Source: http://relevancy.bger.ch/php/aza/http/index.php?lang=de&zoom=&type=show_document&highlight_docid=aza%3A%2F%2F28-11-2007-8C_159-2007
Timestamp: 2016-10-23 03:21:04
Document Index: 161218907

Matched Legal Cases: ['Art. 10', 'Art. 16', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE']

8C_159/2007 (28.11.2007)
8C_159/2007
Urteil vom 28. November 2007
B.________, Beschwerdef�hrer, vertreten durch Rechtsanwalt Urs Schaffhauser, Seidenhofstrasse 14, 6003 Luzern,
Beschwerde gegen den Entscheid des Verwaltungsgerichts des Kantons Luzern vom 14. M�rz 2007.
Der 1963 geborene B.________ war seit dem 17. Januar 2000 bei der Firma X.________ als Verkaufsberater angestellt und damit bei der Schweizerischen Unfallversicherungsanstalt (SUVA) gegen Unfallfolgen versichert. Am 21. November 2000 erlitt er bei einem Rollerunfall diverse Br�che an der linken K�rperseite. Nach der kreis�rztlichen Untersuchung vom 7. April 2004 sprach die SUVA mit Verf�gung vom 22. Dezember 2004 dem Versicherten eine 25%ige Integrit�tsentsch�digung und ab 1. November 2004 eine auf einer 26%igen Erwerbsunf�higkeit beruhende Invalidenrente zu. Daran hielt sie mit Einspracheentscheid vom 27. April 2005 fest.
Die dagegen erhobene Beschwerde wies das Verwaltungsgericht des Kantons Luzern ab (Entscheid vom 14. M�rz 2007).
Mit Beschwerde l�sst B.________ beantragen, in Aufhebung des kantonalen Gerichtsentscheids und des Einpracheentscheids sei die SUVA zu verpflichten, weiterhin die gesetzm�ssigen Leistungen zu erbringen. Eventuell sei die Sache zur erg�nzenden Abkl�rung des Sachverhalts an die SUVA zur�ckzuweisen. Subeventuell sei ihm eine Invalidenrente auf der Basis einer 50 % �bersteigenden Erwerbsunf�higkeit sowie eine Integrit�tsentsch�digung auf der Basis eines 70 % �bersteigenden Integrit�tsschadens zuzusprechen.
Die SUVA beantragt Abweisung der Beschwerde, w�hrend das Bundesamt f�r Gesundheit auf Vernehmlassung verzichtet.
Die Vorinstanz hat die Bestimmungen �ber den Anspruch auf Heilbehandlung (Art. 10 Abs. 1 UVG) und Taggelder (Art. 16 Abs. 1 und 2 UVG) sowie die Rechtsprechung zu dem f�r die Leistungspflicht des Unfallversicherers vorausgesetzten nat�rlichen Kausalzusammenhang zwischen dem Unfall und dem eingetretenen Schaden (Krankheit, Invalidit�t, Tod) zutreffend dargelegt (BGE 119 V 335 E. 1 S. 337). Entsprechendes gilt f�r die von der Judikatur entwickelten Grunds�tze zum Erfordernis des ad�quaten Kausalzusammenhanges im Allgemeinen (BGE 125 V 456 E. 5a S. 461) sowie bei psychischen Unfallfolgen im Besonderen (BGE 115 V 133), zur Bemessung der Integrit�tsentsch�digung (BGE 116 V 156 E. 3a S. 157) und zum Beweiswert medizinischer Berichte und Gutachten (BGE 122 V 157 E. 1c S. 160). Darauf wird verwiesen.
Nach Lage der medizinischen Akten, worunter der voll beweiskr�ftige (BGE 125 V 351 E. 3 S. 352 mit Hinweisen) Bericht des Dr. med. A.________, SUVA-Kreisarzt, vom 7. April 2004, ist mit allen Verfahrensbeteiligten davon auszugehen, dass der Beschwerdef�hrer die vor dem Unfall ausge�bte T�tigkeit als Verkaufsberater wegen verminderter Belastbarkeit der linken K�rperh�lfte nicht mehr aus�ben kann. Die Vorinstanz h�lt ferner fest, der Beschwerdef�hrer k�nne eine leidensangepasste Erwerbst�tigkeit, wie die zuletzt ausge�bte T�tigkeit im Administrativbereich der Firma X.________, ganztags aus�ben. Die psychischen Leiden seien medizinisch nicht schl�ssig belegt, sodann m�sse die ad�quate Kausalit�t verneint werden, zumal der Versicherte bereits vor dem Unfall wegen Depressionen in regelm�ssiger �rztlicher Behandlung gewesen sei.
2.1 Der Beschwerdef�hrer macht hingegen geltend, er sei in seiner T�tigkeit im Admininistrativbereich mit einem Pensum von 50 % bereits an seine Leistungsgrenzen gestossen. Die kreis�rztlichen Berichte seien nicht schl�ssig, was sich schon aus der fehlerhaften Datierung der Akten ergebe. Zudem sei auf die Berichte des Kantonsspitals Y.________ und das Protokoll des Schadensinspektors abzustellen, woraus sich Hinweise f�r eine Kopfverletzung ergeben w�rden. Insgesamt sei die massliche Einsch�tzung der psychischen Arbeitsunf�higkeit ungen�gend abgekl�rt.
2.2 In der Unfallmeldung vom 5. Dezember 2000 wurden diverse Br�che an der linken K�rperh�lfte festgestellt. Diese wurden gem�ss Bericht �ber die ambulante Behandlung vom 21. November 2000 am Kantons Spital C.________ versorgt. Am 22., 23. und 27. November 2000 wurde der Versicherte am Kantonsspital Y.________ operiert. Im Austrittsbericht der Rehaklinik Z.________ vom 12. Februar 2001 beschr�nkte sich die Diagnose auf funktionelle Probleme. Physiotherapie, ambulante Nachbehandlungen sowie Kontrollen ergaben, dass die Befunde somatische Folgen des Unfalls seien. Die verbliebenen Schmerzen der Frakturen seien sodann auf ungeschickte spontane Bewegungen und l�ngere Belastungen zur�ckzuf�hren (Bericht ambulante Behandlung Kantonsspital Y.________ vom 15. M�rz 2002). In �bereinstimmung mit den w�hrend �ber drei Jahren durchgef�hrten Kontrollen, haupts�chlich am Kantonsspital Y.________, ging der Kreisarzt Dr. med. A.________ in seinem Bericht vom 7. April 2004 ebenfalls von ausschliesslich somatischen Beschwerden in Zusammenhang mit den Frakturen aus. Eine psychische Fehlentwicklung wurde weder seitens der �rzte in Betracht gezogen noch vom Versicherten angedeutet. Entgegen der Auffassung in der Beschwerde vermag der Bericht des Kantonsspitals Y.________ vom 2. M�rz 2005 keine psychische Fehlentwicklung zu belegen, zumal die kognitiven Defizite auf Schilderungen des Versicherten basieren und apparativ nicht nachweisbar sind (vgl. auch Bericht des Dr. med. H.________, Facharzt Neurochirurgie DMH, vom 23. Juni 2005). Zudem bringen die �rzte Prof. Dr. med. M.________ und Dr. med. I.________ des Kantonsspitals Y.________ die m�glichen kognitiven Defizite nur im Sinne eines Verdachts in Zusammenhang mit dem Unfall vom 21. November 2000. Sodann ist gest�tzt auf den Bericht des Personenschaden-Inspektors vom 21. November 2000 auch nicht auf eine Kopfverletzung zu schliessen, hingegen ergibt sich, der Versicherte sei bis zum Unfallzeitpunkt in regelm�ssiger Behandlung wegen Depressionen gewesen. Die vorinstanzlich geltend gemachte Begutachtung, wonach Dr. med. U.________, Chefarzt des psychiatrischen und psychologischen Dienstes Justizvollzug, eine psychische Fehlentwicklung diagnostiziert habe, wurde in der Beschwerde nicht dargetan; ein Gutachten ist denn auch nicht ins Recht gelegt worden.
Zwar ist richtig, dass die Beurteilung, ob ein nat�rlicher Kausalzusammenhang zwischen einem Unfall und den eingetretenen Gesundheitssch�digungen besteht, eine Tatfrage ist, �ber welche die Verwaltung und im Beschwerdefall das Gericht im Rahmen der Beweisw�rdigung mit dem im Sozialversicherungsrecht herrschenden Beweisgrad der �berwiegenden Wahrscheinlichkeit zu befinden haben. Gest�tzt auf die medizinischen Unterlagen sind aber keine psychischen Beschwerden belegt und entsprechend findet sich hinsichtlich der Kausalit�t keine �rztliche Zuordnung. Von zuverl�ssigen �rztlichen Angaben, welche die psychische gesundheitliche Beeintr�chtigung auf den Unfall zur�ckf�hren w�rden, kann nicht gesprochen werden.
Nach Lage der Akten und des Werdegangs des Versicherten - er war offensichtlich bereits vor dem Unfall wegen Depressionen in �rztlicher Behandlung - ist demnach nicht �berwiegend wahrscheinlich, dass zwischen dem versicherten Unfall und den behaupteten psychischen Beschwerden ein nat�rlicher Kausalzusammenhang besteht. Unter Ber�cksichtung s�mtlicher f�r die Beurteilung massgebenden Faktoren kann der nat�rliche Kausalzusammenhang zwischen den geltend gemachten Beschwerden und dem erlittenen Unfall nicht als mehr denn eine blosse M�glichkeit erscheinen, was f�r die Begr�ndung einer Leistungspflicht der Unfallversicherung nicht gen�gt (Urteil des Eidg. Versicherungsgerichts U 147/05 vom 8. Juni 2006 E. 5.3 und 5.5). Von weiteren medizinischen Abkl�rungen kann deshalb in antizipierter Beweisw�rdigung (BGE 122 V 157 E. 1d S. 162) abgesehen werden.
2.3 Auf Grund des Gesagten ist der nat�rliche Kausalzusammenhang zwischen dem Unfall und den behaupteten psychischen Beschwerden zu verneinen, weshalb sich Erw�gungen zur ad�quaten Kausalit�t er�brigen.
3.1 Weder nach den Akten noch auf Grund der Parteivorbringen besteht Anlass, das hypothetische Einkommen ohne gesundheitliche Beeintr�chtigung (Valideneinkommen) wie auch das Invalideneinkommen abweichend von der Vorinstanz festzulegen, die f�r das Jahr 2004 einen Wert von Fr. 66'259.- (Valideneinkommen) und von Fr. 48'903.- (Invalideneinkommen) ermittelt hat.
3.2 Hingegen l�sst der Versicherte geltend machen, es sei ein Leidensabzug von 25 % vorzunehmen, da er auf dem Arbeitsmarkt auf Grund seiner leidensbedingten Einschr�nkungen benachteiligt sei. Nach der Rechtsprechung gilt es zu beachten, dass gesundheitlich beeintr�chtigte Personen, die bisher k�rperliche Schwerarbeit verrichtet haben und nach Eintritt des Gesundheitsschadens auch bei leichteren Arbeiten nicht uneingeschr�nkt einsatzf�hig sind, im Vergleich zu voll leistungsf�higen und entsprechend einsetzbaren Arbeitnehmern lohnm�ssig h�ufig benachteiligt sind und deshalb in der Regel mit unterdurchschnittlichen L�hnen rechnen m�ssen (BGE 124 V 321 E. 3b/bb S. 323). Der konkret angemessene Abzug vom Tabellenlohn ist in jedem Einzelfall nach pflichtgem�ssem Ermessen festzulegen (BGE 126 V 75 E. 5b/bb S. 80). Das kantonale Gericht h�lt zu Recht fest, dass bereits der DAP-Lohn diese vom Beschwerdef�hrer geltend gemachten Einwendungen Rechnung tr�gt und eine unterdurchschnittliche Entl�hnung ber�cksichtigt, weshalb kein weiterer Abzug im vorliegenden Fall gerechtfertigt ist.
Der kantonale Gerichtsentscheid ist bez�glich Integrit�tsentsch�digung nicht zu bem�ngeln. Es fehlt namentlich an triftigen Gr�nden, die eine abweichende Ermessensaus�bung als naheliegender erscheinen liessen. Gem�ss SUVA-Kreisarzt Dr. med. A.________ (Bericht vom 8. April 2004) besteht eine Funktionsbehinderung in den Sprunggelenken, wobei die Funktionsst�rung geringf�gig sei, weshalb sich eine Integrit�tsentsch�digung von 5 % rechtfertige. Beim linken Knie wie auch beim linken H�ftgelenk sei von einer m�ssigen Arthrose und einer zu erwartenden Progression auszugehen, weshalb je 10 % zu veranschlagen seien. Der Integrit�tsschaden wurde im Rahmen des Funktionsverlustes bemessen und in Verh�ltnis zu den Beeintr�chtigungen gesetzt, weshalb mit der Vorinstanz von einem Integrit�tsschaden von 25 % auszugehen ist.
Mit der Vorinstanz besteht der Einspracheentscheid vom 27. April 2005, mit welchem dem Beschwerdef�hrer eine Rente auf Grund eines Invalidit�tsgrades von 26 % und eine Integrit�tsentsch�digung von 25 % zugesprochen wurde, demnach zu Recht.
Luzern, 28. November 2007