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Timestamp: 2017-01-19 02:47:21
Document Index: 85087372

Matched Legal Cases: ['Art. 65', 'Art. 56', 'Art. 7', 'Art. 5', 'Art. 65', 'Art. 5']

⭐SONDERBUND SEPTEMBER 2015 Tipps und Tricks. Emittenten müssen sich. zusammenraufen
SONDERBUND SEPTEMBER 2015 Tipps und Tricks. Emittenten müssen sich. zusammenraufen
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1 STRUKTURIERTE PRODUKTE SONDERBUND SEPTEMBER 5 Tipps und Tricks Mit strukturierten Produkten lässt sich jede Marktmeinung abbilden. So weit, so gut. Aber einfach ist der Entscheid nicht. Wer weiss schon, wohin die Börse steuert? Ein paar grundlegende Aspekte, die verstanden und hinterfragt werden müssen. SEITE 5 Einfach ist oft besser Die Qual der Wahl Die Kauflust auf strukturierte Produkte hat im ersten Halbjahr zugenommen. Die Aufhebung des Euromindestkurses durch die Schweizerische Nationalbank Mitte Januar brachte die Märkte in Bewegung. Es folgten weitere zeitweilige Korrekturen. Die erhöhte Volatilität stattet viele Zertifikate mit besseren Konditionen aus. Und anders als bei klassischen Anlagen profitieren Investoren bei manchen Produkten auch in Seitwärtsbewegungen. Das Sortiment ist riesig und der Überblick nicht leicht. Der Rat auch da: Kaufen, was man versteht, das Einfache ist oft das Beste. SEITEN, 5, 7 BILDER: HELEN KING/PLAINPICTURE, WALTER BIERI/KEYSTONE, YVON BAUMANN, ZVG () Auf Fintech setzen Mit Financial Technology, dem Einsatz intelligenter Kommunikation im Finanzsektor, entsteht ein neuer Wachstumsmarkt. Tracker-Zertifikate bieten die Chance, am Zukunftsmarkt Fintech teilzuhaben. SEITE Digital auf allen Kanälen Konzeption und Vertrieb von Finanzprodukten beschreiten neue Wege. Digitale Plattformen sind ein Beispiel, wie sich der Kontakt zwischen Kunde, Berater und Bank verändert. SEITE 7 «Nur noch wenige Struki- Anfragen» MARCO FRANCHETTI Was den Bankenombudsman heute beschäftigt. Herr Franchetti, wie viele Anfragen erhält der Bankenombudsman heute rund um strukturierte Produkte verglichen mit der Zeit nach Lehman? In den letzten paar Jahren war das Thema strukturierte Produkte für die Tätigkeit des Bankenombudsman von untergeordneter Bedeutung, mittlerweile spielt es fast keine Rolle mehr. Der Anteil der entsprechenden Anfragen bewegt sich gemessen am Total der unterbreiteten Fälle seit im Promillebereich. Und die Anfragen generell? Nachdem viele Bankkunden in der Finanzmarktkrise massive Werteinbussen und Ausfälle auf ihren Anlagen erlitten hatten, waren der Bankenombudsstelle 8 deutlich über Anfragen unterbreitet worden. Davon bezogen sich 7 allein auf Lehman Brothers. Im Spitzenjahr 9 war die Zahl der Anfragen auf über 7 gestiegen. Seither nahmen die Fallzahlen ab, vergangenes Jahr waren es. Sie liegen aber deutlich über dem langjährigen Schnitt der Vorkrisenjahre. Fortsetzung auf Seite 5 Emittenten müssen sich Philippe Béguelin zusammenraufen EDITORIAL Trotz besserem Marktumfeld und der Aussicht auf moderate Regulierung dürfen sich die Anbieter von strukturierten Produkten nicht zurücklehnen. Das Damoklesschwert ist nicht mehr so bedrohlich, und ein Bremsklotz fällt weg die Branche für strukturierte Produkte kann nach vorne blicken. Gebremst wurde das Geschäft, weil die Kurse am Aktienmarkt kaum schwankten, die Volatilität war jahrelang gering. Bewegt sich die Börse nicht, kaufen kurzfristig orientierte Anleger weniger Hebelprodukte wie Callund Put-Optionsscheine (Warrants). Derweil bieten Anlageprodukte, etwa solche mit Barriere und Coupon (Barrier Reverse Convertibles), bei geringer Volatilität weniger attraktive Konditionen. Mit dem Frankenschock am 5. Januar, als die Schweizerische Nationalbank den Mindestkurs aufhob, und mit den Sorgen um Griechenland, China und die Leitzinserhöhung der US-Notenbank hat die Volatilität zugenommen. Damit ist das Marktumfeld für strukturierte Produkte endlich besser geworden. Zwar gibt es durchaus für jede Marktlage ein passendes Produkt. Doch nicht jedes passende Produkt bietet stets interessante Konditionen. Dank der höheren Volatilität nimmt die Branche Fahrt auf. Was bietet sich in volatilem Umfeld an? Wie vorgehen, wenn die Barriere fällt? Lock-in KEINE ALLZU RESTRIKTIVEN GESETZE Das Damoklesschwert schwebt noch immer über der Branche, aber die Aufhängevorrichtung ist verstärkt worden. Von den Gesetzesvorlagen, die voraussichtlich 6 im Parlament debattiert werden, droht der Branche kein grosses Ungemach. Von einem Verbot gewisser Produkte, wie es die Behörden der EU-Länder gemäss der Finanzmarktrichtlinie Mifid II aussprechen können, ist keine Rede. Belgien hat dermassen strikte Vorgaben eingeführt, dass nützliche Anlageprodukte kaum mehr zu konstruieren sind. Die Finma hege keine solchen Absichten, bestätigte ihr Geschäftsleitungsmitglied Michael Loretan vergangene Woche am jährlichen internationalen Forum der Struki-Branche in Luzern. Natürlich könnte das Parlament noch anders entscheiden, aber die Finma will die besonders strengen Vorschriften für Fonds als kollektive Kapitalanlagen nicht auf die liberaler geregelten strukturierten Produkte übertragen. DERIVATDSCHUNGEL UND GEHEIMNISKRÄMEREI Damit das so bleibt und die Anbieter auch künftig sofort reagieren und neue Produkte lancieren können, etwa wenn die Volatilität zunimmt, steht die Branche in der Pflicht. Nur schon zwei Nebenschauplätze zeigen, wie schwierig es für die Emittenten ist, einen Konsens zu finden. Im März deklarierte der damalige Präsident des Emittentenverbands SVSP die Harmonisierung der Produktnamen zum Ziel. Eigennamen böten dem Kunden keinen Nutzen, sondern sorgten für Verwirrung. Viereinhalb Jahre später gibt es immer noch Defender Vonti und Kick-in Goals, die nichts anderes sind als Barrier Reverse Convertibles. Wie viel Geld in diese Produktgattung investiert ist, bleibt ein Geheimnis. In Deutschland sind es 7,8 Mrd. und damit % des Anlagevolumens in strukturierten Produkten der Emittentenverband DDV publiziert die Zahlen seit 7. Und am Anleihenmarkt wie Obligationen sind strukturierte Produkte rechtlich Schuldverschreibungen ist solche Transparenz seit jeher Usanz. Auch wenn das Damoklesschwert dereinst weg ist und das Geschäft in Schwung kommt, dürfen sich Emittenten nicht zurücklehnen. Sie müssen sich zusammenraufen und vorwärtsgehen. Floored Floater Mini-Futures MAURICE PICARD «Risikopuffer gross genug wählen» «Jetzt kaufen, die Konditionen sind günstig», sagt Maurice Picard vom Finanzdienstleister Picard Angst, «aus Risikogründen mit tieferer Barriere statt hohem Coupon.» SEITEN 8, 9 Regulierungssalat Fast so gross wie die Zahl der Produkte ist die Vielfalt der Regulierungen global, in der EU, gegenüber Drittstaaten und in der Schweiz. Ein roter Faden durch Länder und Instanzen fehlt, was es den Marktakteuren nicht einfach macht. SEITE Wie ein Index entsteht Am Anfang ist eine Idee, dann kommt die Evaluation, welche Titel zum Thema passen. Was sich so einfach anhört, ist akribische Arbeit. Auch wenn nicht jede Neuerung Anklang findet der deutsche Indexanbieter Solactive hat den Dreh gefunden. SEITE 7 Tiefere Barriere In unruhigen, zur Korrektur neigenden Märkten keine Seltenheit: Ein Basiswert durchbricht die Barriere. Was tun? Welche Produkte stehen im aktuellen Umfeld im Fokus? Was sind die Vorzüge von Struki? Welche schützen vor einem Zinsanstieg? Bleiben Barrier Reverse Convertibles des Schweizers liebstes Kind? Experten geben Auskunft. SEITE 6 RETO LIENHARD SINAH WOLFERS FLORIAN STASCH MANUEL MÜGGLER Zürcher Kantonalbank Notenstein Privatbank BNP Paribas (Suisse) Credit Suisse2 <wm>cfwkow6amazftttqjxhdrkrgja7fqm_ef-gxitutbyxkw8tnn6z5viraylsqdwiudxewbmyhcfchmrbsw_fzedlwb_jj_tcfmeonczdzwsfcyxeaaaa=</wm> <wm>casnsjymdqxtunzqznqcaxdjtuw8aaaa=</wm> NICHT NUR MORGEN KANN MAN BEI WENIG BEWEGUNG SCHNELL VORANKOMMEN. WIE WÄRE ES HEUTE SCHON MIT EINEM COUPON VON 6.5% P. A.? SVSP-KATEGORIE: RENDITEOPTIMIERUNG / BARRIER REVERSE CONVERTIBLE / Sie erwarten: Seitwärts tendierende Märkte, an denen es für Sie aufwärtsgeht. Sie möchten einen attraktiven Coupon erzielen und sich zugleich gegen kleinere Kursrückschläge absichern. Ferner gehen Sie davon aus, dass die Aktienkurse während der Laufzeit die Barriere nicht berühren. JETZT INFORMIEREN: + () Ihre Hausbank nimmt Ihre Zeichnung gerne entgegen. Wir bieten: MULTI BARRIER REVERSE CONVERTIBLES AUF INTERNATIONALE BLUE CHIPS Zeichnungsschluss: 8. September 5, : h Coupon p. a.* Währung Basiswerte Barriere* Laufzeit Valor 5.75% CHF Nestlé / Swisscom / UBS 65% Jahr % EUR Société Générale / Daimler/ Orange 5% Jahr % USD Walt Disney / Microsoft / Home Depot 5% Jahr BARRIER REVERSE CONVERTIBLES AUF SCHWEIZER AKTIEN Zeichnungsschluss: 5. September 5, : h Coupon p. a.* Währung Basiswerte Barriere* Laufzeit Valor 7.% CHF Basilea Pharmaceutica 7.5% Jahr % CHF Kaba 77.5% Jahr % CHF Leonteq 67.5% Jahr *Angaben sind indikativ und werden am Fixierungsdatum festgelegt. Emissionspreis (nominal): % (CHF/EUR/USD ). Emittentin: Bank Julius Baer & Co. Ltd., Guernsey Branch / Rating: Moody s A. Vertrieb ausschliesslich in der Schweiz. Diese Publikation dient lediglich Informationszwecken. Die darin enthaltenen Informationen wurden von der Bank Julius Bär & Co. AG zum Zeitpunkt der Redaktion zusammengestellt. Änderungen bleiben vorbehalten. Die Publikation enthält weder Rechts- noch Anlageberatung und stellt kein Angebot bzw. keine Aufforderung zur Tätigung einer Anlage dar. Das Dokument ist weder ein Emissionsprospekt i. S. v. Art. 65 a bzw. Art. 56 OR noch ein Kotierungsprospekt oder Kotierungsinserat i. S. des Kotierungsreglements der SIX Swiss Exchange. Ein Kauf- bzw. Verkaufsangebot bedarf der vollständigen Produktdokumentation, welche bei der Bank Julius Bär & Co. AG bezogen werden kann (Tel. + () , Strukturierte Produkte, Hohlstrasse 6/66, 8 Zürich, Schweiz). Die in dieser Publikation erwähnten Produkte unterliegen Verkaufsbeschränkungen, welche im Basisprospekt bzw. in der Produktdokumentation enthalten sind. Investitionen in derivative Instrumente beinhalten erhebliche Risiken bis hin zur Möglichkeit des Gesamtverlustes des investierten Kapitals. Die bisherige Performance einer Anlage ist kein verlässlicher Indikator für die zukünftige Entwicklung und Performanceprognosen sind keine verlässlichen Indikatoren für zukünftige Ergebnisse. Die Anlageprodukte stellen keine Beteiligung an einer kollektiven Kapitalanlage i. S. des Bundesgesetzes über die kollektiven Kapitalanlagen dar und unterstehen nicht der Aufsicht durch die Eidgenössische Finanzmarktaufsicht (FINMA). Anleger unterliegen dem Konkursrisiko der Emittentin und je nach Währung, in der das Produkt emittiert worden ist, einem Währungsrisiko. Alle Preise sind ohne Gewähr. Die Bank Julius Bär & Co. AG, ihre Tochtergesellschaften und die mit ihr verbundenen Unternehmen lehnen jegliche Haftung für Verluste, insbesondere infolge der Verwendung dieses Dokumentes, ab. Die Bank Julius Baer & Co. Ltd., Guernsey Branch (eine Tochtergesellschaft der Bank Julius Bär & Co. AG, Zürich, die in der Schweiz inkorporiert ist und der Aufsicht der Eidgenössischen Finanzmarktaufsicht FINMA untersteht), ist in Guernsey lizenziert unter dem Bankenaufsichtsgesetz (Bailiwick of Guernsey) von 99 und dem Anlegerschutzgesetz (Bailiwick of Guernsey) von 987. Für die Emission wurde eine Bewilligung gemäss den Verordnungen zur Kontrolle der Aufnahme von Fremdmitteln (Bailiwick of Guernsey) eingeholt. Weder die Guernsey Financial Services Commission noch der States of Guernsey Policy Council übernehmen irgendwelche Haftung für die Bonität der Emission oder für die Korrektheit irgendwelcher Aussagen oder Stellungnahmen. Die Bank Julius Bär & Co. AG ist Mitglied des Schweizerischen Verbandes für Strukturierte Produkte (SVSP). Bank Julius Bär & Co. AG, 5.3 September 5 Strukturierte Produkte Sonderbund der AUTOREN Hanspeter Frey Philippe Béguelin «Finanz und Wirtschaft» Eric Blattmann Bank Vontobel Willi F.X. Bucher Bank Julius Bär André Buck SIX Swiss Exchange Sacha J. Duparc Banque Cantonale Vaudoise Christian Eck Leonteq Enrico Friz Walder Wyss Oliver Gloor Apex Reporting Services Daniel Manser Derivative Partners Robin Lemann UBS Max Lüscher-Marty Institut für Banken und Finanzplanung Martin Raab «Payoff» Heinz-Werner Rapp Feri-Gruppe Steffen Scheuble Solactive Andreas Stocker Commerzbank Thomas Tschudi Notenstein Privatbank Georg von Wattenwyl SVSP Schweizerischer Verein für Strukturierte Produkte Thomas Wulf Eusipa European Structured Investment Products Association IMPRESSUM Sonderbund «Strukturierte Produkte» zur Ausgabe Nr. 7 der «Finanz und Wirtschaft» vom. September 5 Die farbige Welt der strukturierten Produkte Strukturierte Anlageprodukte Anlagevolumen in Mrd. Fr. 5 5 B / F / NL Kommerzielle Anleger Deutschland Institutionelle Anleger Private Anleger Schweiz Bestand in den Kundendepots der Banken seit 9 in Mrd. Fr. in % des Gesamtvermögens (linke Skala) Juli Gross ist die Vielfalt rund 6 Zertifikate werden in der Schweiz gehandelt. Die Vielzahl erklärt sich aus der Zusammensetzung von klassischen Anlagen und Derivaten, woraus sich strukturierte Produkte ergeben. Allein die riesige Palette an Basiswerten erlaubt unermesslich viele Kombinationen, zeit- und situationsgerecht auf die Kundenbedürfnisse zugeschnitten. Fünf Kategorien bringen Ordnung in die Produktfülle: Kapitalschutz, Renditeoptimierung, Partizipation, Anlageprodukte mit Referenzschuldner und Hebelprodukte. Am beliebtesten sind Barrier Reverse Convertibles (BRC) aus der Kategorie Renditeoptimierung, eine Art «umgekehrte» Wandelanleihe. Struki runden Kernanlagen ab und optimieren das Depot. Die gestiegene Volatilität an den Märkten bedeutet höhere Prämien für Optionen und damit bessere Konditionen etwa für BRC. Der Anteil der Zertifikate in den Port folios hat auf rund % zugenommen, verbunden mit einem gesteigerten Handelsvolumen, zumindest im ersten Halbjahr, und einer lebhafteren Emissionstätigkeit. HF 5 5 Aug. Sept. Okt. Nov. Dez. Jan. Febr. März April 5 5 Hebel Mit Referenzschuldner Partizipation Renditeoptimierung Kapitalschutz Diverse Neuemissionen in den letzten Monaten in Tausend Stück Umsatzentwicklung in den letzten Monaten in Mrd. Fr. Der Markt lebt! September Oktober November Dezember Januar Februar März April Mai Juni 5 September Oktober November Dezember Januar Februar März April Mai Juni 5 STRUKI-MARKT SCHWEIZ Das Wechselkursgewitter hat die Dürreperiode beendet. Mit der höheren Volatilität ist die Nachfrage primär der Privatanleger und vorab nach Hebelprodukten gestiegen Quelle: SVSP HERAUSGEBERIN Verlag Finanz und Wirtschaft AG Werdstrasse, 8 Zürich Verleger Pietro Supino REDAKTION Verlag Finanz und Wirtschaft AG Werdstrasse, Postfach, 8 Zürich Telefon 8 58 Fax , Chefredaktor Mark Dittli Leitung Beilagen Hanspeter Frey Art Director Andrea Brändli Produktion Regina Gloor Korrektorat Malgorzata Gajda VERLAG Verlag Finanz und Wirtschaft AG Werdstrasse, Postfach, 8 Zürich Telefon 8 58 Fax , Verlagsleiter Walter Vontobel Anzeigen Tamedia AG, Anzeigen-Service Finanz und Wirtschaft, Postfach 8 Zürich, Telefon Abonnemente Telefon Fax 69, TECHNISCHE HERSTELLUNG DZZ Druckzentrum Zürich AG Werdstrasse, 8 Zürich André Buck Der Frankenschock vom 5. Januar hat dem Markt für strukturierte Produkte die lang ersehnte Liquidität in Form einer erhöhten Nachfrage nach Hebelprodukten gebracht. Die von rekordniedrigen Zinsen und Volatilitäten geprägte «Dürreperiode» hat damit ein jähes Ende gefunden. Sämtliche Marktakteure in diesem Segment stellten wohl mit Erleichterung fest: Die Privatanleger sind zurück, der Markt lebt. Bei SIX Structured Products manifestierte sich dies in einer höheren Anzahl Handelsabschlüsse bei geringerer Transaktionsgrösse. Letztere verringerte sich nach besagtem Datum um rund 5%, von durchschnittlich auf weniger als 5 Fr. Das Phänomen erhöhter Volatilität in den Basismärkten und eines primär von den Privatanlegern getriebenen, intensivierten Handels war schon zu beobachten. Nur hatte sich der Effekt damals schnell verflüchtigt. Im Gegensatz dazu blieb die Volatilität 5 zumindest in dem für die Hebelprodukte wichtigen Schweizer Aktienmarkt über Monate auf einem ansprechenden Niveau um die 6% (VSMI), womit auch die Privatanleger anhaltend aktiv blieben. So verzeichnete die Börse bis Juli rund % mehr Abschlüsse und 6% mehr Umsatz als in der Vorjahresperiode. TRACKER AUF DIVIDENDEN Eine weitere Begleiterscheinung der erhöhten Volatilität ist der durch Barriereverletzungen begründete vorzeitige Verfall zahlreicher K.o.-Warrants, Mini-Futures und Autocallables. Allein am 5. Januar gab es etwa 7 Barriereverletzungen und 5 frühzeitige Verfälle. Sie trugen dazu bei, dass bei der Börse bis Ende Juli rund 7% mehr Kotierungsanträge eingereicht wurden als im Vorjahreszeitraum nicht nur für die Ersatzkotierung verfallener Produkte, sondern teils auch für innovative Portfolioerweiterungen der Emittenten. Speziell seien hier die Tracker-Zertifikate auf Dividenden oder Dividenden- Spreads genannt. Eines davon wurde dieses Frühjahr auch mit einem der begehrten Swiss Derivative Awards prämiert. Mit den ebenfalls im Januar eingeführten Negativzinsen der SNB müssen die Emittenten flexibel bleiben. Die Verwendung der risikobehafteten Anleihe eines Drittschuldners (Referenzanleihe) ist ein bereits etablierter Mechanismus, um die Partizipationsrate und die Coupons einer Struktur zu steigern. Auf SIX Structured Products sind derzeit 7 solche Zertifikate mit Referenzanleihe handelbar, sämtliche mit einem bedingten Kapitalschutz (d. h., der Kapitalschutz per Verfall gilt, sofern es nicht zum Ausfall des Referenzschuldners kommt). MIT COSI BESSERE RENDITE Neu werden wieder vermehrt Zertifikate auf Baskets von Kreditrisiken respektive von bis zu fünf Referenzanleihen kotiert. Ausserdem wird zusehends auf Anleihen tieferer Güte zurückgegriffen, um die gewünschte Renditesteigerung und die Eigenschaften des strukturierten Produkts überhaupt noch finanzieren zu können. Es erstaunt daher nicht, dass ein Grossteil der Zertifikate mit Referenzanleihe als Cosi (Collateral Secured Instruments) ausgestaltet wird. Bei Cosi fordert SIX als vertrauenswürdige, neutrale Instanz vom Emittenten respektive von einem ernannten Sicherungsgeber ein Pfand im Gegenwert des ausgegebenen Produkts ein. In der Folge Frankenschock als zündender Funke in Mrd. Fr. 8 6 Handelsvolumen Abschlüsse werden sowohl das Pfand als auch das Produkt börsentäglich bewertet und eine allfällige Wertdifferenz über Pfandforderung oder -rückgabe ausgeglichen. Kommt es zum Ausfall des Emittenten, wird das Pfand verwertet und anteilig an die Anleger ausgeschüttet. Im Falle der angesprochenen Zertifikate mit Referenzanleihe(n) kann mit Cosi das Emittentenrisiko minimiert werden, während das Kreditrisiko des Referenzschuldners bestehen bleibt. Im Portfoliokontext können unliebsame Kreditrisiken mit Cosi-Produkten einfach substituiert oder diversifiziert werden. Derzeit sind 66 respektive 78% der 7 handelbaren Zertifikate mit Referenzanleihe mit dem Cosi-Feature ausgestattet. Was die Entwicklung des Cosi-Segments insgesamt angeht, hält die eingangs erwähnte Dürreperiode an: Das Segment hat sich seit seiner Blüte Mitte etwa halbiert. Derzeit sind rund 5 Cosi-Produkte (knapp % aller Anlageprodukte auf SIX Structured Products) mit einem hinterlegten Pfandvolumen von,5 Mrd. Fr. handelbar. Angesichts des wiedererstarkenden Anlegervertrauens kam der Rückgang nicht überraschend, handelt es sich bei Cosi doch um eine antizyklische Produkteigenschaft. Problematisch wirken sich in diesem Zusammenhang jedoch die tiefen Zinsen aus, die wohl zahlreiche Investoren dazu verleiten, Anzahl Abschlüsse in Mio. Jul Aug Sept Okt Nov Dez Jan 5 Febr 5 Mrz 5 Apr 5 Mai 5 Jun 5 Jul 5 Quelle: SIX Swiss Exchange / Grafik: FuW, ls 6 5 «Bis Juli verzeichnete die Börse rund % mehr Abschlüsse und 6% mehr Umsatz als in der Vorjahresperiode.» die Kosten der Cosi-Besicherung zugunsten einer höheren Rendite einzusparen. Da setzt die potenziell kostengünstigere Alternativlösung TCM by SIX an. Die im Jahr lancierte Besicherungslösung bietet den Emittenten einige Flexibilität in der Ausgestaltung der sicherheitsrelevanten Aspekte. So können zumeist gleich die Basiswerte der zu besichernden Produkte als Pfand hinterlegt werden, womit die Besicherung fast kostenneutral umgesetzt werden kann. Dafür muss der Anleger in TCM-Produkten aber gewisse Abstriche gegenüber der Cosi-Pfandbesicherung hinnehmen. TCM ist für professionelle Marktteilnehmer gedacht, während sich Cosi speziell für den Privatinvestor eignet. SIX vollzieht diese Segmentierung dadurch, dass TCM-Produkte für den institutionellen OTC-Handel auf der bilateralen Handelsplattform XBTR vorgesehen sind. WEITERE HANDELSTEILNEHMER Der OTC-Handel liefert auch das Stichwort für den Ausblick: Mit Leonteq konnte im Frühjahr der erste grosse Emittent für XBTR angebunden werden. Das Ziel ist, bis Ende Jahr weitere Handelsteilnehmer und handelbare Produkte an die Plattform anzubinden. XBTR schliesst eine Angebotslücke im Handel mit strukturierten Produkten. Mit XBTR können nicht kotierte, sogenannte OTC-Produkte mit der gleichen Effizienz wie kotierte Produkte gehandelt und verarbeitet werden. Die Plattform richtet sich an professionelle Marktteilnehmer aus dem Interbankengeschäft. André Buck, Head Sales SIX Swiss Exchange4 Punkten Sie mit Swiss DOTS Faktor-Zertifikate für 9 CHF/USD/EUR flat Unser gesamtes Swiss DOTS-Produktangebot finden Sie auf AbsofortsindaufderausserbörslichenHandelsplattformSwissDOTS(einAngebotderSwissquoteBank)Faktor-Zertifikatehandelbar. IneinemerstenSchrittemittiertedortdieCommerzbankProdukte aufschweizer, europäischeundamerikanischebluechips. Auch Papiere aufschweizernebenwerte sowie diverse internationale Indizes wird die Palette künftig umfassen. Die Produktpalette wird in den kommenden Wochen und Monaten stetig ausgebaut werden. Zusätzlich bietet die Commerzbank auch Classic Turbo-Zertifikate (Knock-Out Warrants), Unlimited Turbo-Zertifikate (Mini-Futures) und Best Turbo-Zertifikate auf Swiss DOTS an. In Zusammenarbeit mit SWISS5 September 5 Strukturierte Produkte Sonderbund der 5 Was Einsteiger auch noch wissen müssen LEITFADEN Mit Struki, so wird verheissen, lassen sich jede Marktmeinung und jedes Risikoprofil abbilden. So weit richtig aber ganz so einfach ist es nicht. Wer weiss schon, wohin die Börse geht? Und man sollte ein paar grundlegende Mechanismen verstehen und hinterfragen. Max Lüscher-Marty Wer outet sich schon gerne als Spekulant? Ob man es wahrhaben will oder nicht: Strukturierte Produkte sind in erster Linie Tradinginstrumente. Wer Struki kauft, spekuliert. Spekulanten versuchen, kurzfristige Kursänderungen vorherzusagen und davon zu profitieren. Genau das ist das Konzept, auf dem Struki beruhen. Daran ist an sich nichts Anrüchiges. Struki-Einsteiger müssen einfach wissen, dass sie vorab als Trader agieren. Investoren tun etwas ganz anderes: Sie wollen sich zu vernünftigen Preisen langfristig an Unternehmen beteiligen. Echte Investoren kaufen keine Struki und wenn schon, dann zur Absicherung. «Struki-Einsteiger müssen wissen, dass sie vorab als Trader agieren.» Struki werden auch von Retailbanken aktiv vertrieben. Ein via Kantonal-, Regional- oder Raiffeisenbank erworbenes Produkt wird dadurch nicht risikoärmer. Im Gegenteil, es besteht eine erhöhte Gefahr, dass sich Struki in Kundendepots verirren, die dort nichts zu suchen haben. WEITES ANLAGESPEKTRUM Strukturierte Produkte beziehen sich auf einen oder mehrere Basiswerte, das sogenannte Underlying. Sie decken ein weites Spektrum an Finanz- und Rohstoffprodukten ab. Das birgt verständlicherweise Chancen und Risiken zugleich. Das grösste Risiko besteht darin, dass sich Einsteiger aber auch gestandene «Strukianer» auf Themen einlassen, die ihnen fremd sind. Struki-Einsteiger halten sich mit Vorteil an Produkte, die sich auf heimische Aktien oder -indizes beziehen. Aber auch dann gilt: Hände weg von Aktien (Basiswerten), deren Kursgeschichte und/oder Geschäftsmodell man zu wenig oder gar nicht kennt. Wer Schritt für Schritt vorgeht und sich gut informiert, kennt sich rasch aus. STRUKI SIND KOMPLEX Strukturierte Produkte und mithin ihre Preisbildung lassen sich kaum intuitiv erfassen. Wer sich darauf einlässt, sollte der Spur nach wissen, welche Kräfte die Preisbildung bestimmen. Bei Struki mit Optionscharakter ihr Pay-off-Diagramm weist einen Knick auf sind dies der aktuelle Kurs des Basiswerts (Basiswertkurs), der Ausübungspreis, die Restlaufzeit und, in Abhängigkeit davon, der risikolose Zins sowie die Breite der historischen oder der erwarteten Schwankungen des Basiswertkurses (Volatilität). Ist das Underlying eine Aktie oder ein -index, spielt zudem die erwartete Dividende eine preisbestimmende Rolle. Und: Eingebaute Barrieren oder etwa vorzeitige Produktfälligkeit sind Einflussfaktoren, die das Verständnis der Preisbildung weiter erschweren. BILD: KAI JABS/PLAINPICTURE TIPPS UND TRICKS Hebelprodukte generieren einen Lern effekt. Einsteiger sollten es zunächst mit Call- und Put-Warrants versuchen. Das Verlustrisiko ist auf den Kapitaleinsatz (Optionspreis) begrenzt. Steigt (Call) oder sinkt (Put) das Underlying stärker als der Optionspreis, winkt per Verfall gemessen am Kapitaleinsatz ein schöner Gewinn. Grund ist der Hebeleffekt; der Optionspreis macht bloss einen Bruchteil des Basiswertkurses aus. Wer die Preisentwicklung eines gekauften Call oder Put-Warrant täglich beobachtet, versteht, wie die wichtigsten Einflussfaktoren den Optionspreis bestimmen. Mini-Futures (Long, Short) sind womöglich die besseren Hebelprodukte. Die Preisbildung ist leichter nachvollziehbar, Bewegungen des Basiswerts schlagen eins zu eins auf den Preis durch. Knock-out Warrants sind im Grunde überflüssig es gibt ja Mini-Futures, Constant-Leverage-Zertifikate sind eine ziemlich unnötige Spielerei. Partizipationsprodukte schaffen (zu) wenig Mehrwert. Partizipationsprodukte machen die Entwicklung des Basiswerts eins zu eins mit (Tracker-Zertifikate), generieren eine partielle Überperformance (Outperformance- Zertifikate) oder bieten bei sinkendem Basiswert einen begrenzten Kapitalschutz (Bonuszertifikate). Twin-Win-Zertifikate erlauben bei sinkendem Basiswert gar einen Zwischengewinn. Wichtig: sich nur auf Basiswerte einlassen, in die man aus Überzeugung auch direkt investieren würde. Bei mehreren Basiswerten muss jeder das genannte Kriterium erfüllen. Wer sich später beschwert, er habe Titel angedient erhalten, die er nicht wolle, ist selbst schuld. Bei Bonuszertifikaten gilt: Ein hoher Bonus ist ein Indiz für ein hohes Andienungsrisiko und allenfalls für entgangene Dividenden. Im Finance ist nichts gratis. Im Vergleich zu einem Direktinvestment VOLATILITÄTSPAPIERE Strukturierte Produkte Mini-Futures, Knock-out Warrants oder etwa Tracker- Zertifikate ausgenommen sind Volatilitätspapiere. Die Volatilität bzw. das Kursänderungsrisiko ist ein wichtiger Preisbildungsfaktor. In ruhigen (sorglosen) Märkten gelten tiefe Call- bzw. Put- Preise. Macht sich an den Märkten dagegen Unruhe breit, steigen die Call- bzw. die Put-Preise. Ein einfaches Beispiel: Eine At-the- Money-Call-Option (Ausübungspreis und Basiswertkurs = Fr.) mit einer Restlaufzeit von neunzig Tagen kostet rund Fr., wenn ein Kursänderungsrisiko (Jahresvolatilität) von +/ 5% eingepreist schaffen Partizipationsprodukte womöglich zu wenig Mehrwert. Renditeoptimierungsprodukte sind wohl die besten Struki. Renditeoptimierungs produkte (Reverse Convertible, Discount-Zertifikat) sind etwas für Zauderer. Sie generieren einen bestimmten Ertrag (Coupon, Aufgeld). Er steht dem Käufer auch dann zu, wenn die Limite (Ausübungspreis, Barriere) verletzt wird. Wird der Basiswert angedient, kann sich der Käufer damit trösten, dass er ihn mit einem Rabatt erworben hat. Im Übrigen gilt das Gleiche wie für Partizipationsprodukte: auf Underlyings verzichten, in die man nicht ohnehin investieren würde. Kapitalschutzprodukte braucht es nicht wirklich. Wer sich mit Calls und Puts ein wenig auskennt, braucht sie nicht. Man reserviere einen bestimmten Betrag (z. B. Fr.), lege den Kapitalschutz fest (z. B. 98% bzw. 98 Fr.) und investiere je nach Markteinschätzung Fr. in Call- oder Put- Warrants. Einschränkend gilt, dass in einem Nullzinsumfeld ein Kapitalschutz von % nicht möglich ist. 5Wer nichts zu sagen hat, sagt es auf Englisch. Callable, Autocallable, Capped Participation, Conditional Coupon, Inverse Barrier Convertible Das ist eine Auswahl von Anglizismen, die nicht wirklich ge eignet sind, das Vertrauen in Struki zu fördern. Diese sind schon komplex genug. Zusatz - bedingungen erschweren den Durchblick. Struki-Inserate mit zu vielen Anglizismen gehören in die Papiersammlung. «Wer nichts zu sagen hat, sagt es auf Englisch.» Dieser Ausspruch von Walter Krämer trifft zwar was Struki angeht nicht mitten ins Schwarze. Als Denkanstoss eignet er sich allemal. wird. Bei doppelt so hohem Kursänderungsrisiko (+/ %) ergäbe sich unter sonst gleichen Bedingungen ein Call- Optionspreis von nicht weniger als 6 Fr. Im aktuellen Nullzinsumfeld gelten für Atthe-Money-Put-Optionen praktisch die gleichen Optionspreise ( bzw. 6 Fr.). Max Lüscher-Marty, Autor, Dozent und Leiter des Instituts für Banken und Finanzplanung, Zizers Risikokennzahl fördert Transparenz VALUE AT RISK Jedes kotierte strukturierte Produkt ist mit einer Kennzahl versehen, die das zugrundeliegende Risiko misst. Hanspeter Frey Für eine bessere Transparenz von strukturierten Produkten versieht der schweizerische Branchenverband SVSP seit drei Jahren jedes kotierte Produkt in der Schweiz mit einer Risikokennzahl. Das Risikomass ist der in der Finanzwelt weit verbreitete Value at Risk (VaR). Er beschreibt den Verlust, der innerhalb einer bestimmten Haltedauer in diesem Fall sind es zehn Tage mit einer vorgegebenen Wahrscheinlichkeit bei der vorliegenden Methode 99% nicht überschritten wird. Konkret heisst das: Ein VaR von beispielsweise % drückt aus, dass bei einer Investition von Fr. der Verlust beim erwähnten Szenario (Wahrscheinlichkeit und Zeitraum) nicht mehr als Fr. betragen wird. Selbstverständlich kann er auch geringer sein beziehungsweise es kann auch überhaupt kein Verlust eintreten. Zehn Tage wurden gewählt, damit der Investor bei einem hohen oder stark steigenden VaR das Produkt allenfalls veräussern kann. Berechnet wird die Kennzahl börsentäglich und ist damit stets aktuell. Systematisch untersucht wird für jedes handelbare Produkt nach Börsenschluss, wie sich die Risikofaktoren (Volatilität, Zinsen, Preis des Basiswerts) verändert haben und wie sich dies auf den Wert des Zertifikats oder des Portfolios auswirkt. Die Resultate sind am nächsten Tag vor Börseneröffnung verfügbar und können auf der Verbandswebsite abgerufen werden. Sie stehen auch anderen Marktteilnehmern für ihre Plattform zur Verfügung. Zusätzlich hat der Branchenverband sechs Risikostufen geschaffen, um den Value at Risk respektive das Sechs Risikostufen Risikoklasse/Risiko Vergleichbar mit tief Geldmarkt, Sparkonto moderat Obligationen mittel Gemischtes Portfolio Obligationen/Aktien erhöht Blue-Chip-Aktien 5 hoch Small-/Mid-Cap-Aktien, Emerging Markets 6 sehr hoch Optionen (Hebelprodukte) Quelle: SVSP Marktrisiko der einzelnen Produkte besser einordnen zu können. Sie reichen von («tief») bis 6 («sehr hoch»). Das SVSP Risk Rating umfasst jedes in der Schweiz kotierte Produkt und vergleicht das jeweilige Risiko mit dem Profil von anderen Anlageklassen. «Sehr hoch» entspricht beispielsweise dem Risiko von Optionen, «moderat» dem von Obligationen guter Schuldnerqualität (vgl. Tabelle). Abstufung und Zuteilung (Intervalle) werden durch eine unabhängige Risikokommission regelmässig überprüft und basierend auf einem festen Regelwerk gegebenenfalls angepasst. Dieses Vorgehen ist not wendig, um dem jeweiligen Marktgeschehen Rechnung zu tragen, denn die VaR-Werte steigen oder fallen in nervösen oder ruhigen Märkten. Bei statischen Intervallen könnten im Extremfall zum Beispiel Renditeoptimierungsprodukte mit dem gleichen Risiko wie Hebelprodukte in der Risikoklasse 6 eingeordnet werden. Durch die periodische Überprüfung der Value-at-Risk-Intervalle wird sichergestellt, dass die Marktrisiken einzelner Produkte relativ zueinander im richtigen Verhältnis dargestellt sind. RUND 9 BRIEFE VON NEUN US-PRÄSI DENTEN, DIE ALLE SEINEN RAT WOLLTEN, ERHIELT DER BÖRSIANER BERNARD BARUCH (87 965).6 Keine Investition ist % sicher. Ausser die in Ihr Wissen. BIS 7.9. REGISTRIEREN UND TRAINIEREN. Investor-X. Das Börsenspiel der FuW mit % Risiko. Investieren Sie in Ihr Wissen: Lernen Sie alles über das Handeln mit Wertpapieren und gewinnen Sie Preise im Gesamtwert von CHF 5 Jetzt unter Hauptsponsor: Co-Sponsoren:7 September 5 Strukturierte Produkte Sonderbund der 7 Digitalisierung auf allen Kanälen STRUCTURING-PLATTFORMEN Konzeptions- und Vertriebskanäle sind im Umbruch, Fintech ist das zweischneidige Stichwort. Eine Analyse zur Zukunft der Branche. Martin Raab und Daniel Manser Die Finanzwelt formiert sich gerade neu. Auch im Segment der strukturierten Produkte gibt es Veränderungen sichtbar und unsichtbar. Deutlich wahrnehmbar ist die massive Digitalisierung in der Konzeption und im Vertrieb von strukturierten Finanzprodukten. Galten Online-Werkzeuge für die massgeschneiderte Strukturierung bis vor fünf Jahren als Prestigeapplikation mit Spielzeugcharakter, sind diese Plattformen heute im täglichen Einsatz für breite Kundensegmente. In der Branche ist Fintech, das hippe Stichwort für digitale Finanztechnologie, bereits Business as usual. Bei manchem Emittenten generiert die digitale Plattform schon bis zu einem Drittel des Absatzes. Mithilfe von Structuring-Plattformen können Anleger ihre Wunschprodukte massschneidern je nach Institut bereits ab Fr. Parameter wie Laufzeit, Basiswerte, Währung und Produkttyp müssen nicht mehr «ab Stange» gekauft werden. Ein Mausklick, und das Produkt ist binnen zweier Arbeitstage im Kundendepot verbucht. Auf Wunsch kann es sogar an der SIX Structured Products Exchange kotiert werden. PATCHWORK-FAMILIEN IN MODE Auf welcher Plattform der Kunde die Konstruktion vornimmt, ist nicht mehr in Stein gemeisselt: Viele Emittenten haben vor rund zwei Jahren begonnen, die Exklusivität ihrer digitalen Maschinen zu überdenken. Im Fachjargon wird diese Öffnung als Multi-Issuer-Plattform tituliert: die übergreifende Aufschaltung unterschiedlicher Emittenten auf einer «gemeinsamen» Plattform. Ein Beispiel ist «Wo der Kunde sein Produkt konstruiert, ist nicht mehr in Stein gemeisselt.» Deritrade von Vontobel, wo Anleger bei der Online-Strukturierung ihres Wunschprodukts zwischen sieben Emittenten wählen können. Vergleichbarkeit und Diversifikation stehen im Vordergrund, sind doch alle sieben letztlich Konkurrenten. Das schlägt grundsätzlich positiv auf die Spreads durch und sichert kompetitive Pricings. Ein Manko ist nach Angaben am Markt einzig, dass die Order Flows teils erheblich ungleich verteilt sind. Ein ähnliches Konzept steht hinter dem Constructor, der Multi-Issuer-Plattform von Leonteq. Im Unterschied zu Deritrade hat Leonteq als Nicht-Bank kein Kreditoder Finanzierungsgeschäft und reicht die Mittel aus den Struki-Emissionen an das Treasury der Plattformpartner weiter. So stehen den Kunden von Leonteq, die eng mit der Raiffeisen-Gruppe verbunden ist, verschiedene Gegenparteien von Helvetia bis zur Finanzgruppe DBS aus Singapur für die Strukturierung massgeschneiderter Produkte zur Verfügung. Bislang sind keine expliziten Mitbewerber auf dem Constructor zu finden, doch das wird sich ändern: In wenigen Monaten will die Deutsche Bank darauf Produkte kreieren und emittieren, während Leonteq die technische Infrastruktur bereitstellt und diese Produkte an ihre Kunden vertreibt. Die vollständige Kooperation möchte die Deutsche Bank bis 7 etabliert haben. Zusätzlich befinden sich J. P. Morgan, BMO und Swiss Life als Plattformpartner auf der Liste. Zu den jüngsten Kräften bei Multi- Issuer-Plattformen gehört PrimeGate, hinter der die Commerzbank steht. In Deutschland wird das Portal bereits im DIGITALE TRENDS AUF EINEN BLICK Fintech ist in der Strukturierte- Produkte-Welt kein Neuland. Bereits seit einigen Jahren sind alle führenden Institute mit digitalen Structuring- Plattformen präsent. Der jüngste Trend sind Multi-Issuer-Marktplätze, also Plattformen, die mehrere in Konkurrenz stehende Produktemittenten vereinen. In der Schweiz ist Derinet (Bank Vontobel) die älteste Multi-Issuer- Plattform. In Zukunft öffnet sich auch der Constructor (Leonteq Securities) verstärkt zu einer Art Multi-Plattform. Der Newcomer PrimeGate (Commerzbank) will im vierten Quartal die Multi-Issuer-Plattform in der Schweiz in Betrieb nehmen. Parallel gibt es in der digitalen Vermögens verwaltung noch grosses Potenzial im Bereich der Nutzung und der Einbindung strukturierter Finanz anlagen sowohl bei Delta-One-Produkten (entwickeln sich quasi eins zu eins zum Basiswert) als auch Hedging- Instrumenten. Gerade bei Actively Managed Certificates (AMC) bieten sich mit einer smarten Integration in strategiebezogene Finanzapplikationen grosse Vorteile. Private Banking der Bank genutzt. In der Schweiz ist das Roll-out bis Ende 5 geplant. Derzeit läuft das Onboarding von zusätzlichen Emittenten neben der Commerzbank selbst auf Hochtouren. Viele Perspektiven ergeben sich durch eine intelligente Aufbereitung der Daten aus Hunderten von Konstruktionen, die jeden Tag von Investoren kreiert, verfeinert und bepreist werden. Sie könnten Anlegern vielfältige Inspirationen liefern oder abschrecken, das zu kaufen, was die Masse kauft. Umgekehrt sind die Do-it-yourself- Derivatbaukästen ein ideales Zielsystem für Fintech-Applikationen, in denen der Anleger Marktszenarien oder Kursbewegungen selbst analysieren kann. Gibt es keine anspruchsvollen Instrumente, um auf das erwartete Szenario renditebringend zu reagieren, kann sich der Investor per Mausklick das passende Produkt generieren lassen. Auch für den Trend zur standardisierten Vermögensverwaltung macht die Integration von massgeschneiderten Struki Sinn noch hat das aber keiner der Fintech-Entrepreneurs erkannt. VIEL POTENZIAL ETWA BEI AMC Leider werden auch in der Schweiz zunehmend Kunden unter dem Stichwort Anlageplattform mit teils ordinären Schablonen in standardisierte Portfolios gelotst. Hauptargument: ein Kostenvorteil. Doch was ist mit der Leistung? Ein gutes Beispiel des unausgeschöpften Potenzials für smarte Fintech-Plattformen sind aktiv gemanagte Zertifikate. Diese AMC (Actively Managed Certificates) bieten die Partizipation an regelbasierten Anlagestrategien. Sie werden allerdings nicht von Hobby- Tradern gemanagt, sondern basieren auf einem professionellen Investment-Setup. Je nach Kundensegment, Markterwartung und Regionen- bzw. Sektorfokus könnten diese Produkte eine wertvolle Ergänzung zu passiven Ultra-Low-Cost- Core-Produkten darstellen. Clevere Ideen für die gezielte Integration oder das Structuring von AMC im Rahmen von digitalen Vermögensverwaltungsplattformen haben grosses Potenzial als positiver «Disruptor» in einer sich stark wandelnden Finanzwelt. Martin Raab ist Executive Director und Chefredaktor «Payoff» und Daniel Manser CEO von Derivative Partners Volatilität als Renditequelle TREFFENDE ANLAGE Volatile Basiswerte bieten attraktive Investitionsmöglichkeiten mit überschaubarem Risiko. Info-Quellen WISSENSCHAFT Via Multitouch Screen zum richtigen Produkt. Thomas Tschudi Optionspreise sind das Produkt vieler Einflussfaktoren, unter anderem des Zinsniveaus, der Laufzeit und der erwarteten Ausschüttungen. Der wichtigste Faktor der Preisbestimmung ist jedoch die implizite Volatilität des verwendeten Basiswerts. Begrifflich werden zwei Arten von Volatilität unterschieden: Die realisierte oder historische Volatilität ist eine statistische Grösse und zeigt, wie stark die Kursschwankungen in der Vergangenheit ausfielen. Die implizite Volatilität gibt an, welche Schwankungen für die Zukunft erwartet werden je grösser ihr erwarteter Wert, desto teurer sind Optionen, und umgekehrt. Normalerweise ist die implizite Volatilität höher als die schliesslich realisierte. Der Optionspreis enthält eine Risikoprämie, weil der Verkäufer noch nicht weiss, wie stark die Wertschwankungen über die Laufzeit sein werden. Dieser Zuschlag ist vergleichbar mit den Prämien im Versicherungsmarkt. DIE KONSTANTE VOLATILITÄT Bei genauerer Betrachtung der Volatilitätsentwicklung ist zu erkennen, dass sich die implizite Volatilität immer wieder dem historischen Mittelwert annähert (vgl. Grafik des CBOE Volatility Index, Vix, des bekanntesten Volatilitätsindex): Der Durchschnitt variiert zwar in den betrachteten Fünfjahresperioden, pendelt jedoch stets um den Richtwert von. Trotz starken kurzfristigen Ausschlägen wegen externer Einflüsse, beispielsweise des Platzens der Dotcom- Blase oder des Lehman-Kollapses, tendiert die implizite Volatilität längerfristig zum angestammten Mittelwert. In der Finanzwelt werden die Volatilitätsindizes einerseits als «Fieberthermometer» wahrgenommen, andererseits kann das Wissen um das Prinzip der Mean Reversion dem Anleger mit dem Einsatz von strukturierten Produkten alternative Renditequellen erschliessen: In Phasen «Auch risikoaverse Anleger können investieren, durch Beimischung eines Produkts, das eine geringe Sensitivität zum Basiswert hat.» Erwartete Schwankungsbreite des US-Aktienindex S&P 5 CBOE Volatility Index (Vix) Durchschnittliche implizite Volatilität in 5-Jahres-PWerioden Quelle: Bloomberg / Grafik: FuW, sm hoher Volatilität macht die statistisch wahrscheinliche Rückkehr zum Durchschnitt den mittelfristigen Verkauf von Optionen lohnenswert. Das wirtschaftspolitische Umfeld schränkt Investoren gegenwärtig merklich in ihren Entscheiden ein. Die expansive Geldpolitik hat die Zinsen auf rekordniedrige Werte gesenkt. In der Schweiz bewegt sich das Zielband der SNB seit der Aufhebung der Eurountergrenze zwischen,5 und,5%. Ein Investor kann mit soliden Schuldpapieren erst ab einem Anlagehorizont von fünfzehn Jahren mit einer positiven Rendite rechnen. Für Mehrwert ist die Beimischung zusätzlicher Risiken unumgänglich. Unter diesen Voraussetzungen bieten Aktien zurzeit meist einen höheren Ertrag als Festverzinsliche. Doch Dividendentitel sind deutlich schwankungsanfälliger. Wer allfällige Kursverluste nicht zu tragen bereit ist, sollte deshalb weitere Möglichkeiten in Betracht ziehen. Bestimmte Renditeoptimierungsprodukte bieten diesbezüglich eine interessante Alternative. Dazu zählen Barrier Reverse Convertibles (BRC), die den Kauf einer festverzinslichen Anlage mit dem Verkauf einer Option auf eine Aktie oder einen anderen Basiswert verbinden. Letzterer ist dabei bis zu einem gewissen Barrierewert abgesichert. Eine grössere implizite Volatilität wird aufgrund der angesprochenen Mean Reversion als Anzeichen eines günstigen Chancen-Risiko-Verhältnisses gewertet und führt bei der Ausgestaltung der Produktkonditionen zu einem höheren Coupon, einer tieferen Barriere und einem grösseren Discount. AUCH FÜR RISIKOAVERSE Attraktive Möglichkeiten ergaben sich so jüngst etwa im Erdöl: Das Überangebot und die erwartete Steigerung der iranischen Fördermenge nach dem Ende der Wirtschaftssanktionen haben den Erdölpreis kräftig unter Druck gesetzt. Mutige Anleger konnten sich die Situation zunutze machen und auf Produkte setzen, die die angesprochenen attraktiven Konditionen bezüglich Coupon, Barriere und Laufzeiten anbieten. Ähnlich vorteilhafte Investitionen konnten mit Goldminenaktien im Anschluss an den fortschreitenden Goldpreiszerfall oder mit deutschen Autobauern in den Wochen nach der Yuan abwertung erzielt werden. Auch risikoaverse Anleger können in BRC mit kurzer Laufzeit investieren, indem sie ihrem Depot ein Produkt beimischen, das dank dem Verzicht auf hohe Coupons eine tiefe Barriere hat und so eine geringe Sensitivität gegenüber dem Basiswert aufweist. Die Schwankungsanfälligkeit des Produkts ist damit gedämpft, es vereint Stabilität mit Rendite. Solche Titel haben sich gemäss einer Studie des Swiss Finance Institute (SFI) für risikoscheue Investoren bezahlt gemacht: Im Zeitraum von bis Frühling wiesen BRC mit einer Barriere von 6% und tiefer in 98% der untersuchten Fälle eine positive Rendite auf. Thomas Tschudi, Leiter Beratungsmandate und Strukturierte Produkte, Notenstein Privatbank Neue Technologien erleichtern das Verständnis von Finanzprodukten und ihren zielgerichteten Einsatz. Digitale Plattformen verschiedener Emittenten wie zum Beispiel der Public Constructor von Leonteq, das etrading-pro der Zürcher Kantonalbank und Deritrade der Bank Vontobel kommen diesem Anspruch nahe und sind teils öffentlich zugänglich. Eine wertvolle Hilfe zu Funktion und Nutzen von strukturierten Produkten liefert auch die Website des Branchenverbands SVSP (www.svsp-verband.ch), unter anderen mit einem interaktiven Lernmodul, Wissensfilmen und diversen Publikationen. Eine weiter gehende Variante bisher allerdings erst in einer Demoversion ist das Programm EDIT des Swiss Design Institute for Finance and Banking (SDFB). Es ist ein Tool für das Beratungsgespräch der Zukunft (www.sdfb.ch/de/ projekte/edit/demo). Berater und Kunde sitzen an einem Tisch mit integriertem Multitouch-Bildschirm. Interaktiv können darauf alle möglichen Marktsituationen simuliert und ihre Auswirkungen auf die jeweiligen Zertifikate dargestellt werden. Das Programm entwirft ein Profil von finanziellen Verhältnissen, Zielen und Risikotoleranz des Kunden. Darauf aufbauend lassen sich wie mit anderen Tools Produkte massschneidern, immer im Kontext des Gesamtportfolios. Die Idee stammt von Prof. Thorsten Hens vom Institut für Banking und Finance der Universität Zürich. Zur kommerziellen Anwendung ist es für das Programm bisher noch nicht gekommen, weil Professoren jeweils kein Marketing machen, wie Prof. Hens auf Anfrage erklärt. Er hoffe aber, dass dieses Tool bald einmal bekannt werde. HF8 September 5 Strukturierte Produkte Sonderbund der 9 «Abseitsstehen ist gerade jetzt das Falsche» MAURICE PICARD «Jetzt kaufen», sagt der Geschäftsführer und Partner des Finanzdienstleisters Picard Angst. Hohe Volatilität, wie sie zurzeit die Märkte prägt, versorgt strukturierte Produkte mit günstigen Konditionen. Was er bei der Diskussion über Nutzen und Risiken und im Struki-Geschäft generell bemängelt: «Die Beratung kommt immer noch zu kurz.» Herr Picard, die Anlagemärkte haben turbulente Zeiten hinter und womöglich auch noch vor sich. Was bedeutet das für strukturierte Produkte, wie nehmen Sie als Berater und Spezialist für Derivate den Markt wahr? Grundsätzlich stellen wir eine positive Entwicklung fest. Vor allem im ersten Halbjahr ist der Markt für strukturierte Produkte gewachsen, wenn auch von einem tiefen Niveau aus. Dazu beigetragen hat die Aufhebung des Euromindestkurses durch die Schweizerische Nationalbank am 5. Januar. Das brachte Bewegung in die Märkte und bot die Möglichkeit, sich in der Korrektur neu zu engagieren, auch aufseiten der Derivate. Jetzt, im zweiten Halbjahr, herrscht eine erhöhte Unsicherheit vor Stichwort US-Zinspolitik, China und globale Wachstumsschwäche. Und Verunsicherung heisst, die Anleger bleiben mehrheitlich an der Seitenlinie. Höhere Volatilität bedeutet höhere Prämieneinnahmen auf Optionen, die den strukturierten Produkten innewohnen. Das bedeutet wiederum bessere Konditionen für Kunden. Die Freude müsste gross sein. Volatilität ist tatsächlich für die meisten strukturierten Produkte ein Vorteil. Was aber ins Gewicht fällt, ist das prozyklische Verhalten vieler Anleger. Je höher der Coupon eines Zertifikats, desto höher ist auch das Risiko, und das schreckt manche Investoren ab, obschon man, gerade bei den beliebten Barrier Reverse Convertibles, mit einem etwas tieferen Coupon den Risikopuffer ausweiten kann. Abseitsstehen ist im Grunde gerade das Falsche. Ein hoher Coupon schreckt ab? Zieht er nicht Leute an, die angesichts der attraktiven Verzinsung das Risiko unterschätzen? Eine hohe Volatilität heisst eben auch heftige Marktbewegungen, und davor schrecken viele Investoren zurück. Aber es stimmt, gerade wenn die Schwankungsrisiken hoch sind, spielen strukturierte Produkte ihre Vorteile aus. Wir empfehlen denn auch, in solchen Situationen, wie wir sie an den Märkten gegenwärtig erleben, aktiv zu sein, etwa bei den erwähnten Barrier Reverse Convertibles. «Gerade wenn die Schwankungsrisiken hoch sind, spielen strukturierte Produkte ihre Vorteile aus.» Verhalten sich Privatanleger gleich wie institutionelle Investoren? Unter den institutionellen Kunden versuchen wir den Ansatz zu verinnerlichen, unabhängig von der Marktsituation periodisch die Lage zu überprüfen und je nach Entwicklung dem Portfolio geeignete Zertifikate beizumischen, um es so zu optimieren. Das funktioniert unter den Institutionellen gut. Die privaten Anleger lassen sich durch das aktuelle Geschehen tendenziell stärker leiten. Geht die Marktbelebung in diesem Jahr eher auf die professionelle Kundschaft zurück? Ich würde es so zusammenfassen: Im ersten Halbjahr waren beide, private und institutionelle, sehr aktiv. Im aktuellen Marktumfeld überwiegen die Anfragen von institutionellen Kunden. Welche Produkte oder Produktkategorien sind vor allem gefragt? Es ist interessant: Rund 7% des Volumens, sowohl unter den privaten wie auch unter den institutionellen Investoren, finden in einfachen, verständlichen Produkten statt. Barrier Reverse Convertibles sind nach wie vor die Top-Sellers. Mit welchen Basiswerten? Weiterhin mehrheitlich mit Aktien. Aktienprodukte sind nach wie vor mit Abstand am beliebtesten. In jüngster Vergangenheit erhalten wir von unseren Kunden vermehrt Anfragen für Rohstoffprodukte. Aufgrund der heftigen Kurskorrekturen in diesem Jahr wurden bei manchen Zertifikaten die Barrieren durchbrochen. Wie wirkt sich das auf das Anlegervertrauen aus, stellen Sie Frustration fest? Bei der Barrierediskussion muss man differenzieren: Dies betrifft nur vereinzelte Sektoren, die von grossen Korrekturen getroffen worden sind, wie zum Beispiel Emerging Markets und Minenaktien. Unter den Blue Chips und den gängigen Aktienindizes wurden nur wenige Barrieren berührt, und Produkte auf diese Basiswerte laufen weiterhin gut. Das Vertrauen in Struki ist seit der Finanzkrise noch nicht wieder voll hergestellt. Früher war der Anteil in den Portfolios viel höher. Was braucht es, um die Reputation weiter zu verbessern? Strukturierte Produkte werden noch immer unter ihrem Wert geschlagen. Es handelt sich um eine innovative und flexible Anlagelösung, mit einer Industrie dahinter, die dafür sorgt, dass faire Preise gebildet werden. Etwas anderes lässt der intensive Wettbewerb unter den Anbietern gar nicht zu. Aber in den Köpfen der Anleger hält sich weiterhin hartnäckig die Vorstellung, strukturierte Produkte seien eher teuer. «Rund 7% des Volumens finden in einfachen, verständlichen Produkten statt.» Gerade institutionelle Anleger können verschiedene Strukturen selbst herstellen, günstiger, im Eigenbau. Die Realität ist anders, auf den Eigenbau entfällt nur ein sehr geringer Teil des Geschäfts. Die Nachfrage nach gesamtheitlichen Anlagelösungen ist nach wie vor gross. Gemäss SNB-Statistik hat sich der Struki-Anteil an den Gesamtvermögen der Banken nach längerer Stagnation im ersten Halbjahr etwas erhöht, auf rund %: ein Strohfeuer oder eine Trendwende? Auch ein Anteil von % ist immer noch sehr bescheiden. Das Spektrum bei unseren Kunden ist sehr weit. Einige Investoren haben über %, andere wiederum fast null. Ziel ist es, den Struki-Anteil an den Gesamtvermögen der Banken in der SNB-Statistik auf 5 bis 7% anzuheben. Vor der Finanzkrise, im Jahr 7, war der Anteil fast doppelt so hoch wie heute. Die Industrie ist unvermindert gefordert, sich für die Verwendung von strukturierten Produkten einzusetzen. Mit welchen Massnahmen und Argumenten, was schlagen Sie vor? Der Branchenverband hat beim Swiss Finance Institute eine unabhängige Studie in Auftrag gegeben, in der unter anderem der Verlauf der Produkte über mehrere Jahre untersucht wurde. Es wurde nachgewiesen, dass 8% der Zertifikate durchschnittlich zwischen 5 und 5% Rendite erwirtschaftet haben. Dieses Resultat kann man nicht genug unterstreichen. Die Jahre, von denen Sie sprechen, waren mehrheitlich Schönwetterjahre. Was, glauben Sie, wären die Werte über einen ganzen Börsenzyklus? Schwierig zu sagen, ich würde schätzen, zwischen und %. Auch das wäre noch immer ein erheblicher Mehrwert. Der Branche ist zugutezuhalten, dass sie viel zur Verständlichkeit der Produkte unternommen hat und noch immer tut. Für keine anderen Finanzprodukte gibt es so viel Informations- und Anschauungsmaterial. Woran fehlt es noch? Der Branchenverband setzt die Informationskampagne verstärkt und auf verschiedenen Gleisen fort. Das ist löblich. Wichtig ist, dass die Verständlichkeit, die Transparenz der Produkte, die Regulierungen und die Renditechancen dem Anleger Punkt für Punkt dargelegt werden. Das ist nicht nur Aufgabe des Verbands, sondern jedes einzelnen Finanzberaters. Es geht darum, sachlich und verständlich aufzuzeigen, dass strukturierte Produkte als Alternative und Ergänzung im Portfolio eine gute und nachhaltige Lösung sind. BILD: YVON BAUMANN Sie haben es selbst gesagt: Strukturierten Produkten hängt der Ruf an, teuer zu sein. Zu Unrecht? Ein Tracker- Zertifikat beispielsweise kostet mehr als ein ETF. Exchange Traded Products werden allgemein als günstig und strukturierte Produkte eher als teuer angesehen. Ich halte das für eine zu oberflächliche, wenn nicht sogar falsche Ansicht. Selbstverständlich kosten gewisse Kategorien mehr als ein ETF, aber sie bieten auch mehr Möglichkeiten. Ein Zertifikat kann zum Beispiel selbst in Seitwärtsmärkten eine positive Performance erzielen. Es profitiert von einer hohen Volatilität, was für den ETF eher nicht gilt. Generell zeichnen sich strukturierte Produkte durch ihre Mehrdimensionalität aus und werden von verschiedenen Parametern beeinflusst, wohingegen ETF eher eindimensionale Eigenschaften aufweisen. Wobei ich ETF keineswegs schlecht machen will, sie haben genauso eine Daseinsberechtigung wie Derivate. Mit geht es um die Fakten, um eine Versachlichung der Diskussion, in der noch immer Vorurteile herumgeistern. Wie weit ist die Branche daran selbst schuld? Die Kostentransparenz und die Frage, welches die beste Kostenkennzahl für den Kunden sein soll, sind seit Jahren umstritten. Strukturierte Produkte sind ein Zahlungsversprechen, während ein Fonds ein Leistungsversprechen abgibt. Das Zertifikat ist bis zur Fälligkeit vielen Variablen ausgesetzt, sodass es sehr schwierig ist, im Vornherein eine klare Aussage zu den Kosten zu machen. Aber das soll keine Ausrede sein. Anbieter müssen das Vertrauen der Kunden gewinnen, und der Kunde will wissen, was ein Produkt ungefähr kostet. ZUR PERSON Maurice Picard ist seit über 6 Jahren im Aktien- und im Derivatgeschäft tätig. gründete er mit Ronald P. Angst die Picard-Angst-Gruppe in Pfäffikon/SZ. Der unabhängige Anbieter von strukturierten Produkten und Asset-Management-Dienstleistungen mit Fokus auf Rohstoffe für institutionelle Kunden zählt 5 Mitarbeiter, davon fünf in Dubai. Die verwalteten Vermögen des Unternehmens belaufen sich auf,5 Mrd. Fr. Vor dem Jahr war Maurice Picard bei Vontobel für den Aufbau des Bereichs strukturierte Produkte verantwortlich. Welche Kennzahl eignet sich aus Ihrer Sicht dafür am besten: die Gesamtkostenzahl Ter des Branchenverbands SVSP oder der Issuer Estimated Value, IEV, wie er in Deutschland publiziert wird? Im Fondssektor hat sich die Ter durchgesetzt. Es wird sich zeigen, ob das auch bei Zertifikaten der Fall sein wird. Für ein Urteil ist es noch zu früh, die Gesamtkostenzahl Ter hat im Vergleich sicherlich ihre Berechtigung. Man wird die Resonanz abwarten müssen. Von der Kostenfrage abgesehen: Wie lässt sich die Reputation der strukturierten Produkte verbessern? In der ganzen Diskussion kommt für mich die Beratung immer noch zu kurz. Welches Produkt passt für welches Ziel wie zum Kunden? Was muss der Kunde unternehmen, um in der Gesamtheit seiner Finanzund Portfolioplanung die beste Lösung, die richtigen Produkte zu wählen? Das sind die Kernfragen. Zuoberst steht die Beratung. Wie kann der Investor, ja selbst der Berater, Risiko und Chancen eines Produkts in der riesigen Fülle von Zertifikaten beurteilen, die zudem je nach Bank die unterschiedlichsten Namen tragen? Wäre eine neue, vereinfachte Swiss Derivative Map hilfreich? Die Einführung der Swiss Derivative Map war sicherlich ein grosser Wurf, und sie war zweifellos eine grosse Hilfe. Mittlerweile stellt sich aber die Frage, ob sie nicht zu viele Auszahlungsprofile umfasst und so den Überblick über das Produktangebot erschwert. Auch die Risikokennzahlen sind begrüssenswert. Nur besteht wie allgemein bei Risikobarometern das Problem, dass darin stets die Vergangenheit zum Ausdruck kommt, weil man selbstverständlich nur das Vergangene analysieren kann. Der Kunde aber möchte verbindlich wissen, was sein Risiko und was seine Chancen sind. Da helfen zum einen die elektronischen Plattformen und Tools von Anbietern, Verband und Wissenschaft, die es erlauben, Simulationen durchzuführen. Zum anderen entwickeln wir gerade eigene Risikokennzahlen. Woran orientieren sich diese? Wir bewegen uns mit unseren Daten nahe am deutschen Vorbild. Der Kunde will eine einfache, nachvollziehbare Zahl. Je mehr Parameter ins Risikomass einfliessen, desto mehr leidet die Verständlichkeit. Wir messen die Risikofähigkeit des Kunden und untersuchen, ob dieses oder jenes Produkt in sein Profil passt. Barrier Reverse Convertibles stehen weiter hoch im Kurs. Wozu raten Sie beim Kauf: hohen Coupon und hohe Barriere wählen, oder umgekehrt? Im jetzigen Umfeld mit erhöhter Unsicherheit an den Märkten empfehlen wir tiefe Barrieren, weil wir überzeugt sind, dass die Volatilität anhält und das Zinsniveau niedrig bleibt. Entsprechend bietet auch ein BRC mit niedrigerem Coupon noch immer eine attraktive Realverzinsung und trägt mit der tiefen Barriere dem Marktrisiko Rechnung. Wo würden Sie den Risikopuffer ansetzen? Zwischen und 5%, also eine 7er- respektive eine 5er-Barriere wählen. Und als Basiswert: Einzeltitel oder Indizes? Die herkömmlichen grosskapitalisierten Aktien sind als Basiswert weiterhin sehr beliebt. Grundsätzlich können im aktuellen Umfeld sowohl Einzeltitel als auch Indizes als Basiswert Sinn machen. Sind die vernachlässigten Rohstoffe oder auch Schwellenländer eine Versuchung wert? Warum nicht? Wird würden einen Kauf in Betracht ziehen, vorausgesetzt, die Position ist im Depot tiefer gewichtet als im Normalfall: mit einem Barrier Reverse Convertible mit oder ohne Lock-in. Lock-in- Produkte sind allgemein eine attraktive Variante. Wenn zum bestimmten Zeitpunkt das Produkt «einklickt», wird aus dem BRC ein Kapitalschutzprodukt mit Schutz nach unten und gleichwohl Potenzial nach oben. Reine Kapitalschutzzertifikate sind bei diesen niedrigen Zinsen zu teuer. Was drängt sich aus Währungssicht auf? Wir haben für Kunden einzelne Währungskörbe zusammengestellt gegen den Franken, weil sie davon ausgehen, dass sich der Franken abschwächen wird. Negativzinsen machen die Währung aktuell unattraktiv, zudem haben sich viele Fremdwährungen aufgrund von strukturellen Problemen in den jeweiligen Wirtschaftsräumen sehr negativ entwickelt und eröffnen damit die Möglichkeit einer Erholung gegenüber dem Franken. Was man auch immer wieder hört: Seit der Einführung der Pfandbesicherung Cosi oder der Referenzschuldnerkonstruktion mangle es dem Struki-Geschäft an Innovation. Was ist Ihre Meinung dazu? «Der Kunde will wissen, was ein Produkt ungefähr kostet.» Es wäre falsch, der Industrie vorzuwerfen, sie sei nicht innovativ. Die Entwicklung verläuft nicht in Richtung einer neuen Produktgattung, sondern es werden neue Varianten innerhalb der einzelnen Profile geschaffen. Ein kleiner Zusatz wie etwa der erwähnte Lock-in kann für den Anleger einen grossen Nutzen bewirken. Wir haben in letzter Zeit oft Reverse Convertibles mit einem tiefen Ausübungspreis lanciert. Das ist nicht neu, aber, wie wir meinen, attraktiv. Der Anleger kauft den Basiswert tiefer und erhält dafür bei etwas niedrigerem Coupon, aber geringerem Risiko die Chance eingeräumt, vom Anstieg des Basiswerts zu profitieren. In welchem Licht sehen Sie die Zukunft der Derivatbranche und des Finanzplatzes Schweiz? Ich bin zuversichtlich gestimmt. Nachdem der Finanzsektor die Anpassungen an die weltweit verschärften Regulierungen vollzogen haben wird, werden die Stärken der Schweiz wieder vermehrt zum Tragen kommen: Die hohe Fachkenntnis, die politische Stabilität, der enge Kundenkontakt das sind alles Bestandteile einer optimalen Beratung. In der Schweiz weiss man sehr genau, wie man Geld verwaltet. Interview: Hanspeter Frey Anzeige9 Strukturierte Produkte September 5 Sonderbund der Smarte Autos in einer vernetzten Welt CONNECTED CARS Intelligente Fahr- und Unterhaltungsprogramme werden zum Kriterium beim Autokauf. Auch Anleger können «vernetzt» investieren. Eric Blattmann D ie Urbanisierung schreitet weltweit voran. Das Verkehrsaufkommen wächst und wird für Autolenker zunehmend zur Belastung. Das Unfallrisiko steigt, Autofahren ist nervenund zeitaufreibend geworden. Neue Technologien helfen, die Sicherheit im Strassenverkehr zu verbessern und die Fort bewegung angenehmer zu machen: internetbasierte Funktionen, mit denen das Fahrzeug ausgestattet ist. Autofahren werde zu einem neuen Erlebnis, sagen viele Autobauer. Das scheint zu stimmen, denn vernetzte Autos sind g efragt. Kein Wunder, denn die Drahtloskommunikation führt nicht nur zu mehr Sicherheit, sondern auch zu besserem Komfort etwa durch (teil-)autonomes Fahren, Informationsübermittlung kombiniert mit Unterhaltung und intelligenten Entertainment-Angeboten. Das globale Marktpotenzial der bedürfnisorientierten Internetlösungen für das Auto ist gross, um eine Science-Fiction-Vision handelt es sich schon lange nicht mehr. Connected Car Services könnten bis einen Erlös von bis zu 5 Mrd. $ generieren, schätzt der Analysedienst BI Intelligence (vgl. Grafik). «THINK NEW» Bis dürfte Experten zufolge jedes fünfte Fahrzeug mit dem Internet verbunden sein und der Fahrer im Schnitt fünfzig Minuten pro Tag darin verbringen. Internetbasierte Funktionen in Personenwagen Fahrassistenz Komfort Erlös in Mrd. $ Sicherheit Fahrzeugmgt. Entertainment Mobilitätsmgt. Entwicklungsprognose Connected Cars Traditionelle Autos in Mrd. Fahrzeuge Anteil Autos mit Network Solution in % Wachstumsperle Continental Mobileyes Nettoverkäufe bis in Mio. $,6 +% p.a. Totale Wachstumsrate 9% , ,5 nehmen mit Sitz in Jerusalem und Kotierung in den USA hat mit Innovationen wie Monooptik, System-on-Chip-Lösungen und Computer-Vision-Algorithmen von sich reden gemacht und ist seit einigen Jahren unangefochtener Weltmarktführer in der Entwicklung von Fahrassistenzsystemen. Es liefert Lösungen an Zulieferer wie Autoliv, Delphi und Magna, auch die namhaften Autobauer selbst darunter BMW, Volvo, General Motors und Hyundai sind gute Kunden. Das Geheimrezept des Softwarespezialisten ist, sich auf seine Kern nische, die Entwicklung von Kollisionswarnsystemen, zu konzentrieren. Mobileye in $, Symbol: MBLY S&P 5 angeglichen +% p.a.,,,7,8,,5,9,98, Mobileye Continental in, Valor: 78 Dax angeglichen 5 A 6 A Schätzung A 7 A 8 A 9 A A ,7 Umfragen der Strategieberatung LSP Digital ist die Vernetzung schon zu einem wichtigen Kriterium beim Autokauf geworden. Eine im April durchgeführte Befragung in Deutschland hat gezeigt, dass zwei Drittel der Teilnehmer sogar bereit wären, in Abhängigkeit der angebotenen Vernetzungsfunktionen die Automarke zu wechseln. Massgeblich für den Markterfolg eines vernetzten Autos ist die Nutzenstiftung neuer Dienste. Autobauer produzieren diese Vernetzungsdienste in der Regel nicht selbst und sind auf hoch spezialisierte Partner angewiesen. Ohne entsprechende Automobilzulieferer geht es also nicht. Bei den Lieferanten handelt es sich derzeit um namhafte Unternehmen mit bereits starker Positionierung im Kon Quelle: Mobileeye / Grafik: FuW, sm Quelle: Carpark, McKinsey; September / Grafik: FuW, sb Quelle: Booz & Company; März 5 / Grafik: FuW, sb Schon heute können Lenker mit allem verbunden sein, was ihnen wichtig ist. So wird Autofahren von vielen gar nicht mehr als «verlorene Zeit» verbucht. Zahlreiche internetbasierte Tätigkeiten können Fahrer und/oder Beifahrer während der Fahrt erledigen. Eine Bereicherung können auch «intelligente» Unterhaltungsprogramme sein. Entsprechende Entertainment-Lö sungen wie Musikdienste oder Touristikinformationssysteme stehen daher hoch im Kurs und dürften künftig ein noch lukrativerer Geschäftszweig werden. «Neu ist, was Ihr Leben besser macht»: Ein deutscher Autobauer bringt die Idee auf den Punkt. Letztlich dreht sich alles um den immensen Zusatznutzen, den die neuen Technologien stiften. Gemäss Quelle: Thomson Reuters / FuW nektivitätssegment sowie um Softwareentwickler, die sich auf die Autovernetzung spezialisiert haben. PLATZHIRSCHE UND NEWCOMER Da diese Automobilzulieferer und spezialisierten Technologieunternehmen dem Konnektivitätstrend folglich am stärksten ausgesetzt sind, dürften sie auch am ehesten von der Marktdynamik profitieren. Continental ist ein typisches Beispiel für einen Lieferanten, der im Grunde wegen seiner Weichgummiprodukte bekannt geworden ist. Das Dax-Mitglied ist jedoch nicht nur deswegen zum globalen Marktführer aufgestiegen. Der Konzern hat mittlerweile deutlich mehr als nur die Reifen vorzuweisen. Ein erheblicher Teil seines Umsatzes «Die Nischenplayer scheinen die Platzhirsche angesichts des i mmensen M arktpotenzials nicht zu stören.» A S O N D J F M A M J J A S Quelle: Thomson Reuters / FuW stammt aus dem innovativen Zukunftssegment Autovernetzung. Kein Wunder, denn nach eigener Aussage erforscht Continental schon seit längerem die Zukunftsfragen der Mobilität und entwickelt Lösungen für die Autovernetzung in allen gefragten Belangen. Platzhirsche wie Continental, Magna oder Denso scheinen sich an den Nischen playern, die sich mit ihnen im Segment tummeln, nicht zu stören. Im Gegenteil, sie profitieren von ihnen und treten bei den spezialisierten Technologieunternehmen als Kunden auf, wie die grossen Autobauer auch. Nischenplayer als Zulieferer der Zulieferer? Eine gute Strategie, um vom Aufwind des aufstrebenden Segments zu profitieren wie zum Beispiel Mobileye: Das Unter- SMART CARS INDEX Gütesiegel für Mehrwert Wissensvermittlung und Transparenz stehen im Zentrum der Verbandsarbeit. Das anhaltend schwierige Marktumfeld mit tiefen Renditen und Zinsen von null bis negativ prägt die gesamte Vermögensverwaltungsbranche seit geraumer Zeit. Nach der Aufhebung des Euromindestkurses sowie der Einführung von Negativzinsen befand sich der Schweizer Kapitalmarkt im Ausnahmezustand. Die Wogen von Anfang Jahr haben sich etwas geglättet, doch die Anleger suchen nach neuen Wegen, um trotz herausfordernder Bedingungen Rendite erzielen zu können. Zinsen von null bis negativ stellen manche herkömmlichen Anlagekonzepte auf den Kopf doch kann sich kein Investor diesem extremen Umfeld entziehen. Welche Alternativen hat er, wenn Cash und Obligationen keine Rendite mehr abwerfen? Die Strukturierte-Produkte-Branche hat in der Folge zahlreiche Produkte lanciert, um Lösungen zur immer teureren Cash-Haltung zu bieten. So können Investoren heute unter verschiedenen Produkten mit Coupons von einigen Prozent und tiefen Barrieren auswählen. Sie überzeugen dank ihrer Flexibilität und können wie kaum ein anderes Anlage instrument bedürfnisgerecht aufgesetzt werden. Besonders in Zeiten niedrigen Ertrags spielen Transparenz und Kosten eine immer wichtigere Rolle. Diese Transparenz zu fördern, hat sich der Schweizerische Verband Strukturierter Produkte (SVSP) zur Aufgabe gemacht. Um Licht ins Dunkel bezüglich der Performance, der Kosten und der Anlagemöglichkeiten von strukturierten Produkten zu bringen, hat er erstmals für den Schweizer Markt eine Studie in Auftrag gegeben, die exakt diese Komponenten wissenschaftlich untersucht und mit Vorurteilen aufräumt. Fazit: Strukturierte Produkte entwickelten sich positiv, bei angemessenen Kosten. Das Swiss Finance Institute hat Produkte hinsichtlich ihrer Performance von 8 bis analysiert, unter Berücksichtigung der Finanzkrise und der europäischen Schuldenkrise, sowie 775 Produkte von bis 5, um Aufschluss über die Kosten strukturierter Produkte zu erhalten. Gemäss der Studie generierten rund 8% oder mehr unter normalen Marktbedingungen eine positive Rendite, mit Medianrenditen zwischen 5 und 5% p. a. Die Resultate zeigen Total Expense Ratios (Ter) zwischen, und,7% p. a., inklusive Nettomarge sowie Produktions- und Distributionsgebühren. Eric Blattmann, Head Public Distribution Schweiz, Bank Vontobel Hebelprodukte einfach erklärt: Wenig investieren Chancen multiplizieren. Die einfache, verständliche und umfassende Wissens vermittlung und Information steht weiterhin im Mittelpunkt der SVSP-Verbandsarbeit: Zielgruppengerecht möchten wir Interessenten auf ihrem individuellen Wissensstand «abholen», um ihnen daraufhin auf sie zugeschnittene Informationen anzubieten. So sollen einerseits die Bekanntheit und die Akzeptanz und andererseits die generelle Reputation des Marktes nachhaltig verbessert sowie das umfangreiche Angebot von strukturierten Produkten in der Schweiz unterstützt werden. Dieses Potenzial möchte der SVSP durch eine breite Marktabstützung weiter fördern und publik machen. Ziel des Verbands ist es, noch mehr zu einem Branchen verband zu werden und so gleichzeitig seine Attraktivität und Schlagkraft zu steigern. Mit einem neuen Mitgliederkonzept soll neben den Emittenten, die strukturierte Produkte in oder aus der Schweiz vertreiben, ein besonderer Fokus auf die Buy Side inklusive von Banken, Vermögensverwaltern und BB-Intermediären sowie Partnern entlang der gesamten Wertschöpfungskette von strukturierten Produkten gelegt werden. Sie sollen den SVSP als «Gütesiegel» verstehen, der einen Mehrwert bietet. Georg von Wattenwyl, P räsident des Schweizerischen Verbands für Strukturierte P rodukte (SVSP) BILD: ZVG BILD: SAMSUNG/EPA YONHAP/KEYSTONE Für Anleger, die einen diversifizierten Zugang zum potenziell weitergehenden Aufschwung der Autovernetzung suchen, wurde der global ausgerichtete Solactive Smart Cars Performance Index konzipiert. Darin enthalten sind bis zu zwanzig internationale Unternehmen aus den Bereichen Automobilzulieferer und Technologie. Ihr Geschäftsmodell basiert auf der Herstellung von Technologien für die Automobilindustrie, die Fahrsicherheit und -komfort verbessern und intelligente Infotainment- und Entertainment-Angebote zur Verfügung stellen. Angepasst wird der Solactive Smart Cars Performance Index jährlich. Anleger können beispielsweise über ein Partizipationszertifikat darin investieren. Anzeige GASTKOLUMNE Fintech steht für den intelligenten Einsatz moderner Kommunikation im Bereich der Finanzdienstleistungen. Online-Kontakt zur Finanzwelt, zu Berater, Kunde, Wert papier handel und Portfolio. Eine aufblühende Branche FINTECH Mit Financial Technology entsteht eine neue Wachstumsbranche. Anleger haben die Möglichkeit, breit diversifiziert an den Chancen des noch jungen Sektors teilzuhaben. Robin Lemann Egal, ob Medien, Telekommunikation, Mobilität oder Detailhandel die fortschreitende Digitalisierung sorgt in vielen Bereichen für einen enormen Umbruch auch im Bankensektor. Das Schlagwort heisst Fintech. Der Begriff steht für den intelligenten Einsatz moderner Technologien auf dem Gebiet der Finanzdienstleistungen. Ausser auf klassische Bankprodukte wie Kontoverwaltung, Kreditvergabe, Geldanlage oder Versicherungen erstreckt sich die Anwendung auch auf mobile Bezahlsysteme, virtuelle Währungen oder Crowdfunding. Das Bankgeschäft wird zwar nicht neu erfunden, mit modernen Analysemethoden Stichwort Big Data jedoch individueller auf den einzelnen Verbraucher zugeschnitten. Auch vor der Schweiz macht der globale Fintech-Trend nicht halt. In Zürich-West ist beispielsweise gerade der Startschuss für den Inkubator F gefallen. Dabei handelt es sich um ein von der Schweizer Börse (SIX) lanciertes Innovationszentrum. IT-Spezialisten, Programmierer und Betriebswirte sollen gemeinsam die nächsten Technologietrends aufspüren. DIGITALES PORTEMONNAIE Aus der Feder der Schweizer Börse stammt auch Paymit, eine Lösung für mobiles Bezahlen. Mehr als 95 Nutzer haben die App seit der Lancierung im Mai bereits heruntergeladen und machen ihr Smartphone damit zum digitalen Portemonnaie. Nach den schnellen, einfachen Transaktionen an andere Teilnehmer soll bald auch das bargeldlose Bezahlen in Läden oder Webshops in der Schweiz möglich sein. Dafür arbeitet die SIX nach UBS und ZKB zukünftig auch mit der Swisscom zusammen. Fiserv Wer Hebelprodukte handelt, multipliziert seine Gewinnchancen. Wie das funktioniert? Ganz einfach: Dank der Hebelwirkung bewegen Sie selbst mit kleinem Einsatz grosse Summen. Ihr maximales Risiko ist dabei Ihr Einsatz. Neben spekulativem Nutzen von Chancen bieten sie Ihnen umgekehrt auch Lösungen zur Risikobegrenzung. Erfahren Sie mehr über die Vielfalt von Strukturierten Produkten: Das Beispiel zeigt die enorme Dynamik des Fintech-Bereichs. Insofern überrascht es wenig, dass der Trend auch am Kapitalmarkt angekommen ist. Die weltweiten Venture-Capital-Investitionen in dem Sektor nehmen rasant zu (vgl. Grafik unten rechts). Auch an der Börse tummeln sich immer mehr interessante Unternehmen. Jedoch ist es für Anleger gerade in einem so jungen Wirtschaftszweig alles andere als einfach, die aussichtsreichsten Titel ausfindig zu machen. «Aus der Feder der Schweizer Börse stammt Paymit, eine Lösung für mobiles Bezahlen.» An diesem Punkt setzt der Solactive FinTech Total Return Index an. Diese neue Benchmark macht sich systematisch auf die Suche nach den grössten kotierten Gesellschaften des aufstrebenden Sektors. Die Voraussetzung für die Aufnahme ist, dass ein Unternehmen signifikante Anteile des Geschäfts im Bereich Fintech generiert. Ausserdem gelten strikte Kriterien für die Börsendaten. Bei der Indexaufnahme muss die Marktkapitalisierung mindestens 5 Mio. Fr. betragen und sich das durchschnittliche tägliche Handelsvolumen über einen Zeitraum von drei Monaten auf mindestens Mio. $ belaufen. AUCH SCHWEIZER WERT IM INDEX Die nach Börsenwert zwanzig grössten Unternehmen, die es durch das skizzierte Raster schaffen, kommen in den Index. Bereits die Startaufstellung zeigt Robin Lemann, UBS Investment Bank, Leiter Public Distribution Schweiz in Mrd. $, ,,5 6 UBS macht den Index für Investitionen zugänglich. Jüngst lancierte TrackerZertifikate bilden die neue Benchmark nach Abzug der Verwaltungsgebühr von,75% p. a. eins zu eins und ohne Laufzeitbegrenzung ab. Ausschüttungen werden netto in den Index reinvestiert. Die Open End Perles sind täglich an der SIX SP Exchange handelbar und werden in verschiedenen Währungen angeboten. Weltweites Risikokapital in Fintech-Unternehmen Temenos in Fr., Valor 59 SPI-Gesamtindex angeglichen 9 8 EINFACHER INVESTMENTZUGANG Zukunftsbranche Temenos N Fiserv in $, Symbol: FISV Nasdaq angeglichen die führende Position der USA. Zu den elf kotierten US-Unternehmen zählt etwa die an der Technologiebörse Nasdaq gehandelte Fiserv, eine Gesellschaft, die ITLösungen für den Finanzsektor anbietet. Obschon bereits 98 in Wisconsin gegründet, sagt sie wohl den wenigsten Anlegern hierzulande etwas. Anders Temenos der Genfer Spezialist für Bankensoftware zählt zu den sieben europäischen Unternehmen im genannten Index. Anfang Februar hat Temenos zusammen mit Polytech Ventures die Gemeinschaftsfirma Fusion aus der Taufe gehoben. Ähnlich wie bei der erwähnten SIX-Initiative handelt es sich dabei um einen Fintech-Inkubator, der Start-ups aus aller Welt zusammenbringen möchte. Im Herbst soll Fusion den operativen Betrieb aufnehmen. Zwei Mal jährlich werden die Indexkomponenten überprüft, allenfalls angepasst und wieder gleich gewichtet. Zwischen diesen regelmässigen, im März und im September anstehenden Reviews kann eine Fast-Entry-Regel zum Einsatz kommen. Sie ermöglicht es, jederzeit neue Unternehmen, etwa nach einem Börsengang, zu integrieren. So wird der besonderen Dynamik des Sektors Rechnung getragen. 5 Quelle: Thomson Reuters / FuW 5 Quelle: Thomson Reuters / FuW 8,9,, 9,8 Quelle: Accenture, CB Insights / Grafik: FuW, sm10 Sonderbund der Strukturierte Produkte September 5 SEIT DEM.. 5 WEISEN ALLE EMITTENTEN DIE VERTRIEBSGEBÜHR AUS. 99 WIRD IN DER SCHWEIZ DAS ERSTE STRUKTURIERTE PRODUKT LANCIERT.,5 BIS,5% P.A. BETRAGEN DIE KOSTEN DER GELÄUFIGSTEN PRODUKTE. Transparent und flexibel FAKTORZERTIFIKATE Die noch junge Produktgattung hat ihren Platz im Schweizer Markt gefunden. Andreas Stocker Traditionell geben Hebelprodukte im Schweizer Markt für strukturierte Produkte den Ton an. Ende August waren an der SIX Structured Products Exchange (SSPE) knapp 7 Derivate kotiert. Davon entfielen mehr als zwei Drittel auf die Kategorie der Hebelprodukte. Innerhalb des dominierenden Segments hat sich in den vergangenen Jahren eine neue Struktur etabliert, das Constant-Leverage-Zertifikat. Mittlerweile stehen an der SSPE mehr als Exemplare zur Verfügung. Die Commerzbank hatte dieses Produkt hierzulande vor gut fünf Jahren mit der Bezeichnung Faktorzertifikat eingeführt. Sie wollte Anlegern damit ein flexibles Finanzinstrument an die Hand geben, mit dem sich sowohl auf steigende (Long) als auch fallende (Short) Notierungen setzen lässt. Gleichzeitig sollte das Produkt über die verschiedenen Anlageklassen hinweg seine Wirkung entfalten. KONSTANTER HEBEL Das Resultat ist eine Struktur, die sich in mehrerer Hinsicht von klassischen Hebelpapieren abgrenzt. Ein wesentlicher Unterschied ist der konstante Hebel. Anleger können sich für einen bestimmten Faktor (Hebel) entscheiden, zu dem das Derivat die tägliche Kursveränderung des Basiswerts wiedergibt. Zu den Wesenszügen dieser Produkte zählen die unbegrenzte Laufzeit sowie ihre Immunität gegen die implizite Volatilität. Während die erwartete Kursschwankungsbreite ein zentraler Preisparameter für Warrants ist, bleibt sie bei der Wertermittlung für Faktorzertifikate aussen vor. Um die spezielle Funktion möglich zu machen, berechnen die Emittenten für jedes Produkt einen Strategieindex, der sich aus mehreren Elementen zusammensetzt. Zentral ist die Hebelkomponente. Sie bildet die tägliche Wertentwicklung des Basiswerts ab. Steigt er beispielsweise %, gewinnt ein mit dem Faktor ausgestattetes Long-Zertifikat doppelt so viel an Wert. Demgegenüber sind Short-Varianten auf fallende Notierungen angewiesen. Angenommen, der Referenzwert gibt % nach, dann verteuert sich die Faktor--Variante um %. Bei auf Aktien basierenden Long- Produkten nimmt zusätzlich die Finanzierungskomponente Einfluss auf «Um die Funktion möglich zu machen, berechnen Emittenten für jedes Produkt einen Strategieindex.» Flügge geworden Durchschnittlicher Monatsumsatz von Faktorzertifikaten Durchschnittlicher Anteil am Gesamtumsatz (rechte Skala) in Mio. Fr. in % 6, 5 5 bis dato,5,,5,,5 Quelle: Commerzbank / Grafik: FuW, sm den Strategieindex. Einfach ausgedrückt gibt sie die Kosten der Kapitalaufnahme wieder, die für die gehebelte Positionierung im Basiswert notwendig ist. Dagegen kommt bei Short-Papieren eine Zinskomponente zum Tragen. Beim notwendigen Leerverkauf des Basiswerts wird Kapital freigesetzt, das Ertrag aus einer Tagesgeldanlage abwirft. Grundsätzlich ist es möglich, dass der Zinsbaustein den Wert des Faktorzertifikats erhöht. Dazu muss er allerdings die Indexgebühren die sowohl bei Long- als auch bei Short-Produkten anfallen sowie die Kosten der Rückkaufvereinbarung übertreffen. NUR FÜR ERFAHRENE ANLEGER Obwohl die Laufzeit von Faktorzertifikaten unbegrenzt ist, eignet sich die Struktur nicht für Buy and Hold. Wegen der Abhängigkeit des Strategieindex von der täglichen Kursentwicklung kann es über längere Zeit zu einer Abweichung kommen (sogenannte Pfadabhängigkeit). Steigt eine Aktie beispielsweise in vier Wochen um %, bedeutet das nicht zwangsläufig, dass sich ein Long-Zertifikat mit Faktor um % verteuert. Neben dieser Besonderheit gilt es auch die Risiken zu beachten. Entwickelt sich der Basiswert nicht in die gewünschte Richtung, verliert das Produkt überproportional an Wert selbst ein Totalverlust ist nicht ausgeschlossen. Insofern eignet sich die relativ junge Struktur vor allem für aktive und erfahrene Investoren. Sie können mit dem Constant-Leverage-Zertifikat etwa den aktuellen Trend einer Aktie hebeln. Ebenso ist es möglich, auf charttechnische Ausbrüche zu spekulieren oder sich im Vorfeld wichtiger Termine auf der Longoder der Short-Seite zu positionieren. MARKTANTEIL WÄCHST Offenbar trifft das Hebelprodukt gerade wegen der flexiblen Einsatzmöglichkeiten und der Transparenz den Geschmack der heimischen Anleger. Jedenfalls nimmt der Handelsumsatz an der SSPE stetig zu. bewegte sich das durchschnittliche monatliche Volumen bei weniger als Mio. Fr. Dagegen erreichte die Kategorie von Januar bis Juli des laufenden Jahres im Schnitt einen Umsatz von gut 6 Mio. Fr. Das deutliche Wachstum hat eine sukzessive Zunahme des Marktanteils nach sich gezogen. Während die Kategorie im Durchschnitt für,6% des SSPE-Umsatzes stand, bringt sie es im laufenden Jahr bereits auf einen Anteil von,5%. Andreas Stocker,Product Manager, Commerzbank Zürich Anzeige BCV INVESTMENTS Strukturierte Produkte TOP Service 5 Banque Cantonale Vaudoise NACH MASS Wussten Sie schon, dass die BCV strukturierte Produkte nach Mass herstellt? Professionelle Investoren können bei der BCV strukturierte Produkte konstruieren lassen, die perfekt auf ihre spezifischen Ansprüchen und Markterwartungen zugeschnitten sind. Unsere Experten begleiten Sie gerne bei der Produktemission. Kontaktieren Sie sie unter der Nummer oder unter Vertrauen gut investiert11 September 5 Strukturierte Produkte Sonderbund der Kein roter Faden, aber viele rote Linien REGULIERUNG Wie globale, europäische und nationale Regeln zusammenspielen und oft auch kollidieren. Länderregierungen fokussieren auf den Anlegerschutz und halten den Privatinvestorenmarkt häufig unnötig mit eigenen Konzepten auf Trab. Thomas Wulf Strukturierte Finanzprodukte sind in den europäischen Ländern inzwischen etablierter Teil der meisten grösseren Depots von Privatanlegern. Der Produktherstellung und dem Vertrieb ist in den EU-Märkten allerdings ein gewisser Rahmen vorgegeben. Er leitet sich, wenn auch nicht ausschliesslich, aus den Vorschriften der Kapitalmarktregulierung ab. Letztere zerfallen heute in ein globales Niveau, in die (EU-bezogene) europäische Ebene und zuletzt (oder zuerst, je nach Blickwinkel) in den nationalen Bereich. Auf globaler Ebene hat sich in den letzten Jahren die International Organisation of Securities Commissions (Iosco) einen Namen gemacht. Sie versteht sich als Trendspotter neuer Regulierungsthemen von weltweiter Relevanz. Stand der EU-Hauptregelungsvorhaben im Finanzsektor Mifid II/Mifir-Paket PRIIP-Verordnung Benchmark-Verordnung Finanztransaktionssteuer EU-Kapitalmarktunion Kommission ) Meint den EU-Ministerrat oder, wie im Falle der FTT, eine beim Rat angesiedelte Arbeitsgruppe der EU-Mitgliedstaaten, die die FTT einführen wollen. ) Der Trilog ist ein reguläres, aber informelles Abstimmungsverfahren zwischen Rat und Parlament, in dem versucht wird, die Probleme ohne zweite Lesung zur Abstimmungsreife zu bringen. NEU CYBERKRIMINALITÄT Auffallend wird seit rund drei Jahren die Bedrohung von Privatanlegern durch Cyberkriminalität sehr viel stärker thematisiert als, zum Beispiel, Versäumnisse klassischer Retailbanken beim Anlegerschutz. Ebenso hat Iosco, der direkt keinerlei Weisungsbefugnisse zustehen, den nationalen Aufsichtsbehörden nahegelegt, sich verstärkt mit Behavioural Finance zu beschäftigen aus Sorge, ob die Unmenge an Informationen, die dem Kunden wegen überbordender Transparenzbemühungen zukünftig zur Verfügung stehen wird, überhaupt sinnvoll verarbeitet werden kann. Derart frische Gedankenansätze sucht man bei vielen an der Gesetzgebung direkt beteiligten Institutionen oft vergebens. Das Zusammenspiel mit anderen Institutionen, vor allem der EU-Kommission, ist nicht einfach, da die Iosco oft als lästige Konkurrenz wahrgenommen wird. Ein Beispiel liefern die Regelungsvorhaben als Reaktion auf die Libor-Manipulation. Die Kernfrage, ob und wie die Erstellung und die Nutzung wichtiger Indizes, die in Finanzprodukten als Benchmark verwendet werden, reguliert werden sollen, hat Iosco schon früh aufgegriffen und in Form von Best-Practice-Prinzipien für gesamtwirtschaftlich relevante Indizes (wie die Interbank Offered Rates, von denen der Libor nur eine ist) angepackt. Dessen ungeachtet hat die EU-Kommission einen eigenen Verordnungsvorschlag entworfen, der derzeit immer noch zwischen Parlament und Rat abgestimmt wird. Er befasst sich unnötigerweise mit allen nur denkbaren datenabhängigen Indizes. Als Konsequenz muss nun mühselig unterschieden werden, wo die Indizes ihre Quelle haben (Marktdaten oder Datenzulieferungen), welche wirtschaftliche Bedeutung ihre Verwendung als Benchmark hat (z. B. anhand von Schwellenwerten zu den Assets, in die mithilfe der Indizes investiert wird) und welche abgestuften rechtlichen Folgen sich an die jeweiligen Bewertungsergebnisse knüpfen (u. a. Dokumentationspflichten, Überwachungs- und Eingriffsrechte). Erst nach heftigen Diskussionen und Interventionen verschiedenster Marktbeteiligter kam es Anfang 5 zu der jetzt vom EU-Parlament vorgelegten Fassung mit einem deutlich abgeschwächten Aufsichtsregime für die riesige Anzahl «hauseigener» Indizes. Für die Schweiz nicht uninteressant war die Frage, ob sich nicht in der EU ansässige Finanzunternehmen, deren Indizes aber als Grundlage für in der EU aufgelegte Produkte verwendet werden, nun nach der EU-Verordnung richten müssen, damit ihre Indizes weiter in der Union benutzt werden können. Diese vermeintlich technische Frage hatte unglaubliche Sprengkraft. Der EU-Kommission wurde nämlich deutlich, dass die Mehrheit der in der EU verwendeten Indizes von Anbietern aus den USA stammt, die keine ähnliche Regelung haben oder planen. Erst nach politischer Einflussnahme von verschiedener Seite ist in der jetzigen Parlamentsfassung vorgesehen, dass Indizes, die Finanzinstitutionen aus Nicht-EU- Staaten zur Verfügung stellen, dann in der EU verwendet werden können, wenn (etwas verkürzt gesagt) die Anbieter die genannten Iosco-Prinzipien einhalten. Man kann sich fragen, wozu es der EU- Benchmark-Verordnung überhaupt bedurfte, wenn die Iosco-Prinzipien offenbar ausreichen. Das Beispiel verdeutlicht eindringlich die wachsende globale Beeinflussung der EU-Gesetzgebung in einem ihrer aktuellsten Dossiers. MACHTGERANGEL NUR SCHON IN BRÜSSEL Bei der Umsetzung all der EU-Regulierungsvorhaben sind vor allem die europäischen Aufsichtsbehörden gefordert: Esma (Wertpapier- und Börsenaufsicht), Eiopa (Versicherung und Vorsorge) und EBA (Bankenaufsicht). Sie führen alle Marktkonsultationen durch, koordinieren Konsumententests und liefern, darauf basierend, einen gemeinsamen Entwurf der technischen Standards an die EU-Kommission. Der Arbeitsaufwand ist vor allem beim Mifid-II-Paket so immens, dass die Esma bereits Mitte Jahr die Verzögerung von technischen Standards (von total 5 Umsetzungsrechtsakten) um mehrere Monate angekündigt hat. Ein Streitpunkt ist die Kompetenzabgrenzung vom EU-Parlament. Dahinter steht die Sorge namhafter EU- Parlamentarier, bei der Themenvielfalt und der technischen Tiefe den Überblick zu verlieren und so die Souveränität nicht mehr ausüben zu können. Konkret ist dem EU-Parlament ein Dorn im Auge, dass viele Regeln «auf erster Ebene», also in Verordnungen und Richtlinien, allgemein gehalten und dann erst auf Basis eines von der Kommission erteilten Mandats von den Aufsichtsbehörden mit Leben gefüllt werden. Oft wird die EU-Kommission dafür verantwortlich gemacht. Sie sei zu sehr darauf fixiert, ihre Vorschläge schnell durchzubringen. Das verlagere aber systematisch die Gestaltungs hoheit in wichtigen Detailthemen zurück zu ihr bzw. zu Exekutivorganen (wie der EBA), wo sie nicht hingehöre. Level Rechtssetzung Rat Parlament Trilog Level Umsetzung Esma Quelle: eusipa / Grafik: FuW, br Von den grossen EU-Finanzregulierungsvorhaben befinden sich die meisten gegenwärtig in der Umsetzung. Das gilt v. a. für die auf Markttransparenz zielenden Vorschriften des Mifid-II-Pa kets, für die die EU-Kommission technische Standards zu allen möglichen Themen beschliessen muss. Gleiches steht, wenn auch in ungleich kleinerem Umfang, für die PRIIP-Verordnung an. Sie hält mit dem Erfordernis eines einheitlichen Risikound Kostenindikators für alle unter sie fallenden Finanzprodukte (dazu zählen strukturierte Produkte ebenso wie Anleihen und viele Versicherungsprodukte sowie ab Ucits-Fonds) allerdings zwei gordische Knoten bereit, für die sich bislang keine klare Lösung abzeichnet. Der Grossteil der operativen Regulierungsarbeit findet nach wie vor auf nationaler Ebene statt. Dabei ist leider zu beobachten, wie die verschiedenen nationalen und europäischen Vorstösse oft kollidieren. Um die Wurzel des Problems zu verstehen, ist es wichtig, sich daran zu erinnern, dass nach Beginn der Finanzkrise 8 die meisten Kapitalmarktbehörden in den EU-Staaten ihrer makroökonomischen Aufsichtskompetenz über den Bankensektor entkleidet und auf den sektoriellen Verbraucherschutz reduziert wurden. Etwas verspätet, aber umso eifriger waren (und sind) viele von ihnen bemüht, ihren Mehrwert unter Beweis zu stellen. Oft tun sie es, indem sie den Privatanlegermarkt mit eigenen Regelungskonzepten beglücken zu müssen meinen. So wollte Belgien, mittlerweile berüchtigt für derlei Initiativen, unlängst eine eigene Regelung (u. a. mit einer an Energielabel für Kühlschränke erinnernden Risikoklassifizierung) einführen und hat davon erst im Juni auf öffentlichen Druck hin wegen der drohenden Kollision mit den PRIIP-Umsetzungsregeln Abstand nehmen müssen. Nicht viel besser ist die Lage in Italien und Spanien, wo in den vergangenen Monaten öffentliche Anhörungen liefen, die sich jeweils mit umfassenden nationalen Vertriebsverboten (Italien) oder wieder eigenen Risikoklassifizierungen (Spanien) befassten. WARNUNG VOR SCHNELLSCHÜSSEN Generell sind viele dieser oft als Schnellschuss abgefassten Gesetzentwürfe unzureichend durchdacht, gehen an EU-Recht vorbei oder stehen ihm entgegen. Sie führen in extremis dazu, dass ausländische Finanzinstitute um bestimmte Länder einen Bogen machen. Diesen Regelungen ist häufig gemein, dass sie den Vertrieb bestimmter Produkte national mit einer Unzahl oft willkürlicher Auflagen versehen oder ihn gleich ganz verbieten. Letzteres ist das wahre Problem, da es de facto dem Passporting-Prinzip der EU- Prospektrichtlinie zuwiderläuft, wonach ein in einem EU-Land öffentlich zugelassenes Wertpapier auch in einem anderen problemlos gehandelt werden können muss. Selbst Deutschland, sonst eher mahnende Stimme im kleinstaatlichen Gezeter der EU, hat sein neues Kapitalanlageschutzgesetz erst in letzter Minute an die kommende Mifir-Verordnung angepasst, nachdem der Zahlungsausfall der Prokon-Gruppe die Ministerien zum Gesetzeserlass in (öffentlichkeitswirksamer) Rekordzeit veranlasste. Hoffnungen setzen viele in Brüssel in den neuen britischen Finanzmarktkommissar Lord Jonathan Hill. Sein bislang nur sehr vage ausformuliertes Konzept einer EU-Kapitalmarktunion wäre sowohl mit Blick auf nationale Alleingänge einiger EU-Mitgliedstaaten als auch bei der Regelung der Kompetenzen von EU-Institutionen ein spannendes Betätigungsfeld. Das würde ihn zwar bei vielen nationalen Behörden und auch einigen Brüsseler Kollegen sehr unbeliebt machen, könnte ihm aber auch unverhoffte Lorbeeren aller Marktteilnehmer bescheren. Thomas Wulf, Generalsekretär der Eusipa (European Structured Investment Products Association). Sie vertritt in Brüssel die Branche gegenüber den EU-Institutionen. Der Schweizer Verband SVSP ist Gründungsmitglied Spagat zwischen In- und Ausland SCHWEIZER RECHT Die Schwierigkeit der Vereinbarkeit am Beispiel der Dokumentationspflicht. Enrico Friz Zahlreiche neue Regulierungen in unserem Land sollen die Funktionsfähigkeit des Marktes gewährleisten (Finanzinfrastrukturgesetz, Finfrag), die Beaufsichtigung der Finanzintermediäre verbessern (Finanzinstitutsgesetz, Finig, Toobig-to-fail-Regulierung, TBTF) und den Anleger in seiner Geschäftsbeziehung mit dem Finanzintermediär besser schützen (Finanzdienstleistungsgesetz, Fidleg). Davon betroffen sind auch strukturierte Produkte. Emittenten, Anbieter und Anleger werden sich auf neue Regeln einstellen müssen, wobei vor allem das Fidleg die grössten Veränderungen bringen wird. Das Struki-Geschäft ist global, weshalb verständlicherweise auch ausländische Vorschriften zu beachten sind. Nach Auffassung des Autors sollte der Schweizer Gesetzgeber dabei unnötige Kollisionen mit Regeln in anderen Ländern vermeiden, ohne allerdings leichtfertig Vorschriften abzuändern, die sich in der Schweiz bestens bewährt haben. Die Schwierigkeit dieses Spagats sei am Beispiel der neuen Dokumentationsvorschriften nach Fidleg illustriert. ANLEHNUNG AN EU-RECHT Gemäss Vorentwurf des Fidleg und in Anlehnung an die Vorschriften in der EU (EU-Prospektrichtlinie) ist vor dem öffentlichen Angebot von strukturierten Produkten ein Vollprospekt zu erstellen, von einer Prüfstelle zu genehmigen und dann zu veröffentlichen. Im Bewusstsein, dass ein in Juristenlatein formulierter Prospekt schon allein aufgrund seines Umfangs nicht Grundlage des Entscheids eines Privatanlegers sein kann, ist auch ein Basisinformationsblatt abzugeben. Diese Vorschrift stammt ursprünglich ebenfalls aus der EU (PRIIP-Verordnung). Die neuen Vorgaben im Fidleg sollen die bisherige Regelung in Artikel 5 des Kollektivanlagengesetzes ersetzen. Diese verlangen, dass für strukturierte Produkte, die in oder von der Schweiz aus an nicht qualifizierte Anleger vertrieben werden, ein vereinfachter Prospekt kostenlos angeboten wird. Inhaltlich hat der vereinfachte Prospekt den Anforderungen der Richtlinien der Schweizerischen Bankiervereinigung und des Schweizerischen Verbands für Strukturierte Produkte zu entsprechen. Begründet wird diese Abkehr von Bewährtem mit einer Verbesserung des Anlegerschutzes und einer besseren Kompatibilität mit den EU-Vorschriften. Eine Verbesserung des Anlegerschutzes durch die neue Dokumentation kann man mit Fug und Recht bestreiten, zumal in der EU selbst auch die Aufsichtsbehörden bezweifeln, dass der Vollprospekt von einem Privatanleger überhaupt gelesen und verstanden wird; zudem sei mangels bisheriger Einführung des Basisinformationsblatts auch nicht nachgewiesen, dass ein solches den Anleger besser schützt als der Schweizer vereinfachte Prospekt. Dieser hat sich bewährt. Besonders das Festlegen des detaillierten Inhalts in einer von der Finma genehmigten Selbstregulierung erlaubt die rasche Anpassung an neue Gegebenheiten und gewährleistet so den bestmöglichen Schutz des Anlegers. Hingegen kann kaum in Abrede gestellt werden, dass für den Vertrieb ein und desselben Produkts sowohl in einem EU- Land als auch in der Schweiz von erheblichem Vorteil ist, wenn eine einzige, einheitliche Dokumentation verwendet werden kann. Neben einem PRIIP-konformen Basisinformationsblatt auch noch einen vereinfachten Prospekt nach schweizerischem Recht zu verlangen, wäre unsinnig. Wichtig ist, dass auf in der Schweiz Bewährtes nicht ohne Not verzichtet wird. «Auf Bewährtes nicht ohne Not verzichten.» Entsprechend sollte der Gesetzgeber nicht verlangen, dass für rein schweizerische öffentliche Angebote ein Vollprospekt zu erstellen und von einer Prüfstelle zu genehmigen ist, der von Privatkunden dann ohnehin nicht gelesen wird. Anbietern, die ihre Produkte auch ausserhalb der Schweiz öffentlich anbieten wollen, steht es frei, die entsprechenden Vollprospekte drittlandkonform zu erstellen und genehmigen zu lassen. Für rein schweizerische Angebote sollte wie bislang ein kurzes, leicht verständliches Informationsdokument genügen. VERSTÄNDLICH MUSS ES SEIN Nicht notwendig ist, die Anforderungen an Inhalt und Aushändigung des Basisinformationsblatts im Fidleg oder in Ausführungsverordnungen anders oder detaillierter zu regeln, als dies heute in Bezug auf den vereinfachten Prospekt der Fall ist. Das sollte weiterhin der Selbstregulierung überlassen werden, verbunden allenfalls mit der Auflage, internationale Standards zu berücksichtigen. Dies würde erlauben, Entwicklungen wie zum Beispiel neue Erkenntnisse zum Anlegerschutz oder geänderte Marktzugangsanforderungen schnell umzusetzen. Das Beispiel illustriert, dass auch nationale Regeln so ausgestaltet werden können, dass sie nicht mit ausländischen kollidieren, ohne dabei sklavisch ausländische Vorschriften umzusetzen, von deren Nutzen der Gesetzgeber nicht überzeugt ist. Enrico Friz, Rechtsanwalt, Partner Walder Wyss12 Strukturierte Produkte September 5 Die geglückte M etamorphose Worauf es im Anlagereport ankommt MULTI BARRIER REVERSE CONVERTIBLES Wie aus REPORTING Struki sind eine besondere Herausforderung fürs Investment Reporting. Das Ziel muss sein, Risiken und Chancen verständlich darzustellen. WIE LEGT MAN RECHENSCHAFT AB? Eine ähnliche Mechanik kennt man b ereits von herkömmlichen Derivaten (Optionen, Futures). Bei strukturierten Produkten kommt als erschwerender Umstand hinzu, dass die Ereignisse oder eben Ursachen laufend stattfinden. Sie beziehen sich bei bestimmten Produkten (Multi Barriers) auf mehrere Basiswerte oder können sogar von früheren Ereignissen abhängen. Die aktuelle Situation wiederum kann nicht allein durch Marktereignisse erklärt werden: Erst die Gebühren vervollständigen das Bild. Bei strukturierten Produkten sind die Gebühren besonders vielfältig und oft in der Form schwer zu messender Opportunitätskosten gut versteckt. Rechenschaft legt ab, wer alle relevanten Ursachen und ihre Wirkung aufzeigt. Aktien Strukturierte Produkte 5 Buchhaltung Ökonomisch Szenario Buchhaltung: Die Anlagekategorien sind gemäss ihren buchhalterischen Werten aufgeführt. Ökonomisch: Die strukturierten Produkte sind gemäss ihrem aktuellen Charakter in Basiswerte zerlegt. Szenario: Situation nach einem Aktiencrash von 5%. Quelle: Apex Reporting Services / Grafik: FuW, sm Mit jeder Investition übernimmt der Anleger Risiken und erhält dafür Ertrags chancen. Deshalb ist jede Investition auch eine Entscheidung für ein bestimmtes Risiko- und Ertragsmuster. Der Investor interessiert sich aber nicht nur für das Muster einer einzelnen Anlage, sondern für das Muster des ganzen Depots. Entscheidungsgrundlage für den Kauf ist das bereits bestehende Risikound Ertragsprofil im Depot. Der Investment Report liefert diese Grundlage. Strukturierte Produkte können äusserst komplexe Profile aufweisen. Wer in Struki investiert, überträgt ihre Komplexität auf das gesamte Depot. Um das Risiko- und Ertragsmuster des gesamten Portfolios darzulegen, gibt es vier Methoden: die buchhalterische Sicht, die ökonomische Sicht, Szenarien und die simulierte Erfahrung. VIER METHODEN Sehr verbreitet ist die buchhalterische Sicht. Sie zeigt, wo wie viel verbucht ist. Für klassische Anlagen wie Aktien und Obligationen kann diese Sicht sehr nützlich sein. Wer 5% seines Depots in Aktien investiert, hat schon einmal eine grobe Ahnung, wie gross das Risiko und der erhoffte Ertrag sind. Bei Derivaten nützt diese Information wenig: Wer % D ie niedrigen Zinsen fordern alle heraus. Betroffen sind unter anderem Privatinvestoren, Kundenberater, aber auch Vorsorgeinstitutionen, die unsere Altersvorsorge verwalten. Anhand eines Wertschriftenportfolios lässt sich dies gut illustrieren: Eine Franken obligation kommt zur Endfälligkeit. Der noch einigermassen interessante Coupon wird ein letztes Mal dem Konto gutgeschrieben. Der Investor steht vor der Frage: Wiederanlage zu einem viel tieferen Coupon oder Verschlechterung der Schuldnerqualität zugunsten einer noch einigermassen Call-Optionen besitzt (oder geschrieben hat), weiss wenig über das Risiko, das er eingegangen ist. Hier hilft die ökonomische Sicht. Sie wandelt fiktiv alle Derivate in ihre Basiswerte um, und zwar so, dass das resultierende Depot genau gleich reagiert wie das ursprüngliche Depot vor der Umwandlung. Das fiktive Depot kann nun mit buchhalterischen Methoden analysiert werden. Leider funktioniert die ökonomische Sicht nur für kleine Marktschwankungen und ist ungeeignet für strukturierte Produkte. Denn diese können selbst bei kleinen Marktbewegungen ihren Charakter ändern wenn zum Beispiel eine Barriere berührt wird. akzeptablen Verzinsung in Kauf nehmen? Das Resultat ist oft ein W eder-noch. Das Geld bleibt mangels Alternativen auf dem Konto. Die Barbestände der Kunden bleiben gross, viel grösser, als es den Banken lieb ist. Die Marktverwerfungen während der Lehman-Krise haben gezeigt, dass liquide bleiben keine schlechte Strategie ist. Dieses Verhaltensmuster hat sich etabliert. Man kann es betrachten, als wäre der Anleger eine Option «Long». Die Option «Liquidität» erlaubt eine schnelle Reaktion. Bei Marktturbulenzen ist der Investor nicht gezwungen, Vermögenswerte zu verkaufen, da die Barbestände genügend gross sind. Aber eine Option kostet immer eine Prämie, bei der Option «Liquidität» Beispiel anhand eines zweijährigen JB MBRC mit Lock-in auf Roche, Swatch, Zurich Insurance Entwicklung der Basiswerte Was geschieht bei Verfall? Konstantes Einkommen SZENARIEN UND SIMULATIONEN Für die Frage, wie sich Zertifikate bei grösseren Marktschwankungen verhalten, eignen sich Szenarien. Dabei werden Marktentwicklungen simuliert und die Effekte aufs Depot dargestellt resp. berechnet. Besonders beliebt ist die Simulation zurückliegender Börsencrashs. Letztes Jahr hat die Uni Zürich eine interessante Studie veröffentlicht: Menschen verstehen das Risiko besser, wenn sie die Effekte selbst in einer Handlung erfahren. Schauen wir nur nackte Zahlen an, erhalten wir kein Gefühl dafür. Mit den heutigen technologischen Möglichkeiten bietet es sich daher an,die Simulationen interaktiv zu gestalten (vgl. Artikel auf Seite 7). Der Anleger drückt dabei auf den Simulationsknopf und erfährt jedes Mal ein Investitions ergebnis. Das so erworbene Gefühl kann Entscheidungsgrundlage für Investments sein. Strukturierte Produkte stellen besondere Herausforderungen ans Investment Reporting. Das Thema Rechenschaft ablegen wird erschwert durch die spezielle Konstruktion mancher Produkte und die grassierende Kosten intransparenz. Beim Thema Entscheidungsgrundlagen liefern muss der Report fähig sein, situationsgerecht eine geeignete Sichtweise anzubieten. mit Lock-in kein Lock-in Entwicklung der Aktien irrelevant Rückzahlung: % des Emissionspreises Garantierter Coupon: 6,% p.a. Barriere nicht berührt Rückzahlung: % des Emissionspreises Garantierter Coupon: 6,% p.a. Barriere berührt: Alle Aktien Ausübungspreis Rückzahlung: % des Emissionspreises Garantierter Coupon: 6,% p.a. Barriere berührt: Mind. eine Aktie < Ausübungspreis Physische Lieferung der Aktie mit der schlechtesten Entwicklung Garantierter Coupon: 6,% p.a. könnte man es Opportunitätskosten nennen. Die Strukturierte-Produkte-Branche hält eine Alternative bereit. Sekundärmarkt DIE NORM 5 Die Funktion lässt sich gut am Beispiel eines Multi Barrier Reverse Convertible (MBRC) zeigen, des Schweizers Lieblingskind unter den Struki aus der Familie Renditeoptimierungsprodukte. Der MBRC von Julius Bär auf Roche/Zurich Insu rance/ Swatch Group ist mit einem Coupon von 8,% p. a. ausgestattet, einer Barriere von 75%, fortlaufender Betrachtung und zweijähriger Laufzeit. Es gibt drei Szenarien, wobei der Coupon immer bezahlt wird. Szenario A: Keine der drei Aktien berührt während der Laufzeit die Barriere. Der Nominalbetrag und der Coupon werden dem Investor ausgezahlt. Szenario B: Eine oder mehrere Aktien berühren während der Laufzeit des Produkts die Barriere, aber alle sind am Ende der Laufzeit über dem Ausübungspreis (%). Der Nominalbetrag und der Coupon werden entrichtet. Szenario C: Eine oder mehrere Aktien berühren während der Laufzeit die Barriere. Ein oder mehrere Titel sind am Ende der Laufzeit unter dem Ausübungspreis. Der Nominalbetrag wird nicht zurückgezahlt. Der Investor erhält die Aktie mit der schwächsten Wertentwicklung geliefert (Worst of). Der Coupon wird bezahlt. DIE ALTERNATIVE Sollte während der Laufzeit des Produkts eine Barriere berührt werden, kann die Lock-in-Funktion immer noch aktiviert werden, wenn alle drei Aktien an einem der definierten Beobachtungstage % ihres Ausübungspreises erreichen (Kapitalschutz wäre dann %). Quelle: Bank Julius Bär / Grafik: FuW, br Nun zum erwähnten Multi Barrier Reverse Convertible mit Lock-in. Er hat folgende Struktur: MBRC von Julius Bär, 6,% p. a., Barriere Die Barriere entspricht dem Kurs des Basiswerts, bei dessen Berührung oder Unter- resp. Überschreiten sich das Pay-off-Diagramm verändert. Wird der Schwellenwert einer Barriere im Basiswert verletzt, führt dies zu veränderten Rückzahlungskonditionen. Bleibt der Basiswert oberhalb der Barriere, erhält der Anleger eine Mindestauszahlung. Basiswert Der Basiswert ist das Instrument, auf das sich ein Hebel- oder ein strukturiertes Produkt bezieht. Die Kursbewegung des Basiswerts ist der wichtigste Einflussfak- Cosi Cosi steht für Collateral Secured Instruments und bezeichnet ein Segment von strukturierten Produkten, das das Emittentenrisiko minimiert. Dabei werden auf Basis des Marktpreises und des Fair Value Sicherheiten in Form eines Pfands bei der SIX Swiss Exchange hinterlegt. Fair Value Der Fair Value ist der theoretische Wert eines strukturierten Produkts und wird durch die Auszahlungsfunktion per Laufzeit ende bestimmt. Massgebend sind neben den Basiswerten auch Dividendenerwartungen, Zinsen, implizite Volatilität, aber auch regulatorische Massnahmen oder Corporate Actions. Floor Produkte, die mit einem Hebel aus gestattet sind und dadurch über proportional an der Entwicklung eines Basiswerts partizipieren. Index-Tracker Index-Tracker gehören zum Produkttyp der Tracker-Zertifikate. Sie bilden die Performance eines Index eins zu eins ab. QUELLE: PAYOFF JAHRBUCH 5 Lock-in Produkte mit einem Lock-in ermöglichen das Festhalten möglicher Gewinne. Wird der Lock-in erreicht, wird per Laufzeitende unabhängig vom Basiswertverlauf eine Rückzahlung mindestens in Höhe des Lock-in geleistet. Handeln Sie über 5 Hebelprodukte direkt und exklusiv Over-the-Counter. Nie waren Sie näher am Emittenten, nie waren Sie schneller am Markt. Lookback Barriere und/oder Strike werden erst nach einer Lookback-Phase festgelegt. Pay-off-Diagramm Grafische Darstellung der Auszahlungsstruktur eines Zertifikats per Verfall auf der SVSP Swiss Derivative Map. Referenzanleihe Bezeichnet die jeweilige Anleihe des Referenzschuldners, die dem Referenzschuldnerzertifikat zugrunde liegt und das zusätzliche Kreditrisiko des Produkts definiert. Value at Risk (VaR) Der Value at Risk ist eine Kennzahl, um das Marktrisiko eines Produkts (nicht nur von Zertifikaten) abzuschätzen. Der VaR beschreibt den Verlust, der innerhalb einer bestimmten Halte periode (zum Beispiel zehn Tage) mit einer vorgegebenen Wahrscheinlichkeit (beispielsweise 95%) nicht überschritten wird (vgl. Seite 5). eingelockt am Quelle: Julius Bär / Grafik: FuW, sm «Banken tun sich noch schwer damit, ein Produkt während der Laufzeit von einer Anlageklasse in eine andere umzuschlüsseln.» mit Lock-in, auf Roche/Zurich/Swatch (75% Barriere, fortlaufende Beobachtung, zweijährige Laufzeit Lock-in bei %, monatliche Beobachtung). Die Gesetzmässigkeiten des MBRC bleiben bestehen. Zusätzlich wird an bestimmten Tagen der Schlusskurs auf monatlicher Basis beobachtet. Falls alle drei Aktien bei % oder höher schliessen, wird der Lock-in aktiviert. Das Produkt hat von diesem Zeitpunkt an einen %igen Kapitalschutz, unabhängig vom weiteren Kursverlauf der drei Aktien. Die Struktur verhält sich von jetzt an wie eine Obligation. Faktisch hat der Anleger eine 6,%-Frankenobligation der Bank Julius Bär im Depot, mit einer entsprechenden Restlaufzeit ab dem Lock-in Event. Unbestritten: ein Traumcoupon, und dies in Franken. Aus einer Aktien- ist eine Obligationenanlage geworden. Die Lock-in-Funktion hat allerdings ihren Preis. Sie kostet den Anleger in diesem Fall %, somit ist der Coupon nicht mehr 8,%, sondern 6,%, die restlichen Parameter sind identisch. Der Investor ist von Beginn an eindeutig eine Aktienanlage eingegangen. Dies bleibt so bis zu dem Moment, an dem die Lock-in-Funktion zum Einsatz kommt. Erst dann kann das Produkt als obligationenähnliche Anlage angeschaut werden. Den Chancen periodische Couponzahlung, Sicherheitspuffer von 5% und Möglichkeit von %igem Kapitalschutz am Verfalldatum dank Lock-in stehen folgende Risiken gegenüber: Emittenten risiko (die Bank, in diesem Beispiel mit einem A-Rating von Moody s), der Gewinn Nach Lehman stand bei strukturierten Produkten das Emittentenrisiko im Zentrum. Was ist heute der Stein des Anstosses im Zusammenhang mit Derivaten? Die wenigen im Zusammenhang mit strukturierten Produkten unterbreiteten Anfragen haben ein breites Spektrum von Beanstandungen zum Gegenstand. Ein dominierendes Thema lässt sich nicht feststellen. So ging es bei den rund zehn im Jahr eingegangenen Anfragen um die Aspekte Kapitalschutz, ungenügende Rückgabe- beziehungsweise Verkaufsmöglichkeit, mangelhafte Angemessenheits- respektive Eignungsprüfung, unzweckmässige Verkäufe und Käufe vor Verfall, mangelnde Offen legung von nachteiligen Steuerfolgen, unvollständige Risikoaufklärung und Zeichnung ohne Kundenauftrag. Es versteht sich, dass gewisse dieser Beschwerdegründe nicht nur strukturierte Produkte, sondern jegliche Arten von Anlagen betreffen können. Was haben aus Ihrer Sicht die Kunden, was die E mittenten respektive die Banken und die Vermögensverwalter aus dem Fall Lehman gelernt? Als Bankenombudsman habe ich keinen systematischen Überblick über das Anlageverhalten der Kunden und das Geschäftsgebaren der Banken. Ich sehe nur die «Unfälle», aus denen sich eine Streitigkeit ergibt, die der Kunde und die Bank nicht im direkten Kontakt miteinander haben lösen können. Auto Callable Liegt der Basiswertkurs an einem Beobachtungstag auf oder über (Bull) bzw. auf oder unter (Bear) einer im Voraus definierten Schwelle (Autocall Trigger), führt das zu einer vorzeitigen Rück zahlung des Produkts. tor für die Bewegung des Zertifikatpreises. Als Basis kommen Aktien, -körbe (Baskets), Indizes, Währungen, Rohstoffe, Anleihen und Futures infrage. MBRC mit Lock-in der ZKB, Valor ist auf den Coupon limitiert, und wenn die Lock-in-Funktion nicht greift, dann verhält sich das Produkt wie ein regulärer MBRC. Somit besteht ein Aktienkursrisiko, sollte die Barriere berührt werden. Bei den meisten Banken wird ein Multi Barrier Reverse Convertible korrekt als Aktienprodukt eingebucht. Das gilt auch für den MBRC mit Lock-in. Oft stellt sich die Frage, ob das Zertifikat nicht in eine Obligationenanlage umgeschlüsselt werden kann, falls der Lock-in eintritt. Das würde der oft schon voll ausgeschöpften Aktienquote wieder etwas Spielraum geben. Tatsache ist, dass sich die Banken noch schwer damit tun, ein Produkt während der Laufzeit von einer Anlageklasse in eine andere umzuschlüsseln. RENTIEREN STRUKI EMÄSS EINER STUDIE DES G SWISS FINANCE INSTITUTE. 5 V. CHR. WURDEN DIE ERSTEN TERMINKONTRAKTE AUF OLIVEN GEHANDELT. MIT LOCK-IN DYNAMISCHER Zu berücksichtigen ist auch der Sekundärmarkt. Der Multi Barrier mit Lock-in ist einiges dynamischer als ein klassischer MBRC. Besonders wenn sich die drei Titel kurz vor dem Beobachtungszeitpunkt nahe beim Lock-in-Level bewegen, kann das Produkt in wenigen Tagen schnell ein paar Prozent zulegen oder auch variieren (vgl. Grafik oben). Wie in allen Branchen muss die Marktfähigkeit zuerst getestet werden. Schliesslich entscheiden immer die Kunden, ob ein neues Finanzprodukt akzeptiert wird oder nicht. Der Multi Barrier Reverse Convertible mit Lock-in hat diese Feuerprobe bestanden. DURCHSCHNITTLICH 9 TRADES PRO TAG ZÄHLTE DIE SCHWEIZER DERIVATBÖRSE IM AUGUST. Willi F.X. Bucher, Structured-ProductsExperte, Bank Julius Bär Marco Franchetti: «Nur noch wenige Struki-Anfragen» Fortsetzung von Seite Schneller und flexibler am Markt Ausübungspreis (Strike) Der Ausübungspreis eines strukturierten Produkts wird üblicherweise durch die Optionskomponente bestimmt. Er bestimmt, zu welchem Kurs der zugrundeliegende Basiswert einer Option gekauft (Call) oder verkauft (Put) werden kann. Im Pay-off-Diagramm erscheint der Strike als Knick. UND Anzeige Oliver Gloor, Geschäftsführer, Apex Reporting Services GLOSSAR 5 5% * exkl. Gebühren für Echtzeitinformationen In Partnerschaft mit Was sagen die «Unfälle» aus? Aus diesen punktuellen Beobachtungen und auch aus Gesprächen mit Bank vertretern ergibt sich mitunter der Eindruck, dass viele Banken in den ver gangenen Jahren ihre Anlageberatungsund Vertriebsprozesse überprüft und systematisiert haben. Das haben sie wohl teilweise aufgrund der Erfahrungen in der Finanzkrise und teils auch wegen oder in Vorwegnahme verschärfter regulatorischer Vorschriften getan. Auf die von den Kunden gezogenen Lehren lässt sich allenfalls aus den publizierten Statistiken über die Arten und die Volumen der seit der Krise nachgefragten Produkte schliessen. BILD: WALTER BIERI/KEYSTONE Der Investment Report ist das Instrument zur regelmässigen Kommunikation über die Vermögensanlagen zu handen des Investors. Primär soll er ausweisen, was in der Berichtsperiode geschehen ist und was der aktuelle Zustand der Anlagen ist. Damit legt er Rechenschaft ab. Sekundär soll er Informationen aufbereiten, die eine geeignete Basis für zukünftige Entscheidungen sein können. Damit liefert er Entscheidungsgrundlagen. Bei strukturierten Produkten sind beide Themen Rechenschaft ablegen und Entscheidungsgrundlagen liefern besonders schwierig. Die Reporting-Pflicht erfüllt man rein rechtlich gesehen mit der Transaktionsliste und dem aktuellen Depotbestand. Die Kür oder das Ziel aber muss es sein, dem Investor verständlich darzulegen, wie es zur aktuellen Situation gekommen ist. Das ist die Frage nach den Ursachen. Bei strukturierten Produkten spricht man weniger von Ursachen als vielmehr von (Markt-)Ereignissen, zum Beispiel wenn eine Barriere berührt worden ist. Diese Ereignisse haben finanzielle Konsequenzen für den Investor. Liquidität Obligationen Willi F.X. Bucher ZWISCHEN einer Aktien- eine Obligationenanlage wird. Eine innovative Lösung im Kampf gegen die niedrigen Zinsen. SWISS Oliver Gloor Je nach Methode unterschiedliches Bild 5 Sonderbund der «Dieses Jahr stellen wir auch wegen des SNBEntscheids wieder mehr Anfragen fest.» Marco Franchetti Für welche Themen erhalten Sie gegenwärtig am meisten Anfragen? Sind es die höheren Bankgebühren? Die Themen hängen zu einem bedeutenden Teil von Entwicklungen beziehungsweise Ereignissen an den Finanzmärkten sowie bei einzelnen Banken ab. So hatten etwa im Jahr 9 die Anfragen der Sachgebiete Anlageberatung, Vermögensverwaltung, Börse sowie Depot einen Anteil von 77% an der Gesamtzahl der abgeschlossenen schriftlichen Fälle. Hingegen betrug ihr Anteil im Jahr lediglich %. Als Gegenstück belief sich der Teil der Anfragen der Sachgebiete Konto, Zahlungsverkehr, Karten, Kredite und Hypotheken 9 auf % und auf 56%. Wie ich bereits an der Jahresmedienkonferenz vom. Juli informiert habe, standen letztes Jahr Anfragen im Zusammenhang mit der Anpassung der Geschäftsstrategie von Banken bezüglich Kunden mit Wohnsitz im Ausland oder sonstigem Auslandbezug, Gebühren, Kursmanipulation, der Liquidation eines Finanzinstituts sowie mit Betrugs- und Missbrauchsfällen im Vordergrund. Und dieses Jahr? In diesem Jahr sind mir auch zahlreiche Anfragen von Kunden unterbreitet worden, die den Umgang ihrer Bank mit Auswirkungen der am 5. Januar publizierten und umgesetzten währungs- und zinspolitischen Entscheide der Schweizerischen Nationalbank zum Gegenstand haben. Nimmt die Zahl der Anfragen dieses Jahr zu oder ab? Nach den im langjährigen Vergleich sehr hohen Fallzahlen der Krisenjahre 8 und 9 hat sie sich bei rund Anfragen pro Jahr eingependelt. war mit total Fällen ein Rückgang von 8% gegenüber dem Vorjahr zu verzeichnen, was besonders auf die Abnahme der Anfragen zum Thema Retrozessionen zurückzuführen war. Im laufenden Jahr stellen wir wegen der Auswirkungen des SNB-Entscheids und der Umsetzung von Strategieänderungen im grenzüberschreitenden Geschäft von Banken wieder eine Zunahme fest. Welches ist angesichts Ihrer Erfahrung Ihr wichtigster Rat für eine reibungslose und gut funktionierende Beziehung zwischen Bank und Kunde? Wie in jeder auf Dauer ausgerichteten Beziehung ist es wichtig, dass die Partner ein gemeinsames Verständnis von der Natur ihrer Beziehung, den Bedürfnissen und den Erwartungen des anderen sowie den gegenseitig geschuldeten Rechten und Pflichten haben. Für die Bank scheint mir dabei von besonderer Bedeutung zu sein, dass sie klar, verständlich und ausgewogen kommuniziert, sodass zum Beispiel Fundamentales nicht in Marketingmitteilungen untergeht. Und für den Kunden und die Kundin hat nach wie vor der bereits von meinem Vorgänger postulierte Grundsatz Gültigkeit, dass nichts gekauft werden soll, was man nicht umfassend verstanden hat Interview: Hanspeter Frey13 6 Sonderbund der Strukturierte Produkte September 5 Was tun, wenn die Barriere fällt? UMFRAGE Zuallererst nur Basiswerte wählen, die man auch im Depot haben will. Ein Produkt nach Barriereereignis verkaufen, wenn der Basiswert schlechte Prognosen hat. Weiter Strategien für die Zinswende und für Mehrwert in Zeiten erhöhter Schwankungsrisiken. Mit Recovery Barrier Reverse Convertibles kann die aktuell hohe Volatilität zur Strukturierung eines BRC mit einer europäischen Barriere und einem Coupon nahezu bei null genutzt werden. Der Ausgabepreis der neuen Struktur entspricht dabei dem Kurswert des «eingeknockten» BRC, z. B. 65 statt wie üblich %. Wird die Barriere bei Verfall nicht berührt, erhält der Anleger so sein gesamtes Kapital zurück. Wurden bereits Aktien geliefert, bietet sich mit Capped-Outperformance-Zertifikaten die Möglichkeit, die Dividende gegen eine höhere Partizipation einzutauschen und somit schneller wieder den Einstandspreis zu erreichen. Reto Lienhard Zürcher Kantonalbank «Institutionelle Investoren nutzen vermehrt die Flexibilität von Struki und setzen Tracker- Zertifikate ein.» Das jetzige Zinsumfeld lässt die Konstruktion klassischer Kapitalschutzzertifikate kaum zu, wenn der Anleger keine Zugeständnisse auf dem Kapitalschutzniveau eingeht. Lock-in Barrier Reverse Convertibles sind eine gute Möglichkeit, die hohe Volatilität zu verkaufen und bei einem moderaten Anstieg der Basiswerte beim Lock-in die Rückzahlung von % des Nominalwerts zu sichern. Der BRC mutiert in diesem Fall zu einem Kapitalschutzprodukt mit Coupon. Die in Vergessenheit geratenen Reverse Convertibles bieten sich für dieses Szenario an. Der Zehnjahres- Franken-Swapsatz bildet dazu den Basiswert. Durch die Wahl des Cap-Levels kann die Höhe des Coupons bestimmt werden. Gehen Anleger von steigenden Zinsen aus, können sie ein entsprechend hohes Cap-Level wählen und von einem attraktiven Coupon profitieren. Mit einer Floating-Komponente des Coupons kann direkt an einem Zinsanstieg, z. B. des Dreimonats-Franken-Libor, partizipiert werden. Als Struktur kommen die herkömmlichen BRC auf Indizes oder eine Credit Linked Note in Frage. Bei Letzterer bieten die gestiegenen Credit Spreads zusätzlich eine Mehrrendite gegenüber Obligationen desselben Schuldners. Gemäss SNB-Statistik stagnieren die Bestände in Kundendepots tatsächlich mehr oder weniger, allerdings auf dem tiefsten Niveau seit Jahren. Es stellt sich daher mehr die Frage: Ist die Talsohle erreicht? Wir sehen folgende Tendenzen: Fokussierung von Retail- und Private-Banking-Kunden auf Renditeoptimierungsstrategien. Institutionelle Investoren und Vermögensverwalter nutzen vermehrt die Flexibilität von strukturierten Produkten und setzen Tracker-Zertifikate ein, die aktiv verwaltet werden oder proprietäre Strategien replizieren. BILDER: ZVG Der Anleger sollte sich in diesem Fall die Frage stellen, ob er an die Erholung des Basiswerts glaubt. Wenn sich der Kurs bis zum Verfall erholt, erhält der Investor % des Nominalwerts ausgezahlt, zuzüglich der garantierten Couponzahlungen. Erholt er sich nicht, gibt es den Basiswert physisch in Form von Aktien ins Depot geliefert, plus Coupons. Daher ist es wichtig, bereits beim Kauf des Barrier Reverse Convertible bereit zu sein, bei schlechtem Kursverlauf den Basiswert zu übernehmen. Der Vorteil der Titelübernahme ist, dass der Kursverlust nicht realisiert wird. Die Aktien können so lange gehalten werden, bis der «richtige» Verkaufszeitpunkt kommt. Falls der Anleger nicht mehr vom Potenzial des Basiswerts überzeugt ist, sollte er den BRC verkaufen und entweder eine Recovery-Strategie prüfen oder ein anderes Produkt in Betracht ziehen. Um in unruhigen Zeiten einen Mehrwert zu erzielen, sind Produkte attraktiv, bei denen Volatilität «verkauft» wird. Der BRC ist ein Beispiel für ein solches Produkt. Er und analoge Produkte zur Renditeoptimierung entsprechen dem grösseren Sicherheitsbedürfnis des Anlegers: Die höhere Volatilität hat bei unverändertem Coupon den Vorteil einer tieferen Barriere und somit eines erhöhten Risikopuffers. Für Investoren, bei denen der Kapitalschutz im Vordergrund steht, gibt es diverse Produkte. Man muss sich jedoch bewusst sein, dass die Kon ditionen unter dem höheren Volatilitätsniveau leiden. Mit einem Floored Floater können Anleger von einem Zinsanstieg profitieren. Gleichzeitig bietet das Produkt die Sicherheit einer Obligationenanleihe. Man erhält entweder einen garantierten Minimum-Coupon oder den zugrundeliegenden Zins. Entscheidend ist der am Betrachtungstag höhere Zins. Alternativ kann ein sogenannter Floating BRC eingesetzt werden, der zusätzlich zum fix garantierten Coupon noch den Referenzzins auszahlt typischerweise den Dreimonats-Libor. Sinah Wolfers Notenstein Privatbank «Mit einem Floored Floater können Anleger von einem Zinsanstieg profitieren.» Strukturierte Produkte haben seit ihrer Lancierung Anfang der Neunzigerjahre ihre Daseinsberechtigung bewiesen sowohl in positivem als auch in negativem Marktumfeld. Und das Potenzial ist noch längst nicht aus geschöpft: Wir als Emittentin arbeiten täglich daran, den Kunden den Nutzen der Produkte aufzuzeigen, damit sie das Potenzial erkennen und ausschöpfen können. VIER FRAGEN AN VIER STRUKI- EXPERTEN Was sollen Anleger im Besitz von Barrier Reverse Convertibles tun, bei denen wegen des Frankenschocks oder der Kurstaucher in den letzten Wochen die Barrieren durchbrochen worden sind? Angenommen, die Volatilität an den Märkten bleibt hoch. Welche Produkte kommen in Frage, zum Schutz des Kapitals oder für Mehrwert? Was drängt sich mit Blick auf eine mögliche Zinswende an Strategie und Zertifikaten auf? Der Struki-Markt hat in den vergangenen Jahren stagniert. Ist der Zenit erreicht? Wie beurteilen Sie die Perspektiven? Umfrage: Hanspeter Frey Florian Stasch BNP Paribas (Suisse) «Strukturierte Produkte bieten einen Mehrwert, den andere Finanzprodukte oder eine Direktanlage nicht leisten können.» Grundsätzlich ist es ratsam, nur Barrier Reverse Convertibles auf Aktien zu kaufen, die man auch bereit ist, im Depot zu halten. Entwickelt sich der Markt nicht wie prognostiziert, muss man die Situation neu bewerten und abwägen, was für das Halten einer Position spricht und was dagegen. Das Ergebnis kann mitunter sehr unterschiedlich sein, je nach Anlegertyp, Markterwartung und Depotzusammensetzung. Statt jede einzelne Aktie im Portfolio zu verkaufen, lässt sich ein Portfolio aus Schweizer Titeln beispielsweise mit Mini-Shorts auf den SMI näherungsweise absichern. Sind die Marktturbulenzen überstanden, kann man die Absicherung auflösen, indem die Mini-Short- Position verkauft wird. In volatilen Märkten sind Mini-Futures übrigens für kurzfristige Trades unter Anlegern sehr beliebt. Mit einem höheren Zinsniveau können Kapitalschutzprodukte wieder attraktivere Konditionen aufweisen. Sie ermöglichen zum Beispiel die Partizipation am Aktienmarkt bei gleichzeitigem Schutz des Nominalbetrags per Verfall. Zu beachten ist: Steigen die Zinsen nachhaltig, kann das während der Laufzeit eines Kapitalschutzprodukts einen negativen Effekt auf den Preis haben. Per Verfall gilt jedoch das Kapitalschutzniveau. Anleger sollten immer die Produktbedingungen im Termsheet studieren und sich über das Emittentenrisiko informieren. Von höheren Zinsen kann tendenziell die jeweilige Währung profitieren. Mit Mini-Futures auf Währungen können Anleger auf dieses Szenario setzen. Strukturierte Produkte werden in Zukunft weiter an Bedeutung gewinnen, weil sie Mehrwert bieten, den andere Finanzprodukte oder eine Direktanlage nicht leisten können. Vereinfacht gesagt helfen strukturierte Produkte, die Rendite und das Risiko im Portfolio besser zu steuern beziehungsweise zu optimieren und das unter Berücksichtigung der persönlichen Renditevorstellungen, der Risikotoleranz und der Markterwartung. Strukturierte Produkte sind auch über die Börse handelbar. Damit stehen ihre Möglichkeiten nicht nur Profis, sondern im Prinzip jedermann zur Verfügung. Ob das Produkt nach dem Berühren der Barriere verkauft werden soll, hängt von der Markterwartung des Anlegers ab. Glaubt er weiter an eine positive Entwicklung der Aktie, sollte er im Barrier Reverse Convertible investiert bleiben, weil er an der Erholung der Aktie partizipiert. Der Coupon wird auch nach dem Durchbrechen der Barriere ausgezahlt. Falls man weiter sinkende Kurse der Aktie erwartet, sollte man das Produkt verkaufen aber nicht als Panikreaktion. Häufig kommt es zu einer Gegenbewegung, die dann zum Ausstieg genutzt werden kann. Produkte mit vollem Kapitalschutz sind wegen der niedrigen Zinsen sehr teuer. Für attraktivere Konditionen, und um das Verlustrisiko trotzdem zu begrenzen, kann der Kapitalschutz zum Beispiel auf 9 oder 95% reduziert werden. Barrier Reverse Convertibles profitieren bei hoher Volatilität von höheren Coupons oder tieferen Barrieren. Um sich vor kleinen bis mittleren Marktkorrekturen zu schützen, kann die Barriere tiefer gesetzt werden; auch solche von 5% und mehr sind möglich. Eine andere Variante ist, eine europäische Barriere zu wählen, die statt während der Laufzeit nur bei der Schlussfixierung beobachtet wird. Bei steigenden Zinsen ist auf die Duration der Produkte zu achten. Je höher die Duration, desto grösser der Kursverlust im Sekundärmarkt. Produkte mit variablen Coupons haben generell eine tiefere Duration als solche mit fixem Coupon. Floored Floaters zahlen einen variablen Coupon und ermöglichen eine garantierte Mindestverzinsung, solange der Referenzzins unter dem Mindestcoupon liegt. Sobald der Referenzzins über dem Mindestcoupon handelt, profitiert der Anleger von entsprechend höheren Couponzahlungen. Manuel Müggler Credit Suisse «Anders als bei anderen Anlageinstrumenten ist das Rückzahlungsszenario von Anfang an klar und transparent.» Der Vorteil von strukturierten Produkten besteht in der Flexibilität ihrer Ausgestaltung. Es können positive wie negative Marktszenarien abgebildet werden, Anleger können währungsgesichert in ausländische Märkte investieren, und es gibt Produkte, die von tiefer, und andere, die von hoher Volatilität profitieren. Anders als bei anderen Anlage instrumenten wie etwa Fonds ist das Rückzahlungsszenario von Anfang an klar und transparent. Deshalb haben sich strukturierte Produkte in den letzten Jahren als eigene Anlageklasse etabliert und werden auch in Zukunft weiter wachsen.14 September 5 Strukturierte Produkte Sonderbund der 7 Von der Idee zum fertigen Index IDEENSCHMIEDE Indizes gibt es zuhauf. Trotzdem kreieren Indexanbieter stets neue Ideen und Indizes, die als Basiswerte für Investmentprodukte wie Zertifikate und ETF genutzt werden. Steffen Scheuble Neue Ideen ergeben sich häufig auf eine einfache Art und Weise: mit offenen Augen durch die Welt gehen. Daraus resultieren zwei verschiedene Ansätze. Zum einen entstehen aus Marktsituationen stets neue Entwicklungen für Investoren: Welche Antworten gibt es auf das Niedrig zinsumfeld, welche Antworten auf das QE der Zentralbanken, welche Ideen ergeben sich aus Wechselkursschwankungen? Zum andern verändert sich die gesamte Welt und kreiert fortlaufend neue Ideen. Wer hat vor zwanzig Jahren an den Boom des Internets geglaubt, wer konnte den Boom bei Smartphones vorhersehen oder die vernetzte Welt in Wohnungen? WAS ES ZUR UMSETZUNG BRAUCHT Doch nicht jede Idee wird auch direkt umgesetzt. Jeder Index braucht ein entsprechendes Kundeninteresse. Es kann aus zwei Bereichen kommen: Private oder institutionelle Anleger wollen Geld investieren in Produkte, die den Index abbilden. Oder institutionelle Kunden benötigen eine Benchmark, die ein bestimmtes Marktsegment abbildet und zur Performancemessung herangezogen wird. Nur wenn eines dieser beiden Kriterien erfüllt ist, wird ein Index auch lanciert. Bevor ein Index lanciert wird, spielt das Design die alles entscheidende Rolle. Zwei Themenbereiche sind hierfür entscheidend: Repräsentiert der Index das Thema, das er abbilden soll? Ist der Index handelbar? Kann also ein Emittent die entsprechenden Aktien, die im Index enthalten sind, handeln, um den Index abzubilden? Gerade bei neueren Technologien sind diese Themen schwierig umzusetzen. Auf der einen Seite gibt es noch nicht genügend handelbare Aktien von Unternehmen, die sich auf eine neue Technologie spezialisiert haben. Auf der anderen Seite braucht man aber ein gewisses Mindestmass an Diversifikation, um innerhalb des Index kein Klumpenrisiko abzubilden. Anfang Jahr haben wir den Solactive Wearable Tech Performance Index lanciert, der die führenden Kräfte der Wearable-Technology-Industrie abbildet. Zunächst gilt es, Unternehmen zu finden, die einen signifikanten Teil ihres Geschäfts in diesem Sektor aufweisen, sprich: Technologien und Sensoriken in Kleidung oder Accessoires, die am Körper, in Körpernähe oder im Körper selbst getragen werden. So scheiden bereits viele «Verdächtige» wie Apple aus, weil der Bereich im Vergleich zur herkömmlichen Tätigkeit klein ist. Sind die «reinen» Unternehmen identifiziert, müssen im zweiten Schritt die Liquidität via Marktkapitalisierung und das durchschnittliche Handelsvolumen der letzten Monate überprüft werden, was bei neueren Technologien und den damit verbundenen Start-ups oft nicht ganz einfach ist. Der Wearable-Tech-Index bildet zurzeit acht «Pure Plays» ab, jedoch werden beim nächsten Rebalancing, aufgrund der wachsenden Nachfrage nach solchen Produkten wie Insulinpumpen oder Fitness-Armbändern, weitere Aktien wie Fitbit aufgenommen. Bei anderen Themen stellt sich neben den erläuterten Punkten auch die Frage der Datenbeschaffung. Ein international viel beachtetes Thema sind zurzeit Indizes, die sich mit der CO-Produktion von Unternehmen beschäftigen. Das Ziel ist, in Gesellschaften zu investieren, die einen geringen CO-Ausstoss verursachen und deswegen umweltfreundlicher sind als andere Unternehmen. Ausgewählte Solactive-Indizes Solactive Cloud Computing Solactive Dynamic Infra angeglichen BEISPIEL: WENIG CO-AUSSTOSS Diese Indizes beginnen stets mit einem Grunduniversum beispielsweise den tausend grössten Gesellschaften Amerikas. Im zweiten Schritt geht es darum, diejenigen mit geringem CO-Ausstoss zu identifizieren. Dabei gibt es zwei Ansätze: Sehr viele Unternehmen weltweit weisen die CO-Kennzahl bereits in ihrem Jahresbericht aus. Damit hat man einen verlässlichen Datenpunkt direkt von den jeweiligen Firmen. Externe Datenanbieter wie die in der Schweiz ansässige Unternehmensgruppe Southpole modellieren diese Datenpunkte basierend auf einer breiten Masse an Inputparametern. Der Ansatz von Solactive ist der folgende: Unternehmen, die keine Kennzahlen zum CO-Ausstoss berichten, haben mit grosser Wahrscheinlichkeit auch keine nachhaltig verfolgte Strategie in diesem Bereich. Somit werden sie aus der Indexkonstruktion ausgeschlossen. Unter den verbliebenen rund 7 Unternehmen sind Solactive Renewable Energy angeglichen 5 Quelle: Thomson Reuters / FuW die unterschiedlichsten Branchen und Sektoren vertreten. Offensichtlich ist, dass Industrie- und Rohstoff gesellschaften deutlich CO-intensiver sind als Vertreter des Banken- oder des Mediensektors. Wenn nun alle Unternehmen mit einer hohen CO-Produktion unberücksichtigt bleiben, schliesst man nicht zwingend relativ schlechte Gesellschaften aus, sondern gesamte Sektoren. Dies würde dem Ziel des Index wider sprechen, denn auch Industriefirmen können trotz hoher CO-Produktion innerhalb ihres Sektors effizient sein. INTERESSE AN NACHHALTIGKEIT Solactive verfolgt für dieses Konzept einen sektorneutralen Ansatz. Das heisst: Um nicht gesamte Sektoren vollständig auszuschliessen, werden lediglich diejenigen Aktien eines Bereichs respektive einer Branche ausgesperrt, die um beim genannten Beispiel zu bleiben in die schlechtere Hälfte der CO-Produzenten gehören. Somit ist jeder Sektor weiterhin berücksichtigt, belohnt werden aber Unternehmen, die besser als ihre Peers sind. Der Index wird in diesen Tagen von Solactive lanciert. Das Interesse an nachhaltigen Themen, sowohl in Europa als auch in Amerika, hat in den letzten Jahren deutlich angezogen. Somit hoffen wir, dass wir mit dieser Neuerung auch durchschlagenden Erfolg auf der Investorenseite haben werden. Steffen Scheuble, CEO, Solactive, Frankfurt Anzeige Trends erkennen Partizipieren Sie am digitalen Strukturwandel im Finanzsektor Mobile Bezahlsysteme, virtuelle Infrastrukturen, Crowd Funding und Social Trading UBS vernetzt Sie mit einem neuen Anlageuniversum, das die weltweit grössten Fintech-Unternehmen vereint. Detaillierte Informationen zu den Produktlösungen erhalten Sie auf ubs.com/fintech oder via und über *. 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Dieses Inseratstelltkeinenvereinfachten Prospekt im Sinnevon Art. 5KAG sowiekeinkotierungsinserat im Sinnedes Kotierungsreglementesdar.Die massgebendeproduktdokumentation kann direkt beiubs Investment Bank im -h-serviceunter Tel. 9 7,Fax 9 69 oder über an bezogen werden. Diese Emission unterliegt möglicherweise Verkaufsbeschränkungen u.a. für Europa, Hongkong, Singapur, die USA und US-Personen (die Emission unterliegt schweizerischem Recht). Vor dem Eingehen von strukturierten Transaktionen empfiehlt sich eine fachkundige Beratung durch Ihre Hausbank. Die Angaben in diesem Inserat erfolgen ohne Gewähr. UBS 5. Alle Rechte vorbehalten. *Wir machen Sie darauf aufmerksam, dass Gespräche auf den mit * bezeichneten Anschlüssen aufgezeichnet werden können. Bei Ihrem Anruf auf diesen Linien gehen wir davon aus, dass Sie mit dieser Geschäftspraxis einverstanden sind.15 8 Sonderbund der Strukturierte Produkte September 5 Akutes Infektionsrisiko KAPITALMÄRKTE Der Chinaschock hat die Märkte erschüttert. Die Schwäche der Schwellenländer belastet die gesamte Weltwirtschaft. Heinz-Werner Rapp Die Realität hat die Kapitalmärkte eingeholt. Mit seiner für viele überraschenden Yuanabwertung hat China seine wirtschaftlichen Schwächen offengelegt. Dass die chinesische Führung mit ernsthaften Problemen kämpft und sogar zu einer Abwertung der Landeswährung greifen musste, hat die Börsen weltweit erschüttert. China, das einstige Zugpferd der Weltwirtschaft, exportiert über die Yuanabwertung wirtschaftliche Schwäche und wird somit zu einer globalen Belastung. Die Abwertung hat die Sorgen um die Folgen eines Konjunktureinbruchs in China weltweit verstärkt. Eine anhaltend schwächere Chinawirtschaft würde auch einen Einbruch der Nachfrage nach westlichen Exportgütern bedeuten, etwa nach deutschen Maschinen oder Autos. Als zweitgrösste Volkswirtschaft ist China «systemrelevant» für die Welt konjunktur. Wenn es strauchelt, sind Deflationsgefahren für eine ohnehin angeschlagene Weltwirtschaft unvermeidlich. GLOBALE ABWÄRTSSPIRALE Die Finanzmärkte sehen sich mit einer neuen Realität konfrontiert, die auch mit einer Ernüchterung hinsichtlich der vermeintlichen Allmacht der Notenbanken einhergeht. Und mit jeder Wirklichkeitsanpassung sprich: dem Abgleichen der tendenziell enttäuschenden Fundamentaldaten mit den eingepreisten optimistischen Wachstumserwartungen steigt die Anfälligkeit für tiefgreifende Korrekturen. Die globale Abwärtsspirale hat ihren Ursprung vor allem in der engen wirtschaftlichen Verflechtung zwischen China und anderen Emerging Markets. Was in Chinas Boomphase der vergangenen Jahre positiv ausgestrahlt hatte, führt nun zu gegenteiligen Effekten: Wenn das chinesische Wachstum schwächelt, fallen die Rohstoffpreise, weil die Nachfrage sinkt. Das verursacht vor allem den rohstoffexportierenden Schwellenländern, die ohnehin bereits unter einer hohen Auslandverschuldung leiden, Probleme. Gleichzeitig sind eben diese Länder Chinas wichtigste Handelspartner. Aufgrund dieser ausgeprägten handelsseitigen Interdependenzen schaukeln sich die Emerging Markets immer weiter ins Minus die massive Schwäche sowohl bei Aktien als auch den Währungen belegt die Verletzlichkeit deutlich. Diese negative Chinas Entwicklung zu einem modernen Industriestaat stockt. Rückkopplung ist im gesamten Block der Schwellenländer bereits seit rund vier Jahren zu beobachten. Davor herrschte über viele Jahre noch der «Sweet Spot», in dem der chinesische Aufschwung auch die anderen Schwellenländerwirtschaften, vor allem über die Rohstoffnachfrage, mit nach oben zog Emerging Markets MSCI Emerging Markets S&P 5 angeglichen SPI-Gesamtindex angeglichen Quelle: Thomson Reuters / FuW ein positiver Effekt, der allerdings teuer erkauft war. Denn er führte zu einer Ausweitung der inländischen Verschuldung und im Zuge dieser Verschuldung zu einem enormen Zufluss externen Kapitals. Diese ehemals positiven Faktoren sind jetzt zur Belastung geworden und verstärken sich gegenseitig im Abwärtszyklus. Abhängigkeit deutlich gestiegen Anteil der Importe am Welthandel: EmMa (ohne China) China USA EU Japan in % 5 EmMa sind wichtig für den Welthandel Quelle: Feri / Grafik: FuW, sm BILD: SIMON TANNER/KEYSTONE Sollte die amerikanische Notenbank in Kürze die Zinswende einläuten, würde dies wohl zu weiteren Kapitalabflüssen aus den Emerging Markets führen. Und weil die externe Verschuldung häufig in Hartwährung denominiert ist, geraten die Lokalwährungen zusätzlich unter Druck. In China und den meisten Emerging Markets herrscht derzeit ein «Perfect Storm» eine Vielzahl an Negativfaktoren kommt gleichzeitig zusammen. Eine weitere Zuspitzung ist vor allem in Brasilien, Russland und in der Türkei nicht von der Hand zu weisen. Ein abrupter Absturz ähnlich der Asienkrise in den Neunzigerjahren dürfte diesmal zwar nicht drohen, was jedoch primär der ultralockeren Geldpolitik in den Industriestaaten zu verdanken ist. Sie hat den Kapitalabfluss aus den Emerging Markets bisher deutlich gebremst. Doch auch eine Krise im «Zeitlupen modus» fordert ihren Tribut. Die Schwellenländer nicht nur China sind für die Welt ein akutes Infektionsrisiko, das vor allem exportstarke Industrieländer belasten wird. Jüngste Statistiken weisen darauf hin, dass die chinaexponierte deutsche Exportindustrie bereits Bremsspuren zeigt. Dabei darf die Krise in China niemanden wirklich überraschen schon die vergangenen Jahre waren geprägt durch massiven Schuldenaufbau und entsprechende Fehlallokation von Kapital. Als Reaktion auf die Finanzkrise 8 ordnete China eine enorme Kreditausweitung an. Gleichzeitig förderte die extrem expansive Geldpolitik in den Industrieländern überhöhte Kapitalströme in die Emerging Markets. Dadurch wurde der Wirtschaftszyklus der chinesischen Wirtschaft sowie der von ihr «Auch eine Krise im Zeitlupenmodus fordert ihren Tribut.» abhängigen Emerging Markets künstlich verlängert. Der rapide Schuldenaufbau häufig nach dem Giesskannenprinzip wurde dabei in Kauf genommen. Die jeweiligen Finanzsysteme geraten bei solch einer Entwicklung zunehmend unter Druck, denn nach jeder «Verschuldungsparty» kommt auch ein «Kater»: Steigende Kreditausfälle ziehen sinkende Bankgewinne nach sich. Die Kapazität für die Vergabe neuer Kredite geht zurück, was weitere Fehlallokationen oft erst sichtbar macht ein Teufelskreis, der in China und in anderen Emerging Markets bereits in vollem Gange ist. NACH DER PARTY DER KATER Somit ist es kein Wunder, dass die globalen Finanzmärkte zunehmend angespannt und nervös reagieren. Zu lange haben die Marktteilnehmer das Problem ignoriert oder sorglos weggeschaut. Dieser «blinde Fleck» war bei vielen Investoren bis vor kurzem noch sehr ausgeprägt. Entsprechend gross fiel die «Überraschung» aus, was die heftigen Reaktionen der vergangenen Wochen an allen Anlagemärkten erklärt. Das Grundproblem massive strukturelle Schwächen vieler Schwellenländer wird nicht über Nacht verschwinden. Entsprechend werden auch in den kommenden Monaten Rezessionsängste, deflationäre Schocks und abrupte Volatilitätssprünge an der Tagesordnung sein. Heinz-Werner Rapp, Chief Investment Officer, Feri-Gruppe Christian Eck Hin zu leicht verständlichen Standardprodukten DEUTSCHLAND Zertifikate komplettieren neben Fonds und ETF das Angebot an Anlagelösungen für Privatkunden. Gleichzeitig dienen sie als kurzfristige Refinanzierungsquelle. Rund 6 Banken sind in Deutschland mit der Emission und dem Vertrieb von Zertifikaten aktiv. Acht haben einen Marktanteil von rund 8%. Knapp 65% der Emittenten sind Auslandbanken. Sie verfügen in Deutschland über kein eigenes, angeschlossenes Filialnetz und vertreiben ihre Zertifikate an Dritte, etwa Vermögensverwalter, Family Offices, Gross-, Privat-, Volksbanken und Sparkassen. Vier Landesbanken konkurrieren im Vertrieb innerhalb der Sparkassenorganisation und stehen zusätzlich im Wettbewerb mit der ebenfalls zum Sparkassensektor gehörenden Deka Bank. DZ Bank und WGZ Bank sind die natürlichen Produktanbieter für die Volks- und Raiffeisenbanken. Deutsche Bank und Commerzbank vertreiben an ihr eigenes Filialnetz wie auch an externe Kunden. Zertifikate komplettieren neben Fonds und ETF das Angebot an Anlageprodukten für Privatkunden und dienen gleichzeitig als kurzfristige Refinanzierungsquelle. Das Geschäft wird zunehmend herausfordernd verschärfte Kapitalanforderungen, regulatorische Vorschriften und Margendruck tragen dazu bei. Gleichzeitig erschweren ver altete IT-Systeme und aufwendige Produkteinführungsprozesse es oft, schnell und effizient auf Markttrends oder Nachfrageänderungen zu reagieren. Die Auslagerung von Services wird daher auch für etablierte Emittenten immer attraktiver. REGULATOR STELLT AUFLAGEN Für den Investor sind Zertifikate unumgänglich, um eine bestimmte Marktmeinung effizient und flexibel umzusetzen oder Gelder längerfristig entsprechend den Risiko- und Renditeanforderungen anzulegen. Sie werden in Hebel- und Anlageprodukte klassifiziert, derzeit ist über Mio. Produkte an den deutschen Börsen kotiert. Zu den Hebelprodukten zählen Optionsscheine, Knock-out-Produkte und Faktorzertifikate, die hauptsächlich über Onlinebroker den sogenannten Selbst Zinstief drückt durch Mögl. Coupon eines Express-Zertifikats auf den EuroStoxx 5 in Euro Quelle: Leonteq / Grafik: FuW, sm entscheidern zum Handel zur Verfügung stehen. Wegen der geringen einzusetzenden Prämie beträgt das Marktvolumen nur %, wobei die Anzahl der Zertifikate fast 6% des Gesamtmarktes ausmacht. KREDITGEBUNDEN FÜR MEHR ZINS Wurden im Jahr 8 noch über siebzig verschiedene Ausgestaltungen an Anlageprodukten angeboten, zeigt sich heute ein klarer Trend zu einigen wenigen, einfach verständlichen Standardinstrumenten. Sie werden entweder als Privatplatzierungen oder über öffentliche Emissionen auf den Markt gebracht. Bei den Anlageprodukten bestreiten Kapitalschutz- und strukturierte Zinsprodukte rund 5% des Marktvolumens Tendenz wegen des niedrigen Zinsniveaus rückläufig. Dagegen werden verstärkt kreditgebundene Anleihen (Credit Linked Notes) emittiert, bei denen zur Renditemehruzng zusätzliche Kredit namen angebunden werden. Bei den aktiengebundenen Zertifikaten ohne Kapitalschutz zählen weiterhin Reverse Convertibles, Discount-Zertifikate, Bonuszertifikate und Express-Zertifikate zu den meistgefragten Produkten. Bei Express-Zertifikaten wird während der Laufzeit an Stichtagen der Kurs des Basiswerts, oft eines Aktienindex, betrachtet. Liegt er auf oder über der Express- Schwelle, wird das Zertifikat inklusive eines Coupons vorzeitig zurückgezahlt. Sonst läuft es weiter, wobei nicht gezahlte Coupons aufgeholt werden. Der Einbezug einer Barriere sorgt für einen teilweisen Kapitalschutz. Wegen der positiven Entwicklung der Aktienmärkte wurden viele dieser Produkte vorzeitig zurückgezahlt und in neue Tranchen gerollt. Allerdings hat sich in den letzten Jahren die Höhe des möglichen Coupons zunehmend verringert. Das liegt vor allem an den niedrigen Marktzinsen, der gesunkenen Aktienvolatilität und den rückläufigen Funding Spreads der Emittenten. Die Grafik zeigt den möglichen Coupon eines Express-Zertifikats auf den Euro Stoxx 5 im wöchentlichen Vergleich seit. Das Produkt hat eine Laufzeit von maximal sechs Jahren, eine Express- Beobachtung von % und eine Barriere von 5%, beobachtet am Laufzeitende. Von,95% im Oktober hat sich der mögliche Coupon knapp 8% auf,55% im November verringert. Für höhere Coupons wurde die Ausgestaltung der Zertifikate angepasst, beispielsweise durch die Verlängerung der Laufzeit, das Optimieren von Beobachtungsschwellen und Barrieren oder das Anbinden eines zusätzlichen Index. Oft lohnt sich das simple Timing günstiger Einstiegszeitpunkte: Als Anfang August der EuroStoxx 5 in drei Handelstagen knapp % sank, erhöhte sich aufgrund der gestiegenen Volatilität der mögliche Express-Coupon um % auf fast %. Christian Eck, Head Germany, Leonteq16 September 5 Strukturierte Produkte Sonderbund der 9 Das Instrument der Stunde PARTIZIPATION Das Zusammentreffen aussergewöhnlicher Marktparameter ist der ideale Nährboden für Partizipationsprodukte. Sacha J. Duparc Um die gegenwärtige Situation aussergewöhnlicher Marktparameter zu nutzen, eignen sich Partizipationsprodukte ausgezeichnet. Dazu gehören besonders Outperformance-, Bonus-, und Twin-Win-Zertifikate. In der aktuellen Marktkonstellation kann von drei Besonderheiten dieser Produkte profitiert werden: von den eskomptierten Dividenden, der steuerlicher Optimierung und der impliziten Volatilität, die sich nahe dem historischen Höchst bewegt. Anlagemethoden begnügen sich oft damit, die Eintretenswahrscheinlichkeit von Ereignissen zu berechnen und in Hypothesen zur mathematischen Erwartung von Renditen und Risiken zu übersetzen. Sie beschränken sich darauf, die zukünftige Entwicklung aus den historischen Daten abzuleiten. In diesen Fällen wird die Attraktivität der Partizipationsprodukte auf die Asymmetrie ihres Rendite- und Risikoprofils reduziert. Die Marktvariablen, die ihre eigentliche Attraktivität ausmachen, bleiben aussen vor. ENORM VIELFÄLTIG Partizipationsprodukte sind massgeschneiderte Instrumente, für die es fast unendlich viele Möglichkeiten gibt, Optionen zu kombinieren. Daher können sie sehr präzise auf die Erwartungen des Vermögensverwalters bzw. des Anlegers, wie sich ein Basiswert entwickeln wird, zugeschnitten werden. So ist etwa eine Lösung denkbar, bei der der Gewinn in bestimmten Performancebereichen überproportional ausfällt, der potenzielle Verlust aber weiterhin demjenigen einer Direktanlage in den Basiswert entspricht. Es ist aber auch möglich, mithilfe einer Barriere einen Teil-Kapitalschutz zu erreichen, verschiedene Coupons hinzuzufügen oder aber die Auszahlungsprofile so abzuändern, dass sowohl bei einem Anstieg wie auch bei einem Rückgang des Basiswertkurses ein Gewinn erzielt werden kann (Twin-Win-Struktur). Diese Methoden basieren jedoch ausschliesslich auf Hypothesen der realen Welt. Wegen ihrer konzeptuellen Einfachheit besteht die Gefahr, dass die Faktoren, die der tatsächlichen Attraktivität der asymmetrischen Partizipationsprodukte zugrunde liegen, verborgen bleiben. Um sich ein klares Bild davon zu machen, welche Gewinnchancen eine asymmetrische Anlagelösung tatsächlich bietet, muss Folgendes bedacht werden: Die Bewertung stützt sich ausschliesslich auf die zu einem bestimmten Zeitpunkt gegebenen Marktparameter, ihr wird also eine risikoneutrale Welt zugrunde gelegt. Daher muss jedem Anlageentscheid eine Analyse aller mit dem Basiswert verbundenen Faktoren sowie der Parameter vorausgehen, die vom Optionenmarkt beeinflusst werden. NICHT WIE DIREKTANLAGE Partizipationsprodukte unterscheiden sich von der Direktanlage in die Basiswerte in drei Punkten grundlegend. Der erste betrifft die Bewertung, die sich bei strukturierten Produkten auf den Nettozukunftswert oder Forward des Basiswerts stützt. Die abgezinsten Zahlungsströme Euro-Stoxx-5-Renditeprofil eines Outperformance-Produkts,5 Calls 5% für Put 95% am. Juli 5 und Wahrscheinlichkeitsdichte Renditeprofil am 8..6 Renditeprofil am Implizite Wahrscheinlichkeitsverteilung am 9. Juli 6 (re. Skala) Jahresperformance in % 5 5 Niveau des Basiswerts Spot 5 6 «Partizipationsprodukte sind präzise zugeschnitten auf die Erwartungen des Anlegers.» 9 6 Wahrscheinlichkeit in % Quelle: BCV / Grafik: FuW, sm werden von diesem Wert abgezogen. Es ist also möglich, sie mit einem Struki zu bestimmen. Da die meisten Unternehmen derzeit eine grosszügige Ausschüttungspolitik verfolgen, haben die in Partizipationsprodukte investierten Anleger einen entscheidenden Vorteil. Sie können eine attraktive Rendite realisieren, d. h. von der Aussicht auf eine hohe Dividende profitieren, ohne die Risiken tragen zu müssen, die mit der Ungewissheit der Gewinnausschüttungspolitik der Unternehmen verbunden sind. Der zweite Punkt ist eine Folge des ersten: Über den Forward sichern sich die in Zertifikate investierten Anleger einen grösseren Anteil (nach Steuern) an den mit dem Basiswert verbundenen Ausschüttungen. Im Nullzinsumfeld entspricht die Höhe der Forward-Abschläge etwa der Summe der abgezinsten Bruttodividenden, also der Summe aller Ausschüttungen vor Steuern. Mit strukturierten Produkten ist es also möglich, einen potenziellen Ertrag in einen Kapitalgewinn umzuwandeln und so eine höhere Rendite nach Steuern zu erzielen als mit der Direktanlage in den Basiswert. DIE LÄCHELNDE KURVE Der dritte Punkt betrifft die Oberfläche der von den Optionsprämien hergeleiteten impliziten Volatilität. Entgegen dem Black-Scholes-Modell hängt die Höhe der Volatilität vom Ausübungspreis und von der Restlaufzeit der Optionen ab gemeinhin unter dem Namen Volatility Smile oder Volatilitätslächeln bekannt. Denn wird die Abhängigkeit der Volatilität vom Ausübungspreis in einem Diagramm dargestellt, erinnert die Kurve an ein Lächeln. Zurzeit ist es allerdings recht schief, denn verglichen mit den Prämien der Puts waren die Prämien der Calls kaum je so niedrig (vgl. Grafik). Das erklärt sich durch das Ungleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage am Optionenmarkt, wo die Gesamtnachfrage nach aus dem Geld liegenden (Outof-the-Money-)Puts signifikant höher ist als diejenige nach Calls, die gleich weit vom Geld entfernt sind. Deshalb sind strukturierte Produkte mit Partizipation das Instrument der Stunde, um die aktuelle Konstellation mit mehreren aussergewöhnlichen Markt parametern einfach und effizient zu nutzen. Sacha J. Duparc, Leiter Strukturierung und Trading Strukturierte Produkte, Banque Cantonale Vaudoise Anzeige BEI UNS SPRECHEN EDELMETALLE JEDE SPRACHE. EDELMETALLE STEUERFREI KAUFEN, VERKAUFEN UND LAGERN MIT DEN PRO AURUM ZOLLFREILAGERN IN DER SCHWEIZ ODER IN HONG KONG. PRO AURUM ZÜRICH Weinbergstrasse 88 Kilchberg + () PRO AURUM LUGANO Via Cantonale Centro Galleria 698 Manno + (9) PRO AURUM HONG KONG Grand City Plaza Office Unit No. 89, 8/F, -7 Sai Lau Kok Road, Tsuen Wan, New Territories Hong Kong +85 (586) 99 BAD HOMBURG BERLIN DRESDEN DÜSSELDORF HAMBURG MÜNCHEN STUTTGART WIEN LUGANO ZÜRICH HONG KONG17 Smarte Autos in einer vernetzten Welt Vernetzte Autos schaffen über mehr Sicherheit, Komfort und Entertainment ein neues Fahrerlebnis. Das Marktpotenzial ist immens und Premium-Marken bauen die Technologien schon serienmässig ein. Massgeblich sind Qualität und Nutzenstiftung der innovativen Technologien die von den Autoherstellern aber nicht selbst produziert werden. Ohne auf Automobilkonnektivität spezialisierte Zulieferer geht es also nicht und da diese Lieferanten dem Konnektivitätstrend am stärksten ausgesetzt sind, dürften sie auch am ehesten von der Marktdynamik profitieren. «Vernetzt» investieren Auch Anleger könnten davon profitieren zum Beispiel über eine Investition in ein VONCERT Open End auf den «Solactive Smart Cars Performance- Index». Bei den bis zu internationalen Indexmitgliedern handelt es sich um Automobilzulieferer und Technologieunternehmen, deren Geschäftsmodell massgeblich auf der Herstellung von Vernetzungstechnologien für die Automobilindustrie basiert. Damit partizipieren Anleger nahezu : an dieser interessanten Indexstrategie an potenziellen Kurssteigerungen des Index, aber auch an möglichen Verlusten. Erfahren Sie mehr dazu im neuen derinews-blog VONCERT Open End auf den «Solactive Smart Cars Performance-Index» Neuemissionen, Zeichnungsschluss.9.5, 6. Uhr MEZ Valor Symbol Basiswert Emissionspreis Laufzeit VZSCC «Solactive Smart Cars Performance-Index» CHF.5 Open End VZSCE «Solactive Smart Cars Performance-Index» EUR.5 Open End VZSCU «Solactive Smart Cars Performance-Index» USD.5 Open End Startzusammensetzung des Index bei Anfangsfixierung (Gewichtung je 5%) Aktien Währung Aktien Währung Aktien Währung Aktien Währung Continental AG EUR Skyworks Solutions Inc. USD Ametek Inc. USD Linear Technology Corporation Denso Corporation JPY Amphenol Corp. USD Aisin Seiki Co. Ltd JPY Omron Corp JYP Johnson Controls Inc. USD Rockwell Automation Inc. Delphi Automotive Plc. USD Altera Corp USD Magna International Inc. Emittentin Vontobel Financial Products Ltd., DIFC Dubai, Garantin Vontobel Holding AG, Zürich. Anfangsfixierung 5.9.5, Liberierung..5. Managementgebühr % p.a., Kotierung: Wird an der SIX Swiss Exchange beantragt. ) Sämtliche Angaben sind indikativ und können angepasst werden. Emissionspreis inklusive CHF.5, EUR.5 bzw. USD.5 Ausgabeaufschlag. Bei einer Investition in das VONCERT sind weitgehend die gleichen Risiken wie bei einer Direktanlage in den Basiswert zu beachten, insbesondere die entsprechenden Fremdwährungs-, Markt- und Kursrisiken. VONCERT erbringen keine laufenden Erträge und verfügen über keinen Kapitalschutz. USD USD BorgWarner Inc. USD Garmin Ltd. USD Renesas Electronics Corporation USD Mobileye N.V. USD NVIDIA Corporation USD JPY STMicroelectronics NV EUR Trimble Navigation Limited USD SVSP-Bezeichnung: Tracker-Zertifikat () Kategorie: Partizipation Die Termsheets mit den rechtlich verbindlichen Angaben sowie weitere Informationen finden Sie unter Vontobel Holding AG (Moody s A) Bank Vontobel AG (Moody s A) Telefon Leistung schafft Vertrauen Diese Publikation dient lediglich der Information und richtet sich ausdrücklich nicht an Personen, deren Nationalität oder Wohnsitz den Zugang zu solchen Informationen aufgrund der geltenden Gesetzgebung verbieten. Sie stellt kein Kotierungsinserat, keinen Emissionsprospekt gem. Art. 65a OR bzw. 56 OR und keinen vereinfachten Prospekt gem. Art. 5 des Bundesgesetzes über die kollektiven Kapitalanlagen (KAG) dar und ist weder als Offerte oder Einladung zur Offertstellung noch als Empfehlung zum Erwerb von Finanzprodukten zu verstehen. Die rechtlich massgebliche Produktdokumentation (Kotierungsprospekt) besteht aus dem definitiven Termsheet mit den Final Terms und dem bei der SIX Swiss Exchange registrierten Emissionsprogramm. Diese sowie die Broschüre «Besondere Risiken im Effektenhandel» können unter oder bei der Bank Vontobel AG, Financial Products, Bleicherweg, CH-8 Zürich, kostenlos bezogen werden. Derivative Produkte sind keine kollektiven Kapitalanlagen im Sinne des KAG und daher nicht der Aufsicht der Eidgenössischen Finanzmarktaufsicht FINMA unterstellt. Anlagen in Derivative Produkte unterliegen dem Ausfallrisiko des Emittenten/Garantiegebers und weiteren spezifischen Risiken, wobei ein möglicher Verlust auf den bezahlten Kaufpreis beschränkt ist. Vor dem Eingehen von Derivatgeschäften sollten Anleger die Produktdokumentation lesen, ausserdem empfiehlt sich eine fachkundige Beratung. Die Angaben in dieser Publikation erfolgen ohne Gewähr. 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