Source: http://www.hensche.de/Rechtsanwalt_Arbeitsrecht_Urteile_Diskriminierung-Alter_LAG-Berlin-Brandenburg_20Sa2244-07.html
Timestamp: 2018-07-21 20:59:59
Document Index: 169108709

Matched Legal Cases: ['§ 27', '§ 29', '§ 27', '§ 10', '§ 27', '§ 15', '§ 27', '§ 7', '§ 1', '§ 10', '§ 8', '§ 8', '§ 15', '§ 15', 'Art. 20', '§ 27', '§ 3', '§ 33', '§ 1', '§ 10', '§ 27', '§ 8', '§ 33', '§ 8', '§ 15', '§ 4', 'Art. 9', '§ 64', '§ 64', '§ 519', '§ 256', '§ 256', '§ 27', '§ 27', '§ 1', '§ 27', '§ 27', '§ 1', '§ 2', '§ 27', '§ 1', '§ 1', '§ 1', '§ 1', '§ 1', '§ 1', '§ 1', '§ 1', '§ 3', '§ 1', '§ 27', '§ 27', '§ 27', '§ 26', '§ 27', '§ 27', '§ 27', '§ 3', '§ 15', '§ 10', 'EuG', 'EuG', 'EuG', '§ 27', '§ 27', '§ 10', '§ 5', '§ 8', '§ 27', '§ 7', '§ 7', '§ 1', '§ 139', '§ 1', '§ 4', '§ 4', 'Art. 119', 'EuG', '§ 4', 'EuG', 'Art. 119', 'EuG', 'EuG', '§ 8', '§ 2', '§ 8', '§ 612', '§ 2', '§ 1', '§ 33', '§ 7', '§ 33', 'Art. 3', '§ 4', '§ 4', 'Art. 20', '§ 15', '§ 21', '§ 7', '§ 15', '§ 280', '§ 15', '§ 15', '§ 70', 'Art. 9', '§ 4', 'Art. 9', '§ 26', '§ 29', '§ 29', '§ 29', '§ 29', '§ 1', '§ 29', '§ 1']

LAG Berlin-Brandenburg, Urteil vom 11.09.2008, 20 Sa 2244/07 - HENSCHE Arbeitsrecht
LAG Ber­lin-Bran­den­burg, Ur­teil vom 11.09.2008, 20 Sa 2244/07
Schlagworte: Diskriminierung: Alter, Tarifvertrag, BAT, Lebensaltersstufen
Aktenzeichen: 20 Sa 2244/07
Vorinstanzen: Arbeitsgericht Berlin, Urteil vom 22.08.2007, 86 Ca 1696/07
T., RHS als Ur­kunds­be­am­tin
hat das Lan­des­ar­beits­ge­richt Ber­lin-Bran­den­burg, 20. Kam­mer,
auf die münd­li­che Ver­hand­lung vom 11. Sep­tem­ber 2008
durch den Vor­sit­zen­den Rich­ter am Lan­des­ar­beits­ge­richt R. als Vor­sit­zen­den
so­wie die eh­ren­amt­li­chen Rich­ter W. und D.
I. Auf die Be­ru­fung des Klägers wird das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts Ber­lin vom 22.08.2007 - 86 Ca 1696/07 – teil­wei­se ab­geändert:
Es wird fest­ge­stellt, dass die Be­klag­te ver­pflich­tet ist, den Kläger ab dem 01.09.2006 gem. Vergütungs­grup­pe 1a des BAT in Ver­bin­dung mit dem TV zur An­wen­dung von Ta­rif­verträgen des öffent­li­chen Diens­tes (An­wen­dungs­ta­rif­ver­trag Land Ber­lin vom 21Juni 2003) ent­spre­chend der Le­bens­al­ters­stu­fe 47 zu vergüten.
II. Von den Kos­ten des Rechts­streits hat das be­klag­te Land ¾, der Kläger ¼ zu tra­gen.
III. Die Re­vi­si­on wird für den Kläger und für das be­klag­te Land zu­ge­las­sen.
Die Par­tei­en strei­ten um die Höhe der Vergütung des Klägers. Der am ……1967 ge­bo­re­ne, 39-jähri­ge Kläger, der zu 60% schwer­be­hin­dert ist, ist seit dem 16.03.1998 bei dem Land Ber­lin beschäftigt. Die Par­tei­en ver­ein­bar­ten ar­beits­ver­trag­lich die Gel­tung der Ta­rif­verträge des Lan­des Ber­lin. Das be­klag­te Land, das nicht mehr Mit­glied der Ta­rif­ge­mein­schaft deut­scher Länder ist, wen­det den Bun­des­an­ge­stell­ten­ta­rif­ver­trag (BAT) auf die Ar­beits­verhält­nis­se sei­ner Beschäftig­ten an. Zu­letzt ge­schah dies auf der Grund­la­ge des Ta­rif­ver­tra­ges zur An­wen­dung von Ta­rif­verträgen des öffent­li­chen Diens­tes (An­wen­dungs-TV vom 31.07.2003 in der Fas­sung des Ände­rungs­ta­rif­ver­tra­ges Nr. 1 vom 25.08.2004). Der Kläger er­hielt als Geschäftsführer ei­nes lan­des­ei­ge­nen Pfle­ge­heim­be­trie­bes ei­ne Vergütung gemäß Vergütungs­grup­pe 1a BAT. Sei­ne Grund­vergütung be­trug 3.336,09 EUR brut­to (Le­bens­al­ters­stu­fe 39). Er er­hielt wei­ter ei­nen Orts­zu­schlag der Stu­fe 1 in Höhe von 497,45 EUR brut­to. Die Grund­vergütung der Le­bens­al­ters­stu­fe 47 be­trug 3.787,14 EUR, der Orts­zu­schlag Stu­fe 3 671,23 EUR brut­to. Die Ta­rif­ver­trags­par­tei­en nah­men am 18. Ja­nu­ar 2006 Son­die­rungs­gespräche auf. An­lass war der für den Be­reich Bund/VKA ab­ge­schlos­se­ne Ta­rif­ver­trag (TVöD). Das be­klag­te Land wies im Rah­men der Son­die­rungs­gespräche ins­be­son­de­re dar­auf hin, dass le­dig­lich ein bis­her noch nicht vor­lie­gen­der Ab­schluss der TdL ei­ne Ver­hand­lungs­pflicht nach dem An­wen­dungs-TV auslöse. Nach wei­te­ren Son­die­rungs­gesprächen und nach der Ta­rif­ver­ein­ba­rung zwi­schen ver.di und der TdL im Mai 2006 (TV-L) tra­ten die Ta­rif­ver­trag­par­tei­en am 15.12.2006 in Ta­rif­ver­hand­lun­gen ein. In ei­ner Ver­hand­lungs­run­de am 12.07.2007 erklärte das be­klag­te Land, ei­ne Über­nah­me des TV-L sei un­ter Berück­sich­ti­gung von Ber­li­ner Be­son­der­hei­ten denk­bar. Bezüge­erhöhun­gen sei­en al­ler­dings nicht möglich. Ins­be­son­de­re müss­ten vier Pro­blem­krei­se, nämlich hin­sicht­lich der prak­ti­schen Um­set­zung von Leis­tungs­ent­gel­ten, hin­sicht­lich Ar­beits­zeit, bezüglich ei­ner Un­ter­schei­dun­gen zwi­schen Ta­rif­kreis West und Ost und ei­ner Be­en­di­gung der Dif­fe­ren­zie­rung der Ta­rif­re­ge­lun­gen für An­ge­stell­te und der Grup­pe der frühe­ren Ar­bei­ter bewältigt wer­den. Am 23.08.2007 bot das be­klag­te Land die Über­nah­me des TV-L in den An­wen­dungs-TV an, mit Aus­nah­me der Ent­gelt­ta­bel­len und sons­ti­ger von all­ge­mei­nen Bezüge­erhöhun­gen be­ein­fluss­ter Bezüge. Dies wur­de durch die Ge­werk­schaf­ten ab­ge­lehnt. We­gen der Wei­ge­rung des be­klag­ten Lan­des über Ein­kom­mens­erhöhun­gen der Ar­beit­neh­mer zu ver­han­deln, erklärten die Ge­werk­schaf­ten mit Schrei­ben vom 01.Fe­bru­ar 2008 bzw. 21. April 2008 die Ta­rif­ver­hand­lun
gen für ge­schei­tert. Die Ge­werk­schaf­ten er­grif­fen Streik­maßnah­men zur Er­zwin­gung von Vergütungs­ver­bes­se­run­gen.
Der Kläger ver­lang­te von dem be­klag­ten Land die Zah­lung der Vergütungs­dif­fe­renz zwi­schen sei­ner Le­bens­al­ters­stu­fe und der Le­bens­al­ters­stu­fe 47 so­wie die Dif­fe­renz zwi­schen dem Orts­zu­schlag der Stu­fe 1 und dem Orts­zu­schlag der Stu­fe 3 seit in Kraft­tre­ten des all­ge­mei­nen Gleich­be­hand­lungs­ge­set­zes (AGG), da er die An­sicht ver­tritt, ei­ne Zah­lung nach der Le­bens­al­ters­stu­fe 39 dis­kri­mi­nie­re ihn we­gen des Al­ters. Der Kläger mach­te dies zunächst mit Schrei­ben vom 31.10.2006 ge­genüber dem be­klag­ten Land gel­tend. Nach der Ab­leh­nung durch das be­klag­te Land ver­folgt der Kläger mit der am 29.01.2007 bei Ge­richt ein­ge­reich­ten und dem be­klag­ten Land am 08.02.2007 zu­ge­gan­ge­nen Kla­ge sein Ziel wei­ter,
Der Kläger hat die Auf­fas­sung ver­tre­ten, dass die Staf­fe­lung der Grund­vergütung nach Le­bens­al­ters­stu­fen gemäß § 27 a BAT und die un­ter­schied­li­che Be­mes­sung der Orts­zu-schlags­stu­fen gemäß § 29 b BAT ei­ne Dis­kri­mi­nie­rung des Al­ters bzw. we­gen des Ge-schlechts dar­stell­ten. Die Fol­ge ei­ner sol­chen Dis­kri­mi­nie­rung sei­en Scha­dens­er­satz­ansprüche bzw. ein An­spruch des Be­nach­tei­lig­ten auf Gleich­stel­lung mit den Begüns­tig­ten.
Der Kläger hat be­an­tragt fest­zu­stel­len,
dass die Be­klag­te ver­pflich­tet ist, den Kläger rück­wir­kend zum 01.09.2006 in die Vergü-tungs­grup­pe BAT 1a, Le­bens­al­ters­stu­fe 47, Orts­zu­schlag 3 ein­zu­ord­nen.
Hilfs­wei­se die Be­nach­tei­li­gung des Klägers durch sei­ne Ein­stu­fung nach BAT, Vergü-tungs­grup­pe 1 a, Le­bens­al­ters­stu­fe 37, Orts­zu­schlag­stu­fe 1 zu be­sei­ti­gen.
Das be­klag­te Land hat die An­sicht ver­tre­ten, dass aus dem Vergütungs­sys­tem des § 27 a BAT kei­ne Be­nach­tei­li­gung we­gen des Al­ters fol­ge. Je­den­falls sei ei­ne sol­che nach § 10 AGG ge­recht­fer­tigt. § 27 a BAT ver­fol­ge ein le­gi­ti­mes Ziel mit der Ho­no­rie­rung der mit höhe­rem Al­ter ver­bun­de­nen größeren Le­bens- und Be­rufs­er­fah­rung so­wie der länge­ren Be­triebs­treue in verhält­nismäßiger Wei­se. Ei­ne Dis­kri­mi­nie­rung auf Grund der Zah­lung der Orts­zu­schlags­stu­fe sei nicht er­kenn­bar. Soll­te ei­ne sol­che an­ge­nom­men wer­den, sei sie je­den­falls ge­recht­fer­tigt. Ein An­spruch des Klägers schei­te­re je­den­falls an den Be­stim­mun­gen des § 15 Abs. 3 AGG. Der Hilfs­an­trag des Klägers sei un­zulässig, da zu un­be­stimmt.
Das Ar­beits­ge­richt Ber­lin hat mit Ur­teil vom 22.08.2007 ent­schie­den, dass die Kla­ge hin­sicht­lich des Haupt­an­tra­ges zulässig sei, je­doch zur­zeit un­be­gründet hin­sicht­lich der Fest­stel­lung, dass der Kläger nach Le­bens­al­ters­stu­fe 47 zu vergüten sei. Ei­ne Be­nach­tei­li­gung hin­sicht­lich des Orts­zu­schla­ges sei nicht ge­ge­ben, in­so­weit sei die Kla­ge un­be­gründet. Hin­sicht­lich des Hilfs­an­tra­ges sei die Kla­ge un­zulässig. Dies hat das Ar­beits­ge­richt im We­sent­li­chen wie folgt be­gründet. Die Dif­fe­ren­zie­rung der Grund­vergütung des Klägers nach Le­bens­al­ters­stu­fen gemäß § 27 a BAT ver­s­toße ge­gen das Be­nach­tei­li­gungs­ver­bot des § 7 AGG. Es lie­ge ei­ne un­mit­tel­ba­re Be­nach­tei­li­gung we­gen des Al­ters im Sin­ne der §§ 1, 3 AGG vor, die nicht nach den §§ 10, 5, 8 AGG sach­lich ge­recht­fer­tigt sei. § 8 Abs. 2 AGG stel­le ei­ne An­spruchs­grund-la­ge dar, nach der die Dis­kri­mi­nie­rung durch An­glei­chung der Vergütung an die des Meist-begüns­tig­ten ver­hin­dert wer­den müsse. Nach § 8 Abs. 2 AGG sol­len dis­kri­mi­nier­te Ar­beit-neh­mer gleich­viel wie begüns­tig­te Ar­beit­neh­mer er­hal­ten. Dem ste­he auch nicht § 15 Abs. 3 AGG ent­ge­gen. § 15 Abs. 3 AGG fin­de auf Erfüllungs­ansprüche kei­ne An­wen­dung, er könne als bloße Scha­dens­er­satz­re­ge­lung kei­ne Gren­ze für ar­beits­ver­trag­li­che Primäransprüche sein. Ein Gleich­stel­lungs­an­spruch mit dem Meist­begüns­ti­gen schei­te­re je­doch zur­zeit noch an dem Schutz der Ta­rif­ver­trags­par­tei­en gemäß Art. 20 Abs. 3 GG vor ei­ner un­ech­ten Rück­wir­kung für die vor­lie­gen­den Alt­ta­rif­verträge. Dar­aus fol­ge, dass den Ta­rif­ver­trags­par-tei­en ei­ne Über­g­angs­frist zu gewähren sei. Zwar ken­ne das AGG kein Über­g­angs­recht, es fin­de im Grund­satz un­ein­ge­schränkt auch auf Alt­ta­rif­verträge An­wen­dung. Die durch das AGG her­bei­geführ­te so­for­ti­ge Un­wirk­sam­keit des § 27 a BAT sei je­doch un­verhält­nismäßig. Sie ver­let­ze das ge­recht­fer­tig­te Ver­trau­en der Ta­rif­ver­trags­par­tei­en auf den Be­stand ei­ner Ta­rif­re­ge­lung, die zum Zeit­punkt des Ver­trags­ab­schlus­ses nicht zu be­an­stan­den ge­we­sen sei. Den Ta­rif­ver­trags­par­tei­en sei ei­ne Frist von ei­nem hal­ben Jahr ein­zuräum­en, um dis­kri­mi­nie­rungs­freie Re­ge­lun­gen zu schaf­fen. Als Frist­be­ginn sei die Rechts­kraft der vor­lie­gen­den Ent­schei­dung an­zu­se­hen. Kämen die Ta­rif­ver­trags­par­tei­en in­ner­halb die­ser an­ge­mes­se­nen Frist nicht zu ei­ner ei­genständi­gen dis­kri­mi­nie­rungs­frei­en Re­ge­lung, sei von ei­ner Ge­samt­nich­tig­keit der ta­rif­li­chen Re­ge­lung aus­zu­ge­hen. Hin­sicht­lich der be­gehr­ten Orts­zu­schlag­stu­fe 3 feh­le es be­reits an ei­ner Be­nach­tei­li­gung im Sin­ne des § 3 AGG. Es le­ge we­der ei­ne un­mit­tel­ba­re noch ei­ne mit­tel­ba­re Be­nach­tei­li­gung vor, da die ver­gleichs­wei­sen Nach­tei­le des Klägers durch ein rechtmäßiges Ziel in verhält­nismäßiger Wei­se ge­recht­fer­tigt sein. We­gen der Be­gründung im Ein­zel­nen wird auf die Ent­schei­dungs­gründe des an­ge­foch­te­nen Ur­teils (Blatt 62 – 82 der Ak­ten) ver­wie­sen.
Der Kläger hat ge­gen das ihm am 16.10.2007 zu­ge­stell­te Ur­teil am 13.11.2007 Be­ru­fung er­ho­ben. Nach Verlänge­rung der Be­ru­fungs­be­gründungs­frist bis Mon­tag den 16.01.2008, hat der Kläger die Be­ru­fung am 11.01.2008 be­gründet. Der Kläger rügt die Rechts­an­wen­dung
des Ar­beits­ge­rich­tes. Er ver­tritt die An­sicht, dass § 33 AGG ab­sch­ließend Über­g­angs­be-stim­mun­gen für be­stimm­te Sach­ver­hal­te be­stimmt ha­be. Die­se Über­g­angs­re­ge­lun­gen sei­en auf den vor­lie­gen­den Fall nicht an­wend­bar. Viel­mehr muss­te dem be­klag­ten Land seit Jah­ren be­kannt sein, dass die wei­te­re An­wen­dung des BAT ge­gen Richt­li­ni­en der Eu­ropäischen Ge­mein­schaft und ge­gen das auf der Grund­la­ge der Richt­li­nie zu er­las­se­ne in­ner­staat­li­che Recht ver­s­toße. An den un­ter dem 13.09.2005 bzw. 19.05.2006 mit der Ta­rif­ge­mein­schaft Deut­scher Länder ver­ein­bar­ten Ta­rif­verträge für den öffent­li­chen Dienst hätten die Ta­rif­ver­trags­par­tei­en er­kenn­bar auf die dis­kri­mi­nie­ren­de Vergütungs­si­tua­ti­on re­agiert und die Le­bens­al­ters­stu­fen­vergütung des BAT nicht in den TVöD bzw TvL über­nom­men Dies sei auch für das Land Ber­lin möglich ge­we­sen. Die Vor­ent­hal­tung der Orts­zu­schlags­stu­fe 3 dis­kri­mi­nie­re den Kläger je­den­falls mit­tel­bar. Sei­nen erst­in­stanz­lich ge­stell­ten Hilfs­an­trag hat der Kläger nicht wei­ter­ver­folgt.
Der Kläger be­an­tragt fest­zu­stel­len,
dass die Be­klag­te ver­pflich­tet ist, den Kläger ab dem 01.09.2006 gemäß Vergütungs­grup-pe 1 a des BAT in Ver­bin­dung mit dem TV zur An­wen­dung von Ta­rif­verträgen des öffent­li­chen Diens­tes (An­wen­dungs­ta­rif­ver­trag Land Ber­lin vom 21.06.2003) ent­spre­chend der Le­bens­al­ters­stu­fe 47, Orts­zu­schlag Stu­fe 3 zu vergüten.
Nach Auf­fas­sung des be­klag­ten Lan­des er­weist sich die Fest­stel­lungs­kla­ge be­reits als un­zulässig. Je­den­falls sei sie je­doch un­be­gründet. Ei­ne un­mit­tel­ba­re Be­nach­tei­li­gung we­gen des Al­ters im Sin­ne der §§ 1, 3 AGG lie­ge nicht vor. Selbst wenn man ei­ne sol­che Be­nach­tei­li­gung grundsätz­lich an­neh­men woll­te, wäre sie je­den­falls ge­recht­fer­tigt. Zum ei­nen er­ge­be sich kei­ne Be­nach­tei­li­gung, da auch älte­re Ar­beit­neh­mer die nun­mehr ei­ne höhe­re Grund­vergütung er­hiel­ten im Le­bens­al­ter des Klägers des­sen jet­zi­ge nied­ri­ge­re Vergütung zu be­an­spru­chen hat­ten. Wei­ter sei der Be­griff Be­nach­tei­li­gung in dem hier in Re­de ste­hen­den Vergütungs-, al­so Vermögens­be­reich, so zu ver­ste­hen, dass sich die Vermögens­la­ge des Be­nach­tei­lig­ten nach­hal­tig und endgültig ungüns­ti­ger ge­stal­ten müsse als die des An­de­ren. In­so­weit dürfe nicht ei­ne punk­tu­el­le Au­gen­blicks­be­rech­nung hin­sicht­lich ei­ner Mo­nats­grund­vergütung statt­fin­den, son­dern die Vermögens­la­gen müss­ten ganz­heit­lich über den Lauf ei­nes ty­pi­schen Le­bens­ar­beits­verhält­nis­ses hin­weg ver­gli­chen wer­den. Dann er­ge­be sich, je­den­falls im Re­gel­fall, dass auch der jünge­re Mit­ar­bei­ter die höhe­ren und die höchs­ten Al­ters­stu­fen er­rei­che, so­dass er im sel­ben Al­ter wie sein zur­zeit älte­rer Kol­le­ge eben­falls in den Ge­nuss der höhe­ren Grund­vergütung kom­me. Je­den­falls sei ei­ne un­ter­stell­te Un­gleich­be-
hand­lung gemäß § 10 Abs. 3 Nr. 2 AGG ge­recht­fer­tigt. Die mit der Le­bens­al­ter­stu­fen­vergütung ein­her­ge­hen­den Vergütungs­erhöhun­gen be­deu­te­ten ei­ne Fest­le­gung von Min­dest­an­for­de­run­gen hin­sicht­lich der Be­rufs­er­fah­rung. Bei Schaf­fung des Ent­gelt­sys­tems in der vor­lie­gen­den Form im Jah­re 1970 konn­ten die Ta­rif­ver­trags­par­tei­en da­von aus­ge­hen, dass je­der Be­wer­ber nach Ab­schluss der Schul­zeit ei­nen Aus­bil­dungs­platz er­hielt und bei Tätig­kei­ten, die den Vergütungs­grup­pen III bis X ent­spre­chen würden, auch außer­halb des öffent­li­chen Diens­tes ei­ne Be­rufs­aus­bil­dung mit 21 Jah­ren be­en­det hätte. Dass die Ta­rif­ver­trags­par­tei­en mit dem Stu­fen­sys­tem auf den Um­stand der Be­en­di­gung der Be­rufs­aus­bil­dung ab­ge­stellt hätten, ergäbe sich auch dar­aus, dass die Vergütungs­grup­pen­stei­ge­rung bei den Vergütungs­grup­pen I bis II b erst ab 23 Jah­ren begännen. Da­bei hätten die Ta­rif­ver­trags­par-tei­en ein für die­se Grup­pe not­we­ni­ges Hoch­schul­stu­di­um berück­sich­tigt. Dass die Ta­rif­ver­trags­par­tei­en mit dem Vergütungs­sys­tem nicht das Le­bens­al­ter und die Le­bens­er­fah­rung, son­dern viel­mehr primär die Be­rufs­er­fah­rung ho­no­rie­ren woll­ten, fol­ge ins­be­son­de­re aus der Re­ge­lung des Abs. 2 des § 27 A BAT. Die Re­ge­lung, dass bei Ein­stel­lun­gen in den Vergütungs­grup­pen III bis X bis zum 31. Le­bens­jahr die Grund­vergütung der je­wei­li­gen Le­bens­al­ters­stu­fe ent­spre­che, ma­che deut­lich, dass die Ta­rif­ver­trags­par­tei­en da­von aus­ge­gan­gen sei­en und ty­pi­sie­rend auch da­von aus­ge­hen durf­ten, dass die bis da­hin außer­halb des öffent­li­chen Diens­tes er­wor­be­ne Be­rufs­er­fah­rung ei­ner im öffent­li­chen Dienst er­wor­be­nen gleich­zu­stel­len sei. Sch­ließlich sei der Um­stand, dass ab dem 31. bzw. 35. Le­bens­jahr (Vergütungs­grup­pe I bis II b BAT) das Le­bens­al­ter nicht mehr im vol­len Um­fang der zu zah­len­den Le­bens­al­ters­stu­fe bei Neu­ein­stel­lun­gen ent­spre­che, da­hin­ge­hend zu be­wer­ten, dass die Ta­rif­ver­trags­par­tei­en auf die Be­rufs­er­fah­rung ab­stel­len woll­ten. Da­bei sei da­von aus­zu­ge­hen, dass ei­ne außer­halb des öffent­li­chen Dienst er­wor­be­ne Be­rufs­er­fah­rung zwar im­mer noch nütz­lich für die Tätig­keit auch im öffent­li­chen Dienst sei, dies aber nicht mehr im glei­chem Maße der Fall sei, wie bei jünge­ren Ar­beit­neh­mern. Außer­dem sei zu berück­sich­ti­gen, dass der End­punkt der Ein­kom­mens­stei­ge­rung auf das 47. Le­bens­jahr fest­ge­legt sei. Da­bei sei­en die Ta­rif­ver­trags­par­tei­en er­kenn­bar da­von aus­ge­gan­gen, dass ein An­ge­stell­ter im öffent­li­chen Dienst nach spätes­tens 24-jähri­ger Be­rufs­er­fah­rung, wenn er da­von 12 Jah­re Be­rufs­er­fah­rung im öffent­li­chen Dienst zurück­ge­legt ha­be, den Gip­fel sei­nes Er­fah­rungs­schat­zes er­reicht ha­be und nichts We­sent­li­ches, be­son­ders ho­no­rie­rungswürdi­ges an Be­rufs­er­fah­rung da­zu ge­win­nen könne. Selbst un­ter­stellt, ei­ne Recht­fer­ti­gung ei­ner (eben­falls un­ter­stell­ten) Dis­kri­mi­nie­rung sei nicht ge­ge­ben, fol­ge dar­aus vor­lie­gend kein An­spruch des Klägers. Ins­be­son­de­re er­ge­be sich aus den ge­setz­li­chen Be­stim­mun­gen, auch aus § 8 Abs. 2 AGG, kein An­spruch gleich dem Meist­begüns­tig­ten vergütet zu wer­den. Aus § 33 Abs. 1 AGG fol­ge, dass der Ge­setz­ge­ber die im Rah­men ei­ner Dis­kri­mi­nie­rung we­gen des Ge­schlechts ent­wi­ckel­ten Grundsätze ge­ra­de nicht auf Be­nach­tei­li­gung we­gen des Al­ters er­stre­cken woll­te. Je­den­falls sei § 8 Abs. 2 AGG kei­ne An­spruchs­grund­la­ge da­hin­ge­hend,
dass der Fal­le ei­ner Al­ters­dis­kri­mi­nie­rung zu ei­ner Gleich­stel­lung mit dem Meist­begüns­tig­ten führe. Darüber hin­aus sei­en die Re­ge­lun­gen des § 15 Abs. 3 AGG als spe­zi­el­le­re Be­stim­mun­gen ei­nem sol­chem An­spruch vor­zu­zie­hen. Ansprüche auf­grund der Re­ge­lun­gen des AGG sei­en vom Ge­setz­ge­ber ge­ra­de nicht als Erfüllungs­ansprüche son­dern aus­drück­lich nur als Scha­dens­er­satz­ansprüche bzw. Entschädi­gungs­ansprüche aus­ge­stal­tet. Der Ge­setz­ge­ber woll­te den in An­wen­dung kol­lek­tiv­recht­li­cher Re­ge­lun­gen han­deln­den Ar­beit­ge­ber ge­ra­de we­gen ei­ner ver­mu­te­ten höhe­ren Rich­tig­keits­gewähr in­so­weit ei­ne Haf­tungs­er­leich­te­rung gewähren, in­dem er die Haf­tung für leich­te Fahrlässig­keit für die­sen Fall aus­ge­schlos­sen ha­be. Dies sei auch des­halb ge­recht­fer­tigt, weil der Ar­beit­ge­ber nach § 4 TVG ge­hal­ten ist, die Ta­rif­norm an­zu­wen­den. Wei­ter­hin ste­he ei­nem An­spruch auch Art. 9 Abs. 3 GG ent­ge­gen. Ein Gleich­stel­lungs­an­spruch würde in die Ta­rif­au­to­no­mie ein­grei­fen. Er­geb­nis wäre ei­ne Ta­rif­erhöhung, die nach vor­sich­ti­gen Be­rech­nun­gen ca. 28 Mio. EUR im Jahr an Kos­ten ver­ur­sa­chen würde. Die­sem schwer­wie­gen­den Ein­griff in die Ta­rif­au­to­no­mie ste­he al­len­falls ei­ne in­di­vi­du­el­le Rechts­po­si­ti­on ge­genüber, der nur ein sehr ge­rin­ges Ge­wicht zu­kom­me.
We­gen der wei­te­ren Ein­zel­hei­ten des Sach- und Streit­stan­des wird auf die zwi­schen den Par­tei­en ge­wech­sel­ten Schriftsätze Be­zug ge­nom­men.
1. Die statt­haf­te Be­ru­fung ist nach dem Wert des Be­schwer­de­ge­gen­stan­des zulässig (§§ 64 Abs. 1, 64 Abs. 2 lit b ArbGG). Sie ist in der ge­setz­li­chen Form und Frist ein­ge­legt und nach Verlänge­rung der Be­ru­fungs­be­gründungs­frist in­ner­halb der ge­setz­li­chen Frist be­gründet wor­den (§§ 64 Abs. 6, Satz 1 ArbGG, 66 Abs. 1, Satz 1 ArbGG in Ver­bin­dung mit §§ 519, 520 ZPO).
2. In der Sa­che hat die Be­ru­fung des Klägers teil­wei­se Er­folg. Die Kla­ge ist zulässig und hin­sicht­lich des Ver­lan­gens des Klägers nach der Le­bens­al­ters­stu­fe 47 vergütet zu wer­den be­gründet. Im Übri­gen ist die Kla­ge un­be­gründet und die Be­ru­fung war in­so­weit zurück­zu­wei­sen.
2.1 Die Kla­ge er­weist sich als zulässig. Nach § 256 Abs. 1 ZPO kann Kla­ge auf Fest­s­tel-lung des Be­ste­hens oder Nicht­be­ste­hens ei­nes Rechts­verhält­nis­ses er­ho­ben wer­den, wenn der Kläger ein recht­li­ches In­ter­es­se dar­an hat, dass das Rechts­verhält­nis durch rich­ter­li­che Ent­schei­dung als­bald fest­ge­stellt wird. Das be­son­de­re Fest­stel­lungs­in­ter­es­se nach die­ser
Vor­schrift muss als Sa­chur­teils­vor­aus­set­zung in je­der La­ge des Ver­fah­rens, auch in der Be­ru­fungs­in­stanz ge­ge­ben sein. Sein Vor­lie­gen ist von Amts we­gen zu prüfen. Das Fest­stel­lungs­in­ter­es­se ist nur dann ge­ge­ben, wenn durch die Ent­schei­dung über den Fest­stel­lungs­an­trag der Streit ins­ge­samt be­sei­tigt wird (BAG Urt. vom 29. No­vem­ber 2001 – 4 AZR 757/00 – BA­GE 100,43 51 mwN). Es fehlt, wenn durch die Ent­schei­dung kein Rechts­frie­den ge­schaf­fen wird, weil nur ein­zel­ne Ele­men­te ei­nes Rechts­verhält­nis­ses, abs­trak­te Rechts­fra­gen oder recht­li­che Vor­fra­gen zur Ent­schei­dung des Ge­richts ge­stellt wer­den (BAG Urt. vom 14. De­zem­ber 2005 – 4 AZR 522/04 - AP ZPO 1977 § 256 Nr. 94) . Die Rechts­kraft der Ent­schei­dung muss wei­te­re ge­richt­li­che Aus­ein­an­der­set­zun­gen über die zwi­schen den Par­tei­en strit­ti­gen Fra­gen um den­sel­ben Fra­gen­kom­plex aus­sch­ließen (BAG Urt. vom 29. No­vem­ber 2001 – 4 AZR 757/00 - aaO). Dies ist bei ei­ner Fest­stel­lungs­kla­ge in der hier gewähl­ten Form dann der Fall, wenn z.B. über wei­te­re Fak­to­ren, die die Vergütungshöhe be­stim­men (vgl. zu dem Fest­stel­lungs­in­ter­es­se ei­ner auf die Fest­stel­lung der Vergütungs­stu­fe ge­rich­te­ten Kla­ge BAG Urt. vom 25. Ja­nu­ar 2006 – 4 AZR 613/04 - AP BAT - O § 27 Nr. 4), kein Streit be­steht. Vor­lie­gend ver­langt der Kläger die Fest­stel­lung, dass er nach der Vergütungs­grup­pe I a des BAT gem. der Le­bens­al­ters­stu­fe 47 zu vergüten ist. Zusätz­lich ver­langt er die Fest­stel­lung, dass ein Orts­zu­schlag der Stu­fe 3 zu zah­len ist. Da­bei be­ste­hen zunächst ge­gen die Zu­sam­men­fas­sung der un­ter­schied­li­chen Streit­ge­genstände in ei­nem An­trag kei­ne Be­den­ken. Zwi­schen den Par­tei­en sind auch an­de­re Fra­gen die die Ent­gelthöhe be­stim­men können nicht im Streit. Da­bei kommt es auch nicht dar­auf an, auf wel­che recht­li­che Grund­la­ge der Kläger sei­nen An­spruch stützt. Nach ständi­ger Recht­spre­chung sind Kla­gen auf Zah­lung ei­ner höhe­ren ta­rif­li­chen Vergütung im öffent­li­chen Dienst grundsätz­lich als Fest­stel­lungs­kla­gen zulässig, weil sich die Ar­beit­ge­ber des öffent­li­chen Diens­tes der ge­richt­li­chen Ent­schei­dung hierüber in al­ler Re­gel beu­gen und auf die­se Wei­se der Rechts­frie­den wie­der­her­ge­stellt wird (BAG Urt. vom 28. Ja­nu­ar 1998 – 4 AZR 473/96 – ZTR 1998, 329 mwN). Un­er­heb­lich ist da­bei, ob sich der An­spruch nach den Re­geln der Ta­rif­au­to­ma­tik oder aber aus ver­trag­li­chen Ansprüchen (z.B. ein­zel­ver­trag­li­che über­ta­rif­li­che Vergütung) oder z.B. aus Gleich­be­hand­lungs­grundsätzen er­gibt. Die An­pas­sung des Wort­lau­tes des An­tra­ges ent-spricht dem be­reits vom Ar­beits­ge­richt zu­tref­fend aus­ge­leg­ten Kla­ge­be­geh­ren.
2.2 Zu­tref­fend hat das Ar­beits­ge­richt im Grund­satz ent­schie­den, dass aus den Vergü-tungs­re­ge­lun­gen des § 27 A BAT in­so­weit ei­ne un­mit­tel­ba­re Be­nach­tei­li­gung we­gen des Al­ters im Sin­ne der §§ 1, 3 Abs. 1 AGG folgt, als die Dif­fe­ren­zie­rung der Grund­vergütung an das Le­bens­al­ter an­sch­ließt und le­dig­lich we­gen des Le­bens­al­ters bei glei­cher Tätig­keit dem le­bensälte­ren Ar­beit­neh­mern ei­ne höhe­re Grund­vergütung zu­steht als dem jünge­ren Ar­beit­neh­mer. Die­se Le­bens­al­ter­staf­fe­lung der Grund­vergütung be­nach­tei­ligt den jünge­ren Beschäftig­ten. In­so­weit sind die Be­stim­mun­gen des § 27 A I BAT un­wirk­sam.
2.2.1 Das an Le­bens­al­ters­stu­fen ori­en­tier­te Sys­tem der ge­staf­fel­ten Grund­vergütung des § 27 A I BAT ist ei­ne un­mit­tel­ba­re Be­nach­tei­li­gung we­gen des Al­ters (§§ 1, 3 AGG).
2.2.1.1 Gem. § 2 Abs. 1 Nr. 2 AGG un­ter­lie­gen auch durch kol­lek­tiv­recht­li­che Ver­ein­ba­run­gen fest­ge­leg­te Beschäfti­gungs­be­din­gun­gen den Vor­ga­ben des AGG, mit­hin auch die Be­stim­mun­gen zur Höhe der Grund­vergütung gem. § 27 A BAT.
2.2.1.2 Ei­ne Be­nach­tei­li­gung we­gen des Al­ters kann nicht nur dann vor­lie­gen, wenn ei­ne älte­re Per­son ge­genüber ei­ner jünge­ren Per­son ei­ne we­ni­ger güns­ti­ge Be­hand­lung in ei­ner ver­gleich­ba­ren Si­tua­ti­on erfährt. Das Wort „Al­ter“ wird in der deut­schen Spra­che mehr­deu­tig ver­wen­det. Es wird - neu­tral - zur Be­zeich­nung des Zeit­raums ver­wen­det, der seit der Ge­burt ei­nes Men­schen ver­stri­chen ist, es be­zeich­net aber auch das „fort­ge­schrit­te­ne­re Al­ter“, das zwi­schen 45 und 60 Jah­ren be­gin­nen soll. Es könn­te zwar na­he lie­gen , den Be­griff des Al­ters im Sin­ne des § 1 AGG vor­nehm­lich mit dem Schutz von Per­so­nen oder hier Beschäftig­ten im „fort­ge­schrit­te­nen Al­ter“ zu ver­bin­den. Dies ist aber nicht ge­meint: Die Be­stim­mung er­fasst je­des, das nied­ri­ge wie das höhe­re Al­ter. In­so­weit be­steht, so­weit er­sicht­lich, Übe­rein­stim­mung in der Li­te­ra­tur (vgl. z.B. Ber­tels­mann ZESAR 2005,242; Lin­sen­mai­er, Son­der­bei­la­ge zu RdA 2003, S. 25; Däubler/Bertz­bach, AGG, § 1 Rd­Nr. 84, Erf-K- Schlach­ter, 7. Aufl. AGG, § 1 Rd­Nr. 9, Schleu­se­ner/Suckow/Voigt, AGG 2. Aufl., § 1 Rd­Nr.69, MK-Thüsing, AGG, § 1 Rd­Nr. 87; Adom­eit-Mohr, AGG, § 1, Rd­Nr. 118). Dies lässt sich ein­mal da­mit recht-fer­ti­gen, dass in den an­de­ren Sprach­fas­sun­gen von der dort ge­ge­be­nen Dif­fe­ren­zie­rungs-möglich­keit kein Ge­brauch ge­macht wur­de, son­dern die neu­tra­len Be­grif­fe be­nutzt wur­den (Däubler/Bertz­bach, AGG, § 1 Rd­Nr. 84). Sch­ließlich bie­tet die Richt­li­nie auch kei­nen An­halts­punkt dafür, von wel­cher Schwel­le an das schutz­bedürf­ti­ge Al­ter be­gin­nen würde (Lin­sen­mai­er, Son­der­bei­la­ge zu RdA 2003, S.25, Däubler/Bertz­bach, AGG, § 1 Rd­Nr. 84).
2.2.1.3 Die ta­rif­ver­trag­li­chen Re­ge­lun­gen stel­len auch ei­ne un­mit­tel­ba­re Be­nach­tei­li­gung we­gen des Al­ters dar. Da­bei kommt es nicht dar­auf an, dass ei­ne kon­kre­te un­ter­schied­li­che Be­zah­lung auf­grund des Al­ters in ei­ner ver­gleich­ba­ren Tätig­keit vor­lie­gend tatsächlich bei dem be­klag­ten Land exis­tiert. Gem. § 3 Abs. 1 AGG reicht aus, dass ei­ne Per­son we­gen ei­nes gem. § 1 AGG verpönten Merk­mals ei­ne we­ni­ger güns­ti­ge Be­hand­lung er­fah­ren würde.
Nach § 27 Ab­schn. A Abs. 1 BAT hat die oder der An­ge­stell­te des öffent­li­chen Diens­tes An-spruch auf die Grund­vergütung der Vergütungs­grup­pe ent­spre­chend der zu­tref­fen­den Le-bens­al­ters­stu­fe. Nach je zwei Jah­ren erhöht sich die Vergütung um ei­ne Le­bens­al­ters­stu­fe bis zum Er­rei­chen der letz­ten Le­bens­al­ters­stu­fe. Wird ei­ne Per­son in den VergGr. III bis X
BAT zu ei­nem Zeit­punkt nach Voll­endung des 31. Le­bens­jah­res ein­ge­stellt, erhält sie die Vergütung der Le­bens­al­ters­stu­fe, die sich er­gibt, wenn das bei der Ein­stel­lung voll­ende­te Le­bens­al­ter um die Hälf­te der Le­bens­jah­re ver­min­dert wird, die die Per­son seit Voll­endung des 31. Le­bens­jah­res zurück­ge­legt hat (§ 27 Ab­schn. A Abs. 2 BAT). Dies gilt für An­ge­stell­te der Vergütungs­grup­pe I bis II b ent­spre­chend mit der Maßga­be, dass an die Stel­le des 31. Le­bens­jah­res das 35. Le­bens­jahr tritt. Je­weils mit Be­ginn des Mo­nats, in dem die Per­son ein Le­bens­jahr mit un­ge­ra­der Zahl voll­endet, erhält sie bis zum Er­rei­chen der End­grund­vergütung die Grund­vergütung der fol­gen­den Le­bens­al­ters­stu­fe. Die Re­ge­lung lau­tet im Ein­zel­nen wie folgt:
„§ 27 Grund­vergütung
A An­ge­stellt, die un­ter die An­la­ge 1 a fal­len
Für die Be­rei­che des Bun­des und der TdL
(1) Im Vergütungs­ta­rif­ver­trag sind die Grund­vergütun­gen in den Vergütungs­grup­pen nach Le­bens­al­ters­stu­fen zu be­mes­sen. Die Grund­vergütung der ers­ten Le­bens­al­ters-stu­fe (An­fangs­grund­vergütung) wird vom Be­ginn des Mo­nats an ge­zahlt, in dem der An­ge­stell­te in den Vergütungs­grup­pen III bis X das 21. Le­bens­jahr, in den Vergütungs­grup­pen I bis IIb das 23. Le­bens­jahr voll­endet. Nach je zwei Jah­ren erhält der An­ge­stell­te bis zum Er­rei­chen der Grund­vergütung der letz­ten Le­bens­al­ters­stu­fe (End-grund­vergütung) die Grund­vergütung der fol­gen­den Le­bens­al­ters­stu­fe.
(2) Wird der An­ge­stell­te in den Vergütungs­grup­pen III bis X spätes­tens am En­de des Mo­nats ein­ge­stellt, in dem er das 31. Le­bens­jahr voll­endet, erhält er die Grund­vergü-tung sei­ner Le­bens­al­ters­stu­fe. Wird der An­ge­stell­te zu ei­nem späte­ren Zeit­punkt ein-ge­stellt, erhält er die Grund­vergütung der Le­bens­al­ters­stu­fe, die sich er­gibt, wenn das bei der Ein­stel­lung voll­ende­te Le­bens­al­ter um die Hälf­te der Le­bens­jah­re ver­min­dert wird, die der An­ge­stell­te seit Voll­endung des 31. Le­bens­jah­res zurück­ge­legt hat. Je­weils mit Be­ginn des Mo­nats, in dem der An­ge­stell­te ein Le­bens­jahr mit un­ge­ra­der Zahl voll­endet, erhält er bis zum Er­rei­chen der End­grund­vergütung die Grund­vergütung der fol­gen­den Le­bens­al­ters­stu­fe. Fr An­ge­stell­te der Vergütungs­grup­pen I bis IIb gel­ten die Sätze 1 bis 3 ent­spre­chend mit der Maßga­be, da an die Stel­le des 31. Le­bens­jah­res das 35. Le­bens­jahr tritt.
(3) Wird der An­ge­stell­te höher­grup­piert, erhält er vom Be­ginn des Mo­nats an, in dem die Höher­grup­pie­rung wirk­sam wird, in der höhe­ren Vergütungs­grup­pe die Grund­vegütung, die dem für die Fest­set­zung der Grund­vergütung in der ver­las­se­nen Vergütungs­grup­pe maßge­ben­den Le­bens­al­ter (Ab­satz 2 oder Ab­satz 6) ent­spricht. Ab­wei­chend hier­von erhält der An­ge­stell­te bei der Höher­grup­pie­rung aus der Vergütungs­grup­pe III oder ei­ner nied­ri­ge­ren Vergütungs­grup­pe in die Vergütungs­grup­pe IIb oder in ei­ne höhe­re Vergütungs­grup­pe je­doch min­des­tens die Grund­vergütung, die ihm zu­ste­hen würde, wenn er be­reits bei der Ein­stel­lung in die höhe­re Vergütungs­grup­pe ein­grup­piert wor­den wäre. Je­weils mit Be­ginn des Mo­nats, in dem der An­ge­stell­te ein Le­bens­jahr mit un­ge­ra­der Zahl voll­endet, erhält er bis zum Er­rei­chen der End­grund­vergütung die Grund­vergütung der fol­gen­den Le­bens­al­ters­stu­fe.
(4) Wird der An­ge­stell­te her­ab­grup­piert, erhält er in der nied­ri­ge­ren Vergütungs­grup­pe die Grund­vergütung, die dem für die Fest­set­zung der Grund­vergütung in der ver­las­se­nen Vergütungs­grup­pe maßge­ben­den Le­bens­al­ter (Ab­satz 2 oder Ab­satz 6) ent­spricht. Je­weils mit Be­ginn des Mo­nats, in dem der An­ge­stell­te ein Le­bens­jahr mit un­ge­ra­der Zahl voll­endet, erhält er bis zum Er­rei­chen der End­grund­vergütung die Grund­vergütung der fol­gen­den Le­bens­al­ters­stu­fe.
(6) Wird der An­ge­stell­te in un­mit­tel­ba­rem An­schluss an ei­ne Tätig­keit im öffent­li­chen Dienst als An­ge­stell­ter, Ar­bei­ter, Be­am­ter, Sol­dat auf Zeit oder Be­rufs­sol­dat ein­ge­stellt, gilt als Tag der Ein­stel­lung der Tag, von dem an der An­ge­stell­te un­un­ter­bro­chen in ei­nem die­ser Rechts­verhält­nis­se im öffent­li­chen Dienst ge­stan­den hat; Ab­satz 7 ist ent-spre­chend an­zu­wen­den.
Wird der An­ge­stell­te in nicht un­mit­tel­ba­rem An­schluss an ein An­ge­stell­ten­verhält­nis im öffent­li­chen Dienst ein­ge­stellt, erhält er min­des­tens die Grund­vergütung nach der Le-bens­al­ters­stu­fe, die für die zu­letzt be­zo­ge­ne Grund­vergütung maßge­bend ge­we­sen ist oder ge­we­sen wäre, wenn auf sein frühe­res An­ge­stell­ten­verhält­nis die Vor­schrif­ten die­ses Ab­schnitts an­ge­wen­det wor­den wären.
Wird der An­ge­stell­te in un­mit­tel­ba­rem An­schluss an ein An­ge­stell­ten­verhält­nis im öf-fent­li­chen Dienst ein­ge­stellt, ist die Grund­vergütung nach Satz 2 fest­zu­set­zen, wenn dies güns­ti­ger ist als nach Satz 1.
(7) Der An­ge­stell­te, der länger als sechs Mo­na­te oh­ne Bezüge be­ur­laubt ge­we­sen ist oder des­sen Ar­beits­verhält­nis aus ei­nem an­de­ren Grun­de ge­ruht hat, erhält die Grund­vergütung, die sich für ihn nach Ab­satz 2 und Ab­satz 6 Un­terabs. 2 er­ge­ben würde, wenn das Ar­beits­verhält­nis mit Ab­lauf des Ta­ges, der dem Ta­ge des Be­ginns der Beur-lau­bung oder des Ru­hens vor­an­ge­gan­gen ist, ge­en­det hätte. Satz 1 gilt nicht fr die Zeit ei­ner Kin­der­be­treu­ung bis zu drei Jah­ren für je­des Kind, für die Zeit des Grund­wehr­diens­tes oder des Zi­vil­diens­tes so­wie für die Zeit ei­ner Be­ur­lau­bung, die nach $ 50 Abs. 3 Satz 2 bei der Beschäfti­gungs­zeit berück­sich­tigt wird.
(8) An­stel­le der Grund­vergütung aus der Le­bens­al­ters­stu­fe, die der An­ge­stell­te auf Grund ei­nes in der Zeit vom 1. Ja­nu­ar 2003 bis 31. De­zem­ber 2004 voll­ende­ten Le-bens­jah­res mit un­ge­ra­der Zahl er­reicht, wird ab dem Mo­nat, in dem der An­ge­stell­te ein Le­bens­jahr mit un­ge­ra­der Zahl voll­endet, für die Dau­er von zwölf Mo­na­ten die Grund-vergütung aus der bis­he­ri­gen Le­bens­al­ters­stu­fe zuzüglich des hal­ben Un­ter­schieds­be-tra­ges zur nächsthöhe­ren Le­bens­al­ters­stu­fe ge­zahlt.
Der An­ge­stell­te, des­sen Ar­beits­verhält­nis in der Zeit vom 1. Ja­nu­ar 2003 bis 31. De-zem­ber 2004 be­ginnt und der in der Zeit zwi­schen der Ein­stel­lung und dem 31. De-zem­ber 2004 kein Le­bens­jahr mit un­ge­ra­der Zahl mehr voll­endet, erhält ab der Ein­stel­lung fr die Dau­er von 12 Mo­na­ten die Grund­vergütung aus der nächst­nied­ri­ge­ren als der nach Ab­satz 2 zu­ste­hen­den Le­bens­al­ters­stu­fe zuzüglich des hal­ben Un­ter­schieds­be­tra­ges zur nächsthöhe­ren Le­bens­al­ters­stu­fe ge­zahlt.
Pro­to­koll­no­ti­zen zu Ab­satz 6:
Die Re­ge­lung knüpft klar und ein­deu­tig an das Le­bens­al­ter des Ar­beit­neh­mers an („Le­bens­al­ters­stu­fen“). Da­bei hat Abs. 1 Satz 1 als Grund­satz­vor­schrift zwar kei­ne un­mit­tel­ba­re Aus­wir­kung auf die Ta­rif­un­ter­wor­fe­nen, er nor­miert al­ler­dings die Ver­pflich­tung der Ta­rif­ver-
trags­par­tei­en, in dem je­weils nach § 26 Abs. 3 BAT ab­zu­sch­ließen­den Vergütungs­ta­rif­ver­trag die Grund­vergütung in al­len Vergütungs­grup­pen nach Le­bens­al­ters­stu­fen zu be­mes­sen. Die Be­stim­mung selbst setzt da­bei we­der ein ver­ti­ka­les Sys­tem oder Span­nungs­verhält­nis zwi­schen den je­weils ers­ten oder je­weils letz­ten Le­bens­al­ters­stu­fen der Vergütungs­grup­pen oder ein ho­ri­zon­ta­les Span­nungs­verhält­nis zwi­schen der ers­ten und der letz­ten Le­bens­al­ters­stu­fe ei­ner Vergütungs­grup­pe fest. Der hier mit den Mo­di­fi­zie­run­gen des An­wen­dungs­ta­rif­ver­tra­ges für An­ge­stell­te an­zu­wen­den­de Vergütungs­ta­rif­ver­trag Nr. 35 sieht für die Vergütungs­grup­pe I a auf­stei­gen­de Vergütungshöhen ab der Le­bens­al­ters­stu­fe 23. bis 47 vor, ei­ne Stei­ge­rung zu der höchs­ten im Vergütungs­sys­tem vor­ge­se­he­nen Le­bens­al­ters­stu­fe 49 ist nicht vor­ge­se­hen. Das En­de der Le­bens­al­ters­stu­fen ist un­ter­schied­lich, die Vergütungs­grup-pen II a - V b stei­gern bis zur Le­bens­al­ters­stu­fe 45. Die Grup­pe V c bis zu der Le­bens­al­ters­stu­fe 41. Während die Grup­pe VI a bis zur Le­bens­al­ters­stu­fe 49 aus­ge­bracht ist, VI b und VII mit der Stu­fe 41, en­den die Grup­pen IX a – X be­reits mit dem 37. Le­bens­jahr. Di­rek­ter An-knüpfungs­punkt des Vergütungs­sys­tems ist in al­ler­ers­ter Li­nie das Le­bens­al­ter. Dies ändert sich auch nicht da­durch, dass gem. Abs. 2 der Re­ge­lung für Per­so­nen, die ab ei­nem ge­wis­sen Le­bens­al­ter ein­ge­stellt wer­den, ein fik­ti­ves Al­ter für die Be­stim­mung des Grund­ge­halts ge­bil­det wird, das hin­ter der Le­bens­al­ters­vergütung ei­ner vor die­ser Gren­ze ein­ge­stell­ten Per­son zurück­bleibt. Dies be­deu­tet, dass zum Bei­spiel ei­ne 40jähri­ge Per­son, die mit 25 Jah­ren im öffent­li­chen Dienst ein­ge­stellt wur­de, ei­ne höhe­re Grund­vergütung erhält als ei­ne an­de­re 40 jähri­ge Per­son, die erst mit 36 Jah­ren ein­ge­stellt wur­de. Dies mag ei­nen ge­wis­sen Be­zug zu ei­ner Berück­sich­ti­gung von Be­rufs­er­fah­rung, Be­triebs­treue oder Dienst­zeit be-gründen, ändert aber nichts an dem grundsätz­lich (be­nach­tei­li­gen­den) An­knüpfungs­punkt Le­bens­al­ter. Zu­tref­fend hat das Ar­beits­ge­richt be­reits dar­ge­legt, dass das Le­bens­al­ters­st­fen­sys­tem grundsätz­lich die Be­zah­lung oh­ne An­se­hung ei­ner kon­kre­ten Be­rufs- oder Di­ens-ter­fah­rung an das Le­bens­al­ter der Per­son knüpft.
Ent­ge­gen der An­sicht des be­klag­ten Lan­des lässt sich ein vor­ran­gi­ges Ab­stel­len auf ei­ne ty­pi­sier­te Be­rufs­er­fah­rung aus der Be­stim­mung des § 27 A Abs. 2 BAT nicht ent­neh­men. Die Ta­rif­par­tei­en sind ex­pli­zit in den ausführ­li­chen Be­stim­mun­gen des § 27 A BAT da­von aus­ge­gan­gen, dass ei­ne Ein­stel­lung in al­len mögli­chen Le­bens­al­ters­stu­fen er­folgt (vgl. ge­ra­de Abs. 2, Abs. 6 ). Zwar kann sich ei­ne Vor­beschäfti­gung im öffent­li­chen Dienst nach § 27 A Abs. 6 BAT für ei­nen Beschäftig­ten güns­ti­ger aus­wir­ken als ei­ne Ein­stu­fung nach den Grund­vergütungs­stu­fen des Abs. 2, un­ter Umständen pri­vi­le­giert wird da­durch al­ler­dings le­dig­lich ei­ne Beschäfti­gung im öffent­li­chen Dienst und zwar egal wel­che Tätig­keit die­ser Vor­beschäfti­gung zu­grun­de lag. Dar­auf, ob die ein­ge­stell­te Per­son durch die Vor­beschäfti­gung im öffent­li­chen Dienst ih­re Ar­beits­auf­ga­ben nun­mehr zum Nut­zen des Ar­beit­ge­bers bes­ser er­le­di­gen kann, kommt es im Rah­men der ta­rif­li­chen Re­ge­lung nicht an. An­knüpfungs­punkt bleibt wei­ter grundsätz­lich das Le­bens­al­ter.
Ent­ge­gen der An­sicht des be­klag­ten Lan­des, kommt es hin­sicht­lich der Be­nach­tei­li­gung nicht auf ei­ne Ge­samt­schau auf ein even­tu­ell zu er­zie­len­des Le­bens­ein­kom­men an, nach der sich bei je­der Ar­beit­neh­me­rin oder bei je­dem Ar­beit­neh­mer in glei­cher Wei­se die ge­rin­ge­re Vergütung im jun­gen Le­bens­al­ter durch die höhe­re Vergütung im fort­ge­schrit­te­nen Al­ter aus­gleicht. Der auch der Al­ters­be­nach­tei­li­gung zu­grun­de lie­gen­de Gleich­be­hand­lungs­grund­satz geht von ei­ner punk­tu­el­len Be­trach­tungs­wei­se aus, die die ex-an­te Be­trach­tung zukünf­ti­ger Zeiträume aus­sch­ließt. § 3 Abs. 1 AGG sieht ei­ne Be­nach­tei­li­gung in ei­ner we­ni­ger güns­ti­ge Be­hand­lung der be­nach­tei­lig­ten Per­son im Ver­gleich mit ei­ner an­de­ren Per­son in ei­ner ver­gleich­ba­ren Si­tua­ti­on. Dies ist er­kenn­bar nicht auf ei­nen Ge­samt­ver­gleich während der ge­sam­ten Dau­er des Ar­beits­verhält­nis­ses aus­ge­rich­tet, bei der sich ei­ne ak­tu­el­le Be­nach­tei­li­gung even­tu­ell durch ei­ne späte­re Be­vor­zu­gung aus­glei­chen könn­te. Dies ist auch ge­recht-fer­tigt. Ein Ab­stel­len auf ein (fik­ti­ves) Le­bens­ar­beits­ein­kom­men, von dem un­klar ist, ob es sich über­haupt ver­wirk­licht, ist im Hin­blick auf die un­ter­schied­li­chen Ar­beits­bio­gra­phi­en, zu-neh­men­de Fle­xi­bi­li­sie­rung der Ar­beits­be­din­gun­gen - auch im öffent­li­chen Dienst - kaum ver­wirk­lich­bar und wi­der­spricht dem Sinn und Zweck der ge­setz­li­chen Re­ge­lung Be­nach­tei­li­gun­gen zu ver­hin­dern oder zu be­sei­ti­gen. Dem ent­spricht auch § 15 Abs. 4 AGG. Ab­ge­se­hen von der Fra­ge, ob die dort ge­re­gel­te Gel­tend­ma­chungs­frist den Vor­ga­ben der Richt­li­nie 2000/78/EG ent­spricht, wird ge­ra­de ein punk­tu­el­ler Be­nach­tei­li­gungs­be­griff vor­aus­ge­setzt.
2.2.2 Eben­so hat das Ar­beits­ge­richt zu­tref­fend ent­schie­den, dass die un­mit­tel­ba­re Be­nach­tei­li­gung we­gen des Al­ters vor­lie­gend nicht aus­nahms­wei­se ge­recht­fer­tigt ist
2.2.2.1 Ei­ne Recht­fer­ti­gung der un­mit­tel­ba­ren Be­nach­tei­li­gung we­gen des Al­ters er­gibt sich nicht aus § 10 Nr. 2. AGG Da­nach könne Min­dest­an­for­de­run­gen an das Al­ter für be­stimm­te mit der Beschäfti­gung ver­bun­de­ne Vor­tei­le fest­ge­legt wer­den. Es kann da­hin­ste­hen, ob die­ser Recht­fer­ti­gungs­grund auf die vor­lie­gen­de Al­ters­stu­fen­re­ge­lung an­zu­wen­den ist. Je­den­falls folgt ei­ne Recht­fer­ti­gung nicht dar­aus, dass die Grund­vergütungs­re­ge­lung ent­ge­gen ih­rem Wort­laut ei­ne ty­pi­sier­te Be­rufs­er­fah­rung bzw. ein fort­schrei­ten­des Dienst­al­ter mit den erhöhten Vergütungs­stu­fen ho­no­riert. Ei­ne sol­ches Ziel ei­ner Vergütungs­ord­nung, nämlich die An­he­bung der Vergütung nach Dienst­al­ter (An­ci­en­nität [franz. an­ci­en­neté: Al­ters­stu­fe] ist die Rang­fol­ge, die sich auf­grund des Dienst­al­ters er­gibt, im Ge­gen­satz zur Se­nio­rität, die auf dem tatsächli­chen Al­ter ba­siert) hat der EuGH im Rah­men ei­ner Prüfung in­wie­weit ei­ne mit­tel­ba­re Be­nach­tei­li­gung we­gen des Ge­schlechts be­steht, als mögli­ches le­gi­ti­mes Ziel ei­ner Ent­gelt­po­li­tik und Recht­fer­ti­gung ei­ner mit­tel­ba­ren Be­nach­tei­li­gung an­er­kannt (EuGH, Ur­teil vom 03.10.2006, Rs C-17/05, Cad­man). Auch sei der Rück­griff auf das Kri­te­ri­um des Dienst­al­ters in der Re­gel ge­eig­net um das Ziel (ei­ner ge­stei­ger­ten Be­rufs­er­fah­rung) zu er­rei­chen. Das Dienst­al­ter ge­he nämlich mit der Be­rufs­er­fah­rung ein­her und die­se befähi­ge den Ar­beit-
neh­mer im All­ge­mei­nen sei­ne Ar­beit zu ver­rich­ten. des­halb ste­he es dem Ar­beit­ge­ber frei, das Dienst­al­ter bei der Vergütung zu berück­sich­ti­gen, oh­ne dass er des­sen Be­deu­tung für die Ausführung der dem Ar­beit­neh­mer über­tra­ge­nen spe­zi­fi­schen Auf­ga­ben dar­le­gen müsse. Al­ler­dings müsse der Rück­griff auf das Kri­te­ri­um vom Ar­beit­ge­ber im Ein­zel­nen ge­recht­fer­tigt wer­den, wenn der Ar­beit­neh­mer An­halts­punk­te lie­fe­re, die ge­eig­net sei­en, ernst­li­che Zwei­fel dar­an auf­kom­men zu las­sen, dass der Rück­griff auf das Kri­te­ri­um des Dienst­al­ters zur Er­rei­chung des ge­nann­ten Ziels ge­eig­net sei (EuGH, Ur­teil vom 03.10.2006, Rs C-17/05, Cad­man). Es kann da­hin­ste­hen, ob die Aus­brin­gung der Vergütungs­stu­fen kon­kret ein ge­eig­ne­tes Mit­tel dar­stellt, denn sie ver­fol­gen vor­lie­gend – ent­ge­gen der An­sicht des be­klag­ten Lan­des – kein le­gi­ti­mes Ziel. Da­bei können durch­aus ein­zel­ne ge­ne­ra­li­sie­ren­de Ele­men­te vor­han­den sein, die ty­pi­sier­te Be­rufs­er­fah­rung berück­sich­tigt, wie dies das be­klag­te Land be­son­ders mit der Re­ge­lung des § 27 A Abs. 2 BAT ver­bin­det. Das Le­bens­al­ters­stu­fen­sys­tem ist je­doch kein ge­eig­ne­tes Sys­tem ein sol­ches Ziel (Ho­no­rie­rung der Be­rufs­er­fah­rung) zu ver­fol­gen. Dies folgt schon al­lein dar­aus, dass den Ta­rif­ver­trags­par­tei­en ein ge­nau­so ein­fa­ches und hand­hab­ba­res Sys­tem mit ei­ner An­bin­dung der Vergütung an das Dienst­al­ter hätten ver­ein­ba­ren können, das eben nicht auf ty­pi­sie­ren­de und da­mit nur im Re­gel­fall zu­tref­fen­de Fall­ge­stal­tun­gen zurück­grei­fen muss. Zu­dem ist auch un­ter Ein­be­zie­hung der Ab­sen­kungs­be­stim­mung des Abs. 2 des § 27 A BAT je­den­falls in der Vergütungs­grup­pe des Klägers bis zum 35. Le­bens­jahr ei­ne di­rek­te un­mit­tel­ba­re An­bin­dung an das Le­bens­al­ter ge­ge­ben, oh­ne jeg­li­chen Ein­fluss ei­ner Be­rufs­er­fah­rung. Die Be­trach­tung even­tu­el­ler bei ei­ner Ein­stel­lung ty­pi­scher­wei­se zu er­war­ten­den Be­rufs­er­fah­rung ist rei­ne Spe­ku­la­ti­on und hat in der Vergütungs­re­ge­lung al­len­falls mar­gi­na­le Be­deu­tung er­hal­ten Zwar wird die­ser Ef­fekt durch die Be­stim­mung des fik­ti­ven Le­bens­al­ters ab ei­ner Ein­stel­lung ab den 35. Le­bens­jahr ab­ge­mil­dert, den­noch ist der jünge­re Ar­beit­neh­mer (bis auf we­ni­ge rech­ne­ri­sche Über­schei­dun­gen) auf­grund und nur auf­grund des Le­bens­al­ters bei ei­ner glei­chen Be­rufs­er­fah­rung be­nach­tei­ligt. Ins­be­son­de­re war für die Kam­mer kein ty­pi­scher Ge­sche­hens­ab­lauf da­hin­ge­hend er­sicht­lich, dass im We­sent­li­chen von ei­nem gleichmäßigen Ein­stel­lungs­al­ter und ty­pi­scher Vor­be­rufs­er­fah­rung aus­zu­ge­hen ist. Es bleibt bei dem vor­lie­gen­den Le­bens­al­ters­stu­fen­sys­tem da­bei, dass der vor­herr­schen­de Pa­ra­me­ter für die Be­mes­sung in­ner­halb ei­ner Vergütungs­grup­pe das Le­bens­al­ter dar­stellt. Die­ses Er­geb­nis wird, wie be­reits vom Ar­beits­ge­richt zu­tref­fend dar­ge­stellt, von der über­wie­gen­den Mei­nung der Li­te­ra­tur ge­teilt (sie­he mit vie­len Nach­wei­sen Ur­teil des Ar­beits­ge­richts vom 22.08.2007 zu Zif­fer 1.1.3-2.1).
2.2.2.2 Eben­so er­gibt sich we­der aus der Ge­ne­ral­klau­sel des § 10 Satz 1, 2 AGG – we­gen des Feh­lens ei­nes rechtmäßigen Ziels – noch aus § 5 oder § 8 Abs. 1 AGG ei­ne Recht­fer­ti­gung der un­mit­tel­ba­ren Be­nach­tei­li­gung. In­so­weit schließt sich die Kam­mer der zu­tref­fen­den Be­gründung des Ar­beits­ge­richts an.
2.3 Die be­nach­tei­li­gen­de Staf­fe­lung der Grund­vergütung nach Le­bens­al­ters­stu­fen des § 27 A I BAT iVm dem Vergütungs­ta­rif­ver­trag Nr. 35 und dem An­wen­dungs­ta­rif­ver­trag ist in­so­weit un­wirk­sam, als sie für die Ar­beits­leis­tung des Klägers we­gen des Le­bens­al­ters ei­ne ge­rin­ge­re Vergütung aus­weist, als die für ei­ne ver­gleich­ba­re Ar­beits­leis­tung zu be­an­spru­chen­de Vergütung der Le­bens­al­ters­stu­fe 47. § 7 Abs. 2 AGG erklärt auch Kol­lek­tiv­ver­ein­ba­run­gen, die ei­ne dis­kri­mi­nie­ren­de Be­nach­tei­li­gung im Sin­ne des Ge­set­zes ent­hal­ten, für un­wirk­sam bzw. für in­so­weit un­wirk­sam. In der amt­li­chen Be­gründung heißt es da­zu, dies ent­spre­che der bis­he­ri­gen Rechts­la­ge; die Vor­schrift tra­ge „de­kla­ra­to­ri­schen Cha­rak­ter“ und sol­le die primäre Sank­tio­nie­rung der­ar­ti­ger Rechts­verstöße deut­lich ma­chen (BT –Dr16/1780, S.34). Die Ar­beits­ge­richts­bar­keit ist dem­nach ermäch­tigt, in ei­nem Ver­fah­ren auf Fest­stel­lung oder Leis­tung von der Un­wirk­sam­keit ei­ner be­nach­tei­li­gen­den Klau­sel (Kas­sa­to­ri­sche Wir­kung) aus­zu­ge­hen (Wie­de­mann, NZA 2007, 950). Es kann da­hin­ste­hen, ob die Rechts­fol­ge der Un­wirk­sam­keit der Ver­ein­ba­rung so­weit be­nach­tei­li­gend ist di­rekt aus § 7 Abs. 2 AGG oder aus 134 BGB IVm § 1,3, 7 Abs. 1 AGG folgt. Die Rechts­fol­ge ist iden­tisch, die Nich­tig­keit des ge­sam­ten Ta­rif­ver­tra­ges ist nach § 139 BGB nicht an­zu­neh­men
2.4 Zu­tref­fend hat das Ar­beits­ge­richt wei­ter ent­schie­den, dass der Kläger für die Ver­gan-gen­heit und Zu­kunft bis zu ei­ner ta­rif­ver­trag­li­chen Neu­re­ge­lung ei­nen An­spruch auf Gleich­stel­lung mit den (Meist-) Begüns­tig­ten ("An­pas­sung nach oben"), d.h. auf Zah­lung der Vergütung nach der höchs­ten Le­bens­al­ters­stu­fe 47 hat.
2.4.1 Bei Verstößen ge­gen die Be­nach­tei­li­gungs­ver­bo­te des § 1,3 AGG sind die leis­tungs­gewähren­den, nicht be­nach­tei­li­gen­den Ta­rif­ver­trags­be­stim­mun­gen auf die­je­ni­gen Per­so­nen zu er­stre­cken, die ent­ge­gen den Be­nach­tei­li­gungs­ver­bo­ten von den ta­rif­li­chen Leis­tun­gen aus­ge­schlos­sen wur­den (BAG Ur­teil vom 24.Sep­tem­ber 2003 – 10 AZR 675/02 - AP Tz­B­fG § 4 Nr. 4). Das ist je­den­falls so­lan­ge an­zu­neh­men, bis die Ta­rif­ver­trags­par­tei­en selbst ei­ne dis­kri­mi­nie­rungs­freie Re­ge­lung schaf­fen (ErfK/Preis 4. Aufl. § 4 Tz­B­fG Rn. 75). Bei Verstößen ge­gen das Ge­bot der Gleich­be­hand­lung, wie auch ge­gen Be­nach­tei­li­gungs­ver­bo­te hat in al­ler Re­gel ei­ne "An­pas­sung nach oben", statt­zu­fin­den wo­bei leis­tungs­gewähren­de Ta­rif­ver­trags­be­stim­mun­gen auf die­je­ni­gen Per­so­nen er­streckt wer­den, die ent­ge­gen dem Ge­bot der Gleich­be­hand­lung von der Gewährung ta­rif­li­cher Leis­tun­gen - auch teil­wei­se - aus­ge­schlos­sen wur­den. Dies ent­spricht auch der Recht­spre­chung des eu­ropäischen Ge­richts­hofs in Fällen der Verstöße ge­gen Art. 119 EGV (z.B. EuGH 27. Ju­ni 1990 – C-33/89 - Ko­wals­ka - Eu­GHE I 1990, 2591, BAG Ur­teil vom 24.Sep­tem­ber 2003 - 10 AZR 675/02 - AP Nr. 4 zu § 4 Tz­B­fG). Da­zu stell­te der EuGH fest: „Im Fal­le ei­ner mit­tel­ba­ren Dis­kri­mi­nie­rung durch ei­ne Be­stim­mung ei­nes Ta­rif­ver­tra­ges ist das na­tio­na­le Ge­richt ver­pflich­tet, die­se Be­stim­mung -
oh­ne dass es ih­re vor­he­ri­ge Be­sei­ti­gung durch Ta­rif­ver­hand­lun­gen oder auf an­de­ren We­gen be­an­tra­gen oder ab­war­ten müss­te - außer An­wen­dung zu las­sen und auf die An­gehöri­gen der durch die­se Dis­kri­mi­nie­rung be­nach­tei­lig­ten Grup­pe die glei­che Re­ge­lung wie auf die übri­gen Ar­beit­neh­mer an­zu­wen­den, wo­bei die­se Re­ge­lung so lan­ge Art. 119 EWG-Ver­trag im na­tio­na­len Recht nicht ord­nungs­gemäß durch­geführt ist, das ein­zi­ge gülti­ge Be­zugs­sys­tem bleibt“ (EuGH vom 7. Fe­bru­ar 1991 – C-184/89 – NZA 1991, 513). Da­bei ist vor­lie­gend zwar kei­ne Be­nach­tei­li­gung im Sin­ne des in 119 EWG-Ver­trag nie­der­ge­leg­ten Ver­bots je­der Dis­kri­mi­nie­rung zwi­schen männ­li­chen und weib­li­chen Ar­beit­neh­mern auf dem Ge­biet des Ar­beits­ent­gelts ge­ge­ben. Es kann sich je­doch nichts an­de­res er­ge­ben. Dies gilt um so mehr als der EuGH mit sei­ner Ent­schei­dung vom 22.11.2005 (- C - 144/04 -, AP Richt­li­nie 2000/78/EG Nr. 1) fest­ge­stellt hat, dass das Ver­bot der Dis­kri­mi­nie­rung we­gen des Al­ters sich nicht nur aus der Rah­men­richt­li­nie 2000/78/EG selbst er­ge­be, son­dern dass es als all­ge­mei­ner Grund­satz des Ge­mein­schafts­rechts an­zu­se­hen sei. Das fol­ge dar­aus, dass das grundsätz­li­che Ver­bot u. a. auch die­ser Form der Dis­kri­mi­nie­rung als Teil des all­ge­mei­nen Grund­sat­zes der Gleich­be­hand­lung sei­nen Ur­sprung in ver­schie­de­nen völker­recht­li­chen Verträgen und den ge­mein­sa­men Ver­fas­sungs­tra­di­tio­nen der Mit­glied­staa­ten ha­be (Rn. 74 ff.). Es ob­lie­ge da­her dem na­tio­na­len Ge­richt, bei dem ein Rechts­streit über das Ver­bot der Dis­kri­mi­nie­rung we­gen des Al­ters anhängig ist, im Rah­men sei­ner Zuständig­keit den recht­li­chen Schutz, der sich für den Ein­zel­nen aus dem Ge­mein­schafts­recht er­gibt, zu gewähr­leis­ten und die vol­le Wirk­sam­keit des Ge­mein­schafts­rechts zu ga­ran­tie­ren, in­dem es je­de mögli­cher­wei­se ent­ge­gen­ste­hen­de Be­stim­mung des Na­tio­na­len Rechts un­an­ge­wen­det lässt, auch wenn die Frist zur Um­set­zung der Richt­li­ni­en noch nicht ab­ge­lau­fen ist. Da­bei kann vor­lie­gend die vom BAG (Be­schluss vom 27.06.2006 - 3 AZR 352/05 (A)- ju­ris) auf­ge­wor­fe­ne Fra­ge in­wie­weit das Primärrecht der EG ein Ver­bot der Dis­kri­mi­nie­rung we­gen des Al­ters ent-hal­te, des­sen Schutz die Ge­rich­te der Mit­glied­staa­ten auch dann zu gewähr­leis­ten ha­ben, wenn die mögli­cher­wei­se dis­kri­mi­nie­ren­de Be­hand­lung kei­nen ge­mein­schafts­recht­li­chen Be­zug auf­wei­se da­hin­ste­hen, da ein sol­cher ge­mein­schafts­recht­li­cher Be­zug vor­lie­gend ge­ra­de ge­ge­ben ist. Nach An­sicht der Kam­mer kann ei­ne sol­che ef­fek­ti­ve Durch­set­zung all-ge­mei­ner Grundsätze des Ge­mein­schafts­rechts nur mit ei­ner Be­sei­ti­gung der Be­nach­tei­li­gung im Rah­men ei­ner Gleich­set­zung mit dem un­rechtmäßig Be­vor­zug­ten er­fol­gen. Al­le an-de­ren vom Ar­beits­ge­richt dis­ku­tier­ten Lösungs­vor­schläge können ei­ne Be­sei­ti­gung der Be­nach­tei­li­gung nicht er­rei­chen.
2.4.2 Wei­ter hat das Ar­beits­ge­richt grundsätz­lich ei­nen An­spruch des Klägers aus § 8 Abs. 2 AGG auf die Gleich­stel­lung mit dem Meist­begüns­tig­ten her­ge­lei­tet. Dies ist zu­tref­fend. In­so­weit schließt sich die Kam­mer den Erwägun­gen des Ar­beits­ge­richts an (vgl Zif­fer 1.1.3.-5.1 ff).Auch das Bun­des­ar­beits­ge­richt hat ent­schie­den, dass aus der Wer­tung in § 2 Abs. 1
Nr. 2 und § 8 Abs. 2 AGG fol­ge, dass bei ei­ner die­sem Ge­setz wi­der­spre­chen­den Dis­kri­mi­nie­rung ei­ne Grund­la­ge für Ansprüche auf glei­ches Ent­gelt für glei­che oder gleich­wer­ti­ge Ar­bei­ten ge­ge­ben sei (BT-Drucks. 16/1780 S. 35). Auch § 612 Abs. 3 BGB stel­le, trotz sei­ner For­mu­lie­rung als Ver­bots­norm, ei­ne An­spruchs­grund­la­ge für die vor­ent­hal­te­nen Ent­gelt­be­stand­tei­le dar (BAG Ur­teil vom 20. Au­gust 2002 – 9 AZR 710/00 – BA­GE 102,225). Eben­so er­ge­be der ar­beits­recht­li­che Gleich­be­hand­lungs­grund­satz den be­nach­tei­lig­ten Ar­beit­neh­mern ei­nen An­spruch auf die Leis­tun­gen, die ih­nen vor­ent­hal­ten wor­den sei­en (BAG Ur­teil vom 11. De­zem­ber 2007 - 3 AZR 249/06 - AP Nr. 1 zu § 2 AGG). Ei­ne un­ter­schied­li­che Rechts­fol­ge für un­ter­schied­li­che Merk­ma­le des § 1 AGG kann es da­bei nicht ge­ben.
2.5 Ent­ge­gen der An­sicht des Ar­beits­ge­richts schei­tert der An­spruch des Klägers auf Gleich­stel­lung mit dem Meist­begüns­tig­ten auch (zur­zeit) nicht an den Grundsätzen des Ver­trau­ens­schut­zes.
2.5.1 Das AGG er­greift al­le in­di­vi­du­el­len und kol­lek­ti­ven Ver­ein­ba­run­gen, die im Zeit­punkt sei­nes In­kraft­tre­tens am 17. 8. 2006 gal­ten. Al­so auch sol­che Ta­rif­verträge die schon vor die­sem Da­tum ab­ge­schlos­sen wur­den. Dies er­folgt aber nur mit ex nunc-Wir­kung; das AGG legt sich in § 33 AGG kei­ne Rück­wir­kung zu. Für Be­nach­tei­li­gun­gen von Beschäftig­ten, auch bei Dau­er­tat­beständen, die vor dem 18.08.2006 be­gon­nen ha­ben, gilt das AGG ab sei­nem In­kraft­tre­ten. Dies be­trifft nicht nur nachträgli­che Ände­run­gen z.B. von Dau­er­schuld­verhält­nis­sen, son­dern auch den be­ste­hen­den Ver­trag. Mit In­kraft­tre­ten des Ge­set­zes wer­den die be­nach­tei­li­gen­den Re­ge­lun­gen gem. § 7 Abs. 2 AGG (134 GBG) un­wirk­sam. Der Ge­setz­ge­ber hat für Teil­be­rei­che aus­drück­li­che Über­g­angs­re­ge­lun­gen ge­schaf­fen, so für Ver­si­che­rungs­verträge. Dies fehlt für ar­beits­recht­li­che Be­nach­tei­li­gungs­tat­bestände, weil sie die eu­ropäischen Vor­ga­ben nicht vor­se­hen (MK-Thüsing, AGG, § 33 Rd­Nr.1). Al­lein dies spricht ge­gen die Einräum­ung ei­nes richter­recht­li­chen Ver­trau­ens­schut­zes.
2.5.2 Die Grundsätze des Ver­trau­ens­schut­zes grei­fen darüber hin­aus schon des­halb nicht ein, weil zum ei­nen le­dig­lich der Fall ei­ner sog. un­ech­ten Rück­wir­kung vor­liegt und zum an­de­ren ein geschütz­ter Ver­trau­en­stat­be­stand nicht vor­liegt. Für die Fälle ei­ner "un­ech­ten" Rück­wir­kung be­sitzt der Ge­setz­ge­ber grundsätz­lich ei­nen größeren Spiel­raum als für ei­nen Ein­griff in be­reits ab­ge­schlos­se­ne Tat­bestände. Ei­ne „un­ech­te“ Rück­wir­kung liegt dann vor, wenn ei­ne Norm auf ge­genwärti­ge, noch nicht ab­ge­schlos­se­ne Sach­ver­hal­te und Rechts­be­zie­hun­gen für die Zu­kunft ein­wirkt und da­mit zu­gleich die be­trof­fe­ne Rechts­po­si­ti­on nachträglich ent­wer­tet. Auch hier hat der Ge­setz­ge­ber Ge­sichts­punk­te des Ver­trau­ens­schut­zes und der Verhält­nismäßig­keit zu berück­sich­ti­gen; sol­che Grundsätze sind je­doch erst ver­letzt, wenn die vom Ge­setz­ge­ber an­ge­ord­ne­te un­ech­te Rück­wir­kung zur Er­rei­chung des Ge­set-
zes­zwecks nicht ge­eig­net oder er­for­der­lich ist oder wenn die Be­stands­in­ter­es­sen der Be-trof­fe­nen die Verände­rungs­gründe des Ge­setz­ge­bers über­wie­gen (vgl. BVerfG vom 10.08.2006 - 2 BvR 563/05 -DVBl 2006, 1370-1372; stRspr). Not­wen­dig ist al­ler­dings, dass ein geschütz­ter Ver­trau­en­stat­be­stand be­steht und die Ent­wick­lung der Rechts­la­ge nicht vor­her­seh­bar war (BVerfG vom 14.01.1987 -1BvR 1052/79 – BVerfGE 74, 129).
Die Be­stim­mun­gen des AGG re­geln ei­ne be­deu­ten­de, teil­wei­se auch grund­recht­lich ab­ge­si­cher­te (vgl. Art. 3 GG), Ma­te­rie, de­ren Re­ge­lung not­wen­dig und er­for­der­lich ist. Die Be­stim­mun­gen sind durch be­son­de­re le­gi­ti­mie­ren­de Gründe ge­recht­fer­tigt (vgl. BAG, Ur­teil vom 17. Ju­ni 2008 - 3 AZR 409/06 – ju­ris) Ins­be­son­de­re in sei­ner Ent­schei­dung vom 22.11.2005 ( - C-144/04 - AP Nr 1 zu Richt­li­nie 2000/78/EG) hat der Eu­ropäische Ge­richts­hof auf die Be­deu­tung der Ver­wirk­li­chung der Gleich­be­hand­lung in Beschäfti­gung und Be­ruf hin­ge­wie­sen. Die da­zu er­las­se­ner Richt­li­nie 2000/78/EG des Ra­tes vom 27. No­vem­ber 2000 zur Fest­le­gung ei­nes all­ge­mei­nen Rah­mens für die Ver­wirk­li­chung der Gleich­be­hand­lung in Beschäfti­gung und Be­ruf ist auf der Grund­la­ge des Ar­ti­kels 13 EG er­las­sen wor­den. Die fünf­und­zwan­zigs­te Be­gründungs­erwägung die­ser Richt­li­nie lau­tet: „Das Ver­bot der Dis­kri­mi­nie­rung we­gen des Al­ters stellt ein we­sent­li­ches Ele­ment zur Er­rei­chung der Zie­le der beschäfti­gungs­po­li­ti­schen Leit­li­ni­en und zur Förde­rung der Viel­falt im Be­reich der Beschäfti­gung dar. Un­gleich­be­hand­lun­gen we­gen des Al­ters können un­ter be­stimm­ten Umständen je­doch ge­recht­fer­tigt sein und er­for­dern da­her be­son­de­re Be­stim­mun­gen, die je nach der Si­tua­ti­on der Mit­glied­staa­ten un­ter­schied­lich sein können. Es ist da­her un­be­dingt zu un­ter­schei­den zwi­schen ei­ner Un­gleich­be­hand­lung, die ins­be­son­de­re durch rechtmäßige Zie­le im Be­reich der Beschäfti­gungs­po­li­tik, des Ar­beits­mark­tes und der be­ruf­li­chen Bil­dung ge­recht­fer­tigt ist, und ei­ner Dis­kri­mi­nie­rung, die zu ver­bie­ten ist.“ Nach ih­rem Ar­ti­kel 1 be­zweckt die Richt­li­nie 2000/78/EG „die Schaf­fung ei­nes all­ge­mei­nen Rah­mens zur Bekämp­fung der Dis­kri­mi­nie­rung we­gen der Re­li­gi­on oder der Welt­an­schau­ung, ei­ner Be­hin­de­rung, des Al­ters oder der se­xu­el­len Aus­rich­tung in Beschäfti­gung und Be­ruf im Hin­blick auf die Ver­wirk­li­chung des Grund­sat­zes der Gleich­be­hand­lung in den Mit­glied­staa­ten“. Ar­ti­kel 6 Ab­satz 1 der Richt­li­nie lau­tet: „Un­ge­ach­tet des Ar­ti­kels 2 Ab­satz 2 können die Mit­glied­staa­ten vor­se­hen, dass Un­gleich­be­hand­lun­gen we­gen des Al­ters kei­ne Dis­kri­mi­nie­rung dar­stel­len, so­fern sie ob­jek­tiv und an­ge­mes­sen sind und im Rah­men des na­tio­na­len Rechts durch ein le­gi­ti­mes Ziel, wor­un­ter ins­be­son­de­re rechtmäßige Zie­le aus den Be­rei­chen Beschäfti­gungs­po­li­tik, Ar­beits­markt und be­ruf­li­che Bil­dung zu ver­ste­hen sind, ge­recht­fer­tigt sind und die Mit­tel zur Er­rei­chung die­ses Ziels an­ge­mes­sen und er­for­der­lich sind“. Nach Ar­ti­kel 18 Ab­satz 1 der Richt­li­nie muss­ten die Mit­glied­staa­ten die er­for­der­li­chen Rechts- und Ver­wal­tungs­vor­schrif­ten er­las­sen, um die­ser Richt­li­nie spätes­tens bis zum 2. De­zem­ber 2003 nach­zu­kom­men. Gem. Ab­satz 2 die­ses Ar­ti­kels be­steht je­doch die Möglich­keit, dass die Mit­glied­staa­ten er­for­der­li­chen­falls ei­ne Zu­satz­frist von drei Jah­ren ab dem 2. De­zem­ber 2003, d. h. ins­ge­samt sechs
Jah­re, in An­spruch neh­men, um die Be­stim­mun­gen die­ser Richt­li­nie über die Dis­kri­mi­nie­rung we­gen des Al­ters und ei­ner Be­hin­de­rung um­zu­set­zen. Da­von hat die Bun­des­re­pu­blik Ge­brauch ge­macht, so dass die Um­set­zungs­frist am 2. De­zem­ber 2006 ab­lief. Das be­klag­te Land muss­te al­ler­dings schon seit En­de 2000 mit ei­ner Um­set­zung der Richt­li­nie rech­nen. Da­bei leg­te das Bun­des­jus­tiz­mi­nis­te­ri­um be­reits am 10. De­zem­ber 2001 den Dis­kus­si­ons­ent­wurf ei­nes Ge­set­zes zur Ver­hin­de­rung von Dis­kri­mi­nie­run­gen im Zi­vil­recht vor. Bis zur Neu­bil­dung der Re­gie­rung nach den Bun­des­tags­wah­len vom Sep­tem­ber 2002 war das Ge­set­zes­vor­ha­ben al­ler­dings noch nicht um­ge­setzt. Am 6. Mai 2004 leg­te das Bun­des­mi­nis­te­ri­um für Fa­mi­lie, Se­nio­ren, Frau­en und Ju­gend den Ent­wurf ei­nes Ar­ti­kel­ge­set­zes vor, das ein se­pa­ra­tes „ar­beits­recht­li­ches An­ti­dis­kri­mi­nie­rungs­ge­setz“ und ein „zi­vil­recht­li­ches An­ti­dis­kri-mi­nie­rungs­ge­setz“ ent­hielt, das in das BGB ein­gefügt wer­den soll­te. We­ni­ge Zeit später ent­schied die Bun­des­re­gie­rung, ein ein­heit­li­ches An­ti­dis­kri­mi­nie­rungs­ge­setz um­zu­set­zen. Die­ses wur­de durch die Ko­ali­ti­ons­frak­tio­nen am 16. De­zem­ber 2004 im Par­la­ment ein­ge­bracht (BT-Druck­sa­che 15/4538). Aus der His­to­rie und der Um­set­zungs­pflicht der Richt­li­nie und dem Ge­setz­ge­bungs­ver­fah­ren muss­te das be­klag­te Land ver­ge­genwärti­gen, dass ei­ne Um­set­zung der Richt­li­nie er­fol­gen würde. Dies war für das be­klag­te Land bei Ab­schluss des An­er­ken­nungs­ta­rif­ver­tra­ges vor­her­seh­bar.
Dies hat das Bun­des­ar­beits­ge­richt auch für den Fall ei­ner dis­kri­mi­nie­ren­den Re­ge­lung die § 4 Tz­B­fG wi­der­spricht ent­schie­den und da­zu fest­ge­stellt,: dass das Tz­B­fG oh­ne Über­g­angs­re­ge­lung gel­te. Sei­ne Be­stim­mun­gen er­streck­ten sich auf al­le Sach­ver­hal­te, die sich seit dem 1. Ja­nu­ar 2001 in sei­nem Gel­tungs­be­reich ver­wirk­li­chen. Da­nach müss­ten sich auch Ta­rif­verträge, die be­reits vor In-Kraft-Tre­ten des Tz­B­fG ver­ein­bart wa­ren, an den Dis­kri­mi­nie­rungs­ver­bo­ten die­ses Ge­set­zes mes­sen las­sen. § 4 Tz­B­fG knüpfe auch in­so­weit an ei­nen ge­genwärti­gen, noch nicht ab­ge­schlos­se­nen Sach­ver­halt an. Ei­ne sol­che An­knüpfung sei grundsätz­lich zulässig. Der Ge­sichts­punkt des Ver­trau­ens­schut­zes könne al­ler­dings je nach La­ge der Verhält­nis­se im Ein­zel­fall der Re­ge­lungs­be­fug­nis Schran­ken set­zen. Wie weit der Ver­trau­ens­schutz bei Dis­kri­mi­nie­rungs­ver­bo­ten reicht, könne of­fen blei­ben. Be­reits beim Ab-schluss des Ta­rif­ver­trags hätten die Ta­rif­ver­trags­par­tei­en da­von aus­ge­hen müssen, dass der Ge­setz­ge­ber sei­ner Ver­pflich­tung zur Um­set­zung der Richt­li­nie 1999/70/EG des Ra­tes vom 28. Ju­ni 1999 zu der EGB-UN­ICE-CEEP-Rah­men­ver­ein­ba­rung über be­fris­te­te Ar­beits­verhält­nis­se vom 18. März 1999 bis spätes­tens 10. Ju­li 2001 nach­kom­me (BAG Ur­teil vom 15.Ju­li 2004 - 6 AZR 25/03 – ju­ris). So liegt der Fall, wie oben dar­ge­stellt, hier auch.
Wei­ter hat der Eu­ropäische Ge­richts­hof be­reits ent­schie­den, dass die Mit­glied­staa­ten während der Frist für die Um­set­zung ei­ner Richt­li­nie kei­ne Vor­schrif­ten er­las­sen dürfen, die ge­eig­net sind, die Er­rei­chung des in die­ser Richt­li­nie vor­ge­schrie­be­nen Zie­les ernst­lich in Fra­ge zu stel­len. Sie müssen sämt­li­che Maßnah­men un­ter­las­sen, die die Ver­wirk­li­chung der
Ver­trags­zie­le gefähr­den können (vgl Oet­ker/Preis, EAS, Teil B 1000 Rd­nr.104 f). Dies trifft vor­lie­gend mit dem bun­des­staat­lich or­ga­ni­sier­ten Mit­glieds­staat auch die Bun­desländer (Art. 20 GG) und mit­hin das be­klag­te Land.
2.6. Zu­tref­fend hat das Ar­beits­ge­richt eben­falls ent­schie­den, dass die Be­stim­mung des § 15 Abs. 3 AGG – un­abhängig da­von ob die Be­stim­mun­gen der Vor­ga­be der Richt­li­nie 2000/78/EG ent­spricht – vor­lie­gend nicht zum Tra­gen kommt, da die­se auf den An­spruch auf Be­sei­ti­gung der be­nach­tei­li­gen­den Maßnah­me kei­ne An­wen­dung fin­den. In § 21 AGG hat der Ge­setz­ge­ber dem Scha­den­satz- und Entschädi­gungs­an­spruch für Dis­kri­mi­nie­run­gen im Zi­vil­rechts­ver­kehr ei­ge­ne Be­sei­ti­gungs- und Un­ter­las­sungs­ansprüche vor­ge­la­gert. Bei sol­chen Be­nach­tei­li­gun­gen wird ein ver­schul­dens­un­abhängi­ger An­spruch auf Be­sei­ti­gung der Zurück­set­zung ein­geräumt und, wenn wei­te­re Be­ein­träch­ti­gun­gen zu befürch­ten sind, ein An­spruch auf Un­ter­las­sung. Im Rah­men der Ver­trags­an­bah­nung und erst recht in­ner­halb von Ver­trags­verhält­nis­sen stellt der Be­sei­ti­gungs­an­spruch nichts an­de­res dar als die Fort­set­zung des primären Gleich­be­hand­lungs­an­spruchs, die Un­gleich­be­hand­lung soll auch und ge­ra­de für die Ver­gan­gen­heit „auf­ge­ho­ben“ wer­den (Wie­de­mann Ta­rif­ver­trag und Dis­kri­mi­nie­rungs-schutz, NZA 2007, 953)
Im ar­beits­recht­li­chen Ab­schnitt des Ge­set­zes ist ei­ne da­hin­ge­hen­de Rechts­fol­ge nicht ge­re­gelt. Der Ge­setz­ge­ber will je­doch, wie die Re­ge­lung des § 7 Abs. 3 AGG ver­deut­li­chen soll das glei­che Vor­stel­lungs­bild zu­grun­de le­gen, wenn er die un­zulässi­ge Be­nach­tei­li­gung als ei­ne ver­schul­dens­un­abhängi­ge Pflicht­ver­let­zung des Ar­beit­ge­bers qua­li­fi­ziert. Dies be­deu­tet zunächst nach der Dog­ma­tik des all­ge­mei­nen ar­beits­recht­li­chen Gleich­be­hand­lungs­grund­sat­zes, dass die beschäftig­te Per­son dis­kri­mi­nie­rungs­frei­es Ver­hal­ten er­war­ten und bei sach­wid­ri­gen Dif­fe­ren­zie­run­gen de­ren Aus­gleich (= Be­sei­ti­gung) und ge­ge­be­nen­falls Un­ter­las­sen for­dern kann. Ansprüche nach § 15 AGG auf Scha­den­er­satz und Entschädi­gung sind Se­kundäransprüche, die dem Er­satz nach § 280 BGB nach­ge­bil­det und in § 15 Abs. 3 und Abs. 4 AGG ein­ge­schränkt sind (Wie­de­mann Ta­rif­ver­trag und Dis­kri­mi­nie­rungs­schutz, NZA 2007, 953). Mit­hin be­steht der An­spruch auf ein be­nach­tei­li­gungs­frei­es Ver­hal­ten ne­ben den Ansprüchen auf Scha­dens­er­satz. Dass der Ge­setz­ge­ber in ei­nem Ar­beits­verhält­nis ste­hen­de Per­so­nen aus­sch­ließlich auf Entschädi­gungs- und Scha­dens­er­satz­re­ge­lun­gen zur Be­sei­ti­gung des be­nach­tei­li­gen­den Zu­stan­des ver­wei­sen woll­te kann nicht an­ge­nom­men wer­den.
2.7 Sch­ließlich hat der Kläger sei­ne Ansprüche recht­zei­tig gel­tend ge­macht. Die Fris­ten des § 15 Abs. 4 AGG fin­den vor­lie­gend kei­ne An­wen­dung, da sie le­dig­lich Scha­den­se­ratz- bzw. Entschädi­gungs­ansprüche be­tref­fen. Die Aus­schluss­fris­ten des § 70 BAT hat der Kläger zu­min­dest mit der am 8. Fe­bru­ar 2007 zu­ge­stell­ten Kla­ge ge­wahrt. Im Ge­gen­satz zu den außer­ge­richt­li­chen Gel­tend­ma­chungs­schrei­ben wird zu­min­dest aus dem Hilfs­an­trag und der
Kla­ge­be­gründung er­sicht­lich, dass der Kläger ei­ne Be­sei­ti­gung ei­ner Be­nach­tei­li­gung ver-langt, die er hin­sicht­lich des als ge­ge­ben an­sieht. Wei­ter ist er­sicht­lich, dass die­se Be­sei­ti-gung der Be­nach­tei­li­gung mit der Zah­lung der höchs­ten Le­bens­al­ters­stu­fen­vergütung er­fol­gen soll.
3. Die Ansprüche des Klägers sind auch nicht auf­grund Art. 9 Abs. 3 GG aus­ge­sch­los-sen.. Die­se Ver­fas­sungs­norm gewähr­leis­tet als Teil der Ko­ali­ti­ons­frei­heit auch die Ta­rif­au­to­no­mie (BVerfG, Be­schluss vom 3. April 2001 – 1 BvL 32/97- BVerfGE 103,293). Das Ta­rif-ver­trags­ge­setz füllt den von der Ver­fas­sung vor­ge­ge­be­nen Rah­men aus (BAG, Ur­teil vom 15. Fe­bru­ar 2005 – 9 AZR 51/04 – BA­GE 113,343) . Des­sen durch die Ver­fas­sungs­ord­nung vor­ge­ge­be­ner Zweck ist es, die Ta­rif­au­to­no­mie weit­ge­hend zu ak­tua­li­sie­ren. Die Re­ge­lungs­macht der Ta­rif­ver­trags­par­tei­en ist al­ler­dings nicht in­halt­lich un­be­grenzt. Ta­rif­verträge un­ter­lie­gen zwar kei­ner Bil­lig­keits­kon­trol­le. Die Ge­rich­te ha­ben sie al­ler­dings dar­auf­hin zu über­prüfen, ob sie ge­gen das Grund­ge­setz oder an­de­res höher­ran­gi­ges Recht ver­s­toßen. So hat das BAG ent­schie­den, dass Fol­ge des Ver­s­toßes ge­gen das Dis­kri­mi­nie­rungs­ver­bot des § 4 Abs. 2 Satz 2 Tz­B­fG die teil­wei­se Nich­tig­keit der Ta­rif­be­stim­mung nach sich zieht und die leis­tungs­gewähren­den Ta­rif­ver­trags­be­stim­mun­gen auf die­je­ni­gen Per­so­nen zu er­stre­cken sind, die ent­ge­gen den Dis­kri­mi­nie­rungs­ver­bo­ten von den ta­rif­li­chen Leis­tun­gen aus­ge­schlos­sen wur­den(BAG, Ur­teil vom 15.Ju­li 2004 - 6 AZR 25/03 – ju­ris). Es hat in die­ser Leis­tungs­gewährung kei­nen Ver­s­toß ge­gen Art. 9 Abs. 3 GG ge­se­hen. Vor­lie­gend gilt nach den Be­stim­mun­gen des AGG nichts an­de­res. Den Ta­rif­ver­trags­par­tei­en bleibt es un­be­nom-men, ei­ne dis­kri­mi­nie­rungs­freie Re­ge­lung zu schaf­fen.
4. Hin­sicht­lich der be­gehr­ten Orts­zu­schlags­stu­fe 3 ist die Be­ru­fung un­be­gründet. Sie war des­halb in­so­weit zurück­zu­wei­sen.
4.1 Gem. § 26 Abs. 1 BAT ist der Orts­zu­schlag ne­ben der Grund­vergütung ein Teil dem Beschäftig­ten zu­ste­hen­den Ar­beits­ent­gelts. Sei­ne Höhe be­misst sich gemäß § 29 Ab­schnitt A Abs. 1 BAT nach der Ta­rif­klas­se, der die Vergütungs­grup­pe des An­ge­stell­ten zu­ge­teilt ist (Ab­satz 2), und nach der Stu­fe, die den Fa­mi­li­en­verhält­nis­sen des An­ge­stell­ten ent­spricht (Ab­schnitt B). Mit der An­knüpfung an die Fa­mi­li­en­verhält­nis­se und der Ver­wei­sung auf die im Ab­schnitt B ge­trof­fe­nen Re­ge­lun­gen ha­ben die Ta­rif­ver­trags­par­tei­en den ge­setz­li­chen Fa­mi­li­enständen Stu­fen des Orts­zu­schlags zu­ge­ord­net (§ 29 Ab­schnitt B Abs. 1 und Abs. 2 BAT). Der Be­griff des Fa­mi­li­en­stan­des be­zeich­net den Per­so­nen­stand des An­ge­stell­ten, aus dem sich er­gibt, ob die­ser le­dig oder ver­hei­ra­tet ist oder in ei­nem an­de­ren fa­mi­li­en­recht­li­chen Sta­tus lebt. Die je­wei­li­gen Stu­fen des Orts­zu­schlags be­stim­men sich nach ei­ner mit die­sen Verhält­nis­sen ver­bun­de­nen ge­setz­li­chen Un­ter­halts­pflicht oder dar­auf zurück­ge­hen­de Be­darfs­si-
tua­ti­on. Dem­ent­spre­chend er­hal­ten le­di­ge oder ge­schie­de­ne An­ge­stell­te, so­wie sol­che Per­so­nen, de­ren Ehe für nich­tig erklärt oder auf­ge­ho­ben ist, nur den Orts­zu­schlag der Stu­fe 1 (§ 29 Ab­schnitt B Abs. 1 BAT). Den höhe­ren Orts­zu­schlag der Stu­fe 2 be­zie­hen nach Abs. 2 die­ser Ta­rif­norm ver­hei­ra­te­te An­ge­stell­te (Nr. 1), ver­wit­we­te An­ge­stell­te (Nr. 2) oder ge­schie­de­ne An­ge­stell­te, so­weit sie zum nach­e­he­li­chen Un­ter­halt ver­pflich­tet sind (Nr. 3). Falls Per­so­nen, die der Stu­fe 1 zu­ge­ord­net sind, können sie An­spruch auf den höhe­ren Orts­zu­schlag er­wer­ben, wenn sie mit ei­ner wei­te­ren Per­son zu­sam­men­le­ben, auf de­ren Hil­fe sie aus be­ruf­li­chen oder ge­sund­heit­li­chen Gründen an­ge­wie­sen sind oder der sie oh­ne­hin auf Grund ei­ner ge­setz­li­chen oder sitt­li­chen Pflicht Un­ter­halt schul­den. Bei ei­ner sol­chen Ein­stands­ge­mein­schaft dürfen al­ler­dings die ei­ge­nen Einkünf­te der in die Woh­nung auf­ge­nom­me­nen Per­son die in § 29 Ab­schnitt B Abs. 2 Satz 2 BAT ge­re­gel­te Ei­gen­mit­tel­g­ren­ze nicht über­schrei­ten. Mit die­ser Kon­zep­ti­on ver­folgt der Orts­zu­schlag den Zweck, die mit ei­nem be­stimm­ten Fa­mi­li­en­stand oder ei­ner be­stimm­ten Le­bens­ge­mein­schaft ver­bun­de­nen fi­nan­zi­el­len Be­las­tun­gen ei­nes An­ge­stell­ten zu min­dern. Für die Gewährung die­ses Vergütungs­be­stand­teils konn­ten die Ta­rif­ver­trags­par­tei­en in ver­fas­sungs­recht­lich un­be­denk­li­cher Wei­se an die mit ei­nem ge­setz­li­chen Fa­mi­li­en­stand ty­pi­scher­wei­se ver­bun­de­nen Un­ter­halts­las­ten ab­stel­len und bei sons­ti­gen Le­bens­ge­mein­schaf­ten den Be­zug des höhe­ren Orts­zu­schlags von be­son­de­ren Vor­aus­set­zun­gen abhängig ma­chen (BVerfG, Be­schluss vom 21. Mai 1999 – 1 BvR 726/98 – NZA 1999, 878). Auf die Stu­fe 3 ha­ben An­ge­stell­te An­spruch, de­nen Kin-der­geld nach dem Ein­kom­mens­steu­er­ge­setz oder nach dem Bun­des­kin­der­geld­ge­setz zu-steht.
4.2 Be­reits aus dem Vor­trag des Klägers folgt nicht, aus wel­chen gem. § 1 AGG ge­nann-ten Gründen er un­mit­tel­bar oder mit­tel­bar durch Zah­lung der Orts­zu­schlag­stu­fe 1 be­nach­tei­ligt sein soll. Soll­te der Kläger der An­sicht sein, ei­ne Be­nach­tei­li­gung er­fol­ge we­gen des Ge­schlechts oder der se­xu­el­len Ori­en­tie­rung so ist ins­be­son­de­re auf die Ent­schei­dung des BAG vom 29.04.2004 (-6 AZR 101/03 - BA­GE 110, 277-287) zu ver­wei­sen. Da­nach er­gibt sich aus dem Re­ge­lungs­kon­zept und der fa­mi­li­en­be­zo­ge­nen Aus­gleichs­funk­ti­on des Orts­zu­schlags aus­rei­chen­de An­halts­punk­te für den mut­maßli­chen Wil­len der Ta­rif­ver­trags­par­tei­en, den lücken­haf­ten Ta­rif­ver­trag bezüglich ein­ge­tra­ge­ner Le­bens­part­ner­schaf­ten durch die für ver­hei­ra­te­te An­ge­stell­te gel­ten­de Re­ge­lung des § 29 Ab­schnitt B Abs. 2 Nr. 1 BAT zu schließen. So­weit der Kläger meint, ein ver­al­te­tes Vergütungs­sys­tem er­fas­se nicht die zu­tref­fen­den Be­las­tun­gen de­nen die Ar­beit­neh­mer aus­ge­setzt sei­en er­gibt sich dar­aus al­ler­dings kei­ne Be­nach­tei­li­gung im Sin­ne des § 1 AGG. Zu­tref­fend hat das Ar­beits­ge­richt wei­ter ent­schie­den, dass je­den­falls der ver­fas­sungsmäßige Schutz von Ehe und Fa­mi­lie ein le­gi­ti­mes Ziel dar­stellt, das Orts­zu­schlags­sys­tem ist auch ei­ne ge­eig­ne­te Maßnah­me zur Ver­wirk­li­chung die­ses Ziels.
5. Die Kos­ten des Rechts­strei­tes wa­ren nach dem Verhält­nis des Ob­sie­gens und Un­ter-lie­gens zwi­schen den Par­tei­en auf­zu­tei­len.
6. We­gen der grundsätz­li­chen Be­deu­tung hat die Kam­mer die Re­vi­si­on für die Par­tei­en zu­ge­las­sen.
Ge­gen die­ses Ur­teil kann von dem Kläger und dem be­klag­ten Land bei dem
• Ge­werk­schaf­ten und Ver­ei­ni­gun­gen von Ar­beit­ge­bern so­wie Zu­sam­men­schlüsse sol­cher Verbände für ih­re Mit­glie­der oder für an­de­re Verbände oder Zu­sam­men-schlüsse mit ver­gleich­ba­rer Aus­rich­tung und de­ren Mit­glie­der,
zur Übersicht 20 Sa 2244/07
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01.07.2010. Die ta­rif­ver­trag­li­che Ver­gü­tungs­dif­fe­ren­zie­rung nach Le­bens­al­ter­stu­fen ist sehr wahr­schein­lich ei­ne ver­bo­te­ne, weil dem All­ge­mei­nen Gleich­be­hand­lungs­ge­setz (AGG) wi­der­spre­chen­de ...