Source: https://www.rechtslupe.de/strafrecht/wirtschaftsstrafrecht/teilweise-geldwaesche-ganz-geldwaesche-397713
Timestamp: 2020-01-27 06:15:36
Document Index: 20694427

Matched Legal Cases: ['§ 261', '§ 261', '§ 261', '§ 261', '§ 261', '§ 261', '§ 261', '§ 261', '§ 261', '§ 261', '§ 261', 'BGH', 'BGH']

Teil­wei­se Geld­wä­sche – ganz Geld­wä­sche | Rechtslupe
Teilweise Geldwäsche - ganz Geldwäsche
Ist Giral­geld sowohl aus recht­mä­ßi­gen Zah­lungs­ein­gän­gen als auch aus von § 261 Abs. 1 Satz 2 StGB erfass­ten Straf­ta­ten her­vor­ge­gan­gen, han­delt es sich dabei ins­ge­samt um einen "Gegen­stand", der aus Vor­ta­ten "her­rührt", wenn der aus die­sen stam­men­de Anteil bei wirt­schaft­li­cher Betrach­tungs­wei­se nicht völ­lig uner­heb­lich ist.
Gegen­stand ist jeder Ver­mö­gens­ge­gen­stand, der sei­nem Inhalt nach beweg­li­che oder unbe­weg­li­che Sachen oder Rech­te umfasst 1. Dazu gehört Buch­geld eben­so wie For­de­run­gen im All­ge­mei­nen 2.
Der Tat­ob­jekt­s­ei­gen­schaft der gesam­ten Gut­ha­ben steht nicht ent­ge­gen, dass die­se im genann­ten Tat­zeit­raum sowohl aus recht­mä­ßi­gen Zah­lungs­ein­gän­gen als auch aus den Untreue- und Betrugs­straf­ta­ten des Ange­klag­ten resul­tier­ten. Jeden­falls bei den von dem Land­ge­richt fest­ge­stell­ten Antei­len des Zuflus­ses aus delik­ti­schen Quel­len zwi­schen 5, 9 % bis ca. 35 % in den Jah­ren 2007 bis 2009 war das jewei­li­ge Giral­geld ins­ge­samt ein aus Straf­ta­ten nach § 261 Abs. 1 Satz 2 StGB stam­men­der Gegen­stand. Es bedarf daher vor­lie­gend kei­ner Fest­le­gung, ob es in Fäl­len der Ver­mi­schung von Mit­teln aus recht­mä­ßi­gen und unrecht­mä­ßi­gen Quel­len einer Min­dest­quo­te des delik­ti­schen Anteils bedarf 3, um ins­ge­samt von einem taug­li­chen Tat­ob­jekt der Geld­wä­sche aus­ge­hen zu kön­nen.
Der Bun­des­ge­richts­hof folgt damit einer in der Recht­spre­chung 4 und in der Straf­rechts­wis­sen­schaft 5 viel­fach ver­tre­te­nen Auf­fas­sung. Danach kommt es in Fäl­len der Ver­mi­schung im Grund­satz ledig­lich dar­auf an, dass der aus Vor­ta­ten her­rüh­ren­de Anteil bei wirt­schaft­li­cher Betrach­tung nicht völ­lig uner­heb­lich ist. Dafür spricht sowohl die Aus­le­gung des § 261 Abs. 1 StGB anhand der Ent­ste­hungs­ge­schich­te als auch der mit der Straf­vor­schrift ver­folg­te Zweck 6. Aus den Geset­zes­ma­te­ria­li­en im Zuge der Ein­füh­rung des § 261 StGB ist die Vor­stel­lung der am Gesetz­ge­bungs­ver­fah­ren Betei­lig­ten deut­lich abzu­le­sen, Ver­mö­gens­ge­gen­stän­de, die aus einer Ver­mi­schung von Mit­teln aus lega­len und ille­ga­len Quel­len ent­stan­den sind, ins­ge­samt als Gegen­stän­de anzu­se­hen, die aus einer Straf­tat her­rüh­ren 7. Die­se Vor­stel­lung hat in den sprach­lich wei­ten Begrif­fen "Gegen­stand" und "her­rührt" hin­rei­chend deut­lich Aus­druck gefun­den 8. Der Zweck des Geld­wä­schetat­be­stan­des, das Ein­schleu­sen von Ver­mö­gens­ge­gen­stän­den aus bestimm­ten Kri­mi­na­li­täts­for­men in den lega­len Finanz- und Wirt­schafts­kreis­lauf zu ver­hin­dern 9, spricht eben­falls für eine Ein­be­zie­hung von Ver­mi­schungs­kon­stel­la­tio­nen in den Kreis gemäß § 261 Abs. 1 StGB taug­li­cher Tat­ob­jek­te 10. Die not­wen­di­ge Begren­zung 11 erfolgt, indem der aus delik­ti­schen Quel­len stam­men­de Anteil nicht ledig­lich völ­lig uner­heb­lich sein darf.
Unter die Tathnad­lung des Ver­wen­dens i.S.v. § 261 Abs. 2 Nr. 2 StGB fällt jeder bestim­mungs­ge­mä­ße Gebrauch des inkri­mi­nier­ten Gegen­stan­des 12.Das ist bei allen Ver­fü­gun­gen über das jewei­li­ge Gut­ha­ben auf dem Kon­to in Gestalt des Täti­gens von Über­wei­sun­gen, der Bar­ab­he­bung, der Ertei­lung von Ermäch­ti­gun­gen zum Last­schrif­ten­ein­zug sowie der von Ein­zugs­er­mäch­ti­gun­gen der Fall. Dabei ist für das Last­schrift­ein­zugs­ver­fah­ren und die Ertei­lung von Ein­zugs­er­mäch­ti­gun­gen selbst dann nur eine Tat­hand­lung anzu­neh­men, wenn die Begüns­tig­ten mehr­fach von der ihnen erteil­ten Ermäch­ti­gung (bei peri­odisch fäl­lig wer­den­den Schul­den) Gebrauch gemacht haben.
Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 20. Mai 2015 – 1 StR 33/​15
vgl. Fischer, StGB, 62. Aufl., § 261 Rn. 6; Neu­heu­ser in Mün­che­ner Kom­men­tar zum StGB, 2. Aufl., Band 4, § 261 Rn. 29 mwN; näher Voß, Die Tat­ob­jek­te der Geld­wä­sche, 2007, S. 16 ff.[↩]
Neu­heu­ser aaO mwN; sie­he auch BT-Drs. 12/​989 S. 27 li.Sp.[↩]
so etwa Bar­ton NStZ 1993, 159, 163 f.; Leip/​Hardtke wis­tra 1997, 281, 283; Leip, Der Straf­tat­be­stand der Geld­wä­sche, 2. Aufl., S. 108 – 110[↩]
OLG Karls­ru­he, Beschluss vom 20.01.2005 – 3 Ws 108/​04, NJW 2005, 767, 769[↩]
etwa Schmidt/​Krause in Leip­zi­ger Kom­men­tar zum StGB, 12. Aufl., Band 8, § 261 Rn. 12; Alten­hain in Nomos Kom­men­tar zum StGB, 4. Aufl., Band 3; § 261 Rn. 76 f.; sie­he auch Neu­heu­ser aaO Rn. 55 f.; krit. Voß aaO S. 50 – 52[↩]
eben­so Alten­hain aaO § 261 Rn. 76[↩]
BT-Drs. 12/​3533 S. 12 re.Sp. mit dem dor­ti­gen Bei­spiel[↩]
sie­he zur Wort­be­deu­tung "her­rüh­ren" bereits BGH, Beschluss vom 18.02.2009 – 1 StR 4/​09, BGHSt 53, 205, 208 – 210 Rn. 12 – 15[↩]
BT-Drs. 12/​989 S. 26 li.Sp.[↩]
eben­so OLG Karls­ru­he aaO, Alten­hain aaO; inso­weit auch Neu­heu­ser aaO; Leip/​Hardtke wis­tra 1997, 281, 284[↩]
vgl. BT/​Drucks. 12/​989 S. 27 li.Sp.[↩]
Neu­heu­ser NStZ 2008, 492, 496 mwN[↩]