Source: https://findok.bmf.gv.at/findok?stammNr=45134&fassungsNr=1
Timestamp: 2016-10-23 09:44:39
Document Index: 319646674

Matched Legal Cases: ['§ 3', '§ 2', '§ 2', '§ 2', '§ 2', '§ 2', '§ 2', '§ 2', '§ 2']

Der Unabhängige Finanzsenat hat über die Berufung der Bw., vom 11. Februar 2009 gegen den Bescheid des Finanzamtes Wien 12/13/14 Purkersdorf vom 12. Jänner 2009 betreffend Familienbeihilfe und Kindergeld ab März 2007 entschieden: Die Berufung wird als unbegründet abgewiesen. Der angefochtene Bescheid bleibt unverändert. Entscheidungsgründe
Die Berufungswerberin (Bw.) beantragte für die Tochter S., geb. 1986, die Familienbeihilfe ab März 2007. Die Tochter S. besuchte vom Oktober 2006 bis September 2008 einen Lehrgang für Kunst-Therapie an der I.S.S.A Akademie, welche mit Diplom abschließt. Die Akademie bietet eine Ausbildung in ganzheitlicher und multimedialer Kunsttherapie, künstlerische Grundfertigkeiten als Voraussetzung für ein professionelles Kunsttherapeutischen Arbeiten, mit Betonung auf umfassender Persönlichkeitsgestaltung. Die Akademie ist vom Bundesministerium für Unterricht und Kunst als Einrichtung der Erwachsenenbildung anerkannt. Die Ausbildung dauert vier Jahre und ist berufsbegleitend organisiert. Das Finanzamt wies den Antrag des Bw. mit der Begründung ab, dass der Besuch der Akademie keine Berufsausbildung im Sinne des Familienlastenausgleichsgesetzes (FLAG) darstelle. Der Bw. erhob gegen den Bescheid fristgerecht Berufung und führte aus, dass es sich bei der von der Akademie für Kunsttherapie angebotenen "Berufsausbildung" aus folgenden Gründen um eine Berufsausbildung im Sinne des FLAG handle: "Die wesentlichen Merkmale einer Berufsausbildung im Sinne des Gesetzes, praktischer und theoretischer Unterricht, bei dem fachspezifisches, nicht auf Allgemeinbildung ausgerichtetes Wissen vermittelt wird, besteht an der Akademie für Kunsttherapie, wie der Beilage 1, den Anforderungsmodulen der Ausbildung entnehmen werden könnte. Im Kerncurriculum wären sowohl praktische als auch theoretische Unterrichtsfächer enthalten, deren Inhalte Grundlagen für den späteren Beruf wiedergeben und welche über eine eventuelle persönliche Bereicherung weit hinausgehen. Ebenso bestünden auch die künstlerischen Trainings an den Ausbildungswochenenden und den frei wählbaren Kursen aus praktischen und theoretischen Einheiten. Insgesamt würden sich laut Stundenplan im Schnitt 18,80 Wochenstunden mit Anwesenheitspflicht ergeben. Darüber hinaus müsste ebenso noch Zeit zum Üben und Lernen in Anspruch genommen werden. Eine Anwesenheitsbestätigung der Ausbildungswochenenden bis September 2008 sowie der internen Kunstkurse bis zum selbigen Zeitpunkt sei der Beilage 2 zu entnehmen. Der Homepage (www.issa.at) sei weiters zu entnehmen, dass die Akademie für Kunsttherapie (z.B. durch Umsatzsteuerbefreiung) mit einer öffentlich rechtlichen Schule vergleichbar wäre. Der ehestmögliche Abschluss der Ausbildung der Tochter wäre im Herbst 2010 möglich. Der Abschluss dieser Ausbildung besteht aus drei Teilen. Zum einen die künstlerische Diplomarbeit und zum anderen eine schriftliche wissenschaftlich-therapeutische Abschlussarbeit, welche einen Umfang von mindestens 80 Seiten und ein kommissionelles Abschluss-Kolloquium beinhaltet und eine schriftliche Prüfung aus Psychiatrie, welche von einem externen Vortragenden, Prim. Dr. D. vom SMZ ausgewertet würde. Wie sich die Kunsttherapie als eigenständiges therapeutisches Verfahren von anderen Therapien unterscheidet und abgrenzen lässt, sei in der Beilage 3 angeführt. Außerdem sei das bereits bestehende Berufsgesetz für Musiktherapie, welches ebenso ein Teil der multimedialen Ausbildung zur Kunsttherapeutin sei, der Beilage 4 zu entnehmen. Musiktherapeuten, Tanztherapeuten, Bewegungstherapeuten, Dramatherapeuten, bildnerisch orientierte Gestaltungs- bzw. Kunsttherapeuten: deren Methoden und Verfahren vereinigen sich in der umfassenderen, multimedialen Ausbildung an der ISSA. Sie alle hätten ihr Arbeitsfeld gefunden, weil für die Behandlung von Patienten ein Bedarf besteht, der durch beschäftigungstherapeutische Aktivitäten und die spezifisch psychotherapeutische Aktivitäten und die spezifisch psychotherapeutische Arbeit nicht abgedeckt wird. So würden Musik-, Bewegungs-, Kreativitäts- bzw. bildnerisch orientierte Kunsttherapeuten in interdisziplinären Teams mit ärztlichen und nichtärztlichen Psychotherapeuten einerseits und Beschäftigungstherapeuten und Krankengymnasiasten andererseits zusammen arbeiten, wobei es nach beiden Richtungen hin - zur Psychotherapie und zur funktionalen Behandlung - Überschneidungszonen gäben würde. Im Zentralbereich allerdings seien sie eigenständig: auf die Förderung kreativer Potentiale beim Patienten gerichtet, auf die Entwicklung verkümmerter Wahrnehmungs- und Ausdruckspotentiale durch die Verwendung künstlerischer Zugangsweisen und Medien. Aus einer gründlichen Kenntnis der medialen und methodischen Möglichkeiten einerseits und einem soliden klinischen Wissen andererseits schaffen diese Berufe eine Synthese zwischen rekreativer und klinisch-therapeutischer Arbeit, die sich gerade für die Behandlung schwer gestörter, langzeitig-hospitalisierter, sprachlich schwer erreichbarer, introspektiv eingeschränkter Patienten eignet. Unterschichtpatienten, Menschen aus benachteiligten Schichten, Alterspatienten, Schwerkranke (Krebserkrankungen, Multiple Sklerose, Aids) könnten durch die Möglichkeiten der "Therapie mit kreativen Medien", in besonderer Weise erreicht werden. Sowohl gegenüber der Kunstpsychotherapie, wie auch gegenüber der Beschäftigungstherapie überwiegt die Kenntnis des methodischen und medialen Instrumentariums. Dass bereits viele anerkannte Einrichtungen und Institutionen aus dem Gesundheits- sowie Krankheitsbereich, wie zum Beispiel das ÖHTB, (SpitalX, KrankenhausY, Kinderspitalx uvm.), mit Kunsttherapie arbeiten und Bedarf an Kunsttherapie im Allgemeinen besteht und wächst, bestätige die Beilage 5." Beilage 3:Abgrenzung zum Psycho-Therapeuten in Bezug auf Verwendung von kreativen Medien:
Kunst-Therapeuten haben ihren Fokus auf den künstlerischen Prozess
und nicht auf das Ausgedrückte, auf das Leiden oder auf die Störung. Jede der unterschiedlichen Medien bewirkt einen anderen inneren Prozess. Kunsttherapie ist ein Wirksamwerden einzelner Wirkprinzipien, die jedem der einzelnen Künste zu Eigen sind. Jeder einzelne künstlerische Prozess hat dieser Kunst eigene Wirkkräfte. Diese inneren Wirkprinzipien werden bewusst angegangen, geahnt, erlebt. Durch das sich Einlassen in einen künstlerischen Prozess gelangt der Klient an ein Ahnen eines inneren Prozesses. Diese unterschiedlichsten Wirkkräfte arbeiten mit dem Menschen, der sich auf diese Prozesse einlässt. Es ist ein Erleben der natürlichen Wirkprinzipien und Wirkkräfte der Künste. Über das Sich-einfühlen, Einlassen in den jeweiligen künstlerischen Prozess gelangt der Mensch, zu den Form- und Gestaltungs-Prinzipien, die dieser künstlerischen Methode zu eigen sind. Das gesunde Prinzip, das jedem einzelnen künstlerischen Prozess innewohnt, wird durch ein Sich-einlassen in den jeweiligen künstlerischen Prozess, gefunden und erlebt. Kunst-Therapie ist ein Einüben von Neuem, Ersehntem, bisher noch nicht Geahntem hin zu einer höchst persönlichen, individuellen, neuen und kreativ selbst gestalteten Gesundheit.
§ 3 regelt den Umfang der psychologischen Berufsausübung im Bereich des Gesundheitswesens. Auszugehen ist dabei von der grundlegenden Definition des Abs. 1, wonach im Zentrum jeder psychologischen Berufsausübung die Anwendung der Erkenntnisse und Methoden der wissenschaftlichen Psychologie steht. Die Fragestellungen der -
wissenschaftlichen Psychologie beziehen sich auf menschliches Erleben und Verhalten. Sie reichen von der Detailforschung physiologischer Prozesse unter psychologischen Gesichtspunkten, der Analyse von Vorgängen der Informationsverarbeitung über die Feststellung und Erklärung individueller Unterschiede im Erleben und Handeln, der Gestaltung und der Einführung von Verbesserungen im individuellen und institutionellen Bereich, der Beratung und Behandlung von Störungen und Leidenszuständen bis hin zur Analyse sozialer Gruppenvorgänge und den Untersuchungen zum Wandel von Wertüberzeugungen und zur Umweltgestaltung.
Die multimediale Kunsttherapie
beinhaltet auch die Musiktherapie. Die multimediale Ausbildung an der ISSA Akademie für Kunsttherapie ist eine umfassendere Ausbildung die mehrere künstlerische Medien (darstellend und bildnerisch) im therapeutischen Verfahren anwendet.
Das Finanzamt erließ am 8. Juni 2009 eine Berufungsvorentscheidung und begründete diese wie folgt: <Gemäß
§ 2 Abs.1 lit. b Familienlastenausleichsgesetz (FLAG) haben Personen, die im Bundesgebiet einen Wohnsitz oder ihren gewöhnlichen Aufenthalt haben, Anspruch auf Familienbeihilfe für volljährige Kinder, die das 26. Lebensjahr noch nicht vollendet haben und die für einen Beruf ausgebildet oder in einem erlernten Beruf in einer Fachschule weitergebildet werden, wenn ihnen durch den Schulbesuch die Ausübung ihres Berufes nicht möglich ist. Eine Berufsausbildung im Sinne des Familienlastenausgleichsgesetzes liegt zweifellos während der allgemeinen Schulausbildung vor. Lt. Rechtssprechung des Verwaltungsgerichtshofes liegt Berufsausbildung im Sinne des FLAG vor, wenn im Rahmen einer schulischen oder kursmäßigen Ausbildung noch nicht berufstätigen Personen ohne Bezugnahme auf die spezifischen Tätigkeiten an einem konkreten Arbeitsplatz für das künftige Berufsleben erforderliches Wissen vermittelt wird.
In der Folge wurde von der Bw. die Vorlage der Berufung an die Abgabenbehörde zweiter Instanz zur Entscheidung beantragt, da die Ausbildung keine Fortbildung in einem artverwandten Beruf darstellt, sondern eine eigenständige Ausbildung darstellen würde. Ergänzend wurde vorgebracht, dass unter Berücksichtigung der Praktika im Ausmaß von 1100 Stunden zumindest 21 Wochenstunden aufgewendet werden müssen und/bzw. einen täglichen Aufwand von mindestens vier bis fünf Stunden ergeben. Mit der Ablegung der künstlerischen Diplomarbeit am 20.6.2009 sei auch bereits ein Teil des Abschlusses absolviert worden. Als Ausbildungsnachweis wurde eine Bestätigung vom 19.6.2009 über ein Praktikum über 100 Stunden sowie ein Schreiben der ISSA Akademie vom 7.7.2009 als Bestätigung vorgelegt, wonach die Ausbildung zur Ganzheitlichen Kunsttherapie zwar berufsbegleitend sei, jedoch sehr zeitintensiv und jedenfalls 21 Wochenstunden betragen könne und insgesamt 1100 Stunden Praktikum gefordert würden. Auch wäre die Ganzheitliche Kunsttherapie bereits auf einer zweiten Stufe in der Entwicklung zu einem eigenen Berufsgesetz. Über die Berufung wurde erwogen:
§ 2 Abs. 1 lit. b FLAG besteht Anspruch auf Familienbeihilfe für volljährige Kinder, die das 26. Lebensjahr noch nicht vollendet haben und die für einen Beruf ausgebildet oder in einem erlernten Beruf in einer Fachschule fortgebildet werden, wenn ihnen durch den Schulbesuch die Ausübung ihres Berufes nicht möglich ist. In seinem Erkenntnis vom 18.11.1987, 87/13/0135, weist der Verwaltungsgerichtshof darauf hin, dass das Gesetz eine nähere Umschreibung des Begriffes "Berufsausbildung" nicht enthalte. Unter diesen Begriff seien aber jedenfalls alle Arten schulischer oder kursmäßiger Ausbildung zu zählen, in deren Rahmen noch nicht berufstätigen Personen ohne Bezugnahme auf die spezifischen Tätigkeiten an einem bestimmten Arbeitsplatz das für das künftige Berufsleben erforderliche Wissen vermittelt wird. An dieser Begriffsumschreibung hat der Verwaltungsgerichtshof auch in seinem Erkenntnis vom 23.10.1990, 87/14/0031, und vom 7.9.1993, 93/14/0100, festgehalten. Zur Berufsausbildung im Sinne des § 2 FLAG zählt aber nicht nur die Ausbildung an einer Schule. Eine Ausbildung, die nach Art und Dauer die volle oder überwiegende Zeit der Teilnehmer beansprucht, vermittelt den Anspruch auf Familienbeihilfe, wenn sie die übrigen von der Rechtsprechung geforderten, oben angeführten Voraussetzungen erfüllt. Von einer Berufsausbildung kann auch dann ausgegangen werden, wenn es in Österreich keinen "gesetzlich festgesetzten Ausbildungsweg" gibt (vgl. VwGH 26.6. 2001, 2000/14/0192). Selbst wenn für bestimmte Ausbildungsrichtungen oder Zweige eine gesetzliche Regelung vorhanden ist, kommt es darauf an, dass sich die Ausbildung in quantitativer Hinsicht vom Besuch von Lehrveranstaltungen oder Kursen aus privaten Interessen unterscheidet (vgl. VwGH 28.1.2003, 2000/14/0093, 1.3.2007, 2006/15/0178). Die oben angeführten, von der Judikatur geforderten Voraussetzungen einer Berufsausbildung im Sinne des FLAG können also auch dann vorliegen, wenn ein Kind die Externistenreifeprüfung ablegen will und sich tatsächlich und zielstrebig auf die Ablegung der Reifeprüfung vorbereitet. Das wird dann anzunehmen sein, wenn die Vorbereitung auf die Ablegung der Reifeprüfung die volle Zeit des Kindes in Anspruch nimmt und das Kind zu den von der Externistenreifeprüfungskommission festgesetzten Terminen zu den Prüfungen antritt (vgl. Wittmann - Papacek, Kommentar zum Familienlastenausgleich, § 2, Seite 6 f). Festzuhalten ist jedoch, dass der VwGH den Begriff der "Berufsausbildung" streng auslegt, wenn er ausführte, dass der Besuch von allgemeinen nicht auf eine Berufsausbildung ausgerichteten Veranstaltungen nur dann eine Berufsausbildung sein kann, wenn diese Veranstaltungen im Rahmen eines als Einheit zu betrachtenden Ausbildungsverhältnisses erfolgen. Ihren Abschluss findet eine Berufsausbildung jedenfalls mit dem Beginn der Ausübung eines bestimmten Berufes, auch wenn für den konkreten Arbeitsplatz noch eine spezifische Einschulung erforderlich sein mag, wie dies - ungeachtet der Qualität der vorangegangenen Berufsausbildung - regelmäßig der Fall sein wird. An dieser Begriffsumschreibung hat der VwGH auch seinen Erkenntnissen vom 23.10.1990, 87/14/0031 und vom 18.12.1996, 94/15/0170 festgehalten. Ein so genannter Vorpraxiskurs zur Erleichterung der Eingliederung in das Berufsleben, der die volle Arbeitszeit des Kindes in Anspruch nimmt, kann unter bestimmten Voraussetzungen als Berufsausbildung gewertet werden (Wittmann - Galletta, Kommentar FLAG § 2). Ziel einer Berufsausbildung iSd § 2 Abs 1 lit. b FLAG ist es, die fachliche Qualifikation für die Ausübung des angestrebten Berufes zu erlangen (VwGH 28.1.2003, 2000/14/0093). Eine Ausbildung, die nach Art und Dauer die volle oder überwiegende Zeit in Anspruch nimmt, vermittelt den Anspruch auf Familienbeihilfe. Es kommt somit darauf an, dass sich die Ausbildung in quanitativer Hinsicht vom Besuch von Lehrveranstaltungen und Kursen aus privaten Interessen unterscheidet (VwGH 21.1.2003, 2000/14/0093; 1.3.2007, 2006/15/0178). Der Besuch von im Allgemeinen nicht auf eine Berufsausbildung ausgerichteten Veranstaltungen kann nicht als Berufsausbildung gewertet werden und zwar selbst dann nicht, wenn diese Ausbildung für eine spätere spezifische Berufsausbildung Voraussetzung oder nützlich ist (Wittmann/Papacek, Der Familienlastenausgleich, Kommentar, § 2 S 7). Hochschullehrgänge bzw. Universitätslehrgänge stellen grundsätzlich kein ordentliches Studium dar. Es kann jedoch eine Berufsausbildung gemäß
§ 2 Abs. 1 lit b erster Satz gegeben sein, wenn die volle oder überwiegende Zeit der Teilnehmer beansprucht wird, das Ablegen von Prüfungen für den Fortgang und Abschluss des Lehrgangs erforderlich ist, diese auch tatsächlich in angemessener Zeit abgelegt werden und eine Ausbildung für ein spezielles Berufsziel erfolgt (Sailer u.a., die Lohnsteuer, S 1054). Der von der Tochter des Bw. absolvierte "Diplomlehrgang zur Kunsttherapie", in welchem die Teilnehmer in die praktischen und theoretischen Grundlagen sowie Eigentherapie, Kunsttherapeutische Gruppen-Selbsterfahrung, Kunsttherapeutische Einzelselbsterfahrung, Kunst und Praktikum (mit 1100 Stunden), Supervision und Peergroup eingeführt werden, stellt nach Ansicht des Unabhängigen Finanzsenates für sich betrachtet keine Berufsausbildung im oben dargelegten Sinn dar, auch wenn dieser Lehrgang für eine spätere Berufsausbildung oder für eine nachfolgende Ausbildung von Vorteil bzw. Vorbereitung oder gar Voraussetzung sein kann. Es handelt sich bei der von der Akademie für ganzheitliche Kunsttherapie angebotenen Ausbildung um keine berufsspezifische Ausbildung, sondern um eine Ausbildungsbetrieb, in welchem Erwachsene alle Anlagen lernen bezüglich Auseinandersetzung mit bildnerischen wie darstellenden Formen des Ausdrucks. Dies geht aus der Homepage der Akademie (www.issa.at) hervor. Die Akademie ist vom Bundesministerium für Unterricht und Kunst als Einrichtung der Erwachsenenbildung anerkannt, dauert mindestens 4 Jahre und ist berufsbegleitend organisiert. Die Ausbildungskanditaten werden darauf hingewiesen, dass kunsttherapeutische Bildung weder in einem eigenen Berufsgesetz geregelt ist, noch dass nach Absolvieren aller Module das Diplom eine Garantie dafür ist, einem kommenden Berufsgesetz zu genügen. Dazu wird ausgeführt: Nutzen und Möglichkeiten
Die Ausbildung setzt voraus: Personen mit Vollendung des 18. Lebensjahres, Schul- oder Lehrabschluss, selbstverantwortliche Lebensführung, künstlerische und psychosoziale Eignung, Fähigkeit der Selbst-Reflexion, Stabilität und Belastbarkeit. Zeitaufwand und Kosten des 1. Lehrganges
: -1 Einführungsseminar und Gespräch: 15 Stunden
-11 Ausbildungswochenenden pro Jahr a 15 Stunden -Eigentherapie: 20 Stunden, ca. die Hälfte der AWE-Zeit, monatlich eine Einheit Einzelselbsterfahrung a 50 Minuten
Theorie: Kunsttherapie, Ethik, Psychiatrie, Entwicklungslehre, Praktikumseminare, Processing, Praxis: Kunsttherapie-Gruppenselbsterfahrung mittels zeichnen, malen formen, Raum, Foto-Video, Bewegung, Tanz, Musik, Gesang, Theater Eigentherapie: Kunsttherapie-Gruppenselbsterfahrung, Kunsttherapie-Einzelselbsterfahrung Praktikum: Peergruppen-Stunden, Berufsverbandsmitarbeit, Transkripition Supervision, Peergroup, Event Ausbildungsziel
Die Ausbildung zur Kunsttherapeutin wird im Rahmen des vierjährigen, in Wochenendblockseminaren organisierten Lehrganges vermittelt und sollen Kunst, Therapie und Management erforscht werden. Es werden Kunsttrainings, eine Therapieausbildung mit künstlerischem Ansatz und auch Management-Trainings in Bezug auf Coaching und Supervision mit künstlerischen und therapeutischen Schwerpunkt geliefert. Im Rahmen der Ausbildung zur Kunsttherapeutin wird neben dem Training des kunsttherapeutischen Handwerks die Betonung auf eine umfassende Persönlichkeitsgestaltung gelegt. Lt. vorgelegter Bestätigung der Akademie wurden von der Tochter bisher folgende Theorievorlesungen an den Ausbildungswochenenden absolviert: Oktober 2006 bis September 2008: 147 Stunden, weiters Selbsterfahrung im Zeitraum 2007: 20 Stunden, bildnerische und darstellende Kunststudium im Zeitraum WS 2006 bis Juni 2008: 74 und 80 Stunden. Lt. Aktenlage ist weiters auszuschließen, dass die Ausbildung der Tochter zur Kunsttherapeutin im Zusammenhang mit ihrer bisherigen Berufsausbildung steht. S. war im Zeitraum 2005 bis 2006 als Teilzeitbeschäftigte bzw. Teilzeitangestellte und somit berufsbegleitend tätig. Die Tochter hat mit Juni 2009 bereits einen Teil mit Diplom erfolgreich absolviert und kann somit das ernstliche und zielstrebige, nach außen erkennbare Bemühen um den Ausbildungserfolg nicht abgesprochen werden. Es ist jedoch in einem weiteren Schritt zu überprüfen, ob die Art der gewählten Ausbildung in zeitlicher Hinsicht eine genügend zielstrebige Berufsausbildung überhaupt ermöglicht. Diesbezüglich ist festzustellen, dass der in Rede stehende Lehrgang einmal im Monat am Wochenende (15 Stunden) stattfindet und ergibt dies zusammen mit Theoriestunden bezüglich Eigentherapie, Supervision, Peergroups, Event ein Ausmaß von rund 4-5 Stunden wöchentlich. Bei nur theoretischem Unterricht ist jedoch wie das Finanzamt in der Berufungsvorentscheidung auch ausgeführt hat nur eine Stundenanzahl von mindestens 20 Wochenstunden als ausreichend zu beurteilen, da davon auszugehen ist, dass dann in höherem Ausmaß Lernstunden anfallen. Im gegenständlichen Fall sind lt. Bestätigung der Akademie die Auszubildenden unter Berücksichtigung der Praktikumstunden rund 21 Wochenstunden beschäftigt. Eine Berufsausbildung kann jedoch in diesem Fall nach ständiger Rechtsprechung nur dann vorliegen, wenn bei Vorliegen von Lernstunden inklusive Pflichtpraktikumstunden zumindest 30 Wochenstunden aufzuwenden sind (vgl. VwGH 18.11.2008, 2007/15/0050). Somit ist festzuhalten, dass die von der Tochter absolvierte Ausbildung im Vergleich zu Berufsausbildungen im herkömmlichen Sinn in zeitlicher Hinsicht - zwei Tage pro Woche (Wochenende) jedenfalls wesentlich geringere Anforderungen stellt, weshalb - worauf bereits das Finanzamt zutreffend hingewiesen hat - die erforderliche Ausbildungsintensität nicht gegeben ist. Daran ändert auch die Einwendung der Bw. nichts, da die angegebenen 18,80 Wochenstunden unter Einbeziehung der Praktika eine Wochenstundenanzahl von 21 ergeben und liegen somit jedenfalls unter dem Zeiteinsatz einer AHS- bzw. BHS-Schulausbildung. Ergänzt wird weiters, dass die Wiener Schule für Kunsttherapie als Voraussetzungen und Erfahrungen den Nachweis einer abgeschlossenen Berufsausbildung - möglichst im psychosozialen, medizinischen oder künstlerischen Feld - nennt. Unabdingbar sei die soziale Motivation für die Tätigkeit und das künstlerische Engagement und mindestens ein Jahr Berufserfahrung in den genannten Bereichen oder Erziehungsverantwortung. Wenn die Bw. daher einwendet, dass der Diplomlehrgang in Bezug auf eine künftig angestrebte Berufsausübung auf gesetzlicher Basis abzielt, wird angemerkt, dass die Ausbildungskandidaten von der Akademie darauf hingewiesen wurden, dass kunsttherapeutische Bildung bisher weder in einem eigenen Berufsgesetz geregelt ist noch das Absolvieren aller Module das Diplom eine Garantie darstellt, einem kommenden Berufsgesetz zu genügen. Nach Ansicht des Unabhängigen Finanzsenates sind somit aus den oben dargelegten Gründen die Anspruchsvoraussetzungen für den Bezug der Familienbeihilfe nicht gegeben. Es war daher spruchgemäß zu entscheiden. Wien, am 22. Jänner 2010 nach oben