Source: https://www.fachanwalt.de/magazin/strafrecht/kreditkartenbetrug
Timestamp: 2020-02-23 04:22:53
Document Index: 363299690

Matched Legal Cases: ['§ 263', '§ 263', '§ 263', '§ 152', '§ 152', '§ 266', '§ 263', '§ 152', '§ 266', 'BGH']

Kreditkartenbetrug – was tun? Anzeige, Folgen und Strafe
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Kreditkartenbetrug – bekommt man das Geld zurück?
Der Kreditkartenbetrug zählt – vor allem auch durch die Verbreitung des Internets - weltweit mittlerweile zu den häufigsten Wirtschaftsdelikten. Dabei werden sensible Daten der Kreditkarte entwendet, um Bezahlungen durchzuführen. Das Opfer erleidet einen finanziellen Schaden. Jährlich entsteht durch Kreditkartenmissbrauch ein Schaden von ca. 700 Millionen Euro. Fraglich ist, ob jemand den erlittenen Schaden ersetzt?
1. Kreditkartenbetrug – Definition
2. Was ist Kreditkartenbetrug? Gesetzliche Regelung
4. Formen des Kreditkartenbetrugs
5. Wie funktioniert Kreditkartenbetrug im Internet?
6. Kreditkartenbetrug verhindern
7. Was tun bei Kreditkartenbetrug? Anzeige Polizei
8. Wer zahlt bei Kreditkartenbetrug?
9. Keine Haftung bei grober Fahrlässigkeit
Kreditkartenbetrug – Definition
Kreditkartenbetrug meint das Fälschen oder Entwenden von Kreditkarteninformationen durch einen unbefugten Dritten um mittels einer fremden Kreditkarte Zahlungen durchzuführen, wodurch dem eigentlichen Kontoinhaber ein finanzieller Schaden zugefügt wird.
Was ist Kreditkartenbetrug? Gesetzliche Regelung
Kreditkartenbetrug (© BillionPhotos.com / fotolia.com)Der Kreditkartenbetrug gehört zu den Delikten des Wirtschaftsbetruges und ist im Ergebnis eine Straftat.
Der Begriff „Kreditkartenbetrug“ stellt dabei lediglich eine kriminologische Bezeichnung dar.
Je nach Vorgehensweise der Täter, können folgende Straftatbestände verwirklicht sein:
Computerbetrug nach § 263a StGB
Wenn jemand eine gestohlene Kreditkarte oder EC-Karte mit gefälschten bzw. gestohlenen PIN oder auch einer TAN-Nummer benutzt,handelt es sich dabei um einen Computerbetrug nach § 263 a StGB. Wegen Computerbetruges nach § 263 a StGB macht sich strafbar, wer einen Datenverarbeitungsvorgang bei der Zahlung an der Kasse oder im Internet, oder gar beim Geldabheben am Geldautomaten dadurch beeinflusst, dass er unbefugterweise Daten verwendet.
Fälschung von Zahlungskarten, Schecks und Wechseln nach § 152 a StGB
Wenn der Täter dabei gefälschte Kreditkarten, EC-Karten oder Schecks verwendet, macht er sich nach § 152 a StGB strafbar.
§ 266 b StGB; Missbrauch von Scheck- und Kreditkarten
Dieser Fall kann vorliegen, wenn ein berechtigter Kreditkarteninhaber seine Kreditkarte in betrügerischer Weise benutzt. Dies ist der Fall, wenn der befugte Kartenbenutzer bei der Bezahlung mit der Karte weiß, dass er das Geld, was er da ausgibt, nicht hat.
Der Computerbetrug nach § 263 a StGB sieht als Strafe eine Freiheitsstrafe von bis zu fünf Jahren oder eine Geldstrafe vor.
§ 152 a StGB sieht ebenfalls eine Freiheitsstrafe von bis zu fünf Jahren oder eine Geldstrafe vor.
§ 266 b StGB sieht eine Geldstrafe oder eine Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren vor.
Welche Strafe der Täter im Ergebnis erhält, hängt von der Vorgehensweise und dem Einzelfall ab. Zudem spielt es u.a. eine Rolle, ob dieser bereits strafrechtlich in Erscheinung getreten ist oder nicht.
Strafverteidiger-Tipp: Ein Fachanwalt für Strafrecht könnte nähere Auskünfte erteilen.
Der Kreditkartenbetrug ist bei Betrügern so beliebt, da diese nicht einmal in den Besitz der eigentlichen Karte gelangen müssen. Für die Einkäufe und Bezahlungen der Betrüger reichen die Basisdaten der Kreditkarte aus.
Folgende Formen des Kreditkartenbetruges gibt es:
Die einfachste Form ist der Diebstahl der Kreditkarte. Nach dem Diebstahl kann der Betrüger die Karte sofort zum Bezahlen verwenden. Zum Bezahlen muss lediglich die Kreditkarte vorgelegt werden und eine Unterschrift erfolgen.
Elektronischer Datenklau im Internet
Diese Form des Kreditkartenbetrugs nimmt immer mehr zu und ist bei den Betrügern sehr beliebt, da sie nicht einmal in den wirklichen Besitz der Kreditkarte gelangen müssen. Die Betrüger gelangen durch Trojaner oder durch andere Schadsoftware an die Daten des Opfers.
Datendiebstahl bei Kreditkartenanbietern
Hacker und andere Betrügerbanden stehlen regelmäßig von Online-Händlern im großen Stil Kreditkartendaten von Kunden zu stehlen.
Wenn man sich diese drei Formen des Kreditkartenbetrugs vor Augen hält, wird schnell deutlich, dass man als Verbraucher und Kreditkartenbesitzer keine wirkliche Sicherheit vor Betrügern hat und schnell Opfer werden kann.
Wie funktioniert Kreditkartenbetrug im Internet?
Kreditkartenbetrug im Internet (© SARANYU / fotolia.com)Einkaufen per Mausklick ist bequem und spart Zeit. Immer mehr Händler bieten ihre Waren und Dienste im Internet an bieten auch die Möglichkeit, per Kreditkarte zu bezahlen. Die Zahl der Kunden und Nutzer im Internet nimmt ebenfalls immer mehr zu.
Diverse Geschäfte und Einkäufe werden tag-täglich im Internet getätigt, zumal man dies rund um die Uhr erledigen kann. Viele Anbieter und Händler bieten fast nur noch die Bezahlung über Kreditkarte an kombiniert mit persönlichen Daten. Wenn man im Internet mit der Kreditkarte bezahlt, hinterlässt man die wesentlichen Daten seiner Kreditkarte an den Händler. Hierbei handelt es sich in der Regel um Name des Inhabers, Kartennummer und Prüfziffer für Online-Käufe bzw. Online-Überweisungen. Die Eingabe der PIN ist in der Regel nicht notwendig.
Auch deswegen nimmt der elektronische Datenklau im Zeiten des Internets immer mehr zu und ist bei den Betrügern sehr beliebt. Die Betrüger gelangen durch Schadsoftware (Trojaner oder andere Viren) an die Daten des Opfers und brauchen somit die eigentliche Karte nicht.
Hacker haben eine Methode entwickelt, um Daten von ahnungslosen Benutzern zu erbeuten. Meistens installieren sie kleine Spionage-Applikationen in die Rechner von Internetanbietern, womit Daten abgezapft werden.
Diese Programme sind permanent auf der Suche nach bestimmten Transferprotokollen. Wenn es gelingt eine brauchbare Information abzufangen, wird dies umgehend an den Hacker weitergeleitet., der dann ohne Mühe den Datenaustausch beobachten kann und so getätigte Buchungen auswerten und dadurch an die Kreditkartennummern und die dazugehörigen persönliche Daten des Opfers gelangen.
Eine andere Form ist die, dass sich der Hacker eine eigene Website errichtet und darauf bestimmte Produkte und Waren anbietet. Wenn ein Kunde diese Website besucht und eines dieser Produkte per Kreditkarte bezahlt, hinterlässt er die nötigen Daten wie Kreditkartennummer, Name etc. Der Hacker ist nun im Besitz der nötigen Daten des Opfers, um damit selbst Einkäufe und Zahlungen vorzunehmen.
Führende Kreditkartenfirmen wie Eurocard oder Visacard unternehmen auch einiges, um Missbrauch von Kreditkartenbetrug im Internet zu verhindern bzw. einzudämmen. Dabei setzen sie auf neue Verschlüsselungsvorgänge wie SET (Secure Electronic Transmission).
Wenn der Kunde eine Bestellung mit SET vornimmt, werden seine Daten quasi nur noch verschlüsselt an einen autorisierten Händler weitergegeben. Dritte können die Daten zwar dennoch abfangen, allerdings aufgrund der Verschlüsselung nicht ohne Weiteres entziffern.
Dennoch gibt es keine Garantie, dass codierte Daten nicht geknackt werden können. In der Vergangenheit hat sich gezeigt, dass clevere Hacker selbst gute Verschlüsselungsmethoden geknackt haben.
Man sollte mit seiner Kreditkarte sehr sorgfältig umgehen. So kann man Kreditkartenbetrug verhindern:
Die Kreditkarte nicht mit der PIN gemeinsam aufbewahren. Dies stellt ansonsten ein grob fahrlässiges Verhalten dar, so dass man Erstattungs-Ansprüche auf Zahlung gegen die eigene Bank verlieren könnte.
Die Kreditkarte beim Bezahlen nicht einfach rausgeben, sondern nach dem rausgeben stets im Auge behalten.
Alte Kreditkarten unverzüglich rückstandslos vernichten. Die Kreditkartennummer bleibt in der Regel die gleiche und darf nicht erkannt werden auf der vernichteten Karte.
Beim Einkaufen im Internet darauf achten, dass eine SSL-gesicherte Verbindung gegeben ist. Dies erkennt man am „https“ vor der jeweiligen Internetadresse des Anbieters. Wenn eine solche Angabe fehlt, besteht ein erhöhtes Risiko.
Abrechnungen, Belege etc. nicht einfach in den Müll werfen, sondern „schreddern“. Wenn man keinen „Schredder“ hat, dann die Belege mehrfach zerreißen.
Die eigenen Abbuchungen sollte man regelmäßig kontrollieren, zumindest alle 2-3 Tage. Bei Auffälligkeiten sofort die Bank bzw. die kartenausgebende Stelle informieren.
Niemals per E-Mail, per Post oder per SMS die Daten der Kreditkarte durchgeben. Diese können abgefangen und sofort benutzt werden.
Vor dem Abheben von Geld den Geldautomaten auf Auffälligkeiten überprüfen. Darauf achten, ob spezielle Vorrichtungen an dem Automaten angebracht sind.
Was tun bei Kreditkartenbetrug? Anzeige Polizei
Egal wie vorsichtig man mit seiner Kreditkarte umgeht, dennoch kann man schnell Opfer eines Kreditkartenbetrugs werden. Im Falle eines Falles sollte man schnellstmöglich handeln, um den Schaden so gering wie möglich zu halten. So sollte man sich verhalten, wenn man Opfer geworden ist:
Ruhe bewahren, um einen „klaren Kopf“ zu haben.
Kreditkartenmissbrauch der Bank unverzüglich melden.
Strafanzeige (© cirquedesprit / fotolia.com)Wenn man die Nummer der Bank nicht weiß, dann den zentralen Notruf 116116 wählen. Darüber wird man an die entsprechende Stelle des Kreditkartenanbieters weitergeleitet. Wenn man sich grad im Ausland befindet, muss man die 0049 116 116 wählen.
Sofortige Sperre veranlassen, egal ob die Karte geklaut wurde oder ob lediglich Daten geklaut wurden.
umgehend die Abbuchungen überprüfen und ggf. reklamieren
Daten protokollieren (wann wurde die Karte geklaut? Wo? Wann gemeldet und Karte sperren lassen?).
Strafanzeige bei der Polizei erstatten. Die Anzeige gilt in der Regel auch als Nachweis, dass man Opfer geworden ist und kann im Ergebnis dazu führen, dass man den Schaden schneller ersetzt bekommt.
Einen Rechtsanwalt beauftragen. Mit Hilfe eines Rechtsanwalts ist es leichter, seine Ansprüche geltend zu machen und durchzusetzen.
Die Banken und Kreditkartenanbieter dürfen im Übrigen laut BGH für die Sperrung und einer Ersatzkarte keine Gebühren verlangen.
Wer zahlt bei Kreditkartenbetrug?
Als Opfer hat man sicherlich einen Anspruch gegen den Täter auf Erstattung des eingetreten Schadens. In Fällen von Kreditkartenbetrug ist es aber sehr oft problematisch, den Täter zu ermitteln, zumal viele von ihnen aus dem Ausland agieren.
Im Rahmen eines Strafverfahrens werden die meisten Opfer daher selten eine Entschädigung erhalten. Wenn die Täter nicht ermittelt werden können, wird das Strafverfahren seitens der Staatsanwaltschaft eingestellt.
Dem Opfer könnten aber zivilrechtliche Ansprüche zustehen. Wenn der Täter nicht ermittelt werden kann, kann das Opfer auch zivilrechtlich gegen diesen nichts erwirken. Allerdings könnte das Opfer einen Anspruch gegen die Bank oder gegen die kartenausgebende Stelle haben.
Als Opfer sollte man nach dem Verlust der Kreditkarte oder anderweitigem Missbrauch der Kreditkarte bzw. Diebstahl der Daten unverzüglich die zuständige Bank und die kartenausgebende Stelle informieren. Ab diesem Zeitpunkt haftet man zumindest nicht für zukünftige Schäden.
Strafverteidiger-Tipp:
Den Diebstahl bzw. den Missbrauch der Kreditkarte sofort bei der Bank bzw. bei der kartenausgebenden Stelle melden und eine Anzeige bei der Polizei erstatten.
In vielen Fällen kann das Opfer sogar mit der Erstattung des eingetretenen Schadens rechnen, der vor der Meldung eingetreten ist. Die Bestimmungen der Banken (Allgemeine Geschäftsbedingungen) sehen in der Regel vor, dass der Karteninhaber bis zu einem Wert von 50,-- € selbst haftet und darüber hinausgehende Schäden von der Bank bzw. der kartenausgebenden Stelle verlangen kann. Da es durchaus Abweichungen im Einzelfall geben kann, sollte man als Opfer sich die Allgemeinen Geschäftsbedingungen der zuständigen Bank gründlich durchlesen und ggf. von einem Rechtsanwalt überprüfen lassen. Gesetzlich vorgeschrieben ist eine Haftung des Opfers im Übrigen auf maximal 150 Euro.
Wenn das Opfer grob fahrlässig gehandelt hat, ist die Haftung der Bank ausgeschlossen. Grob fahrlässig handelt das Opfer in folgenden Fällen:
Karte nicht sorgfältig aufbewahrt
fehlende Geheimhaltung der PIN
Verlust und/oder Missbrauch zu spät gemeldet
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