Source: https://www.rechtslupe.de/strafrecht/raeuberische-erpressung-und-die-drohung-mit-einer-gegenwaertigen-gefahr-384517
Timestamp: 2020-01-18 18:01:03
Document Index: 140322079

Matched Legal Cases: ['BGH', 'BGH', '§ 255', 'BGH', 'BGH', '§ 255']

Räu­be­ri­sche Erpres­sung – und die Dro­hung mit einer gegen­wär­ti­gen Gefahr | Rechtslupe
Mit einer gegen­wär­ti­gen Gefahr droht, wer eine Schä­di­gung an Leib oder Leben in Aus­sicht stellt, die bei unge­stör­ter (natür­li­cher) Wei­ter­ent­wick­lung der Din­ge als sicher oder höchst wahr­schein­lich zu erwar­ten ist, falls nicht als­bald eine Abwehr­maß­nah­me ergrif­fen wird.
Erfor­der­lich ist dabei nicht, dass das schä­di­gen­de Ereig­nis mit Sicher­heit unmit­tel­bar bevor­steht. Es genügt eine Gefahr, die als "Dau­er­ge­fahr" über einen län­ge­ren Zeit­raum in dem Sin­ne gegen­wär­tig ist, dass sie jeder­zeit – zu einem unge­wis­sen Zeit­punkt, als­bald oder auch spä­ter – in einen Scha­den umschla­gen kann. Dabei erfor­dert es der wirk­sa­me Schutz von Erpres­sungs­op­fern, den Begriff der Gegen­wär­tig­keit ange­droh­ter Gefah­ren nicht zu eng zu ver­ste­hen 1.
Die­ses Ver­ständ­nis des gesetz­li­chen Begriffs der "gegen­wär­ti­gen Gefahr" schließt nicht aus, dass der Ange­klag­te nicht mit einer sofor­ti­gen Zah­lung des Geschä­dig­ten gerech­net hat. Die einer Gewalt­an­wen­dung (hier: Schlag ins Gesicht) nach­fol­gen­de Droh­ge­bär­de mit dem Mes­ser ist auf Grund ihrer Nähe zum Kör­per des Geschä­dig­ten so ein­dring­lich, dass dar­in ohne Ver­stoß gegen Aus­le­gungs­re­geln 2 die Andro­hung einer Gefahr gese­hen wer­den kann, die sich ab die­sem Moment jeder­zeit ver­wirk­li­chen kann und des­halb als Dau­er­ge­fahr gegen­wär­tig ist.
Man­dan­ten­gel­der auf dem gepfän­de­ten Anwalts­kon­to Ein Rechts­an­walt, der Gerichts­kos­ten­vor­schüs­se bzw. für sei­ne Man­dan­ten in Emp­fang genom­me­nen Gel­der nicht wei­ter­lei­tet son­dern ander­wei­tig ver­wen­det, erfüllt jeweils den Tat­be­stand der Untreue. So begeht…
BGH, Urteil vom 30.06.1999 – 2 StR 146/​99, BGHR StGB § 255 Dro­hung 11; Urteil vom 27.08.1998 – 4 StR 332/​98, NStZ-RR 1999, 266, 267; Urteil vom 28.08.1996 – 3 StR 180/​96, JR 1999, 117, 118 m. Anm. Joer­den; Urteil vom 10.02.1982 – 3 StR 398/​81, MDR 1982, 447 bei Holtz[↩]
zum revi­si­ons­recht­li­chen Prü­fungs­maß­stab vgl. BGH, Urteil vom 30.06.1999 – 2 StR 146/​99, BGHR StGB § 255 Dro­hung 11[↩]
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