Source: https://www.frag-einen-anwalt.de/Einkommensbesteuerung-bei-langfristigem-Auslandsaufenthalt--f146798.html
Timestamp: 2020-01-19 04:48:26
Document Index: 384897554

Matched Legal Cases: ['§ 370', '§ 8', '§ 8', 'Art. 8', '§ 2', '§ 1']

www.frag-einen-anwalt.deSteuerrechtDeutschlandEinkommensbesteuerung bei langfris...
| 18.05.2011 07:30 |
Ich lebe seit 17 Jahren im Ausland. Habe aber meinen Hauptwohnsitz seit diesem Zeitpunkt bei meinen Eltern in Deutschland angegeben und dies bis zu diesem Zeitpunkt nicht geaendert.
Ich habe 15 in Aegypten gelebt und dort gearbeitet. Dort habe ich zu dieser Zeit zwei Wohnungen besessen. Beide Wohnung habe ich Ende 2008 verkauft und das Geld auf ein Deutsches Sparkonto angelegt.
Von einem Teil dieses Geldes habe ich zusammen mit meinem Freund ein Segelboot gekauft und lebe seitdem auf unserem Segelboot in Griechenland. Das Segelboot ist im Deutschen Schiffsregister unter meinem Namen angemeldet.
Ich habe eine Steuernummer und bezahle auf mein Kapitalvermoegen Steuern.
Ich habe fuer das Jahr 2010 eine Einkommensteuererklaerung eingerreicht. Sie kam mit den folgenden Fragen zurueck:
1.	Wie bestreiten sie ihren Lebensunterhalt?
2.	Wo befindet sich ihr Lebensmittelpunkt?
Nun also meine rechtliche Frage:
Habe ich mich strafbar gemacht, indem ich meinen Hauptwohnsitz nicht korrekt angegeben habe? Muss ich mein damals in Aegypten erwirtschaftetes Kapital in Deutschland versteuern, auch wenn ich dort seit 17 Jahre nicht mehr lebe? Muss ich meinen Hauptwohnsitz abmelden? Wie verhalte ich mich am Besten?
Deutschland Deutschland versteuern Lebensmittelpunkt Hauptwohnsitz
Frage: Habe ich mich strafbar gemacht, indem ich meinen Hauptwohnsitz nicht korrekt angegeben habe? Muss ich mein damals in Aegypten erwirtschaftetes Kapital in Deutschland versteuern, auch wenn ich dort seit 17 Jahre nicht mehr lebe?
Ob man sich (im steuerrechtlichen Sinne) in Deutschland durch die falsche Angabe Ihrer Hauptwohnung strafbar gemacht hat, hängt davon ab, ob man nach § 370 AO:
Ein versuch ist auch strafbar.
Es kommt also entscheidend darauf an, ob Sie in Deutschland Steuer zu bezahlen gehabt hätten.
Dies kann nicht pauschal beantwortet werden. Deutschland beansprucht Steuerhoheit für das weltweite Einkommen einer Person, die in Deutschland eine Wohnung im steuerlichen Sinne inne hat. Nach § 8 AO kann dies auch gegeben sein, wenn Sie lediglich freien Zugang zu der Wohnung der Eltern hatten, gleichwohl, ob Sie jemals da waren. Dass die melderechtlichen Verhältnisse dies bestätigen, ist nicht per se entscheidend, sondern nur ein Indiz dafür.
Sollten Sie jedoch eine Wohnung nach § 8 AO haben, kann durchaus sein, dass Sie aufgrund des Doppelbesteuerungsabkommen mit Ägypten (DBA-Ägypten) nur dort steuerlich ansässig waren.
Nach Art. 8 DBA-Ägypten gilt eine Person als in dem Staat ansässig, in dem sie über eine ständige Wohnstätte verfügt; verfügt sie in beiden Staaten über eine ständige Wohnstätte, so gilt sie als in
dem Staat ansässig, zu dem sie die engeren persönlichen und wirtschaftlichen
Beziehungen hat (Mittelpunkt der Lebensinteressen).
Das sollte in Ihrem Fall Ägypten gewesen sein.
Ob Sie Steuer in Deutschland zahlen mussten, kann nicht ohne weiteres festgestellt werden, denn es fehlen dafür Angaben.
Im Allgemeinen kann aber gesagt werden, dass in D nur Steuer überhaupt bezahlt werden, wenn die Quelle dieser Einkünfte einen Bezug zu D ausweist. Liegenschaften werden idR nur dort besteuert, wo diese liegen.
Zusammenfassend: es spricht vieles dafür, dass das Einkommen Ihrer Tätigkeit in Ägypten nur dort hätte versteuert werden müssen. Eine abschließende Prüfung ist ohne weitere Angaben nicht möglich und würde zusätzlich den Rahmen der Erstberatung sprengen.
Ich weise in dem Zusammenhang auf die sog. erweiterte beschränkte Steuerpflicht, die auch geprüft werden sollte. Die Vorschrift (§ 2 AStG) lautet wie folgt:
1) Eine natürliche Person, die in den letzten zehn Jahren vor dem Ende ihrer unbeschränkten Steuerpflicht nach § 1 Abs. 1 Satz 1 des Einkommensteuergesetzes als Deutscher insgesamt mindestens fünf Jahre unbeschränkt einkommensteuerpflichtig war und
Sie haben aber wahrscheinlich eine Ordnungswidrigkeit begangen, indem Sie sich nicht abgemeldet haben. Dies aber unter dem Meldegesetzt Ihres Landes (welches ich nicht kenne).
Frage: Muss ich meinen Hauptwohnsitz abmelden?
Wenn Sie keine Wohnung im Inland mehr beziehen, müssen Sie sich abmelden.
Sie sollten einen Anwalt damit beauftragen, dass anhand aller relevanten Informationen und Durchsicht der eingereichten Steuererklärung prüft, ob Sie Steuer hinterzogen haben. Erst dann kann eine seriöse abschließende Antwort auf Ihre Frage gegeben werden.
Bewertung des Fragestellers 18.05.2011 | 09:18
"Ich moechte mich hiermit fuer die sehr ausfuehrliche und praezise Antwort bedanken."