Source: https://www.unalex.eu/Judgment/Judgment.aspx?FileNr=CH-70&FixLng=fr
Timestamp: 2019-03-26 16:11:05
Document Index: 170596441

Matched Legal Cases: ['Art. 24', 'EuG', 'EuG', 'BGE', '§ 285', '§ 285', 'Art. 29', 'Art. 10', 'Art. 29', 'Art. 31', 'Art. 25', 'Art. 25', 'EuG', 'Art. 27', 'Art. 32', 'EuG', 'EuG', 'Art. 31', 'EuG', 'EuG', 'Art. 25', 'EuG', 'Art. 24', 'Art. 25', 'EuG', 'Art. 25', 'EuG', 'EuG', 'Art. 1', 'EuG', 'Art. 24', 'Art. 31', 'EuG', 'Art. 32', 'EuG', 'EuG', 'EuG', 'Art. 24', 'EuG', 'EuG', 'BGE', 'Art. 24', 'EuG', 'Art. 24', 'EuG', 'Art. 3', 'EuG', 'EuG', 'Art. 2', 'EuG', 'EuG', 'Art. 24', 'EuG', 'EuG', 'Art. 2', 'Art. 31', 'EuG', 'Art. 2', 'Art. 4', 'Art. 27', 'Art. 4', 'EuG', 'EuG']

unalex Jurisprudence (CH) 30.07.2003 - 4P.86/2003 - Murat Hakan Uzan ./. Motorola Credit Corporation
unalex. Jurisprudence Décision CH-70
Décision CH-70
Bundesgericht (CH) 30.07.2003 - 4P.86/2003 - Murat Hakan Uzan ./. Motorola Credit Corporation
Art. 24, 25, 31, 27-1 Convention de Lugano 1988 – Le régime relatif aux mesures provisoires du Règlement « Bruxelles I bis » – Décisions rendues dans le cadre d'une procédure ex parte en procédure civile européenne – Décisions rendues dans le cadre de procédures ex parte antérieures au Règlement « Bruxelles I bis » – Décisions rendues dans des procédures ex parte – Mesures provisoires ou conservatoires – Décisions rendues dans des procédures ex parte en droit de la procédure civile européenne – Contenu de l'ordre public procédural – Règles de procédure civile étrangères divergentes – Instituts particuliers des règles de procédure civile étrangères – « Antisuit injunctions » et « mareva injunctions » – Conditions de la décision constatant la force exécutoire – Notion de "décision"
Une « freezing injunction » doit en principe être considérée comme constituant une « décision » au sens de l'art. 25 de la Convention de Lugano et peut dès lors être déclarée exécutoire dans d'autres États contractants en vertu de l'art. 31-1 de la même convention.
Les ordonnances de référé rendues à la requête d’une partie sans observation du droit à être entendu de la partie adverse ne doivent pas nécessairement faire l’objet d’une reconnaissance en vertu de la Convention de Lugano et donc d'un exequatur.
Dans le cadre d'une freezing injunction, le droit d'être entendu a été suffisamment assurée dans le cadre de la Convention de Lugano, lorsque l'ordonnance initiale du tribunal prévoyait la possibilité d'exécution en dehors de l'Angleterre et du pays de Galles. Le défendeur n'a pas besoin d'être réentendu lorsque l'interdiction d'exécuter l'ordonnance du tribunal à l'extérieur de l'Angleterre et du pays de Galles est levée.
Besetzung: Bundesrichter Corboz, Präsident, Bundesrichter Walter, Bundesrichterin Klett, Bundesrichter Nyffeler, Favre, Gerichtsschreiberin Charif Feller.
Parteien: M. H. U., R., TR-Istanbul,
Beschwerdeführer, vertreten durch Rechtsanwalt Dr. Thomas Müller, Homburger Rechtsanwälte,
Gegen: M. Credit Corporation, Beschwerdegegnerin, vertreten durch Dr. Peter A. Straub und Dr. Marc Veit, Rechtsanwälte
Gegenstand: LugÜ; Vollstreckbarerklärung einer ausländischen vorsorglichen Massnahme, Staatsrechtliche Beschwerde gegen den Beschluss des Obergerichts des Kantons Zürich, II. Zivilkammer, vom 31. März 2003.
A. Die M. Credit Corporation (nachstehend M. oder Beschwerdegegnerin), ist eine Tochtergesellschaft der im Telekommunikationsbereich tätigen M. Inc., beides Gesellschaften amerikanischen Rechts mit Sitz in den Vereinigten Staaten. Die Muttergesellschaft belieferte die türkische T. Mobil Telekomünikasyon Hizmetleri A.S. (nachstehend T.) über mehrere Jahre hinweg mit Hardware für deren Mobilfunknetz, die Tochter besorgte Kreditfinanzierungen. Die T. ihrerseits ist ein Glied der R. -Gruppe (R. Telefon Sistemleri A.S.), welche von den Mitgliedern der Familie U., darunter auch M. H. U. (Beschwerdeführer), gehalten wird.
Im Zusammenhang mit einem in New York angehobenen Zivilprozess erwirkte M. am 30. Mai 2002 beim High Court of Justice, Queens Bench Division, Commercial Court, in London gegen M. H. U. eine Freezing Injunction, womit dessen Vermögenswerte bis zu einem Betrag von 200 Mio. US$ blockiert wurden.
B. Mit Eingabe vom 12. November 2002 beantragte Motorola dem Einzelrichter im summarischen Verfahren des Bezirks Zürich, den Entscheid des High Court vom 30. Mai 2002 anzuerkennen und vollstreckbar zu erklären. Gleichzeitig stellte sie drei Vollstreckungsbegehren bzw. Begehren um sichernde Massnahmen der Vollstreckung. Mit zwei getrennten Verfügungen vom 20. November 2002 wies der Einzelrichter sämtliche Begehren ab.
C. M. H. U. führt staatsrechtliche Beschwerde mit dem Antrag, den Beschluss des Obergerichts insoweit aufzuheben, als die Freezing Injunction für vollstreckbar erklärt wurde.
1. Die „Freezing Injunction“ oder „Freezing Order“ (nach älterer Terminologie „Mareva Injunction“ oder „Mareva Order“) ist eine vorsorgliche Sicherungsmassnahme englischen Rechts mit dem Hauptinhalt eines persönlichen Verfügungsverbots über Vermögenswerte in einem bestimmten Umfang (Peter A. Straub, Englische Mareva Injunctions und Anton Piller Orders, SZIER 1992 S. 525 ff; André Bloch/Martin Hess, Discussion of the protective measures available under Swiss law [attachment and provisional protective measure] with particular regard to the recognition and enforcement of an English Mareva [„freezing“] injunction in Switzerland, SZW 1999 S. 166 ff., 171; Martin Bernet, Englische Freezing [Mareva] Orders – Praktische Fragen der Anerkennung und Vollstreckung in der Schweiz, in: Spühler [Hrsg.], Internationales Zivilprozess- und Verfahrensrecht, Zürich 2001, S. 51 ff.; Stephen V. Berti, Translating the „Mareva“ – The enforcement of an English Freezing Order in Zurich, in: „nur, aber immerhin“, Festgabe für Anton K. Schnyder zum 50. Geburtstag, Zürich 2002, S. 11 ff.).
War ursprünglich Tatbestandsvoraussetzung einer Freezing Injunction, dass die blockierten Vermögenswerte innerhalb der „jurisdiction“ des High Court präsent waren, hat die englische Rechtsprechung diese Voraussetzung später aufgegeben und erkannt, dass dem Antragsgegner auch untersagt werden kann, über sein weltweites Vermögen zu verfügen (so genannte world-wide Mareva Injunction; vgl. Christian Albrecht, Artikel 24 EuGVÜ und die Entwicklung des einstweiligen Rechtsschutzes in England seit 1988, IPRax 1992 S. 184 ff.; Astrid Stadler, Erlass und Freizügigkeit einstweiliger Massnahmen im Anwendungsbereich des EuGVÜ, Deutsche Juristenzeitung [JZ] 1999 S. 1089 ff., 1090).
Bei Beschwerden wegen Verletzung von Staatsverträgen mit dem Ausland prüft das Bundesgericht die kantonalen Sachverhaltsfeststellungen nur unter dem beschränkten Blickwinkel der Willkür, die Rechtsanwendung dagegen frei (BGE 129 I 110). Dies schliesst nach zürcherischem Recht die Nichtigkeitsbeschwerde gegen eine staatsvertragliche Rechtsanwendung aus (§ 285 Abs. 1 und 2 ZPO/ZH; Frank/Sträuli/Messmer, Kommentar zur zürcherischen Zivilprozessordnung, 3. Aufl., Zürich 1997, Nr. 16 ff. zu § 285). Insoweit ist somit der kantonale Instanzenzug erschöpft und auf die staatsrechtliche Beschwerde unter dem Aspekt ihrer relativen Subsidiarität einzutreten.
3. Die Beschwerdegegnerin stellt den prozessualen Antrag, den Beschwerdeführer zur Angabe seiner Wohnsitzadresse anzuhalten, um die Vollstreckung sicherzustellen. Darauf ist nicht einzutreten. Art. 29 Abs. 4 OG schreibt den im Ausland domizilierten Prozessparteien lediglich die Bezeichnung eines schweizerischen Zustelldomizils vor, welches sich bei Vertretung durch einen schweizerischen Anwalt von Gesetzes wegen bei diesem befindet (Art. 10 Abs. 1 BZP; Jean-François Poudret, Commentaire de la loi fédérale d'organisation judiciaire, Bd. I, Nr. 6.1 zu Art. 29 OG). Zudem ergibt sich aus dem Rubrum des angefochtenen Beschlusses, dass der Beschwerdeführer Wohnsitz sowohl in New York wie in Istanbul beanspruchte. Diese Angaben im vorliegenden Verfahren zu verifizieren besteht kein Anlass.
5.0 Die in einem Vertragsstaat des Lugano-Übereinkommens ergangenen Entscheidungen werden in jedem anderen Vertragsstaat vollstreckt, wenn sie dort auf Antrag eines Berechtigten für vollstreckbar erklärt worden sind (Art. 31 Abs. 1 LugÜ). Als Entscheide im Sinne dieser Bestimmung gelten in Verbindung mit Art. 25 LugÜ auch Anordnungen des einstweiligen Rechtsschutzes, allerdings mit gewissen Einschränkungen (statt aller Gerhard Walter, Internationales Zivilprozessrecht der Schweiz, 3. Aufl., Bern 2002, S. 405).
Als Entscheid im Sinne von Art. 25 LugÜ hat im Grundsatz ebenfalls die englische Freezing Injunction zu gelten (Isaak Meier, Besondere Vollstreckungstitel nach dem Lugano-Übereinkommen, in: Schwander [Hrsg.], Das Lugano-Übereinkommen, St. Gallen 1990, S. 157 ff., 181; Straub, aaO, S. 525 ff., 543; Lawrence Collins, Provisional and Protective Measures in International Litigation, in: Collected Courses of the Hague Academy of International Law, Bd. 234 [1992 III], S. 127; Daniel Stoll, Die britische Mareva-Injunction als Gegenstand eines Vollstreckungsbegehrens unter dem Lugano-Übereinkommen, SJZ 92/1996 S. 104 ff.; Yves Donzallaz, La Convention de Lugano, Bd. II, Bern 1997, Rn. 2448 ff., S. 264 f.; Bernet, aaO, S. 65; Bloch/ Hess, aaO, S. 177 f.; Berti, aaO, S. 11). Davon geht zutreffend auch der Beschwerdeführer aus. Er bringt indessen vor, das Obergericht habe staatsvertragliche Vollstreckbarkeitshindernisse missachtet.
Nach der Rechtsprechung des EuGH sind gerichtliche Entscheidungen, durch welche einstweilige oder auf eine Sicherheit gerichtete Massnahmen angeordnet werden, dann nicht nach den Vorschriften des Brüsseler Übereinkommens anzuerkennen und zu vollstrecken, wenn sie ohne Ladung des Schuldners ergangen sind oder ohne Zustellung an ihn vollstreckt werden sollen (grundlegend das Urteil vom 21. Mai 1980 in der Rechtssache 125/79, Denilauler gegen Couchet, Slg. 1980, S. 1553 ff.). Einstweilige Verfügungen, die lediglich auf Antrag einer Partei ergangen sind, ohne dass der Gegenseite rechtliches Gehör gewährt wurde (so genannte ex parte Verfügungen oder Superprovisorien im Gegensatz zu den inter partes Verfügungen), sind nach dieser Rechtsprechung nicht gemäss Brüsseler Übereinkommen anerkennungspflichtig und müssen daher im Ausland nicht zur Vollstreckung zugelassen werden. Der Grund für diese Beschränkung liegt nach Auffassung des Gerichtshofs darin, dass nach Sinn und Zweck sowie der Systematik des Übereinkommens in allen Verfahren, die zu anerkennungs- und vollstreckungsfähigen gerichtlichen Entscheidungen führen, der Anspruch auf rechtliches Gehör zu wahren ist (E. 12 f. der Entscheidung; vgl. auch Art. 27 Ziff. 2 LugÜ). Unter dieser Rechtsauffassung lässt sich der solchen Massnahmen eigene und typische Überraschungseffekt nur verwirklichen, wenn ihr Erlass im Vollstreckungsstaat selbst beantragt wird (Walter, aaO, S. 499; Kropholler, Europäisches Zivilprozessrecht, 7. Aufl., Heidelberg 2002, Nr. 23 zu Art. 32 EuGVO).
Die Rechtsprechung des EuGH zu dieser Frage wird in der Literatur kontrovers diskutiert (zustimmend oder unkritisch referierend etwa: Kropholler, aaO, Nr. 22 zu Art. 31 EuGVO; Peter F. Schlosser, EuGVÜ, Europäisches Gerichtsstands- und Vollstreckungsübereinkommen mit Luganer Übereinkommen und den Haager Übereinkommen über Zustellung und Beweisaufnahme, München 1996, Nr. 6 zu Art. 25 EuGVÜ; Meier, aaO, S. 177 f.; Bernet, aaO, S. 64; Rainer Hausmann, Zur Anerkennung und Vollstreckung von Massnahmen des einstweiligen Rechtsschutzes im Rahmen des EG-Gerichtsstands- und Vollstreckungsübereinkommens, IPRax 1981 S. 79 ff.; Straub, aaO, S. 542 f.; Bloch/Hess, aaO, S. 173 ff.; Dietmar Czernich/Stefan Tiefenthaler, Die Übereinkommen von Lugano und Brüssel, Wien 1997, Nr. 6 zu Art. 24 und Nr. 9 zu Art. 25 EuGVÜ/LugÜ; Gerold Zeiler, in: Bajons/Mayr/Zeiler [Hrsg.], Die Übereinkommen von Brüssel und Lugano, Wien 1997, S. 241; eher kritischer dagegen derselbe, Europäische Sicherungsverfahren: Die Regelungen der Europäischen Gerichtsstands- und Vollstreckungsübereinkommen über einstweilige Massnahmen, Österreichische Juristische Blätter [Jbl] 118/1996 S. 635 ff. mit weiteren Hinweisen; kritisch etwa: Reinhold Geimer, Anerkennung ausländischer Entscheidungen in Deutschland, München 1995, S. 170 f.; Reinhold Geimer/Rolf A. Schütze, Europäisches Zivilverfahrensrecht, München 1997, Nr. 35 zu Art. 25 EuGVÜ/LugÜ mit Hinweisen; Andreas Schmutz, Massnahmen des vorsorglichen Rechtsschutzes im Lugano-Übereinkommen aus schweizerischer Sicht, Diss. Bern 1993, S. 125 ff.; differenziert etwa: Donzallaz, aaO, Bd. II, Rn. 2152 ff., S. 172 ff.; Hélène Gaudemet-Tallon, Les Conventions de Bruxelles et de Lugano, 2. Aufl., Paris 1996, S. 231 f.).
Zwar besteht keine entsprechende Auslegungsbefugnis des EuGH zum Lugano-Übereinkommen, doch sind – wie oben dargelegt – seine Entscheidungen gemäss Art. 1 des Protokolls Nr. 2 und nach den Grundsätzen der autonomen und einheitlichen Auslegung von Staatsvertragsrecht auch im Anwendungsbereich des Parallelübereinkommens zu beachten. Dies unbesehen der Streitfrage, ob die vor 1988 ergangenen EuGH-Entscheidungen nicht ohnehin verbindliche Wirkung für die Auslegung des Lugano-Übereinkommens zeitigen (vgl. dazu Donzallaz, aaO, Bd. I, Bern 1996, Rn. 557 ff., S. 242 ff.; Kropholler, aaO, Einleitung, N. 71 ff.). Entsprechend haben die EFTA-Staaten denn auch am 16. September 1988 eine Erklärung abgegeben,
„dass sie es für angezeigt halten, dass ihre Gerichte bei der Auslegung des Luganer Übereinkommens den Grundsätzen gebührend Rechnung tragen, die sich aus der Rechtsprechung des Gerichtshofes der Europäischen Gemeinschaften zu denjenigen Bestimmungen des Brüsseler Übereinkommens ergeben, die in ihrem wesentlichen Gehalt in das Luganer Übereinkommen übernommen worden sind“
(SR 0.275.11, [S. 40]). Die hier interessierenden Art. 24 und 25 stimmen im Lugano- und im Brüsseler Übereinkommen wörtlich überein (heute Art. 31 und 32 EuGVO, mit den einzigen Änderungen, dass an die Stelle des Begriffs des „Übereinkommens“ derjenige der „Verordnung“ getreten ist und in Art. 32 der Begriff des „Urkundsbeamten“ durch denjenigen des „Gerichtsbediensteten“ ersetzt wurde). Es besteht daher keine Veranlassung, in der hier zu beurteilenden Frage von der Rechtsprechung des EuGH abzuweichen. Die entspricht denn auch der zu dieser Frage herrschenden schweizerischen Auffassung (vgl. etwa Volken, Das Lugano-Übereinkommen – Entstehungsgeschichte und Regelungsbereich, in: Schwander vgt., S. 37 ff., 54 ff; Walter, aaO, S. 499; Bernet, aaO, S. 64; Schmutz, aaO, S. 5 ff.; Berti, aaO, S. 17/18; zurückhaltender Donzallaz, aaO, Bd. I).
Sodann hält der Beschwerdeführer ebenfalls zu Recht fest, dass der nach der europäischen Rechtsprechung garantierte Gehörsanspruch nicht unbedingt vor Erlass der einstweiligen Verfügung gewährt werden muss. Der EuGH hat in diesem Sinne namentlich in zwei Entscheiden eine Vollstreckbarerklärung zugelassen, auch wenn der Betroffene erst nach Erlass der Verfügung die Möglichkeit hatte, sich in einem Anfechtungsverfahren dagegen zur Wehr zu setzen. In der einen Entscheidung (vom 16. Juni 1981 in der Rechtssache 166/80, Klomps gegen Michel, Slg. 1981, S. 1593 ff.) wurde die Zulässigkeit der Gewährung rechtlichen Gehörs ex post durch die Erhebung eines Widerspruchs gegen einen im deutschen Mahnverfahren ergangenen Zahlungsbefehl bejaht (dazu Heinrich Nagel, IPRax 1982 S. 5 ff.), in der andern (vom 27. November 1984 in der Rechtssache 258/83, Brennero gegen Wendel, Slg. 1984, S. 3971 ff.) wurde ein italienischer Arrest ohne weiteres als in Deutschland vollstreckbar erachtet, obgleich er vorerst bloss auf einseitigen Antrag angeordnet, nach Anhörung des Gegners jedoch bestätigt wurde (dazu Peter Schlosser, IPRax 1985 S. 321 ff.). Daraus lässt sich der Grundsatz ableiten, dass der Anspruch auf rechtliches Gehör nach Massgabe des Lugano-Übereinkommens nicht verletzt ist, wenn einstweilige Massnahmen ohne vorherige Anhörung des Gegners ergehen, vorausgesetzt, dass die Sicherung gefährdeter Interessen dies rechtfertigt und der Gegner dadurch gesichert ist, dass er die erlassene Massnahme angreifen kann (Zeiler, Jbl, aaO, S. 641 unter Hinweis auf Anke Eilers, Massnahmen des einstweiligen Rechtsschutzes im europäischen Zivilrechtsverkehr, Bielefeld 1991, S. 284).
Die Verfügung des High Court vom 12. November 2002 enthält – wie inhaltlich gleich lautend diejenige vom 30. Mai 2002 – folgende Bestimmung (Ziff. 2):
Der EuGH hat mit Urteil vom 17. November 1998 zu Art. 24 EuGVÜ soweit hier von Interesse Folgendes erkannt: Einmal setze die autonome Anwendung der Bestimmung voraus, dass zwischen dem Gegenstand dieser Massnahme und der gebietsbezogenen Zuständigkeit des Vertragsstaats des angerufenen Gerichts eine reale Verknüpfung bestehe. Sodann sei die Anordnung der vorläufigen Erbringung einer vertraglichen Hauptleistung nur dann eine einstweilige Massnahme im Sinne dieser Bestimmung, wenn die bei entsprechendem Ausgang des Hauptprozesses geschuldete Rückzahlung des vorläufig zugesprochenen Betrags gewährleistet sei und die beantragte Massnahme nur bestimmte Vermögensgegenstände betreffe, die sich im örtlichen Zuständigkeitsbereich des angerufenen Gerichts befänden oder befinden müssten (u.a. Urteil vom 17. November 1998 in der Rechtssache C-391/95, Van Uden Maritime BV gegen Deco-Line, Slg. 1998, I-7091 ff., Leitsätze 4 und 5). In einem Urteil vom 27. April 1999 hat der EuGH diese Rechtsprechung, namentlich zu den so genannten Leistungsverfügungen, bestätigt (Urteil vom 27. April 1999 in der Rechtssache C-99/96, Mietz gegen Intership Yachting Sneek BV, Slg. 1999, I-2277 ff., Leitsatz 2). Im erstgenannten Entscheid standen Begriff und Zuständigkeit der einstweiligen Massnahme im Vordergrund, im zweitgenannten die Freizügigkeit bestimmter Anordnungen.
Das Obergericht hält dafür, die Entscheidungen Van Uden und Mietz könnten nicht unbesehen herangezogen werden, weil Gegenstand der Vollstreckbarerklärung nicht vorsorgliche Leistungsmassnahmen seien. Zwar ist richtig, dass die beiden Entscheidungen im Zusammenhang mit Leistungsverfügungen ergingen und auch auf solche ausgerichtet sind (vgl. BGE 125 III 451 E. 3b; Bernet, aaO, S. 65 ff.), doch beschränken sie sich inhaltlich jedenfalls nicht ausdrücklich darauf, sondern enthalten allgemeine Aussagen zu Begriff und Freizügigkeit einstweiliger Massnahmen. Das Hauptanliegen des Gerichtshofs liegt nach den allerdings weiterhin Fragen offen lassenden Entscheidungen (vgl. Monique Jametti Greiner, Grundsätzliche Probleme des vorsorglichen Rechtsschutzes aus internationaler Sicht, in: Spühler [Hrsg.], Vorsorgliche Massnahmen aus internationaler Sicht, Zürich 2000, S. 11 ff., 27 ff.; Burkhard Hess/Gregor Vollkommer, Die begrenzte Freizügigkeit einstweiliger Massnahmen nach Art. 24 EuGVÜ, IPRax 1999 S. 220 ff., 225) augenfällig darin zu verhindern, dass über die weitgefasste Verweisungsnorm von Art. 24 EuGVÜ die vertragseigene Zuständigkeitsordnung durch nationale Gerichtsstände, namentlich die exorbitanten Gerichtsstände gemäss Art. 3 Abs. 2 EuGVÜ, unterlaufen und – insbesondere im Recht der Leistungsurteile – ein staatsvertragswidriges „forum-shopping“ ermöglicht wird (Entscheidungen Van Uden Rn. 46 und Mietz Rn. 47; Jametti Greiner, aaO; Walter, aaO, S. 501; Hess/Vollkommer, aaO, S. 222; Hess, Die begrenzte Freizügigkeit einstweiliger Massnahmen im Binnenmarkt II – weitere Klarstellungen des Europäischen Gerichtshofs, IPRax 2000 S. 370 ff., 374; Stadler, aaO, S. 1093). Im Lichte dieser Zielsetzungen ist die Rechtsprechung des EuGH auch für den Anwendungsbereich des Lugano-Übereinkommens umzusetzen.
5.3.2 Die herrschende Auffassung ging von jeher dahin, dass ein nach den Regeln des Übereinkommens (Art. 2 sowie 5-18 EuGVÜ/ LugÜ) in der Hauptsache zuständiges Gericht gleichsam automatisch auch die Eilzuständigkeit beanspruchen könne (Stadler, aaO, S. 1092 mit Hinweisen in Fn. 41). In der Van Uden-Entscheidung hat sich der EuGH dieser Auffassung ausdrücklich angeschlossen und erkannt, dass diese Zuständigkeit nicht von weiteren Voraussetzungen abhängt (Rn. 19 und 22). In der Mietz-Entscheidung hat er diese Rechtsprechung bestätigt (Rn. 41 mit hier nicht interessierenden Einschränkungen für die Leistungsverfügungen in Rn. 42). Dabei ist unerheblich, ob das nach dem Übereinkommen zuständige Gericht mit der Hauptsache befasst ist oder nicht; die virtuelle Zuständigkeit dazu genügt, sie auch voraussetzungslos für die Anordnung einstweiliger Sicherungsmassnahmen zu begründen (Entscheidung Van Uden Rn. 29 und 34; Entscheidung Mietz Rn. 40; Stadler, aaO, S. 1092). Dagegen kommt nach dieser Rechtsprechung eine allein auf Art. 24 EuGVÜ/LugÜ in Verbindung mit nationalem Recht gestützte Zuständigkeit der Gerichte eines Vertragsstaats zum Erlass vorsorglicher Massnahmen nur in Betracht, wenn „zwischen dem Gegenstand der beantragten Massnahme und der gebietsbezogenen Zuständigkeit des Vertragsstaats des angerufenen Gerichts eine reale Verknüpfung besteht“ (Entscheidung Van Uden Rn. 40). Mit andern Worten besteht das Erfordernis der „realen Verknüpfung“ einzig für Sicherungsmassnahmen, die nicht von einem nach den Bestimmungen des LugÜ für die Hauptsache – virtuell – zuständigen Gericht ausgehen (Hess/Vollkommer, aaO, S. 221 f.; Stadler, aaO, S. 1092 f.; Ulrich Spellenberg/Stefan Leible, Anmerkung zu den Van Uden- und Mietz-Entscheidungen, in: Zeitschrift für Zivilprozess International [ZZPInt] 1999, S. 221 ff., 229).
Das bedeutet, dass auch unter der jüngeren Rechtsprechung des EuGH grenzüberschreitende Unterlassungsverfügungen im Sinne der englischen world-wide Mareva (Freezing) Injunction gegenüber in einem Vertragsstaat domizilierten Personen von einem nach Art. 2 oder 5-18 LugÜ zuständigen Hauptsachengericht mit transnationalem Vollstreckbarkeitsanspruch erlassen werden können, unbesehen darum, ob das Massnahmegericht mit der Hauptsache befasst ist oder nicht (Stadler, aaO, S. 1093; a.A. allenfalls Kropholler, aaO, Nr. 8 zu Art. 31 EuGVO, ausdrücklich allerdings nur mit Bezug auf Leistungsverfügungen).
5.3.3 Die Zuständigkeitsnormen des Lugano-Übereinkommens gelten unbesehen deren Staatsangehörigkeit für alle Personen, die ihren Wohnsitz oder Sitz in einem Vertragsstaat haben (grundlegend Art. 2 LugÜ). Beklagte, die nicht in einem Vertragsstaat domiziliert sind, können sich – von hier nicht gegebenen Ausnahmen abgesehen (dazu Gaudemet-Tallon, aaO, S. 56 Rn. 79) – nicht auf die Zuständigkeitsgarantien des Übereinkommens berufen, sondern unterstehen dem innerstaatlichen Recht des mit der Streitsache befassten Gerichts (Art. 4 Abs. 1 LugÜ). Die Vertragsstaaten sind allerdings verpflichtet, auch solche Entscheide nach Massgabe der Art. 27 ff. LugÜ anzuerkennen und zu vollstrecken (Geimer/Schütze, aaO, Nr. 7 zu Art. 4 EuGVÜ/ LugÜ; Walter, aaO, S. 397 f.).
Der Beschwerdeführer beansprucht keinen Wohnsitz in einem Vertragsstaat. Er kann sich daher nicht auf die Garantien nach der Van Uden- und der Mietz-Rechtsprechung des EuGH berufen, wenn diese – wie dargelegt – teleologisch darauf ausgerichtet sind, der Zuständigkeitsordnung des Lugano-Übereinkommens für Personen mit Wohnsitz oder Sitz in einem Vertragsstaat bestmöglich zum Durchbruch zu verhelfen (E. 5.3.2 hiervor). Die beanspruchte „reale Verknüpfung“ ist daher für Personen ohne Wohnsitz in einem Vertragsstaat nicht Voraussetzung einer Vollstreckbarerklärung.
„1. This order does not prohibit the Respondent from spending £ 10,000 a week towards his ordinary living expenses and also a reasonable sum a week on legal advice and representation. But before spending any money the Respondent must tell the Applicant's legal representatives where the money is to come from.
2. Die Gerichtsgebühr von Fr. 10.000,- wird dem Beschwerdeführer auferlegt.
3. Der Beschwerdeführer hat die Beschwerdegegnerin für das bundesgerichtliche Verfahren mit Fr. 12.000,- zu entschädigen.