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Timestamp: 2016-09-29 10:08:21
Document Index: 138521660

Matched Legal Cases: ['§ 212', '§ 35', '§ 35', '§ 60', '§ 212', '§ 6', '§ 34', '§ 216', '§ 35', '§ 15', '§ 15', '§ 212', '§ 212', '§ 571', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 56', '§ 80', 'BGH', 'BGH', '§ 15', '§ 212', '§ 212', '§ 15', '§ 15', '§ 58', '§ 58']

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Einstellung des Insolvenzverfahrens – und das Antragsrecht bei der GmbH	22. April 2016 | Gesellschaftsrecht, InsolvenzrechtGeschätzte Lesezeit: 2 Minuten	Mit der Befugnis einer juristischen Person, einen Antrag auf Einstellung des Insolvenzverfahrens zu stellen, hatte sich aktuell der Bundesgerichtshof zu befassen:
Ist die Partei- oder Prozessfähigkeit, die Existenz einer Partei oder ihre gesetzliche Vertretung im Streit, gilt sie bis zur rechtskräftigen Feststellung des Mangels als partei- oder prozessfähig, existent oder gesetzlich vertreten1.
Nach § 212 Satz 1 InsO ist für den Antrag auf Einstellung des Insolvenzverfahrens wegen Wegfalls des Eröffnungsgrundes nur die Schuldnerin antragsberechtigt. Die Schuldnerin (GmbH) wurde vorliegend, solange mehrere Geschäftsführer bestellt waren, durch diese gemeinschaftlich gerichtlich und außergerichtlich vertreten. Dies ergibt sich aus § 35 Abs. 1 Satz 1 und § 35 Abs. 2 Satz 1 GmbHG.
An dieser gemeinschaftlichen Vertretungsbefugnis hat die Eröffnung des Insolvenzverfahrens nichts geändert. Durch die Insolvenzeröffnung wird eine Gesellschaft mit beschränkter Haftung zwar gemäß § 60 Abs. 1 Nr. 4 GmbHG aufgelöst, doch dauert ihre Rechtspersönlichkeit für die Zwecke des Verfahrens fort2. Die Organe bleiben so im Verfahren bestehen, wie sie sich bei Verfahrenseröffnung darstellten3. Deswegen wird durch die Insolvenzeröffnung grundsätzlich die Rechtsstellung der organschaftlichen Vertreter nicht berührt. Insbesondere können die Geschäftsführer für die Gesellschaft mit beschränkter Haftung im eröffneten Verfahren Anträge stellen, etwa einen Antrag nach §§ 212, 213 InsO, und nach § 6 Abs. 1 InsO gegen Entscheidungen des Insolvenzgerichts Rechtsmittel einlegen, etwa gegen den Eröffnungsbeschluss nach § 34 Abs. 2 InsO oder gegen die Ablehnung des Einstellungsantrags nach § 216 Abs. 2 InsO4. Mehrere Mitglieder des Vertretungsorgans sind nach Maßgabe der bis zur Verfahrenseröffnung geltenden Regelungen vertretungsbefugt. Sofern gesetzlich (§ 35 Abs. 2 Satz 1 GmbHG) oder kraft Gesellschaftsvertrages Gesamtvertretung besteht, gelten grundsätzlich auch diese Regeln fort5.
Nach § 15 Abs. 1 Satz 1 und 2 InsO kann jeder Geschäftsführer einer Gesellschaft mit beschränkter Haftung namens der Gesellschaft den Antrag auf Eröffnung des Insolvenzverfahrens über das Vermögen der Gesellschaft stellen, auch wenn er nicht alleinvertretungsbefugt ist. Denn § 15 Abs. 1 Satz 1 InsO nennt als Antragsberechtige die Mitglieder des Vertretungsorgans6. Die ihnen eingeräumte Einzelvertretungsmacht geht der ansonsten geltenden Vertretungsregelung vor, sie kann durch die Satzung nicht beseitigt oder beschränkt werden7. Diese Sonderregelung gilt aber nur für den Eröffnungsantrag, nicht für den Einstellungsantrag nach § 212 InsO8.
Auf die Eintragung im Handelsregister kommt es jedoch nicht an, sondern auf die objektive Rechtslage in dem Zeitpunkt, in dem das Beschwerdegericht über den Antrag nach § 212 InsO entscheidet (§ 571 Abs. 2 Satz 1 ZPO).
Der Antragsteller hat seine Antragsberechtigung gegenüber dem Insolvenzgericht nachzuweisen. Sofern der Schuldner in ein öffentliches Register eingetragen ist, sind die maßgebenden gesellschaftsrechtlichen Verhältnisse in der Regel aus diesem ersichtlich. Das Insolvenzgericht kann sich grundsätzlich auf die Eintragungen verlassen. Der Beweis der Unrichtigkeit des Registers ist allerdings nicht ausgeschlossen9.
Bundesgerichtshof, Beschluss vom 24. März 2016 – IX ZB 32/15
BGH, Urteil vom 11.04.1957 – VII ZR 280/56, BGHZ 24, 91, 94; Beschluss vom 25.01.1978 – IV ZB 9/76, BGHZ 70, 252, 255; vom 13.07.1993 – III ZB 17/93, NJW 1993, 2943, 2944; vom 03.05.1996 – BLw 54/95, BGHZ 132, 353, 355; vom 09.11.2010 – VI ZR 249/09, VersR 2011, 507 Rn. 3; Zöller/Vollkommer, ZPO, 31. Aufl., § 56 Rn. 13↩
vgl. Jaeger/Windel, InsO, 2007, § 80 Rn. 77↩
BGH, Beschluss vom 11.01.2007 – IX ZB 271/04, NZI 2007, 231 Rn. 21↩
vgl. Jaeger/Windel, aaO Rn. 78 f; Uhlenbruck, GmbHR 2005, 817, 829 f↩
vgl. Jaeger/Windel, aaO Rn. 79↩
BGH, Beschluss vom 20.07.2006 – IX ZB 274/05, NZI 2006, 700 Rn. 2; vom 10.07.2008 – IX ZB 122/07, NZI 2008, 550 Rn. 5↩
vgl. Jaeger/Müller, InsO, 2004, § 15 Rn. 6↩
vgl. Jaeger/Müller, aaO Rn. 1; Jaeger/Windel, InsO, 2010, § 212 Rn.19; Schmidt/Jungmann, InsO, 19. Aufl., § 212 Rn. 7↩
vgl. Jaeger/Müller, InsO, 2004, § 15 Rn. 45; MünchKomm-InsO/Klöhn, 3. Aufl., § 15 Rn. 71↩
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