Source: https://www.rechtslupe.de/zivilrecht/mindestanforderungen-ein-berufungsurteil-3142954?pk_campaign=feed&pk_kwd=mindestanforderungen-ein-berufungsurteil
Timestamp: 2019-10-17 18:37:52
Document Index: 216746685

Matched Legal Cases: ['§ 540', '§ 540', '§ 540', '§ 562', '§ 563', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH']

Min­dest­an­for­de­run­gen an ein Beru­fungs­ur­teil | Rechtslupe
Min­dest­an­for­de­run­gen an ein Beru­fungs­ur­teil
Aus einem Beru­fungs­ur­teil, gegen das die Revi­si­on statt­fin­det, muss zu erse­hen sein, von wel­chem Sachund Streit­stand das Gericht aus­ge­gan­gen ist, wel­ches Rechts­mit­tel­be­geh­ren die Par­tei­en ver­folgt haben und wel­che tat­säch­li­chen Fest­stel­lun­gen der Ent­schei­dung zugrun­de lie­gen. Feh­len sol­che Dar­stel­lun­gen, hat das Revi­si­ons­ge­richt das Urteil von Amts wegen auf­zu­he­ben und die Sache zur neu­en Ver­hand­lung und Ent­schei­dung an das Beru­fungs­ge­richt zurück­zu­ver­wei­sen. Dies gilt auch für ein Pro­to­kol­l­ur­teil 1.
Gemäß § 540 Abs. 1 Satz 1 ZPO erfor­dert das Beru­fungs­ur­teil die Bezug­nah­me auf die tat­säch­li­chen Fest­stel­lun­gen im ange­foch­te­nen Urteil mit Dar­stel­lung etwai­ger Ände­run­gen oder Ergän­zun­gen und eine kur­ze Begrün­dung für die Abän­de­rung, Auf­he­bung oder Bestä­ti­gung der ange­foch­te­nen Ent­schei­dung. Die­se Dar­le­gun­gen kön­nen bei Ver­kün­dung des Urteils im Ver­hand­lungs­ter­min zwar in das Pro­to­koll auf­ge­nom­men wer­den (§ 540 Abs. 1 Satz 2 ZPO), eine Absen­kung der an die Dar­le­gun­gen zu stel­len­den Anfor­de­run­gen ist damit aber nicht ver­bun­den. Des­halb müs­sen sich die tat­säch­li­chen Grund­la­gen der Ent­schei­dung auch im Fal­le des § 540 Abs. 1 Satz 2 ZPO aus dem Sit­zungs­pro­to­koll ein­schließ­lich der in ihm ent­hal­te­nen Bezug­nah­men so erschlie­ßen, dass eine revi­si­ons­recht­li­che Nach­prü­fung mög­lich ist 2.
Die­se Anfor­de­run­gen erfüll­te das Beru­fungs­ur­teil im hier vom Bun­des­ge­richts­hof ent­schie­de­nen Fall nicht. Die im Wesent­li­chen auf Rechts­aus­füh­run­gen beschränk­te Urteils­be­grün­dung, die weder eine Bezug­nah­me auf das Urteil ers­ter Instanz noch eige­ne Fest­stel­lun­gen zum Sachund Streit­stand oder Aus­füh­run­gen zum wei­te­ren Vor­trag der Par­tei­en in der Beru­fungs­in­stanz ent­hält, lässt in kei­ner Wei­se erken­nen, auf wel­chen kon­kre­ten Lebens­sach­ver­halt der Klä­ger sein Ersatz­be­geh­ren stützt. Soweit das Beru­fungs­ge­richt tat­säch­li­ches Vor­brin­gen der Par­tei­en erwähnt, genü­gen die­se Anga­ben ohne Kennt­nis des wei­te­ren Tat­sa­chen­stoffs nicht, um eine revi­si­ons­recht­li­che Über­prü­fung zu ermög­li­chen, ins­be­son­de­re kön­nen auch die Rechts­au­füh­run­gen des Beru­fungs­ge­richts nur in Kennt­nis der tat­säch­li­chen Urteils­grund­la­gen gewür­digt wer­den 3. Dem Urteil lässt sich zwar noch ent­neh­men, dass das Ver­mö­gen einer Betei­li­gungs­ge­sell­schaft in delikts­recht­lich rele­van­ter Wei­se ver­scho­ben wor­den sein soll. Es erschließt sich aber nicht, in wel­cher Form der Klä­ger an die­ser Gesell­schaft betei­ligt gewe­sen sein soll, auf Grund wel­cher Hand­lun­gen oder Unter­las­sun­gen die Beklag­ten für einen etwai­gen Ver­lust des Klä­gers ein­stands­pflich­tig sein sol­len und wel­chen kon­kre­ten Scha­den der Klä­ger nach sei­nem Vor­trag erlit­ten haben will. Eine revi­si­ons­recht­li­che Über­prü­fung des Urteils ist auf sol­cher Grund­la­ge nicht mög­lich 4.
Aus die­sen Grün­den ist das Beru­fungs­ur­teil von Amts wegen gem. § 562 Abs. 1, § 563 Abs. 1 Satz 1 ZPO auf­zu­he­ben und die Sache zurück­zu­ver­wei­sen 5.
Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 26. März 2019 – VI ZR 171/​18
Fort­füh­rung BGH, Urteil vom 21.02.2017 – VI ZR 22/​16, NJW 2017, 3449[↩]
st. Rspr., vgl. etwa BGH, Urtei­le vom 10.02.2004 – VI ZR 94/​03, BGHZ 158, 60, 61 f.; vom 28.09.2004 – VI ZR 362/​03, VersR 2005, 958; BGH, Urtei­le vom 19.07.2017 – VIII ZR 3/​17, NZM 2017, 732 Rn. 7 f.; vom 08.02.2006 XII ZR 57/​03, NJW 2006, 1523 Rn. 5 f. jeweils mwN[↩]
vgl. dazu BGH, Urteil vom 28.09.2004 – VI ZR 362/​03, VersR 2005, 958 f.; BGH, Urteil vom 21.09.2016 – VIII ZR 188/​15, NJW 2016, 3787 Rn. 7[↩]
zu einem par­al­le­len Sach­ver­halt und zur Zulas­sungs­fra­ge vgl. BGH, Urteil vom 13.12 2018 – IX ZR 66/​18, ZIP 2019, 380 Rn. 7, 10 ff.[↩]
st. Rspr., vgl. etwa BGH, Urtei­le vom 21.02.2017 – VI ZR 22/​16, VersR 2017, 965 Rn. 6; vom 10.02.2004 – VI ZR 94/​03, BGHZ 158, 60, 63 jeweils mwN[↩]