Source: https://www.dr-hoek.de/fachinformationen/franzoesisches-immobilienrecht/immobilienkauf-in-frankreich
Timestamp: 2020-05-30 08:22:42
Document Index: 280248911

Matched Legal Cases: ['Art. 1582', 'Art. 1582', 'Art. 1584', 'Art. 28', 'Art. 2279', '§ 892', 'Art. 1601', 'Art. 711', 'Art. 1583']

Immobilienkauf in Frankreich | Kanzlei Dr. Hök Stieglmeier & Kollegen Berlin
2. Das Kaufrecht ist in Art. 1582 ff. CC geregelt. Mit dem Kaufvertrag verpflichtet sich der Verkäufer eine Sache zu liefern, der Käufer eine Zahlung zu leisten (Art. 1582 CC). Der Kaufvertrag kann unter einer aufschiebenden oder auflösenden Bedingung geschlossen werden (Art. 1584 CC). Auch das in ihm wohnende dingliche Geschäft ist nicht bedingungsfeindlich (vgl. Art. 28-1° du décret n° 55-22 du 4 janvier 1955). Während im Fahrnisrecht (Erwerb von beweglichen Sachen) der gutgläubige Erwerb vom Besitzer gemäß Art. 2279 CC möglich ist, scheidet der gutgläubige Erwerb von Grundbesitz praktisch aus, da in Frankreich die Registereintragung keine dem § 892 BGB vergleichbare Wirkung hat. Die Veräußerung eines noch nicht fertiggestellten Gebäudes unterliegt den besonderen Regelungen der Art. 1601-1 ff. CC. Wer sich mit dem französischen Immobilienrecht beschäftigt, stößt sodann alsbald auf einen wesentlichen dogmatischen Unterschied zum deutschen Recht. Während im deutschen Recht das sog. Abstraktionsprinzip vorherrscht, ist dieses dem französischen Recht praktisch fremd. In Deutschland wird bei Immobilien streng zwischen dem sog. Verpflichtungsgeschäft (Kaufvertrag, Schenkungsvertrag etc.) und dem dinglichen Geschäft (Auflassung) unterschieden. Dagegen wird in Frankreich nicht zwischen der Verpflichtung zur Übereignung und der Übereignung differenziert. “La propriété s´acquiert par l´effet des obligations” (Art. 711 CC) und “.. la propriété est acquise de droit à l´acheteur à l´égard du vendeur, dès qu´on est convenu de la chose et du prix” (Art. 1583 CC) bedeutet, daß bereits das Verpflichtungsgeschäft die Übereignung zur Folge hat. Eines weiteren konstitutiven Elementes bedarf es nicht. Übergabe oder Eintragung im Grundbuch sind entbehrlich. Allerdings wirkt sich die Übereignung nur zwischen den Vertragsbeteiligten aus. Den Sicherheitsbedürfnissen des Rechtsverkehrs tragen diverse Register Rechnung, aus denen sich die rechtlichen Verhältnisse an Grundeigentum entnehmen lassen.
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