Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Gericht=BVerwG&Datum=08.09.2004&Aktenzeichen=4%20B%2042.04
Timestamp: 2019-10-16 18:59:20
Document Index: 140306099

Matched Legal Cases: ['§ 74', '§ 74', '§ 8', '§ 74', '§ 74', '§ 74', '§ 8', '§ 74', '§ 18', 'BGH', 'BGH', '§ 74', 'Art. 14', 'Art. 14', '§ 74']

BVerwG, 08.09.2004 - 4 B 42.04 - dejure.org
https://dejure.org/2004,6860
BVerwG, 08.09.2004 - 4 B 42.04 (https://dejure.org/2004,6860)
BVerwG, Entscheidung vom 08.09.2004 - 4 B 42.04 (https://dejure.org/2004,6860)
BVerwG, Entscheidung vom 08. September 2004 - 4 B 42.04 (https://dejure.org/2004,6860)
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Bestehen eines Übernahmeanspruchs wegen schwerer Lärmbelastungen einer öffentlichen Straße nach Abschluss des Planfeststellungsverfahrens und Durchführung planfestgestellter aktiver Lärmschutzmaßnahmen; Enteignung durch Lärmbelästigungen; Bestimmung der ...
Auch Ertragseinbußen, z.B. durch die Furcht der Kunden vor unzumutbarem Lärm, sind nicht nach § 74 Abs. 2 Satz 3 VwVfG ersatzfähig, denn § 74 Abs. 2 Satz 2 VwVfG dient dem Schutz vor tatsächlichen und nicht vor vermeintlichen Lärmbelastungen (…Urteile vom 27. Juni 2007 a.a.O. Rn. 12 ff. und vom 16. März 2006 - BVerwG 4 A 1075.04 - BVerwGE 125, 116 = Buchholz 442.40 § 8 LuftVG Nr. 23 S. 2 ; Beschlüsse vom 21. Oktober 2003 - BVerwG 4 B 93.03 - juris und vom 8. September 2004 - BVerwG 4 B 42.04 - Buchholz 316 § 74 VwVfG Nr. 66 S. 51 ).
Auch Ertragseinbußen, z.B. durch die Furcht der Kunden vor unzumutbarem Lärm, sind nicht nach § 74 Abs. 2 Satz 3 VwVfG ersatzfähig, denn § 74 Abs. 2 Satz 2 VwVfG dient dem Schutz vor tatsächlichen und nicht vor vermeintlichen Lärmbelastungen (…Urteile vom 27. Juni 2007 a.a.O. Rn. 12 ff. und vom 16. März 2006 - BVerwG 4 A 1075.04 - BVerwGE 125, 116 = Buchholz 442.40 § 8 LuftVG Nr. 23 S. 2 ;… Beschlüsse vom 21. Oktober 2003 - BVerwG 4 B 93.03 - juris Rn. 8 und vom 8. September 2004 - BVerwG 4 B 42.04 - Buchholz 316 § 74 VwVfG Nr. 66 S. 51 ).
Eine Lärmzunahme von weniger als 3 dB(A) kann nur ausnahmsweise dann erheblich sein, wenn der Beurteilungspegel die sog. enteignungsrechtliche Zumutbarkeitsschwelle übersteigt, die in Wohngebieten bei Beurteilungspegeln von etwa 70 dB(A) tags/60 dB(A) nachts beginnt (Urteil vom 12. April 2000 - BVerwG 11 A 18.98 - Buchholz 442.09 § 18 AEG Nr. 49 S. 20; BGH, Urteil vom 25. März 1993 - III ZR 60.91 - BGHZ 122, 76 m.w.N.), aber nicht schematisch bestimmt werden darf (vgl. Beschluss vom 8. September 2004 - BVerwG 4 B 42.04 - Buchholz 316 § 74 VwVfG Nr. 66 S. 51).
Die Planfeststellungsbehörde hat über einen Übernahmeanspruch aber nur auf einen entsprechenden Antrag zu entscheiden (vgl. BVerwG, Urteil vom 23. Januar 1981 - BVerwG 4 C 4.78 - BVerwGE 61, 295 ; Beschluss vom 8. September 2004 - BVerwG 4 B 42.04 - juris).
Eine exakte Grenze im Sinn eines eindeutig grundrechtsrelevanten Grenzwerts lässt sich allerdings bislang nicht fixieren (vgl. BVerwG, B.v. 8.9.2004 - 4 B 42.04 - juris; OVG NW, B.v. 12.2.2015 - 2 B 1323/14.NE - juris).
Die Schwelle reicht nach der Rechtsprechung von 70 bis 75 dB(A) tags und 60 bis 65 dB(A) nachts (vgl. BVerwG, B.v. 8.9.2004 - 4 B 42.04 - juris; U.v. 20.5.1998 - 11 C3.97 - BayVBl 1999, 310).
Der von der Rechtsprechung aufgestellte Rahmen der Schwellenwerte befreit den Tatrichter nicht von einer auf die tatsächlichen Umstände des konkreten Streitfalls zugeschnittenen Bewertung (vgl. BVerwG, B.v. 8.9.2004 - 4 B 42.04 - juris).
Die Planfeststellungsbehörde hat über einen Übernahmeanspruch aber nur auf einen entsprechenden Antrag zu entscheiden (vgl. BVerwG, Urteil vom 23. Januar 1981 BVerwG 4 C 4.78 BVerwGE 61, 295 ; Beschluss vom 8. September 2004 BVerwG 4 B 42.04 juris).
Mittelbare Beeinträchtigungen, durch die das Eigentum nicht vollständig oder teilweise entzogen wird, stellen nämlich unabhängig von ihrer Intensität lediglich eine Inhalts- und Schrankenbestimmung des Eigentums im Sinne von Art. 14 Abs. 1 Satz 2 GG und keine Enteignung im Sinne des Art. 14 Abs. 3 Satz 1 GG dar (…BVerwG, Urt. v. 23.02.2005 - 4 A 5/04 -, BVerwGE 123, 23; Beschl. v. 08.09.2004 - 4 B 42/04 -, juris).
Eine schwere und unerträgliche Betroffenheit des Eigentumsgrundrechts kann in diesem Zusammenhang nicht gänzlich folgenlos bleiben, sondern hat durchaus Konsequenzen: In der Rechtsprechung ist geklärt, dass bei Betroffenheit des Grundeigentums in schwerer und unerträglicher Weise und der damit verbundenen Überschreitung der so genannten "enteignungsrechtlichen Zumutbarkeitsschwelle" aus § 74 Abs. 2 Satz 3 VwVfG ein Übernahmeanspruch des betroffenen Grundrechtsträgers abgeleitet werden kann (…BVerwG, Urt. v. 23.02.2005 - 4 A 5/04 -, a.a.O.; Beschl. v. 08.09.2004 - 4 B 42/04 -, a.a.O.).
Diese Schwelle wird bei einer Lärmbelastung von 70 bis 75 dB(A) tags und 60 bis 65 dB(A) nachts angesetzt (vgl. BVerwG, Beschl. v. 08.09.2004 - 4 B 42.04 - Juris -); bisweilen wird als Schwelle eine Lärmbelastung von 70 dB(A) tags und 60 dB(A) nachts genannt, oberhalb derer in Wohngebieten aus Sicht des Grundrechtsschutzes der kritische Bereich beginnt (…vgl. BVerwG, Urt. v. 23.02.2005 - 4 A 5.04 - NuR 2005, 526).
Soweit diese Rechtsauffassung in einer Entscheidung des Bayerischen Verwaltungsgerichtshofes vom 04.02.2004 (Urteil vom 04.02.2004, Az. 8 A 95.40082, bestätigt durch Bundesverwaltungsgericht, Beschluss vom 08.09.2004, Az. 4 B 42/04) vertreten wurde, vermag dem der erkennende Senat nicht beizutreten.
OVG Sachsen, 25.06.2013 - 4 B 330/12
Plangenehmigung, Straßenbahnhaltestelle, Einwendungsfrist, Lärmimmissionen