Source: http://www.hensche.de/Europarecht_Befristung_Sachgrund_Vertretung_Kettenbefristung_EuGH_C-586-10_Kuecuek_u.html
Timestamp: 2019-05-19 15:24:01
Document Index: 176334229

Matched Legal Cases: ['EuG', 'EuG', 'Art. 267', 'Art. 139', 'Art. 1', 'Art. 8', '§ 14', '§ 1', '§ 16', '§ 21', '§ 14', '§ 14', '§ 14', '§ 14', '§ 14', '§ 21', '§ 14', '§ 14', 'Art. 288', 'Art. 2']

EuGH, Urteil vom 26.01.2012, C-586/10 - Kücük - HENSCHE Arbeitsrecht
EuGH, Ur­teil vom 26.01.2012, C-586/10 - Kücük
Schlagworte: Befristung: Vertretung, Befristung: Sachgrund, Kettenbefristung
Aktenzeichen: C-586/10
Entscheidungsdatum: 26.01.2012
Leitsätze: Paragraf 5 Nr. 1 Buchst. a der am 18. März 1999 geschlossenen Rahmenvereinbarung über befristete Arbeitsverhältnisse im Anhang der Richtlinie 1999/70/EG des Rates vom 28. Juni 1999 zu der EGB-UNICE-CEEP-Rahmenvereinbarung über befristete Arbeitsverträge ist dahin auszulegen, dass die Anknüpfung an einen vorübergehenden Bedarf an Vertretungskräften in nationalen Rechtsvorschriften wie den im Ausgangsverfahren in Rede stehenden grundsätzlich einen sachlichen Grund im Sinne dieser Bestimmung darstellen kann. Aus dem bloßen Umstand, dass ein Arbeitgeber gezwungen sein mag, wiederholt oder sogar dauerhaft auf befristete Vertretungen zurückzugreifen, und dass diese Vertretungen auch durch die Einstellung von Arbeitnehmern mit unbefristeten Arbeitsverträgen gedeckt werden könnten, folgt weder, dass kein sachlicher Grund im Sinne von Paragraf 5 Nr. 1 Buchst. a der genannten Rahmenvereinbarung gegeben ist, noch das Vorliegen eines Missbrauchs im Sinne dieser Bestimmung. Bei der Beurteilung der Frage, ob die Verlängerung befristeter Arbeitsverträge oder ‑verhältnisse durch einen solchen sachlichen Grund gerechtfertigt ist, müssen die Behörden der Mitgliedstaaten jedoch im Rahmen ihrer jeweiligen Zuständigkeiten alle Umstände des Falles einschließlich der Zahl und der Gesamtdauer der in der Vergangenheit mit demselben Arbeitgeber geschlossenen befristeten Arbeitsverträge oder ‑verhältnisse berücksichtigen.
Bundesarbeitsgericht, Beschluss vom 17.11.2010, 7 AZR 443/09 (A)
26. Ja­nu­ar 2012(*)
„So­zi­al­po­li­tik − Richt­li­nie 1999/70/EG − Pa­ra­graf 5 Nr. 1 Buchst. a der Rah­men­ver­ein­ba­rung über be­fris­te­te Ar­beits­verträge – Auf­ein­an­der­fol­gen­de be­fris­te­te Ar­beits­verträge – Sach­li­che Gründe, die die Verlänge­rung sol­cher Verträge recht­fer­ti­gen können – Na­tio­na­le Re­ge­lung, nach der der Rück­griff auf be­fris­te­te Ar­beits­verträge im Fall der vorüber­ge­hen­den Ver­tre­tung von Ar­beit­neh­mern ge­recht­fer­tigt ist – Ständi­ger oder wie­der­keh­ren­der Be­darf an Ver­tre­tungs­kräften – Berück­sich­ti­gung al­ler Umstände der Verlänge­rung auf­ein­an­der­fol­gen­der be­fris­te­ter Ar­beits­verträge“
In der Rechts­sa­che C‑586/10
be­tref­fend ein Vor­ab­ent­schei­dungs­er­su­chen nach Art. 267 AEUV, ein­ge­reicht vom Bun­des­ar­beits­ge­richt (Deutsch­land) mit Ent­schei­dung vom 17. No­vem­ber 2010, beim Ge­richts­hof ein­ge­gan­gen am 15. De­zem­ber 2010, in dem Ver­fah­ren
Bi­an­ca Kücük
un­ter Mit­wir­kung des Kam­mer­präsi­den­ten J. N. Cun­ha Ro­d­ri­gues so­wie der Rich­ter U. Lõhmus, A. Ro­sas, A. Ó Cao­imh (Be­richt­er­stat­ter) und A. Ara­b­ad­jiev,
auf­grund des schrift­li­chen Ver­fah­rens und auf die münd­li­che Ver­hand­lung vom 9. No­vem­ber 2011,
– von Frau Kücük, ver­tre­ten durch Rechts­an­walt H. Rust und Rechts­anwältin B. Ja­e­ger,
– des Lan­des Nord­rhein-West­fa­len, ver­tre­ten durch Rechts­an­walt T. Ka­de,
– der deut­schen Re­gie­rung, ver­tre­ten durch T. Hen­ze und N. Graf Vitzt­hum als Be­vollmäch­tig­te,
1 Das Vor­ab­ent­schei­dungs­er­su­chen be­trifft die Aus­le­gung von Pa­ra­graf 5 Nr. 1 Buchst. a der am 18. März 1999 ge­schlos­se­nen Rah­men­ver­ein­ba­rung über be­fris­te­te Ar­beits­verträge (im Fol­gen­den: Rah­men­ver­ein­ba­rung über be­fris­te­te Verträge) im An­hang der Richt­li­nie 1999/70/EG des Ra­tes vom 28. Ju­ni 1999 zu der EGB-UN­ICE-CEEP-Rah­men­ver­ein­ba­rung über be­fris­te­te Ar­beits­verträge (ABl. L 175, S. 43).
Die­ses Er­su­chen er­geht im Rah­men ei­nes Rechts­streits zwi­schen Frau Kücük und ih­rem Ar­beit­ge­ber, dem Land Nord­rhein-West­fa­len (im Fol­gen­den: Land), über die Gültig­keit ei­ner Rei­he auf­ein­an­der­fol­gen­der be­fris­te­ter Ar­beits­verträge zwi­schen Frau Kücük und dem Land.
Mit der auf Art. 139 Abs. 2 EG gestütz­ten Richt­li­nie 1999/70 soll nach ih­rem Art. 1 „die zwi­schen den all­ge­mei­nen bran­chenüberg­rei­fen­den Or­ga­ni­sa­tio­nen (EGB, UN­ICE und CEEP) ge­schlos­se­ne Rah­men­ver­ein­ba­rung [über be­fris­te­te Verträge] …, die im An­hang ent­hal­ten ist, durch­geführt wer­den“.
4 Nach Pa­ra­graf 1 Buchst. b der Rah­men­ver­ein­ba­rung über be­fris­te­te Verträge soll die­se „ei­nen Rah­men schaf­fen, der den Miss­brauch durch auf­ein­an­der­fol­gen­de be­fris­te­te Ar­beits­verträge oder ‑verhält­nis­se ver­hin­dert“.
Pa­ra­graf 5 („Maßnah­men zur Ver­mei­dung von Miss­brauch“) der Rah­men­ver­ein­ba­rung über be­fris­te­te Verträge be­stimmt:
„1. Um Miss­brauch durch auf­ein­an­der­fol­gen­de be­fris­te­te Ar­beits­verträge oder ‑verhält­nis­se zu ver­mei­den, er­grei­fen die Mit­glied­staa­ten nach der ge­setz­lich oder ta­rif­ver­trag­lich vor­ge­schrie­be­nen oder in dem Mit­glied­staat übli­chen Anhörung der So­zi­al­part­ner und/oder die So­zi­al­part­ner, wenn kei­ne gleich­wer­ti­gen ge­setz­li­chen Maßnah­men zur Miss­brauchs­ver­hin­de­rung be­ste­hen, un­ter Berück­sich­ti­gung der An­for­de­run­gen be­stimm­ter Bran­chen und/oder Ar­beit­neh­mer­ka­te­go­ri­en ei­ne oder meh­re­re der fol­gen­den Maßnah­men:
b) die ins­ge­samt ma­xi­mal zulässi­ge Dau­er auf­ein­an­der­fol­gen­der Ar­beits­verträge oder ‑verhält­nis­se;
Die Richt­li­nie 92/85/EWG des Ra­tes vom 19. Ok­to­ber 1992 über die Durchführung von Maßnah­men zur Ver­bes­se­rung der Si­cher­heit und des Ge­sund­heits­schut­zes von schwan­ge­ren Ar­beit­neh­me­rin­nen, Wöch­ne­rin­nen und stil­len­den Ar­beit­neh­me­rin­nen am Ar­beits­platz (zehn­te Ein­zel­richt­li­nie im Sin­ne des Ar­ti­kels 16 Ab­satz 1 der Richt­li­nie 89/391/EWG) (ABl. L 348, S. 1) stellt be­stimm­te Min­dest­an­for­de­run­gen für de­ren Schutz auf.
In ih­rem Art. 8 ga­ran­tiert die Richt­li­nie 92/85 das Recht auf ei­nen Mut­ter­schafts­ur­laub von min­des­tens 14 Wo­chen oh­ne Un­ter­bre­chung, der ei­nen ob­li­ga­to­ri­schen Mut­ter­schafts­ur­laub von min­des­tens zwei Wo­chen um­fasst.
Die am 14. De­zem­ber 1995 ge­schlos­se­ne Rah­men­ver­ein­ba­rung über den El­tern­ur­laub (im Fol­gen­den: Rah­men­ver­ein­ba­rung über den El­tern­ur­laub) im An­hang der Richt­li­nie 96/34/EG des Ra­tes vom 3. Ju­ni 1996 zu der von UN­ICE, CEEP und EGB ge­schlos­se­nen Rah­men­ver­ein­ba­rung über El­tern­ur­laub (ABl. L 145, S. 4) enthält Min­dest­an­for­de­run­gen, die dar­auf ab­zie­len, die Ver­ein­bar­keit von Be­rufs- und Fa­mi­li­en­le­ben er­werbstäti­ger El­tern zu er­leich­tern.
In Pa­ra­graf 2 der Rah­men­ver­ein­ba­rung über den El­tern­ur­laub heißt es:
„1. Nach die­ser Ver­ein­ba­rung ha­ben er­werbstäti­ge Männer und Frau­en nach Maßga­be des Pa­ra­gra­fen 2 Num­mer 2 ein in­di­vi­du­el­les Recht auf El­tern­ur­laub im Fall der Ge­burt oder Ad­op­ti­on ei­nes Kin­des, da­mit sie sich bis zu ei­nem be­stimm­ten Al­ter des Kin­des - das Al­ter kann bis zu acht Jah­ren ge­hen - für die Dau­er von min­des­tens drei Mo­na­ten um die­ses Kind kümmern können. Die ge­nau­en Be­stim­mun­gen sind von den Mit­glied­staa­ten und/oder So­zi­al­part­nern fest­zu­le­gen.
§ 14 („Zulässig­keit der Be­fris­tung“) des Ge­set­zes über Teil­zeit­ar­beit und be­fris­te­te Ar­beits­verträge vom 21. De­zem­ber 2000 (BGBl. I S. 1966) in der durch § 1 des Ge­set­zes vom 19. April 2007 (BGBl. I S. 538) geänder­ten Fas­sung (im Fol­gen­den: Tz­B­fG) be­stimmt:
„(1) Die Be­fris­tung ei­nes Ar­beits­ver­tra­ges ist zulässig, wenn sie durch ei­nen sach­li­chen Grund ge­recht­fer­tigt ist. Ein sach­li­cher Grund liegt ins­be­son­de­re vor, wenn
3. der Ar­beit­neh­mer zur Ver­tre­tung ei­nes an­de­ren Ar­beit­neh­mers beschäftigt wird;
Ist die Be­fris­tung rechts­un­wirk­sam, so gilt der be­fris­te­te Ar­beits­ver­trag gemäß § 16 Tz­B­fG als auf un­be­stimm­te Zeit ge­schlos­sen.
§ 21 Abs. 1 des Ge­set­zes zum El­tern­geld und zur El­tern­zeit vom 5. De­zem­ber 2006 (BGBl. I S. 2748) in geänder­ter Fas­sung lau­tet:
„Ein sach­li­cher Grund, der die Be­fris­tung ei­nes Ar­beits­verhält­nis­ses recht­fer­tigt, liegt vor, wenn ein Ar­beit­neh­mer oder ei­ne Ar­beit­neh­me­rin zur Ver­tre­tung ei­nes an­de­ren Ar­beit­neh­mers oder ei­ner an­de­ren Ar­beit­neh­me­rin für die Dau­er ei­nes Beschäfti­gungs­ver­bo­tes nach dem Mut­ter­schutz­ge­setz, ei­ner El­tern­zeit, ei­ner auf Ta­rif­ver­trag, Be­triebs­ver­ein­ba­rung oder ein­zel­ver­trag­li­cher Ver­ein­ba­rung be­ru­hen­den Ar­beits­frei­stel­lung zur Be­treu­ung ei­nes Kin­des oder für die­se Zei­ten zu­sam­men oder für Tei­le da­von ein­ge­stellt wird.“
Frau Kücük war beim Land auf der Grund­la­ge von ins­ge­samt 13 be­fris­te­ten Ar­beits­verträgen in der Zeit vom 2. Ju­li 1996 bis zum 31. De­zem­ber 2007 beschäftigt. Sie war als Jus­tiz­an­ge­stell­te im Geschäfts­stel­len­be­reich der Zi­vil­pro­zess­ab­tei­lung des Amts­ge­richts Köln ein­ge­setzt. Die be­fris­te­ten Verträge wur­den stets aus An­lass der vorüber­ge­hen­den Be­ur­lau­bung, ins­be­son­de­re im Zu­sam­men­hang mit Son­der- und Er­zie­hungs­ur­laub, ei­ner der un­be­fris­tet ein­ge­stell­ten Jus­tiz­an­ge­stell­ten ge­schlos­sen und dien­ten je­weils de­ren Ver­tre­tung.
Die Kläge­rin hat sich in ih­rer am 18. Ja­nu­ar 2008 beim Ar­beits­ge­richt Köln ein­ge­gan­ge­nen Kla­ge dar­auf be­ru­fen, dass die Ar­beits­verhält­nis­se un­be­fris­tet sei­en, und dar­auf den Ein­wand gestützt, dass der am 12. De­zem­ber 2006 ge­schlos­se­ne, bis zum 31. De­zem­ber 2007 be­fris­te­te Ver­trag rechts­wid­rig sei.
Nach Auf­fas­sung der Kläge­rin ist es nicht ge­recht­fer­tigt, den be­fris­te­ten Ver­trag auf § 14 Abs. 1 Nr. 3 Tz­B­fG zu stützen, der den Sach­grund der Ver­tre­tung ei­nes Ar­beit­neh­mers be­tref­fe. Bei ins­ge­samt 13 in ei­nem Zeit­raum von elf Jah­ren un­mit­tel­bar an­ein­an­der an­sch­ließen­den be­fris­te­ten Ar­beits­verhält­nis­sen könne nicht mehr von ei­nem vorüber­ge­hen­den Be­darf an Ver­tre­tungs­kräften aus­ge­gan­gen wer­den. Ei­ne Aus­le­gung und An­wen­dung des na­tio­na­len Rechts, nach der ei­ne der­ar­ti­ge „Ket­ten­be­fris­tung“ als wirk­sam er­ach­tet wer­de, sei mit Pa­ra­graf 5 Nr. 1 der Rah­men­ver­ein­ba­rung über be­fris­te­te Verträge un­ver­ein­bar. Die Kläge­rin hat da­her das Ar­beits­ge­richt Köln er­sucht, fest­zu­stel­len, dass das zwi­schen den Par­tei­en be­ste­hen­de Ar­beits­verhält­nis nicht auf­grund der Be­fris­tung des am 12. De­zem­ber 2006 für den Zeit­raum vom 1. Ja­nu­ar bis zum 31. De­zem­ber 2007 ge­schlos­se­nen Ver­trags be­en­det wor­den sei.
16 Das Ar­beits­ge­richt Köln hat die Kla­ge als un­be­gründet ab­ge­wie­sen. Die hier­ge­gen ge­rich­te­te Be­ru­fung ist vom Lan­des­ar­beits­ge­richt zurück­ge­wie­sen wor­den. Die Kläge­rin hat da­her Re­vi­si­on zum Bun­des­ar­beits­ge­richt ein­ge­legt.
Im Aus­gangs­ver­fah­ren hat das Land die Auf­fas­sung ver­tre­ten, die von Frau Kücük an­ge­grif­fe­ne Be­fris­tung ih­res Ar­beits­verhält­nis­ses sei nach § 14 Abs. 1 Nr. 3 Tz­B­fG ge­recht­fer­tigt. Die not­wen­di­gen Vor­aus­set­zun­gen für den Sach­grund der Ver­tre­tung ei­nes an­de­ren Ar­beit­neh­mers sei­en un­abhängig von der Zahl vor­aus­ge­gan­ge­ner Be­fris­tun­gen erfüllt. Die Aus­le­gung und die An­wen­dung der na­tio­na­len Re­ge­lung in die­sem Sin­ne ver­stießen nicht ge­gen Pa­ra­graf 5 Nr. 1 der Rah­men­ver­ein­ba­rung.
In sei­nem Vor­ab­ent­schei­dungs­er­su­chen führt das vor­le­gen­de Ge­richt zu § 14 Abs. 1 Nr. 3 Tz­B­fG aus, zu den We­sens­merk­ma­len der Ver­tre­tung gehöre, dass sie vorüber­ge­hend sei, und ihr Ziel be­ste­he in der Wahr­neh­mung der Auf­ga­ben durch den Ver­tre­ter zur Be­frie­di­gung ei­nes zeit­lich be­grenz­ten Bedürf­nis­ses. Nach deut­schem Recht lie­ge der sach­li­che Grund für den Rück­griff auf ei­nen be­fris­te­ten Ver­trag im Fall der Ver­tre­tung ei­nes Ar­beit­neh­mers dar­in, dass der Ar­beit­ge­ber be­reits zu ei­nem vorüber­ge­hend an der Ar­beits­leis­tung ver­hin­der­ten Ar­beit­neh­mer in ei­nem Rechts­verhält­nis ste­he und mit des­sen Rück­kehr rech­ne. Zu die­sem Sach­grund gehöre die Pro­gno­se des Ar­beit­ge­bers, dass der Ver­tre­tungs­be­darf mit der Rück­kehr des ver­tre­te­nen Mit­ar­bei­ters ent­fal­le.
Das vor­le­gen­de Ge­richt fragt sich, wann ein Ver­tre­tungs­be­darf als sach­li­cher Grund im Sin­ne von Pa­ra­graf 5 Nr. 1 Buchst. a der Rah­men­ver­ein­ba­rung zu qua­li­fi­zie­ren sei. Es möch­te zum ei­nen wis­sen, ob der Um­stand, dass es sich um ei­nen ständi­gen oder häufi­gen Ver­tre­tungs­be­darf hand­le, der auch durch den Ab­schluss un­be­fris­te­ter Verträge ge­deckt wer­den könn­te, die­sem Sach­grund ent­ge­gen­ste­he. Zum an­de­ren bit­tet das vor­le­gen­de Ge­richt den Ge­richts­hof um Klärung der Fra­ge, ob und in wel­cher Wei­se die na­tio­na­len Ge­rich­te bei der ih­nen ob­lie­gen­den Miss­brauchs­kon­trol­le in Fällen der mit dem Sach­grund der Ver­tre­tung ei­nes an­de­ren Ar­beit­neh­mers ge­recht­fer­tig­ten Be­fris­tung die Zahl und Dau­er der be­reits in der Ver­gan­gen­heit mit dem­sel­ben Ar­beit­neh­mer ge­schlos­se­nen be­fris­te­ten Ar­beits­verträge zu berück­sich­ti­gen hätten. In die­sem Zu­sam­men­hang führt es wei­ter aus, es ha­be in sei­ner jünge­ren Recht­spre­chung ver­neint, dass die un­ter­schied­li­che Zahl be­fris­te­ter Verträge zu ei­ner in­ten­si­ve­ren ge­richt­li­chen Kon­trol­le des sach­li­chen Grun­des führe.
Auf­grund die­ser Erwägun­gen hat das Bun­des­ar­beits­ge­richt das Ver­fah­ren aus­ge­setzt und dem Ge­richts­hof fol­gen­de Fra­gen zur Vor­ab­ent­schei­dung vor­ge­legt:
1. Verstößt es ge­gen Pa­ra­graf 5 Nr. 1 der mit der Richt­li­nie 1999/70 durch­geführ­ten Rah­men­ver­ein­ba­rung über be­fris­te­te Verträge, ei­ne na­tio­na­le Be­stim­mung, die wie § 14 Abs. 1 Nr. 3 Tz­B­fG vor­sieht, dass ein sach­li­cher Grund zur wie­der­hol­ten Be­fris­tung ei­nes Ar­beits­ver­trags vor­liegt, wenn der Ar­beit­neh­mer zur Ver­tre­tung ei­nes an­de­ren Ar­beit­neh­mers beschäftigt wird, da­hin aus­zu­le­gen und an­zu­wen­den, dass der sach­li­che Grund auch im Fall ei­nes ständi­gen Ver­tre­tungs­be­darfs ge­ge­ben ist, ob­wohl der Ver­tre­tungs­be­darf auch ge­deckt wer­den könn­te, wenn der be­tref­fen­de Ar­beit­neh­mer un­be­fris­tet ein­ge­stellt und ihm die je­wei­li­ge Ver­tre­tung ei­nes der re­gelmäßig aus­fal­len­den Ar­beit­neh­mer über­tra­gen würde, der Ar­beit­ge­ber sich aber vor­behält, je­weils neu zu ent­schei­den, wie er auf den kon­kre­ten Aus­fall von Ar­beit­neh­mern re­agiert?
2. Im Fall der Be­ja­hung von Fra­ge 1: Verstößt die in Fra­ge 1 be­schrie­be­ne Aus­le­gung und An­wen­dung ei­ner na­tio­na­len Be­stim­mung wie der­je­ni­gen des § 14 Abs. 1 Nr. 3 Tz­B­fG un­ter den in Fra­ge 1 be­schrie­be­nen Umständen auch dann ge­gen Pa­ra­graf 5 Nr. 1 der mit der Richt­li­nie 1999/70 durch­geführ­ten Rah­men­ver­ein­ba­rung über be­fris­te­te Verträge, wenn der na­tio­na­le Ge­setz­ge­ber mit dem in ei­ner na­tio­na­len Be­stim­mung wie der­je­ni­gen des § 21 Abs. 1 des Ge­set­zes zum El­tern­geld und zur El­tern­zeit in geänder­ter Fas­sung ge­re­gel­ten, die Be­fris­tung ei­nes Ar­beits­verhält­nis­ses recht­fer­ti­gen­den Sach­grund der Ver­tre­tung je­den­falls auch das so­zi­al­po­li­ti­sche Ziel ver­folgt, Ar­beit­ge­bern die Be­wil­li­gung so­wie Ar­beit­neh­mern die In­an­spruch­nah­me von Son­der­ur­laub, et­wa aus Gründen des Mut­ter­schut­zes oder der Er­zie­hung, zu er­leich­tern?
21 Mit sei­ner ers­ten Fra­ge möch­te das vor­le­gen­de Ge­richt wis­sen, ob die An­knüpfung an ei­nen vorüber­ge­hen­den Be­darf an Ver­tre­tungs­kräften in na­tio­na­len Rechts­vor­schrif­ten wie den im Aus­gangs­ver­fah­ren in Re­de ste­hen­den ei­nen sach­li­chen Grund im Sin­ne von Pa­ra­graf 5 Nr. 1 Buchst. a der Rah­men­ver­ein­ba­rung über be­fris­te­te Verträge dar­stel­len kann, ob dies auch der Fall ist, wenn es sich in Wirk­lich­keit um ei­nen ständi­gen oder wie­der­keh­ren­den Be­darf an Ver­tre­tungs­kräften han­delt, der auch durch die Ein­stel­lung ei­nes Ar­beit­neh­mers mit ei­nem un­be­fris­te­ten Ver­trag ge­deckt wer­den könn­te, und ob bei der Be­ur­tei­lung der Fra­ge, ob die Verlänge­rung be­fris­te­ter Ar­beits­verträge oder -verhält­nis­se durch sach­li­che Gründe im Sin­ne die­ser Vor­schrift ge­recht­fer­tigt ist, die Zahl und die Ge­samt­dau­er der in der Ver­gan­gen­heit mit dem­sel­ben Ar­beit­ge­ber ge­schlos­se­nen der­ar­ti­gen Ar­beits­verträge oder -verhält­nis­se zu berück­sich­ti­gen sind.
Das Land ver­tritt die Auf­fas­sung, dass die vorüber­ge­hen­de Ver­tre­tung ei­nes Ar­beit­neh­mers zu den sach­li­chen Gründen im Sin­ne von Pa­ra­graf 5 Nr. 1 Buchst. a der Rah­men­ver­ein­ba­rung über be­fris­te­te Verträge gehöre. Die vorüber­ge­hen­de Ab­we­sen­heit des zu ver­tre­ten­den Ar­beit­neh­mers be­gründe ei­nen zeit­wei­li­gen Be­darf für die An­stel­lung ei­nes zusätz­li­chen Mit­ar­bei­ters, der nur für die Dau­er des Ar­beits­kräfte­man­gels benötigt wer­de. Das Vor­lie­gen ei­nes ständi­gen Ver­tre­tungs­be­darfs in be­stimm­ter Höhe könne die Wirk­sam­keit ei­nes zur Ver­tre­tung nach § 14 Abs. 1 Nr. 3 Tz­B­fG ge­schlos­se­nen be­fris­te­ten Ver­trags nicht aus­sch­ließen. Denn der gel­tend ge­mach­te sach­li­che Grund sei für je­den kon­kre­ten Ver­tre­tungs­fall zu prüfen, und ständig, häufig oder im­mer wie­der auf­tre­ten­de Ver­tre­tungsfälle dürf­ten nicht aus­ge­schlos­sen wer­den. Wenn da­von die Wirk­sam­keit ei­nes be­fris­te­ten Ar­beits­ver­trags im Ein­zel­fall ab­hin­ge, wäre der Ar­beit­ge­ber ge­zwun­gen, ei­ne ständi­ge Per­so­nal­re­ser­ve zu bil­den. Dies wäre nur bei größeren Un­ter­neh­men möglich. Die un­ter­neh­me­ri­sche Ent­schei­dungs­frei­heit des Ar­beit­ge­bers müsse ge­wahrt blei­ben, da er über die Zweckmäßig­keit und die Mo­da­litäten des Rück­griffs auf ei­ne sol­che Re­ser­ve zur Bewälti­gung ei­nes wie­der­keh­ren­den Be­darfs an Ver­tre­tungs­kräften ent­schei­den können müsse.
Die deut­sche und die pol­ni­sche Re­gie­rung ma­chen eben­falls gel­tend, dass die Ar­beit­ge­ber nach der Rah­men­ver­ein­ba­rung über be­fris­te­te Verträge über ei­nen Wer­tungs­spiel­raum verfügten, und ver­tre­ten die Auf­fas­sung, ein be­fris­te­ter Ar­beits­ver­trag könne zur Ver­tre­tung bei ei­nem wie­der­hol­ten Be­darf an Ver­tre­tungs­kräften nach Uni­ons­recht ge­recht­fer­tigt sein. Die­se Si­tua­ti­on un­ter­schei­de sich klar vom „ständi­gen und dau­ern­den Mehr­be­darf“, da die Ver­hin­de­rung der ver­tre­te­nen Ar­beit­neh­mer zeit­lich be­grenzt sei. Die­sen ste­he ein An­spruch auf Rück­kehr an ih­ren Ar­beits­platz zu, den der Ar­beit­ge­ber erfüllen müsse.
Die Kläge­rin des Aus­gangs­ver­fah­rens hat kei­ne schrift­li­chen Erklärun­gen ein­ge­reicht.
Es ist dar­auf hin­zu­wei­sen, dass Pa­ra­graf 5 Nr. 1 der Rah­men­ver­ein­ba­rung über be­fris­te­te Verträge zur Um­set­zung ei­nes ih­rer Zie­le dient, nämlich den wie­der­hol­ten Rück­griff auf be­fris­te­te Ar­beits­verträge oder -verhält­nis­se, der als ei­ne Quel­le po­ten­zi­el­len Miss­brauchs zu­las­ten der Ar­beit­neh­mer ge­se­hen wird, ein­zu­gren­zen, in­dem ei­ne Rei­he von Min­dest­schutz­be­stim­mun­gen vor­ge­se­hen wer­den, die die Pre­ka­ri­sie­rung der La­ge der Beschäftig­ten ver­hin­dern sol­len (vgl. Ur­tei­le vom 4. Ju­li 2006, Aden­eler u. a., C-212/04, Slg. 2006, I-6057, Rand­nr. 63, und vom 23. April 2009, An­gel­i­da­ki u. a., C-378/07 bis C-380/07, Slg. 2009, I-3071, Rand­nr. 73).
So­mit ver­pflich­tet die­se Be­stim­mung der Rah­men­ver­ein­ba­rung über be­fris­te­te Verträge die Mit­glied­staa­ten im Hin­blick auf die Ver­mei­dung der miss­bräuch­li­chen Ver­wen­dung auf­ein­an­der­fol­gen­der be­fris­te­ter Ar­beits­verträge oder -verhält­nis­se da­zu, ef­fek­tiv und mit ver­bind­li­cher Wir­kung min­des­tens ei­ne der dort auf­geführ­ten Maßnah­men zu er­grei­fen, so­fern ihr in­ner­staat­li­ches Recht kei­ne gleich­wer­ti­gen ge­setz­li­chen Maßnah­men enthält. Die hierfür in Pa­ra­graf 5 Nr. 1 Buchst. a bis c auf­geführ­ten drei Maßnah­men be­tref­fen sach­li­che Gründe, die die Verlänge­rung sol­cher Ar­beits­verträge oder -verhält­nis­se recht­fer­ti­gen, die ins­ge­samt ma­xi­mal zulässi­ge Dau­er auf­ein­an­der­fol­gen­der Ar­beits­verträge oder -verhält­nis­se und die zulässi­ge Zahl ih­rer Verlänge­run­gen (vgl. Ur­teil An­gel­i­da­ki u. a., Rand­nr. 74, und Be­schluss vom 1. Ok­to­ber 2010, Af­f­a­ta­to, C-3/10, Rand­nrn. 43 und 44 so­wie die dort an­geführ­te Recht­spre­chung).
Der Be­griff des sach­li­chen Grun­des in Pa­ra­graf 5 Nr. 1 Buchst. a der Rah­men­ver­ein­ba­rung über be­fris­te­te Verträge ist, wie der Ge­richts­hof be­reits ent­schie­den hat, da­hin zu ver­ste­hen, dass er ge­nau be­zeich­ne­te, kon­kre­te Umstände meint, die ei­ne be­stimm­te Tätig­keit kenn­zeich­nen und da­her in die­sem spe­zi­el­len Zu­sam­men­hang den Ein­satz auf­ein­an­der­fol­gen­der be­fris­te­ter Ar­beits­verträge recht­fer­ti­gen können. Die­se Umstände können sich et­wa aus der be­son­de­ren Art der Auf­ga­ben, zu de­ren Erfüllung die Verträge ge­schlos­sen wor­den sind, und de­ren We­sens­merk­ma­len oder ge­ge­be­nen­falls aus der Ver­fol­gung ei­nes le­gi­ti­men so­zi­al­po­li­ti­schen Ziels durch ei­nen Mit­glied­staat er­ge­ben (Ur­teil An­gel­i­da­ki u. a., Rand­nr. 96 und die dort an­geführ­te Recht­spre­chung).
Hin­ge­gen entspräche ei­ne in­ner­staat­li­che Vor­schrift, die sich dar­auf be­schränken würde, den Rück­griff auf auf­ein­an­der­fol­gen­de be­fris­te­te Ar­beits­verträge all­ge­mein und abs­trakt durch Ge­setz oder Ver­ord­nung zu­zu­las­sen, nicht den in der vor­ste­hen­den Rand­num­mer des vor­lie­gen­den Ur­teils dar­ge­leg­ten Er­for­der­nis­sen (Ur­teil An­gel­i­da­ki u. a., Rand­nr. 97 und die dort an­geführ­te Recht­spre­chung).
Ei­ner sol­chen rein for­ma­len Vor­schrift las­sen sich nämlich kei­ne ob­jek­ti­ven und trans­pa­ren­ten Kri­te­ri­en für die Prüfung ent­neh­men, ob die Verlänge­rung der­ar­ti­ger Verträge tatsächlich ei­nem ech­ten Be­darf ent­spricht so­wie zur Er­rei­chung des ver­folg­ten Ziels ge­eig­net und er­for­der­lich ist. Ei­ne sol­che Vor­schrift birgt so­mit die kon­kre­te Ge­fahr ei­nes miss­bräuch­li­chen Rück­griffs auf der­ar­ti­ge Verträge und ist da­her mit dem Ziel und der prak­ti­schen Wirk­sam­keit der Rah­men­ver­ein­ba­rung über be­fris­te­te Verträge un­ver­ein­bar (vgl. in die­sem Sin­ne Ur­teil An­gel­i­da­ki u. a., Rand­nrn. 98 und 100 so­wie die dort an­geführ­te Recht­spre­chung).
Es ist je­doch dar­auf hin­zu­wei­sen, dass ei­ne Be­stim­mung wie die im Aus­gangs­ver­fah­ren in Re­de ste­hen­de, die die Verlänge­rung be­fris­te­ter Ar­beits­verträge zur Ver­tre­tung an­de­rer Ar­beit­neh­mer, die ih­re Auf­ga­ben zeit­wei­se nicht wahr­neh­men können, er­laubt, als sol­che nicht ge­gen die Rah­men­ver­ein­ba­rung über be­fris­te­te Verträge verstößt. Die vorüber­ge­hen­de Ver­tre­tung ei­nes an­de­ren Ar­beit­neh­mers, um im We­sent­li­chen ei­nen zeit­wei­li­gen Ar­beits­kräfte­be­darf des Ar­beit­ge­bers zu de­cken, kann nämlich grundsätz­lich ei­nen sach­li­chen Grund im Sin­ne von Pa­ra­graf 5 Nr. 1 Buchst. a der Rah­men­ver­ein­ba­rung bil­den (vgl. in die­sem Sin­ne Ur­teil An­gel­i­da­ki u. a., Rand­nr. 102).
In ei­ner Ver­wal­tung, die wie das Land über ei­ne große Zahl von Mit­ar­bei­tern verfügt, ist es un­ver­meid­lich, dass ins­be­son­de­re auf­grund des Aus­falls von Beschäftig­ten, die u. a. Krank­heits-, Mut­ter­schafts- oder El­tern­ur­laub in An­spruch neh­men, häufig vorüber­ge­hen­de Ver­tre­tun­gen er­for­der­lich sind. Un­ter die­sen Umständen kann die vorüber­ge­hen­de Ver­tre­tung von Ar­beit­neh­mern ei­nen sach­li­chen Grund im Sin­ne von Pa­ra­graf 5 Nr. 1 Buchst. a der Rah­men­ver­ein­ba­rung über be­fris­te­te Verträge bil­den, der so­wohl die Be­fris­tung der mit den Ver­tre­tungs­kräften ge­schlos­se­nen Verträge als auch, bei Be­darf, de­ren Verlänge­rung recht­fer­tigt, so­fern die in­so­weit in der Rah­men­ver­ein­ba­rung über be­fris­te­te Verträge auf­ge­stell­ten An­for­de­run­gen be­ach­tet wer­den.
Dies gilt um­so mehr, wenn mit der na­tio­na­len Re­ge­lung, die die Verlänge­rung be­fris­te­ter Ar­beits­verträge im Fall der vorüber­ge­hen­den Ver­tre­tung recht­fer­tigt, eben­falls Zie­le ver­folgt wer­den, die als le­gi­ti­me so­zi­al­po­li­ti­sche Zie­le an­er­kannt sind. Wie nämlich aus Rand­nr. 27 des vor­lie­gen­den Ur­teils her­vor­geht, fällt die Ver­fol­gung sol­cher Zie­le un­ter den Be­griff des sach­li­chen Grun­des in Pa­ra­graf 5 Nr. 1 Buchst. a der Rah­men­ver­ein­ba­rung über be­fris­te­te Verträge.
Nach der Recht­spre­chung des Ge­richts­hofs wer­den mit Maßnah­men, die dem Schutz bei Schwan­ger­schaft und Mut­ter­schaft die­nen und es Männern und Frau­en ermögli­chen sol­len, ih­ren be­ruf­li­chen und fa­mi­liären Ver­pflich­tun­gen glei­cher­maßen nach­zu­kom­men, le­gi­ti­me so­zi­al­po­li­ti­sche Zie­le ver­folgt (vgl. in die­sem Sin­ne Ur­tei­le vom 17. Ju­ni 1998, Hill und Stap­le­ton, C-243/95, Slg. 1998, I-3739, Rand­nr. 42, und vom 18. No­vem­ber 2004, Sass, C-284/02, Slg. 2004, I-11143, Rand­nrn. 32 und 33). Die Le­gi­ti­mität die­ser Zie­le wird auch durch die Richt­li­nie 92/85 und durch die Rah­men­ver­ein­ba­rung über den El­tern­ur­laub bestätigt.
Gleich­wohl ist her­vor­zu­he­ben, dass zwar ein in ei­ner na­tio­na­len Re­ge­lung wie der im Aus­gangs­ver­fah­ren in Re­de ste­hen­den vor­ge­se­he­ner sach­li­cher Grund grundsätz­lich zulässig ist, doch müssen die zuständi­gen Stel­len, wie sich aus Rand­nr. 27 des vor­lie­gen­den Ur­teils er­gibt, darüber wa­chen, dass die kon­kre­te An­wen­dung die­ses sach­li­chen Grun­des un­ter Berück­sich­ti­gung der Be­son­der­hei­ten der be­tref­fen­den Tätig­keit und der Be­din­gun­gen ih­rer Ausübung den An­for­de­run­gen der Rah­men­ver­ein­ba­rung über be­fris­te­te Verträge ent­spricht. Bei der An­wen­dung der be­tref­fen­den na­tio­na­len Rechts­vor­schrift müssen die­se Stel­len des­halb in der La­ge sein, ob­jek­ti­ve und trans­pa­ren­te Kri­te­ri­en für die Prüfung her­aus­zu­ar­bei­ten, ob die Verlänge­rung der­ar­ti­ger Verträge tatsächlich ei­nem ech­ten Be­darf ent­spricht und ob sie zur Er­rei­chung des ver­folg­ten Ziels ge­eig­net und er­for­der­lich ist.
Im vor­lie­gen­den Fall ver­tritt die Eu­ropäische Kom­mis­si­on die Auf­fas­sung, dass die wie­der­hol­te Verlänge­rung ei­nes Ar­beits­verhält­nis­ses und der Ab­schluss ei­ner Viel­zahl auf­ein­an­der­fol­gen­der be­fris­te­ter Ar­beits­verträge so­wie der Zeit­raum, während des­sen die be­trof­fe­ne Ar­beit­neh­me­rin be­reits im Rah­men der­ar­ti­ger Verträge beschäftigt wor­den sei, auf ei­nen Miss­brauch im Sin­ne von Pa­ra­graf 5 der Rah­men­ver­ein­ba­rung über be­fris­te­te Verträge hin­deu­te­ten. Der Ab­schluss meh­re­rer auf­ein­an­der­fol­gen­der be­fris­te­ter Verträge, ins­be­son­de­re über ei­nen er­heb­li­chen Zeit­raum, zei­ge, dass ein nicht nur vorüber­ge­hen­der Be­darf an der vom be­tref­fen­den Ar­beit­neh­mer zu er­brin­gen­den Leis­tung be­ste­he.
In­so­weit ist dar­auf hin­zu­wei­sen, dass - wie der Ge­richts­hof be­reits ent­schie­den hat - die Verlänge­rung be­fris­te­ter Ar­beits­verträge oder -verhält­nis­se zur De­ckung ei­nes Be­darfs, der fak­tisch kein zeit­wei­li­ger, son­dern im Ge­gen­teil ein ständi­ger und dau­er­haf­ter ist, nicht im Sin­ne von Pa­ra­graf 5 Nr. 1 Buchst. a der Rah­men­ver­ein­ba­rung über be­fris­te­te Verträge ge­recht­fer­tigt ist (vgl. in die­sem Sin­ne Ur­teil An­gel­i­da­ki u. a., Rand­nr. 103).
Ein sol­cher Ein­satz be­fris­te­ter Ar­beits­verträge oder -verhält­nis­se lie­fe nämlich der Prämis­se der Rah­men­ver­ein­ba­rung über be­fris­te­te Verträge, dass un­be­fris­te­te Ar­beits­verträge die übli­che Form der Beschäfti­gungs­verhält­nis­se sind, auch wenn be­fris­te­te Ar­beits­verträge für die Beschäfti­gung in be­stimm­ten Bran­chen oder be­stimm­ten Be­ru­fen und Tätig­kei­ten cha­rak­te­ris­tisch sind, un­mit­tel­bar zu­wi­der (vgl. Ur­teil Aden­eler u. a., Rand­nr. 61).
Wie die pol­ni­sche Re­gie­rung im We­sent­li­chen gel­tend ge­macht hat, kann al­ler­dings der bloße Um­stand, dass be­fris­te­te Ar­beits­verträge zur De­ckung ei­nes ständi­gen oder wie­der­keh­ren­den Be­darfs des Ar­beit­ge­bers an Ver­tre­tungs­kräften ge­schlos­sen wer­den, nicht aus­rei­chen, um aus­zu­sch­ließen, dass je­der die­ser Verträge für sich ge­nom­men ge­schlos­sen wur­de, um ei­ne vorüber­ge­hen­de Ver­tre­tung si­cher­zu­stel­len. Auch wenn die Ver­tre­tung in­so­fern ei­nen ständi­gen Be­darf deckt, als der mit ei­nem be­fris­te­ten Ver­trag ein­ge­stell­te Ar­beit­neh­mer ge­nau fest­ge­leg­te Auf­ga­ben wahr­nimmt, die Teil der gewöhn­li­chen Tätig­kei­ten des Ar­beit­ge­bers oder des Un­ter­neh­mens sind, bleibt der Be­darf an Ver­tre­tungs­kräften gleich­wohl vorüber­ge­hend, da zu er­war­ten ist, dass der ver­tre­te­ne Ar­beit­neh­mer nach Be­en­di­gung sei­nes Ur­laubs, der den Grund dafür dar­stellt, dass er zeit­wei­lig dar­an ge­hin­dert ist, die­se Auf­ga­ben selbst wahr­zu­neh­men, sei­ne Tätig­keit wie­der auf­neh­men wird.
39 Es ist Sa­che al­ler Stel­len des be­tref­fen­den Mit­glied­staats, im Rah­men ih­rer je­wei­li­gen Zuständig­kei­ten für die Be­ach­tung von Pa­ra­graf 5 Nr. 1 Buchst. a der Rah­men­ver­ein­ba­rung über be­fris­te­te Verträge zu sor­gen, in­dem sie kon­kret prüfen, ob die Verlänge­rung auf­ein­an­der­fol­gen­der be­fris­te­ter Ar­beits­verträge oder -verhält­nis­se zur De­ckung ei­nes zeit­wei­li­gen Be­darfs dient und ob ei­ne Vor­schrift wie § 14 Abs. 1 Nr. 3 Tz­B­fG nicht in Wirk­lich­keit ein­ge­setzt wird, um ei­nen ständi­gen und dau­er­haf­ten Ar­beits­kräfte­be­darf des Ar­beit­ge­bers zu de­cken (vgl. ent­spre­chend Ur­teil An­gel­i­da­ki u. a., Rand­nr. 106).
Wie die Kom­mis­si­on gel­tend ge­macht hat, ob­liegt es den ge­nann­ten Stel­len, stets al­le Umstände des Ein­zel­falls zu prüfen und da­bei na­ment­lich die Zahl der mit der­sel­ben Per­son oder zur Ver­rich­tung der glei­chen Ar­beit ge­schlos­se­nen auf­ein­an­der­fol­gen­den be­fris­te­ten Verträge zu berück­sich­ti­gen, um aus­zu­sch­ließen, dass Ar­beit­ge­ber miss­bräuch­lich auf be­fris­te­te Ar­beits­verträge oder -verhält­nis­se zurück­grei­fen, mögen die­se auch au­gen­schein­lich zur De­ckung ei­nes Ver­tre­tungs­be­darfs ge­schlos­sen wor­den sein (vgl. in die­sem Sin­ne Be­schluss vom 12. Ju­ni 2008, Vas­silak­is u. a., C-364/07, Rand­nr. 116, und Ur­teil An­gel­i­da­ki u. a., Rand­nr. 157). Auch wenn sich die Be­ur­tei­lung des gel­tend ge­mach­ten sach­li­chen Grun­des auf die Verlänge­rung des zu­letzt ge­schlos­se­nen Ar­beits­ver­trags be­zie­hen muss, können sich das Vor­lie­gen, die Zahl und die Dau­er der­ar­ti­ger auf­ein­an­der­fol­gen­der Verträge, die in der Ver­gan­gen­heit mit dem­sel­ben Ar­beit­ge­ber ge­schlos­sen wur­den, im Rah­men die­ser um­fas­sen­den Prüfung als re­le­vant er­wei­sen.
41 In­so­weit ist fest­zu­stel­len, dass der Um­stand, dass die Zahl oder die Dau­er der be­fris­te­ten Verträge Ge­gen­stand der in Pa­ra­graf 5 Nr. 1 Buchst. b und c der Rah­men­ver­ein­ba­rung über be­fris­te­te Verträge vor­ge­se­he­nen Präven­tiv­maßnah­men ist, nicht be­deu­tet, dass die­se Kri­te­ri­en kei­ne Aus­wir­kung auf die Be­ur­tei­lung der in Pa­ra­graf 5 Nr. 1 Buchst. a an­ge­spro­che­nen sach­li­chen Gründe ha­ben können, die als Recht­fer­ti­gung für die Verlänge­rung auf­ein­an­der­fol­gen­der be­fris­te­ter Verträge an­geführt wer­den.
42 Ent­ge­gen der Auf­fas­sung der deut­schen Re­gie­rung steht ei­ne sol­che Aus­le­gung von Pa­ra­graf 5 Nr. 1 der Rah­men­ver­ein­ba­rung über be­fris­te­te Verträge in kei­ner Wei­se der nach die­ser Be­stim­mung den Mit­glied­staa­ten über­las­se­nen Wahl der Mit­tel ent­ge­gen.
43 Wie die Kom­mis­si­on vor­ge­tra­gen hat, ist es nämlich in An­be­tracht des Ziels, das mit al­len nach Pa­ra­graf 5 Nr. 1 der Rah­men­ver­ein­ba­rung über be­fris­te­te Verträge er­grif­fe­nen Maßnah­men ver­folgt wird, not­wen­dig, dass die zuständi­gen Stel­len auch bei Vor­lie­gen ei­nes sach­li­chen Grun­des, der grundsätz­lich den Rück­griff auf auf­ein­an­der­fol­gen­de be­fris­te­te Ar­beits­verträge oder -verhält­nis­se recht­fer­tigt, er­for­der­li­chen­falls al­le mit der Verlänge­rung die­ser Ar­beits­verträge oder -verhält­nis­se ver­bun­de­nen Umstände berück­sich­ti­gen, da sie Hin­wei­se auf ei­nen Miss­brauch ge­ben können, den die­se Be­stim­mung ver­hin­dern soll.
44 In der münd­li­chen Ver­hand­lung ha­ben so­wohl das Land als auch die deut­sche Re­gie­rung auf ei­ne Fra­ge des Ge­richts­hofs ein­geräumt, dass Umstände vor­lie­gen können, un­ter de­nen ein Ar­beit­ge­ber ver­pflich­tet wäre, Art und Um­fang der mit ei­nem Ar­beit­neh­mer ge­schlos­se­nen be­fris­te­ten Verträge zu berück­sich­ti­gen.
45 Da Pa­ra­graf 5 Nr. 1 der Rah­men­ver­ein­ba­rung über be­fris­te­te Verträge nur dann zur An­wen­dung ge­langt, wenn auf­ein­an­der­fol­gen­de be­fris­te­te Ar­beits­verträge oder -verhält­nis­se vor­lie­gen (vgl. in die­sem Sin­ne Ur­teil vom 22. No­vem­ber 2005, Man­gold, C-144/04, Slg. 2005, I-9981, Rand­nrn. 41 und 42), er­scheint es fol­ge­rich­tig, dass sich das Vor­lie­gen ei­ner Rei­he auf­ein­an­der­fol­gen­der be­fris­te­ter Ar­beits­verträge oder -verhält­nis­se für al­le auf der Grund­la­ge die­ser Be­stim­mung ge­trof­fe­nen Maßnah­men als re­le­vant er­weist.
46 Im Rah­men sei­ner ers­ten Fra­ge möch­te das vor­le­gen­de Ge­richt zu­dem wis­sen, ob der Um­stand, dass es sich bei dem Be­darf an Ver­tre­tungs­kräften in Wirk­lich­keit um ei­nen ständi­gen oder wie­der­keh­ren­den Be­darf han­delt, den der Ar­beit­ge­ber auch durch Ein­stel­lung ei­nes Ar­beit­neh­mers mit ei­nem un­be­fris­te­ten Ver­trag de­cken könn­te, es nicht aus­sch­ließt, dass ein Be­darf an Ver­tre­tungs­kräften ei­nen sach­li­chen Grund im Sin­ne von Pa­ra­graf 5 Nr. 1 Buchst. a der Rah­men­ver­ein­ba­rung über be­fris­te­te Verträge bil­det.
47 In­so­weit ist dar­auf hin­zu­wei­sen, dass die Rah­men­ver­ein­ba­rung, wie sich aus Nr. 10 ih­rer All­ge­mei­nen Erwägun­gen er­gibt, es den Mit­glied­staa­ten und den So­zi­al­part­nern überlässt, die ein­zel­nen An­wen­dungs­mo­da­litäten der von ihr auf­ge­stell­ten Grundsätze und Vor­schrif­ten zu de­fi­nie­ren, um ih­re Übe­rein­stim­mung mit dem na­tio­na­len Recht und/oder der na­tio­na­len Pra­xis si­cher­zu­stel­len und zu gewähr­leis­ten, dass den Be­son­der­hei­ten der kon­kre­ten Sach­ver­hal­te an­ge­mes­sen Rech­nung ge­tra­gen wird (Ur­tei­le Aden­eler u. a., Rand­nr. 68, und An­gel­i­da­ki u. a., Rand­nr. 71).
48 Wie die deut­sche und die pol­ni­sche Re­gie­rung gel­tend ge­macht ha­ben, verfügen die Mit­glied­staa­ten nach Pa­ra­graf 5 Nr. 1 der Rah­men­ver­ein­ba­rung über be­fris­te­te Verträge folg­lich über ei­nen Wer­tungs­spiel­raum in Be­zug auf die Er­rei­chung des mit die­ser Vor­schrift an­ge­streb­ten Ziels, auch wenn die­ser Spiel­raum un­ter der Be­din­gung steht, dass die Mit­glied­staa­ten das uni­ons­recht­lich vor­ge­ge­be­ne Er­geb­nis gewähr­leis­ten, wie nicht nur aus Art. 288 Abs. 3 AEUV, son­dern auch aus Art. 2 Abs. 1 der Richt­li­nie 1999/70 im Licht ih­res 17. Erwägungs­grun­des her­vor­geht (Ur­teil An­gel­i­da­ki u. a., Rand­nr. 80 und die dort an­geführ­te Recht­spre­chung).
49 Die­ser Wer­tungs­spiel­raum er­gibt sich auch aus Pa­ra­graf 5 Nr. 1 der Rah­men­ver­ein­ba­rung über be­fris­te­te Verträge, da er den Mit­glied­staa­ten die Möglich­keit einräumt, die be­son­de­ren An­for­de­run­gen be­stimm­ter Bran­chen und/oder der be­trof­fe­nen Ka­te­go­ri­en von Ar­beit­neh­mern zu berück­sich­ti­gen, so­fern dies ob­jek­tiv ge­recht­fer­tigt ist (Ur­teil vom 7. Sep­tem­ber 2006, Mar­ro­su und Sar­di­no, C-53/04, Slg. 2006, I-7213, Rand­nr. 45).
50 Aus dem bloßen Um­stand, dass ein Be­darf an Ver­tre­tungs­kräften durch den Ab­schluss un­be­fris­te­ter Verträge ge­deckt wer­den könn­te, folgt nicht, dass ein Ar­beit­ge­ber, der be­sch­ließt, auf be­fris­te­te Verträge zurück­zu­grei­fen, um auf ei­nen vorüber­ge­hen­den Man­gel an Ar­beits­kräften, mag die­ser auch wie­der­holt oder so­gar dau­er­haft auf­tre­ten, zu re­agie­ren, miss­bräuch­lich han­delt und ge­gen Pa­ra­graf 5 Nr. 1 der Rah­men­ver­ein­ba­rung über be­fris­te­te Verträge und die na­tio­na­le Re­ge­lung zu ih­rer Um­set­zung verstößt.
51 Wie aus Rand­nr. 43 des vor­lie­gen­den Ur­teils her­vor­geht, schließt das Vor­lie­gen ei­nes sach­li­chen Grun­des im Sin­ne von Pa­ra­graf 5 Nr. 1 Buchst. a der Rah­men­ver­ein­ba­rung über be­fris­te­te Verträge ei­nen Miss­brauch grundsätz­lich aus, es sei denn, ei­ne um­fas­sen­de Prüfung der mit der Verlänge­rung der be­tref­fen­den be­fris­te­ten Ar­beits­verträge oder -verhält­nis­se ver­bun­de­nen Umstände zeigt, dass ein nicht nur vorüber­ge­hen­der Be­darf an den vom Ar­beit­neh­mer zu er­brin­gen­den Leis­tun­gen be­steht.
52 Außer­dem hat der Ge­richts­hof be­reits aus­geführt, dass Pa­ra­graf 5 Nr. 1 Buchst. a der Rah­men­ver­ein­ba­rung über be­fris­te­te Verträge kei­ne all­ge­mei­ne Ver­pflich­tung der Mit­glied­staa­ten auf­stellt, die Um­wand­lung be­fris­te­ter in un­be­fris­te­te Ar­beits­verträge vor­zu­se­hen, wie er auch nicht im Ein­zel­nen vor­schreibt, un­ter wel­chen Be­din­gun­gen be­fris­te­te Verträge ge­schlos­sen wer­den können, und den Mit­glied­staa­ten in die­sem Be­reich ei­nen ge­wis­sen Spiel­raum belässt (Ur­tei­le Aden­eler u. a., Rand­nr. 91, Mar­ro­su und Sar­di­no, Rand­nr. 47, so­wie An­gel­i­da­ki u. a., Rand­nrn. 145 und 183).
53 Pa­ra­graf 5 Nr. 2 Buchst. b der Rah­men­ver­ein­ba­rung sieht des­halb le­dig­lich vor, dass die Mit­glied­staa­ten „ge­ge­be­nen­falls“ fest­le­gen können, un­ter wel­chen Be­din­gun­gen be­fris­te­te Ar­beits­verträge oder Beschäfti­gungs­verhält­nis­se als „un­be­fris­te­te Verträge … zu gel­ten ha­ben“.
54 Au­to­ma­tisch den Ab­schluss un­be­fris­te­ter Verträge zu ver­lan­gen, wenn die Größe des be­trof­fe­nen Un­ter­neh­mens oder der be­trof­fe­nen Ein­rich­tung und die Zu­sam­men­set­zung des Per­so­nals dar­auf schließen las­sen, dass der Ar­beit­ge­ber mit ei­nem wie­der­hol­ten oder ständi­gen Be­darf an Ver­tre­tungs­kräften kon­fron­tiert ist, gin­ge über die Zie­le hin­aus, die mit der Rah­men­ver­ein­ba­rung über be­fris­te­te Verträge und der Richt­li­nie 1999/70 ver­folgt wer­den, und würde den Wer­tungs­spiel­raum ver­let­zen, den sie den Mit­glied­staa­ten und ge­ge­be­nen­falls den So­zi­al­part­nern einräum­en.
55 Es ist Sa­che des vor­le­gen­den Ge­richts, un­ter Berück­sich­ti­gung der vor­ste­hen­den Erwägun­gen zu be­ur­tei­len, ob die Beschäfti­gung ei­nes Ar­beit­neh­mers für die Dau­er von elf Jah­ren mit­tels 13 auf­ein­an­der­fol­gen­der be­fris­te­ter Verträge un­ter den Umständen des Aus­gangs­ver­fah­rens mit Pa­ra­graf 5 Nr. 1 der Rah­men­ver­ein­ba­rung über be­fris­te­te Verträge im Ein­klang steht.
56 So­mit ist auf die ers­te Fra­ge zu ant­wor­ten, dass Pa­ra­graf 5 Nr. 1 Buchst. a der Rah­men­ver­ein­ba­rung über be­fris­te­te Verträge da­hin aus­zu­le­gen ist, dass die An­knüpfung an ei­nen vorüber­ge­hen­den Be­darf an Ver­tre­tungs­kräften in na­tio­na­len Rechts­vor­schrif­ten wie den im Aus­gangs­ver­fah­ren in Re­de ste­hen­den grundsätz­lich ei­nen sach­li­chen Grund im Sin­ne die­ser Be­stim­mung dar­stel­len kann. Aus dem bloßen Um­stand, dass ein Ar­beit­ge­ber ge­zwun­gen sein mag, wie­der­holt oder so­gar dau­er­haft auf be­fris­te­te Ver­tre­tun­gen zurück­zu­grei­fen, und dass die­se Ver­tre­tun­gen auch durch die Ein­stel­lung von Ar­beit­neh­mern mit un­be­fris­te­ten Ar­beits­verträgen ge­deckt wer­den könn­ten, folgt we­der, dass kein sach­li­cher Grund im Sin­ne von Pa­ra­graf 5 Nr. 1 Buchst. a der Rah­men­ver­ein­ba­rung über be­fris­te­te Verträge ge­ge­ben ist, noch das Vor­lie­gen ei­nes Miss­brauchs im Sin­ne die­ser Be­stim­mung. Bei der Be­ur­tei­lung der Fra­ge, ob die Verlänge­rung be­fris­te­ter Ar­beits­verträge oder -verhält­nis­se durch ei­nen sol­chen sach­li­chen Grund ge­recht­fer­tigt ist, müssen die Behörden der Mit­glied­staa­ten je­doch im Rah­men ih­rer je­wei­li­gen Zuständig­kei­ten al­le Umstände des Fal­les ein­sch­ließlich der Zahl und der Ge­samt­dau­er der in der Ver­gan­gen­heit mit dem­sel­ben Ar­beit­ge­ber ge­schlos­se­nen be­fris­te­ten Ar­beits­verträge oder -verhält­nis­se berück­sich­ti­gen.
57 Da die zwei­te Fra­ge nur für den Fall ge­stellt wor­den ist, dass die ers­te Fra­ge be­jaht wird, ist sie nicht zu be­ant­wor­ten.
58 Für die Par­tei­en des Aus­gangs­ver­fah­rens ist das Ver­fah­ren ein Zwi­schen­streit in dem bei dem vor­le­gen­den Ge­richt anhängi­gen Rechts­streit; die Kos­ten­ent­schei­dung ist da­her Sa­che die­ses Ge­richts. Die Aus­la­gen an­de­rer Be­tei­lig­ter für die Ab­ga­be von Erklärun­gen vor dem Ge­richts­hof sind nicht er­stat­tungsfähig.
Pa­ra­graf 5 Nr. 1 Buchst. a der am 18. März 1999 ge­schlos­se­nen Rah­men­ver­ein­ba­rung über be­fris­te­te Ar­beits­verhält­nis­se im An­hang der Richt­li­nie 1999/70/EG des Ra­tes vom 28. Ju­ni 1999 zu der EGB-UN­ICE-CEEP-Rah­men­ver­ein­ba­rung über be­fris­te­te Ar­beits­verträge ist da­hin aus­zu­le­gen, dass die An­knüpfung an ei­nen vorüber­ge­hen­den Be­darf an Ver­tre­tungs­kräften in na­tio­na­len Rechts­vor­schrif­ten wie den im Aus­gangs­ver­fah­ren in Re­de ste­hen­den grundsätz­lich ei­nen sach­li­chen Grund im Sin­ne die­ser Be­stim­mung dar­stel­len kann. Aus dem bloßen Um­stand, dass ein Ar­beit­ge­ber ge­zwun­gen sein mag, wie­der­holt oder so­gar dau­er­haft auf be­fris­te­te Ver­tre­tun­gen zurück­zu­grei­fen, und dass die­se Ver­tre­tun­gen auch durch die Ein­stel­lung von Ar­beit­neh­mern mit un­be­fris­te­ten Ar­beits­verträgen ge­deckt wer­den könn­ten, folgt we­der, dass kein sach­li­cher Grund im Sin­ne von Pa­ra­graf 5 Nr. 1 Buchst. a der ge­nann­ten Rah­men­ver­ein­ba­rung ge­ge­ben ist, noch das Vor­lie­gen ei­nes Miss­brauchs im Sin­ne die­ser Be­stim­mung. Bei der Be­ur­tei­lung der Fra­ge, ob die Verlänge­rung be­fris­te­ter Ar­beits­verträge oder ‑verhält­nis­se durch ei­nen sol­chen sach­li­chen Grund ge­recht­fer­tigt ist, müssen die Behörden der Mit­glied­staa­ten je­doch im Rah­men ih­rer je­wei­li­gen Zuständig­kei­ten al­le Umstände des Fal­les ein­sch­ließlich der Zahl und der Ge­samt­dau­er der in der Ver­gan­gen­heit mit dem­sel­ben Ar­beit­ge­ber ge­schlos­se­nen be­fris­te­ten Ar­beits­verträge oder ‑verhält­nis­se berück­sich­ti­gen.
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