Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Text=BVerwGE%2078,%20101
Timestamp: 2019-10-14 17:04:27
Document Index: 37446257

Matched Legal Cases: ['§ 18', '§ 45', '§ 20', '§ 20', '§ 45', '§ 44', '§ 20', '§ 20', '§ 45', '§ 20', '§ 20', '§ 53', '§ 20', '§ 20', '§ 45', 'Art. 11', '§ 1', '§ 53', '§ 50', '§ 45', '§ 50', '§ 45', '§ 48', '§ 50', '§ 20', '§ 20', '§ 45', '§ 53', '§ 20', '§ 35', '§ 41', '§ 42', '§ 42', '§ 53', '§ 53', '§ 50', '§ 20', '§ 48', '§ 50', '§ 53', '§ 20', '§ 48', '§ 48', '§ 20', '§ 421', '§ 53']

BVerwG, 17.09.1987 - 5 C 26.84 - dejure.org
https://dejure.org/1987,115
BVerwG, 17.09.1987 - 5 C 26.84 (https://dejure.org/1987,115)
BVerwG, Entscheidung vom 17.09.1987 - 5 C 26.84 (https://dejure.org/1987,115)
BVerwG, Entscheidung vom 17. September 1987 - 5 C 26.84 (https://dejure.org/1987,115)
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VG Hamburg, 03.08.1982 - 11 VG 3304/81
OVG Hamburg, 11.11.1983 - Bf I 88/82
BVerwG, 21.08.1984 - 5 C 26.84
BVerwG, 12.10.1984 - 5 C 26.84
BVerwGE 78, 101
NVwZ 1988, 829
FamRZ 1988, 328
DÖV 1988, 389
Auch die Frage, ob ein atypischer Ausnahmefall vorliegt, bei dem der Verwaltung ein Rechtsfolgenermessen eröffnet ist, unterliegt in vollem Umfang der gerichtlichen Nachprüfung (stRspr, BVerwG, Urteile vom 17. September 1987 - 5 C 26.84 - BVerwGE 78, 101 , vom 10. September 1992 - 5 C 80.88 - Buchholz 436.61 § 18 SchwbG Nr. 6 = juris Rn. 18 und vom 22. November 2005 - 1 C 18.04 - BVerwGE 124, 326 ) und ist in diesem Sinne im ersten Schritt eine rechtlich gebundene Entscheidung.
a) Die auf § 45 Abs. 1 und 4 SGB X gestützte Rücknahme eines von Anfang an rechtswidrigen Bewilligungsbescheides mit Wirkung für die Vergangenheit steht im Ermessen der Ämter für Ausbildungsförderung (vgl. Urteile vom 17. September 1987 - BVerwG 5 C 26.84 - BVerwGE 78, 101 = Buchholz 436.36 § 20 BAföG Nr. 27 S. 13 und - BVerwG 5 C 16.86 - Buchholz 436.36 § 20 BAföG Nr. 29 S. 26; s.a. BSG…, Urteil vom 17. Oktober 1990 - 11 RAr 3/88 - SozR 3-1300 § 45 Nr. 5).
Durch diese Streichung und den ausdrücklichen Hinweis auf die §§ 44 bis 50 SGB X in § 20 Abs. 1 Satz 1 BAföG wurde klargestellt, dass die Aufhebung der Bewilligungsbescheide und die Erstattung der Förderungsleistungen in den von § 20 Abs. 1 Nr. 3 und 4 SGB X nicht erfassten Fällen fortan dem Regelungsregime des Zehnten Buches Sozialgesetzbuch unterstehen und somit an die dort normierten Voraussetzungen und Grundsätze gebunden sind (vgl. Urteile vom 17. September 1987 - BVerwG 5 C 26.84 - a.a.O. bzw. S. 12 und - BVerwG 5 C 16.86 - a.a.O. S. 25).
In den Fällen des § 45 Abs. 1 und 4 SGB X ("darf") steht die Rücknahme stets im Ermessen der Ämter für Ausbildungsförderung (vgl. Urteile vom 17. September 1987 - BVerwG 5 C 26.84 - BVerwGE 78, 101 = Buchholz 436.36 § 20 BAföG Nr. 27 S. 13 und - BVerwG 5 C 16.86 - Buchholz 436.36 § 20 BAföG Nr. 29 S. 26).
Nichts anderes folgt aus den Urteilen des Senats vom 17. September 1987 - BVerwG 5 C 26.84 und 5 C 16.86 - (…jeweils a.a.O.).
Denn die Reichweite des § 53 BAföG in der bis zum Inkrafttreten des 10. BAföG -Änderungsgesetzes vom 16. Juni 1986 (BGBl. I S. 897) geltenden Fassung war - wie der Senat bereits entschieden hat (Urteil vom 17. September 1987 - BVerwG 5 C 26.84 - [BVerwGE 78, 101/108]) - auf die Fälle beschränkt, in denen es nicht um die Erstattung von Förderungsleistungen ging, ein Bewilligungsbescheid vielmehr wegen der im Laufe des Bewilligungszeitraumes eingetretenen Änderung eines für die Leistung von Ausbildungsförderung maßgeblichen Umstandes zugunsten des Auszubildenden oder zu seinen Ungunsten, aber mit Wirkung nur für die Zukunft zu ändern war.
Vor dem Inkrafttreten des Sozialgesetzbuches - Verwaltungsverfahren - (SGB-VwVf) vom 18. August 1980 (BGBl. I S. 1469, ber. S. 2218) war in Erstattungsfällen allein § 20 BAföG die Rechtsgrundlage für die Aufhebung von Bewilligungsbescheiden (BVerwGE 78, 101 [108]).
Aus dieser Zielsetzung hat der erkennende Senat in seinem bereits mehrfach zitierten Urteil vom 17. September 1987 (BVerwGE 78, 101 [105]) die Folgerung gezogen, daß die Aufhebungstatbestände des § 20 Abs. 1 Nrn. 1 und 2 BAföG a.F. durch die entsprechenden Regelungen in den §§ 45 und 48 SGB X ersetzt worden sind.
Dafür, daß der Gesetzgeber mit Art. 11 § 1 Nr. 2 SGB-VwVf den Vertrauensschutz des Auszubildenden gegenüber dem bis dahin geltenden Rechtszustand verschlechtern wollte, fehlt es an jedem Anhaltspunkt (vgl. BVerwGE 78, 101 [110]).
Denn wie der Senat in seinem Urteil vom 17. September 1987 (BVerwGE 78, 101 [108 ff.]) eingehend dargelegt hat, war aus § 53 BAföG in seiner bis zum Inkrafttreten des 10. BAföG -Änderungsgesetzes geltenden Fassung kein Beitrag zu der hier interessierenden Vertrauensschutzproblematik zu entnehmen, weil die Reichweite dieser Bestimmung auf Fälle beschränkt war, in denen außerhalb des Bereichs der Leistungserstattung Bewilligungsbescheide zugunsten des Auszubildenden oder zu seinen Ungunsten, aber mit Wirkung nur für die Zukunft geändert werden.
Erstattungsanspruch nach § 50 Abs. 2 SGB X; -, entsprechende Anwendung der §§ 45, …
Soweit § 50 Abs. 2 Satz 2 SGB X mit der Anordnung der entsprechenden Geltung der §§ 45 und 48 SGB X den Weg in eine Ermessensentscheidung eröffnet, kann sich dies bei Vorliegen der Voraussetzungen des § 48 Abs. 1 Satz 2 SGB X - hier der Nr. 4 dieser Bestimmung -, wonach der Verwaltungsakt mit Wirkung vom Zeitpunkt der Änderung der Verhältnisse aufgehoben - bzw. im Falle der entsprechenden Anwendung nach § 50 Abs. 2 Satz 2 SGB X die Leistung zurückgefordert - werden soll, nur in atypischen Fällen auswirken, während für den Regelfall von einer insoweit gebundenen Entscheidung auszugehen ist (vgl. nur BVerwGE 78, 101 = Buchholz 436.36 § 20 BAföG Nr. 27;… BSG SozR 3-5870 § 20 BKGG Nr. 3).
Zwar hatte das Bundesverwaltungsgericht nach Inkrafttreten des Zehnten Buches Sozialgesetzbuch - Verwaltungsverfahren - die Rücknahme und Aufhebung von Bewilligungsbescheiden als Voraussetzung für die Rückforderung geleisteter Förderungsbeträge zunächst grundsätzlich nach den §§ 45 und 48 SGB X beurteilt und angenommen, dass § 53 BAföG auf Fälle "außerhalb des Bereiches der Leistungserstattung" beschränkt sei (vgl. BVerwG, Urteile vom 17. September 1987 - 5 C 26.84 - BVerwGE 78, 101 und vom 24. September 1981 - 5 C 87.79 - Buchholz 436.36 § 20 BAföG Nr. 13).
Dies ist insbesondere dann der Fall, wenn der Verwaltungsakt ein auf Dauer berechnetes oder in seinem Bestand von ihm abhängiges Rechtsverhältnis begründet oder inhaltlich verändert (vgl. auch BVerwGE 78, 101 (111) [BVerwG 17.09.1987 - 5 C 26/84]).
Nach der Systematik des Gesetzes gehört auch das Fehlen der erforderlichen Begründung (vgl dazu § 35 und § 41 SGB X) zu den Verfahrens- und Formfehlern iS von § 42 SGB X. Durch Umkehrschluß aus der Vorschrift des § 42 Satz 2 SGB X ist zu schließen, daß - abgesehen von der unterbliebenen Anhörung - kein Verfahrens- und Formfehler, auch nicht das Unterlassen der erforderlichen Begründung eines Verwaltungsakts, allein die Aufhebung rechtfertigt (im Ergebnis ebenso BVerwGE 78, 101, 113 f).
Nach § 53 Satz 2 BAföG richten sich die sich aus Bescheidsänderungen nach § 53 Satz 1 BAföG ergebenden Erstattungen nach § 50 SGB X. Dasselbe gilt für Bescheidsaufhebungen nach § 20 Abs. 1 BAföG in Verbindung mit § 48 SGB X. Die Pflicht zur Erstattung folgt nach § 50 Abs. 1 SGB X zwingend aus der Aufhebung des Bewilligungsbescheides als rechtfertigendem Leistungsgrund (vgl. BVerwGE 78, 101 (114) [BVerwG 17.09.1987 - 5 C 26/84]).
In jedem Fall war der Beklagte gehalten, die Bewilligungsbescheide vom 27. Mai und 28. September 1983 vom Beginn des auf den Eintritt der Änderung folgenden Monats an, d. h. mit Wirkung vom 1. Juli 1983 (vgl. einerseits § 53 Satz 1 Nr. 2 BAföG, andererseits § 20 Abs. 1 BAföG, der auch für die Aufhebung von Förderungsbescheiden nach § 48 SGB X gilt - vgl. BVerwGE 78, 101 (106 f.) [BVerwG 17.09.1987 - 5 C 26/84]), aufzuheben.
Eine Ermessensentscheidung über die Aufhebung scheidet auch bei § 48 Abs. 1 Satz 2 SGB X aus, da sie nur beim Vorliegen einer atypischen Fallgestaltung möglich und notwendig gewesen wäre (vgl. BVerwGE 78, 101 (105) [BVerwG 17.09.1987 - 5 C 26/84]).
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