Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Gericht=BVerfG&Datum=24.09.2002&Aktenzeichen=2%20BvR%20742/02
Timestamp: 2020-01-19 22:43:29
Document Index: 245375594

Matched Legal Cases: ['§ 15', '§ 88', '§ 15', '§ 88', '§ 15', '§ 88', 'Art. 3', '§ 823', '§ 88', '§ 15', '§ 406', '§ 15', '§ 15', '§ 16', 'Art. 13', 'Art. 7', '§ 15', '§ 88', '§ 823', '§ 406', 'Art. 2', 'Art. 1', '§ 406', '§ 826', '§ 406']

BVerfG, 24.09.2002 - 2 BvR 742/02 - dejure.org
https://dejure.org/2002,843
BVerfG, 24.09.2002 - 2 BvR 742/02 (https://dejure.org/2002,843)
BVerfG, Entscheidung vom 24.09.2002 - 2 BvR 742/02 (https://dejure.org/2002,843)
BVerfG, Entscheidung vom 24. September 2002 - 2 BvR 742/02 (https://dejure.org/2002,843)
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Zu den Voraussetzungen der Gewährung von Akteneinsicht an mutmaßlich Verletzte im strafrechtlichen Ermittlungsverfahren wegen Kursbetrugs
Ermittlungsverfahren - Gewährung von Akteneinsicht - Mutmaßlich Verletzter - Börsengesetz - Schutzzweck - Anleger - Schutzgesetz - Börse
Zur Schutzgesetzeigenschaft von § 15 WpHG und § 88 BörsG a.F. ("Met
Einsichtsrecht des Anwalts in staatsanwaltschaftliche Ermittlungsakten bei Vertretung von Schadensersatz fordernden Aktionären wegen Kursbetrugs und Insiderhandels
WpHG § 15; BörsG § 88 a. F.
Zur Schutzgesetzeigenschaft von § 15 WpHG und § 88 BörsG a. F. ("Met
Akteneinsichtsrecht geschädigter Aktionäre
Grundgesetz, Art. 3 Abs. 1, und 20 Abs. 3 ; Bürgerliches Gesetzbuch, § 823 Abs. 2 ; Börsengesetz, § 88 ; Wertpapierhandelsgesetz, § 15 ; Strafprozeßordnung, § 406e
NJW 2003, 501
ZIP 2002, 1986
NStZ 2003, 210
WM 2002, 2207
DB 2002, 2589
NZG 2003, 77
Das schließt eine Schutzgesetzeigenschaft des § 15 WpHG a.F. aus (h.M., vgl. BVerfG, Urt. v. 24. September 2002 - 2 BvR 742/02, ZIP 2002, 1986, 1988;… Kümpel in Assmann/Schneider, WpHG 2. Aufl. § 15 Rdn. 188; Rützel, AG 2003, 69, 72; Thümmel, BB 2001, 2331, 2332; Groß, WM 2002, 477, 482;… Horn, Festschrift Ulmer 2003, S. 817, 819;… zur Gegenansicht: Möllers/Rotter, Ad-hoc-Publizität 2003, § 16 Rdn. 55).
Er verneint sie nunmehr in Übereinstimmung mit der Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts und der herrschenden Meinung (vgl. BVerfG ZIP 2002, 1986, 1988 mit umfangreichen Nachw. z. Meinungsstand).
Der EG-Insider-Richtlinie 89/592/EWG vom 13. November 1989 (ABl Nr. L 334/30, Einleitung und Art. 13; sowie die in Art. 7 in Bezug genommene Richtlinie 79/279/EWG) oder der EG-Transparenz-Richtlinie 88/627/EWG vom 12. Dezember 1988 (ABl Nr. L 348/62) läßt sich kein Gebot entnehmen, § 15 WpHG a.F. oder § 88 Abs. 1 Nr. 1 BörsG a.F. als Schutzgesetz i.S. von § 823 Abs. 2 BGB auszugestalten (BVerfG ZIP 2002, 1986, 1989).
Die Auslegung und Anwendung des § 406e StPO hat sich daher an Art. 2 Abs. 1 in Verbindung mit Art. 1 Abs. 1 GG zu orientieren (vgl. BVerfG, Beschluss der 3. Kammer des Zweiten Senats vom 24. September 2002 - 2 BvR 742/02 -, NJW 2003, S. 501 ).
Es ist verfassungsrechtlich nicht zu beanstanden, wenn das Landgericht auch den Geschädigten als Verletzten im Sinne von § 406e StPO einordnet, der aufgrund eines strafrechtlich relevanten Verhaltens nur einen zivilrechtlichen Anspruch aus § 826 BGB geltend machen kann (vgl. BVerfG, Beschluss der 3. Kammer des Zweiten Senats vom 24. September 2002 - 2 BvR 742/02 -, NJW 2003, S. 501 ).
Die Erteilung von Auskünften aus Verfahrensakten oder die Gewährung von Akteneinsicht stellt einen Eingriff in das Recht auf informationelle Selbstbestimmung solcher Personen dar, deren personenbezogene Daten auf diese Weise zugänglich gemacht werden (vgl. BVerfG, Beschluss der 3. Kammer des Zweiten Senats vom 24. September 2002 - 2 BvR 742/02 -, NJW 2003, S. 501;… Beschluss der 1. Kammer des Zweiten Senats vom 26. Oktober 2006 - 2 BvR 67/06 -, NJW 2007, S. 1052).
Die Auskunft erteilende oder Akteneinsicht gewährende Stelle hat daher die schutzwürdigen Interessen dieser Personen gegen das Informationsinteresse abzuwägen und den Zugang zu den Daten gegebenenfalls angemessen zu beschränken (…vgl. Einstweilige Anordnung der 3. Kammer des Zweiten Senats des Bundesverfassungsgerichts vom 27. Mai 2002 - 2 BvR 742/02 -, wistra 2002, S. 335; Beschluss der 3. Kammer des Zweiten Senats des Bundesverfassungsgerichts vom 24. September 2002 - 2 BvR 742/02 -, NJW 2003, S. 501; Beschluss der 2. Kammer des Zweiten Senats des Bundesverfassungsgerichts vom 9. Januar 2006 - 2 BvR 443/02 -, juris).
Nach einem weiteren Verständnis des Verletztenbegriffs ist Verletzter auch der durch eine Straftat nur mittelbar Geschädigte (vgl. zum Streitstand BVerfG NJW 2007, 1052, 1053; BVerfG NJW 2003, 501, 503).
vgl. BVerfG, Beschluss vom 24.9.2002 - 2 BvR 742/02 -, NJW 2003, 501 = juris, Rn. 46 sowie OLG Braunschweig, Beschluss vom 26.11.2014 - 2 VA 3/14 -, juris, Rn. 46.
Deshalb sind im Rahmen des § 406e Abs. 2 Satz 1 StPO die gegenläufigen Interessen des Verletzten sowie des Beschuldigten oder anderer Personen sorgfältig gegeneinander abzuwägen, um hierdurch festzustellen, welchem Interesse im Einzelfall der Vorrang gebührt (BVerfG, NJW 2007, 1052, 1053;… BVerfG, ZIP 2009, 1270 Rn. 24; vgl. auch BVerfG NJW 2003, 501, 503).
d) Schließlich begegnet die Versagung der Akteneinsicht in die als "VS GEHEIM" eingestuften Teile der Akte auch unter Verhältnismäßigkeitsgesichtspunkten (vgl. hierzu BVerfG, NJW 2003, 501, 503;… BeckOK-StPO/Weiner, aaO;… KK-Engelhardt, aaO Rn. 5;… Löwe-Rosenberg/Hilger, aaO Rn. 8) keinen Bedenken.
LG Augsburg, 27.11.2003 - 3 KLs 502 Js 127369/99
Insiderhandel durch den Vorstand einer AG bei Aktienverkäufen trotz unterlassener …