Source: https://www.rechtslupe.de/strafrecht/koerperverletzung-todesfolge-unterlassen-3122568
Timestamp: 2020-01-18 15:30:52
Document Index: 352371617

Matched Legal Cases: ['§ 227', '§ 227', '§ 227', '§ 18', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH']

Kör­per­ver­let­zung mit Todes­fol­ge – durch Unter­las­sen | Rechtslupe
Körperverletzung mit Todesfolge - durch Unterlassen
Die Mög­lich­keit, § 227 StGB auf­grund einer Kör­per­ver­let­zung durch Unter­las­sen zu ver­wirk­li­chen, ist in der Recht­spre­chung aner­kannt 1.
Dabei bedarf es kei­ner Ent­schei­dung, ob der Rechts­auf­fas­sung des 4. Straf­se­nats, eine Straf­bar­keit wegen Kör­per­ver­let­zung mit Todes­fol­ge durch Unter­las­sen kom­me nur in Betracht, wenn erst durch das Unter­blei­ben der gebo­te­nen Hand­lung eine Todes­ge­fahr geschaf­fen wird 2, in die­ser All­ge­mein­heit gefolgt wer­den könn­te 3. Denn auch nach der Auf­fas­sung des 4. Straf­se­nats ist die­ser Zusam­men­hang zwi­schen dem Unter­las­sen und der töd­li­chen Fol­ge jeden­falls dann gege­ben, wenn dem unter­las­sen­den Garan­ten anzu­las­ten ist, die zum Tode füh­ren­den Gewalt­hand­lun­gen des aktiv Han­deln­den nicht ver­hin­dert zu haben 4.
Dabei muss sich nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs zur Erfül­lung des Tat­be­stan­des des § 227 StGB der Vor­satz des Unter­las­sungs­tä­ters auf sol­che Kör­per­ver­let­zun­gen des aktiv Han­deln­den bezie­hen, denen die spe­zi­fi­sche Gefahr anhaf­tet, zum Tode des Opfers zu füh­ren 5.
Der Vor­satz des Garan­ten muss sich bei einer Unter­las­sungs­tat nach § 227 StGB nur auf die Eig­nung der Kör­per­ver­let­zungs­hand­lung, die Todes­ge­fahr zu begrün­den, bezie­hen, nicht dage­gen auf den Tod des Opfers als Ergeb­nis des Kör­per­ver­let­zungs­er­folgs.
Hin­sicht­lich der töd­li­chen Fol­ge genügt in sub­jek­ti­ver Hin­sicht Fahr­läs­sig­keit (§ 18 StGB). Die qua­li­fi­zie­ren­de Tat­fol­ge muss daher ledig­lich vor­her­seh­bar sein.
Für deren Vor­her­seh­bar­keit reicht es aus, dass der Täter die Mög­lich­keit des Todes­er­folgs im Ergeb­nis hät­te erken­nen kön­nen. Einer Vor­aus­seh­bar­keit aller Ein­zel­hei­ten des zum Tode füh­ren­den Gesche­hens­ab­laufs bedarf es nicht 6.
BGH, Urteil vom 22.11.2016 – 1 StR 354/​16, NJW 2017, 418, 419 f. mwN[↩]
BGH, Urteil vom 20.07.1995 – 4 StR 129/​95, NStZ 1995, 589, 590[↩]
vgl. hier­zu auch BGH, Beschluss vom 20.07.2006 – 3 StR 244/​06, Stra­Fo 2006, 466 f.; Urteil vom 22.11.2016 – 1 StR 354/​16, NJW 2017, 418, 420[↩]
vgl. BGH, Urtei­le vom 30.03.1995 – 4 StR 768/​94, BGHSt 41, 113, 117 ff.; vom 20.07.1995 – 4 StR 129/​95, NStZ 1995, 589, 590[↩]
vgl. BGH, Urteil vom 30.03.1995 – 4 StR 768/​94, BGHSt 41, 113, 118[↩]
BGH, Urteil vom 10.06.2009 – 2 StR 103/​09, NStZ-RR 2009, 309, 310[↩]
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