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Timestamp: 2017-06-24 21:53:31
Document Index: 230486095

Matched Legal Cases: ['§ 6', '§ 8', '§ 130', '§ 130', '§ 12', '§ 25']

Das Medizinprodukt 01|16 by MedMedia Verlag und Medienservice Ges.m.b.H - issuu
EDUKBENBENLEA R F Ü R DAMSTBSLEHTEAR FÜRDACTBUNVERZIMLEC© iStock.com/JVisentinUKIZINPROD
EDLösungen für das Gesundheitswesen
HP.b.b. GZ 09Z038040, „Das Medizinprodukt“,
Seidengasse 9/Top 1.1, 1070 WienTEA R F Ü R DAUNVERZICTBIZINPROD
EDUKBENTEUNVERZIHSM1/16DASISSN 2223-1080Die Zukunft der
Wie „Big Data“ Diagnose und
Therapie verändern werden Seite 616 | Neue Reanimationsleitlinie
21 | Schmerzmanagement
Interdisziplinäres Team erfolgreichwww.das-medizinprodukt.at32 | Clinical Leadership
Warum Qualität und Führung
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EDEDITORIALNeues Jahr,
Was die kommenden beiden EU-Verordnungen für Medizinprodukte und In-vitro-Diagnostika betrifft, beginnt das
neue Jahr wie das alte geendet hat – der „Trilog“ zwischen
Parlament, Rat und Kommission ist in vollem Gange, das Ziel,
den Gesetzestext mit Anfang Dezember 2015 vorlegen zu können, wurde aber neuerlich verfehlt. Die aktuelle niederländische Präsidentschaft hat dieses Thema zu einem mit hoher Priorität erklärt, wodurch derzeit davon ausgegangen werden
kann, dass mit Ende des 2. Quartals 2016 der Abschluss des
Rechtsetzungsverfahrens in greifbarer Nähe zu sein scheint.
Weitere Verschiebungen sind freilich nicht einkalkuliert. Sobald das Rechtsetzungsverfahren abgeschlossen ist, werden die
Verordnungen mit einer dreijährigen Übergangsfrist für Medizinprodukte und eine fünfjährige für In-vitro-Diagnostika umgesetzt, damit sich alle Beteiligten auf die neue Regelung einstellen können.
Klamm und heimlich hat sich mit dem Budgetbegleitgesetz
2016 die vollautomatische jährliche Erhöhung der Gebühren
für das Bundesamt für Sicherheit im Gesundheitswesen
(BASG) eingeschlichen. Eine derartige gesetzliche Verankerung gibt durchaus Anlass zur Sorge. Diese Anpassung an den
Verbraucherpreisindex würde nicht nur die Gesundheitsprodukte verteuern, sondern auch die heimische Wirtschaft massiv belasten und Arbeitsplätze gefährden.
Die Überwachung und Überprüfung von Medizin- und Gesundheitsprodukten durch das BASG ist gesetzlich vorgeschrieben. Die öffentliche Hand hat sich in den vergangenen
Jahren immer mehr aus ihrer Verantwortung zur Finanzierung
dieser Ämter zurückgezogen. Grundsätzlich sollten die Kosten
für die Medizinproduktevigilanz durch die bestehende Medizinprodukteabgabe gedeckt werden. Doch in der Zwischenzeit
finanziert sich das Amt fast ausschließlich durch Gebühren auf
Eine vollautomatische Gebührenerhöhung, wie sie im Artikel
15 § 6a Abs. 8 der Änderungen des Gesundheits- und Ernährungssicherheitsgesetzes geplant sind, ist kontraproduktiv zu
den Anstrengungen der gesamten Branche, die Kosten für die
Patienten und das Gesundheitssystem zu senken. ­AUSTROMED
spricht sich daher gegen diesen geplanten Gebührenerhö-hungsautomatismus aus und hat diese Position bereits in einer
entsprechenden Protestnote den Parlamentsparteien präsentiert.
Doch es gibt auch einen Silberstreif am Horizont. Das Bundesministerium für Wissenschaft, Forschung und Wirtschaft (BMWFW) hat im Oktober des Vorjahres die Entwicklung einer
„Life Science Strategie“ gestartet, bei der unter Einbeziehung
der Stakeholder-Community in Form mehrerer Round Tables
und Expertengespräche ein Positionspapier entstehen soll. Inhaltlich spannt sich dabei der Bogen von der klinischen Forschung und Innovation bis hin zur Produktion und öffentlichen
Beschaffung. Die Life Science Strategie soll im 2. Quartal
2016 implementiert werden. Ziel dabei ist, die Rahmenbedingungen für die beteiligten Akteure entlang der gesamten Wertschöpfungskette zu verbessern – möge die Übung gelingen!
Zum Jahresauftakt hat der AUSTROMED-Vorstand Gerald
Gschlössl, Vertriebsleiter von Lohmann & Rauscher Österreich zum neuen Präsidenten ernannt (mehr dazu auf Seite 41).
Wir wünschen ihm viel Erfolg und gutes Gelingen mit den
­aktuellen Themen und Herausforderungen der Branche!Ihr
Tel.: 01 407 31 11-2401/16 DAS MEDIZINPRODUKT 3© horak@AUSTROMEDUKMDASMEDIZIN
EDUKBENLEA R F Ü R DASMBENLETBSCHTEMLEFokus: Zukunft der
­UrologieA R F Ü R DAUNVERZITBIZINPROD
EDUKCHTEA R F Ü R DAUNVERZICTBIZINPROD
EDUKBENTEUNVERZIHSMDASMEDIZIN
PR DUKTMedizin & WissenschaftDie Zukunft der Uroonkologie
Management infektiöser Komplikationen des
Katheterismus
Therapien der Zukunft am Beispiel des
­Prostatakarzinoms
Produktradar
14ERC-Reanimationsleitlinien 2015:
Neues auf einen Blick
Wenn der Spitalsaufenthalt zur
Belastung wird	
Schmerztherapie nach Plan
Überwachung der Blutgerinnung
Erste Zungenschrittmacher implantiertAllgemeinesProdukte & AnbieterGastkommentar von Mag. Ingrid Hejkrlik
Nadelstichverordnung im Praxistest
Sicherheitsleck bei Patiententransporten
Impressum 4 DAS MEDIZINPRODUKT 01/1642
46Firmenporträt: M bioserviceS
Kurzmeldungen16
41INHALTPflege & Home Care
Mangelernährung bei Chemotherapie
Mit neuer Informationstechnologie gegen
Depressionen
Gruppenprogramm gegen Adipositas
Wundinfektionen frühzeitig erkennen24
30Politik, Verwaltung
9. qualityaustria Gesundheitsforum:
Leadership gegen die Krise?
Branchennews
Turnusärzte-Befragung: Mehr Zeit für Medizin
Wider den Preiskampf im Gesundheitswesen
Wiener Spitalskonzept 203032
38ALLE BEITRÄGE JETZT AUCH ONLINE UNTER
Druckauflage: 21.948 im 2. Halbjahr 2014
laut Österreichischer Auflagenkontrolle.www.das-medizinprodukt.at01/16 DAS MEDIZINPRODUKT 5FOKUS: ZUKUNFT DER UROLOGIEDie Zukunft der UroonkologieAussagen über die Zukunft zu treffen, ist grundsätzlich
schwierig, denn die Welt verändert sich auf eine Art und
Weise, die sich unserer Vorstellung entzieht. Nichtsdestotrotz
ist die Vorwegnahme der Zukunft – und die Vorbereitung darauf – auch in der Medizin eine zwingende Notwendigkeit,6 DAS MEDIZINPRODUKT 01/16denn Prognosen zufolge wird die Zahl der Patienten mit urologischen Krebserkrankungen in den kommenden Jahren weltweit dramatisch ansteigen. Um nötige Versorgungsleistungen
erbringen zu können, sind daher jetzt wichtige Weichenstellungen erforderlich.© iStock.com/JVisentinu Prognosen zufolge wird die Zahl der Patienten mit urologischen Krebserkrankungen
in den kommenden Jahren weltweit dramatisch ansteigen.
u Drei Schlüsselfaktoren werden künftig einen großen Einfluss auf die Versorgung der
uroonkologischen Patienten haben: Big Data, Cancer Panomics und das Preis-LeistungsVerhältnis von Therapien.© iStock.com/JVisentin© Felicitas MaternPrim. Univ.-Prof. Dr. Shahrokh F. Shariat
Universitätsklinik für Urologie, Medizinische
Universität Wien, und Comprehensive Cancer
Center, AKH WienDie Überlebensrate und die Lebensqualität bei den meisten ren werden jedoch dank der IT-Fortschritte im Gesundheitsweurologischen Krebserkrankungen sind in den vergangenen 50 sen Erkenntnisse aus großen Mengen an Daten der „realen
Jahren signifikant gestiegen. Die treibenden Kräfte dieses Fort- Welt“ gewonnen werden, die derzeit auf gesonderten Servern
schritts sind jedoch nicht dieselben, die die Zukunft formen und in Aktenschränken unzugänglich aufbewahrt werden. So
werden. Es zeichnen sich wissenschaftliche, technische und können Daten zu sämtlichen Patienten mit urologischen Krebsökonomische Trends ab, die aller Wahrscheinlichkeit nach die erkrankungen analysiert und aus einer enormen Menge an BeUroonkologie in den nächsten 20 Jahren stärker verändern obachtungsdaten sofortige, praxisverändernde Schlussfolgewerden als in den vergangenen 50 Jahren. Drei Schlüsselfakto- rungen gezogen werden. Klinische Leitlinien werden in
ren werden in den kommenden Jahrzehnten den größten Ein- lebendige Dokumente umgewandelt, die auf Crowd Sourcing
fluss auf die Krebstherapie haben:
gestützt sind. Statt sich ausschließlich auf
1. „Big Data“: Rasche Fortschritte der Inklinische Studien und Analysen zu ver­
formationstechnologie im Gesundheitslassen, werden Informationen aus aussa„Die Krebsvorsorge
wesen haben beispiellose Möglichkeiten
gekräftigen Schlussfolgerungen in die
geschaffen, riesige Datenmengen aus der
Leitlinien eingebunden, die den Versorund -diagnose wird den
realen Welt zu sammeln, zu analysieren
der realen Welt entstamKinderschuhen entwachsen gungsszenarien
und Informationen daraus zu gewinnen.
und validierte Biomarker
2. Cancer Panomics – „Krebsomik“: Komplexe Netzwerke molekularer Signal­wege
werden dazu beitragen,
und die Charakteristika von Tumormikviele
roumgebungen, die bei der KrebsentsteDieser Wandel zu einer regelbasierten
Krebsrisiko zu
hung miteinander interagieren, werden
Versorgung wird sich erheblich auf die
immer besser verstanden. Mittels KombiAkteure in der Uroonkologie auswirken:
­identifizieren.“
nationstherapien müssen PräventionsIn der Routineversorgung werden andere
strategien und kurative Therapien entwiLeistungserbringer eine große Rolle spiePrim. Univ.-Prof. Dr. Shahrokh F. Shariat
len. Die Ärzte in der medizinischen
3. Wert und Nutzen für Patienten: UntragGrundversorgung bzw. die Arzthelfer
bare Kostenerhöhungen und Verbessewerden dafür gerüstet sein, die Versorrungen hinsichtlich der Qualitätsmetriken lenken die Auf- gung bei minder komplizierten Krebsfällen und bei der Nachmerksamkeit immer stärker auf die Effizienz beim sorge für eine insgesamt steigende Zahl an überlebenden
Preis-Leistungs-Verhältnis und auf den Wert und Nutzen in Krebspatienten zu übernehmen. Die Uroonkologen wiederum
der Gesundheitsversorgung, im Sinne von „value-based werden ihre profunden Fachkenntnisse nutzbringender einsetzen: Neben der Entwicklung von Behandlungsplänen werden
healthcare“.
sie sich auf das Management von Versorgungsteams und die
Zusammenarbeit mit Leistungserbringern in der mediziniDatenmengen wachsen
schen Grundversorgung konzentrieren. Darüber hinaus werden
Bei der Entwicklung und Implementierung der Informations- sie komplizierte Fälle überwachen, bei denen die „Regeln“ und
technologie (IT) im Gesundheitswesen sind rasche Fortschritte Entscheidungshilfen unklar bleiben.
zu verzeichnen. Diese reichen von den Verbesserungen bei der Angesichts der alternden Bevölkerung und der Erhöhung der
Datenarchivierung und der Verarbeitungsgeschwindigkeit bis Krebsinzidenz ist ein Mangel an Urologen zu prognostizieren.
zu neuen Möglichkeiten der Auswertung „unstrukturierter“ Die zunehmende Beteiligung von Nichtspezialisten wird dieNotizen in elektronischen Patientenakten. Mithilfe der IT im sen Mangel jedoch abfedern, wenn auch nicht beheben.
Gesundheitswesen lässt sich voraussichtlich innerhalb der
nächsten zwei Jahrzehnte die Art und Weise ändern, wie PatiPatienten werden aktiv
enten versorgt werden.
Heutzutage sind über die Versorgung der meisten Krebspatien- Durch personalisierte, patientenfreundliche IT-Tools im Geten nur wenige Daten in aggregierter Form vorhanden, ge- sundheitswesen werden die Patienten weitaus mehr Gelegenschweige denn über die Ergebnisse der Therapiewirksamkeit heit haben, als gut informierte Fürsprecher in Bezug auf ihre
oder die Toxizität bei der Behandlung. In den kommenden Jah- eigene Versorgung zu agieren. Über patientenfreundliche Por-01/16 DAS MEDIZINPRODUKT 7FOKUS: ZUKUNFT DER UROLOGIEtale der Gesundheits-IT bleiben die Patienten in Echtzeit mit
ihren Uroonkologen und anderen Leistungserbringern verbunden. Bei ihrer Versorgung werden sie eine aktive Rolle übernehmen, indem sie ihren Gesundheitszustand, die Nebenwirkungen und andere Erfahrungen zeitgleich zum Geschehen
melden. Schnittstellen der Gesundheits-IT werden dazu beitragen, die Patienten ab dem Moment ihrer Diagnose entsprechenden Studien zuzuordnen. Aufgrund der veränderten Patientenbeteiligung treten möglicherweise neue Ungleichheiten
auf: Nicht alle Patienten sind gleichermaßen dazu motiviert
oder dafür gerüstet, ihre eigene Versorgung voranzutreiben.
Wird eine stärkere Beteiligung seitens der Patienten erwartet,
können neue Ungleichheiten auftreten, die als ungerecht empfunden werden.„Krebsomik“: Präzisionsmedizin in Anwendung
Gezielte und individualisierte Therapien haben bereits den
Wandel der Krebstherapie eingeläutet. Anstatt einzelne Signalwege in Krebszellen anzuvisieren, wird die Medizin künftig
über Werkzeuge verfügen, um die „Omiken“ des Krebses anzugreifen. Dabei handelt es sich um die komplexe und indivi-duelle Kombination aus einer patientenspezifischen Kreb­
charakteristik, die ausschlaggebend bei Themen wie
Krankheitsentwicklung, Ansprechen auf Therapien und langfristige Toxizitäten ist. Cancer Panomic wird die treibende
Kraft hinter den meisten Krebstherapien werden. Bis zum Jahr
2030 ist zu erwarten, dass Panomic-Tools einfach, erschwinglich und allgemein verbreitet sein werden und ein beträchtlicher Anteil von Krebsarten auf molekularer Ebene entschlüsselt und gut behandelbar sein wird. Die Krebsvorsorge und
-diagnose wird den Kinderschuhen entwachsen und validierte
Biomarker werden dazu beitragen, viele Patienten mit einem
Krebsrisiko zu identifizieren. Dadurch werden die Leistungserbringer in der Lage sein, der Krebsentwicklung durch frühzeitige Behandlung oder Präventionsstrategien zuvorzukommen.
Auf die Forschung bleibt diese Entwicklung aber nicht ohne
Auswirkung: Damit Studien kleiner, schneller und kostengünstiger durchgeführt werden können, werden die Interessengruppen neue Studiendesigns und Zielsetzungen entwickeln müssen, die eine baldige Zulassung ermöglichen. Die klinische
Forschung wird durch eine leistungsfähige beobachtende Forschung unterstützt werden. Da die Medikamente zunehmend in
Kombination miteinander getestet werden, werden die Unternehmen feststellen, dass sich die Entwicklung von Krebstherapien nur durch Forschungskooperationen fortführen lässt. Zudem wird sich dies als eine leistungsfähige Möglichkeit
erweisen, um Effizienzgewinne bei der Testung vieler unterschiedlicher Medikamente an eng spezifizierten Populationen
zu generieren, was die Forschungstätigkeit kostengünstiger
machen wird.Die klinische Forschung wird durch eine leistungsfähige
beobachtende Forschung unterstützt werden.8 DAS MEDIZINPRODUKT 01/16Nicht nur in der Uroonkologie werden sich Ärzte daran gewöhnen müssen, dass ein Plus an Qualität, Effizienz und Transparenz in der gesamten Versorgung verlangt wird. Die Universitätsklinik für Urologie der Medizinischen Universität Wien
nimmt bereits jetzt eine führende Rolle ein, indem Qualitätsmessungen und Verbesserungsansätze entwickelt werden, die
zu einer besseren Versorgung der Patienten führen.
Neue Vergütungsmodelle, die die Qualität und die Werthaltigkeit fördern, werden sich durchsetzen und routinemäßige Qualitätsmessungen und -verbesserungen werden fest in unserer
täglichen Praxis verankert sein. Es ist zu erwarten, dass die
Dienstleister nach ihrer Fähigkeit vergütet werden, Werthaltigkeit und Qualität nachzuweisen. Die Ausbildungsprogramme
für Uroonkologen werden die erforderlichen Fertigkeiten vermitteln müssen, um eine qualitativ hochwertige Versorgung
sicherzustellen. Die medizinischen Studiengänge, die Assistenzarzt- und CME-Programme werden einen Schwerpunkt
auf Qualitätsmessungen, Datenanalyse, Mitarbeitermanagement und weitere Kompetenzen legen, die die Ärzte benötigen,
um unter den neuen Praxisbedingungen erfolgreich zu sein. n© iStock.com/Jan-OttoAbkehr vom Kostendenken© iStock.com/Jan-OttoPrim. Univ.-Prof. Dr. Stephan Madersbacher, FEBU
OÄ Dr. Ursula Stoces, FEBU
Abteilung für Urologie, Kaiser-Franz-Josef-Spital, WienInfektiöse Komplikationen
des Katheterismus
u Der Harnwegsinfekt ist mit 40 % eine der häufigsten nosokomialen Infektionen,
zu 90 % verursacht durch einen liegenden Verweilkatheter.
u Exakte Hygiene und geschlossene Kathetersysteme sind wichtige präventive Maßnahmen.Durch die Zunahme des geriatrischen Patientenkollektivs werden auch Langzeit-Katheterträger und damit verbundene infektiöse Komplikationen häufiger. Etwa 10 % aller Spitalsneuaufnahmen haben einen Katheter, 10 bis 15 % aller Aufnahmen
in Pflegeheime, 40 % aller nosokomialen Infekte betreffen die
Harnwege, 90 % sind katheterassoziiert. Die Mortalität der möglichen Urosepsis beträgt 20 bis 50 %, 30 % der obduzierten
Dauerkatheter-Träger hatten eine „stille“ Pyelonephritis. Zudem
spielt die Indikation zum Katheterismus zur Bilanzierung nach
chirurgischen Eingriffen, urologischen Eingriffen, bei Hautmazerationen oder zur intensivmedizinischen Betreuung eine wichtige Rolle. Die europäischen urologischen Guidelines 2014
­präsentieren in ihrem zusammenfassenden Update eine evidenzbasierte Leitlinie, die für alle medizinischen Fachrichtungen
praktikabel erscheint (www.eau.org).Verweildauer entscheidet
Katheterassoziierte Infekte stammen zumeist aus der patienten­
eigenen Darmflora. Der Verweilkatheter wird innerhalb von
Stunden mit einem Biofilm aus körpereigenen Proteinen und
durch bakterielle Besiedelung mit bakteriellen Makromolekülen überzogen.
Der wichtigste Risikofaktor für das Entstehen eines Infektes ist
die Dauer des Katheterismus. Die Indikation für einen Dauerkatheter ist bei 34 % der Patienten auf der Normalstation und
13 % auf der Intensivstation nicht gerechtfertigt. Bei kurzzeitiger Liegedauer tritt meist nur eine asymptomatische Bakteriurie auf, die meist von einem einzelnen Bakterienstamm verursacht wird. Multiple Keimspektren finden sich in der Regel bei
Patienten mit einer Katheterliegedauer von über 30 Tagen.
Das Kathetersystem sollte daher steril, geschlossen und mit einer Ablassvorrichtung versehen sein. Die Verwendung eines
Katheterventils erhöht das Infektrisiko. Trotz geschlossener
Urinableitung gelangen Bakterien extraluminal durch Aszension entlang eines Biofilms in die Blase. Zudem sollten sich der
Harnsack und das Verbindungsstück stets unter Blasenniveaubefinden, der Auffangbeutel frei hängend ohne Bodenkontakt.
Katheter aus reinem Silikon weisen eine bessere Bioverträglichkeit auf, haben einen höheren Innendurchmesser und sind
insbesondere für längere Liegezeiten gut geeignet. Sie sind jedoch teurer als Latex- oder Polyurethankatheter, die nur für
eine Katheterisierungsdauer von weniger als einer Woche geeignet sind. Katheter mit großem Durchmesser sind infolge
stärkerer Schleimhautreizung oft undicht. Antibiotisch beschichtete Katheter können das Auftreten von asymptomatischen Bakteriurien in einem Zeitraum von einer Woche reduzieren, jedoch gibt es keine Evidenz der Risikominimierung
einer symptomatischen Infektion und sie werden daher nicht
generell empfohlen. Ähnliches gilt für silberbeschichtete Katheter, die in geringem Maß das Auftreten einer symptomatischen Infektion verhindern können und daher in Einzelfällen
Sowohl beim Kurzzeit- wie auch beim Langzeit-Katheterismus
liegen keine evidenzbasierten Daten bezüglich der Sinnhaftigkeit einer antibiotischen Dauerprophylaxe vor.Hygienische Maßnahmen
Exakte Händehygiene und die Verwendung von Einmalhandschuhen helfen, bakterielle Übertragungen zwischen Katheterträgern zu vermeiden. In 25 bis 76 % der Fälle werden die Hygieneempfehlungen nicht eingehalten. Die Kathetereinlage
sollte stets unter aseptischen Bedingungen sowie atraumatisch
unter Verwendung von Gleitgelen und mit dem geringstmöglichen Katheterkaliber stattfinden.
Die dritte präventive Maßnahme ist ein regelmäßiger Katheterwechsel, in jedem Fall bei drohender Blockade, wobei es keine
Evidenz bezüglich eines optimalen Intervalls gibt. Bei Patienten mit starker Blockierungstendenz sollte demnach der Katheterwechsel in kürzeren Intervallen erfolgen, die Trinkmenge
zur Prophylaxe 1 bis 1,5 l/24 h betragen, eine Harnansäuerung
mit L-Methionin einen Harn-pH von 5,8 bis 6,2 erzielen. Am
Katheter sollten kein Zug und kein Knick bestehen. 
n01/16 DAS MEDIZINPRODUKT 9FOKUS: ZUKUNFT DER UROLOGIETherapien der Zukunft am
­Beispiel des ProstatakarzinomsDurch die demografische Entwicklung mit zunehmender Lebenserwartung und steigendem Bevölkerungsanteil jenseits
des siebten Lebensjahrzehnts kommt der Prävention und Palliation ein immer wichtigerer Anteil an der medizinischen Versorgung
zu. Hier sind Urologen besonders gefordert, da viele Erkrankungen in diesem Fachgebiet typische Alterserkrankungen sind.PCa-Früherkennung
Als geradezu archetypische Erkrankung der Urologie gilt in der
industrialisierten Welt das Prostatakarzinom (PCa). Die Einführung der Früherkennungsuntersuchung mittels prostataspezifischen Antigens (PSA) Ende der 1980er-Jahre hat die Behandlung
des PCa revolutioniert. Erst durch die rechtzeitige Detektion
konnte eine kurative Therapie im organbegrenzten Stadium ermöglicht werden.Allerdings hat sich seit dieser Zeit in der Diagnostik nicht viel
bewegt. Zwar ist die Sensitivität des PSA zur Karzinomdetektion
– je nach gewähltem Grenzwert – hoch, aber die niedrige Spezifität führt zu einer unnötig hohen Anzahl an Biopsien. Andererseits
führt die unkritische Anwendung des PSA zur Detektion vieler
klinisch insignifikanter Karzinome. Leider haben sich bisher ursprünglich vielversprechende Marker wie etwa Serum-Kallikrein
oder Sarkosin, die die Spezifität der Detektion signifikanter Karzinome erhöhen sollten, im klinischen Alltag nicht bewährt und
spielen derzeit keine große Rolle in der PCa-Diagnostik. Als derzeit einzige zukunftsweisende Serummarker scheinen die Isoformen des PSA einen klinischen Stellenwert zu bekommen. Insbesondere [–2]proPSA kommt hier eine wichtige Rolle zu. Dabei
scheint insbesondere das Verhältnis der einzelnen Isotypen einen
wichtigen Vorhersagewert zu haben. So wird bereits jetzt ein kommerziell erhältlicher Test angeboten, der aus dem Verhältnis von
[–2]proPSA, Gesamt- und freiem PSA einen Wert errechnet, der
die Wahrscheinlichkeit des Vorliegens eines Karzinoms vorhersagen soll. Als bisher einziger zugelassener Urinmarker hat die Bestimmung des Proteins PCa3 im Exprimat-Urin einen gewissen
Stellenwert erreicht. Zwar konnte für diesen Marker gezeigt werden, dass die Vorhersagewahrscheinlichkeit eines PCa mit der
Höhe des PCa3-Scores im Urin korreliert, jedoch wurden die Erwartungen bezüglich der Einschätzung der klinischen Signifikanz
des PCa nicht erfüllt. In Zukunft könnte der Nachweis alterierter
Transkriptionsfaktoren wie TMPRSS oder ETS wichtige Hinweise für die klinische Signifikanz eines PCa liefern. Obwohl für beide Marker bereits kommerzielle Kits erhältlich sind, müssen diese
Marker erst im klinischen Gebrauch evaluiert werden.BildgebungDie unkritische Anwendung des PSA führt zur ­­
Detektion vieler klinisch insignifikanter Karzinome.10 DAS MEDIZINPRODUKT 01/16Da das PCa bislang mit keinem bildgebenden Verfahren mit hinreichender Sensitivität und Spezifität dargestellt werden kann,
bleibt nach wie vor die systematische Biopsie als einzige Methode, das Vorliegen eines PCa zu beweisen. Seit rund zehn Jahren© Sherry Yates Young – shutterstock.comu Die Therapie des Prostatakarzinoms wird zunehmend unter dem Motto der
individuellen Risikoabschätzung und der individualisierten Therapie stehen.
u Das Zusammenspiel einzelner Disziplinen wird künftig an Bedeutung gewinnen.© Sherry Yates Young – shutterstock.comLinks: Prof. Dr. David Schilling
Direktor und Chefarzt, Klinik für Urologie,
Rechts: Prof. Dr. Axel S. Merseburger
Campus Lübeckwird jedoch in zunehmendem Maße die Kernspintomografie bei
der PCa-Diagnostik eingesetzt. Mit der Weiterentwicklung der
MRT-Protokolle und Einführung der 3-Tesla-Geräte kommt der
bildgebenden Diagnostik des Primärkarzinoms eine immer bedeutendere Rolle zu. Obwohl dies von den meisten Leitlinien
nicht unterstützt wird, kommt bereits jetzt in vielen unklaren Fällen zur Entscheidung für oder gegen eine Prostatabiopsie das
MRT zum Einsatz. Die technische Weiterentwicklung sowohl der
Magnetspulen als auch der Protokolle wird den Stellenwert der
MRT weiter stärken.
Aber auch die funktionelle Bildgebung, bei der durch radioaktive
Marker Stoffwechselprozesse sichtbar gemacht werden können,
wird die Spezifität der Karzinomdetektion erhöhen. War ursprünglich das Cholin-PET-CT die Methode der Wahl beim PCa,
werden derzeit immer spezifischere Moleküle als Tracer synthetisiert. Vieles weist darauf hin, dass das prostataspezifische Membran-Antigen (PSMA) in Zukunft das Cholin als Tracer ablösen
wird. In Kombination mit der hohen morphologischen Auflösung
des MRT hat diese Methode derzeit ihren Stellenwert in der Rezidivdiagnostik. Es ist jedoch durchaus denkbar, dass diese Methoden im Verlauf in der Primärdiagnostik eingesetzt werden.
Bereits jetzt zeichnet sich ab, dass der Bildgebung auch ein wichtiger Stellenwert in der Bewertung der klinischen Signifikanz eines PCa zukommt. Einheitliche Bewertungskriterien, wie zum
Beispiel die radiologische PI-RADS-Klassifikation, sind nur
­erste Schritte hin zur qualitativen Einschätzung eines suspekten
Herdes in der Bildgebung.Biopsie
Trotz aller Fortschritte in der Bildgebung wird auf absehbare Zeit
die Diagnose eines PCa nur durch die Biopsie erfolgen können.
Die Einführung der systematischen 12-fach-Biopsie unter sonografischer Führung hat die diagnostische Genauigkeit signifikant
verbessert. Dennoch bleibt es weiterhin unbefriedigend, eine blinde, mehr oder weniger zufällig platzierte Biopsie aus verschiedenen Sektoren der Prostata zu entnehmen. Durch die immer bessere Bildgebung ist es nun möglich, zumindest aus suspekten
Arealen zusätzliche Biopsien zu entnehmen. Nach wie vor wird
jedoch meist noch zusätzlich die systematische Biopsie durchgeführt. Dies liegt nicht nur daran, dass die Bildgebung noch nicht
mit ausreichender Sensitivität alle Karzinomareale detektiert, sondern auch daran, dass unter der sonografischen Führung die MRTsuspekten Areale nicht immer exakt angesteuert werden können.
Hier befinden sich seit wenigen Jahren Systeme zur MRT-Ultraschall-Bildfusion in Entwicklung. Einige davon werden schon in
der klinischen Routine angewendet.
Es ist abzusehen, dass durch die gezielte Biopsie hochsuspekter
Areale die Präzision der Karzinomdiagnostik deutlich erhöhtwird und vor allem auch gezielt klinisch signifikante Karzinome
detektiert werden. Dadurch wird die Gefahr einer Überbehandlung vermindert. Des Weiteren wird heutzutage der perineale
Stanzweg diskutiert, da hier das Risiko einer systemischen klinisch relevanten Bakteriämie, welche bis zur Sepsis reichen kann,
deutlich reduziert wird. Diese Stanzmodalität sollte insbesondere
Patienten mit Risikofaktoren angeboten werden.Primärtherapie
Die operative Therapie und die Strahlentherapie waren lange Zeit
die einzigen etablierten kurativen Verfahren. Die Einführung der
roboterassistierten Operation hat die radikale Prostatektomie
nochmals revolutioniert. Es ist zu erwarten, dass die roboterassistierte Technik in Zukunft im OP nicht mehr wegzudenken sein
wird. Die neue Generation des daVinci-Systems erlaubt nun die
Patientenumlagerung mit angedocktem System und den Zugang
in alle Quadranten des Abdomens, ohne das System komplett neu
ausrichten zu müssen. Es bleibt abzuwarten, ob sich weitere Hersteller auf dem Markt etablieren können. Denkbar wären zum
Beispiel kleinere Systeme, die direkt am OP-Tisch fixiert werden
können, oder Systeme, die mit handelsüblichen konventionellen
Laparoskopieinstrumenten bestückt werden können. Simulationen und Bildüberlagerungen im Sinne einer „Augmented Reality“ werden sicherlich eine immer wichtigere Rolle spielen. So
könnte bei der radikalen Prostatektomie das zuvor in der Bildgebung detektierte Karzinomareal in die Sicht des Operateurs auf
den OP-Situs projiziert werden, um zum Beispiel die Resektionsgrenzen beim Nerverhalt zu definieren.
Die Strahlentherapie hat mit der intensitätsmodulierten Radiotherapie (IMRT) große Fortschritte gemacht. Durch die Dosisanreicherung auf das Zielvolumen können höhere Dosen bei geringeren Nebenwirkungen verabreicht werden. Das besondere
physikalische Verhalten von Protonen mit einer hohen Strahlendosis im Zielgebiet und hoher Gewebeschonung im umliegenden
Gebiet durch das schnelle Abbremsverhalten der Teilchen verspricht eine effektive Karzinombehandlung ohne hohe Toxizität.
Trotz des anfänglichen Enthusiasmus bei dieser neuen Therapieform muss sich diese Methode erst in Langzeitstudien unter Beweis stellen.
Durch die Kombination der Strahlentherapie mit der hormondeprivativen Therapie konnten die Krebskontrollraten signifikant
verbessert werden. Dieser positive Effekt wird unter anderem
vermutlich durch die proapoptotischen Eigenschaften der Hormontherapie hervorgerufen. Es ist denkbar, dass andere Substanzen, die geringere Nebenwirkungen als die Hormonentzugsverfahren haben, in Kombination mit der Strahlentherapie
eingesetzt werden. Als Beispiel seien hier Antisense-Oligonukleotide genannt, die die natürlichen Reparaturmechanismen der01/16 DAS MEDIZINPRODUKT 11FOKUS: ZUKUNFT DER UROLOGIEZellen blockieren können und so die Karzinomzellen empfänglicher für letale Strahlung machen. Dadurch könnte die Gesamtstrahlendosis reduziert und die Nebenwirkungen könnten minimiert werden.Fokale Therapie
Durch die deutlich gebesserte Spezifität der Bildgebung des PCa
scheint es nun möglich, auch gezielt suspekte Herde in der Prostata zu behandeln. Kryotherapie und Lasertherapie haben sich
hier bisher nicht durchgesetzt. Am meisten etabliert in diesem
Feld ist bisher die hochintensive fokussierte Ultraschall- (HIFU-)
Behandlung. Diese Methode ist bereits seit mehr als einem Jahrzehnt in der klinischen Anwendung. Dabei wird durch hoch fokussierte Ultraschallwellen das Gewebe thermisch zerstört.
Durch technische Veränderungen des Fokus können mit der neuesten Gerätegeneration nun kleinste Areale zerstört werden, wenn
eine Niedrigrisiko-Tumorkonstellation vorliegt. Durch die Zielführung mit Ultraschall in Fusion mit einer MRT-Bildgebung
können die Ultraschallwellen gezielt auf suspekte Areale gesteuert werden.
Ähnliche Möglichkeiten zur gezielten Therapie könnte in Zukunft auch die Strahlentherapie bieten. Durch gezielte Bestrahlungen aus mehreren Richtungen, wie sie bei der sogenannten
NanoKnife®-Behandlung durchgeführt werden, können hohe
Dosen im Zielgebiet erreicht werden, ohne dass das umliegende
Gewebe zusätzlich geschädigt wird. Dabei wird der Linear­
beschleuniger an einem Roboterarm dreidimensional im Raum
bewegt. Die Kombination der Bestrahlung mit hochsensiblen­ rtungssystemen erlaubt die gezielte Ansteuerung suspekter
Herde. So könnten diese Herde in Zukunft zum Beispiel durch
Gold­marker markiert, über eine radiografische Ortung der Linear­
beschleuniger in die jeweilige Position gebracht und so auch
­intrakorporale Bewegungen der Prostata kompensiert werden.Medikamentöse Therapie des fortgeschrittenen PCa
Beim primär metastasierten PCa ist die Docetaxel-basierte Chemotherapie nach Veröffentlichung dreier prospektiver Studien
die aktuell empfohlene Primärtherapie in Kombination mit einer
Androgendeprivationstherapie (ADT). In den letzten fünf Jahren
gab es eine Welle an Medikamentenneuzulassungen im Bereich
der Hormon-, Chemo-, aber auch Nuklearmedizin, die alle einen
mittleren Benefit von vier Monaten Lebensverlängerung ergaben. Die Primärtherapie des mCRPC wird in den meisten Fällen
mit einer tertiären Hormontherapie (Abirateron oder Enzalutamid) begonnen, bei symptomatischen Knochenmetastasen ist
die Behandlung mit Radium-223 eine weitere lebensverlängernde Option. Bei Vorliegen eines progredienten Tumors bietet die
Taxan-basierte Chemotherapie (Docetaxel, Cabazitaxel) eine
weitere Behandlungsoption in der Sequenztherapie des mCRPC.
Es gibt keine vergleichenden Studien der Substanzen untereinander, die optimale Sequenz ist derzeit auch nicht geklärt und sollte
individuell mit dem Patienten vor dem Hintergrund der Komorbiditäten und Risikofaktoren geplant werden. In Zukunft wird die
Detektion von Androgenresistenzmechanismen auf zirkulierenden Tumorzellen unter laufender Therapie (Next Generation Sequencing) die Therapiesteuerung beeinflussen.
nRückblick: Oncoforum Urology© AstellasPraxisrelevante Erkenntnisse für Uroonkologen(v.l.n.r.): Prof. Stephan Madersbacher, Dr. Miroslaw Lubecki (CEO Astellas),
Dr. Elena Röhrl (Medical Head Astellas) & Prof. Shahrokh F. Shariat12 DAS MEDIZINPRODUKT 01/16Mit dem europaweit stattfindenden „Oncoforum Urology“ leistet Astellas Pharma einen entscheidenden Beitrag zur Weiterbildung von
onkologisch tätigen Urologen. Der Event bietet Fachärzten einen
komprimierten Überblick zum aktuellen uroonkologischen Forschungsstand und ist als qualifizierte Fort- und Weiterbildungsmöglichkeit anerkannt.
Vorgestellt wurden heuer neueste medizinische Erkenntnisse zu den
großen urologischen Tumorentitäten Harnblasen- und Nierenzellkarzinom, Hodentumor, Peniskarzinom sowie Prostatakarzinom. „Der
Fortschritt auf dem Gebiet der Diagnostik und Therapie urologischer
Karzinome ist rasant und gerade die auf den internationalen Kongressen vorgestellten Erkenntnisse sind kaum mehr zu überblicken“, sind
sich die wissenschaftlichen Leiter Univ.-Prof. Dr. Stephan Madersbacher, Kaiser-Franz-Josef-Spital, Wien, und Univ.-Prof. Dr. Shahrokh F.
Shariat, Universitätsklinik für Urologie, AKH Wien, einig.
www.oncoforum.orgInnovative Technik für
­erstklassige Ergebnisse
Mit der bipolaren Versiegelung können Gefäße und Gewebebündel ohne vorherige
­Einzeldarstellung oder notwendige Präparation effektiv und dauerhaft verschlossen werden.
Der Medizinprodukteexperte R. Heintel bietet mit dem HF-Generator maxium®, der Stromform
SealSafe® IQ und den dazugehörigen IQ-Instrumenten ein schnelles, zuverlässiges und
­wirtschaftliches Gefäßversiegelungssystem.Entgeltliche Einschaltung © UGREEN 3S – shutterstock.comIn allen Bereichen der Medizintechnik zeichnet sich ein eindeutiger Trend zum „vereinfachten Dialog“ mit dem Anwender ab.
Gerade bei umfangreichen Operationen spielen sich im Hintergrund teilweise sehr komplexe Abläufe ab. Deshalb wird besonders in diesem Bereich eine einfache und zugleich intuitive Handhabung der Geräte immer wichtiger. Der HF-Generator maxium®
von KLS Martin verbindet die technischen Anforderungen in der
Elektrochirurgie optimal mit sicherem und einfachem Handling.
Das Gerät verfügt über eine große Auswahl an präzise geregelten Stromarten, mit denen aus einer Vielzahl von Anwendungen
wie monopolares und bipolares Schneiden oder Koagulieren gewählt werden kann. Außerdem sind wichtige Sicherheitsmechanismen wie Funkenregelung und Kennfeldsteuerung integriert,
die jederzeit eine optimale Leistungsanpassung garantieren.beitskanäle sichtbar. Das Gerät zeigt dabei nicht nur die Art der
verwendeten Neutralelektrode über ein Icon an, der NE-Indikator gibt auch eine permanente Information über den aktuellen
Anlagezustand am Patienten.Wenn jeder Handgriff zähltErweiterbar durch drei PortexpanderDank der „Quick-Step-Steuerung“ ist das maxium® selbst mit
einer Hand schnell und einfach zu bedienen. Durch seinen multifunktionalen Drehgeber lassen sich alle Parameter jederzeit
individuell ein- und verstellen. Die patentierte Hintergrundbeleuchtung signalisiert übersichtlich den jeweiligen Status des
Drehgebers.
Als Speicher steht mit insgesamt 99 Programmen und einem bereits voreingestellten Basisprogramm eine Vielzahl von Anwendungsoptionen zur Verfügung. Durch die Favoritenliste „Last
used programs“ können die zuletzt verwendeten Programme
schnell und einfach abgerufen werden. Die schnellste Art, Einstellungen zu ändern, ist der SWAP-Mode. Mit dieser Funktion
kann per Fußschalter oder mit den Fingerschaltern am Elektrodenhandgriff zwischen zwei voreingestellten Programmen gewechselt werden.
Ob Monopolar, Bipolar, Schneiden oder Koagulieren: Über das
Maxi-Display erfassen Anwender das verwendete Programm,
die eingestellte Leistung, die aktuelle Stromform und die ausgewählte Hand- oder Fußschaltung sofort und auf einen Blick. Die
verschiedenen Einstellungen sind gleichzeitig für alle vier Ar-Das maxium® bietet standardmäßig vier Arbeitskanäle mit jeweils
zwei monopolaren und bipolaren Ausgängen, die je nach Zubehör
in drei unterschiedlichen Konfigurationen erhältlich sind.
Jeder der vier Ausgänge kann über die Kanalwahltaste und den
Drehgeber individuell eingestellt werden. Mithilfe bipolarer
Portexpander besteht zusätzlich die Möglichkeit, beide bipolaren Ausgänge zu erweitern. Damit können ohne zweites Gerät
insgesamt vier bipolare Instrumente angeschlossen werden.
Die Kombination mit den bipolaren Expandern macht es möglich, bei umfangreichen Operationen zum Beispiel bipolare
Scheren, bipolare P
­ inzetten und bipolare Versiegelungsinstrumente simultan anzuschließen und unabhängig voneinander zu
konfigurieren.
nDer HF-Generator maxium® verbindet technische Anforderungen mit
­sicherem und einfachem Handling.R. Heintel GmbH Medizintechnik
Tel. +43-1-403 89 56-0, medizintechnik@heintel.at
www.heintel.at01/16 DAS MEDIZINPRODUKT 13FOKUS: ZUKUNFT DER UROLOGIEA.M.I. ATOMS SystemA.M.I. BSC MeshUro TainerUro TainerSpeediCath CompactCoProdukt­
bezeichnung/-typeHydraulisches SphinkterErsatz-System für
männliche ­HarninkontinenzBeckenbodennetz für die
bilaterale sakrospinale
KolposuspensionSuby GPHMBKompakte Einmalkatheter zur
intermittierenden Selbstkatheterisierung für Männer und FrauenKo
MäEinsatz- bzw.
bereicheDas System ist geeignet
für die Behandlung der
männlichen Harninkontinenz jedes Inkontinenzgrades.Netz geeignet für Frauen
mit Beckenbodenprolaps
im zentralen Kompartiment (Uterus- oder
Scheidenblind­sackvorfall)Verkalkung und Inkrustation
bei Dauerkatheter oder
CystofixVerhinderung und Reduzierung von Biofilm und
Verkeimung bei Dauerkatheter
und CystofixBlasenfunktionsstörung
(Querschnittslähmung, Multiple
Sklerose, Spina Bifida und
andere Indikationen mit
Restharnbildung)Ha
MäEigenschaftenu Einfacher Zugangsweg
u Kein Spalten des
Muskels nötig
u 4-Punkt fixiertes System
durch Netzarme
u Dauerhaft adjustierbaru Vaginaler Zugangsweg/
geringe Präparation
u Ultraleichtes Implantat
(Gewicht weniger als
eine Briefmarke)
u Große Netz-Porosität
(93%, schnelles
Einwachsen wird
u Minimalinvasiv: mit dem
i-Stitch Fixationsinstrument
u Bilaterale ScheidenaufhängungDurch die 3,23% Zitronensäure wird der pH-Wert in der
Blase gesenkt, dadurch
Auflösung und Verhinderung
von Bildung von Kristallen wie
z.B. Magnesiumammoniumphosphat und Kalziumphosphat.0,02% PHMB-Lösung
reduziert 87% der Biofilme im
Vergleich zu Kochsalz- und
Ringerlösungen.SpeediCath Compact für Männer
und SpeediCath Compact Eve
für Frauen sind hydrophil
beschichtete, PVC- und
phtalatefreie Einmalkatheter mit
Nelatonspitze für sanften,
sicheren und schnellen
Einmalkatheterismus.Co
litäVorteile auf
einen Blicku Sphinkter-ErsatzSystem: physiologisches
Urinieren, ohne
u Hydraulik-System: keine
u Langzeit-adjustierbar:
ändernde KontinenzSituation ist anpassbar
u Minimalinvasiv: nicht
nur die Operation ist
minimalinvasiv, vor
allem auch das
Adjustieren mittels
Punktionsnadel erfolgt
u Erfahrung: Mehr als 5
Jahre Studienerfahrung
mit ATOMSu Patientenschonend:
durch einfachen
u Geringes Gewicht:
Gefahr von Erosionen
u Porosität: ideale
Gewebsintegration des
Netzes gewährleistet
u i-Stitch Instrument:
einfache Fixierung des
Implantats mit PP-Naht
u Bilateral: physiologische
Aufhängung mit allen
Vorteilenu Das geschlossene System
ermöglicht ein hygienisches
Einführen und Auffangen
der Lösung, ohne zu öffnen.
u Eine am System
vorhandene Klemme
ermöglicht die Nutzung
einer Einwirkzeit.
u Applikation erfolgt mittels
Schwerkraft (kein Druck
oder Sog auf die
Blasenwand)
u Inhalt und Ansatzstück sind
u Kompatibel mit allen
­Katheteranschlusstypenu Das geschlossene System
­Katheteranschlusstypenu Durch Einbettung in sterile
Flüssigkeit gleichmäßig
beschichtet und sofort
u Abgerundet-gelaserte und
somit besonders sanfte
Katheteraugen zur
Minimierung des Risikos von
u Kompaktes und diskretes
Design für mehr Diskretion im
u Wiederverschließbaruwww.ami.atwww.ami.atwww.bbraun.atwww.bbraun.atwww.coloplast.atFirma
(Webadresse)14 DAS MEDIZINPRODUKT 01/16uu
uwwPRODUKTRADAR
UrologieConveen OptimaConvaTec UnoMeter™
Safeti™ PlusHSO H6 plusUROMED MULTIFLEX
FÜHRUNGSDRAHTUROMED „HEPARIUS“
URETERSTENTteenKondom-Urinal zur
Inkontinenzversorgung bei
MännernStunden-Urinmesssystem
zur akkuraten Messung der
AusscheidungGeschlossenes, steriles UrindrainagesystemRef 2714Ref 4145-4177leHarninkontinenz bei
MännernSchwerst-, Langzeit- und
Intensivpflege von Patienten, die
nicht im Wachzustand sind oder
nicht selbstständig den Urin abführen
können. Weitere Einsatzbereiche:
Auf allen IntensivstationenWenn Patienten bettlägerig sind oder nicht
eigenständig den Urin abführen können.
Einsatzbereiche u.a. in den klinischen
Abteilungen: Gynäkologie, Innere Medizin,
Kinder- und Jugendheilkunde, Unfallchirurgie, UrologieFlexibles Führungsinstrument
für urologische KatheterUreter-Dauerschiene zur
LangzeitanwendungConveen Optima ist in
Beinbeutel eine sichere und
diskrete Alternative zur
Versorgung mit aufsaugenden Produkten oder
Dauerkathetern, für mehr
Flexibilität und Lebensqualität.Zum Transport, oder während des
Bettwäschewechsels, kann das
System flach liegen, ohne dass der
Urin zurückläuft. Die Aufsatz­
kammer minimiert das Risiko von
aufsteigenden und retrograden
Infektionen. Der KombiKon™
nadelfreie Probeentnahmeport
hält die Barriere zur bakteriellen
Kontamination für mindestens 10
Perforationen aufrecht. Das
benutzerorientierte Design des
UnoMeter™ Safeti™ Plus erhielt
den Gold Award während der
Europäischen Design Effectiveness
Awards (DBA).Das H6 plus Urindrainagesystem ist einfach in
der Handhabung und bietet einige
benutzerfreundliche Extras. Eine zusätzliche
blaue Klemme auf dem Überleitungsschlauch
hilft bei der Fixierung. Das Bodenablassventil
öffnet und schließt exakt und ist nachtropf­
sicher. Die Probenentnahme am Port
erfolgt nadelfrei. Das gesamte Verbindungsstück zum Katheter, inklusive des Entnahmeports, ist sehr leicht hygienisch zu reinigen.
Der belüftete Urinbeutel fasst 2.000 ml und
kann entweder mit der Kordel oder mit den
Haken befestigt werden. Die bakteriendichte
Tropfkammer mit Membran verhindert eine
retrograde Keimwanderung und die damit
verbundene Infektionsgefahr. Die Gesamtkonstruktion der Tropfkammer verhindert
außerdem das Zurücklaufen des Urins in den
Katheter. Der gesamte Schlauch ist zudem
knicksicher. Das System gibt es wahlweise in
zwei Ausführungen: mit hartem und mit
weichem Schlauch.u Exzellente Gleitfähigkeit der
hydrophilen Spitze
u Flexible, atraumatische
Nitinolspitze minimiert das
Perforationsrisiko
u Hohe Knickstabilität
aufgrund durchgehendem
Nitinol-Kern
u Gute Gleiteigenschafte durch
PTFE Beschichtung des
Schaftesu Für Tumorpatienten geeignet
u Konische, dilatierende Spitze
u Kleine kreisrunde Pigtails
u Atraumatische Augen
u Vormontiertes Set zur
u Röntgenologisch darstellbar
u Polyurethanu Dehnbares, atmungsaktives und hautfreundliches
Silikonmaterial mit
doppeltem Abrollstreifen
für einfaches Anbringen
und bequemen Sitz
u Ziehharmonika-Knickschutz und verstärkter
Ring am Abflussstutzen
als Auslaufschutz
u Selbsthaftend mit
hautfreundlichem Kleber
u In 5 Größen und 2
u In einer diskreten
Compact-Box verpacktu Auch für niedrige Betten geeignet
u Rücklaufsperre im Konnektor
verhindert das Zurücklaufen des
Urins in den Foley-Katheter
u Rücklaufsperre im Beutel zur
Reduzierung retrograder
u Doppellumen-Schlauch mit
Rückschlagventil zur schnellen
Entleerung ohne Rückfluss zum
u Nadelfreier Probeentnahmeport
bietet Schutz vor Nadelstichverletzungen
u Anti-Knick Spirale im Schlauch
reduziert das Risiko von Urinstau
u Hydrophober Bakterienfilter sichert
eine konstante Belüftung des
u Top-Mounted Kammer minimiert
das Risiko von retrograder Infektionu Nadelfreie Probenentnahme
u Bakteriendichte Tropfkammer mit
u Exaktes und nachtropfsicheres
u Knicksicherer Übergangsschlauch
(120 cm) mit Schiebe- und Fixierklemme
u Befestigungsmöglichkeit mit Haken oder
u Belüfteter Urinbeutel (2.000 ml)
u Lesefreundliche Beschriftung
u Latexfreiu Sicherheit durch feste
Verbindung von Spitze zu
u Einführhilfe für einfache,
auch einhändige
­Bedienbarkeit
u Besondere röntgenologische
Darstellbarkeit der Spitzeu Geringe Belastung des
Patienten durch weniger
u Hervorragend zur
u Verminderte
­Bakterienadhärenz
u Inkrustationshemmendes
u Gutes Vorschiebeverhalten
durch mittlere Material­
konsistenzwww.coloplast.atwww.heintel.atwww.heintel.atVertrieb in Österreich
rueschaustria@teleflex.comVertrieb in Österreich
rueschaustria@teleflex.comnermiton
im01/16 DAS MEDIZINPRODUKT 15MEDIZIN & WISSENSCHAFTERC-Reanimationsleitlinien 2015:Neues auf einen Blick
u Jeder 10. Todesfall geht auf einen außerklinischen Herz-Kreislauf-Stillstand zurück.
u Für die Versorgung von Patienten mit Kreislaufstillstand stehen seit Kurzem die
neuen Leitlinien zur kardiopulmonalen Reanimation zur Verfügung.
Laienreanimation. Großer Wert wird auf die Telefonreanimation,
also die Möglichkeiten des Leitstellendisponenten zum Erkennen
und zur Anleitung von Ersthelfermaßnahmen gelegt. Wichtiges
Fazit: Das Zusammenspiel einzelner Maßnahmen, im Team und
als umfassende Systemstrategie, ist ausschlaggebend für das
Überleben.Im Vergleich zur Reanimationsleitlinie 2010 haben sich
Bewertungen und Details verändert.Seit der ersten Veröffentlichung zur kombinierten Herzmassage
und Mund-zu-Mund-Beatmung im Jahr 1960 wurden zuerst
durch die American Heart Association, später für Europa durch
den European Resuscitation Council regelmäßig Empfehlungen
zur Reanimation veröffentlicht, die ab dem Jahr 2000 alle fünf
Jahre als international gültige Reanimationsleitlinien gemeinsam
und koordiniert und auf der Basis der Empfehlungen des International Liaison Committee on Resuscitation neu und überarbeitet
herausgegeben werden. Am 15. Oktober 2015 erschienen weltweit
zeitgleich die neuen Leitlinien zur kardiopulmonalen Reanimation, für Europa über den Europäischen Rat für Wiederbelebung
Die zentralen Aussagen zur Durchführung einer Reanimation
wurden im Wesentlichen beibehalten, doch im Vergleich zu den
Leitlinien aus dem Jahr 2010 haben sich viele Bewertungen und
Details geändert. Der entscheidende Weg zu größerem Erfolg und
zu mehr Überleben führt über mehr ausgebildete Ersthelfer, intelligente Alarmierungssysteme und eine deutliche Zunahme der16 DAS MEDIZINPRODUKT 01/16Die Interaktion zwischen Leitstellendisponenten, Notfallzeugen
und zeitnaher Verfügbarkeit eines Defibrillators verbessert das
Überleben beim außerklinischen Kreislaufstillstand. „Ein Patient, der nicht reagiert und nicht normal atmet, hat einen Kreislaufstillstand und benötigt Herz-Lungen-Wiederbelebung. Auch
bei krampfenden Patienten ist an einen Kreislaufstillstand zu
denken“, erklärt Univ.-Prof. Dr. Michael Baubin vom Department Notfallmedizin an der Univ.-Klinik für Anästhesie und Intensivmedizin Innsbruck sowie Gründer und Vorsitzender des
Austrian Resuscitation Council.
Bei Patienten im Kreislaufstillstand werden in jedem Fall Thoraxkompressionen durchgeführt; darin ausgebildete und erfahrene Ersthelfer sollen auch Beatmungen durchführen, beides in einem Verhältnis 30 Thoraxkompressionen zu zwei Beatmungen.
Die qualitativ hochwertige Wiederbelebung ist entscheidend für
das Outcome. Daher müssen Thoraxkompressionen ausreichend
tief sein: Zur Reanimation bei Kreislaufstillstand empfehlen die
Experten eine Drucktiefe von ungefähr fünf und nicht mehr als
sechs Zentimeter. Die Frequenz soll bei 100 bis 120 pro Minute
liegen, mit minimierten Unterbrechungen. „Jede Atemspende
darf nicht länger als eine Sekunde benötigen“, so Baubin.
Die Defibrillation innerhalb von drei bis fünf Minuten nach einem Kollaps kann zu Überlebensraten von 50 bis 70 % führen.
„Dieser Algorithmus kann auch für Kinder sicher verwendet werden, die Thoraxkompressionstiefe soll mindestens ein Drittel des
Brustkorbdurchmessers betragen“, gibt der Experte Einblick. Bei
Verlegungen der Atemwege durch einen Fremdkörper können
Schläge mit der flachen Hand auf den Rücken, wenn dies nicht
erfolgreich ist, Oberbauchkompressionen und letztlich auch Wiederbelebungsmaßnahmen indiziert sein.© sfam_photo – shutterstock.comBasismaßnahmen – Basic Life Support (BLS)© sfam_photo – shutterstock.comUniv.-Prof. Dr. Michael Baubin
Department Notfallmedizin, Univ.-Klinik
für Anästhesie und Intensiv­medizin
Gründer und Vorsitzender des Austrian
Resuscitation CouncilALS für ­Erwachsene
Advanced Life Support (ALS) sind die in den Richtlinien beschriebenen erweiterten Maßnahmen im Rahmen einer Reanimation, um einen Kreislaufstillstand zu beenden und die zugrunde
liegende Erkrankung zu behandeln. „Thoraxkompressionen dürfen nur kurz unterbrochen werden, wenn Defibrillationsversuch
oder spezielle Interventionen das erforderlich machen, ebenso gilt
das für einen Defibrillationsversuch“, erklärt Baubin. Ein weiterer
Fokus soll nach den aktuellen Leitlinien auf der Anwendung selbst
haftender Defibrillations-Pads und einer Strategie zur Minimierung der Kompressionspausen vor der Defibrillation liegen.
Im Rahmen des neuen Kapitels über ALS-Monitoring wird verstärkt die Verwendung der Kapnografie betont, um die Lage des
Endotrachealtubus zu bestätigen, um diese und die Reanimationsqualität kontinuierlich zu überwachen sowie um frühzeitig einen
Hinweis auf Wiedereinsetzen des Spontankreislaufs zu erhalten.
Ein abgestuftes Airway-Management ist entsprechend den Fertigkeiten des Helfers vorgesehen. Der Einsatz von Reanimationsgeräten ist für den indizierten Transport unter Reanimation – bei
Verdacht auf primär nicht therapierbare reversible Ursachen –
oder unter speziellen Bedingungen empfohlen, ebenso wie der
Einsatz von Ultraschall zur Feststellung reversibler Ursachen.Ein neuer Abschnitt deckt die relevanten Änderungen der Reanimationsmaßnahmen bei chirurgischen Eingriffen ab. So ist
etwa bei Patienten nach herzchirurgischen Eingriffen die sofortige Resternotomie erforderlich. Beim Kreislaufstillstand
während Herzkatheterinterventionen sollen drei sofort aufeinander folgende Defibrillationen vor dem eventuellen Beginn
der Thoraxkompressionen abgegeben werden.Besondere Patienten
In diesem Abschnitt werden Anleitungen für die Wiederbelebung von Patienten mit Begleiterkrankungen wie Asthma oder
Adipositas gegeben, aber auch für Patienten unter besonderen
Bedingungen, wie zum Beispiel in der Schwangerschaft. Bei
Patienten mit Herzunterstützungssystemen kann die Diagnose
des Cardiac Arrest mitunter schwierig sein. Wenn innerhalb
der ersten zehn Tage nach einem herzchirurgischen Eingriff ein
Kreislaufstillstand nicht auf Defibrillation anspricht, soll sofort eine Resternotomie vorgenommen werden.
Bei adipösen Patienten sind grundsätzlich keine Änderungen
in der Abfolge der Reanimationsmaßnahmen vorgesehen, jedoch empfiehlt sich ein häufigerer Wechsel der Helfer sowie
eine frühe endotracheale Intubation.
nKreislaufstillstand unter besonderen Umständen
In diesem Leitlinienkapitel werden die potenziell reversiblen
Ursachen eines Kreislaufstillstands dargestellt, die bei jeder
Reanimation gefunden oder ausgeschlossen werden müssen:
1. „4Hs“: Hypoxie, Hypo- oder Hyperkaliämie und andere Elektrolytstörungen, Hypo- oder Hyperthermie, Hypovolämie
u Asphyxie: frühzeitige Beatmung unter Sauerstoffgabe
u Elektrolytstörungen: ein hohes Maß an medizinischem
­Argwohn und beherztem Vorgehen ist notwendig
2. „HITS“: Herzbeuteltamponade, Intoxikation, Thrombose
der Herzkranzgefäße oder der Lungenarterien, Spannungspneumothorax
u Anaphylaxie: frühzeitiges Erkennen und sofortige i.m.
Adrenalin-Gabe
u Trauma: ein neuer Trauma-CPR-Algorithmus wegen
besonders komplexer Zusammenhänge liegt vorBasismaßnahmen beim ErwachsenenBesondere Umgebung
In diesem Kapitel werden Empfehlungen für die Behandlung
des Kreislaufstillstandes unter besonderen Umfeldbedingungen
gegeben, so zum Beispiel in Passagier- oder Ambulanzflugzeugen, auf Sportanlagen oder in unwegsamem Gelände, aber auch
bei Massenereignissen. Ebenfalls umfasst das Kapitel Anweisungen, wie bei Kreislaufstillstand in Dialyseeinheiten oder im
Bereich der Zahn- und Kieferchirurgie umzugehen ist.01/16 DAS MEDIZINPRODUKT 17MEDIZIN & WISSENSCHAFTDer AQT90 FLEX Analysator –
jetzt auch für Procalcitonin (PCT)
Nicht nur im Notfallbereich ist eine rasche Analyse von kardialen Parametern bei gleichzeitig
­einfacher Bedienung von entscheidender Bedeutung. Der AQT90 FLEX Analysator von Drott bietet
beides – inklusive Resultaten in Laborqualität.Der AQT90 FLEX Analysator wurde für den Point-of-Care in
macht das Gerät eine gute Figur.Einfache und sichere
AbfallentsorgungHohe MessgenauigkeitFolgende Tests können derzeit auf dem AQT90 FLEX Analysator durchgeführt
u Kardiale Parameter: Troponin-T, Troponin-i, Myoglobin, cK-MB
u Herzinsuffizienz: NT-proBNP
u Gerinnung: D-Dimer
u Entzündung, Sepsis: cRP, NEU: PCT (Procalcitonin)
u Schwangerschaft: ß-HcG18 DAS MEDIZINPRODUKT 01/16weitere Probenvorbereitung notwendig. Die Bedienung ist
und an das KIS-/LIS-System oder direkt an den Patientenmonitor übermittelt.
Der AQT ist ein offenes System, neue Tests werden laufend
entwickelt. Ab sofort ist es auch möglich, den Sepsismarker
Procalcitonin (PCT) mit dem Gerät in gewohnt einfacher Weise sehr rasch zu bestimmen. 
office@drott.at, www.drott.at© Marcos Mesa Sam Wordley – shutterstock.comAnwendungenMit dem AQT90 FLEX
pro Testkassette.Entgeltliche Einschaltung © Alex_Traksel – shutterstock.comHohe analytische Empfindlichkeit und vollständige Korrelation zu Labormethoden stehen für maximale Messgenauigkeit.
Durch den Einsatz der zeitaufgelösten Fluoreszenzspektroskopie, basierend auf Europium als Detektor, minimiert der
korrekten Diagnose bei. Nachdem das geschlossene Probenröhrchen direkt in den Probeneinlass gelegt wurde, ist keineEin Aufenthalt auf ­einer
­Intensivstation ist für
­einen ­Patienten oft ein
einschneidendes­ und
­belastendes Erlebnis.Wenn der Spitalsaufenthalt
u Die rasante Entwicklung der Intensivmedizin hat dazu geführt, dass zunehmend
mehr Patienten einen ICU-Aufenthalt überleben.
u Dadurch rücken neuerdings Folgebeschwerden der Intensivbehandlung in den Vordergrund.U© Marcos Mesa Sam Wordley – shutterstock.comEntgeltliche Einschaltung © Alex_Traksel – shutterstock.comMEDIZIN & WISSENSCHAFTnter dem Begriff Post-ICU-Syndrom werden heterogene Beschwerden bezeichnet, die verschiedene Bereiche beinhalten,
sich aber vorwiegend in den drei Hauptgruppen Muskelschwäche bzw. reduzierte körperliche Belastung, kognitive Defizite und
psychische Störungen wie zum Beispiel Depression oder posttraumatische Belastungsstörung zusammenfassen lassen.
Bis zu 70 % der intensivmedizinisch behandelten Patienten entwickeln im Laufe ihres Aufenthaltes auf einer Intensivstation ein
sogenanntes Post-ICU-Syndrom. „Die Häufigkeit hängt mit der
Schwere der Grunderkrankung und der Liegezeit auf der Intensivstation zusammen“, erklärt Dr. Dimitre Staykov von der Abteilung für Neurologie im Krankenhaus der Barmherzigen Brüder,
Eisenstadt. So liegt etwa bei Patienten nach einer Herz-OP mit
Thorakotomie die Häufigkeit bei bis zu 20 %, bei Patienten nach
Unfällen mit langer Liegedauer bei bis zu 70 %.
Muskuläre Schwäche nach einem Intensivaufenthalt kann zu einer erheblichen Beeinträchtigung der Mobilität und Alltagskom-petenz führen. Die Beschwerden bessern sich im nachfolgenden
Verlauf nur langsam über Wochen, oft über mehrere Monate. Bei
einem relativ hohen Anteil der Patienten mit ausgeprägten Beschwerden können auch dauerhafte Defizite der Muskelkraft persistieren. Mehrere Faktoren spielen dabei eine Rolle, wie zum
Beispiel die Beatmungsdauer auf der Intensivstation. „Wie aktuelle Studiendaten belegen, sind bei beatmeten Patienten erste
Symptome von Muskelveränderungen am Zwerchfell oft schon
36 Stunden nach Behandlungsbeginn sichtbar“, weiß Staykov.
Weiters sind die Schwere der Grunderkrankung und generell die
Dauer des Intensivaufenthalts von entscheidender Bedeutung.
Langliegende Patienten können eine sogenannte Critical-IllnessPolyneuropathie und -Myopathie entwickeln, die bei schwerer
Ausprägung sogar die Entwöhnung vom Beatmungsgerät verzögert.
Kognitive Defizite können auch bei fehlenden körperlichen Beschwerden eine erhebliche Belastung für den Patienten und sein01/16 DAS MEDIZINPRODUKT 19Priv.-Doz. Dr. Dimitre Staykov, ­Vorstand
der Abteilung für Neurologie, Krankenhaus
der Barmherzigen Brüder, Eisenstadt© www.foto-glasow.deMEDIZIN & WISSENSCHAFTUmfeld darstellen. Diese Symptome werden besonders häufig
nach einem Intensivaufenthalt beklagt (bis zu 80%).
Die Gründe für die Manifestation psychischer Störungen liegen
auf der Hand: Die Einlieferung trifft den Patienten unvorbereitet,
Symptome wie Schmerzen, Atemnot oder der Verlust lebensnotwendiger Funktionen sowie die Bewegungseinschränkungen lösen eine Reihe von Ängsten aus, die oft erst zum Tragen kommen, wenn das traumatische Erlebnis längst überwunden ist.
„Die Gründe hierfür sind vielfältig und reichen von prädisponierenden Faktoren des Patienten wie etwa psychischen Vorerkrankungen bis hin zu beeinflussbaren Faktoren, wie zum Beispiel
Lärm auf der Intensivstation, konstantes Licht, Schlafmangel,
Immobilisation und Orientierungslosigkeit“, sagt Staykov.Wenn plötzlich alles anders ist
Ist der kritische Zustand des Patienten erst einmal stabilisiert, gilt
es, auch diesen posttraumatischen Belastungsstörungen, die ihre
Ursache im Aufenthalt auf der ICU selbst und nicht in der Grunderkrankung haben, entsprechende Aufmerksamkeit zu schenken.
Der wichtigste Aspekt ist, dem Patienten den Umgang mit der
Belastung zu erleichtern sowie ihm das Gefühl zu geben, sich in
der „fremden Umgebung Intensivstation“ sicher fühlen zu können. „Das Thema ist erst in den letzten Jahren in das Zentrum der
Aufmerksamkeit gerückt und hat zu aktuellen Forschungen geführt“, weiß Staykov. Bis vor wenigen Jahren war das wesentliche
Ziel der Intensivmedizin, das Überleben der Patienten zu sichern.
Inzwischen ist deutlich geworden, dass bei den meisten Patienten
nach einem Intensivaufenthalt „nachher nichts mehr wie vorher
ist“ und schwerwiegende kognitive, psychische und körperliche
Langzeitfolgen auftreten können.
Viele Belastungen treten durch das therapeutische Setting auf einer Intensivstation auf, wie etwa die Störung des Tag-NachtRhythmus durch engmaschige Kontrollen der Vitalfunktionen,Symptome eines Post-ICU-Syndroms
u K örperliche Beschwerden
u R eduzierte körperliche Belastbarkeit
 uskelschwäche
u K ognitive Störungen
 esorientierung
u A ntriebsstörungen
u V erminderung der kognitiven Leistungsfähigkeit
u P sychische Störungen
u U nruhe
u A ngst
u P osttraumatische Belastungsstörunghäufige diagnostische oder therapeutische Maßnahmen oder permanente Beleuchtung. Verstärkt wird die Problematik durch eine
ständige Reizüberflutung aufgrund unbekannter Geräusche medizinischer Geräte sowie die fehlende Rückzugsmöglichkeit und
Privatsphäre. Das „über anstatt mit“ dem Patienten Reden ist gerade am Intensivbett besonders ausgeprägt, sodass Patienten nur
selten Fragen stellen können oder aktiv in die Visite miteinbezogen werden. Aufgrund der Schwere der Erkrankung sind fast immer bisherige Lebensbezüge unterbrochen und Patienten sehen
sich unvermittelt mit unbekannten, impliziten Verhaltensregeln
auf Intensivstationen konfrontiert. Obwohl medizinisches Personal laufend anwesend ist, setzt vielen Patienten das Kommunikationsdefizit enorm zu, die eigene Kommunikationsfähigkeit ist
oft infolge künstlicher Beatmung eingeschränkt. „Misslingen
nonverbale Signalisierungsversuche, kommt es zusätzlich zu
Frustration, Ärger und letztlich zur Resignation seitens des Patienten“, betont Staykov.Neben einem Simulationswettbewerb („sim wars“), in dem sich Teams bei der
Bewältigung von notfallmedizinischen Szenarien am Simulator gegeneinander
messen können, steht heuer ein Speakers’ corner auf dem Programm. In diesem
kann jeder Kongressteilnehmer zu einem Thema seiner Wahl frei sprechen und
mit den anderen Kongressbesuchern in
Interaktion treten. Die Anmeldung erfolgt direkt am Kongress. Der Kurs „Professionelle Erste Hilfe bis der Notarzt
kommt“ wird wieder stattfinden. Er
richtet sich an niedergelassene Ärzte für
die Bewältigung typischer Notfallsituationen.
www.agn.at/kongress20 DAS MEDIZINPRODUKT 01/16Einige Faktoren können präventiv positiv beeinflusst werden.
Hierzu zählt vor allem die sorgfältige Prüfung der Notwendigkeit
und die Minimierung einer tiefen Sedierung und Immobilisation.
Weiters ist die Beachtung eines Tag-Nacht-Rhythmus auf der Intensivstation und die frühe Erkennung und Behandlung von deliranten Zuständen sehr wichtig. In der Behandlung bereits vorliegender Symptome des Post-ICU-Syndroms ist vor allem
interdisziplinäre und multiprofessionelle Zusammenarbeit mit
Physiotherapeuten, Ergotherapeuten sowie einem kognitiven
Training, psychologische und psychiatrische Behandlung gefragt, um die Lebensqualität und die Alltagskompetenz des Patienten zu verbessern, als auch das häusliche Umfeld und die Angehörigen, die sich um den Patienten zuhause kümmern, positiv
zu beeinflussen.
n© Leremy – shutterstock.comKongress für Notfallmedizin© Syda Productions – Fotolia.comIst Prävention möglich?© Quelle: Kanizaj Marija-M.Schmerztherapie
nach Planu Das Schmerzmanagement aller Intensivstationen am LKH-Univ. Klinikum Graz
wurde erfolgreich rezertifiziert.
u Das Mitarbeiter- und Patientenfeedback lässt Rückschlüsse auf die Qualität der
Schmerztherapie zu.Während eines Krankenhausaufenthaltes ist parallel zur Behandlung der Hauptdiagnose eine maximal mögliche Reduktion der Schmerzen bei minimalen Nebenwirkungen eines
der Hauptziele in der Versorgung von Patienten. Eine 2006
durchgeführte Statuserhebung in allen österreichischen Krankenhäusern zum postoperativen Schmerzmanagement ergab
unter anderem, dass rund 70 % der österreichischen Krankenhäuser keine schriftlichen, standardisierten Protokolle zur
Schmerztherapie sowie zu einem strukturierten Schmerzmanagement besitzen. Bereits im Jahr 2008 begann das LKHUniv. Klinikum Graz mit einem umfassenden Schmerzmanagementprojekt, das zum Ziel hatte, alle stationären Patienten
des LKH-Univ. Klinikum Graz mit der bestmöglichen
Schmerztherapie zu versorgen.
Ein interdisziplinäres Team bestehend aus einem ausgewiesenen Schmerzspezialisten und Mitarbeitern der Stabsstelle Qualitäts- und Risikomanagement hat in Zusammenarbeit mit den
Schmerzteams der einzelnen Organisationseinheiten gemäß
einem Roll-out-Plan die definierten Struktur-, Prozess- und Ergebniskriterien Klinik für Klinik implementiert. Es wurden
gemeinsam mit den Kliniken medikamentöse Schmerztherapieschemata und nichtmedikamentöse Maßnahmen erarbeitet.
Die geeignete Schmerztherapie wird durch vom Patienten angegebene Schmerzintensität und definierte Interventionsgrenzen eingeleitet und regelmäßig evaluiert. Mittlerweile ist es
auch gelungen, Schmerz als zusätzlichen Vitalparameter am
Klinikum einzuführen.Patienten und Mitarbeiter befragt
© Leremy – shutterstock.com© Syda Productions – Fotolia.comLinks: Mag. Dr. Gerald Sendlhofer,
Leiter der Stabstelle QM-RM Stmk.
Krankenanstaltenges.m.b.H., LKH-Univ. Klinikum Graz
Rechts: Mag. DI (FH) Bernd Pichler
www.klinikum-graz.at, www.safetyinhealth.comUm die Ergebnisqualität der eingesetzten Instrumente messen
zu können, wurden Patienten unter anderem zur Schmerzkontrolle, dem Therapieeffekt oder dem Informationsstand zum
Schmerzmanagement befragt. Über das Patientenfeedback
kann auf die Qualität der Schmerztherapie und somit auf das
Wohlbefinden der Behandelten rückgeschlossen werden.Ebenso wurden Mitarbeiter befragt, etwa ob Regelungen zur
Schmerzerfassung und zu Schmerzerfassungsinstrumenten,
Interventionsgrenzen, standardisierte Protokolle oder
Schmerzdokumentation bekannt sind.
Im Regelfall bewertet der Patient seine Schmerzsituation anhand eines standardisierten Schmerzerfassungsinstruments
selbst. Eine besondere Herausforderung ergibt sich bei intensivmedizinisch betreuten oder kognitiv eingeschränkten Patienten. Diese Patientengruppen sind oft nicht in der Lage, selbst
zu ihrem Schmerz Auskunft zu erteilen. So muss durch die
Betreuenden vor Ort mithilfe von besonderen Schmerzerfassungsinstrumenten bei sedierten, beatmeten oder nicht ansprechbaren Patienten eine Fremdeinschätzung des Schmerzwertes erfolgen. Besondere Berücksichtigung findet dabei das
Wechselspiel von Sedierung und Schmerz.Erfolgreiche Rezertifizierung
2011 wurden alle Intensivstationen für Erwachsene des LKHUniv. Klinikum Graz erstmals mit einem Zertifikat von
­Certkom e.V. für ihre „Qualifizierte Schmerztherapie“ ausgezeichnet. Durch die nachhaltige Weiterentwicklung des
Schmerzmanagements konnte 2015 die Rezertifizierung der
Intensivstationen erfolgreich abgeschlossen werden. Es wurden ca. 340 Mitarbeiter und ca. 250 Patienten zur Ergebnisqualität im Schmerzmanagement befragt. Die Befragungsergebnisse bei Patienten zeigen eindeutig, dass sich beispielsweise
an einer Intensivstation der Maximalschmerzwert (Skala von 0
bis 10, 0 = kein Schmerz, 10 = stärkster vorstellbarer Schmerz)
von im Mittel 2011 von 5,7 auf im Mittel 3,5 verbessert hat.
Auch bei der Schmerzerträglichkeit und Erhöhung der Wirksamkeit der Schmerztherapie gab es Verbesserungen. Auch die
Mitarbeiterbefragung belegte eine höhere Zufriedenheit mit
den Fortbildungsangeboten (Skala von 0 bis 6, 0 = sehr zufrieden bis 6 = sehr unzufrieden) von im Mittel 1,5 im Jahr 2015
zu 2,5 im Jahr der Erstzertifizierung. 
n01/16 DAS MEDIZINPRODUKT 21MEDIZIN & WISSENSCHAFTUniv.-Prof. Dr. Harald Mangge,
Klinisches Institut für Medizinische
Medizinische Universität GrazÜberwachung der BlutgerinnungEin klassisches „Werkzeug“ zur Steuerung der Blutgerinnung
ist die Bestimmung der Konzentration von Gerinnungsfaktoren im Blut, wobei insbesondere der Gerinnungsfaktor Fibrinogen eine zentrale Rolle spielt. „Traditionell erfolgt die Messung dieses Gerinnungsfaktors mit der Methode nach Clauss
im Blutplasma. Neuerdings kommen schnellere funktionelle
Tests zur Anwendung, wie die Thrombelastografie bzw. Thromb­
elastometrie, die als patientennahe Methoden
­Menge und Qualität von vorhandenem Fibrinogen prompt einschätzen und so theoretisch
frühe Therapieentscheidungen ermöglichen“, erklärt Univ.-Prof. Dr. Harald
Mangge vom Klinischen Institut für Medizinische und Chemische Labordiagnostik an der Med Uni Graz. Möglicherweise gerade aufgrund der großen
Präzision dieser Tests fand in der Praxis
zuletzt ein teils heftig geführter klinischer Diskussionsprozess um die Themen
„Normalwerte“, „Grenzwerte“ sowie „Gefahren von zu starker Gerinnung“ statt.
In einem interdisziplinären Team untersuchten
Wissenschaftler an der Med Uni Graz vom Klinischen Institut für Medizinische und Chemische Labordiagnostik sowie der Universitätsklinik für Anästhesiologie und Intensivmedizin Blutproben von Patienten kurz nach einem großen
chirurgischen Eingriff mittels der klassischen Fibrinogenmessung nach Clauss und der schnelleren neuen Methoden. Dabei
traten deutliche Unterschiede im Messergebnis zutage.Methodik beeinflusst Grenzwert
Während das traditionelle Verfahren im Blutplasma und somit
unter Notwendigkeit einer zeitaufwendigen Zentrifugation vor
der eigentlichen Untersuchung durchgeführt wird, arbeiten die
neu entwickelten viskoelastischen Verfahren direkt im Vollblut
und können somit rascher und patientennahe durchgeführt
werden. Auch die Technologie und die Messparameter unter-22 DAS MEDIZINPRODUKT 01/16scheiden sich wesentlich. „Das traditionelle Verfahren misst
die Konzentration eines wichtigen Gerinnungsfaktors im Plasma, während die neuen Tests neben einer abgeleiteten Konzentration primär die Qualität und die Festigkeit des bei der Blutgerinnung entstehenden Gerinnsels beurteilen“, erklärt
Wurden in der Vergangenheit vor allem die zu geringe Gerinnungsfähigkeit des Blutes sowie Blutungen während der Operation als bedrohlich angesehen,
so zeigen aktuelle Forschungsergebnisse,
dass auch ein „Zuviel“ an Blutgerinnung
oder eine übermäßige Therapie mit Risiken wie etwa einer Thrombose oder einem Gefäßverschluss verbunden sein
Die Grazer Forscher überprüften bei
herz- und allgemeinchirurgischen Patienten zwei neue, bereits am Markt befindliche Messgeräte und verglichen deren Ergebnisse mit dem traditionellen
Verfahren der Fibrinogenmessung nach
­Clauss. Überraschenderweise fanden sie heraus,
dass zwischen den neuen Testverfahren systemabhängig unterschiedliche Ergebnisse bezüglich der Qualität
des Gerinnsels vorlagen, wodurch die Aussagekraft und die
Ableitung therapeutischer Konsequenzen problematisch werden können. „Während beispielsweise die Ergebnisse eines der
beiden Tests ableiten lassen, dass Gerinnungssubstanzen
künstlich zugeführt werden müssen, zeigt der andere Test bei
derselben Blutprobe eine noch zufriedenstellende Blutgerinnung an. Weitere Forschungen auf diesem Gebiet sind also
dringend angezeigt, um eventuell nicht notwendiges künstliches Zuführen von Gerinnungssubstanzen zu vermeiden. Neben dem Kostenaspekt muss vor allem auch das Risiko von
embolischen Komplikationen, die Gefäßverschlüsse mit sich
bringen, gerade nach Herz- oder Gefäßoperationen beachtet
werden“, fasst Mangge zusammen.
Quelle: Med Uni Graz© fotoliaxrender – Fotolia.comu Ein interdisziplinäres Forscherteam der Med Uni Graz verglich Messsysteme zur
u Divergierende Messergebnisse zeigen offenen Forschungsbedarf auf.© Tirol KlinikenLinks: o. Univ.-Prof. Dr. Birgit Högl, Leiterin des Schlaf­
labors der Innsbrucker Univ.-Klinik für Neurologie
Rechts: Univ.-Prof. Dr. Herbert Riechelmann, Präsident
der Österreichischen Gesellschaft für Hals-, Nasen- und
Ohrenheilkunde, Kopf- und Halschirurgie und Direktor
der Innsbrucker Univ.-Klinik für HNO-HeilkundeErste Zungenschritt­macher
u Zungenschrittmacher stimulieren den Bewegungsnerv der Zunge.
u Von der innovativen Therapie profitiert eine kleine Gruppe von Patienten,
die an einer speziellen Form des Schlafapnoesyndroms leidet.Erkrankungen der Kopf-Hals-Region gehören zu den häufigsten Erkrankungen in Europa. Rund fünf Prozent der Bevölkerung leiden an einer sogenannten obstruktiven Schlafapnoe, deren Art und Schweregrad bei Untersuchungen im Schlaflabor
ermittelt werden können. In den meisten Fällen einer obstruktiven Schlafapnoe ist die klassische Behandlung mit einer Atemmaske (CPAP – Continuous Positive Airway Pressure) möglich.
Dabei wird über eine Nasenmaske ein kontinuierlicher positiver
Luftdruck in den oberen Atemwegen aufgebaut. Ausgewählte
Patienten, bei denen die klassischen Therapiemethoden nicht anwendbar sind, die nicht übergewichtig sind und die unter einer
bestimmten Art von Atemwegsverschluss leiden, können nun
auch mit einem Zungenschrittmacher behandelt werden.© fotoliaxrender – Fotolia.comZusammenarbeit mit Schlaflabor
„Mit diesem Implantat kann zwar nur eine kleine Gruppe von Patienten behandelt werden, aber bei ihnen ist wegen des stark erhöhten Schlaganfall- und Herzinfarktrisikos die Lebenserwartung
herabgesetzt. Aufgrund verstärkter Tagesmüdigkeit haben sie oft
auch ein erhöhtes Risiko für Sekundenschlaf“, erklärt der Direktor
der Innsbrucker Univ.-Klinik für HNO-Heilkunde und Präsident
der Österreichischen HNO-Gesellschaft, Univ.-Prof. Dr. Herbert
Riechelmann. In Zusammenarbeit mit dem Schlaflabor der Innsbrucker Univ.-Klinik für Neurologie wurden Zungenschrittmacher eingesetzt. Der Wirksamkeitsnachweis für diese Implantate
wurde in jahrelanger Forschungsarbeit erbracht. „Goldstandard in
der Therapie der obstruktiven Schlafapnoe ist nach wie vor die
Atemmaske. Kann diese aus medizinischen Gründen nicht angewendet werden und erfüllt der Patient auch die anderen Voraussetzungen, kann der Zungenschrittmacher Abhilfe schaffen“, erklärt
die Leiterin des Innsbrucker Schlaflabors der Univ.-Klinik für
Neurologie, Univ.-Prof. Dr. Birgit Högl. Der Zungenschrittmacher ist mit einem Herzschrittmacher vergleichbar. Er hat etwa die
Größe einer Streichholzschachtel und wird unterhalb des Schlüsselbeins implantiert. Er erfasst die Atembewegungen und kann
mittels kleiner Impulse in den Hypoglossus-Nerv der Zunge ver-Der Zungenschrittmacher ist mit einem Herzschrittmacher vergleichbar.hindern, dass diese zurückfällt und die Atemwege blockiert. Patienten mit einem schweren, obstruktiven Schlafapnoe-Syndrom
haben Atemaussetzer, weil die Spannung der Muskulatur der oberen Atemwege im Schlaf nachlässt. Dadurch verengt sich der
Luftweg.Führend in der S­ chrittmacherforschung
Die innovative Behandlungsmethode präsentierte Riechelmann
auch am Jahreskongress der Österreichischen Gesellschaft für
Hals-Nasen-Ohrenheilkunde, Kopf- und Halschirurgie. Zu den
aktuellen Themen der Tagung zählten weiters die Behandlung
von Tinnitus, der häufigen chronischen Entzündung der oberen
Atemwege oder beispielsweise die Behandlung von Krebserkrankungen im HNO-Bereich.
Die Innsbrucker Universitätsklinik für HNO-Heilkunde gilt österreichweit als wissenschaftliches und innovatives Zentrum. So
wurde in Innsbruck weltweit erstmals auch das innovative
Hörimplantat „Bonebridge“, ein Knochenleitimplantat, eingesetzt. Österreichweit wurde 2013 erstmals ein Kehlkopfschrittmacher implantiert – der dritte weltweit. Die Innsbrucker HNOKlinik ist auch an der Entwicklung eines neuen Schrittmachers
für das Gleichgewichtsorgan beteiligt.
n01/16 DAS MEDIZINPRODUKT 23PFLEGE & HOME CAREu Mangelernährung bei onkologischen Patienten hat eine direkte Auswirkung auf
u Im St. Josef-Krankenhaus wird zur Erhebung des Ernährungszustandes von
onkologischen Patienten seit Kurzem erfolgreich ein spezielles Screening eingesetzt.© Katharina NeuwirthFrüherkennung wesentlich für TherapieerfolgAufklärung hilft, denn die Gründe für eine Mangelernährung können bei
onkologischen Patienten vielfältig sein.Fast die Hälfte aller Krebspatienten leidet an Mangelernährung – mit negativen Folgen nicht nur für die Lebensqualität,
sondern auch für die Heilungschancen. Um Mangelernährung
frühzeitig zu erkennen, wird im St. Josef-Krankenhaus ein spezielles Programm angewendet, dessen Wirksamkeit vor Kurzem in einer Studie bestätigt wurde.
„Viele Patienten mit einer Krebserkrankung kämpfen mit Appetitlosigkeit, Gewichtsverlust und einem verstärkten Abbau
von Muskelmasse“, berichtet Prof. Dr. Leopold Öhler, Leiter
der Onkologie im St. Josef-Krankenhaus. Die oft mangelhafte
Versorgung mit Nährstoffen hat nicht nur Auswirkungen auf
die Lebensqualität der Betroffenen. Viele erkranken leichter an
Infekten, müssen länger im Spital bleiben oder leiden häufiger
an Nebenwirkungen der Chemotherapie. Insgesamt, so die Expertenmeinung, hat Mangelernährung bei onkologischen Patienten eine direkte Auswirkung auf die Lebenserwartung.© Drägerwerk AG & Co. KGaAMangelernährung bei
­Chemotherapie„Für den Therapieerfolg ist es daher umso wichtiger, dass
Mangelernährung frühzeitig erkannt und entsprechend behandelt wird“, so Öhler. Im St. Josef-Krankenhaus wird zur Erhebung des Ernährungszustandes von onkologischen Patienten
ein spezielles Screening verwendet. „Der Betroffene wird bei
jedem Aufenthalt bei uns gewogen und nach seinen Essgewohnheiten befragt“, erklärt der Onkologe. Alle Angaben sowie der Gewichtsverlauf werden im System gespeichert; werden gewisse Werte unterschritten, schlägt es Alarm. „Ist bei
einem Patienten erkennbar, dass er sich unzureichend ernährt,
arbeiten Ärzte, Krankenpflegepersonal und Diätologen gemeinsam an der Behebung der Ursachen“, erklärt die leitende
Diätologin im St. Josef-Krankenhaus, Katharina Auer, MSc.
In einem ausführlichen Gespräch werden zunächst die Gründe
für die unzureichende Nährstoffversorgung hinterfragt. „Manches Mal ist der Patient zu Hause einfach schlecht versorgt,
andere Male sind es die Nebenwirkungen der Chemotherapie
oder psychische Gründe, die zu Mangelernährung führen“, so
Gemeinsam mit den Betroffenen wird von der Diätologin eine
individuelle und bedarfsgerechte Ernährungstherapie geplant,
die sich an den medizinischen und persönlichen Bedürfnissen
des Patienten ausrichtet. Bei länger andauernder unzureichender Nahrungszufuhr ist eine künstliche Ernährung in Form von
Infusionen oder über eine Sonde möglich.Studie belegt Wirksamkeit des Screenings
Im Rahmen einer Masterarbeit für das Studium „Advanced Integrative Health Studies“ konnte die Diätologin Katharina
Auer, MSc die Wirksamkeit des Ernährungsscreenings, so wie
es im St. Josef-Krankenhaus – aber auch in anderen Häusern
der Vinzenz Gruppe – eingesetzt wird, nun bestätigen. Die Arbeit wurde vor Kurzem im Rahmen des österreichischen MTDInnovationspreises 2015 ausgezeichnet. 
n24 DAS MEDIZINPRODUKT 01/16Anz_PFLEGE & HOME CARENeues ­Seminarprogramm© Drägerwerk AG & Co. KGaADie neue Leuchte Polaris 600 des Medizinund Sicherheitstechnikkonzerns Dräger kann
erstmals via Touch-Bedienung sowohl vom
nicht sterilen Personal als auch vom Chirurgen bedient werden. LichtfelddurchmesserDie Polaris 600 kann via Touchbedienung sowohl vom nicht
sterilen Personal, als auch vom Chirurgen bedient werden.und Lichtintensität lassen sich direkt am sterilen Handgriff mithilfe der Sterile Touch Control einstellen. Dafür befindet sich im oberen
Bereich des Handgriffs eine Fläche, die auf
Berührung reagiert – ähnlich wie bei einem
Smartphone: Per Doppelklick verändert sich
der Lichtfelddurchmesser stufenweise von
19 auf 27 Zentimeter. Streicht man mit dem
Daumen zur Seite, verstärkt oder vermindert
sich die Lichtintensität – Einstellungen, die
der Chirurg dank des Handgriffs mit Sterile
Touch Control eigenständig vornehmen kann.
Über das Leuchtenbedienfeld und das Wandpanel lassen sich zudem alle angeschlossenen Polaris-Leuchten synchronisieren. Ein
leichtes Tippen und die vernetzten PolarisLeuchten arbeiten mit derselben Lichtintensität und Farbtemperatur.
Wie die Polaris 100/200 hat die Polaris 600
einen flachen und leichten Leuchtenkörper
mit einem Durchmesser von 62 Zentimetern,
der eine leichtgängige Positionierung ermöglicht und im Laminarflow nicht stört.­emeinsam mit seinen medizinischen PartG
nern präsentiert Dräger sein Seminarprogramm für das erste Halbjahr 2016 – ein vielfältiges Aus- und Weiterbildungsangebot für
Fachärzte, Ärzte, Pflegepersonal und Sanitäter
sowie medizinisches/medizintechnisches Personal. Die Veranstaltungen sind von der Österreichischen Ärztekammer für das DFP-Programm approbiert und stehen unter der
für Anästhesiologie, Reanimation und Intensivmedizin (ÖGARI) bzw. des Berufsverbandes für
02.05. 2016 Linz	Narkosemanagement und
03.05. 2016 Linz	Rationale Narkoseführung und
10.05. 2016 Wien	Der beatmete Intensivpatient I:
11.05. 2016 Wien	Der beatmete Intensivpatient II:
18.05. 2016 Linz	Nicht invasive Beatmung
erfolgreich anwendenEntgeltliche EinschaltungEine Leuchte für allewww.draeger.com/academy-austriaFÜR RÄUME, DIE ES IN SICH HABEN.
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www.nora.com/at01/16 DAS MEDIZINPRODUKT 25Anz_Healthcare_AT_210x147.indd 120.01.16 18:03PFLEGE & HOME CAREMit neuer Informationstechnologie
u Eine Online-Versorgungsplattform zu Depressionen im Alter soll pflegende,
betreuende und behandelnde Personen vernetzen.
u Damit sollen ältere Menschen mit depressiven Episoden durch personalisierte,
altersgerechte Interventionen besser unterstützt werden.
eltweit zeichnet sich ein Versorgungs- und Behandlungsdefizit
für psychische Alterserkrankungen ab, wobei Depression nach
Demenz zu den häufigsten psychischen Erkrankungen im höheren
Lebensalter zählt. Vor diesem Hintergrund hat die Europäische
Kommission explizit die Entwicklung und Implementierung von
integrierten Versorgungsmodellen mit Interventionsdiensten für
psychische Erkrankungen im höheren Lebensalter gefordert.
Depression im Alter wird oft nicht oder erst sehr spät erkannt und
entsteht meist als psychische Reaktion auf Begleiterscheinungen
des Alters. Die Johanniter starteten daher gemeinsam mit der
Salzburg Research Forschungsgesellschaft und der Sigmund
Freud Privatuniversität Wien ein Forschungsprojekt zur Vorbeugung von Depression im Alter. Das einjährige Forschungsprojekt
unter dem Namen „Impetus“ untersucht das Potenzial von Informationstechnologie zur Vorbeugung von Depressionen und Unterstützung des Versorgungsprozesses. Eine gemeinsame OnlineVersorgungsplattform soll sowohl die Betroffenen als auch alle
pflegenden, betreuenden und behandelnden Personen mit einbeziehen. Anzeichen für eine Depression im Alter sollen damit
frühzeitig erkannt und ältere Menschen mit depressiven Episoden durch personalisierte, altersgerechte Interventionen unterstützt werden.Unterstützung von Langzeittherapien
„Wir werden im Forschungsprojekt Impetus die Nutzbarkeit des
Internets für den Bereich Altersdepression prüfen und die Unterstützung von IKT-Diensten in verschiedenen Phasen des Versorgungsprozesses darstellen“, so Projektleiterin DI Manuela Plößnig, MSc von der Salzburg Research Forschungsgesellschaft. So
können der gesundheitliche Zustand und damit die Lebens­
qualität und das Wohlbefinden von Menschen mit Depressionen
im Alter durch Technologieunterstützung verbessert werden.
„Es gibt derzeit Systeme und Pilotversuche in Europa, die Mög-26 DAS MEDIZINPRODUKT 01/16lichkeiten aufzeigen, wie computergestützte Interaktionen zwischen Klient und Therapeut dargestellt werden können“, ergänzt
Mag. Georg Aumayr, Leiter des Forschungs- und Innovationszentrums der Johanniter, und beschreibt praktische Beispiele: „Das
kann zum Beispiel ein Stimmungstagebuch sein, das online verwaltet wird, oder auch tele-psychologische Anwendungen mit einer Konferenzschaltung zu einem Therapeuten. Das wird vor allem
bei Patienten in Langzeittherapien eingesetzt, um das Vertrauensverhältnis nicht zu verlieren und die Therapie – trotz beispielsweise
Mobilitätseinschränkungen – weiterhin aufrechtzuerhalten.“Potenzial noch nicht ausgeschöpft
„E-Mental Health“ ist ein recht junges Praxis- und Forschungsfeld, das die Nutzbarmachung moderner Medien in Prävention,
Behandlung, aber auch Rehabilitation und Selbsthilfe zum Gegenstand hat. „Obwohl viele Forschungsfragen offen sind, wissen
wir, dass moderne Medien wie vor allem das Internet bei einer
Reihe von psychischen Störungen die Behandlung effektiv unterstützen können“, so die psychologische Psychotherapeutin Prof.
Dr. Christiane Eichenberg von der Sigmund Freud Privatuniversität Wien. „Allerdings ist das Potenzial für betroffene ältere
Menschen weder ausgeschöpft noch hinreichend untersucht.“
Gestartet wurde Anfang November 2015 mit einer umfassenden
Literaturrecherche sowie begleitenden ethischen Überlegungen.
Besonderes Augenmerk liegt auf computergestützten Verhaltenstherapie-Ansätzen für ältere Menschen, auf ergänzenden Unterstützungsmöglichkeiten im Bereich „E-Mental Health“ und auf
Selbstmanagement-Strategien unter besonderer Berücksichtigung potenzieller Geschlechterunterschiede.
Impetus wird durch das Bundesministerium für Verkehr, Innovation und Technologie im Programm benefit gefördert. Projektpartner
sind die Johanniter Österreich, die Salzburg Research Forschungsgesellschaft mbH sowie die Sigmund Freud Privatuniversität.  n© tomertu – shutterstock.comWHydroTherapy:Rasch zu einer
sauberen Wunde
Eine moderne Wundversorgung sorgt gleich mehrfach für Vorteile: Sie schafft Lebensqualität für
Betroffene, vereinfacht den Arbeitsalltag des medizinischen Personals und verringert die Kosten
für das Gesundheitssystem.Viele Dekubitalulzera heilen erst nach Monaten oder Jahren
ab. Sie bedeuten für den Patienten oft monatelange Immobilisation, Schmerzen, Sepsisgefahr und eine Reihe weiterer Komplikationen. Erforderlich sind auf der einen Seite praxisorientierte Konzepte, die auf einem guten Informationsfluss zwischen
Arzt, Pflegekraft und Kostenträgern fußen. Auf der anderen Seite braucht es innovative Konzepte zur lokalen Wundbehandlung
vonseiten der Industrie. Die HydroTherapy von Paul Hartmann
entspricht diesen komplexen Anforderungen.Im Doppelpack aktivEntgeltliche Einschaltung© tomertu – shutterstock.comPFLEGE & HOME CAREDie HydroTherapy beruht auf zwei Präparaten, die selbst bei Problemwunden die
Wundheilung in allen Phasen optimal
unterstützen. Die Therapie startet mit
HydroClean plus, vormals TenderWet plus, das die Wunde durch einen
einzigartigen Saug-Spül-Mechanismus aktiv reinigt und konditioniert.
Basis für Reinigungsleistung ist der
Saugkern aus superabsorbierendem
Polymer (SAP), der mit Ringerlösung
getränkt ist, die kontinuierlich an die
Wunde abgegeben wird. So werden Nekrosen und Belege rasch aufgeweicht und abgelöst.
Gleichzeitig werden mit dem Wundexsudat Detritus,
Bakterien und entzündungsfördernde Proteasen (MMPs) in den
SAP-Saugkörper aufgenommen und dort sicher gespeichert.
Zusätzlich hat HydroClean plus eine weitere Keimbarriere aufzuweisen: In den SAP-Saugkern ist in gebundener Form das
wundfreundliche Antiseptikum Polyhexanid (PHMB) eingebracht, das im Inneren des Wundkissens die mit dem Wundexsudat aufgenommenen Bakterien abtötet und im SAP-Saugkern
sicher bindet.
Im Anschluss sorgt HydroTac mit der AquaClear Technologie
für eine optimale Feuchtigkeitsregulierung. Dadurch wird so-wohl die Bildung weiteren Granulationsgewebes angeregt als
auch die Epithelisierung gefördert und die Wunde bis zur Abheilung sicher vor Austrocknung geschützt. So wie die einzelnen
Wundheilungsphasen nicht isoliert, sondern zeitlich ineinander
übergreifend ablaufen, gewährleisten auch die Wirkungsprinzipien von HydroClean plus und HydroTac ein heilungsförderndes Ineinanderübergreifen.Anwenderfreundlich und wirtschaftlich
HydroClean plus gewährleistet durch die kontinuierliche Abgabe der Ringerlösung, dass die Wunde
dauerhaft feucht gehalten wird und die Wundflächen nicht austrocknen. So wird ein
­atraumatischer, schmerzarmer Verbandwechsel möglich. Wird die Wundbehandlung nach der Reinigung und Konditionierung mit HydroTac fortgesetzt,
reguliert auch dieser Schaumverband
mit netzförmiger, feuchtigkeitsspendender Hydrogelbeschichtung die Feuchtigkeit in der Wunde. Phasenübergreifend
setzt HydroClean plus auch die Bildung von
Granulationsgewebe in Gang.
Sowohl HydroClean plus als auch HydroTac
können bis zu drei Tage auf der Wunde verbleiben.
Dies ist vor allem im ambulanten Bereich von hohem
praktischem Nutzen. Weniger Verbandwechsel bedeuten aber
nicht nur weniger Kosten, sondern auch weniger Ängste und
Schmerzen für den Patienten, weniger Gefahr der Traumatisierung der Wunde und weniger Sekundärinfektionen.
nPAUL HARTMANN Ges.m.b.H.
2355 Wiener Neudorf, Tel. +43-2236-64630-0
office@at.hartmann.info, at.hartmann.info01/16 DAS MEDIZINPRODUKT 27PFLEGE & HOME CAREGruppen­programm
u Wiener Adipositas Zentrum bietet mit der „Coping School“ ein neues Therapieangebot.
u Das Programm steht Menschen mit einem BMI ab 30 sowie vor oder nach einem
adipositaschirurgischen Eingriff offen.
u Ein neuer Gesundheitspass zur bariatrischen Operation ergänzt das Programm.
as Adipositas Zentrum im Krankenhaus Barmherzige
Schwestern Wien ist mit jährlich rund 400 stationären Aufenthalten, 1.200 Besuchen in den verschiedenen Adipositas­
ambulanzen sowie 600 Beratungsgesprächen eine der größten
Spezialeinrichtungen für krankhaft fettleibige Menschen in
Österreich. Ein interdisziplinäres Behandlungsteam aus innerer Medizin, Chirurgie, Anästhesie, Radiologie, physikalischer
Medizin, Psychotherapie, Diätologie, klinischer Psychologie
und speziell geschulten Pflegekräften arbeitet seit 2011 eng zusammen und bietet Betroffenen ein breites Behandlungsspektrum. Das Therapieangebot wurde jetzt um die „Coping School“
erweitert. In einem tagesklinischen Gruppenprogramm lernen
Betroffene medizinisch begleitet ihren Umgang mit dem Essverhalten, der Bewegung, aber auch mit den eigenen Gedanken
Über einen Zeitraum von acht Wochen trifft sich eine geschlossene Gruppe von maximal zehn Personen in der „Coping
School“, die von Prim. Univ.-Doz. Dr. Monika Graninger, Leiterin der III. Medizinischen Abteilung für Innere Medizin und
Psychosomatik, entwickelt wurde. „Adipositas hat viele verschiedene Ursachen, auf die wir speziell eingehen und den Be-troffenen ein ganzheitliches Behandlungsprogramm bieten. Ziel
ist es, die eigenen Ressourcen zu stärken und so aus der negativen Übergewichtsspirale zu kommen“, erklärt Graninger.Nachhaltigkeit der Behandlung
Auch der Ärztliche Direktor des Krankenhauses der Barmherzigen Schwestern Wien und Leiter des Adipositas Zentrums, Univ.Prof. Dr. Alexander Klaus, freut sich über den Ausbau des Zentrums: „Individuelle Beratung und Therapie und die Nachhaltigkeit
der Behandlung sind uns besonders wichtig. Mit der Coping
School können wir Menschen bereits ab einem BMI von 30 behandeln und so spätere Eingriffe möglicherweise vermeiden.“
Die Coping School startet mit einer internistischen Untersuchung im Adipositas Zentrum sowie einem therapeutischen
Gespräch. Danach erlernen die Betroffenen auf verschiedenen
Ebenen Bewältigungsstrategien für das krankhafte Übergewicht. Bewegung ist ein wesentlicher Bestandteil eines gesunden Lebensstils, für Betroffene geht es oft auch darum, wieder
in Bewegung zu kommen und sich mit ihrem Körper zu versöhnen. Der Schwerpunkt des Bewegungsprogrammes liegtIn der Coping School wird das Therapieangebot den speziellen Patientenbedürfnissen angepasst. Bewegung, Ernährung und Psyche werden ganzheitlich therapiert.28 DAS MEDIZINPRODUKT 01/16Fotos: © BHS Wien/Heidrun HenkeDPFLEGE & HOME CAREmit Kraft-Ausdauer-Training im Muskelaufbau. Dabei wird
gezielt auf die individuellen Möglichkeiten der Teilnehmer geachtet. Die spezielle Diätberatung erfolgt beim gemeinsamen
Kochen sowie in einem eigens für die Coping School entwickelten Genuss- und Geschmackstraining. Unter dem Motto
„Qualität statt Quantität“ überdenken die Teilnehmer ihr Essverhalten und lernen neue Ideen für wahren Genuss.
Mit den Psychotherapeuten können die Teilnehmer in einer
Gruppe von Menschen mit ähnlichen Problemen frei und offen
über sich und Schwierigkeiten, Ängste und Sorgen, aber auch
über Erfolge und Ressourcen sprechen. Die negative Abwärtsspirale soll unterbrochen werden. Gleichzeitig wird die soziale
und emotionale Kompetenz der Teilnehmer gestärkt. Wie in
einem Coaching erlernen sie neue Möglichkeiten und Strategien, mit Problemen umzugehen, sowie neue Fertigkeiten im
Umgang mit schwierigen Emotionen und Situationen. Am
Ende der Coping School erfolgt eine abschließende internistische Untersuchung. Bei Bedarf ist die Weiterbetreuung in der
internistischen Adipositas Ambulanz möglich. Ein regelmäßiges Gruppentreffen für die Absolventen ist geplant.
nIM GESPRÄCH
DGKS und Adipositas-Assistentin Birgit
­Emathinger, Adipositas Zentrum im Krankenhaus
Barmherzige Schwestern, Wien
Welche Vorteile hat ein eigenes Zentrum für die
Betreuung von Adipositaspatienten?
Menschen mit Adipositas haben viele Fragen zu den
verschiedenen Therapien, in der Erstberatung nehme
ich mir Zeit, diese Fragen zu beantworten und in Ruhe über die Möglichkeiten im
Zentrum zu informieren. Wir erheben hier einen aktuellen Status und planen mit
den Patienten gemeinsam den Therapieweg. Die Zahl der Erkrankungen nimmt
trotz vieler Informations- und Beratungsangebote immer weiter zu, sodass ein
niederschwelliger Zugang notwendig ist, welcher eine multidisziplinäre Zusammenarbeit und eine sehr individuell abgestimmte Therapie dringend erfordert.
Allein der Schritt zu einem Arzt ist ein Meilenstein für die Betroffenen.Das Adipositas-Team im Krankenhaus Barmherzige Schwestern in Wien.Welche Altersgruppe wird vorwiegend beraten?
Die Obergrenze liegt bei 65, wenn es um operative Behandlungen geht. Im
letzten Jahr hatten wir die meisten im Alter zwischen 40 und 50. Jüngere
Patienten versuchen es meist mit Diäten, erst wenn die Zahl der Fehlversuche hoch ist oder auch die Folgeerkrankungen zunehmen, dann kommen
Patienten zu uns ins Zentrum.
Wir haben viele Patienten aus sozial schwachen Verhältnissen oder mit Traumata aus der Kindheit. Da ist es mit einer Diät allein längst nicht getan.
Massive Essstörungen erfordern ein Bündel an Maßnahmen, damit wir überhaupt einen neuen Lebensstil andenken können. Viele haben schon einen
langen Leidensweg hinter sich, bis sie überhaupt zu uns kommen, entsprechend frustriert sind sie.Wo liegt konkret Ihre Aufgabe?
Ich sehe mich als Schnittstelle, die passenden Professionen für den Patienten zu vernetzen und die bestmögliche Therapie zu erzielen.Welche Lösungen gibt es hier?
Unser Beratungssystem funktioniert, daher sollte es ausgebaut werden und
österreichweit mehr Angebote zur Verfügung stehen. Übergewichtige Menschen sind für Spitäler eine große Herausforderung: Die Liegezeiten sind
selbst bei harmloseren Erkrankungen länger, die gesamte Versorgung erfordert Spezialprodukte, wie extrabreite Betten oder Türstöcke. Langfristig
muss mehr in Prävention investiert werden, schon bei Kindern und Jugendlichen.Gibt es spezielle Anforderungen in der Wundversorgung von
­Adipositaspatienten?
Auch darauf komme ich schon in der Erstberatung zu sprechen. Viele Patienten kommen bereits mit chronischen Wunden aufgrund von Folgeerkrankungen wie etwa Diabetes. Manche haben aber auch Anzeichen einer Mangelernährung, die sich auf eine Wundheilung negativ auswirkt.Welche Wünsche haben Sie an das System?
Eine Anerkennung der Thematik in der Gesellschaft. Skandinavische Länder
zeigen vor, dass ein Ausbau der Primärversorgung durchaus positive Auswirkung auf die Volksgesundheit hat. Ich freue mich, dass ich hier im Haus die
Möglichkeiten habe, diese Themen zu bearbeiten, und wünsche mir noch
mehr Bewusstsein für diese Thematik.01/16 DAS MEDIZINPRODUKT 29PFLEGE & HOME CAREWundinfektionen
­frühzeitig erkennen
u Wenn Infektionen rechtzeitig diagnostiziert werden, können damit hohe Folgekosten
und auch Schmerzen für den Patienten verhindert werden.
u Ein neuer Schnelltest liefert beim Verbandswechsel rasch und einfach verlässliche
u Die Anwendung ist auch in der Hauskrankenpflege möglich.
ie Zahl der Pflegebedürftigen in Österreich steigt und damit
auch die Problematik von Wundinfektionen. Bislang gibt es
vor allem für die häusliche Pflege kein System, mit dem eine
Infektion schnell und einfach frühzeitig erkannt werden kann.
Genau hier setzt das Start-up-Unternehmen Qualizyme an.
Der Startschuss für das Unternehmen fiel bereits im Jahr 2006
bei einer Forschungsarbeit an der TU Graz, bei der die Mikrobiologin Dr. Eva Sigl und die Chemikerin Dr. Andrea Heinzle
das Potenzial einer Methode zur frühzeitigen Infektionserkennung deutlich machten. 2012 gründeten sie das Start-up InFact,
jedoch fehlte es an Laborkapazitäten. Seit Mai 2014 arbeiten
die beiden Forscherinnen nun unter dem neuen Namen Qualizyme am ZWT (Zentrum für Wissens- und Technologietransfer
in der Medizin) Graz.Über das ZWT
Das Zentrum für Wissens- und Technologietransfer in der Medizin (ZWT) wird
vom Wirtschaftsressort des Landes Steiermark und der Medizinischen Universität Graz errichtet, wird aus Förderungsmitteln des Landes Steiermark und der
Europäischen Union (EFRE Mittel) kofinanziert und ist der erste Schritt zum neuen MED CAMPUS Graz. Dieser ist als „neuer Stadtteil für die Gesundheit“ konzipiert und in unmittelbarer Nähe zum LKH Graz angesiedelt. Das ZWT Graz bietet
Platz für rund 250 hochqualifizierte Arbeitsplätze. Auf rund 10.000 Quadratmeter
Fläche haben Unternehmen die Möglichkeit, Labor- und Forschungseinrichtungen zu mieten beziehungsweise steht Arbeitsplatz für Forschungseinrichtungen,
Spin-offs und Unternehmen im Life-Science-Bereich zur Verfügung. Ein geringer
Teil der Flächen ist noch verfügbar.
www.zwt-graz.at30 DAS MEDIZINPRODUKT 01/16Schnelltest ohne Labor
Sigl und Heinzle entwickelten eine Methode zur Infektionsdetektion, die die Hauskrankenpflege revolutionieren könnte.
„Bisher gibt es kein Produkt am Markt, mit dem man eine
Wundinfektion schnell und einfach frühzeitig erkennen kann“,
erläutert Sigl. Die einzige Methode zur Erkennung sind momentan mikrobiologische Analysen, die aber zwei bis drei Tage
dauern und für die ein Labor erforderlich ist.
Die Gründerinnen entwickelten einen Schnelltest, der im Zuge
eines Verbandswechsels schnell und einfach auch von einem
Laien angewendet werden kann. Mit einem Tupfer wird eine
Probe abgenommen, die in ein Testsystem kommt. Das Testsystem analysiert vier verschiedene Enzyme des Immunsystems, die vermehrt produziert werden, wenn sich eine Infektion ankündigt. „Wenn diese Enzyme in einer bestimmten
Konzentration vorhanden sind, verfärbt sich der Teststreifen.
Das Ergebnis ist damit so schnell verfügbar und so klar wie bei
einem Schwangerschaftstest“, erklärt Sigl.
„Wenn sich chronische Wunden infizieren, verzögert das den
Heilungsprozess und kann bis zum Tod durch Sepsis führen.
Auch die Kosten für die Behandlung sind beträchtlich“, weiß
Heinzle. „Wenn Infektionen rechtzeitig diagnostiziert werden,
können damit hohe Folgekosten und auch Schmerzen für den
Patienten verhindert werden.“
Die geplanten Kosten für das Qualizyme-Testsystem liegen bei
20 bis 30 Euro pro Testung. Momentan arbeitet man gerade an
der Kostenkalkulation für das Einsparungspotenzial im Vergleich zu mikrobiologischen Analysen, um eine teilweise Kostenübernahme durch die Krankenkassen zu ermöglichen.  n© Photographee.eu – Fotolia.comDKreuzkontaminationen
Das Produktportfolio von ArjoHuntleigh umfasst Reinigungs- und Desinfektionsautomaten,
­Reinigungsflüssigkeiten und modulare Pflegearbeitsräume, die speziell dafür entworfen wurden,
Kreuzinfektionen zu bekämpfen.Eine von der Weltgesundheitsorganisation WHO in 55 Spitälern und 14 Ländern durchgeführte Prävalenzstudie zeigt,
dass im Schnitt 8,7 % der Krankenhauspatienten eine nosokomiale Infektion (NI) aufweisen. Eine Clostridium-difficile-Infektion (CDI) ist die häufigste Ursache einer nosokomialen Diarrhö.
Eine hohe Rezidivrate – rund 20 % der Patienten sind betroffen
– macht die Behandlung problematisch. Durch die frühzeitige
Isolation von betroffenen Patienten könnte im Krankenhaus eine
Reihe von Kreuzkontaminationen verhindert werden. Dazu
braucht es aber nicht nur organisatorische Vorkehrungen rund
um die Reinigung, Desinfektion und Hygiene, sondern vor allem auch die passenden Produkte.Prophylaxe beginnt bei der Reinigungsleistung
Das Produktportfolio von ArjoHuntleigh umfasst dazu eine Reihe von Produkten, die helfen, einen optimalen und effizienten
Pflegearbeitsraum zu schaffen und eine umfassende Strategie für
den Infektionsschutz zu unterstützen. Dazu zählt ein breites Sortiment an leistungsfähigen, qualitativ hochwertigen Reinigungsund Desinfektionsautomaten, Reinigungsflüssigkeiten und modulare Pflegearbeitsräume, die speziell dafür entworfen wurden,
Kreuzinfektionen zu bekämpfen.
Der Reinigungs- und Desinfektionsautomat Ninjo bietet hohe
Flexibilität und verschiedene Auswahlmöglichkeiten. Er ist als
freistehende Einheit oder Untertischmodell erhältlich. Eine Serie von Hochdruckwasserstrahlzyklen, die durch strategisch
platzierte, feste und rotierende Düsen erfolgen und auf die eine
Dampfphase folgt, erzielt ein Ergebnis, dass die strengen Reinigungs- und Desinfektionsanforderungen der Richtlinie ISO
15883 nicht nur erfüllt, sondern sogar übersteigt.Hygienische Prozesse sicherstellen
Entgeltliche Einschaltung© Photographee.eu – Fotolia.comPFLEGE & HOME CAREDer Tornado ist ein weiteres Modell eines Reinigungs- und
Desinfektionsautomaten von ArjoHuntleigh, das speziell darauf ausgelegt ist, Optionen und Funktionen zur Bekämpfung
von Kreuzinfektionen bereitzustellen und effektive Infektionsverhütungs- und -schutzroutinen noch weiter zu unterstützen.
Auch bei diesem Modell sorgen Hochdruckwasserstrahlzyk-Wirksame Prophylaxe funktioniert, wenn Reinigung, Desinfektion und
­Hygiene Hand in Hand gehen.len für ein Ergebnis, dass die Vorgaben der Richtlinie ISO
15883 sogar übersteigt.
Der Steckbeckenspüler Typhoon sorgt für eine hygienische
Handhabung von wiederverwendbaren Utensilien, wie zum Beispiel Steckbecken, Urinflaschen, Saugflaschen und Nachtstuhleimern. In einer ergonomisch richtigen Arbeitshöhe wird
der Typhoon mit den Steckbecken und anderen Utensilien bestückt. Die platzsparende Schiebetür rastet ein und die Halterung dreht automatisch auf 150°, um so die Behälter vor der
Desinfektion zu leeren. Dadurch sind das versehentliche Verschütten des Behälterinhalts und ein Verspritzen ausgeschlossen.
Durch ein Glasfenster kann der Benutzer den Desinfektionsverlauf zu einem beliebigen Zeitpunkt während der kurzen Zykluszeiten auf einen Blick prüfen. Der Fotozellensensor an der Tür
hilft dem Personal, die hygienischen Prozesse einzuhalten. Nach
Beendigung des Zyklus wird die Tür automatisch leicht geöffnet, um das Trocknen und Abkühlen zu beschleunigen.
nArjoHuntleigh GmbH
Tel. +43-1-86656 4205
www.getingegroup.com01/16 DAS MEDIZINPRODUKT 31POLITIK, VERWALTUNG & MANAGEMENTRückblick: 9. qualityaustria GesundheitsforumLeadership gegen die Krise?
u Die neue Fassung der ISO 9001:2015 nimmt Führungskräfte vermehrt in die Pflicht.
u Qualität muss zur Chefsache werden und soll Ressourcen frei machen.ie kann jemand eine Abteilung oder Klinik führen, wenn er
acht Stunden oder mehr im OP steht?“, bringt Dr. Günther
Schreiber, Projektmanager und Koordinator der Branche Gesundheitswesen bei Quality Austria, die aktuelle Problematik auf
den Punkt und verweist auf den dringenden Handlungsbedarf
durch steigende Herausforderungen an das Personal und die
Leistungen in der Gesundheitsbranche. Die stetig wachsenden
Anforderungen bedürfen nach Ansicht des Experten noch mehr
Leadership und der Fokussierung auf Qualität. Der Status quo in
Österreich erschwert allerdings eine Besetzung von Führungskräften im Sinne von Leadership, da meist der beste Chirurg als
Leiter eingestellt wird. Und die Zahlen sprechen für sich, wie
Schreiber aus deutschen Umfragen weiß: „45 % der deutschen
Chefärzte geben an, dass sie einen Zielkonflikt zwischen
­wirtschaftlichem Druck und medizinischer Entscheidung haben
und in den letzten sechs Monaten mindestens einmal aus ökono-Die Zielkonflikte zwischen
Ökonomie und medizinischen
Entscheidungen werden zur
Belastungsprobe.32 DAS MEDIZINPRODUKT 01/16mischen Überlegungen eine Leistung vorenthalten haben.“
­Angesichts dieser Aussagen stellt sich doch die Frage, wie das
System überhaupt dem ständig wachsenden Bedarf einer älter
werdenden Bevölkerung gerecht werden kann. „Das Wichtigste,
worauf wir uns im Gesundheitswesen fokussieren müssen, ist
die Qualität. Medizin ist dann gut, wenn sie dem Patienten hilft,
und das kann nicht nur immer die ökonomisch beste Entscheidung sein. Gleichzeitig kann Qualität kein Thema werden, wenn
in den meisten Spitälern nicht einmal die Ressourcen für den
normalen Betrieb sichergestellt werden können“, beschreibt
Schreiber das Dilemma.Qualität wird zur Chefsache
Dennoch lassen sich viele Spitäler als sichtbaren Ausdruck von
Qualität nach ISO 9001 zertifizieren und setzen damit wohl auf
das richtige Pferd, denn nur ein gelebtes Qualitäts- und Risikomanagement ist der Ansatz für einen Ausweg aus der Krise.
Langfristig werden nämlich gerade jene Einrichtungen mit den
niedrigsten Kosten punkten, die ihre Organisation verstehen, die
Erwartungen der Mitarbeiter und Patienten beachten und an einer kontinuierlichen Verbesserung arbeiten – kurz: ein Qualitätsmanagementsystem implementieren, aber – noch viel wesentlicher – einen Kulturwandel einleiten, der zu mehr Zusammenarbeit,
zu einer lernenden Organisation auf Basis einer ausgeprägten
Fehlerkultur und schließlich zu mehr Menschlichkeit in der Medizin führen wird. Dieser Kulturwandel erfordert mehr als nur
„Management“ von Gesundheitseinrichtungen, das sich vorwiegend auf Planung, Organisation, Steuerung und passives Problemlösen konzentriert. Gefragt ist Leadership – ein Führungskonzept, das Richtung gibt, motiviert, inspiriert und aktiv
Veränderungen einleitet.
Während in der bisherigen Fassung der ISO 9001:2008 die „Verantwortung der Leitung“ für ein qualitätsgerechtes Handeln in
die Pflicht genommen wurde, nennt die neue Fassung ISO
9001:2015 nun das Thema sehr deutlich beim Namen: In Kapitel
fünf heißt es „Führung“, damit wird Qualität eindeutig zur Chefsache und fordert die Einbeziehung, Anleitung und Unterstützung von Personen, um ein Qualitätsmanagementsystem auch
wirksam zu leben.© Luis Louro – shutterstock.com„W© Luis Louro – shutterstock.comFührungspersonen müssen Verantwortung für die Qualitätspolitik und -ziele übernehmen und dafür sorgen, dass in der Organisation ein Qualitätsbewusstsein entsteht. Das erfordert vor allem
ein risikobasiertes Denken, eine Prozess- und Ergebnisorientierung, aber auch die Einbeziehung der Mitarbeiter und setzt voraus, dass der „Kontext der Organisation“ verstanden wird – was
ist der Zweck eines Spitals, welche Einflussfaktoren spielen eine
Rolle und welche Ansprüche und Erwartungen gilt es zu erfüllen. Dieses Umfeld ist bei Weitem nicht so trivial, wie es auf den
ersten Blick scheint: „Neue Forschungsergebnisse, innovative
Produkte und Techniken, aber auch rechtliche Rahmenbedingungen müssen laufend abgestimmt werden und gleichzeitig
den vielen Anspruchsgruppen gerecht werden“, so Schreiber.
Wie das gelingen kann, beschreibt die Norm: „Indem von der
Führung sichergestellt wird, dass die Qualitätspolitik festgelegt
und mit der strategischen Ausrichtung der Organisation vereinbar ist.“Kommunikation als Führungsaufgabe
In der Norm geht es neben dem Thema Führen auch um Kommunikation und wie mit Change-Management-Prozessen erfolgreich umgegangen werden kann. Krankenhäuser sind sehr
komplexe Systeme, die unterschiedliche Interessenpartner – von
Patienten und Eigentümern bis hin zu Wissenschaft und Lehre
– bedienen müssen. Dass in diesem Konnex „Führung“ kein einfaches Unterfangen ist, weiß auch Univ.-Prof. Dr. Gabriela-Verena Kornek, Ärztliche Direktorin des AKH Wien.
Immerhin müssen hier neben rund 104.000 stationären Patienten
pro Jahr auch noch rund 1,2 Mio. ambulante Besucher betreut
werden. Dem stehen 9.400 Mitarbeiter, darunter ca. 1.500 Ärzte,
gegenüber. Daher komme dem Kommunikationsprozess hinsichtlich interner und externer Stakeholder eine besondere Bedeutung zu. Dazu braucht es Kommunikationsstrukturen und
einen entsprechenden Prozess, um diese Komplexität zu bewältigen: „Es ist wichtig, dass die Kommunikation zwischen den
Schnittstellen gepflegt und Qualitätsmanagement vom gesamten
Team gelebt wird“, so Kornek.Klinisches Risikomanagement
Schreiber ging weiteren Trends im Gesundheitswesen nach und
präsentierte aktuelle Studien und Statistiken aus Deutschland
und Europa rund um das Dauerbrennerthema Qualität und Sicherheit im Krankenhaus. Von der Behandlungsfehler-Begutachtung der MDK-Gemeinschaft in Deutschland wurden 14.663
Verdachtsfälle im Jahr 2014 untersucht. Bei mehr als einem
Viertel waren Behandlungsfehler mit einem Schaden festgestellt
worden, bei über einem Fünftel wurde auch eine Kausalität für© Anna RauchenbergerLinks: Dr. Günther Schreiber, Projektmanager und
Koordinator der Branche Gesundheitswesen bei
Mitte: Dr. Lars-Peter Kamolz, Abteilungsleiter Plastische Chirurgie, LKH-Universitätsklinikum Graz
Rechts: Univ.-Prof. Dr Gabriela-Verena Kornek,
Ärztliche Direktorin, AKH Wienden Schaden nachgewiesen. Laut der Studie „Special Eurobarometer 411 – Patient Safety and Quality of Care Report“ wird
geschätzt, dass 8 bis 12 % der Patienten ein unerwünschtes Ereignis erfahren, wie nosokomiale Infektionen, Medikamentenfehler, chirurgische Fehler oder Diagnosefehler. Einer von 18
Patienten zieht sich eine nosokomiale Infektion zu. EU-weit
­bedeute dies geschätzte 4,1 Mio. Patienten mit nosokomialen
Infektionen und mindestens 37.000 Patienten, die daran sterben.
Allerdings könnten 20 bis 30 % dieser Fälle verhindert werden,
wenn Hygienemanagement im Krankenhaus als Schwerpunkt
definiert wird. „Die Antwort ist konsequentes klinisches Risikomanagement, an Qualitätsmanagement kommt daher keiner vorbei“, ist Schreiber sicher. Qualitätsmanagement heißt aber auch,
eine Fehlerkultur zu entwickeln, Korrektur- und Vorbeugemaßnahmen müssen dabei Hand in Hand gehen.Change Management im Gesundheitswesen
Dass die mehrdimensionalen Anforderungen an die Gesundheitsorganisationen einen strukturellen Wandel benötigen, bestätigte auch Dr. Lars-Peter Kamolz, Abteilungsleiter Plastische
Chirurgie, LKH-Universitätsklinikum Graz. Die Anforderungen
an die Organisationen des Gesundheitswesens sind nach seiner
Erfahrung bereits in der Vergangenheit durch die demografische
Entwicklung, aber auch den Arbeits-, Zeit- und Kostendruck gestiegen und würden durch neue Technologien künftig noch weiter ansteigen. „Wir müssen führen und managen. Die alten hie­
rarchischen Strukturen funktionieren nicht mehr“, so Kamolz,
daher komme Kommunikation in Phasen der Veränderung eine
zentrale Bedeutung zu: „Geredet wird viel, aber zu wenig kommuniziert.“ Er präsentierte dazu das Modell der „Transformationalen Führung“, das darauf setzt, Vertrauen aufzubauen und
Ziele transparent zu kommunizieren. „Die Ziele müssten realistisch sein. Transparenz ist wichtig und wird mit Kennzahlen geschaffen“, so Kamolz.
Transparenz ist aber nicht nur im internen Betrieb, sondern gegenüber den Patienten ein zentrales Schlagwort. Patienten werden bei der Wahl des Gesundheitsbetriebes zunehmend dessen
Reputation und die Meinung anderer Patienten in ihren Entscheidungsprozess einfließen lassen. Im Internet machen bestehende Weiterempfehlungsplattformen für Gesundheitsbetriebe
schon jetzt die Bewertung der Ergebnisqualität durch Patienten
möglich. Laut Eurobarometer Studie spiele in den Niederlanden
der Nachweis einer Zertifizierung bei 30 % der Befragten bereits
eine große Rolle. Der Ruf eines Krankenhauses wird daher in
Zukunft immer wichtiger. „In den Gesundheitsbetrieben ist daher ein Kulturwandel einerseits, aber auch eine Verbesserung der
Qualität gefragt. Die Norm ist ein Werkzeug, um Change-Management-Projekte zu unterstützen“, so Schreiber. 
n01/16 DAS MEDIZINPRODUKT 33BRANCHENNEWS34 DAS MEDIZINPRODUKT 01/16Neue Chancen bei Schlaganfall
Österreichweit werden im Krankenhaus Göttlicher Heiland die ältesten Patienten nach einem Schlaganfall behandelt. Durch das spezielle Know-how in Altersmedizin ist die Erfolgsrate dennoch gleich hoch wie im Bundesschnitt. Darüber hinaus bietet eine neue
Behandlungsmethode – die mechanische Entfernung eines Blutgerinnsels – neue Möglichkeiten in der Therapie. Betroffene können meist früher entlassen werden und sind in
einem besseren Allgemeinzustand. Auch die Überlebenschancen der Patienten sind signifikant höher: Deutlich mehr Menschen können nach der Behandlung in der Stroke Unit des
Krankenhauses Göttlicher Heiland wieder nach Hause zurückkehren, statt in ein Pflegeheim überwiesen zu werden. Die Gründe für diesen Erfolg liegen in der Spezialisierung des
Krankenhauses. „Ältere Menschen leiden oft an mehreren Krankheiten gleichzeitig. Durch
die ganzheitliche Betrachtung der Patienten können frühzeitig Risikofaktoren und mögliche
Komplikationen ausgeschlossen werden“, betont Prim. Doz. Dr. Wolf Müllbacher, Vorstand
der Abteilung für Neurologie im KH Göttlicher Heiland. „Ein Durchbruch in der Schlaganfalltherapie ist seit Kurzem die mechanische Thrombektomie, die Entfernung eines Blutgerinnsels aus einem Blutgefäß mittels Katheter“, erklärt Müllbacher.
www.khgh.atOb an der Schulter, am Knie, der Hüfte, am
Fuß oder an der Hand – viele orthopädische
Eingriffe werden heutzutage arthroskopisch
durchgeführt. Für den Patienten ergibt dies
erhebliche Vorteile, etwa eine schnellere
Wundheilung, baldige Mobilisation und weniger Schmerzen. Die Operation selbst kann
präziser durchgeführt werden, orientieren
können sich die Operateure beim Arthroskopieren durch Live-Bilder, die auf einem Monitor angezeigt werden. Doch es kommt nicht
nur auf die ärztliche Kunst an, wie präzise der
Eingriff gelingt, sondern auch auf das Instrumentarium. Im Orthopädischen Spital Speising setzt man auf sechs neue Arthroskopietürme, die vor allem durch die erheblich
verbesserte Bilddarstellung des Operationsgebietes am Monitor bestechen. Die Auflösung des Bildes ist viermal schärfer als beiErheblich verbesserte Bilddarstellung des
Operationsgebietes am Monitor
handelsüblichen HD-Systemen. Das Arthro­
skopieturm-System ermöglicht auch ein Abspeichern des Arthroskopie-Videos auf einer
eigenen App. Somit können Videosequenzen
dem Patienten oder Fachkollegen an Sympowww.oss.at
sien gezeigt werden. © s_l , © PureSolution– Fotolia.de, © pdesign, RATOCA – shutterstock.comNeues Arthroskopie-Tool© Leremy – shutterstock.comDie Ordinationen im niedergelassenen Bereich
können die entstehenden Engpässe nicht kompensieren. Zum anderen ist die Diagnostik und
Therapie von Patienten mit chronischen Schmerzen zeitlich aufwendig und wird von den Krankenkassen nicht annähernd abgegolten. Dazu
kommt, dass viele der innovativen Analgetika
chefarztpflichtig sind und eine Verschreibungsgenehmigung für diese im niedergelassenen Bereich oft nur schwer zu bekommen bis unmöglich
ist. „Bei der Beurteilung der Refundierung durch
den Hauptverband steht leider vor allem das Kriterium der vergleichbaren Schmerzlinderung im
Fokus. Dass die Verträglichkeit besser ist, ein entscheidender Aspekt für die Lebensqualität, findet
leider keine Berücksichtigung“, kritisiert Jaksch.
Hoffnung setzen die Schmerzspezialisten jetzt
auf das Ergebnis einer parlamentarischen Initiative der Grünen, auf die sich kürzlich alle Parteien
verständigt haben: Die Gesundheit Österreich
GmbH soll von der Gesundheitsministerin mit der
Grundlagenarbeit für Bundesqualitätsstandards
zur Verbesserung der Versorgung von Schmerzpatienten beauftragt werden.
© www.bigshot.at/Christian JungwirthKein gutes Zeugnis erhält Österreich im Europavergleich, wenn es um die Versorgung von
Schmerzpatienten geht. „Angesichts des finanziellen Drucks im Gesundheitssystem spitzen sich
die Probleme bei der Versorgung der rund
1,5 Millionen chronischen Schmerzpatienten in
Österreich zu. Ein zentrales Problem ist, dass es
bisher nie einen Top-down-Prozess für eine
strukturierte Planung der Versorgung gegeben
hat, der auch ausreichende gesundheitspolitische Unterstützung genossen hätte“, sagt OA Dr.
Wolfgang Jaksch, DEAA, Präsident der Österreichischen Schmerzgesellschaft (ÖSG).
Vorhandene Strukturen wie spezialisierte
Schmerzambulanzen oder Akutschmerzdienste in
Krankenhäusern würden bisher in erster Linie auf
dem persönlichen Engagement Einzelner basieren,
aufgrund von mangelnden Zeit- und Personalressourcen drohten solche Strukturen allerdings immer mehr zusammenzubrechen, warnt Jaksch.Prim. Doz. Dr. Wolf Müllbacher und Patientin© ArthrexVersorgungsdefiziteÜber das internetbasierte Netzwerk TKmed®
(Telekooperation in der Medizin) tauschen
deutsche Unfallchirurgen und Radiologen
lebenswichtige Informationen aus. In Kürze
sollen auch Patienten Zugriff auf ihre Daten
erhalten. Für die Entwicklung der OnlinePlattform erhält der Medizininformatiker
Professor Dr. Ing. Martin Staemmler im Rahmen des Deutschen Kongresses für Orthopädie und Unfallchirurgie (DKOU) den Innovationspreis der Deutschen Gesellschaft für
Unfallchirurgie (DGU).
www.tkmed.orgKampf den
­Krankenhausinfektionen© s_l , © PureSolution– Fotolia.de, © pdesign, RATOCA – shutterstock.com© Leremy – shutterstock.comNetzwerk übermittelt
­Daten von Schwer­
verletzten bundesweitDie Universitätsklinik für Krankenhaushygiene
und Infektionskontrolle der Medizinischen Universität Wien ist das nationale Referenzzentrum
für nosokomiale Infektionen und hat kürzlich gemeinsam mit dem Bundesministerium für Gesundheit (BMG) die zweite Punkt-Prävalenz-Untersuchung in 51 heimischen Krankenanstalten
abgeschlossen – das Ergebnis: Österreich liegt
im Europa-Vergleich im guten Mittelfeld.
Laut Hochrechnungen des ECDC (European Center for Disease Prevention and Control) erkranken
rund 6 Prozent der Patienten in einer europä­
ischen Krankenanstalt an einer nosokomialen Infektion und rund 3 Millionen jährlich mindestens
an einer HAI (hospital acquired infection). In der
nun vorliegenden Prävalenzstudie für Österreich
hatten von 13.814 Patienten insgesamt 727 eine
HAI, das sind 5,3 Prozent. Im Vergleich zur bisher
letzten derartigen Untersuchung im Jahr 2012 ist
das eine leichte Verbesserung – damals lag die
Prävalenzrate bei 6,2 Prozent. Weitere Maßnahmen wie Trainings, Audits und Feedback sowie
Strukturmaßnahmen zur Bekämpfung der häufigsten Krankenhausinfektionen sollen nachhaltig
helfen, die Quote weiter zu senken. Die nächste
Prävalenz-Untersuchung ist bereits in Planung
und soll 2017 abgeschlossen sein.
www.meduniwien.ac.at90 Jahre Unfallchirurgie
Mit einer Festveranstaltung im UKH Wien Lorenz Böhler wurde kürzlich die Begründung der intramuralen Unfallmedizin vor 90 Jahren in Wien gefeiert. Die Erkenntnisse und Techniken, wie sie
der Mediziner Lorenz Böhler in Wien im weltweit ersten Unfallkrankenhaus praktizierte, waren
wegweisend für Unfallchirurgen in aller Welt. Die Wiener Krankenhäuser der AUVA, das UKH
Wien Lorenz Böhler und das UKH Wien Meidling, setzen diese Tradition fort.
Am 1. Dezember 1925 nahm das weltweit erste Unfallkrankenhaus seinen Betrieb in der Webergasse im 20. Wiener Gemeindebezirk in unmittelbarer Nähe zur Friedensbrücke auf. Sein erster
Ärztlicher Leiter ist heute noch Namensgeber eines der beiden Nachfolgehäuser: Lorenz Böhler
hat die Unfallmedizin geprägt wie kaum ein Zweiter in Europa. Medizinisch geleitet wird des UKH
Wien Lorenz Böhler seit Anfang 2015 von Prim. Priv.-Doz. Dr. Thomas Hausner. „Europa schaut
auf Wien und seine Unfallchirurgie“, weiß der Mediziner, der auch am Ludwig-Boltzmann-Institut, das sich am heutigen Standort des UKH Wien Lorenz Böhler in der Donaueschingenstraße
angesiedelt hat, forscht. Erst kürzlich hat er sich zum Thema „Innovative Wege in der Behandlung peripherer Nerven nach Verletzungen“ habilitiert.
www.auva.atVernetzungskonzept überzeugte
Seit rund eineinhalb Jahren vernetzt die
Krebsakademie am Krankenhaus der Barmherzigen Schwestern Linz auf hochinnovative
Weise Spital, niedergelassene Fach- und
Hausarztordinationen, Pflegedienste sowie die
betroffenen Patienten und deren Angehörige. Das völlig neuartige Konzept
wurde in Berlin mit dem KlinikAward 2015 in der Kategorie
„Bestes Zuweisermarketing“
ausgezeichnet. Mit dem Klinik-Award werden hervorragende Leistungen im Bereich
Klinikmarketing des deutschsprachigen Raums auf die
Bühne geholt. Mehr als 100
Einreichungen aus Österreich,
Deutschland und der Schweiz stellten
sich einer kombinierten Jury- und Publikumswertung.
Für das Krankhaus der Barmherzigen Schwestern Linz ging die „Krebsakademie“ an denStart und überzeugte Juroren und Fachpublikum mit seinem innovativen Ansatz, durch
den in kürzester Zeit eine tragfähige Brücke
zwischen Oberösterreichs Onkologischem
Leitspital und dem niedergelassenen Bereich
entstanden ist. Die Krebsakademie
öffnete 2014 die Tür zu den
Fach- und Hausärzten, integriert Therapeuten, mobile
Pflege und Arztassistentinnen und bald auch das
Know-how der Apotheken. Alle Gruppen lehren
und lernen gemeinsam
mit- und voneinander. Das
Erfolgsprojekt baut wechselseitige Vorbehalte ab, sorgt für
intensiven Austausch und damit einen nachhaltigen Zuwachs an wechselseitigem Wissen und Verstehen.
www.krebsakademie.at, www.klinikaward.org01/16 DAS MEDIZINPRODUKT 35Dr. Karlheinz Kornhäusl,
der Bundeskurie Angestellte
Ärzte der Österreichischen
Ärztekammer (ÖÄK) und
Obmann der Bundessektion
TurnusärzteMehr Zeit für Medizin
u Im November 2015 wurden die österreichischen Turnusärzte in Ausbildung zum
Facharzt erstmals via Online-Befragung zur Evaluierung ihrer Ausbildungssituation
u Obwohl die fachärztliche praktische Ausbildung in den heimischen Spitälern gut
­abschneidet, wurde punktuelles Verbesserungspotenzial deutlich.
ie Durchschnittsnote auf der Schulnotenskala liegt mit 2,36
über dem letzten Ergebnis der Evaluierung der Ausbildung
in der Allgemeinmedizin. Dennoch gibt es einige wichtige Verbesserungsmöglichkeiten, die wir schleunigst in Angriff nehmen sollten“, fasste Dr. Karlheinz Kornhäusl, stellvertretender
Obmann der Bundeskurie Angestellte Ärzte der Österreichischen Ärztekammer (ÖÄK) und Obmann der Bundessektion
Turnusärzte, die Resultate zusammen.Gute Ausbildung als moralische Verpflichtung
Die Entlastung der Ärzteschaft durch Delegation von Tätigkeiten des mitverantwortlichen Bereiches an das Pflegepersonal
wurde ebenfalls als essenziell für einen guten Lernerfolg genannt. „Krankenanstaltenträger müssen gute Ausbildung als
eigene Verpflichtung wahrnehmen und entsprechende Zeitund Personalressourcen für die Ausbildenden freimachen“,
fordert Kornhäusl. Dazu fordert der Kammervertreter vor allem eine strukturierte Ausbildungsassistenz zur Entlastung der
Ärzte von Administrations- und Dokumentationsaufgaben sowie Maßnahmen zur Qualitätssicherung der Ausbildung. Unter
dem Strich sollte dann mehr Zeit für Medizin, mehr Zeit für
Wissensvermittlung und -aneignung sowie mehr Zeit für den
Patienten übrigbleiben.
Dass mit diesen Maßnahmen auch eine Planungssicherheit für
die gesamte Arztkarriere möglich wird, schafft wiederum die
Basis dafür, dass der Beruf an Attraktivität gewinnt. Eine aktive
Fortbildungsunterstützung durch Freistellung und Kostenübernahme vonseiten der Arbeitgeber sowie familienfreundliche
Maßnahmen wie Teilzeitarbeit oder Angebote für eine Kinderbetreuung würden nach Ansicht Kornhäusls dafür sorgen, dass
Ausbildungsärzte den „Arbeitsplatz Spital“ als durchaus erstre-36 DAS MEDIZINPRODUKT 01/16benswert und vor allem bleibenswert sehen. Die fixe Implementierung von „Ausbildungs-Oberärzten“ und die Schaffung von
Skill- und Trainingszentren in ganz Österreich wären ebenso
wichtige Maßnahmen, um das Portfolio für eine bessere Ausbildungs- und Arbeitssituation in der Medizin zu verbessern.Fachärztliche Ausbildung schneidet besser ab
Prinzipiell wird die fachärztliche Ausbildung etwas besser beurteilt als die allgemeinmedizinische: 77 Prozent der Befragten geben an, dass die fach- und abteilungsspezifischen Kenntnisse und Fertigkeiten „zur Gänze“ bzw. „zu einem großen
Teil“ vermittelt worden seien. Bei der Evaluierung der allgemeinmedizinischen Ausbildung lag der Anteil derer, die sich
gut ausgebildet fühlten, zuletzt bei 38 Prozent.
Bei der Auswertung haben sich fünf Faktoren herauskristallisiert, die für die Bewertung der Ausbildung und des Lernerfolgs an einer Abteilung entscheidend waren: die Qualität und
Umsetzung eines guten Ausbildungskonzepts, die Rahmenbedingungen für den Ausbildner, gute Rotationsmöglichkeiten,
das Bemühen des Ausbildungsverantwortlichen um die Ausbildung und ein häufiges Feedback durch den Vorgesetzten. „Die
Prioritäten sind hier ganz klar ersichtlich. Aus der Beantwortung der Fragen lässt sich ablesen, dass beispielsweise ein Ausbildungskonzept sehr hoch bewertet wird. Dort, wo Ausbildungskonzepte vorhanden sind, erhielten sie im Schnitt die
Note 2,0, ihre Umsetzung wurde durchschnittlich mit 2,4 bewertet.“ Allerdings hätten nur 41 Prozent der Befragten angegeben, dass es an ihrer Abteilung überhaupt ein Ausbildungskonzept gibt. Immerhin 31 Prozent der Befragten wissen nicht,
wer ihr Ausbildungsverantwortlicher ist. „Ein Schandfleck,
den wir beseitigen müssen“, fordert Kornhäusl. 
n© BillionPhotos.com – Fotolia.com„DIm GesprächWider den Preiskampf
Seit über 20 Jahren beschäftigt sich die Allensbacher Managementberatung K.O.M. GmbH mit
innovativen Konzepten zur Marktbearbeitung im Gesundheitswesen. Nun wurde eine aktuelle
­ esundheitsbranche zu bewerten.
Studie durchgeführt, um die Situation des Preiskampfes in der G
Einblick in die Ergebnisse gibt Winfried Neun, ­geschäftsführender Gesellschafter der K.O.M. GmbH.
Was war der Anlass für die repräsentative Studie zum Thema
Preiskampf im Gesundheitswesen?
Neun: Wir hatten vor dieser Untersuchung eine Studie zum Thema Folgekosten durch Produktmängel durchgeführt und dabei
festgestellt, dass viele medizintechnische Unternehmen unter
hohem Preis- und Margendruck leiden. Dies führt nicht selten zu
einer Preisschlacht, bei der oft die Qualität der Produkte und
damit auch die Effizienz in den Krankenhäusern verloren gehen
Welchen Einfluss hat das auf Patientenversorgung und
Patientensicherheit im Krankenhaus?
Wir haben festgestellt, dass die Unternehmen oftmals keinen anderen Ausweg aus dem Preiskampf wissen, als teilweise an der Produktqualität zu sparen – ein Zustand,
der sicherlich auf Dauer nicht befriedigend,
wenn nicht sogar gefährlich wird für den Einkauf im Krankenhaus, aber auch für die anbietenden Unternehmen.© janvier – Fotolia.com© BillionPhotos.com – Fotolia.comWinfried Neun, geschäftsführender
Gesellschafter der K.O.M. GmbHWelchen Ausweg sehen Sie aufgrund der
Die aktuelle Studie hat gezeigt, dass zwar über
60 % der befragten Unternehmen an einem derartigen Preiskampf leiden, aber schon seit Längerem nach einem Ausweg suchen – mit manchmal mehr
und manchmal weniger Erfolg. Dabei zeigte sich jedoch bei näherer Betrachtung der Studienergebnisse, dass es einen sehr
konsequenten und erfolgversprechenden Ausweg aus diesem
Dilemma geben könnte.
Die Krankenhäuser selbst gaben mit über 75 % in dieser Studie
an, dass sie sehr gerne mehr innovative Impulse von der Indus­
trie erwarten würden – Impulse, die sich nicht nur auf Produkte
beziehen, sondern vielmehr auf ganze Systeme, die auch eine
Vielzahl von innovativen Dienstleistungen beinhalten. Einige
Ideen waren zum Beispiel die intensivere Beratung bei einem
optimierten Produkteinsatz, die bessere Verfügbarkeit von Ersatzteilen, die bessere Prozessunterstützung oder eine Vereinfachung der Beschaffungswege und der Produktverwaltung.Was bedeutet das nun für die Medizinprodukte-Unternehmen?
Aus unserer Studie lassen sich drei zentrale Ansätze für die Industrie erkennen:
1. Strategisches Verkaufen aktiv leben, das heißt, dass Unternehmen sich viel früher mit den bewussten und latenten Bedürfnissen
ihrer Kunden auseinandersetzen müssen. Nur wenn es gelingt, sehr
strategisch den Kundenbedarf zu ermitteln und dabei das Buying
Center im Krankenhaus zu integrieren, ist ein langfristiger Erfolg
möglich. 2. Weg vom Produkt hin zum System, das heißt, dass
einzelne Produkt ausgedient haben. Die Krankenhäuser suchen
nach kompletten Systemen, um den Prozess der Bedarfsdeckung
zu vereinfachen und Risiken zu minimieren. Das führt dazu, dass
ganz neue und bisher eher vernachlässigte Dienstleistungen und
Servicepakete entstehen. 3. Servicestrategie unterstützt Produktstrategie. So einfach und simpel sich dies auch anhört, aber bei 43 % der befragten Unternehmen existiert keine durchdachte und produktergänzende
Servicestrategie, mit der auch noch Geld verdient
Haben Sie ein konkretes Beispiel für mögliche
Inhalte einer solchen Servicestrategie?
Ja, im Rahmen der Studie gaben uns die Krankenhäuser eine Vielzahl von Ideen und Wünschen für eine
„Rundum-sorglos-Strategie“, die teilweise auch bezahlt
werden würde. Ein markantes Beispiel war der „Produktauffrischungsservice“, also eine Dienstleistung wie eine Art Kundendienst für gebrauchte Produkte oder Anlagen und die Hygieneunterstützung zur Vermeidung von Infektionen, um nur zwei
Beispiele von vielen zu nennen.
Was ist Ihr zentrales Fazit aus dieser aktuellen Studie?
Dass die Unternehmen eine Vielzahl von Möglichkeiten hätten,
sich aus dem Preiskampf herauszuziehen. Gleichgültig ob es eine
andere Form des Verkaufs in Richtung des strategischen Verkaufens oder des Aufbaus von Systemen mit innovativen Serviceansätzen ist: Alle Ansätze ermöglichen den Unternehmen, höhere
Preisspannen – bis zu 20 % mehr – zu realisieren. Aus meiner
Sicht ist das ein lohnender Ansatz, um darüber nachzudenken. n01/16 DAS MEDIZINPRODUKT 37POLITIK, VERWALTUNG & MANAGEMENTWiener Spitalskonzept 2030
Der Wiener Krankenanstaltenverbund (KAV) sorgt mit neuen
Strukturen dafür, dass die Spitalsversorgung in einer wachsenden und zugleich alternden Hauptstadt gesichert bleibt. Zum
Jahresende wurde dazu die Planung für den Medizinischen Masterplan und die Master-Betriebsorganisation – den Entwicklungs-, Modernisierungs- und Investitionsprogrammen – im
KAV abgeschlossen. Im Mittelpunkt stehen die Schaffung von
medizinischen Schwerpunkten und Zentren, die Bündelung von
Leistungen und Qualifikationen sowie neue Formen der betrieblichen Abläufe.Medizinischer Masterplan
Die medizinische Versorgung Wiens wird in Zukunft in drei Regionen organisiert. In jeder Region gibt es zwei Partnerspitäler,
deren Leistungsangebot aufeinander abgestimmt und einander
ergänzend ist. Das AKH bleibt als Universitätskrankenhaus in38 DAS MEDIZINPRODUKT 01/16vollem Umfang und mit seinem derzeitigen Leistungsangebot
bestehen. An allen Standorten werden auch in Zukunft medizinische Grundversorgung und jeweils definierte Schwerpunkte angeboten. In den Spitälern werden Zentren geschaffen, die Knowhow und Kompetenzen aus verschiedenen Fachrichtungen
bündeln. Das schafft beste Voraussetzungen für die Weiterentwicklung der Versorgungsqualität. Die Regionen und Partnerspitäler sind das Krankenhaus Hietzing und das Wilhelminenspital (Region West), das Krankenhaus Nord und Donauspital
(Region Nord/Ost), das Kaiser-Franz-Josef-Spital und die Rudolfstiftung (Region Süd) sowie die Generaldirektion des Wiener Krankenanstaltenverbundes.Grundversorgung, Zentrale Notaufnahme und Zentren
An allen Standorten wird es eine erweiterte Grundversorgung
und eine Zentrale Notaufnahme (ZNA) geben. Die erweiterte© mRGB – shutterstock.comu Wiens Spitalsversorgung wird umstrukturiert und erhält einen Masterplan.
u Kürzere Wartezeiten und ein optimiertes Management sollen die Versorgung verbessern.© mRGB – shutterstock.comPOLITIK, VERWALTUNG & MANAGEMENTGrundversorgung umfasst Angebote in der inneren Medizin, der
Allgemeinchirurgie und der Neurologie. Eine gynäkologische
Grundversorgung wird an fünf von sechs Standorten angeboten.
In jeder Region wird es außerdem eine akutgeriatrische Abteilung geben. Zu den Aufgaben der Zentralen Notaufnahmen werden die Ersteinschätzung, die Schockraumversorgung, ambulante und stationäre Notfallversorgung sowie die Übergabe von
Patienten an andere Fachbereiche gehören.
Mit der erweiterten Grundversorgung können Patienten in Notfällen auch weiterhin ihr nächstgelegenes Spital aufsuchen.
Überweisende Ärzte und Rettungsorganisationen werden Patienten zielgerichtet in jenes Spital bringen, das das erforderliche
Fächerspektrum bietet.
Komplexere Krankheitsbilder werden künftig in inter- und mono­
disziplinären Zentren behandelt. So sollen alle Vorteile fächer­
übergreifender Behandlungsformen in vollem Umfang genutzt
werden können. Zu den interdisziplinären Zentren zählen die
onkologischen Zentren, die Zentren Innere Medizin, die HerzGefäß-Zentren und die Eltern-Kind-Zentren. Jede Region wird
über ein onkologisches Zentrum verfügen, in dem Krebs-Patienten nahe ihrem Wohnort auf höchstem medizinischem Niveau
behandelt werden können. Als Standorte sind das Wilhelminenspital, das Kaiser-Franz-Josef-Spital und das Donauspital vorgesehen. Die Regionen West und Nord-Ost werden jeweils auch
ein eigenes Ortho-Trauma-Zentrum haben. Die Region Süd
wird durch das AUVA-Spital UKH Meidling abgedeckt.Neue Eltern-Kind-Zentren
Insgesamt wird es fünf Eltern-Kind-Zentren geben, die alle mit
einer eigenen geburtshilflichen Abteilung ausgestattet sind: das
Wilhelminenspital, die Rudolfstiftung, das Krankenhaus Nord,
das Kaiser-Franz-Josef-Spital und das Donauspital. Zwei der
fünf Zentren – das Kaiser-Franz-Josef-Spital und das Donauspital – verfügen über ein erweitertes medizinisches Angebot, etwa
mit neonatologischen und pädiatrischen Intensivstationen. Im
Donauspital wird es darüber hinaus eine Abteilung für Kinderchirurgie geben.
Für bestimmte Fachbereiche sind monodisziplinäre Zentren vorgesehen. Durch die Bündelung von Kompetenzen und Strukturen werden höhere Fallzahlen erreicht und optimale Voraussetzungen für die Qualität der Behandlung und der Ausbildung
sichergestellt. Beispiele für monodisziplinäre Zentren sind die
neuen Ortho-Trauma-Zentren, das Augenzentrum und das Dermatologie-Zentrum.Master-Betriebsorganisation
Wesentliches Element des Spitalskonzepts 2030 sind die neu definierten Zentren. Im Medizinischen Masterplan ist festgelegt,
welche Zentren und Schwerpunkte es künftig in welchem Krankenhaus geben wird. In der Master-Betriebsorganisation sind
Aufgaben, Abläufe und Struktur der Zentren definiert. Auch dieverbesserte Nutzung vorhandener Infrastruktur, der optimierte
Einsatz von Personal und die Festlegung von einheitlichen Standards in Medizin, Pflege und Therapie sind Bestandteil der Master-Betriebsorganisation.
Die Master-Betriebsorganisation legt unter anderem allgemeine
Prinzipien für Arbeitsabläufe und für den strukturellen Aufbau
von Stationen, Abteilungen und Häusern fest. Die Nutzung von
räumlichen, technischen, personellen sowie fachlichen Ressourcen soll so optimiert werden. Für alle medizinischen Kernleistungen sind standardisierte Organisationsabläufe vorgegeben.
Die Zentren sind vor allem für die Sicherstellung der Behandlungs- und Betreuungsqualität zuständig, es wird aber auch
Raum für klinische Forschung geschaffen. Die Zentren werden
sich ressourcenschonender betreiben lassen, medizinisch-technische Geräte und die räumliche Infrastruktur werden gemeinsam genutzt, es können Mittel für Investitionen gebündelt eingesetzt werden.
Die Master-Betriebsorganisation soll vor allem zu verkürzten
Wartezeiten, geringeren Verweildauern oder optimiertem Aufnahme- und Entlassungsmanagement führen.Bisherige Erarbeitung und weitere Umsetzung
Insgesamt waren rund 500 Mitarbeiter des KAV quer durch alle
Fachrichtungen und Berufsgruppen an der Erarbeitung des Spitalskonzeptes beteiligt. Medizinischer Masterplan und MasterBetriebsorganisation liegen nun in der finalen Fassung vor.
Die Umsetzung erfolgt in mehreren Phasen: kurzfristig ab 2016
bis 2018, mittelfristig ab 2019 bis 2021 und langfristig ab 2022.
In den Bereichen Augenzentrum, Urologie, Zentrale Notaufnahmen, HNO, Plastische Chirurgie, Physikalische Medizin, Akutgeriatrie, Ortho-Trauma-Zentren, Pränataldiagnostik, Zentrum
für Labormedizin, Zentrum für Pathologie, Strahlentherapie/
Radioonkologie, Belegungsmanagement und Anästhesieambulanz sowie prästationäre Aufnahme wurden bereits Umsetzungsprojekte gestartet.
Quelle: Mediengespräch zum Wiener Spitalskonzept 2030, 19.1.2016Aktuell befinden sich folgende Projekte in Umsetzung:
u Fertigstellung des Eltern-Kind- und OP-Zentrums im Kaiser-Franz-Josef-Spital
u Fertigstellung des Zentral-OP im Wilhelminenspital
u Umbau des Pavillon 1 im Krankenhaus Hietzing
u Errichtung des Krankenhaus Nord
u Radioonkologieprojekte im Krankenhaus Hietzing und Donauspital
u Zentralgebäude und Büro- und Betriebsgebäude im Wilhelminenspital
u Zentralgebäude in Hietzing
u Zentralgebäude im Kaiser-Franz-Josef-Spital01/16 DAS MEDIZINPRODUKT 39PRODUKTE & ANBIETERMaria Seriakov, Geschäftsführerin
der Beratungsfirma M bioserviceSFirmenporträt: M bioserviceSKompetenz vom
Rohstoff zum Produkt
Derzeit gibt es weltweit nur wenige Experten, die eine umfassende Beratungstätigkeit auf dem
Gebiet der Rohstoffbeschaffung für die Biotechnologie-Branche anbieten können. M bioserviceS
hat diese Marktlücke geschlossen.Viele Medizinprodukte beinhalten biologische Rohstoffe,
zum Beispiel chirurgische Saiten, Klebstoffe, Implantate
oder Wundversorgungsmittel. „Der richtige Umgang mit den
Rohstoffen ist für die erfolgreiche Vermarktung der Produkte
wichtig“, erklärt Maria Seriakov, Geschäftsführerin der Beratungsfirma M bioserviceS. Die Gründerin des Unternehmens
kann in diesem Zusammenhang auf jahrelange Markterfahrung zurückblicken: Sie war unter anderem für das Material
Management bei PAA Laboratories GmBH zuständig und
sammelte Erfahrung als Vorstandsmitglied bei der International Serum Industry Association oder als Mitglied der Arbeitsgruppe für tierische Nebenprodukte bei der European Diagnostic Manufacturers Association (EDMA).
In der Biotechnologie werden laufend neue Rohstoffe und
Quellen für bekannte Rohstoffe benötigt. Ein großer Teil dieser
Rohstoffe wird auf Basis tierischer Nebenprodukte hergestellt,
zum Beispiel aus Schlachtabfällen bei der Lebensmittelproduktion oder aus Tieren, die eigens für den Zweck einer Produktgewinnung gehalten werden. Die Gewinnung, der EinsatzDie Angebote von M bioserviceS
u Erschließung neuer Rohstoffquellen
u Entwicklung von Marketingkonzepten; Feasibility Studies
u Produktmanagement
u Konzeption der Beschaffungslogistik und Aufbau optimaler Lieferwege
u Realisierung der Auftragsabwicklung
u Beratung in rechtlichen und logistischen Fragen
u Beurteilung der Produktqualität
u Koordination und Beratung zur Entwicklung bilateraler bzw. multinationaler
Kooperationenu Produktvermarktung
u Unterstützung bei Verhandlungen und Begleitung bei der Umsetzung der
erzielten Vereinbarungu Verkauf40 DAS MEDIZINPRODUKT 01/16sowie der Import und Export von tierischen Nebenprodukten
werden weltweit sehr streng reguliert. Dabei existieren keine
einheitlichen Regeln – die meisten Länder haben eigene Gesetze, die sehr komplex sind und häufigen Änderungen unterliegen. Die wichtigsten Regionen für die Gewinnung von tierischen Nebenprodukten für die Biotechnologiebranche sind
Nord- und Südamerika, Australien und Neuseeland. Der Verbrauchermarkt befindet sich hauptsächlich in Nordamerika,
Europa und Asien.Sicher auf komplexen Märkten
Aufgrund der Komplexität dieser Märkte und der direkten
Auswirkung der Kaufentscheidung auf den Erfolg der eigenen
Produkte haben viele Firmen in der Medizinproduktebranche
hohen Bedarf an Beratung bei der Suche nach neuen Rohstoffen und neuen Quellen sowie bei der Bestimmung der optimalen Qualität und des besten Lieferweges. Auch für die Herstellung eines Geschäftskontakts zwischen Produzent und Kunde
ist die Tätigkeit eines Beraters unentbehrlich. „So helfen wir
Unternehmen, sich kostengünstig, schnell und effizient an
Marktschwankungen und Gesetzesänderungen anzupassen“,
gibt Seriakov Einblick.
M bioserviceS berät Unternehmen, die mit biologischen Rohstoffen oder Komponenten arbeiten. Das Unternehmen unterstützt Kunden bei der Lösung spezifischer Probleme und kann
auf 20 Jahre internationale Erfahrung in den Bereichen Sourcing, Supply Chain und Regulatory Affairs zurückgreifen. Hilfestellung gibt es bei der Suche nach Lieferanten biologischer
Rohstoffe, bei Fragen zur Qualität oder bei Import, Export und
Registrierung. 
Kapuzinerstraße 82, 4020 Linz
maria@mbioservices.com, Tel: +43-699-11330130PRODUKTE & ANBIETERDas innovative Design des Blue Ankle Distractor im
Vertrieb der R. Heintel GmbH ermöglicht eine
schnelle und individuelle Distraktion für die Arthroskopie des oberen Sprunggelenks. Der die Arthroskopie durchführende Chirurg ist via Hüftgurt mit
dem Blue Ankle Distractor verbunden und kann
individuell und direkt die Zugkraft auf das obere
Sprunggelenk des Patienten bestimmen. Die Distraktion des Sprunggelenks erfolgt demnach durch
gezielte Gewichtsverlagerung des Operateurs. Mit
dem nicht-invasiven Distraktionssystem wird nicht
nur die intraoperative Kontrolle erleichtert, sondern
es kann auch die individuelle Distraktionskraft gezielter eingesetzt werden. Die Komponenten des
Distraktionssystems sind hochwertig verarbeitet
und bieten dem Patienten und dem Operateur sicheren und bequemen Halt.
Neuer Lehrberuf:
­Medizinproduktekaufmann
Seit Jahresbeginn steht mit dem neuen Lehrberuf
Medizinproduktekaufmann engagierten, jungen
Menschen ein modernes, attraktives und zukunftssicheres Berufsbild im Rahmen der dualen Ausbildung zur Verfügung. Der neue Lehrberuf soll insbesondere Lehrlinge mit Interesse an Medizin, Technik,
Forschung und Naturwissenschaft ansprechen.
Sorgfalt und Genauigkeit sowie ein offener Umgang
mit Menschen sind Voraussetzungen, welche Lehrlinge dieses Berufsbilds mitbringen sollten. Die Auszubildenden erwartet ein attraktiver Arbeitsplatz in
einer innovativen Wachstumsbranche.
Lehrlinge sollen für die Zukunft die hohe Qualität der
Branchenleistungen sichern und den Nachwuchs
auf die Herausforderungen des Handels mit Medizinprodukten bestens vorbereiten. Der Fokus der
Ausbildung richtet sich auf fundierte Grundlagen in
den Bereichen medizinische Grundkenntnisse, Produktwelten, rechtliche Rahmenbedingungen, Hygiene- und Qualitätsmanagement sowie Service und
Verkauf. Die Ausbildungsdauer beträgt drei Jahre
und schließt mit der Lehrabschlussprüfung. Neben
Ausbildungsstandorten voraussichtlich in Niederösterreich, Burgenland, Salzburg und der Steiermark© Sandra Horak/AUSTROMEDNeues nicht-invasives
­Distraktionssystem„Der neue Lehrberuf schafft Aufgaben in einem
krisensicheren Umfeld”, sagt Mag. Alexander Hayn,
Obmann des Bundesgremiums des Foto-, Optik- und
Medizinproduktehandels in der Wirtschaftskammer
Österreich.wird der Lehrberuf in der Berufsschule 7 in Linz unterrichtet. „Die Branche des Medizinproduktehandels setzt auf die Ausbildung ihres Nachwuchses
und bietet jungen, engagierten Menschen spannende Aufgaben in einem krisenfesten Umfeld. Der
neue Lehrberuf schafft die optimalen Voraussetzungen, um die Medizinproduktekaufleute von morgen
auf die Herausforderungen dieses vielseitigen Handelsberufs vorzubereiten“, so Mag. Alexander Hayn,
Obmann des Bundesgremiums des Foto-, Optikund Medizinproduktehandels in der Wirtschaftskammer Österreich.AUSTROMED hat neuen PräsidentenGroße Herausforderungen
„Die Medizinproduktebranche in Österreich ist geprägt von enormem Kostendruck, stetig anwachsenden europäischen Vorgaben sowie politischen
und wirtschaftlichen Einflüssen. Diese machen es
immer herausfordernder, den Patienten innovativeProdukte und Dienstleistungen zur Verfügung stellen zu können und damit rasch deren Lebensqualität entscheidend zu verbessern”, fasst Gschlössl
die Rahmenbedingungen der Branche zusammen
und sieht es daher als wichtige Aufgabe, die Rahmenbedingungen insbesondere bei Forschung und
Entwicklung am Standort Österreich zu verbessern.Effektives System
„So können wir im internationalen Wettbewerb einen nachhaltigen Mehrwert bieten – für Patienten,
Kunden und Mitarbeiter”, betont der AUSTROMEDPräsident und ergänzt: „Angesichts dessen ist es
eine große und ehrenvolle Aufgabe für mich, die
Führung der AUSTROMED zu übernehmen und die
Interessen der Branche im Sinne eines modernen,
effektiven österreichischen Gesundheitssystems zu
www.austromed.org© AUSTROMEDGerald Gschlössl ist neuer Präsident von
AUSTROMED,­der Interessensvertretung der österreichischen Medizinprodukte-Unternehmen. Er
folgt damit Mag. Friedrich Thomasberger, der aufgrund einer beruflichen Neuorientierung die
Funktion Ende 2015 zurückgelegt hat. Gschlössl
ist Vertriebsleiter von Lohmann & Rauscher Österreich und seit fast 30 Jahren in der Medizinproduktebranche tätig. Zusätzlich ist er Sprecher
der Branchengruppe Verbandstoffe und der Arbeitsgruppe Vergabewesen in der AUSTROMED,
sowie Sprecher der Initiative "Wund?Gesund!“.Gerald Gschlössl ist Vertriebsleiter von Lohmann
& Rauscher Österreich und neuer AUSTROMEDPräsident01/16 DAS MEDIZINPRODUKT 41GASTKOMMENTARNastV - die ungeliebte
ie Gefährdung von Beschäftigten im Gesundheitswesen
durch scharfe und spitze Instrumente, die mit biologischen
Arbeitsstoffen – egal welchen Ursprungs – kontaminiert sind,
ist seit Langem bekannt. Schon in einem Jahresbericht der Arbeitsinspektion vor ca. 20 Jahren wird auf solche Unfallgeschehen eingegangen. Doch nicht nur die in Gesundheitsberufen tätigen Menschen sind von Nadelstichen betroffen, sondern
auch das berufliche Umfeld wie Reinigungs- und Entsorgungsfirmen, Beschäftigte in der Wäscherei oder der Küche, sogar
die Gärtnerei oder die Haustechnik. Neben den körperlichen
und auch psychischen Folgen für Betroffene verursacht ein Nadelstich oder eine Verletzung mit kontaminierten Instrumenten
auch erhebliche Kosten für die Allgemeinheit. Es ist daher
nicht weiter verwunderlich, wenn versucht wird, darauf mit gesetzlichen Regelungen Einfluss zu nehmen.Späte Aufregung
So trat im Jahr 2013 die Verordnung des Bundesministers für
Arbeit, Soziales und Konsumentenschutz zum Schutz der Arbeitnehmer/innen vor Verletzungen durch scharfe oder spitze
medizinische Instrumente (Nadelstichverordnung, NastV) –
mit einer sehr langen „Einstellungsphase“ – als Umsetzung der
Richtlinie des Rates 2010/32/EU zur Durchführung der von
der European Hospital and Healthcare Employers’ Association
(HOSPEEM) und dem Europäischen Gewerkschaftsverband
für den Öffentlichen Dienst (EGÖD) geschlossenen Rahmenvereinbarung zur Vermeidung von Verletzungen durch scharfe/
spitze Instrumente im Krankenhaus- und Gesundheitssektor,
ABl. Nr. L 134, S. 66, vom 1. Juni 2010, in Kraft und hat zu
heller Aufregung im gesamten betroffenen Bereich geführt.
Die Aufregung kommt relativ spät, denn bereits seit dem Inkrafttreten der Verordnung über biologische Arbeitsstoffe
(VbA) im Jahr 1998 wären zur Expositionsvermeidung schneidende und stechende Arbeitsgeräte durch solche zu ersetzen
gewesen, durch die keine Verletzungsgefahr mehr besteht.
Wenn man die Texte der Verordnungen vergleicht, ist in der
NastV gegenüber der VbA keine wesentliche Verschärfung der42 DAS MEDIZINPRODUKT 01/16gesetzlichen Bestimmungen eingetreten, es wurden die Forderungen nur konkreter auf den medizinischen Bereich ausformuliert, wie zum Beispiel das Recapping-Verbot.
Die Sinnhaftigkeit der Einführung von Sicherheitssystemen
erscheint nicht diskutabel, alle gängigen Studien bescheinigen
einen Rückgang der Stichverletzungen nach der Einführung.
Ein scheinbarer Anstieg am Anfang der Einführungsphase ist
oft darauf zurückzuführen, dass durch die Schulungen und Unterweisungen der Wissensstand aller Betroffenen steigt und
dadurch häufiger auch eine Meldung des Unfalls erfolgt. Bei
den Stichverletzungen wird eine Dunkelziffer von nicht gemeldeten Unfällen von ca. 70 % vermutet, dabei wird im niedergelassenen Bereich eine noch höhere angenommen, da in den
Krankenhäusern und Ambulatorien eine niederschwellige
Möglichkeit für die Meldung von Unfällen und Beinaheunfällen vorhanden ist. Einzelberichte und Daten aus Umfragen legen nahe, dass die Einschätzung eines geringen Risikos und
die wahrscheinliche Selbstversorgung von Verletzungen zu einem „Underreporting“ der Ärzte führen.
Die Arbeitsinspektion hat nach Einführung der NastV über einen langen Zeitraum eine Beratungsphase durchgeführt, bei
der alle Krankenhäuser und auch der niedergelassene Bereich
– dort war ein Unfall ein Auswahlkriterium – ausführlich beraten und über die gesetzliche Lage informiert wurden. Die erforderlichen Maßnahmen wurden notwendigenfalls mit einer
Aufforderung aufgetragen.Was ist für betroffene Arbeitgeber zu tun?
Der erste Schritt ist, zu prüfen, ob unbedingt ein stechendes
oder schneidendes Instrument erforderlich ist. Wenn dies der
Fall ist, muss man sich auf dem Angebotsmarkt umsehen, ob
Instrumente mit integriertem Sicherheitsmechanismus verfügbar sind, die dem Bedarf entsprechen. Gibt es kein geeignetes
Instrument, so ist im Sicherheits- und Gesundheitsschutzdokument festzuhalten, welche anderen Maßnahmen zur Vermeidung von Stich- und Schnittverletzungen getroffen werden.
Kein medizinischer Bereich ist von vornherein von der Ver-© Syda Productions – shutterstock.comDpflichtung ausgenommen und das Risiko ist jeweils für einen
Bereich individuell zu bewerten.
Unabhängig davon, ob es ein Instrument mit integriertem Sicherheitsmechanismus gibt oder nicht – folgende Schritte können nie fehl am Platz sein:
u Sorgfältig überlegte und geplante Arbeitsabläufe mindern
das Verletzungsrisiko erheblich! Diese Arbeitsabläufe müssen, um gut zu funktionieren, geschult und eingeübt werden.
u Alle Beteiligten müssen über die sichere Handhabung und
Entsorgung der Instrumente informiert und unterwiesen
u Geeignete Abwurfbehälter müssen möglichst in unmittelbarer Nähe des Ortes der Verwendung vorhanden sein.
u Die Arbeiten im medizinischen Bereich erfolgen manchmal
unter Zeitdruck. Darauf ist in der Bewertung und Planung
der Arbeitsabläufe Rücksicht zu nehmen.
Die Entscheidung, welcher Schutzmechanismus für das jeweilige Anwendungsgebiet der richtige ist, kann am besten in Zusammenarbeit mit den Anwendern, den Hygienikern und den
Präventivfachkräften getroffen werden.Meldung über Fehlfunktionen
Durch die Gespräche bei Unfallerhebungen wurden oft von
Betroffenen, vor allem im Bereich der Krankenhäuser und Ambulatorien, fehlende Schulung und Information über die Produkte genannt. Weiters wurde auch in einigen Fällen eine Fehlfunktion der Schutzmechanismen vermutet.
In dem Zusammenhang wäre zu erwähnen, dass auch im Medizinproduktegesetz (§ 8) steht: „Die Produkte müssen so ausgelegt und hergestellt sein, dass die Sicherheit für Patienten,
Anwender und Dritte nicht gefährdet ist.“ Wenn ein Anwender
feststellt, dass ein Schutzmechanismus nicht richtig funktioniert, wenn er sich wieder aus der Schutzstellung bewegt oder
ein Instrument für die vorgesehene Anwendung nicht die entsprechende Tauglichkeit aufweist („wackelige“ Klingen auf
Skalpellen mit Sicherheitsmechanismen wurden mehrfach genannt), was liegt näher, als sich einmal mit dem Hersteller in
Verbindung zu setzen und auf die störenden Eigenschaften hinzuweisen? Auch die AUSTROMED, Interessensvertretung der
Medizinprodukte-Unternehmen, www.austromed.org, ist hierfür ein Ansprechpartner. Nur eine Meldung über Fehlfunktionen oder über Probleme bei der Handhabung kann ein Produkt
mit integriertem Schutzmechanismus auch verbessern.
Bei den Unfallerhebungen war auch ein Gutteil der Unfälle
durch sogenannte „Entsorgungsfehler“ zu beobachten, wie das
Abwerfen einer Nadel in einen ungeeigneten oder in einen
überfüllten Entsorgungsbehälter. Diese Stiche sind auf jeden
Fall einfach vermeidbar. Aber auch Instrumente mit Schutzmechanismus sind in den für die Entsorgung vorgesehenen Behälter abzulegen!LEBENTECHTBA R F Ü R DASMDASUKIZINPROD
EDUNVERZI© Syda Productions – shutterstock.comMEDI
PR DZeit für Entwarnung?
In allen Einrichtungen sind Menschen unterwegs, die keine
stationären Patienten oder Arbeitnehmer sind und auf die kein
Einfluss genommen werden kann, die aber auch Spritzen verwenden können, wie etwa Diabetiker. Für die Beschäftigten in
der Reinigung, Entsorgung oder Wäscherei bleiben die Schutzvorkehrungen weiter aufrecht, um Stich- oder Schnittverletzungen durch nicht sachgerecht entsorgte Instrumente oder
undefinierbare Gegenstände (Stich oder Schnitt, aber man
weiß nicht genau, womit) zu vermeiden. Das bedeutet, in keinen Müll- oder Wäschesack oder Abfallsammelbehälter hineinzugreifen, Müll- und Wäschesäcke nicht an den Körper gedrückt zu transportieren und beim Sortieren der Wäsche oder
des schmutzigen Geschirrs in der Küche auch auf fehlentsorgte
Nadeln gefasst zu sein.
Ein besonderes Kapitel sind dabei Einrichtungen, die nicht als
Krankenanstalt oder Gesundheitseinrichtung geführt werden,
in denen aber Menschen mit Behinderung oder sehr alte
­Menschen betreut werden oder die mobile Pflege anbieten. In
diesen ist zwar die Einrichtung Arbeitgeber des dort tätigen
ärztlichen Personals bzw. der Schwestern oder Pfleger, stellt
aber die medizinischen Instrumente nicht zur Verfügung.
­Diese werden den Klienten verschrieben und die gängige Verschreibepraxis inkludiert keine Instrumente mit Sicherheitsmechanismus. Sobald die Instrumente aber von den
Arbeitgebern zur Verfügung gestellt werden, greift die NastV
und es sind, sofern es sich durch die Bewertung des Risikos
ergibt, solche mit integriertem Sicherheitsmechanismus zu
verwenden. Nicht enthoben ist aber der Arbeitgeber auch
in solchen Fällen der Verpflichtung zur Festlegung einer
­sicheren Arbeitsweise.
Augenmerk sollte man auch der Sterilisation und der Instrumentenaufbereitung von Mehrweginstrumenten schenken –
auch hier kommen häufig Verletzungen vor. Vor allem die
Zahnmedizin sticht hier heraus, da viele der dort verwendeten
Instrumente scharf oder spitz sind. Am Markt sind Boxen zur
Unterbringung von Bohrern und Feilen direkt am Behandlungsstuhl erhältlich, mit denen die Instrumente dann in die
Sterilisation transportiert werden können, wodurch die
­Verletzungen beim „Ausklauben“ der Instrumente vermieden
werden.Sicherheit für alle Beteiligten
Die Neuerungen sind nicht so einschneidend, wie sie auf den
ersten Blick erscheinen. Das Ziel aller im Gesundheitsbereich
Tätigen muss immer in erster Linie die Sicherheit und Gesundheit der Patienten sein. Man darf aber auch die eigene Sicherheit und Gesundheit durchaus einmal im Fokus haben, wenn es
darum geht, sich an Dinge zu gewöhnen, die letztendlich der
Sicherheit von allen Beteiligten dienen. 
n01/16 DAS MEDIZINPRODUKT 43Dr. Monika Ploier
Rechtsanwaltskanzlei CMS
Reich-Rohrwig HainzSERIE: Fragen aus der Praxis Teil 1Nadelstichverordnung
Aufgrund von Beobachtungen und Anfragen aus der Praxis im täglichen Umgang mit Sicherheits­
produkten gemäß Nadelstichverordnung (NastV) ist die Industrie häufig mit spezifischen Fragestellungen konfrontiert, die in ihrem vollen rechtlichen Umfang nicht immer einfach zu beantworten sind.
Anhand unterschiedlicher Szenarien wurden mit Dr. Monika Ploier von der Rechtsanwaltskanzlei CMS
Reich-Rohrwig Hainz exemplarische Fallbeispiele und Lösungsmöglichkeiten erarbeitet.
Eine diplomierte Pflegekraft reicht einem Arzt eine vorbereitete Injektion und bricht davor, auf Anweisung des Arztes, den
Sicherheitsmechanismus der Injektionskanüle ab. Wer haftet
im Falle eines Schadens?
Ploier: Wenn durch das Abbrechen des Sicherheitsmechanismus ein Schaden eintritt, gilt bei getrenntem oder fahrlässigem
Handeln grundsätzlich eine anteilsmäßige Haftung. Lassen
sich die Anteile allerdings nicht bestimmen, haftet jeder zur
Gänze. Neben dem Krankenanstaltenträger können daher sowohl der Arzt als auch die Pflegeperson haftungsrechtlich herangezogen werden. Falls nachweislich eine Unterweisung und
Information erfolgt ist, macht sich ein Arbeitnehmer, also der
Arzt oder die Pflegeperson, strafbar, wenn er das Arbeitsmittel
nicht ordnungsgemäß benützt bzw. auf offenkundige Mängel
überprüft und dadurch eine Gefahr für andere Arbeitnehmer
herbeigeführt wurde.Welche Strafen sind in diesem Fall zu erwarten?
Der Arbeitnehmer kann in so einem Fall mit einer Geldstrafe
(Verwaltungsbehördliche Ahndung) von bis zu EUR 250,00,
im Wiederholungsfall bis zu EUR 413,00 pro Fall bestraft werden, wenn er trotz Aufklärung über den ordnungsgemäßen Gebrauch von Arbeitsmitteln und nachweislich schriftlicher Aufforderung durch den Arbeitgeber oder das Arbeitsinspektorat
gegen die Regelungen verstößt (§ 130 Abs 4 Z 1 ASchG).
Gilt das auch, wenn die Pflegeperson auf Anweisung des
Arztes gehandelt hat?
Im beschriebenen Beispiel wird ein Arbeitsmittel nicht ordnungsgemäß benutzt und dadurch eine Gefahr für andere Arbeitnehmer herbeigeführt. Eine verwaltungsbehördliche Ahndung
dieser Vorgehensweise nach § 130 Abs 4 Z 1 ASchG ist daher
nicht auszuschließen. Auch wenn ein Arzt eine derartige Anweisung an einen Angehörigen des diplomierten Pflegedienstes erteilt, so muss die diplomierte Pflegekraft die berufsrechtlichen
Vorgaben einhalten. Dieser Verstoß würde im vorliegenden Beispiel sowohl für die Pflegeperson als auch für den Arzt gelten.44 DAS MEDIZINPRODUKT 01/16© Matthew Benoit – shutterstock.comWie ist die Rechtslage, wenn die diplomierte Pflegekraft den
Mechanismus aus eigenem Antrieb abbricht?
Dann entfällt die Kontrollpflicht des Arztes trotzdem nicht, daher kann auch eine Haftung des Arztes keinesfalls entfallen. Es
kann somit eine Haftung des Krankenanstaltenträgers, der
Pflegeperson und des Arztes bestehen.
n© Sherry Young – Fotolia.deWann kann der Krankenhausträger belangt werden?
Der Arbeitgeber, zum Beispiel ein Krankenhausträger, kann in
diesem Fall nur dann belangt werden, wenn er nachweislich
weder für Informationen über die Gefahren für Sicherheit und
Gesundheit noch für eine ausreichende Unterweisung der
­Arbeitnehmer gesorgt hat (§§ 12 und 14 ASchG).Sicherheitsleck ­
bei Patiententransporten
PATIENTENAKTEWährend Datenschützer gegen die elektronische Patientenakte Sturm laufen, verursachen private Krankentransporte
durch gewerbliche Anbieter ein weitaus größeres Datenschutzproblem, denn sie unterliegen nicht der Schweigepflicht. Diese
betrifft all jene Personen, die im Gesundheitsbereich arbeiten,
auch die anerkannten Rettungsdienste. Für gewerbliche Krankentransporteure gilt sie nicht und kann auch nicht eingefordert werden. „In der Praxis erhalten die Krankentransporteure
die Krankenakte bei Übernahme des Patienten jedoch einfach
ausgehändigt“, zeigt Prof. Siegfried Binder vom Institut für
Qualitätssicherung im Patiententransport (IQPT) eine massive
Datenschutzlücke auf.Transporteur erhält Patientendaten
© Matthew Benoit – shutterstock.com© Sherry Young – Fotolia.deProf. Siegfried Binder
im Patiententransport (IQPT)„Grundsätzlich haften Arzt und die Bediensteten im Gesundheitssektor für die Einhaltung des Datenschutzes und müssen
dafür Sorge tragen, dass keine unbefugten Personen Einblick in
Krankenakten erhalten können“, bestätigt Rechtsanwalt
Dr. Bernhard Haid, Beirat am IQPT. Krankendaten dürfen selbst
an andere Ärzte nur mit Zustimmung des Patienten weitergegeben werden, obwohl medizinisches Personal der Schweigepflicht
unterliegt. Gewerbliche Anbieter von Krankenfahrten und nicht
qualitativen Krankentransporten, welche laut Gesetz im Rahmendes Mietwagengewerbes Patiententransporte durchführen dürfen, unterliegen nicht der Geheimhaltungspflicht im Patiententransport, sofern sie nicht den Anforderungen des österreichischen Sanitätsgesetzes entsprechen. Derzeit erhält üblicherweise
der Transporteur, unabhängig vom medizinischen und betrieblichen Hintergrund, die Krankenakten, Befunde, Transportschein
mit Diagnosen und sonstigen Behandlungsdetails des Patienten
übergeben. So gelangen diese in Besitz von besonders schützenswerten, hochsensiblen Krankendaten. „Die Schuld ist weniger beim medizinischen Personal zu suchen, sondern in der gesetzlichen Situation. Die medizinischen Mitarbeiter sind in
erster Linie in ihrem jeweiligen Fachgebiet perfekt ausgebildet
und keine Datenschutzexperten. Da selbst gewerbliche Transporteure zum Teil in Uniformen auftreten, ist eine Unterscheidung auf den ersten Blick nur sehr schwer möglich“, stellt sich
Binder hinter Krankenhausmitarbeiter und Ärzte. Dennoch besteht hier dringender Handlungsbedarf. Unternehmen, die sich
mit dem IQPT Gütesiegel auszeichnen lassen, müssen unter anderem die durchgängige und nachhaltige Einhaltung des Datenschutzes nachweisen können.Datenschutz und Schweigepflicht
Gesundheitsbezogene Daten sowie sonstige Umstände, die aus
Anlass der Erbringung von Leistungen im Bereich des Gesundheitswesens bekannt werden und an denen Patienten ein
Geheimhaltungsinteresse haben, unterliegen dem Datenschutzgesetz. Im Rettungsdienst und qualitativen Krankentransport müssen für die Erbringung der Leistung zweckgebundene Daten erhoben werden. Nur so lässt sich eine
ordentliche Patientenversorgung gewährleisten. Diese Informationen sind vor unberechtigter Nutzung zu schützen. Personenbezogene Patientendaten sind besonders schutzbedürftig
und unterliegen zusätzlich der Schweigepflicht des medizinischen Fachpersonals und sonstigen Bediensteten im Bereich
der Patientenversorgung. „Daher ist die Weitergabe derartiger
personenbezogener Krankheitsdaten nur mit großer Vorsicht
vorzunehmen und zu prüfen, ob diese das Individualinteresse
des Patienten treffen und der Empfänger den rechtlichen Erfordernissen entspricht. Unaufmerksamkeiten führen hier sehr
schnell zu strafrechtlichen Verfehlungen“, weiß Binder. 
www.iqpt.eu01/16 DAS MEDIZINPRODUKT 45KONGRESSE
­nosokomiale Infektionen
15.-16. März 2016, Mauerbach, www.iir.at
Der Schwerpunkt liegt auf erfolgreichen Hygiene­
maßnahmen zur Infektionsbekämpfung. Behandelt werden Themen wie Kosten für Spitäler und
Gesundheitssysteme, Antibiotikaresistenzen und
der Umgang damit sowie der Status quo, Ausblick und Zukunftsstrategien für nosokomiale Infektionen im Krankenhausalltag. Themen aus
dem Bereich Hygiene, unter anderem OP-Textilien, angewandte Krankenhaushygiene sowie Hygienenormen, -standards und -empfehlungen
runden das Programm ab.Pflege-Management
03.-04. März 2016, Wien, www.businesscircle.at
Im Fokus stehen zentrale pflege- und gesundheitspolitische Fragen sowie Fachvorträge zu
Pflege-Management-Themen und Rechtsfragen.
Bereits zum dritten Mal wird der Pflege-Management AWARD „cura“ verliehen. Weitere Schwerpunkte: GuKG-Novelle und Reform der Pflegeberufe und -ausbildung, Umsetzung der
Gesundheitsreform und Primärversorgung NEU,
Demenzstrategie „Gut leben mit Demenz“, optimierte Abläufe und Partnerschaftlichkeit im multiprofessionellen Team, effiziente Pflegedokumentation – Aufwand reduzieren, Qualität
steigern, Bürokratie abbauen.59. Österreichischer
­Kongress für Krankenhausmanagement
09.-11. Mai 2016, Villach
Im Mai 2016 steht eine ganze Woche unter dem
Generalthema des Alterns. Wir alle werden älter
und keine Profession des Gesundheitswesens –
Pflege, Medizin, Ökonomie – kann die Augen verschließen und die Veränderungen einfach auf
sich zukommen lassen. Längst überfällige, interdisziplinäre und wissenschaftliche Diskussionen
über die zukünftigen Herausforderungen an das
Gesundheitswesen erhalten in der Zeit von 9. bis
14. Mai 2016 im Rahmen von drei Parallel-Kongressen den notwendigen Raum.SEMINARTERMINE
SeminartitelTerminVeranstaltungsortMÄRZ
Verhalten im OP10. März 2016, 09:00 – 16:00 UhrSMZ Ost Wien, Lehrsaal Orthopädische AbteilungErste Hilfe-Kurs (Auffrischung)7. März 2016, 09:00 – 17:00 UhrSchulungsraum des Malteser Hospitaldienstes,
Börseplatz 6, 1010 WienErste Hilfe- Kurs (Betriebsersthelfer)4.+5. April 2016, jeweils 09:00 – 17:00 UhrSchulungsraum des Malteser Hospitaldienstes,
Börseplatz 6, 1010 WienMedizinproduktegesetz einschließlich Novelle 200921. April 2016, 09:00 – 17:00 UhrHotel Ibis Wien Mariahilf, Mariahilfer Gürtel 22-24, 1060 WienAPRILMAI
Medizinisches Basiswissen II9.+10. Mai 2016, jeweils 09:00 – 17:00 UhrHotel Ibis Wien Mariahilf, Mariahilfer Gürtel 22-24, 1060 WienDer schwierige Kunde kauft11.+12. Mai 2016, jeweils 09:00 – 17:00 UhrHotel Ibis Wien Mariahilf, Mariahilfer Gürtel 22-24, 1060 WienInfo & Anmeldung: www.austromed.orgImpressum: Herausgeber: AUSTROMED, Interessensvertretung der Medizinprodukte-­
mit den jeweiligen Firmen erstellt werden. Ausgewählte Artikel dieser Ausgabe finden Sie auch unter www.medmedia.at
zum Download. Hinweis: Aus Gründen der leichteren Lesbarkeit v­ erzichten wir auf
­geschlechtsspezifische Formulierungen. Bilder, die ohne Credit ausgezeichnet sind, wurden vom Autor, dem Interviewpartner oder dem jeweils beschriebenen Unternehmen beigestellt. Alle Rechte, insbesondere die
Rechte der Vervielfältigung und Ver­breitung sowie der Über­setzung, vorbehalten. Kein Teil des Werkes darf in irgendeiner Form (Fotokopie, Mikrofilm oder ein anderes Verfahren) ohne schriftliche Genehmigung des Verlages reproduziert oder unter Verwendung elektronischer Systeme gespeichert, verarbeitet, vervielfältigt, verwertet oder verbreitet werden. Die gesetzliche Offenlegung gemäß § 25 MedienG finden Sie unter www.
medmedia.at/home/impressum.46 DAS MEDIZINPRODUKT 01/16KONGRESSKALENDER
t MÄRZ 201602.-06. 03. 2016
Radiology – ECR
Wien, www.myesr.org03.-05. 03. 2016
18. Kardiologie-Kongress
www.kardiologie-innsbruck.at11.-12. 03. 201619. Frühjahrstagung für
www.kinderkrankenpflege.at16.-19. 03. 201616th Congress of the International
Federation of Infection Control
Wien, www.ific2016.com17.-19. 03. 2016Frühjahrstagung 2016
für Hämatologie und
­Medizinische Onkologie
Wien, www.oegho.at31. 03.02. 04. 20168. Kongress der Arbeitsgemeinschaft für Notfallmedizin
Graz, www.agn.at27.-30. 04. 2016t APRIL 201607.-09. 04. 2016
14. Österreichischer Kongress
„Krebs bei der Frau“
Salzburg, www.ago-austria.at14.-15. 04. 201610. Österreichischer
­Infektionskongress
Saalfelden, www.oegit.att MAI 201625.-27. 05. 2016Immobilien im
Wien, www.businesscircle.at57. Österreichischer
­Chirurgenkongress, Salzburg
www.chirurgen-kongress.at24.-26. 04. 2016t JUNI 2016ECTES 2016 – 17th European
Congress of Trauma and
Wien, www.estesonline.org01.-03. 06. 2016
XXIX. ÖBAI Symposium
Gmunden, www.oebai.at26.-27. 04. 20166. Kongress Advanced Nursing
Practice, Linz, www.fh-ooe.at8
am 2. März 2016 in Wien
im Austria Trend Hotel Savoyen Vienna© Syda Productions, © scusi – Fotolia.comFORUM SPITAL 2016
Termin: 15.-16.06.2016
Ort: Austria Trend Eventhotel Pyramide, Vösendorf bei Wien
Beim größten österreichischen Krankenhauskongress treffen sich
auch 2016 wieder die Keyplayer der Gesundheitswirtschaft und
diskutieren aktuelle Themen wie Zielsteuerung Gesundheit, das
Ärztearbeitszeitgesetz oder Pilotprojekte zur Primärversorgung.
Sechs Konferenzen werden unter einem Dach zusammengefasst
und bieten für die Teilnehmer ein breites Progamm: das Gesundheitsreform, die Onkologie, die Pflege, das OP-Management sowie der Bau und Betrieb von Spitälern und der Dauerbrenner
„ELGA“.Qualität, Kosten, Digitalisierung, Patientensouveränität,
Berufsbilder, Arbeitszeiten
Die Stichworte der öffentlichen Diskussion sind eindeutig: Der allgemeine
gesellschaftliche Umbruch hat jetzt auch die Gesundheitsmärkte in Europa
erreicht. Wichtig ist daher, über die Grenzen zu schauen und Erfahrungen und
Ideen auszutauschen. Diskutieren Sie im Kreise der TOP-Manager der Gesundheitswirtschaft u.a. diese wichtigen Themen der Zukunftsbranche:
Das beste Gesundheitssystem der Welt: Können wir uns das noch leisten?
Reha ist mehr als Trinkkur
IT unterstützt Prozesse
Behandlungsprozesse strukturieren
Ausbildungsreformen in Gesundheitsberufen
Neue Kooperationsmöglichkeiten für Wohnungs-, Sozial- und
GesundheitswirtschaftInformieren Sie sich online über das Programm und die Referenten des
8. ÖSTERREICHISCHEN GESUNDHEITSWIRTSCHAFTSKONGRESSESAnmeldung & Infos zum Kongress unter: www.oegwk.atMEDIZINPRODUKTE
Mehr Infos: www.austromed.orgAustromed_Inserat_A4.indd 2t
Leben29.10.15 11:34All pages:123456789101112131415161718192021222324252627282930313233343536373839404142434445464748InfoRead laterLikeShareDownloadMoreDas Medizinprodukt 01|16 Published on Feb 24, 2016 medmediaFollowRead moreRead moreSimilar toPopular nowJust for youGo explore