Source: https://www.rechtslupe.de/wirtschaftsrecht/verstoesse-gegen-einen-verhaltenskodex-326815
Timestamp: 2019-12-12 01:40:28
Document Index: 277439591

Matched Legal Cases: ['§ 3', '§ 3', '§ 3', '§ 3', '§ 1', '§ 2', '§ 2', '§ 3', '§ 5', '§ 3', 'Art. 2', 'Art. 6', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 37', '§ 2', '§ 2', 'Art. 10', '§ 5']

Ver­stö­ße gegen einen Ver­hal­tens­ko­dex | Rechtslupe
Ver­stö­ße gegen einen Ver­hal­tens­ko­dex
Ein Ver­hal­ten, das gegen einen Ver­hal­tens­ko­dex eines Unter­neh­mens­ver­ban­des ver­stößt, stellt nicht bereits des­halb eine unlau­te­re geschäft­li­che Hand­lung im Sin­ne von § 3 Abs. 1 UWG dar.
Für die Fra­ge, ob ein bestimm­tes Ver­hal­ten als unlau­ter im Sin­ne von § 3 UWG 2004 bzw. § 3 Abs. 1 UWG 2008 zu beur­tei­len ist, haben Regeln, die sich ein Ver­band oder ein sons­ti­ger Zusam­men­schluss von Ver­kehrs­be­tei­lig­ten gege­ben hat, nur eine begrenz­te Bedeu­tung. Ihnen kann zwar unter Umstän­den ent­nom­men wer­den, ob inner­halb der in Rede ste­hen­den Ver­kehrs­krei­se eine bestimm­te tat­säch­li­che Übung herrscht. Aus dem Bestehen einer tat­säch­li­chen Übung folgt aber noch nicht, dass ein von die­ser Übung abwei­chen­des Verhal-ten ohne wei­te­res als unlau­ter anzu­se­hen ist. Der Wett­be­werb wür­de in be-denk­li­cher Wei­se beschränkt, wenn das Übli­che zur Norm erho­ben wür­de. Re-gel­wer­ken von (Wettbewerbs-)Verbänden kann daher allen­falls eine indi­zi­el­le Bedeu­tung für die Fra­ge der Unlau­ter­keit zukom­men, die aber eine abschlie­ßen­de Beur­tei­lung anhand der sich aus den Bestim­mun­gen des Geset­zes gegen den unlau­te­ren Wett­be­werb erge­ben­den Wer­tun­gen nicht erset­zen kann 1.
Eine an den Vor­schrif­ten des Geset­zes gegen den unlau­te­ren Wett­be­werb aus­ge­rich­te­te Bestim­mung der Unlau­ter­keit ist zudem des­halb gebo­ten, weil es ver­fas­sungs­recht­li­chen Beden­ken begeg­nen wür­de, wenn zur Aus­fül­lung der wett­be­werbs­recht­li­chen Gene­ral­klau­sel des § 3 UWG Wett­be­werbs­re­geln oder ande­re Regel­wer­ke her­an­ge­zo­gen wür­den, denen kei­ne Geset­zes­qua­li­tät zukommt 2. Im Übri­gen kommt auch die Annah­me einer (ledig­lich) indi­zi­el­len Bedeu­tung eines Ver­sto­ßes gegen selbst gesetz­te Regeln eines Ver­bands für die Fra­ge der Unlau­ter­keit nur dann in Betracht, wenn sich die aus dem fest­ge­stell­ten Kodex­ver­stoß abge­lei­te­te Regel­wid­rig­keit des betref­fen­den Ver­hal­tens gera­de auch als eine wett­be­werbs­be­zo­ge­ne, d.h. von den Schutz­zwe­cken des Geset­zes gegen den unlau­te­ren Wett­be­werb (vgl. § 1 UWG) erfass­te Unzu­läs­sig­keit erweist. Denn es ist nicht Auf­ga­be des Lau­ter­keits­rechts, alle nur denk­ba­ren Regel­ver­stö­ße im Zusam­men­hang mit geschäft­li­chen Hand­lun­gen auch lau­ter­keits­recht­lich zu sank­tio­nie­ren 3.
Auch nach Umset­zung der Richt­li­nie 2005/​29/​EG über unlau­te­re Geschäfts­prak­ti­ken sind Ver­stö­ße gegen einen Ver­hal­tens­ko­dex, zu dem sich Ver­kehrs­be­tei­lig­te ver­pflich­tet haben (vgl. § 2 Abs. 1 Nr. 5 UWG 2008), oder Ver­stö­ße gegen die fach­li­che Sorg­falt (vgl. § 2 Abs. 1 Nr. 7 UWG 2008) nicht bereits als sol­che unlau­ter (vgl. § 3 Abs. 2 Satz 1, § 5 Abs. 1 Satz 2 Nr. 6, Anhang zu § 3 Abs. 3 Nr. 1 und 3 UWG 2008 4). Auch die Richt­li­nie zieht die­sen Schluss nicht, son­dern sieht nur bestimm­te Fäl­le des Nicht­ein­hal­tens von Ver­hal­tens­ko­di­zes als unlau­ter an (vgl. Art. 2 Buchst. f und 5 Abs. 2, Art. 6 Abs. 2 Buchst. b, Anhang I Nr. 1 und 3 5).
Das Gericht darf sich bei sei­ner Beur­tei­lung daher nicht dar­auf beschrän­ken, dem Ver­stoß gegen den Kodex sei eine indi­zi­el­le Bedeu­tung für die Fra­ge der Unlau­ter­keit des bean­stan­de­ten Ver­hal­tens bei­zu­mes­sen.
Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 9. Sep­tem­ber 2010 – I ZR 157/​08 – FSA-Kodex
BGH, Urteil vom 07.02.2006 – KZR 33/​04, BGHZ 166, 154 Rn. 19 – Pro­be­abon­ne­ment[↩]
BGHZ 166, 154 Rn. 21 – Pro­be­abon­ne­ment[↩]
vgl. BGH, GRUR 2010, 654 Rn. 25 – Zweck­be­trieb[↩]
vgl. dazu fer­ner Erd­mann in Gloy/​Loschelder/​Erdmann, Hand­buch des Wett­be­werbs­rechts, 4. Aufl., § 37 Rn. 7 ff.; Köh­ler in Köhler/​Bornkamm, UWG, 28. Aufl., § 2 Rn. 115; Harte/​Henning/​Kel­ler, UWG, 2. Aufl., § 2 Rn. 152; Schmid­hu­ber WRP 2010, 593, 596[↩]
vgl. auch Art. 10 sowie Erwä­gungs­grund 20 der Richt­li­nie; vgl. dazu fer­ner Born­kamm in Köhler/​Bornkamm aaO § 5 Rn. 5.164[↩]
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