Source: http://ras-law.de/unterstuetzungsleistungen_fluggastrechte.html
Timestamp: 2018-07-17 01:33:31
Document Index: 230012204

Matched Legal Cases: ['Art. 8', 'Art. 8', 'Art. 8', 'Art. 8', 'Art. 8', 'Art. 8', 'Art. 8', 'Art. 8']

﻿ Flug überbucht? Ihre Rechte als FAQ
Unterstützungsleistungen - FAQ und Übersicht
Unterstützungsleistungen sollen Fluggästen dabei helfen, bei einer bestehenden Flugirritation möglichst schnell weiter transportiert zu werden.
1. Rücktritt vom Flug oder Rückflug bei Zwischenstop, Art. 8 I a) FluggastrechteVO
Unter gewissen Voraussetzungen können Passagiere vom Flug zurücktreten und das Geld für den (nicht angetretenen) Flug und Rückruf zurück verlangen. Sofern der Transport aus mehreren Flügen bestand und man bereits eine Teilstrecke gereist ist, kann in Verbindung mit dem Rückritt auch der Rückflug zum ersten Flughafen verbunden sein. Die Verordnung spricht hier von einem Rückflug zum frühest möglichen Zeitpunkt. Was ein früherst möglicher Zeitpunkt sein kann, wird unter der nachfolgenden Überschrift erläutert.
Diese Vorschrift, Art. 8 I a) FluggstrechteVO, gilt nicht für Fluggäste, die den Flug im Wege einer Pauschalreise gebucht haben (vgl. Art. 8 II FluggastrechteVO).
2. Alternative Beförderung zum Ziel, Art. 8 I b) FluggastrechteVO
Alternativ zum Rücktritt können sich Fluggäste auch zum frühest möglichen Zeitpunkt mit einer Alternative zum letzten Ziel transportieren lassen.
Umstritten ist in der Rechtsprechung, was genau eine alternative Beförderung bedeutet. Die Lobbyisten der Luftfahrtindustrie vertreten (wenig verwunderlich) die Auffassung, dass eine alternative Beförderung immer mit der selben Airline zu erfolgen habe. Das ist immer dann blöd, wenn die Airline einen zeitnahen alternativen Flug unter Hinweis auf fehlende freie Plätze ablehnt. Verbraucherschützer (so auch wir) hingegen vertreten die Auffassung, dass es auf die Art und Weise des Transportes nicht ankommt, so dass man einen alternativen Flug bei einer anderen Airline buchen kann. Der Zweck dieser Vorschrift ist nämlich alleine, dass der betroffene Fluggast schnellstmöglich zu seinem Ziel kommt. Hieraus folgt, dass auch egal ist, wie der Fluggast dort hinkommt - ob nun mit der selben Airline, mit einer alternativen Airline oder aber mit dem Auto, Heissluftballon, Zeppelin, U-Boot, Schiff, Zug - wie auch immer. Die Kosten sind nach unserer Auffassung erstattungsfähig.
Hierzu existiert allerdings noch keine Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs, so dass es auf die Auffassung des jeweiligen Instanzgerichtes ankommt.
3. Spätere alternative Beförderung zum Endziel, Art. 8 I c) FluggastrechteVO
Dem Fluggast steht es auch frei, mit der Airline zu sprechen und darüber zu verhandeln, ob der Flug (dann aber bei der selben Airline und vorbehaltlich freier Plätze) nicht zu einem späteren Zeitpunkt zum letzten Ziel durchgeführt werden kann.
Dies kann beispielsweise Sinn machen, wenn man einen Zubringerflug nach Köln gebucht hat und es Irritationen beim Anschlussflug gegeben hat. Wer dann die Möglichkeit nutzt, die hübsche Domstadt zwei oder drei Tage zu erkunden, bevor der Flug zum eigentlichen Ziel fortgeführt wird, kann seine Reise so um weitere sicherlich tolle Eindrücke erweitern.
4. Abweichender Flughafen / Transportkosten, Art. 8 III FluggastrechteVO
Ein letzter Punkt, der bei den Unterstützungsleistungen zu berücksichtigen ist, ist das Problem der Transportkosten, wenn der Start- oder Zielflughafen sich ändert.
Ist beispielsweise der Zielflughafen Köln und aufgrund von Irritationen wird in Düsseldorf gelandet, sind die Kosten für den Transport hin nach Köln zu erstatten, wenn die Airline nicht selbstständig für den Transport sorgt.
Der zeitliche Mehraufwand für den Transport zum letzten Ziel ist als Verspätungzeit zu bewerten! Kommt man also alles in allem mehr als drei Stunden später am Ziel an, als ursprünglich geplant gewesen ist, werden Ausgleichsleistungen fällig.
Es gibt eine Vielzahl von Möglichkeiten, die der Fluggast zur Weiterreise nutzen kann. Praktisch relevant sind aber eigentlich nur die umgehende alternative Beförderung (mit in der Regel irgendeiner Airline oder dem Zug etc.) nach Art. 8 I c) FluggastrechteVO sowie die Möglichkeit, die Transportkosten bei einem alternativen Start bzw. Einer alternativen Landung an einem anderen als dem ursprünglich geplanten Flughafen nach Art. 8 III FluggastrechteVO einzufordern. Wichtig ist hierbei, dass die alternative Beförderung in der Regel keine Auswirkungen auf die Erstattungsfähigkeit der Ausgleichsleistung hat. Nur, wenn man weniger als drei Stunden mit der alternativen Beförderung am Endziel ankommt, beeinträchtigt das die Ausgleichsansprüche gegen die Airline.
Wer also alternativ reist und mehr als drei Stunden zu spät am letzten Ziel ankommt, erhält dennoch auch Ausgleichsleistungen.
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