Source: http://www.deutschestextarchiv.de/book/view/feuerbach_recht_1801?p=340
Timestamp: 2020-02-22 15:29:54
Document Index: 197341500

Matched Legal Cases: ['Art. 165', 'Art. 165', 'Art. 165', 'Art. 165', 'Art. 165', 'Art. 165', 'Art. 165']

Personen der Familie, besonders von Dienern
an dem Herrn begangen *).
Die deutschen Gesetze **) bestimmen, 1) dass
der Richter bey dem Familiendiebstahl nicht
von Amtswegen verfahren, und 2) wenn des-
wegen Klage erhoben wird, nach dem gemei-
nen Recht entscheiden soll. Dieses gemeine
(nämlich römische) Recht setzt auf den Fami-
liendiebstahl nicht nur keine Strafe, sondern
schliesst sogar bey demselben die gerichtliche
Diebsklage (actio furti) aus, und lässt blossen
Schadenersatz zu ***). Nimmt eine nicht zur
Familie gehörende Person an dem Familien-
diebstahl Antheil, so ist sie nach den gemeinen
*) Ge. Henr. Ayrer Diss. de furti domestici poena
in terris Brunsuicensibus. Gött. 1788. -- C. Aug.
Günther Diss. de furto domestico. Lips. 1785. --
Quistorp ob und in wie ferne die Anverwandschaft
die Strafe eines Verbrechens mildere? In dessen
Beyträgen. n. Ausg. Nr. 31.
**) P. G. O. Art. 165.
***) L. 1. 3. pr. L. 17. u. 25. D. de Act. rer. amotarum,
L. 2 C. rerum amotarum. -- Alle Rechtslehrer neh-
men jedoch gelindere öffentliche Strafe an, welche sie
in Geldbusse oder kurze Gefängnissstrafe setzen.
Carpzov pract. rer. crim. Q. 82. Nr. 42. Boeh-
mer ad Carpzov Q. 82. obl. 2. -- ad Art. 165.
§. 5 Quistorp a. a. O. S. 481. In keinem Ge-
setz des römis[c]hen Rechts. das noch dazu Carl hier
ausdrücklich bestätigt, findet sich ein Grund für
diese Meynung.
Perſonen der Familie, beſonders von Dienern
Die deutſchen Geſetze **) beſtimmen, 1) daſs
der Richter bey dem Familiendiebſtahl nicht
nen Recht entſcheiden ſoll. Dieſes gemeine
(nämlich römiſche) Recht ſetzt auf den Fami-
liendiebſtahl nicht nur keine Strafe, ſondern
ſchlieſst ſogar bey demſelben die gerichtliche
Diebsklage (actio furti) aus, und läſst bloſsen
Schadenerſatz zu ***). Nimmt eine nicht zur
Familie gehörende Perſon an dem Familien-
diebſtahl Antheil, ſo iſt ſie nach den gemeinen
*) Ge. Henr. Ayrer Diſſ. de furti domeſtici poena
in terris Brunſuicenſibus. Gött. 1788. — C. Aug.
Günther Diſſ. de furto domeſtico. Lipſ. 1785. —
Quiſtorp ob und in wie ferne die Anverwandſchaft
die Strafe eines Verbrechens mildere? In deſſen
L. 2 C. rerum amotarum. — Alle Rechtslehrer neh-
men jedoch gelindere öffentliche Strafe an, welche ſie
in Geldbuſse oder kurze Gefängniſsſtrafe ſetzen.
mer ad Carpzov Q. 82. obl. 2. — ad Art. 165.
§. 5 Quiſtorp a. a. O. S. 481. In keinem Ge-
ſetz des römiſ[c]hen Rechts. das noch dazu Carl hier
ausdrücklich beſtätigt, findet ſich ein Grund für
dieſe Meynung.
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[312/0340] II. Buch. I. Theil. II. Titel. II. Abſchnitt. Perſonen der Familie, beſonders von Dienern an dem Herrn begangen *). §. 391. Die deutſchen Geſetze **) beſtimmen, 1) daſs der Richter bey dem Familiendiebſtahl nicht von Amtswegen verfahren, und 2) wenn des- wegen Klage erhoben wird, nach dem gemei- nen Recht entſcheiden ſoll. Dieſes gemeine (nämlich römiſche) Recht ſetzt auf den Fami- liendiebſtahl nicht nur keine Strafe, ſondern ſchlieſst ſogar bey demſelben die gerichtliche Diebsklage (actio furti) aus, und läſst bloſsen Schadenerſatz zu ***). Nimmt eine nicht zur Familie gehörende Perſon an dem Familien- diebſtahl Antheil, ſo iſt ſie nach den gemeinen Grund- *) Ge. Henr. Ayrer Diſſ. de furti domeſtici poena in terris Brunſuicenſibus. Gött. 1788. — C. Aug. Günther Diſſ. de furto domeſtico. Lipſ. 1785. — Quiſtorp ob und in wie ferne die Anverwandſchaft die Strafe eines Verbrechens mildere? In deſſen Beyträgen. n. Ausg. Nr. 31. **) P. G. O. Art. 165. ***) L. 1. 3. pr. L. 17. u. 25. D. de Act. rer. amotarum, L. 2 C. rerum amotarum. — Alle Rechtslehrer neh- men jedoch gelindere öffentliche Strafe an, welche ſie in Geldbuſse oder kurze Gefängniſsſtrafe ſetzen. Carpzov pract. rer. crim. Q. 82. Nr. 42. Boeh- mer ad Carpzov Q. 82. obl. 2. — ad Art. 165. §. 5 Quiſtorp a. a. O. S. 481. In keinem Ge- ſetz des römiſchen Rechts. das noch dazu Carl hier ausdrücklich beſtätigt, findet ſich ein Grund für dieſe Meynung.
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Zitationshilfe: Feuerbach, Paul Johann Anselm von: Lehrbuch des gemeinen in Deutschland geltenden Peinlichen Rechts. Giessen, 1801, S. 312. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/feuerbach_recht_1801/340>, abgerufen am 22.02.2020.