Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Gericht=BGH&Datum=19.05.1988&Aktenzeichen=III%20ZR%2032/87
Timestamp: 2020-04-01 05:26:39
Document Index: 32139765

Matched Legal Cases: ['BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 839', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 254', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 839', 'BGH', 'BGH', '§ 19', 'BGH', 'BGH', 'BGH']

BGH, 19.05.1988 - III ZR 32/87 - dejure.org
https://dejure.org/1988,416
BGH, 19.05.1988 - III ZR 32/87 (https://dejure.org/1988,416)
BGH, Entscheidung vom 19.05.1988 - III ZR 32/87 (https://dejure.org/1988,416)
BGH, Entscheidung vom 19. Mai 1988 - III ZR 32/87 (https://dejure.org/1988,416)
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Pflicht des Amtsträgers zur umfassenden Erforschung des Sachverhalts vor einer hoheitlichen Maßnahme
Amtsmaßnahme - Amtspflichtverletzung - Kündigungsschutz - Dritte
NJW 1989, 99
NJW-RR 1989, 91 (Ls.)
MDR 1988, 1035
VersR 1988, 963
Den genannten Pflichten ist die Amtspflicht zur ordnungsgemäßen Sachverhaltsaufklärung vor den Eingriffen in fremde Rechtsstellungen vorgeschaltet: Jeder Amtsträger hat die Pflicht, vor einer hoheitlichen Maßnahme, die geeignet ist, einen anderen in seinen Rechten zu beeinträchtigen, den Sachverhalt im Rahmen des Zumutbaren so umfassend zu erforschen, dass die Beurteilungs- und Entscheidungsgrundlage nicht in wesentlichen Punkten zum Nachteil des Betroffenen unvollständig bleibt (vgl. BGH, Urt. v. 19.05.1988 - III ZR 32/87 [juris Tz. 12];… Urt. v. 21.12.1964 - III ZR 165/63 [juris Tz. 44] und Jauernig - Teichmann, BGB, 15. Aufl. 2013, § 839 Rn. 9).
Der erforderliche haftungsrechtliche Zusammenhang kann fehlen, wenn der Geschädigte selbst in völlig ungewöhnlicher oder unsachgemäßer Weise in den schadensträchtigen Geschehensablauf eingreift und eine weitere Ursache setzt, die den Schaden endgültig herbeiführt (BGH, Urt. v. 19. Mai 1988 - III ZR 32/87, NJW 1989, 99, 100; v. 16. Januar 1990 - VI ZR 170/89, VersR 1990, 495, 496; v. 16. Januar 1992 - III ZR 197/90, WM 1992, 956, 958 m.w.N).
Dabei sind die Erfolgsaussichten des Geschädigten im Falle einer gerichtlichen Entscheidung und sein Interesse an einer raschen Streitbeendigung zu berücksichtigen (BGH, Urt. v. 19. Mai 1988 a.a.O.).
Jeder Amtsträger hat die Pflicht, vor einer hoheitlichen Maßnahme, die geeignet ist, einen anderen in seinen Rechten zu beeinträchtigen, den Sachverhalt im Rahmen des Zumutbaren so umfassend zu erforschen, dass die Beurteilungs- und Entscheidungsgrundlage nicht in wesentlichen Punkten zum Nachteil des Betroffenen unvollständig bleibt (BGH, Urteil vom 19. Mai 1988 - III ZR 32/87 -, Rn. 12 m.w.N., juris).
Ob eine vergleichsweise Erledigung des Rechtsstreits als verschuldete "Nichtabwendung" des Schadens iSd. § 254 Abs. 2 Satz 1 BGB zu werten ist, hängt von den Umständen des Einzelfalls ab, insbesondere von der Erfolgsaussicht der Klage und dem Interesse des Geschädigten an der alsbaldigen Streitbeendigung (vgl. BGH 19. Mai 1988 - III ZR 32/87 - NJW 1989, 99).
In der Rechtsprechung ist dies angenommen worden, wenn der Geschädigte infolge des haftungsbegründenden Ereignisses in eine rechtliche Auseinandersetzung mit einem Dritten geraten ist, sie durch Vergleich beendet und die vergleichsweise übernommene Verpflichtung den Schaden darstellt (z.B. BGH, Urt. v. 19.5.1988 - III ZR 32/87, NJW 1989, 99, 100;… Urt. v. 7.1.1993 - IX ZR 199/91, NJW 1993, 1587, 1589).
Der erforderliche Zurechnungszusammenhang wird allerdings zu verneinen sein, wenn die Maßnahme des Verletzten zwar durch den zum Ersatz verpflichtenden Umstand veranlaßt worden war, aber außerhalb aller diskutablen Dispositionen steht, so daß sie seinem Risikobereich zuzurechnen ist (vgl. Senatsurteil vom 19. Mai 1988 - III ZR 32/87 - VersR 1988, 963 - zum Abdruck vorgesehen in BGHR BGB § 839 Abs. 1 S. 1 - Zurechnungszusammenhang 1; ferner BGHZ 101, 215 …und Urteil vom 29. Oktober 1987 - IX ZR 181/86 - WM 1988, 337 = BGHR BNotO § 19 Abs. 1 - Schaden 1).
Danach mag in außergewöhnlichen Fällen eine Unterbrechung des Zurechnungszusammenhangs durch den Abschluß eines Vergleichs in Betracht kommen, wenn der Geschädigte damit den Schaden erst eigentlich herbeiführt (vgl. BGH, Urteil vom 19. Mai 1988 - III ZR 32/87 - VersR 1988, 963, 964 m.w.N.).
Die Beendigung einer rechtlichen Auseinandersetzung durch Vergleich kann grundsätzlich ein sachgemäßes Verhalten sein, das auf die Zurechnung des Schadens zum haftungsbegründenden Verhalten des Schuldners keinen Einfluß hat (BGH, Urt. v. 19. Mai 1988 - III ZR 32/87, NJW 1989, 99, 100).
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