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Timestamp: 2019-10-19 05:07:05
Document Index: 368252853

Matched Legal Cases: ['§ 15', '§ 10', '§ 1', 'Art. 2', '§ 2', '§ 15', '§ 11']

All­ge­mei­ner Lei­nenzwangs für Hun­de in Hei­del­berg | Rechtslupe
All­ge­mei­ner Lei­nenzwangs für Hun­de in Hei­del­berg
Die Anord­nung eines all­ge­mei­nen Lei­nenzwangs für Hun­de durch Poli­zei­ver­ord­nun­gen ist jeden­falls dann ver­hält­nis­mä­ßig, wenn in der jewei­li­gen Gemein­de aus­rei­chend Flä­chen ver­blei­ben, auf denen Hun­de frei lau­fen kön­nen.
Der in § 15 Abs. 2 Nr. 6 der Poli­zei­ver­ord­nung zur Auf­recht­erhal­tung der öffent­li­chen Sicher­heit und Ord­nung und gegen umwelt­schäd­li­ches Ver­hal­ten (Stra­ßen- und Anla­gen­po­li­zei­ver­ord­nung – StrAn­l­Pol­VO) der Stadt Hei­del­berg vom 08.03.2001 nor­mier­te Anlein­zwang für Hun­de ist durch die gesetz­li­che Ermäch­ti­gung des § 10 Abs. 1 i. V. m. § 1 Abs. 1 PolG BW gedeckt.
Die hier­nach erfor­der­li­che abs­trak­te Gefahr für die öffent­li­che Sicher­heit oder Ord­nung liegt vor. Maß­ge­ben­des Kri­te­ri­um für die Beja­hung einer Gefahr ist die nach all­ge­mei­ner Lebens­er­fah­rung oder fach­li­chen Erkennt­nis­sen hin­rei­chen­de Wahr­schein­lich­keit eines Scha­dens­ein­tritts für die von der öffent­li­chen Sicher­heit oder Ord­nung erfass­ten Schutz­gü­ter 1. Blo­ße Beläs­ti­gun­gen schei­den aus dem poli­zei­li­chen Gefah­ren- und Scha­dens­be­griff aus. Von Hun­den gehen nach der all­ge­mei­nen Lebens­er­fah­rung unzwei­fel­haft Gefah­ren für Leib, Leben und Eigen­tum aus, die die Anord­nung eines Lei­nenzwangs recht­fer­ti­gen kön­nen. Dies ergibt sich aus der all­ge­mei­nen Unbe­re­chen­bar­keit tie­ri­schen Ver­hal­tens. Zum Ver­hal­tens­re­per­toire von Hun­den gehö­ren das Bei­ßen, Het­zen, Rei­ßen, Ansprin­gen, Schnap­pen, Nach­ren­nen und Beschnüf­feln, das sich bei frei­lau­fen­den Hun­den spon­tan und unbe­re­chen­bar äußert und zu einer Gefähr­dung unbe­tei­lig­ter Drit­ter füh­ren kann, wel­che die Schwel­le der blo­ßen Läs­tig­keit über­schrei­tet. Dar­über hin­aus löst schon das Umher­lau­fen unan­ge­lein­ter Hun­de bei einer Viel­zahl ihnen begeg­nen­der Men­schen ver­ständ­li­cher­wei­se nicht bloß Gefüh­le der Beläs­ti­gung, son­dern Angst und Unsi­cher­heit aus, so dass die nahe­lie­gen­de Gefahr besteht, dass die­se in ihrem von der all­ge­mei­nen Hand­lungs­frei­heit umfass­ten Recht, sich auch außer­halb geschütz­ter Räu­me angst­frei und unbe­fan­gen bewe­gen zu kön­nen, beein­träch­tigt wer­den. Das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt 2 hat in der Abgren­zung der Begrif­fe "abs­trak­te Gefahr" gegen "Gefah­ren­vor­sor­ge" aus­drück­lich fest­ge­hal­ten, dass von Hun­den unzwei­fel­haft (abs­trak­te) Gefah­ren aus­ge­hen, die grund­sätz­lich den Erlass von Ver­ord­nun­gen nach dem all­ge­mei­nen Gefah­ren­ab­wehr­recht recht­fer­ti­gen kön­nen. Die Auf­fas­sung, dass von frei­lau­fen­den Hun­den abs­trak­te Gefah­ren für die Öffent­lich­keit aus­ge­hen, wird auch im Übri­gen von der ober­ge­richt­li­chen Recht­spre­chung ganz über­wie­gend geteilt 3.
Die Anord­nung eines all­ge­mei­nen Lei­nenzwangs für Hun­de ist geeig­net, erfor­der­lich und auch ange­mes­sen, um dem ver­folg­ten öffent­li­chen Zweck ‑Schutz der Bevöl­ke­rung vor Gefah­ren und Beläs­ti­gun­gen, die von frei­lau­fen­den Hun­den aus­ge­hen – zum Erfolg zu ver­hel­fen.
Zwar beinhal­tet das auf Art. 2 Abs. 1 GG beru­hen­de Grund­recht auf freie Ent­fal­tung der Per­sön­lich­keit das Recht des Hun­de­hal­ters, sei­nen Hund mög­lichst ohne staat­li­che Ein­schrän­kung zu hal­ten und die Grund­sät­ze art­ge­rech­ter Tier­hal­tung zu berück­sich­ti­gen 4. Aus dem­sel­ben Grund­recht folgt jedoch auch, dass jeder­mann Anspruch dar­auf hat, vor Gefah­ren, die von frei umher­lau­fen­den – also ohne Lei­ne geführ­ten – Hun­den aus­ge­hen, geschützt zu wer­den. Die­se bei­den Rechts­po­si­tio­nen bestehen neben­ein­an­der. Mög­li­che Inter­es­sen­kol­li­sio­nen sind durch staat­li­che Rege­lun­gen in der Wei­se zu lösen, dass Ein­grif­fe in die jewei­li­gen Grund­rech­te mög­lichst gering gehal­ten wer­den, nicht wei­ter gehen als not­wen­dig und die von Grund­rechts­be­schrän­kun­gen Betrof­fe­nen nicht über­mä­ßig belas­ten. Ange­sichts des Rangs der durch frei­lau­fen­de Hun­de bedroh­ten Rechts­gü­ter, nament­lich Leben und Gesund­heit, wird dabei dem mit der Ver­ord­nung bezweck­ten Schutz der Bevöl­ke­rung weit­ge­hend Vor­rang zukom­men 5.
In der ober­ge­richt­li­chen Recht­spre­chung besteht des­halb Einig­keit, dass auch unter Berück­sich­ti­gung der Ver­pflich­tung zur art­ge­rech­ten Hal­tung eines Tie­res, die nach § 2 Abs. 1 TierSchG dem Tier­hal­ter obliegt, die Anord­nung eines all­ge­mei­nen Lei­nenzwangs für Hun­de kei­ne unan­ge­mes­se­ne Ein­schrän­kung der Rech­te der Hun­de­hal­ter begrün­det, wenn aus­rei­chend Flä­chen ver­blei­ben, auf denen Hun­den frei­er Aus­lauf ermög­licht ist 6.
Dafür reicht es aber schon aus, wenn der Anlein­zwang – wie vor­lie­gend – mit öffent­li­chen Anla­gen sowie öffent­li­chen Stra­ßen und Geh­we­ge inner­halb der im Zusam­men­hang bebau­ten Orts­tei­le auf Teil­be­rei­che des Gemein­de­ge­bie­tes beschränkt wird 7, so dass es dar­auf, ob im Gemein­de­ge­biet von Hei­del­berg zusätz­lich – wie in § 15 Abs. 2 Nr. 6 StrAn­l­Pol­VO vor­ge­se­hen – auch Flä­chen öffent­li­cher Anla­gen von dem gene­rel­len Ver­bot aus­ge­nom­men sind, nicht mehr ankommt.
Ober­lan­des­ge­richt Karls­ru­he, Beschluss vom 16. Novem­ber 2012 – 2 (6) SsBs 12/​12 – AK 8/​12
Bier ist nicht bekömm­lich! Für Bier darf nicht mit der Anga­be "bekömm­lich" gewor­ben wer­den; die Ver­wen­dung des Begriffs "bekömm­lich" in einer Bier­wer­bung ist unzu­läs­sig. Dies ent­schied jetzt der Bun­des­ge­richts­hof…
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BVerw­GE 116, 347[↩]
OLG Dres­den, NStZ-RR 2007, 216; Sächs. OVG, Urteil vom 18.01.2011 – 3 C 15/​09; OVG Ber­lin-Bran­den­burg, Urteil vom 27.05.2010; VGH BW, VBlBW 2008, 134; OVG NW, Beschluss vom20.12.2007 – 5 A 83/​07; Thü­rO­VG, Beschluss vom 26.04 2007 – 3 N 699/​05, bei juris, OVG Rhein­land-Pfalz DÖV 2007, 82; a. A. nur NdsOVG, Urteil vom 27.01.2005 – 11 KN 38/​04, unter unzu­tref­fen­der Beru­fung auf das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt[↩]
OLG Düs­sel­dorf, Beschluss vom 10.02.2010 – V-1 RBs 188/​09, NStZ-RR 2003, 281[↩]
vgl. OLG Hamm NVwZ 2002, 781[↩]
OLG Dres­den a.a.O., OLG Düs­sel­dorf a.a.O., OLG Hamm a.a.O., OLG Zwei­brü­cken NStZ 2005, 176; OLG Jena, Beschluss vom 10.01.2012 – 1 Ss Rs 70/​11; Sächs. OVG a.a.O, OVG Ber­lin-Bran­den­burg a.a.O.; VGH BW a.a.O, OVG NW a.a.O., Thü­rO­VG a.a.O., OVG Rhein­land-Pfalz a.a.O.[↩]
OLG Zwei­brü­cken a.a.O., OVG Rhein­land-Pfalz a.a.O.[↩]