Source: https://www.rechtslupe.de/zivilrecht/die-anfertigung-einer-rechtsmittelschrift-339327
Timestamp: 2020-02-20 20:41:24
Document Index: 347295737

Matched Legal Cases: ['§ 85', '§ 126', '§ 62', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH']

Die Anfer­ti­gung einer Rechts­mit­tel­schrift | Rechtslupe ")}}return a.proceed()});scriptParent=document.getElementsByTagName("script")[0].parentNode;if(scriptParent.tagName.toLowerCase!=="head"){head=document.getElementsByTagName("head")[0];aop_around(head,"insertBefore");aop_around(head,"appendChild")}aop_around(scriptParent,"insertBefore");aop_around(scriptParent,"appendChild");var a2a_config=a2a_config||{};a2a_config.no_3p=1;var addthis_config={data_use_cookies:false};var _gaq=_gaq||[];_gaq.push(["_gat._anonymizeIp"])}
Die Anfer­ti­gung einer Rechts­mit­tel­schrift
Die Anfer­ti­gung einer Rechts­mit­tel­schrift gehört zu den Auf­ga­ben, die der Rechts­an­walt sei­nem ange­stell­ten Büro­per­so­nal nicht über­tra­gen darf, ohne das Arbeits­er­geb­nis selbst sorg­fäl­tig zu über­prü­fen. Auch bei einem so wich­ti­gen Vor­gang darf der Rechts­an­walt aber einer zuver­läs­si­gen Büro­an­ge­stell­ten eine kon­kre­te Ein­zel­an­wei­sung ertei­len, deren Aus­füh­rung er grund­sätz­lich nicht mehr per­sön­lich über­prü­fen muss. Dann müs­sen jedoch aus­rei­chen­de Vor­keh­run­gen dage­gen getrof­fen wer­den, dass die Anwei­sung in Ver­ges­sen­heit gerät und die Über­sen­dung eines zuläs­si­gen Rechts­mit­tels unter­bleibt 1.
Die Prü­fung der not­wen­di­gen For­ma­li­en für die Zuläs­sig­keit eines Rechts­mit­tels ist Auf­ga­be des Rechts­mit­tel­füh­rers. Ihm obliegt es des­we­gen auch, dafür Sor­ge zu tra­gen, dass das Rechts­mit­tel inner­halb der Rechts­mit­tel­frist bei dem zustän­di­gen Gericht ein­geht 2. Unter Ver­stoß gegen die­se Anfor­de­run­gen hat der Beklag­ten­ver­tre­ter das Rechts­mit­tel nicht an das zustän­di­ge Ober­lan­des­ge­richt, son­dern an das Amts­ge­richt gesandt, wes­we­gen es schließ­lich ver­spä­tet beim zustän­di­gen Ober­lan­des­ge­richt ein­ge­gan­gen ist.
Ein Rechts­an­walt darf aller­dings grund­sätz­lich dar­auf ver­trau­en, dass sei­ne Büro­an­ge­stell­te, die sich bis­her als zuver­läs­sig erwie­sen hat, eine kon­kre­te Ein­zel­an­wei­sung befolgt. Des­halb ist er im All­ge­mei­nen nicht ver­pflich­tet, sich anschlie­ßend über die Aus­füh­rung sei­ner Wei­sung zu ver­ge­wis­sern 3.
Zwar gehört die Anfer­ti­gung einer Rechts­mit­tel­schrift zu den Auf­ga­ben, die der Rechts­an­walt sei­nem ange­stell­ten Büro­per­so­nal nicht über­tra­gen darf, ohne das Arbeits­er­geb­nis selbst sorg­fäl­tig zu über­prü­fen 4. Sie darf in einem so gewich­ti­gen Teil wie der Bezeich­nung des Rechts­mit­tel­ge­richts auch gut geschul­tem und erfah­re­nem Büro­per­so­nal eines Rechts­an­walts nicht eigen­ver­ant­wort­lich über­las­sen wer­den. Der Pro­zess­be­voll­mäch­tig­te einer Par­tei muss die Rechts­mit­tel­schrift des­we­gen vor der Unter­zeich­nung auf die Voll­stän­dig­keit, dar­un­ter auch auf die rich­ti­ge Bezeich­nung des Rechts­mit­tel­ge­richts, über­prü­fen 5.
Auch bei einem so wich­ti­gen Vor­gang wie der Anfer­ti­gung einer Rechts­mit­tel­schrift darf der Rechts­an­walt aber einer zuver­läs­si­gen Büro­an­ge­stell­ten eine kon­kre­te Ein­zel­an­wei­sung ertei­len, deren Aus­füh­rung er grund­sätz­lich nicht mehr per­sön­lich über­prü­fen muss 6. Das gilt ins­be­son­de­re dann, wenn die wei­te­re all­ge­mei­ne Büro­an­wei­sung besteht, einen sol­chen Auf­trag stets vor allen ande­ren Auf­ga­ben zu erle­di­gen. Denn in einem sol­chen Fall stellt die im Ein­zel­fall erteil­te zusätz­li­che Wei­sung, den Auf­trag sofort und vor allen ande­ren Auf­ga­ben aus­zu­füh­ren, grund­sätz­lich eine aus­rei­chen­de Vor­keh­rung dage­gen dar, dass die Ein­tra­gung der Frist in Ver­ges­sen­heit gerät 7. Betrifft die Anwei­sung des Rechts­an­walts einen so wich­ti­gen Vor­gang wie die Erstel­lung einer Rechts­mit­tel­schrift und wird sie nur münd­lich erteilt, müs­sen aus­rei­chen­de Vor­keh­run­gen dage­gen getrof­fen sein oder wer­den, dass die Anwei­sung in Ver­ges­sen­heit gerät und die Über­sen­dung eines zuläs­si­gen Rechts­mit­tels unter­bleibt 8.
Auf die­ser recht­li­chen Grund­la­ge hat der Bun­des­ge­richts­hof im hier ent­schie­de­nen Fall ein Orga­ni­sa­ti­ons­ver­schul­den des Anwalts ange­nom­men:
Der Rechts­an­walt hat in sei­nem Wie­der­ein­set­zungs­ge­such dar­auf hin­ge­wie­sen, dass die zustän­di­ge Kanz­lei­an­ge­stell­te auf­grund des statt­ge­fun­de­nen Kanz­lei­um­zugs, der hier­mit ver­bun­de­nen zahl­rei­chen Auf­ga­ben und der star­ken Fre­quen­tie­rung der Kanz­lei durch diver­se Lie­fe­ran­ten, tech­ni­sche Dienst­leis­ter und sons­ti­gen Publi­kums­ver­kehr über­las­tet gewe­sen und die Anwei­sung zur Ände­rung der falsch erstell­ten Rechts­mit­tel­schrift dar­über in Ver­ges­sen­heit gera­ten sei. In einer sol­chen Situa­ti­on, in der die unver­züg­li­che Kor­rek­tur nicht sicher­ge­stellt war, durf­te der Pro­zess­be­voll­mäch­tig­te sich nicht allein auf die Kanz­lei­an­ge­stell­te ver­las­sen, son­dern hät­te die unver­züg­li­che Kor­rek­tur der ein­sei­ti­gen Rechts­mit­tel­schrift ver­lan­gen müs­sen und die­se erst danach unter­zeich­nen dür­fen, um eine vor­zei­ti­ge Löschung der Rechts­mit­tel­frist zu ver­hin­dern. Einen so wich­ti­gen Vor­gang wie das Absen­den einer Rechts­mit­tel­schrift durf­te der Rechts­an­walt sei­ner in der kon­kre­ten Situa­ti­on ersicht­lich über­for­der­ten Mit­ar­bei­te­rin nicht allein über­las­sen. Das sich dar­aus erge­ben­de Orga­ni­sa­ti­ons­ver­schul­den des Beklag­ten­ver­tre­ters ist dem Beklag­ten nach § 85 Abs. 2 ZPO zuzu­rech­nen.
Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 8. Febru­ar 2012 – XII ZB 165/​11
Schrift­lich­keit im Zivil­pro­zess – die nicht unter­schrie­be­ne… Der Begriff der "Schrift­lich­keit" ist im Zivil­pro­zess eigen­stän­dig zu bestim­men; er ist nicht iden­tisch mit dem Begriff der Schrift­form in § 126 Abs. 1 BGB.…
Die gemein­sa­me Anfer­ti­gung eines Schrift­sat­zes mit dem Man­dan­ten Ein Rechts­mit­tel­be­grün­dungs­schrift­satz genügt den Anfor­de­run­gen des § 62 Abs. 4 FGO im Hin­blick auf den Zweck die­ser Rege­lung nur dann, wenn der Pro­zess­be­voll­mäch­tig­te sich mit…
Das beim fal­schen Gericht ein­ge­leg­te Rechts­mit­tel Mit der Fra­ge der recht­zei­ti­gen Wei­ter­lei­tung einer Rechts­mit­tel­schrift durch das unzu­stän­di­ge Gericht muss­te sich aktu­ell der Bun­des­ge­richts­hof beschäf­ti­gen. Anlass hier­für bot ein fami­li­en­recht­li­ches Ver­fah­ren aus…
Spur­wech­sel ohne Reis­ver­schluss­ver­fah­ren Das Reiß­ver­schluss­prin­zip im Stra­ßen­ver­kehr gilt nur beim Weg­fall einer Spur. Ist die Fahr­bahn ledig­lich blo­ckiert, obliegt es dem wech­seln­den Auto­fah­rer bei einem Spur­wech­sel, eine Gefähr­dung…
Fris­ten­kon­trol­le bei meh­re­ren Par­al­lel­ver­fah­ren Wenn in meh­re­ren Ver­fah­ren glei­cher Par­tei­en meh­re­re Fris­ten für Rechts­mit­tel und Rechts­mit­tel­be­grün­dung zu notie­ren sind, muss der Rechts­an­walt durch orga­ni­sa­to­ri­sche Maß­nah­men ver­hin­dern, dass eine Ver­wechs­lung…
im Anschluss an den BGH, Beschluss vom 25.03.2009 – XII ZB 150/​08, Fam­RZ 2009, 1132[↩]
vgl. BGH, Beschluss vom 15.06.2011 – XII ZB 468/​10, Fam­RZ 2011, 371 Rn. 8; und BGH Beschluss vom 04.12.1991 – VIII ZB 34/​91 – VersR 1992, 1023 f.[↩]
BGH, Beschlüs­se vom 21.04.2010 – XII ZB 64/​09, Fam­RZ 2010, 1067 Rn. 11; und vom 09.12.2009 – XII ZB 154/​09 – VersR 2011, 89 Rn. 16; BGH Beschluss vom 02.11.1995 – VII ZB 13/​95 – VersR 1996, 779[↩]
BGH Beschlüs­se vom 25.06.1986 – IV a ZB 8/​86, VersR 1986, 1209; und vom 29.04.1982 – I ZB 2/​82, VersR 1982, 769 f.[↩]
BGH, Beschluss vom 01.02.2012 – XII ZB 298/​11; BGH Beschluss vom 08.12.1992 – VI ZB 33/​92, VersR 1993, 1381 f.[↩]
BGH Beschluss vom 30.10.2008 – III ZB 54/​08, Fam­RZ 2009, 109 Rn. 9 f.[↩]
BGH, Beschlüs­se vom 19.11.2008 – XII ZB 102/​08, Fam­RZ 2009, 217 Rn. 14 und vom 02.04.2008 – XII ZB 190/​07 – FuR 2008, 344 Rn. 12 ff.[↩]
BGH, Beschlüs­se vom 21.04.2010 – XII ZB 64/​09, Fam­RZ 2010, 1067 Rn. 11; vom 25.03.2009 – XII ZB 150/​08, Fam­RZ 2009, 1132 Rn.19 ff.; und vom 13.09.2006 – XII ZB 103/​06, Fam­RZ 2006, 1663 Rn. 9[↩]
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