Source: https://www.dr-recker.com/service/information/immobilien-aktuell/wertminderung-bepflanzung/wertminderung-bepflanzung-2/
Timestamp: 2020-07-03 16:40:47
Document Index: 269531685

Matched Legal Cases: ['BGH', 'BGH', '§ 21', '§ 23', '§ 21', '§ 1', '§ 249', '§ 251']

﻿ Bundesgerichtshof 25.01.2013 – V ZR 222/12 - Dr. Recker
a) Die Ent­fer­nung oder Zer­stö­rung von Gehöl­zen kann auch dann zu einer Wert­min­de­rung des Grund­stücks füh­ren, wenn sich des­sen Ver­kaufs­wert hier­durch nicht ver­än­dert hat (Senat, Urteil vom 27. Janu­ar 2006 — V ZR 46/05, aaO, Rn. 16). Die Wert­min­de­rung kann nach der stän­di­gen höchst­rich­ter­li­chen Recht­spre­chung anhand der soge­nann­ten "Metho­de Koch" berech­net wer­den (Senat, Urtei­le vom 27. Janu­ar 2006 — V ZR 46/05, NJW 2006, 1424 Rn. 16 und vom 15. Okto­ber 1999 — V ZR 77/99, BGHZ 143, 1, 9; BGH, Beschluss vom 7. März 1989 — VI ZR 147/88, NuR 1991, 94 f.; Urteil vom 13. Mai 1975 — VI ZR 85/74, NJW 1975, 2061, 2062 f.). Bei die­ser Wert­ermitt­lungs­me­tho­de han­delt es sich um ein modi­fi­zier­tes Sach­wert­ver­fah­ren. Der Wert­ver­lust wird bestimmt, indem die für die Her­stel­lung des geschä­dig­ten Gehöl­zes bis zu sei­ner Funk­ti­ons­er­fül­lung erfor­der­li­chen Anschaffungs‑, Pflan­zungs- und Pfle­ge­kos­ten sowie das Anwachs­ri­si­ko berech­net und kapi­ta­li­siert wer­den; der danach errech­ne­te Wert wird gege­be­nen­falls mit Blick auf eine Alters­wert­min­de­rung, Vor­schä­den und sons­ti­ge wert­be­ein­flus­sen­de Umstän­de berei­nigt (näher Koch, Aktua­li­sier­te Gehölzwert­ta­bel­len, 3. Aufl. 2001, 19 ff., 25 ff.; Bre­lo­er, Der Sach­ver­stän­di­ge 2005, 217 f.). Wie bei der Teil­schä­di­gung von Gehöl­zen im Grund­satz zu ver­fah­ren ist und ob die "Metho­de Koch" auch inso­weit zur Scha­dens­be­rech­nung geeig­net ist, hat der Senat bis­lang offen gelas­sen (Urteil vom 27. Janu­ar 2006 — V ZR 46/05, NJW 2006, 1424 Rn. 16).
cc) Die Ver­ord­nung über die Grund­sät­ze für die Ermitt­lung der Ver­kehrs­wer­te von Grund­stü­cken vom 19. Mai 2010 (Immo­bi­li­en­wert­ermitt­lungs­ver­ord­nung – Immo­WertV, BGBl. I S. 639) steht der Scha­dens­be­mes­sung nach der "Metho­de Koch" nicht ent­ge­gen. Aller­dings zäh­len Bäu­me und Grün­pflan­zen danach zu den "sons­ti­gen Anla­gen", die in der Regel im Boden­wert ent­hal­ten sein sol­len; der Sach­wert bestimmt sich nur anhand der "nutz­ba­ren bau­li­chen Anla­gen" und dem Boden­wert (§ 21 Abs. 1, § 23 Abs. 3 Immo­WertV; näher Klei­ber in Ernst/Zinkahn/Bielenberg/Krautzberger, Bau­GB [2012], § 21 Immo­WertV Rn. 28 f.). Die Ver­ord­nung, die in ers­ter Linie der Immo­bi­lien­be­wer­tung durch die Gut­ach­ter­aus­schüs­se in den durch das Bau­ge­setz­buch vor­ge­se­he­nen Fäl­len dient, ent­hält zwar — ohne Bin­dungs­wir­kung für die Gerich­te — all­ge­mein aner­kann­te Grund­sät­ze der Ver­kehrs­wert­ermitt­lung (näher Klei­ber, aaO, § 1 Immo­WertV Rn. 1 ff., 8 mwN). Sie ist auf den hier erfor­der­li­chen Ver­gleich eines kon­kre­ten Grund­stücks vor und nach einem Scha­dens­er­eig­nis aber nicht zuge­schnit­ten. Wür­de sie auch der Scha­dens­be­rech­nung bei einer Beschä­di­gung von Gehöl­zen zugrun­de gelegt, hät­te dies zur Fol­ge, dass der Grund­stücks­wert unab­hän­gig von dem Aus­maß der Beschä­di­gung regel­mä­ßig unver­än­dert blie­be. Dass das nicht rich­tig sein kann, liegt schon des­halb auf der Hand, weil grund­sätz­lich der Ersatz der beschä­dig­ten Pflan­zen durch einen gleich­wer­ti­gen Bewuchs gemäß § 249 Abs. 1 BGB geschul­det ist; ist dies nicht mög­lich oder ver­ur­sacht es unver­hält­nis­mä­ßi­ge Kos­ten, muss das Wie­der­her­stel­lungs­in­ter­es­se des Geschä­dig­ten durch Wert­er­satz kom­pen­siert wer­den. § 251 Abs. 2 Satz 1 BGB soll den Schä­di­ger zwar vor unver­hält­nis­mä­ßi­gen Her­stel­lungs­kos­ten schüt­zen, ihn aber nicht über Gebühr ent­las­ten.