Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Gericht=OLG%20Hamm&Datum=31.01.2000&Aktenzeichen=2%20Ws%20282/99
Timestamp: 2019-12-09 14:59:30
Document Index: 174348104

Matched Legal Cases: ['§ 23', 'BGH', '§ 235', '§ 77', '§ 172', 'BGH']

OLG Hamm, 31.01.2000 - 2 Ws 282/99 - dejure.org
https://dejure.org/2000,3363
OLG Hamm, 31.01.2000 - 2 Ws 282/99 (https://dejure.org/2000,3363)
OLG Hamm, Entscheidung vom 31.01.2000 - 2 Ws 282/99 (https://dejure.org/2000,3363)
OLG Hamm, Entscheidung vom 31. Januar 2000 - 2 Ws 282/99 (https://dejure.org/2000,3363)
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Klageerzwingungsverfahren, Verletzung von Privatgeheimnissen, Unbegründetheit, Zulässigkeit, Pressesprecher der StA
Staatsanwaltschaft; Pressesprecher; Dienstgeheimnis; Privatgeheimnis
NJW 2000, 1278
Durch die Offenbarung wurden keine wichtigen öffentlichen Interessen gefährdet, insbesondere nicht der ungestörte Ablauf des Ermittlungsverfahrens, noch war diese "unbefugt" Dass der Betroffene eines Ermittlungsverfahrens, hier der Kläger, regelmäßig an einer Geheimhaltung interessiert ist, berührt unmittelbar keine öffentlichen Interessen (OLG Hamm, Urt. v. 31. Januar 2000, 2 Ws 282/99, www.jurisweb.de Rz. 19 = NJW 2000, 1278 ff).
Dabei ist zu prüfen, ob das verfolgte öffentliche Interesse generell und nach der Gestaltung des Einzelfalls den Vorrang verdient und ob der beabsichtigte Eingriff in die Privatsphäre nach Art und Reichweite durch dieses Interesse gefordert wird und in angemessenem Verhältnis zur Bedeutung der Sache steht (…BVerfG, "Lebach I", Urt. v. 5. Juni 1973, 1 BvR 536/72, www.jurisweb.de Rz. 65 = BVerfGE 35, 202 ff; OLG Hamm, Urt. v. 31. Januar 2000, 2 Ws 282/99, www.jurisweb.de Rz. 12 = NJW 2000, 1278 ff).
Sie kann allerdings in entsprechender Anwendung des § 23 I Nr. 1 KunstUrhG zulässig sein, wenn es sich bei dem Beschuldigten um eine Person der Zeitgeschichte handelt, der die Verstrickung in eine bedeutende Wirtschaftsstraftat zur Last gelegt wird (OLG Hamm, Beschluss v. 31. Januar 2000, 2 Ws 282/99, www.jurisweb.de Rz. 17 = NJW 2000, 1278; VG Saarlouis, NJW 2003, 3431, 3432 m.w.N.).
Gleiches gilt, wenn das Berichtsgeschehen der Zeitgeschichte zuzuordnen ist (OLG Hamm, Beschl. v. 31.01.2000 - 2 Ws 282/99 -, NJW 2000, 1278;… OLG Hamm, Urt. v. 14.11.2014, a.a.O.); denn dann handelt es sich regelmäßig um Straftaten, die die Öffentlichkeit besonders berühren.
vgl. OVG NRW, Beschluss vom 19. Februar 2004 - 5 A 640/02 -, juris Rn. 12 f.; OLG Hamm, Beschluss vom 31. Januar 2000 - 2 Ws 282/99 -, juris Rn. 12; BGH, Urteil vom 16. März 2017 - I ZR 13/16 -, juris Rn. 52; siehe zum dortigen Landesrecht auch VGH Bad.-Württ., Urteil vom 11. September 2013 - 1 S 509/13 -, juris Rn. 26, 42, und Beschluss vom 10. Mai 2011 - 1 S 570/11 -, juris Rn. 9.
Ob die betroffenen privaten Interessen schutzwürdig sind, ist im Wege einer umfassenden Abwägung zwischen dem Informationsinteresse der Öffentlichkeit und den entgegenstehenden privaten Interessen zu ermitteln (…vgl. nur Löffler/Burkhardt, a. a. O., Rn. 111; OVG Berlin…, Urteil vom 25. Juli 1995 - OVG 8 B 16/94 -, NVwZ-RR 1997, 32, juris Rn. 36; OLG Hamm, Beschluss vom 31. Januar 2000 - 2 Ws 282/99 -, NJW 2000, 1278, juris Rn. 12; OLG Stuttgart, Beschluss vom 21. Juni 2001 - 4 VAs 3/01 -, NJW 2001, 3797, 3798; VG Berlin, Beschluss vom 5. Oktober 2000 - VG 27 A 262.00 -, NJW 2001, 3799, 3800; VG Dresden…, Beschluss vom 7. Mai 2009 - 5 L 42/09 -, AfP 2009, 301, juris Rn. 85; VG Potsdam…, Beschluss vom 21. Juli 2009 - VG 12 L 306/09 -, LKV 2009, 429, juris Rn. 20; VG Frankfurt (Oder)…, Beschluss vom 23. September 2009 - VG 3 L 208/09 -, AfP 2010, 305, juris Rn. 15 ff.).
vgl. OVG NRW, Beschluss vom 19. Februar 2004 - 5 A 640/02 -, OVGE 50, 32 = juris, Rn. 12 f.; OLG Hamm, Beschluss vom 31. Januar 2000 - 2 Ws 282/99 -, NJW 2000, 1278, 1279; VGH Bad.-Württ., Beschluss vom 10. Mai 2011 - 1 S 570/11 -, NVwZ 2011, 958 = juris, Rn. 9, m. w. N.
Schließlich muss der Antrag auf gerichtliche Entscheidung bei Delikten, deren Verfolgung - wie hier nach § 235 Abs. 7 StGB - nur auf Antrag zulässig ist, auch die Tatsachen vortragen, aus denen sich ergibt, dass der Strafantrag innerhalb der Frist des § 77 b Abs. 1 und 2 StGB von drei Monaten ab Kenntnis des Berechtigten von der Tat und der Person des Täters gestellt worden ist (vgl. Senat, Beschluss vom 31. Januar 2000 in 2 Ws 282/99; OLG Düsseldorf JMBl. NW 1983, 30; OLG Karlsruhe wistra 1995, 154;… Kleinknecht/Meyer-Goßner, a.a.O., § 172 Rn. 28).
Nachdem eine Namensnennung der Antragsteller hier nicht in Rede steht, kommt es nicht darauf an, ob vorliegend die diesbezüglich geltenden, besonders strengen Maßstäbe, vgl. hierzu etwa BGH, Urteil vom 17.3.1994 - III ZR 15/93 -, NJW 1994, 1950 = juris, Rn. 26 f.; OLG Hamm, Urteil vom 14.11.2014 - I-11 U 129/13 u. a. -, NJW-RR 2015, 936 = juris, Rn. 36 ff., und Beschluss vom 31.1.2000 - 2 Ws 282/99 -, NJW 2000, 1278 = juris, Rn. 12, 14, ohne Abstriche erfüllt werden.
Darüber hinaus ist eine Namensnennung auch dann zulässig, wenn das Berichtsgeschehen der Zeitgeschichte zuzuordnen ist (OLG Hamm, Beschluss vom 31.01.2000, 2 Ws 282/99).
OLG Koblenz, 15.02.2001 - 2 Ws 10/01
Klageerzwingungsverfahren, Privatgeheimnis, Rechtfertigungsgrund, …