Source: https://www.ra-kotz.de/lebenspartnerschaft.htm
Timestamp: 2018-08-14 23:48:17
Document Index: 216544885

Matched Legal Cases: ['§114', '§ 12', '§ 12', 'BGH', '§ 12', '§ 1579', '§ 1361']

Az.: 4 WF 121/02
Beschluss vom 10.01.2003
Vorinstanz: Amtsgericht Bremerhaven, AZ.: 154 F 372/02
In Sachen hat der 4. Zivilsenat des Hanseatischen Oberlandesgerichts in Bremen als Senat für Familiensachen aufgrund der Beratung vom 10.1.2003 beschlossen:
Dem Kläger wird auf seine Beschwerde in Abänderung des Beschlusses des Amtsgerichts – Familiengericht – Bremerhaven vom 5.11.2002 Prozesskostenhilfe ohne Ratenzahlungsanordnung unter Beiordnung von Rechtsanwältin … bewilligt.
Die Parteien, die zuvor schon zwei Jahre zusammengelebt hatten, haben im Mai 2002 eine eingetragene Lebenspartnerschaft begründet. Etwa drei Monate später haben sie sich getrennt. Der Kläger, der aufgrund einer Aids-Erkrankung nicht in der Lage ist, einer beruflichen Tätigkeit nachzugehen, verlangt von dem erwerbstätigen Beklagten im Rahmen einer Stufenklage Auskunft und – zunächst unbezifferten – Unterhalt. Seinen Antrag auf Bewilligung von Prozesskostenhilfe hat das Familiengericht mit Beschluss vom 5.11.2002 abgelehnt. Die dagegen gerichtete statthafte und auch in zulässiger Weise eingelegte sofortige Beschwerde, der vom Familiengericht nicht abgeholfen worden ist, hat Erfolg. Entgegen der Annahme des Familiengerichts bietet die Klage hinreichende Aussicht auf Erfolg i.S. des §114 ZPO.
Dass dem Kläger ein danach möglicher Unterhaltsanspruch aus Billigkeitsgründen gemäß § 12 II LPartG versagt werden muss, ist nach dem gegenwärtigen Sachstand, wie er sich aus dem bislang unstreitigen Vortrag des Klägers ergibt, nicht anzunehmen; jedenfalls aber steht nicht fest, dass ein Anspruch im Hinblick auf § 12 II LPartG ausscheidet, was allein dem Auskunftsbegehren die Erfolgsaussicht nähme. Der Senat ist, anders als das Familiengericht, der Ansicht, dass sich eine Unbilligkeit der Inanspruchnahme des Beklagten nicht bereits daraus herleiten lässt, dass die Parteien nach Begründung der eingetragenen Lebenspartnerschaft nur noch etwa drei Monate zusammengelebt haben, ein Umstand, der auch bei Ehegatten eine Versagung des Anspruchs auf Trennungsunterhalt aus Billigkeitsgesichtspunkten nicht rechtfertigen würde (vgl. BGH, FamRZ 1982, 573, 575). Zwar sind die Unterhaltspflichten eingetragener Lebenspartner insgesamt schwächer ausgeprägt als die von Ehegatten. Auch ist die Schwelle der Härteklausel des § 12 II LPartG („Unbilligkeit“) niedriger als die des § 1579 Nr. 2 bis 7 BGB, die gemäß § 1361 III BGB beim Trennungsunterhalt von Ehegatten maßgebend ist („grobe Unbilligkeit“) (vgl. Büttner in Schwab, Die eingetragene Lebenspartnerschaft, S. 228, sowie Schwab, a.a.O., S. 166). Doch führt das nicht dazu, dass ein Lebenspartner bereits deshalb von Unterhaltspflichten frei wird, weil es bereits drei Monate nach Eintragung der Lebenspartnerschaft zur Trennung kommt. Dies gilt jedenfalls dann, wenn es – wie im vorliegenden Falle (immer bei Zugrundelegung des nicht bestrittenen Vorbringens des Klägers) – zu einer wirtschaftlichen Verflechtung der Partner gekommen ist und der eine bisher vom Einkommen des anderen Partners gelebt hat, zumal wenn dies auch schon während eines längeren Zusammenlebens vor Eintragung der Lebenspartnerschaft der Fall war. In einem solchen Falle ist es dem erwerbstätigen Lebenspartner grundsätzlich zuzumuten, nach der Trennung im Rahmen seiner Leistungsfähigkeit für den Unterhaltsbedarf des Partners, der nicht erwerbstätig ist und es nicht sein kann, aufzukommen. Auf die Frage, ob der Anspruch des Klägers gegebenenfalls bis zu der von ihm angestrebten gerichtlichen Aufhebung der Lebenspartnerschaft besteht, oder ob er zeitlich zu begrenzen ist, wie es das OLG Hamburg (FamRZ 2002, 753) in einem vergleichbaren Fall von Trennungsunterhalt unter Ehegatten – mit allerdings wenig überzeugender Begründung – angenommen hat, kommt es im gegenwärtigen Verfahrensstadium nicht an.
Auch der Umstand, dass der Kläger eigenes Einkommen nicht als Folge der Rollenverteilung in der Partnerschaft, sondern wegen einer Krankheit, die schon vor Eingehung der Lebenspartnerschaft bestand, nicht erzielen kann, macht die Inanspruchnahme des Beklagten nicht unbillig. Der Beklagte wusste, dass der Kläger aidskrank war und nicht würde arbeiten können. Wenn er gleichwohl die eingetragene Lebenspartnerschaft mit ihm eingegangen ist, offenbar also die damit verbundenen (vom Gesetzgeber teils schon geschaffenen, teils erst beabsichtigten) Vorteile in Anspruch nehmen wollte, so gibt es keinen Grund, ihn von den vom Gesetzgeber ebenfalls vorgesehenen Pflichten nur deshalb vollständig zu entbinden, weil die Beziehung der Parteien nach ihrer Eintragung als Lebenspartnerschaft nicht mehr lange Bestand gehabt hat.