Source: http://www.datenreport-monitoring.de/vorgehen-zum-datenreport-zu-den-handlungsfelder-kindertageseinrichtungen-heime-kliniken-und-einrichtungen-des-ambulanten-gesundheitsbereichs/
Timestamp: 2018-10-22 01:05:05
Document Index: 389222265

Matched Legal Cases: ['§ 34', '§ 42', '§ 13', '§ 19', '§ 35', '§ 53', '§ 35', '§ 35']

Datenreport | Vorgehen
zum Datenreport zu den Handlungsfeldern Kindertageseinrichtungen, Heime, Kliniken und Einrichtungen des ambulanten Gesundheitsbereichs
1 Zentrale Fragestellung des Projekts
Das Projekt „Monitoring zum Stand der Prävention sexualisierter Gewalt an Kindern und Jugendlichen in Deutschland“, das im Auftrag des Unabhängigen Beauftragten für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs (UBSKM) durchgeführt wird, zielt darauf ab, die Einführung und Umsetzung von Schutzkonzepten in Einrichtungen zu dokumentieren und damit die Implementierung und Umsetzung der Leitlinien des Runden Tisches zur Prävention sexualisierter Gewalt systematisch zu erfassen und zu beobachten. Dabei sind folgende Fragestellungen zentral:
Welche Präventionsmaßnahmen vor sexualisierter Gewalt wurden bereits in den jeweiligen Handlungsfeldern entwickelt?
Welche Bestandteile von institutionellen bzw. organisationalen Schutzkonzepten werden im Praxisalltag umgesetzt?
Welche Umgangsweisen gibt es bei der Vermutung bzw. beim Erkennen von sexualisierter Gewalt an Kindern und Jugendlichen in den Einrichtungen/Organisationen?
Welche (Unterstützungs-)Bedarfe haben Einrichtungen/Organisationen beim Schutz – sowohl präventiv wie auch interventiv – vor sexualisierter Gewalt?
Die zentralen Fragestellungen wurden um neue Aspekte ergänzt, die sich aus den Erkenntnissen der vorgelagerten qualitativen Erhebungen (Fallstudien und Fokusgruppen) ergaben (vgl. Pooch/Tremel 2016). So wurden beispielsweise in die Erhebungsinstrumente Fragen zum Klima in den Einrichtungen und Organisationen aufgenommen. Um Fortschritte im Ausbau und der Implementierung von Präventions- und Interventionsmaßnahmen im Zeitverlauf abbilden zu können, werden an einigen Stellen Zusammenhänge zu Ergebnissen aus den ersten beiden Erhebungswellen in den Jahren 2012 und 2013 hergestellt, die von der Rambøll Management Consulting GmbH durchgeführt wurden.
Gegenüber den letzten beiden vorangegangenen Monitoring-Wellen in den Jahren 2012 und 2013 wurde beim aktuellen Monitoring ein Feldzugang gewählt, der sowohl quantitative (in Form einer flächendeckenden, standardisierten Befragung der Vertretungen von Einrichtungen bzw. Organisationen) als auch qualitative Erhebungen vorsah (vgl. Abbildung 1). Zur Erweiterung der Perspektive der Befragten wurden in der aktuellen Untersuchung die Wahrnehmungen von Jugendlichen auf die Umsetzung von Schutzkonzepten im gelebten Alltag mittels eines onlinegestützten Selbstevaluationstools einbezogen, das interessierten Einrichtungen und Organisationen zur Verfügung gestellt wurde.
Bei den qualitativen Erhebungen wurden Interviews und Gruppendiskussionen mit verschiedenen Akteurinnen und Akteuren des jeweiligen Felds in den Bereichen Bildung/Erziehung, Gesundheit, Religiöses Leben und Kinder- und Jugendarbeit durchgeführt. In den Bereichen Kinder- und Jugendarbeit sowie Religiöses Leben kamen im Rahmen der Studie ausschließlich qualitative Forschungszugänge zum Einsatz, während in den Bereichen Gesundheit, Bildung und Erziehung jeweils mit einer Kombination aus qualitativen und quantitativen Methoden (methodenintegriert) gearbeitet wurde. Die verschiedenen Forschungszugänge sind vor allem mit der inneren Strukturiertheit der unterschiedlichen Handlungsfelder zu begründen, sodass in allen 15 festgelegten Handlungsfeldern qualitative Daten erhoben wurden und in den als geeignet eingeschätzten Handlungsfeldern (Schulen, Kitas, Heime, Internate, Kliniken und ambulanter Gesundheitsbereich) eine flächendeckende quantitative Erhebung durchgeführt wurden (vgl. Abbildung 1). Zur Erhöhung der Rücklaufquote wurden verschiedene Modalitäten der Teilnahme angewandt: Standardisierte Telefoninterviews, eine Onlinebefragung, eine schriftliche Befragung sowie in Einzelfällen bei anderweitig nicht möglicher Teilnahme auch Face-to-Face-Interviews.
Die Erkenntnisse der qualitativen Untersuchungen liegen für den Bereich Erziehung und Bildung bereits vor (Online verfügbar unter: www.dji.de/monitoring). Weitere Teilberichte zu den qualitativen Erkenntnissen zum Gesundheitsbereich (erscheint im Herbst 2017) und zur religiösen, sportlichen, verbandlichen und kulturellen Kinder- und Jugendarbeit sowie den Kinder- und Jugendreisen sind in Vorbereitung (wird Anfang des Jahres 2018 veröffentlicht). Die quantitativen Ergebnisse der Handlungsfelder Schulen und Internate finden in einem gesonderten Bericht Beachtung.
Die quantitativen Befragungen in den Handlungsfeldern Kindertageseinrichtungen, Heime und sonstige betreute Wohnformen und Kliniken wurde vom SOKO Institut für Sozialforschung und Kommunikation GmbH im Auftrag des DJI von Mitte November 2016 (bzw. bei den Heimen ab Anfang Dezember 2016 ) bis März/April 2017 durchgeführt. Die Erhebungen im Feld des ambulanten Gesundheitswesens startete im Hinblick auf die angestrebte Stichprobengröße und im Wissen um die Feldspezifik (beispielsweise eingeschränkte Erreichbarkeit von Ärztinnen/Ärzten und Therapeutinnen/Therapeuten) bereits Ende September 2016 und endete Mitte April 2017. Dieses Handlungsfeld wies damit den längsten Erhebungszeitraum auf. Befragt wurden vorwiegend Leitungspersonen bzw. mit der Prävention von sexualisierter Gewalt beauftragte Personen in Einrichtungen bzw. Organisationen. Im Bereich Bildung/Erziehung wurde eine Anzahl von insgesamt 1.400 teilnehmenden Einrichtungen/Organisationen aus den Handlungsfeldern Kindertageseinrichtungen und Heime/sonstige betreute Wohnformen angestrebt, im Gesundheitsbereich sollten insgesamt 1.000 Einrichtungen – ärztliche und therapeutische Praxen sowie Kliniken – in die Befragung aufgenommen werden. Der Zugang zu den Befragten aus den vier genannten Handlungsfeldern wurde durch ein Empfehlungsschreiben von Seiten des Unabhängigen Beauftragten sowie den Vertretungen der übergeordneten Strukturen unterstützt. In allen vier Handlungsfeldern konnte eine bundesweite Erhebung auf Basis von (repräsentativen) Stichproben5 bzw. Vollerhebungen realisiert werden.
Bereich Erziehung und Bildung
Im Handlungsfeld Kindertageseinrichtungen wurde vor dem Hintergrund, dass bundes- oder landesweite Verzeichnisse aller Kitas fehlen, während kommunale Verzeichnisse vorhanden sind, die Ziehung einer Stichprobe nach dem Sample point-Prinzip beschlossen: Aus allen Landkreisen und kreisfreien Städten (Kreisen) in Deutschland wurden stellvertretend 50 Gebietskörperschaften (Kreise) nach dem Zufallsprinzip ausgewählt. Die Zufalls-Auswahl der 50 Kreise erfolgte nach dem Schrittziffernverfahren.6 Auf diese Weise erhalten größere Landkreise und kreisfreie Städte eine größere Chance, in die Stichprobe zu gelangen als kleinere, doch dank der Zufallsauswahl repräsentieren die gezogenen 50 Kreise alle deutschen Kreise. In jedem ausgewählten Landkreis wurden die Adressen aller Kindertageseinrichtungen recherchiert und aufgelistet. Horte, die lediglich von Schülerinnen und Schülern besucht werden, wurden aus der Stichprobe ausgeschlossen. Um jeder Kindertageseinrichtung in den zufällig gezogenen Kreisen die gleiche Wahrscheinlichkeit bzw. Möglichkeit zu geben, in die Stichprobe zu gelangen, müssten in den größeren der ausgewählten Kreise mehr und in den kleineren Kreisen weniger Einrichtungen einbezogen werden. Das Forschungsteam hat sich jedoch für einen disproportionalen Forschungsansatz entschieden, sodass in jedem Landkreis zufällig jeweils 100 Einrichtungen7 gezogen und angeschrieben wurden, aus denen eine Netto-Fallzahl von 20 realisiert werden sollte. Damit steht auch für die kleineren Landkreise eine angemessen große Anzahl von Kindertageseinrichtungen zur Verfügung und auch der ländliche Raum findet entsprechende Berücksichtigung. In ausgewählten Kreisen, in denen nicht genügend Einrichtungen ansässig waren, wurde nach dem Zufallsprinzip ein weiterer angrenzender Kreis hinzugefügt.
Für die Stichprobe der Heime/sonstigen betreuten Wohnformen wurden die aktuellen Heimverzeichnisse bei den Landesjugendämtern angefordert. Freundlicherweise versandte die Bundesarbeitsgemeinschaft der Landesjugendämter (BAGLJÄ) auf Nachfrage des DJI im Februar 2016 eine Beschreibung des Forschungsvorhabens mit der Bitte um Zusendung aktueller Adresslisten von Heimeinrichtungen und anderen betreuten Wohnformen per E-Mail an ihre Mitglieder. Es folgten Erinnerungen der zuständigen Aufsichtsbehörden per E-Mail und Telefon durch das DJI. In den Fällen, in denen keine Adresslisten zur Verfügung gestellt wurden (ein Landesjugendamt und zwei bayerische Bezirksregierungen), wurde die Adressliste aus dem vorherigen Monitoring verwendet. Die eingegangenen Listen hatten unterschiedliche Differenzierungsgrade (von der Trägerebene bis hin zu einzelnen Wohngruppen) und machten dadurch teilweise weitere Recherchen notwendig.8 In die Stichprobe eingeschlossen wurden Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe, die Hilfen nach § 34 SGB VIII erbringen. Diese umfassen stationäre Einrichtungen mit Anbindung an ein Stammhaus sowie dezentrale Wohngruppen bzw. Häuser für Kinder und/oder Jugendliche9 , in denen Kinder und Jugendliche über Nacht jenseits ihrer Herkunftsfamilie10 untergebracht sind und von Fachkräften betreut werden. Auch geschlossene Formen der Heimunterbringungen innerhalb der Jugendhilfe fanden Berücksichtigung. Um die Heterogenität in der Stichprobe zu begrenzen, wurden folgende Formen von Einrichtungen ausgeschlossen:
Erziehungsstellen, Erziehungsfachstellen, Sozialpädagogische Lebensgemeinschaften, Bereitschaftspflege
Betreutes Einzelwohnen, Betreutes Wohnen für junge Erwachsene
Inobhutnahmestellen nach § 42 SGB VIII, Kurzzeitunterbringung, Clearingstellen
Schüler/innenwohnheime, Jugendwohnen nach § 13 SGB VIII
Gemeinsame Wohnformen für Mütter bzw. Väter und Kinder nach § 19 SGB VIII
Stationäre Einrichtungen für Kinder und Jugendliche mit Behinderung (§ 35a VIII, §§ 53, 54 SGB XII)11
Ambulante Hilfen, z.B. Tagesgruppe, Soziale Gruppenarbeit
Spezifische Pflegeeinrichtungen für Kinder und Jugendliche, z.B. Hospize
Begleitete Elternschaft (im Kontext der Eingliederungshilfe).
Der Ausschluss der genannten Sonderformen von Einrichtungen ist inhaltlich dadurch begründet, dass sich aufgrund kurzer Verweildauer und Betreuungszeiten lediglich über einen Teil des Tages und/oder einer Unterbringung gemeinsam mit Elternteilen spezifische Anforderungen an Schutzkonzepte stellen, die nicht ohne Weiteres mit denen im Durchschnitt der Heimerziehung vergleichbar erscheinen. Es wurde versucht, Quoten nach Bundesländern zu realisieren, was jedoch nicht (durchgängig) gewährleistet werden konnte.12
Im Handlungsfeld Kliniken wurde die Grundgesamtheit der Fachabteilungen für Kinder und Jugendliche auf Grundlage des beim Statistischen Bundesamt erworbenen Verzeichnisses der Krankenhäuser und Vorsorge-/Rehabilitationseinrichtungen aus dem Jahr 2014 erstellt. Entsprechend der im Verzeichnis angegebenen Merkmale zu den Fachrichtungen Kinderheilkunde, Kinder-/Jugendpsychiatrie, -psychotherapie und -psychosomatik sowie Kinderchirurgie wurden Krankenhäuser bzw. Fachabteilungen und Rehabilitationseinrichtungen identifiziert, in denen Kinder und Jugendliche medizinisch versorgt werden. Indem eine vierfach übersetzte Stichprobe (entspricht in der Summe der Grundgesamtheit) an somatischen und psychiatrischen/psychotherapeutischen Kliniken bzw. Fachabteilungen sowie Rehabilitationseinrichtungen für Kinder und Jugendliche für die Teilnahme angeschrieben wurde, kann von einer Vollerhebung gesprochen werden.
Für die Befragung im ambulanten Gesundheitswesen wurde eine zufällige, fünffach übersetzte13 Stichprobe über das das sogenannte Bundesarztregister der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) gezogen, in dem alle an der vertragsärztlichen Versorgung teilnehmenden Ärztinnen/Ärzte und Psychotherapeutinnen/Therapeuten verzeichnet sind.14 In der Stichprobe wurden damit auch Einrichtungen/Stellen der ambulanten Versorgung erfasst, die u.a. auch Teil einer Klinik sind (z.B. Sozialpädiatrische Zentren, die an Kliniken angesiedelt sind). Die Ziehung der Stichprobe erfolgte nach Fachrichtung quotiert. Die Quoten verteilen sich wie folgt: 300 Personen der Kinder- und Jugendmedizin, 300 Personen der Kinder- und Jugendpsychotherapie, 100 Personen der Kinder- und Jugendpsychiatrie, 100 Personen der Allgemeinmedizin bzw. Inneren Medizin und 100 Personen der Gynäkologie.
Stichprobe und Rücklauf
Für alle vier Arten von Institutionen konnten Rücklaufquoten von 23 % oder mehr erreicht werden (vgl. Tabelle 1)15. Die Rücklaufquoten innerhalb der einzelnen Handlungsfelder (wie z.B. Kitas und Heime) weisen eine starke Varianz in den unterschiedlichen Bundesländern resp. Regionen auf, sodass in manchen sogar eine Quote von 30 bis ca. 45 % – im Zuge der telefonischen Nachfassaktionen – erreicht werden konnte, während sie bei den Heimen in den Bundesländern, in denen keine solche Nacherhebungen möglich waren, teilweise bei knapp 10 % liegt.
Die im Rahmen der Studie realisierten Rücklaufquoten liegen in einem ähnlichen Bereich oder über den Rücklaufquoten anderer, nicht verpflichtender nationaler Befragungen von Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe und Kliniken zum Thema Prävention sexualisierter Gewalt an Kindern und Jugendlichen und können insgesamt als zufriedenstellend bewertet werden (vgl. UBSKM 2013b; Helming u.a. 2011). Das Feld der Kitas wies mit einer Rücklaufquote von 22,9 % den niedrigsten Wert auf.
Im Zuge der Nachfassaktion wurde im Feld der Kindertageseinrichtungen, um die anvisierten Fallzahlen von 20 Einrichtungen je Sample point zu realisieren, für sechs Regionen eine Aufstockungsstichprobe aus den benachbarten Kreisen gezogen. So konnten während der Feldphase in allen Regionen bzw. Kreisen (Sample points) die gewünschte Stichprobengröße erreicht bzw. sogar übertroffen werden.
Im Feld der Heime und sonstigen betreuten Wohnformen konnte ein akzeptables Mittelmaß von 25 % erreicht werden. Im Prozess der Rücklaufkontrolle war eine bundeslandspezifische Auswertung der Rücklaufquoten möglich (vgl. Tabelle 2). Die höchste Rücklaufquote wurde in Niedersachsen erzielt mit 46,6 %. Beinahe jede zweite der angefragten Einrichtungen hat sich an der Befragung beteiligt. Sehr gute Ausschöpfungsquoten wurden auch in den Bundesländern Nordrhein-Westfalen (40,0 %), Saarland (39,5 %) und Bayern (37,8 %) erzielt. Die mit Abstand niedrigsten Rückläufe kamen mit 10,7 % aus Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt.
Insbesondere der Rücklauf im Feld des ambulanten Gesundheitswesens, im Zuge dessen die angestrebte Gesamtzahl von 900 Befragungen von ärztlichen und therapeutischen Praxen mit 1.182 Fällen weit übertroffen werden konnte, kann als gut gewertet werden. Die Rücklaufquoten in den einzelnen Fachrichtungen – vorwiegend Personen der Kinder- und Jugendpsychotherapie und Kinder- und Jugendpsychiatrie – wurde in den angesetzten Sollzahlen um mehr als 50 % überschritten (vgl. Tabelle 3). Ein genauer Vergleich zwischen den Fachrichtungen zeigt, dass Personen der Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie aufgrund des hohen Rücklaufs in der Befragung deutlich überrepräsentiert sind (43,1 % statt 33,3 %). Die Kinder- und Jugendpsychiater/innen sind mit 27,2 % gegenüber zur angestrebten Ausgangsstichprobe von 11,1 % ebenfalls überrepräsentiert Personen aus der Fachrichtung der Allgemeinmedizin/Inneren Medizin sind dagegen etwas unterrepräsentiert (8,0 % statt 11,1 %). Der Anteil der realisierten Befragungen in der Gruppe der Gynäkologinnen und Gynäkologen entspricht mit 8,8 % ziemlich gut dem in der Ausgangsstichprobe anvisierten Anteil von 11,1 %. Ähnlich verhält es sich bei den Personen der Kinder- und Jugendmedizin mit 27,2 % (zur Ausgangsstichprobe: 33,3 %). Trotz vielfältiger Bemühungen in Form einer knapp zweimonatigen Nacherhebungsphase konnte die Zielgruppe der Allgemeinmediziner/innen bzw. Ärztinnen/Ärzte für Innere Medizin lediglich annäherungsweise erreicht werden. Als Herausforderung erwies sich dabei die Erreichbarkeit jener Gruppe.16
Im Feld der Kliniken konnten mit einer Rücklaufquote von 30 % eine solide Datengrundlage geschaffen werden, die sowohl Kliniken bzw. Kliniken mit Fachabteilungen für Kinder- und Jugendmedizin und Kinder- und Jugendpsychiatrie ebenso wie Rehabilitationseinrichtungen für Kinder und Jugendliche berücksichtigen.17
3 Entwicklung der Erhebungsinstrumente
Auf Grundlage der gewonnenen Erkenntnisse aus den qualitativen Erhebungen (Fallstudien zu guter Praxis sowie zeitlich nachgelagerte, vertiefende Fokusgruppen) wurde das aus der letzten Monitoring-Welle 2013 vorliegende Instrument modifiziert und um neue Items ergänzt. An der Entwicklung wurden das SOKO Institut sowie der Arbeitsstab des UBSKM beteiligt. Daneben wurden die Entwürfe der Instrumente mit Vertretungen der Dachorganisationen bzw. Dachverbände, die mit dem UBSKM eine Vereinbarung zur Einführung und Umsetzung von Schutzkonzepten unterzeichnet haben, vorgestellt und diskutiert.18 Am Ende konnten somit vier dem Handlungsfeld in Inhalt und Sprache angepasste Versionen für die Handlungsfelder Kindertageseinrichtungen, Heime/sonstige betreute Wohnformen, Kliniken und ambulante Gesundheitsversorgung für die Befragungen ausgearbeitet werden.
Vor der Feldphase wurden die handlungsfeldspezifischen Instrumente nach inhaltlichen und kognitiven Kriterien anhand von sogenannten Pretests erprobt. Dabei wurde vorwiegend die Verständlichkeit der Fragen bei den Gefragten geprüft. In jedem der Handlungsfelder wurden bei mindestens zwei Einrichtungen bzw. Organisationen solche Tests unter Feldbedingungen durchgeführt. Mit der Überarbeitung nach den Pretests wurde die Entwicklung des Befragungsinstrumentes abgeschlossen.
Um den Zeitaufwand der Befragung für die Teilnehmer/innen möglichst gering zu halten und damit die Teilnahmebereitschaft positiv zu beeinflussen, wurde die Mehrheit der Fragen geschlossen formuliert. Dennoch wurden an einigen Stellen offene Antwortmöglichkeiten in die Befragungsinstrumente eingebaut, um spezifische Praxisprozesse im Umgang mit Schutzkonzepten sowie die Vielfalt an Präventionsaktivitäten besser erfassen zu können. Für die Kodierung der offenen Antworten wurden von zwei Projektmitgliedern (getrennt voneinander) Kategoriensysteme entwickelt, die anschließend vereinheitlicht und vom Unterauftragnehmer umgesetzt wurden. Im Prozess der Kodierung der offenen Angaben19 wurde jedoch vor einer Anwendung des Kategoriensystems vorgängig geprüft, ob die offene Angabe nicht zu einer der bereits im Erhebungsinstrument vorgegebenen Antwortkategorien passte. War dies der Fall, wurde nachkodiert. Ansonsten wurden die offenen Antworten in das neu gebildete Kategoriensystem einsortiert. Angaben, die nicht zugeordnet werden konnten, wurden der Restkategorie „Sonstiges“ zugeschlagen. Im Kontext der Instrumentenentwicklung wurde sich zudem für den Einsatz einer „Weiß ich nicht“-Kategorie entschieden, die die Datenqualität erhöht, indem sie den befragten Personen eine Ausweichmöglichkeit bietet und nicht zu einer unpassenden inhaltlichen Antwort drängt.
Die Fragebögen für die Handlungsfelder Kindertageseinrichtungen, Heime und Kliniken, die mit dem Ziel einer guten Passung auf die Strukturen im Handlungsfeld bei gleichzeitig möglichst hoher Vergleichbarkeit entwickelt wurden, bestehen jeweils aus folgenden neun Elementen:
a) Klima der Einrichtung/Organisation
Die Fragen umfassten Einschätzungen zum Umgang miteinander und zielen auf die Atmosphäre/ das Klima innerhalb der befragten Einrichtung resp. Organisation. Dazu wurden Fragen u.a. zu den Beteiligungsmöglichkeiten aufseiten der Kinder/Jugendlichen, Eltern und Mitarbeitenden, zu einer durch Unterstützung geprägten Zusammenarbeit der in den Einrichtungen bzw. Organisationen Tätigen sowie zur kollegialen Reflexion des Umgangs mit Nähe und Distanz gestellt. Um das Klima der Einrichtung bzw. Organisation zu erfassen, wurde eine Skala eingesetzt, die u.a. adaptierte, übersetzte Items aus dem Teaching and Learning International Survey (TALIS) beinhaltet. Dabei handelt es sich um ein validiertes Erhebungsinstrument, das von der OECD seit 2002 zur Erfassung des Schulklimas aus der Perspektive von Lehrkräften eingesetzt wird. Das Antwortformat wurde als vierstufige Skala von „stimme volle und ganz zu“ bis zu „stimme gar nicht zu“ angegeben.
b) Maßnahmen zur Prävention allgemein
Neben allgemeinen und spezifischen Beschwerdemöglichkeiten für die betreuten und begleiteten Kinder und Jugendlichen sowie für die Eltern wurden Auskünfte über Themen von Aufklärungs- und Informationsangeboten für Kinder und Jugendliche erbeten, die im letzten Jahr durchgeführt wurden.
c) Maßnahmen zur Prävention von sexualisierter Gewalt
Dieses Set an Fragen beschäftigt sich mit den spezifischen Maßnahmen, die zum Schutz vor sexualisierter Gewalt in den Einrichtungen/Organisationen entwickelt wurden (z.B. bezogen auf ein Leitbild, das entsprechende Aspekte enthält; Verhaltensregeln zum Schutz vor sexualisierter Gewalt). Daneben wird auch dem Prozess der Erstellung und der Bekanntmachung solcher Maßnahmen Beachtung geschenkt.
d) Maßnahmen zur Sensibilisierung, Qualifizierung und Auswahl des Fachpersonals
Dieser Komplex enthält Fragen zum Besuch bzw. Angebot von Fortbildungen zum Thema „Sexualisierte Gewalt“. Daneben wird nach internen wie auch externen Ansprechpersonen für die Beschäftigten gefragt. Schließlich findet das Thema der Personalauswahl Berücksichtigung, indem Fragen zur Thematisierung von sexualisierter Gewalt in Bewerbungsgesprächen und im Einholen eines erweiterten Führungszeugnisses gestellt wurden.
e) Umgang mit Verdachtsfällen und Akzeptanz des Schutzkonzeptes bei den Mitarbeitenden und Ansprechpersonen
Im Mittelpunkt stehen Fragen zum Vorhandensein eines Handlungsplans ebenso zum konkreten Umgang bei Verdachtsfällen von sexualisierter Gewalt bei verschiedenen Fallkonstellationen: (1) Sexualisierte Gewalt durch Personal, (2) sexualisierte Gewalt unter betreuten Kindern und Jugendlichen, (3) sexualisierte Gewalt innerhalb der Familie und (4) sexualisierte Gewalt durch andere externe Personen. Weiter wurde in diesem Abschnitt nach der Akzeptanz der in der Einrichtung vorhandenen Elemente von Schutzkonzepten aufseiten der Mitarbeitenden sowie zur Umsetzung durch die Mitarbeitenden gestellt. Zudem wurde nach Ansprechpersonen gefragt, an die sich die betreuten Kinder und Jugendlichen in Fällen von sexualisierter Gewalt wenden können.
f) Kooperation mit externen Stellen im Kontext von Kinderschutz bzw. Prävention von sexualisierter Gewalt an Kindern und Jugendlichen
Bestehende Kooperationsbeziehungen im Kontext von sexualisierter Gewalt wurden anhand einer Liste mit unterschiedlichen Institutionen und Personengruppen erfasst, wobei die Befragten angeben sollten, ob eine Kooperation besteht bzw. wie sie diese bewerten. Daneben wurde speziell nach der Zusammenarbeit mit anderen Stellen – wie beispielsweise Trägern oder Fachberatungsstellen – bei der Entwicklung und Umsetzung von bestimmten Bestandteilen eines Schutzkonzepts gefragt (z.B. hinsichtlich Beschwerdeverfahren, Fortbildungen).
g) Anstoß zur Entwicklung eines Schutzkonzepts
Eine Frage im Erhebungsinstrument beschäftigt sich mit impulsgebenden Aspekten für die Entwicklung eines institutionellen/organisationalen Schutzkonzepts.
h) Analyse der institutionellen Gegebenheiten und Strukturen
Dieser Fragebogenteil beschäftigt sich mit der Bestandsaufnahme bereits vorhandener Aktivitäten und Verfahren (Potenzialanalyse). Zudem wurde auch erhoben, ob eine systematische Erfassung von Schwachstellen und Risiken innerhalb der Einrichtung/Organisation erfolgte, die sexualisiere Gewalt gegenüber Kindern und Jugendlichen begünstigen.
i) Unterstützungsbedarfe
Die Fragen beziehen sich auf Unterstützungsbedarfe zum Thema „Sexualisierte Gewalt“. Daneben wird um die Beurteilung der Wichtigkeit von bestimmten Ressourcen und Rahmenbedingungen gebeten, die die Umsetzung von Schutzkonzepten erleichtern bzw. verbessern können.
j) Strukturdaten der befragten Einrichtung/Organisation
Zum Ende der Befragung wurden grundlegende Angaben der befragten Person (Geburtsjahr, Geschlecht, Funktion in der Einrichtung/Organisation) sowie zu deren Einrichtung/Organisation (Trägerschaft) erfasst.
Als Bearbeitungszeit für das Ausfüllen der Erhebungsinstrumente im Bereich Bildung/Erziehung kann von durchschnittlich 20 Minuten ausgegangen werden. Mittels einer Filterführung wurde dafür Sorge getragen, dass die Befragungszeit möglichst knapp gehalten werden konnte.
Der Fragebogen für das erstmalig im Monitoring enthaltene Handlungsfeld des ambulanten Gesundheitswesens wurde kürzer gehalten. Im Wissen um die geringen zeitlichen Ressourcen der dort Tätigen wurde das Ziel in einer ersten, explorativen Annäherung an das Feld gesehen. Trotz verkürzter Form ermöglicht die empirische Erhebung erstmalig ein Bild von der Umsetzung von Schutzmaßnahmen vor sexualisierter Gewalt in ärztlichen bzw. therapeutischen Praxen. Das Erhebungsinstrument für diesen Bereich besteht aus fünf zentralen Themenblöcken:
a) Strukturdaten der Praxis
Zu Beginn der Befragung wurden grundlegende Angaben zur befragten Person (z.B. Geburtsjahr, Geschlecht) und deren Praxis (z.B. Fachrichtung, Altersgruppe der behandelnden Patientinnen und Patienten) erfasst.
b) Fortbildungen zum Themenkomplex „Sexualisierte Gewalt gegenüber Kindern und Jugendlichen“
Der Fragenkomplex enthält Fragen zum Besuch bzw. dem Angebot von Fortbildungen zum Thema sexualisierte Gewalt. Vertiefend wird nach den Themen, die in den Fortbildungen behandelt wurden, ebenso wie nach den ausrichtenden Organisationen gefragt.
c) Präventive Maßnahmen
Das Set an Fragen beschäftigt sich mit den spezifischen Maßnahmen, die zum Schutz vor sexualisierter Gewalt in den Praxen entwickelt wurden (z.B. bezogen auf Verhaltensregeln zum Schutz vor sexualisierter Gewalt, Beschwerdeverfahren). Daneben kommt auch der Thematisierung von sexualisierter Gewalt im Praxisalltag insgesamt Beachtung zu.
d) Umgang mit Verdachtsfällen von sexualisierter Gewalt
Im Mittelpunkt stehen Fragen zum Umgang mit Fällen vermuteter sexualisierter Gewalt an Kindern und Jugendlichen. Dabei wird danach gefragt, ob von der befragten Person bzw. im Team bereits einmal Anhaltspunkte für sexualisierte Gewalt wahrgenommen wurden. Anknüpfend an das Bundeskinderschutzgesetz (BKiSchG) wird angesprochen, ob bereits einmal bestehende Beratungsansprüche gegenüber dem Jugendamt genutzt wurden. Schließlich wird auch nach weiteren Unterstützungswünschen hinsichtlich des Umgangs mit Verdachtsfällen gefragt.
e) Bedarfe bei der Prävention und beim Umgang mit Fällen (vermuteter) sexualisierter Gewalt an Kindern und Jugendlichen
Zum Abschluss stehen Fragen, die sich auf weitere Wünsche und konkrete Angebote der Unterstützung beziehen.
4 Durchführung der Befragung und Datenerhebung
Die standardisierte Befragung in den genannten Handlungsfeldern wurde vom SOKO Institut durchgeführt. Zu Beginn der Feldphase erhielten alle ausgewählten Einrichtungen/Organisationen (Bruttostichprobe) einen Brief mit den Unterlagen für die Leitungskräfte. Die Unterlagen setzten sich aus Folgendem zusammen:
Anschreiben, das Informationen zu den Rahmenbedingungen der empirischen Untersuchung enthielt (z.B. zeitlicher Aufwand zur Bearbeitung des Fragebogens, Datenschutzbestimmung, Anlass und Zielsetzung der Studie)
Motivationsschreiben des Unabhängigen Beauftragten für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs der Bundesregierung (Herr Rörig) mit einer Übersicht der Vereinbarungspartner
Handlungsfeldspezifischer Fragebogen.
Dabei wurden die angeschriebenen Personen gebeten, den schriftlichen Fragebogen bzw. das über einen Zugangscode verfügbare Online-Instrument auszufüllen. Auf Wunsch konnten die Befragung auch von Beginn an als Telefoninterview bzw. Face-to-Face-Interview geführt werden. Zwei bis drei Wochen nach dem Erstanschreiben wurden die Einrichtungen bzw. Organisationen, die den Fragebogen zu diesem Zeitpunkt noch nicht zurückgesendet hatten, telefonisch durch das SOKO Institut kontaktiert. Bei Einrichtungen bzw. Organisationen, die bei diesem Kontakt signalisieren, dass sie an der Studie nicht teilnehmen möchten, wurden die Ausfallgründe dokumentiert (vgl. Tabelle 4). Mithilfe der Nummerierung der befragten Einrichtungen/Organisationen (ID) konnte systematisch nacherhoben werden, ohne die Einrichtungen/Organisationen doppelt für die Teilnahme anfragen zu müssen. Die Teilnahme an der Befragung erfolgte anonym und war für alle Befragten freiwillig. Nachfassaktionen, die telefonisch erfolgten, wurden in allen hier genannten Handlungsfeldern durchgeführt, um die angestrebten Fallzahlen bzw. Quoten zu erreichen.20 Im Rahmen der Feldphase wurden über alle Handlungsfelder hinweg 72,0% der Befragungen postalisch, 22,2% telefonisch und 5,7% online realisiert. Die intensive Nutzung von Telefoninterviews – vor allem während der Nachfassaktionen – zeigt sich in dem verhältnismäßig hohen Anteil dieser bei der Methodenwahl. Dementsprechend wurden die Befragungen in den Handlungsfeldern der Kitas 37 ,1%, der Heime und sonstigen betreuten Wohnformen 29,7 % und der Kliniken 29,7 % telefonisch umgesetzt. Im Handlungsfeld des ambulanten Gesundheitswesens zeigte sich eine eindeutige Präferenz für den Papierfragebogen, indem beinahe 90 % der Befragten diesen wählten. Die durchschnittliche Dauer für die standardisierten Telefoninterviews betrugen bei den Kitas, Heimen und Kliniken zwischen 25 und 44 Minuten, während im Feld des ambulanten Gesundheitswesens – vor dem Hintergrund eines kürzeren Erhebungsinstruments – ein Telefoninterview durchschnittlich 10 Minuten in Anspruch nahm (vgl. Abschnitt II.3).
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Görgen, Arno/Griemmert, Maria/Kessler, Sebastian (2015): Sexueller Missbrauch und Kinderschutz – Perspektiven im Wandel. In: Fegert, Jörg M./Hoffmann, Ulrike/König, Elisa/Niehues, Johanna /Liebhardt, Hubert (Hrsg.): Sexueller Missbrauch von Kindern und Jugendlichen. Ein Handbuch zur Prävention und Intervention für Fachkräfte im medizinischen, psychotherapeutischen und pädagogischen Bereich. Berlin/Heidelberg, S. 27–40
Herrmann, Bernd/Dettmeyer, Reinhard/Banaschak, Sibylle/Thyen, Ute (2016): Kindesmisshandlung. Medizinische Diagnostik, Intervention und rechtliche Grundlagen. 3. Aufl. Berlin/Heidelberg
Helming, Elisabeth/Kindler, Heinz/Langmeyer, Alexandra/Mayer, Marina/Mosser, Peter/Entleitner, Christine (2011): Sexuelle Gewalt gegen Mädchen und Jungen in Institutionen. München: Deutsches Jugendinstitut
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Rörig, Johannes-Wilhelm (2015): Unterstützung, Bündnisse und Impulse zur Einführung von Schutzkonzepten in Institutionen in den Jahren 2012–2013. In: Fegert, J. M. /Wolff, Mechthild (Hrsg.): Kompendium „Sexueller Missbrauch in Institutionen“. Entstehungsbedingungen, Prävention und Intervention. Weinheim/Basel, S. 587–601
Schneewind, Klaus A. (2010): Familienpsychologie. 3. überarb. und erw. Auflage. Stuttgart
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UBSKM – Unabhängiger Beauftragter für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs (2013a): Handbuch Schutzkonzepte sexueller Missbrauch Befragungen zum Umsetzungsstand der Empfehlungen des Runden Tisches „Sexueller Kindesmissbrauch“ Bericht mit Praxisbeispielen zum Monitoring 2012–2013. Berlin
Unabhängiger Beauftragter für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs (2013b): Monitoring zum Umsetzungsstand der Empfehlungen des Runden Tisches Sexueller Kindesmissbrauch (2012–2013). Zwischenbericht der zweiten Erhe-bungswelle 2013. Berlin
Statistisches Bundesamt (2016a): Statistiken der Kinder- und Jugendhilfe. Einrichtungen und tätige Personen (ohne Tageseinrichtungen für Kinder) 2014. Wiesbaden
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Statistisches Bundesamt (2016c): Gesundheit. Grunddaten der Krankenhäuser 2015. Wiesbaden
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Statistisches Bundesamt (o.A.): Krankenhausstatistik – Grunddaten der Krankenhäuser und Vorsorge- oder Rehabilita-tionseinrichtungen. Bonn. Online verfügbar unter: http://www.gbe-bund.de/gbe10/i?i=547:21739070D [Letzter Zu-griff: 9.12.2016]
Thun-Hohenstein, Leonhard (2016): Kinderschutzgruppen. In: Völkl-Kernstock, Sabine/Kienbacher, Christian (Hrsg.): Forensische Arbeit mit Kindern und Jugendlichen. Praxishandbuch für die interdisziplinäre Zusammenarbeit: Psychologie – Medizin – Recht – Sozialarbeit. Wien u.a., S. 115–123
Im Feld des ambulanten Gesundheitswesens wurden vorwiegend inhaltliche Kriterien für die Zusammensetzung der Stichprobe zugrunde gelegt (vgl. Fußnote 98), weshalb die Stichprobe in diesem Feld nicht als repräsentativ gewertet werden kann. Des Weiteren konnten innerhalb der Substichprobe bei den Praxen für Allgemeinmedizin die angestrebte Größe von 100 mit 95 lediglich annäherungsweise erreicht werden. In den übrigen Feldern konnten die angestrebten Zielgrößen (Nettostichproben) erreicht bzw. zum Teil sogar überschritten werden.
Das Schrittziffernverfahren sieht vor, dass jedem Kreis die Einwohnerzahl und eine Zufallszahl zugeordnet wird. Danach werden die Landkreise nach der Reihenfolge der Zufallszahlen sortiert. Der Quotient aus der Anzahl der Einwohner/innen aller Landkreise und der Sollzahl der zu ziehenden Kreise ergibt die Schrittziffer 82 Mio./50=1,64 Mio. D.h. als erster Kreis wird derjenige gezogen, in dem die bzw. der 1,64 millionste Einwohner/in wohnt. Als zweiter wird der Kreis gezogen, in dem die bzw. der 3,28 millionste Einwohner/in wohnt etc.
In Sample points mit mehr als 100 Adressen wurde eine Zufallsauswahl gezogen. Wenn weniger als 100 Adressen zur Verfügung standen, wurde die gesamte Stichprobe verwendet.
In manchen Fällen waren lediglich die Namen der Einrichtungen hinterlegt, in anderen zusätzlich die Postleitzahl und der Ort. Eine direkte postalische Versendung der Befragungsunterlagen war hier nicht möglich. In einigen Fällen gab es (zusätzliche) Informationen zum Träger. Es gab Listen, bei denen unter einer Adresse mehrere Einrichtungen benannt wurden. Weiterhin war nicht immer ersichtlich, ob es sich um die Adresse einer Einrichtung oder/und eines Trägers handelte. Es gab Adressen ohne Hinterlegung von Telefonnummern und solche mit Rufnummern der Einrichtungen und/oder Telefonnummern des Trägers. Eine Rufnummernrecherche auf Einrichtungsebene führte teilweise zu keinem Ergebnis. Adressen ohne jegliche Rufnummerninformationen konnten nicht telefonisch kontaktiert werden. Infolge dessen war kein einheitliches methodisches Vorgehen im Hinblick auf die festgelegten Zugangswege (Versand der Befragungsunterlagen sowie im Bedarf anschließende Kontaktaufnahme per Telefon) möglich. Dementsprechend startete die Feldphase Anfang Dezember 2016 mit dem Versand der Unterlagen an einen Teil der Stichprobe, wobei diese zufällig aus den Adressen gezogen wurde, in denen Angaben der Anschrift vorlagen. Im Januar 2017 wurden die Einrichtungen kontaktiert, deren Anschriften nicht hinreichend vorhanden waren.
Beispielsweise: Familienwohngruppen mit dort lebenden Fachkräften, Gruppen für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge, intensivpädagogische Gruppen, Kinderhäuser, Wohngruppen zur Verselbständigung.
Unter Familie werden im Folgenden „biologische, soziale oder rechtlich miteinander verbundene Einheiten von Personen, die – in welcher Zusammensetzung auch immer – mindestens zwei Generationen umfassen und bestimmte Zwecke verfolgen“ (Schneewind 2010, S. 35), verstanden. Dabei können sich Familien aus Paar, Eltern-Kind oder Geschwisterkonstellationen sowie leiblichen und sozialen Zweigenerationenverhältnisse (z.B. als Adoptiv-, Pflege- oder Stieffamilie) zusammensetzen.
Einrichtungen der Eingliederungshilfe (z.B. gemäß SGB XII) wurden nicht berücksichtigt, da angenommen wurde, dass im Hinblick auf die Adressat/innen der Hilfen spezifische Anforderungen an Schutzkonzepte zugrundgelegt werden müssen. Einrichtungen, die Kinder und Jugendliche mit seelischer Behinderung (nach § 35a SGB VIII) beispielsweise in Intensivwohngruppen betreuen bzw. über weitere Angebote verfügen, sind in der Stichprobe enthalten. Nicht enthalten sind jedoch Einrichtungen, die ausschließlich Angebote nach § 35a SGB VIII bereitstellen.
Tabelle 2 gibt an, welche Bundesländer in der Stichprobe über- bzw. unterpräsentiert sind. Hinsichtlich der Repräsentativität des Rücklaufes kann aufgrund der Heterogenität des Feldes keine allumfassende Aussage getroffen werden. Im Rahmen der Feldarbeit wurden alle Ausprägungen innerhalb der Stichprobe berücksichtigt. Hinsichtlich der Verteilung der Trägerschaft unter-scheidet sich die Stichprobe nicht überzufällig von der Grundgesamtheit, d.h. die Stichprobe stimmt hinreichend gut mit der Grundgesamtheit überein (p = .45).
Um die anvisierte Anzahl an auswertbaren Erhebungsinstrumenten zu erhalten (Nettostichprobe), müssen in der Regel mehr Einrichtungen bzw. Organisationen für eine Teilnahme angefragt werden, als sich später im Zuge des Rücklaufs tatsächlich an der Befragung beteiligen. Dementsprechend wurde im Feld des ambulanten Gesundheitsbereichs eine Bruttostichprobe gezogen, die fünfmal höher liegt als die erwartbare Nettostichprobe bzw. die tatsächlich realisierten Fälle.
Die Erhebung wird durch die einzelnen Kassenärztlichen Vereinigungen vorgenommen, die monatlich aktuelle Daten an die Kassenärztliche Bundesvereinigung übermitteln, bei der das Bundesarztregister geführt wird.
Die in Tabelle 1 dargestellten Rücklaufquoten beinhalten die vom die Befragung durchführenden Institut (SOKO GmbH) über-mittelten Fallzahlen. Daneben gab es vereinzelt nicht berücksichtigte Rückläufe: Im Handlungsfeld Heime und sonstige betreute Wohnformen kamen fünf leere bzw. nur mit einer ausgefüllten Seite zurück. Im Handlungsfeld Kliniken wurden zwei leere schrift-liche Erhebungsinstrumente zurückgesandt. Auch im Feld des ambulanten Gesundheitswesens lagen leere bzw. unzureichend ausgefüllte Instrumente vor (n = 12,) ein Fragebogen entfiel aus der Befragung, da in der Praxis keine Patient/innen unter 21 Jahren behandelt werden. Daneben mussten in den Handlungsfeldern Heime und ambulanter Gesundheitsbereich im Kontext der Datenaufbereitung aus inhaltlichen Gründen Fälle aus der weiteren Analyse ausgeschlossen werden.
In Fällen von schlechter Erreichbarkeit, die u.a. dadurch zustande kamen, dass der Empfang der Praxis aufgrund von vollen Warte- und Behandlungszimmern das Telefonat nicht direkt zur Ärztin bzw. Arzt weiterleiten konnte, wurde mit Hilfe eines angekündigten Informationsfaxes, das an die Praxis gesandt wurde, ein Kontaktversuch zur Ärztin bzw. zum Arzt unternommen. Zu einem späteren wurde die Praxis erneut kontaktiert und nach einer Rückmeldung gefragt. Dabei ließen die Ärztinnen/Ärzte häu-fig ausrichten, dass das Thema nicht relevant für sie sei, da jene (nahezu) keine Kinder und Jugendlichen behandeln. Innerhalb der Stichprobe sind keine systematischen Ausfälle ersichtlich.
Die Bruttostichprobe über die Fachabteilungen setzte sich wie folgt zusammen: Kliniken für Kinder- und Jugendmedizin: 359, Kliniken für Kinder- und Jugendpsychiatrie/-psychotherapie: 163 und Rehabilitationseinrichtungen für Kinder und Jugendliche: 101. In 77 Einrichtungen, der ersten beiden Fachprofile gab es Überschneidungen, sodass die tatsächliche Stichprobe 546 Einrichtungen beinhaltete.
Im Folgenden als Vereinbarungspartner bezeichnet.
Bei der Kategorisierung der offenen Angaben wurden Mehrfachnennungen berücksichtigt.
Im Handlungsfeld der Kindertageseinrichtungen wurde vor dem Hintergrund, dass die Nettostichprobe nicht mit der vorhandenen Stichprobe realisiert werden konnte, eine Aufstockungsstichprobe aus den benachbarten Kreisen gezogen. Im Handlungsfeld der Kliniken konnte durch die nachfassende Feldarbeit systematische Ausfälle (beispielsweise von Einrichtungen desselben Trägers) verhindert werden.