Source: http://relevancy.bger.ch/php/aza/http/index.php?lang=de&zoom=&type=show_document&highlight_docid=aza%3A%2F%2F16-02-2011-8C_829-2010
Timestamp: 2016-10-23 14:36:15
Document Index: 290881174

Matched Legal Cases: ['Art. 28', 'BGE', 'BGE', 'Art. 17', 'BGE', 'Art. 44', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'Art. 65', 'Art. 66', 'Art. 68']

Mit Verf�gung vom 24. Juni 2009 lehnte die IV-Stelle des Kantons Aargau den Anspruch des L.________, geboren 1954, auf eine Invalidenrente ab mit der Begr�ndung, dass er gem�ss Gutachten der Medizinischen Abkl�rungsstation (MEDAS) des Spitals O.________ vom 20. November 2008 zwar nicht mehr seinem angestammten Beruf als Rohrschweisser nachgehen k�nne, in einer leidensangepassten T�tigkeit jedoch zu 100 % arbeitsf�hig sei und ein rentenausschliessendes Einkommen zu erzielen verm�chte (Invalidit�tsgrad: 34 %).
Die IV-Stelle des Kantons Aargau f�hrt Beschwerde in �ffentlich-rechtlichen Angelegenheiten mit dem Antrag, es sei der angefochtene Entscheid aufzuheben und die Verf�gung vom 24. Juni 2009 zu best�tigen. Des Weiteren ersucht sie um Gew�hrung der aufschiebenden Wirkung ihrer Beschwerde.
W�hrend L.________ auf Abweisung der Beschwerde schliessen l�sst, eventualiter, im Falle einer Gutheissung der Beschwerde, die R�ckweisung der Sache zu weiteren medizinischen Abkl�rungen beantragt, verzichtet das Bundesamt f�r Sozialversicherungen auf eine Vernehmlassung.
Das kantonale Gericht hat die Bestimmungen und Grunds�tze zum Anspruch auf eine Invalidenrente (Art. 28 Abs. 2 IVG), zur Aufgabe des Arztes im Rahmen der Invalidit�tsbemessung (BGE 132 V 93 E. 4 S. 99; 125 V 256 E. 4 S. 261 f.; vgl. auch AHI 2002 S. 62, I 82/01 E. 4b/cc) sowie zum Beweiswert von Arztberichten und medizinischen Gutachten (BGE 134 V 231 E. 5.1 S. 232; 125 V 351 E. 3 S. 352 ff.) zutreffend dargelegt. Darauf wird verwiesen.
3.1 Die Beschwerde f�hrende IV-Stelle r�gt zun�chst, die Vorinstanz gehe zu Unrecht davon aus, dass der Versicherte nur zu 70 % arbeitsf�hig sei.
Bei der von den MEDAS-Gutachtern genannten Leistungseinbusse um 30 % handelt es sich nach Auffassung der IV-Stelle nicht um einen Gesundheitsschaden, sondern vielmehr lasse sich diese Einschr�nkung einzig auf eine Dekonditionierung zur�ckf�hren, was indessen invalidenversicherungsrechtlich unbeachtlich sei. Die IV-Stelle macht geltend, dass die physische Kondition des Beschwerdegegners durch Aufnahme einer sportlichen Aktivit�t aufgebaut werden k�nne, was eine geeignete und zumutbare Massnahme zur Erh�hung der Leistungsf�higkeit darstelle und seiner Pflicht zur Selbsteingliederung obliege, wof�r er keiner Unterst�tzung von Seiten der IV-Stelle bed�rfe. Es liege somit kein invalidisierender Gesundheitsschaden vor.
3.2 Gem�ss Gutachten des Spitals O.________ leidet der Versicherte unter schmerzhaften Funktionseinschr�nkungen der Schultergelenke bei degenerativen Ver�nderungen und Zustand nach zweimaliger arthroskopischer Operation der linken Schulter bei subacrominaler Enge, chronisch-rezidivierenden Beschwerden der Wirbels�ule bei Fehlstatik, Haltungsinsuffizienz, muskul�rem Hartspann und ver-schm�chtigter Rumpfmuskulatur, wobei die Ischiokruralmuskulatur beidseits erheblich verk�rzt war, einer stabilen koronaren 2-Gef�sskrankheit (PTCA-Stentings am 16. Mai und am 25. September 2007) sowie einer Claudicatiosymptomatik Stadium II b Oberschenkel rechts nach Anlage eines Veneninterponats bei traumatischem Verschluss der Arteria femoralis communis rechts 1988. Ein Meniskusriss links sowie eine beginnende Gonarthrose beidseits wirkten sich zufolge aktuell freier Funktion beider Kniegelenke nicht auf die Arbeitsf�higkeit aus, ebenso wenig muskuloskelettale Schmerzen unklarer Ursache, eine �ngstlich-depressive St�rung gemischt bei sozialer und k�rperlicher Belastungssituation, ein Zustand nach Kataraktoperation beidseits sowie ein aktenanamnestischer Verschluss der Arteria carotis externa links; erw�hnt wurde weiter eine aktuell antibiotisch behandlungsbed�rftige Diarrhoe (ev. Divertikulitis).
Die Gutachter waren der Auffassung, dass f�r k�rperlich leichte bis gelegentlich mittelschwere T�tigkeiten ab sofort eine volle Arbeitsf�higkeit mit vor�bergehender Einschr�nkung der Leistungsf�higkeit von 30 % bestehe. Die nach Einengung des Belastungs- bzw. Zumutbarkeitsprofils verbleibende Verminderung der Restarbeitsf�higkeit ergebe sich ausschliesslich aus der orthop�dischen Beurteilung. Diese Einsch�tzung komme derjenigen der BEFAS und der Orthop�die des Spitals M.________ sehr nahe, was nach objektiv erfolgreichen Behandlungen des Schulterimpingements links und der koronaren Herzkrankheit sowie unter nunmehr f�nfj�hriger ambulanter psychiatrischer Behandlung in der Muttersprache des Versicherten auch zu erwarten sei.
Auf die Frage nach unausgesch�pften therapeutischen Optionen, die die Arbeitsf�higkeit des Versicherten wesentlich zu steigern verm�chten, gaben die Gutachter an, dass die Aufnahme sportlicher Freizeitaktivit�ten (im Rahmen eines Cardio-Trainings, Gymnastik) sinnvoll w�re; verk�rzte Muskelstrukturen m�ssten unbedingt gedehnt werden. Mit diesen Massnahmen liesse sich die derzeit auch in angepasster T�tigkeit reduzierte Leistungsf�higkeit binnen Jahresfrist auf 100 % steigern.
3.3 Nach den Feststellungen der Vorinstanz ist der Versicherte gest�tzt auf die Einsch�tzung der Gutachter des Spitals O.________ zu 100 % arbeitsf�hig, die Leistungsf�higkeit ist aktuell indessen um 30 % eingeschr�nkt. Dass es sich dabei um eine vor�bergehende Leistungseinbusse handle und der Versicherte innerhalb eines Jahres in der Lage sei, das Pensum auf 100 % zu steigern, erachtete das kantonale Gericht als Prognose, welche im Rahmen einer Rentenrevision nach Art. 17 Abs. 1 ATSG zu �berpr�fen sei. Hinsichtlich des Rentenanspruchs ab dem 1. April 2004 bis zum Zeitpunkt der Verf�gung vom 24. Juni 2009, welcher f�r die richterliche �berpr�fung massgeblich ist (BGE 129 V 167 E. 1 S. 169), ging es indessen von einem zumutbaren 70 %-Pensum aus.
Damit ist die Vorinstanz gest�tzt auf das Gutachten des Spitals O.________ zur �berzeugung gelangt, dass w�hrend des hier zu beurteilenden Zeitraums eine Leistungsf�higkeit von (lediglich) 70 % bestand; indessen sah sie keine hinreichend fassbaren Anhaltspunkte daf�r, dass der Versicherte sein Pensum allein mit den genannten sportlichen Freizeitaktivit�ten bereits h�tte steigern k�nnen und zweifelte somit an der diesbez�glichen Prognose der Gutachter zumindest insofern, als zum Zeitpunkt des Erlasses der Verf�gung am 24. Juni 2009 und mit Blick auf die r�ckwirkend zuzusprechende Rente eine 100%ige Arbeitsf�higkeit nicht gegeben war.
3.4 Das kantonale Gericht hat in seine W�rdigung auch die vom Versicherten veranlassten Gutachten des Dr. med. P.________, Orthop�dische Chirurgie FMH, vom 13. Dezember 2009 und des Dr. med. K.________, Psychiatrie und Psychotherapie FMH, vom 11. Dezember 2009 mit einbezogen, welche dem Versicherten eine Einschr�nkung der Arbeitsf�higkeit um 40 % attestieren. Ihrer Auffassung nach ist eine zeitliche Begrenzung der Leistungseinbusse nicht nachvollziehbar, da chronische degenerative Befunde vorliegen w�rden, die nicht geheilt beziehungsweise nicht erfolgreich behandelt werden k�nnten.
Anzuf�gen ist in diesem Zusammenhang, dass das Gericht rechtsprechungsgem�ss Gutachten externer Spezial�rzte, welche von Versicherungstr�gern im Verfahren nach Art. 44 ATSG eingeholt wurden und den Anforderungen der Rechtsprechung entsprechen, vollen Beweiswert zuerkennen darf, solange "nicht konkrete Indizien gegen die Zuverl�ssigkeit" der Expertise sprechen (BGE 135 V 465 E. 4.4 S. 469 f.). Was Parteigutachten anbelangt, rechtfertigt der Umstand allein, dass eine �rztliche Stellungnahme von einer Partei eingeholt und in das Verfahren eingebracht wird, nicht Zweifel an ihrem Beweiswert (BGE 125 V 351 E. 3b/dd S. 353). Auch ein Parteigutachten enth�lt somit �usserungen eines Sachverst�ndigen, welche zur Feststellung eines medizinischen Sachverhalts beweism�ssig beitragen k�nnen. Daraus folgt indessen nicht, dass ein solches Gutachten den gleichen Rang wie ein vom Gericht oder von einem Unfallversicherer (beziehungsweise von der Invalidenversicherung) nach dem vorgegebenen Verfahrensrecht eingeholtes Gutachten besitzt. Es verpflichtet indessen - wie jede substanziiert vorgetragene Einwendung gegen ein solches Gutachten - das Gericht, den von der Rechtsprechung aufgestellten Richtlinien f�r die Beweisw�rdigung folgend, zu pr�fen, ob es in rechtserheblichen Fragen die Auffassungen und Schlussfolgerungen des vom Gericht oder vom Unfallversicherer f�rmlich bestellten Gutachters derart zu ersch�ttern vermag, dass davon abzuweichen ist (BGE 125 V 351 E. 3c S. 354).
Dies ist vorliegend nicht der Fall, zumal die Privatgutachter in der Einsch�tzung der Arbeitsf�higkeit nur unwesentlich vom MEDAS-Gutachten abweichen; dieses erf�llt nach den Feststellungen des kantonalen Gerichts hinsichtlich seines Beweiswerts die rechtsprechungsgem�ss massgebenden Anforderungen in jeder Hinsicht.
Immerhin findet somit die vorinstanzliche Beurteilung der Arbeitsf�higkeit im hier massgeblichen Zeitraum Best�tigung auch durch das Privatgutachten, worauf vernehmlassungsweise zu Recht hingewiesen wird.
3.5 Schliesslich sind auch die Berufsberater nach einem Aufenthalt des Versicherten in der Beruflichen Abkl�rungsstelle BEFAS Stiftung I.________ im Juni 2006 zum Schluss gekommen, dass der Versicherte bei leichten, wechselbelastenden T�tigkeiten ganztags arbeitsf�hig, die Gesamtleistung jedoch zufolge notwendiger Entlastungspausen auf 60 % reduziert sei (Bericht vom 18. Juli 2006).
3.6 Zusammengefasst hat das kantonale Gericht bei seinen Erw�gungen in Betracht gezogen, dass die von der IV-Stelle beigezogenen externen Spezial�rzte aktuell eine um 30 % eingeschr�nkte Leistungsf�higkeit attestierten, welche nach ihrer Prognose in Zukunft kompensiert werden k�nne, dass die Privatgutachter von einer dauerhaften Arbeitsunf�higkeit von 40 % ausgingen und dass sich auch anl�sslich der beruflichen Abkl�rung eine Einschr�nkung der Leistungsf�higkeit um 40 % ergab.
Unter Ber�cksichtigung der geschilderten Umst�nde l�sst sich eine offensichtliche Unrichtigkeit der vorinstanzlichen Sachverhaltsfeststellung, wonach zum Zeitpunkt der Verf�gung vom 24. Juni 2009 eine Arbeitsf�higkeit von 70 % bestand und diesbez�glich eine allf�llige Steigerung im Rahmen eines Revisionsverfahrens zu pr�fen sei, nicht begr�nden, weshalb das Bundesgericht daran gebunden ist.
Die IV-Stelle r�gt im Zusammenhang mit den erwerblichen Auswirkungen des Gesundheitsschadens, dass dem Versicherten zu Unrecht ein leidensbedingter Abzug vom Tabellenlohn gew�hrt worden sei. Allein auf diese Kritik ist nicht n�her einzugehen, da bei einem unbestrittenen Valideneinkommen von Fr. 81'600.- und dem auf der 70%igen Arbeitsf�higkeit basierenden Invalideneinkommen von Fr. 38'539.- selbst bei Nichtgew�hrung eines 10%igen Abzuges ein Invalidit�tsgrad von gerundet 53 % resultieren w�rde. Am vorinstanzlichen Ergebnis, wonach der Beschwerdef�hrer Anspruch auf eine halbe Rente hat, w�rde sich mithin nichts �ndern, was insgesamt zur Abweisung der Beschwerde f�hrt.
Das Verfahren ist kostenpflichtig (Art. 65 BGG). Die Gerichtskosten werden dem Prozessausgang entsprechend der IV-Stelle auferlegt (Art. 66 Abs. 1 Satz 1 BGG); des Weiteren hat sie dem Beschwerdegegner eine Parteientsch�digung zu bezahlen (Art. 68 Abs. 2 BGG).