Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Gericht=VG%20Karlsruhe&Datum=27.06.2005&Aktenzeichen=A%204%20K%2010611/05
Timestamp: 2019-08-19 19:41:01
Document Index: 212124927

Matched Legal Cases: ['§ 14', '§ 30', 'Art. 16', '§ 60', '§ 14', '§ 14', '§ 1', '§ 26', '§ 14', '§ 14', 'Art. 16', '§ 14', '§ 14', '§ 14', '§ 14', '§ 14']

VG Karlsruhe, 27.06.2005 - A 4 K 10611/05 - dejure.org
https://dejure.org/2005,8252
VG Karlsruhe, 27.06.2005 - A 4 K 10611/05 (https://dejure.org/2005,8252)
VG Karlsruhe, Entscheidung vom 27.06.2005 - A 4 K 10611/05 (https://dejure.org/2005,8252)
VG Karlsruhe, Entscheidung vom 27. Juni 2005 - A 4 K 10611/05 (https://dejure.org/2005,8252)
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AsylVfG § 14 a Abs. 2; AsylVfG § 30 Abs. 3; GG Art. 16 a Abs. 1; AufenthG § 60 Abs. 1
Serbien und Montenegro, Kosovo, Gruppenverfolgung, nichtstaatliche Verfolgung, Schutzfähigkeit, Roma, Ashkali, Ägypter, UNMIK, KFOR, KPS, Märzunruhen, Antragsfiktion, Asylantrag, Anzeigepflicht, Kinder, in Deutschland geborene Kinder, Vertrauensschutz, Zuwanderungsgesetz, Übergangsregelung, Entscheidungszeitpunkt, offensichtlich unbegründet, Vorläufiger Rechtsschutz (Eilverfahren), Altfälle
Die Kammer schließe sich der Auffassung des Verwaltungsgerichts Karlsruhe an, das mit Beschluss vom 27. Juni 2005 - A 4 K 10611/05 - entschieden habe, dass die Antragsfiktion des § 14 a Abs. 2 AsylVfG auch für Kinder von Asylbewerbern gelte, die vor dem 1. Januar 2005 eingereist oder hier geboren seien.
Die entscheidungserhebliche Frage, ob § 14 a Abs. 2 AsylVfG auch auf vor dem 1. Januar 2005 geborene oder eingereiste Kinder Anwendung findet, war zum damaligen Zeitpunkt weder in der Rechtsprechung des zuständigen Obergerichts noch gar in der des Bundesverwaltungsgerichts geklärt und konnte, wie sich in der ausgeprägten Uneinheitlichkeit der verwaltungsgerichtlichen Rechtsprechung zeigt (vgl. einerseits Hess. VGH, Beschluss vom 3. August 2005 - 4 UZ 1961/05.A -, VG Gießen, Beschluss vom 17. August 2005 - 8 G 1802/05.A -, VG Gera, Beschluss vom 15. Juni 2005 - 1 E 20074/05 Ge -, VG Lüneburg, Beschluss vom 21. Juni 2005 - 2 B 24/05 -, VG Minden, Beschluss vom 14. Juni 2005 - 11 L 359/05.A -, VG Karlsruhe, Beschluss vom 27. Juni 2005 - A 4 K 10611/05 -, VG Stuttgart, Urteil vom 15. September 2005 - A 8 K 12592/05 -, VG Augsburg, Urteil vom 14. Februar 2006 - Au 6 K 05.30432 - andererseits OVG Berlin-Brandenburg, Urteil vom 1. Februar 2006 - 3 B 35.05 -, VG Oldenburg, Beschluss vom 22. Juni 2005 - 11 B 2465/05 -, VG Braunschweig, Urteil vom 8. Juli 2005 - 6 A 151/05 -, VG Hannover, Beschluss vom 16. September 2005 - 6 B 5284/05 -, VG Göttingen, Beschlüsse vom 17. März 2005 - 3 B 272/05 - und vom 24. November 2005 - 2 B 507/05 -, sowie Urteil vom 18. Januar 2006 - 2 A 506/05 -, VG Düsseldorf, Urteil vom 20. Februar 2006 - 1 K 5590/05.A -, VG des Saarlandes, Beschluss vom 11. November 2005 - 10 F 30/05.A -, VG Karlsruhe, Urteil vom 7. Juni 2005 - A 11 K 10380/05 -, VG Sigmaringen, Urteil vom 17. November 2005 - A 2 K 10331/05 -, alle zitiert nach JURIS) nicht als einfach und eindeutig beantwortbar erachtet werden.
Auch in § 1 Abs. 1 AsylVfG wird der Anwendungsbereich des Asylverfahrensgesetzes in der Präsensform umschrieben, ohne dass hieraus zu schließen wäre, das Asylverfahrensgesetz sei auf Ausländer, die bereits Asyl oder Abschiebungsschutz beantragt haben, nicht anwendbar (VG Karlsruhe, Beschluss vom 27. Juni 2005, - A 4 K 10611/05 -, juris).
Die Neufassung des § 26 AsylVfG fordert seit dem 1. Januar 2005 die Asylantragstellung des Familienasyl begehrenden Kindes eines anerkannten Elternteils unverzüglich nach der Einreise nicht mehr, weil die Fiktionswirkung des § 14 a AsylVfG nunmehr diese Antragstellung sicherstellt (VG Karlsruhe, Beschluss vom 27. Juni 2005, - A 4 K 10611/05 -, juris).
b) § 14 a Abs. 2 AsylVfG verstößt auch dann nicht gegen Art. 16 a Abs. 1 GG, wenn diese Gewährleistung auch das negative Asylgrundrecht in dem Sinne, von diesem Recht keinen Gebrauch machen zu müssen, umfassen sollte (so VG Karlsruhe, Beschluss vom 27. Juni 2005, - A 4 K 10611/05 -, juris).
Eine Anwendung des § 14a Abs. 2 AsylVfG nur auf Fälle der Geburt oder Einreise ab dem 01.01.2005 würde zudem dazu führen, dass Asylbewerberkinder nunmehr bis zu 16 Jahre Zeit hätten für einen Antrag auf Gewährung von Familienasyl, was schwerlich die Absicht des Gesetzgebers gewesen sein kann (ebenso VG Karlsruhe, B. v. 27.06.2005 - A 4 K 10611/05 -).
Selbst wenn dies der Fall gewesen wäre, sind sie jetzt materiell-rechtlich durch die gesetzliche Fiktion eines Asylantrages nicht schlechter gestellt (ebenso VG Karlsruhe, B. v. 17.03.2005 - A 4 K 10611/05 -).
Ein solches schutzwürdiges Vertrauen von Asylantragstellern auf unveränderten Fortbestand des geltenden (Asyl-) Rechts besteht jedoch - wie oben ausgeführt - gerade nicht (ebenso VG Karlsruhe, Beschl. v. 27.06.2005 - A 4 K 10611/05 -).
VG Saarlouis, 27.10.2005 - 6 K 117/05
§ 14 a Abs. 2 AsylVfG ist nur anwendbar auf Kinder, die ab dem 1. Januar 2005 in das Bundesgebiet einreisen oder hier geboren werden (VG des Saarlandes neben dem Beschluss im Eilverfahren in dieser Sache: 12. Kammer, Beschluss vom 20.06.2005 - 12 F 25/05 - und 11. Kammer, Beschluss vom 04.07.2005 -11 F 22/05.A - VG Göttingen, Beschluss vom 17.03.2005 - 3 B 272/05 -, AuAS 2005, 117; VG Braunschweig, Urteil vom 02.05.2005 - 5 A 259/05 - Beschluss vom 03.05.2005 - 6 B 190/05 - VG Oldenburg, Beschluss vom 22.06.2005 -1 B 2465/05 - VG Hannover, Beschluss vom 16.09.2005 - 6 B 5284/05 - und wohl auch OVG Münster in einem obiter dictum im Beschluss vom 13.06.2005 - 18 B 901/05 - offen: VG Sigmaringen, Beschluss vom 24.08.2005 - 2 K 10577/05 - VG Lüneburg, Beschluss vom 01.08.2005 -4 B 31/05 - a. A. Bell/Richert, EE-Brief 5/05, 2; VG Stuttgart, Urteil vom 15.09.2005 - 8 K 12592/05 - VG Gießen, Beschluss vom 17.08.2005 - 8 G 1802/05.A -, VG Hamburg vom 11.08.2005 - 17 AE 565/05 - VG Karlsruhe, Beschluss vom 27.06.2005 - A 4 K 10611/05 - VG Minden, Beschluss vom 14.06.2005 - 11 L 359105.A -).
Weiter wird argumentiert, dass eine Anwendung des § 14a Abs. 2 AsylVfG nur auf Fälle der Geburt oder Einreise ab 01.01.2005 nunmehr dazu führte, dass Asylbewerberkinder nunmehr bis zu 16 Jahre Zeit für einen Antrag auf Familienasyl hätten, was schwerlich die Absicht des Gesetzgebers gewesen sein könne (VG Karlsruhe, Beschl. v. 27.06.2005 - A 4 K 10611/05 -, VENSA).
01.01.2005 nunmehr dazu führte, dass Asylbewerberkinder nunmehr bis zu 16 Jahre Zeit für einen Antrag auf Familienasyl hätten, was schwerlich die Absicht des Gesetzgebers gewesen sein könne (VG Karlsruhe, Beschl. v. 27.06.2005 - A 4 K 10611/05 -, VENSA).
Diese Auffassung werde bestätigt durch die Beschlüsse des VG Minden vom 14.06.2005 - 11 l 359/05.A - sowie des VG Gera vom 16.06.2005 - 1 E 20074/05 Ge, des VG Lüneburg vom 21.06.2005 - 2 B 24/05 und des VG Karlsruhe vom 27.06.05 - A 4 K 10611/05).
VG Sigmaringen, 17.11.2005 - A 2 K 10331/05
Anwendbarkeit des § 14a Abs 2 AsylVfG 1992
Weiter wird argumentiert, dass eine Anwendung des § 14a Abs. 2 AsylVfG nur auf Fälle der Geburt oder Einreise ab 01.01.2005 nunmehr dazu führte, dass Asylbewerberkinder nunmehr bis zu 16 Jahre Zeit für einen Antrag auf Familienasyl hätten, was schwerlich die Absicht des Gesetzgebers gewesen sein könne (…VG Stuttgart, Urt. v. 15.09.2005 - A 8 K 12592/05 -, VENSA; VG Karlsruhe, Beschl. v. 27.06.2005 - A 4 K 10611/05 -, VENSA).