Source: https://www.rechtslupe.de/zivilrecht/grundschuld-und-unterwerfungserklaerung-und-die-belastungsvollmacht-363195
Timestamp: 2020-07-02 05:08:53
Document Index: 256239061

Matched Legal Cases: ['§ 732', '§ 1191', '§ 800', '§ 794', '§ 795', '§ 750', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 767', 'BGH']

Grundschuld und Unterwerfungserklärung - und die Belastungsvollmacht | Rechtslupe
Grundschuld und Unterwerfungserklärung - und die Belastungsvollmacht
Nach der stän­di­gen Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs wird die Voll­streck­bar­keit des Titels dem Voll­stre­ckungs­ge­richt durch die Voll­stre­ckungs­klau­sel in for­ma­li­sier­ter Form vor­ge­ge­ben [1]. Ob die Unter­wer­fungs­er­klä­rung ord­nungs­ge­mäß abge­ge­ben wor­den ist, muss der Schuld­ner im Wege der Erin­ne­rung gegen die Ertei­lung der Voll­stre­ckungs­klau­sel klä­ren las­sen (§ 732 ZPO) [2]; dazu gehört auch die Fra­ge der Wirk­sam­keit und der Reich­wei­te der von einem Ver­tre­ter in einer nota­ri­el­len Urkun­de abge­ge­be­nen Unter­wer­fungs­er­klä­rung [3]. Macht der Schuld­ner von die­sem Rechts­be­helf kei­nen Gebrauch, kann die Ertei­lung der Voll­stre­ckungs­klau­sel allen­falls bei grund­le­gen­den, schwe­ren Män­geln nich­tig und des­halb von vor­ne­her­ein unwirk­sam sein [4].
Ob wie die Rechts­be­schwer­de meint offen­kun­di­ge und schwe­re Män­gel der Voll­macht zur Nich­tig­keit der Voll­stre­ckungs­klau­sel füh­ren kön­nen, kann offen­blei­ben [5]. Denn von einem offen­kun­di­gen Man­gel der Voll­macht kann kei­ne Rede sein; zu Recht hat das Beschwer­de­ge­richt auf ver­schie­de­ne denk­ba­re Aus­le­gungs­mög­lich­kei­ten ver­wie­sen. Zwar könn­te eine streng an dem Wort­laut aus­ge­rich­te­te Aus­le­gung der Bevoll­mäch­ti­gung zur Bestel­lung von Grund­pfand­rech­ten "mit ding­li­cher (Ver­käu­fer­sei­te) und per­sön­li­cher (Käu­fer­sei­te) Voll­stre­ckungs­un­ter­wer­fung" zu dem von dem Betei­lig­ten zu 1 gewünsch­ten Ergeb­nis füh­ren, dass näm­lich auf Sei­ten der Schuld­ner eine Voll­macht nur für die per­sön­li­che, nicht aber für die ding­li­che Voll­stre­ckungs­un­ter­wer­fung erteilt wur­de. Im Hin­blick auf Sinn und Zweck der allein im Inter­es­se der Käu­fer erteil­ten Vor­be­las­tungs­voll­macht liegt es aber erheb­lich näher, dass der Klam­mer­zu­satz "Ver­käu­fer­sei­te" hin­ter dem Wort "ding­lich" nur sicher­stel­len soll­te, dass die Ver­käu­fer kei­ne per­sön­li­che Haf­tung über­neh­men muss­ten. Nach die­sem Ver­ständ­nis durf­ten die Ver­käu­fer ledig­lich wegen des ding­li­chen Anspruchs (§ 1191 BGB) der sofor­ti­gen Zwangs­voll­stre­ckung unter­wor­fen wer­den, die Käu­fer dage­gen auch wegen per­sön­li­cher Ansprü­che.
Zutref­fend und von der Rechts­be­schwer­de unbe­an­stan­det hat es das Beschwer­de­ge­richt auch als uner­heb­lich ange­se­hen, dass hin­sicht­lich der Grund­schuld Nr. 8c am 11.08.2006 nur die voll­streck­ba­re Aus­fer­ti­gung, nicht aber die Voll­macht zuge­stellt wor­den ist. Zwar muss auch die Voll­macht zuge­stellt wer­den, wenn ein Ver­tre­ter die Unter­wer­fung unter die sofor­ti­ge Zwangs­voll­stre­ckung erklärt hat, damit der Schuld­ner Gele­gen­heit erhält, Ein­wen­dun­gen gegen die Zwangs­voll­stre­ckung zu erhe­ben (§ 800 Abs. 1 und 2 i.V.m. § 794 Abs. 1 Nr. 5, § 795 Satz 1, § 750 ZPO) [6]. Die danach erfor­der­li­che Zustel­lung der Voll­macht ist aber noch vor der Anord­nung der Zwangs­ver­stei­ge­rung am 16.06.2011 nach­ge­holt wor­den. Denn am 31.01.2011 ist die Voll­macht mit der voll­streck­ba­ren Aus­fer­ti­gung der Grund­schuld zuge­stellt wor­den. Dies war aus­rei­chend, weil bei­de Grund­schul­den aus einem ein­heit­li­chen Recht her­vor­ge­gan­gen sind.
BGH, Beschluss vom 21.09.2006 – V ZB 76/​06, WM 2006, 2266 Rn. 8 mwN[↩]
BGH, Urteil vom 30.03.2010 – XI ZR 200/​09, BGHZ 185, 133 Rn. 18[↩]
BGH, Beschluss vom 16.05.2012 – I ZB 65/​11, NJW 2012, 3518 Rn. 9[↩]
vgl. BGH, Beschluss vom 12.01.2012 – VII ZB 71/​09, NJW-RR 2012, 1146 Rn. 16 mwN[↩]
offen gelas­sen auch von BGH, Beschluss vom 16.05.2012 – I ZB 65/​11, NJW 2012, 3518 Rn. 10[↩]
BGH, Beschlüs­se vom 21.09.2006 – V ZB 76/​06, WM 2006, 2266 Rn. 10 f.; und vom 10.04.2008 – V ZB 114/​07, ZfIR 2008, 468 Rn. 5 ff.[↩]
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