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Timestamp: 2016-10-23 22:11:32
Document Index: 136178325

Matched Legal Cases: ['Art. 4', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE']

8C_689/2014 (19.01.2015)
8C_689/2014 {T�0/2} � � Urteil vom 19. Januar 2015
Die 1965 geborene, zuletzt als Stationsleiterin eines Pflege- und Betagtenheims t�tig gewesene A.__________ meldete sich am 22. Mai 2009 zur Fr�herfassung und am 8. Juni 2009 unter Hinweis auf eine im Juli 2008 erfolgte Hysterektomie und seither bestehende Depression zum Leistungsbezug bei der Invalidenversicherung an. Die IV-Stelle des Kantons St. Gallen kl�rte die medizinischen und beruflich-erwerblichen Verh�ltnisse ab, u.a. durch Einholung eines polydisziplin�ren Gutachtens der Medizinischen Abkl�rungsstelle (MEDAS) Ostschweiz vom 23. November 2010. Mit Verf�gung vom 26. M�rz 2012 verneinte sie einen Anspruch auf Invalidenrente mangels invalidisierendem Gesundheitsschaden.
Die dagegen von A.__________ erhobene Beschwerde hiess das Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen gut, indem es ihr ab 1. Dezember 2009 eine halbe Rente der Invalidenversicherung zusprach (Entscheid vom 28. August 2014).
Die IV-Stelle des Kantons St. Gallen f�hrt Beschwerde in �ffentlich-rechtlichen Angelegenheiten und beantragt die Aufhebung des angefochtenen Entscheids sowie die Best�tigung der Verf�gung vom 26. M�rz 2012. In prozessualer Hinsicht sei der Beschwerde die aufschiebende Wirkung zuzuerkennen.
A.__________ schliesst auf Abweisung der Beschwerde. Das Bundesamt f�r Sozialversicherungen verzichtet auf eine Vernehmlassung.
2.1.�Somatoforme Schmerzst�rungen und �hnliche aetiologisch-pathogenetisch unerkl�rliche syndromale Leidenszust�nde verm�gen in der Regel keine lang dauernde, zu einer Invalidit�t im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG f�hrende Einschr�nkung der Arbeitsf�higkeit zu bewirken (BGE 136 V 279 E. 3 S. 280 ff.; 130 V 352 E. 2.2.2 und 2.2.3 S. 353 f.; 132 V 65; 131 V 49; 130 V 396). Die - nur in Ausnahmef�llen anzunehmende - Unzumutbarkeit eines Wiedereinstiegs in den Arbeitsprozess setzt das Vorliegen einer mitwirkenden, psychisch ausgewiesenen Komorbidit�t von erheblicher Schwere, Intensit�t, Auspr�gung und Dauer oder aber das Vorhandensein anderer qualifizierter, mit gewisser Intensit�t und Konstanz erf�llter Kriterien voraus wie chronische k�rperliche Begleiterkrankungen und mehrj�hriger Krankheitsverlauf bei unver�nderter oder progredienter Symptomatik ohne l�ngerfristige Remission, ein ausgewiesener sozialer R�ckzug in allen Belangen des Lebens, ein verfestigter, therapeutisch nicht mehr angehbarer innerseelischer Verlauf einer an sich missgl�ckten, psychisch aber entlastenden Konfliktbew�ltigung (prim�rer Krankheitsgewinn) oder schliesslich unbefriedigende Behandlungsergebnisse trotz konsequent durchgef�hrter Behandlungsbem�hungen (auch mit unterschiedlichem therapeutischem Ansatz) und gescheiterte Rehabilitationsmassnahmen bei vorhandener Motivation und Eigenanstrengung der versicherten Person voraus (BGE 130 V 352 E. 2.2.3 S.354 f.). Je mehr dieser Kriterien zutreffen und je ausgepr�gter sich die entsprechenden Befunde darstellen, desto eher sind die Voraussetzungen f�r eine zumutbare Willensanstrengung zu verneinen (BGE 137 V 64 E. 4.1 S. 67 f.; 131 V 49 E. 1.2 S. 50 f. mit Hinweisen).
2.2.�Ob eine festgestellte psychische Komorbidit�t hinreichend erheblich ist und ob einzelne oder mehrere der festgestellten weiteren Kriterien in gen�gender Intensit�t und Konstanz vorliegen, um gesamthaft den Schluss auf eine nicht mit zumutbarer Willensanstrengung �berwindbare Schmerzst�rung und somit auf eine invalidisierende Gesundheitssch�digung zu gestatten (BGE 137 V 64 E. 1.2 S. 66 mit Hinweis), ist als Rechtsfrage frei �berpr�fbar. Die Beantwortung dieser Rechtsfrage obliegt nicht den �rztinnen und �rzten, sondern den rechtsanwendenden Beh�rden (BGE 140 V 193 E. 3.1 S. 195). Es k�nnen sich daher Konstellationen ergeben, bei welchen von der im medizinischen Gutachten gesch�tzten Arbeitsunf�higkeit abzuweichen ist, ohne dass dieses seinen Beweiswert verl�re (SVR 2013 IV Nr. 9 S. 21, 8C_842/2011 E. 4.2.2; vgl. auch BGE 130 V 352 E. 3 S. 356).
2.3.�Der leicht- bis mittelgradigen depressiven Symptomatik kommt regelm�ssig keine invalidisierende Wirkung zu. Deren Annahme bedingt bei einer mittelschweren depressiven St�rung jedenfalls, dass es sich dabei nicht bloss um die Begleiterscheinung einer Schmerzkrankheit handelt (vgl. in Bezug auf mittelgradige depressive Episoden Urteil 9C_736/2011 vom 7. Februar 2012 E. 4.2.2.1), sondern um ein selbstst�ndiges, vom psychogenen Schmerzsyndrom losgel�stes depressives Leiden (Urteil 9C_869/2011 vom 18. April 2012 E. 4.5; SVR 2008 IV Nr. 1 S. 1, I 176/06 E. 5.2). Fehlt es daran, ist nach der Rechtsprechung in der Regel keine invalidisierende Wirkung des Gesundheitsschadens anzunehmen (BGE 137 V 64, 130 V 352).
Streitig und zu pr�fen ist die Rechtsfrage, ob das psychische Leiden der Versicherten, welches gutachterlicherseits die Arbeitsf�higkeit um 40 bis 50% reduziert, mit Blick auf BGE 130 V 352 eine auch rechtlich relevante Einschr�nkung der Arbeitsf�higkeit bewirkt.
3.1.�Die Vorinstanz ging gest�tzt auf das MEDAS-Gutachten vom 23. November 2010 davon aus, es liege bei der Beschwerdegegnerin aus psychischen Gr�nden eine Arbeitsunf�higkeit von 45 % vor. Aus der Expertise erg�be sich, dass sie an einer rezidivierenden depressiven St�rung, aktuell mittelgradige depressive Episode mit somatischem Syndrom und beginnender Chronifizierung in leichtgradiger Auspr�gung (ICD-10: F33.8), leide. Zusammen mit den ebenfalls festgestellten akzentuierten Pers�nlichkeitsz�gen mit histrionischen und passiv-aggressiven Anteilen (ICD-10: Z73.1) habe der psychiatrische Gutachter Dr. med. B.________ eine leichte bis mittelgradige Einschr�nkung der Arbeits- und Leistungsf�higkeit angenommen. Dies sei bedingt durch eine leichte Einschr�nkung der Ausdauer, leichte Konzentrations- und Aufmerksamkeitsst�rungen, eine Verminderung der Stress- und Frustrationstoleranz und der emotionalen Belastbarkeit sowie gewisse Defizite der sozialen Kompetenzen, insbesondere der Abgrenzungs- und Konfliktf�higkeit. Die rezidivierende depressive St�rung sei nicht als blosse Begleiterscheinung der ebenfalls diagnostizierten anhaltenden somatoformen Schmerzst�rung (ICD-10: 45.40) anzusehen, welche Dr. med. B.________ als �berwindbar eingestuft habe. Nach Durchf�hrung eines Einkommensvergleichs resultiere hieraus ein Invalidit�tsgrad von 55 %, und folglich ein Anspruch auf eine halbe Invalidenrente.
3.2.�Die IV-Stelle wendet dagegen ein, die depressive Episode d�rfe nicht losgel�st von der Schmerzsymptomatik betrachtet werden. Dem psychiatrischen Gutachten des Dr. med. C.________, Psychiatrie und Psychotherapie FMH, vom 24. April 2004 sei zu entnehmen, dass die Beschwerdegegnerin nach der Hysterektomie prim�r an einer Schmerzproblematik mit Schmerzen an Damm, H�fte und R�cken, sowie Gef�hlsst�rungen �ber der linken H�fte gelitten habe, weshalb eine ambulante psychosomatische Rehabilitation n�tig geworden sei. Auch aus dem MEDAS-Gutachten ginge hervor, dass die depressive Symptomatik mit der Schmerzst�rung in Wechselwirkung stehe. Somatische Leiden schr�nkten sodann die Arbeitsf�higkeit nicht ein. Selbst wenn die Depression eine eigenst�ndige Erkrankung darstellte, seien keine Rentenleistungen geschuldet. Es best�nden deutliche Anzeichen daf�r, dass invalidit�tsfremde Faktoren nicht klar vom medizinischen Leiden abgegrenzt werden k�nnen und es fehle an einer konsequenten Depressionstherapie.
3.3.�Wie die Vorintanz feststellte besteht gem�ss Expertise der MEDAS vom 23. November 2010 bei der Beschwerdegegnerin (mit Einschr�nkung der Arbeitsf�higkeit) eine rezidivierende depressive St�rung, gegenw�rtig mittelgradige depressive Episode mit somatischem Syndrom, beginnend chronifiziert in leichter depressiver Auspr�gung, zudem akzentuierte Pers�nlichkeitsz�ge mit histrionischen, selbstunsicher-vermeidenden und passiv-aggressiven Anteilen, ein diffuses weichteilrheumatisches/myofasziales Schmerzsyndrom. Als Nebendiagnose (ohne wesentliche Einschr�nkung der Arbeitsf�higkeit) wird eine anhaltende somatoforme Schmerzst�rung festgehalten. Aufgrund psychischer Beschwerden attestierten die Gutachter f�r die bisherige T�tigkeit als Stationsleiterin eine vollst�ndige Arbeitsunf�higkeit. F�r andere T�tigkeiten (als nicht vorgesetzte Pflegefachfrau) wurde unter Hinweis auf die subjektiv bestehende starke Einschr�nkung durch das weichteilrheumatische Schmerzsyndrom - im Rahmen der aufgef�hrten psychischen und sozialen Belastungsfaktoren - die Arbeitsf�higkeit auf 50 % bei reduzierter Leistung/reduziertem Rendement gesch�tzt.
3.4.�Der vorinstanzlichen Auffassung, es liege eine eigenst�ndige, die Arbeitsf�higkeit einschr�nkende, invalidisierende depressive Erkrankung vor, kann nicht gefolgt werden: Wie die Beschwerdef�hrerin zu Recht einwendet, l�sst sich den Angaben im psychiatrischen Konsiliargutachten vom 24. September 2010 zur Krankheitsentwicklung entnehmen, dass die depressive Symptomatik nach der im Juli 2008 erfolgten Hysterektomie in Zusammenhang mit den damit anhaltenden Schmerzen (lumbale Schmerzen, h�ufig mit Unterleibsschmerzen kombiniert) auftrat, sodass eine ambulante psychosomatische Rehabilitation in der Klinik Teufen erfolgte. Dies deckt sich mit den Angaben der Beschwerdegegnerin zur gesundheitlichen Beeintr�chtigung anl�sslich ihrer Anmeldung bei der Invalidenversicherung. Zu diesem Krankheitsverlauf l�sst sich den medizinischen Feststellungen im angefochtenen Entscheid nichts entnehmen. Ebenso wenig �usserte sich die Vorinstanz zu den widerspr�chlichen Angaben im psychiatrischen Konsiliargutachten, indem darin S. 9 eine chronische psychiatrische Begleiterkrankung (zur Schmerzst�rung) mit mehrj�hrigem Verlauf verneint und die Folgen der Schmerzkrankheit als �berwindbar taxiert, jedoch S. 12 eine psychische Komorbidit�t von erheblicher Schwere und Dauer bejaht wurde. Sie setzte sich auch nicht mit dem Umstand auseinander, dass die Experten im Hauptgutachten im Rahmen der interdisziplin�ren Gesamtbeurteilung bei der Festsetzung der Arbeitsf�higkeit insofern vom psychiatrischen Teilgutachten abwichen, als sie, im Gegensatz zu diesem, die reduzierte Arbeitsf�higkeit in leidensadaptierten T�tigkeiten nicht mit der depressiven Symptomatik, sondern einzig mit dem Hinweis auf die subjektiv bestehende Einschr�nkung durch das weichteilrheumatische Schmerzsyndrom, begr�ndeten. Auch finden sich im MEDAS-Gutachten wie im Gutachten des Dr. med. C.________ vom 24. April 2009 deutliche Anhaltspunkte daf�r, dass sich vorhandene invalidit�tsfremde Elemente nicht klar vom medizinischen Leiden selbst trennen lassen, indem Dr. med. B.________ ausf�hrte, vorrangig h�tten die psychosozialen Belastungsfaktoren eine weitere Verbesserung der Arbeitsf�higkeit verhindert und auch Dr. med. C.________ angab, die Prognose des Heilverlaufs und der Arbeitsunf�higkeit sei abh�ngig von �usseren Faktoren wie der Krankheitsentwicklung des Ehemannes und anderen famili�ren Belastungen (Entwicklung der Kinder, was das kantonale Gericht ebenfalls �bersah. Aus der Expertise der MEDAS und der �brigen medizinischen Unterlagen ergibt sich somit, dass von einer vom �brigen Beschwerdebild losgel�sten, leichten bis mittelschweren depressiven St�rung nicht gesprochen werden kann. Die gegenteiligen tats�chlichen Feststellungen der Vorinstanz sind offensichtlich unrichtig (E. 1 hiervor). Aufgrund des ausgewiesenen Zusammenhangs zwischen den schmerzbedingten Beschwerden und der leicht- bis h�chstens zeitweilig mittelgradigen Depression ist nicht von einer sozialversicherungsrechtlich relevanten Einschr�nkung der Arbeitsf�higkeit im Sinne der Rechtsprechung auszugehen. �berdies k�nnte das depressive Beschwerdebild erfahrungsgem�ss medikament�s erfolgreich behandelt werden (Urteil 9C_917/2012 vom 14. August 2013 E. 3.2 mit Hinweis), was mit Blick auf die Hinweise im Gutachten, es m�sse die Medikamentencompliance beachtet werden und bei den Laborkontrollen sei aufgefallen, dass das verordnete Antidepressivum mit sehr niedrigem Blutspiegel an der Grenze zum therapeutischen Bereich und das verordnete Analgetikum gar nicht nachweisbar gewesen sei, nicht hinreichend versucht wurde. Gest�tzt hierauf stellte sich die gutachterliche Frage, ob die Beschwerdegegnerin die verordneten Medikamente �berhaupt, wie vom behandelnden Arzt verordnet, einnehme, und ob sie sich im Alltag doch weniger gesundheitlich eingeschr�nkt f�hle, als dass sie die regelm�ssige Einnahme der verordneten Medikamente f�r notwendig erachte. Zusammenfassend kann die depressive Erkrankung nicht als selbstst�ndiges, vom Schmerzgeschehen losgel�stes, invalidisierendes Leiden angesehen werden, was die Vorinstanz in Verletzung von Bundesrecht verkannte.
Die Beschwerde wird gutgeheissen. Der Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 28. August 2014 wird aufgehoben und die Verf�gung der IV-Stelle des Kantons St. Gallen vom 26. M�rz 2012 best�tigt.