Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Gericht=BGH&Datum=01.07.2010&Aktenzeichen=IX%20ZR%2058/09
Timestamp: 2019-10-16 21:05:02
Document Index: 38381882

Matched Legal Cases: ['BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 133', '§ 133', '§ 133', 'BGH', 'BGH', '§ 133', 'BGH', '§ 138', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 133', '§ 133', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 133', 'BGH', 'BGH', '§ 1408', 'BGH', '§ 143', 'BGH', '§ 129', 'BGH', '§ 129', 'BGH', 'BGH', '§ 129', '§ 133', 'BGH']

BGH, 01.07.2010 - IX ZR 58/09 - dejure.org
https://dejure.org/2010,621
BGH, 01.07.2010 - IX ZR 58/09 (https://dejure.org/2010,621)
BGH, Entscheidung vom 01.07.2010 - IX ZR 58/09 (https://dejure.org/2010,621)
BGH, Entscheidung vom 01. Juli 2010 - IX ZR 58/09 (https://dejure.org/2010,621)
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Vermutung der Gläubigerbenachteiligung auch bei güterrechtlichen Verträgen
§ 133 Abs 2 S 1 InsO
Insolvenzanfechtung: Widerlegliche Vermutung eines Gläubigerbenachteiligungsvorsatzes bei einem vorgezogenen Zugewinnausgleich zwischen dem späteren Insolvenzschuldner und seinem Ehegatten
InsO § 133 Abs. 2 S. 1
Widerlegliche Vermutung des Gläubigerbenachteiligungsvorsatzes und der Kenntnis des anderen Teils auch bei maximal 2 Jahre zurückliegenden güterrechtlichen Verträgen
Widerlegliche Vermutung des Gläubigerbenachteiligungsvorsatzes und der Kenntnis des anderen Teils bei güterrechtlichen Verträgen zwischen dem Schuldner und einer nahestehenden Person
Vermutung des Gläubigerbenachteiligungsvorsatzes und dessen Kenntnis auch bei einer Vorsatzanfechtung güterrechtlicher Verträge
Vermutung des Gläubigerbenachteiligungsvorsatzes des Schuldners und der Kenntnis des anderen Teils hiervon auch bei güterrechtlichen Verträgen, die der Schuldner mit einer nahestehenden Person schließt
Zur widerleglichen Vermutung des Gläubigerbenachteiligungsvorsatzes
Vermutung der Gläubigerbenachteiligung bei auch güterrechtlichen Vereinbarungen
Güterrechtliche Verträge und Gläubigerbenachteiligungsvorsatz
Die Vermutungsregelung aus § 133 Abs. 2 InsO kann auch bei güterrechtlichen Verträgen gelten
Kurznachricht zu "Anmerkung zum Urteil des BGH v. 1.7.2010 - IX ZR 58/09 (Vermutung des Gläubigerbenachteiligungsvorsatzes)" von RA Dr. Ludwig Bergschneider, original erschienen in: FamRZ 2010, 1548 - 1551.
Kurznachricht zu "Vorsatzanfechtung von Güterstandsvereinbarungen im Lichte der Rechtsprechung des BGH" von Not. Ass. Dr. Hannes Klühs, original erschienen in: NZI 2010, 921 - 925.
Zusammenfassung von "Gläubiger- bzw. Insolvenzanfechtung güterrechtlicher Verträge und Asset Protection" von RA Dr. Marcus A. Hosser, original erschienen in: ZEV 2011, 174 - 177.
LG Dortmund, 20.02.2007 - 1 O 113/05
LG Essen, 20.02.2007 - 1 O 113/05
ZIP 2010, 1702
MDR 2010, 1347
NZI 2010, 738
FamRZ 2010, 1548
WM 2010, 1659
BB 2010, 1993
Der Vertragsbegriff des § 133 Abs. 2 InsO ist weit auszulegen (BGH, Urteil vom 1. Juli 2010 - IX ZR 58/09, NZI 2010, 738 Rn. 9).
Danach ist ein von dem Schuldner mit einer nahestehenden Person (§ 138 InsO) geschlossener entgeltlicher Vertrag anfechtbar, durch den die Gläubiger unmittelbar benachteiligt werden (vgl. BGH, Urteil vom 1. Juli 2010 - IX ZR 58/09, WM 2010, 1659 Rn. 9).
Erfasst werden nicht nur schuldrechtliche Verträge (BGH, Urteil vom 1. Juli 2010 - IX ZR 58/09, WM 2010, 1659 Rn. 9), sondern auch sachenrechtliche Abkommen wie Grundstücksübertragungen (vgl. BGH, Urteil vom 22. März 1982 - VIII ZR 42/81, ZIP 1982, 856, 857) und die Gewährung von Hypothekenbestellungen (RGZ 6, 85; 29, 297, 299 f;… MünchKomm-InsO/Kayser, 3. Aufl., § 133 Rn. 40;… Jaeger/Henckel, InsO, § 133 Rn. 59).
Eine aus mehreren Teilen bestehende Rechtsübertragung ist gemäß ihrer wirtschaftlichen Bedeutung als ein einheitliches Ganzes zu erfassen; die Gläubiger werden durch den Abschluss unmittelbar benachteiligt, wenn der rechtsgeschäftliche Vorgang insgesamt die Zugriffsmöglichkeit für die Gläubiger verschlechtert (BGH, Urteil vom 15. Dezember 1994 - IX ZR 153/93, BGHZ 128, 184, 187; vom 1. Juli 2010 - IX ZR 58/09, ZIP 2010, 1702 Rn. 9).
Sie trifft die volle Darlegungs- und Beweislast sowohl für die Behauptung, der Schuldner habe nicht mit Benachteiligungsvorsatz gehandelt, als auch für die von ihr behauptete fehlende Kenntnis vom Benachteiligungsvorsatz des Schuldners (vgl. BGH, Urteil vom 1. Juli 2010 - IX ZR 58/09, ZInsO 2010, 1489 Rn. 11).
Die vermuteten subjektiven Tatbestandsmerkmale des § 133 Abs. 2 InsO, welche als innere Vorgänge nur schwer dem Beweise zugänglich sind, können regelmäßig nur mittelbar durch objektive Tatsachen widerlegt werden (BGH, Urteil vom 1. Juli 2010, aaO Rn. 16;… vom 8. Dezember 2011 - IX ZR 156/09, ZIP 2012, 137 Rn. 9;… MünchKomm-InsO/Kirchhof, aaO Rn. 23).
Der Beweisantrag darf abgelehnt werden, wenn er sich auf ein Indiz bezieht, welches für sich allein und im Zusammenhang mit weiteren Indizien sowie dem sonstigen Sachverhalt für den Richter nach seiner Lebenserfahrung nicht den ausreichend sicheren Schluss auf die beweisbedürftige Haupttatsache zulässt (BGH…, Urteil vom 17. Februar 1970, aaO; vom 1. Juli 2010, aaO).
In der Insolvenz eines Ehegatten sind güterrechtliche Vereinbarungen (§ 1408 Abs. 1 BGB) nicht anders zu behandeln als schuldrechtliche Vereinbarungen zwischen Eheleuten (BGH, Urteil vom 1. Juli 2010 - IX ZR 58/09, WM 2010, 1659 Rn. 13).
Angefochten und nach § 143 Abs. 1 InsO rückgängig gemacht wird nicht die Rechtshandlung selbst, sondern ihre gläubigerbenachteiligende Wirkung (vgl. etwa BGH…, Urteil vom 9. Juli 2009 - IX ZR 86/08, WM 2009, 1750 Rn. 29; vom 1. Juli 2010 - IX ZR 58/09, WM 2010, 1659 Rn. 14;… HK-InsO/Kreft, 6. Aufl., § 129 Rn. 6).
Da der wirtschaftliche Vorgang vollständig und richtig zu erfassen ist, darf eine einheitlich angelegte Vermögenszuwendung nicht sinnentstellend in verschiedene Einzelteile zerlegt werden (vgl. BGH, Urteil vom 1. Juli 2010 - IX ZR 58/09, NZI 2010, 738 Rn. 9;… Beschluss vom 21. Dezember 2010 - IX ZA 14/10, WM 2011, 276 Rn. 2;… MünchKomm-InsO/Kirchhof, 2. Aufl., § 129 Rn. 55 f mwN).
Durch den Abschluss eines Vertrages werden die Gläubiger unmittelbar benachteiligt, wenn der gesamte rechtsgeschäftliche Vorgang die Zugriffsmöglichkeiten der Gläubiger verschlechtert (…BGH, Urt. v. 15. Dezember 1994 - IX ZR 153/93, BGHZ 128, 184, 187; v. 1. Juli 2010 - IX ZR 58/09, ZIP 2010, 1702 Rn. 9;… HK-InsO/Kreft, 5. Aufl. § 129 Rn. 43;… MünchKomm-InsO/Kirchhof, 2. Aufl. § 133 Rn. 44).
Für den auf eine solche Benachteiligung gerichteten Vorsatz des Schuldners ist es daher unerheblich, ob er sich gegen alle oder nur einzelne, gegen bestimmte oder unbestimmte, gegen schon vorhandene oder nur nicht ausgeschlossen, wenn der Schuldner zum Zeitpunkt der angefochtenen Rechtshandlung noch gar keine Gläubiger hatte (BGH WM 2010, 1659 ).