Source: http://www.zerl.uni-koeln.de/andreas-loetscher/2016/verstaendlichkeit-von-gesetzen/2/
Timestamp: 2018-05-21 12:55:29
Document Index: 65222920

Matched Legal Cases: ['§ 27', '§ 130', 'Art. 2', 'Art. 74', 'Art. 1', '§ 3', '§ 3', '§ 3']

Die (Un-)Verständlichkeit von Gesetzen – eine Herausforderung für die Gesetzesredaktion | ZERL | Zeitschrift für europäische Rechtslinguistik | Page 2
It is a generally acknowledged truth that laws must be comprehensible. However, according to the prevailing view among jurists, it is impossible to fulfil this requirement because laws, as shown by the practice of legal interpretation, do not have a precisely defined meaning. Based on this premise, this article addresses the question of how comprehensibility can be made possible when formulating legal norms.
The answer requires a precise understanding of the processes of comprehension, of the conditions for comprehending texts and of the relations between the meaning of a text, comprehension of a text and legal interpretation.
The meaning of a text becomes manifest in comprehending it. Comprehension is a inferential process whereby mental models and an evaluation of the relevance of the information are constructed on the basis of prototypical assumptions and expectations, factual and situational knowledge and rules of inference (in the broad sense of cognitive linguistics). The linguistic meaning of a text is not a representation of a fact, but an instruction for constructing such a representation.
Statements of legal norms are normative, general and abstract statements. To understand general abstract statements means to be able to construct a multiplicity of mental models with a family resemblance in accordance with the linguistic and material conditions of the utterance.
Comprehension can take different grades of precision from an isolated more or less vague understanding of the utterance to the recognition of the possible conclusions from it. The layperson’s understanding and the professional’s understanding can be in conflict, but this need not be so if the understanding of laypersons is a compatible part of that of professionals.
Comprehension is work that requires effort. Comprehensibility is the measure of the effort necessary for comprehending a text. The effort depends on the factual knowledge of the interpreter, the abstractness and complexity of the information in the statement and the linguistic presentation.
The drafter of a legal norm must do so on the basis of the content and specific textual and factual preconditions as given and can influence these only to a limited degree. Some content can be so specific and complex that there is no presentation in a text that is easy to comprehend in the everyday sense. The task is to optimize the linguistic presentation of the content so that it matches the general pragmatic and cognitive rules of interpretation and supports the cognitive procedures in the construction of a mental model. Key words are transparency, iconicity, recognisability of the relevance of content’s elements, avoiding conflicts with ordinary language.
The objection that comprehensibility is not achievable because of the inherent semantic indeterminacy of legal texts does not directly affect the task of drafting laws. Comprehension of a legal text as a general rule and legal interpretation in the application of this text are two different processes in different contexts. The text of a law –“norm text” in the terminology of the German Strukturierenden Rechtslehre – constitutes a general norm within a horizon of general expectations. Although it allows the construction of a multitude of mental models as potential (and fictitious) case situations, the rules of construction as such are precise and well defined if the formulation is appropriate. Legal interpretation, on the other hand, is the establishment of a special case norm for the individual case on the basis of general abstract norm texts. The single case is individual and in its essence has no connection with any general abstract norm. The individual case norm has to be derived from general abstract norm texts. The derivation may correspond to the usual procedures of comprehension; but, like the result of comprehension, it is a construction of a new norm. In most cases, the individual case norm is not a direct specification of a single general abstract norm text, but the output of combined inferences from a multitude of general abstract norm texts and additional input data such as relevance criteria. The much cited indeterminacy of norm texts in the application of laws is not a reflexion of a semantic indeterminacy of the texts as such, but of the multiplicity of the input factors in constituting a specific individual case norm depending on the variety of situational conditions in the different individual cases.
Ein Gesetz wird erlassen. Die gesetzgebende Versammlung einigt sich auf eine Norm. Die Gesetzesredaktorin, wie wir sie nennen wollen, soll diese Norm in eine sprachliche Form bringen.1 Vor allem soll die Formulierung verständlich sein. Die rechtsunterworfenen Personen, also nicht zuletzt der gemeine Mann und die gemeine Frau, sollen im Gesetz das Recht unmittelbar erkennen können, das sie befolgen müssen. „Leges sacratissimae, quae constringunt omnium vitas, ab omnibus intelligi debent“ lautet die Maxime, mit der entsprechenden Begründung, schon im Corpus Iuris civilis (CI.1.1.19). Erst recht gilt die Forderung nach Verständlichkeit in einem modernen demokratischen Rechtsstaat, der für Bürger und Bürgerinnen transparent funktionieren soll. Mit „Verständlichkeit“ ist in der Regel „Allgemeinverständlichkeit“ gemeint: 2
– Herstellen eines mentalen Modells von der beschriebenen Situation: Der erste, unmittelbare Verstehensschritt besteht darin, dass der Leser/die Leserin sich ein ungefähres Bild von der beschriebenen Situation macht, ein „mentales Modell“ konstruiert. Mentale Modelle sind gemäß den Theorien der kognitiven Linguistik ganzheitliche, tendenziell anschauliche, aber mehr oder weniger schematische Repräsentationen von komplexen Sachverhalten, oft auch Abläufen.
– Herstellung eines referenziellen Bezugs zu einer als real angenommenen raumzeitlichen Situation: Der Leser/die Leserin bezieht das mentale Modell auf eine reale Situation in der Welt.
– Inferenzen: Aus den verfügbaren Sachinformationen werden über die Verknüpfung sonstigen Wissens und allgemeinen Gesetzen der Logik und des Funktionierens von Welt weitere Schlussfolgerungen gezogen; das mentale Modell wird um zusätzliche Einzelheiten ergänzt.
– Erkennen des Sinns der Mitteilung, d.h. ihrer Relevanz und ihres Zwecks: Die erschlossenen Informationen werden bewertet im Hinblick auf ihren Informationswert und den Zweck der Mitteilung. Im vorliegenden Beispiel liegt der Informationswert darin, dass es sich um ein ungewöhnliches und gleichzeitig spektakuläres Ereignis handelt: Elchbullen leben normalerweise verborgen in der freien Natur, es widerspricht sowohl ihren Lebensgewohnheiten wie den Erwartungen und Wünschen von Benutzern von Verwaltungsgebäuden, dass derartige Tiere sich in den Eingangsbereich eines solchen Gebäudes begeben. In diesem speziellen Informationswert liegt auch der Zweck der Mitteilung: Mitteilenswert in einer Meldung unter Vermischten Meldungen ist etwas Besonderes, Überraschendes, aber relativ Harmloses.
– Verstehen ist ein konstruktiver Prozess. Aufgrund eines sprachlichen Inputs wird mit Hilfe von vorhandenem Wissen neues Wissen konstruiert.
– Verstehen erfolgt mithilfe von Ressourcen aus verschiedenen Ebenen. Sprachwissen, Sachwissen, Erwartungen an den Lauf der Dinge und erkennbare Absichten des Textautors. Ein Text besteht zwar aus Wörtern, die in Satzkonstruktionen zu Sätzen konstruiert und in Sätzen zu Texten gebaut werden. Die einzelnen Wörter erhalten Sinn dadurch, dass im Hören oder Lesen konkrete Erfahrungen und bestimmte Konzepte und ‚Frames ‘ aktiviert werden, verallgemeinerte Annahmen über die normale Erscheinungsweise von Realitäten, von Dingen und Ereignis- und Handlungsabfolgen. Die Erwähnung von „Elchbulle“ aktiviert das Modell einer typischen Lebenswelt von wilden Tieren, die „Wildnis“, wie sie im erwähnten Text genannt wird. „Verwaltungsgebäude“ aktiviert ein bestimmtes Modell von Gebäuden. Die Form der Sätze und die Abfolge im Text zeigen, wie wir die einzelnen Teile zu ganzen Modellen zusammenfügen sollen. Die Kombination der Teilmodelle erlaubt weitere inhaltliche Schlussfolgerungen. Aus dem Vergleich der neuen Information mit den vorhandenen Erfahrungen und den Erwartungen darüber, was eine sinnvolle, d.h. informative und zweckhafte Kommunikationshandlung ist, werden ferner Schlussfolgerungen über Relevanz und Zweck der tatsächlichen Information gezogen. Was an Inhalt, Zweck und Konsequenzen verstanden wird, wird über die Verknüpfung von sprachlichen Ausdrücken mit allgemeinen Vorstellungen über die Struktur der Welt, konkretem Wissen über die Welt und Erwartungen über den Ablauf von Ereignissen und Annahmen über die Rahmenbedingungen der Kommunikationssituation, in denen ein Text übermittelt wird, inferiert.
– Verstehen ist ein holistischer Prozess. Das Einzelne wird in seinem Zusammenhang mit dem Ganzen verstanden, außerhalb dieses Zusammenhangs hat es keinen Sinn. Die Bedeutung der Gesamtheit des Textes ist nicht eine Addition der Bedeutungen der Einzelteile.
– Verstehen ist Textverstehen, nicht Satzverstehen. Ein Satz als grammatisches Objekt wird zum Text dadurch, dass er als Instrument zur Übermittlung einer Botschaft über außersprachliche Sachverhalte verwendet und wahrgenommen wird, und er kann nur in dieser Erscheinungsweise verstanden werden.
– Wörter, Sätze und Texte als sprachliche Phänomene und Sprachinput sind als solche kein Abbild einer Realität und können auch keine Bedeutung als Abbild einer Realität haben. Texte sind bedeutungsvoll, insofern als sie als Anweisungen zur Konstruktion von mentalen Modellen verarbeitet werden, so wie die Partitur eines Musikstückes selbst nicht ein Abbild eines Musikstücks ist, sondern eine Anweisung zur Realisierung eines solchen.
– Jede Aussage vermittelt mehr Information, als in der Sprachform gezeigt wird.
– Textbedeutung als sinnvolle Information wird im Verstehen geschaffen. Die Bedeutung eines Textes ist das, was bei dessen Rezeption verstanden werden kann.
– Gesetzestexte vermitteln generell-abstrakte Inhalte; sie machen nicht Aussagen über einzelne lokalisierbare Sachverhalte, sondern über Typen und Muster oder Familien von Sachverhalten. Familien von Situationen oder Situationstypen lassen sich nicht direkt in einem mentalen Modell repräsentieren. Aber auch hier erfolgt das inhaltliche Verstehen über die Konstruktion von mentalen Modellen. Diese werden in der Form von Instanziierungen, beispielhaften Inszenierungen von Sachverhalten nach dem Muster der im Text genannten prototypischen Erscheinungsformen oder von verallgemeinernden Zusammenfassungen von Prototypenmustern konstruiert. 4 Wer eine Allgemeinaussage wie „Katzen lieben Whiskas“ versteht, konstruiert sich Situationen mit typischen Katzen, die Whiskas mit Appetit verzehren – oder erinnert sich an entsprechende Szenen in Werbespots. „Passende Modelle“ sind Annäherungen aufgrund von Ähnlichkeiten und Übereinstimmungen von salienten Merkmalen. Im Unterschied zu individuell-konkreten Sachaussagen gilt ein einzelnes solches Modell nicht als einzige mögliche Realisierung, sondern nur als eine unter vielen möglichen Varianten.
– Gesetzestexte sind Normtexte. Die normative Modalität beinhaltet zunächst eine Bewertung. Ein Sachverhalt gilt als positiv oder negativ bewertet. In Gesetzestexten kommen komplexe institutionelle Rahmenbedingungen hinzu, die den spezifischen normativen Gehalt einer Gesetzesnorm ausmachen: Die Bewertung wird von einer Institution vorgenommen, die Macht und Zuständigkeiten beansprucht und aufgrund dieser Macht und Zuständigkeiten Bewertungen mit Handlungsversprechen verbindet wie einer Strafandrohung, dem Zulassen von Handlungen oder dem Versprechen, Schutz zu gewähren. Gesetzestexte verstehen impliziert, diese Zusammenhänge ebenfalls zu erkennen.
– Generell-abstrakte Texte beziehen sich nicht auf eine konkrete Situation, sondern auf mögliche, gedachte Sachverhalte, Situationen oder Situationstypen und Situationsmuster.
Auslegung ist Tätigkeit im Rahmen der Rechtsanwendung. Die Rechtsanwendung behandelt den Einzelfall. Gegeben ist der konkrete Sachverhalt, Ziel ist die rechtliche Entscheidung, eine individuell-konkrete Normaussage, in der Terminologie der Strukturierenden Rechtslehre (MÜLLER 1997) die Rechtsnorm. Die Rechtsnorm muss durch das Gesetz (den Normtext) begründet werden. Die konzeptuelle Verknüpfung von Sachverhalt und Gesetzesbestimmung geschieht sozusagen von unten nach oben. Das Verfahren zeigt sich schon in der üblichen Vorgehensweise, die zur Auslegung führt: Zum Fall wird zunächst eine konkrete Normhypothese (Normprogramm) formuliert; dazu muss eine passende generell-abstrakte Gesetzesbestimmung gesucht werden (WANK 2005: 5, SCHAPP 1983: 50). Das Denkmuster der Subsumtionstheorie, wonach der Sachverhalt unmittelbar als Unterbegriff eines im generell-abstrakten Normtext genannten Oberbegriffs (sozusagen als Exemplar einer entsprechenden Gattung) gegeben ist, ist in dieser Beziehung irreführend. „Vom abstrakt-generellen Gesetz führt … kein direkter Weg zum einzelnen Konflikt und dessen Regelung“ (SIMON 2004: 410). 14 Die individuell-konkrete Entscheidung ist kein Spezialfall der generell-abstrakten Norm. Die Verbindung zwischen Rechtsnorm und Normtext wird durch die Begründung der Entscheidung hergestellt, die auf der Basis des Gesetzes erfolgen muss. Begründen ist eine argumentative Tätigkeit. Sie erfolgt mit Hilfe von Inferenzen, welche auf nachvollziehbare Weise eine sachliche und logische Beziehung zwischen dem Fall, der entsprechenden Entscheidung in der individuell-konkreten Rechtsnorm und einem generell-abstrakten Normtext herstellen. Diese Begründung herzustellen ist die Aufgabe der Auslegung.
Auslegung in einem speziellen Sinn wird nötig, wenn unter den Rahmenbedingungen der Anwendung von Gesetzen keine direkte Zuordnung eines Falls zum Tatbestand nach den allgemeinen Verstehensregeln der Instanziierung möglich erscheint. Auslegung besteht in diesen Fällen darin, zusätzliche Elemente zur Begründung eines Entscheides über den Fall zu finden. Der Übergang zwischen einer detaillierteren Reflexion der möglichen Inferenzen aus einem Text und dem Auslegen im engeren Sinn ist aber fließend. Es gibt unterschiedliche Gründe für einen zusätzlichen Begründungsbedarf einer Rechtsnorm. Als Ursache wird in der Regel hauptsächlich die intrinsische Unbestimmtheit der Bedeutung von Rechtsbegriffen oder anderen sprachlichen Ausdrücken wie vorübergehend, (un-)erheblich sein. 15 Die Unbestimmtheit liegt allerdings oft weniger in der Bedeutung von Wörtern als im chaotischen Weltlauf. Die Bedeutung kann klar sein, die Diffusität und Mehrschichtigkeit der Realität fügt sich aber nicht in die prototypischen Strukturen der Konzepte, die den Bedeutungen zugrunde liegen. Die Sprache und das Denken schafft Grenzen, die in der Welt nicht vorhanden sind. Prototypische Konzepte erfassen holistisch Merkmale der häufigsten Erscheinungsform eines Sachverhaltstyps. Merkmale können mehr oder weniger vollständig vorhanden und erkennbar sein. Wie viele dieser Merkmale vorhanden sein müssen, damit die Realität einem Konzept zugeordnet werden kann, ist im Einzelfall oft nicht klar. Im Streitfall dreht sich die Diskussion nicht selten um derartige Abgrenzungen.16 Im Alltagverständnis von Handlungen und der Zurechnung von Verantwortlichkeiten werden Absichten und Kausalitäten oft unmittelbar miteinander verknüpft; in Wirklichkeit liegen zwischen Absicht und Verwirklichung meist komplexe Zwischenschritte, instrumentale Hilfshandlungen, Unterlassen von Handlungen u. ä. Wer ist beispielsweise Täter und Gehilfe nach § 27 StGB in einer kooperativ begangenen Straftat? Unter welchem Titel kann ein Psychiater für ein Verbrechen mitschuldig gemacht werden, wenn er eine Person als ungefährlich beurteilte, die in der Folge ein Verbrechen begeht? Wann ist eine Willenserklärung in Abwesenheit des Empfängers im Sinne von § 130 Abs. 1 „zugegangen“?
Wenn eine Willenserklärung in der Form eines Briefes versandt wird, besteht der erfolgreiche „Zugang“ standardmäßig, d.h. beim normalen erfolgreichen Verlauf und entsprechend nach prototypischem Verständnis darin, dass der Brief vom Briefträger hingebracht, in den Briefkasten des Empfängers eingeworfen wird und diesem dann vom Empfänger entnommen wird. Falls die Ereignisse in dieser Form ablaufen, decken sich allgemeine Denkmodelle und Erzählung des Einzelfalls und es gibt kein Auslegungsproblem. Das Zugehen kann aber unterschiedlich misslingen; der Briefträger kann den Brief vor dem Einwerfen verlieren, der Briefkasten kann mit dem Brief durch einen Brand zerstört werden, der Brief kann gestohlen werden, der Empfänger ist verreist und entnimmt den Brief nicht rechtzeitig dem Briefkasten. Der Ausdruck „zugehen“ lässt offen, in welchen Fällen die entsprechenden Bedingungen nicht erfüllt sind und wer in solchen Fällen das Risiko des Misslingens zu tragen hat. Nach der allgemeinen Auslegung ist ein postalisch gesandter Brief dann zugegangen, wenn er im Briefkasten des Empfängers gelandet ist, auch dann, wenn er daraus gestohlen worden ist oder nicht abgeholt wird, dies aufgrund einer allgemeineren Regel, wonach „eine Erklärung … dann zugegangen [ist] , wenn sie derart in den Machtbereich des Empfängers gelangt ist, dass dieser unter gewöhnlichen Umständen davon Kenntnis nehmen konnte“ (WANK 2005: 54). Diese Regel ist durch Grundsätze außerhalb des direkten Inhalts der entsprechenden Bestimmung begründet, die sich aber aus generellen Überlegungen dazu ergeben, etwa, wer nach welchen allgemeinen Beurteilungsprinzipien in welchem Maße für das Misslingen der entsprechenden Handlungen verantwortlich und zuständig sein kann und wem welches Risiko eines Misslingens zugemutet bzw. zugeordnet werden kann. Es werden aufgrund zusätzlicher Gründe Abwägungen zwischen den Merkmalen eines Sachverhalts getroffen, abhängig u. a. von der Wichtigkeit der Merkmale und vom Zweck einer Regelung. 17
(8)(a) Wer regelmäßig und gegen Entgelt im Inland Arbeit vermittelt, indem er Stellensuchende und Arbeitgeber zum Abschluss von Arbeitsverträgen zusammenführt (Vermittler), benötigt eine Betriebsbewilligung des kantonalen Arbeitsamtes (Arbeitsvermittlungsgesetz (Schweiz) Art. 2 Abs. 1)
a.	mit der Bereitschaft angeboten wird, in einer Mehrzahl von Fällen als Vermittler tätig zu werden; oder
In Einrichtungen wie Restaurationsbetrieben und Take-Aways sowie bei öffentlichen Veranstaltungen dürfen Fertiggetränke wie kalte Milch, Frucht- und Gemüsesäfte, Mineralwasser, Süssgetränke, Wein, Bier und Spirituosen nur in Schankgefässen abgegeben werden, die den Anforderungen von …. genügen. In Restaurationsbetrieben und ähnlichen Einrichtungen wie Take-Aways sowie an öffentlichen Veranstaltungen dürfen offen ausgeschenkte Getränke nur in Schankgefässen abgegeben werden, die den Anforderungen von …. genügen..
Wer ein rechtliches Interesse glaubhaft macht, dass eine rechtshängige Streitigkeit zugunsten der einen Partei entschieden werde, kann im Prozess jederzeit ein Interventionsgesuch stellen. Art. 74
–	Gleiches gleich formulieren – Unterschiedliches unterschiedlich formulieren
2 Die Zustimmung wird verweigert, wenn …
2Die Eintragung einer Aktionärin oder eines Aktionärs ist auf höchstens 100 Aktien beschränkt. ….
3Die Eintragung wird verweigert, wenn …
(Nationalbankgesetz, SR 951.11 [Schweiz])
–	Transparenz in den lexikalischen Strukturen der Terminologie
2. Kap. berufliche Grundbildung formazione professionale di base
–	Die inhaltliche Struktur einer Norm im äußeren Aufbau erkennbar machen
b) erhöht um einen Betrag von X EUR, um den Kosten der Lieferung Rechnung zu tragen.
1Die Marktpreise für die Ware X sind die ohne Berücksichtigung inländischer Abgaben zu zahlenden Ab-Werk-Preise der Frischware in Blöcken.
–	Den Normtyp erkennbar machen
1.	die regelmäßige tägliche Ruhezeit ist eine Ruhepause von mindestens 11 Stunden. Sie kann auch in zwei Teilen genommen werden, wobei der erste Teil einen ununterbrochenen Zeitraum von mindestens 3 Stunden und der zweite Teil einen ununterbrochenen Zeitraum von mindestens 9 Stunden umfassen muss;
2.	die reduzierte tägliche Ruhezeit ist eine Ruhepause von mindestens 9 Stunden, aber weniger als 11 Stunden. (Legaldefinition)
1.	Der Fahrer muss regelmäßig eine tägliche Ruhezeit von mindestens 11 Stunden beziehen. Diese kann in zwei Teilen genommen werden. Der erste Teil muss einen ununterbrochenen Zeitraum von mindestens 3 Stunden und der zweite Teil einen ununterbrochenen Zeitraum von mindestens 9 Stunden umfassen.
2.	die reduzierte tägliche Ruhezeit muss eine Ruhepause von mindestens 9 Stunden, aber weniger als 11 Stunden umfassen.
–	Strukturelle Zusammenhänge zwischen Normen erkennbar machen
Meist besteht eine Norm aus mehreren Teilnormen, die untereinander durch inhaltliche Beziehungen verknüpft sind. Diese Beziehungen sollten auch sprachlich erkennbar gemacht werden.
Beispielsweise werden in Verordnungen Bestimmungen eines Gesetzes präzisiert. Der Bezug zwischen Gesetzesbestimmung und zugehöriger Bestimmung in der entsprechenden Verordnung muss erkennbar sein. Im folgenden Fall geht es darum, dass zum schweizerischen Gesetz zur beruflichen Vorsorge in einer Verordnung bestimmt wird, welche Mindestvoraussetzungen eine Einrichtung der beruflichen Vorsorge erfüllen muss, damit sie diese berufliche Vorsorge nach Gesetz durchführen darf. In der Formulierung des Entwurfs wird die Erfüllung der Anforderung des Versicherungsprinzips kontextlos als eigene, absolute Verpflichtung zur Verwendung von Beiträgen formuliert. Dabei kommt nicht zum Vorschein, dass es sich um eine Konkretisierung des Versicherungsprinzips handelt, welche eine Einrichtung einhalten muss:
Der Bundesrat präzisiert die Grundsätze der Angemessenheit, der Kollektivität, der Gleichbehandlung, der Planmäßigkeit sowie des Versicherungsprinzips.
(BVG, SR 831.40, Art. 1 Abs. 3 [Schweiz])
–	Die Inhaltstruktur in der Textgliederung kenntlich machen:
–	was zusammengehört, zusammenfassen, was nicht zusammengehört, getrennt behandeln
–	inhaltliche Hierarchien der Normen in der Textorganisation kenntlich machen (Hauptnorm – Sonderbestimmungen – Ausnahmen)
–	bei der Anordnung den grundlegenden kognitiven Ordnungsprinzipien folgen (Wichtiges vor Unwichtigem, Früheres vor Späterem u.dgl.)
–	Diskrepanzen zur Allgemeinsprache vermeiden23
Der Ausdruck “sonstige Leistung“ enthält einen anaphorischen Ausdruck, der auf einen vorangegangenen Ausdruck mit “Leistung” zu verweisen scheint. In dem vorliegenden § 3a ist aber kein solcher vorangehender Ausdruck anzutreffen und der Leser und die Leserin werden in der Luft hängen gelassen. Im vorangehenden § 3 Abs. 9 findet sich zwar folgende Definition:
(18)(b) § 3 (9) Sonstige Leistungen sind Leistungen, die keine Lieferungen sind.
1.	die Lieferungen und sonstigen Leistungen, die ein Unternehmer im Inland gegen Entgelt im Rahmen seines Unternehmens ausführt. …
Die Richtlinie 2006/112 des Rates über das gemeinsame Mehrwertsteuersystem zeigt, dass das Gleiche auch durchsichtiger formuliert werden kann.24 Die Mehrwertsteuerrichtlinie formuliert in Artikel 2 ein System von Begriffen, in denen der Oberbegriff „Umsatz“ und dazu u.a. die Unterbegriffe „Lieferung von Gegenständen“ und statt des Ausdrucks „sonstige Leistungen“ der Terminus „Dienstleistungen“ eingeführt werden:
b) der innergemeinschaftliche Erwerb von Gegenständen im Gebiet eines Mitgliedstaats gegen Entgelt …
(19)(c)	Artikel 43
Als Ort einer Dienstleistung gilt der Ort, an dem der Dienstleistungserbringer den Sitz seiner wirtschaftlichen Tätigkeit oder eine feste Niederlassung hat, von wo aus die Dienstleistung erbracht wird, … .
(20)	(2) Für dieses Gesetz gelten folgende weitere Begriffsbestimmungen:
1.	Tiere
a)	wild lebende, gefangene oder gezüchtete und nicht herrenlos gewordene sowie tote Tiere wild lebender Arten,
b)	Eier, auch im leeren Zustand, sowie Larven, Puppen und sonstige Entwicklungsformen von Tieren wild lebender Arten,
c)	ohne Weiteres erkennbare Teile von Tieren wild lebender Arten und
d)	ohne Weiteres erkennbar aus Tieren wild lebender Arten gewonnene Erzeugnisse;
–	Optimierung der Verständlichkeit ist relevant für das Verstehen und die Auslegung. Eine Grundannahme der Rechtstheorie lautet: Recht ist an Sprache gebunden. „Recht kann nur in Sprache gefasst, nur durch Sprache vermittelt, erläutert und fortentwickelt werden“ (RÜTHERS / BIRK 2005: 118). „Das Gesetz verkörpert sich in einem bestimmten Text, in dem es festgeschrieben und verstetigt wird … .“ (DEPENHEUER 2014: 138). Ein Text ist kein Text, wenn er nicht verstanden wird. Auch wenn er nicht, wie Montesquieu es fordert, bei allen die gleiche Vorstellung hervorrufen kann, so sollte das Gesetz doch im Rahmen seiner pragmatischen Verstehensbedingungen von allen Teilnehmern an der Kommunikationsgemeinschaft gleichartig interpretiert werden. Optimierung der Verständlichkeit hat primär zum Ziel, die Zufälligkeit intersubjektiver Verstehensdifferenzen dadurch zu minimieren, dass der Text nach allgemeinen Regeln des Verstehens formuliert wird, Verstehensbarrieren vermeidet und deshalb mit Hilfe allgemein verbindlicher Interpretationsstrategien möglichst ohne Umwege verstanden werden kann. Je weniger ein Gesetzestext derartige Interpretationsvoraussetzungen beachtet, desto mehr ist er auslegungsbedürftig und desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass die verschiedenen Auslegungen differieren.
–	Wer die Arbeit an der Verständlichkeit von Gesetzestexten als irrelevant erachtet, zeigt ein eigenartiges Verständnis für Qualitätsanforderungen an Gesetzgebungsarbeit. Man kann die Arbeit der Gesetzesredaktion mehr oder weniger gut leisten, mehr oder weniger Verständlichkeit erreichen. An die Gesetzgebung müssen die gleichen Forderungen an sprachliche Qualität gestellt werden können wie an andere anspruchsvolle Texte. Es ist schwer, eine Begründung dafür zu finden, warum ein Gesetz schlecht und unverständlich abgefasst werden soll, wenn eine verständlichere Formulierung möglich wäre. „Die Arbeit an der Sprache ist Arbeit am Gedanken“, lautet ein Aphorismus von Friedrich Dürrenmatt. Im Umkehrschluss: Verzicht auf Arbeit an der Sprache ist Verzicht auf Arbeit am Gedanken.
BUSSE, Dietrich (1994). „Verständlichkeit von Gesetzestexten – ein Problem der Formulierungstechnik? Zu Möglichkeiten und Grenzen einer semantischen Optimierung der Rechtssprache“, in: Gesetzgebung heute 1994, Heft 2, 29–37.
BUSSE, Dietrich (2002). „Bedeutungsfeststellung, Interpretation, Arbeit mit Texten? Juristische Auslegungstätigkeit in linguistischer Sicht“, in: HAß-ZUMKEHR, Ulrike (ed.). Sprache und Recht. Berlin/New York, de Gruyter, 136–162.
HANSEN-SCHIRRA, Silvia / NEUMANN, Stella (2004). „Linguistische Verständlichmachung in der juristischen Realität.“ in: LERCH (ed.), 167– 184.
WESEL, Uwe (1994). Alles, was Recht ist.Frankfurt a. M., Eichborn.
13 „Das Gesetz entscheidet zunächst nur die wenigen Fälle, die der Gesetzgeber bei Erlass des Gesetzes im Auge hat. Der Ausdruck »Fall« wird hier im Sinne von Fallreihe gebraucht … “ (SCHAPP 1983: 31) (s. dazu Anm. 9).
23Allgemeiner formuliert von HOFFMANN (1992: 152) im „Postulat minimaler Verständlichkeit“: „Gesetzestexte sollten mit Ausdrücken und Konstruktionsweisen formuliert werden, über die in der Regel verfügt, wer Deutsch kann und sich in den jeweils geregelten Lebensbereichen hinreichend auskennt.
24Das Gleiche gilt auch für das Schweizer Mehrwertsteuergesetz, (SR 641.20), in dem ebenfalls „Lieferungen“ und „Dienstleistungen“ unterschieden werden.
Lötscher, Andreas (2016). „Die (Un-)Verständlichkeite von Gesetzen – eine Herausforderung für die Gesetzesredaktion“. ZERL, URL: http://www.zerl.uni-koeln.de/andreas-loetscher/2016/verstaendlichkeit-von-gesetzen/, (Datum des letzten Zugriffs). URN des PDFs: urn:nbn:de:hbz:38-68207.
Auslegung, comprehension, Gesetzestexte, Informationstexte, law texts, legal norms, Normtexte, Optimierung der Verständlichkeit, optimizing comprehensability, Transparenz, Unverständlichkeit, Verständlichkeit