Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Gericht=BGH&Datum=18.05.2006&Aktenzeichen=III%20ZR%20183/05
Timestamp: 2019-09-16 15:29:03
Document Index: 64540645

Matched Legal Cases: ['BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'Art. 5', 'Art. 5', '§ 57', '§ 62', '§ 55', '§ 67', '§ 253', 'Art. 5', '§ 253', 'BGH', 'Art. 5', 'Art. 5', 'BGH', 'Art. 5', 'Art. 5', 'BGH', 'BGH', 'Art. 5', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'Art. 5', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'Art. 5', '§ 2', '§ 253', 'BGH', 'BGH', 'Art. 5', 'BGH', '§ 10', 'BGH', 'BGH', '§ 62', 'BGH', 'BGH', 'Art. 5', 'Art. 5', 'BGH', 'Art. 5', 'Art. 5', 'BGH']

BGH, 18.05.2006 - III ZR 183/05 - dejure.org
https://dejure.org/2006,1136
BGH, 18.05.2006 - III ZR 183/05 (https://dejure.org/2006,1136)
BGH, Entscheidung vom 18.05.2006 - III ZR 183/05 (https://dejure.org/2006,1136)
BGH, Entscheidung vom 18. Mai 2006 - III ZR 183/05 (https://dejure.org/2006,1136)
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MRK Art. 5
Ersatz des immateriellen Schadens wegen zu Unrecht verhängter Abschiebehaft; Bindungswirkung im Amtshaftungsprozess; Innerstaatliche Geltung der Europäischen Menschenrechtskonvention; Feststellung der Rechtswidrigkeit der Freiheitsentziehung
EMRK Art. 5 Abs. 5; AuslG § 57 Abs. 2; AufenthG § 62 Abs. 2; AsylVfG § 55 Abs. 1; AsylVfG § 67 Abs. 1 Nr. 6; BGB § 253 Abs. 2
D (A), Abschiebungshaft, Schadensersatz, Amtshaftung, immaterieller Schaden, Schmerzensgeld, Bindungswirkung, Sicherungshaft, Ausreisepflicht, Aufenthaltsgestattung, Erlöschen, Ablehnungsbescheid, Zustellung, Verfahrensmangel, Sachaufklärungspflicht, Haftrichter, ...
Schadensersatzanspruch nach Art. 5 V EMRK; Gefährdungshaftung bei Menschenrechtsverletzung, Ersatz immateriellen Schadens (§ 253 II BGB)
Schadensersatz wegen rechtswidriger Abschiebungshaft
Voraussetzungen und Umfang des Schadensersatzanspruchs wegen rechtswidriger Abschiebungshaft
Zusammenfassung von "Anmerkung zum Urteil des BGH vom 18.05.2006, Az.: III ZR 183/05 (Schadensersatzanspruch nach Menschenrechtskonvention wegen rechtswidriger Abschiebungshaft)" von Prof. Dr. Oliver Dörr, LL.M. (London), original erschienen in: JZ 2006, 1065 - 1067.
LG Stuttgart, 08.03.2005 - 15 O 417/04
MDR 2006, 1284
NVwZ 2006, 960
DVBl 2006, 1186
DÖV 2006, 830
Diese für den Amtshaftungsprozess entwickelten Grundsätze gelten gleichermaßen für einen Schadensersatzanspruch nach Art. 5 Abs. 5 EMRK und insoweit auch für entsprechende Feststellungen der Rechtswidrigkeit einer Haftanordnung im Abschiebehaftbeschwerdeverfahren (Senat, Urteil vom 18. Mai 2006 - III ZR 183/05, DÖV 2006, 830 Rn. 7).
Vielmehr handelt es sich bei Art. 5 Abs. 5 EMRK um eine verschuldensunabhängige Haftung für einen konventionswidrigen Freiheitsentzug (z.B. Senat, Urteile vom 18. Mai 2006 - III ZR 183/05, MDR 2006, 1284, 1285 …und vom 12. November 2015 - III ZR 204/15, BGHZ 207, 365 Rn. 15).
b) Bezüglich dieser Prüfung ist zu beachten, dass die Begriffe "rechtmäßig" und "auf gesetzlich vorgeschriebene Weise" in Art. 5 Abs. 1 EMRK auf das innerstaatliche Recht verweisen und die Verpflichtung begründen, dessen materielle und prozessuale Regeln einzuhalten (vgl. nur Senat, Urteil vom 18. Mai 2006 - III ZR 183/05, DÖV 2006, 830 Rn. 9 mwN; dort auch zu Besonderheiten bei Freiheitsentziehungen aufgrund rechtskräftiger Strafurteile).
Der Anspruch aus Art. 5 Abs. 5 EMRK ist verschuldensunabhängig; es handelt sich um einen Fall der Gefährdungshaftung für konventionswidriges Verhalten (vgl. nur Senat, Urteile vom 31. Januar 1966 - III ZR 118/64, BGHZ 45, 58, 65 ff; vom 29. April 1993 - III ZR 3/92, BGHZ 122, 268, 279 und vom 18. Mai 2006 - III ZR 183/95, MDR 2006, 1284, 1285).
Ob die Haftanordnung rechtmäßig war, könnte dann nur indirekt, nämlich als ein Tatbestandsmerkmal bei der Geltendmachung der Haftentschädigung, geprüft werden, die der Betroffene entsprechend Art. 5 Abs. 5 EMRK verlangen kann (BGH, Urteile vom 31. Januar 1966 - III ZR 70/64, BGHZ 45, 46, 49 ff., vom 29. April 1993 - III ZR 3/92, BGHZ 122, 268, 269 f. und vom 18. Mai 2006 - III ZR 183/05, NVwZ 2006, 960, 961).
aa) Ersatzfähiger Schaden im Sinne des Art. 5 Abs. 5 EMRK ist auch der immaterielle Schaden, der aus einer konventionswidrigen Freiheitsentziehung entstanden ist (BGH, Urteil vom 29. April 1993 - III ZR 3/92 - juris Tz. 44 = BGHZ 122, 268 = NJW 1993, 2927; BGH, Urteil vom 18. Mai 2006 - III ZR 183/05 - juris Tz. 13 = NVwZ 2006, 960), so das die hier vom Antragsteller geltend gemachte Haftentschädigung grundsätzlich in Art. 5 Abs. 5 EMRK eine Stütze findet.
Daneben bleiben aber Ansprüche außerhalb des StrEG - sowohl des Inhaftierten, der freigesprochen oder dessen Verfahren eingestellt wurde (§ 2 StrEG), als auch dessen, der verurteilt wurde und deswegen eine Entschädigung nach dem StrEG nicht verlangen kann - wegen atypischer Folgen des Vollzug oder rechtswidrigen Anordnung der Haft bestehen (...)." Maßstab ist vielmehr allgemein § 253 Abs. 2 BGB (BGH, Urteil vom 18. Mai 2006 - III ZR 183/05 - juris Tz. 13 = NVwZ 2006, 960).
An diese Entscheidung ist der Senat gebunden (vgl. BGH Urteil vom 18.05.2006, III ZR 183/05).
Da es nicht Sinn und Zweck des Art. 5 MRK ist, einen Staat für die Verletzung gegebenenfalls noch so wichtiger Formvorschriften zu "bestrafen", führt die Verletzung von Zuständigkeits- oder Formvorschriften für sich genommen, d.h. ohne unmittelbare materiellrechtliche Konsequenzen, grundsätzlich nicht zur Feststellung einer Rechtswidrigkeit (BGH NVwZ 2006, 960).
Eine Sachentscheidung in der Sache über beide von dem Betroffenen gestellten Feststellungsanträge kommt auch deshalb nicht in Betracht, weil im Gegensatz zu den Entscheidungen über die Anordnung der Haft, die nicht der materiellen Rechtskraft fähig sind (Senat, Beschluss vom 28. April 2011 - V ZB 292/10, Umdruck S. 6; Beschluss vom 18. September 2009 - V ZB 129/08, NJW 2009, 299, 300 zu § 10 FEVG), der Entscheidung über den Feststellungsantrag in Freiheitsentziehungssachen Bindungswirkung in einem späteren Amtshaftungsprozess zukommt (BGH, Urteil vom 18. Mai 2006 - III ZR 183/05, NVwZ 2006, 960, 961 Rn. 7 zum FEVG).
BGH, 11.10.2012 - V ZB 238/11
Abschiebungshaftsache: Notwendige Beschwerdeentscheidung bei einer Beschwerde …
Dass die Haft von Beginn an rechtswidrig war, steht dagegen nur dann fest, wenn das Beschwerdegericht auch dies gemäß § 62 FamFG im Tenor festgestellt hat (vgl. BGH, Urteil vom 18. Mai 2006 - III ZR 183/05, NVwZ 2006, 960, 961 Rn. 7).
Die Amtsträger des Antragsgegners müssen bei der Ausübung ihrer Tätigkeit die innerstaatlich mit Gesetzeskraft geltende EMRK beachten (vgl. zur innerstaatlichen Gesetzeskraft der EMRK: BGH, Urteil vom 18.05.2006, Aktenzeichen: III ZR 183/05, NVwZ 2006, 960 m.w.N.) Gemäß Art. 5 Abs. 5 EMRK hat jede Person Anspruch auf Schadenersatz, die unter Verletzung von Art. 5 EMRK von einer Festnahme oder Freiheitsentziehung betroffen ist.
In dem Beschluss heißt es, dass die Vollstreckung der Abschiebungshaft aus dem Abschiebungshaftbefehl des Amtsgerichts Wittenberg vom 23. August 2004 über den 23. November 2004 hinaus rechtswidrig war, Az: 6 Wx 2/08 (zur Bindungswirkung: vgl. BGH, Urteil vom 18.05.2006, Aktenzeichen: III ZR 183/05, a.a.O.).
Zwar gilt die EMRK innerstaatlich mit Gesetzeskraft, und gewährt in Art. 5 Abs. 5 dem Betroffenen einen unmittelbaren Schadensersatzanspruch, wenn seine Freiheit dem Art. 5 Abs. 1 EMRK zuwider beschränkt wurde (BGH, Urteil vom 18. Mai 2006, III ZR 183/05, NVwZ 2006, 960 f.).
OLG Hamm, 08.01.2008 - 15 W 327/07
Anfechtung der Feststellung der Rechtswidrigkeit
OLG Köln, 11.09.2006 - 16 Wx 198/06
Erledigung des Verfahrens nach Haftaufhebung durch Vollzug der Abschiebung - kein …
OLG Zweibrücken, 04.09.2006 - 3 W 145/06
Abschiebung eines Ausländers: Berücksichtigung des …
OLG Celle, 09.10.2008 - 22 W 45/08
D (A), Abschiebungshaft, Feststellungsantrag, Feststellungsinteresse, Erledigung …