Source: https://www.kostenlose-urteile.de/SG-Speyer_S-5-AS-64913-ER-und-S-5-AS-161712-ER-Beschluss31102012_Fuer-Ausschluss-des-Anspruchs-auf-Arbeitslosengeld-II-ist-allein-Foerderfaehigkeit-der-Ausbildung-entscheidend.news15911.htm
Timestamp: 2019-11-19 08:38:47
Document Index: 125404139

Matched Legal Cases: ['§ 10', '§ 7', '§ 7', '§ 10', '§ 10', '§ 7', '§ 7', '§ 27', '§ 7']

Beschluss > S 5 AS 649/13 ER und S 5 AS 1617/12 ER (Beschluss, 31.10.2012 | SG Speyer - Für Ausschluss des Anspruchs auf Arbeitslosengeld II ist allein Förderfähigkeit der Ausbildung entscheidend < kostenlose-urteile.de
Der 1980 geborene Antragsteller des zugrunde liegenden Falls bezog laufend Leistungen nach dem SGB II. Er besucht seit August 2012 die Meisterschule für Handwerker, Bezirksverband Pfalz, mit dem Ziel, die Ausbildung zum "Goldschmied" zu absolvieren. Ausweislich der am 8. Mai 2012 ausgestellten Bescheinigung des Referates Jugend und Sport der Stadtverwaltung Kaiserslautern - Amt für Ausbildungsförderung - ist der Besuch der dreijährigen Berufsfachschule "Goldschmied" an der Meisterschule Kaiserslautern grundsätzlich förderungsfähig. Der Antragsteller erhält jedoch keine Ausbildungsförderung, da er die Voraussetzungen nach § 10 BAföG wegen Überschreitung der Altersgrenze nicht erfüllt. Der Antragsteller erhält keine Berufsausbildungsbeihilfe (BAB), da er noch keine abgeschlossene Ausbildung oder dreijährige berufliche Tätigkeit vorweisen kann.
Jobcenter stellt Zahlung von SGB II-Leistungen mit Verweis auf Förderfähigkeit der Ausbildung ein
Das zuständige Jobcenter beendete zum Beginn der Ausbildung an der Meisterschule die Gewährung von Leistungen nach dem SGB II. Zur Begründung führte das Jobcenter aus, dass der Antragsteller gemäß § 7 Abs. 5 SGB II keinen Anspruch auf Arbeitslosengeld II habe, da die Ausbildung des Antragstellers nach dem BAföG oder nach dem Sozialgesetzbuch, Drittes Buch (SGB III) förderungsfähig sei. Ob tatsächlich Leistungen nach dem BAföG oder dem SGB III gewährt werden, sei nicht maßgeblich. Der Antragsteller hat vor Gericht geltend gemacht, dass er einen Anspruch auf Leistungen nach dem SGB II habe, da er einen anerkannten Ausbildungsberuf anstrebe und keine Leistungen nach dem BAföG und nach dem SGB III erhalte.
Entscheidung des Jobcenters steht im Einklang mit rechtlichen Vorgaben
Besuch der dreijährigen Berufsfachschule ist grundsätzlich förderungsfähig
Die Voraussetzungen der Ausnahmen von § 7 Abs. 6 SGB II sind im vorliegenden Fall nicht erfüllt. Ausweislich der am 8. Mai 2012 ausgestellten Bescheinigung des Referates Jugend und Sport der Stadtverwaltung Kaiserslautern - Amt für Ausbildungsförderung - ist der Besuch der dreijährigen Berufsfachschule "Goldschmied" an der Meisterschule Kaiserslautern insoweit grundsätzlich förderungsfähig. Im Fall des 1980 geborenen Antragstellers liegt jedoch ein persönlicher Versagungsgrund nach § 10 BAföG vor. Ausbildungsförderung wird aufgrund der gesetzlichen Regelungen des § 10 Abs. 1 Satz 1 BAföG nämlich nicht geleistet, wenn der Auszubildende bei Beginn des Ausbildungsabschnitts, für den er Ausbildungsförderung beantragt, das 30. Lebensjahr, bei Studiengängen nach § 7 Absatz 1a das 35. Lebensjahr vollendet hat. Für den Ausschluss des Anspruchs auf Arbeitslosengeld II nach § 7 Abs. 5 SGB II kommt es allein auf die Förderfähigkeit der Ausbildung an, und zwar unabhängig davon, ob der Auszubildende tatsächlich gefördert wird oder ob, wie im Fall des Antragstellers, ein persönlicher Versagungsgrund gegen einen Anspruch auf Ausbildungsförderung vorliegt (vgl. LSG Sachsen-Anhalt, Beschluss vom 18.05.2010 - L 5 AS 219/09 B -). Dies entspricht dem Willen des Gesetzgebers, mit dem SGB II kein drittes Fördersystem für Schule und Ausbildung vorzuhalten, wie sich den Gesetzgebungsmaterialien eindeutig entnehmen lässt.
Voraussetzungen für die Annahme einer unzumutbaren Härte liegen nicht vor
Darüber hinaus liegt beim Antragsteller auch kein unzumutbarer Härtefall vor, der nach § 27 Abs. 4 SGB II die darlehensweise Bewilligung von Sozialleistungen rechtfertigt. Nach der Rechtsprechung des Bundessozialgericht bedeutet alleine der Verzicht auf die Fortsetzung der Ausbildung infolge der Versagung der Leistungen nach § 7 Abs. 5 SGB II keine besondere Härte. Eine solche sei etwa nur dann gegeben, wenn eine weit fortgeschrittene Ausbildung in kurzer Zeit nur mittels eines Darlehens beendet werden kann oder wenn eine weit fortgeschrittene Ausbildung etwa infolge von Krankheit oder Behinderung verzögert wird. Da der Antragsteller seine Ausbildung erst zum 13. August 2012 antrat, liegen die Voraussetzungen für die Annahme einer unzumutbaren Härte beim Antragsteller nicht vor.
Anspruch auf Hilfe zum Lebensunterhalt gemäß SGB XII ebenfalls verneint
Urteile zu den Schlagwörtern: Ausbildung | BAföG | Hilfe zum Lebensunterhalt | Sicherung des Lebensunterhalts
Dokument-Nr. 15911
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