Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Gericht=BGH&Datum=18.03.1974&Aktenzeichen=II%20ZR%20167%2F72
Timestamp: 2019-04-26 05:03:15
Document Index: 246633427

Matched Legal Cases: ['BGH', '§ 164', '§ 24', 'BGH', 'BGH', '§ 164', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 4', 'BGH', 'BGH', '§ 4', '§ 4', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH']

BGH, 18.03.1974 - II ZR 167/72 - dejure.org
Feststellung des Vertragspartners bei Vertragsschluss mit der Firma gleichlautendem Namen und ohne einen die Vertretung klarstellenden Zusatz - Fortführung der Firma bei Umwandlung einer Einzelfirma in eine offene Handelsgesellschaft oder Kommanditgesellschaft - Pflicht eines Unternehmens zur Führung von gesellschaftsbezeichnenden Zusätze zur Firma - Feststellung des Vertragspartners bei Verwendung von Firmenbriefbögen - Durchbrechung des vertretungsrechtlichen Offenkundigkeitsgrundsatzes - Durchführung des Prinzips der Firmenwahrheit bei abgeleiteten Firmen - Verpflichtung zur Zeichnung im Namen der GmbH
BGB § 164; HGB § 24 Abs. 1 1. Alt.
BGHZ 62, 216
NJW 1974, 1191
MDR 1974, 913
DNotZ 1974, 743
DB 1974, 1278
Wer auf einem Wechsel unter dem Stempel einer Personenfirma zeichnet, verpflichtet den Firmeninhaber und nicht sich selbst, auch wenn nicht besonders zum Ausdruck kommt, daß der Zeichner mit dem Inhaber der Firma nicht identisch ist, sondern als dessen Vertreter handelt (Ergänzung zu BGHZ 62, 216).
Aus der vom Berufungsgericht herangezogenen Auslegungsregel des § 164 Abs. 2 BGB, wonach derjenige selbst verpflichtet wird, dessen Wille, im fremden Namen zu handeln, nicht erkennbar hervortritt, ergibt sich für einen solchen Fall nichts; sie kommt nicht zum Zuge, wenn die Art und Weise der Zeichnung dem Erklärungsempfänger kenntlich macht, wer sein Vertragspartner ist, und lediglich unklar bleibt, ob der Erklärende selbst dieser Vertragspartner oder nur dessen Vertreter ist (BGHZ 62, 216, 220 f [BGH 18.03.1974 - II ZR 167/72] m.w.N.).
Dies gilt, wie sich aus dem eindeutigen Gesetzeswortlaut ergibt und in der Rechtssprechung und im Schrifttum einhellig vertreten wird, nicht nur für eine von der GmbH neu gebildete Firma, sondern auch, wenn, wie hier, die von einem Einzelkaufmann oder einer Personengesellschaft übernommene Firma fortgeführt wird (BGHZ 62, 216, 226 [BGH 18.03.1974 - II ZR 167/72];… Baumbach/Hueck, 13. Aufl. Anm. 4 A; Brodmann Anm. 5;… Schilling in Hachenburg, 6. Aufl. Anm. 19;… Scholz, 4. Aufl. Anm. 18: alle zu § 4 GmbHG; Feine, in Ehrenb. Hdb. Bd. III 3 S. 85).
Wer als GmbH-Geschäftsführer mit einer Personenfirma ohne mbH-Zusatz zeichnet, erweckt den Eindruck, der Firmeninhaber, für den er handelt, sei keine Kapitalgesellschaft oder sonstige, nur mit einem beschränkten Vermögen haftende juristische Person, sondern ein Einzelkaufmann oder eine Personengesellschaft, die ein einzelkaufmännisches Unternehmen fortführt (zum letzteren BGHZ 62, 216, 224 ff) [BGH 18.03.1974 - II ZR 167/72]; denn für alle juristischen Personen mit beschränkter Haftung schreibt das Gesetz die Verlautbarung der Gesellschaftsform in der Firma oder im Verbandsnamen vor (vgl. außer § 4 Abs. 2 GmbHG die §§ 4, 279 AktG; 3 Abs. 2 GenG; 65 BGB; 18 Abs. 2 VAG).
Eine Einsichtnahme in das Handelsregister, aus der die veränderten Verhältnisse ersichtlich waren (vgl. hierzu Senatsurteil vom 9. Oktober 1978 - VIII ZR 176/77, NJW 1979, 42), konnte von ihm schon deshalb nicht erwartet werden, weil er aufgrund der genannten Gegebenheiten auf den Fortbestand der bisherigen Verhältnisse vertrauen durfte (BGHZ 62, 216, 223).
Der Senat hat in dem vergleichbaren Fall der Rechtsscheinhaftung dessen, der für eine GmbH handelt, ohne deren Rechtsform kenntlich zu machen, eine solche Haftung verneint, solange die Pflicht, auch eine abgeleitete GmbH-Firma mit dem Rechtsformzusatz zu versehen, nicht höchstrichterlich ausgesprochen worden war (BGHZ 62, 216, 228).
OLG Frankfurt, 10.04.1980 - 20 W 722/79
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