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Timestamp: 2016-10-22 08:55:47
Document Index: 156350560

Matched Legal Cases: ['Art. 95', 'Art. 96', 'Art. 106', 'BGE', 'Art. 97', 'Art. 105', 'Art. 99', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'Art. 66', 'Art. 64', 'BGE', 'Art. 64']

8C_182/2010 (02.07.2010)
SWICA Gesundheitsorganisation, Rechtsdienst, R�merstrasse 38, 8401 Winterthur,
Die 1960 geborene J.________ arbeitete im Restaurant X.________ und war bei der SWICA Versicherungen AG (im weiteren: SWICA) gegen die Folgen von Unf�llen versichert, als sie am 19. November 2004 anl�sslich einer Auseinandersetzung �ber Lohnanspr�che und Darlehensr�ckzahlungen von ihrem Arbeitgeber t�tlich angegriffen und am Hals verletzt wurde. Dr. med. M.________, allgemeine Medizin FMH, welchen sie auf Anraten der Polizei gleichentags aufgesucht hatte, best�tigte, er habe auf beiden Seiten des Halses seiner Patientin streifenf�rmige Druckstellen/R�tungen festgestellt. Das wegen einfacher K�rperverletzung und Drohung angestrengte Strafverfahren wurde von der Staatsanwaltschaft des Kantons Aargau am 22. Februar 2005 eingestellt, da die Drohung nicht zu beweisen sowie der Angriff als blosse T�tlichkeit zu qualifizieren und ins Privatstrafverfahren zu verweisen seien. Nach dem Ereignis nahm die Versicherte ihre Erwerbst�tigkeit nicht wieder auf. Auf Grund eines Entscheides des Versicherungsgerichts des Kantons Aargau vom 27. Februar 2008 richtete die Invalidenversicherung J.________ wegen einer generalisierten Angstst�rung, einer Panikst�rung, einer anhaltend wahnhaften St�rung und einer chronisch depressiven Entwicklung ab Dezember 2005 eine ganze Invalidenrente aus. Die SWICA anerkannte mit Verf�gung vom 25. Oktober 2007 grunds�tzlich ihre Leistungspflicht f�r das Ereignis vom 19. November 2004, begrenzte diese aber bis zum 31. Dezember 2004, weil danach weder ein nat�rlicher noch ein ad�quater Kausalzusammenhang zwischen dem Gesundheitsschaden und dem versicherten Ereignis bestehe. Daran hielt sie auf Einsprache hin fest (Entscheid vom 31. Oktober 2008).
J.________ l�sst Beschwerde in �ffentlich-rechtlichen Angelegenheiten f�hren und beantragen, es seien ihr in Aufhebung des Einspracheentscheides und des vorinstanzlichen Entscheides �ber den 31. Mai 2005 hinaus Versicherungsleistungen zu erbringen, eventuell sei die Sache f�r weitere Sachverhaltsabkl�rungen zur�ckzuweisen. In prozessualer Hinsicht l�sst J.________ um die unentgeltliche Prozessf�hrung und Verbeist�ndung ersuchen.
1.1 Die Beschwerde kann wegen Rechtsverletzung gem�ss Art. 95 und Art. 96 BGG erhoben werden. Das Bundesgericht wendet das Recht von Amtes wegen an (Art. 106 Abs. 1 BGG). Es ist somit weder an die in der Beschwerde geltend gemachten Argumente noch an die Erw�gungen der Vorinstanz gebunden; es kann eine Beschwerde aus einem anderen als dem angerufenen Grund gutheissen und es kann sie mit einer von der Argumentation der Vorinstanz abweichenden Begr�ndung abweisen (vgl. BGE 130 III 136 E. 1.4 S. 140). Im Beschwerdeverfahren um die Zusprechung oder Verweigerung von Geldleistungen der Milit�r- oder Unfallversicherung ist das Bundesgericht nicht an die vorinstanzliche Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts gebunden (Art. 97 Abs. 2 und Art. 105 Abs. 3 BGG).
1.2 Gem�ss Art. 99 Abs. 1 BGG sind Noven im letztinstanzlichen Verfahren grunds�tzlich unzul�ssig (vgl. zur Geltung dieses Grundsatzes im Beschwerdeverfahren um die Zusprechung oder Verweigerung von Geldleistungen der Milit�r- oder Unfallversicherung: BGE 135 V 194 E. 3.4 S. 199 f.). Die Voraussetzungen, unter denen die von der Beschwerdef�hrerin neu eingereichten Unterlagen ausnahmsweise zul�ssig w�ren, sind vorliegend nicht erf�llt, so dass diese unbeachtet bleiben m�ssen.
Das kantonale Gericht hat die Rechtsprechung zu dem f�r die Leistungspflicht des Unfallversicherers vorausgesetzten nat�rlichen und ad�quaten Kausalzusammenhang zwischen dem versicherten Unfall, bei dem es sich um ein Schreckereignis handelt, und dem eingetretenen Gesundheitsschaden (vgl. auch BGE 129 V 177 E. 3 S. 181 mit Hinweisen) zutreffend dargelegt. Richtig ist, dass die Ad�quanz zwischen einem Schreckereignis und den nachfolgend aufgetretenen psychischen St�rungen nach der allgemeinen Formel (gew�hnlicher Lauf der Dinge und allgemeine Lebenserfahrung) zu beurteilen ist (BGE 129 V 177 f. E. 4.2 S. 184). Dabei ist mit der Vorinstanz gem�ss Rechtsprechung nicht allein auf den psychisch gesunden Versicherten, sondern auf eine weite Bandbreite der Versicherten abzustellen. In diesem Rahmen bilden auch solche Versicherte Bezugspersonen f�r die Ad�quanzbeurteilung, welche im Hinblick auf die erlebnism�ssige Verarbeitung eines Unfalles zu einer Gruppe mit erh�htem Risiko geh�ren, weil sie aus versicherungsm�ssiger Sicht auf einen Unfall nicht "optimal" reagieren. Daraus ergibt sich, dass f�r die Beurteilung der Frage, ob ein konkretes Unfallereignis als alleinige Ursache oder als Teilursache nach dem gew�hnlichen Lauf der Dinge und der allgemeinen Lebenserfahrung geeignet ist, zu einer bestimmten psychischen Sch�digung zu f�hren, kein allzu strenger, sondern im dargelegten Sinne ein realit�tsgerechter Massstab angelegt werden muss (BGE 129 V 177 ff. E. 3.3 S. 181 ff. mit Hinweisen).
3.1 Vorliegend hat die SWICA das Ereignis vom 19. November 2004 als Unfall im Sinne eines Schreckereignisses anerkannt und Versicherungsleistungen ausgerichtet. Streitig und zu pr�fen ist einzig, ob die bei der Beschwerdef�hrerin diagnostizierte posttraumatische Belastungsst�rung (ICD-10:F43.1) und die undifferenzierte Somatisierungsst�rung (ICD-10:F45.1) �ber den 31. Mai 2005 hinaus eine ad�quat kausale Folge des Angriffs darstellt. Unbestritten ist, dass keine somatischen Unfallfolgen bestehen.
3.2 Den nat�rlichen Kausalzusammenhang begr�ndete der behandelnde Dr. med. G.________, Psychiatrie und Psychotherapie FMH, in seinem Bericht vom 24. M�rz 2009 nur mittels Ausschlussargumentation ("Ein anderes traumatisierendes Ereignis ist uns nicht bekannt, insofern gehen wir davon aus, dass die posttraumatische Belastungsst�rung durch den �bergriff verursacht ist"). Dies steht im Widerspruch zu den Gutachten der Psychiater Dres. med. T.________ und Y.________ (vgl. auch Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons Aargau vom 27. Februar 2008 i.S. der Beschwerdef�hrerin gegen die IV-Stelle). Zudem hat die Beschwerdef�hrerin in einer Verwaltungsgerichtsbeschwerde ans damalige Eidgen�ssische Versicherungsgericht vom 17. November 2006 - also zwei Jahre nach dem hier zu beurteilenden Ereignis - selbst geltend gemacht, sie leide seit einem �berfall im Jahre 1994 an erheblichen psychischen Problemen und habe damals ihre Gesundheit verloren (Verfahren U 549/06). Der nat�rliche Kausalzusammenhang zwischen dem Ereignis vom 19. November 2004 und den seit Juni 2005 geltend gemachten Beschwerden muss indessen nicht n�her abgekl�rt werden, falls es am ad�quaten Kausalzusammenhang fehlt.
3.3.1 Das Eidgen�ssische Versicherungsgericht verneinte (allerdings in Anwendung der Ad�quanzkriterien von BGE 115 V 139) im Fall einer Versicherten, die auf offener Strasse von einem Unbekannten angegriffen, zu Boden gedr�ckt und in T�tungsabsicht gew�rgt worden war (wobei sie auch k�rperliche Beeintr�chtigungen - Schrammen am Hals und Schmerzen in der Lendengegend - erlitt; RKUV 1996 Nr. U 256 S. 215) die Ad�quanz ebenso wie bei einem Mann, der in Zusammenhang mit seinem Gesch�ft von einem unbekannten Begleiter eines Kunden mit dem Messer bedroht und erpresst worden war (jedoch keine somatischen Verletzungen davontrug; Urteil C. vom 19. M�rz 2003, U 15/00) und im Fall einer Spielsalonaufsicht, die nach Gesch�ftsschluss �berraschend von einem Vermummten mit der Pistole bedroht und (ohne dass sie k�rperlich angegriffen worden w�re) zur Geldherausgabe gezwungen worden war (BGE 129 V 177). Nach der Rechtsprechung besteht die �bliche und einigermassen typische Reaktion auf solche Ereignisse erfahrungsgem�ss darin, dass zwar eine Traumatisierung stattfindet, diese aber vom Opfer in aller Regel innert einiger Wochen oder Monate �berwunden wird.
3.3.2 Wie das kantonale Gericht zu Recht ausgef�hrt hat, verh�lt es sich auch im vorliegenden Fall nicht anders. Zwar ist dem t�tlichen Angriff des Arbeitgebers auf die Beschwerdef�hrerin, wobei dieser sie beschimpfte und w�rgte, eine gewisse Eindr�cklichkeit nicht abzusprechen und es ist auch nachvollziehbar, dass die Versicherte das Ereignis subjektiv als bedrohlich empfand, da der Arbeitsplatz im allgemeinen als ein gesch�tzter Ort empfunden wird. Dennoch ist ein solches Ereignis nach der allgemeinen Lebenserfahrung nicht geeignet, langj�hrige Angst- und depressive Zust�nde auszul�sen. Auch heilten die lediglich sehr leichten k�rperlichen Beeintr�chtigungen (Druckstellen und R�tungen am Hals) folgenlos ab. Aus den Akten ist nicht ersichtlich, ob sie �berhaupt einer Heilbehandlung bedurften. Indem die Vorinstanz die Ad�quanz zwischen den psychischen Beschwerden und dem Ereignis f�r die Dauer von sechs Monaten bejahte, hat sie den konkreten Umst�nden - zu denen auch der letztlich nicht ganz gekl�rte Hergang geh�rt - in nicht zu beanstandender Weise Rechnung getragen. Daran k�nnen auch die weiteren Argumente der Beschwerdef�hrerin nichts �ndern. Die Beschwerde ist abzuweisen.
Die Gerichtskosten werden der unterliegenden Beschwerdef�hrerin auferlegt (Art. 66 Abs. 1 BGG). Gleichzeitig wird ihr die unentgeltliche Rechtspflege (Prozessf�hrung und Verbeist�ndung; Art. 64 BGG) gew�hrt, da die hief�r erforderlichen Voraussetzungen (Bed�rftigkeit, Nichtaussichtslosigkeit und Gebotenheit einer Verbeist�ndung) gegeben sind (BGE 125 V 201 E. 4a S. 202 und 371 E. 5b S. 372, je mit Hinweisen). Es wird indessen ausdr�cklich auf Art. 64 Abs. 4 BGG aufmerksam gemacht, wonach die beg�nstigte Partei der Gerichtskasse Ersatz zu leisten haben wird, wenn sie sp�ter dazu in der Lage ist.
Rechtsanwalt Martin Kuhn wird als unentgeltlicher Anwalt der Beschwerdef�hrerin bestellt, und es wird ihm f�r das bundesgerichtliche Verfahren aus der Gerichtskasse eine Entsch�digung von Fr. 2'800.- ausgerichtet.