Source: http://www.omsels.info/ii-anwendungsbereich/b-geschaeftliche-handlungen-im-ausland/2-rom-ii-verordnung
Timestamp: 2017-09-24 10:14:30
Document Index: 379122017

Matched Legal Cases: ['BGH', 'Art. 6', 'BGH', 'BGH', 'Art. 6', 'Art. 4', '§ 3', '§ 4', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'Art. 6', 'BGH', 'Art. 6', 'Art. 6', 'Art. 6', 'Art. 6', 'Art. 6', '§ 4', 'Art. 6', 'BGH', 'Art. 6']

Der Anwendungsbereich der Rom II Verordnung › omsels.info - Der Online-Kommentar zum UWG
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Die Verordnung (EG) Nr. 864/2007 über das auf außervertragliche Schuldverhältnisse anzuwendende Recht (Rom-II-Verordnung) regelt als europäische Verordnung mit unmittelbarer Geltung in den Mitgliedstaaten der Europäischen Union das sog. internationale Privatrecht im Bereich außervertraglicher Schuldverhältnissse. Sie ist am 11. Januar 2009 in Kraft getreten.
Zu den außervertraglichen Schuldverhältnissen gehören auch die wettbewerbsrechtlichen Beziehungen zwischen Mitbewerbern, die sich aus einem Verstoß eines Unternehmers gegen Bestimmungen des Wettbewerbsrechts ergeben.
Die einschlägigen Bestimmungen der ROM-II-Verordnung, die das Wettbewerbsrecht und angrenzende Rechtsgebiete betreffen, lauten wie folgt:
Artikel 4 Allgemeine Kollisionsnorm
Artikel 8 Verletzung von Rechten des geistigen Eigentums
(2) Bei außervertraglichen Schuldverhältnissen aus einer Verletzung von gemeinschaftsweit einheitlichen Rechten des geistigen Eigentums ist auf Fragen, die nicht unter den einschlägigen
Rechtsakt der Gemeinschaft fallen, das Recht des Staates anzuwenden, in dem die Verletzung begangen wurde.
Zu diesen Bestimmungen erfinden sich Erläuterungen in den Erwägungsgründen des europäischen Gesetzgebers zur ROM-II-Verordnung. Sie lauten:
Die Sonderregel nach Artikel 6 stellt keine Ausnahme von der allgemeinen Regel nach Artikel 4 Absatz 1 dar, sondern vielmehr eine Präzisierung derselben. Im Bereich des unlauteren Wettbewerbs sollte die Kollisionsnorm die Wettbewerber, die Verbraucher und die Öffentlichkeit schützen und das reibungslose Funktionieren der Marktwirtschaft sicherstellen. Durch eine Anknüpfung an das Recht des Staates, in dessen Gebiet die Wettbewerbsbeziehungen oder die kollektiven Interessen der Verbraucher beeinträchtigt worden sind oder beeinträchtigt zu werden drohen, können diese Ziele im Allgemeinen erreicht werden.
Außervertragliche Schuldverhältnisse, die aus einem den Wettbewerb einschränkenden Verhalten nach Artikel 6 Absatz 3 entstanden sind, sollten sich auf Verstöße sowohl gegen nationale als auch gegen gemeinschaftliche Wettbewerbsvorschriften erstrecken. Auf solche außervertraglichen Schuldverhältnisse sollte das Recht des Staates anzuwenden sein, in dessen Gebiet sich die Einschränkung auswirkt oder auszuwirken droht. Wird der Markt in mehr als einem Staat beeinträchtigt oder wahrscheinlich beeinträchtigt, so sollte der Geschädigte seinen Anspruch unter bestimmten Umständen auf das Recht des Mitgliedstaats des angerufenen Gerichts stützen können.
BGH, Urt. v. 8.10.2015, I ZR 225/13, Tz. 16 - Eizellspende
Nach Art. 6 Abs. 1 Rom-II- VO ist auf außervertragliche Schuldverhältnisse aus unlauterem Wettbewerbsverhalten das Recht des Staates anzuwenden, in dessen Gebiet die Wettbewerbsbeziehungen oder die kollektiven Interessen der Verbraucher beeinträchtigt worden sind oder wahrscheinlich beeinträchtigt werden. Danach ist der wettbewerbsrechtliche Unterlassungsanspruch nach dem jeweiligen Marktortrecht zu beurteilen. Maßgeblich ist daher der Ort der wettbewerblichen Interessenkollision. Bei einer Werbemaßnahme ist entscheidend, auf welchen Markt die Maßnahme ausgerichtet ist.
Ebenso BGH, Urt. v. 12.1.2017, I ZR 253/14, Tz. 42 - World of Warcraft II
BGH, Urt. v. 12.12.2013, I ZR 131/12, Tz. 37 – englischsprachige Pressemitteilung
Beeinträchtigt ein unlauteres Wettbewerbsverhalten ausschließlich die Interessen eines bestimmten Wettbewerbers, ist nach Art. 6 Abs. 2 Rom-II-Verordnung die Bestimmung des Art. 4 Rom-II-Verordnung anwendbar. Diese Voraussetzung ist nicht erfüllt, wenn der behauptete Verstoß gegen § 3 Abs. 1, § 4 Nr. 7 UWG zwar in erster Linie die Interessen der Klägerin, daneben aber auch das Interesse der Allgemeinheit an einem unverfälschten Wettbewerb beeinträchtigt (vgl. auch BGH, Urt. v. 11.2.2010, I ZR 85/08, Tz. 19 - Ausschreibung in Bulgarien).
Ebenso BGH, Urt. v. 12.1.2017, I ZR 253/14, Tz. 43 - World of Warcraft II
BGH, Urt. v. 12.1.2017, I ZR 253/14, Tz. 43 - World of Warcraft II
Wenn diese Voraussetzung - etwa bei marktvermittelten Einwirkungen auf die Interessen der ausländischen Marktgegenseite - nicht erfüllt ist, bleibt die Marktortregel des Art. 6 Abs. 1 RomII-VO anwendbar.
BGH, Urt. v. 11.2.2010, I ZR 85/08, Tz. 19 – Ausschreibung in Bulgarien
Art. 6 Rom-II-VO gilt seit dem 11.1.2009. Nach Art. 6 Abs. 1 bestimmt sich das anwendbare Recht für vor Vertragsschluss begangene unlautere Handlungen regelmäßig nach dem Marktort (vgl. Köhler in Köhler/Bornkamm, UWG, Einl. UWG, Rdn. 534). Gemäß Art. 6 Abs. 2 Rom-II-VO findet bei einem als unlauterer Wettbewerb anzusehenden Verhalten allerdings das gemeinsame Heimatrecht der Parteien dann Anwendung, wenn die Wettbewerbshandlung im Ausland ausschließlich die Interessen des Klägers beeinträchtigt. Das soll beispielsweise bei bestimmten unternehmensbezogenen Eingriffen wie Betriebsspionage der Fall sein. Zwar weisen auch diese von der Kommission als „bilateral“ bezeichneten Wettbewerbshandlungen notwendigerweise einen Marktbezug auf, der jeder Wettbewerbshandlung bereits begrifflich immanent ist; denn grundsätzlich hat jede Wettbewerbshandlung, die sich gezielt gegen einen Wettbewerber richtet, im Verhältnis zu anderen Wettbewerbern eine wettbewerbsverzerrende Wirkung. Den von Art. 6 Abs. 2 ROM-II-VO erfassten unternehmensbezogenen Eingriffen fehlt aber die unmittelbar marktvermittelte Einwirkung auf die geschäftlichen Entscheidungen der ausländischen Marktgegenseite.
OLG Köln, Urt. v. 14.3.2014, 6 U 172/13, Tz. 15
Durch die VO (EG) Nr. 864/2007 v. 11.07.2007 (ROM II-VO) ist das Kollisionsrecht innerhalb der Union zum 11.01.2009 vereinheitlicht und damit sichergestellt worden, dass in allen Mitgliedstaaten dieselben Verweisungen zu Bestimmung des anzuwendenden Lauterkeitsrechts gelten, unabhängig von dem Staat, in dem der Anspruch geltend gemacht wird. Nach Art. 6 Abs. 1 ROM II-VO ist auf außervertragliche Schuldverhältnisse aus unlauterem Wettbewerbsverhalten das Recht des Staates anzuwenden, in dessen Gebiet die Wettbewerbsbeziehungen oder die kollektiven Interessen der Verbraucher beeinträchtigt worden sind oder wahrscheinlich beeinträchtigt werden. Dabei deckt sich der Begriff des unlauteren Wettbewerbsverhaltens weitgehend mit dem Anwendungsbereich des UWG; insbesondere wird auch der von der Richtlinie 2005/29/EG über unlautere Geschäftspraktiken abgedeckte Bereich erfasst (vgl. Köhler/Bornkamm, UWG, Einl. 5.31). Es ist das Recht des Staates anzuwenden, in dessen Gebiet sich die Beeinträchtigung der Wettbewerbsbeziehungen oder der kollektiven Verbraucherinteressen ereignet oder ereignen kann. Zu einer Beeinträchtigung kommt es, wenn der Handelnde in unlauterer Weise auf die Mitbewerber oder die Marktgegenseite einwirkt. Maßgebend ist also der Ort, an dem diese Einwirkung stattfindet, d.h. der sog. Markort. Bei behaupteten Verstößen gegen Marktverhaltensregelungen (§ 4 Nr. 11 UWG) ist Einwirkungsort der Ort, an dem das betreffende Marktverhalten auf die Mitbewerber oder Verbraucher einwirkt (Köhler/Bornkamm, UWG, Einl. 5.31, 5.34).
KG Berlin, Urt. v. 27.11.2015, 5 U 20/14, I.2.a
Gemäß Art. 6 Abs. 1 Rom II VO ist auf außervertragliche Schuldverhältnisse aus unlauterem Wettbewerbverhalten das Recht des Staates anzuwenden, in dessen Gebiet die Wettbewerbsbeziehungen oder die kollektive Interessen der Verbraucher beeinträchtigt worden sind oder wahrscheinlich beeinträchtigt werden (Marktortprinzip, vergleiche BGH, GRUR 2006, 513 Tz. 25 - Arzneimittelwerbung im Internet; GRUR 2007, 245 Tz. 13 - Schulden Hulp). Auch insoweit genügt eine wahrscheinliche (drohende) Beeinträchtigung (Köhler in: Köhler/Bornkamm, UWG, Einl Rn. 5.32).
Ebenso KG, Urt. v. 12.6.2015, 5 U 167/12 (MD 15, 1001); KG, Urt. v. 29.9.2015, 5 U 16/14 (MD 16, 23)
OLG Hamm, Urt. v. 17.12.2013, 4 U 100/13, Tz. 43
Informationspflichten ... unterfallen ... dem Wettbewerbsrecht, also der außervertraglichen Haftung. Die hierfür maßgeblichen Kollisionsnormen finden sich in der Verordnung (EG) Nr. 864/2007 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 11.7.2007 über das auf außervertragliche Schuldverhältnisse anzuwendende Recht (sog. Rom-II-VO). Nach dem hier maßgeblichen Art. 6 Abs. 1 Rom-II-VO ist dabei das Recht des Ortes anwendbar, an dem die Marktinteressen der Konkurrenten oder die kollektiven Interessen der Verbraucher beeinträchtigt werden können. Bei einer auf deutsche Verbraucher zielenden und in Deutschland abrufbaren Werbung ist daher deutsches Recht anzuwenden.