Source: https://www.rechtslupe.de/wirtschaftsrecht/sozietaet-von-rechtsanwaelten-und-steuerberatern-und-ihre-mandate-325215
Timestamp: 2020-01-27 06:00:44
Document Index: 66938807

Matched Legal Cases: ['Art. 1', '§ 3', '§ 3', '§ 3', 'Art. 1', '§ 3', '§ 14', 'BGH', '§ 3', 'Art. 1', '§ 1', '§ 5', '§ 5', '§ 59', '§ 44', '§ 51', 'Art. 9', '§ 59', 'Art. 9', 'Art. 2', 'Art. 9', 'Art. 12', '§ 59', 'Art. 1', '§ 3', '§ 5', '§ 5', 'Art. 1', '§ 3', '§ 59', '§ 59', '§ 59', '§ 59', '§ 714', '§ 30', '§ 128', '§ 51', '§ 59', '§ 3', '§ 3', 'Art. 1', '§ 59', '§ 140', 'BGH', 'Art. 1', 'BGH', 'BGH', '§ 59', '§ 4', '§ 12', '§ 36', 'BGH']

Sozie­tät von Rechts­an­wäl­ten und Steu­er­be­ra­tern – und ihre Man­da­te | Rechtslupe
Eine aus Rechts­an­wäl­ten und Steu­er­be­ra­tern bestehen­de gemisch­te Sozie­tät konn­te sich auch vor dem Inkraft­tre­ten des Rechts­dienst­leis­tungs­ge­set­zes Man­dan­ten gegen­über zur Erbrin­gung anwalt­li­cher Dienst­leis­tun­gen ver­pflich­ten.
Hat ein Man­dant eine Bera­ter­so­zie­tät mit einer Rechts­dienst­leis­tung beauf­tragt, so kommt ein im engen zeit­li­chen Anschluss dar­an erteil­tes Fol­ge­man­dat im Zwei­fel wie­der­um mit der Sozie­tät und nicht mit dem ange­spro­che­nen Sozi­us zustan­de.
Das gegen­läu­fi­ge Ver­ständ­nis des Art. 1 § 3 Nr. 2 RBerG kann zwar aus den Grund­sät­zen her­ge­lei­tet wer­den, die der Bun­des­ge­richts­hof in sei­ner Ent­schei­dung zu § 3 StBerG ent­wi­ckelt hat 1. Sozie­tä­ten in Form einer Gesell­schaft bür­ger­li­chen Rechts fie­len so gese­hen weder unter § 3 Nr. 3 StBerG noch unter Art. 1 § 3 Nr. 2 RBerG. Eine ana­lo­ge Erstre­ckung die­ser Vor­schrif­ten auf rechts­fä­hi­ge Per­so­nen­ge­sell­schaf­ten (§ 14 Abs. 2 BGB) wie die Außen­ge­sell­schaft bür­ger­li­chen Rechts seit BGHZ 146, 341 wur­de allen­falls dann für mög­lich gehal­ten, wenn sämt­li­che Gesell­schaf­ter in eige­ner Per­son zu der Berufs­aus­übung befugt sei­en, die Gegen­stand des Man­da­tes war. Eine gemisch­te Sozie­tät aus Rechts­an­wäl­ten und Steu­er­be­ra­tern könn­te danach zwar selbst steu­er­be­ra­ten­de Man­da­te über­neh­men, weil Rechts­an­wäl­te zu die­ser Tätig­keit nach § 3 Nr. 1 StBerG gleich­falls befugt sind. Die Ertei­lung all­ge­mein rechts­be­ra­ten­der Man­da­te wäre jedoch nich­tig, so lan­ge Steu­er­be­ra­ter nach Art. 1 §§ 1, 3 Nr. 2, § 5 Nr. 2 RBerG und § 5 RDG an ihrer Über­nah­me gehin­dert sind 2.
Die­se Sicht­wei­se teilt der Bun­des­ge­richts­hof nach wei­te­rer Prü­fung jedoch nicht. Bereits seit Ein­fü­gung von § 59a in die Bun­des­rechts­an­walts­ord­nung 3 sind Sozie­tä­ten von Rechts­an­wäl­ten und Steu­er­be­ra­tern zur gemein­schaft­li­chen Berufs­aus­übung im Rah­men der eige­nen beruf­li­chen Befug­nis­se gesetz­lich aner­kannt. Ent­ge­gen der zu den §§ 44b WiPrO, 56 Abs. 4 StBerG, § 51 BOStB ver­tre­te­nen Auf­fas­sung des Bun­des­ge­richts­hofs 4 hat die­se Vor­schrift nicht nur die Sozie­täts­fä­hig­keit der rechts­be­ra­ten­den Beru­fe im Rah­men von Art. 9 Abs. 1 GG gesetz­lich aus­ge­stal­tet, son­dern auch Bedeu­tung im Schran­ken­sys­tem der berufs­recht­li­chen Ver­trags­frei­heit rechts­be­ra­ten­der Gesell­schaf­ten.
Der Gesetz­ge­ber hat die §§ 59a BRAO, 56 StBerG, 44b WiPrO nicht geän­dert, nach­dem sich in der Recht­spre­chung die Rechts­fä­hig­keit der Gesell­schaft bür­ger­li­chen Rechts und der so orga­ni­sier­ten Rechts­be­ra­ter­so­zie­tä­ten durch­ge­setzt hat­te. So wie die Koali­ti­ons­frei­heit des Art. 9 GG den Schutz der spe­zi­fisch koali­ti­ons­ge­mä­ßen Betä­ti­gung umfasst 5, so muss des­halb die Sozie­täts­frei­heit der Ange­hö­ri­gen rechts­be­ra­ten­der Beru­fe im Blick auf die Art. 2 Abs. 1, Art. 9 Abs. 1 und Art. 12 Abs. 1 GG das Recht zur typi­schen Betä­ti­gung vom Gesetz zuge­las­se­ner Rechts­be­ra­ter­so­zie­tä­ten ein­schlie­ßen, sofern die­se rechts­fä­hig sind. Die­se Betä­ti­gung ist ins­be­son­de­re der Abschluss und die Erfül­lung von Ver­trä­gen über rechts­be­ra­ten­de und rechts­be­treu­en­de Dienst­leis­tun­gen, wobei die Erbrin­gung all­ge­mei­ner Rechts­dienst­leis­tun­gen durch § 59a Abs. 1 Satz 1 BRAO, Art. 1 § 3 Nr. 2, § 5 Nr. 2 RBerG und § 5 RDG den Gesell­schaf­tern vor-behal­ten bleibt, die Rechts­an­wäl­te sind. Inso­weit bewen­det es bei der bis­he­ri­gen Recht­spre­chung, wenn ein Man­dat das berufs­recht­lich zuläs­si­ge Tätig­keits­feld des zu sei­ner Wahr­neh­mung ein­ge­schal­te­ten Sozie­täts­an­ge­hö­ri­gen über­schrei­tet, etwa weil der Anstel­lungs­ver­trag für den Geschäfts­füh­rer einer GmbH nach dem Wil­len des Man­dan­ten von einem Steu­er­be­ra­ter der Sozie­tät ent­wor­fen wer­den soll 6. Die Vor­schrift des Art. 1 § 3 Nr. 2 RBerG betraf nur die Tätig­keit natür­li­cher und juris­ti­scher Per­so­nen, die unter den gesetz­li­chen Vor­aus­set­zun­gen selbst zur anwalt­li­chen Berufs­aus­übung zuge­las­sen wer­den kön­nen.
Die Gegen­an­sicht führt dage­gen ohne Erfolg den Schutz­zweck der Zulas­sungs­vor­schrif­ten über die Rechts­an­walts­ge­sell­schaft (§§ 59c bis 59f BRAO) ins Feld, und zwar ins­be­son­de­re § 59e Abs. 2 und § 59f Abs. 1 BRAO, wel­che die Lei­tungs­macht der Rechts­an­wäl­te in einer zuge­las­se­nen Rechts­an­walts­ge­sell­schaft vor­aus­set­zen. Für eine ana­lo­ge Erstre­ckung die­ser Vor­schrif­ten auf die gemisch­te Rechts­be­ra­ter­so­zie­tät des § 59a BRAO fehlt der Ansatz­punkt, weil die Sozie­tät trotz Rechts­fä­hig­keit nicht Trä­ger der Berufs­zu­las­sung ist, son­dern sich in ihrer Tätig­keit auf die Berufs­zu­las­sung ihrer Gesell­schaf­ter stützt und in deren Gren­zen zu bewe­gen hat. Hiel­te man die genann­te Ana­lo­gie gleich­wohl für mög­lich, könn­te sie nicht recht­fer­ti­gen, die Über­nah­me all­ge­mei­ner Rechts­dienst­leis­tungs­man­da­te durch eine gemisch­te Bera­ter­so­zie­tät aus­zu­schlie­ßen, sofern auch in die­ser die Lei­tungs­macht der anwalt­li­chen Gesell­schaf­ter im Ein­zel­fall gesi­chert wäre. Jedoch kommt es dar­auf im Ergeb­nis nicht an.
Bei der als GmbH orga­ni­sier­ten Rechts­an­walts­ge­sell­schaft haf­ten die Gesell­schaf­ter, gleich­viel ob Rechts­an­wäl­te oder ande­re Per­so­nen, für schlech­te Ver­trags­er­fül­lung anwalt­li­cher Dienst­leis­tun­gen der Gesell­schaft nicht. Die Beach­tung der anwalt­li­chen Sorg­falts­pflich­ten kann gegen denk­ba­re berufs­frem­de Ein­flüs­se inner­halb der Rechts­an­walts­ge­sell­schaft des­halb nur abge­schirmt wer­den, wenn die anwalt­li­che Lei­tungs­macht gesi­chert ist. Die anwalt­li­che Tätig­keit inner­halb der gemisch­ten Rechts­be­ra­ter­so­zie­tät, die all­ge­mei­ne Rechts­dienst­leis­tun­gen erbringt, bedarf einer ähn­li­chen Abschir­mung nicht in glei­chem Maße. Selbst wenn es für die Gesell­schaf­ter­haf­tung bei dem frü­her durch Dop­pel­ver­pflich­tung gemäß § 714 BGB gezo­ge­nen Haf­tungs­rah­men unter Beschrän­kung auf die berufs­an­ge­hö­ri­gen Gesell­schaf­ter blei­ben müss­te, was hier offen blei­ben kann, wür­de der haf­tungs­recht­li­che Schutz der Man­dan­ten durch die Zulas­sung all­ge­mei­ner Rechts­dienst­leis­tungs­ver­trä­ge mit gemisch­ten Bera­ter­so­zie­tä­ten im Ver­gleich mit dem bis­he­ri­gen Rechts­zu­stand nicht in Fra­ge gestellt. Zusätz­lich gewinnt der Man­dant hier­durch die rechts­fä­hi­ge Sozie­tät als unmit­tel­ba­ren Haf­tungs­schuld­ner, wenn er die­ser und nicht nur einem anwalt­li­chen Gesell­schaf­ter das Man­dat erteilt. Schon die­se Sank­ti­ons­dro­hun­gen begüns­ti­gen gene­ral­prä­ven­tiv eine sozie­täts­in­ter­ne Orga­ni­sa­ti­on und Lei­tung, wel­che dem Gebot des § 30 BORA ent­spricht und die Erfül­lung der anwalt­li­chen Sorg­falts­pflich­ten gegen­über berufs­frem­den Ein­flüs­sen stärkt. Erst recht, wenn auch die hier noch nicht ent­schei­dungs­er­heb­li­che Fra­ge zu beja­hen ist, dass § 128 HGB für die per­sön­li­che Haf­tung aller (auch der nicht anwalt­li­chen) Gesell­schaf­ter einer Rechts­be­ra­ter­so­zie­tät bei Schlech­ter­fül­lung anwalt­li­cher Dienst­leis­tun­gen ent­spre­chend ange­wen­det wer­den muss (vgl. § 51a Abs. 2 BRAO), kann die Man­dats­er­tei­lung an die Sozie­tät typi­scher­wei­se nur im Inter­es­se des Man­dan­ten lie­gen. Schon jetzt ist des­halb § 59a BRAO ver­fas­sungs­kon­form auch im Blick auf die Zwe­cke des gesetz­li­chen Berufs­rechts dahin aus­zu­le­gen, dass der Gesetz­ge­ber den Weg zur Über­nah­me anwalt­li­cher Man­da­te durch die gemisch­te Rechts­be­ra­ter­so­zie­tät in den gezo­ge­nen Gren­zen frei gemacht hat.
Der Bun­des­ge­richts­hof schließt sich damit im Ergeb­nis der über­wie­gend auch im rechts­wis­sen­schaft­li­chen Schrift­tum inzwi­schen ver­tre­te­nen Auf­fas­sung an 7. Die­se Auf­fas­sung ver­mei­det auch die Schwie­rig­kei­ten, die für lau­fen­de Man­dats­ver­hält­nis­se ent­ste­hen wür­den, wenn eine Rechts­an­walts­ge­sell­schaft die Form wech­selt oder eine vor­mals rei­ne Anwalts­so­zie­tät Steu­er­be­ra­ter oder Wirt­schafts­prü­fer auf­nimmt.
In sei­nem Urteil vom 26. Janu­ar 2006 8 zu § 3 StBerG hat sich der Bun­des­ge­richt­hof mit dem Inein­an­der­grei­fen der unter­schied­li­chen Ebe­nen des Sozie­täts­rechts, wel­ches die Berufs­aus­übung zuge­las­se­ner Berufs­trä­ger regelt, und dem Berufs­zu­las­sungs­recht, wel­ches sich auf Sozie­tä­ten nicht erstreckt, nicht abschlie­ßend befasst. Soweit sei­ne dama­li­gen Grund­sät­ze mit sei­ner gegen­wär­ti­gen Ent­schei­dung nicht im Ein­klang ste­hen, hält der Bun­des­ge­richts­hofs an ihnen nicht fest. Das Urteil des Bun­des­fi­nanz­hofs vom 23. Juli 1998 9 betraf nur die dama­li­ge Unzu­läs­sig­keit der Steu­er­be­ra­tung durch eine nicht als Steu­er­be­ra­tungs­ge­sell­schaft aner­kann­te Part­ner­schafts­ge­sell­schaft und ist in sei­nen Grund­la­gen mit der Ein­fü­gung des gegen­wär­ti­gen § 3 Nr. 2 StBerG durch Art. 1 Nr. 2 des 7. StBÄndG vom 24. Juli 2000 10 über­holt.
Nach § 59a BRAO in der Aus­le­gung des Bun­des­ge­richts­hofs kann das auf dem Gedan­ken der gel­tungs­er­hal­ten­den Ver­trags­aus­le­gung oder Umdeu­tung (§ 140 BGB) beru­hen­de Beru­fungs­ur­teil mit der dort gege­be­nen Begrün­dung nicht auf­recht­erhal­ten blei­ben.
Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 9. Dezem­ber 2010 – IX ZR 44/​10
BGH, Urteil vom 26.01.2006 – IX ZR 225/​04, WM 2006, 830 f, Rn. 11, 15[↩]
vgl. Poseg­ga DStR 2006, 1155, 1156[↩]
durch Art. 1 Nr. 24 des Geset­zes zur Neu­ord­nung des Berufs­rechts der Rechts­an­wäl­te und Patent­an­wäl­te vom 2. Sep­tem­ber 1994, BGBl. I S. 2278[↩]
BGH, Urteil vom 26.01.2006, aaO, Rn. 12[↩]
grund­le­gend BVerfGE 4, 96, 101 f, 106; 17, 319, 333; 18, 18, 26[↩]
vgl. BGH, Urtei­le vom 16.12.1999 – IX ZR 117/​99, NJW 2000, 1333, 1335; vom 17.02.2000 – IX ZR 50/​98, NJW 2000, 1560 f.[↩]
Har­tung in Henssler/​Prütting BRAO 3. Aufl. § 59a Rn. 71; Vollkommer/​Greger/​Hei­ne­mann, Anwalts­haf­tungs­recht 3. Aufl. § 4 Rn. 20; Borgmann/​Jungk/​Grams, Anwalts­haf­tung 4. Aufl. § 12 Rn. 60 und § 36 Rn. 23; Men­ne­mey­er in Fahrendorf/​Mennemeyer/​Terbille, Haf­tung des Rechts­an­walts 8. Aufl. Rn. 123; Stob­be AnwBl. 2010, 449, 454; eben­so Sieg in Zugehör/​Fischer/​Sieg/​Schlee, Hand­buch der Anwalts­haf­tung 2. Aufl. Rn. 354 unter Annah­me einer sub­jek­ti­ven Haf­tungs­be­schrän­kung auf die Berufs­trä­ger; a.A. Poseg­ga DStR 2009, 2391, 2395 f; Matz/​Henkel VersR 2010, 1406, 1413[↩]
BGH, URteil vom 26.01.2006, aaO[↩]
BFH, Urteil vom 23.07.1998, BFHE 187, 153[↩]
BGBl. I S. 874[↩]