Source: https://www.rechtslupe.de/steuerrecht/einkommensteuer/einkommensteuer-privat/ehescheidungskosten-als-aussergewoehnliche-belastung-3110917
Timestamp: 2020-01-24 21:32:37
Document Index: 284213979

Matched Legal Cases: ['§ 33', '§ 33', '§ 33', '§ 623', '§ 137', '§ 623']

Ehe­schei­dungs­kos­ten als außer­ge­wöhn­li­che Belas­tung | Rechtslupe
Zivil­pro­zess­kos­ten im Zusam­men­hang mit dem Schei­dungs­ver­fah­ren, die aus­schließ­lich Schei­dungs­fol­ge­sa­chen außer­halb des zwangs­ver­bun­des (hier: Kin­des- und Tren­nungs­un­ter­halt sowie Zuge­winn­aus­gleich) betref­fen, stel­len kei­ne außer­ge­wöhn­li­che Belas­tung dar.
Erwach­sen einem Steu­er­pflich­ti­gen zwangs­läu­fig grö­ße­re Auf­wen­dun­gen als der über­wie­gen­den Mehr­zahl der Steu­er­pflich­ti­gen glei­cher Ein­kom­mens­ver­hält­nis­se, glei­cher Ver­mö­gens­ver­hält­nis­se und glei­chen Fami­li­en­stan­des (außer­ge­wöhn­li­che Belas­tung), so wird auf Antrag die Ein­kom­men­steu­er in bestimm­tem Umfang ermä­ßigt (§ 33 Abs. 1 EStG). Gemäß § 33 Abs. 2 Satz 1 EStG erwach­sen dem Steu­er­pflich­ti­gen Auf­wen­dun­gen zwangs­läu­fig, wenn er sich ihnen aus recht­li­chen, tat­säch­li­chen oder sitt­li­chen Grün­den nicht ent­zie­hen kann und soweit die Auf­wen­dun­gen den Umstän­den nach not­wen­dig sind und einen ange­mes­se­nen Betrag nicht über­stei­gen.
Dage­gen nahm der Bun­des­fi­nanz­hof in sei­ner Ent­schei­dung vom 12.05.2011 6 die Unaus­weich­lich­keit von Zivil­pro­zess­kos­ten unter der Vor­aus­set­zung an, dass die beab­sich­tig­te Rechts­ver­fol­gung hin­rei­chen­de Aus­sicht auf Erfolg bie­te und nicht mut­wil­lig erschei­ne.
Der Bun­des­fi­nanz­hof hält an sei­ner in dem Urteil in BFHE 234, 30, BSt­Bl II 2011, 1015 ver­tre­te­nen Auf­fas­sung aller­dings nicht mehr fest. Wie er in sei­nem Urteil vom 18.06.2015 7 ent­schie­den hat, kehrt er unter Auf­ga­be sei­ner in dem Urteil in BFHE 234, 30, BSt­Bl II 2011, 1015 ver­tre­te­nen Ansicht zu der frü­he­ren Recht­spre­chung des BFH zur Abzieh­bar­keit der Kos­ten eines Zivil­pro­zes­ses als außer­ge­wöhn­li­che Belas­tung zurück 8.
Im hier vom Bun­des­fi­nanz­hof ent­schie­de­nen Streit­fall waren die vom Ehe­mann gel­tend gemach­ten Auf­wen­dun­gen nicht als außer­ge­wöhn­li­che Belas­tun­gen berück­sich­ti­gungs­fä­hig:
Der Bun­des­fi­nanz­hof führt für die bis ein­schließ­lich 2012 anzu­wen­den­de Fas­sung des § 33 EStG die Recht­spre­chung des BFH zur Berück­sich­ti­gung von durch Ehe­schei­dungs­ver­fah­ren ent­stan­de­nen Pro­zess­kos­ten als außer­ge­wöhn­li­che Belas­tun­gen fort 9. Danach sind zwar die mit dem Gerichts­ver­fah­ren ver­bun­de­nen Kos­ten für die Schei­dung und den Ver­sor­gungs­aus­gleich als zwangs­läu­fig ent­stan­den anzu­se­hen und dem­entspre­chend als außer­ge­wöhn­li­che Belas­tun­gen abzieh­bar. Kos­ten für außer­halb des soge­nann­ten Zwangs­ver­bunds durch das Fami­li­en­ge­richt oder außer­ge­richt­lich im Zusam­men­hang mit der Ehe­schei­dung getrof­fe­ne Rege­lun­gen wer­den dage­gen nicht als außer­ge­wöhn­li­che Belas­tun­gen berück­sich­tigt. Das gilt unab­hän­gig davon, ob für die Schei­dungs­fol­ge­sa­chen noch § 623 Abs. 1 ZPO a.F. anzu­wen­den ist oder schon § 137 Abs. 1 des Geset­zes über das Ver­fah­ren in Fami­li­en­sa­chen und in den Ange­le­gen­hei­ten der frei­wil­li­gen Gerichts­bar­keit. Wei­ter kommt es auch nicht dar­auf an, ob ein Ehe­gat­te die Kos­ten aus­lö­sen­de Auf­nah­me von Schei­dungs­fol­ge­sa­chen in den Schei­dungs­ver­bund bean­tragt hat­te und die­se inso­weit zwin­gend im Ver­bund zu ent­schei­den waren. Denn auch inso­weit gel­ten die Kos­ten für den mit dem Ver­fah­ren über­zo­ge­nen Ehe­gat­ten nicht als unver­meid­bar 10. Ent­schei­dend ist, dass der Gesetz­ge­ber den frü­he­ren Ehe­leu­ten Inhalt und Ver­fah­ren der Rege­lung ihrer Ver­hält­nis­se im Wesent­li­chen in glei­cher Wei­se zur eigen­ver­ant­wort­li­chen Gestal­tung über­tra­gen hat wie in bestehen­der Ehe oder im Fal­le nicht­ehe­li­cher Fami­li­en­be­zie­hun­gen 11.
Die vom Ehe­mann hier gel­tend gemach­ten Zivil­pro­zess­kos­ten im Zusam­men­hang mit dem Schei­dungs­ver­fah­ren ‑Kin­des- und Tren­nungs­un­ter­halt sowie Zuge­winn­aus­gleich- betra­fen sämt­lich Schei­dungs­fol­ge­sa­chen, die nicht im Zwangs­ver­bund (Ver­sor­gungs­aus­gleich nach § 623 Abs. 1 Satz 3 ZPO) zu ent­schei­den waren.
Es han­delt sich inso­weit auch nicht um Auf­wen­dun­gen für Rechts­strei­tig­kei­ten, die exis­ten­zi­ell wich­ti­ge Berei­che oder den Kern­be­reich mensch­li­chen Lebens berüh­ren. Zwar mag der Aus­gang der betref­fen­den zivil­recht­li­chen Aus­ein­an­der­set­zun­gen von erheb­li­cher wirt­schaft­li­cher Bedeu­tung sein. Der Ehe­mann lief indes nicht Gefahr, sei­ne Exis­tenz­grund­la­ge zu ver­lie­ren und sei­ne lebens­not­wen­di­gen Bedürf­nis­se in dem übli­chen Rah­men nicht mehr befrie­di­gen zu kön­nen, hät­te er sich nicht auf einen Pro­zess ein­ge­las­sen. Das Finanz­ge­richt hat des­halb zu Recht die wei­te­ren gel­tend gemach­ten Zivil­pro­zess­kos­ten nicht als außer­ge­wöhn­li­che Belas­tun­gen berück­sich­tigt.
Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 10. März 2016 – VI R 69/​12
Über­ta­rif­li­che Ver­gü­tung – und der arbeits­recht­li­che… Der arbeits­recht­li­che Gleich­be­hand­lungs­grund­satz gebie­tet dem Arbeit­ge­ber, sei­ne Arbeit­neh­mer oder Grup­pen von Arbeit­neh­mern, die sich in ver­gleich­ba­rer Lage befin­den, bei Anwen­dung einer selbst gesetz­ten Regel gleich…
BFH, Urteil vom vom 12.05.2011 – VI R 42/​10, BFHE 234, 30, BSt­Bl II 2011, 1015[↩]
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