Source: https://dost-rechtsanwalt.de/rechtsanwalt-bei-kapitalverbrechen/strafverteidigung-im-sexualstrafrecht/glaubwuerdigkeit-von-zeugen/pruefung-der-glaubwuerdigkeit/
Timestamp: 2019-12-10 20:32:01
Document Index: 225133719

Matched Legal Cases: ['BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH']

Rechtsanwalt - Sexualstrafrecht - Prüfung der Glaubwürdigkeit von Zeugen
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Prüfung der Glaubwürdigkeit von Zeugen im Sexualstrafrecht
Rechtsanwalt Ulrich Dost-Roxin
Gericht prüft Glaubwürdigkeit des Zeugen
Die ureigenste Aufgabe eines Gerichts ist es, die Beweiswürdigung von Zeugen ohne Unterstützung von Sachverständigen vorzunehmen und auch die Glaubwürdigkeit zu bewerten. Die Würdigung von Aussagen auch kindlicher oder jugendlicher Zeugen gehört zum Wesen richterlicher Rechtsfindung. Deshalb ist die Prüfung der Glaubwürdigkeit grundsätzlich dem Tatrichter anvertraut.
Das Gutachten zur Glaubwürdigkeit des Zeugen
Die Einholung eines aussagepsychologischen Sachverständigengutachtens ist allerdings dann geboten, wenn der Sachverhalt oder die Person der Zeugen Besonderheiten aufweist. Dann nämlich können oder müssen Zweifel daran aufkommen, ob die Sachkunde des Gerichts auch zur Beurteilung der Glaubwürdigkeit unter den gegebenen besonderen Umständen ausreicht.
Was können besondere Umstände für ein Sachverständigengutachten sein?
Eine Vielzahl solcher besonderen Umstände können benannt werden. Hier werden exemplarisch nur Beispiele im Zusammenhang mit dem Vorwurf des sexuellen Missbrauchs von Kindern aus einem konkreten Strafverfahren aufgeführt.
Besondere Umstände können zunächst die Befragungen der vermeintlich missbrauchten Kinder durch die Eltern sein. Wird dabei Druck erzeugt oder Strafen angedroht , etwa weil das Kind „nicht die Wahrheit sagt“, kann das allein Grund für ein Gutachten sein.
Ein besonderer Umstand kann auch die Befragungen der kindlichen Zeugen durch einen Nebenklägervertreter (Rechtsanwalt) sein. Das vor allem dann, wenn er die strafunmündigen Kinder zu den vermeintlichen Vorfällen in seiner Kanzlei im Beisein der Erziehungsberechtigten „vernimmt“ und den Kindern trotz fehlender Strafmündigkeit „strafbewehrte eidesstattliche Versicherungen“ unterzeichnen lässt.
Das betrifft auch solche Umstände, die auf eine mögliche Suggestion hinweisen. So sorgten die Eltern mehrerer vermeintlich missbrauchter Kinder dafür, dass diese eine „Whatsapp-Gruppe“ bildeten. Diese sollte dazu beitragen, dass die Kinder „endlich die Wahrheit“ sagen.
Erfolgreiche Revision vor Oberlandesgericht im Zusammenhang mit Prüfung der Glaubwürdigkeit
Eine solche Fallkonstellation war in meinem hier dargelegten Fall gegeben. Das OLG Brandenburg hob auf die Sprungrevision das Urteil des Amtsgerichts Oranienburg auf. Das Amtsgericht hatte verkannt, dass besondere Umstände vorlagen, die eine vom Strafverteidiger beantragte Beiziehung eine Gutachters erforderlich machten.
Glaubwürdigkeit und Entstehungsgeschichte von Zeugenaussagen
Unter solchen Umständen kann sich ein Gericht die Beurteilung der Glaubwürdigkeit der kindlichen Zeugen ohne Hinzuziehung eines Sachverständigen nicht mehr zutrauen. Das gilt umso mehr, wenn die Entstehungsgeschichte der kindlichen Zeugenaussagen nicht aufgeklärt werden (können). Das ist auch deshalb wichtig, weil gerade in (vermeintlichen) Missbrauchsfällen der Entstehungsgeschichte solcher kindlichen Aussagen besondere Bedeutung zukommt.
Weitergehende Hinweise zur Glaubwürdigkeit im Zusammenhang mit vermeintlichen Sexualstraftaten finden Sie hier. Wie Fehlentscheidungen des Gerichts erfolgreich in der Revision angegriffen werden können erfahren Sie hier.
Einen einleitenden Artikel zur Verteidigung bei Sexualstrafrecht finden Sie hier. Zu den einzelnen Straftatbeständen (Straftatvorwürfen) finden Sie weitere Informationen auf den entsprechenden Unterseiten. So finden Sie hier Ausführungen zur Vergewaltigung, zur sexuellen Nötigung oder auch zur sexuellen Belästigung. Was der Gesetzgeber unter „Sexualstraftaten aus Gruppen“ versteht soll auch erläutert werden. Und hier finden sich Abhandlungen zum sexuellen Missbrauch und zum schweren sexuellen Missbrauch von Kindern oder auch zur Kinderpornographie.
Beiträge aus der Rubrik "News"
Freispruch am Amtsgericht Tiergarten (8. Februar 2018)
Staatsanwalt wird Spucke sammeln zwecks DNA-Ermittlungen verboten (20. Oktober 2017)
Erkennungsdienstliche Behandlung rechtswidrig (12. Juli 2017)
Sprungrevision kippt Kindesmissbrauchs-Urteil (26. Juni 2017)
Louvre: Mona Lisa sagt „Nein“ zu „Nein heißt Nein“ (28. Juni 2016)
Wirklich sexueller Missbrauch? (2. März 2016)
Opfer einer Vergewaltigung nach KO Tropfen (29. Februar 2016)
BGH – kein Verstoß gegen Weisungen während der Führungsaufsicht feststellbar (18. September 2015)
BGH – Besitz kinderpornographischer Schriften nicht strafbar (16. September 2015)
BGH – Kuss auf den Mund kein sexueller Missbrauch (16. September 2015)
Freispruch vom Vorwurf des sexuellen Missbrauchs eines Kindes (5. Juni 2015)
Vergewaltigung und andere Sexulastraftaten in den Medien (9. September 2014)
Anwalt erreicht milde Strafe wegen schweren sexuellen Missbrauchs am Landgericht Oldenburg (15. April 2013)
Pädophilie als Grund für verminderte Schuldfähigkeit bei schwerem sexuellem Missbrauch von Kindern (15. April 2013)
2. Presseerklärung zum Strafverfahren am Landgericht Oldenburg – Anwalt rügt mangelnde Sachkunde des Sachverständigen und stellt Antrag auf neue Begutachtung zur Schuldfähigkeit (4. April 2013)
Respekt vor dem Kachelmann-Prozess – ein Nachruf (1. Juni 2011)
Glaubhaftigkeit von Zeugen bei Vergewaltigung und sexuellem Missbrauch
Aussagepsychologisches Gutachten und Gerichtsbeschluss
Gerichtsverhandlung und Fragen des Angeklagten an Zeugen und Gutachter
Sexueller Missbrauch von Kindern – Kindesmissbrauch
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