Source: https://www.rechtslupe.de/wirtschaftsrecht/steuerberaterverguetung-trotz-treuepflichtverletzung-330365
Timestamp: 2020-01-19 01:46:39
Document Index: 209291290

Matched Legal Cases: ['§ 654', '§ 356', '§ 654', '§ 266', '§ 654', '§ 356', '§ 242', '§ 626', '§ 628', '§ 242', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH']

Steu­er­be­ra­ter­ver­gü­tung trotz Treue­pflicht­ver­let­zung | Rechtslupe
Steu­er­be­ra­ter­ver­gü­tung trotz Treue­pflicht­ver­let­zung
Kann der Ver­gü­tungs­an­spruch eines Steu­er­be­ra­ters für erbrach­te Bera­tungs­leis­tun­gen unter dem Gesichts­punkt einer schwer­wie­gen­den (Treue-)Pflicht­ver­let­zung ver­wirkt sein? Mit die­ser Fra­ge hat­te sich aktu­ell der Bun­des­ge­richts­hof zu befas­sen:
Nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs kann der Gedan­ke des § 654 BGB bei einem Anwalts­ver­trag nur dann zum Aus­schluss der anwalt­li­chen Gebüh­ren­for­de­rung füh­ren, wenn der Rechts­an­walt sich des vor­sätz­li­chen Par­tei­ver­rats im Sin­ne von § 356 StGB schul­dig gemacht – und damit eine dem Tat­be­stand des § 654 BGB ver­gleich­ba­re unlau­te­re Tätig­keit "für den ande­ren Teil" ver­wirk­licht – hat 1. Die­se Recht­spre­chung geht mit auf die Erwä­gung zurück, dass das Dienst­ver­trags­recht kei­ne Gewähr­leis­tung kennt und der Ver­wir­kung des Anspruchs auf Ent­gelt für tat­säch­lich geleis­te­te Diens­te somit enge Gren­zen gesetzt sind 2.
Aus­ge­hend von die­sen Grund­sät­zen lagen für den Bun­des­ge­richts­hof die Vor­aus­set­zun­gen für eine Ver­wir­kung des Ver­gü­tungs­an­spruchs des Steu­er­be­ra­ters trotz straf­recht­li­cher Rele­vanz sei­nes Han­delns nicht vor: Die uner­laub­te Ver­wen­dung von Mit­teln aus dem Ver­mö­gen der Beklag­ten für die Beglei­chung der Kos­ten des Erwerbs der Gesell­schafts­an­tei­le genügt hier­für – unab­hän­gig von der Fra­ge, ob dadurch die Merk­ma­le einer straf­ba­ren Untreue (§ 266 StGB) erfüllt wor­den sind – nicht.
Denn die­se Hand­lung stellt sich nicht als eine "Dop­pel­tä­tig­keit" des Klä­gers "für den ande­ren Teil", also etwa für Kon­kur­ren­ten oder sons­ti­ge Ver­trags­part­ner der Beklag­ten, dar, wie sie mit dem in § 654 BGB oder § 356 StGB beschrie­be­nen Tat­be­stand ver­gleich­bar wäre. Auch § 242 BGB for­dert in sol­chen Fäl­len – unter dem Gesichts­punkt der unzu­läs­si­gen Rechts­aus­übung – einen Weg­fall des Anspruchs auf Ver­gü­tung tat­säch­lich geleis­te­ter Diens­te jeden­falls dann nicht, wenn wie hier der Dienst­ver­trag wegen ver­trags­wid­ri­gen Ver­hal­tens des Dienst­ver­pflich­te­ten gemäß § 626 BGB wirk­sam frist­los gekün­digt wor­den und der Dienst­be­rech­tig­te daher gemäß § 628 Abs. 1 Satz 2 BGB zur Ver­gü­tung der erbrach­ten Dienst­leis­tun­gen inso­fern nicht ver­pflich­tet ist, als die­se infol­ge der Kün­di­gung für ihn kein Inter­es­se haben 3.
Soweit der Bun­des­ge­richts­hof den Ver­gü­tungs­an­spruch von zu beson­de­rer Treue ver­pflich­te­ten Amts­in­ha­bern – wie etwa den Tes­ta­ments­voll­stre­cker 4, den Insol­venz­ver­wal­ter 5 oder den Zwangs­ver­wal­ter 6 – bei beson­ders schwer­wie­gen­den (Treue-)Pflichtverletzungen gemäß oder ent­spre­chend §§ 242, 654 BGB als ver­wirkt ange­se­hen hat, ver­hilft dies dem Ver­wir­kungs­ein­wand der Beklag­ten nicht zum Erfolg, da der Klä­ger nicht zu dem ange­spro­che­nen Per­so­nen­kreis zählt und sei­ne durch den "Bera­tungs­ver­trag Sanie­rung" ver­mit­tel­te Posi­ti­on mit der beson­de­ren Funk­ti­on und Stel­lung der genann­ten Amts­in­ha­ber nicht gleich­zu­set­zen ist.
Steu­er­be­ra­ter­ver­gü­tung trotz Treue­pflicht­ver­let­zung Kann der Ver­gü­tungs­an­spruch eines Steu­er­be­ra­ters für erbrach­te Bera­tungs­leis­tun­gen unter dem Gesichts­punkt einer schwer­wie­gen­den (Treue-)Pflichtverletzung ver­wirkt sein? Mit die­ser Fra­ge hat­te sich aktu­ell der Bun­des­ge­richts­hof zu…
sie­he BGH, Urtei­le vom 15.01.1981 – III ZR 19/​80, NJW 1981, 1211, 1212 mwN; vom 15.07.2004 – IX ZR 256/​03, NJW 2004, 2817; und vom 23.04.2009 – IX ZR 167/​07, NJW 2009, 3297, 3300 f. Rn. 37[↩]
vgl. BGH, Urteil vom 15.07.2004, a.a.O., mwN[↩]
vgl. zu Letz­te­rem BGH, Urteil vom 30.03.1995 – IX ZR 182/​94, NJW 1995, 1954[↩]
BGH, Urtei­le vom 05.05.1976 – IV ZR 53/​75, WM 1976, 771, 772; und vom 13.06.1979 – IV ZR 102/​77, DNotZ 1980, 164 f[↩]
BGH, Beschluss vom 06.05.2004 – IX ZB 349/​02, BGHZ 159, 122, 131 f.[↩]
BGH, Beschluss vom 23.09.2009 – V ZB 90/​09, NJW-RR 2009, 1710 Rn. 11 ff.[↩]
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