Source: http://m.hensche.de/Abfindung_Teilzeit_Hoehe_der_Abfindung_bei_Taetigkeit_in_Teilzeit_LAG_Koeln_9Sa1116-07-u.html
Timestamp: 2017-01-16 19:13:27
Document Index: 16433768

Matched Legal Cases: ['§ 64', '§ 66', '§ 5', '§ 75', '§ 10', '§ 4', 'Art. 141', 'Art. 6', 'Art. 6']

HENSCHE Arbeitsrecht: 9 Sa 1116/07
Sozialplan, Abfindung, Teilzeit
9 Sa 1116/07
Ei­ne So­zi­al­plan­re­ge­lung, wo­nach grundsätz­lich auf das zu­letzt er­ziel­te Mo­nats­ge­halt bei der Be­mes­sung der Ab­fin­dung ab­zu­stel­len ist, und nur bei Ar­beit­neh­mern, bei de­nen sich erst in den letz­ten drei Jah­ren vor Ab­schluss des So­zi­al­plans die Ar­beits­zeit verändert hat, ein nach dem durch­schnitt­li­chen Beschäfti­gungs­grad während der ge­sam­ten Be­triebs­zu­gehörig­keit er­mit­tel­tes Mo­nats­ge­halt zu­grun­de zu le­gen ist, verstößt nicht ge­gen das Ge­bot zur Be­ach­tung der Grundsätze von Recht und Bil­lig­keit. (Rn.29)
Arbeitsgericht Aachen, Urteil vom 9.08.2007, 4 Ca 1499/07
9 Sa 1116/07 4 Ca 1499/07
Verkündet am 22. Ja­nu­ar 2008
hat die 9. Kam­mer des Lan­des­ar­beits­ge­richts Kölnauf die münd­li­che Ver­hand­lung vom 22.01.2008durch den Vor­sit­zen­den Rich­ter am Lan­des­ar­beits­ge­richt S als Vor­sit­zen­den so­wie die eh­ren­amt­li­chen Rich­ter D und B
1. Die Be­ru­fung der Kläge­rin ge­gen das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts Aa­chen vom 09. Au­gust 2007 – 4 Ca 1499/07 – wird kos­ten­pflich­tig zurück­ge­wie­sen.
Die Par­tei­en strei­ten über die Höhe ei­ner von der Be­klag­ten zu zah­len­den So­zi­al­plan­ab­fin­dung.
Die Kläge­rin, ge­bo­ren am 1966, war bei der Be­klag­ten als voll­zeit­beschäftig­te Sach­be­ar­bei­te­rin in der Scha­dens­ab­tei­lung seit dem 6. Ju­ni 1987 auf­grund ei­nes schrift­li­chen Ar­beits­ver­tra­ges vom 6. Ju­ni 1987/19. Ju­li 1987 (Bl. 96 – 97 d. A.) beschäftigt. In dem schrift­li­chen Ar­beits­ver­trag wur­de be­stimmt, dass bei der Ein­stu­fung in die Ge­halts­grup­pe IV der 1. Au­gust 1985 als Be­ginn der Be­rufs­jah­re zu gel­ten hat­te. Auf das Ar­beits­verhält­nis fan­den, so­weit nichts Ab­wei­chen­des ver­ein­bart war, die je­weils gülti­gen Ta­rif­verträge für das pri­va­te Ver­si­che­rungs­ge­wer­be An­wen­dung.
Während ih­rer El­tern­zeit ab 2002 ar­bei­te­te die Kläge­rin nur in ei­nem Um­fang von 7,6 St­un­den pro Wo­che für die Be­klag­te. Auch nach Ab­lauf der El­tern­zeit ar­bei­te­te die Kläge­rin ab dem 27. Ja­nu­ar 2006 wei­ter­hin mit die­ser St­un­den­zahl bei der Be­klag­ten zu ei­ner Vergütung von EUR 676,45 brut­to.
Un­ter dem 6./10. Ja­nu­ar 2006 schloss die Be­klag­te mit dem Ge­samt­be­triebs­rat ei­nen So­zi­al­plan we­gen Per­so­nal­re­du­zie­run­gen, die in ei­nem un­ter dem glei­chen Da­tum ab­ge­schlos­se­nen In­ter­es­sen­aus­gleich vor­ge­se­hen sind.
Da­nach er­hal­ten Ar­beit­neh­mer, de­ren Ar­beits­verhält­nis en­det, ei­ne Grund­ab­fin­dung, die wie folgt be­rech­net wird: Le­bens­al­ter x Be­triebs­zu­gehörig­keit x Brut­to-Mo­nats­ver­dienst : 40. Maßge­bend für die Be­rech­nung der Be­triebs­zu­gehörig­keit ist der Zeit­punkt des Be­ginns des Ar­beits­verhält­nis­ses (ein­sch­ließlich Be­rufs­aus­bil­dungs­zei­ten bei der Be­klag­ten) ei­ner­seits und der Zeit­punkt der Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses an­de­rer­seits. Bei der Ab­fin­dung han­delt es sich um ei­ne Brut­to­zah­lung. Als Brut­to-Mo­nats­ver­dienst gilt das im letz­ten Mo­nats vor Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses vom Ar­beit­neh­mer be­zo­ge­ne vol­le Brut­to-Mo­nats­ge­halt ein­sch­ließlich Zu­la­gen. Da­zu zählen nicht: Vermögens­wirk­sa­me Leis­tun­gen, Fahrt­kos­ten­zuschüsse, Vergütun­gen für Mehr­ar­beit und Zeit­gut­ha­ben, Rei­se­kos­ten so­wie Son­der­zah­lun­gen, Gra­ti­fi­ka­tio­nen und Er­folgs­vergütung. Bei
Ar­beit­neh­mern, de­ren re­gelmäßige Wo­chen­ar­beits­zeit sich seit dem 31. De­zem­ber 2003 um mehr als 25 % ver­rin­gert oder erhöht hat, ist für die Be­rech­nung des Brut­to-Mo­nats­ver­diens­tes der durch­schnitt­li­che Beschäfti­gungs­grad während ih­rer ge­sam­ten Be­triebs­zu­gehörig­keit maßgeb­lich. Die Höhe des Brut­to-Mo­nats­ver­diens­tes be­rech­net sich in die­sen Fällen wie folgt: Brut­to-Mo­nats­ver­dienst bei Voll­zeit­beschäfti­gung x durch­schnitt­li­cher Beschäfti­gungs­grad.
Im Zu­ge der im In­ter­es­sen­aus­gleich vor­ge­se­he­nen Per­so­nal­re­du­zie­run­gen kündig­te die Be­klag­te das Ar­beits­verhält­nis der Kläge­rin mit Schrei­ben vom 20. Fe­bru­ar 2006 zum 30. Sep­tem­ber 2006. Sie zahl­te an die Kläge­rin un­ter Berück­sich­ti­gung von Auf­sto­ckungs­beträgen we­gen ih­rer bei­den un­ter­halts­be­rech­tig­ten Kin­der ei­ne Ge­samt­ab­fin­dung in Höhe von EUR 20.058,49. Bei der Be­rech­nung ging sie von ei­ner seit dem 6. Ju­ni 1987 be­ste­hen­den Be­triebs­zu­gehörig­keit aus. Zu­dem leg­te sie das zu­letzt als Teil­zeit­kraft er­ziel­te Mo­nats­ge­halt zu­grun­de.
Zwi­schen den Par­tei­en be­steht Streit darüber, ob bei der Be­rech­nung der Grund­ab­fin­dung der 1. Au­gust 1985 als Be­ginn der Be­triebs­zu­gehörig­keit gilt und ob zur Er­mitt­lung des Brut­to-Mo­nats­ver­diens­tes das Mo­nats­ge­halt bei ei­ner Voll­zeit­beschäfti­gung der Kläge­rin mit dem durch­schnitt­li­chen Beschäfti­gungs­grad von 0,83 zu mul­ti­pli­zie­ren ist – so die Kläge­rin – oder ob das zu­letzt als Teil­zeit­kraft er­ziel­te Mo­nats­ge­halt – so die Be­klag­te – als Brut­to-Mo­nats­ver­dienst zu gel­ten hat.
Mit der vor­lie­gen­den Kla­ge, die am 18. April 2007 beim Ar­beits­ge­richt Aa­chen ein­ge­gan­gen ist, ver­langt die Kläge­rin von der Be­klag­ten Zah­lung von wei­te­ren EUR 46.970,01 als Ab­fin­dung.
Das Ar­beits­ge­richt Aa­chen hat durch Ur­teil vom 9. Au­gust 2007 die Kla­ge ab­ge­wie­sen. Zur Be­gründung hat es aus­geführt, bei der Be­rech­nung der Ab­fin­dung sei von dem tatsächli­chen Be­ginn der Be­triebs­zu­gehörig­keit am 6. Ju­ni 1987 und nicht von dem für ta­rif­li­che Leis­tun­gen re­le­van­ten Be­ginn der Be­rufs­jah­re am 1. Au­gust 1985 aus­zu­ge­hen. Auch ha­be die Be­klag­te
zu­tref­fend das von der Kläge­rin zu­letzt er­ziel­te Mo­nats­ge­halt in An­satz ge­bracht, da die Kläge­rin be­reits vor dem Stich­tag 31. De­zem­ber 2003 ih­re Wo­chen­ar­beits­zeit auf 7,5 St­un­den ver­rin­gert ha­be. Die Stich­tags­re­ge­lung sei rechts­wirk­sam.
Das Ur­teil ist der Kläge­rin am 17. Au­gust 2007 zu­ge­stellt wor­den. Sie hat hier­ge­gen am 7. Sep­tem­ber 2007 Be­ru­fung ein­le­gen und die­se am 11. Ok­to­ber 2007 be­gründen las­sen.
Die Kläge­rin macht gel­tend, da die Be­klag­te bei der Ein­grup­pie­rung Be­rufs­jah­re ab dem 1. Au­gust 1985 be­rech­net ha­be, müsse auch bei der Be­mes­sung der Ab­fin­dung von ei­nem Be­ginn des Ar­beits­verhält­nis­ses an die­sem Tag aus­ge­gan­gen wer­den. Die für die Be­mes­sung des Brut­to-Mo­nats­ver­diens­tes re­le­van­te Stich­tags­re­ge­lung führe zu ei­ner nicht sach­lich ge­recht­fer­tig­ten Un­gleich­be­hand­lung. Die Be­klag­te ha­be sich erst im Ver­lauf des Rechts­streits dar­auf be­ru­fen, es stel­le für sie ei­nen un­zu­mut­ba­ren Ver­wal­tungs­auf­wand dar, al­le Verände­run­gen der Ar­beits­zeit seit Be­ginn des je­wei­li­gen Beschäfti­gungs­verhält­nis­ses bei ihr oder ei­nem an­de­ren Kon­zern­un­ter­neh­men zur Be­rech­nung ei­nes durch­schnitt­li­chen Beschäfti­gungs­gra­des zu er­mit­teln. Ih­ren – der Kläge­rin - durch­schnitt­li­chen Beschäfti­gungs­grad ha­be die Be­klag­te auf An­fra­ge je­den­falls in­ner­halb von nur fünf Ta­gen mit­ge­teilt. Im Übri­gen hätten bei den So­zi­al­plan­ver­hand­lun­gen die kon­kre­ten Beschäfti­gungs­da­ten vor­ge­le­gen. Es sei­en auch die Aus­wir­kun­gen der Stich­tags­re­ge­lung auf das Ge­samt­ab­fin­dungs­vo­lu­men erörtert wor­den.
un­ter Abände­rung des Ur­teils des Ar­beits­ge­richts Aa­chen vom 9. Au­gust 2007- 4 Ca 1499/07 – die Be­klag­te zu ver­ur­tei­len, an sie EUR 46.970,01 nebst Zin­sen in Höhe von 5 Pro­zent­punk­ten über dem je­weils gülti­gen Ba­sis­zins­satz seit dem 30. Sep­tem­ber 2006 zu zah­len.
Sie ist der An­sicht, nach der ein­deu­ti­gen Re­ge­lung im So­zi­al­plan sei die Be­triebs­zu­gehörig­keit ab Be­ginn des Ar­beits­verhält­nis­ses am 6. Ju­ni 1987 zu­tref­fend be­rech­net wor­den. Auch sei die Re­ge­lung, wo­nach er­heb­li­che Verände­run­gen der Wo­chen­ar­beits­zeit vor dem 31. De­zem­ber 2003 bei der Be­mes­sung der Ab­fin­dung nicht zu berück­sich­ti­gen sei­en, rechts­wirk­sam. Die Be­triebs­par­tei­en hätten da­mit Härten für Mit­ar­bei­ter ver­mei­den wol­len, die erst in letz­ter Zeit ih­re Ar­beits­zeit in er­heb­li­chem Um­fang ver­rin­gert hätten. Ei­ne Berück­sich­ti­gung sämt­li­cher Verände­run­gen der Ar­beits­zeit seit Be­ginn der Beschäfti­gungs­verhält­nis­se bei ihr oder an­de­ren Kon­zer­un­ter­neh­men hätte zu ei­nem für sie un­zu­mut­ba­ren Ver­wal­tungs­auf­wand geführt. Da nur der ak­tu­el­le Beschäfti­gungs­um­fang elek­tro­nisch er­fasst sei, hätten die Per­so­nal­ak­ten der et­wa 600 bis 700 be­trof­fe­nen Mit­ar­bei­ter bei ihr und an­de­ren Kon­zern­un­ter­neh­men über­prüft wer­den müssen, so­weit die­se Ak­ten über­haupt noch vor­han­den sei­en. In den Ver­hand­lun­gen mit dem Ge­samt­be­triebs­rat hätten nicht An­ga­ben über al­le Verände­run­gen der Ar­beits­zei­ten derbe­trof­fe­nen Mit­ar­bei­ter seit Be­ginn ih­res je­wei­li­gen Beschäfti­gungs­verhält­nis­ses vor­ge­le­gen. Die Zulässig­keit von Stich­tags­re­ge­lun­gen in So­zi­alplänen sei in der Recht­spre­chung an­er­kannt. Im Übri­gen würde ei­ne Berück­sich­ti­gung des durch­schnitt­li­chen Beschäfti­gungs­gra­des bei al­len Ar­beit­neh­mern zu ei­ner nicht hin­nehm­ba­ren Aus­deh­nung des So­zi­al­plan­vo­lu­mens führen.
We­gen der wei­te­ren Ein­zel­hei­ten des Sach- und Streit­stan­des wird auf die von den Par­tei­en ge­wech­sel­ten Schriftsätze Be­zug ge­nom­men, die Ge­gen­stand der münd­li­chen Ver­hand­lung ge­we­sen sind.
Sie ist nach § 64 Abs. 2 b ArbGG statt­haft und wur­de in­ner­halb der Fris­ten nach § 66 Abs. 1 S. 1 ArbGG ein­ge­legt und be­gründet.
II. Die Be­ru­fung hat in der Sa­che aber kei­nen Er­folg.
Mit zu­tref­fen­der Be­gründung hat das Ar­beits­ge­richt Aa­chen die Kla­ge ab­ge­wie­sen.
Die Kläge­rin hat kei­nen höhe­ren Ab­fin­dungs­an­spruch.
1. Zu­tref­fend hat die Be­klag­te bei der Er­mitt­lung des Ab­fin­dung die Be­triebs­zu­gehörig­keit ab dem 6. Ju­ni 1987 be­rech­net.
Nach Ziff. IX 3 c (2) des So­zi­al­plans vom 6./10. Ja­nu­ar 2006 rech­net die Be­triebs­zu­gehörig­keit ab dem Be­ginn des Ar­beits­verhält­nis­ses (ein­sch­ließlich Be­rufs­aus­bil­dungs­zei­ten bei der Be­klag­ten).
In dem schrift­li­chen Ar­beits­ver­trag vom 6. Ju­ni/ 29. Ju­li 1987 war be­stimmt, dass das Ar­beits­verhält­nis mit dem 6. Ju­ni 1987 be­gann.
Die Kläge­rin hat nicht dar­ge­tan, dass ab­wei­chend von die­ser ver­trag­li­chen Re­ge­lung das Ar­beits­verhält­nis zu der Be­klag­ten seit ei­nem frühe­ren Zeit­punkt un­un­ter­bro­chen be­stan­den hat, et­wa un­ter Berück­sich­ti­gung von Be­rufs­aus­bil­dungs­zei­ten bei der Be­klag­ten.
Der un­ter Ziff. 3 des Ar­beits­ver­tra­ges fest­ge­leg­te Be­ginn der Be­rufs­jah­re mit dem 1. Au­gust 1985 ist nicht maßgeb­lich für den Be­ginn der Be­triebs­zu­gehörig­keit. Denn Be­rufs­jah­re in den Ge­halts­grup­pen III bis VIII sind im Ver­si­che­rungs­fach, al­so auch bei an­de­ren Un­ter­neh­men außer­halb des Kon­zerns der Be­klag­ten, haupt­be­ruf­lich ver­brach­te Beschäfti­gungs­jah­re so­wie
Beschäfti­gungs­jah­re in an­de­ren Be­ru­fen, so­weit die dort er­wor­be­nen Kennt­nis­se ver­wer­tet wer­den, oder Beschäfti­gungs­jah­re bei ei­nem Träger der So­zi­al­ver­si­che­rung und bei Er­satz­kas­sen (§ 5 Ziff. 3 Man­tel­ta­rif­ver­trag für das pri­va­te Ver­si­che­rungs­ge­wer­be).
2. Die Be­klag­te hat bei der Be­rech­nung der Ab­fin­dung auch zu­tref­fend das von der Kläge­rin als Teil­zeit­kraft zu­letzt er­ziel­te Mo­nats­ge­halt zu­grun­de ge­legt.
Die feh­len­de Berück­sich­ti­gung des durch­schnitt­li­chen Beschäfti­gungs­gra­des der Kläge­rin seit Be­ginn ih­res Beschäfti­gungs­verhält­nis­ses auf­grund der Re­ge­lun­gen un­ter Ziff. IX 3 c (3 und 4) des So­zi­al­plans vom 6./10. Ja­nu­ar 2006 verstößt nicht ge­gen das Ge­bot zur Be­ach­tung der Grundsätze von Recht und Bil­lig­keit in § 75 Abs. 1 S. 1 Be­trVG.
a. Nach der ständi­gen Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts ha­ben die Par­tei­en bei der Auf­stel­lung ei­nes So­zi­al­plans ei­nen wei­ten Spiel­raum für die Be­stim­mung des an­ge­mes­se­nen Aus­gleichs der mit ei­ner Be­triebsände­rung ver­bun­de­nen Nach­tei­le. Sie können grundsätz­lich frei darüber ent­schei­den, ob, in wel­chem Um­fang und in wel­cher Wei­se sie die wirt­schaft­li­chen Nach­tei­le aus­glei­chen oder mil­dern wol­len. Die Be­triebs­par­tei­en ha­ben al­ler­dings die Gren­zen von Recht und Bil­lig­keit und die Funk­ti­on ei­nes So­zi­al­plans zu be­ach­ten. Recht und Bil­lig­keit ver­lan­gen ins­be­son­de­re die Be­ach­tung des Gleich­be­hand­lungs­grund­sat­zes. Die­ser ver­langt, dass im Hin­blick auf zu er­war­ten­de Nach­tei­le in glei­cher Wei­se be­trof­fe­ne Ar­beit­neh­mer gleich be­han­delt wer­den. Ei­ne Dif­fe­ren­zie­rung ist sach­fremd, wenn es für die un­ter­schied­li­che Be­hand­lung kei­ne bil­li­gens­wer­ten Gründe gibt (vgl. BAG, Ur­tei­le vom 14. De­zem­ber 1999 – 1 AZR 268/99 – und vom 12. No­vem­ber 2002 – 1 AZR 58/02 -).
b. Stich­ta­ge in So­zi­alplänen sind üblich und grundsätz­lich zulässig, wo­bei den Be­triebs­par­tei­en bei der Fest­le­gung ein wei­ter Er­mes­sens­spiel­raum zu­kommt. Zwar bringt je­de Stich­tags­re­ge­lung un­ver­meid­bar ge­wis­se Härten mit sich. Die­se müssen je­doch hin­ge­nom­men wer­den, wenn die Wahl des Zeit­punkts am ge­ge­be­nen Sach­ver­halt ori­en­tiert und so­mit sach­lich ver­tret­bar
ist (vgl. BAG, Ur­tei­le vom 16. Ok­to­ber 1996 – 10 AZR 276/96 – und vom 14. De­zem­ber 1999 – 1 AZR 268/99 -).
c.) Aus­ge­hend von die­sen Grundsätzen ist die feh­len­de Berück­sich­ti­gung des durch­schnitt­li­chen Beschäfti­gungs­gra­des bei Mit­ar­bei­tern, de­ren Ar­beits­zeit be­reits vor dem 31. De­zem­ber 2003 um mehr als 25 % verändert wor­den ist, wirk­sam.
aa.) Die Be­klag­te hat be­reits mit der Kla­ge­er­wi­de­rung vom 30. Mai 1997 als Grund für die Stich­tags­re­ge­lung an­geführt, sie ha­be „Härtefälle“ bei den Ar­beit­neh­mern ver­mei­den wol­len, die erst kurz vor der Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses ih­re re­gelmäßige Wo­chen­ar­beits­zeit ver­rin­gert hätten.
aaa.) Zu­tref­fend weist die Be­klag­te dar­auf hin, dass ei­ne So­zi­al­plan­re­ge­lung zulässig ist, nach der aus­nahms­los auf das zu­letzt er­ziel­te Mo­nats­ge­halt bei der Be­mes­sung der So­zi­al­plan­ab­fin­dung ab­zu­stel­len ist. Denn So­zi­alpläne die­nen re­gelmäßig dem Aus­gleich und der Mil­de­rung der wirt­schaft­li­chen Nach­tei­le, die durch die Be­triebsände­rung ent­ste­hen. Sie die­nen da­ge­gen nicht der nachträgli­chen Vergütung der in der Ver­gan­gen­heit ge­leis­te­ten Ar­beit. Nach der ge­setz­li­chen De­fi­ni­ti­on sol­len sie den von der Ent­las­sung be­trof­fe­nen Ar­beit­neh­mern ei­ne Über­brückungs­hil­fe bis zu ei­nem neu­en Ar­beits­verhält­nis oder längs­tens bis zum Be­zug von Al­ters­ru­he­geld gewähren. Dar­aus folgt, dass sich die Be­rech­nung der Ab­fin­dung nach dem Stand des Ar­beits­verhält­nis­ses im Zeit­punkt der Kündi­gung rich­tet, auch so­weit es um das Ar­beits­ent­gelt geht. Dies ent­spricht im Übri­gen der Re­ge­lung un­ter § 10 KSchG (vgl. da­zu. BAG, Ur­teil vom 28. Ok­to­ber 1992 – 10 AZR 129/92 -).
Ei­ne sol­che Re­ge­lung verstößt we­der ge­gen den ar­beits­recht­li­chen Gleich­be­hand­lungs­grund­satz noch ge­gen § 4 Tz­B­fG noch ge­gen Art. 141 EG-Ver­trag in der Fas­sung des Ams­ter­da­mer Ver­tra­ges vom 2. Ok­to­ber 1997. Viel­mehr stellt das An­knüpfen an die persönli­che Ar­beits­zeit, nach der sich das Ar­beits­ent­gelt rich­tet, ei­nen sach­li­chen Grund für ei­ne un­ter­schied­li­che Ab­fin­dungs­zah­lung dar (vgl. BAG, Ur­teil vom 28. Ok­to­ber 1992 – 10 AZR 129/92 -).
bbb.) Im vor­lie­gen­den Fall ha­ben die Be­triebs­par­tei­en den Über­brückungs­zweck der Ab­fin­dung aus­drück­lich in der Präam­bel des So­zi­al­plans fest­ge­schrie­ben. Die­sem Zweck ent­spre­chend ha­ben sie un­ter Ziff. II 1 des So­zi­al­plans u. a. Ar­beit­neh­mer von Leis­tun­gen aus­ge­schlos­sen, die Al­ters­ru­he­geld in An­spruch neh­men können und des­halb be­reits in an­de­rer Wei­se ei­nen Aus­gleich er­hal­ten (vgl. da­zu auch: BAG, Ur­teil vom 28. Ok­to­ber 1992 – 10 AZR 129/92 -).
ccc.) Aus­ge­hend von dem Über­brückungs­zweck der Ab­fin­dung hält sich auch die Aus­nah­me­re­ge­lung für Ar­beit­neh­mer, de­ren re­gelmäßige Wo­chen­ar­beits­zeit sich seit dem 31. De­zem­ber 2003, al­so in den letz­ten 2 Jah­ren vor In­kraft­tre­ten des So­zi­al­plans, um mehr als 25 % ver­rin­gert oder erhöht hat, in­ner­halb des Er­mes­sens­spiel­raums, der den Be­triebs­par­tei­en zu­steht.
Sie ha­ben da­mit er­kenn­bar die Härten ver­mei­den wol­len, die sich er­ge­ben, wenn un­abhängig von der Dau­er der veränder­ten Ar­beits­zeit al­lein auf den Aus­schei­dens­zeit­punkt ab­ge­stellt wird. Es ist da­von aus­zu­ge­hen, dass Ar­beit­neh­mer, die be­reits seit 2 Jah­ren und länger ih­re Ar­beits­zeit verändert ha­ben, sich in ih­rer Le­bens­hal­tung auf das ent­spre­chen­de Ar­beits­ent­gelt ein­ge­stellt ha­ben. Da­nach muss sich dann auch ihr Über­brückungs­be­darf rich­ten.
bb.) Da be­reits die auf­ge­zeig­te Ver­mei­dung von Härten als sach­li­cher Grund für die Stich­tags­re­ge­lung zu gel­ten hat, kann da­hin­ste­hen, ob die von der Be­klag­ten be­haup­te­ten Schwie­rig­kei­ten bei der Er­mitt­lung des durch­schnitt­li­chen Beschäfti­gungs­gra­des ab Be­ginn der Ar­beits­verhält­nis­se zu­tref­fen und als wei­te­rer sach­li­cher Grund für die Stich­tags­re­ge­lung an­zu­er­ken­nen sind.
cc.) Die Stich­tags­re­ge­lung verstößt nicht Art. 6 GG, so­weit da­von Mit­ar­bei­te­rin­nen und Mit­ar­bei­ter be­trof­fen sind, die wie die Kläge­rin durch
El­tern­zeit und Kin­der­er­zie­hung ver­an­lasst wur­den, be­reits vor dem 31. De­zem­ber 2003 ih­re Ar­beits­zeit in er­heb­li­chem Um­fang zu ver­rin­gern.
Zwar dürfen die Be­triebs­par­tei­en in So­zi­alplänen auf­grund der sich aus Art. 6 GG er­ge­ben­den Wer­tun­gen kei­ne Re­ge­lun­gen tref­fen, die ge­eig­net sind, Ehe und Fa­mi­lie zu dis­kri­mi­nie­ren und Ar­beit­neh­mer we­gen der Kin­der­er­zie­hung zu be­nach­tei­li­gen. Dar­aus folgt aber nicht die Pflicht, ver­hei­ra­te­te Ar­beit­neh­mer oder sol­che, die mit ih­ren Kin­dern in häus­li­cher Ge­mein­schaft le­ben, ge­genüber un­ver­hei­ra­te­ten, kin­der­lo­sen Ar­beit­neh­mern zu be­vor­zu­gen (vgl. da­zu: BAG, Ur­teil vom 6. No­vem­ber 2007 – 1 AZR 960/06 - ).
Die Re­vi­si­on wird zu­ge­las­sen we­gen der grundsätz­li­chen Be­deu­tung des Rechts­streits für Stich­tags­re­ge­lun­gen in So­zi­alplänen, die die Be­mes­sung des Ar­beits­ent­gelts bei der Ab­fin­dung be­tref­fen.
* ei­ne Not­frist ist un­abänder­lich und kann nicht verlängert wer­den.	m.hensche.de
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