Source: http://www.jurpc.de/jurpc/show?id=20070183
Timestamp: 2016-12-02 19:51:04
Document Index: 143742865

Matched Legal Cases: ['§ 3', '§ 3', 'Art. 3', 'Art. 7', '§ 3', 'Art. 3', 'Art. 7', '§ 3', 'Art. 3', 'Art. 7', '§ 8', 'Art. 7', 'Art. 3', '§ 4', '§ 8', 'Art. 3', '§ 8', 'Art. 3', '§ 8', 'Art. 3', '§ 50', '§ 8', '§ 3', '§ 3', '§ 3', 'BGH', '§ 1', '§ 4', '§ 4', '§ 4', '§ 3', '§ 3', '§ 4', '§ 4', 'Art. 2', '§ 3', '§ 3', '§ 3', '§ 3', 'BGH', 'EuG', '§ 3', 'Art. 2', 'Art. 3', '§ 3', 'BGH', 'Art. 4', 'Art. 2', '§ 3', 'BGH', 'EuG', 'EuG', 'Art. 2', 'EuG', 'Art. 2', '§ 3', 'EuG', 'EuG', 'BGH', 'Art. 2', 'Art. 4', '§ 3', 'BGH', '§ 8', '§ 3', 'Art. 3', '§ 3', '§ 3', '§ 3', '§ 3', '§ 8', '§ 3', '§ 3', '§ 3', '§ 3', '§ 3', '§ 3', 'Art. 3', 'Art. 7', '§ 3', 'EuG', '§ 3', '§ 3', '§ 3', 'Art. 3', 'Art. 7', '§ 3', 'EuG', 'EuG', 'EuG', 'Art. 3', 'EuG', 'EuG', 'EuG', 'EuG', 'EuG', '§ 3', '§ 3', 'EuG', 'EuG', 'EuG', 'EuG', 'EuG', 'Art. 7', 'Art. 3', '§ 3', '§ 3', 'Art. 3', 'Art. 7', '§ 3', '§ 3', '§ 3', '§ 3', 'EuG', '§ 3', 'Art. 3', 'Art. 7', 'EuG', '§ 8', 'Art. 7', 'Art. 3', '§ 4', '§ 8', 'EuG', 'EuG', 'Art. 3', 'Art. 3', '§ 8', 'Art. 3', '§ 8', 'Art. 3', '§ 3', 'Art. 3', '§ 3', '§ 4', '§ 4', '§ 3', '§ 4', '§ 4', '§ 4', '§ 3', 'EuG', '§ 3', '§ 8', '§ 8', 'Art. 3', '§ 8', 'Art. 3', 'Art. 3', '§ 3', 'Art. 3', '§ 8', 'BGH', 'Art. 3', '§ 8', 'Art. 3', '§\n3', 'Art. 3', '§ 8', 'Art. 3', '§ 3', 'BGH', 'Art. 3', '§ 3', 'Art. 3', '§ 8', 'BGH', 'EuG', 'BGH', 'Art. 3', 'Art. 3', '§ 3', 'Art. 3', '§ 8', 'Art. 3', '§ 8', 'EuG', 'BGH', 'Art. 3', '§ 8', 'Art. 3', '§ 3', 'Art. 3', '§ 8', '§ 3', '§ 8', '§ 8', 'EuG', '§ 8', '§\n8', '§ 8', 'Art. 3', '§ 3', 'Art. 3', 'EuG', '§ 50', '§ 8', '§ 3', '§ 3', '§ 8', '§ 50', '§ 8', '§ 3', '§ 8', '§ 3', '§ 3', '§ 3', '§ 3', '§ 3', '§ 3', 'BGH', '§ 2', '§ 2', '§ 3', '§ 3', '§ 3', '§ 3', '§ 3', '§ 8', '§ 8', '§ 3', '§ 4', '§ 3', '§ 4', '§ 8', '§ 3', 'Art. 3', '§\n3', 'EuG', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 1', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'EuG', '§ 3', '§ 4', '§ 4', 'Art. 2', '§ 8', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 3', '§ 15', 'BGH', '§ 3', 'BGH', 'Art. 4', 'EuG', 'EuG', 'EuG', 'EuG', 'Art. 7', 'Art. 3', '§ 8', '§ 8', '§ 8', '§ 3', '§ 8', '§ 3', '§ 3', '§ 3', '§ 3', '§ 3', '§\n3', '§ 25', '§ 3', 'BGH', '§ 8', '§\n3', '§ 3', '§ 3', '§ 3', '§ 3', 'EuG', 'EuG', 'EuG', '§ 3', '§ 3', '§ 3', '§ 3', 'EuG', 'EuG', 'EuG', 'EuG', 'Art. 3', '§ 3', 'Art. 3', 'EuG', '§ 3', 'EuG', 'BGH', '§ 3', '§ 3', 'EuG', '§ 3', '§ 3', 'EuG', '§ 3', '§ 3', 'Art. 7', '§ 3', '§ 3', 'EuG', 'EuG', 'BGH', '§ 83', '§ 3', 'EuG', 'EuG', '§ 3', '§ 3', 'EuG', '§ 8', '§ 8', '§ 8', 'Art. 3', 'EuG', 'EuG', '§ 4', '§ 8', 'EuG', 'Art. 3', '§ 8', 'EuG', 'Art. 3', 'Art. 3', 'EuG', 'Art. 3', 'EuG', '§ 3', 'BGH', '§ 3', '§ 4', 'BGH', '§ 3', '§ 8', 'BGH', '§ 8', '§ 3', 'EuG', 'EuG', 'EuG', 'EuG', '§ 3', '§ 8', '§ 9', 'EuG', 'EuG', 'Art. 3', '§ 8', 'EuG', 'BGH', 'BGH', 'EuG', '§ 3', '§ 3', '§ 3', '§ 3', '§ 3', '§ 3', 'Art. 63']

Jaeschke, Lars, Verlängerung von Monopolen durch das Markenrecht ? -
Zur Frage eines zeitlich unbegrenzten Markenschutzes nach Ablauf des Patentschutzes dargestellt am Beispiel des Legosteins - JurPC-Web-Dok. 0183/2007
JurPC Web-Dok. 183/2007 - DOI 10.7328/jurpcb/20072211177
Lars Jaeschke *Verlängerung von Monopolen durch das Markenrecht ? Zur Frage eines zeitlich unbegrenzten Markenschutzes nach Ablauf des Patentschutzes dargestellt am Beispiel des Legosteins.(1)JurPC Web-Dok. 183/2007, Abs. 1 - 42AutorenprofilI n h a l t s ü b e r s i c h t I. Problemstellung II. Schutzzweckbedingte Eingrenzung des Erwerbs von Markenschutz 1. Ausschluss des Markenschutzes gemäß § 3 II MarkenG a) § 3 II Nr. 1 MarkenG = durch die Art der Ware selbst bedingt (= Art. 3 I e) 1. Spiegelstrich MarkenRiLi = Art. 7 I e) i) GMV) b) § 3 II Nr. 2 MarkenG = zur Erreichung einer technischen Wirkung erforderlich (= Art. 3 I e) 2. Spielgelstrich MarkenRiLi = Art. 7 I e) ii) GMV) c) § 3 II Nr. 3 MarkenG = der Ware einen wesentlichen Wert verleiht (= Art. 3 I e) 3. Spiegelstrich MarkenRiLi = Art. 7 I e) iii) GMV d) Keine Marke kraft Verkehrsdurchsetzung, § 8 III MarkenG (Art. 7 III GMV, Art. 3 III MarkenRiLi) e) Keine Marke kraft Verkehrsgeltung, § 4 Nr. 2 MarkenG f) Zwischenergebnis 2. Die absoluten Schutzhindernisse nach § 8 II Nrn. 1, 2 MarkenG (= Art. 3 I b), c) MarkenRiLi) a) Freihaltebedürfnis, § 8 II Nr. 2 MarkenG (= Art. 3 I c) MarkenRiLi) b) Konkrete Unterscheidungskraft, § 8 II Nrn. 1 MarkenG (= Art. 3 I b) MarkenRiLi) c) Zwischenergebnis III. Löschung wegen Bösgläubigkeit gemäß § 50 I i.V.m. § 8 II Nr. 10 MarkenG ? IV. Exkurs: Geschmacksmusterschutz ("Designschutz") 1. § 3 I Nr. 1 GeschmMG ("ausschließlich durch technische Funktion bedingt") 2. § 3 I Nr. 2 ("Verbindungselemente") i.V.m. § 3 II GeschmMG ("Legoklausel") 3. Zwischenergebnis V. Zusammenfassung/Ergebnis I. Problemstellung
Gegenstand kritischer Würdigung der folgenden Abhandlung ist die Frage
der Verlängerung von Monopolen durch das Markenrecht. Die theoretische
Frage, ob nach Ablauf des Patentschutzes für ein Erzeugnis durch die
Anmeldung einer dreidimensionalen Warenformmarke ein praktisch ewiger
Schutz für dieses erlangt werden kann, hat eine sehr praktische
Dimension, die im wirtschaftlichen Wettbewerb von allerhöchstem Interesse
JurPC Web-Dok.183/2007, Abs. 1 Ist das Markenrecht quasi ein Hyper- oder Megarecht, dass alle anderen
Immaterialgüterrechte verschlingt ?
Abs. 2 Eine wichtige Frage, die im Rahmen der hier vorgenommenen Überlegungen
noch eine Rolle spielen wird, ist die Frage: Was macht ein Zeichen zur
Marke ? Ganz grundlegend heisst die Antwort zunächst: Entscheidend ist
die Fähigkeit des Zeichens Waren zu identifizieren und sie von Produkten
anderer Herkunft zu unterscheiden. Oder wie Fezer plastisch
formuliert: "Zeichen, die nicht Produkte kennzeichnen, sind keine
Marken."(3) Kann die Warenformmarke eines
Legosteins auf dessen betriebliche Herkunft hinweisen ? Auf welche
betriebliche Herkunft weist ein sog. Megablok, d.h. ein Nachbau des
Legosteins, hin ? Der kompatible Nachbau von Lego-Steinen hat deutsche und
ausländische Gerichte mehrfach beschäftigt.(4) Der BGH entschied
zuletzt am 02.12.2004(5) in seinem Klemmbausteine-III-Urteil über
den Schutz der bekannten Klemmbausteine vor kompatiblen Spielbausteinen.
Die Entscheidung betrifft allerdings nur die wettbewerbsrechtliche
Sicht,(6) da das Berufungsgericht den
Unterlassungsanspruch unter dem Gesichtspunkt des ergänzenden
wettbewerbsrechtlichen Leistungsschutzes gemäss § 1 UWG a.F. im
Zusammenhang mit einer unzulässigen sklavischen Nachahmung, dem
Einschieben in eine fremde Serie und der Rufausbeutung in Form des
Anhängens an das bekannte Konstruktionsspielzeug der Kläger
grundsätzlich für begründet hielt, der Kritik(7) an seiner bisherigen
Rechtsprechung aber zumindest in so weit folgte, als er feststellte, dass
es zur Wahrung der Freiheit des Wettbewerbs erforderlich sei, den
ergänzenden Leistungsschutz soweit er den Schutz einer Leistung als
solcher zum Gegenstand habe zeitlich zu begrenzen.(8) Obgleich die Kläger
geltend gemacht hatten, der 8-Noppen-Klemmbaustein genieße als Marke
kraft Eintragung (§ 4 Nr. 1 MarkenG) sowie wegen seiner weitreichenden
Bekanntheit kraft Verkehrsgeltung (§ 4 Nr. 2 MarkenG) Schutz,(9) wurde darüber, ob der Unterlassungsanspruch aus dem Markenschutz bzw.
Geschmacksmusterschutz gegeben ist nicht entschieden, da hierzu das
Berufungsgericht keine Feststellungen getroffen hatte.(10) Die Warenformmarke des Legosteins ist
zwischenzeitlich aufgrund eines Beschlusses des BPatG aus dem deutschen
Markenregister gelöscht worden.(11)Abs. 3 In einer wegweisenden Entscheidung(12) hat nun kürzlich
auch die Große Beschwerdekammer des Harmonisierungsamtes für den
Binnenmarkt entschieden, dass die Warenform eines Legosteins als
dreidimensionale Gemeinschaftsmarke für Bausatzspielzeug nicht eintragbar
sei. Patentierte Erfindungen würden gemeinfrei, wenn das Patent auslaufe.
Die Schutzmechanismen des Patentrechts würden ausgehebelt, wenn der
Markenschutz eine Hintertür für die Erlangung eines permanenten Schutzes
für funktionelle dreidimensionale Gestaltungen, die entweder nicht
patentierbar(13) seien oder deren Patentschutz bereits
abgelaufen sei, eröffnen würde.(14)Abs. 4 Für die Beantwortung der eingangs gestellten Frage, ob eine faktisch
unbegrenzte Verlängerung des zeitlich begrenzten Patentschutzes durch das
Markenrecht möglich ist oder sein sollte, ist es sinnvoll, sich zunächst
einige Eckpfeiler des Schutzes des geistigen Eigentums in Deutschland zu
vergegenwärtigen. Dazu gehört die grundsätzliche Nachahmungsfreiheit
außerhalb der Sonderschutzrechte. Wettbewerb findet nicht nur als
Innovationswettbewerb statt, wie er insbesondere durch die Verleihung von
Sonderschutzrechten wie dem Patent stimuliert werden soll, sondern auch
als Imitationswettbewerb. Danach ist es erlaubt, auf Leitungsergebnisse
anderer zurückzugreifen und diese wirtschaftlich zu verwerten.(15) Dabei ist vor allem zu berücksichtigen,
dass die menschliche Zivilisation allgemein auf der Nutzung der
Erkenntnisse vorangegangener Generationen aufbaut und ihre Fortentwicklung
maßgeblich auf der effektiven Nutzung dieser Erkenntnisse beruht. Dieser
Imitationswettbewerb, der meist nicht die technische Verbesserung eines
Produktes, sondern nur seine günstigere Nachahmung zum Ziel hat, ist
nicht weniger wünschenswert als der Innovationswettbewerb. Hier ist vor
allem das Kompatibilitätsinteresse der Abnehmer zu berücksichtigen,
nämlich das Interesse, auf den Anbieter eines kompatiblen Produktes
ausweichen zu können, wenn der Originalanbieter im
Preis/Leistungsvergleich schlechter abschneidet.(16) Bei den
Legosteinen wird das Kompatibilitätsinteresse der Abnehmer sehr deutlich,
da die Legosteine den Endverbraucher ein Vielfaches z.B. der
Megabloks kosten. Der zulässige Imitationswettbewerb findet
grundsätzlich seine Schranken eben nur dort, wo durch Gesetz im
Einzelfall Ausschließlichkeitsrechte verliehen werden. Die Regelungen zum
sogenannten ergänzenden wettbewerblichen Leistungsschutz nach § 4 Nr. 9
UWG, wonach ein Erzeugnis vor Nachahmung geschützt werden kann, wenn die
Umstände der Nachahmung besonders unlauter erscheinen, sollen vorliegend
außer Betracht bleiben.(17) Diese grundsätzliche Ausgangslage ist
mit der Einführung der dreidimensionalen Marke(18) (§ 3 I MarkenG)
in das deutsche Markenrecht durch das Markengesetz am 01.01.1995 erheblich
komplexer geworden. Seit dem ist Gesetz, was Markenartikler und
Markenrechtler in Deutschland lange vermisst haben: Sowohl als
Gemeinschaftsmarke(19) als auch als nationale Marke kann die
Form der Ware markenrechtlich geschützt sein.(20) Bei bloßer
Lektüre des § 3 I MarkenG, wonach auch die Form der Ware markenrechtlich
schützbar ist, sofern sie geeignet ist, Waren und Dienstleistungen eines
Unternehmens von denjenigen anderer Unternehmen zu unterscheiden, scheint
es dem Geschäftsverkehr demnach ohne große Hürden möglich zu sein,
sich auch über die reine Produktform zu identifizieren - die
"Produktform als Corporate Identity", wie Ullmann(21) es nennt. Bei näherer Betrachtung
stellt sich aber die Frage, inwieweit tatsächlich durch die Registrierung
(§ 4 Nr. 1 MarkenG) oder aufgrund bloßer Verkehrsgeltung (§ 4 Nr. 2
MarkenG) Schutz für eine bestimmte Produktgestaltung erworben werden
kann.(22) Als "kompliziert" beschreibt etwa
Rohnke(23) die Situation, in der das
erfolgreiche, nachgeahmte Produkt bestimmte charakteristische äußere
Gestaltungsmerkmale aufweist, die der Verkehr als produktidentifizierend
und damit als Hinweis auf die betriebliche Herkunft versteht.(24) Derartige Sachlagen, die sowohl
markenrechtlich als auch geschmacksmusterrechtlich relevant sind,(25) stellen Praxis und Lehre vor das weithin
noch ungelöste Problem, dass der Erwerb von Markenschutz für eine
Produktgestaltung im Ergebnis zu einem Schutz des Produktes selbst führt
- und dies in zeitlich unbegrenzter Form. Die Gefahr ist also, dass an
einem Produkt ein zeitlich unbefristetes Monopolrecht begründet werden
kann, welches die Regelung zeitlich befristeten Produktschutzes aufgrund
eines Patentes faktisch konterkariert. Der zu weit gehende
markenrechtliche Schutz von Warenformgebungen würde zu systemwidrigen
Ergebnissen führen, wenn und soweit er ein zeitlich unbegrenztes
Ausschlussrecht auf dem Produktmarkt zur Folge hätte.(26) Er führte zu einem unauflöslichen
Widerspruch zwischen Patentrecht und Markenrecht. Daß dies nicht das Ziel
des in Art. 2 der Markenrechtsrichtlinie niedergelegten Auftrags zum
Schutz der dreidimensionalen Marke sein kann, soll in den folgenden
Ausführungen anhand des unterschiedlichen Schutzzwecks des Markenrechts
und des Patentrechts am aktuellen Beispiel des Legosteins dargelegt
werden.(27) Dabei wird deutlich werden, dass eine
ganzheitliche Betrachtung des Systems der Immaterialgüterrechte vonnöten
ist. Insbesondere ist Stimmen in der Literatur ausdrücklich
entgegenzutreten, die meinen, dass Dauermonopole an Waren im Widerspruch
zum zeitlich begrenzten technischen Monopolschutz "nicht überbewertet
werden sollten",(28) da die Marke auch ein
Immaterialgüterrecht und ebenso wie ein anderes Monopolrecht als
dingliches Recht anerkannt sei. Diese These der uneingeschränkten
Parallelität der Immaterialgüterrechte ist abzulehnen.(29) Im Folgenden soll daher aufgezeigt
werden, dass - obgleich das Dogma des Ausstattungsrechts, dass Ware und
(Ausstattung bzw.) Marke trennbar sein müssen, unter dem Markengesetz
wegen § 3 I in dieser Allgemeinheit nicht mehr gelten kann - , die
dieser Wertung zugrunde liegende Erwägung, dass nicht über das
Kennzeichenrecht ein unbefristetes Monopolrecht an der Ware selbst
errichtet werden darf, welches die Schranken des sondergesetzlichen
Leistungsschutzes unterläuft, die Mitbewerber in ihren wirtschaftlichen
Entfaltungsmöglichkeiten behindert und den im allgemeinen Interesse
liegenden technischen Fortschritt hemmt, weiterhin Gültigkeit hat.(30)Abs. 5 II. Schutzzweckbedingte Eingrenzung des Erwerbs von Markenschutz
Zweck des Patentrechts ist es, dem Erfinder eine angemessene Belohnung in
Form einer zeitlich begrenzten Monopolstellung zu gewähren, weil er zum
Wohle der Allgemeinheit den technischen Fortschritt gefördert und damit
zu einer Bereicherung der Technik beigetragen hat und weil er dies der
Allgemeinheit bekannt gab.(31) Demgegenüber dient das Markenrecht
hauptsächlich dem Schutz vor betrieblichen Herkunftstäuschungen.
Unabhängig davon, welche Markenfunktionen man sonst noch für
wünschenswert hält, gehört jedenfalls der Schutz einer technischen
Leistung nicht zu den Funktionen des Markenrechts. Dafür steht vor allem
das Patentrecht zur Verfügung. Diese Funktionenlehre ist, wie schon
angesprochen, durch die Eintragbarkeit von Formmarken gemäß § 3 I
MarkenG ins wanken geraten, weil mit dem Schutz der äußeren
Produktgestaltung durch das Markenrecht die Gefahr besteht, dem jeweiligen
Schutzrechtsinhaber faktisch ein Monopol an der Produktgestaltung
zuzusprechen, welches an sich dem Patentrechtsinhaber vorbehalten ist.(32) Das Markenrecht und die
Produktschutzrechte sind nach ihren Voraussetzungen und ihrem Schutzzweck
grundsätzlich voneinander unabhängig und können daher theoretisch
nebeneinander existieren. Aus den dargelegten Gründen ist jedoch eine
schutzzweckbedingte Eingrenzung des Erwerbs von Markenschutz und des
Schutzumfangs für dreidimensionale Marken erforderlich, damit nicht das
Freihaltebedürfnis der Allgemeinheit am freien Stand der Technik und am
allgemein zugänglichen Formenschutz entgegen der Intention der zeitlichen
Befristung der Produktschutzrechte in ungebührlicher Weise eingeengt
wird.(33)Abs. 6 - Verhältnis von §§ 3, 8 MarkenG
Für die schon angesprochene, von § 3 I MarkenG vorausgesetzte, abstrakte
Unterscheidungskraft, genügt es, wenn die Warenform graphisch darstellbar
und in einem beliebigen, theoretisch vorstellbaren Fall zur Unterscheidung
geeignet ist. Dieses Tatbestandsmerkmal wird zwar denkbar weit verstanden,
dennoch müssen die beiden Voraussetzungen der graphischen Darstellbarkeit
und der Unterscheidungseignung gegeben sein. Der BGH hat sich mit den
Eintragungsvoraussetzungen von produktabbildenden Formmarken grundlegend
in drei Vorlagebeschlüssen an den EuGH vom 23.11.2000(34) (Linde Gabelstapler, Winward
Stabtaschenlampe, Rado Armbanduhr) befasst.(35) Er hat dabei
ausgeführt, dass die abstrakte Markenfähigkeit des § 3 I MarkenG (=
Art. 2 MarkenRiLi) voraussetzt, dass die Marke "kein funktionell
notwendiger Bestandteil der Ware" sein darf. Sie muss über die
technisch bedingte Grundform hinausreichende nichttechnische Elemente
aufweisen, die zwar nicht physisch, aber doch gedanklich von der Ware
abstrahierbar sind und die Identifikationsfunktion der Marke erfüllen
können.(36) Für dreidimensionale Markenformen ergebe
sich der Grundsatz der Selbständigkeit der Marke von der Ware auch aus
der Bestimmung des Art. 3 I lit. e. 1. und 2. Spiegelstrich MarkenRiLi (=
§ 3 II Nrn. 1, 2 MarkenG).(37) Nach diesen Grundsätzen müsste der BGH
dem Legostein schon die abstrakte Markenfähigkeit absprechen, weil die
dreidimensionale Marke Legostein funktionell notwendiger Bestandteil der
Ware Legostein ist. Bildlich gesprochen baut man z.B. ein Haus mit der
Marke selbst. Der Legostein weist keine über die technisch bedingte
Grundform hinausreichende nichttechnische Elemente auf, die gedanklich von
der Ware Legostein abstrahierbar sind und die Identifikationsfunktion der
Marke erfüllen könnten. Dies wird bei der Besprechung der
Legostein-Entscheidung des HABM noch deutlicher werden, obgleich das HABM,
im Einklang mit der hier vertretenen Ansicht, die abstrakte
Markenfähigkeit (Art. 4 GMV = Art. 2 MarkenRiLi = § 3 I MarkenG) des
Legosteins angenommen hat, ohne dazu allerdings nähere Ausführungen zu
machen.(38) Die hier - mutmaßlich - entgegen dem
BGH (siehe zuvor) und gegen Teile der Literatur(39) vertretene
Auffassung der gegebenen abstrakten Unterscheidungseignung des Legosteins,
findet seine Rechtfertigung in der Rechtsprechung des EuGH nach hiesiger
Auslegung. In dem Philips-Urteil(40) hat der EuGH
entschieden: "Die Richtlinie verlangt insbesondere nicht, dass die
Form der Ware, für das Zeichen eingetragen ist, irgendwelche
willkürlichen Ergänzungen aufweist. Nach Art. 2 (der MarkenRiLi) muss
die fragliche Form lediglich geeignet sein, die Ware des Markeninhabers
von denjenigen anderer Unternehmen zu unterscheiden und somit ihre
Hauptfunktion erfüllen, nämlich die Gewährleistung der Herkunft der
Ware." In dem Linde, Winward und Rado-Urteil hat der EuGH die
abstrakte Unterscheidungseignung nicht näher thematisiert und Bezug auf
sein Philips-Urteil genommen.(41) Die abstrakte
Markenfähigkeit wird jeweils vorausgesetzt. Danach aber rechtfertigt das
Erfordernis der abstrakten Unterscheidungskraft (Art. 2 MarkenRiLi = § 3
I MarkenG) praktisch keinen Ausschluß denkbarer Zeichenformen vom
Markenschutz. Nach der neuen Rechtsprechung des EuGH kann die abstrakte
Unterscheidungseignung daher praktisch nur am Kriterium der graphischen
Darstellbarkeit scheitern.(42) Auf der Grundlage der besprochenen
EuGH-Rechtsprechung muss daher heute gelten, dass eine Ware ihre eigene
Marke sein kann, sofern sie graphisch darstellbar ist.(43) Die Unterscheidungseignung der
Produktformen wird faktisch vorausgesetzt,(44) wobei es für die
abstrakte Markenfähigkeit gleichgültig ist, worauf diese
Unterscheidungseignung beruht. An dieser Stelle kann es also noch keine
Rolle spielen, dass der Verkehr eine Herkunftsvorstellung nur wegen eines
vorbestehenden Patents und der damit verbundenen Monopostellung auf dem
Markt entwickeln konnte. Der BGH und Teile des insoweit traditionell
skeptischen deutschen Schrifttums werden zur Kenntnis nehmen müssen, dass
es gerade das Ziel von Art. 2 MarkenRiLi und Art. 4 GMV (= § 3 I MarkenG)
ist, sicherzustellen, dass keine überkommenen Restriktionen gegenüber
ungewöhnlichen Markenformen beibehalten oder gar neu eingeführt
werden.(45) Bender(46) spricht in
diesem Zusammenhang vom "Beharrungsvermögen" des BGH, der seine
Entscheidungen noch zu sehr im restriktiven Verständnis des alten WZG
auslege. Eine im Einzelfall mal nicht bestehende abstrakte
Zeichenfähigkeit kann auch nicht durch Erlangung von Verkehrsdurchsetzung
überwunden werden, da eine dem § 8 III MarkenG entsprechende Vorschrift
fehlt. Wenn ein absolutes Freihaltebedürfnis besteht, sind Warenformen
stets vom Markenschutz ausgeschlossen.(47)Abs. 7 1. Ausschluss des Markenschutzes gemäß § 3 II MarkenG
Hinsichtlich der in Art. 3 I e) MarkenRiLi (= § 3 II MarkenG)
aufgeführten besonderen absoluten Schutzhindernisse für dreidimensionale
Marken ist der deutsche Gesetzgeber von der Systematik der Richtlinie
abgewichen, indem er diese Schutzhindernisse in § 3 II MarkenG als
Tatbestände fehlender Markenfähigkeit geregelt hat. Hierfür war das
Bestreben nach einer möglichst weitgehenden Gleichbehandlung von
Register- und Benutzungsmarken maßgeblich.(48) Gleichwohl darf
die ursprüngliche Ausgestaltung der jeweiligen
Schutzausschließungsgründe in der Richtlinie nicht aus den Augen
verloren werden. Bei der Auslegung des § 3 II MarkenG muß daher stets
berücksichtigt werden, dass es sich hierbei dem Inhalt nach um absolute,
konkret warenbezogene Schutzhindernisse handelt, nicht um fehlende
Voraussetzungen der Markenfähigkeit.(49) Daher sind neben
§ 3 II MarkenG auch noch die absoluten Schutzausschließungsgründe aus
§ 8 MarkenG zu prüfen, sofern die abstrakte Unterscheidungskraft (§ 3 I
MarkenG) bejaht wurde.(50)Abs. 8 Die in § 3 II MarkenG festgelegten Schutzhindernisse tragen in besonderer
Weise dem eingangs geschilderten, sich für dreidimensionale
Warenformmarken(51) stellenden Problem Rechnung, nicht über
das Markenrecht einen Schutz von Produkten erwirken zu können, für
welche Produktschutzrechte entweder überhaupt nicht zur Verfügung stehen
oder abgelaufen sind. Es soll mithin vermieden werden, dass der durch das
Markenrecht gewährte Schutz über den Schutz der Markenfunktionen
hinausgeht. Hiermit erfolgt eine Abgrenzung des unbefristeten
Markenschutzes von den befristeten technischen Schutzrechten.(52) Die Schutzhindernisse des § 3 II MarkenG
wirken absolut und können nicht durch Verkehrsgeltung überwunden
werden.(53) Angemerkt sei noch, dass das absolute
Eintragungshindernis des § 3 II MarkenG nach dem Gesetzeswortlaut nicht
für die entsprechende Bildmarke gilt. Der einzige Unterschied bei der
Anmeldung besteht aber in der Bezeichnung als Bild- oder dreidimensionale
Marke, denn auch letztere wird ja nicht plastisch, sondern in Form von
Abbildungen hinterlegt. Wenn der Anmelder auf dem Formular "Bildmarke"
statt "Dreidimensionale Marke" ankreuzt, gilt § 3 II MarkenG
analog.(54)Abs. 9 a) § 3 II Nr. 1 MarkenG = durch die Art der Ware selbst bedingt (= Art. 3 I e) 1. Spiegelstrich MarkenRiLi = Art. 7 I e) i) GMV) Gemäss § 3 II Nr. 1 MarkenG sind Zeichen einem Markenschutz per se nicht
zugänglich, wenn sie ausschließlich aus einer Form bestehen, die durch
die Art der Ware selbst bedingt ist. Dieses spezifische Schutzhindernis
für dreidimensionale Marken ist ein Ausfluss des Grundsatzes, dass der
Markenschutz nicht dem Schutz eines Produktes selbst dient. Eine
Ausdehnung dieses Schutzhindernisses auf die Form der Ware schlechthin
würde die Schutzfähigkeit dreidimensionaler Marken weitgehend leer
laufen lassen; umgekehrt würde eine enge Auslegung dieses
Schutzhindernisses aber nur dann zu einem verewigten Produktschutz
führen, wenn keine anderen Ausschlussgründe eingriffen.(55) Die das Wesen einer Ware bedingenden
Gestaltungselemente konstituieren den Archetypus des Produktes. Die
Formbedingungen der Grundform sind unabdingbar für die Produktgestalt.
Die kennzeichenrechtliche Monopolisierung solcher Essentialia der
Produktform ist ausgeschlossen. Archetypische Produktformen können seit
alters her vertraut sein (zum Beispiel ist ein Rad immer rund, ein Messer
hat immer eine Schneide und eine Vase immer eine Öffnung, sonst würde es
sich um einen anderen Gegenstand handeln; ein solches Design ist nicht als
Marke schutzfähig),(56) sie können aber auch zu jeder Zeit neu
entstehen(57) - wie zum Beispiel der Archetyp des
Klemmbausteins, der Legostein. Dem zeitlichen Schutz der Innovation
eines Archetyps dienen die technischen und ästhetischen Schutzrechte. Der
kennzeichenrechtliche Schutz der Form einer Ware beginnt außerhalb deren
Grundform.(58) Nur die über die Grundform
hinausgehenden Gestaltungselemente einer Produktform sind markenfähig und
bilden den Gegenstand des Formmarkenschutzes, wenn die
kennzeichenrechtlichen Voraussetzungen des als Marke schutzfähigen
Formzeichens vorliegen.(59) Warenbedingtheit bedeutet, dass das
produktidentifizierende Zeichen nicht mit dem Produkt selbst identisch
sein darf, da die Marke und nicht das Produkt, auf dem sie aufgebracht
ist, geschützt werden soll. Dabei kommt es jedoch nicht auf die
tatsächliche körperliche Abtrennbarkeit von Marke und Produkt an, da
sonst ein die Ware in der Regel umschließendes dreidimensionales Design
so gut wie nie unter den Schutz des Markenrechts fallen könnte, was der
Intention der Markenrichtlinie wiedersprechen würde. Nötig ist vielmehr
nach wohl h.M. nur eine funktionelle Verschiedenheit von Ware und Zeichen.
Es muss eine von dem Produkt als solchem unabhängige
Identifizierungsfunktion der Form im markenrechtlichen Sinne erkennbar
sein. Das Kriterium der Warenbedingtheit einer Form soll vor allem
praktische Relevanz erlangen, wenn Markenschutz für die Gestaltung einer
vollkommen neuen Ware beantragt wird, deren Form zwar durch die Natur der
Sache bedingt ist, jedoch trotzdem auf Grund der Neuheit der Schöpfung
auf Verbraucher herstelleridentifizierend wirkt,(60) wie dies auch beim
Legostein der Fall ist. In diesem Fall käme ein Markenschutz einem
Patentschutz gleich und ist daher absolut und wäre schon auf Grund der
Warenbedingtheit der Form ausgeschlossen.(61) Auf der Grundlage
der besprochenen EuGH-Rechtsprechung, dass eine Ware ihre eigene Marke
sein kann, sofern sie graphisch darstellbar ist, muss § 3 II Nr. 1
MarkenG aber generell nach der hier vertretenen Auffassung eher eng
ausgelegt werden, so dass § 3 II Nr. 1 MarkenG dem markenrechtlichen
Schutz einer Warenform nur sehr selten entgegensteht.
Abs. 10 b) § 3 II Nr. 2 MarkenG = zur Erreichung einer technischen Wirkung erforderlich (= Art. 3 I e) 2. Spielgelstrich MarkenRiLi = Art. 7 I e) ii) GMV)
Nach § 3 II Nr. 2 MarkenG sind Zeichen dem Schutz als Marke nicht
zugänglich, die ausschließlich aus einer Form bestehen, die zur
Erreichung einer technischen Wirkung erforderlich ist.
Abs. 11 aa) Das Philips-Urteil des EuGH Der EuGH in seinem Philips-Urteil den Tatbestand dahingehend
präzisiert, dass "eine Form, deren wesentliche Merkmale einer
technischen Funktion entsprechen und gewählt wurden, um diese zu
erfüllen, von allen frei verwendet werden kann, (...)."(63) Ferner könne durch den Nachweis, dass es
anderen Formen gebe, mit denen sich die gleiche technische Wirkung
erzielen lasse, nicht das Eintragungshindernis oder der Grund für die
Ungültigerklärung nach dieser Vorschrift ausgeräumt werden.(64)Abs. 12 Damit sind von der Eintragung ausgeschlossen also Formzeichen, die die
folgenden vier Voraussetzungen kumulativ erfüllen:(65) (1) Es muss sich um die Form der Ware selbst handeln, also nicht etwa um
eine Verpackung oder um nur einen Teil der Ware,
(2) die wesentlichen Merkmale der Form - also nicht notwendigeweise alle
- müssen einer technischen Funktion entsprechen. Damit entfernt sich
der EuGH vom Wortlaut des Art. 3 I e) MarkenRiLi, nach dem das Zeichen
"ausschließlich" aus einer Form bestehen muss, die zur Erreichung
einer technischen Wirkung erforderlich ist.(66) (3) Die Merkmale müssen einer technischen Funktion "entsprechen", was
wohl so zu verstehen ist, dass es sich um Merkmale handelt, mit denen
diese Funktion umgesetzt werden kann.
(4) Die Merkmale müssen im konkreten Fall auch tatsächlich zur
Realisierung dieser Funktion dienen. Bei einem Bauteil, das wie das
Scherblatt eines Elektrorasierers geformt ist, liegt dieses Merkmal also
nur dann vor, wenn es sich auch tatsächlich um ein solches Scherblatt
handelt und nicht nur um ein dekoratives Teil eines anderen Geräts.
Abs. 13 Der EuGH führt weiter aus, dass es, wenn diese Elemente vorliegen,
unerheblich sei, ob alternative Gestaltungen zur Erreichung der gleichen
technischen Wirkung für den Verkehr zur Verfügung stehen.(67) Der EuGH schlägt damit eine andere
Richtung ein, als die deutsche Rechtsprechung zum Ausstattungsschutz, die
im wesentlichen darauf abstellte, ob noch andere freie
Gestaltungsmöglichkeiten für Wettbewerber zur Verfügung standen.(68) Der EuGH stellt die generelle Erwägung
in den Vordergrund, "es dem Einzelnen nicht zu erlauben, die
Eintragung einer Marke zu benutzen, um ausschließliche Rechte an
technischen Lösungen zu erlangen oder fortbestehen zu lassen."(69) Damit grenzt der EuGH den Bereich der
technischen Schutzrechte generell und praktisch gut handhabbar von dem der
Kennzeichenrechte ab.(70) Dieser Sichtweise des EuGH ist
ausdrücklich zuzustimmen, denn eine Form ist auch dann zur Erzielung
einer gewollten technischen Wirkung erforderlich, wenn dies auch über
andere Gestaltungsformen möglich wäre. Die gegenteilige Auffassung
Fezers,(71) der meint, es sei problematisch
denjenigen, der sein Produkt in Form und Funktion optimiere,
markenrechtlich zu bestrafen, weil er es schwerer habe, den
Ausschlussgrund der technischen Bedingtheit der Form zu überwinden,
trägt ersichtlich nicht. Entscheidend ist, dass die gewählte Form auf
ihrer technischen Wirkung beruht und nicht dem Zweck der Unterscheidung
von Produkten anderer Hersteller dient. Dies entspricht auch der in der
amerikanischen Rechtsprechung entwickelten Functionality Doctrine,(72) wonach alle Gestaltungsformen von der
Markenschutzfähigkeit ausgenommen sind, wenn ihre Wahl auf ihrer
technischen Funktion und nicht auf ihrer Unterscheidungsfunktion beruht.
Hierfür ist es aber ersichtlich ohne Bedeutung, ob es auch noch andere
Wege zur Erzielung der gewünschten technischen Wirkung gibt. Niemand darf
gezwungen werden, bei fehlendem Produktschutz erfinderisch tätig zu
werden. Wäre dieses Schutzhindernis bei Vorhandensein von
Ausweichlösungen nicht anwendbar könnte durch Erzielung von Markenschutz
für jede Ausweichlösung ein komplettes technisches Gebiet blockiert
werden.(73) Nachdem die dreidimensionale Form
erstmals für eine Marke nach § 3 I MarkenG als schutzfähig angesehen
ist, sollte sicher nicht nach § 3 II Nr. 2 MarkenG die Erforderlichkeit
der technischen Wirkung zu schnell bejaht werden. Im Einzelfall kann es
schwierig sein, zu beurteilen, was "technisch bedingt" ist. Das
aktuelle oder frühere Bestehen technischer Schutzrechte ist aber ein
starkes Indiz dafür, dass die gewählten Formelemente technisch bedingt
sind. Technische Monopolrechte mit zeitlich begrenztem Schutz sollen aber
wie gezeigt nicht durch zeitlich praktisch unbefristete Markenrechte
ausgehöhlt werden.(74)Abs. 14 bb) Die Legostein-Entscheidung Es ist wahrscheinlich, dass die aktuelle HABM-Entscheidung im Ergebnis vor
dem EuGH bestand haben wird. Wenn man die Grundsätze der
Philips-Entscheidung des EuGH unter Berücksichtigung der
tatsächlichen Feststellungen, auf denen die Legostein-Entscheidung
beruht, auf die Eintragbarkeit des Legosteins als Warenformmarke
überträgt, ergibt sich hinsichtlich der besprochenen vier
Voraussetzungen folgendes Bild:
Abs. 15 (1) Es ist das Ziel von Lego, die Form der Ware Legostein selbst als
dreidimensionale Marke anzumelden.
Abs. 16 (2) Die wesentlichen Merkmale der Form des Legosteins entsprechen einer
technischen Funktion. Dies ergibt sich zum einen daraus, dass für den
Legostein verschiedene britische Patente bestanden haben, die das HABM als
"Schlüsseltatsachen" beschreibt, da sie ein "praktisch nicht
widerlegbares Indiz" dafür seien, das die darin offengelegten und
beanspruchten Merkmale technisch bedingt sind.(76) Auch das HABM
bezieht sich auf die amerikanische Functionality Doctrine, indem es den
Fall "Traffix Devices, Inc. gegen Marketing Displays,
Inc."(77) heranzieht. Aus den abgelaufenen
Patenten ergibt sich, dass jedes Element der Form des Legosteins und
mithin der Legostein insgesamt erforderlich ist, um eine technische
Wirkung zu erzielen.(78) Das aktuellste abgelaufene Patent(79) für das sogenannte "verbesserte
Page-Modell", benannt nach dem Erfinder Harry Fisher Page,
beanspruchte folgendes: "Ein Spielzeugstein..., der einen hohlen,
länglichen Körper mit parallelen Seiten ... zwei der Länge nach
angeordnete Reihen von Noppen in symmetrischer Anordnung, die in einander
gegenüberliegenden Paaren angeordnet sind und deren Gesamtbreite nahezu
der Breite des Hohlraumes in dem Baustein entspricht, aufweist ..."
Der Patentanspruch beschreibt den Vorteil dieser Erfindung und
Anordnung folgendermaßen: "... so dass, wenn die Noppen in den
Hohlraum oder die Hohlräume in einen oder mehrere übereinander gesetzte
identische Bausteine eingeführt werden, um die Verbindung herzustellen,
eine seitliche Verschiebung der Bausteine verhindert wird."(80) Daraus geht hervor, dass die
verschiedenen Merkmale des Legosteins alle(81) bestimmte
technische Zwecke erfüllen, nämlich:
Abs. 17- die Noppen (Stollen): Höhe und Durchmesser für Verbindungskraft,
Anzahl für Vielseitigkeit beim Zusammensetzen, Anordnung für Art des
Zusammensetzens;
Abs. 18- Sekundärvorsprünge (Hohlräume): Verbindungskraft, Anzahl für
bestmögliche Verbindungskraft in jeder Position, die Dicke der Seitenwand
dient dabei als Feder;
Abs. 19- Seitenwände: Verbindung mit den Seitenwänden anderer Bausteine zur
Bildung einer Mauer;
Abs. 20- hohler Innenraum: Ineinandergreifen mit den Noppen und Ermöglichen
einer Befestigung für Verbindungskraft;
Abs. 21- Gesamtform: Form des Bausteins zum Bauen, Größe geeignet für
Kinderhände.(82) Vorliegend erfüllen also nicht nur, wie
vom EuGH verlangt, die wesentlichen Merkmale eine technische Funktion,
sondern sogar alle Merkmale.
Abs. 22 (3) Diese Merkmale entsprechen auch einer technischen Funktion i.S. der
EuGH-Rechtsprechung, weil es sich um Merkmale handelt, mit denen diese
Funktionen umgesetzt werden können. Nichts ist dem Zufall überlassen
worden. Für jedes einzelne Merkmal des Legosteins gibt es einen
überzeugenden Grund, weshalb dieses und nicht ein anderes Merkmal
gewählt werden muss.(83)Abs. 23 (4) Die Merkmale dienen im konkreten Fall auch tatsächlich zur
Realisierung dieser Funktion. Die Merkmale des Legosteins wurden eindeutig
gewählt, um den oben erwähnten technischen Zweck des Legosteins zu
erfüllen, nicht hingegen, um eine Herkunftsbestimmung im markenmäßigen
Sinne zu erlauben.(84)Abs. 24 Lego kann sich auch nicht unter Berufung darauf verteidigen,
Markenschutz führe nicht zu einem technischen Monopol(85) und die durch die Form des Legosteins
erzielte technische Wirkung könne auch durch andere Formen erreicht
werden.(86) Wie gezeigt, hat der EuGH ausgeführt,
dass es, unerheblich sei, ob alternative Gestaltungen zur Erreichung der
gleichen technischen Wirkung für den Verkehr zur Verfügung stünden.(87) Entscheidend ist, dass die gewählte Form
auf ihrer technischen Wirkung beruht und nicht dem Zweck der
Unterscheidung von Produkten anderer Hersteller dient. Zudem würde die
Eintragbarkeit verschiedener Ausführungsformen der technischen Lösung
des Klemmbausteins faktisch notwendigerweise zu einem Monopol an der
technischen Lösung selbst führen, wodurch Art. 7 I e) ii) GMV (= Art. 3
II Nr. 2 MarkenG) umgangen würde.(88) Für dieses
Ergebnis spricht auch die international ausgesprochen einheitliche
Handhabung der Eintragbarkeit bzw. ihres Ausschlusses des Legosteins als
Warenformmarke. Der Legostein-Marke ist mit im wesentlichen derselben
Begründung wie hier entweder die Eintragung verweigert oder die Marke
gelöscht worden, und zwar in Deutschland, Frankreich, Benelux, Schweden,
Griechenland und dem Vereinigten Königreich. In Italien sind die
Markenanmeldungen zurückgenommen worden. Die gleiche mangelnde
Eintragungsfähigkeit des Legosteins wird durch das jüngst ergangene
Urteil des kanadischen Supreme Court vom 17.11.2005 betont, dass ebenfalls
feststellt, dass die funktionalen Merkmale des Legosteins dazu bestimmt
sind, eine technische Wirkung zu erzielen.(89)Abs. 25 Nach alledem steht § 3 II Nr. 2 MarkenG der Eintragbarkeit des Legosteins
als Warenformmarke entgegen.(90) Zu diesem Ergebnis
kam mit gleicher Begründung auch das BPatG.(91)Abs. 26 c) § 3 II Nr. 3 MarkenG = der Ware einen wesentlichen Wert verleiht (= Art. 3 I e) 3. Spiegelstrich MarkenRiLi = Art. 7 I e) iii) GMV
Da alle Arten von technisch ausgerichteten Formgebungen bereits durch § 3
II Nr. 2 MarkenG erfasst sind, bezieht sich der Ausschlussgrund des § 3
II Nr. 3 MarkenG im wesentlichen auf die Formgestaltungen, die wegen ihrer
geschmacklichen Ausrichtung freihaltebedürftig sind.(92) Das Schutzhindernis soll vor allem
verhindern, dass bestimmte Stilrichtungen im Rahmen des Zeitgeschmacks
durch den Markenschutz monopolisiert werden können.(93) Nahe liegend ist die Anwendbarkeit bei
Schmuckwaren.(94) Darauf kommt es bei der Frage des
Markenschutzes der Warenformmarke des Legosteins nicht entscheidend an.
Die vom Markeninhaber angesprochene "Anziehungskraft für das
Auge"(95) findet ihren Ursprung allein in der
Ästhetik einer gut strukturierten und zweckmäßigen Form.(96) Die geschmackliche Wirkung der Gestaltung
des Legosteins ist daher von dessen technischer Wirkung überlagert, so
dass für dessen Form allein der Ausschließungsgrund des § 3 II Nr. 2
MarkenG eingreift.(97) Zudem kann auf den Legostein die
Formulierung, dass "die wesentlichen funktionellen Merkmale der Form
... nur der technischen Wirkung zuzuschreiben sind" angewendet
werden.(98)Abs. 27 Damit stehen der Eintragbarkeit des Legosteins als Warenformmarke § 3 II
Nrn. 1 und 2 MarkenG entgegen. Letztlich obliegt dem EuGH die Auslegung
von § 3 II MarkenG bzw. Art. 3 I e) MarkenRiLi, Art. 7 e) GMV.(99) Es spricht aber viel dafür, dass der
EuGH entlang der hier skizzierten Linie entscheiden wird.
Abs. 28 d) Keine Marke kraft Verkehrsdurchsetzung, § 8 III MarkenG (Art. 7 III GMV, Art. 3 III MarkenRiLi)
Ist die Zuordnung zu einem bestimmten Unternehmen nur aufgrund eines
Monopols erfolgt, weil z.B. eine bestimmte Gestaltung patent- oder
geschmacksmustergeschützt ist oder war, so ist dies nach gefestigter
deutscher Rechsprechung ein Umstand, der Verkehrsgeltung (§ 4 Nr. 2
MarkenG)(100) und Verkehrsdurchsetzung (§ 8 III
MarkenG) ausschließen konnte.(101) In dieser
Allgemeinheit lässt sich dieser Grundsatz allerdings nach dem
Philips-Urteil des EuGH nicht mehr aufrecht erhalten.(102) Dort hält es der EuGH grundsätzlich
für möglich, dass die Verkehrsdurchsetzung i.S.v. Art. 3 III MarkenRiLi
auch auf dem Umstand beruht, dass der Marktteilnehmer einziger Lieferant
bestimmter Waren auf dem Markt war.(103) Jedoch ist
insoweit zu berücksichtigen, dass Art. 3 III MarkenRiLi, der § 8 III
MarkenG entspricht, nur auf Art. 3 I b, c, d MarkenRiLi (= § 8 II Nrn.
1-3 MarkenG) bezug nimmt, nicht jedoch auf Art. 3 I e MarkenRiLi (= § 3
II MarkenG). Daraus folgt, dass Art. 3 I e MarkenRiLi (= § 3 II MarkenG)
nicht durch Verkehrsdurchsetzung überwunden werden kann.(104) Das ist auch folgerichtig, denn der
Nachweis erworbener Unterscheidungskraft macht eine Marke nicht
nicht-funktionell.(105) Ein zeitlich unbeschränkter Schutz ist
in diesem Falle also nicht zu befürchten.(106)Abs. 29 e) Keine Marke kraft Verkehrsgeltung, § 4 Nr. 2 MarkenG
Im "Klemmbausteine-III"-Verfahren hat der Kläger neben seinem
Vortrag, der Legostein genieße als Marke kraft Eintragung Schutz, auch
angeführt, es bestehe Schutz für ihn wegen seiner weitreichenden
Bekanntheit kraft Verkehrsgeltung nach § 4 Nr. 2 MarkenG.(107) Dem ist mit der ganz h.M.
entgegenzutreten. § 3 II gilt für alle Markenarten des § 4. Damit kann
auch aufgrund von Verkehrsgeltung (§ 4 Nr. 2 MarkenG) das Schutzhindernis
nicht überwunden werden.(108) Bei der Frage des Schutzerwerbs kraft
Verkehrsgeltung (§ 4 Nr. 2 MarkenG) kann die Schutzfähigkeit nicht durch
solche Zuordnungen des Legosteins zu einem bestimmten Unternehmen seitens
des Verkehrs begründet werden, die gerade wegen der technisch bedingten
Merkmale erfolgen, weil sonst § 3 II Nr. 2 MarkenG unterlaufen würde.
Soweit der Verkehr mit solchen dem Markenschutz von vornherein entzogenen
Formen nur wegen der - etwa durch ein technisches Schutzrecht
begründeten - alleinigen Marktstellung eines Unternehmens
Herkunftsvorstellungen entwickelt hat, vermag dies daher ein
Kennzeichnungsmonopol nach Ablauf des Schutzrechts nicht zu begründen.(109) Aus dem Philips-Urteil des EuGH kann
sich schon deswegen nichts Gegenteiliges ergeben, weil es auf
europäischer Ebene keine Verkehrsgeltungsmarken gibt.
Abs. 30 f) Zwischenergebnis
Markenschutz für den Legostein ist also schon wegen § 3 II MarkenG
ausgeschlossen. In diesem Fall ist also eine Verlängerung des Monopols
nach Ablauf des Patentschutzes nicht möglich, so dass es auf die
absoluten Schutzhindernisse nach § 8 II Nrn. 1, 2 MarkenG vorliegend
nicht mehr ankommt. Da hier aber auch in einem übergeordneten
Zusammenhang die Frage der Verlängerung von Monopolen durch das
Markenrecht in Rede steht, sollen abschließend auch diese Normen mit in
Abs. 31 2. Die absoluten Schutzhindernisse nach § 8 II Nrn. 1, 2 MarkenG (= Art. 3 I b), c) MarkenRiLi)
a) Freihaltebedürfnis, § 8 II Nr. 2 MarkenG (= Art. 3 I c) MarkenRiLi)
Im deutschen Schrifttum ist umstritten, ob das Freihhaltebedürfnis an
dreidimensionalen Produktformen in Art. 3 I e) MarkenRiLi (= § 3 II
MarkenG) abschließend geregelt ist(110) oder ob daneben
noch Raum für eine Anwendung des Art. 3 I c) (= § 8 II Nr. 2 MarkenG)
bleibt.(111) Der BGH hält im Vorlagenbeschluss
Gabelstapler(112) die Regelung des Art. 3 I c) (= § 8 II
Nr. 2 MarkenG) ungeachtet der Vorschrift des Art. 3 I e) MarkenRiLi (= §
3 II MarkenG) bei allen Markenformen, also auch bei Marken, die die Form
einer Ware darstellen, für selbständig anwendbar. Danach ist ein
bestehendes Freihaltebedürfnis auch im Rahmen des Art. 3 I c) (= § 8 II
Nr. 2 MarkenG) und nicht durch eine zu weite Auslegung des Art. 3 I e)
MarkenRiLi (= § 3 II MarkenG) zu berücksichtigen.(113) Dafür spricht nach Ansicht des BGH vor
allem die Erwägung, dass das Eintragungshindernis des Art. 3 I e)
MarkenRiLi (= § 3 II MarkenG) nicht durch Benutzung im Sinne von Art. 3
III MarkenRiLi (= § 8 III MarkenG) überwunden werden kann. Dies
erscheint dem BGH nicht gerechtfertigt. Der EuGH(114) ist der Linie
des BGH gefolgt. Es gehe aus Art. 3 I MarkenRiLi eindeutig hervor, dass
die dort genannten Eintragungshindernisse voneinander unabhängig seien
und getrennt geprüft werden müssten. Werde die Eintragung eines
dreidimensionalen Zeichens, das aus der Form der Ware besteht, nicht
gemäß Art. 3 I e) MarkenRiLi (= § 3 II MarkenG) abgelehnt, so könne
sie folglich dennoch verweigert werden, wenn ein solches Zeichen unter
Art. 3 I c) (= § 8 II Nr. 2 MarkenG) falle. Das Eintragungshindernis sei
im Licht des Allgemeininteresses auszulegen, dass Zeichen oder Angaben,
die Eigenschaften der Waren oder Dienstleistungen beschreiben, für die
die Eintragung beantragt werde, von allen frei verwendet werden könnten
und vorbehaltlich des Art. 3 III MarkenRiLi (= § 8 III MarkenG) nicht
eingetragen werden könnten. Der EuGH hat auf die Vorlage des BGH
klargestellt, dass dreidimensionale Marken, die aus der Form der Ware
bestehen, das Interesse des Verkehrs an der Freihaltung der Produktform
nicht dergestalt zu berücksichtigen sei, dass eine Eintragung
grundsätzlich ausgeschlossen ist und in der Regel nur bei
Verkehrsdurchsetzung (Art. 3 III MarkenRiLi = § 8 III MarkenG) in
Betracht komme, sondern anhand einer konkreten Prüfung aller
maßgeblichen Gesichtspunkte der Anmeldung entscheiden müsse, ob das
Eintragungshindernis im konkreten Fall anwendbar sei. Die zuständige
Stelle dürfe also Markenanmeldungen, die aus dreidimensionalen
Warenformen bestehen, nicht grundsätzlich ablehnen.(115) Diese Sichtweise erscheint vor der
Systematik der MarkenRiLi letztlich sachgerecht. Zwar führt sie dazu,
dass wenn eine neue und eigentümliche Produktgestaltung zunächst als
Patent oder Geschmacksmuster geschützt war und nach Ablauf der
Schutzdauer Markenschutz für die Produktgestaltung beantragt wird, dass
gegebenenfalls - jedenfalls aber bei im Regelfall dann vorliegender
Verkehrsdurchsetzung wegen des vorangegangenen Monopols - , dieses
Monopol nun im Gewand des Markenrechts zeitlich unbegrenzt verlängert
wird,(116) aber dies entspricht eben der Intention
der MarkenRiLi. Zudem darf nicht übersehen werden, dass die Hürde des
Art. 3 I e) MarkenRiLi (= § 3 II MarkenG) erst genommen sein muss, bevor
es auf Art. 3 I c) (= § 8 II Nr. 2 MarkenG) und Verkehrsdurchsetzung
überhaupt ankommt. Mit dieser Herangehensweise wird also neben § 3 II
MarkenG mit der zusätzlichen Berücksichtigung des § 8 II Nr. 2 MarkenG
noch eine weitere Hürde für den Markenschutz von Warenformmarken
aufgebaut. Das heißt aber - wie dargelegt - nicht, dass der Anmelder
dreidimensionaler Marken auf die Möglichkeit der Eintragung seiner Marke
erst nach Verkehrsdurchsetzung zu verweisen ist.(117) Es muss
vielmehr möglich sein, schon vor deren Benutzung über die Registrierung
der Marke flankierenden Schutz für seine Aktivitäten zu bekommen. Daher
ist die Praxis des BPatG, produktabbildende Warenformmarken grundsätzlich
an § 8 II Nr. 2 MarkenG scheitern zu lassen,(118) mit der
Intention der MarkenRiLi und der Rechtsprechung des EuGH nicht zu
vereinbaren. Sowohl hinsichtlich des Linde-Gabelstaplers,(119) als auch in Bezug auf die
Winward-Stabtaschenlampe(120) und die
Rado-Armbanduhr hat das BPatG das Freihaltebedürfnis aus § 8 II
Nr. 2 MarkenG bejaht. Erstaunlich offenherzig ging es bei der
Rado-Armbanduhr vor: Die bloße Darstellung der Ware, in sich die
Marke erschöpfe, habe zwangsläufig beschreibenden Charakter i.S. des §
8 II Nr. 2 MarkenG, nämlich als eine mögliche Form der
Produktbeschaffenheit oder Zweckbestimmung bzw. in der unmittelbaren
Wiedergabe von Art und Beschaffenheit der Ware selbst.(121)Abs. 32 b) Konkrete Unterscheidungskraft, § 8 II Nrn. 1 MarkenG (= Art. 3 I b) MarkenRiLi)
Neben der Überwindung des Schutzversagungsgrundes des
Freihaltebedürfnisses ist auch noch die Hürde der konkreten
Unterscheidungskraft zu nehmen. Das ist die einer Marke innewohnende
konkrete Eignung, vom Verkehr als Unterscheidungszeichen für die von der
solchen anderer Unternehmen aufgefasst zu werden.(122)Abs. 33 c) Zwischenergebnis
Es ist also nicht so, dass mit der Überwindung des § 3 II MarkenG (=
Art. 3 I e) MarkenRiLi) der Weg zur Registrierung der dreidimensionalen
Warenformmarke freistünde, sondern es müssen noch die absoluten
Schutzversagungsgründe überwunden werden.(123) Wollte man die
Zulässigkeit von dreidimensionalen Warenformmarken weiter beschränken,
so würde dies dem grundsätzlichen Ziel der MarkenRiLi, solche
grundsätzlich im Gegensatz zur Rechtslage unter dem WZG zuzulassen, nicht
mehr gerecht werden.(124) Dabei ist zu berücksichtigen, dass der
EuGH(125) ausdrücklich darauf hingewiesen hat,
dass im Verhältnis zum Marken- und Geschmacksmusterrecht die
Prüfungsmaßstäbe bei Warenformmarken nicht strenger anzusetzen seien
als bei anderen Markenformen.(126)Abs. 34 III. Löschung wegen Bösgläubigkeit gemäß § 50 I i.V.m. § 8 II Nr. 10 MarkenG ?
Wenn der Markeninhaber noch während der Geltungsdauer eines
Produktschutzrechts (Patent, Gebrauchsmuster, Geschmacksmuster) oder nach
dessen Ablauf eine Markeneintragung für genau die Gestaltungsform
erwirkt, welche den Produktschutz begründete, wird, wie dargelegt, in
vielen Fällen das Per-se-Schutzhindernis des § 3 II MarkenG greifen. Da
neben § 3 II MarkenG aber auch § 8 II MarkenG anwendbar ist, schlagen
Körner und Gründig-Schnelle(127) aus
Praktikabilitätsgesichtspunkten vor, zur Verhinderung der Verlängerung
von Monopolen durch das Markenrecht nach Ablauf der Produktschutzrechte,
den Weg der Löschung der Marke nach § 50 I i.V.m. § 8 Nr. 10 MarkenG zu
gehen. Sie meinen, das Vorliegen einer böslichen Absicht der
Verlängerung des Produktschutzes, die oft durch eine
prima-facie-Vermutung gestützt sein wird, sei oft einfacher nachzuweisen
ist als die Tatsache der allein technischen Wirkung eines für den
Markenschutz beantragten Merkmals. Soweit ersichtlich gibt es zu diesem
Vorschlag noch keine einschlägigen Judikate, er erscheint aber gerade vor
dem Hintergrund der allgemein anerkannten Wertung, dass ein zeitlich
begrenzter Produktschutz nicht einfach über den Umweg des Markenschutzes
umgangen werden können soll, als in Betracht zu ziehende Möglichkeit. Ob
dies letztlich erfolgreich sein wird ist aber dennoch fraglich, denn
grundsätzlich besteht Markenschutz neben den Produktschutzrechten, d.h.
entweder ein Markenschutz scheitert an § 3 II oder § 8 II Nrn. 1-3
MarkenG oder eben nicht. Diese vom Gesetzgeber aufgestellten Hürden noch
zu erhöhen und einen Markenschutz für Warenformmarken für die
Produktschutz bestanden hat mit einer generellen, sozusagen
übergesetzlichen, Wertung faktisch immer auszuschließen, wird der
geltenden Rechtslage wohl im Ergebnis nicht gerecht. Die ausdrücklich
normierten Hürden des Markenschutzes würden unzulässig umgangen.
Abs. 35 IV. Exkurs: Geschmacksmusterschutz ("Designschutz")
Grundsätzlich kann neben einem markenrechtlichen Designschutz
dreidimensionaler Warenformmarken auch ein solcher nach dem
Geschmacksmustergesetz stehen ("Parallelität des Musterschutzes und
des Markenschutzes").(128) Denkbar ist,
das die Gefahr der Verlängerung eines patentrechtlichen Monopols sich im
Gewand des Geschmacksmusters realisiert.
Abs. 36 1. § 3 I Nr. 1 GeschmMG ("ausschließlich durch technische Funktion bedingt")
Nach § 3 I Nr. 1 GeschmMG sind Erscheinungsmerkmale von Erzeugnissen, die
ausschließlich durch deren technische Funktion bedingt sind, vom
Geschmacksmusterschutz ausgeschlossen. Technologische Innovationen sollen
nicht durch einen rechtlichen Schutz des Musters für ausschließlich
technisch bedingte Merkmale behindert werden. Damit ist gemeint, dass
durch die Rechte aus einem Geschmacksmuster die Freiheit der technischen
Entwicklung nicht beeinträchtigt werden soll. Der Schutz von Erfindungen
bleibt daher Patenten und Gebrauchsmustern vorbehalten.(129) Marken und Geschmacksmuster
unterscheiden sich zwar im Wesen und im Ziel des Schutzes. Die
Schutzwirkungen eines Ausschließlichkeitsrechts aus einem
Geschmacksmuster für technische Lösungen wären jedoch in ihrer
produktbezogenen Sperrwirkung dieselben wie bei einer Warenformmarke.(130) Eine Blockade von technischen Lösungen
für die Dauer von bis zu 25 Jahren ist faktisch oft gleichbedeutend mit
einem zeitlich unbeschränkten Ausschließlichkeitsrecht, für das sogar
durch Patente nur ein Schutz von maximal 20 Jahren herbeigeführt werden
könnte.(131) Wie dargelegt, sind die Merkmale des
Legosteins alle technisch bedingt. Ebenso wie im Markenrecht hat es auf
das daraus folgende bestehende Freihaltebedürfnis keine Auswirkung, wenn
die technische Wirkung auch mit anderen Formen erzielt werden kann, denn
Variationsmöglichkeiten sind auch hier ohne Auswirkung auf die technische
Bedingtheit der Form und können also den Tatbestand nicht
ausschließen.(132) Wenn ein Schutzausschluss durch den
Nachweis des Vorhandenseins anderer Formen verhindert werden könnte, mit
deren Hilfe sich die gleiche technische Lösung erzielen ließe, wäre ein
Unternehmen nicht gehindert, alle denkbaren Formen eintragen zu lassen.
Diese Möglichkeit wäre bei einem Geschmacksmuster mit einer
Sammelanmeldung sogar wesentlich kostengünstiger und wesentlich einfacher
als bei einer Markenanmeldung.(133) Die
Erwägungen, die gegen die Berücksichtigung von Formalternativen
sprechen, sind für Geschmacksmuster daher nicht weniger bedeutsam als
für Marken.(134) Weil beim Legostein alle Merkmale
technisch bedingt sind, käme ein Geschmacksmusterschutz des Legosteins
also von vornherein nicht in Betracht.
Abs. 37 2. § 3 I Nr. 2 ("Verbindungselemente") i.V.m. § 3 II GeschmMG ("Legoklausel")
Regelungszweck des § 3 I Nr. 2 GeschmMG ist, dass ausschließliche Rechte
an Verbindungselementen nicht zu Monopolen führen sollen, d.h. es soll
deren Kompatibilität gesichert werden. Anwendung findet die
Schutzausschließung für Verbindungselemente vor allem auf dem
Ersatzteilmarkt für Kraftfahrzeuge.(135) Die vom
Wortlaut ebenfalls erfassten Bauteilesysteme wie Lego - daher die
(nicht offizielle) Bezeichnung "Lego-Klausel" - sind nach § 3 II
GeschmMG von der Regelung ausgenommen, d.h. für sie soll
Geschmacksmusterschutz bestehen.(136) Bei
uneingeschränkter Zuässigkeit der Nachbildung solcher modularen
Bauelemente würde nämlich nicht allein ein akzessorischer Sekundärmarkt
für den Wettbewerb freigegeben, wie bei der Ersatzteilen, sondern der
Primärmarkt selbst. Dagegen will das GeschmacksmusterG durch ein zeitlich
beschränktes Ausschließlichkeitsrecht schützen. Über die Berechtigung
dieser den freien Wettbewerb einschränkenden Regelung ist bisweilen
gerätselt worden.(137) Letztlich sind die zugrunde liegenden
Gedanken dem deutschen Recht aber nicht fremd. Die
Klemmbausteine-Rechtsprechung des BGH beruhte auf denselben
Überlegungen.(138) Dort wurde sogar noch bis zur aktuellen
Klemmbausteine-III-Entscheidung ein zeitlich unbegrenzter Schutz
gewährt. Für den inoffiziellen Namensgeber der Klausel hat dieser Schutz
aber nie eine Rolle gespielt, da die Lego-Bauelemente bei Inkrafttreten
der Regelung im Jahre 2004 weder neu (§ 2 II GeschmMG) noch eigenartig
(§ 2 III GeschmMG) waren. Aus diesem Grund bemüht sich Lego auch massiv
um markenrechtlichen - ewigen - Schutz.(139)Abs. 38 3. Zwischenergebnis
Bei der Beurteilung des geschmacksmusterrechtlichen Ausschlussgrundes des
§ 3 I Nr. 1 GeschmMG sind die gleichen Wertungen anzustellen sind, wie
bei dem markenrechtlichen Ausschlussgrund des § 3 II Nr. 2 MarkenG. Daher
wird ein Designschutz an § 3 I Nr. 1 GeschmMG scheitern, wenn ein
Markenschutz wegen § 3 II Nr. 2 MarkenG nicht in Betracht kommt. Für die
hier in Rede stehenden Lego-Steine hat der Geschmacksmusterschutz,
wie dargelegt, ohnehin nie eine Rolle gespielt.
Abs. 39 V. Zusammenfassung/Ergebnis
Die Zulässigkeit der dreidimensionalen Warenformmarke im deutschen
Markenrecht hat die Gefahr der Überholung der zeitlich befristeten
Produktschutzrechte heraufbeschworen. Das deutsche Markenrecht bietet
jedoch in Übereinstimmung mit der MarkenRiLi ein Instrumentarium, um
einer uferlosen Ausweitung des Markenschutzes in das Produktschutzrecht
vorzubeugen.(140) Der Schutz des Legosteins als
dreidimensionale Warenformmarke scheitert bereits daran, dass alle
Merkmale des Legosteins zur Erreichung einer technischen Wirkung im Sinne
von § 3 II Nr. 2 MarkenG erforderlich sind. Dieses Schutzhindernis ist
auch nicht durch Verkehrsdurchsetzung (§ 8 III MarkenG) zu überwinden,
weil eine dem § 8 III MarkenG entsprechende Regelung für § 3 II MarkenG
fehlt. Ebenso besteht für den Legostein in Deutschland kein Schutz kraft
Verkehrsgeltung nach § 4 Nr. 2 MarkenG, weil § 3 II MarkenG für alle
Markenarten des § 4 MarkenG gilt. Auf europäischer Ebene sind
Verkehrsgeltungsmarken zudem ohnehin nicht bekannt. Auf die ansonsten
weiterhin zu prüfenden absoluten Schutzhindernisse aus § 8 II Nr. 1-3
MarkenG kommt es beim Legostein vorliegend daher nicht an. Auch nach der
Überwindung des § 3 II MarkenG (= Art. 3 I e) MarkenRiLi) steht - darauf sei nochmals hingewiesen - der Weg zur Registrierung der
dreidimensionalen Warenformmarke aber generell noch nicht frei, sondern es
müssen zudem noch die absoluten Schutzversagungsgründe überwunden
werden. Wollte man die Zulässigkeit von dreidimensionalen Warenformmarken
weiter beschränken, so würde dies dem grundsätzlichen Ziel der
MarkenRiLi, solche grundsätzlich im Gegensatz zur Rechtslage unter dem
WZG zuzulassen, nicht mehr gerecht werden. Für den Legostein kann sich
die Gefahr der Verlängerung eines patentrechtlichen Monopols auch nicht
im Gewand des Geschmacksmusters realisieren, da ein Designschutz wegen §
3 I Nrn. 1 und 2 GeschmacksmMG ausscheidet, weil zum einen alle Merkmale
des Legosteins technisch bedingt sind, wobei die gleichen Wertungen wie im
Markenrecht anzustellen sind, und zum anderen die Privilegierung der
sogenannten Legoklausel für den Legostein mangels Neuheit nicht relevant
Abs. 40 Es ist nach alledem zu erwarten, dass der EuGH(141) die
Entscheidung des HABM, dass die Warenform eines Legosteins als
dreidimensionale Gemeischaftsmarke für Baukastenspielzeug nicht
eintragbar ist, bestätigen wird.
Abs. 41 Hinsichtlich der Zurückverweisung des Rechtsstreits im Klemmbausteine III
Verfahren an das OLG Hamburg im Bezug auf die von den Klägern geltend
gemachten Gesichtspunkte des Markenschutzes und des
Gebrauchsmusterschutzes, zu denen das Berufungsgericht keine
Feststellungen getroffen hatte, ist davon auszugehen, dass das Gericht
sowohl marken- als auch geschmacksmusterrechtliche Ansprüche ablehnen
wird. Ansprüche aus einer eingetragenen Marke kommen schon deswegen nicht
in Betracht, weil in Deutschland die Legostein-Warenformmarke aus dem
Register gelöscht wurde und Ansprüche aus einer Verkehrsgeltungsmarke
oder aus Designschutz scheiden aus genannten Gründen aus.
JurPC Web-Dok.183/2007, Abs. 42Fußnoten: (1) Erweiterte Fassung eines Vortrages, den der
Verfasser bei einem Kolloquium am 07.07.2007 auf Schloß Nöthnitz
(Dresden) im Rahmen des von Herrn Professor Dr. Horst-Peter
Götting, LL.M. (London) begründeten und betreuten Studienganges
LL.M. - Intellectual Property Law (www.llm-ip.de) der Technischen Universität Dresden gehalten hat.
(2) Rechtsanwalt, Dr. iur., Kritik und
Anregungen sind willkommen. eMail-Adresse des Autors dr.jaeschke@email.de (3) Fezer, in: WRP 2000, S. 2.
(4) BGH, GRUR 1964, S. 621ff. (Klemmbausteine
I: Keine Puwi-Steine); BGH, GRUR 1992, S. 619ff. (Klemmbausteine
II: Kein Tomy Train). Siehe im Einzelnen Riesenhuber, in: WRP
2005, S. 1118ff. Sack, in: FS-Erdmann, 2002, S. 697, Fn. 1.
(5) BGH, GRUR 2005, 349ff. (Klemmbausteine
III - Az.. I ZR 30/02)
(6) Wie auch schon die vorangegangenen
Entscheidungen BGH, GRUR 1964, S. 621, 624 (Klemmbausteine I):
"Es bedarf im Streitfall jedoch keiner Klärung dieser für die
Zubilligung eines Ausstattungsschutzes rechtserheblichen Fragen, weil das
Klagebegehren (...) aus § 1 UWG begündet ist.", sowie BGH, GRUR 1992,
S. 619, 620 (Klemmbausteine II), wo der BGH die Grundsätze der
Klemmbausteine I-Entscheidung auch auf den Fall der mit dem Lego-System
verbaubaren Spielzeugeisenbahn eines Konkurrenzherstellers ("Tomy
Train") angwendet hat.
(7) Der BGH sah im Streitfall keine
Notwendigkeit, zu der Kritik abschließend Stellung zu nehmen. Er folgt
ihr jedenfalls insoweit, als mit dem wettbewerbsrechtlichen Schutz des
Unternehmers vor einem Einschieben in eine Serie kein in zeitlicher
Hinsicht unbegrenzter Schutz vor Nachahmungen für eine Innovation
gewährt werden dürfe. Ein solcher Schutz stünde im Gegensatz zu der
gesetzlichen Befristung des Innovationsschutzes im Patentrecht, im
Gebrauchsmusterrecht und im Geschmacksmusterrecht, siehe BGH, GRUR 2005,
S. 352. Hier trifft der BGH eine Wertung, die wie noch gezeigt wird, auch
für das Verhältnis vom Markenrecht zum Patentrecht gelten muss, wenn es
um die Frage der zeitlich unbegrenzten Verlängerung von Monopolen durch
das Markenrecht geht.
(8) BGH, GRUR 2005, S. 352.
(9) BGH, GRUR 2005, S. 350.
(10) Dazu auch Schrader, in: WRP 2005, S.
(11) BPatG, 26 W (pat) 82/05 vom 02.05.2007
betreffend die Marke 395 03 037.4 S 56/03 Lö, siehe BeckRS 2007 08955.
(12) HABM, GRUR Int. 2007, S. 58ff.,
Entscheidung vom 10.07.2006, Az.: R 856/2004-G - Legostein.
(13) Dem liegt wohl die Überlegung zugrunde,
eine Produktform, an der kein Sonderrechtsschutz besteht, könne von jedem
Wettbewerber frei verwendet werden. Der Produktform könne als solcher
deshalb keine Herkunftsfunktion zukommen. Das ist zu weit gehend, denn der
EuGH hat anerkannt, dass Warenformen eine inhärente
Kennzeichnungsfunktion haben und die Markenfähigkeit nur für die Fälle
des § 3 II MarkenG ausgeschlossen, vgl. Fezer, in: GRUR 2003, S.
(14) HABM, GRUR Int. 2007, S. 60.
(15) Gemeinfreie technische Lösungen dürfen
übernommen werden, ohne dass der Nachahmer auf das Risiko verwiesen
werden darf, es mit anderen Lösungen zu versuchen, dazu Köhler,
in: Köhler/Bornkamm, Wettbewerbsrecht, 25.A., 2007, § 4, Rn. 9.49.
(16) Köhler, in: Köhler/Bornkamm,
Wettbewerbsrecht, 25.A., 2007, § 4, Rn. 9.50.
(17) Dazu z.B. Ingerl, in: WRP 2004, S.
809ff.
(18) Aufgrund Art. 2 der ersten Richtlinie des
Rates zur Angleichung der Rechtsvorschriften der Mitgliedsstaaten über
die Marken vom 21.12.1988, 89/104/EWG, abgedr. in GRUR Int. 1989, S.
294ff.
(19) Hierbei ist Schutz nur durch formelle
(20) Eichmann, in: FS-Vieregge, 1995, S.
(21) Ullmann, in: NJW-Sonderheft 100
Jahre Markenverband, S. 87.
(22) Körner/Gründig-Schnelle, in: GRUR
1999, S. 535; Fezer, in: MarkenR, § 8, Rn. 117n; Fezer, in:
FS-Piper, 1996, S. 525: "Wenn einer Bezeichnung oder einem sonstigen
Merkmal nicht die Funktion einer Marke als eines Unterscheidungszeichens
zukommt, dann ist dieses Zeichen nicht markenfähig."
(23) Rohnke, in: FS-Erdmann, 2002, S.
(24) Kiethe/Groeschke, in: WRP 1998. S.
541 sprechen von "einem neuen ökonomisch bedeutsamen Feld der Funktion
der dreidimensionalen Marke als produktidentifizierendes
Unterscheidungszeichen im Marktwettbewerb."
(25) Im Einzelnen auch Rohnke, in:
FS-Erdmann, 2002, S. 455ff.; von Bassewitz, in: GRUR Int. 2004, S.
392ff.
(26) Kur, in: GRUR Int. 2004, S. 759;
vgl. Eichmann, in: GRUR 1995, S. 188.
(27) Zum Ganzen allgemein auch
Körner/Gründig-Schnelle, in: GRUR 1999, S. 535ff.
(28) Klaka, in: GRUR 1996, S. 616.
(29) Vgl. Fezer, in: GRUR 2003, S. 464.
Das soll die Marke aber keinesfalls generell abwerten. Sie ist
grundsätzlich den anderen Immaterialgüterrechten schon gleichwertig. Wie
noch gezeigt wird, ist es aber nötig, Markenrecht und Patentrecht zu
(30) Götting, in: Schricker/Stauder, Hdb
d Ausstattungsrechts, S. 226f.; vgl. Kur, in: GRUR Int. 2004, S.
758; Wandtke/Bullinger, in: GRUR 1997, S. 577ff. für das
Urheberrecht; sehr deutlich schon Lord Justice Aldous für das
Vereinigte Königreich, in: High Court of Justice, GRUR Int. 2000, S. 439,
444 (Rasierapparatkopf II).
(31) Vgl. Körner/Gründig-Schnelle, in:
GRUR 1999, S. 535.
(32) Dazu Rohnke, in: FS-Erdmann 2002, S.
(33) Körner/Gründig-Schnelle, in: GRUR
1999, S. 535; zum Ganzen: Teplitzky, in: FS-v. Gamm, 1990, S.
303ff.
(34) BGH, GRUR 2001, S. 334ff. (Linde
Gabelstapler, Az.: I ZB 15/98; Winward Stabtaschenlampe, Az.: I ZB 18/98
und Rado Armbanduhr, Az.: I ZB 46/98).
(35) Dazu Rohnke, in: FS-Erdmann 2002, S.
460; zum Ganzen Hager, in. GRUR 2002, S. 566ff.
(36) BGH, GRUR 2001, S 334, 335
(Gabelstapler); bislang st. Rspr. des BGH, dazu etwa BGH, GRUR
1964, S. 621, 623 (Klemmbausteine I): "Mit Recht geht das
Berufungsurteil davon aus, dass die äußere Gestaltung der Ware am
Ausstattungsschutz teilnehmen kann, und zwar auch dann, wenn sie eine
"stoffliche Einheit" mit der Ware bildet. Entscheidend ist - wie der
BGH wiederholt entschieden hat - insoweit allein, ob die äußere
Gestaltung als "Zutat" zur Ware begrifflich von ihr unterscheidbar ist
und ob es sich um Gestaltungselemente handelt, die willkürlich wählbar
sind und dadurch nur das "Gesicht" der Ware bestimmen. Nur dann zählt
die äußere Gestaltung der Ware nicht mehr zu ihrer "Aufmachung",
wenn sie so, wie der Verkehr sie wertet, das Wesen der Ware selbst
ausmacht und deshalb mit ihr identisch ist,", sowie BGH, GRUR 1995,
S. 732, 734 (Füllkörper): "Während es bei dem Schutz nach
Urheberrecht, dem Geschmacksmuster-, Patent- und Gebrauchsmusterrecht um
den Schutz der Gestaltung als solcher geht, verleiht das Markenrecht
unabhängig davon seinem Inhaber lediglich das Recht, seine Waren oder
Dienstleistungen gegenüber gleichen oder ähnlichen Waren oder
Dienstleistungen seiner Mitbewerber unterscheidbar zu kennzeichnen (vgl.
§ 3 Abs. 1, § 15 Abs. 2 MarkenG). Erschöpft die Darstellung der
angemeldeten Marke sich aber in der Wiedergabe der technischen Gestaltung
der Ware selbst, so fehlen dem Zeichen unternehmenshinweisende
Elemente."; zu Recht kritisch Bauer, in: GRUR 1996, S. 319ff.
weil die Entscheidung schon unter Geltung des gegenwärtigen
Markengesetzes erging; a.A. Sambuc, in: GRUR 1997, S. 408, der
begrüßt, dass der "BGH offenbar nicht gewillt ist, den
"Etikettenschwindel Produktschutz durch Markenrecht"
mitzumachen", Sambuc, in: GRUR 1997, S. 408, Fn. 47,
allerdings vermengt er ohne Not die Voraussetzungen der Absätze 1 und 2
des § 3 MarkenG.
(37) BGH, GRUR 2001, S 334, 335 (Gabelstapler);
vgl. Klaka, in: GRUR 1996, S. 617; Bender, in: MarkenR 1999,
S. 117, Fn. 7.
(38) HABM, GRUR Int. 2004, S. 59: "Zunächst
ist festzuhalten, dass Art. 4 GMV bestimmt, das jedes Zeichen eine Marke
sein kann, wenn es erstens graphisch darstellbar und zweitens geeignet
ist, Waren oder Dienstleistungen eines Unternehmens von denjenigen anderer
zu unterscheiden. Daraus folgt, dass eine dreidimensionale Form, die auch
die Form der betreffenden Ware ist, grundsätzlich eine Marke sein kann,
wenn die beiden Voraussetzungen erfüllt sind." Ob die beiden
Voraussetzungen aber erfüllt sind, dazu äußerst sich das HABM nicht
weiter, sondern setzt die abstrakte Markenfähigkeit offensichtlich
(39) Etwa Berlit, in: MarkenR, S. 19, Rn.
14b: "Sofern sich (...) die Marke in der Wiedergabe der technischen
Eigenart erschöpft, fehlt bereits die abstrakte Markenfähigkeit. Eine
willkürliche Ergänzung der technisch notwendigen Darstellung, etwa eine
Verzierung ohne funktionelle Bedeutung, ist zur Begründung der abstrakten
Markenfähigkeit ausreichend, allerdings, wie der EuGH genauso deutlich
ausführt, nicht notwendige Voraussetzung des kennzeichenrechtlichen
Schutzes." Damit setzt sich Berlit sehenden Auges in Widerspruch
zu den Aussagen des EuGH.
(40) EuGH, GRUR 2002, S. 804, 807.
(41) EuGH, GRUR 2003, S. 514, 517.
(42) Im Einzelnen Kur, in: GRUR Int.
2004, S. 760; in diesem Sinne auch Bender, in: Ekey/Klippel,
MarkenR, Art. 7 GMV, Rn. 142; vgl. Mountstephens, in: GRUR Int.
2000, S. 393ff.
(43) A.A. wohl Fezer, in: WRP 2000, S.
(44) Vgl. Fezer, in: GRUR 2003, S. 467:
"Produktformen sind im Sinne der rechtlichen Markenfunktionen
unterscheidungsgeeignet." (45) So richtig Kur, in: MarkenR 2000, S.
2; Kur, in: GRUR Int. 2004, S. 760, Fn. 37.
(46) Bender, in: MarkenR 1999, S. 117,
(47) Eichmann, in: GRUR 1995, S. 188.
(48) Hätte man den Inhalt von Art. 3 I e)
MarkenRiLi systematisch richtig in § 8 MarkenG geregelt, wären die
Benutzungsmarken davon nicht erfasst worden; vgl. Kiethe/Groeschke,
in: WRP 1998, S. 543f.
(49) Ströbele, in: GRUR 1999, S. 1041f.
(50) H.M.: Rohnke, in: FS-Erdmann 2002, S. 460;
Fezer, in: FS-Piper 1996, S. 528ff.; Ströbele, in: GRUR
1999, S. 1041ff.; Fezer, in: MarkenR, § 8, Rn. 117a;
Ingerl/Rohnke, MarkenG, § 8, Rn. 186; vgl. aber Eichmann,
in: FS-Vieregge 1995, S. 144: Nur wenn keiner der in § 3 II aufgeführten
besonderen Ausschließungsgründe vorliegt (absolutes
Freihaltebedürftnis), kommt es für die Eintragbarkeit überhaupt auf die
konkrete Unterscheidungskraft der Warenform nach § 8 II Nr. 1 MarkenG
an.; auch Eichmann, in: GRUR 1995, S. 188f.
(51) Unterschieden werden Formmarken im weiteren
Sinne (produktunabhängige Formmarken) und Formmarken im engeren Sinne
(produktabhängige Formmarken). Eine produktabhängige Formmarke ist
grundsätzlich eine Warenmarke, für die die Aussschlussgründe der
warenbedingten, technisch bedingten und wertbedingten Form nach § 3 II
Nrn. 1 - 3 MarkenG gelten, zum Ganzen Fezer, in: MarkenR, § 3,
Rn. 264bf.; Hacker, in: Ströbele/Hacker/Kirschneck, MarkenG, § 3,
(52) Koschtial, in: GRUR Int. 2004, S.
107; Ingerl/Rohnke, MarkenG, § 3, Rn. 41; Eichmann, in:
FS-Vieregge 1995, S. 146; Fuchs-Wissemann, in: Ekey/Klippel,
MarkenR, § 3, Rnn. 5ff.
(53) Körner/Gründig-Schnelle, in: GRUR
1999, S. 536; Hacker, in: Ströbele/Hacker/Kirschneck, MarkenG, §
3, Rn. 72. Dies entspricht der Unterscheidung, die man bei der Ausstattung
des § 25 WZG zwischen dem "Wesen der Ware" und ihren willkürlich
änderbaren Aufmachungen getroffen hat. Das Wesen der Ware konnte nicht
als Kennzeichen geschützt werden, und zwar nicht einmal bei
Verkehrsgeltung, dazu Sambuc, in: GRUR 1997, S. 406.
(54) Oder die Eintragung scheitert an fehlender
Unterscheidungskraft oder man nimmt einen Ausschluß wesentlicher
Produktformen vom Markenschutz aufgrund einer immanenten Schranke an, denn
das Markengesetz kennt zumindest dann eine immanente Schranke des
zeichenmäßigen Gebrauchs, wenn unter dem Deckmantel des Markenschutzes
die Herstellung eines Konkurrenzproduktes in toto verhindert werden soll,
zum ganzen Sambuc, in: GRUR 1997, S. 406f.; vgl. Kur, in:
MarkenR 2000, S. 3.
(55) Vgl. Körner/Gründig-Schnelle, in:
GRUR 1999, S. 536; Eichmann, in: FS-Vieregge 1995, S. 149: Eine
Form ist allerdings immer dann durch die Art der Ware bedingt, wenn für
das Erzeugnis als solches Formenschutz beantragt wird.
(56) Koschtial, in: GRUR Int. 2004, S.
(57) Fezer, in: MarkenR, § 3, Rn. 228a.
(58) BGH, GRUR 2001, S. 334, 335
(Gabelstapler): "Die angemeldete Ware weist über die technisch
bedingten Gestattungsmerkmale der Grundform eines Gabelstaplers hinaus
eine Reihe von Gestaltungsmerkmalen auf, die weder ausschließlich durch
die Art der Ware selbst bedingt sind noch ausschließlich technisch oder
wertbedingt sind. Zu nennen sind etwa der - ein abgerundetes Fünfeck
darstellende - Fahrerkabinenrahmen, die durchweg abgerundeten
Kantenlinien und das rundlich ausgeprägte Heck."; dazu Ingerl/Rohnke,
MarkenG, § 8, Rn. 196; von Schultz, in: von Schultz, MarkenR, §
3, Rn. 14.
(59) Fezer, in: MarkenR, § 3, Rn. 228a:
Die Süßigkeiten Gummibärchen sind ein bekanntes Beispiel einer
schutzfähigen Formmarke. Schon Klaka, in: Ströbele/Klaka,
MarkenG, § 3, Rn. 35; Ströbele, in: GRUR 1999, S. 1043;
Fuchs-Wissemann, in: Ekey/Klippel, MarkenR, § 3, Rn. 8
(60) Koschtial, in: GRUR Int. 2004, S.
108f.; Fezer, in: FS-Piper 1996, S. 532; Kiethe/Groeschke, in: WRP
1998, S. 545. Für Eichmann, in: GRUR 1995, S. 187 kommt es für
die Bejahung des § 3 II Nr. 1 MarkenG darauf an, "ob allein die Form
einer Ware maßgeblich für die Kaufentscheidung ist." (61) Vgl. Koschtial, in: GRUR Int. 2004,
S. 109; vgl. Eichmann, in: FS-Vieregge 1995, S. 148, Fn. 166.
(62) EuGH, GRUR 2002, S. 804, 809
(63) EuGH, GRUR 2002, S. 804, 809, Rn. 80
(64) EuGH, GRUR 2002, S. 804, 809, Rn. 84
(65) Nach Ingerl/Rohnke, MarkenG, § 3, Rn. 55.
(66) Nach Ingerl/Rohnke, MarkenG, § 3, Rn. 55
wird man das so verstehen können, dass "es auf das Vorhandensein von
Bauteilen, die nicht zwingend technisch bedingt sind, dann nicht ankommt,
wenn sie ihrerseits ebenfalls nicht unterscheidungskräftig sind."
Wenn mit dieser Auslegung gemeint sein sollte, dass es auf das
Vorhandensein von Bauteilen, die nicht zwingend technisch bedingt sind,
dann ankommen soll, wenn sie ihrerseits unterscheidungskräftig sind, dann
würden willkürliche Ergänzungen der Form jenseits des technisch
bedingten im Rahmen des § 3 II Nr. 2 MarkenG im Gegensatz zu § 3 I
MarkenG (abstrakte Markenfähigkeit) wieder relevant. In diese Richtung
wohl auch Koschtial, in: GRUR Int. 2004, S. 110: "Durch das
Abstellen auf den technischen Charakter eines Zeichens besteht zudem die
Gefahr, dass eine Form monopolisiert wird, zu der technisch keine
Alternativen bestehen, die aber so viel Zusätzliches in ihrer Form
enthält, dass ihre wesentlichen funktionalen Merkmale nicht nur der
technischen Wirkung zuzuschreiben sind, und sie damit also eintragbar
wäre, es jedoch trotzdem zu einer Behinderung des Marktes kommt." Ähnlich Eichmann, in: GRUR 1995, S. 186: "Wenn bei einer
Grundform einige Merkmale mit Mitteln der Technik eine freizuhaltende
Wirkung erzeugen und andere Merkmale hinzukommen, die nicht
freihaltebedürftig sind, ist die Gesamtform nicht vom Markenschutz
ausgeschlossen. Dasselbe gilt dann, wenn eine Form zwar technisch bedingt
ist, aber - z.B. aufgrund einer farblichen Ausgestaltung - einen
"Überschuß" aufweist, der die Ware mit mehr als einer nur rein
technischen Funktion ausstattet." Ob der EuGH so verstanden wissen
will, ist fraglich, denn nach der Feststellung des EuGH verfolgt die
MarkenRiLi das "legitime Ziel (...), es dem Einzelnen nicht zu
erlauben, die Eintragung einer Marke zu benutzen, um ausschließliche
Rechte an technischen Lösungen zu erlangen oder fortbestehen zu
lassen," vgl. EuGH, GRUR 2002, S. 804, 809, Rn. 82 (Philips).
Der EuGH will also den möglichen Markenschutz gerade weiter
einschränken, indem er nicht von Zeichen ausgeht, die
"ausschließlich" aus einer Form bestehen, die zur Erreichung einer
technischen Wirkung erforderlich sind, sondern ausreichen lässt, dass die
"wesentlichen" Merkmale einer Form einer technischen Funktion
entsprechen. Dafür spricht auch, dass nahe liegt, dass das "nur" im
4. Leitsatz der Philips-Entscheidung nicht dem "ausschließlich" in
Art. 3 I e) 2. Spiegelstrich MarkenRiLi (= § 3 II Nr. 2 MarkenG)
entspricht. Im 4. Leitsatz heisst es: "Art. 3 lit. e 2. Spiegelstrich
Richtlinie 89/104/EWG ist dahin auszulegen, dass ein Zeichen, dass
ausschließlich aus der Form der Ware besteht, auf Grund dieser Vorschrift
nicht eintragungsfähig ist, wenn nachgewiesen wird, dass die wesentlichen
funktionellen Merkmale dieser Form nur (Unterstreichung nicht im
Original) der technischen Wirkung zuzuschreiben sind.", vgl. EuGH, GRUR
2002, S. 804, 809, Rn. 84 sowie 4. Leitsatz (Philips). Das
"nur" bezieht sich also auf die "wesentlichen funktionellen
Merkmale", a.A. Fezer, in: GRUR 2003, S. 468, der meint, nur an
"purer Technizität" bestehe kein Formmarkenschutz: "Wenn
ein Merkmal der Form einer Ware nur der technischen Wirkung zuzuschreiben
ist (Ausschließlichkeit der Technizität der Form) (...). Ein Merkmal der
Form einer Ware, das auch eine Designfunktion erfüllt, ist als
dreidimensionales Zeichen selbst dann markenfähig, wenn das Merkmal der
Form funktionell und diese Funktionalität wesentlich ist.", und
wohl auch v. Schultz, in: v. Schultz, MarkenR, § 3, Rn. 17.
(67) EuGH, GRUR 2002, S. 804, 809, Rn. 84 sowie
4. Leitsatz (Philips).
(68) BGH, GRUR 1964, S. 621, 623
(Klemmbausteine I). Dazu ausführlich Götting, in:
Schricker/Stauder, HdB d. AusstattungsR, S. 229, Rn. 23ff. Die frühere
Rspr. zum Ausstattungsschutz lässt sich damit nicht auf § 3 II Nr. 2
MarkenG übertragen, im Einzelnen Hacker, in:
Ströbele/Hacker/Kirschneck, MarkenG, § 3, Rn. 93ff., 96.
(69) EuGH, GRUR 2002, S. 804, 809, Rn. 82
(Philips); Ullmann, in: NJW-Sonderheft 100 Jahre Markenamt,
S 83: "Hat die gewählte Form keinen funktionalen Bezug zur Technik,
steht das Schutzhindernis nicht entgegen.", vgl. Berlit, in:
MarkenR, S. 16, Rn. 13.
(70) Zum Ganzen Ingerl/Rohnke, MarkenG, § 3,
Rn. 55.
(71) Fezer, in: MarkenR, § 3, Rn. 230a;
Fezer, in: GRUR 2003, S. 467 hält auch nach dem
Philips-Urteil des EuGH an der Theorie von der Rechtserheblichkeit
von Formalternativen fest: "Die technische Bedingtheit der Form
sollte deshalb immer schon dann verneint werden, wenn ernsthafte
Formalternativen für die technische Wirkung bestehen, die dem
Wettbewerber zumutbar sind." Zum Ganzen Fezer, in: GRUR 2003,
S. 467ff.
(72) Im Einzelnen
Körner/Gründig-Schnelle, in: GRUR 1999, S. 537, vgl.
Fezer, in: GRUR 2003, S. 468f.
(73) Körner/Gründig-Schnelle, in: GRUR
1999, S. 537; vgl. Koschtial, in: GRUR Int. 2004, S. 110;
Eichmann, in: FS-Vieregge, S. 149f.; HABM, GRUR Int. 2007, S. 62,
Rn. 59 (Legostein); a.A. Kiethe/Groeschke, in: WRP 1998, S.
545; vgl. Fezer, in: GRUR 2003, S. 468f.
(74) Hacker, in:
Ströbele/Hacker/Kirschneck, MarkenG, § 3, Rn. 93;
Fuchs-Wissemann, in: Ekey/Klippel, MarkenR, § 3 MarkenG, Rn. 9;
Bender, in: Ekey/Klippel, MarkenR, Art. 7 GMV, Rn. 147; so schon
Klaka, in: GRUR 1996, S. 617; Klaka, in: Ströbele/Klaka,
MarkenG, § 3, Rn. 37; a.A. Fezer, in: MarkenR, § 3, Rn. 230f.
(75) HABM, GRUR Int. 2007, S. 58ff.
(Legostein).
(76) HABM, GRUR Int. 2007, S. 60
(77) Traffix Devices, Inc. gegen Marketing
Displays, Inc., Case-No. 99-1571, argued Nov. 29, 2000, decided March
20, 2001. Allerdings benennt das HABM den Petitioner fälschlicherweise
als "Traffic Devices, Inc.". In dem Fall klagt der Hersteller von
"Windmaster"-Verkehrsschildern gegen den Hersteller von
"Windbuster"-Verkehrsschildern. Der Supreme Court of the United
States führt aus: "In general terms a product feature is
functional,' and cannot serve as a trademark, 'if it is essential to the
use or purpose of the article or if it affects the cost or quality of the
article." (S. 24), "(...) a utility patent is strong evidence
that the features therein claimed are functional." (S. 23, 29),
sowie: "The rationale for the rule that the disclosure of a feature
in a utility patent's claims constitutes strong evidence of
functionality is well illustrated in this case." (S. 24, 31). In dem
Fall ging es um eine bestimmte Riegeleinrichtung an nicht im Boden fest
verankerten Verkehrsschildern. Da das Design dem Zweck diente, das Schild
gegen den Wind zu sichern, wurde es als funktional angesehen, dazu
Koschtial, in: GRUR Int. 2004, S. 111, Fn. 47; vgl. HABM, GRUR Int.
2007, S. 60 (Legostein).
(78) HABM, GRUR Int. 2007, S. 60f.; Rn. 41f.
(79) Brit. Patent Nr. 587 206, HABM, GRUR Int.
2007, S. 61, Rn. 44 (Legostein).
(80) HABM, GRUR Int. 2007, S. 61, Rn. 44
(81) Dem HABM ist zuzustimmen, dass "der
Legostein vollständig technisch bedingt ist", vgl. HABM, GRUR Int.
2007, S. 63, Rn. 63 (Legostein), allerdings ist nach der zugrunde
zu legenden Rspr. des EuGH dafür unerheblich, das der Legostein
"nichts Willkürliches oder Ausschmückendes" enthält, wie das
HABM meint (aaO).
(82) HABM, GRUR Int. 2007, S. 62, Rn. 54
(83) HABM, GRUR Int. 2007, S. 62f., Rn. 62
(Legostein); "Das relative Maß der Höhe der Noppen im
Verhältnis zu den Seitenwänden des Bausteins beeinflusst die
Verbindungskraft. Ist dieses Verhältnis zu klein, würden die Bausteine
leichter auseinderfallen, so dass Spielzeugbauten aus diesen Bausteinen
insgesamt weniger stabil wären. Umgekehrt bräuchte man relativ viel
Kraft, um die Bausteine auseinander zu nehmen, wenn das Verhältnis zu
groß, z.B. die Noppen halb so hoch wie die Seitenwände des Bausteins
wären. Dies wäre deshalb von Nachteil, weil ein Kind möglicherweise im
Spiel die Bausteine nicht mehr allein auseinander nehmen könnte.",
vgl. HABM, GRUR Int. 2007, S. 62, Rn. 51 (Legostein).
(84) HABM, GRUR Int. 2007, S. 63, Rn. 62
(85) HABM, GRUR Int. 2007, S. 61, Rn. 46
(86) HABM, GRUR Int. 2007, S. 62, Rn. 56
(87) EuGH, GRUR 2002, S. 804, 809, Rn. 84 sowie
4. Leitsatz (Philips); HABM, GRUR Int. 2007, S. 62, Rn. 58
(88) HABM, GRUR Int. 2007, S. 62, Rn. 59
(89) HABM, GRUR Int. 2007, S. 63, Rn. 64
(90) I.E. wie hier Heyers, in: GRUR 2006,
S. 24f.: "Die für diese (Lego-Originale, Anm. d. Verf.) charakteristischen Noppen sind jedoch aus technischen Gründen
erforderlich." (91) BPatG, 26 W (pat) 82/05 vom 02.05.2007
Das BPatG hat in seinem Beschluß aber die Rechtsbeschwerde zum BGH
gemäß § 83 II Nr. 1 MarkenG zugelassen, weil die Frage der
Markenfähigkeit gemäß § 3 II Nr. 2 MarkenG bei bestehen verschiedener
Gestaltungsalternativen innerhalb derselben technischen Lösung bisher
nicht höchstrichterlich geklärt sei. Der EuGH hat ja wie gezeigt
entschieden, dass die Markenfähigkeit auch bei anderen technischen
Alternativen ausgeschlossen sei - woraus die Kläger im Verfahren vor
dem BPatG geschlossen haben, die Markenfähigkeit sei nicht
ausgeschlossen, wenn verschiedene Alternativen innerhalb derselben
technischen Lösung bestünden. Für eine derartige Differenzierung bietet
das Philips-Urteil des EuGH jedoch m.E. keinen Anhalt. Zudem ist dem BPatG
zuzustimmen, wenn es sagt, es sei im Einzelfall schwierig abzugrenzen, ob
eine Ausführungsform sich innerhalb derselben technischen Lösung bewegt
oder bereits einer anderen technischen Lösung zuzurechnen ist, BPatG, 26
W (pat) 82/05 vom 02.05.2007 betreffend die Marke 395 03 037.4 S 56/03
Lö, siehe BeckRS 2007 08955, S. 5f.
(92) Eichmann, in: FS-Vieregge 1995, S.
150f.; Eichmann, in: GRUR 1995, S. 186; Kiethe/Groeschke,
in: WRP 1998, S. 545f.
(93) Körner/Gründig-Schnelle, in: GRUR
1999, S. 538.
(94) von Schultz, in: von Schultz,
MarkenR, § 3, Rn. 20.
(95) HABM, GRUR Int. 2007, S. 63, Rn. 63
(96) HABM, GRUR Int. 2007, S. 63, Rn. 63
(97) Eichmann, in: FS-Vieregge 1995, S.
151; vgl. aber Koschtial, in: GRUR Int. 2004, S. 112, Fn. 54.
(98) HABM, GRUR Int. 2007, S. 63, Rn. 63
(99) So richtig Eichmann, in: FS-Vieregge 1995,
S. 146; Bender, in: MarkenR 1999, S. 123; schon Klaka, in:
Ströbele/Klaka, MarkenG, § 3, Fn. 101: "Ein letztlich erst durch
den EuGH zu klärender Fall betrifft den Lego-Grundstein." (100) OLG Frankfurt am Main, GRUR 1999, S. 591,
592 (Kabelbinderkopf).
(101) Zum Ganzen Ingerl/Rohnke, MarkenG, § 8, Rn. 326. Die Verkehrsgeltung (kann sich auch auf einen räumlich oder lokal begrenzten Raum beschränken) wurde traditionell scharf von der Verkehrsdurchsetzung des § 8 III MarkenG (da sich der infolge Eintragung bestehende Schutz auf das gesamte Bundesgebiet bezieht, muss sich die Marke auch in ganz Deutschland durchgesetzt haben) unterschieden. Diese Unterscheidung beruhte auf der unterschiedlichen Funktion der beiden Rechtsinstitute, da die Verkehrsdurchsetzung das Bestehen von Eintragungshindernissen nach § 8 II Nrn. 1-3 MarkenG überwindet, die Verkehrsgeltung dagegen nur das Fehlen von Anmeldung und Eintragung. Dementsprechend wurde angenommen, dass für das Bestehen von Verkehrsgeltung ein niedrigerer Zuordnungsgrad als für die Verkehrsdurchsetzung erforderlich sei, wobei immer die Umstände des Einzelfalls ausschlaggebend seien. Im Hinblick auf Art. 3 III MarkenRiLi und die Auslegung deren durch den EuGH in derChiemsee-Entscheidung (GRUR 1999, S. 723ff.), ist aber zweifelhaft, ob diese Unterscheidung noch aufrechtzuerhalten ist. Der EuGH stellt nämlich nur darauf ab, ob die Marke die Eignung erlangt hat, die betreffende Ware im Hinblick auf die Herkunft aus einem bestimmten Unternehmen zu kennzeichnen und die Waren somit von denjenigen anderer Unternehmen zu unterscheiden. Das ist aber der gleiche Ausgangspunkt wie bei der Verkehrsgeltung.
Ebenso wie bei der Verkehrsdurchsetzung ist daher eine Berücksichtigung
aller tatsächlichen Gesichtspunkte erforderlich, vgl. zum Ganzen
Ingerl/Rohnke, MarkengG, § 4, Rn. 11f.; Fezer, in: WRP 2000, S. 6.
(102) Ingerl/Rohnke, MarkenG, § 8, Rn. 326.
(103) EuGH, GRUR 2002, S. 804, 808, Rn. 65
(Philips): "War ein Marktteilnehmer einziger Lieferant
bestimmter Waren auf dem Markt, so kann die ausgedehnte Benutzung eines
Zeichens, das aus der Form dieser Waren besteht, ausreichen, um das
Zeichen unterscheidungskräftig i.S. von Art. 3 III Richtlinie 89/104/EWG
zu machen, wenn infolge dieser Benutzung ein wesentlicher Teil der
betroffenen Verkehrskreise die Form mit diesem Marktteilnehmer und mit
keinem anderen in Verbindung bringt oder annimmt, dass Waren mit dieser
Form von diesem Marktteilnehmer stammen."; dazu Ingerl/Rohnke,
MarkenG, § 8, Rn. 326; Heyers, in: GRUR 2006, S. 27.
(104) Dies stellt der EuGH auch ausdrücklich
klar: "Marken, die aus den in Art. 3 I lit. b bis d Richtlinie
89/104/EWG aufgeführten Gründen von er Eintragung ausgeschlossen werden
können, können nach Abs. 3 dieser Vorschrift durch ihre Benutzung
Unterscheidungskraft erwerben. Dagegen kann ein Zeichen, dass gem. Art. 3
I lit. e Richtlinie 89/104/EWG von der Eintragung ausgeschlossen ist, nie
durch seine Benutzung Unterscheidungskraft erlangen.", EuGH, GRUR
2002, S. 804, 809, Rn. 75 (Philips) sowie: "Zunächst ist
darauf hinzuweisen, dass eine Form, die nach Art. 3 I lit. e Richtlinie
89/104/EWG, (...), von der Eintragung ausgeschlossen ist, in keinem Fall
gem. Abs. 3 dieser Vorschrift eingetragen werden kann.", EuGH, GRUR
2002, S. 804, 808, Rn. 57 (Philips).
(105) So richtig HABM, GRUR Int. 2007, S. 58,
60, Rn. 33 (Legostein).
(106) So aber Heyers, in: GRUR 2006, S.
27; wie hier Hacker, in: Ströbele/Hacker/Kirschneck, in: MarkenG,
§ 3, Rn. 70.
(107) BGH, GRUR 2005, S. 349, 350
(Klemmbausteine III).
(108) Ganz h.M., vgl. nur Ingerl/Rohnke,
MarkenG, § 3, Rn. 42; Ingerl/Rohnke, MarkenG, § 4, Rn. 14.
(109) Vgl. OLG Frankfurt am Main, GRUR 1999, S.
591, 592 (Kabelbinderkopf), BGHZ 30, 357, 371 (Nährbier);
problematisch Schrader, in: WRP 2005, S. 563.
(110) Dies bejahend etwa Eichmann, in:
GRUR 1995, S. 188; sehr deutlich Bauer, in: GRUR 1996, S. 321:
"Soweit ein Freihaltebedürfnis in Erwägung zu ziehen ist, muß dies
unter sachgerechter Würdigung der Einschränkungen des § 3 Abs. 2
Markeng für jeden Einzelfall geprüft werden. Die Bedingungen des § 8
Abs. 2 Nr. 2 und 3 MarkenG sind dafür untauglich, richten sie sich doch
allein auf die Bezeichnung der Ware oder ihre Merkmale."
(111) Dafür sind Rohnke, in: FS-Erdmann 2002,
S. 460; Körner/Gründig-Schnelle, in: GRUR 1999, S. 539;
Kiethe/Groeschke, in: WRP 1998, S. 546f.
(112) BGH, GRUR 2001, S. 337.
(113) Weitergehend Fezer, in: FS-Piper
1996, S. 528: Die Prüfung der absoluten Schutzhindernisse nach § 8
MarkenG setzt nur die Markenfähigkeit der Warenform nach § 3 I MarkenG
(114) EuGH, GRUR 2003, S. 514, 518f. (Linde,
Winward, Rado).
(115) EuGH, GRUR 2003, S. 514, 518f. (Linde,
(116) Körner/Gründig-Schnelle, in:
GRUR 1999, S. 539.
(117) Vgl. Mountstephens, in: GRUR Int.
2000, S. 694ff.
(118) Zum Ganzen Grabrucker/Fink, in:
GRUR 2005, S. 289ff.; Grabrucker/Fink, in: GRUR 2007, S. 267ff.
(119) Dazu Grabrucker/Fink, in: GRUR
2005, S. 290f.
(120) Dazu Grabrucker/Fink, in: GRUR
2007, S. 268.
(121) Grabrucker/Fink, in: GRUR 2007, S.
(122) Umstritten ist, ob die vom EuGH für die
konkrete Unterscheidungskraft verlangte konkrete Eignung als
Herkunftshinweis zu dienen, bereits erfüllt ist, wenn eine Gestaltung
grundsätzlich das Potential dazu besitzt, eine solche Botschaft zu
vermitteln, oder ob sich dieses Potential bereits konkretisiert haben
muss. Die Aussagen des EuGH sprechen eher für die engere Lösung. Dies
würde allerdings die Bejahung der Schutz- und Eintragungsfähigkeit nicht
bereits im Verkehr benutzter Formmarken nur in wenigen Fällen gestatten.
Diese Konsequenz wird von Teilen der Lehre als unvereinbar mit dem
gesetzgeberischen Gebot betrachtet, Formmarken grundsätzlich zur
Eintragung zuzulassen, zum Ganzen Kur, in: GRUR Int. 2004, S. 759.
Dezidiert dafür, das "Formmarkenbewusstsein" (Kur, aaO)
der Verbraucher zu stärken Ullmann, in: NJW-Sonderheft 100 Jahre
Markenverband, S. 83f.: "Der Verkehr ist durch die Zubilligung des
Schutzes der dreidimensionalen Marke daran zu gewöhnen, dass es nunmehr
(auch) diese herkunftshinweisende Markenform gibt."; Kur, in:
MarkenR 2000, S. 5: "(...) bedarf es regelmäßig eines gewissen
Lernprozesses." (123) Ullmann, in: NJW-Sonderheft 100
Jahre Markenverband, S. 83.
(124) Zu weitgehend aber
Kiethe/Groeschke, in: WRP 1998, S. 541, 542, 547: "(...) in
der richtlinienkonform gebotenenen engen Auslegung der
Schutzversagungstatbestände von § 3 Abs. 2 sowie von § 8 Abs. 2 MarkenG
eine grundsätzliche Schutzversagung des Designschutzes dreidimensionaler
Marken nach dem Markengesetz den Ausnahmefall darstellt, so dass die
sachgerechte Bestimmung des Umfangs und der Reichweite des Designschutzes
dreidimensionaler Marken auf der Grundlage der Tatbestände zur
Verwechslungsgefahr im Sinne der §§ 9 Abs. 1 Nr. 2 und 14 Abs. 2 Nr. 2
Markengesetz erfolgen kann, (...)." (125) EuGH, GRUR 2003, S. 514, 516, 517, Ziff.
46. (Linde, Winward, Rado), wobei der EuGH darauf hinweist, dass es
angesichts der Besonderheiten der Verbraucherwahrnehmung bei
dreidimensionalen Gestaltungen schwieriger sein könnte, die für die
Eintragung notwendige konkrete Unterscheidungskraft (Art. 3 I b)
MarkenRiLi = § 8 II Nr. 1 MarkenG) zu bejahen, EuGH, GRUR 2003, S. 514,
517, Ziff. 48, 40, 41; dazu Kur, in: GRUR Int. 2004, S. 759.
(126) Davon war aber auch der BGH schon
ausgegangen, vgl. BGH, GRUR 2001, 334, 336, cc) (Gabelstapler);
auch EuGH, GRUR 2003, S. 516; vgl. Fuchs-Wissemann, in: MarkenR
1999, S. 183ff.
(127) Körner/Gründig-Schnelle, in:
GRUR 1999, S. 541; in diesem Sinne für die Behinderungsabsicht
Helm, in: GRUR 1996. S. 598; vgl. Eichmann, in: GRUR 1995,
(128) Fezer, in: MarkenR, § 3, Rn. 234;
Kiethe/Groeschke, in: WRP 1998, S. 543.
(129) Eichmann, in: Eichmann/von
Falckenstein, in: GeschmMG, § 3, Rn. 4; Eichmann, in: MarkenR
2003, S. 17.
(130) Vgl. Eichmann, in: MarkenR 2003,
S. 18, Fn. 133.
(131) Eichmann, in: MarkenR 2003, S. 18, Fn. 134; a.A. Kur, in: GRUR 2002, S. 664. "Die Situation im Markenrecht ist mit derjenigen im Geschmacksmusterrecht schon deswegen nicht gleichzusetzen, weil das Markenrecht im Gegensatz zum zeitlich begrenzten Geschmacksmuster einen potentiell ewig währenden Schutz gewährt."
(132) Eichmann, in: MarkenR 2003, S.
17f.; Eichmann, in: Eichmann/von Falckenstein, in: GeschmMG, § 3,
Rn. 6; a.A. Kur, in: GRUR 2002, S. 664 unter Bezugnahme auf die
Schlussanträge des Generalanwalts im Philips-Verfahren.
(133) Eichmann, in: MarkenR 2003, S. 18,
Fn. 135.
(134) Eichmann, in: MarkenR 2003, S. 18;
Eichmann, in: Eichmann/von Falckenstein, in: GeschmMG, § 3, Rn. 6.
(135) Eichmann, in: Eichmann/von
Falckenstein, in: GeschmMG, § 3, Rnn. 10f.
(136) Eichmann, in: Eichmann/von
Falckenstein, in: GeschmMG, § 3, Rn. 13; Kur, in: GRUR 2002, S.
(137) Kur, in: GRUR 2002, S. 664;
Beier, in: GRUR Int. 1994, S. 716ff. zum Verordnungsvorschlag.
(138) Kur, in: GRUR 2002, S. 664.
(139) Kur, in: GRUR 2002, S. 664, Fn.
37; Kur, in: MarkenR 2000, S. 4.
(140) Vgl. Körner/Gründig-Schnelle,
in: GRUR 1999, S. 541.
(141) Vgl. Art. 63 I, III, V GMVO.
* Dr. Lars Jaeschke
(2) ist Rechtsanwalt in Frankfurt a.M.
[ online seit: 12.11.2007