Source: https://steuerrecht-anwalt.berlin/steuerpflicht-bei-grenzpendlern/
Timestamp: 2020-07-03 22:56:39
Document Index: 332126739

Matched Legal Cases: ['§ 49', '§ 1', '§ 49', '§ 50', '§ 32', '§ 10', '§ 24', '§ 32', '§ 35', '§ 50', '§ 50', '§ 2']

Steuerpflicht bei Grenzpendlern? - Anwaltskanzlei Wudtke Berlin
Steuerpflicht bei Grenzpendlern?
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Als Grenzpendler wird regelmäßig ein Arbeitnehmer bezeichnet, der sich zur Arbeit in Deutschland aufhält und täglich zu seinem Wohnsitz oder gewöhnlichen Aufenthalt im Ausland zurückkehrt. Diese natürliche Person ist grundsätzlich beschränkt einkommen- bzw. lohnsteuerpflichtig, wenn sie inländische Einkünfte im Sinne des § 49 EStG bezieht. Grenzpendlern können, da sie nicht unbeschränkt steuerpflichtig sind, sich damit grds. nicht auf alle Vorschriften des Einkommensteuergesetzes berufen, d.h. viele begünstigende Steuervorschriften nicht in Anspruch nehmen. Dieser Zustand ist jedoch änderbar. Gemäß § 1 III EStG werden natürliche Personen als unbeschränkt einkommensteuerpflichtig behandelt (Fiktion), sofern sie inländische Einkünfte im Sinne des § 49 EStG beziehen und einen Antrag beim Betriebsstätten-FA auf Wechsel der Art der Steuerpflicht stellen.
Nachteile der beschränkten Steuerpflicht?
Ob ein Steuerpflichtiger unbeschränkt oder beschränkt einkommen- bzw. lohnsteuerpflichtig ist, hat erhebliche Auswirkungen auf seine Steuerlast. Beschränkt Steuerpflichtige dürfen Betriebsausgaben oder Werbungskosten gemäß § 50 EStG nur insoweit abziehen, als sie mit inländischen Einkünften in wirtschaftlichem Zusammenhang stehen. Der Einkommensteuertarif gemäß § 32a EStG ist mit der Maßgabe anzuwenden, dass das zu versteuernde Einkommen um den Grundfreibetrag (2014: 8354 Euro) grundsätzlich erhöht wird, d.h. dieser fällt praktisch weg. Dies gilt auch grundsätzlich für Sonderausgaben gemäß §§ 10, 10a und 10c EStG. Nicht anwendbar ist auch § 24b EStG, d.h. es gibt keinen anrechenbaren Entlastungsbetrag für Alleinerziehende. Auch Freibeträge für Kinder gemäß § 32 EStG bleiben unberücksichtigt. Die tarifliche Einkommensteuer kann sich auch nicht mehr bei Aufwendungen für haushaltsnahe Beschäftigungsverhältnisse und für die Inanspruchnahme haushaltsnaher Dienstleistungen steuerlich ermäßigen, da die Anwendung des § 35a EStG durch § 50 EStG ausgeschlossen wurde. Ferner werden bei einem nur beschränkt steuerpflichtigem Bürger keine außergewöhnlichen Belastungen mehr berücksichtigt und der Pauschbetrag für Pflegepersonen entfällt.
Welche Folgen hat ein Wechsel?
Um all die oben genannten Nachteile zu beseitigen, ist eine Möglichkeit, der Wechsel in die unbeschränkte Steuerpflicht. Die Einkommen- bzw. Lohnsteuer für Einkünfte, die z.B. dem Steuerabzug vom Arbeitslohn unterliegen, gilt bei beschränkt Steuerpflichtigen gemäß § 50 II 1 EStG durch den Steuerabzug als abgegolten. Dies gilt jedoch nicht, wenn ein Fall des § 2 VII 3 EStG vorliegt. Besteht entsprechend dieser Vorschrift während eines Kalenderjahres sowohl unbeschränkte als auch beschränkte Einkommensteuerpflicht, so sind die während der beschränkten Einkommensteuerpflicht erzielten inländischen Einkünfte in eine einzige Veranlagung zur unbeschränkten Einkommensteuerpflicht einzubeziehen. Steuerrückerstattungen sind hier möglich.