Source: http://www.uni-protokolle.de/foren/viewt/241814,0.html
Timestamp: 2018-10-18 23:01:26
Document Index: 302784072

Matched Legal Cases: ['§ 223', '§ 26', '§ 28', '§ 212', '§ 212', '§ 28', '§28', '§28', '§ 28']

Verfasst am: 07 Aug 2009 - 13:22:56 Titel: Fragen zu Strafrecht
ich brauche etwas Hilfe bei meiner Hausarbeit. Wäre nett, wenn ich auf diesem Weg ein paar Hinweise bekäme. Hatte mich schon speziell an meinen Ort gewandt, aber will mich nun auch an die Allgemeinheit wenden.
Hier der Fall zusammengefasst:
Waffenliebhaber A erfährt, dass seine Freundin F eine Affäre mit X hat. Daher will A den X umbringen lassen. Das soll der Berufskiller K für ihn erledigen.
Als K am nächsten Tag kurz davor ist, den X umzubringen, erschießt ihn der A von hinten. A hat nämlich Bedenken bekommen, da er nach dem Tod des X sicher als Eifersuchtstäter erkannt werden würde und da er vorbestraft ist, will er das nicht riskieren. Da er den K vorher nicht telefonisch erreichen konnte, ist er zum Tatort und wollte ihn dort abfangen. Da aber zwischen ihm und X eine laute Baustelle lag, konnte der K die Rufe des A nicht hören. Um nun das Leben des X zu retten, schoss A auf K, wollte ihn jedoch nicht tödlich treffen. K stirbt aber.
Eine Woche später macht F mit A Schluss. Da beschließt A die F umbringen zu lassen. Das soll B, ein Freund aus dem Knast, der dem A einen Gefallen schuldig ist, erledigen.
A sagt, dass die F abends gegen 21h immer joggen geht und dabei ein weißes Stirnband trägt. B legt sich auf die Lauer und erschießt die erste Joggerin mit einem weißen Stirnband. Die getötete Person ist jedoch nicht F, sondern eine zufällig vorbeikommende andere Joggerin mit einem weißen Stirnband.
Hauptsächlich geht es ja um Mord, Totschlag, Anstiftung, error in persona. Mein Wissen ist noch recht begrenzt und verstehen kann ich es im Moment auch noch nicht, wie die Einzelnen zu bestrafen sind.
K ist tot, somit wird der nicht geprüft.
A macht sich der Anstiftung zum Mord schuldig? Muss man hier etwas mit Akzessorietät nennen? Täterschaft/Teilnahme? A müsste ja dann zweimal geprüft werden, oder? Einmal für den Versuch an X und einmal für den Tod der Joggerin.
B macht sich des Mordes schuldig? Dabei hat er doch eigentlich keine tatbezogenen Merkmale.
Ich hoffe, ich kann ein paar Hinweise bekommen. Im Moment hab ich alles andere als den Durchblick.
Verfasst am: 07 Aug 2009 - 15:50:28 Titel:
häh?! Moment, brauch noch ne Zeit
Verfasst am: 07 Aug 2009 - 16:27:08 Titel:
Ja ok. Würd ich in zwei Tatkomplexe einteilen. Erstmal die Sache mit K und dann die Sache mit B.
Hinsichtlich K wirst de wahrscheinlich innerhalb der Anstifterstrafbarkeit des A beim Prüfungspunkt "vorsätzliche rechtswidrige Haupttat" die Tat des K inzident prüfen müssen (also nur Tatbestandsmäßigkeit und Rechtswidrigkeit).
Scheint mir dann aber fraglich, ob der K wirklich schon zur Verwirklichung des Tatbestandes an X angesetzt hatte. Wenn das nicht der Fall ist, kann A auch mangels vorsätzlicher rechtswidriger Haupttat kein Anstifter mehr sein.
Dahingehend bleibt die Prüfung der Strafbarkeit wegen Versuch der Beteiligung.
Mord, Totschlag wegen seines auf K abgegeben Schusses prüfen.
Problematisch ist, ob der Tötungsvorsatz des A zu bejahen ist. Wird wohl ein Problem des Eventualvorsatzes sein.
Das ist übrigens auch unter dem Gesichtspunkt Rücktritt vom Versuch der Beteiligung interessant.
Hinsichtlich der F sieht's nach unterschiedlich verwirklichten Mordmerkmalen aus. Da könnte Rechtsprechung und Literatur zu unterschiedliche Ergebnissen kommen. Bei Heimtücke fällt mir so grundsätzlich die Stichwörter (Positive, Negative) Lehre von der Typenkorrektur, "feindliche Willensrichtung", "besonders verwerflicher Vertrauensbruch" ein. Die Zurechnung des Irrtums des B zu A ist umstritten (error in Persona des Vortäters eine aberatio ictus für den Anstifter? oder zurechenbar?)
B macht sich des Mordes schuldig? Dabei hat er doch eigentlich keine tatbezogenen Merkmale
B legt sich auf die Lauer
Selbst wenn nicht, B ist doch Haupttäter. Für ihn können auch subjektive Mordmerkmale einschlägig sein. Allein dem Teilnehmer werden nur tatbezogene Mordmerkmale zugerechnet.
Ja, A muss mehrmals geprüft werden.
Verfasst am: 07 Aug 2009 - 17:03:40 Titel:
Ich fass mal zusammen, wie ich es verstanden hab und versuche dann, meine weiteren Denkblockaden zu schildern.
1) Ich soll K prüfen, obwohl er tot ist, damit ich eine Straftat hab, die A anstiften konnte. Dazu kommt aber die Frage, ob K überhaupt angesetzt hat und A somit überhaupt strafbar ist. Käme ich nicht zum Ergebnis, dass A angestiftet hat, müsste ich Versuch der Beteiligung an einem Mord prüfen.
2) Schuss des A auf den K. Vorsatzprobem. Er wollte den Tod nicht, also falls kein Vorsatz, dann §§ 223, 224, 227 prüfen und dies bejahen.
3) Den Rücktritt vom Versuch der Beteiligung würde ich doch aber bei 1) prüfen oder nicht? Zuerst den Versuch der Beteiligung prüfen, dann den eventuellen Rücktritt davon.
4) B bringt Joggerin um. Error in persona/aberatio iuctus. A ist klar Anstifter.
Was ich noch nicht recht verstehe, viellicht liegt es auch einfach nur an meinem Gerechtigkeitssinn: A kann also nur als Anstifter zum Mord bestraft werden. Ich meine zu wissen, dass es auch Fälle gibt, in denen der Anstifter gleich dem Täter bestraft wird. Ich hab mich in dem Punkt da noch nicht hineingedacht, aber falls nicht, dann kommt ja A gut bei der ganzen Sache weg. Seh ich das falsch?
Außerdem: In wie fern soll ich denn Täterschaft/Teilnahme prüfen? Seh ich den A nur als Anstifter, wäre er ja Teilnehmer. Muss ich das groß prüfen?
Verfasst am: 09 Aug 2009 - 16:45:03 Titel:
Der Anstifter wird immer gleich dem Täter bestraft, vgl. § 26 I StGB. Dazu sagt man aber in einer Klausur nichts, da dies die Rechtsfolgenseite ist (außer natürlich bei bestimmten Argumentationen).
Täterschaft/Teilnahme-Problematik eröffnest du natürlich nur dann, wenn es auch diesbzgl. ein Problem in der Klausur gibt, also z.B. wenn nicht klar ist, ob A Täterqualität hat (Tatherrschaftslehre/subjektive Theorie). Das prüfst du auch - wenn, dann - nicht irgendwo getrennt, sondern im Rahmen der Täterschaftsprüfung. Diese fällt aber weg, wenn klar feststeht, dass A kein Täter ist.
Hab mir den SV nicht durchgelesen, deshalb kann ich das hier nicht beantworten .
Verfasst am: 09 Aug 2009 - 16:50:13 Titel: Re: Fragen zu Strafrecht
"Eigentlich" keine tatbezogenen Mordmerkmale, sehr interessante Aussage . Also, hier kommen doch zumindest schonmal Heimtücke und niedrige Beweggründe (täterbezogen, aber trotzdem Mordmerkmal ) in Betracht.
Verfasst am: 09 Aug 2009 - 16:59:54 Titel: Re: Fragen zu Strafrecht
Zum zweiten Tatkomplex "Tötung durch B":
Nur mal so nebenbei: Den A prüfst du natürlich nach dem B, da er ja Anstifter ist (Haupttäter wird zuerst geprüft). Ich erwähne das nur, weil du den A zuerst nennst.
Täterschaft für A würde ich hier nicht prüfen, da kein Fall des Täters hinter dem Täter vorliegt und B jedenfalls einen Totschlag begangen hat.
Und zur Akzessorietät: Das kommt natürlich drauf an, welches Mordmerkmal beim Täter und welches beim Teilnehmer vorliegt und bzgl. welcher Merkmale beide Vorsatz (beim anderen) haben.
Ich geb dir mal einen Tipp: Geh der Reihe nach vor und versuch nicht, gleich am Anfang alles mögliche schon zu durchdenken. Gerade wenn man "nicht so viel Ahnung" hat, ist das doch der beste Weg.
Fang mit B an und prüfe ganz normal, welche Mordmerkmale bei ihm vorliegen. Dass bei ihm ein error in persona vorliegt, ist für den Vorsatz unschädlich.
Anschließend prüfst du A. Bei ihm problematisierst du dann im Vorsatz bzgl. der Vollendung der Haupttat, ob error in persona oder abberatio ictus (i.E. hier nach h.M. abberatio ictus, da Täter sein Objekt genau beschrieben hat). Dann sagst du, wie der abberatio ictus behandelt wird (Fahrlässigkeit bzgl. getroffenem Objekt, Versuch am anvisierten Objekt) und prüfst dann den Vorsatz des A bzgl. der Mordmerkmale des B (und die eigenen Mordmerkmale des A).
Je nachdem, wie diese Prüfung ausfällt, musst du dann den § 28 StGB problematisieren.
Anschließend prüfst du für A den Versuch am "anvisierten" Objekt, also an F.
Verfasst am: 10 Aug 2009 - 05:28:53 Titel:
Danke, Marina, für deine ausführliche Antwort.
Gestern habe ich mich ausschließlich mit dem zweiten Abschnitt des Falls beschäftigt. Auf viele deiner angesprochenen Sachen bin ich dann auch in den Büchern gestoßen. Bedanke mich recht herzlich bei euch Beiden. Habt mir wirklich geholfen.
Ich hab so angefangen zu prüfen:
- Prüfung des B nach §§ 212 I, 211
Mordmerkmal: Heimtücke, ( Marina, du erwähntest noch sonstige niedrige Beweggründe. Welche sollen das denn bei B sein? Wie ausführlich sollte ich die Heimtücke prüfen?); Gemeingefährliche Mittel prüfe ich an, verneine das dann aber; im subj. TB bejahe ich Vorsatz (-> erwähne ich da den error in persona? Sage dann einfach, dass er zwar jmd. anderes traf, dies aber nichts an seinem Vorsatz ändert.); Mordmerkmale der 1. und 3. Gruppe nicht vorhanden. RW und Schuld zu bejahen. Also hat sich B des Mordes schuldig gemacht.
- Prüfung des A nach §§ 212 I, 211, 26
Vorsätzlich rechtswidrige Tat (+)
Bestimmen (+)
Für A ist der error in persona des Haupttäters eine aberratio ictus. Keine vollendete Anstiftung, sondern nur versuchte Anstiftung zum Mord der unbeteiligten Joggerin, da die Tötung der Joggerin nicht von seinem Vorsatz umfasst war.
Hoffe, bis hierhin ist das akzeptabel.
Dann würde ich bei A die Mordmerkmale Heimtücke und Eifersucht, also sonst. niedr. Beweggründe, bejahen. Wie genau ich dann mit § 28 umgehen muss, weiß ich nicht, ob das nun für ihn verschärft wird oder nicht.
Prüfe ich dann wieder ganz normal Anstiftung und komme zum Ergebnis, dass er sich einer Anstiftung zum versuchten Mord schuldig gemacht hat?
Und zum Schluss noch eine allg. Frage: Wo liegt der Hauptmeinungsstreit in dieser HA? Ich denke, dass es §28 ist, den ich aber noch verstehen müsste.
Ich weiß, ich hab viel geschrieben, aber hoffe, dass ich eine Antwort bekomme und ihr mir bei meinen noch offenen Fragen helfen könnt.
Verfasst am: 11 Aug 2009 - 07:16:12 Titel:
( Marina, du erwähntest noch sonstige niedrige Beweggründe. Welche sollen das denn bei B sein?
Naja, B soll im Auftrag des A töten, weil er diesem noch "einen Gefallen schuldig" ist. Das könnte durchaus ein niedriger Beweggrund sein, muss man zumindest mal prüfen. Zu beachten ist aber, dass besonders dieses Merkmal restriktiv auszulegen ist (Typenkorrektur usw.).
Verfasst am: 11 Aug 2009 - 07:19:34 Titel:
Ich denke, dass es §28 ist, den ich aber noch verstehen müsste.
Zu diesem Thema gibt es hier schon sehr viele Threads . Benutze mal die Suchfunktion, z.B. unter dem Stichwort "gekreuzte Mordmerkmale". Ich weiß nicht, ob hier gekreuzte Mordmerkmale vorliegen (so genau hab ich mir den Fall nicht angeschaut), aber in dem besagten Thread werden die Streitigkeiten um § 28 erläutert.