Source: https://www.grin.com/document/351826
Timestamp: 2020-08-14 11:56:03
Document Index: 267220872

Matched Legal Cases: ['§ 319', '§ 264', '§ 319', '§ 319', '§ 264', '§ 319', 'Art. 17', 'Art. 17', 'Art. 16', '§ 318', 'Art. 17', 'Art. 28', '§ 318', 'Art. 17', 'Art. 17', 'Art. 23', '§ 322', '§ 322']

Die interne bzw. externe Prüferrotation - GRIN
2 Theoretischer Unterbau
2.1 Interne Rotationspflicht im Sinne des HGB
2.2 Externe Rotationspflicht durch die EU-Abschlussprüfer-reform
3 Modelle zur Messung der Abschlussprüfungsqualität
3.1 Diskretionäre Periodenabgrenzung
3.2 Bestätigungsvermerk
3.3 Restatements
4 Bisherige Forschungsliteratur zur internen und externen Prüferrotation
4.1 Theoretische Fundierung und Hypothesen der Forschungsarbeiten
4.2 Beschreibung der Ergebnisse zur internen Prüferrotation
4.3 Beschreibung der Ergebnisse zur externen Prüferrotation
Bedingt durch diverse Bilanzskandale, wie beispielsweise jener der Firma Enron in den USA im Jahr 2001, stehen Wirtschaftsprüfer verstärkt im Mittelpunkt der Öffentlichkeit.[1] In Folge dieser Vorfälle wurde die Glaubwürdigkeit des Berufsstandes der Abschlussprüfer in Frage gestellt, weshalb dieser einer Regulierung seitens der weltweiten Gesetzgeber unterzogen wurde. Eines der bedeutendsten Gesetze zur Regulierung der Abschlussprüfung in Form des Sarbanes-Oxley-Acts aus dem Jahr 2002 stammt aus den USA.[2] Das Hauptaugenmerk der gesamten Bemühungen besteht darin, eine ausreichend hohe Prüfungsqualität sicherzustellen, die nur bei Unabhängigkeit des Prüfers gegeben ist.[3]
Die Bilanzskandale der Vergangenheit verdeutlichen die Wichtigkeit hoher Prüfungsqualität in der externen Abschlussprüfung. Um die Qualität der Prüfung zu heben, wurden auch auf Ebene der EU und in Deutschland die Regulierungsbestrebungen verstärkt. Die Zielsetzung dieser Arbeit ist daher, vor dem Hintergrund der aktuellen EU-Abschlussprüferreform die Auswirkungen interner bzw. externer Prüferrotation auf die Qualität der Abschlussprüfung zu untersuchen.
Hierfür werden in Kapitel 2 zunächst die interne Rotationspflicht im Sinne des HGB und die externe Rotationspflicht durch die EU-Abschlussprüferreform erläutert. Anschließend erfolgt in Kapitel 3 die Vorstellung von Modellen zur Messung der Qualität der Abschlussprüfung. Als ausgewählte Beispiele werden hier die diskretionären Periodenabgrenzungen, der Bestätigungsvermerk des Abschlussprüfers sowie Restatements dargestellt. In Kapitel 4 wird die bisherige Forschungsliteratur zur internen bzw. externen Abschlussprüferrotation behandelt. Speziell werden hier zunächst die theoretische Fundierung sowie die Hypothesen der bisherigen Studien zu beiden Formen der Abschlussprüferrotation erklärt, ehe anschließend die Ergebnisse einiger Forschungsarbeiten zusammengefasst werden. Das Fazit in Kapitel 5 stellt die Ergebnisse dar und gibt einen kurzen Ausblick.
Bei der gesetzlichen Rotationspflicht wird einerseits in die interne und andererseits in die externe Rotation unterschieden. Die interne Rotation, beschreibt, dass der Prüfer innerhalb derselben Wirtschaftsprüfungsgesellschaft nach einer bestimmten Anzahl von Jahren das Mandat wechseln muss. Im Gegensatz dazu fordert die externe Rotation einen Wechsel der Abschlussprüfungsgesellschaft bei einem Mandanten nach Ablauf eines vorgegebenen Zeitraumes.[4]
Eine interne Rotationspflicht für börsennotierte Unternehmen wurde in Deutschland erstmals durch das KonTraG im Jahr 1998 eingeführt, womit eine Stärkung der Unabhängigkeit des Abschlussprüfers beabsichtigt wurde.[5] Nach § 319 Abs. 1 S. 4 HGB ist eine interne Rotation für kapitalmarktorientierte Unternehmen im Sinne des § 264d HGB notwendig, sofern der Prüfer bei dem Unternehmen bereits in sieben oder mehr Fällen verantwortlich war. Jedoch gilt dies nicht, wenn seit der letzten Beteiligung des Abschlussprüfers an einer Jahresabschlussprüfung zwei oder mehr Jahre vergangen sind.[6] Die Regelungen des § 319 Abs. 1 S. 4 HGB gelten auch für den Prüfer einer bedeutenden Tochtergesellschaft.[7]
Nachdem im Jahr 1998 mit dem KonTraG die Pflicht zur internen Rotation ins deutsche Recht eingeführt wurde, wird diese nun durch die Pflicht zur externen Rotation der gesetzlichen Abschlussprüfer von Unternehmen des öffentlichen Interesses ergänzt.[8] Die entsprechende EU-Verordnung zur externen Abschlussprüferrotation ist am 16.06.2014 in Kraft getreten und wirkt seit dem 17.06.2016 unmittelbar für Unternehmen in jedem Mitgliedsstaat der EU.[9]
In der EU-Verordnung ist verankert, dass Unternehmen von öffentlichem Interesse dieselbe Abschlussprüfungsgesellschaft für höchstens zehn Jahre bestellen dürfen.[10] Sobald die Höchstlaufzeit von zehn Jahren abgelaufen ist, scheidet der Abschlussprüfer grundsätzlich aus dem Prüfungsmandat aus. Jedoch kann die Bestelldauer des Prüfers auch nach Ablauf dieser Frist um weitere zehn Jahre verlängert werden, sofern eine öffentliche Ausschreibung organisiert wird.[11] Falls eine Gemeinschaftsprüfung bzw. ein Joint Audit durchgeführt wird, kann sich die Bestelldauer des Abschlussprüfers sogar um weitere 14 Jahre verlängern, wenn die Abschlussprüfung zur Vorlage eines gemeinsamen Bestätigungsvermerks führt.[12] Ein Abschlussprüfer oder eines seiner Netzwerkmitglieder darf nach Ausscheiden aus der Abschlussprüfung eines Unternehmens des öffentlichen Interesses erst nach Ablauf einer Karenzzeit von vier Jahren wieder dessen Prüfung übernehmen.[13] Darüber hinaus bleibt die Pflicht zu der in Kapitel 2.1 beschriebenen internen Rotation der verantwortlichen Prüfungspartner des Unternehmens des öffentlichen Interesses nach sieben Jahren von der Pflicht zur externen Rotation unberührt.[14]
Um die Durchsetzung der externen Rotationspflicht zu gewährleisten, sieht die EU Sanktionsbefugnisse bei Verstößen gegen die Vorgaben der EU-Verordnung vor. Diese richten sich sowohl gegen Abschlussprüfer und Prüfungsgesellschaften als auch gegen Mitglieder von Verwaltungs- und Leitungsorganen eines Unternehmens des öffentlichen Interesses.[15]
Die Abschlussprüfungsqualität kann als die Unabhängigkeit des Abschlussprüfers gegenüber dem geprüften Unternehmen definiert werden, d. h. insbesondere inwieweit der Prüfer Fehler in der Rechnungslegung erkennt und bereit ist, diese zu berichtigen.[16] In der Literatur finden sich verschiedene Modelle zur Messung der Qualität der Abschlussprüfung, von denen im Folgenden drei beschrieben werden.
Periodenabgrenzungen entstehen, sofern eine zeitliche Differenz zwischen der Ein- oder Auszahlung und deren Erfassung als Ertrag oder Aufwand vorliegt.[17] Dabei kann durch die Gestaltung von Periodenabgrenzungen letztlich der periodenbezogene Gewinnausweis beeinflusst werden. Wichtig ist somit die Abgrenzung von normalen Periodenabgrenzungen, die in den Vorschriften eines Rechnungslegungsstandards verankert sind, und strategischen, sog. diskretionären Periodenabgrenzungen, welche allein dem Earnings Management bzw. der Bilanzpolitik dienen. Bei dieser Abgrenzung tritt jedoch die Problematik einer empirischen Messung der Bilanzpolitik auf, da grundsätzlich nur die gesamten Abgrenzungen eines Unternehmens beobachtbar sind. Welcher Teil der Periodenabgrenzungen als normal anzusehen ist, wird in der Wissenschaft oft durch Hypothesenbildung über deren zeitliche Entwicklung abgeschätzt.[18] Weiterhin existieren regressionsbasierte Modelle zur Schätzung des Ausmaßes an Bilanzpolitik, wie etwa das Modell von Jones (1991). Dieses geht davon aus, dass die normalen Periodenabgrenzungen mit der wirtschaftlichen Entwicklung des Unternehmens variieren.[19] Negative diskretionäre Periodenabgrenzungen deuten auf eine ergebnismindernde Bilanzpolitik hin, was als Maßgröße für eine konservative Rechnungslegung und damit auch als eine höhere Abschlussprüfungsqualität interpretiert werden kann.[20]
Der Bestätigungsvermerkt ist neben dem Prüfungsbericht das Ergebnis einer Abschlussprüfung und steht den externen Adressaten zur Verfügung.[21] Er beinhaltet eine kurze Darstellung des Prüfungsergebnisses sowie eine Aussage über die Übereinstimmung des Abschlusses mit den GoB und den Rechnungslegungsnormen.[22] Falls der Abschlussprüfer den Bestätigungsvermerk einschränkt oder mit einem Hinweis versieht, z.B. weil eine Anhangangabe fehlt, so kann dies als hohe Qualität der Prüfung interpretiert werden, da der Prüfer Prüfungsgrundsätze beachtet und sich entgegen dem Interesse des Mandanten verhält, indem er Unrichtigkeiten aufdeckt. Insofern wird die Verwendung von Bestätigungsvermerken im Jahresabschluss oftmals als Indikator für Abschlussprüfungsqualität herangezogen.[23]
Ein Restatement, worunter man die nachträgliche Änderung von Vorjahresabschlüssen versteht, ist nötig, sofern Jahresabschlussinformationen aufgrund der falschen Anwendung von Rechnungslegungsstandards nicht korrekt sind.[24] Es konnte empirisch nachgewiesen werden, dass Restatements häufiger im Anschluss an einen Prüferwechsel vorgenommen werden als bei einem fortlaufenden Prüfer-Mandanten-Verhältnis, was in der Literatur als Korrektur des neuen Prüfers an der Arbeit seines Vorgängers interpretiert wird.[25] Neben den zuvor beschriebenen Indikatoren stellen also auch Restatements ein Modell zur Messung der Abschlussprüfungsqualität dar.[26]
[1] Vgl. Angus, D. (2009), S. 400.
[2] Vgl. Miller, R. I./Pashkoff, P. H. (2002), S. 33.
[3] Vgl. DeAngelo, L. E. (1981a), S. 115 f.; ebenso DeAngelo, L .E. (1981b), S. 186.
[4] Vgl. Zimmermann, R. C. (2008), S. 22.
[5] Vgl. KonTraG (1998).
[6] Vgl. § 319 Abs. 1 S. 4 HGB i. V. m. § 264d HGB.
[7] Vgl. § 319a Abs. 2 S. 2 HGB; Die Einstufung als bedeutendes Tochterunternehmen ist nicht
exakt definiert und im Einzelfall zu beurteilen. Von einem bedeutenden Tochterunternehmen
kann ausgegangen werden, wenn deren Einbeziehung in den Konzernabschluss erheblichen
Einfluss auf die Vermögens-, Finanz- und Ertragslage des Konzerns hat (z.B. wenn das Toch-
terunternehmen mehr als 20% des Konzernvermögens hält oder mit mehr als 20% an den
Konzernumsätzen beteiligt ist.; vgl. BT-Drucksache 16/10067 (2008), S. 89.
[8] Vgl. EY (2015a), S. 6.
[9] Vgl. EY (2015b), S. 4.
[10] Vgl. EU-Kommission (2014), L 158/97; Art. 17, Abs. 1.
[11] Vgl. EU-Kommission (2014), L 158/98; Art. 17, Abs. 4a i. V. m. L 158/96 f.; Art. 16, Abs. 2-5 i. V. m. § 318 Abs. 1a HGB.
[12] Vgl. EU-Kommission (2014), L 158/98; Art. 17, Abs. 4b i. V. m. EG-Kommission (2006), L 157/98; Art. 28 i. V. m. § 318 Abs. 1a HGB.
[13] Vgl. EU-Kommission (2014), L 158/98; Art. 17, Abs. 3.
[14] Vgl. EU-Kommission (2014), L 158/98; Art. 17, Abs. 7.
[15] Vgl. EU-Kommission (2014), L 158/101; Art. 23, Abs. 3.
[16] Vgl. DeAngelo, L. E. (1981b), S. 186.
[17] Vgl. Szczesny, A. (2007), S. 105.
[18] Vgl. Thomas, J./Zhang, X. (2000), S. 353 f.
[19] Vgl. Jones, J. (1991), S. 210 f.; vgl. auch weitere Studien, die mit diskretionären Periodenab- grenzungen arbeiten z.B. von Healy, P. M. (1985), S. 103; DeAngelo, L. E. (1986), S. 408.; DeFond, M. L./Jiambalvo, J. (1994), S. 174.
[20] Vgl. Gul, F. u. a. (2009), S. 280.
[21] Vgl. IDW (2000), S. 707 f.
[22] Vgl. § 322 Abs. 1 HGB. vgl. auch § 322 Abs. 2 Nr. 1-4 HGB: Unterschieden wird zwischen einem uneingeschränkten, eingeschränkten, versagten Bestätigungsvermerk wegen Einwen- dung und Versagung, weil der Prüfer kein Urteil abgeben konnte.
[23] Vgl. Studien, die mit eingeschränkten Bestätigungsvermerken arbeiten z.B. von Wines, G. (1994), S. 83.; Sharma, D. S./Sidhu, J. (2001), S. 623.; Craswell, A. u. a. (2002), S. 273.; Lai, K.-W./Yim, A. T. L. (2003), S. 15.
[24] Vgl. Hennes u. a. (2008), S. 1488.
[25] Vgl. Lazer, R. u. a. (2004), S. 22.
[26] Vgl. Studien, welche die Unabhängigkeit der Prüfer mit Restatements in Verbindung bringen z.B. von Raghunandan, N. u. a. (2003) S. 232.; Kinney, W. R. u. a. (2004), S. 584.; Agrawal
A./Chadha, S. (2005), S. 404.
Forschungsseminar zur Internationalen Rechnungslegung & Wirtschaftsprüfung
V351826
9783668382015
9783668382022
Prüfungsqualität, Prüferrotation, intern, extern, EU-Abschlussprüferreform
Johannes Steger (Autor), 2016, Die interne bzw. externe Prüferrotation. Auswirkungen auf die Qualität der Abschlussprüfung vor dem Hintergrund der EU-Abschlussprüferreform, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/351826