Source: https://www.betanet.de/behinderung-steuervorteile.html
Timestamp: 2019-02-19 03:51:50
Document Index: 109560549

Matched Legal Cases: ['§ 32', '§ 10', '§ 33', '§ 33', '§ 33', '§ 9', '§ 9']

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Behinderung > Steuervorteile
Durch Vorlage des Schwerbehindertenausweises oder des Bescheids über die Schwerbehinderung können Menschen mit Behinderungen oder ihre Eltern steuerliche Vergünstigungen beim Finanzamt erreichen. Möglich sind z.B. die Absetzung eines Pauschbetrags bis maximal 3.700 €, erwerbsbedingter Kinderbetreuungskosten oder außergewöhnlicher Belastungen wie Pflege- oder Kfz-Kosten.
Zu den Steuervergünstigungen zählen:
Kinderfreibetrag für erwachsene Kinder mit Behinderung, wenn die Behinderung vor Vollendung des 25. Lebensjahres eingetreten ist (§ 32 Abs. 4 Nr. 3 und Abs. 6 EStG, alternativ zum Kindergeld)
Pauschbetrag für Menschen mit Behinderungen
außergewöhnliche Belastungen bei Pflegepersonen, Pflegepauschbetrag
außergewöhnliche Belastungen durch private Kraftfahrzeugkosten
bei Merkzeichen G oder aG: Tatsächliche Fahrtkosten zur Arbeit absetzbar
Zudem kann es für schwerbehinderte Menschen Erleichterungen geben bei der Kfz-Steuer (Kraftfahrzeugsteuer-Ermäßigung bei Schwerbehinderung), der Vermögenssteuer, der Erbschafts- und Schenkungssteuer, der Hundesteuer (blinde, gehörlose, hilflose Menschen) und der Umsatzsteuer.
2.1. Sonderausgaben
(§ 10 Abs. 1 Nr. 5 EStG)
Als Sonderausgaben können für Dienstleistungen zur Betreuung eines zum Haushalt des Steuerpflichtigen gehörenden Kindes unter 14 Jahren oder eines Kindes mit körperlichen, geistigen oder seelischen Behinderungen unter 25 Jahren, das seinen eigenen Unterhalt nicht bestreiten kann, zwei Drittel der Aufwendungen, maximal 4.000 € je Kind, geltend gemacht werden. Dies gilt nicht für Aufwendungen für Unterricht, die Vermittlung besonderer Fähigkeiten sowie für sportliche und andere Freizeitbeschäftigungen.
2.1.1. Praxistipp
Bei Teilnahme an Reha-Maßnahmen können Eltern Kinderbetreuungskosten auch als ergänzende Leistung zu Rehabilitation erhalten.
2.2. Pauschbetrag für Menschen mit Behinderungen
Pauschbeträge für Menschen mit Behinderungen sind Freibeträge, die vom zu versteuernden Einkommen abgezogen werden (§ 33b EStG).
Der Freibetrag kann
auf der Lohnsteuerkarte eingetragen
im Jahresausgleich rückwirkend geltend gemacht werden.
Die Pauschbeträge erhalten
Menschen mit Behinderungen mit einem Grad der Behinderung (GdB) von mindestens 50.
Menschen mit Behinderungen mit einem GdB von mindestens 25,
denen wegen der Behinderung nach gesetzlichen Vorschriften Renten oder andere laufende Bezüge zustehen,
wenn die Behinderung zu einer dauernden Einbuße der körperlichen Beweglichkeit geführt hat bzw. auf einer typischen Berufskrankheit beruht.
2.2.1. Höhe
Jährlicher Pauschbetrag €
Merkzeichen H und Merkzeichen BI unabhängig vom GdB
Anmerkung zur Tabelle: Seit 1983 wird der Grad der Behinderung nur noch in Zehner-Schritten eingestuft. Das Finanzamt behält die alten Tabellen bei, weil auch Menschen mit Behinderungen mit alten Einstufungen in Fünfer-Schritten erfasst werden müssen.
Die Pauschbeträge werden stets in voller Höhe gewährt, auch wenn die Voraussetzungen nicht während des ganzen Kalenderjahres vorgelegen haben. Wird der GdB verringert oder erhöht, gilt für das jeweilige Kalenderjahr der Pauschbetrag nach dem höchsten GdB.
Beim Pauschbetrag sind Nachweise für die einzelnen Aufwendungen nicht nötig. Übersteigen allerdings die tatsächlichen, zwangsläufigen Mehraufwendungen in der privaten Lebensführung des Menschen mit Behinderung die Pauschbeträge, ist es besser, auf den Pauschbetrag zu verzichten und die tatsächlichen Aufwendungen geltend zu machen. Diese müssen dann mit Belegen nachgewiesen werden.
2.2.2. Kinder
Bei Kindern mit Behinderungen, die keine eigene Steuererklärung abgeben, können die Eltern den Pauschbetrag auf sich übertragen lassen.
Voraussetzung ist, dass sie für das Kind Kindergeld oder einen Kinderfreibetrag erhalten (§ 33b Abs. 5 EStG).
Der Pauschbetrag eines Kindes mit Behinderungen wird jeweils zur Hälfte auf beide Elternteile übertragen, außer die Eltern wünschen beide eine andere Aufteilung.
2.3. Außergewöhnliche Belastungen für Pflegepersonen
Wer einen hilflosen (Merkzeichen H), schwerbehinderten (Behinderung mit einem GdB von mindestens 50) oder pflegebedürftigen Menschen mit Pflegegrad 4 oder 5 persönlich in seiner Wohnung oder in der des Pflegebedürftigen pflegt, kann entweder die tatsächlichen Kosten (sie sind nachzuweisen) oder einen Pflegepauschbetrag von 924 € jährlich absetzen. Die Kosten beziehungsweise der Pflegepauschbetrag gelten als außergewöhnliche Belastung und können zusätzlich zu den o.g. Pauschbeträgen geltend gemacht werden (§ 33b Abs. 6 EStG).
Voraussetzung ist, dass die Pflegeperson für die Pflege keine Einnahmen erhält. Pflegegeld gilt nicht als Einnahme.
2.4. Fahrten zur Arbeit
Steuerpflichtige können für Fahrten zur Arbeit und für Familienheimfahrten eine Entfernungspauschale von 30 ct/km für die einfache Strecke ansetzen. Aufwendungen für die Benutzung öffentlicher Verkehrsmittel können angesetzt werden, wenn sie den im Kalenderjahr insgesamt als Entfernungspauschale abziehbaren Betrag übersteigen.
Alternativ können Menschen mit Behinderungen die tatsächlichen Aufwendungen für diese Wege absetzen (§ 9 Abs. 2 Satz 3 EStG). Dies gilt bei
GdB 70 und höher
GdB mindestens 50 und die Bewegungsfähigkeit im Straßenverkehr ist erheblich beeinträchtigt (Merkzeichen G oder Merkzeichen aG).
2.5. Außergewöhnliche Belastungen durch private Kraftfahrzeugkosten
Menschen mit Behinderungen können behinderungsbedingte Fahrten (z.B. zum Arzt, zur Apotheke, zur Therapiebehandlung, zur Schule, zur Behörde) als außergewöhnliche Belastung von der Steuer absetzen:
GdB ab 80 oder Merkzeichen G mit einem GdB von 70
Jährlicher Pauschbetrag von 900 € ohne Nachweis. Dies entspricht 3.000 km à 30 Cent. Höhere behinderungsbedingte Fahrtkosten müssen mit einem Fahrtenbuch nachgewiesen werden.
Merkzeichen aG, Merkzeichen Bl und Merkzeichen H
Fahrten bis zu 15.000 km jährlich (à 30 ct/km = 4.500 €) können abgesetzt werden, sofern sie nachgewiesen oder glaubhaft gemacht werden (z.B. durch ein Fahrtenbuch).
Diese Beträge können auch bei Steuerpflichtigen berücksichtigt werden, die selbst keine Behinderungen haben, sondern auf die der Pauschbetrag übertragen wurde und die den Menschen mit Behinderungen transportiert haben.
Besondere Vergünstigungen genießen Menschen mit Behinderungen auch bei der Kfz-Steuer (Kraftfahrzeugsteuer-Ermäßigung bei Schwerbehinderung).
2.5.1. Praxistipp
Fahrten mit den Öffentlichen Verkehrsmitteln oder dem Taxi können Menschen mit Behinderungen ebenfalls bei der Steuererklärung angeben. Die oben genannten Kilometerpauschalen werden dann aber gekürzt.
3. Wer hilft weiter?
Individuelle Auskünfte zu allen steuerlichen Vergünstigungen geben die zuständigen Finanzämter. Steuerfragen speziell für Menschen mit Behinderungen beantwortet auch das Versorgungsamt. Für die Hundesteuer (Blindenhund) ist die jeweilige Gemeinde zuständig.
Behinderung > Berufsleben
Gesetzesquelle: §§ 9, 10, 32, 33b EStG
Letzte Bearbeitung: 23.10.2018
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