Source: http://m.hensche.de/Rechtsanwalt_Arbeitsrecht_Urteile_Meinungsfreiheit_Kuendigung_LAG_Baden-Wuerttemberg_2Sa59-09.html
Timestamp: 2017-03-30 14:39:47
Document Index: 322912432

Matched Legal Cases: ['§ 9', 'Art. 5', '§ 626', 'Art. 5', 'Art. 5', '§ 91', '§ 72', '§ 72']

HENSCHE Arbeitsrecht: 2 Sa 59/09
Kündigung: Verhaltensbedingt, Meinungsfreiheit
1. Wenn kri­ti­sche Äußerun­gen des Ar­beit­neh­mers über den Ar­beit­ge­ber (hier: In­ter­net­bei­trag) vom Grund­recht der frei­en Mei­nungsäußerun­gen ge­deckt sind, ver­let­zen sie auch kei­ne ar­beits­ver­trag­li­chen (Rück­sicht­nah­me-)Pflich­ten.
2. Der Auflösungs­an­trag des Ar­beit­ge­bers gem. § 9 Abs. 1 Satz 2 KSchG er­for­dert ei­ne Abwägung der Mei­nungs­frei­heit des Ar­beit­neh­mers mit den In­ter­es­sen des Ar­beit­ge­bers.
Arbeitsgericht Stuttgart, 19. Februar 2009, Az: 6 Ca 6113/08, Urteil
- Kläger/Be­ru­fungskläger/Be­ru­fungs­be­klag­ter - Proz.-Bev.: ge­gen
- Be­klag­te/Be­ru­fungskläge­rin/Be­ru­fungs­be­klag­te - Proz.-Bev.:
hat das Lan­des­ar­beits­ge­richt Ba­den-Würt­tem­berg - 2. Kam­mer - durch den Vor­sit­zen­den Rich­teram Lan­des­ar­beits­ge­richt Hen­sin­ger, den eh­ren­amt­li­chen Rich­ter Bau­erund den eh­ren­amt­li­chen Rich­ter Gul­deauf die münd­li­che Ver­hand­lung vom 20.01.2010
1. Die Be­ru­fung der Be­klag­ten ge­gen das Ur­teil desAr­beits­ge­richts Stutt­gart vom 19.02.2009 - 6 Ca 6113/08 - wird zurück­ge­wie­sen.
„• „In die­ser Sa­che rich­ten wir uns an die Ar­bei­ter und die brei­te Bevölke­rung.• Wir grei­fen die verschärf­te Aus­beu­tung an und wei­sen die An­grif­fe auf die po­li­ti­schen und ge­werk­schaft­li­chen Rech­te zurück.• Wir leh­nen die men­schen­ver­ach­ten­de Jagd auf Kran­ke ab.• Wir set­zen uns ein für das Recht auf freie po­li­ti­sche und ge­werk­schaft­li­che Betäti­gung im Be­trieb und die Rück­nah­me der po­li­ti­schen Maßre­ge­lung nach der Ta­rif­run­de.• Für die Wei­ter­beschäfti­gung von K.• Für die Rück­nah­me der Ab­mah­nung von H.
„Die­ses BAG-Ur­teil (An­mer­kung: vom 12.01.2006) ist ein Er­folg für die Ar­bei­ter­be­we­gung hier in Deutsch­land, den(n) mit die­sem Ur­teil wer­den fol­gen­de Rech­te ver­tei­digt:• Das Recht auf freie Mei­nungsäußerung: kon­kret ging es da­bei um die Be­nut­zung der Be­grif­fe „Aus­beu­tung“ und „Jagd auf Kran­ke!“ - die­se Be­grif­fe stel­len kei­ne persönli-chen Be­lei­di­gun­gen dar....“
Sch­ließlich stützt die Be­klag­te die vor­lie­gen­de Kündi­gung auf ei­nen Bei­trag ei­nes H. G. vom 21.09.2008 un­ter der In­ter­net­adres­se „www.c..de“ (Bl. 121 und 122 der erst­in­stanz­li­chen Ak­te). Mit be­stands­kräfti­gem Be­scheid vom 30.07.2007 stimm­te das In­te­gra­ti­ons­amt der be­ab­sich­tig­ten Kündi­gung der Be­klag­ten zu.
Das Ar­beits­ge­richt hat mit Ur­teil vom 19.02.2009 fest­ge­stellt, dass die or­dent­li­che Kündi­gung der Be­klag­ten vom 23.08.2007 un­wirk­sam ist. Es hat das Ar­beits­verhält­nis der Par­tei­en ge­gen Zah­lung ei­ner Ab­fin­dung in Höhe von 25.600,00 € zum 31.03.2008 auf­gelöst. Das an­ge­foch­te­ne Ur­teil führt aus, dass ei­ne die Kündi­gung recht­fer­ti­gen­de Loya­litäts­pflicht­ver­let­zung des Klägers nicht ge­ge­ben sei. Da­ge­gen recht­fer­ti­ge das Ver­hal­ten des Klägers die Auflösung des Ar­beits­verhält­nis­ses. In der Ge­samt­schau der Ver­hal­tens­wei­sen des Klägers sei ei­ne ge­deih­li­che Zu­sam­men­ar­beit der Par­tei­en nicht mehr zu er­war­ten. Ge­gen die­ses den Par­tei­en am 01.09.2009 zu­ge­stell­te Ur­teil rich­tet sich die am 18.08.2009 vom Kläger ein­ge­leg­te und am 18.09.2009 aus­geführ­te Be­ru­fung und die am 19.08.2009 von der Be­klag­ten ein­ge­leg­te und am 21.10.2009 in­ner­halb der verlänger­ten Frist aus­geführ­te Be­ru­fung. Der Kläger ist wei­ter­hin der An­sicht, dass sei­ne Äußerun­gen ei­ne Auflösung des Ar­beits­verhält­nis­ses nicht recht­fer­tig­ten. Die Wei­ter­beschäfti­gung als Ma­schi­nen­be­die­ner sei pro­blem­los möglich.
3. Im Übri­gen kann die Be­klag­te die vor­lie­gen­de Kündi­gung nicht mit dem In­ter­net­bei­trag von „H. G.“ vom 21.09.2008 be­gründen, da die­ser Ar­ti­kel erst nach Aus­spruch der Kün-di­gung ver­fasst wor­den ist. Des Wei­te­ren ist nicht er­kenn­bar, war­um der In­halt des Flug­blat­tes des „5. In­ter­na­tio­na­ler Au­to­mo­bi­lar­bei­ter Rat­schlag“ dem Kläger zu­ge­rech­net wer­den soll, nach­dem er dort nicht als Ur­he­ber auf­ge­tre­ten ist. Auch so­weit der Kläger in sei­nem In­ter­net­schrei­ben un­ter „l..de“ vom 30.01.2007 sein Recht auf freie Mei­nungsäußerung ver­tei­digt und der An­sicht ist, dass die Be­grif­fe „Aus-beu­tung“ und „Jagd auf Kran­ke“ kei­ne persönli­chen Be­lei­di­gun­gen dar­stell­ten, recht­fer-ti­gen die­se Äußerun­gen auf ei­ner Home­page im In­ter­net kei­ne Kündi­gung des Klägers. Die zi­tier­ten Äußerun­gen des Klägers dürfen nicht iso­liert un­ter Aus­blen­dung der Vor­ge-schich­te der jah­re­lan­gen (ge­richt­li­chen) Aus­ein­an­der­set­zung zwi­schen den Par­tei­en be-trach­tet wer­den, zu­mal es in dem Bei­trag des Klägers vom 30.01.2007 in ers­ter Li­nie um
ei­nen Auf­ruf zu sei­ner Un­terstützung in ei­nem Ge­richts­ter­min geht. Die Äußerun­gen des Klägers be­zie­hen sich auf die Ent­schei­dung des BAG vom 12.01.2006 im ers­ten Kündi-gungs­schutz­ver­fah­ren zwi­schen den Par­tei­en. In die­sem Ur­teil ging es u.a. um die Be-wer­tung der Sätze „wir grei­fen die verschärf­te Aus­beu­tung an“ und „wir leh­nen die men-schen­ver­ach­ten­de Jagd auf Kran­ke ab“ im „So­li­da­ritäts­kreis-In­fo“ vom 26.09.2002, in dem der Kläger als Kon­takt­adres­se an­ge­ge­ben war. In die­sem Ur­teil hat das BAG - im Ge­gen­satz zur Vor­in­stanz - Be­den­ken geäußert, al­lein in die­ser Veröffent­li­chung ein il­lo-yales Ver­hal­ten des Klägers zu se­hen und dar­aus ei­ne Ver­trags­pflicht­ver­let­zung an­zu-neh­men (Rnrn. 44 ff.). Das BAG hat wei­ter aus­geführt, dass die­se Äußerun­gen dem Schutz­be­reich des Art. 5 Abs. 1 Satz 1 GG un­ter­fal­len (Rn. 48) und ab­sch­ließend fest-ge­stellt (Rn. 52), dass die un­sach­li­chen Äußerun­gen we­der ei­ne For­mal­be­lei­di­gung noch ei­ne Schmähung oder ei­nen An­griff auf die Men­schenwürde ei­nes der Re­präsen­tan­ten der Be­klag­ten dar­stel­len. Letzt­lich konn­te das BAG die­se Fra­ge je­doch of­fen las­sen, da die Kündi­gung be­reits man­gels ei­ner vor­he­ri­gen Ab­mah­nung als un­wirk­sam er­ach­tet wur­de. Die­se Ur­teils­be­gründung des BAG nimmt der Kläger in sei­nem In­ter­net­bei­trag vom 30.01.2007 auf und be­tont, dass die Be­grif­fe „Aus­beu­tung“ und „Jagd auf Kran­ke“ kei­ne persönli­che Be­lei­di­gung dar­stel­len. Der Kläger will in die­sem In­ter­net­bei­trag die­se bei­den Be­grif­fe nicht abs­trakt bil­den, son­dern will sie in den Kon­text des BAG-Ur­teils stel­len. Ein - wie der Kläger - ju­ris­tisch nicht ge­bil­de­ter Ar­beit­neh­mer darf die Be­gründung des BAG in Rn. 52 des Ur­teils auch so ver­ste­hen, dass die Ver­wen­dung der Be­grif­fe in dem am 12.01.2006 ent­schie­de­nen Sach­ver­halt kei­ne persönli­che Be­lei­di­gung dar­stel­len: „die un­sach­li­chen Äußerun­gen... ent­hal­ten we­der ei­ne For­mal­be­lei­di­gung noch stel­len sie ei­ne Schmähung oder ei­nen An­griff auf die Men­schenwürde ei­nes der Re­präsen­tan­ten der Be­klag­te dar. Die po­le­mi­schen Äußerun­gen und über­spitz­ten Kri­ti­ken an dem Un­ter­neh­men der Be­klag­ten ha­ben kei­nen kon­k­rek­ten Be­zug zu Per­so­nen oder Re­präsen­tan­ten der Be­klag­ten. Ei­ne all­ge­mei­ne Kri­tik an den all­ge­mei­nen wirt­schaft­li­chen und so­zia­len Verhält-nis­sen ei­ner­seits und am Ar­beit­ge­ber und den be­trieb­li­chen Verhält­nis­sen an­de­rer­seits ist, auch wenn sie - et­wa in Be­triebs­ver­samm­lun­gen - über­spitzt und po­le­misch ausfällt, noch vom Grund­recht der frei­en Mei­nungsäußerung ge­deckt und kann des­halb nicht die ar­beits­ver­trag­li­che Rück­sicht­nah­me­pflicht ver­let­zen.“
Die­ses Ur­teil vom 12.01.2006 ist Be­stand­teil ei­ner langjähri­gen Recht­spre­chung des BAG zum Grund­recht der frei­en Mei­nungsäußerung der Ar­beit­neh­mer im Be­trieb (zu­letzt z.B. Ur­tei­le vom 24.11.2005 - 2 AZR 584/04 - AP Nr. 198 zu § 626 BGB und vom 24.06.2004 - 2 AZR 63/03 - AP Nr. 2 zu Art. 5 GG). Das BAG be­tont un­ter Hin­weis auf die Recht­spre­chung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­rich­tes, dass das Grund­recht der Mei-nungs­frei­heit aus Art. 5 Abs. 1 GG für ei­ne frei­heit­lich-de­mo­kra­ti­sche Staats­ord­nung kon­sti­tu­ie­rend ist. Es gewähr­leis­tet ei­ne der we­sent­li­chen Äußerungs­for­men der men­sch­li­chen Persönlich­keit. Mit der über­ra­gen­den Be­deu­tung des Grund­rechts wäre es un­ver­ein­bar, wenn das Grund­recht in der be­trieb­li­chen Ar­beits­welt, die für die Le­bens-grund­la­ge zahl­rei­cher Staatsbürger we­sent­lich be­stim­mend ist, gar nicht oder nur ein­ge-schränkt an­wend­bar wäre. Der Grund­recht­schutz be­zieht sich so­wohl auf den In­halt als auch auf die Form der Äußerung. Auch ei­ne po­le­mi­sche oder ver­let­zen­de For­mu­lie­rung ent­zieht ei­ner Äußerung noch nicht den Schutz der Mei­nungs­frei­heit (BAG Ur­teil 24.06.2004, aaO., Rn. 35). Das BAG stellt des­halb in den zi­tier­ten Ur­tei­len zu Recht den Recht­satz auf, dass ei­ne Äußerung nicht die ar­beits­ver­trag­li­che Rück­sicht­nah­me­pflicht ver­let­zen kann, wenn sie vom Grund­recht der frei­en Mei­nungsäußerung ge­deckt ist (zu-letzt BAG 12.01.2006 a.a.O. Rn. 52). Bei An­wen­dung die­ser Rechts­grundsätze und der im Ur­teil des BAG vom 12.01.2006 ent­hal­te­nen Fest­stel­lun­gen ist die er­ken­nen­de Kam­mer über­zeugt, dass die Äußerun­gen des Klägers im In­ter­net­ar­ti­kel vom 30.01.2007 kei­nen Kündi­gungs­grund dar­stel­len. Auch die­se Äußerun­gen, die sich auf den vom BAG am 12.01.2006 fest­ge­stell­ten Sach­ver­halt be­zie­hen, ent­hal­ten we­der ei­ne For­mal­be­lei­di­gung noch Schmähkri­tik. Sie sind vom Grund­recht der frei­en Mei­nungsäußerung ge­deckt und ver­let­zen des­halb kei­ne ar­beits­ver­trag­li­che Rück­sicht­nah­me­pflicht des Klägers.
2.2 Es ist nicht er­sicht­lich, war­um der In­ter­net­ar­ti­kel des „H. G.“ vom 21.09.2008 dem Kläger zu­re­chen­bar sein soll. Es spricht in­so­weit kei­ne Ver­mu­tung oder gar Le-bens­er­fah­rung dafür, dass ein Ar­beit­neh­mer, des­sen Na­me im Zu­sam­men­hang mit ei­ner Veröffent­li­chung erwähnt wird, die­se Stel­lung­nah­men bzw. Veröffent­li­chun­gen ver­an­lasst oder auch nur ge­bil­ligt hat. Es sind vielfälti­ge Erklärun­gen und Umstände denk­bar, war­um ein Na­me mit ei­nem be­stimm­ten Ar­ti­kel in Ver­bin­dung ge­bracht wer­den kann (BAG 12.01.2006 a.a.O. Rn. 42). So­weit in dem In­ter­net­bei­trag des „H. G.“ der Auf­ruf des Klägers (noch ein­mal) veröffent­licht wird, han­delt es sich le­dig­lich um die Bit­te des Klägers um Un­terstützung in ei­nem wei­te­ren Ver­hand­lungs­ter­min vor dem Ar­beits­ge­richt. In­so­weit hat der Kläger nur sei­ne be­rech­tig­ten In­ter­es­sen wahr­ge­nom­men (BAG Ur­teil 12.01.2006, aaO., Rn 72). Im Übri­gen hat sich der Kläger vom In­halt die­ses Ar­ti­kels aus­drück­lich dis­tan­ziert (vgl. Schrift­satz vom 18.09.2009, Sei­te 5 oben). Auch wenn sich der Kläger vom In­halt die­ses In­ter­net­bei­trags nicht ernst­haft dis­tan­ziert ha­ben soll­te (so die Be­klag­te), heißt das noch lan­ge nicht, dass er sich des­sen In­halt zu Ei­gen macht. 2.3 Auch der schriftsätz­li­che Vor­trag des Pro­zess­be­vollmäch­tig­ten des Klägers in der zwei­ten In­stanz recht­fer­tigt nicht den Auflösungs­an­trag der Be­klag­ten. So­weit die
2.4. Auch die Be­trach­tung der Äußerun­gen und des Ver­hal­tens des Klägers in den letz­ten Jah­ren und im vor­lie­gen­den Pro­zess im Rah­men ei­ner Ge­samt­be­wer­tung recht­fer­tigt nicht die An­nah­me, dass ei­ne den Be­triebs­zwe­cken dien­li­che wei­te­re Zu­sam­men­ar­beit der Par­tei­en nicht mehr zu er­war­ten ist. Der Kern der von der Be­klag­ten be­an­stan­de­ten und dem Kläger zu­ge­rech­ne­ten Äußerun­gen liegt lan­ge zurück. Die Ur­sa­che der in vie­len In­ter­net­beiträgen und Auf­ru­fen in un­ter­schied­lichs­ten Zu­sam­menhängen zi­tier­ten Wor­te „Aus­beu­tung“ und „Jagd auf Kran­ke“ liegt in den Ver­laut­ba­run­gen des „So­li­da­ritäts­krei­ses“ im Jah­re 2002. Da­nach sind die­se Vorwürfe zwar vom Kläger mehr­fach wie­der­holt wor­den. Die­se Wie­der­ho­lun­gen fan­den aber im­mer anläss­lich von Kündi­gungs­schutz­pro­zes­sen und Ge­richts­ter­mi­nen des Klägers statt, in de­nen der Kläger sei­ne be­rech­tig­ten In­ter­es­sen wahr­ge­nom­men hat. Nach­dem nun­mehr die letz­te Kündi­gung Pro­zess­ge­gen­stand ist und wei­te­re or­dent­li­che Kündi­gun­gen we­gen des ta­rif­li­chen Al­ters­schut­zes des Klägers nicht mehr zu er­war­ten sind, ist da­von aus­zu­ge­hen, dass die­se Vorwürfe vom Kläger und sei­nem Um­feld in Zu­kunft nicht mehr „auf­gewärmt“ wer­den. Die iso­lier­te Ver­wen­dung der Be­grif­fe „Aus­beu­tung“ und „Jagd auf Kran­ke“ im Zu­sam­men­hang mit der Be­klag­ten würde von der Öffent­lich­keit auch kaum ernst ge­nom­men, nach­dem es sich bei der Be­klag­ten ge­richts­be­kannt um ein Un­ter­neh­men han­delt, das in den letz­ten Jah­ren auf­grund sei­ner gu­ten Un­ter­neh­mens­ge­win­ne er­heb­li­che über­ta­rif­li­che Leis­tun­gen an sei­ne Ar­beit­neh­me­rin­nen und Ar­beit­neh­mer be­zahlt hat.
- 15 - Wenn der Kläger nun­mehr wei­ter­beschäftigt wer­den muss, wird er wie­der ar-beits­ver­trags­gemäß als Ma­schi­nen­be­die­ner in ei­nem Großbe­trieb ein­ge­setzt wer­den müssen. Er hat bei der Be­klag­ten in der Be­triebs­hier­ar­chie kei­ne Stel­lung in­ne, die ein ge­stei­ger­tes Ver­trau­en in den Kläger er­for­dert. Er nimmt bei der Be­klag­ten auch kein Man­dat wahr, das ei­ne ver­trau­ens­vol­le Zu­sam­men­ar­beit be­dingt. Wenn der Kläger in Zu­kunft ar­beits­ver­trags­gemäß beschäftigt wer­den muss, wird er und sein po­li­ti­sches Um­feld kei­ne Ver­an­las­sung für Auf­ru­fe und Ar­ti­kel (im In­ter­net) im Zu­sam­men­hang mit der Beschäfti­gung des Klägers mehr ha­ben. Im Übri­gen ist und war der Ver­brei­tungs­grad der vom Kläger und sei­nem Um­feld ge­nutz­ten In­ter­net­fo­ren be­grenzt. Zwar gibt es ge­richts­be­kannt vie­le Beiträge im In­ter­net zur ar­beits­recht­li­chen Aus­ein­an­der­set­zung zwi­schen den Par­tei­en. Die­se In­ter­net­adres­sen ste­hen aber nicht im Fo­kus der großen Mehr­heit der Ar­beit­neh­mer und Ar­beit­neh­me­rin­nen der Be­klag­ten und vor al­lem der Kun-den der Be­klag­ten. Sch­ließlich ist die (be­grenz­te) Öffent­lich­keit nur des­halb auf die vor­lie­gen­de ar­beits­recht­li­che Aus­ein­an­der­set­zung zwi­schen den Par­tei­en auf­merk­sam ge­wor­den, weil die Be­klag­te dem Kläger we­gen des glei­chen Sach­ver­hal­tes im­mer neue Kündi­gun­gen aus­ge­spro­chen und den Kläger trotz der Fest­set­zung von Zwangs­gel­dern nicht wei­ter­beschäftigt hat und der Kläger sich des­halb ei­ne Op­fer­rol­le zu­wei­sen konn­te. 3. Nur zur Klar­stel­lung wird an­gefügt, dass der vom Kläger in der 1. In­stanz noch ver­folg­te Wei­ter­beschäfti­gungs­an­spruch ent­spre­chend den zweit­in­stanz­li­chen Anträgen nicht mehr zur Ent­schei­dung an­ge­fal­len ist. C. Ne­ben­ent­schei­dun­gen
1. Die Kos­ten­ent­schei­dung be­ruht auf § 91 ZPO, wo­nach die un­ter­lie­gen­de Par­tei die Kos­ten des Rechts­streits zu tra­gen hat. 2. Die Re­vi­si­on an das Bun­des­ar­beits­ge­richt ist nicht zu­zu­las­sen, weil die ge­setz­li­chen Vo-raus­set­zun­gen (§ 72 Nr. 2 ArbGG) dafür nicht vor­lie­gen.
Ge­gen die­se Ur­teil ist ein Rechts­mit­tel nicht ge­ge­ben. Auf § 72 a ArbGG wird hin­ge­wie­sen. Hen­sin­ger
zur Übersicht 2 Sa 59/09 Kontakt