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Timestamp: 2019-08-22 05:04:00
Document Index: 11347254

Matched Legal Cases: ['§ 16', '§ 85', '§ 77', '§ 108', '§ 17', '§ 108', '§ 125', 'EuG', '§ 143']

Tonträgerpiraterie – Das illegale Geschäft mit der Musik :: Christliche-Teestube (Forum.)
Tonträgerpiraterie – Das illegale Geschäft mit der Musik
Verfasst am: Sa Okt 06, 2007 10:29 am
Was bedeutet eigentlich „Tonträgerpiraterie“?
Hinter dem Begriff "Tonträgerpiraterie" verbirgt sich ein Phänomen, das es zwar schon seit Bestehen des Tonträgers gibt, aber immer noch aktuell ist. Es handelt sich um die unautorisierte Verwertung von Musikdarbietungen, sei es durch die Aufnahme von Live-Darbietungen ohne Erlaubnis des mitgeschützten Künstlers oder durch die unbefugte Vervielfältigung und Verbreitung von Tonträgern. In allen diesen Fällen verdient der Pirat sein Geld mit der Auswertung fremder Leistungen, ohne dafür an sämtliche Berechtigte zu zahlen. Unautorisierte Musikangebote im Internet (sog. Internet-Piraterie) sind ebenfalls eine Form von Tonträgerpiraterie, auch wenn (derzeit) mit diesen Angeboten (über eventuelle Erträge aus Werbung hinaus) noch kein Geld verdient wird.
Wer hat Rechte an einem Tonträger?
An einem Tonträger und der auf ihm enthaltenen Musik bestehen Rechte von Autoren (Komponisten und Textdichter), ausübenden Künstlern und Tonträgerherstellern. Wer vorhat, gewerblich Tonträger ganz oder teilweise zu kopieren und zu verbreiten, muss also nicht nur die Vervielfältigungs- und Verbreitungsrechte der Autoren (§§ 16, 17 UrhG) bei der GEMA erwerben. Er muss außerdem bei den Tonträgerherstellern diese Rechte für alle Titel einholen, die er als Vorlage für seine Überspielungen verwenden möchte. Erst wenn auch die Tonträgerhersteller für sich selbst (§ 85 UrhG) und die mit ihnen vertraglich verbundenen Künstler (§ 77 UrhG) eine Vervielfältigungs- und Verbreitungslizenz erteilt haben, darf mit der Fertigung begonnen werden (s. "Kopieren von Audio-CDs und Urheberrecht"). Entsprechendes gilt für das Online-Angebot von Musik (s. "MP3 - Was ist erlaubt?").
Welche Arten von Piraterietonträgern gibt es?
Bei unautorisierten Tonträgern sind drei grundsätzliche Erscheinungsformen zu unterscheiden: Raubpressungen, (Ident-)Fälschungen und Bootlegs.
Die beiden erstgenannten Arten zeichnen sich dadurch aus, dass bei ihrer Herstellung vorbestehende Originaltonträger kopiert werden. Die so produzierten Vervielfältigungsstücke werden bei den Raubpressungen unter einem neuen Label (= Schallplattenmarke) vertrieben, während die Tonträgerfälscher noch einen Schritt weiter gehen und nicht nur den Originaltonträger, sondern auch dessen äußeres Erscheinungsbild (Booklet, CD-Aufdruck) exakt kopieren. Eine weitere besondere Form der Raubkopie sind die sog. Raub- oder Disco-Mixes. Hier werden eine Vielzahl von einzelnen Aufnahmen so zusammengeschnitten, dass ein fortlaufendes Ganzes ohne Unterbrechung entsteht, zusätzlich versehen mit eigenen Zusätzen und einer durchgehenden rhythmischen Struktur. Bootlegs beruhen demgegenüber nicht auf bereits veröffentlichten Originaltonträgern. Sie enthalten vielmehr ungenehmigte Live-Mitschnitte von Konzerten. Live-Darbietungen werden von Konzertbesuchern mittels eingeschmuggelter Recorder und leistungsfähiger Kleinstmikrophone aufgezeichnet. Bisweilen werden auch Mischpult und Soundanlage angezapft oder Radiosendungen von Live-Konzerten aufgenommen und ohne Erlaubnis vervielfältigt und verbreitet.
Herstellung und Vertrieb von Bootlegs sind regelmäßig gem. §§ 108 Abs. 1 Nr. 4, 108a UrhG strafbar. Ein strafbares "Verbreiten" ist nach der Legaldefinition in § 17 Abs. 1 UrhG nicht erst bei dem Inverkehrbringen von Bootlegs gegeben, sondern schon bei jedem öffentlichen Anbieten der Bootlegs (z.B. durch Auslage an einem Verkaufsstand oder Versand von Angebotslisten). Das Lagern von Bootlegs zum Zwecke des Vertriebs kann bereits ein strafbarer Versuch gem. §§ 108 Abs. 2, 108a Abs. 2 UrhG sein (vgl. OLG Schleswig, Beschl. vom 31.03.99, - 3 Ws 404/98 -).
Voraussetzung ist, dass der betroffene Künstler für seine Darbietung geschützt ist. Maßgebende Vorschrift für diesen Schutz ist § 125 UrhG, der die Schutzvoraussetzungen regelt. Es ist grundsätzlich zwischen In- und Ausländern zu unterscheiden, da vereinzelt ausländische Interpreten nicht denselben uneingeschränkten Schutz wie deutsche Künstler genießen können. Inzwischen bestehen aber nach unserer Auffassung infolge der Rechtsprechung des EuGH ("Phil Collins"-Urteil) und internationaler Abkommen (Rom-Abkommen, TRIPS, zukünftig auch WPPT) praktisch keine Lücken im Schutz der ausübenden Künstler mehr. Das bedeutet, dass Herstellung und Vertrieb von Bootlegs in praktisch jedem Fall strafbar sind. Lediglich die Herleitung des Schutzes kann verschieden sein.
Identfälschungen (Erkennungsmerkmale) sind eine ebenfalls eine besondere Form der Raubkopie. Es gilt das oben zu Raubkopien Gesagte entsprechend. Zusätzlich begehen die Tonträgerfälscher eine strafbare Markenrechtsverletzung gem. § 143 MarkenG.
Was bedeutet „Internet-Piraterie“?
23.05.2006 Verfahren gegen 3.500 eDonkey-Nutzer
Roadshow der Deutschen Phonoverbände: Infoveranstaltungen für Tonträgerhersteller
11.04.2006 Erste Veranstaltung am 26.04. in Hamburg
04.04.2006 Rund 3.000 Klagen gegen illegale Musikanbieter im Internet seit 2004 in Deutschland – Internationales Vorgehen in insgesamt 16 Ländern – Portugal und Mexiko starten heute
14.03.2006 Schwunghafter Handel über e-Bay gestoppt
Schutz der Kreativen durch modernes Urheberrecht gefordert
21.02.06 Deutsche Phonoverbände nehmen Stellung zur Novellierung des Urheberrechtsgesetzes
Quelle. http://www.ifpi.de/recht/tontraeger.htm
Verfasst am: Sa Okt 13, 2007 6:19 pm
Das Mitgefühl mit den Rechteinhabern hält sich in Grenzen, wenn diese mit "Kopierschutz" auf Audio CDs zum einen die Lebensdauer der CDs stark begrenzen und zum anderen die Möglichkeiten, die rechtmäßig erworbene Musik auf einem MP3 Player zu hören, stark einschränken.
Die Aussage "man kann ja die CD auf Cassette überspielen", mag zwar stimmen, ob aber jemand, der aufgrund der Raubkopiephobie der Musikindustrie seine Musik auf Cassetten mitschleppt, eine gute Werbung für ehrlich erworbene Musik ist?
Irgendwo ist auch Doppelmoral gegeben, wenn einerseits die Musikindustrie bei Erfolgen damit prahlt, bei Misserfolgen, diese den Raubkopierern anlastet.
Die Industrie unterdrückt jegliche Kopie mit dem Ergebnis, dass unsere Nachkommen wohl die Musik von heute nicht mehr zu hören bekommen.