Source: http://www.ertragsteuerrecht.de/50055.htm
Timestamp: 2017-11-24 05:25:53
Document Index: 327553434

Matched Legal Cases: ['§ 23', 'EuG', 'Art. 2', 'Art. 135', 'EuG', '§ 3', '§ 1']

Geld 2.0 (auch) als Herausforderung fÃ¼r das Steuerrecht (Richter/Augel in FR 2017, 937)
Die virtuelle WÃ¤hrung Bitcoin kann in den letzten Jahren einen regelrechten Siegeszug vorweisen: War er zu Beginn seiner Entwicklung eine bloÃŸe "Spielerei" weniger internetaffiner Enthusiasten, erfreut er sich mittlerweile auch auÃŸerhalb jener Kreise einer wachsenden Beliebtheit, sei es als alternatives Zahlungsmittel oder als volatiles Spekulationsobjekt. Der nachfolgende Beitrag analysiert die bilanzielle und ertragsteuerliche Behandlung des Bitcoins, zeigt dabei verbliebene Problembereiche auf und fÃ¼hrt diese einer LÃ¶sung zu.
Konzept virtueller WÃ¤hrungen und des Bitcoins im Besonderen
Begriff und PluralitÃ¤t virtueller WÃ¤hrungen
Rechtliche Einordnung des Bitcoins
Bilanzielle Qualifikation des Bitcoins
Ansatz der HÃ¶he nach
Ansatz der Stelle nach
Ertragsteuerliche Behandlung des Bitcoins
Steuerliche WÃ¼rdigung des Bitcoin-Mining
Bitcoin-Mining in der EinkommenssphÃ¤re
Bitcoin-Mining in der VermÃ¶genssphÃ¤re
SonderfÃ¤lle des Bitcoin-Mining
Steuerbarkeit von Bitcoin-Transaktionen im Rahmen des Â§ 23 EStG
Virtuelle WÃ¤hrungen sind ein relativ junges und vielfÃ¤ltiges PhÃ¤nomen des digitalen Zeitalters. Der wohl bekannteste Vertreter unter ihnen ist der Bitcoin, der seit seiner Entstehung im Jahr 2009 zusehends fÃ¼r Furore sorgt. Vor dem Hintergrund der weltweiten Finanz- und Wirtschaftskrise entwickelte Satoshi Nakamoto, dessen wahre IdentitÃ¤t bis heute nicht zweifelsfrei verifiziert werden konnte, ein dezentrales und virtuelles Zahlungssystem, das sich der Kontrolle durch staatliche Institutionen weitgehend entzieht. War der Bitcoin zu Beginn lediglich ein gesellschaftliches Projekt weniger Internet-Enthusiasten, um das weltweite Zahlungs- und WÃ¤hrungssystem radikal zu verÃ¤ndern, erfreut er sich mittlerweile auch im realen Wirtschaftsleben zunehmender Beliebtheit. Seine EinsatzmÃ¶glichkeiten sind hierbei vielfÃ¤ltig. Immer mehr (gemeinnÃ¼tzige) Organisationen akzeptieren Spendenzahlungen in Bitcoins und als (alternatives) Zahlungsmittel hat Bitcoin die Grenzen des Online-Handels lÃ¤ngst Ã¼berschritten und wird zunehmend auch im stationÃ¤ren Handel oder in der Gastronomie anerkannt. Begleitet wird der Aufstieg bisweilen von negativen Schlagzeilen, sei es von Meldungen Ã¼ber Hackerangriffe auf verschiedene Handelsplattformen oder den Einsatz des Bitcoins zur GeldwÃ¤sche bzw. Terrorfinanzierung, die auch die Ã¶ffentlichen AufsichtsbehÃ¶rden zu Warnhinweisen und Regulierungen veranlassten. Trotz solcher Nachrichten ist die Euphorie weiterhin ungebrochen; vielmehr erreicht der Bitcoin-Wechselkurs regelmÃ¤ÃŸig neue HÃ¶chststÃ¤nde und weckt so verstÃ¤rkt auch das Interesse risikobereiter Anleger, wobei der Bitcoin-Wechselkurs auch immer wieder unter erratischen KurseinbrÃ¼chen zu leiden hat. So stieg der Wechselkurs zwischen Anfang April 2017 und Anfang September 2017 von ca. 1000 â‚¬ sukzessive auf einen neuen HÃ¶chststand von rund 4140 â‚¬, bevor er bis Mitte September 2017 wieder auf 2710 â‚¬ sank. 7 Neben Bitcoins existieren eine Vielzahl weiterer virtueller WÃ¤hrungen, die sich trotz einiger Parallelen in ihrer technischen Ausgestaltung oder ihren EinsatzmÃ¶glichkeiten unterscheiden und mitunter Ã¼ber eine erhebliche Marktkapitalisierung verfÃ¼gen. Zu weiteren bekannten Vertretern zÃ¤hlen bspw. Ethereum und die Abspaltung des Bitcoin "Bitcoin Cash".
Die stetig wachsende Bedeutung virtueller WÃ¤hrungen im Allgemeinen und von Bitcoins im Besonderen wirft zusehends auch Fragen nach der (steuer-)rechtlichen Behandlung auf. WÃ¤hrend diese im Kontext des Ã–ffentlichen Rechts und Zivilrechts bereits eingehend behandelt wurden, ist die bilanzielle und ertragsteuerliche Beurteilung der Erzeugung und Transaktion von Bitcoins teilweise noch ungeklÃ¤rt. Ein erheblicher Forschungsbedarf besteht insb. hinsichtlich der Einordnung neu aufkommender GeschÃ¤ftsmodelle im Bereich des sog. Bitcoin-Mining und der EinkÃ¼nfteermittlung. FÃ¼r die Beantwortung dieser Fragen werden zunÃ¤chst die notwendigen wesentlichen Funktionsmerkmale aufgezeigt, bevor die virtuelle WÃ¤hrung Bitcoin in den geltenden Rechtsrahmen eingebettet wird. FÃ¼r den Steuerpflichtigen wohl bedeutsamer ist die Frage nach der bilanziellen Einordnung des Bitcoins, wobei sich hieran konsequenterweise Fragen hinsichtlich der Wertbeimessung im Rahmen der Erst- und Folgebewertung bzw. des Ausweises anschlieÃŸen. Steuerliche AnknÃ¼pfungspunkte ergeben sich insb. im Rahmen des sog. Bitcoin-Mining und der VerÃ¤uÃŸerung erzeugter bzw. entgeltlich erworbener Bitcoin-BetrÃ¤ge. Umsatzsteuerliche Implikationen werden hierbei bewusst ausgespart. Die EuGH-Rechtsprechung in der Rs. Hedqvist sieht in dem Umtausch von Bitcoins gegen GebÃ¼hr eine von Art. 2 Abs. 1 Buchst. c MwStSystRL erfasste steuerbare sonstige Leistung gegen Entgelt, fÃ¼r die jedoch die Befreiungsvorschrift des Art. 135 Abs. 1 Buchst. e MwStSystRL Anwendung findet. Der EuGH lieÃŸ zwar die umsatzsteuerliche Behandlung der Verwendung von Bitcoins als Zahlungsmittel offen, das Schrifttum tendiert jedoch dazu, darin keinen tauschÃ¤hnlichen Umsatz i.S.d. Â§ 3 Abs. 12 Satz 2 UStG zu sehen, sondern eine einheitliche Lieferung oder sonstige Leistung i.S.d. Â§ 1 Abs. 1 Nr. 1 UStG.
B. Konzept virtueller WÃ¤hrungen und des Bitcoins im Besonderen
1. Begriff und PluralitÃ¤t virtueller WÃ¤hrungen
Ihrem Wesen nach handelt es sich bei virtuellen WÃ¤hrungen um unregulierte und von staatlichen Institutionen (insb. von Notenbanken) und Kreditinstituten unabhÃ¤ngige ErsatzwÃ¤hrungen. Obwohl sie weder einen intrinsischen Wert aufweisen noch ihr Wert staatlich gewÃ¤hrleistet wird, sind virtuelle WÃ¤hrungen in der Lage als Zahlungsmittel zu fungieren. DarÃ¼ber hinaus bieten insb. jÃ¼ngere Vertreter digitaler WÃ¤hrungen ein groÃŸes Spektrum an AnwendungsmÃ¶glichkeiten, die Ã¼ber den bloÃŸen Einsatz als Zahlungsmittel hinausgehen. (...)
Verlag Dr. Otto Schmidt vom 27.10.2017 12:02