Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Text=BAGE%20103,%2092
Timestamp: 2019-03-23 09:39:59
Document Index: 182783058

Matched Legal Cases: ['§ 104', '§ 104', '§ 105', '§ 105', '§ 105', '§ 104', '§ 105', '§ 611', '§ 611', '§ 105', '§ 105', '§ 104', '§ 105', '§ 105', '§ 105', '§ 104', '§ 636', '§ 104', '§ 105', '§ 104', '§ 105', 'BGH', '§ 636', '§ 105', '§ 104', '§ 104', '§ 104', '§ 105', '§ 104', '§ 104', '§ 326', '§ 104', '§ 105', '§ 105', '§ 105', '§ 104', '§ 104', '§ 105', '§ 105', '§ 105', 'BGH', '§ 104', '§ 3']

BAG, 10.10.2002 - 8 AZR 103/02 - dejure.org
Schadenersatzansprüche wegen Arbeitsunfalls; Vorsätzliches Herbeiführen des Versicherungsfalls; Umfang des Vorsatzes; Wollen oder Billigung des Arbeitsunfalls durch Schädigung; Haftungsbeschränkung für Personenschäden; Schadensverursachung im Rahmen der betrieblichen Tätigkeit ; Haftungsbegründende Kausalität; Kausalzusammenhang zwischen versicherter Tätigkeit und dem Unfall
Arbeitsunfall - Haftungsausschluß
Unfallversicherung: Nur Vorsatz könnte Schadensersatz zur Folge haben
Arbeit & Soziales - Haftungsbeschränkung bei Arbeitsunfällen
Individualarbeitsrecht, Haftungsausschluss bei Arbeitsunfällen
Arbeitsunfall: Wann haftet der Schädiger wegen vorsätzlichen Handelns? (IBR 2003, 1106)
ArbG Fulda, 14.12.2000 - 2 Ca 371/00
LAG Hessen, 23.11.2001 - 9 Sa 175/01
BAGE 103, 92
NJW 2003, 1890
NZA 2003, 436
NZS 2003, 606
VersR 2003, 740
DB 2003, 724
Dementsprechend genügt hierfür auch die gegebenenfalls vorsätzliche Missachtung von Unfallverhütungsvorschriften, auf die der Unfall zurückzuführen ist, nicht; dies führt zwar zur bewussten Fahrlässigkeit, rechtfertigt aber nicht die Annahme bedingten Vorsatzes (vgl. nur BAG…, Urteil vom 2. März 1989, aaO Rn. 12 ff; NJW 2003, 1890, 1891; VersR 2005, 1439, 1441; OLG Saarbrücken, r + s 1999, 374, 375;… Geigel/Wellner, aaO Rn. 86;… Krasney, aaO Rn. 22).
Durch den gesetzlichen Haftungsausschluss nach §§ 104 ff. SGB VII sollte daher das Risiko von Arbeitsunfällen für den Arbeitgeber kalkulierbar und die Anlässe zu Konflikten im Betrieb zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer sowie den Arbeitnehmern untereinander eingeschränkt werden (…Senat 30. Oktober 2003 - 8 AZR 548/02 - aaO; 10. Oktober 2002 - 8 AZR 103/02 - AP SGB VII § 104 Nr. 1 = EzA SGB VII § 105 Nr. 2, auch zur Veröffentlichung in der Amtlichen Sammlung vorgesehen; 14. Dezember 2000 - 8 AZR 92/00 - AP SGB VII § 105 Nr. 1 = EzA SGB VII § 105 Nr. 1 mwN).
Dabei genügt es nicht, dass sich der Vorsatz nur auf die Verletzungshandlung bezieht, sondern dieser muss sich auch auf den Verletzungserfolg, den Personenschaden, erstrecken (Senat 10. Oktober 2002 - 8 AZR 103/02 - AP SGB VII § 104 Nr. 1 = EzA SGB VII § 105 Nr. 2, auch zur Veröffentlichung in der Amtlichen Sammlung vorgesehen; 18. April 2002 - 8 AZR 348/01 - BAGE 101, 107 = AP BGB § 611 Haftung des Arbeitnehmers Nr. 122 = EzA BGB § 611 Arbeitnehmerhaftung Nr. 70; 14. Dezember 2000 - 8 AZR 92/00 - AP SGB VII § 105 Nr. 1 = EzA SGB VII § 105 Nr. 1).
Auf diese Weise sollten das Risiko von Arbeitsunfällen für den Arbeitgeber, der die Beiträge für die Unfallversicherung allein aufbringt, kalkulierbar und Anlässe zu Konflikten im Betrieb eingeschränkt werden (BVerfG 7. November 1972 - 1 BvL 4, 17/71 und 10/72; 1 BvR 355/71 - BVerfGE 34, 118 = NJW 1973, 502; Senat 10. Oktober 2002 - 8 AZR 103/02 - BAGE 103, 92 = AP SGB VII § 104 Nr. 1 mit Anm. Schwarze = EzA SGB VII § 105 Nr. 2; 14. Dezember 2000 - 8 AZR 92/00 - AP SGB VII § 105 Nr. 1 = EzA SGB VII § 105 Nr. 1 mwN; Anm. Drong-Wilmers VersR 2001, 721).
Die tatbestandlichen Grundvoraussetzungen der §§ 104, 105 SGB VII sind nämlich gegenüber §§ 636, 637 RVO unverändert geblieben (Senat 10. Oktober 2002 - 8 AZR 103/02 - BAGE 103, 92 = AP SGB VII § 104 Nr. 1 = EzA SGB VII § 105 Nr. 2).
Die vorsätzliche Herbeiführung des Versicherungsfalls umfasst somit nicht nur die vorsätzliche Herbeiführung des Unfalls, sondern auch des konkreten Verletzungserfolgs (Senat 10. Oktober 2002 - 8 AZR 103/02 - BAGE 103, 92 = AP SGB VII § 104 Nr. 1 = EzA SGB VII § 105 Nr. 2).
Gegen die Verneinung des Vorsatzes wendet sich die Revision nicht und insoweit ist auch der rechtliche Ausgangspunkt des Berufungsgerichts zutreffend (vgl. Senatsurteil BGHZ 154, 11 ff.; ebenso BAGE 103, 92 ff.).
Diese zur vorsätzlichen Herbeiführung eines Arbeitsunfalles im Sinne des außer Kraft getretenen § 636 Abs. 1 Satz 1 RVO ergangene Rechtsprechung ist auf die vorsätzliche Herbeiführung eines Versicherungsfalles iSd. § 105 Abs. 1 Satz 1 SGB VII entsprechend anzuwenden, weil sich insoweit der Inhalt der gesetzlichen Regelungen nicht verändert hat (Senat 19. August 2004 - 8 AZR 349/03 - AP SGB VII § 104 Nr. 4 = EzA SGB VII § 104 Nr. 2; 10. Oktober 2002 - 8 AZR 103/02 - BAGE 103, 92 = AP SGB VII § 104 Nr. 1 = EzA SGB VII § 105 Nr. 2).
Auch das Bundesarbeitsgericht hat in seinem vom Beklagten angeführten Urteil vom 10.10.2001 (8 AZR 103/02 - NJW 2003, 1890) die bewusste gesetzgeberische Differenzierung zwischen dem Schadensersatzanspruch des Geschädigten und dem Regressanspruch des Sozialversicherungsträgers betont (…juris Rn. 23).
(1) Zu den Personenschäden iSd. § 104 Abs. 1 SGB VII gehören auch Schäden wegen Lohnausfalls (BAG 10. Oktober 2002 - 8 AZR 103/02 - AP SGB VII § 104 Nr. 1) .
Sie betrifft damit auch den nach § 326 Abs. 2 BGB aufrechterhaltenen Erfüllungsanspruch (aA BühnenoberschiedsG Hamburg 21. März 1994 - BO Sch 12/94 - NJW 1995, 903; vgl. aber auch BAG 10. Oktober 2002 - 8 AZR 103/02 - aaO, wonach sich die Haftungsbeschränkung auf den Lohnausfall erstreckt) .
Der Vorsatz muss nicht nur die Verletzungshandlung, sondern auch den Verletzungserfolg erfassen (BAG 10. Oktober 2002 - 8 AZR 103/02 - aaO;… BAG 19. August 2004 - 8 AZR 349/03 - aaO) .
Insbesondere kann aus - behaupteter - vorsätzlicher Missachtung von Sicherheitsmaßnahmen oder Unfallverhütungsvorschriften allein noch nicht darauf geschlossen werden, ein Unfall oder die konkreten Unfallfolgen seien vorsätzlich herbeigeführt (BAG 10. Oktober 2002 - 8 AZR 103/02 - aaO) .
Auf diese Weise sollten das Risiko von Arbeitsunfällen für den Arbeitgeber, der die Beiträge für die Unfallversicherung allein aufbringt, kalkulierbar und Anlässe zu Konflikten im Betrieb eingeschränkt werden (BVerfG 7. November 1972 - 1 BvL 4, 17/71 und 10/72; 1 BvR 355/71 - BVerfGE 34, 118 = NJW 1973, 502; Senat 10. Oktober 2002 - 8 AZR 103/02 - AP SGB VII § 104 Nr. 1 mit Anm. Schwarze = EzA SGB VII § 105 Nr. 2; 14. Dezember 2000 - 8 AZR 92/00 - AP SGB VII § 105 Nr. 1 = EzA SGB VII § 105 Nr. 1 mwN; Drong-Wilmers Anm. VersR 2001, 721).
Durch den gesetzlichen Haftungsausschluss nach §§ 104 ff. SGB VII sollte daher das Risiko von Arbeitsunfällen für den Arbeitgeber kalkulierbar und die Anlässe zu Konflikten im Betrieb zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer sowie den Arbeitnehmern untereinander eingeschränkt werden (BVerfG 7. November 1972 - 1 BvL 4, 17/71 und 10/72; 1 BvR 355/71 - BVerfGE 34, 118;… Senat 30. Oktober 2003 - 8 AZR 548/02 - aaO; 10. Oktober 2002 - 8 AZR 103/02 - AP SGB VII § 104 Nr. 1 = EzA SGB VII § 105 Nr. 2; 14. Dezember 2000 - 8 AZR 92/00 - AP SGB VII § 105 Nr. 1 = EzA SGB VII § 105 Nr. 1 mwN).
Wie der Senat bereits entschieden hat, haftet der Schädiger dem geschädigten Mitschüler gegenüber auch nach der Einordnung des Rechts der gesetzlichen Unfallversicherung in das Sozialgesetzbuch nämlich nur, wenn sein Vorsatz auch den Eintritt eines ernstlichen Personenschadens umfaßt hat (vgl. Senatsurteil vom 11. Februar 2003 - VI ZR 34/02 - BGHZ 154, 11; vgl. auch BAG, VersR 2003, 740, 741).
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