Source: http://www.strafrechtsblogger.de/nacktfotos/2009/12/
Timestamp: 2013-12-10 19:51:32
Document Index: 310480647

Matched Legal Cases: ['§ 106', '§ 108', '§ 2', '§ 106', '§ 106', '§ 108', '§ 109', '§ 106', '§ 108', '§ 2', '§ 72', '§22', '§ 60']

Nacktfotos | Strafrechtsblogger
Fortgeschrittene . Medienstrafrecht
Die Bibi macht sich für den Hansi und die Kamera nackig und rekelt sich, wie sie das aus den Lieblingssendungen des Hansi kennt. Schließlich entstehen ein paar “absolut ästhetische” Nacktaufnahmen von der Bibi.
Bibi könnte sich, indem sie die “eigenen” Nackfotos an den Playboy geschickt hat, gemäß § 106 Abs. 1 Urheberrechtsgesetz (UrhG) ( strafbar gemacht haben. Das verwundert natürlich zunächst. Immerhin wollte sie ja selbst, dass jeder die nackige Bibi am Kiosk kaufen kann. Wichtig ist aber, dass das UrhG nicht etwa Persönlichkeitsrechte strafrechtlich schützt, sondern “nur” wirtschaftliche (Verwertungs-)Rechte.
Die Kette “Lichtbilder werden wie Lichtbildwerke geschützt” gilt nur im Zivilrecht. Strafrechtlich müssen wir auf § 108 I Nr. 3 ausweichen, der stellt nämlich bestimmte unerlaubte Eingriffe in verwandte Schutzrechte unter Strafe. Das kann immer dann relevant sein, wenn nicht schon eine Vervielfältigung, Verbreitung oder öffentliche Wiedergabe eines Werkes im Sinne dese § 2 UrhG vorliegt.
Das hat die Bibi zweifellos gemacht. Sie hat das Foto ohne Einwilligung des Hansi an den Playboy geschickt. Rechtswidrigkeit und Schuld sind auch problemlos.
- §§ 106 und 108 UrhG haben den gleichen Strafrahmen, nämlich Freiheitsstrafe bis zu 3 Jahren oder Geldstrafe
- der Versuch ist jeweils strafbar, § 106 Abs. 2 bzw. § 108 Abs. 2 UrhG
- Beides sind relative Antragsdelikte, § 109 UrhG. Sie werden also grundsätzlich nur verfolgt, wenn der Geschädigte (hier der Hansi) einen Strafantrag stellt, es sei denn, es besteht ein besonderes öffentliches Interesse an der Strafverfolgung, hier: (-)
FortgeschritteneMedienstrafrecht
TAGSLichtbilderLichtbildwerkeNackfotosUrheberrechtWerk§ 106 UrhG§ 108 UrhG§ 2 UrhG§ 72 UrhG 4 comments
Last reply was 20. Dezember 2009	Tim (3 comments)	View
…Dann hätte Hansi die Persönlichkeitsrechte von Bibi verletzt, was natürlich auch strafbar ist.
Es müssen also beide mit der Veröfentlichung einverstanden sein.
Anno (1 comments)	View
Ohne Jurist zu sein, §22 KunstUrhG verbietet das.
Wie gut das ich schon eine kleine Diskussion darüber mit jemanden hatte… (nicht wirklich ernst).
Simon (1 comments)	View
§ 60 Abs. 1 UrhG:
“Zulässig ist die Vervielfältigung sowie die unentgeltliche und nicht zu gewerblichen Zwecken vorgenommene Verbreitung eines Bildnisses durch den Besteller des Bildnisses oder seinen Rechtsnachfolger oder bei einem auf Bestellung geschaffenen Bildnis durch den Abgebildeten oder nach dessen Tod durch seine Angehörigen oder durch einen im Auftrag einer dieser Personen handelnden Dritten. Handelt es sich bei dem Bildnis um ein Werk der bildenden Künste, so ist die Verwertung nur durch Lichtbild zulässig.”
Hier nicht einschlägig, aber naheliegend.
Ich finde, in solchen entfernten Gefilden des Nebenstrafrechts kann man immer auch über den unvermeidbaren Verbotsirrtum nachdenken. Wer weiß schon, dass so etwas nicht nur verboten, sondern auch strafbar ist?
Tim (3 comments)	View
Lustige Geschichte, bei der Diskussion im Seminar sind wir über eine Frage gestolpert, bei der wir uneinig sind.
Hat sich der Playboy wegen Beihilfe auch rechtswidrig verhalten, wenn er sich die Rechte am Bild nicht hat übertragen lassen?
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