Source: http://docplayer.org/2132007-Die-kritischen-sind-wieder-voll-geschaeftsfaehig-insolvenzverfahren-eingestellt.html
Timestamp: 2017-01-21 18:52:17
Document Index: 297456958

Matched Legal Cases: ['BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'Art. 5', 'BGH']

⭐Die Kritischen sind wieder voll geschäftsfähig Insolvenzverfahren eingestellt
Die Kritischen sind wieder voll geschäftsfähig Insolvenzverfahren eingestellt
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1 Ausgabe 54/55 September ,50 Euro Zeitung der Bundesarbeitsgemeinschaft Kritischer Polizistinnen und Polizisten (Hamburger Signal) e.v. Die Kritischen sind wieder voll geschäftsfähig Insolvenzverfahren eingestellt Einladung zur Mitgliederversammlung auf der Rückseite Unsere Internet-Präsentation:2 Inhalt Inhaltsverzeichnis S. 2 Zum Tod von Hans Lisken S. 2 Einladung zur Mitgliederversammlung S. 3 Satzungsänderungsanträge S. 3 Die Kritischen sind wieder voll geschäftsfähig... Thomas Wüppesahl S. 4 Vorschläge zum Wissenschaftlichen Beirat Vorstellung einiger Kandidaten S. 9 Kandidaturen zum Bundesvorstand Vorstellung einiger Kandidaten S. 13 Forschungsbericht zur Telefonüberwachung Stephan Stolle S. 15 Sag zum Abschied, leise Servus... Heinz Uth S. 16 Interview mit Polizeidirektor Behrendes Redaktion UNBEQUEM S. 17 Richter legen Mindeststandards für Polizei-Kessel fest Dieter Metk S. 22 Kritischer französischer Polizist Ausstrahlung im DLF S. 23 Schwarze Schafe Hans-Günter Brasche S. 24 Alles war ein übler Scherz ; Lustige Polizeiverhältnisse Hannoversche Allgemeine S. 28 Mobbing: Im Interesse des Staates? Dr. Alfred Fleissner S. 28 Ein Schöffe der besonderen Art Renate Gerstel S. 32 Neutrale Arbeitsweisen in Staatsanwaltschaften Prof. Dr. Judith Leonhard S. 34 Eskalierende Polizei - Castor Einkesselung rechtswidrig Francis Althoff S. 36 Humanistische Union zum AI-Bericht / Aktion Courage Pressemitteilung S. 37 Polizei ist weder gewalttätig noch fremdenfeindlich K. Freiberg, GdP S. 37 GdP fordert flächendeckende Überwachung des Internet K. Freiberg, GdP S. 37 Genua ARD-Reportage S. 38 Impressum, Interaktion, also Eintrittsformular etc. S. 39 Einladung zur Mitgliederversammlung S. 40 Sonderdruck eines Gerichtskenners: Was ist politische Justiz? Martin Stein S Zum Tod von Hans Lisken Liga-Präsident Dr. Rolf Gössner: Bürgerrechtsbewegung hat einen glaubwürdigen Repräsentanten und Mitstreiter gegen die andauernde Aushöhlung der Grund- und Bürgerrechte verloren Hans Lisken ist tot. Er starb bei der Verteidigung der Bürgerrechte während einer Experten-Anhörung im sächsischen Landtag, wo er ein Plädoyer gegen die geplante weitere Verschärfung des Polizeigesetzes gehalten hatte. Prof. Dr. Hans Lisken ist als langjähriger Polizeipräsident in Düsseldorf, als Polizeirechts-Kommentator (Handbuch des Polizeirechts) sowie als Fritz-Bauer-Preisträger für Verdienste um Recht und Gerechtigkeit bekannt geworden. Die Internationale Liga für Menschenrechte trauert um Hans Lisken, der sich als humanistisch und demokratisch gesinnter Jurist bleibende Verdienste erworben hat. Liga-Präsident Rolf Gössner: Das Bürgerrechtsspektrum in der Bundesrepublik hat einen glaubwürdigen Repräsentanten und engagierten Mitstreiter gegen die andauernde Aushöhlung der Grund- und Bürgerrechte verloren. Unermüdlich warnte Hans Lisken vor dem Wandel des liberal-demokratischen Rechtsstaates in einen Präventions- und Sicherheitsstaat. Er habe dies mit seiner Fachautorität als ehemaliger Richter und Polizeipräsident getan in letztgenannter Funktion eine wahre Rarität. Das humanistisch-demokratische Vermächtnis von Hans Lisken, sein Bemühen um ein freiheitliches Verfassungsverständnis und seine Warnungen vor einem freiheitszerstörenden Sicherheits- und Kontrollstaat werden uns in unserer Bürgerrechtsarbeit weiter bestärken und begleiten, sagte Gössner. Internationale Liga für Menschenrechte, Rolf Gössner 2 September 20043 Mitgliedervollversammlung Samstag, 23. Oktober 2004, Uhr bis Uhr Hospitalstraße 107, Haus 3 I., Hamburg (Nähe Bahnhof HH-Altona) 1. Feststellung der ordnungsgemäßen Einladung 2. Wahl des Versammlungsleiters 3. Wahl der Protokollführung 4. Aufnahme von MitgliederInnen (es liegen z. Zt. rund 20 Aufnahmeanträge vor) 5. Zukunft des Vereins. - Bericht über das Insolvenzverfahren. - Auswirkung auf das politische Erscheinungsbild. - Sollte es uns weiter geben? - Reicht nicht die augenblickliche Kontrolle der 20 Polizeien mit Dienstaufsicht, Staatsanwaltschaft, Justiz und Medien? - Inhaltliche, politische und soziale Perspektive unseres Vereins. 6. Rechenschaftsbericht des Vorstandes Entlastung 7. Satzungsänderungen Antrag auf Einrichten eines Wissenschaftlichen Beirats Antrag auf die Ausweisung von bis zu drei Ehrenvorsitzenden 8. Neuwahl des Bundesvorstandes 9. Ggf. Wahl der Mitglieder des Wissenschaftlichen Beirats 10. Festlegung einer Bundesgeschäftsstelle 11. Ggf. Wahl eines Bundesgeschäftsführers 12. Redaktion UNBEQUEM 13. Homepage der BAG 14. Anträge 15. Verschiedenes Satzungsänderungsanträge: Vorschlagstext für die Satzungsänderung als 9 (3) Die Mitgliederversammlung am 23. Oktober 2004 möge beschließen: Als 9 (3) wird in die Satzung aufgenommen: 1) Der wissenschaftliche Beirat hat die Aufgabe, den Verein bei der Realisierung seiner satzungsgemäßen Aufgaben vom wissenschaftlichen Aspekt her zu beraten, zu fördern und zu unterstützen. 2) Die Mitglieder des Beirates werden von der Mitgliederversammlung, auf Vorschlag eines oder mehrerer Mitglieder, mit einfacher Mehrheit in den Beirat berufen. 3) Der wissenschaftliche Beirat setzt sich aus mindestens drei und maximal zwölf Personen zusammen. 4) Die Organisation der Arbeit des wissenschaftlichen Beirats ist seine eigene Angelegenheit. 5) Die Mitgliedschaft im Beirat ist nicht an die Vereinsmitgliedschaft gebunden. gez.: Robert Huppertz u. Thomas Wüppesahl Vorschlagstext für die Satzungsänderung als 9 (4) Die Mitgliederversammlung am 23. Oktober 2004 möge beschließen: Als 9 (4) wird in die Satzung aufgenommen: Die Bundesarbeitsgemeinschaft kann bis zu drei Ehrenvorsitzende haben. Ein(e) Ehrenvorsitzende/r wird auf Vorschlag des Bundesvorstandes von der Mitgliederversammlung mit einer Zweidrittel-Mehrheit gewählt. Es soll sich um Persönlichkeiten handeln, die sich um die satzungsgemäßen Ziele des Vereins besonders verdient gemacht haben. Die/der Ehrenvorsitzende hat mit seiner Stimme bei der Beratung des Vereins ein besonderes Gewicht. Sie/er kann eigenständige Öffentlichkeitsarbeit machen. gez.: Thomas Wüppesahl September4 Die Kritischen sind wieder voll geschäftsfähig Von Thomas Wüppesahl 1. Rechtliche Grundlagen / Allgemeines Nachdem ich auch gesetzlich gezwungen war, im Frühjahr 2000 den Insolvenzantrag wegen Überschuldung bzw. drohender Zahlungsunfähigkeit unseres Vereins zu stellen, hat das Amtsgericht Hamburg im Juli 2004 in dem Insolvenzverfahren über das Vermögen des im Vereinsregister des Amtsgerichts Hamburg unter VR eingetragenen Vereins Bundesarbeitsgemeinschaft Kritischer Polizistinnen und Polizisten e.v., vertreten durch den Vorstand Thomas Wüppesahl, Kronsberg 31, Geesthacht-Krümmel, den folgenden Beschluss gefasst: Das Verfahren wird wegen Wegfalls des Eröffnungsgrundes eingestellt ( 212 Insolvenzordnung). Dieser Beschluss erfolgte nach über vierjähriger Verfahrensdauer. In dieser Zeitspanne gab es eine Fülle destruktiver Bemühungen, unsere Bundesarbeitsgemeinschaft zu eliminieren. Dies ging so weit, dass Frau Bianca Müller aus ihrer Rolle als Bundessprecherin dazu aufforderte, unseren Verein zu verlassen und Gegenorganisationen zu gründen bzw. beizutreten. Sie selbst gründete ausdrücklich zwei solcher Organisationen. Inzwischen hat Frau Müller ggü. dem Amtsgericht Hamburg, beispielsweise datiert vom 13. April 2002, aber auch in anderen Zusammenhängen inhaltsgleich, unter anderem erklärt: Ich selbst bin nach Fristablauf meiner Wahl seit dem nicht mehr Vorstandsmitglied gewesen. Dies ist eine klassische Äußerung im Rahmen des Rechtsverkehrs. Somit besteht kein vernünftiger Zweifel daran, dass sie bei uns nicht mehr aktiv ist, zumal sie in jüngsten Schreiben auch an das Insolvenzgericht darauf ausdrücklich hinweist, dass sie irgendeine andere Gruppe von Polizisten gegründet hat, diese Gruppe ganz toll findet und dieser neue Club sowieso das Beste ist. Damit erübrigen sich mehrfach geäußerte Überlegungen, Frau Bianca Müller wegen ihres vereinsschädlichen Verhaltens gegen unsere BAG aus ihrer Rolle als Bundessprecherin und losgelöst davon, auszuschließen. Hiermit laden die verbliebenen Bundesvorstandsmitglieder, soweit sie während des Insolvenzverfahrens den satzungsgemäßen Zielen und Interessen unseres Vereins treu geblieben sind, zu einer Mitgliederversammlung ein, um die Bundesarbeitsgemeinschaft wieder in ein geordnetes Vereinsleben zu führen. Im Namen unseres Vereins bedanken wir uns ausdrücklich bei den vielen Unterstützerinnen und Unterstützern gerade in dieser schwierigsten Phase unserer Existenz. Darunter gibt es nicht gerade unbekannte Personen, die ungenannt bleiben möchten. Das müssen wir selbstverständlich respektieren. Ein besonderer Dank geht an die Rechtsanwälte Helmut Kostede, Berlin, und Wolfram Lambrecht, Steinkirchen. Während RA Kostede uns 2000 und 2001 sicher soweit dies auf den waghalsigen und von nicht eingehaltenen Grundlagen geprägten von Frau Müller Verursachten Konflikten möglich war durch die schweren Stürme der Zivilverfahren in Berlin, die letztlich das Insolvenzverfahren notwendig machten, mit hohem und höchstem Einsatz kompetent führte, so beriet uns RA Lambrecht genauso sicher und kompetent während des Insolvenzverfahrens allerdings nicht ganz so enervierend wie es für RA Kostede gewesen sein muss. Mit dem Ergebnis: Wir sind wieder voll rechtlich geschäftsfähig. Ohne diese beiden Herren gäbe es die Kritischen als Verein und Institution nicht mehr! Nach über vierjähriger Dauer dieses Insolvenzverfahrens mit vielen Einzelkonflikten, Nerven, Energie und auch Geldeinsatz haben die Kritischen die Chance auf einen neuen Start. Dieses Fortführen unserer erfolgreichen Arbeit kann nunmehr in dem alten Rechtsmantel, auf Grundlage der gültigen Satzung, mit den vorhandenen Erfahrungen aus 18 Jahren Existenz und den unbestreitbaren Verdiensten, die von einzelnen mit zum Teil hohen persönlichen und beruflichen Tributen geschaffen wurden, stattfinden. Wir sind (leider) die einzige kritische Gruppe von PolizeibeamtInnen weltweit, die sich in dieser Form aus der Praxis heraus formiert haben und auch so pointiert und politisch arbeiten. Vielleicht ein weiteres Motiv, dass unser Verein zu neuer Blüte aufsteigt? 2. Ein Wissenschaftlicher Beirat Bei unseren Sondierungen wurde uns geraten, doch einen Wissenschaftlichen Beirat in die Satzung aufzunehmen. Die Mitglieder dieses Beirats könnten den aktiven Polizeipraktikern unseres Vereins zur Verfügung stehen, um in Sachfragen Reflektion, Hilfestellung und Alternativen zu erhalten. Mitglieder des Wissenschaftlichen Beirats könnten aber auch selbst aktiv Stellung zu Fehlentwicklungen bei den Polizeien nehmen, aber auch Lob für positive Beispiele formulieren oder Positionspapiere entwickeln. Ein solches Gremium wäre entsprechend seiner Zusammensetzung hierzu siehe Seite 9 Kandidaturen für den Wissenschaftlichen Beirat auch in der Lage, Feindbilder, die sich unserer Arbeit ggü. in den Reihen unserer Polizeien entwickelt haben, zu mildern. Und vielleicht erleichtert es der einen oder dem anderen Polizeibeamten, sich zu uns zu stellen oder sogar aktiv mit zu arbeiten. Die Ängste in den Polizeien vor daraus entstehenden Nachteilen sind außerordentlich groß. Bei den Sondierungen gab es sehr viel positives Feed Back. Man war froh, dass es bei uns nunmehr wieder richtig weitergehen könne. Neben den acht Kurz-Vorstellungen in diesem Heft gibt es weitere, wie ein/e Landesbeauftragte/r für den Datenschutz, Professoren von polizeilichen Fachhochschulen, ehemalige Richter von Verwaltungsgerichten u.a., die noch darüber nachdenken. Wir hätten auch gerne einen Polizeipastor oder Polizeipfarrer in unserem Wissenschaftlichen Beirat gesehen. Dazu sprachen wir insgesamt drei zwei in CDUregierten und einen aus einem SPDregierten Bundesland an. Eigentlich hätten alle drei gerne und sofort ja gesagt. Auch ihre Kirchen (Justitariate) sahen keine Probleme. Aber ihre jeweiligen Beiräte, die aus Polizistinnen und Polizisten bestehen, sahen Probleme. Und zwar, so ihre Ratschläge, würden sich die betreffenden Theologen für die KollegInnen quasi unansprechbar machen, wenn sie in unseren Wiss. Beirat gingen. 4 September 20045 Das sorgt uns sehr. Wir gehen davon aus, dass es sich um nicht abgesprochene Reaktionen handelt. Vielmehr sind diese Beratungen jeweils authentisch aus demselben kulturellen polizeiinternen Selbstverständnis erwachsen. Und da stellt sich die Frage: In was für einem Zustand sind unsere Polizeien, wenn sie die Mitarbeit in einem Wissenschaftlichen Beirat bei den Kritischen keine Mitgliedschaft (!) bei uns bereits nicht aushalten, tolerieren oder auch als Bereicherung im pluralen Stoffwechsel einer demokratischen Gesellschaft mitmachen können? 3. Politischer Hintergrund Über die vergangenen Krisenjahre unseres Vereins konnten wir politisch weiter arbeiten. Wir brachten uns mit Stellungnahmen ein, bezogen Position zu Einzelentwicklungen, führten Gespräche in verschiedenen Bundesländern, Fraktionen im Bundestag, dem Bundespräsidialamt, Ministerien, Polizeipräsidien usw. Gleichzeitig erfuhren wir von sympathisierender Seite, dass immer wieder aus Polizeipräsidien und Innenministerien, wenn wir uns gerade zu einem im jeweiligen Zuständigkeitsbereich zugetragenen Mißstand geäußert hatten, die (im besonderen) Medien gezielt auf das Insolvenzverfahren hingewiesen wurden. Dies erfolgte mit der Suggestion, ob es überhaupt noch angezeigt wäre, uns Raum in Medien zu geben. Diese Beeinflussungen verfingen auch viel zu häufig. Es gibt mittlerweile sogar schriftliche Anweisungen auch im öffentlich-rechtlichen Bereich uns bis zum Abschluß des Insolvenzverfahrens nicht mehr einzubeziehen. Ein abenteuerlicher und befremdender Vorgang! Oder ist schon jemand auf die Idee gekommen, dem Ministerpräsidenten von Berlin, Bürgermeister Wowereit, auszuladen, weil das von ihm gelenkte Bundesland Berlin nicht bloß insolvent ist, sondern im Grunde bankrott? Beispiele dieser Kategorie zur Illustration dieses gegen uns gerichteten Vorgehens gäbe es viele. Hier zeigte sich wieder einmal, wie ärgerlich unsere bescheidenen Möglichkeiten für InnenpolitikerInnen verschiedenster Couleur doch sein müssen, wenn in völlig sachfremder Weise ein Insolvenzverfahren dazu missbraucht wird, uns (endlich) mundtot zu machen. Es wirft aber auch kein besonders erfreuliches Bild auf die betreffenden Medien, die sich von derlei verbaler Nebel- Rhetorik haben einschüchtern, mithin beeinflussen, lassen. Diese und andere Vorgänge zeigen jedoch, dass nach wie vor der von uns Kritischen bediente Bereich im Medien- und Politikzirkus von niemand anderem abgedeckt wird schon gar nicht von den drei großen Polizeigewerkschaften. Auch das ist vielleicht ein Ansporn, uns neu aufgestellt wieder weit tatkräftiger als in den vergangenen vier Jahren einzumischen. Wir erinnern an die windelweichen, zum Teil von Sympathie triefenden, Stellungnahmen zum Beispiel zu dem Fall Daschner (Folter in F/M) sogar aus Gewerkschaftskreisen. Oder zu den hemmungslosen, einen über das stattgefundene Maß noch weiteren Abbau von Bürgerrechten fordernden Thesen aus den Gewerkschaften. Wir haben in diesem Heft einige wenige Beispiele aus der Gewerkschaft der Polizei und dem Bund Deutscher Kriminalbeamter dokumentiert. 4. Welche Inhalte sind es, die uns politisch so unbequem machen? Wir haben kurz nach dem 11. September 2001 eine Pressemitteilung ist nach wie vor auf unserer Homepage eingestellt, herausgegeben, die im Grunde alles Wesentliche aussagte. Und das gilt bis heute. Wir hatten gleich darauf hingewiesen, dass die nach dem einsetzende Informationssperre mehr den Pannen und Anteilen der Geheimdienste geschuldet ist als einem tatsächlichen Sicherheitsinteresse für die Bürgerinnen und Bürger. Inzwischen gibt es amtliche Dokumente, Reports, Untersuchungsberichte usw. sowohl in den USA als auch in Europa, die diese These auf s Dramatischste bestätigen. Inzwischen gibt es die Sicherheitskataloge I + II (sog. Otto-Kataloge) in der Bundesrepublik mit einem Grundrechtsabbau, der unter einer CDU-geführten Bundesregierung mit der SPD und den Grünen in der Opposition wohl kaum denkbar gewesen wäre. Inzwischen gibt es einen Boom bei den Verfassungsschutzämtern und eine Renaissance bei den Innenpolitikern mit deren kindlichen Glauben an deren Möglichkeiten, die nach dem Ende des Kalten Krieges kaum mehr vorstellbar schien. Unter Rot-Grün wurde sogar im laufenden Jahr statt des Abbaus dieser demokratiefeindlichen und ineffizienten Geheimdienste (zumindestens deren Überprüfung steht im Koalitionsvertrag) ein weiterer militärischer bundesdeutscher Geheimdienst hinzugefügt (!), was natürlich nicht im Koalitionsvertrag steht, aber nochmals das Kanzlerwort vom Koch und Kellner konkret belegt. Zwischentakt Die Regierung der USA nutzte wie im Krieg um das Öl in Kuwait Anfang der 90 Jahre die Gunst der Stunde nach dem , ließen von der NATO den ersten in ihrer Geschichte und schon lächerlich anmutenden Bündnis- und Beistandsfall wegen eines Terroranschlags an drei Standorten (New York, Washington, Absturz eines Flugzeugs in der Landschaft..) beschließen, belog ihre Bevölkerung, die Völkergemeinschaft, zog eine beispiellose Dia- und Märchenstunde mit weltweiter Medienübertragung im Sicherheitsrat ab und machten sich mit ihren sog. Alliierten auf den Weg zu einem weiteren völkerrechtswidrigen Eroberungskrieg. Bekanntlich gibt es in der Geschichte der Menschheit praktisch keinen Krieg ohne wirtschaftlichen Hintergrund. Hier: Öl!!! Nun wissen alle, dass in Kuwait natürlich seit dem Krieg vor 13 Jahren demokratische und rechtsstaatliche Zustände mit feudalen Nuancen herrschen. Dass die USA nebenbei die Ölreserven und -förderungen von Kuwait genauso wie von Saudi-Arabien und anderen Ölförderstaaten kontrollieren, war selbstverständlich nicht beabsichtigt und erfolgt selbstredend alles im Einverständnis mit der autonomen Herrscher-Clique in Kuwait. Für den Irak allerdings sieht es danach aus, dass es eine Frage der Zeit ist, wann die US-Truppen wie in Vietnam und anderen Kriegen nach diesem Alleingang abziehen werden. All dies wird nicht bloß mit steigenden Ölpreisen bezahlt, sondern mit einem Erblühen des Terrorismus, wie es fünf Saddam-Regimes nicht hätten leisten können. Und über genau diesen Effekt schränkt die US-Regierung auch die Rechte ihrer eigenen Bevölkerung (nicht bloß das Gefangenenlager in Guantanamo, wo nichts anderes als rechtsfeindliche Selbstjustiz bzw. Verwahrvollzug praktiziert wird) ein, verlangt von befreundeten Staaten wie der Bundesrepublik Deutschland vor dem noch als unzumutbar abgelehnte September6 Informationslieferungen (z.b. Passagierdaten von US-Reisenden, aber auch aus Staatsschutzdateien, BfV-, LfV- und BND-Registern und Dateien) und bewirkt gleichzeitig Änderungen in auch unserer Gesetzgebung und polizeilichen Praxis, die der Weiterentwicklung unserer Zivilgesellschaft diametral entgegenstehen. Und dies alles bevor überhaupt auch nur ein Terrorschlag auf dem Boden der Bundesrepublik in Zusammenhang mit dem stattfand. Das Ganze wird auch von den Grünen in dieser Bundesregierung und in der 1. Gewalt, also der grünen Parlamentsfraktion, mitgemacht. Was passiert eigentlich nach einem Anschlag in unserem Land an Gesetzes-Aktionismus? Jedenfalls soll dieser Einschub vermitteln, welche Bedeutung der Anspruch der USA, die Ölressourcen im Nahen Osten in den Griff ihrer Ölfirmen zu bekommen, auf die bundesdeutsche Innenpolitik hat. Nur wer kann das unseren PolizeibeamtInnen erklären? Zukünftige Entwicklung Dass es inzwischen noch weitergehende Forderungen für Eingriffsermächtigungen, insbesondere bei den Polizeien, gibt, die mit der Verfasstheit der Bundesrepublik Deutschland, wie sie bis 1990 bestand, kaum noch in Übereinstimmung zu bringen sind, überrascht Politiologen, Kriminalpolitiker, Soziologen, Kriminologen und andere Fachleute auch nicht mehr: Flächendeckende verdachtsunabhängige Kontrollen sind keine greusligen Utopien mehr, sondern bestehende Regelungen in einigen Landespolizeigesetzen. Videoüberwachungen, Kooperationen mit privaten Sicherheitsdiensten im kleinen kommunalen Bereich gehören genauso zur Tagesordnung bundesdeutscher Polizeipraxis wie die Kooperationen mit Staaten (einschließlich Datenaustausche), die weit entfernt von rechtsstaatlichen Standards sind. Oder die faktische Beseitigung des Trennungsgebotes zwischen Geheimdiensten und unseren Polizeien sind längst Realität. Gleichzeitig findet ein starker Abbau der Qualität in der Aus- und Fortbildung statt, werden Ausbildungszeiten verkürzt, zum Teil ganz abgeschafft oder inhaltlich entkernt, dass überhaupt erst in einigen Jahren die volle Wucht dieser neuen Dienstleistungs qualität der Polizeien an den Bürgern für unsere Bürgerinnen und Bürger zu erkennen sein wird. Es geht in diesem Spektrum allen Sonntagsreden und das Gegenteil beteuernden Behauptungen zum Trotz im Kern dieser Gesamtentwicklung, wie in anderen Politikfeldern (Beispiel Sozialabbau, Entsolidarisierung, Abbau der sozialen Sicherungssysteme, die von Bismarck vornehmlich zur strategischen Befriedung der ihre Ansprüche anmeldenden Arbeiterschaft eingeführt worden waren) zurück in die Sixties, wenn nicht ins 19. Jahrhundert. Also: Warum sollte es in der Innen- oder Sicherheitspolitik nicht den gleichen Mainstream geben wie in der übrigen Politik? Dabei wird immer verkannt, dass viele dieser Gesetze gar nicht gebraucht werden. Und: Diese Gesetze können nicht bloß angewendet werden, sondern sie schaffen auch Rechtfertigungsdruck bei den Polizeien, wenn sie nicht angewendet worden sind! Aber das ist nicht bloß für viele PolizistInnen schon zu schwierig gedacht, sondern auch für gesetzeswütige Innen- und RechtspolitikerInnen. Im Gefolge des 11. September 2001 und den überbordenden Hyper-Aktivitäten zum Wohl und Schutz der bundesdeutschen Bevölkerung, faktisch ein rot-grünes Bürgerrechte abbauendes Vorgehen zugunsten eines ungesunden Aufrüstens des staatlichen Gewaltmonopols, haben wir immer wieder klare Positionen bezogen. Beispielhaft sprachen wir uns gegen das Wiederaufleben auch kriminalistisch ineffizienter und zu einem Gutteil sogar krass rechtswidrig angewendeter Rasterfahndungen aus. Inzwischen gibt es dazu glücklicherweise auch den einen und anderen Urteilsspruch, der diese Maßnahmen als rechtswidrig ausweist. Fluggast-Datentransfer an die USA Oder wir wendeten uns gegen den skandalösen Fluggast-Datentransfer an US- Sicherheitsbehörden. Wir forderten die umgehende Einstellung des rechtswidrigen Datentransfers. Der Europäische Rat und die Europäische Kommission hatten in einer Entscheidung vom 17. Mai 2003 die pauschale Weitergabe von Fluggastdaten der EU-Bürger an US-Sicherheitsbehörden beschlossen. Sie setzten sich damit über das negative Votum und den massiven Protest des EU-Parlamentes hinweg. Die systematische Weitergabe von teilweise hochsensiblen Daten wie Reiseverlauf, Hotelbuchungen, Kreditkarten, Telefonnummern oder Essgewohnheiten - verstößt aus Sicht der Kritischen PolizistInnen eindeutig gegen europäische und nationale Datenschutz- Bestimmungen. Wir forderten deshalb das Europäische Parlament auf, schon um seiner eigenen Glaubwürdigkeit willen gegen das in jeder Hinsicht rechtswidrige Abkommen Einspruch zu erheben und in jedem Falle auch vor dem Europäischen Gerichtshof zu klagen. Da dieses Abkommen bereits in Kraft gesetzt wurde und der Datentransfer längst stattfand, war höchste Eile geboten. Weder die Mitgliedstaaten noch die EU selbst sind offenbar bereit, ihrer Schutzpflicht gegenüber den Menschenrechten ihrer eigenen Bürger nachzukommen. Das Abkommen unterläuft gleich in mehreren Punkten zentrale europäische Rechtsprinzipien. Das ist der exemplarische Ausverkauf des europäischen Rechtsstaates und offener Rechtsbruch. Die bislang in Datenschutzfragen vergleichsweise engagierte EU verdient das in sie gesetzte Vertrauen nicht, wenn es ihr nicht einmal gelingt, europäische Schutz- und Menschenrechtsstandards gegenüber Drittstaaten, hier den USA, zu bewahren. Fluggäste aus EU-Staaten in die USA werden damit praktisch zu gläsernen Passagieren. Sie müssen damit rechnen, dass sie zu Opfern rigider Anti-Terror- Maßnahmen werden und sich wie Verbrecher behandeln lassen müssen. Die Übermittlung sensibler Daten an US-Sicherheitsorgane kann letztlich zu peinlichen Verhören und erkennungsdienstlicher Behandlung, zu willkürlichen Festnahmen und Inhaftierungen und schließlich zu Ausweisungen auch vollkommen unschuldiger Personen führen ohne Begründung und ohne die Möglichkeit, einen Anwalt oder die deutsche Botschaft einzuschalten. Beispiele hierfür gibt es leider schon genug. Straßen-Totalüberwachung mit TollCollect. Wir forderten, wie andere Vertreter von Bürgerrechtsorganisationen, die deutsche Bundesregierung auf, die aktuelle Möglichkeit der Kündigung des Vertrages zur Umsetzung der LKW-Maut mit der Firma TollCollect zu nutzen. Grund hierfür ist nicht das technische und finanzielle Desaster beim Aufbau des Maut-Systems, sondern die drohende totale Verkehrsüberwachung, die mit dem Aufbau der Maut-Infrastruktur verbunden ist: 6 September 20047 Die Firma TollCollect GmbH ist im Jahr 2002 mit dem BigBrotherAward in der Kategorie Technik ausgezeichnet worden für die geplante zentrale Verarbeitung von Kraftfahrzeug-Bewegungsdaten. Trotz dieser Kritik wurde das technische Konzept weiterverfolgt und umgesetzt. Nun erweist sich, dass durch die bei dem Verfahren erfolgende Videoüberwachung nicht nur alle Lastkraftwagen (LKW), sondern zumindest kurzzeitig auch sämtliche Personenwagen (PKW) durch die über den Autobahnen installierten Maut-Brücken erfasst werden. Mit Hilfe der in den LKW installierten OnBoardUnits (OBUs) ist außerdem eine jederzeitige Lokalisierung der registrierten Fahrzeuge und damit die Erstellung von präzisen Bewegungsprofilen möglich. Darüber hinaus kann (fast) jederzeit durch eine Veränderung der Software eine tatsächliche Totalüberwachung stattfinden. Und wer glaubt noch nach den Aufgeregtheiten nach dem in diesem Land, die stattfanden, obwohl noch nicht einmal ein Terror-Anschlag in Zusammenhang mit dem hier stattgefunden hat, dass die rechtsstaatlichen Dämme halten? Wir haben zur Kenntnis genommen, dass der Bundesbeauftragte für den Datenschutz im August 2003 erklärte, das Maut-System von TollCollect sei mit dem Grundsatz der Datensparsamkeit und dem Recht auf informationelle Selbstbestimmung vereinbar (PE BfD v ). Tatsächlich erfolgt mit dem System die radikale Wende vom anonymen zum individualisierten Straßenverkehr. Die Konsequenzen dieses Wandels für die Kfz-Nutzenden, die Automobilindustrie, die Wirtschaft generell sowie für die Datenerhebung durch Polizei, Staatsanwaltschaft, Zoll und Geheimdienste sind nicht einmal ansatzweise überschaubar und gesellschaftlich nur ansatzweise diskutiert. Schon jetzt ist unzweifelhaft, dass das Verfahren die totale elektronische Verkehrsüberwachung ermöglicht und die zum Datenschutz bisher vorgesehenen Sicherungen von Anfang an ungeeignet sind. Die politische Entscheidung, dass die Nutzenden von Autobahnen für die dabei entstehenden Kosten zur Kasse gebeten werden, kann man auch diskutieren; aber das ist nicht der Ansatz von uns Kritischen in dieser sicherheitspolitischen Diskussion. Dass die Gelder sich aber auch mit Mitteln eintreiben lassen, die nicht zur elektronischen Totalüberwachung führen müssen, wissen alle Beteiligten aus den Erfahrungen in anderen Ländern. Gerade auch deshalb muss gefragt werden, warum die Bundesrepublik auf ein solches System setzt?! Es besteht der Verdacht, dass dem Maut-System von TollCollect mit seinem riesigen Überwachungspotenzial gegenüber einfacheren, billigeren und datensparsameren Systemen der Vorzug gegeben wurde, weil nur damit dem Datenbedarf insbesondere der Sicherheitsbehörden umfassend genügt werden kann. Wir forderten die Bundesregierung auf, sowohl alle Unterlagen zu dem System, insbesondere die mit TollCollect abgeschlossenen Verträge und die Überwachungsplanungen für die Öffentlichkeit offen zu legen als auch die Möglichkeit der Vertragskündigung zu nutzen, um die undemokratisch, ja totalitär anmutende Vision eines Verkehrs- Big-Brothers abzuwenden. Bedeutsame Bündnispartner Die 62. Konferenz der Datenschutzbeauftragten des Bundes und der Länder in Münster hat sofort nach Beschluss des Bundeskabinetts am des Gesetzentwurfes für ein solches Mautgesetz am 25./ eine Entschließung gefasst, die vor der Erstellung exakter Bewegungsprofile mit Hilfe eines Systems warnte, das das Satellitennavigationssystem GPS und die GSM-Mobilfunktechnologie nutzt. Gefordert wurden datensparsame Systeme, bei denen Mautgebühren vorab entrichtet werden können, ohne dass dafür die Verarbeitung personenbezogener Daten erforderlich ist, eine nur stichprobenweise Überwachung der Gebührenzahlung, Transparenz des Verfahrens der Gebührenerhebung und -kontrolle für die Betroffenen, die beeinflussungssichere Ausgestaltung der datenschutzrelevanten Systemkomponenten, die Sicherstellung einer strikten Zweckbindung. Der Behauptung des BfD, den Anforderungen der Grundsätze der Datenvermeidung und Datensparsamkeit (vgl. 3a Bundesdatenschutzgesetz - BDSG) werde genügt, kann nicht zugestimmt werden. Die in der o.g. Entschließung der DSB-Konferenz aufgeführten Maßnahmen zur Datensparsamkeit wurden nicht umgesetzt. In besonders eklatanter Form wird der Grundsatz dadurch verletzt, dass nicht nur mautpflichtige LKW, sondern sämtliche Kfz videografisch erfasst werden. Der Umstand, dass diese Daten grundsätzlich sofort wieder gelöscht werden sollen, wenn sie für die Durchsetzung der Mautpflicht nicht benötigt werden, gibt keine Sicherheit. Es bedarf nur geringer Änderungen am technischen Programm, um eine Löschung der Daten zu unterbinden und deren weitere Nutzung vorzusehen. Durch den Umstand, dass z. B. an den Kontrollbrücken zunächst praktisch ein Komplettdatenbestand erhoben wird, werden die Voraussetzungen für weitere Nutzungen geschaffen. Genau dies aber sollte mit dem Grundsatz der Datenvermeidung ausgeschlossen werden. In jeder OBU ist ein GSM-Telefon integriert. Dabei fallen Telekommunikations- (TK-) Daten, vor allem Verbindungsdaten, an, die nach den TK-Überwachungsregelungen durch so genannte Bedarfsträger (Polizei, Staatsanwaltschaft, Zoll, Geheimdienste) abgehört werden können. Für die Strafverfolgung gelten insofern die 100a, 100b bzw. 100 f, 100g Strafprozessordnung (StPO). Während des Kommunikationsvorgangs des OBU oder mit Hilfe so genannter stiller SMS auch unabhängig von einer Verbindung und völlig unerkannt können die Bedarfsträger über die Geokoordinaten der Mobilfunk-Sendemasten jederzeit eine Lokalisierung eines LKW-OBU auf wenige 100 Meter genau vornehmen. Bisher wurde nicht dementiert, dass das System eine Einzelüberwachung von zur Fahndung ausgeschriebenen Kfz ermöglichen würde. Vielmehr soll eine solche Überwachung ausdrücklich in technischen Unterlagen vorgesehen sein. Durch den Umstand, dass sämtliche Kfz vor Passieren der Kontrollbrücken videografiert werden, besteht an diesen Orten die technische Möglichkeit einer optischen Totalkontrolle. Durch die damit verbundene Mustererkennung der Kfz-Kennzeichen ist zudem auch technisch-praktisch die Durchführung einer solchen Totalkontrolle eröffnet. Im bayerischen Landtag wurde von der CSU kurz vor der Landtagswahl 2003 ein Polizeigesetzentwurf vorgelegt, wonach für den automatisierten Einsatz von Kennzeichenerkennungssystemen eine spezielle gesetzliche Regelung geschaffen werden sollte. Die derart erhobenen Daten sollten zur Verfolgung von Straftaten, von Ordnungswidrigkeiten, September8 zur längerfristigen Observation, zur polizeilichen Beobachtung oder zur Abwehr einer Gefahr gemäß den jeweiligen Spezialgesetzen genutzt werden dürfen. 1 Da insofern die Zugriffsmöglichkeiten der Polizei auf die LKW- Mautdaten nicht ausgeschlossen sind, ist es möglich, die bayerischen Überwachungsvorstellungen mit dem LKW- Mautsystem zu realisieren. Die technischen Alternativen zur Kostenerhebung von LKW-Autobahnnutzungen mit keinem oder einem erheblich geringeren Überwachungspotenzial wurden von der 62. DSB-Konferenz aufgezeigt. Derartige Alternativen hätten nach Kündigung des Vertrages mit TollCollect realisiert werden können; vorher natürlich auch schon. So ging es munter weiter. Sowohl zu Grundsatzthemen bezogen wir Position als auch zu krassen Einzelfällen, also Todesschüssen durch Polizeibeamte oder dem Bandencharakter anmutenden Vorwürfen an ein SEK-Kommando der Kölner Polizei (RTL-Nachtjournal und anderswo), das gleich komplett suspendiert worden ist. Genau so zu den stattgefundenen CASTOR-Transporten nach Gorleben, bei denen erneut im Spätherbst 2003 (wie schon 2001) die Rechte hunderter von Bürgerinnen und Bürgern durch Polizeibeamte außer Kraft gesetzt wurden. Wir waren vor Ort dabei oder kommentierten. In diesem Heft finden Sie die eine und andere Gerichtsentscheidung auch dazu. Dasselbe gilt für die unwirklich anmutenden Kräfteansammlungen bei den sog. Bambule-Demonstrationen in Hamburg. Diese Demonstrationen wurden provoziert, als der Hamburger Senat sehr unbeholfen begann, Bauwagenplätze in der Stadt zu entfernen. Es gibt also gute Gründe für viele Landesinnenminister, Polizeipräsidenten oder auch Präsidenten von Verfassungsschutzämtern, zukünftig auf die Abwesenheit der Bundesarbeitsgemeinschaft Kritischer Polizistinnen und Polizisten e.v. hin zu wirken. 5. Persönliche Diskreditierungen mit System Und natürlich durften auch die persönlichen Diffamierungen nicht fehlen. Es macht Sinn, bei einer zahlenmäßig so kleinen Organisation wie unserer BAG zumindestens zu versuchen, die Aktiven zu diskreditieren. Zumal ein solches Vorgehen vielleicht auch noch potentielle Aktivisten davon abhält, sich zu betätigen. Und wenn man diskreditieren will, welches Spielfeld bietet sich als Heimspiel an? Richtig: Kriminalisierung via Disziplinar- und Strafrecht. Auch das kennen jedoch fast alle unsere ehemaligen Bundessprecher genauso. Es wird jeweils vermeintlich auf die jeweilige Person Zugeschnittenes verwendet, um zu diskreditieren. Bei Thomas Wüppesahl wurde kolportiert, er mache die BAG zu einer One Man Show. Alleine meine Zurückhaltung - was unsere Kritischen anging von ihrer Gründung 1986 bis zu meiner erstmaligen Wahl in den Bundesvorstand 1998, belegt etwas ganz anderes. Das ist so absurd, dass sich weitere Ausführungen erübrigen. Und auch von daher nimmt es kein Wunder, dass die Versuche, über Strafverfahren und Disziplinarverfahren, mich abzuschalten noch einmal Hochkonjunktur erhielten und nunmehr mit dem Urteil des Landgerichts Hamburg auch tatsächlich ernsthaften Bedrohungscharakter angenommen haben. Ich jedenfalls bin nun zum zweiten Mal in meiner beruflichen Laufbahn zwangssuspendiert und warte auf die Entscheidung des Revisionsgerichts (Hanseatisches Oberlandesgericht). Schau n wir mal, wie der bundesrepublikanische Rechtsstaat arbeitet. Seit 1998 gab es bei mir nur eine kurze Zeitspanne im Jahr 2000, in denen ich nicht irgendeinem Strafverfahren ausgesetzt gewesen bin. Alleine drei weitere gab es wegen angeblicher Ehrverletzungsdelikte aufgrund von mir herausgegebener Pressemitteilungen in den vergangenen Jahren. Mal fühlte sich die GSG 9 beleidigt, mal der Hamburger Polizeipräsident (jetziger Innensenator) usw. Alle endeten mit rechtskräftigen Einstellungen. Eine an und für sich beängstigende Entwicklung, wenn man weiß, was ansonsten für substanzhaltige Verfahren durch die Staatsanwaltschaften bereits im Ansatz ( keine Straftat festgestellt ) eingestellt werden, dass wegen der grundgesetzlich und durch die vom Bundesverfassungsgericht sehr weit gezogenen Äußerungsgrenzen gerade auch von Funktionsträgern eines anerkannten Berufsverbandes, wie hier einem Bundessprecher bei der verbrieften Inanspruchnahme von Meinungsfreiheit immer wieder unnötig solche Verfahren sogar mit Durchführen öffentlicher Hauptverhandlungen hochgezogen werden. Auch diese Vorgehensweisen der Staatsanwaltschaften sind nicht unpolitisch motiviert. Jüngst diese Wochen gab es ein Strafermittlungsverfahren zunächst gegen Unbekannt, weil ich in der gegen mich stattgefundenen Hauptverhandlung vor dem LG Hamburg zu meiner Entlastung in Form eines Beweisantrages interne Daten aus dem polizeilichen Informationssystem (ComVor-Index- Auskünfte) einführte, die mir anonym zugespielt worden waren. Natürlich wurde bei diesem gegen Unbekannt eingeleiteten Strafermittlungsverfahren geprüft, ob das Verfahren nicht gegen mich wegen Geheimnisverrat (!) geführt werden könnte. Bei meiner dann mit viel vorherigem SchnickSchnack auch dabei wurde versucht, mich quasi zum Beschuldigten zu machen erfolgten zeugenschaftlichen Vernehmung bei der Staatsanwaltschaft (!) erfuhr ich dann, dass mehrere Polizeibeamte in dem fraglichen Zeitraum die von mir in meinem Strafprozess eingeführten Daten abgefragt hatten. Aber nur einer wurde zum Beschuldigten gemacht! Das nennt man ergebnisoffene Prüfung und Ermittlung bei der Staatsanwaltschaft Hamburg, namentlich des Staatsanwalts Herr Bochnik! Mir wurden nicht einmal die anderen Namen genannt, sondern nur der Name des Beschuldigten. Offenbar war es nicht opportun, die anderen drei KollegInnen näher abzuprüfen. So geht das fortlaufend: Ich werde beispielsweise auch deshalb disziplinarisch verfolgt auch das ist alles authentisch, Realität und kein Slapstick, weil ich eine Pressemitteilung zu unserem damaligen Polizeipräsidenten, Herrn Udo Nagel, die ich ausdrücklich zur Prüfung auf strafrechtlichen Gehalt in das zwischenzeitlich eingestellte Strafverfahren wegen einer anderen vermeintlichen Beleidigung gegen Herrn Nagel gegeben hatte und das inzwischen rechtskräftig abgeschlossen ist. Seitens der StA Hamburg (Herr Bochnik) beantragte diverse Tagessätze Strafe gegen mich wurden vom Amtsgericht Hamburg sowie nach sofortiger Beschwerde der StA HH dem Landgericht abgelehnt. Das sind keine Döntjes, sondern normale Verfolgungsmaßnahmen eines politisch Unliebsamen. Noch ein letztes Beispiel aus diesem Exotenkabinett hamburgischer Disziplinar pflege : Es wird mir vorgeworfen, eine private, politisch intendierte Fahrt nach Kassel zu einer Mitgliederversammlung der Kritischen aus dem Mai 2000 ohne Abmeldung bei meinen Vorgesetzten durchgeführt zu haben. Da- 8 September 20049 mals also rund drei Jahre (!) vor Einleitungsverfügung dieses förmlichen Disziplinarverfahrens bin ich für eine Tages reise an einem Samstag nach Kassel (Morgens hin und Abends zurück) gefahren. Diese Ortsabwesenheit hätte ich während einer damals insgesamt rund vier Jahre laufenden Krankschreibung wegen fortgesetzten Mobbings meinen Vorgesetzten anzeigen müssen. So der unhaltbare bizarr anmutende Vorwurf, den die Personalführungsdienststelle des LKA Hamburg entwickelt hat und die von einem leibhaftigen LKA-Leiter in Hamburg, z.zt. Herr Chedor, unterzeichnet ist. Wenn jemand also glaubt, in der heutigen Zeit würde jemand solche Aspekte nicht mehr ernsthaft straf- oder disziplinarrechtlich erwägen, so irrt er. Alleine von den sechs Punkten, mit denen dieses Disziplinarverfahren gegen mich eingeleitet worden ist, sind fünf Punkte dieser Qualität bzw. bereits erledigt, wie z.b. das Strafermittlungsverfahren wg. angeblicher Beleidigung von Herrn Nagel (damals Polizeipräsident Hamburgs) wg, einer Pressemitteilung von uns Kritischen. Einzig das Verfahren wegen angeb-licher Verfolgung Unschuldiger, Gefährlicher Körperverletzung und Nötigung, dass jetzt von dem LG HH (siehe auch in diesem Heft: Mobbing: Im Interesse des Staates? und Ein Schöffe der besonderen Art ) so denkwürdig bearbeitet wurde, gibt etwas her, über das ernsthaft disziplinarisch nachgedacht gehört. Zurück zum Politischen Hintergrund. Die vorstehenden Ausführungen könnten den Eindruck erwecken, ich wolle meine nicht gänzlich unbeschwerte berufliche Biographie lyrisch ausmalen. Nein, einige unserer Sprecher erlebten in der Vergangenheit Ähnliches. Und das ist kein Zufall, sondern es gehört zu der schlechten politischen Ausformung strafjustitiellen und innerdienstlichen Vorgehens. Ob das Sprecher in Bayern, Nordrhein-Westfalen, Wiesbaden, Köln oder sonstwo gewesen sind. Unter dem Deckmantel rein gemeiner strafrechtlicher Vorwürfe werden solchermaßen aktive PolizistInnen inkriminiert und mit Straf- und Disziplinarverfahren belästigt. Sofern substantiell nicht tatsächlich kriminelles Vorgehen zur Rede steht, was nie gänzlich auszuschließen ist, denn auch Bundessprecher der Kritischen sind keine Heiligen, ist dieses Vorgehen selbst dann politische Justiz, wenn keine Staatsschutzparagraphen durchermittelt werden, weil die betreffenden politisch aktiven Personen in ihren Aktivitäten absorbiert werden, immer ein Ansehensverlust mit der Einleitung von Strafermittlungsverfahren, beantragten Strafbefehlen oder sogar der Durchführung von öffentlichen Hauptverhandlungen verbunden ist und letztlich sollen solche ins Visier dieser Form von Staatsschützern geratenen kritischen Beamten mürbe gemacht werden und Stück für Stück, Verfahren für Verfahren, Absurditätsvorwurf für Absurditätsvorwurf (mit der Autorität einer neutral arbeitenden Staatsanwaltschaft) weniger öffentliche und andere Unterstützung bekommen. Diese Methodik stammt nicht aus den Lehrbüchern der Stasi, sondern findet bedauerlicherweise in der bundesrepublikanischen Wirklichkeit ihre Ausprägung. Da dies eben nicht einmal oder nur bei einer solchermaßen exponiert bei uns Kritischen aktiven Person erfolgte, sondern bei (fast) allen bei den übrigen verblieb es bei noch schwerer fassbaren informellen Benachteiligungen, müssen ganz andere Fragen gestellt werden, als die nach der Legitimität der von Straf- und Disziplinarverfahren betroffenen Aktiven. Meines Erachtens sind alleine schon diese Anstrengungen ein guter Gradmesser dafür, wie notwendig unsere Arbeit für bessere Polizeien in der Bundesrepublik Deutschland ist. Vorschläge zum Wissenschaftlichen Beirat Auf der Mitgliederversammlung werden sich weitere KandidatInnen vorstellen Prof. Erhard Denninger Dr. iur., Jahrgang 1932, seit 1967 Professor für Öffentliches Recht und Rechtsphilosophie an der Johann Wolfgang Goethe-Universität in Frankfurt/Main, Studium in Tübingen, Lausanne und Mainz 1958: Promotion 1970/71: Rektor der Universität Frankfurt seit 1974: Mitglied des Kuratoriums der Römerberggespräche 1973/74: Leiter der Abteilung für Wissenschaft und Kunst im (damaligen) Hessischen Kultusministerium 1978/79: Dekan des rechtswissenschaftlichen Fachbereichs : Vorsitzender der Sachverständigen-Kommission Staatszielbestimmungen/Gesetzgebungsaufträge 1988/89: Mitglied des Vorstandes der Vereinigung der deutschen Staatsrechtslehrer 1993/94: Fellow des Wissenschaftskollegs zu Berlin Stellvertretendes Mitglied des Verfassungsgerichtshofs des Freistaats Thüringen bis 1998: Mitglied des Vorstandes des Deutschen Institutes für Internationale Pädagogische Forschung Mitherausgeber der kritischen Vierteljahresschrift für Gesetzgebung und Rechtswissenschaft sowie der Zeitschrift Polizei - heute. Veröffentlichungen u. a.: Der gebändigte Leviathan, Baden-Baden 1990; Mithrsg. und Mitautor des Handbuchs des Polizeirechts, 3. Aufl., München 2001; Mithrsg. und Mitautor des alternativ-kommentars zum Grundgesetz, 3. Aufl., Neuwied Prof. Dr. Lorenz Böllinger Jg. 1944, Dr. jur., Dipl.-Psych., Prof. f. Strafrecht und Kriminologie am Fachbereich Rechtswissenschaft, Universität Bremen; Leiter des Bremer Instituts für Drogenforschung (BISDRO) mit angeschlossener Bibliothek und Archiv (AR- CHIDO); Ko-Direktor d. Bremer Instituts für Kriminalpolitik; Approb. Psychol. Psychotherapeut u. Psychoanalytiker (DPV). Forschungsschwerpunkte in den Bereichen Sexual-, Gewalt- und Drogen-Kriminalität; Terrorismus, Behandlung von Drogenabhängigen und Straffälligen; Sozialpsychologie der Strafverfolgungsinstanzen und des Kriminalisierungsprozesses. Zuvor arbeitete er als Rechtsanwalt und Professor an den Fachhochschulen für September10 Sozialarbeit in Dortmund und Frankfurt/M. Internationale Drogenverträge welcher rechtliche Spielraum bleibt der Bundesrepublik Deutschland [Prof. Böllinger, ] Vortrag auf dem Fachgespräch der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen am in Berlin. Entkriminalisierungspolitik und internationalrechtliche Verpflichtungen Prof. Dr. Thomas Feltes Geburt in Mainz Ausbildung: : Katholische Bekenntnisschule Mainz-Altstadt : Bischöfliches Willigis- Gymnasium in Mainz : Humboldt-Gymnasium in Dortmund : Studium der Rechtswissenschaften und der Pädagogik an der Universität Bielefeld; Studienstipendium des Instituts für Begabtenförderung der Konrad-Adenauer-Stiftung; Fachschafts- und später Assistentensprecher der juristischen Fakultät 1976: Erste Juristische Staatsprüfung beim Justizprüfungsamt Hamm 1978: Magisterprüfung an der Fakultät Pädagogik, Philosophie und Psychologie der Universität Bielefeld. Verleihung des Grades Magister Artium (M.A.) 1979: Promotion zum Dr.jur. an der Fakultät Rechtswissenschaft der Universität Bielefeld 1981: Zweite Juristische Staatsprüfung in Hamburg 1992: Habilitation für die Fächer Kriminologie, Jugendstrafrecht und Strafvollzug an der Juristischen Fakultät der Universität Tübingen; Ernennung zum Privatdozent Berufliche Tätigkeiten: : Wissenschaftlicher Assistent an der Fakultät für Rechtswissenschaft der Universität Bielefeld : Referendar und Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Seminar für Strafrecht der Universität Hamburg bzw. Angestellter in einem Forschungsprojekt der Bundesanstalt für Straßenwesen, Köln; Prokurator in einem Studentenwohnheim : Wissenschaftlicher Angestellter am Institut für Kriminologie, Juristische Fakultät, Universität Heidelberg 1986: Forschungsaufenthalt am Centre International de Criminologie Comparée der Universität Montréal, Kanada (6 Monate); Stipendium der kanadischen Regierung : Hochschulassistent (C 1) am Institut für Kriminologie der Universität Heidelberg : Ernennung zum Professor auf Lebenszeit für Strafrecht (C 2) an der Fachhochschule für öffentliche Verwaltung des Landes Berlin : Ernennung zum Rektor und Professor (B 2) auf Lebenszeit an der Fachhochschule Villingen-Schwenningen - Hochschule für Polizei 1993: Gastprofessor an der Juristischen Fakultät der Eötvös-Lorand-Universität Budapest, Ungarn 1998: Ernennung zum Mitglied der Sucht- und Drogenkommission der Bundesregierung 2000: Ehrenurkunde und Auszeichnung mit der silbernen Millenniums-Medaille der Republik Ungarn für besondere Verdienste um die Zusammenarbeit zwischen der ungarischen und der badenwürttembergischen Polizei 2002: (Sommersemester) Vertretung des Lehrstuhls für Kriminologie, Strafvollzug und Kriminalpolitik an der Ruhr-Universität Bochum seit 1. August 2002 Universitäts-Professor (C 4) an der Ruhr-Universität Bochum und Inhaber des Lehrstuhls für Kriminologie (Kriminalpolitik, Polizeiwissenschaft) Herausgeber: Reihe Empirische Polizeiforschung im Felix-Verlag, Holzkirchen Zeitschrift Neue Praxis (Luchterhand-Verlag) Zeitschrift Die Kriminalpolizei (VdP-Verlag) Zeitschrift Police Research & Management Mitgliedschaften American Society of Criminology (ASC) Academy of Criminal Justice Sciences (ACJS) European Society of Criminology Police Futurists International (PFI); Rechtsanwalt Dr. h.c. Gerhard Strate Die Kanzlei Strate und Ventzke existiert in dieser Form seit 1985, nachdem zuvor Gerhard Strate (seit 1979) allein ein Anwaltsbüro betrieben hatte. Die Kanzlei hat sich frühzeitig auf Beratung und Vertretung in strafrechtlichen Mandaten konzentriert, insbesondere im Bereich des Revisionsrechts. Darüber hinaus ist die Kanzlei auch schwerpunktmäßig mit Verfassungsbeschwerdeverfahren befasst, die aus unterschiedlichsten Rechtsbereichen erwuchsen. Es war und ist ihr Ehrgeiz, bei der Bearbeitung eines jeden Mandats Genauigkeit im sachlichen Detail mit wissenschaftlicher Gründlichkeit zu verbinden. Sowohl Gerhard Strate als auch Klaus Ulrich Ventzke haben sich mit einer Vielzahl von Veröffentlichungen und Vorträgen an aktuellen juristischen als auch rechtspolitischen Auseinandersetzungen aktiv beteiligt. Ihre Leitlinie war hierbei stets, die Freiheitsgarantien unserer Verfassung gegen ihre schleichende Aufzehrung durch tagespolitischen Opportunismus sowohl auf seiten der Justiz als auch auf seiten des Gesetzgebers zu verteidigen. Gerhard Strate ist Mitglied im Beirat der Zeitschrift Strafverteidiger, außerdem Mitherausgeber und verantwortlicher Redakteur der Zeitschrift Informationsbrief Ausländerrecht sowie Herausgeber der Internet Zeitschrift hrr-strafrecht.de. Er war darüberhinaus von 1987 bis 2001 Mitglied im Strafrechtsausschuß des Deutschen Anwaltvereins und ist seit 1989 Mitglied im Vorstand der Hanseatischen Rechtsanwaltskammer, als deren Vizepräsident er von 1999 bis 2002 tätig war. Am 20.November 2003 wurde ihm durch die Juristische Fakultät der Universität Rostock die Würde eines Doctor iuris honoris causa verliehen. In der von dem Rektor der Universität übergebenen Urkunde heißt es: Damit werden seine wissenschaftlichen Leistungen im Strafund Strafprozeßrecht, insbesondere die enge Verknüpfung seiner wissenschaftlichen mit seiner anwaltlichen Tätigkeit als Strafverteidiger, sowie sein didaktisches Engagement gewürdigt, mit dem er sein Wissen und seine praktischen Erfahrungen in der Lehre vermittelt. 10 September 200411 Klaus Ulrich Ventzke ist ebenfalls Mitglied im Beirat der Zeitschrift Strafverteidiger. Er ist außerdem anwaltliches Mitglied des Hamburgischen Anwaltsgerichtshofes. Rechtsanwalt Dr. Thomas Etzel Rechtsanwalt, seit 1990 in München selbständig Berufung zum wissenschaftlichen Kooperationspartner eines Projektes des Münchner Forschungsverbundes Public Health Öffentliche Gesundheit zum Themenkomplex Effizienzverluste durch psychosozialen Stress am Arbeitsplatz. Tätigkeitsschwerpunkte der Kanzlei: Zivilrecht Mobbing Strafverteidigungen Unter anderem folgende Veröffentlichungen, begrenzt auf Mobbing: Psychoterror am Arbeitsplatz: Mobbing arbeitsrechtlich auf dem Prüfstand, bilanz & buchhaltung, Heft 04/94, S. 153 ff. Desaster Menschenführung: Unzufriedenheit muß nicht sein (Teil 1 und 2), Gablers Magazin, Heft 09/94, S. 39 ff und Heft 10/94, S. 43 ff. Konfliktmanagement Eine Führungsstrategie mit Zukunft, Versicherungswirtschaft, Heft 6/95, S. 356 ff. Schluß mit dem Frust - Was sich gegen Mobbing in der Kirche tun läßt, Evangelische Kommentare, 05/96, S Effizienzverluste durch psychosozialen Streß am Arbeitsplatz, Gablers Magazin, 6-7/96, S. 34 ff. Psychosozialer Streß am Arbeitsplatz und arbeitsrechtliche Konsequenzen, bilanz & buchhaltung, 7-8/96, S. 299 ff. Unbequem, die Zeitung der Bundesarbeitsgemeinschaft Kritischer Polizistinnen und Polizisten (Hamburger Signal e.v.) Wissenswertes zum Thema Mobbing, September 1999, S. 4 f. Anmerkung zum Urteil des LAG Thüringen vom , Mobbing-Urteil, AuR 6/2002, 230 ff Vorträge, Medienauftritte nur zum Thema Mobbing : Studiogast tv-münchen, Thema: Mobbing Studiogast rtl - München live, Thema: Mobbing, psychosozialer Streß am Arbeitsplatz Podiumsdiskussion, Siemens-Forum, München, Moderation zum Thema: Mobbing - Menschenwürde und Anforderungen an moderne Menschenführung Bayerischer Rundfunk, Interview zum Thema Streß am Arbeitsplatz BAG Kritischer Pozistinnen und Polizisten e.v. und Pro Police e.v. Referent zum Thema Mobbing in der Polizei Gesellschaft für Beratung und Projektentwicklung, Referent zum Thema Mobbing Uni-Klinik Hamburg-Eppendorf, Referent zum Thema Mobbing. Arte Fernsehsender, Themenabend Mobbing, Interview als Experte N24 Nachrichtensender, Interviews zum Thema Mobbing, Kündigungsschutz etc. Frankfurter Rundschau, Interview zum Thema Mobbing Magazin Focus, Interview zum Thema Mobbing Bundespräsidialamt, Teilnehmer einer Expertenrunde zum Thema Mobbing Bundesgesundheitsministerium, Teilnehmer einer Expertenrunde zum Thema Mobbing Bundesinnenministerium, Teilnehmer einer Expertenrunde zum Thema Mobbing Bundeswirtschaftsministerium, Teilnehmer einer Expertenrunde zum Thema Mobbing Bundesarbeitsministerium, Teilnehmer einer Expertenrunde zum Thema Mobbing CDU- Bundestagsfraktion, Teilnehmer einer Expertenrunde zum Thema Mobbing SPD- Bundestagsfraktion, Teilnehmer einer Expertenrunde zum Thema Mobbing ZDF, Frontal 21, Interview als Sachverständiger zum Thema Mobbing SAT 1, Vera am Mittag, Experte im Studio zum Thema Mobbing. Zeitschrift Freundin, Experte zum Thema Mobbing Fernsehsendung ARD Fliege, Experte zum Thema Mobbing Fernsehsendung MDR unter uns Experte zum Thema Mobbing Dr. Alfred Fleissner Jahrgang 1946, verheiratet, drei Kinder 1971: Abschluss des Chemiestudiums mit dem Diplom (Note sehr gut) 1975: Promotion zum Dr. rer. nat. (Note sehr gut) und Einstellung als wissenschaftlicher Assistent in der psychiatrischen Klinik des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE) 1988: Verbeamtung als akademischer Rat 1988 bis 1995: Beteiligung im Personalrat für das wissenschaftliche Personal des UKE (WPR) als Unabhängiger auf der Liste des Marburger Bundes 1995 bis 2003: Beteiligung im WPR als Listenführer mit vier von zehn Angestelltensitzen nach Kandidatur mit einer eigenen Liste (Assistentenliste Reform im UKE) und WPR-Vertreter in wichtigen Ausschüssen (u. a. IuK- Ausschuss, Arbeitsschutz-Ausschuss, Arbeitsgruppe gerichtsfeste Organisation) 1996 bis 1998: Zusammenarbeit mit Professor Dr. Dr. Heinz Leymann als Berater für die Personalräte im UKE Seit 1996: Veranstaltung einer Vorlesungsreihe Konflikt- und Motivations-forschung am Arbeitsplatz 1997: Abschluss einer Dienstvereinbarung über die Einrichtung einer Anlaufstelle zur Lösung von Personalkonflikten am Arbeitsplatz mit Professor Dr. Dr. Heinz Leymann als Leiter für ein Jahr und Übernahme seiner Vertretung Seit 1997: Einrichtung eines monatlichen Runden Tisches zu Mobbingfragen und Veranstaltung eines jährlichen Workshops Erfahrungen mit Konfliktlösung in Betrieben 1998: Gründung der Konfliktlösungsinitiative Mobbinganlaufstelle (KLIMA e. V.) und seitdem Mitglied des Vorstands Seit 1999: Projektentwicklung zur biochemischen und psychologischen September12 Untersuchung ehemaliger Mobbingbetroffener nach Rehabilitation verbunden mit anerkannter Arbeitsleistung 2003: Herausgabe des Mobbingkompendiums Arbeitsplatzkonflikte mit PD Dr. Gerd Arentewicz bei Peter Lang, Europäischer Verlag der Wissenschaften Wolfgang-Dragi Nescovic Viele Jahre Richterfunktionen an Amts- und Landgerichten in Schleswig-Holstein. Seit zwei Jahren Richter am Bundesgerichtshof. Lange Jahre Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Sozialdemokratischer Juristen in Schleswig-Holstein. Bis zur Ernennung zum Richter am BGH Präsident der Neuen Richter Vereinigung (NRV). Vielfaches Engagement für Bürgerund Freiheitsrechte in verschiedensten Zusammenhängen. Nachfolgender (nicht vollständiger) Artikel aus der tageszeitung gibt weiteren Aufschluss zur Person: Der streitbare Haschisch-Richter steigt auf Schon zweimal wurde Wolfgang Neskovic zum Richter am Bundesgerichtshof (BGH) gewählt, doch immer gab es Ärger. Jetzt aber ist er im Amt. Am Montag erhielt der durch seine Haschurteile bekannt gewordene Lübecker seine Ernennungsurkunde und kann nun in Karlsruhe seinen Schreibtisch einrichten. Furore machte Neskovic, als er Anfang der 90er-Jahre das Recht auf Rausch proklamierte und beim Verfassungsgericht die Legalisierung von Haschisch zu erreichen versuchte. Nach Meinung seiner Strafkammer am Landgericht Lübeck war die Ungleichbehandlung von Alkohol und Cannabis nicht gerechtfertigt. Doch die Verfassungsrichter folgten Neskovic 1994 nur teilweise: Haschisch bleibt zwar verboten, doch der Besitz in geringfügiger Menge wird nicht mehr bestraft. Im Februar 2001wurde Nescovic dann das erste Mal zum BGH-Richter gewählt. Der Richterwahlausschuss, dem 16 Vertreter des Bundestags und alle Landesjustizminister angehören, wählte den Linksliberalen, obwohl der Präsidialrat des Bundesgerichtshofes Neskovic als fachlich nicht geeignet einstufte. Die unbequeme Wahl löste sogleich heftige politische und juristische Reaktionen aus. Der baden-württembergische Justizminister Ulrich Goll (FDP) initiierte einen Gesetzentwurf, der versuchte, das BGH-Votum gegenüber dem politischen Wahlgremium zu stärken. Der Gesetzentwurf liegt allerdings bis heute im Bundesrat auf Eis und stößt nicht einmal bei CDU-Kollegen auf viel Gegenliebe. Und weiter: Neskovic ist 1995 aus der SPD ausgetreten und bei den Grünen wurde er auch nicht glücklich. Während des Kosovokrieges, den der Richter massiv kritisierte, gab es sogar ein (erfolgloses) Parteiausschlussverfahren gegen ihn. Am BGH wird Neskovic nun nichts mit Drogenpolitik zu tun haben, sondern - gemeinsam mit sechs anderen Richtern - für Konkurse und Insolvenzen zuständig sein. Probleme wird er damit nicht haben. Zu erwarten ist aber, dass Neskovic auch am BGH ein unruhiger und deutlich hörbarer Jurist bleiben wird. Erst jüngst begrüßte er das Urteil des Bundesverfassungsgerichts zum Führerscheinentzug bei Haschbesitz und kritisierte die abwegigen Konstruktionen der unteren Instanzen. Christian Rath, taz Dieter Groeblinghoff 49 Jahre, hat als Psychiater und Neurologe 1992 zusammen mit Leymann, dem Nestor der Mobbingforschung, die bis dahin einzig in Skandinavien repräsentative und legislativ umgesetzte Forschung erstmals transponiert und hier eine von Beginn an internationale und interdisziplinäre Arbeitsgruppe und Kooperation fast aller damit befassten Wissenschaftler und Praktiker mit aus der Taufe gehoben auf Leymanns ausdrücklichen Wunsch dessen Arbeit nach seinem Tode weiterführend. Seit der ersten Stunde hat er insbesondere die medizinische Forschung und Lehre auf diesem Gebiet in Diagnostik wie Therapie federführend mit begründet und entwickelt, dazu Abhilfe, Beratung, Ausbildung und Forschungsprojekte (z.b. jeweils 1. und weitere Welt- und europ. Kongresse, 1. internat. Lehrbuch, 1. integrierte Klinikkonzeption ab 1993/94, 1. (und UKE-) Dienstvereinbarung, Beratungs- und Behandlungsmöglichkeit am UKE, Ärzte-, Psychologen-, betriebliche, sowie 1. Richter-Fortbildung, bislang längste und differenzierteste arbeitspsychologisch-medizinische Erhebungen in enger Kooperation mit Zapf, Einführung und Substantiierung neuer Inhalte und Definitionen). Aus diesem zeitlich wie sachlich diesbezüglich wohl umfänglichsten und spezifiziertesten Erfahrungsfundus und standardsetzenden Untersuchungsinventar schöpfend, ist er auch einer bundesweit wie aus EU-Nachbarländern zunehmenden Berufung als (med.- gerichtlicher) Sachverständiger bes. zur Mobbingthematik verpflichtet. Verfassung ohne Volk ist wie ein Fisch ohne Wasser Berlin. Zur Einigung der Europäischen Staats- und Regierungschefs über die künftige Europäische Verfassung erklärt Gerald Häfner, Vorstandssprecher von Mehr Demokratie: Der Europäische Rat eine große Chance verspielt. Er hat eine Verfassung beschlossen, aber die Bürger dabei aus dem Spiel gelassen. Eine Verfassung ohne Bürger aber ist wie ein Fisch ohne Wasser. Der Rat hat das Wichtigste übersehen. Er hat sich mit dem Was der Verfassung beschäftigt, aber nicht mit dem Wie. Er hat es versäumt zu beschließen, dass die Verfassung den Bürgern in allen Mitgliedsstaaten zur Abstimmung vorgelegt wird. Doch: in der Demokratie ist das Volk der Souverän. Und: Verfassungsgebung ist Sache des Volkes, nicht der Regierungen und Parlamente. Ohne Einbeziehung der Bürger kann die Verfassung nicht erreichen, was sie sollte: Europa demokratischer und bürgernäher machen. Solange Europa die Bürger nur in der Zuschauerrolle duldet, werden Ablehnung und Europamüdigkeit in der Bevölkerung weiter zunehmen. Umgekehrt gilt: Eine Volksabstimmung über die Europäische Verfassung ist eine einmalige, nie wiederkehrende Chance, die Bürger am Bau des vereinten Europa zu beteiligen und damit Europa ein demokratisches Fundament zu verschaffen. Mehr Demokratie e.v., 12 September 200413 Kandidaturen für den Bundesvorstand Auf der Mitgliederversammlung werden sich weitere KandidatInnen vorstellen Hans-Günter Brasche geb in Braunschweig, Vater Polizeibeamter, Mutter Kindergärtnerin, verheiratet mit einer Personalfachwirtin, 1 erwachsener Sohn, Schulabschluss auf der staatlichen Wirtschafts- und Handelsfachschule, Handelsfachwirt, 1967: nahtloser Übergang mit 18 Jahren zur Landespolizeischule Niedersachsen, insgesamt 3 Jahre Ausbildung Landespolizeischule Hann. Münden / Bereitschaftspolizei Braunschweig, ab Herbst 1970: Verwendung in verschiedenen Bereichen des polizeilichen Einzeldienstes und Sondereinheiten in Braunschweig, 1992: Beginn der Ausbildung zum gehobenen Dienst, Ausbilderlehrgang, 1977: Abschluss, Dipl.-Verwaltungswirt (FH), Polizeikommissar, Verwendung als Lehrer (Staats- und Verfassungsrecht, Polizeipraktische Ausbildung) in Oldenburg, 1977: Wechsel zur Kripo nach Wolfsburg, Verwendung im Kriminaldauerdienst / Spurensicherung und Staatsschutz, 1978: Versetzung nach Braunschweig, Verwendung im Kriminaldauerdienst / Fahndung und in verschiedenen Sondereinheiten als Leiter einer Wachgruppe, 1980: Leitungsfunktion im Stabsbereich Einsatz / Organisation, daneben SOKO Staatsschutz Linksterrorismus 1981: Versetzung zum Lagezentrum der Bezirksregierung Braunschweig 1984: Versetzung zur Polizeidirektion, Einsatz im Fachbereich Raub / Diebstahl 1985: Leiter 6.2 K, Aktenhaltung / Datenverarbeitung 1987: Leiter 7.3 K, Staatsschutz, Nachrichtendienstl. Delikte, Rechtsextremismus-/ Terrorismus, Ausländerextremismus- / Terrorismus, zuletzt Kriminalhauptkommissar, 1993: bei Anschlag im Dienst verletzt, das geschah 2 Tage vor Abgabe eines Berichts an den Landtag über tiefgreifende Misstände im Staatsschutz Nach Krankenhausaufenthalt über ein halbes Jahr arbeitsunfähig geschrieben. Dieser Anschlag wurde benutzt, um mich wegen meiner Kritik über die Mißstände im Staatsschutz kalt zu stellen. Es erfolgte ansatzweise die Verfolgung derjenigen, die mich krankenhausreif schlugen. Stattdessen wurde ich in der Tatnacht angezeigt wegen Vortäuschung einer Straftat angezeigt. Im März 1995 Verurteilung durch das LG Braunschweig zu 9 Monaten auf Bewährung. Seit 2001 keine Gehaltszahlungen. Anstrengungen zur Rehabilitation laufen weiter. Bei Interesse: Im Juli 2002 Artikel in der ZEIT unter Archiv, In die Falle gelocktspitzelt. Seit über zwei Jahren Autor der Schwarzen Schafe in der UNBE- QUEM. Vielfältige Aktivitäten als Sachverständiger für angewandte Kriminalwissenschaften in zahlreichen zum Teil spektakulären Einzelfällen. Koordinator des Netzwerkes Recht und Gesetz. Heinz Uth Die kurze Lebens- und Berufsübersicht: Am 27. Jan in Berlin geboren, 2 Töchter aus erster Ehe, drei Enkelkinder Seit April 2004 zum dritten Mal verheiratet Nach der mittleren Reife, der Lehre und der Berufsausübung als Werkzeugmacher ab 1961: Ausbildung und Dienst bei der Berliner Schutzpolizei (Späteinsteller) im Einsatzkommando und Reviereinzeldienst. ab 1970: regelmäßige Verwendung in Spezialeinheiten und Sonderdiensten bis 1972 im Berliner Diskussionskommando für Einsätze bei Demonstrationen und im Bereich von Unruhen an den Berliner Universitäten. bis 1974: Aufbau der ersten Arbeitsgruppe Ausländer (AGA) im Problembezirk Tiergarten/Moabit bis 1977: Mitaufbau und Verwendung als Teamführer beim ersten Berliner MEK (Mobiles Einsatzkommando) 1978 Wechsel zur Kriminalpolizei bis 1990 erst Sachbearbeiter, dann K- Leiter Straßenraub, mit späterer Spezialisierung im Bereich von homosexuellen Opfern und deren Tätern von 1990: Deutschlands erster Ansprechpartner der Polizei für gleichgeschlechtliche Lebensweisen bis 1996: in dieser Zeit viele Veröffentlichungen zum Thema Homosexualität und Polizei. u.a. in den Fachzeitschriften der Polizei 1994: Bereitschaft- POLIZEI heute und 1995 Kriminalistik sowie in den Berliner Dokumenten lesbisch/schwuler Emanzipation, z.b. Heft 15 -Opfer, Täter, Angebote- Im Oktober 1995: Verleihung des Bundesverdienstkreuzes am Bande und Im Juni 1999: die Verleihung des Rainbow Awards Nach der Pensionierung als KHK am 31. Jan ehrenamtliche Mitarbeit in mehreren anti-gewaltprojekten, hauptsächlich an Schulen in Berliner Problembereichen Hobbys: 1. Italien: (Leben, Lieben, Essen und Trinken) 2 Lesen: (H. Hesse, St. Nadolny, Hartmut Lange und in letzter Zeit alle Bücher die sich mit meiner Kriegskindheit und dem heutigen Terror befassen). 3. Sport als Teil meiner Lebensphilosophie. Ehemaliger Berliner und Norddeutscher Meister im Marathonlaufen. Seit Mitte der siebziger Jahre als Trainer tätig, Ab 1999 auch im Bereich des modernen Fünfkampfes. Letzter Höhepunkt die Teilnahme an den Olympischen Spielen in Athen (die betreute Athletin belegte den fünften Platz). Keine Langeweile also, sondern noch immer ein ausgefülltes Leben voller Optimismus. Thomas Wüppesahl 49 Jahre alt, verheiratet, ein Kind (Dario) Etwas Berufliches Oktober 1971 zur Polizei Hamburg. Verkürzte Ausbildung, dann 1,5 Jahre September14 Bereitschaftspolizei, 1,5 Jahre Reviereinzeldienst. Anschließend 1 Jahr Kriminalbeamtenanwärterlehrgang. Knapp 2 Jahre unbezahlten Urlaub, um die Fremdenreife zu machen. Von 1980 bis 1986 Jahre sachbearbeitende Tätigkeit auf örtlichen Kommissariaten. Bis November 1986 knapp 3 Semester Fachhochschule Polizei. Unterbrechung durch ein Bundestagsmandat. Fortsetzung des Studiums ab Mai Im November 1994 (!) wurde mir die Befähigung zum sog. Gehobenen Dienst, also den Dipl.-Verwaltungswirt, bestanden gelassen. Währenddessen mit Sonderschleifen im sog. Studium konnte ich beide Sonderlehrgänge zum Wirtschaftskriminalisten (insgesamt rund 8 Monate) machen. Von 1996 bis 1998 drei Zwangsumsetzungen vom Wirtschaftskriminalisten zum Kfz-Hehler (betrügerische Verkehrsunfälle) zur Kriminologischen Forschung und zur sog. Speziellen Ausländerkriminalität verschoben. Anschließend 1 Jahr Zwangssuspendierung wg. eines der vielen gegen mich konstruierten und aufgeblasenen Strafermittlungsverfahren. Um Oktober 2000, teilrehabilitiert und gegen allergrößte Widerstände in der Hamburger Mordkommission geparkt. Nach weiteren Mobbing-Handlungen seit 1. Dezember 2000 bis 26. August 2004 arbeitsunfähig geschrieben (unterbrochen von Urlauben und einer Kur), um jetzt zum zweiten Mal in meinem beruflichen Leben zwangssuspendiert worden zu sein. Grundlage hierfür war dieses peinlich anmutende Urteil des Hamburger Berufsrichters Holger Randel, LG HH, Kl. Strafk. 5. Politisch im engeren Sinne: Seit Mitte der 70er Jahre in der Anti- AKW-Bewegung aktiv. In meinem Wohnort Geesthacht steht im Ortsteil Krümmel der größte Siedewasserreaktor der Welt; Inbetriebnahme 9/1983. In dieser Stadt befindet sich eine Forschungseinrichtung (GKSS) mit ursprünglich drei Forschungsreaktoren. Demonstrationen angemeldet, geleitet, und viele viele andere Aktivitäten. Des weiteren in Inititativen der Friedensbewegung, Anti-Fa-Tätigkeiten, zum Volkszählungsboykott usw. tätig gewesen. Mitgründung zweier grüner Wählergemeinschaften, die 1982 in den Kreistag bzw. die Geesthachter Stadtvertretung gelangten. Vier Jahre kommunalpolitische Tätigkeit in beiden Gremien. Davon zwei Jahre als Fraktionsvorsitzender u.a.m. - Mitaufbau des schl.-h. Landesverbandes der Grünen. Mitarbeit im Hamburger Arbeitskreis Bürger beobachten die Polizei. 1986: Wahl in den Landeshauptausschuss der schleswig-holsteinischen Grünen. Mitbegründung der Bundesarbeitsgemeinschaft Kritischer Polizistinnen und Polizisten im Juni 1986, zunächst als Hamburger Signal. Januar 1987: Bundestagsmandat. Vollsitze im Gemeinsamen Ausschuss (sog. Notparlament) und Innenausschuss, sowie Stellvertreterplatz im Rechtsausschuss. 31. Mai 1987: Parteiaustritt wg. von der Partei aufgekündigter Solidarität in noch ausstehenden Straf-, Zivil-, Disziplinar- und Presseverfahren (rund 25 Verfahren) aus dem Johanniter-Krankenhaus-Skandal und Überreichung eines in eine Blume gemalten Hakenkreuzes mit den Worten Für Deine Sammlung durch einen grünen Kommunalpolitiker auf einer Kreismitgliederversammlung der Grünen. Nach einem Jahr Fraktionsausschluss nach einer dritten Sondersitzung der BT-Fraktion wg. Querelen im Landkreis und imperativen Mandat des ökosozialistisch dominierten Landesverbands Schl.-H. Daraus folgte der Verlust sämtlicher Gremiensitze im Deutschen Bundestag und vieler anderer parlamentarischer Rechte und Arbeitsmöglichkeiten. Dagegen machte ich 1988 eine Organstreitklage vor dem Bundesverfassungsgericht. Es erging die Wüppesahl-Entscheidung (BverfGE 80, 188; 2 BvE 1/88) zu den Rechten von Einzelabgeordneten mit der Folge, dass nunmehr Abgeordnete den Anspruch auf einen Ausschußsitz, bestimmte Rederechte auch im Plenum, Antragsänderungsrechte in der 2. Gesetzeslesung und andere Kleinigkeiten haben. Bereits Mitte der 80er Jahre konnte ich eine Entscheidung beim VG Schleswig erstreiten, als mir aufgrund der von mir vertretenen unliebsamen politischen Inhalte durch die Geesthachter Stadtvertretung Rechte als Stadtverordneter (sog. Ratsherr ) massiv beschnitten worden waren, die gleichfalls Präzedenzen für kommunalpolitische Abgeordnete schlechthin darstellte. Mitarbeit in der Deutschen Vereinigung für Parlamentsfragen, Mehr Demokratie e.v. u.a. Mitgliedschaft in der Parlamentarischen Gesellschaft, dem BUND u.a Wahl zum Bundessprecher bei der kritischen BAG. Bis dahin in der BAG immer im Hintergrund geblieben. Zum Mobbing via Straf- und Disziplinarrecht nur soviel: Inzwischen rund 40 Strafverfahren. Reichlich Disziplinarverfahren. Bisher einmal eine gezerrte Missbilligung. Halter eines Deutschen Rekordes, weil ich nach fast 10 Jahren bestandener Prüfung zum gehobenen Dienst (November 1994) immer noch nicht einmal zum Kriminalkommissar ernannt bin. Offizieller Dienstgrad: KHM/KKA m.p. In Hamburg wird jeder auch unterdurchschnittliche Kriminalbeamte mit dem 40. Lebensjahr zum Kommissar usw. ernannt auch wenn er nicht durch die F(l)achhochschule Polizei geschleust wurde. Bald bin ich 50 Jahre alt. Etwas Nennenswertes konnte bislang noch nicht festgehalten werden, aber Verdacht auf Verdacht wurde kongenial und phantasievoll entwickelt. Aber das hat natürlich etwas mit meiner Eignung, Befähigung und Leistung zu tun. Nichts, aber auch gar nichts kann mit meiner politischen Tätigkeit in Zusammenhang gestellt werden oder gar dem Corpsgeist-, Kameraderie- und Mauer-Des-Schweigens- Problems, dass die Hamburger Polizei mit ihrem Mitarbeiter Thomas Wüppesahl hat. Und jetzt bewerbe ich mich erneut zum Bundessprecher bei der immer noch kritischen BAG. Robert Huppertz Als 43-jähriger Familienvater, mit insgesamt 3 Kindern gesegnet, blicke ich mittlerweile auf 24 Jahre Polizeidienst beim Bundesgrenzschutz zurück. Davon habe ich nach 30 Monaten Ausbildung 9 Jahre in einer verbandpolizeilichen Komponente verbracht, bevor ich zum Einzeldienst wechselte. Seit 1992 bin ich im Bereich des Bahnhofs München Hbf als Streifenbeamter tätig. 14 September 200415 Somit ist mir, menschlich gesehen, fast nichts mehr fremd. Kontakt zur BAG habe ich zum ersten Mal 1998 erhalten, nachdem ich durch meine Tätigkeit als Personalrat mit einem Konflikt zwischen Dienststellenleiter und einem einfachen Streifenbeamten in Berührung kam. In diesem Konflikt drohte der Kollege zerrieben zu werden. Leider waren meine Kenntnisse, ihm zu helfen nicht ausreichend. Durch Teilnahme an einer Vortragsreihe zum Thema Mobbing im Jahre 1999 in Berlin, und durch eigene Weiterbildung in diesem Bereich lernte ich die BAG näher kennen und schätzen, sie wurde auch meine BAG und ich somit Mitglied. Mehrere polizeiinterne Vorgänge im Raum München, die teilweise überregional durch die Presse gingen, (Stichwort Silva Braun), haben mich in meiner Entscheidung bestärkt, der BAG beizutreten. Und sei es nur, um als Ansprechpartner für in Not geratene Polizeibedienstete und/oder BürgerInnen zur Verfügung zu stehen, ihnen Hilfe als Mensch und als Vermittler zu qualifizierter Hilfe im Umgang mit der jeweiligen Behörde zukommen zu lassen. In dieser Rolle sah ich mich selbst auch während meiner 9 Jahre dauernden Tätigkeit in verschiedenen Gremien der Personalvertretung meiner jetzigen Dienststelle und auch als Vertrauensmann der Gewerkschaft der Polizei. Diese Funktion eines Ansprechpartners, mittlerweile als Beisitzer und somit Mitglied im Bundesvorstand der BAG, habe ich auch im Umgang mit Medien und Betroffenen in den Zeiten beibehalten, in denen die BAG wegen interner Auseinandersetzungen nicht mehr in der Lage war, einen geregelten Geschäftsbetrieb aufrecht zu erhalten. Wenn man so möchte, bin ich der Südpol der Nord-Süd-Achse. Häufige Anfragen verschiedenster Medien und dienstlicher Begebenheiten haben mir die Notwendigkeit einer Organisation kritischer Polizisten wiederholt und nachdrücklich vor Augen geführt. Zeitungsinterviews, TV-Auftritte und Stellungnahmen zu polizeilichen Vorfällen, (vielleicht besser Unfällen), und schließlich ein Vortrag an der Universitätsklinik in Hamburg-Eppendorf, haben mir mehr abgefordert, als ich mir selbst zugetraut hätte. Ich habe mich dabei nicht immer wohl gefühlt, sehe ich die Dinge doch eher aus einer, wenn auch kritischen, Froschperspektive. Dennoch bin ich nach wie vor fest davon überzeugt, dass auch im großen, politischen Rahmen die demokratische Entwicklung der Polizeien vorangetrieben werden muss. Aus diesem Grund müssen meines Erachtens effektive, unabhängige Kontrollfunktionen in den Vollzugsorganen installiert werden, und Organisationen bestehen, die auch einmal den Finger in die Wunde legen und gleichzeitig politisch tätig sind, um zu erreichen, dass die deutschen Polizeien das werden, was sie sein sollten: Institutionen, die im demokratischen Rechtsstaat ihren Beitrag im Sinne der Gewaltenteilung zum Wohle aller Bügerinnen und Bürger leisten. Dafür bin ich bereit, mich zu engagieren. Forschungsbericht zur Telefonüberwachung Die Hochschullehrer Backes und Gusy aus Bielefeld haben die Akten von 173 Strafverfahren ( ) aus Gerichtsbezirken in Nordrhein-Westfalen und dem Stadtstaat Berlin gesichtet. Die 554 Telefonüberwachungen der Verfahren wurden überprüft, ob durch den sog. Richtervorbehalt die Telefonüberwachung, als Grundrechtseingriff, messbar und kontrollierbar ist und ob die Betroffenen, wie vom Gesetz gefordert, nachträglich informiert werden. Das Bundesverfassungsgericht hatte verlangt, dass, als Gegengewicht zur Polizei und zur Staatsanwaltschaft, der Richter als neutrale Instanz eigenständig prüft und die Belange der Betroffenen im Auge behält. Ergebnis: Die Genehmigungsquote für die staatsanwaltschaftlichen Überwachungungsersuchen liegt bei 99,9% (306 von 307 Fälle). Der Richter zeichnet mehrheitlich (90%) nur die Anträge der Strafverfolger ab und übernimmt deren Argumentation wörtlich; auch wenn die Anträge nicht den gesetzlichen Anforderungen entsprechen. Das Material der STA belässt der Richter in 25% der Fälle fehlerhaft wie es ist, etwa jeden zehnten Antrag bringt er auf gesetzeskonformen Stand oder aber er produziert selbst fehlerhafte Beschlüsse (30%), in denen die Nennung einer Katalogstraftat oder der Hinweis auf konkret begründeten Tatverdacht fehlt oder die Prüfung unterbleibt, ob nicht ein minder schwerer Eingriff auch zum Ziel führt (Subsidiarität). 10% der Beschlüsse entbehren aller drei gesetzlich geforderten Merkmale. Es zeigt sich, dass Richter in ländlichen Gebieten besonders große Schwierigkeiten haben: dort ist es die fehlende Erfahrung mit brisanten Straftatenvorwürfen, die den Richter hindert, mit Überwachungsanträgen strafprozessual korrekt umzugehen. Backes und Gusy stellen fest, dass nur 3% der von Lauschmaßnahmen Betroffenen nach deren Ablauf informiert wurden. Obwohl der verfahrensmäßige Weg zur Telefonüberwachung erkennbar fehlerbehaftet ist, erkennt nur jeder zehnte Strafverteidiger diesen Sachverhalt und thematisiert ihn in der Hauptverhandlung. In einem Interview und einer Gruppendiskussion mit Richtern, Staatsanwälten und Polizisten, gaben die Strafverfolger zu, dass sie jeden Überwachungsbeschluss erhalten, den sie wünschen. Rechtstaatliche Bedenken verursacht das bei ihnen nicht, halten sie die Einschaltung eines Ermittlungsrichters doch, so wörtlich: für eine Farce. Es fehlt unübersehbar die Sensibilität, dass Telefonüberwachung einen Grundrechtseingriff darstellt so Backes und Gusy abschließend. Stephan Stolle: Wer kontrolliert die Telefonüberwachung?, Otto Backes, Christoph Gusy (Hrsg.) Frankfurt/ M.,Verlag Lang, ISBN: Bielefelder Rechtsstudien 17 September16 Sag zum Abschied, leise Servus... Einige Gedanken zur Auflösung von ProPolice von Heinz Uth ProPolice e.v., das ehrenamtliche Berliner Experiment offener, nicht an den Hierarchien orientierter Polizei-Sozialarbeit, löst sich auf. Gut sechs Jahre nach unserer Gründung im Jahre 1998 verabschiedet sich die Vereinigung von kundigen Polizeibeamten/innen und externen Fachleuten von der kleinen Bühne demokratischen Bürgerengagements. Dem Ende vorausgegangen war eine im Grenzbereich der eigenen Kapazitäten liegende Bearbeitung einer Vielzahl von Hilfeersuchen für Kolleginnen und Kollegen. Parallel dazu führten wir intensive Diskussionen über Wege und Ziele des Vereins. Immer häufiger stellten wir uns und unsere Tätigkeiten in Frage. Angetreten mit der Idee, Polizeiangehörige bei der Bewältigung sowohl privater als auch dienstlicher Probleme zu unterstützen, stieß ProPolice von Beginn an auf ein reges Interesse. Der Bedarf an krisenorientierter Beratung war enorm und bestätigte die bei der Planung des Experiments vorausgesagte Lücke im System der behördeninternen Sozialbetreuung. Die außerordentliche fachliche Kompetenz, die hohe Flexibilität, vor allem aber die zugesicherte und eingehaltene absolute Vertraulichkeit der unkonventionell agierenden Vereinsmitarbeiter ließen den Unterschied zum Sozialmedizinischen Dienst der Berliner Polizeibehörde für alle sichtbar werden. Dies erkannten sowohl die Berliner Innenverwaltung als auch die Gewerkschaft der Polizei und der Gesamtpersonalrat. Die mit diesen Gruppierungen geführten Gespräche verliefen in vertrauensvoller Atmosphäre und ergaben weitere Ansätze und Möglichkeiten für eine fallbezogene Zusammenarbeit. Das nicht unkritische, doch effektive und erfolgreiche Wirken des Vereins löste innerhalb der Polizeiführung dagegen keinerlei Zustimmung oder gar Wohlwollen aus. Selbstgefällig und unkritisch von den eigenen Problembewältigungsstrategien überzeugt, erließ die Polizeiführung sogar eine Weisung an alle Dienststellenleiter, nicht mit ProPolice zusammenzuarbeiten. Unsere Versuche, die teilweise personenbezogenen Aversionen durch Gespräche und Offenlegung der Vereinsziele zu verändern, scheiterten schon im Ansatz. Man redete über- und nicht miteinander. Verharrte so in alten, längst als überholt geglaubten Strukturen polizeilichen Denkens und Handelns. Kritische Erneuerung hat noch immer, sofern sie von innen kommt, den Geruch der Nestbeschmutzung. Auch wenn die Weisung der obersten Polizeiführung zur Nichtkooperation mit ProPolice keine Auswirkungen auf die Anzahl der hilfesuchenden Polizeibediensteten und damit auf unseren Arbeitsanfall zeigte, erwies sie sich bei der Rekrutierung von unbedingt notwendigem Vereinsnachwuchs als überaus hinderlich. Unsere Hoffnung, durch Multiplikatoreneffekte den benötigten Helferstamm zu vergrößern, erhielt einen herben Dämpfer. Die von ProPolice gewährte Hilfe erwies sich hier als Einbahnstraße. Zwar wurde jede Leistung gerne angenommen, doch zeigte sich niemand bereit, seinerseits den Verein offen, z.b. als Helfer, oder auch nur als Vereinsmitglied zu unterstützen. Der am häufigsten genannte Grund, die subjektiv empfundene Angst vor möglichen Repressionen durch die Behörde, war stärker. Einmal mehr zeigte sich uns, dass Zivilcourage nicht gerade zu den starken Tugenden von Polizeibeamten/innen gehört. Eine Erfahrung, die die Bundesarbeitsgemeinschaft der Kritischen schon vor Jahren machen musste. Unser sozusagen letzter Versuch, mittels einer im Jahre 2001 durchgeführte Klausurtagung nicht nur unser Image sondern auch unser Wirkungsfeld zu verändern, führte uns nicht aus der Sackgasse. Das Ergebnis der Tagung, das Profil von ProPolice durch eine stärkere Politisierung eindeutiger zu prägen, hielt nicht, was es versprach und schob das nahe Ende nur hinaus. Das muss man bedauern. Zu einer Zeit, in der von Berlin aus versucht wird, große Politik zu gestalten, wäre es besonders wichtig, auch von hier aus kritische Polizeiarbeit zu etablieren. Die unglaublichen Vorfälle innerhalb der Deutschen Polizei, von der Frankfurter Folterandrohung bis hin zum Frauenparkplatz auf dem Hamelner Polizeirevier, fordern eine Aufarbeitung von innen geradezu heraus. Doch ProPolice war und blieb ein Beratungsverein mit guten Ideen, mit leider zu wenigen Ressourcen und zu vielen Aufgaben. Auch wenn wir mehrheitlich an unseren Ansprüchen gescheitert sind - die Auflösung ist ein ehrlicher Schritt. Wir gehen ihn erhobenen Hauptes und keineswegs entmutigt. Uns bleibt die Hoffnung, dass das Ende von ProPolice nicht das Verlöschen einer kritischen Stimme, sondern nur der Eintritt in eine Phase der Stille oder des Stimmbruchs bedeutet. Danach, so träume ich manchmal, ist wieder alles offen. Heinz Uth war Vorstandsmitglied von Pro Police e.v. und kandidiert am zu unserem Bundesvorstand 16 September 200417 Sehr geehrte Leserinnen und Leser, wir hatten bereits in der UNBEQUEM Nr. 49 ein Interview mit Polizeidirektor Udo Behrendes führen können, der für den Aufarbeitungsprozess nach dem Eigelstein-Skandal in der Kölner Innenstadt-Inspektion verantwortlich war. Im Mai 2002 war Stefan Neisius, wenige Tage nach erlittenen Misshandlungen in der Polizeiwache Eigelstein gestorben, ohne das Bewusstsein wiedererlangt zu haben. Das damalige Interview zu Beginn des internen Aufarbeitungsprozesses hatte seinerzeit sehr viel Aufmerksamkeit gefunden. Zwei Polizeibeamte brachten im Mai 2002 die von ihnen beobachteten Straftaten von insgesamt sechs Polizeibeamten zur Anzeige. Inzwischen erfolgten Verurteilungen durch das Landgericht Köln (nicht rechtskräftig). Amnesty International hat diesen Vorfall in seine aktuelle Berichtslegung aufgenommen. Die Wogen der Empörung schlugen bundesweit hoch. Das Düsseldorfer Innenministerium wurde tätig. Der Landtag in Nordrhein-Westfalen befasste sich mit dem Fall Eigelstein. Nahezu zeitgleich mit den Vorkommnissen auf der Polizeiwache Eigelstein wurde die POLIS-Studie ( Polizei im Spiegel ) des Bereichs Arbeits- und Organisationspsychologie der FernUniversität Hagen veröffentlicht. Im Rahmen der Studie waren im Zeitraum 1999/2000, also vor dem grauenhaften Vorfall vom 11. Mai 2002, Befragungen und Interviews in der Kölner Innenstadt-Inspektion (zu der neben der Polizeiwache Eigelstein noch drei weitere Wachen gehören) durchgeführt worden, um Einstellungen und Belastungen der Beamtinnen und Beamten dieses großstädtischen Bereichs zu analysieren. Die Ergebnisse der Studie wurden daher folgerichtig in den internen Aufarbeitungsprozess ab Mai 2002 einbezogen. Wir Kritische fragen heute, fast zweieinhalb Jahre nach dem Tattag, nach, was sich getan hat. Interview mit Polizeidirektor Udo Behrendes Fragen der Redaktion UNBEQUEM : 1. Herr Behrendes, wie geht es Ihnen nach rund zwei Jahren als Verantwortlicher für die vier Innenstadtreviere in der Kölner Innenstadt? Antwort Udo Behrendes (B.): Die Polizeiinspektion Mitte in Köln ist die einsatzbelastete in ganz Nordrhein- Westfalen. Neben den Alltagsbelastungen haben wir in den vergangenen beiden Jahren den Vorfall vom und die POLIS-Studie aufgearbeitet und Anfang Juli 2004 im Rahmen eines Modellversuchs eine umfassende Neuorganisation unserer Dienststelle vorgenommen. Von daher: Viel Arbeit, aber auch viele Chancen, Polizeiarbeit vor Ort weiter zu entwickeln. 2. Die POLIS-Studie empfiehlt die Einrichtung einer Aktionsgruppe die sich mit den Ergebnissen und Schlussfolgerungen der Studie auseinandersetzt. Wurde diese Aktionsgruppe oder etwas ähnliches eingerichtet? Und wenn ja, wie sieht die (Zwischen)Bilanz aus? B.: Wir haben diese Empfehlung der POLIS-Studie umgesetzt und sehr gute Erfahrungen damit gemacht. Im Sommer 2002 haben wir eine 20-köpfige hierarchieübergreifende Aktionsgruppe (vom Polizeimeister bis zum Polizeidirektor) mit Kolleginnen und Kollegen aller Funktionsebenen unserer Polizeiinspektion gebildet und unter externer Moderation die Problemstellungen des Vorfalles vom und der POLIS-Studie diskutiert. Wir haben Maßnahmenpläne entworfen, mit denen wir in kleinen, für sich genommen unspektakulären Schritten unsere Strukturen aber auch unsere Kultur mit neuen Impulsen versehen haben. Nachfrage: Können Sie uns diese allgemeinen Ausführungen konkreter machen? Was sind das für Maßnahmenpläne? Was sind das für kleine Schritte zur Veränderung welcher Polizeikultur? Wir haben auf den verschiedensten Ebenen die Kommunikation verbessert, z.b. durch wöchentliche Führungsbesprechungen aber auch wöchentliche hierarchieübergreifende Jour-fix-Termine der PI-Leitung bei den Kolleginnen und Kollegen des Streifendienstes, wir geben eine PIinterne Zeitung heraus, die von einem hierarchieübergreifenden Redaktionsteam konzipiert wird. Mit allen Führungskräften wurden in moderierten Veranstaltungen gemeinsame Führungsleitsätze erarbeitet. Wir haben einen Feedback-Bogen erstellt, mit dem die Kolleginnen und Kollegen dem jeweiligen Vorgesetzten anonym Rückmeldungen zu seinem Führungsverhalten geben. In jeder Dienstgruppe wurden Qualitätsleitsätze zum Thema Kollegiale Mitverantwortung erarbeitet, um der Unkultur des Wegschauens bei Fehlverhalten entgegen zu treten. 3. Was wirft die POLIS-Studie im Wesentlichen für Ihre Arbeit aus und in welcher Weise konnten Sie die Ergebnisse bei Ihrer Arbeit nutzen? B.: Die POLIS-Studie war für die Aufarbeitung des Vorfalles vom die wertvollste Quelle. Die Studie beinhaltet das Selbstbild der Kolleginnen und Kollegen des Streifendienstes unserer Polizeiinspektion, gewährt Einblicke in ihre Einstellungen, ihre Erfahrungen und ihre Belastungen. Wir haben die Empfehlungen der PO- LIS-Studie daher als roten Faden für unsere Überlegungen in der Aktionsgruppe genutzt. 4. Welche Konsequenzen wurden daraus gezogen? B.: Wir haben zu fast allen Empfehlungen der POLIS-Studie konkrete Umsetzungsvorschläge erarbeitet. Dabei haben wir uns bewusst auf das sofort und in eigener Verantwortung Machbare konzentriert und uns mit weitergehenden Forderungen an höhere Instanzen zurückgehalten. Nachfrage: Bitte nennen Sie uns drei Beispiele für konkrete Umsetzungsvorschläge und was ist aus diesen Vorschlägen geworden. Die zu Frage 2 angeführten Beispiele korrespondieren unmittelbar mit einigen Empfehlungen der POLIS-Studie, z.b: Klärung des Berufs-, Aufgabenund Selbstverständnisses, Stärkung des Ansehens und Einflusses des Wachdienstes, Stärkung der Dienstgruppenleiter und der Durchgängigkeit der Führungslinie, Förderung einer Kultur der kollegialen Verantwortung. 5. Wie nahmen die Ihnen zugeordneten Mitarbeiter die Studie auf? Nahmen September18 Sie diese überhaupt zur Kenntnis? Wurde breit diskutiert? Fanden Veränderungen statt? B.: Wir haben die Studie allen Kolleginnen und Kollegen zugänglich gemacht. Für die Führungskräfte (dies waren vor der Neuorgansation in unserer Polizeiinspektion 46 Kolleginnen und Kollegen) und die Mitglieder der Aktionsgruppe war die Studie Pflichtlektüre. Die Studie wurde überwiegend positiv aufgenommen wobei natürlich jeder Leser andere Schwerpunkte bei der Auswertung setzt. 6. Wie wurde diese Studie von dem Innenministerium aufgenommen? Fand eine parlamentarische Bearbeitung statt? Immerhin wurde die Studie mit Mitteln des Innenministeriums Nordrhein-Westfalen finanziert. B.: Die Studie wurde und wird im Innenausschuss des nordrhein-westfälischen Landtages diskutiert. Auf Einladung des Innenministeriums habe ich die leitenden Kolleginnen und Kollegen aller nordrhein-westfälischen Polizeibehörden über unseren internen Aufarbeitungsprozess informiert. 7. Hat sich die Fachöffentlichkeit damit auseinander gesetzt? Haben die Medien diese Studie aufgegriffen und wenn wie? B.: Die Studie wird in Führungsgremien und im Bereich der Aus- und Fortbildung ausgewertet. Prof. Dr. Wiendieck hat als für die Studie verantwortlicher Wissenschaftler in verschiedenen Veranstaltungen darüber referiert. Auch ich erhalte in diesem Zusammenhang Einladungen zu Referaten über unseren Aufarbeitungsprozess. Nach meinem Überblick ist die Studie bundesweit von den Medien aufgegriffen worden. Bei der Medienberichterstattung tritt jedoch häufig das Problem auf, dass aus dem Katalog von 193 Fragen, die den Kolleginnen und Kollegen im Rahmen der Studie gestellt worden waren, einzelne Items, die nicht selten aus dem Zusammenhang gerissen sind, als Kernaussagen dargestellt werden. 8. Die Autoren der POLIS-Studie empfehlen u.a. die Weiterentwicklung der selbstkritischen und lernförderlichen Organisationskultur. Demnach sollten zu allererst die informellen Normen bewusst gemacht werden, zweitens sie in ihrer Funktionalität geprüft werden und drittens sollten sie gefestigt und entwickelt werden. Um welche informellen Normen handelt es sich? Sehen Sie noch weitere? Und in welcher Weise sollten diese entwickelt und gefestigt werden? B.: Die genaue Formulierung der PO- LIS-Studie in diesem Zusammenhang lautet: Der erste Schritt einer Kulturentwicklung besteht in der Bewusstmachung der informellen Normen, zweitens in der Prüfung ihrer Funktionalität sowie drittens im Bemühen um ihre Entwicklung und Festigung. Workshops zur Selbstreflexion, zur Definition des Qualitätsbegriffs, sowie die partizipative Entwicklung von Leitbildern gehören hierzu. Zu positiven informellen Normen führt die POLIS-Studie in der angesprochenen Empfehlung u. a. aus: Der freundlich aufmerksame Blick, der höfliche Umgangston, die Bereitschaft zum Verständnis sind nicht gesetzlich vorgeschrieben, können aber im Selbstverständnis der Beamtinnen und Beamten verankert sein und so einen Teil einer wünschenswerten Polizei- Kultur ausmachen. 9. Die Autoren der Studie empfehlen des Weiteren die Förderung einer Kultur der kollegialen Verantwortung. Wodurch soll sich diese kollegiale Verantwortung von dem Corpsgeist-, Kameraderie- und Mauer-des-Schweigens-Problem, das wir bundesweit in den 20 Polizeien haben, maßgeblich unterscheiden? Zumal die Autoren in dieser längsten Empfehlung über eine halbe DIN A 4 Seite die Antwort schuldig bleiben, wie nachträgliche Kritik nicht automatisch zu Strafanzeigen führt? Die Autoren drücken sich, wie auch an anderen Stellen, zu klaren Empfehlungen und ergehen sich in sattsam bekannten (mit allen Folgen) Ausführungen wie:...die nachträgliche Kritik bereits unter dem Vorbehalt des 163 StPO stehen kann und daher eher ein Schweigen als ein Offenlegen begünstigt. Sie fordern unsere KollegInnen weder auf, sich gesetzestreu zu verhalten und (auch) KollegInnen anzuzeigen, wenn sie Straftaten begehen, noch fordern sie z.b. das Abschaffen der Strafverfolgungspflicht. B.: Wir haben die POLIS-Empfehlung Förderung einer Kultur der kollegialen Verantwortung zu einem zentralen Punkt unseres gesamten Aufarbeitungsprozesses gemacht. Ausgehend vom Vorfall haben wir folgende Ziele für alle Erörterungen und Maßnahmenpläne festgelegt: Oberziel Professionalisierung polizeilichen Einschreitens in aggressiv besetzten Situationen, um Gewalt (im weitesten Sinne) auf das unbedingt notwendige Maß zu reduzieren. Teilziele Schaffung bzw. Weiterentwicklung entsprechender kultureller und struktureller Rahmenbedingungen Klärung von Rolle und Selbstverständnis der Führungskräfte Stärkung der kollegialen Mitverantwortung und -kontrolle Stärkung der individuellen Selbstverantwortung und -kontrolle Zum Thema kollegiale Mitverantwortung sind in über 20 Basis-Organisationseinheiten der Polizeiinspektion Mitte Qualitätsleitsätze entwickelt worden. Es geht dabei um das interne Hinschauen, das Aufeinander-Aufpassen nicht im Sinne eines gegenseitigen Belauerns, sondern im Sinne eines offenen und ehrlichen gegenseitigen Helfens, um im Wege eines Frühwarnsystems Fehlentwicklungen zu stoppen, bevor sie straf- oder dienstrechtliche Relevanz haben. Auch die POLIS- Studie weist in der entsprechenden Empfehlung auf den vorbeugenden Charakter kollegialer Mitverantwortung hin dies ist kein Gegensatz zu der selbstverständlichen Verpflichtung zur Anzeigenerstattung bei entsprechenden Vorkommnissen. Nachfrage: Das meinen Sie doch nicht ernst mit selbstverständlicher Verpflichtung zur Anzeigenerstattung oder? Es ist eine ungeschriebene Regel, dass strafrechtlich relevantes Verhalten von KollegÌnnen nicht angezeigt wird und das Abweichen davon also gesetzestreues Verhalten stellt die Ausnahme dar. Was sind zwischenzeitlich für Erfahrungen mit dem offenen und ehrlichen gegenseitigen Helfen, um im Wege eines Frühwarnsystems Fehlentwicklungen zu stoppen, bevor sie straf- oder dienstrechtliche Relevanz haben, gemacht worden? B.: Vorgesetzte achten mehr als früher darauf, dass die Streifenwagen-Besat- 18 September 200419 zungen richtig gemischt werden, z.b. dass besonders vorbildliche Kolleginnen und Kollegen als Tutoren für Neue eingesetzt werden. Darüber hinaus werden Kolleginnen und Kollegen, bei denen Defizite im Bereich sozialer bzw. kommunikativer Kompetenz erkannt werden, nachhaltig zu Fortbildungsmaßnahmen aufgefordert. Wir hatten im Vergleich der Jahre 2002 und 2003 insgesamt eine Steigerung der Fortbildungsmaßnahmen von 100%. Aber auch zum Thema Anzeigenerstattung nach Körperverletzung im Amte hatten wir zwei bemerkenswerte Fälle, die sicherlich eine Signalwirkung entfaltet haben: Nach Ohrfeigen (ohne weitergehende sichtbare Verletzungen) für renitente Festgenommene wurde jeweils aus dem Kollegenkreis Anzeige erstattet, ohne dass die Geschädigten selbst darum ersucht hätten. 10. Die Autoren der Studie empfehlen die Berufung eines/einer Qualitätsbeauftragten. Keinen Polizeibeauftragten. Der Qualitätsbeauftragte wird auch noch als erfahrener Polizeivollzugsbeamter/in als hilfreich beschrieben, weil er leichter das Vertrauen der KollegInnen gewinnen könne. Haben Sie nicht auch den Eindruck, dass die ganze Studie unter einer zu großen Polizeinähe und einer mangelnden inneren Unabhängigkeit gegenüber dem zu untersuchenden Gegenstand (Kölner Innenstadtreviere) leidet? Zumal diese Studie nicht zuletzt deshalb zustande kam, weil die Kölner Innenstadtpolizei bereits längst auffällig geworden war, bevor Stefan Neisius zu Tode kam. B.: Ich teile nicht Ihren Eindruck, dass die Studie unter mangelnder innerer Unabhängigkeit leidet. Wir haben uns allerdings im Rahmen der Aktionsgruppe dem Vorschlag zu einem internen Qualitätsbeauftragten nicht angeschlossen, da wir glauben, dass Qualitätsmanagement eine Querschnittsaufgabe aller Führungsebenen ist, die nicht nur einem besonderen Beauftragten obliegen sollte. 11. Wieso nicht einen Polizeibeauftragten (siehe auch Empfehlungen des PUA Hamburger Bürgerschaft zum Polizeiskandal), der für KollegInnen genau so Ansprechpartner darstellt wie für Bürgerinnen und Bürger, die tatsächlich oder vermeintlich Opfer polizeilichen Handelns geworden sind? B.: Ein von der Studie vorgeschlagener interner Qualitätsbeauftragter und ein von Bürgerrechtsgruppen vorgeschlagener externer Polizeibeauftragter schließen sich nach meiner Einschätzung keineswegs aus. Ihre Frage, warum die POLIS-Studie keine Aussagen zu einem Polizeibeauftragten enthält, müssen Sie aber bitte den Verfassern der Studie selbst stellen. Nachfrage: Danke für die Anregung. Und weshalb kam die Aktionsgruppe gerade nach Ablehnung eines vorgeschlagenen Qualitätsbeauftragten nicht zu so einem Vorschlag, also den Polizeibeauftragten? Wurde das überhaupt diskutiert? B.: Wir hatten uns zum Ziel gesetzt, diejenigen Themen anzupacken, die wir selbst in eigener Verantwortung regeln können. Das Thema Polizeibeauftragter liegt im Zuständigkeitsbereich der Landesregierung bzw. des Landesparlaments. 12. Die Rücklaufquote der 242 ausgewerteten Fragebögen lag bei den verschiedenen Dienststellen durchschnittlich bei 65%. An der Wache Eigelstein bei nur 51%. - Hat das Ihrer Meinung nach etwas mit der Tatsache zu tun, dass Polizeibeamte der Wache Eigelstein die Misshandlungen zu verantworten haben? B.: Ich denke, dass die Rücklaufquote, gemessen an anderen Erhebungen, insgesamt sehr hoch war. Über die etwas geringere Rücklaufquote der Polizeiwache Eigelstein will ich nicht spekulieren. Eines ist mir aber sehr wichtig: Die Misshandlungen im Rahmen des Vorfalles am haben drei Beamte der Wache Eigelstein und drei Beamte anderer Innenstadt-Wachen begangen. Die Polizeiwache Eigelstein war zwar die Tatörtlichkeit, der Fall selbst ist aber kein Fall Eigelstein sondern betrifft die gesamte Polizeiinspektion. 13. Bei Beantwortung der Frage nach Anlässen für Frustrationen, hat bei den KollegInnen der von Ihnen geleiteten Inspektion kein Wert eine so hohe Bedeutung wie das Thema Festgenommener wird von Justiz gleich frei gelassen. Und die KollegInnen gaben zu 81,8% an, dass sie das auch häufig erleben. Finden Sie dieses berufliche Selbstverständnis auch bloß im Ansatz richtig? Ich frage nicht, ob es nachvollziehbar ist. Und da diese Frage unter Frustratoren abgehandelt worden ist was erwächst gegen diesen explosiven Frust an Handlungsnotwendigkeiten? B.: Wir wissen auch aus anderen Untersuchungen, dass die Unzufriedenheit über die Justiz innerhalb der Basis-Organisationseinheiten der Polizei insgesamt sehr groß ist. Dies ist also kein exklusives Kölner Innenstadt-Phänomen. Ich glaube, dass diese Unzufriedenheit häufig mit dem Blick auf die Opfer von Straftaten entsteht, denen man gern einen wirksameren Schutz vor Wiederholungstätern in Aussicht stellen möchte. Dennoch ist es richtig, dass wir das grundsätzliche Rollenverständnis der Kolleginnen und Kollegen im Bereich der Strafverfolgung und dabei insbesondere die Abgrenzung zur Rolle der Justiz diskutieren müssen. Darüber hinaus brauchen wir noch mehr anlassunabhängige Dialogmöglichkeiten zwischen Polizeibeamtinnen und -beamten sowie Vertreterinnen und Vertreter der Justiz. Die Intensivierung solcher Begegnungen steht daher auch auf der Agenda unserer innerdienstlichen Fortbildungsangebote. 14. Als belastend empfinden 62,3% der befragten KollegInnen die Bedrohungen durch Bürger, die sie zu 26,1% häufig erleben. Beschimpfungen durch Bürger empfinden 42,1% der KollegInnen in den Kölner Innenstadtrevieren als belastend und immerhin 29,1% geben an: Dies erlebe ich häufig. Was ergeben diese Werte und die dahinter stehenden Aussagen an Handlungsbedarf für die Weiterbildung? B.: Gerade die Kolleginnen und Kollegen im Bereich großstädtischer Zentren sind in besonderer Weise aggressiven Verhaltensweisen häufig alkoholisierter Vergnügungssuchender ausgesetzt. Die Kölner Altstadt, Szenelokale der sog. Ring-Meile und viele Problem-Discos ziehen allabendlich das entsprechende Event-Publikum an nicht nur aus Köln sondern auch aus dem gesamten Umland. Nicht umsonst stand daher unser gesamter Aufarbeitungsprozess unter dem Oberthema Professionalisierung polizeilichen September20 Einschreitens in aggressiv besetzten Situationen, um Gewalt (im weitesten Sinne) auf das unbedingt notwendige Maß zu reduzieren. Wir haben in unserer Aus- und Fortbildung inzwischen eine Fülle von Angeboten für Verhaltens-, Kommunikations- und Stressbewältigungstraining. Die Bereitschaft der Kolleginnen und Kollegen, diese Angebote auch anzunehmen, ist spürbar gestiegen. 15. Erschreckende 28,2% der befragten KollegInnen geben an, am Ende eines Arbeitstages oft emotional erschöpft zu sein, 23,5% beklagen die Depersonalisation ihres Berufslebens. Welcher Handlungsbedarf ist für Sie erkennbar? Was ist bisher geschehen? B.: Mit einer Fülle von Einzelmaßnahmen haben wir versucht, das innerdienstliche Netz zum Auffangen solcher Belastungen enger zu knüpfen. Neben entsprechenden Angeboten der Behörde, haben wir in unserem Aufarbeitungsprozess insbesondere die unmittelbaren Vorgesetzten noch mehr in die Pflicht genommen, sich ständig und umfassend um ihre jeweiligen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu kümmern. Im Rahmen des bereits angesprochenen Modellversuchs bieten wir seit Juli 2004 auch organisatorisch neue Möglichkeiten der Dienstverrichtung an, die insbesondere helfen werden, die Dauerbelastungen des Schichtdienstes abzubauen. Wir haben insgesamt sehr viel mehr flexible Dienstzeitmodelle und mehr Wechselmöglichkeiten innerhalb unserer Polizeiinspektion geschaffen.. Durch diese Binnenreform sind für rund 40 Kolleginnen und Kollegen Arbeitszeitmodelle außerhalb eines starren Schichtdienstplanes enstanden. Darüber hinaus haben wir die Anzahl der Wachen von vier auf zwei reduziert. Dadurch werden alle Strukturen in der Innenstadt-Inspektion deutlich übersichtlicher ,6% der befragten KollegInnen in der von Ihnen geleiteten Polizeiinspektion geben an: Polizei wird von Medien unfair kritisiert. Sehen Sie das auch so, wie die Mehrheit Ihrer Mitarbeiter? Und wenn nicht, wie sehen Sie das? B.: Ich selbst nehme, von Einzelfällen abgesehen, insgesamt einen fairen Umgang der Kölner Medien mit der Polizei wahr. Allerdings ist in den Boulevard-Medien nicht selten eine Tendenz zur reinen Skandal-Berichterstattung und zur Verallgemeinerung ( Prügelwache, Prügelpolizisten ) festzustellen. Dies stößt denjenigen Kolleginnen und Kollegen, die korrekt und engagiert ihren Dienst versehen, dann zu Recht sauer auf ,2% der KollegInnen geben an, dass ihnen das Verhalten meiner Kollegen zu weit ging, immerhin 9,0% gaben zu: Habe kurzfristig die Dienstvorschriften vergessen. 3,9% gaben an: Ich wurde von meinen Kollegen gebremst. Und 1,9% äußerten: Habe mein eigenes Verhalten nicht mehr verstanden. Wie interpretieren Sie diese Werte? Wie gehen Sie damit um? B.: Diese Fragen sind offensichtlich von vielen ehrlich beantwortet worden. Es liegt auf der Hand, dass es häufig einen schmalen Grat zwischen gerechtfertigtem und notwendigem zu einem überzogenem, nicht mehr angemessenen Verhalten gibt. Wichtig ist, dass wir darüber reden und ständig nach gemeinsamen Wegen zur weiteren Professionalisierung unseres Einschreitens in gewaltbesetzten Konfliktsituationen suchen. Die Skandalisierung oder Dämonisierung polizeilichen Fehlverhaltens, des Machtmissbrauchs, den es grundsätzlich auch in jedem anderen Beruf gibt, würde gerade dem selbstkritisch-konstruktiven Umgang mit dieser Problemstellung entgegenstehen und weitere Steine für die vielzitierte Mauer des Schweigens liefern. Nachfrage: Dennoch, sehr geehrter Herr Behrendes, wir haben es hier mit dem Beruf zu tun, der nicht bloß die massivsten Eingriffsmöglichkeiten in Grund- und Freiheitsrechte von uns Bürgern hat, sondern auch denjenigen, der geradezu die institutionelle Verkörperung mehr noch als StA und Gerichte des Rechtes und Gesetzes in den Augen der Bürger genießt. Wenn also knapp ein Drittel der befragten KollegInnen angibt, dass Ihnen das Verhalten der Kollegen zu weit ging und lediglich 9% angeben, dass sie selbst kurzfristig die Dienstvorschriften vergaßen, dann lässt das eher auf Unehrlichkeit von immerhin 20% (!) als Ehrlichkeit schließen. B.: Die Tendenz, Fehler eher bei Anderen als bei sich selbst zu suchen, ist überall festzustellen - dies gilt nach meiner Wahrnehmung übrigens auch für kritische Polizisten! Weitere Nachfrage: Und wenn nur 3,9% sagen, dass sie bei ihrem zu weit gehen was immer das konkret bedeutet haben mag - gebremst worden sind, dann bedeutet das im Umkehrschluss, dass rund 24% der KollegInnen, die von sich selbst sagen, daß Verhaltensweisen (und das sind schon alles weiche Frageformulierungen für unsere zart besaiteten PolizeibeamtInnen) von KollegInnen ihnen zu weit gegangen sind, dass sie nicht intervenierten. - Man kann es auch anders formulieren: Diese 24% verletzten Dienstwenn nicht allgemeine Gesetzesnormen. Ich hoffe, Sie missverstehen diese Interpretation nicht als Dämonisierung oder Skandalisierung polizeilichen Verhaltens und schon gar nicht eine Stigmatisierung von Ihnen geleiteter Revierwachen, sondern es spiegelt sich darin nichts anderes wieder als die von uns Kritischen seit fast 20 Jahren beklagte Polizeinormalität. Wie sind diese Fakten bei der Aufarbeitung in der Polizeiinspektion Köln-Mitte problematisiert worden, denn von solchem zu weit gehen sind in der Regel ganz konkrete Bürger mit ihren Rechten betroffen? B.: Wenn Sie sich noch einmal die Ziele unseres Aufarbeitungsprozesses (vgl. Antwort auf Frage 9) vor Augen führen, sehen Sie, dass es natürlich immer zentral um dieses Thema geht - es geht insbesondere um den Graubereich, den fließenden Übergang von gerechtfertigtem, ja häufig unbedingt notwendigem Einsatz von Gewalt und die latente Gefahr zu überziehen, durch den Schlag zuviel, die zeitlich unangemessene Überdehnung einer an sich gerechtfertigten Freiheitsentziehung etc. Erste These: Alle Polizisten, die auf der Straße arbeiten (auch kritische ), haben irgendwann Grenzverletzungen begangen, verbal oder körperlich, haben, um es allgemein auszudrücken, ihre Macht missbraucht. Ich selbst kann mich an einige solcher Vorfälle erinnern, die mir heute leid tun. Zweite These: Jeder Nicht-Polizist, ob Lehrer, Pfarrer, Journalist oder Handwerksmeister hat ebenfalls strukturell oder zumindest situativ Macht 20 September 2004 Mehr anzeigen
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