Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Gericht=BGH&Datum=12.11.2015&Aktenzeichen=I%20ZR%20168%2F14
Timestamp: 2018-07-23 15:40:13
Document Index: 64531881

Matched Legal Cases: ['BGH', '§ 14', '§ 309', '§ 307', '§ 312', '§ 312', '§ 355', '§ 355', '§ 14', '§ 355', '§ 355', '§ 355', '§ 14', 'Art. 229', '§ 22', '§ 563', '§ 563', '§ 355', '§ 312', '§ 312', '§ 13', '§ 312', '§ 312', '§ 312', '§ 312', '§ 495', '§ 355', '§ 425', '§ 422', '§ 425', '§ 767', '§ 286', '§ 286', '§ 312', '§ 312', '§ 312', '§ 355', '§ 414', '§ 312', '§ 312', '§ 305', 'Art. 229', '§ 22', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 14', '§ 14', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 3', 'BGH', 'BGH', '§ 312', '§ 312', '§ 312', '§ 312', '§ 312', '§ 312', '§ 1', 'BGH', 'BGH', '§ 14', '§ 14', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 355', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 14', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 312', 'BGH', 'BGH', 'BGH']

BGH, 12.11.2015 - I ZR 168/14 - dejure.org
§ 14 Abs. 1 BGB-InfoV, § ... 305 c Abs. 1, § 309 Nr. 11 Buchst. a BGB, § 307 Abs. 1 Satz 2 BGB, § 312b BGB, § 312d Abs. 1 Satz 1 BGB, § 355 Abs. 2 Satz 1 BGB, § 355 Abs. 1 Satz 2 BGB, § 14 Abs. 1 der BGB-InfoV, § 355 Abs. 2 BGB, § 355 Abs. 3 Satz 1 BGB, § 355 Abs. 3 Satz 3 BGB, § 14 Abs. 1, 3 BGB-InfoV, Art. 229 § 22 Abs. 2 EGBGB, § 563 Abs. 1 ZPO, § 563 Abs. 3 ZPO, § 355 BGB, § 312b Abs. 1 Satz 1 BGB, § 312b Abs. 2 BGB, § 13 BGB, § 312 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 BGB, §§ 312b, 312d BGB, § 312b Abs. 1 Satz 2 BGB, § 312b Abs. 3 Nr. 3 BGB, § 495 Abs. 1 BGB, §§ 355, 357 BGB, § 425 Abs. 1 BGB, §§ 422 bis 424 BGB, § 425 Abs. 2 BGB, § 767 Abs. 2 BGB, § 286 BGB, § 286 Abs. 1 Satz 2 BGB
§ 312b Abs 1 S 1 BGB vom 02.12.2004, § 312b Abs 1 S 2 BGB vom 02.12.2004, § 312d Abs 1 BGB vom 29.07.2009, § 355 Abs 2 BGB vom 02.12.2004, § 414 BGB
Schuldbeitritt: Darlegungs- und Beweislast für das Vorliegen eines Fernabsatzvertrages; Anwendbarkeit der Vorschriften über Fernabsatzgeschäfte auf Sicherungsgeschäfte; Darlegungslast des Klägers bei Klageforderung gegen einen Gesamtschuldner; Umfang der Haftung des Beitretenden
BGB 2004 §§ 312b Abs. 1 S. 1 u. 2, 355 Abs. 2; BGB 2009 § 312d Abs. 1; BGB §§ 305c Abs. 1, 307 Abs. 1 S. 2, 309 Nr. 11 lit. a; EGBGB Art. 229 § 22 Abs. 2
Darlegungs- und Beweislast bei Fernabsatzgeschäften; Anwendung der Vorschriften über Fernabsatzverträge auf Sicherungsgeschäfte
Zur Darlegungs- und Beweislast des Verbrauchers für die ausschließliche Verwendung von Fernkommunikationsmitteln beim Vertragsschluss; keine Anwendung der Vorschriften über Fernabsatzgeschäfte auf Sicherungsgeschäfte wie den Schuldbeitritt eines Verbrauchers, wenn nach den getroffenen Vereinbarungen der Unternehmer keine vertragscharakteristische Leistung schuldet; zur Anwendung der Vorschriften über den Haustürwiderruf und den Widerruf eines Verbraucherkredits auf den von einem Verbraucher erklärten Schuldbeitritt
Darlegungslast bei Fernabsatzgeschäften: Wer muss was beweisen?
Zur Anwendung der Vorschriften über Fernabsatzgeschäfte auf Sicherungsgeschäfte wie den Schuldbeitritt eines Verbrauchers
Grundsätzlich keine Anwendung der Vorschriften des Fernabsatzes auf Schuldbeitritt von Verbraucher
Darlegungs- und Beweislast für Nutzung von Fernkommunikationsmitteln bei Ausübung des Widerrufsrechts
Keine Anwendung der Vorschriften über Fernabsatzgeschäfte auf Sicherungsgeschäfte
LG Passau, 18.10.2013 - 4 O 495/13
OLG München, 24.01.2014 - 8 U 4250/13
DNotZ 2016, 609
aa) Zum einen informierte die Widerrufsbelehrung mittels des Einschubs des Worts "frühestens" unzureichend deutlich über den Beginn der Widerrufsfrist (…vgl. Senatsurteil vom 28. Juni 2011 - XI ZR 349/10, WM 2011, 1799 Rn. 34;… BGH, Urteile vom 19. Juli 2012 - III ZR 252/11, BGHZ 194, 150 Rn. 13…, vom 15. August 2012 - VIII ZR 378/11, BGHZ 194, 238 Rn. 9…, vom 1. März 2012 - III ZR 83/11, NZG 2012, 427 Rn. 15…, vom 25. September 2014 - III ZR 440/13, WM 2015, 193 Rn. 18 und vom 12. November 2015 - I ZR 168/14, WM 2016, 968 Rn. 15;… Beschluss vom 10. Februar 2015 - II ZR 163/14, juris Rn. 14; aA Schmidt-Kessel/Gläser, WM 2014, 965, 970 f.).
Entsprechend kann sich der Unternehmer auf die Schutzwirkungen des § 14 Abs. 1 BGB-InfoV aF berufen, wenn er gegenüber dem Verbraucher ein Formular verwendet, das dem Muster für die Widerrufsbelehrung in der jeweils maßgeblichen Fassung in den Grenzen des § 14 Abs. 3 BGB-InfoV aF sowohl inhaltlich als auch in der äußeren Gestaltung vollständig entspricht (…vgl. Senatsurteile vom 10. März 2009 - XI ZR 33/08, BGHZ 180, 123 Rn. 13…, vom 23. Juni 2009 - XI ZR 156/08, WM 2009, 1497 Rn. 15 …und vom 28. Juni 2011 - XI ZR 349/10, WM 2011, 1799 Rn. 36 ff.;… BGH, Urteile vom 12. April 2007 - VII ZR 122/06, BGHZ 172, 58 Rn. 12…, vom 19. Juli 2012 - III ZR 252/11, BGHZ 194, 150 Rn. 15…, vom 9. Dezember 2009 - VIII ZR 219/08, WM 2010, 721 Rn. 20…, vom 1. März 2012 - III ZR 83/11, NZG 2012, 427 Rn. 17…, vom 18. März 2014 - II ZR 109/13, WM 2014, 887 Rn. 15…, vom 25. September 2014 - III ZR 440/13, WM 2015, 193 Rn. 18 und vom 12. November 2015 - I ZR 168/14, WM 2016, 968 Rn. 18;… Beschluss vom 10. Februar 2015 - II ZR 163/14, juris Rn. 8).
Um der daraus erwachsenden Gefahr von Fehlentscheidungen des Verbrauchers zu begegnen, wird ihm ein Widerrufsrecht eingeräumt (vgl. BGH, Urteil vom 19. März 2003 - VIII ZR 295/01, BGHZ 154, 239, 242 f. zu § 3 FernAbsG;… Urteil vom 30. November 2010 - VIII ZR 337/09, BGHZ 187, 268 Rn. 23; Urteil vom 12. November 2015 - I ZR 168/14, WM 2016, 968 Rn. 30).
Zu diesem Zeitpunkt soll der Gefahr von Fehlentscheidungen des Verbrauchers begegnet werden, weil er aufgrund der räumlichen Distanz die vom Unternehmer angebotene Ware in der Regel nicht vor Vertragsschluss in Augenschein nehmen oder sich Kenntnis von den Eigenschaften der Dienstleistung verschaffen kann (Erwägungsgrund 14 der Richtlinie 97/7/EG; Begründung zum Regierungsentwurf eines Gesetzes über Fernabsatzverträge und andere Fragen des Verbraucherrechts sowie zur Umstellung von Vorschriften auf Euro, BT-Drucks. 14/2658, S. 15; vgl. BGH, WM 2016, 968 Rn. 30).
2012, § 312b BGB Rn. 34; Palandt/Grüneberg, BGB, 73. Aufl., § 312b Rn. 8; Junker in jurisPK-BGB, 4. Aufl., § 312b Rn. 54; BeckOK BGB/Schmidt-Räntsch, Edition 7, Stand: 1. Februar 2007, § 312b Rn. 33; dies., VuR 2000, 427, 428; Hahn/Wilmer, Handbuch des Fernabsatzrechts, 2005, S. 49; dies., Fernabsatzrecht, 2. Aufl., § 312b BGB Rn. 12; Lütcke, Fernabsatzrecht, 2002, § 312b BGB Rn. 60 f.; Härting, Fernabsatzgesetz, 2000, § 1 Rn. 69; Reich, EuZW 1997, 581, 582; Gößmann, MMR 1998, 88, 89; Meents, CR 2000, 610 f.; Fuchs, ZIP 2000, 1273, 1274 f.; Grigoleit, NJW 2002, 1151, 1152; Schmittmann, K&R 2004, 361, 362; offen BGH, Urteil vom 12. November 2015 - I ZR 168/14, WM 2016, 968 Rn. 28).
Um der daraus erwachsenden Gefahr von Fehlentscheidungen des Verbrauchers zu begegnen, wird ihm ein Widerrufsrecht eingeräumt (BGH, Urteil vom 12. November 2015 - I ZR 168/14, WM 2016, 962 Rn. 30 mwN).
Entsprechend kann sich der Unternehmer auf die Schutzwirkungen des § 14 Abs. 1 BGB-InfoV aF berufen, wenn er gegenüber dem Verbraucher ein Formular verwendet, das dem Muster für die Widerrufsbelehrung in der jeweils maßgeblichen Fassung in den Grenzen des § 14 Abs. 3 BGB-InfoV aF sowohl inhaltlich als auch in der äußeren Gestaltung vollständig entspricht (…vgl. BGH, Urteile vom 10.03.2009 - XI ZR 33/08, BGHZ 180, 123 Rn. 13…, vom 23.06.2009 - XI ZR 156/08, WM 2009, 1497 Rn. 15…, vom 28.06.2011 - XI ZR 349/10, WM 2011, 1799 Rn. 36 ff.;… vom 12.04.2007 - VII ZR 122/06, BGHZ 172, 58 Rn. 12…, vom 19.07.2012 - III ZR 252/11, BGHZ 194, 150 Rn. 15…, vom 09.12.2009 - VIII ZR 219/08, WM 2010, 721 Rn. 20…, vom 01.03.2012 - III ZR 83/11, NZG 2012, 427 Rn. 17…, vom 18.03.2014 - II ZR 109/13, WM 2014, 887 Rn. 15…, vom 25.09.2014 - III ZR 440/13, WM 2015, 193 Rn. 18 und vom 12.11.2015 - I ZR 168/14, WM 2016, 968 Rn. 18;… Beschluss vom 10.02.2015 - II ZR 163/14, juris Rn. 8).
Die von der Beklagten verwendete Formulierung, die Frist beginne "frühestens mit Erhalt dieser Belehrung", belehrt den Verbraucher, wie der Bundesgerichtshof bereits wiederholt entschieden hat, nicht richtig über den nach § 355 Abs. 2 BGB maßgeblichen Beginn der Widerrufsfrist, weil sie nicht umfassend und zudem irreführend ist (BGH, Urteil vom 12. November 2015 - I ZR 168/14 -, juris;… Beschluss vom 10. Februar 2015 - II ZR 163/14, juris, Rn. 14; BGH…, Urteil vom 5. Juni 2014 - III ZR 557/13 Rn. 19 m.w.N., juris;… Urteil vom 19. Juli 2012 - III ZR 252/11, juris Rn. 13, m.w.N.).
Nach der Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs (vgl. BGH, Urteil vom 12. November 2015 - I ZR 168/14 -, Rn. 18, juris) kann sich ein Unternehmer auf die Schutzwirkung des § 14 Abs. 1 BGB-InfoV nur berufen, wenn die Widerrufsbelehrung dem Muster der Anlage 2 zu dieser Bestimmung in der jeweils maßgeblichen Fassung sowohl inhaltlich als auch in der äußeren Gestaltung vollständig entspricht (BGH…, Urteil vom 28. Juni 2011 - XI ZR 349/10 -, Rn. 37, juris; BGH…, Urteil vom 18. März 2014 - II ZR 109/13 -, NJW 2014, 2022 Rn. 15, jeweils m.w.N.).
Unerheblich ist deshalb auch, ob die Abweichungen von der Musterbelehrung nur in der Aufnahme von zutreffenden Zusatzinformationen zugunsten des Belehrungsempfängers bestehen (BGH…, Urteil vom 18. März 2014 - II ZR 109/13 -, Rn. 16, juris; Urteil vom 12. November 2015 - I ZR 168/14 -, Rn. 18, juris).
Wegen der angenommenen widerleglichen Vermutung gem. § 312c Abs. 1 BGB ist ferner davon auszugehen, dass - wenn wie hier feststeht, dass der Vertrag unter ausschließlicher Verwendung von Fernkommunikationsmitteln geschlossen wurde - der Unternehmer die Beweislast dafür trägt, dass dies nicht im Rahmen eines Fernabsatzsystems geschehen ist (zuletzt: BGH v.12.11.2015 - I ZR 168/14, WM 2016, 968).
Das Revisionsgericht prüft nur, ob der Auslegungsstoff vollständig berücksichtigt ist und gesetzliche Auslegungsregeln, Denkgesetze, Erfahrungssätze oder Verfahrensvorschriften verletzt sind (vgl. BGH…, Urteil vom 17. Juli 2013 - I ZR 52/12, GRUR 2014, 258 Rn. 11 = WRP 2014, 178 - Pippi-Langstrumpf-Kostüm I; Urteil vom 12. November 2015 - I ZR 168/14, WM 2016, 968 Rn. 9).
Die Qualifikation der Darlehensverträge als Fernabsatzverträge scheitert nicht an fehlendem Vortrag der Klägerin dazu, dass auch die Vertragsanbahnung ohne Anwesenheit beider Parteien erfolgt ist (BGH, Urteil vom 12. November 2015 - I ZR 168/14, WM 2016, 968 Rn. 27 f.).