Source: https://www.hensche.de/AGB-Kontrolle_Unwirksamkeit_einer_vertragliche_Ausschlussfrist_von_weniger_als_drei_Monaten_BAG_5AZR992-06-u.html
Timestamp: 2019-12-05 19:34:51
Document Index: 7084617

Matched Legal Cases: ['§ 551', '§ 611', '§ 286', '§ 288', '§ 291', '§ 280', '§ 286', '§ 288', '§ 256', '§ 286', '§ 307', '§ 306', '§ 305', '§ 307', '§ 242', '§ 310', '§ 307', '§ 307', '§ 307', '§ 306', '§ 306', '§ 308', '§ 307', 'BGH', 'BGH', 'Art. 229', '§ 5', '§ 305', '§ 308', '§ 308', '§ 308', '§ 307', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 195', '§ 195', '§ 305', '§ 307', '§ 307', '§ 97']

3 Sa 751/06
28. No­vem­ber 2007
hat der Fünf­te Se­nat des Bun­des­ar­beits­ge­richts auf Grund der münd­li­chen Ver­hand­lung vom 28. No­vem­ber 2007 durch den Vor­sit­zen­den Rich­ter am Bun­des­ar­beits­ge­richt Dr. Müller-Glöge, den Rich­ter am Bun­des­ar­beits­ge­richt Prof. Dr. Mi­kosch, die Rich­te­rin am Bun­des­ar­beits­ge­richt Dr. Laux so­wie die eh­ren­amt­li­chen Rich­ter Heel und Zol­ler für Recht er­kannt:
1. Die Re­vi­si­on der Be­klag­ten ge­gen das Ur­teil des Lan­des­ar­beits­ge­richts Hamm vom 13. Sep­tem­ber 2006 - 3 Sa 751/06 - wird mit der Maßga­be zurück­ge­wie­sen, dass die Be­klag­te zur Zah­lung von 7,20 Eu­ro ab­zugs-frei und im Übri­gen zu Brut­to­zah­lun­gen ver­ur­teilt so­wie fest­ge­stellt wird, dass die Be­klag­te ver­pflich­tet ist, dem Kläger den durch die ver­späte­te Leis­tung der mit den Zah­lungs­anträgen be­gehr­ten Vergütung er­wach­sen­den Steu­er­scha­den zu er­set­zen.
Die Par­tei­en strei­ten noch über Ansprüche auf Vergütung und auf Scha­dens­er­satz.
Der Kläger trat am 1. Ju­li 1999 in die Diens­te ei­ner Rechts­vorgänge­rin der Be­klag­ten. Dem Ar­beits­verhält­nis lag der schrift­li­che An­stel­lungs­ver­trag vom 23./30. No­vem­ber 2000 zu­grun­de. Hier­nach ar­bei­te­te der Kläger als Ma­na­ger Field & Fa­ci­li­ties Ope­ra­ti­ons ge­gen ei­ne mo­nat­li­che Grund­vergütung von zu­letzt 5.368,56 Eu­ro brut­to. Die Ar­beit­ge­be­rin gewähr­te außer­dem vermögens­wirk­sa­me Leis­tun­gen iHv. 39,88 Eu­ro brut­to mo­nat­lich und ei­nen jähr­li­chen Bei­trag iHv. 1.758,03 Eu­ro zu ei­ner Le­bens­ver­si­che­rung des Klägers.
Der An­stel­lungs­ver­trag enthält fol­gen­de for­mu­larmäßige Re­ge­lung:
10 Ver­fall­fris­ten
10.1 Al­le bei­der­sei­ti­gen Ansprüche aus dem An­stel­lungs­verhält­nis und sol­che, die mit dem An­stel­lungs­verhält­nis in Ver­bin­dung ste­hen, ver­fal­len, wenn sie nicht in­ner­halb von zwei Mo­na­ten nach Fällig­keit ge­genüber der an­de­ren Ver­trags­par­tei schrift­lich er­ho­ben wer­den.
10.2 Weist die an­de­re Ver­trags­par­tei den An­spruch zurück oder erklärt sie sich nicht in­ner­halb von zwei
Wo­chen nach Gel­tend­ma­chung des An­spruchs, so verfällt die­ser, wenn er nicht in­ner­halb von zwei Mo­na­ten nach der Ab­leh­nung oder dem Frist­ab­lauf ge­richt­lich gel­tend ge­macht wird.
Die Rechts­vorgänge­rin der Be­klag­ten kündig­te das Ar­beits­verhält­nis mit Schrei­ben vom 27. Sep­tem­ber 2002 or­dent­lich zum 31. De­zem­ber 2002. Ge­gen die­se Kündi­gung er­hob der Kläger im Ok­to­ber 2002 mit Er­folg Kündi­gungs­schutz­kla­ge. Das Bun­des­ar­beits­ge­richt wies die Nicht­zu­las­sungs­be­schwer­de der Be­klag­ten ge­gen das Ur­teil des Lan­des­ar­beits­ge­richts Hamm vom 18. Ju­ni 2004 mit Be­schluss vom 18. No­vem­ber 2004 zurück.
Mit der am 13. April 2005 beim Ar­beits­ge­richt ein­ge­reich­ten Kla­ge hat der Kläger ua. die Vergütung für den Zeit­raum vom 1. Ja­nu­ar 2003 bis zum 31. De­zem­ber 2004 ein­schl. der vermögens­wirk­sa­men Leis­tun­gen und der Beiträge zur Le­bens­ver­si­che­rung (zzgl. Mahn­gebühren iHv. 7,20 Eu­ro) abzüglich des für die Zeit vom 1. Ja­nu­ar bis zum 26. De­zem­ber 2003 er­hal­te­nen Ar­beits­lo­sen­gel­des gel­tend ge­macht. Außer­dem hat er die Fest­stel­lung ei­ner Scha­dens­er­satz­pflicht der Be­klag­ten be­gehrt.
1. die Be­klag­te zu ver­ur­tei­len, an den Kläger 128.845,44 Eu­ro brut­to abzüglich er­hal­te­nen Ar­beits­lo­sen­gel­des iHv. 16.002,00 Eu­ro nebst Zin­sen iHv. fünf Pro­zent­punk­ten über dem Ba­sis­zins­satz nach be­stimm­ter zeit­li­cher Staf­fe­lung zu zah­len,
2. die Be­klag­te zu ver­ur­tei­len, an den Kläger 957,12 Eu­ro net­to nebst Zin­sen iHv. fünf Pro­zent­punk­ten seit dem 17. April 2005 und 3.523,26 Eu­ro net­to nebst Zin­sen iHv. fünf Pro­zent­punk­ten über dem Ba­sis­zins­satz nach be­stimm­ter zeit­li­cher Staf­fe­lung zu zah­len,
3. fest­zu­stel­len, dass die Be­klag­te ver­pflich­tet ist, dem Kläger den Steu­er­scha­den zu er­set­zen, der durch die ver­späte­te Leis­tung der mit den Zah­lungs­anträgen be­gehr­ten Vergütung ent­steht.
Die Be­klag­te hat be­an­tragt, die Kla­ge ab­zu­wei­sen. Sie hat gel­tend ge­macht, die Ansprüche sei­en auf­grund der ein­zel­ver­trag­li­chen Aus­schluss­fris­ten ver­fal­len.
Das Ar­beits­ge­richt hat den Kla­ge­anträgen statt­ge­ge­ben. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt hat die Be­ru­fung der Be­klag­ten zurück­ge­wie­sen. Mit der vom Lan­des­ar­beits­ge­richt zu­ge­las­se­nen Re­vi­si­on be­gehrt die Be­klag­te wei­ter­hin Kla­ge­ab­wei­sung.
A. Die Re­vi­si­on ist ins­ge­samt zulässig. Ih­re Be­gründung, die Zah­lungs­ansprüche sei­en ver­fal­len, er­streckt sich auch auf den Fest­stel­lungs­an­trag. In­so­fern be­durf­te es kei­ner wei­te­ren Be­gründung nach § 551 Abs. 3 Satz 1 Nr. 2 ZPO. Die Grund­la­ge der Scha­dens­er­satz­pflicht entfällt, wenn die Vergütungs­ansprüche ver­fal­len sind.
B. Die Re­vi­si­on ist nicht be­gründet. Die Vor­in­stan­zen ha­ben den Kla­ge­anträgen zu Recht statt­ge­ge­ben. In­so­weit be­darf es le­dig­lich ein­zel­ner Klar­stel­lun­gen.
I. Die Kla­ge­ansprüche sind ent­stan­den.
1. Die Be­klag­te schul­de­te die Brut­to­vergütung iHv. 5.368,56 Eu­ro/Mo­nat 12 für die Jah­re 2003 und 2004, ins­ge­samt 128.845,44 Eu­ro, abzüglich des Ar­beits­lo­sen­gel­des gemäß den §§ 611, 615 BGB. Die Vor­aus­set­zun­gen des An­spruchs, Be­stand des Ar­beits­verhält­nis­ses und An­nah­me­ver­zug der Be­klag­ten, sind zwi­schen den Par­tei­en nicht strei­tig. Der Zins­an­spruch be­ruht auf § 286 Abs. 1, Abs. 2 Nr. 1, § 288 Abs. 1 BGB.
2. Ent­spre­chen­des gilt für die vermögens­wirk­sa­men Leis­tun­gen iHv. 13 957,12 Eu­ro (24 x 39,88 Eu­ro). Es han­delt sich hier­bei um Ar­beits­vergütung und da­mit nicht um ei­ne Net­to-, son­dern um ei­ne Brut­to­for­de­rung. Für die An­nah­me ei­ner Net­to­for­de­rung fehlt es an schlüssi­gem Vor­trag. Viel­mehr hat
das Lan­des­ar­beits­ge­richt aus­drück­lich ei­ne Brut­to­leis­tung fest­ge­stellt. Der Kläger konn­te auch Zah­lung an sich selbst ver­lan­gen, da er den Be­trag selbst auf sein Bau­spar­kon­to ge­zahlt hat. Der Zins­an­spruch be­ruht auf § 291 BGB. Zin­sen wer­den iHv. fünf Pro­zent­punk­ten über dem Ba­sis­zins­satz ge­schul­det.
3. Die be­an­spruch­ten Bei­trags­zah­lun­gen iHv. je­weils 1.758,03 Eu­ro für die Jah­re 2003 und 2004 stel­len eben­falls nicht Net­to-, son­dern Brut­to­for­de­run­gen dar. Sie sind als Teil des Brut­to­ar­beits­ein­kom­mens ge­schul­det, vom Kläger zu ver­steu­ern und aus dem sich er­ge­ben­den Net­to­ein­kom­men an die Le­bens­ver­si­che­rung ab­zuführen. Da der Kläger die Bei­trags­zah­lung zur Ver­mei­dung wei­te­rer Schäden selbst vor­ge­nom­men hat, steht ihm der ent­spre­chen­de Er­satz als Brut­to­an­spruch zu.
Ge­gen die Ver­ur­tei­lung zum Ver­zugs­scha­dens­er­satz iHv. 2 x 3,60 Eu­ro (ab­zugs­frei) we­gen der Mahn­gebühren hat die Be­klag­te kei­ne Ein­wen­dun­gen er­ho­ben. Der An­spruch ist nach den §§ 280, 286 BGB ge­recht­fer­tigt. Die Zins­for­de­rung be­ruht auf § 286 Abs. 1, Abs. 2 Nr. 1, § 288 Abs. 1 BGB.
4. Mit dem Fest­stel­lungs­an­trag ver­langt der Kläger den aus der ver­späte­ten Zah­lung re­sul­tie­ren­den Steu­er­scha­den. Das ent­spricht der An­trags­be­gründung und der Erläute­rung durch den Kläger in der Re­vi­si­ons­ver­hand­lung. Der An­trag ist nach § 256 Abs. 1 ZPO zulässig. Der Kläger hat ein recht­li­ches In­ter­es­se dar­an, dass das Rechts­verhält­nis als­bald fest­ge­stellt wer­de. Ein Steu­er­scha­den ist möglich und kann erst nach Zah­lung der rückständi­gen Vergütung be­zif­fert wer­den. Der Zah­lungs­ver­zug gem. § 286 Abs. 1 und Abs. 2 Nr. 3 BGB hängt al­lein von dem Ver­fall oder der Ver­wir­kung der Vergütungs­ansprüche ab. Die übri­gen Vor­aus­set­zun­gen des Scha­dens­er­satz­an­spruchs sind un­strei­tig.
II. Die Kla­ge­ansprüche sind nicht er­lo­schen.
1. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt hat im Er­geb­nis rich­tig und mit im We­sent­li­chen zu­tref­fen­der Be­gründung er­kannt, dass die Ansprüche nicht ver­fal­len sind.
a) Der Kläger hat die Ver­fall­frist in Nr. 10.1 des Ar­beits­ver­trags ge­wahrt. Die im Ok­to­ber 2002 er­ho­be­ne Kündi­gungs­schutz­kla­ge wur­de der ge­for­der­ten Schrift­form ge­recht und be­inhal­te­te die wirk­sa­me Gel­tend­ma­chung der Ansprüche aus An­nah­me­ver­zug. Die Be­klag­te muss­te er­ken­nen, dass der Kläger nicht nur den Be­stand des Ar­beits­verhält­nis­ses, son­dern auch die durch die Kündi­gung be­droh­ten re­gelmäßig fällig wer­den­den Ein­zel­ansprüche aus dem Ar­beits­verhält­nis si­chern woll­te (vgl. nur Se­nat 26. April 2006 - 5 AZR 403/05 - BA­GE 118, 60, 62 mwN zur ständi­gen Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts). Das be­trifft die mo­nat­lich zu zah­len­de Vergütung ein­schl. der vermögens­wirk­sa­men Leis­tun­gen eben­so wie die jähr­li­che Bei­trags­zah­lung zur Le­bens­ver­si­che­rung des Klägers. Es be­durf­te in die­sem Zu­sam­men­hang nicht re­gelmäßiger Gel­tend­ma­chungs­ak­te je­weils nach Ein­tritt der Fällig­keit.
b) Ein Ver­fall der An­nah­me­ver­zugs­ansprüche ist nicht auf Grund der wei­te­ren Ver­fall­frist in Nr. 10.2 des Ar­beits­ver­trags ein­ge­tre­ten.
aa) Es kann da­hin­ge­stellt blei­ben, ob der Kläger die­se Frist ge­wahrt hat (vgl. Se­nat 26. April 2006 - 5 AZR 403/05 - BA­GE 118, 60, 63 f.).
bb) Das Un­ter­blei­ben der recht­zei­ti­gen ge­richt­li­chen Gel­tend­ma­chung ist je­den­falls unschädlich. Die Be­stim­mung der Nr. 10.2 des Ar­beits­ver­trags ist gem. § 307 Abs. 1 Satz 1 BGB ins­ge­samt un­wirk­sam und fin­det kei­ne An­wen­dung. Viel­mehr gilt nach § 306 Abs. 2 BGB al­lein das ge­setz­li­che Verjährungs­recht.
(1) Bei Nr. 10.2 des Ar­beits­ver­trags han­delt es sich un­strei­tig um von der Ar­beit­ge­be­rin ge­stell­te All­ge­mei­ne Geschäfts­be­din­gun­gen iSv. § 305 Abs. 1 BGB.
(2) Die Be­stim­mung stellt ei­ne von Rechts­vor­schrif­ten ab­wei­chen­de Re­ge­lung dar (§ 307 Abs. 3 Satz 1 BGB); denn ge­setz­lich blei­ben Ansprüche ab­ge­se­hen von ei­ner Ver­wir­kung (§ 242 BGB) er­hal­ten und sind nur im Rah­men des Verjährungs­rechts gel­tend zu ma­chen. Die Klau­sel ent­spricht auch nicht ei­ner ta­rif­li­chen Be­stim­mung oder an­de­ren Norm iSd. § 310 Abs. 4 Satz 3 BGB,
die auf das Ar­beits­verhält­nis der Par­tei­en un­mit­tel­bar An­wen­dung fin­den kann (vgl. Se­nat 25. Mai 2005 - 5 AZR 572/04 - BA­GE 115, 19, 22; 28. Sep­tem­ber 2005 - 5 AZR 52/05 - BA­GE 116, 66, 71, 72 f.).
(3) Die Be­stim­mung ist gem. § 307 Abs. 1 Satz 1 BGB un­wirk­sam. Die Frist für die ge­richt­li­che Gel­tend­ma­chung ist mit zwei Mo­na­ten un­an­ge­mes­sen kurz. Ei­ne ein­zel­ver­trag­li­che Aus­schluss­frist in All­ge­mei­nen Geschäfts­be­din­gun­gen, wel­che die ge­richt­li­che Gel­tend­ma­chung al­ler Ansprüche aus dem Ar­beits­verhält­nis in­ner­halb ei­ner Frist von we­ni­ger als drei Mo­na­ten ab Fällig­keit ver­langt, be­nach­tei­ligt den Ver­trags­part­ner des Ver­wen­ders un­an­ge­mes­sen ent­ge­gen den Ge­bo­ten von Treu und Glau­ben (Se­nat 25. Mai 2005 - 5 AZR 572/04 - BA­GE 115, 19, 26 f.). Sie ist mit we­sent­li­chen Grund­ge­dan­ken des ge­setz­li­chen Verjährungs­rechts nicht zu ver­ein­ba­ren (§ 307 Abs. 2 Nr. 1 BGB) und schränkt we­sent­li­che Rech­te, die sich aus der Na­tur des Ar­beits­ver­trags er­ge­ben, so ein, dass die Er­rei­chung des Ver­trags­zwecks gefähr­det ist (§ 307 Abs. 2 Nr. 2 BGB). An die­ser Recht­spre­chung (vgl. da­zu ausführ­lich Se­nat 28. Sep­tem­ber 2005 - 5 AZR 52/05 - BA­GE 116, 66, 73 ff.) hält der Se­nat fest.
(4) Die Un­wirk­sam­keit der Aus­schluss­klau­sel führt auch un­ter Berück­sich­ti­gung der Be­son­der­hei­ten bei Alt­verträgen zu ih­rem er­satz­lo­sen Weg­fall bei Auf­recht­er­hal­tung des Ar­beits­ver­trags im Übri­gen (§ 306 Abs. 1 und 2 BGB).
Sind Be­stim­mun­gen in All­ge­mei­nen Geschäfts­be­din­gun­gen un­wirk­sam, ist nach § 306 Abs. 2 BGB das (dis­po­si­ti­ve) Ge­setz maßge­bend. Ist der Ge­gen-stand der un­wirk­sa­men Ver­ein­ba­rung nicht ge­setz­lich ge­re­gelt, kommt es dar­auf an, ob ein er­satz­lo­ser Weg­fall der un­wirk­sa­men Klau­sel ei­ne sach-ge­rech­te Lösung dar­stellt. Schei­det die­se Möglich­keit aus, ist zu prüfen, ob nach den an­er­kann­ten Grundsätzen der ergänzen­den Ver­trags­aus­le­gung ei­ne Er­satz­re­ge­lung ge­fun­den wer­den kann (Se­nat 25. April 2007 - 5 AZR 627/06 - Rn. 26, AP BGB § 308 Nr. 7 = EzA BGB 2002 § 307 Nr. 20 mwN).
Ei­ne sog. gel­tungs­er­hal­ten­de Re­duk­ti­on ist im Recht der All­ge­mei­nen Geschäfts­be­din­gun­gen nicht vor­ge­se­hen (Se­nat 28. Sep­tem­ber 2005 - 5 AZR 52/05 - BA­GE 116, 66, 76; 25. Mai 2005 - 5 AZR 572/04 - BA­GE 115, 19, 27;
BAG 4. März 2004 - 8 AZR 196/03 - BA­GE 110, 8, 26; BGH 17. Mai 1982 - VII ZR 316/81 - BGHZ 84, 109, 116; 25. Ju­ni 2003 - VIII ZR 344/02 - NJW 2003, 2899 f., zu II 2 der Gründe). Der Ge­setz­ge­ber hat sich mit Art. 229 § 5 EGBGB für die An­wend­bar­keit der §§ 305 ff. BGB auch auf Verträge ent­schie­den, die bei ih­rem Ab­schluss noch nicht dem An­wen­dungs­be­reich des Rechts All­ge­mei­ner Geschäfts­be­din­gun­gen un­ter­fie­len. Durch die Über­lei­tungs­vor­schrift war den Ar­beits­ver­trags­par­tei­en ein zeit­li­cher Spiel­raum eröff­net, sich auf die geänder­te recht­li­che La­ge ein­zu­stel­len. Die Ver­trags­par­tei­en können nicht da­von aus­ge­hen, dass die recht­li­che Be­ur­tei­lung ein­zel­ner Ver­trags­re­ge­lun­gen während der ge­sam­ten Dau­er des Ar­beits­verhält­nis­ses un­verändert bleibt. Ein et­wai­ges Ver­trau­en des Ver­wen­ders dar­auf, zu kur­ze und da­mit un­wirk­sam ge­wor­de­ne Aus­schluss­fris­ten würden ge­ne­rell auf das ge­ra­de noch zulässi­ge Maß verlängert, wäre nicht be­rech­tigt und nicht schützens­wert.
Der Se­nat hat darüber hin­aus bei Alt­verträgen zur Sch­ließung der sich aus der An­wen­dung des AGB-Rechts er­ge­ben­den Lücken auf die ergänzen­de Ver­trags­aus­le­gung zurück­ge­grif­fen, weil die Klau­sel nur des­halb un­wirk­sam war, weil sie in for­mel­ler Hin­sicht den neu­en An­for­de­run­gen nicht genügte (vgl. 11. Ok­to­ber 2006 - 5 AZR 721/05 - Rn. 34, AP BGB § 308 Nr. 6 = EzA BGB 2002 § 308 Nr. 6; 12. Ja­nu­ar 2005 - 5 AZR 364/04 - BA­GE 113, 140, 147 f.). Die ergänzen­de Ver­trags­aus­le­gung bie­tet die Möglich­keit ei­ner fle­xi­blen Kor­rek­tur, wenn der Weg­fall der un­wirk­sa­men Klau­sel sich nicht durch dis­po­si­ti­ves Ge­set­zes­recht füllen lässt und zu ei­nem Er­geb­nis führt, das den bei­der­sei­ti­gen In­ter­es­sen nicht in ver­tret­ba­rer Wei­se Rech­nung trägt. Sie setzt vor­aus, dass die Ge­set­zes­la­ge oh­ne ei­ne Ergänzung des Ver­trags kei­ne an­ge­mes­se­ne, den ty­pi­schen In­ter­es­sen der Ver­trags­par­tei­en Rech­nung tra­gen­de Lösung bie­tet. An die Stel­le der Klau­sel tritt die Ge­stal­tung, die die Par­tei­en bei ei­ner an­ge­mes­se­nen Abwägung der bei­der­sei­ti­gen In­ter­es­sen nach Treu und Glau­ben als red­li­che Ver­trags­par­tei­en ver­ein­bart hätten, wenn ih­nen die Un­wirk­sam­keit der Geschäfts­be­din­gung be­kannt ge­we­sen wäre (Se­nat 25. April 2007 - 5 AZR 627/06 - Rn. 26, AP BGB § 308 Nr. 7 = EzA BGB 2002 § 307 Nr. 20; 11. Ok­to­ber 2006 - 5 AZR 721/05 - aaO; BGH 4. Ju­li 2002 - VII ZR 502/99 - BGHZ 151, 229, 234; 13. No­vem­ber 1997 - IX ZR 289/96 - BGHZ 137,
153, 157). Das ist nicht et­wa stets die Re­ge­lung, die der AGB-Kon­trol­le ge­ra­de noch ge­recht wird.
Die dar­ge­stell­ten Vor­aus­set­zun­gen für ei­ne ergänzen­de Ver­trags­aus­le­gung sind im Streit­fall nicht erfüllt. Die Un­wirk­sam­keit der be­an­stan­de­ten Klau­sel lässt den Re­ge­lungs­plan der Par­tei­en nicht als ver­vollständi­gungs-bedürf­tig er­schei­nen. An­ders als et­wa bei der Un­wirk­sam­keit ei­nes ver­ein­bar­ten Wi­der­rufs­vor­be­halts (Se­nat 12. Ja­nu­ar 2005 - 5 AZR 364/04 - BA­GE 113, 140) bie­tet das Ge­setz hier ei­ne an­ge­mes­se­ne Lösung, die den ty­pi­schen In­ter­es­sen der Ver­trags­part­ner Rech­nung trägt. Der mit der Aus­schluss­frist ver­folg­te Zweck, Rechts­frie­den und Rechts­si­cher­heit her­zu­stel­len, wird durch die re­gelmäßige Verjährungs­frist des § 195 BGB er­reicht. Zwar hat der Ab­lauf der Aus­schluss­frist rechts­ver­nich­ten­de Wir­kung und ist von Amts we­gen zu berück­sich­ti­gen, während die Verjährung dem Schuld­ner ei­ne Ein­re­de gibt und da­mit nur die Durch­set­zung der recht­lich fort­be­ste­hen­den For­de­rung hin­dert. Doch so­wohl Aus­schluss- als auch Verjährungs­fris­ten be­gren­zen die Möglich­keit, das Recht durch­zu­set­zen, in­dem sie ein Tätig­wer­den des An­spruchs­in­ha­bers ver­lan­gen. Sie sind Aus­druck des vom Ge­setz­ge­ber ver­folg­ten Ziels, Rechts­frie­den her­zu­stel­len, und be­zwe­cken ei­nen an­ge­mes­se­nen Aus­gleich zwi­schen dem Schutz des Schuld­ners vor ei­ner dro­hen­den Be­weis­not und mögli­chem Ver­lust von Re­gress­ansprüchen ge­gen Drit­te ei­ner­seits und der Not­wen­dig­keit, den Gläubi­ger vor ei­nem un­ge­recht­fer­tig­ten An­spruchs­ver­lust zu be­wah­ren, an­de­rer­seits. Aus­schluss­klau­seln stel­len an­ge­sichts der Verjährungs­re­ge­lun­gen auch kei­ne zwin­gend ge­bo­te­ne ar­beits­recht­li­che Be­son­der­heit dar. Zahl­rei­che Ar­beits­verträge kom­men oh­ne sie aus. Die Verjährungs­frist von drei Jah­ren nach § 195 BGB ist an­ge­mes­sen lang, im Fall der Un­wirk­sam­keit ei­ner Ver­fall­klau­sel dem Bedürf­nis der Par­tei­en nach Rechts­si­cher­heit und Rechts­klar­heit zu genügen (vgl. Se­nat 28. Sep­tem­ber 2005 - 5 AZR 52/05 - BA­GE 116, 66, 77; 25. Mai 2005 - 5 AZR 572/04 - BA­GE 115, 19, 27 f.). Das gilt un­abhängig da­von, ob es sich um ei­nen Neu- oder ei­nen Alt­ver­trag han­delt. Der Um­stand, dass die §§ 305 ff. BGB bei Ver­trags­schluss nicht berück­sich­tigt wer­den konn­ten, be­gründet kei­ne Not­wen­dig­keit ei­ner ergänzen­den Ver­trags­aus­le­gung.
Im Übri­gen ver­mag der Se­nat die Auf­fas­sung der Re­vi­si­on nicht zu tei­len, die ergänzen­de Ver­trags­aus­le­gung ergäbe ei­ne drei­mo­na­ti­ge Aus­schluss­frist. Näher liegt es, dass die Be­klag­te bzw. ih­re Rechts­vorgänge­rin un­ter Gel­tung des § 307 BGB und bei Berück­sich­ti­gung der im Jah­re 2002 hier­zu ver­tre­te­nen Auf­fas­sun­gen ei­ne Ver­trags­klau­sel mit ei­ner sechs­mo­na­ti­gen Aus­schluss­frist ver­wen­det hätte, um auf der „si­che­ren Sei­te“ zu sein. Die Kennt­nis der Recht­spre­chung aus dem Jah­re 2005 darf im Rah­men ei­ner ergänzen­den Ver­trags­aus­le­gung nicht un­ter­stellt wer­den. Eben­so be­ste­hen kei­ne An­halts­punk­te dafür, die Par­tei­en hätten ei­ne in­di­vi­du­el­le Ver­trags­klau­sel aus­ge­han­delt.
(5) Da­nach kann da­hin­ste­hen, ob Nr. 10.2 des Ar­beits­ver­trags den Kläger auch des­halb gem. § 307 BGB un­an­ge­mes­sen be­nach­tei­ligt, weil nach die­ser Klau­sel auch die vom Aus­gang ei­nes noch lau­fen­den Rechts­streits abhängi­gen Ansprüche be­reits ge­richt­lich gel­tend ge­macht wer­den müssen.
c) Mit den Zah­lungs­ansprüchen be­stand wei­ter­hin die Grund­la­ge für ei­nen Scha­dens­er­satz­an­spruch we­gen ver­späte­ter Zah­lung. Ei­ner schrift­li­chen Gel­tend­ma­chung des Scha­dens­er­satz­an­spruchs be­durf­te es nicht. Die­ser An­spruch wird frühes­tens mit dem Zu­fluss der ver­späte­ten Zah­lung be­zif­fer­bar und da­mit fällig im Sin­ne der Aus­schluss­frist.
2. Die Ansprüche sind nicht ver­wirkt.
a) Das Lan­des­ar­beits­ge­richt hat an­ge­nom­men, es feh­le je­den­falls an dem sog. Um­stands­mo­ment ei­ner Ver­wir­kung. Der Ar­beit­ge­ber könne nicht oh­ne be­son­de­re ent­ge­gen­ste­hen­de An­halts­punk­te da­von aus­ge­hen, dass ein Ar­beit­neh­mer das Be­stands­schutz­ver­fah­ren führe, um le­dig­lich „for­mal“ den Be­stand sei­nes Ar­beits­verhält­nis­ses zu er­hal­ten, oh­ne aus dem Fort­be­stand Ansprüche auf Vergütungs­zah­lung her­lei­ten zu wol­len. Sol­che An­halts­punk­te sei­en we­der vor­ge­tra­gen noch er­sicht­lich.
b) Hier­ge­gen bringt die Re­vi­si­on nichts Er­heb­li­ches vor. Sie räumt viel­mehr so­gar ein, dass der Kläger die Ansprüche durch die Er­he­bung der Kündi-
gungs­schutz­kla­ge gel­tend ge­macht hat. Ei­ner wei­te­ren Gel­tend­ma­chung be­durf­te es un­ter dem Ge­sichts­punkt der Ver­wir­kung nicht. Da­mit ist schon das sog. Zeit­mo­ment nicht erfüllt. Es spielt kei­ne Rol­le, dass und aus wel­chen Gründen der Kläger die Zah­lungs­ansprüche nicht ein­ge­klagt hat. Ei­ne sog. Pro­zess­ver­wir­kung liegt nicht vor.
C. Die Be­klag­te hat gem. § 97 Abs. 1 ZPO die Kos­ten der Re­vi­si­on zu tra­gen.
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