Source: http://m.hensche.de/Keine_ausserordentliche_betriebsbedingte_Kuendigung_bei_Verzicht_auf_ordentliche_betriebsbedingte_Kuendigung_in_Dienstvereinbarung_Caritas_ArbG_Duisburg_3Ca436-11-u.html
Timestamp: 2017-06-26 12:11:12
Document Index: 149953093

Matched Legal Cases: ['§ 2', '§ 626', '§ 626', '§ 626', '§ 626', '§ 626', '§ 626', '§ 626', '§ 626', '§ 22', '§ 626', '§ 626', '§ 626', '§ 626', '§ 1', '§ 2', '§ 626', '§ 46', '§ 91', '§ 61', '§ 3', '§ 42', '§ 63']

HENSCHE Arbeitsrecht: 3 Ca 436/11
Ein­zel­fall­ent­schei­dung zur be­triebs­be­ding­ten außer­or­dent­li­chen Kündi­gung zur Ab­wen­dung ei­ner In­sol­venz
Tat­be­stand: Die Par­tei­en strei­ten über die Wirk­sam­keit ei­ner Kündi­gung. Der 29jähri­ge, le­di­ge Kläger trat zum 1.4.2005 als Mit­ar­bei­ter der Ver­wal­tung in die Diens­te der Be­klag­ten, die ein aka­de­mi­sches Lehr­kran­ken­haus der Uni­ver­sität Düssel­dorf mit über 22 Kli­ni­ken und In­sti­tu­ten mit 1.034 Plan­bet­ten an vier Stand­or­ten mit ca. 1.785 Ar­beit­neh­mern be­treibt. Zu­letzt ver­dien­te der Kläger mo­nat­lich 2.217,19 € brut­to.
Auf das Ar­beits­verhält­nis fin­den die Richt­li­ni­en für Ar­beits­verträge in den Ein­rich­tun­gen des Deut­schen Ca­ri­tas­ver­ban­des (nach­fol­gend: AVR) An­wen­dung.
In den Jah­ren 2007 und 2008 zahl­te die Be­klag­te in Ab­stim­mung mit der Mit­ar­bei­ter­ver­tre­tung (nach­fol­gend: MAV) nicht das in den AVR an sich vor­ge­se­he­ne Weih­nachts­geld. In ei­ner Dienst­ver­ein­ba­rung vom 29.12.2009 stimm­te die MAV er­neut dem An­trag der Ar­beit­ge­be­rin zu, die Weih­nachts­geld­zah­lung für das Jahr 2009 ent­fal­len zu las­sen. Un­ter § 2 Abs. 1 wur­de wei­ter ge­re­gelt:
"Bis zum 31.12.2011 ver­zich­tet der Dienst­ge­ber auf das Recht zu ei­ner be­triebs­be­ding­ten Kündi­gung."
We­gen der Ein­zel­hei­ten wird auf die An­la­ge B 4 zur Kla­ge­er­wi­de­rung Be­zug ge­nom­men. Am 28.12.2010 un­ter­zeich­ne­ten die Be­klag­te und ih­re MAV ei­ne "Dienst­ver­ein­ba­rung über Aus­wahl­richt­li­ni­en des Per­so­nal­ab­baus in der L." und ei­ne "Dienst­ver­ein­ba­rung über ei­nen So­zi­al­plan".
In der Dienst­ver­ein­ba­rung über Aus­wahl­richt­li­ni­en wur­de un­ter Präam­bel fol­gen­des ver­ein­bart:
"Die Dienst­ge­be­rin kann ih­re vier Kran­kenhäuser T., C., W. und N. kaum wirt­schaft­lich be­trei­ben. Des­halb ha­ben die Dienst­ge­be­rin und die bei ihr ge­bil­de­te MAV be­reits am 29. De­zem­ber 2009 ei­ne Dienst­ver­ein­ba­rung über den Ver­zicht auf Weih­nachts­zu­wen­dun­gen ge­schlos­sen. Ziel war es, durch die­se Ein­spa­rung Ar­beitsplätze zu er­hal­ten und ei­nen Ab­bau der vor­han­de­nen Per­so­nalüberhänge durch be­triebs­be­ding­te Kündi­gun­gen zu ver­mei­den. Die not­wen­di­gen Per­so­nal­an­pas­sun­gen soll­ten auf natürli­chem We­ge er­reicht wer­den.
Am 21. Ok­to­ber 2010 hat die ar­beits­recht­li­che Kom­mis­si­on des Deut­schen Ca­ri­tas­ver­ban­des ei­ne Ände­rung der AVR be­schlos­sen. Die­se be­deu­tet für die Dienst­ge­be­rin er­heb­li­che Mehr­kos­ten. Sie gefähr­den die Dienst­ge­be­rin in ih­rem Be­stand. Die Geschäfts­lei­tung der Dienst­ge­be­rin hat sich des­halb ent­schlos­sen, ent­ge­gen den ursprüng­lich mit der MAV ge­trof­fe­nen Ab­spra­chen nun­mehr be­triebs­be­ding­te Kündi­gun­gen aus­zu­spre­chen.
Die MAV nimmt die Ent­schei­dung der Geschäfts­lei­tung zur Kennt­nis. lhr ist be­wusst, dass sie den Per­so­nal­ab­bau letzt­lich nicht ver­hin­dern kann. Die Dienst­ge­be­rin und die Mit­ar­bei­ter­ver­tre­tung sind nach sorgfälti­ger Prüfung der wirt­schaft­li­chen und fi­nan­zi­el­len La­ge der Ein­rich­tung und des Recht­strägers un­ter Hin­zu­zie­hung sach­kun­di­ger Per­so­nen darüber ei­nig, dass ein kurz­fris­ti­ger Per­so­nal­ab­bau zur Ver­mei­dung der kon­kre­ten Ge­fahr ei­ner In­sol­venz not­wen­dig ist."
Un­ter Nr. 2 heißt es: "Die Dienst­ge­be­rin wird die Ar­beits­verhält­nis­se von 121 Mit­ar­bei­tern schnellstmöglich aus be­triebs­be­ding­ten Gründen be­en­den. Die Dienst­ge­be­rin strebt an, die­se Be­en­di­gun­gen ein­ver­nehm­lich mit den Mit­ar­bei­tern durch Auf­he­bungs­verträge her­bei­zuführen. So­weit Kündi­gun­gen er­for­der­lich sind, wird die Dienst­ge­be­rin ge­genüber
Mit­ar­bei­tern, die un­ter den Gel­tungs­be­reich der Dienst­ver­ein­ba­rung vom 29. De­zem­ber 2009 fal­len, außer­or­dent­lich un­ter Ein­hal­tung ei­ner so­zia­len Aus­lauf­frist, die der je­wei­li­gen in den AVR vor­ge­se­he­nen Kündi­gungs­frist ent­spricht,
al­len übri­gen Mit­ar­bei­tern un­ter Ein­hal­tung der je­wei­li­gen in den AVR vor­ge­se­he­nen Kündi­gungs­frist
kündi­gen. Al­le Be­en­di­gun­gen sol­len spätes­tens zum Ab­lauf des 30. Sep­tem­ber 2011 er­folgt sein.
Der zur Ver­mei­dung der kon­kre­ten Ge­fahr ei­ner In­sol­venz not­wen­di­ge Per­so­nal­ab­bau soll nach dem Wil­len der Mit­ar­bei­ter­ver­tre­tung durch Re­ge­lun­gen in Form ei­nes Auf­he­bungs­ver­tra­ges (ggf. bei gleich­zei­ti­gem Ab­schluss ei­nes Ar­beits­ver­tra­ges mit ei­ner Trans­fer­ge­sell­schaft, sog. Drei­sei­ti­ger Ver­trag) er­reicht wer­den.
Die MAV weist in die­sem Zu­sam­men­hang auf die Dienst­ver­ein­ba­rung vom 29. De­zem­ber 2009 hin, die un­verändert gilt.
[...] Für außer­or­dent­lich be­triebs­be­ding­te Kündi­gun­gen, die durch die Dienst­ge­be­rin an­ge­sichts der In­sol­venz­ge­fahr erklärt wer­den, fehlt ei­ne höchst­rich­ter­li­che Recht­spre­chung. Die Er­folgs­aus­sich­ten ei­nes Kündi­gungs­rechts­streits sind da­mit un­ge­wiss."
We­gen der Ein­zel­hei­ten wird auf die An­la­ge B 6 zur Kla­ge­er­wi­de­rung Be­zug ge­nom­men. Mit Schrei­ben vom 25.1.2011 kündig­te die Be­klag­te das Ar­beits­verhält­nis außer­or­dent­lich be­triebs­be­dingt mit Ein­hal­tung ei­ner so­zia­len Aus­lauf­frist zum 30.6.2011, hilfs­wei­se zum nächstmögli­chen Zeit­punkt.
Mit bei Ge­richt am 14.2.2011 ein­ge­gan­ge­ner, der Be­klag­ten am 19.2.2011 zu­ge­stell­ter Kla­ge hat der Kläger die Un­wirk­sam­keit der Kündi­gung gel­tend ge­macht.
Der Kläger be­haup­tet, die Kündi­gung sei so­zi­al nicht ge­recht­fer­tigt. Ein außer­or­dent­li­cher Grund für die Kündi­gung lie­ge nicht vor. Die Mit­ar­bei­ter­ver­tre­tung sei nicht ord­nungs­gemäß an­gehört wor­den. Der Kläger be­an­tragt, fest­zu­stel­len, dass die außer­or­dent­li­che Kündi­gung vom 25.1.2011 das zwi­schen den Par­tei­en be­ste­hen­de Ar­beits­verhält­nis nicht be­en­det hat.
Die Be­klag­te be­an­tragt, die Kla­ge ab­zu­wei­sen. Die Be­klag­te be­haup­tet, die Be­en­di­gung von 121 Ar­beits­verhält­nis­sen sei die letz­te Möglich­keit ge­we­sen, die In­sol­venz ab­zu­wen­den.
Sie be­fin­de sich seit Jah­ren in ei­ner wirt­schaft­lich äußerst an­ge­spann­ten La­ge. Die Auf­recht­er­hal­tung des Kran­ken­haus­be­trie­bes sei nur auf­grund der fi­nan­zi­el­len Un­terstützung und Kre­di­te durch das Bis­tum und die Bank im Bis­tum möglich. Sie ha­be des­halb ein Zu­kunfts­kon­zept ent­wi­ckelt. Hier­zu ha­be auch die Nicht­zah­lung der Weih­nachts­gel­der für die Jah­re 2007 bis 2009 gehört. We­gen der Ein­zel­hei­ten wird auf die Dar­stel­lung ab S. 3 bis S. 8 der Kla­ge­er­wi­de­rung Be­zug ge­nom­men. Auf­grund ei­ner un­vor­her­ge­se­he­nen Ta­rif­stei­ge­rung in den AVR zum 1.1.2011, die zu Mehr­per­so­nal­kos­ten in Höhe von 5,9 Mio. € bei un­veränder­tem Per­so­nal­be­stand geführt hätte, sei das bis­he­ri­ge En­ga­ge­ment im Rah­men des eng kal­ku­lier­ten Zu­kunfts­pro­jekts in Fra­ge ge­stellt wor­den. Hier­durch sei für die Be­klag­te die kon­kre­te Ge­fahr ei­ner In­sol­venz ent­stan­den. Oh­ne Durchführung des Per­so­nal­ab­baus, zu dem auch die Kündi­gung des Klägers gehöre, wäre es am 26.1.2011 mit den für die­sen Tag vor­ge­se­he­nen Ein­mal­zah­lun­gen aus der Ent­gel­terhöhung zur Zah­lungs­unfähig­keit ge­kom­men. Vor die­sem Hin­ter­grund ha­be sich die Geschäftsführung im De­zem­ber 2010 zu ei­nem kurz­fris­ti­gen Per­so­nal­ab­bau ent­schlos­sen. Ein An­trag auf Re­duk­ti­on der Vergütung für die Beschäftig­ten sei auf­grund der mit der MAV ge­trof­fe­nen Ab­spra­chen und de­ren Hal­tung im No­vem­ber 2010 aus­sichts­los ge­we­sen. Sie ha­be zu­ge­sagt, ei­nen sol­chen An­trag nicht mehr zu stel­len. Al­le an­de­ren in Be­tracht kom­men­den Maßnah­men zur Kos­ten­er­spar­nis sei­en be­reits durch­geführt wor­den. We­gen der ein­zel­nen Maßnah­men wird Be­zug ge­nom­men auf die Dar­stel­lung ab S. 9 der Kla­ge­er­wi­de­rung. Durch die 121 Ent­las­sun­gen ha­be sie das Ver­trau­en der Ban­ken in ih­re Hand­lungsfähig­keit und ih­re Fähig­keit zur Rück­zah­lung der ihr gewähr­ten Kre­di­te wie­der­ge­won­nen, da sich das Ein­spar­po­ten­ti­al auf 4,88 Mio. € brut­to jähr­lich be­lau­fe. Des­halb sei sei­tens der Bank im Bis­tum zum 26.1.2011 der Kon­to­kor­rent­kre­dit er­wei­tert wor­den, um die Über­schul­dung zu ver­mei­den. Auch das Zu­kunfts­kon­zept rech­ne sich nun­mehr.
Bei Ände­rungskündi­gun­gen mit dem Ziel der Ent­geltab­sen­kun­gen wäre mit ei­ner Ab­wan­de­rung des Per­so­nals in an­de­re Ein­rich­tun­gen der Re­gi­on zu rech­nen ge­we­sen. Ei­ne rei­ne Kos­ten­sen­kung sei des­halb nur im Ver­wal­tungs­be­reich möglich ge­we­sen.
Die außer­or­dent­li­che Kündi­gung ha­be sie in­ner­halb von zwei Wo­chen ab Kennt­nis von der dro­hen­den In­sol­venz erklärt.
Ab dem 3.12.2010 ha­be sie mit der MAV Gespräche über den Per­so­nal­ab­bau geführt und die­se um­fas­send un­ter­rich­tet.
Die MAV sei ord­nungs­gemäß be­tei­ligt wor­den. Am 29.12.2010 ha­be sie die Mas­sen­ent­las­sungs­an­zei­ge er­stat­tet. Auf­grund ih­rer un­ter­neh­me­ri­schen Ent­schei­dung sei­en in ver­schie­de­nen Be­rei­chen der Ver­wal­tung Per­so­nal­abhänge ab­ge­baut wor­den, so dass ins­ge­samt 13,6 Voll­zeit­stel­len ent­fal­len sei­en. Hier­zu gehörten die Be­rei­che Pri­vatärzt­li­che Ab­rech­nungs­stel­le, Ko­dier­fach­kräfte, Pa­ti­en­ten­ver­wal­tung, Buch­hal­tung, Auf­ga­be des Le­an Ma­nage­ment.
Wei­ter­beschäfti­gungsmöglich­kei­ten auf frei­en Ar­beitsplätzen ge­be es nicht. Die ge­bo­te­ne So­zi­al­aus­wahl sei zu Las­ten des Klägers aus­ge­gan­gen. We­gen der Ein­zel­hei­ten wird auf die Ausführun­gen ab S. 20 der Kla­ge­er­wi­de­rung Be­zug ge­nom­men.
Die Be­klag­te ist der An­sicht, auf­grund der Dienst­ver­ein­ba­run­gen aus dem Jahr 2010 sei die Dienst­ver­ein­ba­rung vom 29.12.2009 kon­klu­dent ab­gelöst wor­den.
We­gen der wei­te­ren Ein­zel­hei­ten wird Be­zug ge­nom­men auf die von den Par­tei­en ge­wech­sel­ten Schriftsätze nebst An­la­gen so­wie auf das Er­geb­nis der münd­li­chen Ver­hand­lung.
I. Die Kla­ge ist be­gründet. Die außer­or­dent­li­che Kündi­gung vom 25.1.2011 hat das Ar­beits­verhält­nis nicht, auch nicht un­ter Wah­rung ei­ner so­zia­len Aus­lauf­frist, be­en­det.
a) Gem. § 626 BGB kann das Ar­beits­verhält­nis oh­ne Ein­hal­tung ei­ner Kündi­gungs­frist gekündigt wer­den, wenn Tat­sa­chen vor­lie­gen, auf Grund de­rer dem Ar­beit­ge­ber un­ter Berück­sich­ti­gung al­ler Umstände des Ein­zel­fal­les und un­ter Abwägung der In­ter­es­sen bei­der Ver­trags­tei­le die Fort­set­zung des Ar­beits­verhält­nis­ses bis zum Ab­lauf der Kündi­gungs­frist nicht zu­ge­mu­tet wer­den kann.
Die Prüfung des wich­ti­gen Grun­des er­folgt nach ständi­ger Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts in zwei Stu­fen (vgl. BAG v. 26.3.2009, 2 AZR 953/07, DB 2009, 1772). Auf der ers­ten Stu­fe ist zunächst zu prüfen, ob ein be­stimm­ter Sach­ver­halt oh­ne die be­son­de­ren Umstände des Ein­zel­fal­les an sich ge­eig­net ist, ei­nen wich­ti­gen Kündi­gungs­grund ab­zu­ge­ben. Liegt ein an sich ge­eig­ne­ter Kündi­gungs­grund vor, ist auf der zwei­ten Stu­fe zu prüfen, ob die Fort­set­zung des Ar­beits­verhält­nis­ses un­ter Berück­sich­ti­gung der kon­kre­ten Umstände des Ein­zel­fal­les und der Abwägung der In­ter­es­sen bei­der Ver­trags­tei­le zu­mut­bar ist oder nicht.
Die Be­triebs­ein­stel­lung und die Be­triebs­ein­schränkung sind auch dann, wenn sie auf ei­ner un­ter­neh­me­ri­schen Ent­schei­dung des Ar­beit­ge­bers be­ru­hen, re­gelmäßig kein wich­ti­ger Grund zur außer­or­dent­li­chen Kündi­gung (BAG v. 7.3.2002, 2 AZR 173/01, NZA 2002, 963; BAG v. 21.4.2005, 2 AZR 132/04, NZA 2005, 1289). In ei­nem Fall des Aus­schlus­ses der or­dent­li­chen Kündi­gung ist ein be­son­ders stren­ger Maßstab an das Vor­lie­gen ei­nes wich­ti­gen Grun­des nach § 626 Abs. 1 BGB an­zu­le­gen, weil die wirt­schaft­lich nach­tei­li­ge Bin­dung auf ei­ner pri­vat­au­to­no­men Ent­schei­dung des Ar­beit­ge­bers be­ruht. Drin­gen­de be­trieb­li­che Gründe recht­fer­ti­gen grundsätz­lich nur ei­ne or­dent­li­che Kündi­gung. Der Ar­beit­ge­ber kann sich von dem mit dem Ar­beits­ver­trag über­nom­me­nen Beschäfti­gungs- und Wirt­schafts­ri­si­ko nur un­ter stren­gen Vor­aus­set­zun­gen lösen, da sich der Son­derkündi­gungs­schutz ge­ra­de in der Kri­se bewähren muss (APS/Dörner/Kiel, 3. Aufl., BGB § 626 Rn. 318b). Prüfungs­maßstab für die außer­or­dent­li­che Kündi­gung aus be­triebs­be­ding­ten Gründen ist, ob dem Ar­beit­ge­ber bei ei­nem ver­gleich­ba­ren or­dent­lich künd­ba­ren Ar­beit­neh­mer des­sen Wei­ter­beschäfti­gung bis zum Ab­lauf der (fik­ti­ven) Kündi­gungs­frist un­zu­mut­bar wäre. Dies ist bei der be­triebs­be­ding­ten Kündi­gung re­gelmäßig nicht der Fall. Dem Ar­beit­ge­ber ist es, wenn aus be­trieb­li­chen Gründen die Wei­ter­beschäfti­gungsmöglich­keit für al­le bzw. für ein­zel­ne Ar­beit­neh­mer entfällt, selbst im In­sol­venz­fall zu­mut­bar, die Kündi­gungs­frist ein­zu­hal­ten (BAG v. 30.9.2005, 8 AZR 462/03, NZA 2005, 43).
Die außer­or­dent­li­che Kündi­gung aus be­triebs­be­ding­ten Gründen kann al­len­falls dann ge­recht­fer­tigt sein, wenn or­dent­li­che Kündi­gun­gen ge­ne­rell bzw. pau­schal durch Ta­rif­ver­trag bei länger beschäftig­ten Ar­beit­neh­mern aus­ge­schlos­sen sind. Auch in die­sem Fall gel­ten stren­ge Maßstäbe. Vor­aus­set­zung ist der Weg­fall des Ar­beits­plat­zes und die Unmöglich­keit, trotz Ein­satz al­ler zu­mut­ba­rer Mit­tel, ggf. durch Um­or­ga­ni­sa­ti­on des Be­trie­bes, ei­ne Wei­ter­beschäfti­gung zu er­rei­chen (BAG v. 5.2.1998, 2 AZR 227/97, AP Nr. 143 zu BGB § 626). Ist die außer­or­dent­li­che Kündi­gung nicht auf Dau­er aus­ge­schlos­sen, son­dern be­steht z. B. ei­ne Bin­dung für je­weils nur ein Jahr, die auch dem In­ter­es­se des Ar­beit­ge­bers dient, muss sich der Ar­beit­ge­ber um so eher an die­sem Aus­schluss fest­hal­ten las­sen (BAG v. 7.3.2002, 2 AZR 173/01, NZA 2002, 963).
Ver­zich­tet ein Ar­beit­ge­ber z. B. in ei­nem Haus­ta­rif­ver­trag als Ge­gen­leis­tung für Ein­kom­mens­ver­lus­te dar­auf, für ei­ne ge­wis­se Zeit be­triebs­be­ding­te Kündi­gun­gen zu erklären ("be­trieb­li­ches Bünd­nis für Ar­beit"), ist es dem Ar­beit­ge­ber in der Re­gel zu­mut­bar, mit dem Aus­spruch ei­ner Kündi­gung bis zum Ab­lauf des Fir­men­ta­rif­ver­trags zu war­ten, wenn der im Rah­men ei­nes Kündi­gungs­schutz­pro­zes­ses vor­ge­tra­ge­ne Weg­fall von Ar­beitsplätzen auf ei­ner von ihm selbst her­bei­geführ­ten Maßnah­me be­ruht (BAG v. 30.9.2004, 8 AZR 462/03, NZA 2005, 43; APS/Dörner/Kiel, 3. Aufl., BGB § 626 Rn. 318r; Be­ckOK RG­KU/Rolfs, BGB § 626 Rn. 161).
An­ge­sichts die­ser ho­hen An­for­de­run­gen, die noch über die oh­ne­hin schon ho­hen An­for­de­run­gen an ei­ne außer­or­dent­li­che Kündi­gung aus be­triebs­be­ding­ten Gründen bei ta­rif­ver­trag­lich ge­re­gel­tem Aus­schluss or­dent­li­cher Kündi­gun­gen bei lan­ger Beschäfti­gungs­zu­gehörig­keit hin­aus­ge­hen, genügen die von der Be­klag­ten vor­ge­tra­ge­nen Gründe nicht für ei­ne außer­or­dent­li­che Kündi­gung.
Zunächst wäre es der Be­klag­ten zu­mut­bar ge­we­sen, wie in den Vor­jah­ren auch, er­neut ei­nen Ver­zicht auf das Weih­nachts­geld zu ver­su­chen. Es genügt nicht, auf­grund von ver­meint­li­chen Si­gna­len die­se Al­ter­na­ti­ve, nämlich die ent­spre­chen­de An­trags­stel­lung bei der Kom­mis­si­on, gar nicht erst zu ver­su­chen. Es über­zeugt nicht, dass sich die Be­klag­te ei­ner­seits an ih­re Zu­sa­ge, nicht er­neut ei­nen Ver­zicht auf das Weih­nachts­geld zu be­an­tra­gen, ge­bun­den sieht, an­de­rer­seits aber ih­re Zu­sa­ge aus der Dienst­ver­ein­ba­rung vom 29.12.2009, kei­ne be­triebs­be­ding­te Kündi­gun­gen aus­zu­spre­chen, für we­ni­ger wich­tig hält.
Die bloße in­ner­be­trieb­li­che Um­ge­stal­tung der Ar­beits­abläufe und der dar­aus re­sul­tie­ren­de Weg­fall des Ar­beits­plat­zes ei­nes or­dent­lich unkünd­ba­ren Ar­beit­neh­mers recht­fer­ti­gen in der Re­gel kei­ne außer­or­dent­li­che Kündi­gung (vgl LAG Hamm 11.10.1995, 2 Sa 287/85, LA­GE BGB § 626 Nr. 92; Be­ckOK RG­KU/Rolfs, BGB § 626 Rn. 161).
Die Be­klag­te kann sich auch nicht dar­auf be­ru­fen, dass die außer­or­dent­li­che Kündi­gung zur Ver­mei­dung ei­ner In­sol­venz er­for­der­lich war. We­der die Ge­fahr der In­sol­venz noch die Eröff­nung des In­sol­venz­ver­fah­rens recht­fer­ti­gen die außer­or­dent­li­che Kündi­gung des Ar­beit­neh­mers (BAG 25.10.1968, 2 AZR 23/68, AP KO § 22 Nr. 1; Be­ckOK RG­KU/Rolfs, BGB § 626 Rn. 161; ErfK/Müller-Glöge, BGB § 626 Rn. 89). Aus der Ent­schei­dung des BAG v. 1.3.2007, 2 AZR 580/05, NZA 2007, 1445, er­gibt sich nicht an­de­res. Nach die­ser Ent­schei­dung kann ein wich­ti­ger Grund für ei­ne außer­or­dent­li­che Ände­rungskündi­gung mit not­wen­di­ger Aus­lauf­frist zur Re­du­zie­rung des Ent­gelts ei­nes or­dent­lich unkünd­ba­ren Ar­beit­neh­mers je­den­falls dann vor­lie­gen, wenn die Ände­rung der Ar­beits­be­din­gun­gen das Ziel hat, der kon­kre­ten Ge­fahr ei­ner Be­triebs­sch­ließung we­gen In­sol­venz zu be­geg­nen. Vor­lie­gend hat sich die Be­klag­te ge­ra­de nicht dar­auf be­schränkt, zur Ver­mei­dung der In­sol­venz - na­he­lie­gen­der Wei­se - das Ent­gelt zu re­du­zie­ren, son­dern hat statt­des­sen Be­en­di­gungskündi­gun­gen aus­ge­spro­chen. Die­se Sach­ver­hal­te las­sen sich nicht ver­glei­chen.
Den ge­stei­ger­ten An­for­de­run­gen bei der Prüfung des wich­ti­gen Grun­des i.S. von § 626 Abs. 1 BGB ent­spricht nach der Recht­spre­chung des BAG auch ei­ne ge­stei­ger­te Dar­le­gungs- und Be­weis­last des Ar­beit­ge­bers (BAG v. 30.9.2005, 8 AZR 462/03, NZA 2005, 43). Es reicht nicht aus, dass der Ar­beit­ge­ber wie bei der or­dent­li­chen be­triebs­be­ding­ten Kündi­gung zunächst nur dar­legt, ei­ne Wei­ter­beschäfti­gung des Ar­beit­neh­mers sei in­fol­ge des Weg­falls sei­nes Ar­beits­plat­zes nicht mehr möglich und dann die Dar­le­gung des Ar­beit­neh­mers ab­war­tet, wie er sich sei­ne Wei­ter­beschäfti­gung an an­de­rer Stel­le im Be­trieb oder Un­ter­neh­men vor­stellt.
Der Vor­trag der Be­klag­ten be­schränkt sich zunächst aber im We­sent­li­chen auf die Dar­le­gung ei­ner sol­chen Ent­schei­dung, die zum Weg­fall des Ar­beits­plat­zes führt. Die Ein­spa­run­gen im Ver­wal­tungs­be­reich sol­len die ein­zi­gen Kos­ten­er­spar­nismöglich­kei­ten ge­we­sen sein, um die In­sol­venz zu ver­mei­den. Die­ser Vor­trag genügt nicht. Denn nach den Re­ge­lun­gen in der Dienst­ver­ein­ba­rung über Aus­wahl­richt­li­ni­en sol­len dieMaßnah­men spätes­tens zum 30.9.2011 durch­geführt sein. Da­mit be­ginnt in vie­len Fällen ei­ne tatsächli­che Kos­ten­er­spar­nis erst drei Mo­na­te vor­dem 31.12.2011, dem Tag des Ab­laufs des Kündi­gungs­schut­zes.
So­dann stützt die Be­klag­te die Kündi­gung wei­ter dar­auf, dass nur auf­grund die­ses Per­so­nal­ab­baus das Ver­trau­en der Bank im Bis­tum wie­der­er­langt wor­den wäre, so dass die­se die Kre­dit­li­nie zum 26.1.2011 er­wei­tert ha­be, so­dass die Aus­zah­lung der an die­sem Tag zusätz­lich fällig wer­den Ein­mal­zah­lun­gen si­cher­ge­stellt wor­den ist. Die­ser Um­stand recht­fer­tigt kei­ne außer­or­dent­li­che Kündi­gung ein­zel­ner Ar­beit­neh­mer. Denn es ist kaum nach­prüfbar, wel­che an­de­ren Maßnah­men ggf. das glei­che Ver­trau­en wie­der­her­ge­stellt hätten, bei de­nen be­triebs­be­ding­te Kündi­gun­gen ver­mie­den wor­den wären. So ist es oh­ne wei­te­res vor­stell­bar, dass die Be­klag­te zunächst hätte ver­su­chen können, über frei­wil­li­ge Aus­schei­dens­re­ge­lun­gen ih­ren Per­so­nal­be­stand im glei­chen Um­fang zu ver­rin­gern. Auch in die­sem Fall wäre es zu Kos­ten­er­spar­nis­sen ge­kom­men. Da­bei ist auch zu berück­sich­ti­gen, dass die vor­lie­gen­den höchst­rich­ter­li­chen Ent­schei­dun­gen (s. o.) eher da­ge­gen spre­chen, dass ei­ne außer­or­dent­li­che Kündi­gung zur Ver­mei­dung ei­ner In­sol­venz Er­folg ha­ben wird. So­weit er­sicht­lich, liegt kei­ne Ent­schei­dung des BAG vor, in der es tatsächlich ei­ne außer­or­dent­li­che be­triebs­be­ding­te Be­en­di­gungskündi­gung we­gen dro­hen­der In­sol­venz­ge­fahr für ge­recht­fer­tigt ge­hal­ten hätte. Von da­her bleibt es - ju­ris­tisch ge­se­hen - un­klar, war­um ge­ra­de die­ses Maßnah­men­pa­ket das Ver­trau­en der Bank im Bis­tum auf die Hand­lungsfähig­keit der Be­klag­ten wie­der­her­ge­stellt hat. Denn ob­jek­tiv muss­te da­mit ge­rech­net wer­den, dass die Kündi­gun­gen kei­ner Über­prüfung stand­hal­ten wer­den würden. Da­mit war - nur ju­ris­tisch ge­se­hen - kaum ein An­lass ge­ge­ben, tatsächlich von ei­ner dau­er­haf­ten Kos­ten­er­spar­nis aus­zu­ge­hen. Je­den­falls im Rah­men der In­ter­es­sen­abwägung genügt die­ser Sach­ver­halt des­halb nicht. Es ist nicht aus­rei­chend, dass die Hoff­nung auf ei­nen rea­len Ein­spar­ef­fekt dar­auf be­ruh­te, dass er­fah­rungs­gemäß nicht al­le Beschäftig­ten ge­gen ei­ne Kündi­gung vor­ge­hen. Die Be­klag­te hätte zu­min­dest ver­su­chen müssen, dass Ver­trau­en der Bank durch an­der­wei­ti­ge Maßnah­men, ins­be­son­de­re ei­nem ent­spre­chen­den frei­wil­li­gen Pro­gramm zum Per­so­nal­ab­bau, zu ge­win­nen, be­vor zum Mit­tel ei­ner außer­or­dent­li­chen Kündi­gung ge­grif­fen wird.
Die Be­klag­te stützt da­mit die außer­or­dent­li­che Kündi­gung letzt­lich maßgeb­lich auf die Wer­tung der Bank im Bis­tum, die ei­nen sol­chen Per­so­nal­ab­bau für not­wen­dig er­ach­tet hat. Auf sol­che An­sich­ten Drit­ter kann ei­ne be­triebs­be­ding­te Kündi­gung nicht gestützt wer­den, erst Recht nicht ei­ne außer­or­dent­li­che. Hier­durch würde der Kündi­gungs­schutz, der nicht nur durch das Kündi­gungs­schutz­ge­setz, son­dern auch durch § 626 BGB be­tref­fend die außer­or­dent­li­che Kündi­gung gewährt wird, weit­ge­hend ent­wer­tet.
Wei­ter ist zu berück­sich­ti­gen, dass die Be­klag­te von jähr­li­chen Mehr­kos­ten auf­grund der Ent­gel­terhöhung in Höhe von 5,9 Mio. € aus­geht, die von ihr er­grif­fe­nen Maßnah­men je­doch nur zu Ein­spa­run­gen in Höhe von 4,88 Mio. € führen. Auch hier­aus wird deut­lich, dass der Per­so­nal­ab­bau vor­lie­gend nur ein Be­stand­teil ei­ner um­fas­sen­de­ren Be­ur­tei­lung der Bank ist, in­wie­weit der Be­klag­ten bei der Um­struk­tu­rie­rung ge­hol­fen wird. Denn wenn es rech­ne­risch ge­nau auf die Zah­len ankäme, wäre die Maßnah­me noch nicht ein­mal ge­eig­net, ei­ne In­sol­venz zu ver­hin­dern, da wei­ter­hin ei­ne Un­ter­de­ckung von 1 Mio. € jähr­lich bestünde. Auch die Erwägung, in­wie­weit der Turn around bis zum Jahr 2019 zu schaf­fen ist, mag nach­voll­zieh­bar sein, ver­bleibt aber schon we­gen des er­heb­li­chen Zeit­ab­laufs spe­ku­la­tiv. Ei­ne außer­or­dent­li­che Kündi­gung kann je­den­falls nicht dar­auf gestützt wer­den, dass die fi­nan­zie­ren­de Bank die An­nah­me auf­stellt, un­ter den ge­ge­be­nen Vor­aus­set­zun­gen sei ein für 2019 an­vi­sier­tes Ziel nun nicht mehr zu er­rei­chen. Wenn man die außer­or­dent­li­che Kündi­gung für zulässig hält zur Ver­mei­dung ei­ner In­sol­venz, ist Vor­aus­set­zung, dass die In­sol­venz oh­ne wei­te­res ein­ge­tre­ten wäre. Hier­an fehlt es, wenn die Maßnah­me nur Vor­aus­set­zung für die Ent­schei­dung ei­ner Bank ist, trotz an sich feh­len­der Li­qui­dität die Kre­dit­li­nie wei­ter zu erhöhen.
Sch­ließlich ist auch zu berück­sich­ti­gen, dass der Be­klag­ten nach ih­rem ei­ge­nen Vor­trag auch in den Vor­jah­ren schon be­kannt war, dass ein Per­so­nalüber­hang be­stand. Gleich­wohl hat sie sich am 29.12.2009 be­reit erklärt, auf be­triebs­be­ding­te Kündi­gun­gen zu ver­zich­ten. Des­halb kann sie sich nicht zur Hälf­te der Lauf­zeit der Ver­ein­ba­rung dar­auf be­ru­fen, nun­mehr müsse der Über­hang so­fort ab­ge­baut wer­den. Viel­mehr ist sie an ih­re ei­ge­ne Zu­sa­ge ge­bun­den.
Darüber hin­aus ist die Kündi­gung auch des­halb nicht ge­recht­fer­tigt, da dem Vor­trag der Be­klag­ten nicht zu ent­neh­men ist, wel­che Kos­ten ihr auf­grund der durch­geführ­ten Maßnah­men ent­ste­hen. Denn dem dar­ge­leg­ten Kon­zept ist zwar zu ent­neh­men, dass Per­so­nal­kos­ten ent­fal­len. Dem­ge­genüber ste­hen je­doch Aus­la­ge­run­gen, die in der Re­gel mit Kos­ten ver­bun­den sind. So wird die Pri­vatärzt­li­che Ver­rech­nungs­stel­le, auf die die Tätig­kei­ten für Wahl­leis­tungs­pa­ti­en­ten aus­ge­la­gert wer­den, in der Re­gel auch nur ge­gen Ent­gelt tätig. In den Be­rei­chen Ko­dier­fach­kräfte, Pa­ti­en­ten­ver­wal­tung, Buch­hal­tung und Le­an Ma­nage­ment geht die Be­klag­te nur auf­grund von of­fen­bar neu durch­geführ­ten Ana­ly­sen da­von aus, we­ni­ger Per­so­nal zu benöti­gen bzw. in der La­ge zu sein, die Ar­bei­ten von an­de­ren Per­so­nen, die of­fen­bar we­ni­ger be­las­tet sind, durch­zuführen. Die­se An­ga­ben sind kaum nach­prüfbar. Letzt­lich be­schränkt sich die Ar­gu­men­ta­ti­on da­mit auf die Ent­schei­dung, ein­zel­ne Ar­beitsplätze ab­zu­bau­en. Die­ser Vor­trag genügt auch bei der or­dent­li­chen be­triebs­be­ding­ten Kündi­gung nicht, da er für das Ge­richt nicht nach­prüfbar ist. Wenn die Or­ga­ni­sa­ti­ons­ent­schei­dung des Ar­beit­ge­bers und sein Kündi­gungs­ent­schluss oh­ne nähe­re Kon­kre­ti­sie­rung nicht von ein­an­der ge­trennt wer­den können, muss der Ar­beit­ge­ber kon­kret dar­le­gen, wie sich die Ver­rin­ge­rung der Ar­beits­leis­tung auf die Ar­beits­men­ge aus­wirkt und in wel­chem Um­fang da­durch ein kon­kre­ter Ar­beits­kräfteüber­hang ent­steht. Je näher die ei­gent­li­che Or­ga­ni­sa­ti­ons­ent­schei­dung an den Kündi­gungs­ent­schluss rückt, um­so mehr muss der Ar­beit­ge­ber durch Tat­sa­chen­vor­trag ver­deut­li­chen, dass ein Beschäfti­gungs­bedürf­nis für den Ar­beit­neh­mer ent­fal­len ist (vgl. BAG v. 17.06.1999, 2 AZR 141/99, NZA 1999, 1098; v. 12.4.2002, 2 AZR 740/00, EzA § 1 KSchG Be­triebs­be­ding­te Kündi­gung Nr. 117).
Je­den­falls bei der außer­or­dent­li­chen be­triebs­be­ding­ten Kündi­gung ist es er­for­der­lich, dass die Ar­beit­ge­be­rin im Ein­zel­nen dar­legt, zu wel­chen deut­li­chen Kos­ten­er­spar­nis­sen die Maßnah­men führen. Nur bei deut­li­chen Kos­ten­er­spar­nis­sen er­scheint ei­ne außer­or­dent­li­che Kündi­gung ge­recht­fer­tigt (LAG Ber­lin v. 3.4.2001, RzK I 6 f Nr. 27 Ls). Denn vor­lie­gend ist wei­ter zu berück­sich­ti­gen, dass der Schutz vor or­dent­li­chen be­triebs­be­ding­ten Kündi­gun­gen nur noch bis zum 31.12.2011 gilt. Da­nach können die von der Be­klag­ten an­geführ­ten Maßnah­men durch­geführt wer­den. In­so­weit er­scheint es kaum plau­si­bel, dass ge­ra­de die Mehr­kos­ten für ein Jahr tatsächlich das ge­sam­te Pro­jekt, bei dem bis zum Jahr 2018 mit ne­ga­ti­ven Er­geb­nis­sen ge­rech­net wur­de, wirk­lich in Fra­ge hätte stel­len können.
Dem­nach wäre es - wenn man ent­ge­gen dem Vor­ste­hen­den da­von aus­ge­hen würde, dass aus­nahms­wei­se ei­ne außer­or­dent­li­che Kündi­gung we­gen dro­hen­der In­sol­venz zulässig ist - er­for­der­lich ge­we­sen, im Ein­zel­nen mit­zu­tei­len, zu wel­chen Kos­ten die bis­lang von den gekündig­ten Ar­beit­neh­mern aus­geführ­ten Ar­bei­ten nun­mehr er­le­digt wer­den.
b) Die or­dent­li­che Kündi­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses war auch zum Zeit­punkt der Kündi­gung nach wie vor aus­ge­schlos­sen.
Nach § 2 Nr. 1 der Dienst­ver­ein­ba­rung vom 29.12.2009 hat die Be­klag­te bis zum 31.12.2011 auf den Aus­spruch be­triebs­be­ding­ter Kündi­gun­gen ver­zich­tet.
Die­se Be­stim­mung ist wei­ter­hin in Kraft. Sie wirkt zu­guns­ten der Ar­beit­neh­mer. Dem­nach kommt ei­ne or­dent­li­che Be­en­di­gungskündi­gung aus be­triebs­be­ding­ten Gründen nicht in Be­tracht. Al­lein ei­ne außer­or­dent­li­che Kündi­gung, die ver­trag­lich nicht aus­ge­schlos­sen wer­den kann (st. Rspr. seit BAG v. 6.11.1956, 3 AZR 42/55, AP Nr. 14 zu BGB § 626), de­ren Vor­aus­set­zun­gen aber nicht erfüllt sind (s. o.), käme in Be­tracht.
Die Be­stim­mung ist nicht - aus­drück­lich oder kon­klu­dent - durch die "Dienst­ver­ein­ba­rung über ei­nen So­zi­al­plan" oder die "Dienst­ver­ein­ba­rung über Aus­wahl­richt­li­ni­en des Per­so­nal­ab­baus in der L." vom 28.12.2010 auf­ge­ho­ben oder ab­geändert wor­den.
Dies er­gibt sich aus dem Wort­laut die­ser Ver­ein­ba­run­gen. Die MAV hat nur in der Präam­bel der "Dienst­ver­ein­ba­rung über Aus­wahl­richt­li­ni­en des Per­so­nal­ab­baus in der L." der Ar­beit­ge­be­rin die Not­wen­dig­keit des Per­so­nal­ab­baus zu­ge­stan­den. Wie sich aus dem wei­te­ren Wort­laut die­ser Ver­ein­ba­rung er­gibt, kann hier­aus je­doch kein Zu­geständ­nis ab­ge­lei­tet wer­den, dass der prin­zi­pi­el­le Kündi­gungs­aus­schluss auf­ge­ho­ben sein soll. Denn un­ter Nr. 2 wird mehr­fach ex­pli­zit dar­auf hin­ge­wie­sen, dass für Mit­ar­bei­ter, die un­ter die Dienst­ver­ein­ba­rung vom 29.12.2009 fal­len, die or­dent­li­che Kündi­gung aus­ge­schlos­sen ist. Statt­des­sen soll dort ei­ne außer­or­dent­li­che Kündi­gung an­ge­sichts der In­sol­venz­ge­fahr, für die "ei­ne höchst­rich­ter­li­che Recht­spre­chung feh­le", aus­ge­spro­chen wer­den. Da auch die Be­klag­te die­se Dienst­ver­ein­ba­rung un­ter­zeich­net hat, ist da­mit auch ihr Wil­le ma­ni­fes­tiert, dass die ursprüng­li­che Dienst­ver­ein­ba­rung vom 29.12.2009 be­ste­hen blei­ben soll.
II. Die Kos­ten­ent­schei­dung folgt aus § 46 Abs. 2 ArbGG, § 91 ZPO. Der Streit­wert ist gem. § 61 Abs. 1 ArbGG, § 3 ZPO, § 42 Abs. 3 GKG im Ur­teil fest­zu­set­zen. Er ent­spricht im Übri­gen dem gem. § 63 Abs. 2 GKG für die Ge­richts­gebühren fest­zu­set­zen­den Streit­wert.
Die Be­ru­fung muss in­ner­halb ei­ner Not­frist* von ei­nem Mo­nat schrift­lich beim Lan­des­ar­beits­ge­richt Düssel­dorf, Lud­wig-Er­hard-Al­lee 21, 40227 Düssel­dorf, Fax: 0211-7770 2199 ein­ge­gan­gen sein. Die Not­frist be­ginnt mit der Zu­stel­lung des in vollständi­ger Form ab­ge­fass­ten Ur­teils, spätes­tens mit Ab­lauf von fünf Mo­na­ten nach des­sen Verkündung.
Ei­ne Par­tei, die als Be­vollmäch­tig­te zu­ge­las­sen ist, kann sich selbst ver­tre­ten. * Ei­ne Not­frist ist un­abänder­lich und kann nicht verlängert wer­den. - Ha­gen - m.hensche.de
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