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Timestamp: 2016-10-28 08:41:27
Document Index: 381431260

Matched Legal Cases: ['Art. 95', 'Art. 106', 'BGE', 'Art. 42', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'Art. 29', 'Art. 6', 'Art. 29', 'BGE', 'Art. 97', 'Art. 105', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'Art. 64']

8C_268/2014 � � Urteil vom 9. September 2014
Die 1974 geborene A.________ war bis 10. Oktober 2008 als Sachbearbeiterin bei der B.________ AG t�tig gewesen und in dieser Eigenschaft bei der Helsana Unfall AG obligatorisch unfallversichert. Am 29. Januar 2006 erlitt sie einen Verkehrsunfall, indem beim Abbiegen nach links auf eine Autobahneinfahrt ein entgegenkommender Personenwagen frontal mit der rechten Fahrzeugseite ihres Autos kollidierte. Sie zog sich dabei ein Polytrauma (mit mittelschwerem bis schwerem Sch�delhirntrauma, einer Femurschaftquerfraktur links, Verdacht auf eine Opticusl�sion rechts, mehreren Rissquetschwunden im Gesicht, einer Lungenkontusion links, einem Abriss des Prozessus styloideus ulnae rechts sowie einer Handgelenkskontusion links) zu (Austrittsbericht des Spitals C.________ vom 22. Februar 2006). Mit Verf�gung vom 7. M�rz 2012 stellte die Helsana Unfall AG unter anderem gest�tzt auf ein von der Invalidenversicherung beim medizinischen Abkl�rungsinstitut D.________ eingeholtes interdisziplin�res Gutachten vom 1. Dezember 2011 ihre bis dahin erbrachten Leistungen in Form von Heilbehandlung und Taggeld r�ckwirkend per 30. November 2011 ein. Daran hielt sie mit Einspracheentscheid vom 28. September 2012 fest.
Die dagegen erhobene Beschwerde wies das Versicherungsgericht des Kantons Solothurn mit Entscheid vom 25. Februar 2014 ab, nachdem das Gericht zuvor eine �ffentliche Verhandlung durchgef�hrt und das Verfahren bis zum Vorliegen des Bundesgerichtsurteils (8C_142/2013 vom 20. November 2013) im invalidenversicherungsrechtlichen Verfahren sistiert hatte.
Mit Beschwerde in �ffentlich-rechtlichen Angelegenheiten l�sst A.________ beantragen, in Aufhebung des vorinstanzlichen Entscheids und des Einspracheentscheids vom 28. September 2012 sei die Sache zur Einholung eines Gerichtsgutachtens �ber ihre Arbeitsf�higkeit mit anschliessendem neuen Entscheid �ber den Leistungsanspruch zur�ckzuweisen. Ferner wird um unentgeltliche Rechtspflege ersucht.
1.1.�Die Beschwerde in �ffentlich-rechtlichen Angelegenheiten kann wegen Rechtsverletzungen gem�ss Art. 95 und 96 BGG erhoben werden. Das Bundesgericht wendet das Recht von Amtes wegen an (Art. 106 Abs. 1 BGG). Es ist folglich weder an die in der Beschwerde geltend gemachten Argumente noch an die Erw�gungen der Vorinstanz gebunden; es kann eine Beschwerde aus einem anderen als dem angerufenen Grund gutheissen und es kann eine Beschwerde mit einer von der Argumentation der Vorinstanz abweichenden Begr�ndung abweisen (BGE 134 V 250 E. 1.2 S. 252 mit Hinweisen). Immerhin pr�ft das Bundesgericht, unter Ber�cksichtigung der allgemeinen Begr�ndungspflicht der Beschwerde (Art. 42 Abs. 1 und 2 BGG), grunds�tzlich nur die geltend gemachten R�gen, sofern die rechtlichen M�ngel nicht geradezu offensichtlich sind. Es ist jedenfalls nicht gehalten, wie eine erstinstanzliche Beh�rde alle sich stellenden rechtlichen Fragen zu untersuchen, wenn diese vor Bundesgericht nicht mehr vorgetragen werden (BGE 133 II 249 E. 1.4.1 S. 254).
2.1.�Streitig ist, ob die Beschwerdef�hrerin �ber den 30. November 2011 hinaus Anspruch auf Leistungen der obligatorischen Unfallversicherung hat.
2.2.�Die Vorinstanz hat die Bestimmungen und Grunds�tze �ber die Leistungsvoraussetzungen des nat�rlichen (BGE 129 V 177 E. 3.1 S. 181 mit Hinweisen) und des ad�quaten Kausalzusammenhangs (BGE 129 V 177 E. 3.2 S. 181 mit Hinweis), namentlich bei Schleudertraumen und �quivalenten Verletzungen der HWS (BGE 134 V 109; 117 V 359 und 369) sowie bei psychischen Fehlentwicklungen nach Unf�llen (BGE 115 V 133), zutreffend dargelegt. Richtig sind auch die vorinstanzlichen Ausf�hrungen zum Beweiswert und zur W�rdigung medizinischer Berichte und Stellungnahmen (BGE 125 V 351 E. 3a S. 352, vgl. auch BGE 134 V 231 E. 5.1 S. 232) sowie zu dem im Sozialversicherungsrecht massgebenden Beweisgrad der �berwiegenden Wahrscheinlichkeit (BGE 129 V 177 E. 3.1 S. 181 mit Hinweisen). Darauf wird verwiesen.
3.1.�Nach umfassender W�rdigung der medizinischen Aktenlage erkannte das kantonale Gericht, f�r die bei Leistungseinstellung noch geklagten gesundheitlichen Beschwerden k�nne kein unfallkausales organisches Substrat im Sinne einer strukturellen traumatisch bedingten Ver�nderung objektiviert werden. Die Beschwerdef�hrerin sei mit Blick auf die organischen Beschwerden - mit Ausnahme des Augenleidens, welches sich mehr oder weniger zur�ckgebildet habe - vom Hausarzt Dr. med. E.________ als beschwerdefrei beschrieben worden. Im Bericht vom 6. M�rz 2007 sei dieser von einem erreichten Endzustand im Dezember 2007 und einer vollst�ndigen Arbeitsf�higkeit seit 8. Januar 2007 ausgegangen. Die seit Sommer 2008 sekund�r eingetretene Verschlechterung in Form von belastungsabh�ngigen Schwindelattacken, Diplopie, fehlender Belastbarkeit am Arbeitsplatz, rascher Ersch�pfbarkeit und Konzentrationsmangel, Abfall der Leistungsf�higkeit nach 30 Minuten T�tigkeit am Arbeitsplatz und im Haushalt, W�rgereiz bis hin zu Erbrechen, w�ssrigem Stuhlgang und mangelnder Ausdauer basiere auf subjektiven Beschwerden, die nicht objektivierbar seien. Seit Mitte 2008 sei eine psychiatrische Behandlung dokumentiert, wobei gest�tzt auf das beweiskr�ftige Gutachten des medizinischen Abkl�rungsinstituts D.________ vom 1. Dezember 2011 eine Neurasthenie (ICD-10: F48.0) vorliege; die Arbeitsf�higkeit sei nicht eingeschr�nkt. Das Unfallereignis sei nur m�glicherweise als (Teil-) Ursache f�r die andauernden psychischen Beschwerden anzusehen. Die ad�quate Kausalit�t verneinte das kantonale Gericht unter Anwendung der mit BGE 115 V 133 begr�ndeten Praxis im Sinne einer Eventualbegr�ndung, da die nach dem Unfall aufgetretenen Symptome nicht dem typischen Beschwerdebild nach HWS-Schleudertrauma oder �quivalenter Verletzung zuzuordnen, sondern rein psychisch begr�ndet seien. Unter Annahme eines Unfalls im mittleren Bereich verneinte es den ad�quaten Kausalzusammenhang.
3.2.�Soweit die Beschwerdef�hrerin r�gt, die Vorinstanz habe gegen den Untersuchungsgrundsatz und gegen den Anspruch auf rechtliches Geh�r bzw. auf Beweisabnahme (Art. 29 Abs. 2 BV) sowie gegen das Gebot eines fairen Verfahrens nach Art. 6 Ziff. 1 EMRK bzw. Art. 29 Abs. 1 BV verstossen, indem sie die beantragten Beweismittel (Zeugeneinvernahmen, Einholung eines psychiatrischen Gutachtens) nicht abgenommen habe und auf rechtserhebliche Argumente nicht eingegangen sei, kann ihr nicht gefolgt werden. Entgegen der in der Beschwerde vertretenen Auffassung ist der angefochtene Entscheid hinreichend begr�ndet und darin nachvollziehbar dargelegt, weshalb das Gericht dem Gutachten des medizinischen Abkl�rungsinstituts D.________ vollen Beweiswert zuerkannte, weshalb es in antizipierter Beweisw�rdigung auf weitere Beweiserhebungen verzichten durfte (BGE 134 I 140 E. 5.3 S. 148; 124 V 90 E. 4b S. 94).
3.3.�Die Ausf�hrungen in der Beschwerde ersch�pfen sich �ber weite Strecken in Wiederholungen der bereits im IV-Verfahren entkr�fteten R�gen, indem namentlich erneut der Beweiswert des Gutachtens des medizinischen Abkl�rungsinstituts D.________ kritisiert wird. Dieses wurde jedoch zu Recht auch den Beurteilungen der unfallversicherungsrechtlichen Leistungen zugrunde gelegt. Die Gutachter haben sich in �berzeugender Weise ausdr�cklich auch zu den im vorliegenden Verfahren relevanten medizinischen Gesichtspunkten ge�ussert. Dass das Bundesgericht den Entscheid im IV-Verfahren lediglich unter dem eingeschr�nkten Blickwinkel von Art. 97 Abs. 1 und Art. 105 Abs. 2 BGG pr�fte, �ndert nichts. Die Beschwerdef�hrerin vermag nicht aufzuzeigen, dass die Beurteilung des Bundesgerichts bei umfassender �berpr�fung der Sach- und Rechtslage anders ausfallen m�sste. Auch aus den Akten ergeben sich daf�r keine Hinweise. Auf die letztinstanzlich beantragte R�ckweisung der Sache an die Vorinstanz zur Einholung eines medizinischen Gerichtsgutachtens ist daher ebenfalls zu verzichten (BGE 124 V 90 E. 4b S. 94).
3.4.�Mit der Vorinstanz ist aufgrund der Ergebnisse des Gutachtens des medizinischen Abkl�rungsinstituts D.________, worin festgehalten wurde, dass bereits in der Akutphase bildgebend keine Hirnsch�digung habe nachgewiesen werden k�nnen, davon auszugehen, dass den weiterhin geltend gemachten Beschwerden keine unfallbedingte organisch-strukturelle (somatische) Sch�digung des Gehirns zugrunde liegt. Da die Experten des medizinischen Abkl�rungsinstituts D.________ den Unfall lediglich als m�glicherweise urs�chlich f�r die anhaltenden Beschwerden erachtet haben, verneinte die Vorinstanz die nat�rliche Kausalit�t zu Recht. Damit ist grunds�tzlich die Frage des ad�quaten Kausalzusammenhangs nicht mehr zu stellen, da es infolge Wiedererlangung einer vollst�ndigen Arbeitsf�higkeit f�r s�mtliche T�tigkeiten bereits an nat�rlich kausalen, die Arbeitsf�higkeit einschr�nkenden Unfallfolgen fehlt.
3.5.�Die Beschwerdef�hrerin r�gt im Weiteren nicht, dass die Vorinstanz bei der im Sinne einer Eventualbegr�ndung gepr�ften ad�quaten Kausalit�t zwischen dem Unfallereignis vom 29. Januar 2006 und den noch geklagten Beschwerden nach den f�r psychische Unfallsch�den entwickelten Kriterien - mithin ohne Ber�cksichtigung der psychischen Beschwerden und ihre Auswirkungen (BGE 115 V 133 E. 6c/aa S. 140) - vorging.
3.6.�F�r die Klassifikation eines Unfalles als leicht, schwer oder mittelschwer ist in erster Linie auf den �usseren, augenf�lligen Geschehensablauf abzustellen (Urteil U 2/07 vom 19. November 2007, E. 5.3.1 mit Hinweis). Unter Ber�cksichtigung der aktuellen Kasuistik (vgl. die �bersicht �ber die Praxis hierzu in SVR 2013 UV Nr. 3 S. 7, 8C_398/2012 E. 5.2 und Urteile 8C_434/2012 vom 21. November 2012 E. 7.2 und 8C_241/2012 vom 3. August 2012 E. 4.3) und der Akten - unter anderem den polizeilichen Protokollen - l�sst sich die vorinstanzlich vorgenommene Qualifikation des Unfalls als mittelschweres Ereignis im engeren Sinn, entgegen dem Einwand der Beschwerdef�hrerin, die eine Einordnung im Grenzbereich zu den schweren Unf�llen fordert, nicht beanstanden. Die Tatsache, dass die Versicherte ca. 20 Minuten auf die Bergung aus ihrem Fahrzeug warten musste und am Unfallort einen fluktuierenden Wert auf der Glasgow Coma Scale (GCS) bis 11 aufwies (Austrittsbericht des Spitals C.________ vom 22. Februar 2006), stellt keinen Beleg f�r ein besonders schweres Ereignis dar.
3.7.�Demnach k�nnte die Ad�quanz nur bejaht werden, wenn mindestens drei der sieben Ad�quanzkriterien erf�llt w�ren oder eines besonders ausgepr�gt vorliegen w�rde (SVR 2013 UV Nr. 3 S. 7, 8C_398/2012 E. 6 Ingress). Selbst wenn mit der Beschwerdef�hrerin besonders dramatische Begleitumst�nde oder eine besondere Eindr�cklichkeit gegeben w�ren und auch das Kriterium der Schwere der erlittenen somatischen Verletzungen oder der Verletzungen besonderer Art bejaht w�rde, w�ren damit lediglich zwei der massgeblichen Kriterien vorhanden, jedoch keines in besonders ausgepr�gter Weise. Damit scheiterte die Ber�cksichtigung des psychischen Leidens im Rahmen der unfallversicherungsrechtlichen Leistungen jedenfalls an der fehlenden ad�quaten Unfallkausalit�t.
3.8.�Bei diesem Ergebnis er�brigen sich Weiterungen zu den Vorbringen der Versicherten betreffend der �berwindbarkeit ihrer Beschwerden (vgl. BGE 137 V 64 E. 4.2 S. 68 mit Hinweisen, 137 V 199 E. 2.2 S. 202 f., 136 V 279 E. 3.2.3 S. 283 und Urteil 8C_730/2011 vom 9. Dezember 2011 E. 5). Nach dem Gesagten ist die Leistungseinstellung auf den 30. November 2011 rechtens.
Das Gesuch um unentgeltliche Prozessf�hrung im bundesgerichtlichen Verfahren ist wegen Aussichtslosigkeit abzuweisen (Art. 64 Abs. 1 BGG).