Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Text=BGHZ%2065,%20284
Timestamp: 2017-10-24 00:39:54
Document Index: 284992019

Matched Legal Cases: ['BGH', 'Art. 3', '§ 138', 'BGH', 'Art. 3', '§ 134', '§ 134', 'BGH', '§ 134', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 13', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH']

BGH, 26.11.1975 - VIII ZR 164/74 - dejure.org
Anforderungen an das Recht der öffentlichen Wasserversorgung - Voraussetzungen für eine Zuständigkeit der ordentlichen Gerichte - Anforderungen an einen Verstoß gegen den Gleichheitssatz
GG Art. 3 Abs. 1; BGB § 138
BGHZ 65, 284
NJW 1976, 709
MDR 1976, 394
DB 1976, 481
a) Die Kündigung vom 22. August 2000 verstößt gegen das in Art. 3 Abs. 1 GG zum Ausdruck kommende Willkürverbot und ist gemäß § 134 BGB nichtig (vgl. zur Anwendbarkeit des § 134 BGB auf Grundrechtsverstöße: BGHZ 65, 284, 287;… MünchKomm/Mayer-Maly/Armbrüster, BGB 4. Aufl. § 134 Rdn. 33).
Gleichwohl ist anerkannt, daß die Wasserversorgung nicht nur mit den Gestaltungsmitteln des öffentlichen Rechts, als öffentliche Einrichtung, betrieben werden kann, sondern auch als gewerbliches Unternehmen in den Formen des Privatrechts (BGHZ 17, 191, 192; 59, 303, 304 ff.; 65, 284, 285;… Hiddemann WM 1976, 1294, 1305; vgl. auch unten zu 3 a).
Der Grundsatz, wonach die Verwaltung befugt ist, Leistungsverhältnisse nach ihrem Ermessen öffentlich-rechtlich oder privatrechtlich auszugestalten (Senatsurteile BGHZ 17, 191, 192; 65, 284, 285 f), greift hier schon aus diesem Grunde nicht ein.
bb) Mit der Wasserversorgung der Allgemeinheit nimmt die Klägerin eine Aufgabe der sogenannten Daseinsvorsorge wahr, die an sich von der öffentlichen Verwaltung zu erfüllen wäre (BGH, Urteil vom 5. April 1984 - III ZR 12/83 = BGHZ 91, 84, 86 m.w.N.; Senatsurteil vom 26. November 1975 - VIII ZR 164/74 = BGHZ 65, 284, 287).
So sind von den Versorgungsunternehmen bei grundsätzlich privatrechtlicher Ausgestaltung des Vertragsverhältnisses nicht nur die Grundrechte, insbesondere der - hier allerdings nicht betroffene - Gleichheitssatz (Artikel 3 Abs. 1 GG) zu beachten (Senatsurteil vom 26. November 1975 aaO.).
Es besteht dann nicht nur eine Bindung an die Grundrechte, insbesondere an den Gleichheitssatz und das daraus folgende Willkürverbot, sondern auch an das Übermaßverbot (…BGHZ 26, 76, 80; 65, 284, 287; 91, 84, 96 f.; 93, 372, 381; BGH, Urteil vom 15. Oktober 1993 - V ZR 19/92, WM 1994, 351, 354).
Im Bereich dieses Verwaltungsprivatrechts hat die Verwaltung nicht bloß die Grundrechte, darunter auch den Gleichheitsgrundsatz, zu beachten (vgl. BGHZ 29, 76; 65, 284, 287), sondern auch das Übermaßverbot einzuhalten (BGHZ 93, 372, 381).
Doch wird, wenn der Staat sich zur Erfüllung seiner Aufgaben privatrechtlicher Gestaltungsformen bedient, lediglich die Privatrechtsordnung in einzelnen Punkten durch öffentlich-rechtliche Bindungen ergänzt, modifiziert oder überlagert, ohne daß darum das Verwaltungshandeln selbst dem öffentlichen Recht zuzuordnen wäre (sog. Verwaltungsprivatrecht); infolgedessen haben über derartige öffentlich-rechtliche Bindungen des privatrechtlichen Verwaltungshandelns die ordentlichen Gerichte im Rahmen ihrer Zuständigkeit nach § 13 GVG mitzuentscheiden (vgl. BVerwGE 35, 103 [106]; BGHZ 65, 284 [287]; 91, 84 [96 ff.]; BGH, DVBl. 1985, 793 [795]).
Im Bereich dieses Verwaltungsprivatrechts hat die Verwaltung nicht nur die Grundrechte, darunter auch den Gleichheitssatz, zu beachten (vgl. BGHZ 65, 284, 287 m. w. Nachw.), sondern ist weitergehenden Bindungen unterworfen (Senatsurteil BGHZ 91, 84, 96 ff.) [BGH 05.05.1984 - III ZR 12/83].