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Timestamp: 2019-01-18 13:37:32
Document Index: 367057034

Matched Legal Cases: ['BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 349', '§ 349', '§ 21', 'BGH', '§ 46']

BGH, 2 StR 104/13: BGH: vollziehung, unterbringung, strafzumessung, schuldfähigkeit, blutalkoholkonzentration, gewalt, anhörung, trauma
Urteil des BGH vom 18.06.2013, 2 StR 104/13
2 StR 104/13
BGH: vollziehung, unterbringung, strafzumessung, schuldfähigkeit, blutalkoholkonzentration, gewalt, anhörung, trauma
Vollziehung, Unterbringung, Strafzumessung, Schuldfähigkeit, Blutalkoholkonzentration, Gewalt, Anhörung, Trauma
Der 2. Strafsenat des Bundesgerichtshofs hat nach Anhörung des Generalbundesanwalts und der Beschwerdeführer am 18. Juni 2013 gemäß § 349
1. Auf die Revisionen der Angeklagten wird das Urteil des Landgerichts Fulda vom 29. Oktober 2012 aufgehoben
a) in den Einzelstrafaussprüchen zur Tat II.3 der Urteilsgründe,
b) im Ausspruch über die Gesamtfreiheitsstrafen und
c) jeweils im Ausspruch über die Dauer des Vorwegvollzugs
der Strafen vor Vollziehung der Maßregel.
Im Umfang der Aufhebung wird die Sache zu neuer Verhandlung und Entscheidung, auch über die Kosten der Rechtsmittel und die dem Nebenkläger dadurch entstandenen notwendigen Auslagen, an eine andere Schwurgerichtskammer
1Das Landgericht hat den Angeklagten S. wegen Mordes (Tat II.3
der Urteilsgründe), vorsätzlicher Körperverletzung und Diebstahls zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von 14 Jahren verurteilt, seine Unterbringung in einer Ent-
ziehungsanstalt angeordnet und bestimmt, dass fünf Jahre der Freiheitsstrafe
vor Vollziehung der Maßregel vollstreckt werden; den Angeklagten R. hat
es wegen Mordes (Tat II.3 der Urteilsgründe) und vorsätzlicher Körperverletzung zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von 11 Jahren und zwei Monaten verurteilt,
dass drei Jahre und sieben Monate der Freiheitsstrafe vor Vollziehung der
Maßregel vollstreckt werden. Hiergegen wenden sich die Angeklagten mit ihren
Revisionen, die sie jeweils wirksam auf die Verurteilung wegen Mordes sowie
auf die erkannte Unterbringung in einer Entziehungsanstalt beschränkt haben.
Die jeweils auf die Sachrüge gestützten Revisionen haben den aus der Beschlussformel ersichtlichen Teilerfolg; im Übrigen sind sie unbegründet im Sinne von § 349 Abs. 2 StPO.
21. Nach den Feststellungen zur Tat II.3 der Urteilsgründe wollten die beiden Angeklagten dem späteren Tatopfer, einem ihnen bekannten Obdachlosen, eine gewaltsame Abreibung erteilen. Sie schlugen dem Geschädigten zunächst gemeinsam mehrfach mit der Faust ins Gesicht, bis er zu Boden ging
und dort wehrlos liegen blieb. Nunmehr traten sie gemeinsam – teilweise
gleichzeitig – aus bloßer Freude an der Ausübung körperlicher Gewalt mit beschuhten Füßen mehrfach mit mindestens bedingtem Tötungsvorsatz wuchtig
gegen den Kopf des Tatopfers ein. Das Tatopfer, das durch die sein Gesicht
bis zur Unkenntlichkeit entstellenden Misshandlungen u.a. ein schweres Schädel-Hirn-Trauma und multiple Frakturen am Kopf sowie massive innere Blutungen erlitt, verstarb noch am Tatort an den Folgen der Gewalteinwirkung.
3Die – sachverständig beratene – Schwurgerichtskammer ist davon ausgegangen, dass beide Angeklagte aufgrund ihrer Alkoholisierung (Blutalkoholkonzentration zur Tatzeit von 3,39 ‰ bzw. 3,50 ‰) in ihrer Steuerungsfähigkeit
erheblich vermindert waren (§ 21 StGB). In der Strafzumessung hat sie zu Las-
ten beider Angeklagten gewertet, dass sie besonders brutal vorgegangen seien.
42. Diese Strafzumessungserwägung begegnet unter den hier gegebenen
Umständen durchgreifenden rechtlichen Bedenken.
5Nach ständiger Rechtsprechung darf die Art der Tatausführung einem
Angeklagten nur dann ohne Abstriche strafschärfend zur Last gelegt werden,
wenn sie in vollem Umfang vorwerfbar ist, nicht aber, wenn ihre Ursache in einer von ihm nicht oder nur eingeschränkt zu vertretenen geistig-seelischen Beeinträchtigung liegt (BGH, Beschluss vom 29. Juni 2000 – 1 StR 223/00,
StV 2001, 615; Urteil vom 17. Juli 2003 – 4 StR 105/03, NStZ-RR 2003, 294;
Beschluss vom 8. Oktober 2002 – 5 StR 365/02, NStZ-RR 2003, 104;
Beschluss vom 31. Januar 2012 – 3 StR 453/11, NStZ-RR 2012, 169; Fischer,
StGB, 60. Aufl., § 46 Rn. 32). Damit, ob den Angeklagten die ihnen vorgeworfene "besondere Brutalität" ihres Vorgehens trotz ihrer Rauschzustände, die
ihre erheblich verminderte Steuerungsfähigkeit begründet haben, uneingeschränkt vorwerfbar ist, setzt sich das Urteil indes nicht auseinander. Sie kann
jeweils auch Ausdruck der verminderten Schuldfähigkeit gewesen sein. Dass
das Landgericht diese Möglichkeit bei der strafschärfenden Berücksichtigung
der Art der Tatausführung übersehen oder aus den Augen verloren haben
könnte, lässt sich hier auch aus der Gesamtschau der Strafzumessungserwägungen nicht ausschließen.
63. Die Aufhebung der Strafaussprüche zur Tat II.3 der Urteilsgründe hat
die Aufhebung der verhängten Gesamtfreiheitsstrafen und der Entscheidungen
über die Dauer des Vorwegvollzugs der Freiheitsstrafe vor der Maßregel zur
7Die der Strafzumessung zu Grunde liegenden rechtsfehlerfrei getroffenen tatsächlichen Feststellungen sind von dem aufgezeigten Rechtsfehler nicht
berührt und können daher aufrechterhalten bleiben; ergänzende, zu den bisherigen Feststellungen nicht in Widerspruch stehende Feststellungen bleiben zulässig.