Source: http://agpf.de/Archiv/Copyright-Konzern-1982.htm
Timestamp: 2018-07-16 10:26:37
Document Index: 31244313

Matched Legal Cases: ['§ 22', '§ 9', '§ 1', 'BGH', '§ 25', '§ 25', '§ 15', '§ 4']

ARCHIV: Ingo Heinemann (1982): Die Scientology-Kirche ist ein weltweiter Konzern zur Vermarktung des Copyrights des Gründers
Ingo Heinemann: Scientology-Kritik Adresse dieser Seite: Copyright-Konzern-1982.htm Zuletzt bearbeitet am 29.1.2009 Impressum | zur Homepage | zur Inhaltsseite | AGPF-Spendenkonto
Ingo Heinemann (1982): Die Scientology-"Kirche" ist ein weltweiter Konzern zur Vermarktung des Copyrights des Gründers
Erstwerbung
Erwerb übersinnlicher Kräfte
Freeloaderbill
Guardian Office
Lizenz-Gebühr
Mission-Holder
Der Scientology-Konzern
Scientology-Vereine und -Firmen in Deutschland
Folgende Anlagen befinden sich in dieser Website:
Anlage 128: Der Rückzahlungsverhinderungsantrag: 27 Schritte - 27 steps
Anlage 120: Boom-Formel
Anlage 74: Zinsen für Freeloaderbill
Anlage 76: Straßenwerbung: Ansprechen von Passanten wird als "Body-Routing" trainiert
Anlage 77: HCOPL 8.12.65 Distribution HCOPL 23.10.65 Dissemination
Anlage 19: Quittung
Anlage 20: HCOPL 15.9.59 VERBREITUNGS-TIPS (Dissemination Tips)
Anlage 21: Zeitungsanzeige "Mami, warum hast Du mir
nicht geholfen, als ich neun Monate in Deinem Bauch war?"
Anlage 23.1 und 23.2: Werbebriefe
Dokumentation, Umfang ca. 300 Seiten Herausgeber: ABI 1982
Ingo Heinemann (1982):
Die Scientology-"Kirche" ist ein weltweiter Konzern
zur Vermarktung des Copyrights des Gründers
1. Zahl der Anhänger
2. Umsätze
6. "Mitgliedsbeiträge" und "Spenden"
8. Vorauszahlungen - Rückzahlungen
Anhang: 130 Positionen Dokumente, teils mehrseitig
Bei den Dokumenten handelt es sich fast durchweg um Kopien von Originalen, so daß auch beglaubigte Kopien gefertigt werden können.
Kurzzitat: ABI 1-82-Seitenzahl
1. Zahl der Anhänger:
Die Kunden dieses Konzerns werden als Mitglieder bezeichnet. Nach deutschem Recht ist diese Bezeichnung irreführend, denn der deutsche Normal-Kunde hat in den Scientology-Vereinen kein Stimmrecht. Eine Mitgliedschaft ohne Stimmrecht aber gibt es nicht (vgl. Reichert-Dannecker-Kühr, Handbuch des Vereins- und Verbandsrechts Rdnr. 248).
Weltweit wird die Mitgliederzahl mit 4,5 Millionen angegeben (so Scientology-Mitteilungen v. 19.8.80- "10 Jahre Scientology in Deutschland").
Die Angaben über die Mitgliederzahlen in der Bundesrepublik müssen als manipuliert angesehen werden:
Am 5.6.1975 hat der damals schon langjährige Pressesprecher vor dem Landgericht Hamburg (74 0 365/73) als Zeuge die Mitgliederzahl mit 25. bis 30.000 beziffert und die Zahl der Angestellten mit ca. 150.
In der Selbstdarstellungsschrift "Leitfaden" wurde die Zahl der Mitglieder 1979 mit ca. 30.000 angegeben und in der Zeitschrift "Freiheit" vom Januar/Februar 81 mit nur noch 12.000.
Gleichzeitig wird ständig behauptet, Scientology sei auf "Expansionskurs". Nach unseren Beobachtungen ist diese Behauptung durchaus glaubhaft. Denn in den erwähnten "Mitteilungen" v. 19.8.80 ist von "350 hauptberuflich tätigen Mitarbeitern" die Rede, wobei die "FSM's", die "Freien Scientology-Mitarbeiter" nicht mitgezählt sein dürften.
Die Scientology-"Kirche" dürfte 1981 in Deutschland etwa 200.000 bis 300.000 Anhänger haben, verteilt auf 16 Scientology-Organisationen.
(Anmerkung: stimmberechtigte Vereinsmitglieder im Sinne des Vereinsrechts gibt es nur sehr wenige, insgesamt wohl kaum mehr als hauptberufliche Mitarbeiter. Im Einzelnen unter Kap. 6)
Die ABI schätzt den weltweiten Umsatz auf über 1 Milliarde DM.
Der Konzern ist nach dem Franchising-Verfahren organisiert.
Jede Organisation bzw. deren "Mission-Holder" muß eine Art von Lizenz- Gebühr in Höhe von 10% vom Brutto-Umsatz bezahlen.
Der so erzielte Gewinn beliefe sich nach obiger Schätzung auf 100 Millionen DM jährlich.
Tatsächlich hat Scientology nach eigenen Angaben (Scientology-Mitteilungen v.19.8.80) allein im 1. Halbjahr 1980 Immobilien für 45 Millionen DM gekauft
und zwar ausschließlich im angelsächsischen Raum ("Freiheit" 1/2 1981).
Auch andere Zahlenangaben stützen diese Schätzung:
"Als der Umsatz in Clearwater unter 500.000.- Dollar die Woche abfiel, ordnete Hubbard drei mal täglich für den gesamten Mitarbeiterstab Reis- und Bohnen-Verpflegung an. Schließlich schoß der Umsatz auf 1.000.000.- Dollar die Woche hinauf und Hubbard erlaubte dem Mitarbeiterstab, wieder zu einem anderen Speiseplan zurückzukehren".
(Quelle: Eidesstattliche Versicherung ABI 12-80-8) Die relativ kleine "Mission" in Ulm erreichte nach deren eigenen Angaben
(Zeitschrift Scientology Missions International, Band 14 Übersetzte Ausgabe Nr. 3) einen Wochenumsatz von fast 26.000.- DM und somit einen Jahresumsatz von über 1,3 Millionen und dies nach erst einigen Wochen des Bestehen. "Und sie expandiert weiterhin mit sehr großer Geschwindigkeit".
Da die Ulmer "Mission" eine der jüngsten ist und insgesamt 16 bestehen, dürfte der Umsatz der deutschen Scientology-Filialen rund 50 Millionen DM betragen.
Der Scientology-Konzern bestreitet heftig - auch unter Inanspruchnahme der Gerichte - daß die bekannten 10% vom Brutto-Umsatz an den Gründer gehen.
Um diese Behauptung begründen zu können, wurde - wie so oft -ein Symptom einer Geisteskrankheit sozusagen zum Normalzustand erklärt:
Hubbard zerfällt in verschiedene Persönlichkeiten:
Dokument 9 1. LRH, der Privatmann
2. LRH, der Treuhänder
3. LRH, der Direktor.
"LRH der Privatmann ist Eigentümer aller Copyrights, registrierter Marken und Handelsmarken und der Rechte an Dianetics und Scientology. Orgs schicken 10 % nach Samt Hill..." dem damaligen Hubbard-Wohnsitz.
Auf dem Weg erfährt das Geld eine wundersame Wandlung:
"Alles Geld, was an Hubbard als Privatmann abgeschickt wurde, wird von Hubbard als Treuhänder empfangen..."
"LRH der Treuhänder gibt selten Scientology-Geld an LRH den Privatmann".
Der Grund für diese Persönlichkeitsspaltung ist einfach: Hubbard müßte diese Einnahmen versteuern:
"Steuerbehörden sind darüber oft erstaunt, weil sie von jedermann das schlechteste zu glauben pflegen ..."
(Quelle: OEC- Organisation Executive Course Band 7 5. 574 ff)
Das Franchising-System setzt voraus, daß die einzelnen Filialen formal rechtlich selbständig sind.
In Düsseldorf hat das Amtsgericht (89 AR 12/81 - Beschwerdeverfahren LG 25 T 06/81 noch nicht abgeschlossen) die Eintragung ins Vereinsregister abgelehnt, u.a. mit der Begründung, daß es sich um einem gem. § 22 BGB nicht eintragungsfähiqen wirtschaftlichen Verein handelt.
Alle anderen Scientology-Filialen sind eingetragene Vereine.
Die Kunden werden als Mitglieder bezeichnet. Diese Bezeichnung ist falsch, da diesen Kunden keine Mitgliedschaftsrechte zustehen.
Die Preise für Bücher und Waren und die Vergütung für Dienstleitungen aller Art werden als Mitgliedschaftsbeiträge und Spenden bezeichnet. Wie im einzelnen noch dargelegt wird, ist diese Bezeichnung falsch.
Diese falschen Bezeichnungen dienen der Vortäuschung einer Vereins-Struktur.
Tatsächlich können die einzelnen Filialen in Deutschland keine wichtigen Entscheidungen treffen.
Gesteuert werden diese Filialen vom "Guardian Office" mit Sitz in England.
Diese als "GO" abgekürzte Zentrale muß insbesondere auch entscheiden, ob einem "Rückerstattungsantrag" stattgegeben werden darf und zwar auch bei verhältnismäßig geringfügigen Beträgen.
In größeren Filialen verfügt das GO über ein eigenes Büro mit eigenem Personal. In München ist dieses Büro durch eine Stahltür abgesichert.
Der Begriff "Scientologie" wurde von dem Deutschen Nordenholz erstmals 1934 als Titel eines gleichnamigen Buches verwendet. Dieses Buch trägt den Vermerk "Copyright by Dr. A. Nordenholz 1934".
L. Ron Hubbard's Sohn (Spitzname "Nibs") bestätigt, daß Hubbard sich den Begriff "Scientologie" und dessen englische Schreibweise "Scientology" bei Nordenholz "ausgeliehen" hat.
Gleichwohl hat Hubbard sich am 4.7.1971 beim US-Patentamt Warenzeichen eintragen lassen, unter der Nr. 393 892 für "Scientology" und unter der Nr. 393 885 für "Dianetics".
Dokument 15
Beim Deutschen Patentamt wurde der dänischen Zentrale (AOSH OK Publikations Department AlS) unter der Nummer 979 830 ein Warenzeichen für den Begriff "Scientology" und ein Symbol erteilt, welches aus zwei Dreiecken und einem großen S besteht:
"Geschäftsbetrieb: Herstellung und Vertrieb von Druckereierzeugnissen sowie Lehr- und Unterrichtsmitteln.
Waren: Druckschriften, Zeitungen, Zeitschriften, Bücher, Fotografien, Lehr- und Unterrichtsmittel, nämlich Lehrbücher, besprochene Tonbänder sowie Lehrfilme".
Zumindest nach deutschem Recht dürfte das Urheberrecht an dem Wort Scientology nach wie vor Nordenholz bzw. dessen Erben zustehen.
Im US-Register of Copyright befindet sich eine "Scientology 1934"-Eintragung zu Gunsten eines gewissen Woodward R. McPheeters aus dem Jahre 1968, der das Buch angeblich übersetzt hat.
Dokument 17
Nordenholz ist in den Vierziger Jahren gestorben.
Der Scientology-Konzern bedient sich fast aller gängigen Werbemethoden. Hier können nur einige davon exemplarisch vorgeführt werden:
Die sog. Erstwerbung dient der Beschaffung von Intessenten-Adressen.
Dieser Erstwerbung dient der Persönlichkeitstest.
Er gibt zugleich Aufschluß über gewisse Eigenschaften des Interessenten, läßt Rückschlüsse über den Umgang der Testperson mit Geld zu und gibt Gelegenheit für eine erste Scientology-Selbstdarstellung.
(Zum Inhalt des Tests an anderer Stelle mehr).
Ebenfalls der Erstwerbung dient der Verkauf von Büchern. Auch hier muß stets versucht werden, die Anschrift des Interessenten zu bekommen.
Das massenhafte Verteilen von Buchprospekten in Briefkästen - für ca. 40.000 Stück gibt es eine Gutschrift von ca. 2.000.-DM -
Dokument 19.1 + 19.2
dürfte eher der Aufmerksamkeitswerbung dienen um den Namen "Dianetik" bekannt zu machen.
Die Erstwerbung erfolgt - obgleich wettbewerbsrechtlich verboten - hauptsächlich in der Form des Ansprechens von Straßenpassanten ("body-routen") und in zunehmender Form auch durch das, was die Werbebranche üblicherweise "Freundschaftswerbung" nennt, nämlich durch Werbung im Freundes- und Bekanntenkreis, beispielsweise auch durch Werbung unter den Teilnehmern einer gewerkschaftlichen Bildungsveranstaltung.
Dokument 20 [Wortlaut: ruin1.htm#A20]
Der Erstwerbung dienen auch Straßen-Aufsteller, Zeitungsanzeigen, Plakate, Schaukästen, Aufschriften auf Straßenbahn und Taxi usw.
Dokument 21
Wer einmal Interesse gezeigt hat, der wird Ziel der wohl umfangreichsten Kontaktwerbung, die je eine Organisation oder eine Firma durchgeführt hat.
Dabei fließen Werbung und Ware unversehens und unmerklich ineinander, bis Werbung und Ware fast identisch sind.
Scientology bietet persönliches Wohlbefinden an.
Das gilt zumindest für die unteren "Stufen". Später wird dann auch noch der Erwerb übersinnlicher Kräfte und die Beherrschung sog. PSI-Phänomene angeboten.
Persönliches Wohlbefinden kann durch Aufmerksamkeit erzeugt werden.
Persönliche Briefe sind eine persönliche Aufmerksamkeit.
Deshalb wird der Interessent mit persönlichen, meist handschriftlichen Briefen geradezu überschüttet.
Dokument 22 [11 Werbebriefe]
Die sonstige werbetreibende Wirtschaft kann sich ein derart kostenträchtiges Verfahren nicht leisten und täuscht persönliche Schreiben durch Computerbriefe und geschickten Druck vor.
Es kann vorkommen, daß ein Interessent sogar unter demselben Datum zwei handgeschriebene Briefe bekommt. In diesen Briefen erkundigt sich der Schreiber zunächst nach dem Befinden des Adressaten und betont danach, wie gut es ihm selbst geht.
Dokument 23 [Aktualisierung 2002: Werbebriefe.htm]
Es handelt sich somit um persönliche Referenzschreiben.
Der Scientology-Konzern kann sich ein derartiges Verfahren u.a. deshalb leisten, weil beispielsweise Stundenhonoraren von etwa 400.- DM (1980 - vgl. Preislisten) Monatsgehälter in gleicher Höhe gegenüberstehen, für die 6 Tage in der Woche 12 Stunden gearbeitet wird.
Interessenten empfinden derartige Schreiben als Interesse an der eigenen Person.
Als Interesse an der eigenen Person werden auch Telephonanrufe empfunden. Portokosten und Telephongebühren scheinen deshalb im Scientology-Konzern keinerlei Rolle zu spielen.
Werbung in eigenen Zeitschriften spielt ebenfalls eine herausragende Rolle. Einige Titel: Ursprung Dokument 24
Mission Dokument 25
Theta Dokument 26
College Dokument 27
Verständnis Dokument 28
Freiheit Dokument 29
Auditor Dokument 30
Advance Dokument 31 In diesen Zeitschriften und Zeitungen wird teils durch Anzeigen geworben; teils durch Text. Der Anzeigen-Teil umfaßt meist mehr als 50% des Umfanges. Auch wenn ein Text nicht direkte Werbung enthält, befaßt er sich stets mit Scientology.
Die Zeitschriften und Zeitungen enthalten keinerlei Preisangaben. Sie werden grundsätzlich kostenlos abgegeben, obwohl Scientology sonst jede, auch noch so unscheinbare Drucksache verkauft.
Einen nicht unerheblichen Raum nehmen Referenzschreiben ein, teils unter Namensnennung, teils anonym. Derartige Referenzschreiben werden regelrecht produziert: jeweils nach Abschluß von Sitzungen wird der Teilnehmer mehr oder weniger bedrängt, Berichte über seine "Fallgewinne" zu schreiben. Teilweise werden dafür auch Formularblätter ausgegeben.
Dokument 32
Prospektwerbung wird in einem Umfang betrieben, dem wohl kein einziges Wirtschaftsunternehmen vergleichbares entgegenstellen kann.
Vergleichsweise harmlos ist noch die bereits erwähnte Briefkastenwerbung um Erstkontakte zur Adressenbeschaffung.
Wesentlich bedeutsamer ist auch hier die Prospektwerbung zur Kundenpflege.
Absender derartiger postalischer Sendungen ist nicht etwa nur ein in der Bundesrepublik eingetragener Verein, bei dem der Adressat "Mitglied" ist.
Ein Scientology-"Mitglied" wird vielmehr auch aus Dänemark, England und den USA mit Werbung bedient. Nicht selten wird ein und dieselbe Werbedrucksache auch von den verschiedensten Absendern verschickt.
Insbesondere bei der Prospektwerbung bedient sich der Scientology-Konzern zahlreicher auch in der Werbewirtschaft verwendeten Tricks, erlaubter und verbotener.
Superlativ-Werbung:
Dokument 33 "Erreichen Sie Stufen von Bewußtsein und Fähigkeit, nach denen sogar die Götter streben würden" (Advance 60 S. 59). Mondpreise:
Dokument 34
Die an anderer Stelle behandelten Preislisten enthielten im August 1980 Preise zwischen 350.- DM und 3.500.-DM pro Stunde (!). Es ist jedoch kaum durchschaubar, ob diese Preise tatsächlich jemand bezahlt. Mondpreise dienen dazu, daß der Werbetreibende die Preiswürdigkeit seines Angebots dadurch herausstellt, daß er diese Preise deutlich unterbietet. Tatsächlich werden die Scientology-Preise ständig durch Rabatte "für internationale Mitglieder" und Sonderangebote durchlöchert.
Dokument 35
Vorauszahlungsermäßigung:
Dokument 36
Obwohl bei Scientology grundsätzlich und ausnahmslos nur gegen Vorauszahlung geliefert wird, wird in einer Reihe von Prospekten eine Vorauszahlungsermäßigung zwischen 5 und 15 % angeboten. Es handelt sich somit eindeutig um eine Maßnahme der Verkaufsförderung. Es handelt sich um eine verbotene Rabattgewährung. Zulässig ist nur Barzahlungsrabatt (Skonto) bis 3%.
Barprämie:
Dokument 37
Als "Dienstleistungsabschluß-Belohnung" wird eine Werbemethode bezeichnet, die ebenfalls gegen das Rabattgesetz und gegen das Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb verstößt:
mit Abschluß des Vertrages und Zahlung der Vertragssumme erhält der Teilnehmer sofort 8 % von der Vertragssumme in bar. Dies wird auch ungeniert als "Geldbelohnung" bezeichnet.
Ausnutzung der Angst: verstößt grundsätzlich gegen das Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb. Scientology nutzt Angst in zahlreichen Variationen aus, so die Angst vor der Inflation:
Dokument 38
"Haben Sie schon einmal etwas von der Inflation gehört? Sichern Sie sich die Brücke jetzt! Bevor Sie nichts mehr für Ihr Geld bekommen". Über Jahre hinweg hat der Scientology-Konzern die Preise monatlich um 10% angehoben
Dokument 39
und auch dies mit der Inflation begründet. Das sind jährlich 214% Preissteigerung. Noch im Oktober 1980 hieß es:
"Bezahlen Sie ... bevor die Mitgliedsbeiträge ansteigen", Dokument 40
obwohl schon damals die Wuchergrenze weit überschritten war.
Auch die Angst vor den Atomkrieg und der Radioaktivität wird ausgenutzt:
Dokument 41
"Ich will, daß Scientologen den 3. Weltkrieg überleben". Dieser Spruch des Scientology-Gründers wird Scientologen in zahllosen Prospekten und "Bulletins" eingehämmert, als Werbung für den "Reinigungsrundown", durch welchen der Körper angeblich entgiftet werden soll, ausgerechnet u.a. durch die Einnahme von täglich bis zu 5.000 mg Nikotinsäure, zum Preis von ca. 2.000.- DM im Oktober 1980, wobei im übrigen nicht ersichtlich ist, worin die Gegenleistung für diesen Preis besteht.
Nachdem die Preise ins astronomische gestiegen waren (bis 3.400.- DM pro Stunde), war zu erwarten, daß nunmehr mit Preissenkungen geworben wird:
Dokument 43 "... kann die Scientology Kirche die Beiträge für ihre Mitglieder erheblich senken". 12,5 Stunden "Auditing kostet jetzt 1.680.- DM", also immer noch 134.40 DM pro Stunde. Noch 1976 betrug der Stundensatz höchstens 64.-DM. Die Annahme ist wohl nicht lebensfremd, daß die Preise demnächst wieder steigen werden.
Preisermäßigungen werden in den verschiedensten Variationen angeboten.
Grundsätzlich zulässig sind Preisermäßigungen als Mengenrabatt. Allerdings werden schon bei Einkauf von nur 25 gleichen Büchern 50% Rabatt gegeben. Dies scheint den Rahmen des preisrechtlich und wettbewerbsrechtlich zulässigen weit zu überschreiten.
Dokument 44
Kaum überschaubar ist, unter welchen Voraussetzungen Preisermäßigungen gewährt werden. So wird ein
Dokument 45 "Ausbildungspaket für die Brücke" angeboten mit der Werbung "50 % Ersparnis ... 12.740.- DM". Nachrechnen kann das ohnehin kaum jemand, da wohl nur selten ein Interessent zum fraglichen Zeitpunkt über eine Preisliste verfügen dürfte, der er die aktuellen Preise für die im Paket enthaltenen Kurse entnehmen kann. Einigermaßen verständlich ist demgegenüber das Angebot
Dokument 46 "Gradientenskala für Beitragsermäßigungen
150 Stunden - 25 % Ermäßigung". Besondere zeitlich begrenzte Angebote werden in zahlreichen Prospekten angeboten. Wettbewerbsrechtlich handelt es sich dabei um sog. Sonderveranstaltungen, also "außerhalb des regelmäßigen Geschäftsverkehrs stattfindende Verkaufsveranstaltungen" (§ 9 a UWG).
In der beim Scientology-Konzern auftretenden Häufung sind sie mit Sicherheit unzulässig. Denn zulässig sind nur Jubiläumsverkäufe (alle 25 Jahre) sowie Resteverkäufe (Sommer- und Winterschlußverkäufe).
Sonderangebote sind nur zulässig, soweit "einzelne nach Güte und Preis gekennzeichnete Waren ohne zeitliche Begrenzung angeboten werden" -
so § 1 der Anordnung des RWM betr. Sonderveranstaltungen.
Häufig werden in der Prospektwerbung mehrere Werbemethoden miteinander gekoppelt, die jede für sich schon verboten wäre, so beispielsweise ein
Dokument 47 "Zeitlich begrenztes Angebot" mit einer "15%igen Vorauszahlungsermäßigung" oder "Besondere zeitlich begrenzte Angebote" mit "60% oder noch größere Ermäßigung"
"25% Vergünstigung", aber:
Dokument 48 "Das ist nicht das beste Angebot, es bestehen weitere Möglichkeiten, Ihnen noch weit größere Vergünstigungen zu geben", zum Beispiel: "für Auditing bis zu 60% Nachlaß"
"65% Vergünstigung, wenn Sie für das ganze Paket zusammen spenden"
"Handeln Sie schnell"
"Packen Sie diese einmalige Chance - diese Angebote können jederzeit ungültig erklärt werden. Handeln Sie jetzt". In vielen Prospekten werden Stipendien angeboten:
Dokument 49 "Teilstipendien für Kursgebühren ... werden an produktive und wichtige Leute bzw. hervorragenden und leistungsfähigen Leuten angeboten". Dabei handelt es sich in Wahrheit um nichts anderes als um wettbewerbsrechtlich und rabattrechtlich unzulässige Rabatte von 25% bis 65%, auch hier wieder
"BEGRENZTE ZEIT GÜLTIG - HANDELN SIE JETZT!"
Werbung - Zusammenfassung
a) Die Scientology-"Kirche" umwirbt den einzelnen Kunden intensiver als jedes andere Unternehmen in der Bundesrepublik.
b) Die von der Scientoloqy-"Kirche" benutzten Werbemethoden sind für jedes andere Unternehmen zu teuer.
c) Ein ausgeklügeltes System von Preiserhöhungen, Preissenkungen, Preisnachlässen und sonstigen Vergünstigungen macht eine Übersicht über das Preisgefüge so gut wie unmöglich.
d) Wohl kaum ein anderes Unternehmen bietet eine vergleichbare Zahl von Kaufanreizen aller Art.
e) Die Werbung der Scientology-"Kirche" verstößt in zahllosen Einzelfällen gegen das Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb, das Heilmittelwerbegesetz, das Rabattgesetz und die Zugabeverordnung.
Diese Begriffe sind im Vereinsrecht und im Steuerrecht von zentraler Bedeutung, denn ohne Mitglieder gibt es keinen Verein und Mitgliedsbeiträge und Spenden werden auf der Geberseite und auf der Empfängerseite steuerlich begünstigt.
In Werbung, Preislisten und Quittungen werden die Preise grundsätzlich und fast ausschließlich als Mitgliedsbeiträge und Spenden deklariert.
Dokument 50
Diese Bezeichnung ist falsch: a) Scientology-Mitglieder sind in der Regel keine Vereinsmitglieder
b) Soweit tatsächlich Mitgliedsbeiträge im Sinne von regelmäßig wiederkehrenden Leistungen bezahlt werden, gehen diese nicht an den deutschen Verein, sondern an eine internationale Organisation
c) die Preise für Bücher und Waren und die Vergütung für Dienstleistungen sind keine Mitgliedsbeiträge und keine Spenden.
Durch diese Falschbezeichnungen werden einerseits Öffentlichkeit und Behörden irregeführt, andererseits aber auch die Scientology-Anhänger, denen eine nicht vorhandene Vereinsstruktur vorgegaukelt wird.
a) Der Begriff Mitglied wird im Scientology-Konzern doppeldeutig gebraucht: -- Mitglieder der Scientology-Kirche bzw. internationalen Vereinigungen
-- Mitglied eines deutschen Vereins. Es spricht viel dafür, daß bei Scientology das Wort Mitglied üblicherweise im Sinne eines Mitgliedes der Scientology-Kirche gebraucht wird.
Diese Mitgliedschaft ist Voraussetzung für die Teilnahme an Kursen und Auditing. Sie kann somit mit einer Kundenkarte oder einem Einkaufsausweis verglichen werden.
Dokument 51
Ein Mitglied nach dem deutschen Vereinsrecht hat Rechte und Pflichten. Insbesondere ist das Stimmrecht untrennbar mit der Mitgliedschaft verbunden (vgl. Reichert-Dannecker-Kühr Handbuch des Vereins- und Verbandsrechts Randnummer 248).
Ein Mitglied ohne Stimmrecht ist also im vereinsrechtlichen Sinne kein Mitglied.
Dennoch bezeichnet die Satzung der "Scientology-Kirche Stuttgart e.V."
Dokument 52
gerade solche Mitglieder ohne Stimmrecht als "reguläre Mitglieder". Das Amtsgericht hielt dies offenbar nicht für eintragungsfähig, denn in der später eingetragenen Satzung heißt es, "jeder unbescholtene Bürger" könne Mitglied werden, sofern er den Vereinszweck fördert.
Tatsächlich hatte der Verein in der Mitgliederversammlung vom 22.10.75 nur 7 stimmberechtigte Mitglieder.
Dokument 53
Die "Scientology-Kirche Deutschland e.V."
wurde 12.10.70 von sieben Personen gegründet, der nach dem Gesetz geringstmöglichen Zahl von Gründungsmitgliedern. In der Mitgliederversammlung vom 10.6.1977 hatte der Verein gerade 13 stimmberechtigte Mitglieder.
Dokument 55
b) Neben den Preisen, denen eine bestimmte Gegenleistung gegenübersteht, weisen manche Preislisten eine besondere Rubrik auf: "Mitgliedschaften
Die ersten 6 Monate kostenlos
Erneuerung für das 1. Jahr .... 90.- DM
Jährliche Erneuerung 45.- DM
Permanente Mitgliedschaft 450.- DM Dokument 56
Mit einer solchen Zahlung wird die "Mitgliedschaft" nicht etwa in einem deutschen Verein erworben, sondern die in der
Dokument 57
"HASI - HUBBARD ASSOSIATION OF SCIENTOLOGISTS INTERNATIONAL". c) Mitgliedsbeiträge im Sinne des Vereinsrechts sind regelmäßig wiederkehrende Leistungen zur Abdeckung des Grundbedarfs des Vereins (aao Rdnr. 277). Wenn eine bestimmte Leistung (Ware oder Dienstleistung) nur gegen vorherige Zahlung eines nach Liste bestimmten Preises abgegeben wird, ist dies kein Mitgliedsbeitrag.
Spenden sind freiwillige Leistungen ohne erwartete Gegenleistung (aao Rdnr. 1843). Tatsächlich erwirbt der Scientologe mit der Zahlung durch Vertrag das Recht zur Teilnahme an bestimmten Kursen.
Dokument 58
Mitgliedsbeiträge und Spenden an gemeinnützige Vereine sind steuerlich absetzbar (aao Rdnr. 1843).
Mitgliedsbeiträge und Spenden müssen von gemeinnützigen Vereinen nicht versteuert werden (aao Rdnr. 1767 u. 1772).
Indem die Preise als Mitgliedsbeiträge und Spenden deklariert werden, wird vorgetäuscht, daß diese nicht der Steuer unterliegen. Da Mitgliedsbeiträge und Spenden üblicherweise an gemeinnützige Vereine bezahlt werden, wird zugleich ein gemeinnütziger Verein vorgetäuscht Tatsächlich hat sich die Münchner Zentrale im "Ursprung" als gemeinnützig bezeichnet
Dokument 59
Die bei Scientology auch sonst allgemein übliche Begriffsverwirrung gipfelt in dem folgenden Werbetext:
Dokument 60 "Ankündigung: 5% Nachlaß auf Spenden erhältlich Um diesen Nachlaß in Anspruch nehmen zu können, müssen Sie einige Zeit bevor Sie ihren Service starten, spenden".
7. Scientology-Mitarbeiter
Die Zahl der "hauptamtlichen" Mitarbeiter wird mit ca. 350 angegeben.
Hinzu kommt eine unbekannte Zahl von sogenannten FSM's, also "Freien Scientology Mitarbeitern" oder "Field Staff Member", die sozusagen den Außendienst betreiben. Deren Zahl rechtfertigt immerhin die Herausgabe der Zeitung "FSM-Newsletter" in deutscher Sprache.
Dokument 61
Die Werbung um Mitarbeiter
Dokument 62
richtet sich naturgemäß an Scientology-Anhänger. Sie folgt im wesentlichen den bereits beschriebenen Werbemethoden unter Ausschluß derjenigen, die sich an die Öffentlichkeit wenden. Auch die Prospekte unterscheiden sich nur wenig von den üblichen Prospekten. Häufig werden Fragebogen verschickt,
Dokument 63
auf denen der Interessent sein mögliches Arbeitsgebiet ankreuzen kann. Damit wird das persönliche Gespräch vorbereitet, welches in aller Regel sehr intensiv ist, sich über lange Zeit erstrecken kann und oft auch von mehreren Scientology-Funktionären geführt wird.
Wesentliches Werbeargument bei der Mitarbeiter-Werbung ist das während dieser Tätigkeit angeblich kostenlose Studium.
Dokument 64
Für Personen, die ohne Kurse oder Auditing Entzugserscheinungen empfinden, ist deshalb eine Anstellung oft die einzige Möglichkeit der Teilnahme. Zugleich wird darauf hingewiesen, daß man es mit einer idealistischen Organisation zu tun hat, deren Ziel es ist,
Dokument 65
"EINE ZIVILISATION OHNE GEISTESKRANKHEIT, KRIMINALITÄT UND OHNE KRIEG" zu erreichen und daß Scientology die Welt retten will:
Dokument 66
"Die Welt hat optimistisch gesehen 5 Jahre, pessimistisch gesehen noch 2 Jahre. Und danach, Bang oder vielleicht nur ein Gewinsel. Wir haben die volle Absicht, es zu schaffen. Wir wissen, daß. jede Minute zahlt und wir haben vor, alles aus dem Weg zu räumen, was wir aus dem Weg räumen müssen. Wir werden eine Welt ohne Kriminalität und ohne Krieg haben. LRH". Soweit bekannt, erhält der zukünftige Mitarbeiter vor und bei Vertragsschluß wenig von jenen Angaben, die ein Arbeitsverhältnis ausmachen. Das ist aus Scientology-Sicht durchaus verständlich, denn laut Vertrag sollen
Dokument 67
"Mitarbeiter ... jeden Posten annehmen, der ihnen übertragen wird ...". Auch die Angaben über das zu erwartende Einkommen sind selbst unter Berücksichtigung einer idealistischen Zielsetzung in der Regel sehr vage, aber auch das ist verständlich, denn laut Vertrag erfolgt
"Bezahlung: Wöchentlich, errechnet in Bezug auf Stellung und Status als Mitarbeiter und auf das Einkommen und die Ausgaben der Kirche für den fraglichen Zeitraum". Folgerichtig wurde bisher erst ein Prospekt bekannt, der Angaben über die Bezahlung enthält: wöchentlich 124 dänische Kronen, also etwa 50.- DM "und außerdem Prämien für die Produktion".
Dokument 68
Gesucht wurden mit dieser Werbung im Jahr 1977 Übersetzer und "Übersetzer sind wahrscheinlich das höchstbezahlte Scientology-Personal in Europa".
Auch in der Bundesrepublik werden Minimallöhne bezahlt. Ausweislich seines Lohnsteuerjahresausgleichs hat ein "Auditor" 1975 monatlich nur 356. - DM verdient
Dokument 69
und auch heute dürfte das Einkommen eines Scientology-Mitarbeiters nur ausnahmsweise den Sozialhilfe-Satz überschreiten und nur selten in die Höhe eines normalen Gehaltes gelangen.
Im Gegensatz zu anderen europäischen Ländern gibt es in der Bundesrepublik keinen gesetzlichen Mindestlohn.
Allerdings kann Sachwucher in der Form des Lohnwuchers vorliegen:
Wenn nämlich "unter Ausbeutung der Notlage, des Leichtsinns oder der Unerfahrenheit" Arbeitskraft und Vergütung in einem "auffälligen Mißverhältnis" stehen.
Lohnwucher?
Bei der Überprüfung von Kreditgeschäften auf Zinswucher stellt der Bundesgerichtshof (BGH) in ständiger Rechtsprechung nicht nur auf den Zinssatz ab, sondern überprüft die gesamten Vertragsbedingungen
(Überblick: Bender, Probleme des Konsumentenkredits, NJW 80,1129).
Deshalb sollen die Scientology-Arbeitsverträge im folgenden darauf überprüft werden, ob sie gegen zwingende Vorschriften des Sozial rechts verstoßen.
Zeitverträge dienen nicht selten zur Umgehung des Kündigungsschutzes. Sie sind deshalb nur zulässig, wenn sie durch die Besonderheit des Einzelfalles gerechtfertigt sind.
Bei der Scientology-"Kirche" sind jedoch praktische alle Arbeitsverträge Zeitverträge.
Üblicherweise werden diese für zweieinhalb oder fünf Jahre abgeschlossen. Ziel ist hier jedoch nicht - oder nicht in erster Linie - die Umgehung des Kündigungsschutzes, wie die Verträge mit der sog. Sea-Org zeigen.
Dokument 70
Denn: "FÜR WIE LANGE TRITT MAN DER SEA-ORG BEI?
Für eine Milliarde Jahre" Die Umgehung des Kündigungsschutzes ist im übrigen schon deshalb nicht erforderlich, weil für das Fortbestehen des Arbeitsverhältnisses ohnehin erforderlich ist, daß der Arbeitnehmer sich bei der "Kirchen-Autorität ... in gutem Ruf" befindet.
Dokument 71
Die Zeitverträge sind vielmehr im Zusammenhang mit dem bereits erwähnten angeblich kostenlosem "Studium" zu sehen:
Vorzeitige Kündigung des Zeitvertrages wird als Vertragsbruch angesehen
und verpflichtet den Arbeitnehmer, nachträglich den vollen Listenpreis für die angeblich kostenlosen Dienstleistungen zu bezahlen.
Die vorzeitige Beendigung eines Zeitvertrages wird als Vertragsbruch bezeichnet und verpflichtet (angeblich) zur nachträglichen Zahlung des Listenpreises für das "kostenlose Studium".
Man darf unterstellen, daß der Scientology-"Kirche" als wohl prozeßfreudigster Organisation der Welt bekannt ist, daß eine derartige Regelung unwirksam ist. Deshalb spricht alles dafür, daß diese Regelung nicht in erster Linie der Beschaffung von Geld dienen, sondern vielmehr die Mitarbeiter von der Kündigung abhalten soll:
Die Zeitverträge sollen eine Kündigung verhindern.
In dieses Bild paßt es, daß derjenige; der kündigen will oder gekündigt hat als
Dokument 72
Freeloader bezeichnet wird, als
Schnorrer. Ihm wird eine
Dokument 73 Freeloaderbill geschickt, eine
Schnorrerrechnung. Auch 10% Zinsen werden geltend gemacht.
Dokument 74 [Konzern-Anlage74.1+74.2.gif]
Der Mitarbeiter, der sich von der Scientology-"Kirche" lösen will, sieht sich somit einem enormen Schuldenberg gegenüber und sieht von der Kündigung ab.
(Die Scientology-Preise drängen im übrigen ebenfalls den Verdacht des Sachwuchers auf, so daß der Mitarbeiter möglicherweise nur die Wahl zwischen Preiswucher und Lohnwucher hat.)
Inhaltlich -darauf wird zurückgekommen- handelt es sich bei diesem "kostenlosen Studium" überwiegend um nichts anderes als um Mitarbeiterschulung.
Der Scientology-Mitarbeiter soll also im Falle der vorzeitigen Kündigung nachträglich seine Ausbildung oder Fortbildung für diese Tätigkeit bezahlen.
Die Arbeitszeitordnung (AZO) schreibt den 8-Stunden-Tag vor. Die deutschsprachigen Verträge halten sich in der Regel daran. Gespräche mit ehemaligen Mitarbeitern haben jedoch ergeben, daß tatsächlich ein 12-Stunden-Tag üblich ist. Nach Informationen aus den USA kann daraus auch ein 20-Stunden-Arbeitstag werden.
Die Diskrepanz zwischen Vertragstext und Wirklichkeit ergibt sich aus den folgenden Klauseln:
"Es wird von Mitarbeitern erwartet, in ihrer Freizeit zu studieren" Diese Klausel findet sich in einer Variante des Vertrages bezeichnenderweise unter der Rubrik "Arbeitszeit und Überstunden". Da es sich der Sache nach bei diesem "Studium" auch tatsächlich um Mitarbeiterschulung handelt, leistet der Mitarbeiter einen 12-Stunden-Arbeitstag.
Sehr viel eindeutiger der bereits erwähnte Prospekt zur Anwerbung von Übersetzern nach Kopenhagen:
"ARBEITSSTUNDEN
Alle Personalmitglieder arbeiten 6 Tage in der Woche, Montag bis Freitag von 9 Uhr morgens bis 10.30 abends und Sonntag von 10 Uhr morgens bis 10 Uhr abends". Eine derartige planmäßige Überschreitung der regelmäßigen Arbeitszeit dürfte eine Ordnungswidrigkeit gem. § 25 AZO beinhalten.
Werden dadurch Arbeitskraft oder Gesundheit des Arbeitnehmers gefährdet, liegt eine Straftat vor, die mit einem Jahr Freiheitsstrafe bedroht ist (§ 25 Abs.4 AZO).
§ 15 AZO schreibt eine Mehrarbeitsvergütung vor.
Überstunden müssen also bezahlt werden. Und zwar mit einem angemessenen Zuschlag - i.d.R. 25% - zum Grundlohn. Dazu heißt es in einer Vertragsvariante:
"Es werden keine zusätzlichen Zuwendungen für Überstunden ausbezahlt, obwohl der Stab - wenn nötig - länger als gewöhnlich tätig ist". Nach dem Lohnfortzahlungsgesetz muß der Arbeitgeber im Krankheitsfalle 6 Wochen lang den Lohn bezahlen Ein ärztliches Attest muß erst am dritten Tag beigebracht werden. Dazu ein Scientology-Vertrag:
"Krankenurlaub
2 Tage - nicht akkumulativ - in jedem Kalendermonat bei Vorlage eines ärztlichen Attestes" Die Scientology-"Kirche" "redefiniert" Ärzte üblicherweise als "anti-soziale Feinde des Volkes" (vgl. ABI-Broschüre S. 32).. Hier scheinen die Feinde zur Verhinderung von Fehlzeiten nützlich zu sein.
Nach dem Bundesurlaubsgesetz beträgt der gesetzliche Mindesturlaub 18 Tage. Die entsprechende Scientology-Klausel:
"Urlaub
10 Tage pro Jahr nach einem Jahr Tätigkeit". Nach § 4 Bundesurlaubsgesetz entsteht der volle Urlaubsanspruch bereits nach 6 Monaten und für jeden Monat davor besteht Anspruch auf ein Zwölftel des vollen Urlaubs.
Eine Vertragsvariante ist von der Ehefrau des Gründers unterzeichnet, von Mary Sue Hubbard und von Jane Kember.
Beide standen viele Jahre an oberster Spitze des "Guardian Office", welches auch die deutschen Aktivitäten steuert. Beide wurden in den USA wegen zahlreicher Straftaten zu empfindlichen Freiheitsstrafen verurteilt.
Lohnwucher? Zusammenfassung
Die Bezahlung liegt unter dem Sozialhilfesatz. Dafür muß 6 Wochentage 12 Stunden gearbeitet werden, unter Vertragsbedingungen, die gegen zahlreiche Sozialgesetze verstoßen und unter der ständigen Bedrohung, im Falle der Kündigung mehr bezahlen zu müssen, als jemals verdient wurde.
Es unterliegt deshalb keinem vernünftigen Zweifel, daß der Tatbestand des Lohnwuchers gegeben ist.
Mitarbeiter - Schulung
Die Mitarbeiter-Schulung beginnt im Grund bereits mit der "Trainingsübung 0" des Kommunikationskurses:
Trainer und Proband sitzen einander gegenüber und starren einander in die Augen. Der Proband darf sich nicht rühren und muß auch das "Reizen" ohne jede Reaktion über sich ergehen lassen, auch wenn es beleidigend ist.
Diese Übung wird auch "konfrontieren" genannt und "konfrontieren können" muß der Scientologe später eine ganze Menge. Zunächst aber muß er nicht selten eine praktische Übung durchführen und auf der Straße Passanten ansprechen.
Dokument 76
Derartige Kontakte werden nicht als Werbung bezeichnet, sondern als
Dokument 77
Dissemination, Verbreitung. Eine der ersten Schulungsstufen ist dementsprechend der
Disseminationsdrill. Dieser Kurs enthält sozusagen das kleine Einmaleins der Verkäuferschulung Selbstverständlich kostet er Geld, auch wenn er vergleichsweise billig ist.
Dokument 78
Erheblich teurer ist schon der Kurs für Fortgeschrittene, der
OEC-Organisation Executive Course. Laut Preisliste vom July 1980
Dokument 79
gibt es ihn in zwei Varianten
zum Preis von 18.442,40 bzw. 15.859,90 DM. Der Organisations-Verwaltungs-Kurs beinhaltet 9 grüne DIN-A-4 Bände:
Band 0: Basic Staff Volume 381 Seiten Dokument 80 Band 1: Hubbard Communication Office Division 606 Seiten Dokument 81 Band 2: Hubbard Communication Offices Dissemination Division 413 Seiten Dokument 82 Band 3: Treasury Division 382 Seiten Dokument 83 Band 4: Technical Division 638 Seiten Dokument 84 Band 5: Qualifications Division 382 Seiten Dokument 85 Band 6: Distribution Division 478 Seiten Dokument 86 Band 7: Executive Division 735 Seiten Dokument 87 Band 8: Index 335 Seiten Dokument 88
Zusammen 4.350 Seiten
Diese 4.350 Seiten enthalten Unmengen von sog.
HUBBARD COMMUNICATION OFFICE POLICY LETTER's, in aller Regel von LRH, von L. Ron Hubbard unterzeichnet. Diese
HCO PL's werden von Scientologen wie Gesetze behandelt. In Zweifelsfragen - und diese tauchen oft auf - ist nachzuforschen, welches jüngeren Datums ist und ob ein HCOPL möglicherweise aufgehoben wurde. Sogar Farbe von Schrift und Papier spielen bei der Bewertung eine Rolle.
Zu den grünen OEC-Bänden kommen noch die roten "Technical Bulletins" hinzu, ebenfalls DIN-A-4, 12 Bände:
Band I 1950-1953 539 Seiten Dokument 89 Band II 1954-1956 634 Seiten Dokument 90 Band III 1957-1959 637 Seiten Dokument 91 Band IV 1960-1961 524 Seiten Dokument 92 Band V 1962-1964 589 Seiten Dokument 93 Band VI 1965-1969 524 Seiten Dokument 94 Band VII 1970-1971 542 Seiten Dokument 95 Band VIII 1972-1975 593 Seiten Dokument 96 Band IX 1965-1975 Auditing Series 557 Seiten Dokument 97 Band X 1970-1975 C/S Series 572 Seiten Dokument 98 Band XI 1976-1978 623 Seiten Dokument 99 Band XII 1978-1979 544 Seiten Dokument 100
Zusammen 6.878 Seiten
Der Inhalt dieser 21 Bände mit insgesamt 11.228 Seiten taucht in zahllosen Variationen in den fast ebenso zahllosen Kursen auf.
Dokument 101
Band VI S. 346 A ff "Preclear Assessment Sheet". Dieses wird in deutscher Übersetzung verwendet im
Dokument 102
"Ergänzungsstudierpack für Hubbard-Standard-Dianetics-Kurs" S. 81 bis 89. Dieses HCOB wurde allerdings für ungültig erklärt durch
Band XI 5. 367 HCOB of 24 June 1978 R Revised22 September 1978. Dieses wird in deutscher Übersetzung verwendet im
Dokument 103
"Hubbard Dianetik Kurs der Neuen Ära"
Exkurs: Preise
Dokument 104 Kurspack zu diesem "NED"-Kurs (462 Seiten) 110.-DM Dokument 105 Preis des Kurses lt. Prospekt v. 1980 7.352.-DM (Dauer 3 Wochen!) Dokument 106 Preis des OEC-Seminars 17.083.- DM Dokument 107 Preis des OEC-Praktikums 14.706.- DM
7 OEC-Bände 1979 1.870.- DM Dokument 108 11 Technical-Bulletin Bände 2.573.- DM Der Vergleich des HCOB's von 1969 mit dem von 1978 ergibt nur geringfügige Abweichungen:
A9 alt: "Stehen Sie zur Zeit mit irgend jemand in Verbindung, der geistiger oder seelischer Behandlung oder Scientology (R) feindselig gegenübersteht? (Wenn ja, wer ist es?)"
neu: "Bist du zur Zeit mit irgend jemandem in Verbindung, der antagonistisch gegenüber mentaler oder geistiger Behandlung oder Scientology ist?
(Wenn ja, wer?)"
Während die erste Fassung noch halbwegs verständlich ist, muß der "Student" bei der Lektüre der 2. Fassung möglicherweise wieder in die Phase des "Wortklärens" einsteigen und den Begriff "antagonistisch" klären (wird in der Scientology-"Fachwortsammlung" nicht erwähnt).
Die Neufassung erschwert also das Verständnis.
Neu sind die Fragen A 10 bis A 17, in welchen nach den Beziehungen zu "irgend jemand" gefragt wird und mit denen nach einer "unterdrückerischen Person" gesucht wird, also jemanden, der Scientology möglicherweise kritisch gegenüberstehen könnte.
Überhaupt befaßt sich ein ganz erheblicher Teil dieser Mitarbeiterschulung mit dem Kampf gegen (vermeintliche und tatsächliche) Kritiker und mit Öffentlichkeitsarbeit (PR).
Mitarbeiter - Motivation
Die auf eigene Kosten ausgebildeten Mitarbeiter erwartet ein ausgeklügeltes Motivationssystem. Die Verbindung zwischender Ausbildung auf eigene Kosten und diesem Motivationssystem wurde bisher nur bei der sog. progressiven Kundenwerbung bekannt, die auch als
Schneeballsystem oder Schneeballwerbung bezeichnet wird.
Im Unterschied zu Firmen wie "Mut zum Erfolg GmbH" oder "Golden Produkts" wirkt sich der Schneeballeffekt allerdings finanziell hauptsächlich zu Gunsten der Organisation aus und weniger zu Gunsten des Scientology-Mitarbeiters, denn dieser erhält seine Provision nur für solche Geschäfte, die auch tatsächlich von ihm getätigt werden. Wird der neue Kunde selbst Mitarbeiter und tätigt seinerseits Geschäfte (zur Finanzierung der Kurse), so erhält der erste Mitarbeiter daraus keine Provision mehr.
Jedem Teilnehmer wird eingehämmert, daß "Scientology funktioniert"
Dokument 109
und daß er dabei deshalb auch "Gewinne" macht, über die zu berichten ist und die aufzuschreiben und wöchentlich an "RON" zu senden sind. Wenn keine "Gewinne" auftreten, wird der Teilnehmer verdächtigt, eine suppressive Person" zu sein oder einer solchen nahezustehen,
Dokument 110
oder eine "PTS", eine "Potential Trouble Source" und er muß dann einen der zahlreichen PTS-Kurse durchlaufen.
Macht er dann endlich doch noch "Gewinne", so wird das mit Beifall von allen Seiten gefeiert und schon deshalb wird er sich wohler fühlen und deshalb bestätigen, daß "Scientology funktioniert".
Mit diesen und anderen Methoden wird systematisch ein Zustand erzeugt, den man am ehesten mit der Therapiesucht vergleichen kann.
Man kann also trotz gewisser Vorbehalte sagen, daß die Mitarbeiter süchtig sind nach dem Produkt, welches sie verkaufen sollen.
Das wirkt sich besonders auf den "Außendienst" aus, auf die FSM's, die Freien Scientology-Mitarbeiter, die ja kein "Studium" kostenlos bekommen. Für alle aber gilt:
Dokument 112
"Make Money.'" So die Oberschrift eines Prospektes, in dem die Tätigkeit eines "FBO" erklärt wird:
"Ein FBO ist ein Experte für Geld", ohne daß allerdings erklärt wird, was diese Abkürzung bedeutet. Dies läßt sich allerdings dem großformatigen und dickleibigen Handbuch "Modern Management Technology Defined" entnehmen:
Dokument 113
"FBO Finance Banking Officer" Und
"Was sagt Ron über Finanzen?
MAKE OTHER PEOPLE PRODUCE SO AS TO
MAKE MONEY' Dieses Geld aber soll nach Möglichkeit auf "Konto Nr. 1" verbleiben, auf dem alle Einnahmen zu verbuchen sind.
Deshalb werden auch Provisionen ("commission") in aller Regel nicht in Bar ausbezahlt.
Die Provisionen werden vielmehr in Naturalien bezahlt, meist nach einem
Dokument 114
"FSM BELOHNUNGSPROGRAMM FÜR EINZELNE FSM's"
In aller Regel beträgt die Provision 10%, so daß beispielsweise für die Anwerbung ("Selektion") von 10 Käufern für den "Neue Ära Dianetik-Kurs" kostenlos am Kurs teilgenommen werden kann. Zu solchen "Belohnungsprogrammen" kommt als weiterer Ansporn oft ein "Belohnungsspiel" hinzu, dessen Konditionen und Ergebnisse dem "FSM-Newsletter" zu entnehmen sind. So wird im Newsletter Nr. 147 das Ergebnis beim Verkauf von "18 brandneuen Kommunikationsübungen" bekanntgegeben: die nachrangige "Mission" in Stuttgart hat ebenso viele Kunden "selektiert", wie die Pariser "Org".
Dokument 61.3
Im FSM-Newsletter Nr. 143, ebenfalls aus dem Jahr 1980, wird über die Ergebnisse eines "Trainingsbelohnungsspiels" berichtet und hier wird auch eine der vielen Merkwürdigkeiten beim Umgang mit der Statistik deutlich: obwohl die nachrangige "Mission" in Hamburg die größte Zahl der Preise eingestrichen hat, hat sie den Wettbewerb nicht gewonnen, sondern vielmehr die "Org" in Kapstadt.
Im FSM- Newsletter Nr. 157 aus dem Jahr 1981 schließlich werden
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"wirklich heiße Neuigkeiten" angekündigt und auf der Rückseite dieses Briefes der bereits behandelte Prospekt "Belohnung zum Abschluß einer Dienstleistung" abgedruckt:
"DIE BELOHNUNG ZUM ABSCHLUSS EINER DIENSTLEISTUNG BESTEHT AUS GANZEN 8% von dem, was Sie für Ihre abgeschlossene Dienstleistung gespendet haben" Diese wettbewerbsrechtlich und rabattrechtlich verbotene Barprämie war eigentlich nur für den Kunden gedacht. Hier liegt einer der seltenen Fälle vor, daß auch der Mitarbeiter an Bargeld kommen kann.
Der Motivation beim Buchverkauf - von Scientology als "front door", als Eingangstür eingeschätzt - dient ebenfalls eine eigene Zeitschrift:
Dokument 117
"FRONTLINE - The Booksales Newsletter The Weekly Newsletter for Staff and FSM's". In "Frontline" Nr. 27 vom 20.7.81 - das Herausgabedatum wird bei Scientology üblicherweise weggelassen - wird über die Gewinner der Preise bei einem "BMB-Spiel" berichtet. BMB bedeutet
Dokument 116
Books Make Booms. In "Frontline" Nr. 28 v. 22.10.81 wird eine Neuauflage dieses "Spiels" angekündigt, die Preise im Bild vorgestellt und Hubbard's Satz aus dem Jahre 1960 zitiert:
"The Front door we have is DIANETICS: THE MODERN SCIENCE OF MENTAL HEALTH", zitiert aus einem der wichtigsten Hubbard-Bulletins für Scientology-Mitarbeiter:
"Bücher sind Verbreitung". Dieses Bulletin wird in zahlreichen Zusammenhängen verbreitet, so beispielsweise im "Pack" mit dem Titel
Dokument 118
"Scientology Expansion", der dem Ziel dient,
Dokument 119
"RON ZU HELFEN, DEUTSCHLAND UND DIE SCHWEIZ 'CLEAR' ZU MACHEN" und der auch die
"BOOM - FORMEL" aus dem Jahr 1968 enthält, die sich wiederum auf eine des Jahres 1950 bezieht: die Mehrheit der frühen Hubbard-Texte stammt aus den frühen fünfziger Jahren und wurden später nur noch variiert.
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Wesentlicher Bestandteil der Scientology-Verkaufsmethode ist die sog. Ethik. Laut Scientology-Fachwortsammlung ist Ethik
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"die Vernunft und Erwägung in bezug auf optimales Überleben". Tatsächlich verbirgt sich hinter diesem Ausdruck
ein straffes System von Disziplinarstrafen.
Das beginnt mit milden Maßnahmen wie der "Roten Karte" und endet mit dem berühmt-berüchtigten
Fair Game, in der Scientology-Fachwortsammlung nicht enthalten, auf Deutsch
Freiwild. Kaufman (Übermenschen unter uns S. 143) zitiert das entsprechende Hubbard-Bulletin:
Dokument 123
"Eine Person, die in den Ethik-Zustand des Feindes zurückgestuft worden ist, gilt als vogelfrei: man darf ihm Eigentum abnehmen, ihn in jeder Weise verletzen, ohne daß man von einem Scientologen bestraft wird. Man darf ihm Streiche spielen, ihn verklagen, ihn belügen oder ihn vernichten". Es sei ausdrücklich darauf hingewiesen, daß dieses Bulletin aufgehoben, im Scientology-Sprachgebrauch "gecancelled" wurde. Aber nicht etwa auf Grund besserer Einsicht, sondern weil "es schlechten Eindruck in der Öffentlichkeit macht". Außerdem stammt das Aufhebungs-Bulletin von 1968, noch 1974 aber wurde im selben OEC-Band Nr.1 das HCOP v. 17.5.65 abgedruckt mit dem Titel
"Die Quelle der Freiwild-Doktrin". Noch in der "Ersten Ausgabe" von 1977 des
Dokument 124
"PTS and SP Detection, Routing and Handling" Kurses, also des
Kurses zum Aufspüren und Behandeln potentieller Unruhestifter und unterdrückerischer Personen ist im HCOP vom 23.12.65 die Rede von der Fair Game Doktrin. Dazu aus einer eidesstattlichen Versicherung: aus dem Jahr 1980, vorgelegt in den USA in einem 200-Millionen-Dollar-Schadensersatzprozeß gegen Scientology:
"Ich sah ... mit eigenen Augen, wie jemand mit Ketten mehrere Wochen lang an Leitungsrohre im Heizraum des Gebäudes Fort Harrison gefesselt war
"In vielen Fällen beobachtete ich, wie jemand in die Kettenkästen des Schiffes gesteckt wurde, und zwar auf direkten Befehl Hubbards. Diese Kästen waren kleine, übelriechende Löcher, die mit Gittern abgedeckt waren und zur Lagerung der Ankerkette dienten. Ich sah, wie ein Junge dort 30 Nächte lang eingesperrt wurde; er heulte und bettelte herausgelassen zu werden.." (ABI 12-80-82/85).
Auch in der Bundesrepublik Deutschland gibt es eine Ethik-Abteilung
Dokument 125
und zwar im Hubbard Kommunikations Büro. Der ABI liegt eine Tonbandaussage einer ehemaligen Scientology-Verkaufsmitarbeiterin vor, nach der diese vor dem Gebäude in der Lindwurmstr. 29 von Scientologen mit Gewalt verschleppt und in das Gebäude zurückgebracht wurde.
Bestraft wird bereits, wer "kein Produkt hervorgebracht",
Dokument 126
also keine Umsätze getätigt hat: er wird in den "Zustand" der "Nicht-Existenz" versetzt und muß 7 1/2 Stunden Strafarbeit ableisten. Auch ganze Gruppen werden wegen mangelnder Umsätze in den Zustand "Gefahr" versetzt.
Dokument 127
Scientology verlangt grundsätzlich Vorauszahlung
Im Falle der fristlosen Kündigung von Mitgliedschaft und Verträgen können diese (noch nicht verbrauchten) Gelder zurückgefordert werden. Teilweise handelt es sich dabei um sehr erhebliche Beträge, in einem Fall ca. 60.000.- DM.
Daß das Verlangen nach derartigen Vorauszahlungen keine gesetzliche Grundlage hat, bedarf wohl kaum der Erwähnung. Bei Preissteigerungen von 214% im Jahr ist eine solche Vorauszahlung aber tatsächlich eine Geldanlage und wird somit zumindest teilweise verständlich.
Wer Geld zurückhaben will, muß einen Antrag ausfüllen, zu dem das AG München (9 C 836/77, abgedruckt in ABI-Broschüre S. 81) rechtskräftig feststellte:
Dokument 128
"Der Rückzahlungsantrag enthält für denjenigen, der die Rückzahlung der bezahlten Gebühren beansprucht, nichts anderes als eine Reihe von Erschwernissen, die durch kein gerechtfertigtes Interesse .... gedeckt sind. Warum hierzu, wie in dem Rückzahlungsantragsformular vorgesehen, zunächst zum Rezeptionisten, dann zum Direktor für Korrektur, schließlich zum Qual, dann zum Direktor für technische Dienstleistungen , schließlich zum Fallüberwacher gegangen werden muß, ist schlechthin unerfindlich, es sei denn, der Austrittswillige soll bei sämtlichen Stationen immer wieder vom Austritt abgehalten werden". Wenn jedoch tatsächlich jemand all diese Stationen unangefochten durchläuft und noch immer sein Geld zurück will, dann wird schließlich noch eine Verwaltungsgebühr in Höhe von 10% abgezogen, obwohl es auch dafür keine gesetzliche Grundlage gibt.
Dokument 129
Die Zahlung von Zinsen hingegen wird verweigert,
Dokument 130
obwohl das AG München im obigen Urteil auch zur Zahlung von Zinsen verurteilt hat, denn:
"Wir sind eine Kirche und kein Geldinstitut".
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