Source: http://m.hensche.de/Urteile_Arbeitsrecht_Schadensersatz_geschlechtsbezogene_Diskriminierung_keine_Pflicht_zum_Strafschadensersatz_EuGH_C-407-14_Camacho_u.html
Timestamp: 2016-12-09 03:46:14
Document Index: 307025714

Matched Legal Cases: ['Art. 18', 'Art. 18', 'Art. 25', 'Art. 267', 'Art. 18', 'Art. 6', 'Art. 6', 'Art. 8', 'Art. 34', 'Art. 1', 'Art. 14', 'Art. 18', 'Art. 25', 'Art. 27', 'Art. 10', 'Art. 183', 'Art. 18', 'Art. 18', 'Art. 18', 'Art. 18', 'Art. 6', 'Art. 6', 'Art. 6', 'Art. 6', 'Art. 6', 'Art. 6', 'Art. 18', 'Art. 6', 'Art. 18', 'Art. 6', 'Art. 25', 'Art. 18', 'Art. 25', 'Art. 25', 'Art. 27', 'Art. 25', 'Art. 18']

HENSCHE Arbeitsrecht: C-407/14
Diskriminierung: Schadensersatz, Diskriminierung: Entschädigung, Diskriminierung: Geschlecht
Art. 18 der Richt­li­nie 2006/54/EG des Eu­ropäischen Par­la­ments und des Ra­tes vom 5. Ju­li 2006 zur Ver­wirk­li­chung des Grund­sat­zes der Chan­cen­gleich­heit und Gleich­be­hand­lung von Männern und Frau­en in Ar­beits- und Beschäfti­gungs­fra­gen ist da­hin aus­zu­le­gen, dass er, da­mit der durch ei­ne Dis­kri­mi­nie­rung auf­grund des Ge­schlechts ent­stan­de­ne Scha­den tatsächlich und wirk­sam aus­ge­gli­chen oder er­setzt wird, wo­bei dies auf ei­ne ab­schre­cken­de und an­ge­mes­se­ne Art und Wei­se ge­sche­hen muss, die Mit­glied­staa­ten, die die fi­nan­zi­el­le Form wählen, ver­pflich­tet, im Rah­men ih­rer na­tio­na­len Rechts­ord­nun­gen - je nach ih­ren Rechts­vor­schrif­ten - Maßnah­men zu tref­fen, die die Zah­lung von Scha­dens­er­satz an den Geschädig­ten vor­se­hen, der den ent­stan­de­nen Scha­den vollständig deckt.
Juzgado de lo Social n° 1 de Córdoba
17. De­zem­ber 2015(*)
„Vor­la­ge zur Vor­ab­ent­schei­dung - So­zi­al­po­li­tik - Richt­li­nie 2006/54/EG - Gleich­be­hand­lung von Männern und Frau­en in Ar­beits- und Beschäfti­gungs­fra­gen - Dis­kri­mi­nie­ren­de Ent­las­sung - Art. 18 - Scha­dens­er­satz oder Entschädi­gung des tatsächlich er­lit­te­nen Scha­dens - Ab­schre­cken­der Cha­rak­ter - Art. 25 - Sank­tio­nen - Straf­scha­dens­er­satz“
In der Rechts­sa­che C-407/14
be­tref­fend ein Vor­ab­ent­schei­dungs­er­su­chen nach Art. 267 AEUV, ein­ge­reicht vom Juz­ga­do de lo So­ci­al n° 1 de Córdo­ba (Ge­richt für So­zi­al- und Ar­beits­sa­chen Nr. 1 von Córdo­ba, Spa­ni­en) mit Ent­schei­dung vom 1. Au­gust 2014, beim Ge­richts­hof ein­ge­gan­gen am 27. Au­gust 2014, in dem Ver­fah­ren
María Au­xi­l­ia­do­ra Ar­jo­na Ca­ma­cho
Se­cu­ri­tas Se­gu­ri­dad Es­paña SA
un­ter Mit­wir­kung des Präsi­den­ten der Drit­ten Kam­mer L. Bay Lar­sen in Wahr­neh­mung der Auf­ga­ben des Präsi­den­ten der Vier­ten Kam­mer, der Rich­ter J. Ma­le­n­ovský und M. Saf­jan (Be­richt­er­stat­ter) so­wie der Rich­te­rin­nen A. Prechal und K. Jürimäe,
- von Frau Ar­jo­na Ca­ma­cho, ver­tre­ten durch R. Al­cai­de Aran­da, aboga­do,
- der spa­ni­schen Re­gie­rung, ver­tre­ten durch L. Ban­ci­el­la Ro­dríguez-Miñón und A. Ru­bio González Ale­jan­dro als Be­vollmäch­tig­te,
- der pol­ni­schen Re­gie­rung, ver­tre­ten durch B. Ma­jc­zy­na als Be­vollmäch­tig­ten,
- der Re­gie­rung des Ver­ei­nig­ten König­reichs, ver­tre­ten durch J. Kra­ehling als Be­vollmäch­tig­te, im Bei­stand von A. Ba­tes, Bar­ris­ter,
- der Eu­ropäischen Kom­mis­si­on, ver­tre­ten durch D. Rouss­a­nov und E. Ad­se­ra Ri­be­ra als Be­vollmäch­tig­te,
nach Anhörung der Schluss­anträge des Ge­ne­ral­an­walts in der Sit­zung vom 3. Sep­tem­ber 2015
Das Vor­ab­ent­schei­dungs­er­su­chen be­trifft die Aus­le­gung von Art. 18 der Richt­li­nie 2006/54/EG des Eu­ropäischen Par­la­ments und des Ra­tes vom 5. Ju­li 2006 zur Ver­wirk­li­chung des Grund­sat­zes der Chan­cen­gleich­heit und Gleich­be­hand­lung von Männern und Frau­en in Ar­beits- und Beschäfti­gungs­fra­gen (ABl. L 204, S. 23).
Es er­geht im Rah­men ei­nes Rechts­streits zwi­schen Frau Ar­jo­na Ca­ma­cho und der Se­cu­ri­tas Se­gu­ri­dad Es­paña SA (im Fol­gen­den: Se­cu­ri­tas Se­gu­ri­dad Es­paña) we­gen der Gewährung von Straf­scha­dens­er­satz an Frau Ar­jo­na Ca­ma­cho nach ih­rer ei­ne Dis­kri­mi­nie­rung auf­grund des Ge­schlechts dar­stel­len­den Ent­las­sung.
Richt­li­nie 76/207/EWG
Art. 6 der Richt­li­nie 76/207/EWG des Ra­tes vom 9. Fe­bru­ar 1976 zur Ver­wirk­li­chung des Grund­sat­zes der Gleich­be­hand­lung von Männern und Frau­en hin­sicht­lich des Zu­gangs zur Beschäfti­gung, zur Be­rufs­bil­dung und zum be­ruf­li­chen Auf­stieg so­wie in Be­zug auf die Ar­beits­be­din­gun­gen (ABl. L 39, S. 40) be­stimm­te in sei­ner ursprüng­li­chen Fas­sung:
„Die Mit­glied­staa­ten er­las­sen die in­ner­staat­li­chen Vor­schrif­ten, die not­wen­dig sind, da­mit je­der, der sich we­gen Nicht­an­wen­dung des Grund­sat­zes der Gleich­be­hand­lung im Sin­ne der Ar­ti­kel 3, 4 und 5 auf sei­ne Per­son für be­schwert hält, nach et­wai­ger Be­fas­sung an­de­rer zuständi­ger Stel­len sei­ne Rech­te ge­richt­lich gel­tend ma­chen kann.“
Die Richt­li­nie 76/207 wur­de durch die Richt­li­nie 2002/73/EG des Eu­ropäischen Par­la­ments und des Ra­tes vom 23. Sep­tem­ber 2002 (ABl. L 269, S. 15) geändert. Der 18. Erwägungs­grund der Richt­li­nie 2002/73 lau­tet:
„Der Ge­richts­hof hat ent­schie­den, dass der Gleich­be­hand­lungs­grund­satz nur dann als tatsächlich ver­wirk­licht an­ge­se­hen wer­den kann, wenn bei Verstößen ge­gen die­sen Grund­satz den Ar­beit­neh­mern, die Op­fer ei­ner Dis­kri­mi­nie­rung wur­den, ei­ne dem er­lit­te­nen Scha­den an­ge­mes­se­ne Entschädi­gung zu­er­kannt wird. Er hat fer­ner ent­schie­den, dass ei­ne im Vor­aus fest­ge­leg­te Höchst­gren­ze ei­ner wirk­sa­men Entschädi­gung ent­ge­gen­ste­hen kann und die Gewährung von Zin­sen zum Aus­gleich des ent­stan­de­nen Scha­dens nicht aus­ge­schlos­sen wer­den darf.“
Art. 6 der Richt­li­nie 76/207 wur­de durch die Richt­li­nie 2002/73 wie folgt neu ge­fasst:
„(1) Die Mit­glied­staa­ten stel­len si­cher, dass al­le Per­so­nen, die sich durch die Nicht­an­wen­dung des Gleich­be­hand­lungs­grund­sat­zes in ih­ren Rech­ten für ver­letzt hal­ten, ih­re Ansprüche aus die­ser Richt­li­nie auf dem Ge­richts‑ und/oder Ver­wal­tungs­weg so­wie, wenn die Mit­glied­staa­ten es für an­ge­zeigt hal­ten, in Sch­lich­tungs­ver­fah­ren gel­tend ma­chen können, selbst wenn das Verhält­nis, während des­sen die Dis­kri­mi­nie­rung vor­ge­kom­men sein soll, be­reits be­en­det ist.
(2) Die Mit­glied­staa­ten tref­fen im Rah­men ih­rer na­tio­na­len Rechts­ord­nung die er­for­der­li­chen Maßnah­men um si­cher­zu­stel­len, dass der ei­ner Per­son durch ei­ne Dis­kri­mi­nie­rung in Form ei­nes Ver­s­toßes ge­gen Ar­ti­kel 3 ent­stan­de­ne Scha­den - je nach den Rechts­vor­schrif­ten der Mit­glied­staa­ten - tatsächlich und wirk­sam aus­ge­gli­chen oder er­setzt wird, wo­bei dies auf ei­ne ab­schre­cken­de und dem er­lit­te­nen Scha­den an­ge­mes­se­ne Art und Wei­se ge­sche­hen muss; da­bei darf ein sol­cher Aus­gleich oder ei­ne sol­che Entschädi­gung nur in den Fällen durch ei­ne im Vor­aus fest­ge­leg­te Höchst­gren­ze be­grenzt wer­den, in de­nen der Ar­beit­ge­ber nach­wei­sen kann, dass der ei­nem/ei­ner Be­wer­ber/in durch die Dis­kri­mi­nie­rung im Sin­ne die­ser Richt­li­nie ent­stan­de­ne Scha­den al­lein dar­in be­steht, dass die Berück­sich­ti­gung sei­ner/ih­rer Be­wer­bung ver­wei­gert wird.
Durch die Richt­li­nie 2002/73 wur­de auch Art. 8d in die Richt­li­nie 76/207 ein­gefügt. Die­ser hat fol­gen­den Wort­laut:
„Die Mit­glied­staa­ten le­gen die Re­geln für die Sank­tio­nen fest, die bei ei­nem Ver­s­toß ge­gen die ein­zel­staat­li­chen Vor­schrif­ten zur Um­set­zung die­ser Richt­li­nie zu verhängen sind, und tref­fen al­le er­for­der­li­chen Maßnah­men, um de­ren An­wen­dung zu gewähr­leis­ten.
Die Sank­tio­nen, die auch Scha­den­er­satz­leis­tun­gen an die Op­fer um­fas­sen können, müssen wirk­sam, verhält­nismäßig und ab­schre­ckend sein. Die Mit­glied­staa­ten tei­len die­se Vor­schrif­ten der Kom­mis­si­on spätes­tens am 5. Ok­to­ber 2005 mit und un­ter­rich­ten sie un­verzüglich über al­le späte­ren Ände­run­gen die­ser Vor­schrif­ten.“
Nach Art. 34 Abs. 1 der Richt­li­nie 2006/54 hob sie die Richt­li­nie 76/207 mit Wir­kung vom 15. Au­gust 2009 auf.
In den Erwägungs­gründen 1, 33 und 35 der Richt­li­nie 2006/54 heißt es:
„(1) Die Richt­li­nie 76/207 … und die Richt­li­nie 86/378/EWG des Ra­tes vom 24. Ju­li 1986 zur Ver­wirk­li­chung des Grund­sat­zes der Gleich­be­hand­lung von Männern und Frau­en bei den be­trieb­li­chen Sys­te­men der so­zia­len Si­cher­heit [ABl. L 225, S. 40] wur­den er­heb­lich geändert. … Anläss­lich neu­er­li­cher Ände­run­gen der ge­nann­ten Richt­li­ni­en emp­fiehlt sich aus Gründen der Klar­heit ei­ne Neu­fas­sung so­wie die Zu­sam­men­fas­sung der wich­tigs­ten Be­stim­mun­gen auf die­sem Ge­biet mit ver­schie­de­nen Ent­wick­lun­gen auf­grund der Recht­spre­chung des Ge­richts­hofs … in ei­nem ein­zi­gen Text.
(33) Der Ge­richts­hof hat ein­deu­tig fest­ge­stellt, dass der Gleich­be­hand­lungs­grund­satz nur dann als tatsächlich ver­wirk­licht an­ge­se­hen wer­den kann, wenn bei al­len Verstößen ei­ne dem er­lit­te­nen Scha­den an­ge­mes­se­ne Entschädi­gung zu­er­kannt wird. Es ist da­her an­ge­bracht, die Vor­ab­fest­le­gung ir­gend­ei­ner Höchst­gren­ze für ei­ne sol­che Entschädi­gung aus­zu­sch­ließen, außer in den Fällen, in de­nen der Ar­beit­ge­ber nach­wei­sen kann, dass der ei­nem Be­wer­ber in­fol­ge ei­ner Dis­kri­mi­nie­rung im Sin­ne die­ser Richt­li­nie ent­stan­de­ne Scha­den al­lein dar­in be­steht, dass die Berück­sich­ti­gung sei­ner Be­wer­bung ver­wei­gert wur­de.
(35) Die Mit­glied­staa­ten soll­ten wirk­sa­me, verhält­nismäßige und ab­schre­cken­de Sank­tio­nen fest­le­gen, die bei ei­ner Ver­let­zung der aus die­ser Richt­li­nie er­wach­sen­den Ver­pflich­tun­gen zu verhängen sind.“
Art. 1 die­ser Richt­li­nie be­stimmt:
b) Ar­beits­be­din­gun­gen ein­sch­ließlich des Ent­gelts,
Wei­ter enthält sie Be­stim­mun­gen, mit de­nen si­cher­ge­stellt wer­den soll, dass die Ver­wirk­li­chung durch die Schaf­fung an­ge­mes­se­ner Ver­fah­ren wirk­sa­mer ge­stal­tet wird.“
Art. 14 („Dis­kri­mi­nie­rungs­ver­bot“) Abs. 1 Buchst. c die­ser Richt­li­nie sieht vor:
Art. 18 („Scha­den­er­satz oder Entschädi­gung“) die­ser Richt­li­nie lau­tet:
„Die Mit­glied­staa­ten tref­fen im Rah­men ih­rer na­tio­na­len Rechts­ord­nun­gen die er­for­der­li­chen Maßnah­men, um si­cher­zu­stel­len, dass der ei­ner Per­son durch ei­ne Dis­kri­mi­nie­rung auf­grund des Ge­schlechts ent­stan­de­ne Scha­den - je nach den Rechts­vor­schrif­ten der Mit­glied­staa­ten - tatsächlich und wirk­sam aus­ge­gli­chen oder er­setzt wird, wo­bei dies auf ei­ne ab­schre­cken­de und dem er­lit­te­nen Scha­den an­ge­mes­se­ne Art und Wei­se ge­sche­hen muss. Da­bei darf ein sol­cher Aus­gleich oder ei­ne sol­che Entschädi­gung nur in den Fällen durch ei­ne im Vor­aus fest­ge­leg­te Höchst­gren­ze be­grenzt wer­den, in de­nen der Ar­beit­ge­ber nach­wei­sen kann, dass der ei­nem Be­wer­ber durch die Dis­kri­mi­nie­rung im Sin­ne die­ser Richt­li­nie ent­stan­de­ne Scha­den al­lein dar­in be­steht, dass die Berück­sich­ti­gung sei­ner Be­wer­bung ver­wei­gert wur­de.“
Art. 25 („Sank­tio­nen“) der Richt­li­nie 2006/54 be­stimmt:
„Die Mit­glied­staa­ten le­gen die Re­geln für die Sank­tio­nen fest, die bei ei­nem Ver­s­toß ge­gen die ein­zel­staat­li­chen Vor­schrif­ten zur Um­set­zung die­ser Richt­li­nie zu verhängen sind, und tref­fen al­le er­for­der­li­chen Maßnah­men, um de­ren An­wen­dung zu gewähr­leis­ten. Die Sank­tio­nen, die auch Scha­den­er­satz­leis­tun­gen an die Op­fer um­fas­sen können, müssen wirk­sam, verhält­nismäßig und ab­schre­ckend sein. Die Mit­glied­staa­ten tei­len die­se Vor­schrif­ten der Kom­mis­si­on spätes­tens bis zum 5. Ok­to­ber 2005 mit und un­ter­rich­ten sie un­verzüglich über al­le späte­ren Ände­run­gen die­ser Vor­schrif­ten.“
Art. 27 („Min­dest­an­for­de­run­gen“) Abs. 1 die­ser Richt­li­nie lau­tet:
„Die Mit­glied­staa­ten können Vor­schrif­ten er­las­sen oder bei­be­hal­ten, die im Hin­blick auf die Wah­rung des Gleich­be­hand­lungs­grund­sat­zes güns­ti­ger als die in die­ser Richt­li­nie vor­ge­se­he­nen Vor­schrif­ten sind.“
Spa­ni­sches Recht
Art. 10 („Rechts­fol­gen dis­kri­mi­nie­ren­der Ver­hal­tens­wei­sen“) des Or­gan­ge­set­zes 3/2007 zur tatsächli­chen Gleich­stel­lung von Frau­en und Männern (Ley Orgáni­ca 3/2007 pa­ra la iguald­ad efec­tiva de mu­je­res y hom­bres) vom 22. März 2007 (BOE Nr. 71 vom 23. März 2007, S. 12611) be­stimmt:
„Rechts­hand­lun­gen und Klau­seln in Rechts­geschäften, die ei­ne Dis­kri­mi­nie­rung aus Gründen des Ge­schlechts dar­stel­len oder hier­zu führen können, sind nich­tig und un­wirk­sam und be­gründen ei­ne Haf­tung im Rah­men ei­nes Sys­tems tatsäch­li­cher, ef­fek­ti­ver und in ei­nem zu dem ent­stan­de­nen Scha­den an­ge­mes­se­nen Verhält­nis ste­hen­der Entschädi­gungs- und Scha­dens­er­satz­leis­tun­gen so­wie ge­ge­be­nen­falls im Rah­men ei­nes wirk­sa­men und ab­schre­cken­den, dis­kri­mi­nie­ren­den Ver­hal­tens­wei­sen vor­beu­gen­den Sank­ti­ons­sys­tems.“
Art. 183 („Scha­dens­er­satz“) Abs. 1 und 2 des Ge­set­zes 36/2011, Ar­beits- und So­zi­al­ge­richts­ge­setz (Ley 36/2011, re­gu­la­do­ra de la ju­ris­dic­ción so­ci­al) vom 10. Ok­to­ber 2011 (BOE Nr. 245 vom 11. Ok­to­ber 2011, S. 106584) lau­tet:
„1. Wird im Ur­teil ei­ne Rechts­ver­let­zung fest­ge­stellt, ent­schei­det das Ge­richt un­ter Berück­sich­ti­gung des im­ma­te­ri­el­len Scha­dens in­fol­ge der Grund­rechts­ver­let­zung so­wie der dar­aus fol­gen­den zusätz­li­chen Schäden über die Höhe des Scha­dens­er­sat­zes, der der kla­gen­den Par­tei we­gen Dis­kri­mi­nie­rung oder ei­ner an­de­ren Ver­let­zung ih­rer Grund­rech­te und Grund­frei­hei­ten ge­ge­be­nen­falls zu­steht.
2. Das Ge­richt ent­schei­det über die Höhe des Scha­dens, der zurück­hal­tend zu ver­an­schla­gen ist, wenn der Nach­weis sei­ner ge­nau­en Höhe zu schwie­rig oder zu kost­spie­lig ist, um das Op­fer an­ge­mes­sen zu entschädi­gen und es im Rah­men des Mögli­chen in sei­ne La­ge vor der Rechts­ver­let­zung zurück­zu­ver­set­zen und um zum Ziel der Scha­dens­ver­mei­dung bei­zu­tra­gen.“
Frau Ar­jo­na Ca­ma­cho wur­de am 1. Ju­li 2012 von Se­cu­ri­tas Se­gu­ri­dad Es­paña als Si­cher­heits­be­diens­te­te für ei­ne Voll­zeittätig­keit in ei­ner Ju­gend­straf­voll­zugs­an­stalt in Córdo­ba (Spa­ni­en) ein­ge­stellt. Sie wur­de am 24. April 2014 ent­las­sen.
Da sie mit ih­rer Kündi­gung nicht ein­ver­stan­den war, be­an­trag­te Frau Ar­jo­na Ca­ma­cho am 6. Mai 2014 bei der Schieds­stel­le für ar­beits­recht­li­che Strei­tig­kei­ten in Córdo­ba die Durchführung ei­nes Güte­ver­fah­rens mit ih­rer Ar­beit­ge­be­rin. Die­ses blieb er­geb­nis­los.
Am 26. Mai 2014 reich­te Frau Ar­jo­na Ca­ma­cho beim Juz­ga­do de lo So­ci­al n° 1 de Córdo­ba (Ge­richt für So­zi­al- und Ar­beits­sa­chen Nr. 1 von Córdo­ba) Kündi­gungs­schutz­kla­ge ein und brach­te vor, dass die Kündi­gung für un­wirk­sam zu erklären sei.
Hier­zu mach­te Frau Ar­jo­na Ca­ma­cho im Haupt­an­trag gel­tend, dass ih­re Kündi­gung u. a. ei­ne Dis­kri­mi­nie­rung auf­grund des Ge­schlechts dar­stel­le. Sie for­der­te Scha­dens­er­satz in Höhe von 6 000 Eu­ro für den er­lit­te­nen Scha­den.
Das vor­le­gen­de Ge­richt teilt mit, dass es da­von aus­ge­he, dass die Kündi­gung von Frau Ar­jo­na Ca­ma­cho ei­ne Dis­kri­mi­nie­rung auf­grund des Ge­schlechts dar­stel­le und dass es in dem Ur­teil, das es nach der Ant­wort des Ge­richts­hofs verkünden wer­de, die Be­weis­mit­tel dar­le­gen wer­de, auf de­nen die­se Fest­stel­lung be­ru­he.
Des Wei­te­ren wer­de sein zu er­las­sen­des Ur­teil auch nähe­re An­ga­ben zu den Gründen ent­hal­ten, aus de­nen es da­von aus­ge­he, dass ein Be­trag in Höhe von 3 000 Eu­ro als Scha­dens­er­satz für den vollständi­gen Aus­gleich des von Frau Ar­jo­na Ca­ma­cho we­gen ih­rer Kündi­gung auf­grund des Ge­schlechts er­lit­te­nen Scha­dens aus­rei­che.
Al­ler­dings stellt sich das vor­le­gen­de Ge­richt die Fra­ge, ob es Frau Ar­jo­na Ca­ma­cho in An­wen­dung von Art. 18 der Richt­li­nie 2006/54, wo­nach der Scha­den auf ei­ne ab­schre­cken­de Art und Wei­se aus­zu­glei­chen oder zu er­set­zen ist, über den vollständi­gen Aus­gleich des von ihr er­lit­te­nen Scha­dens hin­aus­ge­hen­den Scha­dens­er­satz in Form von Straf­scha­dens­er­satz zu­er­ken­nen muss, um für ih­re ehe­ma­li­ge Ar­beit­ge­be­rin und für an­de­re Ar­beit­ge­ber ein Ex­em­pel zu sta­tu­ie­ren.
Das vor­le­gen­de Ge­richt weist dar­auf hin, dass es den Be­griff „Straf­scha­dens­er­satz“ im spa­ni­schen Recht nicht gibt.
Un­ter die­sen Umständen hat der Juz­ga­do de lo So­ci­al n° 1 de Córdo­ba (Ge­richt für So­zi­al- und Ar­beits­sa­chen Nr. 1 von Córdo­ba) be­schlos­sen, das Ver­fah­ren aus­zu­set­zen und dem Ge­richts­hof fol­gen­de Fra­ge zur Vor­ab­ent­schei­dung vor­zu­le­gen:
Kann Art. 18 der Richt­li­nie 2006/54, wo­nach die Entschädi­gung des Op­fers ei­ner Dis­kri­mi­nie­rung auf­grund des Ge­schlechts (nicht nur tatsächlich, wirk­sam und auf ei­ne dem er­lit­te­nen Scha­den an­ge­mes­se­ne Art und Wei­se zu ge­sche­hen hat, son­dern auch) ab­schre­cken­den Cha­rak­ter ha­ben muss, da­hin aus­ge­legt wer­den, dass das na­tio­na­le Ge­richt zu ei­nem zusätz­li­chen, an­ge­mes­se­nen Straf­scha­dens­er­satz ver­ur­tei­len kann, al­so zu ei­nem zusätz­li­chen Be­trag, der zwar über den vollständi­gen Aus­gleich des von dem Op­fer er­lit­te­nen tatsächli­chen Scha­dens hin­aus­geht, aber für an­de­re (ne­ben dem ei­gent­li­chen Scha­dens­ver­ur­sa­cher) ein Ex­em­pel sta­tu­iert, so­fern die­ser Be­trag sich in den Gren­zen des Verhält­nismäßigen hält, und zwar auch dann, wenn die Rechts­fi­gur des Straf­scha­dens­er­sat­zes sei­ner Rechts­tra­di­ti­on fremd ist?
Mit sei­ner Fra­ge möch­te das vor­le­gen­de Ge­richt wis­sen, ob Art. 18 der Richt­li­nie 2006/54 da­hin aus­zu­le­gen ist, dass ei­ner Per­son, da­mit der ihr durch ei­ne Dis­kri­mi­nie­rung auf­grund des Ge­schlechts ent­stan­de­ne Scha­den tatsächlich und wirk­sam auf ei­ne ab­schre­cken­de Art und Wei­se aus­ge­gli­chen oder er­setzt wird, über Scha­dens­er­satz als Aus­gleich hin­aus auch Straf­scha­dens­er­satz zu­zu­spre­chen ist.
Nach Art. 18 der Richt­li­nie 2006/54 tref­fen die Mit­glied­staa­ten im Rah­men ih­rer na­tio­na­len Rechts­ord­nun­gen die er­for­der­li­chen Maßnah­men, um si­cher­zu­stel­len, dass der ei­ner Per­son durch ei­ne Dis­kri­mi­nie­rung auf­grund des Ge­schlechts ent­stan­de­ne Scha­den - je nach den Rechts­vor­schrif­ten der Mit­glied­staa­ten - tatsächlich und wirk­sam aus­ge­gli­chen oder er­setzt wird, wo­bei dies auf ei­ne ab­schre­cken­de und dem er­lit­te­nen Scha­den an­ge­mes­se­ne Art und Wei­se ge­sche­hen muss und ein sol­cher Aus­gleich nur dann durch ei­ne im Vor­aus fest­ge­leg­te Höchst­gren­ze be­grenzt wer­den kann, wenn die Berück­sich­ti­gung ei­ner Be­wer­bung ver­wei­gert wur­de.
Die­se Be­stim­mung gibt den Wort­laut von Art. 6 Abs. 2 der Richt­li­nie 76/207 in der durch die Richt­li­nie 2002/73 geänder­ten Fas­sung wie­der.
Wie aus dem 18. Erwägungs­grund der Richt­li­nie 2002/73 her­vor­geht, änder­te die­se Art. 6 der Richt­li­nie 76/207, um der Recht­spre­chung des Ge­richts­hofs, ins­be­son­de­re den Ur­tei­len Mar­shall (C-271/91, EU:C:1993:335) und Draehm­pa­ehl (C-180/95, EU:C:1997:208), Rech­nung zu tra­gen.
In die­sem Zu­sam­men­hang ist dar­auf hin­zu­wei­sen, dass der Ge­richts­hof im Rah­men der Aus­le­gung von Art. 6 der Richt­li­nie 76/207, die durch die Richt­li­nie 2006/54 auf­ge­ho­ben und er­setzt wur­de, fest­ge­stellt hat, dass die Mit­glied­staa­ten die Maßnah­men tref­fen müssen, die not­wen­dig sind, da­mit je­der, der sich durch ei­ne die­ser Richt­li­nie zu­wi­der­lau­fen­de Dis­kri­mi­nie­rung für be­schwert hält, sei­ne Rech­te ge­richt­lich gel­tend ma­chen kann. Zu die­ser Ver­pflich­tung gehört es, dass die­se Maßnah­men so wirk­sam sind, dass das Ziel der Richt­li­nie 76/207 er­reicht wird, und dass sich die be­trof­fe­nen Per­so­nen vor den na­tio­na­len Ge­rich­ten tatsächlich auf sie be­ru­fen können (vgl. Ur­tei­le Mar­shall, C-271/91, EU:C:1993:335, Rn. 22, und Paquay, C-460/06, EU:C:2007:601, Rn. 43).
Nach der Recht­spre­chung des Ge­richts­hofs schreibt Art. 6 der Richt­li­nie 76/207 den Mit­glied­staa­ten im Fall ei­ner Ver­let­zung des Dis­kri­mi­nie­rungs­ver­bots kei­ne be­stimm­te Maßnah­me vor, son­dern belässt den Mit­glied­staa­ten nach Maßga­be der un­ter­schied­li­chen denk­ba­ren Sach­ver­hal­te die Frei­heit der Wahl un­ter den ver­schie­de­nen, zur Ver­wirk­li­chung des Ziels die­ser Richt­li­nie ge­eig­ne­ten Lösun­gen (vgl. Ur­tei­le von Col­son und Ka­mann, 14/83, EU:C:1984:153, Rn. 18, Mar­shall, C-271/91, EU:C:1993:335, Rn. 23, und Paquay, C-460/06, EU:C:2007:601, Rn. 44).
Die Maßnah­men, durch die tatsächli­che Chan­cen­gleich­heit wie­der­her­ge­stellt wer­den kann, müssen je­doch ei­nen tatsächli­chen und wirk­sa­men Rechts­schutz gewähr­leis­ten und ei­ne wirk­lich ab­schre­cken­de Wir­kung ge­genüber dem Ar­beit­ge­ber ha­ben (vgl. Ur­tei­le von Col­son und Ka­mann, 14/83, EU:C:1984:153, Rn. 23 und 24, Draehm­pa­ehl, C-180/95, EU:C:1997:208, Rn. 25, und Paquay, C-460/06, EU:C:2007:601, Rn. 45).
Die­se Er­for­der­nis­se ma­chen die Berück­sich­ti­gung der Be­son­der­hei­ten je­des ein­zel­nen Fal­les ei­ner Ver­let­zung des Gleich­heits­grund­sat­zes not­wen­dig. Im Fall ei­ner dis­kri­mi­nie­ren­den Ent­las­sung kann je­doch die Gleich­heit oh­ne Wie­der­ein­stel­lung der dis­kri­mi­nier­ten Per­son oder aber fi­nan­zi­el­len Aus­gleich des ihr ent­stan­de­nen Scha­dens nicht wie­der­her­ge­stellt wer­den (Ur­teil Mar­shall, C-271/91, EU:C:1993:335, Rn. 25).
Wird schließlich als Maßnah­me zur Er­rei­chung des Ziels der Wie­der­her­stel­lung tatsäch­li­cher Chan­cen­gleich­heit die fi­nan­zi­el­le Wie­der­gut­ma­chung gewählt, so muss die­se an­ge­mes­sen in dem Sin­ne sein, dass sie es er­laubt, die durch die dis­kri­mi­nie­ren­de Ent­las­sung tatsächlich ent­stan­de­nen Schäden gemäß den an­wend­ba­ren staat­li­chen Re­geln in vol­lem Um­fang aus­zu­glei­chen (vgl. Ur­tei­le Mar­shall, C-271/91, EU:C:1993:335, Rn. 26, und Paquay, C-460/06, EU:C:2007:601, Rn. 46).
Folg­lich ging aus Art. 6 der Richt­li­nie 76/207 in sei­ner ursprüng­li­chen wie in sei­ner geänder­ten Fas­sung so­wie aus der in den Rn. 29 bis 33 des vor­lie­gen­den Ur­teils an­geführ­ten Recht­spre­chung des Ge­richts­hofs her­vor, dass die wirk­lich ab­schre­cken­de Wir­kung, die durch die­sen Art. 6 er­reicht wer­den soll­te, nicht be­deu­te­te, ei­ner Per­son, der durch ei­ne Dis­kri­mi­nie­rung auf­grund des Ge­schlechts ein Scha­den ent­stan­den war, Straf­scha­dens­er­satz zu­zu­er­ken­nen, der über den vollständi­gen Aus­gleich des ihr tatsächlich ent­stan­de­nen Scha­dens hin­aus­geht und ei­ne Sank­ti­ons­maßnah­me dar­stellt.
Die­se Fest­stel­lung wird da­durch bestätigt, dass bei ei­ner dis­kri­mi­nie­ren­den Ent­las­sung der in fi­nan­zi­el­ler Form gewähr­te Scha­dens­aus­gleich, wie in Rn. 32 des vor­lie­gen­den Ur­teils an­ge­ge­ben, ei­ne Al­ter­na­ti­ve dar­stellt.
Wie der Ge­ne­ral­an­walt in Nr. 32 sei­ner Schluss­anträge aus­geführt hat, ist kei­ne we­sent­li­che Ände­rung im Uni­ons­recht ein­ge­tre­ten, die da­zu führ­te, dass Art. 18 der Richt­li­nie 2006/54 in­so­weit an­ders aus­zu­le­gen wäre als Art. 6 der Richt­li­nie 76/207.
Da­mit der durch ei­ne Dis­kri­mi­nie­rung auf­grund des Ge­schlechts ent­stan­de­ne Scha­den tatsächlich und wirk­sam aus­ge­gli­chen oder er­setzt wird, wo­bei dies auf ei­ne ab­schre­cken­de und an­ge­mes­se­ne Art und Wei­se ge­sche­hen muss, ver­pflich­tet Art. 18 der Richt­li­nie 2006/54 wie schon Art. 6 der Richt­li­nie 76/207 die Mit­glied­staa­ten, die die fi­nan­zi­el­le Form wählen, da­her, im Rah­men ih­rer na­tio­na­len Rechts­ord­nun­gen Maßnah­men zu tref­fen, die - je nach den Rechts­vor­schrif­ten der Mit­glied­staa­ten - die Zah­lung von Scha­dens­er­satz an den Geschädig­ten vor­se­hen, der den ent­stan­de­nen Scha­den vollständig deckt, sieht aber kei­ne Zah­lung von Straf­scha­dens­er­satz vor.
Im Übri­gen le­gen die Mit­glied­staa­ten gemäß Art. 25 der Richt­li­nie 2006/54 die Re­geln für die Sank­tio­nen fest, die bei ei­nem Ver­s­toß ge­gen die ein­zel­staat­li­chen Vor­schrif­ten zur Um­set­zung die­ser Richt­li­nie zu verhängen sind, und tref­fen al­le er­for­der­li­chen Maßnah­men, um de­ren An­wen­dung zu gewähr­leis­ten. Außer­dem müssen nach die­ser Be­stim­mung die Sank­tio­nen, die „auch Scha­den­er­satz­leis­tun­gen an die Op­fer um­fas­sen können“, wirk­sam, verhält­nismäßig und ab­schre­ckend sein.
Während durch Art. 18 der Richt­li­nie 2006/54 ei­ne Entschädi­gung oder ein Aus­gleich für den dem Geschädig­ten ent­stan­de­nen Scha­den vor­ge­schrie­ben wer­den soll, ist dem Wort­laut von Art. 25 die­ser Richt­li­nie al­so zu ent­neh­men, dass er den Mit­glied­staa­ten die Möglich­keit zum Er­lass von Maßnah­men einräumt, mit de­nen ei­ne Dis­kri­mi­nie­rung auf­grund des Ge­schlechts in Form von dem Op­fer zu­er­kann­tem Scha­dens­er­satz ge­ahn­det wer­den soll.
So­mit er­laubt Art. 25 der Richt­li­nie 2006/54 den Mit­glied­staa­ten, Maßnah­men zu tref­fen, die die Zah­lung von Straf­scha­dens­er­satz an das Op­fer ei­ner Dis­kri­mi­nie­rung auf­grund des Ge­schlechts vor­se­hen, ver­pflich­tet sie aber nicht da­zu.
Im sel­ben Sin­ne be­stimmt Art. 27 Abs. 1 die­ser Richt­li­nie, dass die Mit­glied­staa­ten Vor­schrif­ten er­las­sen oder bei­be­hal­ten können, die im Hin­blick auf die Wah­rung des Gleich­be­hand­lungs­grund­sat­zes güns­ti­ger als die in die­ser Richt­li­nie vor­ge­se­he­nen Vor­schrif­ten sind.
Im vor­lie­gen­den Fall weist das vor­le­gen­de Ge­richt dar­auf hin, dass es den Be­griff „Straf­scha­dens­er­satz“ im spa­ni­schen Recht nicht gibt.
Art. 25 der Richt­li­nie 2006/54 sieht un­ter sol­chen Umständen - wenn es kei­ne Be­stim­mung des na­tio­na­len Rechts gibt, auf de­ren Grund­la­ge Straf­scha­dens­er­satz an ei­ne durch ei­ne Dis­kri­mi­nie­rung auf­grund des Ge­schlechts geschädig­te Per­son ge­zahlt wer­den kann - nicht vor, dass der na­tio­na­le Rich­ter den­je­ni­gen, von dem die­se Dis­kri­mi­nie­rung aus­geht, selbst zu ei­nem sol­chen Scha­dens­er­satz ver­ur­tei­len kann.
Außer­dem ist, an­ge­nom­men, ein Mit­glied­staat be­sch­ließt den Er­lass von Maßnah­men, die die Zu­er­ken­nung von Straf­scha­dens­er­satz an die dis­kri­mi­nier­te Per­son ermögli­chen, die Be­stim­mung der Kri­te­ri­en für die Er­mitt­lung des Um­fangs der Sank­ti­on Auf­ga­be des in­ner­staat­li­chen Rechts des ein­zel­nen Mit­glied­staats, wo­bei der Äqui­va­lenz- und der Ef­fek­ti­vitäts­grund­satz zu be­ach­ten sind (vgl. ent­spre­chend Ur­tei­le Man­fre­di u. a., C-295/04 bis C-298/04, EU:C:2006:461, Rn. 92, Do­nau Che­mie u. a., C-536/11, EU:C:2013:366, Rn. 25 bis 27, und Hir­mann, C-174/12, EU:C:2013:856, Rn. 40).
Nach al­le­dem ist auf die Vor­la­ge­fra­ge zu ant­wor­ten, dass Art. 18 der Richt­li­nie 2006/54 da­hin aus­zu­le­gen ist, dass er, da­mit der durch ei­ne Dis­kri­mi­nie­rung auf­grund des Ge­schlechts ent­stan­de­ne Scha­den tatsächlich und wirk­sam aus­ge­gli­chen oder er­setzt wird, wo­bei dies auf ei­ne ab­schre­cken­de und an­ge­mes­se­ne Art und Wei­se ge­sche­hen muss, die Mit­glied­staa­ten, die die fi­nan­zi­el­le Form wählen, ver­pflich­tet, im Rah­men ih­rer na­tio­na­len Rechts­ord­nun­gen - je nach ih­ren Rechts­vor­schrif­ten - Maßnah­men zu tref­fen, die die Zah­lung von Scha­dens­er­satz an den Geschädig­ten vor­se­hen, der den ent­stan­de­nen Scha­den vollständig deckt.
Für die Par­tei­en des Aus­gangs­ver­fah­rens ist das Ver­fah­ren ein Zwi­schen­streit in dem beim vor­le­gen­den Ge­richt anhängi­gen Rechts­streit; die Kos­ten­ent­schei­dung ist da­her Sa­che die­ses Ge­richts. Die Aus­la­gen an­de­rer Be­tei­lig­ter für die Ab­ga­be von Erklärun­gen vor dem Ge­richts­hof sind nicht er­stat­tungsfähig.
* Ver­fah­rens­spra­che: Spa­nisch.
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