Source: http://www.greif-autovermietung.de/Unfallersatztarif.htm
Timestamp: 2018-12-18 18:11:38
Document Index: 12230714

Matched Legal Cases: ['BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 287', 'BGH', 'BGH', 'BGH']

Greif Autovermietung Berlin, Unfallersatztarif, Unfall, Unfallersatzwagen, Abrechnung, Versicherungen
Unfallersatztarif - Unfallersatzwagen
Autovermietung Greif - Berlin
Kriterien eines Risikotarifes, fälschlicherweise auch „Unfallersatztarif“ genannt.
Nachfolgendes soll dazu beitragen, betriebswirtschaftlich Klarheit zwischen dem so genannten "Unfallersatztarif" und den vielen Arten von Bar-Tarifen zu bringen. Es sollen die wichtigsten Kriterien des höchsten Risikotarifes (im Volksmund „Unfallersatztarif“ genannt) dargestellt und aus betriebswirtschaftlicher Sicht erläutert werden. Immer wieder werden u.a. auch Aufsätze von Griebenow angeführt. Hierbei wird jedoch nicht erwähnt, dass Griebenow eine leitende Funktion in der Schadensabteilung einer großen Versicherung inne hat und daher sind diese Aufsätze alles andere als neutral. Es soll hier nicht der Eindruck vermittelt werden, dass man eine einseitige Darstellung vornimmt. Es ist aber doch faktisch erwiesen, dass der normale Verbraucher die genauen Hintergründe der anhaltenden Streitigkeiten über diesen Mietwagentarif und dessen besonderen Leistungen gar nicht kennt. Es dürfte doch unbestritten sein, dass der Unfallersatzwagenmarkt ein eigenes Segment im Vermietbereich darstellt. Einseitig sind die Darstellungen der Versicherungswirtschaft wenn es um die Bezahlung der Mietwagenkosten geht. Durch verschiedene Landgerichte wurden mittlerweile Gutachten in Auftrag gegeben. 95% dieser Gutachten bestätigen, dass der in den Prozessen geforderte Miettarif betriebswirtschaftlich notwendig war. Daran ändert auch ein neu erschienener Aufsatz von Griebenow in einer Fachzeitschrift für öffentlich bestellte Sachverständige nichts.
Jede ordentlich geführte Firma begründet ihre Existenzberechtigung aus dem Nutzen, den sie
- nach Außen für den Kunden
- nach Innen für Sicherung der Arbeitsplätze und den Kapitalgebern
Besonders bei einem Dienstleistungsunternehmen wie der Autovermietung geht eine erfolgreiche Marktbearbeitung und die Erstellung sowie permanente Weiterentwicklung eines Marketingkonzeptes voraus. Essentielle Bestandteile eines Marketingkonzeptes sind (u.a.) die Erforschung des Marktes auf seine Bedürfnisse, die ungelösten Probleme einer Zielgruppe einerseits und die schonungslose Eigensituationsanalyse, d. h.: das besondere Wissen und Können des Unternehmens andererseits. Ein wichtiger Kernsatz des Marketings und der Unternehmens­führung lautet deshalb: „(Nur) Wer die Bedürfnisse einer genau definierten Zielgruppe be­sonders gut befriedigt, oder noch genauer: die ungelösten Probleme einer Kundengruppe hervorragend lösen kann, wird im Wettbewerb bestehen!“
In der Dienstleistungsbranche behauptet zwar jeder, in der einen oder anderen Form, „bei uns steht der Kunde im Mittelpunkt“ oder „der Kunde ist König“. Trotzdem kennt jeder in der Praxis die Servicedefizite bis hin zur extremen Kundenfeindlichkeit. Für die spezielle Situation eines Mobilitätsdienstleisters wie die Autovermietung ist deshalb eine klare Trennung der Markt­segmente (und Kundengruppen) für die Konzeption von kundendienlichen Leistungen eine unabdingliche Erfolgsvoraussetzung. Das beginnt bei völlig verschiedenen Anforderungen für die Segmente PKW- bzw. LKW-Vermietung, geht über die unterschiedlichen Angebote an Urlaubsreisende, Freizeitmieter, Mieter die einfach nur mal einen bestimmten Fahrzeugtyp mieten wollen und Firmenmieter, bis hin zur Spezialisierung auf das kleine Marktsegment der Unfallersatzfahrzeugvermietung.
Leider wird von Verbrauchern, Medien, Journalisten und teils auch von den Zivilgerichten das kundendienliche Serviceangebot nicht als entscheidender Faktor zur Prokuktdifferenzierung wahrgenommen. „Guter“ Service wird am Käufermarkt vorausgesetzt und dann subjektiv bewertet und vor allem gar nicht als Produkt erkannt. Vielmehr wird fälschlicherweise das gemietete Auto und sein Mietpreis als das Produkt der Dienstleistung verstanden und deshalb bei Anbietervergleichen fast alles auf den Mietpreis reduziert. Genau dies ist aber falsch.
Man betrachte nur einmal zwei gleiche Unternehmen z.B. aus dem Heimwerkersegment. Beim Anbieter A, der Beratungsservice, ein reichhaltiges Produktangebot vorhält, das auch sofort vom Kunden gekauft werden kann usw. ist um ein vielfaches teurer als beim Anbieter B, der keinen Beratungsservice leistet und Produkte nur auf Vorbestellung liefert. Analog kann man auch die Fluggesellschaften betrachten. Die Fluggesellschaft A unterhält einen umfassenden Buchungsservice, einen umfassenden Bordservice usw. Ein Flug mit dieser Gesellschaft kostet z.B. 219,- € und ist damit um ein vielfaches teurer als die Fluggesellschaft B, die nur eine Internetbuchung- oder kostenpflichtige Telefonbuchung sowie keinen Bordservice unterhält. Bei der Gesellschaft B kostet dieser Flug eben nur 59,- €. An Bord z.B. gibt es bei der „Billig-Gesellschaft“ keinen Speise- oder Getränkeservice, keine kostenlose Unterhaltungsmöglichkeit, es steht nur die vorgeschriebene Mindestanzahl von Stewardessen zur Verfügung, der Flugkunde muss an Bord jeglichen Zusatzservice wie Getränke etc. teuer bezahlen. Kein normaler Mensch käme nun auf die Idee zu sagen, die Fluggesellschaft A mit Bestem Service und teurerem Flugtarif habe keine Daseinsberechtigung.
Genau dies aber versucht die Versicherungswirtschaft Geschädigten und Gerichten klar zu machen, indem sie bewusst den Service als kein Produkt darstellt, sondern nur die Ware Auto vergleicht. Auf der anderen Seite aber bieten die Versicherungsgesellschaften z.B. über das Internet teilweise Ihre Produkte um ein vielfaches günstiger an, weil eben teuere Serviceleistungen wie Agenten, Beratung etc. entfallen. So spricht die Versicherungswirtschaft bereits hier mit „gespaltener Zunge“ und stellt die Unfallersatzwagenvermieter als Abzocker und dergleichen dar. Hier müsste man vorsichtig die Frage stellen, was sind sie dann selbst?
Nur die reine Ware, hier das Auto zu vergleichen schlägt also völlig fehl und ist nur Augenwischerei der Versicherungswirtschaft.
Nun wollen wir hier nicht vertiefen, warum eine Seiko genauso exakt die Zeit angibt wie eine Rolex oder der Liter Wasser im Supermarkt 70 Cent und beim Italiener schon mal € 6,00 kostet. Jeder weiß, dass er bei der Rolex das Prestige und beim Italiener für Bedienung („Tutto posto, Dottore“) und Ambiente bezahlt.
Beim Autovermieter, wie schon gesagt, wird die Spezialisierung auf bedürfnisorientierte Servicepakete und dem daraus folgendem Mietpreis­unterschied aus teilweise beabsichtigten Motiven übersehen oder herabgespielt und auch teilweise völlig abwegig in Abrede gestellt.
Dies gilt ganz besonders für das Segment der Unfallersatzfahrzeugvermietung. Hier darf man getrost unterstellen, dass ganz bestimmte Interessen dafür sorgen, dass die Tarife dieser (meist kleinen und insoweit hilflosen) Spezialanbieter mit Wochenendprivatmieten, Urlaubsmieten, billigen Airporttarifen, Langzeitmieten der Großvermieter verglichen und diese Unternehmen wegen angeblich überhöhter Preise als Abzocker oder gar Nepper, Schlepper, Bauernfänger verunglimpft werden.
Nochmals: der aufwendige Spezialservice eines Unfallersatz-Mobilitätsdienstleisters ist mit dem eines alles (und nicht besonders gut) könnenden internationalen Großvermieters in keiner Weise vergleichbar, nur weil beide ein gleich großes Auto mit 4 Rädern anbieten! Der notwendige Service bei der Vermietung eines Ersatzfahrzeuges nach einem Unfall ist erheblich aufwendiger als bei einer Vermietung am Counter. Deshalb machen wir hier einige grundsätzliche Ausführungen zur Preisbildung in der Bundesrepublik Deutschland.
Der Kaufmann ist in der Ausgestaltung seiner Vertragsinhalte, insbesondere seiner Preis­setzung, grundsätzlich frei, solange er damit weder gegen die guten Sitten, noch gegen Treu und Glauben verstößt. Dies gilt selbstverständlich auch für die Preissetzung im Autovermiet­geschäft.
Das im Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland verankerte System der sozialen Marktwirtschaft sieht vor, dass sich Preise grundsätzlich als Ergebnis einer Abwägung von Angebot und Nachfrage bilden und keinesfalls einseitig von einer der beiden Marktseiten oder gar von staatlicher Seite diktiert werden. Diese Art der Preisbildung, auf der Basis sog. vollkommener Märkte, wird als allgemein überlegene Form zur Stärkung des Wettbewerbs angesehen und kommt insofern den Verbraucherinteressen am stärksten entgegen.
In freien Marktwirtschaften besteht kein zwingender Zusammenhang zwischen den Kosten und dem Absatzpreis eines Gutes. In der Praxis versagen die Modelle der klassischen Preistheorie bei der Findung optimaler Preise für die Produkte einer Unternehmung. So haben sich drei praxisbezogene Preisbestimmungsprinzipien durchgesetzt. Hierbei handelt es sich um:
¨ Kostenorientierte Preisbestimmung („Kostenprinzip“)
¨ Nachfrageorientierte Preisbestimmung („Wertprinzip“)
¨ Konkurrenzorientierte Preisbestimmung („Marktpreis“)
Zur kostenorientierten Preisbestimmung („Kostenprinzip“)
Traditionell besitzt die Kostenrechnung für die Preisbestimmung von Gütern noch immer große Bedeutung. Dies ist u. a. darauf zurückzuführen, das einerseits jeder Preis für ein zu vermarktendes Gut an den durch dieses Gut verursachten Kosten orientiert sein soll, andererseits die Preisbildung nach dem Kostenprinzip relativ einfach durchzuführen ist. So erfolgt die Preisbestimmung nach dem Kostenprinzip aus der Addition von Kosten und Gewinnzuschlag. Weitere Vorteile der Preisbe­stimmung nach dem Kostenprinzip liegen in der Vermeidung von Preiskämpfen, da Konkurrenten bei ähnlichen Kosten zu ähnlichen Preisen gelangen. Darüber hinaus wird bei angemessener Rendite eine Übervorteilung des Kunden vermieden. Eine kurzfristige Gewinnmaximierung durch die Unternehmung findet nicht statt. Eine kostenorientierte Preisfindung ist u. a. in so genannten „Verkäufermärkten“ und in Märkten mit regionalen Strukturen anzutreffen.
Zur nachfrageorientierten Preisbestimmung („Wertprinzip“)
In krassem Gegensatz zur Preisbestimmung nach dem Kostenprinzip leitet sich die Preisbestimmung nach dem Wertprinzip aus den marktlichen Gegebenheiten ab. Vor allem die Stärke der Nachfrage wird zur Festsetzung von Preisen als Maßstab heran­gezogen. Diese Nachfrage ergibt sich wiederum aus dem Maß an Bedürfnisbe­friedigung, welche der Konsument durch den Konsum des Gutes erfahren kann. Somit können bei starker Nachfrage Güter- und Dienstleistungspreise erzielt werden, die deutlich oberhalb der nach dem Kostenprinzip berechneten Preise liegen; umge­kehrt können bei schwacher Nachfrage Marktpreise gelten, die unterhalb der Stück­kosten liegen.
Zur konkurrenzorientierten Preisbestimmung („Marktpreis“)
Hierbei orientiert sich der Entscheidungsträger an den Preisen der Mitwettbewerber. So erfolgt eine Preisbestimmung entweder am Branchendurchschnitt oder am Preis des Marktführers (Leitpreise). Die neu festzusetzenden Preise können je nach Markt­lage bzw. Produktgüte geringfügig von den Leitpreisen abweichen. Typisch für die konkurrenzorientierte Preisbestimmung ist, dass auch bei veränderter Kostensituation keine Preisanpassung stattfindet, solange der Leitpreis konstant bleibt.
Die beiden letztgenannten Prinzipien findet man vor allem in den, in heutigen Situationen dominierenden „Käufermärkten“. Das angewandte Kalkulationsprinzip ist das Target Costing also die Frage, wie viel ein Produkt bei gegebenem Preis kosten darf.
Ein hier so oft angesprochenes „gut geführtes“ Unternehmen muss selbstverständlich seinen eigenen Weg finden, aber nichtsdestoweniger kalkulieren (und kann nicht einfach immer nur „Marktpreise“ verlangen). Sonst wird es bald seine Existenzberechtigung nach Innen verlieren.
Eine korrekte Kalkulation nach den Regeln der BWL muss folgende Faktoren enthalten:
1.1 Kalkulatorische AfA
1.4 Kfz-Steuer
1.5 Kfz-Betriebskosten
1.6 Fahrzeugschäden
1.7 Fahrleistungsrisiko
1.8 GEZ Gebühren
2.3 Mieten -Pacht
2.4 Provisionen
2.5 Werbe- und Reisekosten
2.6 Kosten Rechtsberatung
2.7 Sonstige Betriebskosten
2.8 Erlösschmälerungen
2.9 Forderungsausfall
2.10 Außerordentliche Fuhrparkkosten
2.11 BGA (Betriebsgeschäftausstattung)
2.12 Finanzierungskosten BGA
2.13 Forderungsfinanzierung
2.14 Unternehmergewinn
Diese Kalkulation wurde mit dem Gutachten „Bewertung von Kosten und Risiken in der Fahr­zeugvermietung unter besonderer Berücksichtigung des Unfallersatztarifs“ von Prof. Dr. Claus Neidhardt, Aktuar im August 2004 anhand zeitnaher Kosten untersucht. Ebenso die neutrale Erhebung des BAV unter Mitwirkung der DEKRA vom 28.09.05 bis 12.10.05. Damit ist der wissenschaftliche Nachweis erbracht, mit welchen Kosten und Risiken kalkuliert werden muss.
Ein wesentlicher Faktor für die Preisbildung in der Autovermietung ist die Auslastung der Mietfahrzeuge und hier kann klar und eindeutig bewiesen werden, dass die Auslastung eines im Unfallersatzwagengeschäft tätigen Autovermieter nicht von diesem beeinflusst werden kann. Ein Unfallgeschädigter kann die Anmietung seines Ersatzfahrzeuges einfach nicht im Voraus planen und somit auch nicht der Autovermieter. Die Auslastung eines Unfallersatzwagenvermieters liegt in der Regel bei 55 bis 60%
Das oft von der Versicherungswirtschaft angeführte „Gutachten“ von Albrecht, geht an der Sache vorbei und wurde nur mit einem Ziel durch die Versicherungswirtschaft in Auftrag gegeben, Ihre eigenen „Wunsch“ - Preisvorstellungen im damaligen Kartellverfahren gegen das versicherungseigene Autovermietunternehmen „CARPARTNER“ sowohl dem Bundeskartellamt wie auch den Zivilgerichten durchzudrücken. Weder das Bundeskartellamt, das Kammergericht Berlin (KG) noch der Bundesgerichtshof (BGH) sind den Ausführungen im „Gutachten“ Albrecht gefolgt. Daran wird deutlich, dass diese staatlichen Institutionen dem „Gutachten“ Albrecht keine Beachtung schenkten, sondern als das ansahen was es auch ist, ein einseitiges Parteigutachten mit einem gewünschten Endergebnis. Der einzigste Wirtschaftskreis der dieses Gutachten als richtig und zutreffend interpretiert, ist ihr Auftraggeber – die Versicherungswirtschaft-. Zudem lagen diesem Gutachten noch nicht einmal konkrete Zahlen vor, wie im Gutachten auch selbst eingeräumt wird. Dies kann nur zu einer Hypothese führen, deren Ergebnis ein "hingebogenes" Wunschergebnis ist und bleibt.
Für den Leser, der mit „Carpartner Autovermietung“ nichts anfangen kann sei erklärt, dass dieses Unternehmen seinerzeit von 6 Versicherungsunternehmen als Gemeinschaftsunternehmen gegründet wurde. Ziel der Carpartner Autovermietung sollte es sein, die Preise im Unfallersatzwagengeschäft auf ein von der Versicherungswirtschaft gewünschtes Niveau zu drücken. Das Vorhaben wurde letztendlich vom Kammergericht Berlin und dem BGH untersagt (BGH KVR 40/96 und Kammergericht Berlin Kart 18/95) .
Das Gutachten Albrecht ist bereits im Ansatz auf den UE-Bereich bezogen falsch und zugunsten der Versicherungswirtschaft sind die Mietpreise künstlich nach unten berechnet. Das diese Aussage zutreffend ist, bestätigt bereits die Tatsache, dass die Versicherungswirtschaft bei der Berechnung des Nutzungsausfalles von völlig anderen ( wesentlich höheren ) Mietwagenkosten ausgeht und selbst das „Gutachten“ Albrecht nicht anwendet. Normalerweise bedarf dieses Verhalten keinerlei Erklärungen mehr. Es darf auch nicht übersehen werden, dass im Gutachten Albrecht selbst ausgeführt wird, dass kein Zahlenmaterial vorlag. Wie bitte schön will man denn dann auf einen kalkulierten Mietpreis kommen, dieses Rätsel ist bis heute nicht geklärt.
In der Zwischenzeit wurden im Rahmen von Zivilverfahren durch eine Reihe von Landgerichten Gerichtsgutachter mit dem Ziel bestellt, mittels der Gutachten die betriebswirtschaftliche Notwendigkeit von Unfallersatztarifen zu untersuchen. 95% der erstellten Gutachten bestätigen, dass es betriebswirtschaftlich erforderlich ist im Unfallersatzwagengeschäft höhere Preise in Rechnung zu stellen.
Zudem lässt es sich mit einem hohen Nutzungsausfallgeld die Geschädigten schneller vom Verzicht auf ein Ersatzfahrzeug überzeugen. Wollte man den recht einseitig erstellten und zu Gunsten der Versicherungswirtschaft „hingebogenen“ Ausführungen im Gutachten Albrecht folgen, dann müsste der Nutzungsausfall drastisch gesenkt werden. Daran hat die Versicherungswirtschaft jedoch kein Interesse, denn sie benutzt den Nutzungsausfall seit Jahren als taugliches Mittel, um die UE-Vermieter breitflächig auszuschalten. Im Übrigen sei anzumerken, dass an der Berechnung des Nutzungsausfalls kein einziger Autovermieter beteiligt ist.
Wäre das Gutachten Albrecht richtig, so müsste der tägliche Nutzungsausfall in der Gruppe A bei unter 5,00 € liegen. Tatsächlich liegt er aber bei 27,- €, immerhin eine Differenz von fast 450%.
Daran wird deutlich, dass nicht einmal die Versicherungswirtschaft selbst das Gutachten Albrecht als zutreffend und richtig ansieht.
Hierzu einmal ein konkretes Beispiel aus der Musterberechnung der Schwacke Nutzungsausfalltabelle 2006. Auf den Seiten 4 – 6 ist eine detaillierte Berechnung von den Verfassern (Autorenrat: einem Vertreter der Versicherungswirtschaft und einem Vertreter eines Automobilclubs (ADAC) sowie eines technischen Sachverständigen) selbst aufgezeigt.
Als Berechnungsbeispiel ist hier ein BMW 525i, 2.5l, 160 kw, Limousine 4-türig angeführt. Das Fahrzeug ist gemäß der Schwacke Liste „Automietwagenklassifizierung“ in die Gruppe 8 eingestuft.
Dies ergibt sich auch aus dem Berechnungsschema, hier heißt es: AM-Klasse 8 ( AM heißt Automietwagenklassen).
Gemäß dieser Musterberechnung ergibt sich ein täglicher Nutzwert (Nutzungsausfall) von 63,08 €.
Unterstellt man die Berechnungen über Fahrzeuganschaffungskosten, Versicherungskosten etc. auf den Seiten 4 und 5 als richtig, so wird die eigentliche Berechnung des Nutzungsausfalls auf Seite 6 vorgenommen. Der Nutzungsausfall wird hier anhand eines täglichen Mietpreises von 202,17 € berechnet. Dieser tägliche Mietpreis ist berechnet aus 1 Wochenmiete geteilt durch 7 Tage.
Dieser Mietpreis ist aber keineswegs aus der Gruppe 8, in welchem der BMW 525i tatsächlich eingruppiert ist ( vgl. Schwacke Mietwagenklassifizierung ) sondern aus der nächst niedrigeren Gruppe 7. Bereits durch dieses Herabsetzungsmanöver spart sich die Versicherungswirtschaft viel Geld auf Kosten der Geschädigten, ohne auch nur eine Silbe darüber zu verlieren. An dieser Stelle soll auch angemerkt sein, dass es ja gängige Praxis der Versicherungswirtschaft ist, bei der Berechnung von Mietwagenkosten die Geschädigten auf die nächst niedrigere Gruppe zu verweisen. Tatsächlich aber hat der Geschädigte Anspruch auf ein klassengleiches Ersatzfahrzeug.
Es erstaunt und verwundert doch sehr, dass der Autorenrat und insbesondere der Vertreter der Versicherungswirtschaft in der Nutzungsausfalltabelle 2006 nicht darauf gedrungen hat, hier als Berechnungsgrundlage den immer wieder geforderten Bar- oder wie immer man diesen Tarif bezeichnen will verwendet, sondern den im Volksmund bezeichneten „Unfallersatztarif“. Das ist keineswegs ein Zufall, sondern dahinter verbirgt sich System.
Im Einzelnen soll dies nachfolgend genauer erläutert werden.
Grundlage für die Berechnung des Nutzungsausfalles ist der von Schwacke ermittelte „Unfallersatztarif 2003“ gewichtetes Mittel, vgl. Schwacke Liste (Automietpreisspiegel 2003) Bundesdurchschnitt Unfallersatz. Merkwürdig ist, dass genau in jenem Werk auch die so genannten Bar-Tarife ermittelt wurden. Trotzdem wird der „Unfallersatztarif“ als Berechnungsgrundlage verwendet, obwohl doch Erhebungen auch für den Bar-Tarif vorliegen und die Versicherungswirtschaft den Geschädigten und Gerichten immer wieder versucht darzustellen, es sei nur der Bar-Tarif erstattungsfähig. Dieses Phänomen hat die Versicherungswirtschaft bis heute nicht erklären können oder erklären wollen. Offensichtlich will man es auch gar nicht, andernfalls könnten die Zivilgerichte ja auf unerwünschte Gedanken und Entscheidungen kommen.
Wie sind die Autoren der Nutzungsausfalltabelle auf den auf Seite 6 täglichen Mietpreis von 202,17 € eigentlich gekommen?
Dieser Frage sind wir nachgegangen und die Fa. Schwacke erklärte auf Anfrage, dass es sich um den Unfallersatztarif aus dem Schwacke Mietpreisspiegel 2003 handle.
angegebener täglicher Mietpreis 202,17 €
Schwacke Mietpreisspiegel 2003 – Unfallersatztarif – Bundesdurchschnitt:
Gruppe 7 = 7 Tage 1415,20 €
1415,20 € : 7 Tage = 202,17 €
Zum Vergleich – ebenfalls Schwacke Mietpreisspiegel 2003, allerdings Bar-Tarif:
Gruppe 7 = 7 Tage 804,- € inkl. aller Nebenkosten somit tägl. Mietpreis 114,87 €
Man hat nicht irgendeinen Bar-Tarif, sondern eben genau den Risko-Tarif oder wie im Volksmund als Unfallersatztarif bezeichnet verwendet.
Nun behauptet die Versicherungswirtschaft, zwar völlig unzutreffend, dass auf Grund der neuen BGH Rechtssprechung nur noch der „Normaltarif“, was immer auch darunter zu verstehen sein mag, zu erstatten sei und verweist auf die BGH Urteile. Selbst der BGH hat bis heute nicht klar darstellen können, was denn eigentlich ein "Normaltarif" ist. Dabei trifft diese Aussage im Kern noch nicht einmal zu. Der BGH hat auch in seinen neuesten Urteil klar gemacht, dass der Unfallersatztarif erstattungsfähig ist und gibt auch gleichzeitig einen Anhaltspunkt zum Nutzungsausfall, indem er in seiner Urteilsbegründung auf eine Entscheidung hinweist ( VI ZR 357/03 vom Nov. 2004). Hierin sagt der BGH klar und unmissverständlich, dass der Nutzungsausfall zwischen 35 und 40% aus den üblichen Mietwagenkosten berechnet wird.
Die neue Nutzungsausfalltabelle trat im Januar 2006 in Kraft, also weit nach den ersten ergangenen Urteilen des BGH im Jahre 2004 und nun verwundert es doch sehr, dass trotz der Behauptungen durch die Versicherungswirtschaft, es sei nur noch der „Normaltarif“ (offensichtlich meint man einen Bartarif) zu erstatten, bei der Berechnung des Nutzungsausfall 2006 aber ausnahmslos der „Unfallersatzwagentarif – Schwacke Mietpreisspiegel 2003“ als Berechnungsgrundlage diente.
Damit dürfte jedem logisch denkenden Menschen klar sein und auch der Beweis erbracht sein, dass der so genannte „Unfallersatztarif“ schlicht und einfach in der Realität der Normaltarif sprich Standardtarif ist und alle anderen wie auch immer genannten Tarife ( Bar-, Internet-, Sofort-, Freizeit-, Wochenend-, Touristik-, Vorreservierungstarif etc. ) eben nur vom Standardtarif herunter gerechnete Sondertarife sind. Diese Sondertarife dienen einfach gesagt der besseren Auslastung und sind Lückenfüller, vergleichbar mit den Last Minute Angeboten der Reiseveranstalter. Etwas anderes zu behaupten, wie insbesondere von der Versicherungswirtschaft, ist schlicht und ergreifend „Augenwischerei“, sowie eine Täuschung der Geschädigten, Anwälte und Gerichte und stellt nur darauf ab, der Öffentlichkeit und den Zivilgerichten Äpfel für Birnen verkaufen zu wollen, um die Profitgier für sich ins unermessliche zu steigern. Die Billanzen der Versicherungskonzerne sprechen hier eine deutliche Sprache.
Ohne Not und ohne Einfluss von Autovermietern wendet die Versicherungswirtschaft also den „Unfallersatztarif“ an, wenn es um die Berechnung des Nutzungsausfalles geht. Für dieses Verhalten der Versicherungswirtschaft gibt es ganz einfach zwei zutreffende Erklärungen. Ersten der Unfallersatztarif ist der NORMALTARIF und zweitens der Versicherungswirtschaft geht es schlicht und ergreifend darum, mit möglichst hohen Nutzungsausfallzahlungen, das ohnehin kleine Marktsegment „Unfallersatz“ weiter zum Nachteil der kleinen- und mittelständischen Autovermieter zu verkleinern und hier ist der Versicherungswirtschaft offensichtlich jedes Mittel recht.
Anhand eines realen Zahlenbeispieles soll aufgezeigt werden, wohin es führen würde, wenn man als Berechnungsgrundlage für den Nutzungsausfall den Bar-Tarif bzw. irgendeinen Sondertarif verwendet, an dieser Stelle wird bereits erwähnt, dass bereits Gerichtsverfahren zur Höhe der Berechnung des Nutzungsausfall anhängig sind. Entscheidungen liegen noch nicht vor. Es dürfte allerdings spannend sein, wie die befassten Gerichte mit dieser "Nummer" umgehen werden.
Zum Berechnungsbeispiel nun:
( BMW 525i, wie weiter oben ausgeführt ) allerdings berechnet nach dem Bar-Tarif. Auch hier wurde die Gruppe 7 aus der Schwackeliste 2003 ( Bundesdurchschnitt ) verwendet.
1 Wochentarif = 825,00 € ( Schwacke Bundesdurchschnitt ) geteilt durch 7 Tage ergibt einen täglichen Mietpreis von 114,85 € .
Durchschnittlicher Bruttotagesmietsatz: 117,85 €
abzüglich 20% Provision 22,96 €
Korrigierter Bruttotagesmietsatz: 94,28 €
Abzüglich lt. Berechnungsschema V
Prämiendifferenz usw. 29,88 €
Berichtigter Bruttotagesmietsatz: 64,40 €
Nach Abzug von Gewinn und Kosten verbleiben
Als Zwischenwert 60% 38,64 €
Abzüglich ersparter Eigenkosten 14,10 €
Wert der PKW Nutzung: (Nutzungsausfall) 24,54 €
Anhand dieses Beispieles wird deutlich, warum die Versicherungswirtschaft gar kein Interesse hat, den Bar-Tarif als Berechnungsgrundlage für den Nutzungsausfall zu verwenden.
Von den ursprünglichen 65,00 € bliebe nur noch ein Nutzwert (Nutzungsausfall) von 24,54 € übrig. Eine Differenz also von ca. 165% !
Das ein solcher Betrag für einen Geschädigten keinen Anreiz darstellt, auf einen Mietwagen zu verzichten bedarf hier keinerlei näheren Erläuterung, dies ergibt sich von selbst. Ein Geschädigter würde bei diesem Nutzungsausfall mit Sicherheit einen Mietwagen nehmen und genau das will die Versicherungswirtschaft mit einem möglichst hohem Nutzungsausfall verhindern.
Nur mit einem hohen Nutzungsausfall können die Autovermieter ausgeschaltet werden und die Geschädigten zum Nutzungsausfall gelenkt werden. Das ist das erklärte Ziel der Versicherungswirtschaft, man könnte es auch als versteckten Vernichtungsfeldzug gegen die klein- und mittelständischen Unfallersatzwagenvermieter bezeichnen.
Auf der anderen Seite aber zeigt dieser Sachverhalt deutlich, um was es der Versicherungswirtschaft eigentlich geht. Es geht ihr einzig und allein darum, mit ihrer unermesslichen Finanzmacht und mit Hilfe von falschen Vorträgen vor Gericht, die am Markt tätigen klein- und mittelständischen Unfallersatzvermieter durch hohe Zahlungen von Nutzungsausfall und auf der anderen Seite mit gravierenden und Existenzbedrohenden Rechnungskürzungen von diesem Marktsegment zu verdrängen bzw. auszuschalten. Mit der Zahlung eines hohen Ausfallgeldes werden den im Marktsegment Unfallersatz tätigen Vermieter, dies sind ohnehin meist nur die klein- und mittelständischen Betriebe, eine hohe Anzahl von potentiellen Kunden entzogen. Die Versicherungswirtschaft selbst spricht davon, dass maximal 30% der Unfallgeschädigten einen Ersatzwagen anmieten, der Rest nimmt Nutzungsausfall oder bekommt gar nichts. Trotzdem aber will die Versicherungswirtschaft nur Mietwagenkosten bezahlen, die für die Berechnung des Ausfallgeldes nicht die geringste Rolle spielen.
Dies erklärt auch die Doppelzüngigkeit wenn es um die Berechnung von Nutzungsausfallgeld und die Erstattung von Mietwagenkosten geht.
Die Frage warum der Autorenrat und hier insbesondere der Vertreter der Versicherungswirtschaft bei der Berechnung des Nutzungsausfall ausnahmslos den Unfallersatztarif verwendet, wurde bis zum heutigen Tage weder außergerichtlich noch gerichtlich beantwortet. Man „umschifft“ diesen Vorhalt elegant oder geht gar nicht darauf ein.
Insofern könnte der Tatrichter im Falle eines Rechtstreites sehr wohl anhand des Nutzungsausfall die marktüblichen Mietwagenpreise gem. § 287 Abs. 1 ZPO schätzen, da die Versicherungswirtschaft selbst die Unfallersatztarife als Berechnungsgrundlage für den Nutzungsausfall heranzieht.
Einige Versicherungsgesellschaften gehen mittlerweile sogar soweit und bezahlen Mietwagenkosten nur noch in Höhe des Nutzungsausfalls.
Das LG Aachen hat unter dem Akz: 43 O 164/05 verkündet am 13.01.06 vorläufig diesem Treiben mittels einstweiliger Verfügung einen Riegel vorgeschoben. Im Moment ist diese Entscheidung noch nicht rechtskräftig, die Versicherung hat gegen das Urteil Berufung eingelegt.
Ein weiteres Mittel den Geschädigten zu beeinflussen, ist das Vermittlungsangebot eines Mietwagens durch den Versicherer. Das Landgericht Nürnberg-Fürth bewertet das Vermitteln eines Mietwagens durch den Versicherer, als einen Verstoß gegen das Rechtsberatungsgesetz.
In so genannten Erstbriefen wird von einer Versicherung folgendes dem Geschädigten mitgeteilt:
"Wir können Ihnen ein Mietfahrzeug zu einem Tagespreis von netto 50,00 EURO (Betrag kann auch anders lauten) vermitteln inkl. aller Kilometer und Haftungsbefreiung. Im Bedarfsfall rufen Sie uns bitte an."
In diesem Verhalten hat das LG Nürnberg-Fürth unter dem Akz: 8 S 1649/05 vom 08-03-2006 einen Verstoß gegen das Rechtsberatungsgesetz erkannt und auch dieses mit klaren Worten in seinem Urteil auch beschrieben, was es davon hält:
Der Versicherungswirtschaft geht es letztendlich nur darum, selbst bestimmen zu können, was man bezahlen will und was nicht und dafür kämpfen sie mit allen nur erdenklichen, teils auch rechtswidrigen Mitteln. Der Öffentlichkeit, aber auch den Zivilgerichten bleibt dies meist verborgen.
Das die Kosten für eine UE-Vermietung weit höher liegen müssen als im Bargeschäft, dürfte auch jedem Laien einleuchten. Hier werden Serviceleistungen erbracht, die im Bargeschäft auch nicht ansatzweise anfallen.
Es geht in erster Linie um Service-Leistungen und nicht nur um die „Ware Auto“.
Aus diesem Grunde ist für die Praxis das Gutachten von Neidhardt im Hinblick auf die Kosten und Risiken bei der UE-Vermietung nachvollziehbar und schlüssig dargelegt, was wiederum durch die bereits erwähnte Berechnungsmethode des Nutzungsausfall bestätigt wird.
Es muss an dieser Stelle nochmals darauf hingewiesen werden, dass an der Berechnung des Nutzungsausfalls kein Autovermieter beteiligt ist.
Es bleibt also festzuhalten, dass der für den Nutzungsausfall herangezogene Mietpreis schlicht und einfach der Normaltarif ist und dieser wiederum nichts anderes ist als ein Risikotarif mit umfangreichen Serviceleistungen. Aus diesem Grunde ist er auch der „höchste“ Tarif im Autovermietgeschäft. Nochmals, von diesem Risikotarif werden alle weiteren Tarife herunter rabattiert, dies ist das eigentliche „Geheimnis“ der restlichen Tarife im Mietwagengeschäft. Das weiß auch die Versicherungswirtschaft.
Darüber hinaus wurde im Gutachten Neidhardt festgestellt, dass eine korrekte Kalkulation zu einem Risikotarif führt, der 81,7 % über einem so genannten Einzelkundentarif (Bartarif) liegt. Noch überraschender belegt das Ergebnis der Untersuchung, dass der „Schwacke Automietpreisspiegel“ (Sammlung des gewichteten Mittels tatsächlich am Markt angebotener Mietpreise) zu einem Angebotsdurch­schnitt führt, der 6,4 % unter dem wissenschaftlich kalkuliert erforderlichen Ergebnis liegt.
Im Folgenden wollen wir – der Zielsetzung in der Überschrift folgend - die wichtigsten Elemente erläutern, wie und warum sich die Kalkulation des UE-Vermieters von der eines inter­nationalen Großvermieters unterscheiden muss:
1. Ohne Zweifel beginnt die Kalkulation beim kapitalintensiven Einkauf des Materials, also dem Fuhrpark bzw. dessen Beschaffung.
Da Autovermietunternehmen Kapital vermieten, hat die Beschaffung den Stellenwert, der bei Banken, der Beschaffung von Geld (bei der EZB) zugeordnet ist. Und hier kommen wir auf den ersten großen Unterschied: Großvermieter bündeln ihren Fuhrparkeinkauf fast auf einen Lieferanten (First Supplier) und nur ganz wenige Typen, um dadurch optimale Einkaufskonditionen zu erreichen.
Im Endeffekt entstehen diesen Großvermietern relativ geringe bzw. gar keine Finanzierungskosten. Für die erworbenen Fahrzeuge werden teilweise bis zu 4 Monaten Zahlungsziele eingeräumt und in der Regel gehen diese Fahrzeuge dann bereits wieder an den Lieferanten im Byback Verfahren zurück. Somit fließt kein Geld.
Diese Großvermieter bündeln ihren Fuhrpark auf wenige und gängige Modelle und erreichen damit äußerst günstige Einkaufskonditionen und später einen besseren Absatz der Gebrauchtwagen. Nicht gängige Fahrzeugmarken und Typen wird man bei diesen international operierenden Vermieter nicht finden, wie die Flottenübersichten auf den Preislisten dieser Vermieter eindrucksvoll beweist.
Diese will man es richtig darstellen „günstig“ sprich gegen Null erworbenen Fahrzeuge, werden nach 4-6 Monaten mit großteils mit Gewinn verkauft und der Rest geht im so genannten Byback-Verfahren an den Lieferanten zurück, sodass auch hier kein Vermarktungsrisiko im größeren Umfang eintritt.
Beim an der Kundennachfrage orientierten Fuhrpark des Unfallersatz-Vermieters mit fast allen Fabrikaten und bis zu 80 verschiedenen Typen ist dies naturgemäß nicht möglich und so liegen die Fuhrparkabschreibungen bei mtl. 2-3 % des An­schaffungspreises. Des Weiteren entstehen dem UE-Vermieter hohe Finanzierungs- oder Leasingkosten, da dieser seine Fahrzeuge tatsächlich kaufen muss und auch diese langen Zahlungsziele für den Einkauf der Fahrzeuge nicht angeboten werden.
2. Jeder kennt das Thema Auslastung bei den Überbuchungen von Hotels und Airlines. Diese Dienstleister nehmen bewusst das Beschwerderisiko auf sich und nehmen mehr als 100 % Reservierungen an, um immer die größtmögliche Auslastung ihrer Investitionen zu er­zielen. Deutsche Fabriken gehen ins Ausland, weil sie dort u.a. wegen weniger ein­engenden Arbeitszeitvorschriften – ihre teuren Maschinen länger laufen lassen können. Genauso spielt der Faktor Auslastung eine sehr bedeutende Rolle in der Kalkulation der Autovermieter. Airlines bieten zum Teil Flugtarife an, die fern von jeglicher betriebswirtschaftlich notwendiger Tarifgestaltung liegen, nur um die Auslastung zu verbessern, um nicht mit einem halb leeren Flugzeug fliegen zu müssen. Selbstverständlich sind diese Billigtickets limitiert, was jeder selbst feststellen kann. Es braucht keiner betriebswirtschaftlichen Ausbildung um zu erkennen, dass man bei einem Betrag von 39,- € niemals kostendeckend von Deutschland nach Spanien fliegen kann. Auf der anderen Seite ist ein besetzter Sitz mit 39,- € immer noch besser, als ein leerer und dieser Kunde nimmt auch noch Nebenleistungen in Anspruch oder tätigt Käufe im Flugzeug, wofür Er selbstverständlich extra bezahlt. Auf diesen „Billigflügen“ wird vom Boardpersonal keinerlei Serviceleistungen erbracht, selbst das kleinste Getränk muss zusätzlich bezahlt werden. Jegliche zusätzliche Leistung muss vom Kunden im Flugzeug bezahlt werden und dadurch relativiert sich wieder der Betrag von 39,- €.
Das gleiche gilt auch für die international tätigen Autovermieter. Weil Großvermieter bei ihren Zielgruppen mit festen Vorreservierungen und vorher vereinbarter Anmietdauer kalkulieren können, haben sie klare Planungs- und Dispo­sitionssicherheit als Voraussetzung für einen hohen Auslastungsgrad von bis zu 80%. Beim unplanbaren UE-Einsatz entfallen beide Planungsfaktoren. Ein Unfallersatzwagenkunde benötigt ein Ersatzfahrzeug meist sofort. Dies führt zwangsläufig zu einer niedrigeren Auslastung, die sich auch in einem höheren Mietpreis betriebswirtschaftlich niederschlagen muss. Ein Unfallersatz-Vermieter hat bedingt durch die genannte Nichtplanbarkeit und die nicht vorhandene Dispositionssicherheit eine durchschnittliche Auslastung von maximal 52%. Mehr kann er nicht erreichen, da selbst seine Kunden eine Anmietung nicht planen können, ein Unfall ist ein Momentereignis und selbstverständlich kann der Kunden die Mietdauer ebenfalls nicht voraussagen, da der Kunden wiederum von anderen abhängig ist wie z.B. Werkstatt, Lackiererei, Ersatzteilbeschaffung usw. Damit ist dieser Mietwagen nicht planbar.
3. Als nächstem Kalkulationsfaktor müssen wir uns den Personalkosten zuwenden. Der immer wieder angesprochene Service wird durch angestellte Mitarbeiter erbracht. Er erstreckt sich im herkömmlichen Vermietgeschäft auf Bedienung des Telefons, des Computers, Prüfung der Kundendaten und Dokumente sowie Erstellen des Mietvertrages am Computer und „Gute Fahrt-Wünsche“ in der Station des Autovermieters. Man darf auch nicht übersehen, dass 90% der so abgewickelten Vermietungen entweder via Internetbuchung oder Email erfolgen, sodass noch nicht einmal mehr die Eingabe der Kundendaten durch das Vermietpersonal erforderlich ist, da der Kunde selbst seine kompletten Daten eingibt und diese übermittelt. Meist erfolgt auch noch die Überprüfung der Kundendaten und Bonität voll computergestützt. Also eine Serviceleistung gemäß Schnellrestaurant Produkt, welche im Fliesbandverfahren von angelernten Kräften erbracht werden kann, wenn diese vernünftig kommunizieren und ansonsten nett sein können. Mehr muss ein solches Personal nicht können und nicht wissen.
Ganz anders stellt sich die Situation im Unfallersatzwagen-Geschäft dar. Hier müssen mit der Unfallersatzwageneigenschaften und dessen besonderen Situation geschulte Kräfte den Mietwagen zur Reparaturwerkstatt etc. zustellen und werden oft in lange Beratungs- Erklärungsgespräche verwickelt, wobei sie immer wieder beachten müssen, dass sie bei ihren Beratungen nicht gegen das Rechtsberatungsgesetz verstoßen. Es wird also von diesen Kräften ein hohes Maß an Wissen verlangt. Das Personal wird darüber hinaus mit weiteren Kundenwünschen, beispielhaft (Auto umladen, Dachgepäckträger umbauen, Kindersitz, Hundeschutzgitter montieren usw.) konfrontiert, bis sie schließlich vor dem Problem stehen, wie sie wieder in ihr Büro zurückkommen. Das bedeutet, dass eine weitere Kraft mit einem weiteren Fahrzeug bereitstehen muss. Während des ohnehin erheblich länger dauernden Vermietvorgang ( in der Regel dauert ein solcher Vermietvorgang 2 Stunden ) fallen selbstverständlich beide Kräfte während dieser Zeit für das Unternehmen und somit für das weitere Vermietgeschäft vollständig aus. Eine Unfallersatzvermietung findet nach Auswertung aller in Deutschland tätigen Unfallersatz-Vermieter in 90% der Fälle vor Ort statt und nicht im Büro des Unfallersatz-Vermieters.
Selbstverständlich kann bei der Vermietung „vor Ort“ auch nicht auf das Kosten sparende Computersystem zurückgegriffen werden, die Mietverträge, Sicherungsabtretungen, Unfallschilderung etc. müssen von Hand geschrieben werden. Eine Bonitätsprüfung vor Ort ist ausgeschlossen und sämtliche Daten des Kunden müssen sobald das Personal wieder im Büro ist, nochmals EDV mäßig erfasst werden. Es entsteht also hier ein weiterer und zusätzlicher Arbeitsschritt. In aller Regel hat der Kunde bei der „vor Ort“ Vermietung nicht alle relevanten Daten dabei. Das fängt vom Namen des Schädigers an bis hin zum Namen der Versicherung, Versicherungsnummer und Kennzeichen, polizeiliches Aktenzeichen usw. Dies bedeutet für das eingesetzte Personal das auch zahlreiche Telefonate ( auch teure Ferngespräche ) u.a. Zentralruf der Autoversicherer, mit dem für den Kunden tätigen Anwalt, mit der gegnerischen Versicherung, mit der Reparaturwerkstatt, Polizei geführt werden müssen um an die fehlenden Daten zu kommen.
Einen festen Mietzeitraum kann der UE-Kunde bei der Anmietung zu 95% nicht nennen, selbst dann nicht wenn der Reparateur gefragt wird, da auch dieser wieder von Anderen abhängig ist u.a. Lackiererei, Ersatzteilbeschaffung, der Versicherer lässt sich Zeit mit der Übersendung der Reparaturkostenübernahmeerklärung ( solange diese nicht vorliegt, gibt die Werkstatt das Fahrzeug nicht heraus ) etc. Eine Unfallersatzanmietung ist damit nicht planbar und verschlechtert logischer weise die Auslastung erheblich. Ein typischer Unfallersatzvermieter schafft in aller Regel wie bereits oben ausgeführt eine Fahrzeugauslastung von max. 52%.
4. Schließlich wenden wir uns dem enorm bedeutenden Thema Risiko zu. Hier ist ein Blick auf die Banken- und Versicherungskalkulation in Hinblick auf Risikoberechnungen hilfreich. So wie Banken Risiken beurteilen, so müssen Autovermietungen ihre Risiken berechnen. Der niedrigste Risikofaktor ist dann anzusetzen, wenn alle denkbaren Sicher­heiten gegeben sind. Der ist bei einer Fahrzeugvermietung der Fall, die durch Bonitäts­prüfung, Prüfung des Kunden in der Warndatei der Autovermieter (WANDA) Kreditkartenhinterlegung, Kilometer- und Laufzeitbegrenzung, sofortige Mietpreiszahlung, Fester Mietzeitraum, abgesichert ist und im Schadensfall den Zugriff auf das Kreditkartenkonto des Mieters enthält. Bei einer „normalen“ Anmietung verlangen die Großvermieter nicht selten eine aktuelle Telefonabrechnung (dient zur Kontrolle ob der Kunde die aktuelle Anschrift angibt, denn die auf dem Personalausweis aufgedruckte Anschrift muss nicht gleich auch die aktuelle sein) den letzten Lohn- oder Gehaltsnachweis (dient ebenfalls zur Bonitätsprüfung) Kreditkarte (dient auch zur Bonitätsprüfung und vor allem auch der Nachbelastung für Kosten die bei der Anmietung noch nicht bekannt waren z.B. Schadensersatzforderung wie Selbstbeteiligung, Tankkosten, Gebühren für Auskunftserteilung an Bußgeldstellen etc.. So gut wie alle Großvermieter haben in Ihren Mietbedingungen stehen, dass die Kreditkarte im Bedarfsfall nachbelastet werden darf und der Kunde bereits bei Vertragsabschluss diesem Vorgehen zustimmt.) Gerade beim Freizeit- oder Touristikgeschäft werden alle nur erdenkliche Sicherheiten abverlangt um das Vermietrisiko überschaubar zu halten.
Eine solche Vermietung entspricht im Bankgeschäft einem mit angemessenen Sicherheiten unterlegten Darlehen. Dementsprechend wird das Kalkulationsergebnis den niedrigsten Zins ausweisen. Es ist bekannt, dass ein erstrangiges Grundschulddarlehen zurzeit für 4,5 % ausgereicht wird, während ein ungesicherter Kontokorrent oder Dispokredit leicht das Doppelte und auch das Dreifache kosten kann. Immer dann, wenn eine größtmögliche Sicherheit gegeben ist, wirkt sich dies auch auf den Preis aus.
Die Vielfalt der Möglichkeiten, Risiken auf die eine oder andere Seite abzuwälzen, ergibt verschiedene Tarife. Dass dies bei Banken oder Versicherungen nicht anders ist, sollte allgemein bekannt sein und erlebt jeder bei seiner Autoversicherung.
Als Beispiel sei hier angeführt:
Ein VW Golf III, mit 60 PS, kostet für einen 60-jährigen Frührentner bei der HUK 24 pro Jahr € 394,00, während ein 20-jähriger Student und Fahranfänger für das gleiche Auto (!) € 2.521,00 bezahlt.
Eine Tarifspanne von sage und schreibe 640 % ! Bei einer derartigen Preisspanne wirft sich unweigerlich die Frage auf, ob diese Spanne nicht als „Abzocke“ bezeichnet werden kann.
Die Versicherungswirtschaft maßt sich jedoch an, die Unfallersatzwagenvermieter bei weit weniger Preisdifferenz als „Abzocker“ zu bezeichnen und genau dies versucht sie auch Geschädigten, Gerichten usw. in Bezug einzureden. Sie verlangt einen Einheitspreis für ganz Deutschland wenn es um die Bezahlung von Mietwagenkosten geht, sie selbst aber hat bei Ihren Tarifen nicht im entferntesten einen Einheitspreis. Bereits Berufszweige oder Besitzer von Eigenheim zu sein, führen bei der Versicherungswirtschaft zu einem anderen Tarif. Dem Autovermieter will man eine Tarifberechnung, orientiert am Risiko absprechen, sie selbst aber unterscheidet sehr wohl nach Risiko und wie das oben dargestellte reale Beispiel zeigt mit einer Tarifdifferenz von bis zu 640%.
Das dies kein Einzelfall ist, beweist auch die im Stern Ausgabe 21/2005 unter der Wirtschaftsrubrik dargestellten Tarifvergleiche. Der Stern hatte in diesem Artikel die Tarifunterschiede aufgezeigt.
Die nachfolgende Tabelle zeigt die doch erheblichen Tarifunterschiede, nach Risiko aufgeteilt ( Haftpflichtversicherung mit Teilkasko Fahrzeug VW Golf III, 60 PS, Baujahr 1999, jährliche Fahrleistung 15000 km, keine Garage) :
Bankkauffrau, 40 Jahre,
Frührentner, 60 Jahre,
12 Jahre unfallfrei
HUK-Coburg 24
Auch die BZ - Berliner Zeitung hat am 04.11.2005, Seite 24 eine umfangreiche Recherche über Versicherungstarife in der Ausgabe vom 24.11.05 veröffentlicht. Hier taten sich Abgründe über die Prämienunterschiede auf. Warum traten diese riesen Unterschiede auf, weil die Versicherungswirtschaft sich nach eigenen Angaben am Risiko orientiert. Dem Autovermieter wird dies von der Versicherungswirtschaft allerdings abgesprochen. Ein merkwürdiges Verhalten.
Anhand dieser Zahlen wird mehr als deutlich, dass die Versicherungswirtschaft mit Tarifen arbeitet, die am Risiko orientiert sind. Anders lassen sich derartige Preisunterschiede auch nicht erklären. Wenn es aber der Versicherungswirtschaft „erlaubt“ ist, ihre Tarife risikoorientiert zu gestalten, dann darf gefragt werden, warum es ein Autovermieter nicht darf. Wie bereits ausgeführt, orientiert sich der Autovermieter bei seiner Tarifgestaltung ebenfalls am Risiko und das Unfallersatzwagengeschäft ist nun einmal mit den höchsten Risiken behaftet und daher muss hier auch ein höherer Tarif betriebswirtschaftlich zum Ansatz gebracht werden. Alles andere führt zu einem defizitären Unternehmen.
Wenn nun die Versicherungswirtschaft (vgl. Aufsatz in NZV 1/06 Seite 13 verfasst von einer Frau Assesorin Claudia Griebenow – selbstverständlich ist Sie eine Mitarbeiterin einer Versicherung – was natürlich im Aufsatz nicht erwähnt wird) erklärt, dass Autovermieter die sich auf das Unfallersatzwagengeschäft spezialisiert haben, keine Bestandschutzgarantie haben, so darf sich gefragt werden wie es denn dann mit den Versicherungsgesellschaften aussieht. Wollte man diesen abwegigen Überlegungen folgen, so müssten die Versicherungen ihr Tarifgebilde sofort umstellen und nur noch einen Einheitstarif anbieten, oder sofort ihre Tätigkeit einstellen. Das wäre die ehrliche Konsequenz aus solchen Ausführungen. In Wahrheit aber geht es den Versicherungen schlicht und ergreifend nur um eines – Prämien zu kassieren, aber im Schadensfall möglichst wenig, am Besten gar nichts bezahlen zu müssen.
Das ist der Wunschtraum der Versicherungswirtschaft.
Die Versicherungswirtschaft allein will bestimmen, was sie gewillt ist zu bezahlen und was nicht, nur darum geht es dieser zweifelhaften Branche. Nicht umsonst gehört die Versicherungswirtschaft zu den stärksten Wirtschaftsmächten in Deutschland.
Die Autovermieter müssen an die Versicherungsunternehmen ebenso am Risiko orientierte Versicherungsprämien bezahlen. Mit welchen Tarifaufschlägen hier gearbeitet wird, zeigt das Beispiel einer großen Versicherung für Selbstfahrervermietfahrzeuge. Im Tarifhandbuch dieser Versicherung für Selbstfahrervermietfahrzeuge ist festgehalten mit welchen Aufschlägen gearbeitet werden soll und hierin heißt es wörtlich:
„ Im Regelfall ist der Höchstzuschlag von 500% zu berechnen……“
Würden derartige Aufschläge auch von Autovermietern vorgenommen werden können, dann ließe sich das auch z.B. an den Gebäudekomplexen erkennen. Bisher ist kein Autovermieter bekannt, der solche Prunkbauten unterhält und solch hohe Gehälter an Vorstände bezahlt wie die Versicherungswirtschaft.
Die Autovermieter haben keine große Auswahl an Versicherungsunternehmen, die das Risiko Selbstfahrermietfahrzeug versichern, vielmehr teilen sich diesen Markt eine handvoll Versicherungen unter sich auf. Ein echter Wettbewerb findet also nicht statt. Es liegen uns eine Vielzahl von Schreiben durch Versicherungsgesellschaften vor, worin der Versicherungsschutz von Selbstfahrervermietfahrzeuge abgelehnt wird, oder erst gar nicht angeboten wird. Es darf aber auch nicht übersehen werden, dass bestimmte Autovermieter, die mit der Versicherungswirtschaft im Bereich Unfallersatz-Vermietung „gut“ zusammenarbeiten, sprich in den Miettarifen mit Versicherungsgesellschaften kooperieren, erheblich vergünstigte Prämien, sozusagen als „Dankeschön“ erhalten.
Im Endergebnis stellen diese günstigen Tarife aber eine indirekte Subventionierung der Miettarife bei diesen Autovermietern dar. Mit diesen günstigen Miettarifen werden dann andere Vermieter konfrontiert und „genötigt“ entweder diese Mietpreise ebenfalls anzuwenden, oder aber es wird die Zahlung bewusst verschleppt, die Zahlung vollständig verweigert, oder es wird die Rechnung des nicht kooperierenden Autovermieter auf diese „günstigen“ Tarife der kooperierenden Autovermieter gekürzt, sodass nur noch der Weg über die Gerichte übrig bleibt. Aber genau mit solchen Prozessen will die Versicherungswirtschaft den Geschädigten ein weiteres mal klar machen, dass es sich nicht lohnt, mit ihr anzulegen und die Rechtssprechung in Deutschland ist derart uneinheitlich, unterschiedlicher kann es schon gar nicht mehr gehen. Würden die Gerichte erkennen, dass sie in aller Regel von den Versicherungen in diesen Prozessen „hinters Licht“ geführt werden, dann könnte man zu einer einheitlichen Rechtssprechung gelangen und die Versicherungswirtschaft würde derart sinnlose Prozesse erst gar nicht mehr anstrengen. Aber solange es die Versicherungswirtschaft immer wieder schafft, sich in einem besseren Lichte darzustellen, als es eigentlich der Fall ist, solange wird es auch diese uneinheitliche Rechtssprechung geben.
Dieses Verhalten mit den vergünstigten Prämien für kooperative Autovermieter, war auch seinerzeit bei der versicherungseigenen Autovermietung Carpartner der Fall. Beim Unternehmen Carpartner wurde seinerzeit das Versicherungsrisiko auf mehrere Versicherungsunternehmen verteilt und somit eine indirekte Subventionierung des Mietwagentarifs über besonders günstige Versicherungsprämien vorgenommen. Auch mit Carpartner verfolgte die Versicherungswirtschaft nur ein Ziel, die Preisgestaltungsfreiheit der gewerblichen Unfallersatzwagenvermieter einzuschränken (vgl. BGH KVR 40/96).
Kommen wir wieder zurück auf den Risikotarif.
Genau wie eine Bank bei Krediten ohne Sicherheiten hohe Zinsen be­rechnet, so stuft eine Versicherung den Führerscheinneuling in einen „Risikotarif“ von nahezu vierfacher Höhe ein. Genauso muss in der Autovermietung die Risiken des Ausfalls oder Veruntreuung des Mietobjekts, das Risiko der Beschädigung, des Vandalismussschadens, des Forderungsausfalls und der Betreibungskosten, Finanzierungskosten der Mietwagenkosten, Nichtplanbarkeit, erhöhter Personalaufwand, erheblicher Schriftverkehr, falsch eingeschätzte Haftung des Geschädigten - Mithaftung, sofortige Verfügbarkeit des Mietwagens, Zahlungsverzögerungen durch die leistungspflichtige Versicherung von bis zu 6 Monaten und mehr, Schadenskosten am Mietwagen da keine Kaution, keinerlei Mietkostensicherheit, Nachbetankungskosten, 24 Stunden Service, ungewisse Mietdauer, ungewisse Kilometerlaufleistung während der Mietzeit usw. mit der höchsten Risikostufe kalkuliert werden.
Fälschlicherweise wird die kalkulatorische Berücksichtigung dieser Risiken "Unfaller­satztarif" genannt, in Wahrheit aber ist er nichts anderes als der Normaltarif. Denn die so genannte „Sicherungsabtretung", die der Autovermieter im UE-Geschäft erhält, ist eine juristische Fachbezeichnung und ansonsten ein weitgehend wertloses Papier. Denn sie deckt die tatsächlichen Risiken dieser Vermietungsart nicht annähernd ab. Keine Bank wäre bereit, die Kreditzinsen allein deshalb zu senken, weil der Kunde ihr eine imaginäre Forderung abtritt. Keine Versicherung würde dem Führerscheinneuling einen niedrigeren Tarif gewähren, nur weil er versichert oder verspricht, vorsichtig zu fahren.
Gerade aber das UE-Geschäft birgt die höchsten Risiken und deshalb bedarf es auch eines Risikotarifes . Beispielhaft werden hier einige genannt:
a) Subjektive Einschätzung der Haftungsfrage durch den Geschädigten, was dazu führt das entweder eine Teilschuld oder sogar die volle Haftung bei der Regulierung festgestellt wird.
b) Den vom „Geschädigten“ erklärten Unfall hat es gar nicht gegeben.
c) Der angebliche Geschädigte ist gar nicht Halter des beschädigten Fahrzeuges und der tatsächliche Halter erklärt später, dass er mit der Anmietung nicht einverstanden sei.
d) UE-Mieter verursachen wesentlich öfter einen selbstverschuldeten Unfall, was u.a. die Prämien des UE-Vermieters in die Höhe treibt und zusätzlich erhöhter Arbeitsaufwand, da keine Kreditkarte belastet werden kann. Eine interne Auswertung ergab, dass bei 10 UE-Mietungen 5 Schäden selbstverschuldet verursacht werden, während im Bargeschäft bei 10 Mietungen nur 2 Schadensfälle sind. Eventuelle Selbstbeteiligungen müssen langwierig beigetrieben werden, da der UE-Vermieter keine Kaution in Form eines Kreditkartenbelegs als Sicherheit hat.
e) erhebliche Forderungsausfälle verursacht durch eine falsche Bewertung der Haftung von Seiten des Geschädigten, Fahrzeug wird vom Geschädigten über das Reparatur Ende hinaus weiterbenutzt, Rechnungskürzung wegen angeblich zu langer Reparaturdauer, totaler Rechnungsausfall weil es den Unfall nie gegeben hat, totaler Rechnungsausfall da sich der Unfall im nachhinein als vorsätzlich verursacht heraus gestellt hat, unberechtigte Kürzung durch den Versicherer, Schadensforderung an den Geschädigten, Tankkosten.
f) erheblicher Mehraufwand von Personal und dadurch höhere Personalkosten, oder Kosten für ein Spezialfahrzeug zur Fahrzeugbeförderung für Zustellung und Abholung.
g) Nachdem die Bezahlung nicht sofort bei Anmietung erfolgt, müssen die Mietwagenkosten fakturiert und kreditiert werden und der Eingang der Zahlungen muss überwacht werden. Aufgrund der Tatsache, dass sich die Versicherungswirtschaft beim Ausgleich der Rechnung bis zu 6 Monate und teils auch mehr Zeit lässt, entsteht ein Mehraufwand an Mahnwesen, Telefonaten und Faxe, bis hin zum Mahn- oder Klageverfahren.
h) Zinsverlust und Zwischenfinanzierung der Mietwagenrechnung
i) keinerlei Sicherheiten durch Kautionshinterlegung z.B. durch eine Kreditkarte und dadurch auch kein Rückgriff auf das Kreditkartenkonto.
j) Es kann einem Geschädigten aber auf der anderen Seite ein Ersatzfahrzeug nicht verwehrt werden, nur weil er keine Kreditkarte oder keine sonstige Sicherheit bieten kann, denn er hat sich diese Situation ja nicht selbst ausgesucht.
An diesen beispielhaften Aufzählungen wird deutlich, dass der UE-Markt eben ein eigenständiger Markt und insbesondere ein Risikomarkt ist ( wie auch im Carpartnerverfahren festgestellt vgl. BGH KVR 40/96 und Kammergericht Berlin Kart 18/95 ) und damit auch ein anderes Preisgefüge gegenüber dem Barzahlertarif betriebswirtschaftlich haben muss. Alles in allem stellt sich der im Volksmund genannte „Unfallersatztarif“ als der betriebswirtschaftlich notwendige Normaltarif bzw. Risikotarif dar.
Zusammenfassend möchten wir nochmals auf das Marketing zurückkommen. Ein Arbeitsloser mag zwar die Rolex im Schaufenster bewundern, aber er geht nicht in den Juwelierladen und mault dort über die hohen Preise. Rolex wiederum inseriert nicht ganzseitig in der Bildzeitung, sondern im Spiegel, etc. Kein Airportbusiness-Kunde fragt beim UE-Vermieter nach der Flottensortierung oder dem Nachtdienst. Deshalb bieten wir unseren Service auch nicht im Travel-Magazin, sondern beim Autoreparaturgewerbe an.
Nun treibt die Rechtsprechung in manchen Regionen ja seltsame Blüten und verlangt vom Geschädigten, dass er doch seine Kreditkarte einsetzen soll, um an einen billigen Tarif zu kommen. Einmal ganz abgesehen davon, dass wir es für schadensersatzrechtlich nicht zulässig halten, dem Geschädigten eine solche Forderung aufzuerlegen, lässt sich dies in der Praxis gar nicht umsetzen.
Wenn man es dem Geschädigten beim Mietwagen zumuten wollte, seine Kreditkarte einzusetzen, müsste dies für alle unfallbedingten Kosten gelten, denn auch hier gelten andere Tarife, nämlich höhere. Alles andere wäre gegenüber den Unfallersatzwagen-Vermietern eine Diskriminierung, wollte man das Einsetzen der Kreditkarte auf die Bezahlung der Mietwagenkosten beschränken, während es bei allen anderen Schadenskosten ohne Probleme mittels Abtretung geht.
Jeder Geschädigte würde sich fragen warum muss er nur bei den Mietwagenkosten seine Kreditkarte einsetzen. Aus diesem Grunde ist eine solche Forderung abwegig, realitätsfremd, diskriminierend und rechtlich höchstproblematisch. Der Geschädigte benötigt ja nicht einen Mietwagen, weil er mal eben lustig ist, sondern weil ein anderer sein Eigentum beschädigt hat und genau hier ist der Schädiger in der Pflicht und gefordert und nicht der Geschädigte.
Der Versicherungswirtschaft geht es ausnahmslos darum, ihr unangenehme Marktteilnehmer – hier die Unfallersatzwagenvermieter- auszuschalten und mit falschen Sachvorträgen die deutschen Gerichte zu täuschen. Gerade in diesen Prozessen wird von Seiten der Versicherungswirtschaft gelogen und falsch vorgetragen was das Zeug hält. Das Ziel dieser Prozesse ist es, ein von der Versicherungswirtschaft angenehmen Mietpreis für Unfallersatzwagen als Referenzpreis und Einheitspreis für ganz Deutschland am Markt festzuschreiben. Damit ergibt sich in der Bundesrepublik Deutschland die einmalige Situation, dass ein fremder Marktteilnehmer – hier die Versicherungswirtschaft – einem anderen Marktzweig ihre „Zwangstarife“ über den Weg der Gerichte festschreiben will. Auf der anderen Seite aber kennt das Rechtssystem in der Bundesrepublik Deutschland keinen Einheitspreis. Offensichtlich ist dies noch nicht bis zu den Versicherungen durchgedrungen.
Es wäre wünschenswert, dass Versicherungsnehmer in ähnlicher Weise gegen die Versicherungsgesellschaften wegen deren Prämien gerichtlich vorgingen, die Offenlegung der Kalkulationen einforderten, um damit auch einen Referenzpreis bzw. Einheitspreis für Versicherungsprämien selbstverständlich dann auch für ganz Deutschland festgelegt werden könnte.
Es wäre höchst interessant, wie die Versicherungswirtschaft auf solche Prozesse und Forderung nach Offenlegung der betriebswirtschaftlichen Kalkulation über die Notwendigkeit der verlangten Tarife reagieren würde.
Man kann es fast schon erahnen, sie würden „sturmlaufen“.
Streng genommen stellen die ständigen ungerechtfertigten Rechnungskürzungen Straftatbestände dar, namentlich des Betruges und der Nötigung.
Wenn die Versicherungswirtschaft auf der einen Seite genau diesen von Ihr so sehr bekämpften „Unfallersatztarif“ als Berechnungsgrundlage des Nutzungsausfalls verwendet und auf der anderen Seite aber behauptet, dieser Tarif sei nicht marktgerecht und überzogen oder überteuert, so wird sowohl der Autovermieter, wie auch der Geschädigte getäuscht und genau diese bewusste Täuschung stellt einen Betrug zum Nachteil der Autovermietung und Geschädigten dar. (vgl. Gutachten Prof. Dr. Dr. h.c. Harro Otto, Lehrstuhl für Strafrecht, Strafprozessrecht und Rechtsphilosophie an der Universität Bayreuth)
Nötigung warum?
Mit der fortlaufenden Rechnungskürzung will der Versicherer erreichen, dass der Autovermieter um an sein Geld zu kommen gegen den eigenen Kunden vorgeht. Dies spricht sich schnell herum und die Kunden bleiben aus oder der Autovermieter beugt sich und geht auf das Preisdiktat der Versicherungswirtschaft ein, um seine potentiellen Kunden nicht zu verlieren. (vgl. Gutachten Prof. Dr. Dr. h.c. Harro Otto, Lehrstuhl für Strafrecht, Strafprozessrecht und Rechtsphilosophie an der Universität Bayreuth)
Das im Unfallersatzwagengeschäft betriebswirtschaftlich höhere Preise erforderlich sind, ergibt sich auch aus dem Gutachten von Hr. Prof. Dr. Wolfgang Meinig, Otto-Friedrich-Universität Bamberg, Betriebswirtschaftslehre, insbes. Automobilwirtschaft vom 24.Oktober 2005 und aus der neutralen Erhebung der DEKRA Automobil GmbH, Zentralverband des Deutschen Kraftfahrzeuggewerbe und der Professoren Neidhard und Kremer vom 28.10.2005.
Zum gleichen Ergebnis kommt auch die Kontor Unternehmensberatung Dr. Ulrich Götte, Bielefeld im Juni 2005.
Mittlerweile wurden durch die verschiedensten Landgericht wie vom BGH gefordert, betriebswirtschaftliche Gutachten über die Notwendigkeit der Unfallersatztarife eingeholt. Nachdem die Versicherungswirtschaft aber feststellen musste, dass diese Gutachten nicht zu ihren Gunsten ausfielen, erscheint sofort ein Aufsatz in einer Fachzeitschrift für öffentlich und vereidigte Sachverständige und wie kann es anders sein, Verfasser dieses Aufsatzes ist wieder einmal Griebenow (Mitarbeiterin einer Versicherung).
Liest man diesen Aufsatz genauer, so bleibt einem sachkundigen Leser der Eindruck nicht erspart, das es wohl ein Versuch ist, mit diesem Aufsatz Sachverständige zu verunsichern, zu beeinflussen oder gar einzuschüchtern wenn in diesem Aufsatz die Rede von Schadensersatzansprüchen gegen den Sachverständigen ist. Auch wird sich in diesem Aufsatz darüber beschwert, dass die ergangenen Beweisbeschlüsse anders hätten erfolgen müssen. Es sei jedoch angemerkt, dass nicht die Versicherung einen Beweisbeschluss erlässt, sondern ausnahmslos das Gericht. Eine Versicherung ist keine Instanz von Unparteilichkeit, sie kann nicht neutral sein, da sie leistungspflichtig ist und bleibt. Dies ist der feine Unterschied, an dem sich auch eine Versicherung in einem Rechtsstaat zu halten hat.
Hr. Prof. Dr. Helmut Köhler und Dr. Christian Alexander kommen in Ihrem Rechtsgutachten vom Februar 2006 zu dem Ergebnis, dass der Unfallersatztarif dem Geschädigten zu erstatten ist. Hr. Prof. Dr. Köhler ist Lehrstuhlinhaber der Juristischen Fakultät der Ludwig-Maximilian Universität in München.
Alles in allem, die Versicherungswirtschaft hat eine Lobby, die kleinen- und mittelständischen Autovermieter haben keine, sondern sind dieser Wirtschaftsmacht schlicht und ergreifend ausgeliefert. Das wird solange gehen, bis auch der letzte Unfallersatzwagenvermieter und hier sind es ausnahmslos die klein- und mittelständischen Betriebe, vom Markt verschwunden sind und mit Ihnen wiederum eine Vielzahl von Arbeitsplätzen, was bleibt ist das Kartell der Versicherungswirtschaft mit ein paar überregionalen und internationalen tätigen Autovermieter.
Es liegt ganz allein an den Geschädigten, dessen Aufklärung und den für die Geschädigten tätigen Rechtsanwälten, der Verhaltensweise und dem ausufernden Regulierungsverhalten der Versicherungswirtschaft einen Riegel vorzuschieben. Als angemessene Antwort auf diese Verhaltensweise, wie auch dem Schadensmanagement der Versicherungswirtschaft, diese mit Hilfe von Verkehrsrechtsanwälten bei Zahlungsverweigerung mit einer Klage zu überziehen.
In diesem Falle würden höchstwahrscheinlich auch die Gerichte aufwachen und die Versicherungswirtschaft könnte nicht noch weiter ihre unermesslichen Machtstrukturen ausbauen.
Sie möchten einmal eine Kalkulation einer Autovermietung näher ansehen, dann klicken Sie einfach auf diesen Link. (PDF Datei)
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