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Timestamp: 2019-09-21 19:38:49
Document Index: 331401841

Matched Legal Cases: ['§ 1', 'Art. 7', 'Art. 23', 'Art. 3', 'Art. 10', 'Art. 77', 'Art. 94', 'Art. 19', '§ 2', '§ 27', 'Art. 62', '§ 3', 'Art. 16', 'Art. 26', 'Art. 70', '§ 4', 'Art. 62', 'Art. 62', 'Art. 26', 'Art. 143', 'Art. 62', '§ 7', 'Art. 77', '§ 80']

Der Bayerische Lehrer- und Lehrerinnenverband (BLLV) richtet nachfolgende Petition zum Entwurf des Gesetzes zum Neuen Dienstrecht in Bayern (Drs. 16/3200) an Sie und bittet um Weiterleitung an den zuständigen Ausschuss. Bitte informieren Sie uns vor der Behandlung dieser Petition in diesem Ausschuss. Für ergänzende Gespräche stehen wir gerne zur Verfügung.
§ 1 Bayerisches Besoldungsgesetz (BayBesG)
Der BLLV fordert von einem „Neuen Dienstrecht in Bayern“ Ungereimtheiten der bisherigen Gesetzgebung zu beseitigen, Ungerechtigkeiten auszuräumen und die Gesetzgebungskompetenz in Bayern zu nutzen.
„Die Grundkonzeption des geltenden Laufbahnrechts ist gut 30 Jahre alt. Seither kam es zu Änderungen im Bereich der Bildungslandschaft, der Personalentwicklung sowie bei den Anforderungen an die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen“, wie auf Seite 4 der Landtagsdrucksache (Drs. 16/3200) zum Laufbahnrecht festgestellt wird. Diese Aussage muss Auswirkungen auf das neue Bayerische Besoldungsgesetz haben. Deshalb legen wir besonderen Wert auf unsere Stellungnahme zum Artikel 23 BayBesG „Eingangsämter“. Außerdem sind in der Besoldungsordnung die strukturellen Konsequenzen konsequent umzusetzen und die Schülermesszahlen zur Bewertung der Schulleitungsämter deutlich zu reduzieren.
Aufgrund der Vor- und Ausbildung erfolgt richtigerweise die Zuordnung zur vierten Qualifikationsebene (siehe Art. 7 Abs. 1 Satz 1 Nr. 4 LlbG), die besoldungsrechtlichen Konsequenzen werden jedoch verweigert.
Die Erklärung zu Art. 23 BayBesG ist nicht einleuchtend. Wir verweisen auf Art. 3 des Bayerischen Lehrerbildungsgesetzes, wonach das Studium der Didaktik der Grundschule oder das Studium der Didaktiken einer Fächergruppe der Hauptschule einem Studium eines Unterrichtsfaches gleichwertig ist. Somit erfüllen auch Grund- und Hauptschullehrer/-innen, die in Art. 10 und 13 des Bayerischen Lehrerbildungsgesetzes geforderten zwei Unterrichtsfächer. Eine unterschiedliche Einstufung ist somit nicht gegeben. Außerdem wird in der Begründung auf „Bundesrecht“ verwiesen, welches gerade durch „Bayerisches Recht“ ersetzt werden soll. Hilfsweise sollte der o.g. Zusatz gestrichen und die Worte „in der Regel“ wie im Ressortentwurf wieder eingeführt werden.
Der BLLV fordert die Streichung des kompletten Absatzes,
„Bei der Einstufung der Leitungsämter an Schulen im Sinn von Abs. 1 zu den Besoldungsgruppen der Bayerischen Besoldungsordnung A werden Rektoren und Rektorinnen an Grundschulen, Hauptschulen oder Grund- und Hauptschulen mit mehr als 180 Schülern und Schülerinnen der Besoldungsgruppe A 14, mit mehr als 360 Schülern und Schülerinnen der Besoldungsgruppe A 14 mit Amtszulage zugeordnet.“ da für keine andere Beamtengruppe eine derartige Regelung getroffen wird und es dem Grundsatz des Neuen Dienstrechts widerspricht, bisherige Funktionsbezeichnungen wegzulassen.
Der BLLV fordert, dass die Stellenzulagen für alle Funktionen, die sich aufgrund ihrer Aufgaben von den übrigen Tätigkeiten abheben und auf Dauer ausgeübt werden, als Amtszulage ausgewiesen werden (Beispiel: Fachlehrer/innen als Fachberater/innen sind aufgrund der Dienstanweisung des KM mit höherwertigen Aufgaben betraut (z.B. Dienstliche Beurteilung) und üben diese Tätigkeit auf Dauer aus).
Der BLLV fordert, dass die Mehrarbeitsätze der Anlage 9 deutlich erhöht und nach Qualifikationsebenen vergeben werden.
zu Art. 77: Anwärtergrundbetrag
Als armutsgefährdet gilt nach einer politischen Übereinkunft, wer mit weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens auskommen muss. Der BLLV fordert deshalb eine deutliche Anhebung des Anwärtergrundbetrags der Anlage 10. Die Anwärter/innen mussten in den letzten Jahren Kürzungen hinnehmen, die es wieder auszugleichen gilt.
Der BLLV fordert die Unterrichtsvergütung ab der 11. Unterrichtsstunde entsprechend dem Besoldungsanteil einer Unterrichtsstunde zu vergüten. Die Anwärter erbringen im Rahmen der Unterrichtsaufträge eine volle Arbeitsleistung wie planmäßige Lehrkräfte und sparen damit Stellen ein. Daher sollten sie für diese Tätigkeit auch entsprechend vergütet werden. Die Verpflichtung der Lehramtsanwärter und Lehramtsanwärterinnen bzw. Studienreferendare und Studienreferendarinnen zum eigenverantwortlichen Unterricht innerhalb der Lehramtsausbildung sollte auf regelmäßig 10 Wochenstunden festgesetzt werden.
zu Art. 94: Ballungsraumzulage
Der BLLV fordert die Ausweitung der Bezugsberechtigten sowie eine deutliche Erhöhung der Beträge. Besondere Berücksichtigung sollten alle Anwärter/innen erfahren, somit muss auch der Anwärtergrenzbetrag erhöht werden. Als Grundlage für die Gewährung einer Ballungsraumzulage sollte der aktuelle „Regionale Preisindex des BBSR“ von 2009 dienen und nicht der veraltete Landesentwicklungsplan von 2006. Alle Landkreise über 100 (Regionale Preisindex des BBSR S. 59 ff) müssten dabei berücksichtigt werden.
Im Hinblick auf den Grundsatz der funktionsgerechten Besoldung (Art. 19 BayBesG) und der abstandswahrenden Hebung der Ämter im Schulleitungsbereich der Grund-, Haupt- und Realschulen fordert der BLLV strukturelle Konsequenzen für alle Beförderungsämter im Grund- und Hauptschulbereich um eine ganze Besoldungsgruppe. Die Lehrkräfte an Grund- und Hauptschulen können um eine ganze Besoldungsgruppe gehoben werden, ebenso wurden die sog. „kleinen“ Schulleiter von A12+AZ um eine ganze Besoldungsgruppe nach A13+AZ übergeleitet. Somit muss dies auch für die „abstandswahrenden“ Überleitungen der Beförderungsämter und Schulleitungsämtern und Ämter der Schulverwaltung gelten.
Seminarleiter/-rektoren/innen an Grund-, Haupt- und Förderschulen
Der BLLV sieht eine Benachteiligung der Besoldungsgruppen A 8 bis A 11 und fordert zur Gleichbehandlung der verschiedenen Besoldungsgruppen und aufgrund der Ausbildungszeiten auch hier, wie bei allen anderen Eingangsämtern, die bisherige erste Grundgehaltsstufe zu streichen.
§ 2 Bayerisches Beamtenversorgungsgesetz (BeamtVG)
In der Stellungnahme des BLLV zum „Entwurf der Eckpunkte für ein neues Dienstrecht in Bayern“ stimmten wir der Einschätzung der „bewährten Grundsätze der Beamtenversorgung“ voll und ganz zu. Der BLLV begrüßt ausdrücklich, dass diese nun auch in die Neufassung des Bayerischen Beamtenversorgungsgesetzes übernommen werden sollen. Dies gilt insbesondere für eine ganze Reihe von Klarstellungen, Beibehaltung und Verbesserungen, wie den Wegfall der Quotelung von Ausbildungszeiten, die Anrechnung der Ausbildungszeiten bis zu drei Jahren, die Versorgung aus dem letzten Amt oder die Regelung zur Mindestversorgung. Die Verlängerung der Lebensarbeitszeit bei allen Lehrkräften um ein volles Jahr lehnen wir aufgrund der hohen Belastungen dieses Berufes ab.
Die lediglich anteilige Berücksichtigung von Zeiten mit begrenzter Dienstfähigkeit stellt eine Schlechterstellung ausschließlich wegen gesundheitlicher Probleme in der ruhegehaltfähigen Dienstzeit dar und ist nicht zu vergleichen mit einer Reduzierung der ruhegehaltsfähigen Dienstzeiten aufgrund freiwilliger Teilzeitbeschäftigung. Außerdem ist nach Aussage der VV Beamtenrecht zu § 27 Abs. 1 BeamtStG - begrenzte Dienstfähigkeit - „3.2.6 Es handelt sich allerdings um keine Teilzeitbeschäftigung, da Beamte in ihnen mögliche Dienstleistung nicht nur teilweise, sondern vollständig erbringen.“ hier keine Schlechterstellung angezeigt. Der BLLV schlägt deshalb eine volle Anrechnung vor.
Bisher war die Altersgrenze für Lehrer an öffentlichen Schulen „ …das Ende des Schuljahres, das dem Schuljahr vorangeht, in dem sie das 65. Lebensjahr vollenden“. Durch die beabsichtigte Änderung zu
„… das Schulhalbjahres, in dem die Regelaltersgrenze erreicht wird“ wird eine Berufsgruppe aus ausschließlich schulorganisatorischen Gründen erheblich benachteiligt, weil sie gezwungen wird, nur um wie alle anderen Beamten die normale Höchstpension zu erreichen, entweder bis (im extremsten Fall) zu fast einem halben Jahr länger Dienst zu tun oder einen lebenslangen Versorgungsabschlag von bis nahezu 1,8 % hinzunehmen.
Während Beamte „nur“ ein paar Monate länger arbeiten müssten, ist von Lehrkräften teilweise eine um eineinhalb Jahre verlängerte Dienstzeit abzuleisten, um ohne Versorgungsabschlag in den Ruhestand zu treten. Drei Beispiele belegen dies deutlich:
a) Geburtstag am 04.07.1949 (plus 3 Monate plus Schulhalbjahr):
Ruhestandsversetzung (zukünftiger Rechtsstand): 15.02.2015 (Zuschlag 1,05 %)
- Anhebung der Altersgrenze um drei Monate
- Änderung der Lehreraltersgrenze
- Antragsaltersgrenze
b) Geburtstag am 31.07.1950 (plus 4 Monate plus Schulhalbjahr):
Ruhestandsversetzung (zukünftiger Rechtsstand): 15.02.2016 (Zuschlag 0,75 %)
- Anhebung der Altersgrenze um vier Monate
c) Geburtstag am 07.02.1954 (plus 8 Monate, plus Schulhalbjahr):
Ruhestandsversetzung (zukünftiger Rechtsstand): 15.02.2020 (Zuschlag 1,05 %)
- Anhebung der Altersgrenze um acht Monate
Ferner hatte der Bayerische Oberste Rechnungshof (ORH) nur eine „Anregung“ gegeben und der Landtag eine Überprüfung gefordert. Von einer Umsetzung war dort keine Rede.
Als längst überfälliger Schritt, angesichts der zunehmenden Belastungen im Lehrerberuf, wäre eine besondere Altersgrenze für Lehrer einzuführen, wozu jetzt Gelegenheit ist (vgl. auch unsere Anmerkung zum BayBG zu Nr. 19: Art. 62 b). Zumindest muss die bisherige „Sonderaltersgrenze“ für Lehrkräfte analog den anderen Sonderaltersgrenzen beibehalten werden.
§ 3 Gesetz über die Leistungslaufbahn und die Fachlaufbahnen der bayerischen Beamten und Beamtinnen (LlbG)
Der BLLV begrüßt, dass durch die neue Leistungslaufbahnverordnung die Leistung der bayerischen Beamtinnen und Beamte in den Mittelpunkt gestellt wird.
zu Art. 16: Übertragung höherer Dienstposten
Das geltende Recht verfährt bei der Übertragung höherwertiger Dienstposten ausschließlich nach dem Leistungsgrundsatz. Dabei stellt die Rechtsprechung vorrangig auf die periodische Beurteilung ab.
Andere Kriterien lässt sie erst bei im Wesentlichen gleichen Beurteilungen zu. Nach der vorgesehenen Neufassung wird der Leistungsgrundsatz durch „die dienstliche Beurteilung, sowie gegebenenfalls durch Personalwahlgespräche, strukturierte Interviews, Assessment-Center oder andere wissenschaftlich fundierte Auswahlverfahren“ umgesetzt. Damit wird die Subsidiarität anderer – schwer nachprüfbarer – Kriterien aufgegeben. Wir halten das für höchst problematisch, da auf diese Weise das Leistungsprinzip verwässert wird.
Unabhängig hiervon ist die Bewertung von insbesondere Assessment-Centern als wissenschaftliche fundierte Auswahlverfahren nicht unumstritten. So belegen Veröffentlichungen, dass von einem Assessment-Center vor allem Selbstdarsteller profitieren (vgl. beiliegenden Artikel aus der Süddeutschen Zeitung vom 08.01.2008).
zu Art. 26: Einstellung in den Vorbereitungsdienst
zu Art. 70 Abs. 2: Übergangsregelung
§ 4 Änderung des Bayerischen Beamtengesetzes (BayBG)
zu Nr. 19: Art. 62 a)
zu Nr. 19: Art. 62 b)
Zudem gibt es keinen Beschluss des Bayerischen Landtags, der eine Umsetzung der ORH-Anregung rechtfertigt. Die Staatsregierung wurde nur aufgefordert „den Zeitpunkt des Ruhestandseintritts bei Erreichen der Altersgrenze zu prüfen und dem Landtag über die Ergebnisse bis 30.11.2007 zu berichten“! (vgl. auch unsere Anmerkung zum BayBeamtVG Art. 26).
Hilfsweise und unseres Erachtens unumgänglich müssten, analog der Einführung der neuen Altersgrenzen, Übergangsregelungen getroffen werden und eine Umsetzung aufgrund des Vertrauensschutzes und der Lebensplanung der Betroffenen nicht überstürzt begonnen werden.
zu Nr. 45: Art. 143
Der Vertrauensschutz für Altersteilzeitbeschäftigte wird ausdrücklich begrüßt. Aufgrund des Vertrauensschutzes und der Lebensplanung der Betroffenen sollten allerdings alle Beschäftigten in Altersteilzeit, auch im Teilzeitmodell, in diese Regelung mit einbezogen werden.
Wegen der besonderen Belastungen für Lehrkräfte (siehe die nach wie vor zu hohen Zahlen zur vorzeitigen Dienstunfähigkeit) wird eine besondere Altersgrenze für Lehrkräfte gemäß den Bestimmungen zu
Art. 62 gefordert.
§ 7 Änderung des Bayerischen Personalvertretungsgesetzes (BayPVG)
Der BLLV begrüßt die Änderungen in Art. 77 a BayPVG. Die Worte „zur Einsicht vorzulegen“ in Satz 2 sollten aber durch die Worte „zur Verfügung zu stellen“ ersetzt werden.
Schreiben des BLLV-Präsidiums an den Bayerischen Landtag am 4.2.2010
Die BLLV-Petition wurde vom Ausschuss für Fragen des öffentlichen Dienstes des Bayerischen Landtags am 22.6.10 behandelt. Es wurde beschlossen, die Petition aufgrund der Gesetzesberatungen für erledigt zu erklären. (§ 80 Nr. 4 der GO des Landtags).
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