Source: https://www.rechtslupe.de/familienrecht/versorgungsausgleich-und-die-bezugsgroesse-der-ausgleichswerte-388702
Timestamp: 2020-07-09 06:13:51
Document Index: 164612657

Matched Legal Cases: ['§ 5', '§ 6', '§ 18', '§ 5', '§ 5', '§ 5', '§ 5', '§ 39', '§ 45', '§ 2', '§ 4', '§ 5', '§ 45', '§ 5', '§ 11', '§ 11', 'BGH', 'BGH', '§ 46', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH']

Versorgungsausgleich - und die Bezugsgröße der Ausgleichswerte | Rechtslupe
Ver­sor­gungs­aus­gleich – und die Bezugs­grö­ße der Aus­gleichs­wer­te
Nach § 5 Abs. 1 VersAus­glG berech­net der Ver­sor­gungs­trä­ger den Ehe­zeit­an­teil des Anrechts in Form der für das jewei­li­ge Ver­sor­gungs­sys­tem maß­geb­li­chen Bezugs­grö­ße, ins­be­son­de­re also in Form von Ent­gelt­punk­ten, eines Ren­ten­be­trags oder eines Kapi­tal­werts.
Nach die­ser Vor­schrift sind die Ver­sor­gungs­trä­ger ver­pflich­tet, den Ehe­zeit­an­teil in der von ihrem jewei­li­gen Ver­sor­gungs­sys­tem ver­wen­de­ten Bezugs­grö­ße zu bestim­men, etwa als Ren­ten­be­trag oder Kapi­tal­wert, aber bei­spiels­wei­se auch als Punkt­wert oder Kenn­zahl. Wenn es sich bei dem in der jewei­li­gen Bezugs­grö­ße anzu­ge­ben­den Aus­gleichs­wert nicht um einen Kapi­tal­wert han­delt, ist ledig­lich zur Ermög­li­chung einer Ver­ein­ba­rung nach §§ 6 ff. VersAus­glG oder zur Prü­fung einer Gering­fü­gig­keit nach § 18 VersAus­glG gemäß §§ 5 Abs. 3, 47 VersAus­glG zugleich der kor­re­spon­die­ren­de Kapi­tal­wert anzu­ge­ben. Ent­spre­chend wird von den Trä­gern der gesetz­li­che Ren­ten­ver­si­che­rung der Aus­gleichs­wert in Ent­gelt­punk­ten ange­ge­ben, wäh­rend kapi­tal­ge­deck­te Sys­te­me der pri­va­ten Alters­vor­sor­ge Kapi­tal­wer­te, die berufs­stän­di­schen Ver­sor­gungs­wer­ke auch Ver­sor­gungs­punk­te, Leis­tungs­zah­len oder Stei­ge­rungs­zah­len nen­nen.
Nach wel­cher Bezugs­grö­ße der Aus­gleichs­wert zu bestim­men ist, ergibt sich hier­nach aus dem jewei­li­gen Ver­sor­gungs­sys­tem. Maß­geb­lich ist dabei die­je­ni­ge Bezugs­grö­ße, die in der Anwart­schafts­pha­se den indi­vi­du­el­len Anwart­schafts­er­werb des Mit­glieds ver­kör­pert. Gemäß § 5 Abs. 3 VersAus­glG unter­brei­tet der Ver­sor­gungs­trä­ger dem Fami­li­en­ge­richt zwar einen Vor­schlag für die Bestim­mung des Aus­gleichs­werts. Die Vor­schrift stellt es dem Ver­sor­gungs­trä­ger aber nicht frei, eine ande­re Aus­gleichs­be­zugs­grö­ße als die nach sei­ner Ver­sor­gungs­ord­nung maß­geb­li­che zu wäh­len [1]. Die abschlie­ßen­de Bestim­mung des Aus­gleichs­werts und des­sen Bezugs­grö­ße obliegt auf der Grund­la­ge der maß­geb­li­chen Ver­sor­gungs­ord­nung dem Gericht.
§ 5 VersAus­glG über­lässt es grund­sätz­lich dem Ver­sor­gungs­trä­ger, die Bezugs­grö­ße für das zu tei­len­de Anrecht in sei­nem Ver­sor­gungs­sys­tem zu bestim­men. Eine abschlie­ßen­de Auf­zäh­lung zuläs­si­ger Bezugs­grö­ßen ist dem Gesetz weder in § 5 Abs. 1 VersAus­glG noch in § 39 Abs. 2 VersAus­glG zu ent­neh­men [2].
Soweit es wie hier Anrech­te der betrieb­li­chen Alters­ver­sor­gung betrifft, bestimmt die Bewer­tungs­vor­schrift des § 45 Abs. 1 VersAus­glG zwar, dass der Ver­sor­gungs­trä­ger bei der Berech­nung des Ehe­zeit­an­teils wahl­wei­se vom Wert des Anrechts als Ren­ten­be­trag gemäß § 2 BetrAVG oder als Kapi­tal­be­trag gemäß § 4 Abs. 5 BetrAVG aus­ge­hen kann. Mit die­ser Rege­lung ist aller­dings kei­ne Beschrän­kung der maß­geb­li­chen Bezugs­grö­ßen im Rah­men der betrieb­li­chen Alters­ver­sor­gung bezweckt [3]. Denn der sich aus den all­ge­mei­nen Bestim­mun­gen (§§ 5 Abs. 1 und 3, 39 Abs. 2 VersAus­glG) erge­ben­de Grund­satz, dass der Aus­gleichs­wert in der im jewei­li­gen Ver­sor­gungs­sys­tem ver­wen­de­ten Bezugs­grö­ße zu bestim­men ist, soll auch nach den Vor­stel­lun­gen des Gesetz­ge­bers [4] für alle Ver­sor­gungs­trä­ger und damit auch für die Trä­ger der betrieb­li­chen Alters­ver­sor­gung glei­cher­ma­ßen Gel­tung bean­spru­chen. Das dem Ver­sor­gungs­trä­ger durch § 45 Abs. 1 VersAus­glG ein­ge­räum­te Wahl­recht schließt daher die Berück­sich­ti­gung ande­rer Bezugs­grö­ßen für Anrech­te der betrieb­li­chen Alters­ver­sor­gung nicht von vorn­her­ein aus.
Der Wahl von Fonds­an­tei­len als Bezugs­grö­ße steht auch die Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs nicht ent­ge­gen, wonach ein nach­e­he­zeit­li­cher Zuwachs im Wert einer fonds­ge­bun­de­nen Ver­sor­gung bei der gebo­te­nen Halb­tei­lung im Hin­blick auf § 5 Abs. 2 Satz 2 VersAus­glG grund­sätz­lich nicht zu berück­sich­ti­gen sei [5]. Die­se Recht­spre­chung bezog sich auf die exter­ne Tei­lung von Anrech­ten, die dadurch geprägt ist, dass das Gesetz auf eine nach­e­he­zeit­li­che Kor­rek­tur der unter­schied­li­chen Dyna­mik zwi­schen der Aus­gangs­ver­sor­gung und der von dem Aus­gleichs­be­rech­tig­ten gewähl­ten Ziel­ver­sor­gung ver­zich­tet. Bei der inter­nen Tei­lung soll dem­ge­gen­über im Ver­sor­gungs­sys­tem des Aus­gleichs­pflich­ti­gen ein Anrecht mit einer ver­gleich­ba­ren Wert­ent­wick­lung begrün­det wer­den (§ 11 Abs. 1 Satz 2 Nr. 2 VersAus­glG), so dass es kei­nen Grund gibt, das in Ent­ste­hung begrif­fe­ne Anrecht des Aus­gleichs­be­rech­tig­ten im Zeit­raum zwi­schen dem Ende der Ehe­zeit und dem Voll­zug der inter­nen Tei­lung von der Dyna­mik die­ses Ver­sor­gungs­sys­tems abzu­kop­peln [6].
Dage­gen ist es nicht erfor­der­lich, die Beschluss­for­mel um wei­ter­ge­hen­de Bestim­mun­gen zum Ver­fah­ren bei mög­li­chen Wert­ver­än­de­run­gen im Vor­sor­ge­de­pot des Antrags­geg­ners zwi­schen dem Ende der Ehe­zeit und dem Zeit­punkt der Umset­zung der Ent­schei­dung über den Ver­sor­gungs­aus­gleich zu ergän­zen. Für eine sol­che Beschluss­fas­sung besteht weder eine gesetz­li­che Grund­la­ge noch eine Not­wen­dig­keit. Die Auf­ga­be der Fami­li­en­ge­rich­te bei der inter­nen Tei­lung beschränkt sich dar­auf, den Aus­gleichs­wert in der von dem Ver­sor­gungs­trä­ger gewähl­ten Bezugs­grö­ße zum Ende der Ehe­zeit fest­zu­le­gen und unter ande­rem zu prü­fen, ob die Tei­lungs­ord­nung des Ver­sor­gungs­trä­gers den Anfor­de­run­gen des § 11 VersAus­glG genügt. Ist dies wie hier der Fall, so ist die Umset­zung der Aus­gleichs­ent­schei­dung des Gerichts anhand der Vor­schrif­ten der vom Gericht geprüf­ten Tei­lungs­ord­nung allein Sache des Ver­sor­gungs­trä­gers [7].
BGH, Beschluss vom 27.06.2012 XII ZB 492/​11 FamRZ 2012, 1545 Rn. 7 ff.[↩]
BGH, Beschluss vom 17.09.2014 XII ZB 178/​12 21; NK-BGB/­Reh­bein 3. Aufl. § 46 VersAus­glG Rn. 18[↩]
BGH, Beschluss vom 17.09.2014 XII ZB 178/​12 22; OLG Cel­le FamRZ 2013, 468, 469; Berg­ner NJW 2013, 2790, 2791[↩]
BGH, Beschluss vom 29.02.2012 XII ZB 609/​10 , FamRZ 2012, 694 Rn. 26[↩]
BGH, Beschluss vom 17.09.2014 XII ZB 178/​12 24[↩]
BGH, Beschlüs­se vom 17.09.2014 XII ZB 178/​12 26; und vom 25.06.2014 XII ZB 568/​10 FamRZ 2014, 1534 Rn. 18[↩]