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Timestamp: 2016-10-21 23:42:13
Document Index: 307205641

Matched Legal Cases: ['BGE', 'BGE', 'BGE', 'Art. 95', 'Art. 97', 'BGE', 'BGE', 'in dubio', 'BGE', 'BGE', 'Art. 106', 'BGE']

6B_79/2014 � � Urteil vom 16. Oktober 2014
Sexuelle Handlungen mit Kindern; Willk�r, rechtliches Geh�r,
�X.________, sein Freund A.________, dessen damalige Lebenspartnerin B.D.________ und ihr Sohn C.D.________ verbrachten �fters Zeit miteinander. Letzterer �bernachtete von Februar bis anfangs Mai 2011 mehrmals bei X.________. Nach der Anklage soll dieser bei zwei solchen �bernachtungen C.D.________ aufgefordert haben, ihn �berall zu "kratzen". In der Folge habe das Kind X.________ an den Armen, Beinen, am R�cken, Bauch und zwischen den Beinen ber�hrt, gestreichelt und "chr�belet". C.D.________ habe das Glied von X.________ in die Hand genommen und daran Auf- sowie Abw�rtsbewegungen gemacht und es anweisungsgem�ss in den Mund genommen. Als das Kind sein Glied im Mund gehabt habe, habe X.________ dessen Kopf nach vorn und zur�ck bewegt.
�Das Obergericht des Kantons Bern verurteilte X.________ am 21. November 2013 zweitinstanzlich wegen mehrfacher sexueller Handlungen mit Kindern zu einer bedingt vollziehbaren Freiheitsstrafe von 24 Monaten.
�X.________ beantragt mit Beschwerde in Strafsachen sinngem�ss, das Urteil des Obergerichts sei aufzuheben, er freizusprechen und die Sache zur neuen Entscheidung an dieses zur�ckzuweisen. Er ersucht um unentgeltliche Rechtspflege und Verbeist�ndung.
1.1.�Der Beschwerdef�hrer r�gt, die Vorinstanz verletze seinen Anspruch auf rechtliches Geh�r, weil sie seinen Antrag auf Begutachtung von C.D.________ abweise. Als die Vorw�rfe gegen ihn erhoben worden seien, sei das Obhutsentzugsverfahren gegen die Kindsmutter h�ngig gewesen. Diese besonderen famili�ren Umst�nde und der m�gliche Einfluss der Mutter auf das Kind h�tten die Vorinstanz zur Einholung eines Gutachtens veranlassen m�ssen (Beschwerde S. 4-8).
1.2.�Die Vorinstanz erw�gt, es seien weder besondere Umst�nde geltend gemacht worden noch sei ersichtlich, dass eine Beweiserg�nzung durch ein Gutachten notwendig w�re. Insbesondere seien auch keine Hinweise erkennbar, die auf eine Beeinflussung des Opfers hindeuteten (Urteil S. 3 E. 2 mit Hinweis auf die vorinstanzliche Verf�gung vom 9. November 2012, kantonale Akten S. 272-274).
1.3.�Das Pr�fen der Glaubhaftigkeit von Aussagen ist prim�r Sache der Gerichte (BGE 129 I 49 E. 4 S. 57). Nach der Rechtsprechung dr�ngt sich der Beizug eines Sachverst�ndigen f�r diese Pr�fung nur bei besonderen Umst�nden auf. Dies ist etwa der Fall bei Anzeichen ernsthafter geistiger St�rungen, welche die Aussageehrlichkeit des Zeugen beeintr�chtigen k�nnten, oder wenn Anhaltspunkte f�r eine Beeinflussung durch Drittpersonen bestehen (BGE 129 IV 179 E. 2.4 S. 184; Urteil 6B_667/2013 vom 20. Februar 2014 E. 2.4.5; je mit Hinweisen). Bei kindlichen Opferzeugen ist ein Gutachten etwa erforderlich, wenn Anzeichen f�r eine sprachliche oder kognitive Entwicklungsst�rung bestehen, die es dem Gericht erschwert, eine fachgerechte Aussagenanalyse und Beweisw�rdigung vorzunehmen. Analoges kann zutreffen, wenn die Opferbefragung nicht professionell erfolgt ist oder wenn bloss rudiment�re oder schwer verst�ndliche Aussagen des Kindes vorliegen, die n�herer Interpretation bed�rfen (Urteil 6B_84/2011 vom 28. Juni 2011 E. 2.3.1 mit Hinweisen).
1.4.�Die Vorinstanz musste kein Gutachten einholen. Sie erw�gt, es sei nicht ersichtlich, inwiefern die familieninternen Probleme, die schliesslich zu einer Fremdplatzierung des Opfers gef�hrt h�tten, zu suggestiven Fragen der Kindsmutter h�tten f�hren bzw. weshalb diese eine Falschbezichtigung durch ihren Sohn h�tten provozieren sollen. Insbesondere nicht vor dem Hintergrund, dass sie ihn bereits mehrfach beim Beschwerdef�hrer habe �bernachten lassen, und sie sowie ihr damaliger Lebenspartner froh gewesen seien um diese Option, damit sie in den Ausgang gehen oder miteinander ungest�rte Momente verbringen konnten (Urteil S. 12 E. 6.2.1). Das Argument des Beschwerdef�hrers, aufgrund des bevorstehenden Obhutsentzugs habe das Opfer Angst gehabt, die Mutter k�me es nicht mehr abholen, greife zu kurz. Vielmehr sei davon auszugehen, dass es vor dem Beschwerdef�hrer nicht den wahren Grund seiner Weigerung [bei diesem zu �bernachten] habe nennen k�nnen. Der Beschwerdef�hrer habe ihm stets gesagt, dass er niemandem davon erz�hlen d�rfe. Dass dem so gewesen sei, habe das Opfer an der Videobefragung best�tigt. Zudem passe es zu den Aussagen der Kindsmutter und ihres damaligen Lebenspartners, wonach sich das Kind erst zu den Vorw�rfen ge�ussert habe, nachdem ihm versprochen worden sei, dem Beschwerdef�hrer nichts bzw. niemanden davon zu erz�hlen (Urteil S. 12 f. E. 6.2.1). Die Vorinstanz h�lt weiter fest, die Verkn�pfung des Erz�hlten mit entsprechenden Gesten liessen die Aussagen des Opfers echt und erlebnisbasiert wirken. Sie seien zudem detailreich. Es sei ausgeschlossen, dass das zum Befragungszeitpunkt 9-j�hrige Opfer eine solche Geschichte alleine aufgrund allenfalls gesehener Sexszenen h�tte erfinden oder eine "Eintrichterung durch die Mutter" so realistisch und mit zahlreichen Verkn�pfungen h�tte nacherz�hlen k�nnen (Urteil S. 19 E. 6.2.2 c1). Ferner seien die Angaben des Kindes konstant - aber nicht repetitiv - und mit Gef�hlswahrnehmungen unterlegt. Das Aussageverhalten spreche klar gegen eine Falschbezichtigung (Urteil S. 19 f. E. 6.2.2 c1).
�Die Vorinstanz verneint Anhaltspunkte f�r die Beeinflussung des Opfers durch die Mutter mit einer schl�ssigen Begr�ndung. Sie war in der Lage, die Aussagen des Kindes fachgerecht zu w�rdigen. Selbst wenn das Opfer eine Intelligenz im Grenzbereich unterster Norm und eine auditive Merkf�higkeitsschw�che aufweist (Beschwerde S. 7 f. und act. 3/1), erschwerte dies eine sachgem�sse Aussagenanalyse und Beweisw�rdigung durch die Vorinstanz nicht. Damit liegt auch keine Verletzung des rechtlichen Geh�rs vor (zum Recht des Betroffenen, mit erheblichen Beweisantr�gen geh�rt zu werden, und zur antizipierten Beweisw�rdigung BGE 138 V 125 E. 2.1; 137 II 266 E. 3.2; 136 I 265 E. 3.2, 229 E. 5.3.; je mit Hinweisen).
2.1.�Der Beschwerdef�hrer r�gt eine willk�rliche Beweisw�rdigung und eine Verletzung der Unschuldsvermutung. Die Vorinstanz w�rdige die Beweise einseitig und ber�cksichtige entlastende Aussagen oder Elemente nicht (Beschwerde S. 9-18).
2.2.�Die Vorinstanz gelangt nach eingehender Beweisw�rdigung zum Schluss (Urteil S. 7 ff.), die belastenden Aussagen des Opfers seien - namentlich unter Ber�cksichtigung der Entstehungsgeschichte seiner Vorw�rfe und seines Aussageverhaltens - wesentlich �berzeugender sowie gewichtiger als die Bestreitungen des Beschwerdef�hrers. Sie h�lt daf�r, dass die vom Kind geschilderten zwei Vorf�lle erlebnisbasiert sind und mithin so stattgefunden haben (Urteil S. 25 f. E. 6.2.3).
2.3.�Die vorinstanzliche Sachverhaltsfeststellung kann nur ger�gt werden, wenn sie offensichtlich unrichtig ist oder auf einer Rechtsverletzung im Sinne von Art. 95 BGG beruht und wenn die Behebung des Mangels f�r den Ausgang des Verfahrens entscheidend sein kann (Art. 97 Abs. 1 BGG). Offensichtlich unrichtig ist die Sachverhaltsfeststellung, wenn sie willk�rlich ist (BGE 139 II 404 E. 10.1 S. 445 mit Hinweisen; zum Begriff der Willk�r BGE 139 III 334 E. 3.2.5 S. 339; 138 I 49 E. 7.1; je mit Hinweisen). Inwiefern das Sachgericht den Grundsatz "in dubio pro reo" als Beweisw�rdigungsregel verletzt hat, pr�ft das Bundesgericht ebenfalls unter dem Gesichtspunkt der Willk�r (BGE 138 V 74 E. 7 S. 82 mit Hinweisen). Diese aus der Unschuldsvermutung abgeleitete Maxime wurde wiederholt dargelegt, worauf zu verweisen ist (BGE 127 I 38 E. 2a S. 41 mit Hinweisen).
�Die R�ge der Verletzung von Grundrechten (einschliesslich der Willk�r bei der Sachverhaltsfeststellung) muss in der Beschwerde anhand des angefochtenen Entscheids pr�zise vorgebracht und substanziiert begr�ndet werden, anderenfalls darauf nicht eingetreten wird (Art. 106 Abs. 2 BGG; BGE 138 I 225 E. 3.2; 137 IV 1 E. 4.2.3 S. 5; 136 I 65 E. 1.3.1; je mit Hinweisen).
2.4.�Soweit der Beschwerdef�hrer einzig die erst- und vorinstanzlichen Erw�gungen wiedergibt und diesen seine Sicht der Dinge gegen�berstellt, ohne auf die umfassende Beweisw�rdigung der Vorinstanz einzugehen, ersch�pfen sich seine Ausf�hrungen in einer appellatorischen Kritik. Darauf ist nicht einzutreten. Dies ist etwa der Fall, wenn er behauptet in den einzelnen Aussagen des Opfers, der Kindsmutter und ihres damaligen Lebenspartners f�nden sich erhebliche Widerspr�che (Beschwerde S. 17), oder wenn er vorbringt, die Angaben des Opfers und der Kindsmutter seien wegen der angespannten famili�ren Situation als wenig glaubhaft einzusch�tzen, was die Vorinstanz nicht in Betracht ziehe (Beschwerde S. 12).
�Die Vorinstanz erw�gt, dass beim Beschwerdef�hrer kein kinderpornografisches Material gefunden wurde und ihm keine p�dophile Neigung nachgewiesen werden konnte, schliesse die sexuellen Handlungen mit dem Knaben nicht aus (Urteil S. 25 E. 6.2.2 lit. c). Dies ist nicht zu beanstanden und stellt keine einseitige Beweisw�rdigung dar (Beschwerde S. 17).
�Insgesamt sind die Ausf�hrungen des Beschwerdef�hrers nicht geeignet aufzuzeigen, dass und inwiefern das vorinstanzliche Beweisergebnis schlechterdings nicht mehr vertretbar und die Unschuldsvermutung verletzt sein sollte.
�Zu den Antr�gen auf Auferlegung der kantonalen Verfahrenskosten und Zusprechung einer Entsch�digung �ussert sich der Beschwerdef�hrer nicht (Beschwerde S. 2). Folglich kann sich das Bundesgericht nicht damit befassen.
Dieses Urteil wird den Parteien, dem Opfer und dem Obergericht des Kantons Bern, Strafabteilung, 1. Strafkammer, schriftlich mitgeteilt.