Source: https://www.rechtslupe.de/sozialrecht/heilmittelregress-und-die-hemmung-der-ausschlussfrist-383069
Timestamp: 2020-04-01 13:39:49
Document Index: 329609660

Matched Legal Cases: ['§ 106', '§ 106', '§ 106', '§ 106', '§ 204', '§ 45', '§ 203', '§ 106', 'Art 3', '§ 2', '§ 84', '§ 20', '§ 203', 'Art 20', '§ 106', '§ 106', '§ 106', '§ 106', '§ 106', '§ 106', '§ 106', '§ 106', '§ 106', '§ 106', '§ 141', '§ 106', '§ 106', '§ 106', '§ 106', '§ 106', '§ 106', '§ 106', '§ 106', '§ 106', '§ 106', '§ 141', '§ 106', '§ 106', '§ 106', '§ 106', '§ 106', '§ 106', '§ 106', '§ 106', '§ 106', '§ 106', '§ 106', '§ 106', '§ 106', '§ 106', '§ 106', '§ 106', '§ 106', '§ 106', 'Art 3', '§ 2', '§ 86', '§ 84', '§ 106', '§ 106', '§ 106', '§ 106', '§ 106', '§ 106', '§ 106', '§ 106', '§ 106']

Heil­mit­tel­re­greß – und die Hem­mung der Aus­schluss­frist | Rechtslupe
Heilmittelregreß - und die Hemmung der Ausschlussfrist
Heil­mit­tel­re­greß – und die Hem­mung der Aus­schluss­frist
In der Zeit bis zur Über­mitt­lung erfor­der­li­cher Ver­ord­nungs­da­ten durch die Kran­ken­kas­sen ist der Lauf der Aus­schluss­frist für die Durch­füh­rung der Wirt­schaft­lich­keits­prü­fung (hier: Heil­mit­tel­re­gress) nicht gehemmt.
Rechts­grund­la­ge für einen Ver­ord­nungs­re­gress ist § 106 Abs 2 SGB V (hier zugrun­de zu legen idF des Geset­zes zur Reform der gesetz­li­chen Kran­ken­ver­si­che­rung ab dem Jahr 2000 (GKV-Gesund­heits­re­form­ge­setz 2000) vom 22.12.1999, BGBl I 2626, mit den Ände­run­gen und Ergän­zun­gen durch das Gesetz zur Ablö­sung des Arz­nei- und Heil­mit­tel­bud­gets – ABAG vom 19.12.2001, BGBl I 3773). Danach wird die Wirt­schaft­lich­keit der Ver­sor­gung unter ande­rem durch arzt­be­zo­ge­ne Prü­fun­gen der ärzt­li­chen und ärzt­lich ver­ord­ne­ten Leis­tun­gen, ent­we­der nach Durch­schnitts­wer­ten oder am Maß­stab von Richt­grö­ßen­vo­lu­mi­na (§ 106 Abs 2 Satz 1 Nr 1 SGB V) und/​oder anhand von Stich­pro­ben (§ 106 Abs 2 Satz 1 Nr 2 SGB V), geprüft. Bei der Prü­fung nach Durch­schnitts­wer­ten wird der Auf­wand des geprüf­ten Arz­tes je Fall mit dem durch­schnitt­li­chen Auf­wand der Ver­gleichs­grup­pe – im Regel­fall der Arzt­grup­pe, der der Arzt ange­hört – ver­gli­chen. Dem liegt die Annah­me zugrun­de, dass die Ver­gleichs­grup­pe im Durch­schnitt ins­ge­samt wirt­schaft­lich han­delt 1. Ent­ge­gen der nicht näher begrün­de­ten Auf­fas­sung des Klä­gers wird die­se Annah­me durch Rege­lun­gen zur Bud­ge­tie­rung des ärzt­li­chen Hono­rars nicht in Fra­ge gestellt und auch ein Gut­ach­ten kann in die­sem Zusam­men­hang kei­ne rele­van­ten Erkennt­nis­se lie­fern. Ergibt die Prü­fung, dass der Behand­lungs- oder Ver­ord­nungs­auf­wand des geprüf­ten Arz­tes – beim Gesamt­fall­wert, bei Spar­ten- oder bei Ein­zel­leis­tungs­wer­ten – in offen­sicht­li­chem Miss­ver­hält­nis zum durch­schnitt­li­chen Auf­wand der Ver­gleichs­grup­pe steht, die­sen näm­lich in einem Aus­maß über­schrei­tet, das sich nicht mehr durch Unter­schie­de in der Pra­xis­struk­tur wie Pra­xis­be­son­der­hei­ten und/​oder sog kom­pen­sie­ren­de Ein­spa­run­gen erklä­ren lässt, so kann von der Unwirt­schaft­lich­keit aus­ge­gan­gen wer­den 2. Dabei obliegt die Dar­le­gungs- und Fest­stel­lungs­last für beson­de­re, einen höhe­ren Behand­lungs­auf­wand recht­fer­ti­gen­de aty­pi­sche Umstän­de wie Pra­xis­be­son­der­hei­ten und kom­pen­sie­ren­de Ein­spa­run­gen dem Arzt 3. Die Prüf­gre­mi­en sind aller­dings zu Ermitt­lun­gen von Amts wegen hin­sicht­lich sol­cher Umstän­de ver­pflich­tet, die typi­scher­wei­se inner­halb der Fach­grup­pe unter­schied­lich und daher augen­fäl­lig sind 4. Bei den erfor­der­li­chen Bewer­tun­gen haben die Prüf­gre­mi­en einen Beur­tei­lungs­spiel­raum, sodass deren Ein­schät­zun­gen von den Gerich­ten nur in begrenz­tem Umfang über­prüft und ggf bean­stan­det wer­den kön­nen 5.
Nach stän­di­ger Recht­spre­chung des Bun­des­so­zi­al­ge­richts 6 beträgt die Aus­schluss­frist für Regress­be­schei­de auf der Grund­la­ge des § 106 SGB V in Anleh­nung an die in den Büchern des Sozi­al­ge­setz­buchs für die Ver­jäh­rung fest­ge­setz­te Frist grund­sätz­lich vier Jah­re. Für den Beginn der Aus­schluss­frist ist der Ablauf des Quar­tals maß­ge­bend, dem die in Regress genom­me­nen Ver­ord­nun­gen kos­ten­mä­ßig zuzu­ord­nen sind 7. Dies gilt nicht nur für den Arz­nei­mit­tel­re­gress, son­dern in glei­cher Wei­se für den Heil­mit­tel­re­gress 8.
In ent­spre­chen­der Anwen­dung des § 204 Abs 1 Nr 12 BGB sowie des § 45 Abs 3 SGB I kön­nen Prüf­an­trä­ge der Kran­ken­kas­sen eine Hem­mung der Aus­schluss­frist bewir­ken 9. Vor­aus­set­zung ist, dass der Ver­trags­arzt von dem gestell­ten Prüf­an­trag Kennt­nis erlangt hat 10. Im vor­lie­gen­den Fall gibt es weder Anhalts­punk­te dafür, dass dem Heil­mit­tel­re­gress ein Antrag einer Kran­ken­kas­se zugrun­de gele­gen hat, noch für eine ent­spre­chen­de Mit­tei­lung an den Klä­ger. In dem Schrei­ben des PA vom 03.02.2005 wird dem Klä­ger ledig­lich mit­ge­teilt, dass eine Wirt­schaft­lich­keits­prü­fung "ein­ge­lei­tet" wor­den sei. Bereits aus die­sem Grund kann die Aus­schluss­frist nicht durch einen Prüf­an­trag gehemmt sein. Zudem hat das Bun­des­so­zi­al­ge­richt in zwei Ent­schei­dun­gen vom 15.08.2012 11 klar­ge­stellt, dass nicht jeder Prüf­an­trag einer Kran­ken­kas­se geeig­net ist, die Aus­schluss­frist zu hem­men. Vor­aus­set­zung ist viel­mehr, dass der Prüf­an­trag unver­zicht­ba­re Vor­aus­set­zung für die Durch­füh­rung der Wirt­schaft­lich­keits­prü­fung ist. Mit der Ände­rung des GKV-Gesund­heits­re­form­ge­set­zes 2000 vom 22.12.1999 12 ist das antrags­ge­bun­de­ne Prüf­ver­fah­ren jeden­falls im Bereich der Prü­fung nach Durch­schnitts­wer­ten und der Richt­grö­ßen­prü­fung durch ein grund­sätz­lich von Amts wegen durch­zu­füh­ren­des Prüf­ver­fah­ren ersetzt wor­den. Ein in die­sem Bereich gleich­wohl gestell­ter Prüf­an­trag der Kran­ken­kas­sen bewirkt kei­ne Hem­mung der Aus­schluss­frist. Auch die blo­ße Mit­tei­lung, dass ein Prüf­ver­fah­ren beab­sich­tigt oder bereits ein­ge­lei­tet wor­den ist, hat kei­ne Hem­mung der Aus­schluss­frist zur Fol­ge 13.
Nach dem Urteil des Bun­des­so­zi­al­ge­richts vom 15.08.2012 14 kann die Aus­schluss­frist gehemmt sein, wenn die Prü­fung aus Rechts­grün­den zunächst nicht durch­ge­führt wer­den kann und der in Regress genom­me­ne Arzt über den Hem­mungs­grund recht­zei­tig und hin­rei­chend prä­zi­se infor­miert wor­den ist. Dabei hat das Bun­des­so­zi­al­ge­richt im Hin­blick auf die erfor­der­li­che Eini­gung der Gesamt­ver­trags­part­ner zum Inhalt der Richt­grö­ßen­ver­ein­ba­rung den Rechts­ge­dan­ken des § 203 BGB her­an­ge­zo­gen, der die Hem­mung der Ver­jäh­rung vor­sieht, solan­ge Schuld­ner und Gläu­bi­ger über den Anspruch ver­han­deln. Mit Hin­weis dar­auf ist das Bun­des­so­zi­al­ge­richt von der Hem­mung der Aus­schluss­frist in einem Fall aus­ge­gan­gen, in dem unklar war, ob eine gem § 106 Abs 2 Satz 6 SGB V aF vor­ran­gig durch­zu­füh­ren­de Richt­grö­ßen­prü­fung umsetz­bar sein wür­de. Der unmit­tel­ba­ren Durch­füh­rung der Richt­grö­ßen­prü­fung stand ent­ge­gen, dass die Ver­hand­lun­gen zum Abschluss der erfor­der­li­chen Richt­grö­ßen­ver­ein­ba­rung noch nicht erfolg­reich abge­schlos­sen wer­den konn­ten. In die­ser Kon­stel­la­ti­on ist das Bun­des­so­zi­al­ge­richt davon aus­ge­gan­gen, dass die Prüf­gre­mi­en aus Rechts­grün­den auch an der Durch­füh­rung der – gegen­über der Richt­grö­ßen­prü­fung nach­ran­gi­gen – Prü­fung nach Durch­schnitts­wer­ten gehin­dert sind und dass die Aus­schluss­frist auch für die­se Prü­fung gehemmt ist.
Die vor­lie­gen­de Fall­ge­stal­tung ist damit nicht ver­gleich­bar. Dies gilt unab­hän­gig davon, ob in dem hier maß­ge­ben­den Prüf­zeit­raum des Jah­res 2003 über­haupt ein Vor­rang der Richt­grö­ßen­prü­fung vor der Prü­fung nach Durch­schnitts­wer­ten galt oder ob nicht viel­mehr auf­grund der in Art 3 § 2 Satz 3 ABAG für die Jah­re 2002 und 2003 getrof­fe­nen Über­gangs­re­ge­lung 15 Ver­fah­ren nach bei­den Prüf­me­tho­den par­al­lel durch­ge­führt wer­den konn­ten. Selbst wenn die Prü­fung nach Durch­schnitts­wer­ten gegen­über der Richt­grö­ßen­prü­fung hier nach­ran­gig wäre, könn­te die Hem­mung nicht unab­hän­gig von den Grün­den ein­tre­ten, die der Durch­füh­rung der Richt­grö­ßen­prü­fung ent­ge­gen­ge­stan­den haben. Der der og Ent­schei­dung des Bun­des­so­zi­al­ge­richts vom 15.08.2012 zugrun­de lie­gen­de Sach­ver­halt war dadurch gekenn­zeich­net, dass die Richt­grö­ßen­prü­fung in Erman­ge­lung der erfor­der­li­chen nor­ma­ti­ven Grund­la­ge in Gestalt der Richt­grö­ßen­ver­ein­ba­rung nach § 84 SGB V 16 nicht durch­ge­führt wer­den konn­te. Nur vor die­sem Hin­ter­grund hat das Bun­des­so­zi­al­ge­richt die hem­men­de Wir­kung auch auf die Prü­fung nach Durch­schnitts­wer­ten über­tra­gen, weil die Unge­wiss­heit bezo­gen auf die Durch­führ­bar­keit der Richt­grö­ßen­prü­fung zur Fol­ge hat, dass es auch an der erfor­der­li­chen rechts­si­che­ren nor­ma­ti­ven Grund­la­ge für die nach­ran­gi­ge Prü­fung nach Durch­schnitts­wer­ten fehlt und dass die Prüf­gre­mi­en des­halb aus Rechts­grün­den an der Durch­füh­rung der Prü­fung nach Durch­schnitts­wer­ten gehin­dert sind.
Dem­ge­gen­über stand der Durch­füh­rung der Richt­grö­ßen­prü­fung vor­lie­gend nicht das Feh­len der nor­ma­ti­ven Grund­la­ge ent­ge­gen, son­dern die Unge­wiss­heit hat­te ihre Ursa­chen im tat­säch­li­chen Bereich. Der PA hat die Undurch­führ­bar­keit einer Richt­grö­ßen­prü­fung mit Schrei­ben vom 03.02.2005 gegen­über dem Klä­ger damit begrün­det, dass ihm die erfor­der­li­chen Ver­ord­nungs­da­ten noch nicht vor­lä­gen. Da der PA dem Klä­ger kei­ne wei­te­ren Hin­der­nis­se, die der Durch­füh­rung der Richt­grö­ßen­prü­fung ent­ge­gen­ge­stan­den haben könn­ten, mit­ge­teilt hat, kommt für die Hem­mung der Aus­schluss­frist allein die­ser mit­ge­teil­te Grund in Betracht, selbst wenn tat­säch­lich auch ande­re Grün­de von Bedeu­tung gewe­sen sein soll­ten 17. Für die hier zu beur­tei­len­de Fra­ge einer mög­li­chen Hem­mung der Aus­schluss­frist ist des­halb nach dem Inhalt des genann­ten Schrei­bens davon aus­zu­ge­hen, dass der Durch­füh­rung der Richt­grö­ßen­prü­fung allein die noch nicht abge­schlos­se­ne Ermitt­lung des ent­schei­dungs­er­heb­li­chen Sach­ver­halts ent­ge­gen­stand.
Zur Ermitt­lung des ent­schei­dungs­er­heb­li­chen Sach­ver­halts ist die Behör­de gemäß § 20 Abs 1 Satz 1 SGB X von Amts wegen ver­pflich­tet. Die Sach­ver­halts­er­mitt­lung ist Bestand­teil des Ver­wal­tungs­ver­fah­rens. Allein die Durch­füh­rung des Ver­wal­tungs­ver­fah­rens kann die Hem­mung der Aus­schluss­frist nicht bewir­ken. Einer ent­spre­chen­den Anwen­dung des § 203 BGB stün­de bereits ent­ge­gen, dass das dem Ver­trags­arzt "auf­ge­zwun­ge­ne" Ver­fah­ren vor den Prüf­gre­mi­en nicht einer Ver­hand­lung zwi­schen Schuld­ner und Gläu­bi­ger gleich­ge­stellt wer­den kann 18. Dar­über hin­aus ist zu berück­sich­ti­gen, dass die Not­wen­dig­keit einer zeit­li­chen Begren­zung des Prüf­ver­fah­rens aus dem rechts­staat­li­chen Prin­zip der Rechts­si­cher­heit (Art 20 Abs 3 GG) folgt 19. Den Schutz des Arz­tes vor einer zeit­lich unbe­grenz­ten Inan­spruch­nah­me durch ein "ewi­ges Prüf­ver­fah­ren" soll die Aus­schluss­frist gewähr­leis­ten 20. Die Frist lie­fe jedoch weit­ge­hend leer, wenn sie über eine ana­lo­ge Anwen­dung der zivil­recht­li­chen Hem­mungs­vor­schrif­ten auf alle Hin­der­nis­se, die einer zügi­gen Durch­füh­rung des Ver­fah­rens der Wirt­schaft­lich­keits­prü­fung ent­ge­gen­ste­hen, ohne fes­te zeit­li­che Gren­ze ver­län­gert wer­den könn­te. Schließ­lich wer­den die inter­nen Ver­wal­tungs­ab­läu­fe wesent­lich von der Behör­de gesteu­ert und kön­nen regel­mä­ßig nicht von dem Arzt, der der Regress­for­de­rung aus­ge­setzt ist, beein­flusst oder nach­voll­zo­gen wer­den.
Eine ande­re Beur­tei­lung folgt auch nicht aus dem Umstand, dass die Prüf­gre­mi­en zur Wahr­neh­mung ihrer Auf­ga­ben auf Daten der zu 1. bei­gela­de­nen KÄV und – bezo­gen auf Ver­ord­nungs­da­ten – der Kran­ken­kas­sen ange­wie­sen sind. Dass der Zeit­raum, der für die Ermitt­lung des Sach­ver­halts benö­tigt wird, nicht allein von der den Regress­be­scheid erlas­sen­den Behör­de, son­dern auch von der Zusam­men­ar­beit mit ande­ren Behör­den und der Mit­wir­kung Drit­ter abhängt, ist kei­ne Beson­der­heit des Ver­fah­rens der Wirt­schaft­lich­keits­prü­fung. Wel­cher der Betei­lig­ten für Ver­zö­ge­run­gen des Ver­wal­tungs­ver­fah­rens in wel­chem Maße ver­ant­wort­lich ist, wird regel­mä­ßig nicht zuver­läs­sig und mit ver­tret­ba­rem Auf­wand zu ermit­teln sein. Bereits aus die­sem Grund wäre es pro­ble­ma­tisch, den Ein­tritt der Hem­mung der Aus­schluss­frist von der Ver­ant­wort­lich­keit der betei­lig­ten Behör­den für ein­ge­tre­te­ne Ver­zö­ge­run­gen bei der Durch­füh­rung des Ver­fah­rens der Wirt­schaft­lich­keits­prü­fung abhän­gig zu machen. Bezo­gen auf die hier maß­ge­ben­de Zusam­men­ar­beit mit den Kran­ken­kas­sen ist dar­über hin­aus zu berück­sich­ti­gen, dass die­se gemäß § 106 Abs 1 Satz 1 SGB V gemein­sam mit den Kas­sen­ärzt­li­chen Ver­ei­ni­gun­gen für die Prü­fung der Wirt­schaft­lich­keit ver­ant­wort­lich sind. Die Lan­des­ver­bän­de der Kran­ken­kas­sen und die Ersatz­kas­sen sind gemäß § 106 Abs 4a Satz 3 SGB V auch in die Ent­schei­dung über die Errich­tung der Prü­fungs­stel­le ein­ge­bun­den. Damit sind sie in beson­de­rem Maße zur Zusam­men­ar­beit mit den Prüf­gre­mi­en ver­pflich­tet. Das Bun­des­so­zi­al­ge­richt hat kei­ne Zwei­fel dar­an, dass den Prüf­gre­mi­en die erfor­der­li­chen Daten bei einer die­sen Anfor­de­run­gen ent­spre­chen­den Zusam­men­ar­beit regel­mä­ßig recht­zei­tig vor Ablauf der Aus­schluss­frist von vier Jah­ren zur Ver­fü­gung gestellt wer­den kön­nen. Dies wird auch durch die – den vor­lie­gen­den Prüf­zeit­raum noch nicht betref­fen­de – Ent­schei­dung des Gesetz­ge­bers bestä­tigt, den Zeit­raum bis zur Fest­set­zung eines Richt­grö­ßen­re­gres­ses mWv 1.01.2008 auf zwei Jah­re gerech­net ab dem Ende des geprüf­ten Ver­ord­nungs­zeit­raums zu redu­zie­ren (§ 106 Abs 2 Satz 7 SGB V idF des Geset­zes zur Stär­kung des Wett­be­werbs in der gesetz­li­chen Kran­ken­ver­si­che­rung (GKV-Wett­be­werbs­stär­kungs­ge­setz – GKV-WSG) vom 26.03.2007, BGBl I 378). Daher besteht auch unter Berück­sich­ti­gung der Ziel­set­zung, ein effek­ti­ves Prüf­ver­fah­ren zu gewähr­leis­ten, kein Anlass, die Aus­schluss­frist um den Zeit­raum bis zur Über­mitt­lung der Ver­ord­nungs­da­ten durch die Kran­ken­kas­sen zu ver­län­gern. Da das Feh­len der erfor­der­li­chen Ver­ord­nungs­da­ten für sich genom­men den Ablauf der Aus­schluss­frist für eine Richt­grö­ßen­prü­fung nicht hemmt, kann für die­sen Zeit­raum auch nicht mit­tel­bar eine Hem­mung der Aus­schluss­frist für die Durch­füh­rung einer – unter­stellt nach­ran­gi­gen – Prü­fung nach Durch­schnitts­wer­ten bewirkt wer­den.
Bun­des­so­zi­al­ge­richt, Urteil vom 14. Mai 2014 – B 6 KA 13/​13 R
BSG SozR 3 – 2500 § 106 Nr 54 S 303; BSG SozR 3 – 2500 § 106 Nr 55 S 307 f; BSG SozR 4 – 2500 § 106 Nr 2 RdNr 14 f; SozR 4 – 2500 § 106 Nr 3 RdNr 14; BSGE 101, 130, SozR 4 – 2500 § 106 Nr 19, RdNr 14; BSG SozR 4 – 2500 § 106 Nr 23 RdNr 13[↩]
stRspr, s dazu zB BSG SozR 3 – 2500 § 106 Nr 57 S 319; BSG SozR 4 – 1500 § 141 Nr 1 RdNr 19; BSGE 101, 130, SozR 4 – 2500 § 106 Nr 19, RdNr 14; BSG SozR 4 – 2500 § 106 Nr 23 RdNr 13[↩]
BSG SozR 3 – 2500 § 106 Nr 54 S 298 f mwN; BSG SozR 3 – 2500 § 106 Nr 57 S 325; BSGE 101, 130, SozR 4 – 2500 § 106 Nr 19, RdNr 14; BSG SozR 4 – 2500 § 106 Nr 23 RdNr 13; BSG SozR 4 – 2500 § 106 Nr 29 RdNr 30 mwN[↩]
vgl zB auch BSG SozR 3 – 2500 § 106 Nr 51 S 277; BSG SozR 3 – 2500 § 106 Nr 53 S 295[↩]
vgl BSGE 95, 199, SozR 4 – 2500 § 106 Nr 11, RdNr 36 mwN; BSG SozR 4 – 1500 § 141 Nr 1 RdNr 20; BSGE 101, 130, SozR 4 – 2500 § 106 Nr 19, RdNr 22; BSG SozR 4 – 2500 § 106 Nr 33 RdNr 16 ff; BSG SozR 4 – 2500 § 106 Nr 34 RdNr 18[↩]
BSG SozR 4 – 2500 § 106 Nr 37 RdNr 16; BSG SozR 4 – 2500 § 106 Nr 28 RdNr 28 mwN[↩]
BSG SozR 4 – 2500 § 106 Nr 36 RdNr 13; BSG SozR 4 – 2500 § 106 Nr 37 RdNr 17; BSG SozR 4 – 2500 § 106 Nr 29 RdNr 28, 33 mwN[↩]
BSG SozR 4 – 2500 § 106 Nr 37 RdNr 16[↩]
BSG SozR 4 – 2500 § 106 Nr 28 RdNr 40 ff; BSG SozR 4 – 2500 § 106 Nr 29 RdNr 39 f; BSG SozR 4 – 2500 § 106 Nr 37 RdNr 20[↩]
BSG SozR 4 – 2500 § 106 Nr 28 RdNr 46[↩]
BSG, SozR 4 – 2500 § 106 Nr 36 RdNr 22; BSG SozR 4 – 2500 § 106 Nr 37 RdNr 23 ff[↩]
BGBl I 2626[↩]
BSG SozR 4 – 2500 § 106 Nr 37 RdNr 21 f, 27; BSG SozR 4 – 2500 § 106 Nr 36 RdNr 21[↩]
BSG, Urteil vom 15.08.2012 – B 6 KA 27/​11 R, SozR 4 – 2500 § 106 Nr 37[↩]
zu Art 3 § 2 Satz 4 ABAG vgl BSG, Beschluss vom 29.08.2011 – B 6 KA 18/​11 R, SozR 4 – 1500 § 86a Nr 2 RdNr 3, 12[↩]
zur Eigen­schaft der Richt­grö­ßen­ver­ein­ba­rung als Norm­set­zungs­ver­trag vgl BSG SozR 4 – 2500 § 84 Nr 2 RdNr 18[↩]
vgl BSG SozR 4 – 2500 § 106 Nr 36 RdNr 27; BSG SozR 4 – 2500 § 106 Nr 37 RdNr 28[↩]
vgl BSG SozR 4 – 2500 § 106 Nr 28 RdNr 39[↩]
BSGE 72, 271, 275 ff, SozR 3 – 2500 § 106 Nr 19 S 109 ff; BSG SozR 4 – 2500 § 106 Nr 28 RdNr 28[↩]
vgl BSGE 72, 271, 275 ff, SozR 3 – 2500 § 106 Nr 19 S 109 ff; SozR 4 – 2500 § 106 Nr 28 RdNr 28; BSG SozR 4 – 2500 § 106 Nr 36 RdNr 21; BSG SozR 4 – 2500 § 106 Nr 37 RdNr 22[↩]