Source: https://www.strafrechtsblogger.de/tag/tatort/
Timestamp: 2019-01-20 07:40:18
Document Index: 232709125

Matched Legal Cases: ['§ 242', '§ 315', '§ 223', '§ 242', '§ 243', '§ 243', '§ 104', '§ 136', '§ 263', '§ 242', '§ 225', '§ 223', '§ 263']

Tatort | strafrechtsblogger
Dient. Auch. Der Polizei.
Diebstahl, § 242 StGB Gefährdung des Straßenverkehrs Mord / Totschlag Schwerer Diebstahl Strafprozessrecht Tatort
Bundeswehr Hannover Lindholm Luftwaffe Tatort Transall
Manchmal erfordern außergewöhnliche Fälle auch außergewöhnliche Ermittlungsmethoden. Kommissarin Charlotte Lindholm (Maria Furtwängler) hat dies im Tatort vom 22. November 2015 bewiesen. Sie borgte sich auf dem kurzen Dienstweg eine Transall der Bundeswehr aus, um den mordverdächtigen Hauptfeldwebel Kristin Göbel (Jasmin Gerat) eben auch auf Sardinien befragen zu können. Das musste schon sein, immerhin hatte die Kommissarin die ganze Zeit nur bei der Luftwaffe am Boden ermittelt.
Anlass dafür war der Tod von Lore Körner, der Ehefrau eines Piloten. Diese hatte während der Dienstabwesenheit ihres Mannes wohl mehrere Beziehungen zu anderen Männern, unter anderem zu Paul Goebel, dem Ehemann von Hauptfeldwebel Kristin Goebel. Ein klassisches Beziehungsgeflecht entspinnt sich, doch wer Lore Körner getötet hat, bleibt zunächst im Unklaren. Einerseits könnte es der Pilot Jan Körner gewesen sein, der sich offenbar nicht immer unter Kontrolle hat und seine Aggressivität zeigt, indem er seinen Rivalen Paul Goebel zunächst gefährlich mit dem Auto bedrängt und anschließend zusammenschlägt – Gefährdung des Straßenverkehrs evtl. gem. § 315c Abs. 1 Nr. 2 lit. b), d) und e) sowie Körperverletzung gem. § 223 StGB. Andererseits macht sich auch der Soldat Lutz Steinmann verdächtig, der in das Haus von Lore Körner eindringt und dort Dokumente entwendet – wohl vollendeter Diebstahl gem. § 242 Abs. 1 StGB, bei dem ein besonders schwerer Fall gem. § 243 Abs. 1 S. 2 Nr. 1 StGB zwar anscheinend vorliegt, vermutlich wegen § 243 Abs. 2 StGB (geringwertige Sache) aber doch nicht gegeben ist.
Immerhin hat Kommissarin Lindholm einen ermittelnden Staatsanwalt an ihrer Seite, der im Gegensatz zu der Kommissarin in der Auswahl seiner Ermittlungsmaßnahmen weniger pragmatisch ist. So weist er sie beispielsweise auf die eingeschränkte Möglichkeit einer Durchsuchung zur Nachtzeit gem. § 104 StPO sowie die unzulässige Täuschung bei der Vernehmung gem. § 136a StPO hin und hält sich auch bei der Erwirkung von Haftbefehlen zurück. Aus Sicht der Kommissarin wohl ein richtiger Spielverderber.
Also wendet sich die Kommissarin, als sich die Hinweise auf eine Täterschaft von Kristin Goebel verdichten, lieber gleich an den Kommandeur des Luftwaffenstützpunktes, um ihren privaten Flug nach Sardinien zu organisieren. Dort gesteht Goebel ganz offen, Lore Körner zusammen mit ihrem eigenen Mann Paul Goebel angetroffen, dann die Kontrolle verloren und Lore erschlagen zu haben. Doch weil der Titel des Tatorts doch noch Niederschlag im Film finden muss, braucht es natürlich einen richtigen „Spielverderber“. In diesem Fall ist es offensichtlich Kristin Goebel selbst, die nach ihrem umfangreichen Geständnis auf dem Rückflug aus Sardinien plötzlich eine Tür der Transall öffnet und im wahrsten Sinne des Wortes den Abflug macht. Zurück bleibt die Ratlosigkeit.
Lieber guter Weihnachtsmann?!
Betrug § 263 StGB Diebstahl, § 242 StGB Körperverletzung Mord / Totschlag Tatort Verstoß gegen Betäubungsmittelgesetz (BtMG)
Bettelbetrug BtmG Konstanz Misshandlung von Schutzbefohlenen Spendenbetrug Tatort
Am Bodensee ist schon Weihnachten – jedenfalls im Konstanzer Tatort vom 01. November 2015. Doch sind die Vorgänge wenig besinnlich. Gleich zu Beginn erschlägt ein Weihnachtsmann die junge Mutter Vanessa Koch (Mandy Rudski) mit einer Axt. Am Morgen danach finden die Kommissare Klara Blum (Eva Mattes) und Kai Perlmann (Sebastian Bezzel) den völlig unterkühlten Säugling Alexander unweit seiner toten Mutter.
Das Ergebnis der Ermittlungen sei an dieser Stelle vorweggenommen: Verantwortlich für den schrecklichen Tod von Vanessa Koch ist ein Mitbewohner aus der Obdachlosen-WG, in der sich die junge Frau regelmäßig zum Trinken aufhielt. Er sah sich zu der Tat hingerissen, weil er glaubte, so wenigstens das Baby in Zukunft vor der selbstzerstörerischen Lebensweise der Mutter bewahren zu können. Nach übereinstimmenden Berichten der Bewohner hatte Vanessa Koch ihr Baby bereits mehrfach so heftig geschüttelt, dass es ein Schütteltrauma erlitt und einmal sogar mit dem Kopf gegen die Wand schlug. In diesem Fall dürfte unstreitig eine Misshandlung von Schutzbefohlenen gem. § 225 StGB vorliegen, die im Verhältnis zur einfachen Körperverletzung gem. § 223 StGB in der genannten Handlungsform wohl das speziellere Delikt darstellt.
Doch es werden nicht nur strafbare Handlungen der Mutter selbst aufgedeckt. Die Kommissare stoßen nebenher auf eine ganze Reihe von Delikten, beispielsweise Diebstahl innerhalb der WG, gegenseitige Körperverletzungen und „zur Not finden wir auch was im BtMG“ erwidert Kommissarin Blum, als sie nach dem Grund für ihre Ermittlungsmaßnahmen gefragt wird.
Was aber anscheinend stillschweigend hingenommen wird, ist, dass die Obdachlosen aus der WG als Weihnachtsmänner verkleidet auf Weihnachtsmärkten Geld „für die Orang-Utans“ sammeln. Doch bis auf das Spendensammeln haben sie dann tatsächlich doch eher wenig mit den gefährdeten Orang-Utans zu tun. Es entsteht der Eindruck, dass die Obdachlosen mit dem eingenommenen Geld vielmehr ihren Lebensunterhalt bestreiten, insbesondere auch Alkohol kaufen. Nun könnte man überlegen, ob das Sammeln von Spenden, die eigentlich gar nicht ihrem vorgegebenen Zweck dienen, einen Betrug darstellt.
Ein Betrug gem. § 263 StGB setzt zunächst voraus, dass über Tatsachen getäuscht wird. Dies ist hier bezüglich der Orang-Utans der Fall. Dann muss aufgrund der Täuschung ein Irrtum bei einem anderen entstehen. Sofern die Besucher des Weihnachtsmarktes glauben, dass die Spenden für die Orang-Utans gedacht sind, befinden sie sich darüber im Irrtum. Aufgrund des Irrtums muss dann durch den Getäuschten eine Vermögensverfügung vorgenommen werden, die hier auf den ersten Blick in Form der Geldspende vorliegt. Und schließlich muss die Vermögensverfügung zu einem Vermögensschaden führen.
Im vorliegenden Fall ist jedoch bereits fraglich, ob wirklich eine tatbestandliche Vermögensverfügung vorliegt, weil der Geldspender sich ja bewusst ist, dass er sein Geld einem anderen überlässt und wie viel. Beim Betrug werden nämlich grundsätzlich nur unbewusste Selbstschädigungen erfasst. Andererseits könnte man sich in diesem Zusammenhang dann auch spätestens fragen, ob der Geldspender tatsächlich einen Vermögensschaden erlitten hat. Der Zweck seiner Spende (an die Orang-Utans) wurde zwar offensichtlich verfehlt. Allerdings wird eine solche „Zweckverfehlungslehre“ heute überwiegend abgelehnt, mit dem Ergebnis, dass das alleinige Verfehlen eines motivgebenden Zwecks nicht zu einem Vermögensschaden führt. Ohnehin bliebe die „Spendenaktion“ für die vom Leben gezeichneten Weihnachtsmänner im Tatort wohl eher das geringste Problem. Das merken auch Blum und Perlmann.