Source: https://www.familienrecht-allgaeu.de/de/ausbildungsanspruch.html
Timestamp: 2018-06-18 13:04:42
Document Index: 11027055

Matched Legal Cases: ['§ 1610', '§ 1610', '§ 1610', '§ 1610', '§ 1610', '§ 1610', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 1610', '§ 1610', '§ 1610', '§ 1610', '§ 1610']

Ausbildungsanspruch | Dr. Schröck | Fachanwalt für Familienrecht
I. Ausbildungsanspruch nach § 1610 Abs.2 BGB
II. Auszubildender in der Rolle des Kindes
III. Auszubildender in der Eltern-Rolle
I. Ausbildungsanspruch
Die Befreiung von der Erwerbsobliegenheit
♦ § 1610 Abs.2 BGB - Gesetzes-Text
♦ Anmerkung zu § 1610 Abs.2 BGB - Systematischer Standort
Der Anspruch auf Ausbildungsfinanzierung durch die Eltern
Wie lange haben -> Kinder in Ausbildung einen Anspruch auf Ausbildungsfinanzierung durch die Eltern? -> HIER ...
Wie muss der Weg vom Schulabschluss mit anschließender Berufsausbildung gestaltet sein, damit der Anspruch auf Ausbildungsunterhalt fortbesteht? -> "Von der Schule zum Beruf".
Sind auch -> Eltern in Ausbildung von einer Erwerbsobliegenheit befreit? -> HIER ...
Solche Fragen betreffen das Thema Ausbildungsanspruch. Nur wer sich auf einen unterhaltsrechtlichen Ausbildungsanspruch berufen kann, wird dadurch von seiner bestehenden -> Erwerbsobliegenheit befreit ("lernen oder arbeiten?": das ist hier die Frage). Trifft den Auszubildenen eine Erwerbsobliegenheit, muss dieser sich u.U die -> Zurechnung von fiktiven Einkünften gefallen lassen. Grundsätzlich haben volljährige Kinder nur Anspruch auf Unterstützung für die Zeit, in der sie ausgebildet werden. Wann das Unterhaltsrecht von einem vorrangigen Ausbildungsanspruch ausgeht, bietet beim Verwandtenunterhalt § 1610 Abs.2 BGB eine gesetzliche Vorgabe. Diese Vorschrift erklärt, dass eine angemessene -> Vorbildung zum Beruf zum Lebensbedarf eines Menschen gehört. Darin liegt die Wurzel des Ausbildungsanspruchs. Maßgebend für den Ausbildungsanspruch ist also Art, Sinn und Zweck der Ausbildung. Wird danach ein Ausbildungsanspruch festgestellt, ist weiter zu klären, mit welcher Rechweite die Erwerbsobliegenheit dadurch verdrängt wird: kann der Anspruch die Erwerbsobliegenheit auch für Zeiten zwischen den -> Ausbildungsabschnitten, -> Erholungsphasen und sonstige ausbildungsfreie Zeiträume verdrängen? Nur wenn ein Vorrang der Ausbildung vor der Erwerbsobliegenheit festzustellen ist, kann es einen weiteren Anspruch gegen die Eltern auf Ausbildungsfinanzierung geben. Die Eltern schulden ihren Kindern nicht nur die Finanzierung der -> allgemeinen Schulausbildung, sondern auch eine angemessene Vorbildung zu einem Beruf (§ -> 1610 Abs.2 BGB). Der -> (Unterhalts-)Bedarf des Kindes umfasst also den Finanzierungsaufwand zum Abschluss einer Berufsausbildung. Der Ausbildungsunterhalt endet grundsätzlich mit Abschluss einer berufsqualifizierenden Ausbildung. Denn ab jetzt ist das Kind in der Lage, eigenes Erwerbseinkommen zu erzielen, was ihm auch zugemutet wird: ab jetzt befreit keine (weitere) Ausbildung mehr von der -> Erwerbsobliegenheit. Wann der vorrangige Ausbildungsanspruch nach § 1610 Abs.2 BGB endet, kann manchmal schwierig zu beantworten sein, vor allem wenn die Vorbildung zu dem Beruf sich aus mehreren selbständigen -> Ausbildungsabschnitten zusammensetzt.
♦ Allgemeine Schulausbildung
SCHULAUSBILDUNGWelche Schule befreit von der Erwerbsobliegenheit?
Da mit Absolvieren der allgemeinen Schulausbildung noch keine Vorbildung zu einem Beruf im Sinne des § 1610 Abs.2 BGB erreicht ist, befreit die allgemeine Schulausbildung von der Erwerbsobliegenheit. Was allgemeine Schulausbildung bedeutet, erfahren Sie HIER...
♦ Erholungs-Phasen
Welche Ausbildungspause befreit von der Werbsobliegenheit?
Semesterferien, Schulferein etc. führen immer wieder zu der Frage, ob in diesen Abschnitten eine Erwerbsobliegenheit auflebt. Mehr dazu erfahren Sie HIER..
♦ Ausbildungs-Abschnitte
"Von der SCHULE zum BERUF"
Erwerbsobliegenheit oder Fortsetzung der Ausbildung?
Wird ein -> Ausbildungsabschnitt abgeschlossen und wird anschließend ein neuer Ausbildungsabschnitt begonnen, ist zu überlegen, ob dieser weitere Ausbildungsabschnitt noch in die Kategorie des § -> 1610 Abs.2 BGB passt. Ist das nicht der Fall, kann die grundsätzliche Erwerbsobliegenheit greifen. Mehr dazu erfahren Sie -> HIER...
Wann befreit die Ausbildung von der Arbeitspflicht?
Ausbildung vs. Erwerbsobliegenheit
Kommen Kinder in ein arbeitsfähiges Alter (siehe -> Jugendarbeitsschutzgesetz: JArbSchG) kann stets kritisch danach gefragt werden, ob das Kind noch -> unterhaltsbedürftig ist. Denn nun kann das Kind eine Erwerbsobliegenheit treffen und verpflichtet sein, seinen Lebensunterhalt mit eigenem Einkommen zu finanzieren. Nur wenn einen -> vorrangiger Ausbildungsanspruch des Kindes besteht, kann dieser von der Erwerbsobliegenheit befreien: mehr dazu -> HIER ....
OLG Düsseldorf, Beschluss vom 13.02.2004 - 3 WF 8/04
Erwerbsobliegenheit volljähriger Kinder
(Zitat) "Grundsätzlich muss sich das (volljährige) Kind selbst unterhalten, sofern es nach Abschluss seiner -> Schulausbildung nicht eine (Anschluss-) Berufsausausbildung aufgenommen hat. Bei Nichtaufnahme einer Ausbildung, einem Ausbildungsabbruch oder nach Abschluss der Ausbildung trifft das volljährige Kind eine -> umfassende Erwerbsobliegenheit. Es muss somit in zumutbarer Weise seine Arbeitskraft ausnutzen, um sich selbst zu unterhalten. Die Beklagte hat nicht belegt und erst recht nicht nachgewiesen, dass sie eine Stelle als ungelernte Arbeiterin habe nicht erlangen können, mit deren Bezüge sie ihren Unterhaltsbedarf decken kann. Die wenigen von der Beklagten vorgelegten Bewerbungen sind beileibe nicht genügend. Es muss deshalb davon ausgegangen werden, dass die Beklagte bei vollschichtiger ungelernter Tätigkeit ausreichend finanzielle Mittel verdienen kann. Es liegen keine Anhaltspunkte vor, wonach die Beklagte aus persönlichen Gründen einer solchen Erwerbstätigkeit nicht nachkommen könnte."
BGH, Urteil v. 10.05.2001 - XII ZR 108/99
Erwerbsobliegenheit des Kindes neben Schulausbildung
(Zitat) "Was die zeitlichen Voraussetzungen des Unterrichts anbelangt, ist zu fordern, daß die Schulausbildung die Zeit und die Arbeitskraft des Kindes voll oder zumindest überwiegend in Anspruch nimmt, eine Erwerbstätigkeit, durch die der Schüler seinen Lebensunterhalt verdienen könnte, neben der Schulausbildung also nicht möglich ist. Dieses Erfordernis ist jedenfalls erfüllt, denn die Unterrichtszeit 20 Wochenstunden beträgt, weil sich unter Berücksichtigung der für die Vor- und Nacharbeit erforderlichen Zeiten sowie eventueller Fahrtzeiten eine Gesamtbelastung ergibt, die die Arbeitskraft im Wesentlichen ausfüllt."
Weiter hat der BGH in dieser Entscheidung darauf hingewiesen, welche Erwerbstätigkeit neben dem Besuch einer Volkshochschule zum Erreichen des Realschulabschlusses zumutbar ist. Volljährigen Schülern und Studenten ist eine Erwerbstätigkeit neben der Ausbildung in der Regel nicht zumutbar (BGH NJW 1995, 1215). Doch gilt dieser Vorrang nur dann durchgehend, soweit es sich bei der Ausbildung um die allgemeine Schulausbildung bzw. um ein berufsvorbereitendes (Erst-)Studium handelt. Die Ausbildung muss also die Qualität einer Ausbildung im Sinne des § 1610 Abs.2 BGB aufweisen.
Wann befreit die Ausbildung oder Studium von der Arbeitspflicht?
unterhaltspflichtiger Eltern
Befindet sich ein barunterhaltspflichtiger Elternteil in Ausbildung (Studium) wird er in der Regel kein ausreichendes reales Einkommen beziehen, um den Mindestunterhalt seines unterhaltsbedürftigen Kindes bezahlen zu können. Meist trifft ihn die sog. gesteigerte Leistungspflicht, weil es sich um minderjährige -> Kinder im Sinne von 1603 Abs.2 S.1 BGB handelt. Hier stellt sich die Frage, ob das Studium von der sog. gesteigerten Erwerbsobliegenheit befreit. Ist das nicht der Fall, kann es wegen Verletzung einer bestehenden Erwerbsobliegenheit zur -> Zurechnung fiktiven Einkommens kommen, weil keiner Vollzeitbeschäftigung nachgegangen wird. Nach der Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs verpflichtet die -> erweiterte Erwerbsobliegenheit zu Tätigkeiten auch unterhalb des Ausbildungsniveaus, Nebenbeschäftigungen und Überstunden. In zumutbaren Grenzen kann sowohl ein Orts- als auch ein Berufswechsel verlangt werden. Kann auch ein Studienabbruch zur Aufnahme einer Erwerbstätigkeit verlangt werden? Ob dies der Fall ist, weil die -> gesteigerte Erwerbsobliegenheit Platz greift, hängt davon ab, ob das Studium/die Ausbildung eine berufsqualifizierende Erstausbildung im Sinne des § 1610 Abs.2 BGB darstellt oder nicht. § 1610 Abs.2 BGB wird somit zum Maßstab und Weichenstellung dafür, ob dem Ausbildungsinteresse der Eltern oder dem Existenzsicherungsinteresse des Kindes Vorrang einzuräumen ist. Nur eine Ausbildung im -> Sinne des § 1610 Abs.2 BGB geht einer ansonsten bestehenden Erwerbsobliegenheit vor.
OLG Zweibrücken, Beschluss vom 25.11.2010 - 6 UF 72/10
Student in der Rolle des Vaters
Diese Entscheidung bietet ein Beispiel dafür, dass Eltern die zum Erreichen einer erstmaligen Vorbildung zum Beruf ein Studium ausüben, nicht verplichtet sind das Studium zu unterbrechen, um einer Erwerbsobliegenheit gegenüber ihrem minderjährigen Kind nachzukommen.
OLG München, Beschluss vom 28.09.2011 - 12 UF 129/11
Hier hat das Gericht dem studierenden Vater einen Studien-Abbruch zugemutet, um siener gesteigerten Erwerbsobliegenheit gegenüber seinem minderjährigen Kind nachzukommen. der Vater hatte bereits vor dem Studium eine berufsqualifizierende Lehre abgeschlossen und somit eine Vorbildung zum Beruf erreicht. Somit wurde das Studium nicht als vorrangig im Sinne des § 1610 Abs.2 BGB qualifiziert.