Source: http://doczz.nl/doc/1073045/tierschutzgerechte-bolzenschussbet%C3%A4ubung
Timestamp: 2018-04-23 17:20:57
Document Index: 12250973

Matched Legal Cases: ['§ 13', '§ 15', '§ 13', '§ 4', '§ 12', '§ 12', '§ 13', '§ 12', '§ 14', '§\n16']

Tierschutzgerechte Bolzenschussbetäubung
Stellungnahme des BgVV vom Juni 2001
Tierschutzwidrige Zustände bei der Rinderschlachtung
Videoaufnahmen des österreichischen Tierschutz-Dachverbandes, die im Mai/Juni 2001 im Fernsehen ausgestrahlt wurden, prangerten tierschutzwidrige Zustände bei der Schlachtung von Rindern an. Zwar wurden die Tiere vor dem Einhängen ins Schlachtband mit dem Bolzenschussgerät
betäubt. Sie waren aber beim Anlegen des Entblutungsschnittes offenkundig bereits wieder bei
Bewusstsein. Sie zeigten spontanen Lidschlag, gerichtete Augenbewegungen und hoben den
Kopf. Zudem reagierten die Tiere auf den Entblutungsschnitt mit heftigen Bewegungen und sogar
Verbot des Rückenmarkszerstörers
Für die unzureichende Betäubungsdauer wurde vom Österreichischen Tierschutz-Dachverband
das EU-weite Verbot des Rückenmarkszerstörers verantwortlich gemacht (Entscheidung
2000/418/EG – http://europa.eu.int/eur-lex/de/consleg/pdf/2000/de_2000D0418_do_001.pdf) und
seine Rücknahme bei der Rinderschlachtung gefordert. Auch in Deutschland darf seit dem 1. Januar 2001 zentrales Nervengewebe von Rindern, Schafen oder Ziegen nach der Betäubung nicht
mehr durch Rückenmarkszerstörer zerstört werden (Anlage 2 Kapitel III Nr. 2.1a der Fleischhygiene-Verordnung - FlHV).
Bis dahin wurde der Rückenmarkszerstörer aus Gründen des Tier- und Arbeitsschutzes in vielen
Rinderschlachtbetrieben eingesetzt. Nachdem sich gezeigt hatte, dass auch in Deutschland und
den meisten anderen Mitgliedsstaaten der Europäischen Gemeinschaft mit BSE-infizierte Rinder
zur Schlachtung gelangen konnten, erfolgte sein Verbot, um das Risiko einer Verschleppung von
BSE-Erregern aus dem Zentralnervensystem über den Blutkreislauf ins Fleisch zu reduzieren.
Der Rückenmarkszerstörer musste zur Vermeidung von Kreuzkontaminationen vor jeder Wiederverwendung zeitaufwändig gereinigt und desinfiziert werden. Dennoch wurde er von den EGSachverständigen bei Inspektionsbesuchen aus hygienischen Gründen beanstandet. Viele
Schlachtbetriebe haben daher schon seit längerem auf seinen Gebrauch verzichtet.
Was ist ein Rückenmarkszerstörer?
Der Rückenmarkszerstörer ist ein 1-2 m langer Stab aus Kunststoff oder Metall. Er wird nach der
Bolzenschussbetäubung durch die Einschussöffnung im Kopf des Rindes bis in die Wirbelsäule
vorgeschoben und mehrmals vor- und zurückbewegt. Dadurch werden das Gehirn und das Rückenmark zerstört. Dies kommt einer Tötung des Tieres gleich, obwohl sein Herz noch einige Minuten schlägt und den Kreislauf aufrecht erhält. Gleichzeitig werden die Rinder auf diese Weise
reflexlos gemacht und so eine Gefährdung des Schlachtpersonals durch heftige Bewegungen der
Beine beim Einhängen der Tiere ins Schlachtband und beim Entbluten vermieden. Damit wurde
den Unfallverhütungsvorschriften der Fleischerei-Berufsgenossenschaft
(www.bc-verlag.de/UVVen/17/56.HTM) Rechnung getragen.
Die Kombination von Bolzenschussbetäubung und Rückenmarkszerstörung tötet die Tiere auch
ohne nachfolgenden Blutentzug. Das Verfahren ist zur Tötung von Rindern auch weiterhin zugelassen (Anlage 3 TierSchlV), sofern deren Kadaver anschließend in einer Tierkörperbeseitigungsanstalt unschädlich beseitigt werden.
Im Schlachtbetrieb garantierte der Einsatz des Rückenmarkszerstörers, dass die bolzenschussbetäubten Tiere nicht wieder aus der Betäubung erwachten. Aus diesem Grund wurde er insbesondere dann eingesetzt, wenn es nicht möglich war, die Tiere unmittelbar nach der Betäubung zu
entbluten. Sein Einsatz verhinderte aber gleichzeitig, dass Fehler bei der Betäubung und Entblutung erkannt und abgestellt wurden. Wo der Rückenmarkszerstörer nach seinem EU-weiten Verbot einfach weggelassen wurde, ohne den Schlachtablauf entsprechend anzupassen, waren daher unzureichende Betäubungsergebnisse vorprogrammiert.
Was ist die Bolzenschussbetäubung?
Zur Betäubung der Rinder vor dem Blutentzug wird mit speziellen, munitions- oder druckluftangetriebenen Bolzenschussgeräten ein 7-11 cm langer Bolzen von ca. 1 cm Durchmesser in den
Schädel des Tieres geschossen. Der Bolzen wird anschließend durch Rückholfedern automatisch
wieder in den Schussapparat zurückgezogen. Dieser gesamte Vorgang dauert noch nicht einmal 2
Millisekunden (14).
Die Bolzenschussbetäubung führt zu einer sofortigen, tiefen und anhaltenden Bewusstlosigkeit.
Sie ist nach übereinstimmenden Untersuchungsergebnissen ein tierschutzgerechtes Betäubungsverfahren (1, 2, 3, 4, 5, 6, 7, 10, 12, 13, 14). Die Reaktionsfähigkeit des Gehirns auf Reize aus der
Außenwelt ist mit dem Bolzenschuss nachweislich erloschen. Sie kehrt auch nicht wieder, sofern
der Blutentzug innerhalb 60 Sekunden stattfindet (2).
Wie wirkt die Bolzenschussbetäubung?
Die Wirkungsweise der Bolzenschussbetäubung ist zweifach (3). Der Aufschlag des Bolzens auf
dem Schädeldach bewirkt eine Gehirnerschütterung, die mit einer kurzen Bewußtlosigkeit verbunden ist. Das Eindringen des Bolzens in den Kopf verursacht zudem umfangreiche Gehirnschäden.
Hierdurch wird die Dauer der Wahrnehmungs- und Empfindungslosigkeit erheblich verlängert. Sie
kann bei Zerstörung lebenswichtiger Hirnstammbereiche wie dem Atemzentrum sogar irreversibel
sein. Da eine sofortige Tötung durch alleinige Anwendung des Bolzenschusses jedoch nicht garantiert werden kann, muss bei der Schlachtung der Tod unverzüglich durch Blutentzug herbeigeführt werden.
Voraussetzungen für eine tierschutzgerechte Bolzenschussbetäubung
Voraussetzung für eine sofortige, tiefe und bis zum Tode durch Entbluten anhaltende Betäubungswirkung ist die korrekte Durchführung der Bolzenschussbetäubung.
Funktionsfähige und geeignete Bolzenschussgeräte
Hierzu gehört, dass nur geeignete, gut gewartete und gepflegte Bolzenschussgeräte verwendet
werden. Die Geräte sind an jedem Arbeitstag vor Arbeitsbeginn auf ihre Funktionsfähigkeit zu
prüfen und erforderlichenfalls mehrmals täglich zu reinigen (§ 13 Abs. 2 Satz 1 TierSchlV). In jedem Fall sollten sie am Ende jeden Arbeitstages auseinandergenommen und gründlich gereinigt
Bolzenschussgeräte sind alle zwei Jahre, bei Funktionsmängeln sofort, dem Hersteller oder einer
von ihm benannten Stelle zur Überprüfung einzusenden. Abgenutzte oder verschlissene Teile
werden dabei ausgetauscht. Die Überprüfung muss - ähnlich wie beim Auto-TÜV - durch eine
Prüfplakette auf dem Gerät und eine Prüfbescheinigung dokumentiert werden (§ 15 Abs. 1 der
Bekanntmachung der Neufassung der Dritten Verordnung zum Waffengesetz vom 2. September
1991, BGBl I S. 1872). Dies gilt auch für das Ersatzgerät, das am Betäubungsplatz einsatzbereit
vorhanden sein muss (§ 13 Abs. 2 Satz 2 TierSchlV).
Der Bolzen muss vor der Betäubung vollkommen in das Gehäuse eingeschoben werden und dort
einrasten. Ausgeleierte Rückholfedern und verschmutzte oder beschädigte Bolzen und Läufe können die Geschwindigkeit des Bolzens drastisch verringern. Damit reduziert sich die Aufschlagskraft und es kommt vermehrt zu Fehlbetäubungen (1, 2, 14). Länge und Durchmesser des Bolzens
sollten so bemessen sein, dass die lebenswichtigen Zentren der Hirnbasis bei den zu betäubenden Tierarten erreicht und zerstört werden (6, 9).
Funktionsfähige und geeignete Munition
Die verwendeten Kartuschen müssen zum Bolzenschussgerät passen. Die Stärke der Treibladung
muss ausreichen, um den Bolzen in voller Länge in das Gehirn zu treiben. Für unterschiedlich
große und schwere Tiere (Kalb, Jungrind, Kuh, Bulle) sind daher entsprechend den Herstellerangaben Treibladungen unterschiedlicher Stärke zu verwenden. Die Kartuschen werden vom Hersteller üblicherweise durch einen Farbcode gekennzeichnet. Dabei ist zu beachten, dass diese
Farbcodes nicht genormt sind und verschiedene Hersteller für gleiche Treibladungsstärken unterschiedliche Farbcodes verwenden (7, 8, 11). Die Munition ist trocken und erschütterungsfrei aufzubewahren. Feuchtgewordene oder offene Kartuschen, aus denen Pulverkörner herausgefallen
sind, reduzieren die Stärke der Treibladung und führen zu Fehlbetäubungen (11).
Sachkunde des Schlachtpersonals
Das Schlachtpersonal, welches die Bolzenschussbetäubung ausführt, muss über die hierfür notwendigen Kenntnisse und Fähigkeiten verfügen. Diese müssen in Deutschland durch eine Sachkundebescheinigung nachgewiesen werden (§ 4 TierSchlV). Personen, welche die erforderliche
Sachkunde nicht durch ihre Berufsausbildung erlangt haben, können die Bescheinigung in einem
Kursus mit anschließender Prüfung erwerben. Solche Kurse bietet beispielsweise das Beratungsund Schulungsinstitut für schonenden Umgang mit Zucht- und Schlachttieren (bsí) in Schwarzenbek an (bsi, Postfach 14169, 21487 Schwarzenbek).
Ruhigstellung der Tiere vor der Betäubung
Zur Vorbereitung der Betäubung müssen die Tiere in eine solche Stellung gebracht werden, dass
der Bolzenschussapparat ohne Schwierigkeiten, genau und so lange wie nötig angesetzt werden
kann (§ 12 Abs. 1 Satz 1 TierSchlV). Werden Rinder sehr unterschiedlicher Größe geschlachtet,
ist eine bewegliche Rückwand der Betäubungsfalle nützlich. Durch Vorschieben dieser Rückwand
kann die Box verkleinert werden, um kleinere Rinder am Zurückweichen zu hindern.
Einschränkung der Kopfbewegungen
Seit dem 1. April 2001 müssen bei Rindern zusätzlich auch die Kopfbewegungen eingeschränkt
werden (§ 12 Abs. 1 Satz 2 TierSchlV). Bei guter Ausgestaltung der Betäubungsbox genügt dafür
oft schon ein einfacher Kopfkeil. Aber auch andere Vorrichtungen zur Einschränkung der Kopfbewegungen sind möglich. Beispielsweise Fanggatter (in Form eines von den Seiten anpressbaren
Halsbügels, der das Zurückziehen des Kopfes verhindert) oder Kinnheber (in Form eines beweglichen Stempels, der das Senken des Kopfes verhindert). Eine solche Fixierung des Kopfes schafft
gleichzeitig gute Voraussetzungen für einen optimalen Ansatz des Bolzenschussapparates
Das Tier ist nach dem Ruhigstellen in der Betäubungsbox unverzüglich zu betäuben, da die Bewegungseinschränkung vom Tier nur für kurze Zeit ohne Abwehrreaktionen geduldet wird. Das
Ablesen und Aufschreiben der Ohrmarkennummern sollte daher nicht vom Betäuber vorgenommen werden.
Korrekte Schussposition
Wichtig ist auch der korrekte Ansatz des Bolzenschussgerätes. Beim Rind ist dies der Kreuzungspunkt der Verbindungslinien zwischen der Mitte des Hornansatzes der einen und der Augenmitte
(5) bzw. dem äußerem Augenwinkel (6) der gegenüberliegenden Seite. Der Bolzenschussapparat
muss senkrecht auf die Stirn gesetzt werden (5, 6). Er sollte wegen des zu erwartenden Rückstoßes fest angedrückt werden. Bei von der korrekten Schussposition abweichendem Ansatz, Abfeuern aus der Luft oder schrägem Eindringen in den Kopf sind Fehlbetäubungen zu erwarten (2).
Unverzügliche Entblutung
Nach der Bolzenschussbetäubung ist das Rind sofort aus der Betäubungsbox heraus zu nehmen
und unverzüglich zu entbluten. Der Entblutungsschnitt muss spätestens 60 Sekunden nach dem
Bolzenschuss erfolgt sein (Anlage 2 TierSchlV). Um eine rasche und vollständige Ausblutung zu
gewährleisten, müssen beide Halsschlagadern durchtrennt werden. Alternativ kann der sogenannte Bruststich ausgeführt werden, bei dem das gemeinsame Ursprungsgefäß der Halsschlagadern in Herznähe durchtrennt wird.
Um die vorgeschriebene Frist zwischen Betäubung und Entblutung einzuhalten, sind die nachfolgenden Arbeitsschritte - das Anketten des Hinterbeins, das Einhängen ins Schlachtband und das
Vorschieben zum Entblutungsplatz - unverzüglich auszuführen, sofern die Entblutung nicht im Liegen eingeleitet wird. Nicht der Vorbereitung des Entblutungsschnittes dienende Arbeiten wie das
Ablesen und Notieren der Ohrmarken sind in dieser Zeit tunlichst zu unterlassen, da sie den Entblutungsschnitt unnötig verzögern.
Vor weiteren Schlachtarbeiten den Tod des Tieres abwarten
Weitere Schlachtarbeiten dürfen erst vorgenommen werden, wenn keine Bewegungen des Tieres
mehr wahrzunehmen sind (§ 13 Abs. 4 Satz 1 TierSchlV). Arbeitsschritte wie das Absetzen der
Klauen, das Abtrennen der Ohren, das Anlegen weiterer Hautschnitte oder das Abbinden der
Speiseröhre sind erst nach dem Ende der Ausblutung
(http:/www.tierschutz-tvt.de/schlachtung.html) zulässig.
Anzeichen einer guten Betäubungswirkung
Eine gute Betäubung erkennt man daran, dass das Tier im Bolzenschuss niederstürzt und kurzzeitig in einen Starrkrampf verfällt, bevor es erschlafft. Auch seine Augen sind starr und reagieren
nicht auf Berührung. Das Tier atmet nicht mehr und versucht auch nicht, sich aufzurichten (4, 5, 6,
7, 10. 12,).
Wurden durch den Bolzenschuss bestimmte Bereiche des Hirnstamms zerstört, liegt das Tier in
der Regel ruhig. Anderenfalls kann es nach dem Bolzenschuss zu heftigen epilepsieartigen
Krampfanfällen kommen. Diese sind zwar kein Beleg für eine unzureichende Betäubung, behindern und verzögern aber das Anschlingen, Aufhängen und Entbluten erheblich und gefährden das
Schlachtpersonal (4, 5, 6, 7, 12).
Die von den Unfallverhütungsvorschriften der Fleischerei-Berufsgenossenschaft (http://www.bcverlag.de/UVVen/17/56.HTM) geforderte ausreichende Reflexlosigkeit der Tiere kann nach dem
Verbot des Rückenmarkszerstörers auch durch eine Elektroimmobilisation oder das Auslösen von
Herzkammerflimmern erzielt werden.
Für die Elektroimmobilisation (http://www.tierschutz-tvt.de/schlachtung.html) können den betäubten Tieren Elektroden in Maulwinkel und Schwanzfalte geklemmt werden, über die ein schwacher
elektrischer Strom geleitet wird. Die Betäubungswirkung des Bolzenschusses wird dadurch nicht
verlängert. Die Entblutung muss daher in jedem Fall innerhalb der vorgeschriebenen Zeit ausgeführt sein.
Alternativ ist das Einführen einer Elektrode in das Einschussloch und das Verbinden der zweiten
Elektrode mit dem metallenen Liegerost möglich. (Die in die Einschussöffnung eingeführte Elektrode ist in die besonderen BSE-Dekontaminationsmassnahmen einzubeziehen!)
Auslösen von Herzkammerflimmern
Das Auslösen von Herzkammerflimmern mittels elektrischer Herzdurchströmung führt zum Kreislaufstillstand. Es kommt einer Tötung der Tiere gleich und ersetzt insofern den Rückenmarkszerstörer. Die Herzdurchströmung (http://www.tierschutz-tvt.de/bolzenschuss.html) kann mit einer
speziellen Elektrobetäubungszange ausgeführt werden, die an beiden Seiten der Brustwand in
Herznähe angesetzt wird. Der Ausführende muss sich hierbei jedoch zwischen die Beine des Tieres begeben und ist dort extrem gefährdet, wenn das Tier nicht reflexlos ist. Diese Art der Herzdurchströmung sollte daher nur unter Elektroimmobilisation ausgeführt werden.
Ein Depolarisierung des Rückenmarks durch einen hohen Stromstoss über die am Maul und der
Schwanzfalte angeklemmten Elektroden würde zwar auch zur Reflexlosigkeit führen und eine separate Herzdurchströmung eventuell überflüssig machen. Sie erfordert aber höhere Spannungen
als aus Gründen des Arbeitsschutzes zulässig sind.
Probleme bei der Bolzenschussbetäubung
Probleme bei der Bolzenschussbetäubung entstehen insbesondere bei schlecht konstruierten
Betäubungsboxen, unzureichender Einschränkung der Kopfbewegungen, mit Funktionsmängeln
behafteten Bolzenschussgeräten, unsachgemäßer Handhabung der Bolzenschussgeräte oder
verspätetem Blutentzug.
Konstruktionsmängel der Betäubungsboxen
Bei Betäubungsboxen mit niedrigen Seitenwänden finden sich häufig im Kopfteil angebrachte Bügel, die ein Herausspringen der Tiere verhindern sollen. Solche Bügel können nicht nur den Ansatz des Schussapparates behindern, sondern auch den Betäuber gefährden, der zwischen ihnen
hindurchlangen muss, um den Bolzenschussapparat aufsetzen zu können.
Unzureichende Einschränkung der Kopfbewegungen
Plötzliches Zurückziehen oder Wegdrehen des Kopfes oder das Abtauchen der Tiere sind ein
häufiger Grund für Fehlschüsse. Aus diesem Grund ist ab dem 1. April 2001 die Einschränkung
der Kopfbewegungen nach der Tierschutz-Schlachtverordnung zwingend vorgeschrieben (§ 12
Abs. 1 Satz 2 TierSchlV).
Funktionsmängel der Bolzenschussgeräte
Insbesondere ungepflegte, schlecht gereinigte oder unzureichend gewartete Bolzenschussapparate können zu Betäubungsmängeln führen. Sie sind durch geeignete funktionstüchtige zu ersetzen. Auf die Einhaltung der vorgeschriebenen Überprüfungsfristen ist zu achten. Bewirkt der verwendete Bolzenschussapparat trotz technisch einwandfreier Funktion keine gute Betäubung, ist er
zu schwach für die zu betäubende Tierart und muss durch ein schwereres Gerät ersetzt werden.
Bei schweren Rindern mit üppigem Stirnhaar wird der Aufprall des Bolzens auf dem Schädeldach
durch das Haarpolster gedämpft. Der Aufschlag kann in diesem Fall zu schwach sein, um eine
schwere Gehirnerschütterung auszulösen, oder der Bolzen dringt nicht tief genug ins Gehirn ein,
um die lebenswichtigen Zentren zu zerstören. Da ein vorhergehendes Scheren des Stirnhaars
meistens nicht praktikabel ist, müssen in diesem Fall schwerere Bolzenschussgeräte mit längerem
Bolzen und stärkerer Munition verwendet werden.
Fehlerhafter Gebrauch der Bolzenschussgeräte
Deutlich abweichende Schusspositionen (zu hoher oder zu tiefer Ansatz, Schrägschüsse) führen
ebenfalls zu unzureichender Betäubung. Wird die Gehirnbasis nicht getroffen, ist die durch den
Aufprall auf das Schädeldach ausgelöste Bewusstlosigkeit häufig nur von kurzer Dauer.
Verspätete Entblutung
Manche Schlachtbetriebe haben aufgrund ihrer baulichen und technischen Einrichtung Probleme,
die vorgeschriebene Frist von 60 Sekunden zwischen Bolzenschuss und Entbluten einzuhalten.
Eine Verlängerung dieses Zeitraums ist nach § 14 Abs. 1 TierSchlV jedoch nur dann gestattet,
wenn durch weitergehende Maßnahmen sichergestellt ist, dass die Tiere bis zum Tod durch Entbluten wahrnehmungs- und empfindungslos bleiben. Wo eine Zeitüberschreitung aufgrund des
Einsatzes des Rückenmarkszerstörers bisher toleriert werden konnte, darf dieser nicht ersatzlos
weggelassen werden. Kommt eine Liegendentblutung aus hygienischen Gründen nicht in Frage
und kann das Anschlingen, Aufhängen und Entbluten der betäubten Tiere nicht so beschleunigt
werden, dass innerhalb 60 Sekunden entblutet wird, erscheint derzeit das sofortige Auslösen von
Herzkammerflimmern nach der Bolzenschussbetäubung die einzige Möglichkeit zur Gewährleistung des Tierschutzes.
Überwachung der Bolzenschussbetäubung
In Deutschland muss in Schlachtbetrieben, die im Durchschnitt mindestens 50 Großvieheinheiten
pro Woche schlachten (das entspricht 50 Rindern über 300 kg Lebendgewicht oder 100 Rindern
bis 300 kg Lebendgewicht) ein weisungsbefugter Tierschutzverantwortlicher benannt sein, der für
die Einhaltung der geltenden Tierschutzvorschriften bei der Schlachtung verantwortlich ist. Auch
selbständige Lohnschlachtkolonnen müssen einen solchen Tierschutzverantwortlichen haben. (§
16 Abs. 4a Tierschutzgesetz).
Auch die Veterinärüberwachung muss auf die Einhaltung der Tierschutzbestimmungen bei der
Bolzenschussbetäubung achten und bei tierschutzwidrigen Zuständen einschreiten. Sie kann dabei auf eine Checkliste des BgVV zurückgreifen.
Risiko der Kontamination des Fleisches durch den Bolzenschuss
Das Risiko der Verschleppung von BSE-Erregern über den Kreislauf ins Fleisch
(www.heynkes.de/emboli.htm) besteht allerdings nicht nur beim Einsatz des Rückenmarkszerstörers oder von (in Deutschland nicht verwendeten) gasinjizierenden Bolzenschussgeräten. Jüngst
veröffentliche Untersuchungsergebnisse der Universität Bristol (www.heynkes.de/jlb.htm) weisen
eine solche Verschleppung auch beim Einsatz konventioneller Bolzenschussapparate nach, wie
sie in Deutschland üblich sind.
Das BgVV wiederholt daher die bereits in seinem Gutachten von 1998 ausgesprochene Empfehlung, die Bolzenschussbetäubung in Ländern, in denen BSE vorkommt, baldmöglichst durch die
Elektrobetäubung zu ersetzen, um das Risiko einer Verschleppung von BSE-Erregern in das
Fleisch auszuschließen.
1991, BGBl I S. 1872
Verordnung über die hygienischen Anforderungen und amtlichen Untersuchungen beim Verkehr
mit Fleisch (Fleischhygiene-Verordnung - FlHV) in der Fassung der Bekanntmachung vom 21. Mai
1997 (BGBl I S. 1138), zuletzt geändert mit Verordnung vom 23. Mai 2001 (BGBl I S. 982)
Verordnung zum Schutz von Tieren im Zusammenhang mit der Schlachtung und Tötung (Tierschutz-Schlachtverordnung - TierSchlV) vom 3. März 1997, BGBl I S. 405, zuletzt geändert mit
Verordnung vom 25. November 1999 (BGBl I S. 2392)
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Merkblatt zur Lasertherapie
GeSUndheitS-FrAGeboGen PATIENT VERSICHERTER
Leistenbruch - St. Agatha
Sachkundebescheinigungen auch bei Geflügel
Folder Dr. Grassegger
Abschlussbericht "Schlachttiertechnik“
Mögliche Kontamination der Lunge von Rindern mit Hirngewebe
BGBl II 312/2015
"Werfen wie Robert Harting", "Nur Fliegen ist schöner", "Sprinten wie