Source: https://www.steuer-gonze.de/web/index.php/steuertips/gmbhas-kapitalgesellschaften/384-persoenliche-haftung-des-geschaeftsfuehrers-insbesondere-in-der-unternehmeskrise
Timestamp: 2019-10-16 14:38:57
Document Index: 229316393

Matched Legal Cases: ['§ 43', '§ 13', '§ 43', '§ 44', '§ 11', '§ 69', '§ 286', '§ 64', '§ 84', '§ 30', '§ 64', '§ 264']

﻿ Persönliche Haftung des Geschäftsführers insbesondere in der Unternehmeskrise
Persönliche Haftung des GmbH-Geschäftsführers (§ 43 GmbHG)
Die „GmbH“, Gesellschaft mit beschränkter Haftung, ist die beliebteste Gesellschaftsform in der BRD. Ein Entscheidungmerkmal für die Wahl der Rechtsform ist die Haftungsbeschränkung auf das Vermögen des Unternehmens (§ 13 Abs. 2 GmbHG). Eine persönliche Haftung des Geschäftsführers kommt dann in Frage, wenn dieser seine Sorgfaltspflichten verletzt hat. Bei mehreren Geschäftsführern haften diese nach § 43 Abs. 2 GmbHG solidarisch. Der Geschäftsführer einer GmbH hat bei Ausübung seiner Tätigkeit die im Verkehr angemessene Sorgfalt eines ordentlichen Kaufmanns anzuwenden. Der Geschäftsführer haftet gegenüber Dritten wie gegenüber den Gesellschaftern aus Pflichtverletzungen. Die den Geschäftsführer bindenden Vorschriften gelten auch für seinen Stellvertreter gem. § 44 GmbHG. Die Rechtsprechung der vergangenen Jahre lässt eindeutig Tendenzen zur steigenden persönlichen Haftungsinanspruchnahme des Geschäftsführers bei groben Pflichtverletzungen erkennen.
Haftung in der Gründungsphase bis zur Eintragung der Gesellschaft in das Handelsregister gem. § 11 Abs. 2 GmbHG (Tipp: Erwerb einer bestehenden Vorratsgesellschaft).
Vernachlässigung der Buchführungspflichten (auch bei Einstellung eines Buchhalters oder Vergabe der Buchhaltung trifft den Geschäftsführer die Überwachungspflicht hierzu)
Haftung für Steuerschulden, insbesondere Lohn- und Umsatzsteuer und Sozialversicherungsbeiträge (§ 69 AO, § 286a StGB)) bei grobfahrlässiger Pflichtverletzung. (Beispiele: Lieferanten werden zum Erhalt von Waren und Leistungen bevorzugt befriedigt, während die Verbindlichkeiten gegenüber den Steuer- und Sozialabgaben auflaufen oder Nettolöhne ausgezahlt werden aber die Lohnsteuer und Sozialversicherung nicht abgeführt wird.)
Unternehmen in der Krise: Verkennen einer bestehenden oder drohenden Zahlungsunfähigkeit / Überschuldung in der Unternehmenskrise (§ 64 S. 1 GmbHG) – ( Hinweis: Bei Zuwiderhandlung droht Gefängnisstrafe gem. § 84 GmbHG
Missachtung der Insolvenzantragspflichten (Link: IHK Frankfurt am Main)
§ 30 – Kapitalerhaltung / Verstoß gegen das Kapitalrückzahlungsverbot
§ 64 – Haftung bei Zahlungsunfähigkeit / Überschuldung (3-Wochensfrist) / Haftung wegen Massekürzung
HGB: Der Geschäftsführer unterzeichnet den Jahresabschluss und bestätigt damit seine Verantwortlichkeit und die Richtigkeit des Abschlusses. Demgemäß muss er auch sämtliche gesetzlichen Vorschriften zur Aufstellung des Jahresabschlusses beachten und sich ggf. entsprechender Fachleute bedienen:
§§ 264 HGB Aufstellung des Jahresabschlusses / Fristen
Der Geschäftsführer einer GmbH sollte sich in den rechtlichen Dingen fachlich beraten lassen. Dies im Vorfeld und soweit Risiken erkennbar sind. Bei Einhaltung der im Geschäftsverkehr üblichen Sorgfalt, bleibt es bei der Haftungsbeschränkung der GmbH. Unabdingbar ist u.E. die Inanspruchnahme anwaltlicher Beratung in Zeiten einer Unternehmenskrise. Ein Verzicht auf fachlichen Rat allein aus finanziellen Erwägungen heraus, kann für den Betroffenen bittere Folgen haben und auch seine private wirtschaftliche Existenz aufs Spiel setzen.
Fragen Sie uns ggf. nach unseren auf dieses Rechtsgebiet spezialisierten Partneranwälten.
Aktualisiert (16. Januar 2016)