Source: https://leswauz.com/2018/05/16/hund-im-heissen-auto-wie-rettest-du-am-schnellsten-und-besten/
Timestamp: 2019-08-21 16:26:43
Document Index: 28775501

Matched Legal Cases: ['§ 303', '§ 823', '§ 34', '§ 228', '§ 18', '§ 17']

Hund im heißen Auto: Wie rettest du am schnellsten und besten? - LesWauz
Hund im heißen Auto: Wie rettest du am schnellsten und besten?
By Rebecca • 16. Mai 2018 • Erste Hilfe für Hunde, Hundewissen
In diesem Artikel erfahrt ihr, wie ihr einen Hund nicht nur so schnell wie möglich aus einem heißen Auto rettet und richtig seinen Hitzeschlag behandelt, sondern dabei auch rechtlich legal unterwegs seid.
Ehrlich gesagt kann ich es jeden Sommer aufs Neue nicht fassen, dass immer wieder unzählige Hunde in geparkten Autos sterben. Und genauso liest man regelmäßig von Rettungsaktionen bei denen die Hunde gerade noch so mit dem Leben davon kommen. Doch war ich mir nicht wirklich sicher, was zu tun ist, wenn ich genau dies erleben sollte. Was darf und sollte ich tun und wie kann ich den Hund retten? Diese Fragen möchte ich euch hier alle beantworten.
Der Fall tritt ein: ihr findet einen Hund gefangen in einem parkenden Auto.
Stellen wir uns vor, dass ihr an einem geparkten Auto vorbei geht, dort einen Hund seht der sehr angestrengt hechelt, kurz vor dem Hitzschlag oder sogar schon bewusstlos ist.
Ihr müsst jetzt so schnell wie möglich handeln – vor allem wenn der Hund sich schon erbrochen hat oder sogar bewusstlos ist. Prinzipiell ist es Sachbeschädigung (nach § 303 StGB, Strafgesetzbuch) wenn ihr jetzt kopflos die Scheibe des fremden Autos einschlägt. Und ihr könnt zivilrechtlich (nach § 823 BGB) dafür belangt werden.
Doch gibt es für Notfälle Gesetze, die euer Handeln rechtfertigen! Besteht eine nicht abwendbare Gefahr für „Leben, Leib, Freiheit, Ehre, Eigentum oder ein anderes Rechtsgut“ so ist es euch nach § 34 StGB erlaubt, das Tier zu befreien. Ihr handelt zivilrechtlich gesehen nicht widerrechtlich (nach § 228 BGB), wenn ihr „eine fremde Sache beschädigt oder zerstört, um eine durch sie drohende Gefahr von sich oder einem anderen abzuwenden“.
„In einem Prozess müsst ihr beweisen, dass es ein Notfall war.“
Das klingt doch schon mal gut. Sollte es jedoch zu einem tatsächlichen Prozess kommen, müsst ihr beweisen, dass der Hund in einer Notsituation war und ihr ihn retten musstet. Solltet ihr die Scheibe einfach alleine einschlagen, könnt ihr hier Probleme bekommen. Um dies zu vermeiden, kommen hier die Tipps, die ihr beachten müsst, damit ihr den Hund rettet, richtig handelt und rechtlich keine Probleme bekommt.
Das solltet ihr alles in dieser Notsituation beachten:
Schritt 1: Versucht den Hundehalter zu finden
Vielleicht ist dieser im Café, Supermarkt oder Ladengeschäft vor dem der Wagen geparkt ist? Oder liegt sogar eine Handynummer im Auto? Es ist wichtig, dass ihr erst einmal kurz probiert das Problem so zügig zu lösen. Schaut zudem ob möglicherweise das Auto doch so zu öffnen ist.
Schritt 2: 110 – Ruft die Polizei
Könnt ihr den Hunde- und Autobesitzer nicht ausfindig machen, ruft direkt die Polizei und schildert ihnen die Situation. Gebt das Kennzeichen durch, denn vielleicht steht das Auto ja auch vor dem Wohnhaus und ihr könnt dort schnell klingeln. Ansonsten gibt es für die Rettung jetzt zwei (rechtlich sichere) Wege:
Entweder wartet ihr nun darauf, dass die Polizei kommt und die Scheibe einschlägt. Oder ihr könnt erkennen, dass der Hund in akuter Lebensgefahr ist und sprecht mit der Polizei ab, dass ihr selber die Scheibe einschlägt.
Natürlich ist es durch die Scheibe nicht so einfach eine „akute Lebensgefahr“ zu erkennen. Aber bei Rücksprache mit der Polizei solltet ihr definitiv eher handeln als abwarten.
„Bei akuter Lebensgefahr dürft ihr selber die Scheibe einschlagen.“
Schritt 3: Dokumentiert alles und sucht Zeugen
Damit ihr euer Handeln später beweisen könnt, solltet ihr die Situation mit eurem Handy komplett festhalten und so Beweise sammeln. Ja, das kommt euch in einem Notfall-Moment sicherlich komisch vor, aber rechtlich ist es wichtig! Zusätzlich solltet ihr direkt Passanten ansprechen und sie darum bitten euer Zeuge zu sein, damit ihr nicht alleine handelt. Vergesst nicht, euch deren Namen und Anschrift zu notieren!
Schritt 4: Haltet den Schaden so gering wie möglich
Schlagt nun ein Seitenfenster ein, welches ihr natürlich so wählt, dass der Hund durch die Splitter nicht verletzt werden kann.
Schritt 5: Kühlt den Hund langsam (!) ab
Es ist wichtig, dass ihr den Hund nicht sofort mit eiskalten Wasser überschüttet, da dieser Temperaturschock auf seinen überhitzten Körper tödlich wirken kann. Bringt ihn in eine kühlere Umgebung und dort in die stabile Seitenlange.
„Eiskaltes Wasser kann für den Hund tödlich sein.“
Lasst ihn Wasser in Zimmertemperatur trinken und macht Umschläge mit beispielsweise Handtüchern mit ebenfalls „zimmerwarmer“ Temperatur. Nach und nach könnt ihr dann die Temperatur des Wassers, in welches ihr die Handtücher taucht, immer kühler werden lassen. Die Polizei wird dann alles Weitere übernehmen.
Wie ihr einen Hitzschlag bei einem Hund erkennt und wie ihr diesen richtig behandelt erfahrt ihr in diesem Artikel. >
Was sind die Konsequenzen für den Hundehalter?
Eure Dokumentation durch Handyfotos und -videos ist nicht nur dafür da, euch rechtlich abzusichern, sondern vor allem den Hundehalter für die Tierquälerei haftbar zu machen. Sein Handeln wird nach § 18 des TierSchG (Tierschutzgesetz) als Straftat geahndet. „Wer vorsätzlich oder fahrlässig einem Wirbeltier, das er hält, betreut oder zu betreuen hat, ohne vernünftigen Grund erhebliche Schmerzen, Leiden oder Schäden zufügt, handelt ordnungswidrig.“
Könnt ihr sogar seine Absicht der Tierquälerei beweisen, winkt ihm laut § 17 des TierSchG eine Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren und ein Bußgeld von bis zu 25.000 €.
„Eure Dokumentation kann für die Verurteilung des Hundehalters sorgen.“
Zudem kann ihm die Hundehaltung für eine gewisse Zeit oder für immer verboten werden.
Deshalb ist es so wichtig, dass ihr nicht nur alles bildlich festhält sondern eben auch die Polizei dazu holt. Diese wird rechtlich den Fall aufnehmen und sich dann direkt auf eure Beweismittel beziehen. Ihr rettet somit nicht nur den Hund, sondern sorgt auch dafür, dass dieser Mensch keinen Hund mehr in seinem Leben quälen kann.
Ich hoffe natürlich, dass wir alle niemals in diese Situation kommen. Dennoch finde ich es wichtig, dass wir im Hinterkopf nun wissen, wie wir handeln sollten. So ist es wirklich einfacher einen kühlen Kopf zu bewahren und das Richtige zu tun.
In diesem Artikel findet ihr viele bunte Tipps wie ihr eurem Hund die Sommerhitze so angenehm wie möglich machen könnt – einschließlich einem leckeren Hunde-Eis-Rezept. 🙂
So und nun freue ich mich wie immer auf euer Feedback! Habe ich irgendwas vergessen, gibt es weitere Infos, die wichtig sind oder habt ihr so eine Situation vielleicht sogar schon selber erlebt? Schreibt dies gerne in die Kommentare.
Quellen für die gesetzlichen Infos: anwalt.de, hund.info sowie arag.de
PS: Ich bin natürlich KEIN ANWALT und erzähle euch all das hier aus bestem Wissen und Gewissen. Die Infos habe ich recherchiert und beziehe mich daher auf oben genannte Quellen.
Ich erzähle euch all dies hier nur, damit ihr es schon einmal gelesen/gehört habt und im Fall der Fälle dieses Wissen aus eurem Oberstübchen abrufen könnt.
Reply	Patricia 30. Mai 2018 at 22:42
Es ist ein wirklich heikles Thema. Ich hab es aber auch schon erlebt, dass Leute an meinem Auto standen, wo der Hund drin war.. Auto hat Klimaanlage und wenn ich es abstelle mit 18 Grad, muss man nicht gleich Scheiben einschlagen. War 7 Min beim Metzger und beim einsteigen war Innentemperatur bei 20 Grad. Aber grundsätzlich ist es unverständlich, dass Leute Kinder und Tiere länger im Auto lassen.
Reply	Vera Denzinger 17. Mai 2018 at 04:21
Liebe Rebecca, ich kann es wirklich in keinster Weise nachvollziehen wie gedankenlos und herzlos die Menschen sind. Ich habe die Tage einer guten Bekannten, die wirklich unheimlich auf ihren Hund bedacht ist, eine Tabelle gegeben in welcher mit Zeitangabe und Hitzegrad dokumentiert ist wie schnell das Auto zu einem Backofen wird. Sie dachte nämlich – es war „zwar“ schon 17:00 Uhr und momentan keine direkte Sonneneinstrahlung, Fenster etwas auf und dann würde das gehen. Ich konnte sie davon abbringen und sie durfte für die Zeit der Abwesenheit das Auto in die Garage unserer Freunde stellen.
Vera&Joshi