Source: https://www.wirtschaftswissen.de/personal-und-arbeitsrecht/arbeitsgesetze/krankheit/arbeitsrecht-was-bei-krankheit-im-urlaub-gilt/
Timestamp: 2020-08-14 06:10:06
Document Index: 210515790

Matched Legal Cases: ['§ 9', '§ 5', '§ 5', '§ 7', '§ 5', '§ 5']

Arbeitsrecht: Was bei Krankheit im Urlaub gilt - wirtschaftswissen.de
Von Günter Stein, 15.06.2016
Krank im Urlaub? – Wer kennt diese Fälle nicht. Hierbei muss erst einmal mit einem Irrglauben aufgeräumt werden:
Wird Ihr Mitarbeiter im Urlaub infolge von Krankheit arbeitsunfähig, werden diese Krankheitstage nicht auf den Urlaub angerechnet (§ 9 BUrlG). Um diese Urlaubstage zu „retten“, muss Ihr Mitarbeiter seine Arbeitsunfähigkeit im Urlaub durch ein ärztliches Attest nachweisen. Und dieses Attest muss er unverzüglich, das heißt so schnell wie möglich, bei Ihnen vorlegen (LAG Rheinland-Pfalz, 12. 10. 2011, 8 Sa 246/11). Im Umkehrschluss bedeutet das, dass Ihr Mitarbeiter diese Tage nur dann weiterhin als Urlaub geltend machen kann, wenn er auch ein Attest vorlegt.
Die Mitarbeiterpflichten bei einer Erkrankung im Ausland
Auch bei Auslandserkrankungen während des Erholungsurlaubs Ihres Mitarbeiters haben Sie als Arbeitgeber das Arbeitsentgelt grundsätzlich fortzuzahlen. Für Anzeige und Nachweis der Arbeitsunfähigkeit gelten allerdings Besonderheiten (§ 5 Abs. 2 EFZG). Ihr Mitarbeiter hat Ihnen im Falle einer Erkrankung im Ausland
die Arbeitsunfähigkeit,
die Adresse am Aufenthaltsort
in der schnellstmöglichen Übermittlungsart mitzuteilen.
Die Kosten für die Übermittlung der Arbeitsunfähigkeit haben Sie als Arbeitgeber zu tragen (§ 5 Abs. 2 EFZG).
Was passiert, wenn Ihr Mitarbeiter seine Anzeigepflichten im Urlaub verletzt?
Kommt Ihr Mitarbeiter diesen Pflichten nicht nach, haben Sie als Arbeitgeber bei der Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall ein Leistungsverweigerungsrecht (§ 7 Abs. 1 Nr. 1 EFZG). Daneben besteht auch die Nachweispflicht nach § 5 Abs. 1 S. 2 EFZG. Ihr Mitarbeiter ist auch bei Erkrankungen im Ausland verpflichtet, Ihnen die Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung fristgemäß vorzulegen (§ 5 Abs. 1 S. 2 und 3 EFZG).
Wenn Zweifel an einer Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung aus dem Ausland bestehen
Auch Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen aus dem EU-Ausland kommt ein hoher Beweiswert zu. Trotzdem lässt sich der Beweiswert solcher Bescheinigungen erschüttern. Denn „Urlaubsverlängerer“ dürfen nicht übertreiben. Häufen sich die Ungereimtheiten, hält auch das ärztliche Attest nicht vor dem Arbeitsgericht stand. Dann nützen auch die besten ärztlichen Gutachten nichts. Ihre Zweifel können dann berechtigt vorliegen, wenn einer der folgenden Fallkonstellationen gegeben ist:
Sie haben Zweifel, weil
der falsche Facharzt aufgesucht wurde?
eine auffällig lange Krankschreibung trotz eher harmloser Diagnose (z. B. Magen-Darm-Erkrankung) vorliegt?
sich das Ende der Krankschreibung mit dem Ferienende Ihres Mitarbeiters oder seines Partners deckt?
es in den Vorjahren schon einmal vergleichbare Urlaubsverlängerungen gab?
der Rückflug vor dem Datum des ärztlichen Attests verschoben wurde?
das spätere Rückflugdatum in „hellseherischer“ Fähigkeit sogar vor Beginn der Urlaubsreise gebucht wurde?
Falls Sie mindestens einmal mit „Ja“ antworten mussten, sollten Sie Ihren Zweifeln auf den Grund gehen.