Source: https://www.frag-einen-anwalt.de/Frage-zum-Thema-Betrug-,-Urkundenfaelschung-und-Geldwaesche--f301281.html
Timestamp: 2017-11-18 17:36:52
Document Index: 229976265

Matched Legal Cases: ['§ 174', '§ 140', '§ 261', '§ 94', '§ 102', '§ 102']

www.frag-einen-anwalt.de Strafrecht Betrug Frage zum Thema Betrug , Urkundenfälschu...
04.08.2017 16:09 |
ich versuche den Sachverhalt so klar wie möglich zu formulieren.
Ich bin derzeit 20 Jahre alt und leide seit Anfang 2016 an Depressionen. Im Juni 2016 habe ich einen Kredit bei meiner Hausbank aufgenommen in Höhe von 5.000 Euro. In der Zeit war ich noch in der Ausbildung. Im Juli 2016 entschloss ich mich meine Ausbildung aufzugeben und mein Abitur auf dem 2. Bildungsweg nachzuholen. Aufgrund wiederholter Fehlstunden (Depressionsbedingt), habe ich mich dazu entschlossen zu wiederholen. Im 2. Bildungsweg erhält man Elternunabhängig Bafög.
Die 5.000 Euro waren dazu gedacht in ein Rev-Share-System zu investieren. Dies ging leider schief und das Geld verloren. Es wird derzeit ein Zivilverfahren gegen das Unternehmen anzustreben.
Im Februar 2017 erlitt während der Depression ein großes Tief und hatte einen Suizidversuch mit anschließendem sehr kurzem Aufenthalt in einer geschlossenen Psychatrie. Von da an habe ich mich bis zum Schulbeginn im August 2017 beurlauben lassen.
Seit dem Suizidversuch bin ich in einer psychologischen Therapie und psychatrischer Medikamentöser Behandlung.
Da ich während der Beurlaubung kein Bafög mehr erhielt, konnte ich die Raten vom 1. Kredit nicht tilgen.
Ich entschloss mich 2 Wochen nach meinem Aufenthalt in der geschlossenen Klinik, also 2 Wochen nach dem Suizidversuch
einen neuen Kredit mit gefälschten Kontoauszügen und gefälschten Lohnabrechnungen zu erlangen.
Die 1. Bank mit den gefälschten Unterlagen hat daraufhin Anzeige wegen Betruges erstattet.
Da die 1. Bank sich auch entschlossen hat mir den Kredit zu verweigern, probierte ich es bei 2 weiteren Banken mit Erfolg.
Jeweils 4.000 Euro also insgesamt 8.000 Euro erlangt.
Daraufhin gab es im Juni 2017 eine Hausdurchsuchung. Da ich vor Ort zu Hause war, habe ich den Beamten angeboten die Unterlagen Ihnen per E-Mail zu schicken. Diese willigten ein und zogen daraufhin wieder ab.
Eine der beiden Banken mit den 4.000 Euro wurde von der Polizei informiert und ich habe dies bei der einen Bank auch wieder zurück gezahlt.
Da ich daraufhin auch kein Geld mehr hatte, habe ich bei mehreren Kreditvermittlern und Banken erneut versucht einen Kredit zu erlangen, auch wieder mit gefälschten Unterlagen.
Ich erhielt erneut einen Kredit in Höhe von knapp 6.000 Euro. Dies fiel aber mir aus noch nicht bekannten Gründen auf, worauf hin die Kriminalpolizei mein Konto sperrte und die Bank mit den 6.000 Euro den größten Teil per Rücküberweisung zurückholte.
Ich weiß, dass ich da einige Fehler gemacht habe, allerdings möchte ich Reue zeigen und vor allem möchte ich nicht ins Gefängnis!
Ich muss dazu sagen, ein Kreditvermittler und eine Bank bei der ich es versucht hatte, haben ebenfalls Anzeige wegen Betrug und Urkundenfälschung erstellt.
Jetzt habe ich dazu natürlich sehr viele Fragen und fühle mich auch überfordert.
Wie kann ich erreichen vor ein Jugendgericht zu kommen?
Ich kann nicht den kompletten Betrag an die Bank(en) zurückzahlen, habe ich ein Recht auf eine Privatinsolvenz?
Habe ich dadurch, dass ich einen Teil des Geldes ausgegeben habe, mich der Geldwäsche schuldig gemacht?
Muss ich erneut mit einer Hausdurchsuchung rechnen? Ich habe ja neue Unterlagen gefälscht.
Darf ich die StA / Polizei ohne Gerichtsbeschluss in meine Konten einsehen? (Verwertungsverbot)
Habe ich das Recht auf einen Pflichtverteidiger?
Ich muss dazu sagen ich bin nicht vorbestraft, lebe in guten und geordneten Verhältnissen bei meinem Vater.
Ich will unbedingt mein Abitur machen und dann Medizin studieren und Arzt werden.
Ich sehe zu 100 % ein, dass das was ich gemacht habe falsch war und möchte unbedingt den Schaden wieder gutmachen.
Dazu muss ich ebenfalls sagen, dass die Depression aufgrund des "Verschwindes" meiner Mutter herrührt, sowie die Misshandlung durch meine Mutter.
Von den 6.000 Euro sind noch knapp 1.500 Euro offen.
Es wären also 3 Fälle des versuchten Betruges davon 2 mit Urkundenfälschung.
Und 2 Fälle des Betruges mit Urkundenfälschung.
Von einem der 4.000 Euro weiß die Polizei wohl nichts, könnte aber noch passieren.
Bei der Geldwäsche bin ich mir nicht sicher, ob ich mich dessen "Schuldig" gemacht habe.
Ich werde in jedem Falle die Bank bei der noch ein Betrag offen ist, melden und versuchen eine Ratenzahlung zu vereinbaren und mich ebenfalls entschuldigen, sowie eine Wiedergutmachung zu leisten.
Ebenfalls bin ich bei der Polizei vorgeladen worden. Ich weiß, dass ich dazu nicht hingehen muss, aber mein Gewissen sagt mir, ich sollte ein Geständnis ablegen, da mich dieser Druck des Schweigens fertig macht.
Eine Sache wäre mir noch wichtig : Bei z.B. Seiten wie Check24 als Vergleichsportal für Kredite, kann ich ganz beliebige Daten angeben. Es findet automatisch eine Anfrage an alle bekannten Banken in Deutschland statt.
Wenn ich so eine Anfrage mit gefälschten Angaben mache, ist das dann automatisch Betrug?
Sie sind mit 20 Jahren Heranwachsender. Der Heranwachsende wird nach Jugendstrafrecht behandelt, wenn bei ihm ein Reiferückstand besteht oder aber eine Jugendverfehlung vorliegt. Ihr Gesundheitszustand und ihre Probleme bei der Ausbildung und Schule kann man klar als Argumente anführen. Auch die Unerfahrenheit in Bankangelegenheiten sprechen für die Anwendung von Jugendstrafrecht. Die Entscheidung trifft das Gericht in der Hauptverhandlung.
Forderungen aus vorsätzlich begangener unerlaubter Handlung sind von der Restschuldbefreiung ausgenommen, wenn sie unter diesem Rechtsgrund zur Insolvenztabelle angemeldet worden sind gem. §§ 174 Abs.2, 302 Nr. 1 InsO.
Die notwendige Verteidigung und Bestellung eines Pflichtverteidigers ergibt sich aus §§ 140, 141 StPO. Die Beiordnung richtet sich dabei nach dem drohenden Strafmaß. Wenn eine Freiheitsstrafe von 1 Jahr mit oder ohne Bewärung in Betracht kommt, erfolgt die Beiordnung. Ihre Jugend und ihr angeschlagener Gesundheitszustand sind ein weiteres Kriterium. Es handelt sich zudem, um eine komplizierte Materie. Ihre Aussichten sind somit gut, dass es zu einer Beiordnung eines Verteidigers kommt.
Seriös kann man das erst nach Akteneinsicht beantworten. Zu ihren Gunsten spricht, dass sie in stabilen Lebensverhältnissen leben, eine schulische Ausbildung machen, bereit sind den Schaden wieder gut zu machen und aus Unerfahrenheit und einer angeschlagenen Gesundheit gehandelt haben. Es ist auch wichtig, dass sie Ersttäter sind und sich reuig zeigen. Sie sollten unbedingt versuchen, die ausstehenden Beträge schnell wieder zurückzuzahlen, dass wird sich strafmindernd auswirken. Sie sollten auch auf eine positive Sozialprogose achten. Zu ihren Last wird man die Höhe der Summe und die mehrfache Begehung anführen. Generell muss man wohl mit einer Geldstrafe rechnen oder aber einer Freiheitsstrafe die zur Bewährung ausgesetzt wird.
Geldwäsche ist in § 261 StGB geregelt. Der Tatbestand kommt dann in Betracht wenn das Geld aus einer rechtswidrige Tat stammt und hiemit zum Beispiel andere Gegenstände gekauft werden. Eine Strafbarkeit kommt demnach durchaus in Betracht. Aller Erfahrung nach wird dieser Straftatbestand neben dem Betrug und der Urkundefälschung aber nicht ausschlaggebend sein.
Darf ich die StA / Polizei ohne Gerichtsbeschluss in meine Konten einsehen?
Eine Beschlagnahme nach §§ 94, 98 StPO und eine Durchsuchung nach §§ 102, 103 StPO kann nur auf Grund eines Beschlusses erfolgen. Einzige Ausnahme ist, dass Gefahr in Verzug ist. Diese Formalia kann ein Strafverteidiger nach Akteneinsicht überprüfen. Bei einer Anklage sind die Beweismittel und ihre Verwertbarkeit genau zu hinterfragen.
Muss ich erneut mit einer Hausdurchsuchung rechnen?
Hierzu wäre ein erneuter Durchsuchungsbeschluss notwendig. Die einschlägige Vorschrift ist § 102 StPO. Sie sind meherer Straftaten verdächtigt. Entscheidend ist, ob bei ihnen noch weitere Beweismittel vermutet werden, die es zu sichern gilt.
Nachfrage vom Fragesteller	04.08.2017 | 17:56
ich habe ganz unten noch eine Frage gestellt und ich zitiere
" Eine Sache wäre mir noch wichtig : Bei z.B. Seiten wie Check24 als Vergleichsportal für Kredite, kann ich ganz beliebige Daten angeben. Es findet automatisch eine Anfrage an alle bekannten Banken in Deutschland statt.
Wenn ich so eine Anfrage mit gefälschten Angaben mache, ist das dann automatisch Betrug? "
Wie wahrscheinlich ist es denn dass ich ins Gefängnis komme und wie kann ich auf eine positive Sozialprognose achten vor Gericht?
Bitte beide Fragen beantworten.
Nachfrage vom Fragesteller	04.08.2017 | 18:16
der Anwalt hat die letzte Frage nicht gesehen und/oder beantwortet " Eine Sache wäre mir noch wichtig : Bei z.B. Seiten wie Check24 als Vergleichsportal für Kredite, kann ich ganz beliebige Daten angeben. Es findet automatisch eine Anfrage an alle bekannten Banken in Deutschland statt.
Da dies sehr wichtig ist, muss auch die Frage korrigieren wie es mit der Strafzumessung aussieht.
Antwort auf die Nachfrage vom Anwalt 04.08.2017 | 18:17
Für einen vollendeten Betrug müsste ein Vermögenschaden eingetreten sein. Für Versuch müssten sie Tatentschluss haben. Sie müssten also wissen und wollen, dass ein Schaden bei der Bank eintritt. Das scheint nach ihren Angaben nicht der Fall. Sie müssten außerdem eine Vermögensverfügung durch die Bank auf Grund der fehlerhaften Angaben anstreben. Sie sollten trotzdem so etwas auf jeden Fall künftig unterlassen. Die soziale Prognose spiegelt sich in ihrem Bemühen wieder das Abitur zu machen und ein Medizinstudium aufzunehemen. Sie leben zudem in geordneten Verhältnissen und bleiben straffrei. Die Wahrscheinlichkeit einer Freiheitsstrafe ohne Bewährung ist zudem gering.
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