Source: https://www.rechtslupe.de/wirtschaftsrecht/gesellschaftsrecht/die-gbr-handelsregister-3118237?pk_campaign=feed&pk_kwd=die-gbr-handelsregister
Timestamp: 2020-07-08 23:49:23
Document Index: 80512091

Matched Legal Cases: ['§ 235', '§ 235', '§ 198', '§ 15', '§ 15', '§ 235', '§ 47', '§ 15', '§ 15', '§ 128', '§ 130', '§ 15', '§ 15', '§ 202', 'BGH', 'BGH']

Die GbR im Handelsregister - und die Rechtsscheinhaftung | Rechtslupe
Der Name der Gesell­schaft bür­ger­li­chen Rechts und ihre Gesell­schaf­ter nach einem Form­wech­sel gemäß § 235 Abs. 1 UmwG sind kei­ne ein­tra­gungs­pflich­ti­gen Tat­sa­chen. Ein­ge­tra­gen wer­den muss nach § 235 UmwG die Umwand­lung der Gesell­schaft im Regis­ter der GmbH als form­wech­seln­der Gesell­schaft, aber in Abwei­chung von § 198 Abs. 1 UmwG nicht die Gesell­schaft bür­ger­li­chen Rechts selbst als neue Rechts­form [1]. Eine Gesell­schaft bür­ger­li­chen Rechts unter­liegt nicht der Ein­tra­gung in das Han­dels­re­gis­ter [2]. Erst recht müs­sen aus die­sem Grun­dih­re Gesell­schaf­ter bei einem Form­wech­sel nicht in das Han­dels­re­gis­ter ein­ge­tra­gen wer­den.
Auf nicht ein­tra­gungs­pflich­ti­ge Tat­sa­chen fin­det § 15 Abs. 3 HGB kei­ne Anwen­dung [3]. Das folgt schon aus dem Wort­laut. § 15 Abs. 3 HGB setzt eine ein­zu­tra­gen­de Tat­sa­che vor­aus. Die Vor­schrift ist auch nicht mit Blick auf die Schutz­be­dürf­tig­keit des auf eine unrich­ti­ge Ein­tra­gung und Bekannt­ma­chung nur ein­tra­gungs­fä­hi­ger Tat­sa­chen Ver­trau­en­den ent­spre­chend anzu­wen­den [4]. Eine sol­che Schutz­lü­cke besteht nicht. Der­je­ni­ge, der auf nicht ein­tra­gungs­pflich­ti­ge Tat­sa­chen ver­traut, kann einen Anspruch nach all­ge­mei­nen Rechts­schein­grund­sät­zen haben [5].
Zum Schutz der Gläu­bi­ger der form­wech­seln­den Gesell­schaft muss beim Form­wech­sel in eine Gesell­schaft bür­ger­li­chen Rechts auch nicht § 235 Abs. 1 UmwG in rich­ter­li­cher Rechts­fort­bil­dung dahin ergänzt wer­den, dass in Ana­lo­gie zu § 47 Abs. 2 GBO der Name bzw. die Bezeich­nung der Gesell­schaft und deren Gesell­schaf­ter im Han­dels­re­gis­ter des form­wech­seln­den Rechts­trä­gers ein­zu­tra­gen sind, um so § 15 Abs. 3 HGB auch für den Fall der Umwand­lung einer Kapi­tal­ge­sell­schaft in eine Gesell­schaft bür­ger­li­chen Rechts nutz­bar zu machen [6]. Dass der Gläu­bi­ger einer Gesell­schaft bür­ger­li­chen Rechts die Namen der Gesell­schaf­ter nicht kennt, weil sie nicht in einem öffent­li­chen Regis­ter ver­zeich­net sind, ist kei­ne Beson­der­heit des Form­wech­sels einer GmbH in eine Gesell­schaft bür­ger­li­chen Rechts. Viel­mehr ist beim Form­wech­sel die Kennt­nis von Namen und Anschrift der Gesell­schaf­ter sogar erleich­tert, weil der Gläu­bi­ger Ein­sicht in die letz­te Gesell­schafter­lis­te der form­wech­seln­den GmbH neh­men und dadurch in der Regel Namen und Wohn­ort der Gesell­schaf­ter der ent­stan­de­nen Gesell­schaft bür­ger­li­chen Rechts erfah­ren kann. Zwar kann der Form­wech­sel in eine Gesell­schaft bür­ger­li­chen Rechts eine stil­le Liqui­da­ti­on einer insol­venz­rei­fen GmbH erleich­tern. Die Anga­be der Gesell­schaf­ter im Han­dels­re­gis­ter im Zusam­men­hang mit der Umwand­lung ist aber gegen­über den Anga­ben in der Gesell­schafter­lis­te nicht geeig­net, die stil­le Liqui­da­ti­on zu ver­hin­dern oder wesent­lich zu erschwe­ren bzw. die Rechts­ver­fol­gung durch einen Gläu­bi­ger der GmbH zu erleich­tern. Es besteht schließ­lich auch kein Bedarf, über § 15 Abs. 3 HGB eine Rechts­schein­haf­tung für einen Gläu­bi­ger der GmbH zu eröff­nen, der auf eine (unrich­ti­ge) Benen­nung der Gesell­schaf­ter im Zusam­men­hang mit der Umwand­lung ver­traut, weil inso­weit auf die all­ge­mei­nen Rechts­schein­grund­sät­ze zurück­ge­grif­fen wer­den kann.
Die als Gesell­schaf­ter Ein­ge­tra­ge­nen haf­ten aber für die Kos­ten der Rechts­ver­fol­gung, die auf­grund des von ihnen zu ver­ant­wor­ten­den Rechts­scheins, der sich aus ihrer Ein­tra­gung als Gesell­schaf­ter der GbR in das Han­dels­re­gis­ter ergibt, ent­stan­den sind. Per­so­nen kön­nen als Schein­ge­sell­schaf­ter nach Rechts­schein­grund­sät­zen haf­ten, wenn sie in zure­chen­ba­rer Wei­se den Rechts­schein einer exis­tie­ren­den Gesell­schaft bür­ger­li­chen Rechts und ihrer Zuge­hö­rig­keit zu die­ser Gesell­schaft gesetzt haben oder gegen den durch einen ande­ren gesetz­ten Rechts­schein nicht pflicht­ge­mäß vor­ge­gan­gen sind und der Drit­te sich bei sei­nem geschäft­li­chen Ver­hal­ten auf den Rechts­schein ver­las­sen hat [7].
Die Gläu­bi­ge­rin wie­der­um konn­te sich durch die­se Ein­tra­gung ver­an­lasst sehen, die Kla­ge auch gegen die ein­ge­tra­ge­nen Schein­ge­sell­schaf­ter zu erhe­ben. Da es sich bei den Ver­bind­lich­kei­ten der Gläu­bi­ge­rin um Ver­bind­lich­kei­ten der form­ge­wech­sel­ten GbR han­delt [8], hät­ten deren wirk­li­che Gesell­schaf­ter hier­für nach § 128 HGB, jeden­falls ana­log § 130 HGB ein­zu­ste­hen gehabt [9].
Die ein­ge­tra­ge­nen Schein­ge­sell­schaf­ter haf­ten inso­weit, als der von ihnen zure­chen­bar her­vor­ge­ru­fe­ne Rechts­schein die Gläu­bi­ge­rin zu Fehl­dis­po­si­tio­nen ver­an­lasst hat [10], auch wenn sie wie auf­grund der Abwei­sung des Haupt­an­trags rechts­kräf­tig fest­steht nicht für die Ver­bind­lich­keit der Gesell­schaft bür­ger­li­chen Rechts haf­ten. Zu die­sen Fol­gen des Rechts­scheins gehö­ren die Kos­ten eines gegen die Schein­ge­sell­schaf­ter im Ver­trau­en auf ihre Gesell­schaf­ter­stel­lung ange­streng­ten Rechts­streits [11].
so aber Münch­Komm-HGB/­Krebs, 4. Aufl., § 15 Rn. 87; Roth in Koller/​Kindler/​Roth/​Morck, HGB, 8. Aufl., § 15 Rn. 27; Bürck, AcP 171 [1971], 328, 342[↩]
vgl. Meister/​Klöcker in Kall­mey­er, UmwG, 5. Aufl., § 202 Rn. 43[↩]
GbR – und der Aus­tausch aller Gesell­schaf­ter Bei einer Gesell­schaft bür­ger­li­chen Rechts kön­nen eben­so wie bei einer Per­so­nen­han­dels­ge­sell­schaft ((BGH, Urteil vom 08.11.1965 – II ZR 223/​64, BGHZ 44, 229, 231)) unter Wah­rung…