Source: http://m.hensche.de/Rechtsanwalt_Arbeitsrecht_Urteile_Abfindung_Rueckzahlung_LAG_Hessen_13-7Sa1435-09.html
Timestamp: 2017-11-25 03:38:23
Document Index: 137777068

Matched Legal Cases: ['§ 14', '§ 8', '§ 64', '§ 66', '§ 812', '§ 14', '§ 717', '§ 717', '§ 286', '§ 91', '§ 72']

Schlag­worte: Abfindung, Rückzahlungspflicht
Akten­zeichen: 13/7 Sa 1435/09
Vor­ins­tan­zen: Arbeitsgericht Offenbach am Main, Urteil vom 15.07.2009, 5 Ca 210/09
09. Fe­bru­ar 2010
Ak­ten­zei­chen: 13/7 Sa 1435/09
(Ar­beits­ge­richt Of­fen­bach: 5 Ca 210/09)
auf die münd­li­che Ver­hand­lung vom 15. De­zem­ber 2009
Auf die Be­ru­fung der Kläge­rin wird das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts Of­fen­bach am Main vom 15. Ju­li 2009 – 5 Ca 210/09 – ab­geändert:
Die Be­klag­te wird ver­ur­teilt, der Kläge­rin 17.500,00 EUR (in Wor­ten: Sieb­zehn­tau­sendfünf­hun­dert und 00/100 Eu­ro) nebst Zin­sen in Höhe von 5 Pro­zent­punk­ten über dem Ba­sis­zins­satz seit dem 21. März 2009 zu zah­len.
Die Be­klag­te hat die Kos­ten des Rechts­streits zu zah­len.
Die Par­tei­en strei­ten um die Rück­zah­lung ei­ner ver­se­hent­lich über­zahl­ten Ab­fin­dung.
Die Be­klag­te war bei der Kläge­rin auf der Grund­la­ge ei­nes schrift­li­chen Ar­beits­ver­tra­ges vom 09. De­zem­ber 2005 seit 01. Ja­nu­ar 2006 als Stra­te­gic Al­li­an­ce Ma­na­ger beschäftigt. § 14 des Ar­beits­ver­tra­ges lau­tet:
Mit Schrei­ben vom 31. März 2008 erklärte die Kläge­rin ge­genüber der Be­klag­ten frist­ge­recht zum 30. April 2008 ei­ne or­dent­li­che Kündi­gung aus be­triebs­be­ding­ten Gründen. Hier­ge­gen er­hob die Be­klag­te vor dem Ar­beits­ge­richt Darm­stadt Kündi­gungs­schutz­kla­ge (Az.: 7 Ca 143/08). Im Güte­ter­min am 19. Ju­ni 2008 schlos­sen die Par­tei­en ei­nen Ver­gleich. Da­nach en­de­te das Ar­beits­verhält­nis auf­grund or­dent­li­cher be­triebs­be­ding­ter Kündi­gung der Kläge­rin zum 30. April 2008. Die Kläge­rin ver­pflich­te­te sich zur Zah­lung ei­ner Ab­fin­dung in Höhe von € 35.000,00 brut­to so­wie von Pro­vi­sio­nen in Höhe von € 14.000,00 brut­to. We­gen des wei­te­ren In­halts des Ver­gleichs wird auf Bl. 9 d. A. Be­zug ge­nom­men.
Hier­auf leis­te­te die Kläge­rin ei­nen Vor­schuss von € 17.500,00 net­to auf die Ab­fin­dung und € 7.000,00 net­to auf Pro­vi­sio­nen, ins­ge­samt al­so € 24.500,00 net­to. Die­ser Be­trag wur­de der Be­klag­ten am 10. Ju­li 2008 aus­be­zahlt. In der Ver­dienstab­rech­nung vom 23. Ju­li 2008 (Bl. 25 d. A.) wur­den so­dann € 35.000,00 brut­to als Ab­fin­dung und € 14.000,00 brut­to als Pro­vi­si­on ab­ge­rech­net. Auf­grund des Vor­schus­ses auf die Pro­vi­sio­nen wur­den € 7.000,00 net­to ein­be­hal­ten. Die Ab­fin­dung wur­de je­doch am 28. Ju­li 2008 noch­mals kom­plett aus­ge­zahlt (brut­to
€ 35.000,00). So­mit er­hielt die Be­klag­te im Er­geb­nis ne­ben den ihr zu­ste­hen­den und ord­nungs­gemäß ab­ge­rech­ne­ten € 35.000,00 brut­to Ab­fin­dung noch € 17.500,00 net­to aus dem Vor­schuss.
Am 01. Au­gust 2008 schick­te die Be­klag­te der Kläge­rin durch ih­ren Pro­zess­be­vollmäch­tig­ten fol­gen­de E-Mail:
Frau B leg­te mir die letz­te Ge­halts­ab­rech­nung vor.
Dar­aus wird er­sicht­lich, dass für die Ab­fin­dung So­zi­al­ver­si­che­rungs­beiträge ab­geführt wur­den!? Soll­te das so zu­tref­fend sein, wäre es nicht kor­rekt. Ab­fin­dun­gen sind be­kannt­lich so­zi­al­ver­si­che­rungs­frei.
Außer­dem bit­te ich dar­um, bei der Be­rech­nung der Lohn­steu­er das Fünf­te­lungs­prin­zip an­zu­wen­den.“ (Bl. 101 d. A.)
Dar­auf ant­wor­te­te die Kläge­rin durch E-Mail vom 08. Au­gust 2008 im We­sent­li­chen wie folgt:
bes­ten Dank für Ih­re Nach­richt. Auf der vor­lie­gen­den Ge­halts­ab­rech­nung Ju­li für Frau B wur­den le­dig­lich die ge­setzl. Lohn­steu­er­abzüge für die Ver­steue­rung der Ab­fin­dungs­zah­lung so­wie der Pro­vi­si­ons­zah­lung ab­geführt. Bei den So­zi­al­ver­si­che­rungs­beiträgen wer­den nur Jah­res­wer­te an­ge­zeigt. Die 1/5-Re­ge­lung wird von un­se­rem SAP Ge­halt­s­pro­gramm au­to­ma­tisch an­ge­wen­det, so­wie die­se an­ge­wen­det wer­den darf. Im der Ab­rech­nung von Frau B wur­de die­se an­ge­wandt. Dies ist er­sicht­lich an der Lohn­steu­er­be­schei­ni­gung von Frau B in den Fel­dern 10. bis 12. „Ermäßigt be­steu­er­ter Ar­beits­lohn für meh­re­re Ka­len­der­jah­re und ermäßigt be­steu­er­te Entschädi­gun­gen“. ...“ (Bl. 101 d. A.)
Mit Schrei­ben vom 19. De­zem­ber 2008 (Bl. 13 d. A.), 29. Ja­nu­ar 2009 (Bl. 14 d. A.) und 12. März 2009 (Bl. 15 d. A.) for­der­te die Kläge­rin die Be­klag­te er­folg­los zur Rück­zah­lung der Über­zah­lung in Höhe von € 17.500,00 auf, bis sie am 21. April 2009 die vor­lie­gen­de Kla­ge er­hob.
Die Kläge­rin hat die Auf­fas­sung ver­tre­ten, die im Ar­beits­ver­trag ver­ein­bar­te Ver­fall­sklau­sel fin­de auf den vor­lie­gen­den Sach­ver­halt kei­ne An­wen­dung. Der Rück­zah­lungs­an­spruch sei kein „An­spruch aus dem Ar­beits­verhält­nis“ im Sin­ne der ver­ein­bar­ten Ver­fall­sklau­sel. Das Ar­beits­verhält­nis ha­be be­reits am 30. April
2008 sein En­de ge­fun­den. Rechts- und Voll­stre­ckungs­grund­la­ge für den Ab­fin­dungs­an­spruch der Be­klag­ten sei aus­sch­ließlich der Ver­gleich vom 19. Ju­ni 2008.
die Be­klag­te zu ver­ur­tei­len, an sie € 17.500,00 nebst Zin­sen in Höhe von 5 Pro­zent­punk­ten über dem je­wei­li­gen Ba­sis­zins­satz seit dem 21. März 2009 zu zah­len.
Die Be­klag­te ist der Mei­nung ge­we­sen, der Rück­zah­lungs­an­spruch sei ver­fal­len. Er sei am 28. Ju­li 2008 fällig ge­we­sen. Die schrift­li­che Gel­tend­ma­chung der Kläge­rin vom 19. De­zem­ber 2008 sei da­her außer­halb der drei­mo­na­ti­gen Ver­falls­frist er­folgt.
Durch Ur­teil vom 15. Ju­li 2009 hat das Ar­beits­ge­richt die Kla­ge ab­ge­wie­sen im We­sent­li­chen mit der Be­gründung, der Rück­zah­lungs­an­spruch der Kläge­rin sei ver­fal­len. Die ar­beits­ver­trag­li­che Ver­fall­sklau­sel sei auf die vor­lie­gen­de Rück­zah­lungs­for­de­rung an­zu­wen­den. We­gen der Ein­zel­hei­ten wird auf Tat­be­stand und Ent­schei­dungs­gründe des an­ge­foch­te­nen Ur­teils ver­wie­sen (Bl. 43 - 47 d. A.).
Ge­gen die­ses der Kläge­rin am 24. Ju­li 2009 zu­ge­stell­te Ur­teil hat die­se mit ei­nem beim er­ken­nen­den Ge­richt am 18. Au­gust 2009 ein­ge­gan­ge­nen Schrift­satz Be­ru­fung ein­ge­legt und die­se mit ei­nem am 24. Sep­tem­ber 2009 ein­ge­gan­ge­nen Schrift­satz be­gründet.
Die Kläge­rin wie­der­holt und ver­tieft ihr erst­in­stanz­li­ches Vor­brin­gen. Sie ist der An­sicht, die zi­tier­te Ver­fall­sklau­sel aus dem Ar­beits­ver­trag fin­de im vor­lie­gen­den Fall kei­ne An­wen­dung. Es han­de­le sich nicht um ei­nen An­spruch, der sich aus dem Ar­beits­verhält­nis er­gibt. Je­den­falls müsse nach dem Sinn und Zweck von Ver­fall­sklau­seln die vor­lie­gen­de Ver­fall­sklau­sel un­an­wend­bar blei­ben. Die Be­klag­te ha­be auch treu­wid­rig ge­han­delt, weil sie die Über­zah­lung nicht an­ge­zeigt
ha­be, ob­wohl sie be­merkt ha­ben müsse, dass der ihr aus­ge­zahl­te Be­trag viel zu hoch war.
das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts Of­fen­bach am Main vom 15. Ju­li 2009 - 5 Ca 210/09 - ab­zuändern und die Be­klag­te zu ver­ur­tei­len, an sie € 17.500,00 nebst Zin­sen in Höhe von 5 Pro­zent­punk­ten über dem je­wei­li­gen Ba­sis­zins­satz seit dem 21. März 2009 zu zah­len.
Die Be­klag­te ver­tei­digt das erst­in­stanz­li­che Ur­teil. Sie meint, die Ver­fall­sklau­sel aus dem Ar­beits­ver­trag sei an­wend­bar. Die Kläge­rin ha­be ih­re Rück­zah­lungs­for­de­rung zu spät gel­tend ge­macht. Die Kläge­rin ha­be spätes­tens nach dem E-Mail-Aus­tausch vom 01./08. Au­gust 2008 selbst ge­wusst, dass sie zu­viel ge­zahlt hat und den­noch bis 19. De­zem­ber 2008 mit der schrift­li­chen Gel­tend­ma­chung ih­rer For­de­rung ge­war­tet.
We­gen des wei­te­ren Vor­brin­gens der Par­tei­en im zwei­ten Rechts­zug wird auf den vor­ge­tra­ge­nen In­halt der ge­wech­sel­ten Schriftsätze nebst An­la­gen so­wie auf die Nie­der­schrift der Be­ru­fungs­ver­hand­lung vom 15. De­zem­ber 2009 (Bl. 133/133 R d. A.) ver­wie­sen.
Die gem. den §§ 8 Abs. 2 ArbGG; 511 ZPO an sich statt­haf­te Be­ru­fung be­geg­net hin­sicht­lich des Wer­tes des Be­schwer­de­ge­gen­stan­des (§ 64 Abs. 2 ArbGG) kei­nen Be­den­ken. Sie ist nach Maßga­be der im Tat­be­stand mit­ge­teil­ten Da­ten form- und frist­ge­recht ein­ge­legt so­wie recht­zei­tig und ord­nungs­gemäß be­gründet wor­den (§§ 66 Abs. 1 ArbGG, 517, 519, 520 ZPO) und da­mit ins­ge­samt zulässig.
Die Kläge­rin kann von der Be­klag­ten aus dem Ge­sichts­punkt der un­ge­recht­fer­tig­ten Be­rei­che­rung (§ 812 Abs. 1 Satz 1 BGB) die Rück­zah­lung von € 17.500,00 net­to ver­lan­gen. Die­sen Be­trag hat die Be­klag­te oh­ne Rechts­grund er­hal­ten. Die Kläge­rin hat der Be­klag­ten die­sen Be­trag al­lein auf­grund ei­nes Ver­se­hens über­wie­sen.
Ent­ge­gen der An­sicht des Ar­beits­ge­richts kann sich die Be­klag­te nicht auf ei­ne ver­späte­te Gel­tend­ma­chung die­ser For­de­rung nach Maßga­be der zi­tier­ten Ver­fall­sklau­sel aus § 14 des ver­ein­bar­ten Ar­beits­ver­tra­ges be­ru­fen.
Die­se Klau­sel fin­det im vor­lie­gen­den Fall kei­ne An­wen­dung, wo­bei zu­guns­ten der Be­klag­ten un­ter­stellt wer­den mag, dass es sich bei der streit­be­fan­ge­nen For­de­rung über­haupt um ei­nen An­spruch han­delt, der sich im Sin­ne der zi­tier­ten Ver­fall­sklau­sel aus dem Ar­beits­verhält­nis er­gibt (die­ser An­sicht zu­letzt: BAG vom 18. De­zem­ber 2008 - 8 AZR 105/08 - NZA-RR 2009, 314).
Der Sinn und Zweck von Ver­fall­sklau­seln ver­bie­tet ih­re An­wen­dung im vor­lie­gen­den Zu­sam­men­hang. Der Zweck ei­ner Ver­fall­sklau­sel be­steht dar­in, Rechts­si­cher­heit und Rechts­frie­den zu er­hal­ten. In­ner­halb ei­ner be­stimm­ten Frist soll Klar­heit zwi­schen den Be­tei­lig­ten ge­schaf­fen wer­den, ob noch Ansprüche aus ih­ren Rechts­be­zie­hun­gen er­ho­ben wer­den. Der Gläubi­ger soll an­ge­hal­ten wer­den, die Be­gründet­heit und die Er­folgs­aus­sich­ten sei­ner Ansprüche zu über­prüfen. Er soll da­her den Schuld­ner in­ner­halb der Ver­falls­frist dar­auf hin­wei­sen, ob und wel­che Ansprüche im Ein­zel­nen nach sei­ner Mei­nung noch be­ste­hen. Der Schuld­ner da­ge­gen soll sich sei­ner­seits dar­auf ver­las­sen können, nach Ab­lauf der Ver­falls­fris­ten nicht mehr wei­ter in An­spruch ge­nom­men wer­den zu können.
In be­stimm­ten Fällen be­darf es der Gel­tend­ma­chung ei­ner noch of­fe­nen For­de­rung durch den Gläubi­ger nicht mehr, et­wa dann, wenn der Schuld­ner die For­de­rung an­er­kannt hat. Ein sol­ches An­er­kennt­nis muss nicht aus­drück­lich aus­ge­spro­chen wer­den, es kann auch im ein­deu­ti­gen schlüssi­gen Ver­hal­ten des Schuld­ners lie­gen. So muss ei­ne Ent­gelt­for­de­rung nicht noch ein­mal schrift­lich
gel­tend ge­macht wer­den, wenn der Schuld­ner sie in ei­ner schrift­li­chen Vergütungs­ab­rech­nung streit­los stellt. Da­mit ist nämlich der Zweck der Ver­fall­sklau­sel erfüllt. Da zwi­schen den Par­tei­en nun­mehr kei­ne Un­klar­heit mehr über die Höhe ei­ner noch of­fe­nen For­de­rung be­steht, ist die sonst er­for­der­li­che schrift­li­che Gel­tend­ma­chung sei­tens des Gläubi­gers überflüssig (BAG vom 02. März 1994 - 5 AZR 415/93 - zi­tiert nach ju­ris; BAG vom 19. März 2003 - 10 AZR 597/01 - EzA Nr. 1 zu § 717 ZPO 2002; Weyand, Aus­schluss­fris­ten im Ta­rif­recht, 2008, Ka­pi­tel 6, G, II, 2.)).
Dies muss erst recht gel­ten, wenn die Par­tei­en zur Be­en­di­gung ei­nes Ar­beits­verhält­nis­ses be­stimm­te Rest­ansprüche in ei­nem ge­richt­li­chen Ver­gleich fest­le­gen.
Ir­gend­wel­che Un­klar­hei­ten sind auch im vor­lie­gen­den Fall nicht zu er­ken­nen. Eben­so wie in dem Fall, den der 5. Se­nat des Bun­des­ar­beits­ge­richts am 02. März 1994 (a. a. O.; eben­so wohl auch BAG vom 19. März 2003, a. a. O.) ent­schie­den hat, liegt auch hier ei­ne ver­se­hent­li­che Über­zah­lung aus ei­nem ge­richt­li­chen Ver­gleich vor. Mit dem Ver­gleich war je­de Un­klar­heit über die Zah­lungs­ver­pflich­tung be­sei­tigt. Die Be­klag­te wuss­te, was sie zu be­kom­men hat. Die Kläge­rin wuss­te, was zu zah­len ist. Die Be­klag­te hat­te kei­nen An­lass an­zu­neh­men, dass sie von der Kläge­rin mehr als den ver­ein­bar­ten Be­trag er­hal­ten würde. Da­mit war der Be­klag­ten auch so­fort klar, dass sie mit der Über­wei­sung vom 28. Ju­li 2008 um € 17.500,00 net­to über­zahlt war. Zu die­sem Zeit­punkt hat­te sie be­reits € 24.500,00 net­to als Ab­schlag auf die ver­gleichs­wei­se ver­ein­bar­ten Beträge er­hal­ten. Es wa­ren nach dem Ver­gleich so­mit noch € 25.000,00 brut­to of­fen, wo­bei die­ser Be­trag so­gar noch um die Steu­ern und So­zi­al­ab­ga­ben für die ge­sam­ten Ver­gleichs­beträge zu ver­min­dern war. Die Ent­gel­tab­rech­nung vom 23. Ju­li 2008 weist dem­ge­genüber nur die Ver­rech­nung ei­nes Ab­schlags von € 7.000,00 net­to aus und kommt zu ei­ner Net­to­aus­zah­lung von € 25.232,07, al­so ei­nes höhe­ren Be­tra­ges als ihn die Be­klag­te brut­to er­war­ten durf­te. Dies kann der Be­klag­ten nicht ver­bor­gen ge­blie­ben sein. Da­zu ist der Feh­ler zu auffällig. Ih­re E-Mail vom 01. Au­gust 2008 be­weist auch, dass sie sich mit der Ge­halts­ab­rech­nung be­fasst hat. Sie ist mit ihr zu ih­rem Pro­zess­be­vollmäch­tig­ten ge­gan­gen, der dann für sie des­we­gen mit der Kläge­rin kor­re­spon­diert hat.
Oh­ne Er­folg be­ruft sich die Be­klag­te auf die Ent­schei­dun­gen des Bun­des­ar­beits­ge­richts vom 19. Ja­nu­ar 1999 (- 9 AZR 405/97 - NZA 1999, 1040) und vom 18. De­zem­ber 2008 (- 8 AZR 105/08 - NZA-RR 2009, 432). Die­se Ent­schei­dun­gen be­tra­fen kei­ne Rück­zah­lungs­ansprüche we­gen ver­se­hent­li­cher Über­zah­lung aus ei­nem ge­richt­li­chen Ver­gleich son­dern ge­setz­li­che Rück­for­de­rungs­ansprüche we­gen letzt­lich un­be­rech­tig­ter Voll­stre­ckung aus ei­nem vorläufig voll­streck­ba­ren Ur­teil (§ 717 Abs. 3 ZPO). In die­sen Fällen mag die An­wen­dung von Ver­fall­sklau­seln be­rech­tigt sein, weil es sich dort ge­ra­de nicht um ein­deu­ti­ge kla­re und bei­der­seits ak­zep­tier­te For­de­run­gen han­delt, son­dern um Leis­tun­gen, die über min­des­tens zwei In­stan­zen um­strit­ten wa­ren und von dem Voll­stre­ckungsgläubi­ger ge­ra­de nicht er­war­tet wer­den kann, dass er ab ei­nem be­stimm­ten Zeit­punkt si­cher von sei­ner Rück­zah­lungs­ver­pflich­tung weiß.
Wei­te­re Ein­wen­dun­gen hat die Be­klag­te nicht er­ho­ben. Sie hat der Kläge­rin al­so die zu Un­recht er­hal­te­nen € 17.500,00 net­to zurück­zu­zah­len.
Der Zins­an­spruch folgt aus den §§ 286, 288 BGB.
Die Be­klag­te hat als Un­ter­le­ge­ne die Kos­ten des Rechts­streits zu zah­len (§ 91 Abs. 1 ZPO).
Die Re­vi­si­on ist zu­zu­las­sen we­gen grundsätz­li­cher Be­deu­tung der ent­schei­dungs­er­heb­li­chen Rechts­fra­ge (§ 72 Abs. 2 Nr. 1 ArbGG), ob in Fall­kon­stel­la­tio­nen der vor­lie­gen­den Art Ver­fall­sklau­seln An­wen­dung fin­den oder nicht. Die zi­tier­te Recht­spre­chung der ver­schie­de­nen Se­na­te des Bun­des­ar­beits­ge­richts lässt da­zu noch In­ter­pre­ta­ti­ons­spielräume.
zur Übersicht 13/7 Sa 1435/09