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Timestamp: 2020-08-06 14:15:10
Document Index: 6408034

Matched Legal Cases: ['§ 6', '§ 6', '§ 6', '§ 6', '§ 6', '§ 2', '§ 27', '§ 6', '§ 6', '§ 2', '§ 2', '§ 6', '§ 27', '§ 6', '§ 2', '§ 2', '§ 6', '§ 6', '§ 6']

Abstandsflächen beim Carport | Rechtslupe
Abstandsflächen beim Carport
Für die Berech­nung von Abstands­flä­chen bei Gebäu­den, bei wel­chen Außen­wän­de ganz oder teil­wei­se feh­len, sind die­se zu fin­gie­ren.
Bei einem Car­port han­delt es sich im Land Bran­den­burg um kei­ne nach § 6 Abs. 10 Satz 1 BbgBO aus­nahms­wei­se zuläs­si­ge Grenz­be­bau­ung, wenn mit dem Gebäu­de auf Grund des wei­te­ren auf dem Grund­stück bestehen­den Neben­ge­bäu­des die nach Satz 2 der Vor­schrift ent­lang einer Grund­stücks­gren­ze maxi­mal zuläs­si­ge Län­ge der Außen­wän­de von 9 m über­schrit­ten wird.
Der Ein­wand, der Gesetz­ge­ber habe Car­ports die Pri­vi­le­gie­rung des § 6 Abs. 10 Satz 1 BbgBO ein­schrän­kungs­los ohne die in Satz 2 genann­ten Län­gen­be­gren­zun­gen zugu­te­kom­men las­sen wol­len, über­zeugt das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt Ber­lin-Bran­den­burg nicht. Ins­be­son­de­re lässt sich die­se Auf­fas­sung nicht auf den Wort­laut des § 6 Abs. 10 Satz 2 BbgBO stütz­ten, wonach die ent­lang der Grund­stücks­gren­ze errich­te­ten „Außen­wän­de“ ins­ge­samt eine Län­ge von 15 m und ent­lang einer Grund­stücks­gren­ze eine Län­ge von 9 m nicht über­schrei­ten dür­fen.
Zwar trifft es zu, dass es sich bei einem Car­port um einen über­dach­ten Abstell­platz für Kraft­fahr­zeu­ge ohne Sei­ten­wän­de han­delt und die­ser daher kei­ne Außen­wän­de im phy­si­schen Sin­ne auf­weist. Jedoch ist der Begriff der Außen­wand in § 6 Abs. 10 Satz 2 BbgBO im Zusam­men­hang mit der abstands­flä­chen­recht­li­chen Grund­be­stim­mung des § 6 Abs. 1 Satz 1 BbgBO zu sehen, wonach „vor den Außen­wän­den von Gebäu­den“ Abstands­flä­chen frei­zu­hal­ten sind. Das Frei­hal­te­ge­bot gilt grund­sätz­lich für alle ober­ir­di­schen Gebäu­de im Sin­ne von § 2 Abs. 2 BbgBO, also auch bei einem Car­port.
In der Regel sind die Außen­wän­de eines Gebäu­des, die für die Berech­nung von Abstands­flä­chen maß­geb­lich sind, die Wän­de, die die Räu­me des Gebäu­des gegen das Freie abschlie­ßen und von außen sicht­bar sind. Bei Gebäu­den, bei wel­chen Außen­wän­de ganz oder teil­wei­se feh­len, wie z. B. bei einer Kon­struk­ti­on, deren Dach nur von Stüt­zen oder Pfei­lern getra­gen wird, sind die „Außen­wän­de“ aller­dings zu fin­gie­ren [1]. Denn nach dem Schutz­zweck der abstands­flä­chen­recht­li­chen Bestim­mun­gen sind auch bei Gebäu­den ohne abschlie­ßen­de Wän­de vor den offe­nen Gebäu­de­sei­ten Abstands­flä­chen ein­zu­hal­ten, weil sich auch eine an den Sei­ten offe­ne über­dach­te Kon­struk­ti­on ins­be­son­de­re auf Belich­tung und Belüf­tung des Nach­bar­grund­stücks aus­wirkt [2]. Soweit dar­auf hin­ge­wie­sen wird, dass der Gesetz­ge­ber mit § 27 BbgBO an das Vor­han­den­sein und die Beschaf­fen­heit von Außen­wän­den bestimm­te Vor­aus­set­zun­gen auf­ge­stellt habe, spricht dies nicht gegen das Erfor­der­nis der Fik­ti­on von Außen­wän­den im Zusam­men­hang mit abstands­flä­chen­recht­li­chen Bestim­mun­gen bei den­je­ni­gen Gebäu­den, die auf­grund ihrer Kon­struk­ti­on ganz oder teil­wei­se ohne Außen­wän­de errich­tet wer­den.
Die­ses Ergeb­nis wird auch nicht mit dem Hin­weis auf die Gesetz­ge­bungs­ge­schich­te in Zwei­fel gezo­gen. Die Vor­gän­ger­re­ge­lung in § 6 Abs. 9 Satz 2 BbgBO 1998 ent­hielt Rege­lun­gen über die maxi­mal zuläs­si­ge „Grenz­be­bau­ung“ und ver­wen­de­te den Begriff „Außen­wän­de“ im Zusam­men­hang mit der Län­gen­be­gren­zung nicht. Zur Begrün­dung der Neu­re­ge­lung in § 6 Abs. 10 Satz 2 BbgBO 2003 wird in den Geset­zes­ma­te­ria­li­en aus­ge­führt, dass die Vor­schrift stark ver­ein­facht wer­den soll­te und des­halb anstel­le der maxi­mal zuläs­si­gen Grund­flä­che, Län­ge und Wand­hö­he der Grenz­be­bau­ung ledig­lich die Län­ge der Außen­wän­de als Anknüp­fungs­punkt gewählt wur­de [3]. Anhalts­punk­te dafür, dass damit eine Rechts­än­de­rung dahin­ge­hend ein­tre­ten soll­te, dass nun­mehr Gebäu­de ohne Außen­wän­de wie Car­ports ein­schrän­kungs­los als pri­vi­le­gier­te Grenz­be­bau­ung zuläs­sig sein soll­ten, ent­hält die Geset­zes­be­grün­dung nicht.
Die Fra­ge, „ob es sich bei Car­ports bzw. schlich­ten Über­da­chun­gen ohne Außen­wän­de um Gara­gen im Sin­ne der Bran­den­bur­gi­schen Bau­ord­nung han­delt“, lässt sich bereits auf­grund der vom Gesetz­ge­ber getrof­fe­nen Defi­ni­ti­on in § 2 Abs. 7 Satz 2 BbgBO unter der Vor­aus­set­zung, dass es sich bei der Kon­struk­ti­on um ein Gebäu­de im Sin­ne von § 2 Abs. 2 BbgBO han­delt, posi­tiv beant­wor­ten. Die wei­te­re Fra­ge, ob „§ 6 Abs. 10 Satz 2 BbgBO das Vor­han­den­sein einer ‚Außen­wand’ im Sin­ne von § 27 BbgBO vor­aus­setzt oder eine ‚Außen­wand’ fin­giert wer­den kann“, lässt sich aus dem sys­te­ma­ti­schen Zusam­men­hang mit §§ 6 Abs. 1 Satz 1 und § 2 Abs. 2 BbgBO ohne Wei­te­res beant­wor­ten in dem Sin­ne, dass bei einem Gebäu­de im Sin­ne von § 2 Abs. 2 BbgBO, das auf­grund sei­ner Kon­struk­ti­on kei­ne Außen­wand auf­weist, die­se für die Berech­nung der Abstands­flä­chen zu fin­gie­ren ist.
Ober­ver­wal­tungs­ge­richt Ber­lin-Bran­den­burg, Beschluss vom 25. Janu­ar 2013 – OVG 2 N 47.10
vgl. Dirn­ber­ger in: Jäde u.a., Bau­ord­nungs­recht Bran­den­burg, Stand: August 2012, § 6 Rn. 19a; Broy-Bülow, Bau­ord­nung von Ber­lin, 6. Aufl. 2008, § 6 Rn. 7; Joh­len, Bau­ord­nung Nord­rhein-West­fa­len, 12. Aufl. 2011, § 6 Rn. 73; BayVGH, Urteil vom 30.08.1984 – Nr. 2 B 83 A.1265, BRS 42 Nr. 165[↩]
vgl. Reichel/​Schulte, Hand­buch Bau­ord­nungs­recht 2004, Kap. 3 Rn. 44[↩]
vgl. LT-Drs. 3/​5160, S. 102 f.[↩]
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