Source: https://www.rechtslupe.de/strafrecht/verfahrensruege-und-der-erforderliche-vortrag-3125593
Timestamp: 2020-07-07 10:03:46
Document Index: 264280646

Matched Legal Cases: ['§ 344', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 344']

Verfahrensrüge - und der erforderliche Vortrag | Rechtslupe
Eine Ver­fah­rens­rüge erweist sich gemäß § 344 Abs. 2 Satz 2 StPO als unzu­läs­sig, wenn nicht alle Ver­fah­rens­tat­sa­chen so voll­stän­dig, genau und aus sich her­aus ver­ständ­lich dar­ge­legt wer­den, dass das Revi­si­ons­ge­richt allein auf die­ser Grund­la­ge ohne Rück­griff auf die Akten prü­fen kann, ob der behaup­te­te Ver­fah­rens­feh­ler vor­liegt, wenn die behaup­te­ten Tat­sa­chen bewie­sen wer­den.
So auch in dem hier vom Bun­des­ge­richts­hof ent­schie­de­nen Fall: Der Vor­trag der Revi­si­on erschöpf­te sich dar­in, aus­zugs­wei­se Pro­to­koll­in­halt wie­der­zu­ge­ben. Die­ser ent­hält schon nicht die bestimm­te Behaup­tung eines ver­fah­rens­feh­ler­haf­ten tat­säch­li­chen Gesche­hens [1]. Eine Bean­stan­dung der feh­ler­haf­ten Pro­to­kol­lie­rung lässt sich der Rüge nicht ent­neh­men [2]. Der Vor­trag ist aber auch des­we­gen nicht voll­stän­dig, weil die Inhal­te der in Bezug genom­me­nen Ver­mer­ke der Vor­sit­zen­den und der Erklä­run­gen der Staats­an­walt­schaft nur aus­zugs­wei­se mit­ge­teilt wer­den [3]. Die Kennt­nis von deren voll­stän­di­gem Inhalt wäre aber zur Ent­schei­dung erfor­der­lich. Denn anders als in der von der Revi­si­on in Bezug genom­me­nen BGH-Ent­schei­dung vom 11.05.2016 – 1 StR 71/​16, in der ein Ver­stoß gegen Beleh­rungs­pflich­ten gerügt wur­de, könn­te die Kennt­nis des voll­stän­di­gen Inhalts den rele­van­ten Ver­fah­rens­ab­lauf in einem ande­ren Licht dar­stel­len. Der Vor­trag der Revi­si­on ver­mit­telt dem Revi­si­ons­ge­richt kein umfas­sen­des Bild über das dem gerüg­ten Ver­fah­rens­feh­ler zugrun­de lie­gen­de pro­zes­sua­le Gesche­hen, auch weil bestimm­te Vor­gän­ge, ins­be­son­de­re zustim­men­de bzw. initia­ti­ve Stel­lung­nah­men des Ver­tre­ters der Staats­an­walt­schaft zu der letzt­lich erfolg­ten Ver­fah­rens­wei­se nicht erwähnt wer­den.
Soweit die Revi­si­on auf die Urteils­grün­de Bezug nimmt, wonach "Der Ange­klag­te und sei­ne Ver­tei­di­ger … den Vor­schlag ange­nom­men" haben, ersetzt dies die Män­gel des Vor­trags nicht. Zwar kann bei einer zusätz­lich zur Ver­fah­rens­rüge erho­be­nen Sach­rü­ge ergän­zend auf die Urteils­grün­de zurück­ge­grif­fen wer­den [4], allein ergibt sich aber aus die­ser Pas­sa­ge nicht, dass eine Zustim­mung der Staats­an­walt­schaft nicht erfolgt ist.
Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 8. August 2017 – 1 StR 519/​16
vgl. BGH, Beschluss vom 12.12 2013 – 3 StR 210/​13, NJW 2014, 1254[↩]
vgl. hier­zu BGH, Beschlüs­se vom 29.04.2015 – 1 StR 235/​14, NStZ-RR 2015, 278; und vom 15.04.2014 – 3 StR 89/​14, NStZ 2014, 418[↩]
vgl. BGH, Beschluss vom 03.08.2016 – 5 StR 294/​16[↩]
BGH, Beschluss vom 20.01.2016 – 4 StR 376/​15, StV 2016, 771[↩]
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