Source: http://www.hensche.de/EuGH_Rs_Roemer_Diskriminierung_wegen_sexueller_Ausrichtung_bei_geringerer_Altersversorgung_fuer_homosexuelle_Lebenspartner_EuGH_C-147-08_Roemer-u.html
Timestamp: 2018-01-16 07:48:43
Document Index: 275652138

Matched Legal Cases: ['EuG', 'EuG', 'Art. 157', 'Art. 234', 'Art. 141', 'Art. 157', 'Art. 1', 'Art. 2', 'Art. 3', 'Art. 18', 'Art. 6', '§ 1', '§ 2', '§ 5', '§ 1360', '§ 11', '§ 20', '§ 46', '§ 1', '§ 2', '§ 2', '§ 3', '§ 11', '§ 2', '§ 2', '§ 6', '§ 7', '§ 8', '§ 29', '§ 1', '§ 29', '§ 6', '§ 29', '§ 10', '§ 8', '§ 12', '§ 8', '§ 10', '§ 10', '§ 10', 'Art. 18', '§ 10', 'Art. 6', 'Art. 3', '§ 10', 'Art. 1', 'Art. 2', 'Art. 3', '§ 10', 'Art. 141', '§ 10', 'Art. 18', 'Art. 6', 'Art. 2', '§ 10', 'Art. 6', 'Art. 3', 'Art. 157', 'Art. 3', 'Art. 3', 'Art. 157', 'Art. 3', 'Art. 157', 'Art. 157', 'Art. 3', 'Art. 157', 'Art. 1', 'Art. 2', '§ 10', 'Art. 6', 'Art. 1', 'Art. 2', 'Art. 1', 'Art. 2', 'Art. 1', '§ 2', '§ 8', 'Art. 1', 'Art. 2', '§ 10', '§ 10', '§ 10', 'Art. 2', 'Art. 18', 'Art. 13', 'Art. 13', 'Art. 13', '§ 10', 'Art. 157', '§ 10', 'Art. 2', 'Art. 3', 'Art. 157', 'Art. 1', 'Art. 2', '§ 10', '§ 10', 'Art. 2']

EuGH, Urteil vom 10.05.2011, C-147/08 - HENSCHE Arbeitsrecht
EuGH, Ur­teil vom 10.05.2011, C-147/08
Schlagworte: Europarecht, Diskriminierung
Aktenzeichen: C-147/08
10. Mai 2011(*)
„Gleich­be­hand­lung in Beschäfti­gung und Be­ruf – All­ge­mei­ne Grundsätze des Uni­ons­rechts – Art. 157 AEUV – Richt­li­nie 2000/78/EG – Gel­tungs­be­reich – Be­griff ‚Ent­gelt‘ – Aus­schluss­tat­bestände – Be­trieb­li­ches Ver­sor­gungs­sys­tem in Form von Zu­satz­ver­sor­gungs­bezügen für ehe­ma­li­ge An­ge­stell­te und Ar­bei­ter ei­ner kom­mu­na­len Körper­schaft und de­ren Hin­ter­blie­be­ne – Be­rech­nungs­me­tho­de für die­se Bezüge, die ver­hei­ra­te­te Ver­sor­gungs­empfänger ge­genüber Ver­sor­gungs­empfängern begüns­tigt, die in ei­ner ein­ge­tra­ge­nen Le­bens­part­ner­schaft le­ben – Dis­kri­mi­nie­rung we­gen der se­xu­el­len Aus­rich­tung“
In der Rechts­sa­che C‑147/08
be­tref­fend ein Vor­ab­ent­schei­dungs­er­su­chen nach Art. 234 EG, ein­ge­reicht vom Ar­beits­ge­richt Ham­burg (Deutsch­land) mit Ent­schei­dun­gen vom 4. April 2008 und 23. Ja­nu­ar 2009, beim Ge­richts­hof ein­ge­gan­gen am 10. April 2008 bzw. 28. Ja­nu­ar 2009, in dem Ver­fah­ren
un­ter Mit­wir­kung des Präsi­den­ten V. Skou­ris, der Kam­mer­präsi­den­ten A. Tiz­za­no, J. N. Cun­ha Ro­d­ri­gues, K. Lena­erts, J.‑C. Bo­ni­chot, A. Ara­b­ad­jiev, D. Šváby (Be­richt­er­stat­ter) so­wie der Rich­ter E. Juhász, G. Ares­tis, A. Borg Bart­het und T. von Dan­witz,
Ge­ne­ral­an­walt: N. Jääski­nen,
– von Herrn Römer, ver­tre­ten durch Rechts­an­walt H. Graupner,
– der Frei­en und Han­se­stadt Ham­burg, ver­tre­ten durch Herrn Härtel als Be­vollmäch­tig­ten,
nach Anhörung der Schluss­anträge des Ge­ne­ral­an­walts in der Sit­zung vom 15. Ju­li 2010
1 Das Vor­ab­ent­schei­dungs­er­su­chen be­trifft die Aus­le­gung der Richt­li­nie 2000/78/EG des Ra­tes vom 27. No­vem­ber 2000 zur Fest­le­gung ei­nes all­ge­mei­nen Rah­mens für die Ver­wirk­li­chung der Gleich­be­hand­lung in Beschäfti­gung und Be­ruf (ABl. L 303, S. 16), der all­ge­mei­nen Grundsätze des Uni­ons­rechts und von Art. 141 EG (dem nun Art. 157 AEUV ent­spricht) bezüglich der Dis­kri­mi­nie­rung in Beschäfti­gung und Be­ruf we­gen der se­xu­el­len Aus­rich­tung.
Die­ses Er­su­chen er­geht im Rah­men ei­nes Rechts­streits zwi­schen Herrn Römer und der Frei­en und Han­se­stadt Ham­burg we­gen der Höhe der ihm zu­ste­hen­den Zu­satz­ver­sor­gungs­bezüge.
In den Erwägungs­gründen 13 und 22 der Richt­li­nie 2000/78 heißt es:
„(13) Die­se Richt­li­nie fin­det [kei­ne] An­wen­dung auf die So­zi­al­ver­si­che­rungs‑ und So­zi­al­schutz­sys­te­me, de­ren Leis­tun­gen nicht ei­nem Ar­beits­ent­gelt in dem Sin­ne gleich­ge­stellt wer­den, der die­sem Be­griff für die An­wen­dung des Ar­ti­kels 141 [EG] ge­ge­ben wur­de …
(22) Die­se Richt­li­nie lässt die ein­zel­staat­li­chen Rechts­vor­schrif­ten über den Fa­mi­li­en­stand und da­von abhängi­ge Leis­tun­gen un­berührt.“
Art. 1 der Richt­li­nie 2000/78 lau­tet:
Art. 2 die­ser Richt­li­nie sieht vor:
(2) Im Sin­ne des Ab­sat­zes 1:
In Art. 3 der Richt­li­nie heißt es:
„(1) Im Rah­men der auf die Ge­mein­schaft über­tra­ge­nen Zuständig­kei­ten gilt die­se Richt­li­nie für al­le Per­so­nen in öffent­li­chen und pri­va­ten Be­rei­chen, ein­sch­ließlich öffent­li­cher Stel­len, in Be­zug auf:
c) die Beschäfti­gungs‑ und Ar­beits­be­din­gun­gen, ein­sch­ließlich der Ent­las­sungs­be­din­gun­gen und des Ar­beits­ent­gelts;
(3) Die­se Richt­li­nie gilt nicht für Leis­tun­gen je­der Art sei­tens der staat­li­chen Sys­te­me oder der da­mit gleich­ge­stell­ten Sys­te­me ein­sch­ließlich der staat­li­chen Sys­te­me der so­zia­len Si­cher­heit oder des so­zia­len Schut­zes.
Gemäß Art. 18 Abs. 1 der Richt­li­nie 2000/78 muss­ten die Mit­glied­staa­ten grundsätz­lich die er­for­der­li­chen Rechts‑ und Ver­wal­tungs­vor­schrif­ten er­las­sen, um die­ser Richt­li­nie spätes­tens zum 2. De­zem­ber 2003 nach­zu­kom­men, oder konn­ten den So­zi­al­part­nern die Durchführung der Be­stim­mun­gen die­ser Richt­li­nie über­tra­gen, die in den An­wen­dungs­be­reich von Ta­rif­verträgen fal­len, wo­bei sie zu gewähr­leis­ten hat­ten, dass dies eben­falls bis zu die­sem Da­tum er­folg­te.
8 Art. 6 Abs. 1 des Grund­ge­set­zes für die Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land (GG) be­stimmt, dass „Ehe und Fa­mi­lie … un­ter dem be­son­de­ren Schut­ze der staat­li­chen Ord­nung [ste­hen]“.
Ge­setz über die Ein­ge­tra­ge­ne Le­bens­part­ner­schaft
9 § 1 Abs. 1 des Ge­set­zes über die Ein­ge­tra­ge­ne Le­bens­part­ner­schaft vom 16. Fe­bru­ar 2001 (LPartG) sieht hin­sicht­lich Form und Vor­aus­set­zun­gen der Le­bens­part­ner­schaft vor:
„Zwei Per­so­nen glei­chen Ge­schlechts be­gründen ei­ne Le­bens­part­ner­schaft, wenn sie ge­gen­sei­tig persönlich und bei gleich­zei­ti­ger An­we­sen­heit erklären, mit­ein­an­der ei­ne Part­ner­schaft auf Le­bens­zeit führen zu wol­len (Le­bens­part­ne­rin­nen oder Le­bens­part­ner). Die Erklärun­gen können nicht un­ter ei­ner Be­din­gung oder Zeit­be­stim­mung ab­ge­ge­ben wer­den. Die Erklärun­gen wer­den wirk­sam, wenn sie vor der zuständi­gen Behörde er­fol­gen …“
§ 2 LPartG be­stimmt:
„Die Le­bens­part­ner sind ein­an­der zu Fürsor­ge und Un­terstützung so­wie zur ge­mein­sa­men Le­bens­ge­stal­tung ver­pflich­tet. Sie tra­gen fürein­an­der Ver­ant­wor­tung.“
§ 5 LPartG lau­tet:
„Die Le­bens­part­ner sind ein­an­der zum an­ge­mes­se­nen Un­ter­halt ver­pflich­tet. Die §§ 1360a und 1360b und 1609 des Bürger­li­chen Ge­setz­buchs [BGB] gel­ten ent­spre­chend.“
§ 11 Abs. 1 LPartG über die sons­ti­gen Wir­kun­gen der Le­bens­part­ner­schaft sieht vor:
„Ein Le­bens­part­ner gilt als Fa­mi­li­en­an­gehöri­ger des an­de­ren Le­bens­part­ners, so­weit nicht et­was an­de­res be­stimmt ist.“
Das am 1. Ja­nu­ar 2005 in Kraft ge­tre­te­ne Ge­setz zur Übe­r­ar­bei­tung des Le­bens­part­ner­schafts­rechts vom 15. De­zem­ber 2004 (im Fol­gen­den: Ge­setz vom 15. De­zem­ber 2004) hat die Rechts­fol­gen der ein­ge­tra­ge­nen Le­bens­part­ner­schaft in noch wei­te­rem Um­fang den Rechts­fol­gen der Ehe an­ge­gli­chen. Ins­be­son­de­re fin­det seit­dem nach Auf­he­bung der Le­bens­part­ner­schaft zwi­schen den Le­bens­part­nern ein Ver­sor­gungs­aus­gleich statt (§ 20 LPartG) wie zwi­schen Ehe­leu­ten nach ei­ner Schei­dung. Fer­ner ist das Recht der ge­setz­li­chen Ren­ten­ver­si­che­rung da­hin geändert wor­den, dass ein­ge­tra­ge­ne Le­bens­part­ner wie Ehe­gat­ten Hin­ter­blie­be­nen­ren­te er­hal­ten, und zwar auch, wenn der Part­ner vor dem 1. Ja­nu­ar 2005 ge­stor­ben ist (§ 46 Abs. 4 des Sechs­ten Bu­ches des So­zi­al­ge­setz­buchs).
Im Bun­des­land Ham­burg gel­ten­de ver­sor­gungs­recht­li­che Be­stim­mun­gen
§ 1 des Ham­bur­gi­schen Zu­satz­ver­sor­gungs­ge­set­zes vom 7. März 1995 (Hmb­ZVG) be­stimmt, dass das Ge­setz für bei der Frei­en und Han­se­stadt Ham­burg beschäftig­te Ar­beit­neh­me­rin­nen und Ar­beit­neh­mer (Beschäftig­te) so­wie für Per­so­nen gilt, de­nen die Freie und Han­se­stadt Ham­burg ei­ne Ver­sor­gung im Sin­ne des § 2 zu gewähren hat (Ver­sorg­te). Nach § 2 Hmb­ZVG wird die Ver­sor­gung als Ru­he­geld gemäß den §§ 3 bis 10 Hmb­ZVG oder Hin­ter­blie­be­nen­ver­sor­gung gemäß den §§ 11 bis 19 Hmb­ZVG gewährt. §§ 2a und 2c Hmb­ZVG se­hen vor, dass die Beschäftig­ten ei­nen Bei­trag zu den Ver­sor­gungs­aus­ga­ben leis­ten, des­sen An­fangs­bei­trags­satz 1,25 vom Hun­dert des Ar­beits­ent­gelts beträgt und der vom Ar­beits­ent­gelt ein­be­hal­ten wird. Nach § 2b Hmb­ZVG be­ginnt die Bei­trags­pflicht mit dem Tag der Be­gründung und en­det mit dem Tag der Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses.
§ 6 Hmb­ZVG be­stimmt, dass der mo­nat­li­che Be­trag des Ru­he­gelds für je­des vol­le Jahr der ru­he­geldfähi­gen Beschäfti­gungs­zeit 0,5 vom Hun­dert der ru­he­geldfähi­gen Bezüge beträgt.
Die ru­he­geldfähi­gen Bezüge wer­den in § 7 Hmb­ZVG de­fi­niert, während die ru­he­geldfähi­ge und die nicht berück­sich­tig­te Beschäfti­gungs­zeit in § 8 Hmb­ZVG be­stimmt wird.
§ 29 Hmb­ZVG enthält die Über­g­angs­vor­schrif­ten für Ver­sorg­te un­ter den vor­mals gel­ten­den Rechts­vor­schrif­ten im Sin­ne des § 1 Abs. 1 Satz 2 Hmb­ZVG. § 29 Abs. 1 Nr. 1 in Ver­bin­dung mit Nr. 5 Hmb­ZVG be­stimmt, dass die­se Ver­sorg­ten die Ver­sor­gung ab­wei­chend u. a. von § 6 Abs. 1 und 2 in der­je­ni­gen Höhe wei­ter er­hal­ten, die ih­nen im Mo­nat Ju­li 2003 zu­stand bzw. bei § 29 Abs. 1 Nrn. 2 und 4 im De­zem­ber 2003 zu­ge­stan­den hätte.
Zu­vor war die­se Ma­te­rie im Ham­bur­gi­schen Ge­setz über die zusätz­li­che Al­ters‑ und Hin­ter­blie­be­nen­ver­sor­gung für An­ge­stell­te und Ar­bei­ter der Frei­en und Han­se­stadt Ham­burg (Ers­tes Ru­he­geld­ge­setz der Frei­en und Han­se­stadt Ham­burg, 1. RGG) ge­re­gelt. § 10 Abs. 6 1. RGG be­stimm­te:
„Das fik­ti­ve Net­to­ar­beits­ent­gelt ist da­durch zu er­mit­teln, dass von den ru­he­geldfähi­gen Bezügen (§ 8)
1. bei ei­nem am Tag des Be­ginns der Ru­he­geld­zah­lung (§ 12 Ab­satz 1) nicht dau­ernd ge­trennt le­ben­den ver­hei­ra­te­ten Ver­sor­gungs­empfänger so­wie bei ei­nem Ver­sor­gungs­empfänger, der an die­sem Tag An­spruch auf Kin­der­geld oder ei­ne ent­spre­chen­de Leis­tung hat, der Be­trag, der an die­sem Tag als Lohn­steu­er (oh­ne Kir­chen­lohn­steu­er) nach Steu­er­klas­se III/0 zu zah­len wäre,
2. bei al­len übri­gen Ver­sor­gungs­empfängern der Be­trag, der am Tag des Be­ginns der Ru­he­geld­zah­lung als Lohn­steu­er (oh­ne Kir­chen­lohn­steu­er) nach Steu­er­klas­se I zu zah­len wäre, … ab­ge­zo­gen wer­den.“
Nach § 8 Abs. 10 letz­ter Satz 1. RGG ist auf An­trag des Be­trof­fe­nen vom An­pas­sungs­zeit­punkt an die Steu­er­klas­se III/0 zu­grun­de zu le­gen, wenn ei­ne der Vor­aus­set­zun­gen des § 10 Abs. 6 Nr. 1 1. RGG erst nach dem Tag des Be­ginns der Ru­he­geld­zah­lung ein­ge­tre­ten ist.
Der nach Lohn­steu­er­klas­se III/0 ab­zu­zie­hen­de Be­trag ist weit ge­rin­ger als der nach Lohn­steu­er­klas­se I ab­zu­zie­hen­de Be­trag.
Die Par­tei­en des Aus­gangs­ver­fah­rens strei­ten über die Höhe der Ver­sor­gungs­bezüge, die dem Kläger des Aus­gangs­ver­fah­rens, Herrn Römer, für die Zeit ab No­vem­ber 2001 zu­ste­hen.
Herr Römer war seit 1950 bis zum Ein­tritt sei­ner Er­werbs­unfähig­keit am 31. Mai 1990 bei der Frei­en und Han­se­stadt Ham­burg als Ver­wal­tungs­an­ge­stell­ter beschäftigt. Seit 1969 lebt er oh­ne Un­ter­bre­chung mit Herrn U. zu­sam­men. Am 15. Ok­to­ber 2001 be­gründe­ten der Kläger des Aus­gangs­ver­fah­rens und sein Part­ner mit­ein­an­der ei­ne ein­ge­tra­ge­ne Le­bens­part­ner­schaft gemäß dem LPartG. Herr Römer teil­te dies sei­nem ehe­ma­li­gen Ar­beit­ge­ber mit Schrei­ben vom 16. Ok­to­ber 2001 mit. Mit wei­te­rem Schrei­ben vom 28. No­vem­ber 2001 be­an­trag­te er die Neu­be­rech­nung sei­ner Zu­satz­ver­sor­gungs­bezüge un­ter Zu­grun­de­le­gung des güns­ti­ge­ren Lohn­steu­er­ab­zugs nach Steu­er­klas­se III/0, und zwar, wie das vor­le­gen­de Ge­richt an­gibt, ab dem 1. Au­gust 2001. Der Kläger des Aus­gangs­ver­fah­rens trägt je­doch in sei­nen Erklärun­gen vor, er ha­be die An­pas­sung der Bezüge erst ab dem 1. No­vem­ber 2001 be­an­tragt.
Mit Schrei­ben vom 10. De­zem­ber 2001 teil­te die Freie und Han­se­stadt Ham­burg Herrn Römer mit, dass sie kei­ne Neu­be­rech­nung sei­ner Bezüge vor­neh­men wer­de, da nach § 10 Abs. 6 Nr. 1 1. RGG nur nicht dau­ernd ge­trennt le­ben­de ver­hei­ra­te­te Ver­sor­gungs­empfänger so­wie Ver­sor­gungs­empfänger, die An­spruch auf Kin­der­geld oder ei­ne ent­spre­chen­de Leis­tung hätten, An­spruch auf ei­ne Be­rech­nung ih­rer Bezüge un­ter Berück­sich­ti­gung der Steu­er­klas­se III/0 hätten.
24 Gemäß der „Ver­sor­gungs­mit­tei­lung Ru­he­geld“ der Frei­en und Han­se­stadt Ham­burg vom 2. Sep­tem­ber 2001 be­trug das Herrn Römer gewähr­te mo­nat­li­che Ru­he­geld ab Sep­tem­ber 2001 un­ter Zu­grun­de­le­gung von Bezügen, die um die nach Steu­er­klas­se I zu zah­len­den Steu­ern re­du­ziert wur­den, 1 204,55 DM (615,88 Eu­ro). Nach der Be­rech­nung des Be­trof­fe­nen, die von sei­nem ehe­ma­li­gen Ar­beit­ge­ber nicht be­strit­ten wird, wäre das mo­nat­li­che Ru­he­geld bei ei­ner Be­rech­nung un­ter Zu­grun­de­le­gung der Steu­er­klas­se III/0 im Sep­tem­ber 2001 um 590,87 DM (302,11 Eu­ro) höher ge­we­sen.
Der Rechts­streit ge­lang­te vor das vor­le­gen­de Ge­richt. Herr Römer ist der Auf­fas­sung, er ha­be An­spruch dar­auf, bei der Be­rech­nung sei­ner Ver­sor­gungs­bezüge nach § 10 Abs. 6 Nr. 1 1. RGG wie ein nicht dau­ernd ge­trennt le­ben­der ver­hei­ra­te­ter Ver­sor­gungs­empfänger be­han­delt zu wer­den. Er macht gel­tend, das Tat­be­stands­merk­mal „nicht dau­ernd ge­trennt le­ben­der ver­hei­ra­te­ter Ver­sor­gungs­empfänger“ in der ge­nann­ten Be­stim­mung müsse so aus­ge­legt wer­den, dass dar­un­ter auch Ver­sor­gungs­empfänger zu ver­ste­hen sei­en, die ei­ne Le­bens­part­ner­schaft nach dem LPartG ein­ge­gan­gen sei­en.
Herr Römer ist der An­sicht, dass sein An­spruch auf Gleich­be­hand­lung mit den nicht dau­ernd ge­trennt le­ben­den ver­hei­ra­te­ten Ver­sor­gungs­empfängern je­den­falls aus der Richt­li­nie 2000/78 fol­ge. Da die Richt­li­nie nicht in­ner­halb der in Art. 18 ge­setz­ten Frist, al­so spätes­tens zum 2. De­zem­ber 2003, in na­tio­na­les Recht um­ge­setzt wor­den sei, fin­de sie im Verhält­nis zur Be­klag­ten des Aus­gangs­ver­fah­rens un­mit­tel­ba­re An­wen­dung.
27 Die Freie und Han­se­stadt Ham­burg macht gel­tend, der Be­griff „ver­hei­ra­tet“ in § 10 Abs. 6 Nr. 1 1. RGG sei nicht in dem von Herrn Römer ver­tre­te­nen Sinn aus­le­gungsfähig. Sie be­ruft sich im We­sent­li­chen dar­auf, dass gemäß Art. 6 Abs. 1 GG Ehe und Fa­mi­lie un­ter dem be­son­de­ren Schutz der staat­li­chen Ord­nung stünden. Zwi­schen der Fra­ge der ge­mein­sa­men Ver­an­la­gung und der Fra­ge, ob fik­tiv die Steu­er­klas­se III/0 bei der Be­rech­nung der Ver­sor­gungs­bezüge nach dem 1. RGG zu­grun­de zu le­gen sei, be­ste­he ei­ne Par­al­le­le. So­wohl die ge­mein­sa­me Ver­an­la­gung während der Zeit der Ar­beitstätig­keit als auch später die fik­ti­ve Zu­grun­de­le­gung der Steu­er­klas­se III/0 bei der Be­rech­nung der Ver­sor­gungs­bezüge würden darüber ent­schei­den, wel­che fi­nan­zi­el­len Mit­tel zur Le­bensführung den Be­trof­fe­nen mo­nat­lich zur Verfügung stünden. Die Begüns­ti­gung der­je­ni­gen Per­so­nen, die ei­ne Fa­mi­lie be­gründet hätten oder po­ten­zi­ell hätten be­gründen können, ver­fol­ge den Zweck, die da­mit ver­bun­de­nen erhöhten fi­nan­zi­el­len Be­las­tun­gen aus­zu­glei­chen.
28 Un­ter die­sen Umständen hat das Ar­beits­ge­richt Ham­burg mit Ent­schei­dung vom 4. April 2008, ergänzt mit Ent­schei­dung vom 28. Ja­nu­ar 2009, be­schlos­sen, das Ver­fah­ren aus­zu­set­zen und dem Ge­richts­hof fol­gen­de Fra­gen zur Vor­ab­ent­schei­dung vor­zu­le­gen:
1. Han­delt es sich bei den durch das 1. RGG ge­re­gel­ten Zu­satz­ver­sor­gungs­bezügen für ehe­ma­li­ge An­ge­stell­te und Ar­bei­ter der Frei­en und Han­se­stadt Ham­burg so­wie de­ren Hin­ter­blie­be­ne im Sin­ne von Art. 3 Abs. 3 der Richt­li­nie 2000/78 um „Leis­tun­gen … sei­tens der staat­li­chen Sys­te­me oder der da­mit gleich­ge­stell­ten Sys­te­me ein­sch­ließlich der staat­li­chen Sys­te­me der so­zia­len Si­cher­heit oder des so­zia­len Schut­zes“ mit der Fol­ge, dass die be­zeich­ne­te Richt­li­nie im Re­ge­lungs­be­reich des 1. RGG kei­ne An­wen­dung fin­det?
2. a) Wenn die vor­ste­hen­de Fra­ge ver­neint wird: Han­delt es sich bei den Re­ge­lun­gen des 1. RGG, die für die Be­mes­sung der Ver­sor­gungs­bezüge hin­sicht­lich de­ren Höhe zwi­schen ver­hei­ra­te­ten Ver­sor­gungs­empfängern ei­ner­seits und al­len übri­gen Ver­sor­gungs­empfängern an­de­rer­seits un­ter­schei­den, nämlich die ver­hei­ra­te­ten Ver­sor­gungs­empfänger – und zwar ge­ra­de auch ge­genüber Per­so­nen, die mit ei­ner gleich­ge­schlecht­li­chen Per­son ei­ne Le­bens­part­ner­schaft nach dem LPartG ein­ge­gan­gen (im Fol­gen­den: ver­part­nert) sind – begüns­ti­gen, im Sin­ne des 22. Erwägungs­grun­des der Richt­li­nie 2000/78 um „Rechts­vor­schrif­ten über den Fa­mi­li­en­stand und da­von abhängi­ge Leis­tun­gen“?
b) Wenn die vor­ste­hen­de Fra­ge be­jaht wird: Hat dies zur Fol­ge, dass die Richt­li­nie 2000/78 bezüglich der be­zeich­ne­ten Re­ge­lun­gen des 1. RGG kei­ne An­wen­dung fin­det, ob­wohl die Richt­li­nie selbst kei­ne dem 22. Erwägungs­grund ent­spre­chen­de Ein­schränkung ih­res Gel­tungs­be­reichs enthält?
3. Wenn die Fra­ge zu 2 Buchst. a oder zu 2 Buchst. b ver­neint wird: Verstößt § 10 Abs. 6 des 1. RGG, wo­nach die Ver­sor­gungs­bezüge nicht dau­ernd ge­trennt le­ben­der ver­hei­ra­te­ter Ver­sor­gungs­empfänger un­ter fik­ti­ver Zu­grun­de­le­gung der (für den Steu­er­pflich­ti­gen güns­ti­ge­ren) Steu­er­klas­se III/0 be­rech­net wer­den, die Ver­sor­gungs­bezüge al­ler übri­gen Ver­sor­gungs­empfänger da­ge­gen un­ter fik­ti­ver Zu­grun­de­le­gung der (für den Steu­er­pflich­ti­gen ungüns­ti­ge­ren) Steu­er­klas­se I, ei­nem Ver­sor­gungs­empfänger ge­genüber, der mit ei­ner gleich­ge­schlecht­li­chen Per­son ver­part­nert ist und von die­ser Per­son nicht dau­ernd ge­trennt lebt, ge­gen Art. 1 in Ver­bin­dung mit Art. 2 und mit Art. 3 Abs. 1 Buchst. c der Richt­li­nie 2000/78?
4. Wenn die Fra­ge zu 1 oder die Fra­ge zu 2 Buchst. b be­jaht oder die Fra­ge zu 3 ver­neint wird: Verstößt § 10 Abs. 6 des 1. RGG we­gen der un­ter 3 be­schrie­be­nen Re­ge­lung bzw. Rechts­fol­ge ge­gen Art. 141 EG oder ge­gen ei­nen all­ge­mei­nen Grund­satz des Ge­mein­schafts­rechts?
5. a) Wenn die Fra­ge zu 3 oder zu 4 be­jaht wird: Hat dies zur Fol­ge, dass auch, so­lan­ge § 10 Abs. 6 des 1. RGG nicht im Sin­ne der Be­he­bung der gerügten Un­gleich­be­hand­lung geändert ist, der nicht dau­ernd ge­trennt le­ben­de ver­part­ner­te Ver­sor­gungs­empfänger ver­lan­gen kann, bei der Be­rech­nung der Zu­satz­ver­sor­gungs­bezüge wie ein nicht dau­ernd ge­trennt le­ben­der ver­hei­ra­te­ter Ver­sor­gungs­empfänger be­han­delt zu wer­den?
b) Wenn ja, gilt dies – bei An­wend­bar­keit der Richt­li­nie 2000/78 und bei Be­ja­hung der Fra­ge zu 3 – auch be­reits vor Ab­lauf der Um­set­zungs­frist gemäß Art. 18 Abs. 1 der Richt­li­nie 2000/78?
6. Wenn die Fra­ge zu 5 be­jaht wird: Gilt dies ent­spre­chend den Ent­schei­dungs­gründen des Ur­teils vom 17. Mai 1990, Bar­ber (C‑262/88, Slg. 1990, I‑1889), mit der Ein­schränkung, dass die Gleich­be­hand­lung bei der Be­rech­nung der Ver­sor­gungs­bezüge nur in Be­zug auf die­je­ni­gen An­tei­le der Zu­satz­ver­sor­gungs­bezüge vor­zu­neh­men ist, die der Ver­sor­gungs­empfänger ab dem 17. Mai 1990 er­dient hat?
7. So­weit der Ge­richts­hof zu dem Er­geb­nis ge­langt, dass ei­ne un­mit­tel­ba­re Dis­kri­mi­nie­rung vor­liegt:
a) Wel­che Be­deu­tung kommt in die­sem Zu­sam­men­hang dem be­son­de­ren Um­stand zu, dass nach dem Grund­ge­setz wie nach dem eu­ropäischen Recht ei­ner­seits der Grund­satz der Gleich­be­hand­lung zu be­ach­ten ist, an­de­rer­seits je­doch nach dem Recht der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land Ehe und Fa­mi­lie kraft aus­drück­li­cher ver­fas­sungs­recht­li­cher An­ord­nung in Art. 6 Abs. 1 GG un­ter dem be­son­de­ren Schutz des Staa­tes ste­hen?
b) Kann trotz des Wort­lauts der Richt­li­nie 2000/78 ei­ne un­mit­tel­bar dis­kri­mi­nie­ren­de ge­setz­li­che Re­ge­lung ge­recht­fer­tigt sein, weil sie ei­nem an­der­wei­ti­gen Ziel dient, wel­ches Be­stand­teil der na­tio­na­len Rechts­ord­nung des Mit­glied­staats, aber nicht des eu­ropäischen Rechts ist? Geht in ei­nem sol­chen Fall das von der na­tio­na­len Rechts­ord­nung des Mit­glied­staats ver­folg­te an­der­wei­ti­ge Ziel oh­ne Wei­te­res dem Grund­satz der Gleich­be­hand­lung vor?
c) Wenn die vor­ste­hen­de Fra­ge ver­neint wird: Nach wel­chem recht­li­chen Maßstab ent­schei­det sich, wie in ei­nem sol­chen Fall die Abwägung zwi­schen dem eu­ro­pa­recht­li­chen Grund­satz der Gleich­be­hand­lung und dem an­der­wei­ti­gen Rechts­ziel der na­tio­na­len Rechts­ord­nung des Mit­glied­staats vor­zu­neh­men ist? Gilt et­wa auch in­so­weit, wie Art. 2 Abs. 2 Buchst. b Ziff. i der Richt­li­nie 2000/78 dies für den Fall der mit­tel­ba­ren Dis­kri­mi­nie­rung zum Maßstab ih­rer recht­li­chen An­er­ken­nung macht, dass die dis­kri­mi­nie­ren­de Re­ge­lung ers­tens durch ein rechtmäßiges Ziel sach­lich ge­recht­fer­tigt sein muss und zwei­tens die Mit­tel zu sei­ner Er­rei­chung an­ge­mes­sen und er­for­der­lich sein müssen?
d) Erfüllt ei­ne Re­ge­lung wie § 10 Abs. 6 1. RGG die nach Maßga­be der Be­ant­wor­tung der vor­ste­hen­den Fra­gen gel­ten­den Rechtmäßig­keits­an­for­de­run­gen des eu­ropäischen Rechts? Erfüllt sie die­se et­wa al­lein we­gen der be­son­de­ren Be­stim­mung des na­tio­na­len Rechts, die oh­ne Ent­spre­chung im eu­ropäischen Recht ist, al­so we­gen des Art. 6 Abs. 1 GG?
Mit sei­nen ers­ten bei­den Fra­gen, die ge­mein­sam zu be­ant­wor­ten sind, möch­te das vor­le­gen­de Ge­richt im We­sent­li­chen wis­sen, ob Zu­satz­ver­sor­gungs­bezüge wie die­je­ni­gen, die ehe­ma­li­gen An­ge­stell­ten und Ar­bei­tern der Frei­en und Han­se­stadt Ham­burg so­wie de­ren Hin­ter­blie­be­nen auf der Grund­la­ge des 1. RGG gewährt wer­den, we­gen Art. 3 Abs. 3 oder we­gen des 22. Erwägungs­grun­des der Richt­li­nie 2000/78 aus dem sach­li­chen Gel­tungs­be­reich die­ser Richt­li­nie her­aus­fal­len.
Der Vor­la­ge­ent­schei­dung ist zu ent­neh­men, dass die­se Leis­tun­gen Ent­gelt im Sin­ne des Art. 157 AEUV dar­stel­len.
Zunächst möch­te das vor­le­gen­de Ge­richt im Ein­zel­nen wis­sen, ob der Um­stand, dass die Richt­li­nie 2000/78 nach ih­rem Art. 3 Abs. 3 nicht „für Leis­tun­gen je­der Art sei­tens der staat­li­chen Sys­te­me“ gilt, be­deu­tet, dass das frag­li­che Sys­tem als ein staat­li­ches Sys­tem aus dem Gel­tungs­be­reich die­ser Richt­li­nie her­ausfällt.
Hier­zu genügt der Hin­weis auf die Fest­stel­lung des Ge­richts­hofs, dass sich der Gel­tungs­be­reich der Richt­li­nie 2000/78 im Licht ih­res Art. 3 Abs. 1 Buchst. c und Abs. 3 in Ver­bin­dung mit dem 13. Erwägungs­grund we­der auf die So­zi­al­ver­si­che­rungs‑ und So­zi­al­schutz­sys­te­me er­streckt, de­ren Leis­tun­gen nicht ei­nem Ar­beits­ent­gelt in dem Sin­ne gleich­ge­stellt wer­den, der die­sem Be­griff für die An­wen­dung von Art. 157 AEUV ge­ge­ben wur­de, noch auf Vergütun­gen je­der Art sei­tens des Staa­tes, die den Zu­gang zu ei­ner Beschäfti­gung oder die Auf­recht­er­hal­tung ei­nes Beschäfti­gungs­verhält­nis­ses zum Ziel ha­ben (Ur­teil vom 1. April 2008, Ma­ru­ko, C‑267/06, Slg. 2008, I‑1757, Rand­nr. 41).
Da­her kann Art. 3 Abs. 3 der Richt­li­nie 2000/78 nicht da­hin aus­ge­legt wer­den, dass aus ei­nem staat­li­chen Sys­tem gewähr­te Zu­satz­ver­sor­gungs­bezüge, die Ent­gelt im Sin­ne des Art. 157 AEUV dar­stel­len, aus dem Gel­tungs­be­reich die­ser Richt­li­nie her­aus­fal­len.
Zum 22. Erwägungs­grund der Richt­li­nie 2000/78, wo­nach „[d]ie­se Richt­li­nie … die ein­zel­staat­li­chen Rechts­vor­schrif­ten über den Fa­mi­li­en­stand und da­von abhängi­ge Leis­tun­gen un­berührt [lässt]“, genügt so­dann der Hin­weis, dass sich der Ge­richts­hof in den Rand­nrn. 58 bis 60 des Ur­teils Ma­ru­ko be­reits zur Trag­wei­te die­ser Be­stim­mung geäußert hat.
Wie die­sem Ur­teil zu ent­neh­men ist, kann der 22. Erwägungs­grund der Richt­li­nie 2000/78 de­ren An­wen­dung nicht in Fra­ge stel­len, so­bald Zu­satz­ver­sor­gungs­bezüge wie die im Aus­gangs­ver­fah­ren frag­li­chen als „Ent­gelt“ im Sin­ne des Art. 157 AEUV ein­ge­stuft wor­den sind und in den Gel­tungs­be­reich der Richt­li­nie fal­len (vgl. in die­sem Sin­ne Ur­teil Ma­ru­ko, Rand­nr. 60).
Nach dem Vor­ste­hen­den ist auf die ers­te und die zwei­te Vor­la­ge­fra­ge zu ant­wor­ten, dass die Richt­li­nie 2000/78 da­hin aus­zu­le­gen ist, dass Zu­satz­ver­sor­gungs­bezüge wie die­je­ni­gen, die ehe­ma­li­gen An­ge­stell­ten und Ar­bei­tern der Frei­en und Han­se­stadt Ham­burg so­wie de­ren Hin­ter­blie­be­nen auf der Grund­la­ge des 1. RGG gewährt wer­den, we­der we­gen Art. 3 Abs. 3 noch we­gen des 22. Erwägungs­grun­des der Richt­li­nie 2000/78 aus dem sach­li­chen Gel­tungs­be­reich die­ser Richt­li­nie her­aus­fal­len, wenn sie Ent­gelt im Sin­ne des Art. 157 AEUV dar­stel­len.
Zur drit­ten und zur sieb­ten Fra­ge
Mit der drit­ten und der sieb­ten Fra­ge, die zu­sam­men zu prüfen sind, möch­te das vor­le­gen­de Ge­richt im We­sent­li­chen wis­sen, ob Art. 1 in Ver­bin­dung mit den Art. 2 und 3 Abs. 1 Buchst. c der Richt­li­nie 2000/78 ei­ner Be­stim­mung wie § 10 Abs. 6 1. RGG, auf­grund de­ren die Zu­satz­ver­sor­gungs­bezüge ei­nes ver­hei­ra­te­ten Ver­sor­gungs­empfängers vor­teil­haf­ter sind als die­je­ni­gen ei­nes Ver­sor­gungs­empfängers, der mit ei­ner gleich­ge­schlecht­li­chen Per­son ei­ne ein­ge­tra­ge­ne Le­bens­part­ner­schaft ein­ge­gan­gen ist, in­so­fern ent­ge­gen­steht, als ei­ne sol­che Be­stim­mung ei­ne un­mit­tel­ba­re oder mit­tel­ba­re Dis­kri­mi­nie­rung we­gen der se­xu­el­len Aus­rich­tung dar­stellt. Es möch­te außer­dem wis­sen, ob und un­ter wel­chen Vor­aus­set­zun­gen ein von ei­nem Mit­glied­staat ver­folg­tes Ziel wie der Schutz der Ehe nach Art. 6 Abs. 1 GG ei­ne un­mit­tel­ba­re Dis­kri­mi­nie­rung we­gen der se­xu­el­len Aus­rich­tung recht­fer­ti­gen könn­te.
Vor­ab ist dar­auf hin­zu­wei­sen, dass beim ge­genwärti­gen Stand des Uni­ons­rechts Rechts­vor­schrif­ten über den Fa­mi­li­en­stand in die Zuständig­keit der Mit­glied­staa­ten fal­len. In­des ist Zweck der Richt­li­nie 2000/78 aus­weis­lich ih­res Art. 1 die Bekämp­fung be­stimm­ter For­men von Dis­kri­mi­nie­rung in Beschäfti­gung und Be­ruf, dar­un­ter Dis­kri­mi­nie­run­gen we­gen der se­xu­el­len Aus­rich­tung, um den Grund­satz der Gleich­be­hand­lung in den Mit­glied­staa­ten zu ver­wirk­li­chen.
Nach Art. 2 die­ser Richt­li­nie be­deu­tet „Gleich­be­hand­lungs­grund­satz“, dass es kei­ne un­mit­tel­ba­re oder mit­tel­ba­re Dis­kri­mi­nie­rung we­gen ei­nes der in Art. 1 der Richt­li­nie ge­nann­ten Gründe ge­ben darf.
Nach Art. 2 Abs. 2 Buchst. a der Richt­li­nie 2000/78 liegt ei­ne un­mit­tel­ba­re Dis­kri­mi­nie­rung vor, wenn ei­ne Per­son we­gen ei­nes der in Art. 1 die­ser Richt­li­nie ge­nann­ten Gründe in ei­ner ver­gleich­ba­ren Si­tua­ti­on ei­ne we­ni­ger güns­ti­ge Be­hand­lung erfährt als ei­ne an­de­re Per­son.
Folg­lich setzt das Vor­lie­gen ei­ner un­mit­tel­ba­ren Dis­kri­mi­nie­rung im Sin­ne die­ser Richt­li­nie ers­tens vor­aus, dass die ge­gen­ein­an­der ab­zuwägen­den Si­tua­tio­nen ver­gleich­bar sind.
Hier­zu ist fest­zu­stel­len, dass zum ei­nen, wie sich aus dem Ur­teil Ma­ru­ko (Rand­nrn. 67 bis 73) er­gibt, die Si­tua­tio­nen nicht iden­tisch, son­dern nur ver­gleich­bar sein müssen, und zum an­de­ren die Prüfung die­ser Ver­gleich­bar­keit nicht all­ge­mein und abs­trakt sein darf, son­dern spe­zi­fisch und kon­kret für die be­tref­fen­de Leis­tung er­fol­gen muss. In die­sem Ur­teil, in dem es um die Wei­ge­rung ging, dem Le­bens­part­ner ei­nes ver­stor­be­nen Ver­si­cher­ten ei­nes be­trieb­li­chen Ver­sor­gungs­sys­tems ei­ne Hin­ter­blie­be­nen­ren­te aus­zu­zah­len, hat der Ge­richts­hof nämlich die Ehe und die ein­ge­tra­ge­ne Le­bens­part­ner­schaft im deut­schen Recht nicht all­ge­mein ver­gli­chen, son­dern er hat auf der Grund­la­ge der ihm von dem vor­le­gen­den Ge­richt un­ter­brei­te­ten Ana­ly­se des deut­schen Rechts, wo­nach im deut­schen Recht ei­ne schritt­wei­se Annäherung der für die Le­bens­part­ner­schaft ge­schaf­fe­nen Re­ge­lun­gen an die für die Ehe gel­ten­den statt­fin­de, her­aus­ge­stellt, dass die ein­ge­tra­ge­ne Part­ner­schaft hin­sicht­lich der Wit­wen‑ oder Wit­wer­ren­te der Ehe gleich­ge­stellt wird.
Da­her ist der Ver­gleich der Si­tua­tio­nen auf ei­ne Ana­ly­se zu stützen, die sich auf die Rech­te und Pflich­ten ver­hei­ra­te­ter Per­so­nen und ein­ge­tra­ge­ner Le­bens­part­ner, wie sie sich aus den an­wend­ba­ren in­ner­staat­li­chen Be­stim­mun­gen er­ge­ben, kon­zen­triert, die un­ter Berück­sich­ti­gung des Zwecks und der Vor­aus­set­zun­gen für die Gewährung der im Aus­gangs­ver­fah­ren frag­li­chen Leis­tung re­le­vant sind, und darf nicht in der Prüfung be­ste­hen, ob die ein­ge­tra­ge­ne Le­bens­part­ner­schaft der Ehe im na­tio­na­len Recht all­ge­mein und um­fas­send recht­lich gleich­ge­stellt ist.
Aus den An­ga­ben im Vor­la­ge­be­schluss geht her­vor, dass die Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land seit 2001, dem Jahr des In­kraft­tre­tens des LPartG, ih­re Rechts­ord­nung an­ge­passt hat, um Per­so­nen glei­chen Ge­schlechts zu ermögli­chen, in ei­ner for­mal auf Le­bens­zeit be­gründe­ten Fürsor­ge‑ und Ein­stands­ge­mein­schaft zu le­ben. Da sich die­ser Mit­glied­staat ent­schie­den hat, die­sen Per­so­nen nicht die Möglich­keit der Ehe­sch­ließung zu eröff­nen, die Per­so­nen ver­schie­de­nen Ge­schlechts vor­be­hal­ten bleibt, hat er für Per­so­nen glei­chen Ge­schlechts ein an­de­res In­sti­tut, die ein­ge­tra­ge­ne Le­bens­part­ner­schaft, ge­schaf­fen, des­sen Re­ge­lun­gen schritt­wei­se de­nen der Ehe an­ge­gli­chen wor­den sind.
45 Das vor­le­gen­de Ge­richt führt in die­sem Zu­sam­men­hang aus, dass die Ände­rung des LPartG durch das Ge­setz vom 15. De­zem­ber 2004 da­zu bei­ge­tra­gen ha­be, die für die Le­bens­part­ner­schaft ge­schaf­fe­nen Re­ge­lun­gen den für die Ehe gel­ten­den schritt­wei­se an­zunähern. Es be­ste­he kein ins Ge­wicht fal­len­der recht­li­cher Un­ter­schied mehr zwi­schen den Per­so­nenständen, wie sie in der deut­schen Rechts­ord­nung kon­zi­piert sei­en. Der ver­blei­ben­de Un­ter­schied lie­ge im We­sent­li­chen dar­in, dass die Ehe die Ver­schie­den­ge­schlecht­lich­keit der Part­ner, die ein­ge­tra­ge­ne Le­bens­part­ner­schaft de­ren Gleich­ge­schlecht­lich­keit vor­aus­set­ze.
Im Ge­gen­satz zu der Leis­tung, um die es in der Rechts­sa­che ging, in der das Ur­teil Ma­ru­ko er­gan­gen ist – bei der es sich um ei­ne Hin­ter­blie­be­nen­ren­te han­del­te –, be­steht die im vor­lie­gen­den Aus­gangs­ver­fah­ren frag­li­che Leis­tung in Zu­satz­ver­sor­gungs­bezügen, die von der Frei­en und Han­se­stadt Ham­burg ei­nem ih­rer ehe­ma­li­gen Ar­beit­neh­mer ge­zahlt wer­den. Fer­ner steht fest, dass die An­wen­dung der im Aus­gangs­ver­fah­ren frag­li­chen Ham­bur­gi­schen Re­ge­lung nicht nur vor­aus­setzt, dass der Ver­sor­gungs­empfänger ver­hei­ra­tet ist, son­dern auch, dass er von sei­nem Ehe­gat­ten nicht dau­ernd ge­trennt lebt. Sie soll dem Be­trof­fe­nen, aber mit­tel­bar auch den Per­so­nen, die mit ihm zu­sam­men­le­ben, beim Über­gang in die Ren­te ein Er­satz­ein­kom­men ver­schaf­fen.
Nach den An­ga­ben in der Vor­la­ge­ent­schei­dung hier­zu hat zwar das Ge­setz vom 15. De­zem­ber 2004 die Rechts­fol­gen der Le­bens­part­ner­schaft in ei­ni­gen kon­kre­ten Punk­ten wie z. B. beim Recht auf ei­ne Hin­ter­blie­be­nen­ren­te noch stärker an die der Ehe an­ge­gli­chen, doch sah das LPartG be­reits in sei­ner Ur­sprungs­fas­sung in den §§ 2 und 5 vor, dass die Le­bens­part­ner ein­an­der zur Fürsor­ge und Un­terstützung so­wie da­zu ver­pflich­tet sind, durch ih­re Ar­beit und mit ih­rem Vermögen die part­ner­schaft­li­che Le­bens­ge­mein­schaft an­ge­mes­sen zu un­ter­hal­ten, wie dies auch bei Ehe­gat­ten während des Zu­sam­men­le­bens der Fall ist.
Da­mit ob­lie­gen sol­che Pflich­ten seit In­kraft­tre­ten des LPartG Le­bens­part­nern eben­so wie ver­hei­ra­te­ten Ehe­part­nern.
Zwei­tens ist den Ak­ten, die dem Ge­richts­hof vor­ge­legt wur­den, zum Kri­te­ri­um ei­ner we­ni­ger güns­ti­gen Be­hand­lung we­gen der se­xu­el­len Aus­rich­tung zu ent­neh­men, dass die Zu­satz­ver­sor­gungs­bezüge von Herrn Römer gemäß § 8 Abs. 10 letz­ter Satz 1. RGG erhöht wor­den wären, wenn er im Ok­to­ber 2001 ge­hei­ra­tet hätte, an­statt ei­ne ein­ge­tra­ge­ne Le­bens­part­ner­schaft mit ei­nem Mann ein­zu­ge­hen.
Wie der Ge­ne­ral­an­walt in Nr. 99 sei­ner Schluss­anträge fest­ge­stellt hat, hätte die­se güns­ti­ge­re Be­hand­lung we­der in ei­nem Zu­sam­men­hang mit den Einkünf­ten der an der Le­bens­ge­mein­schaft Be­tei­lig­ten noch mit der Exis­tenz von Kin­dern oder mit an­de­ren Fak­to­ren wie de­nen bezüglich des wirt­schaft­li­chen Be­darfs des Ehe­gat­ten ge­stan­den.
Darüber hin­aus hat­te der Fa­mi­li­en­stand des Be­trof­fe­nen während sei­nes Be­rufs­le­bens of­fen­bar kei­ner­lei Ein­fluss auf sei­ne Beiträge für die im Aus­gangs­ver­fah­ren frag­li­che Leis­tung, da er sich an den Ren­ten­auf­wen­dun­gen durch Zah­lung ei­nes gleich ho­hen Bei­trags wie sei­ne ver­hei­ra­te­ten Kol­le­gen zu be­tei­li­gen hat­te.
52 Da­her ist auf die drit­te und die sieb­te Vor­la­ge­fra­ge zu ant­wor­ten, dass Art. 1 in Ver­bin­dung mit den Art. 2 und 3 Abs. 1 Buchst. c der Richt­li­nie 2000/78 ei­ner na­tio­na­len Be­stim­mung wie § 10 Abs. 6 1. RGG, auf­grund de­ren ein in ei­ner Le­bens­part­ner­schaft le­ben­der Ver­sor­gungs­empfänger Zu­satz­ver­sor­gungs­bezüge in ge­rin­ge­rer Höhe erhält als ein nicht dau­ernd ge­trennt le­ben­der ver­hei­ra­te­ter Ver­sor­gungs­empfänger, ent­ge­gen­steht, wenn
– im be­tref­fen­den Mit­glied­staat die Ehe Per­so­nen un­ter­schied­li­chen Ge­schlechts vor­be­hal­ten ist und ne­ben ei­ner Le­bens­part­ner­schaft wie der nach dem LPartG, die Per­so­nen glei­chen Ge­schlechts vor­be­hal­ten ist, be­steht und
– ei­ne un­mit­tel­ba­re Dis­kri­mi­nie­rung we­gen der se­xu­el­len Aus­rich­tung vor­liegt, weil sich der ge­nann­te Le­bens­part­ner im na­tio­na­len Recht hin­sicht­lich die­ser Bezüge in ei­ner recht­li­chen und tatsächli­chen Si­tua­ti­on be­fin­det, die mit der ei­ner ver­hei­ra­te­ten Per­son ver­gleich­bar ist. Die Be­ur­tei­lung der Ver­gleich­bar­keit fällt in die Zuständig­keit des vor­le­gen­den Ge­richts und hat sich auf die je­wei­li­gen, un­ter Berück­sich­ti­gung des Zwecks und der Vor­aus­set­zun­gen für die Gewährung der frag­li­chen Leis­tung re­le­van­ten Rech­te und Pflich­ten der Ehe­gat­ten und der in ei­ner Le­bens­part­ner­schaft le­ben­den Per­so­nen zu kon­zen­trie­ren, wie sie im Rah­men der ent­spre­chen­den Rechts­in­sti­tu­te ge­re­gelt sind.
Mit die­ser Fra­ge möch­te das vor­le­gen­de Ge­richt ers­tens wis­sen, ob für den Fall, dass der Ge­richts­hof die Be­nach­tei­li­gung ei­nes Vor­sor­gungs­empfängers wie des Klägers des Aus­gangs­ver­fah­rens als Ver­s­toß ge­gen das Uni­ons­recht be­wer­tet, der Be­trof­fe­ne die Gleich­be­hand­lung mit nicht dau­ernd ge­trennt le­ben­den ver­hei­ra­te­ten Ver­sor­gungs­empfängern auch schon vor ei­ner zur An­pas­sung an das Uni­ons­recht durch­zuführen­den Ände­rung des § 10 Abs. 6 1. RGG ver­lan­gen kann, da die Freie und Han­se­stadt Ham­burg kein pri­vat­recht­lich or­ga­ni­sier­ter Ar­beit­ge­ber, son­dern ei­ne staat­li­che Ge­bietskörper­schaft ist, die so­wohl als Ar­beit­ge­ber auf­tritt als auch die Ge­setz­ge­bungs­ho­heit bezüglich der frag­li­chen Vor­schrift in­ne­hat.
Nach ständi­ger Recht­spre­chung ist das in­ner­staat­li­che Ge­richt, das im Rah­men sei­ner Zuständig­keit die Be­stim­mun­gen des Uni­ons­rechts an­zu­wen­den hat, ge­hal­ten, für die vol­le Wirk­sam­keit die­ser Nor­men Sor­ge zu tra­gen, in­dem es er­for­der­li­chen­falls je­de – auch späte­re – ent­ge­gen­ste­hen­de Be­stim­mung des na­tio­na­len Rechts aus ei­ge­ner Ent­schei­dungs­be­fug­nis un­an­ge­wandt lässt, oh­ne dass es die vor­he­ri­ge Be­sei­ti­gung die­ser Be­stim­mung auf ge­setz­ge­be­ri­schem We­ge oder durch ir­gend­ein an­de­res ver­fas­sungs­recht­li­ches Ver­fah­ren be­an­tra­gen oder ab­war­ten müss­te (Ur­teil vom 19. No­vem­ber 2009, Fi­li­pi­ak, C‑314/08, Slg. 2009, I‑11049, Rand­nr. 81 und die dort an­geführ­te Recht­spre­chung).
Fer­ner kann der Ein­zel­ne, wenn die Vor­aus­set­zun­gen dafür vor­lie­gen, dass er sich vor den na­tio­na­len Ge­rich­ten ge­genüber dem Staat auf die Be­stim­mun­gen ei­ner Richt­li­nie be­ru­fen kann, dies un­abhängig da­von tun, in wel­cher Ei­gen­schaft – als Ar­beit­ge­ber oder als Ho­heits­träger – der Staat han­delt (Ur­teil vom 18. No­vem­ber 2010, Ge­or­giev, C‑250/09 und C‑268/09, noch nicht in der amt­li­chen Samm­lung veröffent­licht, Rand­nr. 70).
Soll­te al­so ei­ne Be­stim­mung wie § 10 Abs. 6 1. RGG ei­ne Dis­kri­mi­nie­rung im Sin­ne des Art. 2 der Richt­li­nie 2000/78 dar­stel­len, könn­te sich ein Ein­zel­ner ge­genüber ei­ner Ge­bietskörper­schaft we­gen des Vor­rangs des Uni­ons­rechts auf das Recht auf Gleich­be­hand­lung be­ru­fen, oh­ne ab­war­ten zu müssen, dass der na­tio­na­le Ge­setz­ge­ber die­se Be­stim­mung mit die­sem in Ein­klang bringt (vgl. in die­sem Sin­ne Ur­tei­le vom 12. Ja­nu­ar 2010, Pe­ter­sen, C‑341/08, noch nicht in der amt­li­chen Samm­lung veröffent­licht, Rand­nr. 81, und Ge­or­giev, Rand­nr. 73).
Das vor­le­gen­de Ge­richt möch­te zwei­tens wis­sen, ab wel­chem Zeit­punkt die Gleich­be­hand­lung zu gewähr­leis­ten ist. Hier­zu ist zunächst fest­zu­stel­len, dass dem Kläger des Aus­gangs­ver­fah­rens, soll­te ei­ne Dis­kri­mi­nie­rung im Sin­ne der Richt­li­nie 2000/78 vor­lie­gen, vor Ab­lauf der den Mit­glied­staa­ten für die Um­set­zung der Richt­li­nie ge­setz­ten Frist nicht die­sel­ben Ansprüche auf die im Aus­gangs­ver­fah­ren frag­li­che Zu­satz­ver­sor­gung wie den ver­hei­ra­te­ten Ver­sor­gungs­empfängern zustünden.
Hin­sicht­lich der Um­set­zungs­frist ist zu be­ach­ten, dass die Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land zwar, wie u. a. im Ur­teil vom 22. No­vem­ber 2005, Man­gold (C‑144/04, Slg. 2005, I‑9981, Rand­nr. 13), fest­ge­stellt, nach Art. 18 Abs. 2 der Richt­li­nie 2000/78 für die Um­set­zung der Richt­li­nie ei­ne Zu­satz­frist von drei Jah­ren ab dem 2. De­zem­ber 2003 be­an­tragt hat, die­se Möglich­keit je­doch aus­weis­lich die­ser Be­stim­mung nur die Dis­kri­mi­nie­rung we­gen des Al­ters und ei­ner Be­hin­de­rung be­traf. Dem­nach ist die Frist für die Um­set­zung der Be­stim­mun­gen der Richt­li­nie 2000/78 über die Dis­kri­mi­nie­rung we­gen der se­xu­el­len Aus­rich­tung für die Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land wie für die übri­gen Mit­glied­staa­ten am 2. De­zem­ber 2003 ab­ge­lau­fen.
Sch­ließlich ist zur Zeit­span­ne zwi­schen der Ein­tra­gung der Le­bens­part­ner­schaft des Klägers des Aus­gangs­ver­fah­rens, dem 15. Ok­to­ber 2001, und dem Ab­lauf der Um­set­zungs­frist der Richt­li­nie 2000/78 dar­auf hin­zu­wei­sen, dass der Rat der Eu­ropäischen Uni­on – gestützt auf Art. 13 EG – die Richt­li­nie 2000/78 er­las­sen hat, die, wie der Ge­richts­hof ent­schie­den hat, selbst nicht den Grund­satz der Gleich­be­hand­lung in Beschäfti­gung und Be­ruf, der sei­nen Ur­sprung in ver­schie­de­nen völker­recht­li­chen Verträgen und den ge­mein­sa­men Ver­fas­sungs­tra­di­tio­nen der Mit­glied­staa­ten hat, nie­der­legt, son­dern le­dig­lich ei­nen all­ge­mei­nen Rah­men zur Bekämp­fung ver­schie­de­ner For­men der Dis­kri­mi­nie­rung in die­sen Be­rei­chen schaf­fen soll (vgl. Ur­tei­le Man­gold, Rand­nr. 74, und vom 19. Ja­nu­ar 2010, Kücükde­ve­ci, C‑555/07, noch nicht in der amt­li­chen Samm­lung veröffent­licht, Rand­nr. 20), wo­zu auch die Dis­kri­mi­nie­rung we­gen der se­xu­el­len Aus­rich­tung zählt.
Das Ver­bot der Dis­kri­mi­nie­rung we­gen der se­xu­el­len Aus­rich­tung gilt in ei­nem Fall wie dem des Aus­gangs­ver­fah­rens aber nur dann, wenn die­ser in den Gel­tungs­be­reich des Uni­ons­rechts fällt (vgl. Ur­teil Kücükde­ve­ci, Rand­nr. 23).
61 We­der Art. 13 EG noch die Richt­li­nie 2000/78 ermögli­chen es je­doch, ei­ne Si­tua­ti­on wie die­je­ni­ge im Aus­gangs­ver­fah­ren für die Zeit vor Ab­lauf der Um­set­zungs­frist die­ser Richt­li­nie an den Gel­tungs­be­reich des Ge­mein­schafts­rechts an­zu­knüpfen (vgl. ent­spre­chend Ur­tei­le vom 23. Sep­tem­ber 2008, Bartsch, C‑427/06, Slg. 2008, I‑7245, Rand­nrn. 16 und 18, und Kücükde­ve­ci, Rand­nr. 25).
Art. 13 EG, der den Rat ermäch­tigt hat, im Rah­men der durch den Ver­trag über­tra­ge­nen Zuständig­kei­ten ge­eig­ne­te Vor­keh­run­gen zu tref­fen, um Dis­kri­mi­nie­run­gen aus Gründen der se­xu­el­len Aus­rich­tung zu bekämp­fen, kann nämlich als sol­cher nicht Sach­ver­hal­te in den Gel­tungs­be­reich des Uni­ons­rechts für die Zwe­cke des Ver­bots ei­ner sol­chen Dis­kri­mi­nie­rung brin­gen, die, wie der des Aus­gangs­ver­fah­rens, nicht in den Rah­men der auf der Grund­la­ge die­ses Ar­ti­kels er­las­se­nen Maßnah­men – ins­be­son­de­re der Richt­li­nie 2000/78 vor Ab­lauf der Frist, die in ihr für ih­re Um­set­zung vor­ge­se­he­nen war – fal­len (vgl. ent­spre­chend Ur­teil Bartsch, Rand­nr. 18).
Zu­dem han­delt es sich bei § 10 Abs. 6 1. RGG nicht um ei­ne Maßnah­me zur Um­set­zung der Richt­li­nie 2000/78 oder an­de­rer Be­stim­mun­gen des Uni­ons­rechts, so dass die Richt­li­nie erst ab Ab­lauf ih­rer Um­set­zungs­frist be­wirkt hat, dass die im Aus­gangs­ver­fah­ren frag­li­che Re­ge­lung, die ei­nen von der Richt­li­nie ge­re­gel­ten Be­reich er­fasst, nämlich die Ent­gelt­be­din­gun­gen im Sin­ne des Art. 157 AEUV, in den Gel­tungs­be­reich des Uni­ons­rechts fällt (vgl. ent­spre­chend Ur­teil Bartsch, Rand­nrn. 17, 24 und 25).
Nach al­le­dem ist auf die fünf­te Vor­la­ge­fra­ge zu ant­wor­ten, dass ein Ein­zel­ner wie der Kläger des Aus­gangs­ver­fah­rens, soll­te § 10 Abs. 6 1. RGG ei­ne Dis­kri­mi­nie­rung im Sin­ne des Art. 2 der Richt­li­nie 2000/78 dar­stel­len, das Recht auf Gleich­be­hand­lung frühes­tens ab Ab­lauf der Um­set­zungs­frist für die­se Richt­li­nie, al­so ab dem 3. De­zem­ber 2003, gel­tend ma­chen kann, wo­bei er nicht ab­war­ten muss, dass der na­tio­na­le Ge­setz­ge­ber die­se Be­stim­mung mit dem Uni­ons­recht in Ein­klang bringt.
Zur vier­ten und zur sechs­ten Fra­ge
In An­be­tracht der Ant­wor­ten auf die drit­te und die fünf­te Fra­ge braucht die vier­te Fra­ge nicht be­ant­wor­tet zu wer­den.
Zur sechs­ten Fra­ge genügt die Fest­stel­lung, dass der Aus­gangs­rechts­streit Zu­satz­ver­sor­gungs­bezüge be­trifft, die seit dem 1. No­vem­ber 2001 ge­zahlt wer­den und auf die sich die zeit­li­che Be­schränkung der Wir­kun­gen des Ur­teils vom 17. Mai 1990, Bar­ber (C‑262/88, Slg. 1990, I‑1889), auf die Zeit nach dem 17. Mai 1990 nicht aus­wir­ken kann, auch wenn die Bei­trags­zah­lun­gen für die­se Bezüge vor Verkündung die­ses Ur­teils er­folg­ten. Im Übri­gen hat we­der die Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land noch die Freie und Han­se­stadt Ham­burg um ei­ne zeit­li­che Be­schränkung der Wir­kun­gen des vor­lie­gen­den Ur­teils er­sucht, und dem Ge­richts­hof wur­de nichts un­ter­brei­tet, was ei­ne sol­che Be­schränkung ver­lan­gen würde.
1. Die Richt­li­nie 2000/78/EG des Ra­tes vom 27. No­vem­ber 2000 zur Fest­le­gung ei­nes all­ge­mei­nen Rah­mens für die Ver­wirk­li­chung der Gleich­be­hand­lung in Beschäfti­gung und Be­ruf ist da­hin aus­zu­le­gen, dass Zu­satz­ver­sor­gungs­bezüge wie die­je­ni­gen, die ehe­ma­li­gen An­ge­stell­ten und Ar­bei­tern der Frei­en und Han­se­stadt Ham­burg so­wie de­ren Hin­ter­blie­be­nen auf der Grund­la­ge des Ham­bur­gi­schen Ge­set­zes über die zusätz­li­che Al­ters‑ und Hin­ter­blie­be­nen­ver­sor­gung für An­ge­stell­te und Ar­bei­ter der Frei­en und Han­se­stadt Ham­burg (Ers­tes Ru­he­geld­ge­setz der Frei­en und Han­se­stadt Ham­burg) in der Fas­sung vom 30. Mai 1995 gewährt wer­den, we­der we­gen Art. 3 Abs. 3 noch we­gen des 22. Erwägungs­grun­des der Richt­li­nie 2000/78 aus dem sach­li­chen Gel­tungs­be­reich die­ser Richt­li­nie her­aus­fal­len, wenn sie Ent­gelt im Sin­ne des Art. 157 AEUV dar­stel­len.
2. Art. 1 in Ver­bin­dung mit den Art. 2 und 3 Abs. 1 Buchst. c der Richt­li­nie 2000/78 steht ei­ner na­tio­na­len Be­stim­mung wie § 10 Abs. 6 des ge­nann­ten Ham­bur­gi­schen Ge­set­zes, auf­grund de­ren ein in ei­ner Le­bens­part­ner­schaft le­ben­der Ver­sor­gungs­empfänger Zu­satz­ver­sor­gungs­bezüge in ge­rin­ge­rer Höhe erhält als ein nicht dau­ernd ge­trennt le­ben­der ver­hei­ra­te­ter Ver­sor­gungs­empfänger, ent­ge­gen, wenn
– im be­tref­fen­den Mit­glied­staat die Ehe Per­so­nen un­ter­schied­li­chen Ge­schlechts vor­be­hal­ten ist und ne­ben ei­ner Le­bens­part­ner­schaft wie der nach dem Ge­setz über die Ein­ge­tra­ge­ne Le­bens­part­ner­schaft vom 16. Fe­bru­ar 2001, die Per­so­nen glei­chen Ge­schlechts vor­be­hal­ten ist, be­steht und
3. Soll­te § 10 Abs. 6 des Ham­bur­gi­schen Ge­set­zes über die zusätz­li­che Al­ters- und Hin­ter­blie­be­nen­ver­sor­gung für An­ge­stell­te und Ar­bei­ter der Frei­en und Han­se­stadt Ham­burg in der Fas­sung vom 30. Mai 1995 ei­ne Dis­kri­mi­nie­rung im Sin­ne des Art. 2 der Richt­li­nie 2000/78 dar­stel­len, kann ein Ein­zel­ner wie der Kläger des Aus­gangs­ver­fah­rens das Recht auf Gleich­be­hand­lung frühes­tens ab Ab­lauf der Um­set­zungs­frist für die­se Richt­li­nie, al­so ab dem 3. De­zem­ber 2003, gel­tend ma­chen, wo­bei er nicht ab­war­ten muss, dass der na­tio­na­le Ge­setz­ge­ber die­se Be­stim­mung mit dem Uni­ons­recht in Ein­klang bringt.
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