Source: http://bkazvo.de/?page_id=311
Timestamp: 2018-06-19 10:38:47
Document Index: 321000135

Matched Legal Cases: ['§ 43', '§ 7', '§1', '§1', '§2', '§2', '§2', '§2', '§2', '§2', '§2', '§ 43']

Die Ausgangslage: Schwierige Zeiten für ausbildungsplatzsuchende Jugendliche
Die demografische Entwicklung der Bundesrepublik Deutschland führte bis in die ersten Jahre nach der Jahrhundertwende dazu, dass das Ausbildungsplatzangebot des Dualen Systems und die Anzahl der Schulentlassenen stark divergierten. Dies führte zu einem kontinuierlichen Aufbau einer “Bugwelle” an Altbewerbern, die aufgrund einer schlechten Lehrstellen-Bewerber-Relation auf dem Ausbildungsmarkt nicht zum Zuge kamen.
Der Bund reagiert 2005 mit der Reform des Berufsbildungsgesetzes.
Als Beitrag zur Lösung der Probleme auf dem Ausbildungsmarkt wurde durch eine Novellierung des Berufsbildungsgesetzes (BBiG) mit Datum vom 23. März 2005 den Bundesländern mit dem neugefassten § 43 Absatz 2 eine neue Option eröffnet. Durch eine bis 2011 befristete Verordnungsermächtigung konnte für Absolventinnen und Absolventen länderspezifisch festzulegender vollzeitschulischer Ausbildungsgänge eine Zulassung zur Kammerprüfung bestimmt werden. Die Bildungsgänge müssen nach Inhalt, -Anforderungen und zeitlichem Umfang der jeweiligen Ausbildungsordnung gleichwertig sein und systematisch insbesondere im Rahmen einer sachlichen und zeitlichen Gliederung durchgeführt werden. Die fachpraktische Ausbildung ist ggf. durch Lernortkooperation sicherzustellen.
Mit der Neufassung von § 7 des Berufsbildungsgesetzes wurde darüber hinaus den Landesregierungen die Möglichkeit eingeräumt, zu bestimmen, dass der Besuch eines Bildungsganges berufsbildender Schulen oder die Berufsausbildung in einer sonstigen Einrichtung ganz oder teilweise auf die Ausbildungszeit angerechnet werden kann. Dabei bedarf die Anrechnung des gemeinsamen Antrags der Auszubildenden und der Ausbilderinnen und Ausbilder.
Bei entsprechenden Verordnungen ist der Landesausschusses für Berufsbildung zu beteiligen.
Nordrhein- Westfalen ergreift die Chance: Die Berufskolleganrechnungs- und -zulassungsverordnung (BKAZVO)
In seiner Sitzung am 7. März 2006 hat der Landesausschuss für Berufsbildung des Landes Nordrhein-Westfalen bei nur einer Enthaltung einstimmig die “Empfehlung zur Umsetzung des Paragraphen 7 und 43 des Berufsbildungsgesetzes und der Paragraphen 27a und 36 Handwerksordnung zur Verbesserung der Ausbildungssituation in NRW” beschlossen und das Benehmen zum Entwurf der “Verordnung über die Anrechnung vollzeitschulischer beruflicher Bildungsgänge auf die Ausbildungsdauer gemäß Berufsbildungsgesetz (BBiG) und Handwerksordnung (HwO) und die Zulassung von Absolventinnen und Absolventen vollzeitschulischer beruflicher Bildungsgänge zur Abschlussprüfung in dualen Ausbildungsberufen (Berufskolleganrechnungs- und zulassungsverordnung (BKAZVO))“ hergestellt. Die Landesregierung hat daraufhin in der Kabinettsitzung am 16. Mai 2006 die Verordnung beschlossen. Sie trat am 1. August 2006 in Kraft.
Die Anrechnung nach §1 BKAZVO
Im §1 der BKAZVO ist die Anrechnung vollzeitschulischer beruflicher Bildungsgänge auf die Ausbildungsdauer geregelt. Jugendliche, die z.B. die Berufsfachschule erfolgreich besucht haben, kann dieser absolvierte Bildungsgang mit sechs, zwölf oder achtzehn Monaten (je nach Art und zeitlicher Dauer der besuchten Schulform) auf eine sich anschließende duale Ausbildung angerechnet werden. Voraussetzung ist jedoch ein gemeinsamer Antrag des Auszubildenden und des Ausbildenden an die zuständige Stelle.
Die Zulassung nach §2 BKAZVO
Nach §2 der BKAZVO ist zur Berufsabschluss- oder Gesellenprüfung zuzulassen, wer einen in der Regel dreijährigen Bildungsgang an einem Berufskolleg erfolgreich absolviert hat. Dieser Bildungsgang muss der Berufsausbildung in einem anerkannten Ausbildungsberuf entsprechen (§2 (2)). Auch können Bildungsgänge, die auf einen Berufsabschluss nach Landesrecht und die (Fach-)Hochschulreife vorbereiten (“Assistentenbildungsgänge”) so modifiziert werden und durch zusätzliche Praktika ergänzt werden, dass eine Zulassung zu einer Abschlussprüfung in einem Ausbildungsberuf gemäß BBiG und HwO (Kammerprüfung) erfolgen kann (§2 (3)).
Die Einrichtung eines vollzeitschulischen Bildungsganges ist an eine Reihe von Kriterien geknüpft und setzt in jedem Einzelfall den regionalen Konsens zwischen dem Berufskolleg, der Agentur für Arbeit/Jobcenter, den zuständigen Kammern und den Spitzenorganisationen der zuständigen Gewerkschaften nachzuweisen. Die Errichtung eines Bildungsganges nach §2(2) wird auf der Grundlage des Schulträgerbeschlusses von der oberen Schulaufsichtsbehörde nach Prüfung der Voraussetzungen genehmigt. Die Ergänzung eines bestehenden Bildungsganges nach §2 (3) setzt voraus, dass der festgestellte Bedarf nicht durch Errichtung eines Bildungsganges nach §2(2) gedeckt werden kann. Die Ergänzung ist der oberen Schulaufsichtsbehörde anzuzeigen.
Die Umsetzung der BKAZVO: Die Bezirksregierungen richten Beratungsstellen ein.
Nach Inkrafttreten der BKAZVO war es die Aufgabe der fünf Bezirksregierungen, die Verordnung umzusetzen. Dazu wurden in den Dezernaten 45 (bzw. den diesen angegliederten EU-Geschäftsstellen) Beratungsstellen eingerichtet. Diese bestehen personell aus dem jeweiligen Hauptdezernentinnen und Hauptdezernenten und einer Fachberaterin oder Fachberater. Die Fachberaterinnen und Fachberater stehen vor allem den Berufskollegs zur Verfügung, beraten aber auch – wo dies notwendig ist – die anderen Konsenspartner. Sie informieren über die Möglichkeiten der BKAZVO, helfen bei der Anbahnung und Durchführung von Konsensgesprächen, unterstützen bei der Erstellung der Anträge auf Einrichtung eines Bildungsganges, klären offene Fragen (auch was z.B. die Übernahme von Prüfungsgebühren, mögliche finanzielle Förderungen für die Berufskollegs, Bafög usw. betrifft). Kurz gesagt sind sie Ansprechpartner für alles, was mit der Umsetzung der BKAZVO zu tun hat.
Die Hauptdezernentinnen und Hauptdezernenten und die Fachberaterinnen und Fachberater tauschen sich bei regelmäßigen Treffen in den Bezirksregierungen und im Ministerium über ihre Erfahrungen aus, stimmen ihr Handeln miteinander ab und berichten dem MSW. In der Zeit vom 1. Januar 2007 bis zum 30. Juni 2010 wurde die Umsetzung der BKAZVO im Rahmen des Ausbildungsstrukturprogramms „JOBSTARTER“ durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) finanziell unterstützt. In diesem Zusammenhang erfolgte auch eine wissenschaftliche Begleitung durch das Institut für Schulentwicklungsforschung an der TU Dortmund.
Wie kommt es zum Konsens?
Grundsätzlich gibt es in den einzelnen Regierungsbezirken sehr unterschiedliche Ansätze, zu einem Konsens zu kommen. Auch geht die Initiative nicht immer von den Berufskollegs selbst aus; auch Kammern, Schulträger, die Bezirksregierungen und in Einzelfällen auch politische Entscheidungsträger (Landräte) werden aktiv, weil sie die Notwendigkeit des Handelns erkennen. Dennoch haben sich bestimmte Verfahrensabläufe herausgebildet, die als idealtypisch gelten können. Eine idealtypische Darstellung der Vorbereitung und Durchführung von Konsensrunden finden Sie unter “BKAZVO” “Szenarien”.
Die nach der BKAZVO eingerichteten vollzeitschulischen Bildungsgänge, die mit einer Berufsabschlussprüfung vor einer Kammer enden, verteilen sich auf folgende Bereiche: Metall, Elektro, Handwerk, Handel, Gestaltung, Informations- und Kommunikationstechnologie sowie Logistik und Dienstleistungen.
Nordrhein-Westfalen bietet damit bundesweit die größte Vielfalt bei den angebotenen Ausbildungsberufen im Rahmen der Umsetzung des § 43 Abs. 2 BBiG:
Technische/r Zeichner/in Fachrichtung Maschinen- und Anlagentechnik