Source: https://www.familienrecht.net/testamentsvollstrecker/
Timestamp: 2019-08-23 04:19:56
Document Index: 270630703

Matched Legal Cases: ['§ 2197', '§ 2225', '§ 2226', '§ 2203', '§ 52', '§ 2205', '§ 2221']

|§| Testamentsvollstrecker bei Erbschaft | familienrecht.net
Testamentsvollstrecker: Aufgaben, Rechte und Pflichten
Ein Testamentsvollstrecker hat die Aufgabe, den letzten Willen eines Verstorbenen nach dessen Wünschen zu erfüllen.
Dabei übernimmt er die Verteilung des Erbgutes unter den Erbberechtigten.
Für diese Tätigkeit steht dem Vollstrecker eine angemessen Vergütung zu.
Was macht und darf ein Testamentsvollstrecker? Die Antworten liefert unser Ratgeber.
In einer Erbengemeinschaft kann es leicht zu Uneinigkeit kommen, denn nicht immer lassen sich die verschiedenen Interessen leicht unter einen Hut bringen. Daher kann es durchaus sinnvoll sein, einen Testamentsvollstrecker zu benennen und diesen mit der Ausführung Ihres letzten Willens zu beauftragen.
Wann endet die Tätigkeit des Testamentsvollstreckers?
Was sind die Aufgaben, Rechte und Pflichten eines Testamentsvollstreckers?
Welche Rechte hat ein Testamentsvollstrecker?
Testamentsvollstrecker: Welche Pflichten hat er?
Streitigkeiten innerhalb der Erbengemeinschaft kann ein Testamentsvollstrecker ggf. verhindern.
Beim „Testamentsvollstrecker“ handelt es sich um eine Person, deren Aufgabe es ist, die Verfügung von Todes wegen eines verstorbenen Menschen nach dessen Wünschen abzuwickeln bzw. zu erfüllen.
Ein Testamentsvollstrecker ist insbesondere dann von besonderer Bedeutung, wenn es sich bei den Erben um Minderjährige handelt. Denn diese sind in der Regel nicht dazu in der Lage, die Verwaltung des Nachlasses selbst durchzuführen. Daher übernimmt der Vollstrecker in einem solchen Fall diese Aufgabe bis zu dem Zeitpunkt, an dem der Erbberechtigte die Volljährigkeit erreicht und das Erbe antreten kann.
Darüber hinaus lassen sich durch einen Testamentsvollstrecker unter Umständen auch Streitigkeiten unter den Erben vermeiden. Dieser stellt sicher, dass alle Mitglieder der Erbengemeinschaft ihren zugedachten Anteil am Nachlass erhalten. Denn der Testamentsvollstrecker teilt die Erbschaft gemäß Testament oder Erbvertrag auf.
Die grundlegenden gesetzlichen Vorschriften und Regelungen über die Rechte und Pflichten von einem Testamentsvollstrecker ergeben sich aus dem Bürgerlichen Gesetzbuch (BGB).
Im alltäglichen Sprachgebrauch werden Nachlassverwalter und Testamentsvollstrecker häufig vermischt. Allerdings ist ein Nachlassverwalter bzw. -pfleger grundsätzlich gerichtlich anzuordnen und soll lediglich die Zeit zwischen Erbfall und Erbannahme überbrücken. Wohingegen das Amt des Testamentsvollstreckers so lange besteht, bis der Wille des Erblassers erfüllt ist.
Es spricht prinzipiell nichts dagegen, dass der Testamentsvollstrecker ein Miterbe ist.
Grundsätzlich kann jede geschäftsfähige und volljährige Person die Tätigkeit als Testamentsvollstrecker ausführen. Eine Ausbildung oder Schulung ist dafür nicht vorgeschrieben, denn dabei handelt es sich um keinen keine geschützte Berufsbezeichnung, sondern um eine Tätigkeitsbeschreibung. Demnach besteht auch die Möglichkeit, dass ein Freund, Nachbar oder Miterbe als Testamentsvollstrecker auftritt.
Wer im Einzelfall das Erbe als Testamentsvollstrecker gemäß der letztwilligen Verfügung verwalten und verteilen soll, kann der Erblasser zu seinen Lebzeiten selbst bestimmen. Möglich ist dies im Zuge eines Testaments oder Erbvertrages. Ein gesonderter Vertrag ist nur dann notwendig, wenn Sie den Notar als Testamentsvollstrecker einsetzen wollen, der auch das Testament beurkundet hat.
Auch ein Alleinerbe kann als Testamentsvollstrecker auftreten. Diese ist allerdings nur dann zulässig, wenn die Testamentsvollstreckung auf die sofortige Erfüllung eines Vermächtnisses begrenzt ist.
Prinzipiell besteht gemäß § 2197 BGB auch die Möglichkeit, mehrere Testamentsvollstrecker zu ernennen. Ebenso kann der Erblasser einen Ersatztestamentsvollstrecker bestimmen, der die Aufgabe übernimmt, falls der eigentliche Vollstrecker das Amt nicht antritt. Möchte oder kann der Erblasser keinen geeigneten Vollstrecker festlegen, besteht darüber hinaus auch die Option, dass Nachlassgericht im Testament mit der Ernennung zu beauftragen.
Achtung! Vor allem im Internet werben Personen mit dem Titel als „zertifizierter Testamentsvollstrecker“. Diese Bezeichnung sagt allerdings nichts über die Praxiserfahrung als Testamentsvollstrecker aus. Denn ein entsprechendes Zertifikat verleihen verschiedene private Vereine für die Teilnahme an ihren Lehrgängen.
Hat der Testamentsvollstrecker seine Aufgaben erfüllt, erlischt sein Amt.
Das Amt des Testamentsvollstreckers kann durch verschiedene Gründe erlöschen. Im Idealfall erledigt der Vollstrecker seine Aufgabe und erfüllt bei der Verteilung des Nachlasses, die im Testament geäußerten Wünsche des Erblassers.
Der Tod des Testamentsvollstreckers führt gemäß § 2225 BGB ebenfalls zum Erlöschen des Amts. Eine Übertragung auf die Erben des verstorbenen Vollstreckers erfolgt nicht, stattdessen führen vorhandene Mitvollstrecker die Aufgabe fort.
Darüber hinaus räumt das BGB dem Testamentsvollstrecker das Recht ein, das Amt jederzeit zu kündigen. Dabei muss die Kündigung gemäß § 2226 BGB durch eine Erklärung gegenüber dem Nachlassgericht erfolgen.
Bei einer groben Pflichtverletzung oder der Unfähigkeit zur ordnungsgemäßen Geschäftsführung kann der Testamentsvollstrecker zudem auf Antrag eines der Beteiligten entlassen werden. Unter Umständen kann eine solche Pflichtverletzung auch zu einer Klage gegen den Testamentsvollstrecker und der Durchsetzung möglicher Ansprüche auf Schadensersatz führen.
Rechte und Pflichten des Testamentsvollstreckers: Sie dienen dazu, den letzten Willen des Verstorbenen zu erfüllen.
Die Tätigkeit als Testamentsvollstrecker geht mit einem großen Maß an Verantwortung einher. Denn dieser ist persönlich haftbar für Schäden, die er den Erben durch eine fehlerhafte Abwicklung verursacht. Dies kann zum Beispiel der Fall sein, wenn eine Immobilie weit unter dem Verkehrswert veräußert wird. Außerdem ist das Amt nicht selten auch mit einem hohen Zeit- und Arbeitsaufwand verbunden.
Welche Aufgaben ein Testamentsvollstrecker dabei unter anderem erledigen muss, welche Rechte er gegenüber der Erbengemeinschaft und Institutionen hat und welchen Pflichten ihm durch den Gesetzgeber auferlegt sind, betrachten wir nachfolgend im Detail.
Die Aufgaben, welche mit der Tätigkeit als Testamentsvollstrecker einhergehen, werden in § 2203 BGB wie folgt definiert:
Die konkreten Aufgaben von einem Testamentsvollstrecker werden durch das Testament bestimmt.
Weitere Ausführungen zu den Aufgaben enthält das Gesetzeswerk nicht. Welche Handlungen und Vorgänge mit dem Amt des Vollstreckers einhergehen, kann grundsätzlich variieren. Dabei spielen zum einen die Verfügungen des Erblassers im Testament und zum anderen der Nachlass eine entscheidende Rolle.
Möchten Sie die Ihnen in der Verfügung von Todes wegen angedachte Tätigkeit als Testamentsvollstrecker ausüben, müssen Sie die Annahme dieses Auftrags vor dem Nachlassgericht erklären. Daraufhin erhalten Sie von Gericht ein sogenanntes Vollstreckungszeugnis. Dieses Dokument ist unerlässlich für die Erfüllung der verschiedenen Aufgaben und muss zum Beispiel bei Behörden vorgelegt werden.
Gehören Immobilien zur Erbmasse, ist in der Regel eine Berichtigung des Grundbuchs notwendig. Dabei sieht der Gesetzgeber gemäß § 52 GBO (Grundbuchordnung) vor, das zeitgleich mit der Eintragung der neuen Eigentümer vermerkt wird, dass für das Grundstück eine Testamentsvollstreckung angeordnet ist. Juristen sprechen in diesem Zusammenhang von einem sogenannten Testamentsvollstreckervermerk.
Weitreichende Befugnisse: Ein Testamentsvollstrecker gilt beim Erbschein als antragsbefugt.
Nehmen Sie das Amt des Testamentsvollstreckers an, erhalten Sie dadurch ein ausschließliches Verwaltungsrecht am Erbe. Sie sind dadurch dazu berechtigt den Nachlass in Besitz zu nehmen und darüber – im Sinne des Erblassers – zu verfügen. Dies ergibt sich aus § 2205 BGB.
die Begleichung von Verbindlichkeiten (Schulden, offene Rechnungen, laufende Kredite, etc.),
die Erfüllung von Vermächtnissen (Herausgabe bzw. Überschreibung der zugesprochenen Gegenstände) und
die Überwachung der Einhaltung von möglichen Auflagen (Bedingungen für einen Erbanteil, wie die Versorgung eines Haustiers).
Die Entscheidung, wer welchen Anteil am Erbe bekommt, liegt, in Abstimmung mit den Verfügungen im Testament, ausschließlich beim Testamentsvollstrecker. Daher können sich die Angehörigen des Verstorbenen strafbar machen, wenn sie sich eigenständig ein kleines „Andenken“ nehmen. Denn durch die Benennung des Vollstreckers wurde den Erben jegliche Verfügungsgewalt über den Nachlass entzogen.
Darüber hinaus kann ein Testamentsvollstrecker noch offene Forderungen gegenüber Dritten im Namen des Erblassers eintreiben. Dieses Recht hat auch vor Gericht bestand, sodass der Vollstrecker im Namen des Verstorbenen auch einen Prozess führen darf.
Handelt es sich beim Nachlass um ein negatives Erbe, ist dieses also überschuldet, hat der Testamentsvollstrecker das Recht, beim Nachlassgericht einen Antrag auf Einleitung eines Nachlassinsolvenzverfahrens zu stellen.
Wichtig! Die Entscheidungsbefugnis des Testamentsvollstreckers endet in dem Moment, in dem der gesamte Nachlass aufgeteilt ist.
Die Tätigkeit als Testamentsvollstrecker geht mit Pflichten einher.
Ein Testamentsvollstrecker hat allerdings nicht nur Rechte sondern auch Pflichten. So ist dieser per Gesetz zu einer ordnungsgemäßen Abwicklung und Verwaltung des Nachlasses verpflichtet. Deshalb muss der Testamentsvollstrecker unverzüglich ein Nachlassverzeichnis erstellen. Bei dieser Übersicht handelt es sich um eine Inventarliste, die sowohl das vorhandene Vermögen als auch bestehende Verbindlichkeiten aufführt.
Im Erbrecht bezeichnet „Vermögen“ nicht nur das in bar oder auf Konten vorhandene Geld. Stattdessen fallen unter diesen Begriff auch Aktien, Immobilien, Fahrzeuge, Hausrat und sonstige Wertgegenstände.
Bevor die Verteilung des Erbes erfolgen kann, muss der Testamentsvollstrecker einen Auseinandersetzungs- bzw. Teilungsplan erstellen und die Erben dazu anhören.
Der Testamentsvollstrecker ist außerdem dazu verpflichtet, den Erben regelmäßig Auskunft über den Stand seiner Arbeit zu geben. Darüber hinaus fällt auch die Abgabe der Erbschaftsteuerklärung für die Erben zu den Pflichten des Vollstreckers.
Konkrete Vorgaben zum Honorar für einen Testamentsvollstrecker enthält das BGB nicht.
Gemäß § 2221 BGB kann der Testamentsvollstrecker für seine Tätigkeit eine angemessene Vergütung verlangen. Diese Option besteht allerdings nur, wenn der Erblasser in seinem letzten Willen nicht etwas anderes bestimmt hat.
Eine konkrete Angabe, wie hoch die Entlohnung sein soll, gibt der Gesetzgeber nicht vor. Als eine Orientierungshilfe bei der Testamentsvollstreckervergütung kann die „Rheinische Tabelle“ dienen. Demnach staffelt sich die Vergütung wie folgt:
Bruttowert des Nachlasses in Euro
Vergütung in Prozent
bis 250.000 4
bis 500.000 3
bis 2.500.000 2,5
bis 5.000.000 2
mehr als 5.000.000 1,5
Diese Angaben sind grundsätzlich nicht rechtsverbindlich. Üblicherweise liegt das Honorar für Testamentsvollstrecker daher zwischen einem und zehn Prozent des Erbes. Wobei der Grundsatz gilt: Je größer die Erbmasse ist, desto geringer fällt die prozentuale Vergütung aus.
Allerdings kann der Erblasser auch bereits in seinem Testament eine Regelung zur Vergütung treffen. Dadurch lassen sich ggf. Streitigkeiten zwischen der Erbengemeinschaft und dem Testamentsvollstrecker über eine angemessene Entlohnung vermeiden.
Wichtig! Die Einnahmen durch seine Tätigkeit als Testamentsvollstrecker unterliegen grundsätzlich der Umsatzsteuer.