Source: http://www.hensche.de/Arbeitsrecht_Urteile_Weigerung_Arbeitnehmer_zu_arbeiten_LAG_Hamburg_1Sa35-12_u.html
Timestamp: 2019-11-22 20:13:54
Document Index: 31317715

Matched Legal Cases: ['§ 25', '§ 256', '§ 256', '§ 1', '§ 1', 'Art. 7', 'EuG', '§ 46', '§ 315', '§ 612']

LAG Hamburg, Urteil vom 11.06.2015, 1 Sa 35/12 - HENSCHE Arbeitsrecht
LAG Ham­burg, Ur­teil vom 11.06.2015, 1 Sa 35/12
Aktenzeichen: 1 Sa 35/12
Schlus­s­ur­teil und Ur­teil
( 3 Ca 143/12 ArbG Ham­burg)
Verkündet am: 11. Ju­ni 2015
Ale­jo
auf die münd­li­che Ver­hand­lung vom 11. Ju­ni 2015
durch den Präsi­den­ten des Lan­des­ar­beits­ge­richts Herr Dr. Nau­se als Vor­sit­zen­den
den eh­ren­amt­li­chen Rich­ter Herr
den eh­ren­amt­li­chen Rich­ter Herr Dr
von der Ar­beits­leis­tung als Er­satz für den Ur­laub 2009 und wei­te­re 32 Ta­ge be­zahl­te Frei­stel­lung von der Ar­beits­leis­tung als Er­satz für den Ur­laub 2010 zu­ste­hen.
6. Der Kläger trägt die Kos­ten des Ver­fah­rens 3 Ca 143/12 Ar­beits­ge­richt Ham­burg zu 80 Hun­derts­teln, die Be­klag­te zu 20 Hun­derts­tel.
Die Be­klag­te trägt die Kos­ten des Ver­fah­rens 3 Ca 621/13 Ar­beits­ge­richt Ham­burg. Der Kläger trägt die Kos­ten des Ver­fah­rens 3 Ca 622/13 Ar­beits­ge­richt Ham­burg.
Die Be­klag­te trägt die Kos­ten des Ver­fah­rens 3 Ca 494/13 Ar­beits­ge­richt Ham­burg. Der Kläger trägt die Kos­ten sei­ner Säum­nis im Ter­min zur münd­li­chen Ver­hand­lung am 20. Fe­bru­ar 2014 al­lein.
Ge­gen die­ses Ur­teil kann von der Be­klag­ten hin­sicht­lich der Ur­teils­aussprüche zu 1, 2 und 4 Re­vi­si­on bei dem Bun­des­ar­beits­ge­richt ein­ge­legt wer­den. Die Re­vi­si­on kann nur dar­auf gestützt wer­den, dass das Ur­teil des Lan­des­ar­beits­ge­richts auf der Ver­let­zung ei­ner Rechts­norm be­ruht.
Für den Kläger ist ge­gen die­ses Ur­teil ist ein wei­te­res Rechts­mit­tel nicht ge­ge­ben.
Mit Schrei­ben vom 10. No­vem­ber 2008 (An­la­ge K 6, Bl. 97 d.A.) hat­te der Kläger um die Gewährung des ihm für die­ses Jahr zu­ste­hen­den Ur­lau­bes ge­be­ten.
Der Kläger ist der An­sicht, er könne Ab­gel­tung für drei Ta­ge Rest­ur­laub so­wie für 1,72 Ta­ge Zeit­gut­ha­ben für das Jahr 2007 so­wie für 32 Ur­laubs­ta­ge für das Jahr 2008 ver­lan­gen. Die Kla­ge er­fol­ge in­so­weit we­gen der noch nicht rechts­kräftig fest­ste­hen­den Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses verjährungs­un­ter­bre­chend.
Mit ei­ner Kla­ge vom 29. De­zem­ber 2011, der Be­klag­ten zu­ge­stellt am 3. Ja­nu­ar 2012, hat der Kläger ne­ben dem Er­satz ei­nes Steu­er­scha­dens und der Ab­gel­tung von Zeit­gut­ha­ben- und Ur­laubs­ta­gen zunächst Zah­lung wei­te­rer € 974,02 rest­li­ches Ge­halt für Ja­nu­ar 2010 so­wie die Zah­lung vermögens­wirk­sa­mer Leis­tun­gen von mo­nat­lich € 39,88 für den Zeit­raum von Fe­bru­ar 2008 bis Ju­ni 2010 und Frei­stel­lung von Schäden durch ent­spre­chend ver­späte­te Zah­lung be­gehrt. Hin­sicht­lich der bei­den letzt­ge­nann­ten Ge­genstände hat der Kläger mit Schrift­satz vom 30. März 2012 die Kla­ge da­hin­ge­hend geändert, dass ihm kor­ri­gier­te Jah­res­steu­er­be­schei­ni­gun­gen und So­zi­al­ver­si­che­rungs­nach­wei­se er­teilt wer­den sol­len. In­so­fern ha­ben die Par­tei­en den Rechts­streit in der münd­li­chen Ver­hand­lung vom 13. Ju­ni 2012 übe­rein­stim­mend für er­le­digt erklärt.
Das Ar­beits­ge­richt Ham­burg hat mit Ur­teil vom 13. Ju­ni 2012 die Kla­ge ab­ge­wie­sen. We­gen der Ein­zel­hei­ten des Ur­teils wird auf Bl. 115 bis 126 d.A. ver­wie­sen. Ge­gen die­ses Ur­teil, das dem Kläger am 11. Ju­li 2012 zu­ge­stellt wor­den ist, hat die­ser mit Schrift­satz vom 24. Ju­li 2012, beim Lan­des­ar­beits­ge­richt ein­ge­gan­gen am sel­ben Ta­ge, Be­ru­fung ein­ge­legt. Auf schriftsätz­li­chen An­trag des Klägers, der am 10. Au­gust 2012 beim Lan­des­ar­beits­ge­richt ein­ging, hat das Lan­des­ar­beits­ge­richt die Be­ru­fungs­be­gründungs­frist bis zum 11. Ok­to­ber 2012 verlängert. Mit Schrift­satz vom 11. Ok­to­ber 2012, beim Lan­des­ar­beits­ge­richt ein­ge­gan­gen am sel­ben Ta­ge, hat der Kläger die Be­ru­fung be­gründet.
1. das Versäum­nis­ur­teil vom 7. Fe­bru­ar 2013, dem Kläger zu­ge­stellt am 18. Fe­bru­ar 2013,
auf­zu­he­ben und un­ter Abände­rung des am 13. Ju­ni 2012 verkünde­ten Ur­teils des Ar­beits­ge­richts Ham­burg, Az. 3 Ca 143/12,
hilfs­wei­se für den Fall, dass das Ar­beits­verhält­nis fort­be­steht,
Das Ent­gelt für die Zeiträume, in de­nen dem Kläger von der Be­klag­ten Ur­laub er­teilt wor­den war, er­hielt der Kläger für das Jahr 2009 am 12. Ju­li 2010 und für das Jahr 2010 am 26. Ju­li 2013.
Zu­letzt kündig­te die Be­klag­te das Ar­beits­verhält­nis mit Schrei­ben vom 27. Sep­tem­ber 2013 frist­los und hilfs­wei­se
Der Kläger hat die Auf­fas­sung ver­tre­ten, ei­ne wirk­sa­me Ur­laubs­gewährung sei durch die von der Be­klag­ten während des Kündi­gungs­rechts­strei­tes erklärten Frei­stel­lun­gen nicht er­folgt. Ihm stünden des­halb noch je 32 Ur­laubs­ta­ge für die Jah­re 2009 und 2010 zu. Die­se sei­en ihm - für den Fall, dass das Ar­beits­verhält­nis recht­lich fort­be­ste­he - zu gewähren. Hilfs­wei­se für den Fall, dass das Ar­beits­verhält­nis durch die Kündi­gung vom 27. Sep­tem­ber 2013 be­en­det sei, sei­en die Ur­laubs­ansprüche ab­zu­gel­ten. Für das Jahr 2009 könne der Kläger € 8.074, für 16 Ur­laubs­ta­ge im Jahr 2010 € 5.740,10 und für wei­te­re 16 Ur­laubs­ta­ge des Jah­res 2010 € 4.536,80 ver­lan­gen. In­so­weit sei zu berück­sich­ti­gen, dass dem Kläger we­gen der Ent­wick­lung der von ihm zu­letzt be­klei­de­ten Po­si­ti­on ei­ne Höher­grup­pie­rung zu­ste­he, die ein Mo­nats­ge­halt von EUR 6.248,14 auslösen würde.
Der Kläger meint, dass ihm die gel­tend ge­mach­ten Ansprüche zustünden, weil die Be­klag­te ihm durch die vor­sorg­li­che Frei­stel­lung in dem Zeit­raum, für den der Be­stand des Ar­beits­verhält­nis­ses strit­tig war, nicht wirk­sam ha­be Ur­laub er­tei­len können.
We­gen Ein­zel­hei­ten des IHK-Rah­men­lehr­plans für die Aus­bil­dung zum Im­mo­bi­li­en­fach­wirt wird auf die An­la­ge K 4 zum Schrift­satz des Klägers vom 14. Au­gust 2014 (Bl. 155 der Ak­ten in dem ver­bun­de­nen Ver­fah­ren 1 Sa 20/15) ver­wie­sen.
Ab No­vem­ber 2007 lei­te­te Herr F. ver­tre­tungs­wei­se das Sach­ge­biet BW.3. Er war sei­ner­zeit in die Vergütungs­grup­pe 8 Stu­fe 11 ein­grup­piert. Zum 1. Mai 2009 wur­de er der Vergütungs­grup­pe 9 zu­ge­ord­net. Da­bei blieb es bis zu sei­nem Aus­schei­den aus dem Ar­beits­verhält­nis.
Ja­nu­ar 2014, mach­te der Kläger Dif­fe­renz­vergütungs­ansprüche für die Zeit vom 1. Ju­li 2010 bis zum 31. De­zem­ber 2012 in Höhe von EUR 17.364,93 brut­to nebst Zin­sen gel­tend.
Ins­ge­samt könne er für den Zeit­raum vom 1. Ju­li 2010 bis 31. De­zem­ber 2012 Nach­zah­lun­gen in Höhe von EUR 17.364,93 brut­to ver­lan­gen. We­gen der vom Kläger vor­ge­tra­ge­nen Zu­sam­men­set­zung der be­gehr­ten Zah­lungs­ansprüche und der er­hal­te­nen Zah­lun­gen wird auf die Auf­stel­lun­gen in der Kla­ge­schrift, dort Sei­ten 4 und 5 (Bl. 4-5 d.A. in dem ver­bun­de­nen Ver­fah­ren 1 Sa 20/14), Be­zug ge­nom­men.
2. die Be­klag­te zu ver­ur­tei­len, an den Kläger EUR 17.364,93 brut­to nebst Zin­sen in Höhe
von 5 Pro­zent­punk­ten über dem je­wei­li­gen Ba­sis­zins­satz
auf EUR 6.789,89 seit dem 16.12.2011 so­wie
Zur Dar­stel­lung der in dem aus Sicht der Be­klag­ten im Be­reich BW.4 an­fal­len­den Auf­ga­ben wird auf die Dar­stel­lung im Schrift­satz der Be­klag­ten vom 27. Ja­nu­ar 2014, dort Sei­te 2 (Bl. 12 d.A.) Be­zug ge­nom­men. Der Auf­ga­ben­zu­schnitt des Sach­ge­bie­tes BW.3 sei hier­von we­der per­so­nell noch in­halt­lich be­trof­fen ge­we­sen. Der Kläger ha­be auch zu kei­nem Zeit­punkt Tätig­kei­ten mit ver­ga­be­recht­li­chen Be­zug durch­geführt. Dem Kläger ste­he auch nicht ein An­spruch auf Über­tra­gung der von Herrn H. aus­geübten Tätig­kei­ten zu.
Für die Stu­fen­zu­ord­nung in­ner­halb ei­ner Vergütungs­grup­pe kom­me es auf das An­ci­en­nitätsprin­zip an, nicht je­doch auf Führungs­er­fah­rung. Der Kläger ha­be nicht dar­ge­legt, wes­halb er in die je­wei­li­ge Stu­fe 11 ei­ner Vergütungs­grup­pe ein­zu­grup­pie­ren sei.
aus der Ab­tei­lung des Klägers hätten bis in die Vergütungs­grup­pe 9 ein­grup­piert wer­den können. Zu ih­ren Auf­ga­ben hätten primär die Ob­jekt­su­che und Be­stands­kon­trol­le gehört. Sie wären rich­ti­ger­wei­se be­reits 2005 als Fach­re­fe­rent mit be­son­de­rer Auf­ga­ben­stel­lung ein­grup­piert, was der Vergütungs­grup­pe 9 oder 10 ent­spro­chen hätte. Im Jah­re 2005 sei we­gen der Ein­grup­pie­rungs­strei­tig­keit mit dem Kläger ein all­ge­mei­ner Höher­grup­pie­rungs­stopp für al­le Beschäftig­ten von BW.3 verhängt wor­den.
3) die Be­klag­te zu ver­ur­tei­len, an den Kläger € 17.364,93 brut­to nebst Zin­sen in Höhe
von fünf Pro­zent­punk­ten über dem je­wei­li­gen Ba­sis­zins­satz
4) dass der Kläger für den Zeit­raum 01. Ju­li 2010 bis 30. Ju­ni 2013 in die Vergütungs­grup­pe 10/11 des Ände­rungs­ta­rif­ver­tra­ges Nr. 02/94 zum TKT ein­zu­grup­pie­ren ist und seit dem 01. Ju­li 2013 in die Vergütungs­grup­pe 11/11.
Mit Schrei­ben vom 26. Ok­to­ber 2012 teil­te die Be­klag­te der Deut­schen Ren­ten­ver­si­che­rung Bund mit, dass sie er­heb­li­che Zwei­fel dar­an ha­be, dass der Kläger im Zeit­raum vom 14. Sep­tem­ber bis 15. Ok­to­ber 2007 ar­beitsfähig ge­we­sen sei. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt Ham­burg hat­te in dem Ver­fah­ren 1 Sa 9/09 Be­weis über die Ar­beitsfähig­keit des Klägers in dem ge­nann­ten Zeit­raum durch Ver­neh­mung des den Kläger ver­neh­men­den Arz­tes er­ho­ben und im Ur­teil vom 7. Ja­nu­ar 2010 an­ge­nom­men, dass ei­ne Ar­beitsfähig­keit des Klägers vor­ge­le­gen ha­be.
3.325,09. In­so­weit for­der­te die Be­klag­te den Kläger mit Schrei­ben vom 4. No­vem­ber 2013 (An­la­ge B 12 zur Kla­ger­wi­de­rung, Bl. 152 bis 153 der Ak­ten in dem ver­bun­de­nen Ver­fah­ren 1 Sa 22/14) zur Rück­zah­lung bis zum 30. No­vem­ber 2013 auf. Der Kläger nahm ei­ne Rück­zah­lung nicht vor.
Der Kläger könne ei­ne be­triebsöffent­li­che re­ha­bi­li­tie­ren­de Stel­lung­nah­me ver­lan­gen. Ei­ne Me­dia­ti­on bzw. Su­per­vi­si­on sei zwin­gend er­for­der­lich, um ei­ne Zu­sam­men­ar­beit des Klägers mit den ihm künf­tig un­ter­stell­ten Beschäftig­ten zu ermögli­chen.
3. die Be­klag­te zu ver­ur­tei­len, an den Kläger die Mel­de­be­schei­ni­gung zur So­zi­al­ver­si­che­rung nach § 25 DEÜV für den Zeit­raum 14. Sep­tem­ber 2007 bis 15. Ok­to­ber 2007 her­aus­zu­ge­ben.
Zurück­be­hal­tungs­recht gestützt ha­be. Der vom Kläger in dem Ver­fah­ren 1 Sa 23/12 er­ho­be­ne Vor­wurf, dass bei der Be­klag­ten mit Bil­li­gung von Vor­stands­mit­glie­dern ein vom mitt­le­ren Ma­nage­ment ent­wi­ckel­tes Mob­bing­pro­gramm be­ste­he, ha­be be­son­de­res Ge­wicht ge­habt und so­gar da­zu geführt, dass der zuständi­ge Per­so­nal­re­fe­rent ei­nem lei­ten­den Mit­ar­bei­ter der Be­klag­ten den den Vor­wurf ent­hal­te­nen Schrift­satz des Klägers zur Stel­lung­nah­me zu­ge­sandt ha­be. Durch kur­ze Ein­sicht­nah­me in die­sen Schrift­satz vom 5. Ju­li 2012 hätte geklärt wer­den können, was der Kläger mei­ne. Die Be­klag­te ha­be die Persönlich­keits­ver­let­zun­gen gleich­wohl fort­ge­setzt. Kurz nach dem letz­ten Ur­teil des Lan­des­ar­beits­ge­richts ha­be sie Kla­ge auf Her­aus­ga­be von zwei Ti­teln ge­gen den Kläger er­ho­ben, oh­ne die­sen zu­vor zu ei­ner Her­aus­ga­be auf­zu­for­dern.
das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts Ham­burg vom 16. April 2014 und das Versäum­nis­ur­teil des Ar­beits­ge­richts Ham­burg vom 20. April 2004 auf­zu­he­ben und fest­zu­stel­len, dass das Ar­beits­verhält­nis der Par­tei­en durch die Kündi­gung der Be­klag­ten vom 27. Sep­tem­ber 2013 nicht be­en­det wor­den ist;
so­wie,
dem Sach­ge­biet BW.4 zu­ge­wie­sen wor­den. So­weit es da­bei um das Ver­ga­be­recht ge­gan­gen sei, sei der Kläger nicht aus­rei­chend qua­li­fi­ziert. Die mit der Bewälti­gung die­ser Auf­ga­ben­be­rei­che be­trau­ten Beschäftig­ten sei­en al­le nach 2006 ein­ge­stellt und so­gleich so hoch ein­grup­piert wor­den, dass der Kläger für sie kei­ne Lei­tungs­funk­ti­on ausüben könn­te. Wenn auch nicht zu 100 %, so sei doch im We­sent­li­chen der Zu­schnitt von BW.3 iden­tisch mit dem Zu­schnitt von BW.3 am 26. April 2013.
Dar­an fehlt es vor­lie­gend. Das Ar­beits­ge­richt hat­te in der an­ge­foch­te­nen Ent­schei­dung aus­geführt, dass dem An­spruch aus dem Jah­re 2007 ent­ge­gen­ste­he, dass nicht er­sicht­lich sei, dass der Kläger im Jah­re 2007 den Ur­laub bis zum 31. De­zem­ber 2007 ge­genüber der Be­klag­ten gel­tend ge­macht hätte oder das ein Über­tra­gungs­tat­be­stand ge­ge­ben ge­we­sen wäre, auf­grund des­sen der An­spruch in das ers­te Quar­tal des Jah­res 2008 ge­langt wäre (Bl. 10 des Ur­teils des Ar­beits­ge­richts vom 13. Ju­ni 2012, 3 Ca 143/12). Hier­mit hat sich der Kläger in sei­ner Be­ru­fungs­be­gründung vom 11. Ok­to­ber 2012 nicht aus­ein­an­der­ge­setzt. Es gibt kei­ne An­halts­punk­te dafür, dass der Kläger die­se Be­gründung des Ar­beits­ge­richts auf­greift und sich mit ihr beschäftigt. Die Be­ru­fung ist in­so­weit un­abhängig da­von un­zulässig, ob die vom Ar­beits­ge­richt an­ge­nom­me­ne Be­gründung für die Ab­wei­sung der Kla­ge zu­tref­fend ist.
Der Hilfs­an­trag ist eben­falls zulässig. Für ihn sind die Vor­aus­set­zun­gen des § 256 Abs. 1 ZPO erfüllt. Zwi­schen den Par­tei­en ist ein Rechts­verhält­nis strei­tig. Un­ter ei­nem Rechts­verhält­nis ist die recht­li­che Be­zie­hung ei­ner Per­son zu ei­ner an­de­ren Per­son oder Sa­che zu ver­ste­hen. Ge­gen­stand der Fest­stel­lungs­kla­ge können da­bei auch ein­zel­ne Rech­te, Pflich­ten oder Fol­gen ei­nes Rechts­verhält­nis­ses sein (Zöller-Gre­ger, § 256, Rd­nr. 3). Vor­lie­gend geht es dar­um, ob der Kläger ge­gen die Be­klag­ten ei­nen An­spruch auf be­zahl­te Frei­stel­lung als Er­satz für nicht­gewähr­ten Ur­laub hat. Ein sol­cher Er­satz­an­spruch kann sich aus dem Ar­beits­verhält­nis er­ge­ben. Es ist des­halb ei­ne Rechts­fol­ge aus die­sem Rechts­verhält­nis, die Ge­gen­stand ei­ner Fest­stel­lungs­kla­ge sein kann. Das er­for­der­li­che Fest­stel­lungs­in­ter­es­se ist ge­ge­ben. Der Kläger hat ein be­rech­tig­tes In­ter­es­se dar­an, dass geklärt wird, ob und in wel­chem Um­fang ihm in ei­nem be­se­hen­den Ar­beits­verhält­nis Ansprüche auf be­zahl­te Frei­stel­lung zu­ste­hen, die von der Be­klag­ten be­strit­ten wer­den.
ihn zur Erfüllung des An­spruchs auf Er­ho­lungs­ur­laub von der Ar­beits­pflicht frei­stel­len will. Das kann auch da­durch ge­sche­hen, dass die Ar­beit­ge­be­rin den Ar­beit­neh­mer un­ter An­rech­nung auf Ur­laubs­ansprüche von der Ver­pflich­tung zur Ar­beits­leis­tung frei­stellt. Darüber hin­aus ist der Ur­laubs­an­spruch nicht al­lein auf die Frei­stel­lung von der Ar­beits­leis­tung ge­rich­tet. Nach § 1 BUrlG hat je­der Ar­beit­neh­mer in je­dem Ka­len­der­jahr An­spruch auf be­zahl­ten Er­ho­lungs­ur­laub. Zur Erfüllung die­ses An­spruchs genügt es da­her nicht, dass der Ar­beit­neh­mer in der Zeit des Ur­laubs nicht ar­bei­ten muss. Das Ge­setz ver­langt, dass die Zeit der Frei­stel­lung von der Ar­beit „be­zahlt“ sein muss. § 1 BUrlG ent­spricht in­so­weit der Re­ge­lung in Art. 7 Abs. 1 der Ar­beits­zeit­richt­li­nie. Nach der Recht­spre­chung des EuGH ist das Ar­beits­ent­gelt für die Dau­er des Jah­res­ur­laubs im Sin­ne der Richt­li­nie wei­ter zu gewähren. Der Ar­beit­neh­mer muss für die­se Ru­he­zeit das gewöhn­li­che Ar­beits­ent­gelt er­hal­ten. Aus dem An­spruch auf be­zahl­ten Er­ho­lungs­ur­laub folgt dem­nach, dass dem Ar­beit­neh­mer im Zeit­punkt der In­an­spruch­nah­me des Ur­laubs ein An­spruch auf Vergütung si­cher sein muss. Da­zu genügt es nicht, wenn ihm zu ir­gend­ei­nem späte­ren Zeit­punkt nach der rechts­kräfti­gen Ent­schei­dung über die Kündi­gungs­schutz­kla­ge ein An­spruch auf Ur­laubs­vergütung zu­er­kannt wird. Der Ar­beit­neh­mer ist in un­zu­mut­ba­rer Wei­se in sei­ner Ur­laubs­ge­stal­tung ein­ge­schränkt, wenn er bei Ur­laubs­an­tritt nicht weiß, ob ihm Ur­laubs­ent­gelt ge­zahlt wird (BAG, Ur­teil vom 10. Fe­bru­ar 2015 – 9 AZR 455/13 –, Rn. 24, Ju­ris).
Der Hilfs­an­trag, über den we­gen der nach­fol­gend dar­ge­leg­ten Un­be­gründet­heit des Haupt­an­tra­ges zu ent­schei­den ist, ist eben­falls zulässig. Ei­ne Ein­grup­pie­rungs­fest­stel­lungs­kla­ge ist ge­gen Ar­beit­ge­be­rin­nen so­wohl im Öffent­li­chen Dienst als auch in der Pri­vat­wirt­schaft zulässig (Schwab/Weth/Zim­mer­ling, ArbGG, § 46 Rn 122). Die Fest­stel­lungs­kla­ge ist – wie vom Kläger gel­tend ge­macht – auf ei­ne be­stimm­te Ein­grup­pie­rung zu rich­ten und nicht – wie die Be­klag­te meint – auf die Ver­pflich­tung der Be­klag­ten auf ei­ne be­stimm­te Ein­grup­pie­rung. Die Ein­grup­pie­rung er­folgt nämlich nicht auf­grund ei­nes Ver­hal­tens der Ar­beit­ge­be­rin, son­dern auf­grund der Ein­grup­pie­rungs­vor­schrif­ten au­to­ma­tisch, wenn die Vor­aus­set­zun­gen für ei­ne Ent­gelt­grup­pe erfüllt sind. Ir­gend­ei­nes Rechts­set­zungs- oder -an­wen­dungs­ak­tes der Ar­beit­ge­be­rin be­darf es dafür nicht.
auf­grund wel­cher Tat­sa­chen die von ihm ge­lei­te­te Or­ga­ni­sa­ti­ons­ein­heit sich auf­grund ih­rer Be­deu­tung aus die­sen her­aus­hebt. Der Kläger äußert sich viel­mehr im We­sent­li­chen nur zu dem Sach­ge­biet BW.3 und des­sen Auf­ga­ben­be­reich.
hat sich der Kläger nur dar­auf be­ru­fen, er hätte bei störungs­frei­em Ver­lauf heu­te die „Lei­tung der Abt. BW.3 und BW.4“ in­ne.
bbb) Die Kla­ge ist be­gründet. Das Ar­beits­verhält­nis der Par­tei­en ist durch die Kündi­gung der Be­klag­ten vom 27. Sep­tem­ber 2013 we­der frist­los noch frist­ge­recht auf­gelöst wor­den.
wenn die Ar­beit­ge­be­rin dem Ar­beit­neh­mer mit­teilt, dass er sei­ne Ar­beit zu den ver­trag­lich ge­schul­de­ten Be­din­gun­gen wie­der auf­neh­men soll. Der Ar­beit­neh­mer ist nämlich nicht ver­pflich­tet, je­de Ar­beit zu leis­ten. Viel­mehr be­steht die­se Pflicht ge­ra­de nur für die Er­brin­gung ei­ner Ar­beits­leis­tung, zu der er ver­trag­lich ver­pflich­tet ist. Wenn sich die Par­tei­en nicht um den In­halt der Ar­beits­pflicht strei­ten, mag es als Auf­for­de­rung zur Wie­der­auf­nah­me der Ar­beit aus­rei­chend sein, wenn die Ar­beit­ge­be­rin den Ar­beit­neh­mer zum An­tritt der Ar­beit auf­for­dert. Ist der In­halt der Ar­beits­pflicht aber um­strit­ten, ist ei­ne Spe­zi­fi­zie­rung der Auf­for­de­rung nach der Art der ge­for­der­ten Ar­beit er­for­der­lich. Da der Ar­beit­neh­mer nur ver­pflich­tet ist, die ver­trag­lich ge­schul­de­te Ar­beit zu leis­ten, muss die Ar­beit­ge­be­rin in der Auf­for­de­rung an­ge­ben, mit wel­cher Tätig­keit der Ar­beit­neh­mer beschäftigt wer­den soll. Nur wenn sie be­reit ist, den Ar­beit­neh­mer ver­trags­gemäß ein­zu­set­zen, kann die­ser nämlich sei­ne Ar­beits­pflicht ver­let­zen. Es be­steht kei­ne Ver­pflich­tung des Ar­beit­neh­mers, zur Ver­mei­dung ei­ner Ar­beits­ver­wei­ge­rung zunächst auf ir­gend­ei­nem Ar­beits­platz tätig zu wer­den.
Ei­ne an­de­re Be­wer­tung er­gibt sich nicht aus dem Ur­teil des Bun­des­ar­beits­ge­richts vom 22. Fe­bru­ar 2012 (5 AZR 249/11). Nach die­ser Ent­schei­dung ist ein Ar­beit­neh­mer an ei­ne Wei­sung der Ar­beit­ge­be­rin, die nicht aus sons­ti­gen Gründen un­wirk­sam ist, vorläufig ge­bun­den, bis durch ein rechts­kräfti­ges Ur­teil gem. § 315 Abs. 3 Satz 2 BGB die Un­ver­bind­lich­keit der Leis­tungs­be­stim­mung fest­ge­stellt wird. Vor­lie­gend er­gibt sich aber ge­ra­de aus sol­chen sons­ti­gen Gründen, nämlich dem Maßre­ge­lungs­ver­bot des § 612 a BGB, die Un­wirk­sam­keit der Ent­zie­hung des ursprüng­li­chen Auf­ga­ben­be­reichs.
den Par­tei­en auf­grund der Un­wirk­sam­keit der Kündi­gung ein Ar­beits­verhält­nis, in dem die Be­klag­te zur Zah­lung von Ent­gelt ver­pflich­tet war.
Für den Aus­spruch zu 3 sind die Vor­aus­set­zun­gen für ei­ne Zu­las­sung der Re­vi­si­on nach 3 72 Abs. 2 ArbGG nicht ge­ge­ben.
zur Übersicht 1 Sa 35/12