Source: https://www.parlament.gv.at/PAKT/VHG/XXV/ME/ME_00247/fnameorig_565157.html
Timestamp: 2017-10-22 07:23:57
Document Index: 353625188

Matched Legal Cases: ['Art. 9', '§ 9', '§ 9', '§ 9', 'Art. 10', 'Art. 10', 'Art. 10', '§ 9', '§ 9', '§ 9', '§ 9', '§ 31', '§ 37', '§ 31', '§ 15', 'EuG', '§ 21', '§ 49', '§ 7', '§ 11', '§ 15', '§ 169', '§ 9', '§ 44', '§ 21']

Art. 9 Abs. 2 der Richtlinie 2009/103/EG über die Kraftfahrzeug-Haftpflichtversicherung und die Kontrolle der entsprechenden Versicherungspflicht, ABl. Nr. L 263 vom 7.10.2009, S. 11, sieht vor, dass alle fünf Jahre ab dem 11. Juni 2005 die Mindestdeckungssummen für Personen- und Sachschäden anhand des in der Verordnung (EG) Nr. 2494/95 über harmonisierte Verbraucherpreisindizes, ABl. Nr. L 257 vom 27.10.1995 S. 1 (nunmehr Verordnung [EU] 2016/792 des Europäischen Parlaments und des Rates über harmonisierte Verbraucherpreisindizes und den Häuserpreisindex, ABl. Nr. L 135 vom 24. Mai 2016, S. 11), genannten Europäischen Verbraucherpreisindex (EVPI) überprüft und die Beträge automatisch angepasst werden. Die Versicherungssummen werden um die im EVPI für den betreffenden Zeitraum angegebene prozentuale Änderung erhöht und auf ein Vielfaches von 10 000 Euro aufgerundet. Die Kommission unterrichtet das Europäische Parlament und den Rat über die angepassten Beträge und sorgt für deren Veröffentlichung im Amtsblatt der Europäischen Union.
Die Europäische Kommission hat mit Mitteilung vom 10. Mai 2016 (COM [2016] 246 final) den Mitgliedstaaten bekannt gegeben, dass sich der EVPI im Zeitraum 11. Juni 2010 bis 11. Juni 2015 um 8,36 % erhöht hat, und dementsprechend folgende Beträge für die Mindestversicherungssummen vorgegeben; für Personenschäden erfolgt eine Erhöhung (von 1 120 000 Euro) auf 1 220 000 Euro je Unfallopfer bzw. (von 5 600 000 Euro) auf 6 070 000 Euro je Schadensfall sowie für Sachschäden (von 1 120 000 Euro) auf 1 220 000 Euro.
Entsprechend dieser Valorisierung sollen mit dem vorliegenden Entwurf – wie zuletzt mit der Novelle BGBl. I Nr. 138/2011 – die Pauschalversicherungssummen des § 9 Abs. 3 sowie die Summen für Personen- und Sachschäden des § 9 Abs. 4 KHVG 1994 im Sinn der unionsrechtlichen Vorgaben erhöht werden. Um die bestehenden Relationen zu wahren, sollen alle Mindestversicherungssummen in § 9 KHVG 1994 auf entsprechend runde Summen angepasst werden. Gleichzeitig ist eine Erhöhung der Haftungshöchstbeträge im EKHG sowie in denjenigen Haftpflichtgesetzen, die sich betragsmäßig an den in der Verkehrshaftpflicht maßgeblichen Summen orientieren, vorzunehmen. Dies gilt für das Reichshaftpflichtgesetz, für das Gaswirtschaftsgesetz 2011 und für das Rohrleitungsgesetz.
Der vorliegende Entwurf stützt sich auf Art. 10 Abs. 1 Z 6 B-VG („Zivilrechtswesen“), Art. 10 Abs. 1 Z 9 B-VG („Kraftfahrwesen“) und Art. 10 Abs. 1 Z 11 B-VG („Vertragsversicherungswesen“).
Zu Artikel 1 (Änderung des KHVG 1994)
Zu Z 1 bis 13 (§ 9 Abs. 3 bis 6):
Entsprechend der Systematik des § 9 KHVG 1994, der als Mindestdeckungssummen Pauschalsummen vorsieht, soll die unionsrechtliche Erhöhung der Mindestversicherungssummen im österreichischen Recht nachvollzogen werden. Ausgangsbasis für die Berechnung der erhöhten Summen sind dabei nicht die Beträge, die die Kommission ihrer Mitteilung zugrunde gelegt hat, sondern die zuletzt vor fünf Jahren (BGBl. I Nr. 138/2011) valorisierten Beträge im österreichischen Recht, die schon damals etwas über den unionsrechtlich vorgegebenen Mindestsummen lagen. Die Pauschalsummen in § 9 sollen mit diesem Entwurf um die Steigerung des EVPI (8,36 %) erhöht und – wie unionsrechtlich vorgesehen – aufgerundet werden. Damit soll die schon bei der letzten Novelle angewandte Valorisierungsmethode beibehalten werden.
Um das bisherige Verhältnis der von der Erhöhung betroffenen Beträge zu wahren, sollen auch die von den unionsrechtlichen Vorgaben nicht unmittelbar betroffenen restlichen Mindestversicherungssummen des § 9 KHVG 1994, wie etwa die Beträge für bloße Vermögensschäden oder für Fahrzeuge, mit denen gefährliche Güter transportiert werden, entsprechend angehoben werden.
Zu Z 14 bis 16 (§ 31b):
Mit der Richtlinie 2009/103/EG wurden alle früheren Richtlinien über die Kfz-Haftpflichtversicherung (Richtlinie 72/166/EWG vom 24. April 1972 betreffend die Angleichung der Rechtsvorschriften der Mitgliedstaaten bezüglich der Kraftfahrzeug-Haftpflichtversicherung und der Kontrolle der entsprechenden Versicherungspflicht [ABl. Nr. L 103 vom 2. Mai 1972, S. 1], Richtlinie 84/5/EWG vom 30. Dezember 1983 betreffend die Angleichung der Rechtsvorschriften der Mitgliedstaaten bezüglich der Kraftfahrzeug-Haftpflichtversicherung [ABl. Nr. L 8 vom 11. Jänner 1984, S. 17], Richtlinie 90/232/EWG vom 14. Mai 1990 zur Angleichung der Rechtsvorschriften der Mitgliedstaaten über die Kraftfahrzeug-Haftpflichtversicherung [ABl. Nr. L 129 vom 19. Mai 1990, S. 33], Richtlinie 2000/26/EG vom 16. Mai 2000 zur Angleichung der Rechtsvorschriften der Mitgliedstaaten über die Kraftfahrzeug-Haftpflichtversicherung, und zur Änderung der Richtlinien 73/239/EWG und 88/357/EWG des Rates [ABl. Nr. L 181 vom 20. Juli 2000, S. 65] und Richtlinie 2005/14/EG vom 11. Mai 2005 zur Änderung der Richtlinien 72/166/EWG, 84/5/EWG, 88/357/EWG und 90/232/EWG des Rates sowie der Richtlinie 2000/26/EG des Europäischen Parlaments und des Rates über die Kraftfahrzeug-Haftpflichtversicherung [ABl. Nr. L 149 vom 11. Juni 2005, S. 14]) kodifiziert und zusammengefasst.
Daher sollen die Verweise auf Bestimmungen der Richtlinie 2000/26/EG dahingehend abgeändert werden, dass das Gesetz auf die entsprechenden Bestimmungen der Richtlinie 2009/103/EG verweist.
Zu Z 17 (§ 37a Abs. 12):
Die Änderungen sollen mit Ablauf des Jahres 2016 in Kraft treten; die erhöhten Mindestversicherungssummen gelten daher ab 1. Jänner 2017. Da es sich bei den Änderungen in § 31b nur um Zitatanpassungen handelt, ist eine Übergangsbestimmung nicht notwendig.
Zu Artikel 2 (Änderung des EKHG)
Zu Z 1 bis 7 (§§ 15 Abs. 1 Z 1 und 2, Abs. 3 Z 1 bis 3, 16 Abs. 1 Z 1 und 2):
Wie schon im Allgemeinen Teil der Erläuterungen ausgeführt, sollen auf Grund der Erhöhung der Mindestversicherungssummen im KHVG 1994 auch die Haftungshöchstbeträge des EKHG angehoben werden. Die Risiken aus der Gefährdungshaftung finden damit auch weiterhin in den Mindestversicherungssummen Deckung (vgl. Entscheidung des EuGH in der Rechtssache C-348/98 vom 14. September 2000, Ferreira vs. Seguros Mundial, SlgNr 2000 S. I-06711, wonach die Höchstsummen der Gefährdungshaftung nicht unter den Mindestversicherungssummen in der Kraftfahrzeug-Haftpflichtversicherung liegen dürfen).
Zu Z 8 (§ 21 Abs. 6):
Die nach dem Vorbild der Mindestversicherungssummen erhöhten Haftungshöchstbeträge sollen für Unfälle, die sich nach dem 31. Dezember 2016 ereignet haben, gelten.
Zu den Artikeln 3, 4 und 5 (Änderung des Gaswirtschaftsgesetzes 2011, Reichshaftplichtgesetzes und des Rohrleitungsgesetzes)
Die Haftungshöchstbeträge des § 49 Abs. 1 Z 1 GWG 2011, der §§ 7a, 7b ReichshaftpflichtG und des § 11 Abs. 1 Z 1 RohrleitungsG entsprechen den in der Verkehrshaftpflicht maßgeblichen Beträgen. Durch die Anpassungen in den §§ 15, 16 EKHG ist auch eine Anpassung der in den angeführten Bestimmungen genannten Beträgen notwendig.
In § 169 Abs. 5 GWG 2011, § 9f ReichshaftpflichtG und § 44 Abs. 1f RohrleitungsG werden jeweils nach dem Vorbild des § 21 Abs. 6 EKHG Übergangsbestimmungen vorgesehen.