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Timestamp: 2019-04-24 08:15:27
Document Index: 10589332

Matched Legal Cases: ['Art. 123', 'Art. 124', 'Art. 125', 'Art. 127', 'Art. 2', 'Art. 267', 'Art. 2']

Die institutionelle Architektur der neuen europäischen ...
Die institutionelle Architektur der neuen europäischen Finanzmarktregulierung
A. Einführung: Von der Krise zur Reform
B. Special Status: Warum brauchen wir eine Regulierung der Finanzmärkte?
C. Die Finanzkrise und ihre Folgen für die Europäische Finanzmarktregulierung
I. Von der Finanzkrise zur Staatsschuldenkrise
II. Institutionelle Veränderungen als Reaktion auf die Krise
D. Das Europäische Finanzaufsichtssystem
E. Die Europäische Bankenunion
I. Ein Einheitliches Regelwerk: Das Single Rulebook
II. Erste Säule: Der Einheitliche Aufsichtsmechanismus
III. Zweite Säule: Der Einheitliche Abwicklungsmechanismus
IV. Dritte Säule: Die Einheitliche Einlagensicherung
F. Herausforderungen bei der Einführung der Europäischen Bankenunion
Mit Blick in die Geschichtsbücher lässt sich feststellen, dass umfassende Reformen unabhängig von ihrem Wirkungsraum immer auf einschneidende Krisen zurück zu führen sind. So führte z.B. die Weltwirtschaftkrise der 1930er Jahre zu einer Reihe von Strukturreformen imFinanz- und Bankensektor Italiens, dem Italienischen Bankengesetzt von 1936.[1] Die gegenwärtige Krise ist durch ihre Globalität gekennzeichnet, begann sie doch ursprünglich mit dem Platzen der US-amerikanischen Immobilienblase. Starke Interdependenzen der liberalisierten Finanzmärkte ermöglichten jedoch eine schnelle Übertragung der Krise auf weitere Märkte und Staaten. Weltweit mussten Finanzinstitute hohe Abschreibungen verbuchenund gerieten so in Liquiditätsschwierigkeiten. Um die Kapitalmittelversorgung der Realwirtschaft nicht zu gefährden, sprang der Steuerzahler mit teuren Rettungsprogrammen ein. Die Verluste der Finanzwirtschaft wurden sozialisiert, indem die öffentliche Hand die Haftungsverpflichtung eines privatwirtschaftlich organisierten Sektors übernahm. Die Rettung systemischer Banken enthüllte das dysfunktionale Beziehungsgeflecht zwischen Staaten und Banken, denn es zwang eine Reihe von Eurostaaten zur Aufnahme hoher Staatsschulden und führte sie so in Refinanzierungsschwierigkeiten. DieStaatsschuldenkrise, welche die Euro-Währungsgemeinschaft bis an den Rand ihrer Existenz drängte, offenbart den Bedarf einer nachhaltigen Reformierung der Finanzmarktregulierung und wurde so zu einer endgültigen Absage an die Ideologie der sich selbst regulierenden Märkte und des restriktiven staatlichen Eingreifens.[2] Stattdessen wurde der enorme Reformbedarf erkannt, um das Finanzsystem zu stabileren und die Resilienz der Banken zu erhöhen.
Auf europäischer Ebene wurde neben dem Europäischen Stabilitätsmechanismus (ESM) das Konzept einer Europäischen Bankenunion (EBU) entwickelt, um zukünftig mit Krisen besser umgehen zu können. Tragend sind drei Säulen: der einheitliche Aufsichtsmechanismus (Single Supervisory Mechanism: SSM), der einheitliche Abwicklungsmechanismus (Single Resolution Mechanism: SRM) und der einheitliche Einlagensicherungsmechanismus (Deposit Guaranteed Scheme: DGS). Die Konstitution der EBU kommt einer fast vollständigen Verschiebung der Finanzmarktregulierung von nationaler auf supranationalem Level gleich. Ziel ist es, mithilfe von gemeinsamen regulatorischen Standards eine weitere Fragmentierung des Finanzsystems (welches vor allem auf wachsende Unterschiede in Kursen für Staatsanleihen zwischen den Mitgliedern der Währungsunion zurückgeht[3] ) zu verhindern und somit eine effiziente Geldpolitik durch die EZB zu ermöglichen sowie das Vertrauen der Marktteilnehmer und der Bevölkerung wiederherzustellen.[4] Gleichzeitig gilt es, den Risikoverbund zwischen Staaten und Banken aufzulösen und dadurch eine Sozialisierung der Kosten zukünftig zu unterbinden.
Diese Arbeit soll dem Leser ein grundsätzliches Verständnis für die komplexe europäische Finanzmarktregulierungvermitteln, um so den Weg für eine kritische Auseinandersetzung mit dem Thema zu eröffnen. Kapitel zwei „Special Status: Warum brauchen wir eine Regulierung der Finanzmärkte?“ wird zunächst die Bedeutung des Finanzmarktes für ein funktionierendes Wirtschaftssystem beleuchten und den entsprechenden Regulierungsbedarf durch den Gesetzgeber ableiten. In „Die Finanzmarktkrise und ihre Folgen für die europäische Finanzmarktregulierung“ werden jene Schwachstellen des Banken-Staaten-Nexus offengelegt, welche die neue europäische Finanzmarktregulierung bereinigen soll und der Wiederherstellung deines stabilen Finanzsystems dient. Dabei beschreiben die folgenden Kapitel institutionelle Architektur des Europäischen Finanzaufsichtssystem (European System of Financial Supervision: ESFS) und der Europäischen Bankenunion mit ihren drei Säulen. In „Herausforderungen bei der Einführung der Europäischen Bankenunion“ werden potenzielle Gefahren der supranationalen Regulierung für ein stabileres und vor allem krisenfestes Bankensystem aufgezeigt. Das letzte Kapitel fasst die Ergebnisse dieser Arbeit noch einmal zusammen und gibt einen Ausblick auf die institutionelle Fortentwicklung der EBU.
Der besondere Status des Bankensystems geht auf seine elementare Funktion im Wirtschaftssystem zurück.[5] So können Finanzinstitute Risiken sehr viel besser managen als andere Organisationen, sie schaffen Liquidität und versorgen die Realwirtschaft und die Verbraucher mit Zahlungsmitteln.[6] Gleichzeitig ist der Sektor durch seine wachsende Fragilität gekennzeichnet. Risikoreiche aber gewinnbringende Geschäfte, wie spekulativer Handel durch Investmentbanken, haben zu einer Zunahme der Bedeutung der Finanzinstitute gegenüber der Realwirtschaft geführt.[7] Zum einen besteht nach wie vor eine direkte Abhängigkeit von Unternehmen zu Banken, auf der anderen Seite hat sich der Bankensektor in den letzten Jahrzehnten schrittweise losgelöst, während die Globalisierung zu einer wachsenden Verflechtung dieser international tätiger Institute geführt hat.
Die zentrale Rolle der Banken zeigt sich auch darin, dass im Falle einer Bankenpleite eine Reduktion des wirtschaftlichen Wohlstandes durch einen geringeren Zugriff der Unternehmen auf Liquidität zu Domino-Effekten auf nationaler und internationaler Ebene führen kann.[8] Fehlende finanzielle Mitte veranlassen Unternehmen Investitionen zurückzuhalten, die Produktion stagniert und es werden weniger Arbeitsplätze geschaffen. In Anbetracht der Gefahr, die von diesen negativen Externalitäten auf die Realwirtschaft ausgeht, bedarf der Finanzsektor einer strikten staatlichen Regulierung, wie sich im Zuge der aktuellen Finanz- und Staatschuldenkrise gezeigt hat.
Seit den 1970er und 1980er Jahren wurden zahlreiche Regulierungsreformen als Reaktion auf die zunehmende Integration von Finanzdienstleistungen innerhalb der Europäischen Union beschlossen. Grundlage waren die Leitlinien für Eigenkapitalanforderungen international tätiger Banken, bekannt als Basel I und Basel II. Diese ersten Ansätze einer Harmonisierung der national divergierenden Regulierung stimulierte einen Zuwachs der grenzüberschreitenden Kapitalflüsse und eine wachsende Beteiligung fremder Institute in den nationalen Finanzmärkten[9], ein Trend der sich insbesondere in den 1990er Jahren durch die weitgehenden Liberalisierungstendenzen noch verstärkte[10]. Doch die in 2007 aufkommende Finanz- und später auch Staatsschuldenkrise offenbarte die Schwachstellen und Lückenhaftigkeit der Finanzmarktregulierung auf europäischer Ebene. Die bestehenden Richtlinien und Verordnungen erwiesen sich als nicht ausreichend, um angemessen auf die ersten Anzeichen der Krise zu reagieren oder diese sogar zu verhindern.[11]
Als im Spätsommer 2007 erstmals Liquiditätsengpässe auf dem Interbankenmarkt auftraten, reagierte die EZB mit der Verstärkung verschiedener Instrumenten, um die Refinanzierung und einen fließenden Geldfluss zu wahren. Ein Jahr später schürte der Zusammenbruch von Lehmann Brothers, Sorgen um die grundsätzliche Solvenz des europäischen Bankensektors. Die EZB senkte die Zinsen auf ein Rekordtief und stabilisierte die Märkte mit der Vergabe von zusätzlichen Krediten.[12] Doch die zu geringe Eigenkapitalstandards und eine defizitäre Unterlegung der Staatsanleihen mit Eigenkapital durch die Finanzinstitute[13] gestaltete sich eine Rettung der Banken aus eigener Kraft als unmöglich. Als die sich in Not befindenden Banken hohe Abschreibungen hinnehmen mussten und massive staatliche Unterstützungen in Form von Rettungspaketen verlangten, um die Funktionalität des Finanzsystems und somit die Versorgung der Wirtschaft mit finanziellen Mitteln zu erhalten, sahen sich die Mitglieder der Eurozone gezwungen immer höhere Staatsschulden für die Finanzierung dieser Rettungspakete aufzunehmen.[14] Besonders betroffen war Griechenland. Als die hellenische Regierung im Frühjahr 2010 die Bücher seines Staatshaushaltes veröffentlichte und eine potenzielle Staatspleite zum Greifen nahe schien, reagierten die Märkte auf dieses Risiko mit in die Höhe getriebenen Zinsaufschlägen für griechischen Staatsanleihen. Die Krise wirkte wie ein Verstärker für die strukturellen Schwächen vieler EU Mitgliedsstaaten. So verbuchten auch die Bankensysteme in Zypern, Irland, Portugal und Spanien herbe Verluste und waren zeitweise auf eine externe Rekapitalisierung durch die 2012 eingeführten Europäischen Stabilitätsmechanismus (European Stability Mechanism: ESM) angewiesen.[15]
Die rasante Ausbreitung der Krise ist auf den einheitlichen geldpolitischen Transmissionsmechanismus durch die EZB[16], die gemeinsamen regulatorischen Standards und Informationsasymmetrien zwischen den Marktteilnehmer und den Regulierungsbehörden zurückzuführen.[17] Um die fortschreitende Segmentierung des Finanzmarktes zu stoppen und das verlorengegangen Vertrauen wiederherzustellen, führte die EZB einige umstrittene geldpolitische Instrumente ein, wie Outright Monetary Transactions[18], ein Programm zum Kauf von Staatsanleihen. Doch die EZB stieß durch ihr begrenztes Mandat, wie dem Verbot der Staatfinanzierung durch den Kauf von Staatsanleihen auf Primärmärkten (Art. 123 AEUV), dem Verbot eines bevorrechtigten staatlichen Zugangs zu Finanzinstituten (Art. 124 AEUV), der Nichtbeistands-Klausel (Art. 125 AEUV) und dem Verbot der Wirtschaftspolitik (Art. 127 AEUV), an die Grenzen ihrer Kompetenzen. Eine neue supranationale Institution zur Bankenaufsicht wurde gebraucht, um das negative Wirkungsgefüge zwischen verschuldeten Finanzinstituten und verschuldeten Staaten, die mangelhafte Harmonisierung der Bankenaufsicht und Informationsasymmetrien zwischen Marktteilnehmern zu überwinden.[19]
Die Banken- und Staatsschuldenkrise löste eine Reihe von institutionellen Reformen aus, die den Fehlentwicklungen auf den Finanzmärkten entgegenwirken sollten. Diese waren jedoch zunächst von überwiegend reaktiver statt proaktiver Natur und zielten daher auf die Revision der bestehenden Regularien. 2009 trafen sich die Staats- und Regierungschefs der G-20 Staaten in Pittsburgh, um u.a. Basel III, einer Überarbeitung von Basel II, zu verabschieden und die Finanzmarktregulierung auf globaler Ebene voran zu treiben.[20] Aufbauend auf Basel III wurde 2011 die gemeinsame Regulierung der europäischen Finanzmärkte beschlossen. Wichtigste Bestandteil sind das Europäische Finanzaufsichtssystem mit der Aufsichtsbehörden für Banken (European Banking Authority: EBA), für das Versicherungswesen und die Betriebliche Altersvorsorge (European Insurance and Occupational Pension Authority: EIOPA) und für das Wertpapierwesen (Europan Securities and Markets Authority: ESMA).[21] Aufgrund der rasant wachsenden Zahl notleidender Staaten legte die Kommission im Juni 2012 einen Vorschlag zur Gründung einer Europäischen Bankenunion vor. Diesem Vorschlag folgend, beschlossen die Finanzminister der Eurozone mit der Einführung des einheitlichen Bankenaufsichtsmechanismus nur wenig später die erste Säule der europäischen Bankenunion. Der SSM wurde 2013 im Rahmen der Umsetzung der Anforderungen aus Basel III durch die Capital Requirements Regulation (CRR) sowie die Capital Requirements Directive (CRD IV) komplementiert. Der einheitliche Abwicklungsmechanismus, formal gegründet durch die Bank Recovery and Resolution Directive (BRRD), wurde nur wenige Monate später verabschiedet. Die Implementierung der dritten Säule der EBU, der gemeinsame Einlagensicherungsmechanismus ist zurzeit ausgesetzt. Die drei Säulen werden von einem einheitlichen Regelwerk, dem Single Rulebook, getragen und verbunden. Die nächsten zwei Kapitel beleuchten die Konstruktion und Funktionsweise des Europäische Finanzaufsichtssystems und der drei Säulen der EBU.
Die globale Finanzkrise ab 2007 und die darauf folgende Staatsschuldenkrise zwang die Europäische Union zu einer Neugestaltung der Finanzmarktaufsicht und zu einem System gemeinschaftlicher Regulierung auf europäischer, statt wie bisher auf nationaler Ebene. Als ein erster Schritt trat am 1. Januar 2011 Art. 2 Abs. 2 der ESMA-VO nach langen Verhandlungen in Kraft und die Aufsichtsbehörden das europäische Aufsichtssystems ESFS nahm ihre Arbeit auf. Das Ziel des ESFS besteht darin, „die angemessene Anwendung der für den Finanzsektor geltenden Vorschriften zu gewährleisten, um die Finanzstabilität zu erhalten und für Vertrauen in das Finanzsystem insgesamt und für einen ausreichenden Schutz der Kunden, die Finanzdienstleistungen in Anspruch nehmen, zu sorgen“.[22] Hintergrund dieser Zielformulierung ist die enge Vernetzung der grenzüberschreitend tätigen Finanzinstitute. Wie sich im Jahr 2007 zeigte, besteht eine hohe Gefahr in Übertragungseffekte: Zahlungsschwierigkeiten einzelner Banken übertrugen sich auf den gesamten Sektor und riskierten die Zahlungsfähigkeit anderer, bis dato stabiler Institute. In Folge verloren die Marktteilnehmer und Verbraucher ihr Vertrauen in die Märkte.[23] Um einen solchen Verlauf zukünftig zu unterbinden, sind insgesamt sechs Behörden und Ausschüsse für die Sicherstellung der Widerstandsfähigkeit der Banken zuständig:
- die drei Europäische Finanzaufsichtsbehörden (ESAs) Europäische Bankenaufsichtsbehörde (EBA), Europäische Aufsichtsbehörde für das Versicherungswesen und die betriebliche Altersvorsorge (EIOPA) und die Europäische Wertpapier- und Marktaufsichtsbehörde (ESMA);
- der Europäischer Ausschuss für Systemrisiken (ESRB);
- der gemeinsame Ausschuss der europäischen Aufsichtsbehörden und
- die entsprechenden Aufsichtsbehörden der Mitgliedsstaaten.
Die ESAs arbeiten eng mit den nationalen Aufsichtsbehörden zusammen. Dabei sind die drei europäischen Behörden für die Harmonisierung der national sehr unterschiedlichen Aufsichtssysteme zuständig, während die nationalen Behörden auch weiterhin für die Aufsicht der Banken verantwortlich bleiben.[24] Diese Vereinheitlichung erfolgt primär durch die Entwicklung von technischen Standards für die Finanzmarktaufsicht. Darüber hinaus verfügen die ESAs über Aufsichtsbefugnisse, welche im Falle einer Missachtung der europäischen Rechte und im Krisenfall greifen. Darüber hinaus schlichten sie Dispute zwischen den Aufsichtsbehörden der Mitgliedsstaaten und überwachen die Arbeit der Ratingagenturen.[25] Ihre Rechtspersönlichkeit als EU-Agenturen garantiert ein unabhängiges Agieren im Interesse der Union.[26]
Der Europäische Ausschuss für Systemrisiken ist für die frühzeitige Erkennung von Risiken für die Stabilität des europäischen Bankensystems zuständig, indem er Risikoanalysen durchführt, Warnungen herausgibt und Empfehlungen ausspricht. Diese sind nicht rechtsbindend, unterliegen aber dem so genannten „Handle-oder-Erkläre“-Mechanismus[27]. Der ESRB setzt sich aus einem Verwaltungsrat (dem Entscheidungsorgan der Behörde), einem Lenkungsausschuss, einem beratenden Fachausschuss, einem beratenden wissenschaftlichen Ausschuss und dem Sekretariat zusammen.[28]
Der Gemeinsame Ausschuss der Europäischen Aufsichtsbehörden ist für sie marktübergreifende Koordinierung und die Beilegung von Streitigkeiten zwischen Aufsichtsbehörden verantwortlich und besteht aus den Vorsitzenden der Europäischen Aufsichtsbehörden, die zweimal im Jahr zusammenkommen. Die Arbeit des Ausschusses wird durch ein Sekretariat unterstützt.[29]
Im Laufe des Jahres 2011 zeichnete sich jedoch immer deutlicher ab, dass das Europäische Finanzaufsichtssystem allein die Krise nicht überwinden kann. Nationale Bankenaufsichten in Krisenländern reagierten nicht schnell und angemessen genug. So wagten die europäischen Finanzminister nur ein Jahr später den zweiten Schritt in Richtung einer einheitlichen Finanzmarktregulierung – die Europäische Bankenunion.
Das Projekt der Europäischen Bankenunion zielt auf eine Auflösung des Risikoverbundes zwischen Banken und Staaten ab, welches für die Übertragungseffekte von einer Finanzmarktkrise hin zu einer Staatsschuldenkrise verantwortlich war.[30] Die Verschiebung der Aufsichtskompetenz von nationaler auf supranationaler Ebene soll die „Too-Big-To-Fail“ Problematik systemischer Banken eingrenzen, die zunehmende Fragmentierung des Marktes stoppen, gemeinschaftlich getragenen Standards setzten, um so das Vertrauen der Marktteilnehmer wieder herzustellen und letztendlich zur Stärkung des einheitlichen europäischen Marktes beitragen.[31]
[1] G. Boccuzzi, “The European Banking Union: Supervision and Resolution”, Springer, 2016.
[3] Deutsche Bundesbank, „Wege zur Überwindung der Fragmentierung der europäischen Finanzmärkte“, 2013, http://www.bundesbank.de/Redaktion/DE/Reden/2013/2013_11_22_dombret.html?nsc=true (eingesehen am 24.08.2017).
[4] K. Sum, “Post-Crisis Banking Regulation in the European Union: Opportunities and Threats”, Palgrave Macmillan, 2016.
[5] E. Fama, „Whats different about banks?, Journal of Monetary Economics, vol. 15, no. 1, S. 29-39, 1985; F. Rosenbluth und R. Schaap, “The domestic politics of banking regulation”, International Organization, vol. 57, no. 2, S.307-336, 2003.
[6] K. Sum, 2016.
[7] Bundeszentrale für politische Bildung, „Banken“, 2012 http://www.bpb.de/politik/wirtschaft/finanzmaerkte/51718/banken?p=all (eingesehen am 28.08.2017).
[8] K. Sum, 2016.
[10] R. Temporale, „Europäische Finanzmarktregulierung: Handbuch zu EMIR, MiFID II / MiFIR, PRIIPs, MAD / MAR, OTC-Derivaten und Hochsequenzhandel“, Schäffer-Poeschel Verlag, 2015.
[11] M. Piechocki, „Europäische Bankenunion, die Entwicklung zu einer supranationalen Bankenaufsicht und der österreichische Input Approach als Blueprint für das Meldewesen in Europa“, in C. Cech und S. Helmreich (Hrsg.), Meldewesen für Finanzinstitute: Was bringt die neue europäische Aufsicht?, Springer, 2017.
[12] K. Sum, 2016.
[13] Vor der Krise engagierten sich Banken stark im Geschäft mit Staatsanleihen, da diese als besonders sicher galten. Aufgrund der hohen Rückzahlungswahrscheinlichkeit wurde aber keine Unterlagerung mit Eigenkapital vorgeschrieben. Siehe Bundeszentrale für politische Bildung, 2012.
[14] P. Huß, „ Der Weg zur Europäischen Bankenunion vor dem Hintergrund der großen Fiananz- und Staatsschuldenkrise “, Disserta Verlag, 2015.
[15] K. Sum, 2016.
[16] Der Transmissionsmechanismus bezeichnet den Prozess, wie währungspolitische Maßnahmen auf die Realwirtschaft wirken. Siehe Deutsche Baundesbank, „Die Geldpolitik des Eurosystems“, https://www.bundesbank.de/Redaktion/DE/Dossier/Service/schule_und_bildung_kapitel_6.html?docId=145112&notFirst=true (eingesehen am 09.09.2017).
[17] K. Sum, 2016.
[18] Das OMT Programm der EZB zeichnet sich nicht nur dadurch als historisch bedeutend aus, dass es seine Wirkung rein psychologisch entfaltete und die Märkte beruhigte (v.a. durch Mario Draghis bekannte „Whatever it takes“ Rede), da das Programm nie umgesetzt wurde, sondern auch weil es Gegenstand das erste Vorabentscheidungsverfahren des BVerfG an den Europäischen Gerichtshof im Sinne des Art. 267 AEUV war und das geld- und wirtschaftpolitische Mandat der EZB neu definierte. Siehe T. Tridimas and N. Xanthoulis, “A Legal Analysis of the Gauweiler Case: Between Monetary Policy and Constitutional Conflict”, Maastricht Journal of European and Comparative Law, vol. 31, no. 1, 2016, p. 17-39.
[19] K. Sum, 2016.
[20] M. Piechocki, „Europäische Bankenunion, die Entwicklung zu einer supranationalen Bankenaufsicht und der österreichische Input Approach als Blueprint für das Meldewesen in Europa“, in C. Cech und S. Helmreich (Hrsg.), Meldewesen für Finanzinstitute: Was bringt die neue europäische Aufsicht?, Springer, 2017.
[22] Art. 2 Abs. 1 ESMA-VO, online verfügbar unter http://eur-lex.europa.eu/LexUriServ/LexUriServ.do?uri=OJ:L:2010:331:0084:0119:DE:PDF (eingesehen am 30.08.2017).
[23] Bundesministerium der Finanzen, „Fragen und Antworten zur Finanzmarktaufsicht“, 2017, http://www.bundesfinanzministerium.de/Content/DE/FAQ/2012-10-24-Finanzmarktaufsicht.html (eingesehen am 30.08.2018).
[25] Bundesministerium der Finanzen, „Die Gesamtstrategie zur Stabilisierung der Europäischen Wirtschafts- und Währungsunion“, Monatsbericht vom 21.04.2011, http://www.bundesfinanzministerium.de/Content/DE/Monatsberichte/2011/04/Artikel/analysen-und-berichte/b02-gesamtstrategie-waehrungsunion/gesamtstrategie-waehrungsunion.html (eingesehen am 30.08.2017).
[26] Europäisches Parlament, „Europäisches System der Finanzaufsicht“, http://www.europarl.europa.eu/atyourservice/de/displayFtu.html?ftuId=FTU_3.2.5.html, 2017 (eingesehen am 30.08.2017).
[27] Im Falle einer Missachtung einer ESRB Empfehlung ohne Begründung informiert der Ausschuss den ECOFIN-Rat, und die entsprechende nationale Behörde. Zusätzlich kann die Empfehlung veröffentlicht werden, um Druck auf den Adressaten auszuüben. Siehe Bundesministerium der Finanzen, 2017.
[28] European Systemic Risk Board, „Organisation”, https://www.esrb.europa.eu/about/orga/html/index.de.html (eingesehen am 30.08.2017).
[29] Europäisches Parlament, „Europäisches System der Finanzaufsicht“, http://www.europarl.europa.eu/atyourservice/de/displayFtu.html?ftuId=FTU_3.2.5.html, 2017 (eingesehen am 30.08.2017).
[30] P. Huß, „ Der Weg zur Europäischen Bankenunion vor dem Hintergrund der großen Finanz- und Staatsschuldenkrise “, disserta Verlag, 2015.
[31] K. Sum, 2016.
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architektur finanzmarktregulierung