Source: https://sessionnet.grafing.de/bi/to0050.php?__ktonr=2199
Timestamp: 2019-12-14 02:37:42
Document Index: 246765710

Matched Legal Cases: ['§ 34', '§ 34', '§ 4', 'Art. 6', '§ 3', 'Art. 63']

TOP Ö 5: Bauantrag zum Neubau eines Anbaus und einer Garage sowie zur energetischen Gebäudesanierung auf dem Grundstück Fl.Nr. 622/12 der Gemarkung Nettelkofen (Wiesenweg 1a)
Der Vertreter der Verwaltung stellte den Bauantrag vor. Beantragt wird ein Anbau (Westseite) an die bestehende Doppelhaushälfte mit 3,96 x 10,50 Meter und einem Pultdach zur Wohnraumerweiterung (keine weitere Wohneinheit). Das Bestandsgebäude wird durch eine Außenwanddämmung energetisch saniert. Die bestehende Garage wird beseitigt und durch eine Grenzgarage an der Fl.Nr. 622/14 ersetzt.
Das Vorhaben liegt im unbeplanten Innenbereich (§ 34 BauGB).
Die Umgebungsbebauung entspricht einem Allgemeinen Wohngebiet. Das Wohnhaus ist dort hinsichtlich der Art der baulichen Nutzung allgemein zulässig (§ 34 Abs. 2 BauGB i.V.m. § 4 Abs. 2 BauNVO).
Auch hinsichtlich des Maßes der baulichen Nutzung entspricht das Vorhaben dem Einfügungsgebot. Das gilt hinsichtlich der Bauhöhe (Wand- und Firsthöhe bleiben hinter dem des Bestandsgebäudes zurück) als auch der absoluten Grundfläche und der Grundmaße des Gebäudes.
Hinsichtlich der überbauten Grundstücksfläche ist festzustellen, dass auch das Verhältnis der verbleibenden Freiflächen in der Umgebungsbebauung gewahrt wird.
Die Umgebungsbebauung ist in der offenen Bauweise, also mit seitlichen Gebäudeabständen bebaut. Für diese Bauweise bleiben Nebengebäude und abstandsflächenfreie Grenzgaragen (Art. 6 Abs. 9 BayBO) unberücksichtigt – sie verändern also bei einer dadurch entstehenden Geschlossenheit die vorherrschende Bauweise nicht. Aus diesem Grunde ist der Verlust des seitlichen Grenzabstands durch die Grenzgarage hinsichtlich der Bauweise ohne Belang. Ungeachtet der (fehlenden) Wirkung gegenüber der Bauweise ist aber auch die Grenzgarage einfügungsrelevant und hinsichtlich der überbaubaren Grundstücksflächen eigenständig zu beurteilen. Aber auch hinsichtlich dieses Zulässigkeitskriteriums entspricht die Garage dem Einfügungsgebot, da in der Umgebung vielfach Garagen an einer der seitlichen Grundstücksgrenze vorhanden sind.
Der Gebäudeanbau wird mit einem Pultdach ausgeführt. Schammach liegt im räumlichen Geltungsbereich der örtlichen Dachgestaltungssatzung mit der dort verpflichtend geltenden Dachform des Satteldaches. Gemäß § 3 Abs. 1 der Satzung kann bei untergeordneten Gebäudeteilen eine Abweichung zugelassen werden. Neben dieser satzungsrechtlichen Ausnahme verbleibt es beim gesetzlichen Abweichungsvorbehalt des Art. 63 Abs. 2 BayBO. Ungeachtet der Frage, ob es sich bei dem Anbau noch um einen untergeordneten Gebäudeteil handelt, ist eine Abweichung aufgrund der konkreten Ausführungsart – eines in der Bauhöhe reduzierten Anbaus – zu rechtfertigen.
Die Garage überschreitet an der Südseite durch das dorthin abfallende Gelände die zulässige Wandhöhe von 3 Meter. Ein Abweichungsantrag liegt nicht vor.
Nach Vorstellung der geplanten Baumaßnahme beschloss der Bau-, Werk- und Umweltausschuss einstimmig, dem Bauantrag zum Neubau eines Anbaus und einer Garage sowie zur energetischen Gebäudesanierung auf dem Grundstück Fl.Nr. 622/12 der Gemarkung Nettelkofen, Wiesenweg 1a, das gemeindliche Einvernehmen zu erteilen.