Source: https://www.rechtslupe.de/wirtschaftsrecht/gesellschaftsrecht/die-nachzahlungspflicht-gesellschafters-3131370
Timestamp: 2019-11-21 06:32:59
Document Index: 131149502

Matched Legal Cases: ['§ 133', '§ 3', '§ 4', '§ 47', '§ 45', 'BGH', 'BGH', 'BGH']

Die Nach­zah­lungs­pflicht des Gesell­schaf­ters einer Publi­kums-KG | Rechtslupe
Das gilt auch dann, wenn dar­aus eine Ände­rung oder Ergän­zung des Gesell­schafts­ver­trags folgt. Eine auf die­se Wei­se begrün­de­te Zah­lungs­pflicht ist jedoch ledig­lich für den Gesell­schaf­ter bin­dend, der die­ser zuge­stimmt hat 1.
Für die Aus­le­gung eines Gesell­schaf­ter­be­schlus­ses gel­ten die all­ge­mei­nen Regeln 2, so dass die §§ 133, 157 BGB grund­sätz­lich ent­spre­chend her­an­ge­zo­gen wer­den kön­nen 3. Die rich­ter­li­che (ergän­zen­de) Aus­le­gung darf dabei wie der Bun­des­ge­richts­hof für die Aus­le­gung von Ver­trä­gen bereits ent­schie­den hat nicht zu einer unzu­läs­si­gen Erwei­te­rung des Beschluss­ge­gen­stan­des füh­ren 4 und muss in dem Beschluss eine Stüt­ze fin­den 5.
Ob zur Aus­le­gung des Beschlus­ses auch das vo Land­ge­richt Mün­chen I in einem Par­al­lel­fall 6 in Bezug genom­me­ne Zulei­tungs­schrei­ben vom 09.11.2009 zu berück­sich­ti­gen ist, kann offen­blei­ben. Aus die­sem Schrei­ben ergibt sich für den Anle­ger kein Hin­weis auf die Liqui­di­täts­la­ge sei­ner Gesell­schaft oder der ande­ren Fonds­ge­sell­schaf­ten und damit erst recht kein Anhalts­punkt für eine Zah­lungs­ver­pflich­tung. Das Zulei­tungs­schrei­ben vom 09.11.2009 lässt gera­de offen, ob bei der Gesell­schaft des Gesell­schaf­ters aus­rei­chend Liqui­di­tät vor­han­den ist. Ledig­lich in der "Gemein­schaft­li­chen Stel­lung­nah­me aller Bei­rä­te der C. Medi­en­fonds" wird mit­ge­teilt, dass die Fonds I bis III nicht und die Fonds IV und V genü­gend Liqui­di­tät besit­zen. Aller­dings gehör­te die­se Stel­lung­nah­me, wor­auf das Beru­fungs­ge­richt zutref­fend hin­weist, weder zur Pflicht­lek­tü­re des Anle­gers noch ist sie aus ande­ren Grün­den geeig­net, einen Hin­weis auf eine Zah­lungs­ver­pflich­tung zu geben. Es han­delt sich dabei um eine Stel­lung­nah­me von Mit­ge­sell­schaf­tern, die deren Sicht der Din­ge wie­der­gibt und nicht um Infor­ma­tio­nen der Geschäfts­füh­rung. Glei­ches gilt, soweit die Geschäfts­füh­rung hin­sicht­lich der Liqui­di­täts­si­tua­ti­on der ein­zel­nen Gesell­schaf­ten auf bei­gefüg­te Infor­ma­ti­ons­blät­ter und eine akti­ve Nach­sicht der Anle­ger im Inter­net ver­wie­sen hat.
Münch­Komm-GmbH­G/Wi­cke, 2. Aufl., § 3 Rn. 105; Fischer/​Schmidt in Beck’sches Hand­buch der GmbH, 5. Aufl., § 4 Rn. 163[↩]
Münch­Komm-GmbH­G/Dre­scher, 2. Aufl., § 47 Rn. 10a; Scholz/​K. Schmidt, GmbHG, 11. Aufl., § 45 Rn. 24; Busche, FS Säcker, 2011, S. 45, 53[↩]
BGH, Urteil vom 22.04.1953 – II ZR 143/​52, BGHZ 9, 273, 278; Urteil vom 15.12 1954 – II ZR 76/​54, BGHZ 16, 71, 77; Urteil vom 29.01.2010 – V ZR 132/​09, Fam­RZ 2010, 554 Rn. 12[↩]