Source: https://www.rechtslupe.de/arbeitsrecht/die-weigerung-arbeitnehmers-2-3113189?pk_campaign=feed&pk_kwd=die-weigerung-arbeitnehmers-2
Timestamp: 2019-08-25 09:07:44
Document Index: 304207450

Matched Legal Cases: ['§ 241', '§ 615', '§ 12', '§ 12', '§ 264', '§ 263', 'BGH', '§ 11', '§ 615', '§ 45', '§ 611']

Dabei ist zunächst zu unter­su­chen, ob der Sach­ver­halt ohne sei­ne beson­de­ren Umstän­de „an sich” und damit typi­scher­wei­se als wich­ti­ger Grund geeig­net ist.
Die beharr­li­che Wei­ge­rung des Arbeit­neh­mers, sei­ne ver­trag­lich geschul­de­te Arbeits­leis­tung zu erbrin­gen, ist ein in die­sem Sin­ne „an sich” die außer­or­dent­li­che frist­lo­se Kün­di­gung recht­fer­ti­gen­der Grund2. Als ein sol­cher kommt aber auch die Ver­let­zung arbeits­ver­trag­li­cher Neben­pflich­ten in Betracht3. Das betrifft sowohl auf die Haupt­leis­tungs­pflicht bezo­ge­ne Neben­leis­tungs­pflich­ten, die der Vor­be­rei­tung, der ord­nungs­ge­mä­ßen Durch­füh­rung und der Siche­rung der Haupt­leis­tung die­nen und die­se ergän­zen4, als auch sons­ti­ge, aus dem Gebot der Rück­sicht­nah­me (§ 241 Abs. 2 BGB) erwach­sen­de Neben­pflich­ten5. Ob eine Ver­let­zung arbeits­ver­trag­li­cher (Neben-)Pflichten vor­liegt, ent­schei­det sich nach der objek­ti­ven Rechts­la­ge. Han­delt der Arbeit­neh­mer in der Annah­me, sein Ver­hal­ten sei recht­mä­ßig, hat grund­sätz­lich er selbst das Risi­ko zu tra­gen, dass sich sei­ne Rechts­auf­fas­sung als unzu­tref­fend erweist6.
Hin­sicht­lich der Auf­for­de­rung, die Arbeit auf­zu­neh­men, braucht der Arbeit­ge­ber kei­ne „Ankün­di­gungs­frist” ein­zu­hal­ten. Zwar ist der Arbeit­neh­mer nach Aus­spruch einer Kün­di­gung gehal­ten, sei­ne Arbeits­kraft ander­wei­tig zu ver­wer­ten, § 615 Satz 2 BGB. Des­halb räumt ihm § 12 KSchG ein Wahl­recht ein: Besteht nach einer Ent­schei­dung des Gerichts das Arbeits­ver­hält­nis fort und ist der Arbeit­neh­mer ein neu­es Arbeits­ver­hält­nis ein­ge­gan­gen, kann er bin­nen einer Woche nach der Rechts­kraft die Fort­set­zung des (frü­he­ren) Arbeits­ver­hält­nis­ses ver­wei­gern. Mit der Erklä­rung endet das (frü­he­re) Arbeits­ver­hält­nis und es ist ihm nach § 12 Satz 4 KSchG ent­gan­ge­ner Ver­dienst nur für die Zeit zwi­schen der Ent­las­sung und dem Tag des Ein­tritts in das neue Arbeits­ver­hält­nis zu gewäh­ren. Lässt der Arbeit­neh­mer die Wochen­frist aber ver­strei­chen, besteht das frü­he­re Arbeits­ver­hält­nis mit allen Rech­ten und Pflich­ten fort. Der Arbeit­neh­mer kann und muss des­halb jeder­zeit damit rech­nen, dass der Arbeit­ge­ber ihn zur Wie­der­auf­nah­me der Arbeit auf­for­dert12.
Gegen­stand des dem Arbeit­ge­ber zukom­men­den Direk­ti­ons­rechts ist im Übri­gen nicht allein die Haupt­leis­tungs­pflicht des Arbeit­neh­mers. Ihm unter­lie­gen gleich­falls sol­che Ver­hal­tens­pflich­ten, die dar­auf zie­len, den Aus­tausch der Haupt­leis­tun­gen sinn­voll zu ermög­li­chen16. Auch dies spricht dafür, dass der Arbeit­ge­ber den Arbeit­neh­mer nach einer für unwirk­sam erklär­ten Kün­di­gung – sofern er ihm nur einen Arbeits­platz über­haupt zur Ver­fü­gung stellt, zur „Arbeit” schlicht in der Wei­se auf­for­dern kann, dass er ihn mit der Maß­ga­be in den Betrieb ein­be­stellt, sich an einem vor­ge­ge­be­nen Ort zur Ent­ge­gen­nah­me wei­te­rer Wei­sun­gen bereit zu hal­ten.
Kommt der Arbeit­neh­mer einer ihm inso­weit auf­er­leg­ten Vor­be­rei­tungs­hand­lung bewusst nicht nach, kann dies zum einen indi­zie­ren, dass ihm die Bereit­schaft, Arbeit über­haupt zu leis­ten, fehlt17. Zum ande­ren liegt in dem Ver­hal­ten eine Ver­let­zung arbeits­ver­trag­li­cher Neben­pflich­ten, die bei inten­si­ver Wei­ge­rung „an sich” auch eine frist­lo­se Kün­di­gung zu recht­fer­ti­gen ver­mag.
Sach­grund­lo­se Befris­tung – und der Rechts­miss­brauch Schließt ein mit einem ande­ren Arbeit­ge­ber recht­lich und tat­säch­lich ver­bun­de­ner Arbeit­ge­ber mit einem zuvor bei dem ande­ren Arbeit­ge­ber befris­tet beschäf­tig­ten Arbeit­neh­mer einen sach­grund­los befris­te­ten Arbeits­ver­trag ab, kann es sich um…
Über­gang von einer Fest­stel­lungs­kla­ge auf die Leis­tungs­kla­ge Der Über­gang von einer Fest­stel­lungs­kla­ge auf die Leis­tungs­kla­ge bei gleich­blei­ben­dem Kla­ge­grund stellt nach § 264 Nr. 2 ZPO als Erwei­te­rung des bis­he­ri­gen Kla­ge­an­trags kei­ne Kla­ge­än­de­rung im Sinn des § 263…
BAG 22.10.2015 – 2 AZR 569/​14, Rn.20; 13.05.2015 – 2 AZR 531/​14, Rn. 27, 28↩
BAG 22.10.2015 – 2 AZR 569/​14, Rn. 22; 29.08.2013 – 2 AZR 273/​12, Rn.19 mwN↩
BAG 26.03.2015 – 2 AZR 517/​14, Rn. 23; 8.05.2014 – 2 AZR 249/​13, Rn.19↩
vgl. BGH 13.11.2012 – XI ZR 145/​12, Rn. 28↩
zum Inhalt mög­li­cher Neben­leis­tungs­pflich­ten vgl. BAG 28.10.2010 – 8 AZR 418/​09, Rn. 12↩
BAG 22.10.2015 – 2 AZR 569/​14 – aaO; 29.08.2013 – 2 AZR 273/​12, Rn. 32↩
vgl. BAG 16.05.2012 – 5 AZR 251/​11, Rn. 12, BAGE 141, 340; 13.07.2005 – 5 AZR 578/​04, zu II 1 der Grün­de, BAGE 115, 216; 24.09.2003 – 5 AZR 500/​02, zu I der Grün­de mwN, BAGE 108, 27↩
BAG 12.12 2012 – 5 AZR 93/​12, Rn. 22; 19.01.1999 – 9 AZR 679/​97, zu II 3 der Grün­de, BAGE 90, 329↩
BAG 12.12 2012 – 5 AZR 93/​12 – aaO; 16.05.2012 – 5 AZR 251/​11, Rn. 14 mwN, BAGE 141, 340; grund­le­gend 9.08.1984 – 2 AZR 374/​83, zu B II 5 b der Grün­de, BAGE 46, 234↩
BAG 16.05.2012 – 5 AZR 251/​11 – aaO; 19.01.1999 – 9 AZR 679/​97 – aaO↩
BAG 17.08.2011 – 5 AZR 251/​10, Rn. 16 mwN; APS/​Biebl 4. Aufl. § 11 KSchG Rn. 13↩
BAG 16.05.2012 – 5 AZR 251/​11, Rn. 18, BAGE 141, 340↩
BAG 19.01.1999 – 9 AZR 679/​97, zu II 1 der Grün­de, BAGE 90, 329; 21.01.1993 – 2 AZR 309/​92, zu II 2 d der Grün­de↩
BAG 21.01.1993 – 2 AZR 309/​92, zu II 2 d der Grün­de↩
Kon­zen Anm. AP BGB § 615 Nr. 35↩
BAG 23.08.2012 – 8 AZR 804/​11, Rn. 23, BAGE 143, 62; 23.06.2009 – 2 AZR 606/​08, Rn. 17; Schaub/​Linck ArbR-HdB 16. Aufl. § 45 Rn. 14↩
vgl. dazu BAG 22.02.2012 – 5 AZR 249/​11, Rn. 24, BAGE 141, 34; 25.08.2010 – 10 AZR 275/​09, Rn. 15 mwN, BAGE 135, 239↩
BAG 25.08.2010 – 10 AZR 275/​09 – aaO; Münch­Komm-BGB/­Mül­ler-Glö­ge 6. Aufl. § 611 BGB Rn. 10↩