Source: https://www.rechtslupe.de/verwaltungsrecht/beamtenrecht/mitbestimmung-bei-den-lehrerkonferenzen-329269
Timestamp: 2020-06-06 10:02:31
Document Index: 358634695

Matched Legal Cases: ['§ 86', '§ 86', '§ 86', '§ 86', '§ 86', '§ 86', '§ 86', '§ 86', '§ 86', '§ 86', '§ 86', '§ 57', '§ 2', '§ 86', '§ 81', '§ 86']

Mitbestimmung bei den Lehrerkonferenzen | Rechtslupe
Mitbestimmung bei den Lehrerkonferenzen
Mit­be­stim­mung bei den Leh­rer­kon­fe­ren­zen
Die Maß­nah­me des Schul­lei­ters, mit wel­cher er für die Prä­senz­ta­ge zur all­ge­mei­nen Leh­rer­kon­fe­renz ein­lädt, den Beginn der Abtei­lungs­kon­fe­ren­zen fest­legt und anord­net, dass Team­ab­spra­chen sowie Klas­sen- und Fach­kon­fe­ren­zen statt­zu­fin­den haben, ist als Auf­tei­lung der Arbeits­zeit für päd­ago­gi­sches Per­so­nal nach § 86 Abs. 2 Hmb­PersVG mit­be­stim­mungs­frei.
Der­ar­ti­ge Anord­nun­gen unter­lie­gen nicht der hier allein in Betracht kom­men­den Mit­be­stim­mung des Per­so­nal­rats bei Fest­set­zung von Beginn und Ende der Dienst­zeit sowie Ver­tei­lung von ange­ord­ne­ter Mehr­ar­beit nach § 86 Abs. 1 Nr. 1 Alt. 1 und 3 Hmb­PersVG. Es kann dahin­ge­stellt blei­ben, so das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, ob die Vor­aus­set­zun­gen die­ser Mit­be­stim­mungs­rech­te hier über­haupt vor­lie­gen. Jeden­falls schei­tert das Begeh­ren des Antrag­stel­lers an § 86 Abs. 2 Hmb­PersVG. Danach gilt § 86 Abs. 1 Nr. 1 Hmb­PersVG nicht für die Auf­tei­lung der Arbeits­zeit und die Stun­den­ver­tei­lung für päd­ago­gi­sches Per­so­nal.
Der Wort­laut des Aus­schluss­tat­be­stan­des ist weit gefasst. Wer­den die Lehr­kräf­te vom Schul­lei­ter ver­pflich­tet, an den Prä­senz­ta­gen an Kon­fe­ren­zen und sons­ti­gen Bespre­chun­gen teil­zu­neh­men, so lässt sich dies sprach­lich unschwer als Maß­nah­me ver­ste­hen, durch wel­che die Arbeits­zeit für das päd­ago­gi­sche Per­so­nal auf­ge­teilt wird.
Die Ent­ste­hungs­ge­schich­te hin­dert ein der­ar­ti­ges Ver­ständ­nis nicht. Die Rege­lung in § 86 Abs. 2 Hmb­PersVG ist durch das Zwei­te Gesetz zur Ände­rung des Ham­bur­gi­schen Per­so­nal­ver­tre­tungs­ge­set­zes [1] ein­ge­fügt wor­den. Sie geht zurück auf eine Initia­ti­ve von Abge­ord­ne­ten, wel­che die Ent­las­tungs­stun­den für Leh­rer zuguns­ten der Neu­schaf­fung von Stel­len im Berufs­schul­be­reich ver­rin­gern woll­ten und sich dar­an durch das Mit­be­stim­mungs­recht der Per­so­nal­rä­te gehin­dert sahen [2]. Dar­aus kann nicht her­ge­lei­tet wer­den, dass sich die Reich­wei­te des Aus­schluss­tat­be­stan­des auf die The­ma­tik der Ent­las­tungs­stun­den begrenzt. Eine sol­che Schluss­fol­ge­rung steht mit dem weit gefass­ten Geset­zes­wort­laut nicht im Ein­klang und wird im Übri­gen durch den his­to­ri­schen Gesetz­ge­ber wider­legt. Die­ser hat­te bereits erkannt, dass das The­ma „Ent­las­tungs­stun­den“ nur der aktu­el­le Anlass für eine weit­ge­hen­de Ein­schrän­kung der Mit­be­stim­mung bei der Arbeits­zeit der Lehr­kräf­te sein soll­te. Dem­entspre­chend hat der feder­füh­ren­de Aus­schuss der Bür­ger­schaft für den öffent­li­chen Dienst die Initia­ti­ve der Abge­ord­ne­ten wie folgt cha­rak­te­ri­siert: „Ziel des Antra­ges ist es, gesetz­lich sicher­zu­stel­len, dass … die Fest­le­gung der Stun­den­ver­tei­lung und die Auf­tei­lung der Arbeits­zeit für Leh­rer nicht der Mit­be­stim­mung der Per­so­nal­rä­te unter­lie­gen sol­len und dadurch u.a. die Anord­nung der Ver­rin­ge­rung von Ent­las­tungs­stun­den ohne die Mit­be­stim­mung der Per­so­nal­rä­te mög­lich wird“ [3].
Der Senat hat die Reich­wei­te des Aus­schluss­tat­be­stan­des unter sys­te­ma­ti­schen und teleo­lo­gi­schen Gesichts­punk­ten redu­ziert. Er hat unter­schie­den zwi­schen mit­be­stim­mungs­frei­en päd­ago­gisch-orga­ni­sa­to­ri­schen Ent­schei­dun­gen beim Ein­satz des päd­ago­gi­schen Per­so­nals, nament­lich bei der Stun­den­plan­ge­stal­tung, einer­seits und mit­be­stim­mungs­pflich­ti­gen die Ver­füg­bar­keit des päd­ago­gi­schen Per­so­nals betref­fen­den Maß­nah­men ande­rer­seits. Letz­te­re sei­en dem Anwen­dungs­be­reich des § 86 Abs. 2 Hmb­PersVG vor­ge­la­gert und unter­fie­len ihm nicht. Als Bei­spie­le dafür hat der Senat die Betrau­ung eines Leh­rers mit Fort­bil­dungs­auf­ga­ben außer­halb der Schu­le sowie die Redu­zie­rung der Pflicht­stun­den­zahl eines Leh­rers wegen Schwer­be­hin­de­rung oder Alters genannt. Im ent­schie­de­nen Fall hat er eine Rege­lung, nach der teil­zeit­be­schäf­tig­te Leh­rer nur an einer bestimm­ten Zahl von Unter­richts­ta­gen pro Woche ein­ge­setzt wer­den dür­fen, als nicht vom Aus­schluss­tat­be­stand erfasst ange­se­hen [4].
Die vor­be­zeich­ne­te Ent­schei­dung des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts ist zu § 86 Abs. 1 Nr. 1 Hmb­PersVG in der dama­li­gen und noch bis zum 27.01.2006 gel­ten­den Fas­sung ergan­gen. Die­se ging in ihren Tat­be­stand­s­al­ter­na­ti­ven wesent­lich wei­ter als die aktu­el­le Fas­sung der Vor­schrift und ent­hielt in ihrer letz­ten Alter­na­ti­ve den Auf­fang­tat­be­stand „sons­ti­ge Rege­lun­gen, die die Dienst­dau­er beein­flus­sen“. Von die­sem Auf­fang­tat­be­stand waren sowohl die genann­ten Bei­spielsfäl­le als auch die ent­schie­de­ne Fall­ge­stal­tung erfasst [5].
Durch das Gesetz zur Ände­rung per­so­nal­ver­tre­tungs- und rich­ter­recht­li­cher Vor­schrif­ten vom 26.01.2006, GVBl S. 15, ist § 86 Abs. 1 Nr. 1 Hmb­PersVG wesent­lich enger gefasst wor­den; der bis­he­ri­ge Auf­fang­tat­be­stand ist ent­fal­len [6]. Zwar mag § 86 Abs. 1 Nr. 1 Hmb­PersVG auch in sei­ner aktu­el­len Fas­sung noch Raum las­sen für Lehr­kräf­te betref­fen­de Fall­ge­stal­tun­gen, die im Sin­ne des zitier­ten Senats­be­schlus­ses vom 24.04.2002 nicht vom Aus­schluss­tat­be­stand des § 86 Abs. 2 Hmb­PersVG erfasst sind. In jedem Fal­le erwei­sen sich aber die Ein­be­ru­fun­gen zu Lehrer‑, Abteilungs‑, Fach- und Klas­sen­kon­fe­ren­zen sowie sons­ti­gen unter­richts­be­zo­ge­nen Bespre­chun­gen der Lehr­kräf­te und ent­spre­chen­de zeit­li­che Fest­le­gun­gen durch den Schul­lei­ter als päd­ago­gisch-orga­ni­sa­to­ri­sche Ent­schei­dun­gen, die nach § 86 Abs. 2 Hmb­PersVG mit­be­stim­mungs­frei sind. Von die­ser Vor­schrift nach Wort­laut sowie Sinn und Zweck erfasst sind die Stun­den­plä­ne sowie die dar­auf bezo­ge­nen arbeits­zeit­li­chen Zuord­nun­gen der jeweils betrof­fe­nen Lehr­kräf­te [7]. Hin­sicht­lich der hier in Rede ste­hen­den Kon­fe­ren­zen und Bespre­chun­gen ist eine ver­gleich­ba­re Bewer­tung gebo­ten. Bei ihnen han­delt es sich um klas­si­sche Instru­men­te der Orga­ni­sa­ti­on schu­li­scher Arbeit, deren Auf­ga­ben, Zusam­men­set­zung und Ver­fah­rens­ab­läu­fe im Wesent­li­chen im Schul­ge­setz gere­gelt sind (vgl. §§ 57 ff. des Ham­bur­gi­schen Schul­ge­set­zes [8]). Die Mit­wir­kung in die­sen Gre­mi­en wie auch die Teil­nah­me an sons­ti­gen der Unter­richts­vor­be­rei­tung die­nen­den Bespre­chun­gen ist eben­so typi­scher Bestand­teil päd­ago­gi­scher Arbeit wie der Unter­richt selbst. Die dar­auf ent­fal­len­de Arbeits­zeit ist leh­rer­spe­zi­fisch (vgl. § 2 Abs. 1 der Lehr­kräf­te-Arbeits­zeit-Ver­ord­nung [9]). Dazu erge­hen­de Anord­nun­gen des Schul­lei­ters sind daher kei­ne von schu­li­schen Beson­der­hei­ten unab­hän­gi­ge Ent­schei­dun­gen. Sie sind nicht mit Maß­nah­men sons­ti­ger Behör­den ver­gleich­bar, wel­che die Ver­füg­bar­keit ihrer per­so­nel­len Res­sour­cen betref­fen [10].
Mit Rück­sicht dar­auf ist die Maß­nah­me der Betei­lig­ten, mit wel­cher sie für die Prä­senz­ta­ge zur all­ge­mei­nen Leh­rer­kon­fe­renz ein­lädt, den Beginn der Abtei­lungs­kon­fe­ren­zen fest­legt und anord­net, dass Team­ab­spra­chen sowie Klas­sen- und Fach­kon­fe­ren­zen statt­zu­fin­den haben, als Auf­tei­lung der Arbeits­zeit für päd­ago­gi­sches Per­so­nal im Sin­ne von § 86 Abs. 2 Hmb­PersVG zu wer­ten. Es han­delt sich um eine schul- und leh­rer­spe­zi­fi­sche Ent­schei­dung, durch wel­che ein Teil der den Lehr­kräf­ten oblie­gen­den Arbeit zwecks Vor­be­rei­tung des neu­en Schul­jah­res auf die letz­ten drei Tage der unter­richts­frei­en Zeit ver­la­gert wird.
Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Beschluss vom 5. April 2011 – 6 P 1.10
vom 09.11.1977, GVBl S. 356[↩]
vgl. Bür­ger­schaft der Frei­en und Han­se­stadt Ham­burg, Drucks. 8/​2372; 8/​2894 S. 2[↩]
Drucks. 8/​2894 S. 1[↩]
vgl. BVerwG, Beschluss vom 24.04.2002 – 6 P 03.01, BVerw­GE 116, 216, 220 ff. = Buch­holz 251.4 § 81 Hmb­PersVG Nr. 2 S. 3 ff.[↩]
vgl. BVerwG, Beschluss vom 24.04.2002 a.a.O. S. 219 bzw. S. 3[↩]
vgl. dazu Bür­ger­schaft, Drucks. 18/​2240 S. 15[↩]
vgl. BVerwG, Beschluss vom 24.04.2002 a.a.O. S. 221 bzw. S. 4[↩]
vom 16.04.1997, GVBl S. 97, zuletzt geän­dert durch Gesetz vom 21.09. 2010, GVBl S. 551[↩]
vom 01.07.2003, GVBl S. 197, zuletzt geän­dert durch Ver­ord­nung vom 15.02.2011, GVBl S. 79[↩]
vgl. BVerwG, Beschlüs­se vom 24.04.2002, a.a.O. S. 222 bzw. S. 5; und vom 23.08.2007 – 6 P 07.06, Buch­holz 251.4 § 86 Hmb­PersVG Nr. 13 Rn. 38[↩]
Ver­ga­be von Ober­schul­plät­zen nach der Ber­li­ner Schul­re­form Das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt Ber­lin-Bran­den­burg hat die Ver­ga­be von Ober­schul­plät­zen auf der Grund­la­ge des geän­der­ten Schul­ge­set­zes als recht­mä­ßig bestä­tigt. Das Ber­li­ner Schul­ge­setz sieht vor, dass Inte­grier­te Sekun­dar­schu­len…
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