Source: https://www.anwalt24.de/urteile/bgh/2013-11-06/viii-zr-346_12
Timestamp: 2017-09-23 04:04:19
Document Index: 78705701

Matched Legal Cases: ['BGH', '§ 558', '§ 558', 'BGH', '§ 558', '§ 286', '§ 558', '§ 558', '§ 558', '§ 418', '§ 418', 'BGH', '§ 418']

BGH, 06.11.2013 - VIII ZR 346/12 - Voraussetzungen für das Vorliegen eines qualifizierten Mietspiegels | anwalt24.de
Urt. v. 06.11.2013, Az.: VIII ZR 346/12
Referenz: JurionRS 2013, 49332
Aktenzeichen: VIII ZR 346/12
AG Berlin-Mitte - 15.12.2011 - AZ: 12 C 172/10
LG Berlin - 05.10.2012 - AZ: 63 S 36/12
§ 558d Abs. 1 BGB
§ 558d Abs. 3 BGB
EBE/BGH 2013, 409-412
GuT 2014, 101-102
MDR 2014, 79-80
MietRB 2014, 35-36
MK 2014, 29-31
NJW 2014, 292-294
NZM 2014, 24-26
WuM 2014, 34-37
ZMR 2014, 271-273
Zu den Anforderungen an das Vorliegen eines qualifizierten Mietspiegels (Bestätigung des Senatsurteils vom 21. November 2012 - VIII ZR 46/12, NJW 2013, 775).
Der VIII. Zivilsenat des Bundesgerichtshofs hat im schriftlichen Verfahren mit Schriftsatzfrist bis zum 9. Oktober 2013 durch den Vorsitzenden Richter Ball, den Richter Dr. Frellesen, die Richterinnen Dr. Milger und Dr. Fetzer sowie den Richter Dr. Bünger
a) Bei der dem Tatrichter obliegenden Prüfung, ob die konkret vom Vermieter verlangte Mieterhöhung nach § 558 BGB tatsächlich berechtigt ist, darf die ortsübliche Vergleichsmiete nur auf der Grundlage von Erkenntnisquellen bestimmt werden, die die tatsächlich und üblicherweise gezahlten Mieten für vergleichbare Wohnungen in einer für die freie tatrichterliche Überzeugungsbildung (§ 286 ZPO) hinreichenden Weise ermittelt haben (Senatsurteile vom 16. Juni 2010 -VIII ZR 99/09, NZM 2010, 665 Rn. 9; vom 21. November 2012 -VIII ZR 46/12, aaO Rn. 13; vgl. BVerfGE 37, 132, 143 [BVerfG 23.04.1974 - 1 BvR 2270/73]). Dabei ist der Tatrichter im Rahmen seiner freien Überzeugungsbildung nicht auf das im Erhöhungsverlangen des Vermieters genannte Begründungsmittel im Sinne des § 558a Abs. 2 BGB beschränkt. Existiert ein ordnungsgemäßer Mietspiegel (§ 558c BGB, § 558d BGB), der Angaben für die in Rede stehende Wohnung enthält, so darf dieser vom Tatrichter berücksichtigt werden.
Es ist bereits fraglich, ob der Berliner Mietspiegel 2009 eine öffentliche Urkunde im Sinne des § 418 Abs. 1 ZPO darstellt. Dies kann letztlich offen bleiben. Denn die Stadt Berlin hat die im Mietspiegel enthaltenen Daten weder erhoben noch ausgewertet, sondern lediglich die darin getroffenen Aussagen als zutreffend anerkannt (Amtsblatt für Berlin 2009, S. 1409). Die Beweiskraftwirkung des § 418 Abs. 1 ZPO reicht aber nur so weit, wie gewährleistet ist, dass die zur Beurkundung berufene Amtsperson die Tatsachen selbst verwirklicht oder aufgrund eigener Wahrnehmungen zuverlässig festgestellt hat (BVerfG, NJW-RR 1992, 1084, 1085 [BVerfG 20.02.1992 - 2 BvR 884/91]; BGH, Beschluss vom 6. Mai 2004 - IX ZB 43/03, NJW 2004, 2386 unter II 2 b). Eine eventuelle Beweiskraft des Berliner Mietspiegels 2009 könnte sich damit nur auf den Umstand erstrecken, dass die Stadt Berlin ihn als einen nach anerkannten wissenschaftlichen Grundsätzen erstellten Mietspiegel akzeptiert hat. Dass der Mietspiegel tatsächlich unter Beachtung allgemein anerkannter wissenschaftlicher Methoden erstellt worden ist, wäre dagegen von einer möglichen Beweiskraftwirkung des § 418 Abs. 1 ZPO nicht umfasst.