Source: https://www.rechtslupe.de/strafrecht/freispruch-und-die-urteilsgruende-3-3133762
Timestamp: 2019-09-16 02:30:43
Document Index: 95204251

Matched Legal Cases: ['BGH', '§ 267', '§ 261', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH']

Wird der Ange­klag­te aus tat­säch­li­chen Grün­den frei­ge­spro­chen, so müs­sen nach Mit­tei­lung des Ankla­ge­vor­wurfs im Urteil zunächst die­je­ni­gen Tat­sa­chen dar­ge­stellt wer­den, die das Tat­ge­richt für erwie­sen erach­tet.
Erst auf die­ser Grund­la­ge ist in der Beweis­wür­di­gung dar­zu­le­gen, aus wel­chen Grün­den die zur Ver­ur­tei­lung not­wen­di­gen Fest­stel­lun­gen nicht getrof­fen wer­den konn­ten1; Urteil vom 21.10.2003 – 1 StR 544/​02, BGHR StPO § 267 Abs. 5 Frei­spruch 13, jeweils mwN)). Hier­durch wird das Revi­si­ons­ge­richt in die Lage ver­setzt, nach­zu­prü­fen, ob der Frei­spruch auf recht­lich beden­ken­frei­en Erwä­gun­gen beruht2.
Die Beweis­wür­di­gung ist Sache des Tat­ge­richts (§ 261 StPO). Spricht das Gericht einen Ange­klag­ten frei, weil es Zwei­fel an des­sen Täter­schaft nicht zu über­win­den ver­mag, so ist das vom Revi­si­ons­ge­richt in der Regel hin­zu­neh­men. Dem Tat­ge­richt obliegt es, das Ergeb­nis der Haupt­ver­hand­lung fest­zu­stel­len und zu wür­di­gen. Sei­ne Schluss­fol­ge­run­gen brau­chen nicht zwin­gend zu sein, es genügt, dass sie mög­lich sind3. Dabei hat das Revi­si­ons­ge­richt die tatrich­ter­li­che Über­zeu­gungs­bil­dung selbst dann hin­zu­neh­men, wenn eine ande­re Beur­tei­lung näher gele­gen hät­te oder über­zeu­gen­der gewe­sen wäre4. Die revi­si­ons­ge­richt­li­che Prü­fung erstreckt sich allein dar­auf, ob dem Tat­ge­richt Rechts­feh­ler unter­lau­fen sind. Dies ist in sach­lich­recht­li­cher Hin­sicht der Fall, wenn die Beweis­wür­di­gung wider­sprüch­lich, unklar oder lücken­haft ist oder gegen Denk­ge­set­ze oder gesi­cher­te Erfah­rungs­sät­ze ver­stößt5. Das Tat­ge­richt ist gehal­ten, sich mit den von ihm fest­ge­stell­ten Tat­sa­chen unter allen für die Ent­schei­dung wesent­li­chen Gesichts­punk­ten aus­ein­an­der zu set­zen, wenn sie geeig­net sind, das Beweis­ergeb­nis zu beein­flus­sen6. Das Tat­ge­richt darf zudem kei­ne über­spann­ten Anfor­de­run­gen an die für eine Ver­ur­tei­lung erfor­der­li­che Gewiss­heit stel­len7.
Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 15. August 2018 – 2 StR 152/​18
BGH, Urteil vom 08.05.2014 – 1 StR 722/​13, NStZ-RR 2014, 220 ((Ls. [↩]
BGH, Urteil vom 08.05.2014 – 1 StR 722/​13, aaO; Urteil vom 05.02.2013 – 1 StR 405/​12, NJW 2013, 1106, jeweils mwN [↩]
st. Rspr.; vgl. BGH, Urteil vom 06.09.2016 – 1 StR 104/​15 33, Urteil vom 12.02.2015 – 4 StR 420/​14, NStZ-RR 2015, 148 mwN [↩]
vgl. BGH, Urteil vom 24.03.2015 – 5 StR 521/​14, NStZ-RR 2015, 178, 179 [↩]
st. Rspr.; vgl. BGH, Urteil vom 13.07.2016 – 1 StR 94/​16 9 mwN [↩]
vgl. BGH, Urteil vom 12.02.2015 – 4 StR 420/​14, aaO [↩]
st. Rspr.; vgl. nur BGH, Urteil vom 26.07.2016 – 1 StR 607/​15 12 mwN [↩]