Source: https://www.dashoefer.de/dasfibuwissen/ias-ifrs-und-hgb-im-vergleich-ein-%C3%BCberblick-%28teil-2%29.html
Timestamp: 2018-08-15 18:25:02
Document Index: 39847076

Matched Legal Cases: ['§ 247', '§ 248', '§ 248', '§ 253', '§ 255', '§ 255', '§ 255', '§ 255', '§ 255', '§ 253', '§ 253', '§ 253', '§ 253', '§ 255', '§ 253', '§ 253', '§ 253', '§ 266', '§ 246', '§ 253', '§ 253', '§ 253']

IAS/IFRS und HGB im Vergleich – ein Überblick (Teil 2) | dasFiBuWissen - Fachwissen von Experten für Ihren Erfolg.
IAS/IFRS und HGB im Vergleich - ein Überblick (Teil 2)
Bilanzierung [ Stand: 07.08.2018 ]
1 Ausgewählte Bilanzposten des Anlagevermögens
Definition des Anlagevermögens/langfristiger Vermögenswerte
Im Anlagevermögen werden nach HGB alle Vermögensgegenstände ausgewiesen, die dem Geschäftsbetrieb auf Dauer dienen sollen (§ 247 Abs. 2 HGB). Im Umkehrschluss sind die Vermögensgegenstände, die dem Geschäftsbetrieb nicht auf Dauer dienen sollen, dem Umlaufvermögen zuzuordnen.
Auch im IAS/IFRS-Abschluss erfolgt ein separater Ausweis langfristiger Vermögenswerte, die negativ zu den kurzfristigen Vermögenswerten abgegrenzt werden; Vermögenswerte, die nicht kurzfristig sind, sind als langfristig zu klassifizieren (IAS 1 Tz. 66 Satz 2).
Kurzfristig sind Vermögenswerte, deren Realisierung innerhalb eines normalen Geschäftszyklus erwartet wird, oder deren Verkauf bzw. Verbrauch innerhalb dieser Zeit beabsichtigt ist (IAS 1 Tz. 66a). Der Geschäftszyklus wird mit zwölf Monaten definiert, sofern er nicht eindeutig identifizierbar ist (IAS 1 Tz. 68 Satz 2).
Daneben werden insbesondere Vermögenswerte, die primär zum Handel gehalten werden als kurzfristige klassifiziert (IAS 1 Tz. 66 b) sowie Zahlungsmittel und Zahlungsmitteläquivalente, sofern deren Tausch oder Nutzung zur Erfüllung einer Verpflichtung nicht für mindestens zwölf Monate ausgeschlossen ist (IAS 1 Tz. 66d)).
Es ist heutzutage kaum ein Unternehmen ohne Software und/oder Lizenzen vorstellbar, daher sollten die immateriellen Vermögensgegenstände und Vermögenswerte betrachtet werden.
Für selbst geschaffene immaterielle Vermögensgegenstände besteht ein Aktivierungswahlrecht im handelsrechtlichen Jahresabschluss (§ 248 Abs. 2 Satz 1 HGB). Ein Aktivierungsverbot besteht explizit für selbstgeschaffene Marken, Drucktitel, Verlagsrechte, Kundenlisten oder vergleichbare immaterielle Vermögensgegenstände (§ 248 Abs. 2 Satz 2 HGB).
Im IAS/IFRS Abschluss sind immaterielle Vermögenswerte nur dann anzusetzen, wenn
der erwartete künftige wirtschaftliche Nutzen zufließen wird (IAS 38 Tz. 21a) und
die Anschaffungs- bzw. Herstellungskosten sich verlässlich bewerten lassen (IAS 38 Tz. 21b).
Selbstgeschaffene immaterielle Vermögenswerte sind grds. zu aktivieren, sofern sie die Voraussetzungen erfüllen. Ein explizites Aktivierungsverbot besteht jedoch für selbstgeschaffene Geschäfts- oder Firmenwerte (IAS 38 Tz. 48).
Die Bewertung erfolgt bei Zugang mit den Anschaffungs- bzw. Herstellungskosten (§ 253 Abs. 1 Satz 1 HGB). Ebenso auch im Abschluss nach IAS/IFRS (IAS 38 Tz. 24).
Wesentliche Unterschiede in den Herstellungskosten bestehen wie folgt:
Handelsrechtlich besteht ein Aktivierungsverbot für Vertriebskosten (§ 255 Abs. 2 Satz 4 HGB).
Forschungskosten dürfen in beiden Rechnungslegungswerken nicht in den Herstellungskosten berücksichtigt werden (§ 255 Abs. 2 Satz 4 HGB und IAS 38 Tz. 54).
In den IAS/IFRS sind in den Herstellungskosten alle direkt zurechenbaren Kosten des Vermögenswertes, die erforderlich sind zu dessen Entwerfung und Herstellung für den beabsichtigten Gebrauch, zu berücksichtigen (IAS 38 Tz. 66). Sie dürfen nicht aktiviert werden, wenn sie zuvor bereits als Aufwand erfasst wurden (IAS 38 Tz. 71).
Bei den handelsrechtlichen Herstellungskosten werden Aktivierungswahlrechte gewährt:
angemessene Teile der Kosten der allgemeinen Verwaltung (§ 255 Abs. 2 HGB Satz 3) sowie
angemessene Aufwendungen für soziale Einrichtungen des Betriebs, für freiwillige soziale Leistungen und für die betriebliche Altersversorgung (§ 255 Abs. 2 HGB Satz 3),
Zinsen für Fremdkapital, soweit sie auf die Herstellung entfallen (§ 255 Abs. 3 Satz 2 HGB).
Zinsen für Fremdkapital und auch weitere Kosten im Zusammenhang mit der Aufnahme von Fremdkapital (Fremdkapitalkosten, IAS 23 Tz. 5), die direkt auf die Herstellung oder den Erwerb eines Vermögenswertes entfallen, sind nach IAS explizit aktivierungspflichtig (IAS 23 Tz. 8).
Sofern die Nutzung des immateriellen Vermögensgegenstandes zeitlich begrenzt ist, sind handelsrechtlich planmäßige Abschreibungen (§ 253 Abs. 3 Satz 1 HGB) über die voraussichtliche Nutzungsdauer (§ 253 Abs. 3 Satz 2 HGB) vorzunehmen. Kann die voraussichtliche Nutzungsdauer nicht verlässlich geschätzt werden, erfolgt die Abschreibung über 10 Jahre (§ 253 Abs. 3 Satz 3 HGB).
Unabhängig von der planmäßigen Abschreibung sind außerplanmäßige Abschreibungen bei voraussichtlicher dauernder Wertminderung auf den beizulegenden Zeitwert vorzunehmen (§ 253 Abs. 3 Satz 5 HGB). Der beizulegende Zeitwert ist als Marktpreis definiert (§ 255 Abs. 4 Satz 1 HGB). Vorgenommene außerplanmäßige Abschreibungen werden wieder zugeschrieben, sofern die Gründe für die Wertminderung nicht mehr bestehen (§ 253 Abs. 5 Satz 1 HGB). Ausgenommen von der Zuschreibung ist der entgeltlich erworbene Geschäfts- oder Firmenwert (§ 253 Abs. 5 Satz 2 HGB).
In der Folgebewertung kann im IAS/IFRS Abschluss, anders als im HGB, zwischen Anschaffungskostenmodell und Neubewertungsmodell gewählt werden (IAS 38 Tz. 72).
Das Anschaffungskostenmodell berücksichtigt analog dem HGB eine Fortschreibung abzüglich kumulierter Amortisationen und Wertminderungen (IAS 38 Tz. 74). Die Abschreibungen bzw. Amortisation erfolgen nur bei begrenzter Nutzungsdauer und entfallen bei immateriellen Vermögenswerten mit unbegrenzter Nutzungsdauer (IAS 38 Tz 89, IAS 38 Tz. 107).
Unabhängig von der Nutzungsdauer erfolgt ähnlich dem HGB eine Wertminderung auf den sog. erzielbaren Betrag (IAS 38 Tz. 111 i. V. m IAS 36 Tz. 8). Der erzielbare Betrag ist als der höhere der beiden folgenden Beträge definiert (IAS 36 Tz. 18 Satz 1):
beizulegender Zeitwert abzüglich Kosten der Veräußerung oder
Nutzungswert.
Die Dauer der Wertminderung bleibt dabei unberücksichtigt.
Der Wertminderungsaufwand aus früheren Perioden wird wieder vermindert bzw. zugeschrieben, wenn dieser nicht mehr besteht bzw. nicht in diesem Umfang besteht (IAS 36 Tz 114), Ausgenommen sind auch hier die Geschäfts- oder Firmenwerte (IAS 36 Tz 124).
Das Neubewertungsmodell sieht eine Bewertung zum beizulegenden Zeitwert vor (IAS 38 Tz 75). Die Anpassung auf den beizulegenden Zeitwert kann zu einer Wertminderung führen, die im Aufwand zu erfassen ist (IAS 38 Tz. 86) oder aber auch zu einer Erhöhung des Buchwertes über die Anschaffungs- bzw. Herstellungskosten hinaus, die im Eigenkapital im sogenannten sonstigen Ergebnis in einer Neubewertungsrücklage zu zeigen ist (IAS 38 Tz 85).
Eine Neubewertung über die Anschaffungs- oder Herstellungskosten ist bei den handelsrechtlichen immateriellen Vermögensgegenständen ausgeschlossen (§ 253 Abs. 1 Satz 1 HGB).
Das Konzept des Neubewertungsmodells und der Wertminderung, die unabhängig von der Dauer zu berücksichtigen ist, sind wesentliche Abweichungen der IAS/IFRS-Bilanz zur Handelsbilanz.
Für die zuvor betrachtete Software und/oder Lizenz ist üblicherweise eine Hardware erforderlich und so verfügt nahezu jedes Unternehmen über Sachanlagen, die zumindest die übliche Geschäfts- und Betriebsausstattung widerspiegeln.
Die Sachanlagen folgen im handelsrechtlichen Bilanzschema unmittelbar den immateriellen Vermögensgegenständen (§ 266 Abs. 2 A. II. HGB). Die Mindestgliederung des IAS 1 Tz. 54 startet hingegen mit den Sachanlagen.
Handelsrechtlich sind grds. alle Sachanlagen aktivierungspflichtig (§ 246 Abs. 1 Satz 1 HGB). Vereinfachungen bestehen für sog. geringwertige Wirtschaftsgüter.*
Im IAS/IFRS Abschluss erfolgt die Aktivierung, sofern die grds. Voraussetzung des Vermögenswertes für die Sachanlage vorliegt:
es ist wahrscheinlich, dass eine künftiger Nutzen aus dieser Sachanlage dem Unternehmen zufließt (IAS 16 Tz. 7 a)
die Anschaffungs- oder Herstellungskosten lassen sich verlässlich bewerten (IAS 7 b)
Bei Zugang erfolgt die Bewertung jeweils zu den Anschaffungs- oder Herstellungskosten* (§ 253 Abs. 1 Satz 1 HGB und IAS 16 Tz. 7).
Handelsrechtlich erfolgt eine Abschreibung bei zeitlich begrenzt genutzten Sachanlagen über die voraussichtliche Nutzungsdauer (§ 253 Abs. 3 Satz 1 und 2 HGB). Sofern eine voraussichtlich dauernde Wertminderung vorliegt, ist eine außerplanmäßige Abschreibung auf den beizulegenden Zeitwert vorzunehmen (§ 253 Abs. 3 Satz 5 HGB).
Im IAS/IFRS Abschluss erfolgt die Folgebewertung wie bei den immateriellen Vermögenswerten wahlweise nach dem Anschaffungskostenmodell oder Neubewertungsmodell (IAS 16 Tz. 29).*
Daneben sind auch hier Wertminderungen auf den erzielbaren Betrag zu berücksichtigen (IAS 16 Tz. 63).*