Source: https://www.briefedition.alfred-escher.ch/briefe/B7943/
Timestamp: 2019-02-22 04:59:36
Document Index: 51114995

Matched Legal Cases: ['Art. 31', 'Art. 2', 'Art. 3', 'Art. 6', 'Art. 6', 'Art. 5', 'Art 5', 'Art. 3', 'Art. 3', 'Art. 31']

Brief Samuel Friedrich Siegfried an Alfred Escher, Bellinzona, Mittwoch, 5. Mai 1869
AES B7943 | SBB Historic VGB_GB_SBBGB01_011
Samuel Friedrich Siegfried an Alfred Escher, Bellinzona, Mittwoch, 5. Mai 1869
Schlagwörter: Grosser Rat TI, Kommissionen (kantonale), Rechtliches, Öffentliche Beteiligungen (Infrastruktur)
Dein Telegramm v. heute Mittag ist mir zugekommen & obwohl ich Dich während Deines Aufenthalts in Bern so wenig als möglich belästigen will, so gebe ich Dir doch sofort darauf bestmögliche Auskunft.
Die Transceneriner wirken aus Ja lousie in jeder Weise dahin, eine gleichmäßige Stellung für die beiden Thalbahnen auszuwirken. Daher für den Fall, daß aus Allem gemäs der Solidarisung aller Linien gemäs des neuen Art. 31 der Kommission nichts werden sollte, das Bestreben, auch das Stük Bellinzona Locarno nicht voraus zu sichern, wenn nach Art. 2 der Cession v. Locarno– Biasca in 6 Jahren v. Cessionsakt hinweg (10 Febr. 1869) die eine Alternative – Bellinzona–Magadino durch | Theilnahme des Gothard Comité zu Stande kommen sollte. Dem Art. 3 in der Cession Chiasso–Lugano gehen Lurati & Airoldi, wie man uns bestimmt sagt, nur deshalb zu Leib, weil sie sich damit in den Augen der Luganeser auf Unkosten v. Luganeser Comité (Lavizzari, Fraschina, Veladini etc.) populär machen, d. h. v. einer möglichen Last die Stadt Lugano befreien wollen. Wie einseitig bei diesem, vor der Hand eben auch v. den Nichttranscenerinern in der Kommission unterstüzten Vorgehen verfahren wird, geht daraus hervor, daß Art. 6 – betreffend Repräsentation in der Bahnverwaltung – im Cessionsvertrag v. Locarno unangefochten bleibt, während der ähnliche Art. 6 im Cessionsvertrag | Lugano–Chiasso gestrichen werden soll. Art. 5 im lezteren Vertrag hat gar keine Bedeutung, wird aber v. Lurati & Airoldi wohl nur deßhalb angefochten, weil die Mitglieder des Luganeser Comité dadurch um so mehr der Möglichkeit beraubt werden sollen, sich um Herstellung der Bahn Lugano– Chiasso resp. Camerlata verdient zu machen. Ein offenbar unwürdiges Gebahren erbärmlichster Jalousie & kleinlicher Ambition. Wir erklärten in uns. Konferenz v. 2 Abends den 3 Ausgeschossenen der Kommission, daß wir auf Art 5 & 6 der Cession Lugano–Chiasso keinen Werth legen, ebenso wenig auf No 2 derjenigen v. Locarno, | dagegen allfällige Vertragsrechte betreffender Comité's nicht einseitig aufzuheben verlangen. Bezüglich auf Art. 3 der Cession Lugano– Chiasso dagegen erklärten wir ganz in Deinem Sinn, daß das Gothardkomite hievon vielleicht Umgang nehmen würde, wenn eine weitere angemessene Subvention beschlossen werde. Will nun die Großrathskomm. in ihrer bisherigen Auffassung & Behandlung der Tessiner Interessen fraglichen Artikeln der Cessionsverträge fortwährend zu Leib gehen & absolut dem Gr. Rath wegen des sogenannten Gleichgewichts im Lande deren Aufhebung vorschlagen, so dürfen wir sie in diesem Bestreben wohl nicht hindern. Varenna & die übrigen Cisceneriner sind ja auch dabei & wenn sie damit | um so eher auch in uns. Interesse an's Ziel zu kommen glauben, so haben wir solche Eingriffe in Privatverträge nicht zu verantworten. Wie gesagt haben wir dagegen bezügl. Art. 3 der Cession Lugano– Chiasso uns. Vorbehalt wegen weiterer Subvention gemacht. Gegenüber meinen gestrigen brieflichen Mittheilungen theile ich Dir nun mit, daß wir auf uns. gestrige Eingabe an die Komm.-Forsezung der Unterhandlungen auf Grundlage ihres Art. 31 verlangend – gestern Nachts die Aufforderung erhalten haben, der Komm. uns. entsprechenden Redaktionen mitzutheilen. Dieses ist heute Mittag geschehen & lege ich Dir uns. daherigen Vorschläge hiemit bei, welche also | an die Stelle der Dir gestern mitgetheilten, freilich wenig verschiedenen unserseitigen Vorschläge treten. Wir gewärtigen nun neues Zusammentreten & sehen nicht ein, wie man nun noch wesentlich auseinandergehen könnte. Ob aber nicht wieder eine neue Schwenkung kommt?! Wir haben im Begleitschreiben zu uns. heutigen Vorschlägen entschieden die Erwartung ausgesprochen, daß wir nun ersprießlichen Schluß- & Friedensverhandlungen entgegensehen.
Ich sende diese Mittheilung nach Bern, damit Du sie umso balder als Ergänzung zu der gestrigen | Sendung erhältst. Solltest Du Zeit zur Prüfung finden, so bitte ich mich telegr. so weit zu berichten, als Du mich zu korrigiren wesentlich nöthig finden solltest. Vorläufig aber fahren wir, so bald als möglich im Sinne uns. heutigen Vorschläge an die Kommission fort.
Befriedigende Arbeit mit Herrn Präsident Welti wünschend & mich ihm bestens empfehlend, grüsse ich Dich bestens & mit den wärmsten Wünschen für Dein Wohlergehn
Mai 1869.|
Telegraphire mir, wann Du v. Bern n. Hause reisen wirst?
N.S. Habe die Gefälligkeit Herrn Präs. Welti zu sagen, daß Herr Präs. Bazzi persönlich in Lugano die Versicherung erhalten habe, daß Mazzini in diesen Tagen den Kanton verlassen werde.
Bazzi Domenico
Forni Carlo Giuseppe
Lavizzari Luigi
Lurati Bernardino
Samuel Friedrich Siegfried an Alfred Escher, 4. Mai 1869
Zitiervorschlag: Jung Joseph (Hrsg.), Digitale Briefedition Alfred Escher, Launch Juli 2015 (laufend aktualisiert), Zürich: Alfred Escher-Stiftung. https://briefedition.alfred-escher.ch/briefe/B7943/