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Timestamp: 2019-01-23 07:13:10
Document Index: 130494987

Matched Legal Cases: ['BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 349', '§ 349', '§ 52', 'BGH', 'BGH', '§ 54']

BGH, 2 StR 10/06: BGH (koffer, verhältnis zu, thailand, menge, heroin, rauschgift, bank, hotel, taiwan, australien)
Urteil des BGH vom 21.06.2006, 2 StR 10/06
2 StR 10/06
BGH (koffer, verhältnis zu, thailand, menge, heroin, rauschgift, bank, hotel, taiwan, australien)
Koffer, Verhältnis zu, Thailand, Menge, Heroin, Rauschgift, Bank, Hotel, Taiwan, Australien
Der 2. Strafsenat des Bundesgerichtshofs hat nach Anhörung des Generalbundesanwalts und des Beschwerdeführers am 21. Juni 2006 gemäß § 349 Abs. 4
Koblenz vom 20. Juni 2005 mit den Feststellungen aufgehoben.
1Das Landgericht hat den Angeklagten wegen bandenmäßigen unerlaubten Handeltreibens mit Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge in zwei Fällen und wegen Betruges in acht Fällen zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von elf
Die Revision des Angeklagten hat mit der Sachrüge in vollem Umfang 2
Das Landgericht hat u. a. folgende Feststellungen getroffen: 3
1. Am 21. April 1983 eröffnete der Angeklagte bei der K. 4
ein Privatgirokonto. Am 30. Juli 1998 wies das Konto ein Soll von
8.866,60 DM auf. Dem Angeklagten, der im August 1998 nach Thailand ausge-
wandert war, ohne sein Konto zuvor aufzulösen, war bewusst, dass auf dieses
keine Zahlungen mehr eingingen und es einen negativen Saldo aufwies.
Thailand zwei Euroschecks zu Lasten des Girokontos über den Betrag von jeweils 400,00 DM aus und reichte diese bei der Bank in Thailand
ein. Der Betrag in Höhe von insgesamt 800,00 DM wurde ihm in bar ausbezahlt.
Am 21. Mai 1999 stellte der Angeklagte weitere sechs Euroschecks zu Lasten
des Girokontos in Höhe von jeweils 400,00 DM aus und reichte diese bei der
Bank in Thailand ein. Auch die Summe dieser Schecks - insgesamt
2.400,00 DM - wurde dem Angeklagten in bar ausbezahlt.
Das Konto wurde am 10. Juni 1999 durch die Bank gekündigt. Es wies 6
am 29. Juni 2000 inklusive rückständiger Zinsen einen Schlusssaldo von
13.512,98 DM im Soll auf.
2. Der Angeklagte hat sich Anfang 2001 einer international operierenden 7
Bande angeschlossen, die u. a. Heroin aus Thailand in andere Länder schmuggeln ließ. Der Angeklagte war von dem auf unterer Ebene agierenden Bandenmitglied S. angeworben worden.
a) Am 2. März 2001 flog der Angeklagte von Bangkok/Thailand nach
8 Am 17. Mai 1999 füllte der Angeklagte in Kenntnis dieses Umstandes in
Sydney/Australien. Er führte hierbei einen Koffer mit sich, in dem sich - wie er
wusste - 8 kg Heroin befanden. Nach seiner Ankunft in Australien am 3. März
2001 setzte er sich mit dem Koffer in den Transitbereich, wo eine Person den
Koffer gegen einen anderen Koffer austauschte. Drei Tage später flog der Angeklagte zurück nach Bangkok. Welche Provision er für den Flug erhalten hat,
In den nach Australien eingeführten 8 kg Heroingemisch war eine Menge 9
von 5.600 Gramm reinem Heroinhydrochlorid enthalten.
b) Am 31. Juli 2001 schmuggelte der gesondert Verfolgte K. im 10
Auftrag der Bande von Bangkok/Thailand nach Taiwan einen Koffer, in dem
2 kg Heroin versteckt waren. S. hatte K. zuvor in einem Hotel in
Bangkok einquartiert und den Koffer aushändigen lassen. Dem Angeklagten
kam innerhalb der Bandenabsprache die Aufgabe zu, K. zu betreuen. Er holte ihn mit einem Taxi am Hotel ab und begleitete ihn zum Flughafen. Er teilte
K. mit, dass sich in dem Koffer Rauschgift befinde und beruhigte diesen,
er habe auch schon Flüge mit Rauschgift durchgeführt. Im Übrigen gäbe es
kein Zurück mehr, denn er - K. - werde überwacht. Der Angeklagte erklärte K. zudem den Ablauf der Kontrollen und gab ihm Verhaltensrichtlinien. K. brachte auftragsgemäß den Koffer von Thailand nach Taiwan
und erhielt hierfür von S. 1.000 Euro. In den nach Taiwan verbrachten
2 kg Heroin war eine Menge von 1.400 g reinem Heroinhydrochlorid enthalten.
Das angefochtene Urteil war auf die Rüge der Verletzung materiellen 11
Rechtes aufzuheben (§ 349 Abs. 4 StPO).
121. Die Verurteilung wegen acht Taten des Betrugs hält rechtlicher Nachprüfung nicht stand.
Der Tatrichter hätte sich mit der Frage auseinandersetzen müssen, ob 13
die Einreichung der Schecks am 17. Mai 1999 und am 21. Mai 1999 jeweils nur
eine Tat im Sinne des § 52 StGB darstellt, da nach den bisherigen Feststellungen Teilidentität der Ausführungshandlung nahe liegt. Der Senat kann nicht
ausschließen, dass der Tatrichter nur zur Annahme von zwei Taten gelangt wä-
re und der Angeklagte durch die Verurteilung wegen acht Taten beschwert ist.
Im Übrigen hat das Landgericht rechtsfehlerhaft die Festsetzung der Tagessatzhöhe für die acht Einzelgeldstrafen unterlassen. Einer solchen Bestimmung
bedarf es auch dann, wenn, wie hier, aus Einzelgeldstrafen und Einzelfreiheitsstrafen eine Gesamtfreiheitsstrafe gebildet wird (vgl. u. a. BGHSt 30, 93, 96;
BGHR StGB § 54 Abs. 3 Tagessatzhöhe 1).
Fällen beruht auf Rechtsfehlern.
15a) Bereits die Beweiswürdigung bezüglich dieser Delikte weist durchgreifende Rechtsfehler auf, worauf der Generalbundesanwalt in seiner Antragsschrift vom 9. März 2006 zutreffend hinweist.
Der Angeklagte leugnet die Begehung dieser Taten. Das Landgericht 16
sieht ihn als überführt an vor allem durch die Aussagen der Zeugen K.
und S. .
17Insbesondere die Aussage des Zeugen K. wurde vom Landgericht nicht rechtsfehlerfrei gewürdigt, wie der Generalbundesanwalt im Einzelnen zutreffend darlegt und worauf der Senat Bezug nimmt. Dieser Zeuge hat in
der Hauptverhandlung andere Angaben als bei der Polizei gemacht, wurde daraufhin festgenommen und hat dann seine Aussage wieder geändert, wobei er
sich aber an Einzelheiten nicht mehr genau erinnern konnte oder wollte.
Hinsichtlich des Zeugen S. hat der Tatrichter ausgeführt, dass
18 2. Auch der Schuldspruch wegen täterschaftlichen bandenmäßigen unerlaubten Handeltreibens mit Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge in zwei
dieser ein schlechtes Verhältnis zu dem Angeklagten habe und mit diesem im
Streit auseinander gegangen sei und deshalb "bereits aus diesem Grund ein
Belastungsmotiv hätte und daher seine Angaben zu hinterfragen sind" (UA S.
eigene Tatbeteiligung herabspielte in einer Weise, dass seine Angaben von der
Kammer den Feststellungen nicht zu Grunde gelegt wurden (UA S. 36). Die
Kammer weist hierbei erneut auf das ersichtliche Belastungsmotiv des S.
hin und betont, dass der Zeuge "während seiner Vernehmungen Belastungseifer zu Lasten des Angeklagten zeigte" (UA S. 36). Deshalb hat der Tatrichter
hervorgehoben: "Mehr als eine Bestätigung der Aussage des Zeugen K.
legt die Kammer der Aussage des Zeugen S. nicht als Beweiswert bei"
(UA S. 36).
Dies hält rechtlicher Nachprüfung nicht stand. Einer Aussage, an deren 20
Richtigkeit der Tatrichter selbst Zweifel hat, darf gerade nicht ein bestätigender
Wert beigemessen werden. Der Senat kann nicht ausschließen, dass auf dieser
fehlerhaften Erwägung die Beweiswürdigung zum Nachteil des Angeklagten
beruht. Denn der Tatrichter hat diese Erwägung ausdrücklich zu seiner Überzeugungsbildung herangezogen.
Die auf Grund eines möglichen Falschbelastungsmotivs zweifelhafte 21
Bestätigung einer ohnehin fragwürdigen Aussage bildet keine tragfähige Grundlage für eine Überzeugungsbildung.
22Der Senat kann nicht ausschließen, dass ein neuer Tatrichter rechtsfehlerfrei Feststellungen treffen kann, die zu einer Verurteilung des Angeklagten
auch insoweit führen.
b) Der Schuldspruch begegnet auch deshalb rechtlichen Bedenken, weil
23 Weiter stellt die Kammer hinsichtlich dieses Zeugen fest, dass er seine
der Tatrichter nicht ausdrücklich begründet hat, dass der Angeklagte als Mittä-
ter und nicht nur als Gehilfe gehandelt hat, obwohl eine Erörterung unter den
gegebenen Umständen geboten war. Die Annahme täterschaftlichen Handeltreibens versteht sich für die Tätigkeit eines Kuriers, der lediglich Drogen transportiert, nicht von selbst (vgl. u. a. Senatsurteil vom 14. Dezember 2005 - 2 StR
466/05). Aber auch soweit der Angeklagte bei der zweiten Tat "die Stufe des
Kuriers überschritten hatte" (UA S. 52), war der Tatrichter im Hinblick darauf,
dass andere Personen das Hotel für K. gebucht und den Koffer mit
Rauschgift gebracht hatten, gehalten, nach allgemeinen Grundsätzen auf
Grund einer wertenden Betrachtung aller von der Vorstellung des Täters umfassten Umstände zu entscheiden, ob dieser als Mittäter oder nur als Gehilfe an
der Straftat beteiligt war.