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Timestamp: 2017-11-21 16:54:36
Document Index: 16773324

Matched Legal Cases: ['BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'EuG', 'EuG', 'BGH', 'BGH', 'Art. 12', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'EuG', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'Art. 1', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'Art. 1', 'Art. 1', 'Art. 1', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'Art. 1', 'BGH']

BRAK. Mitteilungen 4/2006. Aus dem Inhalt. H g b BundesrecHtsanwaltskammer. Akzente Was darf Selbstverwaltung? (RAuN Dr. Bernhard Dombek) PDF
BRAK. Mitteilungen 4/2006. Aus dem Inhalt. H g b BundesrecHtsanwaltskammer. Akzente Was darf Selbstverwaltung? (RAuN Dr. Bernhard Dombek) 149
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1 4/2006 BRAK Jahrgang PVSt 7997 Mitteilungen H g b BundesrecHtsanwaltskammer Aus dem Inhalt Beirat RAuN Dr. Eberhard Haas, Bremen RA Dr. Christian Kirchberg, Karlsruhe RA JR Heinz Weil, Paris Akzente Was darf Selbstverwaltung? (RAuN Dr. Bernhard Dombek) 149 Aufsätze Die Selbstentkernung der Anwaltschaft Zur Neufassung von 3 Abs. 2 BORA (RA Hartmut Scharmer) 150 Zu den Risiken und Nebenwirkungen des neuen 7 BORA (RAin Dr. Susanne Offermann-Burckart) 154 Der Anwaltsvertrag mit der internationalen Sozietät (Dr. Oliver L. Knöfel) 156 Pflichten und Haftung des Anwalts Das aktuelle Urteil (RA B. Chab) Fehlende Erreichbarkeit des Rechtsanwalts als Pflichtverletzung (OLG Frankfurt/Main v ) 164 Amtliche Bekanntmachung Beschlüsse der 6. Sitzung der 3. Satzungsversammlung bei der Bundesrechtsanwaltskammer am in Berlin 168 Berufsrechtliche Rechtsprechung Widerstreitende Interessen Sozietätserstreckung (BVerfG v ) 170 Bezeichnung Rechtsanwälte und Steuerberatung einer Partnerschaft von Rechtsanwälten (m. Anm. RA Martin W. Huff) (BVerfG v ) 172 Erfolgshonorar Auslegung einer schriftlichen Vergütungsvereinbarung (OLG Saarbrücken v ) 183 BRAKMagazin Anwaltshonorar in der Mandanteninsolvenz Karikaturpreis an Gerhard Harderer
3 BRAK-Mitt. 4/2006 4/2006 III Akzente Was darf Selbstverwaltung? (B. Dombek) Aufsätze Die Selbstentkernung der Anwaltschaft Zur Neufassung von 3 Abs. 2 BORA (H. Scharmer) Zu den Risiken und Nebenwirkungen des neuen 7 BORA (S. Offermann-Burckart) Der Anwaltsvertrag mit der internationalen Sozietät (O. Knöfel) Berichtigung aus BRAK-Mitteilungen 3/ Pflichten und Haftung des Anwalts Fristen Rechtsmittelzuständigkeit richtet sich nach Rechtshängigkeit (BGH,Beschl. v VIIIZB88/05) Eingang des Faxes mit Speicherempfang, nicht erst mit Ausdruck (BGH, Beschl. v IV ZB 20/05) Unterschriftskontrolle bei Postausgang (BGH, Beschl. v III ZB 134/05) Vertrauen auf Weisung an Justizbeamten (BGH, Beschl. v IX ZB 56/05) Zustellung demnächst (BGH,Urt. v IZR 237/03) Wiedereinsetzung Umfang der Anfechtung, richterliche Hinweispflicht (BGH,Beschl. v XIIZB42/05) Pflichten bei vorhersehbarer Erkrankung (BGH, Beschl. v XII ZB 145/05) Das aktuelle Urteil (B. Chab) Fehlende Erreichbarkeit des Rechtsanwalts als Pflichtverletzung (OLG Frankfurt/Main, Urt. v U 102/99) Rechtsprechungsleitsätze (B. Chab/H. Grams/A. Jungk) Haftung Anfordern und Beibringen von Unterlagen (OLG Bamberg, Urt. v U 23/05) Prüfungspflichten bei Treuhand (OLG Celle, Urt. v U 184/05) Amtliche Bekanntmachung Beschlüsse der 6. Sitzung der 3. Satzungsversammlung bei der Bundesrechtsanwaltskammer am inBerlin Personalien Personalien
4 IV Inhalt BRAK-Mitt. 4/2006 Berufsrechtliche Rechtsprechung Bundesverfassungsgericht BVerfG BvR 594/06 Widerstreitende Interessen Sozietätserstreckung 170 BVerfG BvR 97/06 Bezeichnung Rechtsanwälte und Steuerberatung einer Partnerschaft von Rechtsanwälten (mit Anm. RA Martin W. Huff) 172 Anwaltsgerichtliche Rechtsprechung BGH AnwZ (B) 119/05 Ablehnung eines Richters des Anwaltsgerichtshofes (LS) 174 BGH AnwZ (B) 29/05 Zulassung Widerruf wegen Kanzleiaufgabe (LS) 174 AGH Sachsen AGH 1/06 (n.r.) Antrag eines englischen Solicitors auf vorzeitige Zulassung zum Anhalt Oberlandesgericht (LS) 175 Niedersäch AGH 18/05 Werbung Aufführung eines Diplom-Ökonomen auf dem Briefkopf 175 sischer AGH Bayerischer AGH BayAGH II 2/06 Berufsrechtsverletzung Gebührenüberhebung (LS) 176 AGH Nordrhein ZU 17, 18/05 Werbung Verwendung des Zusatzes... und Kollegen 176 Westfalen AGH NW (n.r.) AGH Nordrhein ZU 65/05 Zweigstellenverbot (LS) 177 Westfalen AGH Bremen AGH 1/06 Öffentliche Zustellung einer Widerrufsverfügung (LS) 177 Niedersäch AGH 8/05 (II 5) Abwicklerbestellung 178 sischer AGH Weitere berufsrechtliche Rechtsprechung BGH I ZR 272/03 Verfolgung von Wettbewerbsverstößen durch Kammern (LS) 180 BGH IX ZB 169/05 Beiordnung eines Anwalts im Prozesskostenhilfeverfahren (LS) 180 BGH IX ZB 130/05 Beiordnung eines Rechtsanwalts zur Führung eines Insolvenzanfechtungsprozesses (LS) 180 BGH IX ZR 15/05 Internationaler Gerichtsstand für Anwaltshonorarklagen 180 OLG Saar U 397/ Erfolgshonorar Auslegung einer schriftlichen Vergütungsvereinbarung 183 brücken OLG Karlsruhe U 134/05 Voraussetzungen für eine Geldentschädigung nach einer Presseveröffentlichung (LS) 188 OLG Stuttgart U 147/05 Werbung Irreführungspotenzial der Bezeichnung Bodenseekanzlei 188 LG Ravensburg O 89/06 KfH 2 Unzulässige Werbung mit niedrigen Pauschalvergütungen (LS) 191 OLG München W 2745/05 Werbung unzulässige Werbeflyer an Teilnehmer einer Gesellschafterversammlung 191 BUNDESRECHTSANWALTSKAMMER Berufliche Vertretung aller Rechtsanwälte in der Bundesrepublik Deutschland; 28 Mitgliedskammern (27 regionale Rechtsanwaltskammern und Rechtsanwaltskammer beim Bundesgerichtshof). Körperschaft des öffentlichen Rechts. Die Rechtsanwaltskammern und die Bundesrechtsanwaltskammer als Dachorganisation sind die Selbstverwaltungsorgane der Anwaltschaft. GESETZLICHE GRUNDLAGE: Bundesrechtsanwaltsordnung vom 1. August 1959, BGBl. I S. 565, in der Fassung vom , BGBl. I S ORGANE: Hauptversammlung bestehend aus den 28 gewählten Präsidenten der Rechtsanwaltskammern; Präsidium, gewählt aus der Mitte der Hauptversammlung; Präsident: Rechtsanwalt und Notar Dr. Bernhard Dombek, Berlin. Vorbereitung der Organentscheidungen durch Fachausschüsse. AUFGABEN: Befassung mit allen Angelegenheiten, die für die Anwaltschaft von allgemeiner Bedeutung sind; Vertretung der Anwaltschaft gegenüber Gesetzgeber, Gerichten, Behörden; Förderung der Fortbildung; Berufsrecht; Satzungsversammlung; Koordinierung der Tätigkeit der Rechtsanwaltskammern, z. B. Zulassungswesen, Berufsaufsicht, Juristenausbildung (Mitwirkung), Ausbildungswesen, Gutachtenerstattung, Mitwirkung in der Berufsgerichtsbarkeit. BRAK-MITTEILUNGEN Informationen zu Berufsrecht und Berufspolitik HERAUSGEBER: Bundesrechtsanwaltskammer (Littenstr. 9, Berlin, Tel. 030/ , Telefax 030/ ). Internet: Redaktion: Rechtsanwalt Stephan Göcken (Sprecher der Geschäftsführung/Schriftleiter), Rechtsanwalt Christian Dahns, Rechtsanwältin Peggy Fiebig, Frauke Karlstedt (sachbearbeitend). VERLAG: Verlag Dr. Otto Schmidt KG, Gustav-Heinemann-Ufer 58, Köln (Bayenthal), Tel. (02 21) ; Telefax 02 21/ Konten: Sparkasse KölnBonn (BLZ ) ; Postgiroamt Köln (BLZ ) ERSCHEINUNGSWEISE: Zweimonatlich jeweils zum , , , , , BEZUGSPREISE: Den Mitgliedern der Rechtsanwaltskammern werden die BRAK-Mitteilungen im Rahmen der Mitgliedschaft ohne Erhebung einer besonderen Bezugsgebühr zugestellt. Jahresabonnement 94 (zzgl. Zustellgebühr); Einzelheft 19,80 (zzgl. Versandkosten). In diesen Preisen ist die Mehrwertsteuer mit 6,54% (Steuersatz 7%) enthalten. ANZEIGEN: an den Verlag. Anzeigenleitung: Renate Becker (verantwortlich). Gültig ist Preisliste Nr. 21 vom DRUCKAUFLAGE dieser Ausgabe: Exemplare (Verlagsausgabe). DRUCK: Boyens Offset, Heide. Hergestellt auf chlorfrei gebleichtem Papier. URHEBER- UND VERLAGSRECHTE: Die in dieser Zeitschrift veröffentlichten Beiträge sind urheberrechtlich geschützt. Alle Rechte, insbesondere das der Übersetzung in fremde Sprachen, vorbehalten. Kein Teil dieser Zeitschrift darf ohne schriftliche Genehmigung des Verlages in irgendeiner Form durch Fotokopie, Mikrofilm oder andere Verfahren reproduziert oder in eine von Maschinen, insbesondere von Datenverarbeitungsanlagen verwendbare Sprache übertragen werden. Das gilt auch für die veröffentlichten Entscheidungen und deren Leitsätze, wenn und soweit sie von der Schriftleitung bearbeitet sind. Fotokopien für den persönlichen und sonstigen eigenen Gebrauch dürfen nur von einzelnen Beiträgen oder Teilen daraus als Einzelkopien hergestellt werden. IVW-Druckauflage 1. Quartal 2006: Exemplare. ISSN
5 V Erweitert Ihren Horizont: BRAK Online-Fortbildung mit den Verlagen Carl Heymanns Luchterhand Werner
6 VI Aktuelle Hinweise BRAK-Mitt. 4/2006 Aktuelle Hinweise Veranstaltungshinweise 66. Deutscher Juristentag Der 66. Deutsche Juristentag wird in der Zeit vom 19. bis 22. September 2006 in Stuttgart stattfinden. Themen der Fachabteilungen: 1. Abteilung Zivilrecht: Neue Perspektiven im Schadensersatzrecht Kommerzialisierung, Strafschadensersatz, Kollektivschaden Vorsitzende: Prof. Dr. Ingeborg Schwenzer, LL.M., Basel Stv. Vors.: Präsident des OLG a.d. Dr. Peter Macke, Brandenburg Schriftführer: Wiss. Assistent Simon C. Manner, Basel Gutachter: Prof. Dr. Gerhard Wagner, LL.M., Bonn Referenten: Rechtsanwalt Dr. Dr. h.c. Georg Maier-Reimer, LL.M.,Köln Vizepräsidentin des BGH Dr. Gerda Müller, Karlsruhe Prof. Dr. Jochen Taupitz, Mannheim 2. Abteilung Arbeitsrecht: Unternehmensmitbestimmung vor dem Hintergrund europarechtlicher Entwicklungen Vorsitzender: Prof. Dr. Gregor Thüsing, Bonn Stv. Vors.: Prof. Dr. Bernd Baron von Maydell, St. Augustin Schriftführer: Wiss. Ass. Rechtsanwalt Dr. Thomas Lambrich, Hamburg Gutachter: Prof. Dr. Thomas Raiser, Berlin Referenten: Ehem. Vorstandsmitglied der Daimler Chrysler AG Dr. Manfred Gentz, Stuttgart Vorstandsmitglied des DGB Dietmar Hexel, Berlin Prof. Dr. Robert Rebhahn, Wien 3. Abteilung Strafrecht: Patientenautonomie und Strafrecht bei der Sterbebegleitung Vorsitzender: Prof. Dr. Heinz Schöch, München Stv. Vors.: Vors. Richterin am BGH Dr. Ingeborg Tepperwien, Karlsruhe Schriftführer: Wiss. Mitarbeiter Dr. Johannes Kaspar, München Gutachter: Prof. Dr. Torsten Verrel, Bonn Referenten: Prof. Dr. med. Gian Domenico Borasio, München Vors. Richter am BGH a.d. Klaus Kutzer, Karlsbad (Fortsetzung Seite VII) Ausbildung zum Mediator Konfliktmanagement Verhandeln Universitäre Berufsqualifikation für Anwälte, Referendare, junge Juristen in der Wartephase zum Referendariat und für alle in Wirtschaft oder Verwaltung, deren Berufsweg zu Leitungs- und Teamverantwortung führt Prof. Dr. Katharina Gräfin von Schlieffen und Prof. Dr. Fritjof Haft Dauer: 2 Semester; berufsbegleitendes Fernstudium mit 120 Stunden Praxis und vier Wochenend-Workshops. Abschluss: Universitäres Zeugnis. Dozenten: Mehr als dreißig der renommiertesten aus Deutschland, Österreich und der Schweiz. Kosten: 1. Semester Euro 2.085, 2. Semester Euro Im Anschluss: Option1: Master of Mediation, Nationaler akademischer Grad der FernUniversität in Hagen; Option 2: European Master in Mediation (EMM). Information und Anmeldung Weiterbildendes Studium Mediation D Hagen Tel.: / oder Fax: / % Ermäßigung für Berufsanfänger!
7 BRAK-Mitt. 4/2006 Aktuelle Hinweise VII (Fortsetzung von Seite VI) Rechtsanwalt Wolfgang Putz, Berlin/ München 4. Abteilung Öffentliches Recht: Soll das Recht der Regulierungsverwaltung übergreifend geregelt werden? Vorsitzender: Prof. Dr. Thomas von Danwitz, Köln Stv. Vors.: Richter des BVerfG Prof. Dr. Dr. Udo Di Fabio, Karlsruhe/Bonn Schriftführer: Wiss. Mitarbeiter Dr. Klaus Ritgen, Köln Gutachter: Prof. Dr. Johannes Masing, Augsburg Referenten: Vizepräsidentin der Bundesnetzagentur Dr. Iris Henseler-Unger, Bonn Rechtsanwalt Dr. Thomas Mayen, Bonn Prof. Dr. Ingolf Pernice, Berlin 5. Abteilung Wirtschaftsrecht: Reform des gesellschaftsrechtlichen Gläubigerschutzes Vorsitzender: Rechtsanwalt Dr. Eberhard Vetter, Köln Stv. Vors.: Rechtsanwalt Dr. Martin Winter, Mannheim Schriftführer: Wiss. Assistent Dr. Alexander Schall, MJur (Oxford), Hamburg Gutachter: Prof. Dr. Ulrich Haas, Mainz Referenten: Prof. Dr. Heribert Hirte, Hamburg Prof. Dr. Detlef Kleindiek, Bielefeld Rechtsanwalt Dr. Jochen Vetter, Düsseldorf 6. Abteilung Steuerrecht: Besteuerung von Einkommen Aufgabe, Wirkungen und europäische Herausforderungen Vorsitzender: Prof. Dr. Wolfgang Schön, München Stv. Vors.: Generalanwältin am EuGH Prof. Dr. Dr. Juliane Kokott, Luxemburg Schriftführer: Referendar Stefan Mayer, München Gutachter: Prof. Dr. Christian Seiler, Erfurt Prof. Dr. Christoph Spengel, Gießen Referenten: Richter am EuGH Prof. Dr. Koen Lenaerts, Luxemburg/Leuven Richter des BVerfG Rudolf Mellinghoff, Karlsruhe Prof. Dr. Roman Seer, Bochum Zusätzlich soll eine 7. Abteilung tätig werden, die am Donnerstag nach Abschluss der vorausgehenden Abteilungen und am Freitagvormittag tagen soll. 7. Abteilung Justiz: Gute Rechtsprechung Ressourcengarantie und Leistungsverpflichtung Unabhängigkeit der Dritten Gewalt Funktionsgerechte Ausstattung Vorsitzender: Prof. Dr. Paul Kirchhof, Heidelberg Stv. Vors.: Ministerialdirigent Dr. Peter Götz von Olenhusen, Hannover, und Vors. Richter am OLG Michael Lotz, Karlsruhe Schriftführer: Referendar Adrian Jung, Heidelberg Referenten: Richter des BVerfG Prof. Dr. Wolfgang Hoffmann-Riem, Karlsruhe Rechtsanwalt Felix Busse, Bonn Präsident des StGH und des OLG Eberhard Stilz, Stuttgart Finanzminister Hartmut Möllring, MdL, Hannover Weitere Informationen unter (Fortsetzung Seite VIII) Liebe Rechtsanwälte, die entscheidenden Prozesse gewinnen Sie in Ihrer Kanzlei. Wir haben uns Gedanken gemacht und analysiert, wie Sie die Wettbewerbssituation Ihrer Kanzlei deutlich verbessern könnten. Das Ergebnis heißt DATEV-ProCheck comfort und ist eine ganz besondere Qualitäts- und Wissensmanagement-Software in Kombination mit DATEV-Phantasy. Mit ihr lassen sich Kanzleiprozesse standardisieren und besser strukturieren. Außerdem können mandantenspezifische Informationen bis ins Detail dokumentiert werden. Sie haben so jederzeit bei jeder Akte alle Kenntnisse über den Bearbeitungsstand. Die Folge: höhere Ablaufsicherheit und ein wirkungsvolles Qualitätsmanagement. Wenn das kein Plädoyer für DATEV-ProCheck ist. Wir denken schon mal vor. DATEV-Anwalt Forum: die Veranstaltung für Rechtsanwälte Informationen und Termine unter Telefon
8 VIII Aktuelle Hinweise BRAK-Mitt. 4/2006 (Fortsetzung von Seite VII) IBA-Konferenz vom 17. bis in Chicago Anwälte aus aller Welt werden zum diesjährigen IBA-Jahreskongress vom 17. bis in Chicago erwartet. Das umfassende Programm und weitere Informationen im Internet unter chicago/preliminary-programme.pdf UIA-Kongress 2006 vom bis in Salvador de Bahia Der 50. UIA-Kongress wird dieses Jahr vom bis in Salvador de Bahia stattfinden. Die Hauptthemen des Kongresses werden Environmental law and sustainable development: the role of the lawyer, Globalisation of companies in the world economy: business strategies and legal solutions in developing a new foreign market und Basic Human Rights: what every lawyer needs to know about human rights law sein. Anmeldungen und weitere Informationen unter Internet: Crashkurs Europarecht des Centrums für Europarecht an der Universität Passau e.v. (CEP) Das CEP veranstaltet am 16./ einen Crashkurs Europarecht auf Schloss Neuburg bei Passau. Dieses Fortbildungsseminar richtet sich an Juristen aller Berufsfelder, die in ihrer täglichen Praxis mit der stetig wachsenden Bedeutung des Europarechts konfrontiert werden. In den Seminarblöcken 1 3 werden die Grundlagen des Europarechts vermittelt. Im Rahmen des Seminarblocks 4 erhalten die Teilnehmer die Möglichkeit, einen für sie besonders relevanten Bereich zu vertiefen. Zur Wahl stehen die Grundfreiheiten des EG-Vertrages, das EG-Kartellrecht, das EG-Beihilfen- und Vergaberecht sowie das Verhältnis von EG-Binnenmarktrecht und Steuerrecht. Referieren werden Prof. Dr. M. Schweitzer (Universität Passau), Dr. M. Selmayr (Europäische Kommission, Brüssel), Rechtsanwalt Dr. H.-G. Kamann (Mayer Brown Rowe & Maw LLP, Frankfurt a.m.), Rechtsanwalt Dr. M. Raible, MALD (Gleiss Lutz, Stuttgart), Wiss. Ass. S. Ahlers (Universität Passau), Wiss. Mit. K. Peters (Universität Passau), Rechtsanwalt Dr. Y. Bock, LL.M. eur. (Siemens AG, Offenbach), Rechtsanwalt Dr. M. Fraas (Taylor Wessing, Berlin). Der Teilnahmebeitrag beträgt 450,. Interessenten wenden sich bitte an das Centrum für Europarecht an der Universität Passau e.v. (CEP), Geschäftsführerin Marina Schuldheis, LL.M., Innstraße 39, Passau, Tel.: 08 51/ , Fax: , www. cep-passau.eu. Vermischtes Master-Studiengang Mediation an der Europa-Universität Viadrina Frankfurt (Oder) Im April 2007 beginnt an der Europa- Universität Viadrina Frankfurt (Oder) der dritte Jahrgang des Master-Studiengangs Mediation, der in Kooperation mit dem Institut für Anwaltsrecht an der Humboldt-Universität zu Berlin angeboten wird. Der postgraduale und interdisziplinäre Studiengang umfasst sowohl eine vollständige praktische Mediationsausbildung als auch die systematische theoretische Reflexion der Materie. Das Studium erstreckt sich über drei Semester und schließt mit dem akademischen Grad Master of Arts (M.A.) ab. Das Lehrangebot besteht aus internetbasierten Fern- sowie Präsenzmodulen und kann berufsbegleitend wahrgenommen werden. Ab dem Ende des zweiten Semesters erfolgt eine Spezialisierung in den Bereichen Familie, Wirtschaft, Verwaltung und Internationales Konfliktmanagement. Die Bewerbungsfrist für die 52 kostenpflichtigen Studienplätze läuft bis zum Nähere Informationen sind unter euv-ffo.de abrufbar. (Fortsetzung Seite XIV) Recht und Ordnung! Unser Angebot nicht nur für Juristen: Nutzen Sie den Vorsprung digitaler Sprachverarbeitung. Mit den Systemlösungen von Grundig Business Systems optimieren Sie den Workflow in Ihrer Kanzlei: Ob am Schreibplatz, beim Mobil- oder Stationär- Diktieren, Sie arbeiten immer kostensparend, effizient und sicher. Und so bleibt mehr Zeit für Ihre Mandanten! Kostenlose Testgeräte für 30 Tage und unverbindlich! Tel. 0911/ teststellungen.php
9 BRAK-Mitt. 4/ / Jahrgang Akzente Was darf Selbstverwaltung? Die Selbstverwaltung der deutschen Rechtsanwältinnen und Rechtsanwälte gehört seit langem zur deutschen Rechtskultur. Es waren die deutschen Rechtsanwälte, die spätestens seit der Mitte des 19. Jahrhunderts die freie Advokatur wünschten. Sie verlangten, vom Staat unabhängig zu sein. Sie wollten sich selbst verwalten. Sie wollten Rechtsanwaltskammern mit Pflichtmitgliedschaft. Vor zwei Jahren feierten viele der deutschen Rechtsanwaltskammern ihren 125jährigen Geburtstag. Auf vielen Festveranstaltungen und in vielen Festschriften aus diesem Anlass wurde darauf hingewiesen, dass das Jahr 1879 für die Anwaltschaft den Beginn einer neuen Ära bedeutet: deren anwaltliche Selbstverwaltung. Anwaltliche Selbstverwaltung ist ein Zeichen von Demokratie. Dies haben besonders die Zeiten in Diktaturen gezeigt. Eine freie selbstverwaltete Anwaltschaft hat es in Deutschland weder zwischen 1933 und 1945 noch zwischen 1945 und 1990 im östlichen Teil unseres Landes gegeben. Der Präsident der Reichsrechtsanwaltskammer wurde nicht gewählt, sondern vom Reichsjustizminister im Einvernehmen mit dem Reichsführer des Bundes nationalsozialistischer deutscher Juristen berufen. In der früheren DDR gab es keine Rechtsanwaltskammer. Nicht anders war dies in den früheren Volksrepubliken. Nach der Abkehr vom Kommunismus schufen sich die dortigen Rechtsanwältinnen und Rechtsanwälte überall Rechtsanwaltskammern, um sich selbst zu verwalten. Nur die Kammern ermöglichen es uns, diejenigen aus unserm eigenen Beruf selbst zu wählen, die uns verwalten. Und sie gegebenenfalls auch wieder abzuwählen. In einer Zeit, in der vor allem von der Europäischen Kommission in Brüssel laut nach einer weiteren Deregulierung der freien Berufe, also auch der Rechtsanwälte gerufen wird, wäre es ein Wunder, wenn nicht auch uns die Frage nach der Berechtigung von Kammern mit Pflichtmitgliedschaft gestellt würde. Bundesregierung und Bundesverfassungsgericht haben bisher immer die Pflichtmitgliedschaft in den Kammern anerkannt. Dennoch müssen sich verantwortungsbewusste Vorstände von Rechtsanwaltskammern und das Präsidium der Bundesrechtsanwaltskammer ständig selbst auch in Frage stellen können und prüfen, wo es Mängel gibt, was man verbessern könnte. So wissen wir, dass Entscheidungen von Kammervorständen, mit denen sie über Beschwerden von Mandanten gegen ihre Rechtsanwälte beschließen, transparenter sein müssten, um den beschwerdeführenden Bürger zufrieden zu stellen. Daher überlegen wir derzeit verstärkt, ob die Transparenz dadurch erhöht werden könnte, dass Nichtanwälte bei den Entscheidungen der Kammervorstände mitwirken, ob also zum Beispiel ein Ombudsmann, der kein Rechtsanwalt ist, eine geeignete Möglichkeit wäre, um dem beschwerdeführenden Bürger Entscheidungen plausibler und transparenter zu machen. Seit einiger Zeit gibt es Bemühungen, die Befugnisse der Rechtsanwaltskammern auf das rein Hoheitliche zu beschränken. Die Kammern seien lediglich outgesourcte Behörden der Justizverwaltung. Es sei daher zum Beispiel nicht Aufgabe der Rechtsanwaltskammern, bei der Fortbildung ihrer Mitglieder mitzuwirken. Es sei auch nicht ihre oder der Bundesrechtsanwaltskammer Aufgabe, die Interessen der deutschen Rechtsanwältinnen und Rechtsanwälte gegenüber dem Gesetzgeber geltend zu machen. Diese Auffassung wird von unserer Bundesjustizministerin nicht geteilt. Sie schrieb am 30. Juni an mich: Neben allen anderen Aktivitäten zeigt der Tätigkeitsbericht auf, dass sich die BRAK der gemeinsamen, aber auch der teilweise unterschiedlichen Interessen der Anwaltschaft in Deutschland annimmt. Ich nenne nur den,dialog mit den Großkanzleien oder die Handreichung zu den Vergütungsvereinbarungen, die gerade für viele,kleine Anwältinnen und Anwälte notwendige Tipps und gute Hilfe bieten kann. Auch damit beweist die Bundesrechtsanwaltskammer, dass sie die ihr übertragenen Selbstverwaltungsaufgaben im Interesse der gesamten Anwaltschaft gut und erfolgreich wahrnimmt. Dieses Schreiben bestärkt uns in unserer Auffassung, dass Selbstverwaltung durch die Kammern eben nicht nur bedeutet, Administrativ- und Disziplinaraufgaben gegenüber unseren Mitgliedern wahrzunehmen, sondern auch weiter das zu tun, was die meisten Rechtsanwältinnen und Rechtsanwälte von ihren Kammern erwarten: Die Qualität der anwaltlichen Leistungen durch Fortbildungsangebote und Anreize sich fortzubilden, zu erhalten und zu steigern und die Interessen der gesamten Anwaltschaft gegenüber dem Gesetzgeber darzulegen und so weit wie möglich durchzusetzen. Bernhard Dombek
10 150 Aufsätze BRAK-Mitt. 4/2006 Scharmer, Die Selbstentkernung der Anwaltschaft Die Selbstentkernung der Anwaltschaft Zur Neufassung von 3 Abs. 2 BORA Rechtsanwalt Hartmut Scharmer, Hamburg * Nur Integrität und Geradlinigkeit sichern Erfolg Diese Überschrift gab der ehemalige Präsident des DAV und Herausgeber des Anwaltsblattes, Rechtsanwalt Felix Busse, seinem Editorial im Anwaltsblatt 7/2005 zur damals laufenden Diskussion um die Neubestimmung der Grenzen des Verbots der Wahrnehmung widerstreitender Interessen. Busse mahnte: Der Kampf um die Neubestimmung der Verbotsgrenzen deutet an, dass aus wirtschaftlichen Gründen relativiert wird, was einmal das größte Kapital der Anwälte war. Kaum vier Monate später hat die Satzungsversammlung mit ihrem Beschluss vom diese weise Mahnung in den Wind geschlagen und einen Großteil des über Jahrzehnte aufgebauten Vertrauenskapitals zu Spielgeld degradiert: Sie hat die Wahrnehmung widerstreitender Interessen durch Partner ein und derselben Sozietät zugelassen, wenn die Mandanten damit einverstanden sind und Interessen der Rechtspflege nicht gefährdet erscheinen. Dem selbst immer wieder formulierten Anspruch, bei aller Liberalisierung des Berufsrechts die Kernwerte Verschwiegenheit, Parteilichkeit und Unabhängigkeit zu verteidigen, ist die Satzungsversammlung damit untreu geworden. Selbstentmündigung? Schon seit Verabschiedung der vom Bundesverfassungsgericht aufgehobenen Fassung des 3 Abs. 2 BORA ist von Kritikern immer wieder in Frage gestellt worden, ob die Satzungsversammlung zu einer untergesetzlichen Normierung der Sozietätserstreckung des Verbots der Wahrnehmung widerstreitender Interessen überhaupt berechtigt sei. 1 Diese Auffassung wird von Kleine-Cosack im Wesentlichen damit begründet, bei der Neufassung der BRAO im Jahre 1994 habe der Gesetzgeber bewusst davon abgesehen, eine den 45 Abs. 3 und 46 Abs. 3 BRAO entsprechende Sozietätserstreckung in 43a Abs. 4 BRAO aufzunehmen. Aus dem Vorrang des Gesetzes ergäbe sich, dass die Satzungsversammlung deshalb an einer Ausgestaltung gehindert sei. Das genaue Gegenteil dieser Auffassung ist richtig: Zum einen lässt es schon der bloße Wortlaut von 59b Abs. 2 Nr. 1 e) zu, im Rahmen der gesetzlichen Vorgaben Näheres durch Satzung zu regeln. Aber nicht nur das: Die Sozietätserstreckung berührt zugleich die Pflichtenkreise im Zusammenhang mit der Annahme, Wahrnehmung und Beendigung eines Auftrages sowie bei beruflicher Zusammenarbeit. Auch für diese Tatbestände sieht 59b Abs. 2 BRAO in Ziffern 5 a) sowie in Ziff. 8 eine ausdrückliche Satzungsermächtigung vor. Mitentscheidend dürfte aber sein, dass der Gesetzgeber selbst eine klare Aussage getroffen hat: In den Motiven für die Novellierung der BRAO im Jahre 1994 hieß es zur Begründung des * Der Verfasser ist Hauptgeschäftsführer der RAK Hamburg. 1 Kleine-Cosack, BRAO, 4. Auflage, 43a BRAO, Rdnr. 118; Hartung, Anwaltliche Berufsordnung, 3. Auflage, 3 BORA, Rdnr. 106 f. später Gesetz gewordenen 43a Abs. 4 BRAO: Grundlage der Regelung des Absatzes 4 sind das Vertrauensverhältnis zum Mandanten, die Wahrung der Unabhängigkeit des Rechtsanwalts und die im Interesse der Rechtspflege gebotene Gradlinigkeit der anwaltlichen Berufsausübung. Die anwaltliche Berufspflicht geht über die Strafbestimmung des 356 StGB hinaus. 2 Ausdrücklich sah der Gesetzgeber vor, dass die Sozietätserstreckung durch Satzung normiert werden kann: Das strafrechtlich geschützte Verbot der Vertretung widerstreitender Interessen dürfte im Zusammenhang mit dem Entstehen immer größerer Kanzleien und überörtlicher Sozietäten mit zunehmender Spezialisierung an Bedeutung gewinnen. Leicht kann es geschehen, dass ein Mitglied einer Sozietät das Mandat der einen Partei entgegennimmt, während ein anderer Sozius ohne Kenntnis zu haben von der anderen Partei beauftragt wird. Praxisorientierte Leitlinien der Berufsangehörigen dürften von erheblichem Nutzen sein (Abs. 2 Nr. 1e). 3 In der berufsrechtlichen Literatur wird deshalb eine Satzungskompetenz der Satzungsversammlung überwiegend als selbstverständlich angenommen. 4 Die Rechtsprechung 5 hat eine Kompetenz zur Regelung der Sozietätserstreckung nicht ernsthaft in Zweifel gezogen. Auch das Bundesverfassungsgericht selbst hat in dem Beschluss vom eine Satzungskompetenz der Satzungsversammlung nicht in Frage gestellt. 6 In einem Nichtannahme-Beschluss gemäß 93b BVerfGG hat das Gericht erst jüngst wieder bestätigt, dass keine verfassungsrechtlichen Bedenken gegen eine Regelung der Sozietätserstreckung durch Satzungsrecht bestehen. 7 Eine Selbstentmündigung der Anwaltschaft durch Verzicht auf die autonome, am Gemeinwohl, den Interessen der Mandanten und den Interessen der Anwaltschaft orientierte Regelung der Sozietätserstreckung ist also nicht gefordert. Selbstbeschränkung Die neue Satzungsnorm, die eine Vertretung widerstreitender Interessen unter bestimmten Voraussetzungen auch innerhalb einer Berufsausübungsgemeinschaft (meist also einer Sozietät) zulässt, wird von Kleine-Cosack 8 als letztlich verfassungsrechtlich bedingt angesehen. Der Autor leitet diese Schlussfolgerung im Wesentlichen aus der Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts zu der strafprozessualen Norm des 146 StPO, dem so genannten Verbot der Mehrfachverteidigung, sowie dem immer zu beach- 2 BR-Drucks. 93/93, S BR-Drucks. 93/93, S Henssler-Prütting, 3 BORA, Rdnr. 5 ff. m.w.n. 5 BGH BRAK-Mitt. 2001, 82; Bayerischer AGH BRAK-Mitt 2005, 195, Tz. 37, Beschl. v , 1 BvR 594/06. 8 AnwBl 2006, 13 ff.
11 BRAK-Mitt. 4/2006 Aufsätze 151 Scharmer, Die Selbstentkernung der Anwaltschaft tenden Gebot der strikten Verhältnismäßigkeit berufsbeschränkender Regelungen ab. 9 a) Zunächst ist ein Rückblick auf den Beschluss des Bundesverfassungsgerichts vom , der den Anstoß zur Neufassung der Vorschrift gegeben hat, nützlich. Die amtliche Überschrift des Beschlusses lautet: Zur Bedeutung der Berufsfreiheit beim Sozietätswechsel von Rechtsanwälten. 10 Schon aus der Überschrift, aber auch aus der Begründung des Beschlusses ergibt sich, dass das Gericht keine Veranlassung zum Aufstellen allgemeiner Grundsätze für berufsausübungsbeschränkende Regeln im Rahmen des 43a Abs. 4 gesehen hat: Der vorliegende Fall gibt keinen Anlass, die Grenzen richterlicher Rechtsauslegung und -fortbildung bei Einschränkungen der freien Berufsausübung allgemein und abschließend festzulegen. 11 Auch an anderen Stellen des Beschlusses betont das Gericht die Besonderheit der von ihm entschiedenen Fallkonstellation 12 und bezieht die Notwendigkeit der Berücksichtigung von Mandanteninteressen erkennbar stets auf die Konstellation des Sozietätswechsels. 13 b) Es ist auch nicht zutreffend, dass die Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts zum strafprozessualen Verbot der Mehrfachverteidigung ( 146 StPO) gebiete, die Wahrnehmung widerstreitender Interessen innerhalb einer Sozietät zuzulassen. Kleine-Cosack 14 suggeriert dieses jedoch unter Hinweis auf den Beschluss des BVerfG vom Tatsächlich stellt das Gericht in dieser grundlegenden Entscheidung lediglich fest, dass die berufliche Verbindung allein es nicht verbiete, dass mehrere Mitbeschuldigte von mehreren Sozietätspartnern verteidigt werden. 16 Zu der besonderen Konstellation eines materiellen Interessenwiderstreits sagt das Gericht in seiner Entscheidung nichts. In der Literatur 17 wird deshalb auch zutreffend darauf hingewiesen, dass diese Entscheidung die Verteidigung durch Sozien bei Vorliegen effektiv widerstreitender Interessen keineswegs zulasse. Die Rechtsprechung des BGH lässt bei der Beurteilung einer möglichen Interessenkollision darüber hinaus sogar eine konkrete Gefahr ausreichen. 18 c) Geradezu abenteuerlich ist der Ansatz von Kleine-Cosack, das unstrittige Gemeinwohlziel der Geradlinigkeit der Berufsausübung könne bei einer Interessenvertretung durch Sozietäten nur in abgeschwächter Form gelten. 19 Gleiches Recht für alle ein fundamentaler Rechtsgrundsatz, der vor allen Dingen nicht von der Anwaltschaft selbst relativiert werden sollte. Alle Rechtsanwälte, gleich in welcher Form sie ihren Beruf ausüben, unterliegen den Beschränkungen des anwaltlichen Berufsrechts ebenso, wie sie an den verfassungsrechtlichen Garantien der Grundrechte, insbesondere des Art. 12 partizipieren. 9 AnwBl 2006, 13, 15 (V.,2.,a)). 10 Zitiert nach der auf der Internetseite des BVerfG veröffentlichten amtlichen Fassung. 11 Beschl. v , Tz Tz. 41, Tz. 48 bis 50 sowie 51 ff. 14 AnwBl 2006, BVerfG NJW 1977, zu Ziff. II. 1. b) der Gründe. 17 Henssler-Prütting, BRAO, 2. Aufl. 43a BRAO, Rdnr. 133; Hartung, Anwaltliche Berufsordnung, 3 BORA, Rdnr BGH 5 StR 251/02 v AnwBl 2006, 16 ( V., 2., a), bb)). Weder die BRAO selbst noch die Berufsordnung legen Einzelanwälten andere Pflichten auf als Mitgliedern eines Zusammenschlusses. Dies wäre auch unter verfassungsrechtlichen Gesichtspunkten schwer zu begründen. Diese Schwierigkeiten sieht Kleine-Cosack aber nicht, weil er mit zweierlei Maß misst. Er stellt zunächst zutreffend die Funktion des Verbots der Wahrnehmung widerstreitender Interessen dar: Das Verbot ist erforderlich im Interesse der Rechtspflege zwecks Sicherstellung der gebotenen Gradlinigkeit der anwaltlichen Berufsausübung. Geschützt wird das Vertrauen der Allgemeinheit in die Zuverlässigkeit und Integrität der Anwaltsund Rechtsbeistandschaft. 20 Nun folgt der moralische und berufsrechtliche Salto Mortale: Diese Gemeinwohlziele können jedoch bei einer Interessenvertretung nur durch Sozien des Anwaltes nicht ohne weiteres Geltung beanspruchen. 21 Hier hat der Autor nun man muss es offen sagen vollends den Verstand verloren: Wo lebt Kleine-Cosack? Woher nimmt er die Begründung für diese Behauptung? Müssen in Sozietäten zusammengeschlossene Anwälte weniger gradlinig und vertrauenswürdig sein als Einzelanwälte? Und vor allem: Dürfen Mandanten an Sozietäts-Anwälte nur geringere Integritätserwartungen haben als an Einzelanwälte? Die Frage zu stellen, heißt, sie zu beantworten. Das Postulat von Kleine-Cosack ist ein abwegiges, allein der Rechtfertigung dienendes Konstrukt, es läuft im Ergebnis auf eine Abqualifizierung von in Sozietäten tätigen Kolleginnen und Kollegen hinaus. Ein Weiteres kommt hinzu: Eine Sozietät war schon immer und ist auch heute noch in der Regel eine Erwerbsgemeinschaft, in der die Partner gleichgerichtete wirtschaftliche Interessen und ihre Lebensgrundlage haben. Häufig verbringen die Sozien miteinander mehr Zeit als mit ihren Ehepartnern. Sozietäten schaffen bisweilen ebenso intensive Bindungen wie eheliche oder nichteheliche Lebensgemeinschaften. Jedenfalls in den allermeisten örtlichen Sozietäten gibt es gemeinschaftliche Akten, jeder Sozius hat üblicherweise Zugang zu den Akten auch seiner beruflichen Partner. Die Annahme wäre lebensfremd, bei der Wahrnehmung widerstreitender Interessen innerhalb einer Kanzlei könnten sich die beteiligten Anwälte von den (gemeinsamen) Sozietätsbindungen und -interessen vollständig freimachen. Praktisch werden Mandate, jedenfalls außerhalb des Marktsegments der Strafverteidigung, der Sozietät als ganzer erteilt. Dies ist häufig nicht eine Förmelei, sondern beruht darauf, dass nicht nur der jeweilige Rechtsanwalt, sondern auch die Sozietät einen bestimmten (meist guten) Ruf genießt. Für Sozietäten eine abgeschwächte Gemeinwohlrelevanz zu postulieren, kann man deshalb man muss es ganz offen sagen nur als interessenbedingte Fehlwahrnehmung sehen. Es liefe darauf hinaus, dass Sozietätsanwälte weniger Beschränkungen unterliegen als Einzelanwälte und das unter Berufung auf das Gemeinwohl. Ein wenig plausibles Ergebnis. d) Last, but not least behauptet Kleine-Cosack, das Fehlen einer Sozietätserstreckung im Gesetz bedeute, dass diese seit 1878 nicht als notwendig angesehen worden wäre AnwBl 2001, AnwBl 2006, AnwBl 2001, 16 (V., 2., a)., bb)).
12 152 Aufsätze BRAK-Mitt. 4/2006 Scharmer, Die Selbstentkernung der Anwaltschaft Auch hier ist das Gegenteil richtig: Sie wurde als selbstverständlich vorausgesetzt. So spricht schon Karlsbach 23 im Zusammenhang mit der Begründung des Verbots aus der Stellung des Rechtsanwalts als Organ der Rechtspflege von dem Grundsatz, dass das Verbot, widerstreitende Interessen zu vertreten, in gleicher Weise für den Sozius und den wissenschaftlichen Mitarbeiter gelte. 24 UndausdrücklicherörtertKarlsbach ebenso die Mandanteninteressen und das dem Anwalt durch den Auftraggeber entgegengebrachte Vertrauen: Besteht ein Treueverhältnis zu einem Rechtsanwalt, dann nicht nur ihm gegenüber, sondern auch zu seinem mit ihm zu gemeinschaftlicher Berufsausübung verbundenen Sozius; und folgerichtig wird man auch die Fortentwicklung eines solchen Treueverhältnisses, das zwischen dem Mandanten und Rechtsanwalt A bestanden hat, für den erst danach von A als Sozius aufgenommenen Rechtsanwalt B objektiv gelten lassen müssen, also selbst dann, wenn B den Mandanten gar nicht kennt. 25 Der spätere Klassiker des anwaltlichen Standesrechts, der Kommentar von Isele, führt in gleicher Weise und prägnanter Kürze aus: 1. Was ein Angehöriger einer Sozietät nicht tun darf, ist auch dem anderen verboten. 2. Sozien dürfen auch nicht Parteien desselben Rechtsstreits gegeneinander vertreten. So schon EGH 20, 129 ( ). 26 Der BGH hat eine identische Sicht der Dinge: Demgemäß war die Erstreckung eines für einen RA geltenden Tätigkeitsverbotes auf alle Sozien seit jeher anerkannt (vgl. Lingenberg/Hummel/ Zuck/Eich, Kommentar zu den Grundsätzen des anwaltlichen Standesrechts, 2. Aufl. 1988, 46 RichtlRA Rdnrn. 21, 23; zum jetzigen Recht vgl. Feuerich/Braun, a.a.o., 45 BRAO Rdnr. 34). Dass der Gesetzgeber im Jahre 1994 das Verbot, widerstreitende Interessen zu vertreten, enger verstanden hat, lässt sich den Materialien zu 43a BRAO nicht entnehmen. 27 Der Grund für den ausbleibenden Ruf nach der Begründung einer Sozietätserstreckung in 356 StGB liegt also nicht darin, dass diese nicht für notwendig gehalten wurde. Im Gegenteil: Sie wurde als so selbstverständlich vorausgesetzt, dass es einer gesetzlichen Normierung nicht bedurfte und eine satzungsmäßige Regelung vom Gesetzgeber für sinnvoller gehalten wurde. Von einer vermeintlich verfassungsrechtlich gebotenen Selbstbeschränkung der Anwaltschaft auf allein den einzelnen Rechtsanwalt treffende Ausgestaltungen des 43a Abs. 4 BRAO kann also keine Rede sein, im Gegenteil: Der verfassungsrechtliche Gestaltungsspielraum ist da. Selbstvergessenheit 3 Abs. 2 n.f. BORA knüpft die zulässige Wahrnehmung widerstreitender Interessen innerhalb einer Sozietät daran, dass die Mandanten ihr Einverständnis erklärt haben und Belange der Rechtspflege nicht entgegenstehen. Dabei lässt sich die Vorschrift der Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts folgend von den Leitbildern einerseits des selbstbestimmten, mündigen Mandanten und andererseits des stets allein seinem Rechtspflegeauftrag verpflichteten Rechtsanwalts 28 leiten. 23 Standesrecht des Rechtsanwalts, Karlsbach, S Karlsbach, S Isele, BRAO, 1976, S. 713 f., sowie S BGH BRAK-Mitt. 2001, 82 f. 28 Beschl. v , Tz Mir scheint allerdings fraglich zu sein, ob diese Leitbilder stets der Lebenswirklichkeit entsprechen. Gegen die prinzipielle Forderung des BVerfG nach Berücksichtigung der Mandanteninteressen wird man auf dieser allgemeinen Ebene auf den ersten Blick keine Einwände erheben können. Die Probleme entstehen erst bei genauerem Hinsehen: Erstens: Warum wird diese Frage nur bei Sozietätsanwälten und nicht beim Einzelanwalt gestellt? Jedenfalls bislang wird angesichts des klaren Wortlauts von 43a Abs. 4 BRAO nicht vertreten, dem Einzelanwalt bei Zustimmung der Auftraggeber die widerstreitende Interessenvertretung zu gestatten. Anders formuliert: Sind die Interessen der Mandanten von Einzelanwälten weniger gewichtig als die von Sozietätsanwälten? Wohl kaum. Zweitens: Mandanten sind ebenso wenig insgesamt eine klügere Personengruppe wie Rechtsanwälte insgesamt die besseren Menschen sind als der Durchschnitt der Bevölkerung. Mit anderen Worten: Der Satzungsgeber scheint vergessen zu haben, dass jeder Anwalt eine Fülle von Beispielen aus eigener Erfahrung kennt, in denen die Voraussetzungen für eine selbstbestimmte und auf freier Willensentscheidung beruhende Mandatserteilung gerade nicht gegeben sind. Den im Familienrecht tätigen Rechtsanwälten ist die Konstellation der wirtschaftlich ungleich starken Partner geläufig. Ein Beispiel: Zwischen einem erfolgreichen Bauunternehmer und seiner Anwaltskanzlei besteht eine langjährige fruchtbare Geschäftsbeziehung. Der Bauunternehmer will sich scheiden lassen, ist an Auseinandersetzungen aber keineswegs interessiert. Er bietet seiner in Ungnade gefallenen Ehefrau ein großzügiges Schweigegeld an, wenn diese sich im Scheidungsverfahren durch den Juniorpartner seines Hausanwaltes vertreten lässt, auf Unterhaltsansprüche und Versorgungsausgleich verzichtet und nach außen hin die Scheidung als einverständlich erscheint. Er erklärt der Ehefrau, die nicht über nennenswerte eigene finanzielle Mittel verfügt, er werde in diesem Fall auch die Anwaltskosten übernehmen. Die Ehefrau stimmt daraufhin zu, da sie mit ihren Kräften am Ende ist und keine Schlammschlacht vor Gericht will. 29 Eine freie, selbstbestimmte und von wirtschaftlicher Einflussnahme des Gegners völlig freie Entscheidung? Ein anderes Beispiel aus dem Baurecht: Eine Sozietät vertritt eine ARGE in einem Baumängelprozess gegen den Bauherrn. Es stehen Regressforderungen gegen das ARGE-Mitglied, die Firma A, im Raum. Die Geschäftsführung der ARGE ist daran interessiert, gegebenenfalls ihre Forderungen gegen das Mitglied durchsetzen zu können, und hält es deshalb für zweckmäßig, dass auch das ARGE-Mitglied unter Kontrolle bleibt. Der Geschäftsführer der ARGE legt deshalb Wert darauf, dass die Firma A durch den Juniorpartner der Kanzlei vertreten wird. Der Anwalt weist auf die mögliche Interessenkollision hin. Kein Problem, erwidert der ARGE-Geschäftsführer, die Zustimmung der Firma A besorge ich mir. Und so geschieht es dann auch, über die Umstände der Zustimmungserklärung hüllt sich der ARGE-Geschäftsführer aber in Schweigen. 29 S. hierzu auch Hartung, Anwaltliche Berufsordnung, 3 BORA, Rdnr. 119 ff.
13 BRAK-Mitt. 4/2006 Aufsätze 153 Scharmer, Die Selbstentkernung der Anwaltschaft Ähnliche Interessenkollisionen sind im Verhältnis zwischen Bauunternehmer und Architekt in der Konstellation der gesamtschuldnerischen Haftung ebenfalls angelegt. Auch bei erbrechtlichen Sachverhalten, vor allem bei Auseinandersetzungen innerhalb einer Erbengemeinschaft, besteht sehr häufig ein hohes Konfliktpotential. Ein letztes Beispiel zum Schluss: Eine große Franchisingkette bietet dem einzelnen Franchisenehmer an, er könne gerne die Angemessenheit der Vertragsbedingungen durch die Firmenanwälte überprüfen lassen, die Kosten hierfür würden übernommen. Der wirtschaftlich schwache und im Übrigen vertrauensselige Franchisenehmer nimmt dieses Angebot an. Ist hier die Gradlinigkeit der Interessenvertretung, allein betrachtet aus der Sicht des Auftraggebers (Franchisenehmers), immer gewährleistet? Generell stellt sich das Problem immer bei mehreren Beteiligten auf einer Seite, wenn zwischen diesen Interessenkonflikte strukturell angelegt sind und dennoch diese Beteiligten aus zunächst einsichtigen pragmatischen Gründen innerhalb einer Sozietät vertreten werden wollen. Weitere Beispiele finden sich in der Literatur. 30 Das Grundproblem auf Seiten der Mandanten ist immer das gleiche: Die in Unkenntnis der Tragweite, vielleicht aus Vertrauensseligkeit erteilte oder gar gekaufte Zustimmung. Die Kernwerte der Anwaltschaft, nämlich die eigene Glaubwürdigkeit und das bislang unter keinem Vorbehalt stehende Gebot der Wahrnehmung der Interessen ausschließlich des eigenen Mandanten, werden zur nicht immer zweifelsfreien Disposition der Auftraggeber gestellt. Aber nicht nur auf Seiten der Mandanten, auch auf Seiten der Rechtsanwälte gibt es zahlreiche Versuchungen: in erster Linie das wirtschaftliche Interesse an einem ansonsten entgehenden Mandat, aber oft auch den Wunsch, die unangenehme Situation einer Absage gegenüber einem vielleicht langjährigen und dadurch auch persönlich verbundenen Mandanten. In dem Verfahren vor dem Bundesverfassungsgericht ist diese Gefahr ausdrücklich zur Sprache gekommen. 31 Es wäre lebensfremd, bei Rechtsanwälten stets die Klugheit annehmen zu können, das kurzfristige eigene Interesse hinter den möglichen Rufschaden für sich selbst und die Anwaltschaft insgesamt zurücktreten zu lassen. Das gilt auch, wenn der betroffene Anwalt auf das erteilte Einverständnis des Mandanten verweisen kann. Selbst in diesem Fall wird die Kritik an womöglich inkonsequenter und die Interessen des Gegners berücksichtigender Beratung bzw. Vertretung immer auf den Anwalt zurückfallen. Durch seine Schweigepflicht ist er gehindert, sich gegen unberechtigte Vorwürfe zu verteidigen. Auch Mandanten sind Menschen und suchen die Schuld lieber bei den anderen als bei der eigenen Fehlentscheidung. Das Gemeinwohlinteresse der Geradlinigkeit der anwaltlichen Berufsausübung ist hier aufs schwerste gefährdet. Belange der Rechtspflege Auch wenn die Mandanten ihr Einverständnis mit der Mandatsübernahme erklärt haben, muss ein Weiteres hinzukommen, damit die beteiligten Sozien im widerstreitenden Interesse tätig 30 S. hierzu Hartung, Anwaltliche Berufsordnung, 3 BORA, Rdnr. 84 ff. 31 Beschl. v , Tz. 46. werden dürfen: Die Norm verlangt, dass die Belange der Rechtspflege dabei nicht gefährdet werden. Soweit, so gut. Ob dieses Kriterium allerdings ein echtes Korrektiv darstellen kann, erscheint durchaus fraglich. Die Formulierung ist denkbar unbestimmt 32 und dürfte in der Praxis kaum handhabbar sein. Der mit der Neufassung des 3 Abs. 2 BORA befasste Ausschuss 4 der Satzungsversammlung hatte ursprünglich erwogen, den sehr unbestimmten Verweis auf die Belange der Rechtspflege dadurch konkreter zu fassen, dass die in der Sozietätswechslerentscheidung des Bundesverfassungsgerichts enthaltene Definition aufgenommen wird 33, später jedoch davon abgesehen. 34 Als Begründung wurde angegeben, dass allen klar sei, dass hiermit (den Belangen der Rechtspflege, Anm. Verfasser) die Definition des Bundesverfassungsgerichts gemeint sei. 35 Was also hat das Bundesverfassungsgericht judiziert? In der Sozietätswechslerentscheidung heißt es: 43a Abs. 4 BRAO dient aber nicht nur dem Schutz des individuellen Vertrauensverhältnisses zwischen Anwalt und Mandant und der Wahrung der Unabhängigkeit des Rechtsanwalts, sondern darüber hinaus dem Gemeinwohl in Gestalt der Rechtspflege, die auf eine Gradlinigkeit der anwaltlichen Berufsausübung angewiesen ist, also darauf, dass ein Anwalt nur einer Seite dient.... Die Wahrnehmung anwaltlicher Aufgaben setzt den unabhängigen, verschwiegenen und nur den Interessen des eigenen Mandanten verpflichteten Rechtsanwalt voraus. Diese Eigenschaften stehen nicht zur Disposition der Mandanten. Der Rechtsverkehr muss sich darauf verlassen können, dass der Pflichtenkanon des 43a BRAO befolgt wird, damit die angestrebte Chancen- und Waffengleichheit der Bürger untereinander und gegenüber dem Staat gewahrt wird und die Rechtspflege funktionsfähig bleibt (vgl. BVerfGE 63, 266, 284; 93, 213, 236). 36 Aus welchen Gründen im Einzelnen der Ausschuss 4 darauf verzichtet hat, wenigstens diese Konkretion in die Norm selbst aufzunehmen, erschließt sich weder aus den Ausschussprotokollen, noch aus dem Protokoll der Plenumsdiskussion vom Wenn denn allen klar war, was gemeint ist, hätte man es ohne weiteres auch in die Norm aufnehmen können. Dass es nicht geschehen ist, lässt deshalb nur die Schlussfolgerung darauf zu, dass Unklarheit gewünscht war. Die Begründung hierfür liegt auf der Hand: Jede Konkretisierung des Normtextes verringert den Auslegungsspielraum in der Rechtsanwendung. Auf den ersten Blick mag dies zu begrüßen sein, schon auf mittlere Sicht ist es aber außerordentlich gefährlich, weil es das Messen mit zweierlei Maß begünstigt. Ein Beispiel: Eine Großsozietät, die einen internationalen Konzern mit einer gut organisierten Rechtsabteilung außergerichtlich berät, wird bei der Vertretung widerstreitender Interessen durch Kanzleiteile an verschiedenen Orten mit Sicherheit für sich reklamieren, dass Belange der Rechtspflege schon wegen des lediglich außergerichtlichen Tätigwerdens und der überlegten Entscheidung der Rechtsabteilung nicht berührt seien. Demgegenüber wird es der allein örtlich und überwiegend forensisch tätigen kleinen Kanzlei schwer fallen, von den neuen 32 Kleine-Cosack, AnwBl 2006, 16, 17; s. auch Hartung, Anwaltliche Berufsordnung, 3 BORA, Rdnr SV-Prot. 5/3, Seite Die Entstehungsgeschichte ist ausführlich bei Hartung, Anwaltliche Berufsordnung, 3 BORA, Rdnr. 25 ff. geschildert. 35 SV-Prot. 5/3, Seite BRAK-Mitt. 2003, 231, 234 zu Ziff. 3. b).
14 154 Aufsätze BRAK-Mitt. 4/2006 Offermann-Burckart, Zu den Risiken und Nebenwirkungen des neuen 7 BORA Möglichkeiten des 3 Abs. 2 Satz 2 BORA zu profitieren: Dass das Waschen schmutziger Wäsche vor dem Familiengericht durch Sozien Belange der Rechtspflege beeinträchtigen kann, wurde jedenfalls bisher nicht ernsthaft bezweifelt. Wenn die Belange der Rechtspflege als ein neben dem Willen der Mandanten stehendes weiteres objektives Korrektiv für das Bestimmen einer ausnahmsweisen Zulässigkeit der Wahrnehmung widerstreitender Interessen sein sollen 37, stellt sich die Frage nach der Auslegung dieses Kriteriums. Vor Gericht haben die Parteien und damit deren Bevollmächtigte wahrheitsgemäß und im Rahmen des Prozessziels auch vollständig vorzutragen. Würde die Erfüllung dieser Pflicht durch die Vertretungsverhältnisse tangiert, wären auch die Belange der Rechtspflege gefährdet. Das Gleiche würde z.b. auch gelten, wenn die gemeinsame Vertretung von Kfz-Halter bzw. -fahrer und Mitreisenden nach einem Verkehrsunfall dazu führen würde, dass die Rechte der Beifahrer gegenüber dem Halter und Fahrer zu sachfremden sozietätsinternen Rücksichtnahmen, z.b. dem Absehen von einer Klageerhebung gegen den Fahrer führen könnte 38. Sofern hier auch schon aus der Interessenkonstellation heraus eine abstrakte Gefahr für die Gradlinigkeit der anwaltlichen Interessenvertretung besteht, sind auch bei Vorliegen einer Mandantenzustimmung die Interessen der Rechtspflege berührt. Die Mandantenzustimmung vermag den Anwalt nicht vom Gradlinigkeitsgebot zu suspendieren. 39 Eine sozietätsinterne Vertretung mehrerer Beteiligter scheidet also in solchen Fällen regelmäßig aus. Zu den Gemeinwohlbezügen der anwaltlichen Tätigkeit zählt das Bundesverfassungsgericht auch die Herstellung von Chancen- und Waffengleichheit der Bürger untereinander 40, so dass für die außergerichtliche Tätigkeit im Grunde nichts anderes gelten kann. Berufsrechtliche Sonderrechte für bestimmte Gruppen der Anwaltschaft oder bestimmte Tätigkeitsfelder und sei es durch Auslegungsspielräume und damit das Ende des einheitlichen Berufsrechts für alle werden nicht lange auf sich warten lassen, sofern die Anwaltschaft selbst nicht verhindert, dass die Grundwerte der Geradlinigkeit, Verschwiegenheit und Integrität auch in Zweifelsfällen nicht in Vergessenheit geraten. Selbstbehauptung Die Bestandsaufnahme über die Gefährlichkeit des neuen 3 Abs. 2 BORA für die Mandanten, die Rechtspflege und die Anwaltschaft ist also ernüchternd. Dennoch: Es ist nicht aller Tage Abend. Zum einen wird es an den Berufsangehörigen selbst liegen, aus wohl erwogenen Gründen von der Möglichkeit zur Wahrnehmung widerstreitender Interessen innerhalb derselben Sozietät keinen Gebrauch zu machen. Dabei mag der eine oder andere Umsatzverlust unvermeidbar sein. Im Interesse des eigenen Rufes werden die Fälle zweifelhafter Mandatsannahmen jedenfalls dann, wenn die Annahme des Bundesverfassungsgerichts über die grundsätzliche moralische Integrität der Anwaltschaft als solcher zutreffend ist die seltene Ausnahme bleiben. Insoweit ist es an der Anwaltschaft selbst, sich gegenüber einer gefährlichen Entwicklung zu behaupten. Ein Weiteres sollte darüber hinaus nicht aus dem Blickfeld geraten: So, wie die Satzungsversammlung die neue Regelung des 3 Abs. 2 BORA beschlossen hat, kann sie sie auch wieder ändern. Die Neufassung war ein Handstreich, im Plenum mit dem Argument der angeblichen verfassungsrechtlichen Unvermeidbarkeit und im Windschatten der Sozietätswechslerproblematik verkauft. Sollte die Vermutung von Hartung 41 zutreffen, der Mehrheit der Satzungsversammlung sei die Tragweite von 3 Abs. 2 Satz 2 BORA nicht klar gewesen, steht es dem Anwaltsparlament frei, die beschlossene Regelung durch eine zurückhaltendere, mehr an dem Gemeinwohlziel der Sicherung von Integrität und Geradlinigkeit der anwaltlichen Berufsausübung ausgerichtete Neufassung zu ersetzen. Die Satzungskompetenz dazu besteht jedenfalls. 37 So BVerfG in dem Beschl. v ( 1 BvR 594/06) zu Ziff. II. 2 c) bb). 38 S. hierzu Hartung, Anwaltliche Berufsordnung, 3 BORA, Rdnr. 87 ff. 39 So ausdrücklich BVerfG, BRAK-Mitt. 2003, 231, BVerfG, BRAK-Mitt. 2003, 231, Hartung, Anwaltliche Berufsordnung, 3 BORA, Rdnr Zu den Risiken und Nebenwirkungen des neuen 7 BORA Rechtsanwältin Dr. Susanne Offermann-Burckart, Düsseldorf* Jetzt ist er endlich in Kraft der neue 7 BORA, über dessen langwierige Entstehungsgeschichte in den letzten Wochen und Monaten viel berichtet wurde. Die Satzungsversammlung hatte sich mit der durch die Spezialisten-Entscheidung des BVerfG vom erforderlich gewordenen Neufassung von 7 BORA außerordentlich schwer getan. Nach dem dann am endlich ein * Die Verfasserin ist Hauptgeschäftsführerin der RAK Düsseldorf. 1 NJW 2004, 2656 = AnwBl. 2004, 586 = BRAK-Mitt. 2004, 231. entsprechender Beschluss gefasst worden war, gerieten die Dinge erneut ins Stocken, weil das Bundesjustizministerium einem Absatz der neuen Vorschrift die Genehmigung versagte, 2 und der Präsident der BRAK daraufhin die für ein In-Kraft-Treten notwendige Veröffentlichung aussetzte. 3 2 Bescheid des Bundesministeriums der Justiz v , abgedruckt in BRAK-Mitt. 2005, Vgl. hierzu Beschlüsse der 4. Sitzung der 3. Satzungsversammlung bei der BRAK am in Berlin, BRAK-Mitt. 2005, 183 f., Fn. 1.
15 BRAK-Mitt. 4/2006 Aufsätze 155 Offermann-Burckart, Zu den Risiken und Nebenwirkungen des neuen 7 BORA 1. Die neue Vorschrift In ihrer vorletzten Sitzung am hat die Satzungsversammlung dann endgültig die Neufassung von 7 der Berufsordnung mit folgendem Wortlaut beschlossen: 7 Benennung von Teilbereichen der Berufstätigkeit (1) Unabhängig von Fachanwaltsbezeichnungen darf Teilbereiche der Berufstätigkeit nur benennen, wer seinen Angaben entsprechende Kenntnisse nachweisen kann, die in der Ausbildung, durch Berufstätigkeit, Veröffentlichungen oder in sonstiger Weise erworben wurden. Wer qualifizierende Zusätze verwendet, muss zusätzlich über entsprechende theoretische Kenntnisse verfügen und auf dem benannten Gebiet in erheblichem Umfang tätig gewesen sein. (2) Benennungen nach Abs. 1 sind unzulässig, soweit sie die Gefahr einer Verwechslung mit Fachanwaltschaften begründen oder sonst irreführend sind. (3) Die vorstehenden Regelungen gelten für Berufsausübungsgemeinschaften nach 9 entsprechend. Der Beschluss wurde inzwischen in der Dezember-Ausgabe der BRAK-Mitteilungen veröffentlicht und konnte somit gem. 191d Abs. 5 BRAO ( mit dem ersten Tag des dritten Monats, der auf die Veröffentlichung folgt ) in Kraft treten. Was bedeutet dies nun für die Praxis? 2. Teilbereiche der Berufstätigkeit Von seiner Systematik her legt der neue 7 wie der alte 4 eine dreiteilige Stufenleiter fest, die jetzt lautet: Teilbereiche der Berufstätigkeit ohne qualifizierende Zusätze Teilbereiche der Berufstätigkeit mit qualifizierenden Zusätzen Fachanwaltsbezeichnungen. 5 Der Begriff Teilbereiche der Berufstätigkeit, der sich auch im alten 7 BORA fand, übernimmt nun eine doppelte Funktion, indem er einerseits umfassend und neutral die Angabe von Spezialisierungshinweisen beschreibt, andererseits aber in 7 Abs. 1 Satz 1 BORA n.f. eine eigenständige Begrifflichkeit für die Art der Darstellung in Abgrenzung zu den (Teilbereichen der Berufstätigkeit mit) qualifizierenden Zusätzen bildet. Damit stellen die Teilbereiche der Berufstätigkeit nicht nur den Oberbegriff, sondern wenn man die Einschränkung ohne qualifizierende Zusätze hinzudenkt zugleich die unterste Stufe der neuen Qualifikationsleiter dar. 6 Gemeint ist dann die schlichte, also neutrale Angabe von Rechtsgebieten, auf denen der Anwalt überwiegend oder zumindest verstärkt (oder auch nur auch ) tätig ist, ohne die ausdrückliche Berühmung einer wirklichen Schwerpunktbildung und/oder besonderen Qualifikation. Einen Teilbereich der Berufstätigkeit benennt etwa, wer auf seinem Briefbogen angibt: Arbeitsrechtskanzlei oder Arbeitsrechtsanwalt oder Rechtsanwalt XY Arbeitsrecht oder 4 Vgl. hierzu nur Eylmann, in: Henssler/Prütting, Kommentar zur BRAO, 2. Aufl., 7 BORA Rdnr. 11, und Römermann, in:hartung/ Holl, Kommentar zur anwaltlichen Berufsordnung, 2. Aufl., 7 BORA Rdnr. 65 m.w.nachw. 5 Vgl. hierzu näher Offermann-Burckart, in:kilian/vom Stein, Praxishandbuch für Anwaltskanzlei und Notariat, 16 Rdnr. 300 ff. 6 Offermann-Burckart, a.a.o., 16 Rdnr Beratung und Vertretung in allen arbeitsrechtlichen Angelegenheiten etc. 3. Qualifizierende Zusätze Qualifizierende Zusätze i.s. von 7 Abs. 1 Satz 2 BORA n.f. stellen die zweite Stufe der Qualifikationsleiter dar. Zusätze in diesem Sinne sind etwa die Benennungen Spezialist, Experte, Fachmann oder Spezialisiert auf... oder Fachgebiet: oder Schwerpunkt: etc. Auch die früheren Bezeichnungen Interessenschwerpunkt und Tätigkeitsschwerpunkt, an die sich der eine oder andere ja vielleicht gewöhnt hat, dürfen als qualifizierende Zusätze weiter verwendet werden. 4. Unter welchen Voraussetzungen dürfen Teilbereiche der Berufstätigkeit angegeben werden? Die Angabe von Teilbereichen der Berufstätigkeit erfolgt grundsätzlich nach Selbsteinschätzung, ist also nicht von einer Prüfung und Verleihung durch die Rechtsanwaltskammer abhängig. Allerdings muss der Rechtsanwalt, der Spezialisierungshinweise führt, bestimmte Anforderungen erfüllen. So darf gem. 7 Abs. 1 Satz 1 BORA n.f. Teilbereiche der Berufstätigkeit (ohne qualifizierende Zusätze) nur derjenige benennen, der seinen Angaben entsprechende Kenntnisse nachweisen kann, die in der Ausbildung, durch Berufstätigkeit, Veröffentlichungen oder in sonstiger Weise erworben wurden. Wer Teilbereiche der Berufstätigkeit mit qualifizierenden Zusätzen verwendet, muss gem. 7 Abs. 1 Satz 2 BORA n.f. zusätzlich über entsprechende theoretische Kenntnisse verfügen und auf dem benannten Gebiet in erheblichem Umfang tätig gewesen sein. Wann von einer Tätigkeit in erheblichem Umfang die Rede sein kann, hat die Satzungsversammlung bewusst offen gelassen. Dies soll maßgeblich von Art und Aussagewert des qualifizierenden Zusatzes abhängen. Wer einen Tätigkeitsschwerpunkt angibt, muss weniger einschlägige Praxiserfahrungen nachweisen können, als derjenige, der sich berühmt, Spezialist auf einem bestimmten Rechtsgebiet zu sein. Zweifelhaft erscheint, ob die Forderung nach einer Tätigkeit in erheblichem Umfang auch für eher reduzierte qualifizierende Zusätze gelten kann. Wer bewusst nur einen Interessenschwerpunkt angibt, will damit ja zum Ausdruck bringen, dass er gerade noch nicht über vertiefte praktische Erfahrungen verfügt. Es wäre schon vom Sprachlichen her widersinnig, in einem solchen Fall eine Tätigkeit in erheblichem Umfang zu fordern. Einigkeit bestand in der Satzungsversammlung darüber, dass Tätigkeit nicht unbedingt anwaltliche Tätigkeit sein muss. Als Spezialist kann sich also auch derjenige bezeichnen, der über Jahre hinweg eine einschlägige richterliche oder wissenschaftliche Tätigkeit ausgeübt hat. 5. Welche Grenzen gibt es noch? Die zahlenmäßigen Obergrenzen des alten 7 BORA, die in verfassungsrechtlicher Hinsicht höchst problematisch waren, 7 gelten nicht mehr. Theoretisch kann also jeder Rechtsanwalt so viele Spezialisierungshinweise angeben, wie er will. Eine
16 156 Aufsätze BRAK-Mitt. 4/2006 Knöfel, Der Anwaltsvertrag mit der internationalen Sozietät Grenze ergibt sich aus den Überlegungen der praktischen Vernunft, dem Irreführungsverbot des 7 Abs. 2 BORA n.f. und dem Wettbewerbsrecht. Ganz allgemein (also nicht nur im Hinblick auf eine eventuelle zahlenmäßige Beschränkung) stellt 7 Abs. 2 BORA klar, dass Benennungen nach Abs. 1 unzulässig sind, soweit sie die Gefahr einer Verwechslung mit Fachanwaltschaften begründen oder sonst irreführend sind. Bei der Verwendung qualifizierender Zusätze mit hohem Anspruch und großer Selbstbeschränkungstendenz ( Spezialist ) gelten außerdem die Überlegungen, die das Bundesverfassungsgericht in seiner Spezialisten-Entscheidung 8 angestellt hat. Bei der berufs- und wettbewerbsrechtlichen Beurteilung von Spezialisierungshinweisen sollten deshalb Grundsätze gelten, wie die RAK Düsseldorf sie vor einiger Zeit aufgestellt hat. Danach gilt: 1. Die Bezeichnung Spezialist darf wegen der ansonsten bestehenden Verwechslungs- und somit Irreführungsgefahr nur für solche Rechtsgebiete geführt werden, die nicht mit einer Fachanwaltsbezeichnung belegt sind. Dies gilt auch für Untergliederungen eines mit einer Fachanwaltsbezeichnung belegten Rechtsgebiets. Unzulässig wäre also nicht nur die Bezeichnung Spezialist für Familienrecht, sondern auch die Bezeichnung Spezialist für Scheidungen oder die Bezeichnung Spezialist für Unterhaltsangelegenheiten. 2. Angesichts der Einschränkungen, die das BVerfG macht, darf die Spezialistenbezeichnung grundsätzlich nur auf einem einzigen und zudem eng umrissenen Rechtsgebiet geführt werden. Unzulässig wären deshalb z.b. die Bezeichnung Spezialist für Bankrecht und Wirtschaftsrecht oder die Bezeichnung Spezialist für allgemeines Zivilrecht. Die Zusammenfassung eng verwandter Rechtsgebiete (z.b. die Bezeichnung Spezialist für Wald- und Forstwirtschaftsrecht ) muss allerdings möglich sein. 3. Angesichts der Feststellung des BVerfG, der Spezialist bringe zum Ausdruck, dass er bevorzugt, wenn nicht gar ausschließlich einen Teilbereich des Vollberufs bearbeite, darf sich Spezialist nur jemand nennen, der auf dem angegebenen Rechtsgebiet ganz überwiegend tätig ist. 4. Da das BVerfG formuliert, Fachanwälte seien nicht notwendig Spezialisten, wodurch es letztlich den Spezialisten 7 Vgl. hierzu nur Römermann, a.a.o., 7 BRAO Rdnr. 45 ff., und Offermann-Burckart, a.a.o., 16 Rdnr. 26 ff. 8 NJW 2004, 2656 = AnwBl. 2004, 586 = BRAK-Mitt. 2004, 231; vgl. hierzu auch Offermann-Burckart, NJW 2004, höher ansiedelt als den Fachanwalt, muss derjenige, der sich Spezialist nennt, Voraussetzungen erfüllen, die den in der Fachanwaltsordnung vorgesehenen zumindest nicht nachstehen. Der Spezialist muss deshalb bereits seit längerem zur Anwaltschaft zugelassen und auf dem angegebenen Rechtsgebiet tätig sein über besondere theoretische Kenntnisse (erworben durch eine fachspezifische Ausbildung und/oder ausgewiesen durch Dozententätigkeit, Veröffentlichungen etc.) verfügen über besondere praktische Erfahrungen (ausgewiesen durch ein entsprechend hohes Mandatsaufkommen) verfügen. Der Spezialist muss in der Lage sein, das Vorliegen dieser Voraussetzungen nötigenfalls gegenüber der RAK nachzuweisen. 5. Fachanwälte dürfen sich zusätzlich (neben dem Führen ihrer Fachanwaltsbezeichnung) in Untergliederungen ihres Fachgebiets als Spezialist bezeichnen, ohne weitere Voraussetzungen zu erfüllen. Ein Fachanwalt für Familienrecht dürfte sich z.b. Spezialist für Scheidungen und Unterhaltsangelegenheiten nennen. 6. Das Vorstehende gilt entsprechend für Qualifikationshinweise, die dem Spezialistenbegriff vergleichbar sind, wie etwa Experte, Fachmann u.ä. 6. Welche Konsequenzen drohen bei unrichtigen Angaben? Wie dargestellt dürfen Teilbereiche der Berufstätigkeit aufgrund von Selbsteinschätzung, also ohne Prüfung und Verleihung durch die RAK, benannt werden. Jeder Rechtsanwalt, der entsprechende Hinweise führt, muss aber in der Lage sein, notfalls die in 7 Abs. 1 Satz 1 oder Satz 2 BORA n.f. geforderten Nachweise zu erbringen. Dies kann etwa im Rahmen eines Aufsichtsverfahrens bei der zuständigen Rechtsanwaltskammer oder im Rahmen eines Wettbewerbsverfahrens, das ein Kollege anstrengt, erforderlich werden. Stellt die Kammer in einem Aufsichtsverfahren fest, dass ein Mitglied einen Teilbereich der Berufstätigkeit angibt, ohne über entsprechende Kenntnisse zu verfügen, wird dies zu einer berufsrechtlichen Ahndung (etwa durch eine Rüge) führen. Die Konsequenzen im Rahmen eines Wettbewerbsverfahrens können noch gravierender (insbesondere teurer) sein. Man kann deshalb allen Rechtsanwälten nur raten, sich vor der Angabe von Teilbereichen der Berufstätigkeit einer gewissenhaften und strengen Selbstprüfung zu unterziehen. Der Anwaltsvertrag mit der internationalen Sozietät Dr. Oliver L. Knöfel, Hamburg 1 I. Einleitung und Problemstellung Das Internationale Anwaltsberufsrecht ist in Deutschland noch kaum betrachtet worden 2. Die US-Rspr. hat bereits vor zwanzig Jahren ausgesprochen, dass einem New Yorker Anwalt das heimische Berufsrecht auch dann über den Atlantik folgt, wenn er als Mitglied einer internationalen Sozietät überwiegend in Lon- 1 Universitätsassistent am Seminar für ausländisches und internationales Privat- und Prozessrecht der Universität Hamburg (Lehrstuhl Prof. Dr. Peter Mankowski). 2 Eingehend Knöfel, AnwBl 2003, 3 ff. sowie ders., Grundfragen der internationalen Berufsausübung von Rechtsanwälten (2005).
17 BRAK-Mitt. 4/2006 Aufsätze 157 Knöfel, Der Anwaltsvertrag mit der internationalen Sozietät don praktiziert hat 3. In jüngster Zeit versucht man in den USA, die Berufsrechtsanwendung auf international tätige RAe maßgeblich am Gebot der professionellen Mandantenvertretung auszurichten 4. In Europa nimmt die Rechtswissenschaft dagegen nur sehr zögerlich zur Kenntnis, dass anwaltliche Berufsträger in internationalen Sozietäten unter angelsächsischer Leitung formiert sind 5, und dass diese wichtige Form der Berufstätigkeit eine berufsrechtliche Neubewertung erfordert. Nahezu sämtliche deutsche Rspr. mit Bezug auf internationale Anwaltssozietäten hat sich bisher auf die berufsrechtlichen Gebote zur anwaltlichen Briefbogengestaltung bezogen. 10 Abs. 1 Satz 1 BORA statuiert die Pflicht zur Angabe aller Sozien auf dem Briefbogen. Anhand dieser Vorschrift sind die Briefbogenangabeneiner indeutschlandanmehrerenstandortenpräsenten internationalen Anwaltssozietät englischer Rechtsform zum Gegenstand kontroverser berufsgerichtlicher und höchstrichterlicher Rspr. geworden. Die Sozietät hatte im Briefkopf lediglich ihre Kurzbezeichnung und den Namen des sachbearbeitenden Anwalts aufgeführt, dazu englischem Brauch und Berufsrecht entsprechend den Hinweis gegeben, dass eine Partnerliste unter der Kanzleiadresse einsehbar sei 6. 3 In the Matter of Stults, 433 N.Y.S.2d 22 (App.Div. 1980), appeal denied, 423 N.E.2d 58 (1981). 4 Terry, FS Karl Hempel, Wien 1997, S. 286, 288; Vagts, in: Drolshammer/M. Pfeifer (eds.), The Internationalization of the Practice of Law, The Hague London Boston 2001, S. 31, 39 (Anm. 13); Brand, 34 VandJTL 1135, 1138 f. (2001); für Deutschland ausführlich Knöfel, AnwBl 2003, 3 ff., 18 f. 5 Rechtstatsächlich-berichtend Henssler/Terry, 19 Dick.J.Int l.law 269 ff. (2001); Drolshammer, in:drolshammer/m. Pfeifer (eds.), The Internationalization of the Practice of Law, The Hague London Boston 2001, S. 449 ff. 6 In England gestattet gem. Solicitors Publicity Code 2001 sec. 2 (b) (ii); abrufbar unter <http://www.guide-on-line.lawsociety.org.uk>; genauso bereits zuvor Solicitors Publicity Code 1990 para 7 (b) (i), idf v abgedruckt in Law Society (ed.), The Guide to the Professional Conduct of Solicitors, 6. Aufl. London 1993, Annex 11 A; zur Altfassung vgl. Lawrenson, in: Tyrell/Yaqub (eds.), The Legal Professions in the New Europe, Oxford 1993, S. 326; Graef, Die Haftung des deutschen und englischen Anwalts für fehlerhafte Prozeßführung, 1995, S. 65; Halsbury s Laws of England, Vol. 44 (1) Solicitors, 4. Aufl. London 1995, para AGH NRW v , NJW 2001, 2555 = MDR 2001, 900 m. Anm. Hartung. 8 BGH v , NJW 2002, 1419 = MDR 2002, 667 = WM 2002, 1081 = AnwBl 2002, 363 = EWiR 10 BORA 1/02, 337 m. Anm. V. Römermann. Zu den Entscheidungen außerdem Henssler, ZZP 115 (2002) 321, 333; V. Römermann, Anwalt 11/2001, 16, 17 f.; Dahns, BRAK- Mitt. 2002, 139; Huff, LM H. 7/ BORA Nr.1 Bl.4R, 5; Pepels/ Steckler-V. Römermann/R. Römermann, Anwalts-Marketing, 2003, 8 Rdnr. 21 (S. 171). 9 BVerfG v , NJW 2002, AGH Hamburg v , NJW 2001, 2553 = MDR 2001, 900 m. Anm. Hartung. 11 Michalski/V.Römermann, AnwBl 1996, 191, 199; Kleine-Cosack, Das Werberecht der rechts- und steuerberatenden Berufe, 2. Aufl. 2004, Rdnr. 562 ff.; Henssler/Streck-L.Koch, Handbuch des Sozietätsrechts (2001), B Rdnr ; Henssler/Streck-M.Kilian (op.cit.), H Rdnr Der AGH Nordrhein-Westfalen 7 und im Rechtszug darauf folgend der BGH 8 haben diese Vorgehensweise für mit 10 Abs. 1 Satz 1 BORA unvereinbar gehalten. Das BVerfG hat eine gegen das Urteil des BGH gerichtete Verfassungsbeschwerde nicht zur Entscheidung angenommen 9. Der AGH Hamburg hat in der Sache entgegengesetzt entschieden 10 und 10 Abs. 1 Satz 1 BORA im Wege verfassungskonformer Auslegung in eben diejenigen Zumutbarkeitsschranken verwiesen, die auch das Schrifttum seit einiger Zeit einfordert 11. Die berufsrechtliche Tragweite der Judikate ist nicht groß und mag die Frage aufwerfen, ob eine Bagatellgrenze für die berufsgerichtliche Befassung zu ziehen ist 12. Wichtig erscheint jedoch, dass die Judikate zu 10 BORA außerdem erkennen lassen, wie die Rspr. mit der privatrechtlichen Seite der grenzüberschreitenden anwaltlicher Berufstätigkeit umzugehen gedenkt. Der internationale Anwaltsvertrag ist bisher kaum ausgelotet 13. Der BGH hat die Befugnis des Satzungsgebers aus 59b Abs. 2 Nr. 5 lit. a BRAO, die anwaltlichen Berufspflichten im Zusammenhang mit der Annahme, Wahrnehmung und Beendigung eines Auftrages näher zu regeln, als eine 14 Ermächtigungsgrundlage für 10 Abs. 1 Satz 1 BORA behandelt 15. Der BGH sieht den Mandatsvertrag mit der internationalen Anwaltssozietät dabei als gleichsam stillschweigend geschlossenes Vertragsverhältnis mit geringer Regelungsdichte, dessen Inhalt erst vom anwaltlichen Briefbogen nachhaltig konkretisiert werden müsse. Dieser unzutreffenden Vorstellung vom internationalen Anwaltsvertrag ist entschieden zu widersprechen. II. Der internationale Anwaltsvertrag als konkretisierungsbedürftiges Rechtsverhältnis? 1. Standort des 10 BORA Gegen die Annahme, dass sich 10 BORA als Satzungsnorm aus dem Kompetenztitel in 59b Abs. 2 Nr. 5 lit. a BRAO herleiten lasse, ist zunächst ein formeller Einwand denkbar. Die bei der Annahme, Wahrnehmung und Beendigung des Mandats bestehenden Berufspflichten des RA sind vom Satzungsgeber in BORA geregelt worden. Diese Vorschriften entsprechen dem Dritten Abschnitt der BORA, wozu 10 BORA nicht gehört. Gelegentlich hat man durchaus gemeint, der Standort einer Satzungsbestimmung innerhalb der Berufssatzung habe eine gewisse Aussagekraft für die Zugehörigkeit der Satzungsnorm zu einem formellgesetzlichen Kompetenztitel. Deshalb könne 10 Abs. 1 BORA entgegen der ganz überwiegenden Meinung 16 nicht zum Bereich der Anwaltswerbung gerechnet werden, die dem Satzungsgeber nach Maßgabe des 59b Abs. 2 Nr. 3 BRAO überlassen ist 17. Allerdings besteht keine Pflicht des Satzungsgebers, ihm formellgesetzlich zur Konkretisierung zugewiesene Gegenstände der anwaltlichen Berufsausübung an bestimmter Stelle innerhalb der BORA zu regeln. Der Satzungsgeber muss von den Kompetenztiteln in 12 Siehe Kleine-Cosack, EWiR 1 UWG 9/91, 403, 404; Commichau, IPRax 1994, 277, Zu seiner kollisionsrechtlichen Anknüpfung grundlegend Reithmann/ Martiny-Mankowski, Internationales Vertragsrecht, 6. Aufl. 2004, Rdnr ff. 14 Der BGH sieht insgesamt fünf Ermächtigungsgrundlagen für 10 Abs.1 Satz 1 BORA und scheint in besonderem Maße darauf bedacht, die Pflicht zur Rückbindung satzungsrechtlicher Berufsbeschränkungen an formellgesetzliche Grundlagen zu erfüllen, die in letzter Zeit besonders betont wird, vgl. EuGH v Rs. C-309/99, Slg. 2002, I-1577, I-1688 Rdnr. 99 J. C. J. Wouters, J. W. Savelbergh u. Price Waterhouse Belastingadviseurs B.V./Algemene Rad van de Nederlandse Orde van Advocaten; BVerfG v , NJW 2003, 344 f. = BRAK-Mitt. 2003, 18 f. sowie Eichele/Happe, NJW 2003, 1214, BGH v , NJW 2002, 1419 [Ziff. 2 a) dd)]. 16 BGH v , NJW 1997, 3236, 3237 = LM H. 1/ UWG Nr. 400 Bl. 1R m. Anm. Henssler; BGH v , NJW 2002, 2093, 2092 = EWiR 12 BGB 1/02, 1033 m. Anm. Kleine-Cosack; EGH Schleswig-Holstein v , AnwBl 1991, 212 m. Anm. Görl; AGH Hamburg v , NJW 2001, 2553, 2554; AGH NRW v , NJW 2001, 2555, 2556; AGH Hamburg v , NJW 2004, 371; V. Römermann, NZG 1998, 121; Fedtke-Boin, Anwaltsmarkt Europa, 1999, S. 56, 58; Kleine-Cosack, NJ 2002, 57, 60; ders., BRAO, 4. Aufl. 2003, 43 b BRAO Rdnr. 31; Henssler/Streck- Graf v. Westphalen (Fn. 11), B Rdnr. 611; ders., FS Reinhold Geimer (2002) S. 1485, 1503; V. Römermann/Hartung, Anwaltliches Berufsrecht (2002), 43 Rdnr. 41 ff. (S. 272 f.); Henssler/Prütting-Eylmann, BRAO, 2. Aufl. 2004, 43b BRAO Rdnr So Henssler/Streck-L.Koch (Fn. 11), B Rdnr. 333.
18 158 Aufsätze BRAK-Mitt. 4/2006 Knöfel, Der Anwaltsvertrag mit der internationalen Sozietät 59b Abs. 2 BRAO überhaupt keinen Gebrauch machen, 18 umso weniger an bestimmter Stelle innerhalb der Berufssatzung. 2. Berechtigung und Verpflichtung zur Leistung als Bestandteile des Anwaltsvertrages Über die Struktur des internationalen Anwaltsvertrages muss jedenfalls eine materielle Sichtweise entscheiden. Der BGH schlägt einen Irrweg ein, wenn er das Mandatsverhältnis der internationalen Anwaltssozietät als stark konkretisierungsbedürftiges Rechtsverhältnis begreift. Der BGH weist den Briefbogenangaben eine tragende Indizrolle oder Bekräftigungsfunktion für den Inhalt des mit einer Sozietät geschlossenen Anwaltsvertrages zu 19. Dies betrifft nicht die Frage, wer kraft Rechtsscheins als Gesellschafter einer Anwaltssozietät gilt 20, sondern die Festlegung, wer zur Leistung auf den Mandatsvertrag berechtigt und verpflichtet ist, in der Diktion des 59b Abs. 2 Nr. 5 lit. a BRAO: wer den Auftrag annimmt, wahrnimmt und beendet. Die Gesellschafterstellung einerseits und die Frage nach der Einbeziehung von Sozien in den Anwaltsvertrag andererseits sind streng zu trennen. Ein Anwalt kann Vollpartner einer Sozietät zu sein, ohne schuldrechtlich auf den Mandatsvertrag seiner Sozien leisten zu dürfen. Auch der Scheinsozius haftet nicht etwa, weil seine Einbeziehung in das Mandatsverhältnis als vertraglich vereinbart gilt, sondern allein kraft fingierter Gesellschafterstellung, die zahlreiche Rechtswirkungen i.s.v. Rechten und Pflichten des Anwalts-Gesellschafters hat. Zu den Rechten gehört z.b. die Befugnis des Briefkopfsozius, der Mandantschaft wie ein echter Sozius das Ende der beruflichen Zusammenarbeit gem. 32 BORA anzuzeigen 21. Auch die Pflichten sind vielfältig; nur eine unter ihnen ist die für den Scheinsozius typische Einstandspflicht für Gesellschaftsverbindlichkeiten. Die Annahme des BGH, gerade 10 Abs. 1 Satz 1 BORA zähle zu den Normen über die Annahme, Wahrnehmung und Beendigung eines Auftrages gem. 59b Abs. 2 Nr. 5 lit. a BRAO 22, wäre nur dann überzeugend, wenn der Briefkopf nicht nur der Identifikation möglicher und ggf. kraft Rechtsscheins als solcher bestätigter Gesellschafter dient, sondern verbindliche Aussagen zur Frage trifft, wer auf der Seite des Dienstverpflichteten Partei des Anwaltsvertrages ist. Dies ist nicht der Fall. III. Erwartungen des Publikums als Kriterien für den Inhalt von Anwaltsverträgen? 1. Erwartungen des Mandanten als berufsrechtliches Argument Der BGH nimmt an, dass dem Mandanten maßgeblich durch das in 10 Abs. 1 Satz 1 BORA enthaltene Gebot, den Gesellschafterbestand auf dem Briefkopf offenzulegen, Klarheit über den Vertragspartner verschafft werde 23. In der Vorstellung des BGH ist ein Anwaltsvertrag in dem auf das erste Anbahnungs- 18 So auch Henssler/Prütting-L.Koch (Fn. 16), 59b BRAO Rdnr BGH v , NJW 2002, 1419 [Ziff. 2 a) dd)]; ähnlich wohl Henssler/Streck-M. Kilian (Fn. 11), H Rdnr Statt vieler Grunewald, FS Peter Ulmer (2003) S. 141 ff. 21 LG Düsseldorf v , BRAK-Mitt. 1999, 238, 239; ArbG Schwerin v , AnwBl 2002, 56; Staehle, BRAK-Mitt. 2000, 86, 88; Hülsmann, NZG 2001, 625, 633; Kamps/Alvermann, NJW 2001, 2121, 2122; Grunewald, FS Peter Ulmer, 2003, S. 141, 146; Kleine-Cosack (Fn. 16), Anh. I 1, 32 BORA Rdnr. 5; Henssler/Prütting-Henssler (Fn. 16), 32 BORA Rdnr BGH v , NJW 2002, 1419 [Ziff. 2 a) dd)]. 23 BGH v , NJW 2002, 1419 [Ziff. 2 a) dd)]. gespräch folgenden Stadium gleichsam nur ein Vertragsgerüst, das hinsichtlich des Essentialiums, wer auf der Seite des Beauftragten Vertragspartei ist, frühestens durch die nach Auftragserteilung erfolgende Versendung des ersten Anwaltsbriefbogens konkretisiert wird. Nach dieser Vorstellung gäbe es im anwaltlichen Vertragsverhältnis zwischen Mandant und RA stets viel Unausgesprochenes, mit der Folge, dass die Grundsätze über den Rechtsschein und die hierfür maßgebliche, stets verschwommene Erwartung des Publikums besonders große Bedeutung hätten. Ein solcher Gedankengang ist ein gängiger, deshalb aber nicht unbedingt plausibler anwaltsrechtlicher Gemeinplatz. Auch der Gesetzgeber stellt an vielen Stellen z.b. zur Rechtfertigung des 59a Abs. 1 BRAO ab auf die Erwartungen, die der Rechtsverkehr berechtigterweise mit einer Sozietät verbindet 24, ohne dass diese eher theoretischen Motivlagen fiktiver Mandanten in der Berufsrechtsanwendung allerdings jemals hinreichend deutlich konkretisiert worden wären Stillschweigender Anwaltsvertrag als Ausnahmefall Der BGH hängt offenkundig der Vorstellung an, dass der Anwaltsvertrag der internationalen Sozietät zumeist oder gar in der Regel stillschweigend zustande komme, ohne dass über die essentialia negotii verhandelt oder auch nur gesprochen würde. Zwar ist durchaus bekannt, dass es stillschweigend geschlossene Anwaltsverträge gibt, die einen weiten Spielraum bei der Feststellung vertragserheblicher Umstände lassen 26. Viel zu selten wird allerdings betont, dass das öffentliche Anwaltsberufsrecht den Wirkungskreis stillschweigend geschlossener Anwaltsverträge gezielt beschneiden will. 44 BRAO steht der weitläufigen Annahme konkludenter Anwaltsverträge ausdrücklich entgegen 27. Die Vorschrift verleiht der inhaltsgleichen Norm des 663 BGB berufsrechtliche Wirkung 28.Das konkludente Mandatsverhältnis stellt sich vor diesem Hintergrund als ebenso seltener wie berufsrechtlich unerwünschter Ausnahmefall dar. Wenn der RA nach 44 BRAO die Mandatsablehnung unverzüglicherklärenmuss undnachsatz 2der Vorschrift widrigenfalls auf Schadensersatz haftet, so kommt deutlich zum Ausdruck, dass das Berufsrecht den RA geradezu nötigen will, dezidiert die Einigung mit dem Mandanten zu suchen eine Wertung, die sich mit der Vorstellung, der Inhalt des Mandatsverhältnisses könne weitgehend unausgesprochen bleiben und Erwartungen des Mandanten anheim stehen, überhaupt nicht verträgt. 3. Erwartungshaltung des Mandanten und situative Gegebenheiten Welcher Mandant aufgrund äußerer Indizien wie des Briefbogens überhaupt Klarheit über den Vertragspartner 29 braucht, muss wegen des Ausnahmecharakters des konkludenten Man- 24 BR-Drucks. 93/93, S. 99 (zu Nr. 25a [ 59a BRAO]). 25 Zutreffend M. Kilian, NZG 2001, 150, BGH v , NJW 1997, 2168, 2169; Hartstang, Anwaltsrecht, 1991, S. 432 f.; Borgmann/Jungk/Grams, Anwaltshaftung, 4. Aufl. 2005, Kap. III Rdnr. 63 (S. 71); Staudinger-Martinek, BGB, 13. Bearb. 1995, 675 BGB Rdnr. C 5; Münchener Kommentar zum BGB-Seiler, IV: SchuldR BT II, BGB, 3. Aufl. 1997, 675 BGB Rdnr. 16; Anders/Gehle, Das Recht der freien Dienste, 2001, Rdnr. 449; Henssler/Streck-Terlau (Fn. 11) B Rdnr. 383; Bamberger/H. Roth-Czub, BGB II, 2003, 675 BGB Rdnr. 7; Kleine-Cosack (Fn. 16), 44 BRAO Rdnr Borgmann/Jungk/Grams (Fn. 26), Kap. III Rdnr. 67 (S. 73). 28 Kleine-Cosack (Fn. 16), 44 BRAO Rdnr. 1; Henssler/Prütting-Eylmann (Fn. 16), 44 BRAO Rdnr BGH v , NJW 2002, 1419 [Ziff. 2 a) dd)].
19 BRAK-Mitt. 4/2006 Aufsätze 159 Knöfel, Der Anwaltsvertrag mit der internationalen Sozietät datsverhältnisses maßgeblich von den Umständen des Einzelfalles abhängen. Jede Pauschalisierung verbietet sich. Besonders die Betrachtung der situativen Gegebenheiten erscheint geboten. So mögen Mandantenerwartungen und sie tragende, schwarz auf weiß im anwaltlichen Briefbogen geführte Insignien bei einem Anwaltsvertrag mit der geschäftsungewandten Einzelperson durchaus Berechtigung haben. Dieser Mandantentypus will zumeist über Varia beraten werden, die aus seinem privaten, nicht-geschäftlichen Bereich stammen. Die Konsultierung des Anwalts ist dann keine Selbstverständlichkeit oder auch nur ein Geschäft des täglichen Lebens, sondern aus der Sicht des Klienten viel eher Einmalhandlung in wichtigen, nicht selten als schicksalhaft empfundenen Lebensfragen. Dann bedürfte es allerdings sichtbarer Zeichen im Briefkopf oder anderswo, um die wesentlichen Vertragsbestandteile und unter ihnen besonders die anwaltliche Schuldnerstellung für die Erbringung von Diensten zwischen den Parteien unstreitig zu stellen 30. Die internationale Sozietät vertritt indes keine Privatmandanten, sondern wohlinformierte, verhandlungs- und organisationsstarke Unternehmensmandanten. IV. Einzelmandat versus Gesamtmandat bei der internationalen Sozietät In Bezug auf die internationale Anwaltstätigkeit hat das Schrifttum eine an den Erwartungen des Mandanten orientierte Sichtweise des Anwaltsvertrages insbesondere dann geteilt, wenn es sich bei der Frage, ob die internationale Anwaltssozietät im Regelfall ein Gesamtmandat der Obergesellschaft 31 oder aber Einzelmandate von Teilsozietäten oder Sozietätsmitgliedern 32 führt, für Letzteres entschieden hat 33. Dass die Reichweite anwaltsvertraglicher Beziehungen auf die Heimatrechtsordnung und die in ihr tätigen Anwälte auch für den Fall beschränkt sei, dass von vornherein eine internationale Großsozietät mandatiert wird, soll sich aus einer vermeintlichen Erwartungshaltung des Mandanten ergeben. Diese soll beinhalten, dass der Auftrag nur von solchen Anwälten bearbeitet werde, die in der entsprechenden Rechtsordnung Kenntnisse haben 34. Dies sei insbesondere bei ausländischen Sozietätsmitgliedern nicht der Fall 35. Diese Sichtweise ist mindestens für den Regelfall abzulehnen 36. Sie würdigt den Anwaltsvertrag mit der internationalen Großsozietät nicht genügend in seiner inhaltlichen Eigenart. Das Mandatsverhältnis wird nicht als rechtsgeschäftliches Instrument erkannt, das das von den Vertragsparteien allseits gewünschte Ziel einer weltweit integrierten Beratung verwirklichen soll und zu diesem Zwecke eine Vielzahl von Leistungsträgern und spiegelbildlich Haftungssubjekten gerade zu einem Beratungsunternehmen zusammenfasst. Die Frage, wie weit die Vertragsbeziehungen der internationalen Anwaltssozietät reichen, ist eine seltene Gelegenheit, mit one-stop-shopping, dem häufig verwendeten Schlagwort der Großkanzleipraxis 37, auch einmal rechtlich ernst zu machen. 30 Z.B. im Falle des OLG Hamm v , DNotZ 1968, 625, Zutreffend W. Lüke, FS Reinhold Geimer, 2002, S. 583, 601, 602 f., 608 f. 32 Dafür O. Sieg, Internationale Anwaltshaftung, 1996, S. 152 f.; Zugehör- O. Sieg, Handbuch der Anwaltshaftung, 1999, Rdnr. 386; zweifelnd Henssler/Streck-Terlau (Fn. 11), B Rdnr. 407 a.e.; vage Henssler/Streck- M. Kilian (Fn. 11), H Rdnr. 159, der letztlich aber eine Klarstellung des Vertragspartners im Mandatsvertrag empfiehlt. 33 Namentlich Zugehör-O. Sieg (Fn. 32), Rdnr. 386; ders. (Fn. 32), S O. Sieg (Fn. 32), S O. Sieg (Fn. 32), S Eingehend W.Lüke, FS Reinhold Geimer, 2002, S. 583, 601, 602 f. V. Heranziehung der Grundsätze zur interprofessionellen Sozietät? 1. Die Rspr. des BGH zur interprofessionellen Sozietät Gegenüber dem Konzept der one-firm geradezu kontraproduktiv muss sodann der Versuch erscheinen, die in der jüngeren Rspr. des BGH bezüglich der interprofessionellen Sozietät befürwortete Separierung des Auftragsgegenstandes 38 auch auf die monoprofessionelle internationale Sozietät von RAen übertragen zu wollen 39. In seiner zurückliegenden Rspr. hatte der BGH unter dem Beifall des Schrifttums angenommen, dass das in der reinen Anwaltssozietät wesensmäßige Einer für alle Alle für einen ohne weiteres auch in der interprofessionellen Sozietät gilt 40. In jüngerer Zeit ist der BGH hiervon allerdings abgewichen und hat gemeint, dass ein Geschäftsbesorgungsvertrag über Rechtsbesorgung wenigstens im Zweifel nicht die mit RAen assoziierten Nur-StB oder Nur-WP berechtige und verpflichte 41. Diese Rspr. wollen einige zur Klärung der Frage heranziehen, wen der Mandatsvertrag der internationalen Anwaltssozietät verpflichte 42. Dem ist nicht zu folgen. 2. Freihaltung der monoprofessionellen Sozietät von interberuflichen Interessenlagen Im Schrifttum ist zuweilen gefordert worden, bei der interprofessionellen Sozietät für eine an der Erwartung der Mandanten orientierte, möglichst weitgehende Entflechtung der versprochenen Leistungs- und Haftungsgegenstände zu sorgen 43. Selbst wenn man eine sachliche Berechtigung dieses Anliegens unterstellt, so besteht doch kein Grund, die gedachten oder tatsächlichen Verständigungsschwierigkeiten, welche allein aus mangelnder Erfahrung mit interprofessionellen Strukturen resultieren können, in die vorwiegend monoprofessionelle Struktur der internationalen Anwaltssozietät hineinzutragen 44. Der Befürworter derart vorschnell gezogener Parallelen zwischen der deutschen interprofessionellen Sozietät einerseits 37 Siehe Mayson, Making Sense of Law Firms, London Oxford 1997, S. 187; Hellwig, ZHR 161 (1997), 337, 340 (Anm. 15); Döser, in: Müller-Stewens/Drolshammer/Kriegmeier (Hrsg.), Professional Service Firms, 1999, S. 259, 269; Böhlhoff, FS Rolf A. Schütze, 1999, S. 153, 154, 158; Fedtke-Fedtke (Fn. 16), S. 34 f.; McVea, (2000) 59 CLJ 370, 373; Stephen/Love, in: Bouckaert/De Geest (eds.), Encyclopedia of Law and Economics, III: The Regulation of Contracts, Cheltenham Northampton 2000, S. 987, 1005; Henssler/Streck-Graf v. Westphalen (Fn. 11), B Rdnr. 696; Henssler/Streck-Henssler (Fn. 11), A Rdnr. 13; Mankowski, AnwBl 2001, 249; Picot, in: Picot (Hrsg.), Handbuch Mergers & Acquisitions, 2. Aufl. 2002, S BGH v , NJW 2000, 1333; zust. Haarmann, FG Rudolf Lukes, 2000, S. 37, 46; Damm/v. Mickwitz, JZ 2001, 76, 79; Grams, BRAK-Mitt. 2002, 60, 61; Bamberger/H. Roth-Timm/Schöne (Fn. 26), 705 BGB Rdnr. 171; Kleine-Cosack (Fn. 16), Vor 51 BRAO Rdnr. 17 u. ebd. 59a BRAO Rdnr. 15; Schramm, DStR 2003, 1364, 1368; Chemnitz/Johnigk, RBerG, 11. Aufl. 2003, Rdnr ; Henssler/Prütting-Hartung (Fn. 16), 59a BRAO Rdnr. 54; zu Recht abl. A. Schmidt, NJW 2001, 1911; Henssler/Streck-Michalski/V. Römermann (Fn. 11), B Rdnr. 779; Kamps/Alvermann, NJW 2001, 2121, 2122; C. Schäfer, DStR 2003, 1078, 1081 f. 39 Dafür Henssler/Streck-M. Kilian (Fn. 11), H Rdnr BGH v , BGHZ 83, 328, 330; BGH v , WRP 1992, 706, 708; V. Römermann, WiB 1997, 667, 668; Zugehör-O. Sieg (Fn. 32), Rdnr. 374; Würfele, Haftungs- und Haftungsbeschränkungsprobleme bei der gemeinschaftlichen Berufsausübung von RAen (1999), Ausdrücklich BGH v , NJW 2000, 1333; BGH v , NJW 2000, 1560, 1561; BGH v , BGHZ 152, 153, 159 f.; Anklänge bereits in BGH v , WM 1993, 1677, Henssler/Streck-M. Kilian (Fn. 11), H Rdnr M. Wolf, FS Egon Schneider, 1997, S. 349, 352 f. 44 Entgegen Henssler/Streck-M. Kilian (Fn. 11), H Rdnr. 159.
20 160 Aufsätze BRAK-Mitt. 4/2006 Knöfel, Der Anwaltsvertrag mit der internationalen Sozietät und der internationalen Anwaltssozietät andererseits hat selbst klargestellt, dass die Zulässigkeit multiprofessioneller Assoziierungen im internationalen Kontext noch recht ungewöhnlich ist und die interprofessionelle Zusammenarbeit damit eher den auf den deutschen Teilmarkt ausgerichteten Beratungsunternehmen liegt 45. Eine Erklärung, wie sich dies mit dem Vorschlag verträgt, die Mandatierung der internationalen Anwaltssozietät gerade an den Grundsätzen zur interprofessionellen Sozietät zu messen 46, sucht man allerdings vergeblich. 3. Aufspaltung des Leistungsprogramms mehrberuflicher Sozietäten? Zudem erscheint die genannte Rspr. des BGH zur interprofessionellen Sozietät 47 auch für sich betrachtet nicht überzeugend. a) Abstimmung mit dem RBerG Zunächst hat die Separierung des Beratungsauftrages nach der Berufsqualifikation mehrerer interprofessionell assoziierter Gesellschafter die nachgerade widersinnige Konsequenz, dass dann das RBerG für die Leistungen nichtanwaltlicher Sozien gelten soll Henssler/Streck-M. Kilian (Fn. 11), H Rdnr Henssler/Streck-M. Kilian (Fn. 11), H Rdnr BGH v , NJW 2000, BGH v , NJW 2000, 1333, 1335; abl. Henssler/Streck- Michalski/V. Römermann (Fn. 11), B Rdnr. 778, So Donath, ZHR 156 (1992), 134, 139 (Anm. 23), 167; Damm, FS Hans Erich Brandner, 1996, S. 31, 53; dagegen mit Recht Taupitz, JZ 1994, 1100, 1104; Hellwig, ZHR 161 (1997) 337, 363 und zur heutigen Rechtslage Henssler/Prütting-Weth (Fn. 16), Art. 1 3 RBerG Rdnr. 30 f. 50 So noch H. Arndt, NJW 1969, 1200; abl. K. Müller, NJW 1969, 1416 f. 51 BVerfG v , BVerfGE 41, 378, 390; BVerfG v , BVerfGE 75, 246, 267 f.; BVerfG v , BVerfGE 75, 284, 293 f., 298; BVerfG v , BVerfGE 97, 12, 28 f.; BVerfG v , JZ 2003, 356 m. Anm. Becker-Eberhardt; BGH v , NJW 1962, 2010; BGH v , BGHZ 148, 313, 319 f.; BGH v , NJW 2003, 1252, 1253; LG Dortmund v , AnwBl 1999, 617; Jonas, DJ 1935, 1817; M. Friedlaender, JZ 1955, 305, 308; Kalsbach, Standesrecht des RA, 1956, S. 103; Mankowski, AnwBl 2001, 73, 74. aa) Rückfall in statisches Berufsordnungsrecht Mit dieser Argumentation fühlt man sich gleichsam in die Frühgeschichte der bürgerlich-rechtlichen Anwaltssozietät und ihrer längst erledigten Behauptung gegen statisches Berufsordnungsrecht zurückversetzt. In der Berufsrechtsgeschichte ist immer wieder versucht worden, den berufsinternen Fortschritt durch die Wertungen des RBerG aufzuhalten, so etwa die Anerkennung der RA-GmbH in der Zeit vor ihrer gesetzlichen Regelung in 59c 59m BRAO 49, aber auch vorher die heute allgemein geteilte Vorstellung von der Anwaltgesellschaft bürgerlichen Rechts als Gesamthand i.s.d. 705 ff. BGB 50.Dem war immer schon deshalb entgegenzutreten, weil das RBerG eben kein dynamisch mit dem Anwaltsberuf sich veränderndes Anwalts -Recht darstellt, sondern ausschließlich als berufsexternes Ordnungsrecht zum Schutze der Rechtsuchenden konzipiert ist 51. Aus heutiger Sicht bestehen unmittelbare Parallelen zwischen der Frage, wie sich der fortschreitende Entwicklungsprozess anwaltlicher Organisationsformen gegen das in seinem Anwendungsanspruch ohnehin immer deutlicher rückläufige RBerG behauptet 52, und der Geltungsreichweite des RBerG innerhalb der interprofessionellen Sozietät. Wenn es richtig wäre, dass die gemeinschaftlich mit assoziierten Anwälten ausgeübte Tätigkeit sozietätsfähiger Berufsträger einen Verstoß gegen das RBerG bedeutet, so könnte man ebenso gegen die Existenz jeder reinen Anwaltssozietät einwenden, dass sie mit dem RBerG unvereinbar ist, weil eine Gesellschaft grundsätzlich keine Rechtsberatung ausüben darf 53. Es ist eine Selbstverständlichkeit, dass wer fremde Rechtsangelegenheiten besorgt, hierzu in eigener Person befugt sein muss 54. Dass aus dem ordnungsrechtlichen Personenbezug der Rechtsberatung allerdings nicht auf ein Verbot der privatrechtlichen Leistungsvereinigung beruflich Tätiger auf Gesellschaftsebene geschlossen werden kann, ist seit langem klar. Die Rechtsordnung akzeptiert die Sozietät. Dann akzeptiert die Rechtsordnung auch, dass eine Sozietäts-Gesellschaft wenigstens insoweit ein Element selbsttätiger Rechtsbesorgung verwirklicht, als sie eine Anzahl zur Rechtsbesorgung befugter Personen in sich vereint 55.InBezug auf Rechtsanwaltsgesellschaften wird dies in Art. 1 3 Nr. 2 RBerG ausdrücklich klargestellt 56. bb) RBerG und interprofessionelle Sozietät Genauso liegt das Verhältnis zwischen den ordnungspolitischen Kontrollzwecken des RBerG und der Leistungsvereinigung bei der interprofessionellen Sozietät. Da die interprofessionelle Sozietät von der Rechtsordnung akzeptiert wird, ist das Verbot der Rechtsbesorgung durch einen Nichtanwalt selbstverständlich dahin zu interpretieren, dass der nichtanwaltliche Sozius von RAen hiervon nur insoweit erfasst wird, als er Rechtsbesorgung außerhalb des von allen Sozietätsmitgliedern versprochenen Leistungsprogramms vornimmt, eben den von 59a BRAO vorgegebenen Kooperationsrahmen ohne oder gegen den Willen seiner Sozien verlässt 57.Wenn 59aAbs.1 BRAO die Assoziierung gestattet, impliziert dies einerseits, dass jeder Sozius nur tut, was er darf, aber ebenso, dass alle Sozien dürfen, was sie tun, um den Gesamterfolg der Sozietätsleistung herbeizuführen. Anderes lässt sich auch nicht belegen, wenn man nicht primär auf die Frage der berufsrechtlichen, sondern auf die der schuldrechtlichen Leistungsberechtigung des nichtanwaltlichen Sozius in der interprofessionellen Sozietät abstellt. Wer meint, dass Art. 1 1 RBerG insoweit für den assoziierten StB oder WP gilt, als er gemeinsam mit dem Anwalt leistet, stützt sich darauf, dass der nichtanwaltliche Sozius die Rechtsbesorgung wegen 134 BGB vermeintlich nicht einmal wirksam versprechen könne 58. Diese Annahme verkennt bereits, dass der Abschluss eines Vertrages über Rechtsbesorgung selbst noch keine unerlaubte Rechtsbesorgung ist, weil diese stets in der tatsächlichen, nicht nur in der rechtlichen Förderung einer fremden Rechtsangelegenheit besteht 59. Deshalb kann sich auch der nichtanwaltliche Sozius der interprofessionellen Sozietät grundsätzlich zur Mitwirkung an der Rechtsbe- 52 Dazu besonders krit. Kleine-Cosack, NJW 2000, 1593; ders., BB 2000, 2109; ders., EWiR Art. 1 1 RBerG 4/02, 449 f.; aus der umfangreichen Diskussion außerdem Dombek, BRAK-Mitt. 2001, 98; Zuck, NJW 2001, 2055, 2056; Haft/Gräfin v. Schlieffen-H.-G. Mähler/G. Mähler, Handbuch Mediation, 2002, 34 Rdnr ; H.-J. Ahrens, ZZP 115 (2002) 281, 304 ff.; Henssler, ZZP 115 (2002) 321, 341 f.; ders., NJW 2003, 241, 246 f.; Schönberger, NJW 2003, 249 f. Wesentlichen Änderungsbedarf leugnet allein Henssler/Prütting-Weth (Fn. 16), Einl. RBerG Rdnr. 56, So noch H. Arndt, NJW 1969, Enzinger, FS Heinz Krejci I, Wien 2001, S. 553, 555; Chemnitz/Johnigk (Fn. 38), Rdnr BGH v , BGHZ 56, 355, 359 im Anschluss an K. Müller, NJW 1969, 1416 f. 56 BGH v , BGHZ 152, 153, 159; Chemnitz/Johnigk (Fn. 38), Rdnr. 377, 378.1; Henssler/Prütting-Weth (Fn. 16), Art. 1 3 RBerG Rdnr Ähnlich Henssler/Streck-Michalski/V. Römermann (Fn. 11), B Rdnr BGH v , NJW 2000, 1333, Taupitz, JZ 1994, 1100, 1104; a.a. Donath, ZHR 156 (1992), 134, 139 (Anm. 23), 167.
Stellungnahme der AGT. Zertifizierter Testamentsvollstrecker
Stellungnahme der AGT zur Führung der Zusatzbezeichnung Zertifizierter Testamentsvollstrecker durch Mitglieder von Rechtsanwaltskammern Die AGT versteht sich als Heimat aller Berufsgruppen, die in der