Source: https://www.transgender-network.ch/de/information/rechtliches/
Timestamp: 2017-08-18 22:11:12
Document Index: 135422068

Matched Legal Cases: ['Art. 30', 'BGE', 'EGMR', 'BGE', 'Art. 3', 'EGMR', 'EGMR']

Die Angaben entsprechen soweit möglich jeweils dem aktuellen Stand. Leider kommt es nicht selten vor, dass Transmenschen eigentlich Recht hätten, ihnen dieses aber nicht zugestanden wird und sie darum kämpfen müssen.
Für Transmenschen, die
Menschen, die am Existenzminimum leben, können in gerichtlichen Verfahren beantragen, dass ihnen die Kosten dafür erlassen werden (unentgeltlicher Prozess). In schwierigen Fragen kann das Gericht zudem auf Antrag die Kosten für eine Anwältin übernehmen (unentgeltlicher Prozessbeistand). Bei Bedarf nach einem erfahrenen und transfreundlichen Anwalt hilft TGNS gerne weiter.
Jede und jeder hat das Recht, entsprechend der eigenen Geschlechtsidentität zu leben. Das heisst, man darf sich beispielsweise als Transmann männlich kleiden, als Bruder, Kollege, Herr angesprochen werden, seine Post an „Herr“ adressiert bekommen oder die Männer-Toilette benutzen. Das darf man unabhängig von Namensänderung oder Änderung des Geschlechtseintrages, egal ob man Hormone nimmt oder Operationen hat machen lassen.
Die Namensänderung kann beantragt werden, ohne dass gleichzeitig der Geschlechtseintrag geändert wird. Dies ist vor allem für die Transmenschen sinnvoll, die die Voraussetzungen für die Änderung des amtlichen Geschlechts (noch) nicht erfüllen. Nicht mehr überall, aber an einigen Orten bedeutet das, dass man dafür zuerst die Fortpflanzungsorgane operativ entfernen lassen muss (siehe 4. Änderung Geschlechtseintrag).
Für die (Vor-)Namensänderung zusammen mit der Änderung des Geschlechtseintrags: siehe die Informationen unter 4. Änderung Geschlechtseintrag.
Für die (Vor-)Namensänderung ist die Verwaltung des Kantons zuständig, in dem man wohnt (Art. 30 Abs. 1 ZGB). Die genaue Adresse des jeweils zuständigen Amtes findet sich in der Regel auf der Website des Kantons mit dem Suchwort „Namensänderung“. Die Kosten sind unterschiedlich, meistens um die 300 Franken. Es dauert in der Regel ein paar Monate vom Einreichen des Gesuchs bis zum Entscheid.
Die Voraussetzungen bestimmt jeder Kanton selber. Unter Umständen kann es sich sogar lohnen, den Wohnkanton zu wechseln. Meistens wird ein Schreiben von einem Arzt/Ärztin verlangt, in dem bestätigt wird, dass man trans* ist. Einige Kantone fordern, dass man Hormone nimmt. Relativ oft wird verlangt, dass man eine Voraussetzung bereits eine bestimmte Zeit erfüllt. Das heisst, man muss beispielsweise belegen, dass man den gewünschten Vornamen bereits seit zwei Jahren verwendet.
Die geschlechtsangleichende Hormontherapie als Voraussetzung erachten wir als eindeutig rechtlich nicht zulässig.
Im Kanton Bern wurde ein Entscheid gefällt, dass keine Mindestfristen verlangt werden dürfen (Polizei- und Militärdirektion Bern, Entscheid vom 13.10.2011, BC 138/11, publiziert in FamPra.ch 1 (2012) Nr. 1, S. 140–148).
Keine Voraussetzung sind (soweit uns bekannt): geschlechtsangleichende Operationen, nicht verheiratet sein, keine Kinder haben.
Auch Jugendliche haben das Recht, ihren (Vor-)Namen zu ändern. Für die (Vor-)Namensänderung muss man aber grundsätzlich kein Mindestalter haben, sondern urteilsfähig sein. Die Eltern müssen nicht zustimmen.
Transmenschen, die nicht Schweizer Bürger sind, aber hier ihren festen Wohnsitz haben, können auch beim jeweils zuständigen Amt ihres Wohnkantons die (Vor-)Namensänderung beantragen. Es wird aber empfohlen, vorher abzuklären, ob das Heimatland diese auch anerkennt. Es kann sonst sein, dass man trotz der Änderung in der Schweiz von seinem Heimatland keinen Pass auf den neuen (Vor-)Namen bekommt. Die jeweilige Botschaft sollte diese Informationen geben können.
In der Schweiz muss ein Vorname nicht geschlechtseindeutig sein, es bedarf auch keines eindeutigen zweiten Vornamens. Auch Transmenschen dürfen frei wählen, welchen Vornamen sie neu möchten (So insbesondere der folgende Entscheid: Tribunal administratif du canton de Vaud, Arrêt du 18.10.2006, GE.2005.0219, publiziert in FamPra.ch 8 (2007) Nr. 29, S. 366–369).
Wird nur der Vorname geändert, so bleibt das offizielle Geschlecht. Das heisst also, dass beispielsweise eine Transfrau, die den neuen Namen Sarah annimmt, offiziell dann als „Sarah Keller, Geschlecht: männlich“, geführt wird und der Eintrag „männlich“ auch in den amtlichen Ausweisen bleibt. Aus Gründen des Persönlichkeitsschutzes muss in Briefanschriften eine outende Bezeichnung (beispielsweise Herr Sarah Keller, Musterweg 1) nicht hingenommen werden, denn es ist allein der Entscheid der Transperson, wer wissen darf, dass man trans* ist.
Mit der Klage beantragt man, dass das amtliche Geschlecht von männlich auf weiblich (bei Transfrauen) respektive von weiblich auf männlich (bei Transmännern) geändert werden solle. Mit der Änderung des Geschlechtseintrags kann man zugleich auch die (Vor-)Namensänderung beantragen. Das Gericht entscheidet dann über beides zusammen.
Zuständig ist das Gericht am Wohnort. Es kommt aber vor, dass an das Gericht am Geburts- oder Bürgerort verwiesen wird. Allerdings ist es nicht zulässig, dass sich kein Gericht für zuständig erklärt. Jeder Transmensch hat das Recht, dass ein Gericht seine Klage beurteilt.
Das Verfahren dauert in der Regel weniger als ein Jahr, vielerorts höchstens drei Monate. Ob das Gericht jemanden persönlich anhören will oder ob alles schriftlich erledigt wird ist verschieden. Die Verfahrenskosten sind recht unterschiedlich; üblich ist zwischen 200 Franken und 1500 Franken. Wird die Klage abgelehnt, sind die Kosten oftmals höher. Dies ist normal und nichts Spezifisches bei Transmenschen. Manchmal informieren die Gerichte aber auch, dass sie ablehnen würden, weil die Voraussetzungen nicht erfüllt seien. Dann kann man die Klage zurückziehen und muss nichts bezahlen. Man kann aber natürlich auch die Ablehnung am nächsthöheren Gericht anfechten. Das Anfechten einer Ablehnung wird nur unter Beizug einer in diesem Thema erfahrenen Rechtsanwältin empfohlen. TGNS vermittelt gerne Adressen.
Die Voraussetzungen sind nicht einheitlich geregelt, die Schweiz hat kein spezielles Trans-Gesetz. Deshalb hängt es von der Richterin ab, die für eine Klage zuständig ist, was verlangt wird. Das Bundesgericht hat 1993 (BGE 119 II 264, E. 6) gesagt, dass ein „irreversibler Geschlechtswechsel“ Bedingung ist, jedoch ohne dies genauer zu erläutern.
Bisher haben die Gerichte „irreversiblen Geschlechtswechsel“ meistens als operativ erreichte Fortpflanzungsunfähigkeit (Sterilisation) ausgelegt; viele, jedoch immer weniger, Gerichte verlangen dies auch heute noch. Eine medizinische Angleichung zu erzwingen ist aber rechtlich nicht haltbar. Es ist die freie Entscheidung jedes Menschen, ob er Hormone oder Operationen möchte, der Staat darf ihn nicht dazu zwingen. Das Recht auf körperliche Integrität, auf Selbstbestimmung über den eigenen Körper, ist ein Menschenrecht, das auch Transmenschen zusteht (Hammarberg). Zum Glück sehen das auch in der Schweiz immer mehr Jurist/-innen ein. So hat das Obergericht Zürich geurteilt, dass keine geschlechtsangleichenden Operationen verlangt werden dürfen für die Änderung des amtlichen Geschlechts (Obergericht Zürich, Urteil vom 1.2.2011, NC090012). Das Regionalgericht Berner Jura-Seeland folgte dem in einem Entscheid vom 26.6.2012. Auch das Eidgenössische Amt für Zivilstandswesen teilt diese Meinung (Rechtsauskunft EAZW). Noch einen Schritt weiter gingen beispielsweise das erstinstanzliche Zivilgericht des Jura, das Regionalgericht Bern-Mittelland, das Bezirksgericht Zürich oder das Regionalgericht Bern-Oberland: sie verlangten weder Operationen noch einen anderen Nachweis der Fortpflanzungsunfähigkeit, auch keine Hormonbehandlung (Tribunal de première instance Jura, décision du 3.9.2012, CIV/1420/2012; Regionalgericht Bern-Mittelland, Entscheid vom 27.7.2012, CIV 12 1217, publiziert in FamPra.ch 1 (2015) Nr. 2, S. 196–200; Bezirksgericht Zürich, Urteil vom 25.7.2016, EP160012; Regionalgericht Bern-Oberland, Entscheid vom 22.8.2016, CIV 16 1920). Daran sollten sich in Zukunft auch die anderen Gerichte orientieren.
Relativ häufig verlangt werden ausserdem noch: Die Bestätigung der Geschlechtsidentität, des Transseins, durch eine medizinische Fachperson und geschlechtstypisches Äusseres.
Nicht erlaubt ist es, die Auflösung einer Ehe oder einer eingetragenen Partnerschaft zu verlangen, damit ein Partner oder eine Partnerin den (Vor-)Namen oder das amtliche Geschlecht ändern darf (Bezirksgericht St. Gallen, I. Abteilung, Urteil vom 26.11.1996, 1BZ 96/20, publiziert in AJP 6 (1997), S. 340–345; SJZ 93 (1997), S. 442–445; ZZW 65 (1997), S. 161–168; Appellationshof des Kantons Bern, I. Zivilkammer, Entscheid vom 29.7.2005, APH 05 303, publiziert in FamPra.ch 7 (2006) Nr. 2, S. 112–120; Rechtsauskunft EAZW). Auch die Änderung einer Ehe in eine eingetragene Partnerschaft oder umgekehrt darf nicht gefordert werden.
Wir empfehlen zurzeit, insbesondere die Voraussetzung von Operationen oder Hormonen nur mit Vertretung durch eine in diesem Gebiet erfahrene Rechtsanwältin anzufechten, und dies auch nur bei ausreichender persönlicher Kraft und Geduld für das Verfahren und den notwendigen finanziellen Mitteln. TGNS vermittelt gerne Adressen von empfehlenswerten Anwälten.
Transmenschen, die nicht Schweizer Bürger sind, aber hier ihren festen Wohnsitz haben, können auch am Gericht ihres Wohnorts die Änderungen beantragen. Es wird aber empfohlen, vorher abzuklären, ob das Heimatland diese auch anerkennt. Es kann sonst sein, dass man trotz der Änderung in der Schweiz von seinem Heimatland keinen Pass auf den neuen Namen und mit dem Geschlechtseintrag bekommt. Die jeweilige Botschaft sollte diese Informationen geben können.
Wirkungen: Vertragsverhältnisse wie zum Beispiel ein Arbeits-, ein Miet- oder ein Telefonvertrag, die unter dem vorherigen Vornamen und Geschlecht eingegangen worden sind, dürfen wegen dieser Änderung selbstverständlich von der anderen Partei nicht aufgelöst werden. Für Militärpflichtersatz siehe die Vereinbarung zwischen TransX und dem Bund (Militärpflichtersatz).
Nach der Personenstandsänderung kann man gleich wie jede andere Person dieses Geschlechts heiraten oder eine eingetragene Partnerschaft eingehen (d. h. ein Transmann kann eine Frau heiraten oder mit einem Mann eine eingetragene Partnerschaft eingehen, dasselbe kann eine Transfrau mit einer Frau oder sie kann einen Mann heiraten). Die Personenstandsänderung ändert nichts an der rechtlichen Beziehung zu bereits geborenen Kindern. Das heisst, nur weil man trans ist, darf nicht beispielsweise ein Besuchsrecht eingeschränkt oder die elterliche Sorge entzogen werden. Verheiratete Transmänner, deren Ehefrau ein Kind zur Welt bringen oder die als Ehepaar ein Kind adoptieren, werden automatisch Vater.
– Ausbildungs- und Arbeitszeugnisse (Achtung: darauf hat man Anrecht)
– Mitarbeiter-/Studenten-/Schülerausweis
– Angestelltenausweis, Bürotürschild, Namensschild, Mitarbeiterausweis, Visitenkarten
Medizinische Angleichungsmassnahmen sind grundsätzlich erlaubt, unabhängig davon, ob die Krankenkasse die Kosten übernimmt oder nicht. Für Hormone und Operationen verlangen die Ärzte die Bestätigung eines Psychiaters, dass man trans* ist und die körperliche Angleichung von ihm befürwortet wird. Die Eingriffe dürfen auch auf eigene Rechnung durchgeführt werden. So beispielsweise wenn man sich im Ausland operieren lässt. Dies wird, ausser man hat spezielle Zusatzversicherungen dafür, von der Krankenkasse meistens nicht übernommen.
Grundsätzlich müssen die Kosten für die medizinische Angleichung der primären und der sekundären Geschlechtsmerkmale aber von der Grundversicherung der Krankenkasse, übernommen werden, wenn die Angleichung in der Schweiz gemacht wird. Wie alle ärztlichen Leistungen müssen auch Angleichungsmassnahmen gemäss Krankenversicherungs-Gesetz für die Einzelperson als wirksam, zweckmässig und wirtschaftlich eingestuft werden. Verlangt wird die Diagnose Trans* („Gender Dysphorie“ oder „echter Transsexualismus“) und eine Bestätigung, dass die gewünschte Massnahme notwendig ist, dass es nicht ohne diese geht und auch nicht mit einer kostengünstigeren Variante.
Zum Teil verlangen die Krankenkassen das Mindestalter von 25 Jahren, insbesondere für Operationen; dies wird aber von immer mehr Seiten als unsinnig bis unzulässig erachtet und sollte auch nicht akzeptiert werden. Unterstützung durch den Psychiater oder einen Anwalt ist oft hilfreich, um sich dagegen zu wehren.
Aufgrund eines Bundesgerichtsentscheids verlangen Ärzte und Kassen zum Teil noch zwei Jahre Therapie bei einem Psychiater, bevor die Operationskosten übernommen werden. Dies widerspricht der Europäischen Menschenrechtskonvention (EGMR, Schlumpf c. Suisse, Arrêt du 8.1.2009, Requête no. 29002/06) und der zeitgemässen medizinischen Ansicht. Allermindestens muss gemäss Bundesgericht (BGE 137 I 86) jedem Transmenschen zugestanden werden, dass individuell geklärt wird, ob sie/er die Voraussetzungen bereits früher erfüllt. Der Antrag auf Kostenübernahme kann also jederzeit gestellt werden, egal wie lange man bereits bei einem Psychiater ist.
– Begleitung durch Psychiater (oder durch Psychologen, wenn von einem Arzt „delegiert“, das heisst, der Psychologe arbeitet für den Arzt)
– Hormonbehandlung: Östrogen und Testosteronblocker für Transfrauen, Testosteron und Östrogenblocker für Transmänner
– Operationen Transmänner: Mastektomie, Hysterektomie, Ovarektomie, Metoidioplastik, Penisaufbau (inkl. Erektionsprothese)
– Operationen Transfrauen: Brustaufbau, Vaginalplastik, Adamektomie, Stimmbänderverkürzung, Gesichtsfeminisierung („Facial Feminisation Surgery“)
– Epilation: Wenn sie durch einen Arzt (Dermatologen) gemacht wird. Laserstudios oder eine Kosmetikerin werden nicht übernommen (Tribunal Fédéral, Arrêt 9C_183/2016 du 26.6.2016).
– Logopädie: Mit Überweisung durch, in der Regel, den Psychiater. Es wird immer nur eine bestimmte Anzahl Sitzungen übernommen.
Übernommen werden Leistungen sowohl von Gynäkologen als auch von Urologen sowohl bei Transfrauen als auch bei Transmännern. Grundsätzlich gilt in der Schweiz die freie Arztwahl. Das heisst, es kann frei gewählt werden, zu welchem Psychiater, zu welcher Endokrinologin, zu welchem Chirurgen, etc. man geht. Seit 2012 kann man auch das Krankenhaus in der ganzen Schweiz wählen (allgemeine Abteilung).
– Kosten für Psychologen (statt Psychiater) werden nur übernommen, wenn der Psychologe sogenannt „delegiert“ arbeitet, also beim Arzt angestellt arbeitet
– Chirurgen können innerhalb der allgemeinen Abteilungen der Schweiz frei gewählt werden. An die durch Privatärzte und/oder in Privatkliniken durchgeführten Operationen wird nur der Anteil bezahlt, der den Kosten in der allgemeinen Abteilung entspricht.
Von der Grundversicherung meistens nicht übernommen werden Kosten für Leistungen (insbesondere Operationen), die im Ausland erbracht werden. Das Sozialversicherungsgericht des Kantons Waadt entschied jedoch Ende 2015, dass die Grundversicherung einer Transfrau die genitalangleichende Operation in Thailand bezahlen musste, weil die Chirurgen in der Schweiz viel weniger Erfahrung haben (Cour des assurances sociales Vaud, Arrêt du 9.12.2015, ZE09.036546). So oder so möglich ist aber diese Kostenübernahme durch eine Zusatzversicherung. Insbesondere für Genitaloperationen empfehlen wir trotz der Kosten, diese Option wegen der Qualität der Operationen ernsthaft zu prüfen
Die privaten Zusatzversicherungen decken unterschiedliche Leistungen, je nach Krankenkasse und gewählter Zusatzversicherung. Achtung: gewisse Krankenkassen schliessen Geschlechtsangleichungen explizit aus. Vertragsbestimmungen, Leistungskatalog und auch das Kleingedruckte lesen. Eine Zusatzversicherung ist für Transmenschen empfehlenswert. Zusatzversicherungen und Grundversicherung müssen nicht bei der gleichen Kasse abgeschlossen werden.
Transfrauen, die unter (typisch „männlicher“) Glatzenbildung leiden, können Perücken oder Haarersatzteile von der IV bezahlt werden; dies hat das Bundesgericht im Urteil (Bundesgericht, Urteil 9C_550/2012 vom 13.7.2013) entschieden. Der Beitrag ist auf Fr. 1’500.- pro Jahr begrenzt.
Transmenschen unter 18 Jahren dürfen auch so leben, wie es ihrer Geschlechtsidentität entspricht. Wenn du dich als Mädchen fühlst, darfst du zum Beispiel Röcke tragen, Schmuck, dich mit deinem Mädchennamen nennen lassen, etc. Umgekehrt gilt das gleiche natürlich auch, wenn du dich als Knabe fühlst. Dann darfst du zum Beispiel einen männlichen Namen brauchen, die Herrentoilette benutzen, etc.
Junge Transmenschen dürfen nicht von der Schule verwiesen werden, nur weil sie trans* sind. Dennoch kommt es vor, dass junge Transmenschen gerade in der Schule Probleme haben, dass auch Lehrer oder Schulleiterinnen sie nicht akzeptieren. Wir empfehlen, das Gespräch zu suchen und nicht als erstes den Rechtsweg zu beschreiten. TGNS ist auch gerne bereit, an Schulen zu informieren und dich und deine Eltern zu beraten oder, wenn nötig, zu begleiten.
Als Jugendliche/r darfst du dich auf Lehrstellen bewerben mit deinem selbstgewählten Namen und entsprechend dem Geschlecht, in dem du dich wohl fühlst. Wenn es aber klappt und du die Zusage für eine Lehrstelle bekommst, dann musst du sagen, was dein offizieller Vorname und Geschlecht sind.
Für die hormonelle und operative Geschlechtsangleichung muss man nicht volljährig, also 18-jährig, sein. Jugendliche, die wissen, auf was sie sich einlassen, die gut informiert sind und die die Folgen der Angleichung verstanden haben (man nennt das „urteilsfähig“), dürfen Hormone nehmen und Operationen machen lassen. Eine Zustimmung der Eltern braucht es dafür nicht, es ist allein dein Entscheid. Es ist heute in der Schweiz für Jugendliche aber noch schwierig, an Behandlung zu kommen, weil nur wenige Ärzte dazu bereit sind und weil sich die Krankenkassen manchmal noch weigern zu bezahlen.
Trans gilt als anerkannter Grund für die Gewährung von Asyl (Art. 3 AsylG, Zugehörigkeit zu einer sozialen Gruppe). Asylgesuche von Transmenschen sind jedoch relativ selten und daher ist nicht selbstverständlich davon auszugehen, dass die Zuständigen über Erfahrung im Umgang mit Trans* in Flüchtlingslagern, im Verfahren etc. verfügen. Transmenschen, die aufgrund ihrer Geschlechtsidentität in der Schweiz um Asyl ersuchen, empfehlen wir, sich an Organisationen wie Amnesty oder/und TGNS zu wenden.
Asylsuchende sind meistens in der Wahl der Ärzte eingeschränkt, die Krankenkassen zahlen oft nicht in der ganzen Schweiz. Weil es nur wenige Spezialistinnen für Trans* gibt, lohnt es sich zu beantragen, dass man dennoch zu diesen kann.
In der Arbeitswelt dürfen Menschen nicht aufgrund ihres Transseins diskriminiert werden. Nicht zulässig sind Kündigungen, Lohnkürzungen oder die Versetzung in eine schlechtere Position, nur weil man trans* ist. Ein Verbot, entsprechend der eigenen Geschlechtsidentität am Arbeitsplatz zu erscheinen (also beispielsweise als Transfrau nicht die gleiche Kleidung, Frisur, Make-up etc. tragen zu dürfen wie Kolleginnen in der gleichen Arbeitsposition), ist nur in Ausnahmefällen zulässig.
Schwierigkeiten machen nicht selten Fragen,welche Garderobe, Dusche oder Toilette benutzt werden kann. Jeder Arbeitgeber muss die Persönlichkeit von allen Angestellten schützen (Fürsorgepflicht), das heisst, er muss sich darum kümmern, dass eine Lösung gefunden wird, in der sich die Transperson sicher und wohl fühlt, die aber auch auf die Bedürfnisse der Kolleginnen und Kollegen Rücksicht nimmt und die praktisch umsetzbar ist. Wir empfehlen daher, in einem Gespräch eine individuell und für möglichst alle Beteiligten passende Lösung zu suchen.
Das Gleichstellungsgesetz gilt auch für Transmenschen, es schützt auch vor Diskriminierung aufgrund der Geschlechtsidentität. In jedem Kanton gibt es eine entsprechende Schlichtungsstelle, die bei Problemen angerufen werden kann.
Bei einer Bewerbung muss man nicht angeben, dass man trans* ist, ausser dies wäre eine relevante Information bei der Stelle, auf die man sich bewirbt. Hat man noch nicht die offizielle Änderung von (Vor-)Name und Geschlechtseintrag, muss man dies aber spätestens dann offenlegen, wenn man die Zusage für eine Stelle hat.
Transmenschen dürfen nicht aufgrund ihrer Geschlechtsidentität diskriminiert, das heisst, ohne sachliche Rechtfertigung schlechter behandelt werden (EGMR, P.V. c. Espagne, Arrêt du 30.11.2010 Requête nr. 35159/09; EGMR, Identoba and Others v. Georgia, Judgment from 12.5.2015, Application no. 73235/12). Umfassend gilt das aber nur gegen den Staat und Private, die staatliche Aufgaben erfüllen. In der Schweiz schützt einen das Gesetz jedoch nicht gegen Diskriminierung durch Private, ausser am Arbeitsplatz (siehe 8. Arbeitsplatz).
Jeder und jede entscheidet selbst, wer etwas Persönliches wissen darf, z. B. welche medizinischen Eingriffe man hinter sich hat oder wie der frühere Name war. Auch die Tatsache, dass man trans* ist, dürfen andere nicht einfach so weitererzählen.
Achtung: Auch Ärzte dürfen nicht ohne medizinischen Grund deinen nackten Körper betrachten! Dein Trans-Körper gehört alleine dir, du entscheidest, wer in deine Unterhose, deinen Binder, deinen BH gucken darf. Bei Psychologen, Psychiaterinnen, Endokrinologen muss man sich nicht ausziehen und sich dies auch nicht gefallen lassen. Auch bei andern medizinischen Untersuchungen, bei denen die Geschlechtsmerkmale keine Rolle spielen, muss man diese nicht zeigen.
Leider erleben die meisten Transmenschen irgendwann negative Reaktionen auf ihr Transsein. Beschimpfungen, verbale Attacken gegen eine einzelne Transperson und tätliche Angriffe sind strafrechtlich verboten. Diese können bei der Polizei angezeigt werden. Transphobie, also Delikte aus Hass auf Transmenschen, dürfen nicht ohne Folgen bleiben. Dein Mut, Täter anzuzeigen, kann dazu beitragen! TGNS unterstützt dich bei Bedarf auch.
Transrechte allgemein
Navarra, Pascale / Ott, Regula (Hrsg.): Informationsbroschüre «Fluchtgrund: Sexuelle Orientierung und Geschlechtsidentität» (2014): darin ein Kapitel zu Trans Refugees.