Source: http://m.hensche.de/Befristungen_in_der_Kulturbranche_unterliegen_der_Richtlinie_99-70-EG_Rahmenvereinbarung_EuGH_C-238-14_u.html
Timestamp: 2017-11-24 20:30:46
Document Index: 391544882

Matched Legal Cases: ['Art. 258', 'Art. 1', 'Art. 3', 'Art. 4', 'Art. 3', 'Art. 4', 'Art. 4', 'Art. 4', 'Art. 7', 'Art. 8', 'Art. 4', 'Art. 2', 'Art. 4', 'Art. 4', 'Art. 4', 'Art. 138']

Schlag­worte: Befristung: EU-Recht
Akten­zeichen: C-238/14
1. Das Großher­zog­tum Lu­xem­burg hat da­durch ge­gen sei­ne Ver­pflich­tun­gen aus Pa­ra­graf 5 der am 18. März 1999 ge­schlos­se­nen Rah­men­ver­ein­ba­rung über be­fris­te­te Ar­beits­verträge im An­hang der Richt­li­nie 1999/70/EG des Ra­tes vom 28. Ju­ni 1999 zu der EGB-UN­ICE-CEEP-Rah­men­ver­ein­ba­rung über be­fris­te­te Ar­beits­verträge ver­s­toßen, dass es Aus­nah­men von den Maßnah­men zur Ver­mei­dung von Miss­brauch durch auf­ein­an­der­fol­gen­de be­fris­te­te Ar­beits­verträge mit Kurz­zeit-Beschäftig­ten des Kul­tur­be­triebs bei­be­hal­ten hat.
2. Das Großher­zog­tum Lu­xem­burg trägt die Kos­ten.
26. Fe­bru­ar 2015(*)
„Ver­trags­ver­let­zung ei­nes Mit­glied­staats - So­zi­al­po­li­tik - Richt­li­nie 1999/70/EG - EGB-UN­ICE-CEEP-Rah­men­ver­ein­ba­rung über be­fris­te­te Ar­beits­verträge - Kurz­zeit-Beschäftig­te des Kul­tur­be­triebs - Auf­ein­an­der­fol­gen­de be­fris­te­te Ar­beits­verträge - Pa­ra­graf 5 Nr. 1 - Maßnah­men zur Ver­mei­dung von Miss­brauch durch auf­ein­an­der­fol­gen­de be­fris­te­te Ar­beits­verträge - Be­griff der sol­che Verträge recht­fer­ti­gen­den ‚sach­li­chen Gründe‘“
In der Rechts­sa­che C-238/14
be­tref­fend ei­ne Ver­trags­ver­let­zungs­kla­ge nach Art. 258 AEUV, ein­ge­reicht am 13. Mai 2014,
Großher­zog­tum Lu­xem­burg, ver­tre­ten durch D. Hol­de­rer als Be­vollmäch­tig­te,
1 Mit ih­rer Kla­ge be­an­tragt die Eu­ropäische Kom­mis­si­on, fest­zu­stel­len, dass das Großher­zog­tum Lu­xem­burg da­durch ge­gen sei­ne Ver­pflich­tun­gen aus Pa­ra­graf 5 der am 18. März 1999 ge­schlos­se­nen Rah­men­ver­ein­ba­rung über be­fris­te­te Ar­beits­verträge (im Fol­gen­den: Rah­men­ver­ein­ba­rung) im An­hang der Richt­li­nie 1999/70/EG des Ra­tes vom 28. Ju­ni 1999 zu der EGB-UN­ICE-CEEP-Rah­men­ver­ein­ba­rung über be­fris­te­te Ar­beits­verträge (ABl. L 175, S. 43) ver­s­toßen hat, dass es Aus­nah­men von den Maßnah­men zur Ver­mei­dung von Miss­brauch durch auf­ein­an­der­fol­gen­de be­fris­te­te Ar­beits­verträge mit Kurz­zeit-Beschäftig­ten des Kul­tur­be­triebs (in­ter­mit­tents du spect­a­cle) bei­be­hal­ten hat.
2 Nach Art. 1 der Richt­li­nie 1999/70 soll mit ihr „die zwi­schen den all­ge­mei­nen bran­chenüberg­rei­fen­den Or­ga­ni­sa­tio­nen (EGB, UN­ICE und CEEP) ge­schlos­se­ne Rah­men­ver­ein­ba­rung …, die im An­hang ent­hal­ten ist, durch­geführt wer­den“.
3 Die Nrn. 6 bis 8 und 10 der All­ge­mei­nen Erwägun­gen der Rah­men­ver­ein­ba­rung lau­ten:
8. Be­fris­te­te Ar­beits­verträge sind für die Beschäfti­gung in be­stimm­ten Bran­chen, Be­ru­fen und Tätig­kei­ten cha­rak­te­ris­tisch und können den Bedürf­nis­sen der Ar­beit­ge­ber und der Ar­beit­neh­mer ent­spre­chen.
10. Die­se Ver­ein­ba­rung überlässt es den Mit­glied­staa­ten und den So­zi­al­part­nern, die An­wen­dungs­mo­da­litäten ih­rer all­ge­mei­nen Grundsätze, Min­dest­vor­schrif­ten und Be­stim­mun­gen zu de­fi­nie­ren, um so der je­wei­li­gen Si­tua­ti­on der ein­zel­nen Mit­glied­staa­ten und den Umständen be­stimm­ter Bran­chen und Be­ru­fe ein­sch­ließlich sai­so­na­ler Tätig­kei­ten Rech­nung zu tra­gen.“
4 Die Rah­men­ver­ein­ba­rung soll nach ih­rem Pa­ra­graf 1 u. a. ei­nen Rah­men schaf­fen, der den Miss­brauch durch auf­ein­an­der­fol­gen­de be­fris­te­te Ar­beits­verträge oder -verhält­nis­se ver­hin­dert.
5 Pa­ra­graf 5 („Maßnah­men zur Ver­mei­dung von Miss­brauch“) der Rah­men­ver­ein­ba­rung sieht vor:
Lu­xem­bur­gi­sches Recht
Der zu Ab­schnitt 1 („All­ge­mei­ne Be­stim­mun­gen“) des Ka­pi­tels I von Ti­tel II des Code du tra­vail (Ar­beits­ge­setz­buch) gehören­de Art. L. 121-2 sieht vor:
„Der Ar­beits­ver­trag wird auf un­be­stimm­te Zeit ge­schlos­sen.
Er kann je­doch in den Fällen und un­ter den Vor­aus­set­zun­gen des Ka­pi­tels 3 des vor­lie­gen­den Ti­tels ein bei sei­nem Ab­schluss ge­nau fest­ge­leg­tes oder aus der Er­rei­chung des Zwecks, für den er ge­schlos­sen wird, re­sul­tie­ren­des Ab­lauf­da­tum ent­hal­ten.“
7 Der zu Ab­schnitt 1 („Rück­griff auf den be­fris­te­ten Ar­beits­ver­trag“) des Ka­pi­tels II von Ti­tel II des Code du tra­vail gehören­de Art. L. 122‑1 be­stimmt:
„(1) Ein be­fris­te­ter Ar­beits­ver­trag kann zur Erfüllung ei­ner ge­nau be­stimm­ten, nicht dau­er­haf­ten Auf­ga­be ge­schlos­sen wer­den; er darf nicht zum Ge­gen­stand ha­ben, dau­er­haft ei­nen Ar­beits­platz zu be­set­zen, der mit der nor­ma­len, ständi­gen Geschäftstätig­keit des Un­ter­neh­mens in Ver­bin­dung steht.
(2) Zu den ge­nau be­stimm­ten, nicht dau­er­haf­ten Auf­ga­ben im Sin­ne von Abs. 1 gehören ins­be­son­de­re:
1. die Ver­tre­tung ei­nes vorüber­ge­hend ab­we­sen­den Ar­beit­neh­mers oder ei­nes Ar­beit­neh­mers, des­sen Ver­trag aus an­de­ren Gründen als we­gen ei­nes Ta­rif­kon­flikts oder ei­nes Ar­beits­man­gels aus wirt­schaft­li­chen oder wit­te­rungs­be­ding­ten Gründen aus­ge­setzt wor­den ist, so­wie die Ver­tre­tung ei­nes un­be­fris­tet beschäftig­ten Ar­beit­neh­mers, des­sen Stel­le frei ge­wor­den ist, bis zur tatsächli­chen Ar­beits­auf­nah­me sei­nes Nach­fol­gers;
2. die durch großher­zog­li­che Ver­ord­nung be­stimm­ten sai­so­na­len Tätig­kei­ten;
3. die Tätig­kei­ten, für die in be­stimm­ten Bran­chen auf­grund ih­rer Art oder ih­res zeit­lich be­grenz­ten Cha­rak­ters übli­cher­wei­se kei­ne un­be­fris­te­ten Verträge ge­schlos­sen wer­den; die Lis­te die­ser Bran­chen und Tätig­kei­ten wird durch großher­zog­li­che Ver­ord­nung fest­ge­legt;
4. die Erfüllung ei­ner be­stimm­ten ge­le­gent­li­chen und punk­tu­el­len Auf­ga­be, die nicht zur lau­fen­den Geschäftstätig­keit des Un­ter­neh­mens gehört;
5. die Erfüllung ei­ner ge­nau fest­ge­leg­ten, nicht dau­er­haf­ten Auf­ga­be bei ei­ner vorüber­ge­hen­den außer­gewöhn­li­chen Zu­nah­me der Geschäftstätig­keit des Un­ter­neh­mens oder während der An­lauf­pha­se oder beim Aus­bau des Un­ter­neh­mens;
6. die Ausführung drin­gend er­for­der­li­cher Ar­bei­ten zur Ver­mei­dung von Unfällen, Be­he­bung von Ma­te­ri­almängeln, Or­ga­ni­sa­ti­on von In­stand­hal­tungs­maßnah­men für die An­la­gen oder Gebäude des Un­ter­neh­mens, um jeg­li­chen Scha­den vom Un­ter­neh­men und sei­nen Mit­ar­bei­tern fern­zu­hal­ten;
7. die Ein­stel­lung ei­nes bei der ‚Agen­tur für Ar­beits­plat­z­ent­wick­lung‘ ge­mel­de­ten Ar­beits­lo­sen im Rah­men ei­ner Ein­glie­de­rungs- oder Wie­der­ein­glie­de­rungs­maßnah­me in das Be­rufs­le­ben oder weil er zu ei­ner Ka­te­go­rie von Ar­beits­lo­sen gehört, die auf der Grund­la­ge ei­ner großher­zog­li­chen Ver­ord­nung, die nach Stel­lung­nah­me des Staats­rats und im Ein­ver­neh­men mit der Kon­fe­renz der Präsi­den­ten der Ab­ge­ord­ne­ten­kam­mer er­geht, für ei­ne Ein­stel­lung mit be­fris­te­tem Ar­beits­ver­trag in Fra­ge kom­men. Die maßge­ben­den Kri­te­ri­en für die Ka­te­go­ri­en der in Fra­ge kom­men­den Ar­beits­lo­sen tra­gen ins­be­son­de­re dem Al­ter, der Aus­bil­dung, der Dau­er der Ar­beits­lo­sig­keit und dem so­zia­len Um­feld des Ar­beits­lo­sen Rech­nung;
8. der Ar­beits­platz, der für die be­vor­zug­te Ein­stel­lung be­stimm­ter Ka­te­go­ri­en von Ar­beits­su­chen­den be­stimmt ist;
9. der Ar­beits­platz, bei dem sich der Ar­beit­ge­ber ver­pflich­tet, dem Ar­beit­neh­mer ei­ne ergänzen­de Be­rufs­aus­bil­dung zu gewähr­leis­ten.
(3) Ab­wei­chend von den Abs. 1 und 2 ist ei­ne Be­fris­tung fol­gen­der Ar­beits­verträge zulässig:
2. die von Kurz­zeit-Beschäftig­ten des Kul­tur­be­triebs im Sin­ne von Art. 3 des [Ge­set­zes vom 30. Ju­li 1999 über a) die Rechts­stel­lung als pro­fes­sio­nel­ler frei­schaf­fen­der Künst­ler (ar­tis­te pro­fes­si­onnel indépen­dant) und als Kurz­zeit-Beschäftig­ter des Kul­tur­be­triebs, b) zur Förde­rung des künst­le­ri­schen Schaf­fens in der Fas­sung des Ge­set­zes vom 26. Mai 2004 (im Fol­gen­den: geänder­tes Ge­setz vom 30. Ju­li 1999)] mit ei­nem Un­ter­neh­men des Kul­tur­be­triebs oder im Rah­men von Film-, au­dio­vi­su­el­len, Thea­ter- oder Mu­sik­pro­duk­tio­nen ge­schlos­se­nen Ar­beits­verträge.
8 Der zu Ab­schnitt 3 („Dau­er des be­fris­te­ten Ver­trags“) des Ka­pi­tels II von Ti­tel II des Code du tra­vail gehören­de Art. L. 122-3 sieht vor:
„(1) Der be­fris­te­te Ar­beits­ver­trag muss schon bei sei­nem Ab­schluss ein ge­nau fest­ge­leg­tes Ab­lauf­da­tum ent­hal­ten.
Die ge­naue Fest­le­gung des Ab­lauf­da­tums kann ent­fal­len, wenn der Ar­beits­ver­trag in fol­gen­den Fällen ge­schlos­sen wird:
1. zur Ver­tre­tung ei­nes ab­we­sen­den Ar­beit­neh­mers oder ei­nes Ar­beit­neh­mers, des­sen Ver­trag aus an­de­ren Gründen als we­gen ei­nes Ta­rif­kon­flikts aus­ge­setzt wor­den ist oder zur Ver­tre­tung ei­nes Ar­beit­neh­mers, des­sen Stel­le vor Ar­beits­auf­nah­me sei­nes Nach­fol­gers frei ge­wor­den ist;
2. für sai­so­na­le Tätig­kei­ten;
3. für Tätig­kei­ten, für die auf­grund ih­rer Art oder ih­res zeit­lich be­grenz­ten Cha­rak­ters übli­cher­wei­se kei­ne un­be­fris­te­ten Verträge ge­schlos­sen wer­den.
Enthält der Ver­trag in die­sen Fällen kein ge­nau­es Ab­lauf­da­tum, ist er für ei­ne Min­dest­dau­er ab­zu­sch­ließen; er en­det mit der Rück­kehr des ab­we­sen­den Ar­beit­neh­mers oder der Er­rei­chung des Zwecks, für den er ge­schlos­sen wird.
Der eben­falls zu Ab­schnitt 3 gehören­de Art. L. 122-4 des Code du tra­vail be­stimmt:
„(1) Mit Aus­nah­me des Sai­son­ar­beits­ver­trags darf die Lauf­zeit ei­nes auf der Grund­la­ge von Art. L. 122-1 ge­schlos­se­nen be­fris­te­ten Ver­trags für ein und den­sel­ben Ar­beit­neh­mer ein­sch­ließlich Verlänge­run­gen 24 Mo­na­te nicht über­schrei­ten.
10 Der zu Ab­schnitt 4 („Verlänge­rung des be­fris­te­ten Ver­trags“) des Ka­pi­tels II von Ti­tel II des Code du tra­vail gehören­de Art. L. 122-5 sieht vor:
„(1) Der be­fris­te­te Ar­beits­ver­trag kann zwei­mal für ei­ne be­stimm­te Dau­er verlängert wer­den.
Die grundsätz­li­che Verlänger­bar­keit und/oder die Be­din­gun­gen der Verlänge­rung müssen Ge­gen­stand ei­ner Klau­sel des ursprüng­li­chen Ar­beits­ver­trags oder ei­ner späte­ren Ver­trags­ergänzung sein.
Fehlt es an ei­nem mit die­ser Be­stim­mung im Ein­klang ste­hen­den Schriftstück, gilt der verlänger­te Ar­beits­ver­trag als auf un­be­stimm­te Dau­er ge­schlos­sen; der Ge­gen­be­weis ist nicht zulässig.
(3) Ab­wei­chend von den Be­stim­mun­gen des vor­lie­gen­den Ar­ti­kels dürfen fol­gen­de be­fris­te­te Ar­beits­verträge mehr als zwei­mal und auch für ei­ne Ge­samt­dau­er von mehr als 24 Mo­na­ten verlängert wer­den, oh­ne dass sie als un­be­fris­te­te Ar­beits­verträge gel­ten:
2. die von Kurz­zeit-Beschäftig­ten des Kul­tur­be­triebs im Sin­ne von Art. 4 des [geänder­ten Ge­set­zes vom 30. Ju­li 1999] ge­schlos­se­nen Ar­beits­verträge;
Der zu Ab­schnitt 5 („Auf­ein­an­der­fol­ge von Verträgen“) des Ka­pi­tels II von Ti­tel II des Code du tra­vail gehören­de Art. L. 122-6 lau­tet:
„Wird das Ar­beits­verhält­nis nach Ab­lauf des be­fris­te­ten Ver­trags fort­geführt, wird die­ser zu ei­nem un­be­fris­te­ten Ver­trag.“
Geänder­tes Ge­setz vom 30. Ju­li 1999
12 Art. 3 („An­er­ken­nung der Rechts­stel­lung als pro­fes­sio­nel­ler frei­schaf­fen­der Künst­ler“) des geänder­ten Ge­set­zes vom 30. Ju­li 1999 sieht vor:
„Die An­er­ken­nung der Rechts­stel­lung als pro­fes­sio­nel­ler frei­schaf­fen­der Künst­ler er­folgt auf schrift­li­chen An­trag bei dem für die Kul­tur zuständi­gen Mi­nis­ter (im Fol­gen­den: Mi­nis­ter). Dem An­trag ist ei­ne Ak­te bei­zufügen, de­ren In­halt durch großher­zog­li­che Ver­ord­nung fest­ge­legt wird.
Der Mi­nis­ter ver­leiht die Rechts­stel­lung, nach Stel­lung­nah­me der durch das vor­lie­gen­de Ge­setz ein­ge­setz­ten be­ra­ten­den Kom­mis­si­on, Per­so­nen, die die im vor­lie­gen­den Ge­setz fest­ge­leg­ten Kri­te­ri­en seit min­des­tens drei ih­rem An­trag un­mit­tel­bar vor­an­ge­hen­den Jah­ren erfüllen.
Der Min­dest­zeit­raum von drei dem An­trag un­mit­tel­bar vor­an­ge­hen­den Jah­ren ver­rin­gert sich für Per­so­nen, die ei­nen of­fi­zi­el­len, im An­schluss an ei­ne fach­spe­zi­fi­sche Aus­bil­dung in ei­ner der vom vor­lie­gen­den Ge­setz vor­ge­se­he­nen Fach­rich­tun­gen ver­lie­he­nen Ti­tel vor­wei­sen können, auf zwölf Mo­na­te.
Die An­er­ken­nung der Rechts­stel­lung ist für [24] Mo­na­te gültig. Sie kann so­dann auf schrift­li­chen, an den Mi­nis­ter ge­rich­te­ten An­trag er­neu­ert wer­den. Der Mi­nis­ter er­neu­ert die An­er­ken­nung nach Stel­lung­nah­me der be­ra­ten­den Kom­mis­si­on bei Per­so­nen, die die im vor­lie­gen­den Ge­setz fest­ge­leg­ten Kri­te­ri­en seit ih­rer An­er­ken­nung als pro­fes­sio­nel­ler frei­schaf­fen­der Künst­ler bzw. seit Er­neue­rung der An­er­ken­nung erfüllen. Der Mi­nis­ter kann vor Er­lass sei­ner Ent­schei­dung nach Stel­lung­nah­me der be­ra­ten­den Kom­mis­si­on be­sch­ließen, dass der An­trag­stel­ler die in Abs. 1 die­ses Ar­ti­kels be­schrie­be­ne Ak­te ganz oder teil­wei­se neu ein­rei­chen muss.
Ge­gen die Ent­schei­dun­gen des Mi­nis­ters kann ein Rechts­be­helf auf Nich­ti­gerklärung ein­ge­legt wer­den.“
13 Art. 4 („De­fi­ni­ti­on des Kurz­zeit-Beschäftig­ten des Kul­tur­be­triebs“) des geänder­ten Ge­set­zes vom 30. Ju­li 1999 lau­tet:
„Kurz­zeit-Beschäftig­te des Kul­tur­be­triebs sind die Bühnen- bzw. Stu­diokünst­ler oder -tech­ni­ker, die ih­re Tätig­keit hauptsächlich für ein Un­ter­neh­men des Kul­tur­be­triebs oder im Rah­men u. a. von Film-, au­dio­vi­su­el­len, Thea­ter- oder Mu­sik­pro­duk­tio­nen ausüben und ih­re Diens­te ge­gen Lohn, Ho­no­rar oder Ga­ge auf der Grund­la­ge von be­fris­te­ten Ar­beits­verträgen oder Werk­verträgen an­bie­ten.“
14 Mit Schrei­ben vom 12. März 2009 for­der­te die Kom­mis­si­on das Großher­zog­tum Lu­xem­burg hin­sicht­lich des Code du tra­vail auf, be­stimm­te As­pek­te des lu­xem­bur­gi­schen Rechts im Hin­blick auf die Rah­men­ver­ein­ba­rung klar­zu­stel­len. Die­se As­pek­te be­tra­fen ers­tens die feh­len­de De­fi­ni­ti­on des Be­griffs „ver­gleich­ba­rer Dau­er­beschäftig­ter“, zwei­tens das Be­ste­hen von Aus­nah­men von den Maßnah­men zur Ver­mei­dung von Miss­brauch durch auf­ein­an­der­fol­gen­de be­fris­te­te Ar­beits­verträge und drit­tens die feh­len­de Ver­pflich­tung der Ar­beit­ge­ber, be­fris­tet beschäftig­te Ar­beit­neh­mer über Beschäfti­gungsmöglich­kei­ten zu in­for­mie­ren.
15 Da die­ses Schrei­ben un­be­ant­wor­tet blieb, rich­te­te die Kom­mis­si­on am 1. Ok­to­ber 2010 ein Mahn­schrei­ben an das Großher­zog­tum Lu­xem­burg. Hier­auf ant­wor­te­te das Großher­zog­tum mit Schrei­ben vom 20. De­zem­ber 2010.
16 Da die Ant­wort des Großher­zog­tums Lu­xem­burg die Kom­mis­si­on nur teil­wei­se zu­frie­den­stell­te, rich­te­te sie am 1. Ok­to­ber 2012 ein ergänzen­des Mahn­schrei­ben an die­sen Mit­glied­staat, in dem sie dar­auf hin­wies, dass die ers­te Rüge fal­len zu las­sen sei. Bezüglich der zwei­ten Rüge war sie hin­ge­gen der Auf­fas­sung, dass in der Ant­wort der lu­xem­bur­gi­schen Behörden nicht dar­ge­legt wer­de, wie die Verlänge­rung der Ar­beits­verträge für zwei Grup­pen von Ar­beit­neh­mern, nämlich das Lehr- und For­schungs­per­so­nal der Uni­ver­sität Lu­xem­burg und die Kurz­zeit-Beschäftig­ten des Kul­tur­be­triebs, be­grenzt wer­de, um Miss­brauch durch auf­ein­an­der­fol­gen­de be­fris­te­te Ar­beits­verträge zu ver­hin­dern. Die Kom­mis­si­on wie­der­hol­te zu­dem ih­re drit­te Rüge der feh­len­den Ver­pflich­tung für Ar­beit­ge­ber, be­fris­tet beschäftig­te Ar­beit­neh­mer über Beschäfti­gungsmöglich­kei­ten zu in­for­mie­ren.
17 Da die­ses ergänzen­de Mahn­schrei­ben un­be­ant­wor­tet blieb, über­sand­te die Kom­mis­si­on dem Großher­zog­tum Lu­xem­burg am 26. April 2013 ei­ne mit Gründen ver­se­he­ne Stel­lung­nah­me, in der sie die zwei­te und die drit­te Rüge auf­recht­er­hielt. Das Großher­zog­tum Lu­xem­burg ant­wor­te­te hier­auf am 10. Ju­li 2013.
18 Da die Ant­wort die­ses Mit­glied­staats die Kom­mis­si­on nicht zu­frie­den­stell­te, hat sie be­schlos­sen, die vor­lie­gen­de Kla­ge zu er­he­ben.
19 Die Kom­mis­si­on weist den Ge­richts­hof zunächst dar­auf hin, dass der Ge­gen­stand ih­rer Kla­ge im Ver­gleich zum In­halt der mit Gründen ver­se­he­nen Stel­lung­nah­me en­ger ge­fasst sei, da sie ih­re Rügen zum Lehr- und For­schungs­per­so­nal der Uni­ver­sität Lu­xem­burg und zur feh­len­den Ver­pflich­tung für Ar­beit­ge­ber, be­fris­tet beschäftig­te Ar­beit­neh­mer über Beschäfti­gungsmöglich­kei­ten in ih­rem Un­ter­neh­men zu in­for­mie­ren, fal­len ge­las­sen ha­be, weil die lu­xem­bur­gi­schen Behörden dar­ge­tan hätten, dass das ge­nann­te Per­so­nal vor Miss­brauch durch auf­ein­an­der­fol­gen­de be­fris­te­te Ar­beits­verträge geschützt sei, und der Kom­mis­si­on Rechts­vor­schrif­ten über­mit­telt hätten, durch die der gerügte Ver­s­toß hin­sicht­lich der In­for­ma­ti­ons­pflicht für Ar­beit­ge­ber be­en­det wer­de.
20 Die vor­lie­gen­de Kla­ge be­trifft da­her aus­sch­ließlich die Ver­let­zung der Ver­pflich­tun­gen aus Pa­ra­graf 5 der Rah­men­ver­ein­ba­rung durch das Großher­zog­tum Lu­xem­burg, so­weit die­ser Mit­glied­staat Aus­nah­men von den Maßnah­men zur Ver­mei­dung von Miss­brauch durch auf­ein­an­der­fol­gen­de be­fris­te­te Ar­beits­verträge mit Kurz­zeit-Beschäftig­ten des Kul­tur­be­triebs bei­behält.
21 Die Kom­mis­si­on trägt vor, Pa­ra­graf 5 der Rah­men­ver­ein­ba­rung, der den Mit­glied­staa­ten auf­ge­be, Maßnah­men zur Ver­mei­dung von Miss­brauch durch auf­ein­an­der­fol­gen­de be­fris­te­te Ar­beits­verträge zu er­las­sen, sei durch Art. L. 122-4 des Code du tra­vail in lu­xem­bur­gi­sches Recht um­ge­setzt wor­den. Die­ser se­he in Abs. 1 vor, dass „[m]it Aus­nah­me des Sai­son­ar­beits­ver­trags … die Lauf­zeit ei­nes auf der Grund­la­ge von Art. L. 122-1 ge­schlos­se­nen be­fris­te­ten Ver­trags für ein und den­sel­ben Ar­beit­neh­mer ein­sch­ließlich Verlänge­run­gen 24 Mo­na­te nicht über­schrei­ten“ dürfe. In Art. L. 122-5 Abs. 3 des Code du tra­vail heiße es je­doch, dass „[a]bwei­chend von den Be­stim­mun­gen des vor­lie­gen­den Ar­ti­kels … fol­gen­de be­fris­te­te Ar­beits­verträge mehr als zwei­mal und auch für ei­ne Ge­samt­dau­er von mehr als 24 Mo­na­ten verlängert wer­den [dürfen], oh­ne dass sie als un­be­fris­te­te Ar­beits­verträge gel­ten: … 2. die von Kurz­zeit-Beschäftig­ten des Kul­tur­be­triebs im Sin­ne von Art. 4 des [geänder­ten Ge­set­zes vom 30. Ju­li 1999] ge­schlos­se­nen Ar­beits­verträge“.
22 So­mit se­he das lu­xem­bur­gi­sche Recht in Be­zug auf die Kurz­zeit-Beschäftig­ten des Kul­tur­be­triebs kei­nen sach­li­chen Grund vor, der ei­nen Miss­brauch auf­ein­an­der­fol­gen­der be­fris­te­ter Ar­beits­verträge ver­hin­dern könne. Das Großher­zog­tum Lu­xem­burg ha­be in sei­ner Ant­wort auf das Mahn­schrei­ben le­dig­lich gel­tend ge­macht, dass die Verträge mit Kurz­zeit-Beschäftig­ten des Kul­tur­be­triebs in An­wen­dung von Art. L. 122-5 des Code du tra­vail „je­den­falls den Be­schränkun­gen aus Art. L. 122-1 Abs. 1 und 2 un­ter­wor­fen“ blie­ben. Die­se Be­stim­mun­gen schlössen die Kurz­zeit-Beschäftig­ten des Kul­tur­be­triebs je­doch von jeg­li­chem Schutz aus. Die Verträge mit sol­chen Ar­beit­neh­mern un­terlägen nämlich schon nach dem Wort­laut der ge­nann­ten Be­stim­mun­gen we­der dem Er­for­der­nis ei­nes sach­li­chen, die Verlänge­rung ih­rer be­fris­te­ten Verträge recht­fer­ti­gen­den Grun­des noch ei­ner Be­gren­zung der zulässi­gen Zahl von Verlänge­run­gen oder der ku­mu­lier­ten Höchst­lauf­zeit die­ser Verträge.
In sei­ner Ant­wort auf die mit Gründen ver­se­he­ne Stel­lung­nah­me ha­be das Großher­zog­tum Lu­xem­burg im Übri­gen sei­ne Ar­gu­men­ta­ti­on geändert, in­dem es gel­tend ge­macht ha­be, dass „zu den Kurz­zeit-Beschäftig­ten des Kul­tur­be­triebs … fest­zu­stel­len [ist], dass es sich um ei­ne Bran­che han­delt, in der auf­grund der Art und des zeit­lich be­grenz­ten Cha­rak­ters der aus­geübten Tätig­keit übli­cher­wei­se kei­ne un­be­fris­te­ten Verträge ge­schlos­sen wer­den“. Die Kom­mis­si­on tritt die­ser Auf­fas­sung je­doch un­ter Ver­weis auf den Wort­laut der lu­xem­bur­gi­schen Rechts­vor­schrif­ten ent­ge­gen.
Sie führt ers­tens aus, nach dem Wort­laut von Ka­pi­tel II des Ti­tels II des Code du tra­vail, das dem be­fris­te­ten Ar­beits­ver­trag ge­wid­met sei, um­fas­se die Tätig­keit der Kurz­zeit-Beschäftig­ten des Kul­tur­be­triebs nicht zwangsläufig die Erfüllung ge­nau fest­ge­leg­ter, nicht dau­er­haf­ter Auf­ga­ben. Art. L. 122-1 Abs. 1 des Code du tra­vail stel­le nämlich die Re­gel auf, dass be­fris­te­te Ar­beits­verträge in Aus­nah­mefällen für die Erfüllung ge­nau be­stimm­ter, nicht dau­er­haf­ter Auf­ga­ben ge­schlos­sen wer­den könn­ten, während in Abs. 2 die­ses Ar­ti­kels meh­re­re Bei­spie­le für die An­wen­dung die­ser Re­gel auf­geführt sei­en. Art. L. 122-1 Abs. 3 be­stim­me hin­ge­gen, dass auch Kurz­zeit-Beschäftig­te des Kul­tur­be­triebs be­fris­te­te Ar­beits­verträge „[a]bwei­chend von den Abs. 1 und 2“ schließen dürf­ten. Fol­ge­rich­tig er­lau­be Art. L. 122-1 Abs. 3 des Code du tra­vail den Ab­schluss be­fris­te­ter Verträge mit Kurz­zeit-Beschäftig­ten des Kul­tur­be­triebs für die Erfüllung all­ge­mei­ne­rer und/oder dau­er­haf­ter oder ständi­ger Auf­ga­ben.
25 Zwei­tens ent­hal­te Art. 4 des geänder­ten Ge­set­zes vom 30. Ju­li 1999 als al­lei­ni­ges Kri­te­ri­um für die De­fi­ni­ti­on des „Kurz­zeit-Beschäftig­ten des Kul­tur­be­triebs“ ei­nen Ver­weis auf die Art des Ver­trags­verhält­nis­ses, oh­ne die tatsächli­che Na­tur der aus­geübten Tätig­kei­ten zu berück­sich­ti­gen. Nach die­ser De­fi­ni­ti­on sei es so­mit er­laubt, Kurz­zeit-Beschäftig­te des Kul­tur­be­triebs in Fällen ein­zu­stel­len, die nicht vorüber­ge­hen­der Art sei­en.
Zwar könne bei ei­nem großen Teil der Kurz­zeit-Beschäftig­ten des Kul­tur­be­triebs die Ein­stel­lung mit­tels auf­ein­an­der­fol­gen­der be­fris­te­ter Verträge durch sach­li­che Gründe ge­recht­fer­tigt wer­den, nämlich da­mit, dass die­se Verträge im Rah­men ei­nes be­stimm­ten Pro­jekts im Kul­tur­be­trieb ge­schlos­sen würden, doch würden zahl­rei­che Ar­beit­neh­mer wie z. B. die ständi­gen Mit­glie­der ei­nes Or­ches­ters und das Stam­men­sem­ble ei­nes Thea­ters oder die Stamm­be­leg­schaft ei­ner Fern­seh­sta­ti­on vom Ar­beit­ge­ber fest an­ge­stellt. Auch die­se Ar­beit­neh­mer sei­en nach der De­fi­ni­ti­on des lu­xem­bur­gi­schen Rechts „Kurz­zeit-Beschäftig­te des Kul­tur­be­triebs“, so­fern das Ver­trags­verhält­nis mit ih­rem Ar­beit­ge­ber die Kri­te­ri­en des geänder­ten Ge­set­zes vom 30. Ju­li 1999 erfülle.
27 Dem­nach ver­lan­ge die De­fi­ni­ti­on des Kurz­zeit-Beschäftig­ten des Kul­tur­be­triebs im lu­xem­bur­gi­schen Recht nicht, dass es sach­li­che Gründe ge­be, die die Verlänge­rung be­fris­te­ter Verträge im Sin­ne von Pa­ra­graf 5 Nr. 1 Buchst. a der Rah­men­ver­ein­ba­rung recht­fer­tig­ten. Es ge­be auch kei­nen Ge­sichts­punkt, der es ermögli­che, die fest an­ge­stell­ten Kurz­zeit-Beschäftig­ten des Kul­tur­be­triebs von den in an­de­ren Bran­chen, in de­nen es eben­falls star­ke Schwan­kun­gen des Ar­beits­an­falls ge­be, täti­gen Ar­beit­neh­mern zu un­ter­schei­den.
28 Das Großher­zog­tum Lu­xem­burg weist den Vor­wurf ei­ner Ver­trags­ver­let­zung zurück.
29 Zunächst tritt es hin­sicht­lich des An­wen­dungs­be­reichs von Art. L. 122-5 Abs. 3 des Code du tra­vail dem Ar­gu­ment der Kom­mis­si­on ent­ge­gen, die im Kul­tur­be­trieb fest an­ge­stell­ten Ar­beit­neh­mer sei­en „Kurz­zeit-Beschäftig­te des Kul­tur­be­triebs“ im Sin­ne des lu­xem­bur­gi­schen Rechts, so­fern sie die Kri­te­ri­en des geänder­ten Ge­set­zes vom 30. Ju­li 1999 erfüll­ten. Nach An­sicht des Großher­zog­tums Lu­xem­burg setzt die Ein­stu­fung ei­nes Ar­beit­neh­mers in die­se Ka­te­go­rie zwangsläufig vor­aus, dass er sei­ne Tätig­keit im Kul­tur­be­trieb nur kurz­zei­tig ausübe. Schon der Aus­druck „Kurz­zeit-Beschäftig­te des Kul­tur­be­triebs“ im­pli­zie­re, dass Pe­ri­oden der Ar­beitstätig­keit durch in­ak­ti­ve Pha­sen un­ter­bro­chen würden. So sei­en die Kurz­zeit-Beschäftig­ten des Kul­tur­be­triebs in der Pra­xis an ein­zel­nen zeit­lich be­grenz­ten Pro­jek­ten wie der Pro­duk­ti­on ei­nes Ki­no­films oder der Ins­ze­nie­rung ei­nes Thea­terstücks be­tei­ligt.
30 Die­se Sicht­wei­se wer­de da­durch bestätigt, dass die Hil­fen, die den Kurz­zeit-Beschäftig­ten des Kul­tur­be­triebs bei un­frei­wil­li­ger Untätig­keit auf der Grund­la­ge von Art. 7 des ge­nann­ten Ge­set­zes gewährt würden, auf Ta­ges­ba­sis an­hand der Zahl der Ta­ge der Untätig­keit zwi­schen zwei Pro­jek­ten be­rech­net würden, so­wie da­durch, dass das in Art. 8 die­ses Ge­set­zes vor­ge­se­he­ne Ar­beits­heft des Kurz­zeit-Beschäftig­ten des Kul­tur­be­triebs da­zu die­nen sol­le, die vom Ar­beit­neh­mer aus­geübten Tätig­kei­ten auf Ta­ges­ba­sis zu er­fas­sen. Un­ter die­sen Umständen ergäbe ei­ne Aus­le­gung von Art. 4 des Ge­set­zes, nach der ein fest an­ge­stell­ter Ar­beit­neh­mer im Kul­tur­sek­tor eben­falls ein „Kurz­zeit-Beschäftig­ter des Kul­tur­be­triebs“ sei, kei­nen Sinn.
31 Hin­zu kom­me, dass Art. 2 der großher­zog­li­chen Ver­ord­nung vom 11. Ju­li 1989 zur An­wen­dung der Art. L. 122-1, L. 122-4, L. 121-5 und L. 125-8 des Code du tra­vail aus­drück­lich die Bran­chen, dar­un­ter die der Künst­ler des Kul­tur­be­triebs, aufführe, in de­nen be­fris­te­te Ar­beits­verträge für Tätig­kei­ten ge­schlos­sen wer­den dürf­ten, für die auf­grund ih­rer Art und ih­res zeit­lich be­grenz­ten Cha­rak­ters übli­cher­wei­se kei­ne un­be­fris­te­ten Verträge ge­schlos­sen würden.
32 So­dann hebt das Großher­zog­tum Lu­xem­burg her­vor, dass Art. L. 122-5 Abs. 3 des Code du tra­vail so­zia­le Erwägun­gen zu­grun­de lägen. Wie aus der Ent­ste­hungs­ge­schich­te des Ge­set­zes vom 26. Mai 2004 zur Ände­rung des Ge­set­zes vom 30. Ju­li 1999 über a) den Sta­tus als pro­fes­sio­nel­ler frei­schaf­fen­der Künst­ler und als Kurz­zeit-Beschäftig­ter des Kul­tur­be­triebs, b) zur Förde­rung des künst­le­ri­schen Schaf­fens her­vor­ge­he, sei die­se Be­stim­mung des Code du tra­vail nämlich vor dem Hin­ter­grund, dass sich der Ab­schluss un­be­fris­te­ter Verträge für die Kurz­zeit-Beschäftig­ten des Kul­tur­be­triebs als schwie­rig er­wei­sen könne und der von vie­len Künst­lern und Tech­ni­kern gewähl­te Sta­tus als frei­er Mit­ar­bei­ter oft zu prekären und recht­lich un­kla­ren Verhält­nis­sen führe, ein­geführt wor­den, um die­ser spe­zi­el­len Bran­che die Möglich­keit zu ge­ben, wie­der­holt be­fris­te­te Ar­beits­verträge ab­zu­sch­ließen, die dem Ar­beit­neh­mer, ins­be­son­de­re bei der So­zi­al­ver­si­che­rung, Ga­ran­ti­en und Vor­tei­le böten, in de­ren Ge­nuss ein frei­er Mit­ar­bei­ter nicht kom­me.
Sch­ließlich räumt das Großher­zog­tum Lu­xem­burg ein, dass es im lu­xem­bur­gi­schen Recht in Be­zug auf die mit Kurz­zeit-Beschäftig­ten des Kul­tur­be­triebs im Sin­ne von Art. 4 des geänder­ten Ge­set­zes vom 30. Ju­li 1999 ge­schlos­se­nen auf­ein­an­der­fol­gen­den be­fris­te­ten Ar­beits­verträge we­der ei­ne ins­ge­samt ma­xi­mal zulässi­ge Dau­er im Sin­ne von Pa­ra­graf 5 Nr. 1 Buchst. b der Rah­men­ver­ein­ba­rung ge­be noch ei­ne Be­gren­zung der zulässi­gen Zahl der Verlänge­run­gen sol­cher Verträge im Sin­ne von Pa­ra­graf 5 Nr. 1 Buchst. c der Rah­men­ver­ein­ba­rung. Nach dem Ur­teil Márquez So­mo­ha­no (C-190/13, EU:C:2014:146, Rn. 45) sei die Si­tua­ti­on die­ser Ar­beit­neh­mer je­doch da­durch ge­kenn­zeich­net, dass „sach­li­che Gründe“ im Sin­ne von Pa­ra­graf 5 Nr. 1 Buchst. a der Rah­men­ver­ein­ba­rung und der Recht­spre­chung des Ge­richts­hofs vorlägen. Ins­be­son­de­re sei­en die­se Ar­beit­neh­mer an ein­zel­nen zeit­lich be­grenz­ten Pro­jek­ten be­tei­ligt, und aus der Möglich­keit für ei­nen Ar­beit­ge­ber, die mit ih­nen ge­schlos­se­nen be­fris­te­ten Verträge zu verlängern, ergäben sich ei­ne ge­wis­se Fle­xi­bi­lität und so­zia­le Vergüns­ti­gun­gen. Die Kom­mis­si­on räume im Übri­gen ein, dass die Ar­beit im Rah­men ein­zel­ner Pro­jek­te ei­nen sach­li­chen Grund dar­stel­le, der den Rück­griff auf auf­ein­an­der­fol­gen­de be­fris­te­te Verträge recht­fer­ti­gen könne. Der Ge­richts­hof ha­be hier­zu im Ur­teil Kücük (C-586/10, EU:C:2012:39, Rn. 56) ent­schie­den, dass dann, wenn sich ein sach­li­cher Grund aus den Be­son­der­hei­ten der zu erfüllen­den Auf­ga­ben er­ge­be, aus dem Um­stand, dass ein Ar­beit­ge­ber ge­zwun­gen sein könne, wie­der­holt auf be­fris­tet beschäftig­te Ar­beit­neh­mer zurück­zu­grei­fen, we­der fol­ge, dass es kei­nen sach­li­chen Grund im Sin­ne von Pa­ra­graf 5 der Rah­men­ver­ein­ba­rung ge­be, noch das Vor­lie­gen ei­nes Miss­brauchs im Sin­ne die­ser Be­stim­mung.
34 Die Kom­mis­si­on wirft dem Großher­zog­tum Lu­xem­burg vor, da­durch ge­gen sei­ne Ver­pflich­tun­gen aus Pa­ra­graf 5 der Rah­men­ver­ein­ba­rung ver­s­toßen zu ha­ben, dass es im lu­xem­bur­gi­schen Recht bei Kurz­zeit-Beschäftig­ten des Kul­tur­be­triebs kei­ne Maßnah­me zur Ver­mei­dung von Miss­brauch durch auf­ein­an­der­fol­gen­de be­fris­te­te Ar­beits­verträge ge­be.
35 Es ist dar­auf hin­zu­wei­sen, dass Pa­ra­graf 5 Nr. 1 der Rah­men­ver­ein­ba­rung zur Um­set­zung ei­nes der mit ihr ver­folg­ten Zie­le dient, nämlich den wie­der­hol­ten Rück­griff auf be­fris­te­te Ar­beits­verträge oder -verhält­nis­se, die als Quel­le po­ten­zi­el­len Miss­brauchs zu­las­ten der Ar­beit­neh­mer an­ge­se­hen wer­den, ein­zu­gren­zen, in­dem ei­ne Rei­he von Min­dest­schutz­be­stim­mun­gen vor­ge­se­hen wird, die die Pre­ka­ri­sie­rung der La­ge der Beschäftig­ten ver­hin­dern sol­len (vgl. Ur­teil Mas­co­lo u. a., C-22/13, C-61/13 bis C-63/13 und C-418/13, EU:C:2014:2401, Rn. 72 und die dort an­geführ­te Recht­spre­chung).
36 Wie aus dem zwei­ten Ab­satz der Präam­bel der Rah­men­ver­ein­ba­rung so­wie aus den Nrn. 6 und 8 ih­rer All­ge­mei­nen Erwägun­gen her­vor­geht, stel­len fes­te Beschäfti­gungs­verhält­nis­se nämlich ei­nen wich­ti­gen As­pekt des Ar­beit­neh­mer­schut­zes dar, während be­fris­te­te Ar­beits­verträge nur un­ter be­stimm­ten Umständen den Bedürf­nis­sen so­wohl der Ar­beit­ge­ber als auch der Ar­beit­neh­mer ent­spre­chen können (Ur­teil Mas­co­lo u. a., EU:C:2014:2401, Rn. 73 und die dort an­geführ­te Recht­spre­chung).
37 Da­her ver­pflich­tet Pa­ra­graf 5 Nr. 1 der Rah­men­ver­ein­ba­rung die Mit­glied­staa­ten im Hin­blick auf die Ver­mei­dung des miss­bräuch­li­chen Ein­sat­zes auf­ein­an­der­fol­gen­der be­fris­te­ter Ar­beits­verträge oder -verhält­nis­se da­zu, ef­fek­tiv und mit ver­bind­li­cher Wir­kung min­des­tens ei­ne der dort auf­geführ­ten Maßnah­men zu er­grei­fen, wenn ihr in­ner­staat­li­ches Recht kei­ne gleich­wer­ti­gen ge­setz­li­chen Maßnah­men enthält. Die hierfür in Pa­ra­graf 5 Nr. 1 Buchst. a bis c auf­geführ­ten drei Maßnah­men be­tref­fen sach­li­che, die Verlänge­rung sol­cher Ar­beits­verträge oder -verhält­nis­se recht­fer­ti­gen­de Gründe, die ins­ge­samt ma­xi­mal zulässi­ge Dau­er die­ser auf­ein­an­der­fol­gen­den Ar­beits­verträge oder -verhält­nis­se und die zulässi­ge Zahl ih­rer Verlänge­run­gen (Ur­teil Mas­co­lo u. a., EU:C:2014:2401, Rn. 74 und die dort an­geführ­te Recht­spre­chung).
38 Die Mit­glied­staa­ten verfügen in­so­weit über ein Er­mes­sen, da sie die Wahl ha­ben, auf ei­ne oder meh­re­re der in Pa­ra­graf 5 Nr. 1 Buchst. a bis c der Rah­men­ver­ein­ba­rung ge­nann­ten Maßnah­men oder aber auf be­ste­hen­de gleich­wer­ti­ge ge­setz­li­che Maßnah­men zurück­zu­grei­fen, und zwar un­ter Berück­sich­ti­gung der An­for­de­run­gen be­stimm­ter Bran­chen und/oder Ar­beit­neh­mer­ka­te­go­ri­en (Ur­teil Mas­co­lo u. a., EU:C:2014:2401, Rn. 75 und die dort an­geführ­te Recht­spre­chung).
39 Da­mit gibt Pa­ra­graf 5 Nr. 1 der Rah­men­ver­ein­ba­rung den Mit­glied­staa­ten ein all­ge­mei­nes Ziel - Ver­hin­de­rung von Miss­bräuchen - vor, lässt ih­nen je­doch zu­gleich die Wahl der Mit­tel zu sei­ner Er­rei­chung, so­lan­ge sie nicht das Ziel oder die prak­ti­sche Wirk­sam­keit der Rah­men­ver­ein­ba­rung in Fra­ge stel­len (Ur­teil Mas­co­lo u. a., EU:C:2014:2401, Rn. 76 und die dort an­geführ­te Recht­spre­chung).
40 Wie zu­dem aus Pa­ra­graf 5 Nr. 1 der Rah­men­ver­ein­ba­rung her­vor­geht, ha­ben die Mit­glied­staa­ten im Ein­klang mit dem drit­ten Ab­satz der Präam­bel der Rah­men­ver­ein­ba­rung so­wie den Nrn. 8 und 10 ih­rer All­ge­mei­nen Erwägun­gen im Rah­men der Durchführung der Rah­men­ver­ein­ba­rung die Möglich­keit, die be­son­de­ren An­for­de­run­gen der in Re­de ste­hen­den Bran­chen und/oder Ar­beit­neh­mer­ka­te­go­ri­en zu berück­sich­ti­gen, so­fern dies ob­jek­tiv ge­recht­fer­tigt ist (vgl. in die­sem Sin­ne Ur­teil Mas­co­lo u. a., EU:C:2014:2401, Rn. 70 und die dort an­geführ­te Recht­spre­chung).
41 In der vor­lie­gen­den Rechts­sa­che ist un­strei­tig, dass die in Re­de ste­hen­de na­tio­na­le Re­ge­lung es zulässt, Kurz­zeit-Beschäftig­te des Kul­tur­be­triebs im Rah­men auf­ein­an­der­fol­gen­der be­fris­te­ter Ar­beits­verträge ein­zu­stel­len, oh­ne Maßnah­men vor­zu­se­hen, mit de­nen die ins­ge­samt ma­xi­mal zulässi­ge Dau­er die­ser Verträge oder die Zahl ih­rer Verlänge­run­gen im Ein­klang mit Pa­ra­graf 5 Nr. 1 Buchst. b und c der Rah­men­ver­ein­ba­rung be­grenzt wird. Ins­be­son­de­re dürfen, wie sich schon aus dem Wort­laut von Art. L. 122-5 Abs. 3 des Code du tra­vail er­gibt, die von den Kurz­zeit-Beschäftig­ten des Kul­tur­be­triebs im Sin­ne von Art. 4 des geänder­ten Ge­set­zes vom 30. Ju­li 1999 ge­schlos­se­nen be­fris­te­ten Ar­beits­verträge mehr als zwei­mal und für ei­ne Ge­samt­dau­er von mehr als 24 Mo­na­ten verlängert wer­den, oh­ne dass sie als un­be­fris­te­te Ar­beits­verträge gel­ten. Eben­falls un­strit­tig ist, dass die­se Re­ge­lung für Kurz­zeit-Beschäftig­te des Kul­tur­be­triebs kei­ne gleich­wer­ti­gen ge­setz­li­chen Maßnah­men wie die in Pa­ra­graf 5 Nr. 1 der Rah­men­ver­ein­ba­rung ge­nann­ten enthält.
42 Da­her be­darf die Verlänge­rung der mit die­sen Ar­beit­neh­mern ge­schlos­se­nen auf­ein­an­der­fol­gen­den be­fris­te­ten Ar­beits­verträge ei­ner Recht­fer­ti­gung durch ei­nen „sach­li­chen Grund“ im Sin­ne von Pa­ra­graf 5 Nr. 1 Buchst. a der Rah­men­ver­ein­ba­rung.
43 Wie in Nr. 7 der All­ge­mei­nen Erwägun­gen der Rah­men­ver­ein­ba­rung aus­geführt wird und wie sich aus Rn. 37 des vor­lie­gen­den Ur­teils er­gibt, wa­ren die Un­ter­zeich­ner­par­tei­en der Rah­men­ver­ein­ba­rung nämlich der Auf­fas­sung, dass die aus sach­li­chen Gründen er­fol­gen­de In­an­spruch­nah­me be­fris­te­ter Ar­beits­verträge hel­fe, Miss­brauch zu ver­mei­den (Ur­teil Mas­co­lo u. a., EU:C:2014:2401, Rn. 86 und die dort an­geführ­te Recht­spre­chung).
44 Der Be­griff „sach­li­che Gründe“ ist, wie der Ge­richts­hof be­reits ent­schie­den hat, da­hin zu ver­ste­hen, dass er ge­nau be­zeich­ne­te, kon­kre­te Umstände meint, die ei­ne be­stimm­te Tätig­keit kenn­zeich­nen und da­her in die­sem spe­zi­el­len Zu­sam­men­hang den Ein­satz auf­ein­an­der­fol­gen­der be­fris­te­ter Ar­beits­verträge recht­fer­ti­gen können. Die­se Umstände können sich et­wa aus der be­son­de­ren Art der Auf­ga­ben, zu de­ren Erfüllung sol­che Verträge ge­schlos­sen wur­den, und de­ren We­sens­merk­ma­len oder ge­ge­be­nen­falls aus der Ver­fol­gung ei­nes le­gi­ti­men so­zi­al­po­li­ti­schen Ziels durch ei­nen Mit­glied­staat er­ge­ben (Ur­teil Mas­co­lo u. a., EU:C:2014:2401, Rn. 87 und die dort an­geführ­te Recht­spre­chung).
45 Hin­ge­gen entspräche ei­ne na­tio­na­le Vor­schrift, die sich dar­auf be­schränk­te, den Rück­griff auf auf­ein­an­der­fol­gen­de be­fris­te­te Ar­beits­verträge all­ge­mein und abs­trakt durch Ge­setz oder Ver­ord­nung zu­zu­las­sen, nicht den in der vor­ste­hen­den Rand­num­mer des vor­lie­gen­den Ur­teils dar­ge­leg­ten Er­for­der­nis­sen. Ei­ner sol­chen rein for­ma­len Vor­schrift las­sen sich nämlich kei­ne ob­jek­ti­ven und trans­pa­ren­ten Kri­te­ri­en für die Prüfung ent­neh­men, ob die Verlänge­rung der­ar­ti­ger Verträge tatsächlich ei­nem ech­ten Be­darf ent­spricht und zur Er­rei­chung des ver­folg­ten Ziels ge­eig­net und er­for­der­lich ist. Ei­ne sol­che Vor­schrift birgt so­mit die kon­kre­te Ge­fahr ei­nes miss­bräuch­li­chen Rück­griffs auf der­ar­ti­ge Verträge und ist da­her mit dem Ziel und der prak­ti­schen Wirk­sam­keit der Rah­men­ver­ein­ba­rung un­ver­ein­bar (Ur­teil Mas­co­lo u. a., EU:C:2014:2401, Rn. 88 und die dort an­geführ­te Recht­spre­chung).
46 Im vor­lie­gen­den Fall ist zum Vor­brin­gen des Großher­zog­tums Lu­xem­burg, die Kurz­zeit-Beschäftig­ten des Kul­tur­be­triebs im Sin­ne des lu­xem­bur­gi­schen Rechts sei­en tatsächlich an ein­zel­nen zeit­lich be­grenz­ten Pro­jek­ten be­tei­ligt, fest­zu­stel­len, dass - selbst wenn man un­ter­stellt, dass der Ar­beit­ge­ber bei sol­chen Pro­jek­ten ei­nen vorüber­ge­hen­den Be­darf an Ar­beits­kräften hat und dass ein sol­cher Be­darf ei­nen „sach­li­chen Grund“ dar­stel­len kann, der die Verlänge­rung be­fris­te­ter Ar­beits­verträge im Sin­ne von Pa­ra­graf 5 Nr. 1 Buchst. a der Rah­men­ver­ein­ba­rung recht­fer­tigt - die­ser Mit­glied­staat nicht erläutert, in­wie­fern die na­tio­na­le Re­ge­lung es ver­langt, dass die Kurz­zeit-Beschäftig­ten des Kul­tur­be­triebs im Sin­ne des lu­xem­bur­gi­schen Rechts ih­re Tätig­keit im Rah­men sol­cher Pro­jek­te ausüben. Wie die Kom­mis­si­on her­vor­hebt, er­gibt sich im Ge­gen­teil schon aus dem Wort­laut der De­fi­ni­ti­on des Be­griffs „Kurz­zeit-Beschäftig­ter des Kul­tur­be­triebs“ in Art. 4 des geänder­ten Ge­set­zes vom 30. Ju­li 1999, dass die­se De­fi­ni­ti­on nichts darüber aus­sagt, ob die Tätig­keit die­ser Ar­beit­neh­mer zeit­lich be­grenzt ist oder nicht.
47 Wie die Kom­mis­si­on vorträgt, steht zu­dem der Be­haup­tung, je­der Kurz­zeit-Beschäftig­te des Kul­tur­be­triebs im Sin­ne des lu­xem­bur­gi­schen Rechts wer­de für die Durchführung zeit­lich be­grenz­ter Pro­jek­te ein­ge­stellt, schon der Wort­laut von Art. L. 122-1 des Code du tra­vail ent­ge­gen. Wie nämlich den Rn. 7 und 24 des vor­lie­gen­den Ur­teils zu ent­neh­men ist, wird in Art. L. 122-1 Abs. 1 die Re­gel auf­ge­stellt, dass be­fris­te­te Ar­beits­verträge in Aus­nah­mefällen für die Erfüllung ge­nau be­stimm­ter, nicht dau­er­haf­ter Auf­ga­ben ge­schlos­sen wer­den können. Abs. 2 die­ser Be­stim­mung enthält meh­re­re Bei­spie­le für die An­wen­dung die­ser Re­gel, dar­un­ter „die Tätig­kei­ten, für die in be­stimm­ten Bran­chen auf­grund ih­rer Art oder ih­res zeit­lich be­grenz­ten Cha­rak­ters übli­cher­wei­se kei­ne un­be­fris­te­ten Verträge ge­schlos­sen wer­den; die Lis­te die­ser Bran­chen und Tätig­kei­ten wird durch großher­zog­li­che Ver­ord­nung fest­ge­legt“. Art. L. 122-1 Abs. 3 be­stimmt hin­ge­gen, dass mit Kurz­zeit-Beschäftig­ten des Kul­tur­be­triebs auch „[a]bwei­chend von den Abs. 1 und 2“ be­fris­te­te Ar­beits­verträge ge­schlos­sen wer­den dürfen.
48 Folg­lich müssen die den Kurz­zeit-Beschäftig­ten des Kul­tur­be­triebs über­tra­ge­nen Auf­ga­ben nicht zwangsläufig die in Art. L. 122-1 des Code du tra­vail auf­ge­stell­ten Kri­te­ri­en der Be­stimmt­heit und man­geln­den Dau­er­haf­tig­keit erfüllen, so dass die von die­sen Ar­beit­neh­mern aus­geübte Tätig­keit nicht zwangsläufig vorüber­ge­hen­den Cha­rak­ter hat. Da­her ist fest­zu­stel­len, dass die in Re­de ste­hen­de lu­xem­bur­gi­sche Re­ge­lung die Ar­beit­ge­ber nicht da­von abhält, auf­ein­an­der­fol­gen­de be­fris­te­te Ar­beits­verträge mit Kurz­zeit-Beschäftig­ten des Kul­tur­be­triebs ab­zu­sch­ließen, um ei­nen ständi­gen und dau­er­haf­ten Per­so­nal­be­darf zu de­cken.
49 Die­ses Er­geb­nis wird durch das in Rn. 31 des vor­lie­gen­den Ur­teils wie­der­ge­ge­be­ne Vor­brin­gen zu den Be­stim­mun­gen der großher­zog­li­chen Ver­ord­nung vom 11. Ju­li 1989 nicht in Fra­ge ge­stellt. Das Großher­zog­tum Lu­xem­burg macht nämlich nur gel­tend, dass die­se Ver­ord­nung den Ab­schluss be­fris­te­ter Ar­beits­verträge im Kul­tur­be­trieb zur Be­set­zung von Stel­len zu­las­se, für die auf­grund des zeit­lich be­grenz­ten Cha­rak­ters der aus­geübten Tätig­keit übli­cher­wei­se kei­ne un­be­fris­te­ten Verträge ge­schlos­sen würden. Die­ser Mit­glied­staat erläutert je­doch nicht, in­wie­fern die Ver­ord­nung den An­wen­dungs­be­reich oder die Aus­le­gung der Aus­nah­me in Art. L. 122-1 Abs. 3 des Code du tra­vail berührt, die es, wie aus den Rn. 7, 47 und 48 des vor­lie­gen­den Ur­teils her­vor­geht, den Ar­beit­ge­bern er­laubt, Kurz­zeit-Beschäftig­te des Kul­tur­be­triebs auf der Grund­la­ge be­fris­te­ter Ar­beits­verträge auch für Auf­ga­ben ein­zu­stel­len, die kei­nen zeit­lich be­grenz­ten Cha­rak­ter ha­ben. Die recht­li­che Si­tua­ti­on der Kurz­zeit-Beschäftig­ten des Kul­tur­be­triebs, die sich aus den in Re­de ste­hen­den, dem Ge­richts­hof vor­ge­leg­ten Be­stim­mun­gen des na­tio­na­len Rechts er­gibt, wird so­mit den an na­tio­na­le Um­set­zungs­maßnah­men zu stel­len­den An­for­de­run­gen hin­sicht­lich Klar­heit und Ge­nau­ig­keit nicht ge­recht (vgl. in die­sem Sin­ne Ur­teil Kom­mis­si­on/Spa­ni­en, C-151/12, EU:C:2013:690, Rn. 33 und die dort an­geführ­te Recht­spre­chung).
50 Selbst wenn man un­ter­stellt, dass mit der in Re­de ste­hen­den na­tio­na­len Re­ge­lung das vom Großher­zog­tum Lu­xem­burg an­geführ­te Ziel ver­folgt wird, den Kurz­zeit-Beschäftig­ten des Kul­tur­be­triebs ei­ne ge­wis­se Fle­xi­bi­lität und so­zia­le Vergüns­ti­gun­gen zu ver­schaf­fen, in­dem es ih­ren Ar­beit­ge­bern ermöglicht wird, sie mit­tels be­fris­te­ter Ar­beits­verträge wie­der­holt ein­zu­stel­len, kann un­ter die­sen Umständen ein sol­ches Ziel nicht zur Ver­ein­bar­keit die­ser Re­ge­lung mit Pa­ra­graf 5 Nr. 1 Buchst. a der Rah­men­ver­ein­ba­rung führen, da dar­aus nicht ge­schlos­sen wer­den kann, dass im Ein­klang mit der in Rn. 44 des vor­lie­gen­den Ur­teils an­geführ­ten Recht­spre­chung ge­nau be­zeich­ne­te, kon­kre­te Umstände vor­lie­gen, die die in Re­de ste­hen­de Tätig­keit kenn­zeich­nen und da­her in die­sem spe­zi­el­len Zu­sam­men­hang den Ein­satz auf­ein­an­der­fol­gen­der be­fris­te­ter Ar­beits­verträge recht­fer­ti­gen.
51 Wie be­reits in Rn. 40 des vor­lie­gen­den Ur­teils fest­ge­stellt, ist ein Mit­glied­staat zwar be­rech­tigt, bei der Um­set­zung von Pa­ra­graf 5 Nr. 1 der Rah­men­ver­ein­ba­rung die be­son­de­ren An­for­de­run­gen ei­ner spe­zi­el­len Bran­che zu berück­sich­ti­gen, doch kann die­ses Recht nicht da­hin ver­stan­den wer­den, dass es ihm er­laubt, hin­sicht­lich die­ser Bran­che sei­ner Pflicht nicht nach­zu­kom­men, ei­ne Maßnah­me zu er­grei­fen, die ge­eig­net ist, Miss­brauch durch auf­ein­an­der­fol­gen­de be­fris­te­te Ar­beits­verträge zu ver­hin­dern und ge­ge­be­nen­falls zu ahn­den. Könn­te sich ein Mit­glied­staat auf ein Ziel wie die Fle­xi­bi­lität, die der Ein­satz be­fris­te­ter Ar­beits­verträge bie­tet, be­ru­fen, um die­ser Pflicht nicht nach­kom­men zu müssen, lie­fe dies nämlich ei­nem der in den Rn. 35 und 36 des vor­lie­gen­den Ur­teils an­geführ­ten Zie­le der Rah­men­ver­ein­ba­rung zu­wi­der, und zwar dem der Schaf­fung fes­ter Beschäfti­gungs­verhält­nis­se, die ei­nen wich­ti­gen As­pekt des Ar­beit­neh­mer­schut­zes dar­stel­len, und könn­te auch die Ka­te­go­ri­en von Per­so­nen, die in den Ge­nuss der in Pa­ra­graf 5 der Rah­men­ver­ein­ba­rung vor­ge­se­he­nen Schutz­maßnah­men kom­men können, er­heb­lich ein­schränken.
52 So­mit ist fest­zu­stel­len, dass sich aus den An­halts­punk­ten, die dem Ge­richts­hof im Rah­men der vor­lie­gen­den Rechts­sa­che un­ter­brei­tet wor­den sind, er­gibt, dass die in Re­de ste­hen­de lu­xem­bur­gi­sche Re­ge­lung ent­ge­gen der in Rn. 37 des vor­lie­gen­den Ur­teils an­geführ­ten Recht­spre­chung in Be­zug auf Kurz­zeit-Beschäftig­te des Kul­tur­be­triebs kei­ne Maßnah­me zur Ver­mei­dung von Miss­brauch durch auf­ein­an­der­fol­gen­de be­fris­te­te Ar­beits­verträge im Sin­ne von Pa­ra­graf 5 Nr. 1 der Rah­men­ver­ein­ba­rung enthält. Die Kla­ge der Kom­mis­si­on ist da­her be­gründet.
53 Nach al­le­dem ist fest­zu­stel­len, dass das Großher­zog­tum Lu­xem­burg da­durch ge­gen sei­ne Ver­pflich­tun­gen aus Pa­ra­graf 5 der Rah­men­ver­ein­ba­rung ver­s­toßen hat, dass es Aus­nah­men von den Maßnah­men zur Ver­mei­dung von Miss­brauch durch auf­ein­an­der­fol­gen­de be­fris­te­te Ar­beits­verträge mit Kurz­zeit-Beschäftig­ten des Kul­tur­be­triebs bei­be­hal­ten hat.
54 Nach Art. 138 Abs. 1 der Ver­fah­rens­ord­nung des Ge­richts­hofs ist die un­ter­lie­gen­de Par­tei auf An­trag zur Tra­gung der Kos­ten zu ver­ur­tei­len. Da die Kom­mis­si­on die Ver­ur­tei­lung des Großher­zog­tums Lu­xem­burg be­an­tragt hat und die Ver­trags­ver­let­zung fest­ge­stellt wor­den ist, sind dem Großher­zog­tum Lu­xem­burg die Kos­ten auf­zu­er­le­gen.
Aus die­sen Gründen hat der Ge­richts­hof (Drit­te Kam­mer) für Recht er­kannt und ent­schie­den:
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