Source: https://www.schumacherlaw.com/betriebliche-altersvorsorge-arbeitgeber-muss-sich-an-entgeltumwandlung-beteiligen/
Timestamp: 2020-02-17 00:26:02
Document Index: 332352347

Matched Legal Cases: ['§ 1', '§ 22', '§ 1', '§ 18', '§ 10', '§ 3', '§ 100']

Betriebliche Altersvorsorge: Arbeitgeber muss sich an Entgeltumwandlung beteiligen - Rechtsanwalt Essen - Schumacher
Das deutsche Rentensystem baut auf einem ‚Drei-Säulen-Modell‘ auf. Die finanzielle Absicherung im Alter soll so durch die gesetzliche Rente, die private Altersvorsorge und ggf. eine betriebliche Altersvorsorge erfolgen.
(1) Der Arbeitnehmer kann vom Arbeitgeber verlangen, dass von seinen künftigen Entgeltansprüchen bis zu 4 vom Hundert der jeweiligen Beitragsbemessungsgrenze in der allgemeinen Rentenversicherung durch Entgeltumwandlung für seine betriebliche Altersversorgung verwendet werden. Die Durchführung des Anspruchs des Arbeitnehmers wird durch Vereinbarung geregelt. Ist der Arbeitgeber zu einer Durchführung über einen Pensionsfonds oder eine Pensionskasse (§ 1b Abs. 3) oder über eine Versorgungseinrichtung nach § 22 bereit, ist die betriebliche Altersversorgung dort durchzuführen; andernfalls kann der Arbeitnehmer verlangen, dass der Arbeitgeber für ihn eine Direktversicherung (§ 1b Abs. 2) abschließt. Soweit der Anspruch geltend gemacht wird, muss der Arbeitnehmer jährlich einen Betrag in Höhe von mindestens einem Hundertsechzigstel der Bezugsgröße nach § 18 Abs. 1 des Vierten Buches Sozialgesetzbuch für seine betriebliche Altersversorgung verwenden. Soweit der Arbeitnehmer Teile seines regelmäßigen Entgelts für betriebliche Altersversorgung verwendet, kann der Arbeitgeber verlangen, dass während eines laufenden Kalenderjahres gleich bleibende monatliche Beträge verwendet werden…
(3) Soweit der Arbeitnehmer einen Anspruch auf Entgeltumwandlung für betriebliche Altersversorgung nach Abs. 1 hat, kann er verlangen, dass die Voraussetzungen für eine Förderung nach den §§ 10a, 82 Abs. 2 des Einkommensteuergesetzes erfüllt werden, wenn die betriebliche Altersversorgung über einen Pensionsfonds, eine Pensionskasse oder eine Direktversicherung durchgeführt wird
Seit 2002 haben Arbeitnehmer einen Anspruch auf eine Entgeltumwandlung, den sie gegenüber ihrem Arbeitgeber einfordern können. Dabei wird maximal ein Betrag von bis zu 8% der Beitragsbemessungsgrundlage zur Rentenversicherung steuerfrei nach § 3 Nr. 63 EStG für den Aufbau der Betriebsrente eingesetzt. Da die Beiträge zur betrieblichen Altersvorsorge vom Bruttogehalt abgezogen werden, ist ein entsprechend geringerer Betrag zu versteuern und sozialversicherungspflichtig.
Durch die Reduzierung der Abgaben kann sich die Versicherung zu einem nicht unerheblichen Teil selbst finanzieren. Allerdings muss bedacht werden, dass die Auszahlung im Alter zu steuerpflichtigen Einnahmen führt (sog. nachgelagerte Besteuerung).
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Arbeitgeber muss sich an Entgeltumwandlung beteiligen
Seit dem 01.01.2019 ist die Beteiligung des Arbeitgebers an der Entgeltumwandlung verpflichtend. Entscheidet ein Arbeitnehmer sich für die Bruttoentgeltumwandlung, muss sich der Arbeitgeber mit mindestens 15% des umgewandelten Gehalts am Aufbau der betrieblichen Altersvorsorge beteiligen. Hintergrund ist, dass auch der Arbeitgeber durch die Entgeltumwandlung des Arbeitnehmers Sozialabgaben spart.
Zunächst gilt diese Regelung nur für ab dem 01.01.2019 abgeschlossen Entgeltumwandlungsverträge. Ab 2022 wird die Regelung jedoch auch auf bereits bestehende Vereinbarungen ausgeweitet werden.
Leistet der Arbeitgeber freiwillig weitere Beiträge in eine betriebliche Altersvorsorge von mindestens € 240,00 p.a. kann er sich hiervon 30%, maximal € 144,00 auf seine Lohnsteuerschuld anrechnen lassen und somit direkt vom Finanzamt erstatten lassen. Voraussetzung ist jedoch, dass es sich um einen Geringverdiener handelt und die übrigen Voraussetzungen des § 100 EStG erfüllt sind. Geringverdiener in diesem Sinne sind Arbeitnehmer, die monatlich nicht mehr als € 2.200,00 verdienen.
Die betriebliche Altersvorsorge kann eine lohnenswerte Alternative zu anderen Anlagemöglichkeiten darstellen, zumal sich Arbeitgeber häufig an ihrer Finanzierung beteiligen. Ob sich auch eine Entgeltumwandlung im Einzelfall lohnt, hängt von unterschiedlichen Faktoren ab und kann nicht pauschal festgestellt werden.
Wenn Sie sich für eine betriebliche Altersvorsorge interessieren und Fragen rund um das Thema Steuern haben, wenden Sie sich an unsere Steuerberater und vereinbaren einen Termin. Wir stehen Ihnen gerne für alle Fragen zur Verfügung.