Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Gericht=BVerwG&Datum=28.09.2016&Aktenzeichen=7%20C%201.15
Timestamp: 2019-03-19 04:45:05
Document Index: 92960053

Matched Legal Cases: ['Art. 20', 'Art. 5', 'Art. 11', '§ 2', '§ 4', '§ 9', '§ 10', '§ 1', '§ 4', '§ 8', '§ 10', 'Art. 20', 'Art. 79', 'Art 2', '§ 4', '§ 1', '§ 2', '§ 1', '§ 4', '§ 3', '§ 7', 'Art. 6', '§ 2', '§ 4', '§ 2', '§ 4', '§ 8', '§ 9', '§ 18', '§ 18', '§ 4', '§ 91', 'Art. 10', 'EuG', '§ 10', '§ 1', '§ 10', '§ 8']

BVerwG, 28.09.2016 - 7 C 1.15 - dejure.org
GG Art. 20 Abs. 2 Satz 2, Art. ... 79 Abs. 3; Richtlinie 2011/92/EU Art. 5 und 6 Abs. 3 Buchst. c, Abs. 5, Art. 11; Richtlinie 2010/75/EU Anhang IV; UmwRG § 2 Abs. 3, § 4 Abs. 1; UVPG § 9; BImSchG § 10 Abs. 3; 9. BImSchV § 1 Abs. 2, §§ 4e und 7 Abs. 1, § 8 Abs. 1, § 10 Abs. 1
GG Art. 20 Abs. 2 Satz 2, Art. 79 Abs. 3
Art 2 Abs 2 EURL 92/2011, § 4 BImSchG, § 1 Abs 1 S 1 UmwRG, § 2 Abs 3 UVPG
Klagebefugnis eines Umweltverbands
Umweltverbandsklage; Präklusion; immissionsschutzrechtliches Genehmigungsverfahren; Umweltverträglichkeitsprüfung; Verfassungsidentität; Gewaltenteilung; Öffentlichkeitsbeteiligung; Auflagenvorbehalt; Monitoring; Zurückverweisung
NVwZ-RR 2017, 229
DÖV 2017, 350
(3) Eine Umweltverträglichkeitsprüfung war nicht nach § 1 Abs. 3 der 9. BImSchV erforderlich, der gemäß § 4 UVPG a.F. gegenüber § 3e Abs. 1 Nr. 2 UVPG a.F. vorrangig ist (vgl. BVerwG, Urteil vom 28. September 2016 - 7 C 1.15 - Buchholz 406.254 UmwRG Nr. 21 Rn. 14).
Im systematischen Zusammenhang mit dem Erfordernis des § 7 Abs. 1 der 9. BImSchV, die Unterlagen vor Durchführung des weiteren Verfahrens auf Vollständigkeit zu prüfen und gegebenenfalls auf ihre Vervollständigung hinzuwirken, ist aber davon auszugehen, dass Fehler auf dieser vorgängigen Verfahrensstufe auf die nachfolgende Auslegung der Unterlagen durchschlagen können mit der Folge, dass ein solcher Mangel der Auslegung sich nur durch Einholung ergänzender Unterlagen und erneute Beteiligung der Öffentlichkeit ausräumen ließe (vgl. BVerwG, Urt. v. 28.09.2016 - 7 C 1.15 -, juris RdNr. 19).
Daraus folgt zugleich, dass die Genehmigungsbehörde nicht ohne weiteres verpflichtet ist, nachgereichte Unterlagen (erneut) auszulegen (vgl. BVerwG, Urt. v. 28.09.2016 - 7 C 1.15 -, a.a.O. RdNr. 20;… Urt. d. Senats v. 06.07.2016 - 2 L 84/14 -, a.a.O. RdNr. 126).
Die genannten Bestimmungen über die Zugänglichmachung nach Beginn der Auslegung bis zur Entscheidung über den Genehmigungsantrag nachgereichter Unterlagen widersprechen auch nicht europäischem Recht, insbesondere werden Regelungen des Art. 6 der Richtlinie 2011/92/EU des Europäischen Parlaments und des Rates vom 13.12.2011 über die Umweltverträglichkeitsprüfung bei bestimmten öffentlichen und privaten Projekten (UVP-Richtlinie) (…ABl. 2012 L 26, S. 1) nicht verletzt (vgl. BVerwG, Urt. v. 28.09.2016 - 7 C 1.15 -, a.a.O. RdNr. 20;… Urt. d. Senats v. 06.07.2016 - 2 L 84/14 -, a.a.O. RdNr. 128).
Die Einbeziehung des Verlängerungsbescheides vom 04.05.2018 in das Berufungsverfahren stellt eine Klageänderung dar (vgl. BVerwG, Urt. v. 28.09.2016 - 7 C 1.15 -, juris RdNr. 33).
Die Genehmigungsentscheidung, die Gegenstand der Umweltverbandsklage nach § 2 Abs. 1 UmwRG sein kann, ist jedoch nicht der Verlängerungsbescheid, der nur die in dem Genehmigungsbescheid gesetzte Frist betrifft, sondern die Genehmigung gemäß § 4 BImSchG (vgl. auch BVerwG, Urt. v. 28.09.2016 - 7 C 1.15 -, a.a.O. RdNr. 29, wonach im immissionsschutzrechtlichen Verfahren als Gegenstand der Umweltverbandsklage nach § 2 Abs. 1 UmwRG die Zulassungsentscheidung nach § 4 BImSchG, die Teilgenehmigung nach § 8 BImSchG und der Vorbescheid nach § 9 BImSchG in Betracht kommen).
Bei Erlass eines Verlängerungsbescheids nach § 18 Abs. 3 BImSchG bedarf es keiner Öffentlichkeitsbeteiligung (vgl. BVerwG, Urt. v. 28.09.2016 - 7 C 1.15 -, a.a.O. RdNr. 29;… Jarass, a.a.O., § 18 RdNr. 20;… a.A. OVG BBg, Beschl. v. 05.09.2014 - OVG 11 WS 44.14 -, a.a.O. RdNr. 23).
Der Senat teilt die Einschätzung der Antragsgegnerin und des Verwaltungsgerichts, dass ein solcher teilweiser Mangel der Öffentlichkeitsbeteiligung, so er denn überhaupt vorliegt, vgl. BVerwG, Urteil vom 28. September 2016 - 7 C 1.15 -, NVwZ-RR 2017, 229 = juris Rn. 20, keinen absoluten Verfahrensfehler im Sinne des § 4 Abs. 1 Nr. 2 oder 3 UmwRG begründet.
Dies ist auch nicht etwa aus unionsrechtlichen Gründen geboten (vgl. BVerwG, Urteil vom 28.09.2016 - 7 C 1.15 - NVwZ-RR 2017, 229 Rn. 14 f.; OVG Rheinland-Pfalz…, Beschluss vom 17.10.2017 - 8 B 11345/17 - juris Rn. 8).
Denn der Übergang von der Anfechtungs- zur Fortsetzungsfeststellungsklage ist keine Klageänderung im Sinne des § 91 VwGO und deshalb auch in der Revisionsinstanz noch zulässig (stRspr., BVerwG, Urteil vom 28. September 2016 - 7 C 1.15 - Buchholz 406.254 UmwRG Nr. 21 Rn. 31 m.w.N.).
Diese Erwägungen gelten ebenso für die wortgleiche Vorgängervorschrift des Art. 10a Abs. 1 UVP-RL a.F. (vgl. BVerwG, Urteil vom 28. September 2016 - 7 C 1.15 - NVwZ-RR 2017, 229 Rn. 9; s. auch EuGH…, Urteil vom 16. April 2015 - C 570/13 [ECLI:EU:C:2015:231], Gruber - Rn. 27 f.).
Wie das Verwaltungsgericht bereits zutreffend ausgeführt hat, hat sich der Senat bereits mehrfach der Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts angeschlossen, wonach § 10 BImSchG und die 9. Verordnung zur Durchführung des Bundesimmissionsschutzgesetzes (Verordnung über das Genehmigungsverfahren - 9. BImSchV) abschließende Regelungen über die im immissionsschutzrechtlichen Verfahren durchzuführende Umweltverträglichkeitsprüfung einschließlich der Öffentlichkeitsbeteiligung enthalten, neben denen die Regelungen des UVPG nicht ergänzend anwendbar sind (vgl. § 1 Abs. 2 Satz 2 der 9. BImSchV); darüber hinaus sind auch keine Anhaltspunkte dafür erkennbar, dass die UVP-Richtlinie insoweit unzureichend umgesetzt worden ist (vgl. BVerwG, Urteil vom 28. September 2016 - 7 C 1.15 -, NVwZ-RR 2017, 229 und juris, Rn. 14 f.;… siehe auch die Senatsbeschlüsse vom 27. April 2017 - 8 B 10738/17.OVG -, juris, Rn. 5 und vom 25. Juli 2017 - 8 B 10987/17.OVG - n.v.).
Denn die 9. BImSchV a. F. enthielt abschließende Regelungen über die in einem immissionsschutzrechtlichen Genehmigungsverfahren durchzuführende Umweltverträglichkeitsprüfung, sodass ein ergänzender Rückgriff auf die Verfahrensvorschriften des Gesetzes über die Umweltverträglichkeitsprüfung ausschied (vgl. BVerwG, Urt. v. 28.9.2016 - BVerwG 7 C 1.15 -, NVwZ-RR 2017, 229 ff. [230, Rn. 14, m. w. N.]).
Dies wird schon daran deutlich, dass das Bundes-Immissionsschutzgesetz mit § 10 Abs. 3 Satz 1 BImSchG und § 8 Abs. 1 Satz 1 der 9. BImSchV eine eigenständige und erkennbar abschließende Regelung zur Internetpublikation enthält (vgl. zum abschließenden Charakter der 9. BImSchV auch BVerwG, U.v. 28.9.2016 - 7 C 1.15 - juris Rn. 14).
Hiernach ist eine zusätzlichen Bekanntmachung und Auslegung nur notwendig, wenn das Vorhaben während eines Vorbescheidsverfahrens, nach Erteilung eines Vorbescheids oder während des Genehmigungsverfahrens geändert wird, es sei denn, in den auszulegenden Unterlagen wären keine Umstände darzulegen, die nachteilige Auswirkungen für Dritte besorgen lassen (zur Unionsrechtskonformität vgl. BVerwG, U.v. 28.9.2016 - 7 C 1.15 - juris Rn. 20).
Zum einen nimmt das Bundesverwaltungsgericht nur an, "dass Fehler auf dieser vorgängigen Verfahrensstufe auf die nachfolgende Auslegung der Planunterlagen durchschlagen können" (BVerwG, U.v. 28.9.2016 - 7 C 1.15 - juris Rn. 19).