenden Bitte, sich für die notwendigen Änderungen/Ergänzungen der Bauordnung NRW und der Sachverständigenverordnung NRW einzusetzen, damit der oben beschriebene unhaltbare Zustand beendet werden kann.
Die BFSB, als bundesweite Vereinigung, hat es sich zur Aufgabe gemacht, durch Qualifizierung und Qualitätssicherung in der Ausbildung der Fachplaner und Sachverständigen eine einheitliche Ausbildungsgrundlage und einheitliche Anerkennungsverfahren aufzustellen, damit solche folgenschwere Brände (wie im Absatz 2) nicht mehr passieren. Die meisten Menschenleben rettet man lange vor dem Brand durch richtig geplanten Brand- und Rauchschutz. Hierfür bedarf es einer zielgerichteten und einheitlichen Ausbildung im Brandschutz; hierfür brauchen wir Fachplaner und Sachverständige mit einer anerkannten Ausbildung im Brandschutz.
Dazu schlägt die BFSB e.V. folgende Änderungen vor:
§58(3) BauO NRW
Die brandschutztechnische Planung (Brandschutzkonzept) und Ausführung bzw. die Prüfung und Überwachung von baulichen Anlagen gemäß §54(2) Nr. 19 und §69(1) Satz 2 dürfen nur von staatlich anerkannten Sachverständigen nach §85(2) Satz 1 Nr.4 oder qualifiziert ausgebildeten und geprüften Sachverständigen für vorbeugenden Brandschutz durchgeführt werden. Die brandschutztechnische Planung und Ausführung darf auch von qualifiziert ausgebildeten und geprüften Fachplanern für vorbeugenden Brandschutz durchgeführt werden.
Brandschutzkonzepte für Gebäude mittlerer Höhe Foto: Archiv
§67(4) Satz 2 BauO NRW
Bei Wohngebäuden mittlerer Höhe muss zusätzlich von einer oder einem staatlich anerkannten Sachverständigen oder von einer oder einem qualifiziert ausgebildeten und geprüften Sachverständigen für vorbeugenden Brandschutz geprüft und bescheinigt werden, dass das Vorhaben den Anforderungen an den Brandschutz entspricht.
§67(5) BauO NRW
Die Bauherrin oder der Bauherr hat den Ausführungsbeginn … und dabei die Namen der … qualifiziert ausgebildeten und geprüften Sachverständigen für vorbeugenden Brandschutz … mitzuteilen.
Bei Fertigstellung müssen Bescheinigungen von … qualifiziert ausgebildeten und geprüften Sachverständigen für vorbeugenden Brandschutz … vorliegen … .
§68(2) Nr.3 BauO NRW
3. Die Bescheinigung … einer oder eines qualifiziert ausgebildeten und geprüften Sachverständigen für vorbeugenden Brandschutz, dass das Vorhaben den Anforderungen an den Brandschutz entspricht; dies gilt nicht für Wohngebäude geringer Höhe und Sonderbauten.
§68(2) Satz 2 BauO NRW
Gleichzeitig sind der Bauaufsichtsbehörde … die qualifiziert ausgebildeten und geprüften Sachverständigen für vorbeugenden Brandschutz zu benennen, die mit den stichprobenhaften Kontrollen der Bauaufsicht beauftragt worden sind.
Änderungen in der Sachverständigenverordnung SV VO NRW
Gesucht: qualifiziert ausgebildete Sachversändige Grafik: Geek&Poke
§13 Satz 2 Sachverständigenverordnung SV‐VO NRW
Die besonderen Voraussetzungen für die Anerkennung erfüllen auch qualifiziert ausgebildete Sachverständige.
§14(4) Sachverständigenverordnung SV‐VO NRW
Ihre Eignung nachgewiesen haben auch qualifiziert ausgebildete und geprüfte Sachverständige. Ihre Eignung haben ebenfalls nachgewiesen Sachverständige mit einem Hochschulabschluss als „Master of Engineering – Vorbeugender Brandschutz“.
Sie sind insofern, mit Ausnahme der Prüfung von Nachweisen, den staatlich anerkannten Sachverständigen gleichgestellt.