Source: https://www.medienrechtsnews.de/auslaendischer-staatsrundfunk-83265/
Timestamp: 2017-10-23 20:56:52
Document Index: 230579367

Matched Legal Cases: ['Art. 5', 'Art. 3', 'Art. 5', 'Art. 5', 'EuG', 'Art. 7', 'EuG', 'Art. 5', 'Art. 5', 'EuG', 'Art. 267', 'Art. 5', 'Art. 5', 'BGH', 'EuG', 'BGH', 'BGE', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGE', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'EuG', 'EuG', 'EuG', 'Art. 5', 'EuG', 'EuG', 'EuG', 'BGH', 'EuG', 'EuG', 'BGH', 'BGH', 'Art. 7', 'EuG', 'Art. 7', 'EuG', 'Art. 7', 'EuG', 'EuG', 'Art. 5', 'BGH', '§ 1004', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'EuG', 'EuG']

Ausländischer Staatsrundfunk – und die deutsche Gerichtsbarkeit | MedienrechtsNews
Publiziert 6. Januar 2017
Das erstinstanzlich hiermit befasste Landgericht Köln hat seine internationale Zuständigkeit angenommen und die Klage mit Zwischenurteil für zulässig erklärt2. Die Berufung der Rundfunkgesellschaft hat das Oberlandesgericht Köln im wesentlichen mit der Begründung zurückgewiesen3, ausgeführt, dass sich die internationale Zuständigkeit deutscher Gerichte aus dem Übereinkommen über die gerichtliche Zuständigkeit und die Anerkennung und Vollstreckung von Entscheidungen in Zivil- und Handelssachen vom 30.10.2007 (Lugano-Übereinkommen, im Folgenden: LugÜ II) ergebe. Es bestehe der besondere Gerichtsstand der unerlaubten Handlung nach Art. 5 Nr. 3 iVm Art. 3 Abs. 1 LugÜ II. Nach der Rechtsprechung des Europäischen Gerichtshofs4 habe der Geschädigte eines sog. „Streudelikts“, wie es eine unerlaubte Veröffentlichung im Internet sei, die Möglichkeit einer national begrenzten Teilschadensklage. Der Geschädigte könne anstelle einer Haftungsklage auf Ersatz des Gesamtschadens am Niederlassungsort des Urhebers oder am Ort des Mittelpunkts seiner Interessen auch Klage vor den Gerichten eines jeden Mitgliedstaates erheben, in dessen Hoheitsgebiet der im Internet veröffentlichte Inhalt zugänglich gewesen oder noch zugänglich sei. Die Gerichte der Mitgliedstaaten seien dann nur zur Entscheidung über denjenigen Schaden befugt, der im Hoheitsgebiet des jeweiligen Mitgliedstaates entstanden sei („Teilerfolgsortzuständigkeit“). Da die Ehefrau ihr Unterlassungsbegehren ausdrücklich auf das Hoheitsgebiet der Bundesrepublik Deutschland begrenzt habe, fänden diese Grundsätze Anwendung. Die Rundfunkanstalt könne den Zugriff auf bereitgehaltene Inhalte durch den Einsatz von sog. Geoblockern in ihr zumutbarer Weise auf bestimmte nationale Bereiche beschränken.
Nach der gefestigten Rechtsprechung des Gerichtshofs der Europäischen Union sind die Begriffe „unerlaubte Handlung“ und „Handlung, die einer unerlaubten Handlung gleichgestellt ist“ in Art. 5 Nr. 3 LugÜ II /Art. 5 Nr. 3 EuGVVO aF /Art. 7 Nr. 2 EuGVVO dahin auszulegen, dass in diesem Gerichtsstand alle Klagen zulässig sind, mit denen eine Schadenshaftung geltend gemacht wird, die nicht an einen Vertrag anknüpft19. Unter den Begriff der unerlaubten Handlung fallen auch Persönlichkeits- oder Ehrverletzungen20. Erfasst werden neben Ansprüchen auf Geldersatz auch Unterlassungsansprüche. Auf den Eintritt eines Schadens kommt es nicht an. Ausweislich des Wortlauts des Art. 5 Nr. 3 LugÜ II fallen selbst vorbeugende (Unterlassungs-)Klagen in den Anwendungsbereich der Bestimmung.
Die Frage, wie das Tatbestandsmerkmal „Ort, an dem das schädigende Ereignis einzutreten droht“ bei (drohenden) Persönlichkeitsrechtsverletzungen durch Inhalte auf einer Internetseite auszulegen ist, hat der Bundesgerichtshof für die Parallelvorschrift Art. 5 Nr. 3 EuGVVO aF dem Unionsgerichtshof bereits zur Vorabentscheidung gemäß Art. 267 AEUV vorgelegt21. Der Unionsgerichtshof hat die Vorlagefrage mit Urteil vom 25.10.201122 so beantwortet, dass „… Art. 5 Nr. 3 der Verordnung dahin auszulegen ist, dass im Fall der Geltendmachung einer Verletzung von Persönlichkeitsrechten durch Inhalte, die auf einer Website veröffentlicht worden sind, die Person, die sich in ihren Rechten verletzt fühlt, die Möglichkeit hat, entweder bei den Gerichten des Mitgliedstaats, in dem der Urheber dieser Inhalte niedergelassen ist, oder bei den Gerichten des Mitgliedstaats, in dem sich der Mittelpunkt ihrer Interessen befindet, eine Haftungsklage auf Ersatz des gesamten entstandenen Schadens zu erheben. Anstelle einer Haftungsklage auf Ersatz des gesamten entstandenen Schadens kann diese Person ihre Klage auch vor den Gerichten jedes Mitgliedstaats erheben, in dessen Hoheitsgebiet ein im Internet veröffentlichter Inhalt zugänglich ist oder war. Diese sind nur für die Entscheidung über den Schaden zuständig, der im Hoheitsgebiet des Mitgliedstaats des angerufenen Gerichts verursacht worden ist.“
Keiner abschließenden Entscheidung bedarf im Rahmen des vorliegenden Zulässigkeitsstreits die Frage, ob die begehrte Unterlassung tatsächlich auf das Hoheitsgebiet der Bundesrepublik Deutschland beschränkt werden kann24. Das OLG Köln hat dies unter Bezugnahme auf den Klagvortrag über die technische Möglichkeit des sog. „Geo-Blocking“ angenommen. Bei diesem Verfahren kann der Zugriff auf einen im Internet zum Abruf bereitgestellten Inhalt anhand bestimmter technischer Merkmale der Geo-Lokalisation, u.a. der IP-Adresse des Endnutzers, der Datenübertragungswege und der Datenübertragungsgeschwindigkeiten, verweigert werden25.
Ob dies tatsächlich so ist oder ob gegebenenfalls ein beim Geo-Blocking nicht zu vermeidender „Streuverlust“26 der Rundfunkanstalt die Befolgung der von der Ehefrau begehrten, auf das Hoheitsgebiet der Bundesrepublik Deutschland beschränkten Teilunterlassung unmöglich machte, ohne die Rundfunkanstalt unter Überschreitung der beschränkten Kognitionsbefugnis der deutschen Gerichtsbarkeit faktisch auf eine Löschung der angegriffenen Berichterstattung auf ihrer Internetseite insgesamt zu verpflichten, ist abschließend erst im Rahmen der Begründetheitsprüfung zu klären. Der dahingehende Vortrag der Rundfunkanstalt entspricht dem materiellrechtlichen Einwand der Unmöglichkeit der begehrten Unterlassung aus tatsächlichen Gründen27. Bei der Frage der tatsächlichen Begrenzbarkeit der begehrten Unterlassungsverpflichtung auf deutsches Hoheitsgebiet handelt es sich damit um eine solche nach einer Tatsache, die gleichzeitig zuständigkeitsbegründend nach Art. 5 Nr. 3 LugÜ II als auch notwendiges Tatbestandsmerkmal des geltend gemachten materiellen Unterlassungsanspruchs ist, weil die Bejahung des materiellen Anspruchs begrifflich diejenige der Zuständigkeit in sich schlösse (doppelrelevante Tatsache). Die zuständigkeitsbegründenden Tatsachen bedürfen insoweit im Rahmen des Zuständigkeitsstreits keines Beweises, für die Zuständigkeitsfrage ist vielmehr die Richtigkeit des – schlüssigen – Klagvortrags zu unterstellen28.
Die englischsprachige Pressemitteilung auf der Internetseite
Urheberrechtsverletzungen in der EU – und die…
Der deutsche Fotograf – und der französische…
Die teils rechtmäßige, teils rechtswidrige…
Anschluss BGH, Urteil vom 08.05.2012 – VI ZR 217/08, AfP 2012, 372 Rn. 17↩
LG Köln, Urteil vom 10.06.2015 – 28 O 322/14↩
OLG Köln, Urteil vom 10.11.2015 – 15 U 121/15↩
EuGH, Urteile vom 07.03.1995 – C-68/93, Slg. 1995, I-415 = NJW 1995, 1881 – Shevill; und vom 25.10.2011 – C-509/09 u.a., Slg. 2011, I-10269 = GRUR 2012, 300 – eDate Advertising↩
BVerfGE 46, 342, 359↩
BGBl.1990 – II S. 1400 und 1402↩
BVerfGE 16, 27, 61 f.; BGH, Urteile vom 26.09.1978 – VI ZR 267/76, NJW 1979, 1101; vom 08.03.2016 – VI ZR 516/14, NJW 2016, 1659 Rn. 14; BAGE 144, 244 Rn. 14 f.↩
BGE 104 Ia 367, 374↩
BVerfGE 16, 27, 62; BVerfG, NJW 2014, 1723 Rn. 21; BGH, Urteil vom 08.03.2016 – VI ZR 516/14, NJW 2016, 1659 Rn. 15; BGH, Urteil vom 24.03.2016 – VII ZR 150/15, MDR 2016, 903 Rn.19; Kren Kostkiewicz, Staatenimmunität im Erkenntnis- und im Vollstreckungsverfahren nach schweizerischem Recht, 1998, S. 319 ff.↩
vgl. BVerfGE 16, 27, 63 f.; BVerfGE 46, 342, 394; BVerfG, NJW 2014, 1723 Rn. 21↩
Denkschrift zu dem Übereinkommen, BT-Drs. 11/4307, S. 30; Kronke, IPRax 1991, 141, 142, 147↩
vgl. BGH, Urteil vom 06.04.1976 – VI ZR 246/74, BGHZ 66, 182, 185 f. mwN; so auch BVerwG, NJW 1994, 2500↩
BGH, aaO; vgl. BVerfGE 7, 99, 104; 12, 205, 244↩
vgl. Geimer, Internationales Zivilprozessrecht, 7. Aufl., Rn. 626b↩
BGE 109 – II 353; 117 – II 1; 119 Ib 166, 169↩
vgl. zum LugÜ I: BGH, Urteil vom 05.10.2010 – VI ZR 155/09, BGHZ 187, 156 Rn. 10; zum LugÜ II: BGH, Urteil vom 20.12 2011 – VI ZR 14/11, WM 2012, 852 Rn. 17↩
BGH, Urteile vom 27.05.2008 – VI ZR 69/07, BGHZ 176, 342 Rn. 11; vom 20.12 2011 – VI ZR 14/11, WM 2012, 852 Rn. 17; vom 08.05.2012 – VI ZR 217/08, AfP 2012, 372 Rn. 13; zum EuGVÜ: EUGH, Urteile vom 11.07.2002 – C-96/00, Slg. 2002, I-6367 = NJW 2002, 2697 Rn. 37; vom 20.01.2005 – C-27/02, Slg. 2005, I-481 = NJW 2005, 811 Rn. 33; zur EuGVVO aF: EuGH, Urteile vom 07.12 2010 – C-585/08 u.a., Slg. 2010, I-12527 = NJW 2011, 505 Rn. 55; vom 25.10.2011 – C-509/09 u.a., Slg. 2011, I-10269 = GRUR 2012, 300 Rn. 38 f.↩
vgl. zu Art. 5 Nr. 3 EuGVÜ: EuGH, Urteil vom 01.10.2002 – C-167/00, Slg. 2002 I-8111 = NJW 2002, 3617 Rn. 36↩
EuGH, Urteile vom 25.10.2011 – C-509/09 u.a., Slg. 2011, I-10269 = GRUR 2012, 300 Rn. 42 ff. – eDate Advertising; vom 07.03.1995 – C-68/93, Slg. 1995, I-415 = NJW 1995, 1881 Rn. 23 ff. – Shevill↩
BGH, Beschluss vom 10.11.2009 – VI ZR 217/08, AfP 2010, 150↩
EuGH, Urteil vom 25.10.2011 – C-509/09 u.a., Slg. 2011, I-10269 = GRUR 2012, 300 Rn. 52 – eDate-Advertising↩
EuGH, aaO, Rn. 35; BGH, Urteil vom 08.05.2012 – VI ZR 217/08, AfP 2012, 372 Rn. 17; BGH, Urteil vom 12.12 2013 – I ZR 131/12, NJW 2014, 2504 Rn. 21; Härting, Internetrecht, 5. Aufl., Rn. 2397, 2413; Geimer, Internationales Zivilprozessrecht, 7. Aufl., Rn. 1515c ff.; Stadler, in: Musielak/Voit, ZPO, 13. Aufl., Art. 7 EuGVVO nF Rn.20; Hüßtege, in: Thomas/Putzo, ZPO, 37. Aufl., Art. 7 EuGVVO Rn. 30; Zöller/Geimer, ZPO, 31. Aufl., Art. 7 EuGVVO Rn. 93a; vgl. zuvor bereits EuGH, Urteil vom 01.10.2002 – C-167/00, Slg. 2002, I-8111 Rn. 48 f. = NJW 2002, 3617 Rn. 48 f.↩
zweifelnd etwa Rauscher/Leible, Europäisches Zivilprozess- und Kollisionsrecht, 2011, Art. 5 Brüssel I-VO Rn. 92 aE; Rechberger, MR 2013, 116, 118↩
vgl. OVG Nordrhein-Westfalen, Urteil vom 25.02.2014 – 13 A 351/12 106; Hoeren, ZfWG 2008, 229 ff., 311 ff.; Federrath, ZUM 2015, 929↩
vgl. hierzu BGH, Urteil vom 28.04.2016 – I ZR 23/15, MDR 2016, 1100 Rn. 32 zum umgekehrten Fall des „Geo-Targeting“ aus lauterkeitsrechtlicher Sicht↩
s. hierzu nur Palandt/Bassenge, BGB, 75. Aufl., § 1004 Rn. 43↩
BGH, Beschlüsse vom 21.10.2015 – VII ZB 8/15, NJW 2016, 316 Rn. 25; vom 27.10.2009 – VIII ZB 42/08, BGHZ 183, 49 Rn. 14 mwN↩
vgl. BGH, Urteil vom 12.12 2003 – V ZR 98/03, NJW 2004, 1035, 1037↩
EuGH, Urteil vom 25.10.2011 – C-509/09 u.a. – eDate Advertising↩
vgl. EuGH, Urteil vom 06.10.1982 – C-283/81, Slg. 1982, 3415 Rn. 13 – CILFIT↩
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