Source: https://www.rechtslupe.de/strafrecht/die-unterschrift-unter-dem-anwaltsschriftsatz-385053
Timestamp: 2020-01-23 17:03:19
Document Index: 356737930

Matched Legal Cases: ['§ 345', '§ 349', '§ 473', '§ 345', 'BGH', '§ 345', '§ 345', 'BGH']

Die Unter­schrift unter dem Anwalts­schrift­satz | Rechtslupe
Die Unter­schrift unter dem Anwalts­schrift­satz
Mit dem Zusatz "für Rechts­an­walt (…), nach Dik­tat ver­reist" zu sei­ner Unter­schrift unter die Revi­si­ons­be­grün­dungs­schrift über­nimmt der unter­zeich­nen­de Rechts­an­walt nicht – wie für eine wirk­sa­me Revi­si­ons­be­grün­dung erfor­der­lich – die vol­le Ver­ant­wor­tung für deren Inhalt.
Nach § 345 Abs. 2 StPO kann die Revi­si­on – abge­se­hen vom Fall der Erklä­rung zu Pro­to­koll – nur durch eine von dem Ver­tei­di­ger oder einem Rechts­an­walt unter-zeich­ne­te Schrift begrün­det wer­den. Dies ist zwar for­mal gesche­hen, indem die Revi­si­ons­be­grün­dung von Rechts­an­walt D unter­zeich­net wur­de; jedoch muss aus der sprach­li­chen Fas­sung der Revi­si­ons­be­grün­dungs­schrift auch her­vor­ge­hen, dass der unter­zeich­nen­de Ver­tei­di­ger oder Rechts­an­walt die vol­le Ver­ant­wor­tung für den Inhalt über­nimmt 1. Dies ist im vor­lie­gen­den Ver­fah­ren gera­de nicht der Fall, zumal die Revi­si­ons­be­grün­dung bereits dann unzu­läs­sig ist, wenn hier­an auch nur Zwei­fel bestehen 2.
Aus der For­mu­lie­rung "für RA S, nach Dik­tat ver­reist" ergibt sich zunächst ein­deu­tig, dass Ver­fas­ser der Revi­si­ons­be­grün­dung der Ver­tei­di­ger Rechts­an­walt S und nicht der unter­zeich­nen­de Rechts­an­walt D gewe­sen ist. Die For­mu­lie­rung "für Rechts­an­walt S" kann nach dem all­ge­mei­nen Sprach-gebrauch nur dahin ver­stan­den wer­den, dass Rechts­an­walt D als Ver­tre­ter unter­zeich­net hat und die vol­le Ver­ant­wor­tung für den Inhalt der Revi­si­ons­be­grün­dung gera­de nicht über­neh­men woll­te, jeden­falls bestehen hier­an erheb­li­che Zwei­fel 3.
Die Revi­si­on war daher gem. § 349 Abs. 1 StPO auf Kos­ten des Ange­klag­ten (§ 473 Abs. 1 StPO) als unzu­läs­sig zu ver­wer­fen.
Ober­lan­des­ge­richt Hamm, Beschluss vom 26. Sep­tem­ber 2014 – 3 RVs 72/​14
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vgl. BGH, Beschluss vom 27.03.2012 – 2 StR 83/​12 – NJW 2012, 1748; Mey­er-Goß­ner/­Sch­mitt, StPO, 57. Auf­la­ge, § 345, Rdnr. 16[↩]
vgl.Gericke in Karls­ru­her Kom­men­tar zur StPO, 7. Auf­la­ge, § 345, Rdnr. 16 m.w.N.; Mey­er-Goß­ner/­Sch­mitt a.a.O. m.w.N.; BGH, Beschl. vom 26.07.2005 – 3 StR 36/​05 – NStZ-RR 2007, 132, Zif­fer 16[↩]
vgl. OLG Frank­furt a.M., Beschluss vom 01.08.2013 – 2 Ss OWi 565/​13 – NStZ-RR 2013, 355; OLG Hamm, Beschluss vom 15.07.2008, 4 Ss 257/​08 – NStZ-RR 2009, 381; OLG Hamm, Beschluss vom 24.11.2011 – 5 RVs 91/​11 – juris; Mey­er-Goß­ner/­Sch­mitt a.a.O., [↩]
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