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Timestamp: 2020-01-25 07:28:07
Document Index: 291369644

Matched Legal Cases: ['§ 23', '§ 7', '§ 7', '§ 4', '§ 5', '§ 4', '§ 7', '§ 7', '§ 7', '§ 7', '§ 23', '§ 7', '§ 7', '§ 7', '§ 7']

Der praktische Fall | Investitionsabzugsbetrag: Neue Gestaltungsmöglichkeiten bei Personengesellschaften
13.11.2019 ·Fachbeitrag ·Der praktische Fall
| Nach neuer Sichtweise des BMF (26.8.19, IV C 6 - S 2139-b/07/10002-02) kann ein im Gesamthandsbereich einer Personengesellschaft beanspruchter Investitionsabzugsbetrag für Investitionen eines Gesellschafters im Sonderbetriebsvermögen verwendet werden. Da auch der umgekehrte Fall möglich ist, eröffnet das Gestaltungsmöglichkeiten. |
Peter Müller betreibt mit seinem Sohn Max die M&M Gartenbau-OHG. Bei einem Beratungsgespräch teilt Peter Müller seinem Steuerberater mit, dass die OHG im Herbst 2020 einen neuen Bagger (Kosten rund 100.000 EUR) benötigt. Derzeit ist noch unklar, ob der Bagger von der OHG gekauft wird oder Max Müller als Käufer auftritt. Zudem berichtet Peter Müller, dass sein Sohn infolge eines privaten Veräußerungsgeschäfts (§ 23 EStG) in 2019 einen steuerpflichtigen Gewinn von 30.000 EUR erzielt hat.
Frage: Inwiefern kann die geplante Investition des Baggers zur Steueroptimierung in 2019 genutzt werden?
Der Steuerberater weist auf die Möglichkeit hin, einen Investitionsabzugsbetrag gemäß § 7g EStG zu bilden.
2.1 Wirkungsweise und Voraussetzungen
Da nur kleine und mittlere Unternehmen (KMU) durch § 7g EStG gefördert werden sollen, dürfen bestimmte Größenmerkmale nicht überschritten werden. Die Größenmerkmale hängen von der Art der Gewinnermittlung ab:
Betriebsvermögensvergleich (§ 4 Abs. 1 EStG, § 5 EStG)
Einnahmen-Überschussrechnung (§ 4 Abs. 3 EStG)
Betriebsvermögen ≤ 235.000 EUR
Gewinn (ohne Berücksichtigung eines Investitionsabzugsbetrags) ≤ 100.000 EUR
Beachten Sie | Die Summe der Abzugsbeträge für geplante Investitionen ist auf 200.000 EUR begrenzt (§ 7g Abs. 1 S. 4 EStG).
2.2 Besonderheiten bei Personengesellschaften
Neben Einzelunternehmen und Kapitalgesellschaften können auch Personengesellschaften (wie die M&M Gartenbau-OHG) den Investitionsabzugsbetrag nutzen (§ 7g Abs. 7 EStG).
Investitionsabzugsbeträge können sowohl vom gemeinschaftlichen Gewinn als auch vom Sonderbetriebsgewinn eines Mitunternehmers abgezogen werden. Nachdem das BMF (26.8.19, a. a. O.) kürzlich einen für Personengesellschaften erfreulichen BFH-Beschluss (15.11.17, VI R 44/16) zur Bildung eines Investitionsabzugsbetrags umgesetzt hat, ist nun auch Folgendes zulässig:
2.3 § 7g EStG im Gesamthandsbereich der M&M Gartenbau-OHG
Die OHG könnte somit für die geplante Investition des Baggers einen Investitionsabzugsbetrag in ihrem Gesamthandsbereich bilden. Ob die Investition dann von der OHG selbst (was nachfolgend unterstellt wird) oder dem Gesellschafter Max Müller getätigt wird, ist für den Investitionsabzugsbetrag unerheblich. Dies ist „nur“ relevant für die spätere außerbilanzielle Hinzurechnung, die in dem Vermögensbereich vorzunehmen ist, in dem die Investition erfolgte.
Auswirkungen für das Wirtschaftsjahr 2019
Die OHG kann ihren Gewinn außerbilanziell um 40 TEUR (40 % der voraussichtlichen Anschaffungskosten des Baggers) mindern.
‒ 40 TEUR
Auswirkungen für die Wirtschaftsjahre 2020 ff.
Im Jahr der Anschaffung wird der Investitionsabzugsbetrag außerbilanziell wieder hinzugerechnet:
Ergebniseffekt 2020
+ 40 TEUR
Zum Ausgleich der Gewinnerhöhung durch die Hinzurechnung des Investitionsabzugsbetrags können die Anschaffungskosten im Wirtschaftsjahr der Anschaffung um bis zu 40 % gewinnmindernd herabgesetzt werden. Dies mindert jedoch das zukünftige Abschreibungsvolumen.
Der Kauf des Baggers im Herbst 2020 löst somit folgende Buchungen aus:
Da das Abschreibungsvolumen nunmehr geringer ist, erhöht sich insoweit der Gewinn im Abschreibungszeitraum (Nutzungsdauer).
Ergebniseffekt 2020 ff.
2.4 § 7g EStG im Sonderbetriebsvermögen von Max Müller
Laut Sachverhalt hat Max Müller infolge eines privaten Veräußerungsgeschäfts (§ 23 EStG) in 2019 einen steuerpflichtigen Gewinn von 30.000 EUR erzielt. Den sich daraus ergebenden Steuereffekt kann man insoweit „neutralisieren“, als man die neue Sichtweise der Finanzverwaltung nutzt, wonach Max Müller den Investitionsabzugsbetrag in seinem Sonderbetriebsbereich beanspruchen kann. Ob dann später die OHG oder Max Müller das Wirtschaftsgut anschafft, ist insoweit egal.
PRAXISTIPP | Durch die neue Verwaltungssichtweise können so steuerpflichtige Ergebnisse von einem zum anderen Gesellschafter verlagert werden. Dies kann insbesondere vor dem Hintergrund unterschiedlicher Steuersätze eine interessante Überlegung sein.
Ergebnisvergleich für 2019
§ 7g EStG im Gesamthandsbereich
Ergebniseffekt für Max Müller
- 20 TEUR
Ergebniseffekt für Peter Müller
§ 7g EStG im Sonderbetriebsvermögen
- 40 TEUR
BMF erläutert die neue Rechtslage zu § 7g EStG (MBP 17, 103)
Quelle: Ausgabe 12 / 2019 | Seite 211 | ID 46213746
01.06.2017 · Investitionsabzugsbetrag
BMF erläutert die neue Rechtslage zu § 7g EStG