Source: https://www.rechtslupe.de/wirtschaftsrecht/plagiate-und-die-irrefuehrende-lieferantenangabe-3106587
Timestamp: 2019-09-19 08:42:42
Document Index: 96672283

Matched Legal Cases: ['§ 19', '§ 19', '§ 280', '§ 19', '§ 9', '§ 19', '§ 19', '§ 19', '§ 9', '§ 2', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH']

Pla­gia­te – und die irre­füh­ren­de Lie­fe­ran­ten­an­ga­be | Rechtslupe
Plagiate - und die irreführende Lieferantenangabe
Pla­gia­te – und die irre­füh­ren­de Lie­fe­ran­ten­an­ga­be
Es fällt unter den Schutz­zweck der Pflicht zur rich­ti­gen Aus­kunfts­er­tei­lung, den Aus­kunfts­be­rech­tig­ten vor Schä­den zu bewah­ren, die adäquat durch eine unrich­ti­ge oder irre­füh­ren­de Aus­kunft nicht nur ver­ur­sacht, son­dern nach Lage der Din­ge auch bei ange­mes­sen beson­ne­nem Vor­ge­hen gera­de­zu her­aus­ge­for­dert wer­den.
In der Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs ist aner­kannt, dass die Scha­dens­er­satz­pflicht durch den Schutz­zweck der Norm begrenzt wird. Eine Haf­tung besteht für die­je­ni­gen äqui­va­len­ten und adäqua­ten Scha­dens­fol­gen, die aus dem Bereich der Gefah­ren stam­men, zu deren Abwen­dung die ver­letz­te Norm erlas­sen oder die ver­letz­te Ver­trags­pflicht über­nom­men wur­de. Der gel­tend gemach­te Scha­den muss in einem inne­ren Zusam­men­hang mit der durch den Schä­di­ger geschaf­fe­nen Gefah­ren­la­ge ste­hen; ein "äußer­li­cher", gleich­sam "zufäl­li­ger" Zusam­men­hang genügt nicht. Inso­weit ist eine wer­ten­de Betrach­tung gebo­ten1. Konn­te der gel­tend gemach­te Scha­den nicht ohne eige­nes Ver­hal­ten des Geschä­dig­ten ent­ste­hen, das als sol­ches auf einem frei­en Ent­schluss beruh­te und erst nach dem zum Anlass der Ersatz­for­de­rung genom­me­nen Gesche­hen in den hier­durch in Gang gesetz­ten Kau­sal­ver­lauf ein­ge­grif­fen hat, ist bei wer­ten­der Betrach­tung grund­sätz­lich kein zum Scha­dens­er­satz ver­pflich­ten­der Zusam­men­hang mehr gege­ben. Eine Ersatz­pflicht kann aller­dings auch dann der Bil­lig­keit ent­spre­chen, wenn für das tat­säch­li­che Ver­hal­ten des Geschä­dig­ten nach dem haf­tungs­be­grün­den­den Ereig­nis ein recht­fer­ti­gen­der Anlass bestand oder es durch die­ses Ereig­nis her­aus­ge­for­dert wur­de und eine nicht unge­wöhn­li­che oder unan­ge­mes­se­ne Reak­ti­on dar­auf dar­stell­te2.
Zutref­fend ist inso­weit aller­dings der Aus­gangs­punkt der Über­le­gun­gen, der von der Ori­gi­nal-Her­stel­le­rin gel­tend gemach­te Scha­den hät­te nicht ohne ihren frei­en Ent­schluss ent­ste­hen kön­nen, Kla­ge gegen die S. Ltd. als von der Händ­le­rin benann­te Her­stel­le­rin des Pla­gi­ats vor dem Land­ge­richt Köln zu erhe­ben. Das hat indes bei wer­ten- der Betrach­tung der Gesamt­um­stän­de im Streit­fall nicht zur Fol­ge, dass der zum Scha­dens­er­satz ver­pflich­ten­de Zusam­men­hang zwi­schen man­gel­be­haf­te­ter Aus­kunft und Scha­den fehlt. Dabei ist zwar die Ermitt­lung der in die Betrach­tung ein­zu­be­zie­hen­den Gesamt­um­stän­de eine tatrich­ter­li­che Auf­ga­be. Bei der Bewer­tung die­ser Gesamt­um­stän­de und den dar­aus abge­lei­te­ten recht­li­chen Fol­ge­run­gen han­delt es sich jedoch um eine Rechts­fra­ge, die der Beur­tei­lung des Revi­si­ons­ge­richts unter­liegt.
Nicht zustim­men kann der Bun­des­ge­richts­hof der Beur­tei­lung, die erteil­te Aus­kunft habe der Her­stel­le­rin zumin­dest Anlass zu einer Nach­fra­ge bei der Händ­le­rin geben müs­sen, bevor sie den mit erheb­li­chen Kos­ten­ri­si­ken und Kos­ten­fol­gen ver­bun­de­nen Kla­ge­weg gegen die S. Ltd. beschritt. Anlass zur Nach­fra­ge geben­de Umstän­de sei­en die wett­be­werbsund mar­ken­recht­lich bedeut­sa­me Unter­schei­dung zwi­schen "Her­stel­ler" und "Lie­fe­rant", die aus­drück­li­che Beschrän­kung in Nr. 5 der Ver­ein­ba­rung auf die Nen­nung des Her­stel­lers sowie das Schrei­ben der Händ­le­rin vom 08.01.2010, wonach sie Aus­kunft über den Her­stel­ler ertei­len woll­te.
Alle die­se Umstän­de konn­ten allein Zwei­fel dar­an begrün­den, ob mit der Nen­nung des Lie­fe­ran­ten im Schrei­ben vom 11.01.2010 auch zugleich der Her­stel­ler benannt wor­den war und ob dem­ge­mäß der Anspruch aus Nr. 5 der Ver­ein­ba­rung mit die­ser Aus­kunft erfüllt wer­den konn­te. Aus die­sen Umstän­den folgt aber nicht, dass die S. Ltd. von der Her­stel­le­rin auf­grund der Aus­kunft nicht jeden­falls als Lie­fe­rant der Kof­fer an die Händ­le­rin nach Deutsch­land ange­se­hen wer­den durf­te und muss­te, wie das Beru­fungs­ge­richt in ande­rem Zusam­men­hang selbst ange­nom­men hat. Aus den Fest­stel­lun­gen des Beru­fungs­ge­richts ergibt sich nicht, dass für die Her­stel­le­rin hin­sicht­lich der Eigen­schaft der S. Ltd. als Lie­fe­ran­tin Unklar­hei­ten bestan­den oder sich für sie dazu Nach­fra­gen auf­dräng­ten.
Etwas ande­res ergibt sich auch nicht aus dem Norm­zweck des Aus­kunfts­an­spruchs gemäß § 19 Mar­kenG, der dem Ver­letz­ten eine umfas­sen­de, eigen­ver­ant­wort­li­che Über­prü­fung von Her­kunft und Ver­triebs­weg ermög­li­chen soll. Die Par­tei­en haben unab­hän­gig von § 19 Mar­kenG eine eigen­stän­di­ge ver­trag­li­che Aus­kunfts­pflicht begrün­det. Die Her­stel­le­rin konn­te schon allein auf Grund­la­ge der Aus­kunft der Händ­le­rin anneh­men, die S. Ltd. jeden­falls wegen der Lie­fe­rung der bean­stan­de­ten Ril­len­kof­fer nach Deutsch­land erfolg­reich in Anspruch neh­men zu kön­nen. Die Her­stel­le­rin hat dem­entspre­chend die S. Ltd. in dem Ver­fah­ren 31 O 516/​10 vor dem Land­ge­richt Köln auch nur als Lie­fe­rant in Anspruch genom­men.
Unter den vom Beru­fungs­ge­richt fest­ge­stell­ten Umstän­den ent­spricht es dem adäqua­ten Kau­sal­ver­lauf, dass die Her­stel­le­rin durch die Aus­kunft der Händ­le­rin zu einer Abmah­nung der S. Ltd. ver­an­lasst wur­de und, nach­dem die Abmah­nung unbe­ant­wor­tet blieb, Kla­ge erho­ben hat. Wird die Kla­ge abge­wie­sen, weil die erteil­te Aus­kunft falsch war und sich her­aus­stell­te, dass die S. Ltd. nicht nach Deutsch­land, son­dern nur in die Nie­der­lan­de gelie­fert hat, besteht der erfor­der­li­che Zurech­nungs­zu­sam­men­hang zwi­schen fal­scher Aus­kunft und Scha­den in Form der not­wen­di­gen Rechts­ver­fol­gungs­kos­ten. Es fällt jeden­falls unter den Schutz­zweck der Pflicht zur rich­ti­gen Aus­kunfts­er­tei­lung, den Aus­kunfts­be­rech­tig­ten vor Schä­den zu bewah­ren, die adäquat durch eine unrich­ti­ge oder irre­füh­ren­de Aus­kunft nicht nur ver­ur­sacht, son­dern nach Lage der Din­ge auch bei ange­mes­sen beson­ne­nem Vor­ge­hen gera­de­zu her­aus­ge­for­dert wer­den. So liegt es hier.
Der Kau­sal­zu­sam­men­hang zwi­schen der irre­füh­ren­den Aus­kunft der Händ­le­rin und den nutz­los auf­ge­wen­de­ten Rechts­ver­fol­gungs­kos­ten der Her­stel­le­rin gegen die S. Ltd. kann nicht mit der Erwä­gung ver­neint wer­den, die Her­stel­le­rin hät­te die­sen Pro­zess auch bei zutref­fen­der man­gel­frei­er Aus­kunft ver­lo­ren. Hät­te die Händ­le­rin offen­ge­legt, die S. Ltd. habe an das Lager der Mut­ter­ge­sell­schaft in den Nie­der­lan­den gelie­fert, oder hät­te die Händ­le­rin sich auf die ver­trag­lich allein geschul­de­te Anga­be des Her­stel­lers der bean­stan­de­ten Kof­fer beschränkt, gibt es kei­nen Anhalt dafür, dass die Her­stel­le­rin die Kla­ge beim Land­ge­richt Köln erho­ben hät­te. Viel­mehr ist davon aus­zu­ge­hen, dass die Her­stel­le­rin sich bei einer rich­ti­gen Aus­kunft fol­ge­rich­tig ver­hal­ten hät­te3.
Die Kla­ge ist wegen schuld­haft man­gel­haft und irre­füh­rend erteil­ter Aus­kunft gemäß § 280 Abs. 1 BGB begrün­det.
Wei­ter­ge­hen­de Ansprü­che ste­hen der Her­stel­le­rin weder aus § 19 Abs. 5 Mar­kenG noch aus § 9 UWG zu.
Die Haf­tung für eine feh­ler­haf­te Aus­kunft nach § 19 Abs. 5 Mar­kenG knüpft an die Pflicht zur Ertei­lung von Aus­künf­ten nach § 19 Abs. 1 oder Abs. 2 Mar­kenG an. Nach Nr. 6 der Ver­ein­ba­rung der Par­tei­en schul­de­te die Händ­le­rin aber Aus­kunft allein gemäß Nr. 5 der Ver­ein­ba­rung. § 19 Abs. 5 Mar­kenG kann danach im Streit­fall weder direkt noch ent­spre­chend zur Begrün­dung der Ansprü­che der Her­stel­le­rin her­an­ge­zo­gen wer­den.
Ansprü­che aus § 9 UWG kom­men schon des­halb nicht in Betracht, weil die Aus­kunfts­er­tei­lung auf­grund der Ver­ein­ba­rung der Par­tei­en kei­ne geschäft­li­che Hand­lung der Händ­le­rin im Sin­ne von § 2 Abs. 1 Nr. 1 UWG dar­stellt.
Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 17. Sep­tem­ber 2015 – I ZR 47/​14
vgl. BGH, Urteil vom 22.05.2012 – VI ZR 157/​11, NJW 2012, 2024 Rn. 14 mwN [↩]
vgl. BGH, Urteil vom 17.10.2000 – X ZR 169/​99, NJW 2001, 512, 513; Urteil vom 23.11.2006 – I ZR 276/​03, GRUR 2007, 631 Rn. 23 = WRP 2007, 783 Abmahn­ak­ti­on, mwN [↩]
vgl. BGH, Urteil vom 08.05.2012 – XI ZR 262/​10, BGHZ 193, 159 Rn. 28 [↩]
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