Source: http://www.tierrechte.de/themen/industrielle-tierhaltung/kaninchen/stellungnahme-kaninchenhaltung
Timestamp: 2017-10-23 22:44:35
Document Index: 43371166

Matched Legal Cases: ['§ 2', '§ 2', '§ 2', '§ 3', '§ 3', '§ 4', '§ 4', '§ 3', '§ 4', '§ 2', '§ 2']

Sie sind hier: Startseite | Themen | Industrielle Tierhaltung | Kaninchen | Stellungnahme Kaninchenhaltung
Nachdem der Bundesrat die Regierung schon im März 2009 aufgefordert hatte, den Tierschutz bei der Haltung von Kaninchen zu Erwerbszwecken durch eine Änderung der sogenannten Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung zu regeln, legte die Regierung Ende März 2012 einen Entwurf zur Kaninchenhaltung vor.
Der Bundesverband, der zur Stellungnahme aufgefordert wurde, hält die Haltungsvorgaben für inakzeptabel, weil sie die Käfighaltung weiterhin ermöglichen statt sie zu verbieten. Ähnlich wie bei den Hennen sollen auch die Kaninchen weiterhin in Käfigen, die wenig größer sind als die alten Käfigsysteme, gehalten werden dürfen.
Bei der Käfighaltung können die Tiere ihre arteigenen Verhaltensweisen nicht ausleben. Die Tiere haben darin so wenig Platz, dass sie sich weder Aufrichten noch Hoppeln, Graben und Scharren können. 1,5 bis max. 2,5 Din A4 Seiten Platz wird einem Kaninchen während seiner Mastzeit zugestanden.
Hier können Sie sich die Stellungnahme als PDF herunterladen.
Auf diese elementaren Mängel hatte der Bundesverband schon in seiner Stellungnahme (vom 08. Juli 2011) zum Eckpunktepapier (Stand Juni 2011) aufmerksam gemacht.
Eckpunktepapier Mindestanforderungen (Juni 2011)
Der Bundesrat hatte Anfang März 2009 die Bundesregierung aufgefordert, den Tierschutz bei der Haltung von Kaninchen zu Erwerbszwecken zu regeln und im Juni 2010 ein Eckpunktepapier vorgelegt. Nachfolgend die Stellungnahme, die der Bundesverband dem Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz am 8. Juli. 2011 geschickt hat.
Die im Eckpunktepapier genannten Haltungsanforderungen sind nicht geeignet, die arteigenen Grundbedürfnisse der Kaninchen sicherzustellen, so wie dies § 2 des Tierschutzgesetzes verlangt. Die nähere Auslegung des § 2 Tierschutzgesetz erfolgte durch das Urteil des Bundesverfassungs-gericht vom 06.07.1999 (Legehennenurteil), das von allgemeiner Bedeutung für jede Tierhaltung ist.
Kaninchen müssen daher auch nach dem Willen des Bundesverfassungsgerichts so gehalten werden, dass sie ihre arteigenen Grundbedürfnisse befriedigen können. Zu nennen sind hier insbesondere: Sozialkontakte, Lokomotion (Hoppeln, Haken schlagen), Aufrichten, Graben, Ruhen, Nagen und Rückzug. Die Voraussetzungen zum Ausleben dieser Grundbedürfnisse bieten nur Bodenhaltung mit Auslauf und Freilandhaltung. Die Haltungsvorgaben müssen daher die Käfighaltung ausschließen. Käfige dürfen nur in Ausnahmefällen und nicht auf Dauer für erkrankte Tiere benutzt werden. Die Fütterung muss artspezifisch, d.h. insbesondere rauhfaserreich, sein.
Es existieren bisher keine gesicherten Angaben über den Platzbedarf zur Erfüllung einer § 2 Tierschutzgesetz gemäßen Haltung von Kaninchen. Haltungseinrichtungen müssen daher so ausgestattet sein, dass sie den Kaninchen sowohl vom Bewegungsraum als auch von der qualitativen Ausstattung die Befriedigung ihrer grundlegenden Verhaltensweisen ermöglichen.
Auf den nachstehenden Seiten finden Sie die Anmerkungen des Bundesverbandes zu den einzelnen Eckpunkten des Papiers.
Anmerkungen des Bundesverbandes: in Schrift.
Die Anforderung ist bereits in den allgemeinen Bestimmungen der Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung (TierSchNutztV) aufgeführt: rote Schrift.
A. Allgemeine Anforderungen an Haltungseinrichtungen für Kaninchen
Kaninchen dürfen vorbehaltlich der Vorschriften der Abschnitte B. und C. nur in Haltungseinrichtungen gehalten werden, die den folgenden Anforderungen entsprechen*:
Jungtiere dürfen mit Ausnahme kranker oder verletzter Tiere nicht einzeln gehalten werden. Anmerkung: Bis zu welchem Alter sind es Jungtiere?
Hinzufügen: Erwachsene Kaninchen sind in Gruppen zuhalten. Einzelhaltungen sind nur in Ausnahmefällen vorübergehend möglich und gegenüber der Behörde zu begründen.
Ist eine Gruppenhaltung grundsätzlich nicht möglich, muss zumindest geruchlicher, akustischer und visueller Kontakt zu anderen Kaninchen möglich sein.
Anmerkung: Einzelhaltung ist nur möglich bei aggressivem Verhalten, Erkrankung oder Verletzung.
Haltungseinrichtungen müssen mit einem Boden ausgestattet sein, der rutschfest und trittsicher ist und, sofern er Löcher, Spalten oder sonstige Aussparungen aufweist, so beschaffen ist, dass von ihm keine Verletzungsgefahr ausgeht. Planbefestigte Böden müssen mit geeignetem, saugfähigem Material eingestreut werden (z.B. Stroh).
Anmerkung: Es darf keine Verletzungsgefahr von den Böden ausgehen.
Fütterungsvorrichtungen müssen so verteilt und bemessen sein, dass alle Kaninchen gleichermaßen Zugang zu Futter in ausreichender Menge und Qualität haben (§ 3 Abs. 2 Nr. 2).
Anmerkung: Die Futteraufnahme muss gleichzeitig und ungestört erfolgen können.
Tränkevorrichtungen müssen so beschaffen sein, dass alle Kaninchen jederzeit Zugang zu Wasser in ausreichender Menge und Qualität haben (§ 3 Abs. 2 Nr. 2).
Anmerkung: Das Trinken muss gleichzeitig und ungestört erfolgen können.
Die Haltungseinrichtung muss jeweils zwischen dem Ausstallen und dem nächsten Einstallen der Tiere gereinigt und desinfiziert werden (§ 4 Abs. 1 Nr. 10).
Abhängig vom Lüftungssystem erfolgt die Entmistung in zeitlich erforderlichen Abständen.
Anmerkung: Die Entmistung darf die Tiere nicht zusätzlich belasten
Hitzestress muss vermieden und überschüssige Feuchtigkeit abgeleitet werden.
Für einen angemessenen Luftaustausch (Luftrate, Luftgeschwindigkeit) ist zu sorgen.
Anmerkung: Die Belüftung der Stallanlage muss so erfolgen, dass von der Stallluft keine gesundheitlichen Gefahren für die Kaninchen ausgehen und die Grenzwerte für NH 3 und CO2 mühelos einzuhalten sind.
Tageslichteinfall muss gewährleistet sein (Flächen, durch die Tageslicht einfallen kann, müssen mindestens 5 Prozent der Stallgrundfläche entsprechen und so angeordnet sein, dass im Aufenthaltsbereich der Tiere eine möglichst gleichmäßige Verteilung des Lichts erreicht wird).
Der betriebsbedingte Geräuschpegel ist so gering wie möglich zu halten (max. 85 dB) und dauernder oder plötzlicher Lärm muss vermieden werden (§ 4 Abs. 1 Nr. 8).
Das Befinden aller Tiere muss mindestens zweimal täglich durch direkte In-Augenscheinnahme bei ausreichender Beleuchtung überprüft werden
(§ 3 Abs. 3 Nr. 1).
Personen, die für die Fütterung und Pflege der Tiere verantwortlich sind, müssen angemessene Kenntnisse über die Bedürfnisse von Kaninchen im Hinblick auf Ernährung, Pflege, Gesundheit und Haltung, Grundkenntnisse der Biologie und des Verhaltens von Kaninchen und Kenntnisse über tierschutzrechtliche Vorschriften haben (§ 4 Abs. 1 Nr. 1).
Mastkaninchen: wachsende Kaninchen vom Zeitpunkt des Absetzens bis zur Schlachtung
Zuchttiere: Häsinnen und Rammler, die zur Zucht bestimmt sind
Raufutter: grob strukturierte Futtermittel (z.B. Heu oder Stroh)
Zuchtruhe: Zeitraum von der Geburt der Jungtiere bis zum nächsten Decken
erhöhte Ebene: zusätzliche erhöhte Bodenfläche
Anmerkung: Definition von "Jungtiere" fehlt
B. Besondere Anforderungen an das Halten von Mastkaninchen:
Mastkaninchen dürfen nur in Haltungseinrichtungen gehalten werden, die den folgenden Anforderungen entsprechen:
1. Besatzdichte/Größe der Haltungseinrichtung:
mindestens 1500 cm2/Tier für die ersten vier Tiere
mindestens 800 cm2/Tier für jedes weitere Tier
mindestens 6000 cm2 Fläche
eine Seite der Haltungseinheit muss mindestens 0,8 m lang sein
zusätzliche Ebene: mindestens 200 cm2/Tier, Mindestfläche von 1000 cm2, Mindestbreite von 20 cm, Mindestlänge von 40 cm
Eine Fläche von mindestens 1000 cm2/Tier und eine Breite von mindestens 0,8 m ermöglicht es den Tieren, ausgestreckt zu liegen
(Europarats-Empfehlung, TVT1). Bei einer Mindestfläche von 6000 cm2 können auch Gruppen von unter 4 Tieren ihr natürliches Bewegungsverhalten (v.a. Hoppelsprünge) ausüben. Eine derartige Haltungseinheit mit einer Mindestfläche von 6000 cm2 kann für Zucht (Häsin plus Jungtiere, Rammler) und Mast (vier Tiere) genutzt werden.
Anmerkung: Die Bodenfläche der Haltungseinrichtung muss so groß sein, dass die arteigene Lokomotion (Hoppelsprünge, Haken schlagen) durchgeführt werden kann. Da bisher keine gesicherten Angaben existieren, welchen Platzbedarf ein Kaninchen benötigt, damit die Forderungen des § 2 Tierschutzgesetz eingehalten werden, muss die Haltungseinrichtung so groß sein, dass für jedes Kaninchen eine Ruhefläche (Einnahme einer ausgestreckten seitlichen Körperhaltung), eine Fläche zur Futteraufnahme, eine Fläche zum Trinken, eine Fläche zum Graben, eine Fläche zum Kotabsatz, eine Fläche zum Ausführen von mindestens zwei Hoppelsprüngen, eine Ausweichfläche (zur Aggressionsvermeidung) sowie eine Auslauffläche zur Verfügung stehen.
Höhe der Haltungseinrichtung
mindestens 50 cm Höhe
auf einer Fläche von mindestens 70 % der Gesamtfläche
ermöglicht wachsenden Tieren das Sich-Aufrichten auf dem Boden und das Sitzen auf der erhöhten Ebene (Tierärztliche Vereinigung für Tierschutz, TVT)
Eine derartige Haltungseinheit mit einer Mindesthöhe von 70 cm kann für Zucht (Häsin plus Jungtiere, Rammler) und Mast genutzt werden.
Anmerkung: Die Haltungseinrichtung muss so hoch sein, dass sich die Tiere an jeder Stelle voll aufrichten können und die aufgerichteten Ohren hierbei nicht an die Decke stoßen. Die Haltungseinrichtungen der Masttiere müssen genauso hoch wie die der Zuchttiere sein (auch wenn diese möglicherweise größer sind). Die Haltungseinrichtungen müssen zu dem so hoch sein, dass ein Mensch in aufrechter Haltung stehen kann.
Bodengestaltung (inklusive erhöhte Ebene)
Spaltenboden: minimal 8 mm Auftrittsfläche und maximal 10 mm Spaltenweite
Lochboden: Öffnungen dürfen einen Durchmesser von 10 mm nicht überschreiten und müssen eine minimale Auftrittsfläche von 8 mm aufweisen
nicht-perforierter Liegebereich von mindestens 15 % (225 cm2/Tier)
Angelehnt an die Änderung der 1. Tierhaltungsverordnung (Österreich, 08.07.2010) und an die TierSchNutztV (Kälber). Die Verwendung von Kunststoffböden trägt zu einer Reduzierung von Pfotenproblemen (z.B. Pododermatitis) bei. Böden ohne wärmeisolierende Ummantelung sind nicht erlaubt. Die Perforierung des Bodens oder die Verwendung von Einstreu sorgt für eine ausreichende Trennung der Tiere von ihren Exkrementen.
Anmerkung: Der nicht perforierte Liegereich pro Tier von 225 cm2 (1/3 einer DIN A4 Seite) ist zu klein. Er muss so groß gewählt werden, dass ein Kaninchen ausgestreckt in seitlicher Körperhaltung ruhen kann. Maximal 1/3 der Bodenfläche darf perforiert sein, 2/3 der Grundfläche ist einzustreuen.
Strukturierung/Enrichment
erhöhte Ebene: mindestens 25 cm Abstand vom Boden und zur Oberseite der Haltungseinheit, Fläche von mindestens 200 cm2/Tier, Mindestfläche von 1000 cm2, Mindestbreite von 20 cm und Mindestlänge 40 cm
zusätzlicher, räumlich getrennter und abgedunkelter Bereich (z.B. Röhren), der von mehreren Seiten zugänglich ist
ständiges Angebot von strukturiertem Raufutter (z.B. Heu), beispielsweise in Raufen
ständiges Angebot von geeignetem Nagematerial (z.B. Aufhängen von Nagehölzern)
Die erhöhte Ebene bietet Möglichkeiten zur Befriedigung des Bewegungsverhaltens und dient gleichzeitig auch als Rückzugsmöglichkeit unter diese Ebene. Das Angebot eines abgedunkelten und räumlich getrennten Bereiches dient als zusätzliche Rückzugsmöglichkeit (Österreich, Schweiz, EFSA). Raufutter und Nagematerial dienen der Beschäftigung und der Befriedigung des Nagebedürfnisses. Raufutter (Rohfaser) trägt auch zu einer Prophylaxe von Magen-Darm-Erkrankungen (z.B. Enteritis) bei.
Anmerkung: Diese Angaben sind sehr zu begrüßen; Noch zu ergänzen sind Grab- und Scharrmöglichkeiten. Dieses Verhalten ist für Kaninchen spezifisch und muss ausgelebt werden können.
Fütterung/Tränke
Tier-Fressplatz-Verhältnis: ad Libitum-Fütterung 4:1, restriktive Fütterung 1:1
2 Tränken für je 5 Tiere
Begründung: allen Tieren muss es möglich sein, jederzeit und bei der restriktiven Fütterung gleichzeitig Futter und jederzeit Wasser aufzunehmen
(TVT).
Anmerkung: die Tiere müssen gleichzeitig Fresen oder gleichzeitig Trinken können, auch bei ad Libitum-Fütterung.
Bei Verlustraten von über 10 % pro Mastdurchgang müssen die Ursachen ermittelt und ein Maßnahmenplan erarbeitet und umgesetzt werden. Verlustraten, Ursachen und Maßnahmen sind im Bestandsbuch zu dokumentieren und müssen der zuständigen Behörde auf Verlangen vorgelegt werden.
Anmerkungen: Ein Maßnahmenplan muss zusammen mit dem Bestandstierarzt erstellt und umgesetzt werden. Die zuständige Behörde ist über die Verlustraten und den Maßnahmenplan durch den behandelnden Tierarzt zu informieren (in Anlehnung an die Vorgehensweisen beim Kupieren von Ferkelschwänzen).
Bei einer monatlichen Verlustrate von über 5 % ist für die Untersuchung und Behandlung des Bestandes zu sorgen. Verlustraten, Ursachen und Maßnahmen sind im Bestandsbuch zu dokumentieren und müssen der zuständigen Behörde im Bedarfsfall auf Verlangen vorgelegt werden.
Anmerkung: Die Behörde ist in jedem Fall und nicht bei Bedarf zu informieren:
Erstellung eines Hygiene- und Gesundheitskonzeptes (z.B. Reinigung, Desinfektion, Impfungen, Antiparasitika)
Eine intensive Kontrolle der Tiere ist notwendig. Aufgrund einer besonderen Stoffwechsellage können verschiedene Erkrankungen (z.B. Kokzidiose, Enteritis) innerhalb von Stunden einen schweren Verlauf nehmen, so dass die Tiere ohne Behandlung erheblich leiden und nach kurzer Zeit versterben.
Die tierschutzkonforme Betäuben und Tötung moribunder Tiere ist in der TierSchlV geregelt.
Anmerkung: Der Betreiber hat die Sachkunde nachzuweisen
Schadgaskonzentration: Ammoniak < 10 ppm, Kohlendioxid < 3000 ppm
Lufttemperatur: bei einer Außentemperatur von über 30 °C im Schatten darf
Raumtemperatur nicht mehr als 3 °C über der Außentemperatur liegen
Luftfeuchtigkeit: 50-70 %
Beleuchtungsregime: Tag-Nacht-Rhythmus (mindestens 8 Stunden Helligkeit von mindestens 80 Lux und 8 Stunden Dunkelheit von maximal 20 Lux)
Begründung: In Bezug auf die Beleuchtungsstärke liegen für Kaninchen keine spezifischen Werte vor. Die Vorgabe von 80 Lux lehnt sich an die Regelung für Schweine in der TierSchNutztV an.
Anmerkung: Ein natürlicher Tag-Nacht-Rhythmus mit ausreichendem Tageslichteinfall (5% der Bodenfläche müssen Fensterflächen sein) muss gegeben sein.
Führen eines Bestandsbuches, in dem mindestens die Verlustrate während der Mast und entsprechende Maßnahmen zur Ursachenermittlung und Behandlung des Bestandes enthalten sind. Zudem sind die Zu- und Abgänge und ein Hygiene- und Gesundheitskonzept aufzuführen.
Diese Aufzeichnungen sind entbehrlich, soweit diese Angaben aufgrund anderer Rechtsvorschriften zu dokumentieren sind.
Dieses Bestandsbuch ist der zuständigen Behörde auf Verlangen vorzulegen.
Anmerkung: Diese Informationen sind der Behörde unaufgefordert zuzuleiten.
C. Besondere Anforderungen an das Halten von Zuchttieren:
Zuchttiere (Häsinnen, Rammler) dürfen nur in Haltungseinrichtungen gehalten werden, die den folgenden Anforderungen entsprechen:
KGW bis 5,0 kg: mindestens 6000 cm2/Tier
KGW über 5,0 kg: mindestens 6.800 cm2/Tier
zusätzliche Ebene: Fläche von mindestens 1000 cm2/Tier, Mindestbreite von
20 cm, Mindestlänge von 40 cm
Begründung: angelehnt an die Änderung der 1. Tierhaltungsverordnung (Österreich, 08.07.2010), das Merkblatt Nr. 78 der TVT und die Europaratsempfehlungen (6000 cm2/Tier)
Zugang spätestens 1 Woche vor dem errechneten Geburtstermin
Angebot von geeignetem Nestmaterial (z.B. Strohhäcksel, Holzspäne)
Höhe: mindestens 25 cm
Fläche: mindestens 1000 cm2/Häsin
die Fläche der Nestkammer ist nicht auf die nutzbare Mindestfläche der Haltungseinheit anzurechnen
blickdichte Abtrennung zur Haltungseinheit
Öffnung zur Haltungseinheit muss verschließbar sein
Begründung: angelehnt an die Änderung der 1. Tierhaltungsverordnung (Österreich, 08.07.2010) und an das Merkblatt Nr. 78 der TVT
Höhe der Haltungseinrichtung:
mindestens 70 cm Höhe
auf einer Fläche von mindestens 70 % der Gesamtfläche (TVT)
Anmerkungen: In der Schweiz ist für jede Zibbe eine Mindestfläche von 7200 cm2 plus Nestfläche vorgeschrieben. In der Versuchstierhaltung ist für 5 kg schwere Kaninchen eine Höhe von 80 cm vorgeschrieben.
Anmerkung: Natürlich gilt für die Haltung von Zuchttieren das Gleiche wie für Masttiere: Die Bodenfläche der Haltungseinrichtung muss so groß sein, dass die arteigene Lokomotion (Hoppelsprünge, Haken schlagen) durchgeführt werden kann. Da bisher keine gesicherten Angaben existieren, welchen Platzbedarf ein Kaninchen benötigt, damit die Forderungen des § 2 Tierschutzgesetz eingehalten werden, muss die Haltungseinrichtung so groß sein, dass für jedes Kaninchen eine Ruhefläche (Einnahme einer ausgestreckten seitlichen Körperhaltung), eine Fläche zur Futteraufnahme, eine Fläche zum Trinken, eine Fläche zum Graben, eine Fläche zum Kotabsatz, eine Fläche zum Ausführen von mindestens zwei Hoppelsprüngen, eine Ausweichfläche (zur Aggressionsvermeidung) sowie eine Auslauffläche zur Verfügung stehen.
Begründung: ermöglicht ausgewachsenen Tieren das Sich-Aufrichten auf dem Boden und das Sitzen auf der erhöhten Ebene.
Anmerkung: Die Haltungseinrichtung muss so hoch sein, dass sich die Tiere an jeder Stelle voll aufrichten können und die aufgerichteten Ohren hierbei nicht an die Decke stoßen.
Drahtgitterböden ohne wärmeisolierende Ummantelung sind nicht erlaubt
erhöhte Ebene: Mindestabstand vom Boden von 25 cm und zur Oberseite der Haltungseinheit von 35 cm, Mindestfläche von 1000 cm2/Tier, Mindestbreite von 20 cm und Mindestlänge von 40 cm
ständiges Angebot von strukturiertem Raufutter (z.B. Heu, Stroh), beispielsweise in Raufen
ständiges Angebot von geeignetem Nagematerial (z.B. Nagehölzer)
Anmerkung: Einstreu und Grabmaterialien müssen vorhanden sein
Zuchtruhe:
Die Besamung der Häsin bzw. das Decken erfolgt frühestens am 11. Tag nach der Geburt
Begründung: Daraus ergibt sich ein 42-Tage-Rhythmus der Besamung, der zu einer Schonung der Häsinnen und zur Verlängerung der Nutzungsdauer beiträgt (TVT).
1 Fressplatz pro Häsin
1 Tränke pro Häsin
bei Verlustraten von über 5 % im Laufe eines Jahres muss die Ursache ermittelt und ein Maßnahmenplan erarbeitet und umgesetzt werden. Dieser Plan muss der zuständigen Behörde auf Verlangen vorgelegt werden.
Anmerkungen: Ein Maßnahmenplan muss zusammen mit dem Bestandstierarzt erstellt und umgesetzt werden. Die zuständige Behörde ist über die
Verlustraten und den Maßnahmenplan durch den behandelnden Tierarzt zu informieren (in Anlehnung an die Vorgehensweisen beim Kupieren von
Ferkelschwänzen).
Lufttemperatur: bei einer Außentemperatur von über 30 °C im Schatten darf die Raumtemperatur nicht mehr als 3 °C über der Außentemperatur liegen
Führen eines Zuchtbuches, in dem mindestens die folgenden Angaben enthalten sind:
Gesamtzahl der Kaninchen im Betrieb (Häsinnen, Jungtiere, Rammler, Masttiere)
Anzahl lebend geborener Kaninchen
Anzahl lebend abgesetzter Kaninchen
Wurfzahl pro Häsin und Zahl der Jungtiere pro Wurf
Ursachen- und Maßnahmenplan bei Verlustraten von über 5 % im Laufe eines Jahres
Dieses Zuchtbuch ist der zuständigen Behörde auf Verlangen vorzulegen.
Anmerkung: Das Zuchtbuch ist der Behörde regelmäßig vorzulegen.