Source: http://www.tierimrecht.org/de/lexikon-tierschutzrecht/Tierwuerde.html
Timestamp: 2016-06-25 10:21:54
Document Index: 393615305

Matched Legal Cases: ['Art. 3', 'Art. 120', 'Art. 1', 'Art. 26', 'Art. 3', 'Art. 10', 'Art. 25', 'Art. 16', 'Art. 105']

Tierw�rde - Tierschutzrechtslexikon - Stiftung f�r das Tier im Recht
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Tierw�rde
Der Begriff der Tierw�rde wird vom Tierschutzgesetz als der "Eigenwert des Tieres, der im Umgang mit ihm zu achten ist" umschrieben (Art. 3 lit. a TSchG). Verletzt wird die W�rde eines Tieres zum einen, wenn ihm Schmerzen, Leiden, Sch�den oder �ngste zugef�gt werden. Neben dem Schutz der Empfindungsf�higkeit bedeutet W�rde zu haben vor allem aber auch, um seiner selbst willen in der Welt zu sein. Die W�rde sch�tzt Tiere als Mitgesch�pfe also in ihrem Selbstzweck und verbietet es, sie bloss als Mittel f�r menschliche Zwecke zu verwenden.
W�hrend der Schutz der Tierw�rde im Tierschutzgesetz erst 2008 ausdr�cklich verankert worden ist, gilt er auf h�chster Rechtsebene bereits seit 1992. Art. 120 Abs. 2 der Bundesverfassung (BV) bestimmt, dass die W�rde der Kreatur im Bereich der gentechnologischen Forschung zu respektieren und zu sch�tzen ist. Weil es sich dabei um ein allgemeines Verfassungsprinzip handelt, gilt dieser Grundsatz aber nicht nur im Bereich der Gentechnik, sondern umspannt vielmehr die gesamte rechtliche Erfassung der Mensch-Tier-Beziehung. Im Gegensatz zum Tierschutzgesetz, dessen Anwendungsbereich sich weitestgehend auf Wirbeltiere beschr�nkt, ist der verfassungsm�ssige W�rdeschutz zudem auf s�mtliche Tiere anzuwenden.
Die ausdr�ckliche Verankerung der Tierw�rde im Tierschutzgesetz dient vor allem der Verdeutlichung ihrer fundamentalen Bedeutung. So bestimmt Art. 1 TSchG, dass der Zweck des Gesetzes darin besteht, "die W�rde und das Wohlergehen des Tieres zu sch�tzen". Der Schutz der Tierw�rde dient aber nicht allein als Grundsatz beim Umgang mit Tieren, vielmehr stellt deren Missachtung gar einen eigenst�ndigen Straftatbestand dar (Art. 26 Abs. 1 TSchG). Die W�rde des Tieres wird missachtet, wenn eine Belastung des Tieres nicht durch �berwiegende Interessen gerechtfertigt werden kann. Eine solche Belastung liegt vor, wenn dem Tier insbesondere Schmerzen, Leiden oder Sch�den zugef�gt werden, es in Angst versetzt oder erniedrigt wird, wenn tief greifend in sein Erscheinungsbild oder seine F�higkeiten eingegriffen oder es �berm�ssig instrumentalisiert wird (Art. 3 lit. a TschG).
F�r die Pr�fung, ob eine Verletzung der Tierw�rde gerechtfertigt und somit nicht strafbar ist, muss in jedem Einzelfall einer G�terbw�gung zwischen den entgegenstehenden Interessen vorgenommen werden. Hierf�r wird die Schwere der W�rdeverletzung den Interessen anderer betroffener Parteien gegen�bergestellt. Ein Eingriff in die Tierw�rde ist dabei umso strenger zu bewerten, je schwerer wiegend er f�r das betroffene Tier und je belangloser f�r den Menschen ist. Als �berwiegende Interessen kommen insbesondere die Nahrungsmittelbeschaffung, die Gesundheit von Mensch und Tier oder wissenschaftliche Motive infrage. So beispielsweise k�nnen unter Umst�nden Tierversuche f�r die Erforschung neuer Medikamente eine Verletzung der tierlichen W�rde rechtfertigen, wenn derselbe Zweck nicht mit einer milderen Massnahme erreicht werden kann.
Bei verschiedenen Handlungen macht das neue Tierschutzrecht selbst schon klar, dass sie einen �berm�ssigen – und somit strafbaren – Eingriff in die Tierw�rde bedeuten. Dies gilt etwa f�r Ausw�chse in der Tierzucht (sog. Qualzuchtverbot; Art. 10 TSchG; Art. 25 TSchV) oder f�r sexuell motivierte Handlungen mit Tieren (Art. 16 Abs. 2 lit. j TSchV). Auch darf eine Bewilligung f�r die Werbung mit Tieren nur dann erteilt werden, wenn sichergestellt ist, dass ihre W�rde nicht missachtet wird (Art. 105 Abs. 1 lit. d TSchV).