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Timestamp: 2017-08-19 04:09:02
Document Index: 248618340

Matched Legal Cases: ['Art. 109', 'Art. 9', 'Art. 3', 'Art. 8', 'Art. 1', 'Art. 25', 'Art. 2', 'Art. 19', 'Art. 1', 'Art. 128', 'Art. 72', 'Art. 13', 'Art. 111', 'Art. 111', 'BGE', 'Art. 9', 'Art. 9', 'Art. 49', 'Art. 49', 'Art. 49', 'Art. 4', 'Art. 49', 'Art. 15', 'Art. 9', 'BGE', 'Art. 49', 'Art. 1', 'Art. 1', 'Art. 16', 'Art. 51', 'Art. 131', 'Art. 99', 'Art. 80', 'Art. 90', 'Art. 72', 'Art. 51', 'Art. 2', 'Art. 8', 'Art. 1', 'Art. 13', 'Art. 207', 'Art. 99', 'Art. 14', 'Art. 240', 'Art. 98', 'Art. 1', 'Art. 204', 'Art. 2', 'Art. 1', 'Art. 109', 'Art. 9', 'Art. 9', 'Art. 224', 'Art. 104', 'Art. 13', 'Art. 14', 'Art. 201', 'Art. 169']

Maturitätsarbeit Jvan Louis by Jvan Louis - issuu
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Der kirchliche Finanzausgleich des Kantons St. Gallen Maturitätsarbeit an der Kantonsschule Wattwil
Vorgelegt von: Jvan Louis Kirchweg 672 9650 Nesslau SG Telefon: 071 560 55 96 E-Mail: info@ﬁnanzausgleich-sg.ch Betreut durch: Reto Müller, lic. oec. HSG Nürenbergstrasse 10 8037 Zürich Wattwil, November 2008
Der kirchliche Finanzausgleich des Kantons St. Gallen: Vorwort
Vorwort Liebe Leserinnen und Leser Ende Mai 2007 strahlte das Schweizer Fernsehen die Sendung „Rundschau“ zum Thema „Kirchensteuerpflicht für juristische Personen“ aus, mit einem Fall aus dem Kanton Bern als Beispiel. Als ich darauf einige Recherchen zur Situation im Kanton St. Gallen anstellte, zog ich erstmals in Betracht, meine Maturitätsarbeit über den kirchlichen Finanzausgleich des Kantons St. Gallen zu schreiben. Schon länger hatte ich das Verhältnis von Kirche und Staat und die Handhabung dieses Themas in der Öffentlichkeit beobachtet. Oft wird dabei die Schweiz als ein säku-
larer Staat bezeichnet, was jedoch, wie ich hier auch aufzeigen werde, nicht zutrifft. Bevor ich mich jedoch definitiv auf dieses Thema festlegte, fragte ich Kantonsrat Erwin Böhi, ob man politisch auf kantonaler Ebene überhaupt etwas an der aktuellen Gesetzeslage ändern könnte, denn die St. Galler Lösung schien mir bereits zu diesem Zeitpunkt sehr unbefriedigend zu sein. Mit seiner raschen Zusage, mich in dieser Angelegenheit politisch zu beraten, entschied ich mich endgültig für dieses Thema. Die Informationen in dieser Maturitätsarbeit sollen so weit wie möglich neutral dargelegt werden. Wenn es sich bei Aussagen um meine persönliche Meinung handelt, ist das klar deklariert. Auf den folgenden Seiten sind immer wieder Wörter speziell formatiert (wie z.B. Motion). Die so hervorgehobenen Wörter werden im Glossar aufgeführt und genauer erläutert. Sie finden weitere Informationen zum Thema und zu dieser Maturitätsarbeit im Internet auf der Webseite www.finanzausgleich-sg.ch. Ich wünsche eine spannende Lektüre!
Jvan Louis Maturand Kantonsschule Wattwil
Der kirchliche Finanzausgleich des Kantons St. Gallen: Danke!
Danke! Bei meiner Maturitätsarbeit wurde ich von verschiedenen Personen und Institutionen unterstützt. Dafür möchte ich mich an dieser Stelle insbesondere bei den Folgenden herzlich bedanken: »» Erwin Böhi (Kantonsrat): Er plante die Motion alleine im Kantonsrat einzureichen; schaffte es jedoch sogar, dass sie von der SVP-Fraktion getragen wurde. Weiter hat er mich bei meinem Vorgehen in politischen Fragen beraten. »» Hans-Ruedi Fuchs (Mitglied Freidenker-Vereinigung Schweiz) Er wies die Freidenker-Vereinigung Schweiz auf die Motion der SVP-Fraktion hin, welche dann die Fraktionspräsidenten der St. Galler Kantonsratsfraktionen zu überzeugen versuchte. »» Robert Mozer (Abteilungsleiter Steueramt): Er lieferte mir die Zahlen der letzten zehn Jahre des kantonalen Finanzausgleichs und gab mir hilfreiche Tipps in steuerrechtlichen Fragen. »» Reto Müller (Betreuer Maturitätsarbeit) Er betreute meine Maturitätsarbeit: Er unterstützte mich bei der Themenfindung und der Strukturierung der Arbeit. »» Bruno Näf (Unternehmer, Kreisrichter): Er hat die Maturitätsarbeit kritisch durchgelesen und dabei eigene Erwägungen aus seiner Perspektive als Unternehmer beigesteuert. »» Lukas Reimann (Nationalrat, alt Kantonsrat): Er formulierte die Motion für die SVP-Fraktion und leistete viel Überzeugungsarbeit bei Kantonsratsmitgliedern verschiedener Parteien. Auch möchte ich den Verantwortlichen des katholischen Konfessionsteils und der evangelischen Kirche dafür danken, dass sie mich mit Informationen versorgt haben, obwohl das im Zusammenhang mit dem eingereichten Vorstoss nur bedingt in ihrem Interesse sein konnte.
Der kirchliche Finanzausgleich des Kantons St. Gallen: Inhaltsverzeichnis
Inhaltsverzeichnis Vorwort................................................................................................................................... I Danke!................................................................................................................................... II Inhaltsverzeichnis.................................................................................................................. III Abbildungsverzeichnis........................................................................................................... IV Tabellenverzeichnis............................................................................................................... IV Abkürzungsverzeichnis........................................................................................................... V 1.
Einleitung..................................................................................................................... 1
Grundlagen des Finanzausgleichs.................................................................................. 2 2.1.	Gesetzesgrundlage.....................................................................................................2 2.2.	Der Begriff „Kirchensteuer“.......................................................................................2 2.3.	Aktuelle Zahlen aus dem Kanton St. Gallen...............................................................3 2.4.	Katholischer Konfessionsteil......................................................................................5 2.5.	Evangelischer Konfessionsteil....................................................................................7 2.6.	Fallbeispiel.................................................................................................................8 2.7.	Interkantonaler Vergleich..........................................................................................9
Anspruchsgruppen...................................................................................................... 10 3.1.	Die beteiligten Landeskirchen..................................................................................10 3.1.1.	Öffentliche Stellungnahmen..........................................................................10 3.1.2.	Wegfall der Ausgleichsbeiträge.....................................................................11 3.1.3.	Sachliche Gründe gegen die Abschaffung......................................................11 3.2.	Unbeteiligte Religionsgemeinschaften.....................................................................12 3.2.1.	Christkatholische Kirche St. Gallen und islamische Gemeinschaften............12 3.2.2.	Jüdische Gemeinschaft St. Gallen..................................................................13 3.3.	Die juristischen Personen.........................................................................................13 3.3.1.	Fehlender Protest..........................................................................................13 3.3.2.	Steuerbelastung als wichtiger Standortfaktor...............................................14 3.3.3.	Marktverzerrungen durch Subventionierung................................................15 3.3.4.	Einmischung in politische Angelegenheiten..................................................16 3.4.	Der Staat..................................................................................................................16 3.4.1.	Die Exekutive: Der St. Galler Regierungsrat...................................................16 3.4.2.	Die Judikative: Das Bundesgericht.................................................................17 3.4.3.	Die Legislative: Der St. Galler Kantonsrat......................................................19 3.5.	Atheisten, Freidenker und Konfessionslose.............................................................20
Rückzug der Motion.................................................................................................... 21 4.1.	Reputationsschäden für die Motionärin..................................................................21
Der kirchliche Finanzausgleich des Kantons St. Gallen: 5.	Schlussfolgerungen
4.2.	Doppelt unchristlich.................................................................................................21 4.3.	Referendumsdrohung..............................................................................................22 5.
Schlussfolgerungen..................................................................................................... 23
Glossar....................................................................................................................... 25
Literaturverzeichnis.................................................................................................... 27
Anhang....................................................................................................................... 31 8.1.	Verweise zu den Gesetzesartikeln in den einzelnen Kantonen................................31 8.2.	Motion der SVP-Fraktion zur Abschaffung der Kirchensteuerpflicht.......................32
Abbildungsverzeichnis Abbildung 1: Erträge der Kirchen aus den Gewinn- und Kapitalsteuern von 1997 bis 2007..........4 Abbildung 2: Fallbeispiel einer St. Galler juristischen Person im Steuerjahr 2008.........................8 Abbildung 3: Die Kirchenfinanzierungspflicht juristischer Personen in den Kantonen...................9 Abbildung 4: Kantonaler Vergleich der Steuerbelastung von Unternehmen des Jahres 2007.....15
Tabellenverzeichnis Tabelle 1: Aktuelle Zahlen des kirchlichen Finanzausgleichs..........................................................4 Tabelle 2: Katholische Kirchgemeinden mit den höchsten Ausgleichsbeiträgen (2007)................6 Tabelle 3: Angaben der katholischen Kirchgemeinde Neu St. Johann des Jahres 2007.................6 Tabelle 4: Evangelische Kirchgemeinden mit den höchsten Ausgleichsbeiträgen (2007)..............8
Der kirchliche Finanzausgleich des Kantons St. Gallen: Abkürzungsverzeichnis
Abkürzungsverzeichnis Abs.
alte Bundesverfassung (in Kraft bis Ende 1999)
Amtliche Sammlung der Entscheidungen des Schweizerischen Bundesgerichts
Bis 1994 Bundesgerichtsentscheide des Sachgebiets „Verfassungsrecht“
lateinisch „litera“ (Buchstabe)
systematische Gesetzessammlung (Kanton St. Gallen)
Der kirchliche Finanzausgleich des Kantons St. Gallen: Einleitung
„Nun sag, wie hast du`s mit der Religion“1 Was, wenn die Gretchenfrage einer Unternehmung gestellt wird? Das scheint eine sehr seltsame Frage zu sein – was haben Unternehmen mit der Kirche oder allgemein mit Religion zu tun? Nicht viel, könnte man denken. Doch in den meisten Schweizer Kantonen existiert eine gesetzliche Kirchensteuerpflicht für juristische Personen. Die entsprechenden Gesetze sind oft Thema hitziger Debatten. Es ist vor allem umstritten, ob diese Steuer gerechtfertigt und mit der Bundesverfassung konform ist. Im Kanton St. Gallen ist die Situation anders als in den meisten anderen Kantonen. Hier erhalten die katholische und die evangelische Landeskirche einen festgelegten Anteil der Einnahmen aus den Gewinn- und Kapi-
talsteuern. Dieser Steueranteil fliesst in den Finanzausgleich, mit welchem ärmere Kirchgemeinden finanziell unterstützt werden. Dadurch wird die Frage aufgeworfen, ob juristische Personen zur Mitfinanzierung von kirchlichen Institutionen gezwungen werden dürfen bzw. sollen. Diese Fragestellung soll in dieser Maturitätsarbeit systematisch angegangen werden. Zur Beantwortung dieser Fragestellung werden die Interessen der verschiedenen Anspruchsgruppen an der Besteuerung dargelegt. Dabei wird auf unterschiedlichste Quellen zurückgegriffen. Vertreter der beteiligten Landeskirchen veröffentlichten ihre Meinung in verschiedenen Medien. Der Staat vertritt auf mehreren Ebenen Positionen: Der Regierungsrat des Kantons St. Gallen hat sich auf die eingereichte Motion geäussert und das Bundesgericht musste schon mehrmals die Verfassungskonformität der Kirchenfinanzierung durch juristische Personen überprüfen. Der Kantonsrat hätte die Motion beraten müssen, doch sie wurde vorher wieder zurückgezogen. Trotzdem können die Meinungen einiger Kantonsräte in dieser Arbeit dargelegt werden, da sie vereinzelt schon vor der geplanten Diskussion zum Vorstoss Stellung bezogen haben. Andere Interessengruppen gaben ihre Haltung auf Anfrage bekannt. Zuerst sollen in dieser Arbeit die Grundlagen der gesamten Thematik vermittelt werden. In einem zweiten Teil werden dann die Positionen der verschiedenen Anspruchsgruppen vertieft dargelegt.
Goethe (1808).
Der kirchliche Finanzausgleich des Kantons St. Gallen: Grundlagen des Finanzausgleichs
Grundlagen des Finanzausgleichs
Der kirchliche Finanzausgleich ist fest in den Gesetzestexten des Kantons St. Gallen verankert. Die entsprechenden Artikel werden folgend kurz vorgestellt.
Die Verfassung des Kantons St. Gallen kennt insgesamt vier öffentlich-rechtlich anerkannte Religionsgemeinschaften:2 »» Der katholische Konfessionsteil »» Die evangelische Kirche »» Die christkatholische Kirchgemeinde »» Die jüdische Gemeinde Von diesen anerkannten Gruppierungen erhalten jedoch nur die zwei erstgenannten Religionsgemeinschaften Beiträge aus dem kirchlichen Finanzausgleich. Gemäss Artikel 9 des St. Galler Steuergesetzes werden die Gewinn- und Kapitalsteuern mit einem festen Zuschlag von 22.5 Prozent der einfachen Steuer versehen.3 Der Zuschlag ist beim veröffentlichten Gesamtsteuerfuss (325 Prozent für das Jahr 2008) schon eingerechnet. Die eingezogenen Gelder werden dem katholischen und dem evangelischen Konfessionsteil im Verhältnis der Konfessionszugehörigkeit der kantonalen Wohnbevölkerung zugewendet. Die beiden Konfessionsteile müssen die erhaltenen Steuergelder unter den Kirchgemeinden verteilen, die ihre Mitglieder mit hohen Steuern belasten. Die evangelische Landeskirche kennt dazu noch weitere Verwendungszwecke, wie hier später erläutert wird.
Der Begriff „Kirchensteuer“
Zur Motion „Abschaffung der obligatorischen Kirchensteuer für juristische Personen“ wurde in der kantonalen Politik intensiv darüber gestritten, ob die Gelder, welche die beiden Landeskirchen indirekt von den juristischen Personen erhalten, überhaupt als Kirchensteuer betitelt werden können. Die SVP-Fraktion des St. Galler Kantonsrates verwendete den Begriff durchgehend in der eingereichten Motion. Die Gegner dieses Vorstosses argumentierten häufig, dass es im Kanton St. Gallen keine Kirchensteuerpflicht für juristische Personen gäbe, sondern nur einen fixen Anteil der Gewinn- und Kapitalsteuern, welcher an die Landeskirchen weitergereicht werde. Der stellvertretende Leiter des kantonalen Steueramtes, Hubert Hofmann, bezeichnete das Gesetz im Interview mit dem St. Galler Tagblatt gar als „Subventionsbestimmung, die eher zufällig im Steuergesetz gelandet ist“4. Art. 109 Abs. 1 Verfassung des Kantons St. Gallen (sGS 111.1).
Art. 9 Abs. 1 StG (sGS 811.1).
Kneubühler (14.05.2008, S. 13).
Eine Definition für den Begriff „Kirchensteuer“ liefert die Interkantonale Kommission für Steueraufklärung:5 „Abgabe, welche die vom Staate dazu befähigten öffentlichrechtlichen Religionsgemeinschaften auf Grund ihrer territorialen Hoheit von ihren Mitgliedern und oft auch von den juristischen Personen zur Deckung kirchlicher Ausgaben erheben können.“ Rein formal gesehen kennt der Kanton St. Gallen somit keine Kirchensteuerpflicht für juristische Personen, da der Aspekt der „territorialen Hoheit“, welcher gemäss dieser anerkannten Definition nötig ist, bei juristischen Personen nicht erfüllt wird. Die beteiligten Landeskirchen des Kantons haben keine Steuerhoheit bei juristischen Personen und somit gibt es keine Kirchensteuerpflicht für diese. In Gesprächen mit Vertretern von Unternehmen kann man jedoch neben dem rechtlichen auch noch einen praxisnahen Gesichtspunkt erkennen. Aus der Sicht einer juristischen Person ist der Unterschied zwischen der St. Galler Gesetzesregelung und einer definitionsgetreuen Kirchensteuerpflicht sehr geringfügig.6 Würde der Kanton St. Gallen gleich wie viele andere Kantone eine Kirchensteuerpflicht nach Definition für juristische Personen kennen, so hätte das für die Unternehmen folglich nur den Unterschied, dass die Kirchen die Abgaben direkt bei Steuersubjekten erheben könnten.
Aktuelle Zahlen aus dem Kanton St. Gallen
Die Steuereinnahmen, welche über den Finanzausgleich den beiden beteiligten Landeskirchen zuflossen, betrugen im Jahr 2007 total rund 29.7 Millionen Franken. Die Basis für die Aufteilung unter den beiden Konfessionsteilen bietet die Volkszählung aus dem Jahr 2000. Das kantonale Steueramt St. Gallen gab auf Anfrage die exakten Daten der letzten zehn Jahre bekannt. Die Angaben der letzten drei Jahre sind in der Tabelle 1 auf ganze Franken genau aufgelistet.
Interkantonale Kommission für Steueraufklärung (1999, S. 3).
Kobel (2008, S. 6) ist derselben Meinung: „Weiter sind die Kantone Sankt Gallen und Solothurn zu erwähnen, in denen es sich nicht um eine eigentliche Kirchensteuer handelt. Vielmehr sprechen die Gesetze von Ausgleichsbeiträgen bzw. von einer Finanzausgleichssteuer, die sich direkt in Prozenten der einfachen Steuer berechnen lässt und an die Kirchgemeinden überwiesen wird. Im Ergebnis ist der Unterschied zur Kirchensteuer i.e.S. [im engeren Sinne] verschwindend gering.“
Tabelle 1: Aktuelle Zahlen des kirchlichen Finanzausgleichs Katholischer Konfessionsanteil:
Evangelischer Konfessionsanteil:
Bevölkerung (Zählung 2000): 236‘733
119‘439
356‘172
Prozentual: 66.47%
2007: Fr. 19‘749‘738
Fr. 9‘962‘520
Fr. 29‘712‘258
2006: Fr. 19‘131‘367
Fr. 9‘650‘590
Fr. 28‘781‘957
2005: Fr. 15‘823‘667
Fr. 7‘982‘060
Fr. 23‘805‘727
​Quelle: Kantonales Steueramt St. Gallen am 05. Mai 2008 auf Anfrage (ohne Nach- und Strafsteuern)7
Anknüpfend sind die Erträge der Kirchen aus den Gewinn- und Kapitalsteuern der Jahre von 1997 bis 2007 in einem Diagramm dargestellt. Bis und mit dem Jahr 2000 basierte die Verteilung auf einer älteren Volkszählung des Jahres 1990, welche die Gelder zu 35.08 Prozent dem evangelischen und zu 64.92 Prozent dem katholischen Konfessionsteil zusprach. Abbildung 1: Erträge der Kirchen aus den Gewinn- und Kapitalsteuern von 1997 bis 2007 (in Millionen Franken) 30 25 20 15 10 5 0
Evang. Konfessionsteil
Kath. Konfessionsteil
​Quelle: Kantonales Steueramt St. Gallen am 05. Mai 2008 auf Anfrage (ohne Nach- und Strafsteuern)
Die beiden Konfessionsteile rechnen meist mit Zahlen, die Nach- und Strafsteuern beinhalten. Deshalb kommt es zu vernachlässigbaren Unterschieden bei den Angaben.
Die Verteilung der Ausgleichsbeiträge aus dem Anteil der Gewinn- und Kapitalsteuern werden beim katholischen Konfessionsteil durch das „Dekret über die Ausgleichsbeiträge an die katholischen Kirchgemeinden (Ausgleichsdekret)“ geregelt. Es werden vier Beitragsarten unterschieden:8 »» Personalkostenbeiträge »» Betriebsbeiträge »» Steuerfussbeiträge »» Abschreibungsbeiträge In den entsprechenden Gesetzesartikeln9 werden die verschiedenen Beitragsarten vertieft. Kriterien werden aufgestellt, nach welchen der siebenköpfige Administrationsrat des katholischen Konfessionsteils die Gelder verteilen muss. Für die Erörterung der in der Einleitung dieser Arbeit gestellten Frage sind diese Kriterien jedoch nicht weiter von Belang. Der katholische Konfessionsteil veröffentlichte detaillierte Angaben über den Steuerausgleich im Amtsbericht 2007. Der katholische Konfessionsteil des Kantons St. Gallen gliedert sich in 113 Kirchgemeinden.10 Davon bezogen 74 Kirchgemeinden unterschiedlich hohe Beiträge aus dem Finanzausgleich. Insgesamt wurden Fr. 15‘500‘730 an die katholischen Kirchgemeinden verteilt. Die übrigen Fr. 4‘326‘000 wurden der Reserve zugeschrieben. Mit dieser Reserve werden die Ausgleichsbeiträge an die Kirchgemeinden gewährleistet und langfristig sichergestellt, wie es im Ausgleichsdekret vorgesehen ist.11 Am 31. Dezember 2007 befanden sich Fr. 47‘655‘000 in der Steuerausgleichsreserve. Das ist der 2.8-fache Jahresbedarf.12 In der Tabelle 2 sind die fünf katholischen Kirchgemeinden des Kantons St. Gallen aufgelistet, die im Jahr 2007 am meisten Geld aus dem Finanzausgleich bezogen haben.
Art. 3 Abs. 1 Dekret über die Ausgleichsbeiträge an die katholischen Kirchgemeinden (Ausgleichsdekret) (sGS 813.51).
Art. 8 bis 19 Ausgleichsdekret (sGS 813.51).
Katholischer Konfessionsteil des Kantons St. Gallen (2008).
Art. 1 Abs. 3 Ausgleichsdekret (sGS 813.51).
Administrationsrat des Katholischen Konfessionsteils des Kantons St. Gallen (2007, S. 17).
Tabelle 2: Katholische Kirchgemeinden mit den höchsten Ausgleichsbeiträgen (2007) Kirchgemeinde:
Total Ausgleichsbeiträge:
1. Neu St. Johann
Fr. 628‘700
2. Degersheim
Fr. 592‘000
3. Alt St. Johann
Fr. 582‘800
Fr. 473‘300
Fr. 445‘700
Quelle: Administrationsrat des Katholischen Konfessionsteils des Kantons St. Gallen, 2007, S. 61 f.
Wie in der Tabelle 2 ersichtlich, handelt es sich bei der Kirchgemeinde Neu St. Johann um die katholische Kommune mit den höchsten Beiträgen aus dem Finanzausgleich. Deshalb wird nun tiefer auf die katholische Kirchgemeinde Neu St. Johann eingegangen, um darzulegen, wie das Geld aus dem Finanzausgleich verwendet wird. Gemäss ihrer Jahresrechnung des Jahres 2007 hatte die Gemeinde insgesamt Einnahmen von Fr. 1‘252‘918. Sie erhält total Fr. 628‘700 aus dem Finanzausgleich, was gut 50 Prozent aller Einnahmen entspricht. Die katholische Kirchgemeinde Neu St. Johann unterteilt die Aufwände in ihrer Jahresrechnung grob in vier Kategorien, die in der Tabelle 3 mit den entsprechenden Beträgen aufgelistet werden. Tabelle 3: Angaben der katholischen Kirchgemeinde Neu St. Johann des Jahres 2007 Aufwand:
Aufwandüberschuss:
Fr. 143‘321
Fr. 20‘713
Fr. 122‘608
Fr. 525‘421
Fr. 78‘546
Fr. 446‘875
Glaubensverkündung
Fr. 98‘887
Fr. 8‘877
Fr. 90‘010
Fr. 48‘088
Fr. 7‘650
Fr. 40‘438
Quelle: Katholische Kirchgemeinde Neu St. Johann, 2007, S. 4-9
Der Posten „Gemeinschaft“ fällt im Verhältnis zu den weiteren Positionen klein aus. Es sind genau 5.78 Prozent des Gesamtaufwandes. Mit diesem Wissen wird einem auch klar, warum der Kanton St. Gallen unmöglich auf eine allgemein anerkanntere Lösung, wie sie zum Beispiel der Nachbarkanton Zürich kennt, umsteigen kann. Der Kanton Zürich wird, was die Kirchensteuerpflicht für juristische Personen betrifft, oft als Vorbild dargestellt. Die Kirchen erhalten im bevölkerungsreichsten Kanton der Schweiz ebenfalls Gelder von den juristischen Personen, jedoch sind diese Beiträge mit einer so genannten negativen Zweckbindung versehen. Die Kirchen dürfen gemäss dem Zürcher Kirchengesetz die erhaltenen Mittel nicht für „kultische Zwecke“13 verwenden. Damit wird klar, dass für den Kanton St. Gallen ein solches Besteuerungsmodell nicht in Frage kommt, da die vom Finanzausgleich betroffenen Kirchgemeinden damit ihre kultischen Art. 25 Abs. 2 KiG (GS 180.1, Kanton Zürich): „Die Erträge aus den Kirchensteuern der juristischen Personen dürfen nicht für kultische Zwecke verwendet werden. Über die Verwendung dieser Steuererträge legen die kantonalen kirchlichen Körperschaften gesamthaft Rechenschaft ab.“
Ausgaben unter keinen Umständen decken könnten. Zurück zur Kirchgemeinde Neu St. Johann: Der Anteil des Aufwands in der Kategorie „Gemeinschaft“ ist sehr klein. Jedoch kann man die Leistungen der Kirche nicht gesamthaft aus dem Jahresbericht herauslesen. Viele Menschen leisten zum Beispiel im Namen der Kirchen Freiwilligenarbeit, welche zahlenmässig unmöglich richtig zu erfassen ist.
Evangelischer Konfessionsteil
Die Verteilung der Gelder aus dem Finanzausgleich wird beim evangelischen Konfessionsteil im „Reglement über den Finanzausgleich“ geregelt. Der Zweck des Ausgleichs wird in Artikel 2 genauer definiert: „Der Finanzausgleich ermöglicht den Kirchgemeinden, welche zur Erfüllung ihrer Aufgaben nicht genügend Einnahmen aus den direkten Steuern erhalten, einen geordneten Finanzhaushalt und verringert Unterschiede in der Steuerbelastung für Steuerpflichtige verschiedener Kirchgemeinden unter Berücksichtigung der Steuerfüsse der politischen Gemeinden.“14 Die reformierte Kirche des Kantons St. Gallen finanziert mit dem Finanzausgleichfonds auch „gemeindeübergreifende Aufgaben“, was in Artikel 19 des erwähnten Reglements geregelt wird: „Folgende gemeindeübergreifende Aufgaben im Sinne von Sonderlasten können zur Entlastung der Kirchgemeinden vom Finanzausgleichsfonds übernommen werden: 1. Anteile der Kantonalkirche an die Spitalseelsorge; 2. Anteile der Kantonalkirche an die Gefängnisseelsorge; 3. Anteile der Kantonalkirche an den Kirchlichen Sozialdienst an Berufsschulen; 4. Sachversicherungen aller Kirchgemeinden; 5. Treueprämien von Pfarrpersonen in den Kirchgemeinden.“15 Der Zentralkassier der evangelischen Kirche konnte auf Anfrage keine genauen Zahlen zu den Beiträgen liefern. Es kann jedoch davon ausgegangen werden, dass der Teil des Geldes aus dem Finanzausgleich, welcher nicht an die Kirchgemeinden verteilt wird, für die genannten Zwecke aufgewendet wird, da im Gesetz keine weiteren Vorgaben gemacht werden. Wie bereits bei der Abhandlung des katholischen Konfessionsteils sind auch hier die fünf Kirch	Art. 2 Abs. 1 Reglement über den Finanzausgleich (sGS 813.52).
Art. 19 Reglement über den Finanzausgleich (sGS 813.52).
gemeinden des evangelischen Konfessionsteils, welche im Jahr 2007 am meisten Geld aus dem Finanzausgleich bezogen, in der Tabelle 4 zusammengefasst. Tabelle 4: Evangelische Kirchgemeinden mit den höchsten Ausgleichsbeiträgen (2007) Kirchgemeinde:
1. Degersheim
Fr. 551‘288
2. Wattwil
Fr. 442‘165
3. St. Peterzell
Fr. 410‘703
4. Altstätten
Fr. 405‘420
5. Mogelsberg
Fr. 383‘827
Quelle: Zentralkassier der evangelischen Landeskirche am 13. Mai 2008 auf Anfrage
Um die Besteuerung der juristischen Personen an den kirchlichen Finanzausgleich des Kantons St. Gallen zahlenmässig einordnen zu können, folgt nun ein grafisch dargestelltes Beispiel. Abbildung 2: Fallbeispiel einer St. Galler juristischen Person im Steuerjahr 2008 Eckdaten Beispielunternehmen: Steuerbares Eigenkapital am
Fr. 1‘000‘000 Fr. 0.00
Beispielunternehmen zahlt total Fr. 19‘352 Gewinn- und Kapitalsteuern
erhält Fr. 6‘855 als Gewinnsteuern
Steuerbares Eigenkapital am
Fr. 1‘080‘000
Reingewinn vor Abzug der geschuldeten Steuern des
Fr. 100‘000
Reingewinn nach Steuern:
Fr. 80‘648
erhält Fr. 12‘497 als Gewinn- und Kaptialsteuern
Domizilgemeinde
erhält Fr. 3‘845 von den Gewinn- und Kapitalsteuern Quelle: Art. 1, 6-9, 89, 99 StG (sGS 811.1) sowie Art. 128 Abs. 1 lit. b BV
erhalten Fr. 865 aus dem Finanzausgleich
Ein interkantonaler Vergleich der Beiträge von juristischen Personen an die anerkannten Kirchen wird dadurch erschwert, dass die Kantone völlig unterschiedliche Systeme bei der Besteuerung durch die Kirchen vorweisen.16 Die Schweiz kennt 26 teilweise stark unterschiedliche Systeme. Dadurch wird ein zahlenmässiger Vergleich faktisch verunmöglicht. In 19 von 26 Kantonen werden die juristischen Personen für oder durch die Landeskirchen besteuert. Auf der folgenden Grafik sind die einzelnen Kantone gemäss Index eingefärbt. Genauere Angaben zu den einzelnen Gesetzesartikeln findet man im Anhang. Abbildung 3: Die Kirchenfinanzierungspflicht juristischer Personen in den Kantonen Die jur. Personen sind an der Finanzierung der Kirchen direkt oder indirekt beteiligt. Die jur. Personen sind an der Finanzierung der Kirchen nicht zwangsweise beteiligt. SH BS
ZH AR
ZG SZ
NE BE VD
SG GL
Quelle: Gesetzesartikel der einzelnen Kantone (siehe Anhang) Karte: Bundesamt für Landesto�ografie (2007)
Einige Kantone heben sich stark von den anderen ab. Im Kanton Waadt werden beispielsweise die Kirchen direkt aus dem Staatshaushalt finanziert. Der Kanton bezahlt unter anderem die Löhne der Priester direkt. Dadurch existiert zwar überhaupt keine Kirchensteuer, jedoch sind die juristischen Personen an der Finanzierung der Kirchen über die normalen Staatssteuern beteiligt.17
Art. 72 Abs. 1 BV: „Für die Regelung des Verhältnisses zwischen Kirche und Staat sind die Kantone zuständig.“
Art. 13 LOI sur les relations entre l‘Etat et les Eglises reconnues de droit public (LREEDP) (180.05).
Der kirchliche Finanzausgleich des Kantons St. Gallen: Anspruchsgruppen
Im folgenden Kapitel werden nun die verschiedenen Standpunkte der unterschiedlichen Anspruchsgruppen des kirchlichen Finanzausgleichs dargelegt und auf ein kurzes Ziel zusammengefasst.
Die beteiligten Landeskirchen
Als erstes wird die offensichtlichste Anspruchsgruppe diskutiert, nämlich die der beiden beteiligten Landeskirchen. Diese müssen die Steuergelder juristischer Personen an die finanzschwachen Kirchgemeinden verteilen. In den extremsten Fällen beziehen die betroffenen Kirchgemeinden über die Hälfte ihrer Einnahmen aus dem Finanzausgleich. Eine allfällige ersatzlose Abschaffung des Ausgleichsinstruments hätte somit gravierende Folgen für einzelne Kirchgemeinden. Daher ist es auch verständlich, dass die Landeskirchen eine Abänderung der aktuellen Gesetzessituation nicht unterstützen.
3.1.1.	Öffentliche Stellungnahmen Verschiedene Exponenten der beiden direkt betroffenen St. Galler Landeskirchen bezogen öffentlich Stellung zur Thematik, nachdem die SVP die Motion „Abschaffung der obligatorischen Kirchensteuer für juristische Personen“ eingereicht hatte. Allen voran agierte Margrit Stadler, Administrationsrätin des katholischen Konfessionsteils des Kantons St. Gallen, welche zudem für die CVP ein Kantonsratsmandat inne hat. Sie veröffentlichte ihre Haltung zum kirchlichen Finanzausgleich im „Pfarreiforum“, welches das Publikationsorgan der katholischen Kirche ist. Wie viele andere Gegner des Vorstosses wies die CVP-Politikerin als erstes darauf hin, dass der Kanton St. Gallen keine Kirchensteuerpflicht für juristische Personen kennt. Weiter argumentierte sie, dass der Finanzausgleich für die Landeskirchen elementar sei, weil dadurch viele Kirchenmitglieder vor allzu hohen Steuern verschont werden könnten. Sie erklärte, dass die Kirchgemeinden ohne diese Gelder ihren vielfältigen Aufgaben nicht mehr nachkommen könnten. Gemäss ihrer Rechnung müsste zum Beispiel die katholische Kirchgemeinde Alt St. Johann bei einem Wegfall der Ausgleichsbeiträge den Kirchensteuersatz um satte 86 Prozent erhöhen, um weiterhin alle Ausgaben decken zu können. In der erwähnten Kirchgemeinde konnte, nach Aussage der Administrationsrätin, nur dank dem Finanzausgleich ein neuer Kräutergarten eingeweiht werden.18
Vgl. Stadler (2008).
3.1.2.	Wegfall der Ausgleichsbeiträge Durch die Motion der SVP-Fraktion wurde natürlich die Frage aufgeworfen, was mit den einzelnen Kirchgemeinden passiert, wenn das Finanzausgleichsinstrument abgeschafft würde. Verschiedene Medien berichteten19, dass durch den Wegfall dieser Einnahmequelle bei verschiedenen Kirchgemeinden eine derart grosse finanzielle Lücke entstehen würde, dass sie massiv in ihrer Existenz gefährdet wären. Vor allem im ohnehin schon strukturschwachen Toggenburg wären die von der Abschaffung betroffenen Kirchgemeinden zu suchen. Die Kirchensteuern für natürliche Personen müssten so stark erhöht werden, dass ein grösserer Mitgliederschwund erwartet werden müsste. Für vereinzelte Kirchgemeinden wäre der ersatzlose Wegfall dieser Gelder sicher das Ende ihrer Existenz. Die evangelisch-reformierte Kirche des Kantons St. Gallen setzt sich mit einem allfälligen Fehlen der finanziellen Mittel von den juristischen Personen in ihren Leitzielen „St. Galler Kirche 2015“ auseinander: „Im Fall eines kompletten Wegfalls der staatlichen Finanzausgleichsmittel wird ein zumindest die unterschiedliche Steuerkraft der Kirchgemeinden kompensierender kircheninterner Finanzausgleichsfonds angestrebt.“20 Die einzelnen Kirchgemeinden wären also nur bedingt gefährdet, da wohl auch der katholische Konfessionsteil bei einem Wegfall des Ausgleichsinstruments einen Ersatz bieten müsste. Jedoch könnten dadurch einzelne Kirchgemeinden zur Fusion bzw. zu einer Einschränkung der Anzahl der Standorte gezwungen sein.
3.1.3.	Sachliche Gründe gegen die Abschaffung Die CVP des Kantons St. Gallen hat einige wichtige Punkte, die gegen eine Abschaffung des Ausgleichsinstruments sprechen, in ihrer Medienmitteilung zur Motion zusammengefasst: „Die beiden Landeskirchen übernehmen wichtige gesellschaftliche Aufgaben, die sonst der Staat zusätzlich erfüllen müsste: Jugendarbeit, Altersbetreuung, Erwachsenenbildung, Denkmalpflege und vieles mehr. Die Streichung der Ausgleichsmittel hätte einen einschneidenden Leistungsabbau und eine massive Lastenverschiebung zur Folge. Urs Schneider, Präsident der CVP Kanton St.Gallen, fragt sich beispielsweise, wer dann für die vielen Kirchenbauten und weiteren Gebäude aufkommen
So zum Beispiel Kneubühler (14.05.2008, S. 13).
Evangelisch-Reformierte Kirche des Kantons St. Gallen (2008, S. 14).
soll, welche die Landeskirchen heute unterhalten.“21 Über diese angesprochenen weitreichenden Folgen müsste man sich bei einer Streichung des Finanzausgleichs im Klaren sein. Die Konsequenzen für die einzelnen Kirchgemeinden könnten in extremen Fällen existenzbedrohend sein. »» Für die beteiligten Kirchen ist es das Beste, wenn die bisherige Besteuerung in ihrer Form bestehen bleibt.
Unbeteiligte Religionsgemeinschaften
Wie bereits erläutert gibt es im Kanton St. Gallen noch weitere Religionsgemeinschaften, die kein Geld aus dem kirchlichen Finanzausgleich beziehen.
3.2.1.	Christkatholische Kirche St. Gallen und islamische Gemeinschaften Die Christkatholische Kirche St. Gallen und der Dachverband islamischer Gemeinden der Ostschweiz und des Fürstentums Liechtenstein (DIGO) stellvertretend für die verschiedenen islamischen Gemeinschaften wurden mehrmals für eine Stellungnahme angefragt. Sie haben darauf nicht reagiert, was man bedingt jedoch auch als Reaktion werten kann. Für diese Glaubensgemeinschaften ist es praktisch unmöglich, auch am Finanzausgleich beteiligt zu werden. Die islamischen Gemeinschaften müssten zuerst öffentlich-rechtlich anerkannt werden, was eher unrealistisch ist, da aktuell eher ein Trend zur Auflösung der Verbindungen zwischen Kirche und Staat festzustellen ist. Zudem fehlt ihnen die demokratische Organisation, die gemäss Art. 111 der St. Galler Kantonsverfassung zwingend für die öffentlich-rechtliche Anerkennung ist.22 Die Christkatholische Kirche kann auch wegen ihrer geringen Mitgliederzahl kaum für eine Beteiligung am kirchlichen Finanzausgleich in Betracht gezogen werden. In der Volkszählung des Jahres 2000, welche auch die Grundlage zur Verteilung der Gelder aus dem kirchlichen Finanzausgleich darstellt, wurden nur 330 Christkatholiken im Kanton St. Gallen aufgeführt.23 Diese Mitglieder sind in einer einzigen Kirchgemeinde organisiert, wodurch ein Finanzausgleich, der „mit hohen Steuern belastete Kirchgemeinden“24 entlasten soll, zwecklos wird. Das gleiche Problem besteht auch bei den verschiedenen islamischen Gemeinschaften im Kanton: Sie sind nicht in Kirchgemeinden organisiert.
CVP Kanton St. Gallen (2008).
Art. 111 Abs. 2 lit. a Verfassung des Kantons St. Gallen (sGS 111.1).
Bundesamt für Statistik (2000).
»» Die islamischen Gemeinschaften und die Christkatholische Kirche St. Gallen hätten allfällig einen Anspruch am kirchlichen Finanzausgleich, dieser wird jedoch durch andere Umstände aufgehoben.
3.2.2.	Jüdische Gemeinschaft St. Gallen Die jüdische Gemeinschaft St. Gallen wurde nach Aussage ihres Präsidenten, Dr. Roland Richter, erst 1994 öffentlich-rechtlich anerkannt.25 Die Gemeinschaft möchte jedoch trotzdem autonom sein, was auch finanzielle Unabhängigkeit vom Staat beinhaltet. Es wird folglich ausdrücklich nicht nach einer Beteiligung am kirchlichen Finanzausgleich verlangt. »» Die jüdische Gemeinschaft St. Gallen meldet kein Interesse am Finanzausgleich an.
Die juristischen Personen des Kantons St. Gallen finanzieren über ihre Staatssteuern den kirchlichen Finanzausgleich. Sie haben somit auch einen Anspruch an diesem Geld, welcher nun diskutiert wird.
3.3.1.	Fehlender Protest Der Regierungsrat des Kantons Zug argumentierte im Jahr 2005 auf eine Motion zur Abschaffung der Kirchensteuer für juristische Personen damit, dass bisher kein einziges Unternehmen ein Rechtsmittelverfahren gelten gemacht hatte, die Kirchensteuer verletze ihre Glaubens- und
Gewissensfreiheit.26 Die Gründe, warum bisher kaum eine juristische Person in der Öffentlichkeit vernehmbaren Protest erhob, sind im Kanton St. Gallen ähnlich wie im Kanton Zug. Erstens will wohl kein Unternehmen öffentlich bekunden, dass es den Kirchen den Geldhahn zudrehen will. Solche Massnahmen könnten einen erheblichen Schaden für die Reputation der betroffenen Unternehmung nach sich ziehen. Ausserdem geht es bei einer einzelnen Organisation kaum um genügend Steuergeld, dass sich ein solches Verfahren lohnen würde. Alle juristischen Personen des Kantons bezahlen jedoch zusammen durchaus eine grosse Summe. Exemplarisch ging die Buchdruckerei Elgg AG im Jahre 1976 bis vor Bundesgericht, weil sie mit der Besteuerung durch die Kirchen nicht einverstanden war. Es wurde über einen Betrag von
Richter, Dr. Roland (2008). Telefonisches Gespräch mit Herrn Dr. Roland Richter, Präsident Jüdische Gemeinschaft St. Gallen, St. Gallen, am 22.08.2008.
Kraus (2007, S. 177).
insgesamt Fr. 26.45 verhandelt.27 Die entstandenen Kosten beliefen sich höchstwahrscheinlich auf ein Vielfaches von diesem Betrag. In der Rundschau des Schweizer Fernsehens vom 30. Mai 2007 wurden unter dem Titel „Umstrittene Kirchensteuer“ einige Unternehmen angeführt, welche verärgert seien über die Pflichtabgaben der juristischen Personen an die Kirchen. Viele Mitglieder des Handels- und Industrievereins des Kantons Bern kritisierten diese Besteuerung. Besonders stossend finden sie gemäss Rundschau Firmen mit Mitarbeitern, die anderen Glaubensgemeinschaften angehören. Es ist also nicht so, dass der Protest grundsätzlich fehlt; er ist jedoch kaum zu vernehmen, was nicht zwingend bedeutet, dass die juristischen Personen mit der Besteuerung durch oder für Kirchen einverstanden sind.28
3.3.2.	Steuerbelastung als wichtiger Standortfaktor Peter Eisenhut und Frank Bodmer stellen in der Wirtschaftsstudie „Ostschweiz 2007“ fest: „Die Steuerbelastung bildet eine wichtige Determinante für die Attraktivität eines Kantons bei der Standortwahl von Unternehmen und der Wohnortwahl von Haushalten.“29 Diese Feststellung ist alles andere als neu. Die Steuerbelastung ist ein wichtiger harter Standortfaktor. Für St. Galler Unternehmen wäre eine Abschaffung des Finanzausgleichs besonders interessant, da dadurch die Staatssteuern um 6.9 Prozent gekürzt werden könnten. Interessant ist dabei der Vergleich mit den anderen Kantonen, und vor allem, ob sich durch eine Streichung der 22.5 Steuerprozente des Finanzausgleichs eine markante Veränderung im Steuerwettbewerb mit den anderen Kantonen ergeben würde. In der Abbildung 4 ist ein solcher Vergleich dargestellt. Dabei wurde eine Aktiengesellschaft mit 2 Millionen Franken Kapital und einem Reingewinn vor Abzug der im Geschäftsjahr bezahlten Steuern von Fr. 600‘000, welche ihr Domizil in den verschiedenen Hauptorten der 26 Schweizer Kantonen hat, verglichen.
BGE 102 Ia 468.
Vgl. Rundschau (30.05.2007), „Umstrittene Kirchensteuer“, Aussage von Adrian Haas, Direktor Handels- und Industrieverein Bern, im Schweizer Fernsehen, Redaktion Rundschau, abrufbar unter <http://www.sf.tv/sf1/rundschau/ index.php?docid=20070530>, ab 2:00.
Eisenhut/Bodmer (2007, S. 59).
Abbildung 4: Kantonaler Vergleich der Steuerbelastung von Unternehmen des Jahres 2007 (in Tausend Franken) Kanton und Gemeinde
0 Sarnen Appenzell Zug Altdorf Frauenfeld Stans Herisau St.Gallen ohne Finanzausgleich St.Gallen mit Finanzausgleich Luzern Schwyz Glarus Sitten Bern Zürich Aarau Freiburg Bellinzona Solothurn Delsberg Schaffhausen Neuenburg Lausanne Genf Chur Basel Liestal
Quelle: Bundesamt für Statistik (2008)
Aus dem Diagramm wird ersichtlich, dass eine Abschaffung des Finanzausgleichs keine Verschiebungen in der Abfolge der Kantone hätte. Es ergäben sich also nur Steuerwettbewerbsvorteile in einem begrenzten Umfang.
3.3.3.	Marktverzerrungen durch Subventionierung Die Subventionierung der Kirchen durch den Staat kann zu Marktverzerrungen führen. Verschiedene Kirchgemeinden bieten viele unterschiedliche Dienstleistungen an, die teilweise eine Konkurrenz zur Privatwirtschaft darstellen. So sind zum Beispiel kirchliche Computerkurse ein Phänomen der heutigen Zeit, das privaten Anbietern ein Dorn im Auge ist. Es ist für letztere nicht möglich, das Angebot zu gleichen Konditionen anzubieten, da sie nicht durch den Staat unterstützt werden. Auf der anderen Seite sind diese privaten Unternehmen jedoch verpflichtet, die
Kirche – und somit ihren marktwirtschaftlichen Kontrahenten – finanziell zu unterstützen. Das ist ein klares Argument gegen die Finanzierung der Kirchen mit Geldern der Unternehmen.
3.3.4.	Einmischung in politische Angelegenheiten Die Landeskirchen bringen sich in politische Angelegenheiten ein, wie zum Beispiel im Vorfeld der Abstimmung über das Asyl- und Ausländergesetz im September 2006.30 Dabei sind Inhaber von juristischen Personen und die Kirchen recht oft politische Gegner, womit wiederum eine ähnliche Situation eintritt, wie bei „Marktverzerrung durch Subventionierung“ schon erwähnt. Die Einmischung der Kirchen in die Politik konnte man auch nach der Einreichung der Motion „Abschaffung der obligatorischen Kirchensteuer für juristische Personen“ spüren. Verschiedene Vertreter der beiden am Finanzausgleich beteiligten Kirchen wehrten sich intensiv gegen den Vorstoss, was aber durchaus legitim scheint, da die Kirchen in diesem Fall direkt betroffen sind. »» Für die Wirtschaft des Kantons wäre eine Abschaffung der Besteuerung zuhanden des kirchlichen Finanzausgleichs grösstenteils vorteilhaft.
Der moderne Staat ist in die drei Gewalten Exekutive, Legislative und Judikative aufgeteilt. Daher werden folgend die drei Instanzen der Gewaltentrennung einzeln dargelegt.
3.4.1.	Die Exekutive: Der St. Galler Regierungsrat Die exekutive Gewalt wird im Kanton St. Gallen durch den Regierungsrat repräsentiert. Mit der
Motion der SVP-Kantonsratsfraktion war er aufgefordert, eine Antwort sowie eine Empfehlung für die Abstimmung abzugeben. Das dafür zuständige Finanzdepartement unter dem damaligen Vorsteher Peter Schönenberger verfasste die erforderte Antwort auf die Junisession hin. Die an den Kantonsrat gerichtete Empfehlung sprach sich für „Nichteintreten“ aus. Der Regierungsrat wollte sich also nicht mit der Vorlage befassen. Der Regierungsrat begründet seine Empfehlung wie folgt: „Kirchengemeinden erfüllen im sozialen, fürsorgerischen und erzieherischen Bereich öffentliche Aufgaben zum Wohle aller Bürgerinnen und Bürger und indirekt auch im Interesse der Arbeitgeberschaft in der Rechtsform juristischer Personen. Eine Streichung von Art. 9 StG wäre problematisch, da die Mittel für die vom Steuerausgleich profitierenden Kirchgemeinden anderweitig aufzubringen wären (andere Kirchgemeinden, Kanton, Gemeinden). Andernfalls müsste auf die Erfüllung von
Verschiedene Stellungnahmen von Seiten der evangelischen und katholischen Kirchen werden in Portal Katholischer Kirche Schweiz (23.08.2006) zusammengetragen.
verschiedenen wichtigen Aufgaben verzichtet werden. Eine Belastung von anderen Kirchgemeinden, Kanton oder Gemeinden würde deren Spielraum ebenfalls wesentlich einschränken. Die bestehende Steuerausgleichsbestimmung in Art. 9 StG erweist sich auch vor diesem Hintergrund als sachgerecht.“31 »» Der St. Galler Regierungsrat möchte den kirchlichen Finanzausgleich nicht modifizieren, da er die aktuelle Gesetzeslösung als sachgerecht empfindet.
3.4.2.	Die Judikative: Das Bundesgericht Wie in den Grundlagen des kirchlichen Finanzausgleichs schon angedeutet, erlaubt das Schweizer Bundesgericht die Besteuerung juristischer Personen durch die Landeskirchen. In der alten Bundesverfassung, welche bis Ende 1999 in Kraft war, wurde in Artikel 49 Abs. 6 folgendes festgelegt: „Niemand ist gehalten, Steuern zu bezahlen, welche speziell für eigentliche Kultuszwecke einer Religionsgenossenschaft, der er nicht angehört, auferlegt werden. Die nähere Ausführung dieses Grundsatzes ist der Bundesgesetzgebung vorbehalten.“32 Das Bundesgericht musste sich erstmals 1877 mit dem Absatz 6 des Artikels 49 auseinandersetzen — vier Jahre nach Inkraftsetzung des Artikels.33 Mit den Jahren folgten auch viele weitere und analoge Urteile. Im Jahr 1976 kam der nächste wichtige Rechtspruch: Die Buchdruckerei Elgg AG klagte gegen die evangelisch-reformierte Kirchgemeinde Elgg und das Verwaltungsgericht des Kantons Zürich.34 Die Klägerin sah in der Besteuerung durch die Kirchen eine Verletzung der Glaubens- und Gewissensfreiheit35. Die bisherige Rechtsprechung wurde zwar bestätigt, jedoch wurden die einzelnen Argumente nochmals detailliert dargelegt und ausgebaut. Das Bundesgericht36 führt an, dass sich juristische Personen nicht auf Art. 49 Abs. 6 aBV berufen können, da es sich um eine Bestimmung der Glaubens- und Gewissensfreiheit handelt, welche ein Freiheitsrecht darstelle, das von seiner Natur her nur natürlichen Personen zustehe. Das Bundesgericht habe – trotz der in der Rechtslehre geäusserten Bedenken – an seiner restriktiven Auslegung von Art. 49 Abs. 6 aBV festgehalten. Dabei stützt sich das Bundesgericht auch auf die Bundesversammlung, welche als gesetzgebende Instanz kantonale Verfassungen, die eine Kir	Finanzdepartement (2008).
Art. 49 Abs. 6 aBV.
Kobel (2008, S. 4).
Art. 4 und Art. 49 Abs. 1 und 6 aBV, Art. 15 BV, Art. 9 EMRK.
Vgl. BGE 102 Ia 468.
chensteuerpflicht juristischer Personen ausdrücklich vorsehen, zugelassen hat. Das Bundesgericht anerkennt, dass der Wortlaut von Art. 49 Abs. 6 aBV dahin interpretiert werden könnte, dass die Kirchenzugehörigkeit eine unabdingbare Voraussetzung der Kirchensteuerpflicht sei. Folglich wären juristische Personen, die nach der Natur der Sache nicht einer Kirche angehören, auch nicht kirchensteuerpflichtig. Jedoch weist das Bundesgericht nun auf die Entstehungsgeschichte des Artikels hin, bei welcher sich das Problem der juristischen Personen gar nicht im Blickfeld der Bundesversammlung befunden habe. Dies führte das Bundesgericht schon in seinen ersten Entscheiden dazu, den im vorstehend erwähnten Verfassungsartikel verankerten Grundsatz nicht auf juristische Personen anzuwenden, denn man wollte den Kantonen damit nicht verbieten, das Kirchenwesen als eine öffentliche Aufgabe zu betrachten. Ein weiterer Einwand gegen die Kirchensteuerpflicht juristischer Personen bildet der Hinweis, hinter der juristischen ständen natürliche Personen (Aktionäre, Gesellschafter), die indirekt durch die Belastung des ihnen gehörenden Gesellschaftsvermögens mit Kultussteuern in ihrer
Glaubens- und Gewissensfreiheit verletzt sein könnten. Gemäss Bundesgericht erscheinen diese Konstruktionen einer indirekten Verletzung des Grundrechts bei grossen Erwerbsgesellschaften gekünstelt und rein theoretisch. Der Einwand hat dagegen ein gewisses Gewicht, soweit es um kleinere Unternehmungen geht, die in Form einer juristischen Person organisiert sind, wie zum Beispiel Aktiengesellschaften in Familienbesitz. Es wird dann noch angefügt, dass es nicht als stossend erscheint, wenn derjenige, welcher für seine geschäftliche Tätigkeit die persönliche Haftung ausschliesst, sich bei der Besteuerung des als juristische Person konstituierten Unternehmens nicht auf Elemente seiner persönlichen Weltanschauung berufen kann. Zusammenfassen lassen sich die Entscheide des Bundesgerichts darauf, dass es grundsätzlich die obligatorische Besteuerung juristischer Personen durch oder für die Kirchen zulässt. Auch die neue Bundesverfassung, welche seit dem Jahr 2000 in Kraft ist, hat an der Situation nichts geändert. Der umstrittene Absatz 6 von Artikel 49 der alten Bundesverfassung ist zwar vollends verschwunden, wird aber in der neuen Bundesverfassung durch Artikel 15 würdig vertreten, was bedeuten soll, dass sich an der Rechtslage nichts geändert hat. »» Das Bundesgericht erlaubt die Besteuerung juristischer Personen für die Landeskirchen und dadurch ebenfalls den kirchlichen Finanzausgleich des Kantons St. Gallen.
3.4.3.	Die Legislative: Der St. Galler Kantonsrat Der St. Galler Kantonsrat wird im Proporz gewählt. Dadurch weist er ein sehr breites Spektrum an Meinungen auf, welche einen grossen Teil unserer Gesellschaft widerspiegeln. Diese kamen auch in den Reaktionen auf die Motion zum Tragen. Nur die Kantonsratsmitglieder der CVP, welche sich auf den Vorstoss äusserten, hatten weitestgehend identische Positionen dazu. In den anderen Parteien herrscht anscheinend Uneinigkeit über den kirchlichen Finanzausgleich. Die CVP wehrte sich dementsprechend geschlossen und heftig gegen den Vorstoss der SVP-Fraktion: „Mit ihrer Motion ‚Abschaffung der obligatorischen Kirchensteuer für juristische Personen‘ bläst die SVP im St.Galler Kantonsrat zum Frontalangriff auf unsere christlich-humanistischen Schweizer Werte. Dies ist für die CVP Kanton St.Gallen inakzeptabel. Falls die Motion überwiesen und schliesslich eine entsprechende Gesetzesänderung beschlossen werden sollte, würde die CVP das Referendum ergreifen.“37 Wie hier schon im ersten Absatz der Medienmitteilung deutlich wird, fürchtete die CVP vor allem eine Gefährdung der Stützen christlicher Werte. Die verschiedenen Argumente, die durch die Mitglieder des St. Galler Parlaments hervorgebracht wurden, müssen hier grösstenteils nicht speziell wiedergegeben werden, da sie sich mit denen anderer Anspruchsgruppen überschneiden. Einzig staatspolitische Ansichten sind neu dazu gekommen. So wurde die Frage über die Existenzberechtigung des kirchlichen Finanzausgleichs von verschiedenen Kantonsräten auf die grundsätzlichere Frage nach der Trennung von Kirche und Staat zurückgeführt. Der SP-Politiker Donat Ledergerber meinte dazu in einer E-Mail: „Ich persönlich wäre für eine strikte Trennung von Kirche und Staat. Dann muss diese Trennung aber vollständig geschehen und nicht nur partiell und vor allem nicht nur dort, wo es um die Finanzen geht. [...] Eine klare Trennung von Kirche und Staat würde auch keine anderen Religionsgemeinschaften oder Atheisten diskriminieren und vor allem klar das staatliche vor das kirchliche Recht stellen.“38 Ein weiteres Argument, welches ebenfalls von mehreren Politikern angeführt wurde, ist, dass durch die Abschaffung des kirchlichen Finanzausgleichs Regionen, die bereits Strukturprobleme haben, stärker benachteiligt werden. So bemerkte SVP-Kantonsrat Linus Thalmann: „Mein Hauptgrund [für die Ablehnung der Motion] ist, dass durch den Wegfall der Kirchensteuer für juristische Personen die Ausgleichsgemeinden und Randregionen wie das Toggenburg am meis	CVP Kanton St. Gallen (2008).
Ledergerber, Donat (2008). Kantonsrat, SP, in „Argumentarium“; persönliche E-Mail vom 22. Mai 2008.
ten leiden müssten.“39 »» Der Kantonsrat ist sich nicht einig über den kirchlichen Finanzausgleich.
Atheisten, Freidenker und Konfessionslose
Gemäss dem Bundesamt für Statistik hatte der Kanton St. Gallen im Jahr 2000 eine Wohnbevölkerung von total 452‘837 Menschen. Davon waren 47‘158 Personen konfessionslos bzw. keine Anhänger einer Weltreligion, was rund einem Zehntel der Bevölkerung entspricht.40 Die Meinung dieses Bevölkerungsanteils wird öffentlich kaum wahrgenommen. Einzig die FreidenkerVereinigung der Schweiz (FVS) meldet sich stellvertretend zu Wort. Die FVS tritt nach eigenen Angaben für die Freiheit des Glaubens, der Meinung und der Meinungsäusserung ein. Sie strebt die Gleichberechtigung aller weltanschaulichen Gruppen und deren Unabhängigkeit vom Staat an (Trennung von Staat und Kirche).41 Die FVS hat vor der Junisession den Präsidenten der St. Galler Kantonsratsfraktionen und verschiedenen Medienvertretern insgesamt sieben ausformulierte Aspekte zukommen lassen, mit welchen der Vorstoss zur „Abschaffung der obligatorischen Kirchensteuer für juristische Personen“ untermauert wurde. Die meisten Hinweise überschneiden sich mit den Argumenten anderer Anspruchsgruppen, welche sich für eine Abschaffung des Finanzausgleichs aussprechen. Die FVS führt neu an, dass die Bundesverfassung die Besteuerung der juristischen Personen durch die Kirchen nicht vorsieht, sondern nur zulässt. Weiter wird darauf hingewiesen, dass die Landeskirchen keine Staatsaufgabe haben und damit auch nicht staatlich finanziert werden müssen. »» Die Freidenker-Vereinigung Schweiz befürwortet eine Abschaffung des kirchlichen Finanzausgleichs.
Thalmann, Linus (2008). Kantonsrat, SVP, in „AW: Motion: Abschaffung der obligatorischen Kirchensteuer für juristische Personen“; persönliche E-Mail vom 1. Juni 2008.
Freidenker-Vereinigung Schweiz (2008).
Der kirchliche Finanzausgleich des Kantons St. Gallen: Rückzug der Motion
Rückzug der Motion
Wie bereits mehrfach erwähnt, hat die SVP-Fraktion im St. Galler Kantonsrat eine Motion eingereicht, mit welcher sie den kirchlichen Finanzausgleich abschaffen wollte. Nur einen Tag vor der geplanten Diskussion im Rat beschloss die Motionärin den parlamentarischen Vorstoss zurückzuziehen. Die Gründe dafür sind vielseitig und sollen hier kurz erläutert werden, da sie teilweise auch Argumente für oder gegen den kirchlichen Finanzausgleich darstellen.
Reputationsschäden für die Motionärin
Zuerst wird hier ein Punkt angegeben, der weniger mit dem Finanzausgleich als eher mit der SVP zu tun hat. Die Volkspartei setzt sich nach eigenen Angaben für die „Grundwerte unserer christlich-abendländischen Kultur“42 ein. In Anbetracht dieses Auszuges aus dem SVP-Parteiprogramm erschien einem die Motion durchaus etwas seltsam, da die beiden beteiligten Kirchen doch als Stütze dieser Grundwerte gelten. Auf der anderen Seite möchte die SVP aber auch „weniger Steuern, Zwangsabgaben und Gebühren, damit den Bürgerinnen und Bürgern mehr zum Leben bleibt“43. Die SVP befindet sich bezüglich des kirchlichen Finanzausgleichs offenbar in einem Zielkonflikt. Daher erstaunt es nicht, dass einige SVP-Politiker zu bedenken gegeben haben, dass die Motion bei einer breiten Bevölkerungsschicht nicht verstanden würde. Gerade ländliche Gebiete, wo viele Wählerinnen und Wähler der SVP wohnen, würden von einer Abschaffung des Ausgleichsinstruments hart getroffen. Die Volksvertreter aus diesen Regionen haben sich anscheinend intern vehement gegen den Vorstoss gewehrt und damit Erfolg gehabt. CVP-Kantonsrat Andreas Widmer schreibt in einem Artikel in der Zeitung „Toggenburger Nachrichten“, dass die „Motionäre kalte Füsse bekommen hätten“44. Damit könnte er richtig liegen, wenn man bedenkt, was die Folgen einer Abschaffung des Finanzausgleichs sein könnten. Vorausgesetzt die beiden Konfessionsteile würden ihren ärmeren Kirchgemeinden nicht unter die Arme greifen, wäre ein Kirchensterben vor allem im Toggenburg und in Teilen des Rheintals die unangenehme Folge. Für die SVP, welche die Motion eingereicht hat, würde diese Tatsache wahrscheinlich grosse Reputationsschäden nach sich ziehen.
Doppelt unchristlich
Ruedi Hertach schrieb in einem Artikel in der „Südostschweiz“, welcher kurz nach der Junisession 2008 erschienen ist: SVP Kanton St. Gallen (2007, S. 4).
SVP Kanton St. Gallen (2007, S. 5).
Widmer (06.06.2008).
„Da sehe man es nun, hatte die CVP schon vor Tagen gehöhnt: Ausgerechnet die Partei, die sich stets als besonders wehrhafte Verteidigerin des Christentums aufspiele, gehe nun hin und wolle die Kirchgemeinden empfindlich schwächen. Gemeint war die schon im April eingereichte SVP-Motion unter dem Titel «Abschaffung der obligatorischen Kirchensteuer für juristische Personen». […] Wollte man aber diese abschaffen, so wäre es laut CVP doppelt unchristlich: Getroffen würden ausgerechnet die ärmsten unter den Kirchgemeinden, einige von ihnen sogar in ihrer Existenz.“45 Das Argument, welches sich die CVP in den Titel der Medienmitteilung „SVP will christlich-humanistische Schweizer Werte schwächen“46 schrieb, ist stichhaltig. In der Kantonsverfassung steht in Art. 1 Abs. 2 als Beschreibung des Kantons St. Gallen: „Er ist ein auf christlich-humanistischer Grundlage gewachsener freiheitlicher, demokratischer und sozialer Rechtsstaat.”47 Die Frage, wie fest eine Abschaffung des Finanzausgleichs die christliche Tradition in unserem Kanton treffen würde, ist im Voraus unmöglich zu beantworten. Es besteht auch die Gefahr, dass die vermeintlichen Steuererleichterungen für Unternehmen durch das Entstehen neuer gesellschaftlicher Probleme und somit höherer Aufwände beim Staat zu Nichte gemacht werden.
Die CVP drohte vor der Junisession, dass ein Referendum ergriffen werde, falls der Kantonsrat auf den Vorstoss der SVP-Fraktion einträte und eine Gesetzesänderung beschlösse.48 Es bestehen kaum Zweifel, dass die CVP die nötigen 4‘000 Unterschriften für dieses Referendum zusammengebracht hätte.49 Das Referendum vor dem Volk wäre der SVP zum Verhängnis geworden. Die SVP-Fraktion hat die Motion zwar eingereicht und somit den Ball ins Rollen gebracht, könnte aber aus verschiedenen Gründen nicht geschlossen zu ihr stehen. Nach Angaben der CVP verabschiedet sich die SVP mit dem Vorstoss zur Abschaffung des Finanzausgleichs zudem aus dem breiten politischen Konsens, den sie bei der Schaffung der neuen Kantonsverfassung noch selbst mitgetragen habe.50 Auch das wäre ein starkes Argument im Abstimmungskampf nach erfolgreich ergriffenem Referendum und würde die SVP-Politiker in schlechtem Licht dastehen lassen. Daher ist es verständlich, dass eine Mehrheit der SVP nicht mit Überzeugung hinter der Motion stehen konnte und somit der Vorstoss zurückgezogen werden musste. Hertach (05.06.2008).
Art. 1 Abs. 2 Verfassung des Kantons St. Gallen (sGS 111.1).
Vgl. CVP Kanton St. Gallen (2008).
Vgl. Art. 16 Gesetz über Referendum und Initiative (sGS 125.11).
Der kirchliche Finanzausgleich des Kantons St. Gallen: Schlussfolgerungen
In der Einleitung wurden zwei unterschiedliche Fragen gestellt. Die erste Frage, ob juristische
Personen zur Mitfinanzierung kirchlicher Institutionen gezwungen werden dürfen, kann konkret beantwortet werden: Ja, diese Mitfinanzierungspflicht ist verfassungskonform. Neben dem Bundesgericht bestätigte dies auch die Bundesversammlung, welche verschiedene Kantonsverfassungen, welche die Kirchensteuerpflicht juristischer Personen beinhalten, in Kraft setzen liess.51 Das bedeutet, dass die juristischen Personen zur finanziellen Unterstützung der Kirchen hinzugezogen werden dürfen und auch der kirchliche Finanzausgleich im Kanton St. Gallen rechtmässig ist. Auf die zweite Frage, ob juristische Personen zur Mitfinanzierung kirchlicher Institutionen gezwungen werden sollen, kann keine abschliessende Antwort gegeben werden. Da es sich dabei nicht um eine rechtliche Fragestellung, sondern um eine politische Debatte handelt, welche individuell beurteilt wird, kann dieser Sachverhalt nicht wissenschaftlich erörtert werden. Die Analyse der verschiedenen Anspruchsgruppen hat deutlich gezeigt, dass hier allein im Kanton St. Gallen kein Konsens herrscht. Im grösseren Zusammenhang gehören beide Fragen dieser Maturitätsarbeit zur Grundsatzfrage, inwieweit der Staat und die Kirchen getrennt bzw. verbunden sein sollen. Diese Thematik wurde auf Bundesebene letztmals im Jahr 1980 in der Volksinitiative „betreffend die vollständige Trennung von Staat und Kirche“ behandelt.52 Die Vorlage wurde mit einem Nein-Stimmen-Anteil von 78.9 Prozent deutlich abgelehnt. Ob die gleiche Initiative heute Erfolg hätte, ist fraglich. Grundsätzlich liegt die Zuständigkeit über das Verhältnis von Kirche und Staat bei den Kantonen.53 Nach Ansicht des Autors stellt das Kirchenwesen keine öffentliche Aufgabe dar. Damit sollte es auch die freie Entscheidung jeder einzelnen Person sein, ob sie Mitglied einer Kirche sein will, was auch das Bezahlen von Beiträgen einschliesst. Hinter den juristischen Personen stehen natürliche Personen, welche selbst über ihre Kirchenmitgliedschaft entscheiden können sollten. In Diskussionen über die Kirchenfinanzierung durch den Staat oder direkt durch Unternehmen wird oft auf den gesamtgesellschaftlichen Nutzen der Kirchen verwiesen. Aus der finanziellen Gemäss Art. 51 Abs. 2 BV: „Die Kantonsverfassungen bedürfen der Gewährleistung des Bundes. Der Bund gewährleistet sie, wenn sie dem Bundesrecht nicht widersprechen.“ So zum Beispiel in den Kantonsverfassungen der Kantone Basel-Landschaft (Art. 131 Abs. 1 lit. f KV, BL), Graubünden (Art. 99 Abs. 5 KV, GR), Luzern (Art. 80 Abs. 3 KV, LU) und Nidwalden (Art. 90 Abs. 2 KV, NW).
Schweizerische Bundeskanzlei (1980).
Art. 72 Abs. 1 BV.
Perspektive lässt sich diese Aussage einfach widerlegen: In allen Jahresberichten, die im Zusammenhang mit dieser Maturitätsarbeit begutachtet wurden, fanden sich Aufwandposten wie „Gemeinschaft“ oder „Soziales“ – im Verhältnis zu den Gesamtausgaben gesehen – in sehr kleinen Prozentbereich wieder. Doch auch die unentgeltlichen Leistungen unter dem Deckmantel der christlichen Kirche können niemals als „gesamtgesellschaftlich“ bezeichnet werden, da sich nicht die gesamte Bevölkerung mit dem christlichen Glauben identifiziert. Es gibt selbstverständlich Leistungen der Kirche, die durchaus der Gemeinschaft dienen können. Dabei kann man zum Beispiel die Gefängnis- und Spitalseelsorge als eine solche Leistung betrachten. Diese sozialen Aufgaben sollten nach meiner Meinung ein Auftrag des Staates sein und somit auch allen Menschen – völlig unabhängig von der jeweiligen Religionszugehörigkeit – zur Verfügung stehen.
Der kirchliche Finanzausgleich des Kantons St. Gallen: Glossar
Glaubens- und Gewissensfreiheit „Jeder Mensch hat das Recht, frei zu entscheiden, ob er gläubig sein und welche Religion er praktizieren will. Der in der Bundesverfassung und in den kantonalen Verfassungen verankerte Grundsatz der Glaubens- und Gewissensfreiheit bedeutet, dass jeder Mensch auch die Freiheit hat, die Religion oder den Glauben zu wechseln. Ausserdem darf er seine Überzeugung frei äussern und verbreiten - sei dies als Einzelner oder in der Gemeinschaft, privat oder öffentlich.“54
Juristische Person „Als Personen im juristischen Sinn unterscheidet man zwischen zwei Gruppen: Den natürlichen Personen (=Privatpersonen) und den juristischen Personen. Das Merkmal sowohl natürlicher als auch juristischer Personen ist ihre Rechtsfähigkeit, d.h. sie sind selbst Träger von Rechten und Pflichten und können folglich selbst vor Gericht klagen (und verklagt werden). Juristische Personen sind einfach ausgedrückt „Unternehmen“. Zu den juristischen Personen zählen: »» Kapitalgesellschaften: Aktiengesellschaften, Kommanditaktiengesellschaften, Gesellschaften mit beschränkter Haftung (GmbH) »» Genossenschaften »» Vereine »» Stiftungen Personengesellschaften (einfache Gesellschaften, Kommandit- und Kollektivgesellschaften) sind keine eigenständigen Personen. Folglich wird hier nicht das Unternehmen, sondern die einzelnen Gesellschafter besteuert.“55
Kirchensteuer „Abgabe, welche die vom Staate dazu befähigten öffentlichrechtlichen Religionsgemeinschaften auf Grund ihrer territorialen Hoheit von ihren Mitgliedern und oft auch von den juristischen Personen zur Deckung kirchlicher Ausgaben erheben können.“56
Schweizerische Bundeskanzlei (2005).
Vernunft Schweiz (2007).
Kultisch „Kult (v. lat.: cultus [deorum] = Götterverehrung, aus colere [im PPP cultum] = anbauen, pflegen), auch Kultus, umfasst die Gesamtheit aller religiöser Praxis. Das abgeleitete Adjektiv lautet kultisch.“57
Motion „Parlamentarischer Vorstoss. Mit der Motion erhält die Regierung den Auftrag, den Entwurf einer Verfassungsrevision, eines Gesetzes oder eines Kantonsratsbeschlusses vorzulegen. Die Motion muss schriftlich eingereicht werden. In der Regel nimmt die Regierung zu den eingereichten Motionen auf die nächste Session durch schriftlichen Antrag Stellung. Tritt der Kantonsrat auf die Motion ein (Eintreten), erfolgt die Spezialdiskussion. Heisst der Kantonsrat anschliessend die Motion gut, gilt der Auftrag als erteilt.“58
Postulat „Parlamentarischer Vorstoss. Das Postulat enthält den Auftrag an die Regierung, über eine Sache, die in die Zuständigkeit oder Aufsicht des Kantonsrates fällt, Bericht zu erstatten sowie allenfalls Antrag zu stellen. Es gilt das gleiche Verfahren wie bei der Motion.“59
Wikipedia (2008).
Kanton St. Gallen (2007a).
Kanton St. Gallen (2007b).
Der kirchliche Finanzausgleich des Kantons St. Gallen: Literaturverzeichnis
Administrationsrat des Katholischen Konfessionsteils des Kantons St. Gallen: Amtsbericht 2007; des Administrationsrates an das Katholische Kollegium, Katholischer Konfessionsteil des Kantons St. Gallen, 2007. Bundesamt für Landestopografie: Kantonskarte (Stand: 13.11.2007), in Übersichtskarten: Free Download, abrufbar unter <http://www.swisstopo.admin.ch/internet/swisstopo/de/home/products/downloads/maps/overview/generalmap_free.html>, besucht am 27.02.2008. Bundesamt für Statistik: Wohnbevölkerung nach Religion, nach Kantonen und Städten (Stand: 2000), in 01 Bevölkerung: Sprachen, Religionen, abrufbar unter <http://www.bfs.admin.ch/bfs/ portal/de/index/themen/01/05/blank/key/religionen.html>, besucht am 27.09.2008, zit.: Bundesamt für Statistik (2000).
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Der kirchliche Finanzausgleich des Kantons St. Gallen: Anhang
Verweise zu den Gesetzesartikeln in den einzelnen Kantonen
(keine Kirchenfinanzierung durch juristische Personen)
Appenzell-Ausserhoden:
Appenzell-Innerrhoden:
Art. 2 Abs. 1 StG (640.000)
Art. 8 Kirchengesetz (191)
Art. 1 Abs. 1 BSG (415.0)
Art. 13 Abs. 1 Gesetz über die Beziehung zwischen den Kirchen und dem Staat (190.1)
Art. 207 StG
Art. 99 Abs. 5 Verfassung des Kantons Graubünden (100.100)
Art. 14 Loi concernant les rapports entre les Eglises et I’Etat (471.1)
Art. 240 Abs. 1 SRL (620)
Art. 98 Abs. 2 Constitution de la République et Canton de Neuchâtel (101)
Art. 1 Ziff. 6 StG (521.1)
Art. 204 Abs. 1 StG (641.4)
Art. 2 (mit Art. 1 Abs. 1. lit. b) StG (172.200)
Art. 109 StG (614.11) (Finanzausgleichssteuer)
Art. 9 StG (811.1)
Art. 9 StG (10.2.4.1.1) (freiwillig)
Art. 224 Abs. 1 StG (640.1)
Art. 104 Abs. 3 StG (3.2211)
Art. 13 LOI sur les relations entre l‘Etat et les Eglises reconnues de droit public (LREEDP) (180.05)60
Art. 14 Abs. 2 Gesetz über das Verhältnis zwischen Kirchen und Staat im Kanton Wallis
Art. 201 Abs. 1 StG (631.1)
Art. 169 Abs. 3 StG (632.1)
„L‘Etat assure aux Eglises les moyens nécessaires à l‘accomplissement de leur mission au service de tous dans le canton.“ Die Kirchen erhalten Geld aus dem Haushalt des Kantons, woran auch die juristischen Personen beteiligt sind.
Motion der SVP-Fraktion zur Abschaffung der Kirchensteuerpflicht
Im Folgenden ist der Motionstext, welcher durch die SVP-Fraktion im St. Galler Kantonsrat während der Frühlingssession eingereicht wurde, abgedruckt. Kurz vor der geplanten Abstimmung in der Junisession zog jedoch die Motionärin den Vorstoss zurück. «Abschaffung der obligatorischen Kirchensteuer für juristische Personen Die Kirchensteuerpflicht für juristische Personen (AG, GmbH, Genossenschaften etc.) ist seit langem verfassungsrechtlich umstritten. Es ist unbefriedigend und ungerecht, dass juristische Personen Kirchensteuern zahlen müssen, obwohl sie gar nicht Mitglied einer Kirche oder Religionsgemeinschaft sein können und sich ebenso wenig auf das Grundrecht der Religionsfreiheit berufen können. Jeder Einwohner des Kantons St.Gallen kann wählen, ob er einer Konfession angehören will oder nicht. Juristische Personen geniessen diese Freiheit bis jetzt nicht. Sie sind deshalb verpflichtet Kirchensteuern zu bezahlen, ungeachtet dessen, ob ihre Besitzer oder ihre Belegschaft einer Landeskirche angehören oder nicht. Es geht dabei nicht um Bagatellbeträge. Von dieser Kirchensteuer sind bekanntlich auch viele KMU‘s betroffen. Störend ist dabei nicht nur die Tatsache, dass dies zu Wettbewerbsverzerrungen zwischen den Kantonen und dem Ausland führt, sondern vor allem auch die fehlende Mitsprache und die Verwendung dieser Gelder, welche gegen eine solche Steuerpflicht spricht. Die Transparenz ist schlecht und für den Steuerzahler ist nicht nachvollziehbar, was letztendlich mit seinen Steuerfranken passiert. Überdies mischen sich die Landeskirchen immer öfters in politische Angelegenheiten ein und ihre politischen Aktivitäten richten sich nicht selten gegen unsere Wirtschaft, gegen jene Unternehmen und Unternehmern, von denen sie Jahr für Jahr einen wesentlichen finanziellen Beitrag einfordern. Einzelne Befürworter der Kirchensteuerpflicht für juristische Personen machen geltend, dass nicht wenige Unternehmen den Sinn dieser Steuerpflicht einsähen und gerne bereit seien, ihren Obolus zu leisten. Die Regierung wird eingeladen, die gesetzlichen Grundlagen zu schaffen, dass sich künftig juristische Personen freiwillig der Kirchensteuerpflicht unterstellen können.»61
SVP-Fraktion (2008).
www.ďŹ nanzausgleich-sg.ch
Maturitätsarbeit Jvan Louis
Maturitätsarbeit: Der kirchliche Finanzausgleich des Kantons St. Gallen