Source: http://www.hensche.de/Rechtsanwalt_Arbeitsrecht_Urteile_Gleichbehandlung_in_Beschaeftigung_und_Beruf_EuGH_C388-07.html
Timestamp: 2017-12-15 04:39:07
Document Index: 112156514

Matched Legal Cases: ['EuG', 'EuG', 'Art. 234', 'Art. 1', 'Art. 2', 'Art. 3', 'Art. 6', 'Art. 6', 'Art. 6', 'Art. 6', 'Art. 6', 'Art. 6', 'Art. 2', 'Art. 6', 'Art. 1', 'Art. 3', 'Art. 3', 'Art. 6', 'Art. 6', 'Art. 6', 'Art. 4', 'Art. 1', 'Art. 2', 'Art. 1', 'Art. 2', 'Art. 1', 'Art. 2', 'Art. 6', 'Art. 2', 'Art. 6', 'Art. 6', 'Art. 6', 'Art. 21', 'Art. 6', 'Art. 249', 'Art. 6', 'Art. 6', 'Art. 6', 'Art. 6', 'Art. 6', 'Art. 6', 'Art. 6', 'Art. 6', 'Art. 6', 'Art. 2', 'Art. 6', 'Art. 2', 'Art. 6', 'Art. 6', 'Art. 6', 'Art. 2', 'Art. 6', 'Art. 2', 'Art. 2', 'Art. 6', 'Art. 2', 'Art. 2', 'Art. 6', 'Art. 2', 'Art. 2', 'Art. 2', 'Art. 6', 'Art. 6', 'Art. 2', 'Art. 6', 'Art. 6', 'Art. 2', 'Art. 6', 'Art. 6', 'Art. 2', 'Art. 2', 'Art. 2', 'Art. 6', 'Art. 2', 'Art. 6', 'Art. 2', 'Art. 2', 'Art. 6', 'Art. 6', 'Art. 6', 'Art. 2', 'Art. 6', 'Art. 6', 'Art. 6', 'Art. 6', 'Art. 2', 'EuG', 'EuG']

EuGH, Urteil vom 05.03.2009, C-388/07 - HENSCHE Arbeitsrecht
EuGH, Ur­teil vom 05.03.2009, C-388/07
Schlagworte: Diskriminierung: Alter
Aktenzeichen: C-388/07
Entscheidungsdatum: 05.03.2009
Vorinstanzen: Vorabentscheidungsersuchen eingereicht vom High Court of Justice (England & Wales), Queen’s Bench Division (Administrative Court) (Vereinigtes Königreich)
5. März 2009(*)
„Richt­li­nie 2000/78/EG – Gleich­be­hand­lung in Beschäfti­gung und Be­ruf – Dis­kri­mi­nie­rung aus Gründen des Al­ters – Ent­las­sung we­gen Ver­set­zung in den Ru­he­stand – Recht­fer­ti­gung“
In der Rechts­sa­che C‑388/07
be­tref­fend ein Vor­ab­ent­schei­dungs­er­su­chen nach Art. 234 EG, ein­ge­reicht vom High Court of Jus­ti­ce (Eng­land & Wa­les), Queen’s Bench Di­vi­si­on (Ad­mi­nis­tra­ti­ve Court) (Ver­ei­nig­tes König­reich), mit Ent­schei­dung vom 24. Ju­li 2007, beim Ge­richts­hof ein­ge­gan­gen am 9. Au­gust 2007, in dem Ver­fah­ren
The Queen, auf An­trag von
The In­cor­po­ra­ted Trus­tees of the Na­tio­nal Coun­cil on Age­ing (Age Con­cern Eng­land)
Se­creta­ry of Sta­te for Busi­ness, En­t­er­pri­se and Re­gu­la­to­ry Re­form
un­ter Mit­wir­kung des Kam­mer­präsi­den­ten A. Ro­sas, der Rich­ter A. Ó Cao­imh, J. Klučka und U. Lõhmus so­wie der Rich­te­rin P. Lindh (Be­richt­er­stat­te­rin),
Ge­ne­ral­an­walt: J. Mazák,
auf­grund des schrift­li­chen Ver­fah­rens und auf die münd­li­che Ver­hand­lung vom 2. Ju­li 2008,
– von The In­cor­po­ra­ted Trus­tees of the Na­tio­nal Coun­cil on Age­ing (Age Con­cern Eng­land), ver­tre­ten durch R. Al­len, QC, A. Lock­ley, So­li­ci­tor, und D. O’Demp­sey, Bar­ris­ter,
– der Re­gie­rung des Ver­ei­nig­ten König­reichs, ver­tre­ten durch E. Jenk­in­son als Be­vollmäch­tig­te im Bei­stand von D. Ro­se, QC,
– der ita­lie­ni­schen Re­gie­rung, ver­tre­ten durch I. M. Bra­guglia als Be­vollmäch­tig­ten im Bei­stand von W. Fer­ran­te, av­vo­ca­to del­lo Sta­to,
– der Kom­mis­si­on der Eu­ropäischen Ge­mein­schaf­ten, ver­tre­ten durch J. En­e­gren und N. Yer­rell als Be­vollmäch­tig­te,
nach Anhörung der Schluss­anträge des Ge­ne­ral­an­walts in der Sit­zung vom 23. Sep­tem­ber 2008
Das Vor­ab­ent­schei­dungs­er­su­chen be­trifft die Aus­le­gung der Richt­li­nie 2000/78/EG des Ra­tes vom 27. No­vem­ber 2000 zur Fest­le­gung ei­nes all­ge­mei­nen Rah­mens für die Ver­wirk­li­chung der Gleich­be­hand­lung in Beschäfti­gung und Be­ruf (ABl. L 303, S. 16).
2 Die­ses Er­su­chen er­geht im Rah­men ei­ner Kla­ge von The In­cor­po­ra­ted Trus­tees of the Na­tio­nal Coun­cil on Age­ing (Age Con­cern Eng­land) ge­gen den Se­creta­ry of Sta­te for Busi­ness, En­t­er­pri­se and Re­gu­la­to­ry Re­form (Mi­nis­ter für Wirt­schaft, Un­ter­neh­men und Re­ge­lungs­re­form), mit der der Kläger die Rechtmäßig­keit der Um­set­zung der Richt­li­nie 2000/78 im Ver­ei­nig­ten König­reich in Fra­ge stellt.
Der 14. Erwägungs­grund der Richt­li­nie 2000/78 lau­tet:
„Die­se Richt­li­nie berührt nicht die ein­zel­staat­li­chen Be­stim­mun­gen über die Fest­set­zung der Al­ters­gren­zen für den Ein­tritt in den Ru­he­stand.“
Der 25. Erwägungs­grund der Richt­li­nie 2000/78 lau­tet:
„Das Ver­bot der Dis­kri­mi­nie­rung we­gen des Al­ters stellt ein we­sent­li­ches Ele­ment zur Er­rei­chung der Zie­le der beschäfti­gungs­po­li­ti­schen Leit­li­ni­en und zur Förde­rung der Viel­falt im Be­reich der Beschäfti­gung dar. Un­gleich­be­hand­lun­gen we­gen des Al­ters können un­ter be­stimm­ten Umständen je­doch ge­recht­fer­tigt sein und er­for­dern da­her be­son­de­re Be­stim­mun­gen, die je nach der Si­tua­ti­on der Mit­glied­staa­ten un­ter­schied­lich sein können. Es ist da­her un­be­dingt zu un­ter­schei­den zwi­schen ei­ner Un­gleich­be­hand­lung, die ins­be­son­de­re durch rechtmäßige Zie­le im Be­reich der Beschäfti­gungs­po­li­tik, des Ar­beits­mark­tes und der be­ruf­li­chen Bil­dung ge­recht­fer­tigt ist, und ei­ner Dis­kri­mi­nie­rung, die zu ver­bie­ten ist.“
Nach Art. 1 der Richt­li­nie 2000/78 ist „Zweck die­ser Richt­li­nie … die Schaf­fung ei­nes all­ge­mei­nen Rah­mens zur Bekämp­fung der Dis­kri­mi­nie­rung we­gen der Re­li­gi­on oder der Welt­an­schau­ung, ei­ner Be­hin­de­rung, des Al­ters oder der se­xu­el­len Aus­rich­tung in Beschäfti­gung und Be­ruf im Hin­blick auf die Ver­wirk­li­chung des Grund­sat­zes der Gleich­be­hand­lung in den Mit­glied­staa­ten“.
Art. 2 („Der Be­griff ‚Dis­kri­mi­nie­rung‘“) der Richt­li­nie 2000/78 be­stimmt:
b) liegt ei­ne mit­tel­ba­re Dis­kri­mi­nie­rung vor, wenn dem An­schein nach neu­tra­le Vor­schrif­ten, Kri­te­ri­en oder Ver­fah­ren Per­so­nen mit ei­ner be­stimm­ten Re­li­gi­on oder Welt­an­schau­ung, ei­ner be­stimm­ten Be­hin­de­rung, ei­nes be­stimm­ten Al­ters oder mit ei­ner be­stimm­ten se­xu­el­len Aus­rich­tung ge­genüber an­de­ren Per­so­nen in be­son­de­rer Wei­se be­nach­tei­li­gen können, es sei denn:
i) die­se Vor­schrif­ten, Kri­te­ri­en oder Ver­fah­ren sind durch ein rechtmäßiges Ziel sach­lich ge­recht­fer­tigt, und die Mit­tel sind zur Er­rei­chung die­ses Ziels an­ge­mes­sen [eng­li­sche Fas­sung: ‚ap­pro­pria­te‘] und er­for­der­lich, oder
ii) der Ar­beit­ge­ber oder je­de Per­son oder Or­ga­ni­sa­ti­on, auf die die­se Richt­li­nie An­wen­dung fin­det, ist im Fal­le von Per­so­nen mit ei­ner be­stimm­ten Be­hin­de­rung auf­grund des ein­zel­staat­li­chen Rechts ver­pflich­tet, ge­eig­ne­te Maßnah­men ent­spre­chend den in Ar­ti­kel 5 ent­hal­te­nen Grundsätzen vor­zu­se­hen, um die sich durch die­se Vor­schrift, die­ses Kri­te­ri­um oder die­ses Ver­fah­ren er­ge­ben­den Nach­tei­le zu be­sei­ti­gen.
Art. 3 („Gel­tungs­be­reich“) Abs. 1 der Richt­li­nie 2000/78 sieht vor:
„Im Rah­men der auf die Ge­mein­schaft über­tra­ge­nen Zuständig­kei­ten gilt die­se Richt­li­nie für al­le Per­so­nen in öffent­li­chen und pri­va­ten Be­rei­chen, ein­sch­ließlich öffent­li­cher Stel­len, in Be­zug auf
c) die Beschäfti­gungs- und Ar­beits­be­din­gun­gen, ein­sch­ließlich der Ent­las­sungs­be­din­gun­gen und des Ar­beits­ent­gelts;
Art. 6 („Ge­recht­fer­tig­te Un­gleich­be­hand­lung we­gen des Al­ters“) Abs. 1 der Richt­li­nie 2000/78 lau­tet:
„Un­ge­ach­tet des Ar­ti­kels 2 Ab­satz 2 können die Mit­glied­staa­ten vor­se­hen, dass Un­gleich­be­hand­lun­gen we­gen des Al­ters kei­ne Dis­kri­mi­nie­rung dar­stel­len, so­fern sie ob­jek­tiv und an­ge­mes­sen sind [eng­li­sche Fas­sung: ‚ob­jec­tive­ly and re­a­son­ab­ly ju­s­ti­fied‘] und im Rah­men des na­tio­na­len Rechts durch ein le­gi­ti­mes Ziel, wor­un­ter ins­be­son­de­re rechtmäßige Zie­le aus den Be­rei­chen Beschäfti­gungs­po­li­tik, Ar­beits­markt und be­ruf­li­che Bil­dung zu ver­ste­hen sind, ge­recht­fer­tigt sind und die Mit­tel zur Er­rei­chung die­ses Ziels an­ge­mes­sen [eng­li­sche Fas­sung: ‚ap­pro­pria­te‘] und er­for­der­lich sind.
c) die Fest­set­zung ei­nes Höchst­al­ters für die Ein­stel­lung auf­grund der spe­zi­fi­schen Aus­bil­dungs­an­for­de­run­gen ei­nes be­stimm­ten Ar­beits­plat­zes oder auf­grund der Not­wen­dig­keit ei­ner an­ge­mes­se­nen Beschäfti­gungs­zeit vor dem Ein­tritt in den Ru­he­stand.“
Den Ausführun­gen des vor­le­gen­den Ge­richts zu­fol­ge gab es im Ver­ei­nig­ten König­reich bis zum 3. April 2006 kei­ne ge­setz­li­chen Be­stim­mun­gen, die Dis­kri­mi­nie­run­gen aus Gründen des Al­ters in Beschäfti­gung und Be­ruf ver­bo­ten. Ar­beit­ge­ber wa­ren zur Ent­las­sung von Ar­beit­neh­mern be­rech­tigt, wenn die­se das in ih­rem Un­ter­neh­men gel­ten­de Ru­he­stands­al­ter oder, wenn es ein sol­ches nicht gab, das Al­ter von 65 Jah­ren er­reicht hat­ten. Nach den Sec­tions 109 und 156 des Em­ploy­ment Rights Act 1996 (Ge­setz von 1996 über Beschäfti­gungs­rech­te, im Fol­gen­den: Ge­setz von 1996) hat­ten Ar­beit­neh­mer in die­sen Fällen kei­nen An­spruch auf Ent­las­sungs­ab­fin­dung.
10 Am 3. April 2006 setz­te das Ver­ei­nig­te König­reich Großbri­tan­ni­en und Nord­ir­land die Richt­li­nie 2000/78 mit dem Er­lass der Em­ploy­ment Equa­li­ty (Age) Re­gu­la­ti­ons 2006 (Ver­ord­nung von 2006 über die Gleich­be­hand­lung bei der Beschäfti­gung [Al­ter]), SI 1031/2006 (im Fol­gen­den: Ver­ord­nung), um, die am 1. Ok­to­ber 2006 in Kraft trat.
Die in Teil 1 der Ver­ord­nung ste­hen­de Re­gu­la­ti­on 3 de­fi­niert die Be­din­gun­gen, un­ter de­nen ei­ne dis­kri­mi­nie­ren­de Pra­xis als rechts­wid­rig an­zu­se­hen ist:
„(1) Im Sin­ne die­ser Ver­ord­nung dis­kri­mi­niert ei­ne Per­son (‚A‘) ei­ne an­de­re Per­son (‚B‘),
(a) wenn A B we­gen ih­res Al­ters ei­ne we­ni­ger güns­ti­ge Be­hand­lung zu­teil wer­den lässt, als sie an­de­ren Per­so­nen zu­teil wer­den lässt oder las­sen würde, oder
(b) wenn A auf B Vor­schrif­ten, Kri­te­ri­en oder Ver­fah­ren an­wen­det, die sie in glei­cher Wei­se auf an­de­re Per­so­nen, die nicht in der glei­chen Al­ters­grup­pe wie B sind, an­wen­det oder an­wen­den würde,
(i) die je­doch Per­so­nen in der glei­chen Al­ters­grup­pe wie B ge­genüber an­de­ren Per­so­nen in be­son­de­rer Wei­se be­nach­tei­li­gen oder be­nach­tei­li­gen können und
(ii) die B in die­ser Wei­se be­nach­tei­li­gen,
und wenn A nicht nach­wei­sen kann, dass die Be­hand­lung bzw. die Vor­schrif­ten, Kri­te­ri­en oder Ver­fah­ren ein verhält­nismäßiges Mit­tel zur Er­rei­chung ei­nes rechtmäßigen Ziels sind.“
In den Tei­len 2 und 3 der Ver­ord­nung sind die Fälle de­fi­niert, in de­nen Un­gleich­be­hand­lun­gen nach der Ver­ord­nung rechts­wid­rig sind.
Re­gu­la­ti­on 30 der Ver­ord­nung sieht Aus­nah­mefälle vor:
„(1) Die­se Ver­ord­nung fin­det An­wen­dung auf Ar­beit­neh­mer im Sin­ne von Sec­tion 230(1) des Ge­set­zes von 1996, Be­diens­te­te der Kro­ne, ent­spre­chen­de Mit­ar­bei­ter von Mit­glie­dern des Hou­se of Com­mons so­wie ent­spre­chen­de Mit­ar­bei­ter von Mit­glie­dern des Hou­se of Lords.
(2) Ent­las­sun­gen von Per­so­nen, auf die die­se Ver­ord­nung An­wen­dung fin­det und die das 65. Le­bens­jahr voll­endet ha­ben, sind nicht nach Maßga­be der Be­stim­mun­gen der Tei­le 2 oder 3 die­ser Ver­ord­nung rechts­wid­rig, wenn die Ent­las­sung we­gen Ver­set­zung in den Ru­he­stand er­folgt.
(3) Die Fra­ge, ob die Ent­las­sung we­gen Ver­set­zung in den Ru­he­stand im Sin­ne die­ser Ver­ord­nung er­folgt, ist nach Maßga­be der Sec­tions 98ZA bis 98ZF des Ge­set­zes von 1996 zu be­ur­tei­len.“
Die Fra­ge, ob die Ent­las­sung we­gen Ver­set­zung in den Ru­he­stand er­folgt ist, ist nach den Kri­te­ri­en in An­hang 8 der Ver­ord­nung zu be­ur­tei­len. Die­se Kri­te­ri­en stel­len auf das Al­ter – dar­auf, ob der Ar­beit­neh­mer das 65. Le­bens­jahr oder ge­ge­be­nen­falls ein vom Ar­beit­ge­ber fest­ge­setz­tes „übli­ches Ru­he­stands­al­ter“ voll­endet hat – so­wie auf die Ein­hal­tung ei­nes vor­he­ri­gen Ver­fah­rens nach An­hang 6 der Ver­ord­nung ab. Auf der Grund­la­ge die­ser Kri­te­ri­en legt An­hang 8 der Ver­ord­nung für 14 Fall­ar­ten fest, ob die Ver­set­zung in den Ru­he­stand den Ent­las­sungs­grund dar­stellt.
Will ein Ar­beit­ge­ber bei sei­ner Be­ru­fung auf Re­gu­la­ti­on 30 der Ver­ord­nung gel­tend ma­chen, dass die Ent­las­sung we­gen Ver­set­zung in den Ru­he­stand er­folgt, muss er nach An­hang 6 der Ver­ord­nung dem Ar­beit­neh­mer den vor­ge­se­he­nen Ent­las­sungs­ter­min un­ter Ein­hal­tung ei­ner Frist zwi­schen sechs Mo­na­ten und ei­nem Jahr an­zei­gen. Während die­ses Zeit­raums kann der Ar­beit­neh­mer be­an­tra­gen, nicht we­gen Ver­set­zung in den Ru­he­stand ent­las­sen zu wer­den; der Ar­beit­ge­ber ist zur Prüfung die­ses An­trags ver­pflich­tet, muss ihm je­doch nicht statt­ge­ben.
Nach der Vor­la­ge­ent­schei­dung ist we­der in der Ver­ord­nung noch an an­de­rer Stel­le ein spe­zi­el­les Ver­fah­ren vor­ge­se­hen, um die Ver­ein­bar­keit der Ent­schei­dung des Ar­beit­ge­bers im Hin­blick auf den in der Richt­li­nie 2000/78 ver­an­ker­ten Grund­satz der Gleich­be­hand­lung ge­richt­lich über­prüfen zu las­sen.
Das vor­le­gen­de Ge­richt weist wei­ter dar­auf hin, dass Re­gu­la­ti­on 7(4) der Ver­ord­nung de­ren Re­gu­la­ti­on 30 ergänzt, in­dem sie den Ar­beit­ge­bern ge­stat­tet, Per­so­nen, die das 65. Le­bens­jahr voll­endet ha­ben, bei der Ein­stel­lung aus Gründen des Al­ters ei­ner Un­gleich­be­hand­lung zu un­ter­zie­hen. Re­gu­la­ti­on 7 sieht vor:
„(1) Ein Ar­beit­ge­ber han­delt rechts­wid­rig, wenn er bezüglich der von ihm an­ge­bo­te­nen Beschäfti­gungs­verhält­nis­se in ei­ner Be­triebsstätte in Großbri­tan­ni­en ei­ne Per­son ei­ner Un­gleich­be­hand­lung un­ter­zieht
(a) durch die von ihm ge­trof­fe­nen Re­ge­lun­gen im Hin­blick auf die Ent­schei­dung, wem er ein Beschäfti­gungs­verhält­nis an­bie­ten soll;
(c) durch die Wei­ge­rung, der Per­son ein Beschäfti­gungs­verhält­nis an­zu­bie­ten, oder in­dem er der Per­son ab­sicht­lich kein Beschäfti­gungs­verhält­nis an­bie­tet.
(4) Vor­be­halt­lich Re­gu­la­ti­on 7(5) ist Re­gu­la­ti­on 7(1)(a) und (c) nicht an­wend­bar auf Per­so­nen,
(a) de­ren Al­ter über dem bei dem Ar­beit­ge­ber übli­chen Ru­he­stands­al­ter oder, wenn es ein sol­ches nicht gibt, über 65 Jah­re liegt oder
(b) die in­ner­halb ei­nes Zeit­raums von sechs Mo­na­ten nach dem Zeit­punkt ih­rer Be­wer­bung das bei dem Ar­beit­ge­ber übli­che Ru­he­stands­al­ter oder, wenn es ein sol­ches nicht gibt, das Al­ter von 65 Jah­ren er­rei­chen würden.
(5) Re­gu­la­ti­on 7(4) gilt nur für Per­so­nen, auf die im Fall der Ein­stel­lung bei dem Ar­beit­ge­ber Re­gu­la­ti­on 30 (Aus­nah­me bei Ver­set­zung in den Ru­he­stand) an­wend­bar wäre.
(8) In Re­gu­la­ti­on 7(4) be­deu­tet ‚übli­ches Ru­he­stands­al­ter‘ ein Al­ter von min­des­tens 65 Jah­ren, wenn die Vor­aus­set­zun­gen von Sec­tion 98ZH des Ge­set­zes von 1996 erfüllt sind.“
Der Na­tio­nal Coun­cil on Age­ing (Age Con­cern Eng­land) (im Fol­gen­den: Age Con­cern Eng­land) ist ei­ne ge­meinnützi­ge Ein­rich­tung zur Förde­rung des Wohls älte­rer Men­schen. Mit sei­ner Kla­ge beim vor­le­gen­den Ge­richt stellt Age Con­cern Eng­land die Rechtmäßig­keit der Re­gu­la­ti­ons 3(1), 7(4) und 30 in Fra­ge, da sei­ner An­sicht nach die Richt­li­nie 2000/78 mit die­sen Be­stim­mun­gen nicht ord­nungs­gemäß um­ge­setzt wor­den ist. Er macht im We­sent­li­chen gel­tend, in­dem die Ver­ord­nung in Re­gu­la­ti­on 30 ei­ne Aus­nah­me vom Grund­satz der Nicht­dis­kri­mi­nie­rung für den Fall vor­se­he, dass der Grund für die Ent­las­sung ei­nes Ar­beit­neh­mers, der das 65. Le­bens­jahr voll­endet ha­be, die Ver­set­zung in den Ru­he­stand sei, ver­s­toße sie ge­gen Art. 6 Abs. 1 der Richt­li­nie 2000/78 so­wie den Grund­satz der Verhält­nismäßig­keit.
Vor dem vor­le­gen­den Ge­richt ha­ben die Behörden des Ver­ei­nig­ten König­reichs vor­ge­tra­gen, die im Aus­gangs­ver­fah­ren frag­li­chen Be­stim­mun­gen der Ver­ord­nung fie­len gemäß dem 14. Erwägungs­grund der Richt­li­nie 2000/78, wo­nach die­se „nicht die ein­zel­staat­li­chen Be­stim­mun­gen über die Fest­set­zung der Al­ters­gren­zen für den Ein­tritt in den Ru­he­stand [berührt]“, nicht in den An­wen­dungs­be­reich der Richt­li­nie. Hilfs­wei­se ha­ben sie gel­tend ge­macht, die­se Be­stim­mun­gen stünden mit Art. 6 der Richt­li­nie 2000/78 in Ein­klang.
Der High Court of Jus­ti­ce (Eng­land & Wa­les), Queen’s Bench Di­vi­si­on (Ad­mi­nis­tra­ti­ve Court), hat da­her das Ver­fah­ren aus­ge­setzt und dem Ge­richts­hof fol­gen­de Fra­gen zur Vor­ab­ent­schei­dung vor­ge­legt:
Bezüglich der Richt­li­nie 2000/78:
So­weit es um na­tio­na­le Ru­he­stands­al­ters­gren­zen und den Gel­tungs­be­reich der Richt­li­nie geht:
1. Er­streckt sich der Gel­tungs­be­reich der Richt­li­nie auf na­tio­na­le Re­ge­lun­gen, die es den Ar­beit­ge­bern er­lau­ben, Ar­beit­neh­mer, die das 65. Le­bens­jahr voll­endet ha­ben, we­gen Ver­set­zung in den Ru­he­stand zu ent­las­sen?
2. Er­streckt sich der Gel­tungs­be­reich der Richt­li­nie auf na­tio­na­le Re­ge­lun­gen, die es den Ar­beit­ge­bern er­lau­ben, Ar­beit­neh­mer, die das 65. Le­bens­jahr voll­endet ha­ben, we­gen Ver­set­zung in den Ru­he­stand zu ent­las­sen, wenn die­se Re­ge­lun­gen nach Er­lass der Richt­li­nie ein­geführt wor­den sind?
3. Wa­ren in An­be­tracht der Ant­wor­ten auf die vor­ste­hen­den Fra­gen
– Sec­tion 109 und/oder Sec­tion 156 des Ge­set­zes von 1996 und/oder
– die Re­gu­la­ti­ons 30 und 7 der Ver­ord­nung in Ver­bin­dung mit den Anhängen 8 und 6 der Ver­ord­nung
ein­zel­staat­li­che Be­stim­mun­gen über die Fest­set­zung der Al­ters­gren­zen für den Ein­tritt in den Ru­he­stand im Sin­ne des 14. Erwägungs­grun­des?
So­weit es um die De­fi­ni­ti­on der un­mit­tel­ba­ren Dis­kri­mi­nie­rung aus Gründen des Al­ters, ins­be­son­de­re den Ein­wand der ge­recht­fer­tig­ten Un­gleich­be­hand­lung geht:
4. Er­laubt Art. 6 Abs. 1 der Richt­li­nie 2000/78 den Mit­glied­staa­ten den Er­lass von Rechts­vor­schrif­ten, wo­nach ei­ne Un­gleich­be­hand­lung aus Gründen des Al­ters kei­ne Dis­kri­mi­nie­rung dar­stellt, wenn nach­ge­wie­sen ist, dass sie ein verhält­nismäßiges Mit­tel zur Er­rei­chung ei­nes le­gi­ti­men Ziels dar­stellt, oder sind die Mit­glied­staa­ten nach Art. 6 Abs. 1 der Richt­li­nie ver­pflich­tet, die der­art ge­recht­fer­tig­ten Ar­ten der Un­gleich­be­hand­lung durch ei­ne Aufzählung oder sons­ti­ge Maßnah­me zu de­fi­nie­ren, die nach Form und In­halt Art. 6 Abs. 1 der Richt­li­nie ent­spricht?
So­weit es um die Vor­aus­set­zun­gen für die Recht­fer­ti­gung un­mit­tel­ba­rer und mit­tel­ba­rer Dis­kri­mi­nie­rung geht:
5. Be­steht ein er­heb­li­cher prak­ti­scher Un­ter­schied zwi­schen den Vor­aus­set­zun­gen für ei­ne Recht­fer­ti­gung mit­tel­ba­rer Dis­kri­mi­nie­rung nach Art. 2 Abs. 2 der Richt­li­nie 2000/78 und den Vor­aus­set­zun­gen für ei­ne Recht­fer­ti­gung un­mit­tel­ba­rer Dis­kri­mi­nie­rung aus Gründen des Al­ters nach Art. 6 Abs. 1 der Richt­li­nie, und wor­in be­steht ge­ge­be­nen­falls die­ser Un­ter­schied?
Zu den ers­ten drei Fra­gen
Mit den ers­ten drei Fra­gen, die zu­sam­men zu prüfen sind, möch­te das vor­le­gen­de Ge­richt wis­sen, ob ei­ne Re­ge­lung, wie sie Ge­gen­stand des Aus­gangs­ver­fah­rens ist, in den An­wen­dungs­be­reich der Richt­li­nie 2000/78 fällt.
Nach Er­lass des Ur­teils vom 16. Ok­to­ber 2007, Pa­la­ci­os de la Vil­la (C‑411/05, Slg. 2007, I‑8531), ha­ben al­le Be­tei­lig­ten, die Erklärun­gen vor dem Ge­richts­hof ab­ge­ge­ben ha­ben, übe­rein­stim­mend erklärt, dass die Ver­ord­nung in den An­wen­dungs­be­reich der Richt­li­nie 2000/78 fal­le.
Da­zu ist dar­auf hin­zu­wei­sen, dass die Richt­li­nie 2000/78 ei­nen all­ge­mei­nen Rah­men schaf­fen soll, der gewähr­leis­tet, dass je­der in Beschäfti­gung und Be­ruf gleich­be­han­delt wird, in­dem sie dem Be­trof­fe­nen ei­nen wirk­sa­men Schutz vor Dis­kri­mi­nie­run­gen aus ei­nem der in ih­rem Art. 1 ge­nann­ten Gründe – dar­un­ter auch das Al­ter – bie­tet (vgl. Ur­teil Pa­la­ci­os de la Vil­la, Rand­nr. 42).
Ins­be­son­de­re er­gibt sich aus Art. 3 Abs. 1 Buchst. c der Richt­li­nie 2000/78, dass die­se im Rah­men der auf die Ge­mein­schaft über­tra­ge­nen Zuständig­kei­ten „für al­le Per­so­nen … in Be­zug auf … die Beschäfti­gungs‑ und Ar­beits­be­din­gun­gen, ein­sch­ließlich der Ent­las­sungs­be­din­gun­gen und des Ar­beits­ent­gelts“, gilt.
25 Zwar berührt die Richt­li­nie 2000/78 laut ih­rem 14. Erwägungs­grund nicht die ein­zel­staat­li­chen Be­stim­mun­gen über die Fest­set­zung der Al­ters­gren­zen für den Ein­tritt in den Ru­he­stand. Die­ser Erwägungs­grund be­schränkt sich je­doch auf die Klar­stel­lung, dass die Richt­li­nie nicht die Zuständig­keit der Mit­glied­staa­ten tan­giert, das Al­ter für den Ein­tritt in den Ru­he­stand zu be­stim­men, und steht in kei­ner Wei­se der An­wen­dung der Richt­li­nie auf na­tio­na­le Maßnah­men ent­ge­gen, mit de­nen die Be­din­gun­gen ge­re­gelt wer­den, un­ter de­nen ein Ar­beits­ver­trag en­det, wenn das auf die­se Wei­se fest­ge­setz­te Ru­he­stands­al­ter er­reicht wird (Ur­teil Pa­la­ci­os de la Vil­la, Rand­nr. 44).
Der Vor­la­ge­ent­schei­dung zu­fol­ge ist es nach Re­gu­la­ti­on 30 der Ver­ord­nung zulässig, Ar­beit­neh­mer, die das 65. Le­bens­jahr voll­endet ha­ben, we­gen ih­rer Ver­set­zung in den Ru­he­stand zu ent­las­sen. Re­gu­la­ti­on 7(4) die­ser Ver­ord­nung sieht zu­dem vor, dass ein Ar­beit­ge­ber Per­so­nen bei der Ein­stel­lung ei­ner Un­gleich­be­hand­lung un­ter­zie­hen darf, wenn auf sie im Fall ih­rer Ein­stel­lung Re­gu­la­ti­on 30 die­ser Ver­ord­nung an­wend­bar wäre. Sch­ließlich er­gibt sich für Ar­beit­neh­mer un­ter 65 Jah­ren aus Re­gu­la­ti­on 3 in Ver­bin­dung mit Re­gu­la­ti­on 30 der Ver­ord­nung, dass ei­ne Ent­las­sung aus Gründen der Ver­set­zung in den Ru­he­stand als dis­kri­mi­nie­rend an­zu­se­hen ist, so­fern der Ar­beit­ge­ber nicht nach­weist, dass es sich bei der Be­hand­lung um ein „verhält­nismäßiges Mit­tel zur Er­rei­chung ei­nes rechtmäßigen Ziels“ han­delt.
Dar­aus folgt, dass mit ei­ner Ver­ord­nung wie der im Aus­gangs­ver­fah­ren frag­li­chen kei­ne zwin­gen­de Re­ge­lung zur Ver­set­zung in den Ru­he­stand von Amts we­gen ein­geführt wird. Die­se Ver­ord­nung sieht viel­mehr die Vor­aus­set­zun­gen vor, un­ter de­nen ein Ar­beit­ge­ber vom Grund­satz des Ver­bots von Dis­kri­mi­nie­run­gen aus Gründen des Al­ters ab­wei­chen und ei­nen Ar­beit­neh­mer mit der Be­gründung ent­las­sen darf, dass die­ser das Ru­he­stands­al­ter er­reicht ha­be. Die­se Ver­ord­nung kann sich so­mit un­mit­tel­bar auf die Dau­er des Ar­beits­verhält­nis­ses zwi­schen den Par­tei­en und all­ge­mein auf die Ausübung der be­ruf­li­chen Tätig­keit des be­tref­fen­den Ar­beit­neh­mers aus­wir­ken. Über­dies nimmt ei­ne Be­stim­mung wie Re­gu­la­ti­on 7(5) der Ver­ord­nung den­je­ni­gen Ar­beit­neh­mern, die das 65. Le­bens­jahr voll­endet ha­ben oder demnächst voll­enden wer­den und un­ter Re­gu­la­ti­on 30 der Ver­ord­nung fal­len, je­den Schutz vor Dis­kri­mi­nie­run­gen bei der Ein­stel­lung aus Gründen des Al­ters, wo­mit die künf­ti­ge Teil­nah­me die­ser Ka­te­go­rie Ar­beit­neh­mer am ak­ti­ven Be­rufs­le­ben be­schränkt wird.
Ei­ne sol­che na­tio­na­le Re­ge­lung enthält Vor­schrif­ten über die „Beschäfti­gungs- und Ar­beits­be­din­gun­gen, ein­sch­ließlich der Ent­las­sungs­be­din­gun­gen und des Ar­beits­ent­gelts“, im Sin­ne von Art. 3 Abs. 1 Buchst. c der Richt­li­nie 2000/78 und fällt da­mit in den An­wen­dungs­be­reich die­ser Richt­li­nie.
Die­se Schluss­fol­ge­rung kann nicht mit dem Ar­gu­ment in Fra­ge ge­stellt wer­den, ei­ne sol­che na­tio­na­le Re­ge­lung sei, wor­auf in der zwei­ten Fra­ge des vor­le­gen­den Ge­richts hin­ge­wie­sen wird, nach Er­lass der Richt­li­nie ein­geführt wor­den.
Un­ter die­sen Umständen ist auf die ers­ten drei Vor­la­ge­fra­gen zu ant­wor­ten, dass ei­ne na­tio­na­le Re­ge­lung, wie sie in den Re­gu­la­ti­ons 3, 7(4) und (5) so­wie 30 der im Aus­gangs­ver­fah­ren frag­li­chen Ver­ord­nung nie­der­ge­legt ist, in den An­wen­dungs­be­reich der Richt­li­nie 2000/78 fällt.
Zur vier­ten Fra­ge
31 Mit sei­ner vier­ten Fra­ge möch­te das vor­le­gen­de Ge­richt wis­sen, ob Art. 6 Abs. 1 der Richt­li­nie 2000/78 da­hin aus­zu­le­gen ist, dass er von den Mit­glied­staa­ten ver­langt, die­je­ni­gen Ar­ten von Un­gleich­be­hand­lun­gen aus Gründen des Al­ters, die nicht vom Dis­kri­mi­nie­rungs­ver­bot er­fasst wer­den, im Ein­zel­nen zu be­nen­nen. Nach den Ak­ten soll mit die­ser Fra­ge geklärt wer­den, ob Art. 6 Abs. 1 ei­ner Be­stim­mung wie Re­gu­la­ti­on 3 der Ver­ord­nung ent­ge­gen­steht, nach der ei­ne Un­gleich­be­hand­lung aus Gründen des Al­ters kei­ne Dis­kri­mi­nie­rung dar­stellt, wenn nach­ge­wie­sen wird, dass es sich bei ihr um ein „verhält­nismäßiges Mit­tel zur Er­rei­chung ei­nes rechtmäßigen Ziels“ han­delt. Da das vor­le­gen­de Ge­richt sei­ne Fra­ge auf die Aus­le­gung von Art. 6 Abs. 1 der Richt­li­nie 2000/78 be­schränkt hat, be­darf es kei­ner Ent­schei­dung des Ge­richts­hofs über die Aus­le­gung an­de­rer Be­stim­mun­gen, ins­be­son­de­re des Art. 4 der Richt­li­nie.
Vor­ab ist dar­an zu er­in­nern, dass die Richt­li­nie 2000/78 nach ih­rem Art. 1 be­zweckt, be­stimm­te Ar­ten von Dis­kri­mi­nie­run­gen in Beschäfti­gung und Be­ruf, zu de­nen sol­che aus Gründen des Al­ters gehören, zu bekämp­fen, um den Grund­satz der Gleich­be­hand­lung in den Mit­glied­staa­ten zu ver­wirk­li­chen.
Nach Art. 2 Abs. 1 der Richt­li­nie 2000/78 be­deu­tet „Gleich­be­hand­lungs­grund­satz“ im Sin­ne die­ser Richt­li­nie, dass es kei­ne un­mit­tel­ba­re oder mit­tel­ba­re Dis­kri­mi­nie­rung aus ei­nem der in Art. 1 der Richt­li­nie ge­nann­ten Gründe ge­ben darf. Art. 2 Abs. 2 Buchst. a der Richt­li­nie stellt klar, dass ei­ne un­mit­tel­ba­re Dis­kri­mi­nie­rung im Sin­ne von Abs. 1 vor­liegt, wenn ei­ne Per­son aus ei­nem der in Art. 1 ge­nann­ten Gründe ei­ne we­ni­ger güns­ti­ge Be­hand­lung erfährt als ei­ne an­de­re Per­son, die sich in ei­ner ver­gleich­ba­ren Si­tua­ti­on be­fin­det.
Nach Re­gu­la­ti­on 3 der Ver­ord­nung kann je­doch ein Ar­beit­ge­ber Ar­beit­neh­mer un­ter 65 Jah­ren, die nicht in den An­wen­dungs­be­reich von Re­gu­la­ti­on 30 der Ver­ord­nung fal­len, ent­las­sen, wenn die Be­trof­fe­nen das im Un­ter­neh­men für ei­ne Ver­set­zung in den Ru­he­stand fest­ge­leg­te Al­ter er­reicht ha­ben, so­fern ei­ne sol­che Maßnah­me „ein verhält­nismäßiges Mit­tel zur Er­rei­chung ei­nes rechtmäßigen Ziels“ dar­stellt. Dies ist als ei­ne Re­ge­lung an­zu­se­hen, mit der für Ar­beit­neh­mer, die die­ses Ru­he­stands­al­ter er­reicht ha­ben, ei­ne we­ni­ger güns­ti­ge Be­hand­lung als für al­le an­de­ren be­rufstäti­gen Per­so­nen vor­ge­schrie­ben wird. Die­se Re­ge­lung kann so­mit zu ei­ner un­mit­tel­ba­ren Un­gleich­be­hand­lung aus Gründen des Al­ters führen, wie sie in Art. 2 Abs. 1 und 2 Buchst. a der Richt­li­nie 2000/78 be­zeich­net ist.
Nach Art. 6 Abs. 1 Un­terabs. 1 der Richt­li­nie 2000/78 stel­len sol­che Un­gleich­be­hand­lun­gen aus Gründen des Al­ters je­doch kei­ne nach Art. 2 der Richt­li­nie ver­bo­te­ne Dis­kri­mi­nie­rung dar, „so­fern sie ob­jek­tiv und an­ge­mes­sen sind und im Rah­men des na­tio­na­len Rechts durch ein le­gi­ti­mes Ziel, wor­un­ter ins­be­son­de­re rechtmäßige Zie­le aus den Be­rei­chen Beschäfti­gungs­po­li­tik, Ar­beits­markt und be­ruf­li­che Bil­dung zu ver­ste­hen sind, ge­recht­fer­tigt sind und die Mit­tel zur Er­rei­chung die­ses Ziels an­ge­mes­sen und er­for­der­lich sind“. Un­terabs. 2 die­ses Ab­sat­zes zählt meh­re­re Bei­spie­le für Un­gleich­be­hand­lun­gen auf, die Merk­ma­le auf­wei­sen, wie sie in Un­terabs. 1 ge­nannt sind.
Age Con­cern Eng­land macht gel­tend, in­dem der Ge­mein­schafts­ge­setz­ge­ber in Art. 6 Abs. 1 Un­terabs. 2 der Richt­li­nie 2000/78 in die­ser Wei­se ei­ne Lis­te ob­jek­ti­ver und an­ge­mes­se­ner Recht­fer­ti­gungs­gründe auf­ge­stellt ha­be, ha­be er die Mit­glied­staa­ten ver­pflich­ten wol­len, in ih­re Um­set­zungs­re­ge­lun­gen ein spe­zi­fi­sches Ver­zeich­nis der Un­gleich­be­hand­lun­gen auf­zu­neh­men, die im Hin­blick auf ein rechtmäßiges Ziel ge­recht­fer­tigt sein könn­ten. Art. 6 Abs. 1 der Richt­li­nie 2000/78 ste­he so­mit ei­ner na­tio­na­len Re­ge­lung ent­ge­gen, nach der ei­ne Un­gleich­be­hand­lung aus Gründen des Al­ters, wel­cher Na­tur sie auch sei, dann nicht rechts­wid­rig sei, wenn nach­ge­wie­sen wer­den könne, dass sie ein verhält­nismäßiges Mit­tel zur Er­rei­chung ei­nes rechtmäßigen Zwecks dar­stel­le.
Die Ver­ord­nung nen­ne kei­ne Umstände, die ei­ne Un­gleich­be­hand­lung, die mögli­cher­wei­se ei­ne un­mit­tel­ba­re Dis­kri­mi­nie­rung aus Gründen des Al­ters dar­stel­le, recht­fer­ti­gen könn­ten, und ent­hal­te kei­ne spe­zi­fi­sche Be­stim­mung wie die­je­ni­gen, die im 25. Erwägungs­grund der Richt­li­nie 2000/78 ins Au­ge ge­fasst sei­en.
Die Re­gie­rung des Ver­ei­nig­ten König­reichs tritt die­ser Aus­le­gung mit dem Ar­gu­ment ent­ge­gen, die Mit­glied­staa­ten sei­en nicht ver­pflich­tet, die Un­gleich­be­hand­lun­gen, für die ei­ne Aus­nah­me nach Art. 6 Abs. 1 der Richt­li­nie 2000/78 gel­ten könne, in Form ei­ner Lis­te auf­zuzählen.
Die däni­sche Re­gie­rung ver­tritt im We­sent­li­chen die glei­che Auf­fas­sung, wo­bei sie auf den Hand­lungs­spiel­raum ver­weist, über den die Mit­glied­staa­ten bei der Um­set­zung von Richt­li­ni­en verfügten.
Die Kom­mis­si­on der Eu­ropäischen Ge­mein­schaf­ten macht un­ter Hin­weis auf das Ur­teil von 22. No­vem­ber 2005, Man­gold (C‑144/04, Slg. 2005, I‑9981, Rand­nr. 75), so­wie auf Art. 21 Abs. 1 der am 7. De­zem­ber 2000 in Niz­za pro­kla­mier­ten Char­ta der Men­schen­rech­te der Eu­ropäischen Uni­on (ABl. C 364, S. 1) gel­tend, dass der Grund­satz des Ver­bots von Dis­kri­mi­nie­run­gen aus Gründen des Al­ters ein fun­da­men­ta­ler Grund­satz des Ge­mein­schafts­rechts sei und dass je­de Aus­nah­me von die­sem Grund­satz durch ei­nen so­zi­al­po­li­ti­schen öffent­li­chen Zweck ge­recht­fer­tigt sein müsse. Sie legt Art. 6 Abs. 1 der Richt­li­nie 2000/78, wie er in de­ren 25. Erwägungs­grund erläutert wer­de, da­hin aus, dass er ei­ne be­grenz­te Form der Aus­nah­me von die­sem fun­da­men­ta­len Grund­satz vor­se­he, die durch be­son­de­re so­zi­al­po­li­ti­sche Erwägun­gen, die ei­nem be­stimm­ten Mit­glied­staat ei­gen sei­en, ge­recht­fer­tigt sei. Die­se Be­stim­mung set­ze da­her den Er­lass ei­ner spe­zi­fi­schen na­tio­na­len Maßnah­me vor­aus, die ei­ne Ge­samt­heit be­son­de­rer Umstände und Zie­le wi­der­spie­ge­le.
In die­sem Zu­sam­men­hang ist dar­an zu er­in­nern, dass nach Art. 249 EG ei­ne Richt­li­nie für je­den Mit­glied­staat, an den sie ge­rich­tet wird, hin­sicht­lich des zu er­rei­chen­den Ziels ver­bind­lich ist, den in­ner­staat­li­chen Stel­len je­doch die Wahl der Form und der Mit­tel überlässt. Die Mit­glied­staa­ten sind ver­pflich­tet, bei der Um­set­zung ei­ner Richt­li­nie de­ren vollständi­ge Wirk­sam­keit zu gewähr­leis­ten, wo­bei sie aber über ei­nen wei­ten Wer­tungs­spiel­raum hin­sicht­lich der Wahl der Mit­tel verfügen (vgl. u. a. Ur­teil vom 9. No­vem­ber 2006, Kom­mis­si­on/Ir­land, C‑216/05, Slg. 2006, I‑10787, Rand­nr. 26).
Die Um­set­zung ei­ner Richt­li­nie in in­ner­staat­li­ches Recht ver­langt zu­dem nicht in je­dem Fall, dass ih­re Be­stim­mun­gen förm­lich in ei­ner aus­drück­li­chen be­son­de­ren Ge­set­zes­vor­schrift wie­der­ge­ge­ben wer­den. So hat der Ge­richts­hof be­fun­den, dass die Durchführung ei­ner Richt­li­nie je nach ih­rem In­halt in ei­nem Mit­glied­staat über all­ge­mei­ne Grundsätze oder ei­nen all­ge­mei­nen recht­li­chen Rah­men er­fol­gen kann, so­fern die­se ge­eig­net sind, die vollständi­ge An­wen­dung der Richt­li­nie tatsächlich zu gewähr­leis­ten, und so­fern die sich aus die­sen all­ge­mei­nen Grundsätzen oder die­sem all­ge­mei­nen recht­li­chen Rah­men er­ge­ben­de Rechts­la­ge, so­weit ei­ne Be­stim­mung die­ser Richt­li­nie Rech­te Ein­zel­ner be­gründen soll, hin­rei­chend be­stimmt und klar ist und die Begüns­tig­ten in die La­ge ver­setzt wer­den, von al­len ih­ren Rech­ten Kennt­nis zu er­lan­gen und die­se ge­ge­be­nen­falls vor den na­tio­na­len Ge­rich­ten gel­tend zu ma­chen (vgl. in die­sem Sin­ne Ur­tei­le vom 23. Mai 1985, Kom­mis­si­on/Deutsch­land, 29/84, Slg. 1985, 1661, Rand­nr. 23, und vom 9. April 1987, Kom­mis­si­on/Ita­li­en, 363/85, Slg. 1987, 1733, Rand­nr. 7). Ei­ne Richt­li­nie kann auch mit ei­ner all­ge­mei­nen Maßnah­me durch­geführt wer­den, so­fern die­se die glei­chen Vor­aus­set­zun­gen erfüllt.
Nach die­sen Grundsätzen lässt sich Art. 6 Abs. 1 der Richt­li­nie 2000/78 nicht da­hin aus­le­gen, dass er die Mit­glied­staa­ten ver­pflich­tet, in ih­re Um­set­zungs­maßnah­men ein spe­zi­fi­sches Ver­zeich­nis der Un­gleich­be­hand­lun­gen auf­zu­neh­men, die durch ein rechtmäßiges Ziel ge­recht­fer­tigt sein könn­ten. Im Übri­gen geht aus dem Wort­laut die­ser Be­stim­mung her­vor, dass die in ihr ge­nann­ten rechtmäßigen Zie­le und Un­gleich­be­hand­lun­gen nur Hin­wei­s­cha­rak­ter ha­ben, wie die Ver­wen­dung des Ad­verbs „ins­be­son­de­re“ durch den Ge­mein­schafts­ge­setz­ge­ber zeigt.
In­fol­ge­des­sen lässt sich aus Art. 6 Abs. 1 der Richt­li­nie 2000/78 nicht ab­lei­ten, dass ei­ne na­tio­na­le Re­ge­lung, die nicht die Zie­le ge­nau an­gibt, die nach die­ser Be­stim­mung als rechtmäßig an­ge­se­hen wer­den könn­ten, von ei­ner Recht­fer­ti­gung nach die­ser Be­stim­mung oh­ne Wei­te­res aus­ge­schlos­sen wäre (vgl. in die­sem Sin­ne Ur­teil Pa­la­ci­os de la Vil­la, Rand­nr. 56).
Fehlt es an ei­ner sol­chen ge­nau­en An­ga­be, ist al­ler­dings wich­tig, dass an­de­re, aus dem all­ge­mei­nen Kon­text der be­tref­fen­den Maßnah­me ab­ge­lei­te­te An­halts­punk­te die Fest­stel­lung des hin­ter die­ser Maßnah­me ste­hen­den Ziels ermögli­chen, da­mit des­sen Rechtmäßig­keit so­wie die An­ge­mes­sen­heit und Er­for­der­lich­keit der zu sei­ner Er­rei­chung ein­ge­setz­ten Mit­tel ge­richt­lich über­prüft wer­den können (Ur­teil Pa­la­ci­os de la Vil­la, Rand­nr. 57).
Aus Art. 6 Abs. 1 der Richt­li­nie 2000/78 er­gibt sich, dass die Zie­le, die als „rechtmäßig“ im Sin­ne die­ser Be­stim­mung und da­mit als ge­eig­net an­ge­se­hen wer­den können, ei­ne Aus­nah­me vom Grund­satz des Ver­bots von Dis­kri­mi­nie­run­gen aus Gründen des Al­ters zu recht­fer­ti­gen, so­zi­al­po­li­ti­sche Zie­le wie sol­che aus den Be­rei­chen Beschäfti­gungs­po­li­tik, Ar­beits­markt oder be­ruf­li­che Bil­dung sind. Die­se Zie­le un­ter­schei­den sich in­so­weit, als sie im All­ge­mein­in­ter­es­se ste­hen, von rein in­di­vi­du­el­len Be­weg­gründen, die der Si­tua­ti­on des Ar­beit­ge­bers ei­gen sind, wie Kos­ten­re­du­zie­rung oder Ver­bes­se­rung der Wett­be­werbsfähig­keit, oh­ne dass al­ler­dings aus­ge­schlos­sen wer­den kann, dass ei­ne na­tio­na­le Rechts­vor­schrift bei der Ver­fol­gung der ge­nann­ten rechtmäßigen Zie­le den Ar­beit­ge­bern ei­nen ge­wis­sen Grad an Fle­xi­bi­lität einräumt.
Es ist letzt­lich Sa­che des na­tio­na­len Ge­richts, das al­lein für die Be­ur­tei­lung des Sach­ver­halts des Rechts­streits, mit dem es be­fasst ist, so­wie für die Aus­le­gung des an­wend­ba­ren na­tio­na­len Rechts zuständig ist, fest­zu­stel­len, ob und ge­ge­be­nen­falls in wel­chem Maße ei­ne Be­stim­mung, nach der es Ar­beit­ge­bern er­laubt ist, Ar­beit­neh­mer zu ent­las­sen, die das Ru­he­stands­al­ter er­reicht ha­ben, durch „rechtmäßige“ Zie­le im Sin­ne von Art. 6 Abs. 1 der Richt­li­nie 2000/78 ge­recht­fer­tigt ist.
Der Ge­richts­hof kann je­doch in sei­ner Vor­ab­ent­schei­dung ge­ge­be­nen­falls be­stimm­te Punk­te klar­stel­len, um dem na­tio­na­len Ge­richt ei­ne Richt­schnur für sei­ne Aus­le­gung zu ge­ben (vgl. u. a. Ur­teil vom 23. No­vem­ber 2006, As­nef-Equi­fax und Ad­mi­nis­tra­ción del Esta­do, C‑238/05, Slg. 2006, I‑11125, Rand­nr. 40 und die dort an­geführ­te Recht­spre­chung).
Es ob­liegt dem vor­le­gen­den Ge­richt, zu prüfen, ob die Zie­le, auf die sich Re­gu­la­ti­on 3 der Ver­ord­nung be­zieht, in­so­weit rechtmäßig im Sin­ne von Art. 6 Abs. 1 der Richt­li­nie 2000/78 sind, als sie ei­nem so­zi­al­po­li­ti­schen Ziel wie et­wa Zie­len aus den Be­rei­chen Beschäfti­gungs­po­li­tik, Ar­beits­markt und be­ruf­li­che Bil­dung ent­spre­chen.
50 Das vor­le­gen­de Ge­richt hat außer­dem un­ter Berück­sich­ti­gung al­ler ein­schlägi­gen Ge­sichts­punk­te und der et­wa be­ste­hen­den Möglich­keit, das je­weils fest­ge­stell­te rechtmäßige so­zi­al­po­li­ti­sche Ziel durch an­de­re Mit­tel zu er­rei­chen, zu prüfen, ob Re­gu­la­ti­on 3 der Ver­ord­nung als Mit­tel zur Er­rei­chung die­ses Ziels „an­ge­mes­sen und er­for­der­lich“ im Sin­ne von Art. 6 Abs. 1 der Richt­li­nie 2000/78 ist.
Da­zu ist fest­zu­stel­len, dass die Mit­glied­staa­ten bei der Wahl der Mit­tel zur Er­rei­chung der Zie­le ih­rer So­zi­al­po­li­tik über ei­nen wei­ten Wer­tungs­spiel­raum verfügen (vgl. in die­sem Sin­ne Ur­teil Man­gold, Rand­nr. 63). Die­ser Wer­tungs­spiel­raum darf je­doch nicht da­zu führen, dass der Grund­satz des Ver­bots der Dis­kri­mi­nie­rung aus Gründen des Al­ters aus­gehöhlt wird. All­ge­mei­ne Be­haup­tun­gen, dass ei­ne be­stimm­te Maßnah­me ge­eig­net sei, der Beschäfti­gungs­po­li­tik, dem Ar­beits­markt und der be­ruf­li­chen Bil­dung zu die­nen, genügen nicht, um dar­zu­tun, dass das Ziel die­ser Maßnah­me ei­ne Aus­nah­me von die­sem Grund­satz recht­fer­ti­gen könne, und las­sen nicht den Schluss zu, dass die gewähl­ten Mit­tel zur Ver­wirk­li­chung die­ses Ziels ge­eig­net sei­en (vgl. ent­spre­chend Ur­teil vom 9. Fe­bru­ar 1999, Sey­mour-Smith und Pe­rez, C‑167/97, Slg. 1999, I‑623, Rand­nrn. 75 und 76).
Dem­gemäß ist auf die vier­te Vor­la­ge­fra­ge zu ant­wor­ten, dass Art. 6 Abs. 1 der Richt­li­nie 2000/78 da­hin aus­zu­le­gen ist, dass er ei­ner na­tio­na­len Be­stim­mung, die, wie Re­gu­la­ti­on 3 der Ver­ord­nung, kei­ne ge­naue Aufzählung der Zie­le enthält, die ei­ne Aus­nah­me vom Grund­satz des Ver­bots von Dis­kri­mi­nie­run­gen aus Gründen des Al­ters recht­fer­ti­gen könn­ten, nicht ent­ge­gen­steht. Nach Art. 6 Abs. 1 die­ser Richt­li­nie be­steht die Möglich­keit, Aus­nah­men von die­sem Grund­satz vor­zu­se­hen, je­doch nur für Maßnah­men, die durch rechtmäßige so­zi­al­po­li­ti­sche Zie­le wie sol­che aus den Be­rei­chen Beschäfti­gungs­po­li­tik, Ar­beits­markt und be­ruf­li­che Bil­dung ge­recht­fer­tigt sind. Es ist Sa­che des na­tio­na­len Ge­richts, zu prüfen, ob die im Aus­gangs­ver­fah­ren frag­li­che Re­ge­lung ei­nem sol­chen rechtmäßigen Ziel ent­spricht und ob der na­tio­na­le Ge­setz- oder Ver­ord­nungs­ge­ber an­ge­sichts des Wer­tungs­spiel­raums, über den die Mit­glied­staa­ten im Be­reich der So­zi­al­po­li­tik verfügen, da­von aus­ge­hen durf­te, dass die gewähl­ten Mit­tel zur Er­rei­chung die­ses Ziels an­ge­mes­sen und er­for­der­lich wa­ren.
Zur fünf­ten Fra­ge
Mit der fünf­ten Vor­la­ge­fra­ge soll geklärt wer­den, ob sich die Vor­aus­set­zun­gen, von de­ren Erfüllung Art. 6 Abs. 1 der Richt­li­nie 2000/78 Aus­nah­men vom Grund­satz des Ver­bots von Dis­kri­mi­nie­run­gen aus Gründen des Al­ters abhängig macht, er­heb­lich von den Vor­aus­set­zun­gen un­ter­schei­den, die Art. 2 Abs. 2 Buchst. b die­ser Richt­li­nie für mit­tel­ba­re Dis­kri­mi­nie­run­gen auf­stellt.
Age Con­cern Eng­land führt aus, die in Art. 6 Abs. 1 der Richt­li­nie 2000/78 ge­nann­ten Recht­fer­ti­gungs­gründe sei­en en­ger ge­fasst als die nach Art. 2 Abs. 2. Art. 6 Abs. 1 be­schränke nämlich die zulässi­gen Aus­nah­men auf die Maßnah­men, die ob­jek­tiv und an­ge­mes­sen ge­recht­fer­tigt („ob­jec­tive­ly and re­a­son­ab­ly ju­s­ti­fied“) sei­en. Die­ser dop­pel­ten Vor­aus­set­zung, die im ab­ge­lei­te­ten Ge­mein­schafts­recht ein­ma­lig sei, lie­ge un­mit­tel­bar das Ur­teil des Eu­ropäischen Ge­richts­hofs für Men­schen­rech­te vom 16. Sep­tem­ber 1996, Gay­gu­suz/Öster­reich (Re­ports of Jud­ge­ments and De­ci­si­ons 1996-IV, S. 1141, Nr. 42), zu­grun­de, in dem es um Dis­kri­mi­nie­rung aus Gründen des Ge­schlechts oder der Ras­se ge­he. Da der Grund­satz des Ver­bots der Dis­kri­mi­nie­rung aus Gründen des Al­ters ein all­ge­mei­ner Grund­satz des Ge­mein­schafts­rechts sei, wie sich aus Rand­nr. 75 des Ur­teils Man­gold er­ge­be, müss­ten an je­de Recht­fer­ti­gung ei­ner Un­gleich­be­hand­lung aus Gründen des Al­ters, die ei­ne un­mit­tel­ba­re Dis­kri­mi­nie­rung dar­stel­len könn­te, sehr ho­he An­for­de­run­gen ge­stellt wer­den, die de­nen entsprächen, die vom Eu­ropäischen Ge­richts­hof für Men­schen­rech­te bei Dis­kri­mi­nie­run­gen aus Gründen des Ge­schlechts oder der Ras­se an­ge­wandt würden.
Nach An­sicht der Re­gie­rung des Ver­ei­nig­ten König­reichs ist es nicht von Be­deu­tung, dass in Art. 6 Abs. 1 der Richt­li­nie 2000/78 das Wort „an­ge­mes­sen“ („re­a­son­ab­ly“) in Ver­bin­dung mit dem Wort „ob­jek­tiv“ ver­wen­det wer­de. Es sei nämlich nicht vor­stell­bar, dass zwar ei­ne Un­gleich­be­hand­lung durch ein rechtmäßiges Ziel, das mit an­ge­mes­se­nen („ap­pro­pria­te“) und er­for­der­li­chen Mit­teln er­reicht wer­de, ge­recht­fer­tigt sein könne, dass aber die­se Recht­fer­ti­gung nicht an­ge­mes­sen („re­a­sonable“) sei. Außer­dem be­zie­he sich die­se Be­stim­mung nicht nur auf Fälle un­mit­tel­ba­rer, son­dern auch auf sol­che mit­tel­ba­rer Dis­kri­mi­nie­rung, wo­von das Bei­spiel der in Art. 6 Abs. 1 Un­terabs. 2 Buchst. b auf­geführ­ten Min­dest­an­for­de­run­gen an das Dienst­al­ter oder die Be­rufs­er­fah­rung für den Zu­gang zur Beschäfti­gung zeu­ge. Um ei­ne Dis­kri­mi­nie­rung aus­zu­sch­ließen, könn­ten all­ge­mein ob­jek­ti­ve und verhält­nismäßige Recht­fer­ti­gungs­gründe nach dem Ge­mein­schafts­recht oder aber nach der am 4. No­vem­ber 1950 in Rom un­ter­zeich­ne­ten Kon­ven­ti­on zum Schut­ze der Men­schen­rech­te und Grund­frei­hei­ten an­geführt wer­den. Es würde ein Ele­ment der Rechts­un­si­cher­heit dar­stel­len, wenn im Be­reich der un­mit­tel­ba­ren Dis­kri­mi­nie­rung aus Gründen des Al­ters ein an­de­res Kri­te­ri­um als das im Be­reich der mit­tel­ba­ren Dis­kri­mi­nie­rung gel­ten­de ein­geführt würde, auch wenn für das Ver­bot von Dis­kri­mi­nie­run­gen aus Gründen des Al­ters zahl­rei­che Ab­schwächun­gen und Aus­nah­men gälten, für die es bei Dis­kri­mi­nie­run­gen aus Gründen der Ras­se oder des Ge­schlechts kei­ne Ent­spre­chun­gen ge­be.
Die ita­lie­ni­sche Re­gie­rung macht gel­tend, Art. 2 Abs. 2 und Art. 6 Abs. 1 der Richt­li­nie 2000/78 hätten nicht den­sel­ben An­wen­dungs­be­reich. Die letzt­ge­nann­te Be­stim­mung im­pli­zie­re mit der Wen­dung „rechtmäßige Zie­le aus den Be­rei­chen Beschäfti­gungs­po­li­tik, Ar­beits­markt und be­ruf­li­che Bil­dung“, dass die Aus­nah­men vom Grund­satz des Ver­bots der Dis­kri­mi­nie­rung aus Gründen des Al­ters ei­nen wei­te­ren An­wen­dungs­be­reich hätten als die Aus­nah­men nach Art. 2 Abs. 2 Buchst. b der Richt­li­nie 2000/78.
Nach An­sicht der Kom­mis­si­on ist dem Um­stand, dass Art. 2 Abs. 2 der Richt­li­nie 2000/78 nicht auf die An­ge­mes­sen­heit der Recht­fer­ti­gung ei­ner po­ten­zi­ell dis­kri­mi­nie­ren­den Maßnah­me Be­zug nimmt, kei­ne be­son­de­re Be­deu­tung bei­zu­mes­sen. Der we­sent­li­che Un­ter­schied zwi­schen die­ser Be­stim­mung und Art. 6 Abs. 1 der Richt­li­nie be­tref­fe die Fra­ge, wer ei­nen Recht­fer­ti­gungs­grund bei­zu­brin­gen ha­be, wel­cher Na­tur die­ser sei und wie er nach­zu­wei­sen sei. Was die letzt­ge­nann­te Be­stim­mung an­ge­he, er­ge­be sich aus Rand­nr. 57 des Ur­teils Pa­la­ci­os de la Vil­la, dass sich das vom be­tref­fen­den Mit­glied­staat an­ge­streb­te Ziel un­mit­tel­bar aus dem Wort­laut der be­tref­fen­den Maßnah­me oder sei­nem all­ge­mei­nen Kon­text, ins­be­son­de­re un­ter Rück­griff auf amt­li­che Do­ku­men­te, her­lei­ten las­sen müsse. Da­ge­gen lie­ge das Schwer­ge­wicht bei Art. 2 Abs. 2 der Richt­li­nie auf der Möglich­keit für den Ar­beit­ge­ber, sei­ne Beschäfti­gungs­prak­ti­ken zu recht­fer­ti­gen.
Es ist fest­zu­stel­len, dass die je­wei­li­gen An­wen­dungs­be­rei­che von Art. 2 Abs. 2 Buchst. b und Art. 6 Abs. 1 der Richt­li­nie 2000/78 nicht völlig de­ckungs­gleich sind.
59 Art. 2 de­fi­niert den Be­griff der Dis­kri­mi­nie­rung aus Gründen der Re­li­gi­on oder der Welt­an­schau­ung, ei­ner Be­hin­de­rung, des Al­ters oder der se­xu­el­len Aus­rich­tung in Beschäfti­gung und Be­ruf. Abs. 2 die­ser Be­stim­mung un­ter­schei­det zwi­schen un­mit­tel­bar auf die­sen Gründen be­ru­hen­den Dis­kri­mi­nie­run­gen und so­ge­nann­ten mit­tel­ba­ren Dis­kri­mi­nie­run­gen, die zwar dem An­schein nach auf neu­tra­len Vor­schrif­ten, Kri­te­ri­en oder Ver­fah­ren be­ru­hen, tatsächlich aber Per­so­nen we­gen ih­rer Re­li­gi­on, ih­rer Welt­an­schau­ung, ih­rer Be­hin­de­rung, ih­res Al­ters oder ih­rer se­xu­el­len Aus­rich­tung ge­genüber an­de­ren Per­so­nen in be­son­de­rer Wei­se be­nach­tei­li­gen können. Nur die­je­ni­gen Vor­schrif­ten, Kri­te­ri­en oder Ver­fah­ren, die mit­tel­ba­re Dis­kri­mi­nie­run­gen be­wir­ken können, können nach Art. 2 Abs. 2 Buchst. b der Richt­li­nie 2000/78 der Qua­li­fi­ka­ti­on als Dis­kri­mi­nie­rung ent­ge­hen, nämlich nach Ziff. i dann, wenn die­se „Vor­schrif­ten, Kri­te­ri­en oder Ver­fah­ren … durch ein rechtmäßiges Ziel sach­lich ge­recht­fer­tigt [sind]“ und wenn „die Mit­tel … zur Er­rei­chung die­ses Ziels an­ge­mes­sen [‚ap­pro­pria­te‘] und er­for­der­lich [sind]“. Für Un­gleich­be­hand­lun­gen, die un­mit­tel­ba­re Dis­kri­mi­nie­run­gen dar­stel­len, sieht Art. 2 Abs. 1 die­ser Richt­li­nie hin­ge­gen kei­ne Aus­nah­me vor.
Dem­ge­genüber wird mit Art. 6 der Richt­li­nie 2000/78 we­gen der Be­son­der­hei­ten des Al­ters­kri­te­ri­ums, die im Rah­men der nach der Richt­li­nie ver­bo­te­nen Dis­kri­mi­nie­rungs­gründe an­er­kannt sind, ei­ne Aus­nah­me­re­ge­lung spe­zi­ell für Un­gleich­be­hand­lun­gen aus Gründen des Al­ters ein­geführt. Nach dem 25. Erwägungs­grund die­ser Richt­li­nie ist nämlich „un­be­dingt zu un­ter­schei­den zwi­schen ei­ner Un­gleich­be­hand­lung, die ins­be­son­de­re durch rechtmäßige Zie­le im Be­reich der Beschäfti­gungs­po­li­tik, des Ar­beits­mark­tes und der be­ruf­li­chen Bil­dung ge­recht­fer­tigt ist, und ei­ner Dis­kri­mi­nie­rung, die zu ver­bie­ten ist“.
Wie in Rand­nr. 35 des vor­lie­gen­den Ur­teils in Er­in­ne­rung ge­ru­fen wor­den ist, ermäch­tigt Art. 6 Abs. 1 der Richt­li­nie 2000/78 die Mit­glied­staa­ten, un­ge­ach­tet des Art. 2 Abs. 2 der Richt­li­nie vor­zu­se­hen, dass be­stimm­te Un­gleich­be­hand­lun­gen aus Gründen des Al­ters kei­ne Dis­kri­mi­nie­rung dar­stel­len, so­fern sie „ob­jek­tiv und an­ge­mes­sen sind [‚ob­jec­tive­ly and re­a­son­ab­ly ju­s­ti­fied‘] und im Rah­men des na­tio­na­len Rechts durch ein le­gi­ti­mes Ziel, wor­un­ter ins­be­son­de­re rechtmäßige Zie­le aus den Be­rei­chen Beschäfti­gungs­po­li­tik, Ar­beits­markt und be­ruf­li­che Bil­dung zu ver­ste­hen sind, ge­recht­fer­tigt und die Mit­tel zur Er­rei­chung die­ses Ziels an­ge­mes­sen [‚ap­pro­pria­te‘] und er­for­der­lich sind“. Art. 6 Abs. 1 Un­terabs. 2 der Richt­li­nie zählt meh­re­re Bei­spie­le für Un­gleich­be­hand­lun­gen auf, die Merk­ma­le, wie sie in Un­terabs. 1 die­ser Be­stim­mung ge­nannt sind, auf­wei­sen und grundsätz­lich als „ob­jek­tiv und an­ge­mes­sen“ und durch ein le­gi­ti­mes Ziel ge­recht­fer­tigt an­zu­se­hen sind.
Art. 6 Abs. 1 der Richt­li­nie 2000/78 ge­stat­tet es aber den Mit­glied­staa­ten, Be­stim­mun­gen in ih­rem na­tio­na­len Recht ein­zuführen, die Un­gleich­be­hand­lun­gen aus Gründen des Al­ters vor­se­hen, wel­che na­ment­lich in die Ka­te­go­rie der un­mit­tel­ba­ren Dis­kri­mi­nie­run­gen fal­len, wie sie in Art. 2 Abs. 2 Buchst. a die­ser Richt­li­nie de­fi­niert sind. So ist in die­sem Sin­ne auch Art. 6 Abs. 1 der Richt­li­nie da­hin aus­zu­le­gen, dass er – gemäß sei­nem Un­terabs. 1 – „un­ge­ach­tet des Ar­ti­kels 2 Ab­satz 2“ der Richt­li­nie an­zu­wen­den ist. Die­se Be­fug­nis ist je­doch, da sie ei­ne Aus­nah­me vom Grund­satz des Ver­bots von Dis­kri­mi­nie­run­gen dar­stellt, strikt den Vor­aus­set­zun­gen die­ses Art. 6 Abs. 1 un­ter­wor­fen.
Aus der Vor­la­ge­ent­schei­dung er­gibt sich, dass der Aus­gangs­rechts­streit die Rechtmäßig­keit na­tio­na­ler Rechts­vor­schrif­ten über die Vor­aus­set­zun­gen für Ent­las­sun­gen we­gen Er­rei­chens des Ru­he­stands­al­ters be­trifft. Da die­se Be­stim­mun­gen ge­genüber Ar­beit­neh­mern, die das Ru­he­stands­al­ter er­reicht ha­ben, we­ni­ger güns­ti­ge Ent­las­sungs­be­din­gun­gen einführen, se­hen sie ei­ne Form der un­mit­tel­ba­ren Dis­kri­mi­nie­rung im Sin­ne von Art. 2 Abs. 2 Buchst. a der Richt­li­nie 2000/78 vor.
Da­ge­gen ist ei­ne Aus­le­gung des aus­sch­ließlich mit­tel­ba­re Dis­kri­mi­nie­run­gen be­tref­fen­den Art. 2 Abs. 2 Buchst. b der Richt­li­nie 2000/78 für die Ent­schei­dung des Aus­gangs­rechts­streits nicht er­for­der­lich.
Da das vor­le­gen­de Ge­richt je­doch die Fra­ge auf­wirft, ob ein Un­ter­schied in der An­wen­dung der Kri­te­ri­en nach Art. 2 Abs. 2 Buchst. b der Richt­li­nie 2000/78 und der­je­ni­gen nach Art. 6 Abs. 1 der Richt­li­nie be­steht, ist dar­auf hin­zu­wei­sen, dass die letzt­ge­nann­te Be­stim­mung den Mit­glied­staa­ten die Möglich­keit einräumt, im na­tio­na­len Recht vor­zu­se­hen, dass be­stimm­te For­men der Un­gleich­be­hand­lung aus Gründen des Al­ters dann kei­ne Dis­kri­mi­nie­run­gen im Sin­ne die­ser Richt­li­nie dar­stel­len, wenn sie „ob­jek­tiv und an­ge­mes­sen“ („ob­jec­tive­ly and re­a­son­ab­ly ju­s­ti­fied“) sind. Auch wenn der Be­griff „re­a­son­ab­ly“ in Art. 2 Abs. 2 Buchst. b die­ser Richt­li­nie nicht ent­hal­ten ist, kommt es nicht in Be­tracht, dass ei­ne Un­gleich­be­hand­lung durch ein mit an­ge­mes­se­nen und er­for­der­li­chen Mit­teln er­reich­tes rechtmäßiges Ziel ge­recht­fer­tigt sein kann, die­se Recht­fer­ti­gung aber nicht an­ge­mes­sen („re­a­sonable“) ist. Dem Um­stand, dass die­ses Wort nur in Art. 6 Abs. 1 der Richt­li­nie 2000/78 ent­hal­ten ist, ist da­her kei­ne be­son­de­re Be­deu­tung bei­zu­mes­sen. Al­ler­dings ist zu be­ach­ten, dass die letzt­ge­nann­te Be­stim­mung an die Mit­glied­staa­ten ge­rich­tet ist und die­sen trotz des wei­ten Er­mes­sens, über das sie im Be­reich der So­zi­al­po­li­tik verfügen, die Be­weis­last dafür auf­er­legt, dass das ver­folg­te Ziel rechtmäßig ist, und an die­sen Be­weis ho­he An­for­de­run­gen stellt.
66 Oh­ne dass hier die Fra­ge be­ant­wor­tet zu wer­den braucht, ob die­se Be­weis­an­for­de­run­gen höher sind als die im Rah­men des Art. 2 Abs. 2 Buchst. b der Richt­li­nie 2000/78 gel­ten­den, ist fest­zu­stel­len, dass es dann, wenn Vor­schrif­ten, Kri­te­ri­en oder Ver­fah­ren we­gen des Vor­lie­gens ei­nes sach­li­chen Recht­fer­ti­gungs­grun­des nach Art. 2 Abs. 2 Buchst. b die­ser Richt­li­nie kei­ne Dis­kri­mi­nie­rung im Sin­ne der Richt­li­nie be­wir­ken, des Rück­griffs auf Art. 6 Abs. 1 der Richt­li­nie nicht be­darf, der, wie aus Rand­nr. 62 des vor­lie­gen­den Ur­teils her­vor­geht, ins­be­son­de­re die Recht­fer­ti­gung be­stimm­ter Un­gleich­be­hand­lun­gen ermögli­chen soll, die oh­ne die­se Be­stim­mung Dis­kri­mi­nie­run­gen dar­stel­len würden.
67 Nach al­le­dem ist auf die fünf­te Vor­la­ge­fra­ge zu ant­wor­ten, dass Art. 6 Abs. 1 der Richt­li­nie 2000/78 es den Mit­glied­staa­ten ermöglicht, im Rah­men des na­tio­na­len Rechts be­stimm­te For­men der Un­gleich­be­hand­lung aus Gründen des Al­ters vor­zu­se­hen, so­fern die­se „ob­jek­tiv und an­ge­mes­sen“ und durch ein rechtmäßiges Ziel, wie aus den Be­rei­chen Beschäfti­gungs­po­li­tik, Ar­beits­markt und be­ruf­li­che Bil­dung, ge­recht­fer­tigt und die Mit­tel zur Er­rei­chung die­ser Zie­le an­ge­mes­sen und er­for­der­lich sind. Die­se Be­stim­mung er­legt den Mit­glied­staa­ten die Be­weis­last dafür auf, dass das zur Recht­fer­ti­gung an­geführ­te Ziel rechtmäßig ist, und stellt an die­sen Be­weis ho­he An­for­de­run­gen. Dem Um­stand, dass der in Art. 6 Abs. 1 die­ser Richt­li­nie ver­wen­de­te Be­griff „re­a­son­ab­ly“ in Art. 2 Abs. 2 Buchst. b der Richt­li­nie nicht ent­hal­ten ist, ist kei­ne be­son­de­re Be­deu­tung bei­zu­mes­sen.
1. Ei­ne na­tio­na­le Re­ge­lung, wie sie in den Re­gu­la­ti­ons 3, 7(4) und (5) so­wie 30 der Em­ploy­ment Equa­li­ty (Age) Re­gu­la­ti­ons 2006 (Ver­ord­nung von 2006 über die Gleich­be­hand­lung bei der Beschäfti­gung [Al­ter]) nie­der­ge­legt ist, fällt in den An­wen­dungs­be­reich der Richt­li­nie 2000/78/EG des Ra­tes vom 27. No­vem­ber 2000 zur Fest­le­gung ei­nes all­ge­mei­nen Rah­mens für die Ver­wirk­li­chung der Gleich­be­hand­lung in Beschäfti­gung und Be­ruf.
2. Art. 6 Abs. 1 der Richt­li­nie 2000/78 ist da­hin aus­zu­le­gen, dass er ei­ner na­tio­na­len Be­stim­mung, die, wie Re­gu­la­ti­on 3 der im Aus­gangs­ver­fah­ren frag­li­chen Ver­ord­nung, kei­ne ge­naue Aufzählung der Zie­le enthält, die ei­ne Aus­nah­me vom Grund­satz des Ver­bots von Dis­kri­mi­nie­run­gen aus Gründen des Al­ters recht­fer­ti­gen könn­ten, nicht ent­ge­gen­steht. Nach Art. 6 Abs. 1 der Richt­li­nie 2000/78 be­steht die Möglich­keit, ei­ne Aus­nah­me von die­sem Grund­satz vor­zu­se­hen, je­doch nur für Maßnah­men, die durch rechtmäßige so­zi­al­po­li­ti­sche Zie­le wie sol­che aus den Be­rei­chen Beschäfti­gungs­po­li­tik, Ar­beits­markt und be­ruf­li­che Bil­dung ge­recht­fer­tigt sind. Es ist Sa­che des na­tio­na­len Ge­richts, zu prüfen, ob die im Aus­gangs­ver­fah­ren frag­li­che Re­ge­lung ei­nem sol­chen rechtmäßigen Ziel ent­spricht und ob der na­tio­na­le Ge­setz- oder Ver­ord­nungs­ge­ber an­ge­sichts des Wer­tungs­spiel­raums, über den die Mit­glied­staa­ten im Be­reich der So­zi­al­po­li­tik verfügen, da­von aus­ge­hen durf­te, dass die gewähl­ten Mit­tel zur Er­rei­chung die­ses Ziels an­ge­mes­sen und er­for­der­lich wa­ren.
3. Art. 6 Abs. 1 der Richt­li­nie 2000/78 ermöglicht es den Mit­glied­staa­ten, im Rah­men des na­tio­na­len Rechts be­stimm­te For­men der Un­gleich­be­hand­lung aus Gründen des Al­ters vor­zu­se­hen, so­fern die­se „ob­jek­tiv und an­ge­mes­sen“ und durch ein rechtmäßiges Ziel, wie aus den Be­rei­chen Beschäfti­gungs­po­li­tik, Ar­beits­markt und be­ruf­li­che Bil­dung, ge­recht­fer­tigt und die Mit­tel zur Er­rei­chung die­ser Zie­le an­ge­mes­sen und er­for­der­lich sind. Die­se Be­stim­mung er­legt den Mit­glied­staa­ten die Be­weis­last dafür auf, dass das zur Recht­fer­ti­gung an­geführ­te Ziel rechtmäßig ist, und stellt an die­sen Be­weis ho­he An­for­de­run­gen. Dem Um­stand, dass der in Art. 6 Abs. 1 die­ser Richt­li­nie ver­wen­de­te Be­griff „re­a­son­ab­ly“ nicht in Art. 2 Abs. 2 Buchst. b der Richt­li­nie ent­hal­ten ist, ist kei­ne be­son­de­re Be­deu­tung bei­zu­mes­sen.
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