Source: http://www.hensche.de/Kuendigungsfrist_Was_tun_bei_falscher_Kuendigungsfrist_BAG_5AZR130-12.html
Timestamp: 2018-06-22 18:54:02
Document Index: 339548736

Matched Legal Cases: ['§ 312', '§ 622', '§ 622', 'EuG', '§ 622', '§ 296']

1. Auf die Re­vi­si­on der Be­klag­ten wird das Ur­teil des Lan­des­ar­beits­ge­richts Nürn­berg vom 8. Ju­ni 2011 - 4 Sa 252/10 - auf­ge­ho­ben.
„K Ü N D I G U N G
Sehr ge­ehr­ter Herr Sch,
hier­mit kündi­gen wir Ih­nen frist­gemäß zum 30.09.09. Die Kündi­gung er­folgt aus be­triebs­be­ding­ten Gründen.
Mit freund­li­chen Grüßen D S“
Vom Kläger, der ei­ne außer­or­dent­li­che Kündi­gung ver­mei­den woll­te, dar­auf an­ge­spro­chen, ver­si­cher­te Herr S, er ha­be dies ge­prüft. Die ord­nungs­gemäße Frist zum 30. Sep­tem­ber 2009 sei wie das Wort „frist­gemäß“ aus­drück­lich im Kündi­gungs­schrei­ben ent­hal­ten. Der Kläger zeich­ne­te das Kündi­gungs­schrei­ben ge­gen und wur­de von der Pflicht zur Er­brin­gung der Ar­beits­leis­tung frei­ge­stellt.
1. die Be­klag­te zu ver­ur­tei­len, an den Kläger 2.760,00 Eu­ro brut­to nebst Zin­sen in Höhe von fünf Pro­zent­punk­ten über dem Ba­sis­zins­satz aus 2.200,00 Eu­ro seit dem 1. No­vem­ber 2009, wei­te­ren 160,00 Eu­ro seit dem 1. De­zem­ber 2009 und wei­te­ren 400,00 Eu­ro seit dem 1. Ja­nu­ar 2010 zu zah­len;
2. die Be­klag­te zu ver­ur­tei­len, dem Kläger für die Ge­samt­dau­er des Ar­beits­verhält­nis­ses ei­ne Ar­beits­be­schei­ni­gung nach § 312 SGB III aus­zu­stel­len und zu­zu­sen­den.
I. Das Ar­beits­verhält­nis der Par­tei­en hat durch die Kündi­gung der Be­klag­ten nicht zum 30. Sep­tem­ber 2009, son­dern erst zum 31. De­zem­ber 2009 ge­en­det. Da­von geht das Lan­des­ar­beits­ge­richt mit der Be­zug­nah­me auf die Ent­schei­dungs­gründe des Ar­beits­ge­richts im Er­geb­nis zu­tref­fend aus.
1. Die or­dent­li­che, auf den 30. Ju­ni 2009 vor­da­tier­te und zum 30. Sep­tem­ber 2009 aus­ge­spro­che­ne Kündi­gung der Be­klag­ten hat die ge­setz­li­che - verlänger­te - Kündi­gungs­frist des § 622 Abs. 2 Satz 1 BGB nicht ge­wahrt. Oh­ne dass es auf den we­gen des Vor­rangs des Uni­ons­rechts nicht mehr an­wend­ba­ren § 622 Abs. 2 Satz 2 BGB (vgl. EuGH 19. Ja­nu­ar 2010 - C-555/07 - [Kücükde­ve­ci] Rn. 43, Slg. 2010, I-365; BAG 1. Sep­tem­ber 2010 - 5 AZR 700/09 - Rn. 18 mwN, BA­GE 135, 255) ankäme, hat das Ar­beits­verhält­nis der Par­tei­en zum Zeit­punkt der Kündi­gung mehr als 15 Jah­re be­stan­den. Die Kündi­gungs­frist beträgt so­mit nach § 622 Abs. 2 Nr. 6 BGB sechs Mo­na­te zum En­de ei­nes Ka­len­der­mo­nats. Das Ar­beits­verhält­nis konn­te des­halb durch ei­ne am 27. Ju­ni 2009 über­ge­be­ne or­dent­li­che Kündi­gung erst zum 31. De­zem­ber 2009 be­en­det wer­den.
be­steht ent­ge­gen der Auf­fas­sung des Klägers kei­ne Di­ver­genz zwi­schen dem Fünf­ten und dem Zwei­ten Se­nat des Bun­des­ar­beits­ge­richts (vgl. BAG 9. Sep­tem­ber 2010 - 2 AZR 714/08 - Rn. 12, BA­GE 135, 278).
stell­ten Be­gleit­umständen als ei­ne sol­che zum 31. De­zem­ber 2009 aus­ge­legt wer­den.
um die Ein­hal­tung der maßgeb­li­chen Kündi­gungs­frist ging und sich das in das Kündi­gungs­schrei­ben auf­ge­nom­me­ne Da­tum le­dig­lich als das Er­geb­nis ei­ner feh­ler­haf­ten Be­rech­nung der zu­tref­fen­den Kündi­gungs­frist er­weist.
22. Fe­bru­ar 2012 - 5 AZR 249/11 - Rn. 14; 16. April 2013 - 9 AZR 554/11 - Rn. 18, je­weils mwN). So­weit der Zwei­te Se­nat in ei­ner älte­ren Ent­schei­dung (BAG 21. März 1996 - 2 AZR 362/95 -) an­ge­nom­men hat, § 296 BGB könne auch im un­gekündig­ten Ar­beits­verhält­nis An­wen­dung fin­den, hält der nun­mehr nach dem Geschäfts­ver­tei­lungs­plan für die Vergütung we­gen An­nah­me­ver­zugs al­lein zuständi­ge er­ken­nen­de Se­nat dar­an nicht fest.
geschäfts­unfähig ge­we­sen zu sein. Er hat dafür so­gar Be­weis an­ge­bo­ten durch das Zeug­nis des ihn be­han­deln­den Arz­tes. War der Kläger aber auf­grund ei­ner schwe­ren Er­kran­kung bis zum 26. Ok­to­ber 2009 pro­zess- und geschäfts­unfähig, muss­te er erläutern, auf­grund wel­cher Tat­sa­chen er gleich­wohl ab dem 1. Ok­to­ber 2009 für die ge­schul­de­te Tätig­keit als Kraft­fah­rer ar­beitsfähig ge­we­sen sein soll. Das ist nicht er­folgt.
Il­gen­fritz-Donné
A. Chris­ten
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