Source: https://www.online-und-recht.de/urteile/Strafbewehrte-Unterlassungserklaerung-von-500-EUR-bei-Bootleg-CD-Angebot-nicht-ausreichend-Landgericht-Hamburg-20150407/
Timestamp: 2020-06-03 00:42:15
Document Index: 357638699

Matched Legal Cases: ['§ 935', '§ 32', '§ 97', '§ 890', '§ 12', '§ 104', '§ 97', '§ 77', '§ 73', '§ 77', '§ 125', '§ 77', '§ 77', '§ 91', '§ 53']

Strafbewehrte Unterlassungserklärung von 500,- EUR bei Bootleg-CD-Angebot nicht ausreichend Landgericht Hamburg Beschluss v. 07.04.2015 - 308 O 135/15 :: Online & Recht
Strafbewehrte Unterlassungserklärung von 500,- EUR bei Bootleg-CD-Angebot nicht ausreichend
Beschluss v. 07.04.2015 - Az.: 308 O 135/15
1. Eine Vertragsstrafe von 500,- EUR reicht nicht aus, um die Wiederholungsgefahr im Falle einer urheberrechtlichen Verletzungsverhandlung (Anbieten einer illegalen Bootleg-CD) auszuschließen.
2. Bei einem privaten Anbieten einer illegalen Bootleg-CD auf eBay ist von einem Streitwert von 10.000,- EUR auszugehen.
In der Sache (...) beschließt das Landgericht Harnburg - Zivilkammer 8 - durch (...) am 07.04.2015:
1. Im Wege einer einstweiligen Verfügung - der Dringlichkeit wegen ohne mündliche Verhandlung - wird dem Antragsgegner bei Vermeidung eines vom Gericht für jeden Fall der Zuwiderhandlung festzusetzenden Ordnungsgeldes und für den Fall, dass dieses nicht beigetrieben werden kann,einer Ordnungshaft bis zu 6 Monaten - (Ordnungsgeld im Einzelfall höchstens € 250.000,00; Ordnungshaft höchstens zwei Jahre) verboten, den LP-Tonträger (...) mit Darbietungen der Musik-Gruppe (...) anzubieten, wie in dem beim Internet-Auktionshaus eBay eingestellten Angebot zu der Artikelnummer (...) geschehen.
2. Der Antragsgegner hat die Kosten des Verfahrens nach einem Streitwert von € 10.000,00 zu tragen.
Der auf Antrag der Antragstellerin ergangenen Entscheidung liegen prozessual die Regelungen der §§ 935 ff., 922 ZPO zugrunde, wobei die Zuständigkeit des Gerichts aus§ 32 ZPO folgt. Der - verschuldensunabhängige - Verbots- bzw. Unterlassungsanspruch folgt aus den §§ 97, 77 UrhG, die Androhung der Ordnungsmittel beruht auf § 890 ZPO.
Der Antrag auf Erlass der einstweiligen Verfügung ist zulässig, insbesondere ist die örtliche Zuständigkeit des Landgerichts Harnburg gegeben. Die örtliche Zuständigkeit folgt aus §§ 12,13 ZPO, § 104a UrhG. Der Antragsgegner hat seinen Wohnsitz in Harnburg und das eBay-Angebot des Antragsgeners war nicht gewerblich.
Die Antragstellerin hat die tatsächlichen Voraussetzungen des tenorierten, aus §§ 97 Abs. 1 Satz 1, 77 Abs. 2 UrhG folgenden Unterlassungsanspruchs dargelegt und glaubhaft gemacht.
Gegenstand des geltend gemachten Unterlassungsanspruchs ist das Verbreitungsrecht im Sinne des § 77 Abs. 2 UrhG an Aufnahmen des ausübenden Künstlers im Sinne des § 73 UrhG.
Der Schutz der Rechte der ausübenden Künstler nach § 77 UrhG steht auch den Mitgliedern der Musikgruppe (...) zu, da diese als britische Staatsbürger gemäß §§ 125 Abs. 1, 120 Abs. 2 Nr. 2 UrhG Inländerschutz genießen.
Die Antragstellerin hat (durch Vorlage einer eidesstattlichen Versicherung des Geschäftsführers der (...) Ltd, Herrn (...) vom 04.11.2014, Ast 1) glaubhaft ge macht, dass sie aus abgeleitetem Recht über die exklusiven Künstlerleistungsschutzrechte der Mitglieder der Künstlergruppe (...) im Sinne des § 77 UrhG verfügt. Die Musiker haben ihre Rechte an allen bis zum 31.12.1986 enstandenen Aufnahmen auf die Antragstellerin übertragen.
Am 13.03.2015 erlangte die Antragstellerin Kenntnis davon, dass der Antragsgegner unter dem Verkäufernamen (...) bei eBay den im Tenor genannten Tonträger zum Kauf anbot (Anlage Ast. 2). Dies hat sie durch eidesstattliche Versicherung des Company Secretary der Antragstellerin, Herrn (...), vom 25.03.2015 (Anlage Ast. 5) glaubhaft gemacht. Weiter ist glaubhaft gemacht worden, dass es sich bei den Aufnahmen auf dem Tonträger um Bootlegs, also um nicht autorisierte Aufnahmen handelt.
Der Antragsgegner ist für das Angebot verantwortlich. Laut der Auskunft von eßay vom 14.03.2015 (Anlage Ast.3) handelte er unter dem Namen (...) und war damit Anbieter des Tonträgers. Dies hat er durch Schreiben seines Prozessbevollmächtigten vom 30.03.2015 (Anlage ASt 7) auch eingeräumt.
Das Anbieten der Aufnahmen ohne Rechtseinräumung durch die Antragstellerin verletzt in widerrechtlicher Weise das Recht der ausübenden Künstler auf Verbreitung im Sinne des § 77 UrhG, welches auch ein Anbieten erfasst. Auf ein Verschulden des Antragsgegners, insbesondere darauf, ob er erkennen konnte, dass es sich bei der angebotenen LP um ein Bootleg handelte, kommt es für den Unterlassungsanspruch nicht an, denn dieser besteht verschuldensunabhängig.
Das widerrechtliche Angebot der Tonaufnahmen begründet die Vermutung einer Wiederholungsgefahr.
Zur Ausräumung dieser Vermutung wäre neben der Entfernung des Angebots aus dem Internet die Abgabe einer ernsthaften, unbefristeten, vorbehaltlosen und - dies insbesondere - hinreichend strafbewehrten Unterlassungsverpflichtungserklärung erforderlich gewesen.
Die von dem Antragsgegner unterzeichnete Unterlassungsverpflichtungserklärung vom 28.03.2015 (Anlage Ast. 7) reicht zur Ausräumung der Wiederholungsgefahr nicht aus, denn sie beschränkt die Vertragsstrafe für den Wiederholungsfall auf 500,- €. Dies stellt keine angemessene Vertragsstrafe für jeden Fall der Zuwiderhandlung dar, denn es ist nicht absehbar, in welchem Umfang kerngleiche Verletzungen begangen werden könnten.
Der Anspruchsgegenstand wird durch dieses Vertragsstrafeversprechen nicht angemessen gesichert.
Ein Verfügungsgrund liegt vor. Dieser folgt bereits aus der Wiederholungsgefahr. Die Antragstellerin hat die Angelegenheit außerdem geboten zügig verfolgt. Die Antragstellerio hat glaubhaft gemacht, erstmals am 13.03.2015 von dem angegriffenen Angebot Kenntnis erlangt zu haben.
Die Kostenentscheidung beruht auf § 91 Abs. 1 ZPO. Der Gegenstandswert ist nach den §§ 53 Abs. 1 Nr. 1 GKG, 3 ZPO in Anlehnung an die Werteinschätzung der Antragstellerio in der Antragsschrift geschätzt worden. Diese Schätzung ist angemessen. Nach der Rechtsprechung des Hanseatischen Oberlandesgerichts kann bereits im Falle des privaten Verkaufs eines Kopplungstonträgers mit lediglich einem einzigen nicht lizenzierten Titel ein Gegenstandswert von € 6.000,- angemessen sein (Hans. OLG, B. v. 14.12.2009, 5 W 114/09 + 5 W 120/09).
Hier geht es um die Darbietung von mehreren Titeln auf einem Tonträger.