Source: http://eucharistiefeier.de/docs/fraulit.htm
Timestamp: 2017-06-25 08:48:50
Document Index: 195720860

Matched Legal Cases: ['§ 2', '§ 2', '§ 1', '§ 1', '§ 1', '§ 1', '§ 2', '§\n2', '§ 2']

Eine frauengerechte Liturgie in der roemisch-katholischen Kirche
Eine frauengerechte Liturgie
Gutachten der Arbeitsgruppe "Frau
& Kirche",
des Katholischen Rates für Kirche und Gesellschaft
und der Union der Niederländischen Katholischen Frauenbewegung
für die niederländischen Bischöfe
Een vrouwvriendelijke liturgie in de rooms-katholieke kerk. Advies van de werkgroep Vrouw & Kerk, de Katholieke Raad voor Kerk en Samenleving en de Unie Nederlandse Katholieke Vrouwenbeweging
aan de Nederlandse Bischoppen
Übersetzung: U. Hatto
v. Hatzfeld SDB
Zweite, verbesserte Auflage, Noviziat der Salesianer
Don Boscos Jünkerath 1994
Ins HTML-Format gebracht 1998
Anmerkung: Außer den beiden vorstehenden
Verweisen (und einer eindeutigen e-Mail-Adresse) sind alle Links in diesem
Dokument interne Verweise, so daß es problemlos offline lesbar und
alleine weitergegeben werden kann.
Status: Diese deutsche Übersetzung darf in
unveränderter Form ohne weiteres verbreitet, jedoch nicht ohne Zustimmung
der Autoren und des Übersetzer kommerziell verwertet werden. Sie ist
auch als Druck erhältlich.
I Hintergrund des Berichtes
IV Symbole
Raum, Körpersymbolik, symbolische Gegenstände
Exklusiver Sprachgebrauch
Inklusiver Sprachgebrauch
Gebete und der Gottesname
Handreichung zur Vermeidung exklusiv männlichen
VI Rollenverteilung
Anhang 1: Empfehlungen
Anhang 2: Lob der tüchtigen Frau
Anhang 3: Toward a Full and Equal Sharing
Anhang 4: Bibliographie
Antwort der Niederländischen Bischofskonferenz
siehe Anmerkung zu 6.6
siehe Anhang 4, A
BCCVK
Bisschoppelijke Contact Commissie Vrouw en Kerk
Bischöfliche Kontaktkommission Frau und Kirche, siehe Vorwort
Kodex des kanonischen Rechts, das kirchliche Gesetzbuch
Denzinger/Hünermann: Enchiridion symbolorum [,] definitionum
et declarationum de rebus fidei et morum / Kompendium der Glaubensbekenntnisse
und kirchlichen Lehrentscheidungen
siehe 5.23
siehe Anmerkung zu 2.5
KASKI-Bericht Metterdaad
siehe Anmerkung zu 2.6
Katholieke Raad voor Kerk en Samenleving
Katholischer Rat für Kirche und Gesellschaft LG
siehe 3.1 und 6.8
Landelijk Pastoraal Overleg - Pastorale Landessynode von 1986 bzw.
(LPO) deren Schlußdokument
siehe Anmerkung zu 1.4
siehe 6.59
Randstad-bundel (ein niederländisches Gesangbuch)
siehe 5.22
Union der Niederländischen Katholischen Frauenbewegung VQ
Die Abkürzungen der biblischen Bücher sind die der Einheitsübersetzung.
Durch * gekennzeichnete Anmerkungen, Wörter in [..] sowie dieses
Abkürzungsverzeichnis wurden vom Übersetzer zur Verdeutlichung
Der Bericht "Eine frauengerechte Liturgie in der röm.-kath.
Kirche" wurde im September 1991 der Bischofskonferenz der Niederlande
überreicht. Verschiedene Frauenverbände und die Arbeitsgruppe
Frau & Kirche des Katholischen Rates für Kirche und
Gesellschaft haben ihn gemeinsam erstellt. Es geht darin um Erfahrungen,
die Frauen mit Liturgie machen; genauer gesagt, um ihre Erfahrungen mit
nicht-frauengerechter Liturgie.
Diese Initiative möchte eine Entwicklung in Gang bringen hin zu
einer Liturgie, in der sich Frauen und Männer angesprochen
wissen und zu Hause fühlen. Die Pflege einer inklusiven
Sprache ist dabei eine Voraussetzung; inklusive Sprache schließt
Frauen wie Männer ein.
Zur Zeit wird in den Niederlanden in Pfarreien und Diözesen auf
verschiedenen Ebenen mit diesem Bericht gearbeitet.
Wir freuen uns, daß Hatto v. Hatzfeld diesen Bericht für
Deutschsprachige zugänglich gemacht hat. Durch seine Initiative wird
es möglich, daß die Erfahrungen von niederländischen christlichen
Frauen auch über sprachliche Grenzen hinweg weitergegeben werden.
Wir haben die Hoffnung, daß diese Erfahrungen auch in Deutschland
genutzt werden, damit eine "inklusive Liturgie" mehr und mehr
Arbeitsgruppe Frau & Kirche
Wil Blezer-van der Walle (Vorsitzende)
Ria klein Tank (ehem. Vorsitzende)
Der Bericht "Eine frauengerechte Liturgie in der römisch-katholischen
Kirche" ist entstanden in einem gemeinsamen Projekt der Union der
Niederländischen Katholischen Frauenbewegung (Unie Nederlandse Katholieke
Vrouwenbeweging, UNKV) und der Arbeitsgruppe "Frau & Kirche"
des Katholischen Rates für Kirche und Gesellschaft (Katholieke Raad
voor Kerk en Samenleving, KRKS). Die Empfehlungen der landesweiten Pastoraltagung
(Landelijk Pastoraal Overleg) von 1986 veranlaßten die Bischöfliche
Kontaktkommission Frau und Kirche (Bisschoppelijke Contact Commissie Vrouw
en Kerk, BCCVK), mit ihren Gesprächspartnern über Nicht-Frauengerechtes
in der Liturgie zu sprechen. UNKV und "Frau & Kirche" als
die beiden Gesprächspartner beschlossen darauf, eine gemeinsame Kommission
ins Leben zu rufen. Diese Kommission bereitete den Bericht vor, der von
UNKV und KRKS/Arbeitsgruppe "Frau & Kirche" verabschiedet
Der Bericht beschränkt sich auf die Erfahrungen von Frauen mit
Nicht-Frauengerechtem in der Liturgie. Das Ganze der Liturgie in der katholischen
Tradition kommt als solches nicht zur Sprache. Dennoch skizziert der Bericht
ein ziemlich vollständiges Bild der Einwände, die Frauen gegen
eine männlich voreingenommene Liturgie haben. Die an die Bischofskonferenz
gerichteten Empfehlungen wollen zu einer Amtsführung anregen, durch
die die Liturgie für Frauen und Männer inklusiv [d.h. beide Gruppen
einbeziehend] wird.
Die Niederländischen Bischöfe haben mit einem Schreiben des
Kardinals Simonis auf den Bericht reagiert. Dieser Brief ist hier als letzter
Anhang abgedruckt. Eine Reihe Empfehlungen wurde an die Bischöfliche
Kommission für Liturgie, Liturgische Musik und Kirchliche Kunst weitergeleitet.
Zugleich stellten die Bischöfe einige andere Teile des Berichts in
Frage. Wir laden jeden ein, durch weiteres Durchdenken und Übersetzen
des Berichts ihren Bedenken Rechnung zu tragen.
Dieser Bericht ist keine Endstation. Er ist ein Beginn. Es wird noch
viel Mühe kosten, zu einer Liturgie zu gelangen, die Frauen und Männer
einbezieht. Weitere Studien und Analysen sind nötig. Vorhandenes liturgisches
Material muß angepaßt und neues geschaffen werden. Man wird
Frauen zur Teilnahme an diesem Prozeß einladen müssen. Dies
muß in einer Atmosphäre geschehen, in der sich Wachheit für
die Gestaltung inklusiver Liturgie entwickeln kann.
Wir laden alle Institutionen, Organisationen und Personen, die Verantwortung
für die Gestaltung der Liturgie tragen, herzlich ein, weiter an neuen,
kreativen Formen einer Liturgie zu arbeiten, in der sich Frauen und Männer
Frau M. van den Muijsenbergh, Vorsitzende des KRKS
Frau J. Castenmiller, Vorsitzende der UNKV
Frau R. klein Tank, Vorsitzende von "Frau & Kirche"
1.1 Die Bischöfliche Kontaktkommission Frau und Kirche (BCCVK)
hat ihre beiden Gesprächspartner, die Union der Niederländischen
Katholischen Frauenbewegung (UNKV) und die Arbeitsgruppe "Frau &
Kirche" des Katholischen Rates für Kirche und Gesellschaft (KRKS),
um ein Gutachten zum Thema "Frau und Liturgie" gebeten.
1.2 Anlaß für diese Bitte war das Schlußdokument
der Pastoralen Landessynode der Niederländischen Kirchenprovinz, 1986.
Diese Synode (1986 in Noordwijkerhout) befaßte sich mit dem Thema
Liturgie im Rahmen der Glaubensvertiefung in unserer Zeit. Konkret stellte
sich die Frage: "Können heutige Gläubige in der jetzigen
Liturgie ihren Glauben in einer solchen Weise feiern und erleben, daß
sie in ihrem Glauben gestärkt werden, oder erfahren sie gerade einen
Zwiespalt zwischen ihrem Selbstverständnis und Lebensgefühl als
Gläubige einerseits und der Weise, in der dies in der Kirche feiernd
und betend zum Ausdruck gebracht wird, andererseits" (Schlußdokument
LPO-Sitzung (LPO), 1).
1.3 In ihrem Schlußdokument wies die Versammlung darauf
hin, daß die tatsächliche und sichtbare Teilnahme von Frauen
noch einige Aufmerksamkeit verlangt. "Bis jetzt war die - meist mehrheitlich
von Frauen besuchte - Liturgie in Sprache und Symbolen durch einen hauptsächlich
von Männern geprägten Stil gekennzeichnet" (LPO 3).
Die Versammlung ersuchte die Bischofskonferenz unter anderem, bezüglich
der Liturgie darauf hinzuwirken,
- daß Raum für ein verantwortliches Hinarbeiten auf die Entwicklung
von zeitgemäßen Liturgieformen geschaffen wird;
- daß dabei der Gebrauch einer verständlichen, von Frauen
und Männern verwendbaren Sprache angestrebt wird;
- daß nachdrücklich nach Symbolen und Riten gesucht wird,
die Menschen unserer Zeit ansprechen;
- daß eine aktive Teilnahme von Männern und Frauen an der
Liturgie, sowohl in der Vorbereitung als auch im Vollzug, gefördert
wird (...)" (LPO 6).
1.4 In ihrer Reaktion auf das Schlußdokument des LPO erkennen
die Bischöfe an, daß bestimmte Aspekte liturgischer Gestaltung
insbesondere für Frauen Anlaß zu Fragen geben. Hierbei wird
an den Sprachgebrauch, die Rollenverteilung in der Liturgie und die Symbolik
des liturgischen Handelns gedacht. Es handele sich um eine komplexe Problematik,
die nicht leicht zu lösen sei. Die Heilige Schrift, die einen so zentralen
Platz in der Liturgie einnimmt, stamme aus einer anderen Kultur.
Texte, die für uns nicht-frauengerecht seien, erfordern darum in
der liturgischen und katechetischen Ausbildung eine sorgfältige Behandlung
und Erläuterung. Was die Texte der liturgischen Bücher und Gesangstexte
angeht, so hält die Bischofsversammlung eine kritische Untersuchung
für sehr angebracht, damit man berechtigten Forderungen von Frauen
entgegenkommen könne.
* LPO = Landelijk Pastoraal Overleg
van de Nederlands Kerkprovincie. Das an die niederländische Bischofskonferenz
gerichtete Schlußdokument heißt: Slotdocument van de LPO-zitting
d.d. 21-23 februari 1986, Utrecht 1986. Die Antwort der Bischofskonferenz
ist die Reactie Nederlandse Bischoppen op Slotdocument LPO 1986, Utrecht
1986. Mit * sind Anmerkungen des Übersetzers gekennzeichnet.
1.5 Die Bischöfe haben daher die Bischöfliche Kontaktkommission
Frau und Kirche (BCCVK) gebeten, die Erfahrungen niederländischer
katholischer Frauen auf dem Gebiet der Liturgie sorgfältig anzuhören,
damit die Bischöfe bei ihren Entscheidungen diese Erfahrungen berücksichtigen
können (Reaktion der niederländischen Bischöfe auf das Schlußdokument
LPO 1986).
Die UNKV und die Arbeitsgruppe "Frau & Kirche" des KRKS
haben sodann auf die Anfrage der BCCVK hin gemeinsam eine Kommission ins
Leben gerufen. Diese Kommission hat den hier vorliegenden Bericht in enger
Zusammenarbeit mit den Leitungsorganen der der UNKV angeschlossenen Frauenorganisationen
und der genannten Arbeitsgruppe erstellt. Sie hat sich dabei auf die Liturgie,
wie sie in der niederländischen Durchschnittspfarrei üblich ist,
beschränkt. Schwarze Frauen oder Frauen aus Flüchtlingsgruppen
waren in der Kommission nicht vertreten; daher sind Erfahrungen dieser
Frauen auch nur wenig verarbeitet.
1.7 Die Kommission hat ihre Aufgabe als begrenzt aufgefaßt:
Sie befaßt sich mit der Gestaltung der Liturgie durch Symbolik, Sprache
und Rollenverteilung, insoweit sie frauengerechter werden könnte.
1.8 Die Kommission bestand aus folgenden Personen:
Schw. Teresini Metternich (Vorsitzende), Frau Cobi van Breukelen, Schw. Esther Geertsma, Schw. Christini Manders, Frau Annemarie Brugman-van Dranen und Schw. Margret Dekker. Die Schriftführung hatte die Studiensekretärin der Arbeitsgruppe
"Frau & Kirche" des KRKS, Frau Diana Vernooij.
1.9 Als fachliche Berater wurden herangezogen:
Frau Donne Schmaal, Frau Maria ter Steeg, Frau Gemma Mertens, Frau Prof. Dr. Catharina Halkes, Frau Nelleke Wijngaards-Serrarens, Herr Carl L.M. Grasveld, Herr Prof. Dr. Herman Wegman, Herr Dr. Jan Hulshof,
Herr Dr. Ton Meijers.
2.1 In der Konstitution über die heilige
Liturgie schreibt das Zweite Vatikanische Konzil: "Das Heilige Konzil
hat sich zum Ziel gesetzt, das christliche Leben unter den Gläubigen
mehr und mehr zu vertiefen, die dem Wechsel unterworfenen Einrichtungen
den Notwendigkeiten unseres Zeitalters besser anzupassen, zu fördern,
was immer zur Einheit aller, die an Christus glauben, beitragen kann, und
zu stärken, was immer helfen kann, alle in den Schoß der Kirche
zu rufen. Darum hält es das Konzil auch in besonderer Weise für
seine Aufgabe, sich um Erneuerung und Pflege der Liturgie zu sorgen"
(Sacrosanctum Concilium (SC) 1).
* Der Text der Liturgiekonstitution Sacrosanctum Concilium
ist zu finden in: AAS 56(1964), 97-113; DH 4001-4048. Hier wurde zitiert
nach: Kleines Konzilskompendium, 51-90, hier 51.
2.2 Im Ganzen der Konstitution über die heilige Liturgie
klingt das Verlangen durch, die Liturgie so anzupassen und zu verändern,
daß es allen Gläubigen möglich wird, sie mitzufeiern und
zu verstehen, und "Texte und Riten so geordnet werden, daß sie
das Heilige, dem sie als Zeichen dienen, deutlicher zum Ausdruck bringen,
und so, daß das christliche Volk sie möglichst leicht erfassen
und in voller, tätiger und gemeinschaftlicher Teilnahme mitfeiern
kann" (SC 21).
2.3 In der Pastoralkonstitution über die
Kirche in der Welt von heute, Gaudium et Spes, wird die Sorge für
die Aktualisierung der Liturgie und des ganzen kirchlichen Lebens umschrieben
als der Auftrag, "die Zeichen der Zeit zu erforschen und im Licht
des Evangeliums zu deuten" (GS 4). Zu den Zeichen der
Zeit zählt Papst Johannes XXIII. die veränderte Rolle der
Frau in der Gesellschaft, nämlich die allgemein bekannte Tatsache,
daß "sich die Frauen am Gemeinwesen beteiligen. ... Da sich
die Frauen nämlich täglich mehr ihrer menschlichen Würde
bewußt werden, erdulden sie es so wenig, für eine unbeseelte
Sache oder für ein Werkzeug gehalten zu werden, daß sie vielmehr
sowohl innerhalb der häuslichen Wände als auch im Staate Rechte
und Pflichten einfordern, die der menschlichen Person würdig sind"
(Pacem in Terris (PT) 41).
* GS 4: Siehe AAS 58(1966), 1025-1115 (lat.); DH 4301-4345,
hier 4304; Kleines Konzilskompendium, 449-552, hier 451.
* PT 41: Der Text der Enzyklika ist zu finden in: AAS
55(1963), 257-304 (lat.), hier 267-268; DH 3955-3997 (auszugsweise, lat./deutsch),
hier 3975; Verlautbarungen des Apostolischen Stuhls, hrsg. vom Sekretariat
der Deutschen Bischofskonferenz, Nr. 23: Dienst am Frieden, Bonn, 21982,
15-38 (deutsch), hier 22.
2.4 Diese Sorge für die Aktualisierung der Liturgie wird
auch im Apostolischen Schreiben Vicesimus Quintus
Johannes' Pauls II. aus Anlaß des 25. Jahrestags der feierlichen
Verkündung der Konstitution über die heilige Liturgie (VQ)
ausgesprochen. Er nennt diese Konstitution die erste Frucht der Erneuerung
(aggiornamento) der Kirche: "Träger der Hoffnung für das
Leben und die Erneuerung der Kirche" (VQ 1). Der Erneuerungsprozeß
wird bestimmt durch das konziliare Grundprinzip der "Treue gegenüber
der Tradition und (der) Öffnung für einen legitimen Fortschritt"
(VQ 4) [* Vgl. SC 23]. Papst Johannes
Paul II. setzt sein Schreiben fort: "Die Bemühungen um die liturgische
Erneuerung müssen... auf die Erfordernisse unserer Zeit Antwort geben.
Die Liturgie ist nicht losgelöst von Raum und Zeit. Während dieser
fünfundzwanzig Jahre haben sich neue Probleme gestellt oder haben
eine neue Bedeutung gewonnen..." (VQ 17).
* VQ: Der Text ist auf Deutsch zu finden in der Reihe:
Verlautbarungen des Apostolischen Stuhls, hrsg. vom Sekretariat der Deutschen
Bischofskonferenz, Nr. 89, Bonn 1988.
2.5 Sowohl die offiziellen kirchlichen Dokumente der letzten
25 Jahre als auch Dokumente, die durch die gläubige Teilnahme von
Frauen und Männern am liturgischen Leben entstanden (u.a. das Schlußdokument
des LPO) betonen den Auftrag, die Liturgie so zu gestalten,
daß alle Gläubigen, sowohl Frauen als auch Männer, an der
Liturgie teilhaben und daß sie in ihr die Wirklichkeit, in der sie
leben, wiederfinden. Das bringt mit sich, daß mit größerer
Achtung auf Erfahrungen von Frauen bei ihrer Teilnahme an der Liturgie
Außer dem Schlußdokument des LPO
können genannt werden: Openbaring van de Ervaring, resultaten van
een onderzoek naar de Belevingswereld van Nederlandse vrouwen in de katholieke
kerk, De Horstink, Amersfoort 1981; Toward a Full and Equal Sharing, 1985 (siehe Anhang
3); Vrouw en Kerk. Een onderzoek naar de relatie
van de Nederlandse katholieke vrouwen met de kerk, De Horstink, Amersfoort
1987. Im Auftrag des Katholieke Raad voor Kerk en Samenleving durch KASKI
erstellter Bericht. Frauen in Kirche und Gesellschaft. Konferenz der Internationalen Katholischen
Frauenorganisationen (I.C.O.), Brüssel 9.-14. Juni 1987.
* KASKI (Katholiek Sociaal-Kerkelijk Instituut) ist
ein 1946 in Den Haag gegründetes katholisches sozialwissenschaftliches
2.6 Die (aktive) Teilnahme von Laien in unserer Glaubensgemeinschaft
nimmt ständig zu. Dies ist erfreulich. Der KASKI-Bericht Metterdaad
gibt ein Wachstum von 44% an (KM 6.1). Dieser Bericht
unterscheidet drei Kategorien von ehrenamtlichen Mitarbeitern nach ihrer
überwiegenden Tätigkeit in sogenannten Aktions-,
Projekt- oder Leitungsfunktionen. Von aller ehrenamtlichen Arbeit wird
fast 60% von Frauen geleistet. Bei den Leitungsfunktionen sind Frauen stark
untervertreten. Der Großteil der Aktions- und Projektfunktionen wird
von Frauen erfüllt. Besonders die Überzahl der Frauen in den
[mehr inhaltlich ausgerichteten] Projektfunktionen weist darauf hin, daß
Frauen - neben ihrer Dienstbereitschaft bei den ausführenden Funktionen
in der Pfarrei - einen Weg zu mehr inhaltlichen Tätigkeiten gefunden
haben, bei denen Glaubensvertiefung und Selbstentfaltung eine Rolle spielen
(vgl. KM 6.3).
Kerk Metterdaad, Gooi en Sticht,
Hilversum 1989, ist der Ergebnisbericht einer durch KASKI
im Jahr 1987 unter ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen in einer Anzahl röm.-katholischer
Pfarreien in den Niederlanden durchgeführte Untersuchung.
Aktions-, Projekt-, Leitungsfunktionen:
Die erste Gruppe ("doe-kader") erfüllt konkrete Aufgaben
mit eher ausführendem Charakter. Zum Teil dienen diese wesentlich
der Schaffung von Voraussetzungen (Gebäudeunterhalt, Finanzen, Gemeindeblatt).
Andere liegen im liturgischen Bereich (Chor, Meßdiener). Die zweite
Gruppe ("project-kader") weicht in der Hinsicht von der ersten
ab, daß in ihr Glaubensfragen besprochen, Bildungs- und Besinnungsmomente
eingebaut und Raum für eigene Beiträge (Vorbereitung auf die
Erstkommunion oder Firmung, Gestaltung von Kindergottesdiensten, z.B. parallel
zum Hauptgottesdienst, und Familiengottesdiensten) geboten wird (vgl. KM
6.2 (3.4)).
2.7 Durch ihre Teilnahme an Vorbereitung und Durchführung
der Liturgie haben viele Frauen positive Erfahrungen gemacht. Aktiv in
die Liturgie einbezogen zu sein wirkt glaubensvertiefend und bereichernd.
Im Licht des Evangeliums entdecken Frauen ihren eigenen Wert, gewinnen
Selbstachtung. Diese Bewußtseinsbildung macht Frauen mündig;
sie wollen Mitverantwortung für den Ausdruck des Glaubenslebens in
der Gemeinschaft tragen.
2.8 Aber diese positive Entwicklung hat auch eine Anzahl Probleme
aufgedeckt. Viele Frauen erfahren es als sehr schmerzlich, daß Symbolik,
Sprache und Rollenverteilung eine Wirklichkeit widerspiegeln, in der sie
ihre eigene Wirklichkeit nicht oder nur teilweise wiederfinden. Nicht alle
Frauen erfahren die Liturgie als nicht-frauengerecht; jedoch steigt die
Zahl der Frauen, die sich schmerzlich betroffen fühlen.
2.9 Die Erneuerung der Liturgie, d.h. die Feier in der Landessprache,
ist eine große Leistung gewesen. Diese umfangreiche Arbeit wurde
aber vor allem von Männern geleistet. Es ist deshalb nicht verwunderlich,
daß vor allem männliche Sprech- und Denkweisen, männliches
Dichten und Übersetzen in Texten und Symbolik wiederzufinden sind.
Der Bezugsrahmen von Frauen bleibt im liturgischen Sprechen unsichtbar.
Lebenserfahrungen und Glaubensleben von Frauen haben darin keinen Platz
erhalten, ebensowenig wie die Werte, die Frauen meistens verkörpern.
2.10 Gerade weil in Gebet, Lied, Handeln und Verkündigen
das Wort des Gottes Jesu Christi gegenwärtig und weitergegeben wird,
sind Sprache, Rollenverteilung und Symbolik in der Liturgie von größter
Bedeutung. Wenn liturgische Sprache, Rollenverteilung und Symbolik einen
Teil der Glaubensgemeinschaft ausschließen, steht dies im Widerspruch
zu dem, was Liturgie sein will: das feiernde Verweisen auf das Gegenwärtigsetzen
des Reiches Gottes, in dem es "nicht mehr Juden und Heiden, nicht
Sklaven und Freie, nicht Mann und Frau (männlich und weiblich)"
gibt (Gal 3,28).
* Im griechischen Original stehen
hier substantivierte Adjektive: "nicht Männlicher und Weibliche".
Im vorliegenden Bericht wird 'vrouwelijk' immer mit 'weiblich' übersetzt,
auch wenn manche/r vielleicht lieber 'fraulich' läse (Das Niederländische
kennt den Unterschied nicht).
3.1 Wenn die Kirche sich selbst theologisch als eine 'Gemeinschaft'
versteht, dann bedeutet dies, daß Christen mit Gott und untereinander
durch Jesus Christus in der Kraft des Heiligen Geistes verbunden sind.
"Es ist also in Christus und in der Kirche keine Ungleichheit aufgrund
von Rasse und Volkszugehörigkeit, sozialer Stellung oder Geschlecht"
(Dogmatische Konstitution über die Kirche Lumen Gentium (LG) 32).
Damit wird an die grundlegende Gleichheit und Verbundenheit aller Getauften
erinnert. Das Selbstverständnis der Kirche als Gemeinschaft in Christus
durch den Geist bringt Konsequenzen für den Gebrauch von Sprache und
Symbolen und für die Rollenverteilung in der Liturgie mit sich.
* LG: Der Text dieser dogmatischen Konstitution ist zu
finden in: AAS 57(1965), 5-64 (lat.); DH 4101-4179 (mit Lücken, lat./deutsch).
Hier ist zitiert nach: Kleines Konzilskompendium, 123-197, hier 162.
3.2 Wenn die grundlegende Gleichheit so zum Kern des Kirche-Seins
gehört, dann ist es wichtig, daß die grundlegende Gleichheit
von Frauen und Männern auch 'selbstverständlich' in der Liturgie
zum Ausdruck kommt. Diese grundlegende Gleichheit von Frauen und Männern
bedeutet nicht ein vollständiges Zusammenfallen von Identitäten,
sondern bezieht sich auf den Auftrag, der allen Getauften gegeben ist.
3.3 In unserer Glaubensgemeinschaft ist Liturgie Ausdruck und
Feier des Heilsmysteriums, in das wir gestellt sind. Es ist ein Übersteigen
unserer Bedürfnisse auf das hin, was uns gemeinsam zusammenbringt:
die Begegnung zwischen menschlichem und göttlichem Handeln in unserer
Geschichte, namentlich in Leben, Tod und Auferstehung Jesu Christi. Es
ist die Feier unseres Lebens in der Perspektive von Schöpfung und
Erlösung, Auferstehung und Reich Gottes. Schöpfung und Erlösung,
Auferstehung und Reich Gottes sind Wirklichkeiten, die die menschliche
Lebenswelt übersteigen, dabei aber immer wieder in menschlicher Sprache,
in menschlichen Formen ausgedrückt werden müssen. Sprache, Rollenverteilung
und Symbolik können darum das Mysterium des lebenden Gottes nie vollständig
begreiflich machen und angemessen zum Ausdruck bringen.
3.4 Die Weise, in der wir unser Leben im Heilsplan Gottes feiern,
wird immer unter einer kritischen Spannung stehen. Einerseits werden die
Ausdrucksformen in der Liturgie ständig an die sich ändernden
Umstände angepaßt werden müssen, wenn sie auch weiterhin
etwas aussagen sollen; andererseits müssen die Heilsmomente unversehrt
3.5 In den letzten 25 Jahren hat sich viel verändert. In
der Gesellschaft hat sich die Stellung der Frau sehr gewandelt. Durch eine
veränderte Familienstruktur, andere Auffassungen über Ehe und
Familie, das höhere Bildungsniveau und die Verschiebung der traditionellen
Rollenverteilung zwischen Frauen und Männern erfahren Frauen und Männer
ihr Leben anders als noch vor einigen Jahrzehnten. Dies gilt besonders
für die Frauen. Sie haben in großer Zahl begonnen, am gesellschaftlichen
3.6 Frauen haben begonnen, die neuen Erfahrungen
in ihrem veränderten Dasein zu benennen: sowohl die positiven Erfahrungen
der Entdeckung ihres eigenen Wertes als auch die Erfahrungen, ausgeschlossen
zu werden und sich abgelehnt zu fühlen. Diese Wirklichkeiten wollen
Frauen auch in der Liturgie zur Sprache bringen. Liturgie, die Erfahrung
aufnimmt und transzendiert, muß soweit offen sein, daß die
Anwesenden sich angesprochen und angenommen fühlen. Es ist Gottes
Ehre, wenn der Mensch wirklich zum Leben kommt. Liturgie kann Menschen
zum Leben rufen, Gottes Güte kann den gekrümmten Menschen, Frau
und Mann, wieder aufrichten (vgl. Lk 13,10-17).
4.1 Im Leben von Menschen, und besonders im religiösen Leben,
spielen Rituale eine große Rolle. Rituale bestehen aus Symbolen,
(Symbol)handlungen und (Symbol)sprache. Das Symbol ist weder ein rein objektives
Zeichen noch eine rein subjektive Äußerung: im Symbol geben
Menschen ihrer Erfahrung von Wirklichkeit Ausdruck, und zugleich manifestiert
sich die Wirklichkeit als Wirklichkeit-für-Menschen: [für] Frauen
und Männer. Wo Menschen das Heilige und Göttliche erfahren haben,
wollen sie diese Erfahrung vergegenwärtigen und einander mitteilen.
Symbole haben daher einen hervorrufenden [evokativen] Charakter. In der
Symbolik und durch sie werden die Erfahrung mit Gott und seine Gegenwart
lebendig. Das religiöse Symbol aktiviert die Erinnerung. Die Erinnerung
an Jesu Leben, Leiden, Tod und Auferstehung macht Christen solidarisch
mit allen Menschen, die unter Strukturen leiden, die sie daran hindern,
Bild Gottes zu sein, die sie daran hindern, auf den Anruf unseres Gottes
in Freiheit mit "ja, ich will" zu antworten.
4.2 In Kapitel V dieses Berichtes wird der sprachlichen Aspekt
ausführlich behandelt. Darum soll hier eine kurze Andeutung über
den Unterschied zwischen pragmatischer Sprache und Symbolsprache genügen.
In unserem gewöhnlichen Sprachgebrauch wird Sprache verwendet als
Verweis auf die konkrete Wirklichkeit. Je eindeutiger die Ausdrücke
sind, desto angemessener erfüllen sie ihre Funktion: Sie helfen uns,
die Wirklichkeit zu definieren und zu bestimmen. Symbolsprache dagegen
verwendet man nicht in erster Linie, um zu wissen und zu beherrschen. Sie
wird mit Betroffenheit und Emotion gebraucht. Symbolische Worte "enthüllen
und offenbaren eine tiefere Wirklichkeit. Sie grenzen nicht ab, sondern
erschließen. Symbolsprache verschiebt stets Grenzen". In diesem
Sinn können Dinge, Aktionen und Sprache nur dann Grenzen verschieben,
wenn sie eine neue Dimension im menschlichen Dasein hervortreten lassen.
Das Zitat stammt aus: GERARD LUKKEN: Geen leven zonder
rituelen. Antropologische beschouwing met het oog op de christelijke liturgie,
Baarn 1984, 15.
4.3 Für religiöse Erfahrung sind drei Komponenten von
wesentlicher Bedeutung: eine Auseinandersetzung mit der religiösen
Wirklichkeit, das Vorhandensein von Wörtern und Symbolen sowie die
sozialen und psychischen Voraussetzungen, unter denen Menschen denken,
fühlen und handeln. Mit anderen Worten: Gott offenbart sich gegenüber
Menschen; Menschen empfangen diese Offenbarung in Worten und Symbolen,
die sie hier und jetzt von ihrem konkreten Menschsein aus interpretieren.
Fehlt eine dieser drei konstitutiven Komponenten, dann ist Kommunikation
mit der tieferen Dimension des Menschseins unmöglich. Dies bedeutet,
daß ein Kurzschluß zwischen Symbolik und dem Bezugsrahmen von
Frauen und Männern dazu führt, daß die Botschaft nicht
4.4 In der Geschichte ist deutlich, daß Symbolik und Wirklichkeit,
christliche Bedeutungsgebung und Erfahrung miteinander in ständiger
Wechselwirkung stehen. Sie rufen sich gegenseitig hervor und beeinflussen
sich gegenseitig. In den fast zwanzig Jahrhunderten, die hinter uns liegen,
war daher - in der Kirchengeschichte - nichts so sehr Veränderungen
unterworfen wie gerade die Gestaltung des liturgischen Lebens.
4.5 Dies wird deutlich, wenn man die Liturgie der ersten Christen
in ihren Hausgemeinden mit der mittelalterlichen Liturgie in Basiliken
und Kathedralen vergleicht. Unterschiede im religiösen Ausdruck werden
auch sichtbar, wenn man sich stark unterscheidende Völker betrachtet.
Jedoch bestimmen nicht allein zeitliche oder kulturelle Unterschiede die
Erfahrung der (religiösen) Wirklichkeit; auch Unterschiede in der
[gesellschaftlichen] Position spielen eine wichtige Rolle.
4.6 In unserer westlichen Kultur ist in den vergangenen fünf
bis sechs Jahrhunderten in zunehmendem Maße eine Zweiteilung zwischen
Privatem und Öffentlichem entstanden. Frauen bewegen sich vorwiegend
im privaten Raum, Männer im öffentlichen. Daß diese Zweiteilung
weitgehende Folgen für die soziale und psychische Verfaßtheit
hat, wird jetzt deutlich, wo Frauen beginnen, sich auszusprechen. Im Sprechen
entdecken Frauen ihre gemeinsamen Erfahrungen, finden sie Worte für
ihre religiöse Erfahrung, die gefeiert und symbolisiert werden will.
Liturgie ist dann erlösend, wenn Menschen Gott als nahe erfahren,
als sie betreffend, und wenn sie sich in der Liturgie als Bild Gottes entdecken.
4.7 Jesus Christus, die endgültige Offenbarung Gottes und
der Mittelpunkt der Schöpfung (Kol 1,15), ist die Fülle
aller religiösen Symbolik. Er ist das Bild (eikon: Kol 1,15;
Hebr 1,3) des lebenden Gottes. In ihm wird menschliche Existenz
zum Symbol für den nicht anonymen Gott. In seiner Treue bis in den
Tod ist er Bild Gottes.
4.8 Wenn die Kirche Leib Jesu Christi ist, wenn Liturgie Gedenken
des Leidens, des Todes und der Auferstehung Jesu Christi ist, wenn das
gemeinsame Feiern im Namen Jesu Christi Auferstehungsfeier ist, dann sind
gerade dies Orte, an denen die Erfahrungen von Frauen - neben und mit denen
von Männern - zur Sprache kommen, symbolisiert und gefeiert werden
4.9 Erste Anforderung für eine funktionierende Symbolik
ist ihre Wahrhaftigkeit. Die Sorge der Kirche bezieht sich auf traditionelle,
gegenständliche Zeichen und die Gültigkeit von Sakramenten. Wenn
die liturgische Tradition lebendig bleiben will, dann wird das Band zwischen
religiösen Zeichen und der Kontinuität im Glauben bewahrt und
gegebenenfalls wiederhergestellt werden müssen. Das Fehlen dieser
Kontinuität führt notwendigerweise zu Erstarrung und Unglaubwürdigkeit.
Die Kontinuität im Glauben ist die rechtmäßige Quelle,
von der aus nach einer angemessenen Gestaltung gesucht werden kann. Andererseits
ist es auch möglich, daß durch ein Wiederaufnehmen traditioneller
religiöser Symbole die Glaubensquelle selbst neu erschlossen werden
4.10 Die Wahrhaftigkeit liturgischer Symbolik verlangt, daß
Zulässigkeitsbestimmungen nicht der Ausgangspunkt sein dürfen.
Dieselbe Wahrhaftigkeit gebietet auch, daß die sakramentale Symbolik
anschaulich bleiben muß, da sie sonst notwendig ihren Symbolcharakter
verliert. Es genügt nicht, bloß mit Worten zu unterstreichen,
daß es um etwas anderes und daß es um mehr geht; denn das wäre
eine Verletzung der gesamten Symbolik.
4.11 Manche Symbole und Riten in der Liturgie wurden im Laufe
der Zeit 'ausgehöhlt'. Sie passen nicht mehr in das wirkliche Leben
der Menschen von heute oder sprechen eine Symbolsprache, die nicht mehr
verstanden wird. Der Priester, der die Messe mit dem Rücken zum Volk
las, drückt eine Auffassung und ein Erleben von Priestertum aus, wie
es in unserer Zeit kaum mehr verständlich ist. Wendet er sich zum
Volk, so zeigt der Priester, daß es die Gemeinde ist, die die Liturgie
feiert. Dies stimmt mit der Veränderung in Auffassung und Erleben
von Rollen in der Liturgie überein.
4.12 Im Allgemeinen plädiert dieser Bericht für eine
liturgische Gestaltung, die sich dem Glaubensleben der Gemeinschaft und
den realen Erfahrungen von Frauen und Männern anschließt. Er
plädiert für einen Ort, an dem sie zusammen kreativ sein und
Verantwortung tragen können. Er plädiert für einen Raum,
in dem Mädchen und Jungen, Frauen und Männer gemeinsam Gottesdienste
vorbereiten und auswerten, an denen man mit Respekt für die Erfahrungen
anderer und mit Achtung vor der Tradition teilnimmt. Die Erneuerung der
äußeren Gestaltung wirkt auf diese Weise an der Erneuerung des
individuellen und gemeinschaftlichen Glaubenslebens mit.
Raum, Körpersymbolik,
symbolische Gegenstände und Zeit
4.13 Erneuerung der Symbolik wird zum großen Teil über
den Weg des gläubig-kritischen Durchdenkens und verantworteter Experimente
zustande kommen. Hierfür ist prophetischer Mut nötig.
4.14 Erneuerung der Symbolik umfaßt neben einer Reform
der Sprache die der Gegenstände (i.w.S.) und der Gesten. Die verschiedenen
Aspekte liturgischer Symbole sind wie folgt einzuordnen:
Anmerkung: Einige Aspekte liturgischer Symbolik bleiben
hier unberücksichtigt, z.B.: Zahl, Tiersymbolik, Buchstaben. Es sei
hierzu auf ein liturgisches Wörterbuch verwiesen. - Raum, z.B.: Kirchengebäude und räumliche Ausrichtung;
- Körpersymbolik, z.B.: Akklamation, Gebärde, Gesang,
Handauflegung, Knien, Mahl, Sehen, Sitzen, Stehen, Tanz, Verbeugung;
- Gegenstände, z.B.: Asche, Bild, Blumen und Pflanzen, Brot,
Erde, Farben, Feuer, Kelch, Kleidung, Licht, Öle, Salböl, Schale,
Stoffe, Wasser, Wein;
- Zeit, z.B.: Tag, Fest, Kirchenjahr.
4.15 Die meisten Kirchen wurden vor dem Zweiten Vatikanischen
Konzil errichtet. In ihrer Gestaltung drücken sie das Mysterium Gottes
aus und sind gebaut, um in einer bestimmten liturgischen Form Gott Ehre
4.16 Vom Zweiten Vatikanischen Konzil wird die Kirche als das
Herz der Welt gesehen, als Kirche, in der die Glaubensgemeinschaft zusammenkommt
[* vgl. etwa LG 1;2]. Die erneuerte Liturgie müßte
auf organische Weise die vielen Formen menschlichen Daseins in sich aufnehmen
können. Das herkömmliche Kirchengebäude ist darauf nicht
abgestimmt: Es ist hoch, eckig und langgestreckt. Die Kirchenbänke
sind fest montiert und unbequem, man sitzt hintereinander und sieht in
eine Richtung, ohne gegenseitigen Blickkontakt. Viele Bänke
sind leer; die Gläubigen sitzen verstreut in der Kirche. Der fühlbare
Abstand zum Altar wird dadurch noch größer. Häufig ist
das Gebäude dunkel und nüchtern. In vielen Kirchengebäuden
ist der Altar schwer, massiv und unverrückbar, was ein statisches
Raumgefühl erzeugt. Dies alles trägt wenig zum Erleben von Gemeinschaft
4.17 Ein Raum, in dem Menschen miteinander feiern und in dem
das Gemeinschaftselement zum Ausdruck kommt, müßte Offenheit
ausstrahlen. Gottesdienste müßten beweglich, farbig und leicht
Beim gemeinsamen Mahlhalten, bei der Aufnahme von Menschen in die Gemeinschaft
(Taufe), beim Schuldbekenntnis voreinander und vor Gott müßten
die Feiernden sich in einem Kreis versammeln können. Die Gestaltung
drückt dann aus, was inhaltlich geschieht. Gottesdienstfeier im Kreis
oder im Halbkreis ist oft möglich, ohne daß dafür große
Investitionen getätigt werden müssen.
4.18 Frauen und Männer, die etwas aus dem Leben einbringen
wollen - Verbundenheit, Unsicherheit, Zorn, Freude, persönliche Lebensgeschichte,
durch Gesang, Tanz oder Schauspiel -, haben es in den meisten heutigen
Kirchengebäuden schwer. Diese Ausdrucksformen erfordern einen fließenden
Übergang zwischen drinnen und draußen.
4.19 Beim Einrichten eines Kirchengebäudes können Sachkundige
als Berater oder Beraterinnen herangezogen werden, damit möglichst
viele unterschiedliche Lebenserfahrungen bei der Gestaltung des Gebäudes
4.20 Wir bitten die Bischöfe, Sorge zu tragen, daß
die Kirchengebäude und ihre Inneneinrichtung auf das gemeinschaftliche
Erleben der Gottesdienste abgestimmt werden, wobei zu den Möglichkeiten
auch die Flexibilität in der Anordnung der Teilnehmer und die Umstellbarkeit
der Gebrauchsgegenstände gehören sollen. Kreisbildung sollte
4.21 Wir bitten die Bischöfe, Sorge
zu tragen, daß Frauen als sachkundige Berater bei der Einrichtung
von Kirchengebäuden nach Can. 1216 des kirchlichen Gesetzbuches (CIC)
4.22 Wir bitten die Bischöfe, Sorge
zu tragen, daß die Diözesankommissionen für Liturgie und
sakrale Kunst aus Frauen und Männern mit unterschiedlichen Lebenserfahrungen
4.23 Wir bitten die Bischöfe anzuregen,
daß während der Gottesdienste allen, die darin eine besondere
Aufgabe haben, Gelegenheit geboten wird, sich um den Altar zu versammeln,
damit sich Frauen und Männer in der Weise, in der die Gemeinschaft
vertreten wird, wiederfinden können.
4.24 Liturgische Körpersymbolik gibt es dank der Erfahrung
von Bedeutung, die bestimmte Gesten tragen. Stehen, Verbeugen, Knien, Umarmen
usw. sind körperlicher Ausdruck des Glaubens. Der Friedenskuß,
ein Kuß auf beide Wangen, war schon in den ersten christlichen Gemeinden
Brauch. Später wurde er zu einer Umarmung stilisiert, bei der man
den Kopf seitlich des Kopfes des Gegenüber beugt. Die Einführung
des Friedensgrußes in der Kirche, die Freude, aber vor allem auch
die Verwirrung, die er hervorruft, zeigen, daß die Körpersprache
Menschen direkt berührt und daher mit großer Sorgfalt angegangen
4.25 Wie Körpersymbolik erlebt wird, ist mit von den Erfahrungen
abhängig, die die Betroffenen zuvor mit Körperkontakt gemacht
haben. Körpererfahrungen von Frauen, die nicht befreiend waren (unerwünschte
Intimitäten, sexuelle Gewalt, Inzest) färben die Weise, in der
sie Körpersprache erleben. Untersuchungen der letzten Jahre haben
enthüllt, daß die Zahl der Frauen mit derartigen Erfahrungen
groß bis sehr groß ist. Es ist daher wichtig, jeden Schein
von aufgezwungener Intimität in der Körpersymbolik zu vermeiden.
4.26 Die gesellschaftliche Position bestimmt, welche Körpersymbolik
Menschen zur Wahrhaftigkeit bringt. Für Menschen, die aktiv eingreifend
im öffentlichen Leben stehen, ist es von Bedeutung, sich ihrer Dienstbereitschaft
und Demut zu erinnern. Menschen, die unselbständig im Leben stehen
oder die sich nur unvollkommen entfalten konnten (durch welche Umstände
auch immer), müßten zu Wachstum und Verantwortlichkeit angespornt
4.27 Knien und Verneigung sind Haltungen, die Demut vor Gott
ausdrücken. Von manchen Menschen (arme und/oder farbige Frauen und
Männer) werden diese Haltungen direkt in einem sozialen Kontext von
Unterdrückung oder Minderwertigkeit erlebt. Ihnen können diese
Haltungen nur durch äußere Information als 'liturgisch' dargestellt
werden. Für diese Frauen und Männer kann Gottes Größe
auch im Aufrecht-Gehen und -Stehen sichtbar werden - so wie Gottes Größe
und Liebe im Aufrichten der gekrümmten Frau sichtbar wurde [*
vgl. 3.6 (Lk 13,10-17)]. Nur wer aufrecht steht
und geht, kann auch aufrichtig knien.
4.28 Durch ihren Eintritt ins öffentliche Leben und dadurch,
daß sie ihre Rechte und Pflichten als menschliche Person einfordern,
haben Frauen Bedürfnis nach symbolischen Handlungen, die diesen Eintritt
bestätigen. Gehen und Stehen sind Handlungen, die bei diesem Bedürfnis
anschließen. Auch das Öffnen und Erheben der Hände als
Zeichen des Empfangs von Heil, von Rechten und Pflichten, schließt
4.29 In der leeren Kirche herumzulaufen, allein oder mit anderen
Frauen, und dabei zu singen und zu hören, wie die Worte fallen, ist
als Einübung von Körpersymbolik eine Form der Vorbereitung, die
über den Gebrauch der eigenen Möglichkeiten, Talente und Fähigkeiten
Kenntnis verschafft.
4.30 Bei Gottesdiensten in Kleingruppen wird vielfältiger
Gebrauch gemacht von der Kreisbildung, vom Festhalten an den Händen
und vom Teilen und Weitergeben symbolischer Gegenstände. Das Brechen
und Weitergeben verschiedener symbolischer Gegenstände, die zur Thematik
der Feier passen, ist eine Bestärkung der Gemeinschaft und der Solidarität
zwischen den Anwesenden im Geiste Christi, der uns in eine Perspektive
der Hoffnung stellt.
4.31 Der Gebrauch bestimmter Gegenstände während eines
Gottesdienstes vertieft die Symbolik und das Erleben des sakramentalen
Geschehens durch die Gläubigen. Manches hat sich im Lauf der Zeit
als kräftiges Symbol erwiesen und bis heute seine Aktualität
behalten. Anderes hat an Erkennbarkeit verloren.
4.32 Als Beispiele seien genannt:
- Seit der frühen Kirche ist das Zusammenkommen zum Brechen und
Teilen des Brotes im Gedenken an Leben, Leiden, Tod und Auferstehung Jesu
Christi ein wesentlicher Aspekt der Feier der Eucharistie. Im Laufe der
Zeit wurde das Brot durch hauchdünne Hostien ersetzt, bei denen das
Brechen und Teilen des täglichen Brots nicht mehr erkennbar wird.
* Vgl. Apg 2,42.46; 20,7.11; 1 Kor 10,16.17; 11,20-34.
In der Lehre der zwölf Apostel (der ältesten erhaltenen Gemeinderegel,
auch einfach Didache genannt) heißt es: "An jedem Herrentag...
brecht das Brot und sagt Dank" (Didache 14,1; zu finden beispielsweise
in: Die Apostolischen Väter, Andreas Lindemann/Henning Paulsen (Hrsg.),
Mohr, Tübingen 1992, S. 4-21). Von dem hier gebrauchten Wort eucharistein
(= Dank sagen) kommt unser Ausdruck Eucharistie.
- Der Chrisam, d.h. das Öl, das bei der Taufe gebraucht wird, trägt
die Bedeutung 'im Wohlgeruch Christi stehen' [* Vgl. 2 Kor
2,14-16]. Die Handlung ist geblieben, aber auf eine einzige Berührung
beschränkt. Überdies riecht das Öl nicht mehr. Hierdurch
ist die Erkennbarkeit der Bedeutung größtenteils verlorengegangen.
4.33 Neue Elemente werden in die Liturgie eingebracht. Frauen
suchen zur Thematik des Gottesdienstes symbolische Gegenstände und
Zeichen, die kein Hindernis darstellen, wenn Heil erfahrbar werden und
Gottes Geist in Menschen wirken soll. Sie suchen Dinge, die im Rahmen des
Themas der Feier einen tieferen Wert darstellen können. Sie bringen
neue Elemente ein, die in der Praxis bleibenden Wert noch beweisen müssen.
4.34 Als Beispiele seien genannt:
- Das Sauerteigbrot, das miteinander geteilt wird und auf unsere Erwartung
des Himmelreiches verweist (Mt 13,33/Lk 13,21).
- Wasser und Brot, die als Zeichen des Protests in einer Unrechtssituation
- Kräuter, die in einem Gottesdienst, in dem aus Mk 16,1-8/Lk 24,1-12
gelesen wird, verteilt werden als Ansporn, um sich auf den Weg zu machen
und unseren Glauben in unserem Lebenswandel zu bezeugen.
4.35 Neben neuen Symbolelementen werden durch Frauen bestehende
Symbole neu gedeutet. Zum Beispiel können die fünf Weihrauchkörner
in der Osterkerze, die die fünf Wunden Jesu Christi symbolisieren,
auf die Wunden der Welt verweisen, die Wunden, die die Gläubigen selbst
in ihrem Leben davontragen.
4.36 Die vom Weltkirchenrat ausgerufene Ökumenische Dekade
'Kirchen in Solidarität mit den Frauen' (1988-1998) sieht international
als eine der Prioritäten die Entwicklung der Spiritualität von
Frauen. Wir bitten die Bischöfe, in den bleibenden Jahren der Dekade
den Frauen Raum zum Einüben zu verschaffen, wo sie den Gebrauch von
Gegenständen und Körpersymbolik in der Liturgie üben und
4.37 Wir bitten die Bischöfe, sachkundige
Frauen damit zu beauftragen, Pfarreien und
pastorale Ausbildungsstätten mit Material auszustatten, mit dessen
Hilfe Liturgiekreise sich neue und erneuerte Symbolik zu eigen machen können.
Ein solches Programm soll darauf gerichtet sein, Liturgiegruppen Einsicht
in die unterschiedliche Aufnahme von Körpersymbolik bei Menschen mit
unterschiedlicher Positionen und Erfahrungen zu geben (vgl. Empfehlung
5.34, S. *).
4.38 Die Sonntagsgottesdienste kennen einen dreijährigen
Lesungszyklus. Im Allgemeinen bestimmen die Lesungen die Thematik der Feier
und der Homilie.
Es ist auch möglich, die Thematik einem gesellschaftlichen Phänomen
zu entlehnen: Friedenssonntag, Missionssonntag. Im Bistum Haarlem hat sich
die Gewohnheit entwickelt, um den 8. März, den internationalen
Tag der Frau, der weltweiten Benachteiligung der Frauen besondere Aufmerksamkeit
4.39 Wir bitten die Bischöfe, die Feier des 8. März
- des internationalen Tages der Frau - als Thema-Sonntag in die Gottesdienste
einzubeziehen, wobei dem gewöhnlichen Lesezyklus gefolgt wird. Die
Exegese muß ausdrücklich aus der Sicht von Frauen geschehen.
Dieser Sonntag kann für die Gemeinschaft ein Anlaß sein, die
übliche Liturgie frauengerechter zu machen. Eine mit der Feier verbundene
Kollekte kann zur Anstellung von Frauen als Diözesanbeauftragte verwendet
werden, die Gerechtigkeit und Gleichberechtigung von Frauen in Kirche und
Gesellschaft fördern sollen, oder zur Finanzierung eines jedes Jahr
neu auszuwählenden Projektes, das Gerechtigkeit und Gleichberechtigung
von Frauen fördert.
5.1 Durch das Mittel der Sprache verschafft die Glaubensgemeinschaft
unserem Glauben an Gott Ausdruck und verkündet die Erlösung der
Welt. In der ganzen Geschichte des Christentums wurde viel Sorgfalt darauf
verwendet, die richtigen Worte zur Wiedergabe unseres Glaubens zu finden.
5.2 Sprache, also auch Glaubenssprache und theologische Sprache,
ist eine menschliche Schöpfung. Die gläubige Gemeinschaft faßt
ihre Erfahrungen mit Gott in Worte. Sprache kann jedoch nie vollständig
begreifbar machen und angemessen ausdrücken, was das Geheimnis des
lebenden Gottes ist. Als menschliche Schöpfung ist Sprache fehlbar
und beschränkt.
5.3 Menschen formulieren ihre Einsichten von ihrer Erlebniswelt
aus. Andere erkennen sich darin wieder und übernehmen die Sprache,
oder sie tun es nicht und die Botschaft geht an ihnen vorbei. Nicht nur
gebrauchen wir Wörter, um unsere Ideen auszudrücken, sondern
darüber hinaus bestimmen Begriffe den Bezugsrahmen, innerhalb dessen
wir wahrnehmen und erkennen. Was außerhalb dieses Rahmens liegt,
bleibt unbeachtet. So kann es geschehen, daß die Liturgie, die in
einer bestimmten Zeit von bestimmten Gruppen von Menschen ihre Form erhält,
durch andere Gruppen nicht verstanden wird oder nicht bei den Einsichten
anschließt, die in anderen Gruppen lebendig sind.
5.4 Weder in Symbolsprache noch in gewöhnlicher Sprache
ist es vertretbar, Menschen wegen ihrer Geschlechts-, Rassen- oder Klassenzugehörigkeit
oder sonstigen Eigenschaften das Wort vorzuenthalten oder sie nicht direkt
anzusprechen. Sprache, die Menschen ausschließt, kann keine offenbarende
Sprache sein. Besonders wenn wir im Gottesdienst zusammenkommen, ist es
wichtig anzustreben, daß die affektiven Bedeutungen der gebrauchten
Wörter nicht die befreiende Kraft von Gottes Liebe behindern.
5.5 In einer Kirche und in einer Gesellschaft, in denen das öffentliche
Leben hauptsächlich von Männern bestimmt wird, ist auch die Sprache
folglich von Männern geformt. So kommt in ihr eben die Erlebniswelt
von Männern zum Ausdruck.
5.6 Mit 'exklusivem' [d.h. ausschließendem] Sprachgebrauch
ist ein Sprachgebrauch gemeint, der einen Teil der Wirklichkeit zum Ausdruck
bringt, einen anderen aber ausschließt, ohne irgendwie zu erwähnen,
daß etwas ungenannt bleibt. Männlicher Sprachgebrauch gibt vor,
allgemeiner Sprachgebrauch zu sein.
5.7 In einer patriarchalischen Welt, in der Frauen zum Besitz
der Männer gerechnet werden - wie unter anderem in den frühen
Kulturen des Alten Testamentes -, werden nur Männer als Menschen aufgeführt
und spricht Gott (in der männlichen Erfahrungswelt) nur oder vorwiegend
Männer an. Ein vom Menschen erfahrener Gott wird vor allem mit männlichen
Wörtern bezeichnet. Jedoch wird aus dem Alten Testament auch deutlich,
daß selbst im patriarchalischen Kontext Gott nicht mit ausschließlich
männlichen Wörtern beschrieben werden kann.
5.8 Über die Erlebniswelt von Frauen in patriarchalischen
Zeiten ist uns wenig bekannt. Die Schrift zeigt einen überwiegend
männlichen Sprach- und Bildgebrauch und läßt eine männliche
Erlebniswelt sehen, auch wenn über Frauen berichtet wird (Ri 11,29-40;
1 Kön 17,8-24; Mt 26,6-13; Joh 4,1-42).
5.9 Auch in einer Welt, in der Frauen zwar nicht mehr als Besitz
angesehen werden, aber noch immer benachteiligt sind, werden in erster
Linie Männer genannt und angesprochen. So wird die Glaubensgemeinschaft
sowohl in der Bibel als auch in der heutigen Kirche häufig mit männlichen
Wörtern bezeichnet und angesprochen. Es ist aber die Frage, ob der
heilige Paulus in seinen Briefen wirklich nur die Männer ansprach.
'Adelphoi' wird in unseren gewöhnlichen Bibeln mit 'Brüder' übersetzt;
es hat aber die breitere Bedeutung von 'Brüder und Schwestern'.
5.10 Frauen fühlen sich, auch infolge der Emanzipationsbewegung,
im männlichen Sprachgebrauch stets weniger einbezogen. Da sie selbstbewußt
in das öffentliche Leben eingetreten sind, möchten sie sich auch
in der allgemeinen Sprache wiedererkennen. Frauen möchten als vollwertige
Mitglieder der Kirche ihre Glaubensgenossen an ihren Erfahrungen teilhaben
lassen und möchten diese auch in der Liturgie zu Wort kommen sehen.
Sie möchten in der Liturgie selbst angesprochen werden, und sie wollen
selbst andere Frauen ansprechen und nicht jedesmal die Erläuterung
vernehmen müssen, daß es in der Liturgie 'auch' um sie geht.
5.11 Gebrauch von Sprache ist eine so alltägliche Angelegenheit,
daß exklusiver Sprachgebrauch sehr eingeschliffen ist. Ihn auszutreiben
erfordert besondere Aufmerksamkeit. Das Entwickeln einer inklusiven
und ausgewogenen Sprache erfordert einen längerdauernden Prozeß.
Es gibt Spannungen zwischen der Einfachheit und Klarheit eines Textes und
einem nuancierten Wortgebrauch, der die Gleichheit von Mann und Frau wirklich
5.12 Daß die männliche Erlebniswelt als allgemein
geltende angesehen wird, ist auch in grammatischen Regeln wiederzufinden.
Der Allgemeinbegriff 'der Sünder' (ein männliches Wort) verweist
auf konkrete Sünder und Sünderinnen. Wenn man die männliche
Form gebraucht, 'Mitarbeiter', 'Autor' usw., sind meistens auch die Mitarbeiterinnen,
Autorinnen mit gemeint. Viele Frauen fühlen sich von einem derartigen
Sprachgebrauch nicht als gleichwertig einbegriffen, weil männliche
Wörter als erste Assoziation eben die Vorstellung von Männern
5.13 Das Männliche ist der Ausgangspunkt, und das Weibliche
wird so im Männlichen untergebracht und einbegriffen. Grammatikalisch
ist es korrekt, vom Menschen als von 'ihm' zu sprechen. Allgemein menschliche
Erlebniswelten sowie rein männliche können mit Hilfe von 'der
Mensch, er' ausgedrückt werden. Die weibliche Erlebniswelt wird aus
der allgemeinen ausgegrenzt. Ein Beispiel möge dies verdeutlichen:
Die Aussage 'der Mensch, er zeugt Nachkommen' erscheint korrekt, während
der Satz 'der Mensch, er gebärt Kinder' falsch klingt.
Der Gebrauch männlicher Formen als allgemein geltende Form kann
nicht länger als die Frauen einschließend angesehen werden.
5.14 Inklusiver [d.h. einschließender] Sprachgebrauch bezeichnet
den Gebrauch von Wörtern, die die Gleichheit und Würde jedes
Menschen ausdrücken, ohne Unterscheidung nach Rasse, Geschlecht, Alter,
sexueller Vorliebe, Religion oder körperlichem Vermögen. Nicht
länger steht ein Teil der Wirklichkeit für das Ganze. Die Wirklichkeit
aller Personen wird benannt. Im Zusammenhang mit frauengerechtem Sprachgebrauch
bezeichnet inklusive Sprache einen Sprachgebrauch, der Frauen und Männer
nennt, wenn sie anwesend sind, und sie nicht nennt, wenn sie abwesend sind.
Frauen und Männer werden in ihrer Gleichheit und Würde angesprochen.
Stereotype werden vermieden, wenn über eines der beiden Geschlechter
5.15 Es gibt wichtige theologische Gründe für den Gebrauch
und die Ausweitung inklusiver Sprache. Das Canadian Bishops' Pastoral
Team der Kanadischen Katholischen Bischofskonferenz schrieb: "Today
the use of inclusive language indicates care is being taken to ensure that
words reflect our belief in the equality of men and women, our understanding
of the Gospel and our affirmation of the church as a communion" (S. 259).
("Heute ist der Gebrauch inklusiver Sprache ein Zeichen für die
Sorgfalt, mit der man danach strebt, daß Worte unseren Glauben an
die Gleichheit von Männern und Frauen, unser Verständnis des
Evangeliums und unsere Bejahung der Kirche als Gemeinschaft wiedergeben.")
5.16 Das Canadian Bishops' Pastoral Team nennt drei theologische
Argumente für den Gebrauch inklusiver Sprache. Zum ersten ist inklusive
Sprache ein Zeichen der Achtung vor der grundlegenden Gleichheit von Frauen
und Männern. Zum zweiten ist sie ein Mittel zur Verkündigung
der inklusiven Botschaft des Evangeliums. Zum dritten ist inklusiver Sprachgebrauch
ein Ausdruck der Grundeinsicht des Zweiten Vatikanischen Konzils, daß
die Kirche eine Gemeinschaft ist, in der grundlegende Gleichheit und Partnerschaft
aller in Christus vereinigten Getauften herrscht.
5.17 In Gebeten können bestimmte Ausdrucksweisen Menschen
das Gefühl geben, daß ihre Lebenssituation hier nicht vorkommen
darf. Ein Beispiel aus einem Kommuniongebet: "Du hast uns hier auf
Erden das Familienleben als Zeichen deiner Liebe zu uns gegeben".
An anderer Stelle: "Du hast uns einen Geist und Hände, Verstand
und Herz gegeben, um für unseren Lebensunterhalt und den unserer Lieben
zu sorgen". Indem man in dieser Weise Arbeit und Familie mit Gottes
Treue und Segen in Verbindung bringt, wird der Eindruck erweckt, daß
diejenigen, die kein Eheleben führen oder aus dem Arbeitsprozeß
ausgestoßen sind, aus Gottes Segen herausfallen. Auch geht das Gebet
an der leider oft vorkommenden traurigen Wirklichkeit von Familien vorbei.
Die Beispiele sind den Pastoraal-liturgische handreikingen
des Nationale Raad voor Liturgie entnommen.
5.18 Die Gebete im Altarmeßbuch öffnen [meist] mit
Anrufungen, die vor allem Gottes Erhabenheit und Allmacht zum Ausdruck
bringen ("Herr, unser Gott", "himmlischer König",
"Gott, allmächtiger Vater"). Die sanften Kräfte Gottes
und die im Neuen und Alten Testament vorkommenden weiblichen Gottesbilder
werden im Meßbuch selten genannt.
5.19 Daher ist es wichtig, auch die weibliche und die sorgende
Seite Gottes zu nennen. Die Bibel beschreibt Gott unter anderem als:
eine Frau, die Leben hervorbringt - Ijob 38,29
eine Schwangere in den Wehen - Jes 42,14
eine Frau, die gerade geboren hat - Jes 49,15
eine Hebamme - Ps 22,9-10
eine Mutterbärin - Hos 13,8
eine tröstende Mutter - Jes 66,13
eine Frau, die eine verlorene Münze sucht - Lk 15,8-10
Mutteradler - Dt 32,11-12
5.20 Das in der Liturgie oft gebrauchte 'Herr' ist eine Übersetzung
der hebräischen Wurzel JHWH mit der Vokalisation 'Adonai', was im
Griechischen mit Kyrios (=Herr) übersetzt wurde. Die hebräische
Kombination von Vokalisation und Konsonanten ist zusammen unaussprechbar.
Das verweist auf die Unaussprechbarkeit Gottes. Folglich ist es nicht angemessen,
Gott mit einem festen Bild zu identifizieren. Weil Gott über Form
und Geschlecht erhaben ist, sollten neben 'Herr' auch weibliche und nicht-geschlechtsgebundene
Bezeichnungen verwendet werden.
5.21 Das Sprechen über Gott und das Beten zu Gott gewinnen
an Reichtum, wenn geschlechtsneutrale Anreden hinzukommen, neben oder anstatt
'Herr', etwa: 'Gott', 'Ich-bin-da', 'Du'.
* Das Niederländische tut
es sich hier leichter, da Adjektive sowie die meisten Substantive und insbesondere
auch die Artikel keine Geschlechtskennzeichnung tragen: 'unser[e] Gott',
'Geliebte(r)', 'Starke(r) und Sanfte(r)'.
Wo Gott mit Substantiven bezeichnet wird, die auf seine Taten hinweisen,
wird vielfach die männliche Form gebraucht: 'Befreier', 'Retter'.
Es ist möglich, diese Einseitigkeit aufzuheben, indem man sagt: 'Du,
unsere Befreiung', 'Kraft der Versöhnung', 'Ursprung unseres Daseins',
'Quelle unserer Hoffnung'.
* Hier gibt der Niederländische Text auch substantivierte
Partizipien an wie z.B. 'Du Rettende(r)'; vgl. die vorige
Der Heilige Geist kann ebenso mit männlichen, weiblichen und geschlechtsneutralen
Begriffen bezeichnet werden. Gott und der Heilige Geist sollten mit 'sie'
benannt werden können, wenn es sich um weibliche Gottesbilder handelt.
Bei geschlechtsneutralen Bildern empfehlen wir die Vermeidung von 'er'
und 'sie'. In diesem Fall kann 'sein Wille' durch 'Gottes Wille' ersetzt
werden (und ähnliche Ausdrücke entsprechend).
5.22 Seit einer Anzahl von Jahren wird über eine frauengerechte
Sprache in Kirchenliedern diskutiert. Im Randstad-bundel
(R), einer viel verwendeten Liedsammlung, die 1970 erschienen ist,
sind Menschen ausschließlich Söhne, Brüder, Väter
und Knechte. Zum Beispiel: "Was ist denn der Mensch, daß du
an ihn denkst, der Sohn Adams, daß er dir zu Herzen geht" (R 153);
"Wolle alle Liebe deinem Sohn zuwenden" (R 370).
"Wat is dan de mens dat Gij aan hem denkt, de zoon
van Adam dat hij u ter harte gaat". "Wil alle liefde aan uw zoon
besteden". * Im deutschsprachigen katholischen Gebet- und Gesangbuch Gotteslob finden
sich zahlreiche ähnliche Stellen. Sehr oft wird von 'Brüdern'
gesprochen (bzw. gesungen), obwohl keineswegs nur Männer gemeint sind:
Gotteslob 160,5; 168,3; 169,4; 248,4; 480,2; 634,3; 637,1; 638,3; 640,2;
168,3; 519,2. Besonders mißverständlich ist die Aussage 'Gott
will uns nur als Brüder' (624,2). Ähnlich verhält es sich
mit Söhnen (160,3.7; 621,3; 637,1; 642,2), Knechten (160,7; 180,4;
567,4) und Dienern (257,8; 704,5). Es sind jedoch Fortschritte zu vermelden:
Die geringfügigen Änderungen im Neudruck des Gotteslob-Stammteils
von 1994 bestehen fast ausschließlich aus Verbesserungen der genannten
Stellen (siehe Gottesdienst 28(1994), 78). In den Gezangen voor Liturgie (G),
einer 1984 erschienenen Liedsammlung, wurde eine Reihe Verbesserungen eingeführt.
Im gesungenen Schuldbekenntnis werden 'Schwestern und Brüder' zum
Bekenntnis ihrer Schuld aufgerufen (G 226, 227, 228). Verschiedene
Lieder wurden angepaßt. Stand im Randstad-bundel noch: "Leben
heißt Liebe üben, in der alten Spur gehen. Menschen sind Vater
und Sohn und das geht so weiter" (R 378), so heißt
es in den Gezangen voor Liturgie: "Leben heißt Liebe
üben, in der alten Spur gehen. Mutter und Vater, Sohn, Tochter, durch
alle Zeiten" (G 465). Im Lied 'Ich steh vor dir' ist 'Sohn'
durch 'Mensch' ersetzt worden: "Wolle alle Liebe deinem Menschen zuwenden"
(G 473). Es wurden mehr Marienlieder aufgenommen, mehr Lieder
mit einer neutralen Bildsprache. Die Fälle, daß Menschen nur
als Söhne, Brüder, Väter und Knechte auftreten, sind vermindert,
aber noch nicht verschwunden (z.B.: "Ja, wir sind alle Söhne
der Verheißung", G 494).
G 465: "Leven is liefde doen, gaan in het oude spoor.
Mensen zijn vader en zoon en dat gaat maar door" wurde zu: "Leven
is liefde doen, gaan in het oude spoor. Moeder en vader, zoon, dochter,
de eeuwen door".
G 473: "Wil alle liefde aan uw mens besteden". * In der deutschen
Übertragung des Liedes 'Ik sta voor u' ist das 'Söhne' zuerst
stehengeblieben; die Gotteslob-Ausgabe von 1994 verbessert dann zu 'Kinder'
(Gotteslob 621,3).
G 494: "Ja wij zijn allen zonen der belofte".
5.24 Trotz der in den Gezangen voor Liturgie durchgeführten
Verbesserungen haben beide Liedsammlungen gemeinsam, daß Gott ausschließlich
mit 'Herr' und 'er' angesprochen wird. Die Gottesbilder sind männliche
Bilder, der Geist ist ein 'er'. Männliche Pronomen gelten als allgemeine,
der Mensch ist immer ein 'er' - auch wenn er/sie 'seinen eigenen
Namen findet' (vgl. G 439). Häufiger als 'Mensch' kommt
das Wort 'wer' vor. 'Wer' ist immer männlich. Dies gilt selbst dann,
wenn die biblische Bildsprache sich auf eine Frau bezieht, wie etwa in:
"Wer sein Geld verloren hat, das Gut, von dem er lebt, und sucht es
unerschöpflich, bis er gefunden hat" (G 547) (es
verweist auf die Frau, die nach der verlorenen Drachme sucht, Lk
15,8-10). Das 'ich' ist ein 'er' ("Ich bin lächerlich in aller
Augen, jeder lacht mich kopfschüttelnd aus: Er suchte es bei Gott...",
R 273). Menschen sind Freunde, Sünder, Landstreicher.
Der männliche Plural steht für das Ganze.
* Die unveränderte Anrede "Herr", "er"
gilt auch für das Gotteslob (einschl. des Neudrucks von 1994).
G 547: "Wie heeft zijn geld verloren, het goed waarvan hij leeft,
en zoekt het uitentreure, tot hij gevonden heeft". * Vgl. im Gotteslob
z.B. die Lieder 111,1; 291; 567,4; 620,3 und 643,2. R 273: "Ik ben bespottelijk in aller ogen, iedereen lacht mij hoofdschuddend
uit: hij zocht het bij God...".
5.25 Es ist möglich, die Perspektive abwechselnd von einem
männlichen 'ich' und einem weiblichen 'ich' ausgehen zu lassen. Es
ist aber zu vermeiden, daß das Männliche das Ganze vertritt.
5.26 Wie alle uns bekannten Kulturen jener Zeit waren die hebräische
und die griechische Kultur patriarchalische Kulturen. Dies spiegelt sich
in den biblischen Erzählungen wider: Sie handeln vorwiegend von Männern
und sind vorwiegend von Männern geschrieben, sie scheinen sogar für
Männer geschrieben zu sein. Beispiele sind: "Ebenso wird mein
himmlischer Vater jeden von euch behandeln, der seinem Bruder nicht von
ganzem Herzen vergibt" (Mt 18,35) und "Wohl dem Mann,
der nicht dem Rat der Frevler folgt" (Ps 1,1).
5.27 Manchmal ist die Übersetzung in heutige Sprachen männlich
voreingenommen, auch wenn im Originaltext keine Männer genannt sind.
Beispiele sind: "Männer von Ansehen unter den Aposteln"
(Röm 16,7), während die wörtliche Übersetzung
lautet: "die ausgezeichnet sind unter den Aposteln", und "Dann
wird jeder von Gott das Lob erhalten, das ihm zukommt" (1 Kor 4,5),
wobei die wörtliche Übersetzung lautet: "und dann wird das
Lob jedem werden von Gott".
* Die kritisierten Texte entsprechen der niederländischen
Willibrord-Übersetzung. Die deutsche Einheitsübersetzung lautet
hier: "Sie sind angesehene Apostel" und "Dann wird jeder
sein Lob von Gott erhalten".
5.28 Einige der den Bibelpassagen hinzugefügten Überschriften
zeigen den jeweiligen Abschnitt aus einer frauenunfreundlichen Perspektive.
Zum Beispiel lautet die Überschrift zu Joh 8,1-12: "Die
Ehebrecherin". Im Text selbst prangert Jesus die Heuchelei der Schriftgelehrten
und Pharisäer an. Es läge also nahe, die Erzählung nach
der in ihr enthaltenen Lehre zu benennen. Passendere Überschriften
könnten also sein: "Die Frau, die nicht verurteilt wird"
oder: "Der erste Stein".
"Die Ehebrecherin" lautet die Überschrift
in der Willibrord-Übersetzung. Einheitsübersetzung: "Jesus
und die Ehebrecherin".
5.29 Es ist dabei nicht angestrebt, patriarchalische Züge
von Erzählungen zu vernebeln oder zu leugnen. Wo Frauen nicht anwesend
oder nicht einbegriffen waren, soll der Sprachgebrauch deutlich machen,
daß es sich um Männer handelt. Bei Erzählungen, in denen
Frauen nicht als vollwertige Personen vorkommen, müßten in liturgischen
Handreichungen kritische Randbemerkungen gemacht werden können. Diese
können auch in die Liturgie einbezogen werden, damit die frauenunfreundliche
Seite angesprochen und dadurch einigermaßen neutralisiert wird.
5.30 Es wird Forschung nötig sein, um zu prüfen, wo
Frauen einbegriffen sind und wo sie abwesend waren - wo demnach männliche
Sprache zu Unrecht und wo sie zu Recht gebraucht wird.
5.31 In den Vereinigten Staaten ist ein 'inklusives Lektionar'
zusammengestellt worden, d.h. es wurde eine möglichst frauengerechte
Übersetzung des Lektionars erarbeitet.
5.32 Außer der Übersetzung kann
auch die für das Lektionar getroffene Textauswahl voreingenommen sein.
Als Beispiel diene die erste Lesung des 33sten Sonntags im Lesejahr A.
Aus der Lobrede über die tüchtige Frau
(Spr 31,10-31) wurde eine Anzahl Verse ausgewählt, die ihre
Sorgfalt und ihren Eifer an Spinnrad und Webstuhl rühmen. Weggelassen
sind Verse, die ihre kauffrauliche Kompetenz, ihre Kraft und ihre Weisheit
besingen. So entsteht ein stereotypes Bild von der 'tüchtigen Frau',
das vorgibt, sie betätigte sich bloß im Haushalt.
Eine Handreichung zur Vermeidung exklusiv
männlichen Sprachgebrauchs
5.33 Diese Handreichung ist aus verschiedenen im Ausland verwendeten
Handreichungen zusammengestellt und der niederländischen Situation
angepaßt worden. Sie soll die in diesem Kapitel angesprochenen Probleme
illustrieren. Selbstverständlich könnte sie noch erweitert werden.
* Natürlich erforderte auch die Übersetzung
ins Deutsche eine Anpassung. Zum Wort 'weiblich' siehe die Anmerkung
1. Grundregel inklusiven Sprachgebrauchs ist, daß Menschen sichtbar
gemacht werden. Wenn Frauen und Männer gemeint sind, ist neben
der männlichen auch die weibliche Form zu verwenden: Pastoralreferenten
und -referentinnen. Wenn Du nur Männer meinst, dann gebrauche nur
die männliche Form; wenn nur Frauen gemeint sind, nur die weibliche!
Über 'Menschen' und 'Laien' zu sprechen, wenn nur Männer gemeint
sind, verbirgt, daß Frauen ausgeschlossen sind.
Exkl.: In der Pastoralkommission sitzen
4 Pastoralreferenten.
Inkl.: In der Pastoralkommission sitzen 4 Pastoralreferenten
und -referentinnen / sitzen 3 Pastoralreferenten und eine Pastoralreferentin.
Exkl.: Laien können geweiht werden.
Inkl.: Männliche Laien können geweiht werden.
2. Vermeide Begriffe und Formulierungen, die Männer als repräsentativer
für die menschliche Rasse erscheinen lassen als Frauen!
Exkl.: Söhne Gottes.
Inkl.: Kinder Gottes, Söhne und Töchter
Exkl.: Brüder.
Inkl.: Schwestern und Brüder.
3. Vermeide den Gebrauch von männlichen Pronomen für die Allgemeinheit!
Exkl.: Der Mensch, er geht den Weg von
Inkl.: Wir Menschen gehen... oder: Man/jemand
geht den Weg... * Auch hier hat das Niederländische mehr Möglichkeiten.
Im Deutschen empfinden zudem viele Frauen das Indefinitpronomen 'man' als
zu männlich (Im Niederländischen sind die Wörter für
'Mann' und 'man' auch lautlich verschieden).
Exkl.: Der durchschnittliche Pfarrangehörige
ist stolz auf seine Kirche.
Inkl.: Meistens sind Pfarrangehörige
stolz auf ihre Kirche.
Exkl.: Jeder wird sein Bestes geben.
Inkl.: Alle werden ihr Bestes geben.
4. Suche Ersatz für Wörter, die Frauen unsichtbar machen!
Exkl.: Brüderlich
Inkl.: Geschwisterlich
Exkl.: Vorväter
Inkl.: Vorfahren
Exkl.: Vaterland
Inkl.: Land der Verheißung
Exkl.: Sohnschaft
Inkl.: Kindschaft
5. Nimm immer an, daß Leser und Leserinnen (bzw. Zuhörer
und Zuhörerinnen) beiderlei Geschlechts sind!
Exkl.: Sie und Ihre Frau
Inkl.: Sie und Ihr Mann oder Ihre Frau
Exkl.: Meine Herren
Inkl.: Meine Damen und Herren
6. Gebrauche konsequent für Frauen und Männer dieselbe Anredeweise!
* Vgl. als konkrete Anwendung Nr. 1.9.
Exkl.: Weber und seine Frau
Inkl.: Herr und Frau Weber
Exkl.: Weber und Christa Uhl
Inkl.: Johann Weber und Christa Uhl
Exkl.: Weber und Frau Uhl
Inkl.: Herr Weber und Frau Uhl / Weber
und Uhl
7. Hüte dich vor Stereotypisierung; vermeide eine Unterbewertung
der Frauen! Mache Frauen in ihren Rollen und Talenten sichtbar! Gebrauche
in Erzählungen sowohl Männer als auch Frauen als positive wie
negative Beispiele; gebrauche auf Plakaten, Stickern und anderen Abbildungen
Frauen und Männer! Verwende Beispielerzählungen, die berichten,
wie Gott in der Geschichte mit Frauen umgegangen ist!
Exkl.: Weber ist ein fähiger Arzt
und seine Frau eine nette Blondine.
Inkl.: Johann Weber ist ein fähiger
Arzt und Marianne Neuhäuser-Weber eine erfolgreiche Anwältin.
Exkl.: Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs
Inkl.: Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs,
Gott Saras, Rebekkas, Rahels und Leas.
8. Ersetze Ausdrücke, die stereotype Frauen- oder Männerbilder
verfestigen!
Exkl.: Die Braut wartet auf ihren Bräutigam.
Inkl.: Die Gemeinde erwartet Christus.
Exkl.: Das Dunkel des irdischen Mutterschoßes
Inkl.: Die Dunkelheit der Welt
9. Gebrauche weibliche, männliche und geschlechtsneutrale Bilder
Vater, Mutter, die Frau auf der Suche nach der verlorenen Drachme,
der Hirte auf der Suche nach seinem verlorenen Schaf, Gott Abrahams, Gott
Ursprung des Lebens, unsere Befreiung, versöhnende Kraft;
Gott, Liebe, Du, Kraft und Zärtlichkeit, Ich-bin-da.
* Im niederländischen Original sind hier noch mehr
Möglichkeiten aufgezählt; vgl. die Anmerkung
zu 5.21.
10. Vermeide Assoziationen der Farben weiß und schwarz mit Gut
und Böse! Benenne Behinderte nicht mit ihrer Behinderung!
Exkl.: Ein Mensch mit einer schwarzen
Inkl.: Ein Mensch, der nichts taugt
Exkl.: Der blinde Mann / die blinde Frau
Inkl.: Herr/Frau Uhl singt im Chor.
11. Begreife, daß Sprache sich durch die Zeiten weiterentwickelt!
Einige Lösungen, die jetzt noch gezwungen erscheinen, können
in Zukunft als normal erfahren werden. Probleme, für die es jetzt
noch keine Lösung gibt, können in Zukunft gelöst werden,
falls andere Probleme jetzt eine Lösung finden. Wenn Dir einmal
inklusiver Sprachgebrauch nicht gelingt, verzeih es Dir und probier es
5.34 Wir bitten die Bischöfe, ein intensives Aktionsprogramm
ins Leben zu rufen, um bei den Pfarrern, den Liturgiekommissionen in den
Pfarreien und bei den Ausbildungsstätten das Bewußtsein der
Bedeutung eines ausgewogenen Sprachgebrauchs zu fördern.
5.35 Wir bitten die Bischöfe, sachkundige
Frauen damit zu beauftragen, Material (Handreichungen und Arbeitsbücher)
für die Pfarreien zu erarbeiten, um den Bewußtseinsbildungs-
und Lernprozeß in Bezug auf den Sprachgebrauch in der Liturgie zu
* Im niederländischen Text wird hier auf 'Empfehlung
4.34' verwiesen. Vermutlich ist Empfehlung 4.37, gemeint.
5.36 Wir bitten die Bischöfe, liturgische
Arbeitskreise, Ausbildungsstätten und Redaktionen von Predigtzeitschriften
auf solche Perikopen aufmerksam zu machen, die aus dem Blickpunkt einer
frauengerechten Liturgie einer besonderen Erläuterung bedürfen.
5.37 Wir bitten die Bischöfe, sachkundige
Frauen zu beauftragen, an den geeigneten Stellen an der Überarbeitung
und Ergänzung von Anrufungen, Liedern, Gebeten, Doxologien, Akklamationen,
Eröffnungsversen, Texten zur Entlassung und Segensgebeten zu arbeiten.
* Die Texte zur Entlassung (wegzendingen) werden meist
unmittelbar vor dem Schlußsegen vorgetragen.
5.38 Wir bitten die Bischöfe, Sachkundige
damit zu beauftragen, liturgische Texte und Lieder von Frauen zu sammeln
und diese Texte häufiger beim Zusammenstellen der wöchentlichen
Liturgie zu verwenden.
5.39 Wir bitten die Bischöfe, beim Neudruck
von Gebetbüchern, Liedsammlungen und Ähnlichem korrigierte Texte,
neue und schon vorhandene Gebete von Frauen sowie Texte und Lieder von
Frauen aufnehmen zu lassen.
5.40 Wir bitten die Bischöfe, die Revision
der Übersetzungen der liturgischen Bücher und der Bibel durch
eine aus sachkundigen Frauen und Männern bestehende Kommission zu
veranlassen und zu fördern.
5.41 Wir bitten die Bischöfe, auf internationaler
Ebene den inklusiven Sprachgebrauch in offiziellen Dokumenten und liturgischen
Texten zu fördern.
5.42 Wir bitten die Bischöfe, dafür
einzutreten, daß das Lektionar in Bezug auf die Perikopenauswahl
und die Übersetzung frauengerechter gestaltet wird. VI Rollenverteilung
6.1 Das theologische Selbstverständnis der Kirche als Gemeinschaft
in Jesus Christus durch den Geist stellt Fragen an die Rollenverteilung
in der Liturgie. Wenn man die Geschichte aus der Vogelperspektive betrachtet,
so sieht man, wie der Einbeziehung von Frauen in die Liturgie verschiedene
Formen gegeben wurden.
6.2 In der frühen Kirche wurden verschiedene Dienste durch
Frauen verrichtet, unter anderem die der 'Witwe' und der 'Diakonin'. Die
Diakonin erfüllte liturgische Funktionen. Frauen hatten Teil an der
Gemeindeleitung. Phöbe (Röm 16,1) und Priska (Röm
16,3) sind Beispiele dafür. Ihre Aufgaben variierten nach Zeit und
Ort. Es bestehen unterschiedliche Ansichten darüber, was genau ihre
Funktionen waren. Es gab damals noch keine einheitlichen Festlegungen für
die verschiedenen Dienste, keine einheitliche Unterscheidung zwischen Klerus
und [sonstigen] Gläubigen.
6.3 Im zweiten Jahrhundert fand eine deutliche Konzentration
des Geistes-Charismas auf Weihe und Amt statt. Die hierarchische Gliederung
in der Kirche entstand seit dem Beginn des dritten Jahrhunderts; die Figur
des Bischofs wurde mit Vollmachten ausgestattet. Es fand eine gewisse Sakralisierung
des kirchlichen Dienstes in der Liturgie statt. Das mittelalterliche Recht
schloß Frauen von allen Ämtern und Funktionen aus.
6.4 Mit der Einführung des Codex Iuris Canonici (des
kirchlichen Gesetzbuches, CIC) im Jahre 1917 hat sich dies prinzipiell
verändert. "Mit der Taufe wird ein Mensch in der Kirche Christi
zur Person (d.h. Rechtssubjekt), mit allen Rechten und Pflichten der Christen"
(Canon 87). Diese Rechtsbestimmung bedeutet Gleichberechtigung für
Frauen und Männer. Es wurde anerkannt, daß eine Frau ebenso
wie ein Mann Prozeßkläger/in, Prokurator/in und Zeuge/Zeugin
6.5 Durch das Zweite Vatikanische Konzil wurde die Rolle der
Laien in der Kirche anerkannt. Im Gottesvolk und seiner Sendung wird kein
Unterschied zwischen Frauen und Männern gemacht. Frauen und Männer
sind Bild Gottes; es herrscht Gleichheit in Schöpfung und Heilsordnung,
in Christus und in seiner Kirche.
6.6 Das Konzil gibt dem Dienst von Laien, Frauen wie Männern,
Raum: "Außer diesem Apostolat, das schlechthin alle Christgläubigen
angeht, können die Laien darüber hinaus in verschiedener Weise
zu unmittelbarer Mitarbeit mit dem Apostolat der Hierarchie berufen werden,
nach Art jener Männer und Frauen, die den Apostel Paulus in der Verkündigung
des Evangeliums unterstützten und sich sehr im Herrn mühten..."
(LG 33c). Das Konzil hat die Gleichheit von Frauen und Männern
in der Schöpfung und in der Kirche nicht detailliert herausgearbeitet,
aber es hat einer Bereicherung des kirchlichen Lebens und der Liturgie
durch die Teilnahme von weiblichen und männlichen Laien Raum geschaffen.
"Schließlich vertraut die Hierarchie den Laien auch gewisse
Aufgaben an, die enger mit den Ämtern der Hirten verbunden sind, etwa
bei der Unterweisung in der christlichen Lehre, bei gewissen liturgischen
Handlungen und in der Seelsorge" (Apostolicam Actuositatem
(AA) 24e).
* Das Dekret über das Apostolat
der Laien Apostolicam Actuositatem ist zu finden in: AAS 58(1966),
837-864; Kleines Konzilskompendium, 389-421, hier 413.
6.7 Frauen erfahren diese Erweiterung der Möglichkeiten
als wohltuend.
Einerseits betrifft dies die Liturgie. Sie hat durch die Einbeziehung
von Laien an Reichtum gewonnen, ebenso durch die größere Zahl
liturgischer Modelle und durch die hiermit erlangten Möglichkeiten,
die Liturgie dem täglichen Leben in der Glaubensgemeinschaft näher
Andererseits betrifft die wohltuende Erfahrung die Frauen selbst. Für
sie ist es möglich geworden, beruflich als Pastoralreferentin oder
ehrenamtlich in der Pfarrei zugunsten der Glaubensgemeinschaft (unter anderem)
zu den liturgischen Feiern beizutragen.
* "Pastoralreferentin":
Die 'pastoraal werk(st)ers', von denen hier die Rede ist, entsprechen nach
Ausbildung und Tätigkeit in etwa den Pastoralreferent/inn/en deutscher
Diözesen. Weiteres siehe im Abschnitt "Pastoralreferentinnen".
6.8 Im Jahr 1983 ist das neue kirchliche Gesetzbuch
(CIC) in Kraft getreten. In diesem Kodex wird die Sicht von Lumen
Gentium bezüglich der grundlegenden Gleichheit aller Christgläubigen
übernommen und festgelegt. Im Canon 228 wird Laien die Möglichkeit
zuerkannt, kirchliche Ämter und Aufgaben zu übernehmen: "Laien,
die als geeignet befunden werden, sind befähigt, von den geistlichen
Hirten für jene kirchlichen Ämter und Aufgaben herangezogen zu
werden, die sie gemäß den Rechtsvorschriften wahrzunehmen vermögen"
6.9 Es wurde eine Reihe an Möglichkeiten geschaffen, Laien
Aufgaben anzuvertrauen, die eng mit dem Hirtenamt verbunden sind. Viele
dieser Aufgaben liegen auf dem Gebiet der Vorbereitung auf den Sakramentenempfang,
der Vorbereitung von liturgischen Feiern, des Vorsitzes in nichteucharistischen
Feiern. Auf der Grundlage des Canon 228 können neue Dienste und
Ämter eingesetzt werden. Es ist folglich möglich, daß die
Entwicklungen in der Kirche und in der Liturgie durch die Einsetzung neuer
und spezifischer Dienste bekräftigt werden.
6.10 Auch wenn in Canon 228 allen Laien die Möglichkeit
zuerkannt wird, kirchliche Ämter und Aufgaben zu übernehmen,
so wird doch in Canon 230, in dem es um einige liturgische Dienste
geht, ein Unterschied zwischen männlichen und weiblichen Laien gemacht.
Männliche Laien können für den Dienst des Lektors und
des Akolythen auf Dauer bestellt werden. Frauen können mit diesem
Dienst nur zeitlich begrenzt beauftragt werden (Can. 230 § 2).
6.11 Die Bestimmung beruht auf einer Entscheidung Pauls VI. aus
dem Jahr 1972. Er bestimmte damals, daß die Bestellungen zum Lektor
und Akolyth "gemäß der ehrwürdigen Tradition der Kirche"
Männern vorbehalten bleibt.
6.12 Historisch ist dies damit zu erklären, daß diese
Dienste in der Geschichte als Aufnahme in den klerikalen Stand angesehen
wurden. Da diese Dienste heute aber ohne Weihe auf Dauer Laien anvertraut
werden können, ist es nicht mehr zu verteidigen, daß weibliche
Laien auf unbestimmte Zeit davon ausgeschlossen werden.
6.13 Bei in den Strukturen begründeter Abwesenheit eines
ordentlichen Taufspenders kann der örtliche Bischof jemanden aus der
Gemeinschaft als außerordentlichen Spender bestimmen [*
siehe Can. 861 § 2 CIC]. Laien können beauftragt
werden, mit für die Verkündigung Sorge zu tragen [*
siehe Can. 759 CIC]. Auch die Delegation von Laien zur Assistenz
bei kirchlichen Eheschließungen ist nach dem Kirchenrecht unter außerordentlichen
Umständen möglich; dazu benötigt der Ortsbischof die Zustimmung
der Bischofskonferenz und die Erlaubnis des Heiligen Stuhles [*
siehe Can. 1112 § 1 CIC].
6.14 Wenn es gute und vernünftige
Gründe gibt und dem geistlichen Wohl gedient wird, kann ein Bischof
in bestimmten Fällen Dispensen erteilen [* siehe Can.
85, 87, 90 CIC]. Aufgrund dieser Befugnis kann ein Bischof
bestimmte universale kirchliche Gesetze außer Kraft setzen. Auf diese
Weise können besondere Maßnahmen getroffen werden, die sich
aus den konkreten Umständen und Eigenarten einer bestimmten Gemeinschaft
ergeben. Die Dispensbefugnis ist für einen Bischof ein juridisches
Mittel, um seine Gemeinschaft in einer dieser angepaßten und pastoral
verantwortlichen Weise zu leiten.
6.15 Wenn die feiernde Gemeinschaft auf das Reich Gottes verweist,
dann müßte der Raum, den das Kirchenrecht den Bischöfen
zum Handeln in außerordentlichen Situationen läßt, kreativ
genützt werden, um dieses Reich Gottes in einer Weise gegenwärtig
zu machen, die eine Diskriminierung wegen des Geschlechts ausschließt.
Wir empfehlen den Bischöfen, bei ihrem Streben nach Aufhebung der
Ungleichheit von Frauen und Männern in der Kirche von den Möglichkeiten
Gebrauch zu machen, die das kirchliche Gesetzbuch für außerordentliche
Umstände läßt.
6.16 Wir bitten die Bischöfe, sich dafür
einzusetzen, daß Frauen ebenso wie Männer auf Grund einer Beauftragung
auf Dauer die liturgische Funktion des Lektors und Akolythen bekleiden
6.17 Wir bitten die Bischöfe, Schritte
zu unternehmen, damit die Unterscheidung zwischen Männern und Frauen,
die in Canon 230 CIC bezüglich der Dienste des Lektors
und des Akolythen gemacht wird, aufgehoben wird. Wenn eine derartige Gleichstellung
nicht erreicht werden kann, dann empfehlen wir, von einer festen Beauftragung
von männlichen Getauften für den Lektoren- und Akolythendienst
6.18 Wir bitten die Bischöfe, auf der
Grundlage ihrer Dispensbefugnis genau zu untersuchen,
wo in bestimmten Fällen die Befugnisse der Pastoralreferent/inn/en
ausgedehnt werden können.
6.19 Seit den Erneuerungen des Zweiten Vatikanischen Konzils
hat die Zahl der Laien in der kirchlichen Arbeit zugenommen. Von aller
ehrenamtlichen Arbeit besteht fast 60% aus liturgischen Aufgaben (KM 6.2).
Die Frauen überwiegen; dies gilt für alle ehrenamtlichen Tätigkeiten,
besonders aber für die Liturgie und dort, wo es um die Arbeit mit
Kindern geht.
Kerk Metterdaad gibt [für
1987] als Frauenanteile in den verschiedenen ehrenamtlichen Tätigkeiten
in den Pfarreien (nach Anteilen geordnet) an: - Einsammlung der Kollekten 7,2% (1977: 3%) - Meßdiener, Akolythen 32,9% (1977: 10%) - Kommunionhelfer 43,0% (1977: 23%) - (allgemeine) Liturgiekreise 55,0% (1977: 45%) - Lektoren 58,3% (1977: 43%) - Kirchenchöre 64,5% (1977: 63%) - Jugend- und Kinderchöre 74,6% - Schmücken der Kirche 81,9% (1977: 83%) - Familiengottesdienste 88,0% (1977: 68%) - parallele Kindergottesdienste 90,4% (1977: 77%) (* d.h. parallel zum
Sonntagsgottesdienst der Erwachsenen) - Kinderbetreuung 98,3% (1977: 90%) * Vgl. auch: Brugman, Annemarie: Het aandeel van
vrouwen in de liturgie, in: Werkmap Liturgie 22(1988), Nr. 3, Gooi &
Sticht, Hilversum. 6.20 Eine Umfrage, die im März 1988 unter den Benutzerinnen
des Informationszentrums Frauen und Liturgie durchgeführt wurde, ergibt
folgendes Bild: Wenn ehrenamtliche Mitarbeiterinnen in der Gemeindeliturgie
aktiv sind, dann meistens in verschiedenen Gottesdienstformen. In Wortgottesdiensten
und Kommunionfeiern, Andachten und Frauengottesdiensten erfüllen Frauen
Aufgaben, die zur Rolle des Vorstehers/der Vorsteherin der Feier gehören.
Bei Eucharistiefeiern wirken sie als Lektorin oder wirken in anderer Weise
mit. In Vorbereitungsgruppen spielen Frauen eine wichtige Rolle. Alle nichteucharistischen
Feiern werden in vielen Fällen ausschließlich von Laien (meistens
Frauen) getragen.
6.21 Frauen bereiten gemeinsam mit anderen Gottesdienste vor,
arbeiten das Thema der Feier aus, suchen Texte und Lieder dazu und gestalten
Meditationen. Kurz: Sie koordinieren die Aktivitäten vor der Feier,
sind mit einbezogen und tragen oft die Verantwortung. Die Liturgievorbereitung
bietet Frauen die Möglichkeit zur persönlichen Glaubensvertiefung
und zum Austausch darüber. In vielen Fällen entsteht, gerade
durch die persönliche Glaubensvertiefung, das Bedürfnis, das
'Frau-Sein in dieser Welt' auf die eine oder andere Weise zu thematisieren
und zu vertiefen. Wenn Frauen sich der Möglichkeiten liturgischer
Formen bewußt werden, sehen sie ihre Erfahrungen darin nicht widergespiegelt.
So entsteht das Bedürfnis nach anderem, neuem Material: Texten, Liedern,
Symbolen usw.
6.22 Wenn Frauen sich mehr auf eine von Frauen inspirierte Liturgie
hin orientieren, erhält das Gemeinsame Vorrang gegenüber der
Trennung der Kirchen. Wenn Frauengottesdienste abgehalten werden, gelegentlich
oder mit bestimmter Regelmäßigkeit, entspringen sie meist ökumenischer
6.23 Wir bitten die Bischöfe, ein 50%-50%-Verhältnis
von Frauen und Männern in den Liturgieausschüssen auf Pfarrei-,
Dekanats-, Bistums- und Landesebene anzustreben.
6.24 Weibliche und männliche Laien können durch die
Öffnung der theologischen Ausbildung seit 1964 Theologie studieren.
6.25 Seit 1970 gibt es in der röm.-kath. Kirche [der Niederlande]
die Funktion des 'pastoraal werker' (Pastoralreferent) bzw. der 'pastoraal
werkster' (Pastoralreferentin). Die Zahl der Frauen in dieser Funktion
war zu Beginn sehr klein, hat aber in den letzten Jahren stark zugenommen.
Bestand diese Berufsgruppe 1977 nur zu 7% aus Frauen, so ist ihr Anteil
bis 1987 auf 26% gestiegen. Am 1. Januar 1988 gab es 442 Pastoralreferent/inn/en,
davon 327 Männer und 115 Frauen. Die Frauen holen also ihren Rückstand
Siehe 1-2-1 Informatiebulletin, ACCO, Leuven, Dezember
6.26 Zugleich ist in den letzten Jahren die Rede von einem schnell
zunehmenden Prozeß der Bewußtseinsbildung und der Besinnung
unter den Pastoralreferentinnen darüber, daß sie als Frauen
es mit einer spezifischen Problematik zu tun haben, die mit der allgemeinen
Problematik ihrer Funktion - der Spannung zwischen Berufung und Beruf,
Weiheamt und Laienrolle - eng verknüpft ist. Diese spezifische Problematik
betrifft Erwartungen, Unterstellungen und Reaktionen bezüglich der
Tatsache, daß sie als Frau diese Funktion bekleiden. Diese Spannungen
sind dadurch entstanden, daß dem 'Frau-Sein' verschiedene Bedeutungen
6.27 In fast allen Bistümern (u.a. in Utrecht, Breda, Groningen,
Haarlem und 's-Hertogenbosch) kommen - zum Teil seit Jahren, zum Teil seit
kurzer Zeit - Pastoralreferentinnen zusammen, um miteinander über
die Spannungen zu reden, die sie als Frauen erfahren. Außerdem tauschen
sie sich auch über die spezifischen Schwierigkeiten, denen sie als
Pastoralreferentinnen begegnen, und über ihre Sicht von pastoralem
Tun und von Spiritualität, die durch ihre Erfahrungen als Frauen mit
geformt wird, aus.
6.28 Eine 1989 im Auftrag der Landesarbeitsgruppe
Katholischer Theologiestudentinnen durchgeführte Untersuchung über
die Erfahrungen von Theologiestudentinnen während ihres Pastoralpraktikums
nennt eine Anzahl von Problembereichen. Der größte scheint bei
der [mangelnden] Akzeptanz zu liegen, zum einen gegenüber der Tatsache,
daß eine Frau diesen Beruf ausübt, zum anderen gegenüber
dem Beruf als solchem, mit dem viele noch wenig anfangen können.
Die Untersuchung heißt: Onderzoeksrapport inzake
pastorale stages van katholieke vrouwelijke theologiestudenten (1984-1989),
Utrecht 1989. - Sie wurde von Frau W.G.M. de Klerk im Auftrag der Landelijke
Werkgroep Vrouwelijke Theologiestudenten erarbeitet.
6.29 Ferner kann die Kombination der Funktion der Pastoralreferentin
mit dem 'Frau-Sein' die Akzeptanz negativ beeinflussen. Wer diese Funktion
als solche nicht akzeptiert, reagiert noch intoleranter, wenn sie von einer
Frau ausgeübt wird. Bei einer Frau ist es offensichtlich, daß
sie kein Priester ist; bei einem Mann in derselben Funktion ist das weniger
klar, weswegen er durchweg leichter von den Gläubigen als Vorsteher
[in der Liturgie] akzeptiert wird.
6.30 Die Bischöfe der Niederlande haben beschlossen, Pastoralreferent/inn/en
keinen allgemeinen Auftrag zu geben, um den "Eindruck eines parallelen
Klerus" bzw. den einer "zu Priestertum und Diakonat alternativen
Möglichkeit" zu vermeiden. Sie äußerten ihre Wertschätzung
für die Arbeit, die die Pastoralreferenten und -referentinnen verrichten.
Zugleich wollten die Bischöfe die "spezifischen Aufgaben"
der Pastoralreferent/inn/en deutlich von denen unterschieden wissen, die
Priestern und Diakonen anvertraut werden. Diese spezifischen Aufgaben betreffen
Bildungsarbeit, Katechese, Begleitung und Vorbereitung von Christen in
der christlichen Glaubenspraxis, Liturgievorbereitung, Vorbereitung auf
die Sakramente sowie die pastorale Einzelbetreuung.
Siehe Brief der Bischöfe Simonis, Ernst, Bär,
Bomers und Möller vom 19. Juni 1989 an die Pastoral-referent/inn/en
in ihren Bistümern.
6.31 Das Vorstehen und die Ausführung in der Liturgie gehört
nicht zu den spezifischen Aufgaben der Pastoralreferentin. Dennoch erfüllen
Pastoralreferentinnen in der Praxis weiterhin oft liturgische (Teil-)Funktionen.
Sie stehen mit großer Regelmäßigkeit liturgischen Feiern
vor, sowohl bei den Sonntagsgottesdiensten als auch bei besonderen Anlässen.
Dort, wo sich die Glaubensgemeinschaften mit dem Vorstehen von Frauen in
der Liturgie vertraut machen konnten, werden diese Gottesdienste sehr positiv
6.32 Aus einer Studie über die Pastoralreferentin
in der röm.-kath. Kirche ergibt sich, daß Frauen dem, was männliche
Amtsträger bisher sichtbar machten, einen eigenen Aspekt hinzufügen.
Es handelt sich um ein Erleben, das nahe beim eigenen Herz und dem des
Mitmenschen beginnt. Frauen machen auf die Bedeutung von kreativen und
überraschenden Momenten und auf die Bedeutung der Details und der
Sorge für Atmosphäre und Raum aufmerksam. Sie versuchen, menschliche
Erfahrungen und das, was Menschen füreinander bedeuten können,
in den Mittelpunkt von Verkündigung und Gottesdienst zu stellen.
Siehe: Marie-José Janssen: Naar een kerk op
twee benen, Luyten, Aalsmeer 1988.
6.33 Weil den Pastoralreferent/inn/en zwar die pastorale Einzelbetreuung
und die Vorbereitung auf die Sakramente anvertraut ist, nicht aber die
Spendung der Sakramente oder die Assistenz bei der kirchlichen Eheschließung,
ergeben sich Situationen, in denen Gläubige die kirchliche Eheschließung,
das Taufsakrament oder die Krankensalbung aufschieben oder ganz davon absehen.
6.34 Pastoralreferent/inn/en in Krankenhäusern, Alters-
und Pflegeheimen begleiten Sterbende auf intensive Weise. Ein Priester,
der dann oft weniger bekannt ist, spendet die Krankensalbung. Für
die Vertraulichkeit des Geschehens und den pastoralen Charakter der Salbung
ist dies eine unbefriedigende Situation.
6.35 Wir bitten die Bischöfe, Canon 228 CIC so zu
verstehen und anzuwenden, daß Pastoralreferent/inn/en bei ihrer Anstellung
ein breiter pastoraler Auftrag verliehen werden kann, wobei das Vorstehen
in der Liturgie als Teil der spezifischen Aufgaben anerkannt wird.
6.36 Wir bitten die Bischöfe, sich für
eine derartige Anwendung von Canon 767 § 1 (über die
Homilie) einzusetzen, daß allen Pastoralreferent/inn/en die Homilie
anvertraut wird.
6.37 Wir bitten die Bischöfe, den Raum,
den Canon 861 bietet, so zu nützen, daß allen Pastoralreferent/inn/en
die Taufspendung anvertraut werden kann.
6.38 Wir bitten die Bischöfe anzustreben,
daß die Befugnis zur Taufspendung Pastoralreferent/inn/en auf Dauer
anvertraut wird, ohne Beschränkung auf eine Pfarrei, ungeachtet der
[etwaigen] Anwesenheit eines Priesters und auf unbeschränkte Zeit.
6.39 Wir bitten die Bischöfe, den Raum,
den Canon 1112 bietet, so zu nützen, daß Pastoralreferent/inn/en
bei der kirchlichen Eheschließung assistieren können.
6.40 Wir bitten die Bischöfe, jene Initiativen
zu entfalten, die es ermöglichen, Pastoralreferent/inn/en auf Dauer
die Spendung der Krankensalbung anzuvertrauen. Wir bitten die Bischöfe,
wo es möglich ist, von ihrer Dispensbefugnis Gebrauch zu machen.
* Die Spendung der Krankensalbung durch Nicht-Priester
widerspricht zur Zeit dem Canon 1003 § 1 CIC.
6.41 Wir bitten die Bischöfe, bei Priestern,
Pfarrleitungen und Einrichtungen, in denen pastorale Tätigkeiten stattfinden,
darauf hinzuwirken, daß die Akzeptanz gegenüber Praktikantinnen,
Pastoralreferentinnen und ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen als Vorsteherinnen
von liturgischen Feiern verbessert wird. Dies kann geschehen:
- durch offizielle Vorstellung der Praktikantinnen, ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen
und Pastoralreferentinnen zu Beginn ihrer Tätigkeit in einer der jeweiligen
Funktion angemessenen Form;
- indem zusammen mit der Praktikantin, ehrenamtlichen Mitarbeiterin
oder Pastoralreferentin die Probleme einer Umgebung, die an weibliche Vorsteherinnen
[in der Liturgie] nicht gewöhnt ist, eingeschätzt, besprochen
und vom ganzen Pastoralteam und der Pfarrleitung gemeinsam in Angriff genommen
- durch das Angebot von Supervisionsmöglichkeiten für Pastoralteams,
bei denen Praktikantinnen, ehrenamtliche Mitarbeiterinnen oder Pastoralreferentinnen
auf Akzeptanzprobleme stoßen.
6.42 Wir bitten die Bischöfe, für
vielfältige Ausbildungs- und Trainingsmöglichkeiten für
Pastoralreferentinnen, Praktikantinnen und ehrenamtliche Mitarbeiterinnen
im Bereich von liturgischem Handeln und öffentlichem Auftreten zu
6.43 Seitdem der Codex von 1917 in Kraft getreten ist, ist die
Gleichberechtigung aller Getauften eine Tatsache. Die ungleiche Behandlung
von Frauen und Männern in der Kirche wird auf verschiedenen Gebieten
rückgängig gemacht. Die ungleichwertige Position der Frauen bleibt
jedoch bestehen, wo es um die Zulassung von Frauen zu den Weihen geht.
Beim Nachdenken über die Gleichheit von Männern und Frauen in
der Liturgie kann die Diskussion über die Zulassung von Frauen zu
den Weihen nicht außer acht bleiben.
6.44 Das Zweite Vatikanische Konzil hat es ermöglicht, daß
"der Diakonat als eigene und beständige hierarchische Stufe wiederhergestellt
werden" konnte (LG 29). Da es diesen Dienst als dauernden
Lebensstand erst seit kurzem wieder gibt, ist es wichtig nachzuprüfen,
wo dieses Amt die Ungleichwertigkeit von Frauen und Männern fördert.
Im Rahmen dieses Berichtes wird diese Frage zugespitzt auf den liturgischen
6.45 Im Jahr 1975 verabschiedeten die niederländischen Bischöfe
ein Rahmengesetz für den Ständigen Diakonat. Darin geben die
Bischöfe folgende Motive für die Einführung des Ständigen
Diakonats an:
- um die Vielfalt der Dienste in der Kirche zu fördern;
- um den Gläubigen, die praktisch schon pastorale Arbeit leisten,
das Sakrament und die Befugnisse des Ständigen Diakonats zu verleihen;
- um die weniger werdenden Priester von den Tätigkeiten zu entlasten,
die auch durch Diakone erfüllt werden können;
- um die diakonale Sendung der ganzen Kirche zu betonen, insbesondere
bei denen, die von der Kirche entfremdet sind, und bei denen, die in der
Gesellschaft am meisten bedroht sind.
6.46 Bei der Frage nach dem Eigenen des Diakonats neben dem Bischofsamt
und dem Priestertum sagt die Kirche mit einem Zitat aus der altkirchlichen
Tradition, daß die Diakone "die Handauflegung 'nicht zum Priestertum,
sondern zur Dienstleistung (ministerium) empfangen'" (LG 29).
6.47 Obwohl die historische Wissenschaft immer deutlicher zeigt,
daß in der frühen Kirche sowohl Frauen wie Männer das Diakonenamt
bekleideten, ist dies bei der Wiedereinführung der Weihe den Männern
vorbehalten worden: Verheiratete und unverheiratete Männer können
die Diakonenweihe empfangen.
* Vgl.: "Die heilige Weihe empfängt gültig
nur ein getaufter Mann" (Canon 1024 CIC). Eine Ausnahme hiervon für
den Diakonat ist im gültigen CIC nicht vorgesehen.
6.48 Anders als die Frage des Priesteramts der Frau ist die des
Diakonats der Frau eine noch offene Frage, über die es noch keine
verbindliche kirchliche Aussage gibt. Auf der Synode über die Laien
(1987) baten viele Bischöfe darum, diese Frage zu studieren.
6.49 Zum Ständigen Diakonat können Männer mit
einer vollständigen theologischen Ausbildung zugelassen werden, die
[dann] hauptberuflich in der Kirche beschäftigt sind. Auch für
Nicht-Theologen gibt es die Möglichkeit, neben ihrer Aufgabe in der
Gesellschaft eine vierjährige Teilzeitausbildung zum Diakon zu erhalten.
Diese Diakone, die aus der ehrenamtlichen Arbeit kommen, erhalten durch
die Weihe denselben Auftrag und die gleichen Befugnisse, wenn auch in eingeschränkter
6.50 Für Frauen bedeutet dies eine neue Form der Zurückstellung.
Nicht allein das Priesteramt ist für Frauen unzugänglich. Auf
dem Gebiet der ehrenamtlichen Arbeit, wo es bis vor kurzem gleiche Befugnisse
für Frauen und Männer gab, ist nun eine Ungleichheit entstanden.
Obwohl der größere Teil des diakonalen Dienstes innerhalb und
außerhalb der Kirche von Frauen geleistet wird, ist für sie
die Weihe unzugänglich.
6.51 Dort wo der diakonale Dienst der Männer wieder zu Ehren
gekommen ist, müßte er auch für die Frauen offengestellt
6.52 Den Diakonen wird ein dreifacher Dienst anvertraut: Liturgie,
Verkündigung und Liebeswerke. Neben dem Dienst an der Gemeinschaft
ist dem Diakon der Dienst am Altar anvertraut. Der Diakon kann Predigtvollmacht
erhalten, er kann bestimmten Segensfeiern vorstehen, ordentlicher Taufspender
sein, [zur eucharistischen Anbetung] aussetzen und den eucharistischen
Segen spenden. Er kann bei der kirchlichen Eheschließung assistieren.
6.53 In den Diözesen der Kirchenprovinz gibt es Akzentunterschiede
in den Auffassungen von den Aufgaben der Diakone. Dies hat Folgen für
die Auswahl und Ausbildung von Diakonen. In manchen Bistümern wird
auf die diakonalen Aufgaben des Diakons Nachdruck gelegt; die liturgische
Aufgabe ist dem untergeordnet. So wird im Bistum Utrecht Diakonen, die
eine Teilzeitausbildung erhalten haben, nur eine beschränkte Predigtvollmacht
verliehen. Wenn eine diakonale Thematik im Mittelpunkt der Feier steht,
können die Diakone die Verkündigung übernehmen [Beleidsnota
Utrecht]. In anderen Bistümern steht die liturgische Aufgabe
mehr im Vordergrund. Bischof Möller (Groningen): "Es stellt sich
für die Zukunft die Aufgabe, der Assistenz des Diakons bei der Feier
der Liturgie mehr Gestalt zu geben" [Kerkelijke Documentatie
1990, 148].
6.54 Diakone haben nicht die Aufgabe, die Arbeit der Laienmitarbeiter
zu übernehmen. Da unter außerordentlichen Umständen gerade
auch Frauen liturgische Aufgaben anvertraut werden, kann eine liturgische
Schwerpunktsetzung bei der Ausgestaltung des Diakonats bedeuten, daß
die Rolle der Frauen in der Liturgie weiter beschränkt wird.
6.55 Es ist den Bischöfen möglich, von Diakonenweihen
in ihrer Diözese abzusehen. So haben Erzbischof Hunthausen von Seattle
und Bischof Walter F. Sullivan von Richmond, Virginia, bekanntgemacht,
daß sie keine Diakone mehr weihen, bis auch Frauen zur Diakonenweihe
zugelassen werden [nach 1-2-1 1990, 303 bzw. Trouw
21.8.1990].
6.56 Wir bitten die Bischöfe, in Zusammenarbeit mit anderen
Bischofskonferenzen die Möglichkeit der Diakonenweihe von Frauen zu
untersuchen und die entgegenstehenden Hindernisse zu beseitigen, damit
der Weg geöffnet wird, Frauen auf Dauer den Diakonat und dessen liturgische
Aufgaben anzuvertrauen.
6.57 Wir bitten die Bischöfe zu untersuchen,
wo in der Praxis eventuelle frauenfeindliche Auswirkungen der Anwesenheit
von Diakonen in der Liturgie liegen. Wir bitten sie, die Vor- und Nachteile
der Weihe abzuwägen und zu überdenken, ob ein Moratorium in ihrer
Diözese wünschenswert ist.
6.58 In der Diskussion über die Weihe stellt das Priestertum
der Frau wohl den umstrittensten Punkt dar.
Das kirchliche Lehramt hat bis jetzt noch nicht die Möglichkeiten
untersucht, Frauen zur Priesterweihe zuzulassen. Es beruft sich auf eine
Reihe von Argumenten, die ihm zufolge unumstößlich feststehen.
Die in der frühen Kirche gewachsene Tradition wird dabei mit der göttlichen
Offenbarung verwechselt. Die historische Situation der frühen Kirche
wird zur Norm für die ganze Kirche für alle Zeiten. Die historische
Praxis wird direkt mit dem Handeln und Sprechen Jesu verbunden, wodurch
diese Praxis einen unantastbaren Charakter erhält.
6.59 Diese Argumentation findet sich in kirchlichen
Aussagen wieder, in denen die Kirchenleitung die Grundlage für den
Ausschluß der Frauen vom Priesteramt angibt. "Wenn Christus,
als er die Eucharistie einsetzte, sie auf so ausdrückliche Weise mit
dem priesterlichen Dienst der Apostel verbunden hat, darf man zugleich
annehmen, daß er auf diese Weise auch die Beziehung zwischen Mann
und Frau, die von Gott bestimmt ist, zwischen dem, was 'weiblich', und
dem, was 'männlich' ist, sowohl im Geheimnis der Schöpfung wie
der Erlösung vor Augen stellen wollte. Vor allem aber in der Eucharistie
wird auf sakramentale Weise der Erlösungsakt Christi, des Bräutigams,
für seine Braut, die Kirche, ausgedrückt. Dies wird vollständig
sichtbar und eindeutig wiedergegeben, wenn der sakramentale Dienst der
Eucharistie, wo der Priester 'in der Person Christi' handelt, von
einem Mann vollzogen wird." (Mulieris Dignitatem 26, 1987).
Das Schreiben Mulieris Dignitatem ist veröffentlicht
in AAS 80(1988), 1667-1718, deutsch in der Reihe: Verlautbarungen des
Apostolischen Stuhls, hrsg. vom Sekretariat der Deutschen Bischofskonferenz,
Nr. 86, Bonn 1988. Das hier abgedruckte Zitat ist DH 4840 entnommen. Ausführlicher
argumentierte 1976 in ähnlicher Richtung die Glaubenskongregation,
siehe DH 4598-4601.
6.60 Mit dieser Sichtweise, in der der Männlichkeit Jesu
ein wichtiger Platz zuerkannt wird, stützt sich das kirchliche Lehramt
auf eine Anthropologie, die davon ausgeht, daß körperliche und
biologische Merkmale für die Beziehung von Menschen zu Gott bestimmend
sind. Von diesem anthropologischen Standpunkt aus werden Schrifttexte und
Theologie betrachtet, wobei man die Entwicklungen in Exegese, Dogmengeschichte,
Theologie und Anthropologie übergeht.
6.61 In den letzten Jahrzehnten ist ein neues Bewußtsein
gewachsen, das in ein neues Selbstverständnis mündet. Forschungsergebnisse
in christlicher Anthropologie, Exegese und Theologie geben diesem neuen
Selbstverständnis Tiefe.
6.62 Obwohl die Entwicklungen in der Wissenschaft anerkannt werden,
werden diese neuen Errungenschaften kaum in kirchliche Aussagen über
die Gleichheit von Frauen und Männern in der Kirche übersetzt.
6.63 Voran steht dabei die Entwicklung zum Menschen, die Mensch-Werdung,
wie sie in der Schrift angegeben wird: Laßt uns den Menschen machen
nach unserem Bild und Gleichnis: Als Mann und Frau erschuf Gott sie [*
vgl. Gen 1,26.27]. Dem Menschen (der männlich und weiblich
ist) wird die Sorge für die Schöpfung anvertraut. Vom Menschen
(der männlich und weiblich ist) gilt, daß er/sie Bild Gottes
ist: darin liegt die Berufung des Menschen. Körperliche und biologische
Merkmale von Frauen und Männern sind nicht bestimmend für die
Weise, in der Menschen berufen sind, Bild Gottes zu sein. Jede Zeit wird
von neuem von ihrer konkreten Situation aus auf diese Berufung Antwort
geben, indem sie auf Fragen hört und offen ist für die Zeichen
der Zeit. Wesentlicher als Frau oder Mann zu sein ist für die Menschen
der Auftrag, als Bild Gottes von der Gerechtigkeit und der Liebe her als
Bild Gottes zu leben und so an Strukturen größerer Geschwisterlichkeit
in der Welt zu bauen.
6.64 Der Auftrag zur Menschwerdung, der von der Schöpfungslehre
aus gelebt wird, bekommt eine tiefe Dimension durch die Menschwerdung Gottes
in Jesus von Nazareth. In ihm wird sichtbar, wie sehr der Mensch aus allem,
was den Menschen niederdrückt, klein und unmündig macht, weggerufen
wird. In Taufe und Firmung erhält der Mensch Anteil am Geist, der
ihn/sie beseelt: einem Geist, der den Menschen auf den befreienden Weg
der neuen Schöpfung setzt.
6.65 Von diesem Denken her werden Fragen an eine kirchliche Lehre
gestellt, die in Bezug auf die Zulassung von Frauen zum Priesteramt einen
so schweren Akzent auf das Mann-Sein Jesu legt. Gott ist in Jesus 'homo
factus' und nicht 'vir factus'. Wenn die Kirche glaubt, daß Frauen
und Männer erlöste Menschen sind, dann kann das Argument, daß
Christus nur durch Männer vergegenwärtigt werden könne,
kaum theologische Gültigkeit beanspruchen. Der Ausschluß von
Frauen von der Priesterweihe kann nicht mehr gerechtfertigt werden.
Vgl. Pastoraal Concilie van de Nederlandse kerkprovincie:
Ontwerp-rapport Naar een vruchtbaar en vernieuwd functioneren van de
ambtsbediening, 4.-7. Januar 1970, 67-69.
6.66 Die verändernden und befreienden Entwicklungen in Anthropologie
und Theologie werden gestützt durch Erfahrungen im Leben der christlichen
6.67 Im Kirchenrecht wird für außerordentliche Situationen
vorgesorgt, in denen durch den Mangel an geweihten Amtsträgern die
Sorge für Liturgie, Sakramente und Gemeindeleitung in Gefahr gerät.
Auf der Grundlage von Taufe und Firmung können weiblichen und männlichen
Laien bestimmte Aufgaben anvertraut werden, die pastorale Dienste an der
Gemeinschaft umfassen, so die Taufe, die Verkündigung u.s.w.
6.68 So ist die historische Situation entstanden, daß Frauen
Glaubensgemeinschaften leiten, nicht-eucharistischen Gottesdiensten vorstehen,
für Begleitung und Ausstattung der Gemeinschaft sorgen und die Hirtensorge
sichtbar machen. In diesen Situationen handeln Frauen offiziell im Namen
der Kirche. Das bedeutet auch, daß sie in diesen Situationen Christus
gegenwärtig machen. Wenn Gemeinschaften mit dieser Situation mehr
vertraut werden, erfahren sie dies als Bereicherung für das gesamte
6.69 Aus der KASKI-Untersuchung Vrouw
en Kerk (Frau und Kirche) geht hervor, daß eine wachsende
Zahl von Gläubigen [in den Niederlanden] mit dem Ausschluß der
Frauen von der Priesterweihe nicht einverstanden ist. 68% der Frauen und
70% der Männern meinen, daß Frauen in der Kirche benachteiligt
sind; 58% der Frauen und 60% der Männer sind für die Zulassung
von Frauen zur Priesterweihe.
6.70 Der Ausschluß der Frauen von der Priesterweihe bedeutet
zugleich, daß Frauen von den meisten Leitungsfunktionen in der kirchlichen
Gemeinschaft ausgeschlossen sind. Obwohl Leitungsgewalt eng mit der Weihe
verbunden wird [Can. 129 § 1, 273, 1008 CIC],
sieht der CIC 1983 sowohl männliche wie auch weibliche Laien
als befähigt an, an der Ausübung von Leitungsgewalt mitzuwirken
und auch kraft einer amtlichen Beauftragung pastorale Sorge über kirchliche
Gemeinschaften auszuüben [Can. 517 § 2, 516 §
2, 1421 § 2 CIC]. Zugleich sind Frauen nahezu vollständig
ausgeschlossen von offiziellen kirchlichen Ämtern, die Grundlage kirchlicher
Jurisdiktionsgewalt sind, und sogar von der selbstverständlichen Einbeziehung
in die beratenden Organe.
6.71 Dieser Ausschluß steht in schrillem Kontrast zur Verantwortung,
die die Frauen in der täglichen Praxis tragen, zu den Leitungsfuntionen,
die sie ausüben, zu ihrem aktiven Einsatz und zum professionellen
Beitrag, den sie zum Aufbau und zur Entwicklung der Glaubensgemeinschaft
6.72 Eine Studienkommission der Arbeitsgruppe Vrouw en Kerk (Frau
und Kirche) hat sich mit der Anthropologie der Katholischen Kirche auseinandergesetzt
und diese aus der Sicht neuerer Erkenntnisse betrachtet. Wir empfehlen
eindringlich, die Ergebnisse dieser Studie zur Kenntnis zu nehmen.
Die Schlußfolgerungen der Kommission sollten auf internationaler
Ebene zugänglich gemacht werden. Es sind Wege zu suchen, diese Schlußfolgerungen
in eine Struktur der Gleichberechtigung umzusetzen.
6.73 Wir bitten die Bischöfe, eine Studienkommission
ins Leben zu rufen, die auf der Grundlage des Can. 228 darüber
nachdenkt, ob neue Dienste und Ämter entwickelt werden können,
in denen Frauen und Männer ihre Sachkenntnis und ihre Fähigkeiten
in der Kirche auf dauerhafte Weise zur Geltung bringen können.
6.74 Indem wir uns den Empfehlungen bezüglich
einer Besinnung über das Priesteramt aus dem pastoralen
Brief der Priester für Gleichheit (USA) anschließen, empfehlen
wir, im Rahmen der Ökumenischen Dekade 'Kirchen in Solidarität
mit den Frauen' einen siebenjährigen Prozeß des Gebetes, der
Besinnung, des Studiums und des Lernens (bis zum Ende der Dekade, d.h.
bis 1998) durchzuführen, der der Frage gewidmet sein soll: 'Wie sollen
Frauen und Männer dem Priesteramt in der röm.-katholischen Gemeinschaft
der Niederlande Gestalt geben?'.
Dieser Prozeß des Gebetes, des Studiums, des Dialogs, der Beratung
und des Sammelns von Erfahrungen gleicht dem Prozeß, mit dem die
erste christliche Gemeinschaft die zentrale und äußerst konfliktgeladene
Frage der Mitgliedschaft von Nicht-Juden löste.
6.75 Zu diesem Prozeß kann eine theologische
Untersuchung beitragen, die die von Frauen und Männern geleistete
theologische Arbeit über das Priesteramt darstellt und untersucht.
6.76 Es sollte eine zweite Untersuchung durchgeführt
werden können, und zwar über Erfahrungen und Auswirkungen im
Zusammenhang mit der Weihe von Frauen und dem geteilten Amt in anderen
Kirchengemeinschaften in Europa.
6.77 Gegen Ende der Dekade 'Kirchen in Solidarität
mit den Frauen', 1998, sollte eine allgemeine Pastoralsynode der Niederlande
einberufen werden können, in der, gemeinsam mit den Bischöfen,
Vertreter aller wichtigen Bereiche des kirchlichen Lebens zusammenkommen,
um die Ergebnisse bezüglich der Verwirklichung einer frauengerechten
Liturgie und der gleichwertigen Teilnahme von Frauen in der Kirche auszuwerten.
6.78 Wir empfehlen den Bischöfen, eine
Kommission einzusetzen, die für eine vorrangige Umsetzung der angenommenen
Empfehlungen bei den Adressaten sorgt, ebenso für ihre Verbreitung
und für Unterstützung bei der Ausführung.
"Das einzige, das feststeht,
scheint mir, ist,
daß die Menschen der Zukunft verlangen werden
nach der fühlbaren Anwesenheit Gottes und der Menschen,
der communio.
Alles, was dazu dient, ist gut.
Dazu dienen die Dinge, die Rituale und alle Symbole.
Auszuprobieren, was dazu dient,
scheint der einzige vernünftige Weg.
Es ist ein mühsamer Weg,
aber unsere Enkel werden uns dankbar sein
für unsere Umsicht."
H. Fortmann:
'En zonder beelden heeft Hij niet tot hen gezegd'.
Dux, 28 (1961).
Die Empfehlungen, die im Text auf verschiedene Abschnitte folgen, sind
in diesem Anhang nach Kapiteln aufgeführt und in kurz-, mittel- und
langfristige eingeteilt.
* Im Original sind die Empfehlungen nochmals abgedruckt;
die deutsche Übersetzung beschränkt sich auf Zusammenfassungen
und Verweise.
Als kurzfristig werden Empfehlungen bezeichnet, die schnell zu verwirklichen
sind. Langfristige Empfehlungen betreffen Leitungs- und Beratungsorgane;
sie verlangen dauernde Aufmerksamkeit und schrittweises Vorgehen.
Wir bitten die Bischöfe inständig, einen Prozeß des
Nachdenkens und der Verwirklichung
- einer kreativen und frauengerechten Symbolik,
- eines ausgewogenen (inklusiven) Sprachgebrauchs und
- einer Rollenverteilung, die die Gleichwertigkeit der Frauen bejaht,
4.23 [Um den Altar stehen]
4.37 [erneuerte Symbolik, Material für Liturgiekreise]
4.39 [Internationaler Tag der Frau]
4.36 [Frauen das Einüben in Liturgie ermöglichen]
4.20 [Kirchengebäude und Einrichtung]
4.21 [Frauen als Beraterinnen bei Kirchenbauten]
4.22 [Zusammensetzung diözesaner Liturgiekommissionen]
5.34 [Bewußtseinsbildung bzgl. ausgewogenen
Sprachgebrauchs]
5.36 [Auslegungsbedürftige Perikopen]
5.35 [Arbeitsmaterial zum Sprachgebrauch in der
5.37 [Überarbeitung liturgischer Texte]
5.38 [Von Frauen erstellte liturgische Texte und
Lieder]
5.39 [Überarbeitung und Ergänzungen bei
Neuauflagen]
5.40 [Kommission zur Revision der liturgischen
Übersetzungen]
5.41 [Förderung inklusiven Sprachgebrauchs
auf internationaler Ebene]
5.42 [Frauengerechte Auswahl und Übersetzung
des Lektionars]
6.15 [Im Rahmen des Kirchenrechts gegen Diskriminierung
der Frauen]
6.35 [Vorstehen in Liturgie - Aufgabe der Pastoralreferent/inn/en]
6.37 [Pastoralreferent/inn/en als Taufspender]
6.16 [Liturgische Funktion des Lektors und Akolythen
auch für Frauen]
6.18 [Ausdehnung der Befugnisse der Pastoralreferent/inn/en]
6.23 [Paritätische Besetzung von Liturgieausschüssen]
6.36 [Homiliebefugnis für alle Pastoralreferent/inn/en]
6.38 [Pastoralreferent/inn/en als regelmäßige
Taufspender]
6.39 [Eheschließungsassistenz durch Pastoralreferent/inn/en]
6.40 [Krankensalbung durch Pastoralreferent/inn/en]
6.41 [Akzeptanz gegenüber Frauen in liturgischen
6.42 [Möglichkeit zur Einübung liturgischen
Handelns für Frauen]
6.74 [Siebenjähriger Reflexionsprozeß]
6.75 [Theologische Untersuchungen über das
Priesteramt]
6.76 [Untersuchung über die Weihe von Frauen
in anderen Kirchen]
6.77 [Einberufung einer niederländischen Pastoralsynode
6.78 [Kommission zur Förderung der Umsetzung
der Empfehlungen]
6.17 [Aufhebung des Ausschlusses von Frauen in
Can. 230 CIC]
6.56 [Untersuchung der Möglichkeit der Diakonenweihe
von Frauen]
6.57 [Vorschlag eines Moratoriums bezüglich
der Diakonenweihe]
6.72 [Ergebnisse einer Studie über die Anthropologie
der kath. Kirche]
6.73 [Einführung neuer Dienste und Ämter
nach Can. 228 CIC]
Anhang 2: Lob der tüchtigen
(zu Abschnitt 5.32)
33. Sonntag im Jahreskreis A - Erste Lesung
Auswahl des Lektionars: Spr 31,10-13.19.20.30.31
Nicht aufgenommen: Spr 31,14-18.21-29
10 Eine tüchtige Frau,
12 Sie tut ihm Gutes und nichts Böses
13 Sie sorgt für Wolle und Flachs
14 Sie gleicht den Schiffen
des Kaufmanns:
16 Sie überlegt es und kauft einen Acker,
17 Sie gürtet ihre Hüften mit Kraft, und macht ihre Arme stark.
18 Sie spürt den Erfolg ihrer Arbeit,
19 Nach dem Spinnrocken greift
ihre Hand, ihre Finger fassen die Spindel.
21 Ihr bangt nicht für
ihr Haus vor dem Schnee;
22 Sie hat sich Decken gefertigt,
23 Ihr Mann ist in den Torhallen geachtet,
24 Sie webt Tücher und verkauft sie,
25 Kraft und Würde sind ihr Gewand,
30 Trügerisch ist Anmut,
vergänglich die Schönheit;
31 Preist sie für den Ertrag ihrer Hände,
Anhang 3: Toward a Full and Equal
Empfehlungen zur Liturgie, aus: Toward a Full and Equal Sharing.
Pastoral Letter on Equality in the Church, Priests for Equality
(USA), 8. Dezember 1985. In deutscher Übersetzung veröffentlicht
unter dem Titel: Auf dem Weg zur vollen und gerechten Teilhabe. Pastoralbrief
über die Gleichberechtigung in der Kirche, Christenrechte in der
Kirche e.V., 1987.
* Die niederländische Übersetzung ist im Archief
van de kerken 42(1987), Sp. 380-403, veröffentlicht. Die hier abgedruckten
Texte sind (mit Ausnahme offensichtlicher Fehler) unverändert der
angegebenen deutschen Übersetzung entnommen.
Bereits angesprochene Bereiche des Wandels
19. Ausgewogene Sprache
- Predigten - Jedes Seminar soll als wesentlichen Bestandteil seiner
homiletischen Kurse die Studierenden darin ausbilden, eine ausgewogene
Sprache zu verwenden. Von den Mitgliedern des Lehrkörpers sollten
wir erwarten, daß sie selbst ein Beispiel für dieses Feingefühl
Fortbildungsprogramme zum Gebrauch einer ausgewogenen Sprache sollten
für die bereits amtierenden Priester durchgeführt werden.
- Liturgische Texte - Die Bischöfe sollten die 'Liturgische Kommission'
bevollmächtigen, eine Meßliturgie zu erstellen sowie ein Lektionar,
in welchen eine ausgewogene Sprache verwendet wird. Solange die neuen Übersetzungen
noch nicht vorhanden sind, sollen Priester, Prediger und Lektoren in den
im Gottesdienst verwendeten Gebeten und Lesungen auf sprachliche Ausgewogenheit
- Kirchenlieder - Verlage sollten neue Texte auf eine ausgewogene Sprache
überprüfen und bereits veröffentlichte Texte revidieren.
Nach einer Dauer von zwei Jahren für diese Änderungen sollten
Kirchenlieder, die unausgewogene Sprache noch beibehalten haben, aus dem
Verkehr gezogen werden. Lieder mit sexistischen Texten sind ebensowenig
akzeptabel wie solche mit rassistischen Texten.
- Meßbücher - Verlage sollten sich möglichst bald daran
begeben, Meßbücher herauszugeben, in denen eine ausgewogene
Sprache verwendet wird.
Die 'Priester für Gleichheit', die die Zusammenarbeit mit anderen
Gruppen anstreben, werden mit einem Programm beginnen, welches sich zum
Ziel setzt, liturgische Texte, Lieder und Meßbücher zu überprüfen.
Nach einer angemessenen Zeit für die Verhandlungen mit Verlagen, Autor/inn/en
und Komponist/inn/en werden wir Texte empfehlen, in denen die Gleichstellung
der Geschlechter sprachlich widergespiegelt wird.
21. Die Heilige Schrift
Empfehlungen: - Wir empfehlen, daß
- die 'Katholische Bibelgesellschaft Amerikas' eine Projektgruppe von
Exegeten und Exegetinnen, Sprachwissenschaftlerinnen und Sprachwissenschaftlern
etc. einsetzt, die eine englische Übersetzung der Bibel herausbringen
soll, in der die Geschlechter sprachlich gleichbehandelt werden. Wenn diese
Projektgruppe durch die Mitarbeit anderer Kirchen, die ebenfalls die Gleichberechtigung
anstreben, ökumenisch ausgerichtet wäre, wäre dies eine
- die 'Liturgische Konferenz der Vereinigten Staaten' den Zyklus der
Lesungen überprüft, um diskriminierende Stellen daraus zu entfernen
und ein sprachlich ausgewogenes Lektionar zu erstellen. Dies ist eine sehr
dringliche Aufgabe. Dieses sprachlich ausgewogene Lektionar bietet ebenfalls
eine sehr gute Chance für ökumenische Zusammenarbeit.
22. Mitwirkung im Gottesdienst
Empfehlung - Wir empfehlen, daß abgesehen von der Frage, wer der
liturgischen Feier vorsteht, ab sofort gleiche Chancen zur Mitwirkung in
bezug auf sämtliche Funktionen in der Liturgie gewährt werden.
Hierzu gehört der Dienst der
Gasthelfer (Ushers/ministers of hospitality)
Leiter des liturgischen Tanzes (Ministers of dance).
In diesen Ämtern können und sollten die örtlichen Kirchen
die Gleichberechtigung äußerst schnell durchsetzen. Da es sich
beim Dienst am Altar um einen allen bekannten Bereich der Diskriminierung
aufgrund des Geschlechts handelt, soll er unverzüglich sowohl Frauen
als Männern zugänglich gemacht werden.
Da außerdem die gegenwärtige Ordinationszeremonie auf eine
offenkundige Weise klerikal und auf Männer beschränkt ist und
sich darin eher eine freundliche Aufnahme in den klerikalen Stand als ein
Aufruf zum Dienst seitens der Gemeinschaft ausdrückt, sollten innerhalb
jeder Diözese ernergische Schritte unternommen werden, um diesem Sakrament
durch solche Rituale, die ein erneuertes Verständnis des Priesteramts
und der Berufung durch die Gemeinschaft verdeutlichen, neuen Ausdruck zu
23. Ständiger Diakonat
Empfehlung - Wir empfehlen den Diakonen, energisch daran zu gehen, die
laufenden Studienprogramme für den ständigen Diakonat sowie die
Diakonenweihe für Frauen zugänglich zu machen. Sollte dies nicht
innerhalb von drei Jahren erreicht werden, so empfehlen wir die einstweilige
Suspendierung der Diakonenweihen.
Mit Interesse und Ermutigung nehmen wir die Studienprogramme für
die Ausbildung von Laientheologinnen und Laientheologen zur Kenntnis, mit
der ihnen innewohnenden Möglichkeit, sowohl Frauen als auch Männern
Kontroverse Bereiche
25. Die für Gott verwendete Sprache und Bildlichkeit
Empfehlung - Wir empfehlen, daß zusätzlich zu der Arbeit
der Bibelkommission, die eine als Beispiel für ausgewogene Sprache
und Bildlichkeit dienende Ausgabe der Heiligen Schrift vorbereitet, Versuchszentren
in jeder Diözese damit beauftragt werden, den Einfluß ausgewogener
Sprache für Gott auf gläubige Menschen zu erforschen. Musterübersetzungen
von liturgischen Texten und aus der Heiligen Schrift, welche ausgewogene
Sprache verwenden, können als Grundlage für diese Versuche dienen.
26. Das Priesteramt
Empfehlung - Wir empfehlen einen sieben Jahre dauernden Prozeß
des Betens, Nachdenkens und Experimentierens, der sich auf die Frage konzentriert:
"Wie sollen sich Frauen und Männer das geweihte geistliche Amt
in der römisch-katholischen Gemeinschaft der Vereinigten Staaten teilen?".
In diesen Prozeß sollen die folgenden Maßnahmen einbezogen
- Eine größere theologische Erforschung des geweihten geistlichen
Amtes und des Priesteramtes, die die Arbeit der vergangenen Jahre zusammenfaßt,
sich auf die Kernprobleme konzentriert und sie auf dem Hintergrund der
sich entwickelnden Erfahrung der Gemeinschaft untersucht.
- Eine sorgfältige Einschätzung, wie die Menschen in den Vereinigten
Staaten auf ein von Frauen und Männern ausgeübtes priesterliches
Amt reagieren würden, vorausgesetzt, daß kirchliche Institutionen
und deren Leiter ihnen dabei mit tatkräftiger Unterstützung und
Erziehung zur Seite ständen. Außerdem sollte darüber zusammen
mit den katholischen Gemeinschaften in den verschiedenen anderen Ländern
ernsthaft nachgedacht und beratschlagt werden.
- Versuche, in zahlreichen ausgewählten Gemeinden Frauen und Männer
gemeinsam den Eucharistischen Dienst (Eucharistic Ministry) ausüben
zu lassen. Diese Erfahrung ist für eine sorgfältige theologische
Beurteilung dieser schwerwiegenden pastoralen Frage entscheidend. In anderen
das geistliche Amt betreffenden Fragen sind solche Versuche bereits früher
- Eine Beurteilung des Bedarfs an geweihten Priestern in den Vereinigten
Staaten; dabei sollte berücksichtigt werden, inwieweit ausgewogene,
d.h. nicht-sexistische Strukturen des Priesteramts diesen Bedarf befriedigen
- Eine größere Einübung im Erkennen und Unterscheiden
sowie im Hören auf den Geist Gottes: ein Programm des Betens und Nachdenkens
in der ganzen Kirchengemeinschaft der Vereinigten Staaten, um Gottes Lenkung
zu erbitten, so wie es die in der Apostelgeschichte beschriebene Urgemeinde
- Eine Untersuchung über den Einfluß, den die Frauenordination
und ein von Frauen und Männern ausgeübtes Priesteramt auf andere
Konfessionen in den Vereinigten Staaten hätte.
Kurz vor dem Ende dieses Prozesses, also etwa 1992-93, sollte in den
Vereinigten Staaten ein allgemeines Pastoralkonzil stattfinden, zu dem,
außer den Bischöfen auch Sachverständige aus allen bedeutenden
Bereichen des Kirchenlebens zusammenkommen sollten, um die Ergebnisse aus
diesem nationalen Prozeß der Reflexion zusammenzutragen.
Indem dieses Vorgehen und die dabei gewonnenen Erfahrungen in den Vereinigten
Staaten als Richtlinie genommen werden, könnte diesem Konzil vor Ende
des Jahrhunderts ein Weltkonzil folgen. Bei dieser Versammlung können
die Bischöfe und der Papst mit beteiligten Laien, Klerikern und Ordensleuten
als Vertretern verschiedener Kulturen zusammenkommen, um zu beten und die
Ergebnisse und Empfehlungen für die Kirche in der ganzen Welt zu bewerten.
Dieser Prozeß des Gebets und Gesprächs, der Verhandlung und
Erfahrung ähnelt demjenigen, durch den die Urgemeinde die für
sie entscheidende und höchst umstrittene Frage der Zugehörigkeit
von Heiden löste. Dies ist eine auch für unsere heutige Zeit
angemessene Vorgehensweise.
* In die vorliegende deutsche Fassung wurde die umfangreiche, aber fast
ausschließlich niederländische Literaturliste nicht übernommen.
Lediglich einige in verschiedenen Ländern erschienene Berichte sowie
einige Zeitschriftenartikel, die auch in Deutsch erschienen sind, werden
aufgeführt. Die bibliographischen Angaben zitierter Dokumente wurden
in die Fußnoten eingearbeitet, soweit dort nicht auf die hier aufgeführten
Dokumentensammlungen verwiesen wird.
A. Dokumentensammlungen
Acta Apostolicae Sedis. Commentarium officiale, Typis Polyglottis
Vaticanis, Rom 1909ff. (hier mit AAS abgekürzt)
Enchiridion symbolorum [,] definitionum et declarationum de rebus
fidei et morum / Kompendium der Glaubensbekenntnisse und kirchlichen
Lehrentscheidungen, Heinrich Denzinger (Begr.) / Peter Hünermann
(Hrsg.), Herder, Freiburg u.a., 371991 (hier mit DH
abgekürzt).
Kleines Konzilskompendium. Sämtliche Texte des Zweiten Vatikanums,
Karl Rahner / Herbert Vorgrimler (Hrsg.), (=Herderbücherei 270),
Herder, Freiburg u.a., 211989.
Canadian Bishops' Pastoral Team: Inclusive Language: overcoming discrimination,
in: Origins CNS documentary service, 21. Sept. 1989.
Daughters and Sons of God. A primer on inclusive language in the
church, Canec, Toronto (Canada), Nov. 1981.
Frauen in Kirche und Gesellschaft. Konferenz der Internationalen
Katholischen Frauenorganisationen (I.C.O.), Brüssel 9.-14. Juni
Gerechte Sprache in Gottesdienst und Kirche. Mit Bibeltexten zum
Frankfurter Kirchentag in frauengerechter Sprache, Evangelische Frauenarbeit
in Deutschland e.V., Frankfurt am Main, Jan. 1987.
Language about God in Liturgy and Scripture. A study guide, The
Geneva Press, Philadelphia 1980.
Toward a Full and Equal Sharing. Pastoral Letter on Equality in the
Church, Priests for Equality (USA), 8. Dezember 1985. (Niederländisch
in: Archief van de kerken, Jg. 42, Nr. 6, Juni 1987; deutsch
bei: Christenrechte e.V.)
Withers, Barbara A.: Language and the church. Articles and designs
for workshops, Division of Publication services, National Council of
the Churches of Christ in USA, 1984.
* Bibliographische Angaben zu niederländischen Untersuchungen sind
zu finden unter: 2.5, 2.6,
6.19, 6.28 und 6.32.
Als grundlegendes, neueres deutsches Sammelwerk ist zu nennen: Liturgie
und Frauenfrage. Ein Beitrag zur Frauenforschung aus liturgiewissenschaftlicher
Sicht, Teresa Berger/Albert Gerhards (Hrsg.), EOS, St. Ottilien 1990.
C. Artikel über Frauen und Liturgie
Agudelo, María: Die Aufgabe der Kirche bei der Emanzipation
der Frau, in: Concilium 16(1980), 301-306.
Børresen, Kari Elisabeth: Frauen und Männer in der Schöpfungsgeschichte
und in der Kirche, in: Concilium 17(1981), 497-503.
Dumais, Monique: Eine Theologie des Dienstes für die Frauen:
Unvermeidliche Bevormundung? in: Concilium 23(1987), 506-511.
Eyden, René van: Das liturgische Amt der Frau, in: Concilium
8(1972), 107-115.
Klink, Johanna: Familie und Liturgie, in: Concilium 8(1972),
Meyer-Wilmes, Hedwig: Die Natur der Frau und weibliche Identität.
Theologische Legitimationen und feministische Anfragen, in: Concilium
23(1987), 501-506.
Neu, Diann: Unser Name ist Kirche. Die Erfahrung katholisch-christlicher
feministischer Liturgien, in: Concilium 18(1982), 135-144.
Raming, Ida: Die inferiore Stellung der Frau nach dem geltenden Kirchenrecht,
in: Concilium 12(1976), 30-34.
Schüssler Fiorenza, Elisabeth: Tischgemeinschaft und Feier der
Eucharistie, in: Concilium 18(1982), 76-85.
Zarri, Adriana: Das Gebet der Frau und die vom Mann geschaffene Liturgie,
in: Concilium 6(1970), 110-117.
Antwort der Niederländischen
An die Vorsitzenden von KRKS, Arbeitgruppe Frau und Kirche, UNKV:
Frau M. van de Muijsenbergh-Geurts
Frau R. klein Tank
Frau B. van Heemskerk-van de Broek
Utrecht, den 13. Juni 1991
Unser Zeichen: 612/1991/avd - BV 22/1984
Ihr Zeichen: "Frauengerechte Liturgie röm.-kath. Kirche"
Kirche", den Sie am 26. November 1990 dem Vorsitzenden der Bischöflichen
Kontaktkommission Frau und Kirche, Msgr. H.C.A. Ernst, zugesandt haben,
ist von ihm der Bischofskonferenz zugeleitet worden, begleitet von einem
Schreiben vom 14. Januar 1991, in dem die Kontaktkommission einen Vorschlag
zum weiteren Vorgehen bei der Behandlung des Berichts machte.
In der LPO-Sitzung vom 21.-23. Februar 1986 sind
Fragen bezüglich des Sprachgebrauchs und der Rollenverteilung in der
Liturgie sowie bezüglich der Symbolik liturgischen Handelns aufgekommen.
Die Bischöfe hielten eine kritische Untersuchung von Texten und Gesängen
für angemessen und haben deshalb in ihrer Reaktion auf das Schlußdokument
der betreffenden LPO-Sitzung die Kontaktkommission Frau und Kirche gebeten,
sorgfältig auf die Erfahrungen niederländischer katholischer
Frauen auf dem Gebiet der Liturgie zu hören, damit die Bischöfe
in ihrer Amtsführung diese Erfahrungen berücksichtigen können.
Die Kontaktkommission hat Sie um diesbezügliche Beratung gebeten,
und Sie haben eine Kommission berufen, die ersucht wurde, einen Bericht
zusammenzustellen, in dem die Themen Symbolik, Sprachgebrauch und Rollenverteilung
aus der Sicht der Erfahrungen von Frauen beleuchtet werden sollten.
Im obengenannten Begleitbrief vom 14. Januar 1991 zum Bericht "Eine
frauengerechte Liturgie", hat die Kontaktkommission die Hoffnung ausgesprochen,
daß die Bischöfe sich auf der Grundlage des Berichtes ein Bild
von der Weise machen können, in der eine große Zahl niederländischer
Frauen Liturgie erlebt.
Die Kontaktkommission hat dazu vorgeschlagen, die Empfehlungen 4.20
- 4.23, 4.39 und das Kapitel über die Sprache und die darin enthaltenen
Empfehlungen 5.34 - 5.43 der Bischöflichen Kommission für Liturgie,
liturgische Musik und kirchliche Kunst vorzulegen, worauf diese hierzu
an die Bischofskonferenz Vorschläge machen kann. Die Bischöfe
haben diesen Vorgehensvorschlag übernommen.
Die Bischöfe erachten es für wertvoll, die Erfahrungen von
Frauen mit Liturgie kennenzulernen. Sie möchten diese auch ernst nehmen.
Sie stellen jedoch fest, daß der Bericht nicht allein von frauengerechter
Liturgie handelt, sondern auch von allgemeineren Fragen um Glaube, Sakramente
und Kircheneinrichtung. Dabei werden Aussagen gemacht, die sachlich und/oder
in ihrer Interpretation unrichtig oder anfechtbar sind, so zum Beispiel
bezüglich des Ursprungs des kirchlichen Amtes. Auch werden Empfehlungen
ausgesprochen, die nicht in Übereinstimmung mit kirchlichen Lehraussagen
oder Bestimmungen des kirchlichen Gesetzbuches stehen, insbesondere bezüglich
der Sakramentenspendung.
Weil auch in anderen Veröffentlichungen Aussagen gemacht werden,
die nicht der katholischen Tradition entsprechen, haben die Bischöfe
vor, sich hierüber noch in allgemeinerem Sinne zu äußern.
Die Bischöfe sind davon überzeugt, daß es für die
Amtsführung bezüglich der Liturgie, aber auch für das ganze
Leben in Glaube und Kirche von großer Wichtigkeit ist, die Erfahrungen
der Menschen, von Frauen und Männern, von Jüngeren und Älteren,
zu kennen. Wie die Bischöfe für die Erfahrungen der Gläubigen
zugänglich sein wollen, so bitten sie auch die Gläubigen, für
den Glauben der Kirche offen sein zu wollen, der ihnen von Papst und Bischöfen
dargelegt wird, und die kirchliche Ordnung zu achten. Dann können
Bischöfe und Gläubige sich gemeinsam der lebendigen Bewahrung
des Glaubens, dem Aufbau der Kirche und der Hilfeleitung in den Nöten
der Welt widmen.
Bei der Vorbereitung dieses Berichts wurde viel Arbeit geleistet. Die
Bischöfe drücken den Autoren hierfür ihren Respekt aus.
Sie ersuchen die für den Bericht verantwortlichen Organisationen und
Institutionen, mit den Bischöfen zusammenzuarbeiten im Bemühen
um eine Liturgie, die die Erfahrungen der Gläubigen berücksichtigt
und die zugleich dem Glauben und der liturgischen Ordnung der Kirche gerecht
Mit besten Segenswünschen verbleibe ich,
Die vorliegende deutsche Übersetzung
steht in den Formaten HTML und PDF auf
http://www.salesianer.de/liturgie/