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Timestamp: 2016-10-24 03:28:44
Document Index: 373800344

Matched Legal Cases: ['BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE']

U 284/06 (13.11.2006)
A.________, 1956, Beschwerdef�hrer, vertreten durch Advokat Valentin Pfammatter, Sonnenstrasse 9, 3900 Brig,
Der 1956 geborene A.________ war als selbstst�ndig erwerbender Metzger bei der Elvia Versicherungen (nunmehr Allianz Suisse Versicherungs-Gesellschaft; im Folgenden: Allianz) gegen Unf�lle versichert. Am 26. September 1994 erlitt er bei der Arbeit eine Teilamputation des Daumens und des Zeigefingers der linken Hand. In der Folge musste sich der Versicherte verschiedenen operativen Eingriffen unterziehen, und er absolvierte Rehabilitations- sowie berufliche Abkl�rungsaufenthalte. Im Laufe der Zeit traten zunehmend psychische Beschwerden auf. Die Allianz kam f�r die Heilbehandlung auf und richtete Taggelder aus. Mit Verf�gung vom 28. September 2001 stellte sie die Leistungen auf Grund der fach�rztlichen Angaben r�ckwirkend auf den 31. Juli 2001 ein, weil A.________ in somatischer Hinsicht wieder arbeitsf�hig sei, w�hrend die psychischen Beschwerden in keinem nat�rlichen Kausalzusammenhang zum Unfall st�nden. Auf Einsprache hin hielt die Allianz an ihrem Standpunkt fest (Entscheid vom 25. September 2002).
A liess Beschwerde f�hren mit dem Antrag, unter Aufhebung des Einspracheentscheides sei festzustellen, dass zwischen dem Unfallereignis und dem psychischen Leiden ein nat�rlicher Kausalzusammenhang bestehe, und die Allianz sei zu verpflichten, ihm ab 1. August 2001 weiterhin Taggelder auszurichten. Das Kantonale Versicherungsgericht des Wallis gelangte gest�tzt auf das von ihm eingeholte psychiatrisch-neurologische Gutachten des Dr. med. B.________, Zentrum f�r Versicherungsmedizinische Begutachtung, vom 17. August 2004 zum Schluss, dass zwischen dem Unfall und der schweren, vollst�ndig chronifizierten Depression, welche die Arbeitsf�higkeit des Versicherten beeintr�chtigt, ein nat�rlicher Kausalzusammenhang bestehe, verneinte indessen die Ad�quanz dieses Zusammenhangs. Dementsprechend wies es die Beschwerde ab, soweit sie den Taggeldanspruch zum Gegenstand hatte, w�hrend es die Sache unter teilweiser Aufhebung des Einspracheentscheides an die Allianz zur�ckwies, damit sie den Anspruch auf eine Invalidenrente pr�fe (Entscheid vom 13. Dezember 2004).
In teilweiser Gutheissung der von A.________ eingereichten Verwaltungsgerichtsbeschwerde hob das Eidgen�ssische Versicherungsgericht den angefochtenen Entscheid vom 13. Dezember 2004 auf und wies die Sache an das Kantonale Versicherungsgericht des Wallis zur�ck, damit es im Sinne der Erw�gungen verfahre und �ber die Beschwerde neu entscheide (Urteil vom 24. Mai 2005, U 53/05). Das Gericht gelangte zum Schluss, dass die Vorinstanz den Anspruch des Versicherten auf rechtliches Geh�r verletzt habe, indem sie die ad�quate Kausalit�t zwischen dem Unfall und der psychischen Fehlentwicklung ohne Wahrung der Parteirechte beurteilt habe, obwohl diese Frage von der Allianz weder in der Verf�gung noch im Einspracheentscheid behandelt worden sei. Das kantonale Gericht habe das Vers�umte nachzuholen und hernach �ber die Beschwerde neu zu entscheiden.
In Befolgung dieses Urteils r�umte das kantonale Gericht den Parteien Gelegenheit ein, zur Frage nach dem ad�quaten Kausalzusammenhang Stellung zu nehmen, wovon die Allianz mit Eingabe vom 28. Juni 2005, A.________ mit Eingabe vom 14. Juli 2005, Gebrauch machten.
Mit Verwaltungsgerichtsbeschwerde l�sst A.________ beantragen, unter Aufhebung des vorinstanzlichen Entscheides und des Einspracheentscheides sei die Allianz zu verpflichten, ihm ab 1. August 2001 weiterhin Taggelder auf der Grundlage voller Arbeitsunf�higkeit zu bezahlen; eventuell sei die Sache zur Festlegung einer Invalidenrente und einer Integrit�tsentsch�digung an die Allianz zur�ckzuweisen; diese sei �berdies anzuweisen, die Heilbehandlung f�r die Folgen des Unfalls vom 26. September 1994 zu �bernehmen, soweit sie daf�r bisher nicht aufgekommen sei. Ferner ersucht er um die Bewilligung der unentgeltlichen Prozessf�hrung und Verbeist�ndung.
Mit Eingabe vom 22. August 2006 nimmt der Versicherte zur Vernehmlassung der Allianz Stellung; diese wiederum �ussert sich in einer Eingabe vom 25. August 2006 zur Stellungnahme von A.________.
In verfahrensrechtlicher Hinsicht macht der Beschwerdef�hrer geltend, die Vorinstanz habe seinen Anspruch auf rechtliches Geh�r verletzt, indem sie die von ihm in der Erg�nzung zur Beschwerde beantragte Zusatzexpertise nicht durchgef�hrt habe. Diese R�ge ist unbegr�ndet. Das kantonale Gericht hat diesen Beweisantrag in antizipierter Beweisw�rdigung abgewiesen, da es hievon keine verwertbaren Erkenntnisse erwartet hat. Dazu war es befugt, und in diesem Vorgehen ist keine Verletzung des rechtlich gesch�tzten Geh�rsanspruchs zu erblicken (BGE 124 V 94 Erw. 4b, 122 V 162 Erw. 1d). Gleiches gilt f�r den Verzicht auf Beizug der f�r die Unfallkausalit�t belanglosen Akten der Invalidenversicherung. Entgegen der Behauptung des Versicherten war die Vorinstanz auch nicht verpflichtet, �ber den Beweisantrag mittels Zwischenverf�gung zu befinden.
Die Vorinstanz hat die Rechtsprechung zu dem f�r die Leistungspflicht der Unfallversicherung zun�chst vorausgesetzten nat�rlichen Kausalzusammenhang zwischen dem Unfall und dem eingetretenen Schaden (Krankheit, Invalidit�t, Tod) zutreffend dargelegt (BGE 119 V 337 Erw. 1, 118 V 289 Erw. 1b). Ebenso hat sie die Rechtsprechung zum ad�quaten Kausalzusammenhang zwischen dem Unfall und der in der Folge einsetzenden psychischen Fehlentwicklung mit Auswirkungen auf die Arbeits- und Erwerbsf�higkeit (BGE 115 V 133) richtig wiedergegeben. Darauf kann verwiesen werden.
Gest�tzt auf die medizinischen Unterlagen ist erstellt und im �brigen unbestritten, dass zwischen dem Unfallereignis und dem psychischen Leiden des Beschwerdef�hrers ein nat�rlicher Kausalzusammenhang besteht. Zu pr�fen ist, ob die f�r die Leistungspflicht der Allianz �ber den 31. Juli 2001 hinaus weiter vorausgesetzte Ad�quanz des Kausalzusammenhangs gegeben ist. Diese Frage beurteilt sich nach Massgabe von BGE 115 V 133.
3.1 Auf Grund des augenf�lligen Geschehensablaufs und der vom Versicherten an Daumen und Zeigefinger der linken Hand erlittenen Verletzungen ist der Unfall vom 26. September 1994 im Rahmen der Einteilung, wie sie f�r die Belange der Ad�quanzbeurteilung praxisgem�ss vorzunehmen ist, mit dem kantonalen Gericht dem mittleren Bereich zuzuordnen. Damit die Ad�quanz bejaht werden k�nnte, m�sste somit eines der massgebenden unfallbezogenen Kriterien gem�ss BGE 115 V 140 Erw. 6c/aa in besonders ausgepr�gter Weise erf�llt oder es m�ssten mehrere unfallbezogene Kriterien gegeben sein (BGE 115 V 140 Erw. 6c/bb).
3.2 Dies trifft hier nicht zu. Der Unfall ereignete sich nicht unter besonders dramatischen Begleitumst�nden und kann auch nicht als besonders eindr�cklich bezeichnet werden. Die beim Unfall erlittenen Verletzungen sind insofern nicht besonders schwer, als sie nicht die Gebrauchshand betroffen haben; schon aus diesem Grund kann nicht gesagt werden, dass sie erfahrungsgem�ss geeignet seien, eine psychische Fehlentwicklung auszul�sen.
3.3 Des Weiteren dauerte die �rztliche Behandlung lange, und der Beschwerdef�hrer musste sich nach der Erstversorgung bis letztmals am 21. Januar 1999, somit w�hrend eines Zeitraums von �ber vier Jahren, mehreren operativen Eingriffen unterziehen. Erst am 13. April 2000 erachtete Dr. med. S.________, Chefarzt am Regionalspital I.________, den Fall aus somatischer Sicht als abgeschlossen. Auch wenn im Verlauf der Zeit die Behandlungsbed�rftigkeit des psychischen Leidens in den Vordergrund trat, wie die Vorinstanz ausf�hrt, waren es doch die physischen Unfallfolgen, welche die verschiedenen chirurgischen Eingriffe und die damit zusammenh�ngenden Therapien erforderlich machten. Das Kriterium der ungew�hnlich langen Dauer der �rztlichen Behandlung ist damit, wenn auch nicht besonders ausgepr�gt, als erf�llt zu erachten.
3.4 Sodann kann als erwiesen gelten, dass der Beschwerdef�hrer an k�rperlichen Dauerschmerzen, insbesondere im Bereich des linken Daumens, leidet, auch wenn die schon nach kurzer Zeit auftretende psychische �berlagerung des somatischen Beschwerdebildes nicht zu verkennen ist.
3.5 Hingegen kann von einer �rztlichen Fehlbehandlung, welche die Unfallfolgen erheblich verschlimmert, nicht gesprochen werden. Zwar trifft es zu, dass die Erledigung eines Versicherungsfalles, sei es durch die Behandlung als Naturalleistung der Versicherung, sei es durch die Abkl�rungen der Kreis- und anderen beigezogenen �rzte, zur Verschlimmerung oder Verfestigung der psychogenen Beschwerden beitragen kann und solche Umst�nde gegebenenfalls unter das Kriterium der �rztlichen Fehlbehandlung mit Verschlimmerung der Unfallfolgen zu subsumieren sind (SVR 1996 UV Nr. 58 S. 193 f. Erw. 4e). Anhaltspunkte daf�r, dass die Erledigung des Versicherungsfalles durch die Allianz zur Verfestigung oder gar zur Verschlimmerung des psychischen Gesundheitsschadens gef�hrt habe, fehlen jedoch. Wenn die Beschwerdegegnerin ihre Taggeldzahlungen teilweise nur schleppend erbracht hat, wie der Versicherte geltend macht, kann darin kein Umstand erblickt werden, der einer �rztlichen Fehlbehandlung mit einer Verfestigung der nach kurzer Zeit imponierenden psychischen Unfallfolgen gleichgestellt werden k�nnte. Von der Anordnung eines Gutachtens zu dieser Frage sind keine abweichenden Erkenntnisse zu erwarten, weshalb auf weitere Beweismassnahmen zu verzichten ist.
3.6 Ferner ist mit der Vorinstanz ein schwieriger Heilungsverlauf mit erheblichen Komplikationen zu verneinen. Dass nach der anf�nglich zu einer Verminderung der Schmerzen f�hrenden Behandlung wieder vermehrt Beschwerden auftraten, die neuerliche Abkl�rungen und Therapien erforderlich machten, gen�gt nicht zur Annahme eines schwierigen Heilungsverlaufs (Urteil B. vom 7. August 2002, U 313/01). Der Umstand, dass die Behandlung sich �ber einer l�ngeren Zeitraum erstreckte, wurde sodann bereits beim Kriterium der ungew�hnlich langen Dauer der �rztlichen Behandlung ber�cksichtigt. Aus der Tatsache, dass sich der Beschwerdef�hrer mehreren Operationen unterziehen musste, kann nicht auf Komplikationen im Heilungsverlauf geschlossen werden, sind doch Nachoperationen gerade bei Fingerverletzungen h�ufig.
3.7 Was schliesslich Grad und Dauer der physisch bedingten Arbeitsunf�higkeit betrifft, ist mit dem kantonalen Gericht festzustellen, dass dieses Kriterium ebenfalls nicht erf�llt ist. Wenn die Allianz vom September 1994 bis Ende Juli 2001 Taggelder f�r volle Arbeitsunf�higkeit ausgerichtet hat, ist dies f�r die Ad�quanzbeurteilung nicht entscheidend. Denn das Kriterium der somatisch bedingten Arbeitsunf�higkeit beurteilt sich nicht nach Massgabe der Dauer der Taggeldzahlung, sondern nach medizinischen Gesichtspunkten. Dr. med. H.________ berichtete bereits am 24. November 1994, dass der Beschwerdef�hrer durch die traumatische Teilamputation DIG I+II links sowohl physisch wie auch psychisch derart traumatisiert sei, dass er zur Zeit nicht mehr an die Wiederaufnahme der Arbeit als Metzger denken k�nne. Nachdem sich der Versicherte zwischenzeitlich einem Eingriff hatte unterziehen m�ssen, diagnostizierte der Psychiater Dr. med. F.________ am 19. April 1996 einen "�tat d�pressif majeur" und hielt fest, dass das Hauptproblem zur Zeit psychologischer Natur sei. Im Austrittsbericht der Rehabilitationsklinik B.________ vom 9. April 1997 wurde in psychischer Hinsicht eine erhebliche Unfallfehlverarbeitungsst�rung im Sinne einer posttraumatischen Anpassungsst�rung und reaktiven Depression festgehalten. Schliesslich ergibt sich aus der von der Vorinstanz angeordneten Expertise des Zentrums f�r Versicherungsmedizinische Begutachtung vom 17. August 2004, dass die Dauer der Behandlung und die Arbeitsf�higkeit schon vor der ersten Dokumentation durch Dr. med. H.________ (am 24. November 1994) durch die nach dem Unfall einsetzende Entwicklung der psychischen Beeintr�chtigungen beeinflusst war. Auf Grund dieser schl�ssigen �rztlichen Angaben ist ausgewiesen, dass die Arbeitsunf�higkeit bereits kurz nach dem versicherten Unfall massgeblich der hernach einsetzenden psychischen Fehlentwicklung zuzuschreiben war. Eine langdauernde Arbeitsunf�higkeit aus somatischen Gr�nden ist demgegen�ber nicht erstellt.
Eine gesamthafte W�rdigung der in Betracht zu ziehenden Umst�nde zeigt, dass dem Unfallereignis f�r die Entstehung des psychischen Gesundheitsschadens mit Einschr�nkung der Arbeits- und Erwerbsf�higkeit keine massgebende Bedeutung zukommt. Das kantonale Gericht hat daher die Leistungspflicht der Allianz �ber den 31. Juli 2001 hinaus mangels ad�quaten Kausalzusammenhangs zu Recht verneint.
Zufolge Gew�hrung der unentgeltlichen Verbeist�ndung wird Advokat Valentin Pfammatter, Brig, f�r das Verfahren vor dem Eidgen�ssischen Versicherungsgericht aus der Gerichtskasse eine Entsch�digung von Fr. 2500.- (einschliesslich Mehrwertsteuer) ausgerichtet.
Dieses Urteil wird den Parteien, dem Kantonsgericht Wallis und dem Bundesamt f�r Gesundheit zugestellt.