Source: https://www.flugrechte.eu/3309/condor-fluggutschein-anstelle-entsch%C3%A4digung-flugversp%C3%A4tung
Timestamp: 2020-06-02 00:31:20
Document Index: 158274354

Matched Legal Cases: ['Art. 7', 'EuG', 'EuG', 'EuG', 'EuG', 'EuG', 'Art. 7']

Hilfe Condor will nur Fluggutschein geben anstelle von Geld - Entschädigung für Flugverspätung - was tun? - FLUGGASTRECHTE
Wir kommen gegen Condor nicht weiter. Condor will uns unsere Entschädigung einfach nicht zahlen. Unser Flug von Frankfurt nach Puerto Plata hatte über 11 Stunden Verspätung. Am Flughafen war totales Durcvheinander und einige haben gar kein Hotel bekommen. Condor hat nur für einige ein Hotel organisiert, bei den anderen wurde einfach gesagt: Tut uns Leid, Bus ist voll.
Egal, jedenfalls sind wir mit einer Flugverspätung über 11 Stunden in Puerto Plata gelandet. Als wir wieder in Deutschland waren, habe ich Condor angeschrieben und unsere Entschädigung verlangt (11 Stunden Flugverspätung bei 2 Personen = 1200 € Entschädigung). Erst hat Condor mal gar nichts gemacht. Dann habe ich eine Mahnung geschrieben und die als Einschreiben geschickt. Dann hat Condor geantwortet:
wir bestätigen Ihnen den Eingang Ihres Schreibens vom xxx.
Die Bearbeitung wird noch etwas Zeit in Anspruch nehmen.
E-Mail: condor@kb-2.de
Condor Flugdienst GmbH, Vorsitzender des Aufsichtsrates: Heiner Wilkens. Geschäftsführung: Ralf Teckentrup (Vorsitzender), Uwe Balser, Dr. Ulrich Johannwille. Sitz: Kelsterbach, Registergericht und Handelsregister Nr.: Amtsgericht Darmstadt Nr. 83385. Condor Flugdienst GmbH, President Supervisory Board: Heiner Wilkens. Executive Board: Ralf Teckentrup (President), Uwe Balser, Dr. Ulrich Johannwille. Registered Office: Kelsterbach/Germany, register court and number: Amtsgericht Darmstadt Nr. 83385
Dann habe ich ein drittes Schreiben per Eischreiben hingeschickt und erst dann hat die Condor geantwortet und einen Fluggutschein angeboten.
Obwohl nach Informationen unserer Fachabteilungen alle vertretbaren Maßnahmen ergriffen wurden, konnte Ihr Flug nicht planmäßig stattfinden. Als Entschädigung senden wir Ihnen, aus Kulanz und ohne Anerkennung einer Rechtspflicht, einen Reisegutschein über 1200,00 € für zwei Personen.
Der für Sie hinterlegte Gutschein-Code 55T4LUUJYYA0F4GP ist drei Jahre gültig und übertragbar. Er gilt für die Buchung eines Condor-Fluges mit DE-Flugnummer. Sie können den Gutschein bei Ihrer nächsten Buchung auf unserer Internetseite www.condor.com online eingeben oder in Ihrem Reisebüro vorlegen.
Wir bitten nochmals um Entschuldigung für die Verzögerung Ihres Fluges und würden uns freuen, Sie bald wieder an Bord der Condor begrüßen zu dürfen.
Unser Vorgang: CON-xxx
Ich weiß aber, dass man Condor Fluggutscheine nicht annehmen soll. Wollen wir auch gar nicht. Aber Condor zeigt sich wegen des Gutscheins total bockig. Ich habe denen immer wieder geschrieben, dass ich keinen Fluggutschein akzeptiere, sondern mein Geld will. Condor blockt aber total:
wir kommen zurück auf Ihre Zuschrift. Mit Bedauern haben wir dieser entnommen, dass Sie mit unserer Antwort nicht einverstanden sind.
Wir sind Ihrem Anliegen sorgfältig nachgegangen und haben aufgrund der uns daraufhin vorliegenden Informationen unsere Entscheidung getroffen. Auch unter Einbeziehung Ihres erneuten Schreibens ergeben sich keine neuen Gesichtspunkte, die es ermöglichen, weiteren Forderungen zu entsprechen.
Im Gesetz steht doch eindeutig, dass man eine Entschädigung als Geld bekommt. Wieso muss Condor sich nicht an Recht und Gesetz halten? Wir sind echt verzweifelt, weil Condor sich komplett stur stellt. Was können wir machen?
gutschein-code-55t4luujyya0f4gp
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zur-klaglosstellung-bezahlung
Gefragt 27, Mai 2015 in Flugverspätung von Anonym
Condor hat durch das Angebot eines Fluggutscheines versucht, einen außergerichtlichen Vergleich herbeizuführen, um keine Ausgleichszahlung erbringen zu müssen. Sie können diesem Vergleich natürlich zustimmen – da es sehr wahrscheinlich ist, dass Sie einen Anspruch auf die Ausgleichszahlung haben, können Sie jedoch auch weiterhin darauf bestehen.
Ihr Anspruch auf die Ausgleichszahlung besteht dann, wenn die erhebliche Verspätung nicht aufgrund „außergewöhnlicher Umstände“ hervorgerufen wurde. Außergewöhnlich sind Umstände dann, wenn sie nicht von der Airline beeinflusst werden können und unweigerlich zu einer Verspätung führen (etwa Streiks des Flughafenpersonals).
Auf solche außergewöhnlichen Umstände versucht sich auch Condor hier zu berufen. Airlines müssen allerdings belegen können, dass tatsächlich außergewöhnliche Umstände vorgelegen haben, sie können nicht einfach behaupten, dies sei der Fall gewesen. Insbesondere müsste Condor hier darlegen, was genau der Grund für die Verspätung gewesen sein soll. Das tut Condor aber nicht: Es wird lediglich schwammig von „allen zumutbaren Maßnahmen“ gesprochen, die die Verspätung nicht verhindern konnten. Das reicht für eine fundierte Begründung nicht aus, daher hat Condor nicht genügend geltend gemacht, dass außergewöhnliche Umstände vorgelegen haben sollen.
Der Fluggutschein soll nun vermutlich dazu führen, dass Sie keine Handhabe mehr gegen Condor haben, Ihre Ausgleichszahlung einzufordern. Durch die Formulierung „ohne Anerkenntnis einer Rechtspflicht“ will Condor zum Ausdruck bringen, dass Ihr eigentlich fälliger Anspruch nicht anerkannt wird und „aus Kulanz“ der Streit beigelegt werden soll. Sofern Sie sich auf das Angebot einlassen und den Fluggutschein annehmen, haben Sie anschließend tatsächlich keinen Anspruch mehr auf eine zusätzliche Ausgleichszahlung. Gemäß Art. 7 der EU-Fluggastrechteverordnung können Airlines die fällige Ausgleichszahlung mittels eines Fluggutscheins erbringen – darin müssen Sie als Passagier jedoch schriftlich einwilligen. Es steht Ihnen frei, stattdessen eine Überweisung zu verlangen. Sie müssen also das Angebot von Condor nicht annehmen und haben dann auch nicht zu befürchten, letztendlich leer auszugehen.
Rechtlich gibt es also kein Problem, Ihre Ausgleichszahlung durchzusetzen. Praktisch bedeutet das, dass Sie weiterhin hartnäckig bleiben und auf Ihre Ausgleichszahlung bestehen sollten. Wenn Condor endgültig jede Zahlung verweigert, können Sie einen Anwalt engagieren, um Ihre Ansprüche durchzusetzen. Die Kosten hierfür muss Condor dann zusätzlich tragen, da es für Sie dann keine andere Möglichkeit mehr gab, an Ihr Recht zu kommen.
Auch wenn eine Airline bereits die Ansprüche auf eine Ausgleichszahlung zurückgewiesen hat, kann ein betroffener Passagier einen Anwalt einschalten, um dennoch seine Ansprüche durchzusetzen. Die Anwaltskosten muss in diesem Fall die Airline tragen. Denn auf andere Weise ist es in solchen Fällen nicht mehr möglich, noch die Ausgleichszahlung durchsetzen zu können.
LG Darmstadt, Urteil vom 16.06.2010, Az 7 S 200/08
(zu finden über die Google-Suche „7 S 200/08 reise-recht-wiki“)
Eine Airline muss bei einer großen Verspätung eine Ausgleichszahlung an die betroffenen Passagiere erbringen. Dies gilt nicht, wenn sie belegen kann, dass die Verspätung durch außergewöhnliche Umstände hervorgerufen wurde. Der hierbei von Airlines häufig genannte „technische Defekt“ ist jedoch kein außergewöhnlicher Umstand, auch die Behauptung, man habe „alle zumutbaren Maßnahmen ergriffen“ reicht alleine als Begründung nicht aus.
zu deinen Ausführungen ist folgendes zu sagen:
In einem Fall wie deinem, ergibt sich dein Recht auf Zahlung einer Entschädigung grundsätzlich aus der Fluggastrechte-Verordnung (EG) 261/2004 in Verbindung mit der Entscheidung des EuGH vom 19.11.2009 (AZ: C-402/07). Denn grundsätzlich sieht der Wortlaut im Fall einer Verspätung gem. Artikel 6 VO keine Pflicht zur Zahlung einer Ausgleichszahlung gem. Artikel 7 VO vor. Allerdings hat der EuGH in dem oben genannten Urteil entschieden, dass Fluggäste, die eine große Verspätung erleiden (Verspätung von mehr als 3 Stunden) auch in diesem Fall einen Anspruch auf Zahlung einer Ausgleichsleistung gem. Artikel 7 haben. D.h. in deinem Fall ergibt sich ein Anspruch aus Artikel 6 und 7 analog der VO in Verbindung mit dem Urteil des EuGHs.
Außerdem ist es in deinem Fall weiterhin von Bedeutung, dass der EuGH in diesem Urteil entschieden hat, dass im Fall einer großen Verspätung der Artikel 7 analog anwendbar ist. D.h. die gesamten Regelungen des Artikels 7 sind auch im Fall einer großen Verspätung anwendbar und somit auch Artikel 7 Abs. 3 VO. Dort heißt es:
Die Ausgleichszahlungen nach Abs. 1 erfolgen durch Barzahlungen, durch elektronische oder gewöhnliche Überweisungen, durch Scheck, oder mit schriftlichen Einverständnis des Fluggastes, in Form von Reisegutscheinen und/oder anderen Dienstleistungen. D.h. für deinen Fall, wenn du einen Gutschein nicht annehmen möchtest, musst du das nicht tun. Lehnst du dies ab, ist Condor dazu verpflichtet dir das Geld bar auszuzahlen, zu überweisen oder dir einen Scheck auszustellen.
Aus diesem Grund ist es in deinem Fall empfehlenswert, Condor darauf hinzuweisen, dass sie eine Rechtspflicht zur Zahlung des Betrages von 1200 € gem Artikel 6, 7 VO analog in Verbindung mit dem EuGH-Urteil haben und dass sie nicht berechtigt sind, dies in Form eines Reisegutscheines zu tun, wenn du diesem als Reisenden nicht zustimmst. Solltest du hiermit erneut nichts bei Condor erreichen, gibt es für dich entweder noch die Möglichkeit dich an die Schlichtungsstelle Luftverkehr zu wenden, welche Verbraucher bei Problemen mit Airlines unterstützt oder einen Rechtsanwalt hinzuziehen, der deiner Forderung Nachdruck verleihen kann.
Beantwortet 26, Jun 2015 von Cockpit1 (21,990 Punkte)
das Sie in einer solchen Situation langsam am verzweifeln sind, ist völlig verständlich. Eine solche Situation ist sehr ärgerlich.
Zunächst einmal haben Sie völlig richtig festgestellt, dass Ihnen ein Anspruch auf Ausgleichszahlungen nach der Europäischen Fluggastrechteverordnung zusteht, da Sie mit einer Flugverspätung von über 11 Stunden Ihren Zielflughafen in Puerto Plata erreicht haben. Bestätigend dazu das folgende Urteil:
Die Fluggesellschaft muss jedoch keine Ausgleichszahlung leisten, wenn außergewöhnliche Umstände im Sinne des Artikel 5 Abs. 3 der Verordnung Nr. 261/2004/EG Ursache der Verspätung geworden sind. Dabei ist es jedoch wichtig zu beachten, dass die Fluggesellschaft beweisen muss, dass ein ausgewöhnlicher Umstand wirklich vorlag.
In Ihrem Fall gibt Condor jedoch keinen außergewöhnlichen Umstand als Grund der Verspätung an. Generell gibt Condor den Grund der Verspätung nicht preis. Condor teilt Ihnen zwar mit, dass alle vertretbaren Maßnahmen getroffen wurden, jedoch muss Condor dies auch beweisen können. Folglich steht Ihrem Recht auf Ausgleichszahlungen ein außergewöhnlicher Umstand nicht entgegen. Lediglich außergewöhnliche Umstände können die Fluggesellschaft von der Zahlung von Ausgleichsleistungen befreien.
Das es sich bei Ihrem Flug von Frankfurt nach Puerto Plata um eine Entfernung von mehr als 3.500 km handelt und Ihnen somit tatsächlich je Fluggast 600 Euro zustehen, also insgesamt 1.200 Euro, haben Sie ebenfalls bereits richtigerweise festgestellt.
Condor möchte Ihnen diese Summe jedoch ausschließlich als Reisegutschein ausstellen lassen. In Art. 7 Abs. 3 der Europäischen Flugastrechteverordnung ist jedoch das Folgende geregelt:
3) Die Ausgleichszahlungen nach Absatz 1 erfolgen durch Barzahlung, durch elektronische oder gewöhnliche Überweisung, durch Scheck oder, mit schriftlichem Einverständnis des Fluggasts, in Form von Reisegutscheinen und/oder anderen Dienstleistungen.
In diesem Artikel ist ausdrücklich geregelt, dass die Ausgleichszahlungen in Bar zu erfolgen haben und nur mit dem schriftlichen Einverständnis des Fluggastes möglich. Ein solches Einverständnis liegt in Ihrem Fall nicht vor. Sie haben Condor bereits mehrmals mitgeteilt, dass Sie die Ausgleichszahlungen Bar möchten. Das muss von Condor akzeptiert werden.
Abschließend ist zu sagen, Sie haben einen Anspruch auf eine Entschädigung in Geld. Es gibt keine Regelung die Sie dazu verpflichtet, den Ihnen angebotenen Gutschein anzunehmen. Fordern Sie somit den Ihnen zustehende Geld ein. In Ihrem Fall sollten Sie eventuell weiterhin in Erwägung ziehen, anwaltliche Hilfe in Anspruch zu nehmen.
Beantwortet 13, Nov 2015 von George (8,030 Punkte)