Source: https://www.rechtslupe.de/wirtschaftsrecht/handelsrecht/der-einfirmen-handelsvertreter-und-der-rechtsweg-zu-den-arbeitsgerichten-384836
Timestamp: 2020-02-23 00:44:40
Document Index: 8201

Matched Legal Cases: ['§ 92', '§ 13', '§ 2', '§ 84', '§ 5', '§ 92', '§ 92', '§ 92', '§ 92', '§ 92', '§ 92', '§ 2', 'BGH', '§ 92']

Der Ein­fir­men-Han­dels­ver­tre­ter – und der Rechts­weg zu den Arbeits­ge­rich­ten | Rechtslupe ")}}return a.proceed()});scriptParent=document.getElementsByTagName("script")[0].parentNode;if(scriptParent.tagName.toLowerCase!=="head"){head=document.getElementsByTagName("head")[0];aop_around(head,"insertBefore");aop_around(head,"appendChild")}aop_around(scriptParent,"insertBefore");aop_around(scriptParent,"appendChild");var a2a_config=a2a_config||{};a2a_config.no_3p=1;var addthis_config={data_use_cookies:false};var _gaq=_gaq||[];_gaq.push(["_gat._anonymizeIp"])}
Der in einem Han­dels­ver­tre­ter­ver­trag ent­hal­te­nen Bestim­mung "Der Con­sul­tant darf wäh­rend der Ver­trags­zeit nur haupt­be­ruf­lich für M. tätig sein und die M.-Dienstleistungen und die von M. frei­ge­ge­be­nen Finanz­pro­duk­te ver­mit­teln" ist ein ver­trag­li­ches Tätig­keits­ver­bot im Sin­ne von § 92a Abs. 1 Satz 1 Alt. 1 HGB zu ent­neh­men.
Nach § 13 GVG gehö­ren vor die ordent­li­chen Gerich­te alle bür­ger­li­chen Rechts­strei­tig­kei­ten, für die nicht ent­we­der die Zustän­dig­keit von Ver­wal­tungs­be­hör­den oder Ver­wal­tungs­ge­rich­ten begrün­det ist oder auf­grund von Vor­schrif­ten des Bun­des­rechts beson­de­re Gerich­te bestellt oder zuge­las­sen sind. Nach § 2 Abs. 1 Nr. 3 ArbGG sind die Arbeits­ge­rich­te aus­schließ­lich zustän­dig für näher bezeich­ne­te bür­ger­li­che Rechts­strei­tig­kei­ten zwi­schen Arbeit­neh­mern und Arbeit­ge­bern. Han­dels­ver­tre­ter im Sin­ne des § 84 Abs. 1 HGB gel­ten nach § 5 Abs. 3 Satz 1 ArbGG nur dann als Arbeit­neh­mer im Sin­ne des Arbeits­ge­richts­ge­set­zes, wenn sie zu dem Per­so­nen­kreis gehö­ren, für den nach § 92a HGB die unte­re Gren­ze der ver­trag­li­chen Leis­tun­gen des Unter­neh­mers fest­ge­setzt wer­den kann, und wenn sie wäh­rend der letz­ten sechs Mona­te des Ver­trags­ver­hält­nis­ses, bei kür­ze­rer Ver­trags­dau­er wäh­rend die­ser, im Durch­schnitt monat­lich nicht mehr als 1.000 Euro auf Grund des Ver­trags­ver­hält­nis­ses an Ver­gü­tung ein­schließ­lich Pro­vi­si­on und Ersatz für im regel­mä­ßi­gen Geschäfts­be­trieb ent­stan­de­ne Auf­wen­dun­gen bezo­gen haben.
Zu dem genann­ten Per­so­nen­kreis gehö­ren Han­dels­ver­tre­ter, die ver­trag­lich nicht für wei­te­re Unter­neh­mer tätig wer­den dür­fen (§ 92a Abs. 1 Satz 1 Alt. 1 HGB; so genann­te Ein­fir­men­ver­tre­ter kraft Ver­trags) 1, und Han­dels­ver­tre­ter, denen dies nach Art und Umfang der ver­lang­ten Tätig­keit nicht mög­lich ist (§ 92a Abs. 1 Satz 1 Alt. 2 HGB; so genann­te Ein­fir­men­ver­tre­ter kraft Wei­sung) 1. Als Ein­fir­men­ver­tre­ter kraft Ver­trags ist ein Han­dels­ver­tre­ter ins­be­son­de­re dann ein­zu­stu­fen, wenn ihm ver­trag­lich unter­sagt ist, für wei­te­re Unter­neh­mer tätig zu wer­den 2.
Die Beschrän­kung des beson­de­ren sozia­len Schut­zes auf den Ein­fir­men­ver­tre­ter kraft Ver­trags oder Wei­sung fin­det dar­in ihre Recht­fer­ti­gung, dass die­ser Ver­tre­ter in sei­ner Stel­lung am stärks­ten einem Ange­stell­ten ange­nä­hert ist. Der Ein­fir­men­ver­tre­ter ist an einen bestimm­ten Unter­neh­mer gebun­den, für den er sei­ne Arbeits­kraft und zeit ein­set­zen muss und von dem er dadurch völ­lig abhän­gig ist. Hin­ge­gen kann einem Han­dels­ver­tre­ter, der für meh­re­re Unter­neh­mer tätig wer­den und die sich dar­aus erge­ben­den Chan­cen aus­nut­zen kann, kein Min­dest­schutz zuge­bil­ligt wer­den. Ein sol­cher Han­dels­ver­tre­ter hat die typi­sche Stel­lung eines selb­stän­di­gen Kauf­man­nes 3.
Wird einem Han­dels­ver­tre­ter auf­er­legt, haupt­be­ruf­lich für den Unter­neh­mer tätig zu wer­den, mit dem er den Han­dels­ver­tre­ter­ver­trag geschlos­sen hat, so ist er nach Sinn und Zweck des § 92a Abs. 1 Satz 1 HGB als Ein­fir­men­ver­tre­ter kraft Ver­trags ein­zu­stu­fen. Ein sol­cher Han­dels­ver­tre­ter ist zwar nicht völ­lig von die­sem Unter­neh­mer abhän­gig, weil ihm eine neben­be­ruf­li­che Tätig­keit gestat­tet ist. Bei der gebo­te­nen typi­sie­ren­den Betrach­tung ist ein sol­cher Han­dels­ver­tre­ter jedoch einem Ange­stell­ten ähn­lich ange­nä­hert wie ein Han­dels­ver­tre­ter, dem ver­trag­lich voll­stän­dig unter­sagt ist, für wei­te­re Unter­neh­mer tätig zu wer­den 4. Denn er ist – ähn­lich wie ein haupt­be­ruf­lich Ange­stell­ter – ver­pflich­tet, haupt­be­ruf­lich für den Unter­neh­mer tätig zu wer­den, mit dem er den Han­dels­ver­tre­ter­ver­trag geschlos­sen hat. Er kann die sich aus einer etwai­gen neben­be­ruf­li­chen Tätig­keit erge­ben­den Chan­cen nicht in glei­cher Wei­se nut­zen wie ein nicht in den Anwen­dungs­be­reich des § 92a Abs. 1 Satz 1 HGB fal­len­der Mehr­fir­men­ver­tre­ter. Anders als die­ser hat er nicht die typi­sche Stel­lung eines selb­stän­di­gen Kauf­man­nes. Er ist viel­mehr wegen der haupt­be­ruf­li­chen Zuord­nung zu einem Unter­neh­mer von die­sem abhän­gig und kann eben­so wie der in den Geset­zes­ma­te­ria­li­en 5 genann­te Ein­fir­men­ver­tre­ter erwar­ten, dass sei­ne Arbeit wenigs­tens so viel ein­bringt, als er zur Erhal­tung sei­ner Exis­tenz unum­gäng­lich benö­tigt.
Unter Berück­sich­ti­gung die­ser Grund­sät­ze ergibt sich aus im vor­lie­gen­den Fall aus den Bestim­mug­nen des Con­sul­tant-Ver­trags ein ver­trag­li­ches Ver­bot der Tätig­keit für wei­te­re Unter­neh­mer im Sin­ne des § 92a Abs. 1 Satz 1 Alt. 1 HGB. § 2 Nr. 1 Satz 1 des Con­sul­tant-Ver­trags ent­hält, sieht man von dem in Paren­the­se gesetz­ten Zusatz "haupt­be­ruf­lich" ab, ein gene­rel­les Ver­bot, für wei­te­re Unter­neh­mer tätig zu wer­den. Der in Paren­the­se gesetz­te Zusatz hat zwar ersicht­lich den Zweck, die­ses gene­rel­le Ver­bot in dem Sin­ne ein­zu­schrän­ken, dass eine neben­be­ruf­li­che Tätig­keit für ande­re Unter­neh­mer – außer­halb des Kon­kur­renz­be­reichs – gestat­tet wird. Auf­grund die­ses Zusat­zes war der Beklag­te jedoch ähn­lich wie ein haupt­be­ruf­lich Ange­stell­ter – ver­pflich­tet, haupt­be­ruf­lich für die Klä­ge­rin tätig zu wer­den.
Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 16. Okto­ber 2014 – VII ZB 16/​14
vgl. BT-Drs. 1/​3856, S. 40[↩][↩]
vgl. BGH, Beschluss vom 18.07.2013 – VII ZB 27/​12, ZVer­triebsR 2014, 44 Rn. 14; Beschluss vom 18.07.2013 – VII ZB 45/​12, ZVer­triebsR 2013, 318, 319[↩]
BT-Drs. 1/​3856, S. 40[↩]
im Ergeb­nis eben­so Emde, Ver­triebs­recht, 3. Aufl., § 92a HGB Rn. 9; a.M. OLG Hamm, Beschluss vom 29.11.2010 – I18 W 61/​10 30 ff.; OLG Bam­berg, Beschluss vom 18.06.2010 – 5 W 38/​10, n.v.; OLG Frank­furt, Beschluss vom 03.05.2011 – 7 W 40/​10, n.v.[↩]
BT-Drs. 1/​3856 S. 40[↩]
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