Source: https://steuerrecht-anwalt.berlin/vorsteuerbetrag-auf-herstellungskosten/
Timestamp: 2020-04-06 15:27:16
Document Index: 179420458

Matched Legal Cases: ['§ 9', '§ 15', '§ 255', '§ 14', '§ 9', '§ 255']

Vorsteuerbetrag auf Herstellungskosten? - Anwaltskanzlei Wudtke Berlin
Vorsteuerbetrag auf Herstellungskosten?
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Gemäß § 9 b EStG (Einkommensteuergesetz) gehört der Vorsteuerbetrag nach § 15 des Umsatzsteuergesetzes, soweit er bei der Umsatzsteuer abgezogen werden kann, z.B. nicht zu den Herstellungskosten des Wirtschaftsgutes, auf dessen Herstellung er entfällt. Herstellungskosten sind gemäß § 255 Absatz 2 HGB (Handelsgesetzbuch) die Aufwendungen, die durch den Verbrauch von Gütern und die Inanspruchnahme von Diensten für die Herstellung eines Vermögensgegenstandes, seine Erweiterung oder für eine über seinen ursprünglichen Zustand hinausgehende wesentliche Verbesserung entstehen. Dazu gehören die Materialkosten, die Fertigungskosten und die Sonderkosten der Fertigung sowie angemessene Teile der Materialgemeinkosten, der Fertigungsgemeinkosten und des Werteverzehrs des Anlagevermögens, soweit dieser durch die Fertigung veranlasst ist. Forschungs- und Vertriebskosten gehören nicht zu den Herstellungskosten.
Die abziehbare Vorsteuer gehört nicht zu den Herstellungskosten eines Wirtschaftsgutes. Im Umkehrschluss ist also die nicht abziehbare Vorsteuer als Teil der Herstellungskosten zu behandeln. Entscheidend ist daher, wann die Vorsteuer überhaupt abziehbar ist. Die Vorsteuer ist nur dann abziehbar, wenn eine Vorsteuerabzugsberechtigung vorliegt. Zunächst muss eine Rechnung nach den Voraussetzungen des § 14 UStG (Umsatzsteuergesetz) vorliegen und ferner muss der Rechnungsempfänger Unternehmer sein und eine Lieferung von Waren oder eine sonstige Leistung von einem anderen Unternehmer für sein Unternehmen erhalten haben. Grundvoraussetzung ist also, dass zwei Unternehmer beteiligt sind. Unter einem Unternehmer versteht man nach Ansicht des Bundesfinanzhofs eine Person, die allein Unternehmerinitiative entfalten kann und Unternehmerrisiko trägt, also eine Person, nach deren Willen und auf deren Rechnung und Gefahr das Unternehmen in der Weise geführt wird, dass sich Erfolg oder Misserfolg in ihrem Vermögen unmittelbar niederschlägt, vergl. BFH VIII R 349/83 BStBl. II 92,330. Ein Kleinunternehmer gehört jedoch nicht dazu.
Geltung auch bei AK?
Wirtschaftsgüter werden jedoch nicht nur hergestellt, sondern auch lediglich angeschafft. Daher regelt § 9 b EStG, dass der Vorsteuerbetrag, soweit er bei der Umsatzsteuer abgezogen werden kann, auch nicht zu den Anschaffungskosten (AK) des Wirtschaftsgutes gehört, auf dessen Anschaffung er entfällt. Zu den Anschaffungskosten gehören gemäß § 255 Absatz 1 HGB alle diejenigen Aufwendungen, die geleistet werden, um einen Vermögensgegenstand zu erwerben und ihn in betriebsbereiten Zustand zu versetzen, soweit sie dem Vermögensgegenstand einzeln zugeordnet werden können. Zu den Anschaffungskosten gehören auch die Nebenkosten sowie die nachträglichen Anschaffungskosten. Das Gesetz erfasst somit zwei Fälle.