Source: https://www.rechtslupe.de/zivilrecht/mieterhoehung-auf-der-grundlage-eines-20-jahre-alten-mietspiegels-3198593
Timestamp: 2019-12-09 21:50:42
Document Index: 351410084

Matched Legal Cases: ['§ 558', '§ 558', '§ 558', '§ 558', '§ 558', '§ 2', '§ 558', '§ 558', '§ 558']

Miet­erhö­hung – auf der Grund­la­ge eines 20 Jah­re alten Miet­spie­gels? | Rechtslupe
Die Kla­ge hat in den Vor­in­stan­zen vor dem Amts­ge­richt und dem Land­ge­richt Mag­de­burg kei­nen Erfolg gehabt 1. Wie bereits das Amts­ge­richt hat auch das Land­ge­richt Mag­de­burg ver­neint, dass ein for­mell ord­nungs­ge­mä­ßes Miet­erhö­hungs­ver­lan­gen nicht vor­lie­ge. Die Vor­schrift des § 558a Abs. 4 Satz 2 BGB erlau­be es zwar grund­sätz­lich, einen ver­al­te­ten Miet­spie­gel zur Begrün­dung der Miet­erhö­hung her­an­zu­zie­hen, wenn ein den Anfor­de­run­gen der § 558c Abs. 3, § 558d Abs. 2 BGB ent­spre­chend aktua­li­sier­ter Miet­spie­gel nicht vor­han­den sei. Sinn und Zweck des in § 558a BGB nor­mier­ten Begrün­dungs­er­for­der­nis­ses sei es aber, dem Mie­ter die Mög­lich­keit zu geben, die sach­li­che Berech­ti­gung des Erhö­hungs­ver­lan­gens zu über­prü­fen, um über­flüs­si­ge Pro­zes­se zu ver­mei­den. In for­mel­ler Hin­sicht müs­se das Erhö­hungs­ver­lan­gen Anga­ben über die Tat­sa­chen ent­hal­ten, aus denen der Ver­mie­ter die Berech­ti­gung der gefor­der­ten Miet­erhö­hung her­lei­te, und zwar in dem Umfang, wie der Mie­ter sol­che Anga­ben benö­ti­ge, um der Berech­ti­gung des Erhö­hungs­ver­lan­gens nach­ge­hen und die­ses zumin­dest ansatz­wei­se über­prü­fen zu kön­nen. Die­sen Anfor­de­run­gen wer­de ein fast 20 Jah­re alter Miet­spie­gel nicht gerecht. Denn er beru­he auf über­hol­ten Tat­sa­chen, die Rück­schlüs­se auf die zum Zeit­punkt des Erhö­hungs­ver­lan­gens gezahl­ten Mie­ten nicht zulie­ßen; auf­grund der erheb­li­chen Zeit­span­ne zwi­schen der Erstel­lung des Miet­spie­gels und dem Erhö­hungs­ver­lan­gen sei­en wesent­li­che Ände­run­gen der Miet­struk­tur wahr­schein­lich. Durch die Bezug­nah­me auf einen der­ar­ti­gen Miet­spie­gel wer­de dem Mie­ter die Ent­schei­dungs­grund­la­ge, die die Begrün­dung des Erhö­hungs­ver­lan­gens ver­mit­teln sol­le, vor­ent­hal­ten. Bei der Bezug­nah­me auf einen nahe­zu 20 Jah­re alten Miet­spie­gel han­de­le es sich nur um eine "Schein­be­grün­dung".
Denn § 558a Abs. 4 Satz 2 BGB, der auf § 2 Abs. 6 des Geset­zes zur Rege­lung der Miet­hö­he (MHG) vom 18.12.1974 5 in der Fas­sung des Geset­zes zur Erhö­hung des Ange­bots an Miet­woh­nun­gen vom 20.12.1982 6 zurück­geht und die­ser Vor­schrift im Kern ent­spricht, soll sicher­stel­len, dass die for­mel­le Wirk­sam­keit eines sach­lich berech­tig­ten Erhö­hungs­ver­lan­gens nicht allein von den in § 558c Abs. 3, § 558d Abs. 2 BGB genann­ten Fris­ten abhängt 7. Hier­durch wird aber von dem grund­sätz­lich bestehen­den Aktua­li­sie­rungs­er­for­der­nis gera­de nicht Abstand genom­men. Für die for­mel­le Wirk­sam­keit des Erhö­hungs­ver­lan­gens kommt es des­halb auch bei einem ver­al­te­ten Miet­spie­gel dar­auf an, ob die­sem (noch) ein in § 558a Abs. 1 BGB vor­aus­ge­setz­ter Infor­ma­ti­ons­ge­halt zukommt.