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Timestamp: 2020-04-04 13:26:55
Document Index: 282558053

Matched Legal Cases: ['Art. 64', '§ 139', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 296', '§ 708']

4a O 112/18 – Kabelbaumbandagierband 1 | Düsseldorfer Entscheidungen
4a O 112/18 – Kabelbaumbandagierband 1
Düsseldorfer Entscheidungsnummer: 2856
Urteil vom 12. März 2019, Az. 4a O 112/18
III. Das Urteil ist vorläufig vollstreckbar. Die Verfügungsklägerin kann die Zwangsvollstreckung durch Sicherheitsleistung in Höhe von 115 % des aufgrund des Urteils vollstreckbaren Betrages abwenden, wenn nicht die Verfügungsbeklagten vor der Vollstreckung Sicherheit in Höhe von 115 % des jeweils zu vollstreckenden Betrages leisten.
Die Verfügungsklägerin nimmt die Verfügungsbeklagten wegen unmittelbarer und mittelbarer Patentverletzung auf Unterlassung in Anspruch.
Die Verfügungsklägerin ist die im Register des Deutschen Patent- und Markenamts (vgl. Anlage KAP3) eingetragene Inhaberin des deutschen Teils des Europäischen Patents EP 1 XXX XXX B1 (nachfolgend: Verfügungspatent; vorgelegt in Anlage KAP2). Das in deutscher Verfahrenssprache erteilte Verfügungspatent wurde am 04.03.2005 unter Inanspruchnahme des Prioritätsdatums 04.03.2004 der DE 10 2004 XXX 223 angemeldet. Das Europäische Patentamt veröffentlichte am 27.07.2016 den Hinweis auf die Erteilung des Verfügungspatents.
Das Verfügungspatent steht in Kraft. Gegen die Erteilung des Verfügungspatents hat die Verfügungsbeklagte zu 1) Einspruch eingelegt. Die Einspruchsabteilung des Europäischen Patentamts hielt das Verfügungspatent auf die Verhandlung vom 30.10.2018 hin uneingeschränkt aufrecht (vgl. die in Anlage KAP4 vorgelegten Entscheidungsgründe der Einspruchsabteilung).
Die geltend gemachten Ansprüche 1 und 8 des Verfügungspatents lauten wie folgt:
„1. Hoch abriebfestes, wobei die Abriebfestigkeit des Trägers zumindest 150 % der Summe der Abriebfestigkeiten der Einzellagen, gemessen nach ISO 6XXX, Kapitel 9.3 “XXX”, beträgt, Band
für die Bandagierung von Kabelbäumen, insbesondere in Automobilen, aus einem Träger mit einer ersten Deckschicht A und einer zweiten Deckschicht B, wobei sich zwischen den Deckschichten A und B eine Zwischenschicht C befindet, die mit den Deckschichten A und B jeweils über deren gesamte Fläche fest verbunden ist, die Deckschichten A und B aus einem Gewebe bestehen,
wobei das Gewebe ein Filamentgewebe aus Polyester, Polyamid, Glasfasern oder Hochleistungskunststoffen wie Carbonfasern ist und 40 bis 50 Fäden pro cm in Kettrichtung sowie 20 bis 30 Fäden pro cm in Schussrichtung aufweist,
die Zwischenschicht C aus einer visko-elastischen Klebemasse, bevorzugt Selbstklebemasse, oder einem beidseitig klebend ausgerüsteten Klebeband besteht.“
Zur Veranschaulichung der beanspruchten Lehre wird nachfolgend eine Skizze aus Abs. [0035] der Beschreibung des Verfügungspatents verkleinert eingeblendet:
Die Verfügungsbeklagte zu 1) ist ein Unternehmen mit Sitz in A, das technische Klebebänder herstellt und vertreibt. Die Verfügungsbeklagten zu 2) und zu 3) sind Geschäftsführer der Verfügungsbeklagten zu 1). Die Verfügungsbeklagten vertreiben das Produkt „B“ in Deutschland (nachfolgend: angegriffene Ausführungsform, vgl. Anlagen KAP7 bis KAP10).
Nachfolgend wird ein Foto der angegriffenen Ausführungsform (aus Anlage KAP8) verkleinert eingeblendet:
Ferner wird nachfolgend eine Skizze aus einem (älteren) Datenblatt zur angegriffenen Ausführungsform (Anlage KAP7) eingeblendet:
Die Verfügungsklägerin ist der Ansicht, die angegriffenen Ausführungsformen verwirklichten Anspruch 1 unmittelbar wortsinngemäß. Deren Anbieten und Liefern verletze Anspruch 8 mittelbar.
Die Verfügungsklägerin behauptet, sie habe die untersuchte angegriffene Ausführungsform in Deutschland erworben.
Das Verfügungspatent sei nicht auf die Verbindung von maximal zwei Deckschichten beschränkt. Auch drei Deckschichten, von denen zwei nebeneinander angeordnet sind, seien vom Anspruch erfasst.
Sofern die angegriffene Ausführungsform teilweise eine oder zwei 1 – 2 mm breite Unterbrechung(en) aufweist, seien diese Spalte schon deshalb unbeachtlich, da das Angebot der Verfügungsbeklagten im (alten) Datenblatt (Anlage KAP7) auf eine Ausführungsform ohne Spalt ausgerichtet ist. Aufgrund von Fertigungstoleranzen könnten die Verfügungsbeklagten bei den angegriffenen Ausführungsformen offenbar nicht ausschließen, dass kein oder nur ein Spalt entsteht.
Das Verfügungspatent differenziere zwischen dem Band und dem Träger. Nur für den Träger seien vom Anspruch der Aufbau aus zwei Deckschichten und einer Zwischenschicht und die hieraus resultierende Abriebfestigkeit vorgeschrieben. Die Zwischenschicht müsse sich Verfügungspatentgemäß nur dort zwischen den Deckschichten befinden, wo sie diese miteinander verbindet. Eine Schicht, die sich nicht zwischen zwei Deckschichten befindet, sei keine Zwischenschicht im Sinne des Verfügungspatents. Auch aus diesem Grund sei der Spalt bei der angegriffenen Ausführungsform unbeachtlich: Trotz des Spaltes sei an allen Stellen der angegriffenen Ausführungsform, an denen die Deckschichten als Doppellage vorhanden sind, eine Zwischenschicht in Form einer Acrylamatmasse vorhanden.
Es liege jedenfalls eine mittelbare Patentverletzung von Anspruch 8 vor, da beim Umwickeln von Kabelbäumen ein Band im Sinne von Anspruch 1 entstehe. Dem Fachmann komme es darauf an, dass das Band bei der Bandagierung eines Kabelbaums so gewickelt werden kann, dass an jeder Stelle der Ummantelung die vom Verfügungspatent geforderte Abriebfestigkeit erfüllt ist. Bei der bestimmungsgemäßen Längsverklebung von Kabelsätzen werde die angegriffene Ausführungsform mindestens doppelt um die Kabel gewickelt, so dass der oder die Spalte jedenfalls überdeckt werden.
Schließlich weise die angegriffene Ausführungsform die vom Verfügungspatent geforderte Abriebfestigkeit auf, was Untersuchungen (vgl. Anlage KAP11) der Verfügungsklägerin bestätigten. Es komme insofern ebenfalls nur auf den Träger an; dies seien jene Bereiche in der angegriffenen Ausführungsform, in denen zwei Deckschichten in Doppellage vorhanden sind.
Es liege auch ein Verfügungsgrund vor. Aufgrund der zutreffenden Entscheidung der Einspruchsabteilung sei der Rechtsbestand des Verfügungspatents hinreichend gesichert.
Die Verfügungsbeklagten werden im Wege der einstweiligen Verfügung verurteilt, es bei Meidung eines für jeden Fall der Zuwiderhandlung vom Gericht festzusetzenden Ordnungsgeldes von bis zu EUR 250.000,00 – ersatzweise Ordnungshaft – oder einer Ordnungshaft bis zu sechs Monaten, im Fall wiederholter Zuwiderhandlung bis zu insgesamt zwei Jahren, wobei die Ordnungshaft an den gesetzlichen Vertretern der jeweiligen Verfügungsbeklagten zu vollziehen ist,
1. hochabriebfestes Band für die Bandagierung von Kabelbäumen, insbesondere in Automobilen, wobei die Abriebfestigkeit des Trägers zumindest 150% der Summe der Abriebfestigkeiten der Einzellagen, gemessen nach ISO 6XXX, Kapitel 9.3 „XXX“, beträgt, aus einem Träger mit einer ersten Deckschicht A und einer zweiten Deckschicht B, wobei sich zwischen den Deckschichten A und B eine Zwischenschicht C befindet, die mit den Deckschichten A und B jeweils über deren gesamte Fläche fest verbunden ist, die Deckschichten A und B aus einem Gewebe bestehen,
das Gewebe ein Filamentgewebe aus Polyester, Polyamid, Glasfasern oder Hochleistungskunststoffen wie Carbonfasern ist und 40 bis 50 Fäden pro Zentimeter in Kett-Richtung sowie 20 bis 30 Fäden pro Zentimeter in Schussrichtung aufweist, die Zwischenschicht C aus einer visko-elastischen Klebemasse, bevorzugt Selbstklebemasse, oder einem beidseitig klebenden ausgerüsteten Klebeband besteht;
(unmittelbare Verletzung des eingeschränkten Anspruchs 1, EP 1 XXX XXX);
2. hoch abriebfestes Band für die Bandagierung von Kabelbäumen, insbesondere in Automobilen,
wobei die Abriebfestigkeit des Trägers zumindest 150% der Summe der Abriebfestigkeiten der Einzellagen, gemessen nach ISO 6XXX, Kapitel 9.3 „XXX“, beträgt, aus einem Träger mit einer ersten Deckschicht A und einer zweiten Deckschicht B, wobei sich zwischen den Deckschichten A und B eine Zwischenschicht C befindet, die mit den Deckschichten A und B jeweils über deren gesamte Fläche fest verbunden ist, die Deckschichten A und B aus einem Gewebe bestehen, wobei das Gewebe ein Filamentgewebe aus Polyester, Polyamid, Glasfasern oder Hochleistungskunststoffen wie Carbonfasern ist und 40 bis 50 Fäden pro Zentimeter in Kett-Richtung sowie 20 bis 30 Fäden pro Zentimeter in Schussrichtung aufweist, die Zwischenschicht C aus einer visko-elastischen Klebemasse, bevorzugt Selbstklebemasse, oder einem beidseitig klebenden ausgerüsteten Klebeband besteht;
(mittelbare Verletzung Anspruchs 8, EP 1 XXX XXX).
Die Verfügungsbeklagten tragen vor, die angegriffene Ausführungsform verwirkliche Anspruch 1 des Verfügungspatents nicht. Auch eine mittelbare Verwirklichung von Anspruch 8 sei nicht gegeben.
Die angegriffene Ausführungsform verwirkliche Anspruch 1 des Verfügungspatents nicht, da hier eine weitere Deckschicht aus Gewebe vorhanden ist. Statt zwei Deckschichten seien drei Deckschichten vorhanden, von denen zwei Deckschichten im Abstand voneinander auf die dritte Deckschicht aufgebracht sind – was außerhalb des Schutzbereiches des Verfügungspatents liege.
Der „Witz“ der Erfindung liege darin, dass die Zwischenschicht C nicht nur eine partielle Verbindung zwischen zwei Lagen herstellt, sondern eine vollflächige Verbindung erzielt, die die gesamte Fläche der Deckschicht A mit der gesamten Fläche der Deckschicht B verbindet („jeweils über deren gesamte Fläche“). Jedem Punkt der Deckschicht – A oder B – müsse sowohl die Zwischenschicht als auch ein entsprechender Punkt der jeweils anderen Deckschicht (B oder A) gegenüberliegen. Lücken zwischen zwei längs nebeneinander angeordneten Trägerstreifen wären demgegenüber stets der Gefährdung durch scharfe Kanten ausgesetzt, was die Lehre des Verfügungspatents gerade vermeiden wolle.
Aus dem alten Datenblatt zur angegriffenen Ausführungsform könne ebenfalls keine Verletzung des Verfügungspatents hergeleitet werden. Es liege im Datenblatt schon kein Angebot für eine Ausführungsform ohne Spalt, da es an einem Bezug zu einem körperlich vorhandenen Gegenstand fehle. Die vertriebenen angegriffenen Ausführungsformen wiesen stets Spalte auf. Jedenfalls seit der zweiten Jahreshälfte 2014 werde dies durch eine Fertigungsanweisung in der Produktion sichergestellt.
Es liege auch kein Verfügungsgrund vor. Das Verfügungspatent sei nicht rechtsbeständig und werde auf die Einspruchsbeschwerde widerrufen werden. Die Entscheidung der Einspruchsabteilung sei evident unrichtig.
Die Einspruchsabteilung hat ausgeführt, dass die Entgegenhaltung D1 – DE 197 XXX 58 – nicht die Lehre von Anspruch 1 offenbart; diese zeige, dass ein anspruchsgemäßes Band bereits vor seiner Weiterverarbeitung alle Merkmale erfüllen müsse. Wenn man eine Patentverletzung durch die Umwickelung annimmt, so wäre das Verfügungspatent nicht rechtsbeständig.
Der zulässige Antrag auf Erlass einer einstweiligen Verfügung war zurückzuweisen. Die Verfügungsklägerin hat keinen Verfügungsanspruch aus Art. 64 EPÜ i.V.m. § 139 Abs. 1 PatG glaubhaft gemacht. Es lässt sich weder eine unmittelbare Patentverletzung von Anspruch 1 noch eine mittelbare Patentverletzung von Anspruch 8 des Verfügungspatents im Hinblick auf die angegriffenen Ausführungsformen feststellen.
Das Verfügungspatent (nachfolgend entstammen Abs. ohne Quellenangabe dem Verfügungspatent) betrifft ein hoch abriebfestes Band, das insbesondere für die Bandagierung von Kabelbäumen in Automobilen Verwendung finden kann.
In seiner einleitenden Beschreibung schildert das Verfügungspatent, dass in vielen Industriebereichen Bündel aus einer Vielzahl von elektrischen Leitungen vor dem Einbau oder in bereits montiertem Zustand umwickelt würden, um den Raumbedarf des Leitungsbündels durch Bandagieren zu reduzieren sowie zusätzlich Schutzfunktionen zu erzielen (Abs. [0002]).
Mit Folienklebebändern werde ein gewisser Schutz vor Flüssigkeitszutritt erreicht, mit luftigen und voluminösen Klebebändern auf Basis von dicken Vliesstoffen oder Schaumstoffen als Träger erhalte man dämpfende Eigenschaften, bei Verwendung von abriebfesten, stabilen Trägermaterialien werde schließlich eine Schutzfunktion gegen Scheuern und Reiben erzielt (Abs. [0002]). Besonders die Schutzfunktion gegenüber Scheuern, Reiben, Schleifen an scharfen Kanten und Graten etc., im Verfügungspatent zusammengefasst unter dem Begriff der Abriebfestigkeit, nehme an Bedeutung zu. Die durch Produktionsprozesse verursachten scharfen Kanten, Grate, Schweißstellen etc. würden immer weniger durch aufwendige Nacharbeit entschärft, da dieses einen zusätzlichen Arbeitsgang und Mehrkosten bedeute. Dies gelte insbesondere bei den Rohkarossen in der Automobilindustrie, aber auch in anderen Bereichen wie zum Beispiel bei Waschmaschinen, vibrierenden Maschinen wie Kompressoren und dergleichen. Kabelstränge, die in solchen Bereichen verlaufen und die durch Vibration, Relativbewegungen und ähnlichem an derartigen, scharfen Stellen scheuern, seien daher potenziell gefährdet, dass die Schutzhülle zerstört wird (Abs. [0003]).
Hieran kritisiert das Verfügungspatent, dass die vorgenannten Komponenten im Hinblick auf Kosten, gesonderte Logistik und die aufwendige Handhabung bei der Montage ungünstig seien (Abs. [0004]).
Das Verfügungspatent führt weiter aus, dass in Bereichen mit erhöhtem Abrieb- und Scheuerschutz auch Spezialklebebänder eingesetzt würden (Abs. [0005]). Klebebänder für die Wickelung von Kabelsätzen oder ähnlichen langgestreckten Systemen mit zusätzlichen Funktionalitäten seien im Stand der Technik bekannt und würden teilweise auch kommerziell genutzt.
Anschließend erörtert das Verfügungspatent verschiedene Bänder aus dem Stand der Technik (Abs. [0005] ff.) und konstatiert, dass eine Vielzahl von Lösungsansätzen bekannt sei, bei denen bevorzugt das sehr kostspielige textile Trägermaterial Velours im Verbund mit mindestens einem weiteren textilen oder nicht-textilen Flächengebilde für den besonderen Abrieb- und/oder Klapperschutz zuständig sei. Der Trägerverbund werde entweder ohne Klebeschicht oder aber durch einen besonderen wärmeaktivierbaren Kaschierkleber, häufig in nur teilbereichsweiser Verwendung, erzeugt. Selbstklebemassen dienten nur dazu, um als separate Schicht aus diesem Trägerverbund ein Klebeband herzustellen. Derartige Klebebänder seien durch die Verwendung des Wirkwaren-Velours nicht nur sehr teuer, sondern durch die Schlingenstruktur so dick, dass derartige Spezialwickelbänder bei der normalen überlappenden Spiralwicklung oder bei der Längsummantelung wegen den zur Verfügung stehenden knappen Verbauräumen nicht eingesetzt werden könnten.
Vor diesem Hintergrund nennt es das Verfügungspatent in Abs. [0015] als seine Aufgabe, gegenüber dem Stand der Technik eine merkliche Verbesserung zu erzielen und ein Band bereitzustellen, das die Möglichkeit zur Bandagierung von Einzelleitungen zu Kabelsätzen mit hohem Schutz gegen mechanische Schädigungen durch Scheuern und Reiben an scharfen Kanten, Graten, Schweißpunkten etc. kombiniert. Dieses Band solle vorzugsweise Klebeband sein und sowohl für die Standardwickeltechniken mit überlappender oder offener Spiralwicklung um das Leitungsbündel geeignet sein als auch für die Längsapplikation mittels Applikatoren.
Zur Lösung schlägt das Verfügungspatent ein Band nach Maßgabe von Anspruch 1 vor, der sich in Form einer Merkmalsgliederung wie folgt darstellen lässt:
5 Die Abriebfestigkeit des Trägers beträgt zumindest 150 % der Summe der Abriebfestigkeiten der Einzellagen, gemessen nach ISO 6XXX, Kapitel 9.3 “XXX”.
Der von der Verfügungsklägerin ebenfalls geltend gemachte Unteranspruch 8,
Die Verbesserung der Abriebfestigkeit nach der Lehre des Verfügungspatents beruht dabei auf der Erkenntnis, dass die Abriebfestigkeit eines mehrlagigen Systems im Gesamtverbundes deutlich höher ausfällt als die Summe aus den Abriebfestigkeiten der Einzellagen (welche Merkmal 5 als Vergleichsmaßstab nimmt).
Hierdurch kann eine erhebliche Steigerung der Schutzwirkung gegen reibende und scheuernde Einwirkungen erzielt werden, ohne gesonderte Schutzmaßnahmen ergreifen zu müssen (Abs. [0021]). Dies ermöglicht es, eine Kombination aus den Bandagiermöglichkeiten eines normalen Wickelbandes mit dem Abriebschutz von Sondersystemen wie Geflechtschläuche, Wellrohren und ähnlichem herzustellen (Abs. [0021]). Nach dem Verfügungspatent ermöglicht es ein patentgemäßes Band auf diese Weise in vielen Fällen, dass auf zusätzliche, kosten- und arbeitsintensive Schutzsysteme verzichtet werden kann (Abs. [0023]).
Dies sieht der Fachmann in Merkmal 5 bestätigt, der bei der Auslegung der übrigen Merkmale heranzuziehen ist. Denn die Merkmale des Patentanspruchs bilden eine Einheit, so dass der Sinngehalt des Anspruchs in seiner Gesamtheit und der Beitrag, den die einzelnen Merkmale zum Leistungsergebnis der Erfindung liefern, zu bestimmen sind (BGH, GRUR 2004, 845 – Drehzahlermittlung; BGH, GRUR 2012, 1124 – Polymerschaum). Merkmal 5 macht Vorgaben zur Abriebfestigkeit und zwar in Bezug auf den Träger. Wäre damit nur ein Teil des beanspruchten Bandes gemeint, würde eine patentgemäße Ausführungsform keinen ausreichenden Schutz gegen Abrieb bieten. Denn dann würden von Anspruch 1 des Verfügungspatents auch solche Bänder erfasst, die zwar in einem (möglicherweise sehr kleinen) Teilstück hochabriebfest sind, ansonsten aber keinen ausreichenden Schutz für Kabelbäume bieten.
Dem Verfügungspatent lassen sich auch keine Anhaltspunkte dafür entnehmen, dass ein Band mit unvollständigem Abriebschutz beansprucht werden soll.
Soweit in den Abs. [0034] ff. ein Aufbau beschrieben wird, bei dem eine Deckschicht weggelassen wird, erfolgt dies, damit „ein schmaler Streifen an Klebemasse offen und klebaktiv verbleibt“ (Abs. [0034]). Das Verfügungspatent spricht in Abs. [0034] ff. Ausgestaltungen an, bei denen am Rande des aktiven Teils (mit einem patentgemäßen Träger) Klebestreifen vorgesehen sind, um – wie in Ausführungsformen nach Unteranspruch 5 – die Bandagierung zu erleichtern, indem es ermöglicht wird, das Band mit sich selbst zu verkleben. Dies betrifft aber ausdrücklich nur schmale Streifen am Rand. Der überwiegende Teil des Bandes (der aktive Teil) dient nicht dem Verkleben, sondern weist den Aufbau nach den Merkmalen 2 – 3.1 auf.
Soweit die Verfügungsklägerin vorträgt, eine Zwischenschicht sei vom Verfügungspatent nur dort vorgesehen, wo sie „zwischen“ zwei Deckschichten vorhanden sein kann, geht dies an der Sache vorbei. Der klare Wortlaut des Verfügungspatents verlangt, dass über die gesamte Fläche der Deckschicht jeweils auch eine Zwischenschicht vorhanden sein muss – auf deren anderer Seite sich wiederum die andere Deckschicht befinden muss. Dies gilt für den gesamten Träger.
Bestätigt wird dies durch funktionale Erwägungen: Nach der Lehre des Verfügungspatents wird gerade durch die Kombination von zwei Deckschichten und einer Zwischenschicht die hohe Abriebfestigkeit zum Schutz der Kabelbäumen bereitgestellt. Diese wäre aber nicht mehr ausreichend gewährleistet, wenn das Band Teilbereiche aufweisen darf, in denen der von den Merkmalen 2 – 3.1 vorgeschriebene Aufbau und die damit verbundenen Abriebfestigkeit nicht vorhanden ist.
Der vom Anspruch vorgeschriebene Aufbau des Trägers muss vor einem eventuellen Umwickeln des Bandes um einen Kabelbaum vorhanden sein. Anspruch 1 ist auf ein Band gerichtet, welches aus sich heraus bereits alle Merkmale der geschützten Lehre erfüllen muss. Merkmal 1 beansprucht ein Band „für die Bandagierung von Kabelbäumen“. Das Band muss also die Vorgaben des Anspruchs bereits vor der Bandagierung verwirklichen. Andernfalls wäre es vom Geschick des Verwenders und der Art des Umwickelns abhängig, ob ein ausreichender Schutz des Kabelbaums vor dem Abrieb tatsächlich erzielt wird, worauf die patentgemäße Lehre nicht gerichtet ist.
Dies entspricht auch dem Verständnis der Einspruchsabteilung, deren Entscheidung von der Kammer bei der Auslegung als fachkundige Äußerung zu berücksichtigen ist (BGH, GRUR 1998, 895 – Regenbecken). Die Einspruchsabteilung geht davon aus, dass die Merkmale des Anspruchs 1 bei einem (einfachen) Band vorhanden sein müssen. Auf S. 9 in Ziff. 4.2.2 der Entscheidung (vorgelegt als Anlage KAP4) führt die Einspruchsabteilung aus, das Verfügungspatent werde nicht von der Entgegenhaltung D1 vorweggenommen. Zur Begründung heißt es
Entsprechend argumentiert die Einspruchsabteilung auch hinsichtlich der erfinderischen Tätigkeit des Verfügungspatents ausgehend von der D1 auf S. 12 in Ziff. 4.3.3 der Entscheidung.
Die angegriffene Ausführungsform – in allen von der Verfügungsklägerin angeführten Varianten – verwirklicht weder Anspruch 1 des Verfügungspatents unmittelbar (hierzu unter 1.) noch Anspruch 8 mittelbar (hierzu unter 2.).
Zur Veranschaulichung werden nachfolgend je eine Skizze aus einem (älteren) Datenblatt zur angegriffenen Ausführungsform (aus Anlage KAP7) und darunter aus dem aktuellen Datenblatt der Verfügungsbeklagten (aus Anlage 4 der Verfügungsklägerin) eingeblendet:
Im Bereich dieser eingesetzten Klebemasse (die in der unteren Abbildung zwischen zwei Spalten liegt) ist die durchgängige, obere Polyestergewebeschicht gerade nicht „über deren gesamte Fläche“ über eine Zwischenschicht mit einer zweiten Deckschicht fest verbunden. Damit ist ersichtlich, dass es Bereiche gibt, in denen der einen Deckschicht keine zweite Deckschicht gegenüber liegt.
„5 Die Abriebfestigkeit des Trägers beträgt zumindest 150 % der Summe der Abriebfestigkeiten der Einzellagen, gemessen nach ISO 6XXX, Kapitel 9.3 “XXX”,
Zur Veranschaulichung wird nachfolgend Fig. 1 des Laborberichts nach Anlage KAP11 eingeblendet.
Nach der Lehre des Verfügungspatents muss im gesamten aktiven Teil (die Bereiche D, B und der oben unbenannte Abschnitt zwischen den Bereichen B und A, von den Verfügungsbeklagten als D‘ bezeichnet) die in Merkmal 5 geforderte Abriebfestigkeit vorhanden sein. Dies ist jedenfalls für den Bereich B nicht ersichtlich.
Wie bereits oben ausgeführt, kommt es für die Frage der Verwirklichung von Anspruch 1 auf das Band in seiner nicht-umwickelten Form an. Insofern lässt sich eine Patentverletzung nicht mit der Argumentation begründen, die Anspruchsmerkmale würden verwirklicht, wenn man die angegriffene Ausführungsform mehrmals um ein Kabel wickelt. Auch bei der Umwicklung ist kein Band vorhanden, welches den von Anspruch 1 vorgegebenen Schichtenaufbau aufweist. Durch das Umwickeln wird nur eine angegriffene Ausführungsform mehrfach übereinander gelegt. Es entsteht hierdurch aber kein Band nach Maßgabe von Anspruch 1 des Verfügungspatents, das zur Bandagierung von Kabelbäumen geeignet ist – wie es aber Merkmal 1 verlangt.
Die geltend gemachte mittelbare Patentverletzung von Anspruch 8 des Verfügungspatents,
„8. (…)
Diese Eignung ist hier nicht feststellbar. Es ist nicht ersichtlich, dass es bei der Verwendung der angegriffenen Ausführungsform zu einer Verwirklichung von Anspruch 8 (oder von Anspruch 1) des Verfügungspatents kommt oder auch nur kommen kann. Anspruch 8 setzt ein Band nach Anspruch 1 voraus, was – wie oben dargelegt – für die angegriffene Ausführungsform nicht feststellbar ist. Die nicht verwirklichten Merkmale werden auch bei der Verwendung der angegriffenen Ausführungsform durch einen Abnehmer der Verfügungsbeklagten, insbesondere bei der Umwicklung eines Kabelsatzes, nicht verwirklicht. Auf die obigen Ausführungen wird Bezug genommen.
Der nicht nachgelassene Schriftsatz der Verfügungsklägerin vom 26.2.2019 fand bei der Entscheidung keine Berücksichtigung, § 296a ZPO. Die Wiedereröffnung der mündlichen Verhandlung war nicht angezeigt.
Die Entscheidung zur vorläufigen Vollstreckbarkeit (hinsichtlich der Kosten) folgt aus §§ 708 Nr. 6, 711 ZPO.
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