Source: https://www.rechtslupe.de/strafrecht/153-153a-stpo-im-klageerzwingungsverfahren-370275
Timestamp: 2020-07-05 01:04:38
Document Index: 338950330

Matched Legal Cases: ['§ 153', '§ 153', '§ 153', '§ 153', '§ 153', '§ 174', '§ 170', '§ 153', '§ 153', '§ 174', '§ 170', '§ 172', '§ 174', '§ 174', '§ 174']

§§ 153, 153a StPO im Klageerzwingungsverfahren | Rechtslupe
§§ 153, 153a StPO im Kla­ge­er­zwin­gungs­ver­fah­ren
Auch im Kla­ge­er­zwin­gungs­ver­fah­ren kann von den Ein­stel­lungs­mög­lich­kei­ten gem. §§ 153, 153a StPO Gebrauch gemacht wer­den.
Die Anwend­bar­keit der §§ 153 ff. StPO im gericht­li­chen Kla­ge­er­zwin­gungs­ver­fah­ren ist aller­dings umstrit­ten.
Wäh­rend ein Teil der Recht­spre­chung und Lite­ra­tur die Ein­stel­lungs­mög­lich­keit ent­spre­chend §§ 153 ff. StPO unter Hin­weis auf sys­te­ma­ti­sche Zusam­men­hän­ge nicht für mög­lich hält, sobald der Kla­ge­er­zwin­gungs­an­trag beim Ober­lan­des­ge­richt ange­bracht ist [1] wird von der über­wie­gen­den Anzahl der Ober­lan­des­ge­rich­te die Anwend­bar­keit mit unter­schied­li­chen dog­ma­ti­schen Begrün­dun­gen und Kon­se­quen­zen, vor allem im Hin­blick auf pro­zess­öko­no­mi­sche Erwä­gun­gen bejaht [2].
Die­ser Auf­fas­sung folgt auch das Ober­lan­des­ge­richt Braun­schweig. Dem Ober­lan­des­ge­richt als Gericht höhe­rer Ord­nung kann grund­sätz­lich nicht ver­wehrt sein, beim Vor­lie­gen der ent­spre­chen­den Vor­aus­set­zun­gen über eine Ein­stel­lung zu ent­schei­den, zu der die unter­ge­ord­ne­ten Gerich­te nach Durch­füh­rung des Kla­ge­er­zwin­gungs­ver­fah­rens unstrei­tig berech­tigt sind.
Der von der Gegen­mei­nung ange­führ­te Zweck des Kla­ge­er­zwin­gungs­ver­fah­rens, das Lega­li­täts­prin­zip zu sichern, wird in jedem Fall dadurch erreicht, dass das Ober­lan­des­ge­richt die Ankla­ge­vor­aus­set­zun­gen, ins­be­son­de­re auch das Vor­lie­gen des hin­rei­chen­den Tat­ver­dachts, prüft und steht der zusätz­li­chen Berück­sich­ti­gung von Oppor­tu­ni­täts­ge­sichts­punk­ten nicht ent­ge­gen.
Dage­gen ist die von den Ober­lan­des­ge­rich­ten Stutt­gart und Hamm vor­ge­nom­me­ne Aus­le­gung des Wort­lauts des § 174 StPO, wonach der Begriff des "genü­gen­den Anlas­ses" im Sin­ne die­ser Vor­schrift nicht gleich­be­deu­tend mit den hin­rei­chen­den Tat­ver­dach­te im Sin­ne des § 170 StPO sei, son­dern dar­über hin­aus beinhal­te, dass die Vor­aus­set­zun­gen für eine Ein­stel­lung nach §§ 153 ff. StPO nicht vor­lä­gen [3] nicht zwin­gend und fin­det auch kei­ne Stüt­ze im Gesetz; fer­ner passt sie ins­be­son­de­re nicht auf den Fall einer Ein­stel­lung nach § 153a StPO, wo alle Ankla­ge­vor­aus­set­zun­gen vor­lie­gen und das Maß der Schuld in der Regel nicht als völ­lig unbe­deu­tend ein­zu­stu­fen ist. Viel­mehr spricht der Zweck des Kla­ge­er­zwin­gungs­ver­fah­rens, das Lega­li­täts­prin­zip zu sichern, für eine Gleich­stel­lung des "genü­gen­den Anlas­ses zur Erhe­bung der öffent­li­che Kla­ge" im Sin­ne des § 174 StPO mit dem hin­rei­chen­den Tat­ver­dacht im Sin­ne des § 170 StPO [4].
Eine gleich­zei­ti­ge Ent­schei­dung über den Kla­ge­er­zwin­gungs­an­trag durch Ver­wer­fung als unzu­läs­sig (ent­spre­chend § 172 Abs. 2 S. 3 StPO) [5] oder unbe­grün­det [6] ist daher nicht ver­an­lasst.
Mey­er-Goß­ner, StPO, 56. Auf­la­ge, § 174, Rn. 3; OLG Ham­burg, VRS 38 (1970) 442; Graal­mann-Schee­rer in Löwe-Rosen­berg, StPO, 26. Auf­la­ge, § 174, Rn. 8 m. w. N.[↩]
OLG Stutt­gart, Beschluss vom 03.02.1997 – 4 Ws 230/​96; MDR 82, 954; OLG Braun­schweig, NJW 1958, 1361/​1362; OLG Cel­le, MDR 1985, 249/​250; OLG Köln, NJW 1991, 764/​765; OLG Hamm, NJW 75, 1984[↩]
OLG Stutt­gart, a. a. O.; OLG Hamm, a. a. O.[↩]
so auch Graal­mann-Schee­rer in Löwe-Rosen­berg, StPO, 26. Auf­la­ge, § 174, Rn. 9[↩]
OLG Hamm, Beschluss vom 20.02.1975 – 2 Ws 289/​74[↩]
OLG Köln, Beschluss vom 19.07.1990 – 2 Zs 126/​89[↩]
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