Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Text=I%20ZR%2012/72
Timestamp: 2019-03-26 01:00:41
Document Index: 300779531

Matched Legal Cases: ['BGH', 'Art. 8', '§ 16', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 16', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'Art. 8', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH']

BGH, 18.05.1973 - I ZR 12/72 - dejure.org
Geltung der Priorität einer ursprünglich geführten Firma bei Änderung der Firmenbezeichnung in einer ihre charakteristische Eigenart berührenden Weise - Vorliegen einer nur unwesentlichen Abweichung von der bisherigen Firmenbezeichnung - Begriff und Inlandsschutz des ausländischen "Handelsnamens" gemäß Art. 8 PVÜ (Pariser Verbandsübereinkunft zum Schutze des gewerblichen Eigentums) - Vorliegen einer besonderen Geschäftsbezeichnung im Sinn des § 16 Abs. 1 UWG (Gesetz über den unlauteren Wettbewerb) - Art und Weise der Kennzeichnungsbenutzung als maßgebliches Kriterium - Verwechslungsgefahr zwischen den beiderseitigen Kennzeichnungen
NJW 1973, 2152
MDR 1973, 998
GRUR 1973, 661
GRUR Int. 1973, 671
Entscheidend ist stets, wie der Verkehr die gemeinschaftliche Benutzung desselben Schlagworts durch verschiedene Unternehmen auffasst (vgl. BGH, Urt. v. 18.5.1973 - I ZR 12/72, GRUR 1973, 661, 662 - Metrix;… Urt. v. 27.6.1975 - I ZR 81/74, GRUR 1975, 606, 607 = WRP 1975, 668 - IFA).
Dieser Schutz entfällt mithin regelmäßig, wenn der Berechtigte entweder den Betrieb des von ihm geführten Unternehmens aufgibt (vgl. BGHZ 150, 82, 89 - Hotel Adlon m.w.N.;… BGH, Urt. v. 2.5.2002 - I ZR 300/99, GRUR 2002, 972, 974 = WRP 2002, 1156 - FROMMIA) oder das Unternehmenskennzeichen in seiner charakteristischen Eigenart ändert (…BGH, Urt. v. 17.11.1994 - I ZR 136/92, GRUR 1995, 505, 507 = WRP 1995, 600 - APISERUM; zu § 16 UWG a.F.: BGH, Urt. v. 18.5.1973 - I ZR 12/72, GRUR 1973, 661 - Metrix).
Der Begriff des Handelsnamens im Sinne dieser Regelung beschränkt sich nicht auf den Schutz der vollen Firmenbezeichnung, sondern umfaßt auch Firmenschlagworte, -bestandteile und -abkürzungen (BGH, Urt. v. 18.5.1973 - I ZR 12/72, GRUR 1973, 661, 662 = WRP 1973, 576 - Metrix).
In der in diesem Zusammenhang zitierten Metrix-Entscheidung (BGH GRUR 1973, 661, 662 = WRP 1973, 576) hat der Senat keinen gegenteiligen Standpunkt einnehmen wollen.
Ein solcher kann erst angenommen werden, wenn durch die Änderungen die Unterscheidungskraft und die Identität der Gesamtbezeichnung berührt wird (BGH, Urt. v. 18.5.1973 - I ZR 12/72, GRUR 1973, 661, 662 = WRP 1973, 576 - Metrix;… Urt. v. 17.11.1994 - I ZR 136/92, WRP 1995, 600, 602 - APISERUM).
Gleichwohl erfährt die Verwendung der Bezeichnung mit ihrer Übernahme als Firmenbestandteil keine wesentliche Änderung, die ihren prioritätserhaltenden Rechtserwerb ausschlösse (…vgl. BGH, Urt. v. 22.10.1969 - I ZR 47/68, GRUR 1970, 141, 142 = WRP 1970, 140 - Europharma; Urt. v. 18.5.1973 - I ZR 12/72, GRUR 1973, 661, 662 - Metrix).
Entscheidend ist vielmehr stets, wie der Verkehr die gemeinschaftliche Benutzung desselben Schlagworts durch die verschiedenen Unternehmen der betreffenden Organisation auffasst (vgl. BGH, Urt. v. 18.5.1973 - I ZR 12/72, GRUR 1973, 661, 662 - Metrix;… Urt. v. 27.6.1975 - I ZR 81/74, GRUR 1975, 606, 607 = WRP 1975, 668 - IFA).
Die französische GARONOR-Gruppe, jedenfalls die GARONOR I. S.A., von der die Beklagte ihre Berechtigung ableitet, kann, wovon das Berufungsgericht unausgesprochen ausgegangen ist, gemäß Art. 8 PVÜ für ihren Firmenbestandteil "GARONOR" Inlandsschutz in Anspruch nehmen; denn der Begriff des Handelsnamens im Sinne dieser Bestimmung beschränkt sich nicht auf den Schutz der vollen Firmenbezeichnung, sondern umfaßt auch Firmenschlagworte, -bestandteile und -abkürzungen (BGH, Urt. v. 18.5.1973 - I ZR 12/72, GRUR 1973, 661, 662 = WRP 1973, 576 - Metrix; BGHZ 130, 276, 280 - Torres).
Da insoweit an die Erkennbarkeit einer solchen - vom Üblichen abweichenden - namens- und firmenmäßigen Benutzung nicht zu geringe Anforderungen zu stellen sind (BGH, Urt. v. 18.5.1973 - I ZR 12/72, GRUR 1973, 661, 662 - Metrix), kann die Annahme des Berufungsgerichts, die GARONOR I. S.A. habe die Geschäftstätigkeit im Inland für sich bzw. die GARONOR-Gruppe aufgenommen, nicht als rechtsfehlerhaft erachtet werden.
Es kann daher unentschieden bleiben, ob die lediglich um beschreibende Angaben erweiterte Firma der Erwerberin nicht sogar als unmittelbare Fortsetzung der Bezeichnung "Römer GmbH" anzusehen ist oder ob es sich dabei um eine Benutzung einer anderen, maßgeblich veränderten Bezeichnung handelt (vgl. BGH, Urt. v. 18.5. 1973 - I ZR 12/72, GRUR 1973, 661, 662 - Metrix).
b) Falls ein vertraglicher Verzicht ausscheidet, wird das Berufungsgericht bei der dann erforderlich werdenden Beurteilung der Frage, ob das Recht als Folge einer Aufgabe der Benutzung durch die Virion AG in Deutschland erloschen ist, zu berücksichtigen haben, daß der Fortbestand einer Firmenbezeichnung zwar regelmäßig, aber nicht notwendigerweise stets die Fortbenutzung durch den Rechtsträger selbst voraussetzt; es kann vielmehr genügen, wenn ein Dritter als Repräsentant des Kennzeicheninhabers dessen Firma für diesen, das heißt erkennbar als Herkunftshinweis auf dessen Unternehmen, weiterbenutzt (vgl. BGH, Urt. v. 18.5. 1973 - I ZR 12/72, GRUR 1973, 661, 662 = WRP 1973, 576 - Metrix).
Wird nämlich ein Unternehmen unter demselben prägenden Firmenbestandteil (hier: "API-SERUM"), der schon bisher als Firmenschlagwort benutzt worden ist, fortgeführt, so bleibt auch - anders als im Fall einer Veränderung des Firmenschlagworts (vgl. BGH, Urt. v. 18.5.1973 - I ZR 12/72, GRUR 1973, 661, 662 = WRP 1973, 576 - Metrix) - die Priorität des in Frage stehenden Firmenschlagworts erhalten.
BGH, 18.10.1974 - I ZR 56/73