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Timestamp: 2020-08-06 08:04:26
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Matched Legal Cases: ['§ 25', '§ 25', 'Art. 97', '§ 10', '§ 2', 'Art. 104', 'Art. 4']

Zinsänderungsrisiken im Anlagebuch - GRIN
Zinsänderungsrisiken im Anlagebuch. Die regulatorischen Anforderungen zum Baseler Zinsschock
von Daniel Levin Fedeler (Autor)
Seminararbeit 2019 37 Seiten
1 Einordnung des Baseler Zinsschocks in den aufsichtlichen Rahmen der Kalkulation von Zinsänderungsrisiken im Anlagebuch
1.1 Einordnung des Baseler Zinsschocks in den aufsichtlichen Rahmen
1.2 Definition des anzuwendenden Baseler Zinsschocks
1.3 Berechnungsmodell für den Baseler Zinsschocks
2 Kalkulation des Baseler Zinsschocks am Beispiel der GEFA BANK GmbH als Nicht-Handelsbuchinstitutes
2.1 Vorstellung des Geschäftsmodells der GEFA BANK GmbH
2.2 Kalkulation des Baseler Zinsschocks als Zinsänderungsrisiko im Bankbuch der GEFA BANK GmbH
2.3 Darlegung der Ergebnisse aus der Anwendung des Baseler Zinsschocks auf die GEFA BANK GmbH
3 Kritische Analyse der Ergebnisse aus der Kalkulation des Baseler Zinsschock der GEFA BANK GmbH
3.1 Implikationen der Ergebnisse in Bezug zum Geschäftsmodell der GEFA BANK GmbH
3.2 Grenzen der Kalkulation des Zinsänderungsrisikos anhand des Baseler Zinsschocks
3.3 Abbau der beschriebenen Grenzen des Ansatzes des Baseler Zinsschocks durch neuere aufsichtliche Anpassungen
Abbildung 1: Zinsstrukturkurve (Eigene Darstellung)
Abbildung 2: Zinsstrukturkurven für Baseler Zinsschockszenarien (Eigene Darstellung)
Abbildung 3: Ablaufverteilung für bestimmte Positionen des Aktiv- und Passivgeschäftes (Eigene Darstellung)
Tabelle 1: Bilanz der GEFA BANK GmbH (Eigene Darstellung)
Tabelle 2: Zinssensitive Aktivpositionen der GEFA BANK GmbH (Eigene Darstellung)
Tabelle 3: Zinssensitive Passivpositionen der GEFA BANK GmbH (Eigene Darstellung)
Tabelle 4: Cashflow der GEFA BANK aus Aktivpositionen (Eigene Darstellung)
Tabelle 5: Cashflow der GEFA BANK aus Passivpositionen (Eigene Darstellung)
Tabelle 6: Cashflow des Bankbuches der GEFA BANK GmbH (Eigene Darstellung)
Tabelle 7: Barwertiger Cashflow des Bankbuches der GEFA BANK im Basisszenario (Eigene Darstellung)
Tabelle 8: Barwertiger Cashflow nach Anwendung des Zinsschock Szenarios 1 (Eigene Darstellung)
Tabelle 9: Barwertiger Cashflow nach Anwendung des Zinsschock Szenarios 2 (Eigene Darstellung)
Tabelle 10: Schwellenwert der Zinsschocks auf das Zinsergebnis der GEFA BANK GmbH (Eigene Darstellung)
Tabelle 11: Schwellenwert der Zinsschocks auf das Zinsergebnis der GEFA BANK GmbH bei Änderung der Annahmen (Eigene Darstellung)
Tabelle 12: Zinsstrukturkurven der Szenarien (berechnet)
Tabelle 13: Berechnung der Zerobondabzinsfaktoren (ZBAF) aus der Zinsstrukturkurve inkl. Zinsschocks
Tabelle 14: Cashflows der GEFA BANK aus Aktivpositionen (vollständig)
Tabelle 15: Cashflows der GEFA BANK aus Passivpositionen (vollständig)
Tabelle 16: Cashflow des Bankbuches der GEFA BANK GmbH (vollständig)
Tabelle 17: Barwertiger Cashflow des Bankbuches der GEFA BANK im Basisszenario (vollständig)
Tabelle 18: Barwertiger Cashflow des Bankbuches der GEFA BANK im Szenario 1 (vollständig)
Tabelle 19: Barwertiger Cashflow des Bankbuches der GEFA BANK im Szenario 2 (vollständig)
Tabelle 20: Ablaufverteilung für bestimmte Positionen des Aktiv- und Passivgeschäftes
Tabelle 21: Cashflows der GEFA BANK aus Aktivpositionen (5J, tilgend)
Tabelle 22: Cashflows der GEFA BANK aus Passivpositionen (5J, tilgend)
Tabelle 23: Cashflow des Bankbuches der GEFA BANK GmbH (5J, tilgend)
Tabelle 24: Barwertiger Cashflow des Bankbuches der GEFA BANK im Basisszenario (5J, tilgend)
Tabelle 25: Barwertiger Cashflow des Bankbuches der GEFA BANK im Szenario 1 (5J, tilgend)
Tabelle 26: Barwertiger Cashflow des Bankbuches der GEFA BANK im Szenario 2 (5J, tilgend)
Tabelle 27: Originale Zinsstrukturkurve aus Reuters
Gerade im derzeitigen Zinsumfeld, geprägt von politischer und geldpolitischer Unsicherheit, ist eine genauere Kalkulation des Zinsänderungsrisikos unabding-bar.1 Dies gilt insbesondere für Zinspositionen im Bankbuch, welche einer lang-fristigen Zinsbindung unterliegen. Aufgrund der stetigen Überarbeitung des An-satzes zur Messung dieser Risikoart durch die Bundesanstalt für Finanzdienst-leistungsaufsicht (BaFin), die für eine adäquate Aufsicht über das Zinsände-rungsrisiko im Bankbuch2 die international ausgearbeiteten Grundsätze in natio-nales Recht überführt, finden regelmäßig Anpassungen der Anforderungen durch die Aufsicht statt. In diesem Zusammenhang hat die BaFin am 12. Juni 2018 ein überarbeitetes Rundschreiben zum „Baseler Zinsschock“ – der Anforderungen an die ad-hoc Änderungen der Zinsstrukturkurve 200 Basispunkten (BP) über die gesamte Laufzeit zum einen nach oben und zum anderen nach unten – veröffent-licht.
Diese Arbeit stellt den Ansatz zur Kalkulation von Zinsänderungsrisiken im Ban-kenbuch in den aufsichtlichen Kontext um nach einer Definition und der Darle-gung des Berechnungsmodells diesen am Geschäftsmodell eines Nicht-Handels-buchinstitutes, der GEFA BANK GmbH, um zu untersuchen welchen Einfluss dieser auf die Kalkulation von Zinsänderungsrisiken im Bankbuch darstellt. Hier-bei wird das genannte Rundschreiben herangezogen um zunächst auf dessen Ba­sis Implikationen für das Geschäftsmodell eines Nicht-Handelsbuchinstitutes ab-zuleiten. Ebenfalls wird der in dieser Arbeit vorgestellte Ansatz zur Messung dieser Risikoart kritisch hinterfragt um dessen Schwachpunkte aufzuzeigen und nötige Verbesserungen anzuregen um die Aussagekraft des Ansatzes weiter zu stärken. Hierdurch zeigt die Arbeit mögliche Anpassungen des Ansatzes in Be-zug auf die Effektivität der Aufsicht von Zinsänderungsrisiken im Bankbuch in der Praxis der Bankenaufsicht auf.
In Kapitel 1 wird zunächst eine Einordnung der aufsichtlichen Anforderungen in Bezug auf das Zinsänderungsrisiko im Bankbuch in den Regulierungsrahmen so wie eine Definition des „Baseler Zinsschocks“ und dessen Berechnung als Mo-dell gegeben. Sodann folgt in Kapitel 2 die Vorstellung des Geschäftsmodells der GEFA BANK GmbH, als Beispiel eines Nichthandelsbuchinstitutes, auf welches dann der Standardzinsschock angewendet wird. Anschließend werden die Ergeb-nisse der Anwendung des Zinsschocks dargelegt. In Kapitel 3 werden die Ergeb-nisse vor dem Hintergrund des Geschäftsmodells der Bank diskutiert um darauf-hin den Ansatz des Baseler Zinsschocks als Verfahren zur Messung der Zinsän-derungsrisiken im Anlagebuch als solches kritisch zu hinterfragt und dessen Grenzen aufzuzeigen. Das Kapitel schließt mit einem Ausblick über die derzeit fachlich diskutierten Änderungen des vorgestellten Verfahrens vor dem Hinter-grund der europäischen Bankenaufsicht.
1 Einordnung des Baseler Zinsschocks in den aufsicht-lichen Rahmen der Kalkulation von Zins änderungsri-siken im Anlagebuch
Die Hoheit über die Aufsicht von Kreditinstituten obliegt dem Europäischen Par-lament und dem Europäischen Rat deren Ziel die Harmonisierung und Herstel-lung eines „same level playing field“3, also gleicher Anforderungen für alle In­stitute im europäischen Wirtschaftsraum (EWR), herzustellen. Neben den ge-nannten Institutionen gibt es weitere, die auf europäischer Ebene Regeln zur Re-gulierung von Finanzdienstleistungsinstituten erlassen. Zu diesen gehören unter anderem die Europäische Zentralbank (EZB) oder die European Banking Autho­rity (EBA).
Die Aufsicht der Zinsänderungsrisiken im Anlagebuch ist national in dem § 25a Absatz 5 KWG verankert.4 Auf diesen beruft sich die EBA in ihren Leitlinien zur Überwachung des Zinsänderungsrisikos im Bankbuch.5 Artikel 97 CRD IV ver-pflichtet die nationale Aufsicht zur Überprüfung und Bewertung von internen Prozessen und Verfahren bzgl. eines soliden Risikomanagements im Allgemei-nen, während Artikel 98 Absatz 5 CRD IV das Zinsänderungsrisiko explizit in diese Überprüfungen einbezieht.6 Hierbei wird Banken die Einrichtung eigen-ständiger Verfahren und Methoden auferlegt, welche unter Einhaltung der Vor-gaben der jeweiligen nationalen Aufsicht zu implementieren sind. Dieser Spezi-fizierung kommt die Bundesbehörde in ihrem Rundschreiben 09/2018 (BA)7 nach, welches am 12.06.2018 veröffentlicht wurde und somit die bisher gültigen Spezifizierungen zum Zinsschock aus dem Jahre 2011 ablöst.8 Diese Anforde-rungen werden im folgenden Kapitel 1.2 vorgestellt.
Der Baseler Zinsschock beschreibt eine ad-hoc Veränderung der Zinsstruktur-kurve und gehört aufsichtsrechtlich zur Kalkulation von Zinsänderungsrisiken im Anlagebuch. Dieser ist auf den Barwert der Cashflows aus dem Bankbuch anzu-wenden,9 was in Kapitel 1.3 im Rahmen der Vorstellung des Berechnungsmo-dells genauer beschrieben.
Die derzeitigen von den Instituten in ihre Verfahren einzubindenden Anforde-rungen zum „Baseler Zinsschock“ sind im genannten Rundschreiben in den Ab-schnitten 3 und 4 zu finden.10 Hier wird das Szenario einer sich ad-hoc verän-dernden Parallelverschiebung der Zinsstrukturkurve über alle Laufzeiten defi-niert. Diese Szenarien sind auf den Cashflows aus dem Bankbuch in jährlich de-finierten Lautzeitbändern als Barwertberechnung anzuwenden. Betrachtet wird in der Kalkulation ausschließlich das Bestandsgeschäft. In die Barwertbildung werden außerdem alle Cashflows aus zinssensitiven Bilanzpositionen einbezo-gen.
Es werden zwei Szenarien definiert. Das erste beschreibt einen Anstieg der Zins-strukturkurve über alle Laufzeiten um 200 Basispunkte (BP). Das zweite be­schreibt ein Absinken der Zinsstrukturkurve um 200 BP, wobei das Absinken bei einem anfänglichen positiven Zinssatz maximal auf 0% abgesenkt wird (Floor von 0%). Bei einem anfänglichen negativen Zinssatz findet keine weitere Ver-ringerung in diesem Szenario statt.11
Übersteigt der Schwellenwert, der in Formel (3) genauer beschrieben wird, die 20%, so ist das Institut als solches mit einem „erhöhten Zinsänderungsrisiko“ einzustufen. Diese Einstufung kann zu einer erhöhten Eigenmittelunterlegung des Zinsänderungsrisikos,12 nach Säule 1 des Aufsichtsmodells, führen.13 Jedoch obliegt dies der Aufsicht im Einzelfall, es ist kein automatischer „Sanktionsme-chanismus“ verankert - die Festlegung von erhöhter Unterlegung durch Eigen-mittel kann sogar bereits bei einem geringeren Schwellenwert als den genannten 20% als aufsichtliche Maßnahme verordnet werden.14
An die Aufsicht zu melden sind quartalsweise die Parameter: Zinsbuchbarwert im Basisszenario, diesen jeweils nach den Zinsschocks 1 und 2, die Behandlung von Margencashflows und der Gebrauch der Möglichkeit des „Gruppen-Wei- vers“15.16
1.3 Berechnungsmodell f ür den Baseler Zinsschocks
Dieses Kapitel legt das Modell zur Berechnung des Baseler Zinsschocks dar. Zu dessen Kalkulation ist zunächst der Barwert der Positionen aus dem Bankbuch in den jeweiligen Laufzeitbändern von einem bis zu zehn Jahren zu ermitteln.
Gleichung (1) beschreibt die Berechnung für die Verbarwertung der Cashflows aus den einzelnen Laufzeitbändern (Jahren). Hiernach ergibt sich der Barwert für das Jahr j durch Addition der Cashflows der Aktivpositionen CFAktiv,j im Jahr j und den Cashflow der Passivpositionen CFPassiv,j im Jahr j, dieses Ergebnis wird mit dem Zerobondabzinsfaktor (ZBAFj)17 des Jahres j mul-tipliziert. So wird mit jedem zu betrachtenden Jahr verfahren. Die kumulierten Barwerte der einzelnen Laufzeitbänder ergeben den Barwert des zu betrachten­den Instituts. So wird zum einen für die beobachtete Zinsstrukturkurve verfahren, wie auch für die Zinsstrukturkurven die sich jeweils durch Anwendung der bei-den definierten Zinsschocks (Szenario 1 und 2) ergeben.
Die höhere, negative Differenz aus dem Barwertverlust (demnach das Minimum aus diesen Differenzen in Gleichung 2) zwischen dem jeweiligen Szenario und dem Basiswert ist für die Schwellenwert-Berechnung heranzuziehen. In der For-mel beschreibt B den über alle Laufzeitbänder addierten Barwert aus dem jewei-ligen Szenario (Basis, S1 bzw. S2) wobei hier jeweils die Differenz zwischen den Zinsschockszenarien 1 bzw. 2 und dem Basisszenario berechnet wird. Der nega-tivere Wert wird für die weitere Berechnung herangezogen.
Der Schwellenwert, anhand dessen die Einstufung als Institut mit erhöhtem Zins-änderungsrisiko gemessen wird,19 berechnet sich als Quotient aus der angespro-chenen maximalen, negativen Differenz, die entweder aus Szenario 1 oder Sze-nario 2 bezogen auf das Basisszenario, und dem Wert der Eigenmittel nach CRR-Definition.20
Für beide Szenarien werden die Barwerte aufsummiert und aus der jeweiligen Differenz vom Barwert aus der ursprünglichen Zinsstrukturkurve Prozentwert zu der jeweiligen Barwertsumme ein Prozentsatz gebildet (siehe Gleichung (3)). Be-trägt dieser Barwertverlust mehr als 20%, so ist das Institut per Definition als Institut mit einem „erhöhten Zinsänderungsrisiko“ einzustufen.21
Hierfür wird, neben der in Tabelle 1 vorgestellten Bilanz des zu betrachtenden Instituts, zunächst die aktuelle Zinsstrukturkurve benötigt. Diese wird durch Ab-bildung 1 dargestellt.
Abbildung 1: Zinsstrukturkurve (Eigene Darstellung)22
Die Zinsstrukturkurve entspricht der Swapkurve in den verschiedenen Laufzeiten auf der Nachfrageseite.23 Zu erkennen ist, dass die Kurve über die gesamte Lauf-zeit von zehn Jahren24 negative Zinsen aufweist. Während in Laufzeiten von ein bis drei Jahren ein inverser Verlauf zu beobachten ist, steigen die Zinsen vom vierten bis zum zehnten Jahr nahezu linear an.
Nach Anwendung der durch die BaFin definierten Zinsschockszenarien auf die aktuelle Zinsstrukturkurve ergeben sich die in Abbildung 2 dargestellten neuen Zinsstrukturkurven für Szenario 1 und 2.
A bbildung 2: Zinsstrukturkurven f ür Baseler Zinsschockszenarien (Eigene Dar-stellung)25
Die obere Kurve stellt in diesem Falle die Zinsstrukturkurve für das Szenario 1, also den Shift um 200 BP nach oben dar, während die untere Kurve die Werte des Szenarios 2, also den BP Shift um 200 BP nach unten repräsentiert. Zu be-achten ist an dieser Stelle, dass ein im Ausganspunkt bereits negativer Zinssatz nicht weiter angepasst wird, sondern bei seinem ursprünglichen Wert verbleibt, so dass die Kurve nach Szenario 2 exakt der aktuellen Zinsstrukturkurve ent-spricht. Im Folgenden werden diese Kalkulation auf die Bilanz der GEFA Bank GmbH angewendet.
Das vorgestellte Berechnungsmodell wird im folgenden Kapitel auf ein Institut als Praxisbeispiel angewendet.
2.1 Vorstellung des Gesch äftsmodells der GEFA BANK GmbH
Das für das Praxisbeispiel herangezogene Institut ist die GEFA BANK GmbH26, die ein mittelgroßes Kreditinstitut darstellt, welches sich auf die Finanzierung des Mittelstands spezialisiert hat.27 Die Bank erzielt ausschließlich Zinseinnah-men die sich aus den Geschäften der Kreditvergabe, dem Leasing sowie dem Mietkauf, zusammensetzen. Das Kreditinstitut betreibt kein Provisionsgeschäft, wie bspw. Vermögensberatung o.Ä. Es handelt sich bei dieser Bank um ein sog. „Nicht-Handelsbuchinstitut“28, was besagt, dass vom gesamten Institut keine Po-sitionen zur kurzfristigen Erzielung von Gewinnen aus Marktwertschwankungen gehalten werden und somit das Bankbuch die einzigen zinssensitiven Positionen beinhaltet, somit also kein Handelsbuch existiert. Zudem gehört die Bank als Tochterunternehmen der weltweit agierenden französischen Großbank Société Générale Group an.29 Die Refinanzierung erfolgt im Wesentlichen über das ge-nannte Mutterunternehmen, welches eine von der EZB beaufsichtigte Bank dar-stellt. Der übrige Teil des Refinanzierungsbedarfs des Geldhauses wird zur Diversifizierung im Refinanzierungsmix zum einen über Förderbanken und zum anderen über das an Privatkunden gerichtete Einlagengeschäft getätigt.30
Die Bilanz der GEFA BANK GmbH, zum Stichtag 31. Dezember 2018, wird in Tabelle 1 dargestellt, wobei die Werte in TEUR abgebildet sind.
Tabelle 1: Bilanz der GEFA BANK GmbH (Eigene Darstellung)31
Auf der Aktivseite sind zum einen die durch Vergabe von Krediten und Miet-kaufgeschäften generierten „Forderungen gegenüber Kunden (übrige)“ rund EUR 5,8 Mrd. und zum anderen das „Leasingvermögen“ rund EUR 1 Mrd., als die volumenintensivsten Positionen zu nennen.
Die Refinanzierung des Institutes setzt sich vor allem aus Verbindlichkeiten (VB) gegenüber Kreditinstituten mit fester Laufzeit und den Positionen des Einlagen-geschäfts (VB ggü. KU Spar und Sonstige) zusammen. Die Bank bilanziert Ei-genmittel i. H. v. rund EUR 547,5 Mio.32
2.2 Kalkulation des Baseler Zinsschocks als Zins änderungsri-siko im Bankbuch der GEFA BANK GmbH
Aus den in der Bilanz der GEFA (siehe Tabelle 1) vorgestellten Positionen wer-den nun die Cashflows gemäß des vorgestellten Berechnungsmodells kalkuliert. Hierfür sind zunächst Annahmen zu jeder Bilanzposition zu treffen. Dies betrifft zum einen die Laufzeit und zum anderen den durchschnittlichen Zinssatz, mit welchem die Beträge verzinst werden.
In der Betrachtung unberücksichtigt bleiben solche Positionen, die keine Zins-sensitivitäten aufweisen. In der GEFA Bilanz aus Tabelle 1 sind dies die folgen-den Positionen für die Aktivseite gilt.33 Beteiligungen unterliegen zwar einem kalkulatorischen Zinssatz, mit dem das in diese investierte Kapital adäquat verzinst werden soll. Jedoch handelt es sich hierbei um keinen expliziten, externen Zins der für eine Laufzeit fixiert wurde, woraus feste Cashflows entstehen. Die Zahlungszuflüsse hieraus sind bspw. solche aus einem Gewinnabführungsvertrag. Dieser beinhaltet (normaler-weise) auch eine Nachschusspflicht für den Fall eines Verlustes auf Ebene des beteiligten Unternehmens. Daher werden die Unterstrichpositionen der GEFA BANK GmbH für die Kalkulation in dieser Arbeit außer Acht gelassen.34
- sonstige Vermögensgegenstände und
- Rechnungsabgrenzungsposten, während dies auf der Passivseite für die Positionen
- Rechnungsabgrenzungsposten und
Im Folgenden werden zunächst die zinssensitiven Positionen von Aktiv- und Pas-sivseite jeweils vorgestellt und die Annahmen zu deren Laufzeit und dem jewei-ligen Zinssatz dargelegt. Die angesprochenen Positionen für die Aktivseite sind in Tabelle 2 zu finden, während die für die Passivseite in Tabelle 3 abgetragen sind.
T abelle 2: Zinssensitive Aktivpositionen der GEFA BANK GmbH (Eigene
1 Deloitte (2018a): S. 1.
2 Im internationalen Kontext ist die Bezeichnung „Interest Rate Risk in the Banking Book“ (IRRBB) gebräuchlich.
3 Vgl. Morrison/White (2009): S. 1099. Vgl. § 25a KWG.
4 Vgl. EBA (2015): Gesamt.
5 Vgl. EBA (2015): Gesamt.
6 Vgl. Europäisches Parlament und Rat (2013a): Art. 97 und 98 CRD IV.
7 Vgl. BaFin (2018): Gesamt.
8 Vgl. BaFin (2011): Gesamt.
9 Dieses Maß wird im IRRBB-Konzept als Barwertansatz vorgestellt. Neben diesem existiert in der Betrachtung noch das „Net Interest Income“ (NII), welches eine ertragsbasierte Betrachtung darstellt. Vgl. Deloitte (2018): S 3.
10 Vgl. BaFin (2018): S. 2-4.
11 Vgl. BaFin (2018): Kapitel 3.
12 Vgl. Artikel 104 Absatz 1a CRD IV i.V. m. § 10 Absatz 3 Satz 1 und Satz 2 Nr. 1 KWG.
13 Der Zinsschock selbst ist einzuordnen in Säule 2 von Basel III. Lediglich eine zusätzliche Un-terlegung mit Eigenmitteln würde in die Säule 1 übergehen.
14 Vgl. BaFin (2018): Kapitel 5.
15 Der „Gruppen-Weiver“ bezeichnet die nach § 2a Absatz 5 KWG bestehende Möglichkeit eine von der gesamten Finanzgruppe kumulierte Meldung abzugeben. Vgl. BaFin (2018): Kapitel 2.
16 Vgl. BaFin (2018): Kapitel 5.
17 Die Berechnung der Zerobondabzinsfaktoren (ZBAF) wird im Anhang 1 i.V. m. Anhang 3 erläutert.
18 Aufgrund der negativen Abweichung ist an dieser Stelle das Minimum zu verwenden.
19 Vgl. BaFin (2018): S. 1.
20 Die Definition der CRR-Eigenmittel bezieht sich auf Eigenmittel nach CRR. Vgl. Europäisches Parlament und Rat (2013b): Artikel 25 – 91 CRR.
21 Vgl. BaFin (2018): S. 1.
22 Datenabzug aus Reuters vom 25.08.2019 um 10:26 ist im Anhang 15 hinterlegt.
23 siehe Anhang 15 aus Reuters für die genauen Werte je Laufzeit.
24 Die maximale Laufzeit von Geschäften wird hier mit zehn Jahren angenommen, daher ist die Laufzeit der Zinsstrukturkurve, die an dieser Stelle zu betrachten ist zehn Jahre.
25 Diese Darstellung beruht auf der bereits genannten Zinsstrukturkurve aus Reuters und shiftet diese nach den von der BaFin (2018) beschriebenen Zinsschocks – exakte Werte, siehe Anhang 9. Die Berechnete Kurve für die Schocks ist in Anhang 2.
26 Im Zuge dieser Arbeit auch als GEFA BANK, oder als GEFA bezeichnet.
27 Vgl. GEFA BANK GmbH (2019a): Über Uns.
28 Vgl. BaFin (2018): s. Kapitel 4.3. Zudem Europäisches Parlament und Rat (2013b): Art. 104 Abs. 1 (CRR) i. V. m. Europäisches Parlament und Rat (2013b): Art. 4 Abs. 1 Nr. 85 Buchst. c (CRR)
29 Vgl. GEFA BANK GmbH (2019a): Über Uns.
30 Vgl. GEFA BANK GmbH (2019c): Einlagengeschäft.
31 Vgl. GEFA BANK GmbH (2019b): S. 44f. Alle Werte sind in TEUR angegeben.
32 Für diese Arbeit angenommen wird, dass alle bilanzierten Eigenmittel die Definition nach Ar-tikel 25 – 91 CRR erfüllen. Vgl. Europäisches Parlament und Rat (2013b): Artikel 25 – 91 CRR.
33 Vgl. BaFin (2018): Kapitel 4.3
34 Vgl. GEFA BANK GmbH (2019b): S. 44f. (Unterstrichpositionen)
9783346198617
v542118
Bank IRRBB Zinsänderungsrisiko Zinsänderungsrisiko im Bankbuch Zinsänderungsrisiko im Anlagebuch Niedrigzinsumfeld BaFin Bundesbank CRR CRD IV BCBS EZB Basel III Bankenregulierung Rundschreiben KWG Baseler Zinsschock Zinsstrukturkurve Zinssensitivität Parallelverschiebung Barwertberechnung Säule 1
Daniel Levin Fedeler (Autor)
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