Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Text=BStBl%20II%201974,%20115
Timestamp: 2019-07-19 05:00:12
Document Index: 81236673

Matched Legal Cases: ['§ 104', '§ 93', '§ 104', '§ 93', '§ 93', '§ 93', '§ 93', '§ 93', 'BGH', '§ 93', '§ 93', '§ 104']

BFH, 29.11.1973 - IV R 221/69 - dejure.org
https://dejure.org/1973,361
BFH, 29.11.1973 - IV R 221/69 (https://dejure.org/1973,361)
BFH, Entscheidung vom 29.11.1973 - IV R 221/69 (https://dejure.org/1973,361)
BFH, Entscheidung vom 29. November 1973 - IV R 221/69 (https://dejure.org/1973,361)
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Ermessensfehler - Zeitpunkt der Einreichung - Schluß der mündlichen Verhandlung - Wiedereröffnung - Mangelnde Sachaufklärung
BFHE 111, 21
DB 1974, 460
BStBl II 1974, 115
So ist namentlich eine Ermessensreduzierung auf eine Wiedereröffnungspflicht gegeben, wenn der Beteiligte sein Ausbleiben im Termin der bereits geschlossenen mündlichen Verhandlung noch rechtzeitig (vor Erlaß des Endurteils) entschuldigt (…vgl. z.B. BVerwG-Urteil vom 11. November 1970 V C 81.69, Buchholz, a.a.O., 310, § 104 VwGO Nr. 3;… Gräber/Koch, a.a.O., § 93 Rdnr. 10) oder --allgemeiner ausgedrückt-- wenn das Absehen von der Wiedereröffnung der mündlichen Verhandlung eine Verletzung wesentlicher Prozeßgrundsätze (insbesondere des Rechts auf Gehör) bedeuten würde (vgl. z.B. BFH-Urteile vom 29. November 1973 IV R 221/69, BFHE 111, 21, BStBl II 1974, 115;… vom 17. April 1985 I R 67/82, BFH/NV 1986, 409;… BVerwG-Beschluß bei Buchholz, a.a. O., 310, § 104 VwGO Nr. 25, m.w.N.;… Gräber/Koch, a.a.O., § 93 Rdnr. 10, m.w.N.).
Nach herrschender Meinung in Rechtsprechung und Literatur können nicht ausdrücklich nachgelassene, nach Schließung der mündlichen Verhandlung eingegangene Schriftsätze ohne Wiedereröffnung der mündlichen Verhandlung (§ 93 Abs. 3 Satz 2 FGO) nicht berücksichtigt werden, soweit sie neues tatsächliches Vorbringen enthalten (vgl. BFH-Urteil vom 29. November 1973 IV R 221/69, BFHE 111, 21, BStBl II 1974, 115;… Gräber / Koch, Finanzgerichtsordnung, 2. Aufl., § 93 Anm. 7;… Tipke / Kruse, a. a. O., § 93 FGO Anm. 3).
Die mündliche Verhandlung ist nach der Rechtsprechung des BFH (vgl. Urteile vom 29. November 1973 IV R 221/69, BFHE 111, 21, BStBl II 1974, 115; vom 26. Februar 1975 II R 120/73, BFHE 115, 185, BStBl II 1975, 489; vom 14. April 1983 V S 15/82, nicht veröffentlicht - NV - siehe auch Sangmeister, DStZ 1988, 320, 323) nicht dazu da, einen Prozeßbeteiligten von den Folgen verschuldeter Unterlassung des Tatsachenvortrags zu entlasten.
Die Wiedereröffnung steht grundsätzlich im Ermessen des Gerichts (Entscheidungen des Bundesfinanzhofs --BFH-- vom 28. Februar 1996 II R 61/95, BFHE 179, 245, und vom 29. November 1973 IV R 221/69, BFHE 111, 21, BStBl II 1974, 115).
BFH, 28.02.1996 - II R 61/95
Ablehnung der Wiedereröffnung der mündlichen Verhandlung nach Abschluß der …
Die Wiedereröffnung steht grundsätzlich im Ermessen des Gerichts (vgl. BFH-Urteile vom 29. November 1973 IV R 221/69, BFHE 111, 21, BStBl II 1974, 115, …und vom 12. Januar 1994 VIII R 44/93, BFH/NV 1994, 495, 496).
Zu einer Wiedereröffnung der mündlichen Verhandlung ist das FG zwar grundsätzlich nicht verpflichtet (vgl. BFH-Urteile vom 29. November 1973 IV R 221/69, BFHE 111, 21, BStBl II 1974, 115, und vom 22. Dezember 1981 VII R 104/80, BFHE 135, 149, BStBl II 1982, 356).
Schriftsätze, die erst nach dem Schluss der mündlichen Verhandlung bei Gericht eingehen, müssen inhaltlich grundsätzlich nicht berücksichtigt werden (vgl. BFH-Urteil vom 29. November 1973 IV R 221/69, BFHE 111, 21, BStBl II 1974, 115).
Bei der Beurteilung der Frage, ob das der Fall ist, kommt es jedoch auf die Verhältnisse am Schluss der mündlichen Verhandlung an (Senats-Urteil vom 29. November 1973 IV R 221/69, BFHE 111, 21, BStBl II 1974, 115; Sangmeister, Deutsche Steuer-Zeitung --DStZ-- 1989, 25, 28, m.w.N.).
BFH, 15.12.1982 - I B 41/82
Wiedereröffnung - Mündliche Verhandlung - Anfechtung
Die Entscheidung darüber, ob eine bereits geschlossene mündliche Verhandlung wiedereröffnet werden soll, steht gemäß § 93 Abs. 3 Satz 2 FGO im Ermessen des Gerichts (allgemeine Auffassung: vgl. BFH-Urteil vom 29. November 1973 IV R 221/69, BFHE 111, 21, BStBl II 1974, 115; Urteil des Bundessozialgerichts - BSG - vom 31. Januar 1974 4 RJ 183/73, Höchstrichterliche Finanzrechtsprechung - HFR - 1974, 464; Urteil des Bundesgerichtshofs - BGH - vom 10. Juli 1979 VI ZR 223/78, Neue Juristische Wochenschrift - NJW - 1979, 2109; Gräber, Finanzgerichtsordnung, Anm. 4 zu § 93;… Tipke/Kruse, Abgabenordnung-Finanzgerichtsordnung, 10. Aufl., Tz. 3 zu § 93 FGO;… Redeker/von Oertzen, a. a. O., Anm. 5 zu § 104).
Eine Pflicht zur Wiedereröffnung der mündlichen Verhandlung wird nur dann angenommen, wenn durch die Ablehnung der Wiedereröffnung wesentliche Prozeßgrundsätze verletzt würden, wenn z. B. der Vorsitzende seine Pflicht, auf die Beseitigung von Formfehlern oder auf die Stellung von klaren Anträgen hinzuwirken, verletzen würde (BSG-Urteil vom 21. April 1966 9 RV 742/65, NJW 1966, 1478) oder wenn sich bei der Beratung herausstellt, daß die mündliche Verhandlung ohne ausreichende Sachaufklärung geschlossen wurde (BFHE 111, 21, BStBl II 1974, 115 m. w. N.).
Zwar werden Schriftsätze, die erst nach Schluss der mündlichen Verhandlung eingereicht werden, grundsätzlich nicht mehr berücksichtigt (vgl. Urteil des Bundesfinanzhofs --BFH-- vom 29. November 1973 IV R 221/69, BFHE 111, 21, BStBl II 1974, 115).
a) Eine Pflicht zur Berücksichtigung des neuen Sachvortrags durch Wiedereröffnung der mündlichen Verhandlung könnte allenfalls dann gegeben sein, wenn das FG die mündliche Verhandlung ohne ausreichende Sachaufklärung geschlossen hätte (vgl. BFH-Urteil in BFHE 111, 21, BStBl II 1974, 115).
FG Köln, 23.10.2013 - 4 K 266/10
Frage der Minderung der umsatzsteuerlichen Bemessungsgrundlage aufgrund …