Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Text=NJW%201982,%202767
Timestamp: 2020-01-23 11:57:54
Document Index: 108860116

Matched Legal Cases: ['BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 138', 'BGH', 'BGH', '§ 812', '§ 138', '§ 138', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 138', '§ 138', '§ 138', '§ 138', 'BGH', 'BGH', '§ 138', '§ 138', '§ 138', '§ 138', '§ 138', '§ 138', 'BGH', '§ 138', 'BGH', 'BGH', '§ 138', 'BGH', 'BGH', '§ 138', '§ 138', 'BGH', 'BGH', '§ 138', 'BGH', 'BGH', '§ 138', 'BGH', '§ 138', 'BGH', '§ 138']

BGH, 08.07.1982 - III ZR 1/81 - dejure.org
https://dejure.org/1982,832
BGH, 08.07.1982 - III ZR 1/81 (https://dejure.org/1982,832)
BGH, Entscheidung vom 08.07.1982 - III ZR 1/81 (https://dejure.org/1982,832)
BGH, Entscheidung vom 08. Juli 1982 - III ZR 1/81 (https://dejure.org/1982,832)
Tipp: Um den Kurzlink (hier: https://dejure.org/1982,832) schnell in die Zwischenablage zu kopieren, können Sie die Tastenkombination Alt + R verwenden - auch ohne diesen Bereich zu öffnen.
Voraussetzungen der Sittenwidrigkeit eines Rechtsgeschäftes - Auffälliges Missverhältnis zwischen Leistung und Gegenleistung - Anforderung an die Einstufung eines Geschäfts als Wucher
Nichtigkeit eines Darlehens wegen Wuchers
NJW 1982, 2767
ZIP 1982, 1181
DNotZ 1984, 172 (Ls.)
WM 1982, 1050
a) Der Tatbestand des Lohnwuchers setzt voraus, dass der "Wucherer" die beim anderen Teil bestehende Schwächesituation (Zwangslage, Unerfahrenheit, mangelndes Urteilsvermögen, erhebliche Willensschwäche) ausbeutet, also sie sich in Kenntnis vom Missverhältnis der beiderseitigen Leistungen bewusst zunutze macht (BGH 8. Juli 1982 - III ZR 1/81 - zu I 2 c der Gründe, NJW 1982, 2767, 2768).
Daher ist die Bestellung einer Grundschuld für ein wegen Wuchers nichtiges Darlehen unwirksam (BGH…, Urteil vom 8. Februar 1994 - XI ZR 77/93, aaO; Urteil vom 8. Juli 1982 - III ZR 1/81, aaO).
Zu den subjektiven Voraussetzungen gehört zwar keine besondere Ausbeutungsabsicht des Wucherers, wohl aber ist es notwendig, daß er sich in Kenntnis des auffälligen Mißverhältnisses die Zwangslage des Bewucherten bewußt und in verwerflicher Weise zunutze gemacht hat (BGH, Urteile vom 8. Juli 1982 - III ZR 1/81 = NJW 1982, 2767, 2768 [BGH 08.07.1982 - III ZR 1/81] zu I 2 c und vom 24. Mai 1985 - V ZR 47/84 = NJW 1985, 3006, 3007).
Allgemein kann allerdings auch im Rahmen des § 138 Abs. 2 BGB, wenn nicht nur ein auffälliges, sondern ein besonders grobes Mißverhältnis zwischen Leistung und Gegenleistung vorliegt, eine tatsächliche Vermutung für die Annahme sprechen, der Darlehensgeber habe die ihm bekannte Notlage des Darlehensnehmers ausgebeutet (BGH, Urteil vom 8. Juli 1982 aaO).
Das Verhältnis zweier Leistungen hängt wesentlich auch davon ab, welche Risiken von den Vertragspartnern übernommen werden (BGH, Urteil vom 8. Juli 1982 aaO zu I 2 a m.w.Nachw.).
Für den vom Landgericht rechtsirrtümlich angenommenen Anspruch auf Rückübertragung des hälftigen Eigentumsanteils aus § 812 BGB wegen Nichtigkeit des notariellen Übertragungsvertrages vom 22.11.2004 gemäß § 138 Abs. 2 BGB gilt dies schon deshalb, weil bei Bejahung der Voraussetzungen von § 138 Abs. 2 BGB das Erfüllungsgeschäft des Bewucherten nach der ständigen Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs, der sich der Senat anschließt, ebenso wie das ihm zugrunde liegende Verpflichtungsgeschäft unwirksam wäre, da das Gesetz auch die vom Bewucherten gewährte Leistung für nichtig erklärt (BGH, Urteil vom 08.07.1982, III ZR 1/81, NJW 1982, 2767, 2768).
Nach der Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs (vgl. BGH, Urteil vom 08.07.1982, III ZR 1/81, NJW 1982, 2767 m.w.N.; BGH, Urteil vom 19.06.1990, XI ZR 280/89, NJW-RR 1990, 1199, 1200;… Münchener Kommentar zum BGB/Armbrüster, 6. Aufl. 2012, § 138 Rn. 144;… Palandt/Ellenberger, BGB , 23. Aufl. 2014, § 138 Rn. 67;… Staudinger/Sack-Fischinger, BGB , 2011 , § 138 Rn. 206;… Jauernig/Mansel, BGB , 15. Aufl. 2014, § 138 Rn. 21) hängt grundsätzlich das Verhältnis zweier Leistungen zueinander auch davon ab, welche Risiken die eine oder die andere Seite übernommen hat.
Zu berücksichtigen sind dabei alle Umstände des konkreten Einzelfalls, insbesondere auch das vom anderen Teil mit dem Geschäft übernommene Risiko (BGH, Urteil vom 08.07.1982, III ZR 1/81, NJW 1982, 2767; BGH, Urteil vom 19.06.1990, XI ZR 280/89, NJW-RR 1990, 1199, 1200;… Beck-OK BGB/Wendtlandt, Stand 01.02.2014, § 138 Rn. 49;… Münchener Kommentar zum BGB/Armbrüster, 6. Aufl. 2012, § 138 Rn. 115;… Palandt/Ellenberger, BGB , 23. Aufl. 2014, § 138 Rn. 67;… Jauernig/Mansel, BGB , 15. Aufl. 2014, § 138 Rn. 21;… Staudinger/Sack-Fischinger, BGB , 2011 , § 138 Rn. 206).
Dieser neue Begriff der Zwangslage umfasst zwar den der Notlage im Sinne von § 138 Abs. 2 a.F., so dass auf die Rechtsprechung dazu zurückgegriffen werden kann; der Begriff reicht jedoch weiter (BGH, Urteil vom 08.07.1982, III ZR 1/81, NJW 1982, 2767, 2768).
Zwar braucht durch die Geldnot nicht mehr die wirtschaftliche Existenz des Bewucherten bedroht zu sein, wie es als Voraussetzung einer "Notlage" i. S. des § 138 Abs. 2 BGB a.F. gefordert wurde (BGH, Urteil vom 08.07.1982, III ZR 1/81, NJW 1982, 2767).
Der hierfür erforderliche, auf Leistungsaustausch gerichtete Vertrag (…vgl. Senat, Urt. v. 10. Oktober 1997, V ZR 74/96, NJW-RR 1998, 590, 591; BGH, Urt. v. 8. Juli 1982, III ZR 1/81, NJW 1982, 2767) wurde zwischen dem Zedenten und dem Beklagten geschlossen.
Damit fehlt es zwar - mangels Ausbeutung - am subjektiven Tatbestand des Wuchers gemäß § 138 Abs. 2 BGB (vgl. BGH, Urt. v. 8. Juli 1982, III ZR 1/81, NJW 1982, 2767, 2768;… Urt. v. 19. Juni 1990, XI ZR 280/89, NJW-RR 1990, 1199).
Dabei ist zwar keine besondere Ausbeutungsabsicht erforderlich; der Wucherer muß jedoch Kenntnis von dem auffälligen Leistungsmißverhältnis und der Ausbeutungssituation haben und sich diese Situation vorsätzlich zunutze machen (BGH, Urt. v. 8. Juli 1982, III ZR 1/81, NJW 1982, 2767; vgl. auch Senatsurt. v. 24. Mai 1985, V ZR 47/84, NJW 1985, 3006, 3007).
Nicht zu beanstanden ist der Ausgangspunkt: Anders als bei sittenwidrigen Geschäften gemäß § 138 Abs. 1 BGB erstreckt sich im Falle des Wuchers nach § 138 Abs. 2 BGB die Nichtigkeit nicht nur auf das Darlehen als Grundgeschäft, sondern auch auf die abstrakten Erfüllungsleistungen (BGH, Urteil vom 8. Juli 1982 - III ZR 1/81 = ZIP 1982, 1181, 1183 m.w.Nachw.).
b) Selbst wenn man nämlich von der Berechnungsweise des Berufungsgerichts ausgeht, rechtfertigt der sich ergebende Zinssatz von knapp 28% p.a. - anders als im Fall der BGH-Entscheidung vom 8. Juli 1982 (aaO), wo die Zinsbelastung zwischen 94, 7% und 180% lag - nicht bereits wegen der absoluten Zinshöhe die Feststellung eines besonders groben Mißverhältnisses.
Zwar braucht durch die Geldnot nicht mehr die wirtschaftliche Existenz des Bewucherten bedroht zu sein, wie es als Voraussetzung einer "Notlage" im Sinne des § 138 Abs. 2 BGB a.F. gefordert wurde (BGH, Urteil vom 8. Juli 1982 aaO zu I. 2. b m.w.Nachw.).
Das ist nach dem Vorstehenden fehlerhaft, weil ein Ausbeutungsvorsatz nicht bejaht werden kann, wenn das Leistungsmissverhältnis dem davon profitierenden Vertragsteil unbekannt war (BGH, Urteil vom 8. Juli 1982 - III ZR 1/81, NJW 1982, 2767, 2768; Senat, Urteil vom 24. Mai 1985 - V ZR 47/84, NJW 1985, 3006, 3007).
Im Fall eines wucherischen Geschäfts ist es wegen der gesetzlichen Fassung des § 138 Abs. 2 BGB ("sich ... gewähren lässt") ganz herrschende Meinung, dass die Nichtigkeit auch das Erfüllungsgeschäft ergreift (BGH NJW 1982, 2767/2768; 1994, 1275).
a) Es kann offenbleiben, ob sich die Nichtigkeit der Vereinbarung vom 6. August 1987 unter dem Gesichtspunkt des Wuchers i.S. von § 138 Abs. 2 BGB ergeben kann oder Wucher, wie ihn diese Vorschrift als einen Unterfall der Sittenwidrigkeit behandelt, ein Austauschverhältnis vermögensrechtlicher Art voraussetzt (vgl. BGH Urteil vom 8. Juli 1982 - III ZR 1/81 - NJW 1982, 267;… Erman/Brox BGB 8. Aufl. § 138 Rdn. 11) und deshalb hier ausscheidet, weil die von der Klägerin und ihren Eltern in der Vereinbarung vom 6. August 1987 übernommenen Leistungen, nämlich die Rücknahme von Strafantrag und -anzeige, der Widerruf des Vorwurfs der Vergewaltigung und Stillschweigen gegenüber jedermann, nichtvermögensrechtlicner Natur sind.