Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Gericht=BFH&Datum=22.06.2010&Aktenzeichen=VIII%20R%2038/08
Timestamp: 2020-01-19 08:54:55
Document Index: 226859018

Matched Legal Cases: ['§ 64', '§ 126', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 81', 'BGH']

BFH, 22.06.2010 - VIII R 38/08 - dejure.org
https://dejure.org/2010,222
BFH, 22.06.2010 - VIII R 38/08 (https://dejure.org/2010,222)
BFH, Entscheidung vom 22.06.2010 - VIII R 38/08 (https://dejure.org/2010,222)
BFH, Entscheidung vom 22. Juni 2010 - VIII R 38/08 (https://dejure.org/2010,222)
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Wirksamkeit einer Klage mit eingescannter Unterschrift - Anforderungen an die Schriftform bei der Klageerhebung
Wirksamkeit einer Klage mit eingescannter Unterschrift; Anforderungen an die Schriftform bei der Klageerhebung
§ 64 FGO, § 126 Abs 1 BGB
Anforderungen an die Schriftform bei der Klageerhebung
Eingescannte Unterschrift bei Fax-Versand eines Ausdrucks
Verfahrensrecht - Wirksamkeit einer Klage mit eingescannter Unterschrift
Schriftformgemäße Klageerhebung durch Senden eines Telefaxes mit eingescannter Unterschrift; Senden der Klage durch den Prozessbevollmächtigten an einen Dritten per Mail mit der Weisung des Ausdruckens und Sendens an das Gericht per Telefax als formgemäße Klageerhebung
Telefax mit eingescannter Unterschrift
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Wirksames Rechtsmittel bei eingescannter Unterschrift (IBR 2011, 59)
Kurznachricht zu "Klageschrift mit gescannter Unterschrift" von MinDir Dr. Ralf Köbler, original erschienen in: FA 2010, 365 - 366.
Kurznachricht zu "Anmerkung zur Entscheidung des BFH vom 22.06.2010, Az.: VIII R 38/08 (Wirksamkeit einer Klage mit eingescannter Unterschrift)" von RiBFH a.D. Dieter Steinhauff, original erschienen in: AO-StB 2010, 294 - 295.
Kurznachricht zu "Anmerkung zum Urteil des BFH vom 22.06.2010, Az.: VIII R 38/08 (Telefax mit eingescannter Unterschrift)" von RA Bertin Chab, original erschienen in: BRAK-Mitt 2010, 257 - 258.
BFHE 230, 115
NJW 2011, 478
MMR 2010, 866
DB 2010, 2034
DB 2010, 882
K&R 2010, 687
AnwBl Online 2010, 212
BStBl II 2010, 1017
Des Weiteren soll das aus dem Schriftformerfordernis abgeleitete Gebot einer Unterschrift des Erklärenden sicherstellen, dass das Schriftstück keinen Entwurf betrifft, sondern mit Wissen und Wollen des Erklärenden an das Gericht gesandt wurde (Beschluss des Gemeinsamen Senats der Obersten Gerichtshöfe des Bundes vom 30. April 1979 GmS-OGB 1/78, BGHZ 75, 340, BVerwGE 58, 359; BFH-Urteil vom 22. Juni 2010 VIII R 38/08, BFHE 230, 115, BStBl II 2010, 1017, m.w.N.).
Dementsprechend hat auch der Senat die erforderliche Schriftform einer elektronisch übermittelten Rechtsbehelfsschrift erst mit ihrem Ausdruck als gegeben angesehen (BFH-Urteil vom 22. Juni 2010 VIII R 38/08, BFHE 230, 115, BStBl II 2010, 1017).
Notwendig für die Wahrung der Schriftform ist grundsätzlich eine Unterschrift (BFH-Urteil vom 22. Juni 2010 VIII R 38/08, BStBl II 2010, 1017).
OVG Schleswig-Holstein, 20.12.2019 - 2 MB 20/19
Wird ein bestimmender Schriftsatz nicht auf elektronischem Wege, sondern herkömmlicherweise - wie hier - mittels Telefax übermittelt, müssen die übermittelte Telekopie und/oder der per Post aufgegebene Originalschriftsatz die Unterschrift der den Schriftsatz verantwortenden Person tragen (vgl. BVerwG…, Beschluss vom 5. Februar 2003 - 1 B 31.03 -, Juris Rn. 1; ebenso BFH…, Beschluss vom 10. Juli 2002 - VII B 6/02 -, Juris Rn. 8 ff.; wohl abweichend, aber im Ergebnis offengelassen: BFH, Urteil vom 22. Juni 2010 - VIII R 38/08 -, Juris Rn. 33).
Die von der Rechtsprechung entwickelten Ausnahmen seien allein den technischen Gegebenheiten moderner Übermittlungsmethoden wie Fax und Scan geschuldet, seien aber nicht auf die Übersendung reiner Kopien gerichtet (vgl. BFH, Urteil vom 22. Juni 2010, VIII R 38/08).
Der Hinweis des Beklagten auf das BFH-Urteil vom 22. Juni 2010, VIII R 38/08, führt zu keinem anderen Ergebnis.
Des Weiteren soll das aus dem Schriftformerfordernis abgeleitete Gebot einer Unterschrift des Erklärenden sicherstellen, dass das Schriftstück keinen Entwurf betrifft, sondern mit Wissen und Wollen des Erklärenden abgesandt wurde (zur schriftlichen Klageinreichung, BFH, Urteil vom 22. Juni 2010, VIII R 38/08, juris).
Eine eingescannte Unterschrift genügt nicht dem Schriftformerfordernis (…vgl. BVerwG, Beschl. v. 14.9.2010 - 7 B 15.10 -, Rn. 24; BFH, Urt. v. 22.6.2010 - VIII R 38/08 -, Rn. 19;… OLG Celle, Beschl. v. 1.6.2012 - 10 UF 281/11 -, Rn. 4, jew. [...], BGH, Beschl. v. 10.10.2006, NJW 2006, 3784 [BGH 10.10.2006 - XI ZB 40/05] [3785]).
Zwar bedarf es keiner eigenhändigen Unterschrift, wenn der jeweilige bestimmende Schriftsatz durch Telegramm, Fernschreiben Telebrief, Telekopie, Bildschirmtextmitteilung oder Computerfax übermittelt wird (vgl. BFH, Urt. v. 22.6.2010, a.a.O., Kopp/Schenke, a.a.O., § 81 Rn. 9 m.Rspr.N.).
Des Weiteren soll dadurch sichergestellt werden, dass die Erklärung mit Wissen und Wollen des Erklärenden erfolgt ist (vgl. für die eigenhändig zu unterzeichnende Klagschrift BFH Urteil vom 22.06.2010 VIII R 38/08, BStBl II 2010, 1017).
Deshalb wird im Falle der Einlegung einer Berufung durch Computerfax mit eingescannter Unterschrift (ergänzend) auch verlangt, dass sich aus dem Schriftstück selbst oder seinen Begleitumständen keine Zweifel an der Urheberschaft des Unterzeichners oder seinem Willen ergeben dürfen, das Schriftstück in den Verkehr zu bringen (stRspr; GmSOGB vom 5.4.2000, GmS-OGB 1/98, BGHZ 144, 160, 162; BFH vom 22.6.2010 - VIII R 38/08 - BFHE 230, 115; BVerfG Beschluss vom 4.7.2002 - 2 BvR 2168/00 - NJW 2002, 3534, juris RdNr 23) .
Danach lässt die neuere Rechtsprechung des BFH lässt zwar grundsätzlich auch ein Computerfax als Wahrung der Schriftform zu, allerdings lagen die Sachverhalte der Entscheidungen stets so, dass entweder a) auf dem Fax die handelnde Person konkret bezeichnet wurde und der Hinweis angebracht war, dass der benannte Urheber wegen der gewählten Übertragungsform nicht zu unterzeichnen vermag (…so BFH-Beschluss vom 04. September 2000 III B 41/00, BFH/NV 2001, 321 unter Verweis auf GmS-OGB vom 5. April 2000 1/98, NJW 2000, 2340) oder b) es handelte sich um ein Telefax/Computerfax mit eingescannter Unterschrift (so BFH-Urteil vom 22. Juni 2010 VIII R 38/08, BFH/NV 2010, 2188, BFHE 230, 115).
Es genügt daher für die Wirksamkeit einer durch Computerfax erhobenen Klage, dass sich aus dem Schriftsatz selbst oder den Begleitumständen die Urheberschaft und der Wille, das Schriftstück in den Verkehr zu bringen, hinreichend sicher ergeben (BFH-Urteil vom 22. Juni 2010 VIII R 38/08, BFH/NV 2010, 2188, BFHE 230, 115).
Der Bundesfinanzhof konnte zwar in seinem Urteil vom 22.06.2010 (VIII R 38/08 - NJW 2011, 478) letztlich offen lassen, ob die vom Gemeinsamen Senat der obersten Gerichtshöfe des Bundes (Beschluss vom 05.04.2000 - GmS-OGB 1/98 - NJW 2000, 2340) aufgestellten Grundsätze zur Formwirksamkeit bestimmender Schriftsätze mit eingescannter Unterschrift unabhängig vom jeweils gewählten Übersendungsweg (Briefpost, Telefax etc.) oder aber nur für die Übermittlung per Computerfax gelten.
VG München, 14.10.2019 - M 10 M 19.4124
Entscheidungsdatum, Vertretungszwang, Zustellung, Wirksamkeit, Schriftform, …