Source: http://m.hensche.de/Arbeitsrecht_Urteile_Resturlaub_darf_bei_Krankheit_nicht_zum_Jahresende_verfallen_BAG_9AZR77-13.html
Timestamp: 2018-02-25 01:51:00
Document Index: 329681907

Matched Legal Cases: ['§ 11', '§ 11', '§ 7', '§ 11', '§ 256', '§ 7', '§ 7', '§ 7', '§ 1', '§ 4', '§ 7', '§ 7', '§ 7', '§ 11', '§ 13', '§ 1', '§ 7', '§ 13', '§ 1', '§ 3', '§ 1', '§ 44', '§ 7', '§ 13', '§ 13', '§ 1', '§ 3', '§ 1', '§ 1', '§ 13', '§ 13', 'Art. 31', 'EuG', 'EuG', 'EuG', 'EuG', 'Art. 7', 'EuG', 'Art. 7', 'EuG', 'EuG', '§ 11', 'EuG', '§ 13', '§ 1', '§ 13', '§ 1', '§ 1', 'Art. 7', 'EuG', 'EuG', 'EuG', '§ 1', 'Art. 7', '§ 13', '§ 1', '§ 13', '§ 1', '§ 13', '§ 7', '§ 11', '§ 7', '§ 275', '§ 280', '§ 283', '§ 286', '§ 287', '§ 249', '§ 11', 'EuG', 'EuG', 'Art. 267', '§ 11', '§ 7', '§ 92']

HENSCHE Arbeitsrecht: 9 AZR 77/13
Akten­zeichen: 9 AZR 77/13
Ent­scheid­ungs­datum: 05.08.2014
Vor­ins­tan­zen: Arbeitsgericht Hamburg, Urteil vom 21.12.2011 - 8 Ca 168/11
Landesarbeitsgericht Hamburg, Urteil vom 19.11.2012 - 7 Sa 16/12
5. Au­gust 2014
Be­klag­te, Be­ru­fungs­be­klag­ter und Re­vi­si­ons­be­klag­ter,
hat der Neun­te Se­nat des Bun­des­ar­beits­ge­richts auf­grund der münd­li­chen Ver­hand­lung vom 5. Au­gust 2014 durch den Vor­sit­zen­den Rich­ter am Bun­des­ar­beits­ge­richt Dr. Brühler, die Rich­ter am Bun­des­ar­beits­ge­richt Krasshöfer und
Klo­se so­wie den eh­ren­amt­li­chen Rich­ter Meh­nert und die eh­ren­amt­li­che Rich­te­rin Neu­mann für Recht er­kannt:
1. Auf die Re­vi­si­on der Kläge­rin wird das Ur­teil des Lan­des­ar­beits­ge­richts Ham­burg vom 19. No­vem­ber 2012 - 7 Sa 16/12 - un­ter Zurück­wei­sung der Re­vi­si­on im Übri­gen teil­wei­se auf­ge­ho­ben.
2. Auf die Be­ru­fung der Kläge­rin wird das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts Ham­burg vom 21. De­zem­ber 2011 - 8 Ca 168/11 - teil­wei­se ab­geändert.
Es wird fest­ge­stellt, dass der Kläge­rin aus dem Jahr 2010 acht Ur­laubs­ta­ge als Er­satz­ur­laub zu­ste­hen.
3. Die Kos­ten des Rechts­streits hat die Be­klag­te zu 8/11, die Kläge­rin zu 3/11 zu tra­gen.
Die Par­tei­en strei­ten darüber, ob der Kläge­rin aus dem Jahr 2010 elf Ur­laubs­ta­ge als Er­satz­ur­laub zu­ste­hen.
Die Kläge­rin ist seit dem 15. Fe­bru­ar 2009 bei der Be­klag­ten als Bäcke­rei­fach­verkäufe­r­in zu ei­ner mo­nat­li­chen Brut­to­vergütung von zu­letzt ca. 1.586,00 Eu­ro im Rah­men ei­ner Sechs­ta­ge­wo­che beschäftigt. Auf das Ar­beits­verhält­nis fand bis zum 31. Mai 2013 kraft bei­der­sei­ti­ger Ta­rif­bin­dung der Man­tel­ta­rif­ver­trag für die Beschäftig­ten ein­sch­ließlich der Aus­zu­bil­den­den in Be­trie­ben des Bäck­er­hand­werks in Schles­wig-Hol­stein und Ham­burg vom 16. Sep­tem­ber 2005 An­wen­dung (im Fol­gen­den: MTV), in des­sen § 11 ua. ge­re­gelt ist:
Der Er­ho­lungs­ur­laub ist zu­sam­menhängend zu gewähren, wenn nicht wich­ti­ge be­trieb­li­che
oder persönli­che Gründe ent­ge­gen­ste­hen.
Wird der Ur­laub in der Zeit vom 1. Ju­ni bis 30. Sep­tem­ber ge­nom­men, können je­doch zu­sam­menhängend nur 3 Wo­chen be­an­sprucht wer­den.
Der in ei­nem Ur­laubs­jahr nicht gewähr­te Ur­laub kann auf das nächs­te Ur­laubs­jahr nur über­tra­gen wer­den, wenn die Gewährung aus außer­gewöhn­li­chen be­trieb­li­chen Gründen bis zum Ab­lauf des al­ten Ur­laubs­jah­res nicht möglich war.
Der Ur­laubs­an­spruch er­lischt drei Mo­na­te nach Ab­lauf des Ka­len­der­jah­res, es sei denn, dass er er­folg­los gel­tend ge­macht wor­den ist.
Nach dem MTV hat­te die Kläge­rin im Jahr 2010 ei­nen Ur­laubs­an­spruch von 27 Werk­ta­gen. Da­von nahm sie im Ur­laubs­jahr 16 Ta­ge in An­spruch. Die rest­li­chen elf Ta­ge konn­te sie auf­grund ei­ner Er­kran­kung in der Zeit vom 22. No­vem­ber 2010 bis zum 7. Ja­nu­ar 2011 nicht in An­spruch neh­men. Be­trieb­li­che Gründe stan­den der Gewährung des Ur­laubs­an­spruchs nicht ent­ge­gen.
Die Kläge­rin mach­te mit dem Ur­laubs­an­trag vom 15. Fe­bru­ar 2011 und mit den Schrei­ben vom 20. Fe­bru­ar 2011 und 1. März 2011 den Rest­ur­laub von elf Ta­gen aus dem Jahr 2010 er­folg­los gel­tend.
Mit ih­rer am 13. April 2011 beim Ar­beits­ge­richt ein­ge­gan­ge­nen Kla­ge hat die Kläge­rin die Gewährung von elf Ur­laubs­ta­gen aus dem Jahr 2010 be­gehrt. Sie hat die Auf­fas­sung ver­tre­ten, § 11 Ziff. 9 MTV wi­der­spre­che den uni­ons­recht­li­chen Vor­ga­ben zum An­spruch auf be­zahl­ten Jah­res­ur­laub. Der nicht in An­spruch ge­nom­me­ne Ur­laub aus dem Jahr 2010 sei da­her ent­spre­chend § 7 Abs. 3 BUrlG in das Fol­ge­jahr über­tra­gen wor­den.
fest­zu­stel­len, dass ihr rest­li­che elf Ur­laubs­ta­ge aus dem Jahr 2010 zu­ste­hen,
die Be­klag­te zu ver­ur­tei­len, ihr für das Jahr 2010 rest­li­che elf Ur­laubs­ta­ge zu gewähren.
Zu ih­rem Kla­ge­ab­wei­sungs­an­trag hat die Be­klag­te die Auf­fas­sung ver­tre­ten, Ur­laubs­ansprüche der Kläge­rin aus dem Jahr 2010 sei­en mit Ab­lauf des 31. De­zem­ber 2010 er­lo­schen. Die Re­ge­lung in § 11 Ziff. 9 Abs. 3 MTV ste­he zwar nicht im Ein­klang mit den uni­ons­recht­li­chen Vor­ga­ben, dies sei aber nach dem deut­schen Ur­laubs­recht un­er­heb­lich. Ei­ne richt­li­ni­en­kon­for­me Aus­le­gung des MTV oder des Bun­des­ur­laubs­ge­set­zes kom­me nicht in Be­tracht. Ei­ne un­mit­tel­ba­re Gel­tung des Uni­ons­rechts zwi­schen Pri­va­ten sei nicht ge­ge­ben.
Das Ar­beits­ge­richt hat die Kla­ge ab­ge­wie­sen. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt hat die Be­ru­fung der Kläge­rin zurück­ge­wie­sen. Mit ih­rer Re­vi­si­on ver­folgt die Kläge­rin ih­re Ansprüche wei­ter.
Die zulässi­ge Re­vi­si­on ist teil­wei­se be­gründet. So­weit die Kläge­rin die Fest­stel­lung ei­nes (Er­satz-)Ur­laubs­an­spruchs aus dem Jahr 2010 im Um­fang von acht Ta­gen be­gehrt, hat das Lan­des­ar­beits­ge­richt ih­re Be­ru­fung zu Un­recht zurück­ge­wie­sen.
A. Der Haupt­an­trag ist zulässig und teil­wei­se be­gründet.
1. Er be­darf der Aus­le­gung. Die Kläge­rin be­gehrt die Fest­stel­lung des Be­ste­hens ei­nes Ur­laubs­an­spruchs aus ei­nem in der Ver­gan­gen­heit lie­gen­den Ur­laubs­jahr. Ein sol­cher An­trag ist da­hin ge­hend zu ver­ste­hen, dass von ihm so­wohl der Ur­laubs­an­spruch als Primäran­spruch er­fasst wird als auch ggf. ein Scha­dens­er­satz­an­spruch auf Gewährung von Ur­laub (vgl. BAG 11. Ju­li 2006 - 9 AZR 535/05 - Rn. 15). Da die Be­klag­te den An­spruch auf Ur­laubs­ta­ge
aus dem Jahr 2010 als Er­satz­ur­laub in Ab­re­de stellt, be­steht das nach § 256 Abs. 1 ZPO er­for­der­li­che Fest­stel­lungs­in­ter­es­se.
2. Dem Fest­stel­lungs­be­geh­ren steht auch nicht der Vor­rang der Leis­tungs­kla­ge ent­ge­gen. Zwar zeigt der Hilfs­an­trag, dass sich das Kla­ge­be­geh­ren grundsätz­lich auch in ei­nen Leis­tungs­an­trag fas­sen lässt. Im Hin­blick auf die vor­an­schrei­ten­de Zeit lässt sich je­doch im Rah­men des Leis­tungs­an­trags der Zeit­punkt des Ur­laubs­be­ginns nicht fest­le­gen. In­so­fern ist ein sol­cher Leis­tungs­an­trag re­gelmäßig so zu ver­ste­hen, dass der Ar­beit­neh­mer dem Ar­beit­ge­ber die Fest­le­gung des Ur­laubs­zeit­raums überlässt (vgl. ErfK/Gall­ner 14. Aufl. § 7 BUrlG Rn. 31 f. mwN). Dies steht je­doch im Wi­der­spruch zum ge­setz­li­chen Mo­dell des § 7 Abs. 1 BUrlG. Der Ar­beit­neh­mer darf auch nicht über das Pro­zess­recht da­zu ge­zwun­gen wer­den, die Be­stim­mung der La­ge des Ur­laubs al­lein dem Ar­beit­ge­ber zu über­las­sen. Vor die­sem Hin­ter­grund ist der Leis­tungs­an­trag auf Gewährung ei­ner be­stimm­ten An­zahl von Ur­laubs­ta­gen nicht vor­ran­gig ge­genüber dem Fest­stel­lungs­an­trag (vgl. BAG 12. April 2011 - 9 AZR 80/10 - Rn. 15, BA­GE 137, 328).
II. Das Fest­stel­lungs­be­geh­ren ist im Um­fang von acht Werk­ta­gen be­gründet. Der ge­setz­li­che Min­des­t­ur­laubs­an­spruch wur­de - so­weit er nicht durch Ur­laubs­gewährung erfüllt wor­den ist - gemäß § 7 Abs. 3 Satz 2 BUrlG in das Fol­ge­jahr über­tra­gen. In­so­weit konn­ten die Ta­rif­ver­trags­par­tei­en - an­ders als in Be­zug auf den ta­rif­li­chen Mehr­ur­laub - die ge­setz­li­che Re­ge­lung zur Über­tra­gungs­frist nicht zum Nach­teil der Ar­beit­neh­mer abändern. Der über­tra­ge­ne Ur­laubs­an­spruch ist nach der Ge­ne­sung der Kläge­rin zwar am 31. März 2011 un­ter­ge­gan­gen, an sei­ne Stel­le trat je­doch ein ent­spre­chen­der Scha­dens­er­satz­an­spruch auf Ur­laub, der wei­ter­hin be­steht.
1. Der ge­setz­li­che Min­des­t­ur­laub wur­de im Um­fang von acht Werk­ta­gen in das Jahr 2011 über­tra­gen.
a) Der in ei­ner Sechs­ta­ge­wo­che beschäftig­ten Kläge­rin stand am 31. De­zem­ber 2010 noch ein ge­setz­li­cher Ur­laubs­an­spruch in Höhe von acht
Ta­gen zu. Die Kläge­rin hat­te zu Be­ginn des Jah­res 2010 gemäß den §§ 1, 3 Abs. 1, § 4 BUrlG ei­nen Ur­laubs­an­spruch im Um­fang von 24 Werk­ta­gen er­wor­ben. Die Be­klag­te gewähr­te der Kläge­rin 16 Ur­laubs­ta­ge. Mit der Gewährung des Ur­laubs wur­de auch der ge­setz­li­che Ur­laubs­an­spruch in die­sem Um­fang erfüllt (vgl. BAG 7. Au­gust 2012 - 9 AZR 760/10 - Rn. 11 ff., BA­GE 143, 1), so­dass ein Rest­ur­laubs­an­spruch von acht Ta­gen ver­blieb.
b) Die­se acht Werk­ta­ge ge­setz­li­cher Ur­laub sind nicht am 31. De­zem­ber 2010 un­ter­ge­gan­gen, son­dern wur­den in das ers­te Quar­tal des Fol­ge­jah­res über­tra­gen. Gemäß § 7 Abs. 3 Satz 2 BUrlG wird der Ur­laub in das nächs­te Ka­len­der­jahr über­tra­gen, wenn in der Per­son des Ar­beit­neh­mers lie­gen­de Gründe dies recht­fer­ti­gen. Die krank­heits­be­ding­te Ar­beits­unfähig­keit ist der ty­pi­sche Fall des per­so­nen­be­ding­ten Grun­des, der der In­an­spruch­nah­me von Ur­laub ent­ge­gen­ste­hen kann (vgl. BAG 13. Mai 1982 - 6 AZR 360/80 - zu II 4 b der Gründe, BA­GE 39, 53; Ar­nold/Till­manns/Ar­nold BUrlG 3. Aufl. § 7 Rn. 123). Die Kläge­rin konn­te auf­grund ei­ner Er­kran­kung in der Zeit vom 22. No­vem­ber 2010 bis zum 7. Ja­nu­ar 2011 den Ur­laub nicht in An­spruch neh­men.
c) Der Über­tra­gung des noch be­ste­hen­den ge­setz­li­chen Ur­laubs­an­spruchs in das Fol­ge­jahr steht der MTV nicht ent­ge­gen. § 7 Abs. 3 BUrlG ist durch § 11 Ziff. 9 Abs. 3 MTV nicht wirk­sam da­hin ge­hend ab­geändert wor­den, dass der nicht gewähr­te ge­setz­li­che Ur­laub auf das nächs­te Jahr nur über­tra­gen wer­den kann, wenn die Gewährung aus außer­gewöhn­li­chen be­trieb­li­chen Gründen bis zum Ab­lauf des al­ten Ur­laubs­jah­res nicht möglich war. Die Ta­rif­norm wi­der­spricht § 13 Abs. 1 Satz 1 iVm. §§ 1, 2, 3 Abs. 1 BUrlG und ist in­so­fern un­wirk­sam.
aa) Zwar ist § 7 Abs. 3 BUrlG in § 13 Abs. 1 Satz 1 BUrlG nicht bei den Nor­men ge­nannt, von de­nen in Ta­rif­verträgen nicht zu Un­guns­ten der Ar­beit­neh­mer ab­ge­wi­chen wer­den darf. Es ist je­doch in der Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts an­er­kannt, dass auch von den an­de­ren Vor­schrif­ten des BUrlG in Ta­rif­verträgen nicht zu Un­guns­ten der Ar­beit­neh­mer ab­ge­wi­chen wer­den darf, so­weit sich ihr Re­ge­lungs­ge­halt be­reits un­mit­tel­bar aus den §§ 1, 2
und § 3 Abs. 1 BUrlG er­gibt. So hat der Ach­te Se­nat des Bun­des­ar­beits­ge­richts mit Ur­teil vom 10. Fe­bru­ar 1987 (- 8 AZR 529/84 - zu 3 a der Gründe, BA­GE 54, 184) ent­schie­den, dass ei­ne ta­rif­li­che Re­ge­lung, nach der Ab­gel­tungs­ansprüche nur ent­ste­hen, wenn der Ur­laub vor Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses aus be­trieb­li­chen Gründen nicht gewährt wer­den konn­te, un­wirk­sam ist, so­weit durch sie der Ur­laubs­ab­gel­tungs­an­spruch im Um­fan­ge des ge­setz­li­chen Ur­laubs nach den §§ 1, 3 BUrlG und § 44 SchwbG ge­min­dert wird, ob­wohl auch § 7 Abs. 4 BUrlG in § 13 Abs. 1 Satz 1 BUrlG nicht ge­nannt ist (vgl. auch BAG 15. De­zem­ber 2009 - 9 AZR 887/08 - Rn. 15 und 15. Ja­nu­ar 2013 - 9 AZR 465/11 - Rn. 20 mwN [zur Be­rech­nung des Ur­laubs­ent­gelts]; 29. No­vem­ber 1984 - 6 AZR 238/82 - zu 2 a der Gründe, BA­GE 47, 268 [zur Ur­laubs­ab­gel­tung beim Über­gang vom Aus­bil­dungs- zum Ar­beits­verhält­nis]; 8. März 1984 - 6 AZR 442/83 - zu 1 b der Gründe, BA­GE 45, 199 und zu­letzt 18. Fe­bru­ar 2014 - 9 AZR 765/12 - Rn. 13 mwN [zur Zwölf­te­lung des Ur­laubs bei Aus­schei­den in der zwei­ten Jah­reshälf­te]; vgl. zu wei­te­ren Bei­spie­len Ar­nold/Till­manns/Zim­mer­mann § 13 Rn. 53 ff.). In sol­chen Fällen greift die ab­wei­chen­de Ta­rif­norm im Er­geb­nis (mit­tel­bar) in den Re­ge­lungs­be­reich der §§ 1, 2 und § 3 Abs. 1 BUrlG ein und ist da­mit in­so­weit un­wirk­sam.
bb) In­dem der MTV kei­nen Über­tra­gungs­zeit­raum für den Fall vor­sieht, dass der Ar­beit­neh­mer den Ur­laub im Ur­laubs­jahr oh­ne sein Ver­schul­den nicht in An­spruch neh­men konn­te, greift der Ta­rif­ver­trag in das durch § 1 BUrlG gewähr­te Recht auf be­zahl­ten Jah­res­ur­laub ein. Dies er­gibt die richt­li­ni­en­kon­for­me Aus­le­gung der §§ 1, 3 Abs. 1 BUrlG (ähn­lich Ar­nold/Till­manns/Zim­mer­mann § 13 Rn. 61; vgl. auch ErfK/Gall­ner § 13 BUrlG Rn. 13).
(1) Ent­ge­gen der Auf­fas­sung der Re­vi­si­on kann es of­fen­blei­ben, ob und ggf. wie der in der Char­ta der Grund­rech­te der Eu­ropäischen Uni­on in Art. 31 Abs. 2 ver­an­ker­te An­spruch auf be­zahl­ten Jah­res­ur­laub zwi­schen den Par­tei­en un­mit­tel­ba­re Wir­kung ent­fal­tet (vgl. da­zu Vor­la­ge der Cour de cas­sa­ti­on an den EuGH vom 10. Ju­ni 2013, anhängig un­ter - C-316/13 - [Fe­noll] mit Anm. Stie­bert/Schmidt ZESAR 2013, 413, da­zu Schluss­anträge des Ge­ne­ral­an­walts
Men­goz­zi vom 12. Ju­ni 2014, wo un­ter Rn. 60 auf die Schluss­anträge der Ge­ne­ral­anwältin Trs­ten­jak in der Sa­che - C-282/10 - [Do­m­in­guez] Be­zug ge­nom­men wird). Die Fra­ge, ob ei­ne na­tio­na­le Be­stim­mung we­gen ih­rer Un­ver­ein­bar­keit mit dem Uni­ons­recht un­an­ge­wen­det blei­ben muss, stellt sich nur dann, wenn ei­ne uni­ons­rechts­kon­for­me Aus­le­gung nicht möglich ist (EuGH 24. Ja­nu­ar 2012 - C-282/10 - [Do­m­in­guez] Rn. 23; BAG 7. Au­gust 2012 - 9 AZR 353/10 - Rn. 30, BA­GE 142, 371; vgl. Wißmann FS Be­p­ler 2012 S. 649, 654). Ermöglicht es das na­tio­na­le Recht durch An­wen­dung sei­ner Aus­le­gungs­me­tho­den, ei­ne in­ner­staat­li­che Be­stim­mung so aus­zu­le­gen, dass ei­ne Kol­li­si­on mit ei­ner an­de­ren Norm in­ner­staat­li­chen Rechts ver­mie­den wird, sind die na­tio­na­len Ge­rich­te ver­pflich­tet, die glei­chen Me­tho­den an­zu­wen­den, um das von der Richt­li­nie ver­folg­te Ziel zu er­rei­chen (BAG 24. März 2009 - 9 AZR 983/07 - Rn. 58 mwN, BA­GE 130, 119; vgl. auch EuGH 24. Ja­nu­ar 2012 - C-282/10 - [Do­m­in­guez] Rn. 24 mwN). Meh­re­re mögli­che Aus­le­gungs­me­tho­den sind da­her hin­sicht­lich des Richt­li­ni­en­ziels bestmöglich an­zu­wen­den im Sin­ne ei­nes Op­ti­mie­rungs­ge­bots (BVerfG 26. Sep­tem­ber 2011 - 2 BvR 2216/06, 2 BvR 469/07 - Rn. 46, BVerfGK 19, 89). Al­ler­dings un­ter­liegt der Grund­satz der uni­ons­rechts­kon­for­men Aus­le­gung des na­tio­na­len Rechts Schran­ken. Die Pflicht zur Ver­wirk­li­chung ei­nes Richt­li­ni­en­ziels im Aus­le­gungs­weg fin­det zu­gleich ih­re Gren­zen an dem nach in­ner­staat­li­cher Rechts­tra­di­ti­on me­tho­disch Er­laub­ten (BVerfG 26. Sep­tem­ber 2011 - 2 BvR 2216/06, 2 BvR 469/07 - Rn. 47, aaO). Sie darf nicht als Grund­la­ge für ei­ne Aus­le­gung con­tra le­gem des na­tio­na­len Rechts die­nen (EuGH 24. Ja­nu­ar 2012 - C-282/10 - [Do­m­in­guez] Rn. 25 mwN; BAG 7. Au­gust 2012 - 9 AZR 353/10 - Rn. 31, BA­GE 142, 371; 17. No­vem­ber 2009 - 9 AZR 844/08 - Rn. 26, BA­GE 132, 247).
(2) Der In­halt des Art. 7 Abs. 1 der Richt­li­nie 2003/88/EG des Eu­ropäischen Par­la­ments und des Ra­tes vom 4. No­vem­ber 2003 über be­stimm­te As­pek­te der Ar­beits­zeit­ge­stal­tung (ABl. EU L 299 vom 18. No­vem­ber 2003 S. 9, im Fol­gen­den: Ar­beits­zeit­richt­li­nie) ist, so­weit vor­lie­gend von Be­deu­tung, durch die Recht­spre­chung des Ge­richts­hofs der Eu­ropäischen Uni­on geklärt (EuGH 22. No­vem­ber 2011 - C-214/10 - [KHS] Rn. 26, Slg. 2011, I-11757; 20. Ja­nu­ar
2009 - C-350/06 und C-520/06 - [Schultz-Hoff ua.] Rn. 43, Slg. 2009, I-179). Art. 7 Abs. 1 der Ar­beits­zeit­richt­li­nie steht zwar grundsätz­lich ei­ner na­tio­na­len Re­ge­lung nicht ent­ge­gen, die für die Ausübung des mit die­ser Richt­li­nie aus­drück­lich ver­lie­he­nen An­spruchs auf be­zahl­ten Jah­res­ur­laub Mo­da­litäten vor­sieht, die so­gar den Ver­lust die­ses An­spruchs am En­de ei­nes Be­zugs­zeit­raums oder ei­nes Über­tra­gungs­zeit­raums um­fas­sen. Al­ler­dings hat der EuGH die­ser grundsätz­li­chen Fest­stel­lung die Vor­aus­set­zung hin­zu­gefügt, dass der Ar­beit­neh­mer, des­sen An­spruch auf be­zahl­ten Jah­res­ur­laub er­lo­schen ist, grundsätz­lich tatsächlich die Möglich­keit ge­habt ha­ben muss, den ihm mit der Richt­li­nie ver­lie­he­nen An­spruch aus­zuüben. Das na­tio­na­le Recht kann aber Über­tra­gungs­zeiträume vor­se­hen, an de­ren En­de auch bei fort­be­ste­hen­der Ar­beits­unfähig­keit der Ur­laubs­an­spruch entfällt. Ein sol­cher Über­tra­gungs­zeit­raum muss die Dau­er des Be­zugs­zeit­raums, für den er gewährt wird, deut­lich über­schrei­ten (EuGH 3. Mai 2012 - C-337/10 - [Nei­del] Rn. 41; 22. No­vem­ber 2011 - C-214/10 - [KHS] Rn. 38, aaO). Die Re­ge­lung des § 11 Ziff. 9 Abs. 3 MTV steht nicht im Ein­klang mit die­sen uni­ons­recht­li­chen Vor­ga­ben. Dies sieht auch die Be­klag­te so.
(3) Im Hin­blick auf die dar­ge­stell­te Aus­le­gung des Uni­ons­rechts durch den EuGH ent­spricht es der Recht­spre­chung des Se­nats, dass ta­rif­li­che Re­ge­lun­gen, die bei fort­be­ste­hen­der Krank­heit ei­nen Ver­fall des uni­ons­recht­lich geschütz­ten Min­des­t­ur­laubs­an­spruchs vor Ab­lauf des ge­bo­te­nen Über­tra­gungs­zeit­raums vor­se­hen, gemäß § 13 Abs. 1 Satz 1, § 1 BUrlG un­wirk­sam sind (vgl. BAG 12. No­vem­ber 2013 - 9 AZR 551/12 - Rn. 10; 12. April 2011 - 9 AZR 80/10 - Rn. 27, BA­GE 137, 328). Ent­ge­gen der Auf­fas­sung des Lan­des­ar­beits­ge­richts ist § 13 Abs. 1 Satz 1 iVm. §§ 1, 2, 3 Abs. 1 BUrlG richt­li­ni­en­kon­form aus­zu­le­gen. Zwar ent­hal­ten die §§ 1, 3 Abs. 1 BUrlG kei­ne aus­drück­li­che Re­ge­lung zur Über­trag­bar­keit und zum Ver­fall von Ur­laubs­ansprüchen. Die­se na­tio­na­len Nor­men ent­spre­chen je­doch weit­ge­hend der Re­ge­lung des Art. 7 Abs. 1 der Ar­beits­zeit­richt­li­nie, wo­nach die Mit­glied­staa­ten die er­for­der­li­chen Maßnah­men tref­fen, da­mit je­der Ar­beit­neh­mer ei­nen be­zahl­ten Min­dest­jah­res­ur­laub von vier Wo­chen nach Maßga­be der Be­din­gun­gen für die In­an­spruch­nah­me
und die Gewährung erhält, die in den ein­zel­staat­li­chen Rechts­vor­schrif­ten und/oder nach den ein­zel­staat­li­chen Ge­pflo­gen­hei­ten vor­ge­se­hen sind. Nach Auf­fas­sung des EuGH gehört die Fest­le­gung ei­nes Über­tra­gungs­zeit­raums zu den Vor­aus­set­zun­gen für die Ausübung und die Um­set­zung des An­spruchs auf be­zahl­ten Jah­res­ur­laub und fällt so­mit grundsätz­lich in die Zuständig­keit der Mit­glied­staa­ten (EuGH 20. Ja­nu­ar 2009 - C-350/06 und C-520/06 - [Schultz-Hoff ua.] Rn. 42, Slg. 2009, I-179). Al­ler­dings stellt es ei­ne un­zulässi­ge Be­ein­träch­ti­gung des Rechts auf be­zahl­ten Ur­laub dar, wenn der Ur­laub am En­de des Be­zugs­zeit­raums oder am En­de ei­nes zu kur­zen Über­tra­gungs­zeit­raums ver­fal­len kann, oh­ne dass der Ar­beit­neh­mer tatsächlich die Möglich­keit hat­te, ihn in An­spruch zu neh­men (EuGH 20. Ja­nu­ar 2009 - C-350/06 und C-520/06 - [Schultz-Hoff ua.] Rn. 45, aaO). Der durch die §§ 1, 3 Abs. 1 BUrlG gewähr­te An­spruch auf be­zahl­ten Er­ho­lungs­ur­laub im Um­fang von 24 Werk­ta­gen ist nach In­halt und Um­fang richt­li­ni­en­kon­form so zu ver­ste­hen wie der durch die Ar­beits­zeit­richt­li­nie in Art. 7 Abs. 1 gewähr­te An­spruch auf be­zahl­ten Min­dest­jah­res­ur­laub von vier Wo­chen. Da­mit folgt im deut­schen Recht aus § 13 Abs. 1 Satz 1 iVm. §§ 1, 3 Abs. 1 BUrlG, dass der ge­setz­li­che Ur­laubs­an­spruch von 24 Werk­ta­gen durch ei­ne ta­rif­li­che Re­ge­lung grundsätz­lich nicht am En­de des Ur­laubs­jah­res ver­fal­len darf, wenn der Ar­beit­neh­mer tatsächlich nicht die Möglich­keit hat­te, ihn in An­spruch zu neh­men.
Ei­ne sol­ches richt­li­ni­en­kon­for­mes Verständ­nis von § 13 Abs. 1 Satz 1 iVm. §§ 1, 3 Abs. 1 BUrlG ist nicht con­tra le­gem. Zwar lässt sich aus § 13 Abs. 1 Satz 1 BUrlG ab­lei­ten, dass die Ta­rif­ver­trags­par­tei­en grundsätz­lich auch die Vor­ga­ben des § 7 Abs. 3 BUrlG zu­las­ten der Ar­beit­neh­mer abändern können sol­len. Der Ge­setz­ge­ber hat die­ses so­ge­nann­te Vor­rang­prin­zip der Ta­rif­au­to­no­mie be­wusst auf­ge­stellt, ein Güns­tig­keits­ver­gleich ist nicht durch­zuführen (vgl. BAG 9. Ju­li 1964 - 5 AZR 463/63 - zu II 2 b der Gründe, BA­GE 16, 155). Je­doch ist nicht er­kenn­bar, dass der ge­setz­ge­be­ri­sche Wil­le auch die Möglich­keit um­fass­te, die Über­trag­bar­keit des Ur­laubs bei vom Ar­beit­neh­mer un­ver­schul­de­ter Unmöglich­keit der In­an­spruch­nah­me des Ur­laubs ta­rif­ver­trag­lich aus­sch­ließen zu können.
(4) § 11 Ziff. 9 MTV sieht ei­ne Aus­nah­me für die Fälle der un­ver­schul­de­ten Unmöglich­keit der In­an­spruch­nah­me des Ur­laubs im Ur­laubs­jahr nicht vor. Er ist da­mit je­den­falls in­so­weit un­wirk­sam, als er „nur“ dann ei­ne Über­tra­gung in das Fol­ge­jahr zulässt, wenn die Gewährung des Ur­laubs aus außer­gewöhn­li­chen be­trieb­li­chen Gründen bis zum Ab­lauf des Ur­laubs­jah­res nicht möglich war. In­so­fern ha­ben die Ta­rif­ver­trags­par­tei­en die Re­ge­lung des § 7 Abs. 3 Satz 2 BUrlG nicht wirk­sam zu­las­ten der Ar­beit­neh­mer ab­geändert. Der am 31. De­zem­ber 2010 noch be­ste­hen­de ge­setz­li­che Ur­laubs­an­spruch konn­te von der Kläge­rin da­her noch bis zum 31. März 2011 in An­spruch ge­nom­men wer­den.
2. Der über­tra­ge­ne Ur­laubs­an­spruch ist zwar am 31. März 2011 un­ter­ge­gan­gen. Der Kläge­rin steht je­doch ein An­spruch auf Gewährung von acht Ta­gen Ur­laub un­ter dem Ge­sichts­punkt des Scha­dens­er­sat­zes zu. Die Be­klag­te be­fand sich mit der Gewährung des Ur­laubs in Ver­zug und ist gemäß § 275 Abs. 1 und Abs. 4, § 280 Abs. 1 und Abs. 3, § 283 Satz 1, § 286 Abs. 1 Satz 1 iVm. Abs. 2 Nr. 3, § 287 Satz 2, § 249 Abs. 1 BGB ver­pflich­tet, der Kläge­rin acht Werk­ta­ge Er­satz­ur­laub für ver­fal­le­nen Ur­laub aus dem Jahr 2010 zu gewähren. Die Kläge­rin hat den Ur­laub recht­zei­tig gel­tend ge­macht. Die Be­klag­te hat die Gewährung des Ur­laubs ver­wei­gert.
III. So­weit die Kläge­rin die Fest­stel­lung des Be­ste­hens ei­nes An­spruchs auf wei­te­re drei Ur­laubs­ta­ge be­gehrt, ist die Kla­ge un­be­gründet.
1. Zwar stand der Kläge­rin im Jahr 2010 ein ta­rif­li­cher Ur­laubs­an­spruch von 27 Werk­ta­gen zu, der nur im Um­fang von 16 Ta­gen durch be­zahl­te Frei­stel­lung von der Ar­beits­leis­tung erfüllt wor­den war, so­dass über den ge­setz­li­chen Ur­laubs­an­spruch hin­aus drei wei­te­re Ta­ge ta­rif­li­cher Mehr­ur­laub am 31. De­zem­ber 2010 be­stan­den.
2. Der ta­rif­li­che Mehr­ur­laubs­an­spruch ist - an­ders als der ge­setz­li­che Ur­laubs­an­spruch - mit dem 31. De­zem­ber 2010 gemäß § 11 Ziff. 9 MTV un­ter­ge­gan­gen.
a) Die uni­ons­recht­li­chen Vor­ga­ben be­tref­fen aus­sch­ließlich den ge­setz­li­chen Ur­laubs­an­spruch von vier Wo­chen. Die Ta­rif­ver­trags­par­tei­en können Ur­laubs­ansprüche, die darüber hin­aus­ge­hen, frei re­geln (vgl. EuGH 3. Mai 2012 - C-337/10 - [Nei­del] Rn. 34 ff. mwN; BAG 12. No­vem­ber 2013 - 9 AZR 551/12 - Rn. 10 mwN). Ih­re Re­ge­lungs­macht schließt die Be­fris­tung des Mehr­ur­laubs ein. Uni­ons­recht steht ei­nem ta­rif­lich an­ge­ord­ne­ten Ver­fall des Mehr­ur­laubs nicht ent­ge­gen. Ei­ne Vor­la­ge an den EuGH zwecks Vor­ab­ent­schei­dung nach Art. 267 AEUV ist des­halb nicht er­for­der­lich.
b) In­dem § 11 Ziff. 9 Abs. 3 MTV „nur“ dann ei­ne Über­tra­gung in das Fol­ge­jahr zulässt, wenn die Gewährung aus außer­gewöhn­li­chen be­trieb­li­chen Gründen bis zum Ab­lauf des Ur­laubs­jah­res nicht möglich war, ist klar zum Aus­druck ge­bracht, dass die ge­setz­li­che Re­ge­lung des § 7 Abs. 3 Satz 2 BUrlG in­so­weit nicht zur An­wen­dung kom­men soll, als dort ei­ne Über­tra­gung auch für den Fall vor­ge­se­hen ist, dass der Ur­laub aus in der Per­son des Ar­beit­neh­mers lie­gen­den Gründen nicht in An­spruch ge­nom­men wer­den konn­te. Nach dem er­kenn­ba­ren Wil­len der Ta­rif­ver­trags­par­tei­en soll­te (auch) der ta­rif­li­che Ur­laubs­an­spruch un­ter­ge­hen, wenn er im Ur­laubs­jahr aus krank­heits­be­ding­ten Gründen nicht in An­spruch ge­nom­men wer­den konn­te. Nach der Kon­zep­ti­on des MTV soll der Ar­beit­neh­mer das Ri­si­ko tra­gen, dass der An­spruch auf Mehr­ur­laub in­fol­ge Ar­beits­unfähig­keit nicht erfüll­bar ist.
c) Un­er­heb­lich ist, dass die ei­genständi­ge Ta­rif­re­ge­lung im Hin­blick auf den ge­setz­li­chen Min­des­t­ur­laub un­wirk­sam ist. Für den vom ge­setz­li­chen Ur­laub ab­trenn­ba­ren Teil der ein­heit­lich ge­re­gel­ten Ge­samt­ur­laubs­dau­er, den ta­rif­li­chen Mehr­ur­laub, bleibt sie wirk­sam (st. Rspr., vgl. BAG 12. No­vem­ber 2013 - 9 AZR 551/12 - Rn. 13; 22. Mai 2012 - 9 AZR 618/10 - Rn. 18, BA­GE 141, 374).
B. Der Hilfs­an­trag ist dem Se­nat nicht zur Ent­schei­dung an­ge­fal­len. Er ist nur für den Fall ge­stellt, dass der Haupt­an­trag als un­zulässig ab­ge­wie­sen wird. Dies hat die Pro­zess­be­vollmäch­tig­te der Kläge­rin auf Nach­fra­ge des Se­nats in der münd­li­chen Ver­hand­lung bestätigt.
C. Die Kos­ten­ent­schei­dung folgt aus § 92 Abs. 1 Satz 1 ZPO.
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