Source: https://www.rechtslupe.de/zivilrecht/stufenklage-und-das-zu-weit-gehende-auskunftsbegehren-3109835
Timestamp: 2020-08-12 18:30:05
Document Index: 140626565

Matched Legal Cases: ['§ 254', '§ 254', '§ 253', '§ 254', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 254', '§ 3', 'BGH']

Stufenklage - und das zu weit gehende Auskunftsbegehren | Rechtslupe
Stufenklage - und das zu weit gehende Auskunftsbegehren
Stu­fen­kla­ge – und das zu weit gehen­de Aus­kunfts­be­geh­ren
Eine Stu­fen­kla­ge ist nicht zuläs­sig, wenn die Aus­kunft nicht dem Zweck der Bestimm­bar­keit des Leis­tungs­an­spruchs die­nen, son­dern dem Mie­ter sons­ti­ge mit der Bestimm­bar­keit als sol­cher nicht im Zusam­men­hang ste­hen­de Infor­ma­ti­on über sei­ne Rechts­ver­fol­gung ver­schaf­fen soll [1]. Dies bedeu­tet aber nicht, dass eine Stu­fen­kla­ge nach § 254 ZPO nur dann zuläs­sig ist, wenn durch die in der ers­ten Stu­fe gel­tend gemach­te Aus­kunft alle Infor­ma­tio­nen zu erlan­gen sind, die für die Bezif­fe­rung des in einer wei­te­ren Stu­fe ver­folg­ten Leis­tungs­an­spruchs not­wen­dig sind.
Im Rah­men einer Stu­fen­kla­ge wird die – an sich zur Unzu­läs­sig­keit eines Teil­ur­teils füh­ren­de – Gefahr wider­spre­chen­der Ent­schei­dun­gen über die auf den ein­zel­nen Stu­fen einer sol­chen Kla­ge gel­tend gemach­ten Ansprü­che hin­ge­nom­men [2]. Dies erkennt auch die Revi­si­on. Sie macht aber gel­tend, die im Streit­fall erho­be­ne Stu­fen­kla­ge erfül­le nicht die Vor­aus­set­zun­gen des § 254 ZPO. Eine sol­che Kla­ge sei nach höchst­rich­ter­li­cher Recht­spre­chung nur dann zuläs­sig, wenn die in ers­ter Stu­fe ver­folg­te Aus­kunft dazu benö­tigt wer­de, den in einer wei­te­ren Stu­fe gel­tend gemach­ten Leis­tungs­an­trag nach § 253 Abs. 2 Nr. 2 ZPO bezif­fern zu kön­nen. So lägen die Din­ge im Streit­fall jedoch nicht. Denn die Mie­ter benö­tig­ten zur Bezif­fe­rung ihres Scha­dens­er­satz­an­spruchs (Dif­fe­renz zwi­schen dem Ver­kehrs­wert der Woh­nung abzüg­lich des erziel­ten Kauf­prei­ses) nicht ledig­lich die ver­lang­te Aus­kunft über den Inhalt des Kauf­ver­trags, son­dern zusätz­li­che Infor­ma­tio­nen, wie etwa den tat­säch­li­chen Wert der Woh­nung zum Zeit­punkt ihres Ver­kaufs.
Nach den von der höchst­rich­ter­li­chen Recht­spre­chung auf­ge­stell­ten Grund­sät­zen ist es für die Erhe­bung einer Stu­fen­kla­ge nach § 254 ZPO nicht erfor­der­lich, dass durch die in der ers­ten Stu­fe gel­tend gemach­te Aus­kunft alle Infor­ma­tio­nen zu erlan­gen sind, die für die Bezif­fe­rung des in einer wei­te­ren Stu­fe ver­folg­ten Leis­tungs­an­spruchs not­wen­dig sind.
Zwar trifft es zu, dass im Rah­men der Stu­fen­kla­ge die Aus­kunft ledig­lich ein Hilfs­mit­tel ist, um die (noch) feh­len­de Bestimm­bar­keit des Leis­tungs­an­spruchs her­bei­zu­füh­ren. Die der Stu­fen­kla­ge eige­ne Ver­knüp­fung von unbe­stimm­tem Leis­tungs­an­spruch und vor­be­rei­ten­dem Aus­kunfts­an­spruch steht daher nicht zur Ver­fü­gung, wenn die Aus­kunft nicht dem Zwe­cke einer Bestimm­bar­keit des Leis­tungs­an­spruchs die­nen, son­dern dem Mie­ter sons­ti­ge mit der Bestimm­bar­keit als sol­cher nicht im Zusam­men­hang ste­hen­de Infor­ma­ti­on über sei­ne Rechts­ver­fol­gung ver­schaf­fen soll [3].
Dar­aus lässt sich jedoch nicht ablei­ten, eine Stu­fen­kla­ge schei­de auch dann aus, wenn nur ein Teil der für die Bezif­fe­rung benö­tig­ten Infor­ma­tio­nen im Wege der Aus­kunfts­kla­ge zu erlan­gen ist. Viel­mehr ist eine Stu­fen­kla­ge nur dann aus­ge­schlos­sen, wenn der in ers­ter Stu­fe ver­folg­te Aus­kunfts­an­spruch in kei­ner Wei­se der nähe­ren Bestim­mung eines noch nicht hin­rei­chend bestimm­ten, in einer nach­fol­gen­den Stu­fe gel­tend gemach­ten Leis­tungs­be­geh­rens, son­dern ande­ren Zwe­cken dient [4].
Bun­des­ge­richts­hof, Ver­sä, umnis­ur­teil vom 6. April 2016 – VIII ZR 143/​15
im Anschluss an BGH, Urtei­le vom 02.03.2000 – III ZR 65/​99, NJW 2000, 1645 unter 1 a; vom 29.03.2011 – VI ZR 117/​10, aaO Rn. 8; vom 17.10.2012 – XII ZR 101/​10, NJW 2012, 3722 Rn. 13[↩]
BGH, Urteil vom 29.03.2011 – VI ZR 117/​10, BGHZ 189, 79 Rn. 17[↩]
BGH, Urtei­le vom 02.03.2000 – III ZR 65/​99, NJW 2000, 1645 unter 1 a; vom 29.03.2011 – VI ZR 117/​10, aaO Rn. 8; vom 17.10.2012 – XII ZR 101/​10, NJW 2012, 3722 Rn. 13[↩]
vgl. BGH, Urtei­le vom 02.03.2000 – III ZR 65/​99, aaO unter 1 b, c; vom 29.03.2011 – VI ZR 117/​10, aaO Rn. 9; vom 17.10.2012 – XII ZR 101/​10, aaO Rn. 17 ff.[↩]
Stu­fen­kla­ge – und das zu weit gehen­de Aus­kunfts­be­geh­ren Eine Stu­fen­kla­ge ist nicht zuläs­sig, wenn die Aus­kunft nicht dem Zweck der Bestimm­bar­keit des Leis­tungs­an­spruchs die­nen, son­dern dem Mie­ter sons­ti­ge mit der Bestimm­bar­keit als sol­cher…
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