Source: https://www.jahressteuergesetz.de/reisekostenrecht/reisekostenreform-2014-fahrtkosten/
Timestamp: 2019-02-17 08:18:48
Document Index: 208310987

Matched Legal Cases: ['§ 9', '§ 9', '§ 9', '§ 3', '§ 9', '§ 9', '§ 3', '§ 3', '§ 9']

Reisekostenreform 2014 (Teil 2): Fahrtkosten | Jahressteuergesetz
Die Aufwendungen des Arbeitnehmers für die Wege von der Wohnung zur ersten Tätigkeitsstätte sind weiterhin mit der Entfernungspauschale i.H.v. 0,30 € je vollen Entfernungskilometer als Werbungskosten anzusetzen (§ 9 Abs. 1 Satz 3 Nr. 4 EStG).
Die Regelungen zur Höhe der Entfernungspauschale sind unverändert beibehalten worden (grundsätzliche Begrenzung auf 4.500 €, kürzeste Straßenverbindung). Allerdings ist der Begriff „regelmäßige Arbeitsstätte“ durch den neuen Begriff „erste Tätigkeitsstätte“ ersetzt worden.
Hat ein Arbeitnehmer keine erste Tätigkeitsstätte, ist die Entfernungspauschale ab 2014 für Fahrten des Arbeitnehmers zu einem vom Arbeitgeber dauerhaft festgelegten Ort anzusetzen, an dem sich der Arbeitnehmer aufgrund der dienst- oder arbeitsrechtlichen Festlegungen typischerweise arbeitstäglich einzufinden hat (§ 9 Abs. 1 Satz 3 Nr. 4a Satz 3 EStG).
In der Gesetzesbegründung werden beispielhaft Fahrten von der Wohnung zu einem Busdepot oder Fährhafen genannt. Genauso gilt die Regelung für arbeitstägliche Fahrten zu einem Sammeltreffpunkt, für die Fahrten einer Stewardess zum Flughafen sowie für die Fahrten von Bus- oder Lkw-Fahrern von der Wohnung zu einem dauerhaft gleichbleibenden Übernahmeort ihrer Fahrzeuge.
Diese Neuregelung gilt allerdings nur bez. der Fahrtkosten. Hinsichtlich des Ansatzes der Pauschbeträge für Verpflegungsmehraufwendungen und der Berücksichtigung von Unterkunftskosten liegt bei diesen Arbeitnehmern weiterhin eine beruflich veranlasste Auswärtstätigkeit vor.
Fahrten zu einer anderen als der ersten Tätigkeitsstätte (Auswärtstätigkeit) sind grundsätzlich die tatsächlichen Kosten anzusetzen (§ 9 Abs. 1 Satz 3 Nr. 4a EStG).
Bei der Benutzung eines eigenen oder eines zur Nutzung überlassenen Fahrzeugs kann weiterhin – gestützt auf R 9.5 Abs. 1 Satz 4 LStR – ein individueller Kilometersatz auf Grundlage der für einen Zeitraum von zwölf Monaten ermittelten Gesamtkosten für das genutzte Fahrzeug errechnet werden.
Dieser Kilometersatz kann so lange angesetzt werden, bis sich die Verhältnisse wesentlich ändern (z.B. Ablauf des sechsjährigen Abschreibungszeitraums oder des Leasingzeitraums).
Anstelle der tatsächlichen Aufwendungen können die Fahrtkosten mit den (bisherigen) pauschalen Kilometersätzen angesetzt werden:
Pkw Motorrad Mofa Fahrrad
0,30 €/km 0,13 €/km 0,08 €/km 0,05 €/km
Reisekosten können dabei weiterhin steuerfrei ersetzt werden (§ 3 Nr. 13, Nr. 16 EStG).
Da die Berücksichtigung pauschaler Kilometersätze ab 2014 in § 9 Abs. 1 Satz 3 Nr. 4a EStG gesetzlich geregelt ist (bisher gab es dazu lediglich Verwaltungsregelungen), hat der Arbeitnehmer einen Rechtsanspruch auf deren Ansatz. Somit entfällt künftig auch bei einer hohen Jahresfahrleistung die Prüfung einer unzutreffenden Besteuerung.
Fahrtkosten bei „weiträumigem Tätigkeitsgebiet“
Bestimmte Berufe wie z.B. Schornsteinfeger, Forstarbeiter oder Briefzusteller werden in einem weiträumigen Tätigkeitsgebiet (§ 9 Abs. 1 Satz 3 Nr. 4a Satz 3 EStG) ausgeübt. In diesem Fall können Arbeitnehmer für Fahrten zu einem vom Arbeitgeber dauerhaft festgelegten Ort,
an dem sich der Arbeitnehmer einzufinden hat oder
von dem aus er regelmäßig seine Tätigkeit aufzunehmen hat,
Werbungskosten nur in Höhe der Entfernungspauschale geltend machen. Der Ort kann z.B. ein Depot oder ein Lagerplatz sein.
Kundendienstmonteure, Pflegekräfte, Handelsvertreter u.Ä. sind von der Neuregelung nicht betroffen und können nach wie vor die tatsächlichen Fahrtkosten geltend machen, denn:
Ein weiträumiges Tätigkeitsgebiet hat vom Gesetzeswortlaut ausgehend nur der Arbeitnehmer, der seine Arbeitsleistung auf einer festgelegten Fläche zu erbringen hat und nicht in einer ortsfesten betrieblichen Einrichtung seines Arbeitgebers, eines verbundenen Unternehmens oder eines vom Arbeitgeber bestimmten Dritten tätig wird.
Hat der Arbeitnehmer das Arbeitsgebiet stets von ein und demselben Zugang aus zu betreten oder zu befahren, so ist für die Fahrten von der Wohnung bis zu diesem Zugang die Entfernungspauschale zu berücksichtigen.
Wird das weiträumige Arbeitsgebiet immer von verschiedenen Zugängen aus betreten oder befahren, ist aus Vereinfachungsgründen nur für die Fahrten von der Wohnung zum nächstgelegenen Zugang die Entfernungspauschale zu berücksichtigen.
Für die Fahrten zu den weiter entfernten Zugängen zur Arbeitsstätte können dagegen die tatsächlichen Kosten angesetzt werden.
Auch diese Sonderregelung gilt nur für die Berücksichtigung der Fahrtkosten. Für den Ansatz der Pauschbeträge für Verpflegungsmehraufwendungen und ggf. die Berücksichtigung von Übernachtungskosten ist sie ohne Bedeutung, da die Arbeitnehmer ihre Beschäftigung nicht an einer „ersten Tätigkeitsstätte“ ausüben. Insoweit kommt daher auch ein steuerfreier Reisekostenersatz durch den Arbeitgeber nach § 3 Nr. 13 bzw. § 3 Nr. 16 EStG in Betracht.
Ein angestellter Forstarbeiter legt die Fahrten von seiner Wohnung zu verschiedenen Zugängen zum Waldgebiet mit seinem eigenen Pkw zurück. Die Entfernung von seiner Wohnung zum nächstgelegenen Zugang des Waldgebiets beträgt 40 km.
Die Fahrtkosten werden in Höhe der Entfernungspauschale mit 230 Arbeitstagen x 40 km x 0,30 € = 2.760 € als Werbungskosten berücksichtigt.
Für alle Fahrten innerhalb des weiträumigen Arbeitsgebiets sowie für die Fahrten von der Wohnung des Arbeitnehmers zu einem weiter entfernten Zugang sind für den Werbungskostenabzug bzw. den steuerfreien Arbeitgeberersatz die tatsächlichen Aufwendungen oder der pauschale Kilometersatz von 0,30 € je gefahrenen Kilometer zu berücksichtigen (§ 9 Abs. 1 Satz 3 Nr. 4a Satz 4 EStG).
4. Februar 2014	| Reisekostenrecht	| Reisekostenpauschale, Reisekostenreform 2014, Steuerliches Reisekostenrecht	| Markus Bongardt