Source: https://www.widerruf-darlehen-anwalt.de/grundlagen/moegliche-fehler/
Timestamp: 2020-07-13 11:18:50
Document Index: 267528333

Matched Legal Cases: ['Art. 247', '§ 6', 'BGH', 'BGH', '§ 14', '§ 14', 'Art. 245', 'BGH', 'BGH']

Fehler in der Belehrung führt zum Widerrufsrecht
Typische Fehlerquellen für Verträge bis 10.06.2010!
Laut einer Erhe­bung der Ver­brau­cher­zen­tra­le Ham­burg vom Juni 2014 sind bis zu 80% der bei Immo­bi­li­en­dar­le­hen ver­wen­de­ten Wider­rufs­be­leh­run­gen feh­ler­haft.
Hier fin­den Sie einen Über­blick über mög­li­che Feh­ler­quel­len in Wider­rufs­be­leh­run­gen für Ver­brau­cher­dar­le­hens­ver­trä­ge, die zwi­schen dem 01.11.2002 und dem 10.06.2010 geschlos­sen wur­den. Das Wider­rufs­recht für die­se Ver­trä­ge ist jedoch zum 21.06.2016 erlo­schen. Wer sei­nen Wider­ruf noch nicht erklärt hat, dürf­te es schwer haben, noch Ansprü­che gel­tend zu machen.
Feh­ler kön­ne bei die­sen soge­nann­ten “Alt­ver­trä­gen” dabei sowohl inhalt­li­cher als auch opti­scher Natur sein. Die Ver­brau­cher­zen­tra­le monier­te dabei zahl­rei­che Fäl­le in allen Berei­chen. Dar­le­hens­neh­mern, die feh­ler­haft über ihr Wider­rufs­recht belehrt wur­den, steht regel­mä­ßig auch heu­te noch ein Wider­rufs­recht zu.
Zunächst ist immer zu dif­fe­ren­zie­ren, in wel­chem Zeit­raum der Dar­le­hens­ver­trag geschlos­sen wur­de. Maß­geb­lich für die Wider­rufs­be­leh­rung und das Wider­rufs­recht sind die zum Zeit­punkt des Ver­trags­schlus­ses gel­ten­den Rege­lun­gen des Wider­rufs­rechts im BGB, der BGB-Info­VO und/oder dem EGBGB.
Die wesent­li­chen gesetz­li­chen Grund­la­gen des Wider­rufs sind in der Ent­wick­lung des Wider­rufs­rechts kurz dargestellt.Eine Über­sicht wel­ches Recht in wel­chem Zeit­raum für wel­chen Dar­le­hens­ver­trag galt, fin­den Sie in der Dar­stel­lung “Wel­ches Wider­rufs­recht gilt für wel­chen Dar­le­hens­ver­trag”
Das aktu­el­le Mus­ter für die Wider­rufs­in­for­ma­tio­nen für Ver­brau­cher­dar­le­hens­ver­trä­ge fin­det sich in der Anla­ge 7 zum Art. 247 § 6 EGBGB und im Anhang zu die­ser Sei­te. Hält sich die Bank exakt an den Wort­laut des Mus­ter­tex­tes der Wider­rufs­be­leh­rung, genießt sie den Schutz des gel­ten­den Rechts. Für älte­re Mus­ter­tex­te der Wider­rufs­be­leh­rung von vor dem 11.06.2010 hat der BGH etwas Ähn­li­ches, näm­lich die soge­nann­te Gesetz­lich­keits­fik­ti­on aner­kannt. In sei­nem Urteil vom 15.08.2012 Az. VIII ZR 378/11 führt der BGH dies wie folgt aus:
“Die Klä­ge­rin kann sich für die Wirk­sam­keit der von ihr ver­wen­de­ten Wider­rufs­be­leh­rung jedoch dar­auf beru­fen, dass die­se dem Mus­ter der BGB-Infor­ma­ti­ons­pflich­ten-Ver­ord­nung ent­spricht und somit gemäß § 14 Abs. 1 der BGB-Infor­ma­ti­ons­pflich­ten-Ver­ord­nung aF** als ord­nungs­ge­mäß gilt (Gesetz­lich­keits­fik­ti­on). Die in § 14 der BGB-Infor­ma­ti­ons­pflich­ten-Ver­ord­nung gere­gel­te Gesetz­lich­keits­fik­ti­on wird von der Ermäch­ti­gungs­grund­la­ge des Art. 245 Nr. 1 EGBGB aF*** gedeckt und ist wirk­sam. Denn mit die­ser Ermäch­ti­gung ver­folg­te der Gesetz­ge­ber vor­ran­gig den Zweck, die Geschäfts­pra­xis der Unter­neh­mer zu ver­ein­fa­chen und Rechts­si­cher­heit zu schaf­fen. Die­ser Zweck wür­de ver­fehlt, wenn sich der Unter­neh­mer auf die Gesetz­lich­keits­fik­ti­on der von ihm ver­wen­de­ten Mus­ter­be­leh­rung nicht beru­fen könn­te.”
Im Umkehr­schluss bedeu­tet dies, dass sich die dar­le­hens­ge­ben­de Bank nicht auf die Gesetz­lich­keits­fik­ti­on oder den Schutz des Geset­zes beru­fen kann, weicht sie inhalt­lich oder optisch von den gesetz­li­chen Vor­ga­ben der Wider­rufs­be­leh­rung ab. Ist die Bank mit ihrer Wider­rufs­be­leh­rung von dem zum Zeit­punkt des Ver­trags­schlus­ses gel­ten­den Wider­rufs­mus­ters abge­wi­chen, ist die ers­te Hür­de für einen wirk­sa­men Wider­ruf genom­men.
Ins­be­son­de­re für den Zeit­raum zwi­schen 01.11.2002 und 10.06.2010 gibt es meh­re­re Urtei­le des Bun­des­ge­richts­hofs, die die damals gel­ten­den Wider­rufs­be­leh­rungs­mus­ter für unwirk­sam hal­ten. Fin­den sich in Dar­le­hens­ver­trä­gen die­se For­mu­lie­run­gen und hält sich die Bank nicht exakt an die gesetz­li­chen Vor­ga­ben, ist damit von einer feh­ler­haf­ten Wider­rufs­be­leh­rung aus­zu­ge­hen.
Bei­spiels­wei­se hat der BGH in sei­nem Urteil vom 01.12.2010 (VIII ZR 82/10) geur­teilt, dass die vom Gesetz­ge­ber sei­ner­zeit vor­ge­ge­be­ne For­mu­lie­rung der Wider­rufs­be­leh­rung:
„Ver­brau­cher kön­nen ihre Ver­trags­er­klä­rung inner­halb von zwei Wochen ohne Anga­be von Grün­den in Text­form (z.B. Brief, Fax, E‑Mail) oder durch Rück­sen­dung der Sache wider­ru­fen. Die Frist beginnt frü­hes­tens mit Erhalt die­ser Beleh­rung.“”
Irre­füh­rend und damit feh­ler­haft ist. Soll­te die­se For­mu­lie­rung in Ihrer Wider­rufs­be­leh­rung vor­lie­gen und nicht der Mus­ter­text ver­wen­det wor­den sein, liegt somit ein bereits vom BGH aus­ge­ur­teil­ter Sach­ver­halt vor und es bestehen somit gute Chan­cen, dass noch ein Wider­rufs­recht besteht.
Wich­tig dabei ist den genau­en Wort­laut und die opti­sche Gestal­tung der feh­ler­haf­ten Wider­rufs­be­leh­rung zu unter­su­chen. Laut Gesetz muss die Erklä­rung über das Wider­rufs­recht her­vor­ge­ho­ben und in deut­lich gestal­te­ter Form dem Ver­brau­cher in Text­form über­ge­ben wer­den.
Typi­sche Feh­ler, die sich für die Wider­rufs­be­leh­rung von Dar­le­hens­ver­trä­gen erge­ben kön­nen sind:
Ver­steckt im Text, nicht aus­rei­chend optisch her­vor­ge­ho­ben.
Zu klei­ne Schrift.
Anga­be einer Tele­fon­num­mer (für Alt­ver­trä­ge von vor dem 14.06.2014 gilt, der Wider­ruf kann nur in Text­form erfol­gen).
Anga­ben einer ungül­ti­gen Anschrift.
Fal­scher oder irre­füh­ren­der Inhalt, sodass der Ver­brau­cher nicht ver­ste­hen konn­te, wann sei­ne Wider­rufs­frist zu lau­fen beginnt.
Fal­sche oder feh­len­de Anga­ben auf die Fol­gen des Wider­rufs z.B. dass die Dar­le­hens­sum­me inner­halb von 30 Tagen zurück­zu­zah­len ist.
Feh­len­de Anga­ben zum Fern­ab­satz­ge­schäft.
Ver­al­te­te Mus­ter­text­pas­sa­gen oder die Anga­be ver­al­te­ter Geset­zes­la­gen.
Feh­len­de Über­schrif­ten in der Wider­rufs­be­leh­rung.
Feh­len­de oder fal­sche Anga­ben zu einem “Ver­bun­de­nen Geschäft”.
Die Wider­rufs­be­leh­rung erfolgt vor Ver­trags­schluss.
Zwei wider­sprüch­li­che Beleh­run­gen im Dar­le­hens­ver­trag & den wei­te­ren Ver­trags­un­ter­la­gen
For­mu­lie­run­gen in der Wider­rufs­be­leh­rung wie die­se, kön­nen eben­so feh­ler­haft sein:
„Die Frist beginnt frü­hes­tens mit Erhalt die­ser Beleh­rung.“
„Der Lauf der Frist beginnt erst, wenn Ihnen die­se Beleh­rung aus­ge­hän­digt wor­den ist, jedoch nicht, bevor uns die von Ihnen unter­schrie­be­ne Aus­fer­ti­gung des Dar­le­hens­ver­tra­ges zuge­gan­gen ist.“
„Die Frist beginnt einen Tag nach Aus­hän­di­gung von Beleh­rung und Dar­le­hens­ver­trag.“
„Frist­be­ginn ab Ein­gang der Ver­trags­ur­kun­de beim Unter­neh­men.“
„Jeder Dar­le­hens­neh­mer kann sei­ne Ver­trags­er­klä­rung inner­halb von zwei Wochen ohne Anga­be von Grün­den in Text­form (…) wider­ru­fen. Der Lauf der Frist für den Wider­ruf beginnt einen Tag, nach­dem dem Dar­le­hens­neh­mer die­se Beleh­rung mit­ge­teilt und eine Ver­trags­ur­kun­de, der schrift­li­che Dar­le­hens­an­trag oder eine Abschrift der Ver­trags­ur­kun­de oder des Dar­le­hens­an­tra­ges zur Ver­fü­gung gestellt wur­de.“
“Die Frist beginnt frü­hes­tens mit dem Tag des Ein­gangs des unter­schrie­be­nen Dar­le­hens­ver­trags!
“Wenn das Dar­le­hen vor der Erklä­rung sei­nes Wider­rufs aus­ge­zahlt wor­den ist, so beginnt die Zwei-Wochen-Frist für die Rück­zah­lung einen Tag nach der Erklä­rung sei­nes Wider­rufs.”
Die Fuß­no­te “Frist bit­te im Ein­zel­fall prü­fen.”
“Die Frist beginnt nach Erhalt die­ser Beleh­rung in Text­form.”
“Der Lauf der Frist beginnt frü­hes­tens, wenn Ihnen die­se Beleh­rung über Ihr Wider­rufs­recht aus­ge­hän­digt wor­den ist, jedoch nicht bevor Sie die von uns gegen­ge­zeich­ne­te Aus­fer­ti­gung des Dar­le­hens­ver­tra­ges erhal­ten haben.”
“Ver­pflich­tun­gen zur Erstat­tung von Zah­lun­gen müs­sen 30 Tage nach Absen­dung Ihrer Wil­lens­er­klä­rung erfül­len.”
“Die Frist beginnt am Tag nach Unter­schrift die­ses Antra­ges.”
Jeder Anwalt, der sich dafür beru­fen fühlt, eben­so wie die Ver­brau­cher­zen­tra­len sind in der Lage, Ihre Wider­rufs­be­leh­rung zu über­prü­fen, ob sie Feh­ler ent­hält. Die Prü­fung einer Wider­rufs­be­leh­rung darf dabei nicht unter­schätzt wer­den, weil es seit 2002 eine gan­ze Rei­he von Ände­run­gen an den Geset­zen und den Mus­ter­tex­ten gege­ben hat und jeweils nur das Recht Anwen­dung fin­det, wel­ches zum Zeit­punkt des Ver­trags­schlus­ses galt. Gleich­zei­tig gibt es mitt­ler­wei­le eine Viel­zahl an Gerichts­ur­tei­len der Instanz­ge­rich­te, die die bis­he­ri­gen Vor­ga­ben des Bun­des­ge­richts­hofs modi­fi­zie­ren.
An die­ser Stel­le sei erneut dar­auf hin­ge­wie­sen, dass das Wider­rufs­recht für Dar­le­hens­ver­trä­ge, die zwi­schen dem 01.11.2002 und 10.06.2010 geschlos­sen wur­de, zum 21.06.2016 erlo­schen ist. Wer sei­nen Wider­ruf nicht recht­zei­tig erklärt hat, dürf­te es nach der­zei­ti­ger Geset­zes­la­ge schwer haben, noch Ansprü­che gel­tend zu machen.
Sofern Sie den Wider­ruf recht­zei­tig erklärt haben oder sogar ggf. bereits in einem Ver­fah­ren mit der Bank sind, prü­fen wir Ihren Dar­le­hens­ver­trag auf eine fal­sche oder feh­ler­haf­te Wider­rufs­be­leh­rung oder set­zen Ihr Recht auf Wider­ruf gegen die Bank durch bzw. bewer­ten Ihre Chan­cen. Unse­re Kon­takt­da­ten fin­den sie hier.
Die jewei­li­gen Mus­ter der Wider­rufs­be­leh­rung vom 01.01.2002 bis zum 10.06.2010 fin­den Sie hier.