Source: https://www.rechtslupe.de/strafrecht/betrug-und-seine-verjaehrung-3103591
Timestamp: 2019-10-18 09:08:38
Document Index: 316945212

Matched Legal Cases: ['§ 78', '§ 263', '§ 78', '§ 78', 'BGH', 'BGH', '§ 78', 'BGH', 'BGH']

Betrug – und sei­ne Ver­jäh­rung | Rechtslupe
Betrug – und sei­ne Ver­jäh­rung
Die fünf­jäh­ri­ge Ver­jäh­rungs­frist des § 78 Abs. 3 Nr. 4 StGB i.V.m. § 263 Abs. 1 StGB beginnt nach § 78a Satz 1 StGB, sobald die Tat been­det ist.
Beim Betrug ist dafür nach der stän­di­gen Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs die Erlan­gung des letz­ten vom Tat­plan umfass­ten Ver­mö­gens­vor­teils maß­geb­lich 1.
Im vor­lie­gen­den Fall ver­äu­ßer­te der Ange­klag­te über von ihm kon­trol­lier­te Fir­men Immo­bi­li­en zu über­höh­ten Prei­sen. Die Käu­fer ver­füg­ten jeweils nicht über hin­rei­chen­de Eigen­mit­tel und Ein­künf­te zur Auf­nah­me eines Kre­di­tes zum Erwerb der Woh­nun­gen. Der Ange­klag­te spie­gel­te den Mit­ar­bei­tern der finan­zie­ren­den Bau­spar­kas­sen durch Vor­la­ge unrich­ti­ger Unter­la­gen die Boni­tät der Dar­le­hens­neh­mer vor, wor­auf es zum Abschluss der Dar­le­hens­ver­trä­ge und zur Aus­zah­lung der Valu­ta auf ein Ander­kon­to des beur­kun­den­den Notars kam. Von die­sem Notarand­er­kon­to wur­den die Dar­le­hens­be­trä­ge an die vom Ange­klag­ten und den Käu­fern benann­ten Per­so­nen und Unter­neh­men aus­ge­zahlt. Dar­auf kam es dem Ange­klag­ten an.
Die vom Ange­klag­ten erstreb­te Berei­che­rung bestand in der Aus­zah­lung der Dar­le­hens­va­lu­ta an die von ihm benann­ten Emp­fän­ger, so dass die Ver­jäh­rung mit der voll­stän­di­gen Aus­zah­lung des Dar­le­hens­be­tra­ges vom Notarand­er­kon­to an die vom Ange­klag­ten ange­ge­be­nen Per­so­nen und Unter­neh­men begann.
Der Auf­fas­sung, die Been­di­gung der Tat sei erst mit der Grund­buch­ein­tra­gung der jewei­li­gen Käu­fer als Eigen­tü­mer ein­ge­tre­ten, ver­mag der Bun­des­ge­richts­hof nicht zu fol­gen. Dabei kann dahin­ste­hen, ob vom Been­di­gungs­be­griff des § 78a Satz 1 StGB auch Ver­de­ckungs­hand­lun­gen, die nicht Merk­ma­le des objek­ti­ven oder sub­jek­ti­ven Tat­be­stands erfül­len, erfasst sein kön­nen, wenn sie Teil des Tat­plans sind, in zeit­li­chem Zusam­men­hang mit der Plan­ver­wirk­li­chung ste­hen und dadurch die erlang­te Beu­te gesi­chert wer­den soll 2. Denn die Eigen­tums­um­schrei­bung auf die Käu­fer der Woh­nun­gen war jeden­falls kei­ne Ver­de­ckungs­hand­lung in die­sem Sin­ne. Durch die Eigen­tums­über­tra­gung ist weder ein Ver­hal­ten des Ange­klag­ten ver­schlei­ert oder ver­deckt wor­den noch dien­te sie der Siche­rung des Erlang­ten gegen dro­hen­de Ent­zie­hung. Zudem war der Ange­klag­te an die­ser Hand­lung nicht selbst betei­ligt und hat­te auf ihre Durch­füh­rung kei­nen Ein­fluss. Allein der Zusam­men­hang zwi­schen Voll­zug der Kauf­ver­trä­ge und den betrü­ge­risch erlang­ten Finan­zie­rungs­dar­le­hen recht­fer­tigt es nicht, für die Been­di­gung der Betrug­s­ta­ten auf die Eigen­tums­ein­tra­gung abzu­stel­len.
Maß­geb­li­cher Zeit­punkt für die Been­di­gung der Tat ist dem­nach der Zeit­punkt der Aus­zah­lung der Dar­le­hens­va­lu­ta an die Emp­fän­ger.
Besteht beim Betrug der Tat­er­folg in einer Mehr­zahl von Ereig­nis­sen, dann ist für die Been­di­gung der Zeit­punkt der Erlan­gung des letz­ten vom Tat­vor­satz umfass­ten Ver­mö­gens­vor­teils maß­ge­bend 3. In Fäl­len wie dem vor­lie­gen­den, in denen der erstreb­te Vor­teil an ver­schie­de­ne Emp­fän­ger aus­ge­zahlt wer­den soll, beginnt die Ver­jäh­rung daher mit der Aus­zah­lung des letz­ten; vom Ange­klag­ten erstreb­ten Teil­be­tra­ges an den von ihm bestimm­ten Emp­fän­ger.
Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 18. Novem­ber 2015 – 4 StR 76/​15
BGH, Beschlüs­se vom 22.01.2004 – 5 StR 415/​03, Stra­Fo 2004, 215; vom 25.04.2014 – 1 StR 13/​13, BGHSt 59, 205, 217; vom 21.05.1992 – 4 StR 577/​91, wis­tra 1992, 253, 254[↩]
vgl. OLG Schles­wig, OLGR Schles­wig, 2007, 251, 253; LK-StG­B/­Schmid, 12. Aufl., § 78a Rn. 4[↩]
BGH, Beschlüs­se vom 25.04.2014 – 1 StR 13/​13, BGHSt 59, 205, 217; und vom 22.01.2004 – 5 StR 415/​03, Stra­Fo 2004, 215[↩]
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