Source: https://www.ratgeber-erbrecht-immobilien-muenchen.de/blog/erbrecht-was-erben-ehepartner
Timestamp: 2020-04-05 12:35:24
Document Index: 58398169

Matched Legal Cases: ['§ 1931', '§ 1931', '§ 1932', '§ 1969', '§ 1969', '§ 1586']

Erbrecht - Was erben Ehepartner - Ratgeber Immobilien Erbrecht
Sollte der Erblasser schon die Scheidung eingereicht haben oder einem Scheidungsantrag zugestimmt haben, dann erbt der hinterbliebene Ex-Partner nach der gesetzlichen Erbfolge ebenfalls nichts. Auch ein Pflichtteilsanspruch besteht nicht. Sollte das Paar zum Zeitpunkt des Todes des Erblassers nur getrennt gelebt haben, wird dem Hinterbliebenen der gesetzliche Erbteil zugesprochen. Doch wie viel und was erben eigentlich die Ehepartner?
Der Güterstand ist maßgebend für den Umfang des Ehegattenerbrechts
Wie viel ein Ehepartner erbt, hängt selbstverständlich in erster Linie von der Höhe des Erbes ab. Wie hoch der Anteil am Nachlass ist, steht in Abhängigkeit von dem Güterstand und ob es weitere Erben der ersten Ordnung gibt. Zur ersten Ordnung gehören beispielsweise die Kinder des Erblassers, die Teil der Erbengemeinschaft sein können. Hinsichtlich des Güterstandes haben die meisten Ehen eine Zugewinngemeinschaft. Von dieser geht das Gesetz auch grundsätzlich aus. Wer davon abweichen möchte, muss per notariellen Vertrag eine Vereinbarung über eine Gütergemeinschaft oder eine Gütertrennung fixieren.
Neben den Verwandten der ersten Ordnung – hierzu zählen wie erwähnt die Kinder des Erblassers – erhält der Ehegatte ein Viertel des Nachlasses. Die verbleibenden drei Viertel werden an die Kinder des Verstorbenen verteilt. Im Anschluss muss bedacht werden, welchen Güterstand die Eheleute vereinbart haben:
Gütergemeinschaft: Bei einer Gütergemeinschaft steht dem hinterbliebenen Ehepartner 50 % des gemeinsamen Vermögens zu. Von der verbleibenden Hälfte erbt dieser ein Viertel, wenn es Sprösslinge des Erblassers gibt. Die Hälfte erhält der noch lebende Partner, sofern es Miterben der zweiten Ordnung oder Großeltern gibt. Ansonsten erhält der überlebende Ehegatte alles.
Gütertrennung: Sollten die beiden Ehegatten in Gütertrennung leben, dann werden dem Ehepartner und dem einen Kind oder den zwei Kindern die gleichen Anteile zugesprochen. Dies ist im § 1931 Abs. 4 BGB festgelegt. Auf diese Weise wird dafür Sorge getragen, dass der Ehepartner gegenüber den Nachkommen gleich viel erbt. Sollte es drei oder mehr Kinder geben, so erhält der hinterbliebene Partner ein Viertel des Nachlasses. Existieren keine Erben der ersten und zweiten Ordnung sowie keine Großeltern, kriegt der Hinterbliebene die komplette Erbschaft
Zugewinngemeinschaft: Lebte das Ehepaar mit Kindern in einer Zugewinngemeinschaft, entfällt auf den hinterbliebenen Partner ein zusätzliches Viertel des Nachlasses als pauschaler Zugewinnausgleich (§§ 1931 Abs. 3, 1371 BGB). Damit stehen ihm also 50 % des Erbes zu, wodurch der Gesetzgeber langatmige Streitigkeiten vor Gericht über die Zugewinnhöhe vermeiden möchte. Sollte das Paar keine Kinder gehabt haben, erbt der überlebende Partner drei Viertel des Erbes. Gibt es beispielsweise ein Elternteil und zwei Geschwister erhalten alle je ein Achtel des Erbes. Sollten die Eltern des Erblassers ebenfalls tot sein, teilen sich der hinterbliebene Ehepartner und die Geschwister das Erbe auf. Durch ein Aufsetzen eines Testaments lässt sich vermeiden, dass die Geschwister des Verstorbenen etwas vom Nachlass erhalten. Sie sind nicht pflichtteilsberechtigt.
Wann sollten Ehepartner ein Erbe ausschlagen?
Teilweise kann es für den hinterbliebenen Ehepartner sinnvoll sein, das Erbe auszuschlagen. Dies ist beispielsweise der Fall, wenn der tatsächliche Zugewinn extrem hoch ist. Es hört sich verwirrend an, aber folgende Erklärung verdeutlicht den Sachverhalt: Ein Erblasser hat während der Ehe sein Vermögen stark ausgebaut. Der überlebende Ehepartner hat jedoch dazu kaum etwas beigetragen, wodurch der Anspruch auf Ausgleich des Zugewinns den pauschalierten Zugewinn übersteigt. Jetzt kann es sein, dass es ratsamer ist, das Erbe auszuschlagen. Stattdessen können nun der reguläre Zugewinn und der kleine Pflichtteil verlangt werden. Die Forderung des Ausgleichs für den tatsächlichen Zugewinn lässt sich von dem Nachlass abziehen.
Wer das Erbe ausschlagen will, muss rasch handeln. Es gilt eine Frist von sechs Wochen nach Bekanntgabe des Erbfalls.
Der Ehepartner in der Zugewinngemeinschaft erbt ein Haus: Was erhält davon der Partner?
Lebt ein Paar in der Zugewinngemeinschaft und einer der beiden erbt ein Haus, gehört ihm die Erbschaft ganz allein. Der andere Partner hat darauf keinen Anspruch. Immerhin gibt es im gesetzlichen Güterstand der Zugewinngemeinschaft kein gemeinsames Vermögen. Doch langfristig gesehen existiert diesbezüglich eine Ausnahme bei Immobilien, die sich auf ihre Wertsteigerung bezieht. Kommt es zu einer Werterhöhung des Objektes, ist diese im Zugewinnausgleich zu berücksichtigen. Die Wertsteigerung der Immobilie fällt in den Zugewinn des Eigentümers.
Erhält der Ehepartner den gemeinsamen Hausrat?
Der überlebende Ehepartner erhält neben dem regulären Erbteil nach dem Erbrecht den Voraus. Dies sind alle Gegenstände, die zum ehelichen Haushalt gehörten. Wie der Voraus im Einzelnen aussieht, hängt nach § 1932 BGB davon ab, aus welchen Personen sich die Erbengemeinschaft zusammensetzt. Sollte es noch Kinder und Enkelkinder geben, zählen zum Voraus tatsächlich nur Dinge wie Möbel und Wäsche. Luxusartikel sind davon ausgeschlossen. Setzt sich die Erbengemeinschaft nur noch aus Geschwistern oder Eltern des Erblassers zusammen, erhält der hinterbliebene Partner den kompletten Hausrat.
Hinweis: Ein Vorausanspruch besteht nur bei einer gesetzlichen Erbfolge. Sollte ein rechtswirksames Testament oder ein Erbvertrag bestehen, stellt der Erblasser schriftlich dar, wer was von dem Hausrat erbt.
30 Tage Wohnrecht und Unterhaltspflicht: § 1969 Dreißigster
Der § 1969 Dreißigster hat eine Geschichte, die mindestens 900 Jahren zurückgeht. Mit ihm sollten die nächsten Angehörigen unter einen besonderen Schutz gestellt werden, wenn der Haupternährer der Familie verstorben ist. Heutzutage findet sie nur noch in Härtefällen Anwendung, da die engsten Familienangehörigen inklusive des Partners für gewöhnlich die Erben sind.​
Hat ein geschiedener Ehepartner noch einen Unterhaltsanspruch?
Im § 1586b BGB ist der Unterhaltsanspruch bei Todesfall festgelegt. War der Verstorbene dem Ex-Partner unterhaltspflichtig, kann dieser von den Erben Unterhalt verlangen. Die Höhe ist allerdings limitiert. Sie kann nicht über dem Pflichtteil liegen, die der Partner erhalten hätte, wenn es nicht zur Scheidung gekommen wäre.
Immobilien im Nachlass bei Tod des Ehepartners: Was passiert mit ihnen?
Wenn ein Ehepartner stirbt, möchte der andere noch oft in der bis dahin genutzten Wohnung wohnen bleiben. Doch die Erfahrung zeigt, dass etwaige Kinder lieber das Erbe ausgezahlt hätten. Der Wunsch des noch lebenden Partners und der Anspruch der Kinder lassen sich oft nicht miteinander vereinbaren. Oft fehlt dem hinterbliebenen Ehegatten das Geld für eine Auszahlung der anderen Erben. Die Kinder können verlangen, dass eine Teilungsversteigerung vollzogen wird. Sie ist allerdings wenig empfehlenswert, da so selbst Immobilien in München zu niedrigen Preisen veräußert werden. Stattdessen ist es ratsamer, wenn dem Elternteil ein friedliches Wohnen in der gemeinsam geerbten Immobilie zugesprochen wird. Sind die Fronten stark verhärtet, kann der noch lebende Elternteil vielleicht eine kleine Miete an die Kinder zahlen. Im Interesse des Nachwuchses sollte es sein, erst nach dem Tod des anderen Elternteils das Objekt zu veräußern oder anderweitig zu verwerten. Ein kompetenter Immobilienmakler weiß Rat und kann eine gute Einschätzung geben, wie viel das Haus oder die Wohnung wert ist und wie die Marktsituation ist.
Weitere Möglichkeiten mit einem Immobilienerbe umzugehen
Für eine friedliche Einigung zwischen Kindern und hinterbliebenen Elternteil über die vererbte Immobilie gibt es diverse weitere Möglichkeiten:
Kinder übertragen ihren Erbteil auf den noch lebenden Elternteil. Hierbei sind allerdings etwaige Schenkungssteuern zu beachten.
Die Kinder sprechen sich schriftlich gegen eine Teilungsversteigerung aus.
Noch zu Lebzeiten beider Elternteile wird ein Testament aufgesetzt. Beispielsweise bei dem Berliner Testament beerben sich die beiden Ehepartner gegenseitig. Die Kinder werden erst im Nachlass des länger lebenden Elternteils berücksichtigt.
Bereits zu Lebzeiten wird das Eigenheim verschenkt.
Insbesondere bei größeren Vermögenswerten wie einem Bestand von Immobilien ist es ratsam, sich im Vorfeld und nach dem Erbfall Rat bei Experten einzuholen. Von Steuertipps über Ratschläge für die Nutzungsmöglichkeiten der Objekte bis hin zur Berechnung ihres Wertes sind sie ein starker Partner an der Seite.