Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Gericht=BVerwG&Datum=17.12.2001&Aktenzeichen=6%20B%2061.01
Timestamp: 2019-03-26 23:31:54
Document Index: 203083701

Matched Legal Cases: ['§ 113', '§ 113', '§ 113', '§ 113', '§ 113', '§ 132', '§ 113', '§ 113', '§ 113', '§ 113', '§ 113', '§ 132', 'Art. 19', '§ 113', '§ 113', '§ 113', '§ 42', '§ 132', '§ 37', '§ 40', '§ 132', '§ 91', 'Art. 19', '§ 113', '§ 113']

BVerwG, 17.12.2001 - 6 B 61.01 - dejure.org
Beschwerde gegen die Nichtzulassung der Revision wegen grundsätzlicher Bedeutung der Rechtssache und Divergenzrüge - Zulässigkeitsvoraussetzungen der Fortsetzungsfeststellungsklage - Vorliegen eines berechtigten Interesses bei beabsichtigter Schadensersatzklage, Rehabilitation und Wiederholungsgefahr - Erledigung eines belastenden Verwaltungsaktes durch Widerruf nach Klageerhebung - Eingriff in das Grundrecht der Berufsausübung durch Verletzung der Freiheit und Ehre - Inhalt und Außenwirkung von norminterpretierenden Verwaltungsvorschriften - Widerruf eines Verweises der Börsenaufsichtsbehörde wegen Eigen- bzw. Aufgabegeschäft trotz Vermittlungsmöglichkeit
Zur Frage des berechtigten Interesses an einer Fortsetzungsfeststellungsklage nach unzureichender Aufhebung eines börsenrechtlichen Verweises der Börsenaufsichtsbehörde
Berechtigtes Interesse an der Feststellung der Rechtswidrigkeit eines aufgehobenen Sanktionsbescheids
VGH Hessen, 29.06.2001 - 8 UE 1541/98
NVwZ-RR 2002, 323
WM 2002, 723
DVBl 2002, 856 (Ls.)
Erklärt das Berufungsgericht eine Fortsetzungsfeststellungsklage wegen Fehlens eines berechtigten Interesses im Sinne des § 113 Abs. 1 Satz 4 VwGO an der Feststellung der Rechtswidrigkeit des Verwaltungsakts für unzulässig, so liegt ein Verfahrensmangel vor, wenn in der Sache hätte entschieden werden müssen (Beschluss vom 17. Dezember 2001 - BVerwG 6 B 61.01 - NVwZ-RR 2002, 323).
In der Rechtsprechung ist geklärt, dass für die Anwendung des § 113 Abs. 1 Satz 4 VwGO jedes nach vernünftigen Erwägungen schutzwürdige Interesse rechtlicher, wirtschaftlicher oder auch ideeller Art genügt (Urteil vom 21. November 1980 - BVerwG 7 C 18.79 - BVerwGE 61, 164 = Buchholz 310 § 113 VwGO Nr. 100 S. 32 und Beschluss vom 17. Dezember 2001 a.a.O.).
Dementsprechend ist ein Verfahrensfehler gegeben, wenn die Vorinstanz eine Fortsetzungsfeststellungsklage wegen Fehlens eines berechtigten Interesses im Sinne des § 113 Abs. 1 Satz 4 VwGO an der Feststellung der Rechtswidrigkeit des erledigten Verwaltungsakts für unzulässig erklärt, richtigerweise jedoch in der Sache hätte entscheiden müssen (Beschlüsse vom 16. Oktober 1989 - BVerwG 7 B 108.89 - Buchholz 310 § 113 VwGO Nr. 211 S. 41, vom 17. Dezember 2001 - BVerwG 6 B 61.01 - NVwZ-RR 2002, 323 , vom 4. Oktober 2006 - BVerwG 6 B 64.06 - Buchholz 310 § 132 Abs. 2 Ziff. 1 VwGO Nr. 36 S. 4 und vom 24. Oktober 2006 - BVerwG 6 B 61.06 - Buchholz 310 § 113 Abs. 1 VwGO Nr. 24 S. 4 f.).
Für die Anwendung des § 113 Abs. 1 Satz 4 VwGO genügt jedes nach vernünftigen Erwägungen schutzwürdige Interesse rechtlicher, wirtschaftlicher oder auch ideeller Art (Urteil vom 12. September 1989 - BVerwG 1 C 40.88 - Buchholz 310 § 113 VwGO Nr. 206 S. 37 sowie Beschlüsse vom 17. Dezember 2001 a.a.O. S. 324 …und vom 24. Oktober 2006 a.a.O. S. 5).
Ein Rehabilitationsinteresse erfüllt diese Voraussetzungen, wenn es bei vernünftiger Würdigung der Verhältnisse des Einzelfalls als schutzwürdig anzuerkennen ist (Beschluss vom 18. Juli 2000 - BVerwG 1 WB 34.00 - Buchholz 310 § 113 Abs. 1 VwGO Nr. 11 S. 23), namentlich weil der Betroffene durch die behördliche Maßnahme in seinem Persönlichkeitsrecht oder anderen Grundrechtspositionen in diskriminierender Weise beeinträchtigt worden ist (vgl. Beschlüsse vom 17. Dezember 2001 a.a.O. S. 324 …und vom 4. Oktober 2006 a.a.O. S. 4).
Ob die jeweiligen Voraussetzungen, etwa Wiederholungsgefahr, vorliegen, beurteilt sich nach den Umständen des Einzelfalles (BVerwG, Beschluss vom 17. Dezember 2001 - 6 B 61.01 - NVwZ-RR 2002, 723 Rn. 6).
Soweit die Beurteilung des Feststellungsinteresses durch das materielle Recht determiniert wird und die Anerkennung des Feststellungsinteresses auf der Anwendung materiellen Rechts beruht, begründet dessen fehlerhafte Anwendung keinen Verfahrensfehler (im Ergebnis ebenso zum Fortsetzungsfeststellungsinteresse des § 113 Abs. 1 Satz 4 VwGO: BVerwG, Beschluss vom 17. Dezember 2001 - 6 B 61.01 - NVwZ-RR 2002, 723 Rn.14 m.w.N.;… s. auch Kuhlmann, in: Wysk [Hrsg.] VwGO, 2. Aufl. 2016, § 132 Rn. 38).
Zusätzlich kann sich unter dem Gesichtspunkt effektiven Rechtsschutzes (Art. 19 Abs. 4 GG) ein berechtigtes Feststellungsinteresse jedenfalls daraus ergeben, dass die erledigte Maßnahme eine fortdauernde faktische Grundrechtsbeeinträchtigung nach sich zieht (vgl. BVerfG, Beschluss vom 30. April 1997 2 BvR 817/90, 728/92, 802/95, 1065/95; BVerwG, Urteile vom 21. November 1980 BVerwG 7 C 18.79 - und vom 23. März 1999 BVerwG 1 C 12.97 sowie Beschluss vom 17. Dezember 2001 BVerwG 6 B 61.01;… Gerhardt, in: Schoch/Schmidt-Aßmann/Pietzner, VwGO, § 113 RNr. 91;… Kopp/Schenke, VwGO, 13. Aufl., § 113 RNr. 146 m. w. N.).
Anfechtung der Bewertung von Aufsichtsarbeiten im Ersten juristischen …
vgl. BVerwG, Beschluss vom 17. Dezember 2001 6 B 61.01 , NVwZ-RR 2002, 323 (324); Wolff, in: Sodan/Ziekow, VwGO, 3. Aufl., § 113 Rn. 268.
Verkennt ein Gericht die prozessuale Bedeutung des § 42 Abs. 2 VwGO und weist es daher eine Anfechtungsklage wegen Fehlens der Klagebefugnis als unzulässig ab, so liegt darin ein Verfahrensmangel im Sinne des § 132 Abs. 2 Nr. 3 VwGO, wenn in der Sache hätte entschieden werden müssen (vgl. auch Beschluss vom 17. Dezember 2001 - BVerwG 6 B 61.01 - NVwZ-RR 2002, 323 und vom 6. September 2000 - BVerwG 7 B 216.99 - Buchholz 428 § 37 VermG Nr. 29 m.w.N.;… Wysk, in: ders., VwGO, 2011, Vorb. §§ 40 bis 53 Rn. 14 m.w.N.).
Ob die von der Geschäftsführung der Beklagten zur Schließung dieser Regelungslücke erlassenen Preisfeststellungsregeln noch in jeder Hinsicht als normkonkretisierende Verwaltungsvorschriften zu betrachten sind (das Bundesverwaltungsgericht hat dies in seinem Beschluss vom 17. Dezember 2001 - BVerwG 6 B 61.01 -, NVwZ-RR 2002, 323, offen gelassen) oder ob die Geschäftsführung hierbei durch "normersetzende" Regelungen zumindest partiell in die dem Börsenrat zukommende Regelungskompetenz mit der möglichen Folge einer Unwirksamkeit dieser Vorschriften eingegriffen hat, kann für das vorliegende Verfahren dahingestellt bleiben.
Diese Sanktionen stellen gleichsam disziplinarische Maßnahmen dar, mit denen das Verhalten des Skontroführers missbilligt wird und die einen persönlichen Schuldvorwurf beinhalten (BVerwG, Beschluss vom 17. Dezember 2001 - BVerwG 6 B 61.01 -, NVwZ-RR 2002, 323 [324]).
Verneint das Tatsachengericht fehlerhaft das Vorliegen von Sachurteilsvoraussetzungen und weist es die Klage folglich zu Unrecht durch Prozessurteil ab, kann dies grundsätzlich einen Verfahrensmangel im Sinne von § 132 Abs. 2 Nr. 3 VwGO begründen (…stRspr, siehe etwa BVerwG, Beschlüsse vom 4. Juli 1968 - 8 B 110.67 - BVerwGE 30, 111 , vom 20. Januar 1993 - 7 B 158.92 - Buchholz 310 § 91 VwGO Nr. 24 S. 4 = juris Rn. 2 und vom 17. Dezember 2001 - 6 B 61.01 - NVwZ-RR 2002, 323 = juris Rn. 14).
Zusätzlich kann sich unter dem Gesichtspunkt effektiven Rechtsschutzes (Art. 19 Abs. 4 GG) ein berechtigtes Feststellungsinteresse jedenfalls daraus ergeben, dass die erledigte Maßnahme eine fortdauernde faktische Grundrechtsbeeinträchtigung nach sich zieht (vgl. BVerfG, Beschluss vom 30. April 1997 BvR 817/90, 728/92, 802 und 1065/95 ; BVerwG, Urteile vom 21. November 1980 BVerwG 7 C 18.79 und vom 23. März 1999 BVerwG 1 C 12.97 sowie Beschluss vom 17. Dezember 2001 BVerwG 6 B 61.01 ;… Gerhardt, in: Schoch/ Schmidt Aßmann/Pietzner, VwGO, § 113 RNr. 91;… Kopp/Schenke, VwGO, 13. Aufl., § 113 RNr. 146 m.w.N.).