Source: http://www.fzpsa.de/fachartikel/fachartikel-2/abschlussarbeiten-der-qualifizierungskurse/abschlussarbeiten-des-qualifizierungskurses-fruehjahr-2007/zusammenarbeit-in-den-hilfen-zur-erziehung-hilfeplan-von-frau-maier
Timestamp: 2019-07-16 19:06:43
Document Index: 388877848

Matched Legal Cases: ['§ 27', '§ 33', '§ 36', '§ 37', '§ 38', '§ 1688', '§ 36', '§ 36', '§ 37', '§ 78', '§ 78', '§ 35', '§ 35', '§ 35']

Zusammenarbeit in den Hilfen zur Erziehung, Hilfeplan – von Frau Maier - FZPSA STEJH
Die Hilfen zur Erziehung sind ein Leistungsbereich des Kinder- und Jugendhilfegesetzes (SGB VIII). Hierbei handelt es sich um eine Vielzahl beratender, begleitender oder bereuender sonderpädagogischer Angebote. Hilfen können familienunterstützend, -ergänzend oder -ersetzend gewährt werden. An der Entscheidung und Hilfeplanung sind vor Inpflegenahme eines Kindes das Kind selbst (entsprechend des Entwicklungstandes) und die Eltern einzubeziehen. In der Regel werden keine Entscheidungen gegen die Eltern und die Kinder/ Jugendlichen hinweg getroffen.
Die Zusammenarbeit in Hilfen zur Erziehung beginnt mit der Unterbringung eines Kindes/ Jugendlichen in eine Pflegefamilie oder in eine Einrichtung für die Erziehung (Heim, betreutes Wohnen). Schon vor Beginn der Hilfe besteht für die Pflegeperson Rechtsanspruch auf Beratung und Unterstützung durch das Jugendamt, auch während der Dauer der Pflege. Im Gegenzug ist die Pflegefamilie (Teil des Jugendhilfeangebots- Partner des Jugendamtes, aber auch gleichzeitig Klient des Jugendamtes und obliegt der Kontrolle) verpflichtet, wichtige Ereignisse dem Jugendamt mitzuteilen. Das Jugendamt hat die Pflicht und das Recht zu prüfen, ob die Pflegefamilie das Kind seinem Wohl entsprechend erzieht. Die Herkunftsfamilie (auch Kinder und Jugendliche) ist vorab ausgiebig zu beraten und auf die möglichen Folgen für sich und das Kind/ den Jugendlichen hinzuweisen.
Das Zusammenarbeitsgebot bezieht sich auf die Pflegeperson (oder die Einrichtung für die Erziehung verantwortlichen Personen), die Eltern und das Jugendamt. Die Zusammenarbeit zwischen Herkunftsfamilie und Pflegefamilie ist wegen unterschiedlicher Interessen, Wert- und Erziehungshaltungen oft schwierig. In solchen Fällen tritt das Jugendamt als Vermittler auf. Um das Kind nicht noch mehr zu schädigen (Loyalitätskonflikte durch Konkurrenz Herkunftsfamilie/ Pflegefamilie und das daraus resultierende Verhalten- aggressive Reaktionen; Wertorientierungen- negatives Selbstbild, Schuldgefühle), sollten alle Personen eine faire Position einnehmen und bereit sein Kompromisse einzugehen.
Die Art und Weise der Zusammenarbeit hängt im Einzelnen nicht zuletzt davon ab, ob die Hilfe in Familienpflege vorübergehend oder auf Dauer angelegt ist (andere Ziele und Perspektiven für das Kind). Zwischen diesen Beteiligten bestehen während der Hilfe unterschiedliche Aufgaben und Zusammenhänge. Mit Aufnahme der Hilfe zur Erziehung (z.B. in Pflegefamilien) werden Rechtsbeziehungen aufgenommen, die zur Zusammenarbeit verpflichten.
Wichtige Rechtgrundlagen für die jeweiligen Beziehungen sind im SGB VIII und im BGB beschrieben. Dazu gehören u.a.: § 27 Hilfe zur Erziehung, § 33 Vollzeitpflege, § 36 Mitwirkung, Hilfeplan, § 37 Zusammenarbeit bei Hilfen außerhalb der Familie, § 38 Vermittlung bei der Ausübung der Personensorge, § 1688 BGB Entscheidungsbefugnisse der Pflegeperson
Hilfeplan als Mittel der Zusammenarbeit aller Beteiligten
Der Hilfeplan ist ein Steuerinstrument (eine bewährte Arbeitsmethode). Er dient als Grundlage zur Ausgestaltung der Hilfe zur Erziehung.
Das Jugendamt hat die Aufgabe, die Hilfe für das Kind, die in der Regel mit Antrag auf Hilfe zur Erziehung durch die Herkunftsfamilie beginnt, zu steuern und zu koordinieren. Dabei bedient es sich des gesetzlich vorgeschriebenen Instruments des Hilfeplans (§ 36 SGB VIII).
Am Hilfeplangespräch hat das Jugendamt die Pflegefamilie, die Sorgeberechtigten und das Kind/ den Jugendlichen (entsprechend seinem Entwicklungsstand) zu beteiligen. Darüber hinaus können auch andere Beteiligte hinzu gezogen werden (z. B. Psychologe, Lehrer, Dritte Personen als Beistand, Erzieher).
Inhalt des Hilfeplanes:
§ Namen der Beteiligten am Hilfeprozess (Kind, Herkunftsfamilie, Pflegefamilie, gegebenenfalls Lehrer, Erzieher usw.)
§ Ausgangssituation- alles Wissenswerte und Notwendige über das Zustandekommen der Hilfe zur Erziehung
§ beschreibt die Situation des Kindes/ Jugendlichen und der Familie
§ benennt Art und Dauer der Hilfe (bei Unterbringung in eine Pflegefamilie)
§ benennt die Ziele der Erziehungshilfe, Maßnahmen und Konsequenzen
§ regelt die Gesundheitsfürsorge, Personfürsorge- wer übernimmt welche Aufgaben
§ Erweiterung von Hilfen (Tagesgruppen, Beratungsstellen, Therapeuten…)
§ regelt Besuchskontakte
§ hält die Vereinbarungen über die Zusammenarbeit zwischen Jugendamt, Herkunftsfamilie und Pflegeeltern in gleichberechtigter Weise fest (Aufgaben und Pflichten jedes Beteiligten)
§ regelt Hilfen für Herkunftsfamilie/ Pflegefamilie (eigene Wünsche, Grenzen, Vorbehalte einbringen)
§ ist ein individuell auf die Möglichkeiten der Beteiligten und den Bedürfnissen des Kindes/ Jugendlichen abgestimmter Vertrag
§ alle Beteiligten erhalten die gleichen Informationen und somit können Kommunikationsfehler gering gehalten werden
§ getroffenen Vereinbarungen werden klar festgehalten und somit verbindlich
§ Verlauf der Hilfeleistung ist nachvollziehbar
§ Laut § 36 Abs. 2 SGB VIII soll der Hilfeplan regelmäßig überprüft werden:
o ob und in welchem Umfang Hilfe weiterhin zu gewähren ist
o Ziele für den nächsten Zeitraum festlegen
o Maßnahmen zur Erreichung der Ziele, Kontrolle und Konsequenzen bei Nichteinhaltung von Vereinbarungen vereinbaren
Beispiel: Ein Kind wird in eine Pflegefamilie gegeben mit dem Ziel, Rückführung nach einem Jahr. Die Mutter soll ihr Lebensumfeld (Wohnung, finanzielle Absicherung) stabilisieren und ein Zuwachs an erzieherischer Kompetenz erwerben, um den Bedürfnissen des Kindes gerecht werden zu können.
§ Ziel: Rückführung des Kindes nach einem Jahr
§ Notwendige Maßnahme: Wöchentliche Besuchskontakte, um die Mutter-Kind-Bindung aufrecht zu erhalten. Pflegeeltern müssen diese zulassen, Mutter muss diese wahrnehmen; Erziehungsschule besuchen, stabiles Lebensumfeld schaffen
§ Konsequenzen: Wenn die leibliche Mutter es nicht schafft, sich eine Wohnung zu suchen, sich finanziell abzusichern (z. B. durch Arbeitsaufnahme), die wöchentlichen Kontakte einzuhalten und wenn sie sich erziehungstechnisch nicht schulen lässt (leider keine Pflicht), ändert sich das Ziel der Hilfe. Ziel ist dann nicht mehr die Rückführung, sondern der dauerhafte Verbleib des Kindes bei den Pflegeeltern.
Das Jugendamt hat nicht nur zu beraten, betreuen, zu vermitteln und Leistungen zu gewähren, es organisiert die Rahmenbedingungen für die Hilfe und vor allem hat es das Wächteramt des Staates inne. Es hat den Auftrag über das Wohl des Kindes zu wachen (Der Auftrag ist in § 37 SGB VIII geregelt.). Das Jugendamt kann auch der gesetzliche Vertreter des Kindes sein (Vormund, Pfleger)
Auszug aus dem SGB VIII (KJHG)
37, Zusammenarbeit bei Hilfen außerhalb der eigenen Familie
36, Mitwirkung, Hilfeplan
(1) Der Personensorgeberechtigte und das Kind oder der Jugendliche sind vor der Entscheidung über die Inanspruchnahme einer Hilfe und vor einer notwendigen Änderung von Art und Umfang der Hilfe z beraten und auf die möglichen Folgen für die Entwicklung des Kindes oder des Jugendlichen hinzuweisen. Vor und während einer langfristig zu leistenden Hilfe außerhalb der eigenen Familie ist zu prüfen, ob die Annahme als Kind in Betracht kommt. Ist Hilfe außerhalb der eigenen Familie erforderlich, so sind die in Satz 1 genannten Personen bei der Auswahl der Einrichtung oder der Pflegestelle zu beteiligen. Der Wahl und den Wünschen ist zu entsprechen, sofern sie nicht mit unverhältnismäßigen Mehrkosten verbunden sind. Wünschen die in Satz 1 genannten Personen die Erbringung einer in § 78a genannten Leistung in einer Einrichtung, mit deren Träger keine Vereinbarungen nach § 78b bestehen, so soll der Wahl nur entsprochen werden, wenn die Erbringung der Leistung in dieser Einrichtung nach Maßgabe des Hilfeplanes nach Absatz 2 geboten ist.
(3) Erscheinen Hilfen nach § 35a erforderlich, so soll bei der Aufstellung und Änderung des Hilfeplans sowie bei der Durchführung der Hilfe die Person, die eine Stellungnahme nach § 35a Abs. 1a abgegeben hat, beteiligt werden; vor einer Entscheidung über die Gewährung einer Hilfe zur Erziehung, die ganz oder teilweise im Ausland erbracht werden soll, soll zum Ausschluss einer seelischen Störung mit Krankheitswert die Stellungnahme einer in § 35a Abs.1a Satz 1 genannten Person eingeholt werden. Erscheinen Maßnahmen der beruflichen Eingliederung erforderlich, so sollen auch die Stellen der Bundesagentur für Arbeit beteiligt werden.
Pflegeelternschule Sachsen-Anhalt, Stiftung Ev. Jugendhilfe St. Johannis; Moses-Online; SGB VIII – Online Handbuch (Hilfen für Familien)