Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Text=XI%20ZR%2076/05
Timestamp: 2020-08-08 07:23:58
Document Index: 216860557

Matched Legal Cases: ['BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 276', '§ 276', '§ 826', '§ 826', '§ 675', '§ 826', '§ 826', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'Art. 5', 'EuG', 'Art. 5', 'Art. 5', 'EuG', 'Art. 5', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH']

BGH, 22.11.2005 - XI ZR 76/05 - dejure.org
https://dejure.org/2005,130
BGH, 22.11.2005 - XI ZR 76/05 (https://dejure.org/2005,130)
BGH, Entscheidung vom 22.11.2005 - XI ZR 76/05 (https://dejure.org/2005,130)
BGH, Entscheidung vom 22. November 2005 - XI ZR 76/05 (https://dejure.org/2005,130)
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BGB §§ 276, 826
Aufklärungspflicht einer Wertpapierhandelsbank bei der Vermittlung von Optionsgeschäften; Gewerbliche Vermittlung von Terminoptionsgeschäften; Vereinbarung einer Gewinnbeteiligung im Rahmen gehandelter Optionskontrakte; Effektenhandel durch ein allein das ...
Gesteigerte Aufklärungspflicht einer Wertpapierhandelsbank bei Vermittlung von Optionsgeschäften
Gesteigerte schriftliche Aufklärungspflicht einer Wertpapierhandelsbank, die Optionsgeschäfte vermittelt
BGB § 276 § 826
Aufklärungspflichten einer Wertpapierhandelsbank bei der Vermittlung von Optionsgeschäften
Anlagevermittlung - Auch Wertpapierhandelsbank muss aufklären
Überzogene Gebühren bei Optionsgeschäften
Verlustreiche Optionsgeschäfte - Wertpapierhandelsbank verlangt hohe Aufschläge - Anleger ohne Chance
Anlageberatung und Warenterminoption, Haftung wegen sittenwidriger Schädigung gemäß § 826 BGB, Warenterminoptionen
Aufklärungspflichten bei riskanten Optionsgeschäften
Gesteigerte schriftliche Aufklärungspflicht bei Vermittlung von Optionsgeschäften mit hohen Aufschlägen auf die Börsenpreise
BGB §§ 675, 280, 826
Gesteigerte schriftliche Aufklärungspflicht einer Wertpapierhandelsbank bei Vermittlung von Optionsgeschäften mit realistische Gewinnchancen des Anlegers von vornherein ausschließenden Aufschlägen auf die Börsenpreise
LG Kleve, 07.04.2004 - 4 O 280/03
NJW-RR 2006, 627
ZIP 2006, 171
MDR 2006, 406
VersR 2006, 365
WM 2006, 84
Zur Begründung einer Aufklärungspflicht über den anfänglich negativen Marktwert wird dabei die Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs zur gewerblichen Vermittlung von Terminoptionen (st. Rspr., Senatsurteil vom 22. November 2005 - XI ZR 76/05, WM 2006, 84, 86 mwN) entsprechend herangezogen (OLG Stuttgart, WM 2010, 756, 763 und 2169, 2173 f.).
Nach ihrem Vortrag hat S. die Klägerin durch die Vermittlung chancenloser Optionsgeschäfte im Sinne von § 826 BGB vorsätzlich sittenwidrig geschädigt (vgl. unter anderem Senatsurteil vom 22. November 2005 - XI ZR 76/05, WM 2006, 84, 86 f. m.w.N.).
Sein Geschäftsmodell zielt damit von vornherein ganz bewusst darauf ab, uninformierte, leichtgläubige Menschen unter sittenwidriger Ausnutzung ihres Gewinnstrebens und ihres Leichtsinns als Geschäftspartner zu gewinnen und sich auf deren Kosten zu bereichern (vgl. Senatsurteile vom 22. November 2005 - XI ZR 76/05, WM 2006, 84, 87 und vom 2. Februar 1999 - XI ZR 381/97, WM 1999, 540, 541).
aa) Nach der Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs haftet ein Vermittler wegen vorsätzlicher sittenwidriger Schädigung nach § 826 BGB, wenn sein Geschäftsmodell darauf angelegt ist, für den Anleger chancenlose Geschäfte zum ausschließlich eigenen Vorteil zu vermitteln (…BGH, Urteile vom 9. März 2010 - XI ZR 93/09, BGHZ 184, 365 Rn. 26; vom 2. Februar 1999 - XI ZR 381/97, VersR 1999, 976 und vom 22. November 2005 - XI ZR 76/05, VersR 2006, 365).
Bei einem solchen Geschäftsmodell, das von vornherein bewusst darauf abzielt, uninformierte, leichtgläubige Menschen unter sittenwidriger Ausnutzung ihres Gewinnstrebens und ihres Leichtsinns als Geschäftspartner zu gewinnen und sich auf deren Kosten zu bereichern (vgl. Senatsurteile vom 2. Februar 1999 - XI ZR 381/97, WM 1999, 540, 541, vom 22. November 2005 - XI ZR 76/05, WM 2006, 84, 87 und vom 9. März 2010 - XI ZR 93/09, WM 2010, 749, Tz. 26, zur Veröffentlichung in BGHZ vorgesehen), und das auf Seiten des Anlegers einen Kenntnisrückstand voraussetzt, ohne den ein vernünftig denkender Anleger sich auf die Geldanlage nicht eingelassen hätte, erweist sich bereits die durch den Anleger veranlasste Überweisung des Anlagekapitals als Deliktserfolg, so dass gerichtsstandsbegründender Erfolgsort im Sinne des Art. 5 Nr. 3 EuGVVO der Ort der Minderung des Kontoguthabens ist (vgl. Junker, ZZPInt 9 [2004], 200, 205 f.;… Mankowski in Magnus/Mankowski, Brussels I Regulation, Art. 5 Rn. 239 f.; ders., RIW 2005, 561, 562;… Rauscher/Leible, Europäisches Zivilprozessrecht, 2. Aufl., Brüssel I-VO Art. 5 Rn. 86b;… Musielak/Stadler, ZPO, 7. Aufl., EuGVVO Art. 5 Rn. 24).
So muss darauf hingewiesen werden, dass die Prämie den Rahmen eines vom Markt noch als vertretbar angesehenen Risikobereichs kennzeichnet und ihre Höhe den noch als realistisch angesehenen, wenn auch weitgehend spekulativen Kurserwartungen des Börsenfachhandels entspricht (…BGH, Urt. v. 20.06.2006, XI ZR 305/05, Rn. 11; Urt. v. 22.11.2005, XI ZR 76/05;… Urt. v. 30.03.2004, XI ZR 488/02;… Urt. v. 21.10.2003, XI ZR 453/02;… Urt. v. 12.03.2002, XI ZR 258/01;… Urt. v. 11.07.1988, II ZR 355/87, BGHZ 105, 108).
Anlageberatung im Optionshandel
Über die oben dargestellte generelle Aufklärung über die Risiken derartiger Optionsgeschäfte hinaus ist der in die Einzelheiten der Geschäftsabwicklung nicht eingeweihte Kunde auch über Höhe und Bedeutung der börsenmäßigen Optionsprämien und etwaiger Aufschläge auf diese Prämien aufzuklären (BGH, Urteil vom 13. Oktober 1992 - XI ZR 30/92; Urteil vom 22. November 2005 - XI ZR 76/05 - juris).
Entgegen der Ansicht der Beklagten ist diese Geringfügigkeitsgrenze jedoch nicht auf den Nominalwert bezogen, sondern auf die Höhe der gezahlten Prämie selbst (vgl. BGH, Urteil vom 22. November 2005 - XI ZR 76/05, Rn. 17 …und Urteil vom 27. November 1990 - XI ZR 115/98, Rn. 20), mit anderen Worten: zahlt die Bank bei einer Stillhalteroption weniger als 95% der eigentlich angemessenen Prämie, ist sie zur Aufklärung verpflichtet unabhängig von der Frage, wie hoch der Nominalwert der eingegangenen Option ist.
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