Source: http://wp.luenendonk.de/artikel/erweiterung-des-bestatigungsvermerks
Timestamp: 2017-04-28 13:56:26
Document Index: 264871980

Matched Legal Cases: ['§\n317', '§ 8', 'Art. 10', 'Art. 10', 'Art. 10', 'Art.\n1', 'Art.\n10']

Wechseln zum Bereich "Management / Consulting"Erweiterung des Bestätigungsvermerksum die Berichterstattung bei Unternehmen von öffentlichem Interesse
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TeilenAls E-Book downloadenAls PDF downloaden05.Jan.2017Als E-Book downloadenApril 18, 2016Prof. Dr. Sven HaynVerantwortlicher für Public Affairs and RegulatoryEYAls Reaktion auf die Finanzmarktkrise hat die EU-Kommission
spezifische Regeln für Unternehmen von öffentlichem Interesse (PIE) eingeführt.
In diesem Zusammenhang sieht die geänderte Abschlussprüfer-Richtlinie die
verpflichtende Anwendung internationaler Prüfungsstandards für PIEs vor.
Hierunter versteht die EU „die International Standards on Auditing (ISA), den
International Standard on Quality Control 1 und andere damit zusammenhängende
Standards, die vom Internationalen Wirtschaftsprüferverband (IFAC) über das
International Auditing and Assurance Standards Board (IAASB) herausgegeben wurden,
soweit sie für die Abschlussprüfung relevant sind.“[1] Die
verpflichtende Anwendung ist jedoch an die Übernahme (adoption) der ISA in
europäisches Recht durch die EU-Kommission geknüpft. In Deutschland wird die Anwendung der ISA verbindlich in §
317 Abs. 5 HGB vorgeschrieben. Wegen der ausstehenden Übernahme durch die EU
gelten unverändert die IDW-Prüfungsstandards. Diese erfüllen grundsätzlich die
inhaltlichen ISA-Anforderungen und entsprechen ihnen in Umfang und
Detaillierungsgrad. Ebenso geht die Wirtschaftsprüferkammer in der jüngsten
Änderung von § 8 der Berufssatzung WP/vBP auf die Anwendung der ISA ein.Neben Änderungen zu den Mindestinhalten des
Bestätigungsvermerks sind für Geschäftsjahre, die ab dem 17. Juni 2016
beginnen, nach Art. 10 der EU-Verordnung zur Abschlussprüfung zur Untermauerung
des Prüfungsurteils die bedeutsamsten beurteilten Risiken wesentlicher falscher
Darstellungen, einschließlich dem prüferischen Umgang und gegebenenfalls
wichtiger Feststellungen, darzulegen. [2] Ebenso sieht ISA 701 für
Geschäftsjahre, die nach dem 15 Dezember 2016 enden, eine Berichterstattung der
bedeutsamsten Prüfungssachverhalte (Key Audit Matters oder KAMs) vor. Das IDW
plant für den Herbst 2016 die Veröffentlichung eines Entwurfes (EPS) zur
Übernahme von ISA 701 (Communicating Key Audit Matters in the Independent
Auditor’s Report) in die deutschen Prüfungsgrundsätze. Es ist zu erwarten, dass
die Anforderungen aus Art. 10 der EU-Verordnung zur Abschlussprüfung und dem
transformierten ISA 701 in Bezug auf die KAMs weitestgehend abgestimmt sein
werden.Der Bestätigungsvermerk ist die Berichterstattung über die
Prüfungstätigkeit und deren Ergebnis an die gesamte Stakeholder-Gruppe. Bisher
ist der Bestätigungsvermerk in Form eines standardisierten Testats gehalten. Er
enthält keine Aussagen zur Prüfungsausführung und den Prüfungsschwerpunkten.
Diese Aussagen sind über den Prüfungsbericht und die gesonderte
Gremienberichterstattung im Wesentlichen dem Aufsichtsrat und seinem
Prüfungsausschuss beziehungsweise der Gesellschafterversammlung vorbehalten. Um
die Aussagefähigkeit des Bestätigungsvermerks auch für die Anteilseigner zu
erhöhen und stärker zu individualisieren, soll der Abschlussprüfer künftig
informativer und mit Bezug auf die bedeutsamsten Prüfungssachverhalte
berichten. Als bedeutsamste Prüfungssachverhalte qualifizieren sich nach ISA
701 solche Sachverhalte, die nach pflichtgemäßem Ermessen des Abschlussprüfers
in der Berichtsperiode von herausragender Bedeutung waren.Der Abschlussprüfer leitet die KAMs mehrstufig ab. Aus den
Sachverhalten, die dem Prüfungsausschuss berichtet werden, sind diejenigen
Sachverhalte auszuwählen, die eine besondere Aufmerksamkeit des
Abschlussprüfers im Rahmen seiner kritischen Grundhaltung erforderten, um wiederum
aus dieser Teilmenge die Auswahl der bedeutsamsten Prüfungssachverhalte nach
pflichtgemäßem Ermessen des Abschlussprüfers zu verdichten. Über die
bedeutsamsten Prüfungssachverhalte ist im Bestätigungsvermerk gesondert zu berichten.‍‍Auswahl von Key Audit MattersDie KAMs sind bereits in der Prüfungsplanung zu
berücksichtigen. Sie fokussieren Sachverhalte mit einem erhöhten Risiko wesentlicher
Fehler, einschließlich der wesentlichen Risiken (significant risks), bei der
Festlegung der Prüfungsschwerpunkte. Desgleichen sind Prüffelder zu Abschlussposten
mit erheblichen Ermessensentscheidungen und Unsicherheiten zu berücksichtigen.
Diese Sachverhalte sind während der Prüfungsdurchführung um bedeutsame
Einzelsachverhalte, Transaktionen oder Ereignisse der Berichtsperiode zu
erweitern. Beobachtungen zu KAMs können zudem Änderungen des Prüfungsplans nach
sich ziehen. Im Bestätigungsvermerk beschreiben die KAMs die wichtigsten
Fehlerrisiken bezogen auf einzelne Abschlussposten oder Anhangangaben, fassen
die diesbezüglich durchgeführten Prüfungshandlungen zusammen und stellen die
wichtigsten Beobachtungen dar. Dabei verweisen die KAMs auf die jeweiligen
Angaben im Abschluss. Der Abschlussprüfer trifft in seiner Beschreibung der
Prüfungshandlungen und Beobachtungen jedoch keine Einzelaussage zu den
bedeutsamsten Sachverhalten, sondern stellt nur ggf. wichtige Feststellungen zu
diesen Risiken dar, ohne zu einem Einzelurteil zu kommen. Das Prüfurteil ist
unverändert auf den gesamten Abschluss bezogen. Die Festlegung und Prüfung der
KAMs setzt eine enge, zeitnahe und kontinuierliche Abstimmung mit dem
Management und dem Prüfungsausschuss voraus.Erste Erfahrungen mit der Berichterstattung über KAMs in
Großbritannien und Irland sowie in den Niederlanden zeigen eine
durchschnittliche Berichterstattung über 4,2 Risiken je Unternehmen. Dabei
werden die Themen Wertminderungstest (mit beziehungsweise ohne Goodwill),
laufende und latente Steuern, zur Veräußerung stehende Vermögenswerte, Umsatzrealisierung,
Betrugssachverhalte sowie die Funktionstrennung im internen Überwachungssystem
am häufigsten dargestellt.[3] Um den Informationsgehalt des neuen
Bestätigungsvermerks im Zeitablauf nicht zu verwässern, sind die KAMs für jede
Berichtsperiode spürbar verändert zu formulieren.Der neue ISA 701 ebenso wie Art. 10 der EU-Verordnung zur
Abschlussprüfung bilden das Herzstück des neuen Bestätigungsvermerks bei PIEs
und damit auch zugleich die wesentlichste Änderung zum bisherigen Formeltestat.
Mit der Darstellung der KAMs wird der Informationsasymmetrie zwischen den
Aktionären sowie dem Aufsichtsrat und seinem Prüfungsausschuss begegnet. Die
erweiterte Berichterstattung unterstreicht die Relevanz der (gesetzlichen)
Abschlussprüfung und dient dem öffentlichen Interesse.[1] Vgl. Art.
1, Nr. 21 der Richtlinie 2014/56/EU des Europäischen Parlaments und des Rates
vom 16. April 2014 zur Änderung der Richtlinie 2006/43/EG über
Abschlussprüfungen von Jahresabschlüssen und konsolidierten Abschlüssen, ABl EU
vom 27. Mai 2014, L 158/196 (geänderte Abschlussprüfer-Richtlinie)[2 ]Vgl. Art.
10, Nr. 2(c) der Verordnung (EU) Nr. 537/2014 des Europäischen Parlaments und
des Rates vom 16. April 2014 über spezifische Anforderungen an die
Abschlussprüfung bei Unternehmen von öffentlichem Interesse und zur Aufhebung
des Beschlusses 2005/909/EG der Kommission, ABl EU vom 27. Mai 2014, L 158/57 (EU-Verordnung
zur Abschlussprüfung) [3] Vgl. Financial Reporting Council (FRC), Extended auditor’s
report – a further review of experience (January 2016), https://www.frc.org.uk/Our-Work/Publications/Audit-and-Assurance-Team/Report-on-the-Second-Year-Experience-of-Extended-A.pdf‍Prof. Dr. Sven Haynverantwortet den Bereich Public Affairs and Regulatory in
der Prüfungsabteilung von EY für die Region GSA (Deutschland, Österreich,
Schweiz) im Assurance Management Committee. Er betreut internationale Konzerne
in der Abschlussprüfung sowie im Accounting Change Management bei der
Implementierung neuer IFRS Standards. Er ist Hauptansprechpartner für die IFRS
Foundation, Mitglied verschiedener nationaler und europäischer Gremien zur
internationalen Facharbeit und lehrt an der Universität Hamburg. Mailadresse: sven.hayn@de.ey.comAls Reaktion auf die Finanzmarktkrise hat die EU-Kommission
internationalen Facharbeit und lehrt an der Universität Hamburg. Mailadresse: sven.hayn@de.ey.com12Mehr zum ThemaBestätigungsvermerkSie stehen vor einer Beratungs-Herausforderung? Dann nehmen Sie mit unseren Experten Kontakt auf!Zum ProfilJetzt Kontakt aufnehmenJetzt Kontakt aufnehmenZum ProfilMehr zu ThemaBestätigungsvermerkSie stehen vor einer Management-Herausforderung? Dann nehmen Sie mit unseren Experten Kontakt auf!Jetzt Kontakt aufnehmenSie wollen mehr zu Beratungs-Themen erfahren?Sie stehen vor einer Herausforderung und benötigen Antworten auf Ihre Fragen? Dann nehmen Sie mit unseren Experten Kontakt auf oder werfen Sie einen Blick auf das "Handbuch Wirtschaftsprüfung und Steuerberatung"!Jetzt Kontakt aufnehmenMehr zu "HandbuchWirtschaftsprüfung"Kommentare