Source: https://www.juracademy.de/insolvenzrecht/insolvenzglaeubiger.html
Timestamp: 2017-08-23 00:40:27
Document Index: 370310433

Matched Legal Cases: ['§ 38', '§ 174', '§ 55', '§ 38', 'BGH', '§ 41', '§ 55', '§ 433', '§ 55', '§ 38', '§ 55', '§ 38', '§ 53', '§ 38']

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Insolvenzrecht - Insolvenzgläubiger
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Insolvenzgläubiger sind die Gläubiger, die bei Eröffnung des Insolvenzverfahrens (Tag und Stunde des Eröffnungsbeschlusses) eine offene Forderung gegen den Schuldner haben (§ 38 InsO). Sie stehen im Mittelpunkt des Insolvenzverfahrens. Exklusiv für diese Gruppe wird das Gesamtvollstreckungsverfahren durchgeführt. Das gesamte Vermögen des Schuldners (= Insolvenzmasse) wird für die Insolvenzgläubiger verwertet, damit sie zumindest einen Teil ihrer Forderungen über das Insolvenzverfahren erhalten (= Insolvenzquote). Die Beteiligung am Insolvenzverfahren setzt keinen Vollstreckungstitel voraus. Voraussetzung ist lediglich, dass die Insolvenzgläubiger ihre Forderungen beim Insolvenzverwalter anmelden (§§ 174 ff. InsO).
Insolvenzgläubiger sind von den Massegläubigern (§ 55 InsO) abzugrenzen. Die Unterscheidung ist denkbar einfach, da die InsO bestimmte Zeitfenster setzt.
Insolvenzgläubiger sind nach § 38 InsO alle Gläubiger, die vor der Eröffnung des Insolvenzverfahrens eine Forderung gegen den Schuldner begründet haben.
Der Rechtsgrund muss bei Verfahrenseröffnung bereits gelegt sein.
Statt vieler BGH v. 19.1.2012 – IX ZR 2/11 = NJW 2012, 1585, 1586; Bork Insolvenzrecht Rn. 81.
So gelten nicht fällige Forderungen (z.B. Darlehensrückzahlung) mit Eröffnung als fällig (§ 41 Abs. 1 InsO).
Massegläubiger sind dagegen nach § 55 Abs. 1 InsO die Gläubiger, die nach der Eröffnung des Insolvenzverfahrens eine Forderung gegen den Schuldner begründet haben.
Hat die Lieferantin Lisa der MyTV GmbH vor Eröffnung des Insolvenzverfahrens Druckerpatronen geliefert, ist sie mit ihrem Kaufpreisanspruch (§ 433 Abs. 2 BGB) Insolvenzgläubigerin. Liefert sie die Druckerpatronen nach Insolvenzeröffnung an den Verwalter, ist sie Massegläubigerin (§ 55 Abs. 1 Nr. 1 InsO). Arbeitnehmer, die bis zur Eröffnung des Insolvenzverfahrens arbeiten (ohne ihren Lohn zu bekommen), sind Insolvenzgläubiger (§ 38 InsO). Arbeiten sie nach der Eröffnung im Unternehmen weiter, sind sie Massegläubiger (§ 55 Abs. 1 Nr. 2 InsO).
Wodurch unterscheiden sich die Insolvenzgläubiger von den Massegläubigern
Durch den Zeitpunkt der Forderungsentstehung (Begründung: Insolvenzgläubiger sind nach § 38 InsO alle Gläubiger, die vor Eröffnung des Insolvenzverfahrens eine Forderung gegen den Schuldner begründet haben. Massegläubiger dagegen haben ihre Forderung erst nach der Eröffnung begründet. Begründet bedeutet hier, dass der Rechtsgrund bereits vorgelegen haben muss.)
Durch die Art der Forderung (Begründung: Das ist bei der Abgrenzung zwischen Insolvenz- und Massegläubiger irrelevant.)
Die Insolvenzgläubiger müssen zuerst befriedigt werden (Begründung: Im Gegenteil. Die Massegläubiger sind privilegierte Gläubiger. Sie sind gemäß § 53 InsO vor allen Insolvenzforderungen (§ 38 InsO) zu befriedigen und werden als erstes aus der Masse bedient.)