Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Gericht=OLG%20Frankfurt&Datum=24.06.2010&Aktenzeichen=16%20U%2014/10
Timestamp: 2019-05-20 03:39:21
Document Index: 232849124

Matched Legal Cases: ['§ 287', '§ 249', '§ 287', 'BGH', '§ 287', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH']

OLG Frankfurt, 24.06.2010 - 16 U 14/10 - dejure.org
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OLG Frankfurt, 24.06.2010 - 16 U 14/10 (https://dejure.org/2010,11565)
OLG Frankfurt, Entscheidung vom 24.06.2010 - 16 U 14/10 (https://dejure.org/2010,11565)
OLG Frankfurt, Entscheidung vom 24. Juni 2010 - 16 U 14/10 (https://dejure.org/2010,11565)
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§ 287 ZPO; § 249 BGB
Geeignetheit der sog. "Fraunhofer-Liste" als Schätzungsgrundlage für Mietwagenkosten i.R.d. § 287 ZPO; Schadensersatzanspruch aufgrund eines Verkehrsunfalls bzgl. Mietwagenkosten
BGH - VI ZR 199/10 (anhängig)
Mit den allgemeinen Einwänden gegen den Fraunhofer-Marktpreisspiegel haben sich bereits u. a. das Oberlandesgericht Köln (…Urteil vom 21.08.2009, Az. 6 U 6/09, Rn. 10 ff. = NJW-RR 2009, 1678 - zitiert nach juris), das Oberlandesgericht Frankfurt (Urteil vom 24.06.2010, Az. 16 U 14/10, Rn. 18 ff. = Schaden-Praxis 2010, 401 - zitiert nach juris) und das Oberlandesgericht Hamburg (…Urteil vom 15.05.2009, Az. 14 U 175/08, Rn. 10 ff. = RuS 2009, 299 - zitiert nach juris) ausführlich befasst und die geäußerten Bedenken als nicht gewichtig bzw. stichhaltig angesehen.
Unbeschadet dessen hat das Oberlandesgericht Frankfurt (Urteil vom 24.06.2010, Az. 16 U 14/10, Rn. 24 - zitiert nach juris) zu Recht darauf hingewiesen, dass Sondereffekte, die bei einer kurzfristigen Anmietung auf Grund eines Unfalls unvermeidbar sein mögen, nicht beim "Normaltarif", sondern gegebenenfalls im Rahmen eines Aufschlages für unfallbedingte Mehrleistungen zu berücksichtigen seien, weil anderenfalls die Mehrkosten einer kurzfristigen Anmietung wieder aus dem "Normaltarif" herausgerechnet werden müssten, wenn die Anmietung nicht kurzfristig erfolge.
Die Beschränkung auf zweistellige Postleitzahlbereiche dient nach der zugrunde liegenden Untersuchungsmethodik dazu, die statistische Relevanz der Erhebungsergebnisse sicherzustellen (…A-Marktpreisspiegel Mietwagen Deutschland 2012, S. 19) und damit statistische Ungenauigkeiten zu vermeiden, die sich aus einem kleineren Zuschnitt der Erhebungsbezirke mit einer nur geringen Anzahl von Anbietern ergeben können (vgl. OLG Frankfurt, Urteil vom 24.06.2010, 16 U 14/10).
Der Senat schließt sich insoweit für den vorliegenden Fall den für überzeugend erachteten Erwägungen des vorgelegten Urteils des 16. Zivilsenats des OLG Frankfurt vom 24.06.2010 an, indem die sog. "Fraunhofer-Liste" ist im Rahmen des § 287 ZPO als geeignete Schätzungsgrundlage für Mietwagenkosten anzusehen ( OLG Frankfurt, Urteil vom 124.6.2010,- 16 U 14/10, zitiert nach juris, Rn. 19 f. im Anschluss an OLG Köln, 21. August 2009, I-6 U 6/09, NJW-RR 2009, 1678, [OLG Köln 21.08.2009 - 6 U 6/09] (Rn.11, 19, 20).
Dies beinhaltet ein nicht unerhebliches Risiko für eine bewusst erfolgte Ergebnismanipulation aufgrund des damit verbundenen wirtschaftlichen Interesses der Autovermieter (vgl. OLG Karlsruhe NJW-RR 2012, 26, 29 [OLG Karlsruhe 11.08.2011 - 1 U 27/11] ;… OLG Köln, Urt. v. 30. Juli 2013 - 15 U 186/12, zitiert nach juris Rn. 26; OLG Frankfurt/Main Urteil vom 24.6.2010, a.a.O. Rn. 17; Woitkewitsch, MDR 2013, 437, 439 mit Fn. 33).
Vielmehr kann er von mehreren auf dem örtlich relevanten Markt - nicht nur für Unfallgeschädigte - erhältlichen Tarifen für die Anmietung eines vergleichbaren Ersatzfahrzeugs (innerhalb eines gewissen Rahmens) grundsätzlich nur den günstigeren Mietpreis ersetzt verlangen ( OLG Frankfurt , Urteil vom 24.6.2010- 16 U 14/10, zitiert nach juris, Rn. 12 unter Hinweis auf BGH, 14. Oktober 2008 - VI ZR 308/07 = VersR 2008, 1706; zuletzt; BGH, NJW 2009, 58, 58 [BGH 14.10.2008 - VI ZR 308/07] ; BGH, Beschluss vom 13. Januar 2009, VI ZR 134/08).
Dementsprechend haben sich auch verschiedene Oberlandesgerichte für die Anwendung der Fraunhofer-Liste ausgesprochen (vgl. nur OLG Hamburg…, Urteil vom 15.05.2009 (14 U 175/08), NZV 2009, 394, juris-Rdn. 10ff.; OLG Stuttgart…, Beschluss vom 03.08.2009 (7 U 94/09), DAR 2009, 705, juris-Rdn. 4; OLG Köln…, Urteil vom 21.08.2009 (6 U 6/09), NJW-RR 2009, 1678, juris-Rdn. 9; OLG Frankfurt, Urteil vom 24.06.2010 (16 U 14/10), Schaden-Praxis 2010, 401, juris-Rdn. 19f.).
Dass es beim Moduswert im Gegensatz zum arithmetischen Mittelwert zu Verzerrungen kommen kann, wenn unter einer Vielzahl individueller Angebotspreise nur zwei vollständig übereinstimmen (vgl. den Einwand des OLG Frankfurt im Urteil vom 24.06.2010 (16 U 14/10), Schaden-Praxis 2010, 401, juris-Rdn. 28), ist hinzunehmen.
Zu diesem und den übrigen Einwänden gegen die Geeignetheit der Schwacke-Liste nimmt der Senat zur Vermeidung von Wiederholungen Bezug auf die zusammenfassenden Darstellungen in den Entscheidungen des OLG Köln, NJW 2009, 1678, 1679, des OLG Karlsruhe aaO., des OLG Frankfurt/Main Schaden-Praxis 2010, 401 sowie auf Richter, NZV 2008, 321 ff., Lüthe, ZfSch 2009, 2 ff. und Woitkewitsch, MDR 2013, 437, 439 mit Fn. 33; vgl. zudem die umfassenden Fundstellen im Schriftsatz des Beklagtenvertreters vom 17.11.2011, dort S. 14).
Das Oberlandesgericht Frankfurt habe in einer Entscheidung zum Aktenzeichen 16 U 14/10 ebenfalls die Fraunhofer-Liste als Grundlage ausgewiesen.
Zunehmend wird dieser Zuschlag in der Rechtsprechung aber eher in einem Bereich von 20% als ausreichend erachtet (OLG Frankfurt Schaden-Praxis 2010, 401; OLG Köln NZV 2010, 614; OLG Karlsruhe VersR 2008, 92).
Diese der Schwacke-Liste zugrundeliegende Erhebungspraxis bietet ein nicht zu übersehendes Risiko der Manipulation der Ergebnisse durch die Autovermieter, die am Ausgang der Erhebung ein offensichtliches wirtschaftliches Interesse haben (OLG Frankfurt a.M., Urt. v. 24.06.2010, Az.: 16 U 14/10, zitiert nach juris;… OLG Frankfurt a.M., Urt. v. 26.03.2014, Az.: 17 U 150/13, zitiert nach juris; vgl. auch OLG Köln, NZV 2014, 314 f. [OLG Köln 30.07.2013 - 15 U 186/12] [OLG Köln 30.07.2013 - 15 U 186/12] ).
Ferner wird die Höhe des Abschlags durch folgende Erwägung beeinflusst: Der in entsprechenden Ausnahmefällen zu gewährende Zuschlag auf den nach der Schwacke-Liste ermittelten Normaltarif im Fall der Inanspruchnahme unfallbedingter Mehraufwendungen wurde bislang im Bereich von etwa 20% angesetzt, wie dies auch zunehmend in der Rechtsprechung als ausreichend erachtet wird (OLG Frankfurt, Schaden-Praxis 2010, 401; OLG Köln, NZV 2010, 614; OLG Karlsruhe, VersR 2008, 92).