Source: http://m.hensche.de/Arbeitsrecht_Urteile_Equal_Pay_Anspruch_Leiharbeit_5Ca5129-10.html
Timestamp: 2016-12-06 21:47:05
Document Index: 114192946

Matched Legal Cases: ['§ 11', '§ 9', '§ 1', '§ 17', '§ 17', '§ 4', '§ 2', '§ 97', '§ 9', '§ 9', '§ 9', '§ 2', '§ 97', '§ 97', '§ 9', '§ 2', '§ 97', '§ 2', '§ 9', '§ 194', 'BGH', '§ 97', '§ 307', '§ 307', 'BGH', '§ 307', '§ 1', '§ 17', '§ 307', '§ 2', '§ 10', '§ 286', '§ 61', '§ 3', '§ 91', '§ 62']

HENSCHE Arbeitsrecht: 5 Ca 5129/10
Equal Pay-Anspruch, Leiharbeit, Tarifvertrag
Ak­ten­zei­chen: 5 Ca 5129/10
In dem Rechts­streit ...
Kläger Proz.-Bev.: ... ge­gen
Be­klag­te hat die 5. Kam­mer des Ar­beits­ge­richts Bre­men-Bre­mer­ha­ven auf die münd­li­che Ver­hand­lung vom 12. Mai 2011 durchden Di­rek­tor des Ar­beits­ge­richts ... als Vor­sit­zen­den,die eh­ren­amt­li­che Rich­te­rin Frau ... und den eh­ren­amt­li­chen Rich­ter Herr ...
1. Die Be­klag­te wird ver­ur­teilt, an den Kläger € 2.253,30 brut­to zuzüglich Zin­sen in Höhe von fünf Pro­zent­punk­ten über dem Ba­sis­zins­satz auf € 234,75 seit dem 20.11.2009, auf wei­te­re € 492,98 seit dem 20.12.2009, auf wei­te­re € 539,93 seit dem 20.1.2010, auf wei­te­re € 492,- seit dem 20.2.2010 und auf wei­te­re € 493,64 seit dem 20.3.2010 zu zah­len. 2. Die Be­klag­te trägt die Kos­ten des Rechts­streits zu 6/7, der Kläger zu 1/7.
3. Der Wert des Streit­ge­gen­stan­des wird auf € 2.253,30 fest­ge­setzt. Der Ver­fah­rens­wert wird wie folgt fest­ge­setzt: Bis zum 17.5.2010 auf € 3.156,58, bis zum 13.4.2011 auf € 2.700,41, ab dem 14.4.2011 auf € 2.253,30. 4. Das Ur­teil ist vorläufig voll­streck­bar.
Ge­gen die­ses Ur­teil kann die Be­klag­te Be­ru­fung ein­le­gen. Für den Kläger ist kein Rechts­mit­tel ge­ge­ben.
Die Be­ru­fung muss in­ner­halb ei­ner Not­frist von ei­nem Mo­nat schrift­lich bei dem
Lan­des­ar­beits­ge­richt Bre­menJus­tiz­zen­trum Am Wall 19828195 Bre­men
ein­ge­gan­gen sein. Sie ist gleich­zei­tig oder in­ner­halb ei­ner Frist von zwei Mo­na­ten in glei­cher Form schrift­lich zu be­gründen. Bei­de Fris­ten be­gin­nen mit Zu­stel­lung des in vollständi­ger Form ab­ge­setz­ten Ur­teils, spätes­tens aber mit Ab­lauf von fünf Mo­na­ten nach der Verkündung.
Die Be­ru­fung kann nur durch ei­nen/ei­ne bei ei­nem deut­schen Ge­richt zu­ge­las­se­nen Rechts­an­walt/Rechts­anwältin oder durch ei­ne der nach § 11 Ab­satz 2 Satz 2 des Ar­beits­ge­richts­ge­set­zes zu­ge­las­se­nen Per­so­nen (z. B. Ver­tre­ter/-in von Ge­werk­schaf­ten oder Ar­beit­ge­ber­verbänden) ein­ge­legt wer­den. Es wird ge­be­ten, sämt­li­che Schriftsätze in fünf­fa­cher Aus­fer­ti­gung - für je­den wei­te­ren Be­tei­lig­ten ei­ne Aus­fer­ti­gung mehr - bei dem Lan­des­ar­beits­ge­richt ein­zu­rei­chen.
Wer­den die vor­ge­nann­ten Vor­schrif­ten nicht ein­ge­hal­ten, kann das Lan­des­ar­beits­ge­richt - von sel­te­nen Aus­nah­mefällen ab­ge­se­hen - das Ur­teil nicht mehr abändern. TAT­BESTAND
Mit sei­ner am 30.04.2010 er­ho­be­nen Kla­ge hat der Kläger zunächst die Zah­lung von rest­li­chem Ar­beits­ent­gelt und Ur­laubs­ab­gel­tung so­wie Fest­stel­lung ei­nes An­spruchs auf „Equal Pay“ gel­tend ge­macht. Hin­sicht­lich des rest­li­chen Ar­beits­ent­gelts und der Ur­laubs­ab­gel­tung schlos­sen die Par­tei­en am 17.05.2010 ei­nen Teil-Ver­gleich, mit dem dem Kläger die dies­bezügli­chen Ansprüche zu­er­kannt wur­den (Bl. 5 d. A.). Nun­mehr macht der Kläger ei­nen be­zif­fer­ten An­spruch auf „Equal Pay“ gem. §§ 9 Zif­fer 2, 10 Abs. 4 AÜG gel­tend.
Der Kläger war vom 19.10.2009 bis zum 28.02.2010 bei der Be­klag­ten als Me­cha­tro­ni­ker beschäftigt. Die Be­klag­te be­treibt das Ge­wer­be der Ar­beit­neh­merüber­las­sung, der Kläger war als Leih­ar­beit­neh­mer tätig. Nach § 1 des schrift­li­chen Ar­beits­ver­tra­ges vom - 3 -
16.10.2009 fan­den die zwi­schen der Ta­rif­ge­mein­schaft Christ­li­che Ge­werk­schaf­ten Zeit­ar­beit und PSA und dem Ar­beit­ge­ber­ver­band Mit­telständi­scher Per­so­nal­dienst­leis­ter e.V. ab­ge­schlos­se­nen Ta­rif­verträge auf das Ar­beits­verhält­nis An­wen­dung. Wei­ter heißt es im Ar­beits­ver­trag:
„Die Par­tei­en ver­ein­ba­ren, dass die Be­stim­mun­gen der vor­ge­nann­ten Ta­rif­verträge den Ab­re­den die­ses Ar­beits­ver­tra­ges vor­ge­hen. Dies gilt nicht, so­weit die­se Ta­rif­verträge ei­ne Ab­wei­chung aus­drück­lich zu­las­sen oder sich aus den Be­stim­mun­gen die­ses Ar­beits­ver­tra­ges ei­ne für den Ar­beit­neh­mer güns­ti­ge­re Re­ge­lung er­gibt.“
§ 17 des Ar­beits­ver­tra­ges lau­tet:
„§ 17 Aus­schluss­frist / Ver­fall­fris­ten
Bei­der­sei­ti­ge Ansprüche aus dem Ar­beits­verhält­nis und sol­che, die mit dem Ar­beits­verhält­nis in Ver­bin­dung ste­hen, ver­fal­len, wenn sie nicht in­ner­halb von drei Mo­na­ten nach der Fällig­keit schrift­lich er­ho­ben wer­den. Lehnt die Ge­gen­par­tei den An­spruch ab oder erklärt sie sich nicht in­ner­halb von ei­nem Mo­nat nach der Gel­tend­ma­chung des An­spruchs, so verfällt die­ser, wenn er nicht in­ner­halb von ei­nem Mo­nat nach der Ab­leh­nung oder dem Frist­ab­lauf ge­richt­lich gel­tend ge­macht wird.“
Nach § 4 des Ar­beits­ver­tra­ges wur­de der Kläger in die Ent­gelt­grup­pe E4 des Ent­gelt­rah­men­ta­rif­ver­tra­ges mit ei­nem St­un­den­lohn von € 8,37 brut­to ein­grup­piert. Da­ne­ben zahl­te die Be­klag­te ei­ne Zu­la­ge von € 1,13 brut­to, so dass der Ge­samt­stun­den­lohn des Klägers € 9,50 brut­to be­trug. Während des Ar­beits­verhält­nis­ses war der Kläger bei der ... in der Werk­statt ein­ge­setzt, wo er die Dienst­fahr­zeu­ge der ... mit An­la­gen für den di­gi­ta­len Behörden­funk ausrüste­te. Im Ver­lauf des Rechts­streits ist un­strei­tig ge­wor­den, dass ver­gleich­ba­re Mit­ar­bei­ter der ... nach Ent­gelt­grup­pe 5 des TVöD vergütet wer­den. In­ner­halb der Ent­gelt­grup­pe 5 wäre der Kläger nach der Stu­fe 3 ein­grup­piert wor­den. Das St­un­den­ent­gelt in der Ent­gelt­grup­pe 5 Stu­fe 3 be­trug im Jahr 2009 € 12,63 brut­to, für das Jahr 2010 € 12,78 brut­to. Im Ok­to­ber 2009 hat der Kläger 75 St­un­den ge­ar­bei­tet, im No­vem­ber 2009 157,5 St­un­den, im De­zem­ber 2009 172,5 St­un­den und im Fe­bru­ar 2010 150,5 St­un­den. Aus­weis­lich der Lohn­ab­rech­nung für Ja­nu­ar 2010 (Bl. 16 d. A.). hat der Kläger im Ja­nu­ar 2010 142,5 St­un­den ge­ar­bei­tet, fer­ner wur­de (of­fen­bar für den 01.01.2010) Fei­er­tags­lohn für 7,5 St­un­den ab­ge­rech­net. Die Dif­fe­renz zwi­schen dem St­un­den­lohn des Klägers und dem St­un­den­ent­gelt für Ent­gelt­grup­pe 5 Stu­fe 3 TVöD be­trug 2009 € 3,13 brut­to und 2010 € 3,28 brut­to.
Am 14.12.2010 ent­schied das BAG, dass die Ta­rif­ge­mein­schaft Christ­li­cher Ge­werk­schaf­ten für Zeit­ar­beit und Per­so­nal­ser­vice­agen­tu­ren (CG­ZP) kei­ne Spit­zen­or­ga­ni­sa­ti­on ist, die im ei­ge­nen Na­men Ta­rif­verträge ab­sch­ließen kann, da sie die hierfür er­for­der­li­chen ta­rif­recht­li­chen Vor­aus­set­zun­gen nicht erfüllt. Die CG­ZP ist da­nach kei­ne - 4 -
Spit­zen­or­ga­ni­sa­ti­on nach § 2 Abs. 3 TVG, weil sich ih­re Mit­glieds­ge­werk­schaf­ten nicht im Um­fang ih­rer Ta­riffähig­keit zu­sam­men­ge­schlos­sen ha­ben. Außer­dem geht der in der Sat­zung der CG­ZP fest­ge­leg­te Or­ga­ni­sa­ti­ons­be­reich für die ge­werb­li­che Ar­beit­neh­merüber­las­sung über den ih­rer Mit­glieds­ge­werk­schaf­ten hin­aus (1 ABR 19/10). Da­mit bestätig­te das BAG die Vor­ent­schei­dung des LAG Ber­lin Bran­den­burg vom 07.12.2009 (23 TaBV 1016/09). Die schrift­li­chen Ent­schei­dungs­gründe des Be­schlus­ses des BAG vom 14.12.2010 wur­den im Zeit­punkt der Ent­schei­dung noch nicht veröffent­licht, in der „Neu­en Zeit­schrift für Ar­beits­recht“ wur­de die Ent­schei­dung im Heft vom 10.03.2011 im Voll­text veröffent­licht. Am 21.02.2011 lag die schrift­li­che Be­gründung noch nicht vor. Die Pres­se­spre­che­rin des BAG erklärte nach dem Ber­li­ner Ta­ges­spie­gel vom 15.12.2010, dass sich aus dem Be­schluss vom 14.12.2010 kei­ne Nach­zah­lungs­ver­pflich­tun­gen ab­lei­ten ließen. Der Kläger ist der Auf­fas­sung, er ha­be ei­nen An­spruch auf Zah­lung der Lohn­dif­fe­renz. Ein wirk­sa­mer Ta­rif­ver­trag, der ge­genüber der Ver­pflich­tung der Be­klag­ten auf Gewährung von den für ei­nen ver­gleich­ba­ren Ar­beit­neh­mer des Ent­lei­hers gel­ten­den we­sent­li­chen Ar­beits­be­din­gun­gen ein­sch­ließlich des Ar­beits­ent­gelts ab­wei­chen­de Re­ge­lun­gen zu­las­se, be­ste­he nicht. Dies fol­ge aus der Ent­schei­dung des BAG vom 14.12.2010 und gel­te für die ge­sam­te Zeit des Ar­beits­verhält­nis­ses des Klägers. Er ha­be da­her An­spruch auf Zah­lung des Dif­fe­renz­lohns zwi­schen dem er­hal­te­nen Lohn und dem, was ein ver­gleich­ba­rer Ar­beit­neh­mer im ... be­zie­hen würde. Im Ja­nu­ar 2010 ha­be er 150 St­un­den ge­ar­bei­tet. Auf Ver­trau­ens­schutz könne die Be­klag­te sich nicht be­ru­fen. Der Kläger hat zunächst be­an­tragt, die Be­klag­te zur Zah­lung von € 2.700,41 brut­to zu ver­ur­tei­len. Der Kläger be­an­tragt nun­mehr un­ter Rück­nah­me der wei­ter­ge­hen­den Kla­ge,
die Be­klag­te zu ver­ur­tei­len, an ihn € 2.253,30 brut­to zuzüglich Zin­sen in Höhe von 5 Pro­zent­punk­ten über dem Ba­sis­zins auf € 234,75 seit dem 20.11.2009, auf wei­te­re € 492,98 brut­to seit dem 20.12.2009, auf wei­te­re € 539,93 seit dem 20.01.2010, auf wei­te­re € 492,00 seit dem 20.02.2010 und auf wei­te­re € 493,64 seit dem 20.03.2010 zu zah­len.
Sie ist der Auf­fas­sung, der vom Kläger gel­tend ge­mach­te An­spruch be­ste­he nicht. Auf die Ent­schei­dung des BAG vom 14.12.2010 könn­ten Nach­zah­lungs­ansprüche nicht gestützt wer­den. Der Be­schluss des BAG sei aus­drück­lich ge­gen­warts­be­zo­gen und ent­hal­te kei­ne Aus­sa­gen über die Gültig­keit der vor dem 14.12.2010 an­ge­wen­de­ten Ta­rif­verträge. Ggf. müsse das Ver­fah­ren gem. § 97 Abs. 5 ArbGG aus­ge­setzt wer­den, was die Be­klag­te be­an­tragt. Un­ge­ach­tet des­sen beständen die Nach­zah­lungs­ansprüche des Klägers nicht. Ins­be­son­de­re be­ste­he ei­ne Unmöglich­keit der Rück­ab­wick­lung. Fer­ner be­ste­he bezüglich der An­wen­dung der Ta­rif­verträge und der hier­aus er­wor­be­nen Rech­te Ver­trau­ens­schutz. Das Ver­trau­en auf die Wirk­sam­keit der Ta­rif­verträge sei be­gründet, nach­dem das BAG im Jahr 2006 be­reits die Ta­riffähig­keit der Christ­li­chen Ge­werk­schaft Me­tall fest­ge­stellt hat­te. Im Ja­nu­ar 2010 ha­be der Kläger nur 142,5 St­un­den ge­ar­bei­tet.
We­gen des wei­te­ren Vor­brin­gens der Par­tei­en wird auf die ge­wech­sel­ten Schriftsätze nebst An­la­gen Be­zug ge­nom­men.
Die Kla­ge ist zulässig und in vol­ler Höhe des vom Kläger zu­letzt gel­tend ge­mach­ten An­spruchs be­gründet. Der Kläger hat ei­nen An­spruch auf Zah­lung der Dif­fe­renz zwi­schen dem ge­zahl­ten St­un­den­lohn von € 9,50 und dem für ver­gleich­ba­re Ar­beit­neh­mer im Ent­lei­her­be­trieb ge­zahl­ten St­un­den­lohn von € 12,63 im Jah­re 2009 und € 12,78 im Jahr 2010.
Das Ar­beits­ge­richt Frank­furt Oder hat in ei­nem ver­gleich­ba­ren Fall in sei­ner Ent­schei­dung vom 09.06.2011 (3 Ca 422/11, zi­tiert nach ju­ris) die fol­gen­den Fest­stel­lun­gen ge­trof­fen (Rd­nr.45 f.):
„Die Kläge­rin hat ei­nen An­spruch auf Zah­lung der Dif­fe­renz zwi­schen dem ge­zahl­ten St­un­den­lohn von 6,00 Eu­ro bzw. 6,15 Eu­ro und dem St­un­den­lohns in Höhe von 12,84 € aus dem Grund­satz des equal pay nach §§ 9 Zif­fer 2, 10 Abs. 4 AÜG auf der Ba­sis der in den Ab­rech­nun­gen an­ge­ge­be­nen St­un­den.
1. Nach §§ 9 Zif­fer 2, 10 Abs. 4 AÜG hat der Leih­ar­beit­neh­mer ge­gen den Ver­lei­her ei­nen An­spruch auf Zah­lung des Lohns ver­gleich­ba­rer Ar­beit­neh­mer des Ent­lei­hers, wenn sei­ne Vergütung für die Über­las­sens­zeit un­ter die­ser Lohnhöhe liegt. Die o. g. Re­ge­lung der §§ 9,10 AÜG fußt auf der Richt­li­nie 2008/104 EG des Eu­ropäischen Par­la­ments und des Ra­tes über Leih­ar­beit vom 5.10.2008 ( Eqal pay Richt­li­nie) und soll den über­las­se­nen - 6 -
Ar­beit­neh­mer wirt­schaft­lich so stel­len wie ei­nen ver­gleich­ba­ren Ar­beit­neh­mer des Ent­lei­hers.
2. Von die­sem Grund­satz kann ab­ge­wi­chen wer­den, wenn ein ein­schlägi­ger Ta­rif­ver­trag vor­liegt, der kraft Ta­rif­bin­dung für die Ar­beits­ver­trags­part­ner An­wen­dung fin­det oder wenn in des­sen Gel­tungs­be­reich nicht ta­rif­ge­bun­de­ne Ar­beit­ge­ber und Ar­beit­neh­mer die An­wen­dung der ta­rif­li­chen Re­ge­lung ver­ein­bart ha­ben. Ist der ver­ein­bar­te Ta­rif­ver­trag un­wirk­sam, kommt der Grund­satz des equal pay wie­der zum tra­gen.
Wie das BAG in sei­ner Ent­schei­dung vom 14.12.2010 (AZ: 1 ABR 19/10, NZA 2011,289-300) fest­ge­stellt hat, ist die CG­ZP kei­ne ta­riffähi­ge Or­ga­ni­sa­ti­on. Die CG­ZP ist kei­ne Spit­zen­or­ga­ni­sa­ti­on nach § 2 Abs. 3 TVG, weil sich ih­re Mit­glieds­ge­werk­schaf­ten nicht im Um­fang ih­rer Ta­riffähig­keit zu­sam­men­ge­schlos­sen ha­ben. Außer­dem geht der in der Sat­zung der CG­ZP fest­ge­leg­te Or­ga­ni­sa­ti­ons­be­reich für die ge­werb­li­che Ar­beit­neh­merüber­las­sung über den ih­rer Mit­glieds­ge­werk­schaf­ten hin­aus (BAG vom 14.12.2010, aaO).
Le­dig­lich hilfs­wei­se wird dar­auf ver­wie­sen, dass der vom BAG ent­schie­de­ne Fes­testel­lungs­an­trag zu­min­dest auf den Zeit­punkt der An­trag­stel­lung beim Ar­beits­ge­richt Ber­lin, so­mit zum Herbst 2008 zurück­wir­ken muss. Zu die­sem Zeit­punkt ha­ben die An­trag­stel­ler mit eben die­sem An­trag das An­trags­ver­fah­ren nach §§ 97 Abs. 1, 2a Abs 1 - 7 -
Zif­fer 4 ArbGG ein­ge­lei­tet, über eben die­sen An­trag hat das Ar­beits­ge­richt Ber­lin am 1.4.2009 ge­gen­warts­be­zo­gen ent­schie­den. Der In­stan­zen­zug (LAG Ber­lin vom 7.12.2009, 23 TaBV 1016/09 und BAG vom 14.12.2010, 1 ABR 19/10) dien­te le­dig­lich der Über­prüfung der o. g. Ent­schei­dung des ArbG Ber­lin. So­mit fußt die BAG Ent­schei­dung ge­ra­de auf dem in Herbst 2008 ein­ge­lei­te­ten Ver­fah­ren und ent­schei­det über die da­mals wie auch zu­letzt ge­stell­ten Anträge hin­sicht­lich der Ta­riffähig­keit der CG­ZP. Da sich der Sach­ver­halt vom Ein­gang der An­trags­schrift beim ArbG Ber­lin bis zur Ent­schei­dung des BAG nicht geändert hat, le­dig­lich am 8.10.2009 ei­ne neue Sat­zung mit ei­nem für den Recht­streit be­deu­ten­den glei­chen In­halt in Kraft ge­tre­ten ist, wirkt die BAG Ent­schei­dung zu­min­dest bis zum Herbst 2008 zurück.
3. Das Ver­fah­ren ist auch nicht aus­zu­set­zen.
Die Aus­set­zung nach § 97 Abs. 5 Satz 1 ArbGG ist al­ler­dings nur dann ge­bo­ten, wenn die Fra­ge der Ta­rif­zuständig­keit oder der Ta­riffähig­keit zwei­fel­haft ist (BAG vom 23.10.1996, 4 AZR 409/95 , NZA 1997, 383 – 385). Ei­ne Aus­set­zung kommt nicht in Be­tracht, wenn über die Fra­ge der Ta­riffähig­keit be­reits rechts­kräftig ent­schie­den ist und kei­ne we­sent­li­che Verände­rung des zu­grun­de lie­gen­den Sach­ver­halts ein­ge­tre­ten ist (BAG vom 1.2.1983, 1 ABR 33/78, NJW 1984, 1710-1712; ArbG Dort­mund, 16.3.2011, 8 Ca 18/11, zi­tiert nach ju­ris).
4. Die Be­klag­te kann sich auch nicht auf Ver­trau­ens­schutz be­ru­fen und konn­te nicht bis zur Ent­schei­dung des BAG vom 14.12.2010 von der Wirk­sam­keit der sei­tens der CG­ZP ge­schlos­se­nen Ta­rif­verträge aus­ge­hen.
Die da­hin­ge­hen­de Ar­gu­men­ta­ti­on un­ter an­de­rem von Thüsing, Men­gel (AÜG, 2. Aufl. § 9 Rn. 46 a) ist durch die kla­ren Wor­te des BAG: „Der gu­te Glau­be an die Ta­riffähig­keit ei­ner Ver­ei­ni­gung wird nicht geschützt“ (BAG vom 15.11.2006, Leit­satz und Rn. Nr. 23 aaO) hinfällig. Dem ist nichts hin­zu­zufügen.“
Die Kam­mer folgt der Auf­fas­sung des Ar­beits­ge­richts Frank­furt Oder und macht sich die vor­ste­hen­den Ausführun­gen zu ei­gen (so auch Ar­beits­ge­richt Her­ford, 2 Ca 144/11 vom 04.05.2011).
Die Kam­mer folgt mit­hin nicht der Auf­fas­sung des Ar­beits­ge­richts Frei­burg (3 Ca 497/10 vom 13.04.2011), nach der das BAG mit sei­nem Be­schluss vom 14.12.2010 die - 8 -
Ta­rif­unfähig­keit der CG­ZP nur ge­gen­warts­be­zo­gen fest­ge­stellt hat und der Rechts­streit bis zur Er­le­di­gung des Be­schluss­ver­fah­rens nach § 2a Abs. 1 Nr. 4 ArbGG aus­zu­set­zen ist, wenn es um die Ta­riffähig­keit zu ei­nem frühe­ren Zeit­punkt geht.
Ergänzend zum Ar­beits­ge­richt Frank­furt/Oder ist aus­zuführen, dass ei­ne Aus­set­zung des Ver­fah­rens nach § 97 Abs. 5 Satz 1 ArbGG auch des­halb nicht er­for­der­lich ist, weil das BAG in sei­ner Ent­schei­dung vom 14.12.2010 ein­deu­tig fest­ge­stellt hat, dass die CG­ZP un­ter Zu­grun­de­le­gung der je­wei­li­gen Sat­zungs­be­stim­mun­gen seit dem Jahr 2005 nicht ta­riffähig ist. Das Ar­beits­ge­richt Frei­burg räumt selbst ein, dass ein wei­te­res nach §§ 2a Abs. 1 Nr. 4, 97 Abs. 1 ArbGG durch­zuführen­des Be­schluss­ver­fah­ren des­halb vom Er­geb­nis her vor­ge­ge­ben sein dürf­te (Ar­beits­ge­richt Frei­burg vom 13.04.2011, 3 Ca 497/10, ju­ris, Rn. 17), was zu­trifft. Bei die­ser Sach­la­ge würde das Er­for­der­nis ei­ner Aus­set­zung des Ver­fah­rens ei­ne bloße For­ma­lie dar­stel­len und zu­dem ge­eig­net sein, den Rechts­gewährungs­an­spruch der be­trof­fe­nen Ar­beit­neh­mer zu be­ein­träch­ti­gen, da die Ver­fah­ren auf un­ab­seh­ba­re Zeit verzögert wer­den würden (vgl. Brors, Ju­ris PR Ar­beits­recht 18/2011). Der so­zia­le Schutz­zweck von §§ 9 , 10 AÜG, die Leih­ar­beit­neh­mer vor Dum­pinglöhnen zu schützen und sie zu­min­dest dem Schutz von tatsächli­chen Ta­rif­verträgen zu un­ter­stel­len, wenn schon nicht der ge­setz­li­che Grund­satz „glei­cher Lohn für glei­che Ar­beit“ oh­ne Ein­schränkung gilt, würde er­heb­lich be­ein­träch­tigt, wenn nicht so­gar in vie­len Fällen zu­nich­te ge­macht wer­den, wenn rein for­ma­le Ge­sichts­punk­te da­zu führen könn­ten, dass Ver­fah­ren auf un­ab­seh­ba­re Zeit verzögert würden. Hin­sicht­lich des von der Be­klag­ten re­kla­mier­ten Ver­trau­ens­schut­zes ist die Kam­mer der Auf­fas­sung, dass ein schutzwürdi­ges Ver­trau­en auf die Wirk­sam­keit der hier in Re­de ste­hen­den Ta­rif­verträge auch des­halb nicht be­ste­hen kann, weil die CG­ZP bzw. ein­zel­ne ih­rer Mit­glieds­or­ga­ni­sa­tio­nen seit ge­rau­mer Zeit in der öffent­li­chen Kri­tik ste­hen. So hat die Süddeut­sche Zei­tung be­reits am 05.02.2008 kon­sta­tiert, dass sie seit Jah­ren un­ter dem Ver­dacht ste­hen, Ta­rif­verträge vor al­lem im Sin­ne der Ar­beit­ge­ber ab­zu­sch­ließen. Die TAZ vom 24.11.2009 setzt sich un­ter der Über­schrift „Christ­li­che Ge­werk­schaf­ten – Lohn­drü-cker im Na­men Got­tes“ eben­falls kri­tisch mit die­sen Or­ga­ni­sa­tio­nen aus­ein­an­der. Fron­tal 21 des ZDF be­rich­te­te am 08.03.2011 darüber, dass Ar­beit­ge­ber Christ­li­chen Ge­werk­schaf­ten Mit­glie­der zuführen sol­len, oh­ne dass die „Mit­glie­der“ da­zu be­fragt wer­den. Wie­der­um die Süddeut­sche Zei­tung ti­telt am 17.12.2010 „Christ­li­che Ge­werk­schaf­ten – Bil­lig im Na­men Je­su“. Ob und in­wie­weit die­se Vorwürfe zu­tref­fen, kann da­hin­ste­hen. Je­den­falls kann zur Über­zeu­gung der Kam­mer an­ge­sichts die­ser öffent­li­chen De­bat­te sich nie­mand auf Ver­trau­ens­schutz hin­sicht­lich der Wirk­sam­keit von - 9 -
Verträgen die­ser Or­ga­ni­sa­tio­nen be­ru­fen, auch wenn hin­sicht­lich ei­ner Or­ga­ni­sa­ti­on die Ta­riffähig­keit vom BAG be­jaht wur­de. Der For­de­rung des Klägers steht auch nicht die ta­rif­li­che oder ar­beits­ver­trag­li­che Aus­schluss­frist ent­ge­gen. Das Ar­beits­ge­richt Frank­furt/Oder führt hier­zu aus (a.a.O., Rd­nr. 68 ff.):
„Der An­spruch der Kläge­rin ist auch nicht ver­fal­len.
Die Aus­schluss­fris­ten die­nen dem Rechts­frie­den und der Rechts­si­cher­heit im Ver­trags­verhält­nis. Der Schuld­ner soll bin­nen ei­ner an­ge­mes­se­nen Frist dar­auf hin­ge­wie­sen wer­den, wel­che Ansprüche ge­gen ihn noch gel­tend ge­macht wer­den (ErfK-Preis, 11. Aufl. 2011, § 194 – 218 BGB Rn 32).
a. Der Be­ginn der Aus­schluss­frist setzt die Fällig­keit des An­spruchs vor­aus. Ein An­spruch ist re­gelmäßig erst dann im Sin­ne ei­ner Aus­schluss­frist fällig, wenn der Gläubi­ger ihn annähernd be­zif­fern kann. Der Be­griff der Fällig­keit wird da­bei von den Ge­rich­ten für Ar­beits­sa­chen un­ter Ein­be­zie­hung des Kennt­nis­stan­des des Gläubi­gers und sub­jek­ti­ver Zu­rech­nungs­ge­sichts-punk­te in­ter­es­sen­ge­recht aus­ge­legt (BAG 1.3.2006, 5 AZR 511/05, NZA 2006, 783 Rn 14; BAG vom 28.9.2005, 5 AZR 52/05, NZA 2006, 149 Rn 33). Hier­bei wird Rück­griff ge­nom­men auf die Re­ge­lun­gen zur Verjährung.
Im Verjährungs­recht ist auch an­er­kannt, dass der Verjährungs­be­ginn dann we­gen Rechtsun­kennt­nis hin­aus­ge­scho­ben sein kann, wenn die Rechts­la­ge unüber­sicht­lich oder zwei­fel­haft ist, so­dass sie selbst ein rechts­kun­di­ger Drit­ter nicht ein­zuschätzen ver­mag. In - 10 - die­sen Fällen feh­le es an der Zu­mut­bar­keit der Kla­ge­er­he­bung als überg­rei­fen­der Vor­aus­set­zung für den Verjährungs­be­ginn (BGH 25.2.1999 – IX ZR 30/98, NJW 1999, 2041).
b. Ein Ab­stel­len auf ei­ne frühe­re Gel­tend­ma­chung des An­spruchs vor dem 14.12.2010 ent­spricht auch nicht dem Verhält­nismäßig­keits­grund­satz.
Dies ist je­doch ei­nem nor­ma­len Leih­ar­beit­neh­mer/ei­ner nor­ma­len Leih­ar­beit­neh­me­rin nicht zu­mut­bar. Wie Schüren an ei­nem Bei­spiel plas­tisch dar­ge­legt hat, trägt der Ar­beit­neh­mer auch bei ei­ner ob­sie­gen­den Ent­schei­dung in ei­nem Sta­tus­ver­fah­ren nach § 97 ArbGG die erst­in­stanz­li­chen Kos­ten des Ver­fah­rens. Da die­se bei den ho­hen Streit­wer­ten ei­nes sol­chen Ver­fah­rens al­lein an An­walts­kos­ten meh­re­re Tau­send € be­tra­gen können, wären die Kos­ten höher als der Nach­zah­lungs­an­spruch des - 11 - Ar­beit­neh­mers, so­dass der Ar­beit­neh­mer selbst bei vollständi­gem Er­folg ei­nen wirt­schaft­li­chen Ver­lust er­lei­den würde (Schüren, AuR 2011, 142, 144).
Auch das BVerfG geht da­von aus, dass Aus­schluss­fris­ten im Hin­blick auf Ent­gelt­ansprüche dann nicht zur An­wen­dung kom­men dürfen, wenn das dem Zah­lungs­an­spruch zu­grun­de lie­gen­de Rechts­verhält­nis (dort der Be­stand des Ar­beits­verhält­nis­ses) noch un­klar ist (BVerfG 1.12.2010 – 1 BvR 1682/07 – NZA 2011, 354). Die dort als Ar­gu­ment an­geführ­ten Kos­ten­bar­rie­ren sind auf den hie­si­gen Fall über­trag­bar.
Ob es hier­bei auf das Da­tum der Ent­schei­dung des BAG, der Be­kannt­ga­be durch Pres­se­erklärung oder der Zu­stel­lung des ab­ge­setz­ten Ur­teils an­kommt mag da­hin­ge­stellt blei­ben. Die von der Kläge­rin am 8.3.2011 ein­ge­reich­te Kla­ge ist der Be­klag­ten am 11.3.2011 zu­ge­gan­gen. Da­mit ist der ers­te und zwei­te Teil der drei­mo­na­ti­gen Aus­schluss­frist ein­ge­hal­ten, auch wenn man von dem frühes­ten Ter­min am 14.12.2010 aus­geht.“
Die Kam­mer folgt auch die­sen über­zeu­gen­den Ausführun­gen. Wei­ter­ge­hend ist sie der Auf­fas­sung, dass ei­ne un­si­che­re und zwei­fel­haf­te Rechts­la­ge nicht nur bis zum 14.12.2010 be­stand. Die Be­klag­te weist zu­tref­fend dar­auf hin, dass un­mit­tel­bar nach dem 14.12.2010 Äußerun­gen der Spre­che­rin des BAG pu­bli­ziert wur­den, nach de­nen sich aus dem Be­schluss kei­ne Nach­zah­lungs­ver­pflich­tun­gen ab­lei­ten las­sen und dass die schrift­li­che Ent­schei­dungs­be­gründung, die hier­zu mögli­cher­wei­se Klar­heit schaf­fen könn­te, erst später vor­lag. Für den Kläger konn­te da­her Klar­heit darüber, ob die Gel­tend­ma­chung ei­nes An­spruchs auf Equal Pay auf die Ent­schei­dung des BAG vom 14.12.2010 gestützt wer­den könn­te, erst vor­lie­gen, nach­dem die Ent­schei­dungs­gründe vollständig vor­la­gen. Ei­ne Veröffent­li­chung in der Fach­pres­se ist erst im März 2011 er­folgt, erst ab die­sem Zeit­punkt konn­te die Aus­schluss­frist von drei Mo­na­ten in Gang ge­setzt wer­den. Sei­ne Kla­ge hat der Kläger am 30.04.2010 er­ho­ben und in die­ser dem Grun­de nach sei­ne Ansprüche auf Equal Pay be­reits gel­tend ge­macht, was zur Wah­rung der Frist aus­reich­te. Zu die­sem Zeit­punkt war die drei­mo­na­ti­ge Ver­fall­frist noch nicht ab­ge­lau­fen.
Hin­zu kommt, dass im vor­lie­gen­den Fall die ver­trag­li­che Aus­schluss­frist ei­ner AGB Kon­trol­le nicht standhält. Nach § 307 BGB sind Be­stim­mun­gen in All­ge­mei­nen Geschäfts­be­din­gun­gen un­wirk­sam, wenn sie den Ver­trags­part­ner des Ver­wen­ders ent­ge­gen den Ge­bo­ten von Treu und Glau­ben un­an­ge­mes­sen be­nach­tei­li­gen. Ei­ne un­an­ge­mes­se­ne Be­nach­tei­li­gung kann sich auch dar­aus er­ge­ben, dass die Be­stim­mung nicht klar und verständ­lich ist. Wie­der­um das Ar­beits­ge­richt Frank­furt/Oder führt da­zu zu­tref­fend aus (a.a.O., Rd­nr. 64):
„Nach dem Be­stimmt­heits­ge­bot des § 307 Abs. 1 S. 2 BGB müssen die tat­be­stand­li­chen Vor­aus­set­zun­gen und Rechts­fol­gen in ei­nem Ar­beits­ver­trag so ge­nau be­schrie­ben - 12 -
wer­den, dass kei­ne ver­meid­ba­ren Un­klar­hei­ten und kei­ne un­ge­recht­fer­tig­ten Spielräume für den Ver­wen­der ent­ste­hen. Ei­ne Klau­sel genügt dem Be­stimmt­heits­ge­bot, wenn sie im Rah­men des recht­lich und tatsächlich Zu­mut­ba­ren die Rech­te und Pflich­ten des Ver­trags­part­ners/des Ver­wen­ders so klar und präzi­se wie möglich um­schreibt (BGH, Ur­teil vom 03.03.2004, VIII ZR 153/03). Da­bei ist zu­dem zu be­ach­ten, dass ei­ne Ver­wei­sung auf die Vor­schrif­ten ei­nes Ta­rif­ver­tra­ges, auch wenn sie dy­na­misch aus­ge­stal­tet ist, für sich ge­nom­men noch nicht zur In­trans­pa­renz führt. Sinn des Trans­pa­renz­ge­bots ist nämlich, der Ge­fahr vor­zu­beu­gen, dass der Ar­beit­neh­mer von Durch­set­zung be­ste­hen­der Rech­te ab­ge­hal­ten wird. Erst wenn die Ge­fahr be­steht, dass der Ar­beit­neh­mer we­gen un­klar ab­ge­fass­ter Be­stim­mun­gen sei­ne Rech­te nicht wahr­nimmt, liegt ei­ne un­an­ge­mes­se­ne Be­nach­tei­li­gung i. S. d. § 307 Abs. 1 BGB vor (BAG vom 01.09.2010, 5 AZR 517/09 in NZA 2011, 575 – 576; BAG vom 10.12.2008, 4 AZR 801/07; BAG vom 14.03.2007, 5 AZR 640/06).“
Im vor­lie­gen­den Fall ist die Be­stim­mung nicht klar und verständ­lich und führt zur Ge­fahr, dass der Ar­beit­neh­mer des­halb sei­ne Rech­te nicht wahr­nimmt. Da­bei kann nicht nur auf die ver­trag­li­che Aus­schluss­frist als sol­che ab­ge­stellt wer­den. Für die Klärung, was im Ver­trags­verhält­nis der Par­tei­en gel­ten soll, ist viel­mehr die Re­ge­lung in § 1 des Ar­beits­ver­tra­ges zur Gel­tung der CG­ZP Ta­rif­verträge und ih­res Verhält­nis­ses zu ar­beits­ver­trag­li­chen Ver­ein­ba­run­gen her­an­zu­zie­hen. Da­nach sol­len die Ta­rif­verträge den Ab­re­den des Ar­beits­ver­tra­ges vor­ge­hen. Dies soll aber nicht gel­ten, so­weit sich aus den Be­stim­mun­gen des Ar­beits­ver­tra­ges ei­ne für den Ar­beit­neh­mer güns­ti­ge­re Re­ge­lung er­gibt. Vor­lie­gend ist un­klar und un­verständ­lich, wel­che Be­stim­mung denn nun gel­ten soll und/oder ob für ver­schie­de­ne Ansprüche ver­schie­de­ne Ver­fall­re­geln gel­ten sol­len. Die ar­beits­ver­trag­li­che Ver­fall­frist gilt für bei­der­sei­ti­ge Ansprüche aus dem Ar­beits­verhält­nis und sol­che, die mit dem Ar­beits­verhält­nis in Ver­bin­dung ste­hen. Die ta­rif­li­che Ver­fall­frist in Zif­fer 19 des Man­tel­ta­rif­ver­tra­ges gilt hin­ge­gen für sämt­li­che Ansprüche aus dem Ar­beits­verhält­nis, die Aus­schluss­frist beträgt zwei Mo­na­te. Wel­che Re­ge­lung für den Ar­beit­neh­mer güns­ti­ger ist, er­gibt sich aus den Re­ge­lungs­in­hal­ten nicht, da die Re­ge­lun­gen für bei­de Ver­trags­par­tei­en gel­ten. Un­klar ist fer­ner, ob der Gel­tungs­be­reich der Ver­fall­frist nur Ansprüche aus dem Ar­beits­verhält­nis, dafür aber sämt­li­che, er­fasst, wie der Ta­rif­ver­trag be­sagt, oder auch sol­che er­fasst, die mit dem Ar­beits­verhält­nis in Ver­bin­dung ste­hen, wie der Ar­beits­ver­trag for­mu­liert. Im Ta­rif­ver­trag ist zu­dem ge­re­gelt, dass die Ver­fall­frist nicht gilt, wenn der An­spruchs­be­rech­tig­te trotz An­wen­dung al­ler ihm nach La­ge der Umstände zu­zu­mu­ten­den Sorg­falt ver­hin­dert war, die Frist ein­zu­hal­ten, was aber nicht für Ansprüche gel­ten soll, die auf ei­ne un­er­laub­te Hand­lung gestützt wer­den. Ei­nen der­ar­ti­gen Aus­nah­me­tat­be­stand enthält die ver­trag­li­che Ver­fall­frist nicht. Der Ver­gleich der ar­beits­ver­trag­li­chen Ver­fall­frist mit der des zum Zeit­punkt des Ab­schlus­ses des Ar­beits­ver­tra­ges gülti­gen Man­tel­ta­rif­ver­tra­ges vom 29.11.2004 zeigt al­so, dass hin­sicht­lich ei­ner gan­zen Rei­he von Fra­gen un­klar bleibt, wel­cher Re­ge­lungs­be­reich durch Ver­fall­fris­ten er­fasst wird, wel­che Ver­fall­frist gel­ten soll und ob es - 13 - Aus­nah­men hier­von gibt. Es kann da­her da­hin­ste­hen, dass der an­sch­ließen­de Man­tel­ta­rif­ver­trag vom 15.03.2010 ei­ne Aus­schluss­frist von drei Mo­na­ten vor­sieht, was im­mer­hin zur An­glei­chung der Grund­frist aus dem Ar­beits­ver­trag und dem Ta­rif­ver­trag führ­te. An­ge­sichts der Per­spek­ti­ve wei­te­rer ta­rif­li­cher Verände­run­gen ändert das aber nichts dar­an, dass of­fen bleibt, wel­che ein­zel­nen Be­stim­mun­gen im Ein­zel­fall Vor­rang ha­ben sol­len. Dies führt da­zu, dass die ta­rif­li­che Aus­schluss­frist in § 17 des Ar­beits­ver­tra­ges we­gen Un­klar­heit und Un­verständ­lich­keit als All­ge­mei­ne Geschäfts­be­din­gung gem. § 307 Abs. 1 BGB un­wirk­sam ist. Der An­spruch des Klägers ist dem Grun­de nach da­her ge­ge­ben.
Der Höhe nach ist der An­spruch im We­sent­li­chen un­strei­tig. Streit herrscht nur über die Fra­ge, ob für Ja­nu­ar 2010 150 St­un­den zu Grun­de zu le­gen sind oder 142,5. Aus der Lohn­ab­rech­nung für Ja­nu­ar folgt, dass der Kläger tatsächlich 142,5 St­un­den ge­ar­bei­tet hat. Er hat aber gleich­wohl An­spruch auf den Aus­gleich des Dif­fe­renz­lohn für 150 St­un­den, da die rest­li­chen 7,5 St­un­den als Fei­er­tags­lohn gem. § 2 des Ge­set­zes über die Zah­lung des Ar­beits­ent­gelts an Fei­er­ta­gen und im Krank­heits­fall zu vergüten wa­ren und dem Kläger gem. § 10 Abs. 4 AÜG da­her die Lohn­dif­fe­renz auch für die­se St­un­den zu­steht.
Die Zins­for­de­rung ist be­gründet aus §§ 286 Abs.2, 288 Abs. 1 BGB. Die Lohn­for­de­run­gen des Klägers wa­ren je­weils zum 20. des Fol­ge­mo­nats fällig.
Der Wert des Streit­ge­gen­stan­des war gem. § 61 Abs. 1 ArbGG im Ur­teil fest­zu­set­zen, sei­ne Höhe folgt aus §§ 3ff. ZPO. We­gen der teil­wei­sen Kla­grück­nah­me und we­gen des Teil-Ver­gleichs war außer­dem zur Be­stim­mung der Kos­ten­quo­te ein Ver­fah­rens­wert fest­zu­set­zen
Die Kos­ten­ent­schei­dung folgt aus §§ 91, 92, 98 ZPO und ent­spricht dem Verhält­nis des Ob­sie­gens und Un­ter­lie­gens der Par­tei­en.
Gem. § 62 Abs. 1 ArbGG ist das Ur­teil vorläufig voll­streck­bar.
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