Source: http://www.uni-protokolle.de/foren/viewt/78678,0.html
Timestamp: 2019-10-20 22:26:55
Document Index: 195011107

Matched Legal Cases: ['§250', '§250', '§250', '§ 250', '§ 244', '§ 250', '§ 250', '§ 251', '§ 249', '§ 251', '§227', '§ 250', '§ 250', '§ 250', '§ 250', '§ 250', '§ 250', '§ 251', '§ 227', '§ 239', '§ 263', '§ 263']

Verfasst am: 28 Jul 2006 - 20:13:27 Titel: Hausarbeit StrR Fortgeschrittene-Prof.Kuhlen (Uni Mannheim)
schreibt jemand auch diese Hausarbeit, ich bin am Anfang der Überlegungen und habe eine Frage:
welche Gewahrsamsverhältnisse haben die Auzsubildenden in einer Werkstatt gegenüber ihrem Meister? Mitgewahrsam oder Alleingewahrsam des Meisters an den Werkzeugen und am Geld in der Kasse?
Verfasst am: 28 Jul 2006 - 21:39:02 Titel:
Das ist eine ganz ähnliche Situation wie zwischen Verkäuferin und Ladeninhaber: hier hat nur der Ladeninhaber Gewahrsam. In deinem Fall hat analog dazu der Meister Alleingewahrsam an Geld und Werkzeug.
Verfasst am: 04 Aug 2006 - 10:55:56 Titel:
Also erst einmal ein ganz großes Dankeschön an Dich: KLÄGER
Aber ich muss schon sagen, dass es mir noch nicht so ganz klar ist. Aber Dein Beispiel mit dem Bankraub scheint einleuchtend. Ich muss mich jetzt erst mal wieder mit Literatur auseinandersetzen und dann hoffe ich das Verständnis zu erlangen.
Bis Dahin bis auf Weiteres
Verfasst am: 08 Aug 2006 - 09:39:47 Titel:
Hmmm, was die Annahme der Vorstellung von A und B angeht, zweifle ich etwas. Wenn sie tatsächlich glauben würden, dass der Azubi C keine 150€ zuhause hätte, warum versuchen sie dann überhaupt ihn zu erpressen und nötigen ihn nicht dazu, einen größeren Diebstahl zu begehen? Es wäre naheliegender, wenn sie dieser Vorstellung folgen, dass sie den C auffordern 150€ zu besorgen und ihnen zu übergeben. Aber genau das tun sie ja nicht.
Im ergebnis ist es meiner Ansicht nach aber egal, ob man den Fehlschlag annimmt oder ob man vom unfreiwilligen Rücktritt ausgeht. Beide Ansichten kommen zum selben ergebnis, der strafbarkeit wegen versuchter Erpressung.
Verfasst am: 08 Aug 2006 - 11:53:10 Titel:
Im Ergebnis (versuchte Erpressung) stimme ich Dir zu.
Aber mal eine ganz andere Frage. Warum wird hier eigentlich angenommen die räuberische Erpressung fiele hinter dem versuchten schweren Raub mit Todesfolge zurück? Das ist mir noch nicht ganz klar? Ich sehe das nämlich nicht so.
Verfasst am: 08 Aug 2006 - 12:05:09 Titel:
Hmmm, je mehr ich darüber nachdenke komme ich zu dem Ergebniss, dass auch die räuberische Erpressung nur versucht ist. AUf Seite des A wird dann der versuchte schwere Raub mit Todesfolge einschlägig. Bei B bleibt es bei der versuchten räuberischen Erpressung.
Verfasst am: 08 Aug 2006 - 20:02:48 Titel:
Ich prüfe gerade den Tatentschluss des A bzgl der Qualifikationsmerkmale in §250 und meiner Meinung nach liegt hier nur §250 II Nr.1 2.Alt vor.
Frage an Mireille und Kläger:
Warum §250 I Nr.1a, wenn A das Messer tatsächlich verwendet hat, das Opfer wird bedroht, darin erweist sich die Gefährlichkeit, dass im Falle der Zufügung des angekündigten Übels die Gefahr erheblicher Verletzung entstünde.(Wessels/Hillenkamp Rn.350a)?
Verfasst am: 08 Aug 2006 - 20:53:35 Titel:
Stimmt, es liegt auf jeden Fall § 250 II Nr. 1 vor, allerdings erste Alternative, denn ein Messer ist eine Waffe im technischen Sinn (Waffe = jedes techn. Instrument, das dazu bestimmt ist, als Angriffs- oder Verteidigungsmittel zu dienen und dabei erhebliche Verletzungen zuzufügen; Schönke, Schröder § 244, Rn 3).
Auf jeden Fall tritt § 250 I hinter II zurück, und auch § 250 II Nr. 3a und b werden von § 251 konsumiert (berichtigt mich, wenn ich mich irre).
Hab heute das Geschehen in der Werkstatt geprüft: §§ 249, 250 II Nr. 1 erste Alt., 251, 22, 23 bezüglich A`s Verhalten
Der Tatbestand ist eigentlich erfüllt. Komme am Ende zum Strafaufhebungsgrund Rücktritt: Laut Joecks kann in unserer Konstellation (Raub versucht, unbeabsichtigt schwere Folge - Tod - eingetreten, vom Raub zurückgetreten) der Rücktritt vom unbeendeten Versuch eingreifen und voila - Straffreiheit. Also nix mit versuchtem schwerem Raub mit Todesfolge. Einzig übrig bleibt (nach Joecks, § 251) §227.
Was meint ihr? Bin ich völlig auf Abwegen?
Verfasst am: 08 Aug 2006 - 22:20:06 Titel:
Du bejahst zutreffend § 250 II Nr. 1, weil auch die Drohung mit einer Waffe bzw. einem gefährlichen Werkzeug eine Verwendung bedeutet.
Wenn § 250 II Nr. 1 erfüllt ist, liegt immer auch § 250 I Nr. 1a vor, denn man kann kein gefährliches Werkzeug bzw. keine Waffe verwenden, ohne dass man sie beisichführt. Der zur Fesselung verwendete Strick stellt freilich noch ein sonstiges Mittel im Sinne des § 250 I Nr. 1b dar.
Darüber hinaus liegt auch § 250 II Nr. 3b vor, denn C stirbt aufgrund der Fesselung, so dass sich insofern die darin liegende Todesgefahr ja sogar realisiert hat.
Was du in Bezug auf die Konkurrenzverhältnisse des § 250 zu § 251 sagst (Konsumtion) ist vollkommen richtig.
Ob Rücktritt bei der hier vorliegenden Konstellation eines versuchten Raubes mit Todesfolge (= sog. erfolgsqualifizierter Versuch) möglich ist, ist umstritten. Joecks bejaht dies wie die h.M. auch, so dass deine Auffassung "Nix mit Raubversuch mit Todesfolge" natürlich absolut vertretbar ist. Prüfen müsste man freilich noch, ob das mit der liegengelassenen Beute auch alles freiwillig war. Da kann ich jetzt aber nichts Genaues zu sagen, weil ich den Sachverhalt insofern nicht gut genug kenne und keinen Kommentar zur Hand habe.
In jedem Fall wäre darüber hinaus natürlich noch § 227 zu prüfen und auch eine Freiheitsberaubung mit Todesfolge (§ 239 I, IV) käme in Betracht.
Was du in Bezug auf das Messer als Waffe sagst, muss ich allerdings eines sagen: Nicht jedes Messer ist eine Waffe ! Es kommt ganz auf die Art des Messers an. Ein Brot- oder Küchenmesser ist z.B. keine Waffe, sondern nur ein gefährliches Werkzeug, weil es seiner Bestimmung nach nicht dazu da ist, andere zu verletzen. Im vorliegenden Fall wurde -glaube ich - ein Fahrtenmesser verwendet. Wozu man das üblicherweise verwendet, weiß ich ehrlich gesagt aber nicht. Dies müsste man aber klären, um die Frage nach der Waffe beantworten zu können.
Verfasst am: 20 Aug 2006 - 21:15:10 Titel:
Ich gebe dir im Ergebnis völlig Recht: A und B wollten ursprünglich, dass C ihnen das Geld aus der Kasse besorgt. Zu dieser Vermögensverfügung (=Entnahme des Geldes durch C) ist es nicht gekommen, somit auch nicht zu einem Schaden. Folge: nur versuchte räuberische Erpressung.
Sicherlich hat C eine Vermögensverfügung getätigt, indem er das Vermögen des M konkret gefährdet hat.
Da muss ich dir widersprechen. Das Öffnen der Kasse allein stellt noch keine Vermögensverfügung dar. Eine solche ist definiert als jedes Tun oder Unterlassen, das sich unmittelbar vermögensmindernd auswirkt (vgl. Tröndle / Fischer, § 263 Rn. 40 (52. Aufl.) m. zahlr. Nachw. zur Rspr.). Wirkt sich das Öffnen der Kasse unmittelbar vermögensmindernd aus ? Nein, gerade nur mittelbar, weil es die Gelegenheit zur Entnahme von Geld verschafft. Erst die Wegnahme wirkt sich unmittelbar vermögensmindernd aus ! Damit schafft das Öffnen der Kasse nur die Gelegenheit zu einer unmittelbaren Vermögensminderung durch Wegnahme (vgl. hierzu auch Tröndle / Fischer, § 263 Rn. 46)
Bzgl. B kommt -wie du schon sagst - nur Beihilfe in Betracht, und zwar psychische. Jetzt stellt sich natürlich die Frage, worin die Beihilfe liegt in der psychischen Beihilfe ? Ob psychische Beihilfe überhaupt möglich ist, ist im i.Ü. umstr., wird aber von der h.M. bejaht. Man könnte im vorliegenden Fall etwa in der Richtung argumentieren, dass der Tatentschluss durch die Verabredung mit dem B gestärkt wurde, dass ihm ein Gefühl der Sicherheit/Bestätigung gegeben wird. Überlegenswert wäre auch etwas aus der Tatsache zu basteln, dass B in der Wohnung des C warten soll. Darüber müsste man einmal näher nachdenken.