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Timestamp: 2019-03-18 18:29:32
Document Index: 65757690

Matched Legal Cases: ['OGH', 'OGH', 'OGH', 'OGH', 'OGH', 'OGH', 'OGH', '§ 89', 'OGH', 'OGH', 'OGH', 'OGH', 'OGH', '§ 20', 'OGH', 'OGH', 'OGH', '§ 89', 'OGH', 'OGH']

10.5.2.6.Eingaben an Behörden
Die Beweislast dafür, daß die Eingabe bei der Behörde tatsächlich eingelangt ist, trägt der Absender: VwGH 06.07.2011, 2008/13/0149, ÖStZB 2012/160, 322.
Siehe dazu: Köhler, Aktuelle Rechtsprechung des VwGH zum Verwaltungsverfahren - Verkehr zwischen den Parteien und Behörden, ÖJZ 2007/48, 561.
Eingaben per Post
Eine Eingabe ist dann grundsätzlich dann rechtzeitig, wenn das Schriftstück innerhalb der Frist zur Post gebracht wird (Poststempel). Bloße Verzögerungen im Postlauf wegen unrichtiger Adressierung sind dann unerheblich, wenn die Post das Schriftstück schlußendlich dem richtigen Gericht zustellt: OGH 22.04.2008, 10 Ob 49/08s, Anwbl 2008/8149, 327 = EvBl 2008/143, 732. Geht das Schriftstück auf dem Postweg verloren, so gilt die Frist als versäumt. Dem Rechtsmittelwerber steht (nur) die Wiedereinsetzung in den vorigen Stand offen: VwGH 26.07.2017, Ra 2016/13/0039, ÖStZB 2018/203, 442.
Eingaben per Telefax
Langt eine Berufung bei der Behörde am letzten Tag der Frist nach den Amtsstunden ein, so ist die Berufung nach Rechtsansicht des VwGH verspätet und daher zurückzuweisen: VwGH 05.07.2000, 2000/03/0152, AnwBl 2001, 164. Der VfGH ist anderer Ansicht: Die Zurückweisung einer solchen Berufung verletzt das Grundrecht des Berufungswerbers auf den gesetzlichen Richter: VfGH 26.06.2000, B 460/00; VfGH 25.09.2000, B 1280/00, AnwBl 2001, 164; VfGH 09.03.2004, B 1493/03. Tip daher: Solche Zurückweisungsbescheide nicht beim VwGH, sondern beim VfGH bekämpfen!
Das Einbringen einer Beschwerde an das Zollamt mittels E-Fax ist unzulässig: VwGH 21.11.2017, Ra 2017/16/0141, ÖStZB 2018/280, 617.
Zum besonders delikaten Fall, daß die Sendung des Telefax vor Mitternacht des letzten Tages beginnt und nach Mitternacht endet: VwGH 27.04.2006, 2005/17/0269, ÖStZB 2006/531, 637; OGH 27.05.2015, 6 Ob 43/15i, JBl 2015, 667.
In einem neueren Erkenntnis hat sich der VwGH nun offenbar der Rechtsansicht des VfGH angeschlossen: VwGH 23.01.2007, 2006/11/0159, JBl 2007, 607.
Auch im Zivilprozeß ist ein Fax rechtzeitig bis Mitternacht des letzten Tages: OGH 15.01.2009, 6 Ob 279/08k, EvBl-LS 2009/70, 425. Zur Rechtzeitigkeit eines Telefax-Rekurses im Insolvenzverfahren: OGH 27.11.2012, 8 Ob 122/12t, Zik 2013/103, 71.
Den Absender trifft das Risiko, daß sein Fax aufgrund eines Eingabefehlers oder eines technischen Gebrechens nicht (vollständig) bei Gericht einlangt: OGH 26.05.2004, 7 Ob 94/04f, JBl 2005, 45; OGH 30.05.2011, 2 Ob 133/10p, ecolex 2011/321, 820 (nach Dienstschluß).
Ein Fax an eine falsche Nebenstelle des richtigen Gerichtsgebäudes wahrt die Frist nicht: OGH 24.01.2008, 6 Ob 277/07i, ecolex 2008/111, 324 = RdW 2008/295, 339 = EvBl 2008/107, 541 = JBl 2008, 594 (Marxergasse).
Der Vergleichswiderruf per Telefax ist wirksam, wenn die Vorschriften der §§ 89 Abs.3 GOG und 60 Geo (Nachreichen eines unterfertigten Schriftsatzes) eingehalten werden: OGH 30.09.2002, 1 Ob 178/02m, RdW 2003/78, 90 = JBl 2003, 453. Kommt eine Eingabe per Telefax verstümmelt an, so kann sie durch späteres Nachreichen des unterfertigten Schriftsatzes nicht mehr saniert werden. Es gilt nur das, was im Fax wirklich angekommen ist, und es findet kein Verbesserungsverfahren statt: OGH 14.09.2004, 10 Ob 34/04d, RdW 2005/45, 30.
Faxe vom und zum Finanzamt, SWK 2005, 491
Siehe dazu die VO BGBl 494/1991.
Im Allgemeinen Verwaltungsverfahren sind Eingaben auch per e-mail erlaubt. Sie sind rechtzeitig, wenn sie bis 24:00 Uhr des letzten Tages der Frist auf dem Server der Behörde einlangen: VwGH 22.04.2009, 2008/04/0089, ecolex 2009/285, 718. Zur Frage, wann eine Berufung per E-Mail als "eingebracht" gilt: VwGH 29.01.2010, 2008/10/0251.
Unzulässig und unwirksam sind Eingaben per e-mail insbesondere vor
Gericht OGH 31.05.2011, 10 Ob 28/11g, ecolex 2011/320, 819 (Original nachgereicht) und
den Abgabenbehörden: VwGH 27.09.2012, 2012/16/0082, SWK 2012, 1557 = ÖStZB 2013/356, 687 (weder Verbesserungsauftrag noch Zurückweisungsbeschluß!); UFS 28.05.2009, RV/0955-W/04, SWK 2009 S 842, 1234; BFG 13.10.2016, RV/7103438/2016 (Vorlageantrag ignoriert). Das selbst dann, wenn der anbefochtene Abgabenbescheid die e-mail-Anschrift des Referenten enthält: VwGH 25.01.2006, 2005/14/0126, AnwBl 2006/8070, 608; beim Bundesfinanzgericht per E-Mail eingebrachte Revision an den Verwaltungsgerichtshof: VwGH 26.04.2018, Ro 2017/16/0025, SWK 2018, 1157.
Eingaben per E-Mail an den Gerichtskommissär sind jedoch wirksam: OGH 19.12.2016, 2 Ob 212/16i, NZ 2017/46, 116.
Zulässigkeit von E-Mails in der BAO?, SWK 2016, 654
Zur Rechtzeitigkeit einer Berufung: OGH 01.09.2010, 6 Ob 103/10f, ecolex 2010/431, 1158. Eingaben an das Bundesverwaltungsgericht gelten nur innerhalb der Amtsstunden als eingebracht (§ 20 Abs. 2 GO BVwG). Das gilt auch für Revisionen an den Verwaltungsgerichtshof, die beim Bundesverwaltungsgericht einzubringen sind. Revisionen, die am letzten Tag der Frist nach Ablauf der Amtsstunden eingebracht werden, sind deshalb verspätet: VwGH 17.11.2015, Ra 2014/01/0198.
Leere Rechtsmittel sind verbesserbar: OGH 25.05.2016, 9 Ob 26/16p, Zak 2016/414, 219; OGH 21.05.2013, 1 Ob 70/13w; anders noch OGH 12.11.2009, 2 Ob 212/09d.
Als Zeitpunkt der Zustellung gilt immer der folgende Werktag (§ 89d Abs 2 GOG): OGH 07.03.2013, 1 Ob 26/13z, Zak 2013/408, 223. Elektronische Zustellprobleme wirken im Zweifel zugunsten des Empfängers: OGH 02.10.2012, 10 ObS 113/12h, EvBl 2013/54, 370 (Protokoll).