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Timestamp: 2019-01-18 23:05:56
Document Index: 68151529

Matched Legal Cases: ['§ 260', '§ 250', '§ 250', '§ 159', '§ 159', '§ 113', '§ 299', '§ 115', '§ 113', '§ 113', 'Art. 1', 'Art. 1', '§ 115', '§ 78', '§ 60', '§ 115', '§ 143', '§ 13', '§ 11', '§ 10', '§ 13', '§ 303', '§ 2', '§ 10', '§ 243', '§ 245', '§ 299', '§ 113', '§ 85', '§ 26', '§ 26', '§ 26', '§ 4', '§ 26', '§ 26', '§ 26', '§ 245', '§ 85', '§ 11', '§ 10', 'Art. 132', '§ 260', '§ 279', 'Art. 133', '§ 284', '§ 10', 'OGH', 'OGH', 'OGH', 'OGH']

"Zweitantrag" betreffend Differenzzahlung oder Rechtsmittel gegen Abweisungsbescheid? - Findok Internet
Bescheidbeschwerde – Einzel – Erkenntnis des BFG vom 10.07.2017, RV/7103018/2017
"Zweitantrag" betreffend Differenzzahlung oder Rechtsmittel gegen Abweisungsbescheid?
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wie RV/6101072/2015-RS1
Das Bundesfinanzgericht hat durch den Richter Dr. Rudolf Wanke über die Beschwerde der Ionela S*****, RO 3***** N***** Nr. 79, Judet Timiş, im Beschwerdeverfahren vertreten durch Willibald P*****, 2****2 H*****, O***** 9, vom 7. 2. 2017, eingebracht am 8. 2. 2017, gegen den Bescheid des Finanzamtes Neunkirchen Wr. Neustadt, 2700 Wiener Neustadt, Grazerstraße 95, vom 30. 1. 2017, wonach die Eingabe vom 18. 7. 2016 betreffend Gewährung der Familienbeihilfe zurückgewiesen wird, zu Recht erkannt:
Mit Bericht vom 16. 6. 2017 legte das Finanzamt die Beschwerde der Beschwerdeführerin (Bf) Ionela S***** vom 8. 2. 2017 gegen den Bescheid vom 30. 1. 2017 dem Bundesfinanzgericht zur Entscheidung vor und führte unter anderem aus (OZ 7):
1 BeschwerdeScan 08.06.2017
2 Familienbeihilfe (Monat: 01.2016) 30.01.2017
3 Beschwerdevorentscheidung 23.05.2017
4 Vorlageantrag 29.05.2017
5 Beilagen 08.06.2017
6 Beilagen 08.06.2017
Gegenstand: Familienbeihilfe Datum Bescheid: 30.01.2017
Jahr/Zeitraum: 01.2016 Beschwerde eingebracht: 08.02.2017
Fachgebiet: Familienlastenausgleich BVE zugestellt: 23.05.2017
Gesamter Senat beantragt: Nein Vorlageantrag eingebracht: 02.06.2017
§ 260 BAO Verordnung (EG) Nr. 883/2004
Frau S***** Ionela hat am 29.01.2016 den Antrag auf Gewährung der Differenzzahlung eingebracht. Da sie weder Betreuungsvertrag noch eine Bestätigung der Versicherungszeiten aus Rumänien vorgelegt hat, wurde der Antrag am 06.06.2016 ab 01/2016 (Monat der Antragstellung) abgewiesen. Es wurde keine Beschwerde eingebracht. Am 18.06.2016 [richtig wohl: 18. 7. 2016] wurde ein neuerlicher Antrag ab 01/2016 gestellt. Da der Abweisungsbescheid bereits rechtskäftig war, wurde dieser neuerliche Antrag mit Bescheid vom 30.1.2017 zurückgewiesen. Am 08.02.2017 wurde eine Beschwerde gegen den Zurückweisungsbescheid vom 30.01.2017 eingebracht. Diese wurde am 23.05.2017 abgewiesen, da eine bereits entschiedene Sache vorlag. Gegen die Beschwerdevorentscheidung wurde am 2.6.2017 ein Vorlageantrag eingebracht.
Das Finanzamt vertritt die Rechtsansicht, dass über über die Sache bereits rechtskräftig entschieden wurde. Das Finanzamt beantragt daher die Beschwerde abzuweisen.
In den elektronisch vorgelegten Akten wurden die einzelnen Aktenteile über Vorgänge, die dem Beschwerdeverfahren vorgelagert sind, nicht gesondert angeführt, sondern unter „Sonstiges“ nur mit „Beilage“ (OZ 5) und „Beilagen“ (OZ 6) bezeichnet und nicht detailliert aufgeschlüsselt (wie Antrag vom, Vorhalt vom, Vorhaltsbeantwortung vom…), sondern (Beilage OZ 6) auf 67 Seiten zusammengefasst. Unter „Beschwerde“ – „BeschwerdeScan“ wurden mehrere Honorarnoten sowie ein E-Mail von Willibald P***** vom 14. 3. 2017 betreffend Vollmacht (aber ohne die Vollmacht) vorgelegt. Tatsächlich befindet sich die Beschwerde unter „Bescheide“ (OZ 2) „Familienbeihilfe“, ebenso die Vollmacht (hier umfasst das PFD 26 Seiten).
Ein Abweisungsbescheid vom 6. 6. 2016 ist in dem elektronisch vorgelegten Akt nicht ersichtlich (dieser wurde erst über Aufforderung des Gerichts vom Finanzamt vorgelegt).
Die folgende Darstellung des Akteninhalts folgt im Wesentlichen der Chronologie der jeweiligen PDF des Finanzamts.
Zurückweisungsbescheid vom 30. 1. 2017
Mit Bescheid vom 30. 1. 2017 (OZ 2), adressiert an die Bf per Adresse RO 3***** Jud Timis, N***** Nr. 79, wies das Finanzamt die Eingabe der Bf vom 18. 7. 2017 betreffend Gewährung der Familienbeihilfe zurück ("Ihre Eingabe vom 18. Juli 2016 betreffend/gegen Gewährung der Familienbeihilfe wird zurückgewiesen.") und begründete dies so:
Wird für denselben Zeitraum in der Vergangenheit, der bereits Gegenstand eines rechtskräftigen Abweisungsbescheides war, ein neuerlicher Antrag auf Gewährung der Familienbeihilfe gestellt, so ist dieser neuerliche Antrag zurückzuweisen.
Weitere Informationen lassen sich der Begründung nicht entnehmen.
Beschwerde vom 8. 2. 2017
Nach dem angefochtenen Bescheid findet sich in OZ 2 auf Seite 2 die mit 7. 2. 2017 datierte Beschwerde.
Die Bf erhob gegen den Bescheid vom 30. 1. 2017 unter Verwendung eines Formulars des Finanzamts anlässlich einer persönlichen Vorsprache Beschwerde am 8. 2. 2017 mit dem offenbaren Antrag (da das Formular entgegen § 250 Abs. 1 lit. b BAO keine Anfechtungserklärung und entgegen § 250 Abs. 1 lit. c BAO keinen Beschwerdeantrag vorsieht, wurde nicht ausdrücklich angegeben, was die Bf begehrt) auf ersatzlose Aufhebung des angefochtenen Bescheides.
Begründend wurde ausgeführt, dass nicht alle Honorarnoten berücksichtigt worden seien. Die Bf lege alle Honorarnoten (Bestätigungen von 2015 und 2016) bei sowie eine Auflistung der Zeiträume, die die Honorarnoten betreffen.
Mitteilung vom 30. 1. 2017
Im Anschluss an die Beschwerde ist in OZ 2 auf Seite 3 abgelegt eine Mitteilung über den Bezug der Familienbeihilfe des Finanzamts an die Bf vom 30. 1. 2017, wonach nach "Überprüfung Ihres Anspruches auf Familienbeihilfe" der Bf "ab Juli 2016 bis Nov. 2016 Familienbeihilfe" für ihre beiden Kinder Alexandra-Denisa und Andrei-Daniel sowie Kinderabsetzbetrag gewährt werde.
Ferner ist dieser Mitteilung Folgendes zu entnehmen:
Es wurde festgestellt, dass Sie für weitere Zeiträume keinen Anspruch auf Familienbeihilfe mehr haben. Die Auszahlung der Familienbeihilfe wird daher mit Dez. 2016 eingestellt.
Wir möchten Sie darauf hinweisen, dass Sie Familienbeihilfe erneut beantragen können, wenn in späterer Folge der Anspruch auf Familienbeihilfe wieder entstehen sollte (z. B. bei Berufsausbildung oder Fortsetzung der Berufsausbildung nach Beendigung des Präsenz-oder Zivildienstes).
Die Auszahlung erfolge auf das Konto RO18UGBI0000092014*****EUR.
Screenshot vom 3. 5. 2017
Nach der Mitteilung vom 30. 1. 2017 ist in OZ 3 auf Seite 4 folgender Screenshot aus dem elektronischen Beihilfeprogramm der Finanzverwaltung zu ersehen:
Do I Dokumentbeschreibung ...................................................................................................................................................................................... FA BS. Datum... IfdNr
02 3 Antrag wurde ab 01/2016 gestellt + Betreuungsvertrag Ida P***** + Honorarnoten 06/15-08/15 u 10/15-11/16 + e401 keine 33 3F 30.01.17 30
89 3 Besch in RO vorhanden + Zurückweisungsbescheid f 1-6/2016, Zeitraum bereits rechtskräftig abgewiesen 33 3F "30.01.17 31
02 3 FBA + e411 KdV in RO nicht besch + 25/3 + 30/3 GA L***** + Gewerbesch v 01.07.2015 Personenbetreuung + e401 + 44/3 AST s 33 3F 06.06.16 49
89 3 01.07.2015 bis lfd in Ö selbst erwerbst + Honorarnoten 6-8/15 u 10/15-4/ 16 + trotz Vorhalt weder Betreuungsvertrag noch 33 3F 06.06.16 50
89 3 e205 oder e104 aus RO vorgelegt + AW Bescheid ab 01/16 (Monat der Antragstellung) gem Erlass BMFJ 33 3F 06.06.16 51
Vollmacht vom 6. 2. 2017
Mit Vollmacht vom 6. 2. 2017, OZ 3 Seite 5, bevollmächtigte die Bf Willibald P*****, 2****2 H*****, O***** 9, "alle behördlichen Angelegenheiten für mich zu erledigen".
Zeitraumaufstellung (OZ 3, Seite 6)
Aufstellung der Zeiträume, in denen für Frau S***** lonela Honorarnoten von Herrn Anton P*****, wohnhaft in T***** 24, 2*****3 L*****, für die Pflege von Frau Ida P***** ausbezahlt wurden.
29.03.2015 - 11.04 2015
22.03.2016 - 18.04.2016
12.07.2016 - 08.08.2016
Im Anschluss (OZ 2, Seite 7 ff.) finden sich folgende Zahlungsbestätigungen über Zahlungen an die Bf für die Pflege von Ida P***** (unterfertigt jeweils von der Bf und von Anton P*****):
28. 11. 2016 1. 11. 2016 - 28. 11. 2016 1.400,00 €
3. 10. 2016 6. 9. 2016 - 3. 10. 2016 1.200,00 €
8. 8. 2016 12. 7. 2016 - 8. 8. 2016 1.200,00 €
14. 6. 2016 17. 5. 2016 - 14. 6. 2016 1.200,00 €
18. 4. 2016 22. 3. 2016 - 18. 4. 2016 1.200,00 €
22. 2. 2016 26. 1. 2016 - 22. 2. 2016 1.200,00 €
28. 12. 2015 1. 12. 2015 - 28. 12. 2015 1.200,00 €
2. 11. 2015 5. 10. 2015 - 3. 11. 2015 1.243,00 €
1. 8. 2015 20. 6. 2015 - 1. 8. 2015 1.800, 00 €
Schreiben des Consiliul Local Oraş Buzias vom 14. 1. 2016
Mit Schreiben vom 14. 1. 2016 übermittelte die Bezirksverwaltungsbehörde Stadt Buziaş (Consiliul Local Oraş Buzias) das Formular E 401 (OZ 2, 16), welches aber nicht im Anschluss an dieses Schreiben abgelegt ist.
Laut Versicherungsdatenauszug vom 28. 4. 2016 (OZ 2, 17) ist die Bf bei der Sozialversicherungsanstalt der gewerblichen Wirtschaft von 1. 7. 2015 bis laufend versichert.
Im Anschluss (OZ 2, Seite 18ff.) finden sich folgende weitere Zahlungsbestätigungen über Zahlungen an die Bf für die Pflege von Ida P***** (unterfertigt von der Bf, teilweise auch von Anton P*****):
4. 7. 2015 20. 6. 2015 - 4. 7. 2015 600,00 €
18. 7. 2015 4. 7. 2015 - 18. 7. 2015 600,00 €
1. 8. 2015 18. 7. 2015 - 1. 8. 2015 600,00 €
1. 8. 2015 20. 6. 2015 - 1. 7. 2015 1.800,00 €
Die nationale Agentur für Steuerverwaltung (MINISTERUL FINANŢELOR PUBLICE AGENŢIA NATIONALĂ DE ADMINISTRARE FISCALĂ), Städtisches Steueramt Buziaş (Serviciul Fiscal Orăşenesc Buziaş), bestätigte am 10. 5. 2016 (OZ 2, Seite 26), dass für die Bf für das Jahr 2016 keine Einkünfte ersichtlich seien (Adeverinţă de venit pe anul 2016: Keine Angaben).
Im Jahr 2015 hatte die Bf laut Adeverinţă de venit pe anul 2015 vom 10. 5. 2016 (OZ 2, Seite 27) Zinserträge (Venituri din dobanzi) von besteuert (Venit impozabil) 3 lei (Steuer, Impozit, 0) und sonstige Erträge (Alte venituri) von besteuert 1.287 lei und einer Steuer (Impozit) von 206 lei, wobei die Steuer in den angegebenen Einkünften nicht enthalten ist (nu figurează in evidenţele fiscale cu venituri impozabile).
Eine Übersetzung ist nicht aktenkundig.
"BeschwerdeScan"
In OZ 1 "Beschwerde" - "BeschwerdeScan" ist nicht die Beschwerde (OZ 2, Seite 2) enthalten, sondern:
In OZ 1, Seiten 1 ff. befinden sich folgende weitere Zahlungsbestätigungen über Zahlungen an die Bf für die Pflege von Ida P***** (unterfertigt von der Bf teilweise in Blockbuchstaben und von Anton P*****, teilweise in rumänischer Sprache):
9. 5. 2015 25. 4. 2015 - 9. 5. 2015 600,00 €
25. 4. 2015 12. 4. 2015 - 25. 4. 2015 600,00 €
11. 4. 2015 29. 3. 2015 - 11. 4. 2015 600,00 €
Ferner ist in OZ 1 Seite 4 ein E-Mail von Willibald P***** vom 14. 3. 2917 enthalten, mit welchem dem Finanzamt eine Vollmacht der Bf übermittelt wird (die Vollmacht selbst ist in OZ 2 Seite 5 enthalten).
Mit Beschwerdevorentscheidung vom 23. 5. 2017, adressiert an die Bf zu Handen Willibald P*****, 2****2 H*****, O***** 9, wies das Finanzamt die Beschwerde vom 8. 2. 2017 gegen den Zurückweisungsbescheid vom 30. 1. 2017 als unbegründet ab:
Mit Bescheid vom 30.01.2017 wurde Ihr Antrag auf Gewährung der Familienbeihilfe für den Zeitraum 01-06/2016 zurückgewiesen, da über diesen Zeitraum bereits rechtskräftig entscheiden worden war (Abweisungsbescheid vom 06.06.2016).
Wurde über einen Antrag bereits rechtskräftig entschieden, kann kein neuerlicher Antrag für denselben Zeitraum eingebracht werden.
Der diesbezügliche Erledigungsentwurf lautet (OZ 3, Seite 3):
Mit Bescheid vom 30.1.2017 wurde Ihr Antrag auf Gewährung der Familienbeihilfe für den Zeitraum 1-6/2016 zurückgewiesen, da über diesen Zeitraum bereits rechtskräftig entschieden worden war (Abweisungsbescheid vom..). Wurde über einen Antrag bereits rechtskräftig entschieden, kann kein neuerlicher Antrag für denselben Zeitraum eingebracht werden (res iudikata/entschiedene Sache VwGH 2006/05/0158).
Laut Zustellnachweis wurde die Beschwerdevorentscheidung am 29. 5. 2017 zugestellt.
Mit Schreiben vom 29. 5. 2017, Postaufgabe 1. 6. 2017, beim Finanzamt eingelangt am 2. 6. 2017, stellte die Bf als "Einspruch gegen Beschwerdevorentscheidung vom 23.05.2017" bezeichneten Vorlageantrag (OZ 4, Seite 1):
Begründung: Nichtbeachtung der gesamten, bereits 2 x vorgelegten, Honorarnoten.
Laut Telefonat mit Frau Po*****, sind nochmals die gesamten Honorarnoten erwünscht. Die Versicherungszeiten können laut Frau Po***** bei der Sozialversicherung eingesehen werden.
Ich habe im Zeitraum von März 2015 bis November 2016, für die Betreuung von Frau Ida P*****, Honorarnoten erhalten, welche ich ihnen hiermit nochmal vorlege.
Ich bitte um die Auszahlung der Familienbeihilfe, für alle, in diesen Zeitraum anfallenden Monate.
Das sind insgesamt 20 Monate, eine Auflistung ist beigelegt.
Beilage: 12 Honorarnoten, einschließlich zeitlicher Auflistung
Beigefügt war die obige "Aufstellung der Zeiträume, in denen für Frau S***** lonela Honorarnoten von Herrn Anton P*****, wohnhaft in T***** 24, 2*****3 L*****, für die Pflege von Frau Ida P***** ausbezahlt wurden" (Zeiträume 29. 3. 2015 bis 28. 11. 2016) samt Zahlungsbestätigungen wie folgt:
1. 8. 2015 20. 6. 2015 - 1. 8. 2015 1.800,00 €
8. 5. 2015 25. 4. 2015 - 9. 5. 2015 600,00 €
Den Beilagen OZ 5 und OZ 6 lässt sich entnehmen:
E-Mail vom 8. 6. 2017
In einer finanzamtsinternen E-Mail vom 8. 6. 2017 (OZ 5) wurde der Verfahrensgang wie folgt dargestellt:
Frau S***** lonela hat am 29.01.2016 den Antrag auf Gewährung der Differenzzahlung eingebracht. Da sie weder Betreuungsvertrag noch eine Bestätigung der Versicherungszeiten aus Rumänien vorgelegt hat (Ansuchen um Fristverlängerung für den Vorhalt auch nicht vorhanden) wurde der Antrag am 6.06.2016 ab 01/2016 (Monat der Antragstellung) abgewiesen.
Es wurde keine Beschwerde eingebracht.
Am 18.06.2016 [richtig wohl: 18. 7. 2016] wurde ein neuerlicher Antrag ab 01/2016 gestellt. Da der Abweisungsbescheid für den Zeitraum 01- 06/2016 bereits rechtskräftig war, musste dieser neuerliche Antrag zurückgewiesen werden. Dies geschah mittels Zurückweisungsbescheid vom 30.01.2017.
Am 08.02.2017 wurde eine Beschwerde gegen den Zurückweisungsbescheid vom 30.1.17 eingebracht. Diese wurde am 23.05.2017 abgewiesen.
Am 02.06.2017 wurde der Vorlageantrag eingebracht.
Das Finanzamt vertritt die Meinung dass über den Zeitraum 01-06/2016 bereits rechtskräftig entschieden wurde und dies im Zuge einer Beschwerde oder Vorlage nicht mehr inhaltlich saniert werden kann.
Antrag vom 29. 1. 2016
Die Bf Ionela S*****, wohnhaft RO 3***** N***** Nr. 79, Judet Timiş, beantragte mit dem Formular Beih 38 beim Finanzamt Differenzzahlung für ihren im Okober 2001 geborenen Sohn Andrei-Daniel S***** und für ihre im März 2006 geborene Tochter Alexandra-Denisa S***** wie folgt:
"Dienstgeber" sei Anton P*****, 2*****3 L*****, T***** 21/1, und zwar seit 1. 7. 2015.
Die Bf sei ebenso wie ihr Ehegatte Mircea S*****, ihr Sohn Andrei-Daniel S***** und Tochter Alexandra-Denisa S***** rumänische Staatsbürgerin, ihr Ehegatte sei arbeitslos, ihr Sohn besuche seit 15. 9. 2008 die Hauptsschule in N*****, voraussichtlich bis 31. 8. 2016, ihre Tochter seit 15.9. 2003 ebenfalls die Hauptsschule in N*****, voraussichtlich bis 31. 8. 2021.
Folgender IBAN wurde für die Auszahlung angeben: RO18UGBI0000092014*****EUR.
Aktenkundig sind Personalausweise von Mutter und Vater, die Heiratsurkunde, Geburtsurkunden von Sohn und Tochter, eine Gewerbeanmeldung der Bf bei der Bezirkshauptmannschaft Wiener Neustadt vom 1. 7. 2015, wonach diese das Gewerbe der Personenbetreuung am Standort 2*****3 L*****, T***** 24/1, anmelde, eine Nebenwohnsitzmeldung der Bf an der Adresse 2*****3 L*****, T***** 24/1 ab 31. 3. 2015, Schulbesuchsbescheinigungen für die Kinder.
Die Bezirksverwaltungsbehörde Stadt Buziaş (Consiliul Local Oraş Buzias) bestätigte am 14. 1. 2016, dass sich die in RO 3***** N***** Nr. 79, Judet Timiş lebende Familie aus der Bf, ihrem Ehegatten und ihren beiden Kindern zusammensetze (Formular E 401).
Laut Formular E 411, bestätigt am 13. 1. 2016 von der Agentia Judeţeană Pentru Plăţi si Inspecţie Sociala Timiş wohnen die Bf, ihr Ehegatte und ihre Kinder gemeinsam in RO 3***** N***** Nr. 79, Judet Timiş. Der Ehegatte sei von 1. 7. 2015 bis laufend keiner beruflichen Tätigkeit nachgegangen und hatte in der Zeit von 1. 7. 2015 bis laufend Familienleistungen von insgesamt 1.176 Lei bezogen, wobei die (monatliche) Leistung für Andrei 42 Lei und für die Tochter 84 Lei betragen habe.
Einem weiteren Formular E 411 zufolge, bestätigt am 3. 3. 2016 von der Agentia Judeţeană Pentru Plăţi si Inspecţie Sociala Timiş wohnen die Bf, ihr Ehegatte und ihre Kinder gemeinsam in RO 3***** N***** Nr. 79, Judet Timiş. Der Ehegatte sei von 1. 7. 2015 bis laufend keiner beruflichen Tätigkeit nachgegangen und hatte in der Zeit von 1. 7. 2015 bis 29. 2. 2016 Familienleistungen von insgesamt 1.344 Lei bezogen, wobei die (monatliche) Leistung für jedes Kind 84 Lei betragen habe.
Die nationale Agentur für Steuerverwaltung, Städtisches Steueramt Buziaş, bestätigte am 12. 1. 2016, dass die Bf und ihr Ehegatte der Bf in den Evidenzen für das Jahr 2015 nicht mit einem steuerpflichtigen Einkommen aufscheine.
Das Formular Beih 38 langte am 29. 1. 2016 beim Finanzamt ein.
Ergänzungsersuchen vom 3. 5. 2016
Das Finanzamt ersuchte hierauf die Bf per Adresse 2*****3 L*****, T***** 24/1 mit Ergänzungsersuchen vom 3. 5. 2016 unter Bezugnahme auf den Antrag vom 29. 1. 2016 bis zum 24. 5. 2016 um Vorlage von:
Alle Honorarnoten ab Beginn der Beschäftigung bis laufend
Diese müssen die genauen Zeiträume (von - bis) enthalten und von einem Angehörigen der betreuten Person unterschrieben sein.
Ebenso ist entweder das Formular e104 oder e205 aus Rumänien vorzulegen. Es handelt sich hierbei um eine Bestätigung über Ihre Versicherungszeiten aus Rumänien.
Diese Bestätigung muss nicht übersetzt werden.
Der vom Finanzamt vorgelegte Ausdruck des Ergänzungsersuchens trägt einen Eingangsstempel des Finanzamts vom 18. 5. 2016. Dieser Ausdruck dürfte von der Bf an diesem Tag dem Finanzamt vorgelegt worden sein. Welche Unterlagen am 18. 5. 2016 vorgelegt wurden, lässt sich dem Finanzamtsakt nicht unmittelbar entnehmen. Auf dem Ausdruck befindet sich bei "Alle Honorarnoten" (offenbar vom Finanzamt angebracht) ein Hakerl, sodass jedenfalls diese vorgelegt worden sein dürften:
Aktenkundig sind Überweisungen der Sozialversicherungsbeiträge an die Sozialversicherungsanstalt der gewerblichen Wirtschaft durch Anton P*****: 13. 5. 2016: 543,36 € 1. 9. 2015: 543,36 €; 13. 12. 2015: 473,28 €.
Antrag vom 18. 7. 2016
Die Bf beantragte mit einem weiteren Formular Beih 38 am 18. 7. 2016, beim Finanzamt am selben Tag eingelangt, Differenzzahlung für ihren im Okober 2001 geborenen Sohn Andrei-Daniel S***** und für ihre im März 2006 geborene Tochter Alexandra-Denisa S***** für den Zeitraum ab Jänner 2016 (OZ 6, Seiten 48 ff.). Die Bf sei selbständige Personenbetreuerin und am 1. 7. 2015 nach Österreich eingereist. Folgender IBAN wurde für die Auszahlung angeben: RO18UGBI0000092014*****EUR. Details zu den Kindern wurden nicht mehr angegeben, als Nachweise wurden angeführt "Betreuungsvertrag, Honorarnoten, Formular E104".
Werkvertrag über Leistungen in der Personenbetreuung gemäß § 159 GewO
Laut Werkvertrag über Leistungen in der Personenbetreuung gemäß § 159 GewO betreut die Bf die im Jahr 1926 geborene Ida P***** in L*****, T***** 24 seit 1. 7. 2015 (vorgelegt wurden die ersten 4 von 5 Seiten, ein Entgelt ist auf diesen vier Seiten nicht ersichtlich).
Ein von der CASA JUDETEANA DE ASIGURARI DE SANATATE TIMIS am 22. 6. 2016 ausgefertigtes Formular E 104 (BESCHEINIGUNG ÜBER DIE ZUSAMMENRECHNUNG DER VERSICHERUNGS- , BESCHÄFTIGUNGS- ODER WOHNZEITEN) ist aktenkundig. Demzufolge bestehen Versicherungszeiten für den Fall der Krankheit/Mutterschaft von 24. 4. 1999 bis 31. 12. 2000, von 10. 11. 2011 bis 2. 4. 2012, von 1. 7. 2014 bis 25. 4. 2015 und von 1. 1. 2016 bis 30. 6. 2016.
Laut Versicherungsdatenauszug vom 8. 11. 2016 ist die Bf bei der Sozialversicherungsanstalt der gewerblichen Wirtschaft von 1. 7. 2015 bis laufend versichert, wobei (offenbar vom Finanzamt) handschriftlich "laufend" gestrichen und durch 31. 12. 2016 ersetzt wurde.
Folgende Zahlungsbestätigungen über Zahlungen an die Bf für die Pflege von Ida P***** sind aktenkundig:
22. 2. 2016 26. 1. 2016- 22. 2. 206 1.200,00 €
Ergänzungsersuchen vom 10. 11. 2016
Unter Bezugnahme auf den Antrag vom 18. 7. 2016 ersuchte das Finanzamt mit Ergänzungsersuchen vom 10. 11. 2016 um Vorlage:
Alle Honorarnoten ab 07/2016 bis laufend. Diese müssen die genauen Betreuungszeiten(von - bis) enthalten und von Ihrem Vertragspartner unterschrieben sein.
Folgende weitere Zahlungsbestätigungen über Zahlungen an die Bf für die Pflege von Ida P***** sind aktenkundig:
Bericht vom 27. 6. 2017
Mit E-Mail vom 27. 6. 2017 legte das Finanzamt über diesbezügliche Anfrage des Gerichts ein PDF des Abweisungsbescheids vom 6. 6. 2016 vor und teilte mit, dass ein Zustellnachweis nicht vorliege.
Da weder in der Beschwerde gegen den Zurückweisungsbescheid, noch im Vorlageantrag die Beschwerdeführerin behauptet, keinen Abweisungsbescheid erhalten zu haben, geht das Finanzamt von einer ordnungsgemäßen Zustellung des Abweisungsbescheides aus.
Abweisungsbescheid vom 6. 6. 2016
Das Finanzamt hat am 6. 6. 2016 einen Abweisungsbescheid an die Bf per Adresse 2*****3 L*****, T***** 24/1 ausgefertigt, wonach deren Antrag vom 29. 1. 2016 auf Ausgleichszahlung für Alexandra-Denisa und Andrei-Daniel S***** für den Zeitraum ab Jänner 2016 abgewiesen werde.
E-Mail vom 27. 6. 2017
Mit E-Mail vom 27. 6. 2017 übermittelte der Richter dem Vertreter der Bf das PDF des Abweisungsbescheides und ersuchte um Auskunft, ob und wann die Bf diesen Abweisungsbescheid erhalten habe.
Da das Finanzamt den angefochtenen Zurückweisungsbescheid damit begründe, dass für den Zeitraum 1-6/2016 mit dem beigefügten Abweisungsbescheid bereits rechtskräftig abgesprochen worden sei, möge hierzu eine Äußerung erfolgen.
Da die Bf am 18. 7. 2016 neuerlich einen Antrag „ab Jänner 2016“ gestellt hat, obwohl ein Antrag ab Jänner 2016 (und offenbar auch für das zweite Halbjahr 2015) bereits am 29. 1. 2016 gestellt wurde, möge der Zweck des zweiten Antrags mitgeteilt werden.
Schließlich möge bekannt gegeben werden, ob der Bf auf Grund des Antrags vom 29. 1. 2016 Familienbeihilfe für 7-12/2015 ausbezahlt wurde oder auch für 7-12/2015 ein Abweisungsbescheid ergangen sei.
Telefonat mit dem Vertreter der Bf vom 28. 6. 2017
In einem Telefonat mit dem Richter gab hierauf Willibald P***** am 28 6. 2017 an, weiterhin die Bf zu vertreten.
Nach dem Ableben seiner Mutter im November 2016 sei die Bf weiter bei der SVA der gewerblichen Wirtschaft versichert gewesen und habe seit Jänner 2017 einen neuen Auftraggeber in der Buckligen Welt. Es bestehe weiterhin Kontakt der Familie P***** zur Bf und zur zweiten Betreuerin aus Rumänien.
Der mit der E-Mail vom 27. 6. 2017 übermittelte Abweisungsbescheid sei an der Adresse seiner Eltern angekommen. Allerdings lasse sich nicht mehr sagen, wann dies der Fall gewesen sei und wann ihn die Bf erhalten habe, da der Vater des Bf 90 Jahre alt sei und den Brief vom Finanzamt möglicherweise liegen gelassen habe. Die Bf sei auch einige Wochen wieder in Rumänien gewesen, es könne auch sein, dass sie den Brief erst nach ihrer Rückkehr erhalten habe.
Den Antrag vom 18. 7. 2016 habe die Bf nach ihrer Rückkehr aus Rumänien gestellt, weil sie am Finanzamt angerufen habe und man ihr dort gesagt habe, sie solle einen neuen Antrag stellen, damit sie die Familienbeihilfe erhalte. Die Gesprächspartner am Finanzamt hätten immer gewechselt, der Name der Finanzbediensteten, mit der dieses Gespräch geführt wurde, sei der Bf nicht bekannt. Die Bf habe die mit dem Antrag vom 29. 1. 2016 beantragte Familienbeihilfe erhalten wollen und auf Grund des Abweisungsbescheides die nach Ansicht des Finanzamts fehlenden Unterlagen beibringen wollen, damit die Beihilfe ausbezahlt werden könne.
Mit dem Antrag vom 29. 1. 2016 sei Familienbeihilfe ab Juli 2015 beantragt worden, für das Jahr 2015 sei noch keine Zahlung erfolgt.
Bei einer telefonischen Rückfrage am Finanzamt sei dem Vertreter gesagt worden, es seien mit einer Auszahlung Monate aus dem Jahr 2015 und dem Jahr 2016 zusammengefasst worden, dies könne er aber nicht nachvollziehen.
Die laut der Mitteilung vom 30. 1. 2017 für Juli bis November 2016 zuerkannte Familienbeihilfe habe die Bf nie erhalten. Der Vertreter werde sich mit der Bf in Verbindung setzen, ob der in der Mitteilung angegebene IBAN stimme.
E-Mail vom 28. 6. 2017
Mit E-Mail vom 28. 6. 2017 teilte der Vertreter ergänzend mit:
Frau Ionela S***** hat den Abweisungsbescheid an die Adresse ihrer Betreuungsstelle nach T***** 24, 2*****3 L***** erhalten, sie war zu diesem Zeitpunkt (14. 06. 2016 – 12. 07. 2016) aber nicht in Österreich und konnte daher keine Beschwerde einbringen.
Auf Anraten vom Finanzamt Wr. Neustadt im Juli 2016, wurde ein neuer Antrag für 2016 gestellt um den Abweisungsbescheid entgegen zu wirken.
Für 7 – 12 / 2015 gibt es keinen Abweisungsbescheid.
Frau Ionela S***** hat bis jetzt noch für KEIN Monat Familienbeihilfe erhalten,
sie hat folgenden IBAN: RO18UGBI0000092014*****EUR, UGBIROBU SWIFT, GARANTI BANK
Ich möchte noch anmerken, dass eine Dame vom Finanzamt mir in einem Telefonat am 06.02.2017 nachmittags, folgende Auskunft gab; Dass sich die 5 Monate in denen Familienbeihilfe gewährt wurde, aus den Monaten Juni, Juli, August 2015 und Oktober, November 2016 zusammensetzen, und „einfachhalber“ von Juli 2016 – November 2016 angegeben wurden. Dies soll laut einem Telefonat mit Frau Po***** am 29.05.2017 um ca 14:45 Uhr, so nicht korrekt sein, da es für 2015 laut ihrer Aussage, keinen Antrag gibt.
E-Mail vom 28. 6. 2017 an das Finanzamt
Mit E-Mail vom 28. 6. 2017 wurde dem Finanzamt der Aktenvermerk über das Telefonat mit Willibald P***** vom 28. 6. 2017 sowie die E-Mail von Willibald P***** vom selben Tat mit dem Ersuchen um Äußerung innerhalb von zwei Wochen dem Finanzamt Neunkirchen Wr. Neustadt zur Kenntnis gebracht. Das Finanzamt möge sich insbesondere zu folgenden Fragen äußern:
Wurde der Beschwerdeführerin im Juli 2016 anlässlich ihrer telefonischen Anfrage nach Erhalt des Abweisungsbescheides vom Finanzamt gesagt, sie möge einen neuen Antrag auf Familienbeihilfe stellen?
Wurde die rechtsunkundige Beschwerdeführerin anlässlich dieses Telefonats vom Finanzamt gemäß § 113 BAO in Bezug auf Rechtsmittel gegen den Abweisungsbescheid belehrt?
Dem vom Finanzamt vorgelegten Akt zufolge beantragte die Beschwerdeführerin am 29. 1. 2016 Differenzzahlung für ihren Sohn Andrei-Daniel S***** und für ihre Tochter Alexandra-Denisa S***** für den Zeitraum 1. 7. 2015 bis 31. 12. 2015 sowie ab 1. 1. 2016. Ist es zutreffend, dass Herr P***** vom Finanzamt am 29. 5. 2017 die Auskunft erhielt, es gäbe keinen Antrag für 2015? Wie wurde der Antrag für den Zeitraum 1. 7. 2015 bis 31. 12. 2015 vom Finanzamt erledigt?
Betrifft die Mitteilung vom 30. 1. 2017 Familienbeihilfe für den Zeitraum Juli bis November 2016, wie der Mitteilung zu entnehmen, oder die Zeiträume Juni, Juli, August 2015 und Oktober, November 2016, wie Herrn P***** am 6. 2. 2017 telefonisch mitgeteilt?
Wann und auf welches Konto erfolgte die Anweisung der Familienbeihilfe gemäß der Mitteilung vom 30. 1. 2017? Gab es ein technisches Problem bei der Anweisung (zB falscher IBAN)? Bitte um Beifügung entsprechender Bescheinigungsmittel (zB Screenshots).
Nach vorläufiger Ansicht des Gerichts handelt es sich bei der Eingabe vom 18. 7. 2016 im Gesamtzusammenhang nicht um einen Neuantrag auf Familienbeihilfe trotz entschiedener Sache für 1-6/2016, sondern um ein Rechtsmittel (Beschwerde oder Aufhebungsantrag nach § 299 BAO) gegen den Abweisungsbescheid vom 6. 6. 2016. Stehen dem Steuerpflichtigen mehrere verfahrensrechtliche Maßnahmen zur Durchsetzung seines Rechtsstandpunkts zur Verfügung, ist davon auszugehen, dass der Steuerpflichtige nicht eine Maßnahme wählt, die infolge Fristversäumnis schon von vornhinein zum Scheitern verurteilt ist, sondern einen Antrag stellen möchte, der einer inhaltlichen Erledigung zugänglich ist (vgl. BFG 3. 11. 2014, RV/7102796/2014; BFG 27. 7. 2015, RV/7103596/2015; BFG 9. 2. 2016, RV/7104302/2015; BFG 11. 3. 2016, RV/7106006/2015; BFG 18. 3. 2016, RV/7102379/2015; BFG 29. 7. 2016, RV/7103010/2015 jeweils m.w.N.).
Stellungnahme des Finanzamts vom 3. 7. 2017
Das Finanzamt nahm mit E-Mail vom 3. 7. 2017 wie folgt Stellung:
Zu 1.) und 2.) Der Inhalt einer telefonischen Anfrage im Juli 2016 lässt sich zum heutigen Zeitpunkt nicht mehr feststellen. Aufgrund der bundesweiten Telefonie kann es auch möglich sein, dass die Auskunft von keinem Mitarbeiter das Finanzamtes Neunkirchen Wiener Neustadt erfolgt ist.
Zu 3.) Die Beschwerdeführerin beantragte nicht die Differenzzahlung für den Zeitraum 1.7.2015 bis 31.12.2015. Das am Formblatt vorgesehene Feld „ab“, für die Angabe des Zeitpunktes, ab welchem Familienbeihilfe beantragt werde, war nicht ausgefüllt. Damit ist davon auszugehen, dass mit diesem Antrag die Familienbeihilfe vom Tag der Antragstellung an begehrt wurde (s. UFS GZ.RV/0597-I/11 vom 28.1.2013 und VwGH 2009/16/0127).
Zu 4.) Die Mitteilung vom 30.1.2017 betrifft Familienbeihilfe für den Zeitraum Juli bis November 2016.
Zu Pkt. 5) Am 30.1.2017 erfolgte die Anweisung in Höhe von € 2.241,00 auf das Konto IBAN RO18UGBI0000092014*****EUR (wie im Antrag angegeben). Ein technisches Problem bei der Anweisung ist nicht bekannt.
Zu Pkt. 6) Der 6.6.2016, der Tag an dem der Abweisungsbescheid ergangen ist, war ein Montag. Unter Berücksichtigung eines Postlaufes von drei Tagen ist daher der Abweisungsbescheid spätestens am 9.6.2016 zugestellt worden. Lt. Honorarnoten hat die Beschwerdeführerin im Zeitraum 17.5.2016 bis 14.6.2016 gepflegt.
Der Bescheid ist daher der Beschwerdeführerin zu einem Zeitpunkt zugestellt worden, an dem sie in T***** 24/1, 2*****3 L***** anwesend war. Der 9. 7.2016 war ein Samstag. Die Beschwerde hätte daher spätestens am 11.7.2016 zur Post gegeben bzw. beim Finanzamt eingebracht werden müssen. Beurteilt man die Eingabe vom 18.7.2016 als Beschwerde, so wäre sie daher als verspätet zurückzuweisen.
Beigefügt waren Screenshots aus dem elektronischen Beihilfenprogramm, wonach am 30. 1. 2017 ein Betrag von 2.241,00 € (Familienbeihilfe und Kinderabsetzbetrag für den Zeitraum Juli 2016 bis November 2016) ausbezahlt wurde und zwar auf das von der Bf im Antrag angegebene Konto:
B. von. bis. ...monatl ...gesamt KindVNR... AL. Zahlung an/durch ............
FB 0716 0816 145,70 291,40 B5*****0306 ÜBW RO18UGBI0000092014*****EUR
FB 0716 0816 145,70 291,40 C6*****1001 ÜBW RO18UGBI0000092014*****EUR
FB 0916 0916 245,70 245,70 B5*****0306 ÜBW RO18UGBI0000092014*****EUR
FB 0916 0916 245,70 245,70 C6*****1001 QBW RO18UGBI0000092014*****EUR
FB 1016 1116 145,70 291,40 B5*****0306 UBW RO18UGBI000009014*****EUR
FB 1016 1116 145,70 291,40 C6*****1001 ÜBW RO18UGBI0000092014*****EUR
KG 0716 1116 58,40 292,00 B5*****0306 ÜBW RO18UGBI0000092014*****EUR
KG 0716 1116 58,40 292,00 C6*****1001 UBW RO18UGBI0000092014*****EUR
584,00.
Folgender für die Frage der Rechtmäßigkeit des angefochtenen Zurückweisungsbescheids maßgebender Sachverhalt steht fest:
Die Bf Ionela S***** beantragte am 29. 1. 2016 mit dem Formular Beih 38 Differenzzahlung für ihren Sohn Andrei-Daniel S***** und für ihre Tochter Alexandra-Denisa S***** wie folgt
(das Fehlzeichen beim Antragszeitraum stammt offenkundig vom Finanzamt), erklärte, seit 1. 7. 2015 erwerbstätig zu sein und gab als Anschrift 3***** N***** Nr. 79, Judet Timiş an (OZ 6, Seiten 1 - 4). Die Bf wollte mit diesem Antrag Differenzzahlung bzw. Familienbeihilfe ab 1. 7. 2015 erhalten.
Das Finanzamt fertigte am Montag, 6. 6. 2016 einen Abweisungsbescheid an die Bf per Adresse 2*****3 L*****, T***** 24/1 (die Bf ist dort seit 31. 3. 2015 mit Nebenwohnsitz gemeldet) elektronisch aus, wonach deren Antrag vom 29. 1. 2016 auf Ausgleichszahlung für Alexandra-Denisa und Andrei-Daniel S***** für den Zeitraum ab Jänner 2016 abgewiesen werde und begründete dies damit, dass die Bf trotz Aufforderung die abverlangten Unterlagen nicht eingebracht habe und dadurch "Ihrer Mitwirkungspflicht nach § 115 Bundesabgabenordnung nicht nachgekommen sei", weswegen "angenommen werden" müsse, "dass im oben genannten Zeitraum kein Anspruch auf Familienbeihilfe bestanden hat bzw. besteht."
Dieser Abweisungsbescheid wurde der Bf zugestellt, wobei der genaue Zustellzeitpunkt nicht feststeht. Ob der Bescheid des Finanzamts bis zum 14. 6. 2016 in 2*****3 L*****, T***** 24/1 ankam, lässt sich nicht mehr feststellen. Es ist auch nicht bekannt, wann der ohne Zustellnachweis versendete Bescheid dem Zustellorgan übergeben wurde.
Die Bf war von 17. 5. 2016 bis Dienstag, 14. 6. 2016 und danach von 12. 7. 2016 bis 8. 8. 2016 in Österreich an der Abgabestelle.
Nach Angaben der Bf (E-Mail des Vertreters vom 28. 6. 2017) kam der Abweisungsbescheid an der Adresse T***** 24, 2*****3 L***** zu einem Zeitpunkt an (14. 6. 2016 – 12. 7. 2016), an dem die Bf nicht in Österreich war.
Das Finanzamt geht bisher davon aus, dass der Antrag vom 29. 1. 2016 keinen Antragszeitraum enthält und daher Familienbeihilfe erst ab dem Monat der Antragstellung, also Jänner 2016, beantragt wurde.
Demgegenüber geht der Vertreter der Bf davon aus, dass mit dem Antrag vom 29. 1. 2016 Differenzzahlung bzw. Familienbeihilfe ab Juli 2015 beantragt worden sei.
Nach Erhalt des am 6. 6. 2016 ausgefertigten Abweisungsbescheids setzte sich die Bf umgehend mit dem Finanzamt telefonisch in Verbindung, worauf ihr (von wem immer) gesagt wurde, sie solle einen neuen Antrag stellen, damit sie die Familienbeihilfe doch erhalte. Die Bf verstand dies so, dass sie mit einem neuen Antrag die Familienbeihilfe wie am 29. 1. 2016 beantragt erhalten werde. Dass die Bf vom Finanzamt gemäß § 113 BAO über mögliche Rechtsmittel gegen den Abweisungsbescheid belehrt wurde, ist nicht feststellbar.
Die Bf füllte daher am 18. 7. 2016 ein weiteres Formular Beih 38 aus, das am 18. 7. 2016 beim Finanzamt einlangte, und reichte dieses mit einer Kopie des Betreuungsvertrags, Zahlungsbestätigungen und dem Formular E 104 beim Finanzamt ein, wobei als Bezugszeitraum (im Hinblick auf den Abweisungsbescheid) "ab Jänner 2016" angegeben wurde (OZ 6, Seiten 48 ff.).
Die Bf hat damit die mit dem Antrag vom 29. 1. 2016 beantragte Familienbeihilfe erhalten wollen und auf Grund des Abweisungsbescheides die nach Ansicht des Finanzamts fehlenden Unterlagen beibringen wollen, damit die Beihilfe ausbezahlt werden könne.
Mit Datum 30. 1. 2017 fertigte das Finanzamt eine Mitteilung über den Bezug der Familienbeihilfe aus, wonach der Bf "ab Juli 2016 bis Nov. 2016 Familienbeihilfe" für ihre beiden Kinder Alexandra-Denisa und Andrei-Daniel sowie Kinderabsetzbetrag gewährt werde.
Gleichzeitig wurde vom Finanzamt am 30. 1. 2017 ein Betrag von 2.241,00 €, und zwar Familienbeihilfe und Kinderabsetzbetrag für den Zeitraum Juli 2016 bis November 2016, auf das von der Bf im Antrag vom 29. 1. 2016 bekannt gegebene Konto IBAN RO18UGBI0000092014*****EUR, überwiesen. Ein technisches Problem bei der Überweisung gab es nicht.
Ebenfalls am 30. 1. 2017 fertigte das Finanzamt adressiert an die Bf per Adresse RO 3***** Jud Timis, N***** Nr. 79, einen Zurückweisungsbescheid aus, mit welchem die Eingabe der Bf vom 18. 7. 2017 betreffend Gewährung der Familienbeihilfe zurückgewiesen wurde, da diese nicht zulässig sei. "Wird für denselben Zeitraum in der Vergangenheit, der bereits Gegenstand eines rechtskräftigen Abweisungsbescheides war, ein neuerlicher Antrag auf Gewährung der Familienbeihilfe gestellt, so ist dieser neuerliche Antrag zurückzuweisen." Weitere Informationen lassen sich der Begründung nicht entnehmen (OZ 2).
Mit dem Antrag vom 29. 1. 2016 wollte die Bf Differenzzahlung bzw. Familienbeihilfe ab Juli 2015 beantragen.
Nach dem Ableben von Ida P***** im November 2016 war die Bf weiterhin bei der Sozialversicherungsanstalt der gewerblichen Wirtschaft versichert, seit Jänner 2017 ist sie bei einem neuen Auftraggeber in Niederösterreich selbständig als Personenbetreuerin tätig.
Die getroffenen Feststellungen ergeben sich aus der Aktenlage sowie den nach Vorlage des Finanzamtsakt durchgeführten Ermittlungen.
Der Zeitpunkt der Zustellung des Abweisungsbescheids vom 6. 6. 2016 an die Bf kann nicht mehr festgestellt werden.
Die diesbezüglichen Angaben des Vertreters der Bf sind glaubwürdig. Die Bf hat den Empfang des Abweisungsbescheids nicht bestritten. Dass sie sich mehr als ein Jahr später nicht mehr an den genauen Übernahmezeitpunkt erinnern kann, ist ebenfalls glaubwürdig. Es ist auch mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit anzunehmen, dass der 90jährige Anton P***** sich ebenfalls nicht mehr erinnern können wird, wann der den Bescheid vom 6. 6. 2016 enthalten habende Brief vom Finanzamt angekommen ist.
Es ist durchaus möglich, dass der Bescheid bis zum 14. 6. 216 vom Zusteller an der Adresse der Pflegestelle abgegeben bzw. in den Briefkasten eingeworfen wurde. Es kann auch sein, dass Anton P***** den Bescheid bis zum 14. 6. 2016 in Empfang genommen, aber nicht an die Bf weitergeleitet hat. Es ist schließlich auch möglich, dass der Bescheid erst nach dem 14. 6. 2016 vom Zusteller in den Briefkasten der Auftraggeber der Bf eingelegt wurde. Den größten Grad der Wahrscheinlichkeit hat die Annahme für sich, dass die Bf den Bescheid nach ihrer Rückkehr aus Rumänien erhalten hat, da sie der Aktenlage zufolge üblicherweise rasch auf Schreiben des Finanzamts reagiert hat und die Eingabe vom 18. 7. 2016 knapp nach der Rückkehr am 12. 7. 2016 eingebracht wurde. Dies stimmt auch mit der Angabe in der E-Mail des Vertreters vom 28. 6. 2017 überein, wonach der Abweisungsbescheid an die Adresse T***** 24, 2*****3 L***** zu einem Zeitpunkt ankam (14. 6. 2016 – 12. 7. 2016), an dem die Bf nicht in Österreich war.
Es ist ferner glaubwürdig und entspricht der Lebenserfahrung, dass die Bf mit ihrer Eingabe vom 18. 7. 2016 auf den Abweisungsbescheid reagieren und damit auch den Abweisungsbescheid bekämpfen wollte. Es kann sein, dass die Auskunft des Finanzamts, einen neuen Antrag zu stellen (ohne diesen ausdrücklich als Rechtsmittel gegen den Abweisungsbescheid zu bezeichnen), entweder unrichtig war oder von der Bf falsch verstanden wurde. Dass die Bf eine derartige Auskunft telefonisch erhalten hat, ist keineswegs unwahrscheinlich; das Finanzamt hat die Erteilung einer derartigen Auskunft (durch wen unter der Telefonnummer des Finanzamts immer) auch nicht bestritten.
Dass eine Belehrung gemäß § 113 BAO über mögliche Rechtsmittel gegen den Abweisungsbescheid durch das Finanzamt erfolgt ist, kann nicht festgestellt werden. Dies wird auch weder vom Finanzamt behauptet noch wurde ein entsprechender Aktenvermerk vorgelegt.
Folgender IBAN wurde von der Bf für die Auszahlung angeben: RO18UGBI0000092014*****EUR. Da die Bf die Zahl "1" ident mit dem Buchstaben "I" schreibt, könnte der IBAN auch anders lauten. Allerdings kam bei der Überweisung durch das Finanzamt nach dessen Auskunft keine Fehlermeldung. Der angegebene IBAN ist formal (d. h. nach der einer International Bank Account Number zugrunde liegenden Logik) korrekt und der von der Bf ebenfalls angegebenen GARANTI BANK S.A. zuzuordnen. Es dürfte daher der von der Bf angegebene IBAN vom Finanzamt richtig interpretiert worden sein.
Zu den Familienangehörigen zählt Art. 1 Abs. 1 Buchstabe i Z 1 VO 883/2004 jede Person, die in den Rechtsvorschriften, nach denen die Leistungen gewährt werden, als Familienangehöriger bestimmt oder anerkannt oder als Haushaltsangehöriger bezeichnet wird. Wird nach den anzuwendenden nationalen Rechtsvorschriften eine Person nur dann als Familien- oder Haushaltsangehöriger angesehen, wenn sie mit dem Versicherten oder dem Rentner in häuslicher Gemeinschaft lebt, so gilt gemäß Art. 1 Abs. 1 Buchstabe i Nr. 3 VO 883/2004 diese Voraussetzung als erfüllt, wenn der Unterhalt der betreffenden Person überwiegend von dem Versicherten oder dem Rentner bestritten wird.
Auch ein rechtswidriger Abweisungsbescheid entfaltet Rechtswirkung
Es ist nach vorläufiger Ansicht des Gerichts offenkundig, dass der Abweisungsbescheid vom 6. 6. 2016 rechtswidrig ist:
Der Abweisungsbescheid wirft der Bf unter Hinweis auf § 115 BAO mangelnde Mitwirkung vor und nimmt an, dass ein Anspruch auf Familienbeihilfe nicht bestehe.
Die Behörde hat nicht "anzunehmen", ob Anspruch auf Familienbeihilfe besteht, sie hat in einem ordnungsgemäßen Ermittlungsverfahren festzustellen, ob Anspruch auf Familienbeihilfe besteht oder nicht. Dieses Ermittlungsverfahren hat das Finanzamt nicht auf den jeweiligen Antragsteller abzuwälzen, sondern selbst durchzuführen. Nur dort, wo das Finanzamt begrenzte Ermittlungsmöglichkeiten hat, etwa bei Fragen des höchstpersönlichen Lebensbereichs oder bei der Beischaffung von Unterlagen von Behörden eines Staates, mit dem keine umfassende Amtshilfe besteht (was bei Behörden, die die VO 883/2004 anzuwenden haben, nicht zutrifft), kann eine fehlende Mitwirkung der Partei (§ 78 BAO) dieser zur Last gelegt werden (vgl. BFG 10. 3. 2017, RV/7104415/2016 u. a.).
Ein Bescheid ist rechtswidrig, wenn aus diesem nicht hervorgeht, welcher Sachverhalt der Entscheidung zugrunde gelegt wurde, aus welchen Erwägungen die belangte Behörde zur Einsicht gelangt ist, dass gerade dieser Sachverhalt vorliegt, und aus welchen Gründen die Behörde die Subsumtion des Sachverhaltes unter einem bestimmten Tatbestand für zutreffend erachtet. Diese für das allgemeine Verwaltungsverfahren in § 60 AVG verankerten Grundsätze sind auch im Verfahren nach der BAO zu beachten (vgl. BFG 13. 1. 2017, RV/7103474/2015). Diesen Grundsätzen wird der Abweisungsbescheid vom 6. 6. 2016 ebenfalls nicht gerecht.
Die Bf hat offenbar auf das Ergänzungsersuchen des Finanzamts vom 3. 5. 2016 am 18. 5. 2016 reagiert, wobei sich dem Finanzamtsakt nicht direkt entnehmen lässt, welche Unterlagen an diesem Tag beigebracht wurden. Da die Bf infolge Ortsabwesenheit bis 16. 5. 2016 (siehe Zahlungsbestätigung vom 14. 6. 2016) erst am 17. 5. 2016 von dem Ergänzungsersuchen Kenntnis erlangen konnte, hat sie sich gleich am nächsten Tag nach ihrer Ankunft in Österreich an das Finanzamt gewandt.
Selbst wenn am 18. 5. 2016 noch Unterlagen gefehlt haben sollten, wäre dies zufolge des Antrags vom 29. 1. 2016 samt den dort beigeschlossenen Dokumenten kein Grund, vom Fehlen eines Anspruchs auf Familienbeihilfe oder Ausgleichszahlung bzw. Differenzzahlung auszugehen. Die Angaben der Bf vom 29. 1. 2016 samt den damals von der Bf beigebrachten Urkunden legen hingegen einen Anspruch der Bf auf Familienbeihilfe oder Ausgleichszahlung bzw. Differenzzahlung nahe, auch wenn noch weitere Ermittlungen erforderlich gewesen sein sollten.
Es wäre vielmehr am Finanzamt gelegen, die Bf nach der offenbar nur teilweisen Reaktion auf das Ergänzungsersuchen vom 3. 5. 2016 erneut unter Setzung einer angemessenen Frist zur Urkundenvorlage aufzufordern, wobei die Fristsetzung im Ergänzungsersuchen vom 3. 5. 2016 im Hinblick auf die 14-Tage-Schicht der Bf und die zu erwartende Bearbeitungsdauer bei den rumänischen Stellen zu kurz und daher unangemessen gewesen ist, oder von Amts wegen (§ 115 BAO) den Betreuungsvertrag gemäß § 143 BAO beim Auftraggeber der Bf und die Formulare E 104 oder E 205 bei der zuständigen rumänischen Behörde im Amtshilfeweg anzufordern.
Im Übrigen ist für das Gericht vorerst nicht ersichtlich, welche Informationen mittels der Formulare E 104 (BESCHEINIGUNG ÜBER DIE ZUSAMMENRECHNUNG DER VERSICHERUNGS-, BESCHÄFTIGUNGS- ODER WOHNZEITEN Krankheit — Mutterschaft — Tod (Sterbegeld) — Invalidität oder E 205 (BESCHEINIGUNG DES VERSICHERUNGSVERLAUFS) für die Frage des Anspruchs auf Familienleistungen das Finanzamt zu gewinnen erachtet.
Für Familienleistungen kommen vor allem die Formulare E 401 (FAMILIENSTANDSBESCHEINIGUNG FÜR DIE GEWÄHRUNG VON FAMILIENLEISTUNGEN) und E 411 (ANFRAGE BETREFFEND DEN ANSPRUCH AUF FAMILIENLEISTUNGEN (KINDERGELD) IN DEM MITGLIEDSTAAT, IN DEM DIE FAMILIENANGEHÖRIGEN WOHNEN) in Betracht. Ordnungsgemäß ausgefüllte Formulare E 401 und E 411 sind aber ohnehin aktenkundig.
Es hat schließlich das weitere Verfahren gezeigt (Mitteilung vom 17. 1. 2017), dass die Bf sehr wohl grundsätzlich einen Anspruch auf Familienbeihilfe hat.
Der Abweisungsbescheid erging nach vorläufiger Ansicht des Gerichts folglich rechtswidrig.
Der Abweisungsbescheid wurde jedoch der Bf, wann auch immer, zugestellt. Er entfaltet somit Rechtswirkungen. Auch ein rechtswidriger Bescheid gehört dem Rechtsbestand an, solange er aus diesem nicht beseitigt wird.
Solange der Abweisungsbescheid vom 6. 6. 2016 dem Rechtsbestand angehört, darf kein neuerlicher Bescheid für den Zeitraum Jänner 2016 bis (so das Finanzamt) Juni 2016 (Bescheiddatum) oder vielmehr Juli 2016 (Bescheidzustellung) gemäß § 13 FLAG 1967 erlassen oder für diesen Zeitraum eine Auszahlung gemäß § 11 FLAG 1967 vorgenommen werden. Diesbezüglich liegt entschiedene Sache vor (vgl. BFG 11. 6. 2014, RV/7101953/2014; BFG 14. 8. 2015, RV/7105142/2014; VwGH 29. 9. 2011, 2011/16/0157).
Handelte es sich bei dem Anbringen der Bf vom 18. 7. 2016 tatsächlich um einen neuerlichen Antrag gemäß § 10 Abs. 1 FLAG 1967, dann wäre dieses für den Zeitraum Jänner 2016 bis Juli 2016 (Zeitpunkt der Bescheiderlassung, vgl. VwGH 25. 3. 2010, 2009/16/0115; VwGH 25. 3. 2010, 2009/16/0121; VwGH 25. 3. 2010, 2009/16/0119; VwGH 24. 6. 2010, 2009/16/0127; VwGH 29. 9. 2011, 2011/16/0065 oder VwGH 30. 1. 2014, 2012/16/0052) infolge durch den Abweisungsbescheid vom 6. 6. 2016 vorliegender entschiedener Sache (res iudicata) zurückzuweisen (vgl. VwGH 29. 9. 2011, 2011/16/0157; VwGH 30. 1. 2014, 2012/16/0052).
Über in Rechtskraft erwachsene Entscheidungen darf nämlich (grundsätzlich) nicht mehr in merito entschieden werden; die Beachtung rechtskräftiger Entscheidungen zählt zu den Grundsätzen eines geordneten rechtsstaatlichen Verfahrens. So ist über ein und dieselbe Rechtssache nur einmal rechtskräftig zu entscheiden. Mit der Rechtskraft ist die Wirkung verbunden, dass die mit der Entscheidung unanfechtbar und unwiderruflich erledigte Sache nicht neuerlich entschieden werden kann (Wiederholungsverbot). Einer nochmaligen Entscheidung steht das Prozesshindernis der entschiedenen Sache (res iudicata) entgegen und folgt aus dem Gedanken der materiellen Rechtskraft grundsätzlich eine Bindungswirkung an eine behördliche Entscheidung (vgl. VwGH 28. 4. 2017, Ra 2017/03/0027; VwGH 24. 5. 2016, Ra 2016/03/0050, m. w. N).
Das Hindernis der entschiedenen Sache stünde einer neuerlichen Entscheidung nicht entgegen, wenn eine wesentliche Änderung der Sach- und/oder Rechtslage eingetreten ist (vgl. BFG 17. 3. 2014, RV/7100539/2014 sowie Hebenstreit in Czaszar/Lenneis/Wanke, FLAG, § 13 Rz 24 ff., mit ausführlichen Hinweisen).
Liegt bei entschiedener Sache eine Änderung der Sachlage vor, ist das verfahrensrechtliche Instrument zur Berücksichtigung dieser Änderung im Geltungsbereich der Bundesabgabenordnung die Wiederaufnahme des Verfahrens gemäß § 303 BAO. Dies gilt, § 2 lit. a Z 1 BAO, auch in Angelegenheiten der Familienbeihilfe (vgl. VwGH 17. 12. 2009, 2009/16/0238; BFG 14. 8. 2015, RV/7105142/2014).
Deutung der Eingabe vom 18. 7. 2016
Dem Finanzamt ist beizupflichten, dass die Einreichung eines Antrags auf Differenzzahlung mittels des Formulars Beih 38 unter Vorlage von Beweismitteln für sich allein genommen grundsätzlich als Antrag i. S. d. § 10 Abs. 1 FLAG 1967 zu werten sein wird.
Allerdings ist dieser Antrag vom 18. 7. 2016 im Gesamtzusammenhang des gegenständlichen Sachverhalts zu sehen:
Die Bf hat am 29. 1. 2016 Differenzzahlung beantragt. Anstatt diese auszuzahlen oder weiter zu ermitteln, hat das Finanzamt mit Datum 6. 6. 2016 einen Abweisungsbescheid erlassen.
Die Bf hat sich nach Erhalt des Abweisungsbescheides mit dem Finanzamt in Verbindung gesetzt und die Auskunft entweder erhalten oder zumindest so verstanden, dass sie, um Familienbeihilfe bzw. Differenzzahlung wie beantragt zu erhalten, einen neuen Antrag mit dem Formular Beih 38 stellen sollte. Dies hat die Bf im guten Glauben, dadurch Familienbeihilfe bzw. Differenzzahlung wie am 29. 1. 2016 beantragt zu erhalten, getan.
Wenn die Bf unter der allgemein kundgemachten Telefonnummer des Finanzamts anruft und dort eine Auskunft erhält, ist diese Auskunft dem Finanzamt zurechnen, unabhängig davon, ob die Auskunft infolge des bundesweiten Telefonsystems der Finanzverwaltung von einem Mitarbeiter dieses Finanzamts, von einem Mitarbeiter eines anderen Finanzamts oder von sonst jemandem (etwa Fremdpersonal) erteilt wird.
Die Reaktion auf den Abweisungsbescheid ergibt sich auch daraus, dass der Abweisungsbescheid den Anspruch ab Jänner 2016 abweist und die Bf im Formular Beih 38 am 18. 7. 2016 ebenfalls als Anspruchsbeginn Jänner 2016 angab, obwohl sie am 29. 1. 2016 eine Zahlung ab Juli 2015 beantragen wollte.
Es ist allgemeiner Grundsatz des Abgabenverfahrensrechts, dass es nicht auf die Bezeichnung von Schriftsätzen und die zufälligen verbalen Formen ankommt, sondern auf den Inhalt, das erkennbare oder zu erschließende Ziel des Parteischritts (vgl. VwGH 20. 2. 1998, 97/15/0153; VwGH 23. 4. 2001, 99/14/0104; BFG 3. 11. 2014, RV/7102796/2014; BFG 9. 2. 2016, RV/7104302/2015).
Es liegt auf der Hand, dass die Bf mit dem Anbringen vom 18. 7. 2016 nicht einen von vornherein zum Scheitern verurteilten Zweitantrag für einen Zeitraum, über den das Finanzamt bereits abgesprochen hat, einbringen wollte, sondern den Abweisungsbescheid bekämpfen, damit sie Familienbeihilfe bzw. Differenzzahlung (ihrer Meinung nach: ab Juli 2015) erhält.
Stehen dem Steuerpflichtigen mehrere verfahrensrechtliche Maßnahmen zur Bekämpfung von Bescheiden und zur Durchsetzung seines Rechtsstandpunkts zur Verfügung, ist nach gefestigter Rechtsprechung des Bundesfinanzgerichts davon auszugehen, dass der Steuerpflichtige nicht eine Maßnahme wählt, die infolge Fristversäumnis schon von vornhinein zum Scheitern verurteilt ist, sondern einen Antrag stellen möchte, der einer inhaltlichen Erledigung zugänglich ist (vgl. etwa BFG 30. 11. 2014, RV/7102796/2014; BFG 27. 7. 2015, RV/7103596/2015; BFG 9. 2. 2016, RV/7104302/2015; BFG 11. 3. 2016, RV/7106006/2015; BFG 18. 3. 2016, RV/7102379/2015; BFG 29. 7. 2016, RV/7103010/2015, BFG 4. 4. 2017, RV/7105689/2016; jeweils m. w. N.).
Das Anbringen vom 18. 7. 2016 ist daher entweder als Beschwerde gemäß § 243 BAO gegen den Abweisungsbescheid, oder, insbesondere wenn die Beschwerdefrist von einem Monat gemäß § 245 BAO bereits abgelaufen sein sollte, als Antrag auf Bescheidaufhebung nach § 299 BAO zu verstehen.
Dies wäre vom Finanzamt durch Rücksprache mit der Bf nach Rechtsbelehrung (§ 113 BAO), allenfalls nach Rechtsbelehrung im Wege eines Mängelbehebungsverfahrens nach § 85 Abs. 2 BAO, zu klären gewesen.
Zustellzeitpunkt des Abweisungsbescheids vom 6. 6. 2017
Infolge der Ermittlungen des Bundesfinanzgerichts ergibt sich, dass nicht festgestellt werden kann, wann der Abweisungsbescheid vom 6. 6. 2017 zugestellt wurde, aber es wahrscheinlich ist, dass die Bf den Bescheid erst nach ihrer Rückkehr aus Rumänien, also am 12. 7. 2016 oder danach, erhalten hat.
Unbeschadet der Vermutung des § 26 Abs. 2 Satz 1 Zustellgesetz, dass die Zustellung als am dritten Werktag nach der Übergabe an das Zustellorgan bewirkt wird, trifft die Behörde die Beweislast für die Zustellung und deren Zeitpunkt (vgl. Ritz, BAO5, § 26 Zustellgesetz Tz. 3 m. w. N.; BFG 2. 7. 2014, RV/7501048/2014).
Nach der ständigen Judikatur des Verwaltungsgerichtshofes zu § 26 Abs. 2 Zustellgesetz hat die Behörde bei Zustellungen ohne Zustellnachweis die Folge zu tragen, dass der Behauptung der Partei, sie habe ein Schriftstück nicht empfangen, nicht wirksam entgegengetreten werden kann. Bei bestrittenen Zustellungen ohne Zustellnachweis hat die Behörde die Tatsache der Zustellung nachzuweisen. In diesem Fall muss - mangels Zustellnachweises - der Beweis der erfolgten Zustellung auf andere Weise von der Behörde erbracht werden. Gelingt dies nicht, muss die Behauptung der Partei über die nicht erfolgte Zustellung als richtig angenommen werden (vgl. VwGH 20. 12. 2007, 2007/16/0175; BFG 1. 12. 2015, RV/5101557/2015; BFG 23. 6. 2016, RV/6101072/2015).
Diese Grundsätze gelten auch für den Nachweis des Zeitpunktes einer - unstrittig erfolgten - Zustellung ohne Zustellnachweis (vgl. VwGH 24. 6. 2008, 2007/17/0202; VwGH 15. 3. 2013, 2013/08/0032), was hier der Fall ist.
Es steht zwar fest, dass der Abweisungsbescheid zugestellt wurde, nicht aber, wann. Dass sich die Bf und ihr Vertreter mehr als ein Jahr nach der Zustellung an deren genauen Zeitpunkt nicht erinnern können, ist nicht weiter verwunderlich.
Es steht nicht einmal fest, wann der Bescheid dem Zustellorgan (§ 4 Zustellgesetz), also bei Zustellungen mittels der Österreichischen Post AG dem Briefträger, gemäß § 26 Abs. 2 Satz 1 Zustellgesetz übergeben wurde.
Nach Angaben der Bf (E-Mail des Vertreters vom 28. 6. 2017) kam der Abweisungsbescheid an der Adresse T***** 24, 2*****3 L***** zu einem Zeitpunkt an (14. 6. 2016 – 12. 7. 2016), an dem die Bf nicht in Österreich war. Die Zustellung war daher erst mit dem auf die Rückkehr nach Österreich folgenden Tag (§ 26 Abs. 2 Satz 3 Zustellgesetz) bewirkt.
Wenn das Finanzamt auf die Zustellung von Bescheiden mittels Zustellnachweises verzichtet, geht die Nichtfeststellbarkeit des genauen Zustellzeitpunkts zu seinen Lasten.
Es ist daher im Zweifel davon auszugehen, dass die Zustellung des Abweisungsbescheids vom 6. 6. 2017 i. S. d. § 26 Abs. 2 Satz 3 Zustellgesetz erst nach dem 12. 7. 2016, der Beendigung der Ortsabwesenheit der Bf, erfolgt ist.
Damit erfolgte das Anbringen vom 18. 7. 2016 innerhalb der Beschwerdefrist gemäß § 245 BAO.
Anbringen vom 18. 7. 2016 ist Beschwerde
Zufolge der Angaben des Vertreters des Bf vom 28. 6. 2017 ist das Anbringen vom 18. 7. 2016 jedenfalls als Rechtsmittel gegen den Abweisungsbescheid vom 6. 6. 2016 anzusehen.
Dieses Rechtsmittel kann insbesondere als (rechtzeitige) Beschwerde gegen den Abweisungsbescheid vom 6. 6. 2016, allenfalls als (rechtzeitiger) Aufhebungsantrag in Bezug auf den Abweisungsbescheid vom 6. 6. 2016 (oder als anderer Rechtsbehelf) zu deuten sein (vgl. BFG 3. 11. 2014, RV/7102796/2014).
Nach dem Gesamtbild des vorliegenden Falles und den Angaben des Vertreters hat das Gericht keinen Zweifel daran, dass die Bf mit dem Anbringen vom 18. 7. 2016 rechtzeitig Beschwerde gegen den Abweisungsbescheid vom 6. 6. 2016 mit dem ersichtlichen Antrag, diesen aufzuheben und Differenzzahlung bzw. Familienbeihilfe auszuzahlen, begründet mit den mit dem Anbringen vom 18. 7. 2016 vorgelegten Unterlagen, erheben wollte.
Ein förmliches Mängelbehebungsverfahren nach § 85 Abs. 2 BAO (vgl. BFG 18. 3. 2016, RV/7102379/2015) ist hier nicht (mehr) geboten, da zufolge der ergänzenden Ermittlungen des Gerichts der Inhalt des Anbringen vom 18. 7. 2016 hinreichend klargestellt ist.
Rechtswidrigkeit des angefochtenen Zurückweisungsbescheids
Der angefochtene Zurückweisungsbescheid vom 30. 1. 2017 ist zunächst schon deshalb rechtswidrig, weil er pauschal und unbeschränkt die Eingabe vom 18. 7. 2016 als unzulässig zurückweist, am selben Tag aber vom Finanzamt eine Mitteilung ausgefertigt wurde, wonach nach "Überprüfung Ihres Anspruches auf Familienbeihilfe" der Bf "ab Juli 2016 bis Nov. 2016 Familienbeihilfe" zustehe.
Wenn das Finanzamt bei der Eingabe vom 18. 7. 2016 von einem "Zweitantrag" in einem Verfahren, über das mit dem Abweisungsbescheid vom 6. 6. 2016 entschieden wurde, ausgegangen ist, dann hätte es die Zurückweisung auf den Zeitraum Jänner bis (bei vom Finanzamt angenommener Bescheidzustellung in diesem Monat) Juni 2016 beschränken müssen.
Zufolge der Zurückweisung ohne nähere Modifizierung wäre die laut Mitteilung vom 30. 1. 2017 erfolgende Auszahlung von Familienbeihilfe ab Juli 2016 nach § 11 FLAG 1967 rechtswidrig, weil dieser ein zulässiger Antrag (§ 10 Abs. 1 FLAG 1967) fehlte, da - nach Ansicht des Finanzamts - der "Zweitantrag" unzulässig und über den "Erstantrag" mit dem Abweisungsbescheid entschieden worden sei.
Der Spruch des Abweisungsbescheids hätte daher unter Zugrundelegung der Rechtsansicht des Finanzamt richtigerweise dahingehend lauten müssen, dass er das Anbringen vom 18. 7. 2016 hinsichtlich des Zeitraums Jänner bis (bei vom Finanzamt angenommener Bescheidzustellung in diesem Monat) Juni 2016 als unzulässig zurückweist.
Tatsächlich ist der Zurückweisungsbescheid vom 30. 1. 2017 jedoch deswegen mit Rechtswidrigkeit (Art. 132 Abs. 1 Z 1 B-VG) behaftet, weil er die Eingabe vom 18. 7. 2016 fälschlicherweise als "Zweitantrag" und nicht als Beschwerde (allenfalls Aufhebungsantrag oder anderen Rechtsbehelf) gegen den Abweisungsbescheid vom 6. 6. 2016 angesehen hat.
Da die Beschwerde nach dem oben Gesagten auch rechtzeitig ist, ist die als Beschwerde zu deutende Eingabe vom 18. 7. 2016 auch nicht gemäß § 260 Abs. 1 lit. b BAO als nicht fristgerecht eingebracht zurückzuweisen.
Der Beschwerde gegen den Zurückweisungsbescheid vom 30. 1. 2017 ist daher Folge zu geben, der angefochtene Bescheid ist gemäß § 279 BAO ersatzlos aufzuheben.
Gegen dieses Erkenntnis ist gemäß Art. 133 Abs. 4 B-VG eine (ordentliche) Revision nicht zulässig, da es sich um keine Rechtsfrage von grundsätzlicher Bedeutung handelt. Das Gericht folgt in rechtlicher Hinsicht der ständigen Rechtsprechung des Verwaltungsgerichtshofes, die Beurteilung von Tatfragen sind einer Revision nicht zugänglich.
Das Finanzamt wird zunächst die Beschwerde in Bezug auf den Abweisungsbescheid vom 6. 6. 2016 materiell zu erledigen haben.
Zur Befristung der Auszahlung mit November 2016 ist zu bemerken, dass nach dem Vorbringen der Bf nach Beendigung der Personenbetreuung im November 2016 diese im Dezember 2016 weiterhin bei der Sozialversicherungsanstalt der gewerblichen Wirtschaft versichert und seit Jänner 2017 weiter in Österreich als Personenbetreuerin erwerbstätig war. Bei Zutreffen dieses Vorbringens wird von einer durchgehenden Ausübung der selbständigen Tätigkeit und damit von einem Fortbestand des Anspruchs auf Familienbeihilfe auszugehen sein (vgl. VwGH 27. 9. 2012, 2012/16/0066), für eine Befristung bis November 2016 bestünde diesfalls kein Anlass, sofern die Bf ihren Antrag nicht auf den Zeitraum bis November 2016 eingeschränkt hat.
Die Bf hat im Verfahren zu erkennen geben, dass sie mit dem Antrag vom 29. 1. 2016 Differenzzahlung bzw. Familienbeihilfe ab 1. 7. 2015 begehrt, dem im Formular Beih 38 angegebenen Beginn ihrer Erwerbstätigkeit.
In Bezug auf den Antrag vom 29. 1. 2016 lässt sich bei vernünftiger Würdigung des Gesamtzusammenhanges zumindest zweifeln, ob tatsächlich Differenzzahlung erst ab 1. 1. 2016 (Monat des Einbringens des Antrags) oder nicht vielmehr (wie sich aus dem unmittelbar vorangehenden Feld im Antragsformular sowie den offenbar diesem beigefügten Formularen E 401 und E 411 schließen lässt) bereits ab 1. 7. 2015 beantragt wird.
Im Zuge des weiteren Verfahrens wurde jedenfalls vom Vertreter ausdrücklich angegeben (AV vom 28. 6. 2017), dass sich der Antrag vom 1. 7. 2015 auch auf den Zeitraum Juli bis Dezember 2015 bezieht.
Das Bundesfinanzgericht kann es an dieser Stelle dahingestellt lassen, ob der Antrag vom 29. 1. 2016 auch den Zeitraum Juli bis Dezember 2015 (so die Bf) oder nur den Zeitraum ab Jänner 2016 umfasst.
Sollte das Finanzamt nicht von sich aus eine Auszahlung für den Zeitraum Juli 2015 bis Dezember 2017 auf Grund des im Zuge des weiteren Verfahrens jedenfalls präzisierten (und nach Ansicht der Bf bisher insoweit unerledigten) Antrags vom 29. 1. 2016 vornehmen und die Bf weiterhin die Ansicht vertreten, ihr Antrag vom 29. 1. 2016 umfasse auch den Zeitraum Juli bis Dezember 2015, kann dies im Wege einer Säumnisbeschwerde nach § 284 BAO wegen nach Angabe der Bf (insoweit) Verletzung der Entscheidungspflicht durch das Bundesfinanzgericht in einem eigenen Verfahren geklärt werden.
Über einen Antrag für den Zeitraum Juli bis Dezember 2015 erging nach dem übereinstimmenden Vorbringen der Parteien des verwaltungsgerichtlichen Verfahrens bisher keine Entscheidung des Finanzamts. Es könnte die Bf daher, wenn sie der Meinung des Finanzamts folgt, einen neuerlichen Antrag für den Zeitraum Juli bis Dezember 2015 beim Finanzamt einbringen, wobei diesem nicht das Hindernis der entschiedenen Sache entgegen steht und Verjährung (§ 10 Abs. 3 FLAG 1967) noch nicht eingetreten ist.
Laut dem vom Finanzamt vorgelegten Auszahlungsbeleg wurde vom Finanzamt die Familienbeihilfe laut Mitteilung auf das von der Bf angegebene Konto ausbezahlt, und zwar für den Zeitraum Juli 2016 bis November 2016.
Nun trägt die zwar Gefahr einer Fehlanweisung das Finanzamt als Geldschuldnerin (vgl. BFG 25. 8. 2014, RV/7102816/2011).
Wird ein Geldbetrag mittels Postanweisung übersendet, tritt Schuldbefreiung erst mit der Auszahlung ein. Ist ein Geldbetrag bei Postanweisung beim Gläubiger nicht eingegangen, trifft das Finanzamt als Geldschuldnerin das Verlustrisiko (vgl. OGH 14. 1. 1998, 3 Ob2 405/96i m.w.N.), eine Geldschuld reist auf Gefahr des Schuldners (vgl. VwGH 11. 12. 2012, 2011/05/0058; OGH 10. 10. 1985, 8 Ob 602/85).
Im gegenständlichen Fall erfolgte jedoch die Auszahlung auf ein von der Bf selbst bekannt gegebenes Konto. Soweit ein Geldinstitut als Machthaber des Gläubigers anzusehen ist, geht die Gefahr schon mit dem Einlangen bei diesem Geldinstitut ohne Rücksicht auf den Zeitpunkt der Kontrollgutschrift auf den Gläubiger über (vgl. OGH 10. 10. 1985, 8 Ob 602/85; OGH 26. 11. 1997, 9 ObA 289/97h).
Schließlich ist darauf hinzuweisen, dass sich dem Antrag vom 29. 1. 2016 eine Antragstellung für den Zeitraum März 2015 bis Juni 2015 auch unter Einbeziehung der Angaben unter "Zeitraum des Anspruches von - bis" nicht entnehmen lässt.
Allerdings wurde im Zuge des Vorlageantrags vom 29. 5. 2017 (OZ 4, Seite 1) die Auszahlung von Familienbeihilfe für den Zeitraum "von März 2015 bis November 2016" unter Beifügung von Honorarnoten, auch für den Zeitraum März 2015 bis Juni 2015, beantragt.
Insoweit ist von einem (gegenüber dem Antrag vom 29. 1. 2016) weiteren Antrag auf Differenzzahlung bzw. Familienbeihilfe für den Zeitraum März 2015 bis Juni 2015 auszugehen, der ebenfalls vom Finanzamt zu erledigen wäre.
BFG 27.07.2015, RV/7103596/2015
BFG 11.03.2016, RV/7106006/2015
BFG 29.07.2016, RV/7103010/2015
BFG 04.04.2017, RV/7105689/2016
BFG 02.07.2014, RV/7501048/2014
BFG 01.12.2015, RV/5101557/2015
BFG 23.06.2016, RV/6101072/2015
VwGH 15.03.2013, 2013/08/0032
BFG 25.08.2014, RV/7102816/2011
ECLI:AT:BFG:2017:RV.7103018.2017
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