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Timestamp: 2016-10-26 06:11:53
Document Index: 204037391

Matched Legal Cases: ['Art. 14', '§ 11', 'Art. 14', '§ 93', '§ 93', 'Art. 14', '§ 93', '§ 93', 'Art. 14', 'Art. 14', '§ 11', '§ 11', '§ 9', 'Art. 20', 'Art. 14', 'Art. 14', 'Art. 14', '§ 93']

BVerfG, 08.11.2011 - 1 BvR 2007/11 - Aufhebung einer Bewilligung von Arbeitslosengeld II aufgrund des Zuflusses einer Einkommensteuererstattung | Urteile auf anwalt24.de
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BVerfG, 08.11.2011 - 1 BvR 2007/11 - Aufhebung einer Bewilligung von Arbeitslosengeld II aufgrund des Zuflusses einer Einkommensteuererstattung
BundesverfassungsgerichtBeschl. v. 08.11.2011, Az.: 1 BvR 2007/11Gericht: BVerfGEntscheidungsform: BeschlussDatum: 08.11.2011Referenz: JurionRS 2011, 28290Aktenzeichen: 1 BvR 2007/11 Verfahrensgang:vorgehend:SG Berlin - 15.04.2011 - AZ: S 82 AS 37663/10LSG Berlin-Brandenburg - 07.07.2011 - AZ: L 29 AS 928/11 NZBRechtsgrundlagen:Art. 14 Abs. 1 GG§ 11 Abs. 3 SGB IIFundstellen:AuR 2011, 506AUR 2011, 506BFH/NV 2012, 365DÖV 2012, 158DVBl 2012, 4FStBW 2012, 418-419FStHe 2012, 406-407FStNds 2012, 408-409GuT 2011, 339 (Pressemitteilung)GV/RP 2012, 107-108NJ 2012, 4-5NWB 2011, 4088NWB direkt 2011, 1276NZA 2011, 10NZS 2012, 5NZS 2012, 176SGb 2012, 25SozSich 2011, 8StuB 2012, 208StX 2011, 752ZAP 2012, 12ZAP EN-Nr. 18/2012Redaktioneller Leitsatz:In der Anrechnung einer Einkommensteuererstattung auf eine steuerfinanzierte Sozialleistung - hier Arbeitslosengeld II - liegt keine Verletzung des Grundrechts aus Art. 14 Abs. 1 GG.In dem Verfahren über die Verfassungsbeschwerdeder Frau K...,gegen a) den Beschluss des Landessozialgerichts Berlin-Brandenburg vom 7. Juli 2011 - L 29 AS 928/11 NZB -,b) das Urteil des Sozialgerichts Berlin vom 15. April 2011 - S 82 AS 37663/10 -,c) den Widerspruchsbescheid des Jobcenters Charlottenburg-Wilmersdorf vom 17. November 2010 - 98.8 - 95502BG0012767 - W 1807/10 -,d) den Aufhebungs- und Erstattungsbescheid des Jobcenters Charlottenburg- Wilmersdorf vom 24. Februar 2010 - 433.J-Kundennummer: 955D008676 BG-Nummer: 95502BG0012767 -hat die 3. Kammer des Ersten Senats des Bundesverfassungsgerichts durchden Vizepräsidenten Kirchhof, den Richter Schluckebier und die Richterin Baergemäß § 93b in Verbindung mit § 93a BVerfGG in der Fassung der Bekanntmachung vom 11. August 1993 (BGBl I S. 1473) am 8. November 2011 einstimmig beschlossen:Tenor:Die Verfassungsbeschwerde wird nicht zur Entscheidung angenommen.Gründe1Die Verfassungsbeschwerde betrifft ein sozialgerichtliches Verfahren wegen der teilweisen Aufhebung einer Bewilligung von Arbeitslosengeld II aufgrund des Zuflusses einer Einkommensteuererstattung.21. Der Grundsicherungsträger hob einen Leistungen nach dem SGB II gewährenden Verwaltungsakt für August 2009 wegen des Zuflusses einer Einkommensteuererstattung für das Jahr 2007 in diesem Monat teilweise auf und verlangte von der Beschwerdeführerin Erstattung eines Betrages in Höhe von 429,86 €.32. Das Sozialgericht wies die Klage, unter Nichtzulassung der Berufung, mit Urteil vom 15. April 2011 ab. Nach einhelliger Rechtsprechung beider für das Grundsicherungsrecht zuständiger Senate des Bundessozialgerichts, von denen abzuweichen die Kammer keinen Anlass sehe, stelle eine nach Antragstellung auf Leistungen der Grundsicherung für Arbeitsuchende zugeflossene Einkommensteuererstattung Einkommen und nicht Vermögen dar und sei daher im Monat des Zuflusses bedarfsmindernd zu berücksichtigen.4Das Landessozialgericht wies die Beschwerde gegen die Nichtzulassung der Berufung mit Beschluss vom 7. Juli 2011 zurück.53. Mit der Verfassungsbeschwerde rügt die Beschwerdeführerin eine Verletzung von Art. 14 Abs. 1 GG. Sie trägt vor, die angefochtenen Entscheidungen verletzten sie in ihrem Grundrecht auf Eigentum. Dadurch, dass die Einkommensteuererstattung als Einkommen und nicht als Vermögen behandelt werde, werde ihre eigentumsrechtliche Position, die sie bereits im Jahre 2007 erworben habe, entwertet. Die Sichtweise des Verwaltungsträgers und der Gerichte bedeute, dass sie den als Einkommensteuererstattung erhaltenen Betrag zurückzahlen müsse.6Die Voraussetzungen für die Annahme der Verfassungsbeschwerde liegen nicht vor. Sie hat keine grundsätzliche verfassungsrechtliche Bedeutung (§ 93a Abs. 2 Buchstabe a BVerfGG) und ihre Annahme erscheint auch nicht zur Durchsetzung der als verletzt gerügten Grundrechte der Beschwerdeführerin angezeigt (§ 93a Abs. 2 Buchstabe b BVerfGG). Die Verfassungsbeschwerde hat keine Aussicht auf Erfolg, da sie jedenfalls unbegründet ist.7Die Beschwerdeführerin wird durch die Anrechnung der Einkommensteuererstattung auf eine steuerfinanzierte Sozialleistung nicht in ihrem Grundrecht aus Art. 14 Abs. 1 GG verletzt.8Ein Eingriff in den Schutzbereich des Eigentums liegt grundsätzlich nur dann vor, wenn der Bestand an individuell geschützten vermögenswerten Rechten aufgrund einer gesetzlichen oder auf einem Gesetz beruhenden Maßnahme zu einem bestimmten Zeitpunkt vermindert wird (vgl. BVerfGE 87, 1 <42>; BVerfGK 6, 266 <269>). Vorliegend geschieht dies jedoch nicht. Denn die mit der Verfassungsbeschwerde angegriffenen Maßnahmen verringern nicht etwa den Steuererstattungsanspruch der Beschwerdeführerin, was gesondert gerechtfertigt werden müsste, da dieser Anspruch als Eigentum im Sinne des Art. 14 Abs. 1 GG geschützt ist (vgl. BVerfGE 70, 278 <285>). Vielmehr wird die Erstattung als Einkommen nach Maßgabe der §§ 11 ff. SGB II, also nach § 11 Abs. 3 SGB II auch erst in dem Augenblick, in dem es tatsächlich zufließt, auf die nach § 9 Abs. 1 SGB II grundsätzlich subsidiäre Sozialleistung angerechnet (vgl. BSG, Urteil vom 28. Oktober 2009 - B 14 AS 64/08 R -, [...], Rn. 23; Urteil vom 3. März 2009 - B 4 AS 47/08 R -, [...], Rn. 24). Diese Anrechnung ist ein Mittel, mit dem der Gesetzgeber in Ausnutzung seines weiten Gestaltungsspielraumes den aus Art. 20 Abs. 1 GG erwachsenden sozialstaatlichen Gestaltungsauftrag erfüllt.9Eine fürsorgerische Sozialleistung wie die Grundsicherung ist nicht als Eigentum im Sinne des Art. 14 GG geschützt. Sozialrechtliche Ansprüche genießen vielmehr nur dann grundrechtlichen Eigentumsschutz, wenn es sich um vermögenswerte Rechtspositionen handelt, die nach Art eines Ausschließlichkeitsrechts privatnützig zugeordnet sind, auf nicht unerheblichen Eigenleistungen beruhen und der Existenzsicherung dienen (vgl. BVerfGE 69, 272 [BVerfG 16.07.1985 - 1 BvL 5/80] <300>; 92, 365 <405>; 97, 271 <284>; 100, 1 <32 f.>). So stehen etwa sozialversicherungsrechtliche Rechtspositionen in Form von Ansprüchen aus der gesetzlichen Rentenversicherung, soweit sie aus eigener Versicherung der Leistungsberechtigten resultieren, grundsätzlich unter dem Schutz von Art. 14 Abs. 1 GG (vgl. BVerfGE 76, 256 [BVerfG 30.09.1987 - 2 BvR 933/82] <293> m.w.N.; 100, 1 <33>). Dies ist hingegen bei steuerfinanzierten Fürsorgeleistungen nicht der Fall (BVerfG, Beschluss des Ersten Senats vom 7. Dezember 2010 - 1 BvR 2628/07 -, NJW 2011, S. 1058 <1059 f.>). Die Verringerung dieses Sozialleistungsanspruchs verletzt die Beschwerdeführerin hier ebenso wenig in ihrem Recht aus Art. 14 Abs. 1 GG wie die Anrechnung der Verletztenrente auf derartige Ansprüche (vgl. BVerfG, Beschluss der 3. Kammer des Ersten Senats vom 16. März 2011 - 1 BvR 591/08, 1 BvR 593/08 -, [...], Rn. 41).10Von einer weiteren Begründung wird nach § 93d Abs. 1 Satz 3 BVerfGG abgesehen.11Diese Entscheidung ist unanfechtbar.KirchhofSchluckebierBaerHinweis: Das Dokument wurde redaktionell aufgearbeitet und unterliegt in dieser Form einem besonderen urheberrechtlichen Schutz. Eine Nutzung über die Vertragsbedingungen der Nutzungsvereinbarung hinaus - insbesondere eine gewerbliche Weiterverarbeitung außerhalb der Grenzen der Vertragsbedingungen - ist nicht gestattet.
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