Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Text=4%20NB%2038.94
Timestamp: 2019-06-17 20:06:36
Document Index: 191723580

Matched Legal Cases: ['§ 1', '§ 47', '§ 47', '§ 47', '§ 47', '§ 47', '§ 47', '§ 47', '§ 47', '§ 47', '§ 47', '§ 47', '§ 47', '§ 47', '§ 47', '§ 47', '§ 47']

BVerwG, 28.11.1995 - 4 NB 38.94 - dejure.org
https://dejure.org/1995,520
BVerwG, 28.11.1995 - 4 NB 38.94 (https://dejure.org/1995,520)
BVerwG, Entscheidung vom 28.11.1995 - 4 NB 38.94 (https://dejure.org/1995,520)
BVerwG, Entscheidung vom 28. November 1995 - 4 NB 38.94 (https://dejure.org/1995,520)
Tipp: Um den Kurzlink (hier: https://dejure.org/1995,520) schnell in die Zwischenablage zu kopieren, können Sie die Tastenkombination Alt + R verwenden - auch ohne diesen Bereich zu öffnen.
Bebauungsplan - Normenkontrolle - Antragsbefugnis - Nachteil - Verkehrslärm - Zu- und Abgangsverkehr für ein neu geplantes Baugebiet
BauGB § 1 Abs. 5, 6; VwGO § 47 Abs. 2
Neubaugebiet, zunehmender Verkehr und notwendige Abwägung in der Bauleitplanung (IBR 1996, 382)
VGH Bayern, 25.07.1994 - 15 N 91.1852
NJW 1996, 2251 (Ls.)
NVwZ 1996, 711
NJ 1996, 269
DÖV 1996, 522
ZfBR 1996, 109
Sind solche Änderungen geringfügig oder wirken sie sich nur unwesentlich auf das Nachbargrundstück aus, so ergibt sich daraus eine Beschränkung der Antragsbefugnis (BVerwG, Beschluß vom 7. Januar 1993 BVerwG 4 NB 42.92 Buchholz 310 § 47 VwGO Nr. 74; Beschluß vom 28. November 1995 - BVerwG 4 NB 38.94 - Buchholz 310 § 47 VwGO Nr. 109 - ZfBR 1996, 109).
In diesem Beschluss hat der Senat lediglich für den besonderen, hier nicht vorliegenden Fall, dass die Anwohner einer Erschließungsstraße für ein neues Baugebiet mit (zusätzlichem) Verkehrslärm belastet werden, erkannt, dass ihnen der Nachteil im Sinne des § 47 Abs. 2 Satz 1 VwGO a.F. nicht schon deshalb abzusprechen sei, weil die Verkehrslärmerhöhung geringfügig sei oder weil sie mit einer solchen Entwicklung hätten rechnen müssen (vgl. Beschluss vom 28. November 1995 - BVerwG 4 NB 38.94 - Buchholz 310 § 47 VwGO Nr. 109).
Ist ein mit vermehrten Lärmimmissionen verbundenes erhöhtes Verkehrsaufkommen in der Umgebung des Plangebiets nicht das Ergebnis einer allgemeinen Veränderung der Verkehrslage, sondern entfernungsunabhängig eine planbedingte Folge, so ist das Lärmschutzinteresse der Betroffenen, sofern es in abwägungserheblicher Weise zu Buche schlägt, als Teil des Abwägungsmaterials bei der Planungsentscheidung zu berücksichtigen (vgl. BVerwG, Urteil vom 17. September 1998 BVerwG 4 CN 1.97 Buchholz 310 § 47 VwGO Nr. 126; Beschluss vom 28. November 1995 BVerwG 4 NB 38.94 Buchholz 310 § 47 VwGO Nr. 109).
Ob eine planbedingte Zunahme des Verkehrslärms zum notwendigen Abwägungsmaterial gehört und damit für den Betroffenen einen Nachteil im Sinne von § 47 Abs. 2 Satz 1 VwGO a.F. darstellt, richtet sich letztlich nach den Umständen des Einzelfalls (BVerwG, Beschluß vom 19. Februar 1992 - BVerwG 4 NB 11.91 - Buchholz 310 § 47 VwGO Nr. 63 - DVBl. 1992, 1099; BVerwG, Beschluß vom 28. November 1995 - 4 NB 38.94 - Buchholz 310 § 47 VwGO Nr. 109 - ZfBR 1996, 109) und unterliegt demgemäß in erster Linie der Beurteilung durch den Tatrichter.
"Unter welchen Voraussetzungen eine Verkehrszunahme an einem außerhalb des Plangebiets gelegenen Grundstück in der Abwägung beachtet werden muss, ist Frage des Einzelfalles, wie das Bundesverwaltungsgericht vielfach entschieden hat (vgl. z.B. Beschl. v. 21.7.1989 - 4 NB 18.88 -, NVwZ 1990, 256 ; Beschl. v. 19.2.1992 - 4 NB 11.91 -, NJW 1992, 2844 ; Beschl. v. 18.3.1994 - 4 NB 24.93 -, NVwZ 1994, 683 ; Beschl. v. 28.11.1995 - 4 NB 38.94 -, NVwZ 1996, 711 ;… Urt. v. 17.9.1998 - 4 CN 1.97 -, BauR 1999, 137 ;… Urt. v. 26.2.1999 - 4 CN 6.98 -, NVwZ 2000, 197 ;… Urt. v. 21.10.1999 - 4 CN 1.98 -, NVwZ 2000, 807 ; Beschl. v. 6.12.2000 - 4 BN 59.00 -, NVwZ 2001, 431 ; Beschl. v. 19.8.2003 - 4 BN 51.03 -, BauR 2004, 1132 ; Beschl. v. 8.6.2004 - 4 BN 19.04 -, BauR 2005, 829 ; Beschl. v. 24.5.2007 - 4 BN 16.07 -, ZfBR 2007, 580 ; Beschl. v. 12.6.2008 - 4 BN 8.08 -, BauR 2008, 1416 ; Beschl. v. 23.11.2009 - 4 BN 49.09 -, juris).
"Ist ein mit vermehrten Lärmimmissionen verbundenes erhöhtes Verkehrsaufkommen in der Umgebung des Plangebiets nicht das Ergebnis einer allgemeinen Veränderung der Verkehrslage, sondern - entfernungsunabhängig - eine planbedingte Folge, so ist das Lärmschutzinteresse der Betroffenen, sofern es in abwägungserheblicher Weise zu Buche schlägt, als Teil des Abwägungsmaterials bei der Planungsentscheidung zu berücksichtigen (vgl. BVerwG, Urteil vom 17. September 1998 - BVerwG 4 CN 1.97 - Buchholz 310 § 47 VwGO Nr. 126; Beschluss vom 28. November 1995 - BVerwG 4 NB 38.94 - Buchholz 310 § 47 VwGO Nr. 109).".
Außer Betracht bleiben dürfen Lärmbelästigungen nur unter der Voraussetzung, dass sie im Sinne der seit der Grundsatzentscheidung vom 9. November 1979 - BVerwG 4 N 1.78 u.a. - (BVerwGE 59, 87) vielfach bestätigten Senatsjudikatur als geringfügig einzustufen sind (vgl. BVerwG, Beschlüsse vom 19. Februar 1992 - BVerwG 4 NB 11.91 - und vom 28. November - BVerwG 4 NB 38.94 - Buchholz 310 § 47 VwGO Nr. 63 und 109).
Lärmbelästigungen dürfen nur dann außer Betracht bleiben, wenn betroffene Grundstückseigentümer kein schutzwürdiges Vertrauen auf den Fortbestand einer bestimmten Verkehrslage haben oder wenn die Belästigungen quantitativ als lediglich geringfügig einzustufen sind (vgl. BVerwG, Beschluss vom 28.11.1995 - 4 NB 38.94 -, NVwZ 1996, 711;… Beschluss vom 25.01.2002, a.a.O.).
Andererseits ist die Abwägungserheblichkeit auch nicht bei jeder nur geringfügigen Zunahme des Lärms ohne weiteres zu bejahen (vgl. zu § 47 Abs. 2 VwGO a.F.: BVerwG, Beschlüsse vom 19.02.1992 - 4 NB 11.91 -, BVerwGE 59, 87, und vom 28.11.1995 - 4 NB 38.94 -, NVwZ 1996, 71; Urteil des Senats vom 14.05.1997 - 3 S 1682/96 -, ZfBR 1998, 111 [Ls.]).
Aus den Beschwerdevorbringen ergibt sich nicht, dass das Normenkontrollurteil von dem Beschluss des Bundesverwaltungsgerichts vom 28. November 1995 - 4 NB 38.94 - (Buchholz 310 § 47 VwGO Nr. 109) abweicht.
Die Beschwerden entnehmen dem Beschluss des Senats vom 28. November 1995 (a.a.O.) den Rechtssatz, dass nicht jede zu erwartende (auch geringfügige) Zunahme von Verkehrslärm durch die Planung eines neuen Baugebiets zum notwendigen Abwägungsmaterial gehört und deshalb für Betroffene (hier: außerhalb des Planbereichs wohnende Grundstückseigentümer) einen Nachteil im Sinne des § 47 Abs. 2 Satz 1 VwGO darstellt; vielmehr kommt es darauf an, ob das (verständliche) Vertrauen auf den Fortbestand einer bestimmten Verkehrslage noch als schutzwürdiges Interesse angesehen werden kann.
VGH Hessen, 25.10.2016 - 3 B 2377/16
VGH Bayern, 07.05.2015 - 2 NE 15.621
Bebauungsplan; Antragsgegner; Vermietung; Gewerbe; Lärmimmissionen