Source: https://www.blja.bayern.de/service/bibliothek/fachliche-empfehlungen/umsetzungschutzauftrag.php
Timestamp: 2018-07-17 01:55:44
Document Index: 95649253

Matched Legal Cases: ['§ 8', '§ 79', '§ 8', '§ 42', '§ 8', '§ 8', '§ 8']

Umsetzung des Schutzauftrags
Fachliche Empfehlungen zur Umsetzung des Schutzauftrags nach § 8a SGB VIII
Präambel: Gemäß § 79a SGB VIII haben die Träger der öffent­lichen Jugendhilfe für den Prozess der Gefährdungs­ein­schät­zung nach § 8a SGB VIII Grundsätze und Maßstäbe für die Bewertung der Qualität sowie geeignete Maßnahmen zu Ihrer Gewährleistung weiterzuentwickeln, anzuwenden und regelmäßig zu überprüfen.
In den vom Bayerischen Landesjugendamt herausgegebenen Sozialpädagogischen Diagnosetabellen in der Arbeitsversion 2012 sind diese Anhaltspunkte berücksichtigt. Soweit in den Dienststellen andere diagnostische Instrumente, Beobachtungslisten und dergleichen verwendet werden, sind sie auf Vollständigkeit zu überprüfen.
Die Verfahrensdauer von der ersten Wahrnehmung einer Gefährdung bis zur konkret notwendigen Reaktion (z. B. Gespräch mit den Personensorgeberechtigten, Angebot von Hilfen, Inobhutnahme, Verständigung der Polizei, Staatsanwaltschaft) ist umso kürzer, je gravierender die Gefährdung ist. Bereits bei der ersten Risikoeinschätzung ist daher abzuwägen, ob ein sofortiges Einschreiten erforderlich ist oder ob und wie lange zugewartet werden kann.
zur weiteren Abklärung vorab noch weitere Recherchen im Umfeld des Kindes eingeholt werden können und ein Hausbesuch in den nächsten Tagen, in den nächsten Wochen oder auch später angemeldet oder unangemeldet durchgeführt werden muss, damit sich die Fachkraft zur richtigen Einschätzung und Bewertung ein eigenes Bild über den Zustand des Kindes, über seine Lebensbedingungen und Entwicklungsperspektiven einholen kann.
In der Regel erfolgt die Informationsbeschaffung über einen – fallweise unangemeldeten –
Hausbesuch. Dieser ist grundsätzlich zu zweit, nach Möglichkeit von einer weiblichen und einer männlichen Fachkraft gemeinsam durchzuführen, bei Gefahr im Verzug notfalls unter Einschaltung der Polizei (§ 42 Abs. 6 SGB VIII).
Die Informationsbeschaffung bei weiteren Stellen erfolgt – soweit notwendig – zur Ergänzung
(oder ersatzweise) bzw. zur Kontrolle über die Richtigkeit der Informationen der Personensorgeberechtigten. Weitere wichtige Informationsquellen sind insbesondere: Kindergarten, Schule, Nachbarschaft, Jugendgruppe, Verein, Jugendfreizeitstätte, Einrichtungen der Hilfe zur Erziehung, Dienste der Hilfe zur Erziehung.
Hält das Jugendamt zur Abwendung der Gefährdung die Gewährung von Hilfen für geeignet
und notwendig, so hat es diese den jeweiligen Berechtigten anzubieten (§ 8a Abs.1 Satz 3 und Abs. 3 SGB VIII). Nehmen diese die angebotenen Hilfen nicht an, so sind die weiteren Schritte des Jugendamtes im Zusammenwirken mehrerer Fachkräfte abzusprechen (sh. oben).
Nachdem die Neuformulierung des § 8a SGB VIII mit dem Bundeskinderschutzgesetz (BKiSchG) zum 01.01.2012 in Kraft getreten ist, empfiehlt sich eine zeitnahe Umsetzung der Vereinbarungen. Vorrangig sind dabei die Vereinbarungen mit den Trägern von Einrichtungen umzusetzen, mit denen auf der Grundlage der bisherigen Empfehlungen (Sonderregelung für Einrichtungen der Kindertagesbetreuung, Trägern von Diensten, die Tagespflegepersonen vermitteln und Trä­gern von Ein­rich­tun­gen der Jugendarbeit. [Beschluss des Landes­jugend­hilfe­aus­schusses vom 15.03.2006, dort III.]) Vereinbarungen geschlossen wurden.
Fachliche Empfehlungen § 8a (pdf-Datei: barrierefrei)