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Timestamp: 2014-03-10 03:51:01
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Matched Legal Cases: ['§ 10', '§ 36', '§ 35', '§ 35', '§ 36', '§ 5', '§ 35', '§ 35']

ZTR Forum
Es ist: 10.03.2014, 04:51
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13.03.2006, 11:56 Beitrag: #21
Dr. Olaf Steffen Super Moderator
Registriert seit: 10 2003
Dritte Anfrage an das Jugendamt Delitzsch
folgendes Schreiben (vgl. 2) nebst Artikel von M. Gaidoschik (vgl. 3) haben wir Ihnen schon vor Monaten zugesandt. Leider haben wir darauf bis heute immer noch keine Antwort erhalten.
Wir haben Ihnen des Weiteren den Offenen Brief (vgl. 1) zugeschickt, worin wir Sie direkt angesprochen und auf verschiedene Fach- und Qualitätsfragen zu Dyskalkulietherapieangeboten aufmerksam gemacht bzw. angefragt haben. Auch hierauf ist bislang keine Antwort erfolgt.
Da Sie nach meinem jetzigen Kenntnisstand an der kritisierten Praxis keine Änderung vorgenommen haben und ich der Auffassung bin, dass Ihre Haltung die Gefahr beinhaltet, dass aus Betroffenen fortlaufend Opfer werden, fordere ich Sie nochmals auf, zu den angesprochenen Fach-, Rechts- und Qualitätsfragen Stellung zu beziehen.
Dr. Olaf Steffen
(1) Andere Jugendämter wiederum  wie z.B. in Delitzsch  - entsprechen nicht dem Wunsch- und Wahlrecht, indem sie Eltern zur Annahme von Billigangeboten zu nötigen versuchen, obwohl sie darüber informiert sind, dass diese Angebote weder konzeptionell noch personell dem aktuellen Stand der Dyskalkulieforschung (z.B. keine Kleingruppen, kein alternatives Zähltraining) sowie der Rechtsprechung durch das Sächsische Oberverwaltungsgericht entsprechen.  Wenn (nach Gerichtsurteil des OVG Bautzen) psychologisch-psychotherapeutisch und mathematisch-dyskalkulietherapeutisch ausgebildetes Fachpersonal in den Einrichtungen die erforderliche personelle Grundlage für geeignete Dyskalkulietherapien abgeben muss, dann muss gleichermaßen Schluss sein mit der rein fiskalisch orientierten Auswahlpolitik von einigen Jugendämtern, denen jenseits von Fach- und Zielerreichungsfragen das billigste nominelle Rechenschwächetherapieangebot gerade recht ist. Dadurch wird notwendige Qualität in der Therapiearbeit zerstört und der wissenschaftliche Fortschritt, wesentlich getragen von Dyskalkuliespezialeinrichtungen, unterminiert. Interessiert es einige Jugendämter eigentlich nicht mehr, ob sie ihr Geld sinnvoll, d.h. zielführend im Sinne der Kinder- und Jugendpolitik ausgeben?
(2)  aus gegebenem Anlass mache ich Sie dringend darauf aufmerksam, dass das vom Studienkreis verwendete Rechenschwächekonzept von Moog / Schulz aus fachwissenschaftlicher Sicht nicht haltbar ist.
Dieses Konzept stellt darauf ab, das dyskalkulierelevante Zählen lediglich zu verbessern, aber nicht zu beseitigen. Es versucht, aus Fingerzählern Kopfzähler zu machen und beschränkt sich somit auf den Schulstoffbereich der 1. Klasse. Folglich handelt es sich um kein Dyskalkulietherapiekonzept, sondern um eine Anleitung zur Chronifizierung von Rechenschwäche (persistentes Zählen) mit anschließender Nachhilfe. Dass diese nicht dazu angetan ist, Dyskalkulie zu überwinden, dürfte mittlerweile wohl hinlänglich bekannt sein. (Zur argumentativen Beweisführung habe ich Ihnen einen Artikel vom Fachwissenschaftler M. Gaidoschik beigefügt.).
Es ist daher auch nicht weiter verwunderlich, dass Mitarbeiter des Studienkreises in Gesprächen zugeben, mit diesem, auf den Erstklassenlernstoff beschränkten Zählkonzept keinen nachhaltigen Erfolg (Verständnis für Zahlen und Zahloperationen) erreichen zu können, sondern auch folgerichtig, dass Leiter von Studienkreisen die falsche (Schutz-) Behauptung aufstellen, Rechenschwäche sei eine Krankheit, die letztlich nicht heilbar wäre. Eine von Landesjugendämtern, dem Bundesverband Legasthenie/Dyskalkulie sowie dem Fachwissenschaftler H. Lorenz geforderte dreijährige supervidierte Spezialausbildung fehlt dort genauso wie die ebenfalls von Anbietern geforderte alleinige und wissenschaftliche Beschäftigung mit Dyskalkulie. (Zu Ihrer Information fügen wir den Kriterienkatalog des Bundesverbandes für Dyskalkulieanbieter bei.). Des Weiteren wird dort aus betriebswirtschaftlichen Gründen in Gruppen gearbeitet, was wiederum dem Elementarkonsens der Dyskalkulieforschung widerspricht, dass ein effektives Therapieangebot auf einem einzeltherapeutischen Setting beruhen muss.
Ich muss Sie daher bitten, die Falschauskünfte gegenüber Eltern, der Studienkreis würde ebenso wie das ZTR Dyskalkulie therapieren können, sofort einzustellen. Hierin ist weiter nicht zu erkennen, wie Sie Eltern differenziert unterstützen wollen bei der schwierigen Suche, für das betroffene Kind das fachlich effektive Therapieangebot zu finden. Sie wissen doch sicher auch, dass der Terminus Rechenschwächetherapie in inhaltlicher und fachlicher Hinsicht nicht gesetzlich geregelt ist, so dass auch grob Sachwidriges unter diesem Titel angeboten werden kann. Das ZTR unterstützt daher die Forderung von H. Lorenz nach einem Therapeuten-TÜV. Dies würde allerdings zum Ausschluss vom Studienkreis führen.
Aus den Ausführungen folgt weiter, dass Ihr Beharren gegenüber Eltern, sie müssten ihr Kind zum Studienkreis bringen, da das ZTR unverhältnismäßig teurer sei, irrig ist. Die mir bekannten Gerichtsurteile machen nämlich sehr deutlich, dass für das Greifen des gesetzlichen Passus unverhältnismäßige Mehrkosten als Ablehnungsgrund für das Amt zunächst einmal ein vergleichbares Angebot hinsichtlich Qualität bestehen muss. Von vergleichbarer Qualität zwischen ZTR und Studienkreis kann überhaupt keine Rede.
(3) Rezension von Wolfgang Moog / Andreas Schulz: Zahlen begreifen. Diagnose und Förderung bei Kindern mit Rechenschwäche
Luchterhand Verlag, Neuwied 1999
von Michael Gaidoschik, Wien
Erstmals abgedruckt in: Österreichisches Rechenschwäche Magazin, Heft 4, 2001
Die Autoren präsentieren ein Diagnose- und Förderprogramm für rechenschwache Kinder, dessen Lernwirksamkeit  meines Wissens erstmalig im deutschen Sprachraum  durch begleitende universitäre Forschung experimentell überprüft wurde. Leider liefern Moog und Schulz damit zugleich ein Beispiel dafür, wie man auch auf akademischem Boden und trotz Evaluation in die Irre gehen kann: Das Förderprogramm fördert nicht das, was es zu fördern anstrebt, nämlich das Begreifen von Zahlen. Und die darauf abgestimmte Diagnostik unterscheidet nicht zielgenau zwischen den Kindern, die Zahlen ausreichend begreifen und jenen, die das (noch) nicht tun.
Zur Kritik im Einzelnen:
Die Autoren halten eingangs richtigerweise fest, dass so genannt rechenschwache Schüler letztlich aufgrund ihres meist ordinal, d.h. an der Zahlenabfolge orientierten Zahlbegriffs scheitern. Mit anderen Worten und unter Vernachlässigung der tatsächlich mannigfaltigen Variationen: Die betroffenen Kinder nehmen Zahlen vorwiegend oder ausschließlich als ein Nacheinander zur Kenntnis (9 kommt nach 8), nicht aber als ein Mehr oder Weniger (9 ist um 1 mehr als 8). In weiterer Folge werden die vielfältigen quantitativen Bezüge nicht erkannt, welche einen tragfähigen Zahlbegriff letztlich ausmachen: Um etwa mit der Zahl 9 erfolgreich umgehen zu können, muss ich jederzeit im Bewusstsein haben, dass 9 dasselbe ist wie 4 + 5, aber auch 6 + 3 oder 7 + 2; dass es um 1 weniger als 10 ist, und so weiter.
Je dichter dieses Netz gewusster Zahlenverhältnisse, umso flexibler und sicherer der Zahlenumgang. Das ordinal orientierte Kind hat demgegenüber im Wesentlichen nur eine Möglichkeit der Verknüpfung von Zahlen: in der Zahlenwortreihe vor und zurück zu hüpfen. Dieses Kind rechnet also nicht, es zählt. Das oft bis in die Sekundarstufe hinein beobachtbare Abzählen an den Fingern ist also nicht das Problem selbst, sondern lediglich die Folge der zugrunde liegenden Zahlauffassung. Ein wirkungsvolles Förderprogramm müsste daher diese Zahlauffassung korrigieren. Es müsste mit dem Kind Einsicht in die vielfältigen quantitativen Verhältnisse der Zahlen und deren Gesetzmäßigkeiten erarbeiten - und dadurch auch Alternativen zum Zählen.
Das von Moog/Schulz vorgestellte Dortmunder Zahlbegriffstraining (ZBT)  tut dies nicht. Stattdessen wird hier im Wesentlichen eines trainiert: das Zählen. Das Kind soll gemäß ZBT lernen, auch ungeordnete Mengen nur durch konzentriert-geordnetes Abtasten mit den Augen, ohne Finger, zu zählen. Es soll das Zählen in Zweierschritten automatisieren. Es soll lernen, dass es beim Zusammen-Zählen zweckmäßiger ist, vom letzten Objekt der ersten Menge an weiterzuzählen, als beide Mengen zuerst für sich und dann erst die Vereinigungsmenge als ganzes noch einmal zu zählen. Das alles hat durchaus seine Berechtigung  solange es darum geht, dem Kind ökonomische Zähltechniken zu vermitteln. Das wird bei vielen rechenschwachen Kindern notwendig sein; nicht wenige haben diese Zähltechniken aber Ende der ersten Volksschulklasse bereits perfektioniert  eben deshalb, weil sie rechenschwach sind und keine anderen Lösungswege finden als das Einzeln-Abzählen. Zählen-Können ist, siehe oben, eben nur eine Voraussetzung für das Begreifen von Zahlen  aber es ist noch lange nicht dieses Begreifen selbst. Ökonomisches Zählen erleichtert und beschleunigt die Lösung einer Plusaufgabe  aber es verbleibt immer noch in jenem rein zählenden, ordinalen Denken, welches doch die Autoren selbst als das Grundproblem rechenschwacher Kinder erkannt haben wollen!
Tatsächlich scheinen Moog/Schulz aber zu meinen, dass nicht das Abzählen das Problem sei, sondern die Steuerung dieses Abzählens mit den Fingern. Die letzte Stufe ihres Trainings besteht demgemäß darin, dass Additionen im Zahlenraum 10 zählend gelöst werden sollen  aber ohne Einsatz der Finger. Das aber ist nun, mit Verlaub, geradezu unsinnig: Wenn ich schon zählen muss, um beispielsweise 4 + 3 zu lösen, dann ist es durchaus zweckmäßig, dabei unterstützend die Finger oder anderes Zählmaterial zu verwenden. Ich muss ja beim zählenden Lösen zwei verschiedene Reihen unter Kontrolle halten: Einerseits schreite ich von 4 aus weiter zu 5...6...7. Andererseits muss ich 5 als erste Station, 6 als zweite Station, 7 als dritte Station festhalten. Andernfalls weiß ich ja nicht, dass ich gerade bei 7 mit dem Zählen aufhören muss (und nicht schon bei 6 oder vielleicht erst bei 8).
Das begleitende Ausstrecken oder Antippen von 3 Fingern ist bei diesem Lösungsverfahren also eine zweckmäßige Entlastung, eine Reduktion des Konzentrationsaufwandes - das Ganze freilich innerhalb eines selbst wenig zweckmäßigen Verfahrens. Darum müsste man ja auch andere Verfahren erarbeiten. Aber doch um alles in der Welt nicht das Kind darauf hin trimmen, ein Zählen ohne Fingereinsatz zu bewerkstelligen!
Im Übrigen: Nicht wenige rechenschwache Kinder verfallen von sich aus auf diese Methode des Zählens im Kopf - auch ganz ohne ZBT! Sie tun das, weil ihnen Erwachsene auf die eine oder andere Weise zu verstehen geben, dass sie jetzt doch schon ohne Finger rechnen können müssten; oder auch deshalb, weil sie bemerken, dass die anderen Kinder ihre Finger nicht mehr brauchen und sie selbst sich diese Blöße nicht geben wollen. Dadurch wird aber nichts besser, im Gegenteil: Nach wie vor kommen sie nur durch mühsames Einzeln-rauf-oder-runter zu ihren Lösungen, müssen sich dabei aber, siehe oben, noch mehr konzentrieren und gelangen noch öfter zu falschen Ergebnissen.
Wie steht es nun aber, bei all diesen sehr grundsätzlichen Mängeln, mit der experimentell geprüften Wirksamkeit des ZBT? Nun: Ich möchte nicht bezweifeln, dass das ZBT wirksam sein kann: wirksam im Sinne der Fertigkeiten, die damit eben trainiert werden. Das heißt: Die Kinder, die diese Übungen durchlaufen, werden am Ende wohl tatsächlich Fortschritte im ökonomischen Zählen ohne Finger sowie im  fingerfrei!  zählenden Herstellen von Zahl-Relationen und Zahl-Verknüpfungen gemacht haben. Und genau diese Fortschritte misst nun der auf das ZBT abgestimmte Dortmunder Rechentest für die Eingangsstufe (DORT-E).
In 99 Items werden zunächst die reinen Zählfertigkeiten überprüft. Im Weiteren legt der DORT-E großen Wert darauf, ob eine Zahlverknüpfung unter Einsatz der Finger oder ohne diese hergestellt wurde: Fingereinsatz bei einer Plusaufgabe bedeutet, dass diese Aufgabe, auch bei richtigem Ergebnis, als Fehler gewertet wird. Es wird aber eben nicht unterschieden, ob das Kind im Kopf rechnet oder im Kopf zählt. Dabei ist gerade im überprüften Zahlenraum (im Wesentlichen bis 10) das Zählen ohne Fingereinsatz eine bei rechenschwachen Kindern häufige Technik: Sie haben, siehe oben, eben oft schon mitbekommen, dass sich das Abzählen an den Fingern nicht gehört. Und wenn nicht, dann wird es ihnen gemäß Durchführungsregeln des DORT-E vom Untersuchungsleiter nahe gebracht, Zitat: Auch alle Aufgaben, die jetzt kommen, sollst du versuchen, ohne Finger zu lösen. Nur wenn du gar nicht weiter weißt, kannst du auch die Finger zur Hilfe nehmen.
So erkennt der DORT-E zwar jene Kinder, die auch im Zahlenraum 10 nur unter Verwendung von Fingern Plus-, Minus- und Zerlegungsaufgaben lösen können. Aber gerade diese Kinder werden einer entsprechend sensibilisierten Lehrerin ohnedies auffallen.
Er erkennt weiters jene Kinder, die im Zahlenraum 10, ob mit oder ohne Zählhilfe, gehäuft zu falschen Ergebnissen kommen; auch diese Kinder laufen kaum Gefahr, unentdeckt zu bleiben (die Frage ist nur, welche Hilfestellung sie dann bekommen).
Der DORT-E erkennt aber gerade nicht jene Kinder, die ihre falsche Zahlauffassung im Zahlenraum 10 noch halbwegs erfolgreich durch Zählen im Kopf kompensieren können. Dabei sind es gerade diese Kinder, die im Bestreben um eine Früherkennung von Rechenstörungen die größten Sorgen bereiten müssen. Wir können also auch für den diagnostischen Teil von Zahlen begreifen leider keine Empfehlung aussprechen. Uneingeschränkt zu empfehlen ist freilich die diagnostische Zielsetzung der Autoren: Ihr Bestreben war es, in einem ausdrücklich informellen Verfahren die Denk- und Lösungsgewohnheiten der Schüler zu erforschen mit dem Zweck, daraus Überlegungen zur gezielten Förderung abzuleiten. Genau darum sollte es auch unserer Ansicht nach bei der Diagnose mathematischer Lernschwierigkeiten gehen - und nicht um die Ab- und Ausgrenzung von Rechenschwäche nach standardisierten Altersnormen.
Ein löbliches Unterfangen also  in der Durchführung aber doch recht grundsätzlich gescheitert: So unser Fazit, welches wir im Übrigen (wie alles, was wir vertreten) gerne der argumentativen Überprüfung unserer LeserInnen (die Autoren von Zahlen begreifen eingeschlossen) aussetzen ...
13.03.2006, 13:32 Beitrag: #22
Dr. Jörg Kwapis Administrator
Registriert seit: 06 2003
Antwort JA Dessau Schreiben (Auszug) des Jugendamtes Dessau, Amtsleiterin Frau Förster vom 21. 02. 2006-03-13
Zum 01.10.2005 trat das Kinder- und Jugendhilfeentwicklungsgesetz (KICK) in Kraft. Es reformiert das Gesetzbuch VIII (SGB VIII) in einem zweiten Schritt, nachdem das Tagesbetreuungsausbaugesetz bereits zum 01.01.2005 in Kraft getreten ist. Dieses Gesetz hat sich in einigen Punkten wesentlich verändert.
So wird in der Neufassung des § 10 Abs. 1 SGB VIII ausdrücklich auf die Vorrangigkeit der Schulen hingewiesen. Hiermit soll zwar die bisherige Regelung nicht geändert werden, aber dennoch auf die Verpflichtung anderer Leistungsträger, etwa der Krankenkassen und insbesondere der Schulen hingewiesen werden.
Wenn Lese-, Rechtschreib- oder Rechenschwäche auftreten, hat die Schule auf Grund ihres vorrangigen Bildungsauftrages dafür Sorge zu tragen, dass Schüler von Beginn an, das heißt ab Grundschulbesuch, rechtzeitig und professionell gefördert werden, so dass Störungen der kindlichen Psyche gar nicht erst aufkommen können und eine Verfestigung im Sinne einer (drohenden) seelischen Behinderung vermieden wird.
Ergibt sich ein Handlungserfordernis des öffentlichen Jugendhilfeträgers, wie beim Auftreten bzw. Vorhandensein massiver sekundärer psychischer Störungen, so wird er ausschließlich auf seiner Entscheidungsgrundlage nach Maßnahmen des Hilfeplanverfahrens gemäß § 36 SGB VIII dieses Leistungserfordernis prüfen und ggf. Hilfe gewähren.
Die Übernahme der Kosten für eine Therapie nach § 35a Abs. 3 SGB VIII setzt grundsätzlich eine entsprechende Antragstellung beim Jugendamt und eine Entscheidung des Jugendamtes voraus.
Die Feststellung der Störung war bisher weitgehend den Kinder- und Jugendpsychiatern vorbehalten. Die Neuformulierung des § 35a Abs. 1a SGB VIII weitet nunmehr den Kreis der Gutachter aus. Demnach reicht jetzt nicht mehr jeder Grad der Wahrscheinlichkeit, dass das Kind oder der Jugendliche durch die Teilleistungsstörung zur Teilhabe am Leben beeinträchtigt ist aus, sondern es muss eine solche Wahrscheinlichkeit gegeben sein. Diese wird angenommen, wenn die Wahrscheinlichkeit der Beeinträchtigung zu mindestens 50 % gegeben ist.
Die Teilhabebeeinträchtigung ist in diesem Fall von einer sozialpädagogischen Fachkraft festzustellen. Das bedeutet, dies ist de facto Aufgabe des Jugendamtes.
Eine Hilfe für diese Kinder kann, und darauf muss auch im Hilfeplanverfahren gemäß § 36 SGB VIII geachtet werden, sich jedoch nicht darauf beschränken, nur eine Verbesserung der schulischen Leistungsfähigkeit zu erreichen, sondern sie muss mittels geeigneter Maßnahmen versuchen, das Selbstwertgefühl des betroffenen Kindes zu stärken und seine Fähigkeiten verbessern, mit den vorhandenen Problemen umzugehen.
Dieser verantwortungsvollen Aufgabe stellt sich das Jugendamt der Stadt Dessau und prüft hier nicht nur die Zuständigkeit an sich, sondern entscheidet im Aushandlungsprozess mit den Antragstellern gemäß § 5 SGB VIII über die geeignete Hilfeform.
ich hoffe, dass wir mit diesem Schreiben unsere Vorgehensweise erläutern konnten und diese Informationen für Sie ausreichend sind. Ich würde mich freuen, wenn Sie mir die Auswertung Ihres offenen Briefes bezüglich der Zuständigkeit von Jugendämtern bei Teilleistungsstörungen im Rahmen des § 35a SGB VIII zur Kenntnis übermitteln würden.
19.03.2006, 11:52 Beitrag: #23
(Neue) Erfahrungsberichte (aus dem Forum) von Eltern über den Umgang von Jugendämtern mit Anträgen auf Hilfe zur Erziehung nach § 35a SGB VIII wegen Dyskalkulie bei drohender seelischer Behinderung
1. Nach jahrelangen vergeblichen Bemühungen unserer Tochter Mathematik näher zu bringen, kamen wir durch Gespräche mit Bekannten zu dem Schluss, das es sich bei Ihr um Rechenschwäche handeln könnte. Daraufhin setzten wir uns mit dem ZTR Halle-Leipzig in Verbindung. Wir vereinbarten einen Termin, welchen wir sehr kurzfristig bekamen. Bei diesem Test wurden unsere Vermutungen bestätigt. Nachdem wir den Testbericht vom ZTR erhielten, wendeten wir uns zwecks finanzieller Unterstützung zuerst telefonisch mit dem Jugendamt in Verbindung. Dieses erste Gespräch, in dem ich mein Anliegen vortrug, wurde mir sofort gesagt: "Also das bezahlen wir nicht. Da muss doch die Schule etwas machen." Ich sagte der Frau, dass unsere Tochter bereits den Förderunterricht in der Schule besucht und auch private Nachhilfe bekommen hat, das aber zu keinem Erfolg führt. Die nächste Äußerung war, wieso wir das denn erst im 6. Schuljahr bemerken würden, so was stellt man doch schon im Kindergarten fest. Weiter wurde ich gefragt, ob wir denn schon beim Schulpsychologen waren. Das musste ich mit nein beantworten. Wenn wir bei der Psychologin gewesen sind, wäre sie der richtige Ansprechpartner. Ich war sehr enttäuscht über den ersten Kontakt mit dem Jugendamt bzw. den Äußerungen/Tonfall der Mitarbeiterin. Anett 2. Hallo, Das Problem mit dem Jugendamt habe ich auch. Wir waren schon bei einem Psychologen der Dyskalkulie festgestellt hat, das hat uns aber nichts genützt. Beim Jugendamt wurde mir gesagt, dass der Antrag nur ne kleine Chance hat, wenn mein Kind sich strikt weigert überhaupt in die Schule zu gehen aufgrund ihrer Rechenschwäche und wenn sie außerhalb des Hauses keine Freunde mehr hat. Man fragt sich, wo da die Logik steckt. Erst wenn mein Kind ganz unten ist hab ich vielleicht Glück, Hilfe vom Jugendamt zu bekommen. Aber dann werden sie mir bestimmt sagen, warum ich mich nicht früher drum gekümmert habe.
3 Hallo! Unsere Tochter Selina ist 8 und geht in die 2. Klasse. Bei Ihr wurde durch das ZTR und einer psychiatrischen Klinik eine Rechenschwäche festgestellt! Also war unser nächster Weg ein Termin beim zuständigen Jugendamt. Nach 3 Monaten Wartezeit kam dann auch endlich jemand, um sich die Familiensituation und so anzuschauen, was auch sehr aufregend für Selina war. Denn solch einen Besuch hat man ja nun mal nicht gern in seinem Haus! Nach nochmaliger Wartefrist von 2 Wochen kam nun der ablehnende Bescheid. Der feststellt, dass bei Ihr eine seelische Behinderung zu bejahen ist, aber zu Haus keine seelische Beeinträchtigung festzustellen ist, weil Sie in einer normalen, sie stützenden und unterstützenden Familiensituation lebt! Na toll, da schickt man sein Kind trotz Bauch- und Kopfschmerzen zur Schule weil nun mal leider beide Eltern arbeiten, und dann wird einem das noch negativ gewertet! Was soll man denn sonst machen, als Sie zu unterstützen? Ist das nicht der Sinn einer Familie? Ich finde es frech, dass Ihr nur deswegen die Therapie nicht zu gute kommt. Wir werden auf jeden Fall Widerspruch dagegen einlegen. Falls jemand eine Idee hat wie sich so was am besten formulieren lässt dann helft mir bitte. Danke Sylvia
20.03.2006, 12:22 Beitrag: #24
Dr. Klaus Retzlaff: Ergänzung zur Anfrage an das Jugendamt Delitzsch
Inhalt und Umfang der Ausbildung im Studienkreis beschränken sich in der Regel nur auf die Leiter der Einrichtungen. Die Ausbildung umfasst: Die Fortbildung in unserem Haus (Universität Bochum, Dr. Andreas Schulz) umfasst ein Basisseminar, dass an drei Tagen zu insgesamt 20 Stunden stattfand. In diesem Seminar wurden die Teilnehmer in der Planung, Durchführung und quantitativen und qualitativen Auswertung standardisierter und informeller Testverfahren zur Rechenleistung in die Methoden des Konzeptes, die Förderung und deren Planung eingeführt. Im Anschluss an die Seminare leiten die Lehrkräfte nun ihre Fördergruppen eigenständig an. Sie werden durch die Seminarleitung einerseits durch schriftliche Supervision  vor allem auch bei der Testauswertung  aber auch an zwei Supervisionstagen in Kleingruppen unterstützt. Diese zweite Phase  die Zertifizierung  endet bei Erfolg mit einer Bescheinigung des STUDIENKREISes. Zitat: Dr. Andreas Schulz aus einer Bescheinigung eines Studienkreisleiters aus dem Jahre 2000. 1. Das Konzept selbst wurde durch Herrn Michael Gaidoschik ausreichend kritisiert. Das Konzept und die auf dieses Konzept ausgerichtete Diagnostik ist der in den 20 Stunden vermittelte Ausbildungsinhalt. 2. Weil das Konzept gar nicht das Lernproblem beseitigt, gilt es im STUDIENKREIS als selbstverständlich, dass die Kinder die Rechenschwäche ihr Leben lang behalten. Die Rechenschwäche wird darum regelmäßig und öffentlich auch als Krankheit bezeichnet, die Mitarbeiter werden angewiesen, durch Eselsbrücken den Kindern hinsichtlich des aktuellen Schulstoffs weiter zu helfen  genau so, wie es eben aus fachlicher und sachlicher Sicht gerade nicht sein darf. 3. Einem Vergleich mit den geforderten Qualitätsstandard des Bundesverbandes für Legasthenie und Dyskalkulie oder den von der Berliner Senatskommission beschlossenen Standards oder den Standards des ZTR (hier z.B. über 240 Stunden supervidierte Ausbildung und in der Regel über 2 Jahre Dauer, Multiprofessionalität des Wissenschaftlerteams usw.) hält weder dem Umfang noch dem Inhalt nach der STUDIENKREIS stand. 4. Das alles ist sehr zum Ärger von Eltern, weil der Studienkreis als Billiganbieter zum Schaden der Kinder von einigen Jugendämtern bevorzugt wird. Zum Schaden der Kinder, denn, wie gesagt, das Lernproblem wird nicht geknackt. Wegen des STUDIENKREISES und solcher Jugendamtspolitik in Sachsen-Anhalt sah sich die Elterninitiative zur Förderung rechenschwacher Kinder Sachsen-Anhalt gem. e.V. veranlasst Standards zu fordern, die solche Therapieangebote ausschließen. (Vergleichen Sie hierzu den Brief der Elterninitiative an die Volksstimme) 5. Aus diesem Grunde ist die Befürchtung nicht unbegründet, dass so erfolglos verlaufende Therapieversuche eine Verschlechterung der seelischen Disposition nach sich ziehen können, denn das Kind erlebt, das offensichtlich ihm auch die vermeintlich professionelle Hilfe, nicht helfen konnte. Da ich hier schwerwiegende Argumente gegen den Studienkreis anführe, würde es mich freuen, wenn sich Vertreter des Studienkreises hierzu in unserem Forum positionieren würde.
Das folgende Scheiben an die Volksstimme der Initiative zur Förderung rechenschwacher Kinder Sachsen-Anhalt gem. e.V. wurde uns für diese Debatte freundlicherweise zur Verfügung gestellt: Sehr gehrte Dame und Herren, als Elterninitiative zur Förderung rechenschwacher Kinder Sachsen-Anhalt e.V. möchten wir uns bei Ihrer Zeitung ausdrücklich bedanken, dass Sie dem Thema so viel Aufmerksamkeit schenken. Weil Eltern oft große Probleme haben, eine geeignete Hilfe zu bekommen, haben wir uns zu einer Initiative zusammengeschlossen. Mit unseren Erfahrungen möchten wir Eltern helfen, richtige Entscheidungen für ihre Kinder zu treffen. Wir unterstützen die Aussagen von Herrn Dr. Retzlaff im Artikel vom 3.11.2004 voll und ganz. Der Leserbrief von Herrn Werner vom 5.11.2004 verunsichert Eltern. Gerade weil viele Nachhilfeeinrichtungen ohne die erforderliche Qualität das Thema Rechenschwäche für sich entdeckt haben, fordern wir entsprechende Standards. An der Therapiequalität und Beratungsleistung im Studienkreis haben wir große Zweifel. Herr Werner stigmatisiert die Kinder als unheilbar Kranke, denen man mit Eselsbrücken helfen müsste (Volksstimme, Bördekreis vom 26.2.2004). Solchen Urteile können zu falschen Schullaufbahnentscheidungen führen. Dass dies völlig falsch ist, wurde z.B. auch auf unserer Konferenz der Mitteldeutschen Elterninitiativen am 30.10.2004 in Leipzig von Herrn Professor Gerster, Päd. Hochschule Freiburg, ausdrücklich hervorgehoben. Aus eigener Erfahrung wissen wir, dass Rechenschwäche behebbar ist. Leider orientiert sich manches Jugendamt nur an den Kosten und bevorzug Nachhilfeanbieter. Manche Eltern, die sich eine qualifizierte Therapie nicht leisten können, werden gegen ihren Willen und ihr Wahlrecht zur Nachhilfe bei Herrn Werner gedrängt. In Sachsen-Anhalt existieren keine Standards für lerntherapeutische Einrichtungen. Die Berliner Senatskommission verlangt z.B. von Lerntherapeuten ein erfolgreich abgeschlossenes Hochschulstudium in den Fächern Psychologie, Pädagogik und andern Wissenschaften, die einen klaren Bezug zur lerntherapeutischen Tätigkeit erkennen lassen, z.B. Mathematik bei Rechenschwäche, eine 3-jährige Ausbildungspraxis Praxis mit mindestens 20 Woche