Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Text=GRUR%202007,%20607
Timestamp: 2018-10-23 06:37:34
Document Index: 365411053

Matched Legal Cases: ['BGH', '§ 253', '§ 314', '§ 3', '§ 7', '§ 253', '§ 314', '§ 7', '§ 3', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 253', '§ 308', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 7', 'BGH', 'BGH', '§ 12', '§ 7', 'BGH', 'BGH', '§ 7', '§ 3', 'BGH', 'Art. 10', 'BGH', 'BGH', '§ 7', 'BGH', 'BGH', '§ 1', 'BGH', '§ 253', '§ 308', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH']

BGH, 16.11.2006 - I ZR 191/03 - dejure.org
ZPO § 253 Abs. 2 Nr. 2, § 314 Abs. 1 Nr. 4; UWG § 3, § 7 Abs. 2 Nr. 2 Fall 2
Kein vermutetes Einverständnis zu Telefonwerbung für Individualverträge (Telefonwerbung für "Indiviualverträge").
Unzulässigkeit von Telefonwerbung gegenüber Unternehmern
ZPO § 253 Abs. 2 Nr. 2, § 314 Abs. 1 Nr. 4; UWG § 7 Abs. 2 Nr. 2 Fall 2; UWG § 3
Unbestimmter und damit unbegründeter Antrag bei Wiederholung des Gesetzestextes
Anforderungen an die hinreichende Bestimmtheit eines auf das Verbot unaufgeforderter Telefonwerbung gerichteten Klageantrages; Maßgeblichkeit der Umstände des Einzelfalls zur Klärung einer mutmaßlichen Einwilligung eines Verbrauchers bei Telefonwerbung; Mutmaßliche Einwilligung eines Bauhandwerksunternehmens in Telefonwerbung
Zur Beantwortung der Frage, ob bei einer Telefonwerbung gegenüber Marktteilnehmern, die nicht Verbraucher sind, von einer mutmaßlichen Einwilligung ausgegangen werden kann; zur Bestimmtheit eines Klageantrages auf Unterlassung von Telefonwerbung
Telefonwerbung - mutmaßliche Einwilligung - unzumutbare Belästigung
Anforderungen an die Bestimmtheit eines auf das Verbot unaufgeforderter Telefonwerbung gerichteten Klageantrags; Mutmaßliche Einwilligung des Adressaten
Kein vermutetes Einverständnis zu Telefonwerbung für Individualverträge
Verbot der Telefonwerbung gegenüber Gewerbetreibenden [Telefonwerbung, UWG]
Auch Experten formulieren Anträge auf Unterlassung falsch
Kaltaquiseanrufe auch gegenüber Gewerbetreibenden in der Regel unzulässig
Verbotene Telefonwerbung gegenüber Gewerbetreibenden
Telefonwerbung ist und bleibt ein heißes Eisen
Telefonwerbung gegenüber Gewerbetreibenden verboten
Keine unaufgeforderte Telefonwerbung gegenüber Gewerbetreibenden
Telefonwerbung auch gegenüber Gewerbetreibenden verboten
Verbot der Telefonwerbung gegenüber Gewerbetreibenden bestätigt
Telefonwerbungsverbot gegenüber Gewerbetreibenden
Telefonwerbung für «Individualverträge»
Telefonische Werbeanrufe gegenüber Gewerbetreibenden ohne vorherige Zustimmung können unzulässig sein
Wettbewerbswidrige Telefonwerbung gegenüber Gewerbetreibenden
Bestimmtheit des Klageantrags; Telefonwerbung
BGH präzisiert Grundsätze zur mutmaßlichen Einwilligung bei der Telefonwerbung
K&R 2007, 402
Auch diese Frage ist im Revisionsverfahren von Amts wegen zu prüfen (…vgl. nur BGH, Urteile vom 10. Februar 2011 - I ZR 164/09, NJW 2011, 2657 Rn. 16; vom 16. November 2006 - I ZR 191/03, WM 2007, 1190 Rn. 15; jeweils mwN).
Diese Frage ist auch im Revisionsverfahren von Amts wegen zu prüfen (vgl. BGH, Urteil vom 11. Mai 2000 - I ZR 28/98, BGHZ 144, 255, 263 - Abgasemissionen; Urteil vom 16. November 2006 - I ZR 191/03, GRUR 2007, 607 Rn. 15 = WRP 2007, 775 - Telefonwerbung für "Individualverträge").
a) Nach § 253 Abs. 2 Nr. 2 ZPO darf ein Verbotsantrag nicht derart undeutlich gefasst sein, dass Gegenstand und Umfang der Entscheidungsbefugnis des Gerichts (§ 308 Abs. 1 ZPO) nicht erkennbar abgegrenzt sind, sich der Beklagte deshalb nicht erschöpfend verteidigen kann und letztlich die Entscheidung darüber, was dem Beklagten verboten ist, dem Vollstreckungsgericht überlassen bleibt (st. Rspr.; vgl. BGH, Urteil vom 17. Juli 2003 - I ZR 259/00, BGHZ 156, 1, 8 f. - Paperboy; Urteil vom 24. Februar 2005 - I ZR 128/02, GRUR 2005, 604, 605 = WRP 2005, 739 - Fördermittelberatung; BGH, GRUR 2007, 607 Rn. 16 - Telefonwerbung für "Individualverträge").
Aus diesem Grund sind insbesondere Unterlassungsanträge, die lediglich den Wortlaut eines Gesetzes wiederholen, grundsätzlich als zu unbestimmt und damit unzulässig anzusehen (vgl. BGH, Urteil vom 24. November 1999 - I ZR 189/97, GRUR 2000, 438, 440 = WRP 2000, 389 - Gesetzeswiederholende Unterlassungsanträge; Urteil vom 12. Juli 2001 - I ZR 261/98, GRUR 2002, 77, 78 = WRP 2002, 85 - Rechenzentrum; BGH, GRUR 2007, 607 Rn. 16 - Telefonwerbung für "Individualverträge").
b) Der Bundesgerichtshof hat bisher offengelassen, ob der in § 7 Abs. 2 Nr. 2 Altern. 1 UWG geregelte Fall unlauteren Verhaltens schon selbst als hinreichend eindeutig und konkret gefasst angesehen werden kann, um ohne weitere Konkretisierung in den Antrag übernommen zu werden (BGH, GRUR 2007, 607 Rn. 17 - Telefonwerbung für "Individualverträge"; BGH…, Urteil vom 5. Oktober 2010 - I ZR 46/09, GRUR 2011, 433, Rn. 13 = WRP 2011, 576 - Verbotsantrag bei Telefonwerbung; für eine hinreichende Bestimmtheit der Norm: OLG Hamm, MMR 2007, 54;… Urteil vom 30. Juni 2009 - 4 U 54/09, juris Rn. 34;… Köhler in Köhler/Bornkamm, UWG, 29. Aufl., § 12 Rn. 2.40;… Mankowski in Fezer, UWG, 2. Aufl., § 7 Rn. 222).
Die mangelnde Bestimmtheit des Unterlassungsantrags hat entgegen der Ansicht der Revision nicht zur Folge, dass die Sache an das Berufungsgericht zurückzuverweisen ist, um der Klägerin aus Gründen der prozessualen Fairness Gelegenheit zu einer Neufassung ihres Antrags zu geben (vgl. BGH, Urteil vom 16. November 2006 - I ZR 191/03, GRUR 2007, 607 Rn. 18 = WRP 2007, 775 - Telefonwerbung für "Individualverträge").
Bei der Beurteilung der Frage, ob bei einer Telefonwerbung im gewerblichen Bereich von einer mutmaßlichen Einwilligung des Anzurufenden ausgegangen werden kann, ist auf die Umstände vor dem Anruf sowie auf die Art und den Inhalt der Werbung abzustellen (vgl. BGH, Urt. v. 16.11.2006 - I ZR 191/03, GRUR 2007, 607 Tz. 21 = WRP 2007, 775 - Telefonwerbung für "Individualverträge", m.w.N.).
Eine unzumutbare Belästigung im Sinne des § 7 UWG ist zugleich geeignet, die Interessen der Marktteilnehmer im Sinne des § 3 UWG erheblich zu beeinträchtigen (vgl. BGH GRUR 2007, 607 Tz. 23 - Telefonwerbung für "Individualverträge").
Da durch die unmittelbare Bezugnahme auf die konkrete Verletzungshandlung in den Hilfsanträgen zudem kein Streit über die Reichweite des Verbots bestehen kann, steht der Bestimmtheit der gestellten Hilfsanträge nicht entgegen, dass diese auch den Wortlaut der Regelung des Art. 10 Abs. 2 der Verordnung (EG) Nr. 1924/2006 direkt oder in allenfalls geringfügig abgewandelter Formulierung enthalten (st. Rspr.; vgl. BGH, Urteil vom 16. November 2006 - I ZR 191/03, GRUR 2007, 607 Rn. 16 = WRP 2007, 775 - Telefonwerbung für "Individualverträge";… Urteil vom 5. Oktober 2010 - I ZR 46/09, GRUR 2011, 433 Rn. 10 = WPR 2011, 576 - Verbotsantrag bei Telefonwerbung;… Urteil vom 6. Oktober 2011 - I ZR 117/10, GRUR 2012, 407 Rn. 15 = WRP 2012, 456 - Delan;… Urteil vom 2. Februar 2012 - I ZR 81/10, GRUR 2012, 945 Rn. 16 = WRP 2012, 1222 - Tribenuronmethyl).
Dementsprechend hat der Senat in einem Fall, in dem die Beklagte nicht nur Dienstleistungen des angerufenen Unternehmens nachgefragt, sondern in erster Linie eine kostenpflichtige Vermittlungsleistung angeboten hatte, keinen Anhaltspunkt für eine konkludente Einwilligung gesehen und lediglich das Vorliegen einer mutmaßlichen Einwilligung geprüft und verneint (BGH, Urt. v. 16.11.2006 - I ZR 191/03, GRUR 2007, 607 Tz. 20 = WRP 2007, 775 - Telefonwerbung für "Individualverträge").
Nach der Rechtsprechung des Senats schloss eine unzumutbare Belästigung i.S. des § 7 Abs. 2 UWG 2004 einen Bagatellverstoß von vornherein aus (vgl. BGH, Urt. v. 16.11.2006 - I ZR 191/03, GRUR 2007, 607 Tz. 23 = WRP 2007, 775 - Telefonwerbung für "Individualverträge";… Urt. v. 20.9.2007 - I ZR 88/05, GRUR 2008, 189 Tz. 23 = WRP 2008, 44 - Suchmaschineneintrag; Beschl. v. 10.12.2009 - I ZR 201/07, juris Tz. 11).
bb) Das Berufungsgericht ist im rechtlichen Ansatz auch zutreffend davon ausgegangen, dass ein allgemeiner Sachbezug zu den vom angerufenen Unternehmen angebotenen Waren oder Dienstleistungen im Allgemeinen für die Annahme einer mutmaßlichen Einwilligung nicht ausreicht, weil Telefonwerbung gegenüber Gewerbetreibenden andernfalls nahezu unbeschränkt zulässig wäre (…vgl. BGH, Urt. v. 25.1.2001 - I ZR 53/99, GRUR 2001, 1181, 1182 = WRP 2001, 1068 - Telefonwerbung für Blindenwaren, zu § 1 UWG a.F.; BGH GRUR 2007, 607 Tz. 20 - Telefonwerbung für "Individualverträge").
Nach § 253 Abs. 2 Nr. 2 ZPO darf ein Verbotsantrag nicht derart undeutlich gefasst sein, dass Gegenstand und Umfang der Entscheidungsbefugnis des Gerichts (§ 308 Abs. 1 ZPO) nicht erkennbar abgegrenzt sind, sich der Beklagte deshalb nicht erschöpfend verteidigen kann und letztlich die Entscheidung darüber, was dem Beklagten verboten ist, dem Vollstreckungsgericht überlassen bliebe (st. Rspr.; vgl. BGH, Urteil vom 17. Juli 2003 - I ZR 259/00, BGHZ 156, 1, 8 f. - Paperboy; Urteil vom 24. Februar 2005 - I ZR 128/02, GRUR 2005, 304, 305 = WRP 2005, 739 - Fördermittelberatung, jeweils mwN; Urteil vom 16. November 2006 - I ZR 191/03, GRUR 2007, 607 Rn. 16 = WRP 2007, 775 - Telefonwerbung für "Individualverträge").
Aus diesem Grund sind insbesondere Unterlassungsanträge, die lediglich den Wortlaut eines Gesetzes wiederholen, grundsätzlich als zu unbestimmt und damit unzulässig anzusehen (vgl. BGH, Urteil vom 24. November 1999 - I ZR 189/97, GRUR 2000, 438, 440 = WRP 2000, 389 - Gesetzeswiederholende Unterlassungsanträge; Urteil vom 12. Juli 2001 - I ZR 261/98, GRUR 2002, 77, 78 = WRP 2002, 85 - Rechenzentrum; GRUR 2007, 607 Rn. 16 - Telefonwerbung für "Individualverträge").
Eine auslegungsbedürftige Antragsformulierung kann deshalb hinzunehmen sein, wenn dies zur Gewährleistung des Rechtsschutzes gegen eine unzulässige geschäftliche Handlung erforderlich erscheint (vgl. BGH, Urteil vom 16. November 2006 - I ZR 191/03, GRUR 2007, 607 Rn. 16 = WRP 2007, 775 - Telefonwerbung für "Individualverträge";… Urteil vom 15. Mai 2014 - I ZR 137/12, GRUR 2014, 791 Rn. 28 = WRP 2014, 844 - Teil-Berufsausübungsgemeinschaft).
OLG Hamm, 25.10.2007 - 4 U 89/07
Wettbewerbsverstoß: Anforderungen an die Bestimmtheit eines Antrags auf …
OLG Karlsruhe, 25.02.2015 - 6 U 15/11
LG Offenburg, 15.09.2017 - 5 O 54/16
Ist die Werbeaussage Nach traditioneller Metzgerkunst irreführende Werbung?
OLG München, 08.12.2011 - 34 Sch 25/08
LG Köln, 24.08.2011 - 84 O 52/11
Zulässigkeit der Nutzung einer aus Gründen der Terminsvereinbarung erhaltenen …
LG Hannover, 03.11.2009 - 18 O 113/09
Keine mutmaßliche Einwilligung eines kleinen inhabergeführten Unternehmens in …
VG Köln, 13.08.2008 - 1 L 911/08
Kein Unterlassungsanspruch bei Werbung eines Kreditunternehmens mit dem Angebot …