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Timestamp: 2016-10-22 16:13:42
Document Index: 150081005

Matched Legal Cases: ['Art. 6', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE']

138 V 24830. Auszug aus dem Urteil der I. sozialrechtlichen Abteilung i.S. W. gegen Schweizerische Unfallversicherungsanstalt (SUVA) (Beschwerde in �ffentlich-rechtlichen Angelegenheiten)
Art. 6 al. 1 LAA; causalit� ad�quate en cas de tinnitus. En pr�sence d'un tinnitus qui n'est pas attribuable � une atteinte organique objectivable d'origine accidentelle, le rapport de causalit� ad�quate avec l'accident ne peut pas �tre admis sans faire l'objet d'un examen particulier comme c'est le cas pour d'autres tableaux cliniques sans preuve d'un d�ficit organique (clarification de la jurisprudence; consid. 5). Faits � partir de page 249
A. Der 1949 geborene W. war als Betriebsleiter in der Firma F. t�tig und dadurch bei der Schweizerischen Unfallversicherungsanstalt (SUVA) obligatorisch gegen Unfallfolgen versichert, als er am 26. August 2008 einen Unfall erlitt. Er wurde als Lenker eines Rennfahrrades von einem aus einer Querstrasse einm�ndenden, nicht vortrittsberechtigten Personenwagen angefahren und zu Boden geworfen. W. wurde zun�chst im Spital N. ambulant behandelt. Dort wurden eine Rippenkontusion links und eine Kontusion am linken Sternoclaviculargelenk diagnostiziert (Spitalberichte vom 27. und 29. August 2008). Der in der Folge aufgesuchte Hausarzt stellte folgende Diagnosen: "Kontusion/Subluxation des Sternoclavikulargelenks, reaktiv ziehende Schmerzen im Bereich der Halsmuskulatur lateral links und im Verlauf auch zunehmend st�render Tinnitus links". Zudem habe eine zahn�rztliche Untersuchung zwei Zahnfrakturen ergeben. Der Hausarzt best�tigte bis 7. September 2008 eine volle und danach eine h�lftige Arbeitsunf�higkeit (haus�rztlicher Bericht vom 30. September 2008). Die SUVA gew�hrte Heilbehandlung und richtete Taggeld aus. Per 28. Februar 2009 trat W. infolge vorzeitiger Pensionierung aus der Firma F. aus. Mit Verf�gung vom 29. September 2009 schloss die SUVA den Fall auf den 31. Oktober 2009 folgenlos ab. Sie begr�ndete dies damit, der noch geklagte Tinnitus sei organisch nicht objektiv nachgewiesen und stehe nicht in einem ad�quaten Kausalzusammenhang zum Unfall vom 26. August 2008. Damit bestehe kein Anspruch auf weitere Leistungen. Die Ad�quanz pr�fte der Versicherer nach der sog. Schleudertrauma-Praxis. Die vom Krankenpflegeversicherer des W. hiegegen vorsorglich eingereichte Einsprache wurde wieder zur�ckgezogen. Die Einsprache des Versicherten wies die SUVA mit Entscheid vom 21. Juli 2010 ab.
B. W. f�hrte Beschwerde mit dem Rechtsbegehren, in Aufhebung von Verf�gung und Einspracheentscheid der SUVA sei diese zu verpflichten, die gesetzlichen Leistungen �ber den 31. Oktober 2009 hinaus zu erbringen. In der Begr�ndung machte er geltend, es liege ein typisches Beschwerdebild bei Schleudertrauma vor; die ad�quate Unfallkausalit�t sei in Anwendung der Schleudertrauma-Praxis und der daraus folgenden Ad�quanzkriterien zu bejahen. Sodann begr�nde der durch einen Unfall verursachte Tinnitus auch selbstst�ndig und ohne Anwendung der Schleudertrauma-Praxis einen Leistungsanspruch.
Das Versicherungsgericht des Kantons Solothurn wies die Beschwerde mit Entscheid vom 10. Mai 2011 ab. Der Tinnitus sei organisch BGE 138 V 248 S. 250nicht als Unfallfolge ausgewiesen. Es liege sodann keine Verletzung vor, welche die Anwendung der Schleudertrauma-Praxis bei der Beurteilung des ad�quaten Kausalzusammenhangs rechtfertigen k�nnte. Dieser sei daher nach der sog. Psycho-Praxis zu pr�fen und zu verneinen.
C. Mit Beschwerde in �ffentlich-rechtlichen Angelegenheiten l�sst W. die Aufhebung des kantonalen Entscheids beantragen und sein vorinstanzliches Leistungsbegehren erneuern.
Mit nachtr�glicher Eingabe vom 7. Juli 2011 l�sst W. ein von der Eidg. Invalidenversicherung eingeholtes medizinisches Gutachten vom 31. Mai 2011 einreichen.
E. Das Bundesgericht hat am 3. Mai 2012 eine publikums�ffentliche Beratung durchgef�hrt.
3. Streitig und zu pr�fen ist, ob aus dem Unfall vom 26. August 2008 �ber den 31. Oktober 2009 hinaus Anspruch auf Leistungen der obligatorischen Unfallversicherung besteht. Als gegebenenfalls leistungsbegr�ndendes Leiden steht dabei der diagnostizierte Tinnitus zur Diskussion. Umstritten ist, ob der Tinnitus in einem gen�genden kausalen Zusammenhang zum Unfall vom 26. August 2008 steht.
4. Das kantonale Gericht hat im angefochtenen Entscheid die Rechtsprechung zum f�r einen Leistungsanspruch gem�ss UVG erforderlichen nat�rlichen und ad�quaten Kausalzusammenhang zwischen dem Unfall und dem eingetretenen Schaden (Krankheit, Invalidit�t, Tod) im Allgemeinen (BGE 129 V 177 E. 3.1 und 3.2 S. 181) sowie bei organisch objektiv ausgewiesenen Unfallfolgen und bei nat�rlich unfallkausalen, aber organisch nicht objektiv ausgewiesenen Beschwerden im Besonderen zutreffend dargelegt.
Hervorzuheben ist, dass die Ad�quanz als rechtliche Eingrenzung der sich aus dem nat�rlichen Kausalzusammenhang ergebenden Haftung des Unfallversicherers im Bereich organisch objektiv ausgewiesener BGE 138 V 248 S. 251Unfallfolgen praktisch keine Rolle spielt, da sich hier die ad�quate weitgehend mit der nat�rlichen Kausalit�t deckt (BGE 134 V 109 E. 2 S. 111 f.; BGE 127 V 102 E. 5b/bb S. 103). Sind die geklagten Beschwerden nat�rlich unfallkausal, aber nicht organisch objektiv ausgewiesen, so ist die Ad�quanz besonders zu pr�fen. Dabei ist vom augenf�lligen Geschehensablauf auszugehen, und es sind gegebenenfalls weitere unfallbezogene Kriterien einzubeziehen (BGE 134 V 109 E. 2.1 S. 111 f.). Hat die versicherte Person beim Unfall eine Verletzung erlitten, welche die Anwendung der Schleudertrauma-Rechtsprechung rechtfertigt, so sind hiebei die durch BGE 134 V 109 E. 10 S. 126 ff. pr�zisierten Kriterien massgebend. Ist diese Rechtsprechung nicht anwendbar, so sind grunds�tzlich die Ad�quanzkriterien, welche f�r psychische Fehlentwicklungen nach einem Unfall entwickelt wurden (BGE 115 V 133 E. 6c/aa S. 140; sog. Psycho-Praxis), anzuwenden (BGE 134 V 109 E. 2.1 S. 111 f.; vgl. zum Ganzen auch: Urteil 8C_216/2009 vom 28. Oktober 2009 E. 2, nicht publ. in: BGE 135 V 465, aber in: SVR 2010 UV Nr. 6 S. 25; SVR 2011 UV Nr. 10 S. 35, 8C_584/2010 E. 2). Es finden sich sodann Urteile, in welchen besondere Grunds�tze zur Kausalit�tsbeurteilung bei Tinnitus festgehalten wurden. Darauf wird nachfolgend n�her eingegangen.
5. Umstritten und als Erstes zu pr�fen ist, ob der �ber den 31. Oktober 2009 hinaus bestandene Tinnitus organisch objektiv ausgewiesen ist, mit der Folge, dass auf eine besondere Ad�quanzpr�fung verzichtet werden kann.
5.1 Die Rechtsprechung umschreibt den Begriff der organisch objektiv ausgewiesenen Unfallfolge - als Differenzierungsmerkmal f�r das Erfordernis einer Ad�quanzpr�fung - wie folgt:
Objektivierbar sind Untersuchungsergebnisse, die reproduzierbar und von der Person des Untersuchenden und den Angaben des Patienten unabh�ngig sind. Von organisch objektiv ausgewiesenen Unfallfolgen kann somit erst dann gesprochen werden, wenn die erhobenen Befunde mit apparativen/bildgebenden Abkl�rungen best�tigt wurden und die hiebei angewendeten Untersuchungsmethoden wissenschaftlich anerkannt sind (erw�hntes Urteil 8C_216/2009 E. 2; vgl. auch erw�hntes Urteil 8C_584/2010 E. 2).
5.2 Der vorliegend diagnostizierte Tinnitus wie auch eine ihm zugrunde liegende organische Sch�digung konnten nicht mit apparativen/bildgebenden Abkl�rungen best�tigt werden. Das ist insoweit BGE 138 V 248 S. 252nicht umstritten. Es fragt sich, ob der Tinnitus dennoch als organisch objektiv ausgewiesene Unfallfolge betrachtet werden kann.
Der Beschwerdef�hrer bejaht dies unter Berufung auf die Urteile des Eidg. Versicherungsgerichts (seit 1. Januar 2007: I. und II. sozialrechtliche Abteilungen des Bundesgerichts) U 116/03 vom 6. Oktober 2003 und des Bundesgerichts 8C_1048/2009 vom 16. April 2010. Danach sei der bei ihm gegebene Tinnitus als organisch objektiv ausgewiesene Unfallfolge zu betrachten, womit der ad�quate Kausalzusammenhang ohne Weiteres zusammen mit dem nat�rlichen Kausalzusammenhang zu bejahen sei.
5.3 Im Urteil U 116/03 E. 2.1 (in: RKUV 2004 S. 246) wurde erkannt, ein Tinnitus k�nne bis auf seltene Ausnahmen nicht objektivierbar erfasst werden. Das hindere die Medizin indessen nicht, diesen nach von der Rechtsprechung anerkannten Kriterien zu bestimmen, wobei eine optimale Beurteilung durch wiederholtes Befragen sowie ausf�hrliche Untersuchungen mit den anerkannten und �blichen audiologischen Methoden zum Ziel f�hre. Beim Tinnitus handle es sich um ein k�rperliches Leiden, dessen eigentliche Ursache in einem kleineren oder gr�sseren Innenohrschaden zu suchen sei. Bei organischen Unfallfolgen decke sich die ad�quate, d.h. rechtserhebliche Kausalit�t weitgehend mit der nat�rlichen Kausalit�t. Demnach sei im zu beurteilenden Fall - bei gegebenem nat�rlichem - auch der ad�quate Kausalzusammenhang zwischen dem Unfallereignis und dem diagnostizierten schweren Tinnitus zu bejahen.
Im Urteil 8C_1048/2009 vom 16. April 2010 E. 6 hielt das Bundesgericht an den erw�hnten Grunds�tzen zur Organizit�t des Tinnitus und dessen Verursachung durch einen Innenohrschaden fest. Im Urteil 8C_451/2009 vom 18. August 2010 E. 5.3 erwog es sodann, die Objektivierung eines Tinnitus k�nne zwar Probleme bereiten. Es erscheine aber m�glich, mittels medizinischer Untersuchungsmassnahmen die Plausibilit�t eines Tinnitus zu verifizieren, den Grad seiner Intensit�t zu bestimmen und andere Ursachen als den Unfall auszuschliessen.
5.4 Die Vorinstanz hat hiezu erkannt, das Bundesgericht habe das im Urteil U 116/03 Gesagte im Urteil 8C_390/2010 vom 20. Juli 2010 relativiert resp. pr�zisiert. Sie verweist dabei auf folgende Ausf�hrungen in E. 2.4 dieses Urteils:
"Soweit die Beschwerdef�hrerin unter Hinweis auf das Urteil U 116/03 (...) geltend macht, ihr Tinnitus sei als objektivierbare organische BGE 138 V 248 S. 253Gesundheitssch�digung zu sehen, ist (...) festzuhalten, dass im angerufenen Urteil ein schwerer Tinnitus im Grenzbereich zu den sehr schweren F�llen zur Diskussion stand, was hier nicht zutrifft. (...). Unter diesen Umst�nden aber ist im Tinnitus der Beschwerdef�hrerin - unabh�ngig davon, ob an dem nicht als Grundsatzentscheid ergangenen Urteil U 116/03 festgehalten wird - keine organisch ausgewiesene nat�rlich kausale Unfallfolge zu erblicken mit der Konsequenz, dass der Ad�quanzfrage praktisch keine selbstst�ndige Bedeutung mehr zuk�me."
Das kantonale Gericht ist sodann zum Ergebnis gelangt, im vorliegenden Fall bringe der Tinnitus gem�ss den medizinischen Berichten zwar durchaus gewisse Beeintr�chtigungen mit sich. Von einem schweren Tinnitus sei aber nicht auszugehen. Demnach rechtfertige es sich nicht, den hier diagnostizierten Tinnitus als organisch ausgewiesene nat�rlich kausale Unfallfolge zu betrachten. Dies habe zur Folge, dass die Ad�quanz gesondert zu pr�fen sei.
5.5 Der Beschwerdef�hrer macht geltend, er leide entgegen der vorinstanzlichen Beurteilung an einem schweren bis sehr schweren Tinnitus und mithin an einer organischen Unfallfolge im Sinne der erw�hnten Rechtsprechung.
5.6 Die �rztlichen Berichte �ussern sich unterschiedlich zum Schweregrad des Tinnitus. Ein Teil der Aussagen spricht f�r eine eher leichte Auspr�gung. Andere Berichte gehen von einem hohen Schweregrad aus. Es l�sst sich nicht verl�sslich auf die eine oder die andere Auffassung abstellen. Dies bed�rfte mithin erg�nzender medizinischer Abkl�rung. Das macht aber nur dann Sinn, wenn abh�ngig vom Schweregrad des Tinnitus tats�chlich auf eine objektivierbare organische Unfallfolge geschlossen werden kann. Diese Frage wurde bislang nicht im Rahmen eines Grundsatzentscheides behandelt und bedarf n�herer Betrachtung.
5.7 5.7.1 In der medizinischen Lehre wird als Tinnitus ein regelm�ssiges, mehr oder weniger dauernd vorhandenes, in einem Ohr oder beiden Ohren lokalisiertes diffus im Kopf empfundenes Ger�usch definiert. Die Patienten verwenden Bezeichnungen wie Pfeifen, Rauschen, Sausen, L�uten, Brummen usw. (MUMENTHALER/MATTLE, Neurologie, 11. Aufl. 2002, S. 700). Gem�ss einer anderen Umschreibung werden als Tinnitus Auris oder kurz Tinnitus akustische Wahrnehmungen bezeichnet, welche keinen externen akustischen Quellen zugeordnet werden k�nnen (MAT�FI/ROSENTHAL, Tinnitus aus versicherungsmedizinischer Sicht, SUVA Medizinische Mitteilungen, Heft BGE 138 V 248 S. 25479 2008 S. 66 ff., 67; vgl. auch M. KOMPIS UND ANDERE, Tinnitus, Therapeutische Umschau 1/2004 S. 15 ff.). Tinnitus wird auch als subjektiver H�reindruck, der nicht auf der Stimulation durch einen �usseren Schallreiz beruht, aber als solcher empfunden wird, erkl�rt (WOLFGANG HAUSOTTER, Neurologische und psychosomatische Aspekte bei der Begutachtung des Tinnitus [nachfolgend: Aspekte],Der medizinische Sachverst�ndige 1/2004 S. 5 ff.; vgl. auch: derselbe, Begutachtung somatoformer und funktioneller St�rungen [nachfolgend: Begutachtung], 2. Aufl. 2004, S. 174; BERNARD MONTAIN, Des bruits dans les oreilles: Les Acouph�nes, 1997, S. 11). Ein weiterer Wortlaut geht dahin, dass Tinnitus eine auditorische Empfindung ist, die ohne �ussere akustische oder elektrische Reizung entsteht und die keinen subjektiven Informationsgehalt hat (RUDOLF PROBST, in: Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Probst/Grevers/Iro [Hrsg.], 3. Aufl. 2008, S. 233).
5.7.2 Tinnitus l�sst sich unter verschiedenen Gesichtspunkten einteilen. Hier von Interesse ist vorab die Unterscheidung, welcher ein Teil der medizinischen Lehre das Begriffspaar "objektiver" und "subjektiver" Tinnitus zuordnet (vgl. etwa: MATTLE/MUMENTHALER, Kurzlehrbuch Neurologie, 3. Aufl. 2011, S. 294; FRANK ROSANOWSKI, Tinnitus, 5. Aufl. 2010, S. 60; MUMENTHALER/MATTLE, a.a.O., S. 700; MAT�FI/ROSENTHAL, a.a.O., S. 67; HAUSOTTER, Aspekte, a.a.O., S. 5; derselbe, Begutachtung, a.a.O., S. 174; MONTAIN, a.a.O., S. 11 f.; kritisch zu diesem Begriffspaar: PROBST, a.a.O., S. 233). Danach bezeichnet der sog. objektive Tinnitus ein Ohrger�usch, welches aufgrund pathologisch-anatomischer Ver�nderungen entsteht und grunds�tzlich auch f�r Aussenstehende - allenfalls mit technischen Hilfsmitteln - h�rbar wird. Meist handelt es sich um gef�ssreiche Missbildungen, Tumore oder um muskul�r bedingte Schallger�usche. Der subjektive, resp. besser "nicht objektive" Tinnitus wird einzig durch den Betroffenen geh�rt und stellt die weitaus h�ufigste Form dar (MAT�FI/ROSENTHAL, a.a.O., S. 67; vgl. auch MATTLE/MUMENTHALER, a.a.O., S. 294; ROSANOWSKI, a.a.O., S. 51, MUMENTHALER/MATTLE, a.a.O., S. 700; HAUSOTTER, Begutachtung, a.a.O., S. 174 und 176 f.; PROBST, a.a.O., S. 233). Der objektive Tinnitus wird auch als "K�rperger�usch" bezeichnet (Tinnitus: Kann man die Ohrger�usche messen?, Interview mit GERHARD GOEBEL, dezibel 5/2009 S. 14 f., 15; BERNHARD KELLERHALS, Grundprobleme der Tinnitus-Hilfe aus medizinischer Sicht, S. 2 http://www.laermorama.ch/laermorama/modul_ohrenschuetzen/tinnitus_w.html [besucht am 7. Dezember BGE 138 V 248 S. 2552011]). Es finden sich sodann statt der Bezeichnungen objektiver und subjektiver Tinnitus auch die - inhaltlich gleich umschriebenen - Begriffspaare objektivierbarer und nicht objektivierbarer Tinnitus (KOMPIS UND ANDERE, a.a.O., S. 16; vgl. auch PROBST, a.a.O., S. 233) resp. acouph�nes manifestes und acouph�nes non objectivables (MONTAIN, a.a.O., S. 33 und 37).
Die genannten Definitionen unterscheiden sich bei genauer Betrachtung lediglich in begrifflicher, nicht aber in inhaltlicher Hinsicht. Zur einfacheren Nachvollziehbarkeit wird daher im Folgenden das Begriffspaar objektiver/subjektiver Tinnitus verwendet. F�r die vorliegende Beurteilung ist der subjektive Tinnitus von Interesse.
5.8 Die Rechtsprechung gem�ss Urteil U 116/03 (und den darauf gest�tzten Folgeentscheiden) beruht auf der Annahme, beim Tinnitus handle es sich um ein k�rperliches Leiden, dessen eigentliche Ursache in einem kleineren oder gr�sseren Innenohrschaden zu suchen sei (E. 5.3 hievor). Daraus wird abgeleitet, dass bei gegebenem nat�rlichem Kausalzusammenhang zum Unfall der ad�quate Kausalzusammenhang ohne besondere Pr�fung bejaht werden kann.
5.8.1 Im Urteil U 116/03 wurde hiebei auf das Urteil des Eidg. Versicherungsgerichts U 71/02 vom 27. M�rz 2003 E. 6.1 Bezug genommen. Dieses wiederum verweist bei der betreffenden Aussage zu Organizit�t und Ursache des Tinnitus auf den bereits erw�hnten (E. 5.7.2 hievor) Aufsatz von BERNHARD KELLERHALS, Grundprobleme der Tinnitus-Hilfe aus medizinischer Sicht (gem�ss Urteil U 71/02 E. 6.1 im Internet unter www.tinnitus-liga.ch abgerufen; aktuell u.a. zu finden unter der in E. 5.7.2 hievor erw�hnten URL).
Bei genauer Betrachtung ergibt sich aus dem Aufsatz KELLERHALS aber, dass nach dessen Auffassung in erster Linie Hypothesen dar�ber bestehen, wie ein Tinnitus verursacht wird. Der Autor h�lt denn auch ausdr�cklich fest, wie Tinnitus im Einzelfall entstehe, sei letztlich noch nicht bekannt (S. 1 des Aufsatzes). Die Annahme, ein Innenohrschaden k�nne verl�sslich als eigentliche Ursache des Tinnitus betrachtet werden, wird somit durch diesen Aufsatz ebenso wenig gest�tzt wie der Schluss, Tinnitus sei ein k�rperliches Leiden.
5.8.2 Gem�ss der �berwiegenden medizinischen Lehre handelt es sich beim Tinnitus denn auch nicht um ein eigenst�ndiges Krankheitsbild, sondern prim�r um ein Symptom (MAT�FI/ROSENTHAL, a.a.O., S. 68, 69, 71 und 72; vgl. auch KELLERHALS, a.a.O., S. 4; KOMPIS UND ANDERE, a.a.O., S. 15; PROBST, a.a.O., S. 233; V. GOYMANN, BGE 138 V 248 S. 256Halswirbels�ule und Tinnitus, Schleudertrauma-Info 1/2003 S. 1 ff.; demgegen�ber spricht ROSANOWSKI, a.a.O., S. 40, von einer eigenst�ndigen H�rst�rung). Dieses ist wiederum gekennzeichnet durch eine Vielzahl m�glicher Ursachen (u.a. ROSANOWSKI, a.a.O., S. 57; MAT�FI/ROSENTHAL, a.a.O., S. 68 f.; GOYMANN, a.a.O., S. 9 ff.; PROBST, a.a.O., S. 234; ZENNER, Die Entstehung von Ohrger�uschen, Hypothesen und Modelle [1. Teil], dezibel 3/98 S. 10 ff., 11; derselbe, Die Entstehung von Ohrger�uschen, Hypothesen und Modelle [Schluss], dezibel 4/98 S. 9 ff.; MONTAIN, a.a.O., S. 26 und 37 ff.). Dabei wird nebst der Entstehung durch physische Krankheiten und Verletzungen auch der Einfluss psychischer Faktoren diskutiert (HAUSOTTER, Aspekte, a.a.O., S. 6; derselbe, Begutachtung, S. 173 und 177 ff.; VOLKER FAUST, Tinnitus [Ohrger�usche], S. 3 http://www.psychosoziale-gesundheit.net/psychiatrie/tinnitus.html [besucht am 19. Dezember 2011]; vgl. auch ROSANOWSKI, a.a.O., S. 52, 57 und 217; MONTAIN, a.a.O., S. 43 und 44). Bei einem Teil der Ohrger�usche kann keine eigentliche namentlich zu benennende Diagnose gestellt werden; man spricht dann gemeinhin vom idiopathischen Tinnitus (MAT�FI/ROSENTHAL, a.a.O., S. 69; vgl. auch ROSANOWSKI, a.a.O., S. 54; HAUSOTTER, Begutachtung, a.a.O., S. 173; MONTAIN, a.a.O., S. 43). Zu beachten ist sodann, dass verschiedene Fragen bez�glich der Entstehungsmechanismen von Tinnitus von der medizinischen Wissenschaft bislang nicht verl�sslich beantwortet werden konnten (vgl. MATTLE/MUMENTHALER, a.a.O., S. 294; ROSANOWSKI, a.a.O., S. 52, 56 und 217; MAT�FI/ROSENTHAL, a.a.O., S. 71; KELLERHALS, a.a.O., S. 1 ff.; HAUSOTTER, Begutachtung, a.a.O., S. 177 f.; derselbe, Aspekte, a.a.O., S. 6 f.; MONTAIN, a.a.O., S. 19 f.).
5.8.3 Unter Ber�cksichtigung der dargelegten medizinischen Lehrmeinungen kann an der Annahme, Tinnitus sei ein k�rperliches Leiden oder zumindest (zwingend) auf eine k�rperliche Ursache zur�ckzuf�hren, nicht festgehalten werden.
5.9 Zu pr�fen bleibt, ob - wie vom Beschwerdef�hrer unter Hinweis auf die dargelegte Rechtsprechung geltend gemacht (E. 5.2 hievor) - der Schweregrad eines Tinnitus R�ckschl�sse auf eine organische Unfallfolge zul�sst.
5.9.1 In der medizinischen Lehre besteht, soweit ersichtlich, Einigkeit dar�ber, dass ein Tinnitus - das gilt jedenfalls f�r den hier betrachteten subjektiven Tinnitus - nicht objektiv gemessen werden kann (vgl. PROBST, a.a.O., S. 233; KELLERHALS, a.a.O., S. 2; KOMPIS UND ANDERE, a.a.O., S. 15; MAT�FI/ROSENTHAL, a.a.O., S. 69, 71 und 72; ZENNER, BGE 138 V 248 S. 257[1. Teil], a.a.O., S. 12; HAUSOTTER, Begutachtung, a.a.O., S. 175 f.). Alle Untersuchungen zielen nur auf eine "Vergleichbarkeit" oder "Verdeckbarkeit" ab. Dabei sind die Kooperation des Patienten und seine volle Subjektivit�t im Mittelpunkt (MAT�FI/ROSENTHAL, a.a.O., S. 69 und 72; vgl. auch ROSANOWSKI, a.a.O., S. 95 ff. und 131 ff.; GOEBEL, a.a.O., S. 14 f.; HAUSOTTER, Begutachtung, a.a.O., S. 175 f.; E. 5.7.2 hievor). Standardisierte Frageb�gen (z.B. der Tinnitusfragebogen nach Goebel und Hiller) geben Hinweise auf den Grad des Tinnitus (vgl. ROSANOWSKI, a.a.O., S. 133-135; KOMPIS UND ANDERE, a.a.O., S. 17; GOEBEL, a.a.O., S. 15). Der Untersuchende ist aber darauf angewiesen, dass die Angaben des Betroffenen wahrheitsgem�ss erfolgen. Es kommt immer wieder vor, dass Betroffene "�bertreiben" oder "untertreiben" (GOEBEL, a.a.O., S. 14). Die Einstufung eines Tinnitus innerhalb gebr�uchlicher Raster mit drei (MAT�FI/ROSENTHAL, a.a.O., S. 72; SUVA-Tabelle 13 "Integrit�tsschaden bei Tinnitus") bis vier (HAUSOTTER, Begutachtung, a.a.O., S. 175; derselbe, Aspekte, a.a.O., S. 5 f.; KOMPIS UND ANDERE, a.a.O., S. 16) Schweregraden erfolgt denn auch nicht aufgrund audiometrischer oder anderer Messungen, sondern nach der subjektiv empfundenen Beeintr�chtigung. Dementsprechend geben die Schweregrade des Tinnitus den subjektiven Leidensdruck wieder und m�ssen nicht mit irgendwelchen Tinnitusparametern wie der subjektiven Lautheit oder mit audiologischen Messungen korrelieren (vgl. HAUSOTTER, Begutachtung, a.a.O., S. 175; derselbe, Aspekte, a.a.O., S. 6; MAT�FI/ROSENTHAL, a.a.O., S. 72 f.).
5.9.2 Der Schweregrad eines (subjektiven) Tinnitus wird demzufolge nicht mittels objektiver Messungen, sondern ausschliesslich aufgrund der Angaben der betroffenen Person und deren subjektiv empfundenen Beeintr�chtigung festgelegt. Das zeigt nicht nur, dass keine Untersuchungsergebnisse gewonnen werden k�nnen, welche der allgemeinen Umschreibung der Objektivierbarkeit (E. 5.1 hievor) gen�gen. Vielmehr erhellt auch, dass der nur so bestimmbare Schweregrad keine verl�sslichen R�ckschl�sse auf eine organische Unfallfolge als Ursache des Tinnitus bieten kann.
5.10 Zusammenfassend ergibt sich, dass keine medizinisch gesicherte Grundlage besteht, um einen Tinnitus als k�rperliches Leiden zu betrachten oder ihn (zwingend) einer organischen Ursache zuzuordnen. Auch l�sst sich nicht vom Schweregrad eines Tinnitus auf eine organische Unfallfolge als Ursache schliessen. Das schliesst zwar nicht aus, dass ein Tinnitus in einer organischen Unfallfolge begr�ndet sein kann. Es besteht aber keine Rechtfertigung, bei einem BGE 138 V 248 S. 258Tinnitus, welcher im Einzelfall nicht nachgewiesenermassen auf eine solche Unfallfolge zur�ckzuf�hren ist, auf das Erfordernis einer besonderen Ad�quanzpr�fung zu verzichten. Anders zu verfahren, w�rde kausalrechtlich einer sachlich und rechtlich nicht begr�ndbaren Bevorteilung des Tinnitus gegen�ber anderen organisch nicht objektiv ausgewiesenen Beschwerdebildern entsprechen. In diesem Sinne ist die Rechtsprechung zu bereinigen.
Damit soll nicht etwa in Frage gestellt werden, dass ein Tinnitus die betroffene Person ausserordentlich stark belasten kann (vgl. KOMPIS UND ANDERE, S. 15; PROBST, a.a.O., S. 233; HAUSOTTER, Aspekte, a.a.O., S. 6; derselbe, Begutachtung, a.a.O., S. 174; GOYMANN, a.a.O., S. 11; MONTAIN, a.a.O., S. 44). Dies gilt aber auch f�r andere organisch nicht objektiv ausgewiesene Beschwerdebilder und entbindet mit Blick auf die hier streitige Leistungspflicht des Unfallversicherers nicht von der dargelegten kausalrechtlichen Differenzierung.
127 V 102,
115 V 133 suite... ,