Source: https://damenbasketball.org/index.php/fanseite/debatte/107-neue-%C3%B6bv-satzung-f%C3%BCr-damenbasketball-inakzeptabel
Timestamp: 2018-04-26 09:13:39
Document Index: 50488320

Matched Legal Cases: ['§17', '§21', '§22', '§ 17', '§ 17', '§ 21', '§ 22', '§ 21', '§ 25', '§ 23', '§23', '§23', '§23']

Der offener Brief von Sebastian Eger-Mraulak, UBI Graz startete eine Debatte die wir hier gerne weiterführen würden.
Sehr geehrter ÖBV-Vorstand, liebe Basketballgemeinschaft,
Die Neuformulierung der Satzung des ÖBV halte ich aus Sicht des Frauensports für nicht akzeptabel. Im Entwurf vom 16.12.2017, der uns am 6.3.2018 per Mail zugegangen ist, greifen die Änderungen der §17, §21, §22 massiv den Einflussbereich des Damensports an. Mit der Abschaffung der AWBL wird nicht – wie zu erwarten wäre – innerhalb des ÖBV ein gleichwertiges Gremium der Damenbundesliga geschaffen, das mit gleichberechtigtem Sitz und Stimme in allen Gremien des ÖBV vertreten ist, sondern es werden die Frauenvertreterinnen einfach aus allen Gremien herausgestrichen.
In Zukunft wird …
lt. § 17 wird keine Vertretung der Damenbundesliga im Vorstand des ÖBV mehr antrags-, stimm- und aktiv wahlberechtigt sein (entfällt ersatzlos)
lt. § 17 wird die Damenbundesliga nicht mehr für jedes Team, das an der Bundesliga teilnimmt eine Stimme haben (entfällt völlig). Schon bisher waren die Stimmverhältnisse so, dass frauenrelevante Themen aufgrund der Minderrepräsentanz leicht niedergestimmt werden konnten.
lt. § 21 wird der Vorstand des ÖBV keine Vertreterin der Damenbundesliga mehr beinhalten (ersatzlos gestrichen!). Die Frauen waren bisher schon aufgrund anderer struktureller Defizite (weniger Teams, kein einziger Landespräsident ist eine Frau, …) in den Entscheidungsgremien grob unterrepräsentiert. Mit der neuformulierten Satzung sind sie faktisch aus allen Entscheidungsgremien ausgeschlossen.
lt. § 22 in Verbindung mit § 21 verlieren FrauenvertreterInnen nun jegliches Antrags- und Stimmrecht
Als Ersatz wird auf der untergeordneter Ebene von Referenten und Ausschüssen ein Damensportreferat eingerichtet:
lt. § 25 haben Referenten (also auch der Damenreferent - selbst hier wird die männliche Form verwendet) nur beratenden Charakter, sie können vom Vorstand bestellt und jederzeit abberufen werden. Und zu allem Überfluss können sie auch noch mit Angestellten des ÖBV besetzt werden. Man stelle sich vor, wie ein solcher „Damensportreferent“ bei strittigen Fragen gegen den Vorstand aufsteht und unabhängig die Frauenanliegen vertritt.
Diese Gesamtkonstruktion erweckt den Eindruck, dass der ÖBV die totale Entmachtung der Frauen, Frauen als Bittstellerinnen beim Vorstand, Fortsetzung der Almosenpolitik der vergangenen Jahre verstärken will.
Das nenne ich strukturelle Entmachtung der Frauen. Genau für die gleichberechtigte Mitbestimmung von Frauen in allen Einflusssphären der Politik, Wirtschafft und eben auch des Sports wird seit Jahrzehnten gekämpft. Nur im ÖBV tritt „Mann“ den Weg in die Gegenrichtung an. Wir versetzen die Mitbestimmung der Frauen in den Stand des Anfangs des vorigen Jahrhunderts zurück, als Frau noch beim Mann für Alles nachfragen mussten. Wählen darf Frau in Österreich schon seit 1918. Solange ist auch ihre politische Mitbestimmung in der Verfassung verankert. Im Sport, das wissen wir auch aus den aktuellen Berichterstattungen aus anderen Sportverbänden, ist das bis heute nicht so. Dass aber die Zeit zurück gedreht wird, der Einfluss der Frauen auf das Geschehen strukturell und konsequent auf „Null“ beschnitten wird, das ist einzigartig. Gratulation an den ÖBV!
Richtig wäre eine genau gegenteilige Entwicklung.
Paritätische Besetzung aller Gremien mit Frauen und Männern und die Sicherung von Sitz und Stimme in allen Entscheidungsgremien quer durchs ganze Bundesgebiet, um den Einfluss strukturell abzusichern.
Konsequente Überförderung des Frauenbasketballs, um die effektive Benachteiligung der letzten Jahrzehnte zu kompensieren.
Die Änderung des § 23 hat zwar nichts mit Frauenagenden zu tun, passt aber ins Sittenbild. §23 Abs (3) erlaubt dem Vorstand, ausgenommen der Anstellung, vollumfänglich Selbstkontrahierung. Die Änderungen des §23 finde ich im zweiten Satz nicht akzeptabel. Damit können die Vorstandsmitglieder ihre eigenen Geschäfte mit dem ÖBV beschließen. Das ist eine Praxis die aus gutem Grund völlig unüblich ist. Ich halte es für inakzeptabel die Möglichkeit des Selbstkontrahierens ohne Fremdüberprüfung so unbeschränkt zu öffnen.
Ich schicke dieses Mail nun bewusst an einen breiten Verteiler und hoffe, dass ich nicht der einzige bin, den das aufregt. Insbesondere Frauen aber auch Männer, denen der Frauen-Basketball am Herzen liegt, sollten sich nun zu Wort melden, denn um euch geht es da. Da die außerordentliche Generalversammlung, bei der das beschlossen werden soll, schon am 17.3. stattfindet ist Eile geboten.
Den Beschluss der neuen Satzung bei der außerordentlichen Generalversammlung, die für 17.3.2018 geplant ist, von der Tagesordnung zu nehmen und einen Konsultationsprozess mit den Vereinen und ProponentInnen zu starten, die im Mädchen- und Frauenbasketball in Österreich seit Jahren gute Arbeit leisten.
Die Satzung des ÖBV und alle begleitenden Regelwerke danach zu durchforsten, wo sie direkt oder indirekt benachteiligend auf die Beteiligung, Ausstattung oder Versorgung der Frauen und Mädchen im österreichischen Basketball wirken.
Sicher zu stellen, dass in den Entscheidungsgremien die Anliegen des Frauenbasketball gleichwertig wie die Anliegen des Männerbasketball vertreten werden und dass die Mittelverteilung geschlechterneutral erfolgt.
Überarbeitung des §23 um die Möglichkeiten des Selbstkontrahierens einzuschränken.
Wir müssen dazu Druck von unten machen. Wenn Du dich diesen Forderungen anschließen möchtest, dann kopiere die entsprechenden Teile und sende sie an:
Hubert Schreiner (Präsident des ÖBV) Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
Michael Schrittwieser (Generalsekretär des ÖBV) Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
Thomas Holzgruber (Vizepräsident und Rechtsreferent) Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
Allgemein an den ÖBV Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
Wenn du findest, dass auch andere davon erfahren sollten, dann schicke dieses Mail weiter, damit auch diese SpielerInnen und FunktionärInnen ihre Meinung dazu kundtun und sich am Gestaltungsprozess beteiligen können. Da die Frauen in sämtlichen Gremien unterrepräsentiert sind, muss diese Bewegung von unten starten.
Sebastian Eger-Mraulak
Der Damenbasketballklub „Steyrer Hexen“ identifiziert sich vollinhaltlich mit diesem Schreiben und schließt sich den Forderungen an.
Ergänzend dürfen wir mitteilen, dass die Zusendung des Entwurfes der neuen Statuten an unseren Verein unterblieben ist. Wir haben nur durch die E-Mail von UBI Graz davon Kenntnis erhalten und hätten bei der a.o. GV am Samstag über etwas uns Unbekanntes abstimmen müssen…
F.d. ASKÖ DBK „Steyrer Hexen“:
Ernst Schlemmer, Sportleiter
Sehr geehrte Verbandsvertreter,
wir wurden darüber informiert, dass heute über die neuen Verbandsstatuten diskutiert wird.
Die Entwürfe, die uns übermittelt wurden sind erschreckend rückschrittlich und wird den Aufbau einer konkurrenzfähigen weibliche Damenbasketballszene in Österreich nachhaltig erschweren.
Wir sind entsetzt über den Entwurf und noch mehr über das Gedankengut, das hinter so einem Entwurf stecken muss.
Als neutraler Verein und als reine Interessensvertretung des weiblichen Damenbasketballs in Österreich können wir natürlich keine Forderungen an die ÖBV stellen.
Wir möchten aber unsere deutliche Aversion in Bezug auf die Ansätze im Entwurf aussprechen.
Es ist offensichtlich, dass die Programme zur Verbesserung der Rahmenbedingungen für den weiblichen Teil unseres Sports zur Gänze fehlen und auch das Interesse, das zu verändern. Bei Anpassungen der Statuten in der Form, wie sie uns vorliegen, handelt es sich aber nicht mehr um fehlendes Interesse sondern vielmehr um das aktive Verhindern einer Entwicklung des weiblichen Basketballs in Österreich.
Hoffentlich kommen die Gremien rechtzeitig zur Einsicht und setzen die notwendigen Ziele und Ressourcen auf, um die Negativspirale der letzten Jahrzehnte zu stoppen und umzudrehen.
Wir als Förderverein werden die Entscheidungen und die Aktivitäten des ÖBV hinsichtlich des weiblichen Basketballs ab jetzt genauer verfolgen.
Bei ehrlichem Interesse seitens des ÖBV würden wir auch gerne, wie bereits in mehreren Treffen in der Vergangenheit ausgesprochen, im Prozess unterstützen.
Verein zur Förderung von Mädchen- und Damenbasketball in Österreich
Peter de Leeuw, Obmann.
Liebe BasketballerInnen, liebe FunktionärInnen im österreichischen Basketball,
Zunächst einmal möchte ich mich für die vielen Diskussionsbeiträge, die vielfältige Unterstützung und auch für die einzelnen kritischen Beiträge herzlich bedanken. Sehr deutlich drückt sich in dieser Diskussion das Unbehagen der Leute aus, die seit Jahren versuchen Mädchen- und Frauenbasketball gleichwertig wie den männlichen Basketball aufzustellen. Aufgrund der mangelnden Unterstützung die von Seiten des ÖBV erlebt wurde, wurden etliche privaten Initiativen gestartet, um die Entwicklung im weiblichen Basketball voran zu bringen. Ich denke da an die Initiativen von We got game!, dem Mädchenbasketballförderverein mit seinen Future Camps, den Damen Regionalligen und nicht zuletzt der vom NBBV heuer so hervorragend organisierten WU14 Turnierserie. Auch diese WU14 Meisterschaft wurde aus der Not geboren, weil eine österreichweite Turnierserie mit vielen Begegnungen für die WU14 vom ÖBV nicht gewollt wurde.
Auf der anderen Seite die reduzierte Teilnahme an den weiblichen ÖMS, seit sie nicht mehr in Turnierform, sondern jeden Samstag in Einzelspielen ausgetragen werden. Wir haben alle davor gewarnt. Der ÖBV hat es dennoch so gemacht. Jetzt gibt es noch 5 Teams in der WU19 und 8 Teams in der WU16. Man beachte den Unterschied zur WU14-Serie, wo im ersten Jahr des Bestehens 14 Teams dabei sind!?!
Oder auch die unsäglichen Auswahlverfahren beim Bundesländer-Cup für das WU14 Nationalteam. Das Format lässt nur ganz wenige Spielerinnen zu. Die Auswahlfilter in den Landesverbänden funktioniert nicht gut. Die Auswahl, die aus einem solchen Turnier für ein potentielles Nationalteam getroffen wird, lasst zahllose Talente ungesehen zurück. Das gilt wieder einmal besonders für Spielerinnen aus den Bundesländern weit von Wien, weil die NationalteamtrainerInnen in den Bundesländern nicht Nachschau halten.
Ich habe mich gefreut, als der neue Generalsekretär im ORF vollmundig die Förderung des Frauenbasketballs verkündet hat. Ich habe ihn auch schon im Jänner zu einem Austausch eingeladen, weil ich gerne unsere Ideen mit ihm teilen wollte. Ich weiß nicht, wie vielen Frauenvereinen er schon seine Aufwartung gemacht hat. Bei uns war er noch nicht. Ich frage mich also worauf sich das neue Frauenkonzept begründet.
Als erste tatsächliche Aktion erfolgte dann die vorgeschlagene Satzungsänderung, die die weibliche Beteiligung in den Entscheidungsgremien marginalisiert. Das ist keine Trendwende, darin sehe ich die Fortsetzung des alten Weges!
Leider kann ich morgen bei der GV nicht dabei sein, weil der Termin so gelegt ist, dass die AWBL-Vereine mitten in den Play-Offs stecken. UBI Graz spielt am Samstag um 17:45 gegen die Duchess. Ein Schelm, wer hier Absicht vermutet?
Auf jeden Fall möchte ich noch einmal unsere Forderungen an die Neufassung der Satzung und das weitere Vorgehen im weiblichen Basketball für alle transparent machen:
In der Satzung des ÖBV muss die Stimme des Frauenbasketballs direkt im Vorstand vertreten sein, nicht nur als Referentin. Dazu braucht es eine von den Vereinen der höchsten und evtl. auch zweithöchsten weiblichen Spielklasse entsandte Person. Diese vertritt die Interessen des Frauen- und Mädchenbasketballs im ÖBV Vorstand. Das Prozedere der Bestellung wäre noch zu überlegen.
Ebenso wichtig wäre die Erstellung eines Konzeptes, wie man den weiblichen Basketball stärken und eine größere Breite erreichen kann. Das Konzept muss aber auch mit entsprechenden Mitteln versorgt werden. Zu überprüfen wäre, wie die Finanzen zwischen Herren und Damen verteilt sind.
Ziel muss eine kompensatorische Überförderung des weiblichen Basketball für die nächsten Jahre sein. Ich möchte gerne Zahlen sehen, wie die Mittel des ÖBV zwischen Frauen und Männern derzeit und zukünftig verteilt werden. 50:50 muss das Ziel sein.
Die Möglichkeit des Vorstandes mit sich selber Geschäfte abzuschließen (Selbstkontrahieren) ist für mich zu streichen. Bei solchen Geschäften müsste eine unabhängige Stelle (Generalversammlung oder Beirat) zustimmen und/oder diese Geschäfte sind auf Minimalbeträge zu beschränken.
Unabhängig von der GV halte ich es für sinnvoll einen breiten Beteiligungsprozess mit den aktiven GestalterInnen im Damenbasketball zu eröffnen. Darüber würde ich mich freuen und UBI würde gerne dabei mitwirken.
Zu deiner Info. Die Generalversammlung des ÖBV hat heute beschlossen, dass die Damensportreferentin eine Frau sein muss und Sitz und Stimme im ÖBV Vorstand hat.
Präsident des Wiener Basketballverbandes (WBV)