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Timestamp: 2018-03-19 16:41:01
Document Index: 322775347

Matched Legal Cases: ['§ 229', '§ 224', '§ 15', '§ 224', '§ 229', '§ 15', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 211', 'BGH']

ᐅ Unbewusste fahrlässigkeit - Strafrecht / Strafprozeßrecht - JuraForum.de
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Dieses Thema "ᐅ Unbewusste fahrlässigkeit - Strafrecht / Strafprozeßrecht" im Forum "Strafrecht / Strafprozeßrecht" wurde erstellt von JuraLiam, 20. Juni 2006.
JuraLiam Neues Mitglied 20.06.2006, 12:40
Servus, vielleicht kann jemand was damit anfangen???
A schießt ohne groß darüber nachzudenken aus einem Meter Entfernung in die Brust des B. Dabei ist nicht klar, ob er den Tod des B billigend in Kauf nimmt oder darauf vertraut, es werde schon gut gehen....
Normalerweise würde man eine Abgrenzung zwischen dolus eventualis und bewusster Fahrlässigkeit vornehmen... Ich dachte ev. an unbewusste Fahrlässigkeit (das Problem sehe ich beim Willenselement), wobei einem doch klar sein müsste, dass ein Schuss aus der Entfernung tödlich sei kann!?!
JuraLiam
Lochost Junior Mitglied 23.08.2006, 14:18
AW: Unbewusste fahrlässigkeit
Tja. Das Problem habe ich auch.
Das Dumme ist, dass es keinerlei Hinweise auf die subjektive Sicht des Täters gibt.
Zumindest für dolus eventualis sollte wahrscheinlich zumindest ein kurzer Gedanke vorhanden sein.
Vielleicht kann ja doch noch einer der Profis was damit anfangen und was dazu erzählen
Lochost Junior Mitglied 25.08.2006, 11:12
Mir fällt da grade was ein.
Wäre ggf. eine fahrlässige Körperverletzung nach § 229 StGB zu prüfen?
Gibt es auch eine fahrlässige gefährliche Körperverletzung?
Denn wenn er nicht darüber nachdenkt, liegt kein Vorsatz vor.
Auch die bewusste Fahrlässigkeit sehe ich als sehr problematisch an.
Daher käme ggf nur eine fahrlässige KV in betracht, die aber immerhin mit einer Waffe begangen wurde. Damit wäre es eine gefährliche Körperverletzung i.S.d. § 224 I Nr.2 StGB.
Nur ob diese auch fahrlässig begangen werden kann, weß ich jetzt im Moment nicht
Vielleicht kann ja wirklich mal einer der Profis sich das anschauen
Wenn es denn einer tut, danke schonmal jetzt
Ok Ok. Hab mir grade nochmal § 15 StGB zu Gemüte gefüht.
Eine Fahrlässige Tat geht nur dann, wenn dies ausdrücklich bestimmt ist. Dem ist bei § 224 StGB nicht der Fall, wodurch es keine fahrlässige schwere Körperverltzung gibt.
Wohl aber wird die Gefährlichkeit bei der Strafzumessung des § 229 StGB (fahrlässige Körperverletzung) berücksichtigt.
snud V.I.P. 25.08.2006, 15:43
Leider kein Fall für einen Profi.
Ein Richter würde sich bei dieser Sachlage (bewußter, gezielter Schuß, keine Feststellungen zum STB) keine Gedanken über Fahrlässigkeit machen.
Wider mal ein Beweis, daß die kürzesten Sachverhalte die häßlichsten sind.
M.E. ist hier mit 212 anzufangen. In diesem Rahemn ist einfach sauber abzugrenzen und zu diskutieren. Herzberg z.B. erledigt dies wohl schon im OTB.
Schon der Schönke/Schröder (§ 15 Rz. 79 ff, 24. Aufl.) stellt hier einen sehr weiten Streitstand dar. Siehe insbes. Rz 87 zum BGH
Wichtig ist wohl nur, nichts in den Sachverhalt hinein zu lesen.
snud V.I.P. 25.08.2006, 15:47
Zitat von Lochost:
Könnte der Prof. ein besonders bösartiger Dämon sein?
Lochost Junior Mitglied 25.08.2006, 17:01
Manchmal hab ich zumindest das Gefühl
Aber mal im Ernst. Wieso keine Fahrlässigkeit? Wenn es keinen Vorsatz gab, wovon ich hier jetzt mal ausgehe, dann kommt doch zumindest Fahrlässigkeit in Betracht oder nicht?
Muss mir mal den alten Sch/Sch den ich noch hab schnappen.
Kennst Du zufällig Urteile dazu?
Elena_84 Boardneuling 25.08.2006, 20:09
Aber wenn er doch auf die Brust schießen will, muss man doch eigentlich davon ausgehen können, dass man weiß, dass ein Schuss in die Brust tödlich sein kann. Ich denke ich würde dolus eventualis hier bejahen. Du musst dich ja nicht unbedingt an die herrschende Meinung(Einwilligungs-und Billigungstheorie) halten. Falls du den Vorsatz dennoch verneinen willst, würde ich danach fahrlässige Tötung prüfen. Allerdings ist es dann die Frage, was du als Sorgfaltspflichtverletzung ansiehst, da ja bewusst geschossen wurde. Fahrlässige Körperverletzung wäre nicht zu prüfen, da er ja bewusst geschossen hat und dass ein Schuss verletzt ist ja wohl normal.
Lochost Junior Mitglied 25.08.2006, 21:05
Naja aber da er nicht darüber nachdenkt und der Oberkörper nunmal die größte Fläche hat, ist auch ein Treffer dort am wahrscheinlichsten.
Und in meinem Fall überlebt der angeschossene durch eine Rettungshandlung eines Dritten. Also fahrlässige Tötung ist es nicht. Allenfalls Fahrlässige Körperverletzung.
Das macht mir halt die Probleme. Er schießt bewusst, hat aber scheinbar keinen Vorsatz darauf. Nicht mal dolus eventualis. Denn selbst dafür müsste er sich wenigstens denken "ist mir egal". Aber selbst das tut er nicht.
Es fehlt m.E. einfach an dem Wollenselement. Und das auf ganzer Linie. Soll heißen es liegt keinerlei Information über das Wollenselement vor. Das ist es was mir die wirkichen Probleme bereitet.
Gäbe es wenigstens einen Hinweis, dann könnte man sich denken wohin die Reise geht. Aber so...
Das Dumme ist, X Bedroht Y und nimmt einen Teil der Beute weg. Y wehrt sich jedoch und unterbricht die Wegnahme. X obsiegt über Y und schießt ohne groß nachzudenken auf diesen. Danach sieht X das Y so schwer verletzt ist das dieser sofortiger Hilfe bedarf. X nimmt den Rest der Beute und verschwindet.
Es gibt keinerlei Hinweise auf die subjektiven Elemente. Und das finde ich das knifflige an der Sache.
Da ich ohne subjektives Element keinen Vorsatz bejahen kann, muss ich auf Fahrlässigkeit zurückgreifen. Hier reicht ein sorgfaltswidriges Verhalten. Das liegt in dem Schuss selbst denke ich. Tut man einfach nicht sowas
Tötung ist es nicht, da Y durch eine Rettungshandlung Dritter überlebt, bleibt wohl nur die Fahrlässe KV durch X.
Sehe ich da was grundsätzlich falsch?
Elena_84 Boardneuling 26.08.2006, 12:31
Ich denke einfach, dass es krass wäre, wenn man nur wegen fahrlässiger Körperverletzung bestraft werden würde, obwohl man bewusst schießt. Für meinen Verstand sind dies Fälle, in denen man zum Beispiel auf der Autobahn fährt und am Radio rummacht ohne auf die Straße zu schauen und dort dann einen Menschen anfährt. Aber wenn doch jemand bewusst eine Waffe in die Hand nimmt und bewusst zielt mit welchem Ziel auch immer, dann würde ich denke ich die Möglichkeitstheorie für den dolus eventualis durchgehen lassen. Das ist aber auch nur meine spontane Ansicht, da ich es ansonsten ziemlich unfähr finden würde. Würdest du dann als Sorgfaltspflichtverletzung , dass es sich nicht gebietet auf jemanden zu schießen? so wie es sich nicht gebietet während dem Autofahren nicht auf den Verkehr zu achten?
regloh V.I.P. 26.08.2006, 23:38
Vertraue deinem Verstand, der noch einigermaßen gesund zu sein scheint. Diese Diskussion beweist wieder mal, wie sehr die Hochschulausbildung an der Praxis vorbeigeht.
Wenn ich in der Sache eine kleine Hilfe geben darf: Nach BGH lässt sich aus einer besonderen Gefährlichkeit der Tathandlung auf Vorsatz schließen. Dies ist aber abzuwägen gegen die Hemmschwelle zum Töten, die jedem normalen Menschen innewohnt. Und dass einer, der nicht völlig debil und damit schuldunfähig ist, bei einem Schuss auf einen Menschen "garnichts" denkt, ist doch einfach nur Quatsch.
Meiner Meinung nach kann man Vorsatz wegen der Gefährlichkeit der Handlung gut vertreten. Noch vertretbar dürfte es auch sein, den Tötungsvorsatz abzulehnen und gefährliche KV anzunehmen. Unterhalb dessen ist m.E. alles abwegig.
Das ist allerdings Praktikersicht. Vielleicht sehen die Unileute das anders.
Lochost Junior Mitglied 26.08.2006, 23:50
Hast Du zufällig ne Fundstelle?
Ich denke auch mal das ich mich da in was verrenne, aber fragen kostet ja nix oder?
Naja für heute genug gearbeitet. Ich geh ins Bett. Bis dann
Ist halt so. Wenn man sich zu lange mit einem Thema beschäftigt, kann es schnell sein das man sich da in was verrent
regloh V.I.P. 26.08.2006, 23:57
Ja, das Phänomen mit dem Verrennen kenne ich auch noch. Je mehr man nachdenkt, desto mehr absonderliche "Probleme" entdeckt man.
Hat Fundstelle Zeit bis Montag? Auf der Arbeit habe ich Beck-Online, da finde ichs bestimmt.
Lochost Junior Mitglied 27.08.2006, 10:08
Klar. Wäre super.
regloh V.I.P. 28.08.2006, 23:23
Also hier eine auch die Schnelle recherchierte Fundstelle: BGH StV 1997, S. 7. Instruktiv auch BGH NStZ 2003, S. 369 (hier hat der BGH das LG, das allein aus der Gefährlichkeit der Tathandlung auf Tötungsvorsatz geschlossen hatte, aufgehoben. Er betont immer wieder, dass die hohe Hemmschwelle zu einer Tötung zu berücksichtigen ist. Vgl. auch Tröndle/Fischer Anm. 11a zu § 211, aber da wirst du ja schon nachgesehen haben.
Domingo V.I.P. 29.08.2006, 00:28
Das ist eigentlich eine Frage der Tatsachenfeststellung, nicht der Gesetzesanwendung. Ob die subjektive Tätereinstellung unter Vorsatz od. Fahrlässigkeit zu subsumieren ist, ist die eigentlich juristische Frage; die kann man aber nur beantworten, wenn der SV etwas dazu aussagt. Tut er es nicht, so muss man (das liest man in jedem Lehrbuch) den SV "lebensnah auslegen/ergänzen." Vorliegend muss man also den fehlenden Satz selbst hinzufügen, in dem steht, ob der Täter den Tod des Opfers billigend in Kauf nimmt oder nicht. Ohne diesen Satz ist die Subsumtion unter die gesetzlichen Straftatbestände unmöglich. Mir scheint, Lochosts Schwierigkeiten rühren daher, dass er sich nicht klargemacht hat, dass der SV unvollständig ist und der Ergänzung durch eine lebensnahe Überlegung bedarf. Die führt offensichtlich zu dem Ergebnis, dass der Täter mit dem Tod des Opfers gerechnet und sich damit abgefunden hat. Erst jetzt geht es zur juristischen Prüfung über, ob damit Vorsatz vorliegt oder nicht. Ist ja nicht schwer: Vorsatz ist zu bejahen.
Aus Sicht eines Unimenschen sind Tatsachenfeststellung und Subsumtion strikt voneinander zu trennen; möglicherweise *schlampt* der BGH hier und wirft die beiden durcheinander (ich habe aber die Urteile nicht vor Augen, kann daher nur Vermutungen anstellen). Dass Praktiker sie nämlich öfter durcheiannderwerfen dürften, leuchtet ein. Doch bei einer Klausur ist man m.E. gut beraten, wenn man ganz unimäßig denkt und schreibt
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