Source: https://www.bge.de/morsleben/meldungen-und-pressemitteilungen/archiv/meldung/news/2018/10/246-endlager-morsleben/
Timestamp: 2020-04-05 00:43:32
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1. Oktober 2018: Betrifft: Morsleben – BGE informiert über horizontale Abdichtbauwerke als zentrales Element der Stilllegung.
Mit der einfachen Frage „Kein Durchkommen?“ brachte Dr. Monika Kreienmeyer auf den Punkt, was sich viele Menschen fragen: Ist es wirklich möglich, Bauwerke zu bauen, die 20.000 Jahre überdauern und dabei so dicht sind, dass keine radioaktiven Stoffe aus den Einlagerungsbereichen des Endlagers Morsleben in die restliche Grube und damit im schlechtesten Fall in die Umwelt gelangen? Die nicht ganz einfache Antwort wurde am Mittwoch, den 26. September in der Infostelle Morsleben bei einer Betrifft-Veranstaltung mit rund 30 Gästen erörtert und diskutiert.
Monika Kreienmeyer, bei der BGE verantwortlich für die technische Planung der Abdichtbauwerke, zeigte in ihrem Vortrag, welche Funktion die Abdichtbauwerke im Stilllegungskonzept der BGE haben. Sie sind wichtig, um die radioaktiven Abfälle auch bei dem nicht wahrscheinlichen Volllaufen des Bergwerks mit Grundwasser zu schützen und ihre Freisetzung in die Umwelt zu verhindern.
Da es keine Option sei, 20.000 Jahre abzuwarten, um den Funktionsnachweis der Abdichtungen zu erbringen, führe kein Weg daran vorbei, mit Modellen und Prognosen zu arbeiten. Die Daten dafür liefern die bisherigen Erkenntnisse über die Baustoffe, die Eigenschaften bereits realisierter Versuche und Prototypen (bei der BGE In-Situ-Versuche genannt) und die zu erwartenden Rahmenbedingungen im Umfeld der Abdichtungen. Auf die Frage, ob dieser Zeitraum überhaupt abzuschätzen sei, wurde deutlich, dass 20.000 Jahre in geologischer Hinsicht eine sehr kurze Zeitspanne sind. Die vorliegende Geologie der Salzstruktur Morsleben ist seit vielen Millionen Jahren stabil. Kreienmeyer wies darauf hin, dass die Prognosen mit großen Sicherheitsmargen und verschiedenen Szenarien, also verschiedenen möglichen Verläufen, gerechnet werden. So müssen die Abdichtbauwerke in allen relevanten und insbesondere ungünstigen Szenarien ihre Aufgabe dennoch erfüllen.
Die Machbarkeit der Abdichtbauwerke war eine weitere Frage, auf die Kreienmeyer einging. Grundsätzlich sei es bereits heute möglich, die geplante Dichtheit der Abdichtungen (in der Fachsprache „Permeabilität“) zu erreichen. Jedoch zeigt der In-Situ-Versuch im Steinsalz einen horizontalen Riss an der Front der Abdichtung. Dieser beeinträchtigt zwar nicht die Gesamtdurchlässigkeit, aber er könne in ferner Zukunft zu Problemen mit der Zersetzung des Baustoffs in seiner unmittelbaren Umgebung führen. Ein zweiter Versuch für eine Abdichtung in einem problematischeren Gestein, dem Anhydrit, (es gab einen InSitu-Versuch in Bleicherode) kann als gescheitert gelten. Hier muss ein neues Konzept entwickelt werden, um die Abdichtung zu realisieren. Kreienmeyer ist aber optimistisch, da man aus den Versuchen viel gelernt habe und der Stand von Wissenschaft und Technik im Bereich der Baustoffe deutlich vorangeschritten sei.
Konkret ist die BGE dabei das Konzept der Abdichtbauwerke zu überarbeiten. So werden die einzelnen Bauwerksstandorte untersucht, um zu entscheiden, wie die einzelnen Bauwerke letztendlich aufgebaut werden müssen. Als Baumaterial stehen Salzbeton und Magnesiabinder zur Verfügung. Je nach zu erwartender Eigenschaften im Umfeld der Abdichtungen wird auf den einen oder anderen Baustoff gesetzt, oder aber die Baustoffe werden miteinander kombiniert. Die Bauwerksentwürfe werden in den kommenden Jahren mithilfe von Labor- und Technikumsversuchen und dem Bau von weiteren Prototypen weiterentwickelt. Das soll bis 2022 abgeschlossen sein. Im Folgejahr sollen die Bauwerke in weiteren In-Situ-Versuchen weiter getestet werden. Bis 2024 sollen die Unterlagen zu den Abdichtungen für das Planfeststellungsverfahren für jeden Standort im Bergwerk fertiggestellt sein.
Das Thema „horizontale Abdichtbauwerke” war eines der Themen, das die Besucher der Veranstaltungsreihe „Betrifft: Morsleben” im Februar 2018 ausgewählt haben. Bausteine des Stilllegungskonzeptes werden in den kommenden Veranstaltungen der Reihe eine Rolle spielen. Die nächste Betrifft: Morsleben-Veranstaltung ist für Anfang Februar 2019 geplant. Dann wird es unter anderem darum gehen, was im Jahr 2018 im Projekt und im Betrieb erreicht wurde.
Die Vortragsfolien der Referentin stehen hier für Sie bereit:
Dr. Monika Kreienmeyer: „Kein Durchkommen? Die Abdichtbauwerke als zentrales Element der Stilllegung.”
Dr. Monika Kreienmeyer und Michael Lohse bei der Begrüßung der Gäste der Betrifft: Morsleben-Veranstaltung
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Die Einblicke Nr. 3 zum Herunterladen