Source: http://www.hensche.de/Teilzeitmodelle_fuerFuehrungskraefte_Blockweise_Freistellung_Arbeitszeitverringerung_Teilzeit_Pilot_BAG_9AZR735-13_20_01_2015.html
Timestamp: 2017-01-20 03:50:56
Document Index: 290797451

Matched Legal Cases: ['§ 8', '§ 8', '§ 8', '§ 8', '§ 8', '§ 8', '§ 22']

HENSCHE Arbeitsrecht: Teilzeitmodelle für Führungskräfte
ARBEITSRECHT AKTUELL // 15/193
Teil­zeit­mo­del­le für Füh­rungs­kräf­te
Block­wei­se Frei­zeit bei ver­rin­ger­ter Ar­beits­zeit müs­sen Ar­beit­ge­ber mit­ma­chen oder ei­ne dro­hen­de Kos­ten­ex­plo­si­on kon­kret nach­wei­sen: Bun­des­ar­beits­ge­richt, Ur­teil vom 20.01.2015, 9 AZR 735/13
22.07.2015. Se­gel­törn, Al­pen­über­que­rung, Ja­kobs­weg: Ei­ne Aus­zeit vom Job er­freut sich in Deutsch­land im­mer grö­ße­rer Be­liebt­heit. Recht­lich lässt sich ei­ne Aus­zeit durch ei­ne Ver­rin­ge­rung der Ar­beits­zeit er­rei­chen. Sie muss sich nicht gleich über meh­re­re Mo­na­te er­stre­cken. Zu­läs­sig ist auch ei­ne block­wei­se Frei­stel­lung für meh­re­re Ta­ge im Mo­nat. Denn hat der Ar­beit­neh­mer ei­nen An­spruch auf Ver­rin­ge­rung der Ar­beits­zeit, darf er auch die Ver­tei­lung der ver­rin­ger­ten Ar­beits­zeit be­stim­men. Und Teil­zeit kann auch be­deu­ten, dass man drei Wo­chen des Mo­nats voll ar­bei­tet und den Rest des Mo­nats frei hat. Wann man ein sol­ches „Sab­ba­ti­cal light“ ver­lan­gen kann, zeigt das Bun­des­ar­beits­ge­richt, Ur­teil vom 20.01.2015, 9 AZR 735/13.
Un­ter wel­chen Vor­aus­set­zun­gen be­steht ein An­spruch auf ein „Sab­ba­ti­cal light“? Der Streit­fall: Luft­hans­a­pi­lot will an den letz­ten sie­ben Ta­gen im Mo­nat Frei­stel­lung von der Ar­beit
BAG: Block­wei­se Frei­zeit bei ver­rin­ger­ter Ar­beits­zeit müssen Ar­beit­ge­ber mit­ma­chen oder ei­ne dro­hen­de Kos­ten­ex­plo­si­on kon­kret nach­wei­sen
Un­ter wel­chen Vor­aus­set­zun­gen be­steht ein An­spruch auf ein „Sab­ba­ti­cal light“? Ei­nen ge­setz­li­chen An­spruch auf ein un­be­zahl­tes Sab­ba­ti­cal gibt es im All­ge­mei­nen nicht. Ein sol­cher An­spruch ist je­doch viel­leicht auch gar nicht not­wen­dig. Denn gemäß § 8 Teil­zeit- und Be­fris­tungs­ge­setz (Tz­B­fG) kann man ein Sab­ba­ti­cal auch in Form ei­ner Ar­beits­zeit­ver­rin­ge­rung durch­set­zen.
Denn zu­sam­men mit ei­ner Ar­beits­zeit­ver­rin­ge­rung kann der Ar­beit­neh­mer auch die Ver­tei­lung der ver­rin­ger­ten Ar­beits­zeit be­stim­men. Ob der An­spruch auf Ar­beits­zeit­ver­rin­ge­rung plus Ar­beits­neu­ver­tei­lung auch ei­ne "Teil­zeit im Block­mo­dell" er­fasst, war vor ei­ni­gen Jah­ren noch um­strit­ten. Mitt­ler­wei­le ist an­er­kannt, dass Ar­beit­neh­mer Ar­beits­zeit­ver­rin­ge­rung gemäß § 8 Tz­B­fG im All­ge­mei­nen auch als Re­du­zie­rung ih­rer Jah­res­ar­beits­zeit mit ei­ner ver­block­ten un­be­zahl­ten Frei­stel­lung be­an­spru­chen können.
Dem­zu­fol­ge können Ar­beit­neh­mer ein „Sab­ba­ti­cal light“ in Form ei­ner Ar­beits­zeit­ver­rin­ge­rung be­an­spru­chen, wenn
der Ar­beit­ge­ber in der Re­gel mehr als 15 Per­so­nen beschäftigt (§ 8 Abs.7 Tz­B­fG) und
das Ar­beits­verhält­nis des Ar­beit­neh­mers länger als sechs Mo­na­te be­steht (§ 8 Abs.1 Tz­B­fG) und
der Ar­beits­zeit­ver­rin­ge­rung kei­ne be­trieb­li­chen Gründe ent­ge­gen­ste­hen (§ 8 Abs.4 Tz­B­fG). Der Ar­beit­ge­ber kann ei­ne Ar­beits­zeit­ver­rin­ge­rung mit block­wei­ser Frei­stel­lung al­so nur ver­hin­dern, wenn er ent­ge­gen­ste­hen­de be­trieb­li­che Gründe gel­tend macht. Doch wie kon­kret muss der Ar­beit­ge­ber die­se dar­le­gen? Zu die­ser Fra­ge hat sich das Bun­des­ar­beits­ge­richt (BAG) in ei­ner ak­tu­el­len Ent­schei­dung geäußert: BAG, Ur­teil vom 20.01.2015, 9 AZR 735/13.
Der Streit­fall: Luft­hans­a­pi­lot will an den letz­ten sie­ben Ta­gen im Mo­nat Frei­stel­lung von der Ar­beit Der Ar­beit­neh­mer war seit 2001 als Pi­lot bei der Luft­han­sa in Voll­zeit beschäftigt. Ab Ok­to­ber 2011 wur­de er im We­ge der Ar­beit­neh­merüber­las­sung bei ei­ner Toch­ter­ge­sell­schaft der Luft­han­sa ein­ge­setzt, eben­falls in Voll­zeit. Die Toch­ter­ge­sell­schaft hat­te mit der Per­so­nal­ver­tre­tung ei­ne Be­triebs­ver­ein­ba­rung ge­schlos­sen. Da­nach konn­ten Ver­rin­ge­run­gen der Ar­beits­zeit nur bis spätes­tens zum 31.07. ei­nes Jah­res be­an­tragt und je­weils nur zum 01.01. be­gon­nen wer­den. Die Be­triebs­ver­ein­ba­rung sah zu­dem un­ter­schied­li­che Teil­zeit­mo­del­le vor, zwi­schen de­nen die Ar­beit­neh­mer wählen konn­ten. Nach ei­nem Teil­zeit­mo­dell war die Ver­tei­lung von 75 Pro­zent Ar­beits­pha­se zu 25 Pro­zent Frei­zeit­pha­se im Mo­nat möglich. Der Pi­lot be­an­trag­te im März 2012, sei­ne Ar­beits­zeit ab Au­gust 2012 auf 76, 9 Pro­zent zu re­du­zie­ren. Zu­dem be­an­trag­te er ei­ne Ver­tei­lung der ver­rin­ger­ten Ar­beits­zeit in der Wei­se, dass er je­weils die letz­ten sie­ben Ta­ge im Mo­nat un­be­zahl­te Frei­zeit hat­te. Die Luft­han­sa lehn­te den An­trag ab und be­rief sich da­bei auf die Be­triebs­ver­ein­ba­rung hin, die ein Teil­zeit­mo­dell in der Form, wie es der Pi­lot gel­tend mach­te, nicht vor­sah.
Außer­dem mach­te sie gel­tend, im Un­ter­neh­men herr­sche Per­so­nal­man­gel und da­her müss­ten wei­te­re Pi­lo­ten und Co­pi­lo­ten ein­ge­stellt und aus­ge­bil­det wer­den, wenn man dem An­trag statt­ge­ben würde. Letzt­lich entstünden so un­verhält­nismäßige Zu­satz­kos­ten für Schu­lun­gen neu­er Pi­lo­ten. Durch die Frei­stel­lung in den letz­ten sie­ben Ta­gen des Mo­nats würden schließlich auch an­de­re Pi­lo­ten be­nach­tei­ligt wer­den. Denn die Frei­stel­lung fal­le auf die Zeit von Weih­nach­ten bis Sil­ves­ter, in der er­fah­rungs­gemäß vie­le Ur­laubs­anträge ge­stellt wer­den, die dann (teil­wei­se) ab­ge­lehnt wer­den müss­ten. BAG: Block­wei­se Frei­zeit bei ver­rin­ger­ter Ar­beits­zeit müssen Ar­beit­ge­ber mit­ma­chen oder ei­ne dro­hen­de Kos­ten­ex­plo­si­on kon­kret nach­wei­sen Die Re­vi­si­on der Luft­han­sa zum Bun­des­ar­beits­ge­richt (BAG) hat­te kei­nen Er­folg. Das BAG schloss sich der An­sicht des Lan­des­ar­beits­ge­richts (LAG) (Ur­teil vom 03.06.2012, 17 Sa 1734/12) an, dass be­trieb­li­che Gründe, die ei­nem An­spruch auf Ar­beits­zeit­ver­rin­ge­rung ent­ge­gen­ste­hen, nicht aus­rei­chend kon­kret dar­ge­legt wur­den. Gemäß § 8 Abs. 4 S. 2 Tz­B­fG liegt ein sol­cher Grund ins­be­son­de­re vor, wenn die Ver­rin­ge­rung der Ar­beits­zeit die Or­ga­ni­sa­ti­on, den Ar­beits­ab­lauf oder die Si­cher­heit im Be­trieb we­sent­lich be­ein­träch­tigt oder un­verhält­nismäßige Kos­ten ver­ur­sacht. Es reicht aus, wenn der Ar­beit­ge­ber ra­tio­nal nach­voll­zieh­ba­re, hin­rei­chend ge­wich­ti­ge Gründe hat, der Ver­rin­ge­rung der Ar­beits­zeit nicht zu­zu­stim­men. Das obers­te Ar­beits­ge­richt Deutsch­lands wies zunächst dar­auf hin, dass sich aus der Be­triebs­ver­ein­ba­rung kei­ne ent­ge­gen­ste­hen­den be­trieb­li­chen Gründe ab­lei­ten ließen. Denn die Be­triebs­ver­ein­ba­rung enthält Re­ge­lun­gen zu­un­guns­ten der Ar­beit­neh­mer, so­weit sie bei­spiels­wei­se ver­langt, dass die Teil­zeit spätes­tens bis zum 31.07. des Vor­jah­res zu be­an­tra­gen ist. Sol­che im Ver­gleich zum Tz­B­fG ungüns­ti­ge­ren Re­ge­lun­gen sind gemäß § 22 Abs. 1 Tz­B­fG un­wirk­sam. So­weit sich die Luft­han­sa auf die Schu­lungs­kos­ten für die Aus­bil­dung neu­er Pi­lo­ten be­rief, sah das BAG dar­in kei­nen aus­rei­chend kon­kret vor­ge­brach­ten Grund. Der Ar­beit­ge­ber hätte kon­kret dar­le­gen müssen, wel­che An­zahl von Neu­ein­stel­lun­gen und Um­schu­lun­gen mit wel­cher Kos­ten­fol­ge ge­ra­de auf­grund der Ar­beits­zeit­ver­rin­ge­rung des Pi­lo­ten er­for­der­lich sei­en. Der pau­scha­le Ver­weis auf Schu­lungs­kos­ten genüge nicht. Auch der Hin­weis auf die Be­nach­tei­li­gung der Kol­le­gin­nen und Kol­le­gen durch die Frei­zeit­pha­se des Pi­lo­ten sah das Ge­richt als nicht aus­rei­chend an. Luft­han­sa hat­te nur vor­ge­tra­gen, wie vie­le Ur­laubs­anträge im Jahr 2012 von Pi­lo­ten über Weih­nach­ten und Sil­ves­ter, nicht je­doch, wie vie­le in an­de­ren Zeiträum­en ge­stellt wur­den. Fa­zit: Will ein Ar­beit­ge­ber ei­ner Ar­beits­zeit­ver­rin­ge­rung ei­nes Ar­beit­neh­mers ent­ge­gen­tre­ten, muss er ei­nen trif­ti­gen be­trieb­li­chen Grund dafür ha­ben. Nicht aus­rei­chend ist in die­sem Zu­sam­men­hang ein Ver­weis auf ei­ne Be­triebs­ver­ein­ba­rung, die Re­ge­lun­gen enthält, die zu­un­guns­ten des Ar­beit­neh­mers vom Tz­B­fG ab­wei­chen. Eben­falls nicht aus­rei­chend sind pau­scha­le Ver­wei­se auf Schu­lungs­kos­ten oder Be­nach­tei­li­gun­gen von Kol­le­gin­nen und Kol­le­gen. Der Ar­beit­ge­ber muss viel­mehr kon­kre­te Zah­len lie­fern, wel­che höhe­ren Kos­ten auf­grund der Ar­beits­zeit­ver­rin­ge­rung des Ar­beit­neh­mers ent­ste­hen. Sonst kann er ein „Sab­ba­ti­cal light“ grundsätz­lich nicht ver­hin­dern. Nähe­re In­for­ma­tio­nen zu die­sem Vor­gang fin­den Sie hier:
Bun­des­ar­beits­ge­richt, Ur­teil vom 20.01.2015, 9 AZR 735/13