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Timestamp: 2019-11-20 12:59:51
Document Index: 17595497

Matched Legal Cases: ['§ 828', 'BGH', 'BGH', '§ 828', 'BGH', '§828']

Sachbeschädigung Kfz 2 Kinder Versicherungsrecht Forum 123recht.de
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5.9.2019 Thema abonnieren Zum Thema: Schaden zahlen
Frage vom 5.9.2019 | 20:39
Bobbyrecht123
Frischling (15 Beiträge, 15x hilfreich)
"Mein Stiefsohn (15 Jahre) fährt auf dem Radweg=Bürgersteig neben einem anderen Jungen her. Dieser ist 9 Jahre alt. Der 9-jährige "spielt" rum und verliert die Kontrolle über sein Fahrrad. Fährt in meinen Jungen bzw. in dessen Fahrrad und in Folge kommt der 9-jährige von dem Bürgersteig ab und kollidiert mit einem parkenden PKW."
Der Polizeibericht sagt den Hergang exakt so aus, nach Aussage beider Kinder.
Der PKW-Besitzer verlangt nun von uns und dem anderen Jungen (seinen Eltern), seinen entstandenen Schaden zu regulieren.
Faselte, sehr kurz angebunden, was von Kausalität und BGB am Telefon und möchte mir jetzt den Kostenvoranschlag schicken.
Mein Sohn hat aber ja weder am Verlust der Kontrolle noch am entstandenen Schaden irgendeine Schuld, oder sagt das Gesetz etwas anderes und wer muss den Schaden nun zahlen?
Danke für eine Antwort schon mal.
Schaden zahlen
Antwort vom 5.9.2019 | 23:37
Zitat (von Bobbyrecht123):
Der Polizeibericht sagt den Hergang exakt so aus,
Ja, was soll er denn auch sonst aussagen?
möchte mir jetzt den Kostenvoranschlag schicken.
Vorerst mal nicht kommunizieren und abwarten was kommt.
Antwort vom 6.9.2019 | 09:04
Praktikant (941 Beiträge, 434x hilfreich)
Der Geschädigte stellt sich hier (aus meiner Sicht richtigerweise) auf den Standpunkt der Gesamtschulderhaftung, darf sich also aussuchen von welchen der Schädiger er Ersatz verlangen kann.
Wie das die Schädiger dann untereinander im Innenverhältnis klären, darf und sollte dem Geschädigten egal sein.
Antwort vom 6.9.2019 | 09:16
Der Geschädigte stellt sich hier (aus meiner Sicht richtigerweise) auf den Standpunkt der Gesamtschulderhaftung
Gesamtschuldner? Ernsthaft? Ich stelle mir das gerade mal vor: Ich falle gegen dich, du fällst gegen eine Ming-Vase, die zerbricht und dann kann sich deren Eigentümer die Million bei dir holen, weil ich mittellos bin. Habe ich dich soweit richtig verstanden?
Antwort vom 6.9.2019 | 09:26
Als Geschädigter würde ich mir immer alle Suchen, von denen ich meinen Schaden ersetzt bekomme, ja!
Ob das nun berechtigt oder erfolgreich ist, steht auf einem anderen Zettel.
Antwort vom 6.9.2019 | 11:59
Klar, nur ist dann der 15-Jährige mit einem "Sehr geehrter Herr Geschädigter, der Verursache ist der kleine Timmy (9). Hiermit weise ich ihre Forderung als unbegründet zurück. Gruß & Tschüss" schon ziemlich fein raus. Genauso erfolgreich könnte man ja auch den Schaden vom Polizisten fordern, dürfte ähnlich erfolgreich sein, aber du willst ja alle suchen...
Soll der Geschädigte doch eine Kausalität nachweisen & einklagen - der Schilderung anch wird das nciht von Erfolg gekrönt sein...
Da es hier aber (vemutlich) um 4-5-stellige Forderungen geht, würde ich überlegen, vorsichtshalber der eigenen Privathaftpflichtvers. Kenntnis zu verschaffen.
-- Editiert von NaibaF123 am 06.09.2019 12:00
-- Editiert von NaibaF123 am 06.09.2019 12:01
Ich stelle mir das gerade mal vor: Ich falle gegen dich, du fällst gegen eine Ming-Vase, die zerbricht
Nicht ganz korrekt in diesem Fall.
Du fällst gegen Lazyboy, "prallst" an ihm ab und fällst dann gegen die Ming-Vase, die zerbricht.
Lazyboy muss dann die Vase zahlen, wegen gesamtschuldnerischer Haftung.
Ich sehe es allerdings nicht so....
Antwort vom 6.9.2019 | 13:00
Schlichter (7280 Beiträge, 2562x hilfreich)
Es gibt hier zwei Geschädigte (den älteren Jungen und den KFZ Besitzer) und nur einen Schädiger mMn.
Ich auch nicht. Ich würde daher jegliche Forderung zurückweisen.
Antwort vom 6.9.2019 | 19:14
Btw. hat sich raus gestellt, dass die "schuldige Partei" keine Haftpflichtversicherung hat und er deswegen versucht an uns ran zu treten. Frei nach: "ach, da war doch jemand anderes erwähnt..."
Ehrlicherweise möchte ich sagen: wir leben hier auf einem Dorf und wenn der Beschädigte (ist mir nicht persönlich bekannt) anständig mit uns und der Schuldpartei gesprochen hätte, hätten wir sicher eine Regelung finden können. Doch direkt mit Kausalität und BGB um sich zu werfen... naja.
Ich sagte das so explizit mit dem Polizeibericht, um zu verdeutlichen, dass das keine eigene Meinung oder lediglich mein Empfinden ist, sondern bestätigter Fakt.
Die Privathaftpflicht wurde übrigens in Kenntnis gesetzt und die wollen jetzt mal abwarten, ob irgendjemand Schadenersatz geltend machen will. Dann klären die alles Weitere. Zahlen aber wohl nicht.
So zumindest die Aussagen des Sachbearbeiters.
-- Editiert von Bobbyrecht123 am 06.09.2019 19:20
Antwort vom 6.9.2019 | 19:21
sondern bestätigter Fakt.
Nö, das ist eben kein bestätigter Fakt. Da stehen die Schilderungen der Kinder drin. Eventuell noch eine Meinung / Ergänzung der Polizei. Mehr nicht.
Antwort vom 8.9.2019 | 13:59
Schüler (424 Beiträge, 182x hilfreich)
Vielleicht sollte man der Partei des kleinen Schädigers mal mitteilen, dass bis zum Alter von 10 Jahren beim Unfall mit einem KFZ niemand haftet.
Antwort vom 8.9.2019 | 17:38
Hier geht es doch darum, das der Geschädigte I. von den Eltern des Geschädigten II (dem 15jährigen Stiefsohn) Schadenersatz aus gesamtschuldnerischer Haftung möchte.
Wenn es diese gäbe würde nur der dritte Absatz Deines Textes einen Ansatzpunkt darstellen.
Aber über die Sinnhaftigkeit würde dann wieder lange diskutiert.
Unbeschreiblich (35201 Beiträge, 12623x hilfreich)
Das stimmt nicht. Bei einem Unfall mit einem ordnungsgemäß geparkten PKW gilt die Altersgrenze von 7 Jahren.
Antwort vom 11.9.2019 | 00:00
Eltern haften grundsätzlich nicht für Schäden, die ihre Kinder anrichten.
Eltern haften nur für Schäden, die daraus entstehen, daß sie ihre Aufsichtspflicht verletzt haben.
Ob der 9jährige überhaupt haftet, ist zweifelhaft, § 828 BGB Abs.2 wurde schon zitiert.
Bei einem Unfall mit einem ordnungsgemäß geparkten PKW gilt die Altersgrenze von 7 Jahren.
"Kinder haften nicht für Beschädigungen an geparkten Fahrzeugen, wenn der Schaden bei altersgemäß falscher Einschätzung der im Verkehr bestehenden Gefahren zugefügt wurde."
(AG München , Urteil vom 11.12.2017 - 345 C 13556/17 )
Der BGH hat in mehreren Urteilen entschieden, dass für das Eingreifen des Haftungsprivilegs nicht grundsätzlich zwischen dem fließenden und dem ruhenden Verkehr zu unterscheiden ist, wenn es auch im fließenden Verkehr häufiger als im sogenannten ruhenden Verkehr eingreifen mag. In besonders gelagerten Fällen kann sich auch im ruhenden Verkehr eine spezifische Gefahr des motorisierten Verkehrs verwirklichen (vgl. Senat, BGHZ 161, 180 , 185 und Urteil vom 21. Dezember 2004 - VI ZR 276/03 - aaO jeweils m.w.N.). Für die Frage, ob der Haftungsausschluss nach § 828 Abs. 2 Satz 1 BGB überhaupt in Betracht kommt, ist maßgebend darauf abzustellen, ob eine typische Fallkonstellation der Überforderung des Kindes durch die Schnelligkeit, die Komplexität und die Unübersichtlichkeit der Abläufe im motorisierten Straßenverkehr gegeben war. Allerdings kommt es nicht darauf an, ob sich die Überforderungssituation konkret ausgewirkt hat oder ob das Kind aus anderen Gründen nicht in der Lage war, sich verkehrsgerecht zu verhalten. Um eine klare Grenzlinie für die Haftung von Kindern zu ziehen, hat der Gesetzgeber die Fallgestaltungen vielmehr einheitlich in der Weise geregelt, dass er die Altersgrenze der Deliktsfähigkeit von Kindern für den Bereich des motorisierten Verkehrs generell auf die Vollendung des 10. Lebensjahres heraufgesetzt hat (vgl. Senat BGHZ 172, 83 , 86; Urteile vom 14. Juni 2005 - VI ZR 181/04 - VersR 2005, 1154 , 1155 und vom 16. Oktober 2007 - VI ZR 42/07 - aaO).
So oder so ist Unfallverursacher der 9jährige, der 15jährige ist Unfallopfer und haftet überhaupt nicht.
Außerdem gilt §828 Abs. 3 BGB:
Das kann hier wohl unterstellt werden.
Der geschädigte Autofahrer wird seinen Schaden mit seiner Vollkasko-Versicherung regulieren müssen, hat er keine, wird er auf dem Schaden sitzenbleiben.
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