Source: http://agiw.fak1.tu-berlin.de/Scriptorium/Zu%20S37/Lesekommentar.html
Timestamp: 2017-03-23 10:18:54
Document Index: 269765976

Matched Legal Cases: ['Art. 5', '§ 51', '§ 130', '§ 32', '§ 51', '§ 130']

Kommentar-Projekt Gizewski 2014
Lese-Kommentar zu Hitlers 'Mein Kampf'.
(C. Gizewski. Unausgeführter Projekt-Zustand)
Zum Sinn eines 'Lese-Kommentars' für das Hitler-Werk.
Im Rahmen einer knapp, systematisch, zeitsparend und dennoch hinreichend informativ konzipierten Zusammenfassung und Kommentierung für ein breites politisch-historisch und kritisch interessiertes Publikum im Internet, die im Ausdruck nicht länger sein soll als 35 Seiten, soll diese Kommentierung Absatz für Absatz auf den gesamten Text des erstmals 1925 im Franz Eher Verlag München erschienenen ersten und erstmals 1927 erschienenen zweiten Bandes. des Adolf-Hitler-Werks 'Mein Kampf' Bezug nehmen. Beabsichtigt ist damit eine in unserer Zeit lesbare und verständliche Übersicht über beide Bände.
Das ursprünglich dem Autor des Werkes, Adolf Hitler, zustehende Urheberrecht wurde nach 1945 besatzungsrechtlich dem neu gebildeten Land Bayern zugewiesen. Seither beanspruchte dieses Land die Autorenrechte bis zum Beginn des Jahre 2015 daher wie privatrechtliches Eigentum. d. h. in verfassungsrechtlich fragwürdiger (Art. 5 GG) Weise. - Mindestens § 51 UrhG (Schönfelder. DG TS EL 134)2) begründete jedoch schon immer für allgemeinhistorisch und sonst fachlich zuständige Wissenschaftler das Recht, ein unter Urheberrechtsschutz stehendes veröffentlichtes fremdes Werk wie das Hitler-Buch, soweit sachlich-wissenschaftlich nötig, in allen seinen Teilen - als Referenztext - im Rahmen einer unentgeltlichen, historisch-wissenschaftlichen, systematischen Internet-Kommentierung genehmigungslos allgemeinzugänglich zu machen. - Die wissenschaftliche Kommentierung des Hitler-Werkes im Rahmen einer allgemein- und ideengeschichtlichen Analyse erfüllt ferner weder den objektiven noch den subjektiven Tatbestand des § 130 Abs. 2 StGB3), auf den das Bayrische Finanzministerium - gelegentlich ein wenig unverständig - hingewiesen hat
In dem wissenschaftlich neuartigen Projekt einer internetbasierten Lesehilfe-Kommentierung des gesamten Hitler-Textes geht es der Sache nach um die internetpublizistisch-wissenschaftliche Bereitstellung des Gesamtwerks im Rahmen einer sbschnittsweise vorgenommenen Kurzkommentierung. Vor allem wissenschaftlich-sachliche Gründe sprechen dafür. Im Imteresse einer direkten Auseinandersetzung mit einem Text, der argumentativ an den zentralen Stellen seiner Ausführungen nicht überzeugen kann und dessen in der NS-Epoche weite Verbreitung vor allem auf dem ideologisch-totalitären Charakter des damaligen Regimes beruhte, ist jede Art der Reduktion des Quellenzugangs unsiinnig und abzulehnen.
Jeder Internet-Nutzer kann zwar heute auf im Ausland verfügbare textgenaue Datei-Kopien der Schrift zutückgreifen..Doch stellte dies in den vergangenen Jahrzehnten eine völlig überflüssige Erschwernis jedes unbezweifelbar wissenschaftlichen Zitierens dar. Eine freiheitliche Gesinnung gegenüber einer nicht-freiheitlich gesonnenen Schrift im Wege einer Lektüre-Erschwerung dieser Art fördern zu wollen, erscheint heute - auch nachträglich - besonders sinnlos.
Dies sei an einem Beispiel erläutert. Eine besonders freiheitsfeindliche, weil abscheuliche, bedenkenlos-unkritisch-konformistische Form hat es in einer grundlosen und für mich durchaus folgenreichen Verdächtigung gefunden unter: www.sueddeutsche.de/kultur/hetzschrift-mein-kampf-hitler-unzensiert-1.1843549. Der Autor W. Winkler wurde dort in seiner ganzen engagierten Borniertheit leider nur unvollständig wiedergegeben. Unter www.theguardian.com/books/2013/dec/18/hitler-mein-kampf-reprint-ban wurde sein 'Kommentar' aber immerhin seinerseits kritisch kommentiert, was mir bisher leider nicht möglich war.
Der 35-jährige Adolf Hitler verbrachte im Jahre 1924 neun Monate in 'Festungshaft', nach welchen ihm der Rest der ursprünglich verhängten Strafe erlassen wurde. Festungshaft war - nach früherem Recht des 'Heiligen Römischen Reuches deutscher Nation', preußischem, neuerem deutschem und österreichischem Strafrecht sowie dem Recht anderer europäischer Länder - die von der römischen Rechtsrradition geprägt wurden, eine 'Einschließung', die den Inhaftierten nur in seiner Bewegunsgfreiheit beschränkte, ihm aber sonst das Leben in Gefangenschaft erträglich oder gar angenehm gestalten konnte. Sie sollte ihm vor allem nichts von seiner bürgerlichen oder adeligen Ehre nehmen. Die Digesten (Dig. 48, 3 1) sprechen von einer 'custodia pro dignitate'. Nicht nur Hitler, sondern auch August Bebel, Rosa Luxemburg, Karl Liebknecht, Erich Mühsam und viele andere wurden wegen politischen Aufruhrs, Majestätsbeleidigung und sonstiger politischer Gehorsams- und Respektsverweigerungen zu 'Festungshaft' verurteilt. 194 Jahre zuvor, im Jahre 1730, verhängte sogar der Vater des später berühmt gewordenen Königs Friedrich II. von Preußen über diesen wegen eines Fluchtversuchs (militärisch: 'Desertion') - allerdings zugleich mit betonter Härte gegen die daran sonst beteiligten Personen - die die Ehre schonende 'Festungshaft'.
Da durch diese Strafe zu Beginn der Weimarer Republik - nach verfassungsmäßiger Abschaffung der Monarchie und des Adels - vor allem Rücksicht auf eine 'ehrenwerte Gesinnung' genommen werden sollte, bedeutete sie für den damals schon führenden Nationalsozialisten Hitler, daß er Muße fand, den ersten Teil seines schon umfänglichen Werks 'Mein Kampf' zu schreiben.
Das nach späterer weiterer Bearbeitung zweibändige Werk 'Mein Kampf' hatte schließlich, so wie es heute in seiner letzten Auflage vorliegt, einen Umfang von insgesamt 781 Seiten. Es enthält einen persönlich- und zugleich politisch-autobiographischen Teil (408 Seiten), den er 'Eine Abrechnung' überschreibt, und einen zweiten Teil mit einer 'Lehre', welche zentrale Elemente seiner politischen Ideenwelt (373 Seiten) zusammenfaßt und die Überschrift 'Die nationalsozialistische Bewegung' trägt.
Bei den in 'Mein Kampf' zusammengefaßten Ideen ist es in Hitlers späterem Leben weitgehend geblieben. Auch wenn bis zu seinem Tode 1945 aus verschiedenen - inbesondere kriegsbedingten - Gründen eine Anzahl weiterer persönlichkeitstypischer Einsichten und Kenntnisse Hitlers hinzugekommen ist (siehe dazu unten, Abschnitt IV), so haben erster und zweiter Teil von 'Mein Kampf' schon um das Jahr 1924 herum bekenntnishafte - und insoweit wenig veränderliche, personbestimmende - Grundüberzeugungen Hitlers ausgedrückt und festgelegt, welche sein späteres Leben bestimmten.
Aus mehreren Gründen ist es schwierig, das Buch gänzlich zu lesen. Der Zeitaufwand würde bei täglicher, wirklich aufmerksamer Lektüre von 20 - 30 Seiten mindestens drei Wochen dauern. Schon bei überschlägigem Lesen braucht man mindestens 14 Tage. Für angemessene Exzerpte ist mindestens ein weiterer Monat anzusetzen. Das Werk ist aber auch, von seinem Inhalt ganz abgesehen, in einem bei aller nötigen Lesergeduld unerträglichen Stil einer bramarbasierenden, absichtlich volkstümlich-unakademisch gehaltenen Dauerrede geschrieben. Und schließlich, um nur dies an dieser Stelle aus seinem Inhalt hervorzuheben, sucht Hitler für seine - wie man anerkennen muß, deutlich durch eigenes Denken und Fortdenken persönlich bestimmten - zentralen Positionen keine Beweise, wo es auf solche ankäme. Dies gilt inbesondere, was seine zentralen Glaubensauffassungen von einer 'Minderwertigkeit der Rassen' oder einer 'Volkssschädlichkeit' eines 'Judentums' betrifft.
Das alles spricht dafür, ein neues Hilfsmittel für die Bewältigung der Lektüre des Werks zu finden. Es gibt zwar kommentierte Auszugssammlungen von 'Mein Kampf' in mehreren prominenten Zusammenstellungen wissenschaftlich-fachkundiger Autoren. Jedoch sollte deren Lektüre heute begleitet sein von einer direkten Lektüre wenn nicht des ganzen 'Werks', so doch zumindest in freier Wahl des Lesers ausgewählter Abschnitte. Ein politisch-pädagogisch vorausgewähltes Lektüre-Programm reicht für eine über das NS.Systems im allgemeinen gut informierte breite Öffentlichkeit heute keinesfalls mehr als wissenschaftsgemäßer Lese-Zugang aus. Eine staatliche Vormundschaft in dieser Frage kann erst recht nicht hingenommen werden.
Diesem Zweck dient letztlich eine Kurzfassung aller einzelnen Passagen des Gesamtwerks. So erst kann jeder Leser in eigenem Studium festlegen, was er eingehender lesen will und was nicht.
Lesekommentar zum Ersten Teil-Band. Der 1889 in Braunau, einer direkt an der Inn-Grenze zwischen dem damaligen Österreich-Ungarn und dem damaligen Deutschen Reich gelegenen Kleinstadt, geborene Hitler einen anschaulichen und offenen Bericht über sein Elternhaus und seine Erziehung, in der seine Schulausbildung, wie er selbst schreibt, nur kurz, aber auch von seinem eigenen Desinteresse an nicht-historischen, nicht-geographischen und nicht-kunstnahen Stoffen geprägt gewesen sei. Deutlich tritt ein Konflikt im Verhältnis zu dem beamteten und autoritären, 1903 verstorbenen Vater hervor, der ihm seine künstlerischen Interessen habe austreiben und eine Beamtenlaufbahn habe vorschreiben wollen. Dieser Konflikt habe ihn in seinem Eigenwillen bestärkt, für sein berufliches Leben eine nicht-beamtete, sondern künstlerische Entwicklung in einem freien Leben zu suchen. Er habe deswegen ursprünglich - 1908 - beabsichtigt, in Wien eine künstlerische Ausbildung als Maler aufnehmen. Doch sei er mit einem Antrag auf Aufnahme in die dortige Kunstakademie zurückgewiesen worden.
Sodann berichtet er über die von offenbar energischem, autodidkatischem Bildungsbemühen, Kunststudien, Bibliotheks- und Theaterbesuchen geprägten Jahre in dem von ihm späterhin so genannten 'Rassenbabylon' Wien. (S. 18 - 70). Offen beschreibt er aber auch die persönlichen Entbehrungen und sozialen Elends-Erfahrungen in dieser Zeit (S. 71 - 137). Schließlich geht er auf die 1913, noch vor Beginn des ersten Weltkriegs erfolgte, 'bewußt-deutsch-national' motivierte Entscheidung für ein Leben in der 'rein deutschen' Stadt München ein (S. 138 - 171).
Es folgen die Kriegserfahrungen des zunächst - im Februar 1914 - im (österreichischen) Salzburg als Reservist gemusterten, später, nach Ausbruch des Ersten Weltkrieges, aber in bayrischen (also deutschen) Diensten als kriegsfreiwilliger Meldegänger an der Westfront in Belgien eingesetzten Hitler. Während eines Artilleriebeschusses durch einen Splitter im Bein verletzt, sei er in das Lazarett Beelitz (nahe Potsdam) eingewiesen worden und habe während seiner Rekonvaleszenz Potsdam und Berlin besucht und schätzen gelernt. Im Zusammenhang mit seinen Kriegerlebnissen beschreibt er näher das ihn, wie er auch an spätere Stellen des Werks immer wieder betont, prägende 'Kriegserlebnis' (S. 172 - 192). Besonderes Interesse habe er schon damals für die auskalkulierten und wirksamen Methoden der Kriegspropaganda gehabt (S. 193 - 204).
Sein Lebensbericht fährt fort mit seinem Erlebnis der Revolutionszeit im Zusammenhang mit dem Kriegsende 1918. (S. 205 ff.) Dabei hebt er ein weiteres ihn tief bewegendes Erlebnis hervor, nämlich das einer 'bürgerlichen Feigheit und Unfähigkeit'. Er beschreibt ferner die Entstehung eines ihn ebenfalls bewegenden tiefen Hasses gegen die von ihm ausgemachten Verursacher 'der deutschen' Niederlage und Demütigung, 'das Judentum', den 'Marxismus' und die 'Sozialdemokratie'. Im Zusammenhang mit der Beschreibung solcher Negativ-Erlebnisse entwickelt er detaillierte Gegenvorstellungen, nicht nur gegen eine 'Verinternationalisierung der deutschen Wirtschaft', sondern generell gegen eine Vielzahl gesellschaftlicher Fehlentwicklungen, wobei seine Darlegungen von Themen wie das der Schulerziehung über das präventiver Maßnahmen zur Verhinderung 'unwerten Lebens' bis hin zu dem des Aufbaus einer 'nationalen Ordnung der Arbeit' und der 'Brechung jüdisch-kapitalistischer Zinsknechtschaft' - im Sinne der Vorstellungen des politischen Autors Gottfried Feder (1883 - 1941) - reichen.
Solche grundsätzlichen Prägungen hätten, so der Autor, den Beginn seiner 'politischen Laufbahn' in einer Münchener Splitterpartei motiviert, der 'Nationalen Arbeiterpartei' (S. 226 ff.), die sich später, unter Hitlers 'führender' Mitwirkung, in eine 'Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei' umgebildet habe (S. 236 ff.).
Die beiden seit 1918 im Vordergrund seines Denkens und Handelns stehenden Themen - die 'Ursachen des deutschen Zusammenbruchs' (S. 245 - 310) und - im Kapitel 'Volk und Rasse' (S. 311 - 362) - ein als Gegenvorstellung entwickelter 'rassischer' oder 'völkischer' Volksbegriff - werden in seiner Schrift ausführlich - auf insgesamt fast 170 Seiten - und 'lehrhaft' - in Form eigentlich einer schriftlichen Dauerrede an ein vorgestelltes Publikum behandelt.
Für das Kriegsende 1918 sieht Hitler lange zuvor eintretende, zahlreiche Ursachen wirksam, nämlich die allmähliche 'Aufgabe der Reichsidee', welche bei der Reichsgründung 1871 aus der militanten Selbstbehauptung der Nation gegen Frankreich enstanden sei und Freiheit und Wohlstand gesichert habe. Die Nation sei ein 'Aufenthaltsraum zum Geldverdienen' geworden. Ein 'politischer, kultureller und sittlich-moralischer Verfall', ein Desinteresse gegenüber 'blutsmäßigen Faktoren' habe eingesetzt oder schon immer bestanden, nicht nur bei der 'breiten Masse', sondern auch bei der 'Intelligenz'. Die Erklärung des nationalen Niedergangs werde von 'jüdisch-frecher' Propanda seitens des Berliner 'Vorwärts' statt dessen der militärischen Niederlage angelastet. Dabei sei dies eigentlich die Folge eines allgemeinen Sittenverfalls gewesen, eine'verdiente Züchtigung der ewigen Vergeltung'.
In einer allgemeinen, sehr langen Sittenkritik beklagt der Autor dann (S. 251 - 302) im einzelnen den Verrat, die Gleichgültigkeit und Gesinnungslosigkeit bei einem Drittel der deutschen Bevölkerung in nationalen Belangen, die öffentliche Verunglimpfung verdienter Heerführer wie Ludendorffs duch die 'bodenlose Verlogenheit des Judentums und seiner marxistischen Kampforganisation', die 'Schwächung des Bauernstandes', 'die soziale Spaltung zwischen Arm und Reich, die geistige 'Verwirtschaftlichung der Nation', das Übergehen des allgemeinen mittelständisch-wirtschaftlichen Individualbesitzes in die Hände von internationalen, spekulationsorientierten Aktiengesellschaften, die Internationalisierung auch der deutschen Schwerindustrie und der Deutschen Rechsbahn, die Mängel eines rein wissensorientierten Schulsystems, den monarchiehörigen Untertanengeist, die Unfähigkeit zumindest des letzten deutschen Monarchen, die Gesinnungslosigkeit der 'sogenannten liberalen Presse' und des größten Teils ihrer Leserschaft, das Fehlen national organisierter Erziehung der ihren Voraussetzungen nach dummen Volksmassen, die Untergrabung der Staatsautorität, die 'Massenvergiftung der Nation durch ''Modernisierung', die 'schlaue Taktik der Judenheit', mit 'ihrer Presse' 'große Volksteile gegeneinander zuhetzen', die irrige, aber allgemeinverbreitete Vorstellung von der 'Überwindbarkeit der Natur' und die damit verbundene Leugnung ihrer 'Gesetze des ewigen Kampfes und Ringens nach oben' durch die 'geistige Halbwelt' einer 'sogenannten Intelligenzpresse, die allgemeine Verbreitung von Syphilis und Tuberkulose als besonderer Beispiele für die 'politische, sittliche und moralische Verseuchung des Volkes und eines unterlassenen konsequenten staatlichen Kampfes dagegen (S. 269 - 282), 'den Bolschewismus in der Kunst', etwa 'futuristischer oder kubistischer Darstellungen' oder 'dadaistischer Erlebnisse', den zu verhindern eigentlich 'Sache der Staatsleitung' gewesen wäre, generell 'Erkrankungen' 'auf allen Gebieten der Kunst und Kultur' in Deutschland und eine dafür mitverantwortliche 'wieder sichtbar werdende Feigheit eines Teils unseres Volkes', die Umbildung der 'kulturvollen' Städte früherer Epochen in 'Fabrikorte', den 'Mangel einer bestimmten, gleichmäßig anerkannten Weltanschauung', die religiösen Schwächen der früheren 'christlichen Parteien', die 'Halbheit' und 'Unentschlossenheit' der deutschen Innen- und Außenpolitik der 'Vorkriegszeit' nach Bismarck, etwa in der Bündnispolitik, in der 'elsaß-lothringschen Frage', in der 'Polenpolitik', und in der Rüstungspolitik. - Mit der langen Reihe kritischer Angriffe verbindet der Autor (S. 302 - 309) drei Bemerkungen über 'Vorzüge im deutschen Leben'. Zu diesen rechnet er, daß die deutsche Politik stets vergleichsweise stark den 'nationalen Charakter der Wirtschaft' gewahrt habe, ferner - jedenfalls grundsätzlich - die Institution der Monarchie, schließlich - uneingeschränkt - das Heer mit seiner volkserzieherischen Aufgabe als 'hohe Schule der deutschen Nation'.- Der 'eigentliche und letzte Grund des Untergangs des alten Reichs' habe jedoch 'im Nichterkennen des Rasseproblems und seiner Bedeutung für die geschichtliche Entwicklung der Völker gelegen.
Hitler macht sodann (Kap. 11, 'Volk und Rasse', S. 311 - 362) längere Ausführungen zu einem 'rassischen' - auch 'völkisch' genannten - Volksbegriff.
Mit dem Begriff der 'Rasse' legt Hitler die für sein 'völkisches Denken zentrale Vorstellung dar. Biologisch gemeint ist offenbar eine innerhalb einer Spezies evolutionär ausgebildete stabile Varianz-Form des Lebens. 'Die Natur' lege derartige 'Rasse'-Formen auf Dauer nach einem ihr innewohnenden Prinzip fest, nämlich nach dem der 'Abgrenzung' und der mit dieser verbundenen 'Auslese' der 'besten' Lebensform.Dabei komme es stets zu einem 'erbarmungslosen Konkurrenzkampf' der verschiedenen Varianz-Formen miteinander. Durch 'Rassenmischung' zwischen evrschiedenen Varianz.Formen, von Hitler auch 'Bastardisierung genannt', entstünden 'lebensuntüchtige', 'minderwertige' Lebensformen. Andrererseits 'vervollkommne' sich eine 'reine' Lebensform durch ständige 'Höherzüchtung'.
Dieses Naturprinzip sieht der Autor auch innerhaln der menschlichen Spezies wirksam. Es sei 'durch zahllose Belege der geschichtlichen Erfahrung' erwiesen. Diese umreißt der Autor historisch nicht wenigstens ansatzweise, weil das angesichts der ihn beschäftigenden gedanklichen Probleme der Gegenwart ein 'müßiges Unterfangen' sei..Hitler unterscheidet aber dennoch dezidiert inerhalb der menschlichen Spzies 'höherwertige' von 'minderwertigen' Rassen. Höherwertig sei eine 'arische Rasse', von niedrigerem Wert seien farbige Völker, etwa Zentral- und Südamerikas.
'Das Ergebnis der Rassenkreuzung': Durch geschlechtliche Verbindung Angehöriger 'höherwertiger' mit solchen 'minderwertiger' Rassen entstünden Rassenkreuzungen mit 'gesenktem Niveau'. Dies heiße 'nichts anderes', als 'Sünde' treiben 'wider den Willen des ewigen Schöpfers'. Hitler nennt derartige 'Sünde' auch 'Blutschande'. Derartige Mißachtung der 'eisernen Logik der Natur'. müsse 'zur verdienten Strafe'. d. h. 'zum eigenen Untergang' führen. Mit 'Untergang' meint der Autor offenbar eine 'Entartung' als Selbstvernichtung oder -aufhebung der ganzen menschlichen 'Art' im Sinne von biologischer 'Spezies', nicht nur einer 'Rasse' im üblichen Sinne des Wortes. Zu den 'entarteten' Erscheinungsformen menschlichen Lebens gehöre eine 'jüdische'. Dieser eigentümlich sei eine krankheitsähnliche und zugleich 'frech' auftretende Art geistiger Krankheit, nämlich die aktiv propagierte Illusion von einem 'naturüberwindenden Pazfismus'.
'Mensch und Idee': Da nur der Mensch 'Ideen' habe, wurzele die 'Gesundheit' menschlichen Denkens in einer 'Reinheit der [menschlichen] Art', der er zugehöre. Diese sei Voraussetzung 'geistiger Vorstellungs- und Schöpferkraft'. Eine 'pazifistisch-humane' Idee könne nur dann 'gut' und nicht 'schädlich' sein, wenn sich ein sie verbreitender 'höchststehender Mensch' vorher die 'Welt unterworfen', sich selbst 'zum alleinigen Herrn dieser Erde' gemacht habe. Es müsse daher 'erst Kampf und könne dann vielleicht Pazifismus' geben. Ein großer Teil des deutschen Volkes sei demgegenüber von einer 'pazifistische Idee' im Sinne einer diesem Volk an sich nicht innewohnenden Gedankenkrankeit angesteckt.
'Rasse und Kultur': 'Alle großen Kulturen' seien daran 'zugrunde gegangen', daß 'die ursprünglich schöpferische Rasse' 'an Blutvergiftung abgestorben' sei. Die 'Erhaltung der Kultur' sei 'gebunden' an das 'eherne Gesetz der Notwendigkeit und das Rechts' 'des Sieges des Besten und des Stärksten'. Die 'Rassengesetze verkennen' bedeute die Aufgabe eines wirklichen 'menschlichen Glücks' und 'Fortschritts'.
'Der Arier als Kulturbegründer': Eingangs hält Hitler es für ein 'müßiges Beginnen', historisch zu erforschen, an welchen Stellen der bewohnten Welt, zu welcher Zeit und auf welche Weise menschliche Hochkulturen entstanden seien. 'Jedenfalls' sei 'für die Gegenwart' 'leicht und deutlich' festzustellen, daß 'alle Kultur' einschließlich aller 'Kunst, Wissenschaft und Technik' 'nahezu ausschließlich schöpferisches Produkt' 'des Ariers' sei. 'Arische', d. h. aus dem Norden Europas oder Eurasiens stammende 'Stämme' 'mit hellerem Hautton' hätten sich in von Hitler unbestimmt gelassener und nicht näher beschriebener 'früher' Zeit 'häufig in wahrhaft geringer Volkszahl' - dies steht für den Autor fest - fremde Völker unterworfen und auf deren Gebieten, unter Nutzung der Arbeitskraft der vielen dort zur Verfügung stehenden 'Menschen niederer Art' 'geistig und organisatorisch' höchststehende Pläne und Fähigkeiten verwirklicht.
'Folgen der Blutsvermischung'. Am Ende seiner 'Skizze' stellt Hitler allerdings fest oder sieht voraus einen Untergang oder eine Erstarrung der 'arisch' begründeten Hochkulturen wegen biologischer 'Vermischung' der 'Eroberervölker' mit denen der 'minderwertigen' Unterworfenen.
'Ursachen der Bedeutung des Ariers'. Die kulturschaffende Bedeutung 'des Ariers' beruhe nicht auf besonderen intellektuellen Fähigkeiten, sondern auf den in der 'arischen Rasse' verankerten Eigenschaften der Selbstbindung an das Wohl der 'Gemeinschaft' und der 'Aufopferungsbereitschaft' für diese ('Idealismus'). Der bei niedriger stehenden Völkern vorwiegende natürliche Selbsterhaltungstrieb ('Egoismus', auch 'Materialismus') gehe über die Bildung von Familien nicht hinaus und könne daher nicht Grundlage einer Hochkultur- und Staatenbildung werden.
'Dienst an der Gemeinschaft'. [...]
'Aufopferungsfähikeit für die Gesamtheit'. [...]
'Reinster Idealismus, tiefste Erkenntnis'. [...]
'Arier und Jude'. [...]
'Folgen des jüdischen Egoismus'.[...]
'Die Scheinkultur der Juden'. .[...]
'Der Jude ist kein Nomade'..[...]
'Der Jude ein Parasit'..[...]
'Der Jude' lebe 'zu allen Zeiten' in den Staaten anderer Völker und bilde dort einen als Religionsgemeinschaft 'maskierten' eigenen Staat. Dieser verborgene Staat sei ein 'Parasit im Körper anderer Völker und Staaten'.
'Jüdische "Religionsgemeinschaft" '. Mit dem Wesen 'des Juden' als 'Völkerparasit' verbinde sich - Hitler zitiert dabei Schopenhauer - 'seine' 'Meisterschaft im Lügen'. Er müsse einerseits ständig seine Existenz als 'Volk' verbergen und andererseits seine 'parasitäre' 'innere Wesensart verleugnen'. 'Staatliche Stellen' ließen sich, kurzsichtig, wie sie zu sein pflegten, von derartigem 'infamen Betrug' besonders leicht täuschen. 'Das Judentum' sei jedoch überhaupt keine Religion - dies scheine nur so -, sondern in Wirklichkeit ein 'Volk mit bestimmten rassischen Eigenarten'.
'Die jüdische Religionslehre'. Folglich sei 'die jüdische Religionslehre' vor allem 'eine Anweisung zur Reinhaltung des Blutes des Judentums sowie zur Regelung des Verkehrs der Juden untereinander' und auch 'mit den Nicht-Juden' ; dies aber nicht über 'ethische' Fragen, sondern über 'außerordentlich bescheidene wirtschaftliche'. Die religiösen 'Schwafeleien der Juden über sich selber' ihrem Wesen, das 'nur von dieser Welt' sei, angepaßt. Jesus, Gründer der neuen christlichen Lehre, also nach Hitlers Auffassung offenbar kein Jude, habe 'den' 'Widersacher jedes Menschentums' aus dem Tempel getrieben., welcher als jüdischer 'damals wie immer' 'nur ein Mittel zur geschäftlichen Existenz' gewesen sei.
'Die "Weisen von Zion" '..[...]
'Der Werdegang des Judentums'..[...]
'Der Stand des Fabrikarbeiters'..[...]
'Die Taktik des Judentums'..[...]
'Der Kern der marxistischen Weltanschauung'. Hitler sieht in der 'marxistischen Weltanschauung' eine politisch-taktische, 'unendlich kluge' Erfindung 'des Juden', um die 'arbeitende', 'elende' und 'arme' Bevölkerung in den Dienst gerade der Macht zu stellen, die sie zu bekämpfen glaubt, nämlich des 'internationalen Kapitals'. Dieses verfolge als 'Börsenkapital' das Ziel, die 'nationale Wirtschaft' zu 'demolieren'. Die innerhalb 'der marxistischen Weltanschauung' zentrale 'kategorische Ablehnung der Persönlichkeit und damit der Nation' zerstöre aber nicht nur die Wirtschaft, sondern auch generell 'die Grundlagen der gesamten menschlichen Kultur'. Damit falle 'das wesentliche Hindernis für die Herrschaft des Minderwertigen' fort; 'dieses aber ist der Jude'.
'Die Organisation der marxistischen Weltlehre'. Organisationszentren einer jüdischen 'Zersetzung' seien für den Bereich der 'sogenannten Intelligenz' die 'Freimaurerei', 'für die breitere Masse' die 'heute immer jüdische Presse' sowie 'die rohe Gewalt' der marxistisch gesonnenen 'Angriffs und Sturmtruppen' der gewrkschaftlichen Bewegung und der auf 'Revolution' und 'Diktatur des Proletariats' ausgerichteten politischen Kräfte. Mit der Zeit beginne eine 'gesicherte Herrschaft der Juden im Staate'. 'Frech und offen' bekennten sie sich zu ihren Absichten. So übten sie, manchmal 'mit satanischer Freude', 'Blutschändung' an 'ahnungslosen Mädchen' aus oder förderten es wenigstens, daß die 'Blutschranken' eingerissen würden. Ferner verseuche 'der Jude' 'Kunst, Literatur und Theater', 'vernarre' das 'natürliche Empfinden', mache 'Religion, Sitte und Moral' 'als überlebt' lächerlich. Am Schluß stehe eine 'Völkertyrannei' des 'Blutjuden', für die Rußland ein Beispiel sei. Dort sei es 'einem Haufen jüdischer Literaten und Börsenbanditen' gelungen, sich die 'Herrschaft über ein großes Volk von dreißig Millionen Menschen' zu sichern. Am 'Ende der Freiheit' der 'vom Juden' 'unterdrückten Völker' werde aber auch des 'Ende dieses Völkerparasiten' selbst stehen, ähnlich wie 'der Vampir' nach dem Tode seines Opfers selbst sterbe.
'Palästina als Organisationszentrale'..[...]
'Die Diktatur des Proletariats'..[...]
'Vom Volksjuden zum Blutjuden'..[...]
'Bastardisierte Völker'..[...]
'Die Scheinblüte des alten Reichs'..[...]
'Nichterkennen des inneren Feindes'..[...]
'Ein germanischer Staat deutscher Nation'..[...]
Am Schluß des ersten Teils (Kap. 12, S. 363 - 406) steht die - wiederum besonders ausführliche - Darstellung der von Hitler selbst mit 'vollem' Einsatz seiner Person - als 'Führer' - betriebene Entwicklung der von ihm als 'eigenes Werk' verstandenen neuartigen politischen NSDAP-Organisation. Der Begriff 'Führer' bedeutet dabei für ihn weitaus mehr als der eines politischen Spitzenfunktionärs oder beamteten Staatslenkers - derartige Stellungen in 'Demokratie' und 'Republik' bedenkt er mit haßvoller Verachtung. Er meint vielmehr mit 'Führer' einen tatkräftigen, von einem 'Schicksal' berufenen, seherischen, lehrenden, uneigennützig ('idealistisch') denkenden und zum 'Opfer' - d. h. auch zum Selbstopfer - für sein 'Volk' fähigen, 'starken', aber auch 'einsamen' Übermenschen im Sinne des nietzscheanischen 'Zarathustra', der seine Tätigkeit, die Hitler als 'Kampf' zusammenfaßt, 'jenseits von Gut und Böse', letztlich ungebunden von 'Menschlichkeits-Träumereien', 'Moral- und Politikkonventionen' und in diesem Sinne 'rücksichtslos' führe.
Lesekommentar zum Zweiten Teil-Band. Im zweiten Teilband des Werks stellt Hitler fünfzehn von ihm damals für wesentlich gehaltene Elemente eines 'völkisch'-politischen Denkens zusammen. Bei diesen Elementen ist es, um es hier zu wiederholen, in seinem späteren Leben weitgehend geblieben.
1. 'Weltanschauung und Partei'..[...]
2. 'Der Staat'..[...]
3. 'Staatsangehöriger und Staatsbürger'..[...]
4. 'Persönlichkeit und völkischer Staatsgedanke'..[...]
5. 'Weltanschauung und Organisation'..[...]
6.'Der 'Kampf der ersten Zeit - Die Bedeutung der Rede' (S. 518 ff.). Hitler befaßt sich mit den Mitteln des politischen Meinungskampfes zur Zeit seines politischen Anfangs im 'Münchener Hofbräuhausfestsaal'. Er hebt die vergleichsweise große Wirksamkeit der unmittelbar an eine präsente Zuhörerschaft gerichteten Rede hervor. Sie ermögliche die Anpassung an die Bedürfnisse des Augenblicks und an die Resonanz einer Zuhörerschaft. Demgenüber seien schriftliche Formen der Massenansprache, die über das Format von Flugblättern hinausgingen, fast unwirksam. Propagandistisch unwirksam seinen auch in akademischer Tradition verfaßte Rede- und Schreibtextetexte. Sie gingen mit ihren rhetorischen Formen nicht auf die Gebote der politischen Leidenschaft, das Verständnisvermögen und die begrenzten Aufnahmefähigkeit eines Publikums ein. Über die fehlende Fähigkeit vieler von ihm beobachteter Politiker aller Parteien, dies zu erkennen, macht sich der Autor mit deutlich antiakademischem und zugleich antibürgerlichem Affekt lustig. Im Kern weist er aber auch nach, daß Bildung als Bildung zugleich geitige Selbstbegrenzung sein und für das politische Handeln untauglich machen könne.
7. 'Das Ringen mit der roten Front'. (S. 538 ff.). In einer Beschreibung der 'bürgerlichen' Parteien und ihrer Presse' sowie der politischen Versammlungen 'bürgerlicher' Parteien, an denen er zwischen 1919 und 1921 als Beobachter teilgenommen habe, und einer distanzierten Darstellung eines dort auftretenden nationalistischen Rednertyps als abgehoben-gebildet, umständlich, leidenschafts- und wirkungslos hebt der Autor als Gegenbild den Typus einer 'leidenschaftlichen' und volksnahen Rede im Umgang mit einem Massenpublikum hervor. - Zugleich schildert er eingehend die Schwierigkeiten, unter denen in ihren frühen Jahren die Organisation der Massenveranstaltungen der NSDAP stattgefunden habe, dabei insbesondere die energischen Attacken und Störversuche der politischen Gegner von der 'gewerkschaftlichen' und 'roten' Seite. Er beschreibt dabei auch die ideell-politische Konkurrenzsituation, die von der NS-Partei bewußt gesucht worden sei, etwa in der Wahl der Farbe Rot als Parteifarbe. Aus den gelegentlich bürgerkriegsähnlichen Konkfliktsituationen zwischen 'nationalem' und 'rotem' Lager erklärt Hitler die organisatorischen und taktischen Prinzipien einer 'kompromißlosen' Veranstaltungsleitung und der Absicherung ungestörter Veranstaltungsdurchführung durch einen 'Saalschutz' ('SS', später 'SA' und 'SS').
8. 'Der Starke ist am mächtigsten allein'. Mit dieser aus Friedrich Schillers Wilhelm Tell (1, 2) stammenden, aber als gängiges Sprichwort verwendeten, also nicht zitierten Maxime beschreibt Hitler eine ihm offenbar besonders wichtige persönliche und politische Überzeugung. Er macht sich zunächst allgemeine Gedanken darüber, warum Menschen in Konkurrenz miteinander dieselben vornehmlich uneigennützig-ideellen Ziele verfolgten, und kommt zu dem Ergebnis, daß Grund dafür die Überzeugung von einer persönlichen Berufung und eine tragische Unkenntnis von dem Denken der Konkurrenten sei. Aber auch Eitelkeit und Geltungsstreben kämen dazu. Diese allgemeine Einschätzung wendet er dann auf das nationalistische und speziell das 'völkische' Denken seiner Zeit an, dessen 'Zersplitterung' sich allerdings nach einer Zeit des Übergangs aufgelöst habe in der Begründung der NSDAP. Diese sei nicht eine unwirksame, konkurrenzausscchließende 'Arbeitsgemeinschaft' unter sich zerstrittener Kleingruppen gewesen, sondern aus einem 'freien Spiel der Kräfte'hervorgegangen, bei dem ein 'natugewollter' 'Kampf zur Auslese der Besten' und somit 'für immer zum notwendigen und endgültigen Sieg des Gesünderen und Stärkeren' geführt habe. Er meint damit sowohl die NSDAP-Gründung als auch seine eigene Person. Auch ein 'völkischer Staat könne künftig nur 'geschaffen' werden durch 'den stahlharten Willen einer einzigen Bewegung, die sich durchgerungen hat gegen alle'.Offenbar nimmt der Autor bereits 1924, in der Zeit nur präsidialer Notstandsdiktatur der Weimarer Republik, diese spätere Entwicklung zu einer staatlicher Dauerdiktatur in Deutschland vorweg.
9. 'Grundgedanken über Sinn und Organisation der SA'..[...]
10. 'Der Föderalismus als Maske'..[...]
11. 'Propaganda und Organisation'..[...]
12. 'Die Gewerkschaftsfrage'..[...]
13. 'Deutsche Bündnispolitik nach dem Kriege'..[...]
14. 'Ostorientierung oder Ostpolitik' (S. 726 - 758). In diesem umfangreichen und inhaltlich besonders wichtigen Kapitel entwickelt Hitler im Zusammenhang seine grundsätzlichen und die daraus abgeleiteten politisch-programmatischen Auffassungen über eine neue - 'nationalsozialistische' - Deutschlandpolitik nach dem ersten Weltkriege. Zur Existenzgrundlage eines Volkes gehöre, daß es eine für die Versorgung der jetzt lebenden, aber auch der in absehbarerer historischer Zeit hinzukommenden Menschen ausreichende agrarische Nutzfläche habe. Eine solche agrarische Autarkie müsse von allen Formen des Außenhandels und vertraglicher Absprachen mit anderen Völkern unabhängig sein. Wesentlich für die Existenzsicherung des Volkes sei ferner, daß die von ihm besessene agrarische Nutzfläche räumlich zusammenhänge und militärisch gut zu verteidigen sei. Gemessen an solchen Anforderungen sei 'das deutsche Volk' der Zeit vor 1918 und erst recht danach unzureichend ausgestattet gewesen. Da die deutschsprachigen Staaten vor und nach 1918 getrennt und nicht agrarisch autark, da das Bismarckreich mit eine militärisch nur schlecht zu verteidigende Grenze gehabt habe, müsse es im nationalen Interesse für ein ganzes deutsches Volk zu einer neuen Grenzziehung kommen. Dabei müsse davon ausgegangen werden, daß auch ein ganzes deutsches Volk keine 'Weltmacht'-Stellung anstreben könne, wie dies bei dem Britischen Empire, den USA oder auch Frankreich der Fall sein. Es sei deshalb unrichtig gewesen, wenn das Bismrack-Reich dirch den Erwerb von Kolonien in aller Welt nach einer 'Weltmacht'-Stellung gestrebt habe. Eine Lösung liege vielmehr nur im Erwerb zusätzlichen Territoriums für ein 'geeintes' Deutschland im Osten. Westen und Süden, wie in früheren histotischen Epchen, schieden als Optionen aus. Der Erwerb zusätzlichen Territoriums im Osten müsse im Wege des Eroberungskriegs gegen Nachbarstaaten und -völker erreicht werden. Bei diesem Krieg bedürfe es keiner völkerrechtlichen Rechtsfertigung, sonder nur der Berufung auf ein nationales Interesse und ein gottgewolltes Naturgesetz, 'das Recht des Stärkeren'.
15. 'Notwehr als Recht' (S. 759 ff.). Dem letzten Kapitel des zweiten Bandes gibt der Autor die an dieser Stelle als Schlußwort des Gesamtwerks wirkende und daher besonders zu beachtende Überschrift 'Notwehr als Recht'. Es scheint sich hier um eine Umarbeitung des Schlußwortes des im Prozeß des Jahres 1924 wegen Hochverrats angeklagten Hitler zu handeln. In den Mittelpunkt stellt er die Geschichte der 'Entwaffung' und 'nationalen Unterdrückung' Deutschlands nach dem Waffenstillstand im November 1918. Er versteht sie unter Anknüpfung an Gedanken von Clausewitz ('Drei Bekenntnissse') als teilweise 'selbstverschuldete, feige Unterwerfung' unter eine 'Siegerpolitik' der schrittweise vorgehenden, zunächst völkerrechtlich vereinbarten, dann militärisch abgesicherten, und schließlich sogar - allerdings nur von französischer Seite bei der Ruhrgebiets-Besetzung - willkürlichen 'Unterdrückung' eines besiegten 'Volkes'. Da es dagegen kein innen- oder außenpolitisch taugliches rechtliches Mittel gebe, müsse der Ausweg auf letztlich rechtsregelwidrige Weise, nämlich in einer, soweit nötig, gewaltsamen 'Notwehr' gefunden werden. Der von Hitler benutzte Notwehr-Begriff ist dabei nicht strafrechtlich-juristisch (etwa im Sinne der §§ 32 - 35 des heutigen deutschen Strafgesetzbuches) gemeint, sondern 'völkisch'-politisch. 'Recht' in diesem Sinne sind nach Auffassung des Autors Hitler alle politisch essentiellen Belange 'nationaler Existenz'; diese überwögen stets alle anderen, normalerweise durch innerstaatliches Recht oder internationale Rechtsabkommen gesicherten Werte und Interessen.
Zusammenfassung kommentierender Bemerkungen des Hitler-Werks nach sprachlicher Form und gedanklichem Inhalt.
A. Charakterisierung der Denk- und Sprachformen des Textes:
1. Die volkstümliche deutsche Sprache generell und die individuelle volkstümliche Sprache des betont 'volkstümlich' sprechenden Adolf Hitler im besonderen. Die Grenzen dieser sprachlichen Ausdrucksmöglichkeiten.
2. Sein vom Autor oft und nachdrücklich betontes anti-'akademisches' Selbstverständnis mit seinen Folgen für Sprachwahl und Gedankenführung. Gleichzeitige, damit zumindest teilweise im Widerspruch stehende Wertschätzung 'humanistischer Bildung'. Fehlendes Zitieren. Das deutliche Bemühen um grammatische Fehlerlosigkeit des betont deutsch-sprachlichen Ausdrucks, etwa beim Vermeiden von Fremdwörtern.
3. Die umfassende Verwendung des Hakenkreuzes als Bekenntnis-Symbols - vom Raumteiler im Druckwerk 'Mein Kampf' bis zum NSDAP-Partei-Flaggen-Emblem.
4. Schiefe Bilder und Vergleiche, formelhafte Ausdrücke.
5. Exaltierte Ironie und Schimpf-Sprache.
6. Häufige Satzbildungen mittels des 'man'-Subjekts.
7. Appelle, Warnungen und Belehrungen an den 'man'-Leser.
8. Die ständig auf eigene, dem 'Zeitgeist widersprechende begriffliche Klarstellungen verwendete, manchmal beachtliche originelle Gedankenarbeit.
9. Das Schreiben des Autors als schriftliches 'Reden', d. h.die Schriftpublikation in rhetorischer - also nicht dialektisch-argumentativer - Form.
10. Die Schwerlesbarkeit des Textes. Die räumlich ausufernde und für die Verständlichkeit oft ungeeignete Stoffgliederung. Die sachlich unnötig häufige Widerholung zentraler Gedanken. Der Versuch eines Ausgleichs durch ein ausführliches Personen und Sachverzeichnis (S. VII - XXVIII). Die Überlappung thematischer Bereiche in verschiedenen Kapiteln.
11. Die Herkunft eines 'deutschen Nationalismus' Hitlers aus den nationalistischen Konkurrenzverhältnissen des habsburgischen Vielvölkerstaates.
12. Die Religionsverbundenheit Hitlers mit dem Katholizismus. Der damit zusammenhängende fromm-leidenschaftliche christliche Antijudaismus.
13. Hitlers Verbindungen zur Rassen-Biologie des 19. und 20. Jahrhunderts.
14. Die fehlenden historischen Kenntisse Hitlers über hebräische, antik-judäische und mittelalterlich-jüdische Geschichte. Die Struktur seiner stereotypischen Vorstellung 'Der Jude zu allen Zeiten'.
15. Das nachweisliche Fehlen wichtiger historischer, vorgeschichtlicher und anthropologischer Kenntnisse Hitlers über die germanische und indoeuropäische Geschichte und Ethnologie. Der stereotypische Begriff 'Der Arier'.
16. Die Struktur der 'anti-bürgerlichen' Motive und Ideen Hitlers.
17. Die Strktur der 'anti-akademischen' Motive und Ideen Hitlers.
18. Die Struktur der gedanklich und gefühlsmäßig zentralen (persönlich-identitätsbegründenden) kollektivkonfornistischen Vorstellung von einer sich 'im Kampf' gegen eine Außenwelt 'rücksichtslos' selbstbehauptenden und 'siegreich' durchsetzenden 'nationalen Bewegung'.
19. Die Struktur einer gedanklich und gefühlsmäßig zentralen, idiosynkratischen Vorstellung von einer 'Abrechnung' wegen einer die Person tief treffenden Verletzung von Ehre, Ideen, Gütern und Rechten.
20. Die von Hitler nicht deutlich ausgesprochene, aber dennoch deutlich erkennbare (latente) Rechtfertigungsabsicht des gesamten Werks.
B. Zu den objektiv-ideengeschichtlichen Bezügen des Textes auf Traditionen aus der Antike
Die folgenden Traditionsbezüge sind hier nur vorläufig zusammengestellt, um späterhin eingehender erörtert zu werden:
1. Traditionsgeschichtlicher Bezug zu jüdischen Messias-Vorstellungen des Alten Testaments (Frömmigkeits-Tradition).
2. Traditionsgeschichtliche Beziehungen zu jüdischen und christlichen Chiliasmus- und Apokalypse-Ideen (Frömmigkeits-Tradition).
3. Traditionsgeschichtliche Beziehungen zum antiken christlichen Antijudasmus (Frömmigkeitstradition).
4. Traditionsgeschichtliche Beziehungen zu einem römisch- und griechisch-historischen Bild von einer 'libera Germania' (Strabo, Caesar, Tacitus - humanistische Bildungstradition).
5. Traditionsgeschichtliche Beziehungen zu einem römisch- und griechisch-historischen Bild und rechtlichen Begriff von den 'iure gentium victi', am Beispiel Karthagos und Galliens (Polybios, Appian, Livius, Caesar - völkerrechtliche Tradition).
6. Traditionsgeschichtliche Beziehungen zu dem einschränkungslosen antiken 'Kriegsrecht' ('ius belli' - völkerrechtliche Tradition).
7. Traditionsgeschichtliche Beziehungen zu antiken 'legibus solutus'-Vorstellungen (der römischen Kaiserzeit - staats- und reichsrechtliche Tradition seit römischer Zeit).
8. Traditionsgeschichtliche Beziehungen zu antiken - griechischen und römischen - 'homo superior' / 'hyperanthropos'- Ideen (Dionysios von Halikarnassos, Lukian - humanistische Bildungstradition).
9. Traditionsgeschichtliche Beziehungen zum christlichen Kreuz-Symbol - neben dem Rückgriff auf eine vorchristlich-germanisch-kulturelle Formüberlieferung (Frömmigkeitdtradition).
10. Traditionsgeschichtliche Beziehungen zum christlichen 'Glaubenskampf'-Begriff (2. Timotheus 4, 7: "Ich habe einen guten Kampf gekämpft" - Frömmigkeitstradition).
11. Traditionsgeschichtliche Beziehungen zu 'populär-antiphilosophischen' (anti-akademischen) Traditionen der Antike (etwa im Prozeß gegen Sokrates).
Zu Quellen und Literatur.
Anm 1: Die zitierten Seitenzahlen beziehen sich auf eine - nachgeprüft - formal und inhaltlich dem Originalwerk entsprechende, aus einer unklaren Quelle des Internet stammende PDF-Datei. Durch fremde Intervention entgegen den vom Autor des Kommentar-Projekts - auch in einem Rechtsstreit - dagegen geäußerten verfassungsrechtlichen Einwänden, wurde dieser aus seiner wissenschaftlichen WWW-Seite entfernt.
Anm 2: § 51, Satz 1 und 2 Urheberrechtsgesetz besagen: "Zitate. Zulässig ist die Vervielfältigung, Verbreitung und öffentliche Wiedergabe eines veröffentlichten Werkes zum Zweck des Zitats, sofern die Nutzung in ihrem Umfang durch den besonderen Zweck gerechtfertigt ist. Zulässig ist dies inbesondere, wenn einzelne Werke nach der Veröffentlichung in ein selbständiges wissenschaftliches Werk zur Erläuterung des Inhalts aufgenommen werden. ..."
Anm. 3: § 130 Abs. 2 StGB besagt u. a.: "Mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe wird bestraft, wer Schriften ..., die zum Haß gegen eine [rassische, nationale, religiöse oder ethnische] Gruppe, Teile der Bevölkerung oder einen Einzelnen wegen [ihrer] Zugehörigkeit [zu einer dieser Klassen] aufstacheln, zu Gewalt- oder Willkürmaßnahmen gegen sie auffordern oder ihre Menschenwürde dadurch dadurch angreifen, daß sie beschimpft, böswillig verächtlich gemacht oder verleumdet werden, verbreitet, ... vorführt, ... zugänglich macht, ....herstellt [oder auf irgendeine andere Weise vertreibt oder benutzbar macht]."
Hitlers Werk 'Mein Kampf' kommentiert in Auswahl: Werner Maser, Adolf Hitlers 'Mein Kampf'. Geschichte, Aiszüge, Kommentare, Bechtle-Verlag München 1981.
Die persönlichen, poltischen und ideologischen Schwerpunkte im Leben Hitlers erörtert in prägnant kurzer Fassung: Sebastian Haffner, Anmerkungen zu Hitler, München 197811.
Zu Hitlers Biographie: Joachim Fest, Hitler. Eine Biographie. Frankfurt a. M., Propyläen-Verlag 1973, 1190 Seiten, zahlreiche Schwarz-Weiß-Abbildungen, ISBN 3-549-07172-8, Neuauflage 2002.
Zur Lektüre und zum Denken Hitlers: Timothy W. Ryback, Hitlers Bücher. Seine Bibliothek - sein Denken. Aus dem Amerikanischen von Heike Schlatterer. Mit einem Vorwort von Norbert Frei. Köln 2012. Englischsprachige Originalfassung (Hitler's Private Library. The Books That Shaped his Life) New York 2008.
Zu pragmatisch-politischen und strategischen Anpassungen im Denken Hitlers seit 1924 an einem Beispiel: Volker Koop, Hitlers Muslime. Die Geschichte einer unheiligen Allianz, be.bra verlag, Berlin 2012.
Redaktionelle Verantwortung: Prof. Dr. Christian Gizewski, TU Berlin, GF Geschichte, Tietzenweg 98, 12203 Berlin, Tel.:030-8337810, EP: christian.gizewski@tu-berlin. ***