Source: http://dedocz.com/doc/71680/anmeldung
Timestamp: 2017-01-19 00:27:49
Document Index: 195235765

Matched Legal Cases: ['BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH']

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SEBASTIAN WACHSMANN
TUTORIUM STRAFRECHT IN DE R MITTELPHASE
ZUR VOR BEREITUNG AUF DIE &Uuml;BUN G F&Uuml;R FORTGESC HR ITTENE
Tutorium Strafrecht in der Mittelphase
Einheit 2: Klausurenmethodik; Diebstahl
1. Tatkomplex: Das Geschehen im Waffengesch&auml;ft
Das Tatgeschehen ist zur Wahrung der &Uuml;bersichtlichkeit nach Tatkomplexen und Tatbeteiligten
(wie hier „Strafbarkeit der A“) zu unterteilen.
Tatkomplexe sind Sachverhaltsabschnitte, die wegen ihres r&auml;umlich-zeitlichen oder rechtlich-sozialen Zusammenhangs eine Einheit bilden. Bei der Festlegung einzelner Tatkomplexe kann man
sich an den Unterscheidungskriterien zwischen Tateinheit (&sect; 52) und Tatmehrheit (&sect; 53) orientieren. Zudem sind einzelne Sinnabschnitte in Klausurangaben oft bereits durch Abs&auml;tze angedeutet. Bilden Sie nicht zu viele Tatkomplexe, indem Sie ein nat&uuml;rliches Geschehen auseinander rei&szlig;en. Es werden selten mehr als drei Tatkomplexe in der Examensklausur n&ouml;tig sein.
Bei der Benennung der Tatkomplexe bietet es sich an, an &Ouml;rtlichkeiten oder den zeitlichen Ablauf
des Tatgeschehens anzukn&uuml;pfen. Juristische Termini („Die Wegnahme der Geldb&ouml;rse“) und Deliktsbezeichnungen („Der Raub“) sind unbedingt zu vermeiden. So vermischt man Alltagssprache
mit Fachsprache und Sie nehmen damit die noch zu leistende Subsumtionsarbeit vorweg. Bleiben Sie bei der Namenswahl sachlich und verwenden Sie keine vermeintlich originellen und letztlich nicht hilfreiche Bezeichnungen wie „Ein Einkauf mit Hindernissen“,
„Die ungebetene Kundin“ oder „Der kranke X“.
Strafbarkeit der A
A. &sect; 123 I
A k&ouml;nnte sich durch das Betreten des Waffengesch&auml;fts des X gem. &sect; 123 I strafbar gemacht haben.
A m&uuml;sste in einen Gesch&auml;ftsraum eingedrungen sein, was voraussetzt, dass sie diesen ohne oder
gegen den Willen des Berechtigten betreten hat. Die Gesch&auml;ftsr&auml;ume standen nach dem Willen
des Ladeninhabers X jedermann offen, also auch der A. Nach au&szlig;en nicht erkennbare deliktische Absichten des T&auml;ters &auml;ndern daran nichts.
Anders verh&auml;lt es sich nur, wenn die deliktische Absicht eines T&auml;ters bereits beim Betreten der
gesch&uuml;tzten &Ouml;rtlichkeit erkennbar ist wie z.B. bei einem Bankr&auml;uber, der maskiert und bewaffnet
eine Bank betritt.
Ergebnis: A hat sich nicht gem. &sect; 123 I strafbar gemacht.
Anmerkung Aufbau/Reihenfolge:
Hier kollidieren zwei Aufbauprinzipien: „Schwereres Delikt (z.B. &sect; 244) vor leichterem Delikt (&sect;
123)“ vs. „chronologischer Aufbau“.
Goldene Aufbauregeln, die immer greifen, gibt es nicht. Man sollte sich weniger an Regeln, sondern vielmehr an seiner eigenen Einsch&auml;tzung orientieren, wie man die Delikte am &uuml;bersichtlichsten, effizientesten und &uuml;berzeugendsten darstellt. Auch Klausurtaktik kann eine Rolle spielen.
In den meisten F&auml;llen wird es sinnvoll sein, den Sachverhalt chronologisch Tathandlung f&uuml;r Tathandlung abzuarbeiten. Wenn man an eine Tathandlung mit der Pr&uuml;fung mehrerer Delikte (z.B.
versuchter Mord und vollendete K&ouml;rperverletzung mittels eines Schusses) ankn&uuml;pft, wird man innerhalb dieses Abschnitts h&auml;ufig mit dem schwersten Delikt beginnen.
Im Fall gewinnt „chronologischer Aufbau“, man beginnt also mit &sect; 123. Die Tathandlung des Betretens des Gesch&auml;fts liegt vor den in Frage kommenden Wegnahmehandlungen.
Desweiteren wiegt &sect; 244 nicht so schwer (wie z.B. Raub oder Mord), zum anderen wird hier im
Fall noch &sect; 242 I i.V.m. &sect; 243 vor &sect; 244 zu pr&uuml;fen sein, siehe unten. Der chronologische Aufbau
hat einige Vorteile: Man vergisst nichts, beh&auml;lt die &Uuml;bersicht und f&uuml;hrt den Korrektor gut durch
die Klausur.
Angesichts des offensichtlichen Ergebnisses sollte diese Standardkonstellation (&sect; 123 tatbestandsausschlie&szlig;endes Einverst&auml;ndnis) in der Klausur im Urteilsstil gepr&uuml;ft werden. Es handelt
sich jedoch um den ersten Tatbestand der Klausur, so dass ein Einstieg im Gutachtenstil genauso
gut ist. Im Urteilsstil h&auml;tte die Begr&uuml;ndung knapper ausfallen m&uuml;ssen. Faustregel f&uuml;r Urteilsstil:
Nicht mehr als 2 S&auml;tze.
Machen Sie Abs&auml;tze und Leerzeilen wie hier exemplarisch vorgef&uuml;hrt. Die Lesbarkeit ist deutlich
erh&ouml;ht gegen&uuml;ber einem Flie&szlig;text von einer Seite ohne jede optische Struktur.
Die Klausur wirkt dadurch auch strukturierter.
Faustregel: Nach zwei, drei S&auml;tzen ein Absatz + Leerzeile.
B. &sect; 242 I i.V.m. &sect; 243 I 2 Nr. 6
Dadurch dass A den Dolch zum Kaufpreis von 70 EUR in ihre Hand nahm und in ihre Tasche
steckte, k&ouml;nnte sie sich gem. &sect; 242 I i.V.m. &sect; 243 I 2 Nr. 6 strafbar gemacht haben.
Obersatz mit pr&auml;ziser Umschreibung der m&ouml;glichen Tathandlungen und des Tatobjekts in Alltagssprache. Elemente des Tatbestands wie „Wegnahme“ sind tabu. Der Zusatz „i.V.m.“ stellt f&uuml;r den
Korrektor klar, dass &sect; 243 als Strafzumessungsregel und nicht etwa f&auml;lschlich als Qualifikation
gepr&uuml;ft wird. Die Zitierweise „&sect;&sect; 242 I, 243 I 2 Nr. 6“ w&auml;re missverst&auml;ndlich und ist daher zu vermeiden.
Aufbauschema &sect; 242
b) Tathandlung: Wegnahme:
aa) Urspr&uuml;nglicher Gewahrsam
bb) Gewahrsamswechsel
cc) Bruch des Gewahrsams (→ Bezugspunkt f&uuml;r Abgrenzung zum Sachbetrug)
a) Vorsatz bzgl. obj. Tatbestand
b) Zueignungsabsicht:
-aa) Absicht (dol. dir. 1. Grades) bzgl. zumindest vor&uuml;bergehender Aneignung
-bb) mind. Eventualvorsatz bzgl. dauerhafter Enteignung
-cc) obj. Rechtswidrigkeit der erstrebten Zueignung
dd) mind. Eventualvorsatz bzgl. Rechtswidrigkeit der erstrebten Zueignung
IV. Ggf. Strafzumessung: Besonders schwere F&auml;lle, &sect; 243 I 2
V. Ggf. Strafverfolgungsvoraussetzung: Strafantrag, &sect;&sect; 247, 248a
a) Der Dolch stellt f&uuml;r A eine fremde, bewegliche Sache dar. X hatte den Dolch nicht gem. &sect; 929
BGB &uuml;bereignet.
b) A muss diese Sache weggenommen haben.
Wegnahme ist der Bruch fremden und die Begr&uuml;ndung neuen, nicht notwendigerweise
t&auml;tereigenen Gewahrsams. Unter Gewahrsam ist die vom nat&uuml;rlichen Herrschaftswillen getragene
tats&auml;chliche Sachherrschaft zu verstehen. Deren Reichweite richtet sich insbesondere nach der
Verkehrsanschauung.
Definitionsteil mit Unterdefinition „Gewahrsam“
Im Unterschied zum Besitz im Zivilrecht ist der Gewahrsam praktisch nicht verrechtlicht (z.B.
gibt es keine Fiktionen wie im Zivilrecht etwa den Erbenbesitz, &sect; 857 BGB), es kommt auf die tats&auml;chlichen Verh&auml;ltnisse an.
Urspr&uuml;nglich hatte X Alleingewahrsam an dem Dolch.
A k&ouml;nnte jedoch neuen Gewahrsam begr&uuml;ndet haben, indem sie den Dolch von X entgegennahm
und in der Hand hielt.
Nach der Apprehensionstheorie ist es hierzu ausreichend, dass der T&auml;ter einen kleinen Gegenstand, wie etwa einen Ring, ergriffen und damit in den Tabubereich seines K&ouml;rpers verbracht hat.
Ein Dolch ragt jedoch sichtbar aus der Hand heraus. Die Apprehensionstheorie greift hier nicht.
Zudem muss die Verkehrsanschauung und der Einzelfall ber&uuml;cksichtigt werden: Nach der Verkehrsanschauung verliert der Gesch&auml;ftsinhaber seinen Gewahrsam nicht, wenn er Kunden Gegenst&auml;nde zum Pr&uuml;fen der Ware &uuml;berl&auml;sst.
Zudem ist der Gedanke des Tabubereichs nur f&uuml;r erkennbar deliktisch handelnde Personen anwendbar. A verhielt sich aber wie eine normale Kundin.
Dadurch dass A den Dolch ergriff, kam es folglich nicht zu einem Gewahrsamswechsel sondern
nur zu einer Gewahrsamslockerung.
Die Differenzierung „Ergreifen“ und „Einstecken in Tasche“ musste hier ausnahmsweise genau
durchgef&uuml;hrt werden. Im Normalfall gen&uuml;gt es festzustellen, dass jedenfalls mit dem Einstecken
in die Tasche ein Gewahrsamswechsel stattgefunden hat.
Nimmt man bereits mit dem Ergreifen einen Gewahrsamswechsel an, ver&auml;ndert sich der Fall
komplett: Es liegt dann insgesamt im Fall kein Diebstahl &sect; 242 vor. X h&auml;tte dann insoweit bzgl.
des Gewahrsamswechsels (&Uuml;bergabe) ein tatbestandsausschlie&szlig;endes Einverst&auml;ndnis erteilt, also
liegt kein Bruch vor. Seitens A l&auml;ge weder Vorsatz noch Zueignungsabsicht im Moment des Ergreifens vor. Diese Absicht entwickelt A ja erst, als sie das Etikett mit dem Preis sieht.
Auch die Tatsache, dass A den Dolch sp&auml;ter in ihre Tasche steckt, w&uuml;rde dann nicht zur Strafbarkeit gem. &sect; 242 I f&uuml;hren, sondern zur Strafbarkeit wegen Unterschlagung gem. &sect; 246 I: In diesem
Moment h&auml;tte A nach „falscher L&ouml;sung “ bereits alleinigen Gewahrsam und k&ouml;nnte folglich keinen Gewahrsam des X mehr brechen. Indem A den Dolch in die Tasche steckte, vollendet sie
dann lediglich die Zueignung i.S.v. &sect; 246 I.
Dieses Ergebnis w&auml;re auch klausurtaktisch v&ouml;llig verfehlt, da man sich s&auml;mtliche Folgeprobleme
abschnitte: &sect; 243 und &sect; 244 sind bei einer Unterschlagung nicht anwendbar.
Zudem konnte man durch die genaue Pr&uuml;fung zeigen, dass man die Apprehensionstheorie nicht
„blind“ anwendet, sondern differenziert unter Einbeziehung der des Einzelfalls („Dolch“) und der
Der Sachverhalt umschreibt die Entwicklung von Vorsatz und Zueignungsabsicht nicht genau.
Mit dem perfekten SV ist im Examen nicht zu rechnen. Man sollte den SV so nehmen wie er ist
und die Reihenfolge der S&auml;tze auch als Ordnung hinsichtlich der Abfolge des Geschehens verstehen. Hier also Ergreifen des Dolches in Kaufabsicht, dann Blick auf das Etikett mit dem Preis,
dann Entwicklung von Vorsatz und Zueignungsabsicht.
Als sich X ins Hinterzimmer begab, behielt er gelockerten Gewahrsam.
Jedoch begr&uuml;ndete A eigenen Gewahrsam, als sie den Dolch in ihre Tasche und damit in ihren
Herrschaftsbereich verbrachte, sogenannte Gewahrsamsenklave. Die soziale Anschauung ordnet
demjenigen Gewahrsam zu, der eine Sache in seine K&ouml;rpersph&auml;re bei sich tr&auml;gt, da ein Zugriff
Dritter sozial auff&auml;llig w&auml;re.
Dies geschah auch ohne Willen des X. Damit liegt auch ein Gewahrsamsbruch vor.
Eine Wegnahme ist gegeben.
Klausurtipp Aufbau:
Pr&uuml;fen Sie die Wegnahme anhand des folgenden Schemas/Reihenfolge:
1. Bestand an der Sache im Tatzeitpunkt fremder Gewahrsam?
2. Ist durch die Handlung des T&auml;ters neuer Gewahrsam des T&auml;ters selbst oder einer anderen
Person begr&uuml;ndet worden?
3. Gewahrsamsverschiebung gegen/ohne den Willen des Gewahrsamsinhabers = Bruch?
Abgrenzung (Trick-)Diebstahl – (Sach-)Betrug
- H&auml;tte die A durch T&auml;uschung darauf hingewirkt, dass X ihr den Dolch &uuml;bergibt, w&auml;re in der
Klausur am passenden Pr&uuml;fungspunkt (Verm&ouml;gensverf&uuml;gung beim Betrug bzw.
Gewahrsamsbruch bei der Wegnahme) zwischen Trickdiebstahl und Sachbetrug abzugrenzen.
- Pr&uuml;fungsreihenfolge &sect; 242 – &sect; 263: Welches Delikt zuerst?
Ein logisches Vorrangverh&auml;ltnis gibt es nicht. Es gibt auch keine allgemeine Regel, ob man zwingend beide Delikte anpr&uuml;fen muss. Bei schwieriger Abgrenzung empfiehlt es sich, in der Klausur
zun&auml;chst auf das Delikt einzugehen, welches „nicht durchgeht“.
- Bei Zeitknappheit oder einfacher Abgrenzung empfiehlt sich genau umgekehrtes Vorgehen.
Man pr&uuml;ft nur das Delikt, welches durchgeht. Ein kurzer Verweis auf das Ausschlussverh&auml;ltnis
von &sect;&sect; 263 und 242 am passenden Pr&uuml;fungspunkt (Verm&ouml;gensverf&uuml;gung bzw. Wegnahme) gen&uuml;gt dann.
A handelte mit Wissen und Wollen, &sect; 15, bzgl. der Tatbestandsverwirklichung und mit Zueignungsabsicht.
Die erstrebte Zueignung war objektiv rechtswidrig, was A auch in ihren Vorsatz aufnahm.
Vorsatz nur beim ersten Mal in der Klausur so ausf&uuml;hrlich. Standards&auml;tze zur Zueignungsabsicht.
In Ermangelung von Rechtfertigungsgr&uuml;nden handelte A rechtswidrig.
Entschuldigungsgr&uuml;nde liegen nicht vor. A handelte schuldhaft.
RW und Schuld nur beim ersten Mal in der Klausur so ausf&uuml;hrlich, vgl. auch Einheit 1.
IV. Strafzumessung &sect; 243
Es k&ouml;nnte ein besonders schwerer Fall des Diebstahls gem. &sect; 243 I 2 Nr. 6 gegeben sein, da X
auf Grund seiner Krankheit zum Tatzeitpunkt abgelenkt war.
Aufbauschema &sect; 242 i.V.m. &sect; 243
I. Tatbestand &sect; 242
1. Objektiver Tatbestand: Wegnahme einer fremden beweglichen Sache
a) Vorsatz bzgl. obj. TB
b) Absicht rechtswidriger Zueignung
IV. Strafzumessung, &sect; 243
1. objektive Voraussetzungen des Regelbeispiels
2. subjektive Voraussetzungen (= Quasivorsatz)
3. Ausschlussklausel des &sect; 243 II (Geringwertigkeit)
4. Unbenannter Fall &sect; 243 I 1, wenn Regelbeispiele in Betracht kamen, aber nicht gegeben waren (sehr selten zu pr&uuml;fen, da kein Pflichtstoff, Hinweis gen&uuml;gt.)
Das Regelbeispiel &sect; 243 I 2 Nr. 6 ist erf&uuml;llt, wenn A die Hilflosigkeit des X ausnutzte. Hierunter
ist ein Zustand zu verstehen, in dem sich eine Person nicht ohne fremde Hilfe gegen einen Gewahrsamsverlust wehren kann.
Krankheit ist zwar als ein Fall der Hilfslosigkeit anerkannt. In erster Linie erm&ouml;glichte aber der
Umstand, dass X den Raum verlie&szlig;, die Wegnahme und nicht der Asthmaanfall selbst. Das gen&uuml;gt jedoch nicht. Mangels Hilflosigkeit ist das Regelbeispiel nicht erf&uuml;llt. (a.A. vertretbar)
Ist ein Regelbeispiel erf&uuml;llt, muss im Normalfall nicht auf eine m&ouml;gliche Widerlegung der Indizbzw. Regelwirkung eingegangen werden.
Bei gegebenem Regelbeispiel darf der Quasivorsatz &sect; 15 analog (Analogie zugunsten des T&auml;ters)
bzw. die „subjektiven Voraussetzungen“ nicht vergessen werden. Den Begriff „Vorsatz“ sollte
man jedoch wie alle Termini des Tatbestands vermeiden, da Regelbeispiele zur Strafzumessung
geh&ouml;ren und keine Tatbest&auml;nde sind. Die Regelbespiele sind nur tatbestands&auml;hnlich.
Exkurs: Problem Konkurrenzverh&auml;ltnis „Einbrechen“ &sect; 243 I 2 Nr. 1 zu &sect;&sect; 123, 303
Hinsichtlich des Konkurrenzverh&auml;ltnisses von &sect; 243 I 2 Nr. 1 und &sect; 123 und &sect; 303 gibt es einen
klausurrelevanten Streit:
Die fr&uuml;her h.M. nahm an, dass der Hausfriedensbruch und die Sachbesch&auml;digung bei
Verwirklichung des Regelbeispiels &sect; 243 I 2 Nr.1 typische Begleittaten darstellen (z.B. beim
Einbrechen in ein Haus unter Besch&auml;digung der Haust&uuml;re) und &sect; 243 I 2 Nr.1 deswegen den
Unrechtsgehalt der &sect;&sect; 123, 303 konsumiere und diese auf Konkurrenzebene verdr&auml;nge.
F&uuml;r die Klausur hat diese Ansicht die Konsequenz, dass man sich bei erf&uuml;lltem &sect; 243 I 2 Nr. 1
nicht lang mit &sect; 303 und &sect; 123 aufh&auml;lt und diese Delikte eher mit einem klarstellenden Satz bei
den Konkurrenzen erledigt.
Die im Vordringen befindliche, &uuml;berzeugendere Gegenansicht (BGH NJW 2002, 150) steht hingegen auf dem Standpunkt, dass &sect; 243 als blo&szlig;e Strafzumessungsvorschrift anders als ein gesetzlicher Tatbestand nicht mit anderen Tatbest&auml;nden (hier &sect;&sect; 123, 303) konkurrieren und diese verdr&auml;ngen k&ouml;nne. Abgesehen davon kann es im konkreten Einzelfall auch aus Klarstellungsgr&uuml;nden
geboten sein z.B. eine Sachbesch&auml;digung von erheblichem Gewicht im Urteiltenor zu nennen und
damit die erfolgte Rechtsgutsverletzung darzustellen.
Hinzukommt, dass die Delikte &sect; 303 und &sect; 123 I zwar h&auml;ufig, aber nicht unbedingt typischerweise bei &sect; 243 I 2 Nr. 1 mitverwirklicht werden: Man denke nur an das „sanfte Knacken“ eines
Autos ohne Substanzverletzung (ein KFZ ist ein umschlossener Raum i.S.v. &sect; 243 Nr. 1). F&uuml;r die
Klausur bedeutet das, dass &sect; 303 und &sect; 123 durchgepr&uuml;ft werden m&uuml;ssen und zum &sect; 242 I i.V.m.
&sect; 243 I 2 Nr. 1 in Tateinheit gem. &sect; 52 stehen.
Der Dolch im Wert von 70 EUR ist keine geringwertige Sache i.S.v. &sect; 248a. Dies wird erst ab einem Wert von unter 50 EUR angenommen. Ein Strafantrag ist nicht erforderlich.
Ist der Wert einer Sache angegeben, ist an das Strafantragserfordernis zu denken. &sect; 243 hat
hierzu seine eigenen Regeln: &sect; 243 II. Bei Geringwertigkeit w&auml;re die Indizwirkung des Regelbeispiels zerst&ouml;rt.
F&uuml;r &sect;&sect; 244, 244a ist &sect; 248a nicht anwendbar. Es gibt jedoch jeweils die M&ouml;glichkeit, einen minder schweren Fall anzunehmen. Unbenannte Strafmilderungen wie &sect; 244 III sind als Strafzumessung nicht Pflicht in der Klausur. Bei eindeutig geringwertigen Sachen zeugt jedoch ein entsprechender Hinweis bei der Pr&uuml;fung dieser Delikte von Problembewusstsein und Verst&auml;ndnis.
Ergebnis: A hat sich gem. &sect; 242 I strafbar gemacht.
C. &sect;&sect; 242 I, 244 I Nr. 1a) Var. 1
Durch dieselbe Handlung k&ouml;nnte sich A gem. &sect;&sect; 242 I, 244 I Nr. 1a) Var. 1 strafbar gemacht haben.
1. Grundtatbestand &sect; 242
Der Grundtatbestand &sect; 242 I ist erf&uuml;llt.
2. Qualifikationstatbestand &sect; 244
A muss eine Waffe bei sich gef&uuml;hrt haben, &sect; 244 I Nr. 1a) Var. 1.
a) Bei einem Dolch handelt es sich um eine Waffe im technischen Sinne, da er nach der
Art seiner Anfertigung nicht nur dazu geeignet, sondern auch allgemein dazu bestimmt
ist, Menschen durch seine mechanische Wirkung k&ouml;rperlich zu verletzen.
Exkurs: Der Begriff des „gef&auml;hrlichen Werkzeugs in &sect; 244 I Nr. 1a Var. 2
Seit der Neufassung durch das 6. StRRefG gen&uuml;gt f&uuml;r &sect; 244 I Nr. 1 a Var. 2 n.F. das blo&szlig;e
Beisichf&uuml;hren. Der Begriff des gef&auml;hrlichen Werkzeugs wird in &sect; 224 I Nr. 2 verwendet und sollte
nach der Beschlussempfehlung des Rechtsausschusses in &sect; 244 I Nr. 1a 2. Alt ebenso verstanden
Aber: Die dortige Definition „Gegenstand, der nach seiner objektiven Beschaffenheit und nach
der Art seiner Benutzung im Einzelfall geeignet ist, erhebliche K&ouml;rperverletzungen
zuzuf&uuml;gen“ stellt auf den bei &sect; 224 I Nr. 2 stets gegebenen konkreten Einsatz ab und passt nicht
auf &sect; 244 I Nr. 1a Var. 2, bei dem es nicht auf einen Einsatz des Gegenstands ankommt und sich
der T&auml;ter auch keine Gedanken &uuml;ber dessen Verwendung machen muss. Die Definition des &sect; 224
I Nr.2 Alt.2 kann bei der Frage, ob es sich beim mitgef&uuml;hrten Gegenstand um ein gef&auml;hrliches
Werkzeug iSd &sect; 244 I Nr.1a) Alt.2 handelt, also nur als Ausgangspunkt dienen, im &Uuml;brigen ist das
Merkmal hier eigenst&auml;ndig auszulegen.
. Daher in der Klausur problematisch. Standardstreit f&uuml;rs Examen.
1. E.A.: Objektiv-generelle Betrachtung:
Gef&auml;hrlich sind nur Werkzeuge, denen nach allgemeiner Anschauung eine besondere Eignung
zur Zuf&uuml;gung von Verletzungen innewohnt und zu denen erfahrungsgem&auml;&szlig; T&auml;ter greifen, wenn
sie in Bedr&auml;ngnis geraten.
tive Bestimmung der Gef&auml;hrlichkeit ist kaum m&ouml;glich, sehr viele Alltagsge-genst&auml;nde lassen sich auch gebrauchen, um einer Person Verletzungen zuzuf&uuml;gen (z.B. Schraubenzieher, Nagelschere), insb. auch typische Einbruchswerkzeuge
2. Objektiv-konkrete Betrachtung:
Ein gef&auml;hrliches Werkzeug liegt vor, wenn sich das Beisichf&uuml;hren des Gegenstandes beim Diebstahl im konkret-situativen Kontext aus der Sicht eines objektiven Betrachters nur dadurch erkl&auml;ren l&auml;sst, dass der Gegenstand zu Verletzungszwecken eingesetzt werden soll und ihm insoweit
eine Waffenersatzfunktion zukommt. Dieser Anschein liegt nicht vor bzw. ist widerlegt, wenn das
Beisichf&uuml;hren des Gegenstandes mit einer im Vordergrund stehenden, neutralen Gebrauchsfunktion erkl&auml;rt werden kann und es nach den konkreten Umst&auml;nden als normal, allt&auml;glich und bestimmungsgem&auml;&szlig; zu bewerten ist.
daf&uuml;r:
und nur subjektiv gef&auml;hrlichen Werkzeugen andererseits zu bestimmen
3. Subjektive Betrachtung (Rengier BT I &sect; 4 Rn. 34):
Gef&auml;hrlich sind Gegenst&auml;nde, wenn sie nicht nur generell geeignet sind, erhebliche K&ouml;rperverletzungen zu bewirken, sondern bez&uuml;glich derer der T&auml;ter einen inneren Verwendungsvorbehalt
hat. Es gen&uuml;gt auch, dass eine vorbehaltene/intendierte Drohung mit diesen Gegenst&auml;nden eine
entsprechende Verletzungsgefahr beinhalten soll.
passt nicht zur Gesetzessystematik, die deutlich zwischen &sect; 244 I Nr. 1b (spezifische Ver-wendungsabsicht) und &sect; 244 I Nr. 1a (blo&szlig; abstrakte Gef&auml;hrlichkeit) unterscheidet)
4. Rechtsprechung:
BGH (NJW 2008, 2861 mit Anm. Mitsch): keine subj. Betrachtung; Abgrenzung je nach Einzelfall
anhand obj. Kriterien (dort: beim Diebstahl zum Abkratzen von Etiketten verwendetes Taschenmesser mit langer Klinge (+)).
BGH (StV 03, 26): eher obj.-generelle Abgrenzung, aber Korrektiv im subj. TB: Werkzeug muss
„bewusst und gebrauchsbereit“ bei sich gef&uuml;hrt werden.
OLG Stuttgart (StV 2009, 531): objektiv-konkrete Betrachtung (im Fall ca. 20 cm langen Schraubendreher (-)). Werkzeug m&uuml;sse nach den konkreten Umst&auml;nden geeignet sein, erhebliche K&ouml;rperverletzung herbeizuf&uuml;hren. Es m&uuml;sse ein Gebrauch drohen. Bei der Beurteilung sei auf s&auml;mtliche Tatumst&auml;nde, wie z.B. die Art des Beisichf&uuml;hrens, die Art des Werkzeuges sowie die innere
Haltung des T&auml;ters abzustellen.
b) Der T&auml;ter f&uuml;hrt die Waffe bei sich, wenn sie ihm zu irgendeinem Zeitpunkt w&auml;hrend des Tathergangs gebrauchsbereit zur Verf&uuml;gung steht. Zur Verf&uuml;gung steht es ihm, wenn es so in seiner
r&auml;umlichen N&auml;he ist, r&auml;umliche Komponente, dass er sich seiner jederzeit, also ohne gro&szlig;en
Zeitaufwand und ohne besondere Schwierigkeiten bedienen kann, zeitliche Komponente.1
Der Dolch steht der A sp&auml;testens in dem Moment zur Verf&uuml;gung, als sie den Dolch greift. Dieser
Zeitpunkt liegt sogar noch kurz vor der Vollendung der Tat, also als sie den Dolch einsteckte.
In der Tasche ist der Dolch jederzeit einsatzbereit. Im gesamten Zeitraum des Tathergangs von
kurz vor der Vollendung bis zur Beendigung der Tat stand der A daher eine Waffe zur Verf&uuml;gung.
Problematisch ist, dass A den Dolch nicht in das Gesch&auml;ft mitbrachte, sondern dort vorfand.
Eine einschr&auml;nkende Auslegung des Wortlauts dahingehend, dass nur mitgebrachte Waffen erfasst sein sollen, ist angesichts des Telos der Norm nicht geboten: Die Qualifikation beruht auf
der abstrakten Gef&auml;hrlichkeit von T&auml;tern, denen Waffen f&uuml;r den Konfliktfall zur Verf&uuml;gung stehen.
Die abstrakte Gef&auml;hrlichkeit ist bei aufgefundenen Waffen nicht geringer als bei mitgebrachten.
Aus demselben Grund ist es auch unsch&auml;dlich, dass Tatobjekt und Tatmittel mit dem Dolch im
Fall zusammenfallen.
Zwischenergebnis: A f&uuml;hrte eine Waffe bei sich.
Rengier BT I &sect; 4 Rn. 13
Dies war das zentrale Problem des 1. TK und entsprechend ausf&uuml;hrlich zu pr&uuml;fen. Immerhin explodiert der Strafrahmen bei &sect; 244 von „bis zu 5 Jahren“ auf „sechs Monate bis 10 Jahre“. Das
Problem von am Tatort aufgefundenen Tatmitteln muss bis zum Examen bekannt sein.
c) In subjektiver Hinsicht gen&uuml;gt hinsichtlich der Qualifikation das Bewusstsein der Verwendungsm&ouml;glichkeit einer Waffe. Dieses Bewusstsein hatte A.
Eine Verwendungsabsicht ist bei Waffen angesichts der zu fordernden abstrakten Gef&auml;hrlichkeit
gerade nicht erforderlich. Dieses Ergebnis wird auch durch einen Vergleich der Norm mit &sect; 244 I
Nr. 1 b) best&auml;tigt.
Den subjektiven Tatbestand hinsichtlich der Qualifikation nicht vergessen.
Der Tatbestand ist erf&uuml;llt.
Ergebnis: A hat sich gem. &sect;&sect; 242, 244 I Nr. 1a) Var. 1. strafbar gemacht.
Kann man wie vorliegend &sect; 243 und &sect; 244 pr&uuml;fen, hat man ein Aufbauproblem zu l&ouml;sen:
Denn: Ist &sect; 244 erf&uuml;llt, so verdr&auml;ngt dieser als Qualifikation immer den &sect; 242, auch wenn ein Regelbeispiel &sect; 243 erf&uuml;llt ist. &sect; 243 ist gerade kein Tatbestand, sondern blo&szlig;e Strafzumessungsvorschrift und spielt auf Konkurrenzebene dann keine Rolle.
Eine Kombination „&sect; 244 in einem besonders schweren Fall gem. &sect; 243“ darf keinesfalls gepr&uuml;ft
werden! &sect; 243 und &sect; 244 zu verbinden, ist bei Bearbeitern leider recht beliebt. Hierf&uuml;r gibt es eigens den &sect; 244a „Schwerer Bandendiebstahl“ (→ lesen)
Pr&uuml;ft und bejaht man in der Klausur also gleich die Qualifikation &sect; 244, so macht eine anschlie&szlig;ende Pr&uuml;fung des &sect; 242 I i.V.m. &sect; 243 keinen Sinn mehr, da dieser ja auf Konkurrenzebene eindeutig zur&uuml;cktritt.
F&uuml;r die Klausur bedeutet dies: M&ouml;chte man &sect; 243 in seiner Klausur unterbringen, so sollte man &sect;
242 i.V.m. &sect; 243 zuerst pr&uuml;fen.
M&ouml;chte man hingegen Zeit sparen und hat festgestellt, dass die Pr&uuml;fung von &sect; 243 im Verh&auml;ltnis
zu &sect; 244 nichts Neues bringt, so sollte man gleich &sect; 244 pr&uuml;fen und sich &sect; 243 auf diese Weise
Beispiel: &sect; 244 I Nr. 3 im Verh&auml;ltnis zu &sect; 243 I 2 Nr. 1.
D. &sect;&sect; 242 I, 22 i.V.m. &sect; 243 I 2 Nr. 2
Indem A mit dem Schl&uuml;ssel die Registrierkasse &ouml;ffnete, k&ouml;nnte sie sich wegen versuchtem Diebstahl in einem besonders schweren Fall gem. &sect;&sect; 242, 22, 23 I i.V.m. &sect; 243 I 2 Nr. 2 strafbar gemacht haben.
I. Vorpr&uuml;fung
Mangels Wegnahme von Geldscheinen oder M&uuml;nzen war die Tat nicht vollendet.
Die Versuchsstrafbarkeit ergibt sich aus &sect;&sect; 242 II, 23 I Alt. 2.
A muss Tatentschluss gefasst haben; dies meint Vorsatz bzgl. der Verwirklichung aller objektiven
Tatbestandsmerkmale sowie das Vorliegen sonstiger subjektiven Merkmale.
A hatte Vorsatz bzgl. einer Wegnahme von Schl&uuml;ssel und Geldscheinen. Sie wollte gegen den
Willen des X neuen Gewahrsam an Schl&uuml;ssel und den Geldscheinen aus der Kasse begr&uuml;nden.
Dass sich keine Scheine in der Kasse befanden, ist irrelevant, der untaugliche Versuch ist strafbar, vgl. &sect; 23 III.
A hatte Zueignungsabsicht und Vorsatz bzgl. der objektiven Rechtswidrigkeit der beabsichtigten
Zueignung hinsichtlich der Geldscheine. Bez&uuml;glich des Schl&uuml;ssels handelte sie ohne dolus eventualis hinsichtlich der dauerhaften Enteignung, sog. R&uuml;ckf&uuml;hrungswille und damit ohne Zueignungsabsicht.
2. Unmittelbares Ansetzen, &sect; 22
Der T&auml;ter setzt unmittelbar zur Tat an gem. &sect; 22, wenn er subjektiv die Schwelle zum „Jetzt
geht’s los“ &uuml;berschreitet und objektiv Handlungen vornimmt, die unmittelbar in die Tatbestandsverwirklichung einm&uuml;nden sollen.
Nach der Vorstellung der A sollte das &Ouml;ffnen der Kasse unmittelbar in die Wegnahmehandlung
&uuml;bergehen. A setzte zur Tat an.
Problem: Einfluss der Regelbeispiele auf den Versuchsbeginn beim Diebstahl
Vorab: Bei Qualifikationstatbest&auml;nden bedeutet nicht bereits das unmittelbare Ansetzen oder
das Verwirklichen einer qualifizierenden (Extra-) Handlung ein unmittelbares Ansetzen zum
Grunddelikt (Bsp.: Wer eine Waffe einsteckt, um - diese bei sich f&uuml;hrend - einen Diebstahl zu begehen [&sect; 244 I Nr. 1a Var. 1], setzt noch nicht unmittelbar zu &sect; 242 an). Entscheidend ist stets
das unmittelbare Ansetzen zur Rechtsgutsgef&auml;hrdung und damit zum Grundtatbestand (vgl. &sect; 22)
Bei &sect; 242: Unmittelbares Ansetzen zur Wegnahme.
Bei Regelbeispielen, die keine eigenst&auml;ndigen Tatbest&auml;nde sind, kann erst recht nichts anderes
gelten: Unmittelbares Ansetzen zu einem oder Verwirklichung eines Regelbeispiels bedeutet
nicht automatisch einen Versuchsbeginn bez&uuml;glich des Diebstahls (aber str.)
Aber: Wenn Einsteigen, Einbrechen bei ungest&ouml;rtem Verlauf unmittelbar anschlie&szlig;end zur Wegnahme f&uuml;hren soll, so geh&ouml;rt das Regelbeispiel zum derart unmittelbarem Vorfeld, dass Verwirklichung und Regelbeispiel zusammenfallen. Letztlich bleibt es also bei der Definition des unmittelbaren Ansetzens.
IV. Pers&ouml;nlicher Strafaufhebungsgrund R&uuml;cktritt
Ein strafbefreiender R&uuml;cktritt gem. &sect; 24 I 1 kommt hier nicht in Betracht, da der Taterfolg Wegnahme der Scheine aus Sicht der A erkennbar nicht herbeif&uuml;hrbar war und der Versuch mithin
subjektiv fehlgeschlagen war.
Es ist nicht zwingend, den R&uuml;cktritt vor der Strafzumessung zu pr&uuml;fen. Es macht einerseits wenig
Sinn, eine Strafe zuzumessen, wenn die Strafe gem. &sect; 24 aufgehoben ist. Andererseits k&ouml;nnen bei
&sect; 243 noch Punkte zu holen sein.
V. Strafzumessung, besonders schwerer Fall
A k&ouml;nnte das Regelbeispiel &sect; 243 I 2 Nr. 2 verwirklicht haben, indem sie mit dem Schl&uuml;ssel die
Registrierkasse &ouml;ffnete.
Es ist dabei allgemein anerkannt, dass die Indizwirkung eines erf&uuml;llten Regelbeispiels auch dann
eingreift, wenn der Tatbestand nur versucht wurde.
Problem: „Versuch“ eines Regelbeispiels (anhand des &sect; 243)
Einen Versuch eines Regelbeispiels gibt es aus dogmatischen Gr&uuml;nden nicht. &sect; 243 normiert
Strafzumessungsregeln und keine Tatbest&auml;nde. Nur Tatbest&auml;nde k&ouml;nnen versucht werden. Man
sollte von einem Diebstahlsversuch in einem besonders schweren Fall sprechen.
Es sind vier Konstellationen denkbar, von denen v.a. die zwei problematisch sind, in denen das
Regelbeispiel nicht voll verwirklicht, sondern gleichsam nur „versucht“ wird:
Konstellation 1: Vollendung des Diebstahls und Verwirklichung des Regelbeispiels
Bsp.: A &ouml;ffnet ein gekipptes Fenster, gelangt so in das Haus und stiehlt - wie geplant - einen Brillantring
&sect; 242 i.V.m. &sect; 243 I 2 Nr. 1 (+)
Konstellation 2: Versuch des Diebstahls und Verwirklichung des Regelbeispiels
Bsp.: A &ouml;ffnet ein gekipptes Fenster und sucht nach dem Brillantring, den er von Anfang an stehlen m&ouml;chte. Er kann ihn nicht finden. Unverrichteter Dinge verl&auml;sst er das Haus wieder. (so auch
vorliegender Fall)
&sect;&sect; 242, 22, 23 I i.V.m. &sect; 243 I 2 Nr. 1 (+) (nahezu allg. M.; a.A. nur Arzt, StV 1985, 104). Begr&uuml;ndung: Regelwirkung wegen der vollen Verwirklichung des Regelbeispiels
Konstellation 3: Vollendeter Diebstahl, nur „versuchtes“ Regelbeispiel
Bsp.: A will gerade das gekippte Fenster &ouml;ffnen, als er im Augenwinkel sieht, dass die Kellert&uuml;r
nur angelehnt ist. Er betritt das Haus daher durch die T&uuml;r und entwendet den Brillantring.
1. e.A.: Strafbarkeit gem. &sect; 242 i.V.m. &sect; 243. - BGH: bisher nicht entschieden
2. h.M.: Strafbarkeit nur gem. &sect; 242
T&auml;ter hier – anders als in Konstellation 1)
leicht gemacht hat und keine wirkliche Barriere &uuml;berwunden werden musste.
beispiels kann bei den allgemeinen Strafzumessungserw&auml;gung i.R.v. &sect; 46 II strafsch&auml;rfend Ber&uuml;cksichtigung finden
Unbenannter schwerer Fall bleibt m&ouml;glich
Konstellation 4: Versuchter Diebstahl, „versuchtes“ Regelbeispiel
Bsp.: A will gerade das gekippte Fenster &ouml;ffnen, als er vom Nachbarn &uuml;berrascht wird, so dass
ihm nur noch die Flucht bleibt.
1. H.L.: Strafbarkeit nur gem. &sect;&sect; 242, 22
-recht-Schluss zu Konstellation 3: wenn schon bei vollendetem Diebstahl das Regelbeispiel
nicht greift, dann erst recht nicht, wenn der T&auml;ter keine Beute mitnimmt
2. A.A.: Strafbarkeit gem. &sect;&sect; 242, 22, 23 I i.V.m. &sect; 243 (BGHSt 33, 370, Teil d. Lehre)
ergebe sich allgemeiner Wille des Gesetzgebers, einen Versuch prinzipiell genauso
zu bestrafen wie die Vollendung
ehandeln, da sie jedenfalls tatbestands&auml;hnlich seien, so dass auch der Tatentschluss hinsichtlich der Verwirklichung ausreiche und die
Schuld im Hinblick auf die Strafzumessung steigere
rmung in Regelbeispiele habe der T&auml;ter bez&uuml;glich der Versuchsstrafbarkeit nicht besser gestellt werden sollen
Analogie zu Lasten des T&auml;ters
Nach h.M. tritt die Regelwirkung immer nur bei voll verwirklichtem Regelbeispiel
Zusammenfassende &Uuml;bersicht (nach Joecks &sect; 243 Rn. 44):
Regelbsp. verwirklicht
Vollendeter &sect; 242
Versuch des &sect; 242
Regelbsp. „versucht“ – str.
&sect; 242 i.V.m. &sect; 243
h.L.: &sect; 242
a.A. &sect; 242 i.V.m. &sect; 243
BGH: offen gelassen
&sect;&sect; 242, 22 i.V.m. &sect; 243
h.L.: &sect; 242, 22
BGH: &sect; 242, 22 i.V.m. &sect;
1. Die Registrierkasse m&uuml;sste ein Beh&auml;ltnis darstellen.
Ein Beh&auml;ltnis ist ein zur Aufnahme von Sachen dienendes, sie umschlie&szlig;endes Raumgebilde, das
nicht zum Betreten durch Menschen bestimmt ist. Dies ist bei einer Registrierkasse der Fall.
2. Verschlossen ist das Beh&auml;ltnis, wenn es mittels technischer Schlie&szlig;einrichtung oder anderweitig gegen ordnungswidrigen Zugriff von au&szlig;en gesichert ist. Dies ist bei einer abgeschlossenen
Registrierkasse grunds&auml;tzlich der Fall.
Umstritten ist, ob man noch von Sicherung sprechen kann, wenn der T&auml;ter das Beh&auml;ltnis mit dem
richtigen Schl&uuml;ssel &ouml;ffnet.
Ist der T&auml;ter zum Benutzung befugt, so liegt keine Sicherung vor, da ihm gegen&uuml;ber der Verschluss aufgehoben ist. Ist er dies nicht, so wie im Fall, herrscht Streit &uuml;ber die L&ouml;sung des Problems:
e.A. (BGH, wohl h.M.): Das Regelbeispiel ist in konsequenter Umsetzung des Wortlauts erf&uuml;llt.
Das Beh&auml;ltnis ist durch Verschluss gesichert, der T&auml;ter muss dieses Hindernis &uuml;berwinden. Wie
leicht ihm das f&auml;llt, ist egal.
a.A. (Sch/Sch/Eser/Bosch &sect; 243 Rn. 22): Das Regelbeispiel ist dann nicht erf&uuml;llt, wenn der
Schl&uuml;ssel frei zug&auml;nglich war.
Grund: Schutzzweck des Norm: Schutz von Eigentum, das besonders gesichert ist und Bestrafung
erh&ouml;hter krimineller Energie.
Vorliegend war der Schl&uuml;ssel frei zug&auml;nglich und damit nicht besonders gesichert. Das Regelbeispiel ist also nicht erf&uuml;llt.
Die besseren Argumente sprechen f&uuml;r die erste Ansicht, da sie sich st&auml;rker am Wortlaut der
Norm orientiert und Rechtssicherheit schafft. Die Kasse war folglich verschlossen und besonders
3. Die subjektive Seite des Regelbeispiels ist auch erf&uuml;llt, Quasi-Vorsatz.
4. Ausschlussklausel, &sect; 243 II
Ein besonders schwerer Fall k&ouml;nnte jedoch gem. &sect; 243 II ausgeschlossen sein, wenn der Inhalt
der Kasse, M&uuml;nzen, als geringwertig i.S.v. &sect; 243 II einzustufen ist.
Beim vollendeten Diebstahl fordert die h.M. sowohl das Vorliegen einer objektiven Geringwertigkeit als auch der subjektiven Seite seitens des T&auml;ters. Beim Versuch kann es jedoch nur auf die
subjektive Seite der Tat ankommen.
A stellte sich eine Beute weit &uuml;ber der Geringwertigkeitsgrenze von 50 EUR vor. Daher greift &sect;
243 II nicht.
5. Zwischenergebnis: Das Regelbeispiel &sect; 243 I 2 Nr. 2 ist erf&uuml;llt
Ergebnis: A hat sich strafbar gemacht gem. &sect;&sect; 242 I, 22 i.V.m. &sect; 243 I 2 Nr. 2.
E. &sect;&sect; 242 I, 244 I Nr. 1a) Var. 1, 22 (nochmal Pr&uuml;fung Registrierkasse)
Durch dieselbe Handlung k&ouml;nnte sich A gem. &sect;&sect; 242 I, 244 Nr. 1a) Var. 1, 22 strafbar gemacht
Die Versuchsstrafbarkeit ergibt sich aus &sect;&sect; 244 II, 23 I Alt. 2. Die Tat ist mangels Wegnahme
A hatte Tatentschluss zur Verwirklichung eines Diebstahls sowie Zueignungsabsicht. Weiterhin
war sie sich auch der Verwendungsm&ouml;glichkeit des Dolches bewusst, sodass A auch zur
Verwirklichung der Qualifikation des &sect; 244 I Nr.1a) Var.1 entschlossen war.
Mit &Ouml;ffnen der Kasse w&auml;hrend sie einen Dolch bei sich trug setzte A unmittelbar zur Tat an, &sect; 22.
Sie handelte rechtswidrig und schuldhaft.
Ergebnis: A hat sich gem. &sect;&sect; 242, 244 I Nr. 1a) Var. 1, 22 strafbar gemacht.
F. Konkurrenzen und Ergebnis Tatkomplex 1:
&sect; 246 I ist verwirklicht, tritt aber auf Grund gesetzlich angeordneter formeller Subsidiarit&auml;t gem.
&sect; 246 I hinter &sect; 242 I zur&uuml;ck.
&sect; 244 I verdr&auml;ngt den einfachen Diebstahl &sect; 242 I. (Spezialit&auml;t)
Der versuchte schwere Diebstahl gem. &sect;&sect; 242 I, 244, 22 verdr&auml;ngt &sect;&sect; 242 I, 22, auch wenn ein
Regelbeispiel wie hier &sect; 243 I 2 Nr. 2 erf&uuml;llt wurde.
Der Diebstahlsversuch beruht auf einem neuen erst am Tatort gefassten Tatentschluss und galt
einem neuem, g&auml;nzlich andersartigem Tatobjekt, dem Geld in der Kasse. Er steht daher in Tatmehrheit &sect; 53 zum vollendeten Diebstahl am Dolch. (a.A. (also Diebstahlsversuch tritt hinter vollendeten Diebstahl zur&uuml;ck) sehr gut vertretbar und sogar h.M.)
Die h.M., v.a. die Rspr., w&uuml;rde im Fall nur einen vollendeten Diebstahl annehmen. Der Versuch
hinsichtlich des Inhalts der Registrierkasse w&auml;re konsumiert bzw. w&uuml;rde nicht als eigenst&auml;ndige
Tat gewertet werden. Die Rspr. ist bei Vorsatzwechsel bzw. –erweiterung i.R.v. Zueignungsdelikten sehr gro&szlig;z&uuml;gig.
Mit der hier vertretenen Mindermeinung k&auml;me man ebenfalls zu keiner eigenst&auml;ndigen Versuchsstrafbarkeit, wenn A den Laden mit einem generellen Wegnahmewillen betreten h&auml;tte.
A hat sich daher gem. &sect;&sect; 242 I, 244 I Nr. 1a) Var. 1; 53; 242 I, 244 I Nr. 1a) Var. 1, 22 strafbar gemacht.
Die Konstellation, dass am Ende verdr&auml;ngte Delikte wie &sect;&sect; 242, 22 I i.V.m. 243 so ausf&uuml;hrlich zu
pr&uuml;fen waren, ist ungew&ouml;hnlich. So ausf&uuml;hrlich sollte man nur vorgehen, wenn der Sachverhalt
dazu Anlass gibt, so wie hier.
Der 1. TK war nicht einfach. &sect; 244 und &sect; 243 werden oft &uuml;bersehen. Dann fehlen viele Punkte.
Der 1. TK diente der Ausdifferenzierung in den oberen Notenstufen. Im 2. TK (Einheit 3) wird
dagegen &uuml;berwiegend Standardwissen abgepr&uuml;ft.
Anmerkungen an: tutoriumstrafrecht@gmx.de