Source: http://www.dr-recker.com/service/information/immobilienrechtssprechung/bautraegerfinanzierung-und-kaeuferbindung-v-zr-1012-2/bautraegerfinanzierung-und-kaeuferbindung-v-zr-1012/
Timestamp: 2018-09-22 03:00:15
Document Index: 230063697

Matched Legal Cases: ['§ 308', '§ 308', '§ 308', '§ 242', '§ 308', '§ 148', '§ 308', '§ 308', '§ 308', '§ 308', '§ 147', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 147', '§ 146', '§ 150', '§ 150']

Bauträgerfinanzierung und Käuferbindung › Dr. Recker
aa) Nach der von dem Beru­fungs­ge­richt (OLG Dres­den, Not­BZ 2012, 105) sowie im Schrift­tum (Cremer/Wagner, Not­BZ 2004, 331, 335; Wal­ter, Not­BZ 2012, 81, 83; BeckOK-BGB/­Be­cker, Edi­ti­on 26, § 308 Nr. 1 Rn. 4) ver­tre­te­nen Ansicht, ist § 308 Nr. 1 BGB schon nicht ein­schlä­gig, weil der Ver­wen­der sich kei­ne Annah­me­frist vor­be­hal­te, wenn der ande­re Teil sein Ange­bot jeder­zeit wider­ru­fen kön­ne. Wegen der Wider­rufs­mög­lich­keit ver­sto­ße es nicht gegen § 308 Nr. 1 BGB, dass der Ver­wen­der das Ange­bot auch noch nach meh­re­ren Mona­ten oder gar Jah­ren anneh­men kön­ne (OLG Dres­den, aaO; Cremer/Wagner, aaO; eben­so Wal­ter, Not­BZ 2012, 81, 84, der aller­dings nach Ablauf von zwölf Mona­ten von einer ver­spä­te­ten und nach § 242 BGB unzu­läs­si­gen Annah­me aus­geht).
(1) Nach einer Ansicht sol­len Fort­gel­tungs­klau­seln für wider­ruf­li­che Ange­bo­te dann mit § 308 Nr. 1 BGB ver­ein­bar sein, wenn ein End­zeit­punkt für das Erlö­schen des Ange­bots bestimmt ist und dem Anbie­ten­den der Wider­ruf erleich­tert wird. Bis zu wel­chem Zeit­punkt das Ange­bot nach sei­ner Abga­be annah­me­fä­hig gehal­ten wer­den kann und ob und wel­che Erleich­te­run­gen für den Wider­ruf durch den ande­ren Teil nötig sind (Her­tel, Würz­bur­ger Notar­hand­buch, 3. Aufl., Teil 2 Kap. 3 Rn. 33; ders. in Krüger/Hertel, Der Grund­stücks­kauf, 10. Aufl., Rn. 1285; Herrler/Suttmann, DNotZ 2010, 883, 891; Herr­ler, notar 2013, 71, 85; DNo­tI-Gut­ach­ten, DNo­tI-Report 2010, 181, 184; Krauß, Immo­bi­li­en­kauf­ver­trä­ge in der Pra­xis, 6. Aufl., Rn. 2955; Müller/Klühs, RNotZ 2013, 81, 89), wird jedoch unter­schied­lich beur­teilt.
Die hier zu beur­tei­len­de Fort­gel­tungs­klau­sel wird zwar von dem Wort­laut der Vor­schrift nicht unmit­tel­bar erfasst, weil sie kei­ne Frist für die Annah­me des Ange­bots nach § 148 BGB bestimmt, son­dern dem Ver­wen­der eine zeit­lich unbe­grenz­te Mög­lich­keit zur Annah­me des Ange­bots eröff­net. Ihre Anwen­dung ist aber nach dem mit der Norm ver­folg­ten Zweck gebo­ten, den Anbie­ter vor den Nach­tei­len über­mä­ßig lang andau­ern­der Schwe­be­zu­stän­de zu schüt­zen (BeckOK BGB/Becker, 26. Edi­ti­on, § 308 Rn. 2; Erman/Roloff, BGB, 13. Aufl., § 308 Rn. 1; Walchs­hö­fer, WM 1986, 1041, 1042). Danach ist § 308 Nr. 1 BGB erst recht auf Klau­seln anzu­wen­den, die kei­ne Frist für die Annah­me durch den Ver­wen­der bestim­men, son­dern die­sem eine zeit­lich unbe­schränk­te Annah­me auch noch Mona­te oder Jah­re nach der Abga­be der Ange­bots­er­klä­rung ermög­li­chen. Der mit der Vor­schrift beab­sich­tig­te Schutz des ande­ren Teils könn­te andern­falls leicht dadurch umgan­gen wer­den, dass nach der von dem Ver­wen­der vor­for­mu­lier­ten Erklä­rung der ande­re Teil nicht ein lang befris­te­tes, son­dern ein unbe­fris­tet annehm­ba­res Ange­bot abgibt.
(a) Aus­gangs­punkt für die Prü­fung der Ange­mes­sen­heit nach § 308 Nr. 1 BGB ist der in § 147 Abs. 2 BGB bezeich­ne­te Zeit­raum, in der ein Antra­gen­der übli­cher­wei­se die Ent­schei­dung des Ange­bots­emp­fän­gers über sein Ange­bot erwar­ten darf (Walchs­hö­fer, WM 1986, 1041, 1043). Ist die Zeit für die Ent­schei­dung des Ver­wen­ders über die Annah­me wesent­lich län­ger, so ist die Klau­sel nur dann wirk­sam, wenn der Ver­wen­der dar­an ein schutz­wür­di­ges Inter­es­se hat, hin­ter dem das Inter­es­se des Kun­den an dem Weg­fall sei­ner Bin­dung zurück­ste­hen muss (BGH, Urtei­le vom 6. März 1986 — III ZR 234/84, aaO; vom 13. Dezem­ber 1989 — VIII ZR 94/89, BGHZ 109, 359, 361; vom 13. Sep­tem­ber 2000 — VIII ZR 34/00, BGHZ 145, 139, 143). Eine Klau­sel, nach der das Ange­bot des ande­ren Teils auch nach dem Ablauf einer für die Ent­schei­dung des Ver­wen­ders über die Annah­me oder Ableh­nung des Ange­bots ange­mes­se­nen Frist nicht erlischt, son­dern stets annah­me­fä­hig bleibt, bestimmt das Gegen­teil von dem, was sich nach § 147 Abs. 2, § 146 BGB ergä­be. Die gesetz­li­che Rege­lung, die im Inter­es­se des Ver­kehrs auf zügi­ge Ent­schei­dun­gen zur raschen und glat­ten Abwick­lung der Geschäf­te ange­legt ist (vgl. Moti­ve I, S. 166 = Mug­dan, Mate­ria­li­en, Bd. I, S. 443; Flu­me, All­ge­mei­ner Teil des Bür­ger­li­chen Rechts, Zwei­ter Band, 3. Aufl., S. 640), ver­langt von dem Ange­bots­emp­fän­ger, sich kurz­fris­tig zu ent­schei­den, wenn er das Ange­bot des ande­ren Teils anneh­men will.
c) Der Ver­trags­schluss wäre danach geschei­tert, weil die Beklag­te wegen der Unwirk­sam­keit der Fort­set­zungs­klau­sel das mit dem Ablauf der Bin­dungs­frist erlo­sche­ne Ange­bot der Klä­ge­rin nicht mehr anneh­men konn­te. Anhalts­punk­te für eine Annah­me der nach § 150 Abs. 1 BGB als neu­es Ange­bot gel­ten­den ver­spä­te­ten Annah­me­er­klä­rung der Beklag­ten durch die Klä­ge­rin sind nicht ersicht­lich. Der Senat hat bereits aus­ge­führt, dass eine Annah­me der nach § 150 Abs. 1 BGB als neu­es Ange­bot gel­ten­den ver­spä­te­ten Annah­me­er­klä­rung durch Schwei­gen bei den beur­kun­dungs­be­dürf­ti­gen Grund­stücks­ge­schäf­ten nicht in Betracht kommt (Urteil vom 11. Juni 2010 — V ZR 85/09, NJW 2010, 2873, 2874 f. Rn. 16) und dass die von dem ande­ren Teil zur Erfül­lung vor­ge­nom­me­nen Hand­lun­gen (ins­be­son­de­re die Kauf­preis­zah­lung) grund­sätz­lich nicht als schlüs­si­ge Annah­me­er­klä­rung aus­zu­le­gen sind (aaO, Rn. 14, 15). Soweit dage­gen vor­ge­bracht wird, dass das Schwei­gen des Erst­an­bie­ten­den auch in die­sen Fäl­len als kon­klu­den­te Annah­me ver­stan­den wer­den müs­se (Kanz­lei­ter, Mitt­BayNot 2011, 52, 53 und in 2012, 464, 465), kann dem nicht bei­ge­tre­ten wer­den. Schwei­gen auf das in einer ver­spä­te­ten Annah­me lie­gen­de Ange­bot kann im All­ge­mei­nen des­halb als Annah­me ver­stan­den wer­den, weil der­je­ni­ge, der ein Ange­bot ver­spä­tet annimmt, nach Treu und Glau­ben und nach der Ver­kehrs­sit­te eine Erklä­rung des Erst­an­bie­ters erwar­ten darf (RGZ 103, 11, 13). An die­ser Grund­la­ge für eine Wür­di­gung des Schwei­gens des Erst­an­bie­ten­den auf die als neu­es Ange­bot gel­ten­de ver­spä­te­te Annah­me­er­klä­rung fehlt es jedoch, wenn der Erst­an­bie­ten­de, weil er von der Unwirk­sam­keit der Fort­gel­tungs­klau­sel nichts weiß, davon aus­geht, dass der Ver­trag bereits mit der Annah­me sei­nes Ange­bots durch den Ver­wen­der zustan­de gekom­men und daher von sei­ner Sei­te hier­zu auch nichts mehr zu erklä­ren ist (Lin­dacher, JR 1986, 459, 463; Herr­ler, notar 2013, 71, 73). Zudem ent­spricht es dem Schutz­zweck der AGB-recht­li­chen Inhalts­kon­trol­le, den­je­ni­gen vor einer ver­trag­li­chen Bin­dung zu schüt­zen, der von der Wirk­sam­keit der Klau­sel aus­geht, nach der der Ver­trag bereits mit der Annah­me­er­klä­rung des Ver­wen­ders zustan­de kommt (vgl. Lin­dacher, aaO).