Source: https://ratgeber.immowelt.de/a/immobilie-geerbt-so-gehen-erben-und-erbengemeinschaften-vor.html
Timestamp: 2019-10-17 02:26:31
Document Index: 206315702

Matched Legal Cases: ['§ 1944', '§ 1943', '§119', '§ 1954', '§ 82', '§ 35', '§ 34', '§3', '§ 1', '§ 47', '§2033', '§2038', '§ 2042', '§ 2043', '§ 752']

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In vielen Nachlassen sind mittlerweile auch Immobilien vorhanden. Für den Erbenden steht dann schnell die Frage ‚Und nun?‘ im Raum. Behalten, vermieten oder verkaufen? Gibt es dabei nicht nur einen Alleinerben, sondern eine Erbengemeinschaft, wird die Beantwortung der Frage noch etwas schwieriger. Das sind die wichtigsten Informationen für Immobilienerben.
Wer erbt, steht vor der Entscheidung, ob er das Erbe annimmt oder besser ausschlägt. Eine Entscheidung die gut durchdacht sein sollte. Foto: metamoworks/stock.adobe.com
Laut einer Prognose des Statistischen Bundesamtes werden in den Jahren von 2015 bis 2024 in Deutschland schätzungsweise etwa 4,34 Millionen Immobilien generationenübergreifend vererbt. Nicht beachtet wurden dabei jedoch die zwei Prozent der einkommensstärksten Haushalte – die tatsächliche Anzahl der vererbten Immobilien wird also noch um einiges höher ausfallen. Nichtsdestotrotz kann für den Einzelnen das Immobilienerbe recht plötzlich und unvorbereitet kommen. Dann stellt sich schnell die Frage – was nun?
Immobilienerbe antreten oder ausschlagen?
Immobilienerbe ausschlagen: Das gibt’s zu beachten
Immobilienerbe angetreten – Grundbuch berichtigen lassen
Erbe richtig versteuern: Die Erbschaftsteuer
Verkaufen, vermieten oder selbst nutzen? Das sollten Immobilienerben wissen
Immobilienerbschaft in der Erbengemeinschaft
Gemeinsamer Verkauf auf dem freien Markt
Ein Erbe übernimmt die Immobilie und zahlt die anderen aus
Keine Einigung in Sicht – es bleibt die Teilungsversteigerung
Erben vermieten gemeinsam die geerbte Immobilie
Erbauseinandersetzung – die Auflösung einer Erbengemeinschaft
Noch bevor sich der Erbe mit der Frage auseinandersetzen kann, wie es mit der Immobilie weitergeht, muss er erst einmal für sich klären, ob er das Erbe antreten will oder nicht. Eine große Herausforderung ist das insbesondere dann, wenn sich die Immobilie weitab vom eigenen Wohnort befindet und der Erbe keinen Überblick über den Zustand oder den finanziellen Status des Objektes hat. Denn im Erbfall wird der Erbende der offizielle Rechtsnachfolger des Erblassers – also des Verstorbenen. Er wird aber nicht nur neuer Eigentümer der Immobilie, er übernimmt auch Verantwortung und Verbindlichkeiten für sie. Der Hinterbliebene erbt also nicht nur das Haus oder die Wohnung – liegt auf der Immobilie beispielsweise eine noch nicht abbezahlte Hypothek, so erbt er diese gleich mit.
Daher ist es für den Erbenden besser, schnellstmöglich festzustellen, ob der Nachlass und insbesondere die Immobilie überschuldet ist. Dabei muss der Erbe auch den Wert und die Nutzbarkeit der Immobilie mit einbeziehen. Hilfreich ist hierfür ein Blick ins Grundbuch. Als Erbender hat man ein berechtigtes Interesse und somit die juristische Legitimation auf Einsicht. So erfährt der Erbe von eventuell bestehenden Belastungen mit Grundschulden, Hypotheken und sonstigen Dienstbarkeiten. Das alles hat Einfluss auf den Verkehrswert der Immobilie.
Wenn keine emotionalen Argumente für das Erbe sprechen und es sich aus finanzieller Sicht nicht wirklich lohnt, sollte das Erbe besser form- und fristgerecht ausgeschlagen werden.
Wer mit der Hinterlassenschaft nichts anfangen kann oder will, hat die Möglichkeit das Erbe innerhalb von sechs Wochen auszuschlagen. Foto: Wayhome Studio/stock.adobe.com
as Gesetz lässt den Hinterblieben nicht lange Zeit zu trauern: Die Entscheidung, ob sie das Erbe antreten oder ausgeschlagen, müssen die Erben innerhalb von sechs Wochen fällen (§ 1944 BGB). Beginn der Frist ist der Tag, an dem der Erbe vom Erbfall erfahren hat. Nach Ablauf der sechs Wochen gibt es keine Möglichkeit mehr, das Erbe auszuschlagen. Auch eine Verlängerung der Frist ist gesetzlich nicht vorgesehen. Hat der Erblasser jedoch seinen letzten Wohnsitz im Ausland gehabt oder der Erbe befindet sich zum Beginn bei Kenntnisnahme des Erbfalls im Ausland, verlängert sich die Frist auf sechs Monate.
Wurde das Erbe bereits angenommen, so ist ein späteres Ausschlagen nicht mehr möglich (§ 1943 BGB). Nur in begrenzten Fällen kann die Annahme oder die Ausschlagung einer Erbschaft rückgängig gemacht werden (§§119 und 123 BGB). Das ist der Fall, wenn
der Erbe durch Drohung oder Täuschung zur Annahme oder Ausschlagung der Erbschaft gezwungen wurde.
ein Inhaltsirrtum vorliegt, also der Erbe sich über die Bedeutung seiner Annahme oder Ausschlagung nicht bewusst war.
ein Erklärungsirrtum vorliegt, also der Erbe eigentlich etwas ganz anderes, als die Annahme oder Ausschlagung der Erbschaft erklären wollte.
ein Eigenschaftsirrtum vorliegt, also beispielsweise der Erblasser verschuldet war und das dem Erben nicht bekannt war.
Die ursprüngliche Entscheidung muss innerhalb von sechs Wochen, nachdem der Erbe seinen Irrtum entdeckt hat, beim zuständigen Gericht angefochten werden (§ 1954 BGB).
Wer ein Erbe ausschlagen will, muss sich aber nicht nur an die vorgeschriebene Frist halten, sondern auch eine bestimmte Form einhalten. Am besten ist es, die Ausschlagung gegenüber einem Rechtspfleger bei dem für den Wohnort des Erblassers zuständigen Amtsgericht zu erklären. Eine andere Möglichkeit ist, die Ausschlagung gegenüber einem frei wählbaren Notar zu beurkunden. Der Notar wird dann das Amtsgericht darüber informieren. Wichtig: Ein Erbe kann nur vollständig ausgeschlagen werden. Eine Auflistung nach dem Motto „Das will ich, das aber nicht.“ ist nicht möglich.
Wenn alle Erben die Erbschaft ausschlagen, tritt die Bundesrepublik Deutschland als Erbe ein. Sie haftet auch für mögliche Schulden.
Ein Immobilienerbe kann auch ein Grund zur Freude sein. Foto: iStock/max-kegfire
sich entscheidet, sein Immobilienerbe anzutreten – oder schlichtweg die Frist zum Ausschlagen hat verstreichen lassen und es daher antreten muss – der ist laut Grundbuchordnung (GBO) dazu verpflichtet, die Berichtigung des Grundbuchs beantragen (§ 82 GBO). Den Antrag auf Berichtigung muss der Erbe schriftlich an das zuständige Grundbuchamt richten. Ein Notar muss dafür nicht herangezogen werden.
Damit nicht einfach irgendwer eine Berichtigung des Grundbuchs beantragt, muss der Antragssteller die Erbfolge nachweisen (§ 35 GBO). Zum Nachweis dient in der Regel der gültige Erbschein. Er kann außerdem durch die Vorlage eines rechtsgültigen Erbvertrags oder eines notariellen Testaments – ein privatschriftliches reicht hierbei nicht aus – erbracht werden. Auf diesem Weg würde sich der Erbe die Kosten für die Ausstellung des Erbscheins sparen.
Ein Erbschein weist die ausgeführten Personen als rechtmäßige Erben aus. Zu beantragen ist er bei dem Amtsgericht, in dessen Bezirk der Erblasser seinen letzten Wohnsitz hatte. Ein Alleinerbe kann den Erbschein auch allein beantragen. Erben jedoch mehrere Personen können diese entweder einen gemeinsamen Erbschein oder jeder für sich einen Teilerbschein, der die Größe des Erbanteils des Einzelnen ausweist, beantragen. Achtung! Sobald der Erbschein beantragt wird, gilt das Erbe als angetreten.
Für die Ausstellung eines Erbscheins berechnet das Nachlassgericht eine Gebühr nach dem Gerichts- und Notarkostengesetz (GNotKG) – die Nummer im Kostenverzeichnis ist die 12210. Die Gebühr richtet sich nach dem Wert der Erbschaft (§ 34 GNotKG). So kostet ein Erbschein für ein Erbe über 30.000 Euro 125 Euro. Liegt der Wert des Erbes bei 500.000 Euro werden für den Erbschein bereits 935 Euro fällig.
Sparen kann der Erbe auch an anderer Stelle: Wer die Umschreibung des Immobilieneigentums innerhalb von zwei Jahren nach dem Versterben des Erblassers stellt, muss dafür nichts bezahlen. Das gilt auch für jene Eigentumsumschreibungen, die nach einer späteren Erbauseinandersetzung erfolgen. Wird der Antrag jedoch erst nach Ablauf der Zwei-Jahres-Frist gestellt, so berechnet das Grundbuchamt eine Gebühr (Kostenverzeichnis Nr. 14110 GNotKG), die sich unter anderem am Wert des Grundstücks orientiert.
Für den Erwerb einer Immobilie durch einen Todesfall muss der Erbe keine Grunderwerbsteuer zahlen (§3 Grunderwerbsteuergesetz). Das gilt auch dann, wenn es mehre Erben gibt und ein Erbe einem anderen dessen Eigentumsanteil abkauft.
Erwirbt eine Person Vermögensgegenstände „von Todes wegen“ unterliegen diese der Erbschaftssteuer (§ 1 Erbschaftsteuer- und Schenkungsteuergesetz – ErbStG). Je nach Verwandtschaftsgrad gibt es jedoch mehr oder weniger hohe Freibeträge, die diese zu versteuernden Vermögensbeträge verringern. Erben sind verpflichtet, ihrem Finanzamt die Erbschaft innerhalb von drei Monaten anzuzeigen.
Immobilie geerbt? Erfahren Sie mehr über die Erbschaftssteuer, die Freibeträge und Steuersätze.
Wer ein Immobilienerbe annimmt, hat drei Wege damit umzugehen: selbst einziehen, vermieten oder verkaufen. Foto: Leonid/stock.adobe.com
Ist das Immobilienerbe erst einmal angetreten und alle Formalitäten geklärt, stellt sich dem Erben eine ganz neue Frage: Was wird nun aus der Immobilie? Letztlich bieten sich nur drei sinnvolle Optionen an:
die Immobilie behalten und selbst nutzen
die Immobilie behalten und vermieten
Bei der Entscheidungsfindung sollten Erben neben den eigenen Befindlichkeiten einige andere Faktoren mit einbeziehen. Wie ist beispielsweise der Zustand der Immobilie? Gibt es einen Sanierungs- oder Renovierungsstau? Kann ein eventueller Miterbe gegebenenfalls ausgezahlt werden? Ebenfalls sollten steuerliche Aspekte bei der Entscheidungsfindung eine Rolle spielen.
Immobilie selbst nutzen und Erbschaftssteuer sparen
Generell gibt es für die Erben bei der Erbschaftssteuer einen entsprechenden Freibetrag. Erbt jedoch ein Ehepartner oder ein eingetragener Lebenspartner des Verstorbenen eine Wohnung oder ein Haus, kann er unter Umständen die Erbschaftssteuer für die Immobilie komplett sparen. Nämlich dann, wenn er mindestens für die kommenden zehn Jahre selbst darin wohnt. Zieht der Erbe innerhalb dieser Frist doch aus, entfällt die Steuerbefreiung rückwirkend, außer es gibt einen dringenden Grund, warum die Immobilie nicht mehr selbst bewohnt werden kann. Das kann der Fall sein, weil der hinterbliebene Ehepartner in ein Pflegeheim umziehen muss oder er zur Vermeidung von Arbeitslosigkeit einen berufsbedingten Umzug vornehmen muss.
Doch nicht nur Ehe- oder Lebenspartner profitieren von der Steuerbefreiung bei Selbstnutzung: Auch Kinder des Erblassers können so sparen. Jedoch gelten für sie strengere Bedingungen. Die Befreiung gilt nur dann, wenn die Wohnfläche nicht mehr als 200 Quadratmeter umfasst. Ist die Wohnfläche größer, muss für den übersteigenden Anteil Erbschaftssteuer gezahlt werden – insofern das Erbe den steuerlichen Freibetrag für Kinder übersteigt.
Friedrich Winkler hinterlässt seiner Ehefrau Hilda das große Haus, das vorher ihm allein gehörte. Sie entscheidet sich, das Erbe anzunehmen. Da der Wert der Villa mit 1,5 Millionen Euro den Freibetrag für Ehepartner übersteigt, müsste sie eigentlich eine Million Euro des Erbes versteuern. Da sie jedoch in der Villa weiterhin wohnen bleibt, ist sie von der Erbschaftssteuer befreit.
Hilda Winkler überlebte ihren Gatten nur wenige Jahre. Ihr gemeinsamer Sohn Alexander ist Alleinerbe. Er entscheidet sich aus seiner Mietwohnung auszuziehen und fortan im Haus seiner Eltern zu wohnen. Doch das Haus liegt mit 250 Quadratmetern Wohnfläche über der Flächenbegrenzung. Während die 200 Quadratmeter davon steuerfrei bleiben, fällt für die restlichen 50 Quadratmeter grundsätzlich Erbschaftssteuer an. Da der Verkehrswert dieser 50 Quadratmeter jedoch nur 300.000 Euro beträgt – der Freibetrag für Alexander als Kind des Erblassers bei 400.000 Euro liegt – hat er noch einmal Glück gehabt.
Ist die Immobilie vermietet gewesen, der Erbe will sie jedoch selbst nutzen, hat er die Möglichkeit den Mietern fristgerecht wegen Eigenbedarfs zu kündigen.
Immobilie vermieten – mit Steuerspartipps Geld vom Fiskus zurückholen
Soll die geerbte Immobilie vermietet werden, kommen selbst Ehegatten, Lebenspartner oder Kinder nicht mehr um die Erbschaftssteuer herum. Diese wird nach Maßgabe von bis zu 90 Prozent des Verkehrswerts der Immobilie berechnet. Außerdem sind die Einnahmen aus Vermietung oder Verpachtung einkommensteuerpflichtig. Im Gegenzug können sich Vermieter jedoch auch einiges an Geld vom Finanzamt wieder zurückholen.
Immobilie verkaufen und Gewinn einstreichen
Eine Immobilie – egal ob selbst genutzt oder vermietet – bedeutet eine Menge Arbeit und Verantwortung. Nicht jeder kann oder will sich das aufhalsen. Als dritte und endgültige Alternative bleibt dem Erben noch der Verkauf der Immobilie. Das hat Vor- und Nachteile. Verkaufswillige Eigentümer müssen alle notwendigen Unterlagen zusammensuchen, die Kaufpreise in der Region kennen und einen realistischen Wert ihrer Immobilie ermitteln. Nach zahlreichen Besichtigungsterminen lauern dann im Kaufvertrag die nächsten Fallen.
Eine Immobilie zu verkaufen ist nicht so einfach. Lesen Sie in unserem Ratgeber „Tipps für Immobilienverkäufer“, wie Sie ihre Immobilie in wenigen Schritten an den Mann bringen.
Grundsätzlich kommt der Erbe durch die Veräußerung in den Genuss des Kaufpreises. Jedoch kann es sein, dass er davon noch bestehende Grundschulden und Hypotheken bezahlen muss. Damit am Ende noch etwas vom Gewinn übrig bleibt, muss der Preis entsprechend hoch ausfallen. Oftmals schätzen Laien den Verkehrswert der Immobilie jedoch falsch ein.
Ein bestehendes Darlehen mit einem Kreditinstitut kann zwar in der Regel wegen Verkaufs fristgerecht gekündigt werden. Oftmals wird aber in einem solchen Fall eine Vorfälligkeitsentschädigung verlangt. Diese Entschädigung schmälert die Erbmasse. In manchen Fällen ist es daher günstiger, den Darlehensvertrag laufen zu lassen, bis die Zinsfestschreibungszeit abgelaufen ist.
In der Regel ist es daher ratsam, die Vermarktung der Immobilie einem Makler zu überlassen. Denn der kennt den Markt und weiß meist, was für eine Immobilie verlangt werden kann. Außerdem kennen sich die Immobilienprofis mit der aktuellen Rechtslage aus und sind deshalb bei der Vermarktung eine große Hilfe.
Während Erben aufgrund hoher Freibeträge meist um die Zahlung der Erbschaftsteuer herumkommen, kann es beim Verkauf der Immobilie aber passieren, dass eine Spekulationssteuer zu zahlen ist. Das ist dann der Fall, wenn zwischen Erwerb der Immobilie und dem Verkauf weniger als zehn Jahre vergangen sind. Dabei zählt das Datum, an dem der Erblasser die Immobilie erwarb und nicht, wann der Erbfall eintrat.
Lesen Sie, was es mit der Spekulationssteuer auf sich hat, wie sie berechnet wird und wie sich die Steuer vermeiden lässt.
Ist man Teil einer Erbengemeinschaft, ist man an den oder die Miterben gefesselt. Denn ohne die Zustimmung aller, kann keine Entscheidung über das Erbe fallen. Foto: iStock/Cirilopoeta
Hat der Erblasser kein Testament verfasst oder einen Erbvertrag abgeschlossen, in dem er einer bestimmten Person etwas hinterlässt beziehungsweise vermacht, gilt die gesetzliche Erbfolge. In der Regel gibt es dabei mehr als einen Erben. Sobald dies der Fall ist, spricht man von einer Erbengemeinschaft beziehungsweise einer sogenannten Gesamthandsgemeinschaft. Das kann für eine Menge Zündstoff sorgen. Denn die Erben erhalten in diesem Fall kein alleiniges Eigentum an den einzelnen Nachlassgegenständen. Das gilt auch für vererbte Immobilien. Erben mehrere Personen ein Grundstück, ein Haus oder eine Wohnung, so werden alle Miterben als Gemeinschaft und nicht als sogenannte Bruchteilseigentümer ins Grundbuch eingetragen (§ 47 Grundbuchordnung).
Wichtig: Ein Miterbe kann zwar nicht über einen einzelnen Nachlassgegenstand verfügen, wohl aber über seinen Erbanteil als Ganzes (§2033 BGB). Im Falle einer Immobilie bedeutet dies, ein einzelner Miterbe kann zwar die Immobilie nicht verkaufen, seinen Erbanteil daran jedoch schon. In dem Fall haben die restlichen Miterben ein Vorkaufsrecht. Soll die Immobilie als Ganzes verkauft werden, so müssen dies alle Miterben einstimmig beschließen (§2038 BGB). Je größer die Erbengemeinschaft ist, desto schwieriger kann es jedoch sein, auf einen Nenner zu kommen.
Letzten Endes gibt es folgende Möglichkeiten, wie eine Erbengemeinschaft mit dem gemeinsamen Immobilienerbe umgehen kann:
Will ein Erbe die Immobilie vollständig übernehmen, so braucht er als erstes die Zustimmung aller anderen Miterben und zudem ein gutes finanzielles Polster. Denn, sollten sich die Miterben nicht zu einer Schenkung hinreißen lassen, müssen sie ausgezahlt werden. Wie hoch diese Zahlung ausfällt hängt unter anderem vom Wert der Immobilie ab. Generell ist es ratsam, alle Vereinbarungen in einem notariell beglaubigten Auflösungsvertrag festzuhalten, um Rechtssicherheit zu schaffen und daraus folgend möglichen späteren Streitigkeiten vorzubeugen.
Sollten sich die Erben jedoch nicht einigen können, bleibt als letzte Konsequenz nur eine Teilungsversteigerung. Diese ist aber meist weniger gewinnbringend, als der freihändige Verkauf. Hinzu kommt, dass die Teilungsversteigerung mit einem gerichtlichen Verfahren einhergeht und daher ein paar Monate beansprucht. In dieser Zeit muss die Immobilie verwaltet und in Schuss gehalten werden.
Lesen Sie, wie eine Teilungsversteigerung abläuft und warum sie der letzte Ausweg bleiben sollte.
Solange die Immobilie nicht verkauft wurde oder ein Erbe die anderen ausgezahlt hat, ist die Erbgemeinschaft für die Verwaltung der Immobilie zuständig. Die Erben können sich aber auch dazu entscheiden, es dabei zu belassen. Das bietet sich beispielsweise bei Mehrfamilienhäusern an, die dann von der Erbengemeinschaft als Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR) geführt wird. Im Grunde ist eine Erbengemeinschaft mit Eintreten des Erbfalls eine GbR – jedoch ohne Rechtsfähigkeit. Diese erlangt die GbR erst dann, wenn ein notariell beglaubigter Gesellschaftsvertrag abgeschlossen wurde, in dem die Gesellschafter – in diesem Fall alle Miterben – Regeln festschreiben. Erst mit dem Abschluss des Gesellschaftsvertrags ist die GbR geschäftsfähig und kann als juristische Person auch Verträge, wie beispielsweise Mietverträge, abschließen. Wie die Mieteinnahmen untereinander aufgeteilt werden, müssen die Gesellschafter selbst entscheiden.
Sollte ein Erbe nicht in der Lage sein, die mit dem Immobilienbesitz verbundenen Kosten zu übernehmen, so müssen seine Miterben einspringen. Innerhalb einer GbR haftet jeder Gesellschafter mit seinem Privatvermögen für die Verbindlichkeiten aller anderen Gesellschafter.
Bei der Erbauseinandersetzung wird das Erbe unter den Miterben aufgeteilt. Es erhält quasi jeder sein Puzzlestück aus dem großen Ganzen. Foto: stokkete/stock.adobe.com
Eine Erbengemeinschaft kann sich nur durch eine sogenannte Erbauseinandersetzung auflösen. Dazu sollten alle Miterben einen Erbauseinandersetzungsvertrag abschließen, um spätere Nachforderungen von einzelnen Erben auszuschließen. Sobald Immobilien im Nachlass vorhanden sind, ist ein Erbauseinandersetzungsvertrag Pflicht. An eine besondere Form ist dieser jedoch nicht gebunden. Grundsätzlich hat jeder Miterbe das Recht, eine Erbauseinandersetzung zu verlangen (§ 2042 BGB). Jedoch kann die Auseinandersetzung aufgeschoben werden – beispielsweise, weil Erbteile wegen einer zu erwartenden Geburt eines Miterben noch unbestimmt sind (§ 2043 BGB). Erst nach der Geburt des Miterben können die Erbanteile richtig zugeordnet werden. Solange dies nicht der Fall ist, darf das Erbe nicht auseinanderdividiert werden.
Grundsätzlich wird die gesamte Erbmasse natürlich geteilt und je nach Erbanteil an die Erben verteilt (§ 752 BGB). Am Ende der Verteilung gehen die verschiedenen Nachlassgegenstände ins Alleineigentum der jeweiligen Erben ein. Bei Bargeld und Wertpapieren ist dies noch recht einfach, bei einer Immobilie wird es ungleich schwieriger. Sind sich die Erben untereinander einig, kann es hierbei aber auch zu vertraglich festgelegten individuellen Lösungen kommen. So kann ein Erbe die Immobilie bekommen, während der andere die Barschaft und Wertpapiere des Erblassers zugesprochen bekommt.
Erbt man eine Immobilie, ist es gar nicht so einfach eine Entscheidung für oder gegen das Erbe zu treffen. Insbesondere, weil man in einer meist emotionalen Situation auch noch unter Zeitdruck steht. Die sechs Wochen, die der der Hinterbliebene zur Ausschlagung des Erbes hat, sollte er intensiv nutzen, um jede für die Entscheidung wichtige Information zu sammeln. Je mehr Informationen vorliegen, desto leichter sollte es fallen, die Situation richtig zu beurteilen. Das gilt nicht nur bei der Frage Erbe annehmen oder nicht, sondern auch wenn es darum geht, was aus der geerbten Immobilie werden soll. Im Zweifel sollten sich die Hinterbliebenen Rat bei einem Steuerfachmann oder einem Rechtsanwalt suchen.
Ein unerwartetes Immobilienerbe kann Hinterbliebene vor Probleme stellen. Gibt es mehr als einen Erben, endet es ab und zu auch in erbittertem Streit. Um dem noch zu Lebzeiten vorzubeugen können Immobilieneigentümer gewisse Regelungen treffen. Lesen Sie, wie Sie mit einem Testament oder Erbvertrag Ihren Nachlass regeln können.