Source: http://www.controller-institut.at/de/news-room/kapitalkonsolidierung-und-konzernerfolg-sdarstellung-4775/
Timestamp: 2018-07-22 22:30:20
Document Index: 283822717

Matched Legal Cases: ['§ 245', '§ 250', '§ 253', '§ 260', '§ 254', '§ 254', '§ 189', '§ 261', '§ 203']

Kapitalkonsolidierung und Konzernerfolg(sdarstellung) - News Room - Controller Institut
Kapitalkonsolidierung und Konzernerfolg(sdarstellung)
Josef Baumüller, Senior Programm-Manager, Controller Institut und Experte für Rechnungswesen
Alte und neue Anforderungen
Insbesondere für mittelständische Konzerne, die nicht unter die Pflicht fallen, ihre Konzernabschlüsse nach IFRS zu erstellen (§ 245a UGB), bzw. hiervon auch auf freiwilliger Basis Abstand nehmen, sind es die Bestimmungen der §§ 250 ff. UGB, die das im UGB-Konzernabschluss enthaltene Bild maßgeblich bestimmen. Regelmäßig von größter praktischer Bedeutung sind dabei die Bestimmungen zur Vollkonsolidierung (§§ 253–259 UGB) sowie zur (konzerneinheitlichen) Bewertung (§§ 260 und 261 UGB).
Durch das RÄG 2014 wurden bzw. werden diese Bestimmungen maßgeblich verändert. Besonders hier kommt das oft ins Treffen geführte Anliegen, die Rechnungslegungsbestimmungen „modernisieren“ zu wollen, zum Tragen. Praktisch bedeutet dies eine weitere Annäherung des UGB-Konzernabschlusses an die Welt der IFRS.
Obschon eine solche Annäherung grds. wertfrei gesehen und beurteilt werden kann, lassen einige damit verbundene Aspekte doch große Zweifel aufkommen. Dies zeigt sich v.a. im Zusammenhang mit der Neuregelung der Kapitalkonsolidierung (§ 254 UGB). Von den bisher vorgesehenen zwei Möglichkeiten, die als Wahlrecht vorgesehen waren, wurde die erste – die sog. Buchwertmethode – gestrichen zugunsten der sog. Neubewertungsmethode. Diese gilt als international weiter verbreitet und „im Geiste“ der IFRS. Dass in Deutschland im Zuge des BilMoG 2009 gleichermaßen verfahren wurde, mag die (so auch bequeme) Entscheidung gewiss noch begünstigt haben. Der Gesetzgeber resümiert hierzu nur in den Gesetzesmaterialien: „Die Neubewertungsmethode hat die besseren theoretischen und praktischen Argumente für sich“ – welche genau die theoretischen und praktischen Vorteile aber sind, darüber lässt er sich nicht weiter aus. Hier wäre wohl in Anbetracht der Tragweite der Entscheidung eine fundiertere Auseinandersetzung mit der Materie geboten gewesen. Differenzierte und tiefgründige Abhandlungen dazu in der Literatur sind allerdings ebenso die Ausnahme.
Die häufig anzutreffende Auffassung, dass sich beide in § 254 UGB normierten Verfahren lediglich im Hinblick auf das Ausmaß unterscheiden, in dem die stillen Reserven des erworbenen Unternehmens aufgedeckt werden, greift zu kurz und blendet eine Vielzahl an weiteren – prozessualen – Aspekten aus, die für die Praxis von Bedeutung waren. So galt die Neubewertungsmethode seit jeher als die wesentlich aufwändigere in ihrer Durchführung, da ihr ein weiterreichender Umfang der durchzuführenden Aufdeckungen von stillen Reserven zu eigen ist. Zum Zeitpunkt der erstmaligen Auseinandersetzung mit diesen (damals noch neuen) Bestimmungen vor rd. 25 Jahren war dies ein wesentlicher Grund, die Anwendung der Buchwertmethode zu empfehlen. Dem zur Seite steht freilich das ebenso schwerwiegende, wenngleich differenzierter zu betrachtende Argument, dass die Anwendung der Neubewertungsmethode zu einer wesentlichen Verschlechterung zahlreicher (Erfolgs-)Maßstäbe eines Konzernes führt. Ob sie aus Sicht der viel beschworenen Einheitstheorie demgegenüber konsequenter ist, ist zu hinterfragen – hier gäbe es v.a. in der Literatur überzeugendere Zugänge zur Thematik; hier ersetzt man eher eine „schlechte“ Methode durch eine (vielleicht, in dieser Hinsicht) „etwas weniger schlechte“.
Was so als Fazit bleibt: Eine Konsolidierungsmethode, die allen vorliegenden Studien zufolge fast ausschließliche Anwendung findet, wird abgeschafft; ein unmittelbarer Nutzen aus praktischer oder konzeptioneller Sicht ist demgegenüber nicht in Sicht – und für eine Übergangsphase werden die veröffentlichten UGB-Konzernabschlüsse von einem Wirrwarr an Zahlenwerten verzerrt sein, die nach der Alt- bzw. nach Neuregelung zustande kamen. Aber immerhin: Man kann sich an die Fahne heften, wieder ein Stück „internationaler“ in der Rechnungslegung geworden zu sein (ob in Summe noch immer punktuelle Anpassungen wie diese allerdings dazu führen, dass damit dem Problem entgegengetreten wird, dass UGB-Abschlüsse im internationalen Kontext oftmals schlecht beleumundet sind, ist zweifelhaft).
Zu den Auswirkungen dieser Neufassung auf das Bilanzbild und damit etwa für hieran knüpfende Gespräche mit Banken oder anderen Geldgebern ein einfaches Beispiel; angenommen wird dafür, dass im Anlagevermögen (Ø Nutzungsdauer: 5 Jahre) stille Reserven von 20 enthalten und das Mutterunternehmen an ihrem Tochterunternehmen zu 75% beteiligt ist.
- davon Anteile:
In Abhängigkeit von der gewählten Methode der Kapitalkonsolidierung können sich mitunter bedeutsame Effekte auf verschiedene Kennzahlen ergeben – ohne dass sich an der ökonomischen Substanz des Unternehmenserwerbes etwas geändert hätte; in beiden Fällen wird ein und derselbe Unternehmenserwerb betrachtet. Dazu kommt als weiterer Spielraum der Neubewertungsmethode, dass gerade hier Umfang und Wesen der aufgedeckten stillen Reserven besondere Auswirkungen auf das Bilanzbild hat, da insb. der Konzernerfolg (z.B. über die Abschreibungen) und das Konzerneigenkapital (über den Ausgleichsposten für Minderheitsgesellschafter) davon unmittelbar und z.T. viel stärker betroffen wird.
EK excl. Minderheiten
vor stillen Reserven
An weiteren Herausforderungen insbesondere für die Praxis ist noch festzuhalten, dass als maßgeblicher Wertansatz auf den „beizulegende Zeitwert“ abgestellt wird, nach § 189a UGB Z 4 der Börsenkurs oder Marktwert. Dies stellt natürlich wesentlich weitergehende Anforderungen an die Wertermittlung, als es bisher der Fall war („beizulegender Wert“). Verbunden mit der Eigenschaft der Neubewertungsmethode, dass nunmehr eine Aufdeckung der maßgeblichen stillen Reserven in weitaus geringerem Ausmaße von Wesentlichkeitsüberlegungen geprägt sein kann, führt dies zu einem zu erwartenden deutlichen Mehraufwand für die (Konzern-)Bilanzersteller.
Im Hinblick auf die Folgebewertung eines Firmenwerts im Konzernabschluss sei nur kurz auf die wesentlichen Auswirkungen hingewiesen: Die Neufassung des § 261 UGB streicht die bisher in Abs. 1 vorgesehenen Wahlrechte und sieht als Standardfall die Abschreibung über die Nutzungsdauer vor – im Einklang mit den Bestimmungen für den Jahresabschluss. Das Grundproblem dabei bleibt aber: nämlich die sachlich korrekte und nachvollziehbare Festlegung dieser Nutzungsdauer im Kontext eines solchermaßen abstrakten Bilanzpostens. Durch die Neufassung der damit einhergehenden Bestimmungen im Jahresabschluss sowie ergänzender berufsständischer Verlautbarungen (etwa des AFRAC) steigen auch hier die Anforderungen und es sind wohl fortan wesentlich umfangreichere Nachweise hinsichtlich der Grundlagen für die getroffenen Bilanzierungsentscheidungen zu erbringen.
Kann die Nutzungsdauer nicht ausreichend verlässlich bestimmt werden, um diesen Anforderungen zu genügen, kommt eine gleichmäßige Abschreibung über zehn Jahre zur Anwendung (§ 203 Abs. 5) – was einen Paradigmenwechsel darstellt, da somit de facto die weit verbreitete Abschreibung über die steuerrechtlich relevanten 15 Jahre nicht mehr so einfach wie bisher erlaubt wird; dies führt wohl i.d.R. zu einer bedeutsam höheren Belastung des Konzernerfolges, als es bisher üblich war – bzw. wird es größere Anstrengungen benötigen, diese zu vermeiden.
Die „Welt der Buchhaltung“ wird somit unaufhaltsam komplexer und sieht sich mit neuen Herausforderungen konfrontiert; das RÄG 2014 hat einen weiteren Beitrag dazu geleistet. Buchhaltung verlässt so immer mehr den Rahmen der „bloßen“ Dokumentation und erhält eine größere gestalterische Rolle im Hinblick auf das Unternehmensgeschick – und den Unternehmens-/Konzernerfolg als seinen zentralen Maßstab.
Mehr zum Thema findet sich dargestellt in: Baumüller, Josef (2013): Anmerkungen zur Kapitalkonsolidierung nach der Buchwertmethode im Lichte nationaler und internationaler Reform(überlegung)en. In: Zeitschrift für Recht und Rechnungswesen, 23 (3), S. 78–89.
In eigener Sache: Der Controller-Instituts-Lehrgang Certified Controller für Bilanzbuchhalter ist dieser Tage mit Unterstützung des BÖB erfolgreich gestartet: anerkanntes Know-how in Unternehmensführung und Controlling speziell für Bilanzbuchhalter.
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