Source: https://www.frag-einen-anwalt.de/Ermittlung-Architekten-Honorar-ohne-schriftlichen-Vertrag--f315632.html
Timestamp: 2018-12-16 22:48:08
Document Index: 193211814

Matched Legal Cases: ['§ 7', '§ 7', '§ 7', 'BGH', 'BGH', 'BGH']

Ermittlung Architekten-Honorar ohne schriftlichen Vertrag
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| 03.09.2018 22:14 |
Preis: 140,00 € |
im Zusammenhang mit der Renovierung eines Hauses habe ich eine Architektin beauftragt. Nach Abschluss der Arbeiten habe ich nun die Schlussrechnung der Architektin erhalten, die meiner Ansicht nach viel zu hoch ist. Es existiert kein schriftlicher Vertrag mit der Architektin und meines Erachtens auch keine Vereinbarung zur Vergütung.
Aus dem ersten Maßnahmenkatalog ergaben sich Netto-Baukosten in Höhe von 50.650 Euro. Ich hatte bereits davor kommuniziert, dass sich die Baukosten zwischen 20.000 und 30.000 Euro bewegen sollen und ich aus dem Maßnahmenkatalog Bauleistungen auswählen würde, so dass die Kosten im festgelegten Rahmen bleiben.
Vor Beginn der Arbeiten schrieb die Architektin Anfang Januar 2018 zum Thema Vergütung Folgendes per Email:
„…Ich habe jetzt einmal für die zu erbringenden Leistungen, die ermittelten 50.650,- € als anrechenbare Baukosten in die Honorarrechnertabelle eingegeben und das Honorar ermittelt (siehe Anlage). Da kommen dann ca. 5.500,- € netto heraus. Wenn man meinen Stundensatz nimmt, der eigentlich bei 85,- € liegt, dann könnte das, also nach meinem geschätzten Zeitaufwand, eventuell auch eben so hinkommen. Es gibt nämlich grundsätzlich zwei Optionen:
1. Vergütung auf Zeitnachweis - Hier ist der Nachteil für Sie, dass Sie vorher nicht wissen, wieviel Zeit ich einsetzen muss.
2. Vergütung nach Honorartabelle - Hier hätten Sie den Vorteil, dass Sie durch die Pauschale, wüßten was auf Sie zukommt.
Jedenfalls ist es so, dass 10% der Baukosten für die Maßnahme nicht viel ist und es soviel auch mindestens sein müsste und ich diese im Grunde auch nur anbieten kann, sofern wir mit einem Unternehmer wie dem Herrn [xxx] zusammen arbeiten, da hier der aufwand überschaubarer ist.
Bei allen anderen Konstellationen würde ich tatsächlich lieber auf Zeitbasis abrechnen wollen, da sich der Aufwand vorher nicht gut einschätzen lässt. …"
Ich habe mich dazu nie geäußert, sondern weiter mit ihr die durchzuführenden Bauleistungen festgelegt, deren Durchführung sie dann auch bis zu deren Abschluss begleitet hat.
Die Arbeiten wurden durch drei Firmen durchgeführt, da die einzige Firma, die alle Arbeiten hätte durchführen können, vorher abgesprungen ist. Die Summe der Nettobeträge in den Schlussrechnungen der drei Firmen betragen insgesamt knapp 22.000 Euro, also wesentlich weniger als die ursprünglich von ihr angesetzten anrechenbaren Kosten von 50.650 Euro.
Im Brief zu Ihrer Schlussrechnung schrieb sie Folgendes:
„… Die abrechnung musste ich gemäß Honorarverordnung vornehmen, da auf Stundenbasis es für Sie viel teurer gekommen wäre."
Ihrer Schlussrechnung ist die Berechnung des Honorars gemäß HOAI-Rechner (https://www.hoai.de/online/hoai_rechner/) beigefügt mit anrechenbaren Kosten von 50.650 Euro. Die gleiche Berechnung gemäß HOAI-Rechner hatte sie ihrer Email vom Januar 2018 schon beigefügt. Auf meine Frage, wie sich diese anrechenbaren Kosten ergeben, schrieb sie:
„…Bei anrechenbaren Kosten unter 50.000,- € ist das Architektenhonorar frei vereinbar. Das heißt man muss sich nicht an die Honorarverordnung halten. Dieses Pauschalhonorar, was ich Ihnen Ende Januar zugeschickt hatte, war die Pauschale die ich Ihnen, ganz unabhängig von anrechenbaren Kosten, unterbreitet hatte. Weil nach meiner Erfahrung und Zeit- Aufwandsschätzung das ein angemessenes Honorar ist. Wie gesagt, wenn Sie eine Abrechnung nach tatsächlichem Zeitaufwand wünschen, dann kommt deutlich mehr dabei heraus. Es sind dann circa 6.500,- € netto. Bedenken Sie bitte, dass es damals keinen Einwand von Ihnen gab, womit ich mich auf Basis des Angebots für beauftragt fühlte und schließlich auch die ganze Leistung abgewickelt habe… ."
Daher meine erste Frage zur Basis des Honoraranspruchs:
Was ist die Basis ihres Honoraranspruchs – die HOAI, eine Abrechnung auf Stundenbasis oder eine Pauschale?
Falls die HOAI die Basis ist: Welche anrechenbaren Kosten sind anzusetzen? Die HOAI-Tabellen starten erst bei 25.000 Euro.
Falls die Abrechnung auf Stundenbasis erfolgen muss: Muss die Architektin nicht zumindest darlegen, wie viele Stunden sie wofür verwendet hat?
Darüber hinaus gibt es noch einen weiteren Punkt zum Thema erbrachter Leistungsumfang:
Die Architektin hat in der Honorar-Berechnung gemäß HOAI-Rechner die Leistungsphasen 6 bis 8 einbezogen, womit ich grundsätzlich einverstanden bin. Allerdings hat sie bei weitem nicht alle Grundleistungen dieser Leistungsphasen erbracht (manche Grundleistungen wurden von mir selbst erbracht, manche wurden von niemandem erbracht).
Dann gibt es noch einen weiteren Punkt zum Thema Qualität des erbrachten Leistungsumfangs:
Ihr sind einige – teils gravierende - Fehler unterlaufen (Beispiele):
- Sie hat bei der Besichtigung der Baustelle nicht bemerkt, dass das falsche Parkett verlegt wurde.
- Die bestellten Unterputz-Rollladengurte konnten trotz gemeinsam abgestimmten Leistungsverzeichnis dann doch nicht als Unterputz realisiert werden.
- Die Rechnungen der Handwerker waren trotz ihres Vermerks „Fachtechnisch geprüft" fehlerhaft.
Wie ist damit umzugehen? Im Einzelnen: Kann sie dann die vollen Prozentsätze der einzelnen HOAI-Leistungsphasen ansetzen? Bzw. bei einer Abrechnung auf Stundenbasis: Kann sie den Mehraufwand, um ihre Fehler zu korrigieren, ansetzen?
Kosten HOAI Kosten
1. Die Frage der Vergütung richtet sich grundsätzlich nach § 7 HOAI. Gemäß § 7 Abs. 1 HOAI ist eine schriftliche Vergütungsvereinbarung die Regel. Diese liegt hier nicht vor, der von Ihnen zitierte Austausch von E-Mails ist keine schriftliche Vergütungsvereinbarung.
Eine Berechnung auf Stundenbasis fällt daher schon weg, da diese hätte schriftlich vereinbart werden müssen. Die Beträge der HOAI sind in dem Sinne Pauschalen, nur eben gesetzlich festgelegt. Eine darüber hinausgehende Pauschale muss schriftlich vereinbart werden.
Ist nichts anders vereinbart, gelten aus § 7 Abs. 5 HOAI immer die jeweiligen Mindestsätze, dies ist aus meiner Sicht auch in Ihrem Fall so.
2. Die Anrechenbaren Kosten beginnen bei einem Wert von EUR 25.000,00. Ist die Leistung geringer also EUR 25.000, so ist das Honorar frei verhandelbar.
Da dies hier nicht geschehen ist, wäre aus meiner Sicht immer nur die EUR 25.000 als Kosten anzusetzen. Es wurde zwar im Ansatz verhandelt, Sie haben aber auf das Angebot nicht reagiert, Ihnen wurde auch keine Frist gesetzt etc. Eine wirksame Honorarvereinbarung war dies nicht.
Die anrechenbaren Kosten von EUR 50.600 wurden nicht erreicht, diese sollten daher auch nicht verwendet werden. Vielmehr wären höchsten die EUR 25.000 anzusetzen.
3. Wurden hier teilweise eine Schlechtleistung erbracht, so kommen die Normen des Werkvertrages nach BGB zur Anwendung.
Der BGH stellt in diesem Zusammenhang fest:
"Erbringt der Architekt eine vertraglich geschuldete Leistung teilweise nicht, dann entfällt der Honoraranspruch des Architekten ganz oder teilweise nur dann, wenn der Tatbestand einer Regelung des allgemeinen Leistungsstörungsrechts des BGB oder des werkvertraglichen Gewährleistungsrechts erfüllt ist, die den Verlust oder die Minderung der Honorarforderung als Rechtsfolge vorsieht." (vgl. BGH, Urt. v. 24.6.2004 - VII ZR 259/02).
Hier wird man also überlegen müssen, ob die Punkte:
Gewährleistungsrechte nach BGB aufrufen.
Aus meiner Sicht ist dies mindestens beim ersten Punkt der Fall. Ist hier eine Nacherfüllung wegen Unmöglichkeit, da bereits fertig gestellt, nicht mehr möglich, kann hier die Rechnung gemindert werden.
Punkt 2, hier wäre zu klären, ob dies dann einen Minderaufwand für die Architektin bedeutete, Punkt 3, hier ist wichtig zu wissen, ob hierdurch ein Schaden entstanden ist.
Minderung des Honorars, weil nicht alle Punkte des Leistungskatalogs umgesetzt wurden, sind schwierig, da der BGH hier auf den Vertrag abstellt, dieser in Ihrem Falle aber nicht schriftlich vorliegt. Hier wird man also vorsichtig sein müssen.
4. Aus meiner Sicht wären also der Wert EUR 25.000 anzusetzen und die Rechnung wegen dem Punkt 1 prozentual zu mindern. diese Minderung sollte der Architektin vorher angekündigt werden.
Bewertung des Fragestellers 09.11.2018 | 13:22
FRAGESTELLER 09.11.2018 4,6/5,0
Zuviel gezahltes Honorar an den Architekten
Kunde zahlt nicht die Hausdämmung - kein schriftlicher Vertrag
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