Source: http://www.hensche.de/Arbeitsrecht_Urteile_LAG_Nuernberg_Einsicht_in_Personalakte_8Sa138-14_u.html
Timestamp: 2019-05-19 19:02:43
Document Index: 138704110

Matched Legal Cases: ['§ 83', '§ 83', '§ 83', '§ 83', '§ 83', '§ 83', '§ 83', '§ 83', '§ 83', '§ 83', '§ 81', '§ 83', '§ 83', '§ 81', '§ 241', 'Art. 2', 'Art. 1', '§ 83', '§ 83', '§ 83', '§ 83', '§ 241', 'Art. 2', 'Art. 1', '§ 83', '§ 511', '§ 66', '§ 533', '§ 67', '§ 613', '§ 265', '§ 613', '§ 69', '§ 83', '§ 83', '§ 241', '§ 83', '§ 83', '§ 81', '§ 81', '§ 81', '§ 81', '§ 81', '§ 83', '§ 83', '§ 83', '§ 83', '§ 83', '§ 83', '§ 3', '§ 3', '§ 241', '§ 97', '§ 72']

1. Die Be­ru­fung des Klägers ge­gen das En­dur­teil des Ar­beits­ge­richts Würz­burg vom 14.01.2014 wird auf Kos­ten des Be­ru­fungsführers zurück­ge­wie­sen.
Die Par­tei­en strei­ten darüber, ob dem Kläger Ein­sicht in sei­ne Per­so­nal­ak­te im Bei­sein sei­ner an­walt­li­chen Ver­tre­te­rin gewährt wer­den muss.
Der Kläger war seit 1998 bei der Be­klag­ten zu 1) als La­ge­rist mit ei­nem durch­schnitt­li­chen Brut­to­mo­nats­ge­halt von zu­letzt 3.250,00 EUR tätig. Am 01.02.2014 er­folg­te ein Be­triebsüber­gang auf die Be­klag­te zu 2).
Am 21.03.2013 er­teil­te die Be­klag­te zu 1) dem Kläger ei­ne Er­mah­nung.
Be­zug­neh­mend auf die Er­mah­nung be­an­trag­te die Pro­zess­be­vollmäch­tig­te des Klägers mit Schrei­ben vom 05.04.2013 bei der Be­klag­ten zu 1) Ein­sicht in des­sen Per­so­nal­ak­te. Die Be­klag­te zu 1) mel­de­te sich dar­auf­hin bei der an­walt­li­chen Ver­tre­te­rin des Klägers und erklärte, dass ei­ne Ein­sicht durch die an­walt­li­che Ver­tre­te­rin aus da­ten­schutz­recht­li­chen Gründen nicht möglich sei. Mit Schrei­ben vom 06.05.2013 be­an­trag­te die an­walt­li­che Ver­tre­te­rin des Klägers, "mir mit und für mei­nen Man­dan­ten A... Ein­sicht in die Per­so­nal­ak­te zu ge­ben". Mit E-Mail vom 13.05.2013 teil­te die Be­klag­te zu 1) mit, dass die Ein­sicht­nah­me in die Per­so­nal­ak­te ein höchst­persönli­ches Recht des Ar­beit­neh­mers sei, wel­ches grundsätz­lich nur er selbst und nicht des­sen Be­vollmäch­tig­te ausüben könn­ten. Herr A... könne sich sei­ne Ak­te an­se­hen, sich (aus­zugs­wei­se) Ko­pi­en ma­chen und da­bei auch gemäß Be­triebs­ver­fas­sungs­ge­setz (Be­trVG) ein Be­triebs­rats­mit­glied hin­zu­zie­hen. Die Hin­zu­zie­hung Drit­ter, auch ei­ner be­vollmäch­tig­ten Rechts­anwältin, wer­de ab­ge­lehnt.
Der Kläger trägt erst­in­stanz­lich vor, dass er ei­nen An­spruch auf Ein­sicht in sei­ne Per­so­nal­ak­te in An­we­sen­heit sei­ner Rechts­anwältin ha­be. § 83 Be­trVG schließe die Ein­sicht durch ei­nen Be­vollmäch­tig­ten nicht aus. Ein Recht auf Ein­sicht in sei­ne Per­so­nal­ak­te könne er auch ei­nem Drit­ten über­tra­gen. Die Per­so­nal­ak­te sol­le le­dig­lich Drit­ten nicht zugäng­lich sein. Der be­auf­trag­te Rechts­an­walt sei je­doch zur Ver­schwie­gen­heit ver­pflich­tet und auch nicht Drit­ter, son­dern Be­ra­ter des Ar­beit­neh­mers. Ein schutzwürdi­ges In­ter­es­se des Ar­beit­ge­bers sei nicht er­sicht­lich. Da­ge­gen fehl­ten ihm die Rechts­kennt­nis­se, um zu er­ken­nen, wel­che Da­ten der Ar­beit­ge­ber spei­chern dürfe und wel­che nicht. Wenn es dem Ar­beit­neh­mer zustünde, Ko­pi­en an­zu­fer­ti­gen, die er dann sei­nem an­walt­li­chen Ver­tre­ter über­ge­ben könne, sei dies ei­ne unnöti­ge Förme­lei, die Zu­zie­hung des Rechts­an­wal­tes zu ver­hin­dern.
Mit sei­ner am 17.05.2013 er­ho­be­nen Kla­ge be­an­tragt der Kläger, ihm mit sei­ner an­walt­li­chen Ver­tre­te­rin Ein­sicht in die Per­so­nal­ak­te zu gewähren.
Die Be­klag­te zu 1) trat die­sem An­trag mit der Be­gründung ent­ge­gen, der Kläger ha­be kei­nen An­spruch auf Ein­sicht in sei­ne Per­so­nal­ak­te in An­we­sen­heit sei­ner Rechts­anwältin. Ein der­ar­ti­ger An­spruch fol­ge nicht aus § 83 Abs. 1 Satz 1 Be­trVG. Der An­spruch auf Ak­ten­ein­sicht sei ein höchst­persönli­cher An­spruch und könne nur vom
Ar­beit­neh­mer selbst aus­geübt wer­den. Ei­ne Aus­nah­me der­ge­stalt, dass der Kläger aus ge­sund­heit­li­chen, körper­li­chen oder geis­ti­gen Gründen nicht in der La­ge sei, sich selbst über den In­halt der Per­so­nal­ak­te zu in­for­mie­ren und de­ren In­halt zu ver­ste­hen, lie­ge nicht vor. Als höchst­persönli­cher An­spruch könne der An­spruch auf Ak­ten­ein­sicht nur vom Ar­beit­neh­mer sel­ber aus­geübt wer­den.
Mit En­dur­teil vom 14.01.2014 hat das Ar­beits­ge­richt Würz­burg die Kla­ge ab­ge­wie­sen.
Das Ar­beits­ge­richt ver­nein­te ei­nen An­spruch des Klägers auf Ein­sicht in sei­ne Per­so­nal­ak­te in An­we­sen­heit sei­ner Rechts­anwältin.
Es führ­te da­bei aus, dass die Fra­ge, ob ein Ar­beit­neh­mer ei­nen An­spruch dar­auf ha­be, sich bei Ein­sicht­nah­me in sei­ne Per­so­nal­ak­te von ei­nem Rechts­an­walt be­glei­ten zu las­sen, in Recht­spre­chung und Li­te­ra­tur kon­tro­vers ge­se­hen wer­de. Nach ei­ner Auf­fas­sung könne der Ar­beit­neh­mer ei­nen Drit­ten, zum Bei­spiel ei­nen Rechts­an­walt da­mit be­auf­tra­gen, für ihn die Per­so­nal­ak­te ein­zu­se­hen. Nach der Ge­gen­mei­nung sei der Ar­beit­ge­ber nicht ver­pflich­tet, ei­nen Be­vollmäch­tig­ten des Ar­beit­neh­mers im Rah­men der Ak­ten­ein­sicht Zu­tritt zum Be­trieb zu gewähren. Ein­schränkend wer­de auch ver­tre­ten, dass mit Rück­sicht auf die Fürsor­ge­pflicht des Ar­beit­ge­bers der Ar­beit­neh­mer in Fällen un­ver­schul­de­ter Ver­hin­de­rung ver­lan­gen könne, dass ein Drit­ter für ihn das Ein­sichts­recht wahr­neh­me, so­fern ei­ne so­for­ti­ge Ein­sicht­nah­me er­for­der­lich sei. Er­heb­li­che Be­deu­tung ge­win­ne ei­ne aus­nahms­wei­se zulässi­ge Be­vollmäch­ti­gung ei­nes Drit­ten auch dann, wenn der Ar­beit­neh­mer auf­grund ei­ner geis­ti­gen Be­hin­de­rung oder ei­ner an­de­ren geis­ti­gen Schwäche nicht in der La­ge sei, sich selbst über den In­halt der Per­so­nal­ak­te zu in­for­mie­ren und die­sen In­halt zu ver­ste­hen. So­weit ei­ne Be­vollmäch­ti­gung bei der­ar­ti­gen Aus­nah­mefällen zulässig sei, könne der Ar­beit­neh­mer je­de be­lie­bi­ge Per­son be­vollmäch­ti­gen, so­fern nicht im Aus­nah­me­fall über­wie­gen­de In­ter­es­sen des Ar­beit­ge­bers der Be­vollmäch­ti­gung ei­ner be­stimm­ten Per­son ent­ge­genstünden.
Das Erst­ge­richt schloss sich vor­lie­gend der Auf­fas­sung an, dass ei­nem Ar­beit­neh­mer im Grund­satz ein Recht auf An­we­sen­heit und Teil­nah­me sei­nes An­wal­tes bei der Ak­ten­ein­sicht im Grund­satz nicht zustünde und dass der Kläger auch das aus­nahms­wei­se Vor­lie­gen ei­nes da­hin­ge­hen­den An­spruchs nicht auf­ge­zeigt ha­be. Das
Ak­ten­ein­sichts­recht ei­nes Ar­beit­neh­mers fin­de sei­ne aus­sch­ließli­che und ab­sch­ließen­de An­spruchs­grund­la­ge in § 83 Be­trVG. Die­se Norm ha­be aus­sch­ließlich in­di­vi­du­al­recht­li­chen Cha­rak­ter. Sie gel­te auch in Be­trie­ben, die kei­nen Be­triebs­rat ha­ben oder nicht be­triebs­ratsfähig sei­en. Über das in § 83 Be­trVG ge­re­gel­te Ak­ten­ein­sichts­recht des Ar­beit­neh­mers hin­aus se­he die Norm in Abs. 1 Satz 2 vor­aus, dass der Ar­beit­neh­mer hier­zu ein Mit­glied des Be­triebs­ra­tes hin­zu­zie­hen könne. Dies sei der ein­zi­ge Fall, für den das Ge­setz die Hin­zu­zie­hung Drit­ter zu­las­se. Die Hin­zu­zie­hung wei­te­rer - ge­ge­be­nen­falls be­triebs­ex­ter­ner - Drit­ter sei nicht vor­ge­se­hen. Ein Recht auf Teil­nah­me sei­ner Rechts­anwältin zur Ak­ten­ein­sicht las­se sich auch nicht auf ei­ne ana­lo­ge An­wen­dung des § 83 Abs. 1 Satz 2 Be­trVG stützen. Die Vor­aus­set­zun­gen für ei­ne ana­lo­ge An­wen­dung des § 83 Abs. 1 Satz 2 Be­trVG sei­en vor­lie­gend nicht ge­ge­ben. Die Ana­lo­gie set­ze vor­aus, dass das Ge­setz ei­ne plan­wid­ri­ge Re­ge­lungslücke ent­hal­te. Bei ei­ner der­ar­ti­gen Ein­sicht­nah­me durch Drit­te müsse der Ar­beit­ge­ber den Be­vollmäch­tig­ten des Ar­beit­neh­mers Zu­tritt zum Be­trieb bzw. zum Stand­ort der Per­so­nal­ak­ten gewähren. Ein der­ar­ti­ger Ein­griff in das Haus­recht des Ar­beit­ge­bers bedürfe ei­ner aus­drück­li­chen ge­setz­li­chen Grund­la­ge, ins­be­son­de­re wenn es um ein Zu­tritts­recht be­triebs­frem­der Ex­ter­ner ge­he, wie dies bei­spiels­wei­se in den Be­stim­mun­gen des Be­triebs­ver­fas­sungs­ge­set­zes zum Zu­tritts­recht ei­ner im Be­trieb ver­tre­te­nen Ge­werk­schaft der Fall sei. Der Ge­setz­ge­ber ha­be in § 83 Abs. 1 Satz 2 Be­trVG nur ein Hin­zu­zie­hungs­recht bezüglich von Mit­glie­dern des Be­triebs­ra­tes, mit­hin von Be­triebs­an­gehöri­gen zu­ge­las­sen. Ei­ne Eröff­nung ei­nes An­we­sen­heits­rechts zu Guns­ten Be­triebs­ex­ter­ner, wie be­auf­trag­ter Rechts­anwälte, die nur den In­ter­es­sen ih­res Man­dan­ten und nicht auch dem Wohl des Be­trie­bes ver­pflich­tet sei­en, sei da­her nicht auf ei­ne ana­lo­ge An­wen­dung des § 83 Abs. 1 Satz 2 Be­trVG zu stützen. Viel­mehr ergäbe sich der Aus­schluss ei­nes An­we­sen­heits­rechts von Anwälten bei der Ak­ten­ein­sicht aus ei­nem Um­kehr­schluss aus § 83 Abs. 1 Satz 2 Be­trVG. Der Um­kehr­schluss grei­fe ein, wenn nach dem Ge­set­zes­zweck an­zu­neh­men sei, dass die vor­ge­se­he­ne Rechts­fol­ge auf ähn­li­che Fälle nicht über­tra­gen wer­den sol­le. Vor dem Hin­ter­grund der Be­ein­träch­ti­gun­gen der geschütz­ten Rechts­sphäre des Ar­beit­ge­bers, ins­be­son­de­re des­sen Haus­rechts, die mit ei­nem Teil­nah­me­recht von außer­halb des be­trof­fe­nen Ar­beits­verhält­nis­ses ste­hen­den Per­so­nen ver­bun­den sei, sei der ge­setz­ge­be­ri­sche Wil­le er­kenn­bar, dass nur die vom Ge­setz aus­drück­lich zu­ge­las­se­nen Per­so­nen zur Ak­ten­ein­sicht bei­ge­zo­gen wer­den können. Der Ge­setz­ge­ber ha­be die­ses
Hin­zu­zie­hungs­recht auf Be­triebs­rats­mit­glie­der be­schränkt. An­de­re - noch da­zu be­triebs­ex­ter­ne - Per­so­nen sei­en man­gels aus­drück­li­cher Zu­las­sung hier­von aus­ge­nom­men. § 83 Abs. 1 Satz 2 Be­trVG ha­be als so­ge­nann­tes lex spe­cia­lis Vor­rang vor et­wai­gen sons­ti­gen, all­ge­mei­nen An­spruchs­grund­la­gen, wie bei­spiels­wei­se der ar­beit­ge­be­ri­schen Fürsor­ge­pflicht. Ein An­spruch auf An­walts­bei­zie­hung sei auch nicht we­gen Vor­lie­gens be­son­de­rer Ein­zel­fal­l­umstände vor­lie­gend aus­nahms­wei­se ge­ge­ben. Der Kläger ha­be vor­lie­gend ei­nen der­ar­ti­gen Aus­nah­me­tat­be­stand nicht auf­zu­zei­gen ver­mocht. Al­lein der Ein­wand des Klägers, er könne al­lei­ne oh­ne sei­ne Anwältin das Vor­lie­gen un­zulässi­ger Ein­tra­gun­gen nicht er­ken­nen, könne für sich al­lei­ne oh­ne Hin­zu­kom­men wei­te­rer be­son­de­rer Umstände ein der­ar­ti­ges aus­nah­me­be­gründen­des be­son­de­res In­ter­es­se nicht auf­zei­gen. Ein bloßer, jed­we­der kon­kre­ter An­halts­punk­te ent­beh­ren­der Ver­dacht un­zulässi­ger Ein­tra­gun­gen rei­che nicht aus. Die geschütz­te Sphäre des Ar­beit­ge­bers, ins­be­son­de­re des­sen Haus­recht, ver­lan­ge selbst dann ei­ne un­ter­schied­li­che Be­hand­lung, wenn die nachträgli­che - so­zu­sa­gen außer Haus er­fol­gen­de - Ein­sicht­nah­me des An­walts oft­mals auf die­sel­be Kon­trollmöglich­keit hin­aus­lau­fe, wie ei­ne un­mit­tel­ba­re An­we­sen­heit des Rechts­an­wal­tes bei der Ak­ten­ein­sicht­nah­me vor Ort. Viel­mehr schränke die­ser Ge­sichts­punkt die Er­for­der­lich­keit ei­ner un­mit­tel­ba­ren An­we­sen­heit des An­wal­tes vor Ort im Er­geb­nis eher ein.
Ei­ne an­de­re recht­li­che Be­ur­tei­lung sei auch nicht in An­be­tracht des Um­stan­des ver­an­lasst, dass in Recht­spre­chung und Li­te­ra­tur ei­ne Auf­fas­sung im Vor­drängen sei, wo­nach ei­nem Ar­beit­neh­mer vor Aus­spruch ei­ner Ver­dachtskündi­gung auf sein Ver­lan­gen hin Ge­le­gen­heit ge­ge­ben wer­den müsse, im Rah­men sei­ner Anhörung zu den Vorwürfen ent­we­der ei­nen An­walt hin­zu­zu­zie­hen oder sich über ei­nen An­walt schrift­lich äußern zu können. Die­ser Ten­denz in Recht­spre­chung und Li­te­ra­tur sei je­doch den Be­son­der­hei­ten der Ver­dachtskündi­gung und der Wirk­sam­keits­vor­aus­set­zung der vor­he­ri­gen Anhörung des Ar­beit­neh­mers ge­schul­det. Da­nach müsse der Ar­beit­ge­ber al­le ihm zu­mut­ba­ren An­stren­gun­gen zur Aufklärung des Sach­ver­hal­tes un­ter­neh­men und ins­be­son­de­re den verdäch­tig­ten Ar­beit­neh­mer anhören, um ihm Ge­le­gen­heit zur Stel­lung­nah­me zu ge­ben. Die Her­an­zie­hung ei­nes Rechts­an­wal­tes mit der Fol­ge sei­ner An­we­sen­heit vor Ort im Be­trieb sei dem Ar­beit­ge­ber im Zu­sam­men­hang mit ei­ner von ihm be­ab­sich­tig­ten, auf den bloßen Ver­dacht ei­ner schwer­wie­gen­den Ver­trags­pflicht­ver­let­zung gestütz­ten Kündi­gung eher zu­zu­mu­ten als in dem Fall ei­ner bloßen Ausübung des Ak­ten­ein­sichts­rechts durch
den Ar­beit­neh­mer. Ei­nen An­spruch zur Mit­nah­me sei­ner Anwältin zur Per­so­nal­ak­ten­ein­sicht sei auch nicht un­ter dem Ge­sichts­punkt "Chan­cen- und Waf­fen­gleich­heit" zu be­ja­hen. Zwar sei ei­ne Auf­fas­sung im Vor­drin­gen, wo­nach die Teil­nah­me ei­nes An­walts auf Ar­beit­neh­mer­sei­te an Per­so­nal­gesprächen nach §§ 81, 82 Be­trVG zulässig sei, wenn der Ar­beit­ge­ber selbst be­triebs­frem­de Drit­te zum Gespräch hin­zu­zie­he. Ei­ne der­ar­ti­ge Her­an­zie­hung Ex­ter­ner zu der Per­so­nal­ak­ten­ein­sicht durch den Be­klag­ten ha­be der Kläger selbst nicht vor­ge­tra­gen.
Das Ur­teil des Ar­beits­ge­rich­tes Würz­burg vom 14.01.2014 ist dem Kläger am 29.01.2014 zu­ge­stellt wor­den.
Die Be­ru­fungs­schrift ist am 28.02.2014, die Be­ru­fungs­be­gründungs­schrift am 28.04.2014 beim Lan­des­ar­beits­ge­richt Nürn­berg ein­ge­gan­gen, nach­dem die Be­ru­fungs­be­gründungs­frist bis 29.04.2014 verlängert wor­den war.
Der Kläger ist der An­sicht, dass das Ar­beits­ge­richt Würz­burg zu Un­recht da­von aus­ge­gan­gen sei, dass § 83 Be­trVG aus­drück­lich le­dig­lich die Hin­zu­zie­hung ei­nes Be­triebs­rats­mit­glie­des vor­se­he und da­mit die Hin­zu­zie­hung Drit­ter nicht vor­ge­se­hen sei. Nach § 83 Be­trVG könne der Ar­beit­neh­mer ein Be­triebs­rats­mit­glied hin­zu­zie­hen. Dies be­deu­tet je­doch nicht, dass die­se Re­ge­lung ab­sch­ließend sei. In­di­vi­du­al­rech­te aus §§ 81 bis 85 Be­trVG stünden dem Ar­beit­neh­mer be­reits aus dem Ar­beits­ver­trag zu. Im Ur­teil vom 16.11.2010, Ak­ten­zei­chen 9 AZR 573/09, ha­be das BAG fest­ge­stellt, dass der Ar­beit­neh­mer gemäß § 241 Abs. 2 BGB in Ver­bin­dung mit Art. 2 Abs. 1 und Art. 1 Abs. 1 GG auch nach Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses An­spruch auf Ein­sicht in sei­ne vom ehe­ma­li­gen Ar­beit­ge­ber wei­ter auf­be­wahr­te Per­so­nal­ak­te ha­be. Dar­aus sei er­sicht­lich, dass der Ein­sichts­an­spruch in § 83 Be­trVG nicht ab­sch­ließend und aus­sch­ließlich ge­re­gelt sei. Um kon­trol­lie­ren zu können, ob der Ar­beit­ge­ber un­rich­ti­ge Da­ten über den Ar­beit­neh­mer auf­be­wah­re, sei nicht nur die Ak­ten­ein­sicht durch den Ar­beit­neh­mer, son­dern auch die Hin­zu­zie­hung ei­nes an­walt­li­chen Bei­stan­des not­wen­dig, da dem Ar­beit­neh­mer als Lai­en die Fach­kennt­nis für ei­ne der­ar­ti­ge Be­ur­tei­lung feh­le. Die Wahr­neh­mung sei­ner Rech­te sei dem Ar­beit­neh­mer nur möglich, wenn er er­ken­nen könne, wel­chen zulässi­gen und/oder un­zulässi­gen In­halt die Per­so­nal­ak­te ha­be. Dem An­spruch auf Hin­zu­zie­hung ei­nes Rechts­an­wal­tes bei der Ein­sicht in die Per­so­nal­ak­te
stünde auch nicht das Haus­recht des Ar­beit­ge­bers ent­ge­gen. Schützens­wer­te In­ter­es­sen sei­en nicht er­sicht­lich. Der an­walt­li­che Ver­tre­ter sei zur Ver­schwie­gen­heit ver­pflich­tet. Ei­ne Gefähr­dung der In­ter­es­sen der Be­klag­ten sei nicht er­sicht­lich. Die Si­tua­ti­on bei ei­ner Ak­ten­ein­sicht sei mit der Si­tua­ti­on bei der Anhörung zu ei­ner Ver­dachtskündi­gung ver­gleich­bar. Der Ar­beit­ge­ber dürfe nur die per­so­nen­be­zo­ge­nen Da­ten in der Per­so­nal­ak­te auf­neh­men und ar­chi­vie­ren, die er für das Ar­beits­verhält­nis benöti­ge. Ob dies der Fall sei, könne der Ar­beit­neh­mer auf­grund feh­len­den Fach­wis­sens nicht er­ken­nen, so­dass ei­ne al­lei­ni­ge Ak­ten­ein­sicht zur Wahr­neh­mung sei­ner In­ter­es­sen ins Lee­re lau­fen würde. Aus die­sem Grund sei im Rah­men der Waf­fen­gleich­heit die Ak­ten­ein­sicht un­ter Hin­zu­zie­hung ei­nes Rechts­an­wal­tes ge­bo­ten. Es gin­ge um die Über­prüfung, ob ei­ne Rechts­ver­let­zung sei­tens des Ar­beit­ge­bers ge­ge­ben sei, was oh­ne Hin­zu­zie­hung ei­nes Rechts­an­wal­tes nicht er­kenn­bar sei. In­so­fern hel­fe auch nicht das Recht, Ko­pi­en an­zu­fer­ti­gen, da dem Ar­beit­neh­mer un­ter Umständen nicht er­kenn­bar sei, was er ko­pie­ren müsse. Ent­schei­dend sei, dass es ein Rechts­an­walt be­ur­tei­len könne, ob be­stimm­te Do­ku­men­te, Erklärun­gen, No­ti­zen etc. über­haupt in die Per­so­nal­ak­te auf­ge­nom­men und auf­ge­ho­ben wer­den dürf­ten.
Nach der Verkündung des erst­ge­richt­li­chen Ur­teils und des­sen Zu­stel­lung er­folg­te am 01.02.2014 ein Be­triebsüber­gang auf die Be­klag­te zu 2).
Der Kläger be­an­trag­te da­her zu­letzt:
1. Das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts Würz­burg vom 14.01.14, Az.: 10 Ca 719/13, wird auf­ge­ho­ben und der Kla­ge da­hin­ge­hend statt­ge­ge­ben, dass die Be­klag­ten als Ge­samt­schuld­ner ver­ur­teilt wer­den, dem Kläger mit sei­ner an­walt­li­chen Ver­tre­te­rin Ein­sicht in die Per­so­nal­ak­te des Klägers zu gewähren.
2. Die Be­klag­ten tra­gen als Ge­samt­schuld­ner die Kos­ten des Ver­fah­rens.
Das Ar­beits­ge­richt Würz­burg ha­be zu Recht er­kannt, dass für die For­de­rung des Klägers kei­ne An­spruchs­grund­la­ge bestünde. Zu­tref­fend kom­me das Ar­beits­ge­richt Würz­burg zu dem Er­geb­nis, dass der be­gehr­te An­spruch nicht auf § 83 Be­trVG gestützt wer­den könne, der ei­ne aus­sch­ließli­che und ab­sch­ließen­de An­spruchs­grund­la­ge für das Recht des Ar­beit­neh­mers auf Ein­sicht­nah­me in sei­ne Per­so­nal­ak­te dar­stel­le. Dies ergäbe sich rich­ti­ger­wei­se mit dem Ar­gu­ment des Um­kehr­schlus­ses. Ei­ne ana­lo­ge An­wen­dung des § 83 Be­trVG schei­de man­gels Vor­lie­gens ei­ner un­be­ab­sich­tig­ten Re­ge­lungslücke aus. Aus dem Ur­teil des BAG vom 16.11.2010 - Ak­ten­zei­chen: 9 AZR 573/09 - ergäbe sich ge­ra­de nicht, dass die Vor­schrift des § 83 Be­trVG das Ein­sichts­recht während ei­nem be­ste­hen­den Ar­beits­verhält­nis nicht ab­sch­ließend re­ge­le. In die­sem Ur­teil hat das BAG le­dig­lich fest­ge­stellt, dass ein Ar­beit­neh­mer auch bei ei­nem nicht mehr be­ste­hen­dem Ar­beits­verhält­nis wei­ter­hin ei­ne Ak­ten­ein­sicht ver­lan­gen kann und dass in die­sem Fall der An­spruch aus § 241 Abs. 2 BGB in Ver­bin­dung mit Art. 2 Abs. 1 und Art. 1 Abs. 1 GG fol­ge. Die Vor­schrift des § 83 Be­trVG grei­fe nach An­sicht des Bun­des­ar­beits­ge­rich­tes nur ein, wenn noch ein Ar­beits­verhält­nis bestünde. Ein Recht auf Ak­ten­ein­sicht bei gleich­zei­ti­ger An­we­sen­heit ei­nes Rechts­ver­tre­ters ergäbe sich auch nicht dar­aus, dass dem Ar­beit­neh­mer als ei­nem recht­li­chen Lai­en grundsätz­lich die Fach­kennt­nis für ei­ne Be­ur­tei­lung des In­halts der Per­so­nal­ak­te feh­le. Mit die­sem Ar­gu­ment könn­te die An­we­sen­heit des Rechts­ver­tre­ters bei je­dem Per­so­nal­gespräch und selbst bei der tägli­chen Ausübung des ar­beit­ge­ber­sei­ti­gen Di­rek­ti­ons­rech­tes be­gründet wer­den. Der recht­li­che Laie sei im­mer dar­auf an­ge­wie­sen, sich zur recht­li­chen Über­prüfung von Sach­ver­hal­ten an ei­nen Rechts­ver­tre­ter zu wen­den. Al­lein da die Schil­de­rung von Sach­ver­hal­ten viel­leicht schwie­rig und teil­wei­se auch auf­wen­dig sei, ha­be der recht­su­chen­de Laie kei­nen An­spruch dar­auf, dass ein Rechts­ver­tre­ter bei je­der even­tu­ell rechts­er­heb­lich wer­den­den Le­bens­si­tua­ti­on da­bei sei. Das Ar­beits­ge­richt Würz­burg kom­me auch zu­tref­fend zu dem Er­geb­nis, dass das Haus­recht des Ar­beit­ge­bers be­son­ders schützenswürdig sei und ein Ein­griff in das Haus­recht des­halb ei­ner aus­drück­li­chen ge­setz­li­chen Grund­la­ge bedürfe. Die Si­tua­ti­on bei ei­ner Anhörung vor ei­ner be­ab­sich­tig­ten Ver­dachtskündi­gung und die Si­tua­ti­on bei ei­ner Ein­sicht­nah­me in die Per­so­nal­ak­te sei­en von vor­ne­her­ein der­art ver­schie­den, dass jeg­li­cher Ver­gleich bei­der Si­tua­tio­nen sich ver­bie­te. Ein be­vollmäch­tig­ter Rechts­an­walt sei in der Re­gel auch nicht in der La­ge, über­haupt ei­ne Un­rich­tig­keit der Per­so­nal­ak­te fest­zu­stel­len. Er könne in al­ler
Re­gel le­dig­lich be­ur­tei­len, ob ei­ne in der Per­so­nal­ak­te ent­hal­te­ne Do­ku­men­ta­ti­on für den von ihm ver­tre­te­nen Ar­beit­neh­mer recht­lich von Nach­teil sei. Das Ak­ten­ein­sichts­recht die­ne je­doch dem Trans­pa­renz­ge­bot und nicht be­reits der Ausübung wei­ter­ge­hen­der Rech­te auf Be­sei­ti­gung oder Kor­rek­tur un­rich­ti­ger Da­ten. In der Re­gel könne der Ar­beit­neh­mer selbst be­ur­tei­len, ob be­stimm­te Da­ten rich­tig oder falsch sei­en.
Hin­sicht­lich der wei­te­ren Ein­zel­hei­ten wird auf die Dar­stel­lung des Sach­ver­hal­tes im ar­beits­ge­richt­li­chen Ur­teil so­wie auf die wech­sel­sei­ti­gen Schriftsätze der Par­tei­en im Be­ru­fungs­ver­fah­ren ver­wie­sen.
Die Be­ru­fung ist zulässig. Sie ist gemäß §§ 511 ZPO, 64 Abs. 2 ArbGG statt­haft und wur­de form- und frist­ge­recht ein­ge­legt und be­gründet (§§ 66 Abs. 1, 64 Abs. 6 ArbGG, 518, 519 ZPO).
Die Be­ru­fung ist auch ge­genüber der erst­in­stanz­lich nicht ver­klag­ten Be­klag­ten zu 2) zulässig. Die in der Be­ru­fung er­folg­te sub­jek­ti­ve Kla­ge­er­wei­te­rung be­ur­teilt sich nach den Grundsätzen der Kla­geände­rung, § 533 ZPO.
Die zunächst er­for­der­li­che Vor­aus­set­zung ei­ner zulässi­gen Be­ru­fung, in­ner­halb de­rer die Kla­ge­er­wei­te­rung er­folgt, liegt vor. Der Kläger ver­folgt mit der Be­ru­fung sein ursprüng­li­ches Pro­zess­ziel ge­genüber der Be­klag­ten zu 1) wei­ter.
Im Fall der Kla­ge­er­wei­te­rung in der Be­ru­fungs­in­stanz wird fer­ner die Zu­stim­mung zu­min­dest der am Pro­zess bis­her nicht be­tei­lig­ten Par­tei ge­for­dert, es sei denn, die­se würde rechts­miss­bräuch­lich ver­wei­gert (Hes­si­sches Lan­des­ar­beits­ge­richt, Ur­teil vom
31.10.2011 - Ak­ten­zei­chen: 17 Sa 1909/10 - m. w. H., in ju­ris re­cher­chiert). Die­se Vor­aus­set­zung ist be­reits des­we­gen erfüllt, weil bei­de Be­klag­ten der sub­jek­ti­ven Kla­ge­er­wei­te­rung in der Be­ru­fungs­in­stanz nicht wi­der­spro­chen ha­ben. Die Kla­geände­rung wird auch auf Tat­sa­chen gestützt, die das Be­ru­fungs­ge­richt der Ver­hand­lung und Ent­schei­dung oh­ne­hin zu­grun­de zu­le­gen hätte. Ins­be­son­de­re war die Kla­geände­rung nicht auf nach § 67 ArbGG aus­ge­schlos­se­nen Tat­sa­chen­vor­trag gestützt.
Die Be­ru­fung ist je­doch so­wohl ge­genüber der Be­klag­ten zu 1) und der Be­klag­ten zu 2) un­be­gründet.
1. Vor­lie­gend fand un­strei­tig nach Rechtshängig­keit ein Ar­beit­ge­ber­wech­sel auf­grund ei­nes Be­triebsüber­gangs nach § 613 a BGB von der Be­klag­ten zu 1) auf die Be­klag­te zu 2) statt. Die Be­klag­te zu 1) ist zwar nach dem Be­triebsüber­gang nicht mehr Ar­beit­ge­be­rin des Klägers, je­doch hätte die Kla­ge ge­gen die­se nach §§ 265, 325 ZPO wei­ter auf­recht­er­hal­ten wer­den können. Es liegt in­so­weit ein Fall der ge­setz­li­chen Pro­zess­stand­schaft vor. Der Kläger hätte je­doch auch auf­grund des Be­triebsüber­gangs ei­nen Par­tei­wech­sel erklären können. Die Über­nah­me des Pro­zes­ses durch den Rechts­nach­fol­ger er­for­dert zwar - wie be­reits aus­geführt - grundsätz­lich die Zu­stim­mung des Rechts­nach­fol­gers und des Rechts­vorgängers, die­se darf je­doch nicht rechts­miss­bräuch­lich ver­wei­gert wer­den.
Es liegt je­doch kein Fall der Ge­samt­schuld­ner­schaft zwi­schen den Be­klag­ten vor. Nach § 613 a Abs. 2 BGB haf­tet der bis­he­ri­ge Ar­beit­ge­ber zwar ne­ben dem neu­en In­ha­ber für Ver­pflich­tun­gen nach Ab­satz 1, so­weit sie vor dem Zeit­punkt des Über­gangs ent­stan­den sind und vor Ab­lauf von ei­nem Jahr nach die­sem Zeit­punkt fällig wer­den, als Ge­samt­schuld­ner. Dies gilt je­doch nicht für Rech­te und Pflich­ten aus dem Ar­beits­verhält­nis, die nur durch den je­wei­li­gen Ar­beit­ge­ber höchst­persönlich erfüllt wer­den können, wie zum Bei­spiel der Zeug­nis­an­spruch, der Wei­ter- bzw. Beschäfti­gungs­an­spruch und der An­spruch auf Ein­sicht in die Per­so­nal­ak­te. Nach Be­triebsüber­gang ist die­se Ver­pflich­tung nur noch dem jet­zi­gen Ar­beit­ge­ber, d. h. dem
Be­triebs­er­wer­ber, möglich.
Der Kläger hätte sich so­mit - wor­auf er in der münd­li­chen Ver­hand­lung vom 10.10.2014 aus­drück­lich hin­ge­wie­sen wur­de, ent­schei­den müssen, ob er den An­spruch auf Ak­ten­ein­sicht mit sei­ner Rechts­anwältin im Rah­men der ge­setz­li­chen Pro­zess­stand­schaft wei­ter­hin ge­gen die Be­klag­te zu 1) oder auf­grund ei­nes Par­tei­wech­sels ge­gen die Be­klag­te zu 2) gel­tend ma­chen will. Die Be­klag­ten ha­ben ei­nem der­ar­ti­gen Par­tei­wech­sel auch nicht wi­der­spro­chen.
Der gel­tend ge­mach­te An­spruch steht dem Kläger je­doch vor­lie­gend, un­abhängig von der oben dar­ge­stell­ten Pro­ble­ma­tik, nicht zu.
2. Das Ar­beits­ge­richt Würz­burg hat zu Recht ei­nen An­spruch des Klägers auf Ein­sicht in die Per­so­nal­ak­te im Bei­sein mit sei­ner Rechts­anwältin ver­neint. Das Ar­beits­ge­richt Würz­burg hat mit ausführ­li­cher und über­zeu­gen­der Be­gründung die Kla­ge ab­ge­wie­sen. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt Nürn­berg folgt den Erwägun­gen des Erst­ge­richts in vol­lem Um­fang. In­so­weit wird auf ei­ne bloß wie­der­ho­len­de Dar­stel­lung im Hin­blick auf § 69 Abs. 2 ArbGG ver­zich­tet. Die Be­ru­fungs­an­grif­fe, die über­wie­gend ei­ne Wie­der­ho­lung der be­reits in der ers­ten In­stanz vor­ge­tra­ge­nen Ar­gu­men­te dar­stel­len, sind nicht ge­eig­net, zu ei­ner vom Erst­ge­richt ab­wei­chen­den Ent­schei­dung zu kom­men.
Im Hin­blick auf das Be­ru­fungs­vor­brin­gen sind fol­gen­de ergänzen­de Ausführun­gen ver­an­lasst:
a. Ent­ge­gen der Auf­fas­sung der Kläger­ver­tre­te­rin ist das Ar­beits­ge­richt Würz­burg zu Recht da­von aus­ge­gan­gen, dass § 83 Be­trVG das Ein­sichts­recht ei­nes Ar­beit­neh­mers in sei­ne Per­so­nal­ak­te während ei­nes be­ste­hen­den Ar­beits­verhält­nis­ses aus­sch­ließlich und ab­sch­ließend re­gelt. Das BAG hat in sei­ner Ent­schei­dung vom 16.11.2010 - Ak­ten­zei­chen: 9 AZR 573/09 - ge­ra­de über ei­nen An­spruch ei­nes Ar­beit­neh­mers auf Ein­sicht in sei­ne Per­so­nal­ak­te nach Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses zu ent­schei­den. Nach­dem § 83 Be­trVG
in­so­weit ge­ra­de als An­spruchs­grund­la­ge nicht in Be­tracht kam, hat das BAG aus ei­ner Aus­strah­lung des all­ge­mei­nen Persönlich­keits­rechts des Ar­beit­neh­mers in Schutz- und Rück­sicht­nah­me­pflich­ten des Ar­beit­ge­bers gemäß § 241 Abs. 2 BGB ei­nen An­spruch auf ein nach­ver­trag­li­ches Ein­sichts­recht ei­nes Ar­beit­neh­mers in sei­ne vom ehe­ma­li­gen Ar­beit­ge­ber wei­ter auf­be­wahr­te Per­so­nal­ak­te be­gründet. Hätte das BAG in­so­weit in § 83 Be­trVG nicht eben­falls ei­ne ab­sch­ließen­de Re­ge­lung ge­se­hen, hätte es die­ses Kon­strukt ge­ra­de nicht be­durft.
Der Be­ja­hung des ab­sch­ließen­den und aus­sch­ließli­chen Cha­rak­ters des § 83 Be­trVG steht auch nicht ent­ge­gen, dass die­se in­di­vi­du­al­recht­li­che Vor­schrift im Be­triebs­ver­fas­sungs­ge­setz steht. Die Auf­nah­me von In­di­vi­du­al­rech­ten des Ar­beit­neh­mers in das Be­triebs­ver­fas­sungs­ge­setz 1972 er­weckt zwar auf den ers­ten Ein­druck den An­schein, es han­de­le sich da­bei um Rech­te, die in­halt­lich auf das Be­triebs­ver­fas­sungs­recht be­schränkt sei­en. Sämt­li­che in den §§ 81 bis 85 Be­trVG nor­mier­ten In­di­vi­du­al­rech­te sind als sol­che be­reits aus der Treue- und Fürsor­ge­pflicht des Ar­beit­ge­bers ab­zu­lei­ten. Die Vor­schrif­ten der §§ 81 ff. Be­trVG gel­ten da­her nach ein­hel­li­ger Auf­fas­sung für al­le Ar­beit­neh­mer und nicht nur für Ar­beit­neh­mer in Be­trie­ben mit ei­nem Be­triebs­rat. Die in §§ 81 ff. Be­trVG ge­re­gel­ten In­di­vi­du­al­rech­te - als sol­che ih­rem We­sen nach Aus­fluss der Treue­pflicht des Ar­beit­ge­bers - be­stim­men so­mit den In­halt des Ar­beits­verhält­nis­ses. Als Kon­kre­ti­sie­rung der Treue­pflicht des Ar­beit­ge­bers sind die Rech­te in §§ 81 ff. Be­trVG ab­sch­ließend nor­miert an­zu­se­hen, so­dass für die Ar­beit­neh­mer ei­ne Ab­lei­tung aus der Treue­pflicht des Ar­beit­ge­bers nicht mehr er­for­der­lich und ei­ne ab­wei­chen­de In­halts­be­stim­mung un­zulässig ist (so auch GK-Be­trVG, 10. Aufl., vor § 81 Rz. 26).
b. Der in be­ste­hen­den Ar­beits­verhält­nis­sen nach § 83 Be­trVG be­gründe­te An­spruch auf Per­so­nal­ak­ten­ein­sicht steht dem Ar­beit­neh­mer je­doch nur höchst­persönlich zu. Dies er­gibt sich aus dem Wort­laut, der Sys­te­ma­tik und dem Sinn und Zweck der Vor­schrift.
In­so­weit schließt sich das Lan­des­ar­beits­ge­richt Nürn­berg ne­ben den zu­tref­fen­den Ausführun­gen des Erst­ge­richts den Ausführun­gen des Lan­des­ar­beits­ge­richts
Schles­wig-Hol­stein, in des­sen Ur­teil vom 17.04.2014 - Ak­ten­zei­chen: 5 Sa 385/13 (NZA-RR 2014, 465 ff.) voll­umfäng­lich an. Dort heißt es:
"Be­reits nach dem Wort­laut des § 83 Abs. 1 Satz 1 Be­trVG hat nur der Ar­beit­neh­mer und nicht ein durch ihn be­auf­trag­ter Drit­ter das Recht, in die über ihn geführ­te Per­so­nal­ak­te Ein­sicht zu neh­men. Aber ge­ra­de die Sys­te­ma­tik der Sätze 1 und 2 des § 83 Abs. 1 Be­trVG macht deut­lich, dass es sich bei dem Per­so­nal­ak­ten­ein­sichts­recht um ein höchst­persönli­ches Recht des Ar­beit­neh­mers han­delt. Denn nach § 83 Abs. 1 Satz 2 Be­trVG kann der Ar­beit­neh­mer bei der Ein­sicht­nah­me nur ein Mit­glied des Be­triebs­rats hin­zu­zie­hen. Ge­ra­de der Um­stand, dass das Ge­setz aus­drück­lich nur die Hin­zu­zie­hung ei­nes Be­triebs­rats­mit­glieds vor­sieht, lässt den Um­kehr­schluss zu, dass der Ar­beit­ge­ber nicht ver­pflich­tet ist, sons­ti­gen vom Ar­beit­neh­mer hin­zu­ge­zo­ge­nen Drit­ten Ak­ten­ein­sicht zu gewähren. Zu­dem be­deu­tet "hin­zu­zie­hen" nicht be­vollmäch­ti­gen. Bei der Be­vollmäch­ti­gung nimmt ein Drit­ter an­stel­le des Be­rech­tig­ten des­sen Rech­te wahr. Dem­ge­genüber be­deu­tet "hin­zu­zie­hen" grundsätz­lich, dass der Be­rech­tig­te bei der Ausübung sei­ner Rech­te ei­nen Drit­ten zu Ra­te zieht. In die­sem Sinn ist § 83 Abs. 1 Satz 2 Be­trVG so zu ver­ste­hen, dass der Ar­beit­neh­mer An­spruch ge­gen sei­nen Ar­beit­ge­ber hat, ge­mein­sam mit ei­nem Be­triebs­rats­mit­glied in sei­ne Per­so­nal­ak­te Ein­sicht zu neh­men, da­mit das Be­triebs­rats­mit­glied ihm ge­ge­be­nen­falls be­ra­tend zur Sei­te ste­hen kann. Das Ein­sichts­recht nach § 83 Abs. 1 Satz 1 Be­trVG um­fasst mit­hin grundsätz­lich nicht das Recht zur Be­vollmäch­ti­gung ei­nes Drit­ten, der dann an­stel­le des Ar­beit­neh­mers Ak­ten­ein­sicht nimmt. Des­halb kann ge­gen den Wil­len des Ar­beit­ge­bers das Ein­sichts­recht nicht von ei­ner Be­vollmäch­tig­ten aus­geübt wer­den, d. h. grundsätz­lich auch nicht von ei­nem be­auf­trag­ten Rechts­an­walt oder Ge­werk­schafts­ver­tre­ter. Der Ar­beit­ge­ber ist grundsätz­lich nicht ver­pflich­tet, ei­nen Be­vollmäch­tig­ten des Ar­beit­neh­mers Zu­tritt zum Be­trieb zu gewähren, so­dass die­ser dort die Per­so­nal­ak­te des Ar­beit­neh­mers ein­se­hen kann.
Auch nach der te­leo­lo­gi­schen Aus­le­gung han­delt es sich bei dem Recht auf Per­so­nal­ak­ten­ein­sicht um ein nur dem Ar­beit­neh­mer höchst­persönlich zu­ste­hen­des Recht. Die Ak­ten­ein­sicht dient da­zu, Kennt­nis über die in der
Per­so­nal­ak­te ent­hal­te­nen Da­ten zu er­lan­gen. Bei der Ein­sicht­nah­me in die Per­so­nal­ak­te geht es le­dig­lich um ei­nen dem Be­sei­ti­gungs- oder Kor­rek­turan­spruch vor­ge­la­ger­ten Trans­pa­renz­schutz hin­sicht­lich des fremd­ge­schaf­fe­nen und zeit­lich auf­be­wahr­ten Mei­nungs­bilds. Be­vor der Ar­beit­neh­mer sei­ne Rech­te auf Be­sei­ti­gung oder Kor­rek­tur un­rich­ti­ger Da­ten in sei­ner Per­so­nal­ak­te ge­genüber dem Ar­beit­ge­ber gel­tend ma­chen kann, muss er Ge­le­gen­heit ha­ben, über­haupt Kennt­nis über die in der Per­so­nal­ak­te ent­hal­te­nen Da­ten zu er­hal­ten. Bei der Ak­ten­ein­sicht geht es mit­hin um die rei­ne Kennt­nis­er­lan­gung und nicht um die recht­li­che Be­ur­tei­lung ei­nes Be­sei­ti­gungs- oder Kor­rek­turan­spruchs. Zu­dem kann re­gelmäßig nur der Ar­beit­neh­mer selbst be­ur­tei­len, ob die in der Per­so­nal­ak­te ent­hal­te­nen Da­ten rich­tig sind oder nicht. So kann nur er bei­spiels­wei­se be­ur­tei­len, ob ein in der Per­so­nal­ak­te be­find­li­cher Ak­ten­ver­merk über den In­halt ei­nes Per­so­nal­gesprächs fal­sche An­ga­ben enthält oder nicht. Ein be­vollmäch­tig­ter Rechts­an­walt ist im Re­gel­fall nicht in der La­ge, über­haupt ei­ne Un­rich­tig­keit in der Per­so­nal­ak­te fest­zu­stel­len. Er kann in al­ler Re­gel le­dig­lich be­ur­tei­len, ob ei­ne dort ent­hal­te­ne Do­ku­men­ta­ti­on für den von ihm ver­tre­te­nen Ar­beit­neh­mer recht­lich von Nach­teil ist. Ei­ne in der Per­so­nal­ak­te be­find­li­che Ab­mah­nung ist stets mit Rechts­nach­tei­len be­haf­tet, muss aber nicht not­wen­di­ger­wei­se auch Un­rich­tig­kei­ten ent­hal­ten. Das Per­so­nal­ak­ten­ein­sichts­recht dient dem Trans­pa­renz­ge­bot und nicht be­reits der Ausübung wei­ter­ge­hen­der Rech­te auf Be­sei­ti­gung oder Kor­rek­tur un­rich­ti­ger Da­ten. Es geht um die Möglich­keit der Fest­stel­lung, ob in der Per­so­nal­ak­te Un­rich­tig­kei­ten ent­hal­ten sind. Nur der Ar­beit­neh­mer selbst kann in al­ler Re­gel be­ur­tei­len, ob be­stimm­te Da­ten rich­tig oder falsch sind. Nur der Ar­beit­neh­mer hat das Ar­beits­verhält­nis "ge­lebt"."
In­so­weit kann auch das Ar­gu­ment der Kläger­ver­tre­te­rin, der Kläger könne als Laie nicht er­ken­nen, wel­che Do­ku­men­te, Erklärun­gen und No­ti­zen über­haupt in der Per­so­nal­ak­te auf­be­wahrt wer­den dürfen, nicht über­zeu­gen.
Die Per­so­nal­ak­te ist ei­ne Samm­lung von Ur­kun­den und Vorgängen, die die persönli­chen und dienst­li­chen Verhält­nis­se des Ar­beit­neh­mers be­tref­fen und die in ei­nem in­ne­ren Zu­sam­men­hang mit dem Ar­beits­verhält­nis ste­hen, d. h. es han­delt
sich um ei­ne chro­no­lo­gisch ge­glie­der­te Samm­lung von Ar­beits­pa­pie­ren. In der Per­so­nal­ak­te wer­den al­le Un­ter­la­gen, an de­ren Auf­nah­me der Ar­beit­ge­ber oder der Ar­beit­neh­mer ein be­rech­tig­tes In­ter­es­se ha­ben, ge­sam­melt, d. h. ins­be­son­de­re Be­wer­bungs­un­ter­la­gen, Ar­beits­ver­trag, Ände­rungs­ver­ein­ba­run­gen, Zeug­nis­se, Führungs- und Leis­tungs­be­ur­tei­lun­gen, Ab­mah­nun­gen, Er­mah­nun­gen, Krank­heits­be­schei­ni­gun­gen, Ur­laubs­anträge bzw. Ur­laubs­be­wil­li­gun­gen. Über­wie­gend müss­te der Ar­beit­neh­mer be­reits die­se Un­ter­la­gen selbst be­sit­zen, wie z. B. sei­nen Ar­beits­ver­trag und er­teil­te schrift­li­che Ab­mah­nun­gen. In­so­weit hätte die Kläger­ver­tre­te­rin ih­ren Man­dan­ten auch recht­lich vor Ein­sicht in die Per­so­nal­ak­te be­ra­ten können. Bei Zwei­feln des Ar­beit­neh­mers, ob ein Do­ku­ment, ei­ne No­tiz oder Erklärung sich for­mell zu Recht in der Per­so­nal­ak­te be­fin­det, stand dem Kläger das Recht zu, hier­von Ko­pi­en zu ma­chen. Die­ses Recht wur­de dem Kläger sei­tens der Ar­beit­ge­be­rin un­strei­tig gewährt. Dass die Per­so­nal­ak­te nach ei­ner länge­ren Be­triebs­zu­gehörig­keit ei­nen ent­spre­chen­den Um­fang be­sit­zen kann, ist selbst­verständ­lich nicht aus­zu­sch­ließen, je­doch ist die An­nah­me der Kläger­sei­te, er könne selbst nicht ent­schei­den, wel­che Un­ter­la­gen zu den ei­ner Per­so­nal­ak­te zulässi­ger­wei­se im­ma­nen­ten Be­stand­tei­len gehören, ist in­so­weit nicht nach­voll­zieh­bar. Soll­ten tatsächlich in Ein­z­elfällen Zwei­fel be­ste­hen, könn­ten die­se Sei­ten ko­piert und zur recht­li­chen Be­ur­tei­lung dem Rechts­ver­tre­ter vor­ge­legt wer­den. Ei­ne in­halt­li­che Über­prüfung der Un­ter­la­gen auf de­ren ma­te­ri­el­le Rich­tig­keit ist be­reits al­lein dem Ar­beit­neh­mer möglich.
Das hier ge­fun­de­ne Er­geb­nis steht auch da­mit im Ein­klang, dass in den Ta­rif­verträgen des öffent­li­chen Diens­tes das Recht auf Ein­sicht­nah­me auch durch ei­nen schrift­li­chen Be­vollmäch­tig­ten ex­pres­sis ver­bis ge­re­gelt ist (z. B. § 3 Abs. 5 Satz 2 TVöD, § 3 Abs. 6 Satz 2 TV-L). Ei­ner sol­chen aus­drück­li­chen Er­wei­te­rung des höchst­persönli­chen Ein­sichts­rechts be­durf­te es nicht, wenn der öffent­li­che Ar­beit­ge­ber auf­grund der ver­trag­li­chen Ne­ben­pflicht gemäß § 241 Abs. 2 BGB be­reits ver­pflich­tet wäre, ei­nem vom Ar­beit­neh­mer be­vollmäch­tig­ten Drit­ten Zu­tritt zur Dienst­stel­le und Ein­sicht in die Per­so­nal­ak­te zu gewähren.
Die Fra­ge, ob et­was An­de­res gel­ten muss, wenn der Ar­beit­neh­mer selbst über ei­nen länge­ren Zeit­raum ver­hin­dert ist, das Ak­ten­ein­sichts­recht höchst­persönlich
wahr­zu­neh­men bzw. es ihm aus sons­ti­gen Gründen un­zu­mut­bar ist, das Ein­sichts­recht wahr­zu­neh­men, konn­te da­hin­ge­stellt blei­ben. Ein der­ar­ti­ger Aus­nah­me­fall wird von der Kläger­sei­te selbst nicht be­haup­tet.
Die Be­ru­fung des Klägers war da­her mit der sich aus § 97 ZPO er­ge­ben­den Kos­ten­fol­ge zurück­zu­wei­sen.
Die Re­vi­si­on wur­de we­gen rechts­grundsätz­li­cher Be­deu­tung gemäß § 72 Abs. 2 ArbGG zu­ge­las­sen.
Für die Be­klag­ten ist ge­gen die­ses Ur­teil kein Rechts­mit­tel ge­ge­ben.
Szie­go­leit
Vor­sit­zen­de Rich­te­rin am Lan­des­ar­beits­ge­richt
Kre­ser
zur Übersicht 8 Sa 138/14