Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Text=VI%20ZR%20138/84
Timestamp: 2019-08-23 14:26:55
Document Index: 61025910

Matched Legal Cases: ['BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 1542', '§ 67', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 67', '§ 116', '§ 249', '§ 116', '§ 249', '§ 116', '§ 249', '§ 249', '§ 67', '§ 86', 'BGH', '§ 86', '§ 86', '§ 67', '§ 86', '§ 86', '§ 116', '§ 116', '§ 636', '§ 104', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 61', 'BGH']

BGH, 08.10.1985 - VI ZR 138/84 - dejure.org
https://dejure.org/1985,945
BGH, 08.10.1985 - VI ZR 138/84 (https://dejure.org/1985,945)
BGH, Entscheidung vom 08.10.1985 - VI ZR 138/84 (https://dejure.org/1985,945)
BGH, Entscheidung vom 08. Januar 1985 - VI ZR 138/84 (https://dejure.org/1985,945)
Tipp: Um den Kurzlink (hier: https://dejure.org/1985,945) schnell in die Zwischenablage zu kopieren, können Sie die Tastenkombination Alt + R verwenden - auch ohne diesen Bereich zu öffnen.
Ersatz der Waisenrenten des für den Tod der Frau verantwortlichen Ehemannes - Vom Strafprozess abweichende Feststellung vorsätzlicher Tötung im Zivilprozess - Auswirkung der unzureichenden Auswertung des von den Parteien vorgetragenen Prozessstoffes - Gebotenheit der Einholung eines Sachverständigengutachtens im Zivilprozess für die Beurteilung des Tötungsvorsatzes eines Beklagten - Erstreckung des Vorsatzes auf die Schadensfolgen
RVO § 1542; VVG § 67 Abs. 2 Hs.2
NJW-RR 1986, 106
FamRZ 1986, 241
VersR 1986, 233
Jedoch ging der Bundesgerichtshof seit seinem Urteil vom 11. Februar 1964 (BGHZ 41, 79) in ständiger Rechtsprechung (vgl. nur BGHZ 54, 256 ; BGH…, Urteil vom 9. Januar 1968 - VI ZR 44/66 -, NJW 1968, S. 649 f.;… Urteil vom 21. September 1976 - VI ZR 210/75 -, NJW 1977, S. 108;… Urteil vom 15. Januar 1980 - VI ZR 270/78 -, VersR 1980, S. 644; Urteil vom 8. Oktober 1985 - VI ZR 138/84 -, VersR 1986, S. 233) davon aus, dass der Forderungsübergang bei Schädigungen durch Familienangehörige, die in häuslicher Gemeinschaft mit dem geschädigten Sozialversicherten leben, aufgrund des Schutzzwecks der Versicherungsleistung entsprechend § 67 Abs. 2 VVG a.F. ausgeschlossen sei.
Auch nach § 116 Abs. 6 Satz 1 SGB X, der den Forderungsübergang bei nicht vorsätzlichen Schädigungen durch Familienangehörige ausschließt, geht der Schadensersatzanspruch nur über, wenn der Schädiger vorsätzlich in Bezug auf die Schadensfolge handelt (vgl. Senatsurteil vom 8. Oktober 1985 - VI ZR 138/84, VersR 1986, 233, 235; OLG Koblenz, Urteil vom 10. September 2001 - 12 U 2006/99, VersR 2002, 1579;… Erman/Ebert, BGB, 12. Aufl., vor § 249 Rn. 167;… Geigel/Plagemann, Der Haftpflichtprozess, 26. Aufl., Kapitel 30 Rn. 83;… Giese in Giese/Wahrendorf, SGB X, § 116 Rn. 8.1 [Stand: Oktober 2004];… MünchKomm-BGB/Oetker, 5. Aufl., § 249 Rn. 499;… Nehls in Hauck/Noftz, SGB X, § 116 Rn. 45 [Stand: Juli 2008];… Palandt/Grüneberg, BGB, 70. Aufl., vor § 249 Rn. 125;… Soergel/Mertens, BGB, 12. Aufl., vor § 249 Rn. 190).
Auch im Rahmen des § 67 Abs. 2 VVG a.F. (jetzt § 86 Abs. 3 VVG) muss sich der Vorsatz auf die Herbeiführung des Schadens beziehen (Senatsurteil vom 8. Oktober 1985 - VI ZR 138/84, VersR 1986, 233, 235; BGH, Urteil vom 2. November 1961 - II ZR 237/59, VersR 1961, 1077, 1078;… Kloth/Neuhaus in Schwintowski/Brömmelmeyer, PK VVG, 2. Aufl., § 86 Rn. 53;… MünchKomm-VVG/Möller/Segger, 2010, § 86 Rn. 198;… Römer/Langheid, VVG, 2. Aufl., § 67 Rn. 55;… Prölss in Prölss/Martin, VVG, 28. Aufl., § 86 Rn. 52;… Voit in Bruck/Möller, VVG, 9. Aufl., § 86 Rn. 181).
In diesem Fall sollen eine unangemessene Besserstellung des Familienverbands des Schädigers vermieden und der Regress zu Gunsten der Versichertengemeinschaft ermöglicht werden (vgl. Senatsurteil vom 8. Oktober 1985 - VI ZR 138/84, VersR 1986, 233, 235;… Giese in Giese/Wahrendorf, SGB X, § 116 Rn. 8.1 [Stand: Oktober 2004];… Kasseler Kommentar Sozialversicherungsrecht/Kater, § 116 SGB X Rn. 249; Künell, VersR 1983, 223, 225).
Insoweit stehen der von der Versichertengemeinschaft zu tragende Schädigungsaufwand und die besonders vorwerfbare Weise im Vordergrund, in der der Schädiger diesen Aufwand verursacht hat (vgl. Senatsurteil vom 8. Oktober 1985 - VI ZR 138/84, aaO; zu ähnlichen Erwägungen im Bereich der §§ 636, 637 RVO und §§ 104, 105 SGB VII vgl. Senatsurteile vom 20. November 1979 - VI ZR 238/78, BGHZ 75, 328, 330 f.; vom 11. Februar 2003 - VI ZR 34/02, BGHZ 154, 11, 13 ff.).
Zwar setzt der Anspruchsübergang voraus, dass der Vorsatz des Schädigers auch die Schadensfolgen umfasst hat, auf die der Versicherer Leistungen erbringt (BGH NJW-RR 1986, 106; OLG Zweibrücken, NJW-RR 1987, 1174).
Den Umfang der Schadensfolgen oder gar die dadurch ausgelösten Krankenversicherungsleistungen der Krankenkasse braucht sich der Schädiger nicht in allen Einzelheiten vorgestellt zu haben (BGH NJW-RR 1986, 106 Sp. 2 u.).
Hier kann nichts anderes gelten als bei vorsätzlichem Handeln, das nach § 61 VVG gleichfalls Leistungsfreiheit auslöst, aber nur dann vorliegt, wenn sich der Vorsatz nicht nur auf den Versicherungsfall, sondern auch auf die Schadensfolgen erstreckt (BGH VersR 1986, 233).