Source: https://www.hensche.de/Arbeitsrecht_Urteile_Grundsicherung_fuer_Arbeitsuchende_EU_Buerger_BSG_B4AS9-13R_u.html
Timestamp: 2019-08-25 01:27:49
Document Index: 108814061

Matched Legal Cases: ['Art 267', 'Art 4', 'Art 70', 'Art 70', 'Art 4', 'Art 24', 'Art 45', 'Art 18', '§ 5', '§ 7', 'Art 1', '§ 7', 'Art 4', 'Art 24', 'Art 1', 'Art 59', '§ 7', 'Art 24', '§ 16', '§ 7', 'Art 59', '§ 7', '§ 7', 'Art 1', '§ 19', '§ 7', '§ 7', '§ 7', '§ 2', '§ 7', '§ 7', '§ 7', '§ 7', '§ 8', '§ 8', '§ 8', '§ 8', '§ 7', '§ 7', '§ 7', '§ 5', 'Art 1', '§ 7', '§ 7', '§ 7', '§ 7', '§ 7', 'Art 24', 'Art 14', '§ 2', '§ 2', '§ 163', '§ 2', '§ 2', 'Art 7', 'EuG', 'Art 39', '§ 2', 'EuG', 'EuG', '§ 2', '§ 7', 'Art 1', '§ 7', 'Art 1', '§ 19', 'Art 1', '§ 40', '§ 48', '§ 48', 'Art 16', 'Art 16', 'Art 1', 'Art 91', 'Art 97', 'Art 267', 'EuG', 'Art 267', 'Art 7', 'Art 267', '§ 7', 'Art 4', 'Art 4', '§ 7', 'EuG', 'Art 2', 'Art 1', 'Art 3', 'Art 3', 'Art 1', 'Art 70', '§ 7', 'Art 3', '§ 7', '§ 7', 'Art 4', 'Art 70', 'Art 4', 'Art 1', 'Art 3', 'Art 1', 'Art 4', 'Art 4', 'Art 3', 'Art 70', 'Art 70', 'Art 4', 'Art 70', 'Art 4', 'Art 70', 'EuG', 'EuG', 'Art 4', '§ 7', 'Art 4', '§ 7', 'Art 4', 'Art 18', 'Art 4', 'Art 70', 'Art 4', 'Art 24', 'Art 24', 'Art 4', 'Art 70', 'Art 4', 'Art 70', 'Art 11', 'Art 70', 'Art 70', 'Art 4', 'Art 70', 'EuG', '§ 7', 'Art 24', 'Art 24', 'Art 24', 'Art 14', 'EuG', 'EuG', 'Art 70', 'Art 24', '§ 7', 'EuG', 'EuG', 'EuG', 'Art 7', 'Art 24', 'Art 14', 'Art 7', 'Art 64', 'Art 24', 'Art 18', 'Art 4', '§ 7', 'Art 39', 'EuG', 'Art 39', 'Art 45', 'Art 12', 'Art 18', 'EuG', 'Art 24', 'EuG', 'EuG', 'EuG', 'EuG', 'EuG', 'Art 4', '§ 8', '§ 21', 'EuG', '§ 16', '§ 16', '§ 16', '§ 7', '§ 7', 'EuG']

BSG, Beschluss vom 12.12.2013, B 4 AS 9/13 R - HENSCHE Arbeitsrecht
BSG, Be­schluss vom 12.12.2013, B 4 AS 9/13 R
Schlagworte: Grundsicherung, Leistungsausschluss, Unionsbürger, Europarechtskonformität
Aktenzeichen: B 4 AS 9/13 R
Vorinstanzen: Sozialgericht Berlin, Beschluss vom 19.12.2012, S 55 AS 18011/12
Bun­des­so­zi­al­ge­richt B 4 AS 9/13 R
I. Dem Ge­richts­hof der Eu­ropäischen Ge­mein­schaf­ten wer­den gemäß Art 267 AEUV fol­gen­de Fra­gen zur Vor­ab­ent­schei­dung vor­ge­legt: 1. Gilt das Gleich­be­hand­lungs­ge­bot des Art 4 VO (EG) 883/2004 - mit Aus­nah­me des Ex­port­aus­schlus­ses des Art 70 Abs 4 VO (EG) 883/2004 - auch für die be­son­de­ren bei­trags­un­abhängi­gen Geld­leis­tun­gen im Sin­ne von Art 70 Abs 1, 2 VO (EG) 883/2004? 2. Falls 1) be­jaht wird: Sind - ge­ge­be­nen­falls in wel­chem Um­fang - Ein­schränkun­gen des Gleich­be­hand­lungs­ge­bots des Art 4 VO (EG) 883/2004 durch Be­stim­mun­gen in na­tio­na­len Rechts­vor­schrif­ten in Um­set­zung des Art 24 Abs 2 RL 2004/38/EG möglich, nach de­nen der Zu­gang zu die­sen Leis­tun­gen aus­nahms­los nicht be­steht, wenn sich ein Auf­ent­halts­recht des Uni­onsbürgers in dem an­de­ren Mit­glied­staat al­lein aus dem Zweck der Ar­beit­su­che er­gibt? 3. Steht Art 45 Abs 2 AEUV in Ver­bin­dung mit Art 18 AEUV ei­ner na­tio­na­len Be­stim­mung ent­ge­gen, die Uni­onsbürgern, die sich als Ar­beit­su­chen­de auf die Ausübung ih­res Freizügig­keits­rechts be­ru­fen können, ei­ne So­zi­al­leis­tung, die der Exis­tenz­si­che­rung dient und gleich­zei­tig auch den Zu­gang zum Ar­beits­markt er­leich­tert, aus­nahms­los für die Zeit ei­nes Auf­ent­halts­rechts nur zur Ar­beit­su­che und un­abhängig von der Ver­bin­dung mit dem Auf­nah­me­staat ver­wei­gert? II. Der Rechts­streit wird aus­ge­setzt.
A. Ge­gen­stand und Sach­ver­halt des Aus­gangs­ver­fah­rens
I. Streit­ge­gen­stand Strei­tig ist die Auf­he­bung der Be­wil­li­gung von Leis­tun­gen zur Si­che­rung des Le­bens­un­ter­halts nach dem So­zi­al­ge­setz­buch - Grund­si­che­rung für Ar­beit­su­chen­de - (SGB II) für den Mo­nat Mai 2012.
II. Sach­ver­halt Die Kläger sind schwe­di­sche Staats­an­gehöri­ge. Die 1966 in Bos­ni­en ge­bo­re­ne Kläge­rin zu 1) reis­te im Ju­ni 2010 er­neut mit ih­ren Kin­dern, der im Mai 1994 ge­bo­re­nen Kläge­rin zu 2) und den in den Jah­ren 1998 und 1999 ge­bo­re­nen Klägern zu 3) und 4), in die Bun­des­re­pu­blik ein. Die Kin­der sind in Deutsch­land ge­bo­ren. Den Klägern wur­de am 1.7.2010 ei­ne Be­schei­ni­gung nach § 5 FreizügG/EU er­teilt. Nach ih­rer Ein­rei­se be­zog die Kläge­rin zu 1) Kin­der­geld für die Kläger zu 2) bis 4). Die er­werbsfähi­gen Kläge­rin­nen zu 1) und 2) wa­ren seit Ju­ni 2010 in kürze­ren Beschäfti­gun­gen bzw Ar­beits­ge­le­gen­hei­ten von we­ni­ger als ei­nem Jahr tätig, je­doch nicht mehr in der Zeit ab Mai 2011. Im Übri­gen be­zo­gen sämt­li­che Kläger SGB II-Leis­tun­gen zur Si­che­rung des Le­bens­un­ter­halts, die zu­letzt für die Zeit vom 1.12.2011 bis 31.5.2012 be­wil­ligt wur­den (Be­scheid vom 9.9.2011, Ände­rungs­be­schei­de vom 26.11.2011 und 9.12.2011). Die Kläge­rin­nen zu 1) und 2) er­hiel­ten Alg II; die Kläger zu 3) und 4) So­zi­al­geld für nicht er­werbsfähi­ge Leis­tungs­be­rech­tig­te. Bei der Leis­tungs­be­wil­li­gung ging das be­klag­te Job­cen­ter (SGB II-Leis­tungs­träger) da­von aus, dass die Aus­schluss­re­ge­lung für ar­beit­su­chen­de Uni­onsbürger (§ 7 Abs 1 S 2 Nr 2 SGB II) nicht an­wend­bar ge­we­sen sei, weil sie bei den Klägern als schwe­di­sche Staats­an­gehöri­ge durch das Gleich­be­hand­lungs­ge­bot des Art 1 des Eu­ropäischen Fürsor­ge­ab­kom­mens (EFA) ver­drängt wor­den sei.
Un­ter Hin­weis auf den von der Bun­des­re­pu­blik im No­vem­ber 2011 erklärten Vor­be­halt zum EFA hob der Be­klag­te die Be­wil­li­gung für den Mo­nat Mai 2012 für die Kläge­rin zu 1) und ih­re min­derjähri­gen Kin­der in vol­lem Um­fang auf (Be­scheid vom 2.4.2012; Wi­der­spruchs­be­scheid vom 29.6.2012). Das SG hat die­sen Auf­he­bungs­be­scheid auf­ge­ho­ben (Ur­teil vom 19.12.2012). Zur Be­gründung sei­ner Ent­schei­dung hat es aus­geführt, die Kläger könn­ten auch im Mai 2012 wei­ter­hin SGB II-Leis­tun­gen be­an­spru­chen. Ei­ne we­sent­li­che Ände­rung in den recht­li­chen Verhält­nis­sen sei nicht ein­ge­tre­ten. Zwar könn­ten sich die Kläge­rin­nen zu 1) und 2) nach Be­en­di­gung der Beschäfti­gun­gen Mit­te 2011 in dem strei­ti­gen Auf­he­bungs­mo­nat Mai 2012 aus­sch­ließlich auf ein Auf­ent­halts­recht zur Ar­beit­su­che be­ru­fen. Der deut­sche Leis­tungs­aus­schluss nach § 7 Abs 1 S 2 Nr 2 SGB II grei­fe je­doch nicht, weil Art 4 VO (EG) 883/2004 je­de Un­gleich­be­hand­lung von Uni­onsbürgern ge­genüber den ei­ge­nen Staats­an­gehöri­gen bei den hier vor­lie­gen­den be­son­de­ren bei­trags­un­abhängi­gen Geld­leis­tun­gen un­ter­sa­ge. Ein Wer­tungs­wi­der­spruch zu dem nur ein­ge­schränkt mögli­chen Be­zug von "So­zi­al­hil­fe­leis­tun­gen" nach der Freizügig­keitsRL 2004/38/EG (ins­be­son­de­re de­ren Art 24 Abs 2) be­ste­he nicht. Zu­dem ver­dränge das spe­zi­el­le­re Gleich­be­hand­lungs­ge­bot nach Art 1 EFA wei­ter­hin die Aus­schluss­re­ge­lung, weil der von der Bun­des­re­gie­rung erklärte Vor­be­halt nicht durch ein Ge­setz nach Art 59 Abs 2 S 1 GG in in­ner­staat­li­ches Recht trans­for­miert bzw wirk­sam ge­macht wor­den sei.
Mit sei­ner Sprung­re­vi­si­on macht das be­klag­te Job­cen­ter gel­tend, der Leis­tungs­aus­schluss des § 7 Abs 1 S 2 Nr 2
SGB II ver­s­toße nicht ge­gen EG-Recht, weil es sich bei den Leis­tun­gen zur Si­che­rung des Le­bens­un­ter­halts nach dem SGB II um "So­zi­al­hil­fe­leis­tun­gen" im Sin­ne des Art 24 Abs 2 RL 2004/38/EG han­de­le und ein Leis­tungs­aus­schluss für Ar­beit­su­chen­de hier­nach möglich sei. Die Leis­tun­gen zur Si­che­rung des Le­bens­un­ter­halts hätten nicht den Zweck, den Ar­beits­mark­zu­gang zu er­leich­tern, son­dern dien­ten der Exis­tenz­si­che­rung. Zur Ein­glie­de­rung in den Ar­beits­markt se­he das SGB II für Ar­beit­su­chen­de in den §§ 16 ff SGB II wei­te­re Leis­tun­gen vor, die ge­son­dert er­bracht würden. § 7 Abs 1 S 2 Nr 2 SGB II ver­s­toße nicht ge­gen die VO (EG) Nr 883/2004. Der Leis­tungs­aus­schluss ver­s­toße auch nicht ge­gen das EFA, weil der von der Bun­des­re­gie­rung erklärte Vor­be­halt wirk­sam sei. We­gen der feh­len­den Be­tei­li­gung meh­re­rer Völker­rechts­sub­jek­te könne der ein­sei­ti­ge Vor­be­halt der Bun­des­re­gie­rung nicht als Ver­trag im Sin­ne des Art 59 Abs 2 S 1 GG an­ge­se­hen wer­den und sei ver­fas­sungs­gemäß.
Der Be­klag­te be­an­tragt, das Ur­teil auf­zu­he­ben und die Kla­ge ab­zu­wei­sen.
III. Na­tio­na­ler Rechts­rah­men
1. An­spruchs­vor­aus­set­zun­gen für SGB II-Leis­tun­gen Die Ver­wal­tungs­ak­te, mit de­nen das be­klag­te Job­cen­ter den Klägern die Leis­tun­gen zur Si­che­rung des Le­bens­un­ter­halts nach dem SGB II für den Zeit­raum vom 1.12.2011 bis 31.5.2012 be­wil­lig­te, wa­ren bei ih­rem Er­lass rechtmäßig. Die Kläge­rin­nen zu 1) und 2) erfüll­ten im Be­wil­li­gungs­zeit­raum sämt­li­che An­spruchs­vor­aus­set­zun­gen des § 7 Abs 1 S 1 SGB II; hier­aus lei­te­ten sich die Ansprüche der min­derjähri­gen Kläger zu 3) und 4) ab. Der An­spruchs­aus­schluss nach § 7 Abs 1 S 2 Nr 2 SGB II stand ih­rem An­spruch zunächst nicht ent­ge­gen, weil die­ser durch Art 1 des Eu­ropäischen Fürsor­ge­ab­kom­mens ver­drängt wur­de.
Nach der in­ner­staat­li­chen Re­ge­lung des § 19 Abs 1 SGB II er­hal­ten er­werbsfähi­ge Leis­tungs­be­rech­tig­te Alg II (Satz 1). Nichter­werbsfähi­ge min­derjähri­ge Leis­tungs­be­rech­tig­te, die mit er­werbsfähi­gen Leis­tungs­be­rech­tig­ten in ei­ner Be­darfs­ge­mein­schaft le­ben, er­hal­ten So­zi­al­geld (Satz 2). § 7 SGB II (idF der Be­kannt­ma­chung der Neu­fas­sung des Zwei­ten Bu­ches So­zi­al­ge­setz­buch vom 13.5.2011, BGBl I 850 ff) be­stimmt die Leis­tungs­be­rech­tig­ten wie folgt:
§ 7 Leis­tungs­be­rech­tig­te (1) Leis­tun­gen nach die­sem Buch er­hal­ten Per­so­nen, die 1. das 15. Le­bens­jahr voll­endet und die Al­ters­gren­ze nach § 7a noch nicht er­reicht ha­ben, 2. er­werbsfähig sind, 3. hil­fe­bedürf­tig sind und 4. ih­ren gewöhn­li­chen Auf­ent­halt in der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land ha­ben (er­werbsfähi­ge Leis­tungs­be­rech­tig­te). Aus­ge­nom­men sind 1. Auslände­rin­nen und Ausländer, die we­der in der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land Ar­beit­neh­me­rin­nen, Ar­beit neh­mer oder Selbständi­ge noch auf­grund des § 2 Ab­satz 3 des Freizügig­keits­ge­set­zes/EU freizügig­keits be­rech­tigt sind, und ih­re Fa­mi­li­en­an­gehöri­gen für die ers­ten drei Mo­na­te ih­res Auf­ent­halts, 2. Auslände­rin­nen und Ausländer, de­ren Auf­ent­halts­recht sich al­lein aus dem Zweck der Ar­beit­su­che er­gibt, und ih­re Fa­mi­li­en­an­gehöri­gen, (2) Leis­tun­gen er­hal­ten auch Per­so­nen, die mit er­werbsfähi­gen Leis­tungs­be­rech­tig­ten in ei­ner Be­darfs ge­mein­schaft le­ben ... (3) Zur Be­darfs­ge­mein­schaft gehören 1. die er­werbsfähi­gen Leis­tungs­be­rech­tig­ten, 2. die im Haus­halt le­ben­den El­tern oder der im Haus­halt le­ben­de El­tern­teil ei­nes un­ver­hei­ra­te­ten er­werbs fähi­gen Kin­des, wel­ches das 25. Le­bens­jahr noch nicht voll­endet hat.
Da die min­derjähri­gen Kläger zu 3) und 4) die Al­ters­gren­ze des § 7 Abs 1 S 1 Nr 1 SGB II noch nicht er­reicht hat­ten, er­gibt sich bei ih­nen ei­ne ab­ge­lei­te­te An­spruchs­be­rech­ti­gung auf Leis­tun­gen zur Si­che­rung des Le­bens­un­ter­halts nach dem SGB II in Ge­stalt des So­zi­al­gel­des (§ 7 Abs 2 und 3 SGB II). Bei den Kläge­rin­nen zu 1) und 2) la­gen im ge­sam­ten Be­wil­li­gungs­zeit­raum vom 1.12.2011 bis 31.5.2012 die An­spruchs­vor­aus­set­zun­gen des § 7 Abs 1 S 1 SGB II vor. Sie wa­ren hil­fe­bedürf­tig und er­werbsfähig. Nach § 7 Abs 1 S 1 Nr 2 SGB II iVm § 8 Abs 1 SGB II ist er­werbsfähig, wer nicht we­gen Krank­heit oder Be­hin­de­rung auf (nicht) ab­seh­ba­re Zeit außer­stan­de ist, un­ter den übli­chen Be­din­gun­gen des all­ge­mei­nen Ar­beits­mark­tes min­des­tens drei St­un­den täglich er­werbstätig zu sein. Zur Er­werbsfähig­keit von Auslände­rin­nen und Ausländern be­stimmt § 8 Abs 2 SGB II, dass die­se im Sin­ne von § 8 Abs 1 SGB II nur er­werbstätig sein können, wenn ih­nen die Auf­nah­me ei­ner Beschäfti­gung er­laubt ist oder er­laubt wer­den könn­te (Satz 1). In­so­fern ist auf die abs­trakt-recht­li­che Möglich­keit der Er­tei­lung ei­ner Ar­beits­ge­neh­mi­gung ab­zu­stel­len (§ 8 Abs 2 S 2 SGB II; vgl BSG Ur­teil vom 30.1.2013 - B 4 AS 54/12 R - SozR 4-4200 § 7 Nr 34 Rd­Nr 15). Als schwe­di­sche Staats­an­gehöri­ge benötig­ten die Kläge­rin­nen we­gen der ih­nen zu­ste­hen­den un­ein­ge­schränk­ten Ar­beit­neh­mer­freizügig­keit zur Beschäfti­gungs­auf­nah­me kei­ne Ar­beits­ge­neh­mi­gung.
Sämt­li­che Kläger hat­ten auch ih­ren gewöhn­li­chen Auf­ent­halt in der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land. Nach der Recht­spre­chung des Se­nats ist das Vor­lie­gen ei­nes "gewöhn­li­chen Auf­ent­halts" in ers­ter Li­nie nach den ob­jek­tiv ge­ge­be­nen tatsächli­chen ("fak­ti­schen") Verhält­nis­sen im strei­ti­gen Zeit­raum zu be­ur­tei­len. Ein in an­de­ren in­ner­staat­li­chen So­zi­al­ge­set­zen zu dem gewöhn­li­chen Auf­ent­halt hin­zu­tre­ten­des An­spruchs­merk­mal des In­ne­ha­bens ei­ner be­stimm­ten Freizügig­keits­be­rech­ti­gung nach dem FreizügG/EU bzw - für nicht EU-Bürger - ei­nes be­stimm­ten Auf­ent­halts­ti­tels nach dem Auf­ent­haltsG enthält § 7 Abs 1 S 1 Nr 4 SGB II aus­drück­lich nicht (vgl im Ein­zel­nen: BSG Ur­teil vom 30.1.2013 - B 4 AS 54/12 R - SozR 4-4200 § 7 Nr 34 Rd­Nr 17 ff mwN). Den am 1.7.2010 er­teil­ten Freizügig­keits­be­schei­ni­gun­gen (§ 5 des Ge­set­zes über die all­ge­mei­ne Freizügig­keit von Uni­onsbürgern (Freizügig­keitsG/EU) vom 30.7.2004 (BGBl I 1950), zu­letzt geändert durch Ge­setz vom 26.2.2008 (BGBl I 215); ent­fal­len durch Art 1 des Ge­set­zes zur Ände­rung des Freizügig­keitsG/EU und wei­te­rer auf­ent­halts­recht­li­cher Vor­schrif­ten vom 21.1.2013 (BGBl I 86)) kommt nach in­ner­staat­li­cher Recht­spre­chung ei­ne nur de­kla­ra­to­ri­sche Be­deu­tung für das sich un­mit­tel­bar aus dem Ge­mein­schafts­recht er­ge­ben­de Freizügig­keits­recht zu (BT-Drucks 15/420 S 101; BSG Ur­teil vom 25.1.2012 - B 14 AS 138/11 R - SozR 4-4200 § 7 Nr 28 Rd­Nr 17; BVerwG Ur­teil vom 10.11.1999 - 6 C 30/98 - BVerw­GE 110, 40, 53).
2. Leis­tungs­aus­schluss bei ar­beit­su­chen­den Uni­onsbürgern und Eu­ropäisches Fürsor­ge­ab­kom­men.
Der An­spruch der Kläge­rin­nen zu 1 und 2 auf Alg II und da­mit auch der Kläger zu 3 und 4 auf So­zi­al­geld war - al­lein nach Maßga­be der Re­ge­lun­gen des SGB II - in der Zeit vom 1.12.2011 bis 31.5.2012 nach § 7 Abs 1 S 2 Nr 2 SGB II aus­ge­schlos­sen, weil sich ihr Auf­ent­halts­recht im strei­ti­gen Zeit­raum al­lein aus dem Zweck der Ar­beit­su­che er­gab. Die An­wend­bar­keit die­ser Aus­schluss­re­ge­lung er­for­dert ei­ne "fik­ti­ve Prüfung" des Grun­des bzw der Gründe der Auf­ent­halts­be­rech­ti­gung nach dem FreizügG/EU. Das Vor­lie­gen der Vor­aus­set­zun­gen ei­nes Auf­ent­halts­rechts aus ei­nem an­de­ren Grund als dem Zweck der Ar­beit­su­che hin­dert die po­si­ti­ve Fest­stel­lung ei­nes Auf­ent­halts­rechts "al­lein aus dem Zweck der Ar­beit­su­che" iS von § 7 Abs 1 S 2 Nr 2 SGB II (BSG Ur­teil vom 30.1.2013 - B 4 AS 54/12 R - SozR 4-4200 § 7 Nr 34 Rd­Nr 22 ff). Aus der Ent­ste­hungs­ge­schich­te der Re­ge­lung er­gibt sich, dass der deut­sche Ge­setz­ge­ber zeit­gleich mit der Er­wei­te­rung der Freizügig­keit von Ar­beit­neh­mern zu ei­ner all­ge­mei­nen Freizügig­keit für al­le Uni­onsbürger mit der Aus­schluss­re­ge­lung des § 7 Abs 1 S 2 SGB II von der "Op­ti­on" des Art 24 Abs 2 iVm Art 14 Abs 4 der RL 2004/38/EG Ge­brauch ma­chen woll­te (BT-Drucks 16/5065 S 234; sie­he auch BT-Drucks 16/688 S 13).
Für die Prüfung der Fra­ge, wel­ches Auf­ent­halts­recht bei den Kläge­rin­nen zu 1 und 2 in der Zeit vom 1.12.2011 bis 31.5.2012 vor­lag, ist § 2 FreizügG/EU von Be­deu­tung:
§ 2 FreizügG/EU (Recht auf Ein­rei­se und Auf­ent­halt) (1) Freizügig­keits­be­rech­tig­te Uni­onsbürger und ih­re Fa­mi­li­en­an­gehöri­gen ha­ben das Recht auf Ein­rei­se und Auf­ent­halt nach Maßga­be die­ses Ge­set­zes. (2) Ge­mein­schafts­recht­lich freizügig­keits­be­rech­tigt sind: 1. Uni­onsbürger, die sich als Ar­beit­neh­mer, zur Ar­beits­su­che oder zur Be­rufs­aus­bil­dung auf­hal­ten wol len,. (3) Das Recht nach Ab­satz 1 bleibt für Ar­beit­neh­mer und selbständig Er­werbstäti­ge un­berührt bei 1. vorüber­ge­hen­der Er­werbs­min­de­rung in­fol­ge Krank­heit oder Un­fall, 2. un­frei­wil­li­ger durch die zuständi­ge Agen­tur für Ar­beit bestätig­ter Ar­beits­lo­sig­keit oder Ein­stel­lung ei­ner selbständi­gen Tätig­keit in­fol­ge von Umständen, auf die der Selbständi­ge kei­nen Ein­fluss hat­te, nach mehr als ei­nem Jahr Tätig­keit, 3. Auf­nah­me ei­ner Be­rufs­aus­bil­dung, wenn zwi­schen der Aus­bil­dung und der frühe­ren Er­werbstätig­keit ein Zu­sam­men­hang be­steht; der Zu­sam­men­hang ist nicht er­for­der­lich, wenn der Uni­onsbürger sei­nen Ar­beits platz un­frei­wil­lig ver­lo­ren hat. Bei un­frei­wil­li­ger durch die zuständi­ge Agen­tur für Ar­beit bestätig­ter Ar­beits­lo­sig­keit nach we­ni­ger als ei­nem Jahr Beschäfti­gung bleibt das Recht aus Ab­satz 1 während der Dau­er von sechs Mo­na­ten un­berührt.
Dem Ge­samt­zu­sam­men­hang der für das Re­vi­si­ons­ge­richt bin­den­den Fest­stel­lun­gen des SG (§ 163 SGG) ist zu ent­neh­men, dass sich die Kläge­rin­nen zu 1 und 2 nicht mehr auf ein (fort­wir­ken­des) Auf­ent­halts­recht als Ar­beit­neh­me­rin­nen nach § 2 FreizügG/EU be­ru­fen konn­ten. Sie wa­ren seit Ju­ni 2010 nur in kürze­ren Beschäfti­gun­gen bzw in Ar­beits­ge­le­gen­hei­ten von we­ni­ger als ei­nem Jahr tätig und seit Mai 2011 nicht mehr abhängig oder selbständig tätig. Der Se­nat geht da­her da­von aus, dass die Er­werbstäti­gen­ei­gen­schaft der Kläge­rin­nen nach § 2 Abs 3 S 2 FreizügG iVm Art 7 Abs 3 Buchst c) RL 2004/38/EG - zu­min­dest im strei­ti­gen Auf­he­bungs­zeit­raum Mai 2012, aber auch schon seit Be­ginn der SGB II-Be­wil­li­gung ab De­zem­ber 2011 - nicht auf­recht­er­hal­ten ge­blie­ben ist (vgl auch EuGH Ur­teil vom 4.6.2009, Rs C-22/08/C-23/08 (Vat­sou­ras) - Slg 2009, I-4585 = SozR 4-6035 Art 39 Nr 5 Rd­Nr 31).
Nach den gleich­falls für den Se­nat bin­den­den Fest­stel­lun­gen des SG wa­ren die Kläge­rin­nen aber wei­ter­hin als Ar­beit­su­chen­de iS von § 2 Abs 2 Nr 1 FreizügG/EU an­zu­se­hen. Sie ha­ben im In­land kurz­zei­ti­ge Beschäfti­gun­gen aus­geübt bzw an Ar­beits­ge­le­gen­hei­ten teil­ge­nom­men, wes­halb ei­ne Aus­sichts­lo­sig­keit ih­rer Bemühun­gen um Er­werbstätig­kei­ten trotz Zeit­ab­laufs von sechs Mo­na­ten nicht an­zu­neh­men war (EuGH Ur­teil vom 26.2.1991, Rs C-292/89 (An­to­nis­sen), Slg 1991, I-745-780; EuGH Ur­teil vom 23.3.2004, Rs C-138/02 (Col­lins) - Slg 2004, I-2703; so auch Dienelt in Ren­ner, Ausländer­recht, 10. Aufl 2013, § 2 FreizügG/EU Rd­Nr 61 mwN; Baye­ri­scher VGH Be­schluss vom 16.1.2009 - 19 C 08.3271 - In­f­AuslR 2009, 144).
Der in­ner­staat­li­che An­spruchs­aus­schluss des § 7 Abs 1 S 2 Nr 2 SGB II fand da­her auf die ar­beit­su­chen­den Kläge­rin­nen zu 1 und 2 grundsätz­lich An­wen­dung. Sie hat­ten in dem Be­wil­li­gungs­zeit­raum ab 1.12.2011 den­noch zunächst ei­nen An­spruch auf Leis­tun­gen zur Si­che­rung des Le­bens­un­ter­halts nach dem SGB II, weil der An­spruchs­aus­schluss durch Art 1 des Eu­ropäischen Fürsor­ge­ab­kom­mens (Ge­setz zum Eu­ropäischen Fürsor­ge­ab­kom­men (EFA) vom 11.12.1953 vom 15.5.1956, BGBl II 563) ver­drängt wur­de. Dies be­ruh­te auf der Um­set­zung des Ur­teils des BSG vom 19.10.2010 (B 14 AS 23/10 R - BS­GE 107, 66 ff = SozR 4-4200 § 7 Nr 21) durch die Job­cen­ter. Das BSG hat­te ent­schie­den, dass die Ver­pflich­tung aus Art 1 EFA, Staats­an­gehöri­gen an­de­rer ver­trags­sch­ließen­der Staa­ten, die sich im Staats­ge­biet er­laubt auf­hal­ten und nicht über aus­rei­chen­de Mit­tel verfügen, in glei­cher Wei­se wie Bun­desbürgern "Fürsor­ge­leis­tun­gen" zu leis­ten, auch die Er­brin­gung von Leis­tun­gen der Grund­si­che­rung nach den §§ 19 ff SGB II be­inhal­te.
3. Auf­he­bung der Leis­tungs­be­wil­li­gung
Im Hin­blick auf die­se Leis­tungs­be­wil­li­gung un­ter Zu­grun­de­le­gung von Art 1 EFA ist im Mai 2012 ei­ne Ände­rung ein­ge­tre­ten, die das be­klag­te Job­cen­ter nach § 40 Abs 1 SGB II iVm § 48 Abs 1 S 1 des Zehn­ten Bu­ches So­zi­al­ge­setz­buch - So­zi­al­ver­wal­tungs­ver­fah­ren und So­zi­al­da­ten­schutz - (SGB X) be­rech­tig­te, die anfäng­lich rechtmäßige lau­fen­de Be­wil­li­gung der SGB II-Leis­tun­gen auf­zu­he­ben. So­weit in den tatsächli­chen oder recht­li­chen Verhält­nis­sen, die beim Er­lass ei­nes Ver­wal­tungs­ak­tes mit Dau­er­wir­kung vor­ge­le­gen ha­ben, ei­ne we­sent­li­che Ände­rung in den tatsächli­chen oder recht­li­chen Verhält­nis­sen ein­tritt, ist der Ver­wal­tungs­akt nach § 48 Abs 1 S 1 SGB X mit Wir­kung für die Zu­kunft auf­zu­he­ben.
Ei­ne sol­che Ände­rung in den recht­li­chen Verhält­nis­sen liegt hier dar­in, dass die Bun­des­re­gie­rung am 19.12.2011 ge­gen die An­wen­dung des SGB II im Rah­men des EFA ei­nen Vor­be­halt nach Art 16 Abs b EFA an­ge­bracht hat. Der Vor­be­halt (idF der Be­kannt­ma­chung vom 31.1.2012 in BGBl II 144, be­rich­tigt durch Be­kannt­ma­chung zum Eu­ropäischen Fürsor­ge­ab­kom­men vom 3.4.2012 in BGBl II 470) hat fol­gen­den In­halt: "Die Re­gie­rung der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land über­nimmt kei­ne Ver­pflich­tung, die im Zwei­ten Buch So­zi­al­ge­setz­buch - Grund­si­che­rung für Ar­beit­su­chen­de - in der je­weils gel­ten­den Fas­sung vor­ge­se­he­nen Leis­tun­gen an Staats­an­gehöri­ge der übri­gen Ver­trags­staa­ten in glei­cher Wei­se und un­ter den glei­chen Be­din­gun­gen wie den ei­ge­nen Staats­an­gehöri­gen zu­zu­wen­den." Auf der Grund­la­ge von Art 16 Abs c EFA ist die­ser Vor­be­halt den Mit­glie­dern des Eu­ro­pa­ra­tes durch Veröffent­li­chung auf den ak­tu­el­len Sei­ten des Eu­ro­pa­ra­tes mit­ge­teilt wor­den. Der Se­nat geht nach sei­ner Vor­prüfung im Rah­men des Vor­la­ge­ver­fah­rens da­von aus, dass der Vor­be­halt wirk­sam ist. Die Er­brin­gung von So­zi­al­hil­fe­leis­tun­gen nach dem SGB XII als Fürsor­ge im Sin­ne von Art 1 EFA ist nicht aus­ge­schlos­sen. Das in­ner­staat­li­che Recht dürf­te ent­spre­chend aus­zu­le­gen sein.
B. Vor­la­ge­fra­gen und Ent­schei­dungs­er­heb­lich­keit
I. Uni­ons­recht­li­cher Rechts­rah­men
Es fin­den die Be­stim­mun­gen des Ver­trags über die Ar­beits­wei­se der Eu­ropäischen Uni­on (AEUV) in der Fas­sung des Ver­trags von Lis­sa­bon vom 13.12.2007 (BGBl II 2008, 1038) An­wen­dung. Wei­ter gilt für den vor­lie­gen­den Sach­ver­halt die VO (EG) 883/2004 zur Ko­or­di­nie­rung der Sys­te­me der so­zia­len Si­cher­heit, die mit Wir­kung zum 1.5.2010, dem Zeit­punkt des In­kraft­tre­tens der Durchführungs­ver­ord­nung VO (EG) 987/2009, die VO (EWG) Nr 1408/71 ab­gelöst hat (Art 91 VO(EG) 883/2004, Art 97 VO(EG) 987/2009). Sch­ließlich ist die Freizügig­keits­richt­li­nie 2004/38/EG über das Recht der Uni­onsbürger und ih­rer Fa­mi­li­en­an­gehöri­gen, sich im Ho­heits­ge­biet der Mit­glied­staa­ten frei zu be­we­gen und auf­zu­hal­ten, von Be­deu­tung.
Der Se­nat setzt das Ver­fah­ren nach Art 267 Abs 1 und Abs 3 des Ver­trags über die Ar­beits­wei­se der Eu­ropäischen Uni­on (AEUV) aus, um ei­ne Vor­ab­ent­schei­dung des Ge­richts­hofs der Eu­ropäischen Uni­on (EuGH) zu den ein­gangs for­mu­lier­ten Vor­la­ge­fra­gen ein­zu­ho­len. Der Se­nat hat Zwei­fel an der Aus­le­gung des Uni­ons­rechts (Art 267 Abs 2 AEUV).
II. Ent­schei­dungs­er­heb­lich­keit für das Aus­gangs­ver­fah­ren
Die zur Vor­ab­ent­schei­dung vor­ge­leg­ten Fra­gen sind zur Über­zeu­gung des Se­nats für den Aus­gang des Rechts­streits ent­schei­dungs­er­heb­lich. Würde die vor­ge­leg­te Fra­ge 1 be­jaht und die Fra­ge 2 ver­neint, hätte die Re­vi­si­on des be­klag­ten Job­cen­ters vor­aus­sicht­lich kei­nen Er­folg und die po­si­ti­ve Ent­schei­dung des So­zi­al­ge­richts würde bestätigt. Würde die Fra­ge 1 ver­neint, aber die Fra­ge 3 be­jaht, wäre die Re­vi­si­on aus an­de­ren Gründen zurück­zu­wei­sen. Da­ge­gen wäre die Re­vi­si­on des be­klag­ten Job­cen­ters vor­aus­sicht­lich er­folg­reich, wenn die Fra­gen 1 und 3 ver­neint würden.
Der Aus­gang des Rechts­streits hängt da­von aus, ob die Aus­schluss­re­ge­lung des Art 7 Abs 1 S 2 Nr 2 SGB II mit eu­ropäischem Primär- und Se­kundärrecht ver­ein­bar ist. Nach­fol­gend wer­den die Zwei­fel des Se­nat an der Aus­le­gung von Vor­schrif­ten des Uni­ons­rechts (Art 267 Abs 2 AEUV), die für das Aus­gangs­ver­fah­ren ent­schei­dungs­er­heb­lich sind, an­hand der Vor­la­ge­fra­gen erläutert. In die­sem Zu­sam­men­hang möch­te das vor­le­gen­de Ge­richt dar­auf hin­wei­sen, dass die Aus­le­gungs­fra­gen Ge­gen­stand zahl­rei­cher und in der Aus­le­gung eu­ropäischen Rechts un­ter­schied­li­cher so­zi­al­ge­richt­li­cher Ent­schei­dun­gen, zu­meist in Ver­fah­ren des einst­wei­li­gen Rechts­schut­zes sind, die nach­fol­gend nur ex­em­pla­risch wie­der­ge­ge­ben wer­den können. Ein An­spruch der Kläger auf Leis­tun­gen zur Si­che­rung des Le­bens­un­ter­halts nach dem SGB II könn­te (wei­ter­hin) be­stan­den ha­ben, wenn die Aus­schluss­re­ge­lung des § 7 Abs 1 S 2 Nr 2 SGB II auf die Kläge­rin­nen zu 1 und 2 schon we­gen Ver­s­toßes ge­gen das Gleich­be­hand­lungs­ge­bot des Art 4 VO (EG) 883/2004 un­an­wend­bar war. Als Rechts­fol­ge des Gleich­be­hand­lungs­ge­bots des Art 4 VO (EG) 883/2004 in ei­ner Si­tua­ti­on wie der des Aus­gangs­ver­fah­rens kommt in Be­tracht, dass den An­gehöri­gen der be­nach­tei­lig­ten Grup­pe, al­so hier den Kläge­rin­nen zu 1) und 2) als Uni­onsbürge­rin­nen an­de­rer Mit­glied­staa­ten, die SGB II-Leis­tun­gen un­ter den­sel­ben Be­din­gun­gen wie deut­schen Staats­an­gehöri­gen, al­so un­ter vollständi­gem Weg­fall der Aus­schluss­re­ge­lung des § 7 Abs 1 S 2 Nr 2 SGB II, zu er­brin­gen sind, so­lan­ge kei­ne ge­eig­ne­te und nicht dis­kri­mi­nie­ren­de Maßnah­men zur Wie­der­her­stel­lung der Gleich­be­hand­lung er­las­sen wor­den sind (vgl EuGH Ur­teil vom 22.6.2011 - Rs C-399/09 (Land­tová), Slg 2011, I-5573 ff).
Die Kläge­rin zu 1) - und da­mit auch die Kläger zu 2) bis 4) als de­ren Fa­mi­li­en­an­gehöri­ge - un­ter­fal­len dem persönli­chen Gel­tungs­be­reich der VO (EG) 883/2004. Nach Art 2 Abs 1 VO (EG) 883/2004 gilt die­se Ver­ord­nung für Staats­an­gehöri­ge ei­nes Mit­glied­staats, für die die Rechts­vor­schrif­ten ei­nes oder meh­re­rer Mit­glied­staa­ten gel­ten oder gal­ten so­wie für ih­re Fa­mi­li­en­an­gehöri­gen. Un­ter "Rechts­vor­schrif­ten" sind nach Art 1 Buchst I VO(EG) 883/2004 für je­den Mit­glied­staat die Ge­set­ze, Ver­ord­nun­gen, Sat­zun­gen und al­le an­de­ren Durchführungs­vor­schrif­ten in Be­zug auf die in Art 3 Abs 1 VO (EG) 883/2004 ge­nann­ten Zwei­ge der so­zia­len Si­cher­heit zu ver­ste­hen. Da­mit wird ein Be­zug des Be­tref­fen­den zu ei­nem So­zi­al­ver­si­che­rungs- oder Fa­mi­li­en­leis­tungs­sys­tem in ei­nem der Mit­glied­staa­ten ge­for­dert. Wie das SG fest­ge­stellt hat, ist der persönli­che An­wen­dungs­be­reich be­reits des­halb eröff­net, weil die Kläge­rin zu 1) für die wei­te­ren Kläger Kin­der­geld, al­so ei­ne Fa­mi­li­en­leis­tung im Sin­ne von Art 3 Abs 1 Buchst j VO (EG) 883/2004 iVm Art 1 Buchst z VO(EG) 883/2004, be­zo­gen hat.
Die Leis­tun­gen zur Si­che­rung des Le­bens­un­ter­halts nach dem SGB II sind be­son­de­re bei­trags­un­abhängi­ge Geld­leis­tun­gen im Sin­ne von Art 70 VO (EG) 883/2004. Durch das Er­for­der­nis der Er­werbsfähig­keit (§ 7 Abs 1 S 1 Nr 2 SGB II) als Vor­aus­set­zung für die Leis­tungs­be­rech­ti­gung ei­nes Mit­glieds der Be­darfs­ge­mein­schaft be­steht ein Be­zug zu den Leis­tun­gen bei Ar­beits­lo­sig­keit iS des Art 3 Abs 1 Buchst h VO (EG) 883/2004. An­ders als die bei­trags­be­zo­ge­ne Ver­si­che­rungs­leis­tung des Alg I nach dem Drit­ten Buch So­zi­al­ge­setz­buch - Ar­beitsförde­rung - (SGB III) wer­den Leis­tun­gen zur Si­che­rung des Le­bens­un­ter­halts nach dem SGB II, aber un­abhängig von Beschäfti­gungs-, Mit­glieds- oder Bei­trags­zei­ten gewährt und ha­ben kei­ne an den bis­he­ri­gen Ver­dienst an­knüpfen­de Ent­gel­ter­satz­funk­ti­on. Die Be­wil­li­gung von Leis­tun­gen zur Si­che­rung des Le­bens­un­ter­halts hängt al­lein vom Vor­lie­gen von Bedürf­tig­keit ab. Es er­folgt ei­ne bei­trags­un­abhängi­ge Fi­nan­zie­rung durch Steu­er­mit­tel (vgl hier­zu ausführ­lich: BSG Ur­teil vom 18.1.2011 - B 4 AS 14/10 R - BS­GE 107, 206 ff = SozR 4-4200 § 7 Nr 22, Rd­Nr 17 ff mwN; BSG Ur­teil vom 19.10.2010 - B 14 AS 23/10 R - BS­GE 107, 66 ff = SozR 4-4200 § 7 Nr 21, Rd­Nr 29).
Ob das Gleich­be­hand­lungs­ge­bot nach Art 4 VO (EG) 883/2004 nach sei­nem sach­li­chen An­wen­dungs­be­reich - mit Aus­nah­me des Ex­port­aus­schlus­ses des Art 70 Abs 4 VO (EG) 883/2004 - auch auf be­son­de­re bei­trags­un­abhängi­ge Geld­leis­tun­gen an­wend­bar ist, hängt da­von ab, wie der Be­griff der "Rechts­vor­schrif­ten" in Art 4 VO (EG) 883/2004 aus­zu­le­gen ist. Es sind ver­schie­de­ne Aus­le­gun­gen denk­bar. In­so­fern wird die­ser Be­griff in der so­zi­al­ge­richt­li­chen Recht­spre­chung da­hin ver­stan­den, dass nur die Rechts­vor­schrif­ten iS der Le­gal­de­fi­ni­ti­on des Art 1 lit I VO (EG) 883/2004 er­fasst sind und sich das Gleich­be­hand­lungs­ge­bot nur auf die im Ein­zel­nen auf­geführ­ten Zwei­ge der so­zia­len Si­cher­heit nach Art 3 Abs 1 VO (EG) 883/2004 be­zieht (vgl zB LSG Rhein­land-Pfalz Be­schluss vom 21.8.2012 - L 3 AS 250/12 B ER - NZS 2013, 34 ff, ju­ris Rd­Nr 21 ff). Für die­se An­sicht spricht, dass sich der Be­griff der Rechts­vor­schrif­ten in Art 1 Buchst j VO (EWG) 1408/71 nach der ab­wei­chen­den Sys­te­ma­tik der Re­ge­lun­gen zu den bei­trags­un­abhängi­gen Son­der­leis­tun­gen nach der frühe­ren VO (EWG) 1408/71 \226 ne­ben den in Art 4 Abs 1 und 2 die­ser Ver­ord­nung ge­nann­ten Zwei­ge und Sys­te­me der so­zia­len Si­cher­heit - aus­drück­lich auf die in Art 4 Abs 2a der VO (EWG) 1408/71 näher de­fi­nier­ten bei­trags­un­abhängi­gen Son­der­leis­tun­gen be­zog. Die nun­mehr in Art 3 Abs 3 VO (EG) 883/2004 ent­hal­te­ne Be­zug­nah­me auf Art 70 VO (EG) 883/2004 be­inhal­tet nach die­ser An­sicht, dass ei­ne So­zi­al­rechts­ko­or­di­nie­rung bei den be­son­de­ren bei­trags­un­abhängi­gen Geld­leis­tun­gen aus­sch­ließlich nach den Be­stim­mun­gen des Art 70 VO (EG) 883/2004 nur ein­ge­schränkt und oh­ne An­wend­bar­keit des Gleich­be­hand­lungs­ge­bots des Art 4 VO (EG) 883/2004 statt­fin­det.
Nach an­de­rer Auf­fas­sung un­ter­fal­len auch nach der VO (EG) 883/2004 - wie zu­vor nach der (EWG) 1408/71 - sämt­li­che bei­trags­un­abhängi­gen be­son­de­ren Geld­leis­tun­gen mit Aus­nah­me der in Art 70 Abs 3 VO (EG) 883/2004 di­rekt ge­nann­ten Aus­schlüsse un­ein­ge­schränkt dem sach­li­chen An­wen­dungs­be­reich der Ver­ord­nung, al­so auch des­sen Art 4 VO (EG) 883/2004 (vgl zB Bay­ri­sches LSG Ur­teil vom 19.6.2013 - L 16 AS 847/12 - ju­ris Rd­Nr 60 ff, anhängig BSG B 14 AS 51/13 R). Zu die­ser An­sicht neigt auch das vor­le­gen­de Ge­richt. Hierfür spricht, dass mit der Ein­be­zie­hung sämt­li­cher Uni­onsbürger durch die Neu­for­mu­lie­rung des persönli­chen An­wen­dungs­be­reichs der Ver­ord­nung nicht gleich­zei­tig hin­ter den Stand der Ko­or­di­nie­rung be­son­de­rer bei­trags­un­abhängi­ger Geld­leis­tun­gen nach der VO (EWG) 1408/71 zurück­ge­gan­gen wer­den soll­te. Hierfür spricht auch, dass Art 70 Abs 3 VO (EG) 883/2004 den Aus­schluss nur der "Rechts­vor­schrif­ten\224 des Ti­tels III be­inhal­tet. Der EuGH hat - in an­de­rem Zu­sam­men­hang - in ei­ner ak­tu­el­len Ent­schei­dung zu­dem aus­geführt, dass der in der VO (EWG) 1408/71 an ver­schie­de­nen Stel­len ver­wen­de­te Be­griff der "Rechts­vor­schrif­ten" nicht nur nach sei­nem Wort­laut, son­dern auch nach sei­nem Kon­text und den je­wei­li­gen Zie­len aus­zu­le­gen sei (EuGH Ur­teil vom 10.10.2013 - Rs C-321/12 (van der Hel­der/Far­ring­ton), ABl EU 2013, Nr C 344, 33 f).
III. zur Fra­ge 2
Wenn ei­ne An­wend­bar­keit des Gleich­be­hand­lungs­ge­bots des Art 4 VO (EG) 883/2004 auch auf bei­trags­un­abhängi­ge be­son­de­re Geld­leis­tun­gen zu be­ja­hen ist, ist die na­tio­na­le Re­ge­lung des § 7 Abs 1 S 2 Nr 2 SGB II un­mit­tel­bar dis­kri­mi­nie­rend. Nach Art 4 VO (EG) ha­ben Per­so­nen, wie die Kläge­rin­nen, die in den An­wen­dungs­be­reich der VO fal­len, die glei­chen Rech­te und Pflich­ten auf­grund der Rechts­vor­schrif­ten ei­nes Mit­glied­staats wie die Staats­an­gehöri­gen die­ses Staa­tes vor­be­halt­lich ab­wei­chen­der Re­ge­lun­gen der VO. § 7 Abs 1 S 2 Nr 2 SGB II knüpft für den An­spruchs­aus­schluss ar­beit­su­chen­der Uni­onsbürger un­mit­tel­bar an die Staats­an­gehörig­keit an. Während deut­sche Ar­beit­su­chen­de re­gelmäßig ei­nen An­spruch auf Leis­tun­gen zur Si­che­rung des Le­bens­un­ter­halts nach dem SGB II ha­ben, ist ein sol­cher An­spruch für an­de­re Uni­onsbürger für die Dau­er ih­res Auf­ent­halts­rechts zur Ar­beit­su­che aus­ge­schlos­sen. Das deut­sche Recht lässt kei­ne Aus­le­gung der­ge­stalt zu, dass ar­beit­su­chen­den Uni­onsbürgern, et­wa im vor­lie­gen­den Fall ei­ner weit­ge­hen­den so­zia­len In­te­gra­ti­on der ge­sam­ten Fa­mi­lie in Deutsch­land, den­noch SGB II-Leis­tun­gen er­bracht wer­den könn­ten. Vor die­sem Hin­ter­grund be­zieht sich die zwei­te Vor­la­ge­fra­ge auf die Trag­wei­te des Gleich­be­hand­lungs­ge­bots des Art 4 VO (EG) 883/2004, aber auch des Dis­kri­mi­nie­rungs­ver­bots des Art 18 AEUV, bei bei­trags­un­abhängi­gen be­son­de­ren Geld­leis­tun­gen.
Die Fra­ge­stel­lung be­zieht sich zunächst auf die Aus­le­gung der in Art 4 VO (EG) 883/2004 ent­hal­te­nen For­mu­lie­rung "so­fern in die­ser Ver­ord­nung nichts an­de­res be­stimmt ist". Mit Hin­weis auf de­ren Wort­laut wird die­se Ein­schränkung in der so­zi­al­ge­richt­li­chen Recht­spre­chung zT so ver­stan­den, dass sich Ab­wei­chun­gen vom Gleich­be­hand­lungs­ge­bot aus­sch­ließlich aus der Ver­ord­nung selbst er­ge­ben können, et­wai­ge Recht­fer­ti­gungs­gründe für ei­ne Un­gleich­be­hand­lung al­so aus­drück­lich in der VO (EG) 883/2004 selbst fest­ge­legt sein müssen (vgl zB Hes­si­sches LSG Be­schluss vom 30.9.2013 - L 6 AS 433/13 B ER - ju­ris Rd­Nr 33 mit wei­te­ren Recht­spre­chungs­nach­wei­sen). Nach die­ser An­sicht ist ei­ne Un­gleich­be­hand­lung in An­wen­dung des Art 70 Abs 4 VO (EG) 883/2004 nur in­so­fern möglich, als die be­son­de­ren bei­trags­un­abhängi­gen Geld­leis­tun­gen nicht ex­por­tier­bar sind.
Es wird je­doch auch die Auf­fas­sung ver­tre­ten, dass bei bei­trags­un­abhängi­gen be­son­de­ren Geld­leis­tun­gen Ein­schränkun­gen des Gleich­be­hand­lungs­ge­bots des Art 4 VO (EG) 883/2004 in Um­set­zung der Re­ge­lung des Art 24 Abs 2 RL 2004/38/EG möglich sind (LSG Nie­der­sach­sen-Bre­men Be­schluss vom 23.5.2012 - L 9 AS 347/12 B ER - ju­ris Rd­Nr 35 ff). In­so­fern wird die gleich­falls dem eu­ropäischen Se­kundärrecht zu­zu­ord­nen­de Re­ge­lung des Art 24 Abs 2 RL 2004/38/EG von an­de­ren Ge­rich­ten der So­zi­al­ge­richts­bar­keit als "an­der­wei­ti­ge Be­stim­mung" iS des Art 4 VO (EG) 883/2004 an­ge­se­hen. Al­ter­na­tiv wird da­von aus­ge­gan­gen, dass die in Art 70 Abs 4 VO (EG) 883/2004 ent­hal­te­ne For­mu­lie­rung, nach wel­cher der Mit­glied­staat die bei­trags­un­abhängi­gen be­son­de­ren Geld­leis­tun­gen "nach des­sen Rechts­vor­schrif­ten gewährt", ei­ne "an­der­wei­ti­ge Be­stim­mung" iS des Art 4 VO (EG) 883/2004 und Ab­wei­chung vom strik­ten Gleich­be­hand­lungs­ge­bot ermöglicht. In­so­fern hält der Se­nat für klärungs­bedürf­tig, ob der in Art 70 Abs 4 VO (EG) 883/2004 ent­hal­te­ne Be­griff "nach des­sen Rechts­vor­schrif­ten" aus­sch­ließlich re­gelt, dass auch dann nur die Rechts­vor­schrif­ten des Wohn­mit­glied­staats An­wen­dung fin­den, wenn die be­tref­fen­de Per­son nach den Re­ge­lun­gen der Art 11 ff VO (EG) 883/2004 ei­gent­lich den Rechts­vor­schrif­ten ei­nes an­de­ren Mit­glied­staats un­ter­liegt (vgl Ot­ting in Hauck/Noftz, EU-So­zi­al­recht, Art 70 VO (EG) 883/2004 Rd­Nr 26, Stand 4/2012). Nach an­de­rer Aus­le­gung be­inhal­tet die For­mu­lie­rung des Art 70 Abs 4 VO (EG) 883/2004, wo­nach die be­son­de­ren bei­trags­un­abhängi­gen Leis­tun­gen "nach des­sen Rechts­vor­schrif­ten gewährt wer­den", gleich­zei­tig ei­ne Ab­wei­chungsmöglich­keit vom Gleich­be­hand­lungs­ge­bot des Art 4 VO (EG) 883/2004, al­so ei­ne "Öff­nungs­klau­sel" für ei­ne Leis­tungs­gewährung be­son­de­rer bei­trags­un­abhängi­ger Geld­leis­tun­gen nach na­tio­na­len Rechts­vor­schrif­ten.
Geht man da­von aus, dass Art 70 Abs 4 VO (EG) 883/2004 bei bei­trags­un­abhängi­gen be­son­de­ren Geld­leis­tun­gen ei­ne Ab­wei­chung vom Gleich­be­hand­lungs­ge­bot ermöglicht, so­weit die Ein­schränkung selbst im Ein­klang mit Ge­mein­schafts­recht steht (so wohl EuGH Ur­teil vom 19.9.2013, Rs C-140/12 (Brey), Abl EU 2013, C 344, 26), ist nach Auf­fas­sung des Se­nats wei­ter klärungs­bedürf­tig, ob ei­ne na­tio­na­le Re­ge­lung wie die des § 7 Abs 1 S 2 Nr 2 SGB II als zulässi­ge Um­set­zung des Art 24 Abs 2 RL 2004/38/EG an­ge­se­hen wer­den kann.
Nach Art 24 Abs 2 RL 2004/38/EG ist der je­wei­li­ge Auf­nah­me­staat ab­wei­chend von dem Gleich­be­hand­lungs­ge­bot des Art 24 Abs 1 RL 2004/38/EG nicht ver­pflich­tet, an­de­ren Per­so­nen als Ar­beit­neh­mern oder Selbstständi­gen, Per­so­nen, de­nen die­ser Sta­tus er­hal­ten bleibt, und ih­ren Fa­mi­li­en­an­gehöri­gen während der ers­ten drei Mo­na­te des Auf­ent­halts oder ge­ge­be­nen­falls während des länge­ren Zeit­raums nach Art 14 Abs 4 Buchst b) RL 2004/38/EG ei­nen An­spruch auf So­zi­al­hil­fe oder vor Er­werb des Rechts auf Dau­er­auf­ent­halt Stu­di­en­bei­hil­fen, ein­sch­ließlich Bei­hil­fen zur Be­rufs­aus­bil­dung, in Form ei­nes Sti­pen­di­ums oder Stu­di­en­dar­le­hens, zu gewähren. In­so­fern geht der Se­nat un­ter Berück­sich­ti­gung der Ent­schei­dung des EuGH in der Rechts­sa­che Brey (EuGH Ur­teil vom 19.9.2013 - Rs C-140/12 (Brey) - ABl EU 2013, C 344, 26), die ei­nen wirt­schaft­lich nicht ak­ti­ven Uni­onsbürger be­traf, da­von aus, dass - we­gen der un­ter­schied­li­chen Ziel­set­zun­gen der VO (EG) 883/2004 und der RL 2004/38/EG - die Cha­rak­te­ri­sie­rung als be­son­de­re bei­trags­un­abhängi­ge Geld­leis­tung nach Art 70 VO (EG) 883/2004 ei­ner Ein­ord­nung als So­zi­al­hil­fe im Sin­ne von Art 24 Abs 2 der RL 2004/38/EG nicht ent­ge­gen­steht (vgl be­reits BVerwG Ur­teil vom 31.5.2012 - 10 C 8/12 - ju­ris Rd­Nr 25 mwN; zwei­felnd noch Ur­teil des Se­nats vom 30.1.2013 - B 4 AS 54/12 R - SozR 4-4200 § 7 Nr 34). Wei­ter sind die hier al­lein strei­ti­gen SGB II-Leis­tun­gen zur Si­che­rung des Le­bens­un­ter­halts nach ih­rer Aus­ge­stal­tung auch "So­zi­al­hil­fe­leis­tun­gen" im Sin­ne der RL 2004/38/EG. Die­ser Be­griff be­zieht sich nach der Ent­schei­dung des EuGH in Sa­chen Brey auf sämt­li­che von öffent­li­chen Stel­len ein­ge­rich­te­ten Hil­fe­sys­te­me, die auf na­tio­na­ler, re­gio­na­ler oder ört­li­cher Ebe­ne be­ste­hen und die ein Ein­zel­ner in An­spruch nimmt, der nicht über aus­rei­chen­de Exis­tenz­mit­tel zur Be­strei­tung sei­ner Grund­bedürf­nis­se und der­je­ni­gen sei­ner Fa­mi­lie verfügt und des­halb während sei­nes Auf­ent­halts mögli­cher­wei­se die öffent­li­chen Fi­nan­zen des Auf­nahm­e­mit­glied­staats be­las­ten muss, was Aus­wir­kun­gen auf das ge­sam­te Ni­veau der Bei­hil­fe ha­ben kann, die die­ser Staat gewähren kann. Wei­te­re Er­for­der­nis­se hat der EuGH in sei­ner Ent­schei­dung in Sa­chen Brey (EuGH Ur­teil vom 19.9.2013 - Rs C-140/12 (Brey) - ABl EU 2013, C 344, 26, Rd­Nr 61) nicht for­mu­liert.
Be­zo­gen auf die zwei­te Vor­la­ge­fra­ge hält es der Se­nat vor die­sem Hin­ter­grund für klärungs­bedürf­tig, ob ein aus­nahms­lo­ser Aus­schluss von So­zi­al­hil­fe­leis­tun­gen möglich ist, wenn sich ein Auf­ent­halts­recht des Uni­onsbürgers al­lein aus dem Zweck der Ar­beit­su­che er­gibt. Aus der Ent­ste­hungs­ge­schich­te des Art 7 Abs 1 S 2 Nr 2 SGB II er­gibt sich, dass der deut­sche Ge­setz­ge­ber von der Ermäch­ti­gung des Art 24 Abs 2 iVm Art 14 Abs 4 der RL 2004/38/EG auch im Be­reich des SGB II für die Leis­tun­gen zur Si­che­rung des Le­bens­un­ter­halts Ge­brauch ma­chen woll­te (sie­he BT-Drucks 16/688 S 13), um ei­ner un­an­ge­mes­se­nen In­an­spruch­nah­me der SGB II-Leis­tun­gen durch Ar­beit­su­chen­de aus an­de­ren Mit­glied­staa­ten ent­ge­gen­zu­wir­ken. Dies be­trifft Uni­onsbürger, die ih­ren gewöhn­li­chen Auf­ent­halt im Bun­des­ge­biet ha­ben und de­ren Auf­ent­halt nicht be­en­det wer­den kann bzw wird, die als Ar­beit­su­chen­de je­doch nicht (mehr) über aus­rei­chen­de Exis­tenz­mit­tel im Sin­ne des Art 7 Abs 1 Buchst b RL 2004/38/EG verfügen. Für die Möglich­keit ei­nes Aus­schlus­ses spricht, dass die exis­tenz­si­chern­den Leis­tun­gen nach dem SGB II für ei­nen zeit­lich be­grenz­ten Zeit­raum nur die­ses Auf­ent­halts­rechts nicht er­bracht wer­den. Auch können Ar­beits­lo­se, die sich in ei­nen an­de­ren Mit­glied­staat be­ge­ben, ih­ren An­spruch auf Leis­tun­gen bei Ar­beits­lo­sig­keit für ei­nen Zeit­raum von bis zu sechs Mo­na­ten in ei­nen an­de­ren Mit­glied­staat mit­neh­men (Art 64 VO (EG) 883/2004).
Die in Art 24 Abs 2 RL 2004/38/EG ent­hal­te­ne For­mu­lie­rung "oder ggf für ei­nen länge­ren Zeit­raum" könn­te al­ler­dings auch so aus­zu­le­gen sein, dass na­tio­na­le Re­ge­lun­gen bei ei­nem Aus­schluss Ar­beit­su­chen­der von So­zi­al­hil­fe­leis­tun­gen für mehr als drei Mo­na­te ei­ne Ein­zel­fall­prüfung zu­las­sen müssen. In­so­fern er­scheint dem Se­nat un­abhängig von dem Kri­te­ri­um ei­ner schon be­ste­hen­den Ver­bin­dung zum deut­schen Ar­beits­markt (vgl hier­zu 3) klärungs­bedürf­tig, ob ei­ne verhält­nismäßige Aus­ge­stal­tung der Aus­schluss­re­ge­lung für Ar­beit­su­chen­de im Sin­ne des Dis­kri­mi­nie­rungs­ver­bots des Art 18 AEUV er­for­dert, dass be­son­de­re Umstände, et­wa - wie im vor­lie­gen­den Fall - die ge­sam­te Dau­er ei­nes (auch frühe­ren) Auf­ent­halts im an­de­ren Mit­glied­staat und ei­ne weit­ge­hen­de In­te­gra­ti­on auch bei ar­beit­su­chen­den Uni­onsbürgern zu berück­sich­ti­gen sind. Im vor­lie­gen­den Fall hängt die Ent­schei­dung des Rechts­streits auch von die­ser Fra­ge­stel­lung ab.
3. Un­abhängig von ei­nem mögli­chen Ver­s­toß ge­gen das Gleich­be­hand­lungs­ge­bot des Art 4 VO (EG) 883/2004 könn­ten - in der hier vor­lie­gen­den Fall­kon­stel­la­ti­on - die spe­zi­fi­schen Freizügig­keits­rech­te der Kläge­rin­nen zu 1) und 2) als im Mai 2012 Ar­beit­su­chen­de ih­rem Leis­tungs­aus­schluss nach § 7 Abs 1 S 2 Nr 2 SGB II ent­ge­gen­ste­hen. In sei­nem Ur­teil vom 4.6.2009 (C-22/08, C-23/08 (Vat­sou­ras) - Slg 2009, I-4585 = SozR 4-6035 Art 39 Nr 5 Rd­Nr 31) hat der EuGH un­ter Be­zug­nah­me auf sei­ne bis­he­ri­ge Recht­spre­chung aus­geführt, dass es an­ge­sichts der Einführung der Uni­onsbürger­schaft und der Aus­le­gung, die das Recht der Uni­onsbürger auf Gleich­be­hand­lung in der Recht­spre­chung er­fah­ren ha­be, nicht mehr möglich sei, vom An­wen­dungs­be­reich des Art 39 Abs 2 EG (nun­mehr Art 45 Abs 2 AEUV) im Lich­te des Art 12 EG (nun­mehr Art 18 AEUV; vgl EuGH Ur­teil vom 25.10.2012 - Rs C-367/11 (Pre­te) -ABl EU 2012, C 399, 6 - zur Veröffent­li­chung in Slg 2012 vor­ge­se­hen, Rd­Nr 23) ei­ne fi­nan­zi­el­le Leis­tung aus­zu­neh­men, die den Zu­gang zum Ar­beits­markt ei­nes Mit­glied­staats er­leich­tern sol­le. Es sei je­doch le­gi­tim, dass ein Mit­glied­staat ei­ne sol­che Bei­hil­fe erst leis­te, nach­dem das Be­ste­hen ei­ner tatsächli­chen Ver­bin­dung des Ar­beit­su­chen­den mit dem Ar­beits­markt die­ses Staa­tes fest­ge­stellt wor­den sei (aaO mwN). In­so­fern hält der Se­nat für klärungs­bedürf­tig, ob die na­tio­na­le Re­ge­lung ge­gen eu­ropäisches Primärrecht verstößt, weil sie ei­ne sol­che Prüfung für die Dau­er ei­nes Auf­ent­halts­rechts als Ar­beit­su­chen­de nicht ermöglicht. Dies dürf­te da­von abhängen, ob bei ei­nem al­lei­ni­gen Auf­ent­halts­recht zur Ar­beit­su­che ge­ne­rell ei­ne aus­rei­chen­de Ver­bin­dung zum Ar­beits­markt des Mit­glied­staats ver­neint wer­den kann.
Die drit­te Vor­la­ge­fra­ge geht da­von aus, dass sich bei den Leis­tun­gen zur Si­che­rung des Le­bens­un­ter­halts nach dem SGB II - auch wenn die­se "So­zi­al­hil­fe­leis­tun­gen" im Sin­ne von Art 24 Abs 2 RL 2004/38/EG sind - nach der vom deut­schen Ge­setz­ge­ber fest­ge­leg­ten Aus­ge­stal­tung des Sys­tems exis­tenz­si­chern­der Leis­tun­gen aus Steu­er­mit­teln gleich­zei­tig auch um Leis­tun­gen han­delt, die den Zu­gang zum Ar­beits­markt er­leich­tern (vgl Schluss­anträge des Be­richt­er­stat­ters Co­lo­mer in der Rs C-22/08 (Vat­sou­ras) vom 12.3.2009, Slg 2009, I-4585, Rd­Nr 57; an­ders das vor der Ent­schei­dung Brey er­gan­ge­ne Ur­teil des EuGH vom 4.6.2009 in der Rs C-22/08, C 23/08 (Vat­sou­ras), Slg 2009, I-4585, Rd­Nr 45; aA Vor­la­ge­be­schluss des SG Leip­zig vom 3.6.2013 - S 17 AS 2198/12 - ju­ris Rd­Nr 64 ff). Da­bei ver­steht der Se­nat die bis­he­ri­ge Recht­spre­chung des EuGH so, dass die­se Leis­tun­gen nicht ei­gens oder aus­sch­ließlich auf die Ein­glie­de­rung des Empfängers in den Ar­beits­markt ge­rich­tet sein müssen. Aus­rei­chend dürf­te sein, dass die So­zi­al­leis­tung den Zu­gang zum Ar­beits­le­ben er­leich­tert (vgl EuGH Ur­teil vom 23.3.2004 in der Rs C-138/02 (Col­lins) - Slg 2004, I-2703, Rd­Nr 68; EuGH Ur­teil vom 25.10.2012 - Rs C-367/11 (Pre­te) ABl EU 2012, C 399, 6 - zur Veröffent­li­chung in Slg vor­ge­se­hen, Rd­Nr 25 mwN). Da­bei ist der na­tio­na­le Ge­setz­ge­ber bei der Aus­ge­stal­tung von So­zi­al­leis­tun­gen eu­ro­pa­recht­lich grundsätz­lich nicht auf ein be­stimm­tes so­zi­al­po­li­ti­sches Kon­zept fest­ge­legt (vgl EuGH Ur­teil vom 14.12.1995 - C-317/93 (Nol­te) - Slg 1995, I-4625 ff, Rd­Nr 33 = SozR 3-6083 Art 4 Nr 11; vgl auch den vier­ten Erwägungs­grund der VO (EG) 883/2004).
Mit der kom­plet­ten Neu­struk­tu­rie­rung der exis­tenz­si­chern­den Leis­tun­gen seit dem Jah­re 2005 hat sich der bun­des­deut­sche Ge­setz­ge­ber im Rah­men sei­ner Ge­stal­tungs­frei­heit bei exis­tenz­si­chern­den Leis­tun­gen, die aus Steu­er­mit­teln fi­nan­ziert wer­den, für ei­ne stärke­re Ak­ti­vie­rung er­werbsfähi­ger Per­so­nen im Sin­ne ei­ner Ar­beits­markt­in­te­gra­ti­on ent­schie­den. Für die An­spruchs­be­rech­ti­gung nach dem SGB II wird primär auf die Er­werbsfähig­keit der bedürf­ti­gen Per­so­nen ab­ge­stellt, die das maßgeb­li­che Ab­gren­zungs­kri­te­ri­um für ei­ne Zu­ord­nung zur Grund­si­che­rung für Ar­beit­su­chen­de nach dem SGB II dar­stellt (BT-Drucks 17/1940 S 20 zu Nr 8). Da nach § 8 Abs 1 SGB II be­reits er­werbsfähig ist, wer nicht we­gen Krank­heit oder Be­hin­de­rung auf (nicht) ab­seh­ba­re Zeit außer­stan­de ist, un­ter den übli­chen Be­din­gun­gen des all­ge­mei­nen Ar­beits­mark­tes min­des­tens drei St­un­den täglich er­werbstätig zu sein, ist die weit­aus über­wie­gen­de Zahl der auf exis­tenz­si­chern­de Leis­tun­gen an­ge­wie­se­nen Per­so­nen dem SGB II zu­ge­ord­net. Leis­tun­gen nach dem So­zi­al­ge­setz­buch - So­zi­al­hil­fe - (SGB XII) er­hal­ten seit 2005 nur noch die­je­ni­gen, die nicht nach dem SGB II als Er­werbsfähi­ge oder als An­gehöri­ge dem Grun­de nach leis­tungs­be­rech­tigt sind (§ 21 SGB XII).
Für die Ein­ord­nung der Leis­tun­gen zur Si­che­rung des Le­bens­un­ter­halts nach dem SGB II als Leis­tun­gen, die den Zu­gang zum Ar­beits­markt er­leich­tern sol­len, spricht da­her zunächst die An­spruchs­vor­aus­set­zung der Er­werbsfähig­keit (vgl EuGH Ur­teil vom 4.6.2009, Rs C-22/08, C-23/08 (Vat­sou­ras) - Slg 2009 I-4585, Rd­Nr 43 f). Die Zu­ord­nung zu dem Leis­tungs­sys­tem des SGB II und die da­mit ver­bun­de­ne Zuständig­keit der mit der Ar­beits­mark­in­te­gra­ti­on er­fah­re­nen Job­cen­ter er­leich­tert den Zu­gang zum Ar­beits­markt. Wei­ter enthält das SGB II in
ei­nem ge­son­der­ten Ka­pi­tel die Leis­tun­gen zur Ein­glie­de­rung in Ar­beit, die spe­zi­el­le, für die Per­so­nen­grup­pe der er­werbsfähi­gen Leis­tungs­be­rech­tig­ten nach dem SGB II vor­ge­se­he­ne Leis­tun­gen ent­hal­ten (zB Ein­stiegs­geld nach § 16b SGB II "wenn dies zur Ein­glie­de­rung in den all­ge­mei­nen Ar­beits­markt er­for­der­lich ist"; Ar­beits­ge­le­gen­hei­ten nach § 16d SGB II "zur Er­lan­gung oder Wie­der­er­lan­gung ih­rer Beschäfti­gungsfähig­keit, die für ei­ne Ein­glie­de­rung in Ar­beit er­for­der­lich ist"; Förde­rung von Ar­beits­verhält­nis­sen durch Zuschüsse zum Ar­beits­ent­gelt an Ar­beit­ge­ber für die Beschäfti­gung zu­ge­wie­se­ner er­werbsfähi­ger Leis­tungs­be­rech­tig­ter nach § 16e SGB II).
Vor dem Hin­ter­grund ei­ner Ein­ord­nung der SGB II-Leis­tun­gen als sol­che So­zi­al­leis­tun­gen, die den Zu­gang zum Ar­beits­markt er­leich­tern, hält der Se­nat für klärungs­bedürf­tig, ob die Aus­schluss­klau­sel des § 7 Abs 1 S 2 Nr 2 SGB II mit eu­ropäischem Primärrecht kon­form ist. Ge­gen die Verhält­nismäßig­keit der Re­ge­lung könn­te in­so­fern spre­chen, dass ge­ra­de bei gu­ten Aus­sich­ten der Ar­beit­su­che und Ver­mitt­lung, al­so wei­ter­hin - über drei bzw sechs Mo­na­te hin­aus - be­ste­hen­dem Auf­ent­halts­recht zur Ar­beit­su­che, der Aus­schluss von den SGB II-Leis­tun­gen oh­ne ge­setz­lich fi­xier­te End­gren­ze fort­be­steht. Es ist frag­lich, ob ei­ne zulässi­ge Ty­pi­sie­rung vor­liegt, wenn die na­tio­na­le Re­ge­lung da­von aus­geht, dass für ei­ne nicht im vor­hin­ein ein­deu­tig fest­ge­leg­te Zeit re­gelmäßig kei­ne aus­rei­chen­de Ver­bin­dung zum in­ner­staat­li­chen Ar­beits­markt be­ste­hen kann. Für Uni­onsbürger mit ei­nem Auf­ent­halts­recht al­lein zur Ar­beit­su­che lässt die Aus­schluss­re­ge­lung des § 7 Abs 1 S 2 Nr 2 SGB II kei­ne ein­zel­fall­be­zo­ge­ne Berück­sich­ti­gung ei­ner den­noch be­ste­hen­den Ver­bin­dung mit dem zum in­ner­staat­li­chen Ar­beits­markt bzw ei­ner sons­ti­gen tatsächli­chen Ver­bin­dung zum Auf­nahm­e­mit­glied­staat (EuGH Ur­teil vom 21.7.2011 - Rs C-503/09 (Ste­wart) - Slg 2011, I-6497, Rd­Nr 104) zu. Der Aus­gangs­sach­ver­halt ver­deut­licht dies. Die Kläge­rin­nen wa­ren be­reits früher im Bun­des­ge­biet wirt­schaft­lich ak­tiv, hat­ten ei­ne langjähri­ge Ver­bin­dung zu Deutsch­land und ha­ben un­mit­tel­bar nach Ab­lauf des hier strei­ti­gen Zeit­raums ei­ne be­ruf­li­che Tätig­keit auf­ge­nom­men. Es kann da­her da­von aus­ge­gan­gen wer­den, dass sie trotz ih­res auf­ent­halts­recht­li­chen Sta­tus als ar­beit­su­chen­de Uni­onsbürger durch­ge­hend be­reits ei­ne tatsächli­che Ver­bin­dung mit dem Ar­beits­markt in Deutsch­land hat­ten. Auch die drit­te Vor­la­ge­fra­ge ist da­her für den Rechts­streit ent­schei­dungs­er­heb­lich.
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