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Timestamp: 2017-07-21 16:50:52
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Matched Legal Cases: ['BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH']

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Ausgabe 03/2013 Juni/Juli Vertriebskennzeichen Preis: 15,-- Euro
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1 Ausgabe 03/2013 Juni/Juli Vertriebskennzeichen Preis: 15,-- Euro unternehmensjurist Magazin für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Rechtsabteilungen ZUNEHMENDE HARMONIE Die Rechtssicherheit in China nimmt zwar zu. Doch wer dort erfolgreich sein will, muss nicht nur die Gesetze kennen und sich auf Rechtsstreitigkeiten akribisch vorbereiten, sondern auch die politische Großwetterlage und die kulturellen Eigenheiten in seine Überlegungen einbeziehen.2 INHALT unternehmensjurist KURZ & KNAPP 08 AD-HOC-MITTEILUNGEN In den USA erlaubt, in Deutschland via Social Media. 10 HANDELSKLAUSELN nationale Lieferklausel DDP den Gerichtsstand und Erfüllungsort. 12 WETTBEWERBSRECHT 14 ARBEITSRECHT Urteil des Bundesarbeitsgerichts schreibung PERSONENREGISTER, IMPRESSUM TITELTHEMA 16 CHINA Die Rechtssicherheit in China chinesische Gerichte und Be hörden die Paragrafen oft noch Land. Kenntnisse der kulturellen Eigenheiten und der chinesischen Rechtsordnung sind unabdingbar, Handel zu treiben. 26 STEUERRECHT Dirk Bongers, Leiter Bereich Tax & Legal der China Business STRATEGIE & MANAGEMENT 28 UMWANDLUNG Sorgfalt sind die Grundlage für die 32 FIRMENEVENT 36 BIG DATA 6 Ausgabe 3/20133 unternehmensjurist INHALT Edmund Schaich Festo AG & Co. KG Mitglieds-Nr.:01000 TRENDS & THEMEN 40 MITTELSTANDSFINANZIERUNG Neue Finanzierungsangebote 44 FACHANWALT 48 EU-PATENT In der Welt des geistigen Eigen 52 COMPLIANCE Grundvoraussetzung einer funk JOB & KARRIERE 56 SABBATICAL Von der befristeten Auszeit 60 MASTERSTUDIUM Die GGS in Heilbronn bietet das 64 FÜHRUNGSQUALITÄT 68 VERBÄNDE UND VEREINE berichten über die Gründe für ihre VERBAND 72 BUJ-PRÄSIDENTSCHAFT 72 GRUPPENMITGLIEDSCHAFT 73 TAUSENDSTES BUJ-MITGLIED der Festo AG & Co. KG 74 SYNDIKUS SUMMIT Erfolgreicher Kongress für Unter 76 ROUNDTABLE 77 VORSCHAU M&A SUMMIT 77 FACH- UND REGIONALGRUPPEN 78 FACHDIALOG COMPLIANCE Erste Veranstaltung in Frankfurt REVISION Ausgabe 3/2013 74 STRATEGIE & MANAGEMENT unternehmensjurist FIRMENEVENT DEM GROSSEN KNALL RECHTZEITIG VORBEUGEN Betriebsfeiern und Mitarbeiterincentives gehören heute zum guten Ton eines jeden Unternehmens. Doch in der Vorbereitung gilt es neben der Rechteverwertung durch die GEMA eine Fülle weiterer rechtlicher Fragestellungen zu bedenken. Klassische Weihnachtsfeiern sind Routine, Großveranstaltungen zum Firmenjubiläum nicht. Man lässt sich nicht lumpen und gibt eine künstlerische Aufführung in Auftrag. Diese wird dokumentiert, ein kleines Video auf die Firmen-Website gestellt, vielleicht noch eine Presse-Kit zusammengestellt, das der lokale Fernsehsender gerne nutzt. Und plötzlich sieht man sich einer Fülle an zu klärenden urheberechtlichen und damit einhergehenden nutzungsrechtlichen Fragen gegenüber. Zur Veranstaltung wird politische Prominenz eingeladen, schon kommt Compliance-Management ins Spiel. Weitere Risiken ergeben sich in sicherheitsrechtlichen Belangen. Langsam ahnen die mit der Organisation betrauten Kräfte, dass es viele Fallstricke gibt. Frank Oliver Banasch, Syndikusanwalt und Leiter der Rechtsabteilung bei der Stage Entertainment GmbH, verfügt über langjährige Erfahrungen und empfiehlt Unternehmen, rechtzeitig vor einer Veranstaltung ein Gesamtkonzept zu erstellen, das sämtliche Aspekte des durchzuführenden Events enthält und damit auch die entscheidenden rechtlichen Fragestellungen aufwirft und deren Grundlagen schafft. 32 Ausgabe 3/20135 unternehmensjurist STRATEGIE & MANAGEMENT Welche konkreten Rechtsfragen hierbei zu erörtern sind, sei kaum verallgemeinerungsfähig. Im Vordergrund stehen jedoch regelmäßig Fragen der Veranstaltungssicherheit, die Abgabepflicht an die Künstlersozialkasse und GEMA, steuerrechtliche Aspekte im Rahmen von Einkommens- und Lohnsteuer, weiterhin gibt es Berührungspunkte mit Persönlichkeitsrechten der Mitarbeiter und Teilnehmer bei medialer Begleitung sowie allgemeine vertragliche Beziehungen mit etwaigen externen Gewerken, Künstlern oder Veranstaltungsorten. Neben den konkreten rechtlichen Fragestellungen ist vor allem das Bewusstsein des Unternehmens wichtig, dass es sich auch bei einer Betriebsfeier um ein gesondertes Projekt handelt, das zum Teil detaillierte und fachlich qualifizierte Vorbereitung und Planung benötigt, so Banasch. GEMA-Abgaben fallen bei jeder Art der Musikwiedergabe an. Dabei spielt es keine Rolle, ob die Einspielung per Tonträger erfolgt oder ein Live-Auftritt geplant ist. Dr. Johannes Ulbricht, Fachanwalt für Urheber- und Medienrecht und Justiziar des Bundesverbands der Veranstaltungswirtschaft e.v. (bdv), unterstreicht, dass der Veranstalter den Nachweis erbringen müsse, wenn keine Abgaben zu zahlen seien: Die GEMA hat eine Vermutung für sich, dass im Zweifel alle eingespielten, gecoverten oder live vorgeführten Künstlerbeiträge GEMApflichtig sind, das heißt, der Veranstalter muss regelmäßig beweisen und belegen, dass der Komponist nicht Mitglied der GEMA, einer ausländischen Verwertungsgesellschaft oder eines Musikverlages ist. Folgerichtig sei die Abgabepflicht ein großer, intensiv zu bearbeitender Bereich. Ob GEMA-Gebühren entrichtet werden müssen, hängt davon ab, ob die geplante Betriebsfeier privater oder öffentlicher Natur ist. Zur Klärung dieser Frage hilft 15 Abs. 3 des Urheberrechtsgesetzes. Hiernach ist die Wiedergabe eines Werkes öffentlich, wenn sie für eine Mehrzahl von Mitgliedern der Öffentlichkeit bestimmt ist, die nicht durch persönliche Be- ziehungen verbunden sind. In der Konsequenz heißt das, dass praktisch jede Situation als öffentlich zu qualifizieren ist, in der mehrere Personen gemeinsam Musik hören, es sei denn, sie sind persönlich miteinander befreundet oder verwandt. Eine Betriebsfeier ist damit regelmäßig als öffentlich zu qualifizieren, sodass für die Aufführung von urheberrechtlich geschützten musikalischen Werken aus dem sogenannten Weltrepertoire der GEMA Lizenzvergütungen abzuführen sind. Rechtliche Nachlässigkeiten können Geschäftsbeziehungen belasten Erfolgt eine unbefugte Nutzung urheberrechtlich geschützter Werke, ist mit rechtlichen Konsequenzen zu rechnen: bei Nichtanmeldung kann ein Schadensersatzanspruch in Höhe des doppelten Tarifbetrages zuzüglich etwaig entstehender Rechtsanwaltskosten geltend gemacht werden. Verbandsjurist Ulbricht gesteht ein, dass im Falle der Nichtanmeldung kein hoher finanzieller Schaden drohe, da es in diesem Bereich an gravierenden Sanktionen fehle, gibt aber zu bedenken, dass hierbei Vertrags- oder Geschäftspartner in Anspruch genommen werden könnten. Dies könne zu massiven Beeinträchtigungen führen, da im Grunde jeder Beteiligte haftbar gemacht werden kann, der deliktisch involviert ist. Folgerichtig können sich derartige Vorfälle negativ auf Kundenbeziehungen auswirken und daher umfangreichere Folgen als den rein finanziellen Schaden nach sich ziehen. Aufgrund der Individualität von Firmenevents sei es daher durchaus von Vorteil, sich in einem persönlichen Gespräch mit der zuständigen Bezirksdirektion über anfallende Gebühren zu informieren, um konkret kalkulieren zu können. Kommen im Rahmen der Betriebsfeier zudem in- oder ausländische selbstständige Künstler, beispielsweise ein DJ, zum GEMA-GEBÜHRENPFLICHT FÜR ÖFFENTLICHE VERANSTALTUNGEN Wann ist die geplante Betriebsfeier als öffentliche Veranstaltung zu qualifizieren? Zu beachten ist, dass die Betriebsveranstaltung nicht schon deshalb privat ist, weil die Teilnehmer alle aus einem Unternehmen stammen. Allein die Betriebszugehörigkeit sagt nichts über die enge persönliche Verbundenheit der einzelnen Betriebsangehörigen untereinander und damit die Privatheit der Feier aus. Hinweisschilder wie Geschlossene Gesellschaft oder die Unentgeltlichkeit der Veranstaltung sind kein Indiz für eine interne Feier. Je größer die Veranstaltung und der Teilnehmerkreis von Betriebsangehörigen, desto unwahrscheinlicher wird die persönliche und vertraute Verbundenheit. Entscheidend ist hier jedoch das Merkmal eines abgrenzbaren Personenkreises. Ausgabe 3/6 STRATEGIE & MANAGEMENT unternehmensjurist Frank Oliver Banasch, Leiter der Rechtsabteilung, Stage Entertainment GmbH Dr. Johannes Ulbricht, Justiziar, Bundesverband der Veranstaltungswirtschaft e.v. (bdv) Einsatz, dann müssen die hier gezahlten Honorare an die Künstlersozialkasse gemeldet werden. Handelt es sich bei dem veranstaltenden Unternehmen nicht um einen klassischen Verwerter (wie Verlage und Presseagenturen), so kommt es darauf an, wie häufig Firmenevents veranstaltet werden. Denn zur Künstlersozialabgabe sind nur diejenigen Unternehmen verpflichtet, die nicht nur gelegentlich Aufträge an selbstständige Künstler oder Publizisten erteilen. Werden innerhalb eines Jahres nicht mehr als drei Veranstaltungen durchgeführt, in denen künstlerische oder publizistische Werke oder Leistungen aufgeführt oder dargeboten werden, liegt eine nur gelegentliche Erteilung von Aufträgen vor, die gerade nicht zur Abgabepflicht führt. Im Großen und Ganzen geht es um die Außenwirkung, die das Unternehmen mit der jeweiligen Veranstaltung erzielt, so dass bei der Bejahung von wiederkehrender Eigenwerbung, Sponsoring und regelmäßiger Öffentlichkeitsarbeit grundsätzlich eine Abgabepflicht entsteht. Aus diesem Grund bezieht sich die Künstlersozialabgabe, ähnlich wie die GEMA- Gebühren, im Regelfall nur auf nicht ausschließlich interne betriebliche Veranstaltungen. Die Bemessungsgrundlage der Abgabepflicht umfasst alle Entgelte wie zum Beispiel das Honorar inklusive Nebenkosten. Der einheitliche Abgabesatz wird dabei jährlich nach dem aufzubringenden Beitragsvolumen ermittelt und liegt in diesem Jahr bei 4,1 Prozent. Unerheblich ist hierbei, ob sich der Künstler selbst in der Künstlersozialversicherung versichert hat. Zudem gibt es diverse Ausnahmen: So sind Zahlungen an juristische Personen oder Kommanditgesellschaften nicht abgabepflichtig. Die Abzugs- oder Ausländersteuer nach 50a Einkommensteuergesetz (EStG) ist nicht, wie vielleicht im ersten Moment zu erwarten wäre, eine Steuer für ausländische Künstler. Diese Steuerabgabe ist vielmehr einschlägig, wenn Künstler weder einen inländischen Wohnsitz noch einen inländischen gewöhnlichen Aufenthalt haben und in Deutschland Einnahmen erzielen. Im Steuerjargon spricht man richtigerweise von der beschränkten Steuerpflicht im Rahmen des 49 EStG. Grundsätzlich hat der Künstler die Steuer von seinem Honorar abzuführen. Er ist damit Steuerschuldner. Allerdings haftet Steuer- und Sicherheitsfragen werden häufig unterschätzt aus rein pragmatischen Gründen der inländische Veranstalter, sodass dieser die Steuer einbehält und direkt an das Finanzamt abführt. Dabei ist es entscheidend, die Steuer im Voraus richtig zu berechnen. Hierfür benötigt das Unternehmen folgende Informationen: Einkunftsart nach 49 EStG, Verfahren für den Steuerabzug, Brutto- oder Nettobesteuerung und den einschlägigen Steuersatz des Künstlers. Pauschal beträgt die Abzugssteuer im Regelfall 15 Prozent, die ab einer Gage von 250 Euro fällig wird. Der Steuersatz gilt zudem unabhängig davon, ob es sich bei dem Künstler um eine natürliche oder juristische Person handelt. Die Sicherheit ist ein überaus wichtiger Aspekt für die Planung und Durchführung von Veranstaltungen. Spätestens seit den Sicherheitsmängeln, die zur Katastrophe der Loveparade in Duisburg führten, besteht ein allgemeines Bewusstsein für die Wichtigkeit von sicherheitsrechtlichen Richtlinien und Auflagen. Auch Stage-Entertainment-Syndikus Banasch bestätigt, dass die Loveparade hier negative Benchmarks gesetzt hat, die zeigen, wie notwendig und angemessen Vorsichtsmaßnahmen im sicherheitsrechtlichen Bereich sind. Der Aspekt der Veranstaltungssicherheit ist umso wichtiger, als es hier regelmäßig einzelfallspezifische Besonderheiten zu beachten gilt, die kaum verallgemeinerungsfähige Maßstäbe für ein generelles Sicherheitskonzept zulassen. Folgerichtig kann der einzelne Firmenevent nur als Sonderfall angesehen 34 Ausgabe 3/20137 unternehmensjurist STRATEGIE & MANAGEMENT ORGANISATION EINER BETRIEBSFEIER Gesamtkonzept für die Veranstaltung erstellen, das sämtliche Aspekte des durchzuführenden Events beinhaltet: Ablaufplan Teilnehmerzahl geplante Künstlerbuchungen Budget Zeitmanagement Sicherheitsdienst Zugänglichkeit des Veranstaltungsortes auch für körperlich beeinträchtigte Personen etc. In Bezug auf rechtliche Fragestellungen sollten dabei regelmäßig folgende Aspekte berücksichtigt werden: urheberrechtliche Rechtebeschaffung und -verwertung veranstaltungsrechtliche Fragen wie die Veranstaltungssicherheit, insbesondere länderspezifische Genehmigungen und Vorgaben aus dem Baurecht/-verordnung oder der Versammlungsstättenverordnung, aber auch Lärmschutz, Jugendschutz oder eine Schankerlaubnis sowie Verkehrssicherungspflichten Abgabepflicht an die Künstlersozialkasse GEMA-Gebührenpflicht steuerrechtliche Aspekte im Rahmen von Einkommens- oder Lohnsteuer wie die Abzugs- oder Ausländersteuer zu beachten ist, dass es sich nicht nur um steuerliche Interessen des veranstaltenden Unternehmens handeln kann, sondern auch um solche der Teilnehmer und Gäste Persönlichkeitsrechte und etwaige datenschutzrechtliche Belange der Mitarbeiter und Teilnehmer bei medialer Begleitung der Veranstaltung allgemeine vertragliche Beziehungen mit externen Gewerken, Künstlern oder Veranstaltungsorten, zum Beispiel Mietverträge für eine gebuchte Location Vorsicht ist vor allem in sicherheitsrechtlichen Fragen geboten. Bei Beauftragung einer Full-Service- Agentur kann unter Umständen das gesamte Haftungsrisiko abgewälzt werden. Die aufgeführten Punkte bieten lediglich einen Problemaufriss, decken aber keinesfalls das gesamte Spektrum möglicher rechtlicher Belange ab. werden, der individuell betrachtet werden muss, um Maßnahmen individuell abzustimmen. Die große Verantwortung, die in diesem Bereich durch die Firmen übernommen werden muss, zeigt sich auch durch die im Ernstfall einschlägigen Extrem viele Gesetze, Regelungen und Verordnungen sind zu beachten Gesetze: so sind je nach Fallkonstellation das Grundgesetz, das Zivilrecht sowie Ansprüche im Sozialgesetzbuch und des Strafgesetzes betroffen. Je nach Landesregelungen kommen dann zusätzlich die Versammlungs- und Bauordnung sowie die Versammlungsstättenverordnungen hinzu. Hiermit zeigt sich bereits auf den ersten Blick, dass sich eine ganze Bandbreite von potenziell praxisrelevanten rechtlichen Verpflichtungen eröffnet. Professionell ausgestaltete Sicherheitskonzepte werden daher bei einer Großveranstaltung ab Besuchern vorgeschrieben ( 43 Musterversammlungsstättenverordnung). Grundsätzlich gibt es jedoch keine festen Größen, die den Begriff der Großveranstaltung definieren. Insofern kann auch eine Betriebsfeier mit nur wenigen hundert Teilnehmern als Großveranstaltung qualifiziert werden. Aus diesem Grund empfiehlt es sich bei Events mit großem planerischem, logistischem und baulichem Aufwand, fachlich spezialisierte Agenturen oder externe Rechtsberater zur Absicherung zu Rate zu ziehen. Juliane Pichler Ausgabe 3/8 TRENDS & THEMEN unternehmensjurist FACHANWALT EINE VERLOGENE DEBATTE In Sachen Fachanwaltszulassung werden Unternehmensjuristen gegenüber freien Anwälten benachteiligt: Sie können zwar die geforderten Fallzahlen durch ihre Inhouse-Fälle erreichen, nur werden diese in der Regel nicht anerkannt. Ein Ende dieser Ungleichbehandlung scheint in greifbarer Nähe. Vor arbeitsgerichtlichen Verhandlungen überreicht Martina Sauer dem Richter und der Gegenseite ihre Visitenkarte, auf der auch ihr Fachanwaltstitel Arbeitsrecht vermerkt ist. Auch vor Expertengesprächen mit externen Anwälten kommt das Kärtchen zum Einsatz. Ich habe den Eindruck, durch diesen zusätzlichen Nachweis meiner Kompetenz als Unternehmensjuristin ernster genommen zu werden, berichtet die Syndikusanwältin der Gothaer Finanzholding AG in Köln. Zusätzlich konnte Sauer ihre Fachanwaltszulassung erfolgreich in ihre Gehaltsverhandlungen einfließen lassen. Kurzum: Ich bin sehr froh, einen Fachanwaltstitel zu führen. Sauer, die fast alle eingereichten Fälle in ihrer vormaligen Tätigkeit für einen Verband bearbeitet hatte, verdankt den Fachanwaltstitel letztlich nur einer Sonderrechtsprechung des Bundesgerichtshofs (BGH) zu Verbandsjuristen. Ohne diese Rechtsprechung wäre es ihr ergangen wie den meisten Syndici, deutet Sauer an: Viele meiner Bekannten, ebenfalls 44 Ausgabe 3/20139 unternehmensjurist TRENDS & THEMEN Lehrgang absolvieren, Klausuren bestehen und 50 Fälle aus dem IT-Recht nachweisen. Eigentlich kein Problem, denn Justen betreut IT-Einkaufsverhandlungen und erstellt Software- Verträge. Tatsächlich aber hätte die Rechtsanwaltskammer die als Syndikusanwältin bearbeiteten Fälle nicht anerkannt; Justen schätzt sich daher glücklich, die geforderte Fallzahl in ihrer vormaligen Tätigkeit als freie Anwältin erreicht zu haben. Bis 1997 waren Syndikusfälle voll berücksichtigungsfähig. Sodann jedoch wurde die Fachanwaltsordnung (FAO) geschaffen; in 5 FAO war fortan das Erfordernis einer Fallbearbeitung in selbstständiger anwaltlicher Tätigkeit enthalten. Bis 1997 voll berücksichtigungsfähig, steht der Syndikus heute vor unüberwindlichen Hürden Unternehmensjuristen, haben den theoretischen Teil abgeschlossen, kriegen jedoch nicht die geforderte Fallzahl beisammen. Aus diesem Grund gelten Unternehmensjuristen mit Fachanwaltstitel bislang als Exoten. Der Fachanwaltstitel ist ein Erfolgsmodell. Lag die Fachanwaltsquote vor fünf Jahren noch bei 16 Prozent, verfügen heute bereits 23 Prozent der in Deutschland in Rechtsanwaltskammern registrierten Anwälte über einen entsprechenden Titel. Dass der Fachanwaltstitel als aussagekräftiger Qualitätsnachweis verstanden wird, belegt eine Untersuchung der Zeitschrift Finanztest : Demnach ist der Fachanwaltstitel bei der Anwaltssuche im Internet das bedeutendste Entscheidungsmerkmal; 51 Prozent der befragten Bürger wählten dieses Kriterium, das sehr viel häufiger als Empfehlungen durch eine verlässliche Person (16 Prozent) genannt wurde. Zur Erlangung des Fachanwaltstitels muss der Anwalt seiner örtlichen Rechtsanwaltskammer (RAK) nachweisen, auf dem betreffenden Rechtsgebiet über besondere theoretische Kenntnisse und praktische Erfahrungen zu verfügen. Die Anerkennung bleibt Inhouse-Juristen in der Regel versagt. Judith Justen, Syndikusanwältin der Deutschen Postbank AG in Bonn, musste für ihre Fachanwaltszulassung IT-Recht einen Diese hohe Anforderung wurde im Jahr 2002 abgemildert: Seither muss der Antragsteller gemäß 5 FAO seine Fälle als Rechtsanwalt, persönlich und weisungsfrei bearbeiten. Trotz der Abmilderung steckt hier bis heute der Teufel im Detail: Anknüpfend an das Erfordernis als Rechtsanwalt muss der Antragsteller laut BGH zusätzlich zu den Fällen aus seiner persönlichen und weisungsfreien Inhouse-Tätigkeit eine erhebliche Anzahl nicht unbedeutender Mandate als freier Anwalt bearbeitet haben. Da gemäß der Doppelberufstheorie des Bundesverfassungsgerichts (BVerfG) die Syndikustätigkeit jedoch lediglich als eine nichtanwaltliche Nebentätigkeit einstuft wird, genügen die Fälle des Inhouse-Juristen nicht den Ansprüchen eines Fachanwaltstitels. Weiterhin qualifiziert der BGH Inhouse-Fälle nur selten als weisungsfrei bearbeitet. Denn eine Weisungsgebundenheit liege bereits nahe, wenn der Syndikus im Interesse seines GROSSE AUSWAHL Von den derzeit 20 existierenden Fachanwaltszulassungen können insbesondere die folgenden von Interesse für den Syndikus sein: Fachanwalt für Arbeitsrecht Bank- und Kapitalmarktrecht Gewerblichen Rechtsschutz Handels- und Gesellschaftsrecht Informationstechnologierecht Insolvenzrecht Steuerrecht Transport- und Speditionsrecht Urheber- und Medienrecht Versicherungsrecht Ausgabe 3/10 TRENDS & THEMEN unternehmensjurist CHRONIK DER FACHANWALTSZULASSUNG Bis 1997: Syndikusfälle waren vollständig berücksichtigungsfähig. Ab 1997: Schaffung des 5 Fachanwaltsordnung (FAO). Seither erschwerendes Erfordernis einer Fallbearbeitung in selbstständiger anwaltlicher Tätigkeit. 2002: Satzungsversammlung änderte 5 FAO mit dem Ziel, Syndici wieder den Weg zum Fachanwalt zu ebnen. Seither ist eine persönliche und weisungsfreie Bearbeitung als Anwalt ausreichend. Bis heute verlangt der BGH - dennoch - zusätzlich zu den Inhouse-Fällen Fallnachweise aus freier anwaltlicher Tätigkeit. November 2012: Vergeblicher Anlauf in der Satzungsversammlung, 5 FAO so zu ändern, dass freie Anwälte und Syndici hinsichtlich des Fachanwaltstitels ausdrücklich gleichgestellt sind. Dezember 2013: In der Satzungsversammlung soll erneut versucht werden, eine Gleichstellung in der FAO zu erreichen. Arbeitgebers dessen eigene Rechtsangelegenheiten bearbeitet. Hinderlich ist auch die Norm der Bundesrechtsanwaltsordnung (BRAO), wonach es Syndici verboten ist, den eigenen Arbeitgeber gerichtlich zu vertreten und dies, obwohl die FAO auch die Einreichung forensischer Fälle verlangt. Diese drei Hürden haben zur Folge, dass letztlich nur solche Syndici den Fachanwaltstitel führen können, die alle Fälle als freier Anwalt bearbeitet haben und sodann erst ins Unternehmen wechseln. Gerade auch wegen des hohen Stellenwerts des Fachanwaltstitels werden Stimmen lauter, die eine eindeutige Klärung fordern. Eine für den Syndikus zufriedenstellende Lösung könnte in einer Änderung der BGH-Rechtsprechung, einer Modifizierung der BRAO oder in einer erneuten Änderung des 5 FAO bestehen. So geißelt etwa Rechtsanwalt Martin W. Huff, Geschäftsführer der RAK Köln, das BGH, weil es zusätzlich zu den Inhouse- Fällen Mandate aus freier anwaltlicher Tätigkeit fordere; dies sei im Hinblick auf die Berufsfreiheit verfassungsrechtlich bedenklich. Dem widerspricht Prof. Dr. Michael Quaas, ehrenamtlicher Richter im Senat für Anwaltssachen beim BGH: Es bestehen keine verfassungsrechtlichen Bedenken im Hinblick auf die BGH-Rechtsprechung, sondern die verfassungsrechtlichen Bedenken könnten allenfalls im Hinblick auf die Gesetzeslage bestehen. Um die Syndikusfälle allein berücksichtigen zu können, müsse der Bundesgesetzgeber in der BRAO festlegen, dass der Syndikus ein vollwertiger Rechtsanwalt ist. Ich persönlich hielte eine solche Klarstellung für sinnvoll, führt Quaas aus. Denn ohne eine Änderung der BRAO sind uns im BGH-Anwaltssenat die Hände gebunden. Die alleinige Anrechnung von Inhouse-Fällen ist mir ein besonderes Anliegen, denn der Syndikus leistet an sich qualitative anwaltliche Arbeit; er hat Praxiserfahrung vielleicht mehr noch als manch anderer. Dem muss man Rechnung tragen. Dass die anwaltliche Arbeit der Syndici mit einem anderen Maß beurteilt wird, ärgert Martina Sauer ebenso: Die auch in der Fachanwaltsdebatte aufgestellte Behauptung einer Weisungsgebundenheit finde ich verlogen! Niemand zwingt mich bei meiner jetzigen Inhouse-Tätigkeit, fachlichen Aufforderungen zu folgen. Im Gegenteil: Mein Arbeitgeber verlangt autonome Entscheidungen von mir. Angesichts der intensiven Debatte hält der Bundesverband der Unternehmensjuristen (BUJ) eine unmissverständliche Klarstellung für längst überfällig: Syndici müssten die gleichen Möglichkeiten zur Erlangung des Fachanwaltstitels haben wie ihre freien Anwaltskollegen. Wir fordern, dass 5 FAO angepasst wird, so Niels Hartwig, BUJ-Vizepräsident und Chief Counsel Global Functions der Siemens AG in München. Die vom BUJ angestrebte Änderung des 5 FAO sorgt bereits in der Satzungsversammlung, dem Parlament der Anwaltschaft, für hitzige Diskussionen. Im November 2012 brachte der zuständige Ausschuss bei dem unabhängigen Vorschlag: Das Wort weisungsfrei streichen; Syndici und freie Anwälte gleichstellen Beschlussorgan, das bei der Bundesrechtsanwaltskammer angesiedelt ist, den Vorschlag ein, das Wort weisungsfrei zu streichen und Syndici und freie Anwälte hinsichtlich der Fachanwaltszulassung gleichzustellen. Zu einem Ergebnis kam man nicht. Die Ausschussvorsitzende Dr. Susanne Offermann-Burckart, Rechtsanwältin und Hauptgeschäftsführerin der RAK Düsseldorf, erklärt warum: Unser auf den ersten Blick nur auf die Fachanwaltsfrage unterbreitete Vorschlag führte zu einer Grundsatzdiskussion über die Unabhängigkeit beziehungsweise Weisungsgebundenheit der Syndici. Die Atmosphäre war denkbar schlecht zur Erreichung eines abschließenden Votums. Daher wurde unser Antrag zurückverwiesen. Offermann-Burckart betont, dass dieser Rückverweis jedoch nicht als negative Bescheidung missverstanden werden dürfe. Anlässlich der Plenumssitzung im Dezember 46 Ausgabe 3/201311 unternehmensjurist TRENDS & THEMEN 2013 werde ihr Ausschuss einen modifizierten Antrag unterbreiten. Um sodann ein positives Votum zu erzielen, müssen wir bewusst zwei Themenblöcke auseinanderhalten: Einerseits das große Ganze rund um die Weisungsgebundenheit/- freiheit des Syndikusanwalts, oder Konzentration auf nur einen Komplex etwa die Frage, ob er seinen Arbeitgeber gerichtlich vertreten darf. Diese Aspekte sind in der BRAO geregelt und fallen daher ohnehin in die Gesetzgebungskompetenz des Bundes. Andererseits die punktuelle, in 5 FAO zu regelnde Frage, ob Inhouse-Fälle weniger wert sind als (beziehungsweise gleich viel wert sind wie) Fälle aus der freien Anwaltstätigkeit. Uns geht es nur um den zweitgenannten Komplex. Dr. Susanne Offermann- Burckart, Vorsitzende des Satzungsversammlung Martina Sauer, - Offermann-Burckart und ihre Ausschusskollegen hoffen, dass im kommenden Dezember der Weg geebnet wird, dass Fallnachweis ohne Differenzierung zwischen freiem Anwalt und Syndicus Fallnachweis bedeutet. Gerrit-Milena Strätling Ausgabe 3/12 JOB & KARRIERE unternehmensjurist SABBATICAL NEUE KRAFT TANKEN Egal, ob zwei Monate oder ein ganzes Jahr ein Sabbatical verändert den Blick. Mitarbeiter sind wieder besser motiviert, und auch die Arbeitgeber profitieren. Eine Win-win-Situation. Was hat eine Wohnung in Havanna auf dem Stand der 50er-Jahre des vorigen Jahrhunderts mit Bergsteigen, Zelten, Reiten, Surfen, Segelfliegen und Baden in einem Wasserfall gemeinsam? Dr. Johannes Bulling kennt die Antwort. Er lebte in diesen Welten, während seines Sabbaticals. Ende Mai 2012 war der Unternehmensjurist dafür bei seinem damaligen Arbeitgeber E.ON ausgestiegen. Er suchte eine neue Perspektive. Ich war voller Pläne, die ich parallel zum Job und berufsbegleitenden Studien nicht hätte verwirklichen können, sagt Johannes Bulling (36). Deshalb packte der Jurist seine Koffer und reiste. Unter anderem nach Spanien, Kuba, Argentinien und Chile. Ich wollte endlich Spanisch lernen. Nur eines seiner Motive. Das Institut der deutschen Wirtschaft Köln hat in den vergangenen Jahren in seinem Unternehmensmonitor Familienfreundlichkeit festgestellt, dass die Zahl der Sabbaticals von Mitarbeitern in Deutschland stetig zunimmt: von 4,1 Prozent im Jahr 2003 auf 16,1 Prozent im Jahr Ein Trend, der sich künftig fortsetzen wird. Mit Blick auf das längere Arbeitsleben wird es in Zukunft immer selbstverständlicher, dass Mitarbeiter ein Sabbatical nehmen um abzuschalten und Kraft zu tanken, sagt Karl von Rohr, Leiter Personal Deutschland der Deutsche Bank AG. Das Geldinstitut setzt auf db zeitinvest. Ihr Leistungskontensystem bietet Mitarbeitern die Möglichkeit, ihre persönliche Lebensarbeitszeit individueller zu gestalten. Jeder Beschäftigte kann Urlaubstage oder Vergütungsbestandteile in db zeitinvest einstellen und diese dann für eine befristete Freistellung von bis zu einem Jahr oder auch für eine Verkürzung der Lebensarbeitszeit verwenden. Das angesammelte Guthaben wird in Fonds angelegt, um davon individuelle Auszeiten zu finanzieren. 56 Ausgabe 3/201313 unternehmensjurist JOB & KARRIERE Bei der tatsächlichen Inanspruchnahme von db zeitinvest haben wir eine große zeitliche Bandbreite, die von der persönlichen Lebenssituation der Mitarbeiter abhängt, sagt Deutsche-Bank-Mann von Rohr. Mitarbeiter steigen aus ihren Jobs auf Zeit aus, weil sie sich endlich intensiver um ihre Familie kümmern, sich weiterbilden, erholen oder schlicht verwirklichen möchten. Nicht immer treibt es sie hinaus in die Ferne auf Weltreise. Auch soziale Projekte stemmen einige Was auch immer die Aussteiger auf Zeit antreibt: Sie sollten die Monate oder gar das Jahr gut planen. Juristen und Personaler im Haus sowie die Vorgesetzten gilt es, früh in die Pläne einzubeziehen. Außerdem sollte sich das Sabbatical logisch in den Lebenslauf einfügen, betont Johannes Bulling. Unternehmen unterstützen häufig Sabbatical-Zeiten. Gerade große Unternehmen und der öffentliche Dienst haben eigene Programme installiert, die die längere Abwesenheit ihrer Mitarbeiter regeln. Die Varianten reichen von Zeitarbeitskonten, die den langfristigen Abbau von Überstunden ermöglichen, über Bildungskarenz bis hin zu besonderen Modellen. Bei diesen Programmen erhält ein Mitarbeiter zum Beispiel über einen Zeitraum von fünf Jahren nur 80 Prozent seines Gehalts, arbeitet dafür aber das letzte Jahr nicht aktiv. Kleinere Unternehmen haben zwar meist keine eigenen Programme, sind aber bei der Gestaltung eines Sabbaticals freier. Sofern sich der Chef überhaupt darauf einlässt, sagt Dr. Conrad Pramböck, Jurist und Leiter des Geschäftsbereichs Compensation Consulting bei der internationalen Personalberatung Pedersen & Partners. Bei der Aareal Bank AG in Wiesbaden gibt es seit 2001 Langzeitarbeitskonten, die auch für Sabbaticals genutzt werden können. Rechtliche Grundlage ist eine Betriebsvereinbarung. Häufigste Nutzungsformen dort sind das Gleiten in den Ruhestand, indem die Mitarbeiter Zeitguthaben ansparen, um früher in Rente gehen zu können. Aber auch längere bezahlte Auszeiten für die persönliche Weiterbildung sind eine begehrte Variante. Sabbaticals im Sinne längerer Urlaubsreisen sind möglich, werden aber selten genutzt, sagt Dr. Kirsten Appel, Direktor Corporate Development Legal bei der Aareal Bank. Die wenigen ihr bekannten Fälle dauerten drei bis sechs Monate. Sabbaticals können nur genehmigt werden, wenn es eine gute Vertretungsregel gibt der Aussteiger auf Zeit. Die Stiftung Manager ohne Grenzen zum Beispiel hilft mit Know-how-Transfer. Das Angebot richtet sich an erfahrene Fachkräfte aus dem Management, die für eine bestimmte Zeit ihr Management- und Wirtschaftswissen ganz gezielt in einem von vielen weltweiten Nonprofit- Projekten einbringen wollen: zum Beispiel im burundischen Kajaga, wo eine Fachkraft Führungspersonal vor Ort im Krankenhausmanagement weiterbilden soll. Oder warum nicht nahe Kapstadt in Südafrika dabei helfen, dass ein effizientes Quality Management System erfolgreich funktioniert? Dies soll sicherstellen, dass der Projektträger als Training Provider akkreditiert wird. Auch bei Procter & Gamble Germany können Mitarbeiter ab einer Betriebszugehörigkeit von zwei Jahren ein Sabbatical beantragen. heißt das Work-Life-Balance- Programm des Branchenriesen. Die maximale Dauer eines Sabbaticals beträgt dort drei Monate, eine Freistellung darüber hinaus ist nicht vorgesehen. Ist einer weg, entsteht eine Lücke. Diese müssen die Unternehmen füllen. Das ist eine Herausforderung für die Organisation. Zeitlicher Vorlauf hilft schon sehr, diese zu bestehen. Trotzdem bleiben Hürden, die die Unternehmen überwinden müssen. Die Aareal Bank etwa ist eher mittelständisch geprägt; es gibt häufig nur wenige Mitarbeiter, die vergleichbare Aufgaben erfüllen. Zudem sei die Belegschaft überdurchschnittlich qualifiziert, wie Kirsten Appel erklärt, mit teilweise internationalem Hintergrund. Geeignete Vertretungen sind also nicht leicht zu organisieren. Ausgabe 3/14 JOB & KARRIERE unternehmensjurist Dr. Johannes Bulling, Legal Counsel Karl von Rohr, Leiter Personal Deutschland, Deutsche Bank AG Dr. Conrad Pramböck, Leiter Geschäftsbereich Compensation Consulting, Pedersen & Partners Dr. Kirsten Appel, Direktor Corporate Development Legal, Aareal Bank AG Bei der Aareal Bank übernehmen in der Regel Kollegen die Vertretung des abwesenden Mitarbeiters. Auch Externe, wie etwa Zeitarbeitskräfte, können in Einzelfällen fehlende Kapazitäten ersetzen; ebenfalls befristete Einstellungen sind möglich. Doppelbesetzungen nach Rückkehr aus dem Sabbatical werden so vermieden, Ergänzungsspieler, sportlich ausgedrückt, nicht zum Problem. Die Situation ist dem Grunde nach vergleichbar mit der Planung einer Elternzeit, sagt Kirsten Appel. Bei Procter & Gamble achtet man darauf, dass der Zeitpunkt des vorübergehenden Ausstiegs auch für die Firma sinnvoll gewählt ist: zum Beispiel dann, wenn jemand intern den Job wechselt. Die alte Stelle ist dann bereits neu besetzt. Die neue Stelle tritt der Mitarbeiter einfach ein wenig später an. Damit die Firma planen kann, hat der Mitarbeiter bei Procter & Gamble mindestens sechs Monate vor Beginn seiner geplanten Auszeit bestimmte Informationspflichten. Sein unmittelbarer Vorgesetzter und die Personalabteilung müssen Bescheid wissen. Und nach der Rückkehr aus der Auszeit? Manchmal übernehmen die Mitarbeiter anschließend auch neue Aufgaben, sagt Karl von Rohr von der Deutschen Bank. Schließlich kehrten sie mit frischem Schwung und Ideen zurück, betont der Personalchef. Derzeit beteiligen sich rund Beschäftigte in Deutschland an db Zeitinvest. Im vergangenen Jahr haben etwa 200 Mitarbeiter eine Freistellung in Anspruch genommen oder ihre Arbeitszeit unter Fortzahlung ihrer Bezüge aus db zeitinvest reduziert. Anders als während eines längeren, unbezahlten Urlaubs ist der Mitarbeiter während des Sabbaticals aus dem Lebensarbeitszeitmodell der Deutschen Bank weiter sozialversichert. Er behält also seinen Status zum Beispiel in der Krankenversicherung. Rechts- und Personalabteilung sowie Firmenleitung müssen beim Thema Sabbatical wichtige Fragen beantworten können. Mitarbeiter möchten zum Beispiel wissen: Kann ich einseitig die Dauer verändern? Wie hoch ist mein Gehalt während meiner Abwesenheit? Was geschieht mit meiner Sozialversicherung? Wie bin ich bei Krankheit und Unfall abgesichert? Welche Regelungen gelten, wenn ich schwanger werde? Habe ich ein Rückkehrrecht? Kann während meiner Abwesenheit mein Dienstverhältnis beendet werden? Ein Sabbatical kann nur dann gelingen, wenn Arbeitgeber und Arbeitnehmer gleiche Vorstellungen von diesen Rahmenbedingungen haben, sagt Berater Conrad Pramböck. Schließlich sollte das Hauptinteresse beider Seiten lauten: Nach dem Sabbatical arbeiten wir wieder harmonisch zusammen. Die Rahmenbedingungen müssen für Arbeitgeber und Arbeitnehmer passen Beiden Seiten sollten auch klar regeln, wie frei der Mitarbeiter bei seiner Selbstverwirklichung tatsächlich sein darf. Denn es gibt Tabus. So kann ein Aussteiger auf Zeit und Mitarbeiter bei Procter & Gamble seine freie Zeit selbstverständlich beliebig nutzen vorausgesetzt es entsteht kein Interessenkonflikt. Firmeninteressen sind gemeint. Für einen Wettbewerber zu arbeiten, ist deshalb solch ein Tabu. Bereits die Entscheidung, sich bewusst eine Auszeit zu gönnen und das Leben in die Hand zu nehmen, so wie ich es gestalten möchte, sagt Unternehmensjurist Johannes Bulling, war vielleicht die positivste Erfahrung für ihn. Denn auf den ersten Blick könnte man meinen, der ist ja nur gereist. Auf den zweiten Blick war das Sabbatical für mich jedoch eine wichtige Findungsphase und eine Selbstbelohnung. Daraus schöpft der Jurist jetzt Kraft für seinen neuen Job als Legal Counsel bei seinem neuen Arbeitgeber. Start war Anfang April. Daniel Grosse 58 Ausgabe 3/201315 REGISTER/IMPRESSUM unternehmensjurist PERSONENREGISTER Appel, Dr. Kirsten, Aareal Bank (57) Banasch, Frank Oliver, Stage Entertainment GmbH (32) Basse, Dr. Alexander, Media-Saturn GmbH (64) Behrend, Dr. Philipp, Taylor Wessing (76) Beissenhirtz, Dr. Moritz, Mologen AG (48) Beyer, Dr. Andreas, Rheinmetall AG (65) Bielefeld, Jörg, Beiten Burkhardt Rechtsanwaltsgesellschaft mbh (79) Bongers, Dirk, PricewaterhouseCoopers (PwC) (17, 26) Bulling, Dr. Johannes (56) Dong, Dr. Yiliang, Heuking Kühn Lüer Wojtek (17) Feldmann, Karl-Heinz, E.ON SE (30) Fendel, Maria-Luisa, Airbus Operations GmbH (62) Fischer, Dr. Frank, Brenntag AG (41) Gerstmann, Peter, Zeppelin GmbH (53) Grebe, Dr. Werner, Deutsche Bahn AG (54) Harrison, Dr. Robert, Kanzlei 24IP Law Group (49) Hartmann, Marcus, Taylor Wessing (75) Hartwig, Niels, Bundesverband der Unternehmensjuristen (BUJ) (46, 72) Heeb, Oliver, Praktiker AG (40, 75) Hendricks, Torsten, Integrated Fine Art Solutions (IFAS) (20) Hennke, Dr. Peter, Fresenius Medical Care (77) Höhne, Dr. Christof, Taylor Wessing (49) Hoppe, Kerstin, Verbraucherzentrale Bundesverband e.v. (VZBV) (70) Huff, Martin H., Rechtsanwaltskammer Köln (46) Jones, Markus, Universitätsklinikum Heidelberg (78) Julius, Prof. Dr. Hinrich, Universität Hamburg (17, 22) Jüngling, Dr. Alexander, Bilfinger Berger SE (78) Justen, Judith, Deutsche Postbank AG (45) Kessler, Dr. Oliver, German Graduate School (62) Kirsten, Roland, Bundesverband der Unternehmensjuristen (BUJ) (72) Kleine, Dr. Maxim, Oppenhoff & Partner (75) Kleinschmidt, Dr. Peter M., EADS-Gruppe (65) Krug, Tobias, Dürr AG (42) Leutheusser-Schnarrenberger, Sabine, Bundesministerin der Justiz (20) Lohmann, Dr. Astrid, Henkel AG & Co. KGaA (75) Maliszewski, Anna, Benteler Automobiltechnik GmbH (60) Metjes, Dr. Michaela, Webasto SE (75) Moosmayer, Dr. Klaus, Siemens AG (78) Nicklas, Dr. Cornelia, Deutsche Umwelthilfe (DUH) (69) Obermann, Frank, Beiten Burkhardt (77) Offermann-Burckart, Dr. Susanne, Rechtsanwaltskammer Düsseldorf (46) Otto, Dr. Björn, CMS Hasche Sigle (8) Over, Uwe, Henkel AG & Co. KGaA (77) Pramböck, Dr. Conrad, Pedersen & Partners (57) Protiva, Brian, ADVA Optical Networking SE (28) Quaas, Prof. Dr. Michael, ehrenamtlicher Richter im Senat für Anwaltssachen beim BGH (46) Ranft, Michael-Florian, Taylor Wessing (17) Remberg, Meinhard, SMS GmbH (53) Richter, Dr. Michael, Rechte behinderter Menschen (RbM), Deutscher Blinden- und Sehbehindertenverband (DBSV) (70) Rieder, Dr. Christian, ADVA Optical Networking SE (28) Rittweger, Dr. Christoph, Baker & McKenzie (79) Roegele, Elisabeth, Bundesverband der Unternehmensjuristen (BUJ) (72) Rohde, Matthias, Staatsanwaltschaft Bochum (74) Rottner, Peter, BUND Naturschutz in Bayern e.v. (68) Saltenbrock, Stefan, Harting Technologiegruppe (16) Sauer, Martina, Gothaer Finanzholding AG (44) Schaich, Edmund, Festo AG & Co. KG (73) Schatz, Thomas, Staedtler Mars GmbH & Co. KG (75) Spielmann, Dr. Brigitte, Weldebräu GmbH & Co. KG (61) Sundermann, Dr. Stefan, Taylor Wessing (10) Szesny, Dr. André-M., Heuking Kühn Lüer Wojtek (76) Tenbergen, Sebastian, Bundesverband für körperund mehrfachbehinderte Menschen (bvkm) (69) Treffer, Dr. Christian, Karstadt Warenhaus GmbH (81) Tsambikakis, Dr. Michael, Friedrich Graf von Westphalen & Partner (74) Ulbricht, Dr. Johannes, Bundesverband der Veranstaltungswirtschaft e.v. (bdv) (33) Volgelsang, Ute, Bundesministerium des Inneren (53) von Bismarck, Prof. Dr. Alexandra, German Graduate School (61) von Rohr, Karl, Deutsche Bank AG (56) von Ruckteschell, Nicolai, Bundesverband der Unternehmensjuristen (BUJ) (72, 73, 80) Weiss, Dr. Heinrich, SMS GmbH (54) Welker, Martin, Andreas Stihl AG & Co. KG (24) Welp, Dr. Marion, Esprit Europe GmbH (17) Wenning, Rigo, World Wide Web Consortium (W3C) (37) Widmer, Dr. Ralf, Wacker Chemie AG (18) Wieland, Prof. Dr. Josef, Zeppelin Universität Friedrichshafen (53) Wiesner, Hans Frank, Unisys Unternehmensgruppe (36) Wimmer, Renate, Staatsanwaltschaft München (76) Wolters, Philip, Zeppelin GmbH (53, 79) Zeidler, Dr. Finn O., Latham & Watkins (76) BILDNACHWEIS: Titel, 6, 16, 24 Uwe Laube 6, RF / Sandra Van Der Steen 7, RF / Ying Feng Johansson 7, RF / Roberto Caucino 8 Fotolia / Marina Zlochin 8 Eva Kröcher / Wikimedia RF / Ahmet Ihsan Ariturk (Montage) 12 DUH 14 istockphoto /viki2win 18 Fotolia / koi88; Montage: Uwe Laube RF / Laurent Davoust 29, 72, 77 Thomas Fedra RF / Andrey Pavlov RF / Dmitriy Shironosov RF / Sergey Nivens 48 Grandville; Colorierung: Thomas Hirt RF / scol RF / ostill 60 Dieter Schwarz Stiftung 68 Tiziano Vecellio / Wikimedia 70 Bild Nicklas: DUH/Robert Lehmann 70 Bild Richter: DVBS 73, 74, 75 Joerg Puchmueller 78, 79 Tim Proll-Gerwe URHEBERRECHTE: Die im Magazin enthaltenen Beiträge sind urheberrechtlich geschützt. Alle Rechte sind vorbehalten. IMPRESSUM Erscheinungsort Bundesrepublik Deutschland, ISSN Herausgeber: dfv association services gmbh Ein Beteiligungsunternehmen der Deutschen Fachverlag GmbH Mainzer Landstraße Frankfurt am Main Telefon: Telefax: Geschäftsführung: Dr. Michael Henning, Peter Schneider Redaktion: Wolfgang Borgfeld, Peter Schneider (Ltg., V.i.S.d.P.), Autoren und Mitarbeiter dieser Ausgabe: Percy Ehlert, Daniel Grosse, Franziska Jandl, Angelika Knop, Juliane Pichler, Tim Proll-Gerwe, Tobias Sommer, Anke Stachow, Gerrit-Melina Strätling, Dr. Christian Treffer, Pia Weber, Frank Wiercks, Henning Zander Art-Direktor & Bildredaktion: Uwe Laube Newsface Lektorat: Thomas Leja Anzeigen: Katrin Kortmann Telefon Bezugspreis Unternehmensjurist Inland: 6 Ausgaben 90 Euro Ausland: 6 Ausgaben 120 Euro Alle Preise verstehen sich inklusive Mehrwertsteuer und Versandkosten Abonnement: Produktion: Printmedien-Services dfv Druck: W. Kohlhammer Druckerei GmbH & Co.KG Augsburger Straße Stuttgart Internet: 82 Ausgabe 3/2013 Mehr anzeigen
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