Source: http://www.hensche.de/Arbeitsrecht_Schwerbehindertenvertretung_hat_keinen_Anspruch_auf_Aufwandsdeckung_BAG_7ABR24-09.html
Timestamp: 2018-04-24 21:06:23
Document Index: 376571214

Matched Legal Cases: ['§ 92', '§ 74', '§ 93', '§ 65', '§ 40', '§ 96', 'Art. 3', '§ 40', '§ 96', '§ 96', '§ 40', '§ 96', '§ 23', '§ 26', '§ 46', '§ 40', '§ 46', '§ 40']

BAG, Beschluss vom 02.06.2010, 7 ABR 24/09 - HENSCHE Arbeitsrecht
BAG, Be­schluss vom 02.06.2010, 7 ABR 24/09
Schlagworte: Schwerbehindertenvertretung
Aktenzeichen: 7 ABR 24/09
Vorinstanzen: Arbeitsgericht Köln, Beschluss vom 17.06.2008, 14 BV 268/07
2 TaBV 63/08
hat der Sieb­te Se­nat des Bun­des­ar­beits­ge­richts auf­grund der Be­ra­tung vom 2. Ju­ni 2010 durch den Vor­sit­zen­den Rich­ter am Bun­des­ar­beits­ge­richt Lin­sen­mai­er, die Rich­te­rin­nen am Bun­des­ar­beits­ge­richt Gräfl und Schmidt so­wie die eh­ren­amt­li­chen Rich­ter Bea und Glock für Recht er­kannt:
Die Rechts­be­schwer­de des An­trag­stel­lers ge­gen den Be­schluss des Lan­des­ar­beits­ge­richts Köln vom 17. No­vem­ber 2008 - 2 TaBV 63/08 - wird zurück­ge­wie­sen.
den Ar­beit­ge­ber zu ver­pflich­ten, an ihn ei­ne Auf­wands­de­ckung von 76,70 Eu­ro für das Jahr 2007 so­wie ei­ne Auf­wands­de­ckung von 76,70 Eu­ro für das Jahr 2008 zu zah­len.
I. Ent­ge­gen der Rüge des Ar­beit­ge­bers ist die Rechts­be­schwer­de frist­gemäß ein­ge­legt. Der Be­schluss des Be­schwer­de­ge­richts wur­de dem Ver­fah­rens­be­vollmäch­tig­ten des An­trag­stel­lers aus­weis­lich der Post­zu­stel­lungs­ur­kun­de am 6. Fe­bru­ar 2009 zu­ge­stellt; die Rechts­be­schwer­de wur­de am 4. März 2009 und da­mit recht­zei­tig iSv. § 92 Abs. 2 Satz 1, § 74 Abs. 1 Satz 1 ArbGG ein­ge­legt.
II. Die von den Vor­in­stan­zen pro­ble­ma­ti­sier­ten Fra­gen der Zulässig­keit des Rechts­wegs zu den Ge­rich­ten für Ar­beits­sa­chen und des Be­schluss­ver­fah­rens sind vom Rechts­be­schwer­de­ge­richt gemäß § 93 Abs. 2 ArbGG iVm. § 65 ArbGG nicht zu prüfen.
III. Der zulässi­ge An­trag ist un­be­gründet.
1. Der An­trag ist zulässig. An­trag­stel­ler ist die beim De­zer­nat 9 des Ar­beit­ge­bers ge­bil­de­te Schwer­be­hin­der­ten­ver­tre­tung als Gre­mi­um und nicht et­wa de­ren - ein­zi­ges - Mit­glied. Dies er­gibt die ge­bo­te­ne Aus­le­gung der Be­zeich­nung des An­trag­stel­lers. Maßgeb­lich ist in­so­weit der geäußer­te Wil­le, wie er aus An­trag, Be­gründung und sons­ti­gen Umständen er­kenn­bar wird. Die na­ment­li­che Be­nen­nung als „Ver­trau­ens­mann der Schwer­be­hin­der­ten“ in der Ter­mi­no­lo­gie des bis zum 30. Ju­ni 2001 gel­ten­den Schwer­be­hin­der­ten­ge­set­zes meint die In­ter­es­sen­ver­tre­tung der schwer­be­hin­der­ten Men­schen. Dies folgt ins­be­son­de­re dar­aus, dass sich der An­trag­stel­ler auf die lan­des­per­so­nal­ver­tre­tungs­recht­li­chen Re­ge­lun­gen zu den Kos­ten des Per­so­nal­rats be­ruft.
bb) Ei­ne ana­lo­ge An­wen­dung des § 40 Abs. 2 Satz 1 LPers­VG NW auf die Schwer­be­hin­der­ten­ver­tre­tung ist nicht ge­recht­fer­tigt. Es fehlt be­reits an ei­ner plan­wid­ri­gen Re­ge­lungslücke. Der Ge­setz­ge­ber hat in § 96 Abs. 8 und 9 SGB IX ab­sch­ließen­de Re­ge­lun­gen zur Pflicht der Kos­ten­tra­gung für die Tätig-
keit der Schwer­be­hin­der­ten­ver­tre­tung und zu ih­rer Aus­stat­tung ge­trof­fen. Im Übri­gen könn­te be­reits aus Gründen der Ge­setz­ge­bungs­kom­pe­tenz ei­ne Lücke in ei­nem Bun­des­ge­setz nicht durch die ent­spre­chen­de An­wen­dung ei­ner lan­des­recht­li­chen Re­ge­lung ge­schlos­sen wer­den.
c) Ent­ge­gen der Auf­fas­sung des An­trag­stel­lers ge­bie­tet Art. 3 Abs. 1 GG nicht, dass die für den Per­so­nal­rat in § 40 Abs. 2 Satz 1 und 2 LPers­VG NW vor­ge­se­he­ne Auf­wands­de­ckung je­den­falls in Nord­rhein-West­fa­len auch an die Schwer­be­hin­der­ten­ver­tre­tung zu zah­len wäre. Die Schwer­be­hin­der­ten­ver­tre­tung ist ei­ne an­de­re In­ter­es­sen­ver­tre­tung als der Per­so­nal­rat; sie hat an­de­re Auf­ga­ben und muss nicht in jeg­li­cher Hin­sicht mit dem Per­so­nal­rat gleich be­han­delt wer­den. Der auf kei­ner ge­stal­ten­den Maßnah­me des Ar­beit­ge­bers, son­dern auf Nor­men­voll­zug be­ru­hen­de Un­ter­schied da­hin ge­hend, dass dem Per­so­nal­rat ein pau­scha­lier­ter Be­trag zur Verfügung ge­stellt wird, während die
Schwer­be­hin­der­ten­ver­tre­tung die er­for­der­li­chen Kos­ten ih­rer Tätig­keit so­wie ih­ren Geschäfts­be­darf nach § 96 Abs. 8 und 9 SGB IX ver­lan­gen kann, ist im Übri­gen kei­ne Schlech­ter­stel­lung. Dem An­trag­stel­ler wer­den die durch sei­ne Tätig­keit ver­ur­sach­ten Kos­ten nicht auf­gebürdet; er hat die­se le­dig­lich ein­zeln nach­zu­wei­sen.
IV. Im Übri­gen hätte der An­trag auch dann kei­nen Er­folg, wenn An­trag­stel­ler nicht die Schwer­be­hin­der­ten­ver­tre­tung als Gre­mi­um, son­dern de­ren ein­zi­ges Mit­glied wäre. Auch die­ses hätte kei­nen An­spruch nach § 96 Abs. 3 Satz 1 SGB IX auf pau­scha­lier­te Auf­wands­de­ckung gemäß § 40 Abs. 2 LPers­VG NW. Wie sich aus der For­mu­lie­rung „ins­be­son­de­re“ in § 96 Abs. 3 Satz 1 SGB IX er­gibt, ist die persönli­che Rechts­stel­lung zwar nicht auf den Kündi­gungs-, Ver­set­zungs- und Ab­ord­nungs­schutz be­schränkt. Es han­delt sich viel­mehr um ei­ne Ge­ne­ral­klau­sel, durch die die Ver­trau­ens­per­so­nen den Mit­glie­dern an­de­rer Beschäftig­ten­ver­tre­tun­gen in jeg­li­cher Hin­sicht gleich-
ge­stellt sind (un­ter Ver­weis auf die Ent­ste­hungs­ge­schich­te der na­he­zu wort­glei­chen Vorgänger­re­ge­lun­gen in § 23 Abs. 3 SchwbG bzw. so­dann § 26 Abs. 3 Satz 1 SchwbG: BAG 14. Au­gust 1986 - 6 AZR 622/85 - BA­GE 52, 335). Zur „persönli­chen Rechts­stel­lung“ können da­her Geld­leis­tungs­ansprüche zählen, wenn sie Per­so­nal­rats­mit­glie­dern zu­ste­hen (hier­zu: BAG 14. Au­gust 1986 - 6 AZR 622/85 - aaO [für die den frei­ge­stell­ten Per­so­nal­rats­mit­glie­dern zu­ste­hen­de mo­nat­li­che Auf­wands­entschädi­gung nach § 46 Abs. 5 BPers­VG]). § 40 Abs. 2 LPers­VG NW be­trifft aber nicht die persönli­che Rechts­stel­lung von Per­so­nal­rats­mit­glie­dern. Die Auf­wands­de­ckung steht dem Per­so­nal­rat als Or­gan und nicht - wie et­wa die Auf­wands­entschädi­gung nach § 46 Abs. 5 BPers­VG - dem Per­so­nal­rats­mit­glied zu. Eben­so we­nig wie ein Per­so­nal­rats­mit­glied die Auf­wands­de­ckung be­an­spru­chen könn­te (Orth/Wel­ko­borsky LPers­VG NW 5. Aufl. § 40 Rn. 29), kann es da­her die Ver­trau­ens­per­son der schwer­be­hin­der­ten Men­schen.
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