Source: https://www.jusmeum.de/urteil/ovg_nordrhein-westfalen/785e0e26d44fa17eaf1c576030e072125c07b402b68705a38de0ca0886e38841
Timestamp: 2020-01-19 10:29:42
Document Index: 382868303

Matched Legal Cases: ['§ 124', '§ 124', '§ 124', '§ 25', '§ 31', 'BGH', '§ 124', '§ 124', '§ 154', '§ 52']

OVG Nordrhein-Westfalen, 14 A 3421/07: OVG NRW (begründung, verwaltungsgericht, vermietung, betrieb, richtigkeit, kläger, zweifel, zulassung, antrag, verwaltungsgerichtsbarkeit)
Urteil des OVG Nordrhein-Westfalen vom 30.11.2009, 14 A 3421/07
Aktenzeichen: 14 A 3421/07
OVG NRW (begründung, verwaltungsgericht, vermietung, betrieb, richtigkeit, kläger, zweifel, zulassung, antrag, verwaltungsgerichtsbarkeit)
Oberverwaltungsgericht NRW, 14 A 3421/07
Der Wert des Streitgegenstandes wird auch für das Zulassungsverfahren auf 408,00 Euro festgesetzt.
3Der Beklagte hat Gründe für eine Zulassung der Berufung im Sinne des § 124 Abs. 2 VwGO nicht dem Erfordernis des § 124a Abs. 4 Satz 4 VwGO genügend dargelegt oder solche liegen nicht vor.
4Dies gilt zunächst hinsichtlich der geltend gemachten ernstlichen Zweifel an der Richtigkeit des erstinstanzlichen Urteils im Sinne von § 124 Abs. 2 Nr. 1 VwGO.
5Das Verwaltungsgericht hat sich zur Begründung seiner Entscheidung, den umstrittenen auf § 25 Abs. 1 Satz 1 WoBindG gestützten Geldleistungsbescheid vom 2. Februar 2007 und den Widerspruchsbescheid der Bezirksregierung E. vom 22. Mai 2007 aufzuheben, auf den Standpunkt gestellt, der Kläger habe nicht schuldhaft gehandelt. Der Verfügungsberechtigte trage zwar grundsätzlich das sich aus einer zweifelhaften Rechtslage ergebende Risiko. Habe die zuständige Stelle ihm ihre Auffassung zu einer höchstrichterlich noch nicht entschiedenen Frage mitgeteilt, so dürfe der Verfügungsberechtigte sich nicht ohne weiteres auf einen abweichenden rechtskundigen Rat verlassen, sondern müsse die Möglichkeit in Rechnung stellen, dass die höchstrichterliche Rechtsprechung der Rechtsauffassung der Behörde zustimmen werde. Er begehe jedoch keinen Sorgfaltsverstoß, wenn er sich eine Rechtsansicht zu eigen mache, die der im Schrifttum und in der Rechtsprechung vertretenen Auffassung entspreche. Überdies finde der im Schadensersatzrecht zur Amtshaftung entwickelte Grundsatz, "Rechtsunkenntnis" dann als entschuldigt
anzusehen, wenn ein mit mehreren Berufsrichtern besetztes Kollegialgericht das der Schadensersatzforderung zugrunde gelegte Verhalten als objektiv rechtmäßig beurteilt habe, auch hier Anwendung. Nach diesen Grundsätzen sei der Rechtsirrtum des Klägers, wenn er überhaupt vorgelegen habe, jedenfalls unverschuldet.
6Unter Berücksichtigung der Ausführungen des Beklagten zur Begründung des Zulassungsantrages ergeben sich keine ernstlichen Zweifel an der Richtigkeit dieser Rechtsauffassung des Verwaltungsgerichts.
7Eine höchstrichterliche Entscheidung zu der bei einer Mietpreisberechnung zu berücksichtigenden Frage, ob Einnahmen eines Vermieters aus der Vermietung von Dachflächen zum Betrieb einer Mobilfunkantenne Erträge im Sinne des § 31 Abs. 1 Satz 1 II. BV darstellten und bei einer Wirtschaftlichkeitsberechnung im preisgebundenen Wohnraum zu berücksichtigen seien, lag vor. Diese Frage hatte der Bundesgerichtshof dahingehend und damit im Sinne der Auffassung des Klägers entschieden, dass dies nicht der Fall sei,
vgl. BGH, Urteil vom 2. November 2005 8
- VIII ZR 310/04 -, in: Juris. 9
10Entsprechend den Ausführungen des Verwaltungsgerichts im angefochtenen Urteil existierte eine von der Rechtsauffassung des Bundesgerichtshofs abweichende Rechtsprechung in der Verwaltungsgerichtsbarkeit nicht, so dass sich der Kläger auf die einzig bestehende und zudem seinerzeit aktuelle höchstrichterliche Rechtsprechung zu dieser Thematik verlassen durfte,
vgl. BVerwG, Urteil vom 16. Juni 1989 - 8 C 92/86 -, in: Juris, m.w.N. 11
12Eine der Rechtsauffassung des Bundesgerichtshofs widersprechende verwaltungsgerichtliche Rechtsprechung hat der Beklagte weder im Verlauf des Verwaltungsverfahrens noch im Rahmen der Begründung des Zulassungsantrages benennen können.
13Angesichts der genannten Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs lässt sich aus entgegenstehenden Meinungen in der Literatur, insbesondere soweit sie aus Zeiten vor der Entscheidung des Bundesgerichtshofs stammen, nichts Gegenteiliges herleiten. Gleiches gilt hinsichtlich des Erlasses des Ministeriums für Städtebau und Wohnen, Kultur und Sport des Landes NRW vom 5. November 2002 und hinsichtlich der Weisung vom 5. September 2006, die lediglich verwaltungsinterne Bedeutung gehabt haben.
14Ist somit mit dem Verwaltungsgericht im angefochtenen Urteil davon auszugehen, dass das für die Erhebung der Geldleistungen erforderliche Verschulden nicht vorliegt, kommt es auf die weiterhin geltend gemachten Zulassungsgründe der besonderen rechtlichen Schwierigkeiten im Sinne von § 124 Abs. 1 Nr. 2 VwGO und der grundsätzlichen Bedeutung im Sinne von § 124 Abs. 2 Nr. 3 VwGO nicht mehr an. Die Ausführungen des Beklagten zu diesen Zulassungsgründen betreffen nicht die Frage des Verschuldens, sondern die Berücksichtigungsfähigkeit von Einnahmen aus der Vermietung von Dachflächen zum Betrieb einer Mobilfunkanlage im Rahmen einer Wirtschaftlichkeitsberechnung.
Die Kostenentscheidung folgt aus § 154 Abs. 2 VwGO, die Streitwertfestsetzung aus § 52 Abs. 3 GKG. 15
14 A 3421/07
Begründung, Verwaltungsgericht, Vermietung, Betrieb, Richtigkeit, Kläger, Zweifel, Zulassung, Antrag, Verwaltungsgerichtsbarkeit