Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Gericht=VGH%20Baden-W%FCrttemberg&Datum=04.04.2012&Aktenzeichen=8%20S%201300%2F09
Timestamp: 2019-04-21 19:21:28
Document Index: 261716700

Matched Legal Cases: ['§ 215', '§ 1', '§ 214', '§ 215', '§ 215', 'Art 14', '§ 1', '§ 1', '§ 215', '§ 215', '§ 215', '§ 215', '§ 215', '§ 215', 'Art. 14', 'Art. 14']

VGH Baden-Württemberg, 04.04.2012 - 8 S 1300/09 - dejure.org
Normenkontrolle; Bebauungsplan; Abwägungsmangel bei Überplanung; Einschränkung der baulichen Nutzbarkeit; Geltendmachung i.S.v. § 215 Abs. 1 Satz 1 BauGB
§ 1 Abs 7 BauGB, § 214 Abs 3 S 2 BauGB, § 215 Abs 1 S 1 BauGB, § 215 Abs 2 BauGB, Art 14 Abs 1 S 2 GG, § 1 Abs 3 BauGB, § 1 Abs 6 Nr 5 BauGB
Anforderungen an die Geltendmachung einer Verletzung von Vorschriften i.S.d § 215 Abs. 1 s. 1 BauGB; Einstufung von im Planaufstellungsverfahren erhobenen Einwendungen als fristwahrende Rüge im Normenkontrollantrag; Rechtliche Ausgestaltung des Vorliegens eines beachtlichen Mangels im Abwägungsvorgang
Wie sind Mängel im Bebauungsplan zu rügen?
Missachtung privater Eigentümerbelange führt zur Unwirksamkeit des Bebauungsplans! (IBR 2012, 538)
"Geltendmachung der Rechtsverletzung" nach § 215 Abs. 1 Satz 1 Nr. 3 BauGB (IBR 2012, 1317)
NVwZ-RR 2012, 591
VBlBW 2012, 391
DVBl 2012, 1042
BauR 2013, 56
vgl. Sennenkamp, in: Brügelmann, BauGB, § 215 Rn. 60 (Stand der Kommentierung: Februar 2016); siehe hierzu etwa VGH Bad.-Württ., Urteile vom 4. April 2012 - 8 S 1300/09 -, juris, Rn. 36, und vom 30. November 2011 - 3 S 895/10 -, juris, Rn. 44; Nds. OVG, Urteil vom 8. Dezember 2011 - 12 KN 208/09 -, juris, Rn. 34.
Ebenso kann offen bleiben, ob ein eventueller Fehler wegen des womöglich nicht nachvollziehbaren (negativen) Ergebnisses einer UVP-Vorprüfung rechtzeitig gem. § 215 Abs. 1 Satz 2 BauGB gerügt wurde (…zur Anstoßfunktion des § 215 BauGB vgl. z.B. BVerwG, B.v. 19.1.2012 - 4 BN 35.11 - ZfBR 2012, 261 = juris Rn. 4; VGH BW, U.v. 4.4.2012 - 8 S 1300/09 - BauR 2013, 56 = juris Rn. 34 m.w.N.).
Aus den Erklärungen des Rügenden muss neben der Darstellung des maßgebenden Sachverhalts der Wille deutlich werden, sich für die angestrebte Unwirksamkeitserklärung eines Bebauungsplans auf den konkreten Verfahrensmangel zu berufen; nur bei einer Willenserklärung dieses Inhalts kann überhaupt von einem "Geltendmachen" der Verletzung einer Verfahrens- oder Formvorschrift die Rede sein (vgl. VGH Mannheim, Urt. v. 04.04.2012 - 8 S 1300/09 -, BauR 2013, 56).(Rn.62).
Denn aus den Erklärungen des Rügenden muss neben der Darstellung des maßgebenden Sachverhalts der Wille deutlich werden, sich für die angestrebte Unwirksamkeitserklärung des Bebauungsplans auf den konkreten Verfahrensmangel zu berufen; nur bei einer Willenserklärung dieses Inhalts kann überhaupt von einem "Geltendmachen" der Verletzung einer Verfahrens- oder Formvorschrift die Rede sein (vgl. BVerwG, Beschl. v. 17.08.1989 - 4 NB 22.89 - ebenso VGH Bad.-Württ., Urt. v. 04.04.2012 - 8 S 1300/09 - BauR 2013, 56).
Auch muss - nicht zuletzt im Hinblick auf eine etwaige Fehlerbehebung durch die Gemeinde - der entsprechende Mangel konkretisiert und substantiiert werden (vgl. BVerwG, Beschl. v. 19.01.2012 - 4 BN 35.11 -, BauR 2013, 55; VGH Bad.-Württ., Urt. v. 04.04.2012, a.a.O.).
Im Sinne des § 215 BauGB "geltend gemacht" ist eine Gesetzesverletzung dann, wenn ein Sachverhalt geschildert wird, aus dem sich der Mangel herleiten lässt, und wenn aus den Erklärungen des Rügenden auch dessen Wille deutlich wird, sich für die angestrebte Unwirksamerklärung des Bebauungsplans auf die konkrete Gesetzesverletzung zu berufen (Senatsurteil vom 04.04.2012 - 8 S 1300/09 - VBlBW 2012, 391).
Die Gemeinde als Trägerin der Bauleitplanung ist ebenso wie der Gesetzgeber bei der Bestimmung von Inhalt und Schranken des Eigentums gehalten, die schutzwürdigen Interessen der Grundstückseigentümer (Art. 14 Abs. 1 GG) und die Belange des Gemeinwohls in einen gerechten Ausgleich und ein ausgewogenes Verhältnis zu bringen (BVerfG, Beschl. v. 15.9.2011 - 1 BvR 2232/10 - BauR 2012, 63; Beschl. v. 19.12.2002 - 1 BvR 1402/01 - BauR 2003, 1338; VGH Bad.-Württ., Urt. v. 4.4.2012 - 8 S 1300/09 - VBlBW 2012, 391).
Das Eigentum an bislang bereits bebaubaren und teils bereits überbauten Grundstücken gehört aufgrund der grundrechtlichen Eigentumsgarantie des Art. 14 Abs. 1 GG in hervorgehobener Weise zu den von der Bauleitplanung zu berücksichtigenden Belangen (BVerwG…, Beschluss vom 15.05.2013 - 4 BN 1.13 - ZfBR 2013, 573 Rn. 17 m.w.N.; Senatsurteil vom 04.04.2012 - 8 S 1300/09 - VBlBW 2012, 391).
Dabei ist in die Abwägung einzustellen, dass sich der Entzug der baulichen Nutzungsmöglichkeiten für den Betroffenen wie eine (Teil-)Enteignung auswirken kann (BVerfG, Beschl. v. 19.12.2002 - 1 BvR 1402/01 - NVwZ 2003, 727; VGH Bad.-Württ., Urt. v. 04.04.2012 - 8 S 1300/09 - BauR 2013, 56;… Urt. v. 08.09.2010 - 3 S 1389/09 - BauR 2010, 2158).