Source: https://ruby-erbrecht.de/kann-ein-testament-widerrufen-werden/
Timestamp: 2018-02-21 05:06:01
Document Index: 185582404

Matched Legal Cases: ['§ 2253', '§ 2254', '§ 2255', '§ 2258', '§ 2256', '§ 2258', '§ 2254', '§ 2257']

Kann ein Testament widerrufen werden? | Ruby & Schindler. Die Kanzlei für Erbrecht
Kann ein Testament widerrufen werden?
[ 02.10.2014 ]
Der Erblasser kann das ganze Testament und auch einzelne Verfügungen darin jederzeit nach eigenem Belieben widerrufen (§ 2253 BGB). Widerrufen werden kann durch
Widerrufstestament, also neues Testament, in dem das alte Testament ganz oder teilweise widerrufen wird (§ 2254 BGB),
Vernichtung (z.B. Zerreißen) oder Veränderung (z.B. Durchstreichen) des Testaments in der Absicht es aufzuheben (§ 2255 BGB),
spätere Verfügungen von Todes wegen, die mit dem Inhalt des früheren Testaments unvereinbar sind (§§ 2258, 2289 Abs. 1 BGB) und durch
Rücknahme eines notariellen Testaments (nicht: privates = handschriftliches Testament) aus der amtlichen Verwahrung (§ 2256 BGB).
Wie muss ein Widerrufstestament aussehen?
Das Widerrufstestament kann in jeder Errichtungsform verfasst werden, muss also nicht in der Form des zu widerrufenden Testaments erfolgen. Ein notarielles Testament kann also durch ein privates, handschriftliches Testament widerrufen werden. Man muss nicht zum Notar um ein notarielles Testament zu widerrufen. Im Widerrufstestament muss ausdrücklich oder konkludent (durch schlüssiges Handeln) zum Ausdruck gebracht werden, dass die frühere letztwillige Verfügung außer Kraft gesetzt werden soll.
Davon zu unterscheiden ist der Fall des späteren Testaments, dessen Inhalt mit den früheren Testamenten in Widerspruch steht (§ 2258 BGB). Wenn eine Verfügung im späteren Testament mit einer des früheren nicht vereinbar ist, setzt die spätere die frühere außer Kraft, ohne dass der Erblasser einen speziellen Willen zum Widerruf der alten Verfügung äußern muss. Der Widerruf gilt sogar dann, wenn der Erblasser an das frühere Testament überhaupt nicht mehr gedacht hat.
Widerruf durch Vernichtung oder Veränderung des Testaments ist ebenfalls möglich. Dabei ist Voraussetzung, dass der Erblasser die körperliche Veränderung der Testamentsurkunde tatsächlich möchte. Möglich ist dabei z.B. Zerreißen (sogar schon ein Einreißen von zwei Seiten) oder Durchstreichen. Schon ein später angebrachter Vermerk wie „annulliert“ oder „ungültig“ ohne Unterschrift kann ausreichen.
Notarielle Testamente müssen in amtliche Verwahrung gebracht werden. Einmal aus der amtlichen Verwahrung genommen, gelten sie als widerrufen. Dann tritt die gesetzliche Erbfolge ein.
Kann ein Widerruf widerrufen werden?
Eine Beseitigung des Widerrufs ist wie der Widerruf selbst jederzeit und in jeder der in §§ 2254 bis 3356 BGB zugelassenen Form möglich. Beim Widerruf des Widerrufstestamentes kommt es darauf an, ob das ursprüngliche Testament nach dem Willen des Erblassers wieder wirksam werden soll. Lässt sich ein solcher Wille nicht feststellen, kann davon ausgegangen werden, dass es dem Willen des Erblassers entspricht, das ursprüngliche Testament so zu behandeln, als sein es nie widerrufen worden (§ 2257 BGB). Das alte, ursprünglich widerrufene Testament lebt also wieder auf.
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