Source: https://www.hausarbeiten.de/document/445073
Timestamp: 2019-11-21 14:22:10
Document Index: 137023030

Matched Legal Cases: ['EuG', '§ 13', '§ 43', '§ 43', '§ 17', '§ 64', '§ 179', '§ 63', '§ 325', '§ 823']

Die englische Limited als Alternative zur deutschen GmbH | Hausarbeiten publizieren
2.2 Kriterien zur Differenzierung
3. Vergleich: britische Limited und deutsche GmbH
3.3 Steuerpflichten der Gesellschaft
3.4 Steuerpflichten der Gesellschafter
3.5 Gründungs- und Verwaltungskosten
3.6 Finanzielle Anforderungen
4. Analyse und Empfehlung
Jedes Land hat im Laufe der Zeit eigene Rechtsformen entwickelt, um Personen die Möglichkeit zu geben, Unternehmen zu gründen und Rechtssicherheit im unternehmerischen Handeln zu erhalten. Die genauen Regeln und Ideen der Staaten unterscheiden sich voneinander. Durch die Gründung der EU und die damit einhergehende Öffnung der Märkte wurde die Bedeutung von Rechtsformen in EU­Ländern ein immer bedeutsameres Thema. Zu Beginn wurden ausländische Rechtsformen in den EU-Mitgliedsstaaten ohne eigene Niederlassung vor Ort nicht anerkannt. Der EuGH hat mit mehreren Urteilen Entscheidungen gefällt, die den Wünschen nach mehr Zuzugsfreiheit entgegen kamen. Er entschied, dass EU­Unternehmen in allen Mitgliedsstaaten als recht- und parteifähig anerkannt werden müssen (״Centros“, ״Überseering“) und dass die Regelungen dieser Rechtsformen akzeptiert werden müssen (״Inspire Art“). Nun waren ausländische Rechtsformen, dazu zählt auch die britische Limited, auch für deutsche Gründer eine rechtlich mögliche Alternative gegenüber deutschen Rechtsformen.[1]
Ziel dieser Arbeit ist es, aufzuzeigen, worin die wesentlichen Unterschiede der Rechtsformen der deutschen GmbH und der englischen Limited liegen. Außerdem soll gezeigt werden, ob die englische Limited eine ökonomisch und rechtlich sinnvolle Alternative zur deutschen GmbH darstellt, oder ob es entscheidende Differenzierungen gibt. Der Schwerpunkt für die Beurteilung der Unterschiede liegt auf der Sichtweise der Geschäftsführer bzw. Direktoren der Gesellschaften und der Gesellschafter. Der Fokus hierbei liegt auf der Haftung der Gesellschafter und Geschäftsführer bzw. Direktoren und der Besteuerung der Direktoren. Die Arbeit geht nur auf den Fall ein, dass eine Limited mit Hauptsitz in Deutschland gegründet werden soll mit dem deutschen Markt als Fokusmarkt.
Im ersten Teil der Arbeit werden die theoretischen Grundlagen der Rechtsformen dargestellt und einige entscheidungsrelevante Kriterien zum Vergleich der beiden Gesellschaftsformen herausgearbeitet. Im weiteren Verlauf der Arbeit werden die Rechtsformen anhand dieser Kriterien miteinander verglichen und die Unterschiede dargestellt. Danach wird die Limited als gleichwertige Alternative zur GmbH anhand von Chancen und Risiken analysiert und beurteilt. Die Arbeit endet mit einem Fazit.
Rechtsformen für Unternehmen oder Gesellschaften unterteilen sich in Deutschland primär in Personengesellschaften und Kapitalgesellschaften.[2] Bei den Personengesellschaften liegt eine Einheit von Kapitalgeber und der leitenden Person der Gesellschaft vor. Außerdem haften Kapitalgeber bei Personengesellschaften in der Regel sowohl mit Gesellschafts- als auch mit Privatvermögen. Kapitalgesellschaften hingegen können auch von einer Person geführt werden, die nicht an der Finanzierung beteiligt ist und werden durch Organe vertreten. Investoren können sowohl natürliche Personen als auch juristische Personen, wie Z.B. andere Gesellschaften sein. Auch in der Haftung unterscheiden sich Kapital- und Personengesellschaften existentiell, denn bei Kapitalgesellschaften haften die Gesellschafter in der Regel lediglich mit dem Geschäftsvermögen.[3] Typische Beispiele für Personengesellschaften sind die ״OHG“ (offene Handelsgesellschaft) und die ״KG“ (Kommanditgesellschaft). Die gängigsten Rechtsformen von Kapitalgesellschaften sind die ״GmbH“ (Gesellschaft mit beschränkter Haftung) und die Aktiengesellschaft (AG). Eine Sonderform der deutschen Rechtsformen ist die GmbH & Co KG. In diesem Fall ist der Komplementär, also der Vollhafter der KG, eine GmbH und somit auch in der Haftung beschränkt.[4] Eine ähnliche Aufteilung in Kapital- und Personengesellschaften finden man nicht nur in Deutschland, sondern grenzübergreifend. In Großbritannien zum Beispiel ist eine Form der Kapitalgesellschaft die ״Limited“ (Ltd.) und eine Form der Personengesellschaft die ״Partnership“. EU-übergreifend gibt es Rechtsformen, die den deutschen Varianten nahe kommen, jedoch hat jedes Land individuelle Regelungen für die eigenen Rechtsformen, weshalb sie nicht vollständig gleichzusetzen sind.[5]
Zum Vergleich der wesentlichen Unterschiede zwischen der britischen private company limited by shares[6] und der deutschen GmbH werden verschiedene Bereiche betrachtet. Zunächst sind dies der Aufbau der Gesellschaft mit den jeweiligen Organen und Funktionen.
Ein weiterer wichtiger Aspekt der Betrachtung ist die Haftung der beteiligten Personen, denn die Haftung ist ein essentielles Auswahlkriterium bei der Entscheidung für eine Rechtsform.
Auch hinsichtlich der Steuerpflichten werden beide Rechtsformen betrachtet, da auch dies ein maßgeblicher Einflussfaktor ist. Dabei geht es sowohl um die Steuerpflichten der Gesellschaft als auch der Gesellschafter.
Auch der Kostenfaktor wird in die Betrachtung mit einbezogen.
Die Organe der deutschen GmbH sind die Geschäftsführung und die Gesellschaftern. Die Geschäftsführung kann durch eine oder mehrere natürliche Personen erfolgen, sie können auch gleichzeitig Gesellschafter der GmbH sein. Sind mehrere Geschäftsführer bestellt, sind sie nur gemeinschaftlich vertretungsberechtigt, außer im Gesellschaftsvertrag wird etwas anderes vereinbart. Die Geschäftsführer werden durch die Gesellschafterversammlung bestellt und im Handelsregister eingetragen. Die Befugnisse der Geschäftsführer können im Innenverhältnis durch die Gesellschafter beschränkt werden, im Außenverhältnis ist jedoch jeder Geschäftsführer der GmbH vertretungsberechtigt alle Tätigkeiten vorzunehmen, die im Rahmen des Betriebs des Handelsgewerbes auftreten.[7]
Die Gesellschafter der GmbH überwachen die Geschäftsführung und beschließen den Jahresabschluss, der durch die Geschäftsführung vorgelegt wird. Außerdem leisten sie die Einlage der GmbH und finanzieren diese somit. Gesellschafter können sowohl natürliche Personen als auch juristische Personen, wie Z.B. eine weitere GmbH oder andere Körperschaften sein.[8]
Die Organe der englischen Limited sind der Director, sie Shareholder und ein Company Sectretary. Der Director entspricht dem deutschen Geschäftsführer, auch bei einer Limited können mehrere Directors bestellt werden, die dann ebenfalls gemeinschaftlich vertretungsberechtigt sind, außer andere Regelungen werden im Innenverhältnis definiert. Im Gegensatz zur GmbH kann der Director einer Limited eine natürliche oder juristische Person sein.[9]
Ähnlich zu den deutschen Gesellschaftern verhalten sich die Shareholder bei der Limited. Es können ebenfalls juristische oder natürliche Personen sein, sie stellen das Kapital zur Verfügung und bestellen den Director. Außerdem prüfen und verabschieden sie den Jahresabschluss und überwachen die Geschäftsführung. Die Summe aller Anteile von Shareholdern bildet das Gesellschaftsvermögen der Limited. Der Company Secretary war früher bei der Gründung einer Limited verpflichtend und verantwortete die Kommunikation mit den britischen Behörden und betreut die Protokollierung von Gesellschafterbeschlüssen. Die Bestellung eines Company Secretary ist seit 2008 nicht mehr verpflichtend.[10]
Bei der Betrachtung der Haftung muss zwischen der Haftung der Geschäftsführung und der Haftung der Gesellschafter unterschieden werden.
Die Gesellschafter einer deutschen GmbH haften nur mit dem eingezahlten Kapital, also dem Gesellschaftsvermögen der GmbH.[11]
Die Haftung des GmbH-Geschäftsführers ist im GmbH-Gesetz definiert.
Der Gesellschaft gegenüber haftet der Geschäftsführer für die Folgen aller Handlungen und Entscheidungen, sowohl seiner eigenen als auch der seiner Mitarbeiter. Dabei muss er die ״die Sorgfalt eines ordentlichen Geschäftsmannes“[12] anwenden, andernfalls können aus den Konsequenzen von Entscheidungen Schadensersatzansprüche der Gesellschaft gegenüber dem Geschäftsführer anfallen. Er haftet außerdem gemäß einiger Soforttatbestände, wie Z.B. die Zahlung an Gesellschafter aus dem Stammkapital.[13]
Weitere Haftungsfälle für den Geschäftsführer ergeben sich aus dem Insolvenzgesetz.
Dieses verpflichtet den Geschäftsführer Z.B. spätestens drei Wochen nach Eintritt der Zahlungsunfähigkeit einen Eintrag auf Eröffnung des Insolvenzverfahrens zu stellen und keine weiteren Zahlungen zu leisten.[14]
Gegenüber Dritten haftet der Geschäftsführer persönlich, wenn er nicht deutlich macht, dass er Verträge im Namen der Gesellschaft und nicht als Privatperson schließt.[15] Zusätzlich haftet er gegenüber dem Staat für die Richtigkeit der abgeführten Lohnsteuerbeträge und die abgeführte Umsatzsteuer.[16] Grobe Fahrlässigkeit oder Vorsatz können dazu führen, dass der Geschäftsführer auch hier mit seinem Privatvermögen haftet. Ähnlich ist die Situation bei der Verantwortung für die richtige Buchführung und Bilanzierung.[17] Eine weitere Haftung des Geschäftsführers liegt bei der Richtigkeit der Angaben gegenüber den
Sozialversicherungsträgern. Er hat Z.B. dafür Sorge zu tragen, dass Mitarbeiter korrekt angemeldet werden und dass Beträge abgeführt werden.[18] Anders sehen die Haftungsrichtlinien für die Gesellschafter (Shareholder) und dem Director bei der englisches Limited aus.
Die Haftungsgrundsätze für Limited Shareholder und Director ergeben sich aus dem britischen Gesellschaftsrecht, dem Companies Act.[19]
Die Shareholder haften nur mit der ihrer geleisteten Einlage (also der Summe der Anteile, die sie erworben haben).[20]
Der Director der Limited haftet ebenfalls finanziell nicht für die Verpflichtungen der Limited-Gesellschaft. Er hat jedoch gemäß dem Companies Act einige Pflichten, die bei Nichterfüllen dazu führen können, dass er in die private Haftung gelangt. Dieser Fall tritt auf, wenn er Z.B. Regelungen des Gesellschaftsvertrages mit den Shareholdern nicht einhält, oder private finanzielle Interessen vor die Interessen der Gesellschaft stellt, oder wenn er als Director auftritt, obwohl er es nicht dürfte. Nach deutschem Gesellschaftsrecht kann er nicht haftbar gemacht werden.[21] Auch nach dem britischen Insolvenzrecht kann der Director in die persönliche Haftung geraten. Diese beiden Haftungsfiguren werden mit den Begriffen ״wrongful trading“ und ״fraudulent trading“ umschrieben. Dem Director muss daher Vorsatz nachgewiesen werden, oder aber der Fall, dass er die Geschäfte einfach weiter führt.[22]
Liegt jedoch der Hauptsitz in Deutschland, gilt deutsches Insolvenzrecht auch für eine Limited.[23]
Eine GmbH zählt zu den Kapitalgesellschaften und unterliegt damit als juristische Person der Körperschaftssteuer, der Gewerbesteuer und dem Solidaritätszuschlag. Die Körperschaftssteuer beträgt seit 2008 15%.
[1] Vgl. Kübler/Assmann (2006), s. 266
[2] Vgl. Dernedde (2014), s. 12
[3] Vgl. Bibliographisches Institut (2015)
[4] Vgl. König/Maßbaum/Sureth (2013), s. 35
[5] Vgl. Handelskammer Hamburg (2017)
[6] Ab hier: Limited
[7] Vgl. Groß (2007), s. 21-22
[8] Vgl. Sattler/Broll/Kaufmann (2010), s. 7-8
[9] Vgl. Brinkmeier/Mielke (2007), s. 38-41
[10] Vgl. Brinkmeier/Mielke (2007), s. 46-48
[11] Vgl. Deutscher Bundestag (1992), § 13 (2) GmbHG
[12] Deutscher Bundestag (1992), § 43 (1) GmbHG
[13] Vgl. Deutscher Bundestag (1992), § 43 GmbHG
[14] Vgl. Deutscher Bundestag (1994), § 17 (1) InsO, Deutscher Bundestag (1992), § 64 GmbHG
[15] Vgl. Deutscher Bundestag, § 179 BGB
[16] Vgl. Deutscher Bundestag (1977), § 63 АО
[17] Vgl. Deutscher Bundestag (1897), § 325 HGB
[18] Vgl. Deutscher Bundestag, § 823 BGB
[19] Vgl. Cobe (2017), s. 32
[20] Vgl. Munkert/StubnerAVulf (2010), s. 252
[21] Vgl. Brinkmeier/Mielke (2007), s. 124-125
[22] Vgl. Cobe (2017),s. 83-87
[23] Vgl. Europäisches Parlament (2000), Europäische Insolvenzordnung
Franziska Althaus (Autor)
V445073
9783668819269
9783668819276
Steuern GmbH Gesetz GmbH Limited UK
Franziska Althaus (Autor), 2017, Die englische Limited als Alternative zur deutschen GmbH, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/445073