Source: https://www.rechtslupe.de/steuerrecht/erbst/beguenstigung-des-betriebsvermoegens-bei-mittelbarer-schenkung-3168989
Timestamp: 2019-08-20 13:57:42
Document Index: 261568131

Matched Legal Cases: ['§ 13', 'Art. 3', 'Art. 3', '§ 13', '§ 13', '§ 13', '§ 13', '§ 13']

Die Steu­er­ver­güns­ti­gun­gen des § 13a ErbStG sind nur zu gewäh­ren, wenn das erwor­be­ne Ver­mö­gen sowohl auf Sei­ten des Erb­las­sers oder Schen­kers als auch auf Sei­ten des Erwer­bers Ver­mö­gen i.S. des Abs. 4 Nr. 1 oder 2 der Vor­schrift ist1. Dies ergibt sich für die Erwer­ber­sei­te bereits aus dem Begüns­ti­gungs­zweck der Norm in Ver­bin­dung mit den Nach­ver­steue­rungs­tat­be­stän­den des Abs. 5 der Vor­schrift und für die Sei­te des Erb­las­sers oder Schen­kers aus dem Gleich­heits­satz des Art. 3 Abs. 1 GG2.
Die Bevor­zu­gung des Betriebs­ver­mö­gens gegen­über ande­ren Ver­mö­gens­ar­ten bei der Erb­schaft- und Schen­kungsteu­er bedarf im Hin­blick auf Art. 3 Abs. 1 GG einer Recht­fer­ti­gung, wie sie der Gesetz­ge­ber dem Beschluss des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts vom 22.06.19953 ent­nom­men hat4. Das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt hat aber die Mil­de­rung des Steu­er­zu­griffs bei Betriebs­ver­mö­gen aus­drück­lich auf sol­che Erwer­ber beschränkt, die den Betrieb „wei­ter­füh­ren”, „auf­recht­erhal­ten” und „fort­füh­ren”. Die­se Wort­wahl zeigt, dass das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt den Betrieb des Erb­las­sers oder Schen­kers im Blick hat­te2.
An die­ser zu § 13a ErbStG i.d.F. vor der Ände­rung durch das Gesetz zur Ände­rung steu­er­li­cher Vor­schrif­ten – Steu­er­än­de­rungs­ge­setz 2001 vom 20.12 2001 ‑StÄndG 2001-5 ergan­ge­nen Recht­spre­chung hält der Bun­des­fi­nanz­hof auch für den Streit­fall fest. Zwar wur­de durch das StÄndG 2001 der Wort­laut des § 13a Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 ErbStG inso­weit geän­dert, als die For­mu­lie­rung „beim Erwerb im Wege der vor­weg­ge­nom­me­nen Erb­fol­ge” ersetzt wur­de durch „beim Erwerb durch Schen­kun­gen unter Leben­den”. Gleich­wohl dient § 13a ErbStG auch in der geän­der­ten Fas­sung dazu, bestehen­de Betrie­be auf­grund ihrer ver­min­der­ten Leis­tungs­fä­hig­keit durch gebun­de­nes Ver­mö­gen zu begüns­ti­gen.
Zweck der Vor­schrift ist es, mit­tels Begüns­ti­gung des Erwerbs bei der Erb­schaft- und Schen­kungsteu­er einen bestehen­den Betrieb des Erb­las­sers oder Schen­kers und des­sen Arbeits­plät­ze zu erhal­ten. Die­se sol­len davor geschützt wer­den, dass der Erwer­ber zur Beglei­chung sei­ner per­sön­li­chen Erb­schaft- oder Schen­kungsteu­er­schuld auf die Ver­mö­gens­wer­te des Betriebs zurück­grei­fen muss. Die Vor­schrift dient dage­gen nicht all­ge­mein dazu, die Grün­dung oder den Erwerb eines Betriebs durch den Erwer­ber mit finan­zi­el­len Mit­teln des Zuwen­den­den zu begüns­ti­gen. Letz­te­res wäre mit der Begrün­dung des ver­min­der­ten Steu­er­zu­griffs bei Betriebs­ver­mö­gen auf­grund der „Wei­ter­füh­rung”, der „Auf­recht­erhal­tung” und „Fort­füh­rung” des Betriebs des Erb­las­sers oder Schen­kers6 nicht ver­ein­bar.
Die­se Rechts­auf­fas­sung steht im Ein­klang mit der zu § 13a Abs. 4 Nr. 3 ErbStG vor 2009 ergan­ge­nen Recht­spre­chung. Danach kommt es ‑aus­ge­hend vom Wort­laut der Vor­schrift- dar­auf an, dass der Erb­las­ser oder Schen­ker am Nenn­ka­pi­tal der Kapi­tal­ge­sell­schaft zu mehr als einem Vier­tel unmit­tel­bar betei­ligt ist7.
An die ‑unzu­tref­fen­de- Fest­stel­lung, dass es sich bei dem Grund­stück um ein Betriebs­grund­stück han­de­le, das ursprüng­lich dem Gewer­be­be­trieb der Mut­ter des Beschenk­ten zuzu­rech­nen gewe­sen sei, ist das Finanz­amt nicht gebun­den. Die Fest­stel­lung über die Zurech­nung des Betriebs­grund­stücks ent­fal­tet kei­ne Bin­dungs­wir­kung für die Fest­set­zung der Erb­schaft- oder Schen­kungsteu­er und die dabei zu tref­fen­de Ent­schei­dung über die Gewäh­rung der Steu­er­ver­güns­ti­gun­gen nach § 13a Abs. 1 und 2 ErbStG vor 20098.
zu der im Wesent­li­chen glei­chen Vor­läu­fer­vor­schrift BFH, Urteil vom 14.02.2007 – II R 69/​05, BFHE 215, 533, BSt­Bl II 2007, 443, unter II. 2.b; BFH, Beschluss vom 18.02.2008 – II B 109/​06, BFH/​NV 2008, 1163↩
BFH, Urteil in BFHE 215, 533, BSt­Bl II 2007, 443, unter II. 2.b↩↩
BVerfG, Beschluss vom 22.06.1995 – 2 BvR 552/​91, BVerfGE 93, 165, BSt­Bl II 1995, 671, unter C.I. 2.b bb↩
BR-Drs. 390/​96, 67 f.↩
BGBl I 2001, 3794↩
vgl. BFH, Urteil in BFHE 215, 533, BSt­Bl II 2007, 443, unter II. 2.b↩
BFH, Urteil vom 16.02.2005 – II R 6/​02, BFHE 208, 444, BSt­Bl II 2005, 411↩
vgl. BFH, Urtei­le vom 29.11.2006 – II R 42/​05, BFHE 215, 529, BSt­Bl II 2007, 319, unter II. 2.a; und vom 18.05.2011 – II R 10/​10, BFH/​NV 2011, 2063, Rz 16↩