Source: https://www.rechtslupe.de/wirtschaftsrecht/gesellschaftsrecht/auskunftspflichten-in-der-publikumsgesellschaft-359679?pk_campaign=feed&pk_kwd=auskunftspflichten-in-der-publikumsgesellschaft
Timestamp: 2020-07-09 00:05:47
Document Index: 342339431

Matched Legal Cases: ['§ 166', '§ 735', '§ 675', '§ 4', '§ 18', '§ 242', '§ 12']

Nach dem Inhalt des Gesell­schafts­ver­trags, den der Bun­des­ge­richts­hof selbst aus­le­gen kann [11], und unter Berück­sich­ti­gung des Treu­hand­ver­trags und des Zeich­nungs­scheins han­delt es sich bei dem Ver­hält­nis zwi­schen der Gesell­schaft und den unmit­tel­ba­ren Gesell­schaf­tern einer­seits und den Treu­ge­bern ande­rer­seits nicht um ein­fa­che zwei­sei­ti­ge Treu­hand­ver­hält­nis­se. Bereits in dem Zeich­nungs­schein haben sowohl der Kom­man­di­tist als auch die Treu­ge­ber erklärt, sie "betei­lig­ten" sich an der GmbH & Co. KG, wobei die Treu­hän­de­rin im Fall des Bei­tritts als Treu­ge­ber nur als rechts­tech­ni­sches Mit­tel zum Zweck erwähnt wird [12]. Die Bei­tritts­er­klä­run­gen sowohl der Kom­man­di­tis­ten als auch der Treu­ge­ber sind dar­auf gerich­tet, dass ihre Stel­lung in der Gesell­schaft sowohl durch den Gesell­schafts- als auch den Treu­hand­ver­trag ver­bind­lich gere­gelt wird. Der Gesell­schafts­ver­trag bestimmt, dass im Innen­ver­hält­nis der Gesell­schaf­ter unter­ein­an­der und der Gesell­schaf­ter zu den Treu­ge­bern die Treu­ge­ber wie unmit­tel­bar betei­lig­te Gesell­schaf­ter behan­delt wer­den und die (alle) Rege­lun­gen des Gesell­schafts­ver­tra­ges auch dann für den Treu­ge­ber gel­ten sol­len, wenn dort ledig­lich der "Gesell­schaf­ter" genannt ist. Für jeden Gesell­schaf­ter, d.h. für jeden Kom­man­di­tis­ten und für jeden Treu­ge­ber, wird "sei­ne Ein­la­ge" auf ein Fest­geld­kon­to gebucht, das den Kapi­tal­an­teil "des Gesell­schaf­ters" bil­det und maß­geb­lich unter ande­rem "für alle Gesell­schaf­ter­rech­te" ist. Stimm­be­rech­tigt sind die Treu­ge­ber selbst. Die gesetz­li­chen Kon­troll­rech­te (§ 166 HGB) ste­hen den Kom­man­di­tis­ten und den Treu­ge­bern in glei­chem Umfang selbst zu.
Durch den Gesell­schafts­ver­trag ist der Treu­ge­ber ent­spre­chend einem unmit­tel­ba­ren Gesell­schaf­ter sta­tu­ta­risch in das Innen­ver­hält­nis der Gesell­schaft ein­be­zo­gen. Er ist wie ein Gesell­schaf­ter ver­pflich­tet, den Gesell­schafts­zweck zu för­dern; eben­so trifft ihn die gesell­schafter­li­che Treue­pflicht [16]. Durch sei­ne Haf­tung im Innen­ver­hält­nis nach § 735 BGB (bei der Gesell­schaft bür­ger­li­chen Rechts und bei der offe­nen Han­dels­ge­sell­schaft) und durch den Auf­wen­dungs­er­satz­an­spruch aus §§ 675, 670 BGB bzw. auf­grund der ent­spre­chen­den Rege­lun­gen in den Treu­hand­ver­trä­gen (bei der Kom­man­dit­ge­sell­schaft) ist der Treu­ge­ber zudem von dem, von ihm durch sein Stimm­recht (mit-)beeinflussten Erfolg oder Miss­erfolg der Gesell­schaft im Ergeb­nis wirt­schaft­lich genau­so betrof­fen, als wäre er (Voll-)Gesellschafter [17]. Ange­sichts des­sen begeg­net die Annah­me einer unmit­tel­ba­ren Mit­glied­schaft ent­spre­chen­den Rechts­stel­lung des qua­li­fi­zier­ten Treu­ge­bers auch kei­nen Beden­ken im Hin­blick dar­auf, dass die Mit­glied­schaft in einer Gesell­schaft nach der Rechts­ord­nung all­ge­mein auf eine in sich abge­stimm­te "Ein­heit von Rech­ten, Pflich­ten und Ver­ant­wor­tung" hin ange­legt ist [18]. Der qua­li­fi­zier­te Treu­ge­ber unter­schei­det sich von einem Voll­ge­sell­schaf­ter ledig­lich dadurch, dass beim (qua­li­fi­zier­ten) Treu­ge­ber die ding­li­che Berech­ti­gung am Gesamt­hand­s­ver­mö­gen sofern man hier § 4 Nr. 2 Satz 2 des Gesell­schafts­ver­tra­ges nicht etwas Ande­res ent­neh­men will und die mit der for­ma­len Gesell­schaf­ter­stel­lung ver­bun­de­ne Außen­haf­tung feh­len [19].
Die Beklag­ten haben, wie das Beru­fungs­ge­richt ent­ge­gen der Ansicht der Revi­si­on zutref­fend erkannt hat, kein Recht, dem Kom­man­di­tist die Aus­kunft auf­grund der Rege­lung zum "Daten­schutz" in § 18 des Gesell­schafts­ver­tra­ges zu ver­wei­gern.
Der Ansicht des Bun­des­ge­richts­hofs, eine das Aus­kunfts­recht aus­schlie­ßen­de Rege­lung des Gesell­schafts­ver­tra­ges ver­sto­ße gegen § 242 BGB, kann das Anony­mi­täts­in­ter­es­se eines Anle­gers, der sich an einer Publi­kums­kom­man­dit­ge­sell­schaft betei­ligt, "die nur ein Kapi­tal­sam­mel­be­cken dar­stel­le", nicht mit Erfolg ent­ge­gen­ge­hal­ten wer­den.
Fer­ner besteht ein für die Betei­li­gung an der Gesell­schaft beach­tens­wer­tes Inter­es­se der ein­zel­nen Anle­ger, sich über die Zusam­men­set­zung des Gesell­schaf­ter- und Treu­ge­ber­krei­ses zu infor­mie­ren. Es kann für den Anle­ger bei­spiels­wei­se von Bedeu­tung sein, ob sich der bei sei­nem Bei­tritt vor­han­de­ne Gesell­schaf­ter­kreis spä­ter ver­än­dert und ob etwa Antei­le von bestimm­ten (natür­li­chen oder juris­ti­schen) Per­so­nen erwor­ben wer­den. Da die Treu­ge­ber nach dem Treu­hand­ver­trag und dem Gesell­schafts­ver­trag zur Über­tra­gung "ihres Gesell­schafts­an­teils" nur der Zustim­mung des geschäfts­füh­ren­den Gesell­schaf­ters der Fonds­ge­sell­schaft bedür­fen, kann sich der Gesell­schaf­ter­kreis der Publi­kums­kom­man­dit­ge­sell­schaft ohne wei­te­res erheb­lich ver­än­dern. So könn­te z.B. die finan­zie­ren­de Bank oder auch der Geschäfts­füh­rer der Kom­ple­men­tärGmbH einen Groß­teil der Treu­ge­ber­an­tei­le ohne Wis­sen der nicht betei­lig­ten Gesell­schaf­ter und Treu­ge­ber erwer­ben und so einen auf die geschäft­li­che Ent­wick­lung des Fonds und damit auf die Betei­li­gung der übri­gen Anle­ger erheb­li­chen Ein­fluss gewin­nen. Auch in die­sem Fall ist wie z.B. bei bör­sen­no­tier­ten Akti­en­ge­sell­schaf­ten die für die Gesell­schaf­ter und die ihnen gleich­ge­stell­ten Treu­ge­ber not­wen­di­ge Trans­pa­renz nur her­stell­bar, wenn sie Anspruch auf Kennt­nis der Iden­ti­tät ihrer Ver­trags­part­ner haben.
Davon abge­se­hen ist ins­be­son­de­re nach § 12 Nr. 6 des Gesell­schafts­ver­trags die Stimm­kraft vom Umfang der Betei­li­gung des jewei­li­gen Gesell­schaf­ters oder Treu­ge­bers abhän­gig. Um sei­ne Mit­glied­schafts­rech­te infor­miert aus­üben zu kön­nen, muss der Anle­ger einer Publi­kums­kom­man­dit­ge­sell­schaft wis­sen, wie die Stim­men und damit die Macht­ver­hält­nis­se in der Gesell­schaft ver­teilt sind. Es macht für sei­ne Stel­lung als Gesell­schaf­ter einen ent­schei­den­den Unter­schied, ob der Treu­hand­kom­man­di­tist sein Stimm­recht auf­grund der Wei­sung von vie­len ver­schie­de­nen Klein­an­le­gern aus­übt oder ob er als "Sprach­rohr" eines oder weni­ger, ihre Indi­vi­dual­in­ter­es­sen ver­fol­gen­der Groß­an­le­ger fun­giert [27].
vgl. schon Wie­de­mann, WM 1992, Son­der­bei­la­ge 7, S. 43: "Jeder Gesell­schaf­ter muss wis­sen, was vor­geht, um sinn­voll mit­wir­ken zu kön­nen und recht­zei­tig aus­stei­gen zu kön­nen"[↩]