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Timestamp: 2017-01-23 00:34:00
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Matched Legal Cases: ['Art. 131', 'Art. 131', 'Art. 131', 'Art. 131', 'Art. 131', 'Art. 131', 'Art. 131', '§ 236']

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Quelle:Tj/Wächtershäuser 1973
Angaben zur Quelle [Bearbeiten] Autor Wilhelm Wächtershäuser
Titel Das Verbrechen des Kindesmordes im Zeitalter der Aufklärung : eine rechtsgeschichtl. Untersuchung d. dogmat., prozessualen u. rechtssoziolog. Aspekte
Sammlung Quellen und Forschungen zur Strafrechtsgeschichte ; Bd. 3
Anmerkung Link zum Datensatz der DNB
ISBN 3503007350
URL http://books.google.de/books?id=fGwe1EaZi_oC
[1.] Tj/Fragment 077 29 - DiskussionZuletzt bearbeitet: 2013-01-08 12:51:54 KlickenBauernOpfer, Fragment, SMWFragment, Schutzlevel, Tj, Wächtershäuser 1973, ZuSichten
[2.] Tj/Fragment 078 01 - DiskussionZuletzt bearbeitet: 2013-01-11 15:33:40 Plagin HoodFragment, KeineWertung, SMWFragment, Schutzlevel, Tj, Wächtershäuser 1973, ZuSichten
[So kann man gegen Ende des 18. Jahrhunderts297 einen verhältnismäßig scharf umrissenen, aus den Art. 131, 35 und 36 CCC konstruierten Tatbestand ausma-] chen. Dabei hatte der sehr allgemein gehaltene Art. 131 CCC durch die Indizienregeln der anderen Vorschriften Ergänzungen im Sinne einer tatbestandlichen Ausgestaltung erfahren.298
Einigkeit bestand insoweit, dass die Besonderheit des Kindsmordes darin bestand, dass Tatobjekt nur ein neugeborenes Kind und Täterin nur dessen Mutter sein kann.
298 Vgl. Wächtershäuser, S. 7.
Gegen Ende des 18. Jahrhunderts treffen wir in Rechtsprechung und Literatur einen verhältnismäßig scharf umrissenen, aus den Art. 131, 35 u. 36 PGO konstruierten Tatbestand des Kindermordes an. Der an sich recht unbestimmte, weil viel zu allgemeine Tatbestandskern des Art. 131 I PGO hatte die Indizienregelungen der übrigen Vorschriften in vielerlei Hinsicht Ergänzungen im Sinne tatbestandlicher Ausgestaltung erfahren:
Der Kindermord „in sensu stricto et proprio“ (wie wir der Begriff künftig nur verwenden wollen) stellt sich demnach als ein Sonderfall des Deszendentenmordes dar; seine Besonderheit besteht darin, daß Tatobjekt nur ein neugeborenes Kind, Täterin nur dessen Mutter sein kann.
Fortgesetzt von vorheriger Seite. Die ersten beiden Sätze enthalten Quellenangaben (mit "Vgl."), die jedoch die wörtlichen/gedanklichen Übereinstimmungen nicht vollständig klarstellen. Darunter folgen weitere Übereinstimmungen.
[3.] Tj/Fragment 078 10 - DiskussionZuletzt bearbeitet: 2013-02-03 22:48:38 SingulusBauernOpfer, Fragment, SMWFragment, Schutzlevel, Tj, Wächtershäuser 1973, ZuSichten
Untersuchte Arbeit:Seite: 78, Zeilen: 10-29
Quelle: Wächtershäuser 1973Seite(n): 12, 13, 14, Zeilen: 12: 21ff., 13: 37-38, 102; 14: 6-8
Die von Wehrli angesprochene Nichtbeachtung des Motivs kann als charakteristisch für den Begriff des Kindsmords in jener Zeit angesehen werden. Dies lässt sich an einem bei Wächtershäuser wiedergegebenen Kindsmordfall, der etwa 1740/50 entschieden worden sein muss, eindrucksvoll belegen.300
Die Delinquentin hatte angegeben, sie habe das Kind aus Furcht vor Entdeckung nur durch zusammendrücken des Halses am Schreien hindern wollen. An den Tod des Kindes habe sie nicht gedacht. Diese Einlassung erscheint glaubhaft, wenn man sich in die Lage einer unehelichen Mutter in der damaligen Zeit versetzt. Schmerz, Scham, Ratlosigkeit und Furcht vor der Schande, die sich über die langen Monate der Schwangerschaft anhäuften, vervielfachten sich durch die physische und psychische Belastung der Geburt. In dieser dramatischen Situation kann die Überlegung, erst mal Zeit zu gewinnen, zur Ruhe zu kommen, niemand etwas merken zu lassen, durchaus nachvollziehbar sein. So betrachtet erscheint es durchaus einleuchtend, dass die Täterin ihr Kind wirklich nur am Schreien hindern wollte. Für das Gericht spielte dies indes keine Rolle. Es verurteilte die Delinquentin zum Tode durch das Schwert. Dies zeigt, dass der inneren Tatseite, dem seelischen Zustand und den Motiven der Täterin, keine Aufmerksamkeit geschenkt wurde.301
Gleiches können wir bei Joh. Christ. Fröhlich von Frölichsburg erkennen. Das später als sehr wichtig angesehene Motiv der Scham, das sogar Art. 131 CCC [erwähnt, tut er kurzum ab: „sintemalen die Abtoedtung der Kinder wegen verzweifelter
Scham, so doch vor der Suende haette beobachtet werden sollen.“302]
300 Vgl. Wächtershäuser, S. 1lf.
301 Vgl. Wächtershäuser, S. 1lf.
Die Täterin gibt an, sie habe das Kind aus Furcht vor Entdeckung nur am Schreien hindern wollen. Berücksichtigt man die Lage einer unehelichen Mutter unter den damaligen Umständen und Wertsetzungen, so ist diese Einlassung glaubhaft. Im Zeitpunkt der Geburt kulminiert nach monatelanger Steigerung ein Zustand gemischt aus Schmerz, Scham, Ratlosigkeit und Furcht vor einer ungewissen Zukunft; alle diese Empfindungen werden durch die physische Belastung des Geburtsvorgangs vervielfacht. In dieser dramatischen Situation kann die erste Überlegung sehr wohl lauten: Zeit gewinnen, zur Rhe kommen, niemanden etwas merken lassen. So betrachtet, erscheint es durchaus einleuchtend, daß die Täterin ihr Kind wirklich nur am Schreien hindern wollte.
Daraus einen „animum occidendi indirectum“ zu konstruieren, erscheint daher gewaltsam.16 Aber es ist charakteristisch für den Begriff des Kindermords zu dieser Zeit, daß der inneren Tatseite, insbesondere dem seelischen Zustand und den Motiven der Täterin, keine Aufmerksamkeit geschenkt wird.
wir nun eine zusammenhängende Darstellung des Kindermords aus der Mitte des 18. Jahrhunderts.
Joh. Christ. Frölich v. Frölichsburgs „Commentarius, In Kayser Carl des Fünften, und des H. Röm. Reichs Peinliche Halsgerichts-Ordnung“ erschien im Jahr 1759.
Das ganze Werk erweckt den Eindruck einer mehr konservativen Einstellung; es erscheint daher recht geeignet, einen zutreffenden Eindruck des Strafrechts er ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts zu vermitteln.
sintemalen die Abtoedtung der Kinder wegen verzweifelter Scham, so doch vor der Suende haette beobachtet werden sollen, [...]
Entscheidend ist, daß er das später so wichtige Motiv der Scham, dem Art. 131 PGO ja auch eine nicht zu übersehende Bedeutung beimißt, geradezu abwürgt:
Auf die Quelle wird mehrfach verwiesen, die Übereinstimmungen/Anlehnungen sind jedoch nicht in vollem Umfang kenntlich gemacht. Auf Seite 11 der Quelle (siehe Fußnotenangaben) findet sich nur die historische Schilderung, die jedoch nicht übernommen wird. Fortsetzung auf der Folgeseite.
[4.] Tj/Fragment 079 01 - DiskussionZuletzt bearbeitet: 2013-02-03 22:46:45 SingulusBauernOpfer, Fragment, SMWFragment, Schutzlevel, Tj, Wächtershäuser 1973, ZuSichten
Untersuchte Arbeit:Seite: 79, Zeilen: 1-31
Quelle: Wächtershäuser 1973Seite(n): 13, 14, 16, Zeilen: 13: 37-38, 102; 14: 6-15, 21-25; 16: 1-23
Damit werden die subjektiven Elemente der Tat ausgeklammert. Der Grund, warum der Kindsmord als ein Tatbestand eigener Art mit speziellen Merkmalen und besonderem Unrechtsgehalt hervorzuheben ist, entfällt. So erübrigt es sich für Frölichsburg, Tatbestandsmerkmale aufzustellen, die sich auf das Motiv beziehen, es begründen oder daraus folgen.303
Gleiches gilt wohl auch für die Handhabung des Kindsmords in der Freien Reichsstadt Speyer Anfang des 18. Jahrhunderts, über die aus einer Quelle zu erfahren ist: „Die seelische Erregungen, denen die Gebärende in und nach dem Geburtsakt ausgesetzt ist, erfahren in der Regel keine Berücksichtigung, wie wohl die Defensoren manchmal mit Nachdruck daraufhinweisen.“304
Grund für die Tatsache, dass der Kindsmord allein aus Opfersicht beurteilt und der Blick auf die Täterinnen missachtet wurde, war neben der immer noch im Vordergrund stehenden Erfolgshaftung die scharfe Pönalisierung der „fleischlichen Verbrechen“. Todesstrafe für Ehebruch, ewige Landesverweisung, Staupenschlag und ähnliches für voreheliche Vermischung sogar unter Verlobten, dazu noch entwürdigende Kirchenbußen waren durchaus normale Strafandrohungen. Mitgefühl für die Ängste und Nöte der unehelich Schwangeren waren bei einer so gestalteten moralisch-sittlichen Wertung ausgeschlossen. Kam es dann sogar zum Kindsmord, musste für ihre Tat das gleiche Unwerturteil gesprochen werden, wie bei jedem anderen Verwandtenmord auch.
Dass gerade die Furcht vor den überharten Unzuchtsstrafen die Ursache für den Mord eines Neugeborenen war, wurde gänzlich übersehen. Da das Kind der lebende Beweis dafür war, dass die Mutter ein „fleischliches Verbrechen“ begangen hatte und ihr deshalb eine schwere Strafe drohte, lag es doch nahe diesen Beweis zu beseitigen. Wächtershäuser geht in diesem Zusammenhang sogar soweit, dass er der Gesetzgebung eine Mitschuld an so manchem Toten gibt: „Die Tatsachen sprechen dafür, dass dieser unglückseligen Gesetzgebung über lange Zeit hinweg unzählige Kinder und - auf dem Umweg über die Justiz – auch Mütter zum Opfer gefallen sind.“ 305
Entscheidend ist, daß er das später so wichtige Motiv der Scham, dem Art. 131 PGO ja auch eine nicht zu übersehende Bedeutung beimißt, geradezu abwürgt: Daran hätte die Täterin „vor der Sünde“ denken sollen. Gerade mit der Ausklammerung dieses subjektiven, nach späterer Auffassung dominierenden Tatelements, entfällt der Hauptgrund dafür, den Kindermord als einen Tatbestand eigener Art mit speziellen Merkmalen und besonderem Unrechtsgehalt hervorzuheben. Soll das Tatmotiv und damit der seelische Zustand der Täterin sowieso keine Berücksichtigung finden, so erübrigt es sich, weitere Tatmerkmale aufzustellen, die auf das Motiv hindeuten, es begründen oder daraus folgen [...]
Natürlich stellt sich die weitere Frage, warum man damals das Verbrechen in erster Linie vom Tatopfer und nicht von der Täterin her gesehen hat. Dafür gibt es neben dem allgemeinen Grund, daß die Erfolgshaftung noch im Vordergrund stand, beim Kindermord eine spezielle Ursache: die scharfe Pönalisierung aller außerehelichen Sexualbetätigung. Auf dem Höhepunkt absolutistischer Machtvollkommenheit griff der landesherrliche Wille rücksichtslos in alle Lebensbereiche seiner Untertanen ein: die „fleischlichen Verbrechen“ (delicta carnis) machen das besonders deutlich. Todesstrafe für Ehebruch, ewige Landesverweisung, Staupenschlag u. ä. für voreheliche „fleischliche Vermischung“ (sogar unter Verlobten!), dazu noch entwürdigende Kirchenbußen waren durchaus normale Strafandrohungen.23 Die derartigen Normen zugrunde liegende sittliche und moralische Wertung konnte keine unehelich Schwangere auf Verständnis für ihre Ängste und Nöte hoffen lassen. Ging sie aber dann so weit, ihr Kind zu töten, so war das Maß voll: über ihre Tat wurde dasselbe Unwerturteil gesprochen wie bei jedem anderen verwandtenmord.
Andererseits mag oft genug gerade die Furcht vor den überaus harten Unzuchtsstrafen die Triefeder für einen Kindermord gewesen sein. War doch das Kind der untrügliche Beweis dafür, daß die Mutter sich der „Hurerey“ schuldig gemacht hatte. Drohte ihr ohnehin schon eine schwere Strafe, so lag es nahe, den lebenden Beweis ihrer Tat zu beseitigen.24
[5.] Tj/Fragment 081 102 - DiskussionZuletzt bearbeitet: 2013-02-03 20:31:49 HindemithBauernOpfer, Fragment, Gesichtet, SMWFragment, Schutzlevel sysop, Tj, Wächtershäuser 1973
[6.] Tj/Fragment 084 03 - DiskussionZuletzt bearbeitet: 2013-01-09 17:17:33 Graf IsolanFragment, SMWFragment, Schutzlevel, Tj, Verschleierung, Wächtershäuser 1973, ZuSichten
Untersuchte Arbeit:Seite: 84, Zeilen: 3-10
Quelle: Wächtershäuser 1973Seite(n): 22, Zeilen: 6-9, 16-18
Abschließend sei hier noch Feuerbach erwähnt. Auch er erhob die Furcht vor der Schande, indem er in dieser den Grund der Privilegierung sah, in den Rang eines subjektiven Tatbestandsmerkmals von besonderer Wichtigkeit: „Die Furcht vor dem Verlust der Geschlechtsehre - diese gewöhnliche, an sich edle, und gerade in bessern Gemüthern vorzüglich gewaltige, Triebfeder zur Begehung des Kindsmordes, ist der Hauptgrund, welcher dieses Verbrechen gegen den gemeinen Verwandtenmord auf eine geringere Stufe der Strafbarkeit herabsetzt.“327
327 Feuerbach, S. 203.
Ähnlich verfährt Feuerbach33:
[...] Die Furcht vor dem Verlust der Geschlechtsehre - diese gewöhnliche, an sich edle, und gerade in bessern Gemüthern vorzüglich gewaltige, Triebfeder zur Begehung des Kindermordes, ist der Hauptgrund, welcher dieses Verbrechen gegen den gemeinen Verwandtenmord auf eine geringere Stufe der Strafbarkeit herabsetzt. [...]
Indem Feuerbach in dem Motiv den Grund der geringeren Strafbarkeit erkennt, erhebt er es in den Rang eines subjektiven Tatbestandsmerkmals von besonderer Wichtigkeit.
33 §§ 236, 237, 239
Die Argumentation, die Zitate und die Formulierungen folgen Wächtershäuser (1973), ohne dass dies gekennzeichnet worden wäre.
[7.] Tj/Fragment 154 14 - DiskussionZuletzt bearbeitet: 2013-01-09 23:48:38 Plagin HoodBauernOpfer, Fragment, SMWFragment, Schutzlevel, Tj, Unfertig, Wächtershäuser 1973
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