Source: https://www.rechtslupe.de/strafrecht/zigarettenschmuggel-polen-einziehung-3111439
Timestamp: 2020-02-17 00:32:25
Document Index: 121390286

Matched Legal Cases: ['§ 375', '§ 74', '§ 375', '§ 375', '§ 375', '§ 74', '§ 74', '§ 74', '§ 71', '§ 74', '§ 74', '§ 74', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 401', '§ 375', '§ 375', '§ 375', '§ 375', '§ 375', '§ 375', 'BGH', 'BGH', '§ 74', 'BGH', '§ 375', '§ 40', '§ 375']

Ziga­ret­ten­schmug­gel aus Polen – und die Ein­zie­hung des Begleit­fahr­zeugs | Rechtslupe
Zigarettenschmuggel aus Polen - und die Einziehung des Begleitfahrzeugs
Ziga­ret­ten­schmug­gel aus Polen – und die Ein­zie­hung des Begleit­fahr­zeugs
§ 375 Abs. 2 AO stellt eine beson­de­re gesetz­li­che Vor­schrift im Sin­ne von § 74 Abs. 4 StGB dar 1. § 375 Abs. 2 Satz 1 Nr. 2 AO erlaubt die Ein­zie­hung der Beför­de­rungs­mit­tel, die zur Tat benutzt wor­den sind.
Auch vor­aus­fah­ren­de oder nach­fol­gen­de Begleit­fahr­zeu­ge, die einen Trans­port unver­steu­er­ter Ziga­ret­ten lot­sen oder absi­chern sol­len, sind Beför­de­rungs­mit­tel im Sin­ne des § 375 Abs. 2 Satz 1 Nr. 2 AO 2.
Die Ver­wei­sung in § 375 Abs. 2 Satz 2 AO auf § 74a StGB ermög­licht, dass Gegen­stän­de auch dann ein­ge­zo­gen wer­den kön­nen, wenn der­je­ni­ge, dem sie zur Zeit der Ent­schei­dung gehö­ren oder zuste­hen, wenigs­tens leicht­fer­tig dazu bei­getra­gen hat, dass die Sache oder das Recht Mit­tel oder Gegen­stand der Tat oder ihrer Vor­be­rei­tung gewe­sen ist (§ 74a Nr. 1 StGB).
Dies ist der Fall, wenn der Eigen­tü­mer des Begleit­fahr­zeugs in dem Wis­sen han­del­te, dass sein Fahr­zeug Lkw beglei­tet, die unver­steu­er­te Ziga­ret­ten über die deutsch­pol­ni­sche Gren­ze brin­gen.
Aller­dings han­delt es sich bei der Ein­zie­hung um eine Ermes­sens­ent­schei­dung. Die Urteils­grün­de müs­sen erken­nen las­sen, dass das Gericht von die­sem Ermes­sen Gebrauch gemacht hat 3.
Bei der pflicht­ge­mä­ßen Aus­übung des Ermes­sens ist nach § 74b StGB ins­be­son­de­re der Grund­satz der Ver­hält­nis­mä­ßig­keit zu beach­ten 4. Erfor­der­lich ist inso­weit eine Gesamt­wür­di­gung aller Umstän­de; die Anknüp­fung allein an den Hin­ter­zie­hungs­be­trag genügt nicht 5. Das Tat­ge­richt hat sowohl die Bedeu­tung der Tat wie auch den per­sön­li­chen Schuld­vor­wurf des von der Ein­zie­hung Betrof­fe­nen zu wür­di­gen und mit der Schwe­re des in der Ein­zie­hung des Gegen­stands lie­gen­den Ein­griffs zu ver­glei­chen 6. Die Schwe­re des Ein­griffs ergibt sich dabei haupt­säch­lich aus dem objek­ti­ven Wert der Sache, deren Ein­zie­hung in Fra­ge steht, den Umstän­den, unter denen der Betrof­fe­ne sie erwor­ben hat, und ihrer Bedeu­tung für sei­ne Lebens­ge­stal­tung 7.
In die gebo­te­ne Gesamt­wür­di­gung ist daher ein­zu­be­zie­hen,
wel­chen objek­ti­ven Wert das Fahr­zeug hat,
unter wel­chen Umstän­den der Ein­zie­hungs­be­tei­lig­te (Fahr­zeug­ei­gen­tü­mer) es erwarb,
ob er die Kos­ten für den Eigen­tums­er­werb trug und
ob ihm der Pkw gera­de zur Mit­hil­fe bei den ver­fah­rens­ge­gen­ständ­li­chen Steu­er­straf­ta­ten zur Ver­fü­gung gestellt wur­de.
Zudem ist im Rah­men der Ermes­sen­aus­übung in den Blick zu neh­men, dass
gemäß § 71 AO eine Haf­tung des ein­zie­hungs­be­tei­lig­ten Fahr­zeug­ei­gen­tü­mers für die ver­kürz­ten Steu­ern als Mit­tä­ter oder Teil­neh­mer in Betracht kommt 8.
Schließ­lich müs­sen die Urteils­grün­de auch nicht erken­nen las­sen, dass sich das Land­ge­richt bei der Anord­nung einer gemäß § 74f Abs. 2 Nr. 1 StGB ent­schä­di­gungs­lo­sen Ein­zie­hung der Här­te­vor­schrift des § 74f Abs. 3 StGB bewusst war. Danach kann in den Fäl­len des § 74f Abs. 2 StGB eine Ent­schä­di­gung gewährt wer­den, soweit es eine unbil­li­ge Här­te wäre, dies zu ver­sa­gen.
Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 11. Mai 2016 – 1 StR 118/​16
vgl. BGH, Beschluss vom 31.10.1994 – 5 StR 608/​94, wis­tra 1995, 30[↩]
vgl. BGH, Urteil vom 14.10.1952 – 2 StR 354/​52, BGHSt 3, 355 zur Vor­gän­ger­vor­schrift des § 401 Abs. 1 RAO; Hei­ne in Graf/​Jäger/​Wittig, Wirt­schafts- und Steu­er­straf­recht, § 375 AO Rn. 25; Hil­gers-Klautsch in Kohl­mann, Steu­er­straf­recht, 54. Lfg., § 375 AO Rn. 50; Jäger in Klein, AO, 12. Aufl., § 375 Rn. 15; Joecks in Joecks/​Jäger/​Randt, Steu­er­straf­recht, 8. Aufl., § 375 AO Rn. 39 mwN aus der Rspr.; Rol­letsch­ke in Rolletschke/​Kemper, Steu­er­straf­recht, 92. Lfg., § 375 Rn. 33; zwei­felnd dage­gen Weg­ner in Münch­Komm-StGB, Neben­straf­recht II, 2. Aufl., § 375 AO Rn. 29[↩]
vgl. auch BGH, Beschlüs­se vom 23.08.2011 – 4 StR 385/​11; und vom 04.01.1994 – 4 StR 718/​93, BGHR StGB § 74 Abs. 1 StGB Ermes­sens­ent­schei­dung 1[↩]
vgl. BGH, Beschluss vom 16.11.1982 – 5 StR 427/​82[↩]
vgl. Joecks in Joecks/​Jäger/​Randt, Steu­er­straf­recht, 8. Aufl., § 375 AO Rn. 66[↩]
vgl. BT-Drs. V/​1319 S. 56 zu § 40b StGB aF[↩]
vgl. Joecks aaO[↩]
vgl. auch Hei­ne in Graf/​Jäger/​Wittig, Wirt­schafts- und Steu­er­straf­recht, § 375 AO Rn. 35[↩]