Source: https://www.rechtslupe.de/wirtschaftsrecht/versorgungsunterbrechung-ausserhalb-der-grundversorgung-394913
Timestamp: 2019-09-22 16:23:07
Document Index: 43575830

Matched Legal Cases: ['Art. 32', '§ 21', '§ 20', '§ 320', '§ 320', 'BGH', 'BGH', 'BGH']

Das Ener­gie­wirt­schafts­ge­setz dient unter ande­rem der Umset­zung der Richt­li­nie 2009/​72/​EG des Euro­päi­schen Par­la­ments und des Rates vom 13.07.2009 über gemein­sa­me Vor­schrif­ten für den Elek­tri­zi­täts­bin­nen­markt und zur Auf­he­bung der Richt­li­nie 2003/​54/​EG1. Gemäß Art. 32 Abs. 1 die­ser Richt­li­nie haben die Mit­glied­staa­ten ein Zugangs­sys­tem zu gewähr­leis­ten, das nach objek­ti­ven Kri­te­ri­en und ohne Dis­kri­mi­nie­rung zwi­schen den Netz­be­nut­zern ange­wandt wird. § 21 Abs. 1 EnWG, der die Pflicht aus § 20 Abs. 1 EnWG kon­kre­ti­siert, sieht in Ein­klang damit vor, dass die Bedin­gun­gen und Ent­gel­te für den Netz­zu­gang ange­mes­sen, dis­kri­mi­nie­rungs­frei und trans­pa­rent sein müs­sen.
Ein zwi­schen einem Strom­lie­fe­ran­ten und des­sen Abneh­mer ver­ein­bar­tes Recht, die Strom­lie­fe­rung zu unter­bre­chen, falls der Abneh­mer sei­nen Zah­lungs­pflich­ten nicht nach­kommt und bestimm­te wei­te­re Vor­aus­set­zun­gen vor­lie­gen, stellt eine Aus­ge­stal­tung des grund­sätz­lich auch für Strom­lie­fe­rungs­ver­trä­ge gel­ten­den gesetz­li­chen Zurück­be­hal­tungs­rechts aus § 320 BGB dar2.
Ohne beson­de­re ver­trag­li­che Ver­ein­ba­rung ist der Strom­lie­fe­rant grund­sätz­lich nur zur Lie­fe­rung Zug um Zug gegen Zah­lung ver­pflich­tet. Die­ses Prin­zip lässt sich bei der Lie­fe­rung von Strom auf­grund der tech­ni­schen Gege­ben­hei­ten zwar typi­scher­wei­se nur ein­ge­schränkt ver­wirk­li­chen. Sei­ne Umset­zung ist grund­sätz­lich aber jeden­falls in der Wei­se mög­lich, dass der Lie­fe­rant eine Unter­bre­chung der wei­te­ren Ver­sor­gung ver­an­lasst, wenn der Abneh­mer sei­ne Pflicht zur Ver­gü­tung in der Ver­gan­gen­heit nicht erfüllt hat. Bei Suk­zes­siv- und Dau­er­lie­fe­rungs­ver­trä­gen besteht das gemäß § 320 BGB erfor­der­li­che Gegen­sei­tig­keits­ver­hält­nis näm­lich nicht nur zwi­schen den auf einen ein­zel­nen Abrech­nungs­zeit­raum ent­fal­len­den Ver­pflich­tun­gen, son­dern grund­sätz­lich hin­sicht­lich aller wech­sel­sei­ti­gen Leis­tungs­pflich­ten aus der Lie­fer­be­zie­hung3.
vgl. BGH, Urteil vom 03.07.1991 – VIII ZR 190/​90, BGHZ 115, 99, 102 [↩]
BGH, Urteil vom 24.10.2006 – X ZR 124/​03, NJW-RR 2007, 325 Rn. 36 [↩]