Source: https://www.rechtslupe.de/steuerrecht/verbrauchssteuern/sportinvaliditaetsversicherungen-und-die-versicherungsteuer-390636
Timestamp: 2020-07-07 07:20:50
Document Index: 130443128

Matched Legal Cases: ['§ 4', '§ 4', '§ 4', '§ 4', '§ 4', '§ 4', '§ 4', '§ 4', '§ 4', '§ 4', '§ 1']

Sportinvaliditätsversicherungen - und die Versicherungsteuer | Rechtslupe
Sport­in­va­li­di­täts­ver­si­che­run­gen – und die Ver­si­che­rungsteu­er
Eine Sport­in­va­li­di­täts­ver­si­che­rung ist auch dann nach § 4 Nr. 5 Satz 1 Vers­StG ver­si­che­rungsteu­er­frei, wenn Ver­si­che­rungs­neh­mer ein Sport­ver­ein und ver­si­cher­te Per­son ein Sport­ler ist und die Ver­si­che­rung der sog. Markt­wert­de­ckung die­ses Sport­lers dient.
In dem hier vom Bun­des­fi­nanz­hof ent­schie­de­nen Streit­fall hat­ten Ver­ei­ne der Fuß­ball-Bun­des­li­ga mit einer Ver­si­che­rungs­ge­sell­schaft Sport­in­va­li­di­täts­ver­si­che­run­gen abge­schlos­sen. Ver­si­cher­te Per­so­nen waren Pro­fi­spie­ler die­ser Ver­ei­ne. Die ver­ein­bar­ten Ver­si­che­rungs­sum­men waren an die Sport­ver­ei­ne zu zah­len, sofern ihre Pro­fi­spie­ler auf­grund eines Unfalls oder einer Krank­heit ihre sport­li­che Tätig­keit nicht mehr aus­üben konn­ten.
Der Bun­des­fi­nanz­hof sah eine sol­che Sport­in­va­li­di­täts­ver­si­che­rung als von der Ver­si­che­rungsteu­er gemäß § 4 Nr. 5 des Ver­si­che­rungsteu­er­ge­set­zes befreit an. Nach die­ser Vor­schrift ist das Ver­si­che­rungs­ent­gelt u.a. für eine Ver­si­che­rung, durch die Ansprü­che auf Kapi­tal­leis­tun­gen im Fal­le der Berufs- oder Erwerbs­un­fä­hig­keit begrün­det wer­den, von der Ver­si­che­rungsteu­er aus­ge­nom­men. Dazu hat der BFH aus­ge­führt, dass für die Steu­er­be­frei­ung der mit einer sol­chen Ver­si­che­rung ver­folg­te wirt­schaft­li­che Zweck ohne Bedeu­tung ist. Des­halb sind nicht nur Sport­in­va­li­di­täts­ver­si­che­run­gen steu­er­be­freit, durch die sich ein Sport­ler selbst gegen das finan­zi­el­le Risi­ko sei­ner Sport­in­va­li­di­tät absi­chert. Eben­so befreit sind auch von Sport­ver­ei­nen abge­schlos­se­ne Sport­in­va­li­di­täts­ver­si­che­run­gen, mit denen sich der Sport­ver­ein gegen sei­ne mit der Sport­in­va­li­di­tät des Sport­lers ver­bun­de­nen finan­zi­el­len Ein­bu­ßen (bei­spiel­wei­se Ertrags­aus­fäl­le oder Ver­lust von Ablö­se­sum­men) absi­chert.
Gemäß § 4 Nr. 5 Satz 1 Vers­StG ist die Zah­lung des Ver­si­che­rungs­ent­gelts für eine Ver­si­che­rung, durch die Ansprü­che auf Kapi­tal, Ren­ten- oder sons­ti­ge Leis­tun­gen im Fal­le des Erle­bens, der Krank­heit, der Berufs- oder Erwerbs­un­fä­hig­keit bzw. der ver­min­der­ten Erwerbs­fä­hig­keit, des Alters, des Todes oder in beson­de­ren Not­fäl­len begrün­det wer­den, von der Besteue­rung aus­ge­nom­men. Dies gilt nach Satz 3 die­ser Vor­schrift nicht für die Unfall­ver­si­che­rung, die Haft­pflicht­ver­si­che­rung und sons­ti­ge Sach­ver­si­che­run­gen.
Die Vor­aus­set­zun­gen des § 4 Nr. 5 Satz 1 Vers­StG sind für die hier geschlos­se­nen Sport­in­va­li­di­täts­ver­si­che­run­gen erfüllt. Für die Sport­ver­ei­ne wur­den durch die mit der Klä­ge­rin abge­schlos­se­nen Ver­si­che­run­gen Ansprü­che auf Kapi­tal­leis­tun­gen für den Fall der Sport­in­va­li­di­tät des ver­si­cher­ten Sport­lers begrün­det. Das von der Klä­ge­rin über­nom­me­ne Risi­ko der Sport­in­va­li­di­tät besteht dar­in, dass die ver­si­cher­te Per­son auf­grund Unfall oder Krank­heit auf Dau­er voll­stän­dig außer­stan­de ist, die im Ver­si­che­rungs­schein genann­te sport­li­che Tätig­keit aus­zu­üben. Damit erfüllt die Sport­in­va­li­di­täts­ver­si­che­rung die Merk­ma­le einer Ver­si­che­rung, durch die i.S. des § 4 Nr. 5 Satz 1 Vers­StG Ansprü­che im Fal­le der Berufs- oder Erwerbs­un­fä­hig­keit begrün­det wer­den. Eine Unfall­ver­si­che­rung i.S. des § 4 Nr. 5 Satz 3 Vers­StG liegt inso­weit nicht vor, weil die Leis­tungs­pflicht der Klä­ge­rin unab­hän­gig davon bestand, ob die Sport­in­va­li­di­tät auf einem Unfall oder einer Krank­heit beruh­te.
Bei der Anwen­dung des § 4 Nr. 5 Satz 1 Vers­StG auf Sport­in­va­li­di­täts­ver­si­che­run­gen kann nicht danach dif­fe­ren­ziert wer­den, ob sie das Risi­ko des Sport­lers abde­cken, sei­nen Sport dau­ernd oder vor­über­ge­hend nicht mehr pro­fes­sio­nell aus­üben zu kön­nen (sog. Spiel­erei­gen­de­ckung), oder ob durch die­se Ver­si­che­rung das finan­zi­el­le (Ausfall-)Risiko eines Sport­ver­eins im Fal­le der Inva­li­di­tät sei­nes Sport­lers (sog. Markt­wert­de­ckung) abge­deckt wird. Zwar wer­den mit die­sen ver­schie­de­nen Arten der Sport­in­va­li­di­täts­ver­si­che­rung unter­schied­li­che wirt­schaft­li­che Zwe­cke ver­folgt. Die auf die sog. Spiel­erei­gen­de­ckung abzie­len­de Sport­in­va­li­di­täts­ver­si­che­rung dient der wirt­schaft­li­chen Absi­che­rung des Sport­lers im Fal­le sei­ner Unfä­hig­keit zur wei­te­ren Aus­übung sei­nes Sports. Dem­ge­gen­über zielt die von einem Sport­ver­ein für sei­nen Sport­ler als ver­si­cher­te Per­son genom­me­ne Sport­in­va­li­di­täts­ver­si­che­rung dar­auf ab, die mit der Sport­in­va­li­di­tät des Sport­lers ver­bun­de­nen finan­zi­el­len Ein­bu­ßen des Ver­eins (Ertrags­aus­fäl­le, Ver­lust von Ablö­se­sum­men) abzu­de­cken.
Die­se mit einer Sport­in­va­li­di­täts­ver­si­che­rung ver­folg­ten unter­schied­li­chen wirt­schaft­li­chen Zwe­cke sind aber nach dem Wort­laut des § 4 Nr. 5 Satz 1 Vers­StG, der aus­schließ­lich an die Ver­si­che­rung der hier näher auf­ge­zähl­ten Wag­nis­se anknüpft, ohne Bedeu­tung. Ins­be­son­de­re ent­hält die­se Rege­lung kei­ner­lei Ver­knüp­fung der Steu­er­be­frei­ung mit einem durch die Ver­si­che­rung ver­folg­ten Ver­sor­gungs­zweck und dif­fe­ren­ziert nicht danach, wes­sen Risi­ko durch die Ver­si­che­rung abge­deckt wer­den soll. Die­ser Beur­tei­lung steht nicht ent­ge­gen, dass es sich bei den über­nom­me­nen Risi­ken der Ver­ei­ne aus­schließ­lich um wirt­schaft­li­che han­delt. Denn sämt­li­che in § 4 Nr. 5 Vers­StG genann­ten Ver­si­che­run­gen z.B. für den Fall der Krank­heit, der Berufs- oder Erwerbs­un­fä­hig­keit, des Alters oder des Todes zie­len dar­auf ab, die wirt­schaft­li­chen Fol­gen eines schick­sal­haf­ten Ereig­nis­ses durch finan­zi­el­le Leis­tun­gen des Ver­si­che­rers aus­zu­glei­chen oder abzu­mil­dern.
Für die Anwen­dung des § 4 Nr. 5 Satz 1 Vers­StG ist dem­nach, nicht anders als für die Aus­le­gung des Merk­mals "Ver­si­che­rungs­ver­hält­nis" i.S. des § 1 Abs. 1 Vers­StG allein auf das Vor­han­den­sein eines vom Ver­si­che­rer gegen Ent­gelt über­nom­me­nen Wag­nis­ses abzu­stel­len [1]. Ein sol­ches Wag­nis in Gestalt der bei einem Sport­ler ein­tre­ten­den Sport­in­va­li­di­tät hat die Klä­ge­rin auf­grund der mit den Sport­ver­ei­nen geschlos­se­nen Sport­in­va­li­di­täts­ver­si­che­run­gen über­nom­men.
vgl. BFH, Urteil vom 11.12 2013 – II R 53/​11, BFHE 244, 56, BStBl II 2014, 352, m.w.N.[↩]
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