Source: https://ru.scribd.com/document/210732377/SKP-Massnahmenplan-2008-nur-Teil-1
Timestamp: 2019-09-18 11:52:03
Document Index: 367760608

Matched Legal Cases: ['Art. 144', 'Art. 111', 'Art. 13', 'Art. 113', 'Art. 116', 'Art. 122', 'Art. 123', 'Art. 126', 'Art. 129', 'Art. 133', 'Art. 134', 'Art. 140', 'Art. 156', 'Art. 180', 'Art. 181', 'Art. 183', 'Art. 184', 'Art. 185', 'Art. 189', 'Art. 190', 'Art. 221', 'Art. 260', 'Art. 285', 'Art. 60']

SKP-Massnahmenplan 2008, nur Teil 1 | Criminology | Problem Behavior
сохранитьСохранить «SKP-Massnahmenplan 2008, nur Teil 1» для последующего чтения
Der vorliegende Massnahmenplan dient der Konferenz der kantonalen Justiz- und Polizeidirektorinnen und -direktoren (KKJPD), den kantonalen und stdtischen Polizeikorps und der Schweizerischen Kriminalprvention SKP als Grundlage fr ihre Arbeit im Bereich Jugend und Gewalt. Die SKP hat versucht, die relevanten Aspekte, Daten und Quellen in diesem Dokument zusammenzustellen. Die SKP erhebt keinen Anspruch auf Vollstndigkeit des Dokuments. Der Massnahmenplan ist in drei Teile gegliedert: Teil I stellt die Grundlagen zusammen. Teil II stellt die Auswertung der SKP-Befragung bei den kantonalen Polizeikorps und den kantonalen Erziehungs- und Sozialdirektionen vor. Die Befragung wurde im April 2007 durchgefhrt und im Juni 2007 ausgewertet. Die Auswertung gibt den Wissensstand von Juni 2007 wieder. Die nach diesem Zeitpunkt von den kantonalen Polizeikorps und den kantonalen Erziehungs- und Sozialdirektionen initiierten, geplanten und umgesetzten Prventionsmassnahmen sind in diesem Dokument nicht bercksichtigt. Die SKP plant fr das Jahr 2008 die Erarbeitung einer Internet-Plattform mit smtlichen von den kantonalen und stdtischen Polizeikorps umgesetzten und/oder geplanten Prventionsmassnahmen im Bereich Jugend und Gewalt. Dabei wird mithilfe der Polizeikorps eine mglichst vollstndige bersicht smtlicher Prventionsmassnahmen zusammengestellt und zugnglich gemacht. Teil III stellt die Konsequenzen aus der Befragung dar sowie die Massnahmen, die es mit Untersttzung der Expertenkommission ab Januar 2008 zu erarbeiten gilt.
Impressum Neuchtel, Februar 2008 Schweizerische Kriminalprvention SKP www.skppsc.ch Dieser Massnahmenplan wurde am 15. November 2007 von der Konferenz der kantonalen Justiz- und Polizeidirektorinnen und -direktoren KKJPD genehmigt. (Herbsttagung der KKJPD in St. Gallen vom 15. und 16. November 2007) Redaktion der Kapitel I und III Wolfgang Wettstein, PR-Berater BR-SPRG, Zrich Martin Boess, Geschftsleiter SKP Redaktion des Kapitels II Martin Boess Prof. Dr. Martin Dannecker, Berlin bersetzung Sophie Neuberg, Berlin (Franzsisch) Gestaltung www.atelierrichner.ch Druck Stmpfli Publikationen AG, Bern
Sehr geehrte Damen und Herren In Vorbereitung auf die Erstellung dieses Massnahmenplans fhrte die SKP im April 2007 eine Befragung der kantonalen Polizeikorps und der kantonalen Erziehungs- und Sozialdirektionen durch. Erhoben werden sollte mit dieser Befragung die von den angeschriebenen Polizei-, Erziehungs- und Sozialdirektionen durchgefhrten und geplanten Massnahmen zur Verhinderung von Gewalt von und unter Jugendlichen. Aus der Befragung geht hervor, dass derzeit insgesamt 37 kantonale Behrden Prventionsmassnahmen vorbereiten. Die Tatsache, dass 20 Polizeikorps, 11 Erziehungs- und 3 Sozialdirektionen ihre bestehenden Prventionsprogramme in absehbarer Zeit durch zustzliche Aktivitten ergnzen werden, deutet, unabhngig von den dabei einzusetzenden finanziellen Mitteln, darauf hin, dass die Gewalt von und unter Jugendlichen als wichtiges gesellschaftspolitisches Problem angesehen wird. Die politisch Handelnden auf kantonaler Ebene haben darauf reagiert. Zahlreiche kantonale und stdtische Polizeikorps haben das Thema Jugend und Gewalt zudem als einen ihrer Schwerpunkte fr die polizeiliche Kriminalprvention gewhlt, und deren grosse Bedeutung ist unbestritten. So breit die Palette der Massnahmen auch ist, es ist nicht Aufgabe der Polizei allein, die Prvention der Gewalt von und unter Jugendlichen anzugehen. Um der Gewalt von Jugendlichen bestimmt entgegentreten zu knnen, braucht es einerseits ein vertieftes Wissen und Verstndnis von Grnden und Motiven von gewaltttigem Verhalten Jugendlicher und andererseits eine enge Zusammenarbeit der Polizei mit anderen staatlichen Stellen als auch nichtstaatlichen Organisationen und Fachpersonen. Diese Zusammenarbeit findet bereits in grossem Masse statt, ist aber unbedingt noch zu intensivieren. Trotz der bis anhin realisierten Massnahmen bestehen indes noch erhebliche Defizite bei der Prventionsarbeit von staatlichen als auch nichtstaatlichen Stellen auf kommunaler und kantonaler Ebene: Das Wissen ber die Wirksamkeit der bestehenden Prventionsmassnahmen ist usserst lckenhaft. Gewaltprvention ist nur ansatzweise in eine umfassende und langfristig angelegte Gesundheitsfrderung integriert. Prventionsmassnahmen fr verschiedene Altersstufen, Lebensbereiche und Bevlkerungsgruppen sind kaum aufeinander abgestimmt. Wenig integrierte Bevlkerungsgruppen werden nur teilweise erreicht. Seit Langem ist bekannt, dass Gewalt zu einem Komplex von jugendlichem Problemverhalten gehrt, das Suchtverhalten, schulische und berufliche Probleme, Probleme im Elternhaus u.a. einschliesst. Viele dieser Verhaltensprobleme haben gemeinsame Ursachen und verlangen hnliche Massnahmen.
Gewaltprvention sollte daher nicht als isolierte Aktivitt konzipiert und umgesetzt werden und auch nicht ausschliesslich auf die Gewaltttigkeit fokussieren. Fr die SKP gehren dazu ebenso die Erziehung von Kindern und Jugendlichen zur Konfliktfhigkeit und zur Gewaltfreiheit. Auch die Eskalationsverhinderung gehrt mit dazu. Die Konferenz der kantonalen Justiz- und Polizeidirektorinnen und -direktoren (KKJPD) verfolgt die Entwicklung der Gewalt von und unter Jugendlichen seit geraumer Zeit mit grosser Besorgnis. Daher hat sie der Schweizerischen Kriminalprvention (SKP) Ende 2006 den Auftrag erteilt, ein Informationskonzept/einen Massnahmenplan zum Thema Jugend und Gewalt zu erarbeiten. Aufgrund der beschrnkten personellen und finanziellen Ressourcen der SKP wurde jedoch auf eine so genannte massenmediale Informationskampagne fr die Bevlkerung verzichtet. Schwerpunkte des Massnahmenplan Jugend und Gewalt 2008/09 sind u.a.: die Untersttzung der Aus- und Weiterbildung der Mitarbeitenden der kantonalen und stdtischen Polizeikorps die polizeiinterne Koordination der bestehenden und geplanten (Prventions-)Massnahmen der Erfahrungsaustausch und der Wissenstransfer innerhalb der Polizei, aber auch mit anderen staatlichen und nichtstaatlichen Stellen, Organisationen und Institutionen, mit den Medien sowie mit politischen Entscheidungstrgerinnen und -trgern die Information der Partner ber die bestehenden und geplanten Massnahmen die Frderung der Zusammenarbeit unter den kantonalen Instanzen Die Umfrage der SKP bei den kantonalen Polizeidirektionen und den kantonalen Erziehungs- und Sozialdirektionen hat gezeigt, dass die Behrden ihre Verantwortung wahrgenommen haben und die Prvention von Gewalt bei und unter Jugendlichen mit verschiedenen Massnahmen angehen. Es liegt aber an der Politik, die fr die effiziente und effektive Arbeit der Polizei notwendigen Grundlagen zu schaffen. Denn die Planung und Umsetzung von Massnahmen gegen die Gewalt von Jugendlichen wird erschwert durch eine Reihe von strukturellen Problemen, die es zu lsen gilt. Es sind dies die folgenden Aspekte: 1. Die Grundlagen fr die polizeiliche Prventionsarbeit sind auf nationaler Ebene nicht einheitlich. 2. Die Terminologie zur polizeilichen Prventionsarbeit ist nicht einheitlich. 3. Das Verstndnis der polizeilichen Prventionsarbeit ist sehr unterschiedlich und somit auch die Rolle, welche die Polizei in diesem Bereich bernehmen kann. 4. Die Aufgaben der Polizeikorps werden in den Kantonen unterschiedlich gewichtet. Es gibt auffallende Unterschiede zwischen den Kantonen bei der Gewichtung von Repression und Prvention und z.B. bei der Zusammenarbeit mit der Schule.
5. Die Bedeutung bzw. die Interpretation der Daten aus dem Hell- und dem Dunkelfeld ist nicht geklrt. 6. Die Bedeutung jugendlicher Intensivtter fr den Bereich Jugend und Gewalt ist nicht geklrt. 7. Die Aufgabenteilung unter den kantonalen Behrden sowie zwischen den Behrden und den nichtstaatlichen Organisationen ist nicht geklrt. 8. Die Statistiken zur Erfassung der Jugenddelinquenz sind nicht einheitlich. Polizei und Justiz nutzen unterschiedliche Systeme. 9. Polizei und Justiz verwenden unterschiedliche Systeme zur Erfassung der Jugenddelinquenz. Das fhrt dazu, dass die Jugenddelinquenz unterschiedlich interpretiert und kommuniziert wird. 10. Die Verteilung der Zustndigkeit zwischen Kantonen und dem Bund fr den Bereich Jugend und Gewalt wird unterschiedlich interpretiert. Die SKP dankt den kantonalen Polizeikorps und den kantonalen Erziehungs- und Sozialdirektionen herzlich fr ihre Untersttzung.
Yvonne Schrli-Gerig Prsidentin der Schweizerischen Kriminalprvention SKP Prsidentin des Regierungsrats des Kantons Luzern
Martin Boess Geschftsleiter der Schweizerischen Kriminalprvention SKP
Jugendgewalt1 wird als solche erst ab Mitte des 20. Jahrhunderts als gesellschaftliches Risiko wahrgenommen. Erklrungsmodelle beziehen sich u.a. auf Arbeitslosigkeit, soziale Schicht und Armut, auf neue Muster von Freizeit- und Unterhaltungsaktivitten, die Zunahme von Gewaltdarstellungen in den Medien, vernderte familire Umstnde und mnnliche Sozialisation. An Einzelfllen orientierte und ber Medien vermittelte Informationen ber Ausmass und Formen von Jugendgewalt bzw. -kriminalitt mssen aber keineswegs mit den realen Entwicklungen deckungsgleich sein. Jugendgewalt stellt nach wie vor nur einen kleinen Teil der Gewaltausbung in der Gesellschaft dar. Immerhin legen die Statistiken den Schluss nahe, dass die Gewaltbereitschaft Jugendlicher in den letzten Jahren deutlich angestiegen ist. So lsst sich der Polizeilichen Kriminalstatistik (PKS) entnehmen, dass von 1999 bis 2006 die Ermittlungen gegen minderjhrige Tter kontinuierlich und markant zugenommen hat Krperverletzung: Zunahme von 760 auf 1525; Drohung: Zunahme von 405 auf 869. Auch die Anzahl der Jugendstrafurteile wegen Gewaltdelikten hat im gleichen Zeitraum von 1241 auf 2268 Verurteilungen deutlich zugenommen (einfache Krperverletzung: Zunahme von 288 auf 638; Drohung: Zunahme von 148 auf 317). Kriminalstatistiken (wie z.B. die Polizeiliche Kriminalstatistik, die Opferhilfestatistik und die Jugendstrafurteilsstatistik) sind jedoch nur begrenzt ntzlich, um das Phnomen Jugendgewalt differenziert verstehen und bewerten zu knnen. Art und Umfang der registrierten Kriminalitt werden vom Anzeigeverhalten der Bevlkerung sowie von der Strafverfolgung durch die Polizei bestimmt. Vorsicht bei der Interpretation der Daten ist deshalb dringend geboten. Auch der im Juni 2007 publizierte Bericht des Eidgenssischen Justiz- und Polizeidepartments (EJPD) Jugendgewalt: Ausmass, Ursachen und Massnahmen (EJPD 2007) hlt fest, dass Ausmass und Entwicklung von Jugendgewalt auf der Grundlage der bestehenden Daten nicht zuverlssig abzuschtzen sei. Angstmacherei wre also sicherlich fehl am Platz. Andererseits betont das EJPD, dass das Problem Jugendgewalt nicht verharmlost werden drfe und es in einem Ausmass bestehe, das bei Teilen der Bevlkerung ngste hervorrufe. Im brigen lassen die bestehenden Statistiken mindestens vermuten, die Gewaltbereitschaft von Jugendlichen sei in den letzten Jahren angestiegen.
Siehe dazu: Gewaltttige Jugend ein Mythos? Bulletin Nr. 4 des Nationalen Forschungsprogramms Gewalt im Alltag und organisierte Kriminalitt (NFP 40) des Schweizerischen Nationalfonds (SNF), mit Beitrgen von Fritz Starck (Jugendgewalt Schlssel zur Pathologisierung der Gesellschaft?), Manuel Eisner (Die Jugendgewalt steigt) und Edgar J. Forster (Was hat Fremdenfeindlichkeit mit Mnnlichkeit zu tun?), www.nfp40.ch/service/bulletins/default.html
Breit gefchertes Angebot von Prventionsmassnahmen auf kantonaler Ebene Die seit Jahren anhaltende Diskussion zum Thema Jugend und Gewalt hat dazu gefhrt, dass heute in der Schweiz ein breit gefchertes institutionelles Angebot an Fachstellen und Massnahmen zur Prvention und Intervention im Gewaltbereich besteht. Hinzu kommen zahlreiche Projekte und Programme, die von spezialisierten Anbietern durchgefhrt werden. Aus der SKP-Umfrage vom April 2007 (siehe Kapitel 9) geht hervor, dass insgesamt 37 kantonale Behrden Prventionsmassnahmen vorbereiten. Dabei handelt es sich fast ausschliesslich um Massnahmen, mit denen die bereits bestehenden Prventionsaktivitten ergnzt bzw. erweitert werden sollen (34 von 37). Zwei Sozialdirektionen (BE, SZ) und eine Erziehungsdirektion (SH) werden sich nach der Umsetzung der von ihnen geplanten Massnahmen zum ersten Mal an der Prvention von Jugendgewalt beteiligen. 1.2 Allgemeine prventive Massnahmen der kantonalen Polizeikorps und der kantonalen Erziehungs- und Sozialdirektionen
Tabelle 1 Massnahmen gegen Jugendgewalt Auszug aus der SKP-Befragung der kantonalen Polizeikorps und der kantonalen Erziehungs- und Sozialdirektionen, April 2007, Total Rcklauf Fragebogen: 73 von 81 Polizeikorps Ja Nein In Vorbereitung 27 4 20 Erziehungsdirektionen 14 5 13 Sozialdirektionen 6 10 6 Total 47 19 39
Die Tatsache, dass derzeit 20 Polizeikorps, 13 Erziehungsdirektionen und immerhin 6 Sozialdirektionen ihre bereits bestehenden Prventionsprogramme in absehbarer Zeit durch zustzliche Aktivitten ergnzen werden, deutet unabhngig vom Umfang dieser Massnahmen und dem finanziellen Volumen, darauf hin, dass die Gewalt von Jugendlichen als ein wichtiges, um nicht zu sagen brisantes, gesellschaftspolitisches Phnomen angesehen wird, auf das die politischen Akteure reagieren mssen. 1.3. Prventive Massnahmen der kantonalen Polizeikorps Die Kernaufgabe der Polizei besteht darin, ihre repressive und prventive Aufgabe im Rahmen der Aufrechterhaltung der ffentlichen Sicherheit und Ordnung wahrzunehmen. Die Polizei erfllt ihren Auftrag im 24-StundenBetrieb und ist im Rahmen ihrer Auftragserfllung auf ein gut funktionierendes Netzwerk mit staatlichen und nichtstaatlichen Institutionen und Organisationen angewiesen. Im prventiven Bereich hat sie die Aufgabe, die ffentlichkeit und die relevanten Zielgruppen, also z.B. Fachpersonen, die sich um geschdigte Personen, Opfer, Tter auf lokaler und regionaler Ebene kmmern, und die kantonalen Jugenddienste, die Strassenarbeiter, die kantonalen Jugenddelegierten und Integrationsdelegierten sowie die Bereiche Schule, Eltern und Freizeit in ihre Arbeit einzubeziehen, zu sensibilisieren und zu informieren.
Die Mitarbeitenden der Polizeikorps sollten in ihrer tglichen Arbeit die Prventionsberlegungen pflegen, ihren Aufgabenbereich genau kennen und wissen, fr welche Aufgaben Berufsleute aus den Bereichen Ausbildung, Erziehung, Frsorge und Betreuung verantwortlich sind.
Tabelle 2 Prventive Massnahmen Auszug aus der SKP-Befragung der kantonalen Polizeikorps und der kantonalen Erziehungs- und Sozialdirektionen, April 2007, Total Rcklauf Fragebogen: 73 von 81 Massnahme Vortrge zur Gewalt von Jugendlichen in Schulen, in Kindergrten und vor Lehrpersonen Polizeiprsenz an Brennpunkten/Orten, an denen sich Jugendliche treffen, und bei Grossveranstaltungen Aufbau und Frderung von sowie Teilnahme an Netzwerken ffentlichkeitsarbeit/ Prventionskampagnen zum Thema Zusammenarbeit mit/Meldung an Schulen und Jugendbehrden nach Delikten bzw. bertretungen Vortrge auf Elternabenden/Elternforen bzw. Teilnahme an solchen Veranstaltungen Einsatz oder Grndung einer Jugendpolizei Aufbau und Pflege des Kontakts zu Schulen Beratung und Aufklrung der Bevlkerung Kontrolle der Jugendschutzbestimmungen im Hinblick auf die Abgabe von Alkohol und Ausgehbeschrnkungen Kontakt/Zusammenarbeit mit gefhrdeten oder bereits straffllig gewordenen Jugendlichen Kontakt/Zusammenarbeit mit Eltern nach Delikten Konsequente Ermittlung nach bertretungen und Delikten (Null Toleranz) Sonstige Massnahmen 3 3 3 12 3 5 5 4 4 6 11 9 6 16 Anzahl Nennungen
Eine Bewertung der Kriminalprvention zum Thema Jugendgewalt ist auf der Basis der von den Polizeikorps geschilderten Massnahmen nur sehr eingeschrnkt mglich. Zwar scheint es so, dass offen repressive Massnahmen nur einen geringen Stellenwert bei der polizeilichen Prvention von Jugendgewalt einnehmen. Jedenfalls werden solche nur selten ausdrcklich genannt. Welche Haltung die Polizei jedoch gegenber der Jugendgewalt bei ihren Aktivitten in der ffentlichkeit, in Schulen, auf Elternforen und in Netzwerken tatschlich einnimmt, kann auf der Basis einer schriftlichen Befragung nicht geklrt werden. Die Klrung dieser Frage wre im Hinblick auf die polizeilichen Aktivitten in diesem Bereich deshalb bedeutsam, weil, wie die obige Auflistung zeigt, die Polizei den Diskurs ber Jugendgewalt durch ihre aufklrenden und informierenden Aktivitten in Schulen und anderen Einrichtungen und Organisationen in erheblichem Masse bestimmt. Es scheint sich jedoch innerhalb der Polizei das Bewusstsein durchzusetzen, dass das Thema Jugendgewalt ein schwieriges und heikles Gebiet ist. Eine Konsequenz daraus ist die Einrichtung von fr diese Aufgabe speziell ausgebildeten Jugendpolizisten, die es bislang jedoch nur in wenigen Kantonen gibt. Allerdings ist auch deutlich geworden, dass noch erhebliche Defizite bestehen.
Das Wissen um die Wirksamkeit der bestehenden Prventionsmassnahmen ist usserst lckenhaft. Gewaltprvention ist nur ansatzweise in eine umfassende und langfristige Gesundheitsfrderung integriert. Prventionsmassnahmen fr verschiedene Altersstufen, Lebensbereiche und Bevlkerungsgruppen sind kaum aufeinander abgestimmt. Wenig integrierte Bevlkerungsgruppen werden nur teilweise erreicht. Seit Langem ist bekannt, dass Gewalt zu einem Komplex von jugendlichem Problemverhalten gehrt, der Suchtverhalten (z.B. Drogen-, Alkohol- und Medikamentenkonsum), schulische und berufliche Probleme, verschiedene Arten risikoreichen Verhaltens (z.B. in der Freizeit) einschliesst. Viele dieser Verhaltensprobleme haben gemeinsame Ursachen und verlangen hnliche Massnahmen. Gewaltprvention sollte daher nicht als isolierte Aktivitt betrieben werden. 1.4. Wenig integrierte Bevlkerungsgruppen sind eine wichtige Zielgruppe Bei der Prvention von Jugendgewalt ist das Erreichen von wenig integrierten Bevlkerungsgruppen ein besonders wichtiges Anliegen. Denn in allen modernen Gesellschaften sind Tter als auch Opfer berdurchschnittlich hufig Angehrige von konomisch unterprivilegierten und gesellschaftlich schlecht integrierten Gruppen. In der Schweiz sind dies nicht ausschliesslich, aber zu einem wesentlichen Teil Migranten und Migrantinnen aus nichtwestlichen Lndern. Die Botschaften von Prventionsprogrammen erreichen am ehesten die sozial integrierten Mittelschichten. Sozial wenig integrierte, bildungsferne, durch ussere oder innere Probleme belastete Personen und Gruppen sind sehr viel schwieriger fr Prventionsanliegen zu gewinnen. Prvention fr Jugendliche mit einem Migrationshintergrund erfordert jedoch keine grundstzlich anderen Massnahmen als die fr Schweizer Jugendliche. Fr die Umsetzung von wirksamen und alle Risikogruppen erreichenden Massnahmen bedarf es aber besonderer berlegungen, wie sprachliche, kulturelle oder sozio-konomische Schranken berwunden werden knnen. 1.5. Massnahmenplan des Bundes zur Integrationsfrderung Bei dieser Gelegenheit ist auf den vom EJPD im August 2007 vorgestellten Massnahmenplan zur Integrationsfrderung hinzuweisen. Im Mittelpunkt des vom Gesamtbundesrat verabschiedeten Massnahmenplans stehen Sprache, Bildung und Arbeit. Zum Bericht und zum Massnahmenpaket, welches von verschiedenen zustndigen mtern und Departementen unter der Federfhrung des Bundesamts fr Migration (BFM) entwickelt worden ist, gehrt auch eine neue Umsetzungs- und Koordinationsorganisation. Das neue Auslndergesetz, das am 1. Januar 2008 in Kraft treten wird, legt die Grundstze und Rahmenbedingungen der Integrationspolitik fest. Integration ist eine Querschnittsaufgabe von Bund, Kantonen und Gemeinden sowie von weiteren Partnern. Angesichts der Tatsache, dass die Schweiz einen der hchsten Auslnderanteile Europas aufweist, kann die Integration der Zugewanderten in unserem Land insgesamt als erfolgreich bezeichnet werden.
Von besonderer Bedeutung fr die Integrationsfrderung sind dabei die beiden Dokumente des Bundesamtes fr Migration BFM: Bericht Integrationsmassnahmen Bericht ber den Handlungsbedarf und die Massnahmenvorschlge der zustndigen Bundesstellen im Bereich der Integration von Auslnderinnen und Auslndern per 30. Juni 2007 http://www.bfm.admin.ch/etc/medialib/data/migration/integration/berichte.Par.0009. File.tmp/070630-ber-integrationsmassnahmen-d.pdf Frderung der Integration von Auslnderinnen und Auslndern Schwerpunkteprogramm fr die Jahre 2008 bis 2011 Erluterungen des Bundesamts fr Migration BFM zum Programm und den Weisungen fr den Vollzug des bergangsjahres 2008 Stand: 17. Juli 2007 http://www.bfm.admin.ch/etc/medialib/data/migration/integration.Par.0028. File.tmp/G283-0036%20Schwerpunkteprogramm2008-2011%20d.pdf 1.6. Integrationsfrderung hauptschlich Sache der Kantone und Gemeinden In den Kantonen wie auch in vielen Gemeinden sind in den vergangenen Jahren Ansprech- und Koordinationsstellen fr Integration geschaffen worden. Integrationsbemhungen der Tripartiten Agglomerationskonferenz (TAK) Die im Februar 2001 gegrndete TAK ist eine gemeinsame Plattform von Bund, Stdten und Gemeinden, die die Auslnder- und Integrationspolitik als einen Schwerpunkt in ihr Arbeitsprogramm aufgenommen hat. Im November 2002 hat sie eine erste Reihe von Empfehlungen verabschiedet. Darin hat die TAK unter anderem dem Bund, den Kantonen sowie Stdten und Gemeinden empfohlen, Strukturen bereitzustellen, welche die Integrationsbemhungen in Kantonen, Stdten und Gemeinden vernetzen und gleichzeitig die Koordination mit Bundesstellen gewhrleisten. Ebenfalls gesttzt auf die Empfehlungen aus dem Jahr 2002 hat sich die TAK mit rechtlichen Integrationshemmnissen auseinander gesetzt und dazu am 12. November 2004 einen Bericht verabschiedet (Rechtliche Integrationshemmnisse. Auslegeordnung und Lsungsanstze). Zurzeit bereitet eine Arbeitsgruppe der TAK die entsprechenden Umsetzungsempfehlungen vor. Von der TAK sind in den letzten Jahren wesentliche Impulse zur Integrationsfrderung ausgegangen. So fand z.B. am 15. Mai 2005 in Biel die erste nationale Integrationskonferenz statt, die von der TAK organisiert wurde.
Siehe dazu: http://www.kdk.ch/int/kdk/de/triagglo.html
Schweizerische Konferenz der kommunalen, regionalen und kantonalen Integrationsdelegierten (KID) Die KID wurde am 13. Februar 2003 mit dem Ziel des Informations- und Erfahrungsaustauschs gegrndet. Die Geschftsfhrung wird vom Sekretariat der Konferenz der Kantonsregierungen (KdK) wahrgenommen. Durch ihre Ttigkeit will die KID einen Beitrag leisten zur besseren Koordination zwischen den drei staatlichen Ebenen Bund, Kantone und Gemeinden. Diesen Zielen dient auch die Vertretung der KID in zahlreichen gesamtschweizerischen Gremien.
Aspekte, die im SKP-Massnahmenplan 2008 bercksichtigt werden sollten Die Prsidentin der SKP, Regierungsrtin Yvonne Schrli-Gerig, betrachtet die nachfolgenden Aspekte im Rahmen der Diskussion von Jugend und Gewalt als wichtig. Sie sollten daher im Massnahmenplan 2008 angemessen bercksichtigt werden. 1.7.1. Littering Das neudeutsche Wort Littering (von engl. litter: Abfall; verstreuen, umherwerfen, in Unordnung bringen) bezeichnet die Verunreinigung von Strassen, Pltzen, Parkanlagen oder ffentlichen Verkehrsmitteln durch liegen gelassene Abflle. Auch wenn absolut gesehen nur kleine Mengen von Abfllen auf dem Boden liegen bleiben, so empfindet doch die grosse Mehrheit der Bevlkerung dies als strend. Das Littering beeintrchtigt Lebensqualitt und Sicherheitsgefhl im ffentlichen Raum, fhrt zu erhhten Kosten bei den Reinigungsdiensten und kann dem Ruf eines Ortes schaden. Vernderte Lebensund Konsumgewohnheiten sorgen fr neue Probleme: Den grssten Anteil am Littering hat laut einer in Basel durchgefhrten Studie die fliegende Verpflegung. Vom Littering besonders betroffene Gebiete und Standorttypen: Party- und Unterhaltungszonen (Ausgangstreffpunkte mit Unterhaltungsund Verpflegungsangebot); Durchgangspassagen (Bahnhofpltze, weitlufige Tram- oder Busstationen, zentrale Strassen, meist mit Verpflegungsangebot); Picknick-Pltze, Spazierwege, Freizeitbereich mit Aufenthaltsmglichkeiten; ffentliche Verkehrsmittel: Bus, Tram, S-Bahn, Bahn; Verkehrswege: Autobahnen, Kantons- und Hauptstrassen, Bahndmme. Die Ursachen des Littering sind vielfltig: vernderte Konsum- und Ernhrungsgewohnheiten; Bequemlichkeit, Individualismus und schwindende Rcksichtnahme im ffentlichen Raum; verndertes Freizeitverhalten; wachsende Zahl von Veranstaltungen auf ffentlichen Pltzen usw. Das Entsorgen des Abfalls ist teuer. Allein die Strassenreinigung in allen Schweizer Gemeinden mit mehr als 10000 Einwohnern kostet laut Schtzung des Schweizerischen Stdteverbandes rund 500 Mio. Franken pro Jahr. Davon sind ca. 20 Prozent durch das Littering bedingt.
Siehe dazu: www.littering.ch
Wegweisung aus dem ffentlichen Raum Die Polizei kann Personen von einem Ort vorbergehend wegweisen oder fernhalten, sofern sie ernsthaft und unmittelbar gefhrdet sind; der begrndete Verdacht besteht, dass sie oder andere, die der gleichen Ansammlung zuzurechnen sind, die ffentliche Sicherheit und Ordnung gefhrden oder stren; 14
sie Einstze zur Wiederherstellung oder Aufrechterhaltung der ffentlichen Sicherheit und Ordnung, insbesondere durch Polizeikrfte, Feuerwehr oder Rettungsdienste behindern; sie die Polizei an der Durchsetzung vollstreckbarer Anordnungen hindern oder dabei stren oder sich einmischen; sie die Erfllung polizeilicher Aufgaben vereiteln oder zu vereiteln versuchen. Zu bedenken ist allerdings, dass diese gesetzliche Grundlage nicht in allen Kantonen besteht. Der hier aufgefhrte Text ist daher als Beispiel zu verstehen. 1.7.3. Sachbeschdigung Sachbeschdigung laut Art. 144 des Schweizerischen Strafgesetzbuchs:
Siehe dazu: Schweizerisches Strafgesetzbuch unter: www.admin.ch/ch/d/sr/311_0/a144.html Siehe ferner: Jugendlicher Vandalismus: Motive, Anlsse, Prvention/Les jeunes et le vandalisme: motives, raisons et prvention, Nationales Forschungsprogramm NFP 40, Gewalt im Alltag und organisierte Kriminalitt www.nfp40.ch/projekte/2_gewalt_jugend/default_3.html
Eine allgemein akzeptierte Definition des Begriffs Gewalt gibt es nicht. Dieses Fehlen einer klaren Definition verursacht insbesondere bei der statistischen Erfassung von Gewaltdelikten Probleme. Gewalt im negativen Sinne wird hufig als schdigende Einwirkung auf Andere verstanden. Als Gewaltformen werden psychische, physische, personale, strukturelle (oder auch kulturelle), statische, dynamische, direkte oder indirekte Gewalt unterschieden.
Ein engerer Gewalt-Begriff, auch als materialistische Gewalt bezeichnet, beschrnkt sich auf die zielgerichtete, direkte physische Schdigung einer Person. Der weiter gefasste Gewaltbegriff bezeichnet zustzlich die psychische Gewalt (etwa in Form von Deprivation), emotionale Vernachlssigung, verbale Gewalt und in seinem weitesten Sinn die strukturelle Gewalt. Zudem fllt Vandalismus unter diesen Gewaltbegriff, wenngleich sich die Einwirkung nicht direkt gegen Personen richtet. Definition von Jugendgewalt durch die SKP im Rahmen dieses Massnahmenplans Unter Jugendgewalt versteht die SKP im Rahmen dieses Massnahmenplans die Ausbung oder Androhung von krperlicher und/oder psychischer Gewalt durch eine oder mehrere Personen Kinder (715), Jugendliche (1618), junge Erwachsene (1925 Jahre) gegenber anderen Personen. Sachbeschdigung (Vandalismus) gehrt auch dazu. Die Sektion Kriminalitt und Strafrecht des Bundesamtes fr Statistik (BFS) verwendet eine eng gefasste Definition von Gewalt und versteht darunter folgende Straftaten: Ttungsdelikte, u.a. vorstzliche Ttung (Art. 111 StGB), Mord (Art. 13 StGB), Totschlag (Art. 113 StGB) und Kindesttung (Art. 116 StGB), schwere Krperverletzung (Art. 122 StGB), einfache Krperverletzung (Art. 123 StGB), Ttlichkeiten (Art. 126 StGB), Gefhrdung des Lebens (Art. 129 StGB), Raufhandel (Art. 133 StGB) und Angriff (Art. 134 StGB), Raub (Art. 140 StGB), Erpressung (Art. 156 StGB), Drohung (Art. 180 StGB) und Ntigung (Art. 181 StGB), Freiheitsberaubung und Entfhrung (Art. 183 StGB), ev. mit erschwerenden Umstnden (Art. 184 StGB) und Geiselnahme (Art. 185 StGB), sexuelle Ntigung (Art. 189 StGB) und Vergewaltigung (Art. 190 StGB), Brandstiftung, wenn der Tter wissentlich Leib und Leben von Menschen in Gefahr bringt (Art. 221 Abs. 2 StGB), Landfriedensbruch (Art. 260 StGB) und Gewalt und Drohung gegen Behrden und Beamte (Art. 285 StGB). Diese Definition gilt allerdings nur fr die Jugendstrafurteilsstatistik. Fr die Opferhilfestatistik und die Polizeiliche Kriminalstatistik bezieht sich diese Definition jeweils nur auf die Straftaten, die auch effektiv erfasst werden.
Was ist Kriminologie, Kriminalistik und Kriminalprvention?
Whrend primres Ziel der Kriminologie die abstrakte (also nicht auf einen bestimmten Fall bezogene) Erkenntnisgewinnung ber die Ursachen und Erscheinungsformen von Kriminalitt ist, beschftigt sich die Kriminalistik mit der konkreten praxisbezogenen Fragestellung der Verhtung (Prvention), Bekmpfung und Aufklrung von Straftaten. Zentrale Betrachtungspunkte der Kriminologie stellen das Verbrechen, der Verbrecher, das Verbrechensopfer sowie die Verbrechenskontrolle dar. Kriminologie umfasst insbesondere die Kriminalittstheorien (darunter auch die Kontrolltheorien und Halttheorien, welche der Frage nachgehen, warum Menschen sich konform verhalten also nicht kriminell werden); zur Kriminologie muss darber hinaus der Bereich der Sinnhaftigkeit von Strafe gerechnet werden. Betrachtet man Kriminalitt als Massenerscheinung, benutzt die Kriminologie auch die bekannten Kriminalstatistiken. Diese haben dann auch erheblichen Anteil an der praktizierten Kriminalpolitik, die sich mit leicht zu vermittelnden Zahlen besser verbreiten lsst als Hinweise auf komplizierte Untersuchungen. Zentrale Begriffe hierbei sind das Hellfeld und das Dunkelfeld. Problematisch ist in diesem Zusammenhang stets die begrenzte Aussagekraft der Statistiken. Kriminalistik ist die Lehre von den Mitteln und Methoden der Bekmpfung einzelner Straftaten und des Verbrechertums (der Kriminalitt) durch vorbeugende (prventive) und strafverfolgende (repressive) Massnahmen. Eingeschlossen sind die dazu erforderlichen, am Einzelfall orientierten, rechtlich zulssigen, allgemeinen und besonderen Methoden, Taktiken und Techniken. Zielsetzung der Kriminalistik ist demnach das Ermitteln und forensische (gerichtsfeste) Beweisen von Straftaten bzw. die Abwehr von Verbrechensgefahren und das Verhindern von Straftaten. 3.1. Messen und Bewerten von Kriminalitt Kriminalitt zu messen oder zu bewerten erscheint schon deshalb schwierig, weil Vergleiche bei sozialen Massenphnomenen kaum mglich sind. Da eine Gesellschaft stets im Fluss ist, sind Schwankungen interpretativ kaum einzuordnen. Das gravierendste Problem ist die Messung von Hellfeld und Dunkelfeld. Die Auswertung des Hellfeldes, das nur einen kleinen Ausschnitt der Kriminalitt (die polizeilich registrierte Kriminalitt) ausmacht, ist unproblematisch und erfolgt in der Regel durch die Analyse der Polizeilichen Kriminalstatistik (PKS). Im Vergleich zum Dunkelfeld msste aber die Bereitschaft ermittelt werden, Anzeige zu erstatten. Ferner sind es stets Befragungen, Experimente oder Beobachtungen, die Auskunft ber die mgliche Kriminalitt im Bezugsgebiet machen. Diese werden dann, wenn die Erhebungen statistisch valide, reprsentativ und reliabel sind, hochgerechnet.
Wegen dieser Unwgbarkeiten wird nicht selten behauptet, dass objektive Aussagen zur Kriminalitt nicht mglich sind. 3.2. Was ist Kriminalprvention? Kriminalprvention ist die Aufgabe einer modernen Gesellschaft, Kriminalitt bereits in oder vor ihrer Entstehung zu verhindern. Die vorbeugende Bekmpfung der Kriminalitt stellt die Gesamtheit aller staatlichen und privaten Bemhungen zur Verhtung von Straftaten dar. Es ist die Gesamtheit aller staatlichen und privaten Bemhungen, Programme und Massnahmen, welche Kriminalitt als gesellschaftliches Phnomen oder individuelle Ereignisse verhten, mindern oder in ihren Folgen gering halten. Zu solchen negativen Folgen zhlen physische, psychische oder materielle Schden sowie Kriminalittsangst, insbesondere die Furcht, Opfer zu werden. Ziel von Kriminalprvention ist es auch, durch Gewissheit von Sicherheit die Gesellschaft stabil zu halten.
aus: Deutsche Hochschule fr Polizei, in Detlef Schrder, Fachbereich II, Polizeiliches Management, Vorlesung am 15.11.2006, Universitt Osnabrck (aus: Grobkonzept zur SKP-Kampagne, Version vom 22.2.2007)
Die drei Ebenen der Prvention von Kriminalitt Versucht man die Kriminalprvention zu systematisieren, so bietet sich die Unterscheidung in primre, sekundre und tertire Prvention an. Primre Prvention soll die Delinquenz an der Wurzel treffen und idealtypisch die tieferen Ursachen krimineller Verhaltensmuster treffen. Mit sekundrer Prvention wird angestrebt, tterbezogen aktuell gefhrdete oder tatbereite Personen durch eine Vernderung der Tatgelegenheitsstruktur oder aber durch aktive Sttzung normangepassten Verhaltens von der Straftatbegehung abzuhalten. Opferbezogen soll sekundre Prvention die Verwundbarkeit des potenziellen Opfers mindern. Tertire Prvention zielt darauf ab, berfhrte Straftter vor einem Rckfall zu bewahren. Hier geht es um die sachgerechte Sanktion, Behandlung und Wiedereingliederung der Tter. 3.3.1. Primrprvention (Die Kriminalitt wird urschlich, also an der Wurzel bekmpft) Zielgruppe: Allgemeinbevlkerung
Normverdeutlichung Die Przisierung der allgemein anerkannten, als verbindlich geltenden gesellschaftlichen Regeln erfolgt in erster Linie durch Erziehung und Bezugsgruppen (Peer-groups). Normverdeutlichung erfolgt zudem durch schnelle und massvolle Reaktion auf normabweichendes Verhalten. Die Schule hat u.a. die Aufgabe einer ganzheitlichen Persnlichkeitsbildung und wirkt dadurch nachhaltig auf das Sozialverhalten von Kindern und Jugendlichen ein. Alle Gesetze, Regeln und Vereinbarungen hierzu sind die Basis fr ein friedliches und gelingendes Zusammenleben. Die konsequente Beachtung und Einhaltung dieser Normen bzw. die genauso konsequente und einheitliche Sanktionierung ihrer Missachtung durch Grenzsetzer, die in ihrem Handeln authentisch sind, ermglichen Orientierung und sozial angemessene Verhaltensweisen.
Intervention im Bereich der sozialen Strukturen: Beseitigung von Problemfaktoren, Erziehung, Normvermittlung, Arbeits- und Freizeitverhalten, Integration von Auslnderinnen und Auslndern und Minderheiten. Positive Generalprvention (Stabilisierung des Rechtsbewusstseins der Bevlkerung) Die Primrprvention im Bereich Jugend und Gewalt ist keine eigentliche Aufgabe der Polizei. Dafr sind u.a. andere Behrden verantwortlich, so z.B. die Erziehungs- und Sozialdirektionen der Kantone. Die Polizei ist an einer engen Zusammenarbeit mit diesen Behrden und privaten Organisationen interessiert. 3.3.2. Sekundrprvention (Die Kriminalitt wird an der Oberflche bekmpft) Zielgruppe: Personen, die als potenzielle oder aktuelle Problemflle bekannt sind
Vernderung der Tatgelegenheitsstruktur (technische Prvention), Erhhung des Risikos der Tataufklrung/Tatberfhrung, Erhhung des Misserfolgsrisikos, Integration kriminalittsgeneigter Personen oder Gruppen, Opferimmunisierung (neighbourhood watch) Negative Generalprvention (Abschreckung potenzieller Tter) Die Sekundrprvention im Bereich Jugend und Gewalt ist schwergewichtig Aufgabe der Polizei, die zu diesem Zweck eng mit anderen Behrden und privaten Organisationen zusammenarbeitet. 3.3.3. Tertirprvention Zielgruppe: Personen, die bereits straffllig geworden sind
Positive und negative Spezialprvention Diversion: Die Diversion (wrtl. Umleitung) ist im strafrechtlichen Zusammenhang ein Mittel der Staatsanwaltschaft, bei Erstttern bzw. leicht und mittelschweren Delikten eine Erffnung des richterlichen Strafprozesses zu unterlassen und die Tat durch Absehen von einer Strafverfolgung zu erledigen. Damit ist in der Regel die Verhngung erzieherischer Massnahmen verbunden wie beispielsweise die Heranziehung zu gemeinntzigen Arbeiten. Zweck der Diversion ist die Frderung der Resozialisierung des Tters und die Entlastung der Gerichte von Bagatellfllen. Besonders im Jugendstrafrecht finden sich Mglichkeiten, von der Strafverfolgung gnzlich abzusehen oder das Verfahren einzustellen, ggf. in Verbindung mit einer erzieherischen Massnahme. Tter-Opfer-Ausgleich Ambulante Massnahmen (soziale Trainingskurse) Geldstrafe Bewhrungshilfe Behandlungsvollzug Verwahrvollzug Die Tertirprvention im Bereich Jugend und Gewalt ist vor allem Aufgabe der Justiz und ihrer Organe. Die Polizei ist an einer engen Zusammenarbeit mit diesen Behrden und privaten Organisationen interessiert.
Generalprventive Wirkung von Repression Prventionsarbeit ist zwar sehr wichtig, um Jugendgewalt erst gar nicht entstehen zu lassen und die Ursachen zu bekmpfen. Dabei darf aber die grosse Bedeutung repressiver Massnahmen nicht bersehen werden. Eine rasche Verurteilung und mglichst adquate Sanktionen sind besonders bei delinquenten Jugendlichen sehr wichtig. Zudem entwickeln konsequent gehandhabte Repressionsmassnahmen eine generalprventive Wirkung, welche die Prventionsarbeit untersttzt. Ganz allgemein ist darauf hinzuweisen, dass bei Fllen, in denen die Prventionsbemhungen versagt haben und Jugendliche straffllig geworden sind, das Jugendstrafrecht den Organen der Jugendstrafrechtspflege wirksame Mittel zur Verfgung stellt.
Siehe dazu: Was ist Kriminalitt und welches Bild machen wir uns von ihr? Vortrag von Prof. Karl-Ludwig Kunz, Institut fr Strafrecht und Kriminologie, Universitt Bern, http://socio.ch/cri/t_kunz2.htm
Repression als Mittel gegen die Jugendgewalt Das Schweizerische Jugendstrafrecht ist Bestandteil des Schweizerischen Strafgesetzbuches (StGB), hat jedoch in dem Sinne eine Sonderstellung, dass es viel mehr Erziehungs- und Betreuungsrecht ist als eigentliches Strafrecht. Was ist damit gemeint? Begeht ein Jugendlicher eine oder mehrere strafbare Handlungen, wird er als Tter identifiziert und kommt es zu einem strafrechtlichen Verfahren, so ermittelt die Jugendstrafbehrde den Sachverhalt, unternimmt aber gleichzeitig und, wenn ntig unter Beizug von Fachhilfe, eine eingehende Abklrung zur Person des Jugendlichen sowie zu seinen persnlichen, familiren, schulischen, beruflichen und freizeitlichen Verhltnissen. Alsdann prft sie, ob der Jugendliche irgendwelcher Erziehungs-, Betreuungsoder Therapiemassnahmen bedarf. Ist dies der Fall, so ordnet die Jugendstrafbehrde ebensolche Massnahmen an (z.B. Erziehungshilfe, Heimaufenthalt, Familienplatzierung, psychologische Untersttzung, Rehabilitation) und sieht demzufolge von Strafen ab. Sind solche Massnahmen nicht am Platze, so spricht die Jugendstrafbehrde Strafen aus (Einschliessung bis zu einem Jahr oder Busse bedingt oder unbedingt) oder Disziplinarstrafen (Arbeitsleistung, Schularrest oder Verweis). Die Bestrafung ist massgeschneidert (Tterstrafrecht) und soll erzieherisch und prventiv ausgerichtet sein; deshalb ist sie individualisiert und tterbezogen. Die Jugendstrafbehrde kann auch auf jede Massnahme oder Strafe verzichten, namentlich wenn der jugendliche Tter bereits anderweitig sanktioniert wurde, wenn er den Schaden soweit zumutbar aus eigenen Krften behoben hat oder wenn die Straftat zeitlich lange zurckliegt. Die Jugendlichen umfassen die Alterskategorie vom 10. bis zum vollendeten 18. Altersjahr. Bei Jugendlichen unter 16 Jahren wird auf Busse oder Freiheitsentzug verzichtet. Mit diesem System ist sichergestellt, dass der Straftter oder der Fehlbare frh erfasst wird, dass er aber mit einer altersbezogenen und erzieherisch ausgerich-
teten Antwort (Massnahme, Strafe, Disziplinarstrafe oder Verzicht auf jegliche Sanktion) rechnen kann. Angewendet wird das Jugendstrafrecht sowohl bei der Abklrung des Sachverhaltes und zur Person als auch beim Urteil und beim Vollzug der Massnahme oder der Strafe von spezialisierten Gerichtsbehrden, d.h. von Jugendanwlten, Jugendrichtern und Jugendgerichten. Die Bezeichnung der Jugendstrafbehrde und die nhere Ausgestaltung des Jugendstrafverfahrens sind Kantonssache und knnen deshalb von einem Kanton zum andern der Form nach sehr verschieden sein. Dem Inhalt nach wendet aber jede Jugendstrafbehrde ob nun Jugendanwalt oder Jugendrichter genannt einheitlich das Schweizerische Jugendstrafrecht an. Laut dem im August 2007 verffentlichten Bericht des Bundesamtes fr Statistik (BFS) Zur Entwicklung der Jugendkriminalitt. Jugendstrafurteilsstatistik von 1946 bis 2004 werden mehr und mehr Jugendliche strafrechtlich verurteilt. Dass dies kein neuartiges Phnomen ist, zeigt der fast durchgngige, langsame Anstieg der Urteilsraten bei Jugendlichen seit Mitte des letzten Jahrhunderts. Die Zunahme von strafrechtlich relevanten Delikten wirkt sich spter nicht auf eine Erhhung der Erwachsenenkriminalitt aus.
Siehe dazu den im August 2007 vom Bundesamt fr Statistik (BFS) verffentlichen Bericht Zur Entwicklung der Jugendkriminalitt. Jugendstrafurteilsstatistik von 1946 bis 2004, Bundesamt fr Statistik, Neuchtel, 2007, http://www.bfs.admin.ch/bfs/portal/de/index/themen/19/22/publ.html?publicationID=2839
Revision des Jugendstrafrechts In der Praxis gilt das bestehende Jugendstrafrecht, formuliert in den Artikeln 8299 des Strafgesetzbuches als gutes und flexibel anwendbares Gesetz. Trotzdem wurde es notwendig, das Gesetz zu revidieren. Die Rechtslehre kritisierte u.a. den sehr weiten Ermessensspielraum des Jugendstrafrechts, die niedrige Strafmndigkeitsgrenze und die Tatsache, dass zwischen den Sanktionen (insbesondere bei der Dauer der Freiheitsstrafen) fr unter 18-jhrige und denjenigen fr ber 18-jhrige Tter ein allzu grosser Unterschied besteht. Die Gesetzesnderung hat man vor 20 Jahren in Angriff genommen und letztes Jahr abgeschlossen: Die Schlussabstimmung der Bundesversammlung fand am 20. Juni 2003 statt, die Referendumsfrist lief am 9. Oktober 2003 ab. Das Jugendstrafrecht ist somit seit dem 1. Januar 2007 in einem eigenen Gesetz und nicht mehr in einem Teil des Strafgesetzbuches geregelt. Das neue Gesetz sieht viele sinnvolle Regelungen vor. Ganz wichtig ist die Grundmaxime, wie sie Artikel 2 vorsieht: Wegleitend fr die Anwendung dieses Gesetzes sind der Schutz und die Erziehung der Jugendlichen. Den Lebens- und Familienverhltnissen des Jugendlichen sowie der Entwicklung seiner Persnlichkeit ist besondere Beachtung zu schenken. Mit dieser Grundaussage bleibt auch im neuen Jugendstrafrecht der erzieherische Gedanke erhalten. Neben den materiellen nderungen (beispielsweise Anhebung der Strafmndigkeit auf 10 Jahre; Wechsel bei den Schutzmassnahmen vom monoistischen auf das dualistische System, was die gleichzeitige Aussprechung einer Massnahme und einer Strafe zulsst; Freiheitsentzug bis 4 Jahre ab dem 16. Altersjahr bei sehr schweren Delikten, im Erwachsenenrecht mit mind. 3 Jahren Freiheitsstrafe bedroht) wird
vor allem die vorgeschriebene ausnahmslose Trennung der jugendlichen und der erwachsenen Untersuchungshftlinge, welche mit Inkrafttreten des Gesetzes gewhrleistet sein muss, den Kantonen bauliche und organisatorische Probleme aufgeben.
Siehe dazu: Bundesgesetz ber das Jugendstrafrecht, www.admin.ch/ch/d/ff/2003/4445.pdf
Entstehungsfaktoren von Jugendgewalt
Theorien zur Entstehung gewaltttiger Gruppen und Individuen existieren seit lngerem. Die Ursachen dieser Entwicklung sind nicht eindimensional. Die wichtigsten Einflussfaktoren knnen nach Aussagen von Expertinnen und Experten unter dem Stichwort vermehrte Ausgrenzungstendenz (soziale Deprivation) 2 von Bevlkerungsgruppen zusammengefasst werden. Diese Ausgrenzungen zeigen sich auf verschiedenen Ebenen 1) kulturell und in Bezug auf Migration; unterschiedliche Werthaltungen und Konfliktlsungsmuster von Immigrantinnen und Immigranten und deren Kindern (vor allem aus Krisenregionen mit Kriegstraumata) knnen in der Gewaltkriminalitt manifest werden. Ethnische Gruppierungen spielen z.B. auch bei der Gewaltausbung zwischen Jugendbanden eine Rolle. 2) wirtschaftlich; Wirtschaftslage, die wenig Perspektiven im Berufsleben ermglicht, sektorieller Lehrstellenmangel, Diskriminierung von Auslnderinnen und Auslndern bei der Berufswahl 3 und der Akademisierung der Berufswelt 3) materiell; d.h. dass Status vermehrt ber materielle Werte vermittelt wird, aber fr viele Jugendliche (und fr Teile der Gesellschaft) keine legalen Mglichkeiten vorhanden sind, die Mittel zur Erreichung dieser Statussymbole aufzubringen.4 4) gesellschaftlich-medial; in dem Sinne, dass vermittelt wird, mit entsprechendem Willen sei alles mglich, bei real beschrnkten Mglichkeiten, diese vermittelten Ziele zu erreichen. Individualisierung und Globalisierung 5 widersprechen sich dahingehend, dass die Erfllung von Wnschen Einzelner propagiert wird, aber entsprechende Nischen zusehends verschwinden. Diese Ausgrenzungstendenzen widerspiegeln gleichzeitig eine mangelnde gesellschaftliche Solidaritt, die teilweise auch von Reprsentantinnen und Reprsentanten aus Wirtschaft und Politik vorgelebt wird.
Tabelle 3 Mgliche Grnde fr Jugendgewalt Auszug aus der SKP-Befragung der kantonalen Polizeikorps und der kantonalen Erziehungs- und Sozialdirektionen, April 2007; Total Rcklauf Fragebogen: 73 von 81 Grnde Perspektivlosigkeit der Jugend Migrationshintergrund, Integrationsprobleme Zu hufiger Medienkonsum, ohne direkten Bezug zu Gewalt Alkohol- und Drogenkonsum Gewaltdarstellung in Medien Werteverfall, Wertepluralismus, Individualisierung Keine Grenzziehung, keine klaren Regeln und Strukturen Schwierige familire und soziale Verhltnisse Dynamik und Normen in Gruppen von Jugendlichen Konsumorientierung, Konsumgesellschaft Jugendarbeitslosigkeit, fehlende berufliche Perspektive Orientierungslosigkeit der Jugend Schule versagt Gewalterfahrung in Familie und anderenorts Permissive Haltung zur Gewalt, mangelnde soziale Kontrolle Schulprobleme Gesamt Anzahl der Nennungen 27 19 17 15 11 10 10 10 9 9 8 7 6 5 5 3 3 174 % 15.5 10.9 9.8 8.6 6.3 5.7 5.7 5.7 5.2 5.2 4.6 4.0 3.4 2.9 2.9 1.7 1.7 100.0
Erziehungsprobleme der Eltern, Erziehungsschwierigkeiten allgemein
Erziehungsprobleme und fehlende Zukunftsperspektiven Ein hoher Anteil (ca. 15%) sieht in Erziehungsproblemen der Eltern bzw. Erziehungsschwierigkeiten allgemein eine der Ursachen fr Jugendgewalt. Eine grosse Bedeutung (ca. 11%) wird auch der Perspektivlosigkeit der Jugend zugeschrieben. Nimmt man hierzu noch die 4,0% hinzu, die die hohe Jugendarbeitslosigkeit und die damit einhergehende fehlende berufliche Perspektive als Grund fr Jugendgewalt nennen, dann sehen 15% der Befragten in den fehlenden Zukunftsperspektiven einen bedeutsamen Faktor fr die Entstehung von Jugendgewalt. Medienkonsum von Jugendlichen Wie in der ffentlichen Debatte wird auch von den befragten Prventionsverantwortlichen den Medien ein hoher Stellenwert fr die Entstehung von Jugendgewalt attestiert, sei es durch die Darstellung von Gewalt in den Medien (6%), der von vielen eine handlungsleitende Dimension zugeschrieben wird, oder durch den hufigen Medienkonsum der Jugendlichen (9%). In diesem Zusammenhang wurde in der ffentlichen Diskussion um Jugendgewalt von einer zunehmenden Medienverwahrlosung gesprochen. Eine solche abwertende Bemerkung findet sich jedoch in keiner der Antworten. Es wurden vielmehr sachliche Grnde beschrieben. Migration ein soziales Problem Auch bei der Thematisierung der Migration als Ursache von Jugendgewalt gibt es, von einer Ausnahme abgesehen, keine fremdenfeindlich gefrbte Antworten. Das von 10% genannte Migrationsproblem wird offensichtlich als ein soziales Problem gesehen, das mit der Entstehung von Jugendgewalt zusammengedacht
werden muss und dem durch verstrkte Integrationsbemhungen begegnet werden sollte. Alkohol- und Drogenkonsum von Jugendlichen Neben den bisher genannten Grnden wird dem Werteverfall und dem Fehlen klarer gesellschaftlicher Regeln und Strukturen eine relativ hohe Bedeutung fr die Jugendgewalt zugeschrieben. Auch diese Argumentationsfigur findet sich hufig in der ffentlichen Debatte ber die Jugendgewalt. Das gilt auch fr den Alkohol- und Drogenkonsum von Jugendlichen, der von fast 7% als einer der Grnde fr die Auslsung von Gewalt angesehen wird. Keine generellen Aussagen ber die Jugend Bei der Interpretation dieser Antworten sollte bedacht werden, dass sie keine generellen Aussagen ber die Jugend machen, auch wenn es auf den ersten Blick so scheint. Denn die Perspektive, aus der die Antworten gegeben werden, ist bereits mehr oder weniger stark auf problematische Jugendliche eingestellt. Das wird am Beispiel der hufig genannten Erziehungsschwierigkeiten der Eltern besonders deutlich. Es haben ja nicht alle Eltern Schwierigkeiten bei der Erziehung ihrer Kinder. Aber Jugendliche, die zur Gewalt neigen oder in dieser Hinsicht bereits auffllig geworden sind, stammen hufig aus Problemfamilien, also aus schwierigen familiren und sozialen Verhltnissen, was von 5% als eine weitere Ursache von Jugendgewalt genannt wird. In solchen Familien sind, wie die Erfahrung und die entsprechenden Studien zeigen, Erziehungsprobleme weit verbreitet. Kein Ruf der Praxis nach hrteren Sanktionen Bemerkenswert ist, dass der in der ffentlichkeit nicht verstummende Ruf nach hrteren Sanktionen der Jugendgewalt in den Antworten nur eine geringe Rolle spielt, denn nur 2% nennen die permissive Haltung zur Gewalt als einen Grund fr die Manifestation von Gewalt unter oder von Jugendlichen. Gewalt (nur) ein Problem mnnlicher Jugendlicher? Bemerkenswert aus einem anderen Grund ist die vllige Ausblendung der geschlechtsspezifischen Dimension in den Antworten. Dass Jugendgewalt vor allem Jungengewalt ist, ist empirisch gut belegt. Mit diesem Hinweis soll keineswegs Mnnlichkeit als solche als gewaltttig bezeichnet werden. Die Ausblendung der fr die Entstehung von Jugendgewalt mglicherweise spezifischen Maskulinittsbesessenheit innerhalb von Jugendcliquen deutet jedoch darauf hin, dass die geschlechtsspezifische Akzentuierung in den Prventionsprogrammen gegen Jugendgewalt zu kurz kommt. Es ist freilich nicht ausgeschlossen, dass in den Antworten, in denen die Dynamik und die Normen in Gruppen von Jugendlichen als eine Ursache von Gewalt thematisiert wurden (5%), diese Dimension mit angesprochen wurde, ohne sie ausdrcklich zu benennen. Interventionen auf sozialer Ebene gefordert Zusammenfassend lsst sich aus den oben wiedergegebenen Antworten zu der Frage nach den Grnden fr die Jugendgewalt eine wichtige Konsequenz fr die Prvention ableiten. In der Mehrzahl der Antworten werden soziale Verhltnisse bzw. Probleme thematisiert, die in den gewaltbereiten bzw. gewaltorientierten Jugendlichen ihren individuellen Niederschlag finden. Fr die Prvention bedeutet das, in jenen sozialen Verhltnissen zu intervenieren, die als Grnde fr die Entstehung von Jugendgewalt benannt werden, denn sonst wrden nur die Folgen dieser Verhltnisse, aber nicht deren mgliche Ursachen bekmpft. 24
Motive von Jugendgewalt und wie man ihnen begegnen kann Gewalt oder Gewaltbereitschaft kann nicht an einer einzigen Ursache festgemacht werden. Vielmehr ist sie das Resultat des Zusammenwirkens einer Vielzahl von usseren und inneren Einflssen. Diese wirken in jeder Phase des Lebenslaufs in unterschiedlicher Weise auf die weitere Entwicklung des Individuums ein. Wichtige Wirkungsebenen sind das Individuum selbst (z.B. Struktur), die Familie (z.B. Erziehung), die Schule (z.B. die Lernerfahrung) und die Nachbarschaft (z.B. Zusammenhalt). 4.1.1. Was veranlasst Kinder und Jugendliche zu Gewalttaten? So wie die Ausdrucksformen von Gewalt sind auch die Motive sehr vielfltig. Hufige Gewaltmotive bei Kindern und Jugendlichen sind: Wunsch nach sozialer Anerkennung: Viele gewaltttige Jugendliche z.B. Schler und Schlerinnen, versuchen unter ihren Mitschlern und Mitschlerinnen mit aggressivem und bergriffigem Verhalten soziale Anerkennung bzw. eine soziale Vormachtstellung zu erlangen. Gruppendruck: Eine grosse Zahl von Kindern und Jugendlichen, die in Gewaltvorflle involviert sind, sind Mitlufer, sei es, weil sie dazugehren wollen, sei es, weil sie Angst haben, selber Opfer von Gewalt zu werden. Mitlufer haben hufig keine gefestigte eigene Meinung, verfgen ber ein geringes Selbstvertrauen und sind leicht beeinflussbar. Hilflosigkeit bei schwierigen Gefhlen: ngste, mangelndes Selbstvertrauen, fehlende Geborgenheit, Neid, Wut und innere Leere sind Gefhle, die schwer auszuhalten sind. Viele Kinder und Jugendliche wissen nicht, wie sie mit solchen Gefhlen umgehen sollen. Sie versuchen diese Gefhle zu kontrollieren oder zu kompensieren, indem sie gegenber anderen oder sich selbst gewaltttig sind. Niedrige Frustrationsgrenze: Kindern und Jugendlichen mit niedriger Frustrationstoleranz fllt es hufig sehr schwer, den sozialen Erfordernissen in Schule, Lehre und Alltag gerecht zu werden. Sie haben Mhe, sich bestehenden Regeln unterzuordnen, auf die Bedrfnisse und Fhigkeiten Anderer Rcksicht zu nehmen und eigene Bedrfnisse zurckzustellen. Sie geraten unter Druck und reagieren mit Gewalt. Langeweile: Manche gewaltttige Kinder und Jugendliche suchen in Gewaltakten Abwechslung vom Alltag oder sogar einen emotionalen Rauschzustand. Gewalt stellt gewissermassen ein Freizeitvergngen dar. Die betreffenden Tterinnen und Tter verfgen oft ber eine usserst geringe Fhigkeit, sich in andere einzufhlen. 4.1.2. Konflikte und Gewalt: zwei Paar Schuhe Konflikte sind unvermeidlicher Bestandteil menschlichen Zusammen-
lebens. Wo Menschen aufeinander treffen, treffen frher oder spter auch unterschiedliche Bedrfnisse und Interessen aufeinander, es entstehen Konflikte. Im Gegensatz zu Konflikten ist Gewaltttigkeit vermeidbar. Konflikte sind per se weder positiv noch negativ. Ob sich ein Konflikt positiv oder negativ entwickelt, hngt davon ab, wie mit ihm umgegangen wird. Er kann eskalieren und zu gewaltttigen bergriffen fhren, z.B. wenn die Beteiligten sich gegenseitig unter
Druck setzen, beschimpfen oder an einer gemeinsamen Lsung gar nicht interessiert sind. Konstruktive Konfliktbehandlung beinhaltet die Chance zu mehr Toleranz und zu innovativer Problembewltigung. 4.1.3. Bedeutung der Konfliktfhigkeit Die Frderung der Konfliktfhigkeit bei Kindern und Jugendlichen ist ein zentraler prventiver Ansatzpunkt gegen Gewalt- und Disziplinprobleme. Wer konfliktfhig ist, kann eigene Bedrfnisse auch einmal zurckstellen und mit unangenehmen Situationen wie Meinungsverschiedenheiten oder Frustration gewaltfrei umgehen. Konfliktfhig sein heisst, unterschiedliche Ansichten und Bedrfnisse als solche zu akzeptieren. Das heisst auch aushalten zu knnen, dass es im sozialen Miteinander nicht immer harmonisch zugeht und man mit seinen eigenen Vorstellungen nicht berall auf positive Resonanz stsst. Konfliktfhigkeit beinhaltet die Bereitschaft zu gegenseitigen Zugestndnissen. Dazu gehrt, bei unterschiedlichen Ansichten die Standpunkte des Anderen nachzuvollziehen und nach Lsungen zu suchen, die fr alle Beteiligten befriedigend sind. Um konfliktfhig zu werden, bentigt man die Fhigkeit und den Willen, gemeinsame Regeln gewaltfrei auszuhandeln und einzuhalten. Konfliktfhigkeit impliziert soziale Sensibilitt und die Bereitschaft, Grenzen zu akzeptieren. Konfliktfhigkeit bedeutet schliesslich, auch in spannungsgeladenen Situationen ber gewaltfreie Handlungsalternativen zu verfgen. Ein konfliktfhiger Mensch kann die eigene Unzufriedenheit konstruktiv ussern, unerfllbare Wnsche relativieren und einen Zwist mit fairen Mitteln beilegen. 4.1.4. Glaubwrdigkeit der Erwachsenen bei der Prvention ein wichtiger Faktor Einer der wichtigsten Faktoren der Prvention von Jugendgewalt bzw. der pdagogischen Bemhungen bei Jugendlichen, in der Schule oder an der Lehrstelle, ist die Glaubwrdigkeit der Person, von der sie ausgehen. Um Kinder und Jugendliche zu gewaltfreiem Lernen und Handeln motivieren und anleiten zu knnen, muss der/die Betreffende selber zu Gewaltfreiheit fhig sein. Er/sie muss ber eine ausreichende Konfliktfhigkeit verfgen und aktiv vorleben, wie Konflikte gewaltfrei gelst werden knnen. Um diesem hohen Anspruch an Glaubwrdigkeit gerecht zu werden, brauchen Lehrpersonen spezifische Fhigkeiten wie Geduld, Ehrlichkeit, Sinn fr Gerechtigkeit, innere Klarheit und eine grundstzlich wohlwollende Haltung gegenber ihren Mitmenschen. 4.1.5. Die Eltern in die Prvention einbeziehen Glaubwrdig mssen aber auch die Eltern sein, denn das Elternhaus bt einen starken Einfluss auf die Lernbereitschaft und die Leistungsfhigkeit der Kinder und Jugendlichen sowie auf ihre Einstellung gegenber schulischen Regeln und ihren Umgang mit Konflikten aus. Darum ist die Beteiligung der Eltern bzw. der Erziehungsberechtigten fr die Umsetzung prventiver Ziele ein wichtiger Erfolgsfaktor. Bedeutsam ist vor allem aber auch, den Eltern immer wieder zu verdeutlichen, wie sehr sie das Verhalten ihrer Kinder positiv beeinflussen knnen.
Drei Ebenen der Gewalt am Beispiel Schule An den Schulen ussert sich Gewalt vorrangig auf drei Ebenen:
Gewalt gegen Sachen: z.B. wenn Schlerinnen und Schler fremdes Eigentum zerstren oder mittels Vandalismus die schulische Infrastruktur beschdigen. Gewalt unter Schlerinnen und Schlern: z.B. wenn Schlerinnen und Schler Mitschler beschimpfen, verprgeln oder mittels Drohungen und Erpressungen zu Handlungen zwingen. Gewalt in der Beziehung zwischen dem schulischen Personal und Schlerinnen und Schlern: z.B. wenn eine Lehrperson eine Schlerin oder einen Schler systematisch benachteiligt, vor der Klasse blossstellt oder gar schlgt oder, umgekehrt, wenn Schlerinnen und Schler eine Lehrperson oder den Hauswart ttlich oder verbal angreifen. 4.1.7. Gewalt im ffentlichen Raum Der Gewalt im ffentlichen Raum gilt im Rahmen dieses Massnahmenplans besondere Aufmerksamkeit. Denn aggressives Verhalten oder Gewalt von Jugendlichen im ffentlichen Raum tragen in erheblichem Mass zum Gefhl der Unsicherheit und der Angst in der Bevlkerung bei. Zudem stehen die kantonalen und die stdtischen Polizeikorps bei der Gewalt im ffentlichen Raum immer wieder vor neuen Herausforderungen. Im Zusammenhang mit der Gewalt im ffentlichen Raum sind die Aspekte Littering, Wegweisung aus dem ffentlichen Raum, Sachbeschdigung, Hooliganismus und Graffiti angemessen zu bercksichtigen. Dies wird Aufgabe des noch zu bildenden Expertengremiums sein.
Siehe dazu: Nationales Forschungsprogramm NFP 40 Gewalt im ffentlichen Raum und organisierte Kriminalitt, Themenbereich Gewalt im ffentlichen Raum: www.nfp40.ch/projekte/3_gewalt_oeffentlich/default.html Zum Thema Hooliganismus und Rassismus verweisen wir auf das Nationale Forschungsprogramm NFP 40+ Rechtsextremismus, www.nfp40plus.ch. Forschende aus diesem Programm sollten bei der Bildung des Fachgremiums bercksichtigt werden.
Zahlen zur Wohnbevlkerung, zu Jugendlichen als Opfer und Tter von Gewaltdelikten und zum Anteil auslndischer Staatsangehriger, die in der Schweiz leben
Stndige Wohnbevlkerung in der Schweiz per 31.12.2005 In der Schweiz leben rund 7,51 Mio. Personen (BFS 2007). Davon sind rund 1,63 Mio. Kinder und Jugendliche im Alter von 0 bis 18 Jahren (21,7% der Gesamtbevlkerung). 2,02 Mio. der Gesamtbevlkerung sind im Alter von 20 bis 39 Jahren (26,9% der Gesamtbevlkerung) Auslndische Staatsangehrige machen rund 20,6% der Wohnbevlkerung aus.
Quelle: ESPOP, BFS 6
Minderjhrige als Opfer und Tter von Gewaltdelikten Die unten vorgestellten Ergebnisse des Bundesamtes fr Statistik (BFS) stammen aus der Opferhilfestatistik7, der Polizeilichen Kriminalstatistik 8 und der Jugendstrafurteilsstatistik 9 fr die Jahre 1999 bis 2005. 2005 bestand bei 78% der Beratungen von minderjhrigen Gewaltopfern (N=1873) eine Beziehung zwischen Opfer und der tatverdchtigen Person. Bei 55% der Beratungen handelte es sich um eine familire Beziehung. Im Jahr 2005 betrug der Anteil Minderjhriger an der Gesamtheit der Tatverdchtigen, die laut Polizeilicher Kriminalstatistik wegen eines Gewaltdeliktes (N=20663) registriert worden waren, bei 15% (N=2987). Der Anteil der Minderjhrigen, die eines Gewaltdeliktes verdchtigt wurden, lag gemessen an der Gesamtheit der verdchtigten Minderjhrigen bei 27%. 2005 betrafen 16% aller in der Jugendstrafurteilsstatistik registrierten Strafurteile Gewaltdelikte (N=2268). Es handelte sich dabei jedoch hauptschlich um minder schwere Gewaltdelikte (einfache Krperverletzung, Ttlichkeiten und Drohungen). Die strkste Zunahme bei den von Minderjhrigen begangenen Gewaltstraftaten betrifft in der grossen Mehrheit Straftaten, die nur auf Anzeige des Opfers verfolgt werden knnen. Dieser Anstieg geht zu ber 80% auf einfache Krperverletzungen, Ttlichkeiten und Drohungen zurck. Eine nderung des Anzeigeverhaltens kann insofern teilweise zu dieser Entwicklung beigetragen haben. Zudem scheint die Entwicklung der ausgesprochenen Sanktionen fr Gewaltstraftaten darauf hinzuweisen, dass die Schwere der Straftaten nicht zugenommen hat. So haben die Anteile der unbedingten Einschliessungen (1999: 4%, 2005: 3%) wie auch die Unterbringungen in einem Erziehungsheim nicht zugenommen (1999: 4%, 2005: 4%).
Quelle: Bundesamt fr Statistik (BFS), www.bfs.admin.ch/bfs/portal/de/index/themen/19/04/02/02/02.html
Stndige auslndische Wohnbevlkerung nach Staatsangehrigkeit per 31.12.2006: 1,55 Mio. Personen 87% der stndigen auslndischen Wohnbevlkerung der Schweiz besitzen die Staatsangehrigkeit eines europischen Staates; mehr als die Hlfte (68%) die eines Mitgliedstaates der EU oder der EFTA. Italienische Staatsangehrige stellen weiterhin die strkste Auslndergruppe (18,3%). Es folgen Staatsangehrige aus Serbien und Montenegro (12,3%), Portugal (11,2%) und Deutschland (11,2%). Die Verschiebung zu Gunsten geografisch weiter entfernter Herkunftslnder setzt sich fort. Der Anteil der Staatsangehrigen eines aussereuropischen Landes ist seit 1980 um 7 Prozentpunkte auf knapp 13,5% gestiegen. Die Auslnderzahl war im 20.Jahrhundert grossen Schwankungen unterworfen und abhngig von der wirtschaftlichen und politischen Situation. Bereits 1910 wies die Schweiz einen Auslnderanteil von 14,7% auf ein Wert, der erst 1967 wieder berschritten wurde. Mit Ausnahme eines Einbruchs in den Jahren 19751979 und einem weiteren leichten Rckgang 1983 stieg der Auslnderanteil in der Folge stetig an und betrug Ende 2005 20,7%. Die Schweiz gehrt zu den europischen
Lndern mit den hchsten Auslnderanteilen. Dies ist in erster Linie eine Folge von grossen Einwanderungswellen, der restriktiven Einbrgerungspolitik sowie der hohen Geburten- und niedrigen Sterbeziffer der auslndischen Bevlkerung.
Quelle: Bundesamt fr Statistik (BFS), www.bfs.admin.ch/bfs/portal/de/index/themen/01/02/blank/key/auslaendische_bevoelkerung/ staatsangehoerigkeit.html
Straftaten im Spiegel amtlicher Statistiken Die nachfolgenden Zahlen stammen aus dem Bericht 2006 der Polizeilichen Kriminalstatistik PKS des Bundesamtes fr Polizei, der im Juni 2007 verffentlicht wurde. Die Gesamtzahl der erfassten Straftaten ging im Zeitraum von 1997 bis 2006 von 338000 auf 288000 zurck. Die Gesamtzahl der erfassten Straftaten ist im Jahr 2006 gegenber dem Vorjahr wiederum gesunken. Im Jahr 2006 wurden insgesamt 288156 Straftaten angezeigt, was einem Rckgang von 5% entspricht (15114 Meldungen). Der Prozentanteil der ermittelten minderjhrigen Tatverdchtigen ging im Zeitraum von 1997 bis 2006 von 21,2% auf 19,8% zurck. Im Vorjahr lag der Anteil allerdings bei 17,9% eine Zunahme also von rund 2%. Der Prozentanteil der ermittelten auslndischen Tatverdchtigen ging im Zeitraum von 1997 bis 2006 von 51,5% auf 49,4% zurck. Alarmierend ist die Zunahme der vorstzlichen Krperverletzungen: Sie nahm im Zeitraum von 1997 bis 2006 von 4415 auf 9272 Flle zu. Die Zahl der Vergewaltigungen stieg im Zeitraum von 1997 bis 2006 von 370 auf 639 an. Der Prozentanteil der erfassten Straftaten nach Strafgesetzbuch pro 1000 Einwohner ging im Zeitraum von 1997 bis 2006 von 47,6% auf 38,4% zurck. Rckgnge gegenber dem Vorjahr sind feststellbar bei Erpressungen (24,6%), Betrug (13,9%), Geldwscherei/mangelnder Sorgfalt bei Finanzgeschften (12,3%), Diebstahl (ohne Fahrzeuge) (7,3%), vorstzlichen Ttungsdelikten (2,9%), Fahrzeugdiebstahl (2,6%) und Vergewaltigung (1,1%). Zunahmen gegenber dem Vorjahr sind insbesondere bei den Krperverletzungen (+14,5%), vorstzlicher Brandstiftung (+11,2%), Ntigung (+11%), Freiheitsberaubung und Entfhrung (+10,1%), Drohungen (+8,6%) und Gewalt und Drohungen gegen Behrden und Beamte (+7,3%), sowie Raub (+3,1%), Veruntreuung (+2,2%) und anderen Delikten gegen die sexuelle Integritt (+0,9%) zu verzeichnen. 49,4% der Tatverdchtigen waren auslndische Staatsbrgerinnen und -brger, was im Vergleich zu den Vorjahren einem Rckgang entspricht. Von den auslndischen Tatverdchtigen hatten 79,8% eine Kontaktadresse in der Schweiz.
Quelle: Bundesamt fr Polizei, www.fedpol.ch
Gewalt und Nationalitt im Spiegel amtlicher Statistiken Die Polizeiliche Kriminalstatistik enthlt nur unzureichende Daten zur Nationalitt und zum Aufenthaltsstatus der Tatverdchtigen. Dazu gehrt, dass keine Informationen zur Staatsangehrigkeit, zum Aufenthaltsstatus (z.B. Niedergelassene, Jahresaufenthalter, Asylsuchende), zum Alter oder zum Geschlecht der auslndischen Tatverdchtigen aufgefhrt werden. Seit 1988 wird einzig zwischen Auslndern mit und ohne Wohnsitz in der Schweiz unterschieden, wobei nicht weiter spezifiziert wird, welches Wohnsitzkriterium zugrunde gelegt wird. Der Anteil der auslndischen Tatverdchtigen mit Wohnsitz in der Schweiz an allen in der Schweiz wohnhaften Tatverdchtigen hat seit 1988 allerdings deutlich zugenommen (Periode 19882004).
Tabelle 4 Anteil auslndische Tatverdchtige mit Wohnsitz in der Schweiz Ttungsdelikte 1988 1994 2004 30% 41% 47% Krperverletzung 38% 48% 53% Raub 31% 38% 57% Drohung 36% 48% 50% Vergewaltigung 51% 59% 62%
Quelle: Bundesamt fr Statistik, Polizeiliche Kriminalstatistik, aus: Prvention von Jugendgewalt. Wege zur evidenzbasierten Prventionspolitik. 2006, Eidgenssische Auslnderkommission EKA, Bern
Die Daten lassen einen erheblichen Anstieg des Anteils auslndischer Tter im Verlauf der vergangenen 15 Jahre erkennen. Heute sind bei Gewaltdelikten zwischen 47% und 62% der Tatverdchtigen auslndischer Nationalitt. Unabhngig davon, ob man als Vergleichsgrsse die gesamte auslndische Gesamtbevlkerung (rund 21% der Wohnbevlkerung) oder nur die mnnliche Wohnbevlkerung im Alter von 15 bis 30 Jahren (rund 28% der Wohnbevlkerung) whlt, ergibt sich hieraus eine deutlich erhhte Belastung. 5.4.2. Nationalitt abgeurteilter jugendlicher Gewalttter, Durchschnitt 2001 bis 2003 Die Polizeiliche Kriminalstatistik lsst sich nicht nach der Nationalitt der jugendlichen Tatverdchtigen aufschlsseln. Sie zeigt aber, dass im Durchschnitt der Jahre 2001 bis 2003 rund 40% aller Urteile ber Gewalttatstrafen gegen Jugendliche schweizerischer Nationalitt ergingen. 57% betrafen auslndische Jugendliche mit Wohnsitz in der Schweiz. Vergleicht man diese Daten mit der Verteilung der Wohnbevlkerung der Schweiz, ergibt sich eine berbelastung um das Drei- bis Vierfache.
Tabelle 5 Nationalitt abgeurteilter jugendlicher Gewalttter, Durchschnitt 2001 bis 2003 Vorstzliche KrperTtung verletzung Schweizer 54% 38% 60% Auslnder* 39% Raub 36% 62% Erpressung 34% 62% Drohung und Ntigung 45% 53% Freiheitsberaubung 38% 49%
* mit Wohnsitz in der Schweiz
Straftaten gegen sex. Integritt Schweizer 37% Auslnder* 62% * mit Wohnsitz in der Schweiz
Landfriedensbruch 67% 33%
Gewalt gegen Behrden/Beamte 46% 45%
Alle Urteile mit Gewaltstraftaten 41% 57%
Quelle: Schweizerische Statistik der Jugendstrafurteile, aus: Prvention von Jugendgewalt. Wege zur evidenzbasierten Prventionspolitik. 2006, Eidgenssische Auslnderkommission EKA, Bern
Herkunft und soziale Lage: Gewalt von Jugendlichen mit Migrationshintergrund Die Aufschlsselung der amtlichen Statistik in Schweizer und Auslnder folgt einem formalen rechtlichen Kriterium: dem Besitz des Schweizer Passes. Diese Klassifikation suggeriert eine irrefhrende Dichotomie10, gibt bekanntermassen fremdenfeindlichen Strmungen Aufschub und ist analytisch unbrauchbar. Um besser zu verstehen, was sich hinter den amtlichen Daten verbirgt, muss eine genauere Analyse geleistet werden. Gerade der Zusammenhang zwischen Migrationserfahrungen und sozialem Hintergrund muss prziser betrachtet werden. Die Eidgenssische Kommission fr Auslnderfragen (EKA) tat das anhand der Daten der Zrcher Jugendbefragung (Eisner, Manzoni, Ribeaud), die allerdings aus dem Jahr 1999 stammen. Die Jugendbefragung eignet sich gut, um das zentrale Problem zu umreissen.
Tabelle 6 Selbstberichtete Gewalt nach Nationalitt, 15-jhrige Jugendliche im Kanton Zrich, 1999 Im letzten Jahr Gewalt ausgebt Schweiz Westl. Industriestaaten Ehem. Jugoslawien Andere Sdeuropa Italien Trkei 12% 8% 18% 22% 24% 25% Kein eigenes Zimmer 6% 5% 43% 28% 18% 40% Keine Berufsausbildung des Vaters 2% 2% 28% 40% 34% 60% Kein Schulabschluss der Mutter < 1% < 1% 12% 12% 11% 25%
Quelle: Zrcher Jugendbefragung, Eisner, Manzoni, Ribeaud (2000), aus: Prvention von Jugendgewalt. Wege zur evidenzbasierten Prventionspolitik 2006, Eidgenssische Auslnderkommission EKA, Bern
Die Gewaltbelastung hngt mit der sozialen Lage und den Lebenserfahrungen der immigrierten Gruppen zusammen. Die Auswertungen zeigen, dass es bezglich der Gewaltausbung keine generelle bervertretung von Jugendlichen mit Migrationshintergrund gibt. Jugendliche deren Eltern aus westlichen Industriestaaten in die Schweiz gekommen sind (vor allem aus Deutschland, sterreich, USA meistens mit hoher Bildung und hohen beruflichen Qualifikationen), haben eine geringere Belastung als schweizerische Jugendliche. Hingegen weisen Jugendliche, deren Eltern oft mit wenig Bildung aus dem ehemaligen Jugoslawien, aus Italien, der Trkei und anderen
sdeuropischen Staaten (Spanien, Portugal, Griechenland) in die Schweiz gekommen sind, eine erhhte Belastung auf. Die Tabelle vermittelt ausserdem einen Eindruck davon, wie stark sich die Lebenserfahrungen und die familiren Hintergrnde dieser Gruppen unterscheiden. Beispielsweise haben 40% der trkischen Jugendlichen kein eigenes Zimmer, whrend dies nur bei 6% der schweizerischen Jugendlichen der Fall ist. 60% der trkischen Vter hatten keine Berufsausbildung und 25% der Mtter keinen Schulabschluss beides Phnomene, die Schweizer Jugendliche praktisch nicht aus eigener Familienerfahrung kennen. Es gibt einen deutlichen Zusammenhang zwischen der sozialen Lage von Migrantinnen und Migranten und der Manifestation von Gewalt von Jugendlichen, die aus solchen sozialen Verhltnissen stammen.
National- und Stnderat: Parlamentarische Initiativen, Postulate und Interpellationen zum Thema Jugendgewalt von 1992 bis 2007
Nachfolgend eine bersicht der erledigten bzw. hngigen parlamentarischen Initiativen, Postulate und Interpellationen seit dem Jahr 1992.
Noch nicht behandelt 07.402 Pa.Iv. Amherd: Verfassungsgrundlage fr ein Bundesgesetz ber die Kinder- und Jugendfrderung sowie ber den Kinder- und Jugendschutz Eingereicht im Nationalrat, Stand der Beratung: Im Plenum noch nicht behandelt 07.3519 Mo. Savary: Nationales Forschungsprogramm zur Jugendgewalt Eingereicht im Nationalrat; Stand der Beratung: Im Plenum noch nicht behandelt 07.3485 Mo. Allemann: Nationale Konferenz gegen Jugendgewalt Eingereicht im Nationalrat, Stand der Beratung: Im Plenum noch nicht behandelt 07.3040 Po. Amherd: Neue Architektur der inneren Sicherheit und Verstrkung der Polizeikorps Eingereicht im Nationalrat, Stand der Beratung: Im Plenum noch nicht behandelt 07.3033 Mo. Amherd: Bundesgesetz ber die Kinder- und Jugendfrderung sowie den Kinder- und Jugendschutz Eingereicht im Nationalrat, Stand der Beratung: Im Plenum noch nicht behandelt 06.3647 Mo. Amherd: Jugendgewalt. Inpflichtnahme der Eltern Eingereicht im Nationalrat, Stand der Beratung: Im Plenum noch nicht behandelt 06.3645 Po. Amherd: Jugendgewalt. Strkung des Menschenrechts- und Grundrechtsbewusstseins Eingereicht im Nationalrat, Stand der Beratung: Im Plenum noch nicht behandelt 06.3140 Mo. Wobmann: Mehr Transparenz in der Auslnderkriminalitt Eingereicht im Nationalrat, Stand der Beratung: Im Plenum noch nicht behandelt 05.3294 Po. Sozialdemokratische Fraktion (Fraktion S): Stopp der Gewalt Eingereicht im Nationalrat, Stand der Beratung: Im Plenum noch nicht behandelt 32
Erledigt 06.3646 Po. Amherd: Jugendgewalt. Mehr Effizienz und Wirkung in der Prvention Eingereicht im Nationalrat, Stand der Beratung: Erledigt 06.3096 Ip. Darbellay: Zunahme der jugendlichen Delinquenz Eingereicht im Nationalrat, Stand der Beratung: Erledigt 06.3071 Ip. Dunant: Auslnderkriminalitt und Jugendgewalt durch Kenntnis der Fakten wirksamer bekmpfen Eingereicht im Nationalrat, Stand der Beratung: Erledigt 05.3157 Po. Donz: Nationale Wertediskussion Eingereicht im Nationalrat, Stand der Beratung: Erledigt 05.3027 Ip. Fraktion der SVP (Fraktion V): Immer mehr Kriminelle und Gewalttter. Hilft SIS? Eingereicht im Nationalrat, Stand der Beratung: Erledigt 05.432 Pa.Iv. Riklin: Einfhrung von Tagesschulen Eingereicht im Nationalrat, Stand der Beratung: Folge gegeben 04.5164 Fra. Wobmann: Gewalt jugendlicher Auslnder Eingereicht im Nationalrat, Stand der Beratung: Erledigt 04.3782 Ip. Gysin: Gewaltvermeidung bei Sportanlssen Eingereicht im Nationalrat, Stand der Beratung: Erledigt 04.1088 A Widmer: Verbindung der Begriffe Leitkultur und Nulltoleranz Eingereicht im Nationalrat, Stand der Beratung: Erledigt 03.3320 Mo. Schmied: Missstand bei der Jugend Eingereicht im Nationalrat, Stand der Beratung: Erledigt 03.3298 Po. Leuthard: Jugendgewalt Eingereicht im Nationalrat, Stand der Beratung: Erledigt 01.3451 Ip. Heim: Mit Gewalttaten Probleme lsen? Eingereicht im Nationalrat, Stand der Beratung: Erledigt 01.3445 Ip. Hess: Zunehmende Gewaltanwendung durch Auslnder Eingereicht im Nationalrat, Stand der Beratung: Erledigt 92.5152 Fra. Keller Rudolf: Zunehmende Jugendkriminalitt und Jugendgewalt Eingereicht im Nationalrat, Stand der Beratung: Erledigt
Quelle: Parlamentarische Geschftsdatenbank, www.parlament.ch/su-curia-vista.htm
Der Bericht Jugendgewalt des EJPD, 29.06.2007
Mit einem Massnahmenpaket will das Eidg. Justiz- und Polizeidepartement (EJPD) einen Beitrag leisten, um in seinem Zustndigkeitsbereich gezielt und koordiniert gegen die Jugendgewalt vorzugehen. Nach der berarbeitung des Berichts im Lichte der Stellungnahmen werden die zustndigen Bundesmter des EJPD die vorgeschlagenen Massnahmen umsetzen. Die schweren Straftaten von Jugendlichen, wie sie in den letzten Monaten vorgekommen sind, haben die Bevlkerung verunsichert. Der Vorsteher des Eidg. Justiz- und Polizeidepartements (EJPD), Bundesrat Christoph Blocher, hat das Phnomen Jugendgewalt nher untersuchen lassen. Er fhrte zu diesem Zweck zwei Brainstormings mit Fachleuten durch und beauftragte verschiedene Amtsstellen mit weiteren Abklrungen. Die Ergebnisse wurden in einem Bericht zusammengefasst, der das Ausmass und die Ursachen der Jugendgewalt untersucht und konkrete Massnahmen vorschlgt. Die interessierten Kreise hatten bis Ende August 2007 Zeit, ihre Stellungnahmen beim Eidg. Justiz- und Polizeidepartement einzureichen. Fr den SKP-Massnahmenplan von Bedeutung sind zwei Projekte aus dem Bericht: Die Verbesserung des Wissensstands ber sog. Intensivtter (S. 30f) und die Initiierung regelmssiger Dunkelfeldforschung (S. 44).
Quelle: Eidgenssisches Justiz- und Polizeidepartement (EJPD), Massnahmenpaket gegen die Jugendgewalt, www.ejpd.admin.ch/ejpd/de/home/dokumentation/mi/2007/2007-06-29.html
Die Konferenz der kantonalen Justiz- und Polizeidirektorinnen und direktoren (KKJPD) und die Schweizerische Kriminalprvention (SKP)
Die KKJPD Die KKJPD ist ein Verein nach Art. 60 ff ZGB mit Sitz in Bern. Er bezweckt die Zusammenarbeit der Kantone unter sich, mit dem Bund und mit anderen wichtigen Organisationen auf dem Gebiet des Justiz- und Polizeiwesens. Die KKJPD umfasst die fr die Bereiche Justiz und Polizei zustndigen kantonalen Regierungsmitglieder. Als Instrument des Fderalismus dient die Konferenz der Zusammenarbeit der Kantone untereinander, mit dem Bund und mit anderen wichtigen Organisationen in den erwhnten Politikbereichen. Die Beschlsse der KKJPD werden auf Antrag des Vorstandes von der zweimal jhrlich tagenden Mitgliederversammlung gefasst. Unter anderem werden einheitliche Lsungen zu Fragestellungen aus dem Zustndigkeitsbereich der Kantone angestrebt, gemeinsame Strategien ausgearbeitet und Stellungnahmen zu Umfragen des Bundes verfasst. Mit ihren Entscheidungen tangiert die KKJPD die verfassungsmssigen Zustndigkeiten der Kantone nicht. Oft haben die Beschlsse auch den Charakter von Empfehlungen, d.h. sie sind fr die Kantone nicht rechtsverbindlich.
Der Vorstand der KKJPD besteht aus sieben Mitgliedern. Sie werden von der Mitgliederversammlung gewhlt, wobei die verschiedenen Landesgegenden und -sprachen angemessen zu bercksichtigen sind. Untersttzt werden Konferenz, Vorstand und Prsident der KKJPD vom Generalsekretariat KKJPD mit Sitz in Bern. Zur Vorbereitung von Stellungnahmen und Vernehmlassungen, zur Ausarbeitung von Empfehlungen und als Kontaktstellen fr die entsprechenden Fachmter des Bundes bestehen vier stndige Kommissionen: 1. 2. 3. 4. Kommission fr Strafvollzug und Anstaltswesen (Neunerausschuss) Interkantonale Kommission fr den Strassenverkehr Kommission Schweizerische Kriminalprvention Kommission fr organisierte Kriminalitt und Wirtschaftskriminalitt
Siehe dazu: www.kkjpd.ch
Die SKP Die SKP ist eine nationale Fachstelle, die von der Konferenz der kantonalen Justizund Polizeidirektorinnen und -direktoren (KKJPD) getragen wird. Sie entwickelt und realisiert u.a. Informations- und Prventionskampagnen zur Kriminalprvention. Die SKP hat ihren Sitz in Neuenburg. Der SKP stehen folgende Gremien zur Seite: die Leitungskommission (fnf Regierungsrtinnen und -rte, Geschftsleiter SKP) die Projektkommission (Kommandanten und Kripochefs aller Polizeikonkordate) die Fachkommission (Prventions- und Medienbeauftragte aller Polizeikonkordate) die Kampagnenkommission (Expertinnen und Experten zur jeweiligen Kampagne) Gemss ihrem Leitbild ist die SKP einem gesamtgesellschaftlichen Prventionsverstndnis verpflichtet. Nach diesem Verstndnis umfasst Kriminalprvention die Gesamtheit aller staatlichen und privaten Bemhungen, also nicht nur diejenigen der Polizei, sondern auch diejenigen der Politik, der Entscheidungstrgerinnen und -trger auf Bundes-, Kantons- und Gemeindeebene und der Behrden, der nichtstaatlichen Organisationen sowie der Wirtschaft und der Medien. Die Aufgaben der SKP umfassen die Erarbeitung von thematischen Informations- und Prventionskampagnen die Erarbeitung von Prventions- und Informationsmaterialien die Vernetzung der Polizei mit ihren Kooperationspartnern die Beratung, die Aus- und Weiterbildung polizeilicher Stellen sowie die Zusammenarbeit mit Universitten und Fachhochschulen
Siehe dazu: www.skppsc.ch
Der Auftrag an die SKP und das Vorgehen bei der Erarbeitung des Grob- und Detailkonzepts Diskussion mglicher Kampagnenthemen, September 2006 Die Schweizerische Vereinigung der Kripochefs (SVKC) stellte an ihrer Herbsttagung im September 2006 eine Liste mit mglichen SKP-(Kampagnen-)Themen fr das Jahr 2008 zusammen. Diskutiert wurden die Themen Hooliganismus11, Internetkriminalitt12 (auch Cybercrime genannt) und Jugend und Gewalt. An der Sitzung der Kommandanten und der Kripochefs aller Polizeikonkordate im Oktober 2006 wurden diese drei Themen nochmals intensiv diskutiert. Es zeichnete sich dabei aber schnell ab, dass das Thema Hooliganismus zur Vorbereitung auf die Fussball-Europameisterschaft EM 2008 in der Schweiz von der SKP nicht mehr zeitgerecht bearbeitet werden konnte. Zudem widmet sich das Teilprojekt Sicherheit der Projektorganisation EURO 2008 gezielt diesem Problembereich. Deshalb wurde von einer Entscheidung fr dieses Thema abgerckt. Dem Thema Internetkriminalitt sollte in der Prventionsarbeit ebenfalls ein hoher Stellenwert zukommen, da die Deliktsumme von Jahr zu Jahr hher wird. Die Anbieter von Auktions-Websites sind jedoch schon mit Prventionsinformationen prsent. Zudem wird eine Zusammenarbeit zwischen Privaten und der SKP angestrebt. Vorstellen des Grobkonzepts im Februar 2007 und Entscheid ber das Detailkonzept im September und Oktober 2007 In der Diskussion einigte sich die Projektkommission, bestehend aus Vertretern der Kommandanten und Kripochefs aller Polizeikonkordate, auf die Empfehlung, die SKP solle ab 2008 im Bereich Jugend und Gewalt mit Prventionsmassnahmen bzw. einer Informationskampagne ttig werden und das Konzept im Jahr 2007 erarbeiten. Im Mrz 2007 stellte die Geschftsstelle der SKP das Grobkonzept der mglichen Kampagne an der Sitzung der Projekt- und Leitungskommission vor. Von beiden Gremien wurde es gutgeheissen. Erst nach der Diskussion und Genehmigung des Detailkonzepts durch die Projektkommission im September 2007 und durch die Leitungskommission, die aus fnf Regierungsrtinnen und -rten besteht RR Yvonne Schrli-Gerig, LU, Prsidentin; RR Jean Studer, NE; RR Alois Christen, SZ; RR Jean-Ren Fournier, VS; RR Guy Morin BS und im Oktober 2007 tagt, wird ber das Detailkonzept abschliessend beraten. ber die Stossrichtung und ber die Umsetzung des Massnahmenplans entscheidet die KKJPD anlsslich ihrer Herbstkonferenz im November 2007. Mit der Erarbeitung geeigneter Massnahmen beginnt die SKP im Januar 2008. Wichtige Aspekte bei der Erarbeitung des Konzepts und der Massnahmen Die Erarbeitung der Massnahmen erfolgt unter Bercksichtigung von Massnahmen zur Verhltnisprvention (Sozialprvention) und der Verhaltensprvention (Individualprvention). Die Erarbeitung der Massnahmen erfolgt weiter mit einem spezifischen Blick auf die polizeiliche Kriminalprvention und dabei besonders auf das Zusammenspiel von Repression und Prvention.
Zahlreiche kantonale und stdtische Polizeikorps haben das Thema Jugend und Gewalt bereits als einen ihrer Schwerpunkte fr die polizeiliche Kriminalprvention gewhlt, die Wichtigkeit des Themas ist allgemein anerkannt. Neben den Massnahmen im Repressionsbereich muss aber auch die Prvention weitergefhrt werden. Darunter versteht die SKP u.a. die Erziehung Jugendlicher zur Konfliktfhigkeit und zur Gewaltfreiheit. Auch die Eskalationsverhinderung gehrt mit dazu. Die Situationsanalyse Die Situationsanalyse bzw. die Umfrage bei den kantonalen Polizeikorps und den kantonalen Erziehungs- und Sozialdirektionen war integraler Bestandteil des weiteren Vorgehens. Die Resultate der Umfrage dienen als Grundlage fr die Erarbeitung des Detailkonzepts. Ziel der Umfrage bei den drei oben genannten Gruppen war es, in Erfahrung zu bringen, welche Prventionsaktivitten stattgefunden haben, stattfinden oder geplant sind. Dazu wurde den Kommandanten der 30 Polizeikorps und den Vorsteherinnen und Vorstehern der 26 Erziehungs- und Sozialdirektionen ein Fragebogen, bestehend aus 8 Fragen zugeschickt. Nebst einem detaillierten Begleitschreiben wurden dem Versand auch Leitbild und Konzept der SKP beigelegt. Mehr Informationen dazu in Kapitel 9 dieses Konzepts.
Документы, похожие на «SKP-Massnahmenplan 2008, nur Teil 1»
Todesermittlungen - Unterrichtebegleitende Präsentation 2010 - U.Steinert
92 LPA Arzt Appr Antrag NonEU
Mahmoud Hamad Elneel
Die Geschichte der Mafia in Las Vegas, der Stadt der S?nde
Tod Sterben Ableben Mord Leiche Leichnam Obduktion Gericht