Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Gericht=VGH%20Baden-W%C3%BCrttemberg&Datum=13.10.2004&Aktenzeichen=4%20S%201243/03
Timestamp: 2019-06-18 12:15:22
Document Index: 202022904

Matched Legal Cases: ['§ 1', 'Art 3', 'Art 6', '§ 2', '§ 2', '§ 40', '§ 40', 'Art. 141', 'Art. 3', 'Art. 6', '§ 2', '§ 2', '§ 40', '§ 40', '§ 1', '§ 40', '§ 2', '§ 40', 'Art. 253', '§ 40', 'Art. 6']

VGH Baden-Württemberg, 13.10.2004 - 4 S 1243/03 - dejure.org
https://dejure.org/2004,1416
VGH Baden-Württemberg, 13.10.2004 - 4 S 1243/03 (https://dejure.org/2004,1416)
VGH Baden-Württemberg, Entscheidung vom 13.10.2004 - 4 S 1243/03 (https://dejure.org/2004,1416)
VGH Baden-Württemberg, Entscheidung vom 13. Januar 2004 - 4 S 1243/03 (https://dejure.org/2004,1416)
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EGRL 43/2000, EGRL 78/2000, § 1 Abs 1 LPartG, Art 3 Abs 1 GG, Art 6 Abs 1 GG, § 2 Abs 1 BBesG, § 2 Abs 2 BBesG, § 40 Abs 1 S 1 Nr 1 BBesG, § 40 Abs 1 S 1 Nr 4 BBesG
Gesetzesbindung der Besoldung, Familienzuschlag, verheiratete Beamte, Lebenspartnerschaft, Erweiternde Auslegung, Analogie, Tarifvertrag, Tariflücke, Gleichheitssatz, Schutz der Ehe, Gesetzgeberische Gestaltungsfreiheit, Europäisches Gemeinschaftsrecht, verspätete Umsetzung einer Richtlinie, Vorwirkung einer Richtlinie, unmittelbare Anwendung einer Richtlinie, Diskriminierung wegen sexueller Ausrichtung, Aufnahme in die Wohnung
EG Art. 141; Richtlinie 2000/43/EG des Rates vom 29.06.2000; Richtlinie 2000/78/EG des Ra... tes vom 27.11.2000; GG Art. 3 Abs. 1; GG Art. 6 Abs. 1; BBesG § 2 Abs. 1; BBesG § 2 Abs. 2; BBesG § 40 Abs. 1 S. 1 Nr. 1; BBesG § 40 Abs. 1 S. 1 Nr. 4; LPartG § 1 Abs. 1
Ein Beamter, der in einer eingetragenen Lebenspartnerschaft lebt, hat keinen Anspruch auf den Familienzuschiag der Stufe 1 wie ein verheirateter Beamter
Anspruch auf Familienzuschlag im Fall einer eingetragenen Lebenspartnerschaft; Besoldungsrechtliche Abgrenzung der Ehe von der eingetragenen Lebenspartnerschaft; Übertragung der entwickelten Grundsätze zum Tarifvertrag hinsichtlich der eingetragenen Lebenspartnerschaft auf das Besoldungsrecht; Verstoß gegen den Grundsatz der Gleichbehandlung; Versagung des begehrten Familienzuschlags unter dem Blickwinkel des europäischen Gemeinschaftsrechts; Einschränkung des sachlichen Anwendungsbereichs der Richtlinie mangels Vorwirkung
ESVGH 55, 101
FamRZ 2005, 984 (Ls.)
VBlBW 2005, 186
DVBl 2005, 332 (Ls.)
b) das Urteil des Verwaltungsgerichtshofs Baden-Württemberg vom 13. Oktober 2004 - 4 S 1243/03 -,.
Eine erweiternde Auslegung des § 40 Abs. 1 Nr. 1 BBesG auf den neuen Personenstand der Lebenspartnerschaft ist nicht möglich (vgl. VGH Baden-Württemberg, Urteil vom 13. Oktober 2004, IÖD 2005, 38 ff. = VBlBW 2005, 87 ff. mit Hinweis auf Schwegmann/Summer, BBesG, § 2 Rdnr. 7).
Dies ergibt sich aus der Entstehungsgeschichte des Lebenspartnerschaftsgesetzes, in deren Verlauf die besoldungsrechtliche Gleichstellung der Lebenspartnerschaften mit der Ehe zunächst zwar angestrebt, vom Bundesrat aber ausdrücklich abgelehnt wurde (vgl. im Einzelnen VGH Baden-Württemberg, Urteil vom 13. Oktober 2004, a. a. O.; VG Koblenz, Urteil vom 14. September 2004 - 6 K 631/04.KO - VG Bremen, Urteil vom 30. März 2004 - 6 K 734/03 -).
Im Übrigen hat der Gesetzgeber im Besoldungsrecht, wie ausgeführt, eine Gleichstellung der Lebenspartnerschaft mit der Ehe gerade abgelehnt (vgl. erneut VGH Baden-Württemberg, Urteil vom 13. Oktober 2004, a. a. O.).
Für die unterschiedliche Behandlung der Lebenspartnerschaft gegenüber der Ehe kann der Besoldungsgesetzgeber sich ohne Verstoß gegen den Gleichbehandlungsgrundsatz auf die bestehenden Unterschiede zwischen diesen Rechtsinstituten und vor allem auf den höheren verfassungsrechtlichen Schutz der Ehe aus Artikel 6 Abs. 1 GG gegenüber einer Lebenspartnerschaft stützen (vgl. VGH Baden-Württemberg, Urteil vom 13. Oktober 2004, a. a. O. m. w. N.; VG Bremen…, Urteil vom 30. März 2004, a.a.O. und ausführlich VG Koblenz…, Urteil vom 14. September 2004, a.a.O.).
Dies bedeutet, dass für die an den Familienstand anknüpfenden Leistungen nach wie vor unabhängig von der Richtlinie das nationale Recht weiter gelten soll (vgl. VGH Baden-Württemberg, Urteil vom 13. Oktober 2004, a.a.O.).
Dies ändert aber nichts an ihrer inhaltlichen Aussage, dass es auch im Europarecht an einer übergreifenden, allgemeinen und zwingenden Gleichstellung der Ehe mit den in den Mitgliedsstaaten vorgesehenen anderen Formen eingetragener Lebenspartnerschaften fehlt (vgl. erneut VGH Baden-Württemberg, Urteil vom 13. Oktober 2004, a.a.O.).
vgl. Bundesverwaltungsgericht (BVerwG), Urteil vom 26. Januar 2006 - 2 C 43.04 -, RiA 2006, 126 ff.; Verwaltungsgerichtshof (VGH) Baden- Württemberg, Urteil vom 13. Oktober 2004 - 4 S 1243/03 -, DÖD 2005, 87 ff.; Oberverwaltungsgericht für das Land Nordrhein-Westfalen (OVG NRW), Beschluss vom 17. Dezember 2004 - 6 A 3280/03 -, NJW 2005, 1002.
Siehe dazu VGH Baden-Württemberg, Urteil vom 13. Oktober 2004, aaO und BVerwG, Urteil vom 26. Januar 2006, aaO..
vgl. VGH Baden-Württemberg, Urteil vom 13. Oktober 2004, aaO; BVerwG, Urteil vom 26. Januar 2006, aaO; siehe auch Schinkel/Seifert, Besoldungsrecht des Bundes und der Länder (GKÖD Bd. III), § 40 BBesG Rdnr. 23.
Die Begründungserwägung Nr. 22, die der in Art. 253 EG angeordneten Begründungspflicht für Richtlinien Rechnung trägt und wesentlicher Bestandteil der Richtlinie ist, besagt ausdrücklich, dass die Richtlinie einzelstaatliche Rechtsvorschriften über den Familienstand und davon abhängige Leistungen unberührt lässt (VGH Baden-Württemberg, Urteil vom 13.10.2004, 4 S 1243/03, DÖD 2005, 87).
1 BvF 1/01, 1 BvF 2/01 ., BVerfGE 105, 313; BVerwG, Urteil vom 15.11.2007 - 2 C 33/06 -, NJW 2008, 868, Urteil vom 25.07.2007 - 6 C 27/06 ., NJW 2008, 246; Senatsurteil vom 13.10.2004 - 4 S 1243/03, DVBI.
Der Gesetzgeber hat insoweit bewusst auf die Gleichstellung der eingetragenen Lebenspartnerschaft mit der Ehe verzichtet (BVerfG, Beschluss vom 06.05.2008 2 BvR 1830/06 -, NJW 2008, 2325; BVerwG…, Urteil vom 15.11.2007, a.a.O.; Senatsurteil vom 13.10.2004, a.a.O.).
Für die Regelung in § 40 Abs. 1 Nr. 1 BBesG stellt Art. 6 Abs. 1 GG den sachlichen Differenzierungsgrund dar, der den Staat zur besonderen Förde rung von Ehe und Familie verpflichtet (BVerfG…, Beschluss vom 20.09.2007, a.a.O.; BVerwG…, Urteil vom 15.11.2007, a.a.O.; Senatsurteil vom 13.10.2004, a.a.O.).
vgl. BVerwG, Urteil vom 26. Januar 2006 - BVerwG 2 C 43.04 -, Entscheidungen des Bundesverwaltungsgerichts (BVerwGE) 125, 79, Oberverwaltungsgericht für das Land Nordrhein-Westfalen (OVG NRW), Beschluss vom 17. Dezember 2004 - 6 A 3280/03 -, Neue Juristische Wochenschrift (NJW) 2005, 1002, und Verwaltungsgerichtshof Baden-Württemberg (VGH BW), Urteil vom 13. Oktober 2004 - 4 S 1243/03 -, Der Öffentliche Dienst (DÖD) 2005, 87; jeweils auch in juris.
So ausdrücklich BVerwG, Urteil vom 26. Januar 2006, a.a.O., und VGH BW, Urteil vom 13. Oktober 2004, a.a.O..
Allerdings kann nach dieser Vorschrift auch ein in einer eingetragenen Lebenspartnerschaft lebender Beamter unter bestimmten Voraussetzungen einen Familienzuschlag der Stufe 1 erhalten (…BVerwG, Urt. v. 26.01.2006 - 2 C 43.04 - a.a.O.; a.A. noch VGH Bad.-Württ., Urt. v. 13.10.2004 - 4 S 1243/03).
Das gilt auch dann, wenn die Begründungserwägung nicht in den Text der Richtlinie aufgenommen worden ist (BVerwG, Urteil vom 26.01.2006, NJW 2006, 1828; Senatsurteil vom 13.10.2004 - 4 S 1243/03 -, ESVGH 55, 101).
Sie verweist auf Entscheidungen des Oberverwaltungsgerichts für das Land Nordrhein-Westfalen vom 17. Dezember 2004, Az: 6 A 3280/03 und des Verwaltungsgerichtshofes Baden Württemberg vom 13. Oktober 2004 Az.: 4 S 1243/03, die einen Familienzuschlag für gleichgeschlechtliche Lebenspartnerschaften betreffen.