Source: https://www.arbeitssicherheit.de/schriften/dokument/0%3A7824825.html
Timestamp: 2018-07-17 21:31:34
Document Index: 378307741

Matched Legal Cases: ['§ 14', '§ 3', '§ 15', '§ 5', '§ 37', '§ 25', '§ 26', '§ 14', '§ 4', '§ 23']

3.4.2.3 Prüfung von Arbeitsmitteln – Scheuermann
Autor: Wortmann
Für den sicheren Betrieb eines technischen Arbeitsmittels ist u.a. die wiederkehrende Prüfung seines ordnungsgemäßen Zustandes von wesentlicher Bedeutung. Die Prüfungen sind auf das Ziel, den Schutz der Arbeitnehmer vor Gefährdung, die durch Fehlfunktion oder Defekt eines Arbeitsmittels entstehen, ausgerichtet. Mit Inkrafttreten der neuen Betriebssicherheitsverordnung (BetrSichV) im Jahr 2015 wurden die Anforderungen an die Prüfungen von Arbeitsmitteln und überwachungsbedürftigen Anlagen auf flexiblere Beine gestellt. Gleichzeitig erhielten die Arbeitgeber in einem größeren Umfang die Verantwortung für die Planung und Durchführung der Prüfungen.
Die BetrSichV verpflichtet den Arbeitgeber in § 14, Prüfungen an Arbeitsmitteln vorzunehmen. Im Zuge der Beurteilung der Arbeitsbedingungen nach § 3 Abs. 6 BetrSichV hat der Arbeitgeber Art und Umfang der erforderlichen bzw. geforderten Prüfungen der vorhandenen Arbeitsmittel sowie Fristen für die wiederkehrende Prüfung, auch unter Berücksichtigung von Wechselwirkungen zwischen Arbeitsmitteln und Arbeitsmittel, Arbeitsmitteln und Arbeitsstoffen sowie Arbeitsmitteln und Arbeitsumgebung, festzulegen. Hierbei kann er bspw. auf Prüfvorgaben der BetrSichV, aus dem technischen Regelwerk für Betriebssicherheit (TRBS), auf arbeitsmittelspezifische Unfallverhütungsvorschriften der Berufsgenossenschaften, auf Herstellerangaben oder Normen zurückgreifen und diese heranziehen. Existieren keine Prüfvorgaben, hat der Arbeitgeber diese festzulegen und zu dokumentieren.
Prüftiefe,
Prüffristen und
Fachkenntnisse der durchführenden Person (Prüfperson)
festzulegen und abzustimmen.
Die folgende Abbildung stellt vier differenziert zu betrachtende Kategorien von Prüfungen im Sinne der BetrSichV dar.
Abb. 1: Kategorien von Prüfungen im Sinne der BetrSichV
3.4.2.3 Prüfung von Arbeitsmitteln – Seite 2 – 01.12.2016 >>
Prüffristen in der Praxis – Auswahl an Beispielen
Die Prüffrist ist der festgelegte Zeitraum zwischen zwei Prüfungen. Sie muss so festgelegt werden, dass der Prüfgegenstand, also das Arbeitsmittel, nach allgemein zugänglichen Erkenntnisquellen und betrieblichen Erfahrungen im Zeitraum zwischen zwei Prüfungen sicher benutzt werden kann. Bei den angeführten Beispielen handelt es sich um eine nicht abschließende Auflistung mit Nennung der jeweiligen Fundstelle. Hierbei ist zu beachten, dass nicht bei jedem Arbeitsmittel alle Fundstellen angegeben sind und auch Fundstellen außerhalb der BetrSichV betrachtet wurden.
Anschlagmittel (z.B. Endlosseile (Grummets), Hakenketten, Hakenseile, Hebebänder, Kranzketten, Ösenseile, Ringketten, Rundschlingen, Seilgehänge, Stroppen, ferner lösbare Verbindungsteile, z.B. Schäkel und andere Zubehörteile)
nach Schadensfällen oder besonderen Vorkommnissen, die die Tragfähigkeit beeinflussen können, sowie nach Instandsetzung
vor der ersten Inbetriebnahme und in vom Arbeitgeber definierten Abständen
befähigte Person oder beauftragte, geeignete und unterwiesene Person
Arbeitsmittel und Anlagen allgemein in explosionsgefährdeten Bereichen
mindestens alle sechs Jahre
BetrSichV §§ 15, 16;
(Ausnahme in Anhang 2, Abschnitt 4, Nr. 6.9.4 – funktionsfertige Baugruppe)
äußere Prüfung, innere Prüfung und erforderlichenfalls Gewichtsprüfung alle zweieinhalb Jahre
Festigkeitsprüfung mindestens alle fünf Jahre
3.4.2.3 Prüfung von Arbeitsmitteln – Seite 3 – 01.12.2016 << >>
alle zwei Jahre (Hauptprüfung)
in der Mitte zwischen den Hauptprüfungen (Zwischenprüfung)
(nach Anhang 2, Nummer 5.9, Tabelle 2)
Festigkeitsprüfung mindestens alle 9 Jahre
innere Prüfung alle drei Jahre
äußere Prüfung jährlich
[Ausnahmen vorhanden]
[befähigte Person]
Dampfkessel (nach Anhang 2, Nummer 5.9, Tabellen 3, 4, 5 und 6)
Festigkeitsprüfung mindestens alle 10 Jahre
innere Prüfung alle fünf Jahre
Einfache Druckbehälter (nach Anhang 2, Nummer 5.9, Tabelle 7)
zugelassene Überwachungsstelle [befähigte Person]
3.4.2.3 Prüfung von Arbeitsmitteln – Seite 4 – 01.12.2016 << >>
nach Instandsetzung vor der Wiederinbetriebnahme
Elektrofachkraft oder unter Leitung und Aufsicht einer Elektrofachkraft oder Bestätigung der Einhaltung der DGUV Vorschrift 3 durch Hersteller bzw. Errichter
DGUV Vorschrift 3 § 5
Elektrische Anlagen und ortsfeste elektrische Betriebsmittel in �Betriebsstätten, Räumen und Anlagen besonderer Art�
bei Bedarf, mindestens jedoch einmal jährlich
DGUV Grundsatz 314–003
Fehlerstrom-, Differenzstrom- und Fehlerspannungs-Schutzschalter in stationären Anlagen
beauftragte, geeignete und unterwiesene Person
Fehlerstrom-, Differenzstrom- und Fehlerspannungs-Schutzschalter in nichtstationären Anlagen
Flurförderzeuge (u.a. Gabelstapler) inkl. Anbaugeräte und Sicherheitseinrichtungen in Schmalgängen
DGUV Vorschrift 68 § 37
tägliche Funktionsprüfung der Sicherheitseinrichtungen in Schmalgängen
3.4.2.3 Prüfung von Arbeitsmitteln – Seite 5 – 01.12.2016 << >>
Geräte, Schutzsysteme, Sicherheits-, Kontroll- und Regelvorrichtungen im Sinne der Richtlinie 2014/34/EU in explosionsgefährdeten Bereichen (Ausnahme in Anhang 2, Abschnitt 3, Nr. 5.4 – Instandhaltungskonzept)
nach außergewöhnlichen Ereignissen
Handbetriebene oder teilkraftbetriebene Krane > 1 t Tragfähigkeit
nach Montage, Installation
DGUV Vorschrift 52 § 25
DGUV Vorschrift 52 § 26
Handbetriebene oder teilkraftbetriebene Krane < 1 t Tragfähigkeit
DGUV Regel 100–500
DGUV Grundsatz 308–003
alle sechs Monate für isolierende Handschuhe
Isolierte Werkzeuge, Kabelschneidgeräte; isolierende Schutzvorrichtungen sowie Betätigungs- und Erdungsstangen sowie Spannungsprüfer, Phasen-Vergleicher
3.4.2.3 Prüfung von Arbeitsmitteln – Seite 6 – 01.12.2016 << >>
Ladebrücken (die fest mit dem Gebäude verbunden sind) und fahrbare Rampen
DGUV Regel 108–006
Lastaufnahmemittel (z.B. Ausgleicher, Brooken, C-Haken, Container-Geschirre, Gehänge, Gießpfannen, Greifer, Klauen, Klemmen, Kübel, Lasthebemagnete, Paletten-Geschirre, Pratzen, Traversen, Vakuumheber, Zangen)
Brücken- und Wandlaufkrane
regelmäßige Prüfung in Abhängigkeit von äußeren Einflüssen
nach Instandsetzungsarbeiten, welche die Sicherheit dieser Arbeitsmittel beeinträchtigen können
DGUV Information 208–016
TRBS 2121 Teil 2 Abschnitt 5
Lüftungsanlagen, Gaswarneinrichtungen und Inertisierungseinrichtungen in explosionsgefährdeten Bereichen
(Ausnahme in Anhang 2, Abschnitt 3, Nr. 5.4 – Instandhaltungskonzept)
3.4.2.3 Prüfung von Arbeitsmitteln – Seite 7 – 01.12.2016 << >>
Ortsveränderliche elektrische Betriebsmittel auf Baustellen, in Fertigungsstätten und Werkstätten (Verlängerungs- und Geräteanschlussleitungen mit Steckvorrichtungen, Anschlussleitungen mit Stecker, bewegliche Leitungen mit Stecker und Festanschluss)
alle sechs Monate, auf Baustellen 3 Monate
Wird bei den Prüfungen eine Fehlerquote < 2 % erreicht, kann die Prüffrist entsprechend verlängert werden auf maximal jährlich
Abschnitt 1 2
Ortsveränderliche elektrische Betriebsmittel in Büros oder unter ähnlichen Bedingungen (Verlängerungs- und Geräteanschlussleitungen mit Steckvorrichtungen, Anschlussleitungen mit Stecker, bewegliche Leitungen mit Stecker und Festanschluss)
Wird bei den Prüfungen eine Fehlerquote < 2 % erreicht, kann die Prüffrist entsprechend verlängert werden auf maximal alle zwei Jahre
DGUV Regel 112–198
BetrSichV § 14
DGUV Information 209-030
DGUV Information 208–043
(nach Anhang 2, Nummer 5.9, Tabellen 8, 9, 10 und 11)
äußere Prüfung alle fünf Jahre [Ausnahmen vorhanden]
Schutzmaßnahmen mit Fehlerstrom – Schutzeinrichtungen in nichtstationären Anlagen
3.4.2.3 Prüfung von Arbeitsmitteln – Seite 8 – 01.12.2016 << >>
Sicherheitsbeleuchtungen, Feuerlöscheinrichtungen, Signalanlagen, Notaggregate und Notschalter sowie raumlufttechnische Anlagen
in zu definierenden Abständen
ArbStättV § 4 Abs. 3
(funktionsfertige Baugruppe bis PS � V = 1.000 Bar � Liter)
DIN 14406 Teil 4 DIN EN3
[mindestens alle vier Betriebsjahre und im 14. und 16. Betriebsjahr, danach mind. jährlich]
[Prüfsachverständigen]
Überwachungsbedürftige Aufzugsanlagen (Aufzüge, die zur Beförderung von Personen bestimmt sind und auch Fassadenbefahranlagen)
Wandhydrant mit Steigleitung nass und nass/trocken
Wandhydrant mit Steigleitung trocken
3.4.2.3 Prüfung von Arbeitsmitteln – Seite 9 – 01.12.2016 << >>
Winden, Hub- und Zuggeräte einschließlich Tragkonstruktionen und Seilblöcke
DGUV Vorschrift 54 § 23 inkl. DA
DGUV Grundsatz 309–007
DGUV Grundsatz 309–008
Zusätzlich bei Anschlagmittel: Hebebänder mit aufvulkanisierter Umhüllung
alle drei Jahre besondere Prüfung auf Drahtbrüche und Korrosion
Zusätzlich bei Anschlagmittel: Rundstahlketten
alle drei Jahre besondere Prüfung auf Rissfreiheit
3.4.2.3 Prüfung von Arbeitsmitteln – Seite 10 – 01.12.2016 <<