Source: https://www.rechtslupe.de/steuerrecht/einkommensteuer/einkommensteuer-privat/verspaetete-vorlage-einer-schulbescheinigung-und-das-grobe-verschulden-des-kindergeldberechtigten-391013
Timestamp: 2019-12-05 21:44:06
Document Index: 129715932

Matched Legal Cases: ['§ 173', '§ 31', '§ 173', '§ 173', '§ 173', '§ 173', '§ 173', '§ 173', '§ 173']

Ver­spä­te­te Vor­la­ge einer Schul­be­schei­ni­gung – und das gro­be Ver­schul­den des Kin­der­geld­be­rech­tig­ten | Rechtslupe
Verspätete Vorlage einer Schulbescheinigung - und das grobe Verschulden des Kindergeldberechtigten
die ver­spä­te­te Vor­la­ge einer Schul­be­schei­ni­gung des Kin­des kann ein gro­bes Ver­schul­den des Kin­der­geld­be­rech­tig­ten dar­stel­len.
Steu­er­be­schei­de sind gemäß § 173 Abs. 1 Nr. 2 Satz 1 AO auf­zu­he­ben oder zu ändern, soweit Tat­sa­chen oder Beweis­mit­tel nach­träg­lich bekannt­wer­den, die zu einer nied­ri­ge­ren Steu­er füh­ren und den Steu­er­pflich­ti­gen kein gro­bes Ver­schul­den dar­an trifft, dass die Tat­sa­chen oder Beweis­mit­tel erst nach­träg­lich bekannt wer­den.
Auf das nach dem Ein­kom­men­steu­er­ge­setz zu gewäh­ren­de Kin­der­geld, das nach § 31 Satz 3 EStG als Steu­er­ver­gü­tung monat­lich gezahlt wird, sind die Vor­schrif­ten der AO anzu­wen­den 1.
Gro­bes Ver­schul­den i.S. des § 173 Abs. 1 Nr. 2 AO umfasst Vor­satz und gro­be Fahr­läs­sig­keit 2. Grob fahr­läs­sig han­delt der Steu­er­pflich­ti­ge, wenn er die Sorg­falt, zu der er nach sei­nen per­sön­li­chen Kennt­nis­sen und Fähig­kei­ten ver­pflich­tet und imstan­de ist, in unge­wöhn­li­chem Maße und in nicht ent­schuld­ba­rer Wei­se ver­letzt 3.
Ein Kin­der­geld­be­rech­tig­ter han­delt regel­mä­ßig grob schuld­haft i.S. des § 173 Abs. 1 Nr. 2 AO, wenn er trotz mehr­fa­cher Auf­for­de­rung durch die Fami­li­en­kas­se offen­kun­dig anspruchs­er­heb­li­che Tat­sa­chen nicht mit­teilt oder nach­weist. Dies gilt umso mehr, wenn aus­drück­li­che Nach­fra­gen einer Fami­li­en­kas­se nicht beant­wor­tet wer­den 4.
Für die Prü­fung, ob ein gro­bes Ver­schul­den am nach­träg­li­chen Bekannt­wer­den von Tat­sa­chen und Beweis­mit­teln i.S. des § 173 Abs. 1 Nr. 2 AO vor­liegt, ist nicht nur der Zeit­raum bis zum Erlass des zu ändern­den Bescheids, son­dern auch der Zeit­raum bis zum Ein­tritt der for­mel­len Bestands­kraft ein­zu­be­zie­hen 5.
Nach die­ser Recht­spre­chung ist ein gro­bes Ver­schul­den hin­sicht­lich einer nach­träg­lich bekannt gewor­de­nen Tat­sa­che anzu­neh­men, wenn der steu­er­lich bera­te­ne Steu­er­pflich­ti­ge oder des­sen steu­er­li­cher Bera­ter es ver­säu­men, den ent­schei­dungs­er­heb­li­chen Sach­ver­halt der Finanz­be­hör­de noch im Rah­men eines frist­ge­rech­ten Ein­spruchs zu unter­brei­ten 6.
An die­ser Recht­spre­chung ist unge­ach­tet der im Schrift­tum erho­be­nen Ein­wän­de 7 aus den im BFH, Urteil in BFH/​NV 2014, 820, Rz 19 und 20 dar­ge­leg­ten Grün­den fest­zu­hal­ten
Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 26. Novem­ber 2014 – XI R 41/​13
stän­di­ge Recht­spre­chung, vgl. z.B. BFH, Beschluss vom 06.03.2013 – III B 113/​12, BFH/​NV 2013, 976, m.w.N.[↩]
stän­di­ge Recht­spre­chung, vgl. dazu z.B. BFH, Urtei­le vom 21.09.1993 – IX R 63/​90, BFH/​NV 1994, 99; vom 04.02.1998 – XI R 47/​97, BFH/​NV 1998, 682; vom 10.12 2013 – VIII R 10/​11, BFH/​NV 2014, 820, jeweils m.w.N.[↩]
stän­di­ge Recht­spre­chung, vgl. dazu z.B. BFH, Urtei­le in BFH/​NV 1998, 682; in BFH/​NV 2014, 820, jeweils m.w.N.[↩]
vgl. dazu BFH, Beschluss vom 29.04.2009 – III B 113/​08, BFH/​NV 2009, 1239; fer­ner BFH, Urtei­le vom 09.08.1991 – III R 24/​87, BFHE 165, 454, BSt­Bl II 1992, 65; vom 09.10.1992 – III R 72/​91, BFH/​NV 1994, 217; vom 04.02.1993 – III R 78/​91, BFH/​NV 1993, 641[↩]
vgl. dazu z.B. BFH, Urtei­le vom 25.11.1983 – VI R 8/​82, BFHE 140, 18, BSt­Bl II 1984, 256; in BFH/​NV 1998, 682; vom 16.09.2004 – IV R 62/​02, BFHE 207, 269, BSt­Bl II 2005, 75; vom 22.05.2006 – VI R 17/​05, BFHE 214, 154, BSt­Bl II 2006, 806; in BFH/​NV 2014, 820, jeweils m.w.N.[↩]
vgl. dazu z.B. BFH, Beschluss vom 10.12 1997 – VIII B 17/​97, BFH/​NV 1998, 1063, unter 1.b, m.w.N.; BFH, Urteil in BFH/​NV 2014, 820, Rz 17, m.w.N.[↩]
vgl. u.a. Hein­ke, Deut­sche Steu­er-Zei­tung 1999, 789 ff.; Tiedtke/​Szczesny, Deut­sches Steu­er­recht 2005, 1122 ff.; von Groll in Hübschmann/​Hepp/​Spitaler, § 173 AO Rz 291; Loo­se in Tipke/​Kruse, Abga­ben­ord­nung, Finanz­ge­richts­ord­nung, § 173 AO Rz 76b; v.Wedelstädt in Beermann/​Gosch, AO § 173 Rz 54; Frot­scher in Schwarz, AO, § 173 Rz 206[↩]
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