Source: http://www.grundschule-heiligenhafen.de/seite/244534/integrationskonzept.html
Timestamp: 2017-10-23 22:22:07
Document Index: 361503552

Matched Legal Cases: ['§ 65', '§ 1', '§ 45', '§ 2', '§2', '§ 4', '§ 3', '§ 4']

Theodor-Storm-Schule Heiligenhafen - Integrationskonzept des Förderzentrums Heiligenhafen
Integrationskonzept des Förderzentrums Heiligenhafen
(auch per Download als PDF hier verfügbar)
1. Lernbeeinträchtigung, Lernstörung oder Lernbehinderung
1.1 . Mögliche Ursachen
1.2 . Fördermöglichkeiten
1.3 . Prävention
1.4 . Lernpläne
2.2 . Förderschwerpunkte
2.3 . Aufgaben sonderpädagogischer Förderung
2.4 . Sonderpädagogische Förderpläne
2.5 . Verfahren zur Feststellung des sonderpädagogischen Förderbedarfs
2.6 . Beschulungsmöglichkeiten
2.7 . Schulabschlüsse
2.8 . Aufhebung des sonderpädagogischen Förderbedarfs
3. Integration / Gemeinsamer Unterricht
3.1 . Definition
3.2 . Zielgleiche und zieldifferente Beschulung
3.3 . Kooperation zwischen den beteiligten Lehrkräften
3.4 . Lehrplan sonderpädagogische Förderung
3.5 . Leistungsbewertung
3.6 . Nachteilsausgleich
3.7 . Englischunterricht
3.8 . Zeugnisse
Immer wieder begegnen wir in Grund- und Hauptschulen Kindern, die die Ziele und Inhalte der Lehrpläne der allgemeinen Schule nicht oder nur ansatzweise erreichen können. Häufig wird dann von Schülern* mit Lernbeeinträchtigung, Lernstörung oder Lernbehinderung gesprochen.
*(wenn im Folgenden von „Schülern“ oder „Lehrern“ gesprochen wird, sind stets sowohl Schülerinnen und Schüler als auch Lehrerinnen und Lehrer gemeint).
Die Begrifflichkeiten wurden und werden sehr gegensätzlich diskutiert. „Lernbeeinträchtigung“ wird dabei zumeist als Oberbegriff für „Lernstörung“ und „Lernbehinderung“ gesehen. „Lernstörung“ steht dabei für die geringere, „Lernbehinderung“ für die stärkere Ausprägung der „Lernbeeinträchtigungen“.
1.1. Mögliche Ursachen
Die Ursachen für Lernbeeinträchtigungen sind sehr vielfältig. Gründe können im Schüler selbst, in der Familie, im schulischen Umfeld oder in den gesellschaftlichen Rahmenbedingungen zu finden sein. Häufig handelt es sich um ein Zusammenspiel mehrerer Faktoren.
Ursachen, die im Individuum begründet sein können - genetische Veranlagung
Probleme während Schwangerschaft und Geburt (Hirnschädigungen durch Sauerstoffmangel, Nikotin, Alkohol etc.)
Ursachen, die im familiären Umfeld begründet sein können - Scheidung der Eltern
anregungsarmes Umfeld (fehlende Kommunikationsfähigkeit, mangelndes Vorwissen)
Nichtwahrnehmen der Angebote medizinischer Vorsorge
Ursachen, die im schulischen Umfeld begründet sein können - Mobbing
Misserfolgs- und Überforderungserlebnisse
Verhältnis zu Klasse und Lehrperson
fehlende Zuwendung bei Rückständen
Schriftsprache in übrigen Fächern
Ursachen, die in den gesellschaftlichen Rahmenbedingungen begründet sein können - Kindergartenbesuch
soziale Diskriminierung, Vorurteile
sozial-ökonomische Benachteiligungen
sozial-kulturelle Benachteiligungen
Es ist festzuhalten, dass es die EINE allgemeingültige Ursache für Lernbeeinträchtigungen nicht gibt.
1.2. Fördermöglichkeiten
Möglichkeiten Schüler zu fördern gibt es viele. Bereits abwechslungsreicher Unterricht, ein guter Kontakt zwischen Schule - Eltern - Kind sowie ein gutes Lernklima können dazu beitragen Lernstörungen entgegenzuwirken.
Eine gezielte Förderung sollte immer auf der Grundlage einer genauen und detaillierten Betrachtung des Lernverhaltens und des Leistungsstandes geschehen. Hierbei sollte der Fokus sowohl auf die Schwächen als auch auf die Stärken des Kindes gelegt werden. Förderung orientiert sich bei den langsamer lernenden Kindern nicht einseitig an ihren Schwächen, sondern ausdrücklich auch an ihren Stärken. Fördern bedeutet nicht nur nachhelfen, sondern auch voranbringen. Es stärkt Leistungsfreude und Anstrengungsbereitschaft der Kinder, vermittelt Könnenserfahrungen und Erfolgserlebnisse.
„Alle Schülerinnen und Schüler sollen individuell gefördert werden. Dieser Grundsatz
ist Bestandteil der Verordnungen aller Schularten. Diese Förderung kann u.a. durch
binnendifferenzierende Maßnahmen, besondere Hausaufgaben, Unterricht in speziellen Gruppen oder zusätzlichen Unterricht (Förderunterricht) erfolgen. […] In welchem Umfang und auf welche Weise eine solche Förderung erforderlich und angemessen ist, wird von der Klassenkonferenz (§ 65 Abs. 2 Nr. 1 SchulG) festgelegt. […] Um entsprechende Ziele mit der Schülerin oder dem Schüler und den Eltern zu vereinbaren und später eine Kontrolle über die erreichten Ziele zu erhalten, wird ein Lernplan angelegt. Die Maßnahmen der allgemein bildenden Schulen können durch außerschulische Maßnahmen (Nachhilfe, Therapien etc.) unterstützt werden. Eine Kostenerstattung dieser freiwilligen Maßnahmen durch die Schulämter, Schule, das Bildungsministerium und die Schulträger ist ausgeschlossen (SoFVO Erläuterungen 2009, S. 4).“
Förderung ist also prinzipiell Aufgabe jeden Unterrichts. Im Zusammenhang mit Förderung wird häufig der Begriff Differenzierung gebraucht. Differenzierung in der Didaktik geht davon aus, dass die Lerner unterschiedliche Voraussetzungen haben.
Differenzierung hat zum Ziel möglichst vielen Schülern bestmögliche Lernvoraussetzungen anzubieten. Die innere Differenzierung umfasst dabei Maßnahmen innerhalb des Unterrichts und die äußere Differenzierung bezieht sich auf die Trennung einer Lerngruppe, z.B. in verschiedenen Förderkursen.
Die Differenzierungsmöglichkeiten lassen sich vielfach nicht voneinander abgrenzen und bedingen sich gegenseitig.
Differenzierung durch unterschiedliche Unterrichtsmaterialien
Der Einsatz verschiedener Unterrichtsmaterialien ist eine Möglichkeit, Schüler individuell im Lernprozess zu unterstützen. Das können z. B. Arbeitsblätter (z .B. mit vorgegebener Bearbeitungsstruktur), Karteikarten, Texte, Videos, Landkarten, Modelle oder Übersichten sein.
Schüler mit geringerem Leistungsvermögen erhalten beispielsweise Lernkarten mit Symbolen, während Schüler mit einem höheren Leistungsvermögen gezielt abstraktere Materialien zur Bearbeitung bekommen.
Differenzierung durch unterschiedliche Lernhilfen
Im Prozess der Bearbeitung und Lösung von Aufgaben erhalten die Schüler verschiedene Lernhilfen. Man kann dabei zwischen personellen Lernhilfen wie Schüler, Lehrer, andere Personen und materiellen wie z. B. Nachschlagewerke, Taschenrechner, Computer unterscheiden. Die Nutzung materieller Lernhilfen erfordert einen höheren Grad an Selbstständigkeit.
Differenzierung durch unterschiedliche Bearbeitungszeit
Um Schüler individuell zu fördern und Erfolgserlebnisse zu sichern, kann je nach Lerntempo und Leistungsvermögen die Bearbeitungszeit zur Lösung einer Aufgabe individuell festgelegt werden. Diese Variante der Differenzierung lässt sich relativ leicht realisieren und sichert besonders den Schülern Erfolgserlebnisse, die sehr langsam arbeiten, aber über ein gutes Leistungsvermögen verfügen.
Zur Anwendung gelangen sollte diese Form der Differenzierung nicht nur in Übungs-, sondern auch in Kontrollphasen.
Differenzierung durch unterschiedlichen Umfang der Aufgabe
Für leistungsschwächere Schüler, Schüler mit geringerer Lerngeschwindigkeit oder nur schwach ausgeprägter Lernmotivation kann der Umfang einer Aufgabe individuell angepasst werden. In diesem Fall heißt das, der Umfang der Aufgabe wird reduziert werden, damit sie für diese Schüler leistbar bleibt. Dies bedeutet jedoch nicht, dass Schüler mit z. B. geringerer Lerngeschwindigkeit nicht schrittweise an ein höheres Arbeitstempo herangeführt werden können.
Im Umkehrschluss kann der Arbeitsumfang für leistungsstärkere Schüler, Schüler mit hoher Arbeitsgeschwindigkeit und/oder stark ausgeprägtem Leistungswillen erhöht werden, um ein adäquates Anforderungsniveau zu sichern. Die Aufgaben unterscheiden sich jedoch nur im quantitativen, nicht im qualitativen Anforderungsniveau.
Differenzierung durch unterschiedliche Methoden
Die Erarbeitung und/oder Präsentation des Lernstoffs kann innerhalb einer Klasse mit Hilfe unterschiedlicher Erarbeitungs- und Präsentationstechniken geschehen. Mit einer Differenzierung über Methoden ist es insbesondere möglich Lerntypen, Interessen und Neigungen oder auch besondere Begabungen zu berücksichtigen bzw. zu fördern und Lernerfolge zu sichern.
Differenzierung durch verschiedene soziale Lernformen
Einzel- oder Gruppenarbeit bildet den organisatorischen Rahmen für die Förderung von Begabungen und wird auch zur Kompensation von Lernschwächen genutzt. Bei der Gruppenbildung sind z. B. die Geschlechterspezifik oder Interessen entscheidend. Grundlage für die Bildung leistungshomogener Gruppen kann das Lernziel sein. In leistungsheterogenen Gruppen könnte jeder entsprechend seiner Lernvoraussetzungen individuell zur Erfüllung der Aufgabe beitragen oder durch gegenseitige Unterstützung das Erreichen der Zielstellung für alle ermöglichen (vgl. Materialien zur Implementierung der Thüringer Schulordnung).
1.3. Prävention
Allgemein versteht man unter Prävention vorbeugende Maßnahmen, um ein unerwünschtes Ereignis oder eine unerwünschte Entwicklung zu vermeiden. Im Bereich Schule geht es zumeist darum, mit frühzeitigem Handeln Lernbeeinträchtigungen vorzubeugen.
„Förderzentren können präventiv tätig werden, wenn bei einer Schülerin oder einem
Schüler kein sonderpädagogischer Förderbedarf festgestellt ist, aber ohne besondere
Förderung vermutlich eintreten wird, oder bei einem Kind vor der Einschulung
sonderpädagogischer Förderbedarf in einem der Förderschwerpunkte Sprache, Hören
oder Sehen durch eine Lehrkraft des zuständigen Förderzentrums vermutet wird
und sich dieser Bedarf ohne besondere Maßnahmen bis zur Einschulung wesentlich
erhöhen würde“ (§ 1 Abs. 2 SoFVO).
Die präventive Arbeit ist damit Aufgabe aller Förderzentren (vgl. auch § 45 Abs. 1
Satz 4 SchulG).
Damit die präventive Arbeit von den Förderzentren erfolgreich bewältigt werden
kann, ist die enge Zusammenarbeit zwischen den Kindertagesstätten, den allgemein
bildenden Schulen, den berufsbildenden Schulen und den Förderzentren erforderlich. […] (SoFVO Erläuterungen 2009, S. 5).“
1.4. Lernpläne
Alles Wissenswerte zum Nutzen und zum Inhalt von Lernplänen findet sich im Erlass des Ministeriums für Bildung, Wissenschaft, Forschung und Kultur - III 431 - „Lernpläne in allgemeinbildenden Schulen“ (in Kraft seit 01.08.2003).
1. Als Instrument lernprozessbegleitender Beobachtung, pädagogischer Reflexion und individueller Förderung können alle allgemeinbildenden Schulen einen Lernplan für jede Schülerin und jeden Schüler mit besonderer Begabung oder mit Lernproblemen erstellen. Für Schüler, für die eine sonderpädagogische Überprüfung durchgeführt werden soll, muss vorher ein Lernplan erstellt und angewendet worden sein!
2. Der Lernplan dient als Nachweis über die erfolglos durchgeführten Fördermaßnahmen der Regelschule.
3. Der Lernplan muss entsprechend detaillierte Aussagen enthalten. Dies sind verbindliche Absprachen zwischen den am schulischen Werdegang einer Schülerin oder eines Schülers Beteiligten über zu treffende Maßnahmen und deren Unterstützung.
1.4.2. Inhalte
1. Grundlage des Lernplans ist die Lernausgangslage. Einbezogen werden vorliegende Informationen und Beobachtungen von Seiten der Eltern.
2. Der Lernplan dokumentiert individuelle Lernziele, beabsichtigte Maßnahmen zu deren Erreichen und Angaben zu Art und Zeitpunkt der Überprüfung des Lernerfolges.
3. Der Lernplan enthält Aussagen über spezifische Fördermöglichkeiten und –not-wendigkeiten. Diese können in den Schwerpunkten "fachliches Lernen", "Lern- und Sozialverhalten", "Sprache und Denken", Motorik und Wahrnehmung" sowie ggf. in weiteren Bereichen getroffen werden. Die im Lernplan beschriebenen Ziele der Förderung können sich auf schulisch wie außerschulisch bedeutsame Aspekte beziehen.
1. Die Klassenkonferenz beschließt, ob ein Lernplan für eine Schülerin oder einen Schüler erstellt wird. Die Erstellung und Fortschreibung des Lernplans erfolgt durch die Klassenlehrerin/ den Klassenlehrer in Abstimmung mit den in den einzelnen Fächern unterrichtenden Lehrkräften. Eltern und Kind verpflichten sich per Unterschrift, einen verabredeten Beitrag zur Umsetzung der verabredeten Förderziele zu leisten. Die Eltern erhalten eine Kopie des Lernplans.
2. Der Lernplan wird in der Regel halbjährlich fortgeschrieben.
3. Werden Berichtszeugnisse erteilt, kann der Lernplan in Zusammenhang mit diesen erstellt werden.
Sonderpädagogischer Förderbedarf bedeutet, dass ein Schüler durch seine Entwicklung, durch eine chronische Krankheit oder durch eine Behinderung so stark eingeschränkt ist, dass ihm die Teilnahme am Unterricht einer Grundschule, einer Regional- oder Gemeinschaftsschule, eines Gymnasiums oder einer berufsbildenden Schule nur mit besonderer Unterstützung möglich ist. Voraussetzung ist auch, dass sämtliche bisherige Fördermaßnahmen (z.B. Lernplan, außerschulische Förderung, ...) nicht ausreichend waren (vgl. SofVO 2002, § 2).
In Schleswig-Holstein gibt es im Rahmen der sonderpädagogischen Förderung die folgenden Schwerpunkte (vgl. SofVO 2002, §2):
Erziehung und Unterricht von Schülern mit autistischem Verhalten
Das Förderzentrum Heiligenhafen ist als zuständiges Förderzentrum für die Stadt Heiligenhafen und den Landkreis Oldenburg Ansprechpartner für alle oben aufgeführten Förderschwerpunkte. In welchen Förderschwerpunkten wir selber fachlich tätig sind ist der nachfolgenden Übersicht zu entnehmen. Zu den Ansprechpartnern der übrigen Schwerpunkte stellen wir für Sie den Kontakt her:
Förderschwerpunkt fachliche Zuständigkeit
Lernen Förderzentrum Heiligenhafen
04362/3811
Sprache Förderzentrum Heiligenhafen
Emotionale und soziale Entwicklung Förderzentrum Heiligenhafen
Geistige Entwicklung Förderzentrum Kastanienhof, Oldenburg/i.H.
04361/8555
Körperliche und motorische Entwicklung Förderzentrum Kastanienhof, Oldenburg/i.H.
Hören Landesförderzentrum Hören, Schleswig
04621/8070
Sehen Landesförderzentrum Sehen, Schleswig
04621/8075
Erziehung und Unterricht von Schülern mit autistischem Verhalten BIS – Autismus
0431/ 5403196
Ansprechpartner:Herr Maass
2.3. Aufgaben sonderpädagogischer Förderung
Zu den Aufgaben sonderpädagogischer Förderung gehört die Durchführung von präventiven Maßnahmen in Kindergärten und Grundschulen, der gemeinsame Unterricht von Schülern in der Regelschule, der Unterricht von Schülern in der Sonderschule, die Erstellung sonderpädagogischer Förderpläne, die Beratung von Lehrkräften an den Regelschulen, die Zusammenarbeit mit Eltern, Kindergärten, Jugendamt und sämtlichen pädagogischen sowie therapeutischen Einrichtungen und ihrer Mitarbeiter (vgl. Lehrplan Sonderpädagogische Förderung 2002, S. 2 ff).
Im Vordergrund stehen hierbei stets das Wohl des Schülers und das Ziel ihm schulische Erfolgserlebnisse zu vermitteln sowie die Teilhabe an der Gesellschaft zu ermöglichen.
2.4. Sonderpädagogische Förderpläne
Förderpläne bilden die Grundlage von sonderpädagogischer Förderung. Sie dokumentieren die bisherige Entwicklung der Schüler, beschreiben den aktuellen Entwicklungsstand und weisen individuelle Förderziele sowie entsprechende Maßnahmen aus, mit deren Hilfe die Ziele erreicht werden sollen. Diese Ziele müssen einmal im Jahr überprüft und aktualisiert werden. In Förderplangesprächen wird gemeinsam mit Eltern und Schülern über weitere Ziele und Maßnahmen beraten (vgl. Lehrplan Sonderpädagogische Förderung 2002, S. 5 f.). Sonderpädagogische Förderpläne am Förderzentrum in Heiligenhafen gliedern sich in die folgenden Bereiche:
Entwicklungsbereich Sprache und Denken
Unterrichtsfach Heimat- und Sachunterricht (an Grundschulen) oder
Unterrichtsfach Englisch (an weiterführenden Schulen)
2.5. Verfahren zur Feststellung des sonderpädagogischen Förderbedarfs
Die Einleitung des Verfahrens zur Feststellung eines sonderpädagogischen Förderbedarfs kann vor der Einschulung oder während des Schulbesuchs beantragt werden. Der Zeitpunkt für die sonderpädagogische Überprüfung ist das Frühjahr eines jeden Jahres.
Voraussetzung für die Feststellung eines sonderpädagogischen Förderbedarfs ist eine schwerwiegende, umfängliche sowie langfristige Beeinträchtigung des Lernverhaltens eines Schülers. Das Verfahren zur Feststellung eines sonderpädagogischen Förderbedarfs kann von der besuchten Schule, von den Eltern bzw. dem volljährigen Schüler sowie der in Betracht kommenden aufnehmenden Schule beantragt werden (vgl. SoFVO 2002, § 4).
Als Anhaltspunkt gilt: Sonderpädagogischer Förderbedarf wird angenommen, wenn die Leistungen des jeweiligen Schülers in zwei Hauptfächern, trotz angemessener Förderung der Regelschule, mit der Note mangelhaft bewertet wurden und wenn Fördermaßnahmen der Schule (dokumentiert in einem Lernplan) bisher erfolglos geblieben sind.
Eine Einverständniserklärung der Eltern ist wünschenswert und sollte nach Möglichkeit angestrebt werden, ist aber nicht zwingend notwendig. Eltern sind verpflichtet, die Durchführung einer sonderpädagogischen Überprüfung ihres Kindes zu ermöglichen.
Zu Beginn der Verfahrensaufnahme stellt die zuständige Regelschule eine sonderpädagogische Schülerakte zusammen. Diese enthält alle Zeugnisse des Schülers, die Lernpläne (als Ersatz in Ausnahmefällen Entwicklungsbeschreibungen) und weitere ärztliche sowie therapeutische Berichte (Logopädie, Ergotherapie, ...). Die außerschulischen Berichte bitte rechtzeitig von den Eltern anfordern und der Schülerakte beifügen. Die zuständige Regelschule leitet die Akte an das zuständige regionale Förderzentrum weiter. Das Förderzentrum nimmt, wenn es notwendig ist, Kontakt mit weiteren Beratungsstellen oder Landesförderzentren auf. Wird das Gutachten vom regionalen Förderzentrum erstellt, kümmert sich ein Sonderschullehrer des Förderzentrums um die weitere Durchführung des Verfahrens.
Hierzu gehört das Kennenlernen des Kindes, Gespräche mit den Eltern, den Lehrkräften und weiteren zuständigen Therapeuten oder Ärzten. Der Sonderschullehrer informiert sich durch Akteneinsicht, Gespräche und eigene Beobachtungen ausführlich über den individuellen Entwicklungsstands des Kindes. Manchmal ist hierfür auch die Durchführung eines Intelligenztests oder Schulleistungstests nötig. Die gesammelten Beobachtungen und Feststellungen sowie das Ergebnis der sonderpädagogischen Überprüfung schreibt der Sonderschullehrer in einem sonderpädagogischen Gutachten auf. Dieses wird an das Schulamt geschickt. In einem Gespräch erläutert der Sonderschullehrer den Eltern das Gutachten und übergibt ihnen eine Kopie (vgl. SoFVO 2002, § 3).
2.6. Beschulungsmöglichkeiten
Das Schulamt entscheidet über die Feststellung des sonderpädagogischen Förderbedarfs. Bereits bei der Erstellung des sonderpädagogischen Gutachtens werden mit den Eltern die Beschulungsmöglichkeiten besprochen.
Es bestehen grundsätzlich zwei Möglichkeiten der Beschulung zwischen denen die Eltern wählen können:
die integrative Beschulung an einer Regelschule
die Beschulung an einer Sonderschule.
Die Eltern geben eine Stellungnahme ab, welche Beschulungsform sie für ihr Kind wünschen.
Die Entscheidung über den Beschulungsort liegt beim Schulamt des Kreises Ostholstein. Grundsätzlich haben die Eltern das Recht Widerspruch gegen die Entscheidung einzulegen. Je nach Förderschwerpunkt variieren die Möglichkeiten der Beschulungsorte (vgl. SoFVO 2002, §§ 4, 6). In jedem Fall sollte bei der Wahl des Ortes das Ziel im Vordergrund stehen, den für das Kind und seinen individuellen Förderbedarf am besten geeigneten Ort auszuwählen. Je nach Förderschwerpunkt gibt es unterschiedliche Möglichkeiten einen Schulabschluss zu erreichen.
2.7. Schulabschlüsse
Der mögliche Schulabschluss ist abhängig von der Art des festgestellten sonderpädagogischen Förderbedarfs. Mit Ausnahme des Förderbedarfs im Bereich Lernen und im Bereich geistige Entwicklung streben die Schüler den Schulabschluss der jeweiligen Regelschule an.
Hier erhalten die Schüler am Ende der Schulzeit ein Förderschulabschlusszeugnis. Die Noten geben Auskunft darüber, wie weit der Schüler die Ziele des individuellen Förderplanes erreicht hat, sie spiegeln also den individuellen Lernfortschritt des Schülers wider. In der Regel schließt sich an den Besuch der Förderschule der Besuch des AVJ (Ausbildungsvorbereitendes Jahr) an der Berufsschule an; nach erfolgreichem Besuch dieses einjährigen Lehrganges erhält der Schüler den Hauptschulabschluss.
Hier erhalten die Schüler am Ende der Schulzeit ein Abschlusszeugnis mit dem Schwerpunkt geistige Entwicklung.
2.8. Aufhebung des sonderpädagogischen Förderbedarfs
Die Aufhebung des sonderpädagogischen Förderbedarfs kann erfolgen, wenn ein Schüler in der Lage ist, ohne zusätzliche Maßnahmen erfolgreich am Unterricht einer Regelschule teilzunehmen.
Die Aufhebung des sonderpädagogischen Förderbedarfs wird auf Antrag des Förderzentrums vom Schulamt verfügt.
Integration bezeichnet die gemeinsame Beschulung von Schülern mit sonderpädagogischem Förderbedarf und Schülern ohne diesen Förderbedarf. Entscheidend ist hierbei die soziale Integration, d. h. Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf sollen nicht aus der Gemeinschaft ausgeschlossen werden. Sie sollen sich so an dem Lern- und Leistungsverhalten von Regelschülern orientieren können.
3.2. Zielgleiche und zieldifferente Beschulung
Je nach Förderschwerpunkt kann die Beschulung sowohl zielgleich als auch zieldifferent erfolgen.
Zielgleiche Beschulung
Eine zielgleiche Beschulung erfolgt grundsätzlich bei den Förderschwerpunkten Sprache, soziale und emotionale Entwicklung, körperliche und motorische Entwicklung, Hören, Sehen sowie bei Kindern und Jugendlichen mit autistischem Verhalten und kranken Schülern. Bei einer zielgleichen Beschulung ist der Bildungsabschluss der besuchten Schule angestrebt. Unter Berücksichtigung entsprechender Nachteilsausgleiche (s. 3.6.) werden die gleichen Leistungsanforderungen wie an die Regelschüler gestellt (Bsp.: Schüler mit Querschnittslähmung macht Abitur).
Eine zieldifferente Beschulung erfolgt bei den Förderschwerpunkten Lernen und geistige Entwicklung. Die Aufgabenstellungen müssen den Möglichkeiten des Schülers angepasst gewählt werden. Bei entsprechend positiver Leistungsentwicklung ist im Sinne der Durchlässigkeit der verschiedenen Bildungsgänge ein Regelschulabschluss auch für einen Integrationsschüler möglich.
3.3. Kooperation zwischen den beteiligten Lehrkräften
Integrationsschüler sind Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf, die eine Regelschule besuchen. Sie sind damit Schüler der besuchten Schule und werden dort von Regelschullehrkräften unterrichtet. Das zuständige Förderzentrum unterstützt die Regelschulkollegen bei der Unterrichtung der Integrationsschüler. Das gemeinsame Ziel der gelungenen Integration und der Förderung der Integrationsschüler macht eine konstruktive Zusammenarbeit der beteiligten Kollegen notwendig.
Bei der Beschulung von Integrationsschülern mit dem Förderschwerpunkt Lernen sind u. a. folgende Kooperationsformen möglich:
Beratung der Regelschullehrkraft durch die Sonderschullehrkraft über die Möglichkeiten der Differenzierung
Lernstandsdiagnostik durch die Förderschullehrkraft
Differenzierungshilfen durch die Förderschullehrkraft
Teamteaching ( beide Lehrkräfte unterrichten gemeinsam)
Förderunterricht ( kleine Lerngruppe außerhalb der Klasse, Raumbedarf!)
Übernahme von Unterricht (Unterrichtsteilen) durch die Sonderschullehrkraft
3.4. Lehrplan sonderpädagogische Förderung
Der Lehrplan „Sonderpädagogische Förderung“ gilt für alle Schulen, in denen Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf unterrichtet werden. Er enthält Hinweise zur Durchführung von Unterricht in Integrationsklassen.
Die Leistungsbewertung für Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf im Bereich Lernen bezieht sich auf den Individuellen Entwicklungsstand und auf den individuellen Lernfortschritt. Leistungsnachweise werden in differenzierter Form angeboten und ebenfalls individuell bewertet. Davon unberührt bleibt die Möglichkeit, dass der Integrationsschüler in einigen Fächern oder Teilbereichen die Anforderungen der Regelschule erfüllen kann und dann entsprechend beurteilt wird.
3.6. Nachteilsausgleich
Die Schule muss Schülern, deren Teilnahme am Unterricht beeinträchtigt ist, einen entsprechenden Nachteilsausgleich gewähren. Dies gilt sowohl für Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf und zielgleicher Unterrichtung (z.B. Förderschwerpunkt Sprache oder körperliche Entwicklung), als auch für Regelschüler, bei denen eine nachgewiesene Beeinträchtigung vorliegt (z.B. Lese-Rechtschreib-Schwäche).
Für Integrationsschüler mit dem Förderschwerpunkt Lernen oder geistige Entwicklung gelten die Regelungen zum Nachteilsausgleich nicht, da die Leistungsanforderungen hier bereits individuell differenziert sind.
Ein Nachteilsausgleich darf sich nicht auf die fachlichen Anforderungen auswirken. Formen des Nachteilsausgleichs können insbesondere sein:
Verlängerte Arbeitszeiten oder verkürzte Aufgabenstellungen
Bereitstellen oder Zulassen spezieller Arbeitsmittel (Computer, 1x1-Tabelle,..)
eine mündliche statt einer schriftlichen Arbeitsform oder umgekehrt
organisatorische Veränderungen wie z. B. individuelle Pausen
Ausgleichsmaßnahmen anstelle einer Mitschrift von Tafeltexten
differenzierte Aufgabenstellung und –gestaltung
größere Exaktheitstoleranz (z. B. Geometrie)
3.7. Englischunterricht
Integrationsschüler nehmen grundsätzlich auch am Englischunterricht teil. Ausnahmen sind nur in ganz besonderen Fällen möglich. Zur Differenzierung ist es hier unter anderem sinnvoll, auf eine Bewertung der Rechtschreibleistung zu verzichten.
Es ist insbesondere zu berücksichtigen, dass die aktuelle Prüfungsordnung für den Hauptschulabschluss eine Benotung der Englischleistung im Rahmen der Hauptschulabschlussprüfung vorschreibt; somit wird der Weg zu einem Hauptschulabschluss durch den Verzicht auf die Teilnahme am Englischunterricht deutlich erschwert.
3.8. Zeugnisse
Integrationsschüler mit Förderschwerpunkt Lernen erhalten nach Schulkonferenzbeschluss ein Notenzeugnis mit verbalen Ergänzungen. Der Förderschwerpunkt Lernen ist im Zeugniskopf zu vermerken. Die sonderpädagogischen Noten werden nach individuellen Kriterien erteilt und im Text kurz erläutert. Noten, die den Anforderungen der Regelschule entsprechen, sind mit einer Fußnote zu versehen. Die Fußnote wird im Zeugnistext erklärt (Text: Die mit * gekennzeichneten Noten entsprechen den Anforderungen der Regelschule).
Die Bewertung „mangelhaft“ ist als Regelschulnote nicht möglich. Leistungen, die entsprechend den Regelschulanforderungen mit mangelhaft zu bewerten wären, müssen von der Schule für die Schüler mit dem Förderschwerpunkt Lernen entsprechend den individuellen Möglichkeiten reduziert werden.
Bei Leistungsverweigerung trotz differenzierter Lernangebote ist jedoch im Rahmen der individuellen Bewertung (Förderschul-Bewertung) auch die Note „mangelhaft“ möglich.