Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Text=IX%20ZR%2054/02
Timestamp: 2019-07-20 00:01:16
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BGH, 29.04.2003 - IX ZR 54/02 - dejure.org
https://dejure.org/2003,663
BGH, 29.04.2003 - IX ZR 54/02 (https://dejure.org/2003,663)
BGH, Entscheidung vom 29.04.2003 - IX ZR 54/02 (https://dejure.org/2003,663)
BGH, Entscheidung vom 29. April 2003 - IX ZR 54/02 (https://dejure.org/2003,663)
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Haftung wegen Pflichtverletzung aus Anwaltsvertrag; Beratungspflichten eines Rechtsanwalts; Klage aus abgetretenem Recht ; Formularmäßiges Abtretungsverbot in Vertrag des Zedenten mit Schuldner; Belehrungen nach jeweils aktueller höchstrichterlicher Rechtsprechung; Aufklärung über erkanntes Prozessrisiko; Belehrung über Möglichkeit der Zeugenvernahme früheren Geschäftsführers der klagenden Gesellschaft mit beschränkter Haftung (GmbH); Aufklärung über verschiedene Alternativen
Beratungspflicht des Rechtsanwalts bei Abtretungsverbot; Haftung für Rechtsanwalt bei unterlassener Beratung; Geschäftsführer als Zeuge und Rechtsanwaltsberatung
Zu den Beratungspflichten eines Rechtsanwalts, der eine Klage aus abgetretenem Recht in Erwägung zieht, obwohl der Vertrag des Zedenten mit dem Schuldner ein formularmäßiges Abtretungsverbot enthält
Forderungsabtretungsverbot: Beratungspflicht eines Rechtsanwalts
Beratung über Prozessaussichten
Pflicht des Anwalts zu Hinweis auf Auswechslung des als Zeuge benötigten Geschäftsführers bei Abtretungsverbot
Rechtsanwalt haftet für schlechte Prozessführung! (IBR 2003, 429)
Zusammenfassung von "Zwei Falltüren auf dem Weg zur Berufung" von RA Hartmut Braunschneider, original erschienen in: ProzRB 2003, 302 - 306.
NJW-RR 2003, 1212
MDR 2003, 928
VersR 2004, 736
WM 2003, 1628
DB 2003, 2596
AnwBl 2003, 657
BauR 2003, 1216
Im Prozeß ist er verpflichtet, den Versuch zu unternehmen, das Gericht davon zu überzeugen, daß und warum seine Auffassung richtig ist (vgl. BGH, Urt. v. 29. April 2003 - IX ZR 54/02, WM 2003, 1628, 1629 f; v. 13. März 1997 - IX ZR 81/96, WM 1997, 1392, 1393 f;… v. 17. Dezember 1987, aaO S. 1080 f).
Er hat, wenn mehrere Maßnahmen in Betracht kommen, diejenige zu treffen, welche die sicherste und gefahrloseste ist, und, wenn mehrere Wege möglich sind, um den erstrebten Erfolg zu erreichen, den zu wählen, auf dem dieser am sichersten erreichbar ist (…BGH, Urt. v. 5. November 1992 - IX ZR 200/91, NJW 1993, 1320, 1322; v. 13. März 1997 - IX ZR 81/96, WM 1997, 1392, 1393 f; v. 29. April 2003 - IX ZR 54/02, WM 2003, 1628, 1630; v. 23. September 2004 - IX ZR 137/03, NJW-RR 2005, 494, 495).
Die Vermutung beratungsgerechten Verhaltens greift indes nur ein, wenn bei vertragsgemäßer Beratung aus damaliger Sicht des Mandanten vernünftigerweise nur eine Entscheidung nahegelegen hätte (BGHZ 123, 311, 314 ff; 126, 217, 224; BGH, Urt. v. 29. April 2003 - IX ZR 54/02, WM 2003, 1628, 1631).
Nach der ständigen Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs (so schon BGH, VersR 1960, 932, 933 mwN; vgl. auch BGH, NJW 1974, 1865; WM 1986, 199, NJW 1988, 1079, 1080; 1994, 1211, 1212; 1996, 1824, 1825; zuletzt MDR 2003, 928, 929 jeweils mwN) ist ein Rechtsanwalt zur allgemeinen, umfassenden und möglichst erschöpfenden Belehrung des Mandanten verpflichtet.
Es greift nämlich zu Gunsten des Mandanten die Vermutung, dass er bei pflichtgemäßer Beratung des Anwalts dessen Hinweisen gefolgt wäre, sofern für ihn bei vernünftiger Betrachtungsweise aus damaliger Sicht nur eine Entscheidung nahe gelegen hätte (BGH, NJW 93, 3259; NJW 2002, 593 und 292, 294; NJW-RR 2003, 1212, 1213 = WM 2003, 1628-1631 = MDR 2003, 928, 929, m.W.N, Fischer in Zugehör, aaO, RN 1054; Vollkommer/Heinemann, RN 688).
Erscheint eine beabsichtigte Klage wenig aussichtsreich, so muss der rechtliche Berater hierauf sowie auf die damit verbundenen Gefahren hinweisen (vgl. BGH, Urt. v. 29.04.2003, IX ZR 54/03, NJW-RR 2003, 1212 m.w.N.).
Die Vermutung beschränkt sich nicht nur auf den Fall, dass der Anwalt eine eindeutige Empfehlung in eine Richtung schuldete, sondern sie besteht auch dann, wenn der Anwalt mit entsprechenden Warnungen noch andere, risikoreichere Alternativen aufzeigen durfte oder sogar nur die Rechtslage mit verschiedenen Handlungsmöglichkeiten erläutern musste (…BGH NJW-RR 2007, 569, 571 (Rz. 23); NJW-RR 2006, 923, 925; BGH NJW-RR 2003, 1212, 1213;… Fischer, a.a.O., Rdn. 1008, Fn. 35;… Fahrendorf, a.a.O., Rdn. 722).
Im Prozess ist der Anwalt verpflichtet, den Versuch zu unternehmen, das Gericht davon zu überzeugen, dass und warum seine Auffassung richtig ist (…BGH in NJW 2006, 3494 [3495 sub Rdn. 9]; NJW-RR 2005, 494 [495]; NJW-RR 2003, 1212).
Insbesondere ist nicht ersichtlich, dass und wie er der von ihm selbst behaupteten - sich im Vergleichstext und auch in dem späteren, die Erledigung des Arbeitsrechtsstreites durch den Vergleich feststellenden Urteils widerspiegelnden - Auffassung des Kammervorsitzenden, die "H KG" und auch Herr H - als damaliger Beklagter zu 3) seien nicht Arbeitgeber des Klägers, entgegengetreten ist (…siehe zu dieser Pflicht des Anwaltes, es in einem Rechtsstreit zu versuchen, das Gericht davon zu überzeugen, dass und warum seine Auffassung richtig ist: BGH in NJW 2006, 3494 [3495 sub Rdn. 9]; NJW-RR 2005, 494 [495]; NJW-RR 2003, 1212;… vgl. nun auch WM 2008, 317 [318 Rdn. 15]).
Das aber ist nicht ersichtlich, schon gar nicht im Sinne eines allgemein gültigen Satzes, es sei denn, man stellte - unzulässigerweise - auf eine expost-Betrachtung statt auf die damalige Sicht (vgl. BGH, NJW-RR 2003, 1212, 1213, unter III. 1.;… Piekenbrock, a. a. O., 476) ab.
Der Rechtsanwalt ist seinem Auftraggeber grundsätzlich aufgrund eines Dienstvertrages zu einer umfassenden und erschöpfenden Beratung verpflichtet (vgl. BGH, Urteil vom 29.04.2003, IX 54/02, NJW-RR 2003, 1212).