Source: https://www.advocado.de/ratgeber/erbrecht/erbfolge/gesetzliche-erbfolge-wer-erbt-was.html
Timestamp: 2017-12-18 07:10:58
Document Index: 206098512

Matched Legal Cases: ['§ 1930', '§ 1371', '§ 1371', '§ 1971', '§ 1953', '§ 195', '§ 199']

▷ Gesetzliche Erbfolge – wer erbt was?
Wenn es kein oder kein rechtsgültiges Testament oder Erbvertrag gibt, gilt die gesetzliche Erbfolge nach dem Bürgerlichen Gesetzbuch. Diese teilt – je nach Verwandtschaftsverhältnis – jedem Angehörigen eines Verstorbenen einen Teil der Erbmasse zu. Wie hoch die gesetzliche Erbquote ist und welche Besonderheiten es bei dieser gibt, erfahren Sie in diesem Beitrag – auch anhand einiger Beispiele.
Dieser Beitrag informiert Sie umfassend zur gesetzlichen Erbfolge: Wann sie gilt, wer wie viel erbt, welche Stellung der Ehepartner einnimmt und wie sich diese Erbfolge auf den Pflichtteil auswirkt. Zudem erläutern ein Schaubild und Beispiele die gesetzliche Erbfolge.
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1. Was ist die gesetzliche Erbfolge?
2. Wann gilt die gesetzliche Erbfolge?
3. Beispiel: Gesetzliche Erbfolge
4. Die gesetzliche Erbfolge in der Ehe
4.1 Die gesetzliche Erbfolge bei Zugewinngemeinschaft
4.2 Die gesetzliche Erbfolge bei Gütertrennung
5. Vorrang der Ordnungen in der Übersicht
6. Gesetzliche Erbfolge beim Pflichtteil
7. Gesetzliche Erbfolge nach Erbausschlagung
8. Wie kann man die gesetzliche Erbfolge umgehen?
9. Verjährt die gesetzliche Erbfolge?
Nach der gesetzlichen Erbfolge erben ausschließlich nahe Angehörige eines Verstorbenen. Dazu zählen unter anderem sein Ehegatte, Kinder, Enkel, Eltern, Geschwister, Großeltern und Onkel und Tanten. Doch nicht all diese Personen haben gleichzeitig auch einen durchsetzbaren Anspruch. Vielmehr existiert eine Rangfolge zwischen den verschiedenen „Ordnungen“ (siehe Schaubild), die gemäß § 1930 BGB eine Sperrwirkung auslösen. Das heißt, dass im Todesfall zunächst einmal die Erben der 1. Ordnung (Abkömmlinge) erben. Gibt es keine Erben 1. Ordnung, wird der Nachlass unter den Eltern (2. Ordnung) aufgeteilt; sind diese auch verstorben, erben die Geschwister (2. Ordnung) usw. Erst wenn keine Erben der 1. und 2. Ordnung existieren, bekommen die Erben der 3. Ordnung einen Anteil.
Geschwister sind in der gesetzlichen Erbfolge also vergleichsweise schlecht gestellt, denn sie bekommen nur etwas vom Nachlass, wenn der Erblasser nicht verheiratet war, keine Kinder bzw. Enkel hat und die Eltern ebenfalls bereits verstorben sind.
Nicht in der gesetzlichen Erbfolge bedacht sind nichteheliche Lebenspartner. Ihnen wird lediglich eine Schonfrist von 30 Tagen ab Todesfall gewährt, um aus der gemeinsamen Wohnung bzw. Haus auszuziehen. Allerdings sind die Erben in dieser Zeit verpflichtet, dem nichtehelichen Partner Unterhalt zu zahlen. Um seinen Partner vor den Erben zu schützen, sollte daher ein Testament erstellt werden, in dem der Erblasser seinen Nachlass individuell aufteilt.
Die gesetzliche Erbfolge tritt nur in drei Fällen in Kraft, nämlich wenn
sie vom Erblasser im Testament oder Erbvertrag so angeordnet ist,
keine letztwillige Verfügung existiert oder
diese erfolgreich angefochten wurde (dazu mehr im Beitrag „Testament anfechten“).
Die gesetzliche Erbfolge gilt nicht für
unverheiratete Paare und
geschiedene Ehegatten (auch, wenn die Scheidung noch nicht vollzogen ist, aber alle Voraussetzungen zum Todeszeitpunkt erfüllt waren).
Die Folge einer gesetzlichen Erbfolge ist, dass alle Erben eine Erbengemeinschaft bilden. Weiterführende Informationen finden Sie im Beitrag „Erbengemeinschaft“.
Frau A. stirbt und hinterlässt einen Ehemann, zwei Kinder und drei Enkel. Ohne einen Ehevertrag gehabt zu haben, würden der Ehemann 50 % und die beiden Kinder je 25 % erben. Die Enkel hätten in dieser Konstellation keinen Anspruch. Ist hingegen eines der Kinder der Erblasserin verstorben, geht dessen Anspruch von 25 % zu gleichen Teilen auf seine Kinder – also die Enkel der Erblasserin – über.
Der Ehepartner nimmt in der gesetzlichen Erbfolge eine Sonderstellung ein. Ihm steht neben den Erben der verschiedenen Ordnungen immer ein Erbanteil zu. Zudem fallen ihm gemäß § 1371 BGB im Erbfall die Gegenstände im gemeinsamen Haus sowie die Hochzeitsgeschenke zu. Neben Erben der 2. Ordnung kann der Partner die Herausgabe dieser Dinge verlangen. Gegen Erben der 1. Ordnung hat er diesen Anspruch nur, wenn er sie „zur Führung eines angemessenen Haushalts benötigt“. Auf diese Sachen wird das Recht für Vermächtnisse angewendet.
In einer Ehe gilt immer die Zugewinngemeinschaft – es sei denn, die Ehepartner haben ausdrücklich etwas anderes vereinbart. Im Erbfall erhält der Ehegatte, wenn es keine Kinder gibt, dann 50 % des Nachlasses. Die übrigen 50 % gehen an die Erben zweiter Ordnung (Eltern, Geschwister, Großeltern). Neben Erben erster Ordnung (Kinder, Enkel) erbt der Ehepartner 25 % und die restlichen 75 % werden zu gleichen Teilen unter den Abkömmlingen aufgeteilt.
Die gesetzliche Erbfolge in der Zugewinngemeinschaft hat zwei Besonderheiten: Zum einen wird dem überlebenden Ehegatten immer 1/4 des Nachlasses zusätzlich zu seinem gesetzlichen Erbteil zugesprochen, um den möglichen Zugewinn während der Ehe auszugleichen (§ 1371 BGB). Dabei ist es unerheblich, ob überhaupt ein Zugewinn erzielt wurde oder nicht. Zum anderen hat der überlebende Ehepartner die Möglichkeit, das Erbe auszuschlagen, wenn die oben angesprochene Erhöhung der gesetzlichen Erbquote nicht ausreicht, um den von ihm erwirtschaften Zugewinn auszugleichen. Er wäre also schlechter gestellt. Daher kann er das Erbe ausschlagen und von den übrigen Erben einen Zugewinnausgleich gemäß § 1971 BGB beantragen. Weitere Informationen zum Thema Erbausschlagung und gesetzliche Erbfolge finden Sie unten.
Ehepartner können per notariellem Vertrag Gütertrennung vereinbaren. Damit erhält der überlebende Ehegatte mindestens genauso viel wie die Kinder des Erblassers. Hat der Erblasser ein Kind, wird der Nachlass 50 zu 50 aufgeteilt. Existieren zwei Kinder, bekommen alle drei Parteien je 1/3. Bei mehr als zwei Kindern steht dem Partner 1/4 des Erbes zu. Ohne gemeinsame Kinder erbt der Ehegatte bei Gütertrennung 50 %, die andere Hälfte geht an die Eltern. Nur wenn es auch keine Erben der 2. und 3. Ordnung (mehr) gibt, wird der Ehepartner Alleinerbe.
- - - - - - - - - - - - - 1. Ordnung - - - - - - - - - - -
Fall: Ehepartner und Kinder erben.
Fall: Ist der Erblasser unverheiratet, erben nur die Kinder.
Fall: Ist eines dieser Kinder bereits verstorben, stehen seine Kinder (Enkel des Erblassers) an seiner Stelle.
- - - - - - - - - - - - - - 2. Ordnung - - - - - - - - - -
Fall: Hat der Erblasser keine Kinder, erben seine Eltern.
Fall: Leben die Eltern auch nicht mehr, gehen die Ansprüche auf die Geschwister des Erblassers über.
Fall: Sind sowohl die Eltern als auch Geschwister des Erblassers bereits tot, bekommen seine Neffen oder Nichten das Erbe.
- - - - - - - - - - - - - - - 3. Ordnung - - - - - - - - - -
Fall: Existieren keine Erben der 2. Ordnung, beerben Großeltern ihren Enkel.
Fall: Sollten auch diese bereits verstorben sein, wird der Nachlass unter den Tanten und Onkeln aufgeteilt.
Fall: Sind diese ebenfalls tot, treten deren Kinder (die Cousins/Cousinen des Erblassers) an ihre Stelle.
Die gesetzliche Erbfolge kommt auch zum Zuge, wenn man den Pflichtteil berechnen will. Der Pflichtteil ist eine finanzielle Mindestbeteiligung am Erbe, der trotz Enterbung ausgezahlt werden muss. Um den Pflichtteilsanspruch geltend machen zu können, muss man ein naher Angehöriger des Erblassers – also pflichtteilsberechtigt – sein und zudem einen gültigen Anspruch – ähnlich der Rangfolge der gesetzlichen Erbfolge – haben. Für die Berechnung des Pflichtteils wird dann die gesetzliche Erbquote ermittelt und halbiert. Steht einem Kind laut gesetzlicher Erbfolge beispielsweise 50 % des Erbes zu, beträgt der Pflichtteilsanspruch 25 %.
Wenn Personen ein Erbe ausschlagen, wird gemäß § 1953 BGB derjenige Erbe, dem der Nachlass zugefallen wäre, wenn die ausschlagende Person zum Zeitpunkt des Erbfalls nicht gelebt hätte. Eine Erbausschlagung zieht also einen Rattenschwanz mit sich. Überlegungen, dass die Kinder ein Erbe ausschlagen, damit der überlebende Partner alles erbt, sind daher gut zu durchdenken. Wenn die Kinder ein Erbe ablehnen, treten die Eltern des Erblassers an ihre Stelle. Nur, wenn alle Erben der ersten und zweiten Ordnung das Erbe ausschlagen, bekommt der Ehepartner alles.
Die einzige Möglichkeit die gesetzliche Erbfolge zu umgehen, ist es einen rechtskräftigen letzten Willen zu verfassen. Dies kann ein einfaches Testament sein, ein Berliner Testament oder auch ein Erbvertrag. Für all diese letztwilligen Verfügungen gilt in Deutschland Testierfreiheit, sodass Sie in der Verteilung Ihres Nachlasses völlig frei sind. Zu bedenken ist nur, dass bei einer Enterbung naher Angehöriger meistens dennoch ein Pflichtteil eingefordert werden kann. Wie man jemanden vollständig enterben kann, erfahren Sie hier.
Sämtliche erbrechtlichen Ansprüche verjähren spätestens 30 Jahre nach dem Tod eines Erblassers. Grundsätzlich gilt aber die regelmäßige Verjährungsfrist von drei Jahren (§ 195 BGB) ab Kenntnis des Erbfalles. Die Frist beginnt dabei immer am Ende des Jahres, in dem der Anspruch entstanden ist – also immer am 31.12. (§ 199 BGB). Beispiel: Wenn Herr B. am 03.03.2017 stirbt und Sie am gleichen Tag davon erfahren, beginnt die Verjährungsfrist am 31.12.2017 und endet im Jahr 2020. Erfahren Sie erst 5 Jahre später vom Tod und Ihrem Erbe, beginnt die Verjährung am 31.12.2022 und endet 2025. Erfahren Sie erst im Jahr 2047 – also 30 Jahre später – vom Tod und Ihren erbrechtlichen Ansprüchen, können Sie nichts mehr geltend machen.
Die gesetzliche Erbfolge hat viele Nachteile – zum Beispiel können Erblasser keine für sie gerechte Aufteilung ihres Nachlasses anordnen oder Erben befinden sich in einer Erbengemeinschaft, was besonders für Nachlässe mit Immobilien zum Problem werden kann. Sie haben Fragen zur gesetzlichen Erbfolge, weil ein Erblasser kein gültiges Testament hinterlassen hat, oder Sie selbst überlegen, nach der gesetzlichen Erbquote zu vererben? Dann besprechen Sie die Auswirkungen der gesetzlichen Erbfolge mit einem Anwalt für Erbrecht.
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Immer aktuell – letzte Aktualisierung am 18.08.2017