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Timestamp: 2020-04-05 10:38:19
Document Index: 218005137

Matched Legal Cases: ['§ 303', '§ 303', '§ 1', '§ 4', '§ 5', '§ 1', '§ 5', '§ 5']

Bescheidbeschwerde – Einzel – Erkenntnis des BFG vom 24.09.2018, RV/2100494/2016
Das Bundesfinanzgericht hat durch die Richterin R in der Beschwerdesache W, vertreten durch HASLINGER / NAGELE & PARTNER RECHTSANWÄLTE GMBH, Roseggerstraße 58, 4020 Linz, über die Beschwerden vom 12.01.2015 gegen den Bescheid der belangten Behörde Finanzamt für Gebühren, Verkehrsteuern und Glücksspiel vom 10.12.2014, Erf.Nr. 123 betreffend Wiederaufnahme und Grunderwerbsteuer zu Recht erkannt:
Mit Kaufvertrag vom 29.4.2010 verkaufte die A GmbH (FN x) als außerbücherliche Alleineigentümerin der Liegenschaft EZ xx des neu vermessenen Grundstücks Nr. 192/53 mit einer Gesamtfläche von 1071 m² sowie Anteile an Grundstück Nr. 192/1 sowie Nr. 195/5 an Frau W (Beschwerdeführerin) zu 1/3tel und ihrem Bruder zu 2/3tel um den Gesamtkaufpreis von € 60.000,-.
Am 17.1.2011 erging der Grunderwerbsteuerbescheid an die Bf. in Höhe von € 1.050,- welcher von einer Bemessungsgrundlage von € 30.000,- ausging. Nach Berichtigung der Bemessungsgrundlage auf € 20.000,- (= 1/3tel des Gesamtkaufpreises) wurde die Grunderwerbsteuer mit gesamt € 700,- festgesetzt.
Im Zuge einer Überprüfung durch das Finanzamt wurde die Bf. mit Schreiben vom 06.11.2012 zu ergänzenden Angaben aufgefordert, die folgendermaßen erfolgten:
3) Wurde lhnen das Grundstück mit zu errichtendem Wohnhaus als Gesamtpaket
Wir beabsichtigten schon seit längerer Zeit, ein Grundstück als Geldanlage zu erwerben. Daraufhin fragten wir unverbindlich bei A lmmobilien an, ob es ev. ein
Grundstück zur Geldanlage zu kaufen gäbe. Das Grundstück in Ort wurde uns angeboten. Zu diesem Zeitpunkt haben wir noch nicht beabsichtigt und es war uns
finanziell auch noch nicht möglich, darauf zu bauen. Wir planten, dies aus finanziellen
Gründen, erst in den nächsten drei bis vier Jahren zu tun. Zum Zeitpunkt des Kaufes war
die Aufteilung der Baubeteiligung zwischen uns, SBW, völlig ungeklärt.
Das Verhältnis zwischen Bauherrn und Grundstückskäufer war also nicht klar ob es in
der gleichen Aufteilung erfolgen wird. Die damals herrschende wirtschaftliche Situation
im Mai 2011 ermöglichte uns plötzlich eine interessante Finanzierung, so dass wir im Juni 2011 den Bauauftrag an Bauunternehmen A GmbH erteilten. Die Wahl dieses
Bauunternehmen zu beauftragen erfolgte auf Grund seines guten Rufes und unserer
sehr guten Erfahrung bei früheren Bautätigkeiten. Außerdem war das Bauunternehmen
A der Bestbieter. Wir konnten keinen günstigeren Anbieter finden.
9) Welche Verträge wurden mit dem Bauführer abgeschlossen? Um Vorlage aller bezüglichen Verträge (Kauf-, Bau—, Werk- u. sonstige Verträge bzw. Anbote und
Im Mai 2011 legte die Firma Bauunternehmen A GmbH an die Bf. und ihren Bruder ein Anbot über die Errichtung eines 6 Familienwohnhauses F inklusive Außenanlage und Anschlüsse zu einem Kaufpreis von € 375.0000 exkl. MwSt. Der Bauauftrag zu diesen Konditionen wurde von der Bf. und ihrem Bruder mündlich erteilt.
Am 30.6.2011 wurde von der Baufirma die 1. anteilige Teilrechnung über € 12.500 betreffend dieses Bauvorhaben (anteilige Bodenplatte Top 2 und 5) an die Bf. gelegt. Die Schlussrechnung wurde am 18.5.2012 erstellt.
Mit Bescheid vom 20.03.2012 wurde der Bf. und ihrem Bruder die Benutzungsbewilligung für das Mehrfamilienhaus xx Wohnung 1- 6 erteilt.
Die A GmbH als Bauwerber suchte am 23.03.2010 um Baubewilligung einer Neubau Wohnanlage mit 59 Wohneinheiten, 72 Carports inkl. Kellerersatzräumen sowie 73 PKW Abstellplätzen auf dem Grundstück Nr. 192/1, 192/6 der EZ xx an. Die Bebauung erfolgte in 3 Bauabschnitten von Norden nach Süden, wobei gegenständliches Gebäude in den dritten Bauabschnitt fiel. Aus dem Teilbebauungsplan (Erstellung durch DI AW, Jänner, März 2010) ist ersichtlich, dass der Bereich mit überwiegend gekoppelten Wohnhäusern bzw. Carports
als Koppelung geplant wurde. Ebenfalls ersichtlich ist, dass bereits in diesem Plan, die
Bebauung des gegenständlichen Grundstücks mit einem 6 Wohneinheiten umfassenden Gebäudes vorgesehen war. Die formale Angleichung an die bestehenden Siedlungen
wurde dadurch gewährleistet, weil „ein Bauträger diese Siedlung errichten will.“ Mit
Bescheid vom 19.04.2010 wurde dies von der Gemeinde xx genehmigt. Die Firma A GmbH trat vor der Baubehörde als Bauwerber und die Firma Bauunternehmen A GmbH als Bauführer auf.
Aus dem vorgelegten Aktenmaterial und aus Recherche des Gerichts geht hervor, dass das gegenständliche Bauprojekt von der Firma A GmbH sowohl im Internet
als auch in Tageszeitungen unter „Leistbares Wohnen, In Bau/In Planung F
bei B, Errichtung von 65 Wohnungen, jeweils mit großzügigem Wohnzimmer
mit Küche sowie zwei Schlafzimmer, Badezimmer, WC Vorraum und Abstellraum mit
Garten, Balkon oder Terrasse, Kauf und Miete möglich“ beworben wurde. (vgl. Homepage
www Stand: 24.12.2010 bzw. 24.03.2011)
Mit Bescheid vom 10. Dezember 2014 wurde die Wiederaufnahme des Verfahrens verfügt und mit Bescheid im wieder aufgenommenen Verfahren die Grunderwerbsteuer unter Einbeziehung der anteiligen Hauserrichtungskosten mit € 2.259,60 festgesetzt. Daraus ergab sich eine Nachforderung von € 1.559,60 für die Bf.. Begründend wurde ausgeführt, dass die Wiederaufnahme erfolgte, da der Abgabenbehörde nach Erlassung des aufgehobenen Bescheides bekannt wurde, dass der Grundstückserwerber an den Erwerb des Wohnhauses, welches vom Organisator (Bauunternehmen A GmbH) geplant und von der Baubehörde bereits bewilligt war, gebunden gewesen sei. Die Firma A GmbH trat vor der Baubehörde als Bauwerber und Bauunternehmen
A GmbH als Bauführer auf. Das Ansuchen um Baubewilligung für dieses Bauvorhaben wurde von der Fa. Bauunternehmen A GmbH bereits am 12.04.2010 eingebracht. Im Zeitpunkt des Grundstückskaufes sei festgestanden, dass kein unbebautes, sondern ein Grundstück mit zu errichtendem Gebäude Gegenstand des Erwerbsvorganges gewesen sei. Die Grunderwerbsteuer wurde seinerzeit im o.a. Bescheid nur von der bekannt gegebenen Gegenleistung berechnet. Die gesetzmäßige Grunderwerbsteuer wäre aber vom Wert der Gesamtgegenleistung zu berechnen gewesen, welche sich im gegenständlichen Fall aus den Kaufpreisen für das Grundstück und das Gebäude zusammensetzt.
In der dagegen erhobenen Beschwerde wurde vorgebracht, dass keine Wiederaufnahmegründe gem. § 303 (1) lit b BAO vorlägen, da keine neuen Tatsachen hervorgekommen seien. Weiters sei der Beschwerdeführer weder an eine vom Organisator geplante und bereits bewilligte Wohnanlage gebunden gewesen, noch sei zum Zeitpunkt des Grundstückskaufes festgestanden, dass ein Grundstück mit zu errichtendem Gebäude Gegenstand des Erwerbsvorganges sein sollte. Die Auftragsvergabe an die Fa. A sei erst kurz vor Legung der ersten Teilrechnung erfolgt. Die Bf. hatte somit jedenfalls auch die Möglichkeit, auf das Gesamtkonstrukt des Bauvorhabens Einfluss zu nehmen. Das Projekt der Fa. A war der Bf. bekannt und war ihr auch bewusst, dass dieses Projekt verwirklicht werden könnte. Die Beauftragung des Bauunternehmen A GmbH sei schlussendlich deshalb erfolgt, weil deren Angebot das günstigste war und bereits bei einem anderen Projekt gute Erfahrungen mit diesem Unternehmen gemacht worden waren. Ein Zusammenhang zwischen dem Kauf des Grundstückes und der Gebäudeerrichtung bestehe nach Ansicht der Bf. nicht.
Mit Vorhalt vom 22.4.2015 wurde die Bf. aufgefordert bekannt zu geben, welche Einflussnahme auf die bauliche Gestaltung möglich war. In Beantwortung dieses Schreibens teilte die Bf. mit Verweis auf die Bescheidbeschwerde vom 12.01.2015 mit, dass auf das Gesamtkonstrukt des Bauvorhabens jeglicher Einfluss genommen werden konnte. Details, welche Einflussnahme dies konkret gewesen sei, wurden nicht angeführt.
Das Anbot der Firma A wurde mündlich angenommen, der gemeinsame Beschluss für die Errichtung des Gebäudes Ort wurde unmittelbar vor der Beauftragung des Bauunternehmens zwischen den Miteigentümern beschlossen.
Mit ausführlich begründeter Beschwerdevorentscheidung vom 9.2.2016 wurde die Beschwerde als unbegründet abgewiesen. Der Firma A GmbH sei nach Anbotlegung der Auftrag zur Errichtung des 6 Familienwohnhauses samt Außenanlagen erteilt worden. Der Gesamtkaufpreis für das Wohnhaus decke sich mit dem ausgehandelten Fixpreis im Angebot. Mit Abschluss des Grundstückskaufvertrages habe sich die Bf. in ein von der A Bauunternehmen GmbH als Organisator erstelltes Planungs, -und Finanzierungskonzept einbinden lassen, weshalb die Bf. keine Bauherreneigenschaft begründet habe.
In dem dagegen eingebrachten Vorlageantrag wurde repliziert, dass in der Beschwerdevorentscheidung die Wiederaufnahme nicht begründet wurde und auch keine Wiederaufnahmegründe vorlägen. Weiters wurde darauf verwiesen, dass für die Bf. im Zeitpunkt des Grunderwerbs keine rechtliche oder sonstige Bindung bestanden habe, nach erfolgtem Grundkauf ein Gebäude zu errichten und kein einheitliches Vertragsgeflecht vorgelegen habe. Für die Bauherreneigenschaft der Bf. seien sämtliche Voraussetzungen vorgelegen.
die im Verfahren nicht geltend gemacht worden sind, und die Kenntnis dieser Umstände
allein oder in Verbindung mit dem sonstigen Ergebnis des Verfahrens einen im Spruch
Nach § 303 BAO nF kann ein durch Bescheid abgeschlossenes Verfahren ua. von Amts wegen wiederaufgenommen werden, wenn nach Abs. 1 lit b) Tatsachen oder Beweismittel im abgeschlossenen Verfahren neu hervorgekommen sind, und die Kenntnis dieser
Umstände allein oder in Verbindung mit dem sonstigen Ergebnis des Verfahrens einen im Spruch anders lautenden Bescheid herbeigeführt hätte.
Zur Frage, ob tatsächlich ein Wiederaufnahmsgrund vorliegt, der die Abgabenbehörde berechtigt hat, die Grunderwerbsteuer nunmehr ausgehend von den Grund-
und Baukosten festzusetzen, ist daher grundlegend zu klären, ob anlässlich neu
Gemäß § 1 Abs. 1 GrEStG 1987 unterliegen der Grunderwerbsteuer Kaufverträge oder andere Rechtsgeschäfte, die den Anspruch auf Übereignung begründen, sofern sie sich
auf inländische Grundstücke beziehen.
Die Steuer ist gemäß § 4 Abs. 1 GrEStG 1987 vom Wert der Gegenleistung zu berechnen. Gem. § 5 Abs. 1 Z 1 GrEStG 1987 ist die Gegenleistung bei einem Kauf der Kaufpreis einschließlich der vom Käufer übernommenen sonstigen Leistungen und der dem
Verkäufer vorbehaltenen Nutzungen.
Für die abgabenrechtliche Beurteilung eines der Grunderwerbsteuer unterliegenden Erwerbsvorganges ist der Zustand eines Grundstückes maßgebend, in dem
dieses erworben werden soll. Das muss nicht notwendig der im Zeitpunkt des Vertragsabschlusses gegebene Zustand sein.
Nach ständiger Rechtsprechung des Verwaltungsgerichtshofes (VwGH) kann Gegenstand eines Kaufvertrages auch eine künftige Sache sein oder eine Sache, hinsichtlich welcher zur Erfüllung des Vertrages bestimmte Eigenschaften durch den Verkäufer erst geschaffen werden müssen. Ist Gegenstand der kaufvertraglichen Übereignungsverpflichtung
das Grundstück im bebauten Zustand, so ist das Grundstück in diesem Zustand
auch grunderwerbsteuerrechtlich Gegenstand des Erwerbvorganges. Ergibt sich die
Verpflichtung zur Übereignung des Grundstücks und zur Errichtung des Gebäudes
zivilrechtlich zwar aus zwei oder mehreren an sich selbstständigen Verträgen, sind diese
Verträge jedoch auf Grund ihres rechtlichen Zusammenhangs zivilrechtlich als einheitlicher Vertrag anzusehen, so ist grunderwerbsteuerrechtlich Gegenstand des Erwerbsvorganges das Grundstück in bebautem Zustand (siehe Fellner, Gebühren und Verkehrssteuern, Band II, § 1 GrEStG 1987, Rz 117b).
Nach der langjährigen und einhelligen Rechtsprechung des VwGH (vgl. VwGH 24.2.2005, 2004/16/0210; VwGH 10.4.2008, 2007/16/0223, u.v.a.) ist Gegenleistung auch alles, was der Erwerber über den Kaufpreis hinaus für das unbebaute Grundstück aufwenden muss. Erbringt der Käufer im Hinblick auf die Bebauung eines Grundstücks neben dem als
Kaufpreis bezeichneten Betrag weitere Leistungen - an wen auch immer -, ist zur Ermittlung der zutreffenden Bemessungsgrundlage auf den Besteuerungsgegenstand zurückzugreifen und zu fragen, in welchem körperlichen Zustand des Grundstückes der Rechtserwerb von der GrESt erfasst wird. Diese Leistungen können also auch an Dritte erbracht werden, insbesondere an einen vom Veräußerer verschiedenen Errichter eines Gebäudes auf dem erworbenen Grundstück. (vgl. VwGH 30.09.2004, 2004/16/0081; VwGH 17.03.2005, 2004/16/0246 u.v.a.). Voraussetzung für die Einbeziehung der Baukosten ist, dass die Errichtung des Gebäudes mit dem Grundstückserwerb in einer finalen Verknüpfung steht. (BFH 2.9.1993, II B 71/93, BStBl 1994 II 48; BFH 27.10.1999, II R 17/99, DStR 1999, 2027; siehe zu vor in: Fellner, Kommentar Gebühren und Verkehrsteuern, Band II, Grunderwerbsteuer 1987, Rz 88 ff. zu § 5 mit Verweisen auf eine Vielzahl von weiteren VwGH-Erkenntnissen und die bundesdeutsche BFH-Rechtsprechung).
Wenn also etwa der Grundstückserwerber an ein bestimmtes, durch die Planung des Verkäufers oder eines mit diesem zusammenarbeitenden Organisators vorgegebenes Gebäude gebunden ist, dann ist ein Kauf mit herzustellendem Gebäude anzunehmen.
Dabei kommt es nicht darauf an, dass über Grundstückskauf und Gebäudeerrichtung unterschiedliche Verträge abgeschlossen wurden (zB. VwGH vom 30. September 2004,
2004/16/0081, VwGH 08.09.2010, 2008/16/0014).
Der für den Umfang der Gegenleistung maßgebliche Gegenstand des Erwerbsvorganges wird nicht nur bestimmt durch das den Übereignungsanspruch begründende Rechtsgeschäft selbst, sondern auch durch die mit diesem Rechtsgeschäft in rechtlichem oder zumindest objektiv sachlichem Zusammenhang stehenden Vereinbarungen, die insgesamt zu dem Erfolg führen, dass der Erwerber das Grundstück in bebautem Zustand erhält. Auch nach der Rechtsprechung des Bundesfinanzhofes (BFH) zum sogenannten einheitlichen Vertragsgegenstand sollen anhand objektiver Merkmale die Fälle, in denen die Bebauung eines im Zeitpunkt des Vertragsabschlusses noch unbebauten Grundstücks auf der alleinigen Initiative des Grundstückserwerbers beruht, von den Fällen abgegrenzt werden, in denen es der Anbieterseite gelungen ist, den Erwerber entweder durch rechtsgeschäftliche Vereinbarungen oder durch Herstellung eines objektiven Zusammenhanges zwischen Grundstückskaufvertrag und Bauerrichtungsvertrag an die geplante Bebauung des Grundstückes zu binden (BFH vom 27. Oktober 1999, II 17/99).
Ergibt sich die Verpflichtung zur Übereignung des Grundstückes und zur Errichtung des Gebäudes aus zwei an sich selbständigen Verträgen, kann (einheitlicher) Gegenstand
des Erwerbsvorganges das Grundstück in bebautem Zustand unter anderem auch dann
sein, wenn ein objektiver enger sachlicher Zusammenhang zwischen den Verträgen
besteht, d.h. wenn der Erwerber bei objektiver Betrachtungsweise als einheitliche
Leistungsgegenstand das bebaute Grundstück erhält. Diese Voraussetzungen liegen u.a. in den Fällen regelmäßig vor, in denen der Erwerber (spätestens) mit dem Abschluss des Grundstückskaufvertrages in seiner Entscheidung über das "Ob" und "Wie" einer Bebauung gegenüber der Veräußererseite nicht mehr frei war, und - bei einer Personenmehrheit auf der Veräußererseite - die auf der Veräußererseite auftretenden Personen auf Grund von Abreden bei der Veräußerung zusammenarbeiten bzw. durch abgestimmtes Verhalten auf den Abschluss aller Verträge (Übereignung des Grundstückes und Errichtung des Gebäudes) hinwirken. Des Abschlusses eines auf die gemeinsame Verschaffung des (bebauten) Grundstückes gerichteten Vertrages bedarf es nicht, vielmehr reicht ein Zusammenwirken auf der Veräußererseite aus (BFH vom 27. Oktober 1999, II R 17/99). Schon die Hinnahme des von der Anbieterseite vorbereiteten einheitlichen Angebotes durch den Erwerber indiziert einen objektiven engen sachlichen Zusammenhang zwischen dem Grundstückskaufvertrag und dem Vertrag über die Grundstückserrichtung unabhängig von der zeitlichen Abfolge der Vertragsabschlüsse, ohne dass es darauf ankommt, ob tatsächlich (oder rechtlich) auch eine andere als die planmäßige Gestaltung hätte vorgenommen werden können. Der Annahme eines objektiven engen sachlichen Zusammenhanges steht nicht entgegen, wenn der Erwerber die Möglichkeit gehabt hätte, nach Abschluss des Grundstücks Kaufvertrages den Vertrag über die Errichtung des Gebäudes gar nicht abzuschließen (BFH vom 23. November
1994, II R 53/94).
Seit dem Erkenntnis des verstärkten Senates vom 24.5.1971, 1271/69, hat der Verwaltungsgerichtshof in ständiger Rechtsprechung (vgl. Erk. vom 15.12.1988,
88/16/0056-0059; 19.5.1988, 87/16/0102-0104 u.v.a.) dargetan, dass der Käufer nur dann als Bauherr angesehen werden kann, wenn er
b) das finanzielle Risiko trage, d.h. nicht bloß einen Fixpreis zu zahlen sondern alle Kostensteigerungen zu übernehmen habe, aber auch berechtigt ist, von den
Bauausführenden Rechnungslegung zu verlangen (vgl. VwGH 29.7.2004, 2004/16/0053
uva.) und
Liegen diese Voraussetzungen nicht kumulativ von allem Anfang der ersten Planungsphase an auf Seiten der Erwerber vor, ist diesen die Bauherreneigenschaft abzusprechen (VwGH 29.1.1996, 95/16/0121).
Ist jedoch das Bauprojekt in allen Einzelheiten zum Zeitpunkt des Erwerbsvorganges bereits geplant, so kann der Erwerber auf die Gestaltung des Gebäudes regelmäßig
keinen Einfluss mehr nehmen. Für die Bauherreneigenschaft kommt es ua. darauf an, ob der Erwerber auf die bauliche Gestaltung des Objektes - nämlich auf das Gesamtkonzept und nicht nur hinsichtlich unwesentlicher Änderungen zB. im Innenausbau - noch Einfluss nehmen konnte oder ob er bei seinem Erwerb an ein bereits vorgegebenes Objekt
gebunden war (VwGH 29.1.1996, 95/16/0121).
Aus dem gesamten Akteninhalt ist ersichtlich, dass die Initiative zur Bebauung des Grundstücks ausschließlich von der Verkäuferseite, der Firma A GmbH, ausgegangen ist. Diese ist auch als Bauorganisator in Erscheinung trat. Der Auftrag
zur Vermessung des Grundstückes wurde laut Auskunft des Vermessungsbüros ebenso
von dieser Firma erteilt. Mit Kaufvertrag vom 03.03.2010 wurde sie außerbücherliche
Eigentümerin und ließ sie sich eine Liegenschaft, die in Parzellen geteilt wurde und für
die sie zur Errichtung einer Wohnhausanlage um Baubewilligung ansuchte, fest an die
Hand gegeben. Die Baubewilligung für diese Wohnanlage mit 59 Wohneinheiten samt
Abstellplätzen, Carports und Kellerersatzräumen wurde ihr am 19.04.2010 erteilt.
Die Bewerbung dieser Wohnanlage erfolgte über die A GmbH auf der
eigenen Homepage sowie in Tageszeitungen. Angeboten wurden darin drei Häuser/
Wohnungstypen unterschiedlicher Größe in drei Ausbaustufen und jeweils zu einem
Die Bf. stieg in ein von der Firma A GmbH geplantes Bauprojekt ein, indem sie folgende sachlich zusammenhängende Verträge annahm:
Nach der Judikatur des Verwaltungsgerichtshofes obliegt es dem Bauherrn, das zu errichtende Haus zu planen und zu gestalten, der Baubehörde gegenüber als Bauwerber
aufzutreten, die Verträge mit den Bauausführenden im eigenen Namen abzuschließen und die baubehördliche Benützungsbewilligung einzuholen (VwGH 3.10.1996, 95/16/0068).
• auf die bauliche Gestaltung des Hauses Einfluss nehmen kann, und zwar auf die Gestaltung der Gesamtkonstruktion Einfluss nehmen kann (vgl. VwGH vom 27.6.1994,
92/16/0196, 17.10. 2001, 2001/16/0230 und Fellner, aaO, § 5 Rz 92 unter Anführung der dazu ergangenen umfangreichen VwGH-Judikatur).
• das finanzielle Risiko tragen muss, dh. dass er nicht bloß einen Fixpreis zu zahlen hat, sondern alle Kostensteigerungen übernehmen muss, aber auch berechtigt ist, von
den Bauausführenden Rechnungslegung zu verlangen, wobei diese Voraussetzungen
gemeinsam von allem Anfang bzw. vom Beginn der Planungsphase an auf Seiten der
Erwerber vorliegen müssen, wollen sie als Bauherren angesehen werden (vgl. VwGH
29.1.1996, 95/16/0121).
Dass eine derartige Einflussnahme auf die Gesamtkonstruktion im konkreten Fall aber nicht möglich war, ist schon deshalb offenkundig, da zum Zeitpunkt des
Vertragsabschlusses die Planung bereits abgeschlossen war und die Baubewilligung
erteilt war, weshalb auch eine individuelle Verbauungsmöglichkeit ausgeschlossen war.
Dass die Bf. wesentlichen Einfluss auf die Gestaltung und Planung des zu errichtenden Gebäudes nehmen konnte, ist weder aktenkundig noch wurde dies von der Bf. dargelegt.
Der Verwaltungsgerichtshof hat zudem im Erkenntnis vom 14.12.1994, 94/16/0084 zum Ausdruck gebracht, dass schon wegen der für die äußere Gestaltung eines Objektes maßgeblichen tatsächlichen Einbindung des Hauses des Beschwerdeführers in das bereits zur Zeit des Erwerbsvorganges vorliegende Gesamtkonzept (vgl. dazu auch das Erkenntnis vom 24.3.1994, Zl. 93/16/0168), keine Bauherreneigenschaft der Erwerber gegeben war.
Auch die im konkreten Fall getroffene Pauschalpreisvereinbarung und damit der Ausschluss des Risikos einer Preiserhöhung sind ein wesentliches Indiz für das Nichtvorliegen der Bauherrenstellung der Bf.. Die Bf. traf bei dieser Vertragsgestaltung kein Risiko von Kostensteigerungen.
Entscheidend ist für die Bauherrenfrage auch, mit wem eine solche Fixpreisvereinbarung getroffen wird: Ist der Vertragspartner der Verkäufer oder ein Organisator - wie im gegenständlichen Fall - und wird an diese Personen das Risiko der planmäßigen
Ausführung überwälzt, dann spricht das gegen die Bauherreneigenschaft des Erwerbers (vgl. VwGH 31.3.1999, 96/16/0213, 0214).
Da die von der Judikatur geforderten Voraussetzungen für das Vorliegen der Bauherreneigenschaft kumulativ gegeben sein müssen, im strittigen Fall weder von
einer Einflussnahme auf die Gestaltung des Hauses in Anbetracht der Einbindung in ein fertiges und komplettes Bebauungskonzeptes noch von einer Tragung des finanziellen
Risikos angesichts der Fixpreisvereinbarung gesprochen werden kann, war der Beschwerdeführerin die Bauherreneigenschaft abzusprechen und die Einbeziehung der
Gebäudeerrichtungskosten - deren Höhe im Übrigen unbestritten geblieben ist - in die
Bemessungsgrundlage für die Grunderwerbsteuer gerechtfertigt.
Der Grunderwerbsteuererstbescheid erging am 17.01.2011. Erst die Ermittlungen der Behörde beim Veräußerer des Grundstückes ab 14.09.2012 brachten zutage, dass eine Baubewilligung und Bebauung der veräußerten Grundstücke durch den Veräußerer
erfolgte. Die Abgabenbehörde hat im Bescheid vom 10.12.2014 ausführlich die Gründe
für diese Wiederaufnahme dargetan. Von der Bf. für die Bemessung der Grunderwerbsteuer war lediglich der Kaufpreis für das Grundstück, nicht aber der Kaufpreis für das - vom Veräußerer geplante und auch gebaute - darauf befindliche Gebäude angegeben.
Diese Tatsache kam erst im Zuge der weiteren Ermittlungen beim Veräußerer (ab 14.09.2012) bzw. der Bf. zutage (Bebauungsplan sowie Gebäudebenutzungsbewilligung des Bf, Ergänzungsersuchen an den Bf. samt Beilagen v. 06.11.2012).
Gegen ein Erkenntnis des Bundesfinanzgerichtes ist die Revision zulässig, wenn sie von der Lösung einer Rechtsfrage abhängt, der grundsätzliche Bedeutung zukommt,
insbesondere weil das Erkenntnis von der Rechtsprechung des Verwaltungsgerichts- hofes abweicht, eine solche Rechtsprechung fehlt oder die zu lösende Rechtsfrage in der bisherigen Rechtsprechung des Verwaltungsgerichtshofes nicht einheitlich beantwortet
wird. Zur Frage, unter welchen Voraussetzungen von einer "Bauherreneigenschaft"
auszugehen ist, liegt eine langjährige, einhellige und umfangreiche VwGH-
Rechtsprechung vor. Ob und welche Kriterien im einzelnen im Beschwerdefall als
erfüllt anzusehen sind oder nicht, ergibt sich anhand der Beurteilung des vorliegenden
Sachverhaltes, sohin allein aus der Lösung von Tatfragen, nicht jedoch einer Rechtsfrage von "grundsätzlicher Bedeutung". Eine Revision ist daher nicht zulässig.
ECLI:AT:BFG:2018:RV.2100494.2016
Findok-Nr: 120819.1, aufgenommen am: 18.10.2018 07:01:08, Dokument-ID: 827196ad-5e40-4575-b8c4-a2f479039457, Segment-ID: 1fb01b05-442a-43cc-a68d-445a39b03246