Source: http://m.hensche.de/Streik_Rechtswidrigkeit_eines_Streiks_bei_unzulaessiger_Streikforderung_verstaerkte_Flugbesatzung_bei_Langstreckendistanzen_ArbG_Frankfurt_9Ga223-10-u.html
Timestamp: 2018-02-23 12:03:04
Document Index: 122189507

Matched Legal Cases: ['§ 313', '§ 46', '§ 253', '§ 46', '§ 935', '§ 62', '§ 823', '§ 1004', '§ 294', '§ 46', 'Art. 9', '§ 42', 'Art. 9', 'Art. 9', 'Art. 9', 'Art. 9', 'Art. 9', 'Art. 9', '§ 935', '§ 62', '§ 62', '§ 890', '§ 92', '§ 269', '§ 46', '§ 64']

HENSCHE Arbeitsrecht: 9 Ga 223/10
Schlag­worte: Streikziel, Streik: Streikziel
Akten­zeichen: 9 Ga 223/10
Ent­scheid­ungs­datum: 23.11.2010
Ak­ten­zei­chen: 9 Ga 223/10
23. No­vem­ber 2010
- An­trags­geg­ne­rin -
auf die münd­li­che Ver­hand­lung vom 23. No­vem­ber 2010
1. Der An­trags­geg­ne­rin wird un­ter­sagt, Ar­beits­kampf­maßnah­men aus dem Streik­be­schluss vom 18. No­vem­ber 2010, ins­be­son­de­re Streiks, ge­gen die An­trag­stel­le­rin durch­zuführen, ih­re Mit­glie­der da­zu auf­zu­for­dern, die Durchführung von Ar­beits­kampf­maßnah­men öffent­lich be­kannt zu ge­ben oder Ar­beits­kampf­maßnah­men, ins­be­son­de­re Streiks, ih­rer Mit­glie­der ge­gen die An­trag­stel­le­rin zu un­terstützen.
2. Der An­trags­geg­ne­rin wird un­ter­sagt, be­reits ein­ge­lei­te­te Ar­beits­kampf­maßnah­men aus dem Streik­be­schluss vom 18. No­vem­ber 2010, ins­be­son­de­re Streiks, ge­gen die An­trag­stel­le­rin fort­zu­set­zen oder be­reits ein­ge­lei­te­te Ar­beits­kampf­maßnah­men, ins­be­son­de­re Streiks, ih­rer Mit­glie­der ge­gen die An­trag­stel­le­rin zu un­terstützen.
3. Der An­trags­geg­ne­rin wird für je­den Fall der Zu­wi­der­hand­lung ge­gen die Un­ter­las­sungs­ver­pflich­tung aus Zif­fer 1) und / oder 2) ein Ord­nungs­geld bis zu € 150.000,00, er­satz­wei­se Ord­nungs­haft bis zu sechs Mo­na­ten, zu voll­zie­hen an ih­rem Präsi­den­ten, an­ge­droht.
4. Von den Kos­ten des Rechts­streits hat die An­trags­stel­le­rin 10 Pro­zent, die An­trags­geg­ne­rin 90 Pro­zent zu tra­gen.
5. Der Wert des Streit­ge­gen­stan­des wird fest­ge­setzt auf € 500.000,00.
6. Die Be­ru­fung wird zu­ge­las­sen.
Die Par­tei­en strei­ten im einst­wei­li­gen Verfügungs­ver­fah­ren um Un­ter­las­sung von Ar­beits­kampf­maßnah­men.
Die An­trag­stel­le­rin ist das zweit­größte deut­sche Luft­fahrt­un­ter­neh­men. Sie be­fliegt über­wie­gend Stre­cken im in­ner­deut­schen Netz so­wie zu tou­ris­ti­schen Zie­len, un­ter an­de­rem im Mit­tel­meer­raum. Die An­trags­geg­ne­rin ein Zu­sam­men­schluss von l in und Flug­be­trie­ben dient sie der In­ter­es­sen­ver­tre­tung ih­rer Mit­glie­der in al­len be­rufs- und ta­rif­po­li­ti­schen Be­lan­gen. Sie ist ein ein­ge­tra­ge­ner Ver­ein mit Sitz in Frank­furt am Main.
Die Ar­beits­be­din­gun­gen für das sind bei der An­trag­stel­le­rin durch den „Man­tel­ta­rif­ver­trag Nr. 1a für das “ (im Fol­gen­den: „MTV“ ge­re­gelt. Die An­trags­geg­ne­rin hat die­sen Ta­rif­ver­trag durch Schrei­ben vom 24. Sep­tem­ber 2009 zum 31. De­zem­ber 2009 gekündigt.
Seit An­fang De­zem­ber 2009 ste­hen die Par­tei­en in Ta­rif­ver­hand­lun­gen über den Ab­schluss ei­nes neu­en MTV. Wei­te­rer Ge­gen­stand der Ver­hand­lun­gen war un­ter an­de­rem ein neu ab­zu­sch­ließen­der Ta­rif­ver­trag „Verstärk­te Flug­be­sat­zung“ (auch TV „En­lar­ger“), des­sen In­halt die Verstärkung der Flug­be­sat­zung auf Lang­stre­cken­flügen sein soll. Ge­genwärtig wer­den sämt­li­che Flüge – al­so auf Kurz- und Lang­stre­cken­dis­tanz – mit ei­ner Zwei­er­be­sat­zung, be­ste­hend aus Ka­pitän und Co­pi­lot, durch­geführt.
Ver­hand­lungsführe­rin auf Sei­ten der An­trags­geg­ne­rin war die „ “, wel­che so­wohl die In­ter­es­sen der Mit­glie­der bei der An­trag­stel­le­rin wie auch der­je­ni­gen der ( ) ver­tre­ten soll­te.
Die ist ei­ne 100-pro­zen­ti­ge Toch­ter­ge­sell­schaft der Kom­ple­mentärin der An­trag­stel­le­rin. Sie wird im Stre­cken­ver­bund der „ “ ein­ge­setzt, die Flüge wer­den von der An­trag­stel­le­rin ver­mark­tet.
Die be­fliegt über­wie­gend Lang­stre­cken, un­ter an­de­rem in die USA, Afri­ka, Fern­ost und die Ma­le­di­ven. Für das Frühjahr nächs­ten Jah­res ist ei­ne In­te­gra­ti­on der Mit­ar­bei­te­rin­nen und Mit­ar­bei­ter der bei der An­trag­stel­le­rin vor­ge­se­hen, wo­bei Ein­zel­hei­ten in recht­li­cher und tatsäch­li­cher Hin­sicht noch nicht fest­ste­hen. Die For­de­run­gen der „ “ wur­den ein­heit­lich er­ho­ben und ver­han­delt.
Mit Schrei­ben vom 13. Ju­li 2010 erklärte die An­trags­geg­ne­rin ge­genüber der An­trag­stel­le­rin das Schei­tern der Ver­hand­lun­gen. So­dann lei­te­te der Vor­stand der An­trags­geg­ne­rin ei­ne Ur­ab­stim­mung über die Durchführung von Ar­beits­kampf­maßnah­men ein, wel­che am 16. Au­gust 2010 ab­ge­schlos­sen wur­de. Das Ab­stim­mungs­er­geb­nis zeig­te mit 99,4 Pro­zent der ab­stim­men­den Mit­glie­der und ei­ner Wahl­be­tei­li­gung von 93,8 Pro­zent ei­ne deut­li­che Mehr­heit für Ar­beits­kampf­maßnah­men. Im Ju­li und Au­gust 2010 kam es zwi­schen den Ta­rif­ver­trags­par­tei­en zu wei­te­ren Son­die­rungs­gesprächen. Am 31. Au­gust 2010 verständig­ten sich die Par­tei­en auf ein „Ta­rif­er­geb­nis zu den Man­tel­ta­rif­verträgen und TV „En­lar­ger“ so­wie wei­te­ren Re­ge­lun­gen bei und “ („Ta­rif­er­geb­nis“), auf des­sen In­halt Be­zug ge­nom­men wird (An­la­ge KV9 Bl. 68 – 71 d. A.). Hier­in war vor­ge­se­hen, die Ta­rif­ver­ein­ba­run­gen aus dem Ta­rif­er­geb­nis bis spätes­tens zum 15. Sep­tem­ber 2010 re­dak­tio­nell ab­sch­ließend zu ver­ein­ba­ren. Die Re­ge­lun­gen soll­ten dann un­ter dem Vor­be­halt der Mit­glie­der der An­trags­geg­ne­rin durch Ur­ab­stim­mung ste­hen.
Nach­dem es trotz Verlänge­rung der im Ta­rif­er­geb­nis bis zum 15. Sep­tem­ber 2010 ver­ein­bar­ten Frist um ei­ne Wo­che nicht zu ei­nem ein­ver­nehm­li­chen Ta­rif­ver­trag ge­kom­men war, rief der Vor­stand der An­trags­geg­ne­rin de­ren Mit­glie­der mit Schrei­ben vom 27. Sep­tem­ber 2010 zu ei­ner Ur­ab­stim­mung über das Ta­rif­er­geb­nis bezüglich der Punk­te „Man­tel­ta­rif­ver­trag“ und „TV Verstärk­te Flug­be­sat­zun­gen“ („En­lar­ger“) auf, wo­bei die Zif­fern 4) bis 7) des Ta­rif­er­geb­nis­ses un­berück­sich­tigt blie­ben. Bei ei­ner Wahl­be­tei­li­gung von 83,3 Pro­zent spra­chen sich nur 8,9 Pro­zent für das Ta­rif­er­geb­nis aus. Die nach den Streik­richt­li­ni­en der An­trags­geg­ne­rin er­for­der­li­che Mehr­heit von 50 Pro­zent der stimm­be­rech­tig­ten Mit­glie­der für die Be­en­di­gung des Ar­beits­kamp­fes konn­te da­her nicht er­reicht wer­den.
Am 05. No­vem­ber 2010 ent­schied die „ “, die Ver­hand­lun­gen von nun an ge­trennt für die Be­leg­schaft der bzw. der zu führen. Ab dem 08. No­vem­ber 2010 wur­de erst­mals ge­trennt zwi­schen den je­wei­li­gen Ar­beit­ge­bern und den bei­den Ta­rif­kom­mis­sio­nen ver­han­delt.
Am 18. No­vem­ber 2010 fass­te der Vor­stand der An­trags­geg­ne­rin ei­nen Be­schluss, wel­cher aus­zugs­wei­se wört­lich lau­tet:
Be­schluss des Vor­stan­des der -- über die Durchführung von Ar­beits­kampf­maßnah­men bei der (nach­fol­gend auch „ “ ge­nannt)
Die Vor­sit­zen­de Ta­rif­po­li­tik und der VC-Vor­stand fas­sen nach­fol­gen­den Be­schluss:
Der Vor­stand be­sch­ließt bei der zur Durch­set­zung der u.g. Ta­rif­zie­le die Durchführung ei­nes 36 stündi­gen zeit­lich un­un­ter­bro­che­nen Ar­beits­kamp­fes be­gin­nend am Mitt­woch, den 24.11. bis Don­ners­tag, den 25.11.. (...)
Mit dem Ar­beits­kampf sol­len im Ein­zel­nen fol­gen­de Ta­rif­zie­le durch­ge­setzt wer­den:
Neu­ab­schluss ei­nes Man­tel­ta­rif­ver­tra­ges (...)
Erst­ma­li­ger Ab­schluss ei­nes Ta­rif­ver­tra­ges „Verstärk­te Flug­be­sat­zung“ (auch Ta­rif­ver­trag „En­lar­ger“ ge­nannt)
Einführung ei­nes Ta­rif­ver­tra­ges „Verstärk­te Flug­be­sat­zung“, der die Verstärkung der Flug­be­sat­zung auf Lang­stre­cken­flügen ab ei­ner Dis­tanz von 4.200 nau­ti­schen Mei­len (Großkreis­dis­tanz) zwi­schen Ab­flug- und An­kunfts­ort (Air­port Re­fe­rence Points) durch ei­nen Crui­se Com­man­der vor­sieht. (...)
Ziel des Ta­rif­ver­tra­ges soll ei­ne Ent­las­tung der 2-Mann-Be­sat­zung auf Lang­stre­cken sein, um phy­si­sche und psy­chi­sche Be­las­tung zu re­du­zie­ren und die Si­cher­heit wei­ter zu erhöhen. Er soll An­wen­dung fin­den für die Ar­beit­neh­me­rin­nen und Ar­beit­neh­mer, die un­ter den Gel­tungs­be­reich des je­wei­li­gen Man­tel­ta­rif­ver­tra­ges für das der fal­len.
We­gen des wei­te­ren In­hal­tes wird auf den Streik­be­schluss vom 18. No­vem­ber 2010 (An­la­ge KV 12 Bl. 78 – 80 d. A.) Be­zug ge­nom­men.
Mit ih­ren am 22. No­vem­ber 2010 beim Ar­beits­ge­richt Frank­furt am Main ein­ge­gan­ge­nen und der An­trags­geg­ne­rin am 23. No­vem­ber 2010 zu­ge­stell­ten Anträgen (EB Bl. 87 d. A.) be­gehrt die An­trag­stel­le­rin Un­ter­las­sung von Ar­beits­kampf­maßnah­men.
Sie meint, ein Streik sei rechts­wid­rig. Da – was un­strei­tig ist – die Be­sat­zungs­mit­glie­der der An­trags­geg­ne­rin der­zeit kei­ne Lang­stre­cken-De­sti­na­tio­nen an­flie­gen, sei zu­min­dest ei­nes der bei­den Streik­zie­le un­zulässig. Ein Ein­satz der Pi­lo­ten der An­trag­stel­le­rin auf Lang­stre­cken­dis­tan­zen oh­ne wei­te­re Schu­lungs­maßnah­men und Zu­las­sun­gen sei der­zeit recht­lich oh­ne­hin nicht möglich. Darüber hin­aus sei die An­trags­geg­ne­rin ver­pflich­tet, zunächst ei­ne Ur­ab­stim­mung zu al­len Punk­ten des Ta­rif­er­geb­nis­ses vom 31. Au­gust 2010 durch­zuführen. So­lan­ge dies nicht ge­sche­hen sei, sei­en Ar­beits­kampf­maßnah­men un­verhält­nismäßig. Sch­ließlich sei nach der Be­en­di­gung der Ver­hand­lun­gen mit der „ “ nicht hin­rei­chend zwi­schen den Par­tei­en über mögli­che Ta­rif­verträge ver­han­delt wor­den.
Die An­trag­stel­le­rin be­an­tragt zu­letzt un­ter An­tragsrück­nah­me im Übri­gen,
1. der An­trags­geg­ne­rin zu un­ter­sa­gen, Ar­beits­kampf­maßnah­men aus dem Streik­be­schluss vom 18. No­vem­ber 2010, ins­be­son­de­re Streiks, ge­gen die An­trag­stel­le­rin durch­zuführen, ih­re Mit­glie­der da­zu auf­zu­for­dern, die Durchführung von Ar­beits­kampf­maßnah­men öffent­lich be­kannt zu ge­ben oder Ar­beits­kampf­maßnah­men, ins­be­son­de­re Streiks, ih­rer Mit­glie­der ge­gen die An­trag­stel­le­rin zu un­terstützen.
2. der An­trags­geg­ne­rin zu un­ter­sa­gen, be­reits ein­ge­lei­te­te Ar­beits­kampf­maßnah­men aus dem Streik­be­schluss vom 18. No­vem­ber 2010, ins­be­son­de­re Streiks, ge­gen die An­trag­stel­le­rin fort­zu­set­zen oder be­reits ein­ge­lei­te­te Ar­beits­kampf­maßnah­men, ins­be­son­de­re Streiks, ih­rer Mit­glie­der ge­gen die An­trag­stel­le­rin zu un­terstützen;
3. der An­trags­geg­ne­rin für je­den Fall der Zu­wi­der­hand­lung ge­gen die Un­ter­las­sungs­ver­pflich­tung aus Zif­fer 1) und / oder 2) ein Ord­nungs­geld bis zu € 150.000,00, er­satz­wei­se Ord­nungs­haft bis zu sechs Mo­na­ten, zu voll­zie­hen an ih­rem Präsi­den­ten, an­zu­dro­hen.
Sie meint, auch die zwei­te For­de­rung des Streik­be­schlus­ses zum Ab­schluss ei­nes neu­en Ta­rif­ver­tra­ges „Verstärk­te Flug­be­sat­zung“ stel­le ein der­zeit ta­rif­lich re­gel­ba­res Ziel dar. Es gäbe die Möglich­keit, dass nach ei­ner In­te­gra­ti­on der Mit­ar­bei­te­rin­nen und Mit­ar­bei­ter der in die An­trags­geg­ne­rin auch de­ren Be­sat­zungs­mit­glie­der auf Lang­stre­cken­dis­tan­zen ein­ge­setzt würden. Be­reits jetzt se­he der Ta­rif­ver­trag „Be­ree­de­rung“ in Not­si­tua­tio­nen, et­wa ei­nem Streik, ei­nen kon­zern­wei­ten Ein­satz von flie­gen­dem Per­so­nal vor. Wei­ter meint die An­trags­geg­ne­rin, das Ta­rif­er­geb­nis vom 31. Au­gust 2010 be­gründe kei­ne Frie­dens­pflicht und sei viel­mehr ein „Vor­ver­trag“, des­sen Bin­dungs­wir­kung al­lein durch Zeit­ab­lauf nicht mehr ge­ge­ben sei. Auch sei mit ei­ner Dau­er von fast ei­nem Jahr aus­rei­chend zwi­schen den Par­tei­en ver­han­delt wor­den, da sämt­li­che For­de­run­gen für die Mit­ar­bei­ter der An­trags­geg­ne­rin aus den Ver­hand­lun­gen mit der „ “ be­kannt sei­en.
We­gen des wei­te­ren Vor­tra­ges der Par­tei­en, ih­rer Glaub­haft­ma­chun­gen und Rechts­ausführun­gen sei auf die An­trags­schrift und die Schutz­schrift der An­trags­geg­ne­rin vom 22. No­vem­ber 2010 nebst je­wei­li­gen An­la­gen so­wie auf das Sit­zungs­pro­to­koll vom 23. No­vem­ber 2010 (Bl. 89 d. A.) Be­zug ge­nom­men, § 313 Abs. 2 S. 2 ZPO, § 46 Abs. 2 S. 1 ArbGG.
Die Anträge sind zulässig, ins­be­son­de­re hin­rei­chend be­stimmt gemäß § 253 Abs. 2 Nr. 2 ZPO, § 46 Abs. 2 S. 1 ArbGG. Durch die Be­zug­nah­me auf den Streik­be­schluss vom 18. No­vem­ber 2010 sind die zu un­ter­las­sen­den Hand­lun­gen hin­rei­chend klar ge­fasst.
Die Anträge sind auch be­gründet.
Die An­trag­stel­le­rin kann von der An­trags­geg­ne­rin Un­ter­las­sung im be­an­trag­ten Um­fang ver­lan­gen. Die An­trag­stel­le­rin hat so­wohl das Vor­lie­gen ei­nes Verfügungs­an­spruchs (1.) wie auch ei­nes Verfügungs­grun­des (2.) glaub­haft ge­macht, §§ 935, 940, 294 ZPO, § 62 Abs. 2 Satz 1 ArbGG.
Die be­an­trag­te Un­ter­las­sungs­verfügung gemäß den Anträgen zu 1) und 2) ist zum Schutz des Rechts am ein­ge­rich­te­ten und aus­geübten Ge­wer­be­be­trieb und zur Ab­wen­dung dro­hen­der we­sent­li­cher Nach­tei­le ge­bo­ten und er­for­der­lich, §§ 823 i.V.m. § 1004 BGB ana­log. Denn die be­ab­sich­tig­ten bzw. durch den Streik­be­schluss be­reits be­gon­ne­nen Streik­maßnah­men im Be­trieb der An­trag­stel­le­rin sind rechts­wid­rig, was glaub­haft ge­macht wor­den ist, § 294 ZPO, § 46 Abs. 2 S. 1 ArbGG.
Die Ar­beits­kampf­frei­heit aus der Be­stands- und Betäti­gungs­ga­ran­tie des Art. 9 Abs. 3 GG zur Si­che­rung der Ta­rif­au­to­no­mie be­inhal­tet, dass Ge­werk­schaf­ten Ar­beitskämp­fe mit dem Ziel von Ver­ein­ba­run­gen zur Wah­rung und Förde­rung der Ar­beits- und Wirt­schafts­be­din­gun­gen an­stre­ben dürfen. Für die Rechtmäßig­keit des Streiks ist der kon­kre­te Streik­be­schluss maßge­bend (Kis­sel, Ar­beits­kampf­recht, 1. Auf­la­ge 2002 § 42 Rn. 17).
Nach der ständi­gen Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts, der sich die er­ken­nen­de Kam­mer an­sch­ließt, können Ar­beitskämp­fe nur zur Durch­set­zung ta­rif­ver­trag­lich re­gel­ba­rer Zie­le geführt wer­den (BAG, Ur­teil vom 10.12.2002, AZ. 1 AZR 96/02 – AP Nr. 162 zu Art. 9 GG – Ar­beits­kampf (Rn. 43 bei ju­ris); Er­fur­ter Kom­men­tar zum Ar­beits­recht-Die­te­rich, 8. Auf­la­ge 2008, Art. 9 GG Rn. 114; Berg/Pla­tow/Schoof/Un­ter­hin­ningho­fen, TVG und Ar­beits­kampf­recht, 3. Auf­la­ge 2010 Teil 3 Rn. 23 je­weils m.w.N.). Ein Ar­beits­kampf zur Er­rei­chung an­de­rer, rechts­wid­ri­ger Zie­le ist un­zulässig (BAG, Ur­teil vom 10.12.2002, AZ. 1 AZR 96/02 – AP Nr. 162 zu Art. 9 GG – Ar­beits­kampf; BAG, Ur­teil vom 05.03.1985, AZ. 1 AZR 468/83 – AP Nr. 85 zu Art. 9 GG – Ar­beits­kampf). Ei­ne Un­zulässig­keit des Streiks ist darüber hin­aus auch dann ge­ge­ben, wenn die Streik­for­de­rung ins Lee­re geht, weil (der­zeit) ei­ne ta­rif­li­che Re­ge­lung nicht er­for­der­lich oder so­gar überflüssig ist.
Nach höchst­rich­ter­li­cher Recht­spre­chung hat die Ver­fol­gung rechts­wid­ri­ger Zie­le die Rechts­wid­rig­keit des ge­sam­ten Streiks zur Fol­ge. Dies gilt je­den­falls dann, wenn es sich bei der rechts­wid­ri­gen For­de­rung um ei­ne Haupt­for­de­rung han­delt (BAG vom 10.12.2002, AZ. 1 AZR 96/02 – AP Nr. 162 zu Art. 9 GG Ar­beits­kampf (Rn. 51 bei ju­ris); Er­fur­ter Kom­men­tar zum Ar­beits­recht-Die­te­rich, 8. Auf­la­ge 2008, Art. 9 GG Rn. 125).
Die For­de­rung nach ei­nem Ta­rif­ver­trag „Verstärk­te Flug­be­sat­zung“ ist ei­ne der bei­den mit dem Streik ver­folg­ten Haupt­for­de­run­gen und da­mit maßgeb­lich für die Be­ur­tei­lung der Rechtmäßig­keit des Ar­beits­kamp­fes. Vor­lie­gend be­trifft der zwei­te Teil des Streik­be­schlus­ses vom 18. No­vem­ber 2010 ei­nen neu ab­zu­sch­ließen­den Ta­rif­ver­trag „Verstärk­te Flug­be­sat­zung“, und zwar kon­kret für die Verstärkung der Flug­be­sat­zung auf Lang­stre­cken­flügen ab ei­ner Dis­tanz von 4.200 nau­ti­schen Mei­len zwi­schen An­kunfts-und Ab­flug­ort. Un­strei­tig ist der­zeit kei­ner der bei der An­trag­stel­le­rin ein­ge­setz­ten Pi­lo­ten auf der­ar­ti­gen Lang­stre­cken­dis­tan­zen ein­ge­setzt. Da­mit ist die For­de­rung ei­nes Ta­rif­ver­tra­ges für ei­ne verstärk­te Be­sat­zung auf Lang­stre­cken­dienstan­zen bei der An­trag­stel­le­rin der­zeit nicht ta­rif­lich re­gel­bar, son­dern geht ins Lee­re. Sie ist da­mit rechts­wid­rig.
Es wird nicht ver­kannt, dass nach ei­ner mögli­chen In­te­gra­ti­on der Mit­ar­bei­te­rin­nen und Mit­ar­bei­ter der bei der An­trag­stel­le­rin auch bei die­ser Lang­stre­cken­dis­tan­zen ge­flo­gen wer­den könn­ten. Ob, wann und un­ter wel­chen Vor­aus­set­zun­gen dies der Fall sein soll, hat die An­trags­geg­ne­rin je­doch nicht sub­stan­ti­iert glaub­haft ge­macht.
Auch der Ein­wand, dass be­reits jetzt ein Ein­satz von Pi­lo­ten der An­trag­stel­le­rin auf Lang­stre­cken­dis­tan­zen in Notfällen auf­grund des Ta­rif­ver­tra­ges Be­ree­de­rung möglich wäre, ver­mag nicht zu über­zeu­gen. Denn dass dies über­haupt je­mals vor­ge­kom­men ist, ist nicht glaub­haft ge­macht wor­den. Zu­dem ist ein Ein­satz von auf Kurz­stre­cken­mus­tern flie­gen­den Pi­lo­ten oh­ne zusätz­li­che Schu­lungs- und Zu­las­sungs­ver­fah­ren tatsächlich und recht­lich der­zeit unmöglich. We­gen des zwei­ten, auf et­was der­zeit ta­rif­lich nicht Re­gel­ba­res ge­rich­te­ten Streik­ziels ist der ge­sam­te Streik­be­schluss vom 18. No­vem­ber 2010 auf un­zulässi­ge Ar­beits­kampf­maßnah­men ge­rich­tet, so dass den Anträgen statt­zu­ge­ben war.
Ein Verfügungs­grund ist eben­falls glaub­haft ge­macht wor­den, §§ 935, 940 ZPO, § 62 Abs. 2 S. 1 ArbGG. Die einst­wei­li­ge Verfügung ist zur Ab­wen­dung we­sent­li­cher Nach­tei­le für die An­trag­stel­le­rin ge­bo­ten.
Der für den 24. No­vem­ber 2010 an­gekündig­te Streik würde den Flug­ver­kehr bei der An­trag­stel­le­rin für 36 St­un­den lahm­le­gen. Die zwangs­wei­se aus­ge­fal­le­nen Flüge könn­ten nicht nach­ge­holt wer­den. Die da­mit ver­bun­de­nen er­heb­li­chen wirt­schaft­li­chen Be­las­tun­gen und Ein­grif­fe in den Flug­ver­kehr, wel­che ge­ge­be­nen­falls auch über das Ge­biet der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land hin­aus­ge­hen, sind für die An­trag­stel­le­rin an­ge­sichts der Rechts­wid­rig­keit des Ar­beits­kamp­fes nicht hin­zu­neh­men.
Das Ord­nungs­geld ist bis zu der im Te­nor ge­nann­ten Höhe an­zu­dro­hen, § 62 Abs. 2 S. 1 ArbGG, § 890 Abs. 2 ZPO.
Die Kos­ten­ent­schei­dung er­gibt sich aus § 92 Abs. 1 S. 1 i.V.m. § 269 Abs. 3 S. 2 ZPO, § 46 Abs. 2 S. 1 ArbGG. Da­nach sind die Kos­ten des Ver­fah­rens im Verhält­nis des Ob­sie­gens und Un­ter­lie­gens bzw. der Kla­gerück­nah­me zu ver­tei­len. Da die An­trag­stel­le­rin die Anträge teil­wei­se zurück­ge­nom­men, je­doch über­wie­gend ob­siegt hat, sind ihr nur zehn Pro­zent der Kos­ten auf­zu­er­le­gen.
Der Streit­wert rich­tet sich nach dem wirt­schaft­li­chen In­ter­es­se, das die An­trag­stel­le­rin mit den Anträgen ver­folgt. Hier ist zu berück­sich­ti­gen, dass die Un­ter­sa­gung ei­nes Ar­beits­kamp­fes in sei­ner Gänze be­ab­sich­tigt ist. Bei der Be­mes­sung ist des Wei­te­ren zu berück­sich­ti­gen, dass der Ar­beits­kampf über­re­gio­na­le Aus­wir­kun­gen hätte und bei Durchführung des Ar­beits­kamp­fes ganz er­heb­li­che Schäden dro­hen. Da­her ist ein Wert von € 500.000,00 an­ge­mes­sen.
Die Be­ru­fung ist gemäß § 64 Abs. 3 Nr. 2c ArbGG zu­zu­las­sen.
Die Rechts­mit­tel­be­leh­rung folgt auf der nächs­ten Sei­te