Source: https://www.rechtslupe.de/steuerrecht/einkommensteuer/kst/der-auf-0-lautende-koerperschaftsteuerbescheid-und-die-klagebefugnis-382754
Timestamp: 2020-02-18 20:01:54
Document Index: 206368648

Matched Legal Cases: ['§ 32', '§ 171', '§ 32', '§ 32', '§ 32', '§ 10', '§ 8', '§ 171', '§ 52']

Der auf 0 lau­ten­de Kör­per­schaft­steu­er­be­scheid – und die Kla­ge­be­fug­nis | Rechtslupe
Der auf 0 lautende Körperschaftsteuerbescheid - und die Klagebefugnis
Die Kla­ge­be­fug­nis gegen einen auf null lau­ten­den Kör­per­schaft­steu­er­be­scheid kann – soweit eine ver­deck­te Gewinn­aus­schüt­tung im Raum steht – auch nicht auf die Vor­schrift des § 32a KStG gestützt wer­den. Zum einen trifft die­se Vor­schrift kei­ne mate­ri­ell-recht­li­che Rege­lung, son­dern hat aus­schließ­lich ver­fah­rens­recht­li­che Bedeu­tung. Zum ande­ren betrifft eine etwai­ge Ände­rung der Ein­kom­mens­be­steue­rung auf­grund einer ver­deck­ten Gewinn­aus­schüt­tung den Anteils­eig­ner und nicht die Kapi­tal­ge­sell­schaft.
Für die Anfech­tung eines auf null lau­ten­den Steu­er­be­schei­des fehlt es regel­mä­ßig an der für die Zuläs­sig­keit einer Kla­ge erfor­der­li­chen Beschwer. Etwas ande­res gilt aus­nahms­wei­se dann, wenn sich die Steu­er­fest­set­zung nicht in der Kon­kre­ti­sie­rung des Steu­er­schuld­ver­hält­nis­ses erschöpft 1, etwa weil der zugrun­de geleg­te Gewinn eine ver­bind­li­che Ent­schei­dungs­grund­la­ge für ande­re Steu­er­be­schei­de bil­det 2.
Die von der Klä­ge­rin ange­grif­fe­ne vGA als Teil des von ihr zu ver­steu­ern­den Ein­kom­mens ist jedoch kei­ne ver­bind­li­che Ent­schei­dungs­grund­la­ge für einen ande­ren Bescheid, der die Klä­ge­rin in ihren Rech­ten ver­let­zen könn­te.
Der Kör­per­schaft­steu­er­be­scheid für eine Kapi­tal­ge­sell­schaft und der Ein­kom­men­steu­er­be­scheid für ihren Gesell­schaf­ter ste­hen nicht im Ver­hält­nis eines Grund­la­gen­be­schei­des zum Fol­ge­be­scheid i. S. des § 171 Abs. 10 AO. Das gilt auch nach Ein­füh­rung des § 32a KStG durch das Jah­res­steu­er­ge­setz 2007 vom 13.12.2006 3 mit Gel­tung für ab dem 19.12.2006 erlas­se­ne, auf­ge­ho­be­ne oder geän­der­te Steu­er­be­schei­de 4. Die Vor­schrift des § 32a Finanz­ge­richttG trifft kei­ne mate­ri­ell-recht­li­che Rege­lung, son­dern hat aus­schließ­lich ver­fah­rens­recht­li­che Bedeu­tung. Sie ist als Ände­rungs­norm eine eigen­stän­di­ge Rechts­grund­la­ge für den Erlass, die Auf­he­bung oder die Ände­rung eines Steu­er­be­scheids gegen­über dem Anteils­eig­ner einer Kapi­tal­ge­sell­schaft, wenn gegen­über der Kapi­tal­ge­sell­schaft ein Steu­er­be­scheid auf­grund einer vGA erlas­sen, auf­ge­ho­ben oder geän­dert wird 5.
Die – rein ver­fah­rens­recht­li­che – Wir­kung des § 32a Finanz­ge­richttG führt im Übri­gen aber auch des­halb nicht zu einer Beschwer der GmbH durch die auf null lau­ten­den Kör­per­schaft­steu­er­be­schei­de, weil die etwai­ge Ände­rung der Ein­kom­mens­be­steue­rung nur die Fest­stel­lungs­be­schei­de gegen­über der Gesell­schaf­ter-GbR betrifft, durch die die GnmbH nicht in ihren Rech­ten betrof­fen sein kann. Die Gesell­schaf­ter-GbR ist in ihren Rechts­schutz­mög­lich­kei­ten wegen der feh­len­den mate­ri­ell-recht­li­chen Bin­dung der Kör­per­schaft­steu­er­be­schei­de in kei­ner Wei­se ein­ge­schränkt.
Die Kör­per­schaft­steu­er­be­schei­de haben auch kei­ne Bin­dungs­wir­kung für die Beschei­de über die geson­der­te Fest­stel­lung des ver­blei­ben­den Ver­lust­vor­trags zur Kör­per­schaft­steu­er zum Schluss des jewei­li­gen Ver­an­la­gungs­zeit­raums. Zwar sind nach § 10d Abs. 4 Satz 4 EStG (i. V. m. § 8 Abs. 1 Satz 1 FGO) bei der Ver­lust­fest­stel­lung die Besteue­rungs­grund­la­gen so zu berück­sich­ti­gen, wie sie den Steu­er­fest­set­zun­gen des jewei­li­gen Ver­an­la­gungs­zeit­raums zugrun­de gelegt wor­den sind, wobei die Vor­schrift des § 171 Abs. 10 AO ent­spre­chend gilt. Die­se durch Gesetz vom 08.12.2010 6 ein­ge­führ­te Rege­lung gilt nach § 52 Abs. 25 Satz 5 EStG aber erst­mals für Ver­lus­te, für die nach dem 13.12.2010 eine Ver­lust­fest­stel­lungs­er­klä­rung abge­ge­ben wur­de, und mit­hin nicht für die hie­si­gen Streit­jah­re 2005 und 2006.
BFH, Urteil vom 23.04.2008 – X R 32/​06, BFHE 221, 102, BSt­Bl II 2009, 7[↩]
BFH, Urteil vom 09.09.2010 – IV R 38/​08, BFH/​NV 2011, 423[↩]
BFH, Urteil vom 18.09.2012 – VIII R 9/​09, BFHE 238, 512, BSt­Bl II 2013, 149; BFH, Beschluss vom 20.03.2009 – VIII B 170/​08, BFHE 224, 439, DStR 2009, 795[↩]
BFH, Urteil vom 18.09.2012 – VIII R 9/​09, BFHE 238, 512, BSt­Bl II 2013, 149[↩]
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