Source: https://www.secupedia.info/wiki/DGUV_Vorschrift_25
Timestamp: 2018-07-23 11:11:06
Document Index: 348791751

Matched Legal Cases: ['§ 11', '§ 11', '§ 14', '§ 14', '§ 16', '§ 15', '§ 18', '§ 19', '§ 18', '§ 18', '§ 4', '§ 5', '§ 6', '§ 8', '§ 10', '§ 19', '§ 20', '§ 36', '§ 22', '§ 23', '§ 32', '§34', '§ 25']

DGUV Vorschrift 25 – SecuPedia
DGUV Vorschrift 25
Dies ist die am 23. August 2016 geprüfte Version.
In Deutschland regelt eine Vorschrift der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV) (früher Unfallverhütungsvorschrift) die Mindestschutzmaßnahmen der Kreditinstitute gegen Raubüberfälle: "DGUV Vorschrift 25" ist die seit Mai 2014 gültige Bezeichnung der früheren Unfallverhütungsvorschrift BGV C 9 / GUV-V C9 (UVV "Kassen"), die gemeinsam von der Verwaltungs-Berufsgenossenschaft (VBG), den öffentlich rechtlichen Versicherern (GUV / GUV-V) (mittlerweile zusammengeschlossen als "Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung" DGUV), den Spitzenorganisationen der Kreditwirtschaft, von der Polizei und den Sozialpartnern erarbeitet wurde.
1 Schutzziel
3 Höchstbeträge für griffbereite Banknoten
4 Weitere Anforderungen
5 DGUV Informationen
Die zuletzt 1988 novellierte und 2000 in "BGV C 9 / GUV-V C9" umbenannte Fassung geht von einem anderen Ansatz aus als ihre Vorgängerin: Früher wurden Überfälle und Geiselnahmen als unvermeidlich vorausgesetzt. Es ging darum, bei solchen Überfällen Personenschäden zu vermeiden, zum Beispiel mit durchschusshemmend verglasten Kassenboxen. Die aktuelle Vorschrift will Personen dadurch schützen, dass der Anreiz zu Überfällen nachhaltig abgebaut wird.
Dies erfolgt im Wesentlichen durch Schutz der Werte, z.B. durch Verringerung der griffbereiten Bargeldbestände oder Bestandsführung unter Zeitverschluss-/verzögerung.
Wo zum Beispiel Automatische Kassentresore bzw. "Beschäftigtenbediente Banknotenautomaten" (AKT bzw. BBA) eingesetzt werden, kann auf durchschusshemmende Abtrennungen verzichtet werden, wenn mindestens zwei Mitarbeiter mit Blickkontakt ständig anwesend sind.
Auch beim Einsatz von Behältnissen für zeitlich gestaffelte Betragsfreigabe können durchbruchhemmende Abtrennungen genügen. Voraussetzung ist, dass mindestens zwei Mitarbeiter mit Blickkontakt ständig anwesend sind oder ein Mitarbeiter und ein Kunde (mit Bank-/Sparkassen-Card und PIN) zusammenwirken. Alternativ: zwei Mitarbeiter wirken zusammen, und deren Anwesenheit während des Zahlungsvorgangs ist durch geeignete technische Einrichtungen (Biometrie) sichergestellt (KBA-Stelle bzw. sogenannte Plus-Lösung). Durchbruchhemmende Abtrennungen sind aber auch zulässig in Verbindung mit durchschusshemmenden Schirmen oder - ohne zusätzliche Sicherungen - wenn ständig mindestens 6 Mitarbeiter mit Blickkontakt anwesend sind. Selbst ein einzelner Kassierer kann zeitweise die Kassenbox verlassen und ohne störende Verglasung Kunden beraten, sofern der Zugang zur Kasse mit einer Biometrischen Schleuse gesichert ist.
Höchstbeträge für griffbereite Banknoten
Abhängig von der Art der Sicherung und der Zahl der ständig anwesenden Mitarbeiter werden in den "DGUV Informationen" 215-611 bis 215-613 (früher BGI/GUV-I 819.1 – 819.3) die griffbereiten Höchstbeträge pro Arbeitsplatz wie folgt eingeschränkt (Die Paragraphen beziehen sich auf die DGUV Vorschrift 25 (früher UVV "Kassen" /BGV C9 / GUV-V C9) bzw. auf die genannten DGUV Informationen.
Art der Sicherung Höchstbetrag pro Arbeitsplatz
(gem. BGI 819.2) Sperrzeiten
(gem. BGI 819.2)
Durchschusshemmende Vollabtrennung §§ 11 bis 13 bzw. Kassenbox §§ 11 bis 13, 15 (Durchschusshemmende Abtrennungen, durchschusshemmende Schirme, kraftbetriebene Sicherungen)
Bei 1 Mitarbeiter
maximal € 25.000
Bei 2 - 5 Mitarbeitern maximal € 40.000
Ab 6 Mitarbeitern
Darüber hinausgehende Beträge (Nebenbestände) müssen in zeitverschlossenen Behältnissen oder unter Doppelverschluss nach Vier-Augen-Prinzip verwahrt werden (Anmerkung: auch beim Vier-Augen-Prinzip dürfen die Sperrzeiten nicht unterschritten werden).
Alternativ: Verwendung von Behältnissen ohne zeitlich gestaffelte Betragsfreigabe unter einer Sperrzeit von mindestens 3 Minuten oder in Zeitverschlussbehältnissen mit zeitlich gestaffelter Betragsfreigabe unter einer Sperrzeit jeder Stufe von mindestens 30 Sekunden, wobei die Sperrzeit aller Stufen insgesamt jedoch mindestens 10 Minuten betragen muss, aufbewahrt werden.
in grenznahen Gebieten sollten die jeweils entsprechenden Sorten wie €-Noten behandelt werden. Empfehlung:
Durchbruchhemmende Abtrennungen
§ 14 bzw. Kassenbox §§ 14 und 15
Bei 2 - 3 Mitarbeitern max. € 10.000
Bei 4 - 5 Mitarbeitern max. € 15.000
Ab 6 Mitarbeitern max. € 50.000 Darüber hinausgehende Beträge müssen in zeitverschlossenen Behältnissen ohne zeitlich gestaffelte Betragsfreigabe unter einer Sperrzeit von mindestens 3 Minuten oder in zeitverschlossenen Behältnissen mit zeitlich gestaffelter Betragsfreigabe unter einer Sperrzeit jeder Stufe von mindestens 30 Sekunden, wobei die Sperrzeit aller Stufen insgesamt jedoch mindestens 10 Minuten betragen muss, aufbewahrt werden.
Durchbruchhemmende Vollabtrennung
§ 16 bzw. Kassenbox §§ 15 und 16
Bei 2 - 3 Mitarbeitern
maximal € 10.000
bei 4 - 5 Mitarbeitern
maximal € 15.000
Zur Nachversorgung müssen Behältnisse mit Zeitverschluss und zeitlich gestaffelter Betragsfreigabe mit einer Sperrzeit jeder Stufe von mindestens 30 Sekunden, wobei die Sperrzeit aller Stufen insgesamt jedoch mindestens 10 Minuten betragen muss, vorhanden sein.
Zusätzlich sind Behältnisse mit mindestens 3 Minuten Sperrzeit möglich.
BBA-Stelle § 18
für €-Noten sind griffbereite Banknotenbestände nicht zulässig
Auszahlung aus BBA:
bis maximal € 5.000 innerhalb von 30 Sekunden,
bis maximal € 10.000 innerhalb von 2 Minuten,
über € 10.000 bis maximal € 25.000 nach 5 Minuten.
Zugriff auf den Hauptbestand im AKT erst nach Sperrzeit von 10 Min.; Einleitung 10min. Sperrzeit zur Öffnung Hauptverschluss erst nach Kassenschluss zulässig.
für Sorten nicht zulässig Sorten 30 Sekunden
KBA-Stelle § 19 Auszahlungen nur mit Identifikation des Kunden durch Karte/PIN
Bei Auszahlung über die KBA-Stellensoftware aus dem KBA:
bis maximal € 5.000
innerhalb von 30 Sekunden,
bis maximal € 10.000
innerhalb von 2 Minuten.
Grundsätzlich ist die tägliche Auszahlung auf € 5.000 pro Kunde und Konto zu begrenzen.
Für Sorten nicht zulässig Besonderer Automat erforderlich
BBA-PLUS-Stelle § 18 mit biometrischer Anwesenheitskontrolle von
2 Mitarbeitern Für €-Noten sind griffbereite Banknotenbestände nicht zulässig
innerhalb von 2 Minuten,
über € 10.000 bis maximal € 25.000
nach 5 Minuten.
Nebenbestände beim BBA / BBA-PLUS in Zeitverschlossenen Behältnissen
§§ 18 und 21
bis € 2.500 nach 30 Sekunden bzw. bis € 10.000 nach 2 Minuten für200€- und 500€-Noten, wenn diese nicht im BBA verfügbar sind und eine Alarmauslösemöglichkeit in den Öffnungsvorgang integriert ist.
Zusätzlich können registrierte Banknoten im Nebenbestand sinnvoll sein. Diese zählen bis zu einem Betrag von € 2.000 nicht zum zulässigen Banknotenbestand.
Darüber hinaus sind beliebige Stückelungen sowie Beträge über € 10.000 nur nach 5 Minuten zulässig.
Hinweis: Geldbestände in Wertschutzräumen und Wertschutzschränken können mit Elektronikschlössern (Elektronische Schließsysteme) gegen Zugriff gesichert werden.
Die DGUV Vorschrift 25 stellt auch Forderungen an Bau und Betrieb von Kreditinstituten, die stets zu erfüllen sind. Sie betreffen Fernsprechanschlüsse (§ 4), Überfallmeldeanlagen (§§ 5, 27, 37), Optische Raumüberwachungsanlagen (§§ 6, 27, 37), Kunden- und Personaleingänge/Türen (§§ 8, 9, 30), Fenster (§ 10, 31), Kundenbediente Banknotenautomaten (KBA) und Tag-/Nachttresoranlagen (§ 19), Geldschränke und Tresoranlagen (Wertschutzschrank, Wertschutzraum) (§ 20), Geldtransport (Werttransport) (§ 36), fahrbare Zweigstellen (§ 22) und Bankgeschäfte in institutsfremden Räumen (§ 23). Außerdem werden Höchstbeträge und Sperrzeiten (§ 32) Ver-/Entsorgung von Banknotenautomaten (§34) sowie Anforderungen an Betriebsanweisungen und Mitarbeiter-Schulung (§ 25) festgelegt.
Weitere Anforderungen an die Sicherheit der Geschäftsstellen sind in nachfolgenden DGUV Informationen enthalten:
DGUV Information 215-611: Hinweise für die Erstellung einer Gefährdungsbeurteilung zur Umsetzung der Unfallverhütungsvorschrift „Kassen“
DGUV Information 215-612: Anforderungen an die sicherheitstechnische Ausrüstung von Geschäftsstellen
DGUV Information 215-612: Betrieb
Bei Einhaltung dieser DGUV Informationen ist die sog. Vermutungswirkung gegeben. D. h., die DGUV Vorschrift 25 gilt dann als erfüllt. Abweichungen sind (theoretisch) zulässig, sofern die Sicherheit auf gleiche Weise geschaffen und dies begründet wird.
Der Wortlaut der Vorschrift befindet sich - noch unter der alten Bezeichnung Unfallverhürungsvorschrfift "Kassen" - auf der Website der Verwaltungsberufsgenossenschaft unter der Internetadresse:
http://www.vbg.de/SharedDocs/Medien-Center/DE/Broschuere/Branchen/Kreditinstitute/Kassen_BGV_C9.pdf?__blob=publicationFile&v=6
Fundstellen für die erwähnten DGUV Informationen:
DGUV Information 215-611 (noch unter der Bezeichnung BGI 819-1 / GUV-I 819-1): http://publikationen.dguv.de/dguv/pdf/10002/i-819-1.pdf
DGUV Information 215-612 (noch unter der Bezeichnung BGI 819-2 / GUV-I 819-2): http://publikationen.dguv.de/dguv/pdf/10002/i-819-2.pdf
DGUV Information 215-612 (noch unter der Bezeichnung BGI 819-3 / GUV-I 819-3): http://publikationen.dguv.de/dguv/pdf/10002/i-819-3.pdf
Die DGUV prüft im Auftrag des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales derzeit, ob Fortbestand oder Weiterentwicklung der UVV notwendig sind.
BBA-PLUS
BGV / GUV-V
Biometrische Schleuse
Durchschusshemmende Abtrennungen
Durchschusshemmende Schirme
Hilfebringende/hilfeleistende Stelle
KBA-Stelle, mitarbeiterbesetzt
Kraftbetriebene Sicherung
Optische Raumüberwachungsanlagen
DGUV Vorschrift 20 (UVV "Spielhallen" (BGV C 3))
DGUV Vorschrift 23 (früher UVV "Wach- und Sicherungsdienste" (BGV C 7))
Zeitverschlusssystem
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