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Timestamp: 2018-11-19 07:53:24
Document Index: 86410728

Matched Legal Cases: ['BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 5', '§ 3', '§ 43', 'BGH']

BGH, Urteil vom 09.06.2011 - I ZR 113/10 - Zertifizierter Testamentsvollstrecker - Der Verkehr erwartet von einem Rechtsanwalt, der sich als "zertifizierter Testamentsvollstrecker" bezeichnet, dass er nicht nur über besondere Kenntnisse, sondern auch über praktische Erfahrungen auf dem Gebiet der Testamentsvollstreckung verfügt.
BGH, Urteil vom 09.06.2011 - I ZR 113/10
1. Die Führung eines Zertifikats durch einen Rechtsanwalt (hier: Kanzleibriefkopf) begegnet nicht stets wettbewerbsrechtlichen Bedenken. Mit der Einführung der Fachanwaltsbezeichnungen hat der Gesetzgeber keine abschließende Regelung des Werberechts der Rechtsanwaltschaft getroffen (BGH, Urteil vom 16.06.1994 - I ZR 66/92 - Kanzleieröffnungsanzeige). Hinweise auf zusätzliche Qualifizierungen sind dem Rechtsanwalt nicht von vornherein versagt.
2. Der Begriff der Zertifizierung besagt nicht, dass diese von einer amtlichen Stelle vergeben worden ist. Als Zertifizierung wird ein Verfahren bezeichnet, mit dessen Hilfe die Einhaltung bestimmter Anforderungen an Produkte oder Dienstleistungen einschließlich der Herstellungsverfahren nachgewiesen werden kann. Zertifizierungen werden von unabhängigen Stellen vergeben und müssen sich nach festgelegten Standards richten.
3. Der Verkehr erwartet von einem Rechtsanwalt, der sich als "zertifizierter Testamentsvollstrecker" bezeichnet, dass er nicht nur über besondere Kenntnisse, sondern auch über praktische Erfahrungen auf dem Gebiet der Testamentsvollstreckung verfügt.
4. Die Werbung eines Rechtsanwalts, die gegen § 5 Abs. 2 Satz 2 Nr. 3 UWG verstößt, verlässt den Rahmen berufsrechtlich zulässiger Werbung und verletzt das Sachlichkeitsgebot. Sie ist daher auch gemäß §§ 3, 4 Nr. 11 UWG in Verbindung mit § 43b BRAO unlauter (vgl. BGH, Urteil vom 29.07.2009 - I ZR 77/07 - EKW-Steuerberater).
5. Es bedarf im Allgemeinen keines durch eine Meinungsumfrage untermauerten Sachverständigengutachtens, um dass Verständnis des Verkehrs zu ermitteln, wenn die entscheidenden Richter selbst zu den angesprochenen Verkehrskreisen gehören.
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