Source: https://www.rechtslupe.de/steuerrecht/einkommensteuer/einkommensteuer-privat/haeusliches-arbeitszimmer-nutzung-3120180
Timestamp: 2019-12-07 12:28:50
Document Index: 189045872

Matched Legal Cases: ['§ 4', '§ 4', '§ 4', '§ 4', '§ 4', '§ 4', '§ 4', '§ 4', '§ 4', '§ 4', '§ 8', '§ 9', '§ 4', '§ 4', '§ 4', '§ 9', '§ 4', '§ 4', '§ 4', '§ 4', '§ 4', '§ 6', '§ 6', '§ 6', '§ 6', '§ 4', '§ 4', '§ 4', '§ 4', '§ 4', '§ 4', '§ 2', '§ 2', '§ 8', '§ 26', '§ 4', '§ 4', '§ 4', '§ 4', '§ 2', '§ 2', '§ 4', '§ 4', '§ 4', '§ 4', '§ 4', '§ 4', '§ 4', '§ 4', '§ 4', '§ 19', '§ 9']

Häus­li­ches Arbeits­zim­mer – und sei­ne Nut­zung durch meh­re­re Steu­er­pflich­ti­ge | Rechtslupe
Häusliches Arbeitszimmer - und seine Nutzung durch mehrere Steuerpflichtige
Häus­li­ches Arbeits­zim­mer – und sei­ne Nut­zung durch meh­re­re Steu­er­pflich­ti­ge
Nut­zen meh­re­re Steu­er­pflich­ti­ge ein häus­li­ches Arbeits­zim­mer gemein­sam, kann jeder Nut­zen­de die Auf­wen­dun­gen für das häus­li­che Arbeits­zim­mer, die er getra­gen hat, ein­künf­te­min­dernd gel­tend machen, sofern die Vor­aus­set­zun­gen des § 4 Abs. 5 Satz 1 Nr. 6b Satz 2 EStG in sei­ner Per­son vor­lie­gen (Ände­rung der Recht­spre­chung). Nut­zen Ehe­gat­ten bei hälf­ti­gem Mit­ei­gen­tum ein häus­li­ches Arbeits­zim­mer gemein­sam, sind die Kos­ten jedem Ehe­part­ner grund­sätz­lich zur Hälf­te zuzu­ord­nen.
Lie­gen die Vor­aus­set­zun­gen des § 4 Abs. 5 Satz 1 Nr. 6b Satz 2 EStG in Per­son bei­der Ehe­part­ner vor, sind die Kos­ten für das häus­li­che Arbeits­zim­mer in ein­ge­schränk­tem Umfang als Wer­bungs­kos­ten bei ihren jewei­li­gen Ein­künf­ten aus nicht­selb­stän­di­ger Arbeit abzieh­bar (§ 4 Abs. 5 Satz 1 Nr. 6b Satz 3 Halb­satz 1 EStG). Dabei kann der jewei­li­ge Höchst­be­trag von bei­den Ehe­part­nern in Anspruch genom­men wer­den.
Nut­zen meh­re­re Steu­er­pflich­ti­ge ein häus­li­ches Arbeits­zim­mer gemein­sam, kann jeder der Nut­zen­den sei­ne Kos­ten ein­künf­te­min­dernd gel­tend machen, sofern die Vor­aus­set­zun­gen des § 4 Abs. 5 Satz 1 Nr. 6b Satz 2 EStG in sei­ner Per­son vor­lie­gen 1.
Für die­se Aus­le­gung spricht bereits der Wort­laut des § 4 Abs. 5 Satz 1 Nr. 6b Satz 1 EStG 2. Die Abzugs­ver­bo­te in § 4 Abs. 5 Satz 1 EStG knüp­fen an die Betriebs­aus­ga­ben des ein­zel­nen Steu­er­pflich­ti­gen an, des­sen Gewinn sie nicht min­dern dür­fen. Betriebs­aus­ga­ben, d.h. durch den Betrieb ver­an­lass­te Auf­wen­dun­gen (§ 4 Abs. 4 EStG), sind unmit­tel­ba­re Besteue­rungs­grund­la­ge bei der Gewinn­ermitt­lung nach § 4 Abs. 3 EStG. Die­se Vor­schrift stellt aus­drück­lich auf den Gewinn des Steu­er­pflich­ti­gen ab, den die­ser als Über­schuss der Betriebs­ein­nah­men über die Betriebs­aus­ga­ben anset­zen kann. Dar­aus ergibt sich, dass für die Gewinn­ermitt­lung nach § 4 Abs. 3 EStG sowohl in Bezug auf die Betriebs­ein­nah­men als auch hin­sicht­lich der Betriebs­aus­ga­ben die­je­ni­gen des jewei­li­gen Steu­er­pflich­ti­gen maß­ge­bend sind. Bei der Gewinn­ermitt­lung durch Ver­mö­gens­ver­gleich (§§ 4 Abs. 1, 5 EStG) und bei der Ermitt­lung des Über­schus­ses der Ein­nah­men (§ 8 EStG) über die Wer­bungs­kos­ten (§ 9 EStG) ist im Ergeb­nis das glei­che der Fall. Hin­sicht­lich der Betriebs­aus­ga­ben, die den Gewinn gemäß § 4 Abs. 5 Satz 1 EStG nicht min­dern dür­fen, ist not­wen­di­ger­wei­se eben­falls per­so­nen­be­zo­gen auf die Betriebs­aus­ga­ben des ein­zel­nen Steu­er­pflich­ti­gen abzu­stel­len und nicht auf das Objekt der Abzugs­be­schrän­kung, sei es nun ein häus­li­ches Arbeits­zim­mer, eine Jagd oder eine Segel­yacht. Dies bringt der Gesetz­ge­ber in ver­schie­de­nen Vor­schrif­ten noch­mals beson­ders zum Aus­druck, z.B. in § 4 Abs. 5 Satz 1 Nr. 3, Nr. 5, Nr. 6 und Nr. 7 EStG. Bei der sinn­ge­mä­ßen Anwen­dung der Abzugs­be­schrän­kun­gen des § 4 Abs. 5 Satz 1 EStG gemäß § 9 Abs. 5 Satz 1 EStG gilt nichts ande­res.
Soweit § 4 Abs. 5 Satz 1 Nr. 6b Satz 1 EStG das Vor­han­den­sein von "Auf­wen­dun­gen für ein häus­li­ches Arbeits­zim­mer" vor­aus­setzt, kann dar­aus nicht geschlos­sen wer­den, dass trotz Indi­vi­du­al­be­steue­rung nicht an die Auf­wen­dun­gen des ein­zel­nen Steu­er­pflich­ti­gen ange­knüpft wer­den soll. Die Ver­wen­dung des Wor­tes "ein" in § 4 Abs. 5 Satz 1 Nr. 6b Satz 1 EStG ist nicht als Zahl­wort, son­dern als unbe­stimm­ter Arti­kel zu ver­ste­hen. Wenn der Gesetz­ge­ber die Auf­wen­dun­gen "für ein häus­li­ches Arbeits­zim­mer" durch § 4 Abs. 5 Satz 1 Nr. 6b Satz 3 EStG der Höhe nach begrenzt, ist damit ledig­lich der Fall erfasst, dass ein sol­ches häus­li­ches Arbeits­zim­mer vor­liegt, aber nicht zum Aus­druck gebracht, dass der Grund­satz der Indi­vi­du­al­be­steue­rung in Bezug auf das häus­li­che Arbeits­zim­mer auf­ge­ge­ben sein soll. Die Objekt­be­zo­gen­heit der Rege­lung in § 4 Abs. 5 Satz 1 Nr. 6b EStG betrifft damit nur die Fra­ge, ob (über­haupt) ein häus­li­ches Arbeits­zim­mer vor­han­den ist. Eine wei­ter­ge­hen­de Bedeu­tung kommt ihr nicht zu. Auch an ande­ren Stel­len des Geset­zes ver­wen­det der Gesetz­ge­ber mit­un­ter den unbe­stimm­ten Arti­kel, ohne damit zum Aus­druck zu brin­gen, dass die steu­er­recht­li­che Berück­sich­ti­gung die­ses Sach­ver­hal­tes tat­säch­lich auf einen ein­zi­gen Gegen­stand oder einen ein­zi­gen Vor­gang begrenzt sein soll (§ 4 Abs. 5 Satz 1 Nr. 6a EStG i.d.F. des Geset­zes zur Ände­rung und Ver­ein­fa­chung der Unter­neh­mens­be­steue­rung und des steu­er­li­chen Rei­se­kos­ten­rechts vom 20.02.2013, BGBl I 2013, 285: "die Mehr­auf­wen­dun­gen für eine betrieb­lich ver­an­lass­te dop­pel­te Haus­halts­füh­rung"; § 6 Abs. 1 Nr. 4 Satz 2 EStG: "die pri­va­te Nut­zung eines Kraft­fahr­zeugs"; § 6 Abs. 1 Nr. 5 Satz 1 Buchst. b EStG: "ein Anteil an einer Kapi­tal­ge­sell­schaft"; § 6 Abs. 1 Nr. 5 Satz 1 Buchst. c EStG: "ein Wirt­schafts­gut"; § 6 Abs. 3 EStG: "ein Betrieb, ein Teil­be­trieb"). Selbst wenn man aber das Wort "ein" in § 4 Abs. 5 Satz 1 Nr. 6b Satz 1 EStG als Zahl­wort ver­ste­hen woll­te, wäre hier­durch der Grund­satz der Indi­vi­du­al­be­steue­rung nicht in Fra­ge gestellt. Denn dar­aus lie­ße sich allen­falls schlie­ßen, dass ein Steu­er­pflich­ti­ger ledig­lich Auf­wen­dun­gen für "ein", aber nicht für meh­re­re Arbeits­zim­mer gel­tend machen könn­te.
§ 4 Abs. 5 Satz 1 Nr. 6b EStG knüpft auch im Übri­gen an per­so­nen­be­zo­ge­ne Umstän­de an. Sowohl das Merk­mal "Mit­tel­punkt der gesam­ten betrieb­li­chen und beruf­li­chen Betä­ti­gung" in § 4 Abs. 5 Satz 1 Nr. 6b Satz 3 EStG als auch die Fra­ge, ob "für die betrieb­li­che oder beruf­li­che Tätig­keit kein ande­rer Arbeits­platz zur Ver­fü­gung steht" (§ 4 Abs. 5 Satz 1 Nr. 6b Satz 2 EStG), ist auf den jewei­li­gen Steu­er­pflich­ti­gen bezo­gen 3. Dar­aus folgt, dass der Gesetz­ge­ber mit der Begren­zung "der abzieh­ba­ren Auf­wen­dun­gen" auf 1.250 € in § 4 Abs. 5 Satz 1 Nr. 6b Satz 3 EStG nur die Auf­wen­dun­gen des (jewei­li­gen) Steu­er­pflich­ti­gen "für ein häus­li­ches Arbeits­zim­mer" gemeint haben kann.
Nach dem Wort­laut des Geset­zes gibt es kei­ne Grund­la­ge dafür, den Abzugs­be­trag von 1.250 € für den Steu­er­pflich­ti­gen (antei­lig) zu kür­zen, weil auch ein ande­rer Steu­er­pflich­ti­ger das Arbeits­zim­mer aus­schließ­lich für eine betrieb­li­che oder beruf­li­che Tätig­keit nutzt. Eine Auf­tei­lung des Abzugs­be­trags auf meh­re­re Steu­er­pflich­ti­ge bei gemein­sa­mer Nut­zung eines häus­li­chen Arbeits­zim­mers sieht das Gesetz gera­de nicht vor. Dem Geset­zes­wort­laut lässt sich nicht ent­neh­men, dass dem Steu­er­pflich­ti­gen der Abzugs­be­trag von 1.250 € nur bei allei­ni­ger Nut­zung des Arbeits­zim­mers in vol­ler Höhe zuste­hen soll.
Für die­se Aus­le­gung der Abzugs­be­schrän­kung in § 4 Abs. 5 Satz 1 Nr. 6b EStG spricht des Wei­te­ren die Sys­te­ma­tik des Geset­zes.
Steu­er­sub­jekt ist der ein­zel­ne Steu­er­pflich­ti­ge. Inso­weit gilt die Grund­norm des § 2 Abs. 1 EStG, wonach der Ein­kom­men­steu­er die Ein­künf­te unter­lie­gen, die der Steu­er­pflich­ti­ge erzielt. Dem ein­zel­nen Steu­er­pflich­ti­gen wer­den die Ein­künf­te zuge­rech­net. Dies gilt auch für die Bemes­sungs­fak­to­ren der Ein­künf­te, näm­lich sowohl für die Erwerbs­ein­nah­men als auch für die Erwerbs­auf­wen­dun­gen (Betriebs­aus­ga­ben und Wer­bungs­kos­ten). Des­halb sind dem Steu­er­pflich­ti­gen gemäß § 2 Abs. 2 Satz 1 Nr. 2 und § 8 EStG nur sol­che Ein­nah­men zuzu­rech­nen, die sei­ne per­sön­li­che Leis­tungs­fä­hig­keit erhö­hen, und sol­che Auf­wen­dun­gen als Wer­bungs­kos­ten zu berück­sich­ti­gen, die sei­ne per­sön­li­che Leis­tungs­fä­hig­keit min­dern 4.
Die­ser Grund­satz der Indi­vi­du­al­be­steue­rung gilt auch im Rah­men der Zusam­men­ver­an­la­gung von Ehe­gat­ten nach §§ 26, 26b EStG 5. Denn auch im Fal­le der Zusam­men­ver­an­la­gung erwirt­schaf­tet jeder Ehe­gat­te für sich sei­ne Erwerbs­ein­nah­men und es trägt auch jeder Ehe­gat­te für sich sei­ne Erwerbs­auf­wen­dun­gen. Dem­entspre­chend kann auch bei zusam­men ver­an­lag­ten Ehe­gat­ten nicht der eine Ehe­gat­te die Erwerbs­auf­wen­dun­gen, die der ande­re Ehe­gat­te getra­gen hat, selbst ein­künf­te­min­dernd gel­tend machen. Denn auch hier gilt der zum Dritt­auf­wand ent­wi­ckel­te Grund­satz 6, dass der Auf­wand eines Drit­ten ohne eige­ne Kos­ten­be­tei­li­gung nicht zum eige­nen Wer­bungs­kos­ten­ab­zug berech­tigt.
Auf die­ser Grund­la­ge ist es fol­ge­rich­tig, wenn bei ver­schie­de­nen Steu­er­pflich­ti­gen ein­schließ­lich Ehe­gat­ten die betrags­mä­ßi­ge Begren­zung des Auf­wands des einen nicht zulas­ten des ande­ren wirkt. Dem ent­spricht es, den Höchst­be­trag in § 4 Abs. 5 Satz 1 Nr. 6b Satz 3 EStG per­so­nen­be­zo­gen zu ver­ste­hen. Es gibt kei­ne Anhalts­punk­te dafür, dass bei der Berück­sich­ti­gung von Kos­ten für ein beruf­lich genutz­tes häus­li­ches Arbeits­zim­mer eine Aus­nah­me von der Indi­vi­du­al­be­steue­rung gemacht wer­den soll.
Die Gewäh­rung des auf den Höchst­be­trag von 1.250 € begrenz­ten Abzugs der Auf­wen­dun­gen für ein häus­li­ches Arbeits­zim­mer je Steu­er­pflich­ti­gen begrün­det auch kei­ne sys­tem­wid­ri­ge, unge­recht­fer­tig­te Bes­ser­stel­lung der Steu­er­pflich­ti­gen, die ein Arbeits­zim­mer gemein­sam aus­schließ­lich betrieb­lich oder beruf­lich nut­zen. Denn der Abzug der Auf­wen­dun­gen setzt bei jedem der betref­fen­den Steu­er­pflich­ti­gen vor­aus, dass er die Erwerbs­auf­wen­dun­gen, die er ein­künf­te­min­dernd gel­tend macht, selbst getra­gen hat.
Der Ansatz des Höchst­be­trags von 1.250 € je Steu­er­pflich­ti­gem führt in sys­te­ma­ti­scher Hin­sicht auch nicht dazu, dass die Dif­fe­ren­zie­rung zwi­schen den Abzugs­mög­lich­kei­ten gemäß § 4 Abs. 5 Satz 1 Nr. 6b Satz 2 EStG und § 4 Abs. 5 Satz 1 Nr. 6b Satz 3 Halb­satz 2 EStG auf­ge­ho­ben wird oder ins Lee­re läuft. Denn bezo­gen auf den indi­vi­du­ell zu besteu­ern­den Steu­er­pflich­ti­gen kann von einer Ver­dop­pe­lung des Abzugs­be­trags nicht die Rede sein 7.
Die sub­jekt­be­zo­ge­ne Aus­le­gung des § 4 Abs. 5 Satz 1 Nr. 6b EStG wird fer­ner dem Sinn und Zweck des Geset­zes gerecht.
Der Gesetz­ge­ber legt der Ein­kom­men­steu­er das sog. Net­to­prin­zip (§ 2 Abs. 2 EStG) zugrun­de, nach dem nur das Net­to­ein­kom­men, also die Erwerbs­ein­nah­men abzüg­lich der Erwerbs­auf­wen­dun­gen und der exis­tenz­si­chern­den Auf­wen­dun­gen, besteu­ert wird. Mit der Begren­zung des Abzugs der Auf­wen­dun­gen für ein häus­li­ches Arbeits­zim­mer auf 1.250 € für den Fall, dass dem Steu­er­pflich­ti­gen "für die betrieb­li­che oder beruf­li­che Tätig­keit kein ande­rer Arbeits­platz zur Ver­fü­gung steht", beab­sich­tig­te der Gesetz­ge­ber erkenn­bar kei­nen grund­sätz­li­chen Sys­tem­wech­sel und kei­ne grund­le­gen­de Abkehr von dem in § 2 Abs. 2 EStG nor­mier­ten objek­ti­ven Net­to­prin­zip. Die­sem Prin­zip ent­spricht die per­so­nen­be­zo­ge­ne Aus­le­gung der Abzugs­be­schrän­kung in § 4 Abs. 5 Satz 1 Nr. 6b EStG aber bes­ser als ein objekt­be­zo­ge­nes Norm­ver­ständ­nis. Sie greift weni­ger in das objek­ti­ve Net­to­prin­zip ein. Den mit der Beschrän­kung auf den Abzug nur eines Höchst­be­trags ver­bun­de­nen (wei­te­ren) Aus­schluss grund­sätz­lich abzieh­ba­rer Kos­ten für ein häus­li­ches Arbeits­zim­mer hat der Gesetz­ge­ber mit § 4 Abs. 5 Satz 1 Nr. 6b EStG weder ‑wie oben bereits dar­ge­legt- dem Geset­zes­wort­laut nach gere­gelt noch hat er eine sol­che wei­te­re Beschrän­kung des objek­ti­ven Net­to­prin­zips beab­sich­tigt.
Die his­to­ri­sche Aus­le­gung des Geset­zes führt zu kei­nem ande­ren Ergeb­nis. Mit der Begren­zung der Auf­wen­dun­gen auf 1.250 € soll­te nach den Geset­zes­ma­te­ria­li­en der typi­scher­wei­se ent­ste­hen­de Auf­wand für ein häus­li­ches Arbeits­zim­mer mit einer Durch­schnitts­grö­ße von 12 m² bis 14 m² unter Bezug­nah­me auf die sta­tis­tisch berech­ne­te bun­des­ein­heit­li­che Monats-Brut­to­warm­mie­te je Qua­drat­me­ter berück­sich­tigt wer­den 8. Zur Nut­zung eines häus­li­chen Arbeits­zim­mers durch meh­re­re Steu­er­pflich­ti­ge schwei­gen die Geset­zes­ma­te­ria­li­en.
Die vor­ge­nann­te Aus­le­gung des § 4 Abs. 5 Satz 1 Nr. 6b EStG steht schließ­lich auch mit der Recht­spre­chung des Gro­ßen Senats des Bun­des­fi­nanz­hofs in Ein­klang, nach der der Begriff des häus­li­chen Arbeits­zim­mers vor­aus­setzt, dass der jewei­li­ge Raum aus­schließ­lich oder nahe­zu aus­schließ­lich für betriebliche/​berufliche Zwe­cke genutzt wird. Denn die aus­schließ­lich betriebliche/​berufliche Nut­zung eines häus­li­chen Arbeits­zim­mers durch zwei Steu­er­pflich­ti­ge ist kei­ne gemisch­te betriebliche/​berufliche und pri­va­te Nut­zung 9. Sie ist mit einer sol­chen auch nicht ver­gleich­bar. Die betriebliche/​berufliche Mit­be­nut­zung des Arbeits­zim­mers durch einen ande­ren Steu­er­pflich­ti­gen stellt in Bezug auf den Steu­er­pflich­ti­gen, der den Abzug der Erwerbs­auf­wen­dun­gen für das Arbeits­zim­mer gel­tend macht, kei­ne Pri­vat­nut­zung dar.
Bei Nut­zung des häus­li­chen Arbeits­zim­mers durch meh­re­re Steu­er­pflich­ti­ge darf danach jeder Nut­zen­de die Auf­wen­dun­gen, die er getra­gen hat, unter Berück­sich­ti­gung des Höchst­be­trags von 1.250 € abzie­hen, sofern die Vor­aus­set­zun­gen des § 4 Abs. 5 Satz 1 Nr. 6b Satz 2 EStG in sei­ner Per­son vor­lie­gen. Dies setzt wegen des Erfor­der­nis­ses der (nahe­zu aus­schließ­lich) betrieblichen/​beruflichen Nut­zung des häus­li­chen Arbeits­zim­mers ins­be­son­de­re auch vor­aus, dass dem jewei­li­gen Steu­er­pflich­ti­gen in dem Arbeits­zim­mer ein Arbeits­platz in einer Wei­se zur Ver­fü­gung steht, dass er ihn für sei­ne betriebliche/​berufliche Tätig­keit in dem kon­kret erfor­der­li­chen Umfang und in der kon­kret erfor­der­li­chen Art und Wei­se tat­säch­lich nut­zen kann 10. Nut­zen Ehe­leu­te bei hälf­ti­gem Mit­ei­gen­tum ein häus­li­ches Arbeits­zim­mer gemein­sam, sind die Kos­ten jedem Ehe­part­ner grund­sätz­lich zur Hälf­te zuzu­ord­nen. Sind für bei­de die Vor­aus­set­zun­gen für den begrenz­ten Abzug gege­ben, steht jedem der Abzug in Höhe von maxi­mal 1.250 € zu 11.
Der IV. Senat des Bun­des­fi­nanz­hofs, von des­sen frü­he­ren Urtei­len 12 der hier VI. Senat des Bun­des­fi­nanz­hofs mit die­ser Ent­schei­dung abweicht, hat auf Anfra­ge mit­ge­teilt, dass er an sei­ner mit den vor­ge­nann­ten Urtei­len ver­tre­te­nen Auf­fas­sung, der Höchst­be­trag nach § 4 Abs. 5 Satz 1 Nr. 6b Satz 3 Halb­satz 1 EStG für ein häus­li­ches Arbeits­zim­mer kön­ne nur ein­mal gewährt wer­den, nicht mehr unein­ge­schränkt fest­hält. Der IV. Senat ist nun­mehr ‑eben­so wie der hier VI. Senat- der Auf­fas­sung, dass der Höchst­be­trag jedem Steu­er­pflich­ti­gen zusteht, der die per­sön­li­chen Vor­aus­set­zun­gen des § 4 Abs. 5 Satz 1 Nr. 6b Satz 2 EStG erfüllt, Auf­wen­dun­gen für das Arbeits­zim­mer trägt und dar­in einen eige­nen Arbeits­platz hat.
Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 15. Dezem­ber 2016 – VI R 53/​12
Häus­li­ches Arbeits­zim­mer – und die Auf­tei­lung der… Eine Auf­tei­lung der Auf­wen­dun­gen für ein häus­li­ches Arbeits­zim­mer ist nicht mög­lich. Gemäß § 4 Abs. 5 Satz 1 Nr. 6b Satz 1 EStG dür­fen Auf­wen­dun­gen…
gl.A. u.a. Paul in Herrmann/​Heuer/​Raupach ‑HHR‑, § 4 EStG Rz 1563; Blümich/​Wied, § 4 EStG Rz 849; Schmidt/​Drenseck, EStG, 28. Aufl., § 19 Rz 60, Stich­wort Arbeits­zim­mer; BMF, Schrei­ben vom 07.01.2004, BSt­Bl I 2004, 143, Tz. 14[↩]
a.A. noch BFH, Urtei­le vom 20.11.2003 – IV R 30/​03, BFHE 204, 176, BSt­Bl II 2004, 775; und vom 23.09.2009 – IV R 21/​08, BFHE 227, 31, BSt­Bl II 2010, 337; i.E. auch BMF, Schrei­ben in BSt­Bl I 2011, 195, Tz. 21[↩]
Schmidt/​Drenseck, a.a.O.; Wag­ner, EFG 2012, 1999[↩]
BFH, Urteil vom 25.06.2008 – X R 36/​05, BFHE 222, 373, m.w.N.; HHR/​Kreft, § 9 EStG Rz 40, m.w.N.[↩]
BFH, Beschluss vom 28.08.1999 – GrS 1/​97, BFHE 189, 151, BSt­Bl II 1999, 778, Rz 57, m.w.N.[↩]
BFH, Beschluss in BFHE 189, 151, BSt­Bl II 1999, 778[↩]
zur Zuord­nung der Kos­ten für ein von Ehe­gat­ten ‑betrieb­lich- genutz­tes häus­li­ches Arbeits­zim­mer s. BFH, Urteil in BFHE 227, 31, BSt­Bl II 2010, 337[↩]
BT-Drs. 17/​3549, 15[↩]
eben­so Heger, Der Betrieb 2016, 249, 251[↩]
s. BFH, Urteil vom 26.02.2014 – VI R 37/​13, BFHE 245, 22, BSt­Bl II 2014, 570, zu der Fra­ge, unter wel­chen Vor­aus­set­zun­gen ein ande­rer Arbeits­platz vor­liegt[↩]
Schmidt/​Drenseck, a.a.O.[↩]
BFH, Urtei­le in BFHE 204, 176, BSt­Bl II 2004, 775 und in BFHE 227, 31, BSt­Bl II 2010, 337[↩]
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