Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Gericht=OLG%20M%FCnchen&Datum=15.05.2009&Aktenzeichen=AR%20%28K%29%207%2F09
Timestamp: 2019-03-21 06:49:25
Document Index: 297728297

Matched Legal Cases: ['§ 102', '§ 102', '§ 315', '§ 36', '§ 102', '§ 1', '§ 102', '§ 1', '§ 102', '§ 106', '§ 87', '§ 91', '§ 87', '§ 91', '§ 102', '§ 106']

OLG München, 15.05.2009 - AR (K) 7/09 - dejure.org
Zahlungsklagen aus Gaslieferungsverträgen bei behaupteter Unbilligkeit des Gaspreises: Sachliche Zuständigkeit und Zuständigkeit für die Zuständigkeitsbestimmung - Gaspreis
Keine ausschließliche Zuständigkeit der Landgerichte nach § 102 EnWG für die Rüge der Unbilligkeit von Gaspreiserhöhungen
EnWG § 102 Abs. 1; BGB § 315
Unbilligkeit von Zahlungsansprüchen aus einem Gaslieferungsvertrag; Zuständigkeit des Kartellsenates für die Bestimmung der gerichtlichen Zuständigkeit; Bestehen einer ausschließlichen Zuständigkeit der Landgerichte; Begründung der Zuständigkeit aufgrund der Bindungswirkung eines Verweisungsbeschlusses
AG Passau, 24.03.2009 - 17 C 2503/08
LG Passau, 01.04.2009 - 1 HKO 32/09
Streitgegenständlich ist nicht, ob die Klägerin nach § 36 EnWG zur Gasversorgung des Beklagten verpflichtet ist, sondern Anspruchsgrundlage ist allein der zwischen den Parteien unstreitig bestehende Gaslieferungsvertrag (vgl. OLG Celle, Beschluss vom 27.5.2010, 13 AR 1/10; OLG München, Beschluss vom 15.5.2009, AR (K) 7/09; OLG Frankfurt a.M., Beschluss vom 16.7.2010, 14 UH 12/10, ZNER 2010, 406).
Erst wenn das Gericht auf den wesentlichen Kern des Vortrags eines Beteiligten zu einer Frage, die für das Verfahren von besonderer Bedeutung ist, nicht eingeht, lässt dies auf die Nichtberücksichtigung des Vortrages schließen (BVerfG NJW 2009, 1584; OLG Celle, Beschluss vom 1.10.2010, 13 AR 5/19 und vom 27.5.2010, 13 AR 1/10; OLG München, Beschluss vom 15.5.2009, AR (K) 7/09).
Damit hat es den Anspruch der Klägerin auf rechtliches Gehör verletzt (OLG Celle, Beschluss vom 1.10.2010, 13 AR 5/19 und vom 27.5.2010, 13 AR 1/10; OLG München, Beschluss vom 15.5.2009, AR (K) 7/09).
Hierbei hat sie u.a. die Entscheidung OLG München vom 15.05.2009, AR (K) 7/09 angeführt.
Die Bestimmung ist vorliegend durch den Senat in seiner Eigenschaft als Kartellsenat zu treffen, da die gesetzliche Zuständigkeit der Kartellsenate gemäß §§ 102, 106 EnWG derjenigen der allgemeinen Zivilsenate auch in Fragen der Zuständigkeitsbestimmung vorgeht (s. OLG München RdE 2009, 298).
Die Entscheidungen OLG Frankfurt, Beschl. v. 16.04.2008, 21 AR 14/08 -bei Juris- und OLG München RdE 2009, 298 haben schließlich eine fehlende Bindungswirkung nicht mit objektiver Willkür, sondern allein mit einer Verletzung des Anspruchs auf rechtliches Gehör begründet.
Soweit bei der Billigkeitsprüfung die in § 1 EnWG genannten Gesetzeszwecke zu berücksichtigen sind, macht dies den Rechtsstreit dennoch nicht zu einem solchen, der sich aus diesem Gesetz - dem EnWG - ergibt (LG Ravensburg, Entscheidung vom 13. März 2008, Az.: 4 O 350/07 - aus juris; OLG München, Beschluss vom 15. Mai 2009, Az.: AR (K) 7/09; OLG Köln, Beschluss vom 24. Oktober 2007, Az.: 8 W 80/07; OLG Zweibrücken, Beschluss vom 10. November 2009, Az.: 2 AR 23/09).
Bestimmend dafür ist bei einer Leistungsklage, ob sich der verfolgte Anspruch auf eine Norm des EnWG als Anspruchsgrundlage stützen lässt (vgl. OLG München, NJOZ 2009, 2532; OLG Köln, ZNER 2008, 58;… Hölscher in Britz/Hellermann/Hermes, EnWG 2008, § 102, Rdnr. 11).
Eine Rechtsfolge, die für die Entscheidung über die Billigkeit der Preiserhöhung vorgreiflich ist, ergibt sich somit aus § 1 Abs. 1 EnWG nicht (vgl. OLG Celle…, Beschluss vom 1.10.2010, Az. 13 AR 5/10 (Kart), bei juris, Rdnr. 10; OLG Celle, WuW/E DE-R 2955; OLG Celle, IR 2010, 132; OLG Celle NJOZ 2010, 1478, 1479; OLG Zweibrücken, BeckRS 2010, 8400; OLG München, NJOZ 2009, 2532; OLG Frankfurt a.M., IR 2008, 135; OLG Köln ZNER 2008, 58).
Funktionell zuständig ist insofern der Kartellsenat, da sich dessen gesetzliche Zuständigkeit für energiewirtschaftsrechtliche Sachen analog § 102 Abs. 1, § 106 Abs. 1 EnWG und für kartellrechtliche Sachen nach § 87 Satz 1, § 91 GWB analog auch auf Fragen der Zuständigkeitsbestimmung erstreckt (vgl. OLG München, Beschluss vom 15. Mai 2009 - AR (K) 7/09, zitiert nach juris, Rdnr. 5 m.w.N.; OLG Celle, Beschlüsse vom 27. Mai 2010 - 13 AR 1/10, WuW/E DE-R 2955, 2956 f. und vom 1. Juni 2010 - 13 AR 2/10, zitiert nach juris Tz. 8).
Nicht ausreichend ist es, wenn in die Streitentscheidung lediglich allgemeine Wertungsmaßstäbe einfließen, die in anderem Zusammenhang auch im Energiewirtschaftsrecht Berücksichtigung finden können, ohne dass eine konkrete energiewirtschaftsrechtliche Vorfrage aufgeworfen wird (OLG München OLGR 2009, 757).
Funktionell zuständig ist insofern der Kartellsenat, da sich dessen - auf ganz Niedersachsen erstreckende - gesetzliche Zuständigkeit für kartellrechtliche Sachen nach § 87 Satz 1, § 91 GWB analog und für energiewirtschaftsrechtliche Sachen analog § 102 Abs. 1, § 106 Abs. 1 EnWG auch auf Fragen der Zuständigkeitsbestimmung erstreckt (vgl. OLG München, Beschluss vom 15. Mai 2009, AR (K) 7/09, zitiert nach juris, Rn. 5 m. w. N.;… OLG Celle, Beschlüsse vom 1. Oktober 2010, 13 AR 5/10, vom 1. Juni 2010, 13 AR 2/10, zitiert nach juris, Rn. 8, vom 6. Dezember 2010, 13 AR 7/10 und vom 14. Dezember 2010, 13 AR 8/10).
OLG Celle, 10.03.2010 - 4 AR 17/10
Sachliche Zuständigkeit: Nichterfüllung der Zahlungspflichten eines Energiekunden
Es entspricht deshalb auch der einhelligen Meinung in der obergerichtlichen Rechtsprechung, dass sachlich zuständiges Gericht in Fällen wie dem vorliegenden das Amtsgericht ist (vgl. die bereits im Beschluss des LG Verden zitierten Entscheidungen OLG München in OLGR 2009, 757; OLG Frankfurt IR 2008, 135; OLG Köln OLGR 2008, 535; KG Berlin Beschluss v. 09.10.2009, 2 AR 48/09).