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Timestamp: 2016-10-24 23:43:04
Document Index: 78021179

Matched Legal Cases: ['Art. 15', 'BGE', 'Art. 15', 'Art. 5', 'BGE', 'Art. 15', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'EGMR', 'EuG', 'Art. 8', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'Art. 3', 'Art. 1', 'Art. 9', 'Art. 18', 'Art. 2', 'Art. 15', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'Art. 15', 'BGE', 'BGE', 'EGMR', 'Art. 15', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'Art. 15', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'Art. 15', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'Art. 15', 'BGE', 'EuG', 'Art. 62', 'Art. 10', 'Art. 35', 'EGMR', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'Art. 15', 'BGE', 'EuG', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'Art. 27', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'EGMR', 'Art. 9', 'Art. 9', 'Art. 2', 'EuG', 'BGE', 'EGMR', 'EGMR', 'EGMR', 'BGE', 'EGMR', 'EGMR', 'EGMR', 'EGMR', 'EGMR', 'BGE', 'Art. 9', 'EGMR', 'in fine', 'EGMR', 'Art. 18', 'BGE', 'EGMR', 'EGMR', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'EGMR', 'Art. 15', 'BGE', 'BGE', 'Art. 11', 'Art. 18', 'Art. 3', 'Art. 14', 'Art. 14', 'Art. 304', 'Art. 303', 'Art. 18', 'BGE', 'Art. 11', 'Art. 14', 'BGE', 'Art. 15', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'EGMR', 'Art. 36', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'Art. 36', 'Art. 36', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'Art. 36', 'Art. 36', 'BGE', 'BGE', 'Art. 36', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'Art. 3', 'Art. 303', 'Art. 11', 'Art. 5', 'Art. 3', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'Art. 14', 'Art. 23', 'BGE', 'Art. 14', 'Art. 36', 'BGE', 'Art. 32', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'Art. 11', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'Art. 15', 'BGE', 'Art. 15', 'BGE', 'BGE', 'Art. 36', 'Art. 15', 'Art. 8', 'BGE', 'Art. 15', 'BGE', 'Art. 15', 'BGE', 'Art. 8', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'Art. 5', 'Art. 36', 'Art. 9', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'EGMR', 'BGE', 'Art. 1', 'Art. 3', 'BGE', 'Art. 164', 'Art. 15', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'Art. 54', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'Art. 8', 'BGE', 'Art. 303', 'BGE', 'BGE', 'Art. 15', 'Art. 15', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'Art. 15', 'Art. 8', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'Art. 8', 'Art. 8', 'Art. 8', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'Art. 15', 'Art. 8', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'Art. 15', 'Art. 18', 'Art. 14', 'Art. 2', 'Art. 10', 'Art. 27', 'Art. 14', 'Art. 5', 'Art. 1', 'Art. 164', 'Art. 303']

142 I 496. Auszug aus dem Urteil der II. �ffentlich-rechtlichen Abteilung i.S. Schulgemeinde St. Margrethen gegen A.D. und B.D. (Beschwerde in �ffentlich-rechtlichen Angelegenheiten)
Art. 15 Cst.; art. 9 CEDH; art. 18 Pacte Onu II et art. 2 let. i Cst./SG; art. 36 Cst.; art. 5 Cst./SG. Interdiction de porter le voile pour des �coli�res d'une �cole publique; ing�rence inadmissible dans la libert� de conscience et de croyance. Principes directeurs de la libert� de conscience et de croyance; contenu du droit fondamental (consid. 3). Aper�u de la jurisprudence rendue en mati�re de comportements religieux d'�l�ves d'�coles publiques (consid. 4.2 et 4.3) et de l'utilisation de symboles religieux par l'�cole elle-m�me (consid. 4.4). R�f�rence � la jurisprudence de la CourEDH et de quelques cours constitutionnelles �trang�res (consid. 4.5). Ing�rence dans la sph�re de protection de la libert� de conscience et de croyance; conditions de la limitation � un droit fondamental (consid. 5 et 6). Base l�gale (consid. 7); exigence d'int�r�ts publics pertinents (consid. 8); examen de la proportionnalit� (consid. 9 et 10). Faits � partir de page 50
A. C.D. (geb. 2001) besuchte im Schuljahr 2013/2014 die 6. Klasse im Schulhaus X. in St. Margrethen. Am ersten Schultag nach den Sommerferien erschien sie ein islamisches Kopftuch tragend, welches das Haar und den Hals bedeckt (Hijab), in Begleitung ihrer Mutter in der Schule. Sie erkl�rte, sie werde den Unterricht insk�nftig mit dem Hijab besuchen. Die Schulleiterin wies auf die Schulordnung der Schulgemeinde St. Margrethen hin, die das Tragen von Kopfbedeckungen jeglicher Art w�hrend des Unterrichts untersagt. Daraufhin verliessen C.D. und ihre Mutter die Schule BGE 142 I 49 S. 51wieder. Anl�sslich eines am Abend desselben Tages zwischen dem Pr�sidenten, dem Vizepr�sidenten und dem Sekret�r des Schulrats sowie dem Vater von C.D. gef�hrten Gespr�chs wurde Letzterem eine Verf�gung ausgeh�ndigt, in welcher festgehalten wurde, f�r C.D. gelte keine Ausnahme vom Kopfbedeckungsverbot. In der Folge beharrten einerseits die Eltern auf dem Anspruch ihrer Tochter, mit dem Kopftuch am Unterricht teilnehmen zu d�rfen, und andererseits die Schulleitung auf der Durchsetzung des Kopfbedeckungsverbots. C.D. nahm am Unterricht nicht mehr teil und erarbeitete den Schulstoff zu Hause.
B. Die Eltern von C.D. erhoben in der Folge beim Bildungsdepartement des Kantons St. Gallen Rekurs. Das Gesuch, bis zum Abschluss des Verfahrens mit dem islamischen Kopftuch am Unterricht teilnehmen zu d�rfen, wies das Bildungsdepartement ab. Eine hiergegen gerichtete Beschwerde hiess der Pr�sident des Verwaltungsgerichts am 7. November 2013 gut. C.D. nimmt seit dem 12. November 2013 - mittlerweile in der Realklasse des Oberstufenzentrums - das islamische Kopftuch tragend am Unterricht teil. Am 12. M�rz 2014 wies das Bildungsdepartement den Rekurs in der Sache ab. Eine hiergegen gef�hrte Beschwerde hiess das Verwaltungsgericht mit Urteil vom 11. November 2014 gut. Es hob den Entscheid des Bildungsdepartements vom 12. M�rz 2014 auf und erlaubte C.D., das islamische Kopftuch im Unterricht zu tragen.
C. Mit Eingabe vom 2. Februar 2015 beantragt der Schulrat St. Margrethen dem Bundesgericht, das Urteil vom 11. November 2014 aufzuheben und die Verf�gung des Schulrats zu best�tigen. (...)
D. Das Bundesgericht hat die Angelegenheit am 11. Dezember 2015 �ffentlich beraten. Es weist die Autonomiebeschwerde der Volksschulgemeinde St. Margrethen ab.
3. 3.1 Die Schulgemeinde wirft dem Verwaltungsgericht vor, es habe die Tragweite der Glaubens- und Gewissensfreiheit verkannt und diese zu Unrecht als durch das erlassene allgemeine Kopfbedeckungsverbot verletzt erachtet. Die Beschwerdef�hrerin sei unter den gegebenen Voraussetzungen berechtigt gewesen, in die Grundrechte der Sch�lerin einzugreifen (Art. 15 und 36 Abs. 1-4 BV; Art. 5 KV/SG [SR 131.225]). Zu pr�fen ist vor diesem Hintergrund, BGE 142 I 49 S. 52ob die Vorinstanz die Glaubens- und Gewissensfreiheit im Autonomiebereich der Schulgemeinde in korrekter Weise angewendet hat.
3.2 Die Glaubens- und Gewissensfreiheit geh�rt zu den �ltesten Grundrechten; Zeugnisse des Toleranzgedankens finden sich bereits im vierten Jahrhundert (vgl. Mail�nder Edikt von 313; QUINTUS AURELIUS SYMMACHUS, TRE [theol. Realenzyklop�die], Ausgabe 2002, Bd. 33, S. 648), und die Vorl�ufer der Religionsfreiheit als Individualrecht reichen bis ins 16. und 17. Jahrhundert zur�ck (vgl. etwa JOHN LOCKE, Epistola de tolerantia, 1689). Gleichwohl herrschte bis Ende des 18. Jahrhunderts in den St�nden und Untertanengebieten der Schweiz mehrheitlich Zwang zur Glaubenseinheit (M�LLER/SCHEFER, Grundrechte in der Schweiz, 2008, S. 251). Die Glaubens- und Gewissensfreiheit als individuelles Grundrecht fand erst 1874 Eingang in die Bundesverfassung (REN� PAHUD DE MORTANGES, in: Basler Kommentar, Bundesverfassung, 2015, N. 1 zu Art. 15 BV; vgl. zur Entwicklung ALFRED K�LZ, Neuere Schweizerische Verfassungsgeschichte, Bd. II, 2004, S. 619 ff., 623); die Bestimmung war eine Reaktion auf die konfessionellen Auseinandersetzungen im 19. Jahrhundert und sah die M�glichkeit von polizeilichen Eingriffen des Bundes oder der Kantone zum Schutz des konfessionellen Friedens vor (vgl. M�LLER/SCHEFER, a.a.O., S. 251 f.; KIENER/K�LIN, Grundrechte, 2. Aufl. 2013, S. 313). Nach heutigem Verst�ndnis hat die Glaubens- und Gewissensfreiheit im Wesentlichen drei Funktionen zu erf�llen: Zum einen soll sie den religi�sen Frieden sichern (Toleranzgebot; BGE 117 Ia 311 E. 4a S. 317; BGE 119 Ia 178 E. 7a S. 190; BGE 123 I 296 E. 4b/bb S. 310; BGE 125 I 347 ff.; KIENER/K�LIN, a.a.O., S. 313; PETER KARLEN, Das Grundrecht der Religionsfreiheit in der Schweiz, 1982, S. 51 f.). Sodann soll sie garantieren, dass alle Menschen "allein und in der Gemeinschaft ihre tiefsten �berzeugungen zu transzendentalen Fragen bewahren, ausdr�cken, und im Alltag leben d�rfen" (Freiheitsschutz; KIENER/K�LIN, a.a.O., S. 313; vgl. BGE 139 I 280 E. 4.1 S. 282 f.; BGE 134 I 49 E. 2.3 S. 52; Urteil 2C_1079/2012 vom 11. April 2013 E. 3.1). Schliesslich soll die Glaubens- und Gewissensfreiheit auch die Ausgrenzung religi�ser Minderheiten verhindern und die Integration aller Menschen ungeachtet ihres Glaubens im Gemeinwesen erleichtern (Integrationsfunktion; BGE 119 Ia 178 E. 7e S. 193 und E. 8a S. 194; KIENER/K�LIN, a.a.O., S. 313). Die Integrationsfunktion st�tzt sich auf ein religi�s-pluralistisches Gesellschaftsverst�ndnis (vgl. BGE 125 I 369 E. 1b S. 372; BGE 123 I 296 E. 4b/bb S. 309). BGE 142 I 49 S. 53
3.3 Die Sicherstellung der religi�sen Toleranz, Freiheit und Integration der Menschen wird in den meisten Verfassungsstaaten westlicher Pr�gung durch das Prinzip der weltanschaulichen und religi�sen Neutralit�t des Staates umgesetzt (vgl. dazu Urteile 2C_897/2012 vom 14. Februar 2013 E. 3.2; EGMR Grosse Kammer Lautsi gegen Italien vom 18. M�rz 2011, Nr. 30814/06, � 60 ff., in: EuGRZ 2011 S. 677 ff.; Dogru gegen Frankreich vom 4. Dezember 2008, Nr. 27058/05, � 62; KIENER/K�LIN, a.a.O., S. 313; vgl. auch M�LLER/SCHEFER, a.a.O., S. 269 ff.; SIMON M. SCH�DLER, Der Schutz des religi�sen Friedens als Staatsaufgabe, 2014, S. 51). Die Pflicht des Staates zu Neutralit�t und Toleranz ergibt sich aus der Religionsfreiheit und dem Gebot, Personen nicht wegen ihrer weltanschaulichen oder religi�sen �berzeugung zu diskriminieren (Art. 8 Abs. 2 BV; BGE 139 I 292 E. 8.2 S. 303 ff., BGE 139 I 169 E. 7.2.1 S. 174; BGE 138 I 305 E. 3.3 S. 316 f.; BGE 135 I 49 E. 4.1 S. 53 f.; M�LLER/SCHEFER, a.a.O., S. 269). Die religi�s-weltanschauliche staatliche Neutralit�t ist nicht erst dann gegeben, wenn eine strikte Trennung von Staat und Religion realisiert ist (laizistische Staatstradition), sondern auch, wenn ihr eine f�r verschiedene Weltanschauungen und Glaubensbekenntnisse gleichermassen offene Haltung zugrunde liegt (staatliche Neutralit�t). Im kantonalen Staatsrecht der Schweiz finden sich sowohl konfessionell-neutral gepr�gte als (vereinzelt) auch laizistisch orientierte Traditionen (vgl. z.B. Art. 3 Abs. 1 und 193 Abs. 1 der Verfassung des Kantons Genf vom 14. Oktober 2012 [SR 131.234]; Art. 1 Abs. 1 der Verfassung des Kantons Neuenburg vom 24. September 2000 [SR 131.233]).
3.4 Die in den angef�hrten Ideen verankerte Glaubens- und Gewissensfreiheit wird (ebenso wie durch Art. 9 EMRK, Art. 18 UNO-Pakt II [SR 0.103.2] und Art. 2 lit. i KV/SG) durch Art. 15 BV gew�hrleistet (Abs. 1). Sie r�umt jeder Person das Recht ein, ihre Religion und ihre weltanschauliche �berzeugung frei zu w�hlen und allein oder in Gemeinschaft mit anderen zu bekennen (Abs. 2). Jede Person hat das Recht, einer Religionsgemeinschaft beizutreten oder anzugeh�ren und religi�sem Unterricht zu folgen (Abs. 3; sog. positive Glaubens- und Gewissensfreiheit). Umgekehrt darf niemand gezwungen werden, einer Religionsgemeinschaft beizutreten oder anzugeh�ren, eine religi�se Handlung vorzunehmen oder religi�sem Unterricht zu folgen (Abs. 4; sog. negative Glaubens- und Gewissensfreiheit). Die Religionsfreiheit umfasst demnach sowohl die innere Freiheit, zu glauben, nicht zu glauben oder seine religi�sen BGE 142 I 49 S. 54Anschauungen zu �ndern, wie auch die �ussere Freiheit, entsprechende �berzeugungen innerhalb gewisser Schranken zu �ussern, zu praktizieren und zu verbreiten - oder sie nicht zu teilen (BGE 139 I 280 E. 4.1 S. 282; BGE 123 I 296 E. 2b/aa S. 300; BGE 119 Ia 178 E. 4c S. 184; Urteil 2C_897/2012 vom 14. Februar 2013 E. 4.2). Sie enth�lt den Anspruch des Einzelnen darauf, sein Verhalten grunds�tzlich nach den Lehren des Glaubens auszurichten und den Glaubens�berzeugungen gem�ss zu handeln - oder aber Glaubensinhalten nicht zu folgen. Alle nat�rlichen Personen sind Tr�ger der (positiven und negativen) Glaubens- und Gewissensfreiheit, unter ihrem Schutz stehen namentlich alle Religionen, unabh�ngig von ihrer quantitativen Verbreitung in der Schweiz, aber auch atheistische Weltanschauungen (BGE 134 I 56 E. 4.3 S. 60, BGE 134 I 49 E. 2.3 S. 51; BGE 123 I 296 E. 2b/aa S. 300 f.; BGE 119 Ia 178 E. 4b S. 184). 3.5 Aus dem soeben erw�hnten Art. 15 Abs. 4 BV leitet sich der Grundsatz her, dass niemand gezwungen werden darf, "religi�sem Unterricht zu folgen". Der Unterricht an �ffentlichen Schulen ist religi�s neutral zu gestalten; �ffentliche Schulen m�ssen "ohne Beeintr�chtigung" der Glaubens- und Gewissensfreiheit besucht werden k�nnen (BGE 125 I 347 E. 4b und d S. 355 ff.). Daraus folgt das Verbot des obligatorischen Religionsunterrichts (BGE 123 I 296 E. 4b/bb S. 309; vgl. auch Urteil des EGMR Grzeleak gegen Polen vom 15. Juni 2010, Nr. 7710/02, � 49 ff., 84 ff.; vgl. zum Ganzen CAVELTI/KLEY, in: Die Schweizerische Bundesverfassung, St. Galler Kommentar, 3. Aufl. 2014, N. 14 zu Art. 15 BV). Leistet der Staat finanzielle Unterst�tzung f�r religi�se Schulen, muss er dies f�r alle Religionen gleichermassen tun (BGE 125 I 347 E. 5a S. 358 f.). Die Neutralit�tspflicht verbietet insofern generell eine Parteinahme des Staates zugunsten oder zuungunsten einer bestimmten Religion und mithin jede Sonderbehandlung von Angeh�rigen einer Religion, die einen spezifischen Bezug zu deren Glaubens�berzeugung aufweist (BGE 139 I 292 E. 8.2.3 S. 304; M�LLER/SCHEFER, a.a.O., S. 276, 735; vgl. bereits hiervor E. 3.3). Auch ein System mit konfessionell getrennten �ffentlichen Schulen w�re verfassungswidrig (BGE 125 I 347 E. 4e S. 357). 3.6 Die von Art. 15 Abs. 2 und 3 BV gew�hrleistete Religionsaus�bung sch�tzt �ber den Neutralit�tsgrundsatz und kultische Handlungen hinaus die Beachtung religi�ser Gebr�uche und Gebote sowie andere �usserungen des religi�sen Lebens, soweit solche Verhaltensweisen Ausdruck der religi�sen �berzeugung bildenBGE 142 I 49 S. 55 (BGE 123 I 296 E. 2b/aa S. 300; BGE 119 Ia 178 E. 4c S. 184). Das gilt auch f�r Religionsbekenntnisse, welche die auf den Glauben gest�tzten Verhaltensweisen sowohl auf das geistig-religi�se Leben wie auch auf weitere Bereiche des allt�glichen Lebens beziehen (BGE 119 Ia 178 E. 4c S. 185); auch religi�s motivierte Bekleidungsvorschriften sind vom Schutz von Art. 15 BV erfasst (BGE 139 I 280 E. 4.1 S. 281 f.; BGE 134 I 56 E. 4.3 S. 60 f., BGE 134 I 49 E. 2.3 S. 51 f.; BGE 123 I 296 E. 2b/aa S. 300; BGE 119 Ia 178 E. 4c S. 184). Das aus Art. 15 Abs. 4 BV abgeleitete Gleichbehandlungsgebot umfasst folgerichtig auch Bekleidung, die mit Religionen in Verbindung gebracht wird, wie neben dem Kopftuch etwa die j�dische Kippa oder das Habit christlicher Ordensschwestern und -br�der oder Symbole wie sichtbar getragene Kreuze (vgl. BGE 139 I 292 E. 8.2.3 S. 304; vgl. M�LLER/SCHEFER, a.a.O., S. 276, 735; vgl. auch deutsches Bundesverfassungsgericht 1 BvR 471/10, 1 BvR 1181/10, Beschluss vom 27. Januar 2015, Rz. 115, abgedruckt in: EuGRZ 2015 S. 181 ff., 191; Urteilstext auch abrufbar unter www.bundesverfassungsgericht.de).
4. 4.1 Die Schule nimmt die ihr von Verfassung und vom Kanton St. Gallen �bertragenen �ffentlichen Aufgaben wahr (Art. 62 BV; Art. 10 KV/SG); sie ist an die Grundrechte gebunden (Art. 35 Abs. 2 BV). Insbesondere im Kontext der �ffentlichen Schule und ihrer Neutralit�tspflicht haben die von der Glaubens- und Gewissensfreiheit gesch�tzten Verhaltensweisen und Bekleidungsvorschriften - sowohl im nationalen als auch im internationalen Bereich - zu einer vielf�ltigen Rechtsprechung gef�hrt. In Bezug auf die Sch�lerschaft betrifft dies zun�chst Streitfragen zur Dispensation von einzelnen Unterrichtsf�chern infolge religi�ser Verhaltensweisen oder zur Verwendung von religi�sen Symbolen. Weiter befasste sich die Rechtsprechung mit der Ausstattung der R�ume �ffentlicher Schulen mit religi�sen Symbolen und mit dem Tragen entsprechender Symbole durch die Lehrerschaft.
Dabei hat das Bundesgericht die Zul�ssigkeit von Einschr�nkungen gegen�ber der Sch�lerschaft stets von solchen gegen�ber der Lehrerschaft unterschieden. Als �berblick werden die wichtigsten bisher im Kontext der �ffentlichen Schule behandelten Fallkonstellationen zu religi�sen Verhaltensweisen der Sch�ler dargestellt (hiernach E. 4.2 und 4.3); anschliessend diejenige zum Verwenden religi�ser Symbole durch die Schule selbst (hiernach E. 4.4). Sodann erfolgt ein �berblick insbesondere �ber die Rechtsprechung des EGMR und BGE 142 I 49 S. 56einzelner ausl�ndischer Gerichte zu den religi�sen Insignien (hiernach E. 4.5).
4.2 Reich ist zun�chst die nationale Rechtsprechung zu von Sch�lern aus religi�sen Gr�nden erbetenen Unterrichtsdispensationen. W�hrend das Bundesgericht 1993 einem muslimischen M�dchen die Befreiung vom obligatorischen Schwimmunterricht aus religi�sen Gr�nden zugestand (BGE 119 Ia 178 E. 4 S. 183 ff.), wies es die Gesuche zweier muslimischer Knaben zur�ck, sie seien vom Schwimmunterricht zu dispensieren, weil ihnen der Anblick von aus der Sicht ihres Glaubens nicht hinreichend bekleideten M�dchen im Schwimmunterricht und der damit einhergehende Bruch mit ihrer Religion nicht zuzumuten sei (BGE 135 I 79 E. 7.2 S. 89 f.). Das Bundesgericht erkannte zwar einen Eingriff in den Schutzbereich der Glaubens- und Gewissensfreiheit der beiden Beschwerdef�hrer. Indessen erachtete es das �ffentliche Interesse und die Aufgabe der Schule, den sozialen Einbindungsprozess durch die Teilnahme an den Unterrichtsf�chern inklusive Sportunterricht durchzusetzen, als h�herrangig (BGE 135 I 79 E. 7.2 S. 89 f.). Das Bundesgericht best�tigte diese Praxis mit Urteil 2C_666/2011 vom 7. M�rz 2012, welches den gemischtgeschlechtlichen Schwimmunterricht von zwei neun- bzw. siebenj�hrigen M�dchen zum Gegenstand hatte. Sodann erachtete es die Rechtsprechung als zul�ssig, eine Sch�lerin muslimischen Glaubens zur Teilnahme am getrenntgeschlechtlichen Schwimmunterricht in einem nicht eng anliegenden, Arme und Beine abdeckenden Badegewand mit integrierter Kopfbedeckung zu verpflichten (2C_1079/2012 vom 11. April 2013 E. 3.4-3.6; sog. Burkini). Kindern von Angeh�rigen der palmarianisch-katholischen Kirche war das Singen von christlich gepr�gten Liedern sowie die Teilnahme an Schulausfl�gen auch an religi�s konnotierte St�tten zumutbar, solange entsprechende T�tigkeiten nicht als bekenntnishafte Akte erschienen. So hielt das Bundesgericht fest, Kinder d�rften vor Weihnachten oder zu Ostern zwar nicht verpflichtet werden, religi�se Lieder zu singen, wenn dies einem glaubensm�ssigen Akt gleichkomme; hingegen verleihe Art. 15 BV grunds�tzlich keinen Anspruch darauf, nicht mit den religi�sen Handlungen anderer - auch religi�sen Ges�ngen - konfrontiert zu werden (Urteil 2C_724/2011 vom 11. April 2012 E. 3.1 f.; vgl. in anderem Kontext auch 1C_322/2011 vom 19. Dezember 2011 E. 3.4).
4.3 Die Durchf�hrung von Yoga-Entspannungs�bungen im Kindergartenunterricht erachtete das Bundesgericht als einen Eingriff in die BGE 142 I 49 S. 57negative Religionsfreiheit der sich als gl�ubige Christen bezeichnenden Eltern des Kindes. Da die �bungen indessen motorisch-akrobatisch praktiziert wurden und von keiner Vermittlung von religi�sen Glaubensinhalten begleitet waren, waren sie - auch unter Ber�cksichtigung der Gestaltungsfreiheit der Lehrperson f�r den Unterricht - von den Eltern hinzunehmen (Urteil 2C_897/2012 vom 14. Februar 2013 E. 4.2 und 4.3). Die Verpflichtung zur Teilnahme an einem reaktiv angelegten Aufkl�rungsunterricht in der �ffentlichen Schule (Primarschule und Kindergarten) bedeutete sodann zwar einen Eingriff in die Glaubens- und Gewissensfreiheit der Eltern, war indessen mit den damit verfolgten �ffentlichen Interessen (u.a. Gesundheitsschutz, Pr�vention vor sexuellen �bergriffen bzw. Schutz der Pers�nlichkeit) zu rechtfertigen (Urteil 2C_132/2014 vom 15. November 2014 E. 5, in: EuGRZ 2015 S. 299). Im Fall einer Sch�lerin, der von einer Schule des Kantons Thurgau untersagt worden war, w�hrend des Unterrichts aus religi�sen Gr�nden ein Kopftuch zu tragen, stellte das Bundesgericht bereits wegen einer fehlenden gesetzlichen Grundlage einen Verstoss gegen die Verfassung fest (BGE 139 I 280 ff. E. 5 S. 283 ff.). Im Kontext der �ffentlichen Schule best�tigte das Bundesgericht sodann wiederholt, dass Sch�lern an religi�sen Feiertagen, etwa an Ostern oder am Sabbat, ein Freitag zu gew�hren sei (BGE 134 I 114 E. 2 ff. S. 116 ff. [Chiesa cristiana avventista]; BGE 129 I 74 E. 5.1 S. 81 f.; BGE 117 Ia 311 E. 5 S. 319 ff.; vgl. auch Erziehungsdirektion des Kantons Bern, 5. Februar 1992, in: ZBl 93/1992 S. 281 [Religionsgemeinschaft der Baha'i]); ebenso sei f�r Pr�fungen an einem religi�sen Feiertag ein Wiederholungstermin anzubieten (BGE 134 I 114 E. 6.2 S. 120 f.). Gleichzeitig bewertete das Bundesgericht das �ffentliche Interesse am Schulbesuch und der Integration der Sch�lerinnen und Sch�ler stets als von besonderer Wichtigkeit, sodass Ersuchen um eine generelle Unterrichtsbefreiung von einzelnen F�chern aus religi�sen Gr�nden insbesondere in neuerer Zeit in der Regel abgelehnt wurden (Urteile 2C_132/2014 vom 15. November 2014 E. 5.3-5.5 betreffend Aufkl�rungsunterricht; 2C_724/2011 vom 11. April 2012 E. 3.5 betreffend Lieder singen und Schulausfl�ge; 2C_897/2012 vom 14. Februar 2013 E. 4.3.2 betreffend Yoga-�bungen; anders noch BGE 119 Ia 178 E. 4 S. 183 ff. betreffend Schwimmunterricht).
4.4 Hinsichtlich der Verwendung von Insignien durch die Schule bzw. der Lehrpersonen hat das Bundesgericht im Jahr 1990 das BGE 142 I 49 S. 58Anbringen eines Kruzifixes im Schulzimmer einer Primarschule als im Widerspruch zur staatlichen Neutralit�tspflicht stehend gewertet. Es begr�ndete dies damit, das Symbol k�nne - insbesondere vor dem Hintergrund, dass die Sch�ler religi�s noch nicht m�ndig waren - den Eindruck erwecken, die Lerninhalte w�rden durch die Schule christlich gepr�gt vermittelt (Art. 27 Abs. 3 aBV; BGE 116 Ia 252 E. 7 und 8 S. 261 ff. mit Verweis auf die Rechtsprechung des Supreme Court der Vereinigten Staaten und dessen Urteil Stone vs. Graham [per curiam], BGE 116 Ia 449 US 39/1980 [a.a.O., E. 7b S. 262 f.]; zum Verbot eines Kreuzzeichens im Kontext des Gerichtssaals vgl. BGE 121 I 42 E. 3 S. 48 [Nichteintreten]). Der EGMR hat in einer Beschwerde gegen Italien befunden, dass das Kruzifix in Schulzimmern - insbesondere aufgrund des Umstands, dass die italienischen Schulen eine sehr grosse Offenheit gegen�ber anderen Religionen zeigten - mit Art. 9 EMRK vereinbar sei. Die Beurteilung der Frage sei im Wesentlichen den Vertragsstaaten �berlassen (Urteil Lautsi, � 29 ff., 68 ff., 74 [zu Art. 9 EMRK und Art. 2 des Protokolls I zur EMRK]; EuGRZ 2011 S. 677 ff.). Unter dem Gesichtswinkel der Neutralit�t hat das Bundesgericht sodann - in ausdr�cklicher Parallele zum Kruzifix-Fall - sowie unter Bezugnahme auf die laizistische Tradition des Kantons Genf einer zum Islam konvertierten Primarlehrerin untersagt, w�hrend des Unterrichts ein Kopftuch zu tragen (BGE 123 I 296 E. 3 und 4 S. 303 ff.). Die Lehrerin gelangte mit dieser Streitsache erfolglos an den EGMR (Entscheid Dahlab gegen die Schweiz vom 15. Februar 2001, Nr. 42393/98; ECHR 2001-V, in: VPB 2001 Nr. 40 S. 1410 [Nichtzulassung]). 4.5 Auch der EGMR und andere ausl�ndische h�chste Verfassungsgerichte haben sich verschiedentlich mit der Verwendung von religi�sen Symbolen wie dem Kopftuch im Allgemeinen sowie mit religi�sen Insignien in der Schule und dem Tragen von religi�sen Symbolen durch die Sch�lerschaft auseinandergesetzt.
4.5.1 Die neuere Rechtsprechung des EGMR zu den religi�sen Symbolen betrifft �ffentliche Einrichtungen, teilweise aber auch die horizontale Drittwirkung der Glaubens- und Gewissensfreiheit in Rechtsverh�ltnissen zwischen Privatpersonen (Urteil Eweida und andere gegen Grossbritannien vom 15. Januar 2013, Nr. 48420/10, 59842/10, 51671/10 und 36516/10). Der Gerichtshof betont, dass eine intakte demokratische Gesellschaft Vielfalt und Pluralismus aushalten und unterst�tzen muss; auch aufgrund des Rechts, das dem Einzelnen zusteht, seine Religion als zentrales Anliegen seines BGE 142 I 49 S. 59Lebens zu betrachten und dies auch anderen gegen�ber zu kommunizieren (Urteil Eweida, � 94; vgl. die Freiheitsfunktion; hiervor E. 3.2). So wurde es als unzul�ssig erachtet, dass eine Angestellte einer privaten Fluggesellschaft eine Kette mit christlichem Kreuz beim Tragen der Arbeitsuniform zu verbergen habe, w�hrend anderen Angestellten, die mit Kopfbedeckungen der Sikhs oder muslimischen Kopft�chern bekleidet waren, das Tragen dieser religi�sen Symbole freigestellt war und hieraus auch keinerlei negative Auswirkungen feststellbar waren (Urteil Eweida, � 89 ff., 94). Demgegen�ber sah es der EGMR aus Gr�nden des Gesundheitsschutzes der Patienten als gerechtfertigt an, die Glaubens- und Gewissensfreiheit einer Angestellten eines �ffentlichen Krankenhauses einzuschr�nken, die Schmuck mit einem frei beweglichen christlichen Kreuz trug (Infektionsrisiko; Urteil Eweida, � 99 ff.). Bei einer Zivilstandsbeamtin, die sich unter Berufung auf eine christliche Weltsicht weigerte, gleichgeschlechtliche Paare ins Zivilstandsregister einzutragen, wurde der Eingriff in ihre Glaubens- und Gewissensfreiheit gest�tzt auf Grundrechte Dritter durch den EGMR als rechtm�ssig erachtet. Der Gerichtshof betonte das Subsidiarit�tsprinzip und den Beurteilungsspielraum des Mitgliedstaates Grossbritannien und sah in der Abweisung der Diskriminierungsbeschwerde keine Verletzung der Konvention (Urteil Eweida, � 106; vgl. auch das vom Bundesrat zur Ratifikation beantragte Zusatzprotokoll Nr. 15 zur EMRK, Sammlung der Europaratsvertr�ge SEV-Nr. 213, www.coe.int/de/web/conventions/full-list/-/conventions/treaty/213). Einer orthodoxen Christin schliesslich, die als Paartherapeutin bei einem privaten Arbeitgeber angestellt war, wurde die Auflage, im Rahmen ihrer Anstellung auch gleichgeschlechtliche Paare zu behandeln, als zumutbar angesehen. Der EGMR anerkannte die Rechtfertigung des privaten Unternehmens, diskriminierungsfreie Dienstleistungen anzubieten (Urteil Eweida, � 109 f.).
4.5.2 In der Vergangenheit hat der EGMR die Beschwerden von Einzelpersonen, die durch die Mitgliedstaaten am Tragen von religi�sen Symbolen gehindert wurden - unter spezifischen Rechtfertigungsgr�nden und Bezugnahmen auf Verfassungstraditionen (vgl. im Folgenden und auch Urteile Refah Partisi und andere gegen die T�rkei vom 13. Februar 2003, Nr. 41340/98, � 92; Lautsi, � 68 ff.) sowie angesichts der konkreten Umst�nde -, abgelehnt. Im Urteil Sahin gegen die T�rkei (Grosse Kammer; vom 10. November 2005, Nr. 44774/98, � 157 ff.) sch�tzte der EGMR ein allgemeines BGE 142 I 49 S. 60Kopftuchverbot f�r Studentinnen an t�rkischen Universit�ten unter Bezugnahme auf die Tradition des Laizismus (Kemalismus). In den Urteilen Kervanci gegen Frankreich und Dogru gegen Frankreich, erachtete der Gerichtshof - ebenfalls unter Bezugnahme auf das Verfassungsprinzip des Laizismus in Frankreich sowie des Gesundheitsschutzes - ein Kopftuchverbot f�r Sch�lerinnen w�hrend des Turnunterrichts sowie die Disziplinarmassnahmen wegen Widerhandlung gegen dasselbe als unter dem Gesichtswinkel von Art. 9 EMRK gerechtfertigt (Urteile vom 4. Dezember 2008, Nr. 31645/04, � 47 ff., 72 ff. bzw. Nr. 27058/05, � 33 ff., 72 [Laizismus], 74 [Gesundheitsschutz]; vgl. auch K�se und andere gegen die T�rkei vom 24. Januar 2006, Nr. 36594/97 [Nichtzulassung]).In einem Nichtzulassungsentscheid betreffend Frankreich f�hrte der EGMR aus, das Tragen von sichtbaren religi�sen Symbolen in �ffentlichen Ausbildungsst�tten k�nne unter R�ckgriff auf den Verfassungsgrundsatz der Laizit�t in konventionskonformer Weise eingeschr�nkt werden, auch wenn es nicht bloss den Turnunterricht betreffe (Urteil Aktas gegen Frankreich vom 30. Juni 2009, Nr. 43563/08, � 2 in fine). Der EGMR gelangte in einer Entscheidung vom 26. November 2015 sodann zum Schluss, dass sich die Neutralit�tspflicht auch auf weitere Angestellte des Staates, etwa in einem �ffentlichen Spital, beziehen k�nne. So rechtfertigten die Bestimmungen zu Neutralit�t und Laizit�t Frankreichs, einer Person am Empfang eines �ffentlichen Spitals zu verbieten, ein muslimisches Kopftuch zu tragen (Urteil Ebrahimian gegen Frankreich vom 26. November 2015, Nr. 64846/11, � 61 ff.). Demgegen�ber sah es der UNO-Menschenrechtsausschuss aufgrund von Art. 18 UNO-Pakt II als unzul�ssig an, einer usbekischen Universit�tsstudentin das Tragen des Kopftuchs generell zu verbieten ( Hudoyberganova gegen Uzbekistan, communication no. 931/2000, 18. Januar 2005, Ziff. 6.2; vgl. mit �hnlicher Argumentation f�r die Zul�ssigkeit des Tragens religi�ser Insignien durch Volkssch�ler in Schweden die Swedish National Agency for Education, Decision 52-2006:689 vom 22. Mai 2006).
4.5.3 Der Oberste Gerichtshof der Vereinigten Staaten hiess in neuester Zeit sodann eine Beschwerde einer Verk�uferin gut, die mit dem Tragen des Kopftuchs nicht dem "Stil des Hauses" eines Modekonzerns entsprochen haben soll. Der Gerichtshof erachtete als diskriminierend, dass das Kopftuch ein "motivierender Faktor" f�r die Entscheidung der Modekette war, die Verk�uferin nicht einzustellen; ohne Bedeutung blieb, dass die Unternehmung �ber BGE 142 I 49 S. 61deren Religionszugeh�rigkeit nicht explizit informiert war (Supreme Court of the United States, 575 U.S. [2015] vom 1. Juni 2015 S. 3, www.supreme.justia.com/cases/federal/us/575/13-983/). In einem j�ngsten Urteil erachtete das deutsche Bundesverfassungsgericht ein generelles Kopftuchverbot f�r Lehrkr�fte an �ffentlichen Schulen - jedenfalls dann, wenn das �ussere Erscheinungsbild von Lehrkr�ften nicht zu einer hinreichend konkreten Gef�hrdung oder St�rung des Schulfriedens oder der staatlichen Neutralit�t f�hre oder wesentlich dazu beitrage - als verfassungswidrig (Urteile 1 BvR 471/10, 1 BvR 1181/10, a.a.O., Rz. 113). Das Bundesverfassungsgericht hat die Vorschrift dar�ber hinaus als problematisch vor dem Hintergrund einer mittelbaren Diskriminierung von - vermehrt durch religi�se Kleidervorschriften betroffenen - Erzieherinnen angesehen (Urteile 1 BvR 471/10, 1 BvR 1181/10, a.a.O., Rz. 96). Der EGMR schliesslich hat ein Verbot der vollst�ndigen Verh�llung im Ganzk�rperschleier mit Sichtfenster im �ffentlichen Raum im Mitgliedstaat Frankreich - wiederum unter spezifischer Bezugnahme auf dessen laizistische Tradition, aber auch unter Bezugnahme auf den Umstand, dass eine solche vollst�ndige Verschleierung zwischenmenschliche Kontakte massgeblich erschwere - als in Einklang mit der Konvention verstanden (Urteil der Grossen Kammer des EGMR S.A.S. gegen Frankreich vom 1. Juli 2014, Nr. 43835/11, � 132 ff., [sog. Burkaverbot]; ein entsprechendes Verbotexistiert im Kanton Tessin, gew�hrleistet durch die Bundesversammlung am 11. M�rz 2015, BBl 2015 3035 f.).
4.5.4 Insgesamt zeigt sich im kurzen �berblick - zumindest ausserhalb von Staaten mit laizistischer Verfassungstradition und mit Ausnahme der Ganzk�rperverschleierungen - eine weitgehende Zul�ssigkeit des Tragens religi�ser Symbole, die sich prinzipiell auch auf Ausbildungsst�tten erstreckt. Dabei bleiben punktuelle Einschr�nkungen - etwa im Rahmen der Erf�llung des Bildungsauftrags und der Verpflichtung zu Neutralit�t des Staates und seiner Repr�sentanten - grunds�tzlich m�glich. Den Mitgliedstaaten der EMRK verbleibt ein relativ weiter Beurteilungsspielraum, um Streitfragen um das Tragen religi�ser Symbole gest�tzt auf die eigene Verfassungstradition und die aktuelle gesellschaftliche Entwicklung zu l�sen.
4.6 Das hier infrage stehende Verbot des Tragens religi�ser Insignien durch eine Sch�lerin an einer �ffentlichen Schule ist bisher durch das Bundesgericht - in materieller Hinsicht - nicht beurteilt worden. BGE 142 I 49 S. 62
5. Strittig ist vorliegend zun�chst der Schutzbereich der Glaubens- und Gewissensfreiheit.
5.1 Die Beschwerdegegner bringen vor, dass ihre Tochter das Kopftuch aus religi�sen Gr�nden trage. Daraus erwachse ihr das Recht, auch in der Schule auf diese Weise gekleidet zu sein. Die beschwerdef�hrende Schulgemeinde geht demgegen�ber davon aus, die Berufung auf religi�se Pflichten sei "vorgeschoben" und ziele bei der Sch�lerin und ihren Eltern darauf, eine "besondere Behandlung" zu erwirken. Sowohl die Sch�lerin als auch die Eltern verhielten sich religi�s "nicht koh�rent", indem sie Gebetspflichten nicht beachteten. Die Mehrheit der Anh�ngerinnen des islamischen Glaubens in der Schweiz trage sodann ohnehin kein Kopftuch. Insofern k�nnten weder die Eltern noch die Sch�lerin spezifische Rechte aus der Glaubens- und Gewissensfreiheit f�r sich ableiten.
5.2 Staatliche Organe �ben Zur�ckhaltung bei der Pr�fung von Glaubensinhalten; sie haben von der �berzeugung auszugehen, welche die religi�sen Normen f�r die Betroffenen haben (BGE 135 I 79 E. 4.4 S. 84; BGE 134 I 56 E. 5.2 S. 63; BGE 125 I 369 E. 7 S. 384 f. [Scientology Kirche]). Entscheidend f�r die Annahme eines Eingriffs in den Schutzbereich der Glaubens- und Gewissensfreiheit ist, dass die von der Sch�lerin bzw. ihren Eltern angerufenen Verhaltensweisen einen unmittelbaren Ausdruck ihrer religi�sen �berzeugung bilden und dass sie dies glaubhaft darlegen (vgl. BGE 135 I 79 E. 4.4 S. 84; BGE 134 I 56 E. 5.2 S. 63; Urteil 2C_897/2012 vom 14. Februar 2013 E. 4.2; vgl. auch Urteil des EGMR Eweida, � 82; YVO HANGARTNER, Religionsfreiheit, AJP 2010 S. 441 ff.; KELLER/B�RLI, Religionsfreiheit in der multikulturellen Schulrealit�t, recht 2009 S. 100 ff., 102 f.; CAVELTI/KLEY, a.a.O., N. 11 zu Art. 15 BV; KARLEN, a.a.O., S. 203 ff.). Der Schutzbereich der Glaubens- und Gewissensfreiheit bestimmt sich somit im Kern nach subjektiven Gesichtspunkten. Daher ist es f�r die Pr�fung des Eingriffs nicht relevant, ob und inwieweit die Beschwerdegegner und ihr Kind andere der Schulbeh�rde bekannte Praktiken verfolgen oder nicht (vgl. bereits Urteil 2C_794/2012 vom 11. Juli 2013 E. 3.3, nicht publ. in: BGE 139 I 280 ff.). Es kann f�r den Eingriff in den Schutzbereich des Grundrechts nicht auf die Vorbringen ankommen, dass die Mehrheit der Anh�ngerinnen des islamischen Glaubens in der Schweiz keine Kopfbedeckung trage, und der Eingriff kann auch nicht aufgrund des Umstands ausgeschlossen werden, dass die Frage, inwieweit die Regeln des islamischen Glaubens die Verschleierung f�r Frauen �berhaupt gebieten oder nicht, selbst umstritten ist. BGE 142 I 49 S. 63
5.3 Zu beachten ist, dass minderj�hrige Kinder in ihrer Glaubens- und Gewissensfreiheit gesch�tzt sind (Art. 11 Abs. 2 BV; Art. 18 Abs. 4 UNO-Pakt II; Art. 3 und 14 Abs. 1 des �bereinkommens vom 20. November 1989 �ber die Rechte des Kindes [UNO-Kinderrechtekonvention, KRK; SR 0.107]). Art. 14 Abs. 1 KRK h�lt die Vertragsstaaten an, das Recht des Kindes auf Gedanken-, Gewissens- und Religionsfreiheit zu achten. Die Vertragsstaaten wahren sodann die Rechte und Pflichten der Eltern, das Kind bei der Aus�bung dieses Rechts in einer seiner Entwicklung entsprechenden Weise zu leiten (Art. 14 Abs. 2 KRK). Die Rechte minderj�hriger Kinder werden durch die Eltern wahrgenommen (Art. 304 Abs. 1 ZGB). Den Eltern kommt auch das Recht zu, �ber die religi�se Erziehung ihrer Kinder bis zum Ende des 16. Altersjahrs zu bestimmen (Art. 303 Abs. 1 und 3 ZGB; vgl. auch Art. 18 Abs. 4 UNO-Pakt II); dieses Recht ist seinerseits Bestandteil der Glaubens- und Gewissensfreiheit der Eltern (BGE 129 III 689 E. 1.2 S. 691 f.). Neben dem Gesichtswinkel der religi�sen Erziehung ist indessen auch ein innerer, pers�nlicher Bereich der Glaubens- und Gewissensfreiheit zu achten, der bei jedem urteilsf�higen Kind mitzuber�cksichtigen ist (Art. 11 BV; Art. 14 Abs. 1 KRK; vgl. M�LLER/SCHEFER, a.a.O., S. 264 mit Hinweis auf das Urteil 5C.146/2003 vom 23. September 2003 E. 3.1 und 4, nicht publ. in: BGE 129 III 689).
5.4 Die Sch�lerin war zum massgeblichen Zeitpunkt des vorinstanzlichen Urteils (und ist auch heute) weniger als 16 Jahre alt. Die Beschwerdegegner und die Sch�lerin legen dar, dass diese das Kopftuch aus religi�sen Gr�nden trage; das Tragen des Kopftuches der Sch�lerin als (heranwachsende) Frau, die sich zum Islam bekennt, steht demnach - entgegen der beschwerdef�hrerischen Vorbringen - als Ausdruck eines religi�sen Bekenntnisses unter dem Schutz der Religionsfreiheit gem�ss Art. 15 BV (BGE 139 I 280 E. 4.1 S. 282; BGE 134 I 56 E. 4.3 S. 60 f., BGE 134 I 49 E. 2.3 S. 51 f.; BGE 123 I 296 E. 2b/aa S. 300; BGE 119 Ia 178 E. 4c S. 184; vgl. auch BGE 119 IV 260 E. 3b/aa S. 263; vgl. auch Urteile des EGMR Dogru, � 47; Sahin, � 78). Das Verbot des Tragens des Kopftuches bewirkt einen Eingriff in den Schutzbereich der Glaubens- und Gewissensfreiheit der Sch�lerin bzw. ihrer Eltern als Erziehungsberechtigte.
6. Eingriffe in die Glaubens- und Gewissensfreiheit und Beeintr�chtigungen von religi�sen Gepflogenheiten sind nur zul�ssig, wenn sie die Voraussetzungen zur Einschr�nkung von Grundrechten erf�llen (Art. 36 Abs. 1-3 BV; BGE 139 I 280 E. 4.2 S. 282 f.; BGE 134 I 56
BGE 142 I 49 S. 64E. 4.3 S. 60 f., BGE 134 I 49 E. 2.3 S. 51 f.; BGE 123 I 296; BGE 119 IV 260). Sie m�ssen auf einer gesetzlichen Grundlage beruhen, durch ein �ffentliches Interesse oder den Schutz von Grundrechten Dritter gerechtfertigt und verh�ltnism�ssig sein (Art. 36 Abs. 1-3 BV). Schwere Eingriffe in Freiheitsrechte bed�rfen einer klaren und ausdr�cklichen Regelung in einem formellen Gesetz (Art. 36 Abs. 1 Satz 2 BV; BGE 139 I 280 E. 5.1 S. 284; BGE 137 II 371 E. 6.2 S. 381; BGE 130 I 65 E. 3.3 S. 68). Der Kerngehalt der Glaubens- und Gewissensfreiheit ist unantastbar (Art. 36 Abs. 4 BV). Den nicht antastbaren Kernbereich dieses Grundrechts betrifft das Tragen eines Kopftuchs aus religi�sen Gr�nden allerdings nicht. Es darf unter den Voraussetzungen von Art. 36 BV eingeschr�nkt werden (BGE 123 I 296 E. 2 b/cc S. 301 f.; vgl. auch BGE 134 I 56 E. 4.3 S. 60 f. mit Hinweisen; Urteil 2C_1079/2012 vom 11. April 2013 E. 3.2).
7. Zu pr�fen ist zun�chst, ob eine hinreichende gesetzliche Grundlage vorliegt, wie dies die Schulgemeinde vorbringt (Art. 36 Abs. 1 BV). Die Beschwerdef�hrerin macht geltend, es liege durch das Verbot, eine Kopfbedeckung zu tragen, jedenfalls vorliegend kein schwerer Eingriff in die Glaubens- und Gewissensfreiheit der Sch�lerin vor. So oder anders h�lt die Beschwerdef�hrerin daf�r, dass eine formell-gesetzliche Grundlage gegeben sei.
7.1 Ob ein Grundrechtseingriff schwer ist, beurteilt sich grunds�tzlich nach objektiven Kriterien (BGE 141 I 211 E. 3.2 S. 214 f.; BGE 139 I 280 E. 5.2 S. 285; BGE 130 I 65 E. 3.3 S. 68; BGE 128 II 259 E. 3.3 S. 269; BGE 120 Ia 147 E. 2b S. 150). Im Bereich der Glaubens- und Gewissensfreiheit ist dies insofern schwierig, als religi�se Empfindungen und �berzeugungen stets subjektiv begr�ndet sind; staatliche Organe haben von der �berzeugung auszugehen, welche die religi�sen Normen f�r die Betroffenen haben (BGE 135 I 79 E. 4.4 S. 84; BGE 134 I 56 E. 5.2 S. 63; hiervor E. 5.2). Anordnungen, welche die Aus�bung ihrer religi�sen �berzeugung beeintr�chtigen, werden Betroffene meist als schwer empfinden (vgl. BGE 119 Ia 178 E. 6a S. 188). Entscheidend ist demnach f�r die Bestimmung der Schwere des Eingriffs, ob die Betroffenen die konkrete Beeintr�chtigung substanziiert als wesentliches Element bzw. als eine wichtige Verhaltensregel einer bestimmten Form religi�ser Bet�tigung darlegen k�nnen, die sich herausgebildet hat, sodass die Schwere des Eingriffs objektiv nachvollziehbar wird und sich an �usseren Lebensumst�nden zeigt (BGE 139 I 280 E. 5.2 S. 285 f.; BGE 135 I 79 E. 4.4 S. 84; BGE 134 I 56 E. 5.2 S. 63; vgl. Urteil 2C_897/2012 vom 14. Februar 2013 E. 4.2; vgl. BGE 142 I 49 S. 65WALTER K�LIN, Grundrechte im Kulturkonflikt, 2000, S. 39; KARLEN, a.a.O., S. 294 f.). 7.2 Die Beschwerdegegner und die Sch�lerin bringen vor, dass diese das Kopftuch in der �ffentlichkeit aus eigener religi�ser �berzeugung trage. Das eigene Recht auf Religionsfreiheit der Sch�lerin ist zu gewichten (Art. 3 und 14 Abs. 1 KRK); ihren Eltern kommt jedoch - wie dargelegt - das Recht zu, �ber deren religi�se Erziehung zu bestimmen (Art. 303 Abs. 1 und 3 ZGB, Art. 11 Abs. 2 BV, Art. 5 und 14 Abs. 2 KRK; hiervor E. 5.3). Sie haben denn auch das kantonale Verfahren angestrengt. Ein Kopftuchverbot an der Schule br�chte die Sch�lerin in den Konflikt, entweder einem staatlichen oder aber einem religi�sen, durch ihre Herkunft und die Familie vermittelten Gebot zuwiderhandeln zu m�ssen. Solche Spannungen k�nnen die betroffenen Kinder stark belasten und dem Kindeswohl entgegenstehen (Art. 3 KRK; BGE 139 I 280 E. 5.2 S. 285; BGE 119 Ia 178 E. 8a S. 194; BGE 117 Ia 311 E. 4b S. 318; BGE 114 Ia 129 E. 5b S. 137 f.; mit Hinweisen). Das generelle Verbot, das Kopftuch auf dem Schulareal zu tragen, wirkt sich zudem - entsprechend der t�glichen Pr�senz in der Schule - massgeblich auf den Lebensalltag der Sch�lerin aus. Nach der Rechtsprechung stellt daher ein generelles Verbot gegen�ber einer Sch�lerin, das Kopftuch w�hrend des Unterrichts zu tragen, einen schweren Eingriff in das Grundrecht der Glaubens- und Gewissensfreiheit dar (vgl. BGE 139 I 280 E. 5.2 S. 285 f.; vgl. bereits BGE 114 Ia 129 E. 5b S. 137 f.; vgl. f�r Lehrpersonen auch deutsches Bundesverfassungsgericht 1 BvR 471/10 und 11181/10, a.a.O., Rz. 95). 7.3 Das verf�gte Verbot bedurfte nach dem Gesagten einer Grundlage in einem formellen Gesetz. Die Vorinstanz erachtet die Grundlage von Art. 14 Abs. 2 der Schulordnung der Schulgemeinde St. Margrethen als formell-gesetzliche Grundlage, weil sie dem fakultativen Referendum unterstand (vgl. Urteil 2C_365/2012 vom 11. Februar 2013 E. 5.1; Art. 23 Abs. 1 lit. a und d GG/SG [sGS 151.2]; anders referendumsfreie Akte der Exekutive; BGE 139 I 280 E. 5.3 f. S. 280 ff.). Auch die Beschwerdegegner anerkennen Art. 14 Abs. 2 des Schulreglements als dem Referendum unterstehende gesetzliche Grundlage an (vgl. nicht publ. E. 1.2). Eine hinreichende gesetzliche Grundlage liegt vor. 8. Die Einschr�nkung der Glaubens- und Gewissensfreiheit der Sch�lerin muss sodann durch ein �ffentliches Interesse oder den Schutz von Grundrechten Dritter gerechtfertigt sein (Art. 36 Abs. 2 BV). BGE 142 I 49 S. 66
8.1 Der Begriff des �ffentlichen Interesses ist zeitlich und �rtlich variabel und umfasst zun�chst die Polizeig�ter (Ordnung, Sicherheit, Gesundheit, �ffentliche Ruhe etc.), aber auch kulturelle, �kologische sowie soziale Werte wie sie namentlich in den Staatsaufgaben zum Ausdruck kommen (Botschaft vom 20. Oktober 1996 f�r eine neue Bundesverfassung, BBl 1997 I 1 ff., 195 f. zu Art. 32 Abs. 1). Die �ffentlichen Interessen konkretisieren sich in der Regel im politischen Prozess der demokratischen Rechtsetzung, die indessen nicht in einer politischen Beliebigkeit erfolgt, sondern im Lichte des Wertesystems der Gesamtrechtsordnung (vgl. BGE 138 I 378 E. 8.3 S. 393 mit Hinweisen; PIERRE MOOR, Droit administratif, Bd. I, 2012, S. 756 f.; vgl. auch MARTIN PHILIPP WYSS, �ffentliche Interessen - Interessen der �ffentlichkeit, 2001, S. 202). �ffentliche Interessen m�ssen zudem ein zul�ssiges Eingriffskriterium f�r den in Frage stehenden Grundrechtseingriff darstellen k�nnen; darf das einschl�gige Grundrecht nicht aus den vom Gemeinwesen angef�hrten Gr�nden eingeschr�nkt werden, so fallen diese nicht als (gerechtfertigte) �ffentliche Interessen in Betracht ("int�r�t public pertinent"; vgl. BGE 135 I 233 E. 8.2 S. 253; BGE 131 I 333 E. 2.1 S. 336). 8.2 Es stellt sich die Frage, welche von der Beschwerdef�hrerin herangezogenen Interessen als zul�ssige Eingriffsgr�nde in Frage kommen.
8.2.1 Die Beschwerdef�hrerin begr�ndet das �ffentliche Interesse am umstrittenen Kopfbedeckungsverbot mit einem qualifizierten Bedarf nach Ordnung und St�rungsfreiheit zur Erf�llung ihres Bildungsauftrags.
Wie die Beschwerdef�hrerin anf�hrt, erbringt die Schule ihre Leistungen im Interesse der Sch�ler selbst. Die verfolgten Ziele bilden in diesem Sinne Faktoren des unter dem Schutz von Art. 11 BV stehenden Kindeswohls sowie des Bildungsauftrags (vgl. BGE 129 I 12 E. 8.4 S. 23; BGE 119 Ia 178 E. 7 d S. 192; BGE 118 Ia 427 E. 6 c S. 438). Die F�rderung dieser Interessen der Sch�ler bildet ein �ffentliches Interesse. Die Sch�ler sind vor diesem Hintergrund gehalten, die Anordnungen der Schulbeh�rde und der Lehrerschaft zu befolgen; sie haben R�cksicht zu nehmen und Beeintr�chtigungen des Schulbetriebs zu unterlassen (vgl. BGE 129 I 12 E. 8.3 S. 22 f.). Vor diesem Hintergrund kann eine Schule von Sch�lern auch verlangen, irritierende oder anst�ssige Kleidung zu vermeiden. Gleichwohl wird der Beweggrund, religi�se Symbole zu tragen, in der Regel nicht darin liegen, irritierende Kleidung zu tragen, sondern sich BGE 142 I 49 S. 67 religionskonform zu kleiden. Bloss insoweit das allgemeine Verbot, w�hrend des Unterrichts eine Kopfbedeckung zu tragen, eine allgemeine Anstandsregel gegen irritierende oder anst�ssige Kleidung darstellen soll und nicht spezifisch oder gezielt auf eine Gruppe von Sch�lerinnen und Sch�lern ausgerichtet ist, die religi�s motivierte Bekleidungsvorschriften einhalten m�chten, f�llt es als �ffentliches Interesse an einem st�rungsfreien Schulbetrieb in Betracht (vgl. bereits BGE 117 Ia 311 E. 4a S. 317; BGE 114 Ia 133 E. 3a S. 133; vgl. auch JEAN-FRAN�OIS AUBERT, L'Islam � l'�cole publique, in: Festschrift Hangartner, 1998, S. 479 ff., dort 483 f.). 8.2.2 Die beschwerdef�hrende Gemeinde f�hrt als �ffentliches Interesse sodann die Wahrung des Religionsfriedens und den Schutz von Grundrechten Dritter an.
Das Tragen religi�ser Symbole er�ffnet die M�glichkeit einer Beeinflussung der Schulkinder und von Konflikten mit Eltern, was zu einer St�rung des Schulfriedens f�hren und die Erf�llung des Bildungsauftrags der Schule gef�hrden kann. So kann die Grundrechtsaus�bung der Sch�lerin der negativen Religionsfreiheit ihrer Mitsch�ler und deren Eltern entgegenstehen, welche die Freiheit beinhaltet, einem nicht geteilten Glauben fernzubleiben (Art. 15 Abs. 4 BV, vgl. hiervor E. 3.4). Daher ergibt sich namentlich kein Anspruch, von Andersgl�ubigen die Einhaltung der eigenen Glaubensgebote einzufordern (BGE 135 I 79 E. 7.2 S. 89 f.; hiervor E. 4.2). Insofern besteht ein �ffentliches Interesse daran, dass vom Tragen religi�ser Symbole einzelner Sch�ler kein Druck auf Mitsch�lerinnen und Mitsch�ler entsteht, solche ebenfalls zu tragen. Umgekehrt reicht der Grundrechtsschutz gegen�ber Dritten jedoch nicht so weit, dass er einen Anspruch vermitteln k�nnte, mit keinen fremden Glaubensbekenntnissen konfrontiert zu werden (Art. 15 Abs. 4 BV; vgl. hiervor E. 4.2 mit Hinweisen; s. bereits BGE 49 I 138 E. 4e S. 154; vgl. unter dem Gesichtswinkel der Versammlungsfreiheit bereits BGE 12 93 E. 5 S. 108 f.). Unter diesen einschr�nkenden Voraussetzungen sind die geltend gemachten Grundrechte Dritter als zul�ssige Eingriffsmotive anzuerkennen (Art. 36 Abs. 2 BV). 8.2.3 Die Gemeinde beruft sich weiter auf die �ffentlichen Interessen der Integrationsfunktion und Neutralit�t der Schule (Art. 15 Abs. 4 BV). Sie bringt vor, sie k�nne die Chancengleichheit und die sp�tere berufliche Integration der Sch�lerin in einem religionsneutralen Schulumfeld besser gew�hrleisten. Die Beschwerdef�hrerin st�tzt sich auch auf den Gleichstellungsauftrag (Art. 8 Abs. 3 BV) und BGE 142 I 49 S. 68sieht darin ein massgebendes �ffentliches Interesse an einem allgemeinen Kopfbedeckungsverbot.
Soweit die Schule die Sch�lerinnen und Sch�ler optimal f�rdern und auf den Berufsalltag vorbereiten m�chte, ist dies als �ffentliches Interesse anzuerkennen. Dasselbe gilt f�r das �ffentliche Interesse, die Neutralit�t der Schule zu wahren: Die Neutralit�t richtet sich zwar prim�r an die Beh�rden (vgl. sogleich E. 9.2), umfasst jedoch auch, alle Sch�ler in ihren weltanschaulichen oder religi�sen Ansichten gleich zu behandeln (Art. 15 Abs. 4 BV; BGE 123 I 296 E. 4a S. 305); insofern besteht ein �ffentliches Interesse an einem konfessionell neutralen Bildungsauftrag der Schulen (vgl. hiervor E. 3.5). Soweit die staatliche Neutralit�tspflicht einer �ffentlichen Schule dem Religionsfrieden dienen soll, kommt sie als �ffentliches Interesse f�r eine Einschr�nkung des Tragens religi�ser Symbole in Betracht (vgl. Art. 15 Abs. 4 BV; BGE 123 I 296 E. 4a S. 305).
Die Gleichstellung der Geschlechter ist ein weiteres gewichtiges �ffentliches Interesse und erstreckt sich auf s�mtliche Belange des Zusammenlebens (Art. 8 Abs. 3 BV), auch auf religi�se Praktiken. Gleichzeitig ist das Spektrum zu beachten, gest�tzt auf welches das Kopftuch als religi�ses Symbol getragen wird. Manche fundamentalistische religi�se Str�mungen stehen in erheblichem Gegensatz zum Frauen- und M�nnerbild bzw. dem Gleichstellungsauftrag der Verfassung. F�r gewisse Frauen bildet das Tragen des islamischen Kopftuchs Ausdruck, auf die Tradition der Eltern und ihrer Heimat R�cksicht zu nehmen, f�r zahlreiche andere Tr�gerinnen ist das Kopftuch Symbol der eigenen religi�sen Identit�t und Selbstbestimmung; auch gibt es noch immer vereinzelt matriarchalische Gesellschaftsformen, die dem muslimischen Glauben nachleben und deren Angeh�rige den Hijab tragen. Da das Tragen des islamischen Kopftuches eine selbstbestimmte und gleichberechtigte Rolle der Frau in der Gesellschaft und in der Familie jedenfalls nicht von vornherein ausschliesst, rechtfertigen die Vorbringen der Beschwerdef�hrerin keine ausnahmslose Durchsetzung des Kopfbedeckungsverbots (vgl. BGE 134 I 49 E. 3.2 S. 54, BGE 134 I 56 E. 5.2 S. 63). Vielmehr ist das �ffentliche Interesse an der Gleichstellung anhand der konkreten Umst�nde des Eingriffs in die Glaubens- und Gewissensfreiheit zu gewichten (dazu hiernach E. 9.6).
9. Zu pr�fen ist vor diesem Hintergrund, ob die in Betracht fallenden �ffentlichen Interessen den Grundrechtseingriff zu rechtfertigen verm�gen. BGE 142 I 49 S. 69
9.1 Das Gebot der Verh�ltnism�ssigkeit (Art. 5 Abs. 2 BV, Art. 36 Abs. 3 BV, Art. 9 Ziff. 2 EMRK) verlangt, dass eine beh�rdliche Massnahme f�r das Erreichen des im �ffentlichen oder privaten Interesse liegenden Zieles geeignet und erforderlich ist und sich f�r die Betroffenen in Anbetracht der Schwere der Grundrechtseinschr�nkung als zumutbar erweist. Der Eingriff darf in sachlicher, r�umlicher, zeitlicher und personeller Hinsicht nicht einschneidender sein als erforderlich (BGE 140 I 2 E. 9.2.2 S. 24; BGE 138 I 331 E. 7.4.3.1 S. 346; BGE 137 I 131 E. 7.5.2 S. 53; BGE 136 I 87 E. 3.2 S. 91 f.; BGE 133 I 77 E. 4.1 S. 81; BGE 132 I 49 E. 7.2 S. 62; BGE 128 II 292 E. 5.1 S. 298 mit Hinweisen). Die entgegenstehenden privaten und �ffentlichen Interessen sind dabei anhand der gegebenen Umst�nde bzw. des aktuellen sozialen Hintergrunds objektiv zu w�rdigen und zueinander in Bezug zu setzen (vgl. BGE 127 I 164 E. 3b S. 170; BGE 111 Ia 322 f.; BGE 107 Ia 226 E. 5b und 5d S. 232 f.). 9.2 Die Beschwerdef�hrerin bringt unter Bezugnahme auf die �ffentlichen Interessen an der staatlichen Neutralit�t vor, im Jahr 1997 habe es das Bundesgericht als f�r die Wahrung des Religionsfriedens geboten und verh�ltnism�ssig erachtet, einer Lehrerin in einer �ffentlichen Schule das Tragen des Kopftuchs zu verbieten (BGE 123 I 296 E. 3 und 4b/bb S. 304 f. und 308 ff.; vgl. auch den Entscheid des EGMR Dahlab).
Es stellt sich zun�chst die Frage, ob das Kopftuchverbot gegen�ber der Sch�lerin geeignet ist, die staatliche Neutralit�t der Schule zu gew�hrleisten. Wie das Bundesgericht bereits k�rzlich festgehalten hat, wurde die Regelung im Kanton Genf vor dem Hintergrund einer laizistischen Tradition beurteilt (BGE 139 I 280 E. 5.5 S. 289 f.); einem solchen Staatsverst�ndnis folgt der sich zu christlich-humanistischen Grunds�tzen bekennende Kanton St. Gallen nicht (vgl. Art. 1 Abs. 2 KV/SG; Art. 3 Abs. 1 VSG/SG [sGS 213.1]). Die Regelung im Kanton Genf war zudem ausschliesslich auf die Lehrpersonen ausgerichtet. Nicht von der Bestimmung betroffen waren insofern die Sch�lerinnen oder Studentinnen, deren religi�se �berzeugung nach dem Genfer Gesetz gerade gesch�tzt werden sollte (BGE 123 I 296 E. 3 S. 304 [Art. 164 ff. KV/GE]; vgl. auch TRISTAN ZIMMERMANN, La la�cit� et la R�publique et Canton de Gen�ve, SJ 2011 II S. 29 ff., 73). Die Glaubens- und Gewissensfreiheit enth�lt zwar die Verpflichtung des Staates zu religi�ser und konfessioneller Neutralit�t (Art. 15 Abs. 4 BV; BGE 139 I 280 E. 5.5.2 S. 290; BGE 135 I 79 E. 7.2 S. 89; BGE 125 I 347 E. 3 S. 354 ff.). Mit dem Auftrag an BGE 142 I 49 S. 70die �ffentlichen Schulen, die f�r sie handelnden Lehrpersonen zu Neutralit�t und konfessioneller Gleichbehandlung anzuhalten, geht jedoch nicht (auch) eine entsprechende Verpflichtung der Benutzer einher: Sch�lerinnen und Sch�ler sind - jedenfalls solange sie durch ihre Grundrechtsaus�bung die Grundrechte Dritter nicht in unzul�ssiger Weise beeintr�chtigen (vgl. hiernach E. 9.4) - keiner Neutralit�tspflicht unterworfen. Mit der Zulassung des Tragens eines religi�sen Symbols durch eine Sch�lerin ist namentlich keine Identifizierung der �ffentlichen Schule bzw. des Staates mit einem bestimmten Glauben verbunden (vgl. BGE 123 I 296 E. 2a und 4b/aa S. 300 und 308 mit Verweis auf BGE 119 Ia 178 E. 7a S. 190; vgl. KIENER/K�LIN, a.a.O., S. 270 f.; KARLEN, a.a.O., S. 322 f.; M�LLER/SCHEFER, a.a.O., S. 277). Die Neutralit�tspflicht der Beh�rden ist nicht geeignet, ein allgemeines Kopfbedeckungsverbot f�r Sch�lerinnen und Sch�ler zu begr�nden. 9.3 Die Beschwerdef�hrerin macht geltend, das Kopftuchverbot k�nne bereits aufgrund des Sonderstatus der Sch�lerinnen und Sch�ler durchgesetzt werden.
Die Sch�ler sind gehalten, die Anordnungen der Schulbeh�rde und der Lehrerschaft zu befolgen, die sich aus dem Anstaltszweck ergeben, und insofern - aus Interesse an einem geordneten Schulbetrieb - auch zu einem anst�ndigen und r�cksichtsvollen Verhalten verpflichtet (vgl. Art. 54 und 55 VSG/SG [Disziplinarmassnahmen]). Ein solches Interesse am geordneten Schulbetrieb kann die privaten Interessen der Sch�lerinnen und Sch�ler einschr�nken (vgl. hierzu BGE 135 I 79 E. 6.5 S. 86; BGE 129 I 12 E. 8.3 S. 22; Urteile 2C_724/2011 vom 11. April 2012 E. 3.1 f.; vgl. auch MARKUS M�LLER, Das besondere Rechtsverh�ltnis, 2003, S. 63; TOBIAS JAAG, Rechtsfragen der Volksschule, insbesondere im Kanton Z�rich, ZBl 1997 S. 537 ff., 544). Indessen stellt das Tragen des Kopftuches als verpflichtend empfundenes religi�ses Bedeckungsgebot als solches kein "r�cksichtsloses Verhalten" dar, und Personengruppen, die in einer besonders engen Rechtsbeziehung stehen, sind ebenfalls in ihrer Glaubens- und Gewissensfreiheit gesch�tzt (vgl. BGE 139 I 280 E. 5.3 f. S. 286 f.; BGE 135 I 79 E. 6.2 S. 85; BGE 129 I 12 E. 8.5 S. 24). Mit einer das Gesicht nicht verh�llenden Kopfbedeckung (Hijab) ist auch die Kommunikation der Sch�lerin mit den Lehrpersonen in keiner Weise beeintr�chtigt. Insofern ist das Kopftuchverbot nicht geeignet, den Pflichten aus dem Sonderstatus - das kooperative und r�cksichtsvolle Verhalten der Sch�lerin zur Erf�llung des Bildungsauftrags - Nachachtung zu verschaffen. BGE 142 I 49 S. 71
9.4 Die Beschwerdef�hrerin begr�ndet die Durchsetzung des Verbots religi�s begr�ndeter Kopfbedeckungen des Weiteren mit Grundrechten Dritter. So beeintr�chtige die Pr�senz religi�se Symbole tragender Sch�ler die negative Religionsfreiheit der Mitsch�ler. Dass sich die Mitsch�lerinnen und Mitsch�ler, nicht aber die Kopftuchtr�gerin an die Kopfbedeckungsverbote halten m�ssten, stelle eine Ungleichbehandlung im Sinne von Art. 8 BV dar.
9.4.1 Es ist zutreffend, dass die Glaubens- und Gewissensfreiheit die Freiheit gew�hrleistet, kultischen Handlungen eines nicht geteilten Glaubens fernzubleiben; dies bezieht sich auch auf Verhaltensweisen und Symbole, in denen sich eine Religion darstellt (vgl. hiervor E. 8.2.2; Urteil 2C_897/2012 vom 14. Februar 2013 E. 4.2). Die Aus�bung der eigenen Glaubens- und Gewissensfreiheit wird insofern von der Religionsfreiheit der andern begrenzt. In dieser Hinsicht mag sich ein Verbot des Tragens religi�ser Symbole grunds�tzlich eignen, die negative Religionsfreiheit zu sch�tzen.
9.4.2 Vorliegend ergeben sich indessen keine Hinweise, dass die Beschwerdegegner und die Sch�lerin verbal f�r ihre Position oder f�r ihren Glauben werben und die Sch�lerinnen und Sch�ler zu beeinflussen versuchen w�rden. Es ist auch nicht ersichtlich, inwiefern ein Verbot der religi�sen Kopfbedeckungen erforderlich w�re, um die Glaubensfreiheit der Mitsch�lerinnen und Mitsch�ler zu wahren: Ebenso, wie ein gl�ubiger Sch�ler nicht verlangen kann, dass die Mitsch�lerinnen und Mitsch�ler anderen Glaubens ihren K�rper entsprechend seinen religi�sen Bekleidungsvorschriften verh�llen (vgl. BGE 135 I 79 E. 7.2 S. 90), ist es Mitsch�lern zuzumuten, das Tragen von religi�sen Symbolen durch die Mitsch�lerin hinzunehmen. Durch die Wahrnehmung anderer Glaubensbekenntnisse oder anderer Weltanschauungen werden individuelle Glaubensbekenntnisse in aller Regel relativiert und ausgeglichen. Das Recht zur Kindererziehung in religi�ser und weltanschaulicher Hinsicht liegt sodann bei den Eltern der Sch�ler (Art. 303 Abs. 1 ZGB; vgl. hiervor E. 5.3). Es ist Aufgabe der Eltern, ihren Kindern diejenigen �berzeugungen in Glaubens- und Weltanschauungsfragen zu vermitteln, die sie f�r richtig halten (vgl. Urteil 2C_132/2014 vom 15. November 2014 E. 5.3.2 und 5.5.4), umgekehrt k�nnen sie ihre Kinder von Glaubens�berzeugungen fernhalten, die ihnen unrichtig erscheinen. Die schulische Neutralit�t im Sinne eines f�r verschiedene Bekenntnisse offenen Umfelds st�tzt sich hierauf, ebenso die im Bildungsauftrag enthaltene Aufgabe der Integration aller Kinder in die BGE 142 I 49 S. 72Vermittlung der Lerninhalte (vgl. BGE 135 I 79 E. 7.2 S. 89; vgl. hiervor E. 3.2). Ein Zwang f�r andere Sch�ler, in eine religi�se Handlung einbezogen zu werden, liegt durch das Tragen eines Kopftuchs durch eine Mitsch�lerin nicht vor (Art. 15 Abs. 4 BV; vgl. hiervor E. 3.4). Die Grundrechte der Mitsch�ler und Eltern erfordern gest�tzt auf die vorgebrachten Umst�nde kein allgemeines Kopfbedeckungsverbot. 9.4.3 Kopfbedeckungen, die keinem religi�sen oder weltanschaulichen Bekenntnis entsprechen, sind nicht vom Schutzbereich von Art. 15 BV erfasst (vgl. hiervor E. 5.4). Die Verfassungsbestimmung kann daher - ohne eine Rechtsungleichheit zu begr�nden - das Tragen religi�ser Symbole sch�tzen, auch wenn modische Caps oder Wollm�tzen ohne entsprechende Konnotation untersagt bleiben (vgl. BGE 141 I 153 E. 5.1 S. 157; BGE 140 I 77 E. 5.1 S. 80; BGE 134 I 23 E. 9.1 S. 42; je mit Hinweisen). Vor diesem Hintergrund liegt durch das Tragen des religi�sen Symbols - zumal keine Hinweise auf andere Sch�ler vorgebracht werden, denen das Tragen eines religi�sen Symbols ebenfalls verweigert worden sein soll - weder eine Ungleichbehandlung noch eine unzumutbare Beeintr�chtigung der Mitsch�ler vor.
9.5 Die Beschwerdef�hrerin bringt unter dem Aspekt der Disziplin in der Schule weiter vor, das Kopftuch sei "nur die Spitze des Eisbergs" und Ausdruck einer weit gehenden "Verweigerungshaltung". Mit der Gestattung des Kopftuchs w�rde einhergehen, dass sich die Beschwerdegegner auch dagegen wehrten, die Sch�lerin am Schwimmunterricht teilnehmen zu lassen. Ebenso w�rden sie sich weigern, dass sie und auch ihr Bruder das Schullager besuchten. Der Unterricht sei ohne Kopfbedeckungsverbot faktisch nicht mehr durchf�hrbar.
9.5.1 In der Rechtsprechung ist ein verfassungsrechtlicher Anspruch auf Dispensation vom obligatorischen Schulunterricht vor allem f�r einzelne Tage gew�hrt worden, um die Einhaltung religi�ser Ruhetage oder die Teilnahme an religi�sen Festen zu erm�glichen (BGE 134 I 114 E. 6.1 ff. S. 120 ff.; BGE 117 Ia 311 E. 3 ff. S. 316 ff.; BGE 114 Ia 129 E. 5 S. 136 ff.). Dagegen gew�hrt die Rechtsprechung nur mit grosser Zur�ckhaltung Dispensationen von einzelnen Unterrichtsf�chern; Ersuchen um eine generelle Unterrichtsbefreiung von einzelnen F�cher sind in der Rechtsprechung regelm�ssig abgelehnt worden (vgl. hiervor E. 4.2 und 4.3). Die in den F�chern verfolgten Ziele bilden Faktoren des Bildungsauftrags und des Kindeswohls, weshalb der Schulbesuch prinzipiell auch gegen den Willen der Eltern BGE 142 I 49 S. 73 durchgesetzt werden kann (BGE 129 I 12 E. 8.4 S. 23). Nach der Rechtsprechung verleiht die Religionsfreiheit den Beschwerdegegnern keinen verfassungsrechtlichen Anspruch auf eine generelle Dispensation von F�chern oder schulischen Ausfl�gen (vgl. Urteil 2C_724/2011 vom 11. April 2012 E. 3.4.2 und 3.5).
9.5.2 Aus dem Umstand, dass die Rechtsprechung nur sehr zur�ckhaltend Dispensationen von F�chern gew�hrt, l�sst sich indessen kein generelles Kopftuchverbot herleiten. Hierf�r w�re von der Beschwerdef�hrerin vielmehr aufzuzeigen, inwiefern erst ein generelles Kopfbedeckungsverbot die Teilnahme am Unterricht erm�glichte. Lerninhalte zu vermitteln ist nicht an das Ablegen eines religi�sen Symbols durch die Sch�lerin gekoppelt; auch ist nicht dargetan, inwiefern die Teilnahme an einem Schullager nur ohne religi�se Kopfbedeckung m�glich w�re. Selbst der Schwimmunterricht l�sst sich durch eine religionskonforme Bekleidung oder andere Mittel als - gegen�ber einem allgemeinen Kopfbedeckungsverbot - mildere Massnahmen durchf�hren (vgl. Urteil 2C_1079/2012 vom 11. April 2013 E. 3). Insofern ist nicht ersichtlich, dass die Sch�lerin erst durch ein generelles Verbot religi�ser Kopfbedeckung den Unterricht besuchen k�nnte und sich dies nicht durch andere, geeignetere und mit Art. 15 BV in Einklang stehende Massnahmen realisieren liesse. Es kann nicht davon ausgegangen werden, die Durchf�hrung des Unterrichts erfordere, auf das Tragen religi�ser Symbole vollumf�nglich zu verzichten.
9.6 Die Beschwerdef�hrerin bringt schliesslich vor, die Sch�lerin sei mit aller Konsequenz vor einer "patriarchalisch gepr�gten Rechtsvorstellung" ihres Vaters zu sch�tzen, um ihre Chancen zu verbessern, gleichberechtigt in die Gesellschaft integriert zu werden. Ihr werde vermittelt, die (durch ihre Familie interpretierte) Scharia stehe �ber der schweizerischen Rechtsordnung, was sich auch daran zeige, dass ihr Vater infolge seiner Strenggl�ubigkeit keiner Arbeit nachgehen k�nne. Das Tragen des Kopftuches gehe einher mit einer fundamentalen Auslegung des Islams und ihr Vater stehe radikalisierten Kreisen nahe. Es sei vor diesem Hintergrund unklar, wie sich die Sch�lerin mit dem Tragen des Kopftuchs werde in den Arbeitsalltag integrieren k�nnen.
9.6.1 Durch die Glaubens- und Gewissensfreiheit gesch�tzte Gebote sind nicht �bergeordnet und k�nnen, wie die Beschwerdef�hrerin in korrekter Weise vorbringt, mit dem Gleichstellungsauftrag von Art. 8 Abs. 3 BV kollidieren (vgl. hiervor E. 8.2.3; vgl. hierzu auch BGE 142 I 49 S. 74JUDITH WYTTENBACH, Religionsfreiheit, Diskriminierungsverbot und Gleichstellungsauftrag, in: Eidgen�ssische Kommission f�r Frauenfragen, Frauenfragen 1/2.2010, S. 32 ff.; www.ekf.admin.ch/dokumentation/00507/00629/index.html?lang=de). Es ist zutreffend, dass die Schulbeh�rde dabei verpflichtet ist, die Gleichstellung von M�dchen und Knaben zu f�rdern (BGE 135 I 79 E. 7.1 S. 86 f.; BGE 119 Ia 178 E. 7c S. 191 f.; Urteil 2C_132/2014 vom 15. November 2014 E. 5.4). Der Gleichstellungsauftrag von Art. 8 Abs. 3 BV beinhaltet sodann nicht nur die rechtliche Gleichheit, sondern auch eine tats�chliche gesellschaftliche Gleichstellung der Geschlechter (BIGLER- EGGENBERGER/K�GI-DIENER, in: Die schweizerische Bundesverfassung, St. Galler Kommentar, 2. Aufl. 2014, N. 103 zu Art. 8 BV; YVO HANGARTNER, AJP 1998 S. 599 ff., dort 603), die von den Beh�rden zu verwirklichen ist. Indessen ist die Motivation muslimischer Frauen, ein Kopftuch zu tragen, sehr heterogen. Sie reicht von Zwang und R�cksichtnahme auf patriarchalische Gesellschaftsstrukturen, deren Frauen- (und M�nner-)Bild mit Art. 8 Abs. 3 BV unvereinbar w�re, bis hin zu einem hiervon g�nzlich unabh�ngigen Bekenntnis zur eigenen religi�sen Identit�t oder kulturellen Herkunft (vgl. hiervor E. 8.2.3 und BGE 139 I 292 E. 8.4 S. 305; vgl. DOMINIC MCGOLDRICK, Human Rights and Religion - the Islamic Headscarf Debate in Europe, 2006, S. 13 ff.: vgl. auch etwa die soziologisch-empirischen Studien von YASEMIN KARAKASOGLU, Die "Kopftuch-Frage" an deutschen Schulen und Hochschulen, 2002, S. 1 ff., 22; vgl. Urteil 2 BvR 1436/02, BVerfGE 108, 282, insb. Rz. 52 ff.). Insofern konnte das Bundesgericht bereits wiederholt feststellen, dass das Tragen des Kopftuchs als solches nicht im Widerspruch zur Verfassung steht und eine entsprechende Sicht, die von einem bloss erzwungenen Verwenden des religi�sen Symbols ausgeht, zu wenig differenziert ist (BGE 134 I 49 E. 3.2 S. 54, BGE 134 I 56 E. 5.2 S. 63; vgl. auch BGE 135 I 79 E. 7.2 S. 90; BGE 139 I 292 E. 8.4 S. 304 f.; anders noch BGE 123 I 286 E. 4b/cc S. 312). 9.6.2 Vorliegend ergeben sich namentlich keine Hinweise, dass die Sch�lerin die Kleidervorschriften selbst anders verstehen w�rde oder einem entsprechenden Zwang durch ihren Vater oder ihre erziehungsberechtigten Eltern ausgesetzt w�re. Auch die Kinder�rztin spricht in einem Zeugnis von einer f�r das Alter "sehr reifen" Pers�nlichkeit und einem eigenst�ndigen Entscheid der Sch�lerin. Sie habe "niemals den Eindruck gehabt, dass sie von Seiten ihrer Eltern unter Druck gesetzt wurde". F�r die vorliegende Situation besteht kein BGE 142 I 49 S. 75Widerstreit von Art. 15 BV und Art. 8 Abs. 3 BV in der von der Beschwerdef�hrerin vorgetragenen Form. Sodann ist darauf hinzuweisen, dass die Sch�lerin bei Erreichen der religi�sen M�ndigkeit selbst zu entscheiden hat, ob sie das Kopftuch weiter tragen m�chte (vgl. hiervor E. 5.3). Es erscheint unter dem Gesichtswinkel sowohl der Gleichbehandlung als auch der Integration weder geboten noch erforderlich, den weiteren Zugang zum Unterricht f�r die Sch�lerin vom Verzicht auf ein religi�ses Symbol abh�ngig zu machen. Vielmehr ist wichtig, die Teilnahme am Unterricht auch einer religi�sen Sch�lerin zu erm�glichen, um die von der Schulgemeinde selbst angef�hrten Interessen der Chancengleichheit und Integration f�r sie zu verwirklichen.
9.6.3 Dass der Vater der Beschwerdegegnerin nach den Vorbringen der Beschwerdef�hrerin schliesslich in erheblichem Umfang von der �ffentlichen Hand unterst�tzt wird und er selbst - ebenfalls behaupteterweise - infolge Strenggl�ubigkeit keiner Arbeitst�tigkeit nachgehen soll, mag gegebenenfalls Gegenstand eines anderen Verfahrens sein. Allerdings kann dies nicht als Rechtfertigung der Einschr�nkung der Glaubens- und Gewissensfreiheit der Tochter herangezogen werden, und noch weniger als Begr�ndung eines Ausschlusses derselben von der Schule.
10. 10.1 Insgesamt zeigt sich demnach, dass das Freiheitsrecht der Glaubens- und Gewissensfreiheit die Sch�lerin sch�tzt, ihrem religi�sen Bekenntnis Ausdruck zu verleihen. In langer verfassungsrechtlicher Tradition besteht dabei kein Anspruch darauf, von der Wahrnehmung anderer religi�ser oder weltanschaulicher Bekenntnisse verschont zu bleiben (vgl. BGE 135 I 79 E. 7.2 S. 90; Urteile 2C_897/2012 vom 14. Februar 2013 E. 4.3; 2C_724/2011 vom 11. April 2012 E. 3.1 f.; vgl. bereits BGE 49 I 138 E. 4e S. 154; 12 93 E. 5 S. 108 f.). Massnahmen, welche die Durchf�hrung einer religi�sen Handlung als solche verunm�glichen oder wesentlich erschweren, k�nnen vor diesem Hintergrund im Einzelfall nur verf�gt werden, wenn �ffentliche Interessen oder Rechte Dritter eindringlich bedroht oder aber beeintr�chtigt werden, was anhand des aktuellen gesellschaftlichen Hintergrunds zu pr�fen ist (vgl. hiervor E. 9.1; BGE 127 I 164 E. 3b S. 170). 10.2 Ein von der Sch�lerin ausgehender Druck, dass andere Sch�lerinnen ebenfalls ein Kopftuch bzw. andere religi�se Insignien tragen, ist vorliegend nicht glaubhaft dargelegt. Vom Tragen der BGE 142 I 49 S. 76Kopfbedeckung allein - und dies gilt entsprechend auch f�r andere religi�se Symbole, wie die j�dische Kippa, das Habit christlicher Ordensschwestern und -br�der oder das Kreuz, das sichtbar getragen wird - geht noch kein werbender oder gar missionierender Effekt aus. Insbesondere ist ein Verbot des Tragens des muslimischen Kopftuchs nicht erforderlich, um die f�r die Wahrung der Chancengleichheit so wichtigen Lerninhalte zu vermitteln oder einen effizienten Schulbetrieb aufrechtzuerhalten. Schliesslich ergeben sich keine Hinweise, dass die Sch�lerin das religi�se Symbol aus Zwang der Eltern oder einer religi�sen Gemeinde tragen w�rde, der dem Kindeswohl in einer Weise entgegenst�nde, die einen Eingriff in die Erziehungsberechtigung der Eltern �berhaupt in Betracht kommen liesse. Mit Blick auf alle geltend gemachten �ffentlichen und privaten Interessen ist der Sch�lerin der Eingriff, auf das als verpflichtend empfundene religi�se Bedeckungsgebot zu verzichten, nicht zuzumuten. In einer �ffentlichen Schule, die f�r atheistische, aber auch verschiedene religi�se Bekenntnisse offen ist, erweist sich das Kopftuchverbot - wie die Vorinstanz zu Recht festh�lt - als unverh�ltnism�ssig. (...)
134 I 114,
129 III 689,
141 I 211,
138 I 331,
137 I 131,
141 I 153,
123 I 286
Art. 15 Abs. 4 BV,
art. 5 Cst./SG,
Art. 18 Abs. 4 UNO-Pakt II,
Art. 14 Abs. 1 KRK,
art. 2 let. i Cst./SG,
Art. 2 lit. i KV/SG,
Art. 10 KV/SG,
Art. 27 Abs. 3 aBV,
Art. 14 Abs. 2 KRK,
Art. 5 und 14 Abs. 2 KRK,
Art. 1 Abs. 2 KV/SG,
Art. 164 ff. KV/GE,
Art. 303 Abs. 1 ZGB