Source: https://www.arbeitsrechte.de/laermvibrationsarbschv/
Timestamp: 2019-01-24 12:39:23
Document Index: 130244651

Matched Legal Cases: ['§ 2', '§ 3', '§ 5', '§ 9', '§ 7', '§ 8']

Was regelt die LärmVibrationsArbSchV? - Arbeitsrecht 2019
Home Lärm- und Vibrations-Arbeitsschutz­verordnung (LärmVibrationsArbSchV)
Im Maschinenbau, in der Stahlindustrie oder auch an größeren Flughäfen können Arbeitnehmer ein Lied davon singen: Während der Arbeitszeit sind sie oft einem relativ hohen Lärmpegel ausgesetzt. Um die in solchen und ähnlichen Berufen Tätigen vor möglichen Gefährdungen ihrer Gesundheit zu schützen, wurde im Jahr 2007 die „Verordnung zum Schutz der Beschäftigten vor Gefährdungen durch Lärm und Vibrationen“ (kurz: Lärm- und Vibrations-Arbeitsschutzverordnung oder auch LärmVibrationsArbSchV) ins Leben gerufen.
Die LärmVibrationsArbSchV soll Arbeitnehmer vor Gefährdungen durch Lärm oder Vibrationen schützen.
In Bezug auf den Lärm am Arbeitsplatz sind gewisse Grenzwerte darin festgehalten, um deren Einhaltung sich die jeweiligen Arbeitgeber kümmern müssen. Fällt diese Möglichkeit weg, haben sie gemäß Arbeitsrecht die Pflicht, sich um bestimmte Maßnahmen zu bemühen, welche der Gesundheit der Mitarbeiter Schutz bieten sollen.
Kurz & knapp: LärmVibrationsArbSchV
Damit Beschäftigte durch Lärm oder Vibrationen am Arbeitsplatz nicht geschädigt werden, müssen die Vorschriften der Lärm- und Vibrations-Arbeitsschutzverordnung befolgt werden.
Die Einhaltung dieser ist Aufgabe des Arbeitgebers. Er ist demnach für den Lärmschutz am Arbeitsplatz zuständig und muss Schutzmaßnahmen ergreifen, wenn die Grenzwerte überschritten werden.
Oft wird zwar unterschätzt, wie laut es in einem Großraumbüro wirklich ist, dem kann jedoch mit einfachen Maßnahmen entgegengewirkt werden.
Doch wie laut darf es am Arbeitsplatz genau sein? Wann findet die LärmVibrationsArbSchV Anwendung und wer muss sich daran halten? Welche Aufgabe übernimmt die Arbeitsstättenverordnung in puncto Lärm? Antworten auf diese Fragen erhalten Sie im folgenden Ratgeber.
1 Kurz & knapp: LärmVibrationsArbSchV
2 Wann kommt die LärmVibrationsArbSchV zum Einsatz?
2.1 Wie gestalten sich die Lärmgrenzwerte am Arbeitsplatz?
2.2 Wie sehen die Expositionsgrenzwerte und Auslösewerte für Vibrationen aus?
2.2.1 Welche Maßnahmen sollten laut LärmVibrationsArbSchV ergriffen werden?
2.3 Wie laut darf es im Büro sein?
2.3.1 Tipps für einen besseren Lärmschutz am Büroarbeitsplatz
2.4 Welche Auswirkungen hat das Überschreiten der in der LärmVibrationsArbSchV festgelegten Grenzwerte?
Wann kommt die LärmVibrationsArbSchV zum Einsatz?
Für wen gilt die Lärm- und Vibrations-Arbeitsschutzverordnung?
Bereits seit den 1970er Jahren setzen sich diverse staatliche Stellen sowie die Unfallversicherungsträger dafür ein, dass der Arbeitsschutz in puncto Lärm und Vibrationen gefördert wird. Die Lärm- und Vibrations-Arbeitsschutzverordnung gilt grundsätzlich für alle Arbeitgeber sowie -nehmer, mit Ausnahme von Betrieben, in denen das Bundesberggesetz Anwendung findet. Sie basiert außerdem auf dem Arbeitsschutzgesetz.
Logischerweise richtet sich die Verordnung vor allem an Arbeitsplätze, bei denen mit einem besonders hohen Lärmpegel zu rechnen ist. § 2 LärmVibrationsArbSchV befasst sich zunächst mit der Bestimmung der zwei wichtigsten Begriffe:
Lärm: Die Lärm- und Vibrations-Arbeitsschutzverordnung versteht darunter jeglichen Schall, der das Hörvermögen, die Gesundheit oder die Sicherheit der anwesenden Personen beeinträchtigen oder gar schädigen könnte. Außerdem werden ein Tages- sowie ein Wochen-Lärmexpositionspegel beschrieben, die sich auf einen Arbeitstag von acht Stunden bzw. eine Arbeitswoche von 40 Stunden beziehen.
Vibrationen: Unter diesem Begriff werden in der LärmVibrationsArbSchV mechanische Schwingungen zusammengefasst, die sich über gewisse Elemente auf den menschlichen Körper übertragen und so die Gesundheit oder die Sicherheit der betroffenen Personen gefährden könnten. Die Folgen können in einem solchen Fall aus neurologischen Erkrankungen, Durchblutungsstörungen, Schädigungen der Wirbelsäule, Knochen- oder Gelenkschäden bestehen.
Im nächsten Abschnitt sollen die zulässige Lautstärke am Arbeitsplatz sowie die damit verbundenen Pflichten des Arbeitgebers besprochen werden.
Wie gestalten sich die Lärmgrenzwerte am Arbeitsplatz?
Die LärmVibrationsArbSchV sieht es vor, dass je nach Auslösewert bestimmte Maßnahmen ergriffen werden müssen, um die Sicherheit und die Gesundheit der anwesenden Personen nicht zu gefährden. Grundsätzlich sollte ein Wert von 80 Dezibel (dB) nicht überschritten werden. Ob und wann dies der Fall ist, muss jedoch zunächst einmal festgestellt werden. Diese Aufgabe fällt gemäß § 3 der Lärm- und Vibrations-Arbeitsschutzverordnung dem Arbeitgeber zu:
Bei der Beurteilung der Arbeitsbedingungen nach § 5 des Arbeitsschutzgesetzes hat der Arbeitgeber zunächst festzustellen, ob die Beschäftigten Lärm oder Vibrationen ausgesetzt sind oder ausgesetzt sein können. Ist dies der Fall, hat er alle hiervon ausgehenden Gefährdungen für die Gesundheit und Sicherheit der Beschäftigten zu beurteilen. Dazu hat er die auftretenden Expositionen am Arbeitsplatz zu ermitteln und zu bewerten.“
Das Einleiten von Schutzmaßnahmen gehört laut LärmVibrationsArbSchV zu den Aufgaben des Arbeitgebers.
Je nachdem, welche Auslösewerte bei diesem Verfahren ermittelt werden, hat der Arbeitgeber die Pflicht, sich folgendermaßen zu verhalten:
Entsprechend dem Ergebnis der Gefährdungsbeurteilung hat der Arbeitgeber Schutzmaßnahmen nach dem Stand der Technik festzulegen.“
Verfügt der betroffene Arbeitgeber nicht über die notwendigen Kenntnisse, um den Grad der Gefährdung zu beurteilen, ist er dazu verpflichtet, sich im Vorfeld entsprechend beraten zu lassen. Eine weitere Möglichkeit besteht darin, die Gefährdungsbeurteilung von professionellem Personal durchführen zu lassen.
Übrigens: Die Arbeitsstättenverordnung sieht bei Lärm Grenzwerte von 55 dB und 70 dB vor. Die Werte richten sich je nach auszuübender Tätigkeit. Im Anhang dieser Verordnung heißt es unter Punkt 3.7 außerdem, dass der Schalldruckpegel am Arbeitsplatz zu jeder Zeit so gering wie möglich gehalten werden sollte. Dies variiert selbstverständlich ebenfalls je nach der zu verrichtenden Arbeit und dem Arbeitsumfeld selbst.
Wie sehen die Expositionsgrenzwerte und Auslösewerte für Vibrationen aus?
Nicht nur in Bezug auf den Schallpegel legt die LärmVibrationsArbSchV Grenzwerte am Arbeitsplatz fest. Bei Vibrationen muss zunächst zwischen Hand-Arm-Vibrationen und Ganzkörper-Vibrationen differenziert werden. Beispielsweise bei der Nutzung von Polier- oder Schleifmaschinen bzw. beim Führen von dauerhaft vibrierenden Fahrzeugen könnte der Körper Schaden nehmen.
§ 9 LärmVibrationsArbSchV benennt folgende Werte in Bezug auf Vibrationen:
der Auslösewert A(8) = 0,5 m/s (hoch) 2.“
Dabei bedeutet das Erreichen des Auslösewertes, dass Maßnahmen ergriffen werden müssen, um diesen zu senken. Der Wert der Exposition beschreibt den maximalen Wert, dem die anwesenden Personen am Arbeitsplatz ausgesetzt sein dürfen. A(8) steht für einen Tagesexpositionswert von acht Stunden.
Lärm- und Vibrations-Arbeitsschutzverordnung: Werden die Grenzwerte überschritten, müssen Maßnahmen eingeleitet werden.
Wie die zu ergreifenden Maßnahmen nach Einschätzung des Gefährdungsgrades laut LärmVibrationsArbSchV genau aussehen, erfahren Sie im folgenden Abschnitt.
Welche Maßnahmen sollten laut LärmVibrationsArbSchV ergriffen werden?
Sobald die Auslösewerte entweder bei Lärm oder Vibrationen überschritten wurden, muss der Arbeitgeber unbedingt dafür sorgen, dass seine Mitarbeiter dadurch nicht gefährdet werden oder die Gefährdung zumindest so weit wie möglich vermindert wird. Hinzu kommen laut § 7 LärmVibrationsArbSchV außerdem folgende Punkte:
Den Ursprung der Gefährdung auszumachen, hat zunächst oberste Priorität. Im Anschluss sollte sie eliminiert bzw. so weit wie möglich verringert werden.
Organisatorisches sollte erst erledigt werden, nachdem technische Maßnahmen ergriffen wurden. Laut LärmVibrationsArbSchV sollte das Ausmachen der Ursache der Gefährdung Vorrang vor dem Einsetzen von einem Schallschutz am Arbeitsplatz haben.
Durch alternative Arbeitsverfahren, den Einsatz neuer oder anderer Arbeitsmittel, die Umgestaltung des Arbeitsplatzes, Abschirmungen, Wartungsprogramme oder arbeitsorganisatorische Maßnahmen sollte der Lärm vermindert werden.
Arbeitsbereiche, in denen die Werte überschritten werden, müssen vom Arbeitgeber auch als solche gekennzeichnet und wenn möglich abgegrenzt werden.
Arbeitnehmern ist es nur dann gestattet, sich in diesen Bereichen aufzuhalten, wenn es das Arbeitsverfahren verlangt und eine entsprechende Schutzausrüstung verwendet wird.
Kann der Lärmpegel bzw. die Vibrationsintensität trotz Durchführung der genannten Maßnahmen nicht verringert werden, ist der Arbeitgeber dazu verpflichtet, seinen Mitarbeitern einen entsprechenden Gehörschutz auszuhändigen (§ 8 LärmVibrationsArbSchV). Die Gefährdung des Hörvermögens sollte durch seinen Einsatz entweder gänzlich eliminiert oder zumindest vermindert werden. Die Einhaltung dieser Vorschriften fällt der Lärm- und Vibrations-Arbeitsschutzverordnung zufolge ebenfalls in das Aufgabenfeld des Arbeitgebers.
Wie laut darf es im Büro sein?
Dass die Vorschriften aus der LärmVibrationsArbSchV im Bereich des Maschinenbaus oder der Stahlindustrie von zentraler Wichtigkeit sind, steht außer Frage. Doch wie verhält es sich mit dem Lärmschutz im Büro? Der Schallpegel, der in einem Großraumbüro entstehen kann, wird oft unterschätzt. Es wird auf Tastaturen herumgetippt, mit der Maus geklickt, Wasser getrunken, Mitarbeiter husten oder unterhalten sich – die Liste ist lang.
Der Lärmschutz im Büro sollte ernst genommen werden.
Die größten Unruhequellen stellen meist die elektronischen Geräte und die Arbeitenden selbst dar. Gesetzliche Lärmgrenzwerte für das Büro existieren zwar nicht, es kann sich jedoch an Empfehlungen von staatlichen Institutionen und Berufsgenossenschaften orientiert werden. Die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) empfiehlt beispielsweise einen Grenzwert zwischen 30 und 45 dB, wenn vor einem Bildschirm gearbeitet werden soll.
Arbeitgeber sollten den Lärmschutz in einem Großraumbüro nicht auf die leichte Schulter nehmen und sich an die Regelungen der LärmVibrationsArbSchV halten. Andernfalls bestehen die möglichen Konsequenzen aus gestressten Arbeitnehmern, die nicht nur einen geistigen, sondern auch einen körperlichen Schaden davontragen könnten.
Tipps für einen besseren Lärmschutz am Büroarbeitsplatz
Meist bedarf es nicht einmal teurer Umbaumaßnahmen, um Mitarbeitern in einem Großraumbüro eine konzentriertere Arbeitsweise zu ermöglichen. Folgende Tipps können bereits hilfreich sein:
Besorgen Sie Pflanzen: Zwischen den Schreibtischen platziert, schlucken Zimmerpflanzen bereits einige der Geräusche im Büro.
Trennen Sie sich von Kopierern und Druckern: In einem separat abgetrennten Raum stören die Geräusche von Drucker, Kopierer und Co. niemanden. Anders verhält es sich natürlich, wenn sich diese Geräte in unmittelbarer Nähe zum Schreibtisch befinden.
Ziehen Sie die Vorhänge zu: Dadurch können Geräusche nicht von den Fenstern abprallen und in den Raum zurückgeworfen werden. Einfache Lamellenvorhänge reichen hier bereits aus.
Nutzen Sie Schränke und Regale: Zwischen den einzelnen Arbeitsplätzen aufgebaut, schlucken Bücherregale und Aktenschränke einen Großteil der nervtötenden Geräusche in einem Großraumbüro.
Hängen Sie Bilder auf: Sieht nicht nur schön aus, sondern erfüllt auch einen wichtigen Zweck. Nackte Wände werfen die Geräusche oft ins Büro zurück, was nicht der Fall ist, wenn sich dort Poster, Bilder oder ähnliches befinden.
Welche Auswirkungen hat das Überschreiten der in der LärmVibrationsArbSchV festgelegten Grenzwerte?
Welche Geräusche als störend empfunden werden, liegt meist im Auge des Betrachters bzw. dem Ohr des Hörers. Die einen fühlen sich bereits von geringen Schalldruckpegeln abgelenkt, den anderen macht es nichts aus. Was jedoch feststeht, ist, dass eine dauerhafte Lärmbelastung Stressreaktionen mit sich bringt. Leistungsfähigkeit und Konzentration leiden am meisten darunter.
Das oberste Ziel der LärmVibrationsArbSchV ist es, Beschäftigte vor gesundheitlichen Schäden zu bewahren.
Die Konsequenz besteht darin, dass bestimmte Signale möglicherweise nicht mehr ausreichend wahrgenommen werden. Dies spricht außerdem für ein höheres Unfallrisiko am Arbeitsplatz, von gesundheitlichen Schäden ganz zu schweigen.
Wird regulär an Maschinen oder Geräten gearbeitet, die einen hohen Schallpegel bzw. starke Vibra­tionen aussenden, ohne dass die Vorschriften aus der LärmVibrationsArbSchV Beachtung finden, sind Schädigungen der Gesundheit kaum zu vermeiden.
Je nachdem, wie lange an diesen Maschinen gearbeitet wird und wie stark der davon ausgehende Lärm oder die Vibrationen sind, kommen die entstandenen Schäden bei betroffenen Personen früher oder später zum Vorschein.
Dominik. W. says
30. November 2017 at 19:12
Frage: wie lange darf oder kann ich mit einem Nadelhammer arbeiten
die Grenzen für Belastung der Nutzer sind in der Regel in der Anleitung des Geräte angegeben.
Hallo, meine Frage ! Ich arbeite in einer großen Firma ( ca.2600 Leute) mit 7 Kollegen auf einer Schicht. Im Moment ist es so, das unsere Anlage erweitert wird, und unser jetziger Aufenthaltsraum (Container ) mit kleiner Werkstatt und PC entfernt werden muss. Unser jetziger Leiter meinte das wir uns mit einem Tisch in die Anlage setzen sollen , und wir keine Werkstatt mehr bekommen sollen. wir haben Messungen von ca. 80 db Lautstärke ) . In diesem Bereich Arbeiten wir hauptsächlich mit PC um Störungen zu lokalisieren und beseitigen. Hinzu kommt , das wir sehr viel telefonieren müssen, was das tragen von Gehörschutz sinnlos macht.
Meine Frage wäre, darf der Vorgesetzte ( Bereichsleiter ) das einfach so bestimmen ?
5. März 2018 at 9:28
ob die Anordnung in Ihrem Fall rechtens ist, kann ein Anwalt für Arbeitsrecht und Arbeitsschutz genau klären.