Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Text=BFHE%20161,%2011
Timestamp: 2019-09-18 18:53:34
Document Index: 278552632

Matched Legal Cases: ['§ 173', '§ 42', '§ 173', '§ 42', '§ 173', '§ 173', '§ 173', '§ 173', '§ 173', '§ 173', '§ 173', '§ 173']

BFH, 13.07.1990 - VI R 109/86 - dejure.org
BFH, 13.07.1990 - VI R 109/86
https://dejure.org/1990,279
BFH, 13.07.1990 - VI R 109/86 (https://dejure.org/1990,279)
BFH, Entscheidung vom 13.07.1990 - VI R 109/86 (https://dejure.org/1990,279)
BFH, Entscheidung vom 13. Juli 1990 - VI R 109/86 (https://dejure.org/1990,279)
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AO 1977 § 173 Abs. 1 Nr. 1; EStG § 42
Lohnsteuer - Tatsachen - Informationsfindung
§ 173 AO; § 42 EStG
Abgabenordnung; Vorliegen ,,neuer Tatsachen'' im aktenlosen Verfahren des Lohnsteuer-Jahresausgleichs
BFHE 161, 11
NJW 1991, 1847
BB 1990, 1898
BB 1990, 2398
DB 1990, 1949
BStBl II 1990, 1047
Dies gilt auch, wenn der Bearbeiter den ihm vorliegenden Akteninhalt nicht vollständig prüft, z.B. weil er nur überschlägig prüft, ihm keine Prüfhinweise dazu vorliegen oder die vorliegenden Prüfhinweise andere im Änderungsverfahren nicht streitige Tatsachen betreffen (vgl. BFH-Urteil vom 13. Juli 1990 VI R 109/86, BFHE 161, 11, BStBl II 1990, 1047, unter 2.b, Rz 20;… Klein/Rüsken, a.a.O., § 173 Rz 49, 62; Koenig/Koenig, Abgabenordnung, 3. Aufl., § 173 Rz 62; v.Wedelstädt in Gosch, AO § 173 Rz 62, - August 2015 -).
Verzichtet das FA daher auf die Sichtung ihm vorliegender Belege und damit auf die Nutzung ihm zugänglicher Erkenntnisquellen, so fällt dies in seinen eigenen Risikobereich (so auch BFH-Urteil in BFHE 161, 11, BStBl II 1990, 1047, unter 2.b, Rz 20).
Denn der zuständige Bearbeiter muss sich jedenfalls das Wissen aus einem anderen steuerlichen Verfahren dann zurechnen lassen, wenn zur Hinzuziehung des entsprechenden Vorgangs nach den Umständen des Falles, insbesondere nach dem Inhalt der zu bearbeitenden Steuererklärung oder der präsenten Akten, eine besondere Veranlassung bestand mit der Folge, dass das Unterlassen der Beiziehung eine Verletzung der Ermittlungspflicht nach sich zöge (BFH-Urteil vom 13. Juli 1990 VI R 109/86, BFHE 161, 11, BStBl II 1990, 1047).
c) Maßgebend für die Frage nach der Rechtserheblichkeit einer neuen Tatsache oder eines neuen Beweismittels ist grundsätzlich der Zeitpunkt, in dem die Willensbildung des FA über die Steuerfestsetzung abgeschlossen wird, d.h. im Normalfall der Zeitpunkt der abschließenden Zeichnung des Eingabewertbogens (bei EDV-mäßiger Abwicklung der Steuerfestsetzung) oder der Verfügung zum Steuerbescheid (BFH-Urteile vom 13. Juli 1990 VI R 109/86, BFHE 161, 11, BStBl II 1990, 1047, …und vom 20. Juni 2001 VI R 70/00, BFH/NV 2001, 1527; von Wedelstädt in Beermann/Gosch, AO § 173 Rz 29, 47, m.w.N.).
Der Steuerpflichtige muß dann aber seinerseits seine Mitwirkungspflicht erfüllt haben (BFH-Urteile vom 13. Juli 1990 VI R 109/86, BFHE 161, 11, BStBl II 1990, 1047;… in BFH/NV 1993, 496).
Allerdings gilt dies nur dann, wenn der Steuerpflichtige seinerseits die Mitwirkungspflichten erfüllt hat (BFH-Urteil vom 13. Juli 1990 VI R 109/86, BFHE 161, 11, BStBl II 1990, 1047;… BFH-Beschluss vom 28. Februar 2008 IV B 53/07, BFH/NV 2008, 924; BFH-Urteil in BFHE 238, 295, BStBl II 2013, 5, jeweils m.w.N.).
Denn verzichtet die Verwaltung auf die Nutzung ihr leicht zugänglicher Erkenntnisquellen, so fällt dies in ihren eigenen Risikobereich (vgl. BFH-Urteil in BFHE 161, 11, BStBl II 1990, 1047).
Maßgeblicher Zeitpunkt für das nachträgliche Bekanntwerden neuer Tatsachen ist der Zeitpunkt der abschließenden Zeichnung der Verfügung zum Steuerbescheid (ständige Rechtsprechung, vgl. BFH-Urteil vom 13. Juli 1990 VI R 109/86, BFHE 161, 11, BStBl II 1990, 1047;… von Wedelstädt in Beermann, Steuerliches Verfahrensrecht, § 173 AO Rz. 49, m.w.N.).
Kennt eine andere als die für die Bearbeitung des Steuerfalls zuständige Dienststelle die betreffende Tatsache, so ist sie deswegen nicht auch der zuständigen Dienststelle als bekannt zuzurechnen (BFH-Urteile vom 20. Juni 1985 IV R 114/82, BFHE 143, 520, BStBl II 1985, 492 [BFH 20.06.1985 - IV R 114/82]; vom 13. Juli 1990 VI R 109/86, BFHE 161, 11, BStBl II 1990, 1047 [BFH 13.07.1990 - VI R 109/86]; ständige Rechtsprechung).
Bekannt ist der zuständigen Dienststelle der Inhalt der dort geführten Akten, ohne daß es insoweit auf die individuelle Kenntnis des jeweiligen Bearbeiters ankommt (BFH in BFHE 161, 11, [BFH 13.07.1990 - VI R 109/86] BStBl II 1990, 1047 [BFH 13.07.1990 - VI R 109/86]).
Die Änderung eines Steuerbescheides nach § 173 Abs. 1 Nr. 1 AO 1977 ist nach Treu und Glauben ausgeschlossen, wenn dem FA die nachträglich bekanntgewordene Tatsache bei ordnungsgemäßer Erfüllung seiner Ermittlungspflicht nicht verborgen geblieben wäre, sofern der Steuerpflichtige seinerseits seiner Mitwirkungspflicht voll genügt hat (BFG-Urteile vom 13. November 1985 II R 208/82, BFHE 145, 487, BStBl II 1986, 241 [BFH 13.11.1985 - II R 208/82]; in BFHE 161, 11, [BFH 13.07.1990 - VI R 109/86] BStBl II 1990, 1047 [BFH 13.07.1990 - VI R 109/86]).
Der BFH hat hierzu entschieden, daß deren Inhalt die zuständige Dienststelle nur dann als bekannt gegen sich gelten lassen muß, wenn zur Hinzuziehung dieser Vorgänge nach den Umständen des Falles, insbesondere nach dem Inhalt der zu bearbeitenden Steuererklärung oder der präsenten Akten, eine besondere Veranlassung bestand mit der Folge, daß das Unterlassen der Beiziehung eine Verletzung der Ermittlungspflicht nach sich zöge (BFH-Urteile vom 27. September 1963 III 135/61, Höchstrichterliche Finanzrechtsprechung --HFR-- 1964, 89; vom 13. Juli 1990 VI R 109/86, BFHE 161, 11, BStBl II 1990, 1047).
b) Eine Tatsache ist nachträglich bekannt geworden, wenn sie das FA bei Erlass des geänderten Steuerbescheids noch nicht kannte (Urteile des Bundesfinanzhofs --BFH-- vom 18. März 1987 II R 226/84, BFHE 149, 141, BStBl II 1987, 416; vom 29. November 1988 VIII R 226/83, BFHE 155, 259, BStBl II 1989, 259, und vom 13. Juli 1990 VI R 109/86, BFHE 161, 11, BStBl II 1990, 1047).
BFH, 27.11.2001 - VIII R 3/01
Diese Grundsätze hat der BFH in ständiger Rechtsprechung für die Regelung des § 173 Abs. 1 Nr. 1 AO 1977 entwickelt (vgl. z.B. BFH-Urteile vom 13. Juli 1990 VI R 109/86, BFHE 161, 11, BStBl II 1990, 1047, unter 2. a, letzter Absatz; vom 20. Juni 1985 IV R 114/82, BFHE 143, 520, BStBl II 1985, 492, unter 1. b, m.w.N.).
Mit der Einreichung der betreffenden Urkunden zu den Einkommensteuerakten waren die entsprechenden Tatsachen und Beweismittel den zuständigen Bediensteten (Vorsteher, Sachgebietsleiter, Sachbearbeiter;… vgl. z.B. die Nachweise aus der Rechtsprechung des BFH bei Tipke/Kruse, a.a.O., § 173 AO 1977 Tz. 32) vielmehr ohne Rücksicht darauf tatsächlich bekannt geworden, ob sie deren Inhalt bewusst zur Kenntnis genommen, in ihrem Gedächtnis behalten und sich dessen im maßgeblichen Zeitpunkt der Willensbildung betreffend die entscheidungserheblichen Besteuerungsgrundlagen (vgl. oben II. 2. c, aa) bewusst waren oder nicht (vgl. z.B. BFH-Urteil in BFHE 161, 11, BStBl II 1990, 1047, unter 2. b, m.w.N.).
BFH, 10.04.1997 - IV R 47/96
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BFH, 14.11.2007 - XI R 48/06
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