Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Gericht=BGH&Datum=17.07.2008&Aktenzeichen=IX%20ZR%20148/07
Timestamp: 2019-10-18 03:06:59
Document Index: 236559671

Matched Legal Cases: ['BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 96', '§ 146', '§ 96', '§ 96', '§ 96', '§ 146', '§ 146', '§ 129', 'BGH', '§ 129', '§ 129', 'BGH', '§ 129', '§ 129', 'BGH', '§ 129', '§ 146', 'Art. 229', '§ 12', '§ 6', 'BGH', '§ 146', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 96', 'BGH', 'BGH', '§ 129', '§ 96', 'BGH', 'BGH', '§ 96', '§ 146', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 146', 'BGH', '§ 96', '§ 146', 'BGH', '§ 146', '§ 203', 'BGH', '§ 96', 'BGH', '§ 131', 'BGH', '§ 140', 'BGH', 'BGH', '§ 700', '§ 96', 'BGH']

BGH, 17.07.2008 - IX ZR 148/07 - dejure.org
https://dejure.org/2008,1100
BGH, 17.07.2008 - IX ZR 148/07 (https://dejure.org/2008,1100)
BGH, Entscheidung vom 17.07.2008 - IX ZR 148/07 (https://dejure.org/2008,1100)
BGH, Entscheidung vom 17. Juli 2008 - IX ZR 148/07 (https://dejure.org/2008,1100)
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InsO § 96 Abs. 1 Nr. 3, § 146 a. F.
Anwendbarkeit der Regelung des § 96 Abs. 1 Nr. 3 Insolvenzordnung (InsO) über die Unzulässigkeit einer Aufrechnung auf die Verrechnung; Fortbestehen einer Forderung für Zwecke eines Insolvenzverfahrens im Fall einer anfechtbar herbeigeführten Aufrechnung oder Verrechnung ...
Gegeneinrede der Anfechtbarkeit auch nach Ablauf der Anfechtungsfrist
Bei rechtzeitiger Klage des Insolvenzverwalters nach § 96 Abs. 1 Nr. 3 InsO keine Beachtung der Anfechtungsfrist hinsichtlich der Anfechtbarkeit von der objektiven Gläubigerbenachteiligung möglicherweise entgegenstehenden Rechten des Insolvenzgläubigers notwendig
InsO § 96 Abs. 1 Nr. 3 § 146 (a.F.)
Geltendmachung der Unzulässigkeit einer Aufrechnung oder Verrechnung durch den Insolvenzverwalter
Unzulässigkeit einer Aufrechnung oder Verrechnung
Geltendmachung der Unzulässigkeit einer Aufrechnung bei anfechtbarer Rechtshandlung
InsO §§ 146, 96 Abs. 1 Nr. 3
Verjährungseinwand im Rahmen der Gläubigerbenachteiligung
LG Leipzig, 19.05.2006 - 7 O 2183/05
OLG Dresden, 08.08.2007 - 13 U 1067/06
NJW-RR 2008, 1731
ZIP 2008, 1593
MDR 2008, 1300
NZI 2008, 547
WM 2008, 1606
BB 2008, 2095
DB 2008, 2017
(1) Grundsätzlich obliegt es dem Anfechtenden, das Vorliegen einer Gläubigerbenachteiligung im Sinne des § 129 Abs. 1 InsO darzulegen und erforderlichenfalls zu beweisen (BGH, Urteil vom 17. Juli 2008 - IX ZR 148/07, ZIP 2008, 1593 Rn. 23;… MünchKomm-InsO/Kayser, 3. Aufl. § 129 Rn. 228;… HK-InsO/Kreft, 7. Aufl., § 129 Rn. 64; jeweils mwN).
Den Anfechtungsgegner trifft hinsichtlich geltend gemachter Gegenrechte eine sekundäre Darlegungslast (BGH, Urteil vom 17. Juli 2008, aaO ;… vom 14. Juni 2012 - IX ZR 145/09, ZInsO 2012, 1318 Rn. 17;… Bornheimer in Pape/Uhländer, InsO, § 129 Rn. 132;… Gehrlein in Ahrens/Gehrlein/Ringstmeier, InsO, 2. Aufl., § 129 Rn. 119;… HK-InsO/Kreft, aaO).
Wendet der Insolvenzverwalter gegen die Verteidigung des Anfechtungsgegners mit einem anfechtungsfest entstandenen Absonderungsrecht ein, die Wertschöpfung, die zur Werthaltigkeit des Absonderungsrechts geführt habe, sei erst in den letzten drei Monaten vor dem Eröffnungsantrag erfolgt, muss er diesen Gegeneinwand beweisen (BGH, Urteil vom 17. Juli 2008, aaO Rn. 24;… MünchKomm-InsO/Kayser, aaO;… HK-InsO/Kreft, aaO;… Graf-Schlicker/Huber, InsO, 4. Aufl., § 129 Rn. 23).
Da das Insolvenzverfahren über das Vermögen der KG am 1. Mai 2003 eröffnet wurde, ist nach dem danach noch anwendbaren § 146 InsO a.F. (vgl. Art. 229 § 12 Abs. 1 Nr. 4 i.V.m. § 6 Abs. 3 EGBGB) die gegenüber dem neuen Recht kürzere Verjährungsfrist von zwei Jahren für die Geltendmachung von Anfechtungsansprüchen maßgebend ( BGH, Urt. v. 17. Juli 2008 - IX ZR 148/07, ZIP 2008, 1593, 1594 Rn. 18).
§ 146 Abs. 1 InsO ist auf diese Anfechtung nicht anwendbar, weil diese Vorschrift nur die Verjährung von hier nicht geltend gemachten Ansprüchen aus einer Anfechtung betrifft (vgl. BGH, Urt. v. 17. Juli 2008 aaO S. 1594 Rn. 24).
Maßgeblich ist vielmehr, ob er einen nicht mehr in der Masse befindlichen Gegenstand wieder in diese zurückführen will, oder ob er einen zur Masse gehörenden Gegenstand für diese erhalten will (BGH, Urt. v. 17. Juli 2008 aaO S. 1595 Rn. 28 m.w.N.).
Er hat gegen den vom Prozessgegner geltend gemachten Einwand des Eigenkapitalersatzes den Gegeneinwand der Anfechtbarkeit (BGH, Urt. v. 17. Juli 2008 aaO Rn. 29 m.w.N.).
Soweit die Verrechnung mit Gegenforderungen der Bank im Kontokorrentverhältnis der Insolvenzanfechtung unterliegt, kann sich der Verwalter unmittelbar auf die Unwirksamkeit der Verrechnung gemäß § 96 Abs. 1 Nr. 3 InsO berufen und den Anspruch aus der Gutschrift uneingeschränkt geltend machen (vgl. BGH, Urteil vom 17. Juli 2008 - IX ZR 148/07, ZInsO 2008, 913 Rn. 8 f;… Bork in Festschrift Gero Fischer, 2008, S. 37, 38).
(1) Die Darlegungs- und Beweislast für die objektive Gläubigerbenachteiligung trifft als Voraussetzung der Insolvenzanfechtung den Anfechtungskläger, während der Anfechtungsgegner im Rahmen einer sekundären Darlegungslast von diesem geltend gemachte Gegenrechte vorzubringen hat (BGH, Urteil vom 17. Juli 2008 - IX ZR 148/07, WM 2008, 1606 Rn. 23;… HK-InsO/Kreft, 6. Aufl., § 129 Rn. 64).
Die Anwendung des § 96 Abs. 1 Nr. 3 InsO hat nach der Rechtsprechung des BGH (Urteile vom 28. September 2006 IX ZR 136/05, BGHZ 169, 158; vom 17. Juli 2008 IX ZR 148/07, ZIP 2008, 1593, jeweils m.w.N.), der sich der Senat anschließt, zur Folge, dass sich der Insolvenzverwalter unmittelbar auf die insolvenzrechtliche Unwirksamkeit der Aufrechnung berufen kann.
Allerdings kann der Insolvenzverwalter diese insolvenzrechtliche Wirkung des § 96 Abs. 1 Nr. 3 InsO nur innerhalb der Anfechtungsfrist des § 146 Abs. 1 InsO durchsetzen; diese Frist ist auf die Hauptforderung entsprechend anwendbar und überlagert deren allgemeine Verjährungsfristen (vgl. BGH-Urteile in BGHZ 169, 158; in ZIP 2008, 1593).
Die Verjährungsfrist beginnt vielmehr frühestens mit dem Ablauf desjenigen Jahrs, in dem die Hauptforderung entstanden ist, die durch die Aufrechnung erloschen wäre (BGH-Urteil in ZIP 2008, 1593), d.h. im Streitfall mit dem Ablauf desjenigen Jahrs, in dem der Vorsteuervergütungsanspruch entstanden ist.
Will der Insolvenzverwalter eine Forderung des Schuldners durchsetzen, gegen die der Gläubiger in anfechtbarer Weise aufgerechnet hat, muss er den Anspruch aus der Hauptforderung vor Ablauf der Verjährungsfrist des § 146 Abs. 1 InsO durch Erhebung der Klage gerichtlich geltend machen (BGH…, Urteil vom 12. Juli 2007 - IX ZR 120/04, ZIP 2007, 1467 Rn. 12; vom 17. Juli 2008 - IX ZR 148/07, ZIP 2008, 1593 Rn. 19).
Die Unzulässigkeit der Aufrechnung oder Verrechnung nach § 96 Abs. 1 Nr. 3 InsO kann vom Insolvenzverwalter nicht mehr durchgesetzt werden, wenn er die Frist des § 146 Abs. 1 InsO zur gerichtlichen Geltendmachung des anfechtbar aufgerechneten Anspruchs versäumt hat (BGH…, Urteil vom 12. Juli 2007, aaO Rn. 9 ff; vom 17. Juli 2008, aaO).
Zur Hemmung der Verjährung reicht es demzufolge gemäß § 146 Abs. 1 InsO, §§ 203 ff BGB aus, dass der Anspruch auf die Hauptforderung und die Anfechtbarkeit der durch eine anfechtbare Rechtshandlung erlangten Aufrechnungslage dargelegt wurde (BGH, Urteil vom 17. Juli 2008, aaO Rn. 21).
Liegen die Voraussetzungen des § 96 Abs. 1 Nr. 3 InsO vor, kann sich der Verwalter unmittelbar auf die Unwirksamkeit der Verrechnung berufen (BGH, Urt. v. 17. Juli 2008 - IX ZR 148/07, WM 2008, 1606, 1607 Rn. 8 m.w.N.).
Es handelt sich somit nach § 131 Abs. 1 Nr. 1 InsO jeweils um anfechtbare inkongruente Deckungen, weil der Pfandgegenstand nicht bereits im Zeitpunkt der Vereinbarung konkretisiert war (BGH, Urt. v. 17. Juli 2008, aaO S. 1607 f Rn. 15 f m.w.N.).
Der maßgebende Zeitpunkt nach § 140 Abs. 1 InsO bestimmt sich nach dem Entstehen des Gegenseitigkeitsverhältnisses (BGH, Urteil vom 17. Juli 2008 - IX ZR 148/07, NZI 2008, 547 Rn. 8 ff).
Auch die vom Kläger für sich in Anspruch genommene Entscheidung des BGH vom 17.07.2008 (IX ZR 148/07, NJW-RR 2008, 1731) verhält sich zur Frage des Zinsanspruchs nach insolvenzrechtlicher Unwirksamkeit des Aufrechnungseinwands nicht.
Der Kläger kann die Beklagte auf Zahlung von 30.820,99 EUR nebst Zinsen in Anspruch nehmen (§§ 700 Abs. 1 S. 3, 695 BGB), weil die Verrechnung der - der Höhe nach unstreitigen - Ansprüche der Beklagten aus den Leasingverträgen mit dem Guthaben der Schuldnerin aus dem Giroverhältnis gemäß § 96 Abs. 1 Nr. 3 InsO, der auch auf Verrechnungen Anwendung findet (BGH, Urt. v. 17.07.2008 - IX ZR 148/07 = NZI 2008, 547, 548 Tz. 9), unwirksam ist.