Source: http://m.hensche.de/Altersdiskriminierung_durch_Lebensaltersstufen_des_BAT_Zulaessigkeit_der_Ueberfuehrung_der_BAT-Gehaelter_in_den_TVoeD_Europarecht_EuGH_C-297-10-u.html
Timestamp: 2017-08-23 23:18:46
Document Index: 341449101

Matched Legal Cases: ['Art. 2', 'Art. 6', 'Art. 21', 'Art. 267', 'Art. 21', 'Art. 1', 'Art. 2', 'Art. 3', 'Art. 6', 'Art. 16', 'Art. 18', '§ 10', '§ 27', 'Art. 27', '§ 5', '§ 6', 'Art. 21', 'Art. 6', 'Art. 28', '§ 27', 'Art. 28', 'Art. 21', '§ 27', '§ 27', 'Art. 28', 'Art. 21', 'Art. 21', 'Art. 21', 'Art. 1', 'Art. 3', 'Art. 3', 'Art. 21', 'Art. 2', 'Art. 28', 'Art. 2', 'Art. 2', 'Art. 1', '§ 27', 'Art. 2', 'Art. 6', 'Art. 6', 'Art. 27', 'Art. 16', 'Art. 18', 'Art. 6', 'Art. 28', 'Art. 28', 'Art. 6', 'Art. 27', 'Art. 21', 'Art. 2', 'Art. 28', 'Art. 2', 'Art. 28', 'Art. 28', 'Art. 2', 'Art. 2', 'Art. 2', 'Art. 6', 'Art. 6', 'Art. 2', 'Art. 28', 'Art. 21', 'Art. 2', 'Art. 28', 'Art. 2', 'Art. 28']

HENSCHE Arbeitsrecht: C-297/10 C-298/10
Schlag­worte: Diskriminierung: Alter, Tarifvertrag
Akten­zeichen: C-297/10
C-298/10
Ent­scheid­ungs­datum: 08.09.2011
8. Sep­tem­ber 2011(*)
„Richt­li­nie 2000/78/EG – Art. 2 Abs. 2 und Art. 6 Abs. 1 – Char­ta der Grund­rech­te der Eu­ropäischen Uni­on – Art. 21 und 28 – Ta­rif­ver­trag über die Vergütung der An­ge­stell­ten im öffent­li­chen Dienst ei­nes Mit­glied­staats – Nach Maßga­be des Al­ters fest­ge­setz­te Vergütung – Ta­rif­ver­trag, der die Fest­set­zung der Vergütung nach Maßga­be des Al­ters ab­schafft – Wah­rung des Be­sitz­stands“
In den ver­bun­de­nen Rechts­sa­chen C‑297/10 und C‑298/10
be­tref­fend Vor­ab­ent­schei­dungs­er­su­chen nach Art. 267 AEUV, ein­ge­reicht vom Bun­des­ar­beits­ge­richt (Deutsch­land) mit Ent­schei­dun­gen vom 20. Mai 2010, beim Ge­richts­hof ein­ge­gan­gen am 16. Ju­ni 2010, in den Ver­fah­ren
Sa­bi­ne Hen­nigs (C-297/10)
Land Ber­lin (C-298/10)
Alex­an­der Mai
un­ter Mit­wir­kung des Kam­mer­präsi­den­ten J. N. Cun­ha Ro­d­ri­gues, der Rich­ter A. Ara­b­ad­jiev, A. Ro­sas und A. Ó Cao­imh so­wie der Rich­te­rin P. Lindh (Be­richt­er­stat­te­rin),
auf­grund des schrift­li­chen Ver­fah­rens und auf die münd­li­che Ver­hand­lung vom 26. Mai 2011,
– von Frau Hen­nigs, ver­tre­ten durch Rechts­anwälte M. Pei­se­ler und A. Seu­len,
– von Herrn Mai, ver­tre­ten durch Rechts­an­walt H.-W. Behm,
– des Lan­des Ber­lin, ver­tre­ten durch Rechts­an­walt J. Zeisberg,
– der deut­schen Re­gie­rung, ver­tre­ten durch T. Hen­ze und J. Möller als Be­vollmäch­tig­te,
– der bel­gi­schen Re­gie­rung, ver­tre­ten durch M. Ja­cobs und C. Po­chet als Be­vollmäch­tig­te,
– der Eu­ropäischen Kom­mis­si­on, ver­tre­ten durch V. Kreu­schitz und J. En­e­gren als Be­vollmäch­tig­te,
Die Vor­ab­ent­schei­dungs­er­su­chen be­tref­fen die Aus­le­gung der Art. 21 und 28 der Char­ta der Grund­rech­te der Eu­ropäischen Uni­on (im Fol­gen­den: Char­ta) so­wie des Ver­bots der Dis­kri­mi­nie­rung we­gen des Al­ters und der Richt­li­nie 2000/78/EG des Ra­tes vom 27. No­vem­ber 2000 zur Fest­le­gung ei­nes all­ge­mei­nen Rah­mens für die Ver­wirk­li­chung der Gleich­be­hand­lung in Beschäfti­gung und Be­ruf (ABl. L 303, S. 16).
Die­se Er­su­chen er­ge­hen im Rah­men von Rechts­strei­tig­kei­ten zwi­schen zwei An­ge­stell­ten im öffent­li­chen Dienst, Frau Hen­nigs und Herrn Mai, und ih­ren je­wei­li­gen Ar­beit­ge­bern, dem Ei­sen­bahn-Bun­des­amt und dem Land Ber­lin, über die Fest­set­zung der Höhe ih­rer Vergütun­gen.
Die Erwägungs­gründe 9, 11, 25 und 36 der Richt­li­nie 2000/78 lau­ten:
„(9) Beschäfti­gung und Be­ruf sind Be­rei­che, die für die Gewähr­leis­tung glei­cher Chan­cen für al­le und für ei­ne vol­le Teil­ha­be der Bürger am wirt­schaft­li­chen, kul­tu­rel­len und so­zia­len Le­ben so­wie für die in­di­vi­du­el­le Ent­fal­tung von ent­schei­den­der Be­deu­tung sind.
Nach ih­rem Art. 1 ist „Zweck [der] Richt­li­nie [2000/78] die Schaf­fung ei­nes all­ge­mei­nen Rah­mens zur Bekämp­fung der Dis­kri­mi­nie­rung we­gen der Re­li­gi­on oder der Welt­an­schau­ung, ei­ner Be­hin­de­rung, des Al­ters oder der se­xu­el­len Aus­rich­tung in Beschäfti­gung und Be­ruf im Hin­blick auf die Ver­wirk­li­chung des Grund­sat­zes der Gleich­be­hand­lung in den Mit­glied­staa­ten“.
Art. 2 die­ser Richt­li­nie be­stimmt:
i) die­se Vor­schrif­ten, Kri­te­ri­en oder Ver­fah­ren sind durch ein rechtmäßiges Ziel sach­lich ge­recht­fer­tigt, und die Mit­tel sind zur Er­rei­chung die­ses Ziels an­ge­mes­sen und er­for­der­lich …“
Ih­rem Art. 3 Abs. 1 Buchst. c zu­fol­ge gilt die Richt­li­nie für al­le Per­so­nen in öffent­li­chen und pri­va­ten Be­rei­chen, ein­sch­ließlich öffent­li­cher Stel­len, u. a. in Be­zug auf die Beschäfti­gungs- und Ar­beits­be­din­gun­gen ein­sch­ließlich des Ar­beits­ent­gelts.
In Art. 6 Abs. 1 der Richt­li­nie heißt es:
Art. 16 der Richt­li­nie 2000/78 be­stimmt:
„Die Mit­glied­staa­ten tref­fen die er­for­der­li­chen Maßnah­men, um si­cher­zu­stel­len, dass
b) die mit dem Gleich­be­hand­lungs­grund­satz nicht zu ver­ein­ba­ren­den Be­stim­mun­gen in Ar­beits- und Ta­rif­verträgen … für nich­tig erklärt wer­den oder erklärt wer­den können oder geändert wer­den.“
Art. 18 der Richt­li­nie 2000/78 sieht vor:
„Die Mit­glied­staa­ten … können den So­zi­al­part­nern auf de­ren ge­mein­sa­men An­trag die Durchführung der Be­stim­mun­gen die­ser Richt­li­nie über­tra­gen, die in den An­wen­dungs­be­reich von Ta­rif­verträgen fal­len. In die­sem Fall gewähr­leis­ten die Mit­glied­staa­ten, dass die So­zi­al­part­ner spätes­tens zum 2. De­zem­ber 2003 im Weg ei­ner Ver­ein­ba­rung die er­for­der­li­chen Maßnah­men ge­trof­fen ha­ben; da­bei ha­ben die Mit­glied­staa­ten al­le er­for­der­li­chen Maßnah­men zu tref­fen, um je­der­zeit gewähr­leis­ten zu können, dass die durch die­se Richt­li­nie vor­ge­schrie­be­nen Er­geb­nis­se er­zielt wer­den. …
Um be­son­de­ren Be­din­gun­gen Rech­nung zu tra­gen, können die Mit­glied­staa­ten er­for­der­li­chen­falls ei­ne Zu­satz­frist von drei Jah­ren ab dem 2. De­zem­ber 2003, d. h. ins­ge­samt sechs Jah­re, in An­spruch neh­men, um die Be­stim­mun­gen die­ser Richt­li­nie über die Dis­kri­mi­nie­rung we­gen des Al­ters und ei­ner Be­hin­de­rung um­zu­set­zen. In die­sem Fall set­zen sie die Kom­mis­si­on un­verzüglich da­von in Kennt­nis. …“
Die Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land hat von die­ser Möglich­keit Ge­brauch ge­macht, so dass die Um­set­zung der Be­stim­mun­gen der Richt­li­nie über die Dis­kri­mi­nie­rung we­gen des Al­ters und ei­ner Be­hin­de­rung in die­sem Mit­glied­staat spätes­tens am 2. De­zem­ber 2006 er­folgt sein muss­te.
Bun­des­recht­li­che Re­ge­lung zur Gleich­be­hand­lung
Durch das All­ge­mei­ne Gleich­be­hand­lungs­ge­setz (AGG) vom 14. Au­gust 2006 (BGBl. 2006 I S. 1897) wur­de die Richt­li­nie 2000/78 um­ge­setzt.
Der mit „Zulässi­ge un­ter­schied­li­che Be­hand­lung we­gen des Al­ters“ über­schrie­be­ne § 10 AGG be­stimmt:
2. die Fest­le­gung von Min­dest­an­for­de­run­gen an das Al­ter, die Be­rufs­er­fah­rung oder das Dienst­al­ter für den Zu­gang zur Beschäfti­gung oder für be­stimm­te mit der Beschäfti­gung ver­bun­de­ne Vor­tei­le;
Die für die An­ge­stell­ten im öffent­li­chen Dienst gel­ten­den Ta­rif­verträge
Wie das vor­le­gen­de Ge­richt ausführt, wird die Höhe der Vergütun­gen der An­ge­stell­ten im öffent­li­chen Dienst von den So­zi­al­part­nern durch Ta­rif­verträge fest­ge­legt.
– Die für die An­ge­stell­ten des Lan­des Ber­lin gel­ten­den Ta­rif­verträge (Rechts­sa­che C‑298/10)
In dem für das Aus­gangs­ver­fah­ren maßge­ben­den Zeit­raum galt für die Ar­beits­verhält­nis­se der An­ge­stell­ten des Lan­des Ber­lin der Bun­des-An­ge­stell­ten­ta­rif­ver­trag (BAT) vom 23. Fe­bru­ar 1961. Die­ser Ta­rif­ver­trag war für die An­ge­stell­ten des Bun­des ab­ge­schlos­sen wor­den, galt aber auch für die An­ge­stell­ten der Länder und der Ge­mein­den.
Der BAT wur­de durch den Vergütungs­ta­rif­ver­trag Nr. 35 zum BAT ergänzt.
In § 27 BAT heißt es:
„A. An­ge­stell­te, die un­ter die An­la­ge 1a fal­len
1. Im Vergütungs­ta­rif­ver­trag sind die Grund­vergütun­gen in den Vergütungs­grup­pen nach Le­bens­al­ters­stu­fen zu be­mes­sen. Die Grund­vergütung der ers­ten Le­bens­al­ters­stu­fe (An­fangs­grund­vergütung) wird vom Be­ginn des Mo­nats an ge­zahlt, in dem der An­ge­stell­te in den Vergütungs­grup­pen III bis X das 21. Le­bens­jahr, in den Vergütungs­grup­pen I bis II b das 23. Le­bens­jahr voll­endet. Nach je zwei Jah­ren erhält der An­ge­stell­te bis zum Er­rei­chen der Grund­vergütung der letz­ten Le­bens­al­ters­stu­fe (End­grund­vergütung) die Grund­vergütung der fol­gen­den Le­bens­al­ters­stu­fe.
2. Wird der An­ge­stell­te in den Vergütungs­grup­pen III bis X spätes­tens am En­de des Mo­nats ein­ge­stellt, in dem er das 31. Le­bens­jahr voll­endet, erhält er die Grund­vergütung sei­ner Le­bens­al­ters­stu­fe. Wird der An­ge­stell­te zu ei­nem späte­ren Zeit­punkt ein­ge­stellt, erhält er die Grund­vergütung der Le­bens­al­ters­stu­fe, die sich er­gibt, wenn das bei der Ein­stel­lung voll­ende­te Le­bens­al­ter um die Hälf­te der Le­bens­jah­re ver­min­dert wird, die der An­ge­stell­te seit Voll­endung des 31. Le­bens­jah­res zurück­ge­legt hat. Je­weils mit Be­ginn des Mo­nats, in dem der An­ge­stell­te ein Le­bens­jahr mit un­ge­ra­der Zahl voll­endet, erhält er bis zum Er­rei­chen der End­grund­vergütung die Grund­vergütung der fol­gen­den Le­bens­al­ters­stu­fe. Für An­ge­stell­te der Vergütungs­grup­pen I bis II b gel­ten die Sätze 1 bis 3 ent­spre­chend mit der Maßga­be, dass an die Stel­le des 31. Le­bens­jah­res das 35. Le­bens­jahr tritt.
Darüber hin­aus sieht Art. 27 Ab­schnitt C BAT vor, dass die vor der Ein­stel­lung des An­ge­stell­ten er­wor­be­ne Be­rufs­er­fah­rung un­ter be­stimm­ten Vor­aus­set­zun­gen berück­sich­tigt wer­den kann, um ihn in ei­ne höhe­re als die ihm nor­ma­ler­wei­se auf­grund sei­nes Al­ters zu­zu­ord­nen­de Stu­fe ein­zu­stu­fen.
Das vor­le­gen­de Ge­richt stellt in Be­zug auf den BAT fest, dass sich die Grund­vergütung nach Vergütungs­grup­pen be­mes­se. Die Grup­pe X stel­le die nied­rigs­te Vergütungs­grup­pe und die Grup­pe I die höchs­te Vergütungs­grup­pe dar. Die Ein­stu­fung in die Vergütungs­grup­pen I bis II a set­ze grundsätz­lich vor­aus, dass der An­ge­stell­te über ei­ne ab­ge­schlos­se­ne Hoch­schul­aus­bil­dung verfüge. In Be­zug auf die Le­bens­al­ters­stu­fen wird bei­spiel­haft aus­geführt, dass für die Vergütungs­grup­pen I bis I b die End­grund­vergütung mit der Le­bens­al­ters­stu­fe 47 er­reicht sei, d. h., so­bald der An­ge­stell­te das 47. Le­bens­jahr voll­endet ha­be. Der BAT sieht außer­dem vor, dass die Grund­vergütung durch ei­nen so­ge­nann­ten Orts­zu­schlag ergänzt wird, der die mit dem Fa­mi­li­en­stand zu­sam­menhängen­den fi­nan­zi­el­len Auf­wen­dun­gen des An­ge­stell­ten teil­wei­se aus­glei­chen soll.
Nach den An­ga­ben des vor­le­gen­den Ge­richts wa­ren die An­fangs- und End­grund­vergütun­gen für die An­ge­stell­ten der Vergütungs­grup­pen I bis X ab dem 1. Mai 2004 in der An­la­ge 1c zum Vergütungs­ta­rif­ver­trag Nr. 35 zum BAT fest­ge­legt. Es weist außer­dem dar­auf hin, dass der BAT für die An­ge­stell­ten des Lan­des Ber­lin bis zum 1. April 2010 galt.
– Die für die An­ge­stell­ten des Bun­des gel­ten­den Ta­rif­verträge (Rechts­sa­che C‑297/10)
Für die Ar­beits­verhält­nis­se der An­ge­stell­ten des Bun­des gal­ten der BAT und der Vergütungs­ta­rif­ver­trag Nr. 35 zum BAT bis zum 1. Ok­to­ber 2005.
Zu die­sem Zeit­punkt sind der BAT und der Vergütungs­ta­rif­ver­trag Nr. 35 zum BAT für die An­ge­stell­ten des Bun­des und die An­ge­stell­ten der Ge­mein­den durch den Ta­rif­ver­trag für den öffent­li­chen Dienst (TVöD) er­setzt wor­den.
Der TVöD sieht kei­ne Le­bens­al­ters­stu­fen und kei­nen Orts­zu­schlag mehr vor. Das ein­heit­li­che Ent­gelt­sys­tem stellt auf Kri­te­ri­en wie Tätig­keit, Be­rufs­er­fah­rung und Leis­tung ab. Die Tätig­keit ist maßgeb­lich für die Vergütungs­grup­pe. Be­rufs­er­fah­rung und Leis­tung sind maßgeb­lich für die Stu­fe.
Ab dem 1. Ok­to­ber 2005 wur­den die An­ge­stell­ten des Bun­des nach dem neu­en Ent­gelt­sys­tem des TVöD neu ein­ge­stuft. Die Ein­zel­hei­ten die­ser Neu­ein­stu­fung re­gelt der Ta­rif­ver­trag zur Über­lei­tung der Beschäftig­ten des Bun­des in den TVöD und zur Re­ge­lung des Über­g­angs­rechts (TVÜ-Bund).
Die Neu­ein­stu­fung der in den An­wen­dungs­be­reich des BAT fal­len­den An­ge­stell­ten er­folg­te in zwei Schrit­ten.
Gemäß § 5 TVÜ-Bund wur­de in ei­nem ers­ten Schritt auf der Grund­la­ge der im Sep­tem­ber 2005 er­hal­te­nen Bezüge ein Ver­gleichs­ent­gelt be­rech­net. Nach den An­ga­ben des vor­le­gen­den Ge­richts führ­te die­se Form der Über­lei­tung da­zu, dass dem An­ge­stell­ten Ent­gelt in der bis­he­ri­gen Höhe ge­zahlt und da­mit sein Be­sitz­stand ge­wahrt wur­de.
Nach § 6 TVÜ-Bund wur­den die An­ge­stell­ten für ei­nen Zeit­raum von zwei Jah­ren ei­ner in­di­vi­du­el­len Zwi­schen­stu­fe in­ner­halb der Vergütungs­grup­pe zu­ge­wie­sen, in der sie ein­ge­stuft wa­ren. Am 1. Ok­to­ber 2007 wur­de die endgülti­ge Neu­ein­stu­fung durch die Über­lei­tung aus der in­di­vi­du­el­len Zwi­schen­stu­fe in die nächsthöhe­re re­guläre Stu­fe der Vergütungs­grup­pe voll­zo­gen.
Nach der endgülti­gen Neu­ein­stu­fung der An­ge­stell­ten ent­wi­ckelt sich de­ren Vergütung gemäß den im TVöD fest­ge­leg­ten Kri­te­ri­en.
Rechts­sa­che C-298/10
Herr Mai, ge­bo­ren am 28. De­zem­ber 1967, war vom 16. März 1998 bis zum 31. März 2009 beim Land Ber­lin als An­ge­stell­ter beschäftigt. Er war als Geschäftsführer ei­nes Pfle­ge­heim­be­triebs tätig. In die­ser Ei­gen­schaft war er in die Vergütungs­grup­pe I a des BAT ein­ge­stuft und be­zog ei­ne Grund­vergütung in Höhe von mo­nat­lich 3 336,09 Eu­ro brut­to. Der mo­nat­li­che Brut­to­be­trag der Grund­vergütung der Le­bens­al­ters­stu­fe 47 in die­ser Vergütungs­grup­pe be­lief sich auf 3 787,14 Eu­ro.
Herr Mai be­an­trag­te bei sei­nem Ar­beit­ge­ber ei­ne Vergütung gemäß Le­bens­al­ters­stu­fe 47 zu ei­nem Zeit­punkt, als er das 47. Le­bens­jahr noch nicht voll­endet hat­te. Sei­ner An­sicht nach stellt die Staf­fe­lung der Grund­vergütung nach Le­bens­al­ters­stu­fen nämlich ei­ne Dis­kri­mi­nie­rung we­gen des Al­ters dar, die jünge­re An­ge­stell­te be­nach­tei­li­ge. Er ver­klag­te das Land Ber­lin auf Zah­lung der Vergütung ent­spre­chend der Le­bens­al­ters­stu­fe 47 in der Vergütungs­grup­pe I a BAT für den Zeit­raum vom 1. Sep­tem­ber 2006 bis zum 31. März 2009.
Im Rah­men die­ses Ver­fah­rens leg­te das Land Ber­lin Re­vi­si­on beim Bun­des­ar­beits­ge­richt ein. Nach des­sen Ausführun­gen ver­langt Herr Mai ei­ne Vergütung, die nicht den Be­stim­mun­gen des BAT ent­spricht. Sei­nem Be­geh­ren könne nur statt­ge­ge­ben wer­den, wenn die Be­rech­nung der Grund­vergütun­gen nach Le­bens­al­ters­stu­fen ei­ne Dis­kri­mi­nie­rung we­gen des Al­ters dar­stel­le und ge­gen Art. 21 der Char­ta so­wie ge­gen die Richt­li­nie 2000/78 ver­s­toße.
Das vor­le­gen­de Ge­richt weist dar­auf hin, dass nach Art. 6 Abs. 1 Un­terabs. 2 Buchst. b der Richt­li­nie 2000/78 ei­ne Un­gleich­be­hand­lung auf­grund des Al­ters u. a. dann zulässig sein könne, wenn sie für be­stimm­te mit der Beschäfti­gung ver­bun­de­ne Vor­tei­le An­for­de­run­gen an das Al­ter fest­le­ge.
Die Le­bens­al­ters­stu­fen des BAT könn­ten als ei­ne Ho­no­rie­rung der Be­rufs­er­fah­rung an­ge­se­hen wer­den. Je­doch neh­me die Be­rufs­er­fah­rung nicht im­mer mit dem Dienst­al­ter zu. Manch­mal neh­me sie so­gar ab. In die­sem Fall spie­ge­le das Kri­te­ri­um des Al­ters nicht ge­ne­rell die Be­rufs­er­fah­rung wi­der.
Das Bun­des­ar­beits­ge­richt stellt sich die Fra­ge, ob die Tat­sa­che, dass der BAT ein von den So­zi­al­part­nern aus­ge­han­del­ter Ta­rif­ver­trag sei, die Her­an­ge­hens­wei­se an die Pro­ble­ma­tik in An­be­tracht von Art. 28 der Char­ta ände­re, der das Recht auf Kol­lek­tiv­ver­hand­lun­gen und auf den Ab­schluss von Ta­rif­verträgen an­er­ken­ne.
Un­ter die­sen Umständen hat das Bun­des­ar­beits­ge­richt be­schlos­sen, das Ver­fah­ren aus­zu­set­zen und dem Ge­richts­hof fol­gen­de Fra­ge zur Vor­ab­ent­schei­dung vor­zu­le­gen:
Verstößt ei­ne ta­rif­li­che Ent­gelt­re­ge­lung für die An­ge­stell­ten im öffent­li­chen Dienst, die wie § 27 BAT in Ver­bin­dung mit dem Vergütungs­ta­rif­ver­trag Nr. 35 zum BAT die Grund­vergütun­gen in den ein­zel­nen Vergütungs­grup­pen nach Le­bens­al­ters­stu­fen be­misst, auch un­ter Berück­sich­ti­gung des primärrecht­lich gewähr­leis­te­ten Rechts der Ta­rif­ver­trags­par­tei­en auf Kol­lek­tiv­ver­hand­lun­gen (jetzt Art. 28 der Char­ta) ge­gen das primärrecht­li­che Ver­bot der Dis­kri­mi­nie­rung we­gen des Al­ters (jetzt Art. 21 der Char­ta) in sei­ner Kon­kre­ti­sie­rung durch die Richt­li­nie 2000/78?
Rechts­sa­che C-297/10
Frau Hen­nigs ist seit dem 1. Fe­bru­ar 2004 als Bau­in­ge­nieu­rin beim Ei­sen­bahn-Bun­des­amt, ei­ner Bun­des­behörde, an­ge­stellt.
Im Rah­men des BAT war sie in die Vergütungs­grup­pe IV a der An­la­ge 1a ein­ge­stuft. Sie war bei ih­rer Ein­stel­lung 41 Jah­re alt und wur­de gemäß § 27 Ab­schnitt A Abs. 2 BAT in die Le­bens­al­ters­stu­fe 35 ein­ge­stuft.
Bei der Über­lei­tung vom BAT in den TVöD wur­de Frau Hen­nigs auf der Grund­la­ge ei­nes an­hand der Le­bens­al­ters­stu­fe 37 be­rech­ne­ten Ver­gleichs­ent­gelts von ins­ge­samt 3 185,33 Eu­ro brut­to neu ein­ge­stuft. Auf­grund die­ses Be­trags wur­de sie in der Vergütungs­grup­pe 11 in ei­ne in­di­vi­du­el­le Zwi­schen­stu­fe zwi­schen den Stu­fen 3 und 4 ein­ge­stuft. Am 1. Ok­to­ber 2007 wur­de sie in Stu­fe 4 der Vergütungs­grup­pe 11 ein­ge­stuft, wo­durch sie An­spruch auf ei­ne mo­nat­li­che Vergütung von 3 200 Eu­ro brut­to er­warb.
Frau Hen­nigs be­an­stan­det nicht ih­re Ein­stu­fung in die Vergütungs­grup­pe, son­dern ih­re Ein­stu­fung in­ner­halb die­ser Grup­pe. Sie macht gel­tend, wenn sie in Stu­fe 5 der Vergütungs­grup­pe 11 ein­ge­stuft wor­den wäre, hätte sie pro Mo­nat 435 Eu­ro brut­to mehr ver­dient. Da­her hat sie auf ent­spre­chen­de Ein­stu­fung ge­klagt.
Sie trägt vor, dass die Le­bens­al­ters­stu­fen­re­ge­lung des BAT ei­ne Dis­kri­mi­nie­rung we­gen des Al­ters dar­stel­le und dass sich die­se Dis­kri­mi­nie­rung im TVöD fort­set­ze.
Das Bun­des­ar­beits­ge­richt, das über die von Frau Hen­nigs ein­ge­leg­te Re­vi­si­on zu ent­schei­den hat, führt aus, dass ei­ne Ein­stu­fung von Frau Hen­nigs ent­spre­chend ih­rem An­trag in Stu­fe 5 der Vergütungs­grup­pe 11 vor­aus­set­zen würde, dass ih­rer Neu­ein­stu­fung nicht die aus der An­wen­dung des BAT re­sul­tie­ren­de Vergütung zu­grun­de ge­legt wer­de. Dies sei nur dann möglich, wenn der BAT, so­weit er die Be­rech­nung der Vergütun­gen nach Le­bens­al­ters­stu­fen vor­se­he, auf­grund ei­nes Ver­s­toßes ge­gen das Ver­bot der Dis­kri­mi­nie­rung we­gen des Al­ters rechts­wid­rig wäre. In­so­weit ver­weist das Bun­des­ar­beits­ge­richt auf die Rechts­sa­che C-298/10.
In Be­zug auf den TVÜ-Bund stellt das vor­le­gen­de Ge­richt die Fra­ge nach dem Spiel­raum, über den die So­zi­al­part­ner verfügen, um von ei­nem ta­rif­ver­trag­li­chen Vergütungs­sys­tem, das auf das Al­ter ab­stellt, zu ei­nem auf an­de­re Kri­te­ri­en gestütz­ten Sys­tem über­zu­ge­hen und da­bei teil­wei­se die al­ten Vergütungs­be­stand­tei­le zu über­neh­men. Fer­ner stellt sich ihm die Fra­ge, ob das Grund­recht auf Kol­lek­tiv­ver­hand­lun­gen bei der Prüfung der Le­gi­ti­mität des ver­folg­ten Ziels zu berück­sich­ti­gen sei. Soll­ten die Über­g­angs­be­stim­mun­gen ge­gen das Ver­bot der Dis­kri­mi­nie­rung we­gen des Al­ters ver­s­toßen, möch­te das Bun­des­ar­beits­ge­richt wis­sen, ob die So­zi­al­part­ner das vom BAT vor­ge­se­he­ne dis­kri­mi­nie­ren­de Ent­gelt­sys­tem un­verzüglich hätten be­sei­ti­gen müssen oder ob sie be­stimm­te dis­kri­mi­nie­ren­de Be­stim­mun­gen für ei­nen Über­g­angs­zeit­raum teil­wei­se hätten bei­be­hal­ten dürfen, um den Be­sitz­stand der be­trof­fe­nen An­ge­stell­ten vorüber­ge­hend zu wah­ren und den suk­zes­si­ven Ab­bau die­ser Be­stim­mun­gen vor­zu­se­hen. Dar­um geht es in der zwei­ten und der drit­ten Fra­ge.
In­so­weit fragt das vor­le­gen­de Ge­richt, ob die un­verhält­nismäßig ho­hen Kos­ten, die der Ar­beit­ge­ber bei ei­ner so­for­ti­gen Be­sei­ti­gung der Gründe für die Dis­kri­mi­nie­rung tra­gen müss­te, ei­ne Recht­fer­ti­gung für die vorüber­ge­hen­de Bei­be­hal­tung der dis­kri­mi­nie­ren­den Be­stim­mun­gen dar­stel­len könn­ten. Dies ist Ge­gen­stand der vier­ten Fra­ge.
Mit der fünf­ten Fra­ge möch­te das Bun­des­ar­beits­ge­richt in An­be­tracht des Grund­sat­zes des Schut­zes des Ver­trau­ens der Ar­beit­neh­mer in das be­ste­hen­de Ta­rif­sys­tem wis­sen, über wel­che Frist die So­zi­al­part­ner zur Be­sei­ti­gung ei­nes dis­kri­mi­nie­ren­den Ta­rif­sys­tems verfügten.
Un­ter die­sen Umständen hat das Bun­des­ar­beits­ge­richt be­schlos­sen, das Ver­fah­ren aus­zu­set­zen und dem Ge­richts­hof fol­gen­de Fra­gen zur Vor­ab­ent­schei­dung vor­zu­le­gen, von de­nen die ers­te mit der in der Rechts­sa­che C‑298/10 ge­stell­ten Fra­ge iden­tisch ist:
1. Verstößt ei­ne ta­rif­li­che Ent­gelt­re­ge­lung für die An­ge­stell­ten im öffent­li­chen Dienst, die wie § 27 BAT in Ver­bin­dung mit dem Vergütungs­ta­rif­ver­trag Nr. 35 zum BAT die Grund­vergütun­gen in den ein­zel­nen Vergütungs­grup­pen nach Le­bens­al­ters­stu­fen be­misst, auch un­ter Berück­sich­ti­gung des primärrecht­lich gewähr­leis­te­ten Rechts der Ta­rif­ver­trags­par­tei­en auf Kol­lek­tiv­ver­hand­lun­gen (jetzt Art. 28 der Char­ta) ge­gen das primärrecht­li­che Ver­bot der Dis­kri­mi­nie­rung we­gen des Al­ters (jetzt Art. 21 der Char­ta) in sei­ner Kon­kre­ti­sie­rung durch die Richt­li­nie 2000/78?
2. Falls die Fra­ge 1 durch den Ge­richts­hof oder auf­grund der Vor­ga­ben in der Vor­ab­ent­schei­dung des Ge­richts­hofs durch das Bun­des­ar­beits­ge­richt be­jaht wird:
a) Gibt das Recht auf Kol­lek­tiv­ver­hand­lun­gen den Ta­rif­ver­trags­par­tei­en den Ge­stal­tungs­spiel­raum, ei­ne sol­che Dis­kri­mi­nie­rung da­durch zu be­sei­ti­gen, dass sie die An­ge­stell­ten un­ter Wah­rung ih­res im al­ten Ta­rif­sys­tem er­wor­be­nen Be­sitz­stands in ein neu­es ta­rif­li­ches Vergütungs­sys­tem über­lei­ten, wel­ches auf die Tätig­keit, Leis­tung und Be­rufs­er­fah­rung ab­stellt?
b) Ist die Fra­ge 2 a je­den­falls dann zu be­ja­hen, wenn die endgülti­ge Zu­ord­nung der über­ge­lei­te­ten An­ge­stell­ten zu den Stu­fen in­ner­halb ei­ner Ent­gelt­grup­pe des neu­en ta­rif­li­chen Ent­gelt­sys­tems nicht al­lein von der im al­ten Ta­rif­sys­tem er­reich­ten Le­bens­al­ters­stu­fe abhängt und wenn die in ei­ne höhe­re Stu­fe des neu­en Sys­tems ge­lang­ten An­ge­stell­ten ty­pi­scher­wei­se ei­ne größere Be­rufs­er­fah­rung auf­wei­sen als die ei­ner nied­ri­ge­ren Stu­fe zu­ge­ord­ne­ten An­ge­stell­ten?
3. Falls die Fra­gen 2 a und b durch den Ge­richts­hof oder auf­grund der Vor­ga­ben in der Vor­ab­ent­schei­dung des Ge­richts­hofs durch das Bun­des­ar­beits­ge­richt ver­neint wer­den:
a) Ist die mit­tel­ba­re Be­nach­tei­li­gung we­gen des Al­ters des­halb ge­recht­fer­tigt, weil es sich um ein le­gi­ti­mes Ziel han­delt, so­zia­le Be­sitzstände zu wah­ren, und weil es ein an­ge­mes­se­nes und er­for­der­li­ches Mit­tel zur Er­rei­chung die­ses Ziels ist, im Rah­men ei­ner Über­g­angs­re­ge­lung vorüber­ge­hend wei­ter­hin älte­re und jünge­re Beschäftig­te un­gleich zu be­han­deln, wenn die­se Un­gleich­be­hand­lung suk­zes­si­ve ab­ge­baut wird und fak­tisch die ein­zi­ge Al­ter­na­ti­ve die Ab­sen­kung der Vergütung älte­rer Beschäftig­ter wäre?
b) Ist die Fra­ge 3 a un­ter Berück­sich­ti­gung des Rechts auf Kol­lek­tiv­ver­hand­lun­gen und der da­mit ver­bun­de­nen Ta­rif­au­to­no­mie je­den­falls dann zu be­ja­hen, wenn Ta­rif­ver­trags­par­tei­en ei­ne sol­che Über­g­angs­re­ge­lung ver­ein­ba­ren?
4. Falls die Fra­gen 3 a und b durch den Ge­richts­hof oder auf­grund der Vor­ga­ben in der Vor­ab­ent­schei­dung des Ge­richts­hofs durch das Bun­des­ar­beits­ge­richt ver­neint wer­den:
Ist der Ver­s­toß ge­gen das primärrecht­li­che Dis­kri­mi­nie­rungs­ver­bot we­gen des Al­ters, der ein ta­rif­li­ches Ent­gelt­sys­tem prägt und es ins­ge­samt un­wirk­sam macht, auch un­ter Berück­sich­ti­gung der da­mit für die be­trof­fe­nen Ar­beit­ge­ber ver­bun­de­nen Mehr­kos­ten und des Rechts der Ta­rif­ver­trags­par­tei­en auf Kol­lek­tiv­ver­hand­lun­gen stets nur so zu be­sei­ti­gen, dass bis zum In­kraft­tre­ten ei­ner uni­ons­rechts­kon­for­men Neu­re­ge­lung bei der An­wen­dung der ta­rif­ver­trag­li­chen Ent­gelt­re­ge­lun­gen je­weils die höchs­te Le­bens­al­ters­stu­fe zu­grun­de ge­legt wird?
5. Falls die Fra­ge 4 durch den Ge­richts­hof oder auf­grund der Vor­ga­ben in der Vor­ab­ent­schei­dung des Ge­richts­hofs durch das Bun­des­ar­beits­ge­richt ver­neint wird:
Wäre es im Hin­blick auf das Recht der Ta­rif­ver­trags­par­tei­en auf Kol­lek­tiv­ver­hand­lun­gen mit dem uni­ons­recht­li­chen Ver­bot ei­ner Dis­kri­mi­nie­rung we­gen des Al­ters und dem Er­for­der­nis ei­ner wirk­sa­men Sank­ti­on bei ei­nem Ver­s­toß ge­gen die­ses Ver­bot ver­ein­bar, den Ta­rif­ver­trags­par­tei­en zur rück­wir­ken­den Be­sei­ti­gung der Un­wirk­sam­keit des von ih­nen ver­ein­bar­ten Ent­gelt­sys­tems ei­ne über­schau­ba­re Frist (z. B. von sechs Mo­na­ten) ein­zuräum­en, ver­bun­den mit dem Hin­weis, dass bei der An­wen­dung des Ta­rif­rechts je­weils die höchs­te Le­bens­al­ters­stu­fe zu­grun­de zu le­gen sein wird, falls in­ner­halb der Frist kei­ne uni­ons­rechts­kon­for­me Neu­re­ge­lung er­folgt, und wel­cher zeit­li­che Spiel­raum für die Rück­wir­kung der uni­ons­rechts­kon­for­men Neu­re­ge­lung könn­te ge­ge­be­nen­falls den Ta­rif­ver­trags­par­tei­en da­bei zu­ge­bil­ligt wer­den?
Mit Be­schluss des Präsi­den­ten des Ge­richts­hofs vom 24. Sep­tem­ber 2010 sind die Rechts­sa­chen C-297/10 und C-298/10 zu ge­mein­sa­mem schrift­li­chen und münd­li­chen Ver­fah­ren und zu ge­mein­sa­mer Ent­schei­dung ver­bun­den wor­den.
Mit sei­nen Vor­la­ge­fra­gen er­sucht das vor­le­gen­de Ge­richt den Ge­richts­hof um Aus­le­gung des primärrecht­lich in Art. 21 der Char­ta ver­an­ker­ten Ver­bots der Dis­kri­mi­nie­rung we­gen des Al­ters, wie es durch die Richt­li­nie 2000/78 kon­kre­ti­siert wor­den ist.
Der Ge­richts­hof hat an­er­kannt, dass ein Ver­bot der Dis­kri­mi­nie­rung we­gen des Al­ters be­steht, das als all­ge­mei­ner Grund­satz des Uni­ons­rechts an­zu­se­hen und durch die Richt­li­nie 2000/78 im Be­reich von Beschäfti­gung und Be­ruf kon­kre­ti­siert wor­den ist (vgl. in die­sem Sin­ne Ur­teil vom 19. Ja­nu­ar 2010, Kücükde­ve­ci, C‑555/07, noch nicht in der amt­li­chen Samm­lung veröffent­licht, Rand­nr. 21). Das Ver­bot jeg­li­cher Dis­kri­mi­nie­rung u. a. we­gen des Al­ters ist in Art. 21 der Char­ta auf­ge­nom­men wor­den, der seit dem 1. De­zem­ber 2009 der glei­che recht­li­che Wert zu­kommt wie den Verträgen.
Zur Be­ant­wor­tung der Vor­la­ge­fra­gen ist zu prüfen, ob die in den Aus­gangs­ver­fah­ren in Re­de ste­hen­den Maßnah­men in den An­wen­dungs­be­reich der Richt­li­nie 2000/78 fal­len.
In­so­weit er­gibt sich so­wohl aus dem Ti­tel und den Erwägungs­gründen als auch aus dem In­halt und der Ziel­set­zung die­ser Richt­li­nie, dass sie ei­nen all­ge­mei­nen Rah­men schaf­fen soll, der gewähr­leis­tet, dass je­der „in Beschäfti­gung und Be­ruf“ gleich­be­han­delt wird, in­dem dem Be­trof­fe­nen ein wirk­sa­mer Schutz vor Dis­kri­mi­nie­run­gen aus ei­nem der in ih­rem Art. 1 ge­nann­ten Gründe – dar­un­ter das Al­ter – ge­bo­ten wird (vgl. Ur­teil vom 12. Ok­to­ber 2010, In­ge­niørfo­re­nin­gen i Dan­mark, C‑499/08, noch nicht in der amt­li­chen Samm­lung veröffent­licht, Rand­nr. 19).
Nach Art. 3 Abs. 1 Buchst. c der Richt­li­nie 2000/78 gilt die­se für al­le Per­so­nen in öffent­li­chen und pri­va­ten Be­rei­chen, ein­sch­ließlich öffent­li­cher Stel­len, u. a. in Be­zug auf die Beschäfti­gungs- und Ar­beits­be­din­gun­gen ein­sch­ließlich des Ar­beits­ent­gelts.
Aus den An­ga­ben des vor­le­gen­den Ge­richts geht her­vor, dass die in den Aus­gangs­ver­fah­ren in Re­de ste­hen­den Maßnah­men das Vergütungs­sys­tem für die An­ge­stell­ten im öffent­li­chen Dienst re­geln. Die­se Maßnah­men be­tref­fen so­mit das Ar­beits­ent­gelt die­ser An­ge­stell­ten im Sin­ne von Art. 3 Abs. 1 Buchst. c der Richt­li­nie 2000/78.
Zu der ers­ten Fra­ge in der Rechts­sa­che C‑297/10 und der ein­zi­gen Fra­ge in der Rechts­sa­che C‑298/10
Mit sei­ner ers­ten Fra­ge in der Rechts­sa­che C‑297/10 und sei­ner ein­zi­gen Fra­ge in der Rechts­sa­che C‑298/10, de­ren Wort­laut iden­tisch ist, möch­te das vor­le­gen­de Ge­richt wis­sen, ob das Ver­bot der Dis­kri­mi­nie­rung we­gen des Al­ters, das in Art. 21 der Char­ta ver­an­kert und durch die Richt­li­nie 2000/78 kon­kre­ti­siert wor­den ist, und ins­be­son­de­re die Art. 2 und 6 Abs. 1 die­ser Richt­li­nie da­hin aus­zu­le­gen sind, dass sie ei­ner in ei­nem Ta­rif­ver­trag vor­ge­se­he­nen Maßnah­me wie der in den Aus­gangs­ver­fah­ren strei­ti­gen ent­ge­gen­ste­hen, wo­nach sich in­ner­halb der je­wei­li­gen Vergütungs­grup­pe die Grund­vergütung ei­nes An­ge­stell­ten im öffent­li­chen Dienst bei des­sen Ein­stel­lung nach sei­nem Al­ter be­misst. Das vor­le­gen­de Ge­richt möch­te außer­dem wis­sen, ob bei die­ser Aus­le­gung das in Art. 28 der Char­ta bestätig­te Recht auf Kol­lek­tiv­ver­hand­lun­gen zu berück­sich­ti­gen ist.
Zunächst ist zu prüfen, ob die in den Aus­gangs­ver­fah­ren strei­ti­ge Re­ge­lung ei­ne Un­gleich­be­hand­lung we­gen des Al­ters im Sin­ne von Art. 2 Abs. 1 der Richt­li­nie 2000/78 enthält. Nach dem Wort­laut die­ser Vor­schrift „be­deu­tet ‚Gleich­be­hand­lungs­grund­satz‘, dass es kei­ne un­mit­tel­ba­re oder mit­tel­ba­re Dis­kri­mi­nie­rung we­gen ei­nes der in Ar­ti­kel 1 [die­ser Richt­li­nie] ge­nann­ten Gründe ge­ben darf“. Art. 2 Abs. 2 Buchst. a der Richt­li­nie stellt klar, dass ei­ne un­mit­tel­ba­re Dis­kri­mi­nie­rung im Sin­ne des Abs. 1 vor­liegt, wenn ei­ne Per­son we­gen ei­nes der in Art. 1 der Richt­li­nie ge­nann­ten Gründe in ei­ner ver­gleich­ba­ren Si­tua­ti­on ei­ne we­ni­ger güns­ti­ge Be­hand­lung als ei­ne an­de­re Per­son erfährt.
Im vor­lie­gen­den Fall geht aus den An­ga­ben des vor­le­gen­den Ge­richts her­vor, dass sich die Grund­vergütung für die je­wei­li­ge Stel­le bei dem vom BAT ge­schaf­fe­nen Sys­tem in ers­ter Li­nie nach der Ein­grup­pie­rung in ei­ne Vergütungs­grup­pe rich­tet. Die Grup­pe X stellt die nied­rigs­te Vergütungs­grup­pe und die Grup­pe I die höchs­te Vergütungs­grup­pe dar. Die Ein­grup­pie­rung in die je­wei­li­ge Vergütungs­grup­pe er­folgt in Abhängig­keit von den Merk­ma­len der Tätig­keit, die der An­ge­stell­te ausübt.
Bei der Ein­stel­lung des An­ge­stell­ten wird so­dann des­sen Grund­vergütung in­ner­halb der je­wei­li­gen Vergütungs­grup­pe ent­spre­chend der Le­bens­al­ters­stu­fe des Be­tref­fen­den fest­ge­setzt. Al­le zwei Jah­re erhält der An­ge­stell­te die Grund­vergütung der je­weils fol­gen­den Le­bens­al­ters­stu­fe, bis er die Grund­vergütung der letz­ten Le­bens­al­ters­stu­fe sei­ner Vergütungs­grup­pe er­reicht hat.
Ein im Al­ter von 21 Jah­ren in Vergütungs­grup­pe VI b ein­ge­stell­ter An­ge­stell­ter wird so­mit in­ner­halb die­ser Vergütungs­grup­pe in die Le­bens­al­ter­stu­fe für die Voll­endung des 21. Le­bens­jahrs ein­ge­stuft, während ein im Al­ter von 27 Jah­ren in die­ser Vergütungs­grup­pe ein­ge­stell­ter An­ge­stell­ter in die Le­bens­al­ters­stu­fe für die Voll­endung des 27. Le­bens­jahrs ein­ge­stuft wird.
Die­se Re­gel kommt nur teil­wei­se zum Tra­gen, wenn der An­ge­stell­te nach dem En­de des Mo­nats ein­ge­stellt wird, in dem er (im Fall ei­ner Ein­grup­pie­rung in die Vergütungs­grup­pen III bis X) das 31. Le­bens­jahr oder (im Fall ei­ner Ein­grup­pie­rung in die Vergütungs­grup­pen I bis II b) das 35. Le­bens­jahr voll­endet. In die­sem Fall erhält ein An­ge­stell­ter die Grund­vergütung der Le­bens­al­ters­stu­fe, die sich er­gibt, wenn das bei sei­ner Ein­stel­lung voll­ende­te Le­bens­al­ter um die Hälf­te der Le­bens­jah­re ver­min­dert wird, die er seit Voll­endung des 31. Le­bens­jahrs (bzw., je nach Vergütungs­grup­pe, des 35. Le­bens­jahrs) zurück­ge­legt hat. Ei­ne An­ge­stell­te wie Frau Hen­nigs, die bei ih­rer Ein­stel­lung in Vergütungs­grup­pe IV a 41 Jah­re alt war, er­hielt die Grund­vergütung ent­spre­chend der Le­bens­al­ters­stu­fe für das 35. Le­bens­jahr, weil der Zeit­raum zwi­schen ih­rem 31. und ih­rem 41. Ge­burts­tag nur zur Hälf­te berück­sich­tigt wur­de.
Die Grund­vergütung, die zwei An­ge­stell­te er­hal­ten, die am sel­ben Tag in der­sel­ben Vergütungs­grup­pe ein­ge­stellt wor­den sind, un­ter­schei­det sich so­mit auf­grund des Le­bens­al­ters der An­ge­stell­ten zum Zeit­punkt ih­rer Ein­stel­lung. Dar­aus folgt, dass sich die­se bei­den An­ge­stell­ten in ei­ner ver­gleich­ba­ren Si­tua­ti­on be­fin­den und ei­ner von ih­nen ei­ne nied­ri­ge­re Grund­vergütung erhält als der an­de­re. Der erst­ge­nann­te An­ge­stell­te erfährt da­her we­gen sei­nes Al­ters ei­ne we­ni­ger güns­ti­ge Be­hand­lung als der letzt­ge­nann­te.
Folg­lich führt das durch § 27 BAT in Ver­bin­dung mit dem Vergütungs­ta­rif­ver­trag Nr. 35 zum BAT ge­schaf­fe­ne Vergütungs­sys­tem zu ei­ner un­mit­tel­bar auf dem Kri­te­ri­um des Al­ters be­ru­hen­den Un­gleich­be­hand­lung im Sin­ne der Be­stim­mun­gen des Art. 2 Abs. 1 und 2 Buchst. a der Richt­li­nie 2000/78.
So­dann ist zu prüfen, ob die­se Un­gleich­be­hand­lung gemäß Art. 6 Abs. 1 der Richt­li­nie 2000/78 ge­recht­fer­tigt sein kann.
Nach Art. 6 Abs. 1 Un­terabs. 1 stellt ei­ne Un­gleich­be­hand­lung we­gen des Al­ters kei­ne Dis­kri­mi­nie­rung dar, so­fern sie ob­jek­tiv und an­ge­mes­sen ist und im Rah­men des na­tio­na­len Rechts durch ein le­gi­ti­mes Ziel, wor­un­ter ins­be­son­de­re rechtmäßige Zie­le aus den Be­rei­chen Beschäfti­gungs­po­li­tik, Ar­beits­markt und be­ruf­li­che Bil­dung zu ver­ste­hen sind, ge­recht­fer­tigt ist und die Mit­tel zur Er­rei­chung die­ses Ziels an­ge­mes­sen und er­for­der­lich sind.
In die­sem Sta­di­um der Prüfung der Vor­la­ge­fra­gen und ent­spre­chend dem Er­su­chen des vor­le­gen­den Ge­richts an den Ge­richts­hof muss der Fra­ge nach­ge­gan­gen wer­den, ob die Tat­sa­che, dass es sich beim BAT um ei­nen Ta­rif­ver­trag han­delt, die Be­wer­tung der Recht­fer­ti­gung der Un­gleich­be­hand­lung we­gen des Al­ters ändert, die in Art. 27 BAT in Ver­bin­dung mit dem Vergütungs­ta­rif­ver­trag Nr. 35 zum BAT vor­ge­se­hen ist.
In­so­weit geht aus Art. 16 Abs. 1 Buchst. b der Richt­li­nie 2000/78 ein­deu­tig her­vor, dass Ta­rif­verträge eben­so wie Rechts- und Ver­wal­tungs­vor­schrif­ten den von die­ser Richt­li­nie ver­wirk­lich­ten Grund­satz be­ach­ten müssen.
Art. 18 der Richt­li­nie 2000/78 stellt zu­dem klar, dass die Mit­glied­staa­ten den So­zi­al­part­nern auf de­ren ge­mein­sa­men An­trag die Durchführung der Be­stim­mun­gen die­ser Richt­li­nie über­tra­gen können, die in den An­wen­dungs­be­reich von Ta­rif­verträgen fal­len.
Der Ge­richts­hof hat wie­der­holt ent­schie­den, dass die So­zi­al­part­ner auf na­tio­na­ler Ebe­ne, in glei­cher Wei­se wie die Mit­glied­staa­ten, im Ein­klang mit Art. 6 Abs. 1 Un­terabs. 1 der Richt­li­nie 2000/78 Maßnah­men vor­se­hen können, die Un­gleich­be­hand­lun­gen we­gen des Al­ters ein­sch­ließen. Sie verfügen, eben­so wie die Mit­glied­staa­ten, nicht nur bei der Ent­schei­dung darüber, wel­ches kon­kre­te Ziel von meh­re­ren im Be­reich der Ar­beits- und So­zi­al­po­li­tik sie ver­fol­gen wol­len, son­dern auch bei der Fest­le­gung der Maßnah­men zu sei­ner Er­rei­chung über ein wei­tes Er­mes­sen (vgl. Ur­tei­le vom 16. Ok­to­ber 2007, Pa­la­ci­os de la Vil­la, C‑411/05, Slg. 2007, I‑8531, Rand­nr. 68, und vom 12. Ok­to­ber 2010, Ro­sen­bladt, C‑45/09, noch nicht in der amt­li­chen Samm­lung veröffent­licht, Rand­nr. 41). Im Rah­men die­ses Er­mes­sens muss die Un­gleich­be­hand­lung we­gen des Al­ters zur Er­rei­chung die­ses Ziels an­ge­mes­sen und er­for­der­lich sein.
Das We­sen durch Ta­rif­ver­trag er­las­se­ner Maßnah­men un­ter­schei­det sich vom We­sen ein­sei­tig im Ge­setz- oder Ver­ord­nungs­weg von den Mit­glied­staa­ten er­las­se­ner Maßnah­men da­durch, dass die So­zi­al­part­ner bei der Wahr­neh­mung ih­res in Art. 28 der Char­ta an­er­kann­ten Grund­rechts auf Kol­lek­tiv­ver­hand­lun­gen dar­auf ge­ach­tet ha­ben, ei­nen Aus­gleich zwi­schen ih­ren je­wei­li­gen In­ter­es­sen fest­zu­le­gen (vgl. in die­sem Sin­ne Ur­teil Ro­sen­bladt, Rand­nr. 67 und die dort an­geführ­te Recht­spre­chung).
So­weit das in Art. 28 der Char­ta pro­kla­mier­te Recht auf Kol­lek­tiv­ver­hand­lun­gen Be­stand­teil des Uni­ons­rechts ist, muss es im Rah­men der An­wen­dung des Uni­ons­rechts im Ein­klang mit die­sem aus­geübt wer­den (vgl. in die­sem Sin­ne Ur­tei­le vom 11. De­zem­ber 2007, In­ter­na­tio­nal Trans­port Workers’ Fe­de­ra­ti­on und Fin­nish Sea­men’s Uni­on, „Vi­king Li­ne“, C‑438/05, Slg. 2007, I‑10779, Rand­nr. 44, und vom 18. De­zem­ber 2007, La­val un Part­ne­ri, C‑341/05, Slg. 2007, I‑11767, Rand­nr. 91).
Des­halb müssen die So­zi­al­part­ner beim Er­lass von Maßnah­men, die in den An­wen­dungs­be­reich der im Be­reich von Beschäfti­gung und Be­ruf das Ver­bot der Dis­kri­mi­nie­rung we­gen des Al­ters kon­kre­ti­sie­ren­den Richt­li­nie 2000/78 fal­len, die­se Richt­li­nie be­ach­ten (vgl. in die­sem Sin­ne Ur­teil vom 27. Ok­to­ber 1993, End­er­by, C‑127/92, Slg. 1993, I‑5535, Rand­nr. 22).
Zur Be­ur­tei­lung der Fra­ge, ob das Ziel, das mit der in den Aus­gangs­ver­fah­ren strei­ti­gen Maßnah­me ver­folgt wird, le­gi­tim und die be­tref­fen­de Maßnah­me zur Er­rei­chung die­ses Ziels an­ge­mes­sen und er­for­der­lich ist, ist fest­zu­stel­len, dass nach den Ausführun­gen des vor­le­gen­den Ge­richts und der deut­schen Re­gie­rung die höhe­re Vergütung durch die größere Be­rufs­er­fah­rung des An­ge­stell­ten ge­recht­fer­tigt sein und des­sen Be­triebs­treue be­loh­nen soll. Im Übri­gen gleicht nach An­sicht ei­nes Teils des Schrift­tums und der In­stanz­ge­rich­te die höhe­re Grund­vergütung älte­rer An­ge­stell­ter de­ren fi­nan­zi­el­len Be­darf aus, der in den meis­ten Fällen auf­grund ih­res so­zia­len Um­felds höher sei.
Was das Vor­brin­gen der deut­schen Re­gie­rung be­trifft, dass der höhe­re fi­nan­zi­el­le Be­darf älte­rer An­ge­stell­ter aus­ge­gli­chen wer­den sol­le, der mit ih­rem so­zia­len Um­feld zu­sam­menhänge, ist zum ei­nen fest­zu­stel­len, dass nicht dar­ge­tan wur­de, dass zwi­schen dem Al­ter der An­ge­stell­ten und de­ren fi­nan­zi­el­lem Be­darf ein un­mit­tel­ba­rer Zu­sam­men­hang be­steht. So kann ein jun­ger An­ge­stell­ter er­heb­li­che fa­mi­liäre Las­ten zu tra­gen ha­ben, während ein älte­rer An­ge­stell­ter mögli­cher­wei­se le­dig ist und kein un­ter­halts­be­rech­tig­tes Kind hat. Zum an­de­ren hat das vor­le­gen­de Ge­richt dar­auf hin­ge­wie­sen, dass die Grund­vergütung der An­ge­stell­ten im öffent­li­chen Dienst durch ei­nen Orts­zu­schlag ergänzt wird, des­sen Höhe je nach den fa­mi­liären Las­ten des An­ge­stell­ten un­ter­schied­lich ausfällt.
In ih­ren beim Ge­richts­hof ein­ge­reich­ten Erklärun­gen fügt die deut­sche Re­gie­rung hin­zu, dass die An­knüpfung an das Al­ter zur Fest­le­gung der Grund­vergütung bei der Ein­stel­lung nur ei­ne prak­ti­ka­ble­re Form der Ty­pi­sie­rung von An­ge­stell­ten sei, bei der ih­re Be­rufs­er­fah­rung pau­schal berück­sich­tigt wer­de. Bei der Schaf­fung des sich aus dem BAT er­ge­ben­den Sys­tems ha­be ein un­mit­tel­ba­rer Be­zug zwi­schen dem Al­ter der An­ge­stell­ten und den von die­sen er­brach­ten Ar­beits­leis­tun­gen be­stan­den. Er­fol­ge die Ein­stel­lung, nach­dem der An­ge­stell­te das 31. (oder das 35.) Le­bens­jahr voll­endet ha­be, be­stim­me nicht mehr al­lein des­sen Al­ter die Le­bens­al­ters­stu­fe bei der Vergütung. Dies sei da­durch ge­recht­fer­tigt, dass bei Spätein­stei­gern ab ei­nem be­stimm­ten Zeit­punkt nicht durchgängig ei­ne für die aus­zuüben­de Tätig­keit förder­li­che Be­rufs­er­fah­rung vor­lie­ge. Die­se Re­ge­lung ver­fol­ge so­mit ein le­gi­ti­mes Ziel und sei an­ge­mes­sen und er­for­der­lich.
Aus die­sen Erklärun­gen er­gibt sich, dass das so­wohl vom vor­le­gen­den Ge­richt als auch von der deut­schen Re­gie­rung erwähn­te Ziel das Be­stre­ben ist, ei­ne Ent­gelt­re­ge­lung für An­ge­stell­te im öffent­li­chen Dienst zu schaf­fen, die de­ren Be­rufs­er­fah­rung berück­sich­ti­gen soll. Bei die­sem Ziel ist grundsätz­lich da­von aus­zu­ge­hen, dass es ei­ne Un­gleich­be­hand­lung we­gen des Al­ters im Sin­ne von Art. 6 Abs. 1 Un­terabs. 1 der Richt­li­nie 2000/78 „im Rah­men des na­tio­na­len Rechts“ „ob­jek­tiv und an­ge­mes­sen“ recht­fer­tigt. Der Ge­richts­hof hat an­er­kannt, dass die Ho­no­rie­rung der von ei­nem Ar­beit­neh­mer er­wor­be­nen Be­rufs­er­fah­rung, die es die­sem ermöglicht, sei­ne Ar­beit bes­ser zu ver­rich­ten, in der Re­gel ein le­gi­ti­mes Ziel der Ent­gelt­po­li­tik dar­stellt (vgl. Ur­tei­le vom 3. Ok­to­ber 2006, Cad­man, C‑17/05, Slg. 2006, I‑9583, Rand­nr. 34, und vom 18. Ju­ni 2009, Hütter, C‑88/08, Slg. 2009, I‑5325, Rand­nr. 47). Dem­zu­fol­ge ist die­ses Ziel „le­gi­tim“ im Sin­ne der ge­nann­ten Vor­schrift.
Fer­ner muss, wie schon aus dem Wort­laut die­ser Vor­schrift her­vor­geht, ge­prüft wer­den, ob im Rah­men des den So­zi­al­part­nern zu­er­kann­ten wei­ten Er­mes­sens, auf das in Rand­nr. 65 des vor­lie­gen­den Ur­teils hin­ge­wie­sen wor­den ist, die Mit­tel zur Er­rei­chung die­ses Ziels „an­ge­mes­sen und er­for­der­lich“ sind.
Der Ge­richts­hof hat an­er­kannt, dass der Rück­griff auf das Kri­te­ri­um des Dienst­al­ters in al­ler Re­gel zur Er­rei­chung die­ses Ziels an­ge­mes­sen ist, weil das Dienst­al­ter mit der Be­rufs­er­fah­rung ein­her­geht (vgl. in die­sem Sin­ne Ur­tei­le vom 17. Ok­to­ber 1989, Dan­foss, 109/88, Slg. 1989, 3199, Rand­nrn. 24 und 25, Cad­man, Rand­nrn. 34 und 35, und Hütter, Rand­nr. 47).
Die in den Aus­gangs­ver­fah­ren in Re­de ste­hen­de Maßnah­me ermöglicht dem An­ge­stell­ten zwar ei­nen stu­fen­wei­sen Auf­stieg in sei­ner Vergütungs­grup­pe in Abhängig­keit von der Zu­nah­me sei­nes Le­bens­al­ters und da­mit sei­nes Dienst­al­ters; wird je­doch ein An­ge­stell­ter oh­ne je­de Be­rufs­er­fah­rung ein­ge­stellt, so er­folgt bei sei­ner Ein­stel­lung die erst­ma­li­ge Ein­stu­fung in ei­ne be­stimm­te Stu­fe ei­ner be­stimm­ten Vergütungs­grup­pe al­lein an­hand sei­nes Al­ters.
So erhält ein An­ge­stell­ter oh­ne je­de Be­rufs­er­fah­rung, der im Al­ter von 30 Jah­ren für ei­ne Tätig­keit ein­ge­stellt wird, die ei­ner der Vergütungs­grup­pen von III bis X zu­ge­ord­net ist, ab sei­ner Ein­stel­lung die glei­che Grund­vergütung wie ein gleich­alt­ri­ger An­ge­stell­ter, der die glei­che Tätig­keit ausübt, aber im Al­ter von 21 Jah­ren ein­ge­stellt wur­de und in sei­ner Tätig­keit ein Dienst­al­ter und ei­ne Be­rufs­er­fah­rung von neun Jah­ren auf­weist. Zu­dem er­reicht der erst­ge­nann­te An­ge­stell­te die obers­te Stu­fe sei­ner Vergütungs­grup­pe mit ei­nem ge­rin­ge­ren Dienst­al­ter und ei­ner ge­rin­ge­ren Be­rufs­er­fah­rung als der letzt­ge­nann­te An­ge­stell­te, der im Al­ter von 21 Jah­ren in der Ba­sis­stu­fe sei­ner Vergütungs­grup­pe ein­ge­stellt wur­de. In­so­weit sieht Art. 27 Ab­schnitt C BAT zwar vor, dass die Be­rufs­er­fah­rung, die ein An­ge­stell­ter vor sei­ner Ein­stel­lung er­wor­ben hat, un­ter be­stimm­ten Vor­aus­set­zun­gen berück­sich­tigt wer­den kann, um ihn in ei­ne höhe­re als die ihm nor­ma­ler­wei­se auf­grund sei­nes Al­ters zu­zu­ord­nen­de Stu­fe ein­zu­stu­fen, doch hat die deut­sche Re­gie­rung in der münd­li­chen Ver­hand­lung aus­geführt, dass im ge­gen­tei­li­gen Fall die feh­len­de Be­rufs­er­fah­rung ei­nes An­ge­stell­ten nicht zur Fol­ge hat, dass er in ei­ne nied­ri­ge­re als die ihm auf­grund sei­nes Al­ters zu­zu­ord­nen­de Stu­fe ein­ge­stuft wird.
Dass die Stu­fe der Grund­vergütung ei­nes An­ge­stell­ten im öffent­li­chen Dienst bei der Ein­stel­lung an­hand des Le­bens­al­ters fest­ge­setzt wird, geht folg­lich über das hin­aus, was zur Er­rei­chung des von der deut­schen Re­gie­rung an­geführ­ten le­gi­ti­men Ziels – der Berück­sich­ti­gung der Be­rufs­er­fah­rung, die der An­ge­stell­te vor sei­ner Ein­stel­lung er­wor­ben hat – er­for­der­lich und an­ge­mes­sen ist. In­so­weit er­schie­ne ein Kri­te­ri­um, das eben­falls auf dem Dienst­al­ter oder der Be­rufs­er­fah­rung be­ruht, oh­ne auf das Le­bens­al­ter ab­zu­stel­len, im Hin­blick auf die Richt­li­nie 2000/78 für die Ver­wirk­li­chung des vor­ge­nann­ten le­gi­ti­men Ziels ge­eig­ne­ter. Dass bei ei­ner großen Zahl in jun­gen Jah­ren ein­ge­stell­ter An­ge­stell­ter die Le­bens­al­ters­stu­fe der er­wor­be­nen Be­rufs­er­fah­rung ent­spre­chen und das aus dem Le­bens­al­ter ab­ge­lei­te­te Kri­te­ri­um sich in den meis­ten Fällen mit ih­rem Dienst­al­ter de­cken wird, ändert dar­an nichts.
Nach al­le­dem ist auf die ein­zi­ge Fra­ge in der Rechts­sa­che C‑298/10 und die ers­te Fra­ge in der Rechts­sa­che C‑297/10 zu ant­wor­ten, dass das Ver­bot der Dis­kri­mi­nie­rung we­gen des Al­ters, das in Art. 21 der Char­ta ver­an­kert und durch die Richt­li­nie 2000/78 kon­kre­ti­siert wor­den ist, und ins­be­son­de­re die Art. 2 und 6 Abs. 1 die­ser Richt­li­nie da­hin aus­zu­le­gen sind, dass sie ei­ner in ei­nem Ta­rif­ver­trag vor­ge­se­he­nen Maßnah­me wie der in den Aus­gangs­ver­fah­ren strei­ti­gen ent­ge­gen­ste­hen, wo­nach sich in­ner­halb der je­wei­li­gen Vergütungs­grup­pe die Grund­vergütung ei­nes An­ge­stell­ten im öffent­li­chen Dienst bei des­sen Ein­stel­lung nach sei­nem Al­ter be­misst. In­so­weit be­ein­träch­tigt die Tat­sa­che, dass das Uni­ons­recht der be­tref­fen­den Maßnah­me ent­ge­gen­steht und dass die­se in ei­nem Ta­rif­ver­trag ent­hal­ten ist, nicht das in Art. 28 der Char­ta an­er­kann­te Recht, Ta­rif­verträge aus­zu­han­deln und zu schließen.
Zur zwei­ten und zur drit­ten Fra­ge in der Rechts­sa­che C‑297/10
Mit sei­ner zwei­ten und sei­ner drit­ten Fra­ge in der Rechts­sa­che C‑297/10, die zu­sam­men zu prüfen sind, möch­te das vor­le­gen­de Ge­richt wis­sen, ob die Art. 2 und 6 Abs. 1 der Richt­li­nie 2000/78 so­wie Art. 28 der Char­ta da­hin aus­zu­le­gen sind, dass sie den So­zi­al­part­nern kei­nen Ge­stal­tungs­spiel­raum einräum­en, um die Dis­kri­mi­nie­rung we­gen des Al­ters da­durch zu be­sei­ti­gen, dass sie die An­ge­stell­ten in ein neu­es ta­rif­li­ches Vergütungs­sys­tem über­lei­ten, das auf ob­jek­ti­ve Kri­te­ri­en ab­stellt, zu­gleich aber, um den Über­gang auf das neue ta­rif­li­che Vergütungs­sys­tem si­cher­zu­stel­len, Beschäftig­te un­ter­schied­li­chen Al­ters wei­ter­hin un­gleich be­han­deln, wenn die sich dar­aus er­ge­ben­de Dis­kri­mi­nie­rung zur Wah­rung des Be­sitz­stands ge­recht­fer­tigt ist, wenn sie schritt­wei­se ab­ge­baut wird und wenn die Ab­sen­kung der Vergütung älte­rer An­ge­stell­ter fak­tisch die ein­zi­ge Al­ter­na­ti­ve wäre.
Was zunächst das Verhält­nis zwi­schen der Um­set­zung des Ver­bots der Dis­kri­mi­nie­rung we­gen des Al­ters in sei­ner Kon­kre­ti­sie­rung durch die Richt­li­nie 2000/78 und dem in Art. 28 der Char­ta an­er­kann­ten Recht auf Kol­lek­tiv­ver­hand­lun­gen be­trifft, ist auf die Ausführun­gen in den Rand­nrn. 62 bis 68 des vor­lie­gen­den Ur­teils zu ver­wei­sen.
Wie in den Rand­nrn. 19 bis 25 des vor­lie­gen­den Ur­teils dar­ge­legt, sind der BAT und der Vergütungs­ta­rif­ver­trag Nr. 35 zum BAT mit Wir­kung vom 1. Ok­to­ber 2005 für die An­ge­stell­ten des Bun­des durch den TVöD er­setzt wor­den. Das vom TVöD ge­schaf­fe­ne Ent­gelt­sys­tem sieht kei­ne Le­bens­al­ters­stu­fen und kei­nen Orts­zu­schlag mehr vor, son­dern hat ein ein­heit­li­ches Ent­gelt ge­schaf­fen. Die­ses be­stimmt sich nach Kri­te­ri­en wie Tätig­keit, Be­rufs­er­fah­rung und Leis­tung des An­ge­stell­ten. Die bei­den letzt­ge­nann­ten Kri­te­ri­en sind maßgeb­lich für die Vergütungs­stu­fe in­ner­halb der je­wei­li­gen Vergütungs­grup­pe. Die Über­g­angs­vor­schrif­ten für die Neu­ein­stu­fung der An­ge­stell­ten im Rah­men des Über­gangs vom Vergütungs­sys­tem des BAT zum Sys­tem des TVöD wur­den durch den TVÜ-Bund fest­ge­legt.
Nach der vom TVÜ-Bund ge­schaf­fe­nen Re­ge­lung er­hielt je­der von der Neu­ein­stu­fung be­trof­fe­ne An­ge­stell­te ein so­ge­nann­tes „Ver­gleichs­ent­gelt“ in Höhe sei­ner bis­he­ri­gen Vergütung. Die­ses Ver­gleichs­ent­gelt ent­sprach ei­ner in­di­vi­du­el­len Zwi­schen­stu­fe, die für die Dau­er von zwei Jah­ren zu­ge­wie­sen wur­de. Da­nach wur­de die endgülti­ge Neu­ein­stu­fung durch die Über­lei­tung aus der in­di­vi­du­el­len Zwi­schen­stu­fe in die nächsthöhe­re re­guläre Stu­fe der ein­schlägi­gen Vergütungs­grup­pe voll­zo­gen.
Das vor­le­gen­de Ge­richt möch­te zum ei­nen wis­sen, ob das durch den TVÜ-Bund für den Über­gang vom Vergütungs­sys­tem des BAT zum Sys­tem des TVöD ge­schaf­fe­ne Sys­tem der vorüber­ge­hen­den Ein­stu­fung ei­ne Un­gleich­be­hand­lung we­gen des Al­ters her­bei- oder fortführt, und zum an­de­ren, ob sich die­ses Sys­tem da­mit recht­fer­ti­gen lässt, dass die So­zi­al­part­ner die Be­sitzstände der An­ge­stell­ten bei der Vergütung wah­ren woll­ten.
Hin­sicht­lich der Fra­ge, ob der TVÜ-Bund ei­ne Un­gleich­be­hand­lung we­gen des Al­ters im Sin­ne von Art. 2 Abs. 1 und 2 der Richt­li­nie 2000/78 her­beiführt, geht aus den Fest­stel­lun­gen des vor­le­gen­den Ge­richts her­vor, dass die Ein­stu­fung der An­ge­stell­ten in ei­ne in­di­vi­du­el­le Zwi­schen­stu­fe ih­nen ein Ver­gleichs­ent­gelt in Höhe der im Rah­men des BAT be­zo­ge­nen Vergütung si­cher­te. Die nach dem BAT be­zo­ge­ne Vergütung be­stand aber hauptsächlich aus der Grund­vergütung, die bei der Ein­stel­lung aus­sch­ließlich an­hand des Al­ters des An­ge­stell­ten be­rech­net wor­den war. Wie der Ge­richts­hof in Rand­nr. 59 des vor­lie­gen­den Ur­teils aus­geführt hat, führ­te die Art der Be­rech­nung der Grund­vergütung zu ei­ner un­mit­tel­bar auf dem Kri­te­ri­um des Al­ters be­ru­hen­den Un­gleich­be­hand­lung im Sin­ne der Be­stim­mun­gen des Art. 2 Abs. 1 und 2 Buchst. a der Richt­li­nie 2000/78. Das durch den TVÜ-Bund ge­schaf­fe­ne Sys­tem hat da­durch, dass es der Fest­le­gung des Ver­gleichs­ent­gelts die bis­he­ri­ge Vergütung zu­grun­de legt, die Sach­la­ge fort­geführt, dass An­ge­stell­te al­lein we­gen ih­res Ein­stel­lungs­al­ters ei­ne ge­rin­ge­re Vergütung er­hal­ten als an­de­re An­ge­stell­te, ob­wohl sie sich in ei­ner ver­gleich­ba­ren Si­tua­ti­on be­fin­den.
Die­se Un­gleich­be­hand­lung kann sich im Rah­men des TVöD fort­set­zen, da die endgülti­ge Neu­ein­stu­fung nach den An­ga­ben des vor­le­gen­den Ge­richts aus­ge­hend von der in­di­vi­du­el­len Zwi­schen­stu­fe voll­zo­gen wur­de, die dem je­wei­li­gen An­ge­stell­ten im Rah­men des TVÜ-Bund zu­ge­wie­sen wor­den war.
Dar­aus er­gibt sich, dass im Rah­men so­wohl des TVÜ-Bund als auch des TVöD ei­ni­ge An­ge­stell­te, die vom Über­gang des Vergütungs­sys­tems des BAT zum Sys­tem des TVöD be­trof­fen sind, al­lein we­gen ih­res Ein­stel­lungs­al­ters ei­ne ge­rin­ge­re Vergütung er­hal­ten als an­de­re An­ge­stell­te, ob­wohl sie sich in ei­ner ver­gleich­ba­ren Si­tua­ti­on be­fin­den; dies stellt ei­ne un­mit­tel­ba­re Dis­kri­mi­nie­rung we­gen des Al­ters im Sin­ne von Art. 2 der Richt­li­nie 2000/78 dar.
Folg­lich ist zu prüfen, ob die­se Un­gleich­be­hand­lung we­gen des Al­ters gemäß Art. 6 Abs. 1 der Richt­li­nie 2000/78 ge­recht­fer­tigt sein kann.
Zu die­sem Zweck muss im Hin­blick auf die in den Rand­nrn. 61 und 65 des vor­lie­gen­den Ur­teils dar­ge­leg­ten Grundsätze ge­prüft wer­den, ob die im TVÜ-Bund und da­mit auch im TVöD ent­hal­te­ne Un­gleich­be­hand­lung we­gen des Al­ters ei­ne Maßnah­me ist, mit der ein le­gi­ti­mes Ziel ver­folgt wird und die zur Er­rei­chung die­ses Ziels an­ge­mes­sen und er­for­der­lich ist.
Hin­sicht­lich des Ziels, das die So­zi­al­part­ner bei der Aus­hand­lung des TVöD und des TVÜ-Bund ver­folgt ha­ben, er­gibt sich so­wohl aus der Vor­la­ge­ent­schei­dung als auch aus den Erklärun­gen der deut­schen Re­gie­rung, dass bei der Neu­ein­stu­fung der An­ge­stell­ten in das neue ta­rif­li­che Vergütungs­sys­tem si­cher­ge­stellt wur­de, dass die Be­sitzstände der An­ge­stell­ten ge­wahrt blie­ben und dass ih­nen ih­re bis­he­ri­ge Vergütung er­hal­ten blieb.
In­so­weit hat der Ge­richts­hof im Zu­sam­men­hang mit ei­ner Ein­schränkung der Nie­der­las­sungs­frei­heit ent­schie­den, dass die Wah­rung des Be­sitz­stands ei­ner Per­so­nen­grup­pe ein zwin­gen­der Grund des All­ge­mein­in­ter­es­ses ist, der die­se Ein­schränkung recht­fer­tigt, vor­aus­ge­setzt, dass die ein­schränken­de Maßnah­me nicht über das zur Wah­rung des Be­sitz­stands Er­for­der­li­che hin­aus­geht (vgl. in die­sem Sin­ne Ur­teil vom 6. De­zem­ber 2007, Kom­mis­si­on/Deutsch­land, C‑456/05, Slg. 2007, I‑10517, Rand­nrn. 63 und 65).
Mit den im Aus­gangs­ver­fah­ren in Re­de ste­hen­den Ta­rif­ver­trags­vor­schrif­ten woll­ten die So­zi­al­part­ner ein ta­rif­li­ches Vergütungs­sys­tem, das über­wie­gend auf das Al­ter ab­stellt und in­so­weit dis­kri­mi­nie­rend ist, durch ein neu­es, auf ob­jek­ti­ve Kri­te­ri­en gestütz­tes Sys­tem er­set­zen. Wie die deut­sche Re­gie­rung dem Ge­richts­hof mit­ge­teilt hat, hätten 55 % der An­ge­stell­ten des Bun­des ei­ne mo­nat­li­che Ein­kom­mens­ein­buße von durch­schnitt­lich 80 Eu­ro er­lit­ten, wenn der Wech­sel vom BAT- zum TVöD-Sys­tem oh­ne Über­g­angs­re­ge­lun­gen statt­ge­fun­den hätte. Um die­se ne­ga­ti­ve Fol­ge ab­zu­mil­dern, hätten die So­zi­al­part­ner die Bei­be­hal­tung der bis­he­ri­gen Vergütun­gen vor­ge­se­hen. Die Schaf­fung ei­ner Über­g­angs­re­ge­lung zur Be­sitz­stands­wah­rung sei Teil ei­nes zwi­schen den So­zi­al­part­nern beim Ab­schluss des TVöD ge­fun­de­nen Kom­pro­mis­ses ge­we­sen.
In­so­weit hat der Ge­richts­hof ent­schie­den, dass sich aus der Tat­sa­che, dass es den So­zi­al­part­nern über­las­sen ist, ei­nen Aus­gleich zwi­schen ih­ren je­wei­li­gen In­ter­es­sen fest­zu­le­gen, ei­ne nicht un­er­heb­li­che Fle­xi­bi­lität er­gibt, da je­de der Par­tei­en ge­ge­be­nen­falls die Ver­ein­ba­rung kündi­gen kann (vgl. Ur­tei­le Pa­la­ci­os de la Vil­la, Rand­nr. 74, und Ro­sen­bladt, Rand­nr. 67). Die Bei­be­hal­tung der bis­he­ri­gen Vergütun­gen und so­mit ei­ner Re­ge­lung, die zu ei­ner Dis­kri­mi­nie­rung we­gen des Al­ters führt, soll­te Ein­kom­mens­ver­lus­te ver­hin­dern und war aus­schlag­ge­bend dafür, dass die So­zi­al­part­ner den Wech­sel vom Sys­tem des BAT zu dem des TVöD voll­zie­hen konn­ten. Da­her ist da­von aus­zu­ge­hen, dass mit der Über­g­angs­re­ge­lung des TVÜ-Bund ein le­gi­ti­mes Ziel im Sin­ne von Art. 6 Abs. 1 der Richt­li­nie 2000/78 ver­folgt wird.
Fer­ner muss, wie schon aus dem Wort­laut die­ser Vor­schrift her­vor­geht, ge­prüft wer­den, ob die Mit­tel zur Er­rei­chung die­ses Ziels an­ge­mes­sen und er­for­der­lich sind.
In­so­weit führt das vor­le­gen­de Ge­richt aus, die ein­zi­ge Möglich­keit, ei­ne Ab­sen­kung der Vergütun­gen der An­ge­stell­ten zu ver­hin­dern, sei die Ein­stu­fung in ei­ne in­di­vi­du­el­le Zwi­schen­stu­fe ge­we­sen, die ein der bis­he­ri­gen Vergütung ent­spre­chen­des Ent­gelt gewähr­leis­tet ha­be.
Das durch TVöD und TVÜ-Bund ge­schaf­fe­ne Sys­tem zur Neu­ein­stu­fung der An­ge­stell­ten be­trifft nur die An­ge­stell­ten, die be­reits in ei­nem Beschäfti­gungs­verhält­nis stan­den.
Im Übri­gen wird sich die Vergütung der An­ge­stell­ten im An­schluss an die endgülti­ge Neu­ein­stu­fung al­lein an­hand der im TVöD vor­ge­se­he­nen Kri­te­ri­en ent­wi­ckeln, zu de­nen das Al­ter nicht gehört. Dem­zu­fol­ge ist da­mit zu rech­nen, dass die dis­kri­mi­nie­ren­den Aus­wir­kun­gen schritt­wei­se nach Maßga­be der Ent­wick­lung der Vergütung der An­ge­stell­ten ver­schwin­den wer­den.
Durch ih­ren Über­g­ang­s­cha­rak­ter und ih­re zeit­li­che Be­fris­tung un­ter­schei­det sich die vor­lie­gen­de Si­tua­ti­on von dem Sach­ver­halt, zu dem das Ur­teil vom 1. März 2011, As­so­cia­ti­on bel­ge des Con­som­ma­teurs Test-Achats u. a. (C‑236/09, noch nicht in der amt­li­chen Samm­lung veröffent­licht, Rand­nr. 32), er­gan­gen ist, in dem der Ge­richts­hof ent­schie­den hat, dass die Möglich­keit ei­ner un­be­fris­te­ten Aus­nah­me vom Ver­bot der Dis­kri­mi­nie­rung we­gen des Ge­schlechts der Ver­wirk­li­chung des Ziels der Gleich­stel­lung von Frau­en und Männern zu­wi­derläuft.
Dass die So­zi­al­part­ner die mit dem TVÜ-Bund ge­schaf­fe­nen Über­g­angs­re­ge­lun­gen ge­trof­fen ha­ben, war da­her nicht sach­wid­rig; die­se Re­ge­lun­gen sind an­ge­mes­sen, um zu ver­hin­dern, dass die An­ge­stell­ten des Bun­des ei­nen Ein­kom­mens­ver­lust er­lei­den, und ge­hen un­ter Berück­sich­ti­gung des den So­zi­al­part­nern zu­er­kann­ten wei­ten Ge­stal­tungs­spiel­raums im Be­reich der Fest­le­gung der Vergütun­gen nicht über das zur Er­rei­chung die­ses Ziels er­for­der­li­che Maß hin­aus.
Dem­zu­fol­ge ist auf die zwei­te und die drit­te Fra­ge in der Rechts­sa­che C‑297/10 zu ant­wor­ten, dass die Art. 2 und 6 Abs. 1 der Richt­li­nie 2000/78 so­wie Art. 28 der Char­ta da­hin aus­zu­le­gen sind, dass sie ei­ner in ei­nem Ta­rif­ver­trag vor­ge­se­he­nen Maßnah­me wie der im Aus­gangs­ver­fah­ren strei­ti­gen nicht ent­ge­gen­ste­hen, mit der ein Vergütungs­sys­tem, das zu ei­ner Dis­kri­mi­nie­rung we­gen des Al­ters führt, durch ein auf ob­jek­ti­ve Kri­te­ri­en gestütz­tes Vergütungs­sys­tem er­setzt wird und zu­gleich für ei­nen be­fris­te­ten Über­g­angs­zeit­raum ei­ni­ge der dis­kri­mi­nie­ren­den Aus­wir­kun­gen des erst­ge­nann­ten Sys­tems be­ste­hen blei­ben, um für die be­reits in ei­nem Beschäfti­gungs­verhält­nis ste­hen­den An­ge­stell­ten den Über­gang zum neu­en Sys­tem oh­ne Ein­kom­mens­ver­lus­te zu gewähr­leis­ten.
An­ge­sichts der Ant­wort auf die zwei­te und die drit­te Fra­ge brau­chen die übri­gen Vor­la­ge­fra­gen nicht be­ant­wor­tet zu wer­den.
Für die Par­tei­en der Aus­gangs­ver­fah­ren ist das Ver­fah­ren ein Zwi­schen­streit in den bei dem vor­le­gen­den Ge­richt anhängi­gen Rechts­strei­tig­kei­ten; die Kos­ten­ent­schei­dung ist da­her Sa­che die­ses Ge­richts. Die Aus­la­gen an­de­rer Be­tei­lig­ter für die Ab­ga­be von Erklärun­gen vor dem Ge­richts­hof sind nicht er­stat­tungsfähig.
1. Das Ver­bot der Dis­kri­mi­nie­rung we­gen des Al­ters, das in Art. 21 der Char­ta der Grund­rech­te der Eu­ropäischen Uni­on ver­an­kert und durch die Richt­li­nie 2000/78/EG des Ra­tes vom 27. No­vem­ber 2000 zur Fest­le­gung ei­nes all­ge­mei­nen Rah­mens für die Ver­wirk­li­chung der Gleich­be­hand­lung in Beschäfti­gung und Be­ruf kon­kre­ti­siert wor­den ist, und ins­be­son­de­re die Art. 2 und 6 Abs. 1 die­ser Richt­li­nie sind da­hin aus­zu­le­gen, dass sie ei­ner in ei­nem Ta­rif­ver­trag vor­ge­se­he­nen Maßnah­me wie der in den Aus­gangs­ver­fah­ren strei­ti­gen ent­ge­gen­ste­hen, wo­nach sich in­ner­halb der je­wei­li­gen Vergütungs­grup­pe die Grund­vergütung ei­nes An­ge­stell­ten im öffent­li­chen Dienst bei des­sen Ein­stel­lung nach des­sen Al­ter be­misst. In­so­weit be­ein­träch­tigt die Tat­sa­che, dass das Uni­ons­recht der be­tref­fen­den Maßnah­me ent­ge­gen­steht und dass die­se in ei­nem Ta­rif­ver­trag ent­hal­ten ist, nicht das in Art. 28 der Char­ta der Grund­rech­te der Eu­ropäischen Uni­on an­er­kann­te Recht, Ta­rif­verträge aus­zu­han­deln und zu schließen.
2. Die Art. 2 und 6 Abs. 1 der Richt­li­nie 2000/78 so­wie Art. 28 der Char­ta der Grund­rech­te der Eu­ropäischen Uni­on sind da­hin aus­zu­le­gen, dass sie ei­ner in ei­nem Ta­rif­ver­trag vor­ge­se­he­nen Maßnah­me wie der im Aus­gangs­ver­fah­ren in der Rechts­sa­che C‑297/10 strei­ti­gen nicht ent­ge­gen­ste­hen, mit der ein Vergütungs­sys­tem, das zu ei­ner Dis­kri­mi­nie­rung we­gen des Al­ters führt, durch ein auf ob­jek­ti­ve Kri­te­ri­en gestütz­tes Vergütungs­sys­tem er­setzt wird und zu­gleich für ei­nen be­fris­te­ten Über­g­angs­zeit­raum ei­ni­ge der dis­kri­mi­nie­ren­den Aus­wir­kun­gen des erst­ge­nann­ten Sys­tems be­ste­hen blei­ben, um für die be­reits in ei­nem Beschäfti­gungs­verhält­nis ste­hen­den An­ge­stell­ten den Über­gang zum neu­en Sys­tem oh­ne Ein­kom­mens­ver­lus­te zu gewähr­leis­ten.
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