Source: https://www.bussgeldkatalog.org/rote-ampel-uebersehen/
Timestamp: 2020-01-24 11:13:01
Document Index: 22437916

Matched Legal Cases: ['§ 315', '§ 315', '§ 315', '§ 315', '§ 315', '§ 315', '§ 1']

﻿ Rote Ampel übersehen & geblitzt - Bußgeldkatalog 2020
Rote Ampel übersehen? Eine Sanktion droht dennoch!
Von Sandra, letzte Aktualisierung am: 17. Dezember 2019
Haben Sie eine rote Ampel übersehen? Dann werden Sie im Regelfall auch dafür sanktioniert
Selbst im regulären Straßenverkehr werden Fahrer mit vielzähligen Reizen geflutet. Schon ein kurzer Augenblick Unaufmerksamkeit kann dazu führen, dass ein Gesetzesbruch begangen wird – so z. B., dass eine rote Ampel übersehen wird. Trotz des strengen Sanktionsmaßes gehören Rotlichtverstöße wohl zu den nach wie vor häufigsten Ordnungswidrigkeiten im Verkehrsrecht.
Was aber, wenn ein Fahrer eine rote Ampel wirklich übersehen hat und sich seiner Schuld nicht bewusst war? Finden solche Umstände Berücksichtigung oder nicht? Was erwartet mich, wenn ich einen Rotlichtverstoß begangen habe?
FAQ: Rote Ampel übersehen und überfahren
Bußgeldkatalog: Rote Ampel übersehen
Bußgeldrechner: Rote Ampel übersehen
Das zieht ein Rotlichtverstoß nach sich
Was droht, wenn Sie eine rote Ampel übersehen und dadurch missachtet haben?
Je nachdem wie lange die Ampel bereits auf Rot stand, drohen Bußgelder ab 90 € (einfacher Rotlichtverstoß) oder 200 € (qualifizierter Rotlichtverstoß). Eine genaue Übersicht zu den Sanktionen finden Sie hier. Sie können das drohende Bußgelder auch mit diesem Rechner ermitteln.
Lohnt ein Einspruch, wenn Sie die Ampel lediglich übersehen hatten?
Ob ein mögliches Augenblicksversagen einen erfolgreichen Einspruch gegen den Bußgeldbescheid ermöglicht, kann ein Anwalt im Einzelfall genau prüfen. Vielleicht sind auch andere Einspruchsbegründungen zielführend. Grundsätzlich jedoch gilt auch im Verkehrsrecht: Unwissenheit schützt vor Strafe nicht.
FahrverbotFVer­bot
Ampel bei "Rot" über­fahren 90 € 1 Hier prüfen
... andere gefährdet 200 € 2 1 Monat1 M Hier prüfen
... Sachschaden verursacht 240 € 2 1 Monat1 M Hier prüfen
Am­pel bei "Rot" über­fahren (Rot bereits seit mehr als 1 Sek­unde) 200 € 2 1 Monat & je nach Tatbe­gehung Geld­strafe, Führer­schein­entzug und Freiheits­strafe bis 5 Jahre gemäß § 315c StGB möglich1 M & je nach Tatbe­gehung Geld­strafe, Führer­schein­entzug und Freiheits­stra­fe bis 5 Jahre gemäß § 315c StGB möglich Hier prüfen
... andere gefährdet 320 € 2 1 Monat & je nach Tatbegehung Geldstrafe, Führerschein­entzug und Freiheits­strafe bis 5 Jahre gemäß § 315c StGB möglich1 M & je nach Tatbe­gehung Geld­strafe, ­entzug und Freiheits­strafe bis 5 Jahre gemäß § 315c StGB möglich Hier prüfen
... Sach­schaden verur­sacht 360 € 2 1 Monat & je nach Tatbegehung Geldstrafe, Führerscheinentzug und Freiheitsstrafe bis 5 Jahre gemäß § 315c StGB möglich1 M & je nach Tatbe­gehung Geld­strafe, Führer­schein­entzug und Freiheits­strafe bis 5 Jahre gemäß § 315c StGB möglich Hier prüfen
An einer Ampel mit grünem Pfeil nach rechts abge­bogen, ohne vorher zu halten 70 € 1 Hier prüfen
... Fuß­gänger- oder Fahr­rad­ver­kehr der frei­gege­benen Ver­kehrs­rich­tung behin­dert 100 € 1 Hier prüfen
... andere gefährdet 100 € 1 Hier prüfen
... Sach­schaden verur­sacht 120 € 1 Hier prüfen
Haben Autofahrer nun eine rote Ampel gesehen und wurden geblitzt, dann gilt hier als erstes zwischen einem einfachen und einem qualifizierten Rotlichtverstoß zu unterscheiden.
Von einem einfachen Rotlichtverstoß wird gesprochen, wenn die Ampel kürzer als eine Sekunde rot war. Dies ist mit einem Bußgeld von 90 Euro und einem Punkt in Flensburg belegt – gesetzt dem Fall, dass es weder zu einer Gefährdung noch zu einer Sachbeschädigung kam. Diese erhöhen die Sanktionen nicht nur, sondern ziehen auch meist ein Fahrverbot nach sich.
Ein qualifizierter Rotlichtverstoß liegt dementsprechend dann vor, wenn die Ampel bereits länger als eine Sekunde auf Rot stand. Hier werden zumeist zwei Punkte vergeben, die Geldbuße liegt bei 200 Euro aufwärts. Je nach Umständen und etwaigen Folgen kann ein qualifizierter Rotlichtverstoß sogar einen Fahrerlaubnisentzug begründen.
Kam es infolgedessen zu einem Unfall, dann wird der Vorfall natürlich noch strenger bewertet. Kann dem Fahrer zudem ein Vorsatz unterstellt werden, ist es ebenso denkbar, dass Versicherungsleistungen erlischen.
Sind Sie in der Probezeit und haben eine rote Ampel übersehen, dann bleibt es in der Regel nicht bei diesen Sanktionen. Denn ein Rotlichtverstoß fällt in die Kategorie der A-Verstöße, für welche zusätzliche eine Verlängerung der Probezeit und die verpflichtende Teilnahme an einem Aufbauseminar vorgeschrieben ist.
Haben Sie eine rote Ampel nicht gesehen und erhalten einen Bußgeldbescheid, können Sie Einspruch einlegen
Diese Frage lässt sich grundsätzlich nicht pauschal beantworten, da dies stets von dem konkreten Vorfall und auch der bearbeitenden Behörde abhängt.
Haben Sie eine rote Ampel schlichtweg übersehen, weil Sie unaufmerksam waren, abgelenkt oder die Gegend einfach nicht kannten, dann sinken die Erfolgschancen auf Null. Denn die StVO formuliert zuvorderst zu den Pflichten eines Verkehrsteilnehmers in § 1 Abs. 1 und 2 ganz eindeutig:
Sie sind also als Verkehrsteilnehmer andauernd dazu angehalten, auf Ihre Umgebung zu achten. Würden Begründungen à la „Ich habe kurz nicht aufgepasst“ wirklich anerkannt werden, könnten sich viele um entsprechende Sanktionen einfach drum herum mogeln. Auch wenn Sie eine rote Ampel wirklich übersehen haben, ohne vorsätzlich einen Verstoß begehen zu wollen, dann ist die eigene Unzulänglichkeit kein guter Ausgangspunkt.
Ein anderes, denkbares Szenario wäre, dass Sie die Ampel nicht gesehen haben, weil diese verdeckt wurde. Hier müssten Sie besonders gute Argumente hervorbringen können, warum die Ampelanlage trotz eines umsichtigen Fahrens nicht bemerkt werden konnte. Mögliche Gründe hierfür wären etwa, dass unbeschnittene Baumäste oder ähnliches derart weit in die Fahrbahn ragten, dass die Anlage nicht zu sehen war.
Weiterhin ist es möglich, dass Sie eine rote Ampel zwar übersehen haben und entsprechend geblitzt wurden, es sich jedoch um einen sogenannten „Umgehungsfall“ handelt. Dies ist dann der Fall, wenn eine rote Ampel durch ein Befahren eines anliegenden Grundstückes (wie einer Tankstelle) umgangen wird.
Haben Sie die rote Ampel zwar übersehen, konnten aber noch vor dem Bereich der Kreuzung anhalten, dann könnte dies ebenso ein Einspruch rechtfertigen. Hierfür ist es wichtig, dass der eigentliche Schutzbereich wirklich nicht befahren wurde und Sie dies auch entsprechend belegen können.
Weiterhin ist natürlich entscheidend, wie die Messung zustande kam. Wurde Sie nicht von einem Ampelblitzer erfasst, sondern hat ein Beamter Sie beobachtet, dann kann die Genauigkeit der Messung natürlich angezweifelt werden – schließlich können bei der Ahndung eines Rotlichtverstoßes Sekundenbruchteile entscheidend sein.
Haben Fahrer eine rote Ampel übersehen und werden geblitzt, sollte ein Einspruch sehr gut begründet werden.
Abgesehen davon besteht die Möglichkeit, dass Sie die rote Ampel nicht übersehen haben, sondern dass die Blitzeranlage schlichtweg falsch arbeitet und z. B. schon viel früher auslöst. Nicht selten bemerkt ein Autofahrer nach dem Passieren der Ampel einen Blitz, gleichwohl diese noch nicht auf Rot stand. Hier gilt: Ein Passieren einer gelben Ampel zieht in der Regel lediglich ein geringes Verwarngeld von höchstens fünfzehn Euro nach sich. Haben Sie sich jedoch nichts zu Schulden kommen lassen und ist dies auf dem Blitzerfoto ersichtlich, dann sollten Sie nichts weiter von der Sache hören.
Wie kann ich einen Einspruch einlegen?
Haben Sie eine rote Ampel übersehen und möchten gegen eine drohende Ahndung vorgehen, dann haben Sie die Möglichkeit Einspruch einzulegen.
Haben Sie bereits einen Anhörungsbogen erhalten, müssen Sie auf diesem noch keine Angaben zur Tat machen. Dazu besteht grundsätzlich keine Pflicht – niemand muss sich selbst belasten. Sollten Angaben zu Ihrer Person fehlen oder fehlerhaft sein, müssen Sie diese jedoch ergänzen bzw. korrigieren. Ebenfalls müssen Sie den Anhörungsbogen in der angegeben Frist zurückschicken.
Erhalten Sie den Bußgeldbescheid, dann können Sie innerhalb von vierzehn Tagen nach Erhalt einen schriftlichen Einspruch einlegen. Dabei handelt es sich um ein formloses Schreiben an die jeweilige Stelle, in welchem Sie begründen können, weshalb Ihre Sanktion ungerechtfertigt ist. Übrigens können Sie auch gegen einzelne Maßnahmen Einspruch erheben, es muss also nicht der gesamten Sanktion widersprochen werden.
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