Source: http://www.hensche.de/Urteile_Kettenbefristung_Vertretungsbefristung_Rechtsmissbrauchskontrolle_7AZR783_10.html
Timestamp: 2018-01-21 12:11:31
Document Index: 394398745

Matched Legal Cases: ['§ 14', '§ 620', '§ 620', '§ 620', '§ 17', '§ 253', '§ 14', '§ 14', '§ 14', '§ 14', '§ 14', '§ 620', '§ 14', '§ 14', '§ 14', '§ 14', '§ 14', '§ 14', '§ 14', '§ 14', '§ 14', '§ 14', '§ 14', 'EuG', '§ 14', '§ 14', '§ 14', '§ 620', 'EuG', '§ 14', '§ 14', '§ 14', '§ 14', '§ 14', 'EuG', 'EuG', '§ 242', 'EuG', '§ 14', '§ 14', '§ 14', '§ 14', '§ 14', '§ 21', '§ 14', '§ 14', '§ 5', '§ 14', 'EuG', '§ 14', '§ 14', 'EuG', 'EuG', '§ 14']

BAG, Urteil vom 18.07.2012, 7 AZR 783/10 - HENSCHE Arbeitsrecht
BAG, Ur­teil vom 18.07.2012, 7 AZR 783/10
Schlagworte: Kettenbefristung, Rechtsmissbrauchskontrolle
Aktenzeichen: 7 AZR 783/10
Vorinstanzen: Landesarbeitsgericht Rheinland-Pfalz - 5 Sa 196/10
5 Sa 196/10
Die Re­vi­si­on der Kläge­rin ge­gen das Ur­teil des Lan­des­ar­beits­ge­richts Rhein­land-Pfalz vom 9. Au­gust 2010 - 5 Sa 196/10 - wird zurück­ge­wie­sen.
Die Par­tei­en strei­ten über die Be­fris­tung ei­nes Ar­beits­ver­trags.
Die Be­klag­te beschäftigt über 100 Ar­beit­neh­mer in meh­re­ren Fi­lia­len ih­res Ein­zel­han­dels. Die Kläge­rin war dort seit dem 1. März 2002 auf der Grund­la­ge von vier be­fris­te­ten Ar­beits­verträgen als Verkäufe­r­in beschäftigt, zu­letzt in der Fi­lia­le A auf­grund Ar­beits­ver­trags vom 31. Ja­nu­ar 2008 in der Zeit vom 1. Fe­bru­ar 2008 bis zum 30. No­vem­ber 2009. Als Be­fris­tungs­grund sah der letz­te Ar­beits­ver­trag die Ver­tre­tung des Ar­beit­neh­mers L vor. Be­vor Herr L in der Zeit vom 1. Fe­bru­ar 2008 bis zum 17. De­zem­ber 2009 El­tern­zeit in An­spruch nahm, ar­bei­te­te er in der Ver­kaufs­stel­le U. Im Au­gust 2009 be­an­trag­te Herr L Teil­zeit­beschäfti­gung während der El­tern­zeit. Er wur­de dar­auf­hin ne­ben der Kläge­rin in A zunächst ab 7. Sep­tem­ber 2009 in Teil­zeit und ab dem 1. Ok­to­ber 2009 in Voll­zeit beschäftigt. Eben­so wie Herr L war die Kläge­rin für die Ver­kaufs­stel­len A, U und R ein­ge­stellt wor­den.
fest­zu­stel­len, dass das zwi­schen den Par­tei­en be­ste­hen­de Ar­beits­verhält­nis durch die Be­fris­tungs­ab­re­de in dem Ar­beits­ver­trag vom 31. Ja­nu­ar 2008 nicht zum 30. No­vem­ber 2009 be­en­det wor­den ist.
I. Ge­gen­stand der vor­lie­gen­den in zulässi­ger Wei­se be­reits vor dem Ab­lauf der ver­ein­bar­ten Ver­trags­lauf­zeit er­ho­be­nen (vgl. et­wa BAG 23. Ju­ni 2010 - 7 AZR 1021/08 - Rn. 12 mwN, AP Tz­B­fG § 14 Nr. 76 = EzA BGB 2002 § 620 Al­ters­gren­ze Nr. 8; 6. April 2011 - 7 AZR 524/09 - Rn. 12, EzA BGB 2002 § 620 Hoch­schu­len Nr. 7) Be­fris­tungs­kon­troll­kla­ge ist aus­sch­ließlich die letz­te zwi­schen den Par­tei­en ge­trof­fe­ne Be­fris­tungs­ab­re­de.
1. Al­ler­dings ist ein Ar­beit­neh­mer, wie der Se­nat zu­letzt mit Ur­teil vom 24. Au­gust 2011 (- 7 AZR 228/10 - Rn. 51, EzA BGB 2002 § 620 Hoch­schu­len Nr. 9) klar­ge­stellt hat, grundsätz­lich nicht ge­hin­dert, auch frühe­re Be­fris­tungs­ab­re­den - frei­lich un­ter Be­ach­tung der Drei-Wo­chen-Frist des § 17 Satz 1 Tz­B­fG - im Kla­ge­weg an­zu­grei­fen. Ins­be­son­de­re darf die For­mu­lie­rung in frühe­ren Ent­schei­dun­gen, prin­zi­pi­ell un­ter­lie­ge nur die in dem letz­ten Ver­trag ver­ein­bar­te Be­fris­tung der Be­fris­tungs­kon­trol­le (vgl. zB BAG 22. April 2009 - 7 AZR 743/07 - Rn. 15, BA­GE 130, 313), nicht da­hin (miss-)ver­stan­den wer­den, der Ar­beit­neh­mer könne ei­ne frühe­re Be­fris­tung nicht zum Ge­gen­stand ei­ner Be­fris­tungs­kon­troll­kla­ge ma­chen. Den Streit­ge­gen­stand (§ 253 Abs. 2 Nr. 2 ZPO) be­stimmt auch im Be­fris­tungs­kon­troll­pro­zess der Kläger. Mit der zu­vor ver­wen­de­ten For­mu­lie­rung und der sich an­sch­ließen­den Be­gründung hat der Se­nat le­dig­lich zum Aus­druck ge­bracht, dass ein Ar­beit­neh­mer re­gelmäßig (ty­pi­scher­wei­se) die Un­wirk­sam­keit der Be­fris­tung ei­nes Ar­beits­ver­trags ge­richt­lich nicht mehr er­folg­reich gel­tend ma­chen kann, wenn er mit dem Ar­beit­ge­ber „vor­be­halt­los“ ei­nen Fol­ge­ver­trag schließt und da­durch den vor­he­ri­gen Ver­trag auf­hebt (vgl. BAG 24. Au­gust 2011 - 7 AZR 228/10 - Rn. 51, aaO). Auch ha­ben die frühe­ren Ausführun­gen des Se­nats zu den Vor­aus­set­zun­gen und Be­din­gun­gen ei­nes be­acht­li­chen „Vor­be­halts“ ty­pi­sie­ren­den Cha­rak­ter und sind nicht als zwin­gen­de, die Tat­sa­chen­ge­rich­te bin­den­de Aus­le­gungs­re­geln zu ver­ste­hen. Ob die Ar­beits­ver­trags­par­tei­en mit dem Ab­schluss ei­nes Fol­ge­ver­trags ei­nen vor­he­ri­gen Ver­trag auf­he­ben, be­stimmt sich nach dem In­halt der auf den Ver­trags­schluss ge­rich­te­ten Wil­lens­erklärun­gen. Die­ser ist vom Ge­richt der Tat­sa­chen­in­stanz durch Aus­le­gung der bei Ab­schluss des Fol­ge­ver­trags ab­ge­ge­be­nen aus­drück­li­chen und kon­klu­den­ten Erklärun­gen der Par­tei­en zu er­mit­teln (BAG 24. Au­gust 2011 - 7 AZR 228/10 - Rn. 51, aaO).
a) Der die Be­fris­tung recht­fer­ti­gen­de sach­li­che Grund liegt in Fällen der Ver­tre­tung dar­in, dass für die Wahr­neh­mung der Ar­beits­auf­ga­ben durch ei­ne Ver­tre­tungs­kraft von vorn­her­ein nur ein zeit­lich be­grenz­tes Bedürf­nis be­steht, weil der Ar­beit­ge­ber an den vorüber­ge­hend aus­fal­len­den Mit­ar­bei­ter, dem die Auf­ga­ben an sich ob­lie­gen, recht­lich ge­bun­den ist und er mit des­sen Rück­kehr rech­net (BAG 17. No­vem­ber 2010 - 7 AZR 443/09 (A) - Rn. 17, BA­GE 136, 168). Der Sach­grund liegt zum ei­nen vor, wenn der be­fris­tet zur Ver­tre­tung ein­ge­stell­te Mit­ar­bei­ter die vorüber­ge­hend aus­fal­len­de Stamm­kraft un­mit­tel­bar ver­tritt und die von ihr bis­lang aus­geübten Tätig­kei­ten er­le­digt. Not­wen­di­ge Vor­aus­set­zung für ei­ne Ver­tre­tung nach § 14 Abs. 1 Satz 2 Nr. 3 Tz­B­fG ist das aber nicht. Der Ver­tre­ter kann viel­mehr auch mit an­de­ren Auf­ga­ben be­traut wer­den. Da­bei muss al­ler­dings si­cher­ge­stellt sein, dass die Beschäfti­gung des be­fris­tet ein­ge­stell­ten Ar­beit­neh­mers we­gen des Ar­beits­kräfte­be­darfs er­folgt, der durch die vorüber­ge­hen­de Ab­we­sen­heit des zu ver­tre­ten­den Mit­ar­bei­ters ent­steht. Fehlt die­ser Kau­sal­zu­sam­men­hang, ist die Be­fris­tung nicht durch den Sach­grund der Ver­tre­tung ge­recht­fer­tigt (BAG 25. März 2009 - 7 AZR 34/08 - Rn. 14 mwN, EzA Tz­B­fG § 14 Nr. 57). Wer­den dem be­fris­tet beschäftig­ten Ar­beit­neh­mer Auf­ga­ben über­tra­gen, die der ver­tre­te­ne Mit­ar­bei­ter nie aus­geübt hat, be­steht der er­for­der­li­che Kau­sal­zu­sam­men­hang nach der Recht­spre­chung des Se­nats gleich­wohl, wenn der Ar­beit­ge­ber recht­lich und tatsächlich in der La­ge wäre, dem vorüber­ge­hend ab­we­sen­den Ar­beit­neh­mer im Fal­le sei­ner An­we­sen­heit die dem Ver­tre­ter zu­ge­wie­se­nen Auf­ga­ben zu über­tra­gen. In die­sem Fall ist al­ler­dings zur Gewähr­leis­tung des Kau­sal­zu­sam­men­hangs zwi­schen der zeit­wei­li­gen Ar­beits­ver­hin­de­rung der Stamm­kraft und der Ein­stel­lung der Ver­tre­tungs­kraft er­for­der­lich, dass der Ar­beit­ge­ber bei Ver­trags­schluss mit dem Ver­tre­ter des­sen Auf­ga­ben ei­nem oder meh­re­ren vorüber­ge­hend ab­we­sen­den Beschäftig­ten nach außen er­kenn­bar ge­dank­lich zu­ord­net. Dies kann ins­be­son­de­re durch ei­ne ent­spre­chen­de An­ga­be im Ar­beits­ver­trag ge­sche­hen (BAG 14. April 2010 - 7 AZR 121/09 - Rn. 16 mwN, AP Tz­B­fG § 14 Nr. 72 = EzA Tz­B­fG § 14 Nr. 65).
Tz­B­fG nicht ent­ge­gen. Ent­schei­dend ist al­lein, ob bei der letz­ten Be­fris­tungs­ab­re­de ein Ver­tre­tungs­fall vor­lag. Im Fal­le ei­ner so­ge­nann­ten „Dau­er­ver­tre­tung“ kann al­ler­dings die Be­fris­tung des Ar­beits­ver­trags mit dem Ver­tre­ter un­wirk­sam sein. Hierfür genügt es nicht, wenn be­reits im Zeit­punkt des Ab­schlus­ses ei­nes be­fris­te­ten Ar­beits­ver­trags zu er­war­ten ist, dass über das En­de der Ver­trags­lauf­zeit hin­aus ein wei­te­rer, die Wei­ter­beschäfti­gung des Ar­beit­neh­mers ermögli­chen­der Ver­tre­tungs­be­darf vor­han­den sein wird. Es liegt in der frei­en Ent­schei­dung des Ar­beit­ge­bers, ob er bei ei­nem wei­te­ren Ver­tre­tungs­be­darf er­neut den bis­he­ri­gen Ver­tre­ter oder ei­nen an­de­ren Ar­beit­neh­mer mit der Ver­tre­tung be­traut oder ob er sich in sons­ti­ger Wei­se be­hilft. Ei­ne zur Un­wirk­sam­keit der Be­fris­tung führen­de „Dau­er­ver­tre­tung“ liegt aber vor, wenn der Ar­beit­neh­mer von vorn­her­ein nicht le­dig­lich zur Ver­tre­tung ei­nes be­stimm­ten, vorüber­ge­hend an der Ar­beits­leis­tung ver­hin­der­ten Ar­beit­neh­mers ein­ge­stellt wird, son­dern be­reits bei Ver­trags­schluss be­ab­sich­tigt ist, ihn für ei­ne zum Zeit­punkt des Ver­trags­schlus­ses noch nicht ab­seh­ba­re Viel­zahl von Ver­tre­tungsfällen auf Dau­er zu beschäfti­gen. In die­sem Fall ist der Sach­grund der Ver­tre­tung vor­ge­scho­ben und da­her un­be­acht­lich (vgl. BAG 25. März 2009 - 7 AZR 34/08 - Rn. 22 mwN, EzA Tz­B­fG § 14 Nr. 57; 17. No­vem­ber 2010 - 7 AZR 443/09 (A) - Rn. 20, BA­GE 136, 168).
schied zwi­schen Mehr­be­darfs- und Ver­tre­tungs­be­fris­tung be­tont). Nur wenn der Ar­beit­ge­ber auf­grund ihm vor­lie­gen­der In­for­ma­tio­nen er­heb­li­che Zwei­fel dar­an ha­ben muss, dass die zu ver­tre­ten­de Stamm­kraft über­haupt wie­der an ih­ren Ar­beits­platz zurück­keh­ren wird, kann dies dafür spre­chen, dass der Sach­grund der Ver­tre­tung nur vor­ge­scho­ben ist. Dann kann die Be­fris­tung un­wirk­sam sein (BAG 25. März 2009 - 7 AZR 34/08 - Rn. 12 mwN, aaO; 17. No­vem­ber 2010 - 7 AZR 443/09 (A) - Rn. 19, aaO).
ho­lung zu verschärfen, wenn sich die­se im­mer wie­der als falsch er­wie­sen ha­be. Der Ar­beit­ge­ber müsse des­halb je­weils de­tail­lier­ter dar­le­gen, aus wel­chem tatsächli­chen, ob­jek­ti­ven Grund er bei Ab­schluss des letz­ten Ar­beits­ver­trags da­von aus­ge­gan­gen sei, dass ei­ne hin­rei­chend ho­he Wahr­schein­lich­keit für den Weg­fall des Beschäfti­gungs­bedürf­nis­ses mit Ab­lauf der Be­fris­tung be­stan­den ha­be und die Über­nah­me in ein un­be­fris­te­tes Ar­beits­verhält­nis nicht möglich ge­we­sen sei (vgl. ua. Ba­der/Bram/Ba­der Stand Ju­ni 2012 § 620 BGB Rn. 144 ff.; APS/Back­haus 4. Aufl. § 14 Tz­B­fG Rn. 58 ff.; Ha­Ko-Tz­B­fG/Boecken 3. Aufl. § 14 Rn. 15; Kitt­ner/Däubler/Zwan­zi­ger/Däubler KSchR 8. Aufl. § 14 Tz­B­fG Rn. 35; KR/Lip­ke 9. Aufl. § 14 Tz­B­fG Rn. 145; ders. FS Et­zel S. 255, 261; ErfK/Müller-Glöge 12. Aufl. § 14 Tz­B­fG Rn. 9; Persch Kern­fra­gen des Be­fris­tungs­rechts S. 434; ders. ZTR 2012, 268, 271 f.; Preis/Grei­ner RdA 2010, 148, 149; Masch­mann in An­nuß/Thüsing Tz­B­fG 3. Aufl. § 14 Rn. 34; Mei­nel/Heyn/Herms Tz­B­fG 4. Aufl. § 14 Rn. 25; Preis/Loth Anm. zu EzA Tz­B­fG § 14 Nr. 80; HWK/Schma­len­berg 5. Aufl. § 14 Tz­B­fG Rn. 27; Schlach­ter in Laux/Schlach­ter Tz­B­fG 2. Aufl. § 14 Rn. 13; eben­so LAG Köln Vor­ab­ent­schei­dungs­er­su­chen vom 13. April 2010 - 7 Sa 1224/09 - Rn. 25, LA­GE Tz­B­fG § 14 Nr. 57, vom EuGH nach Er­le­di­gung der Haupt­sa­che nicht ent­schie­den, vgl. aber die Schluss­anträge des Ge­ne­ral­an­walts Jääski­nen vom 15. Sep­tem­ber 2011 - C-313/10 - [Jan­sen] Rn. 38).
a) Ins­be­son­de­re an der zu § 14 Abs. 1 Satz 2 Nr. 3 Tz­B­fG vom Se­nat ent­wi­ckel­ten Rechts­fi­gur der ge­dank­li­chen Zu­ord­nung wur­de im Schrift­tum vor al­lem mit uni­ons­recht­li­chen Erwägun­gen Kri­tik geübt (vgl. Bro­se NZA 2009, 706, 707; Ei­se­mann NZA 2009, 1113, 1114 f.; Schlach­ter in Laux/Schlach­ter Tz­B­fG 2. Aufl. § 14 Rn. 50; Masch­mann BB 2012, 1098, 1099; Preis/Grei­ner RdA 2010, 148; Grei­ner Anm. zu EzA Tz­B­fG § 14 Nr. 34; Stau­din­ger/Preis [2012] § 620 Rn. 113). Das Ur­teil des EuGH vom 26. Ja­nu­ar 2012 (- C-586/10 - [Kücük] AP Richt­li­nie 99/70/EG Nr. 9 = EzA Tz­B­fG § 14 Nr. 80) gibt kei­nen An­lass, die­se Recht­spre­chung auf­zu­ge­ben.
des Di­rek­ti­ons­rechts wird si­cher­ge­stellt, dass der Ar­beit­ge­ber den vorüber­ge­hen­den Aus­fall ei­ner Stamm­kraft nicht zur Recht­fer­ti­gung der be­fris­te­ten Ein­stel­lung ei­nes Ar­beit­neh­mers anführen kann, die mit dem Aus­fall der Stamm-kraft in kei­nem Zu­sam­men­hang steht. Durch die darüber hin­aus vom Se­nat ge­for­der­te Do­ku­men­ta­ti­on der ge­dank­li­chen Zu­ord­nung wird ver­hin­dert, dass der Ar­beit­ge­ber den Aus­fall ei­ner Stamm­kraft miss­braucht, um ei­nen oder meh­re­re Ar­beit­neh­mer be­fris­tet in ei­nem zeit­li­chen Um­fang ein­zu­stel­len, der über den Um­fang der Tätig­keit der vorüber­ge­hend ab­we­sen­den Stamm­kraft hin­aus­geht (BAG 20. Ja­nu­ar 2010 - 7 AZR 542/08 - Rn. 15, AP Tz­B­fG § 14 Nr. 68 = EzA Tz­B­fG § 14 Nr. 64; 14. April 2010 - 7 AZR 121/09 - Rn. 19, AP Tz­B­fG § 14 Nr. 72 = EzA Tz­B­fG § 14 Nr. 65; vgl. be­reits 15. Fe­bru­ar 2006 - 7 AZR 232/05 - Rn. 15, 16, BA­GE 117, 104). Die­se Do­ku­men­ta­ti­on schließt es außer­dem aus, dass der Ar­beit­ge­ber die Auf­ga­ben des Ver­tre­ters im Nach­hin­ein ei­ner an­de­ren Stamm­kraft zu­ord­net, wenn sich et­wa her­aus­stel­len soll­te, dass der be­zeich­ne­te Ar­beit­neh­mer die Auf­ga­ben des Ver­tre­ters nicht hätte wahr­neh­men können.
aa) Die Recht­spre­chung des EuGH, wo­nach die Verlänge­rung oder Wie­der­ho­lung auf­ein­an­der­fol­gen­der be­fris­te­ter Ar­beits­verhält­nis­se zur De­ckung ei­nes zeit­wei­li­gen Be­darfs nicht da­zu miss­braucht wer­den darf, ei­nen tatsächlich „ständi­gen und dau­ern­den Be­darf“ zu de­cken (vgl. 23. April 2009 - C-378/07 ua. - [An­gel­i­da­ki ua.] Rn. 103, 106, Slg. 2009, I-3071), ver­an­lass­te den Se­nat, den Ge­richts­hof zu fra­gen, ob und in­wie­weit nach des­sen Verständ­nis ein „ständi­ger und dau­ern­der Be­darf“, zu des­sen Ab­de­ckung be­fris­te­te Ar­beits­verträge nicht miss­braucht wer­den dürfen, auch im Fal­le ei­nes „ständi­gen Ver­tre­tungs­be­darfs“ vor­liegt, der sich dar­aus er­gibt, dass auf­grund der
Größe des Be­triebs oder der Dienst­stel­le so­wie der Häufig­keit der ins­be­son­de­re durch länge­ren Son­der­ur­laub be­ding­ten Ab­we­sen­heit von Stamm­ar­beit­neh­mern die­se ständig durch Ver­tre­tungs­kräfte er­setzt wer­den müssen, und der Ver­tre­tungs­be­darf statt durch den Ab­schluss auf­ein­an­der­fol­gen­der be­fris­te­ter Ar­beits­verträge auch durch ei­ne Per­so­nal­re­ser­ve ge­deckt wer­den könn­te, die aus un­be­fris­tet ein­ge­stell­ten Ar­beit­neh­mern be­steht (BAG 17. No­vem­ber 2010 - 7 AZR 443/09 (A) - Te­nor und Rn. 32 f., BA­GE 136, 168).
kräften blei­be ein vorüber­ge­hen­der, weil der ver­tre­te­ne Ar­beit­neh­mer nach Be­en­di­gung sei­nes Ur­laubs, der den Grund für die zeit­wei­li­ge Ver­hin­de­rung an der Wahr­neh­mung der Auf­ga­ben dar­stel­le, sei­ne Tätig­keit wie­der auf­neh­men wer­de (vgl. EuGH 26. Ja­nu­ar 2012 - C-586/10 - [Kücük] Rn. 38, aaO).
Viel­mehr ist es sei­ner Auf­fas­sung nach „not­wen­dig, dass die zuständi­gen Stel­len auch bei Vor­lie­gen ei­nes sach­li­chen Grun­des, der grundsätz­lich den Rück­griff auf auf­ein­an­der­fol­gen­de be­fris­te­te Ar­beits­verträge oder -verhält­nis­se recht­fer­tigt, er­for­der­li­chen­falls al­le mit der Verlänge­rung die­ser Ar­beits­verträge oder -verhält­nis­se ver­bun­de­nen Umstände berück­sich­ti­gen, da sie Hin­wei­se auf ei­nen Miss­brauch ge­ben können, den die­se Be­stim­mung ver­hin­dern soll“ (26. Ja­nu­ar 2012 - C-586/10 - [Kücük] Rn. 43, vgl. auch Rn. 51, aaO). Die­se je nach den Umständen trotz des Vor­lie­gens ei­nes Sach­grunds ge­bo­te­ne um­fas­sen­de Miss­brauchs­kon­trol­le ist er­for­der­li­chen­falls nach deut­schem Recht in ei­nem zwei­ten Schritt ent­spre­chend den Maßstäben ei­nes in­sti­tu­tio­nel­len Rechts­miss­brauchs (§ 242 BGB) durch­zuführen (da­zu un­ten III).
7. Sep­tem­ber 2009 zunächst als Teil­zeit­kraft und ab dem 1. Ok­to­ber 2009 mit vol­ler Ar­beits­zeit in der Ver­kaufs­stel­le A ein­ge­setzt hat. Zu dem für die Be­fris­tungs­kon­trol­le maßgeb­li­chen Zeit­punkt des Ver­trags­schlus­ses mit der Kläge­rin am 31. Ja­nu­ar 2008 zeich­ne­te sich die­se Ent­wick­lung nicht ab.
Ur­teil des EuGH „in An­be­tracht des Ziels, das mit al­len nach Pa­ra­graf 5 Nr. 1 der Rah­men­ver­ein­ba­rung über be­fris­te­te Verträge er­grif­fe­nen Maßnah­men ver­folgt wird, not­wen­dig, dass die zuständi­gen Stel­len auch bei Vor­lie­gen ei­nes sach­li­chen Grun­des, der grundsätz­lich den Rück­griff auf auf­ein­an­der­fol­gen­de be­fris­te­te Ar­beits­verträge oder -verhält­nis­se recht­fer­tigt, er­for­der­li­chen­falls al­le mit der Verlänge­rung die­ser Ar­beits­verträge und -verhält­nis­se ver­bun­de­nen Umstände berück­sich­ti­gen, da sie Hin­wei­se auf ei­nen Miss­brauch ge­ben können, den die­se Be­stim­mung ver­hin­dern soll“ (26. Ja­nu­ar 2012 - C-586/10 - [Kücük] Rn. 43, aaO). Der Ge­richts­hof hat da­mit aus­drück­lich (vgl. 26. Ja­nu­ar 2012 - C-586/10 - [Kücük] Rn. 21, aaO) an die im Rah­men des Vor­ab­ent­schei­dungs­er­su­chens vom Se­nat ge­stell­te Fra­ge an­ge­knüpft, ob und in wel­cher Wei­se die na­tio­na­len Ge­rich­te bei der ih­nen ob­lie­gen­den Miss­brauchs­kon­trol­le in Fällen der mit dem Sach­grund der Ver­tre­tung ge­recht­fer­tig­ten Be­fris­tung die An­zahl und Dau­er der be­reits in der Ver­gan­gen­heit mit dem­sel­ben Ar­beit­neh­mer ge­schlos­se­nen be­fris­te­ten Ar­beits­verträge zu berück­sich­ti­gen ha­ben (BAG 17. No­vem­ber 2010 - 7 AZR 443/09 (A) - Rn. 36, BA­GE 136, 168).
Ei­ner An­wen­dung der Grundsätze des Rechts­miss­brauchs steht nicht ent­ge­gen, dass die Be­fris­tungs­vor­schrif­ten im Tz­B­fG ab­sch­ließen­de Spe­zi­al­re­ge­lun­gen dar­stel­len und die auf „ob­jek­ti­ve Ge­set­zes­um­ge­hung“ gestütz­te frühe­re Dog­ma­tik ab­gelöst ha­ben (da­zu ErfK/Müller-Glöge 12. Aufl. § 14 Tz­B­fG Rn. 2). Die­ser durch den Ge­setz­ge­ber vor­ge­nom­me­ne Pa­ra­dig­men­wech­sel schließt ei­nen Schutz vor ei­ner rechts­miss­bräuch­li­chen Nut­zung der durch das Tz­B­fG eröff­ne­ten Be­fris­tungsmöglich­keit nicht aus. Dem­ent­spre­chend hat der Se­nat bei Vor­lie­gen ent­spre­chen­der An­halts­punk­te schon bis­her im Rah­men der Be­fris­tungs­kon­trol­le ge­prüft, ob Rechts­fol­gen, die sich an sich aus ei­nem Rechts­in­sti­tut er­ge­ben, aus­nahms­wei­se zurück­tre­ten müssen, weil sie zu ei­nem un­trag­ba­ren Er­geb­nis führen. Auch die Aus­nut­zung der durch das Teil­zeit- und Be­fris­tungs­ge­setz vor­ge­se­he­nen Ge­stal­tungsmöglich­kei­ten kann un­ter be­stimm­ten Vor­aus­set­zun­gen rechts­miss­bräuch­lich sein, et­wa wenn meh­re­re recht­lich und tatsächlich ver­bun­de­ne Ver­trags­ar­beit­ge­ber in be­wuss­tem und ge­woll­tem Zu­sam­men­wir­ken mit ei­nem Ar­beit­neh­mer auf­ein­an­der­fol­gen­de be­fris­te­te Ar­beits­verträge nur ab­sch­ließen, um auf die­se Wei­se über die nach § 14 Abs. 2 Tz­B­fG vor­ge­se­he­nen Be­fris­tungsmöglich­kei­ten hin­aus sach­grund­lo­se Be­fris­tun­gen an­ein­an­der­rei­hen zu können (vgl. zum Beschäfti­gungsförde­rungs­ge­setz: BAG 25. April 2001 - 7 AZR 376/00 - zu IV 1 a der Gründe, BA­GE 97, 317; zur sach­grund­lo­sen Be­fris­tung be­reits 18. Ok­to­ber 2006 - 7 AZR 145/06 - Rn. 26, BA­GE 120, 34 und zu­letzt 9. März 2011 - 7 AZR 657/09 - Rn. 21, AP Tz­B­fG § 14 Nr. 81 = EzA Tz­B­fG § 14 Nr. 75).
Fort­set­zung an­ein­an­der­ge­reih­ter Verträge deut­lich über der­je­ni­gen lie­gen muss, die für die Be­fris­tungs­kon­trol­le nach § 14 Abs. 1 Tz­B­fG, § 21 Abs. 1 BEEG maßgeb­lich ist. Auch ist zu berück­sich­ti­gen, dass nach dem Ur­teil des Ge­richts­hofs selbst ein dau­er­haf­ter Ver­tre­tungs­be­darf dem Ab­schluss von Ver­tre­tungs­be­fris­tun­gen nicht grundsätz­lich ent­ge­gen­steht (26. Ja­nu­ar 2012 - C-586/10 - [Kücük] Rn. 50, 54, AP Richt­li­nie 99/70/EG Nr. 9 = EzA Tz­B­fG § 14 Nr. 80). Der Ar­beit­ge­ber muss ei­nem ständi­gen Ver­tre­tungs­be­darf nicht durch ei­ne Per­so­nal­re­ser­ve be­geg­nen, die von vorn­her­ein den Raum für ei­ne un­ter­neh­me­ri­sche Per­so­nal­pla­nung ein­engt. Auf der an­de­ren Sei­te darf die Ge­stal­tungsmöglich­keit der Ver­tre­tungs­be­fris­tung, die das Ge­setz dem Ar­beit­ge­ber als Re­ak­ti­on auf den zeit­wei­li­gen Aus­fall der Ar­beits­kraft zu­bil­ligt, nicht zur dau­er­haf­ten Um­ge­hung des auch durch das Tz­B­fG gewähr­leis­te­ten Be­stands­schut­zes ein­zel­ner Ar­beit­neh­mer zweck­ent­frem­det wer­den (vgl. Bau­er/von Me­dem SAE 2012, 25, 29). An­de­ren­falls wäre für Ar­beit­neh­mer, die dau­er­haft ei­ner tatsächli­chen Per­so­nal­re­ser­ve aus be­fris­tet Beschäftig­ten an­gehören, das be­fris­te­te und nicht mehr das un­be­fris­te­te Ar­beits­verhält­nis der Nor­mal­fall; für sie wäre ei­ne Be­fris­tung nicht nur „vorüber­ge­hend“ le­gi­ti­miert (vgl. auch Preis/Loth Anm. zu EzA Tz­B­fG § 14 Nr. 80 un­ter III 2 b bb). Die­ses Er­geb­nis stünde nicht mit dem Leit­bild des § 5 Nr. 1 Buchst. a der Rah­men­ver­ein­ba­rung im Ein­klang, nach dem das be­fris­te­te Ar­beits­verhält­nis die Aus­nah­me des un­be­fris­te­ten Ar­beits­verhält­nis­ses dar­stellt (all­ge­mei­ner Erwägungs­grund 6 der Rah­men­ver­ein­ba­rung; vgl. auch BT-Drucks. 14/4374 S. 12).
c) Das Er­for­der­nis, bei der Be­ur­tei­lung der miss­bräuch­li­chen Aus­nut­zung der an sich auf­grund ei­nes Sach­grunds eröff­ne­ten Be­fris­tungsmöglich­keit sämt­li­che Umstände des Ein­zel­falls zu berück­sich­ti­gen, ermöglicht we­der ei­ne ab­sch­ließen­de Be­zeich­nung al­ler zu berück­sich­ti­gen­den Umstände noch ei­ne quan­ti­ta­ti­ve An­ga­be, wo die zeit­li­chen und/oder zah­lenmäßigen Gren­zen ge­nau lie­gen, bei de­nen ein Miss­brauch in­di­ziert oder gar zwin­gend von ei­nem sol­chen aus­zu­ge­hen ist. Zum der­zei­ti­gen Stand der Rechts­ent­wick­lung ist der Se­nat ge­hal­ten, Umstände zu be­nen­nen, die bei der Miss­brauchsprüfung ei­ne Rol­le spie­len können und in quan­ti­ta­ti­ver Hin­sicht ei­ne gro­be Ori­en­tie­rung zu ge­ben. Er kann da­mit die Be­ur­tei­lung vor­neh­men, dass je­den­falls bei ei­ner Ge­samt­dau­er von sie­ben Jah­ren und neun Mo­na­ten so­wie von vier Be­fris­tun­gen An­halts­punk­te für ei­nen Ge­stal­tungs­miss­brauch noch nicht vor­lie­gen, während in der am sel­ben Tag ent­schie­de­nen Sa­che - 7 AZR 443/09 - bei ei­ner Ge­samt­dau­er von mehr als elf Jah­ren und 13 Be­fris­tun­gen ei­ne miss­bräuch­li­che Ge­stal­tung in­di­ziert und der Ar­beit­ge­ber ge­hal­ten ist, ent­las­ten­de Umstände vor­zu­tra­gen.
aa) Von be­son­de­rer Be­deu­tung für die Be­ur­tei­lung ei­nes mögli­chen Rechts­miss­brauchs sind die Ge­samt­dau­er der be­fris­te­ten Verträge so­wie die An­zahl der Ver­trags­verlänge­run­gen. Der Ge­richts­hof hat die Be­deu­tung die­ser bei­den Fak­to­ren be­son­ders her­vor­ge­ho­ben (vgl. 26. Ja­nu­ar 2012 - C-586/10 - [Kücük] Rn. 40, 41, 55, AP Richt­li­nie 99/70/EG Nr. 9 = EzA Tz­B­fG § 14 Nr. 80). Das ent­spricht dem Ziel der Rah­men­ver­ein­ba­rung. Die­se er­fasst nicht be­reits die erst­ma­li­ge Be­fris­tung ei­nes Ar­beits­verhält­nis­ses, son­dern dient der Ver­hin­de­rung des Miss­brauchs von auf­ein­an­der­fol­gen­den be­fris­te­ten Verträgen (vgl. EuGH 22. No­vem­ber 2005 - C-144/04 - [Man­gold] Rn. 41 f., Slg. 2005, I-9981; 4. Ju­li 2006 - C-212/04 - [Aden­eler ua.] Rn. 101, Slg. 2006, I-6057; 23. April 2009 - C-378/07 ua. - [An­gel­i­da­ki ua.] Rn. 90, Slg. 2009, I-3071; BAG 6. April 2011 - 7 AZR 716/09 - Rn. 24, AP Tz­B­fG § 14 Nr. 82 = EzA Tz­B­fG § 14 Nr. 77). Der wie­der­hol­te Rück­griff auf be­fris­te­te Ar­beits­verträge, der als ei­ne Quel­le po­ten­zi­el­len Miss­brauchs zu Las­ten der Ar­beit­neh­mer ge­se­hen wird, soll ein­ge­grenzt wer­den, um die „Pre­ka­ri­sie­rung der La­ge der Beschäftig­ten“ zu ver­hin­dern (vgl. EuGH 26. Ja­nu­ar 2012 - C-586/10 - [Kücük] Rn. 25, aaO). Die
Fra­ge, ob ei­ne hier­nach grundsätz­lich zu ver­hin­dern­de „Be­fris­tungs­ket­te“ vor­liegt, wird maßgeb­lich be­stimmt durch die An­zahl der be­fris­te­ten Ver­trags­verlänge­run­gen so­wie de­ren Ge­samt­dau­er. Das be­deu­tet zu­gleich, dass länge­re zeit­li­che Un­ter­bre­chun­gen ge­gen die An­nah­me von „auf­ein­an­der­fol­gen­den Ar­beits­verhält­nis­sen“ oder „Be­fris­tungs­ket­ten“ spre­chen können (vgl. da­zu auch BAG 6. April 2011 - 7 AZR 716/09 - Rn. 25, aaO).
Von Be­deu­tung kann bei der Be­ur­tei­lung fer­ner sein, ob der Ar­beit­neh­mer stets auf dem­sel­ben Ar­beits­platz mit den­sel­ben Auf­ga­ben beschäftigt wird oder ob es sich um wech­seln­de, ganz un­ter­schied­li­che Auf­ga­ben han­delt (vgl. EuGH 26. Ja­nu­ar 2012 - C-586/10 - [Kücük] Rn. 40, AP Richt­li­nie 99/70/EG Nr. 9 = EzA Tz­B­fG § 14 Nr. 80). Auch wenn ein ständi­ger Ver­tre­tungs­be­darf der An­nah­me des Sach­grunds der Ver­tre­tung nicht ent­ge­gen­steht und da­her ge­eig­net ist, die Be­fris­tung des Ar­beits­verhält­nis­ses mit dem Ver­tre­ter zu recht­fer­ti­gen, ist er den­noch ein Um­stand, der im Rah­men ei­ner um­fas­sen­den Miss­brauchs­kon­trol­le in die Ge­samtwürdi­gung ein­be­zo­gen wer­den kann. Bei zu­neh­men­der An­zahl und Dau­er der je­weils be­fris­te­ten Beschäfti­gung ei­nes Ar­beit­neh­mers kann es ei­ne miss­bräuch­li­che Aus­nut­zung der dem Ar­beit­ge­ber an sich recht­lich eröff­ne­ten Be­fris­tungsmöglich­keit dar­stel­len, wenn er ge­genüber ei­nem be­reits langjährig beschäftig­ten Ar­beit­neh­mer trotz der tatsächlich vor­han­de­nen Möglich­keit ei­ner dau­er­haf­ten Ein­stel­lung im­mer wie­der auf be­fris­te­te Verträge zurück­greift.
Bei der Ge­samtwürdi­gung können da­ne­ben zahl­rei­che wei­te­re Ge­sichts­punk­te ei­ne Rol­le spie­len. Zu den­ken ist da­bei ins­be­son­de­re an bran-
oder ins­be­son­de­re ku­mu­la­tiv in be­son­ders gra­vie­ren­dem Aus­maß über­schrit­ten, kann ei­ne miss­bräuch­li­che Aus­nut­zung der an sich eröff­ne­ten Möglich­keit zur Sach­grund­be­fris­tung in­di­ziert sein. In ei­nem sol­chen Fall hat al­ler­dings der Ar­beit­ge­ber re­gelmäßig die Möglich­keit, die An­nah­me des in­di­zier­ten Ge­stal­tungs­miss­brauchs durch den Vor­trag be­son­de­rer Umstände zu ent­kräften.
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