Source: http://www.rechtsindex.de/verkehrsrecht/2918-urteil-unerlaubtes-entfernen-vom-unfallort-verletzung-der-aufklaerungsobliegenheit
Timestamp: 2016-12-07 08:40:44
Document Index: 18216981

Matched Legal Cases: ['BGH', '§ 142', '§ 142', '§ 142', '§ 142', 'BGH']

Urteil: Unerlaubtes Entfernen vom Unfallort - Verletzung der Aufklärungsobliegenheit | Rechtsindex
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Bundesgerichtshof, Urteil vom 21.11.2012 - IV ZR 97/11 Urteil: Unerlaubtes Entfernen vom Unfallort - Verletzung der Aufklärungsobliegenheit
Mit Urteil hat der BGH entschieden, dass ein Verstoß gegen § 142 Abs. 2 StGB nicht in jedem Falle zugleich eine vorsätzliche Verletzung der Aufklärungsobliegenheit gegenüber dem Fahrzeugversicherer beinhaltet, die zu dessen Leistungsfreiheit führt. Der Sachverhalt
Der Kläger erlitt mit seinem bei der Beklagten kaskoversicherten Fahrzeug gegen 1 Uhr morgens einen Unfall, als er - nach seiner Behauptung bei einem Ausweichmanöver wegen auf der Straße stehender Rehe - auf einer Landstraße in einer Rechtskurve nach links von der Fahrbahn abkam und mit dem Fahrzeugheck gegen einen Baum prallte, der ebenso wie sein Fahrzeug beschädigt wurde.
Nach dem Unfall verständigte er den ADAC, der das Fahrzeug abschleppte, und ließ sich von einem herbeigerufenen Bekannten an der Unfallstelle abholen. Die Polizei und den Geschädigten (das zuständige Straßenbauamt) verständigte er nicht. Ein gegen ihn eingeleitetes Verfahren wegen unerlaubten Entfernens vom Unfallort wurde später eingestellt.
Versicherung lehnt Regulierung ab
Mit seiner Klage verlangt der Kläger den Ersatz des auf rund 27.000 € bezifferten Schadens. Die Klage ist in den Vorinstanzen erfolglos geblieben. Das Berufungsgericht hat die Auffassung vertreten, dass die Aufklärungsobliegenheit stets verletzt sei, wenn der Straftatbestand des unerlaubten Entfernens vom Unfallort verwirklicht werde. Das gelte auch in den Fällen des § 142 Abs. 2 StGB, gegen den der Kläger verstoßen habe.
(2) Nach Absatz 1 wird auch ein Unfallbeteiligter bestraft, der sich1. nach Ablauf der Wartefrist (Absatz 1 Nr. 2) oder2. berechtigt oder entschuldigt vom Unfallort entfernt hat und die Feststellungen nicht unverzüglich nachträglich ermöglicht.
Der Bundesgerichtshof hat einen solchen Automatismus verneint. Er hat entschieden, dass dem Aufklärungsinteresse des Versicherers trotz eines Verstoßes gegen § 142 Abs. 2 StGB dann in ausreichender Weise genügt ist, wenn der Versicherungsnehmer zu dem Zeitpunkt, in dem eine nachträgliche Information des Geschädigten noch "unverzüglich" im Sinne von § 142 Abs. 2 StGB gewesen wäre und eine Strafbarkeit nach dieser Vorschrift vermieden hätte, zwar nicht den Geschädigten, aber unmittelbar seinen Versicherer oder dessen Agenten informiert hat.
Dies hatte der Kläger behauptet. Der Bundesgerichtshof hat deshalb das Berufungsurteil aufgehoben und die Sache zur Aufklärung an das Berufungsgericht zurückverwiesen.
Gericht:Bundesgerichtshof, Urteil vom 21.11.2012 - IV ZR 97/11
Vorinstanzen:Oberlandesgericht Dresden, Urteil vom 06.04.2011 - 7 U 1310/10Landgericht Bautzen, Urteil vom 19.07.2010 - 3 O 466/09
BGH, PM Nr. 195/2012 Rechtsindex - Recht & Urteil
Dieses Urteil wurde am 22. November 2012 eingetragen und wurde 4949 mal gelesen
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