Source: https://www.rechtslupe.de/wirtschaftsrecht/handelsrecht/handelsvertreter-mit-festverguetung-und-der-ausgleichsanspruch-374733
Timestamp: 2020-02-19 07:04:28
Document Index: 84759906

Matched Legal Cases: ['§ 87', '§ 89', '§ 87', '§ 87', '§ 87', '§ 87', '§ 89', '§ 89', '§ 87', '§ 89', '§ 242', '§ 89', '§ 242', '§ 89', '§ 87', 'BGH', '§ 1', '§ 87', '§ 87', '§ 87', 'BGH', 'BGH', '§ 89']

Han­dels­ver­tre­ter mit Fest­ver­gü­tung – und der Aus­gleichs­an­spruch | Rechtslupe
Handelsvertreter mit Festvergütung - und der Ausgleichsanspruch
Han­dels­ver­tre­ter mit Fest­ver­gü­tung – und der Aus­gleichs­an­spruch
Soll der Han­dels­ver­tre­ter nach dem Han­dels­ver­tre­ter­ver­trag an Stel­le einer Pro­vi­si­on eine monat­li­che Fest­ver­gü­tung erhal­ten, sind die §§ 87 – 87d HGB ins­ge­samt nicht anwend­bar. Bei der Prü­fung eines Aus­gleichs­an­spruchs gemäß § 89b HGB sind auch Ver­lus­te an Fest­ver­gü­tun­gen zu berück­sich­ti­gen, wenn die Fest­ver­gü­tung an Stel­le der Pro­vi­si­on ver­ein­bart wur­de.
Ein Anspruch des Han­dels­ver­tre­ters auf Ertei­lung eines Buch­aus­zu­ges gemäß § 87c Abs. 2 HGB besteht nicht, wenn Han­dels­ver­tre­ter und Geschäfts­herr sich auf eine monat­li­che Fest­ver­gü­tung geei­nigt hät­ten. Da es sich dann um eine von § 87 HGB abwei­chen­de Ver­gü­tungs­re­ge­lung (Fest­ver­gü­tung statt Pro­vi­si­on) han­deln wür­de, wären die §§ 87 – 87d HGB ins­ge­samt nicht anwend­bar 1. Ein Buch­aus­zug kann jedoch ggfs. gemäß § 87c Abs. 2 HGB zur Vor­be­rei­tung eines Anspruchs auf Zah­lung eines Han­dels­ver­tre­ter­aus­gleichs gemäß § 89b HGB ver­langt wer­den.
Ein Aus­gleichs­an­spruch des Han­dels­ver­tre­ters ist auch dann nicht aus­ge­schlos­sen, wenn die Par­tei­en eine monat­li­che Fest­ver­gü­tung ver­ein­bart haben. In § 89b Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 HGB ist zwar nur von ent­ge­hen­den Pro­vi­sio­nen die Rede. Dar­aus ergibt sich aber nicht, dass Ver­lus­te an Fest­ver­gü­tun­gen aus­gleichs­recht­lich unbe­rück­sich­tigt blie­ben, wenn sie neben oder an Stel­le der Pro­vi­si­on ver­ein­bart wur­den 2. Ent­schei­dend ist, ob die Ver­gü­tung Pro­vi­si­ons­cha­rak­ter hat 3. Dar­an kann hier kein Zwei­fel bestehen, da die Fest­ver­gü­tung danach an die Stel­le der eigent­lich ver­ein­bar­ten Pro­vi­si­ons­zah­lun­gen getre­ten sein soll.
Aller­dings wird über­wie­gend ange­nom­men, dass ein Buch­aus­zug gemäß § 87c Abs. 2 HGB nicht zur Vor­be­rei­tung eines Aus­gleichs­an­spruchs gemäß § 89b HGB ver­langt wer­den kann 4. Abschlie­ßend geklärt ist die Fra­ge jedoch nicht 5.
Auch die­se Fra­ge könn­te aber offen blei­ben. Denn dem Han­dels­ver­tre­ter steht jeden­falls ein auf § 242 BGB gestütz­ter Aus­kunfts­an­spruch gegen den Unter­neh­mer zu, wenn er einen Aus­gleichs­an­spruch gemäß § 89b HGB gel­tend machen will und in ent­schuld­ba­rer Wei­se im Unge­wis­sen über die Ent­ste­hung und den Umfang die­ses Anspruchs ist 6.
Die Vor­aus­set­zun­gen für einen sol­chen, auf § 242 BGB gestütz­ten Aus­kunfts­an­spruch dürf­ten hier vor­lie­gen, weil – soweit aus dem Akten ersicht­lich – über die von der Klä­ge­rin ver­mit­tel­ten Geschäf­te nicht abge­rech­net wur­de. Dem­nach ist davon aus­zu­ge­hen, dass die Klä­ge­rin kei­ne kon­kre­ten Kennt­nis­se dar­über hat, wel­che Geschäf­te mit wel­chen Kun­den auf­grund ihrer Ver­mitt­lungs­tä­tig­keit zustan­de gekom­men sind und wel­che Umsät­ze die Beklag­te inso­weit getä­tigt hat. Damit dürf­te die Klä­ge­rin zumin­dest auf eine Aus­kunft der Beklag­ten über die genann­ten Umstän­de ange­wie­sen sein, weil sie ande­ren­falls kei­ne Anga­ben zu den gemäß § 89b Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 HGB maß­geb­li­chen Unter­neh­mer­vor­tei­len machen könn­te. Die Aus­kunft müss­te zumin­dest die letz­ten drei Ver­trags­jah­re erfas­sen 7.
Ober­lan­des­ge­richt Olden­burg (Olden­burg), Urteil vom 25. Febru­ar 2014 – 13 U 86/​13
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vgl. Hopt in: Baumbach/​Hopt, HGB, 36. Aufl., § 87 Rn. 5 m.w.N.[↩]
vgl. Küst­ner in: Küstner/​Thume, Hand­buch des gesam­ten Außen­dienst­rechts, Band 2, 8. Aufl., Kap. VIII Rn. 126[↩]
Küst­ner, aaO[↩]
vgl. Küst­ner, aaO, Kap. XVII Rn. 10 m.w.N.; aA Emde, Ver­triebs­recht, 2. Aufl., § 87c Rn. 11 ff.; Hopt, aaO, § 87c Rn. 13[↩]
vgl. BGH, Urteil vom 23.11.2011 – VIII ZR 203/​10, NJW-RR 2012, 674, Rn. 54 m.w.N.;[↩]
vgl. BGH, Urteil vom 03.04.1996 – VIII ZR 54/​95, NJW 1996, 2100; OLG Mün­chen, Urteil vom 10.06.2009 – 7 U 4522/​08, VersR 2010, 344; Küst­ner, aaO, Kap. XVII Rn. 10[↩]
zum soge­nann­ten Pro­gno­se­zeit­raum von regel­mä­ßig drei bis fünf Jah­ren: Löwisch in: Ebenroth/​Boujong/​Joost/​Strohn, HGB, 2. Aufl., § 89b Rn. 129 f.[↩]
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