Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Text=IX%20ZR%20117/11
Timestamp: 2019-07-23 16:41:37
Document Index: 28845657

Matched Legal Cases: ['BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 17', '§ 133', '§ 17', '§ 17', '§ 133', '§ 133', '§ 17', '§ 17', '§ 133', '§ 17', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH']

BGH, 25.10.2012 - IX ZR 117/11 - dejure.org
https://dejure.org/2012,35761
BGH, 25.10.2012 - IX ZR 117/11 (https://dejure.org/2012,35761)
BGH, Entscheidung vom 25.10.2012 - IX ZR 117/11 (https://dejure.org/2012,35761)
BGH, Entscheidung vom 25. Januar 2012 - IX ZR 117/11 (https://dejure.org/2012,35761)
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InsO § 17 Abs. 2 Satz 1 und 2, § 133 Abs. 1
§ 17 Abs 2 S 1 InsO, § 17 Abs 2 S 2 InsO, § 133 Abs 1 InsO
Insolvenzanfechtung: Vorsatzanfechtung nach Gläubigerbefriedigung und anschließender Rücknahme des Gläubigerantrags auf Insolvenzverfahrenseröffnung; Wiederherstellung der Zahlungsfähigkeit des Schuldners
Vorsatzanfechtung unter dem Gesichtspunkt einer inkongruenten Deckung bei Befriedigung einer Forderung durch den Schuldner mehrere Monate nach den gegen den Schuldner gestellten Insolvenzantrag
Anfechtung einer Zahlung, die den Gläubiger zur Rücknahme seines Insolvenzantrags veranlassen soll
InsO § 133 Abs. 1, § 17 Abs. 2 Satz 1, 2
Vorsatzanfechtung von mehrere Monate nach Insolvenzantragstellung des Gläubigers erfolgten Zahlungen des Schuldners und darauf folgender Antragsrücknahme
Zur Vorsatzanfechtung, wenn der Gläubiger mehrere Monate nach einem von ihm gestellten Insolvenzantrag durch den Gläubiger befriedigt wird; keine Wiederherstellung der Zahlungsfähigkeit, wenn dem Schuldner nach Befriedigung seiner gegenwärtigen Gläubiger die Mittel zur Begleichung seiner künftigen, alsbald fälligen Verbindlichkeiten fehlen
InsO § 17 Abs. 2 S. 1, 2
Wiederherstellung der Zahlungsfähigkeit eines Schuldners
Zahlungsunfähigkeit wegen Gläubigerbefriedigung
Gläubigerbefriedigung und Insolvenzanfechtung
Anforderungen an die Wiederherstellung der Zahlungsfähigkeit eines Schuldners
InsO § 133 Abs. 1, § 17 Abs. 1 Satz 1, 2
Inkongruenz einer Forderungstilgung, mit der die Rücknahme eines Insolvenzantrages bezweckt wird; Voraussetzungen für die Wiederherstellung der Zahlungsfähigkeit
Aufgrund eines Insolvenzantrags erzielte Leistungen können anfechtbar sein
Insolvenzantrag - untaugliches Mittel zum Forderungseinzug
Kurznachricht zu "Anmerkung zum Urteil des BGH vom 25.10.2012, Az.: IX ZR 117/11 (Anfechtung eines gestellten Insolvenzantrags durch Zahlung an den Gläubiger - Inkongruente Deckung)" von Prof. Dr. Christoph Thole, original erschienen in: NZI 2012, 963 - 967.
Kurznachricht zu "Anmerkung zum Urteil des BGH vom 25.10.2012, Az.: IX ZR 117/11 (Vorsatzanfechtung wegen inkongruenter Deckung - Kenntnis des Gläubigers vom Benachteiligungsvorsatz des Schuldners)" von RA/FAStR Dr. Guido Krüger und Dr. Anne Riewe, original erschienen in: BB 2012, 3157 - 1361.
LG Frankfurt/Main, 07.02.2011 - 4 O 172/10
NJW-RR 2013, 161
ZIP 2012, 2355
MDR 2012, 1495
NZI 2012, 963
WM 2012, 2251
BB 2012, 3157
DB 2012, 2687
Für die Frage, ob die Beklagte die (drohende) Zahlungsunfähigkeit der Schuldnerin kannte, kann sich der Kläger schließlich nicht auf die Rechtsprechung des Senats stützen, wonach ein Gläubiger bei gewerblich tätigen Schuldnern damit rechnen muss, dass es weitere Gläubiger des Schuldners mit ungedeckten Ansprüchen gibt (BGH…, Urteil vom 13. August 2009 - IX ZR 159/06, WM 2009, 1943 Rn. 10;… vom 8. Oktober 2009 - IX ZR 173/07, WM 2009, 2229 Rn. 17; vom 25. Oktober 2012 - IX ZR 117/11, WM 2012, 2251 Rn. 30;… vom 6. Dezember 2012 - IX ZR 3/12, WM 2013, 174 Rn. 15;… vom 8. Januar 2015 - IX ZR 203/12, WM 2015, 381 Rn. 30;… vom 25. Februar 2016 - IX ZR 109/15, WM 2016, 560 Rn. 11;… vom 17. November 2016 - IX ZR 65/15, ZIP 2016, 2423 Rn. 13;… vom 4. Mai 2017 - IX ZR 285/16, Rn. 8 zVb).
Da die Beklagte mit weiteren Gläubigern der gewerblich tätigen Schuldnerin rechnen musste, war sie über deren Zahlungseinstellung unterrichtet (vgl. BGH, Urteil vom 25. Oktober 2012 - IX ZR 117/11, WM 2012, 2251 Rn. 30).
Dies gilt insbesondere, wenn der Schuldner gewerblich tätig ist, weil der Gläubiger in diesem Fall mit weiteren Gläubigern des Schuldners mit ungedeckten Ansprüchen rechnen muss (BGH, Urteil vom 25. Oktober 2012 - IX ZR 117/11, WM 2012, 2251 Rn. 30 mwN).
(2) Das objektive, ihr gegenüber erkennbare schleppende Zahlungsverhalten der Schuldnerin konnte die Beklagte nicht dahin deuten, dass jene ihre Zahlungen allgemein wieder aufgenommen hatte (BGH, Urteil vom 25. Oktober 2012 - IX ZR 117/11, WM 2012, 2251 Rn. 22).
Mit solchen musste die Beklagte schon angesichts der gewerblichen Tätigkeit der Schuldnerin rechnen (vgl. BGH…, Urteil vom 13. August 2009, aaO Rn. 14; vom 25. Oktober 2012 - IX ZR 117/11, ZIP 2012, 2355 Rn. 30).
Angesichts des sich über rund elf Monate erstreckenden Zahlungsverzuges entbehrt die Annahme eines lediglich vorübergehenden Liquiditätsengpasses einer tatsächlichen Grundlage (vgl. BGH, Urteil vom 25. Oktober 2012 - IX ZR 117/11, WM 2012, 2251 Rn. 30;… Urteil vom 6. Dezember 2012 - IX ZR 3/12, WM 2013, 174 Rn. 44).
Seit Beginn des Jahres 2008 konnte die Beklagte Beitragszahlungen der Schuldnerin nur unter Anwendung von Vollstreckungsdruck erwirken, was die kritische Liquiditätslage der Schuldnerin unterstrich (vgl. BGH, Urteil vom 25. Oktober 2012, aaO).
Sie musste nur damit rechnen, weil der Schuldner gewerblich tätig war, dass weitere Gläubiger mit offenen Forderungen vorhanden waren (BGH, Urteil vom 25. Oktober 2012 - IX ZR 117/11, NZI 2012, 963 Rn. 30;… vom 6. Dezember 2012 - IX ZR 3/12, NJW 2013, 940 Rn. 42;… Beschluss vom 18. Dezember 2014 - IX ZB 34/14, NZI 2015, 220 Rn. 11).
Dies gilt insbesondere, wenn der Schuldner gewerblich tätig ist, weil der Gläubiger in diesem Fall mit weiteren Gläubigern des Schuldners mit ungedeckten Ansprüchen rechnen muss (BGH, Urteil vom 25. Oktober 2012 - IX ZR 117/11, ZInsO 2012, 2244 Rn. 30 mwN).
Für eine solche Wiederherstellung der Zahlungsfähigkeit sind nicht nur die vereinbarten Zahlungen gegenüber dem Gläubiger zu erbringen, sondern der Schuldner muss zumindest auch den wesentlichen Teil seiner übrigen Verbindlichkeiten bedienen (BGH, Urteil vom 25. Oktober 2012 - IX ZR 117/11, ZInsO 2012, 2244 Rn. 18;… vom 6. Dezember 2012 - IX ZR 3/12, ZInsO 2013, 190 Rn. 36;… vom 24. März 2016 - IX ZR 242/13, ZInsO 2016, 910 Rn. 11 mwN).
Ebenso bildet eine inkongruente Deckung, bei welcher der Schuldner anderes oder mehr leistet als geschuldet, wegen der ihr innewohnenden Begünstigungstendenz ein Beweisanzeichen für einen Benachteiligungsvorsatz des Schuldners und dessen Kenntnis bei dem Gläubiger, wenn die Wirkungen der Rechtshandlung zu einem Zeitpunkt eintraten, als zumindest aus der Sicht des Empfängers der Leistung Anlass bestand, an der Liquidität des Schuldners zu zweifeln (BGH, Urteil vom 25. Oktober 2012 - IX ZR 117/11, WM 2012, 2251 Rn. 13).
Als inkongruent sind auch außerhalb der gesetzlichen Krise die aufgrund eines Insolvenzantrags erzielten Deckungen zu bewerten, weil sie weder dem Inhalt des Schuldverhältnisses entsprechen noch mit Zwangsmitteln erlangt werden, die dem einzelnen Gläubiger zur Durchsetzung seiner Ansprüche vom Gesetz zur Verfügung gestellt werden (BGH, Urteil vom 25. Oktober 2012, aaO Rn. 10).
Die Annahme einer bloß vorübergehenden Zahlungsstockung war ausgeschlossen, nachdem es der Schuldnerin über mehrere Monate nicht gelungen war, ihre fälligen Verbindlichkeiten spätestens innerhalb von drei Wochen auszugleichen und die rückständigen Beträge insgesamt so erheblich waren, dass von lediglich geringfügigen Liquiditätslücken keine Rede sein konnte (vgl. BGH…, Urteil vom 11. Februar 2010 - IX ZR 104/07, ZInsO 2010, 673 Rn. 43;… vom 30. Juni 2011, aaO Rn. 12; vom 25. Oktober 2012 - IX ZR 117/11, ZInsO 2012, 2244 Rn. 22).
Er musste lediglich allgemein damit rechnen, dass der gewerblich tätige Schuldner weitere Gläubiger mit offenen Rechnungen hatte (vgl. BGH, Urteil vom 25. Oktober 2012 - IX ZR 117/11, ZInsO 2012, 2244 Rn. 30;… vom 6. Dezember 2012 - IX ZR 3/12, ZInsO 2013, 190 Rn. 42;… vom 30. April 2015, aaO).