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Timestamp: 2020-01-20 03:43:07
Document Index: 181950378

Matched Legal Cases: ['§1', '§16', '§11', '§9', '§10', '§33']

Wie funktioniert der Merit-Order-Effekt? Energiemarkt Deutschland | Masterarbeit, Hausarbeit, Bachelorarbeit veröffentlichen
J K Johann Kristoph Kaup (Autor)
2.2.1 Einspeisemanagement
2.2.2 Marktprämie
3 Merit-Order-Effekt
4 Energiemarkt Deutschland
4.1 Strompreis
4.2.1 Veränderungen durch das EEG in der Industrie
4.2.2 Bilanzpressekonferenz der RWE AG
4.2.3 Umsetzung im Jahr 2014
4.3 EEG-Umlagebefreiung
Abbildung 1 EEG-Vergütung und Marktprämienmodell 2012
Abbildung 2 Merit-Order des deutschen konventionellen Kraftwerkparks im Jahr 2008
Abbildung 3 Entwicklung des Strompreises 1998-2012
Abbildung 4 Profiteure der EEG-Umlagebefreiung
Die Erde wird wärmer. „2014 ist das Jahr der Wärmerekorde“, titelte Ende Oktober 2014 die Welt.1 Im vergangenen Jahr fiel für vier Monate seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 1880 der Wärmerekord. In ihrem Jahresbericht machte die National Oceanic and Atmospheric Administration (NOAA) darauf aufmerksam, dass die Temperatur in Deutschland im letzten Jahr 1,4 °C über dem Durchschnitt von 1981 bis 2010 lag.2
Der World Wide Fund For Nature (WWF) sieht Treibhausgase als größten Auslöser der globalen Erwärmung. Das wichtigste Treibhausgas ist in diesem Zusammenhang Kohlenstoffdioxid.3 Den ersten politischen Schritt zur Einsparung von CO2 stellt das Kyoto-Protokoll aus dem Jahr 1991 dar. Es enthält rechtsverbindliche Begrenzungs- und Reduzierungsverpflichtungen für die Industrieländer.4 Neben 190 anderen Staaten unterschrieb auch die Bundesrepublik Deutschland das Protokoll.
Das selbstauferlegte Ziel der Bundesregierung ist eine Reduktion der Emissionen von mindestens 40 Prozent bis 2020. Um dieses Ziel zu erreichen, soll unter anderem der Ausbau nicht-konventioneller Stromerzeugung vorangetrieben werden. Dazu wurde das Gesetz für den Vorrang Erneuerbarer Energien verabschiedet.5 Die daraus resultierende Förderung von Strom aus Erneuerbaren Energien führte 2013 nach Angaben des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit zu einem Anteil Erneuerbarer Energien am Bruttostromverbrauch Deutschlands von 23,5 Prozent.6
Doch welche Auswirkungen zieht die Verdrängung der konventionellen Stromerzeugung durch Erneuerbare Energien nach sich? Unter der Verdrängung von Kraftwerken versteht man die Reihenfolge der Einspeisung. Geregelt wird dies über die Merit-Order.7
Wie der Merit-Order-Effekt funktioniert, wird in der vorliegenden Seminararbeit näher erläutert. Die Arbeit gliedert sich dabei im Wesentlichen in zwei Teile:
Im zweiten und dritten Kapitel werden gesetzliche und theoretische Grundlagen des Merit-Order-Effektes dargestellt. Dabei werden zunächst die Historie und die Entwicklung des EEG in den vergangenen Jahren näher betrachtet. Außerdem wird ein Blick auf den Inhalt des Gesetzestextes geworfen. Den Aspekten Einspeisemanagement und Marktprämie wird dazu besondere Aufmerksamkeit geschenkt. Das dritte Kapitel behandelt die Funktionsweise des Merit-Order- Effektes und stellt seine Berechnung dar.
Zum Abschluss des vierten Kapitels folgt der Praxisteil. Zunächst werden die Veränderungen in der Industrie infolge der EEG-Einführung aufgezeigt. Anhand des Beispiels der RWE werden zunächst die Auswirkungen des EEG und anschließend die Gefahren dargestellt.
Das fünfte Kapitel fasst die Arbeit kurz zusammen. Zusätzlich zum Fazit wird ein Ausblick auf die zukünftigen Entwicklungen gegeben.
Der Weg hin zum heutigen EEG ist lang. 1991 tritt erstmals ein Stromeinspeisungsgesetz (StromEinspG) in der Bundesrepublik Deutschland in Kraft. Dieses regelt „die Verpflichtung für Stromversorger, Strom aus Erneuerbaren Energien abzunehmen und zu vergüten“.8 In dem Jahr lag der Anteil Erneuerbarer Energien an der Bruttostromversorgung in Deutschland bei 3,2 Prozent.9
Neun Jahre später tritt das erste Erneuerbare-Energien-Gesetz in Kraft und ersetzt ab 2000 das StromEinspG. Zielsetzung des neuen Gesetzes ist die Verdopplung des Anteils Erneuerbarer Energien innerhalb der Folgedekade. Zu dem Zeitpunkt liegt der Anteil bei 6,6 Prozent.
Anfang August 2004 hält die Änderung des EEG die Steigerung des Anteils Erneuerbarer Energien bis 2020 um 20 Prozent fest. Des Weiteren wird eine teilweise Senkung der Einspeisevergütung beschlossen. In der zweiten Neufassung vom 01. Januar 2009 wird der für 2020 geplante Anteil Erneuerbarer Energien an der Bruttostromversorgung von 20 auf 30 Prozent erhöht. Zum ersten Mal ist im Falle von Netzengpässen eine Entschädigung für die Anlagenbetreiber gesetzlich geregelt.
Einhergehend mit dem Beschluss zur Energiewende ändert die Bundesregierung im Juni 2011 neben dem Atomgesetz auch das EEG. Außerdem gibt es geänderte Regelungen zum Netzausbau. Ein knappes Jahr später tritt die Neufassung des EEG in Kraft. Die Ziele für den Ausbau sind nicht mehr unbedingt formuliert. Die neuen Vorstellungen der Bundesregierung legen einen Anteil Erneuerbarer Energien für 2020 (min. 35 Prozent) und 2030 (min. 50 Prozent) nur noch relativ fest. Außerdem wird die Markt- und Flexibilitätsprämie eingeführt.
Die jüngste europarechtskonforme Änderung des EEG von Anfang August 2014 führt den verpflichtenden Handel von Strom aus nicht-konventionellen Energien an der Strombörse ein. Dem vorausgegangen war ein Eckpunktepapier zur EEG- Reform von Sigmar Gabriel, dem Bundesminister für Wirtschaft und Energie. Dieses Papier brachte den sogenannten „atmenden Deckel“ auf den Weg. Der an die Fotovoltaik-Förderung angelehnte Deckel sorgt für eine Absatzgarantie produzierter Windenergie.10
Das aus klimaschutzpolitischen Gründen eingeführte Erneuerbare-Energien- Gesetz regelt neben den Allgemeinen Bestimmungen über die Handhabung Erneuerbarer Energien in Deutschland auch technische und logistische Aspekte der Stromeinspeisung. In seiner aktuellsten Fassung enthält der Gesetzestext 104 Paragraphen und vier Anlagen.11
Unter der Handhabung Erneuerbarer Energien ist der Vorrang von Strom aus Wasserkraft, Deponie-, Klär- und Grubengas, Biomasse, Geothermie, Windkraft an Land und vor der Küste, sowie Photovoltaik gegenüber konventionellen Energieträgern gemeint. Erzeuger des Ökostroms besitzen eine Vergütungsgarantie, die die Betreiber deutscher Stromnetze dazu verpflichtet, nicht-konventionell erzeugten Strom bevorzugt zu behandeln.12
Ausnahmen von dem Vorrang Erneuerbarer Energien werden über das Einspeisemanagement geregelt. Der Netzbetreiber ist dazu befähigt, die Stromeinspeisung in sein Netz umstandsgemäß anzupassen.13
Abgesehen davon, dass die Betreiber per Gesetz dazu verpflichtet sind, ihre Netze auf aktuellstem Stand zu halten, sodass Strom aus Erneuerbaren Energien, Grubengas oder Kraft-Wärme-Kopplung zuverlässig und sicher an das System angeschlossen und durch dieses geleitet werden kann, besteht nach wie vor die Möglichkeit eines einspeisebedingten Netzengpasses.14 Unter diesem Umstand darf der Betreiber die Einspeisung aus bevorzugten Anlagen unterbrechen. Infolge des Abstellens muss er jedoch für die Entschädigung der betroffenen Anlagenbetreiber aufkommen.15
Das jüngste Beispiel für einen solchen Netzengpass datiert vom zweiten Wochenende im Jahr 2015. Ein stürmisches Wochenende bescherte Deutschland zu Beginn des Jahres einen Rekord in der Stromerzeugung aus Windkraft. Da die Netze auf diesen Überschuss nicht vorbereitet waren, mussten zahlreiche Windkraftanlagen aufgrund der Überlastung der Netze abgeschaltet werden.16
Seit Anfang 2012 fördert das Bundesministerium die Marktintegration der Erneuerbaren Energien mit der Marktprämie. So soll die Direktvermarktung Erneuerbarer Energien gewährleistet werden.17 Die Berechnung der Marktprämie ist der Anlage 1 des EEG 2014 zu entnehmen und lautet wie folgt:
Die Direktvermarktung bedeutet, dass nun auch Strom aus Erneuerbaren Energien börslich gehandelt wird. Die Marktprämie dient dem Ausgleich zwischen der fixen Einspeisevergütung und dem an der Strombörse erzielten Marktpreis (oder Referenzwert). Im Vergleich zur fixen Einspeisevergütung aus der EEG-Vergütung, enthält das Marktprämienmodell drei Bestandteile. Der Preis an der Strombörse, zuzüglich der Marktprämie, sowie die Managementprämie und Regelenergie.
Abbildung 1 EEG-Verg ü tung und Marktpr ä mienmodell 201218
1 Die Welt (a) (2014).
2 Vgl. NOAA National Climatic Data Center (2014).
3 Vgl. WWF (2014).
4 Vgl. Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (2014).
5 Vgl. Energierecht, BGBl. I S. 2074, EEG, S. 783.
6 Vgl. Umweltbundesamt (Hrsg.)(2013).
7 Vgl. Hungenberg, H. (2014), S. 30.
8 Bundesverband WindEnergie (2014).
9 Vgl. Statista (a) (2015).
10 Vgl. Die Welt (b) (2015).
11 Vgl. Energierecht, BGBl. I S. 2074, EEG, §§1 ff., S. 785-786.
12 Vgl. Energierecht, BGBl. I S. 2074, EEG, §16, S. 794.
13 Vgl. Energierecht, BGBl. I S. 2074, EEG, §11, S. 792-793.
14 Vgl. Energierecht, BGBl. I S. 2074, EEG, §9, S. 792.
15 Vgl. Energierecht, BGBl. I S. 2074, EEG, §10, S. 792.
16 Vgl. Die Welt (c) (2015).
17 Vgl. Energierecht, BGBl. I S. 2074, EEG, §33, S. 811-816.
18 Next Kraftwerke (2014).
V429830
9783668741348
9783668741355
Merit Order, erneuerbare Energien, Energie
Johann Kristoph Kaup (Autor), 2015, Wie funktioniert der Merit-Order-Effekt? Energiemarkt Deutschland, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/429830