Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Gericht=BAG&Datum=10.06.1980&Aktenzeichen=1%20AZR%20822/79
Timestamp: 2019-07-21 22:28:20
Document Index: 343439924

Matched Legal Cases: ['Art. 9', 'Art. 9', 'Art. 9', 'Art. 9', 'Art. 9', 'Art. 9', 'Art. 9', 'Art. 9', 'Art. 9', 'Art. 9', 'Art. 9', 'Art. 9', 'Art. 9', 'Art. 9', 'Art. 9', 'Art. 9', 'Art. 9', 'Art. 9', 'Art. 9']

BAG, 10.06.1980 - 1 AZR 822/79 - dejure.org
https://dejure.org/1980,127
BAG, 10.06.1980 - 1 AZR 822/79 (https://dejure.org/1980,127)
BAG, Entscheidung vom 10.06.1980 - 1 AZR 822/79 (https://dejure.org/1980,127)
BAG, Entscheidung vom 10. Juni 1980 - 1 AZR 822/79 (https://dejure.org/1980,127)
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Grundsätze zur Herstellung und Wahrung des Verhandlungsgleichgewichts im Arbeitskampf
Tarifautonomie - Soziale Gegenspieler - Verhandlungsgleichgewicht - Arbeitskämpfe - Gewerkschaften - Streikrecht - Angemessenheit von Tarifverträgen - Abwehraussperrungen - Teilstreik - Grundsatz der Verhältnismäßigkeit - Übermaßverbot - Angriffsstreik - Aussperrungsverbot
ArbG Frankfurt/Main, 27.09.1978 - 5 Ca 254/78
LAG Hessen, 17.04.1979 - 5 Sa 1044/78
BAGE 33, 140
NJW 1980, 1642
DB 1980, 1266
afp 1980, 159
Dies trägt - jedenfalls typischerweise - dazu bei, dass Gewerkschaften und Arbeitnehmer mit diesem Arbeitskampfmittel (eigen-)verantwortlich umgehen (vgl. zur Steuerungsfunktion der mit einem Streik für die streikenden Arbeitnehmer und die Gewerkschaft verbundenen Belastungen und Opfer BAG 18. Februar 2003 - 1 AZR 142/02 - zu B II 1 der Gründe, BAGE 105, 5;… 19. Juni 2007 - 1 AZR 396/06 - Rn. 35, BAGE 123, 134; vgl. auch schon 10. Juni 1980 - 1 AZR 822/79 - zu A V 2 der Gründe, BAGE 33, 140).
Diese lassen sich weder formal und situationsungebunden feststellen noch normativ anordnen (BAG 10. Juni 1980 - 1 AZR 822/79 - zu A IV 1 a der Gründe, BAGE 33, 140) .
Die Ausgestaltung des Arbeitskampfrechts hat deshalb zu gewährleisten, dass keine Tarifvertragspartei der an deren von vornherein ihren Willen aufzwingen kann (BAG 12. September 1984 - 1 AZR 342/83 - BAGE 46, 322, zu B II 2 d der Gründe; 10. Juni 1980 - 1 AZR 822/79 - BAGE 33, 140, zu A IV der Gründe).
Situationsbedingte Vorteile bleiben notwendigerweise unberücksichtigt (10. Juni 1980 - 1 AZR 822/79 - aaO; BVerfG 26. Juni 1991 - 1 BvR 779/85 - BVerfGE 84, 212, zu C I 3 b aa der Gründe).
Auch sie führen deshalb zur Belastung der innerverbandlichen Solidarität, ohne dass dies rechtlich von Bedeutung wäre (für den Teilstreik vgl. BAG 10. Juni 1980 - 1 AZR 822/79 - BAGE 33, 140, zu A V 3 c der Gründe).
Dies entspricht der ständigen Rechtsprechung des Bundesarbeitsgerichts (vgl. etwa 21. April 1971 - GS 1/68 - BAGE 23, 292, 306; 10. Juni 1980 - 1 AZR 822/79 -BAGE 33, 140, zu B I 1 der Gründe; 12. März 1985 - 1 AZR 636/82 - BAGE 48, 195, zu II 2 b der Gründe; 11. Mai 1993 - 1 AZR 649/92 - BAGE 73, 141, zu II 1 der Gründe).
In zwei Urteilen vom 10. Juni 1980 (BAGE 33, 140; 185) führte der Erste Senat des Bundesarbeitsgerichts die Rechtsprechung zur Arbeitskampfparität und zum Grundsatz der Verhältnismäßigkeit fort.
Art. 9 Abs. 3 GG gibt den Gewerkschaften das Recht, zur Durchsetzung ihrer Tarifforderungen zu streiken (im Anschluß an BAGE 33, 140 - AP Nr. 64 zu Art. 9 GG Arbeitskampf).
Das geschieht in der Form kollektiver Verträge (Tarifverträge), die zwischen einer Gewerkschaft einerseits und einem Arbeitgeber oder Arbeitgeberverband andererseits zustande kommen müssen (BAG 33, 140, 149 = AP Nr. 64 zu Art. 9 GG Arbeitskampf, zu A I 1 b der Gründe).
Das folgt aus der bisherigen Sozialgeschichte (vgl. BAG 33, 140, 150 = AP Nr. 64 zu Art. 9 GG Arbeitskampf, zu A I 2 a der Gründe) ebenso wie aus der geltenden Wirtschaftsordnung.
Auch in der Literatur ist das Streikrecht der Gewerkschaften weitgehend anerkannt (vgl. Nachweis in BAG 33, 140, 151 = AP Nr. 64 zu Art. 9 GG Arbeitskampf, zu A I 2 b der Gründe).
Diesen Grundsatz hat der Erste Senat des Bundesarbeitsgerichts in den Urteilen, die das Recht der Arbeitgeber zur Aussperrung betrafen, charakterisiert als Übermaßverbot (BAG 33, 140, 175 ff. = AP Nr. 64 zu Art. 9 GG Arbeitskampf, zu B I 2 der Gründe).
Das Bundesarbeitsgericht hat bisher offengelassen, ob die Europäische Sozialcharta (ESC) unmittelbar geltendes Bundesrecht ist oder ob sie nicht wenigstens den rechtsfortbildenden oder den die Lücken der gesetzlichen Regelung füllenden Richter bindet (vgl. BAG 33, 140, 157 f. = AP Nr. 64 zu Art. 9 GG Arbeitskampf, zu A II 2 a der Gründe).
Die bundesweite und befristete Abwehraussperrung in der Druckindustrie vom 14. bis 20.3.1978 verletzte den Grundsatz der Verhältnismäßigkeit und war deshalb rechtswidrig (Bestätigung von BAGE 33, 140 = NJW 1980, 1642 [BAG 10.06.1980 - 1 AZR 822/79] = AP Art. 9 GG - Arbeitskampf - Nr. 64 und AP Art. 9 GG - Arbeitskampf - Nr. 67).
Sie hat sich insoweit auf das Urteil des Senats vom 10. Juni 1980 (1 AZR 822/79 - BAG 33, 140) zur Aussperrung in der Druckindustrie im Jahre 1978 gestützt.
Das Berufungsgericht wendet sich allerdings zu Unrecht gegen die vom Senat vertretene Auffassung, der neue Gläubiger, hier die klagende Gewerkschaft, brauche in einem Zahlungsurteil nur den Bruttobetrag zu nennen; durch die Urteilsformel könne dem beklagten Arbeitgeber vorbehalten werden, die auf den Bruttobetrag entfallenden Steuern und Sozialversicherungsbeiträge einzubehalten und ordnungsgemäß abzuführen (vgl. BAG 33, 140, 185 = AP Nr. 64 zu Art. 9 GG Arbeitskampf, zu D 2 der Gründe; Urteil vom 10. Juni 1980 - 1 AZR 690/79 - AP Nr. 67 zu Art. 9 GG Arbeitskampf, zu II 3 der Gründe).
Den Arbeitgebern steht zur Abwehr solcher begrenzter Teilstreiks das Kampfmittel der suspendierenden Aussperrung - im Rahmen der Verhältnismäßigkeit - zur Verfügung (vgl. Großer Senat des Bundesarbeitsgerichts, BAG 23, 292 = AP Nr. 43 zu Art. 9 GG Arbeitskampf; BAG 33, 140, 148 ff. = AP Nr. 64 zu Art. 9 GG Arbeitskampf, zu A der Gründe).
Der Senat hat deshalb das Streikrecht der Gewerkschaften anerkannt (vgl. BAG 33, 140, 150 f. = AP Nr. 64 zu Art. 9 GG Arbeitskampf, zu A I 2 der Gründe; Urteil des Senats BAG 46, 322, zu B II 2 a der Gründe).
b) Der Erste Senat des Bundesarbeitsgerichts hat daraus abgeleitet, daß Aussperrungen zur Abwehr begrenzter Teilstreiks zulässig sind, weil sonst die Kampfparität gefährdet wäre (vgl. BAG 33, 140, 148 ff. = AP Nr. 64 zu Art. 9 GG Arbeitskampf, zu A der Gründe).
Vertreter der Gesamtparität wollen alle denkbaren Einflußfaktoren des Wirtschafts- und Verteilungsprozesses einschließlich aller Faktoren der gesellschaftlichen und politischen Meinungs- und Willensbildung in die Beurteilung der Paritätsfrage einbeziehen (vgl. Nachweise in BAG 33, 140, 165 und bei Brox/Rüthers, Arbeitskampfrecht, 2. Aufl., Rz 167).
Danach verletzte die bundesweite und unbefristete Abwehraussperrung in der Druckindustrie vom 14. bis 20. März 1978 den Grundsatz der Verhältnismäßigkeit und war deshalb rechtswidrig (vgl. außer dem genannten Urteil des Senats vom 10. Juni 1980 - BAG 33, 140 = AP Nr. 64 zu Art. 9 GG Arbeitskampf - auch das weitere Urteil vom selben Tage - 1 AZR 690/79 - AP Nr. 67 zu Art. 9 GG Arbeitskampf).
Nach einheitlicher Rechtsprechung und Lehre ist eine Abtretung möglich, wenn der geschützte Zedent den pfändungsfreien Betrag vom Zessionar erhalten hat (vgl. BAG 33, 140, 184 = AP Nr. 64 zu Art. 9 GG Arbeitskampf, zu D 1 der Gründe, mit weiteren Nachweisen).
Bei der Anwendung dieses auf dem Grundsatz der Verhältnismäßigkeit beruhenden (vgl. dazu grundlegend BAG GS 21. April 1971 - GS 1/68 - BAGE 23, 292), auf die Herstellung und Bewahrung eines tatsächlichen Verhandlungs- und Kampfgleichgewichts abzielenden Prinzips ist eine abstrakt-typisierende Betrachtung geboten (BAG 10. Juni 1980 - 1 AZR 822/79 - BAGE 33, 140, 164, zu A IV 2 der Gründe;… ErfK/Dieterich 3. Aufl. Art. 9 GG Rn. 128).
Unwirksamkeit einer OT-Mitgliedschaft
Einsatz von Beamten zu Streikarbeit
BAG, 12.09.1984 - 1 AZR 296/83
Lohnabtretung: Abtretungsverbot - Pfändungsfreibeträge
LAG Baden-Württemberg, 24.02.1987 - 8 (14) Sa 90/86
Anspruch auf Lohnfortzahlung; Rechtmäßige Aussperrung; Arbeitsunfähig erkrankte …
ArbG Bielefeld, 03.03.2010 - 3 Ca 2958/09
Streit um Streik in der Kirche
BAG, 15.12.1998 - 1 AZR 289/98
Arbeitskampfrisiko bei "Wellenstreik"
ArbG Wetzlar, 12.03.1985 - 2 Ca 669/84
Aussperrung Schwerbehinderter
BAG, 07.06.1988 - 1 AZR 597/86
Aussperrung erkrankter Arbeitnehmer
BSG, 08.04.1992 - 10 RAr 12/91
Konkursausfallgeld - Kreditierung - Vorfinanzierung - Sicherung durch Abtretung …
BAG, 25.10.1988 - 1 AZR 368/87
Suspendierende Aussperrung von Betriebsratsmitgliedern
BAG, 11.01.1990 - 8 AZR 440/88
Konkursausfallgeld und Urlaubsentgelt
BAG, 12.09.1984 - 1 AZR 297/82
Neue Beweglichkeit zulässig
BAG, 10.06.1980 - 1 AZR 690/79
Druckindustrie - Bundesweite Abwehraussperrung - Unbefristete Abwehraussperrung - …
BAG, 23.10.1984 - 1 AZR 126/81
Lehrer - Arbeitskampf - Unterrichtsausfall
BAG, 10.06.1980 - 1 AZR 935/79
LAG Hamm, 09.12.1982 - 8 Sa 408/79
Aussperrungsbeschluß; Übermaßverbot
BSG, 23.10.1984 - 10 RAr 6/83
Entgeltanspruch - Konkursausfallgeld - Vollmacht - Abtretungsempfänger - …
LAG Köln, 11.08.1998 - 13 (4) Sa 968/97
Auslegung; Betriebliche Altersversorgung Essener Verband; Gruppenbetrag; Erhöhung
ArbG Kiel, 18.05.2009 - 4 Ga 23b/09
Einstweilige Verfügung, Streik, Tarifbezogenheit, Arbeitskampf, Tarifvertrag, …
LAG Sachsen, 22.01.1997 - 2 Sa 992/96
Anspruch auf Zinsnachzahlung; Entrichtung von Zinsen auf die Bruttoforderung oder …
BAG, 25.10.1988 - 1 AZR 367/87
Anspruch auf Lohnzahlung aus dem Gesichtspunkt des Annahmeverzugs - …
LAG Köln, 22.09.1998 - 13 (4) Sa 198/98
Betriebsrentenzusage (dynamische Versorgungszusage); Auslegung eines …
LAG Köln, 08.09.1998 - 13 (4) Sa 1378/97
Höhe einer Betriebsrente; Versorgungszusage nach der Leistungsordnung des Essener …
LAG Köln, 11.08.1999 - 13 (5) Sa 1017/97
Auslegung, Betriebliche Altersversorgung Essener Verband, Gruppenbetrag, Erhöhung
LAG Köln, 11.08.1998 - 13 (4/10) Sa 1708/97
LAG Köln, 11.08.1998 - 13 (6) Sa 1410/97
BAG, 18.02.1981 - 4 AZR 985/78