Source: https://www.pkv.de/service/pkv_publik/archiv/2016/pkv-publik-nr-05-2016/rundum-gut-beraten/
Timestamp: 2017-10-18 05:24:56
Document Index: 85302165

Matched Legal Cases: ['§ 92', '§ 7', '§ 7', '§ 7', '§ 45', '§ 37', '§ 45', '§45']

Rundum gut beraten | Verband der Privaten Krankenversicherung e.V.
Einen Überblick über mehr als 4.500 nicht kommerzielle Beratungsmöglichkeiten für hilfe- und pflegebedürftige Menschen (darunter COMPASS Private Pflegeberatung, Pflegestützpunkte und andere Angebote) bietet eine Datenbank des ZQP. Per Suchfunktion können die zehn nächstgelegenen Beratungsangebote rund um den Wohnort ermittelt werden. Möglich ist zudem, die Ergebnisse nach bestimmten Themen zu gliedern.
Das Zentrum für Qualität in der Pflege (ZQP) hat einen Qualitätsrahmen für Beratung in der Pflege entwickelt
Gute Beratung ist der Schlüssel zu guter Pflege. Der neue Qualitätsrahmen bietet Politik und Praxis nun eine Grundlage, um Beratungsangebote weiter zu entwickeln.
Die Beratung Pflegebedürftiger und ihrer Angehörigen ist ein wichtiger Aspekt bei der Stabilisierung häuslicher Pflege. Die gesetzlichen Ansprüche zur Beratung werden seit Jahren vielfältiger. In den letzten Jahren sind in der Pflegeversicherung verschiedene, gesetzlich definierte Beratungsansprüche und -anlässe geschaffen worden:
Aufbau lokaler Infrastrukturen zur Pflegeberatung (vormals nach § 92c SGB XI, durch das zweite Pflegestärkungsgesetz nunmehr § 7c SGB XI)
Rechtsanspruch auf Information und Aufklärung nach § 7 SGB XI
Rechtsanspruch auf Pflegeberatung nach § 7a SGB XI
Anspruch auf Pflegekurse und individuelle häusliche Schulungen nach § 45 SGB XI
Verpflichtende Beratungsbesuche für Geldleistungsempfänger nach § 37 Abs. 3 SGB XI und Umwidmer von Sachleistungen nach § 45b Abs. 3 SGB XI
Rechtsanspruch auf einen Beratungsbesuch bei Personen, bei denen ein erheblicher Bedarf an allgemeiner Beaufsichtigung und Betreuung nach §45a festgestellt ist und die noch nicht die Voraussetzungen der Pflegestufe I erfüllen.
Mit dem aktuell vorliegenden Referentenentwurf zum Pflegestärkungsgesetz III soll zudem unter anderem die Rolle der Kommunen in der Pflegeberatung gestärkt werden.
Heute finden Ratsuchende diverse Anlaufstellen für Beratung zur Pflege. Dazu zählt natürlich auch die Private Pflegeberatung COMPASS. Daneben gibt es mehr als 4.500 weitere nicht kommerzielle Beratungsangebote, darunter solche mit speziellen Themenschwerpunkten wie Gewaltprävention. Sie alle hat die gemeinnützige Stiftung „Zentrum für Qualität in der Pflege“ (ZQP) identifiziert und in einer frei zugänglichen Datenbank zusammengefasst (siehe Kasten). Ausgestaltung und Qualität der Beratungen sind dabei höchst unterschiedlich.
Eine allgemeingültige Grundlage für Inhalte, Qualitätsanforderungen, Dokumentation und Auswertung von Beratungsangeboten in der Pflege fehlte bislang – obwohl die Relevanz sehr hoch ist.
Vor diesem Hintergrund erarbeitete das ZQP in den vergangenen zwei Jahren unter Federführung von Prof. Dr. Andreas Büscher, Hochschule Osnabrück, einen Qualitätsrahmen für Beratung in der Pflege. Dieser legt die Voraussetzungen und Kriterien für eine qualitativ hochwertige Beratung fest, zum Beispiel für die individuelle Pflegeberatung nach Paragraf 7a SGB XI, für Beratungsbesuche und individuelle häusliche Schulungen nach Paragraf 37 Absatz 3 SGB XI sowie die Pflegekurse nach Paragraf 45 SGB XI.
An der Entwicklung waren unter anderem Vertreter des Bundesministeriums für Gesundheit, des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, des AOK-Bundesverbandes, der COMPASS Private Pflegeberatung, des Verbandes der Ersatzkassen e. V., des MDK Bayern, der Bundesarbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege, des Bundesverbands privater Anbieter sozialer Dienste e. V., des Deutschen Berufsverbands für Pflegeberufe Bundesverband e. V.und des Verbraucherzentrale Bundesverbands e. V. beteiligt.
In mehreren Fachkonferenzen setzten sich die Experten mit den praktischen Erfahrungen und den bestehenden Herausforderungen in der Beratungspraxis auseinander. Zugleich befassten sie sich mit den theoretischen Grundlagen und wissenschaftlichen Perspektiven der Beratung in der Pflege. Dabei zeigte sich unter anderem ein großer Bedarf an lokaler Vernetzung. Auch eine Abgrenzung verschiedener Beratungsanlässe sowie Kriterien und Instrumente zur Evaluation von Beratungsprozessen sind demnach erforderlich. Nicht zuletzt offenbarten die Tagungen eine Diskrepanz zwischen den Fragen in der Praxis und dem wissenschaftlichen Diskurs.
Als Ergebnis ist ein Qualitätsrahmen herausgekommen, der anhand von Qualitätsbereichen konkrete Anforderungen an die Beratungsangebote festlegt. ZQPVorstandsvorsitzender Ralf Suhr: „Zudem können die Ergebnisse für die Erarbeitung der im Pflegestärkungsgesetz II vorgesehenen bundesweit einheitlichen Pflege-Beratungsrichtlinie als Vorlage genutzt werden.“
Ist das Beratungsangebot gut, hätten pflegebedürftige Menschen bessere Chancen, möglichst lange gut versorgt im eigenen Zuhause zu leben. Voraussetzung sei, dass feststeht, was gute Beratung in der Pflege leisten müsse. Darauf gebe der Qualitätsrahmen Antworten, so Suhr weiter.
Der Qualitätsrahmen umfasst sechs Abschnitte. Neben der Formulierung von Zielen werden Begriffe definiert und Qualitätskriterien, etwa für die Kompetenzen der Berater, beschrieben. Dabei ist der Beratungsprozess das zentrale Element. Sein Ergebnis sollte offen und für den Ratsuchenden transparent sein. Prozessschritte und Ergebnisse sollen dokumentiert und der Verlauf des Beratungsprozesses sowie die Beratungsbeziehung ausgewertet werden.
Die PDF-Version des Qualitätsrahmens kann auf www.zqp.de heruntergeladen werden. Im Mai ist er bereits als Broschüre erschienen. Eine kurze, übersichtliche Verbraucherversion des Qualitätsrahmens wird das ZQP zudem im Sommer 2016 veröffentlichen.