Source: http://www.liebfrauenbote.de/home/ausgaben/2012/dezember/ausgabe-50/motu-proprio-zur-caritasarbeit/
Timestamp: 2019-02-17 00:32:38
Document Index: 37293809

Matched Legal Cases: ['§1', 'Art. 4', '§ 3', 'Art. 7', '§ 2', 'Art. 10', '§ 3', 'Art. 11', 'Art. 15']

Motu Proprio zur Caritasarbeit - Altöttinger Liebfrauenbote
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Motu Proprio zur Caritasarbeit
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Ausgabe 52/53
Motu proprio „Über den Dienst der Liebe“
Papst will „katholische“ Caritas
Papst Benedikt XVI. hat am 1. Dezember ein Motu proprio für Caritasarbeit und Hilfsorganisationen der Kirche veröffentlicht. In dem Dekret „Über den Dienst der Liebe“ betont er explizit die "katholische" Ausrichtung der Hilfsangebote und die besondere Bedeutung eines Dienstes aus christlicher Nächstenliebe. Der Papst betont die Verantwortung der Bischöfe, die in ihren Diözesen die verschiedenen Initiativen regeln und klärt die Zuständigkeit für die Anwendung der neuen Rechtsvorschriften, die beim Päpstlichen Rat „Cor unum“ liegt.
"Die Kirche ist auch auf gemeinschaftlicher Ebene zur diakonia der Nächstenliebe aufgerufen, angefangen von den Ortsgemeinden über die Teilkirchen bis zur Universalkirche; darum bedarf es auch einer ,Organisation als Voraussetzung für geordnetes gemeinschaftliches Dienen', einer Organisation, die auch institutionelle Formen annimmt", erklärt der Papst in der Einleitung des rund siebenseitigen Schreibens. Er wolle deshalb einen "einen organischen normativen Rahmen bereitstellen, der es erleichtert, die verschiedenen organisierten Formen, die der kirchliche Liebesdienst annimmt, nach allgemeinen Kriterien zu ordnen".
Im Folgenden erklärt Benedikt XVI., was er vor allem unter "katholischer" Caritasarbeit versteht. Mittelpunkt ist der Mensch und nicht das Geld: die vielen katholischen Organisationen dürften sich "bei ihrer karitativen Tätigkeit nicht auf die bloße Sammlung oder Verteilung von Geldmitteln beschränken, sondern müssen ihre besondere Aufmerksamkeit stets der bedürftigen Person selbst widmen", stellt das Schreiben klar. Wichtig ist dem Papst die Abgrenzung zum "allgemeinen Wohlfahrtswesen": der katholische Charakter muss sichtbar bleiben, "indem sie (die Organisationen) die Erziehung zu gemeinsamem Teilen, zu Respekt und Liebe im Sinne des Evangeliums Christi fördern".
Damit Organisationen und Initiativen – nicht nur die Caritas, sondern auch die "zahlreiche(n) andere(n) Initiativen", die "auf das freie Engagement von Gläubigen" zurückgingen – "in Übereinstimmung mit den Forderungen der kirchlichen Lehre und den Absichten der Gläubigen" agierten sowie "die Einhaltung rechtmäßiger zivilrechtlicher Vorschriften gewährleistet" bleibe, sind insbesondere die Bischöfe gefordert: Insbesondere gelte es, "die Autorität und die koordinierende Rolle zu unterstreichen, die dabei dem Diözesanbischof zukommen", heißt es im Dekret. Im Artikel 4, §1 heißt es deutlich: "Der Diözesanbischof nimmt seine pastorale Sorge für den karitativen Dienst in der ihm anvertrauten Teilkirche als Hirte, Leiter und erster Verantwortlicher dieses Dienstes wahr."
Konkret obliegt es dem Diözesanbischof laut Dekret u.a. "darüber zu wachen, dass bei den Aktivitäten und der Leitung besagter Organisationen stets die Vorschriften des allgemeinen und partikularen Kirchenrechts beachtet" werden (Art. 4, § 3) sowie dafür Sorge zu tragen, "dass jene Personen, die im pastoralen, karitativen Dienst der Kirche tätig sind, nicht nur über die erforderlichen beruflichen Kompetenzen verfügen, sondern auch ein Beispiel christlicher Lebensführung geben und eine Herzensbildung aufweisen, durch die ein in der tätigen Nächstenliebe wirkender Glaube zum Ausdruck kommt" (Art. 7., § 2). Im Besonderen müsse "der Diözesanbischof verhindern, dass die ihm unterstellten karitativen Organisationen von Einrichtungen oder Institutionen finanziert werden, deren Zielsetzungen im Widerspruch zur kirchlichen Lehre stehen", heißt es in Art. 10, § 3. Im Ernstfall drohen Sanktionen: "Der Diözesanbischof ist gehalten, wenn nötig, seine Gläubigen öffentlich darüber in Kenntnis zu setzen, dass die Aktivitäten einer bestimmten karitativen Organisation die Anforderungen der kirchlichen Lehre nicht mehr erfüllen. Auch muss er in diesen Fällen die Verwendung der Bezeichnung ,katholisch' untersagen und, sollten sich persönliche Verantwortlichkeiten abzeichnen, entsprechende Maßnahmen treffen" (Art. 11).
Auch die Bischöfe werden überwacht: "Dem Päpstlichen Rat ,Cor Unum' kommt die Aufgabe zu, die Anwendung der vorliegenden Rechtsvorschriften zu fördern und darüber zu wachen, daß sie auf allen Ebenen angewandt werden..." (Art. 15)
Text: Michael Glaß