Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Text=NJW-RR%202016,%201187
Timestamp: 2019-06-26 11:52:31
Document Index: 125286140

Matched Legal Cases: ['BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 195', '§ 199', '§ 286', '§ 314', '§ 320', 'Art. 103', '§ 242', '§ 156', '§ 97', '§ 92', '§ 199', '§ 280', '§ 199', '§ 199', '§ 199', '§ 551', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 199', '§ 199', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 199', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 199', 'BGH', 'BGH']

BGH, 15.03.2016 - XI ZR 122/14 - dejure.org
https://dejure.org/2016,7479
BGH, 15.03.2016 - XI ZR 122/14 (https://dejure.org/2016,7479)
BGH, Entscheidung vom 15.03.2016 - XI ZR 122/14 (https://dejure.org/2016,7479)
BGH, Entscheidung vom 15. März 2016 - XI ZR 122/14 (https://dejure.org/2016,7479)
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§§ 195, 199 Abs. 1 BGB, § 199 Abs. 1 Nr. 2 BGB, § 286 ZPO, § 314 ZPO, § 320 ZPO, Art. 103 Abs. 1 GG, § 242 BGB, § 156 ZPO, § 97 Abs. 1, § 92 Abs. 2 Nr. 1 ZPO
§ 199 Abs 1 Nr 2 BGB, § 280 BGB
Verjährungsbeginn der Bankenhaftung aus Kapitalanlageberatung: Kenntnis bzw. grob fahrlässige Unkenntnis des Kapitalanlegers von der Gewährung einer Rückvergütung
Beratungsvertragliche Pflicht einer Bank zur Aufklärung des Anlegers über die von ihr vereinnahmte Vertriebsprovision (Rückvergütung); Kausalität der Aufklärungspflichtverletzung für den Erwerb einer Fondsbeteiligung; Geltung der sogenannten "Vermutung aufklärungsrichtigen Verhaltens" für alle Aufklärungs- und Beratungsfehler eines Anlageberaters; Darlegungs- und Beweislast der Bank für die erforderliche Kenntnis des Anlegers
Zum Vorliegen der subjektiven Voraussetzungen des § 199 Abs. 1 Nr. 2 BGB bei einem Schadensersatzanspruch, der darauf gestützt ist, dem Anleger sei von der ihn beratenden Bank nicht mitgeteilt worden, dass sie für den Vertrieb der empfohlenen Kapitalanlage eine Rückvergütung erhält
Die beratende Bank muss den Kunden über Provision aufklären
Zum Beginn der Verjährungsfrist des Schadensersatzanspruchs eines Anlegers gegen die Bank wegen verschwiegener Rückvergütungen
Subjektive Voraussetzungen des § 199 Abs. 1 Nr. 2 BGB bei einem Schadensersatzanspruch eines Anlegers
Geldanleger schlecht informiert - Kassiert eine Bank Provision für den Vertrieb von Kapitalanlagen, muss sie Anleger darüber aufklären
Subjektive Voraussetzungen des § 199 Abs. 1 Nr. 2 BGB bei einem Schadensersatzanspruch, der darauf gestützt ist, der Anleger sei von der ihn beratenden Bank nicht über Rückvergütungen informiert worden
NJW-RR 2016, 1187
ZIP 2016, 1107
MDR 2016, 707
VersR 2016, 1444
DB 2016, 1692
NZG 2016, 1150
Eine Verfahrensrüge nach § 551 Abs. 3 Satz 1 Nr. 2 Buchst. b ZPO kommt ohne Rücksicht darauf, ob sie hier hinreichend ausgeführt ist, zur Korrektur der tatbestandlichen Feststellungen des Berufungsgerichts nicht in Betracht (…vgl. Senatsurteile vom 1. März 2011 - XI ZR 48/10, BGHZ 188, 373 Rn. 12…, vom 18. September 2012 - XI ZR 344/11, BGHZ 195, 1 Rn. 40…, vom 28. Mai 2013 - XI ZR 6/12, WM 2013, 1314 Rn. 18…, vom 1. Oktober 2013 - XI ZR 28/12, WM 2013, 2121 Rn. 44 und vom 15. März 2016 - XI ZR 122/14, WM 2016, 780 Rn. 24).
Bei reinen Vermögensschäden, die vorliegend in Rede stehen, hängt die Zulässigkeit der Feststellungsklage darüber hinaus von der hinreichenden Wahrscheinlichkeit eines auf die Verletzungshandlung zurückgehenden Schadeneintritts ab (BGH…, Urteil vom 24. Januar 2006 - XI ZR 384/03, Rn. 27 m.w.N.;… Urteil vom 8. Mai 2012 - XI ZR 262/10, Rn. 73;… Urteil vom 26. Februar 2013 - XI ZR 445/10, Rn. 31; Urteil vom 15. März 2016 - XI ZR 122/14, Rn. 43).
Bei reinen Vermögensschäden, die vorliegend in Rede stehen, hängt die Zulässigkeit der Feststellungsklage von der hinreichenden Wahrscheinlichkeit eines auf die Verletzungshandlung zurückgehenden Schadeneintritts ab (…Senatsurteile vom 24. Januar 2006 - XI ZR 384/03, BGHZ 166, 84 Rn. 27 mwN…, vom 8. Mai 2012 - XI ZR 262/10, BGHZ 193, 159 Rn. 73 und vom 15. März 2016 - XI ZR 122/14, WM 2016, 780 Rn. 43).
Denn diese Nachteile sind bereits bei der Bemessung der Ersatzleistungen aufgrund pauschalisierender Betrachtungsweise der steuerlichen Vor- und Nachteile im Rahmen der Vorteilsausgleichung zu berücksichtigen (…vgl. Senatsurteile vom 1. März 2011 - XI ZR 96/09, WM 2011, 740 Rn. 8 f., vom 4. Februar 2014 - XI ZR 398/12, BKR 2014, 200 Rn. 23 mwN und vom 15. März 2016 - XI ZR 122/14, WM 2016, 780 Rn. 44 ff.).
d) Die Vermutung beratungsgerechten Verhaltens würde zwar möglicherweise nicht gelten, wenn für die Klägerin nicht nur eine einzige verständige Entschlussmöglichkeit bestanden hätte, sondern nach pflichtgemäßer Beratung verschiedene Handlungsweisen ernsthaft in Betracht gekommen wären, die unterschiedliche Vorteile und Risiken mit sich gebracht hätten (so für den Bereich der Rechtsanwaltshaftung BGH…, Urteil vom 10. Mai 2012 - IX ZR 125/10, BGHZ 193, 193 Rn. 36;… Urteil vom 17. März 2016 - IX ZR 142/14, WM 2016, 2091 Rn. 14, jeweils mwN; anders allerdings für den Bereich der Kapitalanlageberatung BGH…, Urteil vom 8. Mai 2012 - XI ZR 262/10, BGHZ 193, 159 Rn. 33; Urteil vom 15. März 2016 - XI ZR 122/14, NJW-RR 2016, 1187 Rn. 17 mwN).
Beweisbelastet für Kenntnis bzw. grob fahrlässige Unkenntnis ist die Beklagte (…mit sekundärer Darlegungslast des Klägers, Ellenberger in Palandt, BGB , 77. Aufl., § 199 BGB , Rn. 50;… Grothe in MünchKommBGB, 7. Aufl., § 199 BGB , Rn. 46; a.A. Hettenbach, BB 2013, 2763, 2766: der Gläubiger, also der Kläger, sei beweisbelastet hinsichtlich des Umstands, dass die beratende Bank konkrete, aber fehlerhafte Angaben hinsichtlich der Höhe ihrer Vergütung gemacht habe; so allerdings nicht BGH, Urteil vom 15. März 2016 - XI ZR 122/14 -, Rn. 32, juris; ebenso Senatsurteil vom 28. März 2017 - 6 U 91/14 -, S. 13, nicht veröffentlicht; rechtskräftig durch Beschluss des BGH vom 19. Dezember 2017 - XI ZR 245/17 -, Bl. 591, nicht veröffentlicht).
Dabei genügt aus Gründen der Rechtssicherheit und der Billigkeit die Kenntnis der den Ersatzanspruch begründenden tatsächlichen Umstände (…BGH in st. Rspr., Urteil vom 26. Februar 2013 - XI ZR 498/11 -, Rn. 27, juris, m.w.N.; Urteil vom 15. März 2016 - XI ZR 122/14 -, Rn. 28, juris).
Auch insoweit genügt vielmehr die Kenntnis derjenigen tatsächlichen Umstände, aus denen sich die Aufklärungspflicht ergibt (BGH…, Urteil vom 26. Februar 2013 - XI ZR 498/11 -, Rn. 28, juris; Urteil vom 15. März 2016 - XI ZR 122/14 -, Rn. 28, juris).
Ihm muss persönlich ein schwerer Obliegenheitsverstoß in seiner eigenen Angelegenheit der Anspruchsverfolgung ("Verschulden gegen sich selbst") vorgeworfen werden können, weil sich ihm die den Anspruch begründenden Umstände förmlich aufgedrängt haben, er aber davor letztlich die Augen verschlossen hat (BGH, Urteil vom 15. März 2016 - XI ZR 122/14 -, Rn. 34, juris, m.w.N.).
Demgemäß liegt kein "Verschulden gegen sich selbst" vor, wenn ein Anleger, der die Zahlung von Provisionen an die beratende Bank für möglich hält oder vermutet, diesbezüglich nicht nachfragt, weil der Bankberater ungefragt über das Ob und die Höhe von Rückvergütungen aufklären muss und der Anleger nicht verpflichtet ist, im Hinblick auf einen möglichst frühen Beginn der Verjährungsfrist zu kontrollieren, ob der Berater dieser Verpflichtung nachgekommen ist (BGH, Urteil vom 15. März 2016 - XI ZR 122/14 -, Rn. 36, juris).
Das Unterlassen entsprechender Nachfragen ist nicht grob fahrlässig (BGH, Urteil vom 15. März 2016 - XI ZR 122/14 -, Rn. 36, juris).
aa) Nach der Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs liegt die nach § 199 Abs. 1 Nr. 2 BGB erforderliche Kenntnis von den anspruchsbegründenden Umständen im Allgemeinen vor, wenn dem Geschädigten die Erhebung einer Schadensersatzklage, sei es auch nur in Form der Feststellungsklage, Erfolg versprechend, wenn auch nicht risikolos, möglich ist (vgl. nur BGH, Urteil vom 15. März 2016 - XI ZR 122/14, WM 2016, 780 Rn. 28 mwN).
Hierbei handelt es sich nicht lediglich um eine Beweiserleichterung im Sinne eines Anscheinsbeweises, sondern um eine zur Beweislastumkehr führende widerlegliche Vermutung (…Senatsurteile vom 8. Mai 2012 - XI ZR 262/10, BGHZ 193, 159 Rn. 27 ff. und vom 15. März 2016 - XI ZR 122/14, WM 2016, 780 Rn. 17 mwN).
Lt. dem Urteil des Bundesgerichtshofs vom 15.03.2016 sei ein Anleger, selbst wenn er eine Pflichtverletzung für möglich halte, nicht verpflichtet, zu kontrollieren, ob eine solche tatsächlich vorgelegen habe (XI ZR 122/14).
BVerwG, Urteil vom 17.9.2015 - 2 C 26/14 -, juris-Rdnr. 47, sowie Urteil vom 26.7.2012 - 2 C 70/11 -, juris-Rdnr. 37; BGH, Urteil vom 15.3.2016 - XI ZR 122/14 -, juris-Rdnr. 28 m. w. Nachw.; Palandt-Ellenberger, BGB, 75. Auflage 2016, § 199 Rdnr. 27.
Ebenso wenig ist ein Feststellungsinteresse unter dem Gesichtspunkt der schon jetzt erkennbaren Wahrscheinlichkeit eines Schadenseintritts zu begründen (zu diesem Erfordernis bei reinen Vermögensverletzungen BGH, Urt. v. 15.03.2016 - XI ZR 122/14 - VersR 2016, 1444;… BGH, Urt. v. 15.10.1992 - IX ZR 43/92 - VersR 1993, 1358).
LAG Rheinland-Pfalz, 22.02.2017 - 4 Sa 154/16
Klage des Arbeitgebers auf Schadensersatz