Source: https://www.generalbundesanwalt.de/de/showpress.php?newsid=406
Timestamp: 2019-08-24 22:07:19
Document Index: 123498165

Matched Legal Cases: ['§ 211', '§ 223', '§ 224', '§ 226', '§ 18', '§ 22', '§ 23', '§ 52', '§ 53', '§ 120']

07.07.2011 - 24/2011
Anklage wegen des Anschlags auf US-Soldaten am Flughafen Frankfurt am Main
Die Bundesanwaltschaft hat am 4. Juli 2011 vor dem Staatsschutzsenat des Oberlandesgerichts Frankfurt am Main Anklage gegen
den 21-jÃ¤hrigen kosovarisch-serbischen StaatsangehÃ¶rigen Arid U.
wegen Mordes in zwei FÃ¤llen sowie versuchten Mordes in drei FÃ¤llen, davon in einem Fall in Tateinheit mit schwerer und in einem weiteren in Tateinheit mit gefÃ¤hrlicher KÃ¶rperverletzung erhoben (Â§ 211, Â§ 223 Abs. 1, Â§ 224 Abs. 1 Nr. 2 und 5, Â§ 226 Abs. 1 Nr. 1, Â§ 18, Â§ 22; Â§ 23, Â§ 52, Â§ 53 StGB).
Der Angeschuldigte ist hinreichend verdÃ¤chtig, am Nachmittag des 2. MÃ¤rz 2011 am Flughafen Frankfurt am Main heimtÃ¼ckisch und aus niedrigen BeweggrÃ¼nden zwei US-amerikanische Soldaten getÃ¶tet zu haben. DarÃ¼ber hinaus soll er versucht haben, drei weitere AngehÃ¶rige der US-StreitkrÃ¤fte zu ermorden. Zwei Soldaten verletzte er dabei lebensgefÃ¤hrlich, einer der beiden verlor auf einem Auge das SehvermÃ¶gen.
Nach dem Ergebnis der Ermittlungen wollte der Angeschuldigte die Soldaten ausschlieÃŸlich deshalb tÃ¶ten, weil sie AngehÃ¶rige der US-StreitkrÃ¤fte im Rahmen des ISAF-Mandats in Afghanistan waren. Die Taten sind Ausdruck einer durch jihadistische Propaganda hervorgerufenen radikal-islamistischen Einstellung, die willkÃ¼rliche TÃ¶tungen von US-Soldaten in der Bundesrepublik Deutschland einschlieÃŸt. Es handelt sich um schwere staatsgefÃ¤hrdende Gewalttaten von besonderer Bedeutung (Â§ 120 Abs. 2 Satz 1 Nr. 3 Buchst. a und c GVG).
Die Ermittlungen haben keine Anhaltspunkte fÃ¼r weitere Tatbeteiligte oder eine Einbindung des Angeschuldigten in eine terroristische Vereinigung ergeben.
Am Abend des 1. MÃ¤rz 2011 stieÃŸ der Angeschuldigte im Internet auf ein jihadistisches Propagandavideo Ã¼ber angebliche Vergewaltigungen muslimischer Frauen durch auslÃ¤ndische Soldaten. Dies lÃ¶ste bei ihm am Vormittag des 2. MÃ¤rz 2011 den Entschluss aus, am Frankfurter Flughafen mÃ¶glichst viele US-Soldaten mit dem Einsatzziel Afghanistan zu tÃ¶ten. Die Auswahl seiner Opfer beruhte allein auf deren ZugehÃ¶rigkeit zu den US-StreitkrÃ¤ften und war damit willkÃ¼rlich.
Am frÃ¼hen Nachmittag des Tattages fuhr der Angeschuldigte mit Ã¶ffentlichen Verkehrsmitteln zum Flughafen und hielt nach mÃ¶glichen Opfern Ausschau. In seinem Rucksack fÃ¼hrte er eine Pistole und ein Messer mit, in einer Bauchtasche neben einem weiteren Messer ein Magazin mit zwÃ¶lf Patronen und zehn weitere einzelne Patronen. Gegen 14.45 Uhr beobachtete er bei der GepÃ¤ckausgabe in der Halle D des Terminals 2 zwei US-amerikanische Soldaten, die mit ihrem GepÃ¤ck den Ankunftsbereich verlieÃŸen. Er folgte ihnen bis zum Ausgang der Halle E, vor dem ein Bus der US-LuftstreitkrÃ¤fte wartete. Nach und nach erschienen insgesamt 16 US-Soldaten, die ihr GepÃ¤ck in dem Bus verstauten. Kurz nach 15 Uhr bat der Angeschuldigte einen der Soldaten um eine Zigarette und fragte ihn unter diesem Vorwand nach dem Einsatzort der Gruppe. Nachdem dieser ihm bestÃ¤tigt hatte, dass sie AngehÃ¶rige der US-LuftstreitkrÃ¤fte und auf dem Weg nach Afghanistan seien, drehte sich der Angeschuldigte um, fÃ¼hrte das Magazin verdeckt in seinem Rucksack in die Pistole ein und lud die Waffe durch.
Nachdem er abgewartet hatte, bis die unbewaffneten Soldaten fast vollstÃ¤ndig eingestiegen waren, setzte er sein Vorhaben in die Tat um. Er schoss einem 25-jÃ¤hrigen Soldaten, der neben dem Bus stand, aus einer Entfernung von etwa eineinhalb Metern hinterrÃ¼cks in den Kopf. Der Soldat erlag seinen Verletzungen noch am Tatort. Unmittelbar danach stieg der Angeschuldigte in den Bus und tÃ¶tete einen 21-jÃ¤hrigen Soldaten auf dem Fahrersitz mit einem Kopfschuss. Mit dem wiederholten Ruf â�žAllahu Akbarâ�œ (â�žGott ist groÃŸâ�œ) schoss er sodann auf Kopf und KÃ¶rper zweier im Gang stehender Soldaten im Alter von 21 und 25 Jahren. Deren Leben konnte durch Notoperationen gerettet werden. In Folge der Verletzungen erblindete einer der Soldaten auf einem Auge. Danach zielte der Angeschuldigte aus nÃ¤chster NÃ¤he auf den Kopf eines 22-jÃ¤hrigen Soldaten, der sich zwischen zwei Sitzreihen geduckt hatte, und betÃ¤tigte zweimal den Abzug. Da die Pistole Ladehemmung hatte, konnte er allerdings keine weiteren SchÃ¼sse abgeben und sein Anschlagsvorhaben nicht fortfÃ¼hren. Verfolgt von einem US-Soldaten flÃ¼chtete er aus dem Bus in das FlughafengebÃ¤ude, wo er von zwei Beamten der Bundespolizei festgenommen wurde.
Auf Antrag der Bundesanwaltschaft erlieÃŸ der Ermittlungsrichter des Bundesgerichtshofs am 3. MÃ¤rz 2011 Haftbefehl gegen den Angeschuldigten (vgl. Pressemitteilung Nr. 9/2011 vom 4. MÃ¤rz 2011). Seitdem befindet er sich in Untersuchungshaft.