Source: https://www.hausarbeiten.de/document/285234
Timestamp: 2019-09-16 22:11:48
Document Index: 377274274

Matched Legal Cases: ['§ 26', '§ 229', '§ 182', '§ 192', '§ 202', '§ 17', '§18', '§19', '§ 17', 'Art“19', '§ 54', '§ 53', '§ 53', '§ 26', '§ 53', '§ 26', '§ 27', '§ 28', '§ 222', '§ 229', '§ 237', '§ 57', '§ 222', '§ 225', '§ 237', '§ 54', '§ 54', '§ 54', '§ 54', '§ 53', '§ 53', '§ 26', '§ 26', '§ 20', '§ 26', '§ 26']

Sanierungsbedürftigkeit und -maßnahmen mit Zuführung finanzieller ... | Hausarbeiten publizieren
2 Der Begriff der Unternehmenskrise/ wichtige Begriffe der Sanierung
3 Finanzielle Sanierungsmaßnahmen durch Eigentümer
3.2 Zuzahlung durch Aktionäre bzw. Gesellschafter
3.2.1 Zuzahlung durch Aktionäre
3.2.2 Zuzahlung durch Gesellschafter (Nachschusspflicht, §§ 26-28 GmbHG)
3.3 Der Begriff der doppelstufigen Sanierung
3.4 Die Kapitalherabsetzung
3.4.1 Formen der Kapitalherabsetzung in der AG
3.4.2 Die vereinfachte Kapitalherabsetzung der AG (§§ 229-236 AktG)
3.4.3 Die Kapitalherabsetzung der GmbH
3.5 Die Kapitalerhöhung
3.5.2 Nominelle vs. effektive Kapitalerhöhung
3.5.3 Die ordentliche Kapitalerhöhung der AG (§§ 182-191 AktG)
3.5.4 Die bedingte Kapitalerhöhung der AG (§§ 192-201 AktG)
3.5.5 Die genehmigte Kapitalerhöhung der AG (§§ 202- 206 AktG)
3.6 Die Kapitalerhöhung der GmbH
Wenn Unternehmen im Laufe ihrer wirtschaftlichen Tätigkeit, sei es durch „konjunk- turelle Einbrüche oder interne Gefährdungen“1, in wirtschaftlich schwierige Situatio- nen geraten, führt dies im schlimmsten Fall zur Insolvenz und damit zur Zerschla- gung des Unternehmens. Regelmäßig wird medial über Unternehmensinsolvenzen berichtet. Neben den viel beachteten Insolvenzen großer Unternehmen, wie z.B. Schlecker, brechen regelmäßig, unbemerkt von der breiten Öffentlichkeit, mittelstän- dische Unternehmen zusammen.2 Unternehmensinsolvenzen ziehen eine Reihe negativer Konsequenzen nach sich. „So fürchten beispielsweise Arbeitnehmer um ihren Arbeitsplatz und Lieferanten, Banken und sonstige Gläubiger um ihre Forde- rungen“3, außerdem kommt es zu einer Belastung der Sozialsysteme und dem Aus- fall von Steuerzahlungen.4 Im ersten Halbjahr 2014 gab es in Deutschland 12.100 Unternehmensinsolvenzen.5 Die angemeldeten Forderungen der Insolvenzgläubiger betrugen 12,3 Mrd. Euro.6 Pro Insolvenzfall entstand im Durchschnitt ein Schaden in Höhe von 736.000 Euro bei den privaten Gläubigern, und 96.000 Arbeitsplätze wa- ren bedroht oder betroffen.7 Die Rechtsformen AG und GmbH weisen die höchsten Insolvenzquoten (gemessen am Unternehmensbestand) unter den Rechtsformen auf.8
„Wird ein nicht lebensfähiges Unternehmen zerschlagen, geschieht dies als Marktbe- reinigungsmaßnahme und im Sinne einer funktionierenden Marktwirtschaft. Wird jedoch ein an sich (ggf. durch eine Sanierung) lebens- und ertragsfähiges Unterneh- men liquidiert, sind die daraus entstehenden negativen Konsequenzen nicht hin- nehmbar“9. Eine Sanierung kann einen Weg darstellen, notleidende Unternehmen zu retten, um die oben beschriebenen Auswirkungen einer Insolvenz zu verhindern bzw. zu verringern.10
Die vorliegende Arbeit gestaltet sich wie folgt: Zunächst werden in Kapitel 2 einige Begriffe beschrieben, die für das Verständnis der Thematik der Unternehmenssanie- rung grundlegend sind. Hier bildet der Begriff der Unternehmenskrise den Ausgangspunkt. Aufbauend hierauf werden die Begriffe der Sanierung im Allgemeinen, der Sanierungsfähigkeit sowie der Sanierungswürdigkeit und der Sanierungsbedürftigkeit näher betrachtet.
Im dritten Kapitel, das den Schwerpunkt dieser Arbeit darstellt, werden diejenigen Maßnahmen betrachtet, die Eigentümer ergreifen können, um unter der Zuführung finanzieller Mittel zur Sanierung eines Unternehmens beitragen zu können. Die Rechtsformen der AG sowie der GmbH werden hierbei aufgrund ihrer hohen Insol- venzquoten und der sich in diesen Rechtsformen bietenden Vielfalt der möglichen finanziellen Sanierungsmaßnahmen den Gegenstand der Betrachtung darstellen.
Schließlich fasst das vierte und letzte Kapitel die Betrachtungen zusammen.
Der Versuch, den Begriff der Sanierungsbedürftigkeit zu definieren, setzt die Ausei- nandersetzung mit dem Begriff der „Unternehmenskrise“ voraus, da die Sanierung eines Unternehmens eine unmittelbare Reaktion auf eine Unternehmenskrise dar- stellt. Die Unternehmenskrise kann somit als der „Auslöser jeder Sanierung“11 gese- hen werden. Im Allgemeinen beschreibt der Begriff der Krise die „Notsituation eines Unternehmens“12, die sich, speziell auf die in dieser Arbeit behandelte Thematik fi- nanzieller Sanierungsmaßnahmen bezogen, durch mangelnde Zahlungsfähigkeit und eine schwache Ertragskraft beziehungsweise anhaltende Ertragslosigkeit charakteri- sieren lässt.13 In der Literatur existiert eine Vielzahl von Definitionen zum Begriff der Unternehmenskrise.14 Prägnant definieren Baetge, Schmidt und Hater die Unter- nehmenskrise als „den Fortbestand des Unternehmens gefährdende Situationen“15. Diese, und auch zahlreiche andere in der Literatur vertretene Definitionen, sagen im Kern aus, dass die „Krise“ einen Zustand beschreibt, der die Existenz eines Unter- nehmens bedroht. Aus finanzieller Sicht befindet sich ein Unternehmen spätestens dann in einer Krise, wenn die Insolvenztatbestände der Zahlungsunfähigkeit (§ 17 InsO), der drohenden Zahlungsunfähigkeit (§18 InsO) und/ oder der Über- schuldung (§19 InsO) im Begriff der Verwirklichung sind. Im Rahmen der Unternehmenssanierung sind die betriebswirtschaftliche Definition sowie Regelungen der §§ 17-19 InsO immer gleichzeitig (nebeneinander) zu betrachten, da „eine krisenbedingte Unternehmenssanierung nur vor dem Hintergrund der stetigen Prüfung der Insolvenzantragsgründe geschehen kann“16.
Die Sanierung soll die Zerschlagung des Unternehmens verhindern und den Weg aus der Unternehmenskrise ebnen. Der Begriff der Sanierung beschreibt per Definition „alle Maßnahmen zur dauerhaften Behebung vorübergehender oder permanenter Schwierigkeiten in der Geschäftstätigkeit der Unternehmung mit dem Ziel der Exis- tenzerhaltung sowie Krisenbewältigung“17. Das vorrangige Ziel von Sanierungsmaß- nahmen ist es demnach, ein in der Krise befindliches Unternehmen vor dem Eintritt der Insolvenztatbestände zu bewahren.18 Diese Maßnahmen können „unternehmens- politischer, führungstechnischer, organisatorischer, finanz- und leistungswirtschaftli- cher Art“19 sein, wobei sich die Ausführungen in den nachfolgenden Kapiteln dieser Arbeit auf finanzwirtschaftliche Sanierungsmaßnahmen beschränken.
Vor der Ergreifung von Sanierungsmaßnahmen sind grundsätzlich eine Sanierungs- fähigkeits- sowie eine Sanierungswürdigkeitsprüfung durchzuführen.20 Die Sanie- rungsfähigkeitsprüfung hat die Aufgabe, eine Aussage über die zukünftige Lebensfä- higkeit eines Unternehmens nach erfolgter Sanierung zu treffen21, d. h. es soll prog- nostiziert werden, ob durch die Sanierung Zahlungsschwierigkeiten beseitigt werden können und nachhaltige Rentabilität (wieder)hergestellt werden kann.22 Der Fokus bei der Beurteilung der Sanierungsfähigkeit liegt demnach auf der zukünftigen Ent- wicklung des Unternehmens.23 Die Sanierungswürdigkeitsprüfung hat die Aufgabe, zu beurteilen, ob eine Sanierung aus Sicht der beteiligten Gruppen wie z.B. Banken, Lieferanten, Arbeitnehmer etc. vertretbar ist.24 Sanierungswürdigkeit wird ange- nommen, „wenn durch die Sanierung ein nachhaltiger Unternehmenswert aufgebaut werden kann“25, oder genauer, „wenn der durch die Fortführung zu erzielende Ertragswert über dem erwarteten Ergebnis der Liquidation liegt“26.
Das Institut der Wirtschaftsprüfer (IDW) trifft in seinem Standard IDW S 6, neben der Definition allgemeiner Voraussetzungen für Sanierungskonzepte, folgende Aus- sagen zur Sanierungsfähigkeit und Sanierungswürdigkeit von Unternehmen: Die Sanierungsfähigkeit erfordert demnach eine „nachhaltige Fortführungsfähigkeit“27. Diese ist gegeben, wenn ein Unternehmen in der Lage ist, „nachhaltig sowohl die Wettbewerbsfähigkeit als auch die Renditefähigkeit wiederzuerlangen“28. Die Sanie- rungswürdigkeit hängt zum einen vom Interesse bzw. der Bereitschaft der einzelnen Stakeholder ab, „sich an einer Sanierung zu beteiligen“29, zum anderen muss die Frage beantwortet werden, ob die Eigentümer „in der Lage sind, die zur Sanierung erforderlichen […] Maßnahmen umzusetzen“30.
Zum Begriff der Sanierungsbedürftigkeit existiert in der Literatur keine eindeutige Definition, häufig wird synonym für das sanierungsbedürftige Unternehmen vom „Unternehmen in der Krise“31 gesprochen. Sanierungsbedürftigkeit wird auch mit Zahlungsunfähigkeit gleichgesetzt32, oder als existenzgefährdende Ertrags- bzw. Li- quiditätslage33 bezeichnet. Andererseits wird Sanierungsbedürftigkeit auch ange- nommen, wenn ein Unternehmen nicht in der Lage ist, eine Krise „aus eigener Kraft“34 zu überwinden.
Da in den folgenden Ausführungen speziell finanzielle Sanierungsmaßnahmen be- handelt werden, soll hier gelten, dass eine „finanzielle Sanierungsbedürftigkeit“ be- steht, wenn die Kapitalausstattung eines Unternehmens ein existenzbedrohendes Ni- veau erreicht hat.
Um das langfristige Ziel der dauerhaften Wiederherstellung der Ertragskraft des zu sanierenden Unternehmens zu erreichen, kommt es im Sanierungsprozess zunächst darauf an, im Unternehmen für eine ausreichende Liquidität zu sorgen, um kurzfris- tig die Weiterführung der Unternehmenstätigkeit sicherzustellen.35 Diese „Überle- benssicherung“36 kann nur durch die Zufuhr neuen Kapitals gelingen.37 Im Vorder- grund steht demnach zunächst die „Beseitigung der akuten Insolvenzgründe“38. Ge- genstand dieses Kapitels sind finanzielle Sanierungsmaßnahmen, die die Eigentümer zur Erreichung eben dieser kurzfristigen Liquiditätsziele39 ergreifen können. Da ohne diese kurzfristigen lebensrettenden Maßnahmen eine langfristige Gesundung des zu sanierenden Unternehmens nicht erreicht werden könnte, ist es die logische Konse- quenz, dass finanzwirtschaftliche Maßnahmen im Rahmen von Unternehmenssanie- rungen regelmäßig Anwendung finden.40 Der Sicherung des Eigenkapitals und der Liquidität des zu sanierenden Unternehmens sind eine fundamentale Bedeutung für dessen Fortbestehen beizumessen.41 Im Folgenden sollen verschiedene Maßnahmen aufgezeigt werden, die es den Eigentümern eines notleidenden Unternehmens ermög- lichen, die dringend benötigten liquiden Mittel42 in das Unternehmen fließen zu las- sen. Dabei wird eine Unterscheidung zwischen der sogenannten doppelstufigen Sa- nierung und der Sanierung durch Zuzahlung der Gesellschafter bzw. Aktionäre vor- genommen. Der Schwerpunkt wird hierbei auf der doppelstufigen Sanierung liegen, da diese eine höhere Komplexität aufweist und ihr im Rahmen der Unternehmenssa- nierung eine höhere praktische Bedeutung43 beizumessen ist.
Zuzahlungen durch Aktionäre können im Rahmen der Sanierung ein effektives Mit- tel zur Verlustminderung und Liquiditätsbeschaffung darstellen. Bilanziell haben solche Zuzahlungen eine Erhöhung der Aktiva zur Folge. Somit wächst das Vermö- gen der Gesellschaft, und ein vorhandener Verlust kann entsprechend eingedämmt werden.44 Allerdings existiert im AktG keine Vorschrift, die die Aktionäre dazu ver- pflichtet, über die Höhe des Nenn- bzw. Ausgabebetrags der Aktien (§ 54 Abs. 1 AktG) hinausgehende Zuzahlungen zu leisten.45 Zuzahlungen können daher entweder aufgrund von schuldrechtlichen Nebenabreden oder freiwillig erbracht werden.46 Schuldrechtliche Nebenabreden können dabei grundsätzlich einen beliebigen Inhalt aufweisen und ohne bestimmte Form erfolgen. Es besteht aber auch die Möglichkeit, sie in die Satzung aufzunehmen. Ihre rechtliche Behandlung richtet sich nach den Vorschriften des BGB.47 Freiwillige Zuzahlungen der Aktionäre sind nur in Fällen zulässig, in denen sie ohne die Androhung von Sanktionen erfolgen48. Freiwillige Zuzahlungen sind im Sanierungsfall schwer umzusetzen, da sie als umfassende Maß- nahme unter Beteiligung aller Aktionäre grundsätzlich die Zahlungsfähigkeit der Aktionäre und eine Einigung in der Beschlussfassung voraussetzen. Daher werden sie eher in kleineren Gesellschaften durchführbar sein, da hier die Verständigung und Umsetzung einen geringeren Aufwand erfordert.49 Es kann dennoch ein Anreiz ge- schaffen werden, um Aktionäre im Sanierungsfall trotz der nicht vorhandenen ge- setzlichen Pflicht zu Zuzahlungen zu bewegen. So können ihnen bspw. Vorzüge in Form von Genussrechten angeboten werden.50 Allerdings ist durch die Rechtspre- chung noch nicht abschließend geklärt, in welchem Umfang solche Vorteile zah- lungswilligen Aktionären zugesprochen werden dürfen51, da der Gleichbehandlungs- grundsatz des § 53 a AktG bei solchen Vorgängen immer Beachtung finden muss, um nicht zahlungskräftigeren Aktionären unbillige Vorteile zu gewähren52. § 53 a AktG verbietet die Ungleichbehandlung von Aktionären „ohne sachlich gerechtfer- tigten Grund“53. Ein solcher Grund, der die Bevorzugung zahlungswilliger bzw. zahlungskräftiger Aktionäre rechtfertigt, könnte bspw. in einer Situation gegeben sein, in der „die überwältigende Mehrheit auch der nicht bevorzugten Aktionäre“54 einer Ungleichbehandlung zum Wohle der Gesellschaft zustimmt.
Bei Nachschüssen handelt es sich um „Geldeinlagen, welche über die Stammeinla- gen hinaus kraft Satzung zur Vermehrung des Vermögens der GmbH zu leisten sind“55. Eine Pflicht zur Zahlung von Nachschüssen besteht, in Ermangelung einer gesetzlichen Vorschrift, grundsätzlich nicht.56 Eine Nachschusspflicht kann demnach nur durch den Gesellschaftsvertrag entstehen.57 § 26 Abs. 1 GmbHG sieht vor, dass die Gesellschafter über die Nennbeträge der Geschäftsanteile hinaus die Einforde- rung von Nachschüssen beschließen können. Die Haftung der Gesellschafter be- schränkt sich dann nicht mehr auf ihre Einlagen, sondern wird um die Nachschuss- pflicht erweitert.58 Dies stellt für die GmbH in der Krise eine Möglichkeit der Eigen- kapitalbeschaffung dar.59 Die Nachschusspflicht kann in der ursprünglichen Satzung verankert sein, oder nachträglich durch Satzungsänderung entstehen.60 Die nachträg- liche Einführung einer Nachschusspflicht erweitert die Zahlungspflichten der Gesell- schafter um den Nachschussbetrag und erfordert somit nach § 53 Abs. 3 GmbHG die Zustimmung aller Gesellschafter.61 Die Einforderung der Nachschüsse erfordert ne- ben einer entsprechenden Regelung im Gesellschaftsvertrag zusätzlich immer eine Beschlussfassung durch die Gesellschafter.62 Der Umfang der von den Gesellschaf- tern zu zahlenden Nachschüsse bemisst sich gemäß § 26 Abs. 2 GmbHG grundsätz- lich nach dem Verhältnis der Geschäftsanteile.63 Diese Nachschüsse unterliegen nicht den gleichen Formalitäten wie das Stammkapital.64 So fehlt es bspw. an einem gesetzlich geregelten Mehrheitserfordernis bei der Beschlussfassung.65 Grundsätzlich ist zwischen der unbeschränkten (§ 27 GmbHG) und der beschränkten Nachschuss- pflicht (§ 28 GmbHG) zu unterscheiden66. Im Rahmen dieser Arbeit soll jedoch nicht näher auf die Besonderheiten dieser beiden Ausprägungen eingegangen werden, da diese Unterscheidung für das grundlegende Verständnis des Instruments der Nach- schusspflicht im Rahmen der Sanierung vernachlässigt werden kann. Die Nach- schusspflicht bietet aufgrund der bereits im Gesellschaftsvertrag festgehaltenen Ver- pflichtungen der Gesellschafter den Vorteil einer „präventiv begründeten Rechtsbin- dung“67. Sie kann ein wirksames Instrument zur Kapitalbeschaffung im Sanierungs- prozess darstellen, da sie es erlaubt, auf einen erhöhten Kapitalbedarf immer rechts- sicher und kurzfristig reagieren zu können.68 Ihre geringe Bedeutung in der Praxis69 ist demnach schwer nachvollziehbar70.
Unter der doppelstufigen Sanierung versteht man eine Herabsetzung71 des Nominal- kapitals mit anschließender Kapitalerhöhung.72 Die Kapitalherabsetzung entfaltet hierbei eine bilanzbereinigende Wirkung, während die anschließende Kapitalerhö- hung für die benötigte Liquidität sorgt.73 Im Rahmen von Unternehmenssanierungen ist eine Kombination aus einer vereinfachten Kapitalherabsetzung und einer an- schließenden effektiven Kapitalerhöhung74, der sogenannte „Kapitalschnitt“75, von besonderer Bedeutung. Im Folgenden werden die verschiedenen Möglichkeiten der Kapitalherabsetzung und Kapitalerhöhung erläutert, wobei aufgrund ihrer besonde- ren Bedeutung für die Sanierung76 insbesondere die vereinfachte Kapitalherabset- zung sowie die verschiedenen Ausprägungen der effektiven Kapitalerhöhung betrachtet werden. Dabei wird der Ablauf der beschriebenen Maßnahmen jeweils zunächst am Beispiel der AG erläutert, um darauf aufbauend auf rechtliche Beson- derheiten in der GmbH einzugehen.
Durch eine Kapitalherabsetzung geschieht eine Anpassung des ausgewiesenen Nennkapitals an die tatsächliche Kapitalausstattung des Unternehmens.77 Im Rahmen der Sanierung dient die Kapitalherabsetzung vornehmlich der Vorbereitung einer sich anschließenden Kapitalerhöhung.78 Für Aktiengesellschaften existieren grund- sätzlich 3 Formen der Kapitalherabsetzung. Es handelt sich hierbei um die ordentli- che Kapitalherabsetzung (§§ 222-228 AktG), die vereinfachte Kapitalherabsetzung (§§ 229-236 AktG) und die Kapitalherabsetzung durch die Einziehung von Aktien (§§ 237-239 AktG).79 Unterschiede zwischen den einzelnen Formen der Kapitalher- absetzung ergeben sich insbesondere im Hinblick auf mögliche Kapitalrückzahlun- gen an Aktionäre sowie bestimmte Gläubigerschutzbestimmungen.80 Die ordentliche Kapitalherabsetzung verringert die Haftungsgrundlage der Aktiengesellschaft. In Höhe des Herabsetzungsbetrages wird das Vermögen von den Kapitalbindungsvor- schriften (§§ 57, 58, 62, 71 AktG) befreit. Das im Rahmen einer ordentlichen Kapi- talherabsetzung freigewordene Gesellschaftsvermögen kann an die Aktionäre ausge- schüttet oder durch die Einstellung in Rücklagen ausschüttungsfähig gemacht wer- den. Demnach sind im Wege einer ordentlichen Kapitalherabsetzung Kapitalrückzah- lungen an Aktionäre grundsätzlich möglich (§ 222 Abs. 3 AktG). Aus diesem Grund werden die Gläubiger hier vom Gesetz in besonderer Weise geschützt. Sie können im Falle einer ordentlichen Kapitalherabsetzung Sicherheitsleistungen für ihre Forde- rungen verlangen oder Befriedigung fordern (§ 225 Abs. 1 AktG). In einem sanie- rungsbedürftigen Unternehmen wird es aber genau an diesen liquiden Mitteln fehlen, die nötig wären, um Gläubiger zu befriedigen oder Sicherheiten zu leisten.81 Im Falle der Kapitalherabsetzung durch Einziehung von Aktien sind ebenfalls Zahlungen an Aktionäre möglich (§ 237 Abs.2 AktG).82
1 Portisch (2012), S. 10.
2 Vgl. Crone (2014), S. 3.
3 Grape (2006), S. 1.
4 Vgl. Vasilev( 2008) S. 1.
5 Vgl. Creditreform (2014), S. 1.
6 Vgl. Creditreform (2014), S. 2.
7 Vgl. Creditreform (2014), S. 3.
8 Vgl. Creditreform (2014), S. 8.
9 Vgl. hierzu auch Grape (2006), S. 3.
10 Vgl. Crone (2014 a), S. 61.
11 Brandstätter (1993), S. 5.
12 Harz, Hub, Schlarb (2006), S. 5.
13 Vgl. Eisele/ Knobloch (2011), S. 1168.
14 Vgl. u. a. Portisch (2012), S. 11, Crone (2014), S. 4, Hauschildt/Grape/Schindler (2006), S. 7.
15 Baetge/ Schmidt/ Hater (2012), S. 20.
16 Rümmler (2011), S.3.
17 Hohberger/ Damlachi (2014), S. 5.
18 Vgl. Eisele, Knobloch (2011), S.1168.
19 Harz/Hub/Schlarb (2006), S. 5.
20 Vgl. Rümmler (2011), S. 17.
21 Vgl. Meyer (2003), S. 35.
22 Vgl. Harz/Hub/Schlarb (2006), S. 8.
23 Vgl. Ringelspacher (2014), S. 513.
24 Vgl. Zirener (2005), S. 37.
25 Sartor (2013), S. 288.
26 Harz/ Hub/ Schlarb (2006), S. 8.
27 IDW S 6, Tz. 11.
28 IDW S 6, Tz. 11.
29 IDW S 6, Tz. 19
30 IDW S 6, Tz. 19.
31 Brandstätter (1993), S. 8.
32 Vgl. Drukarczyk/ Schüler (2006), S. 711, Jozefowski (1985), S.14.
33 Vgl. Meyer (2003), S.33.
34 Feldbauer- Durstmüller (2003), S. 131.
35 Vgl. Hettich/ Kreide/ Crone (2014), S. 130.
36 Vgl. Böckenförde (1996) S. 138, Schmidt-Gothan (2008), S. 147.
37 Vgl. Reger (2006), S. 809.
38 Riegel (2005), S. 28., vgl. hierzu auch Böckenförde (1996), S. 138.
39 Vgl. Schmidt- Gothan (2008), S. 88.
40 Vgl. Schnorr (o.J.), S. 18.
41 Vgl. u.a. Brunke/ Klein (2012), S. 58.
42 Vgl. Lubos (2006), S. 380.
43 Vgl. Reger (2006), S. 809.
44 Vgl. Jozefowski (1985), S. 100-102.
45 Vgl. Kudla (2005), S. 131.
46 Vgl. Hüffer/ Koch (2014), § 54 AktG, Rn. 7-9.
47 Vgl. Hüffer/ Koch (2014), § 54 AktG, Rn. 7.
48 Vgl. Hüffer/ Koch (2014), § 54 AktG, Rn. 9.
49 Vgl. Jozefowski (1985), S. 102.
50 Vgl. Bieg/ Kußmaul (2009), S. 221.
51 Vgl. Hüffer/ Koch (2014), § 54 AktG, Rn. 9.
52 Vgl. Lange (2014), § 53 a AktG, Rn. 1.
53 Lange (2014), § 53 a AktG, Rn. 2.
54 Zit. nach Verse (2006), S. 159.
55 Bayer (2009), § 26 GmbHG, Rn. 2.
56 Vgl. Drygala/ Staake/ Szalai (2012), S. 302.
57 Vgl. Jula (2009), S. 191.
58 Vgl. Eisele/ Knobloch (2011), S. 1028.
59 Vgl. Bieg/ Kußmaul (2009), S.49.
60 Vgl. Müller/ Liebscher (2012), S. 314.
61 Vgl. Altmeppen (2012), § 26 GmbHG, Rn. 8.
62 Vgl. Jula (2009), S. 191.
63 Vgl. Stacke (2006), S. 90.
64 Vgl. Mayer (2012), § 20, Rn. 17. Es erfolgt z. B. keine Änderung der Handelsregistereintragung.
65 Vgl. Altmeppen (2012), § 26 GmbHG, Rn. 10.
66 Vgl. Fastrich (2013), § 26 GmbHG, Rn. 3-4.
67 Geißler (2010), S. 488.
68 Vgl. Geißler (2010), S. 489.
69 Vgl. u. a. Jula (2009), S. 191.
70 Vgl. Geißler (2010), S. 489.
71 Diese wird im Rahmen der Sanierung in Form einer vereinfachten Kapitalherabsetzung erfolgen.
72 Vgl. Eisele/ Knobloch (2011), S. 1180.
73 Vgl. Schnorr (o.J.), S.21.
74 Vgl. Rümmler (2011), S. 46.
75 U. a. von Jacobs (2010), S. 80, Classen (2013), S. 152.
76 Vgl. Reger (2006), S.809.
77 Vgl. Eisele/Knobloch (2011), S. 1173.
78 Vgl. von Jacobs (2010), S.80.
79 Vgl. u. a. Staroßom (2013), S. 462.
80 Vgl. Drukarczyk (2008), S. 372-377.
81 Vgl. Wirth (1996) , S. 867.
82 Vgl. hierzu ausführlich Drukarczyk (2008), S. 372-376.
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