Source: https://www.vwgh.gv.at/rechtsprechung/vorabentscheidungsantraege_an_den_eugh/archiv/ro_2014040069.html
Timestamp: 2018-03-20 00:25:51
Document Index: 305652701

Matched Legal Cases: ['EuG', 'Art. 1', 'EuG', 'Art. 2', 'Art. 2', 'Art. 1', 'EuG', 'Art. 2']

Österreichischer Verwaltungsgerichtshof - Zugang zu Nachprüfung im Vergabeverfahren
17.07.2015	: Zugang zu Nachprüfung im Vergabeverfahren (Vergaberecht)
Ro 2014/04/0069 (EU 2015/0003) vom 20. Mai 2015, C-355/15 (21. Dezember 2016)
Dieses Vorabentscheidungsersuchen wurde vom Gerichtshof der Europäischen Union mit Urteil vom 21. Dezember 2016, C-355/15, beantwortet. Im fortgesetzten Verfahren hat der VwGH über die Angelegenheit mit Erkenntnis vom 1. Februar 2017, Ro 2014/04/0069-11, entschieden.
Dieses Vorabentscheidungsersuchen betrifft Auslegungsfragen im Zusammenhang mit der sogenannten "Rechtsmittelrichtlinie", welche die Nachprüfung von Entscheidungen eines öffentlichen Auftraggebers im Vergaberecht regelt (Richtlinie 89/665/EWG in der Fassung der Richtlinie 2007/66/EG). Der VwGH möchte mit seinen Vorlagefragen vom EuGH wissen, ob einem Bieter, dessen Angebot bereits rechtskräftig vom Auftraggeber aus dem Vergabeverfahren ausgeschieden wurde, der Zugang zu einer Nachprüfung der nachfolgenden Entscheidungen im Vergabeverfahren verwehrt werden kann und unter welchen Voraussetzungen solchen Bietern allenfalls Zugang zu einer Nachprüfung gewährt werden muss.
Ist Art. 1 Abs. 3 der Richtlinie 89/665/EWG zur Koordinierung der Rechts- und Verwaltungsvorschriften für die Anwendung der Nachprüfungsverfahren im Rahmen der Vergabe öffentlicher Liefer- und Bauaufträge, ABl. L 395 vom 30.12.1989, S. 33, in der durch die Richtlinie 2007/66/EG zur Änderung der Richtlinien 89/665/EWG und 92/13/EWG des Rates im Hinblick auf die Verbesserung der Wirksamkeit der Nachprüfungsverfahren bezüglich der Vergabe öffentlicher Aufträge, ABl. L 335 vom 20.12.2007, S. 31, geänderten Fassung (Richtlinie 89/665) vor dem Hintergrund der Grundsätze des Urteils des EuGH vom 4. Juli 2013 in der Rechtssache C-100/12, Fastweb SpA, dahin auszulegen, dass einem Bieter, dessen Angebot rechtskräftig vom Auftraggeber ausgeschieden wurde und der daher nicht betroffener Bieter nach Art. 2a der Richtlinie 89/665 ist, der Zugang zu einer Nachprüfung der Zuschlagsentscheidung (Entscheidung über den Abschluss einer Rahmenvereinbarung) und des Vertragsschlusses (einschließlich der nach Art. 2 Abs. 7 der Richtlinie geforderten Zuerkennung von Schadenersatz) verwehrt werden kann, auch wenn nur zwei Bieter Angebote abgegeben haben und das Angebot des erfolgreichen Bieters, dem der Auftrag erteilt wurde, nach dem Vorbringen des nicht betroffenen Bieters ebenso auszuscheiden gewesen wäre?
Bei Verneinung der Frage 1: Ist Art. 1 Abs. 3 der Richtlinie 89/665 vor dem Hintergrund der Grundsätze des Urteils des EuGH vom 4. Juli 2013 in der Rechtssache C-100/12, Fastweb SpA, dahin auszulegen, dass dem nicht betroffenen Bieter (nach Art. 2a der Richtlinie) der Zugang zu einer Nachprüfung nur dann gewährt werden muss,
a. wenn sich offenkundig aus den Akten des Nachprüfungsverfahrens entnehmen lässt, dass die Ordnungsmäßigkeit des Angebotes des erfolgreichen Bieters nicht gegeben ist?
b. wenn die Ordnungsmäßigkeit des Angebotes des erfolgreichen Bieters aus gleichartigen Gründen nicht gegeben ist?