Source: http://www.deutschestextarchiv.de/book/view/feuerbach_recht_1801?p=334
Timestamp: 2019-03-26 02:44:21
Document Index: 298381589

Matched Legal Cases: ['Art. 172', 'Art. 172', 'Art. 172', 'Art. 172', 'Art. 172', 'Art. 172', 'Art. 172', 'Art. 172', 'Art. 172', 'Art. 172']

Strafe. I. Auf die Entwendung der
Monstranz mit der geweihten Hostie folgt die
Feuerstrafe. II. Ein gefährlicher Kirchendieb-
stahl, gleichviel ob die Entwendung aus einem
heiligen oder profanen Ort *), an einer Sache
von grösserem oder von geringerem Werth **)
geschehen ist, wird unbedingt mit dem Tode
bedroht, die Wahl der Todesart dem Richter
überlassen ***). Auch kann der qualificirte
Kirchendiebstahl so gut durch Einsteigen und
mit Waffen als durch Einbruch geschehen ****).
P. G. O. Art. 172. 173. u. 174.
III. Bey dem einfachen Kirchendiebstahl
an heiligen Sachen, die wenigstens den Werth
eines grossen Diebstahls betragen, finden die-
*) Die P. G. O. Art. 172. redet zwar nicht von dem
letzten Fall. Aber die ratio legis nöthigt, ihn hier
**) Sehr gut dargethan von Koch inst. jur. crim. §.
228. Anm.
***) "Dieser Dieb sey zum Tod, nach Gelegenheit der
"Sache und Rath den Rechtsverständigen zu stra-
"fen." Art. 172. Nach andern (z. E. Meister
jun. l. c. §. 235. c.) sollen diese Worte erlauben,
auf die Strafbarkeit in concreto Rücksicht zu neh-
men -- gegen die deutliche Wortfügung des Ar-
tikels, gegen die Vergleichung mit der Bamb. 198.
und gegen die ausdrückliche Erklärung Carls, dass
Kirchenraub härter als Diebstahl sey.
****) Dagegen, allein ohne hinreichenden Grund Ro-
bert l. c. und Grolman C. R. W. §. 306. Anm. 1.
Monſtranz mit der geweihten Hoſtie folgt die
Feuerſtrafe. II. Ein gefährlicher Kirchendieb-
ſtahl, gleichviel ob die Entwendung aus einem
von gröſserem oder von geringerem Werth **)
geſchehen iſt, wird unbedingt mit dem Tode
überlaſſen ***). Auch kann der qualificirte
Kirchendiebſtahl ſo gut durch Einſteigen und
mit Waffen als durch Einbruch geſchehen ****).
III. Bey dem einfachen Kirchendiebſtahl
an heiligen Sachen, die wenigſtens den Werth
eines groſsen Diebſtahls betragen, finden die-
**) Sehr gut dargethan von Koch inſt. jur. crim. §.
***) „Dieſer Dieb ſey zum Tod, nach Gelegenheit der
„Sache und Rath den Rechtsverſtändigen zu ſtra-
„fen.“ Art. 172. Nach andern (z. E. Meiſter
jun. l. c. §. 235. c.) ſollen dieſe Worte erlauben,
auf die Strafbarkeit in concreto Rückſicht zu neh-
men — gegen die deutliche Wortfügung des Ar-
und gegen die ausdrückliche Erklärung Carls, daſs
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[306/0334] II. Buch. I. Theil. II. Titel. II. Abſchnitt. §. 385. Strafe. I. Auf die Entwendung der Monſtranz mit der geweihten Hoſtie folgt die Feuerſtrafe. II. Ein gefährlicher Kirchendieb- ſtahl, gleichviel ob die Entwendung aus einem heiligen oder profanen Ort *), an einer Sache von gröſserem oder von geringerem Werth **) geſchehen iſt, wird unbedingt mit dem Tode bedroht, die Wahl der Todesart dem Richter überlaſſen ***). Auch kann der qualificirte Kirchendiebſtahl ſo gut durch Einſteigen und mit Waffen als durch Einbruch geſchehen ****). P. G. O. Art. 172. 173. u. 174. §. 386. III. Bey dem einfachen Kirchendiebſtahl an heiligen Sachen, die wenigſtens den Werth eines groſsen Diebſtahls betragen, finden die- ſel- *) Die P. G. O. Art. 172. redet zwar nicht von dem letzten Fall. Aber die ratio legis nöthigt, ihn hier aufzunehmen. **) Sehr gut dargethan von Koch inſt. jur. crim. §. 228. Anm. ***) „Dieſer Dieb ſey zum Tod, nach Gelegenheit der „Sache und Rath den Rechtsverſtändigen zu ſtra- „fen.“ Art. 172. Nach andern (z. E. Meiſter jun. l. c. §. 235. c.) ſollen dieſe Worte erlauben, auf die Strafbarkeit in concreto Rückſicht zu neh- men — gegen die deutliche Wortfügung des Ar- tikels, gegen die Vergleichung mit der Bamb. 198. und gegen die ausdrückliche Erklärung Carls, daſs Kirchenraub härter als Diebſtahl ſey. ****) Dagegen, allein ohne hinreichenden Grund Ro- bert l. c. und Grolman C. R. W. §. 306. Anm. 1.
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Zitationshilfe: Feuerbach, Paul Johann Anselm von: Lehrbuch des gemeinen in Deutschland geltenden Peinlichen Rechts. Giessen, 1801, S. 306. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/feuerbach_recht_1801/334>, abgerufen am 26.03.2019.