Source: https://m.diplom.de/document/222105
Timestamp: 2020-08-04 22:30:41
Document Index: 365359688

Matched Legal Cases: ['§\n6', '§142', 'Art. 20', '§1', '§1', '§1', '§1', '§1', '§1', '§1', '§1', '§1', '§1', '§1', '§5', '§9', '§ 135', '§ 200', '§ 34', '§1', '§1', '§2']

Ökologische Stadtsanierung - Diplom.de
von Marcus Schowalter (Autor)
Diplomarbeit 2003 217 Seiten
2.3.4.1 Beispiele reiner Neubauprojekte
2.3.4.2 Beispiele von Stadterneuerungsprojekten (Konversionsprojekten)
3.4.2.1 Die Städtebauliche Rahmenplanung
3.4.2.2 Die Gestaltungssatzung
1. Exkurs: Sonstige Satzungen, Verordnungen und Gebote nach dem BauGB, die der Gemeinde zur Verfügung stehen.
2. Exkurs: Geld vom Staat fürs Energiesparen : Vorstellung unterschiedlicher Gesetze und Förderprogramme von EU, Bund und Ländern
3. Exkurs: Die neue Energieeinsparungsverordnung von 2002 (EnEV 2002)
3.5.3.1 Klärung der rechtlichen Rahmenbedingungen
Vergleich von Stadtentwicklung und Stadtsanierung und Übertragbarkeit der Inhalte ökologisch-nachhaltiger Stadtentwicklung auf die Stadtsanierung
Allgemeiner Vergleich von Stadtentwicklung und Stadtsanierung
Gesonderte Betrachtung unter Beachtung der Integration ökologischer Inhalte
Textliche Auswertung/ Fazit
Ökologische Inhalte und Möglichkeiten bei der Stadtsanierung unter der besonderen Berücksichtigung von bestehenden Gestaltwerten
Handlungsfeld: Wohnumfeld und Haus
Handlungsfeld: Instandsetzung und Modernisierung
Handlungsfeld: Freiflächen und Stadt-/ Ortsgrün
Handlungsfeld: Verkehr und Straßenraumgestaltung
Handlungsfeld: Ver- und Entsorgung
Handlungsfeld: Umweltaufklärung –handlungsfelderübergreifend
Beratung und Förderung der Bewohner im Sanierungsgebiet
Überlegungen beim Entwurf und Baukonstruktion und Haustechnik von Neuplanungen innerhalb der Stadtsanierung
Vorstellung des Sanierungsgebietes und dessen Erweiterung
Handlungsbedarf/ Notwendigkeit für eine Ökologische Altstadtsanierung Oppenheim
Potential-Analyse im Sinne einer ökologisch-nachhaltigen Stadtsanierung: Erhebungs-
und Analysebogen, Umsetzungsansätze und technische Machbarkeit
Erhebungs- und Analysebogen
Auswertung: Stärken-Schwächen des Untersuchungsgebietes.
6.1 Beispiele zukünftiger Schritte bei der Förderung und der rechtlichen Umsetzung.
6.1.2.1 Änderungen im BauGB §§
6.1.2.2 Änderungen im BauGB §142 Sanierungssatzung
6.2.1 Änderungen einer Gestaltungssatzung durch Ergänzungssatzung mit ökologischen Inhalten
6.2.2 Städtebauliche Rahmenplanung Oppenheim - Erläuterungsbericht/ Konzept.
Anhang 1: Beispiel einer Gestaltungssatzung
- Erhaltungs- und Gestaltungssatzung „Historische Altstadt Oppenheim“ (GSW)
Anhang 2: Erweiterung des Sanierungsgebietes
- 1 Plan (A3) mit Plänen zur Erweiterung des Sanierungsgebietes (GSW)
Anhang 3: Ökologische Fortschreibung des Rahmenplanes
- Plan 1: Übersicht/ Konzeptionelle Ansätze M.: 1 : 2500
- Plan 2: Bestandserhebung und Analyse M.: 1 : 1000
- Plan 3: Konzept/Ökologische Empfehlungen M.: 1 : 1000
FRANKFURT, 2. Februar. „Der SPD-Abgeordnete Hempelmann war hocherfreut:“ Es ist ja schön, einmal eine Debatte zu erleben, wo alle der Meinung sind wir reden über eine Erfolgsstory.“ Dieser seltene Fall trat am vergangenen Wochenende ein, als der Bundestag sich mit der Fortentwicklung des Gesetzes über den Vorrang Erneuerbarer Energien (EEG) befasste. Alle Fraktionen stimmten im Grundsatz darin überein, dass diese Gesetz ein Lichtblick in der Finsternis der allgemeinen Wirtschaftsentwicklung sei.“..
..“Unwidersprochen blieb zunächst die Erfolgsbilanz, die Trittin in einem „Eckpunktepapier“ zum EEG verbreitert hatte, und liest sich in der Tat eindrucksvoll: Seit 1998 habe sich der Anteil regenerativ erzeugten Stroms am Gesamtverbrauch auf acht Prozent vervierfacht. Mit einer installierten Leistung von mehr als 13.500 Megawatt sei Deutschland jetzt „Wind-Weltmeister“; bei der Solarstrom-Erzeugung – dank des 100.000-Dächer-Programms – Nummer zwei nach Japan. 130.000 Arbeitsplätze seien rund um die neuen Energieträger entstanden, die sich inzwischen auch zum Exportschlager entwickelt hätten. Und das alles ohne den Einsatz von Haushaltsmitteln“[1]
Bei aller Einigkeit gab es auch einige gegensätzliche Meinungen zum Thema regenerative Energien, wie nämlich die des Karlsruher CDU-Abgeordneten Fischer, der darauf aufmerksam machte, dass Wind- und Sonnenkraftwerke – die Hauptnutznießer des EEG – nur dann Strom ins Netz einspeisen können, wenn konventionelle Großkraftwerke als Schwankungsreserven in Bereitschaft stünden. Das aber vermindere nicht nur deren Wirkungsgrad, sondern verursache auch erhebliche Regelungskosten im Netz. Diese Kosten hätte der Energiekonzern E-on für das Jahr 2002 auf 1,6 Milliarden Euro beziffert... Fischers einsame oppositionelle Rede gegen den herrschenden Energiekonsens wurde dann auch noch von einem Kollegen, nämlich dem CSU-Abgeordneten Ramsauer mit Zwischenrufen unterbrochen: „Eine der unsinnigsten Reden, die ich je gehört habe“. Auch Trittin brach zwischendurch in Gelächter aus, als Fischer ausführte, Windkrafträder töteten Vögel und schädige die Gesundheit von Menschen durch Schattenwurf und Lärmemissionen.
Bei allem Positiven, was der Einsatz regenerativer Energien[2] mit sich bringt scheinen Fischers negative Aussagen doch nicht völlig aus der Luft gegriffen zu sein, wie es auch der schweizerische Ökologieprofessor Binswanger ausführte.
Der wies nämlich schon seit Jahren darauf hin, dass die einseitige Förderung der Windenergie auf Kosten einer Erhöhung der Energieeffizienz gehe, die größere Erfolge zu wesentlich geringeren Preisen verspreche und habe als Träger des deutschen Naturschutzpreises an deutsche Naturschutzverbände appelliert, die deutsche Bundesregierung auf ihrem energiepolitischen Irrweg zu stoppen. Die einstimmige Bundestagsdebatte zeigte aber, dass in der Politik die Windkraftlobby nicht nur die Umweltverbände , sondern auch sämtliche Fraktionen auf ihrer Seite hat...
Das es beim Thema Windkraft auch gegensätzliche politische Meinungen gibt, gehört in einem demokratischen Rechtsstaat dazu. Die Erfahrung und das technische Wissen haben aber in der jüngsten Vergangenheit gezeigt, dass gerade im Zuge der zunehmenden Ressourcenknappheit mit der verstärkten Förderung von regenerativen Energieformen ein nachhaltiger zukunftsfähiger Weg im Sinne des Agenda-21-Gedankens im Zuge der Rio-92-Forderungen geebnet werden muss. Zusätzlich verstärkt die bei der Rio+10-Konferenz in Johannesburg (2002) erlassene Verpflichtung aller Nationen zur Steigerung des Anteils regenerativer Energien bis 2010 auf 15% verdeutlicht noch zusätzlich die Dringlichkeit. Es bleibt also abzuwarten und wünschenswert, ob sich der zur Zeit positiv herrschende Energiekonsens der Politiker aller Fraktionen nicht ins Negative verändert.
Auch wenn es beim Thema Windkraft noch einige (wenige) gegensätzliche Meinungen gibt, obwohl man ja „Windkraft-Weltmeister“ ist, so bleibt es bei allen politischen Reden aber Faktum, dass Deutschland z.B. in einem weiteren „Umweltthema“ weltweit führend ist, nämlich der Reduktion klimaschädlicher Gase. Das am 18. Oktober 2000 beschlossene nationale Klimaschutzprogramm der Bundesregierung ist eine wichtige Grundlage, um die völkerrechtlichen Verpflichtungen und das freiwillige nationale CO²-Minderungsziel Deutschlands zu erfüllen: In der Periode 2008–2012 müssen die Treibhausgasemissionen um 21 % unter das Niveau von 1990 sinken. Mit verschiedenen Maßnahmen wie der Ökologischen Steuerreform, dem Erneuerbaren-Energien-Gesetz, dem Ausbau der Kraft-Wärme-Kopplung, der Energieeinsparverordnung, der Förderung der Bahn, der Einführung einer streckenabhängigen Autobahnbenutzungsgebühr für schwere LKW, dem KfWCO²-Gebäudesanierungsprogramm, der Klimavorsorgevereinbarung mit der deutschen Wirtschaft und der Selbstverpflichtung der Bundesregierung ist Deutschland auf gutem Wege, um die ehrgeizigen Ziele zu erreichen.
Im Bereich der Energieversorgung geht es einerseits um die Steigerung des Anteils erneuerbarer Energien, anderseits um die Erhöhung der Energieeffizienz. Aber Klimaschutz ist nicht nur Sache der Regierung. Auch Wirtschaft, Verkehr und private Haushalte können einen entscheidenden Beitrag leisten.
Vom Klimaschutz profitiert nicht allein die Umwelt, sondern auch die Bürgerinnen und Bürger und die Wirtschaft. Im Bereich der Erneuerbare Energien arbeiten mittlerweile über 130.000 Menschen. Mit der Umsetzung des gesamten Klimaschutzprogramms können annähernd 200.000 Arbeitsplätze geschaffen werden. Aufgrund der Ökologischen Steuerreform können weitere bis zu 250.000 Arbeitsplätze bis 2003 entstehen.
Und durch verbesserte Wärmedämmung, energiesparende Geräte und Verhaltensveränderungen lässt sich bares Geld sparen. Oft werden diese Einsparpotenziale mit der Begründung, sie seien zu teuer, nicht durchgeführt, obwohl von verschiedensten Institutionen Milliarden Euro dafür bereitgestellt werden.
Die zahlreichen Fördermittel in der Größenordnung von mehreren Milliarden Euro, die insbesondere in Form von Zuschüssen, Darlehen, Zins- und Steuervergünstigungen bereitgestellt werden, sollen helfen, die endlichen Ressourcen effizient zu nutzen und einen Beitrag zum Klimaschutz zu leisten. Zugleich sparen Verbraucher Kosten und Unternehmen erhöhen ihre Wettbewerbsfähigkeit.
Diese politischen, ökologischen, ökonomischen und nicht zuletzt sozialen Aspekte sollten eigentlich schon Anlass genug sein sich mit einer Arbeit, wie dieser zu beschäftigen. Hauptaufgabe meiner Diplomarbeit im Studiengang Raum- und Umweltplanung sollte und muss aber auch sein, teilweise gegensätzliche politische Meinungen zu „überhören“ und die jahrelang wissenschaftlich und praktisch erworbene Fähigkeit auf ökologisch-technischer Grundlage kompetent zum Einsatz zu bringen.
Die „Ökologisierung der Stadtplanung und –sanierung“ soll den Schwerpunkt meiner Diplomarbeit darstellen.
1. Einleitung: Ökologische Nachhaltigkeit in der Stadtentwicklung und Stadt-sanierung
„Städte und Gemeinden sind die Träger der kulturellen, politischen und wirtschaftlichen Entwicklung Europas. Ihre Urbanität ist eine notwendige Vorraussetzung für eine nachhaltige Lebensform: Zum einen, weil nur Urbanität höchste Erreichbarkeit bei geringstem Energieverbrauch ermöglicht. Zum anderen, weil die Urbanität das klassische Streitfeld ist, auf dem alle historischen Konflikte Europas ausgetragen wurden.“[3]
„Die Zukunft der Menschheit entscheidet sich in den Städten“[4]
Ökologische Stadtentwicklung und Stadtsanierung sind umfassende Themen, bei denen der Landschaftsökologie, der - Stadt- und Gebäudeplanung, der Energietechnik oder der Verkehrsplanung wichtige Stellenwerte zukommen. Die Möglichkeiten zur Ökologisierung der Stadtentwicklung sind vielfältig. Dabei muss man sagen, dass der Stadtplanung im Zuge der Neuplanung von Siedlungen bzw. der Bauleitplanung weitaus mehr Möglichkeiten zur ökologisch-nachhaltigen Gestaltung zur Verfügung stehen, als der Stadtsanierung, die als städtebaulicher Denkmalschutz im historischen und gegenwärtigen Bestand von Städten und Gemeinden fungiert. Die Übertragung der Inhalte/ Potentiale und Möglichkeit ökologisch-nachhaltiger Stadtentwicklung, wie z.B. die der Energieeinsparung, des Einsatzes regenerativer Energien (z.B. Solaranlagentechnik) oder die der ökologischen Nutzung von Regenwasser auf die Stadtsanierung, also dem städtebaulichen (Ensemble-) Denkmalschutz, ist somit ein spannendes, zukunftsweisendes Feld, dem auf jeden Fall Rechnung getragen werden sollte. Das soll im Rahmen dieser Arbeit auch ausgiebig gemacht werden. Zunächst möchte ich mich aber mit den Grundlagen der Nachhaltigkeit und der ökologisch-nachhaltigen Stadt-entwicklung beschäftigen, bevor ich mich in meinem Hauptteil ausschließlich der Stadtsanierung und somit dem Themenfeld der Ökologischen Stadtsanierung anhand von mehreren ausgewählten Beispielen widmen möchte. Dabei werde ich mich der Planungsgrundlagen eines Stadtsanierungsprojektes der Gesellschaft für Stadtentwicklung und Städtebau Worms GSW, einem Büro, das sich schon jahrelang mit der Stadtsanierung und städtebaulichen Beratung von Gemeinden befasst, bedienen. Für die Zusammenarbeit möchte ich mich hiermit im voraus herzlich bedanken!
Zunächst möchte ich aber einmal etwas über die Intension meiner Arbeit und die Vorgehensweise der Erarbeitung sagen.
Anlass dieser Arbeit ist zum einen das Interesse an ökologischen zukunftsweisenden Projekten bzw. die Komplexität des Themas der ökologischen Stadtentwicklung. Zum anderen der persönliche Drang daraus gezogenen Inhalte und Möglichkeiten auf Bestandssituationen im Rahmen von städtebaulichen Sanierungmaßnahmen zu übertragen. Nicht zuletzt bildet auch die politische Aktualität, wie im Vorwort erläutert, beim Einsatz und der Förderung regenerativer Energien ein sehr spannendes Feld, welches es gilt in Zukunft zu meistern.
Ein weiterer Punkt ist der aktuelle EU-Architektur-Wettbewerb für ökologische Stadtsanierung EU-Competitions[5].
Im Rahmen eines Architektur-Wettbewerbs zur ökologischen Revitalisierung von innerstädtischen Bereichen sollen mit Unterstützung der Europäischen Kommission in 7 Städten in Deutschland, Österreich und Ungarn von innovativen Planern und Architekten energieoptimierte Planungs- und Baukonzepte für Neubau und Sanierung entwickelt werden. Dabei soll der Energiebedarf der drei bis 16,4 ha großen Baugebiete weitgehend aus regenerativen Quellen erzeugt werden. Im Rahmen dieses Wettbewerbs, dessen Implementierung 2003 beginnt sind die 7 Kommunen von der Europäischen Kommission offiziell zu „Pioneer Communities“ der „Campaign for Take-Off“ ernannt worden. Die Europäische Kommission zeichnet damit vorbildliche Pionier-Projekte aus, die die 100% Versorgung von Stadtgebieten mit regenerativ erzeugter Energie anstreben. Anliegen der EU war hier, dass es erst ca. 10 –15% der Architekten und Ingenieure nach Schätzung verschiedener Hochschullehrer in der Lage seien energieoptimierte städtebauliche Planungen, Sanierungs- bzw. Neubaukonzepte zu erstellen, bei denen die Nutzung Erneuerbarer Energiequellen einbezogen wird. Mit von der Partie ist unter anderem auch die Stadt Kaiserslautern mit dem Sanierungs- und Planungsprojekt Revitalisierung von „Messeplatz und Umgebung“.
Die bisherige Stadtentwicklung hat für die Umwelt teilweise negative Wirkungen gehabt, die zu weitreichenden Veränderungen geführt haben.
Die Siedlungen von heute können nicht für sich alleine, sie müssen immer im regionalen oder sogar überregionalen Kontext gesehen werden. Gerade unter dem Blickwinkel der weltweiten Verstädterung wird die Notwendigkeit einer Ökologisierung der Stadt deutlich. Die Berücksichtigung und der Schutz der landschaftsökologischen Funktionen bei der Planung ist ebenso wichtig wie die Einsparung und Wiederverwertung von Material oder Energie bei der Errichtung und Benutzung von Gebäuden. Schon heute gibt es vielfältige Möglichkeiten zur Verbesserung der Umweltsituation, die sich durch die Umsetzung neuer Planungsprinzipien und durch die Anwendung von technischen Weiterentwicklungen ergeben. In zunehmendem Maße werden sich Stadtplaner(innen) und Architekten(innen) in Zukunft nicht nur mit der ökologischen Planung von Neubaugebieten oder der Beplanung vorhandener brachgefallener Innenstadtgrundstücke, sondern auch verstärkt mit der Ökologisierung des vorhandenen Siedlungsbestandes, also gerade auch verstärkt mit den ökologischen Aspekten im Rahmen der städtebaulichen Sanierung beschäftigen müssen. Für die Sanierung bedeutet dies, dass man sich neben der herkömmlichen Aufgabe der Gestaltung bzw. der Verbesserung stadthygienischer Aspekte, wie der Belichtung oder Belüftung ,nun auch um eine ökologisch – nachhaltige Entwicklung kümmern muss. Die ökologische Nachhaltigkeit findet neben den ökonomischen und sozialen Aspekten ihren Ursprung in dem Handlungsprogramm der Lokalen Agenda 21, welches sich als Fazit aus der Weltumweltkonferenz von 1992 in Rio de Janeiro als Beitrag für eine nachhaltige Entwicklung herauskristallisierte und zur Pflichtaufgabe der Staaten der Welt wurde. Darauf werde ich aber im Rahmen der Arbeit noch genauer eingehen.
In der Auseinandersetzung um die ökologische Nachhaltigkeit der Städte und Gemeinden spielt die Energie eine zentrale Rolle, da der Energieverbrauch und seine Folgen zu weltweiten Veränderungen von Ökosystemen führen. Die Frage nach der ökologisch orientierten Stadtentwicklung wirft auch immer die Frage nach einer sinnvollen und erträglichen Dichte der Stadt auf. Die theoretisch erläuterten Prinzipien einer ökologisch orientierten Planung werden im Rahmen dieser Arbeit anhand einiger ausgewählter Beispiele erläutert. Durch die Beispiele mit Plandarstellungen aus der Stadtentwicklung, also der Neuplanung bzw. der Planung im innerstädtischen Kontext (z.B. auf Konversionsflächen) sollen Möglichkeiten aufgezeigt werden, wie die Ökologisierung der Stadt zukünftig beschritten werden kann.
Dabei werden sowohl technische Aspekte, wie die Nutzung der Solarenergie sowie die komplexen Aufgabenstellungen, z.B. der Funktionsmischung in der Stadt und der Bildung von Städtenetzen im regionalen Verbund beleuchtet. Dabei soll gezeigt werden, dass der Weg zu einer ökologischen Stadt aus vielen Schritten besteht, die sinnvoll kombiniert werden müssen.
Die Beispiele aus der zeitgenössischen Stadtentwicklung sollen als Grundlage für den Hauptteil dieser Arbeit, nämlich der sinnvollen Umsetzbar- und Übertragbarkeit auf eine ökologische Stadtsanierung dienen. Im Rahmen einer Analyse werden dann positive und negative Aspekte der Übertragung von ökologischen Aspekten auf die städtebauliche Sanierung unter besonderer Betrachtung von bestehenden Gestaltwerten ausgelotet. Ein weiterer Punkt der Arbeit wird dann eine Stärken-Schwächen-Erhebung und Analyse mit Auswertung sein. Das heißt es wird versucht werden verschiedene ökologische Inhalte einer ökologisch-nachhaltigen Stadtentwicklung, wie die Energieeinsparung, der Nutzung regenerativer Energien, der Nutzung von Regenwasser auf die Stadtsanierung zu projizieren. Im Klartext heißt das: Welche Maßnahmen kann man auch innerhalb einer ökologischen Stadtsanierung wo anwenden. Dazu wird dann ein Sanierungsgebiet genauer unter die Lupe genommen und auf „ökologischen Potentiale“ hin getestet, um danach zu Lösungsmöglichkeiten zu kommen und dem Aspekt der „Ökologisierung“ Rechnung zu tragen. Die Arbeit wird sich auch mit den gesetzlichen Grundlagen und Gestaltungssatzungen beschäftigen und versuchen Verbesserungsmöglichkeiten aufzuweisen. Dazu wird eine bestehende Gestaltungsatzung unter diesem Thema überarbeitet werden.
Aufgrund der Komplexität des Themas sollen die Beispiele aus der ökologischen Stadtentwicklung keine Gewähr auf Vollständigkeit übernehmen, sondern nur Anhaltspunkte einer gegenwärtigen Stadtplanung liefern. Die Beispiele können aber Grundlage für künftige, ökologisch-nachhaltige Stadtsanierung bilden.[6]
Allgemeinen versteht man unter einer „nachhaltigen Entwicklung“„die Befriedigung der Bedürfnisse der heutigen Generation ohne zukünftigen Generationen die Möglichkeit zur Befriedigung ihrer eigenen Bedürfnisse zu nehmen“. [7]
Ihren Ursprung hat die Nachhaltigkeit schon im 19.Jahrhundert, wo man in der Forstwirtschaft unter dem Begriff der Ressourcennachhaltigkeit verstand es dürfe nur so viel Wald abgeholzt werden, wie nachwachsen könne!
In Folge der ersten Ölkrise widmete man sich dann in ganz unterschiedlicher Weise dem Thema der ökologischen Problematik, wie z.B. in der Studie des Club of Rome (1972) „Die Grenzen des Wachstums“
Das Leitbild der nachhaltigen Entwicklung wurde dann 1987 in dem Bericht „Unsere gemeinsame Zukunft“ der Brundtland Kommission für Umwelt und Entwicklung postuliert.
Nach dem Verständnis der Uno-Konferenz von Rio im Jahre 1992 bezieht sich Nachhaltigkeit zwar auf die drei Säulen Ökologie, Ökonomie und Soziales jedoch noch auf einen vierten Aspekt, nämlich die Partizipation.
Die Prinzipien der Säulen der Nachhaltigkeit greifen teilweise ineinander. Ökologische Nachhaltigkeit kann nicht ohne ökonomische und soziale Nachhaltigkeit erreicht werden und umgekehrt. Die ökologische Nachhaltigkeit bezieht sich auch auf einen anthropozentrischen Zustand der Umwelt, wonach das natürliche Kapital (Boden, Wasser, Luft, lebende Arten) langfristig erhalten werden soll, d.h. die geltenden und damit bislang für den Menschen zuträglichen Lebensbedingungen fortgeschrieben werden sollen.
Der Gedanke der Nachhaltigkeit erfordert eine differenzierte Analyse der Entwicklungs-Bedingungen, nur selten lassen sich allgemein formulierte Prinzipien auf unterschiedlich räumliche Situationen übertragen. Diese Einschränkung gilt in besonderem Maße für die soziale und die ökonomische Nachhaltigkeit.
Anders verhält es sich mit der ökologischen Nachhaltigkeit, für die sich allgemeine Prinzipien formulieren lassen, die in verschiedenen Planungssituationen angewendet und modifiziert werden können.[8] Somit ist es auch denkbar und dies soll ja im Rahmen dieser Arbeit gezeigt werden Aspekte einer ökologisch orientierten Stadtentwicklung natürlich mit Einschränkungen aufgrund von des Bestandes und denkmalschützerischer Belange auf die städtebauliche Sanierung zu übertragen. Da sich die Wurzeln der Nachhaltigkeit in der Forstwirtschaft des 19. Jahrhunderts befinden, ist es ein Trugschluss, das Prinzip der Nachhaltigkeit als ein neues Leitbild zu verstehen. Damals standen schon ökonomische als auch ökologische Aspekte im Mittelpunkt der Bemühungen.
Beim Leitbild der ökologisch orientierten Siedlungsentwicklung handelt es sich um ein Prinzip, das nun bereits seit fast einer Generation diskutiert wird und den Aspekt der „dezentralen Konzentration“ beinhaltet. Inhalte einer nachhaltigen regionalen Siedlungsplanung sind z.B. die Interkommunale Kooperation von Stadt und Umland bzw. Verdichtungsraum und ländlicher Region und der Ausbau von ÖPNV.
Auf dem UNO-Kongress „Longterm Perspectives for human Settlements” im November 1983 in Budapest wurde die These diskutiert, nach der industriellen Revolution sein wir jetzt im Übergang zu einer ökologischen Revolution“[9]
Die Auseinandersetzung um Fragen der ökologisch orientierten Bau- und Siedlungsweisen wurde seitdem bei unterschiedlichen Anlässen fortgeführt.
Der Begriff der Ökologie
„Die Ökologie ist die Wissenschaft von den Beziehungen des Organismus zur umgebenden Außenwelt“[10]
„oikos“ und “logos“ = die „Lehre vom Haushalten“ im Sinne vom Erhalten der Funktionsfähigkeit des Hauses, von der Sorge ums Haus und seine langfristige Existenz.[11]
Oft kommt es dazu, dass der Begriff der Ökologie mit Umwelt ganz allgemein gleichgesetzt wird. Auch die Frage, was ökologisch sei, wird immer wieder in unterschiedlichsten Vorstellungen gestellt. Das Wichtigste in Bezug auf eine nachhaltige vorsorgeorientierte Planung muss aber heißen: Welche Ökologie wollen wir?
Im Allgemeinen darf man die Ökologie also nicht als einen Zustand sehen, der gleich zu setzen ist mit der Qualität von Umwelt. Die Ökologie beschäftigt sich mit vielen unterschiedlichen Qualitäten von Umwelt, an die sich die unterschiedlichen Organismen dieser Erde in verschiedener Weise angepasst haben. Die Ökologie erfasst und beschreibt den Regelkreislauf der natürlichen Umwelt, in dem Stoffe und Energien umgesetzt werden. Dabei können die Kreisläufe der verschiedenen ökologischen Systeme unterschiedlich groß sein in Bezug auf räumliche Reichweite, auf stofflichen und energetischen Umsatz oder auf ihre zeitliche Umlaufgeschwindigkeit.
Somit wird klar, dass es im Prinzip keine unökologischen Systeme gibt, da sich alle Systeme selbst regeln.
Umweltgerechte Nachhaltigkeit wird von den Menschen benötigt und entspringt gesellschaftlicher Besorgnis; Ziel der öN ist es, das menschliche Wohlergehen zu verbessern, indem sie die Quellen der Rohstoffe, die für menschliche Bedürfnisse gebraucht werden, schützt und indem sie dafür sorgt, dass die Aufnahmekapazität der Natur für die Abfälle der Menschen nicht überfordert wird, um Schaden für den Menschen zu verhindern. Die Menschheit muss lernen, in den Grenzen zu leben, die ihre physische Umgebung ihr setzt, sowohl in der Versorgung mit Input(Quellen) als auch als „Speicher“ für Abfälle, Abwasser, Abgase. Dies bedeutet, dass Emissionen innerhalb der Aufnahmekapazität der Umwelt liegen, bei der diese nicht geschädigt wird. Und es bedeutet, dass die Ernteerträge natürlicher Ressourcen deren Regenerationsfähigkeit nicht überschreiten. Eine Quasi-öN kann erreicht werden, indem die Verbrauchszahlen für nichterneuerbare Energien auf einer Stufe mit den Zuwachsraten für die Entwicklung und Schaffung erneuerbarer Substitute gehalten werden (El Serafy, 1991).[12]
Ökologische Nachhaltigkeit in der Planung
In Bezug auf die Planung kann man sagen, dass jede Planung die Bedingungen von Ökosystemen verändert, d.h. dass das Ergebnis jeweils immer wieder ein Ökosystem ist, jedoch meistens ein anderes, als vor Realisierung der Planung. Somit können auch durch die Ökologisierung in der Stadtsanierung durch gezielte Maßnahmen, wie z.B. Fassaden- oder Dachbegrünungsmaßnahmen andere Ökosysteme in einem historischen Bestand entstehen und ein städtisches oder örtliches Quartier nachhaltig verändern. Die Regelkreise und Wechselwirkungen im Naturhaushalt führen dazu, dass nach jeder Veränderung ein möglichst stabiler Zustand erreicht wird, in dem ein neues Ökosystem entsteht. Dabei stellt sich immer die Frage, ob diese ökosystemaren Veränderungen für eine bestimmte Vorstellung von Umwelt zuträglich sind. Da sich meistens vom Menschen bestimmte geprägte Maßstäbe handelt, muss man sich immer fragen, ob es sich jeweils um humanökologisch verträgliche Veränderungen handelt.
Nachhaltigkeit in der Stadtentwicklung und auch in der Stadtsanierung ist bislang kaum bzw. nur partiell umgesetzt. Sicherlich gibt es zahlreiche Beispiele und Ansätze für ökologisch orientierte Wandlungen in den Städten und Gemeinden, angefangen von technischen Lösungen für Teilprobleme bis hin zu integrierten Ansätzen für neue Gesamtkonzepte einschließlich partizipatorischer Planungsmodelle, jedoch ist der Nachholbedarf auf dem Gebiet der Ökologisierung von Stadtentwicklung und besonders der der Stadtsanierung noch sehr groß.
Im Rahmen der ökologischen Nachhaltigkeit kann man, anders als bei der ökonomischen und sozialen Nachhaltigkeit, sagen, dass für die städtebauliche Planung bestimmte allgemein gültige Handlungsansätze formuliert werden können. Dies soll auch anhand von Beispielen aus der Stadtentwicklungsplanung gezeigt werden. Soziale und ökonomische Nachhaltigkeit erfordern eine spezifische Auseinandersetzung mit den konkreten lokalen Gegebenheiten, die oft nur in einem partizipatorischen Prozess beurteilt werden können (vgl. Umsetzungsstrategien). Natürlich bedarf es auch zur Gewährleitung einer ökologischen Nachhaltigkeit bei der Anwendung der einzelnen Prinzipien in jedem Einzelfall einer Prüfung.[13]
Da sich diese Arbeit hauptsächlich mit der Umsetzung von ökologischen Aspekten der Nachhaltigkeit beschäftigt, die Säulen der Agenda 21 aber oft ineinander greifen, möchte ich soweit wie möglich auch nur kurz und in einzelnen Fällen auf die ökonomischen, sozialen oder partizipatorischen Aspekte der Planung eingehen. Im Falle der Umsetzung ökologischer Belange einer Gestaltungssatzung im Rahmen einer städtebaulichen Sanierung werden am Ende der Arbeit sicherlich auch diese Aspekte beschrieben, weil es gerade im Prozess der Sanierung auf die „Mitarbeit der Bevölkerung“, also im Grunde auf die Partizipation ankommt. Aber dazu später.
Der Faktor Nachhaltigkeit im städtebaulichen Kontext
Zukunftsfähige Konzepte in der Stadtplanung im Sinne von „Sustainable Development“[14] müssen aufgrund sich permanent verändernder Parameter und ihres sozialen ökonomisch/ökologischen und technologischen Kontextes sukzessive neu dargestellt werden. Das Wachstum der Städte und des Umlandes im Sinne der Nachhaltigkeit muss im Vergleich zu bisher, bei zukünftigen Modellen „nach Innen begründet werden“. Zukunftsfähige Stadtteilkonzepte werden davon abhängen, wie das Verhältnis von Stadt zu Freiraum ist und z.B. Verkehrsströme aufeinander abgestimmt sind. Dinge wie Energieeffizienz, ökologische Aspekte und Kreislaufwirtschaft werden auf allen Ebenen zunehmend an Bedeutung gewinnen. Die Wechselbeziehungen zwischen innerem und äußerem Lebensraum (z.B. die Besonnungsqualität der Wohnungen, Abschottung vor Lärm und auch die Sicherstellung flexibler Lösungen im Wohnungsbau in Bezug auf die Energieeffizienz bilden die Basis zukunftsorientierter Modelle zwischen Ökologie und Ökonomie. Dabei sind stadträumliche Wirkungszusammenhänge zwischen bestehender und neu geplanter Bausubstanz neu zu bewerten, um daraus ein nachhaltiges Qualitätsprofil erarbeiten zu können. Dies spielt besonders bei der Stadtsanierung eine maßgebliche Rolle. Dabei sind im Zuge einer ökologischen Stadtsanierung architektonisch-gestalterische Qualitäten, welche städtebauliche Systemzusammenhänge definieren, ebenso relevant wie strukturelle Neudefinierungen urbaner Grundmuster bei der ökologischen Stadtentwicklung, welche z.B. solarenergetisches Bauen optimieren, ohne den städtebaulichen Kontext außer Acht zu lassen. Ein intelligent organisiertes „Zusammentreffen von ökologischen Modulen“ wie Baumassen, Freiräume, Vegetation und Wegenetze im Wechselspiel ermöglicht zusätzlich potenzielle Verbesserungen der urbanen Situation und die Lebensqualität von Stadträumen wird gesichert. Gerade zukunftsfähige Gebäudekonzepte wie Passiv- oder Niedrigenergiehäuser im Rahmen der Neuplanung und der energetische Umbau im Rahmen der Sanierung implizieren die wesentlichen Grundlagen eines ökologisch orientierten Städtebaus und umgekehrt. Schwerpunkte der Nachhaltigkeit müssen mit Einflussfaktoren wie Zeit, Wirtschaft, Umwelt, Ressourcen, Energie in Beziehung gebracht werden, um stringente Ergebnisse zu erzielen. Sie formulieren wesentliche Ziele im Städtebau bzw. der Stadt- und Siedlungsentwicklung, die sich in einem ausgeglichenen Verhältnis zwischen ökologischen, sozialen, ökonomischen und technischen Gesichtspunkten orientieren.[15]
Im nun Folgenden sollen die gesetzlichen Grundlagen aufgezeigt werden, die im Zuge der Umsetzung der Nachhaltigkeit in novellierter Form Einzug in die Gesetzbücher hielten.
Auf internationaler europäischer Ebene wird seit dem Maastrichter Vertrag von 1992 eine nachhaltige Raum-, Regional – und Siedlungsentwicklung und somit ein damit verbundenes nachhaltiges Wachstum europaweit gefordert. Diese bedeutet, dass die EU in ihrer Politik und den Richtlinien versucht, die Nachhaltigkeit aufgrund der Rio-Konferenz von 1992 zu verankern.
Auf nationaler Ebene der Bundesrepublik Deutschland wurde 1994 das Prinzip der nachhaltigen Entwicklung als Staatsziel im Grundgesetz Art. 20 a GG in Anlehnung an den Beschluss von Rio verankert:
„Der Staat schützt auch in Verantwortung für die künftigen Generationen die natürlichen Lebensgrundlagen im Rahmen der verfassungsmäßigen Ordnung durch die Gesetzgebung und nach Maßgabe von Gesetz und Recht durch die vollziehende Gewalt und die Rechtssprechung“ (Umweltpflegeprinzip)[16]
Seit der Novellierung des Baugesetzbuches und in der Neuregelung des Raumordnungsgesetzes 1998 wird das Staatsziel der Nachhaltigkeit in das Baurecht und Raumordnungsrecht integriert, indem eine nachhaltige städtebauliche und räumliche Entwicklung zum ausdrücklichen Ziel erklärt wird.
Schaut man sich nun das BauGB und Raumordnungsgesetz an, so kann man feststellen, dass besonders seit der Novellierung 1998 (BauROG’98) der Aspekt der Nachhaltigkeit neben dem §1 auch in weitere Paragraphen Einzug gehalten hat. In §1, Abs.5 des BauGB wird beispielsweise eine nachhaltige städtebauliche Entwicklung in den Bauleitplänen, dass heißt dem vorbereitenden Bauleitplan, also dem Flächennutzungsplan und dem verbindlichen Bauleitplan Bebauungsplan kraft Gesetztes bereits frühzeitig gefordert. Dort heißt es nämlich in §1:
(1) Aufgabe der Bauleitplanung ist es, die bauliche und sonstige Nutzung der Grundstücke in der Gemeinde nach Maßgabe dieses Gesetzes vorzubereiten und zu leiten.
In §1 (5) heißt es: Die Bauleitpläne sollen eine nachhaltige städtebauliche Entwicklung und eine dem Wohl der Allgemeinheit entsprechende sozialgerechte Bodennutzung gewährleisten
In §1 (5) Nr.7 heißt es, dass bei der Aufstellung der Bauleitpläne gemäß §1 a die Belange des Umweltschutzes, auch durch die Nutzung erneuerbarer Energien, des Naturschutzes und der Landespflege, insbesondere des Naturhaushaltes, des Wassers, der Luft und des Bodens einschließlich seiner Rohstoffvorkommen, sowie des Klimas zu berücksichtigen sind.[17]
Die Berücksichtigung zentraler umweltschützender Belange in der Bauleitplanung ist in Ergänzung zu §1 Abs.5 in einem neuen §1 a BauGB zusammenfassend geregelt worden. Zusätzlich zu der sogenannten Bodenschutzklausel des §1, Abs.5 Satz 3 a.F. in §1 a Abs. 1 sind in Absatz 2 weiter aufgenommen: Die Berücksichtigungen von Darstellungen umweltschutzbezogener Planungen (Nr.1), der naturschutzrechtlichen Eingriffsregelung (Nr.2,ergänzt durch §1 a Abs.3), der Umwelt-verträglichkeitsprüfung (Nr.3) sowie der Erhaltungsziele oder des Schutzzwecks der Gebiete von gemeinschaftlicher Bedeutung und der Europäischen Vogelschutzrichtlinie (Nr.4).
Die naturschutzrechtliche Eingriffsregelung wurde weiterentwickelt und wesentlich ist dabei, dass naturschützende Ausgleichsregelungen auch außerhalb des Bebauungsplangebietes möglich sind, zugleich ist die Flächennutzungsplanung zur Lösung der Eingriffsproblematik gestärkt worden. Dazu sind die Darstellungsmöglichkeiten in §5 Abs.2a und §9 Abs.1 a erweitert worden und für die Durchführung und die Regelung der Kostenerstattung durch §§ 135 a bis 135 c und für das Verhältnis zu Ersatzmaßnahmen nach dem Landesnaturschutzrecht durch § 200 a BauGB. Zugleich wurden weitere Anpassungen an das Bundesnaturschutzgesetz (BNatSchG) hinsichtlich der Behandlung der Eingriffsregelung bei der Aufstellung von Bauleitplänen und der Satzung nach § 34 Abs. 4 Satz 1 getroffen.
Mit der Übernahme naturschutzrechtlicher Vorschriften und Zusammenfassung anderer umweltbezogener Regelungsbereiche in §1 a BauGB wird der Beitrag der Bauleitplanung zum Umweltschutz und somit auch der ökologischen Nachhaltigkeit rechtlich verdeutlicht und verankert.[18]
Auch im Raumordnungsgesetz ROG wird in §1, Abs. 2 ROG die nachhaltige Raumentwicklung als Leitvorstellung gesetzlich festgeschrieben.
Die förmliche Regionalplanung ist den Zielen der Nachhaltigkeit gemäß §2 Abs.1 ROG verpflichtet und soll mit ihren planerischen Instrumenten, Methoden und Verfahren die Voraussetzung für die Umsetzung der Nachhaltigkeit in der Region schaffen.
Neben den formellen Instrumenten, also den gesetzlichen Grundlagen, die Regional – und Bauleitpläne unterstützen sollen, gibt es auch informelle oder weiche Instrumente, die mit den formellen zusammen vernetzt werden sollen. Solche Instrumente basieren auf freiwilliger Kooperation der Akteure, die durch Abstimmung, Informationsvermittlung und Meinungsaustausch die kurz- und mittelfristige Entwicklung lenken sollen. Sie besitzen im Gegensatz zu den formellen (harten) Instrumenten keine Rechtsverbindlichkeit. Die wichtigsten informellen Instrumente sind beispielsweise: -Public Privat Partnerchip, -Städtenetze und interkommunale Kooperationen oder das Stadt- und Regionalmanagement, um nur ein paar zu nennen.
Diese Instrumente gilt es in der Stadtentwicklung einzusetzen dadurch auch gerade die Ökologisierung auf diesem Gebiet voran zu treiben.
Auch auf der Ebene der ökologischen Stadtsanierung sind diese Instrumente denkbar und es bedarf auch als Teil dieser Arbeit der Überprüfung, ob man beispielsweise vorhandene Gestaltungssatzungen als formellem Teil im Hinblick auf Ökologisierung überarbeiten kann oder z.B. neue Formen der Öffentlichkeitsarbeit in der Stadtsanierung einführen kann.
Ökologische Stadtentwicklung - zukunftsträchtige Stadtentwicklung
Bindung an den Naturraum
Die Siedlungen haben sich den Veränderungen ihrer Bewohner und der Beziehung zur Umwelt stets angepasst. Komplexer werdende Gesellschaften haben in Form der Städte komplexe Siedlungen hervorgebracht mit vielfältig differenzierten Funktionen. Städte und Gemeinden haben sich im Laufe der Zeit gewandelt, weil sich ihre inneren Funktionen und ihre Beziehungen nach außen gewandelt haben.
Die Stadt von heute definiert sich nicht mehr nur über den Raum und die Landschaft, sondern in zunehmendem Maße über Marketingkampagnen, Handelsverflechtungen und virtuelle Informationstransfers. In früheren Zeiten bestanden immer enge Beziehungen zwischen dem Freiraum und der Siedlung. Die Landschaft gab der Siedlung ihre Nahrung und ihre Identität. Der Mensch lebte von und mit der ihn umgebenden Umwelt und ihren Ressourcen. Da die Siedlungen nur wachsen und zu Städten werden konnten, wenn sie über entsprechende Ressourcen, wie Wasser, Lebensmittel oder über Ressourcen, mit denen Handel getrieben werden konnte, war der Mangel an diesen sehr häufig der Hinderungsgrund für das Wachstum von Siedlungen. Die ersten Loslösungen der Städte vom Naturraum fanden in der Römerzeit statt. Beispiele für entsprechende Techniken, die erlaubten Wachstum auch an Orten mit Mangel an Ressourcen technisch möglich zu machen, sind sicherlich die unzähligen Äquadukte der Römer, die die Siedlungen in Wassermangelgebieten mit dem lebensnotwendigen Lebensmittel auch aus größerer Entfernung versorgten. Diese Städte waren aber nicht mehr autark, sondern stark abhängig von dem Stand der Infrastruktur und insofern oft Opfer feindlicher Angriffe.
Im mittelalterlichen Europa waren die Städte umgeben von fruchtbaren Böden, auf denen Landwirtschaft betrieben werden konnte. Die Landwirtschaft versorgte sie mit den im Umland produzierten Lebensmitteln. Es entwickelten sich dann reiche Handelsstädte im Zuge des zunehmenden Handels mit weit entfernten Regionen. Die entstehenden Unsicherheiten durch unterschiedliche Territorial- und Kapitalinteressen führten zum Bedürfnis nach Schutz und Sicherung des Bestandes. Dadurch entstanden in Europa die komprimierten Städte innerhalb militärischer Festungsanlagen in klarer Abgrenzung zum oft als bedrohlich empfundenen Freiraum. Aber auch in stark befestigten Städten blieb eine gewisse Bindung an den Raum erhalten, da jede Stadt nur so lange uneinnehmbar war, als sie sich mit Nahrung und Wasser versorgen konnte. Dieses Schutzbedürfnis führte zur Verdichtung innerhalb der Stadtmauern. Wachstum war nur möglich, wenn man die Befestigungsanlagen erweitern konnte. Die Enge Bindung der Stadt an die Umgebung und den Naturraum bestand häufig noch bis zum Beginn des 19.Jahrhunderts, als viele Befestigungsanlagen niedergelegt wurden. Das danach einsetzende Wachstum der Städte erfolgte auf Kosten der umgebenden Landschaft.
Lösung vom Naturraum
Während der Industrialisierung erfolgte die eigentliche „Befreiung“ der Städte von ihren Mauern und somit ihre weitgehende Loslösung vom Raum. Die Eisenbahn als neues Transportmittel machte die Stadt zusehends unabhängig von der Eigenversorgung, sie stärkte die Stadt und ließ sie Raum greifen. Auch andere Infrastruktureinrichtungen befreiten die Siedlungen von den Zwängen des natürlichen Raumes, wie z.B. die Errichtung von Fernwasserleitungen, die zu Beginn des 20.Jahrhunderts in Dörfern in Wassermangelgebieten (z.B. in den Karstgebieten der Schwäbische Alb) einen Siedlungsboom auslösten.
Durch die zunehmenden Unabhängigkeit der Stadt von der Umwelt kam es zu einem starken Flächenwachstum, das bis heute noch anhält und dem entgegengewirkt werden muss.
Durch die Flächenexpansion der Städte gingen unmittelbare Lebensfunktionen für den Siedlungsraum verloren. Heute wachsen die räumlichen Ansprüche der Siedlungen ständig rapide an, da das direkte Umland der wachsenden Agglomerationsräume heute immer weniger in der Lage ist, die notwendige Ver- und Entsorgung der Siedlungsräume zu gewährleisten.
Ständig erweitert die Stadt ihre funktionalen Kreise weit über die kommunalen Grenzen in die Region.
Die Stadt von heute steht in einem weltweiten Kontext und kann ohne diesen nicht überleben.
Dadurch wird die Notwendigkeit einer ökologisch nachhaltigen Stadtentwicklung immer deutlicher, bei der das unkontrollierte Flächenwachstum und die Ressourcenschonung dringend eingedämmt werden müssen. Maßgebliche Faktoren können dabei sein: Innen- vor Außenentwicklung , Bebauung und Revitalisierung brachliegender oder im Zuge der Konversion brachgefallener Innenstadtgrundstücke usw.. In besonderem Masse kann und muss auch eine ökologisch nachhaltige Stadtsanierung einen Teil zum Unterbinden von unkontrolliertem Flächenwachstum an den Stadträndern beitragen.
Das ständig ansteigende Flächenwachstum:
Nachdem der größte Siedlungsschub in der Neuzeit nach dem Zweiten Weltkrieg einsetzte, beträgt der Umfang der flächenhaften Ausdehnung der Bundesrepublik seit Jahren fast unverändert ca. 300 Quadratkilometer pro Jahr, was etwa die Hälfte der Gesamtfläche des Bodensees (571,1 m²) entspricht. Hier ist zur Zeit keine Trendwende in Sicht. Bedingung dieser Entwicklung ist die, das sich die Siedlung dank technischer Errungenschaften wie Verkehrsinfrastruktur oder Versorgungseinrichtungen – insbesondere Wasser – und allgemein durch den weltweiten Austausch von Waren von dem sie umgebenden Raum ablöst.
Die größten Herausforderungen an eine ressourcenschonende und umweltverträgliche Stadtentwicklung sind:
- der zunehmende Siedlungsdruck auf strukturstarke Regionen und Städte in Verbindung mit dem andauernden Suburbanisierungsprozess besonders den Stadt-Umland-Bewegungen.
- Dem dadurch hohen Flächenanspruch und dem Rückgang naturnaher Flächen, einem höheren Anteil versiegelter Flächen sowie der Zersiedlung des Umlandes mit ökologisch gravierenden Folgen.
- Dies führt immer mehr zu – vor allem am Stadtrand und im suburbanen Raum – voneinander getrennten „monofunktionalen Nutzungseinheiten“, also zur Funktionstrennung und somit zur Reduzierung von Aufenthaltsqualität und der Erlebnisvielfalt städtischer Räume
- Der Anstieg und eine räumliche Ausweitung des Individualverkehrs aufgrund erhöhter Mobilität und dadurch dem Anstieg der verkehrsbedingten Emissionen und der Lärmbelastungen.
- Der Verbrauch nicht erneuerbarer Energiequellen, die Flächenbeanspruchung und die Zerschneidung von Naturräumen sind die wesentlichen negativen Folgen dieser Entwicklung
Die Stadt in ihrer heutigen Erscheinung stellt nicht nur ein Problem für den Naturhaushalt und seine Ökosysteme dar; die Veränderungen der Umweltbedingungen innerhalb der Stadt führen auch zu Belastungen der Lebenswelt des Menschen. Somit sind bestimmte Umweltbelastungen generell in Städten zu finden:
- Lufthygienische Belastungen der allgemeinen Luftqualität. Diese sind besonders beeinflussbar durch das Fehlen notwendiger Grünflächen zur Lufterneuerung.
- Das Klima ist gerade in der Stadt durch Versiegelung des Bodens, Mangel an Vegetation oder den Mangel an Luftbewegung (Kaltluftschneisen) gegenüber der freien Landschaft stark verändert.
- Hohe Dichte in den Städten führt zu Mangel an Freiraum
- Der Mangel an Vegetation sowie das Fehlen wildlebender Tiere führen zur Verarmung der Erlebnisqualität der Stadt für ihre Einwohner.
Weitere Faktoren, die an dieser Stelle nur kurz angesprochen werden sollen, da eine genauere Betrachtung den Rahmen dieser Arbeit sprengen würde sind Dinge, wie der wachsende Verkehr und dadurch verursachte negative Wirkungen wie z.B. steigender Lärm- und Abgasemissionen, der zunehmende Wasserbedarf von Städten und Gemeinden durch starkem Anstieg des Pro-Kopf-Wasserbedarfs, die Entsorgung des Wassers, der zunehmende Abfall, die Deckung des Energiebedarfs, der Rohstoffbedarf und der Verlust von Natur und Kultur.
Im Energiebedarf bzw. der Form der Energiedeckung liegt das zentrale ökologische Problem des Industriezeitalters und den damit verbundenen weltweiten Veränderungen der Ökosyteme. Das Wachstum des weltweiten Energiebedarfs war bis zum Zweiten Weltkrieg weitgehend linear ansteigend, nach 1950 stieg der Verbrauch jedoch exponentiell an, das heißt die globalen Primärenergieverbräuche von Erdöl, Kohle und Erdgas haben in kurzer Zeit derart zugenommen, dass weltweit mit Veränderungen der Ökosysteme zu rechnen ist. Diesem Trend muss unbedingt durch verstärktem Einsatz regenerativer Energiequellen entgegengewirkt werden.
All das sind Faktoren, denen in besonderem Maße im Zuge ökologisch nachhaltiger Stadtentwicklungs- und sanierungsprojekte Rechnung getragen werden muss und die es gilt einzudämmen.
Aufgrund dieser Faktoren leiten sich generell wichtige Forderungen/ Qualitätskriterien für eine ökologisch nachhaltig orientierte Siedlungsentwicklung. Um hier nur einige Wichtige zu nennen:
- Förderung von Stadterneuerungs- und -sanierungsprojekten,
- Ressourcenschonender Wohnungs-, Gewerbe- und Bürobau,
- Erfassung und Veröffentlichung von Baulücken und Nachverdichtungsgebieten,
- Initiierung landschaftsbezogener Komponenten im Stadtraum,
- Förderung einer umweltverträglichen Verkehrsentwicklung,
- Unterstützung barrierefreien Bauens,
- Verknüpfung der Raumordnung mit der Schonung und Nutzung von Gebietsressourcen,
- Strukturelle Neuorientierung der Stadträume hinsichtlich der Aufwertung des öffentlichen, halböffentlichen und privaten Raums und des energieeffizienten Bauens
Förderung des energieeffizienten Bauens mit den Qualitätskriterien:
- Orientierung im „Solaren Städtebau“ mit Kriterien des Passiv- oder Niedrigenergiehausstandards
- Verschattung, Vegetation, solare Optimierung, Wirtschaftlichkeit in Bezug auf den Ressourcenaufwand für die Erzeugung und Transport von Baumaterialien
- Freiraumkonzeption
Das Bild von der Erde als Garten ist uralt. Der biblische Paradiesmythos spricht im Menschen tiefe Schichten des Unbewussten an, und bis in dieses Jahrhundert hinein war das mit der Erde verbundene Leben für die allermeisten Menschen selbstverständlich. Das prägt, und so mag auch der von einigen Stadttheoretikern nachgewiesene Drang zu den Rändern, zu einem Platz in der Natur, daher rühren, dass sich die Stadt nur vergleichsweise kurz zwischen den Menschen und seine Herkunft geschoben hat – folglich misstraut er und flieht in die Fläche.
Durch die massenhafte Verbreitung des Automobils ist bekanntlich der Zusammenballung, besonders seit der Industrialisierung zu verfolgen, entgegengewirkt worden. Ein Stadtplaner, der sich mit dem Thema der immer mehr zunehmenden Stadt-Umland-Verflechtungen beschäftigte ist der Darmstädter Städtebauprofessor Sieverts. Er nährt sich in seinem Buch „Zwischenstadt“ (1995) dem Status quo. Tatsächlich spielt sich die Mehrheit der Wirtschaftsabläufe und auch der Alltag der Menschen ja längst außerhalb der Kernstädte ab. Sieverts plädiert dafür, die peripheren Räume endlich wahrzunehmen, die Landschaft der Zwischenstadt als neuen „Innenraum“ zu gestalten – womit wir schon sehr nahe an dem historischen Gartenstadt-Modell sind.
Als Musterobjekt jener Stadtlandschaft, welches es als zukunftstaugliche Siedlungsform zu entdecken und zu entwickeln gilt dient das Ruhrgebiet den „Zwischenstadt“-Planern. Dort entstanden nämlich die Internationale Bauausstellung „IBA Emscher-Park“ , die ein Jahrzehnt Mühe und mehrere Milliarden Mark gekostet hat und daneben mehrere bemerkenswerte Ökosiedlungen. In diesen Ökosiedlungen sollte der Mensch als Freund und nicht als Feind der Natur wirken.[19]
Ein Beispiel frühester Ökologisierung der Stadt ist der Gartenstadt-Gedanken von Ebenezer Howard.
Der Kompromiss zwischen Stadt und Land, welche zu Beginn der Industralisierung noch zwei getrennte Welten waren, stellte schließlich bis heute die stadtnahe Siedlung oder „Gartenstadt“ dar, denn anders als die noch immer spärlichen Versuche, trotz widriger Umstände funktionisierende „Ökodörfer“ zu gründen ist das Modell Gartenstadt bis heute höchst erfolgreich.
Das Konzept der Gartenstadt geht zwar auf frühsozialistische Utopien (insbesondere von Charles Fourier) zurück, die von einer kompletten Ablösung der ausbeuterischen Großstadt ausgingen, sie hat sich dann aber um die Wende zum 20.Jahrhundert gleichsam wie ein bis dahin frei schwebender, idealer Himmelskörper vom „Fixstern Stadt“ einfangen lassen: Fortan war die Gartenstadt ein „Satellit“ der Großstadt, und deren Dichte ein Stück weit zu entfliehen war ihr Ziel. Der als ihr Erfinder geltende Brite Ebenezer Howard brachte denn auch eine Art astronomisches Schema dieser Beziehung in Umlauf, das eine Serie von Trabanten um die zentrale Stadt kreisen ließ. Durch die Eisenbahnen rückte das ländliche Umland immer näher und es entstand die Idee der Pendlergemeinden, die vor allem in bürgerlichen Kreisen attraktiv war. Neben dem Leidensdruck, der durch die exponentiell wachsenden Kern- und Vorstädte mit ihren überbelegten Mietskasernen ausging schwang bei der Gartenstadt-Idee ein altes kulturelles Ideal des vorindustriellen adligen Lebensstil mit, denn die ersten sozialistischen Gründungen glichen Schlössern.
Somit appellierten die Gesellschaften der frühen Gartenstadtgründungen in England (Letchworth und Welwyn waren die ersten) an dieselben Sehnsüchte wie ihre Vorläufer, ohne jedoch die Lebensgewohnheiten ihrer zumeist bürgerlichen Klientel zu ignorieren – obgleich ihr „Erfinder“ Howard auf selbständig lebensfähige Stadtgründungen beharrte, orientierte man sich de facto wirtschaftlich und gesellschaftlich weiterhin auf die nächste Großstadt hin, deren sozialer Abstieg zum Wohn-Ghetto der Minderbemittelten allerdings durch die Stadtflucht begann. Wenn sich die Stadtbilder der neuen Ansiedlungen meistens an der traditionellen Kleinstadt orientierten (manche hatten sogar eine Stadtmauer), so war die Sozialstruktur gegenüber der Großstadt doch eine gereinigte. Ähnlich war es auch im Arbeiterwohnungsbau. Die Unternehmer versuchten nämlich durch eine „fortschrittliche“ Form der Behausung ihre Arbeiterschaft an sich zu binden und sich so gegen den in Europa verbreitenden Kommunismus zu stellen. Bereits gegen Ende des 19.Jahrhunderts hatten vor allem Bergwerks- und Spinnerei-Unternehmen Werkswohnungen für ihre Arbeiter errichten lassen. Ein Maßstabssprung in dieser Entwicklung stellten einzelne vor dem Ersten Weltkrieg geplante Gartenstädte wie die Essener Margarethenhöhe des Krupp-Konzerns dar.
Sehr interessant ist die Rezeption der Gartenstadt-Ideen in den USA: Nachdem die frühen Gartenstadt-Entwürfe in England sogar Landschaftsparkgestaltungen in den USA nachempfunden worden waren, fassten die Ideale der Bewegung dort später doch nicht Fuß. Alleine das in Wohngebieten bis heute gebräuchliche Muster der „organischen“ Straßenpläne (im Gegensatz zu dem rasterförmigen von Gewerbegebieten) wurde übernommen, die architektonischen Gestaltungssatzungen und sozialen Reformansätze jedoch nicht.
Besonders in Bezug auf die Beurteilung des Automobils gingen ab den zwanziger Jahren die Meinungen stark auseinander. Raymund Unwin, der mit Barry Parker die ersten Gartenstädte Mittelengland zu Beginn des 20.Jahrhunderts plante war der Meinung, „je weniger Fläche man den Straßen überlasse, desto größer wären die Chancen für eine hübsche Stadt.“
In jüngster Zeit erst folgen einige der größten privaten Siedlungsentwicklungen wieder „europäischen“ Vorstellungen von Hierarchie und Ablesbarkeit von Stadt – allerdings mit dem entscheiden Unterschied, dass die Institutionen meist privatrechtlich organisiert sind, ja der gesamte „öffentliche“ Raum privater Kontrolle unterliegt. Musterbeispiel hierfür ist Celebration, eine komplett neue Stadt des Disney-Konzerns in Florida.
Inzwischen ist im allgemeinen Sprachgebrauch die Grenzziehung zwischen Garten(vor)stadt und Siedlung unscharf, man spricht beispielsweise auch von Gartensiedlungen.
Eine der bekanntesten Neuinterpretationen der Gartenstadt der Nachkriegszeit ist die „Gartenstadt Puchenau“ bei Linz, geplant von den Mit-Erfindern der „gegliederten und aufgelockerten Stadt“ Roland Rainer.
Die Siedlung besteht aus einer Mischung von Geschossbauten und –mehrheitlich- „verdichtetem Flachbau“ in Form von Gartenhofhäusern. Diese aus mediterranen Vorbildern abgeleitete kubische Teppichbebauung, die ganz in weiß gehalten wurde näherte sich zwar nicht im Maßstab, doch aber in der Haltung schon den Hochhaus-Trabantensiedlungen, in welche in den sechziger und siebziger Jahren die „Sanierungsgeschädigten“ der Großstädte umgesiedelt wurden.
Heute ist in Mitteleuropa das verbreitetste Konzept der Stadt- und Regionalplanung die „dezentrale Konzentration“ entlang von Entwicklungsachsen oder –korridoren, welches zurückgeht auf das oben genannte Satelliten-Modell der englischen Gartenstadtbewegung, des „Fingerplans“ für Kopenhagen und Fritz Schuhmachers Hamburger Achsenmodell aus den zwanziger Jahren. Daneben gab es jedoch noch konkurrierende Modelle, wie z.B. das der „Bandstadt“. Immer wieder fällt auch der Begriff „Stadtlandschaft“, ohne dass genau geklärt wäre, was er bezeichnet. Historisch ist er aus jenem unter den Nazis geschmiedeten Bündnis von Biologismus und Technokratie hervorgegangen, das sich gegen Ende der NS-Zeit im Planungsstab Albert Speers zusammenfand.
Unter dem Eindruck des Bombenkriegs und der beginnenden Massenmotorisierung, aber auch dem Wunsch nach kontrollierbaren sozialen Einheiten gelangte das Leitbild der „gegliederten und aufgelockerten Stadt“ bald zur Ausführung. Als es dann in den fünfziger Jahren die „Stadtlandschaft“ wirklich gebaut wurde, zeigte sich, dass es sich um eine Autobahnlandschaft handelte, der Abschaffung der Stadt unter Aufgabe des radikalen Veränderungswunsches, mithin der Ökologie.[20]
Sieht man die bisherige Stadtentwicklung, so kommt man zu dem Ergebnis, dass es sich heutzutage beim Umweltschutz oft nur um ökonomische Dinge handelt und die Politiker oft falsch argumentieren. Oft ist mit Ökologie nichts anderes als Langfristökonomie gemeint.
Während der Nachkriegszeit gab es viel Literatur zur Stadt und ihrer Krise und zur gleichen Zeit entdeckten Architekten die vielschichtigen Funktionsweisen von Stadträumen: Kevin Lynchs „Das Bild der Stadt“ oder Gordon Cullens „Townscape“ beispielsweise leiteten aus historischen Fallstudien eine Fülle von Gestaltungsmöglichkeiten ab, welche seit Mitte der siebziger Jahre im Rahmen der Postmoderne vielfältig ausprobiert werden sollten.
Die Bedeutung des Stadtgrundrisses, der Parzelle und insbesondere der Baulinien entlang den Straßen für die räumlich-soziale Organisation wurde in den achtziger Jahren plötzlich von Planern wie Klaus Humpert in Freiburg für die Stadterneuerungspraxis erkannt. Eine neue Maßstäblichkeit prägte fortan viele Sanierungsprojekte, ohne ins künstlich Heimattümelnde abzugleiten. Einzelne Bauherren wurden durch die Stadtplanung beraten und koordiniert. Dieser neue strukturelle Ansatz führte, übertragen auf Stadterweiterungsprojekte zu neuen Parzellierungskonzepten und Regelwerken für sogenannte Stadtfelder. Auf diese Weise hoffte man das Wesen der Stadt, die dichte Mischung verschiedener Nutzungen und sozialer Schichten, zu bewahren und ihre historisch entstandene soziale Integrationskraft zu sichern. Gute Beispiele, welche auch später noch erläutert werden liefern hierbei die neuen Stadterweiterungsprojekte in Freiburg, wie „das Rieselfeld“ oder das „Quartier Vauban“.
Als weiterführende Form einer sozialen Stadtplanung seien an dieser Stelle auch die Ansätze der „virtuellen Städte“, wie das Netzwerk „Digitale Stad“ zu nennen, welches sich von Amsterdam, einem der dichtesten urbanen Laboratorien, als vielseitiges demokratisches Bürger-Forum entwickelt hat.
Ein Beispiel, welches den fortwährenden Kooperationsprozess von aktiv bürgerlich-sozialer Anteilnahme am Stadtplanungsprozess seit Mitte der neunziger Jahre zeigt, ist das Modellprojekt des Stadtplaners Andreas Feldtkeller, der als langjähriger Leiter des Tübinger Stadtsanierungssamtes eine bürgerschaftliche Unternehmung, in Gang brachte, welche die Renaissance des Städtischen praktisch vorführte.
Auf dem Areal zweier ehemaliger Kasernen in der Tübinger Südstadt wurden zunächst Altbauten für zahlreiche Initiativen und Gewerbebetriebe umgenutzt, um preiswerte Bausubstanz zu erhalten, ohne die keine städtische Mischung zustande kommt. Sodann wurden die blockförmigen Baufelder unter Ausschaltung des Bodenmarktes für geeignete Baugemeinschaften aus der Stadt parzelliert und günstig verkauft. Inzwischen wachsen hier zwei bunt gemischte Stadtviertel heran[21]: In Freiburg wurde das Gelände der ehemaligen Vauban-Kaserne auf ähnliche Weise urbanisiert, wobei hier die Reihenhausbebauung im Sinne einer Gartenstadt stärker im Vordergrund.[22]
Mit der Organisation solcher Prozesse waren Planer und Politiker jahrelang beschäftigt:
Die Integration der verschiedensten Interessenten und Verhinderer, die Erprobung neuer Beteiligungsformen erfordern gerade neue Kompetenzen in der Moderation. Dennoch zeigten gerade diese neuen Formen der Stadtteilplanungen, dass sich die Öffentlichkeit für bürgerschaftlich getragene Stadtentwicklung mobilisieren lässt. Viele Fakten sprechen für diese anstrengende Integration. So ist im Vergleich der Siedlungsformen die städtische Geschosswohnung eindeutig Spitzenreiter in Sachen Nachhaltigkeit. Im Hinblick auf den Energie- und Landverbrauch gibt es keine sparsamere Wohnform.
Dies ist auch genau der Ansatzpunkt dieser Arbeit, da man diese Formen der partizipatorischen Öffentlichkeitsarbeit bei Stadtentwicklungsprojekten auch gut auf die Stadtsanierung übertragen kann und muss, um zu einer ökologisch-nachhaltigen Stadtsanierung zu gelangen.
Gerade die älteren freistehenden Einfamilienhäuser sind die reinsten Energieschleudern.
Eine vom Institut für Wohnen und Umwelt im Auftrag von Greenpeace erarbeitete Studie beziffert den Anteil der durch Sanierung im Wohnungsbestand mit einfachen Mitteln vermeidbare CO²-Emissionen auf siebzig Prozent. Die private Gebäudeheizung ist in Deutschland alleine für ca. zwanzig Prozent der CO²-Emissionen verantwortlich. Dies macht deutlich, dass gerade die Sanierung von Bausubstanz einen sehr wichtigen Teil zur ökologischen Nachhaltigkeit liefern kann und sollte, denn das ständige Planen von Niedrigenergiehäusern auf der „grünen Wiese“ führt auf Dauer nur dazu, dass die mit großem Aufwand erreichten Einsparungen von Energie wieder durch vermehrte Pkw-Fahrten oft mehr als „aufgefressen“ werden.
Die schlichte Formel: „Die Städte dürfen nicht mehr weiter wachsen“ reicht in Zukunft nicht mehr aus. Um der „Auflösung der Stadt“ im Sinne des „Regionalstadtgedankens“ bzw. der „Stadtlandschaft“ nach den unzähligen nordamerikanischen Beispielen entgegenzuwirken müssen also in Zukunft weiterhin alle Hebel in Bewegung gesetzt werden, um dem Leitbild: „gemischte Stadt“ Rechnung zu tragen, denn die ökonomisch-ökologische Schlussfolgerung heutiger Stadtentwicklung lautet: “Die anstehende Vermischung ist das große Einsparpotential der kommenden Jahrzehnte“[23]
In der gerade dargestellten historischen Entwicklung kommt man nun zu dem Entschluss, dass es grob zwei Richtungen in Sachen nachhaltige Stadtentwicklung gibt, die durch zwei Positionen geprägt sind, nämlich einmal die der „grünen“ Position und die der „steinernen“ Position.
Die „grüne“ Position neigt dazu, den Wert des Nahbereichs, des Wohnumfeldes in den Vordergrund zu stellen und die dafür notwendigen Aufwendungen (Straßenbau usw.) herunterzuspielen.
Die „steinerne“ Position, geprägt durch eine „steinerne Ökologie“ wirft der „grünen“ eine Flucht in die Fläche vor. Statt die anstehenden Probleme vor Ort so abzuarbeiten, dass eine für alle verträgliche Existenz möglich wird löst man sie nur individuell, d.h. für eine bestimmte Gruppe Gleichgesinnter. Die Stadtsanierung als eine Aufgabe im Bestand muss man eher der „steinernen“ Position unterordnen.
Das gerade leider auf den Gebieten der Stadtentwicklung die Theorie der Praxis ohnehin schon einige Jahre hinterherhinkt, bleibt abzuwarten welche sich unter dem Argument „der größeren Nachhaltigkeit“ als die bessere darstellen lässt. Sicherlich haben beide Positionen jedoch ihre Stärken und Schwächen und daher soll anhand einiger „gelungener Beispiele“ dargestellt werden, inwieweit die Ökologie Einzug in die gegenwärtige Stadtentwicklung gehalten hat und hält.
Auf die konkrete Umsetzung im Sinne einer ökologischen Stadtsanierung wird dann im Rahmen des Hautteiles dieser Arbeit noch näher eingegangen.
In den neunziger Jahren wurden in Deutschland zahlreiche große Wohnungsschwerpunkte entwickelt, die zumeist im näheren Einzugsgebiet von Groß- oder Mittelstädten liegen und dem nachhaltigen Leitbild der dezentralen Konzentration folgen.
In der Regel bestehen sie aus einer Mischung von Geschosswohnungsbau im Zentrum, wo die nötigsten Versorgungseinrichtungen liegen, und mehr oder weniger verdichtetem Einfamilienhäusern im Randbereich. Durch diese „geordnete“ Neu-Erschließung war es möglich, Nah- bzw. Fernwärmekonzepte mit Blockheizkraftwerken (BHKW) mit einzuplanen. Im Rahmen der kommunalen Bauleitplanung konnten überdies die Gebäudestellung nach solaren Kriterien optimiert werden. In einigen Fällen wurden mit der öffentlichen Forderung auch ökologische Auflagen – wie ein maximaler Heizenergiebedarf oder baubiologisch begründete Verbote bestimmter Materialien – verknüpft.
In die architektonische Gestaltung mischte man sich seitens der Behörde eher selten ein wenn, dann eher gegen die neuartigen Bauweisen von Niedrigenergie- und Passivhäusern.
Bei all diesen Beispielen handelt es sich oft mehr oder weniger um die Anlehnung an den historischen Gartenstadt-Gedanken. Allerdings mangelt es den meisten dieser Siedlungen an den architektonischen Gestaltvorstellungen ihrer historischen Vorläufer.[24]
Als nächstes werden nun in planerischer und textlicher Beschreibung ein gegenwärtige Beispiele aus der ökologischen Stadtentwicklung dargestellt, die aber weder den Anspruch auf Singularität noch auf Vollständigkeit erheben.
Sie dienen zur Illustration von erläuterten Planungsprinzipien und sind durch andere Beispiele zu ersetzen. Diese Beispiele können dazu dienen mögliche Ansätze soweit zu systematisieren, dass eine Entscheidung im konkreten Fall für oder gegen ein bestimmtes Prinzip möglich wird.
Im Falle dieser Arbeit sollen diese Beispiele dazu dienen ökologische Stadtentwicklung mit ökologischer Stadtsanierung zu vergleichen, zu bewerten und mögliche Handlungsaspekte zu übertragen. Redet man von ökologisch orientierten Planungsprinzipien so kann man diese grob unterteilen in stadtortbezogene und technisch-funktionale Prinzipien. Bei den standortbezogenen Prinzipien steht die Funktionsfähigkeit des Naturhaushaltes im jeweiligen Raum im Vordergrund, die die Grundlage jeder ökologisch orientierten Siedlungsentwicklung sein muss; bei den technisch-funktionalen Prinzipien geht es um die Optimierung des Einsatzes von Energie und um die Verringerung der Stoffumsätze bzw. Abfälle. Wie sieht also eine ökologisch nachhaltige Siedlungsentwicklung aus? Genügt es das Flächenwachstum zu verlangsamen, wenn es schon nicht gelingt, es vollständig zu stoppen? Reicht das Recycling von Flächen aus, um eine ökologische Nachhaltigkeit zu erreichen? Oder müssen nicht stärker als bisher die Ansprüche der Siedlungen an die Landschaft überprüft werden im Hinblick auf die Reichweite der dadurch verursachten Eingriffe?
Für eine ökologisch orientierte Siedlungsentwicklung ist eine neue Struktur von Räumen und Nutzungen und ihrer Verflechtungen erforderlich. Die Raumplanung kann dazu beitragen, dass Flächenentwicklung als Beitrag zur Effizienzsteigerung technischer Systeme dient. Hier stehen die technische Infrastruktur (Energie) und die Verkehrsinfrastruktur im Vordergrund der Überlegungen. Aus diesem Grund muss zur Erreichung von Nachhaltigkeit der Frage nach der notwendigen bzw. der ökologisch verträglichen Dichte innerhalb von Siedlungsräumen nachgegangen werden.
Gerade die städtebauliche Sanierung, welche sich mit der jeweiligen Bestandsituation beschäftigt kann hier durch gezielte Steuerung einen wichtigen Beitrag in ökologisch nachhaltiger Hinsicht leisten. Das ist ja gerade ein Hauptanliegen dieser Arbeit..
Die Debatte über Nachhaltigkeit wird zwangsläufig zur Entwicklung von räumlich und fachlich sehr unterschiedlichen Leitbildern führen müssen.
Es stellt sich dabei insbesondere die Frage nach dem Maß und der zeitlichen Dimension der räumlichen Entwicklungen. Aber auch die Richtung der Entwicklung muss diskutiert werden. Wird es neben Wachstumsregionen auch Regionen geben, die – aufgrund ihrer hohen vorhandenen Belastungen oder der Empfindlichkeit ihrer landschaftsökologischen Funktionen, saniert, d.h. zurückgebaut oder umgenutzt werden müssen? Gibt es also auch innerhalb von Städten und Gemeinden immer mehr Potential an Quartieren, die in ökologischer Weise saniert werden müssen, anstatt immer neue Baugebiete in den Randbereichen auszuweisen? Kann gerade die städtebauliche Sanierung einen großen Beitrag dazu leisten unsere Städte und Gemeinden ökologisch nachhaltiger zu gestalten, also zukunftsfähig zu machen?
Im Rahmen einer konkreten Planung können nicht alle theoretischen Ansätze zur Ökologisierung gleichermaßen umgesetzt werden. Bei der Analyse der Bestandssituation von Städten zeigt sich, dass bestimmte Aspekte im Vordergrund stehen, die bei künftigen Planungen zu einer ökologisch orientierten Planung schwerpunktmäßig behandelt werden müssen.
Neben dem Schutz von Lebensräumen und den in ihnen vorkommenden Pflanzen und Tieren haben die Aspekte zum Schutz der Böden und des Klimas, zur Reinhaltung der Luft und damit sämtliche Aspekte der Energieverwendung, die u. U. eine auch räumlich größere ökologische Bedeutung und/ oder Tragweite haben, einen besonderen Stellenwert für die ökologisch nachhaltige Entwicklung unserer Siedlungen.
Dies macht deutlich, wie wichtig die künftige Auslegung der Stadtentwicklung in Bezug auf die Neubautätigkeiten sowie die der Stadtsanierung im Bestand in ökologischer Richtung sein muss, um eine ökologisch – nachhaltige Entwicklung zu erreichen.
Aber nun zu einigen konkreten Beispielen aus der ökologischen Stadtentwicklung.
Aufgrund der Vielfalt solcher moderner Siedlungsprojekte beschränkte man sich im Rahmen dieser Arbeit, deren Hauptteil ja die Umsetzung auf eine ökologische Stadtsanierung ist, nur auf eine ausgewählte Anzahl von Projekten dieser Art mit den „Highlights in Freiburg“, wie das „Quartier-Vauban“ bzw. das „Rieselfeld“. Als weitere ökologische Stadtentwicklungsprojekte seien an dieser Stelle noch zu nennen:
- Der neue Stadtteil „Solar-City“ Hannover-Kronsberg, der im Zuge der EXPO 2000 entstand
- Das „Solar-Quarter“ in Regensburg
- Die „Plusenergiesiedlung“ am Schlierberg in Freiburg
- Der neue Stadtteil Neckarsulm-Amorbach
- Friedrichshafen-Wiggenhausen-Süd
oder außerhalb Deutschlands, die „Solar-City Linz-Pichling“ in Österreich bzw. Der neue Stadtteil Amersfoort-Nieuwland in den Niederlanden.
2.3.4.1 Beispiele reiner Neubauprojekte:
Beispiel 1:Wohngebiet „Sonnenhäuser“ in Arnstein/Bayern und „Solarer Siedlungsbau in Coburg/Bayern
In Arnstein setzt man seitens des Freistaates Bayern mehrheitlich auf den Gebäudetyp Reihenhaus, „das bezahlbare eigene Haus“ und auch die meisten der „Siedlungsmodelle“ benutzen diesen Baustein, zielen aber auf eine städtebauliche Mischung verschiedener Nutzergruppen.
Die Konzeption der Siedlung:
- Der Lageplan (Bild 1) zeigt die zwanzig Reihenhäuser mit Gartenparzellen im Süden und der Erschließung sowie Gemeinschaftsanlagen im Norden
- Um die passiven Energiegewinne zu steigern, besteht die Südfassade zu fünfzig Prozent aus Fenstern mit außenliegenden Jalousien als Sonnenschutz
- Auf der Nordseite, wo die Wohnungen erschlossen werden haben die Hausfassaden nur kleine Fenster, um die Energieverluste zu minimieren (siehe Bild 2)
- Auf den um 10° sehr flach geneigten, auskragenden Satteldächern sitzen mittig, wie „Dachreiter“ die Solarkollektoren im 45-Grad-Winkel zur Sonne (aktive Nutzung)
- Die haustechnischen Anlagen sind mit einer kontrollierten Be- und Entlüftung mit Wärmerückgewinnung ausgestattet.
- Die Holzverschalung der Häuser ist mit einer giftfreien Pflanzenfarbe, dem Waid (Leinen) aus dem Mittelalter gestrichen und außerdem verfügt die Anlage über eine 80m² große Regenwasserzisterne, aus der die WC-Spülungen und die Gartenbewässerung gespeist werden.
Bilder 1 und 2: „Sonnenhäuser in Arnstein
Ein weiteres Beispiel für die Innovationsfähigkeit von „integrierter Planung“ ist der im Rahmen des Programms „Ökologischer Wohnungsbau“ von der Obersten Baubehörde geförderte Siedlungsbaustein. Nördlich von Coburg entstanden dazu 24 typologisch neuartige Wohneinheiten als Ergebnis einer intensiven Zusammenarbeit der Architekten mit Experten für Bauphysik, Energieplanung, Tragwerk und nicht zuletzt der Landschaftsplanung – auf Grundlage eines auf Solarnutzung hin orientierten Bebauungsplanes.
Im einzelnen beinhaltet das Konzept folgende ökologische Aspekte:
- Das neue Baugebiet „Bertelsdorfer Höhe“ besteht als auf passive Solargewinne hin geplantes Neubaugebiet fast ausschließlich aus Zeilen, die ihre Breitseite der Mittagssonne zuwenden (siehe Bild 3/ Lageplan des strikt solar ausgerichteten Neubauviertels).
- Die gewählte Südwestorientierung quer zur Flanke des Hangs wird mit einem günstigen Kleinklima begründet, denn so kann nachts die Kaltluft weitgehend ungehindert ins Tal strömen.
- Anders als üblich teilen sich hier je zwei Zeilen die Erschließung, d.h. größtenteils werden die Zeilen vom Wohnweg im Süden – gemeinsam mit gegenüberliegenden Gebäuden erschlossen. Dies spart Verkehrsfläche und induziert eine den öffentlichen Raum belebende „Mehrfachnutzung“ und so bleibt jeder zweite Zwischenraum grün, was dem Stadtklima und der offenen Regenwasserversickerung zugute kommt.
- Die Treppenhäuser dieser Zweispänner (siehe Bild 4) sind für maximale Solargewinne ausgelegt: zur Sonne hin Vollverglasung, sehr dunkler Bodenbelag ohne Trennlage.
- Verzicht auf fossile Heizung
- Sehr gute Dämmung der Gebäude (U-Wert[25] (Wärmedurchgangskoeffizient) der Hüllfläche: 0,16))
- Augenfälliges „solares“ Element sind die Brüstungsbänder aus transparenter Wärmedämmung (siehe Bild 4)
- Das gesamte Konzept setzt auf einen hohen Anteil speicherfähiger Materialien
- Die Nordzeile hat nur sehr kleine, schlitzförmige Fensteröffnungen, um die durch die „offene“ Südseite erreichten solaren Wärmegewinne nicht wieder zu verlieren.
- Typischer Grundriss bilden Wohnungen mit zur Südsonne hin gelegenen Mehrzweckräumen als Wärmepuffer
Bilder 3, 4 und 5: „Solarer Siedlungsbau“ in Coburg
Beispiel 2: Wohngebiet: Siedlung „Zaunäcker“ in Hohenkreuz bei Esslingen
Die Siedlung „Zaunäcker“ liegt auf der Anhöhe oberhalb von Esslingen im Stadtteil Hohenkreuz. Zur Erarbeitung der Grundkonzeption wurde im Jahre 1988 ein städtebaulicher Ideen- und Realisierungswettbewerb durchgeführt. Ziele dieses Wettbewerbs waren u.a.- umweltgerechtes Bauen, -wirtschaftliche Bauweisen und gemeinsames Bauen und Wohnen.
Zusammenfassend ist zu erwähnen, dass die Siedlung verschiedene Prinzipien des ökologisch orientierten Bauens vereinigt, von denen einige heute bereits fast zum technischen Standard gehören. Im Zusammenhang mit den Überlegungen zur Ausgestaltung dichter Wohnformen repräsentiert es nicht ein Maximum an Flächenausnutzung, sondern ein großes Angebot an unterschiedlichen Raum- und Nutzungsqualitäten sowie Wohnformen in enger räumlicher Verzahnung.
Die besondere Qualität der Gesamtanlage besteht in der dichten Verknüpfung zwischen Gebäuden und den umgebenden Freiflächen.
Weitere konzeptionelle Besonderheiten der Siedlung sind:
- Südorientierte Hauszeilen und dadurch Ermöglichung passiver Solarnutzung durch vorgeschaltete Wintergärten und dreigeschossige Fassade mit Pultdächern und großen Südfenstern.
- Erschließung und Nebenräume sind nach Norden orientiert und die Nordfassaden haben nur kleine Fensteröffnungen zur Belichtung und Belüftung
- Orientierung der Dachgeschosse auf Pultdächern nach Südwesten, um eine günstige Nutzung der Solareinstrahlung zu gewährleisten.
Bilder 6, 7 und 8: Siedlung „Zaunäcker“ in Esslingen
Beispiel 3: „Waldsteige West II“ in Mosbach/Baden-Württemberg
Folgendes Beispiel wurde deshalb gewählt, weil es durch ein gutes Konzept zum Erhalt der Umweltqualität und dem Schutz der natürlichen Lebensgrundlagen einer Stadt, wie z.B. dem Umgang mit dem Regenwasser oder der Biotopvernetzung geprägt ist. Gerade im Umgang mit dem Niederschlagswasser und der Regenwasserbehandlung lassen sich Parallelen in Bezug auf eine ökologische Stadtsanierung ableiten.
Ihm Rahmen des Wohnbauschwerpunktprogramms des Landes Baden-Württemberg wurde 1990 in Mosbach-Neckarelz eine 19 ha große Siedlung geplant. Diese sollte städtebauliche Qualitäten, wie Umweltqualität und Schutz natürlicher Lebensgrundlagen aufweisen.
Zum Konzept gehörten folgende Aspekte:
- Regenwasserbehandlung über Versickerungs- und Speicheranlagen
- Fernwärmeversorgung mittels eines Blockheizkraftwerkes[26]
- Eine verkehrsberuhigte Erschließungskonzeption mit Geh- und Radwegen
- Windschutzpflanzungen und Vernetzung mit einem angrenzenden Landschaftsschutzgebiet.
Ausgeführt und realisiert wurden folgende Aspekte:
- Ein getrenntes Kanalsystem für Schmutz- und Niederschlagswasser, d.h. Abführung des Schmutzwassers über einen Mischwasserkanal zur Kläranlage und des Niederschlagswasser über einen Regenwasserkanal zu einem offenen Gerinne mit Rückhalteteichen (siehe Bilder 9 und 10) (aktiver Hochwasserschutz)
- Der Anteil versiegelter Flächen wurde in den Straßenräumen möglichst gering gehalten und die befestigten Flächen wurden z.T. mit wasserdurchlässigen bzw. –speichernden Materialien gestaltet, um Abflussspitzen zu senken.
- Auf Privatgrundstücken wurden die Anlagen von Zisternen zur Nutzung des Niederschlagswassers gefördert.
- Ausführung offener Gräben (Muldenrigolen) zur temporären Sammlung von Niederschlagswasser von den Privatgrundstücken und Weiterleitung in ein Regenwasserrückhalteteich, der auch als Lebensraum für Kleinstlebewesen und Erlebnisraum der Anwohner dient (Bild 10).
[1] Zitat Dietrich, Stefan „Leichtes Spiel für Trittin - Beim Klimaschutz sind sich fast alle einig“ in: Frankfurter Allgemeine Zeitung, Montag, 3. Februar 2003, Nr.28/ Seite 9
[2] Def. Siehe Fremdwörter und fachliche Begriffe, S. 206/ 207
[3] Koch, Michael in: „Ökologische Stadtentwicklung - Innovative Konzepte für Städtebau, Verkehr und Infrastruktur“ Stuttgart; Berlin; Köln : Kohlhammer, 2001, S. 11
[4] Zitat: Klaus Töpfer in: siehe 3
[5] Vgl.http://www.eu-competition.org/eu/de/city.html
[6] siehe 1, S. 15
[7] Eigenes Zitat
[8] vgl. Koch, Michael: „Ökologische Stadtentwicklung: innovative Konzepte für Städtebau, Verkehr und Infrastruktur“, Verlag W. Kohlhammer, 2001 Stuttgart; Berlin; Köln, S.31
[9] Hahn, 1984, S.11 in Koch, Michael: „Ökologische Stadtentwicklung: innovative Konzepte für Städtebau, Verkehr und Infrastruktur“, Verlag W. Kohlhammer, 2001 Stuttgart; Berlin; Köln, S.31
[10] Zitat: Ernst Häckel in Koch, Michael: „Ökologische Stadtentwicklung: innovative Konzepte für Städtebau, Verkehr und Infrastruktur“, Verlag W. Kohlhammer, 2001 Stuttgart; Berlin; Köln, S.32
[11] vgl. Bayerisches Staatsministerium des Innern – Oberste Baubehörde: „Städtebauförderung in Bayern Nr.10 – Sanierung von Städten und Dörfern, 2.Auflage, 1995
[12] van Dieren, 1995, S. 121 in Koch, Michael: „Ökologische Stadtentwicklung: innovative Konzepte für Städtebau, Verkehr und Infrastruktur“, Verlag W. Kohlhammer, 2001 Stuttgart; Berlin; Köln, S.31
[13] vgl. Koch, Michael: „Ökologische Stadtentwicklung: innovative Konzepte für Städtebau, Verkehr und Infrastruktur“, Verlag W. Kohlhammer, 2001 Stuttgart; Berlin; Köln, S.31
[14] engl. bed. „ressourcenschonende Entwicklung“
[15] Vgl. Linzer Planungsinstitut in 14 „Altstadterhaltung Stadterneuerung Stadtentwicklung, S.69-71
[16] Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland vom 23.05.1949, zuletzt geändert am 03.11.1995 (BGBL.I,S.1492)
[17] vgl. Baugesetzbuch BauGB, i.d.F. von 1998, Stand 1.Januar 2002, 33.Auflage , S.9
[18] vgl. Baugesetzbuch BauGB, i.d.F. von 1998, Stand 1.Januar 2002, 33.Auflage , S.XVII
[19] vgl. Gunßer, Christoph: „Energiesparsiedlungen-Konzepte – Techniken - realisierte Beispiele“, Verlag Callwey, 2000,
[20] vgl. Hoffman-Axthelm, S.77 in Gunßer, Christoph: „Energiesparsiedlungen-Konzepte – Techniken - realisierte Beispiele“, Verlag Callwey, 2000, S. 24
[21] siehe Beispiel Tübingen „Loretto-Areal“ und„Französisches Viertel“
[22] siehe Beispiel Freiburg: Vauban-Kaserne
[23] Hoffmann-Axthelm in 1996, S.58, sowie 1993, S. 100 in Gunßer, Christoph: „Energiesparsiedlungen-Konzepte – Techniken - realisierte Beispiele“, Verlag Callwey, 2000, S.29
[24] vgl.19, S.30,31
[25] Def. Siehe Fremdwörter und fachliche Begriffe, S. 207
[26] Def. Siehe Fremdwörter und fachliche Begriffe, S. 207
9783838667317
v222105
regenerative energien photovoltaiknutzung regenwassernutzung fassadenbegrünung baustoffrecycling
Marcus Schowalter (Autor)