Source: http://hzemonitor.akjstat.tu-dortmund.de/2-inanspruchnahme/21-erneut-ueber-1-mio-junge-menschen-in-den-hilfen-zur-erziehung/
Timestamp: 2017-06-23 22:23:27
Document Index: 321585989

Matched Legal Cases: ['§ 28', '§ 27', '§ 29', '§ 34', '§ 28', '§ 31', '§ 31', '§ 28', '§ 27', '§ 28']

2.1 Erneut über 1 Mio. junge Menschen in den Hilfen zur Erziehung: Monitor Hilfen zur Erziehung
2. Inanspruchnahme und Adressat(inn)en der erzieherischen Hilfen2.1 Leichte Zunahme der Hilfen zur Erziehung – 1.052.305 junge Menschen erhalten LeistungenZum Jahresende 2016 hat das Statistische Bundesamt die Daten des Jahres 2015 zu den Hilfen zur Erziehung veröffentlicht. Mit einer Gesamtzahl von 1.052.305 jungen Menschen, die in diesem Jahr eine Hilfe zur Erziehung in Anspruch genommen haben, wurde ein neuer Höchststand erreicht (vgl. Abb. 2.1).1 Bereits 2012 wurde erstmals die Millionen-Grenze bei der Zahl der Adressat(inn)en durchbrochen. Bevölkerungsbezogen wurden im Jahr 2015 – statistisch betrachtet – 660 junge Menschen pro 10.000 der unter 21-Jährigen von Hilfen zur Erziehung erreicht.2 Gegenüber dem Vorjahr ist die bevölkerungsbezogene Inanspruchnahme trotz einer weiteren Zunahme der Fallzahlen etwas zurückgegangen, da erstmalig seit Mitte der 1990er-Jahre die Zahl der unter 21-jährigen jungen Menschen wieder gestiegen ist.
Die Zahl der Hilfen zur Erziehung hat in den letzten Jahren langsam, aber kontinuierlich zugenommen. Die Zahl der 2015 in Anspruch genommenen Hilfen zur Erziehung und der von diesen erreichten jungen Menschen ist um 15.000 Leistungen gegenüber dem Vorjahr angestiegen (+1%). Bezogen auf die unter 21-jährige Bevölkerung haben – statistisch betrachtet – damit fast 7% dieser Altersgruppe eine Art der Hilfen zur Erziehung erhalten. Lässt man die Erziehungsberatung außen vor, die fast die Hälfte aller erzieherischen Hilfen ausmacht, sind es noch 604.945 junge Menschen, die von einer erzieherischen Hilfe erreicht wurden.
Betrachtet man die Entwicklung der über den ASD organisierten Hilfen zur Erziehung (ohne Erziehungsberatung) seit 2010, hat die Zahl der jungen Menschen in den Hilfen in diesem Zeitraum um knapp 14% (rund 72.300 Fälle) zugenommen. Der Anstieg zwischen den Jahren liegt zwischen 1% und 3% bzw. stagnierte. Mit den aktuellen Daten des Jahres 2015 ist mit einem Plus von rund 3% wieder ein leichter Anstieg der Fallzahlen gegenüber dem Vorjahr zu beobachten.Abb. 2.1: Junge Menschen in den Hilfen zur Erziehung (einschl. der Hilfen für junge Volljährige) (Deutschland; 2010 bis 2015; Aufsummierung der zum 31.12. eines Jahres andauernden und der innerhalb eines Jahres beendeten Leistungen; Angaben absolut, Inanspruchnahme pro 10.000 der unter 21-Jährigen)	Quelle: Statistisches Bundesamt: Statistiken der Kinder- und Jugendhilfe – Erzieherische Hilfe, Eingliederungshilfe, Hilfe für junge Volljährige; versch. Jahrgänge; Datenzusammenstellung und Berechnungen der Arbeitsstelle Kinder- und JugendhilfestatistikMehr familienunterstützende Leistungen, aber Fremdunterbringungen gewinnen weiter an Relevanz Schaut man sich die Verteilung der Leistungssegmente im Jahr 2015 an, nimmt die Erziehungsberatung gem. § 28 SGB VIII mit 447.360 Hilfen den größten Anteil ein (43%). Die Zahl der Beratungen liegt derzeit, wie in den letzten Jahren, deutlich über dem Wert für die weiteren ambulanten Leistungen sowie der Anzahl an Fremdunterbringungen (vgl. Abb. 2.2). Während 2013 und 2014 eine Konsolidierung der Fallzahlen in der Erziehungsberatung beobachtet werden konnte, zeigt sich aktuell mit einem Minus von rund 5.560 Fällen (-1%) ein Rückgang gegenüber dem Vorjahr. Gleichzeitig wird bei der bevölkerungsbezogenen Inanspruchnahme mit 281 pro 10.000 der unter 21-Jährigen der niedrigste Wert seit 2010 ausgewiesen. Ambulante Hilfen (§§ 27,2er-Hilfen, §§ 29-32, 35 SGB VIII) und Fremdunterbringungen sind 2015 mit einem Anteil von insgesamt 57% im Leistungsbereich der Hilfen zur Erziehung vertreten, wobei es mehr ambulante Hilfen (37%) als Fremdunterbringungen (20%) gibt. Das macht sich bei der Inanspruchnahme auch noch mal bemerkbar. Derzeit nehmen 246 pro 10.000 der unter 21-Jährigen eine ambulante Maßnahme in Anspruch. Bei den Fremdunterbringungen sind es mit 134 jungen Menschen pro 10.000 derselben Altersgruppe deutlich weniger. Allerdings ist die bevölkerungsbezogene Inanspruchnahme ambulanter Leistungen im Vergleich zum Vorjahr etwas gesunken, wobei bei der Interpretation diese Wertes auch hier, wie bei der Entwicklung der Hilfen zur Erziehung im Allgemeinen und den Erziehungsberatungen, die steigende Bevölkerungszahl gesehen werden muss.
Vergleichsweise deutlich sind die Fallzahlen bei Fremdunterbringungen angestiegen. Zuletzt ist zwischen 2014 und 2015 ein Plus von 8% für zusammengenommen die Vollzeitpflege, die Heimerziehung und die stationären 27,2er-Hilfen zu verbuchen (+15.795 Hilfen). In der Summe entspricht das dem höchsten Anstieg der familienersetzender Hilfen seit 2010. Gleichzeitig hat die bevölkerungsbezogene Inanspruchnahme in den letzten Jahren weiter zugenommen und liegt derzeit bei 134 pro 10.000 der unter 21-Jährigen. Auch diese Zunahme ist zwischen 2014 und 2015 deutlicher ausgefallen als für die Jahre vorher.
Der aktuelle Zuwachs bei den Fremdunterbringungen geht insbesondere auf die Entwicklungen bei den stationären Unterbringungen in Einrichtungen der Heimerziehung gem. § 34 SGB VIII zurück. Wurde bereits in den letzten Jahren deutlich, dass bei der Heimerziehung nicht von einer Konsolidierung der Leistungen gesprochen werden kann, ist in diesem Segment aktuell der stärkste Anstieg der Fallzahlen im Vergleich der letzten Jahre zu beobachten. Während bei der Vollzeitpflege nur rund 2% mehr Fälle gegenüber dem Vorjahr registriert wurden, sind es bei der Heimerziehung 13% bzw. 13.665 Fälle (ohne Abb.). Ein wesentlicher Grund dürfte in der seit einigen Jahren steigenden Zahl der unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge liegen, deren Anzahl zuletzt auch bei den Inobhutnahmen deutlich gestiegen ist.3 Die Detailanalysen zum Alter, Geschlecht und Migrationshintergrund der Adressat(inn)en der Heimerziehung untermauen diese Schlussfolgerung mittlerweile deutlich.4Abb. 2.2: Junge Menschen in den Hilfen zur Erziehung (einschl. der Hilfen für junge Volljährige) nach Leistungssegmenten (Deutschland; 2010 bis 2015; Aufsummierung der zum 31.12. eines Jahres andauernden und der innerhalb eines Jahres beendeten Leistungen; Angaben absolut, Inanspruchnahme pro 10.000 der unter 21-Jährigen)	Quelle: Statistisches Bundesamt: Statistiken der Kinder- und Jugendhilfe – Erzieherische Hilfe, Eingliederungshilfe, Hilfe für junge Volljährige; versch. Jahrgänge; Datenzusammenstellung und Berechnungen der Arbeitsstelle Kinder- und JugendhilfestatistikDie bundesweite Entwicklung der erzieherischen Hilfen seit Beginn der 2000er-Jahre ist durch einen kontinuierlichen Zuwachs im ambulanten Leistungsfeld gekennzeichnet. Zumindest bis 2009 war ein Fortschreiten dieses Trends auszumachen. Seitdem ist der Zuwachs bei den ambulanten Hilfen nicht mehr so stark ausgeprägt. Auch bei den Fremdunterbringungen haben sich die Fallzahlen konsolidiert. Das heißt im Einzelnen (vgl. Abb. 2.3):Die Zahl der Hilfen zur Erziehung hat sich zwischen 2000 und 2014 um rund 45% bzw. 45 Indexpunkte erhöht. Der Anstieg ist in dieser Dekade vor allem zwischen 2005 und 2010 mit einem Plus von 26 Indexpunkten auszumachen. Mit Blick auf die einzelnen Leistungssegmente wird vor allem der Zuwachs an ambulanten Hilfen deutlich. Zwischen 2000 und 2010 haben sich die ambulanten Leistungen mehr als verdoppelt. Das bedeutet eine Zunahme um 112 Indexpunkte. Wiederum sind die größten Veränderungen zwischen 2005 und 2010 mit einem Anstieg von 82 Indexpunkten auszumachen. Im Anschluss ist ein eher moderater Anstieg auszumachen.
Fremdunterbringungen sind bis 2005 relativ konstant geblieben bzw. sogar leicht zurückgegangen. Zwischen 2000 und 2010 hat sich der Indexwert mit Basis 2000 um 10 Punkte auf 110 erhöht. In den letzten Jahren ist wieder ein Anstieg der Fremdunterbringungen ersichtlich. Zwischen 2010 und 2014 ist in diesem Leistungsbereich ein Anstieg um 16 Indexpunkte auszumachen. Trotz der Steuerungsstrategien der Jugendämter Anfang der 2000er-Jahre ist die Fremdunterbringung im Kontext der erzieherischen Hilfen in den letzten Jahren wieder angestiegen, wenngleich die jüngsten Zunahmen auf die gestiegene Zahl an unbegleiteten ausländischen Minderjährigen zurückzuführen sind. Die Unterbringung sowie die Betreuung und Förderung dieser jungen Menschen kann aufgrund ihrer Lebenssituation nur in stationären Settings der Kinder- und Jugendhilfe organisiert werden.
Der mit Abstand größte Leistungsbereich im Rahmen der erzieherischen Hilfen, die Erziehungsberatung, weist mit Blick auf den betrachteten Erhebungszeitraum zwischen 2000 und 2014 ein Plus von 13 Indexpunkten aus. Dieser Anstieg hat sich zwischen 2000 und 2005 vollzogen, während zwischen 2005 und 2014 eine Stagnation auszumachen ist.Abb. 2.3: Veränderung der Inanspruchnahme erzieherischer Hilfen gem. §§ 28-35 SGB VIII (einschl. der Hilfen für junge Volljährige) nach Leistungssegmenten (Deutschland; 2000 bis 2015; Aufsummierung der zum 31.12. eines Jahres andauernden und der innerhalb eines Jahres beendeten Leistungen; Indexentwicklung 2000 = 100)1, 2	1) Die Werte basieren auf der Anzahl der jungen Menschen, die durch eine Leistung der Hilfen zur Erziehung erreicht werden, und nicht auf der Anzahl der Hilfen. Dies betrifft die Sozialpädagogische Familienhilfe (§ 31 SGB VIII). In der amtlichen Statistik werden für die Hilfen gem. § 31 SGB VIII sowohl die Anzahl der Hilfen als auch die durch die SPFH erreichten jungen Menschen erfasst. Berücksichtigt werden hier die unter 18-Jährigen, weil vor der Modifizierung der Statistik im Jahr 2007 lediglich die unter 18-Jährigen bei dieser Hilfeart erfasst worden sind.
2) Bei der Erziehungsberatung werden lediglich die beendeten Hilfen berücksichtigt. Erst seit 2007 werden bei den Hilfen gem. § 28 SGB VIII auch die zum 31.12. eines Jahres andauernden Hilfen erfasst. Im Sinne der Vergleichbarkeit werden für 2010 und 2015 ebenfalls nur die beendeten Hilfen aufgeführt. Aus demselben Grund werden die Hilfen gem. § 27 SGB VIII (ohne Verbindung zu Hilfen gem. §§ 28-35 SGB VIII), die sogenannten „27,2er-Hilfen“, für das Jahr 2010 und 2015 nicht mitberücksichtigt; auch diese werden erst seit 2007 erfasst. Die Zahl der jungen Menschen mit einer „27,2er-Hilfe“ beträgt im Jahr 2015 71.129.
Quelle: Statistisches Bundesamt: Statistiken der Kinder- und Jugendhilfe – Erzieherische Hilfe, Eingliederungshilfe, Hilfe für junge Volljährige; versch. Jahrgänge; Datenzusammenstellung und Berechnungen der Arbeitsstelle Kinder- und Jugendhilfestatistik
2.1.1 Die Verteilung der Hilfearten im Angebotsspektrum der Hilfen zur ErziehungDas Arbeitsfeld der Hilfen zur Erziehung zeichnet sich durch ein breites Spektrum an beratenden, erziehenden und betreuenden Angeboten aus. Die Ausdifferenzierung der verschiedenen Angebote war Teil der damaligen zentralen Neuerungen des Kinder- und Jugendhilfegesetzes vor nunmehr mehr als 25 Jahren. In der Folge sind die Hilfezahlen seit Anfang der 1990er-Jahre gestiegen und die rechtlich kodifizierten Leistungen haben sich in den lokalen Hilfesystemen etabliert. Die aktuelle Verteilung der Hilfearten verdeutlicht das heterogene Leistungsspektrum der Hilfen zur Erziehung, welches sich in den letzten Jahren nicht wesentlich verändert hat (vgl. Abb. 2.4):Die aktuelle prozentuale Verteilung der Hilfearten verweist noch einmal auf die quantitative Bedeutung der Erziehungsberatung, die mit einem Anteil von 43% den Großteil aller erzieherischen Hilfen ausmacht. Mit Blick auf die ambulanten Hilfen zeigt sich das große Gewicht der Sozialpädagogischen Familienhilfe (SPFH). Aktuell werden rund 21% der jungen Menschen in den Hilfen zur Erziehung von dieser familienorientierten Leistung erreicht. Mit deutlichem Abstand folgen mit rund 6% die ambulanten „27,2er-Hilfen“ sowie die Erziehungsbeistandschaften, die 4% aller erzieherischen Hilfen ausmachen. Demgegenüber nehmen Soziale Gruppenarbeit, Betreuungshilfen, Erziehung in einer Tagesgruppe sowie Intensive Sozialpädagogische Einzelbetreuung (ISE) mit anteiligen Werten, die zwischen 1% und 2% liegen, eine vergleichsweise geringe Größe im ambulanten Leistungssegment ein. Etwa 20% der jungen Menschen in den Hilfen zur Erziehung lebten 2015 im Rahmen einer Fremdunterbringung in einer Pflegefamilie oder einem stationären Setting, davon etwa 12% in der Heimerziehung und 8% in der Vollzeitpflege. Der Anteil der Heimerziehung ist in den letzten Jahren etwas gestiegen. Einen geringen Anteil von unter 1% nehmen stationäre „27,2er-Hilfen“ ein.Abb. 2.4: Junge Menschen in den Hilfen zur Erziehung (einschl. der Hilfen für junge Volljährige) nach Hilfearten (Deutschland; 2015; Aufsummierung der zum 31.12. eines Jahres andauernden und der innerhalb eines Jahres beendeten Leistungen; Angaben in %)	* Einschließlich der sonstigen Hilfen
2.1.2 Die Inanspruchnahme nach BundesländernMittels der Datengrundlage der amtlichen Kinder- und Jugendhilfestatistik lassen sich auch Differenzen auf der Ebene der west- und ostdeutschen Landesteile sowie der Bundesländer abbilden. Dabei ist Folgendes für die Leistungssegmente zu konstatieren (vgl. Abb. 2.5):Erziehungsberatungen: Die bundesweite Verteilung der Leistungssegmente, bei denen rund 43% aller erzieherischen Hilfen Erziehungsberatungen ausmachen (vgl. Abb. 2.2; Abb. 2.5), gilt tendenziell auch für West- und Ostdeutschland. Mit Blick auf die Bundesländer zeigt sich allerdings eine enorme Spannweite der Inanspruchnahme von Beratungsleistungen. In den westdeutschen Flächenländern reicht diese von 176 pro 10.000 der unter 21-Jährigen im Saarland bis hin zu 391 pro 10.000 in Schleswig-Holstein. Ein vergleichsweise höherer Wert lässt sich im Stadtstaat Berlin mit 357 identifizieren. Auch die ostdeutschen Bundesländer weisen eine erheblich unterschiedliche Inanspruchnahme der Erziehungsberatung von 142 pro 10.000 der unter 21-Jährigen in Mecklenburg-Vorpommern bis hin zu 366 in Thüringen auf.Ambulante Hilfen: In allen Bundesländern werden mehr ambulante Leistungen als Fremdunterbringungen in Anspruch genommen. In den westdeutschen Flächenländern reicht die Spannweite der ambulanten Leistungen von 156 pro 10.000 der unter 21-Jährigen in Bayern bis hin zu 317 im Saarland. Auch zeigen sich Differenzen im Verhältnis von Fremdunterbringungen und ambulanten Hilfen, das einerseits in Hessen bei 1 zu 1,4 und andererseits in Baden-Württemberg bei 1 zu 2,6 liegt. Unter den Stadtstaaten weist Hamburg mit 441 pro 10.000 der jungen Menschen unter 21 Jahren den höchsten Wert mit Blick auf die Inanspruchnahme von ambulanten Hilfen auf. In Ostdeutschland reicht die Spannweite der Hilfegewährung ambulanter Hilfen bevölkerungsbezogen von 182 pro 10.000 der unter 21-Jährigen in Thüringen bis hin zu 446 in Mecklenburg-Vorpommern.Fremdunterbringungen: Eine vergleichsweise eher geringe Inanspruchnahme von Fremdunterbringungen ist in den westdeutschen Bundesländern Bayern und Baden-Württemberg festzustellen. Demgegenüber ist im Saarland, aber auch im Stadtstaat Bremen eine höhere Inanspruchnahme der kostenintensiven Fremdunterbringung zu ermitteln, was auf eine höhere Problembelastung der Regionen verweist. Darüber hinaus sind hier tendenziell auch beträchtlichere Werte an ambulanten Leistungen zu identifizieren und damit ein insgesamt höheres Volumen an erzieherischen Hilfen.Abb. 2.5: Junge Menschen in den Hilfen zur Erziehung (einschl. der Hilfen für junge Volljährige) (Länder; 2015; Aufsummierung der zum 31.12. eines Jahres andauernden und der innerhalb eines Jahres beendeten Leistungen; Angaben absolut, Inanspruchnahme pro 10.000 der unter 21-Jährigen)	Quelle: Statistisches Bundesamt: Statistiken der Kinder- und Jugendhilfe – Erzieherische Hilfe, Eingliederungshilfe, Hilfe für junge Volljährige 2015; Datenzusammenstellung und Berechnungen der Arbeitsstelle Kinder- und JugendhilfestatistikIn den letzten Jahren konnte in den Hilfen zur Erziehung eine quantitative Trendwende von der Expansionsphase der Fallzahlen in eine Phase der Konsolidierung abgelesen werden. Die jüngsten Ergebnisse deuten nicht darauf hin, dass diese weiter Bestand hat bzw. haben wird. Vielmehr zeichnet sich die aktuelle Inanspruchnahmeentwicklung durch steigende Fallzahlen insbesondere in der Heimerziehung aus – ein Effekt, der vor allem auf die gestiegenen Zahlen bei den unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen zurückzuführen ist.5 Diese Entwicklungen im fiskalisch zweitgrößten Arbeitsfeld der Kinder- und Jugendhilfe sind für sich genommen schon von großer Bedeutung für die gesamte Kinder- und Jugendhilfe. Zusätzliche Relevanz bekommt der Blick auf die aktuellen Fallzahlen aber noch durch die 2011 angestoßene Debatte um die Weiterentwicklung und Steuerung der Hilfen zur Erziehung vor dem Hintergrund des Fallzahlen- und Kostenanstiegs in dem Arbeitsfeld6 sowie die derzeitige Diskussion um die SGB VIII-Reform.7 In diesem Zusammenhang setzte die von einigen Akteuren vorgetragene Forderung, individuelle Rechtsansprüche zugunsten einer Gewährleistungsverpflichtung des öffentlichen Trägers einzudämmen, die Jugendhilfelandschaft in erhebliche Bewegung.8 Die Diskussionen um eine Weiterentwicklung und die Steuerung erzieherischer Hilfen dominieren bis heute die aktuelle Fachdiskussion und bleiben nicht folgenlos für das Handeln der Allgemeinen Sozialen Dienste und der Erziehungsberatungsstellen. Im Kontext der aktuellen Debatte über die schon seit mehreren Jahren ins Auge gefasste Weiterentwicklung und verbesserte Steuerung im Feld der Hilfen zur Erziehung, aber auch eine Neuordnung der Eingliederungshilfen in Form einer so genannten „Großen Lösung“ unter Berücksichtigung der jungen Menschen mit einer körperlichen oder geistigen Behinderung, ist ein differenzierter und regelmäßiger Blick auf die Datengrundlage zur Beobachtung der aktuellen Entwicklungen von zentraler Bedeutung. Dies gilt umso mehr, als dass derzeit nicht davon ausgegangen werden kann, dass sich in den nächsten Jahren die Bedeutung von Hilfen zur Erziehung als Unterstützungsleistungen für junge Menschen und deren Familien wesentlich verringern wird. Im Gegenteil: Vielmehr sind schon nach Einschätzungen der Sachverständigenkommission zum 14. Kinder- und Jugendbericht an den Entwicklungen im Arbeitsfeld der Hilfen zur Erziehung eindrücklich die „Verschiebungen zwischen privater und öffentlicher Verantwortung im Aufwachsen von jungen Menschen in Deutschland“9 zu beobachten. Der Auftrag der Hilfen zur Erziehung ist in diesem Zusammenhang umfassend, wie zuletzt die Sachverständigenkommission zum 15. Kinder- und Jugendbericht noch einmal in Erinnerung ruft: „Hilfen zur Erziehung (…) sollen für junge Menschen sozialpädagogische Umgebungen gestalten, die keine ausreichende soziale, emotionale und materielle Unterstützung erfahren, die in ihren persönlichen Rechten verletzt, Machtmissbrauch oder Gewalt erfahren haben, diskriminiert oder ausgegrenzt worden sind.“10
[AGJ] Arbeitsgemeinschaft für Jugendhilfe: Weiterentwicklung und Steuerung der Hilfen zur Erziehung. Empfehlungen der Arbeitsgemeinschaft für Kinder- und Jugendhilfe, Berlin 2015. Deutscher Bundestag (Hrsg.): 14. Kinder- und Jugendbericht. Bericht über die Lebenssituation junger Menschen und die Leistungen der Kinder- und Jugendhilfe in Deutschland, Berlin 2013. Deutscher Bundestag (Hrsg.): Bericht über die Lebenssituation junger Menschen und die Leistungen der Kinderund Jugendhilfe in Deutschland – 15. Kinder- und Jugendbericht. Unterrichtung durch die Bundesregierung und Stellungnahme der Bundesregierung. Berlin 2017.
Fendrich, S./Tabel, A.: Aktuelle Entwicklungen in den stationären Erziehungshilfen. Eine Analyse auf der Grundlage der amtlichen Kinder- und Jugendhilfestatistik, in: Jugendhilfe, 2017, Heft 2 (im Erscheinen).
Jugend- und Familienministerkonferenz: Beschluss zur Weiterentwicklung und Steuerung der Hilfen zur Erziehung, in: Forum Jugendhilfe, 2012, Heft 2, S. 21-25.
Kopp, K./Pothmann, J.: Unbegleitete ausländische Minderjährige im Spiegel von Asyl- und Jugendhilfestatistik, in: KomDat Jugendilfe, 2016, Heft 3, S. 13-17.
Otto, H.-U./Ziegler, H.: Impulse in eine falsche Richtung. Ein Essay zur „Neuen Steuerung“ in der Kinder- und Jugendhilfe, in: Forum Jugendhilfe, 2012, Heft 1, S. 17-25.
Wiesner, R.: Reform oder Rolle rückwärts? Zu den Ankündigungen des BMFSFJ hinsichtlich der Weiterentwicklung des Kinder- und Jugendhilferechts. Vortrag im Rahmen der Veranstaltung „Vom Kind aus denken?! Inklusives SGB VIII“ am 14.6.2016 in Frankfurt a.M.
Wenn hier und im Folgenden von den Hilfen zur Erziehung, den einzelnen Leistungssegmenten und den Hilfearten insgesamt die Rede ist, werden die Hilfen für junge Volljährige immer mitberücksichtigt. Die aktuellsten Daten zu den Hilfen zur Erziehung in der amtlichen Kinder- und Jugendhilfestatistik beziehen sich auf das Jahr 2015.
Es handelt sich dabei um einen statistischen Wert, da aus methodischen Gründen nicht weiter berücksichtigt werden kann, dass ein Teil der jungen Menschen und ihrer Familien mehrere Leistungen der Hilfen zur Erziehung gleichzeitig in Anspruch nehmen.
Vgl. Kopp/Pothmann 2016
Vgl. Fendrich/Tabel 2017
Vgl. Fendrich/Tabel 2017; Kopp/Pothmann 2016
Vgl. Jugend- und Familienministerkonferenz 2012
Vgl. u.a. Wiesner 2016
Vgl. Otto/Ziegler 2012
Deutscher Bundestag 2013, S. 336
Deutscher Bundestag 2017, S. 434
24.06.2017 - 00:23Uhr
http://hzemonitor.akjstat.tu-dortmund.de
/2-inanspruchnahme/21-erneut-ueber-1-mio-junge-menschen-in-den-hilfen-zur-erziehung/
2.1 Leichte Zunahme der Hilfen zur Erziehung – 1.052.305 junge Menschen erhalten LeistungenMehr familienunterstützende Leistungen, aber Fremdunterbringungen gewinnen weiter an Relevanz 2.1.1 Die Verteilung der Hilfearten im Angebotsspektrum der Hilfen zur Erziehung2.1.2 Die Inanspruchnahme nach BundesländernZum Seitenanfang