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Timestamp: 2019-07-15 20:46:53
Document Index: 332235898

Matched Legal Cases: ['§ 8', '§ 11', '§ 19', '§ 19', '§ 34', '§ 19', '§ 126', '§ 76', '§ 126', '§ 11', '§ 38', '§ 19', '§ 6', '§ 17', '§ 23', '§ 8', '§ 4', '§ 19', '§ 19', '§ 38', '§ 3', '§ 19']

BFH v. 23.06.2005 - VI R 10/03 - NWB Urteile
BFH v. 23.06.2005 - VI R 10/03
BFH v. 23.06.2005 - VI R 10/03 BStBl 2005 II S. 770
Zufluss von Arbeitslohn bei Wandeldarlehensverträgen
1. Gewährt ein Arbeitnehmer dem Arbeitgeber ein Darlehen, das mit einem Wandlungsrecht zum Bezug von Aktien ausgestattet ist, wird ein Zufluss von Arbeitslohn nicht bereits durch die Hingabe des Darlehens begründet.
2. Im Falle der Ausübung des Wandlungsrechts durch den Arbeitnehmer fließt diesem ein geldwerter Vorteil aus dem Bezug von Aktien zu einem unter dem Kurswert liegenden Übernahmepreis grundsätzlich erst dann zu, wenn dem Arbeitnehmer durch Erfüllung des Anspruchs das wirtschaftliche Eigentum an den Aktien verschafft wird.
3. Überträgt der Arbeitnehmer das Darlehen nebst Wandlungsrecht gegen Entgelt auf einen Dritten, fließt dem Arbeitnehmer ein geldwerter Vorteil im Zeitpunkt der Übertragung zu.
4. Der geldwerte Vorteil bemisst sich im Falle der Ausübung des Wandlungsrechts aus der Differenz zwischen dem Börsenpreis der Aktien an dem Tag, an dem der Arbeitnehmer die wirtschaftliche Verfügungsmacht über die Aktien erlangt, und den Erwerbsaufwendungen.
Gesetze: EStG § 8 Abs. 1 und 2EStG § 11 Abs. 1 Satz 1EStG § 19 Abs. 1 Nr. 1
Instanzenzug: FG München vom 11. Dezember 2002 1 K 1365/01 (EFG 2003, 619) BFH VI R 10/03 (Verfahrensverlauf), BFH - VI R 10/03, Verfahrensverlauf , BFH - VI R 10/03, Verfahrensverlauf
Der Beklagte und Revisionsbeklagte (das Finanzamt —FA—) berücksichtigte im Rahmen der Einkommensteuerfestsetzung bei den Einkünften des Klägers aus nichtselbständiger Arbeit geldwerte Vorteile aus der Wandlung in Höhe von 2 732 353 DM und aus der Veräußerung des Darlehensteilbetrags in Höhe von 614 399 DM.
Die Klage hatte aus den in Entscheidungen der Finanzgerichte (EFG) 2003, 619 veröffentlichten Gründen nur in geringem Umfang Erfolg.Das Finanzgericht (FG) bejahte den Zufluss geldwerter Vorteile aus der Ausübung und der Veräußerung der Wandlungsrechte im Streitjahr. Der Kläger habe bei der Ausübung des Wandlungsrechts nicht identische Wertpapiere umgetauscht. Er habe vielmehr einerseits auf die Rückzahlung einer Darlehensforderung verzichtet und andererseits aufgrund des damit verknüpften Optionsrechts Aktien erworben. Dieses Ergebnis werde nur noch bestätigt durch die völlig unrealistische Anfangswertermittlung des Wandeldarlehens durch die Y-Bank. Die Optionsrechte seien durch die Zusatzvereinbarung zum Darlehensvertrag nicht frei handelbar geworden. Der Erlös aus dem Verkauf des Darlehensteilbetrags sei ebenfalls Arbeitslohn. Allerdings habe das FA die Höhe der geldwerten Vorteile falsch berechnet. Entsprechend § 19a Abs. 8 Satz 2 des Einkommensteuergesetzes (EStG) sei für die Berechnung des Werts der aufgrund der Ausübung des Wandlungsrechts erworbenen Aktien nicht der Börsenschlusskurs, sondern der niedrigste Börsenkurs am Tag der Ausübung des Wandlungsrechts maßgeblich. Die geldwerten Vorteile seien außerdem um die Verluste aus den gewandelten bzw. verkauften Darlehensforderungen zu mindern. Ferner sei die Tarifermäßigung gemäß § 34 EStG auf die geldwerten Vorteile anwendbar.
Mit der Revision rügen die Kläger mangelnde Sachaufklärung und die Verletzung materiellen Rechts. Das FG habe die finanzmathematische Berechnung des Werts des Wandeldarlehens durch die Y-Bank nicht ohne Beweiserhebung als fehlerhaft ansehen dürfen.Bei dem streitgegenständlichen Wandeldarlehen erhalte der Darlehensgeber ebenso wie der Anleihegläubiger bei einer Wandelschuldverschreibung das Gesellschaftsrecht nicht durch einen Anschaffungsvorgang, sondern in Ausübung einer Ersetzungsbefugnis. Erfolge der Aktienerwerb durch Ersetzungsbefugnis, komme nur der Zeitpunkt der Zeichnung als Erwerbs- und damit Besteuerungszeitpunkt in Betracht. Da das Wandeldarlehen wie die Wandelschuldverschreibung mit der Aktie identisch sei, könne in der Wandlung kein steuerlich relevanter Vorgang gesehen werden. Auch wenn in der Regel ein schuldrechtlicher Geldanspruch und die Beteiligung an einer Gesellschaft grundsätzlich artverschieden seien, bestehe eine ausreichende Identität zwischen einer mit einem Recht auf Umtausch in Aktien ausgestalteten Forderung und dem Gesellschaftsanteil. Die Grundsätze über den Zuflusszeitpunkt bei Aktienoptionen seien nicht auf die Ausübung eines Wandlungsrechts übertragbar. Das Wandeldarlehen unterscheide sich grundlegend von der Aktienoption, da der Abschluss des Wandeldarlehensvertrags und die spätere Ausgabe der Aktien steuerlich ein einheitlicher Rechtsvorgang seien. Ein weiterer Unterschied sei darin zu sehen, dass bei Wandeldarlehen dem Arbeitgeber aus bereits versteuertem Einkommen Kapital zur Nutzung überlassen werde. Der Kläger habe sich durch die Darlehenshingabe einen eigenständigen Rechtsanspruch gegen die AG erkauft, der von dem arbeitsvertraglichen Entgeltanspruch zu separieren sei. Der Wertzuwachs zwischen Darlehenshingabe und Wandlung sei im Privatvermögen entstanden und damit nicht steuerbar. Die Bestimmung des Zuflusszeitpunkts sei unabhängig von der Marktgängigkeit zu beurteilen. Dies werde durch die Regelung des § 19a EStG bestätigt. Der Kläger sei aufgrund der Zusatzvereinbarung berechtigt, jederzeit über die Rechte aus dem Wandeldarlehen zu verfügen. Der Verkauf eines Teils des Darlehens belege, dass es einen Markt für die Rechte aus dem Darlehen gebe. Die Börsennotierung sei keine unabdingbare Voraussetzung für die Handelbarkeit.
Die Kläger beantragen sinngemäß, das Urteil des FG aufzuheben und unter Abänderung des Einkommensteuerbescheids für 1999 die Einkommensteuer auf ... DM festzusetzen.
Die Revision ist begründet. Sie führt zur Aufhebung der Vorentscheidung und zur Zurückverweisung der Sache an das FG (§ 126 Abs. 3 Satz 1 Nr. 2 der Finanzgerichtsordnung —FGO—). Zwar hat das FG im Ergebnis zu Recht entschieden, dass der Kläger durch die verbilligte Überlassung der Aktien und die entgeltliche Übertragung des Darlehensteilbetrags nebst Wandlungsrecht Einnahmen bei den Einkünften aus nichtselbständiger Arbeit erzielte, die ihm im Streitjahr zuflossen. Die Feststellungen des FG zur Höhe des aufgrund der Wandlung durch den Aktienerwerb erzielten geldwerten Vorteils reichen jedoch nicht aus, um in der Sache selbst zu entscheiden.
1. Die von den Klägern erhobene Rüge mangelnder Sachaufklärung durch das FG (§ 76 Abs. 1 FGO) greift nicht durch. Das FG hat die von ihm angenommene „völlig unrealistische Anfangswertermittlung” nur als weitere Bestätigung des aus anderen —tragenden— Gründen bereits gefundenen Ergebnisses angesehen. Bei diesem Befund hätte sich dem FG die Notwendigkeit einer Beweiserhebung durch Einholung eines Sachverständigengutachtens über den Wert des Wandeldarlehens nicht aufdrängen müssen. Der Senat sieht von einer weiteren Begründung ab (§ 126 Abs. 6 Satz 1 FGO).
a) Die verbilligte Übertragung der jungen Aktien stellt einen geldwerten Vorteil dar. Der Kläger erhielt die Aktien zu einem unter dem Kurswert liegenden Preis. Der Preisnachlass ist ein geldwerter Vorteil (vgl. Urteile des Bundesfinanzhofs —BFH— vom 24. Januar 2001 I R 100/98 , BFHE 195, 102, BStBl II 2001, 509, und I R 119/98, BFHE 195, 110, BStBl II 2001, 512, sowie vom 20. Juni 2001 VI R 105/99, BFHE 195, 395, BStBl II 2001, 689).
b) Der geldwerte Vorteil wurde dem Kläger auch für eine Beschäftigung im privaten Dienst gewährt. Nach ständiger Rechtsprechung des BFH werden Vorteile „für” eine Beschäftigung gewährt, wenn sie durch das individuelle Dienstverhältnis des Arbeitnehmers veranlasst sind. Die berufliche Veranlassung liegt vor, wenn der Vorteil mit Rücksicht auf das Dienstverhältnis eingeräumt wird und sich die Leistung im weitesten Sinne als Gegenleistung für das Zurverfügungstellen der individuellen Arbeitskraft des Arbeitnehmers erweist ( BFH-Urteile vom 22. März 1985 VI R 170/82 , BFHE 143, 544, BStBl II 1985, 529; vom 22. März 1985 VI R 26/82, BFHE 143, 539, BStBl II 1985, 641; vom 11. März 1988 VI R 106/84, BFHE 153, 324, BStBl II 1988, 726, und vom 26. Juni 2003 VI R 112/98, BFHE 203, 53, BStBl II 2003, 886).
3. Arbeitslohn, der —wie im Streitfall— nicht als laufender Arbeitslohn gezahlt wird (sonstige Bezüge), wird in dem Kalenderjahr bezogen, in dem er dem Arbeitnehmer zufließt (§ 11 Abs. 1 Satz 3 i.V.m. § 38a Abs. 1 Satz 3 EStG). Nach ständiger Rechtsprechung des BFH führt das Innehaben von Ansprüchen oder Rechten den Zufluss von Einnahmen regelmäßig noch nicht herbei. Der Anspruch auf die Leistung begründet noch keinen gegenwärtigen Zufluss von Arbeitslohn (vgl. BFH-Urteil vom 27. Mai 1993 VI R 19/92 , BFHE 172, 46, BStBl II 1994, 246). Der Zufluss ist grundsätzlich erst mit der Erfüllung des Anspruchs gegeben ( BFH-Beschluss vom 23. Juli 1999 VI B 116/99 , BFHE 189, 403, BStBl II 1999, 684; BFH-Urteil in BFHE 195, 102, BStBl II 2001, 509). Ein Vorteil ist dem Arbeitnehmer erst dann zugeflossen, wenn der Arbeitgeber die geschuldete Leistung tatsächlich erbringt ( BFH-Urteil vom 25. November 1993 VI R 45/93 , BFHE 173, 65, BStBl II 1994, 254). So ist mit der Zusage des Arbeitgebers, dem Arbeitnehmer künftig Leistungen zu erbringen, der Zufluss eines geldwerten Vorteils in der Regel noch nicht verwirklicht ( BFH-Urteil vom 3. Juli 1964 VI 262/63 U , BFHE 81, 225, BStBl III 1965, 83). Folglich fließt bei dem Versprechen des Arbeitgebers, dem Arbeitnehmer einen Gegenstand zuzuwenden, Arbeitslohn nicht bereits mit der wirksamen Zusage, sondern erst in dem Zeitpunkt zu, in dem der Arbeitgeber dem Arbeitnehmer das wirtschaftliche Eigentum verschafft ( BFH-Urteile vom 26. Juli 1985 VI R 200/81 , BFH/NV 1986, 306, und vom 10. November 1989 VI R 155/85, BFH/NV 1990, 290). Der Zufluss von Arbeitslohn ist ferner zu bejahen, wenn der Arbeitgeber mit seinen Leistungen dem Arbeitnehmer einen unmittelbaren und unentziehbaren Rechtsanspruch gegen einen Dritten verschafft ( BFH-Urteil vom 16. April 1999 VI R 66/97 , BFHE 188, 338, BStBl II 2000, 408). Auch in diesem Fall wird der Zufluss aber nicht durch das Versprechen des Arbeitgebers, z.B. Versicherungsschutz zu gewähren, herbeigeführt, sondern erst durch die Erfüllung dieses Versprechens, insbesondere durch die Leistung der Versicherungsbeiträge in der Weise, dass ein eigener unentziehbarer Anspruch des Arbeitnehmers auf die Versicherungsleistung entsteht.
Nach den vorgenannten Grundsätzen sieht der BFH in ständiger Rechtsprechung den Zufluss eines geldwerten Vorteils als steuerpflichtigen sonstigen Bezug nicht bereits in der Einräumung eines nicht handelbaren Optionsrechts auf den späteren Erwerb von Aktien zu einem bestimmten Übernahmepreis, sondern erst in dem preisgünstigen Erwerb der Aktien nach Ausübung der Option ( BFH-Urteil vom 10. März 1972 VI R 278/68 , BFHE 105, 348, BStBl II 1972, 596; BFH-Beschluss in BFHE 189, 403, BStBl II 1999, 684; BFH-Urteile in BFHE 195, 110, BStBl II 2001, 512; in BFHE 195, 102, BStBl II 2001, 509, und in BFHE 195, 395, BStBl II 2001, 689). Im Ergebnis nichts anderes gilt, wenn der Arbeitgeber dem Arbeitnehmer durch Abschluss eines Darlehensvertrags, der mit einem Wandlungsrecht zugunsten des Arbeitnehmers ausgestattet ist, einen Anspruch auf Verschaffung von Aktien einräumt.
a) Ansprüche aus Wandeldarlehen, die nicht handelbar sind, können ebenso wenig wie sonstige Ansprüche einen gegenwärtigen Zufluss von Arbeitslohn begründen. Auf die zivilrechtliche Ausgestaltung des Darlehensvertrags im Einzelnen, insbesondere auf die Unterscheidung zwischen Ersetzungsbefugnis und Optionsrecht, kommt es dabei nicht an. Der Zufluss des geldwerten Vorteils erfolgt jeweils zu dem Zeitpunkt, in dem der Anspruch auf Verschaffung der Aktien erfüllt und dem Arbeitnehmer das wirtschaftliche Eigentum an den Aktien verschafft worden ist (ebenso für den Zufluss des geldwerten Vorteils aufgrund der Ausübung des Wandlungsrechts bei Wandelschuldverschreibungen: Haas/Pötschan, Deutsches Steuerrecht —DStR— 2000, 2018; Valentin, EFG 2001, 969; Hoffmann, EFG 2003, 621; Bauer/ Gemmeke, Der Steuerberater —StB— 2003, 83; Herzig/Lochmann, Die Wirtschaftsprüfung —WPg— 2003, 836; Lochmann, Besteuerung aktienkursorientierter Vergütungsinstrumente, Diss. Köln 2004, S. 187 ff.; Schild, Jahrbuch der Fachanwälte für Steuerrecht —JbFSt— 1998/1999, 590, 599, und Breinersdorfer in Kirchhof/Söhn/Mellinghoff, Einkommensteuergesetz, § 19a Rdnr. B 18).
Soweit die Kläger im Anschluss an eine im Schrifttum vielfach vertretene Auffassung, die bei der Begebung von Wandelschuldverschreibungen den Zufluss von Arbeitslohn im Zeitpunkt der Übertragung der Wandelschuldverschreibung bejaht, den Zufluss eines geldwerten Vorteils bei Ausübung des Wandlungsrechts aber ablehnt (Haarmann, JbFSt 1987/1988, 441, 447 f.; Uelner, JbFSt 1987/1988, 448; Leopold, Finanz-Rundschau —FR— 2000, 1332; Isensee, DStR 1999, 143, 145; Fox/Hüttche/Lechner, GmbH-Rundschau —GmbHR— 2000, 521, 534; Kessler/Strnad, Die Information über Steuer und Wirtschaft —Inf— 2000, 486; Singer, Steuern und Bilanzen —StuB— 2001, 1073; Eisolt/Solveig, Betriebsberater —BB— 2001, 122; für Wandeldarlehen ebenso: Söffing in: Festschrift für Klaus Korn zum 65. Geburtstag, 2005, S. 145 ff.), die Meinung vertreten, auch bei der Gewährung von Wandeldarlehen erfolge der Zufluss des geldwerten Vorteils im Zeitpunkt der Darlehensgewährung, vermag sich der Senat dieser Ansicht nicht anzuschließen.
Die Kläger und die vorgenannte Auffassung im Schrifttum berufen sich für die Beurteilung des streitgegenständlichen Sachverhalts zu Unrecht auf die Urteile des Reichsfinanzhofs —RFH— vom 5. Juli 1929 II A 9/29 (RFHE 25, 264) und vom 24. August 1944 I R 21/44 (RFHE 54, 128) sowie auf die BFH-Urteile vom 21. Februar 1973 I R 106/71 (BFHE 109, 22, BStBl II 1973, 460), vom 28. Januar 1976 IV R 209/74 (BFHE 118, 26, BStBl II 1976, 288) und vom 30. November 1999 IX R 70/96 (BFHE 190, 425, BStBl II 2000, 262). Soweit diese Entscheidungen zu Wandelschuldverschreibungen ergangen sind, sind sie für die hier zu beurteilende Frage des Zuflusszeitpunkts von Arbeitslohn nicht einschlägig. Es kommt für den Streitfall weder darauf an, ob die Wandlung zu einer Gewinnrealisierung oder zu einem Spekulationsgewinn beim Anleiheberechtigten führt, ob Wandelanleihe und Aktie im Anwendungsbereich des § 6b EStG als wirtschaftlich identisch erscheinen noch ob Bezugsrechte auf Aktien aus Wandelanleihen zu den Anteilen an einer Kapitalgesellschaft i.S. von § 17 EStG gehören. Das bei den Einkünften aus nichtselbständiger Arbeit geltende Zu- und Abflussprinzip stellt ein gegenüber der bilanziellen Gewinnermittlung unabhängiges zeitliches Zuordnungssystem dar. Das BFH-Urteil in BFHE 190, 425, BStBl II 2000, 262, welches mit den Einkünften aus Spekulationsgeschäften ebenfalls zu einer Überschusseinkunftsart ergangen ist, betraf die —im Streitfall nicht erhebliche— Frage, unter welchen Voraussetzungen der Umtausch von Wertpapieren mit variablem Zins (Floating-Rate-Notes) in festverzinsliche Schuldverschreibungen (Bonds) eine Anschaffung i.S. von § 23 Abs. 1 Nr. 1 Buchst. b EStG a.F. darstellt. Der Hinweis auf Wandelschuldverschreibungen in dem vorgenannten Urteil ist nur ein obiter dictum.
Der Zufluss des geldwerten Vorteils bereits zum Zeitpunkt der Darlehensgewährung lässt sich auch nicht damit begründen, dass das Wandeldarlehen ein im Grundsatz selbständig bewertbares Wirtschaftsgut darstellt. Denn der für den Zufluss von Arbeitslohn hier maßgebliche geldwerte Vorteil, der in dem auf die Aktien gewährten Preisnachlass besteht, gelangt erst aufgrund der Ausübung des Wandlungsrechts in das wirtschaftliche Eigentum des Arbeitnehmers. Soweit die Kläger die Auffassung vertreten, ein Zufluss könne im Zeitpunkt der Verschaffung des wirtschaftlichen Eigentums an der Aktie nicht eintreten, weil das hingegebene Wirtschaftsgut (Forderungsrecht aus dem Wandeldarlehensvertrag) mit dem erhaltenen Wirtschaftsgut (Aktie) wirtschaftlich identisch sei (ebenso z.B. Eisolt/Solveig, a.a.O., S. 126 für den Fall der Wandelschuldverschreibung), vermag dies aus den vorgenannten Gründen ebenfalls nicht zu überzeugen. Das Innehaben eines Rechts bewirkt grundsätzlich nicht den Zufluss desjenigen, das kraft des Rechts gefordert werden kann. Im Übrigen stimmt der Wirtschaftsgutbegriff nicht mit dem Begriff des geldwerten Guts (Vorteils), um dessen Zufluss es im Streitfall geht, überein (z.B. BFH-Beschluss vom 26. Oktober 1987 GrS 2/86 , BFHE 151, 523, BStBl II 1988, 348, 352; Blümich/ Glenk, Einkommensteuergesetz, Körperschaftsteuergesetz, Gewerbesteuergesetz, § 8 EStG Rz. 12).
Der beruflichen Veranlassung des geldwerten Vorteils steht nicht entgegen, dass der Rechtsgrund für das durch den Kläger von der X-Bank bezogene Entgelt zivilrechtlich in dem zwischen diesen Beteiligten geschlossenen Kaufvertrag lag. Im Streitfall geht es nicht um eine Lohnzahlung durch einen Dritten. Zwar können auch Zuwendungen eines Dritten Arbeitslohn sein, wenn sie Entgelt für eine Leistung sind, die der Arbeitnehmer im Rahmen seines individuellen Arbeitsverhältnisses für den Arbeitgeber erbringt ( BFH-Urteile vom 7. August 1987 VI R 53/84 , BFHE 150, 555, BStBl II 1987, 822; vom 5. Juli 1996 VI R 10/96, BFHE 180, 441, BStBl II 1996, 545, und vom 26. Mai 1998 VI R 9/96, BFHE 186, 247, BStBl II 1998, 581). Der hier zu beurteilende geldwerte Vorteil liegt jedoch —wie oben bereits dargelegt wurde— nicht in dem von der X-Bank an den Kläger gezahlten Kaufpreis, sondern in dem übertragenen Darlehensteil mit Wandlungsrecht. Der Kläger bezog diesen geldwerten Vorteil aus einer ihm durch seine Arbeitgeberin aufgrund des Arbeitsverhältnisses gewährten Leistung, so dass der Vorteil dem Dienstverhältnis zuzurechnen ist. Des Weiteren ist zu berücksichtigen, dass durch die Zustimmung der AG zur Änderung von § 4 des Darlehensvertrags die Veräußerung des Darlehensteilbetrags nebst Wandlungsrecht erst ermöglicht wurde. Die AG hat hierdurch den wirtschaftlichen Gehalt des Wandlungsrechts für den Kläger verfügbar gemacht.
c) Der geldwerte Vorteil floss dem Kläger in dem Zeitpunkt zu, in dem er den Darlehensteil mit Wandlungsrecht gegen Entgelt auf die X-Bank übertrug. In diesem Zeitpunkt verfügte der Kläger über den geldwerten Vorteil. Die dem Kläger mit dem Wandeldarlehen durch die AG zunächst eingeräumte Chance preisgünstigen Vermögenserwerbs hat sich dadurch, dass das Recht für den Kläger veräußerbar wurde und der Kläger das Recht tatsächlich veräußert hat, realisiert (vgl. Schmidt/Drenseck, Einkommensteuergesetz, 24. Aufl., § 19 Rz. 50 „Ankaufsrecht"; Herzig/ Lochmann, Der Betrieb —DB— 2001, 1436, 1441; Lochmann, a.a.O., S. 210 f.; Haas/Pötschan, DStR 2000, 2018, 2020).
OFD Frankfurt/M. 18.7.2016 - S 2332 A
BMF 8.12.2009 - S 2347
BayLfSt 14.5.2009 - S 2347
FG Hamburg 5.4.2016 - 6 K 81/15
BFH 13.11.2012 - VI R 20/10
BFH 18.9.2012 - VI R 90/10
FG München 20.10.2010 - 9 K 3804/08
BFH 20.5.2010 - VI R 12/08
FG Düsseldorf 26.4.2010 - 3 K 536/05 E
FG München 16.12.2009 - 1 V 3500/08
BFH 28.10.2008 - IX R 96/07
FG Münster 10.7.2008 - 12 K 4391/07 E
FG Mecklenburg-Vorpommern 30.1.2008 - 3 K 139/07
FG Hessen 4.10.2007 - 10 K 1471/02
FG Rheinland-Pfalz 9.5.2007 - 2 K 1372/05
FG Baden-Württemberg 9.11.2006 - 6 K 105/06
FG München 24.5.2006 - 1 K 3407/05
BFH 10.5.2006 - IX R 82/98
FG Düsseldorf 9.2.2006 - 16 K 3167/04 E
BFH 14.9.2005 - VI R 18/03
FG München 11.12.2002 - 1 K 1365/01
BStBl 2005 II Seite 770
BB 2005 S. 1829 Nr. 34
BFH/NV 2005 S. 1706 Nr. 9
BStBl II 2005 S. 770 Nr. 18
DB 2005 S. 1882 Nr. 35
DStRE 2005 S. 991 Nr. 17
DStZ 2005 S. 583 Nr. 17
EStB 2005 S. 318 Nr. 9
FR 2005 S. 1165 Nr. 22
HFR 2005 S. 836 Nr. 9
INF 2005 S. 646 Nr. 17
KÖSDI 2005 S. 14775 Nr. 9
NWB-Eilnachricht Nr. 20/2006 S. 1690
NWB-Eilnachricht Nr. 33/2005 S. 2769
SJ 2005 S. 8 Nr. 22
StB 2005 S. 324 Nr. 9
StBW 2005 S. 3 Nr. 17
StBp. 2005 S. 270 Nr. 9
StuB-Bilanzreport Nr. 16/2005 S. 729
WPg 2005 S. 1177 Nr. 21
ZIP 2005 S. 1511 Nr. 34
PAAAB-58226
NWB-Nachricht v. 15.09.2010, Einkommensteuer | Geldwerter Vorteil aus der Veräußerung von Wandeldarlehen (BFH)
NWB-Nachricht v. 30.09.2009, AN-Kapitalbeteiligung | Verkaufsgewinne nicht zwangsläufig § 19 EStG-Einkünfte (BFH)
Langenkämper, Job-Ticket, infoCenter
Eisolt, Die Besteuerung von handelbaren Optionen, NWB 25/2009 S. 1922
Harder-Buschner, Mitarbeiterkapitalbeteiligungsgesetz, NWB 17/2009 S. 1252
Harder-Buschner, Mitarbeiterkapitalbeteiligung, NWB 17/2009 S. 1238
Harder-Buschner, Aktuelle Änderungen im Bereich der Arbeitnehmerbesteuerung, NWB 14/2004 S. 993
Steuerliche Behandlung der Überlassung von Aktienoptionsrechten an Arbeitnehmer, NWB 19/2003 S. 1397
Fördermöglichkeiten bei der verbilligten Aktienüberlassung an Arbeitnehmer, NWB 38/2002 S. 3119
Der Besteuerungszeitpunkt von Stock Options, NWB 40/2001 S. 3325
Besteuerung von Aktienoptionen bei teilweiser Auslandstätigkeit, NWB 32/2001 S. 2687
EStG § 38
LStH Lohnsteuer-Hinweise (2003) H 31 (1-4)
LStH Lohnsteuer-Hinweise (2002) H 77
LStH Lohnsteuer-Hinweise (2003) H 77
LStH Lohnsteuer-Hinweise (2002) H 104a
LStR 2004 R 77
LStR 2004 R 104a
BMF 2.12.2011 (IV C 5 - S 2430/11/10002) - Anwendung des Fünften Vermögensbildungsgesetzes ab 2009; Änderungen durch das Jahressteuergesetz 2010, das Steuervereinfachungsgesetz 2011 und das Beitreibungsrichtlinie-Umsetzungsgesetz
BMF 15.3.2010 (IV C 5 - S 2430) - Anwendung des Fünften Vermögensbildungsgesetzes ab 2009
BMF 4.2.2010 (IV C 5 - S 2430/09/10002) - Anwendung des Fünften Vermögensbildungsgesetzes ab 2009; Anlagen für den Bau, den Erwerb, den Ausbau, die Erweiterung oder die Entschuldung eines Wohngebäudes usw. durch eine Vielzahl von Arbeitnehmern
BMF 8.12.2009 (IV C 5 - S 2347/09/10002) - Lohnsteuerliche Behandlung der Überlassung von Vermögensbeteiligungen ab 2009 (§ 3 Nummer 39, § 19a EStG)
BMF 16.3.2009 (IV C 5 -S 2430/09/10001) - Anwendung des Fünften Vermögensbildungsgesetzes ab 2009
BFH v. 23.06.2005 - VI R 10/03 ablegen in?