Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Gericht=BFH&Datum=15.10.1997&Aktenzeichen=II%20R%2056/94
Timestamp: 2020-02-22 23:46:28
Document Index: 98100673

Matched Legal Cases: ['§ 37', '§ 38', '§ 95', '§ 97', '§ 37', '§ 98', '§ 218', '§ 37', '§ 10', '§ 37', '§ 5', '§ 38', '§ 95']

BFH, 15.10.1997 - II R 56/94 - dejure.org
https://dejure.org/1997,998
BFH, 15.10.1997 - II R 56/94 (https://dejure.org/1997,998)
BFH, Entscheidung vom 15.10.1997 - II R 56/94 (https://dejure.org/1997,998)
BFH, Entscheidung vom 15. Januar 1997 - II R 56/94 (https://dejure.org/1997,998)
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AO 1977 § 37 Abs. 2, § 38; BewG § 95 Abs. 1, § 97 Abs. 1
Steuererstattungsanspruch - Berücksichtigung als Kapitalforderung - Entstehung des Anspruchs - Rechtsgrundtheorie
Bewertung; keine Berücksichtigung von Steuererstattungsansprüchen aus nach dem Stichtag erlassenen Änderungsbescheiden
AO 1977 § 37 Abs 2, BewG § 98a J: 1965
Betriebsvermögen; Einheitsbewertung; Erstattung; Steuer
FG München, 22.04.1994 - 7 K 573/93
BFHE 184, 111
BB 1998, 253
DB 1997, 2518
BStBl II 1997, 796
Diese Regelung schließt es für die Erbschaftsteuer aus, die Zugehörigkeit der Einkommensteuererstattungsansprüche zum steuerpflichtigen Erwerb ebenso von dem zusätzlichen Erfordernis der Durchsetzbarkeit abhängig zu machen, wie dies für den Ansatz derartiger Ansprüche bei der Einheitsbewertung des Betriebsvermögens und bei der Vermögensteuer geschehen ist (BFH-Urteile vom 15. Oktober 1997 II R 56/94, BFHE 184, 111, BStBl II 1997, 796, sowie vom 2. Dezember 2003 II R 5/03, BFHE 203, 512, BStBl II 2004, 203).
Dies ergibt sich aus § 218 Abs. 1 AO (vgl. BFH-Urteile vom 6. Februar 1990 VII R 86/88, BFHE 160, 108, BStBl II 1990, 523; in BFHE 184, 111, BStBl II 1997, 796).
Der --ggf. materiell unrichtige-- Steuerbescheid beeinflusst zwar nicht die materielle Höhe des Steuererstattungsanspruchs, solange er jedoch besteht, legt er fest, ob und in welcher Höhe ein Erstattungsanspruch geltend gemacht werden kann (vgl. BFH-Urteile in BFHE 184, 111, BStBl II 1997, 796; in BFHE 200, 88, BStBl II 2003, 43, unter II.2.b).
Dem Steuererstattungsanspruch des FA stehen daher die bestehenden --wenn auch ggf. materiell unrichtigen-- Steueranmeldungen entgegen (vgl. BFH-Urteile in BFHE 184, 111, BStBl II 1997, 796; in BFHE 200, 88, BStBl II 2003, 43, unter II.2.b).
(1) Nach dem BFH-Urteil vom 15. Oktober 1997 II R 56/94 (BFHE 184, 111, BStBl II 1997, 796) waren Steuererstattungsansprüche, die auf höchstrichterlicher Rechtsprechung beruhten, bei der Feststellung von Einheitswerten des Betriebsvermögens für Stichtage vor dem 1. Januar 1993 --als noch keine Bindung an die Steuerbilanz bestand-- nicht anzusetzen.
Im Übrigen betraf das Urteil in BFHE 184, 111, BStBl II 1997, 796 einen Bewertungsstichtag, der noch vor der Veröffentlichung der --die Durchsetzbarkeit des Steuererstattungsanspruchs gegenüber der Finanzverwaltung wirtschaftlich begründenden-- BFH-Entscheidung im entsprechenden Musterverfahren lag.
Ihnen hätte jedoch vor der Aufhebung oder Änderung entgegenstehender Steuerfestsetzungen in gleicher Weise die Eigenschaft als Wirtschaftsgut gefehlt (vgl. BFH-Urteile vom 15. Oktober 1997 II R 56/94, BFHE 184, 111, BStBl II 1997, 796, …und vom 29. Juli 1998 II R 64/95, BFH/NV 1998, 1455).
Die Frage, was unter einem "rechtlichen Grund" i.S.d. § 37 Abs. 2 AO zu verstehen ist und zu welchem Zeitpunkt ein Steuererstattungsanspruch demnach entsteht, ist in Rechtsprechung und Literatur umstritten (…vgl. BFH vom 13. Juli 2000, II B 174/99, BFH/NV 2001, 140 ; vom 15. Oktober 1997, II R 56/94, BFHE 184, 111 , BStBl II 1997, 796 ).
Ein vermögenswertes Wirtschaftsgut stellt der Steuererstattungsanspruch erst dann dar, wenn er auch durchsetzbar ist bzw. wenn seiner Geltendmachung kein anders lautender Steuerbescheid mehr entgegensteht (vgl. BFH vom 15. Oktober 1997, II R 56/94, BFHE 184, 111 , BStBl II 1997, 796 ; Moench, ErbStG , § 10 Rd. 10 m.w.N.).
aaa) Für Veranlagungszeiträume vor dem In-Kraft-Treten des Steueränderungsgesetzes 1992 zum 1. Januar 1993 fehlte Steuererstattungsansprüchen im Bereich der Stichtagssteuern (ErbSt und VSt) die Eigenschaft als vermögenswertes Wirtschaftsgut, solange Ihre Durchsetzbarkeit durch entgegenstehende Bescheide gehindert war; insofern gab es keinen Unterschied in der Behandlung von Steuererstattungsansprüchen im Privat- oder Betriebsvermögen (BFH vom 2. Dezember 2003, II R 5/03, BFHE 203, 512 , BStBl II 2004, 203 ; vom 15. März 2000, II R 15/98, BFHE 191, 403 , BStBl II 2000, 588; vom 15. Oktober 1997, II R 56/94, BFHE 184, 111 , BStBl II 1997, 796 ).
BFH, 02.12.2003 - II R 5/03
Nach erfolglosem Einspruch gab das Finanzgericht (FG) der Klage unter Berufung auf die beiden Urteile des Bundesfinanzhofs (BFH) vom 15. Oktober 1997 II R 56/94 (BFHE 184, 111, BStBl II 1997, 796) und vom 15. März 2000 II R 15/98 (BFHE 191, 403, BStBl II 2000, 588) statt.
Auf die Entscheidung des BFH in BFHE 184, 111, BStBl II 1997, 796 berufe sich das FG zu Unrecht, weil sie betriebliche Steueransprüche betreffe.
Dies ist mit den BFH-Urteilen vom 5. März 1997 II R 92/94 (…BFH/NV 1997, 551) sowie in BFHE 184, 111, BStBl II 1997, 796 zwar nur bezogen auf betriebliche Kapitalforderungen ausgesprochen worden; entgegen der Annahme des FA besteht aber insoweit kein Unterschied zwischen betrieblichen und privaten Kapitalforderungen.
Diese fehlerhaften ursprünglichen Einkommensteuerbescheide hinderten zwar dann, wenn man die Entstehung von Steuererstattungsansprüchen materiell-rechtlich bestimmen wollte, deren Entstehung nicht; solange die ursprünglichen Bescheide jedoch bestanden, legten sie fest, ob und in welcher Höhe ein Erstattungsanspruch geltend gemacht werden konnte (BFH-Urteile in BFHE 184, 111, BStBl II 1997, 796, sowie vom 7. März 1968 IV R 278/66, BFHE 92, 153, BStBl II 1968, 496).
Dieses gilt auch für Steuerforderungen (vgl. BFH-Urteile vom 15. März 2000 II R 15/98, BFHE 191, 403, BStBl II 2000, 588 und vom 15. Oktober 1997 II R 56/94, BFHE 184, 111, BStBl II 1997, 796), weshalb die zwischen den Beteiligten streitigen Umsatzsteuerforderungen und Zinsansprüche erst - wie vom Kläger vorgenommen - zum 31. Dezember 2005 zu bilanzieren gewesen wären.
Diese aus dem handelsrechtlichen Vorsichtsprinzip abgeleiteten Grundsätze gelten nicht nur für zivilrechtliche Ansprüche, sie gelten gleichermaßen auch für Steuererstattungsansprüche i.S. des § 37 Abs. 2 AO (BFH-Urteile vom 15. März 2000 II R 15/98, BFHE 191, 403, BStBl II 2000, 588 und vom 15. Oktober 1997 II R 56/94, BFHE 184, 111, BStBl II 1997, 796).
Es kann dahinstehen, ob eine Aktivierung bestehender Steuererstattungsansprüche grundsätzlich so lange nicht in Betracht kommt, als ihrer Geltendmachung wirksame Steuerfestsetzungen entgegenstehen (vgl. dazu BFH-Urteil vom 15. Oktober 1997 II R 56/94, BFHE 184, 111, BStBl II 1997, 796 (zum Bewertungsrecht); Finanzgericht -FG- Baden-Württemberg, Urteil vom 28. März 1996 3 K 194/90, EFG 1998, 268, bestätigt durch BFH-Beschluss vom 2. November 2000 X R 85/97, n.v.;… Schreiber in Blümich, EStG/KStG/GewStG, § 5 Rn. 481;… Schuster in Hübschmann/Hepp/Spitaler, AO/FGO, § 38 AO Rn. 71 ff., 76).
Zudem war bekannt, dass diese Grundsätze auch für mögliche Steuererstattungsansprüche gelten (vgl. BFH-Urteile in BFHE 191, 403, BStBl II 2000, 588 und vom 15. Oktober 1997 II R 56/94, BFHE 184, 111, BStBl II 1997, 796).
Während er nach der formellen Rechtsgrundtheorie erst dann entsteht, wenn und soweit eine dem materiellen Steuerrecht nicht entsprechende Festsetzung des Anspruchs aus dem Steuerschuldverhältnis aufgehoben oder geändert worden ist (vgl. zum Meinungsstreit BFH, Urteil vom 15. Oktober 1997 II R 56/94, BFHE 184, 111, BStBl II 1997, 796, m.w.N.).
FG Hamburg, 11.05.2001 - VI 192/99
Zur Berücksichtigung eines ESt-Erstattungsanspruchs bei der Vermögensteuer
Nach der Rechtsprechung des BFH (Urteil vom 15.10.1997 II R 56/94, BStBl II 1997, 796 ) muss die Forderung rechtlich nicht nur entstanden, sondern ihre Realisierung auch möglich sein, d.h., sie muss auch tatsächlich und rechtlich geltend gemacht und durchgesetzt werden können.
Unabhängig von der in Literatur und Rechtsprechung umstrittenen Frage nach dem Entstehen von Steuererstattungsansprüchen und den dazu entwickelten materiellen und formellen Rechtsgrundtheorien (vgl. dazu auch BFH-Urteil vom 15.10.1997 II R 56/94, BStBl II 1997, 796 ) ist der BFH der Auffassung, dass die Durchsetzung (Verwirklichung) des materiell bereits entstandenen Erstattungsanspruches die vorherige Änderung einer bestehenden, dem materiellen Steuerrecht widersprechenden Steuerfestsetzung erfordert.
Der - ggf. materiell unrichtige - Steuerbescheid beeinflusst zwar nicht die materielle Höhe des Steuererstattungsanspruchs, solange er jedoch besteht, legt er fest, ob und in welcher Höhe ein Erstattungsanspruch geltend gemacht werden kann (vgl. BFH-Urteil vom 15.10.1997 II R 56/94, BStBl II 1997, 796 ; vom 7.3. 1968 IV R 278/66, BStBl II 1968, 496).
Die Entscheidung des BFH vom 15.10.1997 (II R 56/94, BStBl II 1997, 796 ) ist zwar zu betrieblichen Steuererstattungsansprüchen im Zusammenhang mit der Vermögensaufstellung nach § 95 BewG ergangen.
Auswirkung einer rückwirkenden Stundung auf gegebene Aufrechnungslage bei …
BFH, 13.07.2000 - II B 174/99
Prozesskostenhilfe: mangelnde Erfolgsaussicht; Erstattungsanspruch: …
BFH, 18.03.1998 - II R 52/95
Voraussetzungen für die Minderung des Einheitswerts des Betriebsvermögens - …
VG Cottbus, 24.09.2018 - 6 K 85/14
Erstattungsanspruch im Zusammenhang mit Trink- und Schmutzwassergebühren