Source: https://findok.bmf.gv.at/findok?stammNr=24901
Timestamp: 2019-10-19 13:14:47
Document Index: 216191978

Matched Legal Cases: ['§ 12', '§ 8', '§ 4', '§ 2', '§ 2', '§ 11', '§ 5', '§ 10', '§ 10', '§ 3']

Berufungsentscheidung - Steuer (Referent) des UFSI vom 09.11.2006, RV/0216-I/05
Der unabhängige Finanzsenat hat über die Berufung der L, Adr, vertreten durch Steuerberater, gegen den Bescheid des Finanzamtes Innsbruck vom 3. Dezember 2003 betreffend Schenkungssteuer (Erwerb von C) entschieden:
Die Miteigentümer der Liegenschaft in EZ1 haben mit Notariatsakt am 8. Juli 2003 einen "Schenkungs- und Wohnungseigentumsvertrag" abgeschlossen, worin unter Punkt "Erstens" zunächst der aktuelle Grundbuchsstand, konkret die Eigentumsverhältnisse wie folgt festgehalten wurden: 1. M: 877/3388-Anteile, verbunden mit Wohnungseigentum an Top 1(= "PensionI"); 37/3388-Anteile, verbunden mit Wohnungseigentum an Top 5 (= Tiefgaragenabstellplatz); 146/3388-Anteile, verbunden mit Wohnungseigentum an Top 8 (= Stall, Scheune); 310/1694-Anteile, verbunden mit Wohnungseigentum an Top 7 (= "PensionS"); insgesamt sohin 1680/3388 = 840/1694-Anteile. 2. dessen Ehegattin L (= Berufungswerberin, Bw): 877/3388-Anteile, verbunden mit Wohnungseigentum an Top 1; 37/3388-Anteile, verbunden mit Wohnungseigentum an Top 5; 146/3388-Anteile, verbunden mit Wohnungseigentum an Top 8; insgesamt sohin 1060/3388 = 530/1694-Anteile (= je hälftiges Ehegatten-Wohnungseigentum, verbunden gem. § 12 Abs. 1 WEG 1975). 3. V-GmbH: 76/3388-Anteile, verbunden mit Wohnungseigentum an Top 2 (Ferienwohnung, 1.OG, "HotelV"); 76/3388-Anteile, verbunden mit Wohnungseigentum an Top 3 (Ferienwohnung, 2. OG, "HotelV"); 242/3388-Anteile, verbunden mit Wohnungseigentum an Top 6 (= Tiefgaragenabstellplatz); insgesamt sohin 394/3388 = 197/1694-Anteile. 4. C: 127/1694 = 254/3388-Anteile, verbunden mit Wohnungseigentum an Top 4 (= Tiefgaragenabstellplatz).
Das Finanzamt hat daraufhin ua. der Bw mit Bescheid vom 3. Dezember 2003, StrNr, ausgehend vom anteiligen dreifachen Einheitswert der von C zugewendeten Miteigentumsanteile gemäß § 8 Abs. 1 und 4 Erbschafts- und Schenkungssteuergesetz (ErbStG), BGBl. 1955/141 idgF, Schenkungssteuer im Betrag von € 896,50 vorgeschrieben.
Nach der abweisenden Berufungsvorentscheidung vom 11. März 2005 hat die Bw mit rechtzeitigem Antrag die Vorlage der Berufung zur Entscheidung durch die Abgabenbehörde II. Instanz begehrt und - nach Verweis auf das bisherige Vorbringen - im Wesentlichen noch eingewendet: Es treffe zu, dass die vormalige Nutzwertberechnung laut Beschluss im Grundbuch durchgeführt worden sei. Diese habe zahlreiche Mängel aufgewiesen, sodass X mit der Erstellung einer neuen Nutzwertberechnung beauftragt wurde, wobei dies für ihn einfacher gewesen wäre, als die bisherige zu berichtigen. Es seien dabei die getätigten Zu- und Umbauten (Sauna, Privatzimmer etc., lt. Baubescheid aus 2001) auf bereits im Eigentum der Ehegatten M und L befindlichen Flächen berücksichtigt worden, dh es seien vor allem die Anteile neu berechnet worden. Im Wesentlichen handle es sich somit nur um die Berichtigung des mit der Nutzwertberechnung von A bereits grundbücherlich eingetragenen Bestandes. Die im Vertrag angeführte Schenkung beziehe sich nur auf die der Bw vom Ehegatten zugewendeten 310/3388-Anteile. Am Bestand des Eigentums der V-GmbH sowie der C habe sich dagegen in der Natur nichts geändert, vielmehr handle es sich eigentlich nur um eine Berichtigung zufolge der bisherigen Mängel in der Nutzwertberechnung und der geringfügig durchgeführten Baumaßnahmen. Nach § 4 Abs. 2 WEG bestehe bei Neufestsetzung der Nutzwerte eine gesetzliche Verpflichtung zur gegenseitigen Übertragung der Miteigentumsanteile, weshalb nicht ohne Weiteres eine Schenkung unterstellt werden könne.
An Sachverhalt steht anhand der Aktenlage fest, dass die Bw aufgrund der Nutzwertfestsetzung aus dem Jahr 1997 grundbücherliche Mit- und Wohnungseigentümerin mit einem Anteil von gesamt 530/1694 war. In Zusammenhalt mit der Neufestsetzung der Nutzwerte bzw. "Berichtigung" der bisherigen Nutzwertberechnung wurde vorab unter Vertragspunkt "Fünftens" ein Schenkungsvertrag abgeschlossen, wonach ua. nach dem dortigen Punkt 3. die C der Bw 70.421/6,216.980-Anteile (dies umgerechnet auf den gemeinsamen Nenner hinsichtlich der neuen Nutzwerte von gesamt 1835) "im Wege der Schenkung", sohin unentgeltlich, hiemit übergibt; die Geschenknehmerin nimmt diese Schenkung dankend an, auf Widerruf wird verzichtet. Des Weiteren wird zB in Vertragspunkt "Zwölftens" Bezug genommen auf den "Schenkungsvertrag", die "Schenkungsobjekte" und die "Geschenknehmer".
Wenn die Bw demgegenüber einwendet, es sei tatsächlich "in der Natur" keine Bestandsänderung eingetreten, so ist zu entgegnen, dass diesfalls - wenn also nach dem Dafürhalten der Bw es zu gar keinem Vermögensübergang gekommen wäre - der Abschluss eines Schenkungsvertrages an sich nicht nachvollziehbar erscheint. Zur Verdeutlichung ist dazu näher auf die Rechtsnatur des Wohnungseigentums einzugehen: Nach § 2 Abs. 1 Wohnungseigentumsgesetz 2002, BGBl I Nr. 70/2002 (WEG 2002; in Geltung ab 1. Juli 2002), ist das Wohnungseigentum das dem Miteigentümer einer Liegenschaft oder einer Eigentümerpartnerschaft eingeräumte dingliche Recht, ein Wohnungseigentumsobjekt (= Wohnung, sonstige selbständige Räumlichkeit, Abstellplatz für Kraftfahrzeug) ausschließlich zu nutzen und hierüber allein zu verfügen. Nach § 2 Abs. 9 WEG ist der zum Erwerb des Wohnungseigentums erforderliche Mindestanteil ein solcher Miteigentumsanteil, der dem Verhältnis des Nutzwertes des Objektes zur Summe der Nutzwerte aller Wohnungseigentumsobjekte der Liegenschaft entspricht. Nach § 11 Abs. 1 WEG ist das Wohnungseigentum mit dem Mindestanteil untrennbar verbunden. Es kann nur zusammen mit diesem beschränkt, belastet, veräußert, von Todes wegen übertragen und der Zwangsvollstreckung unterworfen werden. Nach § 5 Abs. 3 WEG wird das Wohnungseigentum durch die Einverleibung in das Grundbuch erworben. Es ist im Eigentumsblatt auf dem Mindestanteil einzutragen. Unter Beachtung dieser Rechtslage wird deutlich, dass durch Schenkung von 70.421/6,216.980-Anteilen seitens der C, dies veranlaßt durch die neue Nutzwertfestsetzung, bei der Bw eine Zunahme deren Mindestanteiles und damit ihres Miteigentumsanteiles in diesem Ausmaß erfolgte, was auch in Anbetracht der Aufsandungserklärung seinen Niederschlag in einer entsprechenden Grundbuchsänderung und damit zur Änderung des vormals eingetragenen Wohnungseigentums führt, insoweit eindeutig ein Vermögenswert übertragen wurde. Durch Abschluss des "Schenkungsvertrages" wurde jeden Zweifel ausschließend dokumentiert, dass durch die Änderung der Nutzwerte im rechtlichen Ergebnis eine Vermögensverschiebung erfolgen sollte. Daran ändert auch der Einwand nichts, dass es sich bei der neuen Nutzwertfestsetzung lediglich um eine Berichtigung der bisher mangelhaften Parifizierung handle und sich am faktischen Bestand in natura nichts geändert habe.
In § 10 Abs. 3 WEG 2002 wird bestimmt, dass bei einer Neufestsetzung der Nutzwerte "die Miteigentümer gegenseitig Miteigentumsanteile in einem solchen Ausmaß zu übernehmen und zu übertragen (haben), dass jedem Wohnungseigentümer der nun für sein Wohnungseigentumsobjekt erforderliche Mindestanteil zukommt. Mangels vereinbarter Unentgeltlichkeit ist für die übernommenen Miteigentumsanteile ein angemessenes Entgelt zu entrichten. Die durch die einzelne Übertragung entstehenden Kosten und Abgaben hat der Miteigentümer zu tragen, dem ein Miteigentumsanteil übertragen wird. ...".
Demnach ist der Gesetzgeber davon ausgegangen, dass bei einer im Zuge der Neufestsetzung der Nutzwerte erforderlichen Anteilsübereignung eine objektive Bereicherung des Anspruchsberechtigten erfolgt, die grundsätzlich der Abgeltung bedarf. Für den übernommenen Miteigentumsanteil ist daher grundsätzlich ein angemessenes Entgelt zu leisten. Diese in § 10 Abs. 4 WEG 2002 so bezeichnete "Ausgleichspflicht" ist - entgegen dem Einwand der Bw - auch völlig unabhängig bzw. getrennt von der Verpflichtung zur gegenseitigen Anteilsübertragung zu betrachten.
Freigebigkeit bedeutet, dass der Leistende oder Versprechende die unentgeltliche Leistung freiwillig auf sich nimmt (Dorazil aaO, § 3 Rz. 2.1.). Im Gegenstandsfalle erfolgte die Übertragung der Miteigentumsanteile an die Bw entsprechend der vereinbarten Schenkung unentgeltlich, obwohl das Gesetz der übergebenden C die Möglichkeit geboten hätte, ein angemessenes Entgelt zu fordern. Indem sie aber darauf verzichtete, hat sie sohin die unentgeltliche Leistung freiwillig auf sich genommen und ist damit auch das Tatbestandsmerkmal der Freigebigkeit erfüllt.
Findok-Nr: 24901.1, aufgenommen am: 23.11.2006 14:21:54, Dokument-ID: f286340d-08a8-4abe-9b43-97adf6cabfad, Segment-ID: 3fd17135-932b-4df9-aee2-136c18e83b24