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Timestamp: 2018-03-19 14:10:25
Document Index: 203267819

Matched Legal Cases: ['Art. 6', 'Art. 14', 'Art. 29', 'BGE', 'BGE', 'BGer', 'Art. 132', 'BGer', 'BGer', 'Art. 132', 'Art. 130', 'Art. 132', 'Art. 132', 'Art. 133', 'BGer', 'BGE', 'BGE', 'Art. 135', 'Art. 136', 'Art. 136', 'Art. 422', 'BGE', 'Art. 426', 'Art. 135', 'BGE', 'Art. 61', 'Art. 133', 'Art. 130', 'Art. 334', 'Art. 130', 'Art. 134', 'BGer', 'Art. 305']

Kurzreferat gehalten an der Leuenbergtagung vom 14. Juni PDF
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1 Die unentgeltliche Rechtspflege im Strafverfahren bzw. genauer gesagt: 1) Amtliche Verteidigung, 2) Unentgeltliche Rechtspflege für die Privatklägerschaft Kurzreferat gehalten an der Leuenbergtagung vom 14. Juni 2013 lic. iur. Daniel Maritz, Leitender Gerichtsschreiber, Strafgericht, Zwangsmassnahmengericht und Jugendgericht Basel-Landschaft
2 Amtliche Verteidigung (am Rande: Unentgeltliche Rechtspflege für Privatklägerschaft)
3 Die unentgeltliche Rechtspflege im Strafverfahren Aufbau des Kurzreferats (15 Minuten): Grobeinführung in die gesetzlichen Grundlagen und in die bundesgerichtliche Rechtsprechung. Zusammenfassung der Rechtsprechung des Strafgerichts Basel-Landschaft. Beantwortung von Fragen
4 Einführung in gesetzl. Grundlagen / bundesgerichtl. Rechtsprechung 1 Recht auf ein faires Verfahren: Art. 6 EMRK Ziffer 3: Jede angeklagte Person hat mindestens folgende Rechte: lit. c) sich selbst zu verteidigen, sich durch einen Verteidiger ihrer Wahl verteidigen zu lassen oder, falls ihr die Mittel zur Bezahlung fehlen, unentgeltlich den Beistand eines Verteidigers zu erhalten, wenn dies im Interesse der Rechtspflege erforderlich ist.
5 Einführung in gesetzl. Grundlagen / bundesgerichtl. Rechtsprechung 2 Art. 14 IPBPR: Ziffer 3: Jeder wegen einer strafbaren Handlung Angeklagte hat in gleicher Weise im Verfahren Anspruch auf folgende Mindestgarantien: lit. d) er hat das Recht, sich selbst zu verteidigen oder durch einen Verteidiger seiner Wahl verteidigen zu lassen; fehlen ihm die Mittel zur Bezahlung eines Verteidigers, so ist ihm ein Verteidiger unentgeltlich zu bestellen, wenn dies im Interesse der Rechtspflege erforderlich ist.
6 Einführung in gesetzl. Grundlagen / bundesgerichtl. Rechtsprechung 3 Allgemeine Verfahrensgarantien: Art. 29 BV Absatz 3: Jede Person, die nicht über die erforderlichen Mittel verfügt (BGE 131 I 350, 355 f.), hat Anspruch auf unentgeltliche Rechtspflege, wenn ihr Rechtsbegehren nicht aussichtslos erscheint (BGE 133 III 614, 615; 129 I 129, 135 f.). Soweit es zur Wahrung ihrer Rechte notwendig (BGer v , 5A_90/2008) ist, hat sie ausserdem Anspruch auf unentgeltlichen Rechtsbeistand.
7 Einführung in gesetzl. Grundlagen / bundesgerichtl. Rechtsprechung 4 Verfahrensleitung ordnet eine amtliche Verteidigung an (Art. 132 Abs. 1 lit. a und lit. b StPO), wenn: lit. a) bei notwendiger Verteidigung: Ziffer 1: die beschuldigte Person trotz Aufforderung der Verfahrensleitung keine Wahlverteidigung bestimmt, Ziffer 2: der Wahlverteidigung das Mandat entzogen wurde oder sie es niedergelegt hat und die beschuldigte Person nicht innert Frist eine neue Wahlverteidigung bestimmt. vgl. neue bundesgerichtliche Rechtsprechung: BGer v , 1B_387/2012, Erw. 5 und BGer v , 1B_99/2013, Erw. 2.4: Konsequenz: Automatismus hin zur amtlichen Verteidigung?
8 Einführung in gesetzl. Grundlagen / bundesgerichtl. Rechtsprechung 5 Amtliche Verteidigung Art. 132 Abs. 1 lit. b StPO: (Abgrenzung zu Art. 130 lit. c StPO schwierig): die beschuldigte Person nicht über die erforderlichen Mittel verfügt und die Verteidigung zur Wahrung ihrer Interessen geboten ist; Art. 132 Abs. 2 StPO:, wenn es sich nicht um einen Bagatellfall handelt und der Straffall in tatsächl. + rechtl. Hinsicht Schwierigkeiten bietet, denen die beschuldigte Person allein nicht gewachsen wäre; Art. 132 Abs. 3 StPO:, wenn eine FS von > 4 Monaten, eine GS von > 120 Tagessätzen oder GA von > 480 Stunden zu erwarten ist.
9 Einführung in gesetzl. Grundlagen / bundesgerichtl. Rechtsprechung 6 Bestellung amtliche Verteidigung von der im jeweiligen Verfahrensstadium zust. Verfahrensleitung (Art. 133 StPO): Einmaliges Vorschlagsrecht, kein Anspruch auf einen Anwalt freier Wahl (vgl. jedoch BGer v , 1B_686/2012, Erw. 2.3.) Entschädigung amtl. Verteidigung nach dem kant. Anwaltstarif (vgl. BGE 132 I 201, 216 f.), Bemessung (BGE 122 I 1, 2f.): Umstände des konkreten Einzelfalls, tatsächl.+ rechtl. Schwierigkeiten, Zeitaufwand, Arbeitsqualität, Anz. Besprechungen / Verhandlungen, erzieltes Ergebnis und übernommene Verantwortung. Festlegung durch das urteilende Gericht (Art. 135 Abs. 1 und Abs. 2 StPO).
10 Einführung in gesetzl. Grundlagen / bundesgerichtl. Rechtsprechung 7 EXKURS: Unentgeltliche Rechtspflege für Privatklägerschaft (Art. 136 StPO): Art. 136 Abs. 1 StPO: Die Verfahrensleitung gewährt der Privatklägerschaft für die Durchsetzung ihrer Zivilansprüche ganz oder teilweise die unentgeltliche Rechtspflege, wenn: lit. a) die Privatklägerschaft nicht über die erforderlichen Mittel verfügt; und lit. b) die Zivilklage nicht aussichtslos erscheint.
11 Einführung in gesetzl. Grundlagen / bundesgerichtl. Rechtsprechung 8 Kosten für amtl. Verteidigung und unentgeltl. Verbeiständung als Verfahrenskosten bzw. Auslagen (Art. 422 Abs. 2 lit. a StPO). Beschuldigte Person hat grundsätzl. keine die amtliche Verteidigung betr. Kosten zu tragen (BGE 138 IV 205, vgl. Art. 426 Abs. 1 StPO). Art. 135 Abs. 4 StPO: Falls beschuldigte Person zu den Verfahrenskosten verurteilt wird = verpflichtet, dem Kt. die Entschädigung zurückzubezahlen (lit. a) bzw. der Verteidigung die Differenz zwischen der amtlichen Entschädigung und dem vollen Honorar zu erstatten (lit. b), sobald es ihre wirtschaftlichen Verhältnisse erlauben (vgl. BGE 135 I 91).
12 Rechtsprechung des Strafgerichts Basel-Landschaft 1 Anordnung der amtlichen Verteidigung: falls, dann in der Regel bereits durch die Staatsanwaltschaft (Verfahrensleitung bis Anklageerhebung: Art. 61 lit. a StPO, vgl. Art. 133 Abs. 1 StPO; gilt auch betr. unentgeltliche Rechtspflege für die Privatklägerschaft); ev. durch das Zwangsmassnahmengericht (amtliche Verteidigung nur für das Verfahren vor dem ZMG); nur in Ausnahmefällen wird amtliche Verteidigung durch das Strafgericht angeordnet (nach Eingang der Anklageschrift beim Gericht), zum Beispiel: -> Mandatsniederlegung Wahlverteidigung (da keine Bezahlung); -> in Präsidialfall tritt Stawa persönlich vor Gericht auf (vgl. Art. 130 lit. d StPO); -> Präsidium überweist den Fall an die Dreierkammer (Art. 334 Abs. 1 StPO i.v.m. Art. 130 lit. b StPO: FS > 1J oder freiheitsentziehende Massnahme).
13 Rechtsprechung des Strafgerichts Basel-Landschaft 2 bei ursprünglich angeordneter amtlicher Verteidigung: amtliche Verteidigung wird widerrufen, falls der Grund dahin fällt (Art. 134 Abs. 1 StPO); Akontozahlung wird nur in grossen Fällen mit längerer Verfahrensdauer entrichtet.
14 Rechtsprechung des Strafgerichts Basel-Landschaft 3 Anordnung amtl. Verteidigung durch Gericht: 1. Mittellosigkeit gegeben (vgl. erweiterter zivilprozessualer Notbedarf, welcher i.d.r. insbes. einen um 15% erhöhten Grundbedarf umfasst 2. Kein Bagatellfall (FS > 4 Monate). 3. Fall bietet in tatsächlicher und rechtlicher Hinsicht Schwierigkeiten: Fähigkeit des konkret Betroffenen (vgl. BGer v , 1B_102/2012, Erw. 2). Exkurs: Anordnung Unentgeltliche Rechtspflege für die Privatklägerschaft durch Gericht: 1. Mittellosigkeit gegeben. 2. Zivilklage erscheint nicht aussichtslos.
15 Rechtsprechung des Strafgerichts Basel-Landschaft 4 Festlegung der Entschädigung: gemäss 3 Abs. 2 Tarifordnung: Fr /h; ab : /h) Anforderung: Detaillierung der Honorarnote mittels Deservitenkarte
16 Rechtsprechung des Strafgerichts Basel-Landschaft 5 Geldwäscherei i.s. von Art. 305 bis StGB: Wahlverteidiger Vermögenswerte deliktischer Herkunft kann Wahlverteidiger mit legalen Mitteln bezahlt werden? oder macht er sich allenfalls strafbar? Pönalisierung des Verteidigers (vgl. Walter Haefelin Die amtliche Verteidigung im schweizerischen Strafprozess, S. 302 f., Fazit: S. 310)
17 Beantwortung der Fragen Frage: Wie weit sind finanzielle Bedürftigkeitsnachweise in Fällen zu erbringen, in welchen Bedürftigkeit und Nachweisschwierigkeiten [gerichts-] notorisch sind (z.b. Mobile Ethnische Minderheiten)?
18 Beantwortung der Fragen Antwort: Finanzielle Situation der beschuldigten Person muss nicht immer abgeklärt werden. Mittellosigkeit kann sich aus den Akten ergeben. Risiko: Ohne Verteidigung kann Verhandlung nicht durchgeführt werden. Fälle denkbar, in welchen amtliche Verteidigung neben Wahlverteidigung besteht. Im Zweifelsfalle wird amtl. Verteidigung im Sinne der Prozessökonomie angeordnet.
19 Beantwortung der Fragen
20 Vorhang zu nach M. Reich-Ranicki bzw. Bertold Brecht aus: Der gute Mensch von Sezuan : Und so sehen wir betroffen / Den Vorhang zu und alle Fragen offen. Wir stehen selbst enttäuscht und sehn betroffen / Den Vorhang zu und alle Fragen offen. Besten Dank für Ihre Aufmerksamkeit und en Guete!
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