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Timestamp: 2020-04-05 01:24:46
Document Index: 103401432

Matched Legal Cases: ['§ 13', '§ 13', '§ 12', '§ 15', '§ 18', '§ 13', '§ 13', 'Art. 3', 'Art. 3', '§ 13', '§ 13', '§ 13', '§ 13', '§ 14', '§ 13', '§ 13']

Begüns­ti­gung des Betriebs­ver­mö­gens bei mit­tel­ba­rer Schen­kung | Rechtslupe
Die Steu­er­ver­güns­ti­gun­gen des § 13a ErbStG sind nur zu gewäh­ren, wenn das erwor­be­ne Ver­mö­gen sowohl auf Sei­ten des Erb­las­sers oder Schen­kers als auch auf Sei­ten des Erwer­bers begüns­tig­tes Ver­mö­gen ist. Die Zuwen­dung von Geld zum Erwerb eines Betriebs ist nicht begüns­tigt.
Der Frei­be­trag und der ver­min­der­te Wert­an­satz des § 13a Abs. 1 und 2 ErbStG vor 2009 gel­ten für inlän­di­sches Betriebs­ver­mö­gen (§ 12 Abs. 5 ErbStG vor 2009) beim Erwerb eines gan­zen Gewer­be­be­triebs, eines Teil­be­triebs, eines Anteils an einer Gesell­schaft i.S. des § 15 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2, Abs. 3 oder § 18 Abs. 4 des Ein­kom­men­steu­er­ge­set­zes, eines Anteils eines per­sön­lich haf­ten­den Gesell­schaf­ters einer Kom­man­dit­ge­sell­schaft auf Akti­en oder eines Anteils dar­an (§ 13a Abs. 4 Nr. 1 ErbStG vor 2009).
Die Steu­er­ver­güns­ti­gun­gen des § 13a ErbStG sind nur zu gewäh­ren, wenn das erwor­be­ne Ver­mö­gen sowohl auf Sei­ten des Erb­las­sers oder Schen­kers als auch auf Sei­ten des Erwer­bers Ver­mö­gen i.S. des Abs. 4 Nr. 1 oder 2 der Vor­schrift ist 1. Dies ergibt sich für die Erwer­ber­sei­te bereits aus dem Begüns­ti­gungs­zweck der Norm in Ver­bin­dung mit den Nach­ver­steue­rungs­tat­be­stän­den des Abs. 5 der Vor­schrift und für die Sei­te des Erb­las­sers oder Schen­kers aus dem Gleich­heits­satz des Art. 3 Abs. 1 GG 2.
Die Bevor­zu­gung des Betriebs­ver­mö­gens gegen­über ande­ren Ver­mö­gens­ar­ten bei der Erb­schaft- und Schen­kungsteu­er bedarf im Hin­blick auf Art. 3 Abs. 1 GG einer Recht­fer­ti­gung, wie sie der Gesetz­ge­ber dem Beschluss des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts vom 22.06.1995 3 ent­nom­men hat 4. Das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt hat aber die Mil­de­rung des Steu­er­zu­griffs bei Betriebs­ver­mö­gen aus­drück­lich auf sol­che Erwer­ber beschränkt, die den Betrieb "wei­ter­füh­ren", "auf­recht­erhal­ten" und "fort­füh­ren". Die­se Wort­wahl zeigt, dass das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt den Betrieb des Erb­las­sers oder Schen­kers im Blick hat­te 2.
An die­ser zu § 13a ErbStG i.d.F. vor der Ände­rung durch das Gesetz zur Ände­rung steu­er­li­cher Vor­schrif­ten – Steu­er­än­de­rungs­ge­setz 2001 vom 20.12 2001 ‑StÄndG 2001- 5 ergan­ge­nen Recht­spre­chung hält der Bun­des­fi­nanz­hof auch für den Streit­fall fest. Zwar wur­de durch das StÄndG 2001 der Wort­laut des § 13a Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 ErbStG inso­weit geän­dert, als die For­mu­lie­rung "beim Erwerb im Wege der vor­weg­ge­nom­me­nen Erb­fol­ge" ersetzt wur­de durch "beim Erwerb durch Schen­kun­gen unter Leben­den". Gleich­wohl dient § 13a ErbStG auch in der geän­der­ten Fas­sung dazu, bestehen­de Betrie­be auf­grund ihrer ver­min­der­ten Leis­tungs­fä­hig­keit durch gebun­de­nes Ver­mö­gen zu begüns­ti­gen.
Zweck der Vor­schrift ist es, mit­tels Begüns­ti­gung des Erwerbs bei der Erb­schaft- und Schen­kungsteu­er einen bestehen­den Betrieb des Erb­las­sers oder Schen­kers und des­sen Arbeits­plät­ze zu erhal­ten. Die­se sol­len davor geschützt wer­den, dass der Erwer­ber zur Beglei­chung sei­ner per­sön­li­chen Erb­schaft- oder Schen­kungsteu­er­schuld auf die Ver­mö­gens­wer­te des Betriebs zurück­grei­fen muss. Die Vor­schrift dient dage­gen nicht all­ge­mein dazu, die Grün­dung oder den Erwerb eines Betriebs durch den Erwer­ber mit finan­zi­el­len Mit­teln des Zuwen­den­den zu begüns­ti­gen. Letz­te­res wäre mit der Begrün­dung des ver­min­der­ten Steu­er­zu­griffs bei Betriebs­ver­mö­gen auf­grund der "Wei­ter­füh­rung", der "Auf­recht­erhal­tung" und "Fort­füh­rung" des Betriebs des Erb­las­sers oder Schen­kers 6 nicht ver­ein­bar.
Die­se Rechts­auf­fas­sung steht im Ein­klang mit der zu § 13a Abs. 4 Nr. 3 ErbStG vor 2009 ergan­ge­nen Recht­spre­chung. Danach kommt es ‑aus­ge­hend vom Wort­laut der Vor­schrift- dar­auf an, dass der Erb­las­ser oder Schen­ker am Nenn­ka­pi­tal der Kapi­tal­ge­sell­schaft zu mehr als einem Vier­tel unmit­tel­bar betei­ligt ist 7.
Aus­ge­hend von die­sen Rechts­grund­sät­zen war im hier ent­schie­de­nen Streit­fall der Vor­er­werb im Rah­men des § 14 Abs. 1 ErbStG ohne Abzug des Frei­be­trags für den Erwerb von Betriebs­ver­mö­gen nach § 13a Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 ErbStG vor 2009 zu berück­sich­ti­gen:
Der Vor­er­werb ist auch mit 205.000 € in der mate­ri­ell-recht­lich zutref­fen­den Höhe ange­setzt wor­den. Das gilt auch dann, wenn man im Streit­fall nicht von einer rei­nen Geld­schen­kung, son­dern ‑wie das Finanz­ge­richt im Rah­men einer im Revi­si­ons­ver­fah­ren nicht zu bean­stan­den­den Gesamt­wür­di­gung der Tat­sa­chen- von einer mit­tel­ba­ren Schen­kung eines Betriebs­grund­stücks aus­geht. Das für die Wert­fest­stel­lung zustän­di­ge Finanz­amt hat den Wert des Grund­stücks in Höhe von 434.000 € geson­dert fest­ge­stellt. Da der Beschenk­te für den Erwerb einen Betrag von 205.000 EUR u.a. von sei­ner Mut­ter erhal­ten hat, ist der Ansatz von 205.000 € im Ergeb­nis nicht zu bean­stan­den.
An die ‑unzu­tref­fen­de- Fest­stel­lung, dass es sich bei dem Grund­stück um ein Betriebs­grund­stück han­de­le, das ursprüng­lich dem Gewer­be­be­trieb der Mut­ter des Beschenk­ten zuzu­rech­nen gewe­sen sei, ist das Finanz­amt nicht gebun­den. Die Fest­stel­lung über die Zurech­nung des Betriebs­grund­stücks ent­fal­tet kei­ne Bin­dungs­wir­kung für die Fest­set­zung der Erb­schaft- oder Schen­kungsteu­er und die dabei zu tref­fen­de Ent­schei­dung über die Gewäh­rung der Steu­er­ver­güns­ti­gun­gen nach § 13a Abs. 1 und 2 ErbStG vor 2009 8.
Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 8. Mai 2019 – II R 18/​16
zu der im Wesent­li­chen glei­chen Vor­läu­fer­vor­schrift BFH, Urteil vom 14.02.2007 – II R 69/​05, BFHE 215, 533, BSt­Bl II 2007, 443, unter II. 2.b; BFH, Beschluss vom 18.02.2008 – II B 109/​06, BFH/​NV 2008, 1163[↩]
BFH, Urteil in BFHE 215, 533, BSt­Bl II 2007, 443, unter II. 2.b[↩][↩]
BVerfG, Beschluss vom 22.06.1995 – 2 BvR 552/​91, BVerfGE 93, 165, BSt­Bl II 1995, 671, unter C.I. 2.b bb[↩]
BR-Drs. 390/​96, 67 f.[↩]
vgl. BFH, Urteil in BFHE 215, 533, BSt­Bl II 2007, 443, unter II. 2.b[↩]
BFH, Urteil vom 16.02.2005 – II R 6/​02, BFHE 208, 444, BSt­Bl II 2005, 411[↩]
vgl. BFH, Urtei­le vom 29.11.2006 – II R 42/​05, BFHE 215, 529, BSt­Bl II 2007, 319, unter II. 2.a; und vom 18.05.2011 – II R 10/​10, BFH/​NV 2011, 2063, Rz 16[↩]
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