Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Text=BStBl%20II%202004%20Seite%20211
Timestamp: 2019-12-06 13:52:25
Document Index: 265035574

Matched Legal Cases: ['§ 4', '§ 5', '§ 10', '§ 22', '§ 119', '§ 121', '§ 139', '§ 133', '§ 14']

BFH, 30.07.2003 - X R 12/01 - dejure.org
https://dejure.org/2003,1551
BFH, 30.07.2003 - X R 12/01 (https://dejure.org/2003,1551)
BFH, Entscheidung vom 30.07.2003 - X R 12/01 (https://dejure.org/2003,1551)
BFH, Entscheidung vom 30. Juli 2003 - X R 12/01 (https://dejure.org/2003,1551)
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EStG § 4 Abs. 1, § 5, § 10 Abs. 1 Nr. 1 a, § 22 Nr. 1; BGB § 119 Abs. 2, § 121, § 139
Vermögensübertragung von Eltern auf Kinder: Entkräftung der Vermutung für private Versorgungsrente
Unterscheidung zwischen betrieblicher Erwerbsrente und privater Versorgungsrente
Bundesfinanzhof/Vermögensübertragung - Private Versorgungsrente versus betriebliche Veräußerungsrente
Abgrenzung der Versorgungsleistungen von Gegenleistungsrenten und Unterhaltsleistungen
Unterscheidung der Vermögensübertragung nach dem Entgelt
FG Münster, 05.04.2000 - 10 K 7729/98
BFHE 204, 53
NJW 2004, 1756
BB 2004, 195
DB 2004, 163
BStBl II 2004, 211
cc) Die für die Abgrenzung der Veräußerungs-/Erwerbsrente von einer unentgeltlichen Vermögensübertragung nach den vorstehenden Grundsätzen maßgebliche Frage nach der subjektiven Ausgewogenheit der beiderseitigen Leistungen liegt im Wesentlichen auf dem Gebiet der Tatsachenfeststellung und -würdigung; ihre Beantwortung obliegt daher in erster Linie dem FG (vgl. z.B. Senatsurteil vom 30. Juli 2003 X R 12/01, BFHE 204, 53, BStBl II 2004, 211, m.w.N.).
An die diesbezüglichen Tatsachenfeststellungen einschließlich der Tatsachenwürdigung durch das FG ist der BFH als Revisionsgericht gebunden, soweit diese nicht mit zulässigen und begründeten Verfahrensrügen angegriffen werden und das FG weder gegen die gesetzlichen Auslegungsregeln (§§ 133, 157 des Bürgerlichen Gesetzbuchs --BGB--) noch gegen die Denkgesetze und allgemeinen Erfahrungssätze verstoßen hat (Senatsurteil in BFHE 204, 53, BStBl II 2004, 211).
Der Grundsatz, wonach bei der Übertragung von ertragbringendem und existenzsicherndem Vermögen (z.B. Betrieb, Mitunternehmeranteil oder einzelne Wirtschaftsgüter) von Eltern auf Kinder im Regelfall anzunehmen ist, dass Leistung und Gegenleistung nicht wie unter Fremden nach kaufmännischen Gesichtspunkten gegeneinander abgewogen werden, sondern widerlegbar vermutet wird, die Rente sei unabhängig vom Wert des übertragenen Vermögens nach dem Versorgungsbedürfnis der Eltern und/oder nach der Ertragskraft des übertragenen Vermögens bemessen worden und habe insoweit familiären --außerbetrieblichen-- Charakter (ständige Rechtsprechung, vgl. z.B. Senatsurteil vom 30. Juli 2003 X R 12/01, BFHE 204, 53, BStBl II 2004, 211), ist im Streitfall nicht einschlägig.
Vielmehr wird widerlegbar vermutet, dass die Rente unabhängig vom Wert des übertragenen Vermögens nach dem Versorgungsbedürfnis der Eltern und/oder nach der Ertragskraft des übertragenen Vermögens bemessen worden ist und insoweit familiären Charakter hat (BFH-Urteil vom 29.01.1992, X R 193/87, BFHE 167, 95 , BStBl II 1992, 465 ; BFH-Urteil vom 30.07.2003, X R 12/01, BStBl II 2004, 211 ).
Besteht danach eine subjektive Gleichwertigkeit der Leistungen, so kann eine Veräußerungsrente auch dann vorliegen, wenn die beiderseitigen Leistungen objektiv nicht gleichgewichtig sind, wobei die Anforderungen an den Nachweis eines kaufmännischen Aushandelns des Entgelts nicht überspannt werden dürfen (BFH-Urteil vom 30.07.2003, X R 12/01, BStBl II 2004, 211 ).
Sie steht zudem in rechtlicher Hinsicht im Einklang mit den von der Rechtsprechung praktizierten Grundsätzen (vgl. zuletzt Senatsurteil vom 30. Juli 2003 X R 12/01, BFHE 204, 53, BStBl II 2004, 211) zur Abgrenzung einer im steuerrechtlichen Sinne unentgeltlichen Vermögensübertragung gegen Versorgungsleistungen von einer entgeltlichen Vermögensübertragung.
Hypothetische Sachverhalte haben für die Besteuerung aber keine Bedeutung (st. Rspr.;… vgl. z.B.: BFH vom 11. März 1992 II B 60/91, BFH/NV 1993 Seite 197; BFH vom 22. April 1998 I R 109/97, BStBl II 1998 Seite 748; BFH vom 30. Juli 2003 X R 12/01, BStBl II 2004 Seite 211;… BFH vom 27. August 2008 III R 50/06, BFH/NV 2009 Seite 553;… BFH vom 25. Februar 2009 IX R 52/07, BFH/NV 2009 Seite 1255).
c) Erwirbt ein Steuerpflichtiger Wirtschaftsgüter gegen eine Leibrente oder dauernde Last, ist als Anschaffungskosten für die erworbenen Wirtschaftsgüter der Betrag anzusetzen, der dem nach § 14 BewG ermittelten, kapitalisierten Barwert der Rentenverpflichtung im Zeitpunkt des Erwerbs entspricht (vgl. BFH-Urteile vom 5. Februar 1969 I R 21/66, BFHE 95, 151, BStBl II 1969, 334, unter II.1.; vom 31. Januar 1980 IV R 126/76, BFHE 130, 372 , BStBl II 1980, 491 ; vom 29. November 1983 VIII R 231/80, BFHE 139, 403 , BStBl II 1984, 109 ; vom 10. November 1988 IV R 70/86, BFH/NV 1990, 31, unter II.2.b.cc; vom 9. Februar 1994 IX R 110/90, BFHE 175, 212 , BStBl II 1995, 47 ; vom 18. Oktober 1994 IX R 46/88, BFHE 175, 572 , BStBl II 1995, 169 ; vom 13. Oktober 1993 X R 81/91, BFH/NV 1994, 620; vom 30. August 1994 IX R 2/91, BFH/NV 1995, 291; vom 19. August 1999 IV R 67/98, BFHE 190, 150, BStBl II 2000, 179 ; vom 30. Juli 2003 X R 12/01, BFHE 204, 53 , BStBl II 2004, 211 , unter II.3.
Spätere Entwicklungen in den tatsächlichen Verhältnissen sind unbeachtlich (vgl. BFH-Urteile vom 30.07.2003 X R 12/01, BStBl II 2004, 211, und vom 20.06.2007 X R 2/06, BStBl II 2008, 99, mit weiteren Nachweisen zur Rechtsprechung).