Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Text=8%20S%201271/01
Timestamp: 2020-04-06 03:24:12
Document Index: 158985832

Matched Legal Cases: ['Art 28', 'Art 80', '§ 31', '§ 27', 'Art. 28', '§ 32', 'Art. 80', '§ 27', '§ 32', '§ 27', '§ 32', 'Art. 28', '§ 27', '§ 146', '§ 80']

VGH Baden-Württemberg, 22.03.2002 - 8 S 1271/01 - dejure.org
https://dejure.org/2002,2574
VGH Baden-Württemberg, 22.03.2002 - 8 S 1271/01 (https://dejure.org/2002,2574)
VGH Baden-Württemberg, Entscheidung vom 22.03.2002 - 8 S 1271/01 (https://dejure.org/2002,2574)
VGH Baden-Württemberg, Entscheidung vom 22. März 2002 - 8 S 1271/01 (https://dejure.org/2002,2574)
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Festsetzung von Flugverfahren durch Verordnung - Berücksichtigung betroffener Gemeinden und Lärmschutzgesichtspunkte
Art 28 Abs 2 GG, Art 80 Abs 1 S 1 GG, § 31 Abs 1 Nr 1 LuftVG, § 27a Abs 2 LuftVO
Ermächtigung zur Regelung des Flugverfahrens im LuftVG; Normenklarheit bei Verwendung von Fachbegriffen; Anhörung der beteiligten Gemeinden; Abwägung Fluglärm mit Lärmschutzinteressen
ESVGH 52, 189 (Ls.)
VBlBW 2002, 474
VBlBW 2002, 521
DVBl 2002, 1129
Der Verwaltungsgerichtshof hat durch Urteil vom 22. März 2002 (VBlBW 2002, 521) festgestellt, dass die Kläger durch die Festlegung des Navigationspunktes und des Warteverfahrens RILAX in ihren Rechten verletzt würden.
Ob sich hier ein Beteiligungsrecht unmittelbar aus der verfassungsrechtlich garantierten kommunalen Selbstverwaltung (Art. 28 Abs. 2 Satz 1 GG) ableiten lässt (so VGH Baden-Württemberg, Urteil vom 22. März 2002, ZUR 2002, 415 ), erscheint zweifelhaft.
Inhalt, Zweck und Ausmaß der Regelung sind durch § 32 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 LuftVG hinreichend konkret vorgegeben, so dass die Verordnungen den Anforderungen des Art. 80 Abs. 1 GG genügen (vgl. VGH Baden-Württemberg, Urteil vom 22. März 2002 - 8 S 1271/01 - , S. 17 f.; OVG Nordrhein-Westfalen, Urteil vom 4. März 2002 - 20 D 120/97.AK - , S. 13 f.).
Insoweit unterscheiden sich die Durchführungsverordnungen nach § 27a LuftVO nicht von anderen technischen Regelwerken, wie z. B. den zahlreichen Ausführungsverordnungen zum Bundesimmissionsschutzgesetz, die auch nicht wegen fehlender Bestimmtheit oder fehlender Rechtsklarheit als nichtig angesehen werden (vgl. VGH Baden-Württemberg, Urteil vom 22. März 2002, a. a. O., S. 19 f.).
Aus diesen Unterlagen lässt sich nicht nachvollziehen, dass das LBA überhaupt eine abwägende Entscheidung getroffen hat und welche Belange den Ausschlag für diese Entscheidung gegeben haben (vgl. VGH Baden-Württemberg, Urteil vom 22. März 2002, a. a. O., S. 25 f.).
Ein derart weites Verständnis des Begriffs "Flugverfahren" legt vor allem § 32 Abs. 1 S. 1 Nr. 1 LuftVG nahe, aus dem sich die eigentliche Verordnungsermächtigung ergibt, die durch § 27 a Abs. 2 LuftVO in Ausübung der in § 32 Abs. 3 S. 2 LuftVG enthaltenen Berechtigung lediglich an das Luftfahrt-Bundesamt weiter delegiert worden ist (vgl. das "RILAX"-Urteil des Senats vom 22.3.2002 - 8 S 1271/01 - VBlBW 2002, 521, 523).
Die Festlegung von An- und Abflugstrecken unterliegt auch ohne ausdrückliche gesetzliche Normierung dem rechtsstaatlichen Abwägungsgebot (BVerwG…, Urteil vom 28.6.2000, a.a.O., unter Berufung auf das Urteil vom 7.7.1978 - IV C 79.76 - BVerwGE 56, 110; Urteil des Senats vom 22.3.2002, a.a.O.;… Beschluss des Senats vom 24.10.2002, a.a.O.).
Dabei ist entsprechend einem für das Fachplanungsrecht allgemein geltenden Grundsatz ein im Abwägungsvorgang unterlaufener Fehler unerheblich, wenn keine Anhaltspunkte dafür vorliegen, dass die Behörde bei Vermeidung dieses Fehlers zu einer anderen Entscheidung gelangt wäre (BVerwG, Beschluss vom 20.2.2002 - 9 B 63.01 - UPR 2002, 275 = NuR 2002, 410; Senatsurteil vom 22.3.2002, a.a.O., S. 526).
Denn es besteht - anders als bei den von An- und Abflugrouten betroffenen Gemeinden, die aufgrund der Selbstverwaltungsgarantie in Art. 28 Abs. 2 GG ein subjektives Recht auf Information und Anhörung haben (vgl. dazu das Senatsurteil vom 22.3.2002, a.a.O., S. 524) - keine Rechtspflicht, die einzelnen Fluggesellschaften, die von Flugbeschränkungen betroffen sind, vor Erlass solcher Regelungen anzuhören.
Wegen des engen räumlichen und betrieblichen Zusammenhangs mit dem Betrieb des internationalen Flughafens Zürich werden von dieser Vorschrift auch Streitigkeiten über die Festlegung von An- und Abflugwegen nach § 27 a Abs. 2 LuftVO erfasst (BVerwG, Urteil vom 28.6.2000 - 11 C 13.99 - BVerwGE 111, 275 = NJW 2000, 3584; Urteil des Senats vom 22.3.2002 - 8 S 1271/01 - VBlBW 2002, 474).
Deren Statthaftigkeit ist inzwischen allgemein anerkannt (BVerfG…, Beschluss vom 2.4.1997, a.a.O.; BVerwG…, Urteil vom 28.6.2000, a.a.O.; Urteil des Senats vom 22.3.2002, a.a.O.; Kukk, NVwZ 2001, 408; krit.: Rupp, NVwZ 2002, 286; vgl. auch: Hufen, JuS 2001, 406).
Richtig ist zwar, dass auch ohne ausdrückliche gesetzliche Normierung die Festlegung von An- und Abflugstrecken dem rechtsstaatlichen Abwägungsgebot unterliegt (BVerwG…, Urteil vom 28.6.2000, a.a.O., unter Berufung auf das Urteil vom 7.7.1978 - IV C 79.76 - BVerwGE 56, 110; Urteil des Senats vom 22.3.2002, a.a.O.).
Denn es dürfte - anders als bei den von An- und Abflugrouten betroffenen Gemeinden (vgl. dazu das Urteil des Senats vom 22.3.2002, a.a.O.) - keine Notwendigkeit bestehen, die einzelnen Fluggesellschaften, die von Flugbeschränkungen betroffen werden können, im Vorfeld solcher Regelungen anzuhören.
2.5.1.4 Soweit die Kläger rügen, das lärmphysikalische Gutachten hätte mögliche Veränderungen der Flugroutenfestlegungen berücksichtigen müssen, liegt ihr Vortrag bereits deshalb neben der Sache, weil sie selbst - richtigerweise - ausführen, dass die Entscheidung hierüber nicht der Kompetenz der Luftfahrtbehörden der Länder untersteht (vgl. zuletzt das Urteil des Senats vom 22.3.2002 - 8 S 1271/01 -).
Anordnung des Ruhens der Pilotenlizenz und Untersagung von fliegerischen …
Denn aus beidem folgt, dass es nicht die Aufgabe des Beschwerdegerichts ist, in einem Verfahren nach § 146 Abs. 4 VwGO den Streitfall neu aufzubereiten und in vollem Umfang nachzuprüfen (vgl. Bader, a. a. O., VBlBW 2002, S. 474).
Der Antragsteller ist deshalb darauf verwiesen, solche Umstände, die erst nach dem 6. Juli 2012 eingetreten sind, in einem Änderungsverfahren nach § 80 Abs. 7 Satz 2 VwGO geltend zu machen (…vgl. Kugele, a. a. O., Rn. 26; Bader, a. a. O., VBlBW 2002, S. 474).