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Timestamp: 2020-07-08 05:22:00
Document Index: 194688279

Matched Legal Cases: ['Art. 2', 'Art. 6', 'Art. 7', 'Art. 11', 'Art. 12', 'Art. 13', 'Art. 14', 'Art. 18', 'Art. 19', 'Art. 20', 'Art. 21', 'Art. 34', 'Art. 22', 'Art. 23', 'Art. 24', 'Art. 25', 'Art. 26', 'Art. 27', 'Art. 29', 'Art. 30', 'Art. 35', 'Art. 36', 'Art. 37', 'Art. 38', 'Art. 74', 'Art. 76', 'Art. 39', 'Art. 40', 'Art. 42', 'Art. 54', 'Art. 62', 'Art. 67', 'Art. 68', 'Art. 69', 'Art. 70', 'Art. 71', 'Art. 72', 'Art. 81', 'Art. 82', 'Art. 87', 'Art. 94', 'Art. 299', 'Art. 96', 'Art. 97', 'Art. 98', 'Art. 257', 'Art. 102', 'Art. 237', 'Art. 96', 'Art. 109', 'Art. 110', 'Art. 111', 'Art. 112', 'Art. 113', 'Art. 114', 'Art. 115', 'Art. 120', 'Art. 126', 'Art. 127', 'Art. 134', 'Art. 135', 'Art. 136', 'Art. 137', 'Art. 141', 'Art. 142', 'Art. 143', 'Art. 148', 'Art. 149']

Lawbrary | ZPO - Schweizerische Zivilprozessordnung
Gegenstand und Geltungsbereich (1 - 3)
Sachliche und funktionelle Zuständigkeit (4 - 8)
Allgemeine Bestimmungen (9 - 19)
Personenrecht (20 - 22)
Familienrecht (23 - 27)
Erbrecht (28 - 28)
Sachenrecht (29 - 30)
Klagen aus Vertrag (31 - 35)
Klagen aus unerlaubter Handlung (36 - 39)
Handelsrecht (40 - 45)
Schuldbetreibungs- und Konkursrecht (46 - 46)
Ausstand (47 - 51)
Verfahrensgrundsätze (52 - 58)
Prozessvoraussetzungen (59 - 61)
Rechtshängigkeit und Folgen des Klagerückzugs (62 - 65)
Die Parteien und die Beteiligung Dritter
Partei- und Prozessfähigkeit (66 - 67)
Parteivertretung (68 - 69)
Streitgenossenschaft (70 - 72)
Hauptintervention (73 - 73)
Nebenintervention (74 - 77)
Einfache Streitverkündung (78 - 80)
Streitverkündungsklage (81 - 82)
Parteiwechsel (83 - 83)
Klagen (84 - 90)
Streitwert (91 - 94)
Prozesskosten (95 - 103)
Verteilung und Liquidation der Prozesskosten (104 - 112)
Besondere Kostenregelungen (113 - 116)
Unentgeltliche Rechtspflege (117 - 123)
Prozessleitung (124 - 128)
Formen des prozessualen Handelns
Verfahrenssprache (129 - 129)
Eingaben der Parteien (130 - 132)
Gerichtliche Vorladung (133 - 135)
Gerichtliche Zustellung (136 - 141)
Fristen (142 - 146)
Säumnis und Wiederherstellung (147 - 149)
Allgemeine Bestimmungen (150 - 159)
Mitwirkungspflicht und Verweigerungsrecht
Allgemeine Bestimmungen (160 - 162)
Verweigerungsrecht der Parteien (163 - 164)
Verweigerungsrecht Dritter (165 - 167)
Zulässige Beweismittel (168 - 168)
Zeugnis (169 - 176)
Urkunde (177 - 180)
Augenschein (181 - 182)
Gutachten (183 - 189)
Schriftliche Auskunft (190 - 190)
Parteibefragung und Beweisaussage (191 - 193)
Rechtshilfe zwischen schweizerischen Gerichten (194 - 196)
Geltungsbereich und Schlichtungsbehörde (197 - 201)
Schlichtungsverfahren (202 - 207)
Einigung und Klagebewilligung (208 - 209)
Urteilsvorschlag und Entscheid (210 - 212)
Mediation (213 - 218)
Geltungsbereich (219 - 219)
Schriftenwechsel und Vorbereitung der Hauptverhandlung (220 - 227)
Hauptverhandlung (228 - 234)
Protokoll (235 - 235)
Entscheid (236 - 240)
Beendigung des Verfahrens ohne Entscheid (241 - 242)
Vereinfachtes Verfahren (243 - 247)
Geltungsbereich (248 - 251)
Verfahren und Entscheid (252 - 256)
Rechtsschutz in klaren Fällen (257 - 257)
Gerichtliches Verbot (258 - 260)
Vorsorgliche Massnahmen und Schutzschrift
Vorsorgliche Massnahmen (261 - 269)
Schutzschrift (270 - 270)
Angelegenheiten des summarischen Verfahrens (271 - 273)
Allgemeine Bestimmungen (274 - 284)
Scheidung auf gemeinsames Begehren (285 - 289)
Scheidungsklage (290 - 293)
Eheungültigkeits- und Ehetrennungsklagen (294 - 294)
Kinderbelange in familienrechtlichen Angelegenheiten
Allgemeine Bestimmungen (295 - 301)
Geltungsbereich (302 - 302)
Unterhalts- und Vaterschaftsklage (303 - 304)
Verfahren bei eingetragener Partnerschaft
Angelegenheiten des summarischen Verfahrens (305 - 306)
Auflösung und Ungültigkeit der eingetragenen Partnerschaft (307 - 307)
Kinderbelange in Verfahren bei eingetragener Partnerschaft (307 - 307)
Anfechtbare Entscheide und Berufungsgründe (308 - 310)
Berufung, Berufungsantwort und Anschlussberufung (311 - 314)
Wirkungen und Verfahren der Berufung (315 - 318)
Beschwerde (319 - 327)
Revision (328 - 333)
Erläuterung und Berichtigung (334 - 334)
Vollstreckung von Entscheiden (335 - 346)
Vollstreckung öffentlicher Urkunden (347 - 352)
Allgemeine Bestimmungen (353 - 356)
Schiedsvereinbarung (357 - 359)
Bestellung des Schiedsgerichts (360 - 366)
Ablehnung, Abberufung und Ersetzung der Mitglieder des Schiedsgerichts (367 - 371)
Das Schiedsverfahren (372 - 380)
Schiedsspruch (381 - 388)
Beschwerde (389 - 395)
Revision (396 - 399)
Vollzug (400 - 401)
Anpassung von Gesetzen (402 - 403)
Übergangsbestimmungen vom 19. Dezember 2008 (404 - 407)
Übergangsbestimmung zur Änderung vom 28. September 2012 (407 - 407)
Übergangsbestimmung zur Änderung vom 20. März 2015 (407 - 407)
Übergangsbestimmung zur Änderung vom 19. Juni 2015 (407 - 407)
Referendum und Inkrafttreten (408 - 408)
II. Änderung bisherigen Rechts
1. Koordination der Zivilprozessordnung mit dem neuen Kernenergiehaftpflichtgesetz
2. Koordination von Ziffer 19 des Anhangs 1 mit dem neuen KHG
3. Koordination mit der Änderung vom 19. Dezember 2008 des ZGB (Erwachsenenschutz, Personenrecht und Kindesrecht)
vom 19. Dezember 2008 (Stand am 1. Januar 2018)
gestützt auf Artikel 122 Absatz 1 der Bundesverfassung1, nach Einsicht in die Botschaft des Bundesrates vom 28. Juni 20062,
Die­ses Ge­setz re­gelt das Ver­fah­ren vor den kan­to­na­len In­stan­zen für:
strei­ti­ge Zi­vil­sa­chen;
ge­richt­li­che An­ord­nun­gen der frei­wil­li­gen Ge­richts­bar­keit;
ge­richt­li­che An­ge­le­gen­hei­ten des Schuld­be­trei­bungs- und Kon­kurs­rechts;
Art. 2 Internationale Verhältnisse
Be­stim­mun­gen des Staats­ver­trags­rechts und die Be­stim­mun­gen des Bun­des­ge­set­zes vom 18. De­zem­ber 19871 über das In­ter­na­tio­na­le Pri­vat­recht (IPRG) blei­ben vor­be­hal­ten.
Die Or­ga­ni­sa­ti­on der Ge­rich­te und der Schlich­tungs­be­hör­den ist Sa­che der Kan­to­ne, so­weit das Ge­setz nichts an­de­res be­stimmt.
2. Titel: Zuständigkeit der Gerichte und Ausstand
1. Kapitel: Sachliche und funktionelle Zuständigkeit
1Das kan­to­na­le Recht re­gelt die sach­li­che und funk­tio­nel­le Zu­stän­dig­keit der Ge­rich­te, so­weit das Ge­setz nichts an­de­res be­stimmt.
2Hängt die sach­li­che Zu­stän­dig­keit vom Streit­wert ab, so er­folgt des­sen Be­rech­nung nach die­sem Ge­setz.
1Das kan­to­na­le Recht be­zeich­net das Ge­richt, wel­ches als ein­zi­ge kan­to­na­le In­stanz zu­stän­dig ist für:
Strei­tig­kei­ten im Zu­sam­men­hang mit geis­ti­gem Ei­gen­tum ein­sch­liess­lich der Strei­tig­kei­ten be­tref­fend Nich­tig­keit, In­ha­ber­schaft, Li­zen­zie­rung, Über­tra­gung und Ver­let­zung sol­cher Rech­te;
kar­tell­recht­li­che Strei­tig­kei­ten;
Strei­tig­kei­ten über den Ge­brauch ei­ner Fir­ma;
Strei­tig­kei­ten nach dem Bun­des­ge­setz vom 19. De­zem­ber 19861 ge­gen den un­lau­te­ren Wett­be­werb, so­fern der Streit­wert mehr als 30 000 Fran­ken be­trägt oder so­fern der Bund sein Kla­ge­recht aus­übt;
Strei­tig­kei­ten nach dem Kern­ener­gie­haft­pflicht­ge­setz vom 18. März 19832;
Kla­gen ge­gen den Bund;
die Ein­set­zung ei­nes Son­der­prü­fers nach Ar­ti­kel 697b des Ob­li­ga­tio­nen­rechts (OR)3;
Strei­tig­kei­ten nach dem Kol­lek­ti­v­an­la­gen­ge­setz vom 23. Ju­ni 20065, nach dem Bör­sen­ge­setz vom 24. März 19956 und nach dem Fi­nanz­marktin­fra­struk­tur­ge­setz vom 19. Ju­ni 20157;
Strei­tig­kei­ten nach dem Wap­pen­schutz­ge­setz vom 21. Ju­ni 20139, dem Bun­des­ge­setz vom 25. März 195410 be­tref­fend den Schutz des Zei­chens und des Na­mens des Ro­ten Kreu­zes und dem Bun­des­ge­setz vom 15. De­zem­ber 196111 zum Schutz von Na­men und Zei­chen der Or­ga­ni­sa­ti­on der Ver­ein­ten Na­tio­nen und an­de­rer zwi­schen­staat­li­cher Or­ga­ni­sa­tio­nen.
2Die­se In­stanz ist auch für die An­ord­nung vor­sorg­li­cher Mass­nah­men vor Ein­tritt der Rechts­hän­gig­keit ei­ner Kla­ge zu­stän­dig.
4 Fas­sung ge­mä­ss An­hang Ziff. 3 des Fi­nanz­marktin­fra­struk­tur­ge­set­zes vom 19. Ju­ni 2015, in Kraft seit 1. Jan. 2016 (AS 2015 5339; BBl 2014 7483).
8 Ein­ge­fügt durch An­hang 3 Ziff. II 3 des Wap­pen­schutz­ge­set­zes vom 21. Ju­ni 2013, in Kraft seit 1. Jan. 2017 (AS 2015 3679; BBl 2009 8533).
Art. 6 Handelsgericht
1Die Kan­to­ne kön­nen ein Fach­ge­richt be­zeich­nen, wel­ches als ein­zi­ge kan­to­na­le In­stanz für han­dels­recht­li­che Strei­tig­kei­ten zu­stän­dig ist (Han­dels­ge­richt).
2Ei­ne Strei­tig­keit gilt als han­dels­recht­lich, wenn:
die ge­schäft­li­che Tä­tig­keit min­des­tens ei­ner Par­tei be­trof­fen ist;
ge­gen den Ent­scheid die Be­schwer­de in Zi­vil­sa­chen an das Bun­des­ge­richt of­fen steht; und
die Par­tei­en im schwei­ze­ri­schen Han­dels­re­gis­ter oder in ei­nem ver­gleich­ba­ren aus­län­di­schen Re­gis­ter ein­ge­tra­gen sind.
3Ist nur die be­klag­te Par­tei im schwei­ze­ri­schen Han­dels­re­gis­ter oder in ei­nem ver­gleich­ba­ren aus­län­di­schen Re­gis­ter ein­ge­tra­gen, sind aber die üb­ri­gen Vor­aus­set­zun­gen er­füllt, so hat die kla­gen­de Par­tei die Wahl zwi­schen dem Han­dels­ge­richt und dem or­dent­li­chen Ge­richt.
4Die Kan­to­ne kön­nen das Han­dels­ge­richt aus­ser­dem zu­stän­dig er­klä­ren für:
Strei­tig­kei­ten nach Ar­ti­kel 5 Ab­satz 1;
Strei­tig­kei­ten aus dem Recht der Han­dels­ge­sell­schaf­ten und Ge­nos­sen­schaf­ten.
5Das Han­dels­ge­richt ist auch für die An­ord­nung vor­sorg­li­cher Mass­nah­men vor Ein­tritt der Rechts­hän­gig­keit ei­ner Kla­ge zu­stän­dig.
Art. 7 Gericht bei Streitigkeiten aus Zusatzversicherungen zur sozialen Krankenversicherung
Die Kan­to­ne kön­nen ein Ge­richt be­zeich­nen, wel­ches als ein­zi­ge kan­to­na­le In­stanz für Strei­tig­kei­ten aus Zu­satz­ver­si­che­run­gen zur so­zia­len Kran­ken­ver­si­che­rung nach dem Bun­des­ge­setz vom 18. März 19941 über die Kran­ken­ver­si­che­rung zu­stän­dig ist.
1In ver­mö­gens­recht­li­chen Strei­tig­kei­ten kann die kla­gen­de Par­tei mit Zu­stim­mung der be­klag­ten Par­tei di­rekt an das obe­re Ge­richt ge­lan­gen, so­fern der Streit­wert min­des­tens 100 000 Fran­ken be­trägt.
2Die­ses Ge­richt ent­schei­det als ein­zi­ge kan­to­na­le In­stanz.
2. Kapitel: Örtliche Zuständigkeit
1Ein Ge­richts­stand ist nur dann zwin­gend, wenn es das Ge­setz aus­drück­lich vor­schreibt.
2Von ei­nem zwin­gen­den Ge­richts­stand kön­nen die Par­tei­en nicht ab­wei­chen.
1Sieht die­ses Ge­setz nichts an­de­res vor, so ist zu­stän­dig:
für Kla­gen ge­gen ei­ne na­tür­li­che Per­son: das Ge­richt an de­ren Wohn­sitz;
für Kla­gen ge­gen ei­ne ju­ris­ti­sche Per­son und ge­gen öf­fent­lich-recht­li­che An­stal­ten und Kör­per­schaf­ten so­wie ge­gen Kol­lek­tiv- und Kom­man­dit­ge­sell­schaf­ten: das Ge­richt an de­ren Sitz;
für Kla­gen ge­gen den Bund: das Ober­ge­richt des Kan­tons Bern oder das obe­re Ge­richt des Kan­tons, in dem die kla­gen­de Par­tei ih­ren Wohn­sitz, Sitz oder ge­wöhn­li­chen Auf­ent­halt hat;
für Kla­gen ge­gen einen Kan­ton: ein Ge­richt am Kan­tons­haup­tort.
2Der Wohn­sitz be­stimmt sich nach dem Zi­vil­ge­setz­buch (ZGB)1. Ar­ti­kel 24 ZGB ist nicht an­wend­bar.
Art. 11 Aufenthaltsort
1Hat die be­klag­te Par­tei kei­nen Wohn­sitz, so ist das Ge­richt an ih­rem ge­wöhn­li­chen Auf­ent­halts­ort zu­stän­dig.
2Ge­wöhn­li­cher Auf­ent­halts­ort ist der Ort, an dem ei­ne Per­son wäh­rend län­ge­rer Zeit lebt, selbst wenn die Dau­er des Auf­ent­halts von vorn­her­ein be­fris­tet ist.
3Hat die be­klag­te Par­tei kei­nen ge­wöhn­li­chen Auf­ent­halts­ort, so ist das Ge­richt an ih­rem letz­ten be­kann­ten Auf­ent­halts­ort zu­stän­dig.
Art. 12 Niederlassung
Für Kla­gen aus dem Be­trieb ei­ner ge­schäft­li­chen oder be­ruf­li­chen Nie­der­las­sung oder ei­ner Zweignie­der­las­sung ist das Ge­richt am Wohn­sitz oder Sitz der be­klag­ten Par­tei oder am Ort der Nie­der­las­sung zu­stän­dig.
Art. 13 Vorsorgliche Massnahmen
So­weit das Ge­setz nichts an­de­res be­stimmt, ist für die An­ord­nung vor­sorg­li­cher Mass­nah­men zwin­gend zu­stän­dig das Ge­richt am Ort, an dem:
die Zu­stän­dig­keit für die Haupt­sa­che ge­ge­ben ist; oder
die Mass­nah­me voll­streckt wer­den soll.
Art. 14 Widerklage
1Beim für die Haupt­kla­ge ört­lich zu­stän­di­gen Ge­richt kann Wi­der­kla­ge er­ho­ben wer­den, wenn die Wi­der­kla­ge mit der Haupt­kla­ge in ei­nem sach­li­chen Zu­sam­men­hang steht.
2Die­ser Ge­richts­stand bleibt auch be­ste­hen, wenn die Haupt­kla­ge aus ir­gend­ei­nem Grund da­hin­fällt.
1Rich­tet sich die Kla­ge ge­gen meh­re­re Streit­ge­nos­sen, so ist das für ei­ne be­klag­te Par­tei zu­stän­di­ge Ge­richt für al­le be­klag­ten Par­tei­en zu­stän­dig, so­fern die­se Zu­stän­dig­keit nicht nur auf ei­ner Ge­richts­stands­ver­ein­ba­rung be­ruht.
2Ste­hen meh­re­re An­sprü­che ge­gen ei­ne be­klag­te Par­tei in ei­nem sach­li­chen Zu­sam­men­hang, so ist je­des Ge­richt zu­stän­dig, das für einen der An­sprü­che zu­stän­dig ist.
Für die Streit­ver­kün­dung mit Kla­ge ist das Ge­richt des Haupt­pro­zes­ses zu­stän­dig.
1So­weit das Ge­setz nichts an­de­res be­stimmt, kön­nen die Par­tei­en für einen be­ste­hen­den oder für einen künf­ti­gen Rechtss­treit über An­sprü­che aus ei­nem be­stimm­ten Rechts­ver­hält­nis einen Ge­richts­stand ver­ein­ba­ren. Geht aus der Ver­ein­ba­rung nichts an­de­res her­vor, so kann die Kla­ge nur am ver­ein­bar­ten Ge­richts­stand er­ho­ben wer­den.
2Die Ver­ein­ba­rung muss schrift­lich oder in ei­ner an­de­ren Form er­fol­gen, die den Nach­weis durch Text er­mög­licht.
Art. 18 Einlassung
So­weit das Ge­setz nichts an­de­res be­stimmt, wird das an­ge­ru­fe­ne Ge­richt zu­stän­dig, wenn sich die be­klag­te Par­tei oh­ne Ein­re­de der feh­len­den Zu­stän­dig­keit zur Sa­che äus­sert.
Art. 19 Freiwillige Gerichtsbarkeit
In An­ge­le­gen­hei­ten der frei­wil­li­gen Ge­richts­bar­keit ist das Ge­richt oder die Be­hör­de am Wohn­sitz oder Sitz der ge­such­stel­len­den Par­tei zwin­gend zu­stän­dig, so­fern das Ge­setz nichts an­de­res be­stimmt.
2. Abschnitt: Personenrecht
Art. 20 Persönlichkeits- und Datenschutz
Für die fol­gen­den Kla­gen und Be­geh­ren ist das Ge­richt am Wohn­sitz oder Sitz ei­ner der Par­tei­en zu­stän­dig:
Kla­gen aus Per­sön­lich­keits­ver­let­zung;
Be­geh­ren um Ge­gen­dar­stel­lung;
Kla­gen auf Na­mens­schutz und auf An­fech­tung ei­ner Na­mens­än­de­rung;
Kla­gen und Be­geh­ren nach Ar­ti­kel 15 des Bun­des­ge­set­zes vom 19. Ju­ni 19921 über den Da­ten­schutz.
Art. 21 Todes- und Verschollenerklärung
Für Ge­su­che, die ei­ne To­des- oder ei­ne Ver­schol­le­n­er­klä­rung be­tref­fen (Art. 34-38 ZGB1), ist das Ge­richt am letz­ten be­kann­ten Wohn­sitz der ver­schwun­de­nen Per­son zwin­gend zu­stän­dig.
Art. 22 Bereinigung des Zivilstandsregisters
Für Kla­gen, die ei­ne Be­rei­ni­gung des Zi­vil­stands­re­gis­ters be­tref­fen, ist zwin­gend das Ge­richt zu­stän­dig, in des­sen Amts­kreis die zu be­rei­ni­gen­de Be­ur­kun­dung von Per­so­nen­stands­da­ten er­folgt ist oder hät­te er­fol­gen müs­sen.
3. Abschnitt: Familienrecht
Art. 23 Eherechtliche Gesuche und Klagen
1Für ehe­recht­li­che Ge­su­che und Kla­gen so­wie für Ge­su­che um An­ord­nung vor­sorg­li­cher Mass­nah­men ist das Ge­richt am Wohn­sitz ei­ner Par­tei zwin­gend zu­stän­dig.
2Für Ge­su­che der Auf­sichts­be­hör­de in Be­trei­bungs­sa­chen auf An­ord­nung der Gü­ter­tren­nung ist das Ge­richt am Wohn­sitz der Schuld­ne­rin oder des Schuld­ners zwin­gend zu­stän­dig.
Art. 24 Gesuche und Klagen bei eingetragener Partnerschaft
Für Ge­su­che und Kla­gen bei ein­ge­tra­ge­ner Part­ner­schaft so­wie für Ge­su­che um An­ord­nung vor­sorg­li­cher Mass­nah­men ist das Ge­richt am Wohn­sitz ei­ner Par­tei zwin­gend zu­stän­dig.
Art. 25 Feststellung und Anfechtung des Kindesverhältnisses
Für Kla­gen auf Fest­stel­lung und auf An­fech­tung des Kin­des­ver­hält­nis­ses ist das Ge­richt am Wohn­sitz ei­ner der Par­tei­en zwin­gend zu­stän­dig.
Art. 26 Unterhalts- und Unterstützungsklagen
Für selbst­stän­di­ge Un­ter­halts­kla­gen der Kin­der ge­gen ih­re El­tern und für Kla­gen ge­gen un­ter­stüt­zungs­pflich­ti­ge Ver­wand­te ist das Ge­richt am Wohn­sitz ei­ner der Par­tei­en zwin­gend zu­stän­dig.
Art. 27 Ansprüche der unverheirateten Mutter
Für An­sprü­che der un­ver­hei­ra­te­ten Mut­ter ist das Ge­richt am Wohn­sitz ei­ner der Par­tei­en zwin­gend zu­stän­dig.
4. Abschnitt: Erbrecht
1Für erbrecht­li­che Kla­gen so­wie für Kla­gen auf gü­ter­recht­li­che Aus­ein­an­der­set­zung beim Tod ei­nes Ehe­gat­ten, ei­ner ein­ge­tra­ge­nen Part­ne­rin oder ei­nes ein­ge­tra­ge­nen Part­ners ist das Ge­richt am letz­ten Wohn­sitz der Erb­las­se­rin oder des Erb­las­sers zu­stän­dig.
2Für Mass­nah­men im Zu­sam­men­hang mit dem Erb­gang ist die Be­hör­de am letz­ten Wohn­sitz der Erb­las­se­rin oder des Erb­las­sers zwin­gend zu­stän­dig. Ist der Tod nicht am Wohn­sitz ein­ge­tre­ten, so macht die Be­hör­de des Ster­be­or­tes der­je­ni­gen des Wohn­or­tes Mit­tei­lung und trifft die nö­ti­gen Mass­nah­men, um die Ver­mö­gens­wer­te am Ster­be­ort zu si­chern.
3Selbst­stän­di­ge Kla­gen auf erbrecht­li­che Zu­wei­sung ei­nes land­wirt­schaft­li­chen Ge­wer­bes oder Grund­stückes kön­nen auch am Ort der ge­le­ge­nen Sa­che er­ho­ben wer­den.
5. Abschnitt: Sachenrecht
Art. 29 Grundstücke
1Für die fol­gen­den Kla­gen ist das Ge­richt am Ort, an dem das Grund­stück im Grund­buch auf­ge­nom­men ist oder auf­zu­neh­men wä­re, zu­stän­dig:
ding­li­che Kla­gen;
Kla­gen ge­gen die Ge­mein­schaft der Stock­werk­ei­gen­tü­me­rin­nen und Stock­werk­ei­gen­tü­mer;
Kla­gen auf Er­rich­tung ge­setz­li­cher Pfand­rech­te.
2An­de­re Kla­gen, die sich auf Rech­te an Grund­stücken be­zie­hen, kön­nen auch beim Ge­richt am Wohn­sitz oder Sitz der be­klag­ten Par­tei er­ho­ben wer­den.
3Be­zieht sich ei­ne Kla­ge auf meh­re­re Grund­stücke oder ist das Grund­stück in meh­re­ren Krei­sen in das Grund­buch auf­ge­nom­men wor­den, so ist das Ge­richt an dem Ort zu­stän­dig, an dem das flä­chen­mäs­sig gröss­te Grund­stück oder der flä­chen­mäs­sig gröss­te Teil des Grund­stücks liegt.
4Für An­ge­le­gen­hei­ten der frei­wil­li­gen Ge­richts­bar­keit, die sich auf Rech­te an Grund­stücken be­zie­hen, ist das Ge­richt an dem Ort zwin­gend zu­stän­dig, an dem das Grund­stück im Grund­buch auf­ge­nom­men ist oder auf­zu­neh­men wä­re.
Art. 30 Bewegliche Sachen
1Für Kla­gen, wel­che ding­li­che Rech­te, den Be­sitz an be­weg­li­chen Sa­chen oder For­de­run­gen, die durch Fahr­nis­pfand ge­si­chert sind, be­tref­fen, ist das Ge­richt am Wohn­sitz oder Sitz der be­klag­ten Par­tei oder am Ort der ge­le­ge­nen Sa­che zu­stän­dig.
2Für An­ge­le­gen­hei­ten der frei­wil­li­gen Ge­richts­bar­keit ist das Ge­richt am Wohn­sitz oder Sitz der ge­such­stel­len­den Par­tei oder am Ort der ge­le­ge­nen Sa­che zwin­gend zu­stän­dig.
6. Abschnitt: Klagen aus Vertrag
Für Kla­gen aus Ver­trag ist das Ge­richt am Wohn­sitz oder Sitz der be­klag­ten Par­tei oder an dem Ort zu­stän­dig, an dem die cha­rak­te­ris­ti­sche Leis­tung zu er­brin­gen ist.
1Bei Strei­tig­kei­ten aus Kon­su­men­ten­ver­trä­gen ist zu­stän­dig:
für Kla­gen der Kon­su­men­tin oder des Kon­su­men­ten: das Ge­richt am Wohn­sitz oder Sitz ei­ner der Par­tei­en;
für Kla­gen der An­bie­te­rin oder des An­bie­ters: das Ge­richt am Wohn­sitz der be­klag­ten Par­tei.
2Als Kon­su­men­ten­ver­trä­ge gel­ten Ver­trä­ge über Leis­tun­gen des üb­li­chen Ver­brauchs, die für die per­sön­li­chen oder fa­mi­li­ären Be­dürf­nis­se der Kon­su­men­tin oder des Kon­su­men­ten be­stimmt sind und von der an­de­ren Par­tei im Rah­men ih­rer be­ruf­li­chen oder ge­werb­li­chen Tä­tig­keit an­ge­bo­ten wer­den.
Für Kla­gen aus Mie­te und Pacht un­be­weg­li­cher Sa­chen ist das Ge­richt am Ort der ge­le­ge­nen Sa­che zu­stän­dig.
1Für ar­beits­recht­li­che Kla­gen ist das Ge­richt am Wohn­sitz oder Sitz der be­klag­ten Par­tei oder an dem Ort, an dem die Ar­beit­neh­me­rin oder der Ar­beit­neh­mer ge­wöhn­lich die Ar­beit ver­rich­tet, zu­stän­dig.
2Für Kla­gen ei­ner stel­len­su­chen­den Per­son so­wie ei­ner Ar­beit­neh­me­rin oder ei­nes Ar­beit­neh­mers, die sich auf das Ar­beits­ver­mitt­lungs­ge­setz vom 6. Ok­to­ber 19891 stüt­zen, ist zu­sätz­lich das Ge­richt am Ort der Ge­schäfts­nie­der­las­sung der ver­mit­teln­den oder ver­lei­hen­den Per­son, mit wel­cher der Ver­trag ab­ge­schlos­sen wur­de, zu­stän­dig.
Art. 35 Verzicht auf die gesetzlichen Gerichtsstände
1Auf die Ge­richts­stän­de nach den Ar­ti­keln 32-34 kön­nen nicht zum Vor­aus oder durch Ein­las­sung ver­zich­ten:
die Kon­su­men­tin oder der Kon­su­ment;
die Par­tei, die Wohn- oder Ge­schäfts­räu­me ge­mie­tet oder ge­pach­tet hat;
bei land­wirt­schaft­li­chen Pacht­ver­hält­nis­sen: die pach­ten­de Par­tei;
die stel­len­su­chen­de oder ar­beit­neh­men­de Par­tei.
2Vor­be­hal­ten bleibt der Ab­schluss ei­ner Ge­richts­stands­ver­ein­ba­rung nach Ent­ste­hung der Strei­tig­keit.
7. Abschnitt: Klagen aus unerlaubter Handlung
Art. 36 Grundsatz
Für Kla­gen aus un­er­laub­ter Hand­lung ist das Ge­richt am Wohn­sitz oder Sitz der ge­schä­dig­ten Per­son oder der be­klag­ten Par­tei oder am Hand­lungs- oder am Er­folgs­ort zu­stän­dig.
Art. 37 Schadenersatz bei ungerechtfertigten vorsorglichen Massnahmen
Für Scha­den­er­satz­kla­gen we­gen un­ge­recht­fer­tig­ter vor­sorg­li­cher Mass­nah­men ist das Ge­richt am Wohn­sitz oder Sitz der be­klag­ten Par­tei oder an dem Ort, an dem die vor­sorg­li­che Mass­nah­me an­ge­ord­net wur­de, zu­stän­dig.
Art. 38 Motorfahrzeug- und Fahrradunfälle
1Für Kla­gen aus Mo­tor­fahr­zeug- und Fahr­ra­d­un­fäl­len ist das Ge­richt am Wohn­sitz oder Sitz der be­klag­ten Par­tei oder am Un­fall­ort zu­stän­dig.
2Für Kla­gen ge­gen das na­tio­na­le Ver­si­che­rungs­bü­ro (Art. 74 des Stras­sen­ver­kehrs­ge­set­zes vom 19. Dez. 19581; SVG) oder ge­gen den na­tio­na­len Ga­ran­tie­fonds (Art. 76 SVG) ist zu­sätz­lich das Ge­richt am Ort ei­ner Zweignie­der­las­sung die­ser Ein­rich­tun­gen zu­stän­dig.
Art. 39 Adhäsionsklage
Für die Be­ur­tei­lung ad­hä­si­ons­wei­se gel­tend ge­mach­ter Zi­vil­an­sprü­che bleibt die Zu­stän­dig­keit des Straf­ge­richts vor­be­hal­ten.
8. Abschnitt: Handelsrecht
Art. 40 Gesellschaftsrecht
Für Kla­gen aus ge­sell­schafts­recht­li­cher Ver­ant­wort­lich­keit ist das Ge­richt am Wohn­sitz oder Sitz der be­klag­ten Par­tei oder am Sitz der Ge­sell­schaft zu­stän­dig.
1 Auf­ge­ho­ben durch Ziff. II 1 des BG vom 28. Sept. 2012, mit Wir­kung seit 1. Mai 2013 (AS 2013 1103; BBl 2011 6875).
Art. 42 Fusionen, Spaltungen, Umwandlungen und Vermögensübertragungen
Für Kla­gen, die sich auf das Fu­si­ons­ge­setz vom 3. Ok­to­ber 20031 stüt­zen, ist das Ge­richt am Sitz ei­nes be­tei­lig­ten Rechts­trä­gers zu­stän­dig.
1Für die Kraft­los­er­klä­rung von Be­tei­li­gungs­pa­pie­ren ist das Ge­richt am Sitz der Ge­sell­schaft zwin­gend zu­stän­dig.
2Für die Kraft­los­er­klä­rung von Grund­pfand­ti­teln ist das Ge­richt an dem Ort zwin­gend zu­stän­dig, an dem das Grund­stück im Grund­buch auf­ge­nom­men ist.
3Für die Kraft­los­er­klä­rung der üb­ri­gen Wert­pa­pie­re und der Ver­si­che­rungs­po­li­cen ist das Ge­richt am Wohn­sitz oder Sitz der Schuld­ne­rin oder des Schuld­ners zwin­gend zu­stän­dig.
4Für Zah­lungs­ver­bo­te aus Wech­sel und Check und für de­ren Kraft­los­er­klä­rung ist das Ge­richt am Zah­lungs­ort zwin­gend zu­stän­dig.
Die ört­li­che Zu­stän­dig­keit für die Er­mäch­ti­gung zur Ein­be­ru­fung der Gläu­bi­ger­ver­samm­lung rich­tet sich nach Ar­ti­kel 1165 OR1.
Für Kla­gen der An­le­ge­rin­nen und An­le­ger so­wie der Ver­tre­tung der An­le­ger­ge­mein­schaft ist das Ge­richt am Sitz des je­weils be­trof­fe­nen Be­wil­li­gungs­trä­gers zwin­gend zu­stän­dig.
9. Abschnitt: Schuldbetreibungs- und Konkursrecht
Für Kla­gen nach dem Bun­des­ge­setz vom 11. April 18891 über Schuld­be­trei­bung und Kon­kurs (SchKG) be­stimmt sich die ört­li­che Zu­stän­dig­keit nach die­sem Ka­pi­tel, so­weit das SchKG kei­nen Ge­richts­stand vor­sieht.
1Ei­ne Ge­richts­per­son tritt in den Aus­stand, wenn sie:
in der Sa­che ein per­sön­li­ches In­ter­es­se hat;
in ei­ner an­de­ren Stel­lung, ins­be­son­de­re als Mit­glied ei­ner Be­hör­de, als Rechts­bei­stän­din oder Rechts­bei­stand, als Sach­ver­stän­di­ge oder Sach­ver­stän­di­ger, als Zeu­gin oder Zeu­ge, als Me­dia­to­rin oder Me­dia­tor in der glei­chen Sa­che tä­tig war;
mit ei­ner Par­tei, ih­rer Ver­tre­te­rin oder ih­rem Ver­tre­ter oder ei­ner Per­son, die in der glei­chen Sa­che als Mit­glied der Vor­in­stanz tä­tig war, ver­hei­ra­tet ist oder war, in ein­ge­tra­ge­ner Part­ner­schaft lebt oder leb­te oder ei­ne fak­ti­sche Le­bens­ge­mein­schaft führt;
mit ei­ner Par­tei in ge­ra­der Li­nie oder in der Sei­ten­li­nie bis und mit dem drit­ten Grad ver­wandt oder ver­schwä­gert ist;
mit der Ver­tre­te­rin oder dem Ver­tre­ter ei­ner Par­tei oder mit ei­ner Per­son, die in der glei­chen Sa­che als Mit­glied der Vor­in­stanz tä­tig war, in ge­ra­der Li­nie oder im zwei­ten Grad der Sei­ten­li­nie ver­wandt oder ver­schwä­gert ist;
aus an­de­ren Grün­den, ins­be­son­de­re we­gen Freund­schaft oder Feind­schaft mit ei­ner Par­tei oder ih­rer Ver­tre­tung, be­fan­gen sein könn­te.
2Kein Aus­stands­grund für sich al­lein ist ins­be­son­de­re die Mit­wir­kung:
beim Ent­scheid über die un­ent­gelt­li­che Rechts­pfle­ge;
beim Schlich­tungs­ver­fah­ren;
bei der Rechts­öff­nung nach den Ar­ti­keln 80-84 SchKG1;
bei der An­ord­nung vor­sorg­li­cher Mass­nah­men;
beim Ehe­schutz­ver­fah­ren.
Die be­trof­fe­ne Ge­richts­per­son legt einen mög­li­chen Aus­stands­grund recht­zei­tig of­fen und tritt von sich aus in den Aus­stand, wenn sie den Grund als ge­ge­ben er­ach­tet.
1Ei­ne Par­tei, die ei­ne Ge­richts­per­son ab­leh­nen will, hat dem Ge­richt un­ver­züg­lich ein ent­spre­chen­des Ge­such zu stel­len, so­bald sie vom Aus­stands­grund Kennt­nis er­hal­ten hat. Die den Aus­stand be­grün­den­den Tat­sa­chen sind glaub­haft zu ma­chen.
2Die be­trof­fe­ne Ge­richts­per­son nimmt zum Ge­such Stel­lung.
1Wird der gel­tend ge­mach­te Aus­stands­grund be­strit­ten, so ent­schei­det das Ge­richt.
2Der Ent­scheid ist mit Be­schwer­de an­fecht­bar.
1Amts­hand­lun­gen, an de­nen ei­ne zum Aus­stand ver­pflich­te­te Ge­richts­per­son mit­ge­wirkt hat, sind auf­zu­he­ben und zu wie­der­ho­len, so­fern dies ei­ne Par­tei in­nert zehn Ta­gen ver­langt, nach­dem sie vom Aus­stands­grund Kennt­nis er­hal­ten hat.
2Nicht wie­der­hol­ba­re Be­weis­mass­nah­men darf das ent­schei­den­de Ge­richt be­rück­sich­ti­gen.
3Wird der Aus­stands­grund erst nach Ab­schluss des Ver­fah­rens ent­deckt, so gel­ten die Be­stim­mun­gen über die Re­vi­si­on.
3. Titel: Verfahrensgrundsätze und Prozessvoraussetzungen
1. Kapitel: Verfahrensgrundsätze
Al­le am Ver­fah­ren be­tei­lig­ten Per­so­nen ha­ben nach Treu und Glau­ben zu han­deln.
1Die Par­tei­en ha­ben An­spruch auf recht­li­ches Ge­hör.
2Ins­be­son­de­re kön­nen sie die Ak­ten ein­se­hen und Ko­pi­en an­fer­ti­gen las­sen, so­weit kei­ne über­wie­gen­den öf­fent­li­chen oder pri­va­ten In­ter­es­sen ent­ge­gen­ste­hen.
Art. 54 Öffentlichkeit des Verfahrens
1Ver­hand­lun­gen und ei­ne all­fäl­li­ge münd­li­che Er­öff­nung des Ur­teils sind öf­fent­lich. Die Ent­schei­de wer­den der Öf­fent­lich­keit zu­gäng­lich ge­macht.
2Das kan­to­na­le Recht be­stimmt, ob die Ur­teils­be­ra­tung öf­fent­lich ist.
3Die Öf­fent­lich­keit kann ganz oder teil­wei­se aus­ge­schlos­sen wer­den, wenn es das öf­fent­li­che In­ter­es­se oder das schutz­wür­di­ge In­ter­es­se ei­ner be­tei­lig­ten Per­son er­for­dert.
4Die fa­mi­li­en­recht­li­chen Ver­fah­ren sind nicht öf­fent­lich.
1Die Par­tei­en ha­ben dem Ge­richt die Tat­sa­chen, auf die sie ih­re Be­geh­ren stüt­zen, dar­zu­le­gen und die Be­weis­mit­tel an­zu­ge­ben.
2Vor­be­hal­ten blei­ben ge­setz­li­che Be­stim­mun­gen über die Fest­stel­lung des Sach­ver­hal­tes und die Be­weis­er­he­bung von Am­tes we­gen.
Ist das Vor­brin­gen ei­ner Par­tei un­klar, wi­der­sprüch­lich, un­be­stimmt oder of­fen­sicht­lich un­voll­stän­dig, so gibt ihr das Ge­richt durch ent­spre­chen­de Fra­gen Ge­le­gen­heit zur Klar­stel­lung und zur Er­gän­zung.
Das Ge­richt wen­det das Recht von Am­tes we­gen an.
1Das Ge­richt darf ei­ner Par­tei nicht mehr und nichts an­de­res zu­spre­chen, als sie ver­langt, und nicht we­ni­ger, als die Ge­gen­par­tei an­er­kannt hat.
2Vor­be­hal­ten blei­ben ge­setz­li­che Be­stim­mun­gen, nach de­nen das Ge­richt nicht an die Par­tei­an­trä­ge ge­bun­den ist.
2. Kapitel: Prozessvoraussetzungen
1Das Ge­richt tritt auf ei­ne Kla­ge oder auf ein Ge­such ein, so­fern die Pro­zess­vor­aus­set­zun­gen er­füllt sind.
2Pro­zess­vor­aus­set­zun­gen sind ins­be­son­de­re:
die kla­gen­de oder ge­such­stel­len­de Par­tei hat ein schutz­wür­di­ges In­ter­es­se;
das Ge­richt ist sach­lich und ört­lich zu­stän­dig;
die Par­tei­en sind par­tei- und pro­zess­fä­hig;
die Sa­che ist nicht an­der­wei­tig rechts­hän­gig;
die Sa­che ist noch nicht rechts­kräf­tig ent­schie­den;
der Vor­schuss und die Si­cher­heit für die Pro­zess­kos­ten sind ge­leis­tet wor­den.
Das Ge­richt prüft von Am­tes we­gen, ob die Pro­zess­vor­aus­set­zun­gen er­füllt sind.
Ha­ben die Par­tei­en über ei­ne schieds­fä­hi­ge Streit­sa­che ei­ne Schieds­ver­ein­ba­rung ge­trof­fen, so lehnt das an­ge­ru­fe­ne staat­li­che Ge­richt sei­ne Zu­stän­dig­keit ab, es sei denn:
die be­klag­te Par­tei ha­be sich vor­be­halt­los auf das Ver­fah­ren ein­ge­las­sen;
das Ge­richt stel­le fest, dass die Schieds­ver­ein­ba­rung of­fen­sicht­lich un­gül­tig oder nicht er­füll­bar sei; oder
das Schieds­ge­richt kön­ne nicht be­stellt wer­den aus Grün­den, für wel­che die im Schieds­ver­fah­ren be­klag­te Par­tei of­fen­sicht­lich ein­zu­ste­hen hat.
4. Titel: Rechtshängigkeit und Folgen des Klagerückzugs
Art. 62 Beginn der Rechtshängigkeit
1Die Ein­rei­chung ei­nes Schlich­tungs­ge­su­ches, ei­ner Kla­ge, ei­nes Ge­su­ches oder ei­nes ge­mein­sa­men Schei­dungs­be­geh­rens be­grün­det Rechts­hän­gig­keit.
2Der Ein­gang die­ser Ein­ga­ben wird den Par­tei­en be­stä­tigt.
1Wird ei­ne Ein­ga­be, die man­gels Zu­stän­dig­keit zu­rück­ge­zo­gen oder auf die nicht ein­ge­tre­ten wur­de, in­nert ei­nes Mo­na­tes seit dem Rück­zug oder dem Nicht­ein­tre­tens­ent­scheid bei der zu­stän­di­gen Schlich­tungs­be­hör­de oder beim zu­stän­di­gen Ge­richt neu ein­ge­reicht, so gilt als Zeit­punkt der Rechts­hän­gig­keit das Da­tum der ers­ten Ein­rei­chung.
2Glei­ches gilt, wenn ei­ne Kla­ge nicht im rich­ti­gen Ver­fah­ren ein­ge­reicht wur­de.
3Vor­be­hal­ten blei­ben die be­son­de­ren ge­setz­li­chen Kla­ge­fris­ten nach dem SchKG1.
1Die Rechts­hän­gig­keit hat ins­be­son­de­re fol­gen­de Wir­kun­gen:
der Streit­ge­gen­stand kann zwi­schen den glei­chen Par­tei­en nicht an­der­wei­tig rechts­hän­gig ge­macht wer­den;
die ört­li­che Zu­stän­dig­keit bleibt er­hal­ten.
2Für die Wah­rung ei­ner ge­setz­li­chen Frist des Pri­vat­rechts, die auf den Zeit­punkt der Kla­ge, der Kla­gean­he­bung oder auf einen an­de­ren ver­fah­rensein­lei­ten­den Schritt ab­stellt, ist die Rechts­hän­gig­keit nach die­sem Ge­setz mass­ge­bend.
Wer ei­ne Kla­ge beim zum Ent­scheid zu­stän­di­gen Ge­richt zu­rück­zieht, kann ge­gen die glei­che Par­tei über den glei­chen Streit­ge­gen­stand kei­nen zwei­ten Pro­zess mehr füh­ren, so­fern das Ge­richt die Kla­ge der be­klag­ten Par­tei be­reits zu­ge­stellt hat und die­se dem Rück­zug nicht zu­stimmt.
5. Titel: Die Parteien und die Beteiligung Dritter
1. Kapitel: Partei- und Prozessfähigkeit
Par­tei­fä­hig ist, wer rechts­fä­hig ist oder von Bun­des­rechts we­gen als Par­tei auf­tre­ten kann.
Art. 67 Prozessfähigkeit
1Pro­zess­fä­hig ist, wer hand­lungs­fä­hig ist.
2Für ei­ne hand­lungs­un­fä­hi­ge Per­son han­delt ih­re ge­setz­li­che Ver­tre­tung.
3So­weit ei­ne hand­lungs­un­fä­hi­ge Per­son ur­teils­fä­hig ist, kann sie:
selbst­stän­dig Rech­te aus­üben, die ihr um ih­rer Per­sön­lich­keit wil­len zu­ste­hen;
vor­läu­fig selbst das Nö­ti­ge vor­keh­ren, wenn Ge­fahr in Ver­zug ist.
2. Kapitel: Parteivertretung
Art. 68 Vertragliche Vertretung
1Je­de pro­zess­fä­hi­ge Par­tei kann sich im Pro­zess ver­tre­ten las­sen.
2Zur be­rufs­mäs­si­gen Ver­tre­tung sind be­fugt:
in al­len Ver­fah­ren: An­wäl­tin­nen und An­wäl­te, die nach dem An­walts­ge­setz vom 23. Ju­ni 20001 be­rech­tigt sind, Par­tei­en vor schwei­ze­ri­schen Ge­rich­ten zu ver­tre­ten;
vor der Schlich­tungs­be­hör­de, in ver­mö­gens­recht­li­chen Strei­tig­kei­ten des ver­ein­fach­ten Ver­fah­rens so­wie in den An­ge­le­gen­hei­ten des sum­ma­ri­schen Ver­fah­rens: pa­ten­tier­te Sach­wal­te­rin­nen und Sach­wal­ter so­wie Recht­s­agen­tin­nen und Recht­s­agen­ten, so­weit das kan­to­na­le Recht es vor­sieht;
in den An­ge­le­gen­hei­ten des sum­ma­ri­schen Ver­fah­rens nach Ar­ti­kel 251 die­ses Ge­set­zes: ge­werbs­mäs­si­ge Ver­tre­te­rin­nen und Ver­tre­ter nach Ar­ti­kel 27 SchKG2;
vor den Miet- und Ar­beits­ge­rich­ten be­ruf­lich qua­li­fi­zier­te Ver­tre­te­rin­nen und Ver­tre­ter, so­weit das kan­to­na­le Recht es vor­sieht.
3Die Ver­tre­te­rin oder der Ver­tre­ter hat sich durch ei­ne Voll­macht aus­zu­wei­sen.
4Das Ge­richt kann das per­sön­li­che Er­schei­nen ei­ner ver­tre­te­nen Par­tei an­ord­nen.
Art. 69 Unvermögen der Partei
1Ist ei­ne Par­tei of­fen­sicht­lich nicht im­stan­de, den Pro­zess selbst zu füh­ren, so kann das Ge­richt sie auf­for­dern, ei­ne Ver­tre­te­rin oder einen Ver­tre­ter zu be­auf­tra­gen. Leis­tet die Par­tei in­nert der an­ge­setz­ten Frist kei­ne Fol­ge, so be­stellt ihr das Ge­richt ei­ne Ver­tre­tung.
2Das Ge­richt be­nach­rich­tigt die Er­wach­se­nen- und Kin­des­schutz­be­hör­de, wenn es Schutz­mass­nah­men für ge­bo­ten hält.1
1 Fas­sung ge­mä­ss An­hang 2 Ziff. 3, in Kraft seit 1. Jan. 2013 (AS 2010 1739; BBl 2006 7221; AS 2011 725; BBl 2006 7001).
3. Kapitel: Streitgenossenschaft
Art. 70 Notwendige Streitgenossenschaft
1Sind meh­re­re Per­so­nen an ei­nem Rechts­ver­hält­nis be­tei­ligt, über das nur mit Wir­kung für al­le ent­schie­den wer­den kann, so müs­sen sie ge­mein­sam kla­gen oder be­klagt wer­den.
2Recht­zei­ti­ge Pro­zess­hand­lun­gen ei­nes Streit­ge­nos­sen wir­ken auch für säu­mi­ge Streit­ge­nos­sen; aus­ge­nom­men ist das Er­grei­fen von Rechts­mit­teln.
Art. 71 Einfache Streitgenossenschaft
1Sol­len Rech­te und Pflich­ten be­ur­teilt wer­den, die auf gleich­ar­ti­gen Tat­sa­chen oder Rechts­grün­den be­ru­hen, so kön­nen meh­re­re Per­so­nen ge­mein­sam kla­gen oder be­klagt wer­den.
2Die ein­fa­che Streit­ge­nos­sen­schaft ist aus­ge­schlos­sen, wenn für die ein­zel­nen Kla­gen nicht die glei­che Ver­fah­rens­art an­wend­bar ist.
3Je­der Streit­ge­nos­se kann den Pro­zess un­ab­hän­gig von den an­dern Streit­ge­nos­sen füh­ren.
Art. 72 Gemeinsame Vertretung
Die Streit­ge­nos­sen kön­nen ei­ne ge­mein­sa­me Ver­tre­tung be­zeich­nen, sonst er­ge­hen Zu­stel­lun­gen an je­den ein­zel­nen Streit­ge­nos­sen.
4. Kapitel: Intervention
1. Abschnitt: Hauptintervention
1Wer am Streit­ge­gen­stand ein bes­se­res Recht be­haup­tet, das bei­de Par­tei­en ganz oder teil­wei­se aus­sch­liesst, kann beim Ge­richt, bei dem der Pro­zess ers­tin­stanz­lich rechts­hän­gig ist, ge­gen bei­de Par­tei­en Kla­ge er­he­ben.
2Das Ge­richt kann den Pro­zess bis zur rechts­kräf­ti­gen Er­le­di­gung der Kla­ge des Haupt­in­ter­ve­ni­en­ten ein­stel­len oder die Ver­fah­ren ver­ei­ni­gen.
2. Abschnitt: Nebenintervention
Wer ein recht­li­ches In­ter­es­se glaub­haft macht, dass ei­ne rechts­hän­gi­ge Strei­tig­keit zu­guns­ten der einen Par­tei ent­schie­den wer­de, kann im Pro­zess je­der­zeit als Ne­ben­par­tei in­ter­ve­nie­ren und zu die­sem Zweck beim Ge­richt ein In­ter­ven­ti­ons­ge­such stel­len.
1Das In­ter­ven­ti­ons­ge­such ent­hält den Grund der In­ter­ven­ti­on und die Be­zeich­nung der Par­tei, zu de­ren Un­ter­stüt­zung in­ter­ve­niert wird.
2Das Ge­richt ent­schei­det über das Ge­such nach An­hö­rung der Par­tei­en. Der Ent­scheid ist mit Be­schwer­de an­fecht­bar.
1Die in­ter­ve­nie­ren­de Per­son kann zur Un­ter­stüt­zung der Haupt­par­tei al­le Pro­zess­hand­lun­gen vor­neh­men, die nach dem Stand des Ver­fah­rens zu­läs­sig sind, ins­be­son­de­re al­le An­griffs- und Ver­tei­di­gungs­mit­tel gel­tend ma­chen und auch Rechts­mit­tel er­grei­fen.
2Ste­hen die Pro­zess­hand­lun­gen der in­ter­ve­nie­ren­den Per­son mit je­nen der Haupt­par­tei im Wi­der­spruch, so sind sie im Pro­zess un­be­acht­lich.
Ein für die Haupt­par­tei un­güns­ti­ges Er­geb­nis des Pro­zes­ses wirkt auch ge­gen die in­ter­ve­nie­ren­de Per­son, es sei denn:
sie sei durch die La­ge des Pro­zes­ses zur Zeit ih­res Ein­tritts oder durch Hand­lun­gen oder Un­ter­las­sun­gen der Haupt­par­tei ver­hin­dert ge­we­sen, An­griffs- und Ver­tei­di­gungs­mit­tel gel­tend zu ma­chen; oder
ihr un­be­kann­te An­griffs- oder Ver­tei­di­gungs­mit­tel sei­en von der Haupt­par­tei ab­sicht­lich oder grob­fahr­läs­sig nicht gel­tend ge­macht wor­den.
5. Kapitel: Streitverkündung
1. Abschnitt: Einfache Streitverkündung
1Ei­ne Par­tei, die für den Fall ih­res Un­ter­lie­gens ei­ne drit­te Per­son be­lan­gen will oder den An­spruch ei­ner drit­ten Per­son be­fürch­tet, kann die­se auf­for­dern, sie im Pro­zess zu un­ter­stüt­zen.
2Die streit­be­ru­fe­ne Per­son kann den Streit wei­ter ver­kün­den.
1Die streit­be­ru­fe­ne Per­son kann:
zu­guns­ten der Par­tei, die ihr den Streit ver­kün­det hat, oh­ne wei­te­re Vor­aus­set­zun­gen in­ter­ve­nie­ren; oder
an­stel­le der Par­tei, die ihr den Streit ver­kün­det hat, mit de­ren Ein­ver­ständ­nis den Pro­zess füh­ren.
2Lehnt sie den Ein­tritt ab oder er­klärt sie sich nicht, so wird der Pro­zess oh­ne Rück­sicht auf sie fort­ge­setzt.
Ar­ti­kel 77 gilt sinn­ge­mä­ss.
2. Abschnitt: Streitverkündungsklage
Art. 81 Grundsätze
1Die streit­ver­kün­den­de Par­tei kann ih­re An­sprü­che, die sie im Fal­le des Un­ter­lie­gens ge­gen die streit­be­ru­fe­ne Per­son zu ha­ben glaubt, beim Ge­richt, das mit der Haupt­kla­ge be­fasst ist, gel­tend ma­chen.
2Die streit­be­ru­fe­ne Per­son kann kei­ne wei­te­re Streit­ver­kün­dungs­kla­ge er­he­ben.
3Im ver­ein­fach­ten und im sum­ma­ri­schen Ver­fah­ren ist die Streit­ver­kün­dungs­kla­ge un­zu­läs­sig.
Art. 82 Verfahren
1Die Zu­las­sung der Streit­ver­kün­dungs­kla­ge ist mit der Kla­geant­wort oder mit der Re­plik im Haupt­pro­zess zu be­an­tra­gen. Die Rechts­be­geh­ren, wel­che die streit­ver­kün­den­de Par­tei ge­gen die streit­be­ru­fe­ne Per­son zu stel­len ge­denkt, sind zu nen­nen und kurz zu be­grün­den.
2Das Ge­richt gibt der Ge­gen­par­tei so­wie der streit­be­ru­fe­nen Per­son Ge­le­gen­heit zur Stel­lung­nah­me.
3Wird die Streit­ver­kün­dungs­kla­ge zu­ge­las­sen, so be­stimmt das Ge­richt Zeit­punkt und Um­fang des be­tref­fen­den Schrif­ten­wech­sels; Ar­ti­kel 125 bleibt vor­be­hal­ten.
4Der Ent­scheid über die Zu­las­sung der Kla­ge ist mit Be­schwer­de an­fecht­bar.
6. Kapitel: Parteiwechsel
1Wird das Streit­ob­jekt wäh­rend des Pro­zes­ses ver­äus­sert, so kann die Er­wer­be­rin oder der Er­wer­ber an Stel­le der ver­äus­sern­den Par­tei in den Pro­zess ein­tre­ten.
2Die ein­tre­ten­de Par­tei haf­tet für die ge­sam­ten Pro­zess­kos­ten. Für die bis zum Partei­wech­sel auf­ge­lau­fe­nen Pro­zess­kos­ten haf­tet die aus­schei­den­de Par­tei so­li­da­risch mit.
3In be­grün­de­ten Fäl­len hat die ein­tre­ten­de Par­tei auf Ver­lan­gen der Ge­gen­par­tei für die Voll­stre­ckung des Ent­schei­des Si­cher­heit zu leis­ten.
4Oh­ne Ver­äus­se­rung des Streit­ob­jekts ist ein Partei­wech­sel nur mit Zu­stim­mung der Ge­gen­par­tei zu­läs­sig; be­son­de­re ge­setz­li­che Be­stim­mun­gen über die Rechts­nach­fol­ge blei­ben vor­be­hal­ten.
6. Titel: Klagen
1Mit der Leis­tungs­kla­ge ver­langt die kla­gen­de Par­tei die Ver­ur­tei­lung der be­klag­ten Par­tei zu ei­nem be­stimm­ten Tun, Un­ter­las­sen oder Dul­den.
2Wird die Be­zah­lung ei­nes Geld­be­tra­ges ver­langt, so ist die­ser zu be­zif­fern.
1Ist es der kla­gen­den Par­tei un­mög­lich oder un­zu­mut­bar, ih­re For­de­rung be­reits zu Be­ginn des Pro­zes­ses zu be­zif­fern, so kann sie ei­ne un­be­zif­fer­te For­de­rungs­kla­ge er­he­ben. Sie muss je­doch einen Min­dest­wert an­ge­ben, der als vor­läu­fi­ger Streit­wert gilt.
2Die For­de­rung ist zu be­zif­fern, so­bald die kla­gen­de Par­tei nach Ab­schluss des Be­weis­ver­fah­rens oder nach Aus­kunft­s­er­tei­lung durch die be­klag­te Par­tei da­zu in der La­ge ist. Das an­ge­ru­fe­ne Ge­richt bleibt zu­stän­dig, auch wenn der Streit­wert die sach­li­che Zu­stän­dig­keit über­steigt.
Ist ein An­spruch teil­bar, so kann auch nur ein Teil ein­ge­klagt wer­den.
Art. 87 Gestaltungsklage
Mit der Ge­stal­tungs­kla­ge ver­langt die kla­gen­de Par­tei die Be­grün­dung, Än­de­rung oder Auf­he­bung ei­nes be­stimm­ten Rechts oder Rechts­ver­hält­nis­ses.
Mit der Fest­stel­lungs­kla­ge ver­langt die kla­gen­de Par­tei die ge­richt­li­che Fest­stel­lung, dass ein Recht oder Rechts­ver­hält­nis be­steht oder nicht be­steht.
1Ver­ei­ne und an­de­re Or­ga­ni­sa­tio­nen von ge­samtschwei­ze­ri­scher oder re­gio­na­ler Be­deu­tung, die nach ih­ren Sta­tu­ten zur Wah­rung der In­ter­es­sen be­stimm­ter Per­so­nen­grup­pen be­fugt sind, kön­nen in ei­ge­nem Na­men auf Ver­let­zung der Per­sön­lich­keit der An­ge­hö­ri­gen die­ser Per­so­nen­grup­pen kla­gen.
2Mit der Ver­bands­kla­ge kann be­an­tragt wer­den:
ei­ne dro­hen­de Ver­let­zung zu ver­bie­ten;
ei­ne be­ste­hen­de Ver­let­zung zu be­sei­ti­gen;
die Wi­der­recht­lich­keit ei­ner Ver­let­zung fest­zu­stel­len, wenn sich die­se wei­ter­hin stö­rend aus­wirkt.
3Be­son­de­re ge­setz­li­che Be­stim­mun­gen über die Ver­bands­kla­ge blei­ben vor­be­hal­ten.
Die kla­gen­de Par­tei kann meh­re­re An­sprü­che ge­gen die­sel­be Par­tei in ei­ner Kla­ge ver­ei­nen, so­fern:
das glei­che Ge­richt da­für sach­lich zu­stän­dig ist; und
die glei­che Ver­fah­rens­art an­wend­bar ist.
7. Titel: Streitwert
1Der Streit­wert wird durch das Rechts­be­geh­ren be­stimmt. Zin­sen und Kos­ten des lau­fen­den Ver­fah­rens oder ei­ner all­fäl­li­gen Pu­bli­ka­ti­on des Ent­scheids so­wie all­fäl­li­ge Even­tu­al­be­geh­ren wer­den nicht hin­zu­ge­rech­net.
2Lau­tet das Rechts­be­geh­ren nicht auf ei­ne be­stimm­te Geld­sum­me, so setzt das Ge­richt den Streit­wert fest, so­fern sich die Par­tei­en dar­über nicht ei­ni­gen oder ih­re An­ga­ben of­fen­sicht­lich un­rich­tig sind.
1Als Wert wie­der­keh­ren­der Nut­zun­gen oder Leis­tun­gen gilt der Ka­pi­tal­wert.
2Bei un­ge­wis­ser oder un­be­schränk­ter Dau­er gilt als Ka­pi­tal­wert der zwan­zig­fa­che Be­trag der ein­jäh­ri­gen Nut­zung oder Leis­tung und bei Leib­ren­ten der Bar­wert.
1Bei ein­fa­cher Streit­ge­nos­sen­schaft und Kla­gen­häu­fung wer­den die gel­tend ge­mach­ten An­sprü­che zu­sam­men­ge­rech­net, so­fern sie sich nicht ge­gen­sei­tig aus­sch­lies­sen.
2Bei ein­fa­cher Streit­ge­nos­sen­schaft bleibt die Ver­fah­rens­art trotz Zu­sam­men­rech­nung des Streit­werts er­hal­ten.
Art. 94 Widerklage
1Ste­hen sich Kla­ge und Wi­der­kla­ge ge­gen­über, so be­stimmt sich der Streit­wert nach dem hö­he­ren Rechts­be­geh­ren.
2Zur Be­stim­mung der Pro­zess­kos­ten wer­den die Streit­wer­te zu­sam­men­ge­rech­net, so­fern sich Kla­ge und Wi­der­kla­ge nicht ge­gen­sei­tig aus­sch­lies­sen.
8. Titel: Prozesskosten und unentgeltliche Rechtspflege
1. Kapitel: Prozesskosten
1Pro­zess­kos­ten sind:
die Ge­richts­kos­ten;
die Par­tei­ent­schä­di­gung.
2Ge­richts­kos­ten sind:
die Pau­scha­len für das Schlich­tungs­ver­fah­ren;
die Pau­scha­len für den Ent­scheid (Ent­scheid­ge­bühr);
die Kos­ten der Be­weis­füh­rung;
die Kos­ten für die Über­set­zung;
die Kos­ten für die Ver­tre­tung des Kin­des (Art. 299 und 300).
3Als Par­tei­ent­schä­di­gung gilt:
der Er­satz not­wen­di­ger Aus­la­gen;
die Kos­ten ei­ner be­rufs­mäs­si­gen Ver­tre­tung;
in be­grün­de­ten Fäl­len: ei­ne an­ge­mes­se­ne Um­triebs­ent­schä­di­gung, wenn ei­ne Par­tei nicht be­rufs­mäs­sig ver­tre­ten ist.
Art. 96 Tarife
Die Kan­to­ne set­zen die Ta­ri­fe für die Pro­zess­kos­ten fest.
Art. 97 Aufklärung über die Prozesskosten
Das Ge­richt klärt die nicht an­walt­lich ver­tre­te­ne Par­tei über die mut­mass­li­che Hö­he der Pro­zess­kos­ten so­wie über die un­ent­gelt­li­che Rechts­pfle­ge auf.
Art. 98 Kostenvorschuss
Das Ge­richt kann von der kla­gen­den Par­tei einen Vor­schuss bis zur Hö­he der mut­mass­li­chen Ge­richts­kos­ten ver­lan­gen.
1Die kla­gen­de Par­tei hat auf An­trag der be­klag­ten Par­tei für de­ren Par­tei­ent­schä­di­gung Si­cher­heit zu leis­ten, wenn sie:
kei­nen Wohn­sitz oder Sitz in der Schweiz hat;
zah­lungs­un­fä­hig er­scheint, na­ment­lich wenn ge­gen sie der Kon­kurs er­öff­net oder ein Nach­lass­ver­fah­ren im Gang ist oder Ver­lust­schei­ne be­ste­hen;
Pro­zess­kos­ten aus frü­he­ren Ver­fah­ren schul­det; oder
wenn an­de­re Grün­de für ei­ne er­heb­li­che Ge­fähr­dung der Par­tei­ent­schä­di­gung be­ste­hen.
2Bei not­wen­di­ger Streit­ge­nos­sen­schaft ist nur dann Si­cher­heit zu leis­ten, wenn bei al­len Streit­ge­nos­sen ei­ne der Vor­aus­set­zun­gen ge­ge­ben ist.
3Kei­ne Si­cher­heit ist zu leis­ten:
im ver­ein­fach­ten Ver­fah­ren mit Aus­nah­me der ver­mö­gens­recht­li­chen Strei­tig­kei­ten nach Ar­ti­kel 243 Ab­satz 1;
im Schei­dungs­ver­fah­ren;
im sum­ma­ri­schen Ver­fah­ren mit Aus­nah­me des Rechts­schut­zes in kla­ren Fäl­len (Art. 257).
1Die Si­cher­heit kann in bar oder durch Ga­ran­tie ei­ner in der Schweiz nie­der­ge­las­se­nen Bank oder ei­nes zum Ge­schäfts­be­trieb in der Schweiz zu­ge­las­se­nen Ver­si­che­rungs­un­ter­neh­mens ge­leis­tet wer­den.
2Das Ge­richt kann die zu leis­ten­de Si­cher­heit nach­träg­lich er­hö­hen, her­ab­set­zen oder auf­he­ben.
1Das Ge­richt setzt ei­ne Frist zur Leis­tung des Vor­schus­ses und der Si­cher­heit.
2Vor­sorg­li­che Mass­nah­men kann es schon vor Leis­tung der Si­cher­heit an­ord­nen.
3Wer­den der Vor­schuss oder die Si­cher­heit auch nicht in­nert ei­ner Nach­frist ge­leis­tet, so tritt das Ge­richt auf die Kla­ge oder auf das Ge­such nicht ein.
Art. 102 Vorschuss für Beweiserhebungen
1Je­de Par­tei hat die Aus­la­gen des Ge­richts vor­zu­schies­sen, die durch von ihr be­an­trag­te Be­weis­er­he­bun­gen ver­an­lasst wer­den.
2Be­an­tra­gen die Par­tei­en das­sel­be Be­weis­mit­tel, so hat je­de Par­tei die Hälf­te vor­zu­schies­sen.
3Leis­tet ei­ne Par­tei ih­ren Vor­schuss nicht, so kann die an­de­re die Kos­ten vor­schies­sen; an­dern­falls un­ter­bleibt die Be­weis­er­he­bung. Vor­be­hal­ten blei­ben Strei­tig­kei­ten, in de­nen das Ge­richt den Sach­ver­halt von Am­tes we­gen zu er­for­schen hat.
Ent­schei­de über die Leis­tung von Vor­schüs­sen und Si­cher­hei­ten sind mit Be­schwer­de an­fecht­bar.
2. Kapitel: Verteilung und Liquidation der Prozesskosten
1Das Ge­richt ent­schei­det über die Pro­zess­kos­ten in der Re­gel im En­dent­scheid.
2Bei ei­nem Zwi­schen­ent­scheid (Art. 237) kön­nen die bis zu die­sem Zeit­punkt ent­stan­de­nen Pro­zess­kos­ten ver­teilt wer­den.
3Über die Pro­zess­kos­ten vor­sorg­li­cher Mass­nah­men kann zu­sam­men mit der Haupt­sa­che ent­schie­den wer­den.
4In ei­nem Rück­wei­sungs­ent­scheid kann die obe­re In­stanz die Ver­tei­lung der Pro­zess­kos­ten des Rechts­mit­tel­ver­fah­rens der Vor­in­stanz über­las­sen.
1Die Ge­richts­kos­ten wer­den von Am­tes we­gen fest­ge­setzt und ver­teilt.
2Die Par­tei­ent­schä­di­gung spricht das Ge­richt nach den Ta­ri­fen (Art. 96) zu. Die Par­tei­en kön­nen ei­ne Kos­ten­no­te ein­rei­chen.
1Die Pro­zess­kos­ten wer­den der un­ter­lie­gen­den Par­tei auf­er­legt. Bei Nicht­ein­tre­ten und bei Kla­ge­rück­zug gilt die kla­gen­de Par­tei, bei An­er­ken­nung der Kla­ge die be­klag­te Par­tei als un­ter­lie­gend.
2Hat kei­ne Par­tei voll­stän­dig ob­siegt, so wer­den die Pro­zess­kos­ten nach dem Aus­gang des Ver­fah­rens ver­teilt.
3Sind am Pro­zess meh­re­re Per­so­nen als Haupt- oder Ne­ben­par­tei­en be­tei­ligt, so be­stimmt das Ge­richt ih­ren An­teil an den Pro­zess­kos­ten. Es kann auf so­li­da­ri­sche Haf­tung er­ken­nen.
1Das Ge­richt kann von den Ver­tei­lungs­grund­sät­zen ab­wei­chen und die Pro­zess­kos­ten nach Er­mes­sen ver­tei­len:
wenn die Kla­ge zwar grund­sätz­lich, aber nicht in der Hö­he der For­de­rung gut­ge­heis­sen wur­de und die­se Hö­he vom ge­richt­li­chen Er­mes­sen ab­hän­gig oder die Be­zif­fe­rung des An­spruchs schwie­rig war;
wenn ei­ne Par­tei in gu­ten Treu­en zur Pro­zess­füh­rung ver­an­lasst war;
in fa­mi­li­en­recht­li­chen Ver­fah­ren;
in Ver­fah­ren bei ein­ge­tra­ge­ner Part­ner­schaft;
wenn das Ver­fah­ren als ge­gen­stands­los ab­ge­schrie­ben wird und das Ge­setz nichts an­de­res vor­sieht;
wenn an­de­re be­son­de­re Um­stän­de vor­lie­gen, die ei­ne Ver­tei­lung nach dem Aus­gang des Ver­fah­rens als un­bil­lig er­schei­nen las­sen.
2Das Ge­richt kann Ge­richts­kos­ten, die we­der ei­ne Par­tei noch Drit­te ver­an­lasst ha­ben, aus Bil­lig­keits­grün­den dem Kan­ton auf­er­le­gen.
Un­nö­ti­ge Pro­zess­kos­ten hat zu be­zah­len, wer sie ver­ur­sacht hat.
Art. 109 Verteilung bei Vergleich
1Bei ei­nem ge­richt­li­chen Ver­gleich trägt je­de Par­tei die Pro­zess­kos­ten nach Mass­ga­be des Ver­gleichs.
2Die Kos­ten wer­den nach den Ar­ti­keln 106-108 ver­teilt, wenn:
der Ver­gleich kei­ne Re­ge­lung ent­hält; oder
die ge­trof­fe­ne Re­ge­lung ein­sei­tig zu­las­ten ei­ner Par­tei geht, wel­cher die un­ent­gelt­li­che Rechts­pfle­ge be­wil­ligt wor­den ist.
Art. 110 Rechtsmittel
Der Kos­ten­ent­scheid ist selbst­stän­dig nur mit Be­schwer­de an­fecht­bar.
Art. 111 Liquidation der Prozesskosten
1Die Ge­richts­kos­ten wer­den mit den ge­leis­te­ten Vor­schüs­sen der Par­tei­en ver­rech­net. Ein Fehl­be­trag wird von der kos­ten­pflich­ti­gen Per­son nach­ge­for­dert.
2Die kos­ten­pflich­ti­ge Par­tei hat der an­de­ren Par­tei die ge­leis­te­ten Vor­schüs­se zu er­set­zen so­wie die zu­ge­spro­che­ne Par­tei­ent­schä­di­gung zu be­zah­len.
3Vor­be­hal­ten blei­ben die Be­stim­mun­gen über die un­ent­gelt­li­che Rechts­pfle­ge.
Art. 112 Stundung, Erlass, Verjährung und Verzinsung der Gerichtskosten
1Ge­richts­kos­ten kön­nen ge­stun­det oder bei dau­ern­der Mit­tel­lo­sig­keit er­las­sen wer­den.
2Die For­de­run­gen ver­jäh­ren zehn Jah­re nach Ab­schluss des Ver­fah­rens.
3Der Ver­zugs­zins be­trägt 5 Pro­zent.
3. Kapitel: Besondere Kostenregelungen
Art. 113 Schlichtungsverfahren
1Im Schlich­tungs­ver­fah­ren wer­den kei­ne Par­tei­ent­schä­di­gun­gen ge­spro­chen. Vor­be­hal­ten bleibt die Ent­schä­di­gung ei­ner un­ent­gelt­li­chen Rechts­bei­stän­din oder ei­nes un­ent­gelt­li­chen Rechts­bei­stan­des durch den Kan­ton.
2Kei­ne Ge­richts­kos­ten wer­den ge­spro­chen in Strei­tig­kei­ten:
nach dem Gleich­stel­lungs­ge­setz vom 24. März 19951;
nach dem Be­hin­der­ten­gleich­stel­lungs­ge­setz vom 13. De­zem­ber 20022;
aus Mie­te und Pacht von Wohn- und Ge­schäfts­räu­men so­wie aus land­wirt­schaft­li­cher Pacht;
aus dem Ar­beits­ver­hält­nis so­wie nach dem Ar­beits­ver­mitt­lungs­ge­setz vom 6. Ok­to­ber 19893 bis zu ei­nem Streit­wert von 30 000 Fran­ken;
nach dem Mit­wir­kungs­ge­setz vom 17. De­zem­ber 19934;
aus Zu­satz­ver­si­che­run­gen zur so­zia­len Kran­ken­ver­si­che­rung nach dem Bun­des­ge­setz vom 18. März 19945 über die Kran­ken­ver­si­che­rung.
3 SR 823.11
4 SR 822.14
Art. 114 Entscheidverfahren
Im Ent­scheid­ver­fah­ren wer­den kei­ne Ge­richts­kos­ten ge­spro­chen bei Strei­tig­kei­ten:
Art. 115 Kostentragungspflicht
Bei bös- oder mut­wil­li­ger Pro­zess­füh­rung kön­nen die Ge­richts­kos­ten auch in den un­ent­gelt­li­chen Ver­fah­ren ei­ner Par­tei auf­er­legt wer­den.
1Die Kan­to­ne kön­nen wei­te­re Be­frei­un­gen von den Pro­zess­kos­ten ge­wäh­ren.
2Be­frei­un­gen, wel­che ein Kan­ton sich selbst, sei­nen Ge­mein­den und an­de­ren kan­to­nal­recht­li­chen Kör­per­schaf­ten ge­währt, gel­ten auch für den Bund.
4. Kapitel: Unentgeltliche Rechtspflege
Ei­ne Per­son hat An­spruch auf un­ent­gelt­li­che Rechts­pfle­ge, wenn:
sie nicht über die er­for­der­li­chen Mit­tel ver­fügt; und
ihr Rechts­be­geh­ren nicht aus­sichts­los er­scheint.
1Die un­ent­gelt­li­che Rechts­pfle­ge um­fasst:
die Be­frei­ung von Vor­schuss- und Si­cher­heits­leis­tun­gen;
die Be­frei­ung von den Ge­richts­kos­ten;
die ge­richt­li­che Be­stel­lung ei­ner Rechts­bei­stän­din oder ei­nes Rechts­bei­stan­des, wenn dies zur Wah­rung der Rech­te not­wen­dig ist, ins­be­son­de­re wenn die Ge­gen­par­tei an­walt­lich ver­tre­ten ist; die Rechts­bei­stän­din oder der Rechts­bei­stand kann be­reits zur Vor­be­rei­tung des Pro­zes­ses be­stellt wer­den.
2Sie kann ganz oder teil­wei­se ge­währt wer­den.
3Sie be­freit nicht von der Be­zah­lung ei­ner Par­tei­ent­schä­di­gung an die Ge­gen­par­tei.
1Das Ge­such um un­ent­gelt­li­che Rechts­pfle­ge kann vor oder nach Ein­tritt der Rechts­hän­gig­keit ge­stellt wer­den.
2Die ge­such­stel­len­de Per­son hat ih­re Ein­kom­mens- und Ver­mö­gens­ver­hält­nis­se dar­zu­le­gen und sich zur Sa­che so­wie über ih­re Be­weis­mit­tel zu äus­sern. Sie kann die Per­son der ge­wünsch­ten Rechts­bei­stän­din oder des ge­wünsch­ten Rechts­bei­stands im Ge­such be­zeich­nen.
3Das Ge­richt ent­schei­det über das Ge­such im sum­ma­ri­schen Ver­fah­ren. Die Ge­gen­par­tei kann an­ge­hört wer­den. Sie ist im­mer an­zu­hö­ren, wenn die un­ent­gelt­li­che Rechts­pfle­ge die Leis­tung der Si­cher­heit für die Par­tei­ent­schä­di­gung um­fas­sen soll.
4Die un­ent­gelt­li­che Rechts­pfle­ge kann aus­nahms­wei­se rück­wir­kend be­wil­ligt wer­den.
5Im Rechts­mit­tel­ver­fah­ren ist die un­ent­gelt­li­che Rechts­pfle­ge neu zu be­an­tra­gen.
6Aus­ser bei Bös- oder Mut­wil­lig­keit wer­den im Ver­fah­ren um die un­ent­gelt­li­che Rechts­pfle­ge kei­ne Ge­richts­kos­ten er­ho­ben.
Art. 120 Entzug der unentgeltlichen Rechtspflege
Das Ge­richt ent­zieht die un­ent­gelt­li­che Rechts­pfle­ge, wenn der An­spruch dar­auf nicht mehr be­steht oder nie be­stan­den hat.
Wird die un­ent­gelt­li­che Rechts­pfle­ge ganz oder teil­wei­se ab­ge­lehnt oder ent­zo­gen, so kann der Ent­scheid mit Be­schwer­de an­ge­foch­ten wer­den.
1Un­ter­liegt die un­ent­gelt­lich pro­zess­füh­ren­de Par­tei, so wer­den die Pro­zess­kos­ten wie folgt li­qui­diert:
die un­ent­gelt­li­che Rechts­bei­stän­din oder der un­ent­gelt­li­che Rechts­bei­stand wird vom Kan­ton an­ge­mes­sen ent­schä­digt;
die Ge­richts­kos­ten ge­hen zu­las­ten des Kan­tons;
der Ge­gen­par­tei wer­den die Vor­schüs­se, die sie ge­leis­tet hat, zu­rück­er­stat­tet;
die un­ent­gelt­lich pro­zess­füh­ren­de Par­tei hat der Ge­gen­par­tei die Par­tei­ent­schä­di­gung zu be­zah­len.
2Ob­siegt die un­ent­gelt­lich pro­zess­füh­ren­de Par­tei und ist die Par­tei­ent­schä­di­gung bei der Ge­gen­par­tei nicht oder vor­aus­sicht­lich nicht ein­bring­lich, so wird die un­ent­gelt­li­che Rechts­bei­stän­din oder der un­ent­gelt­li­che Rechts­bei­stand vom Kan­ton an­ge­mes­sen ent­schä­digt. Mit der Zah­lung geht der An­spruch auf den Kan­ton über.
1Ei­ne Par­tei, der die un­ent­gelt­li­che Rechts­pfle­ge ge­währt wur­de, ist zur Nach­zah­lung ver­pflich­tet, so­bald sie da­zu in der La­ge ist.
2Der An­spruch des Kan­tons ver­jährt zehn Jah­re nach Ab­schluss des Ver­fah­rens.
9. Titel: Prozessleitung, prozessuales Handeln und Fristen
1. Kapitel: Prozessleitung
1Das Ge­richt lei­tet den Pro­zess. Es er­lässt die not­wen­di­gen pro­zess­lei­ten­den Ver­fü­gun­gen zur zü­gi­gen Vor­be­rei­tung und Durch­füh­rung des Ver­fah­rens.
2Die Pro­zess­lei­tung kann an ei­nes der Ge­richts­mit­glie­der de­le­giert wer­den.
3Das Ge­richt kann je­der­zeit ver­su­chen, ei­ne Ei­ni­gung zwi­schen den Par­tei­en her­bei­zu­füh­ren.
Zur Ver­ein­fa­chung des Pro­zes­ses kann das Ge­richt ins­be­son­de­re:
das Ver­fah­ren auf ein­zel­ne Fra­gen oder auf ein­zel­ne Rechts­be­geh­ren be­schrän­ken;
ge­mein­sam ein­ge­reich­te Kla­gen tren­nen;
selbst­stän­dig ein­ge­reich­te Kla­gen ver­ei­ni­gen;
ei­ne Wi­der­kla­ge vom Haupt­ver­fah­ren tren­nen.
Art. 126 Sistierung des Verfahrens
1Das Ge­richt kann das Ver­fah­ren sis­tie­ren, wenn die Zweck­mäs­sig­keit dies ver­langt. Das Ver­fah­ren kann na­ment­lich sis­tiert wer­den, wenn der Ent­scheid vom Aus­gang ei­nes an­de­ren Ver­fah­rens ab­hän­gig ist.
2Die Sis­tie­rung ist mit Be­schwer­de an­fecht­bar.
Art. 127 Überweisung bei zusammenhängenden Verfahren
1Sind bei ver­schie­de­nen Ge­rich­ten Kla­gen rechts­hän­gig, die mit­ein­an­der in ei­nem sach­li­chen Zu­sam­men­hang ste­hen, so kann ein spä­ter an­ge­ru­fe­nes Ge­richt die bei ihm rechts­hän­gi­ge Kla­ge an das zu­erst an­ge­ru­fe­ne Ge­richt über­wei­sen, wenn die­ses mit der Über­nah­me ein­ver­stan­den ist.
2Die Über­wei­sung ist mit Be­schwer­de an­fecht­bar.
1Wer im Ver­fah­ren vor Ge­richt den An­stand ver­letzt oder den Ge­schäfts­gang stört, wird mit ei­nem Ver­weis oder ei­ner Ord­nungs­bus­se bis zu 1000 Fran­ken be­straft. Das Ge­richt kann zu­dem den Aus­schluss von der Ver­hand­lung an­ord­nen.
2Das Ge­richt kann zur Durch­set­zung sei­ner An­ord­nun­gen die Po­li­zei bei­zie­hen.
3Bei bös- oder mut­wil­li­ger Pro­zess­füh­rung kön­nen die Par­tei­en und ih­re Ver­tre­tun­gen mit ei­ner Ord­nungs­bus­se bis zu 2000 Fran­ken und bei Wie­der­ho­lung bis zu 5000 Fran­ken be­straft wer­den.
4Die Ord­nungs­bus­se ist mit Be­schwer­de an­fecht­bar.
2. Kapitel: Formen des prozessualen Handelns
1. Abschnitt: Verfahrenssprache
Das Ver­fah­ren wird in der Amtss­pra­che des zu­stän­di­gen Kan­tons ge­führt. Bei meh­re­ren Amtss­pra­chen re­geln die Kan­to­ne den Ge­brauch der Spra­chen.
2. Abschnitt: Eingaben der Parteien
1Ein­ga­ben sind dem Ge­richt in Pa­pier­form oder elek­tro­nisch ein­zu­rei­chen. Sie sind zu un­ter­zeich­nen.
2Bei elek­tro­ni­scher Ein­rei­chung muss die Ein­ga­be mit ei­ner qua­li­fi­zier­ten elek­tro­ni­schen Si­gna­tur ge­mä­ss Bun­des­ge­setz vom 18. März 20162 über die elek­tro­ni­sche Si­gna­tur ver­se­hen wer­den. Der Bun­des­rat re­gelt:
1 Fas­sung ge­mä­ss An­hang Ziff. II 5 des BG vom 18. März 2016 über die elek­tro­ni­sche Si­gna­tur, in Kraft seit 1. Jan. 2017 (AS 2016 4651; BBl 2014 1001).
Ein­ga­ben und Bei­la­gen in Pa­pier­form sind in je ei­nem Ex­em­plar für das Ge­richt und für je­de Ge­gen­par­tei ein­zu­rei­chen; an­dern­falls kann das Ge­richt ei­ne Nach­frist an­set­zen oder die not­wen­di­gen Ko­pi­en auf Kos­ten der Par­tei er­stel­len.
1Män­gel wie feh­len­de Un­ter­schrift und feh­len­de Voll­macht sind in­nert ei­ner ge­richt­li­chen Nach­frist zu ver­bes­sern. An­dern­falls gilt die Ein­ga­be als nicht er­folgt.
2Glei­ches gilt für un­le­ser­li­che, un­ge­bühr­li­che, un­ver­ständ­li­che oder weit­schwei­fi­ge Ein­ga­ben.
3Que­ru­la­to­ri­sche und rechts­miss­bräuch­li­che Ein­ga­ben wer­den oh­ne Wei­te­res zu­rück­ge­schickt.
3. Abschnitt: Gerichtliche Vorladung
Die Vor­la­dung ent­hält:
Na­me und Adres­se der vor­ge­la­de­nen Per­son;
die Pro­zess­sa­che und die Par­tei­en;
die Ei­gen­schaft, in wel­cher die Per­son vor­ge­la­den wird;
Ort, Da­tum und Zeit des ge­for­der­ten Er­schei­nens;
die Pro­zess­hand­lung, zu der vor­ge­la­den wird;
die Säum­nis­fol­gen;
das Da­tum der Vor­la­dung und die Un­ter­schrift des Ge­richts.
Art. 134 Zeitpunkt
Die Vor­la­dung muss min­des­tens zehn Ta­ge vor dem Er­schei­nungs­ter­min ver­sandt wer­den, so­fern das Ge­setz nichts an­de­res be­stimmt.
Art. 135 Verschiebung des Erscheinungstermins
Das Ge­richt kann einen Er­schei­nungs­ter­min aus zu­rei­chen­den Grün­den ver­schie­ben:
von Am­tes we­gen; oder
wenn es vor dem Ter­min dar­um er­sucht wird.
4. Abschnitt: Gerichtliche Zustellung
Art. 136 Zuzustellende Urkunden
Das Ge­richt stellt den be­trof­fe­nen Per­so­nen ins­be­son­de­re zu:
Vor­la­dun­gen;
Ver­fü­gun­gen und Ent­schei­de;
Ein­ga­ben der Ge­gen­par­tei.
Art. 137 Bei Vertretung
Ist ei­ne Par­tei ver­tre­ten, so er­folgt die Zu­stel­lung an die Ver­tre­tung.
1Die Zu­stel­lung von Vor­la­dun­gen, Ver­fü­gun­gen und Ent­schei­den er­folgt durch ein­ge­schrie­be­ne Post­sen­dung oder auf an­de­re Wei­se ge­gen Emp­fangs­be­stä­ti­gung.
2Sie ist er­folgt, wenn die Sen­dung von der Adres­sa­tin oder vom Adres­sa­ten oder von ei­ner an­ge­stell­ten oder im glei­chen Haus­halt le­ben­den, min­des­tens 16 Jah­re al­ten Per­son ent­ge­gen­ge­nom­men wur­de. Vor­be­hal­ten blei­ben An­wei­sun­gen des Ge­richts, ei­ne Ur­kun­de dem Adres­sa­ten oder der Adres­sa­tin per­sön­lich zu­zu­stel­len.
3Sie gilt zu­dem als er­folgt:
bei ei­ner ein­ge­schrie­be­nen Post­sen­dung, die nicht ab­ge­holt wor­den ist: am sieb­ten Tag nach dem er­folg­lo­sen Zu­stel­lungs­ver­such, so­fern die Per­son mit ei­ner Zu­stel­lung rech­nen muss­te;
bei per­sön­li­cher Zu­stel­lung, wenn die Adres­sa­tin oder der Adres­sat die An­nah­me ver­wei­gert und dies von der über­brin­gen­den Per­son fest­ge­hal­ten wird: am Tag der Wei­ge­rung.
4An­de­re Sen­dun­gen kann das Ge­richt durch ge­wöhn­li­che Post zu­stel­len.
1Mit dem Ein­ver­ständ­nis der be­trof­fe­nen Per­son kön­nen Vor­la­dun­gen, Ver­fü­gun­gen und Ent­schei­de elek­tro­nisch zu­ge­stellt wer­den. Sie sind mit ei­ner elek­tro­ni­schen Si­gna­tur ge­mä­ss Bun­des­ge­setz vom 18. März 20162 über die elek­tro­ni­sche Si­gna­tur zu ver­se­hen.
das For­mat der Vor­la­dun­gen, Ver­fü­gun­gen und Ent­schei­de so­wie ih­rer Bei­la­gen;
den Zeit­punkt, zu dem die Vor­la­dung, die Ver­fü­gung oder der Ent­scheid als zu­ge­stellt gilt.
Das Ge­richt kann Par­tei­en mit Wohn­sitz oder Sitz im Aus­land an­wei­sen, ein Zu­stel­lungs­do­mi­zil in der Schweiz zu be­zeich­nen.
Art. 141 Öffentliche Bekanntmachung
1Die Zu­stel­lung er­folgt durch Pu­bli­ka­ti­on im kan­to­na­len Amts­blatt oder im Schwei­ze­ri­schen Han­delsamts­blatt, wenn:
der Auf­ent­halts­ort der Adres­sa­tin oder des Adres­sa­ten un­be­kannt ist und trotz zu­mut­ba­rer Nach­for­schun­gen nicht er­mit­telt wer­den kann;
ei­ne Zu­stel­lung un­mög­lich ist oder mit aus­ser­or­dent­li­chen Um­trie­ben ver­bun­den wä­re;
ei­ne Par­tei mit Wohn­sitz oder Sitz im Aus­land ent­ge­gen der An­wei­sung des Ge­richts kein Zu­stel­lungs­do­mi­zil in der Schweiz be­zeich­net hat.
2Die Zu­stel­lung gilt am Tag der Pu­bli­ka­ti­on als er­folgt.
3. Kapitel: Fristen, Säumnis und Wiederherstellung
1. Abschnitt: Fristen
Art. 142 Beginn und Berechnung
1Fris­ten, die durch ei­ne Mit­tei­lung oder den Ein­tritt ei­nes Er­eig­nis­ses aus­ge­löst wer­den, be­gin­nen am fol­gen­den Tag zu lau­fen.
2Be­rech­net sich ei­ne Frist nach Mo­na­ten, so en­det sie im letz­ten Mo­nat an dem Tag, der die­sel­be Zahl trägt wie der Tag, an dem die Frist zu lau­fen be­gann. Fehlt der ent­spre­chen­de Tag, so en­det die Frist am letz­ten Tag des Mo­nats.
3Fällt der letz­te Tag ei­ner Frist auf einen Sams­tag, einen Sonn­tag oder einen am Ge­richts­ort vom Bun­des­recht oder vom kan­to­na­len Recht an­er­kann­ten Fei­er­tag, so en­det sie am nächs­ten Werk­tag.
Art. 143 Einhaltung
1Ein­ga­ben müs­sen spä­tes­tens am letz­ten Tag der Frist beim Ge­richt ein­ge­reicht oder zu des­sen Han­den der Schwei­ze­ri­schen Post oder ei­ner schwei­ze­ri­schen di­plo­ma­ti­schen oder kon­su­la­ri­schen Ver­tre­tung über­ge­ben wer­den.
2Bei elek­tro­ni­scher Ein­rei­chung ist für die Wah­rung ei­ner Frist der Zeit­punkt mass­ge­bend, in dem die Quit­tung aus­ge­stellt wird, die be­stä­tigt, dass al­le Schrit­te ab­ge­schlos­sen sind, die auf der Sei­te der Par­tei für die Über­mitt­lung not­wen­dig sind.1
3Die Frist für ei­ne Zah­lung an das Ge­richt ist ein­ge­hal­ten, wenn der Be­trag spä­tes­tens am letz­ten Tag der Frist zu­guns­ten des Ge­richts der Schwei­ze­ri­schen Post über­ge­ben oder ei­nem Post- oder Bank­kon­to in der Schweiz be­las­tet wor­den ist.
1Ge­setz­li­che Fris­ten kön­nen nicht er­streckt wer­den.
2Ge­richt­li­che Fris­ten kön­nen aus zu­rei­chen­den Grün­den er­streckt wer­den, wenn das Ge­richt vor Fri­sta­blauf dar­um er­sucht wird.
1Ge­setz­li­che und ge­richt­li­che Fris­ten ste­hen still:
vom 15. Ju­li bis und mit dem 15. Au­gust;
2Die­ser Fris­ten­still­stand gilt nicht für:
das Schlich­tungs­ver­fah­ren;
das sum­ma­ri­sche Ver­fah­ren.
3Die Par­tei­en sind auf die Aus­nah­men nach Ab­satz 2 hin­zu­wei­sen.
4Vor­be­hal­ten blei­ben die Be­stim­mun­gen des SchKG1 über die Be­trei­bungs­fe­ri­en und den Rechts­s­till­stand.
1Bei Zu­stel­lung wäh­rend des Still­stan­des be­ginnt der Fris­ten­lauf am ers­ten Tag nach En­de des Still­stan­des.
2Wäh­rend des Still­stan­des der Fris­ten fin­den kei­ne Ge­richts­ver­hand­lun­gen statt, es sei denn, die Par­tei­en sei­en ein­ver­stan­den.
2. Abschnitt: Säumnis und Wiederherstellung
1Ei­ne Par­tei ist säu­mig, wenn sie ei­ne Pro­zess­hand­lung nicht frist­ge­recht vor­nimmt oder zu ei­nem Ter­min nicht er­scheint.
2Das Ver­fah­ren wird oh­ne die ver­säum­te Hand­lung wei­ter­ge­führt, so­fern das Ge­setz nichts an­de­res be­stimmt.
3Das Ge­richt weist die Par­tei­en auf die Säum­nis­fol­gen hin.
Art. 148 Wiederherstellung
1Das Ge­richt kann auf Ge­such ei­ner säu­mi­gen Par­tei ei­ne Nach­frist ge­wäh­ren oder zu ei­nem Ter­min er­neut vor­la­den, wenn die Par­tei glaub­haft macht, dass sie kein oder nur ein leich­tes Ver­schul­den trifft.
2Das Ge­such ist in­nert zehn Ta­gen seit Weg­fall des Säum­nis­grun­des ein­zu­rei­chen.
3Ist ein Ent­scheid er­öff­net wor­den, so kann die Wie­der­her­stel­lung nur in­ner­halb von sechs Mo­na­ten seit Ein­tritt der Rechts­kraft ver­langt wer­den.
Art. 149 Verfahren der Wiederherstellung
Das Ge­richt gibt der Ge­gen­par­tei Ge­le­gen­heit zur Stel­lung­nah­me und ent­schei­det end­gül­tig.
1Ge­gen­stand des Be­wei­ses sind recht­s­er­heb­li­che, strei­ti­ge Tat­sa­chen.
2Be­weis­ge­gen­stand kön­nen auch Übung, Orts­ge­brauch und, bei ver­mö­gens­recht­li­chen Strei­tig­kei­ten, aus­län­di­sches Recht sein.
Of­fen­kun­di­ge und ge­richts­no­to­ri­sche Tat­sa­chen so­wie all­ge­mein an­er­kann­te Er­fah­rungs­sät­ze be­dür­fen kei­nes Be­wei­ses.
1Je­de Par­tei hat das Recht, dass das Ge­richt die von ihr form- und frist­ge­recht an­ge­bo­te­nen taug­li­chen Be­weis­mit­tel ab­nimmt.
2Rechts­wid­rig be­schaff­te Be­weis­mit­tel wer­den nur be­rück­sich­tigt, wenn das In­ter­es­se an der Wahr­heits­fin­dung über­wiegt.
1Das Ge­richt er­hebt von Am­tes we­gen Be­weis, wenn der Sach­ver­halt von Am­tes we­gen fest­zu­stel­len ist.
2Es kann von Am­tes we­gen Be­weis er­he­ben, wenn an der Rich­tig­keit ei­ner nicht strei­ti­gen Tat­sa­che er­heb­li­che Zwei­fel be­ste­hen.
Vor der Be­weis­ab­nah­me wer­den die er­for­der­li­chen Be­weis­ver­fü­gun­gen ge­trof­fen. Dar­in wer­den ins­be­son­de­re die zu­ge­las­se­nen Be­weis­mit­tel be­zeich­net und wird be­stimmt, wel­cher Par­tei zu wel­chen Tat­sa­chen der Haupt- oder der Ge­gen­be­weis ob­liegt. Be­weis­ver­fü­gun­gen kön­nen je­der­zeit ab­ge­än­dert oder er­gänzt wer­den.
1Die Be­weis­ab­nah­me kann an ei­nes oder meh­re­re der Ge­richts­mit­glie­der de­le­giert wer­den.
2Aus wich­ti­gen Grün­den kann ei­ne Par­tei die Be­weis­ab­nah­me durch das ur­tei­len­de Ge­richt ver­lan­gen.
3Die Par­tei­en ha­ben das Recht, an der Be­weis­ab­nah­me teil­zu­neh­men.
Ge­fähr­det die Be­weis­ab­nah­me die schutz­wür­di­gen In­ter­es­sen ei­ner Par­tei oder Drit­ter, wie ins­be­son­de­re de­ren Ge­schäfts­ge­heim­nis­se, so trifft das Ge­richt die er­for­der­li­chen Mass­nah­men.
Das Ge­richt bil­det sich sei­ne Über­zeu­gung nach frei­er Wür­di­gung der Be­wei­se.
1Das Ge­richt nimmt je­der­zeit Be­weis ab, wenn:
das Ge­setz einen ent­spre­chen­den An­spruch ge­währt; oder
die ge­such­stel­len­de Par­tei ei­ne Ge­fähr­dung der Be­weis­mit­tel oder ein schutz­wür­di­ges In­ter­es­se glaub­haft macht.
2An­zu­wen­den sind die Be­stim­mun­gen über die vor­sorg­li­chen Mass­nah­men.
Ist ei­ne ju­ris­ti­sche Per­son Par­tei, so wer­den ih­re Or­ga­ne im Be­weis­ver­fah­ren wie ei­ne Par­tei be­han­delt.