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Timestamp: 2019-06-18 09:16:42
Document Index: 192756285

Matched Legal Cases: ['BGE', 'BGE', 'Art. 164', 'Art. 182', 'Art. 13', 'Art. 15', 'Art. 107', 'Art. 164', 'Art. 182', 'Art. 13', 'Art. 15', 'Art. 107', 'Art. 16', 'Art. 11', 'Art. 16', 'Art. 164', 'Art. 164', 'Art. 17', 'BGE', 'Art. 13', 'Art. 29', 'e contrario', 'Art. 25', 'BGE', 'Art. 22', 'Art. 31', 'Art. 13', 'Art. 15', 'Art. 13', 'Art. 16', 'Art. 13', 'Art. 16', 'Art. 15', 'Art. 36', 'Art. 86', 'Art. 16', 'Art. 61', 'Art. 164', 'Art. 182', 'Art. 13', 'Art. 15', 'Art. 107']

BGE-139-II-460 - 2013-08-16 - BGE - Verwaltungsrecht und internationales öffentliches Recht - Art. 164 Abs. 2 und Art. 182 BV; Art. 13 Abs. 1, Art. 15 Abs. 1 lit. c und Art. 107 Abs. 3 MWSTG...
Art. 164 Abs. 2 und Art. 182 BV; Art. 13 Abs. 1 , Art. 15 Abs. 1 lit. c und Art. 107 Abs. 3 MWSTG 2009; Art. 16 Abs. 3 MWSTV 2009; Art. 11 Abs. 1 BVG; konkrete Normenkontrolle; Verletzung des Gewaltenteilungsprinzips dadurch, dass die Mehrwertsteuerverordnung die Teilhabe von Einrichtungen der beruflichen Vorsorge an einer Mehrwertsteuergruppe in jedem Fall ausschliesst. Vorfrageweise Kontrolle bundesrätlicher Rechtsverordnungen. Verordnungsweiser Ausschluss der Teilhabe einer Personalvorsorgeeinrichtung an einer Mehrwertsteuergruppe (E. 2). Ein überwiegendes vorsorgerechtliches Schutzbedürfnis fehlt, wenn die Personalvorsorgeeinrichtung hundertprozentige oder qualifiziert mehrheitliche Beteiligungen unter ihrer einheitlichen Leitung vereinigt. Soweit das Halten derartiger Beteiligungen aufsichtsrechtlich überhaupt zulässig ist, kann der Stiftung - entgegen der angefochtenen Bestimmung - die Bildung einer Mehrwertsteuergruppe nicht verwehrt werden (E. 3). Art. 16 Abs. 3 MWSTV 2009 sprengt damit den Rahmen einer blossen Vollzugsverordnung und verletzt dadurch das Gewaltenteilungsprinzip (E. 4.1).
Art. 164 al. 2 et art. 182 Cst.; art. 13 al. 1, art. 15 al. 1 let. c et art. 107 al. 3 LTVA 2009; art. 16 al. 3 OTVA 2009; art. 11 al. 1 LPP; contrôle concret des normes; violation du principe de la séparation des pouvoirs en tant que l'ordonnance régissant la taxe sur la valeur ajoutée exclut dans tous les cas la participation des institutions de prévoyance professionnelle à un groupe d'imposition TVA. Contrôle préjudiciel des ordonnances du Conseil fédéral. Exclusion par voie d'ordonnance de la participation des institutions de prévoyance professionnelle à un groupe d'imposition TVA (consid. 2). Un besoin de protection prépondérant selon le droit de la prévoyance professionnelle fait défaut lorsque l'institution de prévoyance réunit cent pour cent ou la majorité qualifiée des participations sous sa seule direction. Dans la mesure où la détention de telles participations est possible selon les dispositions régissant la surveillance des institutions, il ne peut pas être interdit à la fondation - contrairement à ce que prévoit la disposition attaquée - de constituer un groupe d'imposition TVA (consid. 3). L'art. 16 al. 3 OTVA 2009 sort ainsi du cadre d'une simple ordonnance d'exécution et viole le principe de la séparation des pouvoirs (consid. 4.1).
Art. 164 cpv. 2 e art. 182 Cost.; art. 13 cpv. 1, art. 15 cpv. 1 lett. c e art. 107 cpv. 3 LIVA 2009; art. 16 cpv. 3 OIVA 2009; art. 11 cpv. 1 LPP; controllo concreto delle norme; violazione del principio della separazione dei poteri nella misura in cui l'ordinanza concernente l'imposta sul valore aggiunto esclude in ogni caso la partecipazione di istituti di previdenza professionale ad un gruppo d'imposizione IVA. Controllo pregiudiziale delle ordinanze del Consiglio federale. Esclusione per via d'ordinanza della partecipazione di istituti di previdenza professionale ad un gruppo d'imposizione IVA (consid. 2). Un bisogno di protezione preponderante secondo il diritto della previdenza professionale fa difetto quando l'istituto di previdenza professionale riunisce il cento per cento o la maggioranza qualificata di partecipazioni sotto la sua direzione. Per quanto la detenzione di simili partecipazioni sia davvero permessa, non può essere impedita alla fondazione - contrariamente a ciò che prevede la disposizione impugnata - la costituzione di un gruppo d'imposizione IVA (consid. 3). L'art. 16 cpv. 3 OIVA 2009 oltrepassa pertanto il quadro di una semplice ordinanza d'esecuzione e viola il principio della separazione dei poteri (consid. 4.1).
C. Die ESTV erhebt mit Eingabe vom 8. Februar 2013 beim Bundesgericht Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten. Sie beantragt, es seien der Entscheid des Bundesverwaltungsgerichts vom 8. Januar 2013 aufzuheben und der Einspracheentscheid vom 25. Mai 2012 zu bestätigen. (...) Das Bundesgericht weist die Beschwerde ab.
2.4 Das Institut der Gruppenbesteuerung ist in der Schweiz mit Art. 17 Abs. 3 der Verordnung vom 22. Juni 1994 über die Mehrwertsteuer (MWSTV 1994; AS 1994 1464) eingeführt worden, welche Bestimmung verfassungsmässig ist (BGE 125 II 326). Mit dem Institut sollen gruppenintern die Auswirkungen der steuerausgenommenen Umsätze ("taxe occulte") behoben und zugleich administrative Vereinfachungen herbeigeführt werden (Bericht des Eidgenössischen Finanzdepartements vom 22. Juni 1994 über das Vernehmlassungsverfahren zum Verordnungsentwurf über die Mehrwertsteuer vom 28. Oktober 1993, S. 14). Erreicht wird dies dadurch, dass die eng miteinander verbundenen Unternehmen gemeinsam als eine einzige steuerpflichtige Person behandelt werden. Dementsprechend sind die Umsätze zwischen den Gruppenmitgliedern ("Innenumsätze") nicht zu besteuern, mit der Folge, dass die Auswirkungen, die steuerausgenommene Umsätze (Art. 13 MWSTV 1994) zwangsläufig auf den Vorsteuerabzug haben (Art. 29 Abs. 2 MWSTV 1994 e contrario), im Innenverhältnis ausbleiben. Die "Aussenumsätze" der Gruppenmitglieder werden unmittelbar der Gruppe zugerechnet und begründen von Gesetzes wegen die solidarische Haftung der Mitglieder für sämtliche von der Gruppe geschuldeten Steuern (Art. 25 Abs. 1 lit. f MWSTV 1994). Der ESTV gegenüber wird die Gruppe unter Verordnungsrecht durch die Gruppenträgerin vertreten (dazu Urteil 2C_642/2007 vom 3. März 2008 E. 3.2, in: ASA 77 S. 267; BGE 125 II 326 E. 9a/aa S. 339 f.). Das Bundesgesetz vom 2. September 1999 über die Mehrwertsteuer (MWSTG 1999; AS 2000 1300) übernahm im Wesentlichen die bisherige Konzeption (materielle Regelung in Art. 22 , Solidarhaftung in Art. 31 Abs. 1 lit. e MWSTG 1999; Urteil 2C_124/2009 vom 10. März 2010 E. 2.2, in: ASA 79 S. 580, RDAF 67/2011 II S. 168).
"Rechtsträger mit Sitz oder Betriebsstätte in der Schweiz, die unter einheitlicher Leitung eines Rechtsträgers miteinander verbunden sind, können sich auf Antrag zu einem einzigen Steuersubjekt zusammenschliessen (Mehrwertsteuergruppe). In die Gruppe können auch Rechtsträger, die kein Unternehmen betreiben, und natürliche Personen einbezogen werden." Nach der bundesrätlichen Botschaft vom 25. Juni 2008 zur Vereinfachung der Mehrwertsteuer (BBl 2008 6885, insb. 6953 f. zu Art. 13) ist zwar bei natürlichen Personen fraglich, ob sie im Einzelfall durch einen Beherrschungsvertrag als unter einheitlicher Leitung stehend betrachtet werden können. Als "vorstellbar" bezeichnet der Bundesrat hingegen den Einbezug zum Beispiel eines für eine Versicherung tätigen Generalagenten oder einer Pensionskasse in die Gruppe. Aufgrund von Art. 15 Abs. 1 lit. c MWSTG 2009 haftet auch neurechtlich mit der steuerpflichtigen Person solidarisch jede zu einer Mehrwertsteuergruppe (Art. 13) gehörende Person oder Personengesellschaft für sämtliche von der Gruppe geschuldeten Steuern; tritt eine Person oder Personengesellschaft aus der Gruppe aus, so haftet sie nur noch für die Steuerforderungen, die sich aus ihren eigenen unternehmerischen Tätigkeiten ergeben haben. Im Anschluss daran bestimmt Art. 16 der Mehrwertsteuerverordnung vom 27. November 2009 (MWSTV 2009; SR 641.201): 1 Nicht rechtsfähige Personengesellschaften sind Rechtsträgern im Sinn von Art. 13 MWSTG gleichgestellt. 2 Versicherungsvertreter und Versicherungsvertreterinnen können Mitglieder einer Gruppe sein. 3 Einrichtungen der beruflichen Vorsorge können nicht Mitglied einer Gruppe sein. In den Erläuterungen vom 27. November 2009 zur Mehrwertsteuerverordnung (nur online einsehbar) kommentiert der Bundesrat Art. 16 Abs. 3 MWSTV 2009 zwar dahingehend, dass botschaftsgemäss der Einbezug einer Pensionskasse in eine Gruppe vorstellbar sei. Da die Mitglieder einer Gruppe jedoch nach Art. 15 Abs. 1 lit. c MWSTG für sämtliche Mehrwertsteuerschulden der anderen Gruppenmitglieder solidarisch hafteten, würde die Aufnahme von Vorsorgeeinrichtungen in eine Gruppe einen Verstoss gegen die sozialversicherungsrechtliche Verselbstständigungspflicht darstellen. Das Bundesamt für Sozialversicherungen habe sich entschieden gegen die Möglichkeit einer Aufnahme von Vorsorgeeinrichtungen in Mehrwertsteuergruppen ausgesprochen, was nun in Absatz 3 ausdrücklich festgehalten werde.
Steuerforderung (Umsatzsteuer minus Vorsteuer, sog. Saldoprinzip; Art. 36 Abs. 2 , Art. 86 Abs. 1 MWSTG 2009) verschafft. Dem potentiellen ökonomischen (Rest-)Risiko steht freilich ein aktueller ökonomischer Vorteil gegenüber. So liegt der Hauptzweck der Mehrwertsteuergruppe gerade darin, die unerwünschte "taxe occulte" zu beseitigen, die sich auf Ebene der Vorsorgeeinrichtung infolge der beschränkten Vorsteuerabzugsberechtigung zwangsläufig einstellt. Die Schattensteuerbelastung ginge zulasten des Vorsorgevermögens. Bildet die Personalvorsorgeeinrichtung eine Gruppe, entfällt der Schattensteuereffekt auf gruppenintern bezogenen Leistungen. Der (restriktiven) Haltung von Bundesrat und Verwaltung ist denn auch Kritik erwachsen (PETER LANG, Aspekte der Versicherung im schweizerischen Mehrwertsteuerrecht, ASA 77 S. 121, insb. 146; zustimmend CLAUDE RUFF, L'imposition de groupe, ASA 74 S. 379, insb. 383).
3.6 In einer Konstellation wie der vorliegenden steht die Personalvorsorgeeinrichtung nicht unter einer "einheitlichen Leitung". Es ist damit kein vorsorgerechtliches (Schutz-)Bedürfnis ersichtlich, das einen Ausschluss der Personalvorsorgeeinrichtung von der Teilhabe an der Mehrwertsteuergruppe erfordert. Die Ausnahmebestimmung von Art. 16 Abs. 3 MWSTV 2009 lässt keine Gegenausnahme zu. Damit geht sie über eine Konkretisierung des Gesetzes hinaus. Sie schränkt den Begriff der "einheitlichen Leitung" bzw. der subjektiven Möglichkeit, an einer Mehrwertsteuergruppe teilzuhaben, in einer Weise ein, die der vorliegenden Struktur nicht gerecht wird. Wäre der Normkonflikt dem Gesetzgeber bewusst gewesen, hätte er dessen Lösung im Gesetz herbeiführen oder zumindest eine Delegationsnorm schaffen müssen. Nachdem dies unterblieben ist, kann dem Anliegen nicht im Wege einer blossen Vollzugsverordnung Rechnung getragen werden. Der verordnete Eingriff in die gesetzlich umschriebenen Voraussetzungen der Gruppenbildung entbehrt damit im vorliegenden Fall der gesetzlichen Grundlage. Wie es sich mit anderen denkbaren Strukturen verhält, kann im vorliegenden Verfahren der vorfrageweisen Normenkontrolle offenbleiben. Im Übrigen ist es Sache der BVG-Aufsicht (Art. 61 ff . BVG), die vorsorgerechtliche Zulässigkeit von Tochtergesellschaften zu beurteilen.
Entscheid : 139 II 460
Status : 139 II 460
Regeste : Art. 164 Abs. 2 und Art. 182 BV; Art. 13 Abs. 1, Art. 15 Abs. 1 lit. c und Art. 107 Abs. 3 MWSTG...
berufliche vorsorge • vorsorgeeinrichtung • tochtergesellschaft • bundesrat • mehrwertsteuer • stiftung • norm • bundesgericht • arbeitgeber • einspracheentscheid • personengesellschaft • sachverhalt • solidarhaftung • gesellschaftsrecht • beschwerde in öffentlich-rechtlichen angelegenheiten • verordnung • verordnung zum bundesgesetz über die mehrwertsteuer • natürliche person • bundesverwaltungsgericht • exekutive
100-IB-318 • 103-IV-192 • 112-IA-107 • 117-IV-349 • 124-I-127 • 125-II-326 • 126-II-283 • 126-V-314 • 128-II-247 • 129-V-387 • 130-I-140 • 131-II-271 • 131-II-562 • 131-III-546 • 132-I-157 • 133-II-331 • 133-V-569 • 136-I-29 • 136-II-337 • 136-V-258 • 137-III-217 • 137-V-321 • 138-II-251 • 138-II-300 • 138-V-32 • 139-II-233 • 139-II-460 • 99-IB-159
2C_124/2009 • 2C_153/2013 • 2C_566/2008 • 2C_642/2007 • 2P.157/1992
BV: 127, 164, 182
BVG: 5, 11, 48, 49, 51, 61
MWSTG: 13, 15, 22, 31, 36, 86, 107
MWSTV: 13, 16, 17, 18, 21, 25, 29
ZGB: 80, 89a
ASA 74,379 • ASA 77,121 • ASA 77,267 • ASA 79,580
67/2011 II 168