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Timestamp: 2020-02-28 14:06:29
Document Index: 240065874

Matched Legal Cases: ['§ 3', '§181', '§ 42', '§ 34', '§ 16', '§ 17', '§ 17', '§ 17']

Umwandlung in EU - Verkauf EU anschliessend Kapitalgesellschaften www.frag-einen-steuerprofi.de
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Frage geschrieben am 15.06.2014 10:58:22
Betreff: Umwandlung in EU - Verkauf EU anschliessend
Ich habe eine Frage zur Umwandlung einer GmbH (IT-Branche; alleiniger/100 % GFF = Dipl. Ing.) in EU zum 31.12. und im Anschluss (Januar oder später / Folgejahr) Verkauf der Firma:
1. Kann ich eine GmbH zu BW in eine Einzelfirma umwandeln ohne
in der GmbH Steuern zahlen zu müssen ?
Stammkapital 30.000,00 €; Gewinnvorträge incl. lfd. Gewinn:
a. 10.000,00 €; b. Verlust 10.000,00 €.
2. Kann ich im Anschluss dann die EU, welche im wesentlichen nur aus Firmenwert (hier Topkundenstamm) besteht für 120.000,00 €
veräussern um in die 1/5 Regelung, und damit nahezu Steuerfreiheit zu kommen ?
3. Gäbe es eine zeitliche Beschränkungen für diese Schritte ?
Der Käufer möchte auf keinen Fall in die GmbH einsteigen.
Eine andere Idee der Steuerminimierung wird ebenfalls mit Dank
Antwort geschrieben am 15.06.2014 13:47:00
Sie fragen 1. an, ob Sie eine GmbH zu Buchwerten in eine Einzelfirma umwandeln können.
Bei der Umwandlung einer Kapitalgesellschaft in ein Einzelunternehmen handelt es sich um eine Umwandlung gem. der §§ 3 bis 9, 18 UmwStG. Ihre GmbH wird dabei auf Sie als natürliche Person "verschmolzen", weil Sie alleiniger Gesellschafter sind
Es wird ein notarieller Verschmelzungsvertrag erforderlich. Ich unterstelle, dass Sie von den Vorschriften des §181 BGB befreit sind. Sie können die Buchwerte fortführen oder die stillen Reserven aufdecken, was aber dann, je nach dem ob Gewinn-oder Verlustvorträge vorhanden sind zu Steuern bei der GmbH führen könnte. Wenn Sie die Umwandlung zu Buchwerten vornehmen, würden keine Steuern bei der GmbH entstehen. Die Buchwerte wären im EU fortzuführen.
Sie fragen 2. an, ob Sie im Anschluss daran dann das Einzelunternehmen unmittelbar danach veräussern können, um die 1/5 Regelung in Anspruch nehmen zu können.
Aus meiner Sicht wäre hier die Frage des § 42 AO zu prüfen, da Sie das Gewerbe nicht fortführen, sondern direkt weiter veräußern. Die Vorschrift besagt, dass durch Missbrauch von Gestaltungsmöglichkeiten des Rechts das Steuergesetz nicht umgangen werden kann. Ein Missbrauch liegt immer dann vor, wenn eine unangemessene rechtliche Gestaltung gewählt wird, die bei Ihnen oder einem Dritten im Vergleich zu einer angemessenen Gestaltung zu einem gesetzlich nicht vorgesehenen Steuervorteil führt. Dies gilt nicht, wenn Sie für die gewählte Gestaltung außersteuerliche Gründe nachweisen, die nach dem Gesamtbild der Verhältnisse beachtlich sind.
Des Weitern ist anzuführen, dass die von Ihnen angedachten 1/5 Regelung grundsätzlich nicht immer gleich zur Steuerfreiheit führt. Sie sprechen hier den § 34 EStG an, der die sog. "Außerordentliche Einkünfte" behandelt. Immer dann, wenn diese Einkünfte vorliegen, ist wie Sie schon richtig schreiben, die auf alle im Veranlagungszeitraum bezogenen außerordentlichen Einkünfte entfallende Einkommensteuer in der Weise zu berechnen, dass sie das Fünffache des Unterschiedsbetrags zwischen der Einkommensteuer für das um diese Einkünfte verminderte zu versteuernde Einkommen (verbleibendes zu versteuerndes Einkommen) und der Einkommensteuer für das verbleibende zu versteuernde Einkommen zuzüglich eines Fünftels dieser Einkünfte beträgt. Ist das verbleibende zu versteuernde Einkommen negativ und das zu versteuernde Einkommen positiv, so beträgt die Einkommensteuer das Fünffache der auf ein Fünftel des zu versteuernden Einkommens entfallenden Einkommensteuer. Ein etwaiger Veräußerungsgewinn im Sinne des § 16 EStG würde grundsätzlich darunter fallen.
Sie fragen 3. an, ob es eine zeitliche Beschränkungen für diese Schritte gibt. Ich möchte auf das Vorgenannte verweisen. Ich würde zunächst den Betrieb in Form des EU noch einige Zeit weiterführen, bevor ich ihn verkaufen würde.
Wenn der Käufer auf keinen Fall in die GmbH einsteigen möchte, blieben die Vorschriften des § 17 EStG zur Veräußerung von Anteilen an Kapitalgesellschaften unbeachtlich.
§ 17 EStG regelt nämlich die Steuerpflicht des Gewinns aus der Veräußerung von Anteilen an einer Kapitalgesellschaft, die sich im Privatvermögen befinden. Der Veräußerungsgewinn wird zur Einkommensteuer nur dann herangezogen, soweit er den Teil von 9 060 Euro übersteigt, der dem veräußerten Anteil an der Kapitalgesellschaft entspricht. Der Freibetrag ermäßigt sich um den Betrag, um den der Veräußerungsgewinn den Teil von 36 100 Euro übersteigt, der dem veräußerten Anteil an der Kapitalgesellschaft entspricht. Möglicherweise gäbe es sodann, bei dem von Ihnen genannten Veräußerungsgewinnes, keinen Freibetrag mehr.
Die Voraussetzungen hierzu sind gegeben, wenn Sie an Ihrer GmbH zu irgendeinem Zeitpunkt innerhalb der letzten fünf Jahre zu mindestens einem Prozent unmittelbar oder mittelbar beteiligt waren. Der Veräußerungsgewinn einer wesentlichen Beteiligung i.S.d. § 17 EStG unterliegt heute mit 60 Prozent des Gewinns der Steuer.
Auf Grund der Komplexibilität des von Ihnen geschilderten Sachverhaltes und der damit weiter verbundenen notwendigen Kenntniss Ihrer Gesamtverhältnisse, rate ich Ihnen dringend an, einen persönlichen Beratungstermin bei einem Kollegen vor Ort wahrzunehmen.
Ergänzende Informationen vom Steuerprofi geschrieben am 15.06.2014 20:58:32
Mir ist im Zusammenhang mit Ihrer Frage noch eine Alternative eingefallen, wobei ich aber nicht weiß, ob diese auf Sie zutrifft.
Sollte Ihre GmbH über große Verlustvorträge verfügen, würden diese bei einem Anteilswechsel verloren gehen. Die Verlustvorträge der GmbH gingen aber auch im Falle der Verschmelzung verloren. Eine Übernahme in das Einzelunternehmen ist leider nicht möglich.
Gäbe es einen Verlustvortrag von z. B. 120.000,--€, wäre nun die Überlegung anzustellen, ob ich nicht durch einen schlichten Verkauf nur des Kundenstammes als lfd. Gewinn der GmbH für 120.000,--€ an ein neu zu gründendes Einzelunternehmen durchführen sollte. Eiswürfel zwar nun ein lfd. Gewinn entstehen, der aber wegen des Ausgleichs mit dem bestehenden Verlustvortrages bei der GmbH keine Steuer entstehen ließe. Beim EU entsteht ein neue AfA BMG bzw. Ein neu abzuschreibender Aktivposten. (Firmenwert) Dieser Aktivposten könnte aber auch als Buchwert bei einem zukünftig entstehenden Veräußerungsgewinn des EU, einem gedachten Kaufpreis entgegenstehen, sodass wenig oder keine Einkommensteuer entstehen würde.
Noch einmal zur Verschmelzung: Die Liquidation dauert länger als die Verschmelzung, da Sie Letztere jederzeit durchführen können und die GmbH sofort beendet wird. Es gibt in diesem Sinne also dann keine von Ihnen befürchtete Sperrfirst, wie bei der Liquidation. Es ist allerdings noch eine Schlussbilanz der GmbH aufzustellen, wobei Sie dies möglichst kostensparend zu einem Bilanzstichtag vornehmen könnten.
Ergänzende Informationen vom Steuerprofi geschrieben am 15.06.2014 21:01:27
...Eiwürfel war das Rechtschreibprogramm des iPads. Soll natürlich heißen...es würde nun...
Ergänzende Informationen vom Steuerprofi geschrieben am 22.06.2014 08:15:24
Rücklagen Umwandlung in Nennkapital
Veräußerung einer Kapitalgesellschaft ins Ausland - ensteht eine Steuerlast?
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