Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Text=BGHZ%20149,%20100
Timestamp: 2019-06-18 16:18:07
Document Index: 70880278

Matched Legal Cases: ['BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 10', '§ 266', '§ 10', '§ 266', '§ 10', '§ 266', '§ 129', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 30', 'BGH', 'BGH', '§ 130', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH']

BGH, 25.10.2001 - IX ZR 17/01 - dejure.org
https://dejure.org/2001,23
BGH, 25.10.2001 - IX ZR 17/01 (https://dejure.org/2001,23)
BGH, Entscheidung vom 25.10.2001 - IX ZR 17/01 (https://dejure.org/2001,23)
BGH, Entscheidung vom 25. Januar 2001 - IX ZR 17/01 (https://dejure.org/2001,23)
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GesO § 10 Abs. 1 Nr. 4; StGB § 266 a;
Vorenthaltung von Arbeitsentgeld - Antrag auf Eröffnung der Gesamtvollstreckung - Beitragszahlungen des Gesamtvollstreckungsschuldners - Sozialversicherungsträger - Zahlungseinstellung - Benachteiligung anderer Gläubiger
Anfechtbarkeit des "Arbeitnehmeranteils" an Beitragszahlung zur Sozialversicherung
Gläubigerbenachteiligung durch Beitragszahlungen des Gesamtvollstreckungsschuldners an Sozialversicherungsträger auch insoweit, als sie auf Arbeitnehmeranteile zu verrechnen sind; zur Frage der Beseitigung der einmal eingetretenen Zahlungseinstellung
GesO § 10 Abs. 1 Nr. 4; StGB § 266a
Zahlungen an Sozialversicherungsträger nach Insolvenzantrag
GesO § 10 Abs. 1 Nr. 4; StGB § 266a; InsO §§ 129, 130, 131
Gläubigerbenachteiligung durch Beitragszahlungen an Sozialversicherungsträger; keine Beseitigung einer Zahlungseinstellung durch Wiederaufnahme von Zahlungen nur an einzelne Gläubiger
BGHZ 149, 100
NJW 2002, 512
ZIP 2001, 2235
MDR 2002, 418
NZI 2002, 88
NZS 2002, 309
NJ 2002, 315
VersR 2002, 619
WM 2001, 2398
BB 2002, 590
DB 2002, 265
NZG 2002, 137
a) Der Zeitraum, innerhalb dessen die Zahlungsstockung beseitigt sein muß, andernfalls sie als Zahlungsunfähigkeit behandelt wird, ist unter der Geltung der Konkursordnung und der Gesamtvollstreckungsordnung auf etwa einen Monat begrenzt worden (BGHZ 149, 100, 108;… BGH, Urt. v. 3. Dezember 1998 - IX ZR 313/97, WM 1999, 12, 14; v. 4. Oktober 2001 - IX ZR 81/99, WM 2001, 2181, 2182).
Das hätte derjenige zu beweisen, der sich hierauf beruft (BGHZ 149, 100, 101).
Dafür, dass die Schuldnerin ihre Zahlungen im Allgemeinen wieder aufgenommen und damit die eingetretene Zahlungseinstellung beseitigt hätte (vgl. BGH, Urteil vom 25. Oktober 2001 - IX ZR 17/01, BGHZ 149, 100, 109;… vom 20. Dezember 2007 - IX ZR 93/06, ZIP 2008, 420 Rn. 24 mwN), besteht kein Anhalt.
Sie kann nur dadurch wieder beseitigt werden, daß die Zahlungen im allgemeinen wieder aufgenommen werden (BGH, Urt. v. 25. Oktober 2001 - IX ZR 17/01, z.V.b. in BGHZ m.w.N.;… vgl. auch BGH, Urt. v. 25. September 1952 - IV ZR 13/52, LM § 30 KO Nr. 1 Bl. 2).
Denn wenn der anfechtende Insolvenzverwalter für einen bestimmten Zeitpunkt den ihm obliegenden Beweis der Zahlungsunfähigkeit des Schuldners geführt hat, ist es Sache des Anfechtungsgegners, seine Behauptung zu beweisen, daß diese Voraussetzung zwischenzeitlich wieder entfallen ist (BGH, Urt. v. 25. Oktober 2001 - IX ZR 17/01, z.V.b. in BGHZ).
Ob dies ohne weiteres auf § 130 Abs. 2 InsO übertragen werden kann, braucht hier nicht entscheiden zu werden (vgl. auch Senatsurt. v. 25. Oktober 2001 - IX ZR 17/01, z.V.b. in BGHZ).
Diese Erfahrungswerte verbieten einen Schluß des antragstellenden Gläubigers dahin, daß - nur weil er selbst Zahlungen erhalten hat - der Schuldner seine Zahlungen auch im allgemeinen wieder aufgenommen habe (vgl. Senatsurt. v. 14. Oktober 1999 - IX ZR 142/98, NJW 2000, 211, 212 f; v. 25. Oktober 2001 - IX ZR 17/01, z.V.b. in BGHZ; Beschl. v. 30. April 1998 - IX ZR 141/97, Leitsatz in ZInsO 1998, 141 f, zu OLG Dresden ZIP 1997, 1036 f; OLG Hamm ZIP 1996, 469 f; LG Magdeburg DZWIR 1999, 472, 473 f).
Zahlungseinstellung ist nach ständiger Rechtsprechung zu bejahen, sobald aus dem nach außen hervortretenden Verhalten des Schuldners für die beteiligten Verkehrskreise sichtbar wird, daß er nicht in der Lage ist, seine fälligen, eingeforderten Zahlungsverpflichtungen im wesentlichen zu erfüllen (BGHZ 149, 100, 108;… BGH, Urt. v. 17. Mai 2001 - IX ZR 188/98, NZI 2001, 417 m.w.N.).
Tatsachen für eine spätere Beseitigung der Zahlungsunfähigkeit, die der Beklagte als Anfechtungsgegner hätte darlegen und beweisen müssen (vgl. BGHZ 149, 100, 109 f), sind nicht vorgetragen.
Eine solche ließe sich nur im Wege eines Treuhandverhältnisses begründen, das indessen nicht allein durch die gesetzlichen und vertraglichen Pflichten des Arbeitgebers aus dem Arbeitsverhältnis begründet wird (BGHZ 149, 100, 105 f;… BGH, Urt. v. 10. Juli 2003, aaO S. 1668).
Sonstige Tatsachen, die nach der höchstrichterlichen Rechtsprechung geeignet wären, eine Treuhandstellung der Arbeitnehmer zu begründen (vgl. dazu BGHZ 149, 100, 105 f;… BGH, Urt. v. 24. Juni 2003 - IX ZR 75/01, WM 2003, 1733, 1734 f;… v. 10. Juli 2003, aaO S. 1668), hat der Beklagte nicht vorgetragen.
Sie drohten weder mit der Stellung eines Insolvenzantrags (vgl. BGH, Urteil vom 25. Oktober 2001 - IX ZR 17/01, BGHZ 149, 100, 111; vom 18. Dezember 2003 - IX ZR 199/02, BGHZ 157, 242, 245 ff), einer Strafanzeige (vgl. BGH, Urteil vom 9. Juni 2005 - IX ZR 152/03, NZI 2005, 497) oder mit der Zwangsvollstreckung (vgl. BGH…, Urteil vom 18. Dezember 2003, aaO 245 f).
Unter der Geltung der Konkursordnung und der Gesamtvollstreckungsordnung war der Zeitraum, innerhalb dessen eine Zahlungsstockung behoben sein musste, wenn sie nicht in die Zahlungsunfähigkeit umschlagen sollte, auf etwa einen Monat begrenzt worden (vgl. BGHZ 149, 100, 108;… BGH, Urt. v. 3. Dezember 1998 - IX ZR 313/97, WM 1999, 12, 14; v. 4. Oktober 2001 - IX ZR 81/99, WM 2001, 2181, 2182).
Wie das Berufungsgericht zu Recht angenommen hat, war es ferner für die Beklagte offensichtlich, daß die Verbindlichkeiten des gewerblich tätigen Schuldners gegenüber der Beklagten und anderen Sozialversicherungsträgern nicht annähernd die einzigen waren (vgl. BGHZ 149, 100, 111).
Angesichts der partiellen Strafbewehrtheit seiner Forderungen muß sich weiter gerade einem Sozialversicherungsträger die allgemeine Erfahrung aufdrängen, daß seine Ansprüche oft vorrangig vor anderen befriedigt werden, deren Nichterfüllung für den insolvenzreifen Schuldner weniger gefährlich ist (BGHZ 149, 100, 113; 149, 178, 191).