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Timestamp: 2020-05-25 09:20:18
Document Index: 299547196

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socialnet Rezensionen: Friederike Löser, Friedrich München: Abrechnung ambulanter Krankenhaus­leistungen | socialnet.de
Friederike Löser, Friedrich München: Abrechnung ambulanter Krankenhaus­leistungen
Friederike Löser verfügt über langjährige Praxiserfahrungen zu Fragen der ambulanten Abrechnung im Krankenhaus sowie als kaufmännische Leiterin eines ambulanten Behandlungszentrums.
Ass. jur. Friedrich München ist als stellvertretender Geschäftsführer und Leiter des Fachbereichs Rechtsangelegenheiten/Vertragswesen bei der Krankenhausgesellschaft Sachsen e.V. tätig.
Das Buch von Löser und München behandelt das Thema der Abrechnung der ambulanten Behandlungen im Krankenhaus. Es soll ein Leitfaden für alle Leistungsbereiche sein.
In der Regel werden in solchen Veröffentlichungen die jeweiligen Abrechnungsregeln und -vorschriften und somit die Sicht des Kostenträgers als Ausgangspunkt der Betrachtungen gewählt. In der Praxis stellt sich jedoch häufig das Problem, dass dem Leistungserbringer vor Ort aufgrund der Fülle und Komplexität der Regelungen nicht alle relevanten Vorschriften bekannt sind. Der Leistungserbringer richtet sein Agieren am medizinisch Notwendigen und nicht in erster Linie an den Abrechnungsregeln aus.
Unterschiedliche Vorschriften für die gesetzlichen Krankenversicherungen, Unfallversicherungsträger und sonstigen Kostenträger können dabei Unsicherheiten erzeugen und in der Konsequenz zu Erlöseinbußen der Krankenhäuser führen. Im vorliegenden Buch sollen daher die Abrechnungsvorschriften ausgehend vom Behandlungsort und der Erlösrelevanz für die Einrichtung dargestellt werden, um dem Leistungserbringer vor Ort die erforderliche Hilfestellung in allen Abrechnungsfragen zu bieten.
Die 2. Auflage des Werkes geht vor dem Hintergrund der aktuellen Rechtsprechung und teilweise neu gefassten Regelungen zur Finanzierung die Abrechnungsvorschriften auf die Thematik der Abrechnung ambulanter Krankenhausleistungen ein.
Der Behandlungsort wird die Erlösrelevanz für die Einrichtung dargestellt, um dem Leistungserbringer vor Ort die erforderliche Hilfestellung in allen Abrechnungsfragen zu bieten.
Neu gefasst wurden seit Erscheinen der 1. Aufl. im Jahr 2015 (das alte Buch hatte den Rechtsstand 2014) mehrere Gesetze bzw. abrechnungsrelevante Richtlinien:
Verabschiedung der seit 2013 in Arbeit befindlichen Richtlinien des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) zur ambulanten spezialfachärztlichen Versorgung nach § 116b SGB V (neu),
Einigung der Spitzenverbände zu den geriatrischen Institutsambulanzen nach § 118a SGB V –,
Neuordnung des § 140a SGB V, ehemals Integrierte Versorgung, jetzt Besondere Versorgung.
Neuordnung zu den Hochschulambulanzen (hierzu gab es im November 2016 eine Entscheidung des das Bundesschiedsamt), der erweiterte Versorgungsauftrages trat mittlerweile in Kraft.
Für die Abrechnung ambulanter Krankenhausleistungen ist die Notfallversorgung an Krankenhäusern relevant. Mit dem KHSG wurde zum 1.1.2016 der § 75 Abs. 1b neu gefasst. Die KVen „sollen (…) entweder Notdienstpraxen in oder an Krankenhäusern einrichten oder Notfallambulanzen der Krankenhäuser unmittelbar in den Notdienst einbinden“. Die Vergütungen sind seitdem in der Diskussion.
Noch kurz vor Ende des Jahres 2016 verabschiedete der Bundestag am 10.11.2016 das „Gesetz zur Weiterentwicklung der Versorgung und der Vergütung für die psychiatrische und psychosomatische Leistungen“ (PsychVVG). Dies ist für ambulante Behandlungen eine wichtige Weichenstellung seit der Einführung der stationsäquivalenten Behandlungen in psychiatrischen und psychosomatischen Krankenhäusern und Abteilungen (§ 115d SGB V). Es gibt seitdem eine vereinheitliche Dokumentation und Vergütung in den Psychiatrischen Institutsambulanzen.
Parallel mit dem PsychVVG wurden die Vorschriften für die psychosomatischen Institutambulanzen neu geregelt. Da aber vor der Einrichtung dieser Ambulanzen noch Vereinbarungsbedarf hinsichtlich der Krankheitsdefinition, Dokumentation und Leistungsabrechnung besteht, können unter Kapitel 4.6. nur die Rahmenbedingungen Erwähnung finden.
Da das Antikorruptionsgesetz verabschiedet und der Straftatbestand der Bestechlichkeit und Bestechung für alle Heilberufe in § 300 Strafgesetzbuch (StGB) verankert wurde (§ 299a „Regelung der Bestechlichkeit im Gesundheitswesen“ und 299b „Bestechung im Gesundheitswesen“ neu eingefügte Paragraphen), wurde ein neues Kapitel 8. zu diesem Thema geschrieben.
Löser und München unterteilen ihr Buch in neun Kapitel.
Kapitel 1 stellt eine Einleitung in das Thema dar.
Kapitel 2 setzt sich mit dem ambulanten Eingriffsraum und stationsersetzenden Maßnahmen auseinander. Dabei werden zunächst die stationsersetzenden Maßnahmen gem. § 115b SGB V sowie die stationsersetzenden Maßnahmen im berufsgenossenschaftlichen Heilverfahren nach § 33 SGB VII thematisiert.
Danach wird auf die stationsersetzenden Maßnahmen für privat krankenversicherte Patienten und Selbstzahler und ambulante Eingriffe an stationären teilstationären Patienten anderer Einrichtungen eingegangen.
Das Ende des Kapitels ist schließlich noch dem Fallartwechsel von stationsersetzender Behandlung zu vollstationärer Behandlung und aktueller Rechtsprechung gewidmet.
Kapitel 3 beschäftigt sich mit Vor- und Nachstationären Behandlungen. Hierbei wird unter anderem auf die vor- und nachstationären Behandlungen nach § 115a SGB V, die Abgrenzung von vor- und nachstationären Behandlungen von der vertragsärztlichen Tätigkeit sowie Leistungen nach dem Tod eingegangen.
Die ambulanten Spezialsprechstunden werden in Kapitel 4 ausführlich behandelt. Hierbei sind besonders die Ausführungen über die vertragsärztliche Tätigkeit, die ambulante Notfallversorgung im Krankenhaus und aktuelle Rechtsfälle zu diesem Themengebiet hervorzuheben. Hinsichtlich der Vorschriften für die psychosomatischen Institutambulanzen besteht noch Vereinbarungsbedarf hinsichtlich der Krankheitsdefinition, Dokumentation und Leistungsabrechnung. In 4.6. können daher nur die Rahmenbedingungen erwähnt werden.
Kapitel 5 legt seinen Fokus auf die Abgabe von Heilmitteln durch das Krankenhaus.
Hier wird genauer auf die Leistungen zu Lasten der GKV, die Leistungen zu Lasten der UV-Träger, die erweiterte ambulante Physiotherapie der Unfallversicherungsträger und die Selbstzahlerleistungen eingegangen.
Kapitel 6 trägt den Titel „In den Ambulanzen und Stationen – sektorenübergreifend“.
Das erste Unterkapitel geht hierbei genauer auf die Verträge zur Integrierten Betreuung (IGV) ein, während sich das zweite Unterkapitel mit strukturierten Behandlungsprogrammen bei chronischen Krankheiten auseinandersetzt.
Kapitel 7 geht schließlich auf die ärztliche Schweigepflicht, den Datenschutz und die Datenverarbeitung ein.
Kapitel 8 befasst sich mit der Bekämpfung der Korruption. Dieses Kapitel wurde für die 2. Auflage neu geschrieben. Das Antikorruptionsgesetz hat den Straftatbestand der Bestechlichkeit und Bestechung für alle Heilberufe in § 300 Strafgesetzbuch (StGB) neu eingeführt (§ 299 StGB wurde durch die §§ 299a „Regelung der Bestechlichkeit im Gesundheitswesen“ und 299b „Bestechung im Gesundheitswesen“ erweitert). Im neuen Kapitel wird die Rechtsmaterie erläutert. Es wird u.a. geklärt, welche Konsequenzen sich aus der vom Gesetzgeber gewollten Kooperation zwischen den Leistungserbringern im Gesundheitswesen ergeben.
Kapitel 9 beinhaltet eine Zusammenfassung der wichtigsten Erkenntnisse des Buches.
Es folgen ein Anhang über 9 Seiten und verschiedene Verzeichnisse über 25 Seiten.
Auch die 2. Auflage des Buchs stellt einen guten Leitfaden für Praktiker aus den Krankenhäusern dar, die sich in das Thema der Abrechnung ambulanter Krankenhausleistungen einarbeiten wollen. So richtet es sich vor allem an geschäftsführende Mitarbeiter, leitende Ärzte von ambulanten OP-Zentren und andere leitende Mitarbeiter.
Die Information dieses engen Leserkreises soll nach dem Wunsch der Autoren auch Zweck des Leitfadens sein. Das Buch erhebt nicht den Anspruch, wissenschaftliche Ausbildung von Studenten oder die Information ihrer Dozenten zu unterstützen.
Das Buch bedient sich einer Fachsprache, die für die angesprochen Zielgruppe verständlich ist, sich außenstehenden Interessierten aber mitunter erst nach mehrmaligen Lesen erschließt. Dabei werden zahlreiche fachliche Abkürzungen gebraucht, die zwar i.d.R. erklärt werden, sich aber aufgrund der schieren Masse doch störend auf den Lesefluss auswirken.
Kritisch ist des Weiteren zu sehen, dass häufig seitenlange Textpassagen ohne Unterbrechung aneinandergereiht sind. Hilfreich wären anschauliche Tabellen oder Grafiken gewesen. Diese langen Texte dürften selbst für erfahrene Praktiker ermüdend wirken.
Die 2. Auflage hat den Umfang des Buches von 272 Seiten auf 348 Seiten erhöht. Die umfangreiche Überarbeitung im Hinblick auf die zwischenzeitlichen neuen Gesetze sind ein typisches Phänomen im Bereich der Gesundheitswirtschaft: Die Regulierungen werden umfangreicher und engmaschiger. Ohne solche kompakten Bücher wäre es kaum noch möglich, den Überblick zu behalten.
Zusammenfassend betrachtet bietet das Buch zwar einen guten Einblick in die Abrechnung ambulanter Krankenhausleistungen. Das Buch ist jedoch ein Fachbuch für einen engen Leserkreis. Für Leser abseits der Zielgruppe dürfte es nur bedingt von Interesse sein.
Der Preis von 59,90 € ist für die Zielgruppe sicherlich angemessen, da das Buch eine Fülle von wichtigen Informationen enthält und den Leser auf den aktuellen Stand in Sachen Abrechnung ambulanter Krankenhausleistungen bringt.
Friedrich Vogelbusch. Rezension vom 23.05.2017 zu: Friederike Löser, Friedrich München: Abrechnung ambulanter Krankenhausleistungen. Deutsche Krankenhaus Verlagsgesellschaft mbH (Düsseldorf) 2017. 2. Auflage. ISBN 978-3-945251-85-0. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/22482.php, Datum des Zugriffs 25.05.2020.