Source: https://www.rechtslupe.de/wirtschaftsrecht/verkehrswert-ehemaliger-volkseigener-betriebe-390299
Timestamp: 2020-01-19 13:00:31
Document Index: 203615552

Matched Legal Cases: ['§ 3', '§ 9', '§ 5', '§ 315', '§ 315', '§ 315', '§ 317', '§ 319', '§ 315', '§ 3', '§ 3', '§ 3', '§ 3', '§ 3', '§ 3', '§ 9', '§ 5', '§ 5', '§ 192', '§ 3', '§ 3', '§ 3', '§ 3', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 315', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH']

Ver­kehrs­wert ehe­ma­li­ger volks­ei­ge­ner Betrie­be | Rechtslupe
Verkehrswert ehemaliger volkseigener Betriebe
Die Pri­va­ti­sie­rungs­stel­le hat bei der Ermitt­lung des Ver­kehrs­werts nach § 3 Abs. 7 Satz 1 Aus­glLeistG, § 9 Abs. 1, § 5 FlEr­wV kein Ermes­sen. Das Ergeb­nis ihrer Ermitt­lung ist auch nicht wie ein Schieds­gut­ach­ten einer gericht­li­chen Über­prü­fung ent­zo­gen.
Ein Leis­tungs­be­stim­mungs­recht setzt nach § 315 Abs. 1 und 3 BGB vor­aus, dass einer der Ver­trags­schlie­ßen­den die Leis­tung nach bil­li­gem Ermes­sen bestim­men soll. Das ist hier nach Ansicht des Klä­gers die Anstalt, die den von ihm geschul­de­ten Kauf­preis nach bil­li­gem Ermes­sen zu bestim­men habe. Denk­bar wäre auch eine Anpas­sungs­klau­sel, nach wel­cher die Bestim­mung der Leis­tung ent­spre­chend den § 315 Abs. 3 Satz 2 BGB durch Urteil erfol­gen soll 1. Ein sol­ches Leis­tungs­be­stim­mungs­recht ist nur anzu­neh­men, wenn die Leis­tung nicht schon in dem Ver­trag und den in dem Ver­trag in Bezug genom­me­nen Vor­schrif­ten oder Regel­wer­ken fest­ge­legt ist, son­dern letzt­lich erst durch die Ent­schei­dung der bestim­mungs­be­rech­tig­ten Ver­trags­par­tei fest­ge­legt wird 2. Dabei wäre es unschäd­lich, wenn das Ermes­sen der Ver­trags­par­tei gebun­den wäre. Es muss nur über­haupt bestehen 3. Bei einer der Schieds­gut­ach­ten­ab­re­de ähn­li­chen Ver­ein­ba­rung käme es dar­auf an, dass die von der Par­tei oder dem Drit­ten vor­zu­neh­men­de Fest­stel­lung hier des Ver­kehrs­werts und die Aus­fül­lung der damit gege­be­nen­falls ver­bun­de­nen Wer­tungs­spiel­räu­me einer gericht­li­chen Über­prü­fung ent­zo­gen sein sol­len 4.
Die Aus­le­gung der maß­geb­li­chen Rege­lung des Kauf­ver­trags der Par­tei­en unter­liegt der voll­stän­di­gen Über­prü­fung durch den Bun­des­ge­richts­hof, weil es sich um eine All­ge­mei­ne Geschäfts­be­din­gung han­delt 5. Die Anstalt ver­wen­det sie in einer Viel­zahl von Ver­trä­gen 6.
Schon dem Wort­laut der Klau­sel lässt sich eine Befug­nis der Anstalt oder des Gerichts zur ver­bind­li­chen Fest­le­gung oder Fest­stel­lung des Kauf­prei­ses nach bil­li­gem Ermes­sen ent­spre­chend § 315 Abs. 1 und Abs. 3 Satz 2, § 317, § 319 Abs. 1 Satz 2 BGB nicht ent­neh­men. Denn dar­in wird dem Klä­ger eine gericht­li­che Über­prü­fung des Ver­kehrs­werts gera­de vor­be­hal­ten. Davon sind auch die Ober­lan­des­ge­rich­te aus­ge­gan­gen, die im Zusam­men­hang mit der Klau­sel § 315 Abs. 3 BGB erwähnt haben 7.
Die am Wort­laut ori­en­tier­te Aus­le­gung wird durch den Ver­trags­zweck bestä­tigt. Der Kauf­ver­trag dient der Erfül­lung des Erwerbs­an­spruchs des Klä­gers nach § 3 Abs. 1 Aus­glLeistG. Nach die­ser Vor­schrift kann der Klä­ger von der Anstalt den Ver­kauf land­wirt­schaft­li­cher Flä­chen nicht nur in dem in § 3 Abs. 3 Aus­glLeistG fest­ge­leg­ten Umfang, son­dern auch zu dem in § 3 Abs. 7 Satz 1 Aus­glLeistG fest­ge­leg­ten Preis ver­lan­gen. Von die­sem Preis dürf­te die Anstalt nicht abwei­chen. Sie darf die Bedin­gun­gen, zu denen die Ver­käu­fe nach § 3 Aus­glLeistG durch­ge­führt wer­den, nicht pri­vat­au­to­nom, also abwei­chend von den gesetz­lich bestimm­ten Vor­aus­set­zun­gen fest­le­gen 8. Das gilt auch für den Ver­kaufs­preis.
Aus dem vor­ge­schrie­be­nen Ver­fah­ren bei dem Abschluss von Kauf­ver­trä­gen nach § 3 Aus­glLeistG ergibt sich ent­ge­gen der Ansicht des Klä­gers nichts ande­res. Die Anstalt hat den in § 3 Abs. 7 Satz 1 Aus­glLeistG als "Wert­an­satz" bezeich­ne­ten – Kauf­preis nach § 9 Abs. 1 Satz 2 FlEr­wV nicht zu bestim­men, son­dern nach Maß­ga­be des (hier ein­schlä­gi­gen) § 5 FlEr­wV und den in die­ser Vor­schrift in Bezug genom­me­nen Vor­schrif­ten der Wert­ermitt­lungs­ver­ord­nung 9 zu "ermit­teln". Die Ermitt­lung des Kauf­prei­ses durch die Anstalt bin­det weder den Käu­fer noch die Pri­va­ti­sie­rungs­stel­le selbst. Bei­de dür­fen nach dem hier noch maß­geb­li­chen § 5 Abs. 1 Satz 4 FlEr­wV in der bis zum 10.07.2009 gel­ten­den Fas­sung die Bestim­mung des Ver­kehrs­werts durch ein Ver­kehrs­wert­gut­ach­ten nach § 192 Bau­GB durch den zustän­di­gen Gut­ach­ter­aus­schuss ver­lan­gen.
Ein Bestim­mungs­recht lässt sich auch nicht, wie der Klä­ger meint, aus § 3a Aus­glLeistG ablei­ten. Danach gel­ten Kauf­ver­trä­ge nach § 3 Ausgl-LeistG, die vor dem 28.01.1999 abge­schlos­sen wur­den, mit der Maß­ga­be als bestä­tigt, dass der Ver­käu­fer bei Ver­trä­gen mit ande­ren als den in § 3 Abs. 2 Satz 3 oder § 3 Abs. 5 Satz 1 bezeich­ne­ten Per­so­nen den Kauf­preis nach den Absät­zen 2 und 3 bestimmt. Zweck die­ser Rege­lung war es, die durch einen Ver­stoß des deut­schen Gesetz­ge­bers gegen das Bei­hil­fe­ver­bot des Gemein­schafts­rechts nich­tig gewor­de­nen Kauf­ver­trä­ge zu hei­len. Ein Preis­an­he­bungs­recht des Ver­käu­fers hat der Gesetz­ge­ber vor­ge­se­hen, weil die Hei­lung nur durch Besei­ti­gung des Ver­sto­ßes erfol­gen konn­te 10. Dass dazu in die Ver­trä­ge eine beson­de­re Anhe­bungs­er­mäch­ti­gung ein­ge­fügt wur­de, zeigt, dass die Anstalt als Pri­va­ti­sie­rungs­stel­le ohne eine sol­che beson­de­re Rege­lung gera­de nicht berech­tigt ist, den Ver­kaufs­preis nach bil­li­gem Ermes­sen fest­zu­le­gen.
Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 12. Dezem­ber 2014 – V ZR 109/​14
Zer­le­gung des Gewer­be­steu­er­mess­be­trags – und der fik­ti­ve… Bei der Zer­le­gung des Gewer­be­steu­er­mess­be­trags ist ein fik­ti­ver Arbeits­lohn (sog. Unter­neh­mer­lohn) für die im Betrieb (hier: der GmbH & Co. KG) täti­gen Mit­un­ter­neh­mer gemäß §…
BGH, Urtei­le vom 07.04.1978 – V ZR 141/​75, BGHZ 71, 276, 284; und vom 03.02.1995 – V ZR 222/​93, NJW 1995, 1360[↩]
BGH, Urteil vom 05.07.1991 – V ZR 117/​90, NJW-RR 1992, 142 und BGH, Urteil vom 23.11.1994 – IV ZR 124/​93, BGHZ 128, 54, 57 f.; Erman/​Hager, BGB, 14. Aufl., § 315 Rn. 7[↩]
BGH, Urteil vom 04.07.2013 – III ZR 52/​12, WM 2013, 1452 Rn. 28[↩]
vgl. BGH, Urteil vom 05.07.2005 – X ZR 60/​04, BGHZ 163, 321, 323[↩]
vgl. KG, NL-BzAR 2011, 27, dazu BGH, Beschluss vom 28.04.2011 – V ZR 192/​10, ZOV 2011, 120[↩]
KG, NL-BzAR 2011, 27, 29 und OLG Dres­den, RdL 2014, 96, 97[↩]
BGH, Urteil vom 04.05.2007 – V ZR 162/​06, ZOV 2007, 30 Rn. 9; vgl. auch BGH, Urteil vom 21.07.2006 – V ZR 158/​05, WM 2006, 2101 Rn. 22[↩]
dazu: BGH, Beschluss vom 28.04.2011 – V ZR 192/​10, ZOV 2011, 120 Rn. 7[↩]
Begrün­dung des Ent­wurfs eines Ver­mö­gens­rechts­er­gän­zungs­ge­set­zes in BT-Drs. 14/​1932 S. 16[↩]
AusgleichsleistungsgesetzDDR-RechtPrivatisierung