Source: https://anwalt-kg.de/privatinsolvenz-recht/privatinsolvenz/ihre-rechte-gegenuber-dem-treuhander/
Timestamp: 2017-09-23 01:56:45
Document Index: 251865193

Matched Legal Cases: ['§ 295', '§ 850', '§ 850', '§ 103', '§ 36', 'BGH', '§ 304']

Ihr Umgang mit dem Treuhänder in der Privatinsolvenz -- KRAUS
Umgang mit dem Treuhänder
Sie befinden sich hier: Startseite / Insolvenzrecht / Privatinsolvenz / Umgang mit dem Treuhänder
Mit der Eröffnung des Privatinsolvenzverfahrens wird ein Treuhänder eingesetzt. Sehen Sie ihn nicht als Ihren Rechtsanwalt. Er vertritt die Interessen Ihrer Gläubiger und seine Aufgaben ist es, Ihr Vermögen zu verwerten und an die Gläubiger zu verteilen.
So zeigen Sie dem Treuhänder, dass Sie zu einer guten Zusammenarbeit gewillt sind. Während der gesamten Dauer der Privatinsolvenz von 6 Jahren sehen sich der Schuldner und der Treuhänder meistens nur dieses eine Mal. Wenn Sie dem Treuhänder keinen Grund geben, Sie nochmals wiederzusehen, werden auch Sie Ihre Ruhe bekommen. Um es zu wiederholen: geben Sie dem Treuhänder pünktlich und geduldig die gewünschten Auskünfte.
Bei der Verwertung Ihres Vermögen kann es passieren, dass der Treuhänder sich zu Ihren Lasten irrt. Natürliche kann es manchmal vorkommen, dass ein Treuhänder einen Schuldner schikaniert. Lassen Sie sich davon nicht beirren. Das Insolvenzgericht ist auf Ihrer Seite. Es hat den Treuhänder bestimmt und überwacht dessen Tätigkeit. Es kann einen Treuhänder sogar wieder austauschen. Wenn Sie denken, dass der Treuhänder Sie absichtlich schlecht behandelt, wenden Sie sich an den für Sie zuständigen Rechtspfleger beim Insolvenzgericht.
Vergessen Sie vor allem folgendes nicht: Über den pfändungsfreien Teil Ihres Einkommens dürfen Sie verfügen, wie es Ihnen passt! Deshalb können Sie nach eigenem belieben Verträge schließen, verreisen, eine Ausbildung oder ein Studium aufnehmen, umziehen, Ihren Arbeitsplatz wechseln, heiraten oder sich scheiden lassen. Bitte zeigen Sie dem Treuhänder wichtige Änderungen Ihrer Lebensverhältnisse dennoch immer an, allerdings erst nachdem diese geschehen sind (§ 295 Abs. 1 Nr. 3 InsO). Sie können alle Entscheidungen eigenständig treffen und sind nicht verpflichtet, sich vorher mit dem Treuhänder abzusprechen.
Bis zu folgenden Folgenden Beträgen ist Ihr Einkommen unpfändbar (§ 850c ZPO):
ohne Unterhaltspflicht (z.B. Kinder, Ex-Ehepartner): 1.049,99 Euro
bei 1 Unterhaltspflicht: 1.439,99 Euro
bei 2 Unterhaltspflichten: 1.659,99 Euro
bei 3 Unterhaltspflichten: 1.879,99 Euro
bei 4 Unterhaltspflichten: 2.099,99 Euro
bei 5 Unterhaltspflichten: 2.319,99 Euro
Wenn Sie beispielsweise bei einem Kind ein Nettoeinkommen von 1.300 Euro haben, darf der Treuhänder keinen Cent einziehen – der Treuhänder darf erst ab einem Einkommen von 1.419,99 Euro tätig werden. Hier lesen Sie mehr dazu, wie Sie die Pfändungstabelle (§ 850 c ZPO) lesen und Ihr pfändungsfreies Einkommen bestimmen.
Der Treuhänder wird Verträge auflösen, die der Insolvenzmasse einen guten Erlös versprechen. Gemeint sind z. B. Rentenversicherungen, ein Leasingvertrag über ein Auto oder Sparbücher (§ 103 InsO). Diese haben meistens einen Rückkaufwert, oder es besteht ein Guthaben, das der Insolvenzmasse zufließt. Dabei darf er aber nicht willkürlich vorgehen. So darf er Sie nicht zwingen, Ihren Handyvertrag, einen Internetprovidervertrag oder ein Zeitschriftenabo aufzulösen, falls sie diese Verpflichtungen aus Ihrem pfändungsfreien Einkünften tragen können. Aus solchen Verträgen kann nichts werthaltiges an die Insolvenzmasse fließen. Und wie Sie über Ihr prfändungsfreies Einkommen bestimmen bleibt alleine Ihnen vorbehalten, da macht das Privatinsolvenzverfahren keine Ausnahme. Allerdings gilt das nicht bezüglich der Verträge, die den Grund für Ihre Zahlungsunfähigkeit darstellten, z. B. aufgelaufene Telefon- oder Handyrechnungen. Diese werden natürlich gekündigt werden und Sie von Ihren Zahlungspflichten befreit.
Der Treuhänder darf Gegenstände verwerten – versteigern oder verkaufen – die einen gewissen Marktwert haben und so einen Erlös für die Insolvenzmasse versprechen (§ 36 Abs. 3 InsO). Das bedeutet, dass Sie alle Gegenstände behalten dürfen, die keinen Marktwert, sondern/aber möglicherweise nur einen persönlichen Wert haben. Das gilt z. B. für ein altes Auto. Sie können auch die sogenannten Hausratsgegenstände behalten. Dies sind in der Regel Kleidungsstücke, Wäsche, Möbel, Haushaltsgeräte, ein Fernsehgerät sowie ein Videogerät. Wertvollere Sachen, wie z. B. kostbare Teppiche, Möbel auf dem Dachboden oder wertvolle Bilder sowie neuwertige und aufwendige Unterhaltungselektronik gehören zur Insolvenzmasse. Allerdings kann der Insolvenzverwalter natürlich nicht die Gegenstände verwerten, die im Eigentum einer anderen Person stehen. Ist beispielsweise Ihr Ehepartner Eigentümer eines wertvollen Bildes, darf dieses nicht verwertet werden. Schließlich dürfen Gegenstände nicht verwertet werden, die zur Fortführung Ihres Berufs erforderlich sind. Das sind z. B. Werkzeuge, Maschinen, Computer, Fachbücher oder Arbeitskleidung, soweit diese jeweils zur Berufsausübung benötigt werden. Ist ein solcher Gegenstand besonders Wertvoll, ist es denkbar, dass der Treuhänder ihn verwertet und als Austausch einen ebenso geeigneten, aber günstigeren Gegenstand erwirbt.
Ein Auto fällt normalerweise in die Insolvenzmasse. Sie können einen PKW allerdings behalten, falls dieser zur Fortführung Ihres Berufs erforderlich ist. In einem Urteil von 2010 erklärte der BGH einen PKW auch dann für unpfändbar, wenn er von einem Familienmitglied für seine Berufstätigkeit benötigt wird. Wird das Auto dennoch gepfändet, ist es denkbar, sich mit dem Treuhänder über einen Herauskauf zu verständigen. Wenn das Fahrzeug vor Antragstellung an einen Freund oder Verwandten verkauft wurde, gehört es nicht zur Insolvenzmasse.
Falls Sie zum Zeitpunkt Ihres Privatinsolvenzantrags Ihre selbstständige Tätigkeit eingestellt haben, um überhaupt Privatinsolvenz beantragen zu können, können Sie diese mit Eröffnung des Privatinsolvenzverfahrens wieder aufnehmen. Wie bereits erläutert, setzt die Einleitung des Privatinsolvenzverfahren bei einem selbständigen voraus, dass Sie Ihre selbstständige Tätigkeit beenden (§ 304 Abs. 1 S. 2 InsO). Sie können sie problemlos wieder aufnehmen, sobald das Privatinsolvenzverfahren eröffnet ist. Setzen Sie Ihren Treuhänder davon in Kenntnis. Wahrscheinlich wird er von Ihnen eine monatliche Einnahmen-Überschussrechnung verlangen, mit der Sie Ihre Einkünfte nachweisen müssen.
(54 Stimmen, durchschnittlich: 4,28 aus 5)
9 Antworten zu “Umgang mit dem Treuhänder”
Spangenberg sagt:
Mike Willmes sagt:
Antje Tanger sagt:
Alfons Lücker sagt:
Rotraud Meier sagt: