Source: https://www.anwalt24.de/urteile/bfh/2012-01-24/ix-r-51_10
Timestamp: 2017-10-18 00:49:41
Document Index: 251909860

Matched Legal Cases: ['§ 17', '§ 17', '§ 17', '§ 126', '§ 39', '§ 39', '§ 39']

BFH, 24.01.2012 - IX R 51/10 - Vorliegen eines Erwerbs von Gesellschaftsanteilen i.S.v. § 17 Abs. 2 S. 5 EStG bei Übertragung dieser Gesellschaftsanteile i.R.e.vorweggenommenen Erbfolge unter dem Vorbehalt des Nießbrauchs | anwalt24.de
Urt. v. 24.01.2012, Az.: IX R 51/10
Referenz: JurionRS 2012, 11712
Aktenzeichen: IX R 51/10
FG Düsseldorf - 06.08.2010 - AZ: 1 K 2690/09 E
BFH - 07.06.2011 - AZ: IX R 51/10; X R 60/10
§ 17 Abs. 2 S. 5 EStG
BFHE 236, 356 - 361
AO-StB 2012, 106
BFH/NV 2012, 827-829
BFH/PR 2012, 212
BStBl II 2012, 308-310 (Volltext mit amtl. LS)
DB 2012, 776-777
DStRE 2012, 581-583
DStZ 2012, 346
ErbBstg 2012, 124-125
ErbStB 2013, 179-180
EStB 2012, 122
FR 2012, 642-644
GmbHR 2012, 523-525
GmbH-StB 2012, 136
HFR 2012, 499-500
KÖSDI 2012, 17838
KSR direkt 2012, 6-7
MittBayNot 2013, 84-85
NWB 2012, 1051
NWB direkt 2012, 296
NZG 2012, 513-515
StB 2012, 138
StBW 2012, 290
StuB 2012, 281
StX 2012, 196-197
WPg 2012, 563-564
ZEV 2012, 284-286
ZEV 2012, 12
./. Anschaffungskosten (AK) 459.727,74 €
(eigene und nach § 17 Abs. 2 Satz 5 des Einkommensteuergesetzes --EStG-- maßgebende AK des Vaters)
+ 1.679.800,00 €
(Ablösezahlung)
= 2.139.527,74 €
Die Revisionen des FA sind begründet und führen nach § 126 Abs. 3 Satz 1 Nr. 2 der Finanzgerichtsordnung (FGO) zur Aufhebung der angefochtenen Urteile und zur Zurückverweisung der Sache zur anderweitigen Verhandlung und Entscheidung an das FG.
b) Wirtschaftsgüter sind dem Eigentümer zuzurechnen (§ 39 Abs. 1 AO). Abweichend von der zivilrechtlichen Eigentümerstellung an Wirtschaftsgütern sind Wirtschaftsgüter demjenigen zuzurechnen, der die tatsächliche Herrschaft über ein Wirtschaftsgut in der Weise ausübt, dass er den Eigentümer im Regelfall für die gewöhnliche Nutzungsdauer von der Einwirkung auf das Wirtschaftsgut wirtschaftlich ausschließen kann (§ 39 Abs. 2 Nr. 1 AO). Das wirtschaftliche Eigentum an einem Kapitalgesellschaftsanteil geht nach § 39 Abs. 2 Nr. 1 AO auf einen Erwerber über, wenn er aufgrund eines (bürgerlich-rechtlichen) Rechtsgeschäfts bereits eine rechtlich geschützte, auf den Erwerb des Rechts gerichtete Position erworben hat, die ihm gegen seinen Willen nicht mehr entzogen werden kann und die mit dem Anteil verbundenen wesentlichen Rechte (insbesondere Gewinnbezugsrecht und Stimmrecht) sowie das Risiko einer Wertminderung und die Chance einer Wertsteigerung auf ihn übergegangen sind (ständige Rechtsprechung des Bundesfinanzhofs --BFH--, vgl. die Urteile vom 26. Januar 2011 IX R 7/09, BFHE 232, 463, [BFH 26.01.2011 - IX R 7/09] BStBl II 2011, 540, und vom 20. Juli 2010 IX R 38/09, BFH/NV 2011, 41, jeweils m.w.N.).
3. Die Sache ist nicht spruchreif. Zwar spricht der vom FG in Bezug genommene Vertragsinhalt dafür, dass das wirtschaftliche Eigentum an den übertragenen Anteilen beim Vater, dem Vorbehaltsnießbraucher, verblieben ist. Trotzdem kann der Senat nicht durchentscheiden. Da der Übergang des wirtschaftlichen Eigentums nach dem Gesamtbild der tatsächlichen Verhältnisse im jeweiligen Einzelfall zu beurteilen und nicht lediglich das formal Erklärte oder formal-rechtlich Vereinbarte, sondern das wirtschaftlich Gewollte und das tatsächlich Bewirkte ausschlaggebend ist (BFH-Urteil vom 9. Oktober 2008 IX R 73/06, BFHE 223, 145, BStBl II 2009, 140), bedarf es grundsätzlich einer tatrichterlichen Würdigung (BFH-Urteil vom 22. Juli 2008 IX R 74/06, BFHE 222, 458, [BFH 22.07.2008 - IX R 74/06] BStBl II 2009, 124), die der BFH als Revisionsinstanz nicht selbst durchführen kann. Dies gilt im Streitfall umso mehr, als die Beteiligten zum Aspekt des Verbleibs des wirtschaftlichen Eigentums bisher --abgesehen vom Gerichtsbescheid und der mündlichen Verhandlung-- nicht gehört worden sind und auch noch nicht vorgetragen haben.