Source: http://aspvr.de/2015/11/
Timestamp: 2017-09-26 20:04:59
Document Index: 300625412

Matched Legal Cases: ['BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH']

von RA Sebastian Schwiering Tags: Netzneutralität, Telekommunikationsrecht
Bereits vor einigen Tage hatte ich kurz die wesentlichen Kritikpunkte der neuen Regelung zur Netzneutralität auf EU-Ebene erläutert und die negativen Auswirkungen umrissen (siehe Blogartikel dazu).
Unter dem Titel “Analyse: Ohne Netzneutralität gehört das Internet den Platzhirschen” hat sich nun Richter am Landgericht Berlin Ulf Buermeyer in einem sehr lesenwerten Artikel auf heise.de zu den Kritikpunkten und den Folgen für die digitale Gesellschaft ausführlicher geäußert.
Vor seiner Tätigkeit beim Landgericht Berlin war Ulf Buermeyer wissenschaftlicher Mitarbeiter des Bundesverfassungsgerichts. Außerdem ist er als Redakteur der Zeitschrift für höchstrichterliche Rechtsprechung im Strafrecht sowie gelegentlich als Blogger auf netzpolitik.org tätig.
Wenn Carrier sich dafür bezahlen lassen, bestimmten Datenverkehr zu bevorzugen, richten sie bildhaft gesprochen Überholspuren im Netz ein, für die sie Maut kassieren. Diese Art von Verstößen gegen den freien Datenverkehr nach dem “best-effort”-Prinzip sind in vielerlei Hinsicht gefährlich.
Netzneutralitäts-Verstöße machen das Internet zu einer großen Party für Platzhirsche und errichten massive Markteintritts-Barrieren für neue Anbieter – sowohl auf Seiten der Anbieter von Diensten im Internet als auch von Internet-Zugängen für Firmen, Verbraucherinnen und Verbraucher.
von RA Sebastian Schwiering Tags: Störerhaftung, Telekommunikationsrecht, Urheberrecht
Der Bundesgerichtshofs hat heute in zwei Verfahren über die Haftung von Telekommunikationsunternehmen (TK-Anbietern) für Urheberrechtsverletzungen Dritter entschieden, sog. Störerhaftung (BGH, Urteile vom 26. November 2015 – I ZR 3/14 und I ZR 174/14, Pressemitteilung).
Zugrunde lagen Verfahren der GEMA und Tonträgerherstellern gegen die Telekom und andere TK-Anbieter. Aufgrund der Tatsache, dass die TK-Anbieter als Access-Provider ihren Kunden den Zugang zu den Webseiten “3dl.am” und “goldesel.to” ermöglichen, auf bzw. über die das Herunterladen urheberrechtlich geschützter Musikwerke möglich ist, sollten sie nach Ansicht der Kläger auf Unterlassung in Anspruch genommen werden können. Konkret ging also darum, die TK-Anbieter zu verpflichtet, sämtlichen Kunden den Zugang zu den Webseiten “3dl.am” und “goldesel.to”zu sperren.
Der BGH hat daraufhin entschieden, dass TK-Anbieter grundsätzlich dazu verpflichtet werden können, den Zugriff auf Websites mit urheberrechtswidrigen Inhalten zu sperren. Voraussetzung einer Haftung ist jedoch, dass der Rechteinhaber zunächst zumutbare Anstrengungen unternommen habe, gegen den Täter selbst oder den genutzten Host-Provider vorzugehen. Eine Störerhaftung der TK-Anbieter kommt demnach nur subsidiär und als ultima ratio in Frage. In den streitgegeständlichen Fällen hatten die Kläger solche zumutbaren Anstrengungen nicht vorgenommen, sodass der BGH die Klagen abwies.
Welche hohen Anforderungen der BGH an das Erfordernis der “zumubaren Anstrengungen” stellt, zeigen die Entscheidung sehr deutlich. So erwirkte zwar einer der Kläger zunächst eine einstweilige Verfügung gegen die vorgenannten Webseiten, nahm diese jedoch zurück da sie im Ausland nicht zugestellt werden konnte. Nach Ansicht des BGH hätte sich der Kläger damit nicht zufriedengeben dürfen, sondern hätte weitere zumutbare Nachforschungen unternehmen müssen.
Im anderen Fall waren die Klägerinnen nicht gegen die Betreiber von “goldesel.to” vorgegangen, weil dem Vortrag der Klägerinnen zufolge dem Webauftritt die Identität des Betreibers nicht entnommen werden konnte. Auch hier hätten weitere zumutbare Maßnahmen zur Aufdeckung der Identität des Betreibers der Internetseiten unternommen werden müssen. Als Beispiele nennt der BGH die Beauftragung einer Detektei, eines Unternehmens, das Ermittlungen im Zusammenhang mit rechtswidrigen Angeboten im Internet durchführt oder die Einschaltung der staatlichen Ermittlungsbehörden.
In der Pressemittelung zum Urteil wird ausgeführt:
In der Vermittlung des Zugangs zu Internetseiten mit urheberrechtswidrigen Inhalten liegt ein adäquat-kausaler Tatbeitrag der Telekommunikationsunternehmen zu den Rechtsverletzungen der Betreiber der Internetseiten “3dl.am” und “goldesel.to”. In die im Rahmen der Zumutbarkeitsprüfung vorzunehmende Abwägung sind die betroffenen unionsrechtlichen und nationalen Grundrechte des Eigentumsschutzes der Urheberrechtsinhaber, der Berufsfreiheit der Telekommunikationsunternehmen sowie der Informationsfreiheit und der informationellen Selbstbestimmung der Internetnutzer einzubeziehen. Eine Sperrung ist nicht nur dann zumutbar, wenn ausschließlich rechtsverletzende Inhalte auf der Internetseite bereitgehalten werden, sondern bereits dann, wenn nach dem Gesamtverhältnis rechtmäßige gegenüber rechtswidrigen Inhalten nicht ins Gewicht fallen. Die aufgrund der technischen Struktur des Internet bestehenden Umgehungsmöglichkeiten stehen der Zumutbarkeit einer Sperranordnung nicht entgegen, sofern die Sperren den Zugriff auf rechtsverletzende Inhalte verhindern oder zumindest erschweren.
201519.11.
von RA Sebastian Schwiering Tags: In eigener Sache
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RA Bilal Abedin RA Sebastian Schwiering