Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Gericht=OVG%20Hamburg&Datum=05.06.2012&Aktenzeichen=1%20Bs%2098/12
Timestamp: 2019-07-20 21:06:34
Document Index: 131957366

Matched Legal Cases: ['§ 35', '§ 35', '§ 39', '§ 35', '§ 39', '§ 53', '§ 53', '§ 36', '§ 41', '§ 41', '§ 53', '§ 25', '§ 37', '§ 38', '§ 39']

OVG Hamburg, 05.06.2012 - 1 Bs 98/12 - dejure.org
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OVG Hamburg, 05.06.2012 - 1 Bs 98/12 (https://dejure.org/2012,18135)
OVG Hamburg, Entscheidung vom 05.06.2012 - 1 Bs 98/12 (https://dejure.org/2012,18135)
OVG Hamburg, Entscheidung vom 05. Juni 2012 - 1 Bs 98/12 (https://dejure.org/2012,18135)
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Einstweilige Anordnung mit dem Ziel des Hinausschieben des gesetzlichen Ruhestandes
Zu den Voraussetzungen für das Hinausschieben des Ruhestandes einer Oberstaatsanwältin nach § 35 Abs. 4 HmbBG
HmbBG § 35
Gerichtliche Prüfung der Vereinbarkeit von dienstlichen Interessen mit dem Hinausschieben des Ruhestands unter Beachtung des Organisationsrechts des Dienstherrn
VG Hamburg, 05.04.2012 - 20 E 318/12
DÖV 2012, 12
Zu Leitsatz 2: Vergleiche BVerwG, Urteil vom 29.04.2004 - 2 C 21/03 - BVerwGE 120, 382-388, zu "dienstlichen Belangen"; VGH Mannheim, Urteil vom 20.03.2007 - 4 S 1699/05 - IÖD 2007, 254-257; OVG Hamburg, Beschluss vom 05.06.2012 - 1 Bs 98/12 - IÖD 2012, 244-247; OVG Münster, Beschluss vom 06.06.2012 - 6 B 522/12 - DÖD 2012, 206-208; OVG Schleswig, Beschluss vom 23.08.2010 - 3 MB 18/10 -.
Der Übergang von einer "Kann"-Bestimmung zur Normierung einer gebundenen Entscheidung lässt ohne Weiteres auf die Begründung bzw. Bekräftigung einer - ggf. bereits vorhandenen - subjektiv-öffentlichen Rechtsposition des Beamten schließen (vgl. dazu nunmehr auch Müller/Beck, Beamtenrecht in Baden-Württemberg, § 39 LBG, Stand: Mai 2012, RdNr. 4; Poguntke, DÖV 2011, 561, 566, Fn. 67; OVG Hamburg, Beschluss vom 05.06.2012 - 1 Bs 98/12 -, IÖD 2012, 244 zur zum 01.01.2015 in Kraft tretenden Neuregelung in § 35 Abs. 5 HmbBG i.d.F. vom 15.12.2009, HmbGVBl. 2009 S. 405; vgl. zur dort vorgesehenen Anspruchsbegründung auch Bürgerschafts-Ds. 19/3757 S. 64).
Diese Rechtsauffassung wird zu vergleichbar formulierten Gesetzesfassungen in anderen Bundesländern oder auch im Bund verbreitet geteilt (vgl. nur OVG Hamburg, Beschluss vom 05.06.2012 - 1 Bs 98/12 -, IÖD 2012, 244; OVG Nordrhein-Westfalen, Beschluss vom 06.06.2012 - 6 B 522/12 -, DÖD 2012, 206; Plog/Wiedow, BBG, § 39 LBG BW, Stand: Mai 2011, RdNr. 9 und § 53 BBG 2009, Stand: April 2011, RdNr. 0.3; Tegethoff, in: Kugele, BBG, § 53 RdNr. 6; Schäfer, ZBR 2009, 301; Poguntke, DÖV 2011, 561, 562 ff.; in der Tendenz befürwortend auch OVG Rheinland-Pfalz, Urteil vom 17.09.2004 - 2 B 11470/04 -, NVwZ-RR 2005, 52; offen gelassen von OVG Schleswig-Holstein, Beschluss vom 23.08.2010 - 3 MB 18/10 -, Juris; VG Freiburg, Beschluss vom 29.09.2010 - 1 K 1676/10 -, Juris).
12 Bei dem (negativen) Tatbestandsmerkmal der (entgegenstehenden) dienstlichen Interessen handelt es sich um einen unbestimmten Rechtsbegriff, der grundsätzlich der vollen gerichtlichen Überprüfung unterliegt, ohne dass dem Dienstherrn insoweit ein Beurteilungsspielraum zusteht (vgl. hierzu und zum Folgenden BVerwG, Urteil vom 29.04.2004 - 2 C 21.03 -, BVerwGE 120, 382, zu "dienstlichen Belangen"; Senatsurteil vom 20.03.2007 - 4 S 1699/05 -, IÖD 2007, 254; OVG Hamburg, Beschluss vom 05.06.2012, a.a.O.; OVG Nordrhein-Westfalen…, Beschluss vom 06.06.2012, a.a.O.; OVG Schleswig-Holstein…, Beschluss vom 23.08.2010, a.a.O.).
vgl. BVerwG, Urteil vom 29. April 2004 - 2 C21.03 -, BVerwGE 120, 382 = ZBR 2004, 393 = juris, Rn. 10 f. (zum Begriff der "dringenden dienstlichen Belange" bei der Altersteilzeit); Hamburgisches OVG, Beschluss vom 5. Juni 2012 - 1 Bs 98/12 -, ZBR 2013, 54 = juris, Rn. 9, m. w. N.; OVG NRW, Beschlüsse vom 18. April 2013 - 1 B 202/13 -, IÖD 2013, 175 = NVwZ-RR 2013, 893 = juris, Rn. 8 f., und vom 22. April 2013 - 6 B 277/13 -, juris, Rn. 14.
vgl. BVerwG, Urteil vom 29. April 2004 - 2 C21.03 -, BVerwGE 120, 382 = ZBR 2004, 393 = juris, Rn. 10 f. (zum Begriff der "dringenden dienstlichen Belange" bei der Altersteilzeit); Hamburgisches OVG, Beschluss vom 5. Juni 2012 - 1 Bs 98/12 -, ZBR 2013, 54 = juris, Rn. 9, m. w. N.; OVG NRW, Beschluss vom 18. April 2013 - 1 B 202/13 -, IÖD 2013, 175 = NVwZ-RR 2013, 893 = juris, Rn. 8 f.
Da das (weitere) Ansteigen des Durchschnittsalters bzw. des Anteils älterer Beamter eine Folge darstellt, welche mit dem Hinausschieben des Ruhestandes typischerweise verbunden ist, kommt dieser Aspekt nach den oben angeführten Maßstäben - jedenfalls im Grundsatz - als entgegenstehendes dienstliches Interesse nicht in Betracht (vgl. auch Hamb. OVG, Beschluss vom 5.6.2012 - 1 Bs 98/12 -, juris Rn. 10; OVG NRW…, Beschluss vom 6.6.2012, a. a. O., Rn. 22; OVG NRW…, Beschluss vom 29.5.2013, a. a. O., Rn. 20).
Das Interesse an einer ausgeglichenen Altersstruktur kann allenfalls dann das Gewicht eines entgegenstehenden dienstlichen Interesses erreichen, wenn einer besonders ungünstigen Altersstruktur entgegengewirkt werden soll (Hamb. OVG, Beschluss vom 5.6.2012, a. a. O., Rn. 10; OVG NRW…, Beschluss vom 6.6.2012, a. a. O., Rn. 25).
Denn der Umstand, dass eine sonst zur Verfügung stehende Beförderungsmöglichkeit einstweilen blockiert wird bzw. dass sich die berufliche Weiterentwicklung eines potentiellen (regelmäßig jüngeren) Nachfolgers verzögert, stellt ebenfalls eine typische Folge des Hinausschieben des Ruhestandes eines älteren Beamten dar und wird daher vom Gesetzgeber, der die Vorschrift des § 36 Abs. 1 Satz 1 NBG als gebundenen Rechtsanspruch des eine Hinausschiebung des Ruhestandes beantragenden Beamten ausgestaltet hat, gerade in Kauf genommen (vgl. auch Hamb. OVG, Beschluss vom 5.6.2012, a. a. O., Rn. 10; OVG NRW…, Beschluss vom 6.6.2012, a. a. O., Rn. 22).
Dass die Antragsgegnerin hier einer besonders angespannten Beförderungs- bzw. Nachbesetzungssituation hat entgegenwirken wollen (vgl. Hamb. OVG, Beschluss vom 5.6.2012, a. a. O., Rn. 10), wird mit der Beschwerde nicht dargetan.
vgl. BVerwG, Urteil vom 29. April 2004 - 2 C 21.03 -, BVerwGE 120, 382 = ZBR 2004, 393 = juris, Rn. 10 f. (zum Begriff der "dringenden dienstlichen Belange" bei der Altersteilzeit); Hamburgisches OVG, Beschluss vom 5. Juni 2012 - 1 Bs 98/12 -, ZBR 2013, 54 = juris, Rn. 9, m.w.N.; Lemhöfer, a.a.O., BBG a.F. § 41 Rn. 4c (zu der Regelung des § 41 Abs. 2 BBG a.F., welcher heute inhaltlich im Wesentlichen § 53 Abs. 1 BBG entspricht).
Zu berücksichtigen ist hier allerdings, dass sowohl die Ablehnung der begehrten Anordnung als auch eine Stattgabe eine rechtliche bzw. tatsächliche Vorwegnahme der Hauptsache darstellten, weil einerseits nach dem Eintritt in den gesetzlichen Ruhestand wegen Erreichens der Altersgrenze (hier zum 31. Juli 2017, vgl. § 25 Beamtenstatusgesetz - BeamtStG - i.V.m. § 37 Abs. 1 Satz 3 Landesbeamtengesetz - LBG) ein Hinausschieben nicht mehr in Betracht kommt (vgl. BVerwG, Beschluss vom 21. Dezember 2011 - 2 B 94.11 -, juris Rn. 14; HambOVG, Beschluss vom 5. Juni 2012 - 1 Bs 98/12 -, juris Rn. 6; VGH BW…, Urteil vom 11. Juni 2013 - 4 S 83/13 -, juris Rn. 21; OVG RP, Beschlüsse vom 18. Oktober 2005 - 2 B 11242/08.OVG - und vom 2. November 2009 - 2 B 10868/09.OVG -) und andererseits aufgrund der in § 38 Abs. 1 Satz 1 LBG maximal vorgesehenen Einzelverlängerung um ein Jahr eine abschließende Entscheidung in der Hauptsache in diesem Zeitraum nicht zu erwarten ist und die Folgen einer erlassenen Anordnung bei späterer Abweisung der Hauptsache nicht rückgängig gemacht werden könnten.
Andernfalls liefe die Vorschrift, die die Möglichkeiten des § 39 LBG für eine Übergangszeit in Kenntnis dieser Auswirkungen in mehrfacher Hinsicht erheblich erweitern will, weitgehend leer (vgl. auch OVG Nordrhein-Westfalen, Beschluss vom 13.08.2012 -6 B 898/12 -, juris Rn 14; OVG Hamburg, Beschluss vom 05.06.2012 - 1 Bs 98/12 -, juris Rn 10; VG Freiburg, Urteil vom 10.07.2012 - 5 K 751/12 -, juris Rn 27).
Wird die einstweilige Anordnung nicht erlassen, droht dem Antragsteller mit Ablauf des 30.09.2012 ein unwiederbringlicher Rechtsverlust, da der zu diesem Zeitpunkt kraft Gesetzes erfolgende Eintritt in den Ruhestand wegen Erreichens der Altersgrenze nicht mehr rückgängig gemacht werden kann und der Anspruch des Antragstellers auf effektiven Rechtsschutz leerliefe (vgl. BVerwG, Beschluss vom 21.12.2011 - 2 B 94/11 -, juris Rn 14; OVG Nordrhein-Westfalen, Beschluss vom 13.08.2012 - 6 B 898/12 -, juris Rn 24; OVG Hamburg, Beschluss vom 05.06.2012 - 1 Bs 98/12 -, juris Rn 6).
- 4 S 83/13 -, juris Rn. 21; OVG Hamburg, Beschluss vom 5. Juni 2012 - 1 Bs 98/12 -, IÖD 2012, 244 = juris Rn. 6.
vgl. Hamburgisches Oberverwaltungsgericht, Beschluss vom 5. Juni 2012 - 1 Bs 98/12 -, juris, Rdn. 17.