Source: http://www.herkunftseltern.com/t107f43-Recht-auf-Wissen-der-Abstammung.html
Timestamp: 2017-12-16 05:29:34
Document Index: 329365531

Matched Legal Cases: ['Art. 2', 'Art. 1', '§ 1593', '§ 1596', '§ 1758', 'Art. 2', '§ 9', '§ 9', '§ 61']

Rechte des Adoptierten » Recht auf Wissen der Abstammung
Adoption » Rechte des Adoptierten »
Recht auf Wissen der Abstammung
#1 von Kati1407 , 24.03.2014 09:29
1. Das allgemeine Persönlichkeitsrecht (Art. 2 Abs. 1 in Verbindung mit Art. 1 Abs. 1 GG)
umfasst auch das Recht auf Kenntnis der eigenen Abstammung.
2. §§ 1593, 1598 in Verbindung mit § 1596 Abs. 1 BGB sind mit dem Grundgesetz
unvereinbar, soweit sie dem volljährigen Kind, von den gesetzlichen Anfechtungstatbeständen
abgesehen, nicht nur die Änderung seines familienrechtlichen Status, sondern auch die
gerichtliche Klärung seiner Abstammung ausnahmslos verwehren.
Adoptierte können sich mit ihrem Anliegen der Suche nach der Herkunftsfamilie an die
Adoptionsvermittlungsstelle wenden und erhalten dort Beratung und Unterstützung. Soweit dies
gewünscht wird, versucht die Adoptionsvermittlungsstelle, den ersten Kontakt mit den leiblichen
Eltern herzustellen.
 Grundsätzlich schützt das sog. "Adoptionsgeheimnis" die Adoptivfamilie vor
Ausforschungen Außenstehender. Tatsachen, die geeignet sind, die Adoption und ihre
Umstände aufzudecken, dürfen nur offenbart oder ausgeforscht werden, wenn das
Adoptivkind und die Annehmenden zugestimmt haben (§ 1758 Bürgerliches Gesetzbuch).
 Demgegenüber steht das Grundrecht von Adoptierten auf Kenntnis der eigenen
Abstammung. Das Bundesverfassungsgericht leitet dieses Recht in ständiger
Rechtsprechung (z. B. Urteil vom 31.1.1989) aus dem allgemeinen Persönlichkeitsrecht
(Art. 2 GG) ab. Für die Praxis bedeutet dies, dass zumindest volljährige Adoptierte bei ihrer
Suche nach der Herkunft von den Adoptionsvermittlungsstellen grundsätzlich auch gegen
den Willen der Adoptiveltern unterstützt werden können. Das Recht auf Kenntnis der
eigenen Abstammung bedeutet nicht, dass die Adoptionsvermittlungsstellen jede erdenkliche
Nachforschung anstellen müssten, um die Herkunft zu klären. Es schützt aber davor, dass
den Suchenden Informationen vorenthalten werden, über welche die
Adoptionsvermittlungsstelle bereits verfügt.
 Seit 1.1.2002 ist gesetzlich vorgeschrieben, dass Akten über die Adoptionsvermittlung 60
Jahre ab Geburtsdatum des Kindes aufbewahrt werden müssen. Wird die
Adoptionsvermittlungsstelle aufgelöst, sind die Akten derjenigen Stelle zu übergeben, die
ihre Aufgaben übernimmt. Anderenfalls sind sie der zentralen Adoptionsstelle des
Landesjugendamts zu übergeben (§ 9b Abs. 1 Adoptionsvermittlungsgesetz).
 Wenn Adoptierte das 16. Lebensjahr vollendet haben, haben sie ein Recht auf Akteneinsicht
in die Vermittlungsakte, soweit sie deren Herkunft und Lebensgeschichte betrifft. Die
Akteneinsicht erfolgt unter Anleitung einer Fachkraft der Adoptionsvermittlungsstelle. Die
Datenschutzbelange und Persönlichkeitsrechte z. B. der leiblichen Eltern oder der
Adoptiveltern müssen dabei beachtet werden. Angaben zur Lebensweise der Mutter oder zu
mutmaßlichen Vätern, deren Vaterschaft nicht feststeht, sind daher nur zulässig, wenn eine
Einwilligung vorliegt oder das Recht auf Kenntnis der eigenen Abstammung im konkreten
Einzelfall höher zu bewerten ist als das Interesse der Betroffenen an einer Geheimhaltung.
Insofern ist durch die Fachkraft eine entsprechende Güterabwägung vorzunehmen (§ 9b
Abs. 2 Adoptionsvermittlungsgesetz).
 Adoptierte können ab Vollendung des 16. Lebensjahrs ohne Zustimmung ihrer Adoptiveltern
in den Geburtseintrag Einsicht nehmen oder eine Abstammungsurkunde erhalten. Aus diesen
Dokumenten gehen die damaligen Personalien der leiblichen Eltern hervor (§ 61 Abs. 2
Personenstandgesetz).
 Adoptierte können sich grundsätzlich an die Adoptionsvermittlungsstelle des örtlichen
Jugendamts oder eines freien Trägers wenden. Hier erhalten sie Beratung zu ihrem Anliegen.
Für die konkrete Suche ist eine Nachfrage bei der Vermittlungsstelle sinnvoll, die die
Adoptionsvermittlung durchgeführt und die Adoptionsakte geführt hat (häufig am damaligen
Wohnort der leiblichen Mutter oder der Adoptiveltern).
 Liegt die Adoption schon längere Zeit zurück, existiert evtl. keine Vermittlungsakte mehr
oder sie enthält keine aussagekräftigen Informationen. Außerdem war bei Adoptionen, die
vor 1977 durchgeführt wurden, evtl. keine Adoptionsvermittlungsstelle beteiligt. Die
Adoption erfolgte damals noch durch einen notariellen Vertrag, der vom Amtsgericht
bestätigt wurde. Eine Nachfrage beim beteiligten Gericht kann hier möglicherweise
 Das Geburtenbuch wird beim Standesamt des Geburtsorts geführt.
 Ansprechpartner von Selbsthilfegruppen Adoptierter können bei den örtlichen
Adoptionsvermittlungsstellen oder bei den zentralen Adoptionsstellen der
Landesjugendämter erfragt werden.
Die Zentrale Adoptionsstelle des Landesjugendamts unterstützt als Fachbehörde die Tätigkeit der
Adoptionsvermittlungsstellen der Jugendämter und der freien Träger durch Beratung der
Fachkräfte, Bereitstellung von Materialien sowie der Durchführung von Fachtagungen und
Das Landesjugendamt kann in Einzelfällen als Ansprechpartner zur Verfügung stehen, z. B. wenn
keine zuverlässigen Angaben zur beteiligten örtlichen Adoptionsvermittlungsstelle oder zum
Geburtsort vorhanden sind.
RE: Recht auf Wissen der Abstammung
#2 von Kati1407 , 24.03.2014 09:39
1.Was die Adoptionsakte betrifft so tritt der Paragraf 9 b des Adoptionsvermittlungsgesetz in Kraft.
2.Immer häufiger kommen Anfragen von Adoptivkindern welche Urkunde sie beim Standesamt beantragen sollen,dazu noch mal kurz der Hinweis keine Geburtsurkunde sondern Abstammungsurkunde beziehungsweise einen Auszug aus dem Geburtsregister, dem Ausdruck mit den Angaben der natürlichen Eltern.
Abstammungsurkunden werden seit dem 1.Januar 2009 nicht mehr ausgestellt.
Des Weiteren wurde uns öfters mitgeteilt dass das Recht auf Einsichtnahme der Adoption Akten verweigert wird in solchen Fällen bitte sofort eine Dienstaufsichtsbeschwerde einreichen,da das Recht Abstammung gesetzlich geregelt ist (kontrollierte Einsicht s.Pkt.4)!
3.Dieser Beglaubigte "Auszug aus dem Geburtsregister" = Urkunde = kostet ca. 10 Euro - Beantragung nur beim Standesamt im Geburtsort möglich - beinhaltet folgendes: Datum und Ort der erfolgten Adoption, den Ursprungsnamen der adoptierten Person, der Name der leiblichen Mutter und falls angegeben, auch der Name des leiblichen Vaters.
Der Ort der Adoption ist wichtig, denn das ist der Hinweis darauf, wo du Adoptionsvermittlungsunterlage liegt.
4.Achtung: Ein Recht auf Einsichtnahme gibt es nicht! Ein Adoptierter hat aber das Recht Wissen über die Gründe seiner Adoption zu erfahren. Daher ist gesetzlich geregelt, dass eine sog. "kontrollierte" Akteneinsicht gibt (man bekommt aus der Akte hervor gelesen). ABER manche nette Damen von Amt lassen einen die Akte alleine lesen, gesetzlich ist das nicht so geregelt. Das liegt am Wohlwollen des Sachbearbeiters.
5.Manche haben noch eine Abstammungsurkunde. Die beinhaltet nur, dass eine Adoption passiert ist und die Namen der beiden Elternpaare. Sie zeigt aber nicht an, wann und wo die Adoption geschehen ist.