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Timestamp: 2020-07-05 11:40:28
Document Index: 50550606

Matched Legal Cases: ['§ 65', '§ 65', '§ 165', '§ 10', '§ 65', '§ 10', '§ 65', '§ 165', '§ 165', '§ 10', '§ 165', '§ 165', '§ 171', '§ 165', '§ 10', '§ 169', '§ 170', '§ 171', '§ 165', '§ 10', '§ 165', '§ 10', '§ 53']

BMF v. 29.03.2017 - IV A 3 - S 0338/16/10004 - NWB Datenbank
BMF v. 29.03.2017 - IV A 3 - S 0338/16/10004 BStBl 2017 I S. 421
III. Weitere Voraussetzungen zur Änderung der Einkommensteuerfestsetzungen
Verfahrensrechtliche Folgerungen aus dem BFH-Urteil vom 1. Juni 2016 – X R 17/15 – zur Kürzung der Beiträge zur Basiskrankenversicherung um Bonuszahlungen der gesetzlichen Krankenversicherung für gesundheitsbewusstes Verhalten (§ 65a SGB V)
Bezug: BMF, Schreiben v. 6. 12. 2016 – IV C 3 – S 2221/12/10008: 008, DOK 2016/1004920 – (BStBl 2016 I, S. 1426);
Bezug: BMF, Schreiben v. 20. 1. 2017 – IV A 3 – S 0338/07/10010, DOK 2016/1155366 – (BStBl 2017 I S. 66)
Nach dem BMF-Schreiben vom 6. Dezember 2016 zur einkommensteuerlichen Behandlung von Bonuszahlungen einer gesetzlichen Krankenversicherung für gesundheitsbewusstes Verhalten (§ 65a SGB V) sind die Grundsätze des BFH-Urteils vom 1. Juni 2016 – X R 17/15 – (BStBl 2016 II S. 989) über den Einzelfall hinaus allgemein anzuwenden. Im Rahmen der verfahrensrechtlichen Umsetzung dieses Urteils kann eine Änderung der betroffenen Einkommensteuerbescheide nach § 165 Absatz 2 Satz 2 AO [1] und/oder nach § 10 Absatz 2a Satz 8 EStG (in der bis zum 31. Dezember 2016 geltenden Fassung) [2] bei Vorlage einer Bescheinigung der gesetzlichen Krankenversicherung [3] erfolgen.
Werden dem Steuerpflichtigen von seiner gesetzlichen Krankenversicherung im Rahmen eines Bonusprogramms zur Förderung gesundheitsbewussten Verhaltens (§ 65a SGB V) Kosten für Gesundheitsmaßnahmen erstattet, die nicht im regulären Versicherungsumfang enthalten und damit von den Versicherten vorab privat finanziert worden sind (sog. „Kostenerstattungsfälle”), liegt dem BFH-Urteil folgend eine Leistung der gesetzlichen Krankenversicherung und gerade keine Beitragsrückerstattung vor (siehe ausführlich BMF-Schreiben vom 6. Dezember 2016, BStBl 2016 I S. 1426). Soweit Einkommensteuerbescheide in solchen Fällen hinsichtlich der Kürzung der Beiträge zur Basiskrankenversicherung im Sinne des § 10 Absatz 1 Nummer 3 Buchstabe a EStG um Bonuszahlungen der gesetzlichen Krankenversicherung für gesundheitsbewusstes Verhalten (§ 65a SGB V) gemäß § 165 Absatz 1 Satz 2 Nummer 4 AO vorläufig ergangen und diese Vorläufigkeitsvermerke noch wirksam sind, sind diese Bescheide nach § 165 Absatz 2 Satz 2 AO zu ändern und insoweit für endgültig zu erklären. Für die Behandlung aller anderen, nicht streitgegenständlichen Bonusleistungen gilt weiterhin Rz. 71 f. des BMF-Schreibens zur einkommensteuerrechtlichen Behandlung von Vorsorgeaufwendungen und Altersbezügen vom 19. August 2013 (BStBl 2013 I S. 1087).
Wurde der Vorläufigkeitsvermerk erstmals anlässlich der Änderung eines bestandskräftigen Steuerbescheids dem Bescheid beigefügt, ist die ggf. betragsmäßige Beschränkung des Vorläufigkeitsvermerks (Abschnitt I Nummer 2 Buchstabe c des BMF-Schreibens vom 16. Mai 2011, BStBl 2011 I S. 464) zu beachten. Unabhängig hiervon kann eine betragsmäßig nicht beschränkte Änderung nach § 10 Absatz 2a Satz 8 EStG a. F. möglich sein (siehe Abschnitt II dieses Schreibens).
Im Übrigen sind Bescheide nur dann für endgültig zu erklären, wenn der Steuerpflichtige dies beantragt oder die Bescheide aus anderen Gründen zu ändern sind (§ 165 Absatz 2 Satz 4 AO). Soweit Einkommensteuerbescheide nicht für endgültig erklärt werden, bleibt bis zum Ablauf der Festsetzungsfrist eine Bescheidänderung zur Berücksichtigung ungekürzter Krankenversicherungsbeiträge nach § 165 Absatz 2 Satz 2 AO möglich. Die Festsetzungsfrist endet gemäß § 171 Absatz 8 Satz 2 AO insoweit frühestens mit Ablauf des 6. Dezember 2018 .
Soweit keine Änderung gemäß § 165 Absatz 2 Satz 2 AO in Betracht kommt, wären in allen Kostenerstattungsfällen (siehe Abschnitt I), in denen die gesetzliche Krankenversicherung eine entsprechende elektronische Meldung an die Finanzverwaltung übermitteln würde und sich hierdurch eine Änderung der festgesetzten Steuer ergäbe, die Einkommensteuerbescheide bis einschließlich Besteuerungszeitraum 2016 nach § 10 Absatz 2a Satz 8 EStG a. F. zu ändern. Dies gilt aber nur, solange die Festsetzungsfrist noch nicht abgelaufen ist (§ 169 Absatz 2 Satz 1 Nummer 2, § 170 Absatz 1 und Absatz 2 Satz 1 Nummer 1 AO). Die Ablaufhemmung nach § 171 Absatz 8 Satz 2 AO gilt für diese Änderung nicht.
Die Änderung des Einkommensteuerbescheides nach § 165 Absatz 2 Satz 2 AO [4] und/oder nach § 10 Absatz 2a Satz 8 EStG a. F. [5] hinsichtlich der als Sonderausgaben abziehbaren Krankenversicherungsbeiträge erfolgt, sobald der Steuerpflichtige dem Finanzamt eine von der gesetzlichen Krankenversicherung infolge des BFH-Urteils vom 1. Juni 2016 – X R 17/15 – ausgestellte Papierbescheinigung vorlegt. Für die Veranlagungszeiträume 2010 bis einschließlich 2016 wird aus Verhältnismäßigkeitsgründen auf eine Übermittlung korrigierter Datensätze verzichtet. Aus der jahresbezogenen Papierbescheinigung sollte dabei mindestens Folgendes hervorgehen:
Name und Adresse des Versicherungsnehmers und der versicherten Person,
die Höhe der bisher gemeldeten Beitragsrückerstattung,
die Höhe der (unter Berücksichtigung des BFH-Urteils) zutreffenden Beitragsrückerstattung und
ein Hinweis darauf, dass die Finanzverwaltung den Sachverhalt auf Initiative des Steuerpflichtigen unter Vorlage dieser Bescheinigung prüft und über eine eventuelle Anpassung des betroffenen Einkommensteuerbescheides entscheidet.
Ohne die Vorlage einer Papierbescheinigung kann eine Änderung von Amts wegen nicht in allen Fällen gewährleistet werden
Von einer Änderung nach § 165 Absatz 2 Satz 2 AO [6] und/oder nach § 10 Absatz 2a Satz 8 EStG a. F. [7] unberührt bleiben die Änderungsmöglichkeiten im Rahmen des Rechtsbehelfsverfahrens.
BMF v. 29.03.2017 - IV A 3 - S 0338/16/10004
BStBl 2017 I Seite 421
AO-StB 2017 S. 166 Nr. 6
DStR 2017 S. 788 Nr. 14
EStB 2017 S. 193 Nr. 5
ErbStB 2017 S. 179 Nr. 6
VAAAG-41795
1siehe Abschnitt I dieses Schreibens
2siehe Abschnitt II dieses Schreibens
3Siehe Abschnitt III dieses Schreibens
4siehe Abschnitt I dieses Schreibens
5siehe Abschnitt II dieses Schreibens
6siehe Abschnitt I dieses Schreibens
7siehe Abschnitt II dieses Schreibens
Prämienzahlungen gesetzlicher Krankenkassen i. S. des § 53 Abs. 1 SGB V mindern den Sonderausgabenabzug, NWB 40/2018 S. 2912
BMF, Schreiben v. 20. 1. 2017 – IV A 3 – S 0338/07/10010, DOK 2016/1155366 –