Source: http://www.hensche.de/Rechtsanwalt_Arbeitsrecht_Urteile_Weihnachtsgeld_AGB_LAG_Muenchen_6Sa1135-08.html
Timestamp: 2017-12-15 00:31:26
Document Index: 180260920

Matched Legal Cases: ['§ 307', '§ 64', '§ 64', '§ 519', '§ 520', '§ 66', '§ 222', '§ 611', '§ 307', '§ 306', '§ 386', '§ 394', '§ 850', '§ 394', '§ 850', '§ 850', '§ 850', '§ 850', '§ 850', '§ 387', '§ 305', '§ 306', '§ 307', '§ 305', '§ 138', '§ 305', '§ 310', '§ 307', '§ 306', '§ 611', '§ 75', '§ 162', '§ 162', '§ 307', '§ 305', 'Art. 12', '§ 307', '§ 307', '§ 242', '§ 307', '§ 307', '§ 307', '§ 362', '§ 286', '§ 92', '§ 72']

LAG München, Urteil vom 26.05.2009, 6 Sa 1135/08 - HENSCHE Arbeitsrecht
LAG Mün­chen, Ur­teil vom 26.05.2009, 6 Sa 1135/08
Schlagworte: Weihnachtsgeld, Gratifikation, AGB-Kontrolle, Rückzahlungsklausel
Aktenzeichen: 6 Sa 1135/08
Vorinstanzen: Arbeitsgericht München, 21. November 2008, Az: 14 Ca 5790/08, Urteil
6 Sa 1135/08
14 Ca 5790/08
Verkündet am: 26. Mai 2009
Kreßler, An­ge­stell­te
Fir­ma G. B. V. GmbH,
hat die 6. Kam­mer des Lan­des­ar­beits­ge­richts München auf Grund der münd­li­chen Ver­hand­lung vom 12. Mai 2009 durch den Vor­sit­zen­den Rich­ter am Lan­des­ar­beits­ge­richt Dr. Künzl, die eh­ren­amt­li­che Rich­te­rin Brauch und den eh­ren­amt­li­chen Rich­ter Ler­chl
I. Das En­dur­teil des Ar­beits­ge­richts München vom 21. Nov. 2008 – 14 Ca
5790/08 wird in Ziff. 1. und 2 teil­wei­se ab­geändert und in­so­weit wie folgt neu ge­fasst:
1. Die Be­klag­te wird ver­ur­teilt, an den Kläger € 3.000.- brut­to nebst 5 % Zin­sen über dem Ba­sis­zins­satz seit 1. März 2008 zu zah­len.
3. Von den Kos­ten des Rechts­streits tra­gen der Kläger 1/10, die Be­klag­te 9/10.
Die Par­tei­en strei­ten noch um aus­ste­hen­de Vergütung.
Der Kläger war auf Grund des Ar­beits­ver­tra­ges vom 3./6. Ju­ni 2004 (Bl. 7 ff. d. A.) seit 6. Sept. 2004 bei der Be­klag­ten, seit 1. Jan. 2007 als An­zei­gen­ver­wal­ter, bei ei­nem Brut-to­mo­nats­ent­gelt von € 0 dzzgl. ei­ner mo­nat­li­chen A-Kon­to-Zah­lung von € 250.- beschäftigt. Im Ar­beits­ver­trag ist un­ter Nr. III. 2 ge­re­gelt:
„III. Bezüge
2. Weih­nachts­gra­ti­fi­ka­tio­nen
a. So­weit der Ver­lag dem/der Mit­ar­bei­terIN ei­ne Weih­nachts­gra­ti­fi­ka­ti­on gewährt, er­folgt dies frei­wil­lig un­ter dem Vor­be­halt der je­der­zei­ti­gen Wi­der­ruf­lich­keit. Auch nach wie­der­hol­ter Zah­lung erwächst kein Rechts­an­spruch auf Zah­lung ei­ner Weih­nachts­gra­ti­fi­ka­ti­on.
b. Die Zah­lung der Weih­nachts­gra­ti­fi­ka­ti­on er­folgt zu­sam­men mit dem No­vem­ber­ge­halt. Vor­aus­set­zung für die Aus­zah­lung ist, dass der/die Mit­ar­bei­terIN am 30.11. des Jah­res in ei­nem un­gekündig­ten Beschäfti­gungs­verhält­nis steht. Ein Auf­he­bungs­ver­trag steht ei­ner Kündi­gung gleich. Be­steht das Beschäfti­gungs­verhält­nis noch nicht das gan­ze Jahr, so wird die Gra­ti­fi­ka­ti­on zeit­an­tei­lig gewährt.
c. Der/die Mit­ar­bei­terIN ist ver­pflich­tet, die Gra­ti­fi­ka­ti­on zurück­zu­zah­len, wenn das Beschäfti­gungs­verhält­nis bis zum 31.03. des auf die Aus­zah­lung fol­gen­den Ka­len­der­jah­res durch Kündi­gung durch den Ar­beit­neh­mer oder den Ar­beit­ge­ber oder durch Auf­he­bungs­ver­trag en­det.
d. Der Ver­lag ist be­rech­tigt, mit sei­ner Rück­zah­lungs­for­de­rung ge­gen al­le et­wai­gen noch fälli­gen Zah­lungs­ansprüche des Ar­beit­neh­mers auf­zu­rech­nen.
e. Aus­gangs­ba­sis für die Be­rech­nung der Weih­nachts­gra­ti­fi­ka­ti­on ist ein Brut­to­mo­nats­ge­halt.“
Der Kläger hat­te mit dem No­vem­ber­ge­halt 2007 ei­ne Weih­nachts­gra­ti­fi­ka­ti­on von € 3.000.- brut­to er­hal­ten.
Mit Schrei­ben vom 2. Jan. 2008 kündig­te die Be­klag­te das Ar­beits­verhält­nis zum Kläger aus be­triebs­be­ding­ten Gründen zum 29. Feb. 2008 und ver­sprach ihm für den Fall ei­ner un­ter­las­se­nen Kündi­gungs­schutz­kla­ge ei­ne Ab­fin­dung von € 4.500.-. Der Kläger hat­te die Un­wirk­sam­keit die­ser Kündi­gung nicht ge­richt­lich gel­tend ge­macht. Die Be­klag­te ver­rech­ne­te die im Jahr 2007 be­zahl­te Weih­nachts­gra­ti­fi­ka­ti­on mit der Fe­bru­ar­vergütung 2008.
Mit sei­ner am 30. Apr. 2008 beim Ar­beits­ge­richt München ein­ge­gan­ge­nen und der Be­klag­ten am 21. Mai 2008 zu­ge­stell­ten Kla­ge vom 25. Apr. 2008 macht der Kläger die Zah­lung der Fe­bru­ar­vergütung von € 0 und ei­ner wei­te­ren Ab­fin­dung gel­tend.
Er meint, so­weit hier von In­ter­es­se, die Weih­nachts­vergütung sei zu Un­recht mit dem Fe­bru­a­r­ent­gelt­an­spruch ver­rech­net wor­den. Die Rück­zah­lungs­klau­sel in Nr. III. 2. c. des Ar­beits­ver­tra­ges sei un­wirk­sam, in­so­weit ei­ne Rück­zah­lungs­ver­pflich­tung auch bei Ar­beit­ge­berkündi­gun­gen vor­ge­se­hen sei.
Er hat b e a n t r a g t:
Die Be­klag­te wird ver­ur­teilt, an den Kläger € 3.375,00 brut­to nebst 5 % Zin­sen über dem Ba­sis­zins­satz seit dem 01.03.2008 zu be­zah­len.
Die Be­klag­te hält die Rück­zah­lungs­klau­sel für wirk­sam, wes­we­gen ei­ne Rück­zah­lungs­ver­pflich­tung hin­sicht­lich der Weih­nachts­gra­ti­fi­ka­ti­on ge­ge­ben sei.
Mit En­dur­teil vom 25. Nov. 2008, das hin­sicht­lich des Wei­te­ren strei­ti­gen und un­strei­ti­gen Sach­vor­tra­ges der Par­tei­en in Be­zug ge­nom­men wird, hat das Ar­beits­ge­richt München die Kla­ge in vol­lem Um­fang ab­ge­wie­sen. Hin­sicht­lich des noch strei­ti­gen Ge­gen­stan­des stell­te es dar­auf ab, die Rück­zah­lungs­klau­sel der Nr. III. 2. c. des Ver­tra­ges ver­s­toße nicht ge­gen §§ 307 ff. BGB. Die Ver­ein­ba­rung ver­s­toße we­der ge­gen das Trans­pa­renz­ge­bot noch ge­gen Ge­bo­te von Treu und Glau­ben.
Ge­gen die­ses ihm am 11. Dez. 2008 zu­ge­stell­te Ur­teil hat der Kläger mit Schrift­satz vom 29. Dez. 2008, der am sel­ben Tag beim Lan­des­ar­beits­ge­richt ein­ge­gan­gen war, Be­ru­fung ein­ge­legt und mit Schrift­satz vom 10. Feb. 2009, ein­ge­gan­gen per Fax am 11. Feb. 2009 be­gründet. Die Be­klag­te hat hier­auf mit Schrift­satz vom 25. Feb. 2009, der am 26. Feb. 2009 ein­ge­gan­gen war, er­wi­dert.
Der Kläger führt aus, er ak­zep­tie­re die Ent­schei­dung hin­sicht­lich der Ab­wei­sung der Kla­ge be­tref­fend die wei­te­re Ab­fin­dungs­for­de­rung. Die Rück­zah­lungs­ver­pflich­tung der Weih­nachts­gra­ti­fi­ka­ti­on hal­te aber, wie er meint, ei­ner In­halts­kon­trol­le nicht stand. Die aus­ge­spro­che­ne be­triebs­be­ding­te Kündi­gung sei der Sphäre des Ar­beit­ge­bers zu­zu­rech­nen und könne da­her zu kei­ner Rück­zah­lungs­pflicht sei­ner­seits führen. In­so­weit sei die Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts zur Rück­zah­lung von Aus­bil­dungs­kos­ten zu über­tra­gen.
1. Das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts München (14 Ca 5790/08) vom 25.11.2008 wird in den Zif­fern 1) und 2) ab­geändert.
2. Die Be­klag­te wird ver­teilt, an den Kläger € 3.000,00 brut­to nebst 5 % Zin­sen über dem Ba­sis­zins­satz seit dem 01.03.2008 zu be­zah­len.
Sie ist der An­sicht, dass ei­ne Rück­zah­lungs­ver­pflich­tung ei­ner Weih­nachts­gra­ti­fi­ka­ti­on auch für den Fall ei­ner be­triebs­be­ding­ten Ar­beit­ge­berkündi­gung vor­ge­se­hen wer­den könne. Die ent­spre­chen­de Klau­sel im Ar­beits­ver­trag ver­s­toße auch nicht ge­gen die Be­stim­mun­gen der AGB-Kon­trol­le. Ei­ne Über­tra­gung der Recht­spre­chung zur Rück­zah­lung von Aus­bil­dungs­kos­ten kom­me nicht in Be­tracht.
Im Ter­min vom 12. Mai 2009 hat der Be­klag­ten­ver­tre­ter auf Hin­weis des Vor­sit­zen­den, die Pfändungs­frei­gren­zen sei­en ggf. bei der Auf­rech­nung zu be­ach­ten ge­we­sen, vor­ge­tra­gen, die Fe­bru­ar­zah­lung sei zu­sam­men mit der Ab­fin­dung ab­ge­rech­net und aus­be­zahlt wor­den. Dar­aus ha­be sich nach er­folg­ter Ver­rech­nung mit der Weih­nachts­gra­ti­fi­ka­ti­on ein ver­blie­be­ner Aus­zah­lungs­be­trag von net­to € 1.963,99 er­ge­ben. In der Lohn­steu­er­kar­te des Klägers sei Lohn­steu­er­klas­se III bei ei­nem 1 Kin­der­frei­be­trag ein­ge­tra­gen.
Der Kläger hat aus­geführt, er ha­be übli­cher­wei­se net­to ca. 1.800 € er­hal­ten.
We­gen des Sach­vor­trags der Par­tei­en im Ein­zel­nen wird auf die Schriftsätze des Klägers vom 25. Apr. 2008 (Bl. 1 ff. d. A.), vom 20. Aug. 2008 (Bl. 39 ff. d. A.), vom 10. Feb. 2009 (Bl. 96 ff. d. A.) und vom 30. Apr. 2009 (Bl. 122 f. d. A.), der Be­klag­ten vom 17. Ju­ni 2008 (Bl. 26 ff. d. A.), vom 18. Sept. 2008 (Bl. 44 ff. d. A.) und vom 25. Feb. 2009 (Bl. 112 ff. d. A.) – je­weils nebst An­la­gen – so­wie auf die Sit­zungs­pro­to­kol­le vom 4. Nov. 2008 (Bl. 31 f. d. A.) und vom 12. Mai 2009 (Bl. 124 ff. d. A.) Be­zug ge­nom­men.
Sie ist nach § 64 Abs. 1, 2b ArbGG statt­haft. Sie ist in rech­ter Form und Frist ein­ge­legt und be­gründet wor­den (§ 64 Abs. 6 Satz 1 ArbGG, § 519 Abs. 2, § 520 Abs. 3 ZPO i.V.m. § 66 Abs. 1 Sätze 1, 2, 5 ArbGG, § 222 ZPO).
II. In der Sa­che hat die Be­ru­fung Er­folg.
Der Kläger kann die Zah­lung der Vergütung für Fe­bru­ar 2008 nach § 611 BGB i.V.m. dem Ar­beits­ver­trag bzw. die Zah­lung der un­ge­min­der­ten Ab­fin­dung in Höhe von € 4.500.- ver­lan­gen. De­ren Ver­rech­nung mit der mit dem No­vem­ber­ge­halt 2007 be­zahl­ten Ab­fin­dung in glei­cher Höhe war nicht statt­haft. Die Re­ge­lung in Nr. III. 2. c. des Ar­beits­ver­tra­ges ist we­gen Ver­s­toßes ge­gen § 307 Abs. 1 BGB un­wirk­sam (§ 306 Abs. 2 BGB), oh­ne dass dis­po­si­ti­ves Ge­set­zes­recht zur An­wen­dung käme. Ei­ne Rück­for­de­rung der be­zahl­ten Ab­fin­dung bei vor­zei­ti­gem Aus­schei­den des Klägers kommt nicht in Be­tracht.
1. Der Ent­gelt­an­spruch für Fe­bru­ar 2008 war sei­tens des Klägers ent­stan­den. Er hat­te sei­ne Ar­beits­leis­tung – er­sicht­lich – vollständig er­bracht.
2. Die Ent­gelt­for­de­rung ist we­der ganz noch teil­wei­se durch Auf­rech­nung (§§ 386 ff. BGB) er­lo­schen. Wenn­gleich der Ent­gelt­an­spruch zu­min­dest teil­wei­se der Auf­rech­nung un­ter­lag (§ 394 BGB, § 850c ZPO), so schei­tert die­se am Feh­len ei­nes Ge­gen­an­spru­ches der Be­klag­ten.
a. Hin­sicht­lich der Zah­lung im Mo­nat Fe­bru­ar 2008 war ein Teil der Vergütung des Klägers der Pfändung un­ter­le­gen (§ 394 BGB, §§ 850c, 850i ZPO). Un­ter Zu­grun­de­le­gung der re­gelmäßigen Net­to­vergütung wa­ren – aus­ge­hend von der Äußerung des Klägers – € 95,01 pfänd­bar. Da­ne­ben ist auch noch die Pfänd­bar­keit der Ab­fin­dungs­zah­lung ge­ge­ben.
aa. Nach un­wi­der­spro­che­ner Dar­le­gung des Klägers ver­dien­te die­ser re­gelmäßig mo­nat­lich ca. 0a € net­to. Er hat zu­dem 2 Un­ter­halts­pflich­ten (Lohn­steu­er­klas­se III und 1 Kin­der­frei­be­trag), wie die Be­klag­te un­wi­der­spro­chen vor­ge­tra­gen hat­te. Dar­aus folgt nach der Ta­bel­le (An­la­ge 2 zu § 850c ZPO) ein Pfändungs­be­trag von € 95,01.
bb. Da­ne­ben ist die dem Kläger be­zahl­te Ab­fin­dung zu berück­sich­ti­gen. Die­se ge­nießt kei­nen Schutz nach §§ 850 ff. ZPO, da die­se kein Ar­beits­ent­gelt dar­stel­len (BAG v. 13. 7. 1959 – 2 AZR 398/58, AP ZPO § 850 Nr. 1; Münch­Komm-ZPO/Smid, 2. Aufl., § 850i Rz. 14).
b. Die Be­klag­te hat­te aber kei­nen Ge­gen­an­spruch, mit dem sie die Auf­rech­nung erklären konn­te (§ 387 BGB). Die for­mu­larmäßige (§ 305 Abs. 1 BGB) Rück­zah­lungs­ver­ein­ba­rung in Nr. III. 2. c. des Ar­beits­ver­tra­ges ist je­den­falls in­so­weit un­wirk­sam, als sie auch bei Aus­spruch ei­ner be­triebs­be­ding­ten Ar­beit­ge­berkündi­gung ei­ne Rück­zah­lungs­ver­pflich­tung auslöst (§ 306 Abs. 2 BGB). Da­mit be­nach­tei­ligt sie die be­trof­fe­nen Ar­beit­neh­mer un­an­ge­mes­sen (§ 307 Abs. 1 BGB).
aa. Beim Ar­beits­ver­trag, in Son­der­heit bei Nr. III. 2. c des Ar­beits­ver­tra­ges, han­delt es sich um ei­ne all­ge­mei­ne Geschäfts­be­din­gung nach § 305 Abs. 1 Satz 1 BGB. Die Ver­trags­ver­ein­ba­run­gen sind nicht al­lein mit dem Kläger, son­dern mit ei­ner Viel­zahl von Ar­beit­neh­mern so ab­ge­schlos­sen. Den ent­spre­chen­den Vor­trag des Klägers hat die Be­klag­te nicht be­strit­ten (§ 138 Abs. 3 ZPO). Es ist da­nach ei­ne „vor­for­mu­lier­te Ver­trags­be­din­gung für ei­ne Viel­zahl von Verträgen“ i.S. § 305 Abs. 1 Satz 1 BGB ge­ge­ben, die ei­ner Ver­trags­in­halts­kon­trol­le un­ter­liegt (vgl. auch BAG v. 25. 5. 2005 – 5 AZR 572/04, AP BGB § 310 Nr. 1).
bb. Die Rück­zah­lungs­klau­sel be­nach­tei­ligt den Kläger ent­ge­gen Treu und Glau­ben in un­an­ge­mes­se­ner Wei­se, in­so­weit auch bei Aus­spruch ei­ner be­triebs­be­ding­ten Ar­beit­ge­berkündi­gung ei­ne Rück­zah­lungs­ver­pflich­tung hin­sicht­lich der Weih­nachts­gra­ti­fi­ka­ti­on
ent­steht (§ 307 Abs. 1 Satz 1 BGB); sie ist je­den­falls in­so­weit un­wirk­sam (§ 306 Abs. 2 BGB).
aaa. In sei­ner Ent­schei­dung vom 25. 4. 1991 – 6 AZR 183/90, AP BGB § 611 Gra­ti­fi­ka­ti­on Nr. 138) hat­te das Bun­des­ar­beits­ge­richt die Be­stim­mung ei­ner Be­triebs­ver­ein­ba­rung, der­zu­fol­ge Mit­ar­bei­ter von der Gra­ti­fi­ka­ti­ons­zah­lung aus­ge­schlos­sen sind, die am Stich­tag 30. No­vem­ber des Jah­res in ei­nem gekündig­ten Ar­beits­verhält­nis ste­hen, auch für den Fall ei­ner be­triebs­be­ding­ten Kündi­gung als wirk­sam an­ge­se­hen. Al­ler­dings hat es die Ver­ein­ba­rung der ge­richt­li­chen In­halts­kon­trol­le auf ih­re Übe­rein­stim­mung mit der Ver­fas­sung, den Ge­set­zen, den gu­ten Sit­ten und der Bil­lig­keit gemäß § 75 Be­trVG un­ter­wor­fen. Da­hin­ge­hen­de Verstöße, ins­be­son­de­re ei­nen Ver­s­toß ge­gen § 162 BGB – treu­wid­ri­ge Ver­ei­te­lung des Be­din­gungs­ein­tritts – hat das Bun­des­ar­beits­ge­richt nicht an­ge­nom­men. Der Ar­beit­ge­ber le­ge nicht oh­ne Wei­te­res ein wi­dersprüchli­ches und treu­wid­ri­ges Ver­hal­ten im Sin­ne von § 162 BGB im Fal­le des Aus­spru­ches ei­ner be­triebs­be­ding­ten Kündi­gung an den Tag. Viel­mehr set­ze die An­wen­dung des Grund­sat­zes von Treu und Glau­ben ei­ne Auflösung des Ar­beits­verhält­nis­ses durch den Ar­beit­ge­ber vor­aus, mit dem Ziel die Ent­ste­hung des Gra­ti­fi­ka­ti­ons­an­spruchs des Ar­beit­neh­mers zu ver­ei­teln. Ei­ner sol­chen An­nah­me ste­he aber be­reits ent­ge­gen, dass auch be­triebs­be­ding­te Kündi­gun­gen nicht be­lie­big, son­dern nur un­ter den ge­setz­li­chen und von der Recht­spre­chung auf­ge­stell­ten Vor­aus­set­zun­gen aus­ge­spro­chen wer­den könn­ten (BAG v. 25. 4. 1991, a.a.O., un­ter Rz. 27).
bbb. Dem­ge­genüber hat­te das Bun­des­ar­beits­ge­richt in ei­ner die Rück­zah­lung von Aus­bil­dungs­kos­ten be­tref­fen­den Ent­schei­dung vom 11. 4. 2006 – 9 AZR 610/05, AP BGB § 307 Nr. 16; eben­so BAG v. 23. 1. 2007 – 9 AZR 482/06, NJW 2007 3018) ei­ne un­an­ge­mes­se­ne Be­nach­tei­li­gung für den Fall ei­ner auch bei be­triebs­be­ding­ter Kündi­gung ent­ste­hen­den Rück­zah­lungs­ver­pflich­tung an­ge­nom­men. Es führt hier­zu aus:
e) Rück­zah­lungs­ab­re­den für Aus- und Fort­bil­dungs­kos­ten be­nach­tei­li­gen den Ar­beit­neh­mer nicht ge­ne­rell un­an­ge­mes­sen. Nach der vor Gel­tung der §§ 305 ff. BGB zur all­ge­mei­nen In­halts­kon­trol­le von Rück­zah­lungs­klau­seln er­gan­ge­nen ständi­gen Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts wa­ren ein­zel­ver­trag­li­che Ver­ein­ba­run­gen, nach de­nen sich ein Ar­beit­neh­mer an den Kos­ten ei­ner vom Ar-
beit­ge­ber fi­nan­zier­ten Aus­bil­dung zu be­tei­li­gen hat, wenn er vor Ab­lauf be­stimm­ter Fris­ten aus dem Ar­beits­verhält­nis aus­schei­det, grundsätz­lich zulässig (24. Ju­ni 2004 – 6 AZR 383&03 – BA­GE 111, 157 mwN). Dar­an ist fest­zu­hal­ten.
aa) Aus­nahms­wei­se können je­doch der­ar­ti­ge Zah­lungs­ver­pflich­tun­gen we­gen ei­ner übermäßigen Be­ein­träch­ti­gung der ar­beits­platz­be­zo­ge­nen Be­rufs­wahl­frei­heit des Ar­beit­neh­mers (Art. 12. Abs. 1 Satz 1 GG) un­wirk­sam sein. So muss ei­ner­seits ei­ne Rück­zah­lungs­ver­pflich­tung bei verständi­ger Be­trach­tung ei­nem bil­li­gens­wer­ten In­ter­es­se des Ar­beit­ge­bers ent­spre­chen und an­de­rer­seits der Ar­beit­neh­mer mit der Fort­bil­dungs­maßnah­me ei­ne an­ge­mes­se­ne Ge­gen­leis­tung für die Rück­zah­lungs­ver­pflich­tung er­hal­ten ha­ben. Die für den Ar­beit­neh­mer zu­mut­ba­ren Bin­dun­gen sind auf Grund ei­ner Güter- und In­ter­es­sen­abwägung nach Maßga­be des Verhält­nismäßig­keits­grund­sat­zes un­ter Her­an­zie­hung al­ler Umstände des Ein­zel­fal­les zu er­mit­teln (BAG 5. De­zem­ber 2002 – 6 AZR 539/01 – BA­GE 104, 125 mwN). Das In­ter­es­se des Ar­beit­ge­bers, der sei­nem Ar­beit­neh­mer ei­ne Aus- oder Wei­ter­bil­dung fi­nan­ziert, geht da­hin, die vom Ar­beit­neh­mer er­wor­be­ne Qua­li­fi­ka­ti­on möglichst lang­fris­tig für sei­nen Be­trieb nut­zen zu können (BAG 19. Fe­bru­ar 2004 – 6 AZR 552/02 – BA­GE 109, 345). Die­ses grundsätz­lich be­rech­tig­te In­ter­es­se ge­stat­tet es dem Ar­beit­ge­ber, als Aus­gleich für sei­ne fi­nan­zi­el­len Auf­wen­dun­gen von ei­nem sich vor­zei­tig ab­keh­ren­den Ar­beit­neh­mer die Kos­ten der Aus­bil­dung ganz oder zeit­an­tei­lig zurück­zu­ver­lan­gen. Die be­rech­tig­ten Be­lan­ge des Ar­beit­ge­bers sind ge­gen das In­ter­es­se des Ar­beit­neh­mers ab­zuwägen, sei­nen Ar­beits­platz oh­ne Be­las­tung mit Kos­ten frei wählen zu können. Die Abwägung hat sich ins­be­son­de­re dar­an zu ori­en­tie­ren, ob und in­wie­weit der Ar­beit­neh­mer mit der Aus- oder Fort­bil­dung ei­nen geld­wer­ten Vor­teil er­langt (st. Rspr. BAG 16. März 1994 – 5 AZR 339/92 – BA­GE 76, 155).
bb) Die Un­an­ge­mes­sen­heit der streit­ge­genständ­li­chen Rück­zah­lungs­klau­sel er­gibt sich hier dar­aus, dass sie hin­sicht­lich des die Rück­zah­lungs­pflicht auflösen­den Tat­be­stan­des zu weit ge­fasst ist.
Im Rah­men der nach § 307 BGB an­zu­stel­len­den In­ter­es­sen­abwägung ist auch der die Rück­zah­lungs­pflicht auslösen­de Tat­be­stand zu berück­sich­ti­gen (Thüsing in v. West­pha­len Ver­trags­recht und AGB-Klau­sel­wer­ke Stand März 2006 Stich­wort: Ar­beits­verträge Rn. 151). Es ist nicht zulässig, die Rück­zah­lungs­pflicht schlecht­hin an je­des Aus­schei­den des Ar­beit­neh­mers zu knüpfen, das in­ner­halb der in der Klau­sel vor­ge­se­he­nen Blei­be­frist statt­fin­det. Viel­mehr muss nach dem Grund des vor­zei­ti­gen Aus­schei­dens un­ter­schie­den wer­den (vgl. Dorn­dorf in Däub-ler/Dorn­dorf AGB-Kon­trol­le im Ar­beits­recht § 307 BGB Rn. 119). Ei­ne Rück­zah­lungs­klau­sel stellt nur dann ei­ne aus­ge­wo­ge­ne Ge­samt­re­ge­lung dar, wenn es der Ar­beit­neh­mer in der Hand hat, durch ei­ge­ne Be­triebs­treue der Rück­zah­lungs­pflicht zu ent­ge­hen. Ver­lus­te auf Grund von In­ves­ti­tio­nen, die nachträglich wert­los wer­den, hat grundsätz­lich der Ar­beit­ge­ber zu tra­gen. Hätte der be­triebs­treue Ar­beit­neh­mer die in sei­ne Aus- oder Wei­ter­bil­dung in­ves­tier­ten Be­triebs­aus­ga­ben auch dann zu er­stat­ten, wenn die Gründe für die vor­zei­ti­ge Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses aus­sch­ließlich dem Ver­ant­wor­tungs- und Ri­si­ko­be­reich des Ar­beit­ge­bers zu­zu­rech­nen sind, würde er mit den Kos­ten ei­ner fehl­ge­schla­ge­nen In­ves­ti­ti­on sei­nes Ar­beit­ge­bers be­las­tet. Sieht ei­ne Ar­beits­ver­trags­klau­sel auch für ei­nen sol­chen Fall ei­ne Rück­zah­lungs­pflicht des Ar­beit­neh­mers vor, berück­sich­tigt sie
nicht wech­sel­sei­tig die an­zu­er­ken­nen­den In­ter­es­sen bei­der Ver­trags­part­ner, son­dern ein­sei­tig nur die­je­ni­gen des Ar­beit­ge­bers. Da­mit be­nach­tei­ligt ei­ne sol­che Klau­sel den Ar­beit­neh­mer un­an­ge­mes­sen (vgl. BAG 24. Ju­ni 2004 – 6 AZR 383/03 – BA­GE 111, 157). Die in Ziff. 10.4 des Ar­beits­ver­tra­ges ent­hal­te­ne Rück­zah­lungs­klau­sel dif­fe­ren­ziert nicht da­nach, wes­sen Ver­ant­wor­tungs- und Ri­si­ko­be­reich die Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses zu­zu­rech­nen ist. Der Ar­beit­neh­mer soll auch dann mit den Aus­bil­dungs­kos­ten be­las­tet wer­den, wenn er sich we­gen ei­nes Fehl­ver­hal­tens des Ar­beit­ge­bers als zur Ei­genkündi­gung be­rech­tigt an­se­hen darf oder wenn der Ar­beit­ge­ber aus be­triebs­be­ding­ten Gründen kündigt. In die­sen Fällen ist die vor­zei­ti­ge Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses nicht dem Ar­beit­neh­mer zu­zu­rech­nen. Er kann die Ver­trags­be­en­di­gung nicht be­ein­flus­sen. Ei­ne sach­li­che Grund­la­ge für die Kos­ten­be­tei­li­gung des Ar­beit­neh­mers, die die­se als an­ge­mes­se­nen In­ter­es­sen­aus­gleich er­schei­nen lässt, be­steht in sol­chen Fällen nicht (Thüsing in v. West­pha­len aaO). Die Kläge­rin ver­sucht durch die­se Ver­trags­ge­stal­tung ein­sei­tig ih­re ei­ge­nen wirt­schaft­li­chen In­ter­es­sen an ei­ner Ab­si­che­rung ih­rer In­ves­ti­ti­on in die Aus­bil­dung des Be­klag­ten durch­zu­set­zen.
f) So­weit un­ter Gel­tung des al­ten Rechts im Rah­men des § 242 BGB bei weit­ge-fass­ten Klau­seln je­weils ge­prüft wur­de, ob der Ar­beit­neh­mer im kon­kre­ten Fall schutzwürdig ist, bleibt hierfür bei der In­halts­kon­trol­le nach § 307 BGB kein Raum. Die un­ter der Gel­tung der Be­reichs­aus­nah­me zum AGBG er­gan­ge­ne Recht­spre­chung sah, wenn der Ar­beit­neh­mer dem Ar­beit­ge­ber Grund zur Kündi­gung ge­ge­ben hat­te, das Ver­trau­en des Ar­beit­neh­mers, durch ei­ge­ne Be­triebs­treue der Rück­zah­lungs­pflicht ent­ge­hen zu können, als nicht schutzwürdig an. Dies galt eben­so für den Fall ei­ner vor­zei­ti­gen Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses durch den Ar­beit­neh­mer (vgl. BAG 24. Ju­ni 2004 – 6 AZR 383/03 – BA­GE 111, 157). Im Ge­gen­satz zu die­ser am kon­kre­ten Ein­zel­fall aus­ge­rich­te­ten Recht­spre­chung be­ruht jetzt die zum Recht der All­ge­mei­nen Geschäfts­be­din­gun­gen gehören­de In­halts­kon­trol­le auf ei­ner ty­pi­sie­ren­den Be­trach­tung ei­ner Klau­sel, die oh­ne Rück­sicht auf in­di­vi­du­el­le Be­son­der­hei­ten der Ver­trags­par­tei­en vor­zu­neh­men ist (Schmidt NZA 2004, 1002).
ccc. Die­se von der er­ken­nen­den Kam­mer ge­teil­te An­sicht ist auf die vor­lie­gen­de Fall­ge­stal­tung zu über­tra­gen. Da­nach ist für die bis­he­ri­ge weit ge­fass­te und am Ein­zel­fall ori­en­tier­te Prüfung der Schutzwürdig­keit des Ar­beit­neh­mers im Rah­men des § 307 Abs. 1 Satz 1 BGB kein Raum mehr (BAG v. 23. 1. 2007, a.a.O., un­ter Rz. 27).
Ei­ne for­mu­larmäßige Ver­trags­be­stim­mung ist nach § 307 Abs. 1 BGB un­an­ge­mes­sen, wenn der Ver­wen­der ver­sucht, durch ein­sei­ti­ge Ver­trags­ge­stal­tung miss­bräuch­lich ei­ge­ne In­ter­es­sen auf Kos­ten sei­nes Ver­trags­part­ners durch­zu­set­zen, oh­ne von vorn­her­ein auch des­sen Be­lan­ge hin­rei­chend zu berück­sich­ti­gen und ihm ei­nen an­ge­mes­se­nen Aus­gleich zu gewähren (BAG v. 11. 4. 2006, a.a.O.). Um ei­ne un­an­ge­mes­se­nen Be­nach­tei­li­gung fest­zu­stel­len, be­darf es ei­ner wech­sel­sei­ti­gen Berück­sich­ti­gung und Be­wer­tung recht­lich
an­zu­er­ken­nen­der In­ter­es­sen der Ver­trags­part­ner un­ter Berück­sich­ti­gung auch de­ren grund­recht­lich geschütz­ter Rechts­po­si­tio­nen. An­zu­le­gen ist ein ge­ne­rel­ler, ty­pi­sie­ren­der und vom Ein­zel­fall los­gelöster Maßstab, wo­bei im Rah­men der In­halts­kon­trol­le Art und Ge­gen­stand, Zweck und be­son­de­re Ei­gen­art des je­wei­li­gen Geschäfts zu berück­sich­ti­gen sind (BAG v. 23. 1. 2007, 11. 4. 2006, je­weils a.a.O. un­ter Rz. 27; BAG v. 19. 12. 2006 – 9 AZR 294/06, NZA 2007, 809, un­ter Rz. 27). Zu­dem ist zu berück­sich­ti­gen, ob der Klau-sel­in­halt bei der in Re­de ste­hen­den Art des Rechts­geschäfts ge­ne­rell und un­ter Berück­sich­ti­gung der ty­pi­schen In­ter­es­sen der be­tei­lig­ten Ver­kehrs­krei­se ei­ne un­an­ge­mes­se­ne Be­nach­tei­li­gung des Ver­trags­part­ners er­gibt (vgl. BAG v. 11. 4. 2006, a.a.O., un­ter Hin­weis auf BAG v. 4. 3. 2004 – 8 AZR 196/03, BA­GE 110, 8).
Hier­nach folgt auch bei der Rück­for­de­rung ei­ner Weih­nachts­gra­ti­fi­ka­ti­on die Un­wirk­sam­keit der Rück­zah­lungs­ver­pflich­tung im Fal­le ei­ner aus­ge­spro­che­nen be­triebs­be­ding­ten Kündi­gung durch den Ar­beit­ge­ber. Auch hier ist es nicht angängig, die Rück­zah­lungs­pflicht schlecht­hin an je­des in­ner­halb der Bin­dungs­frist statt­fin­den­de Aus­schei­den zu knüpfen, son­dern es ist auch hier nach dem An­lass des vor­zei­ti­gen Aus­schei­dens zu dif­fe­ren­zie­ren. Dem können nicht die un­ter­schied­li­chen In­ter­es­sen an der Rück­zah­lung bei gewähr­ten Aus­bil­dungs­kos­ten ent­ge­gen­ge­hal­ten wer­den.
Das Bun­des­ar­beits­ge­richt (BAG v. 1. 4. 2006, a.a.O.) be­gründet den an­ge­nom­me­nen Aus­schluss der Rück­zah­lung von Aus­bil­dungs­kos­ten bei be­triebs­be­ding­ter Kündi­gung – wie aus­geführt – mit der an­sons­ten er­fol­gen­den Be­las­tung des Ar­beit­neh­mers mit der fehl­ge­schla­ge­nen In­ves­ti­ti­on des Ar­beit­ge­bers (Kos­ten der Aus­bil­dung des Ar­beit­neh­mers). Hätte auch der be­triebs­treue Ar­beit­neh­mer bei ei­ner aus (be­trieb­li­chen) Umständen er­fol­gen­den Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses, die im Ver­ant­wor­tungs- und Ri­si­ko­be­reich des Ar­beit­ge­bers lie­gen, die Be­triebs­aus­ga­ben für sei­ne Aus- und Wei­ter­bil­dung zu er­stat­ten, be­las­te­te man ihn mit fehl­ge­schla­ge­nen In­ves­ti­tio­nen. Die­se Über­le­gung gilt in glei­cher Wei­se bei Zah­lung von Weih­nachts­gra­ti­fi­ka­tio­nen, wenn auch nicht stets in der kos­ten­in­ten­si­ven Art, wie bei Aus- und Wei­ter­bil­dungs­kos­ten. Die Weih­nachts­gra­ti­fi­ka­ti­on dient, so­fern ei­ne Rück­zah­lungs­ver­pflich­tung bei vor­zei­ti­gem Aus­schei­den mit ihr ver­bun­den ist, nicht le­dig­lich der Be­loh­nung er­brach­ter, son­dern auch dem An­reiz zu wei­te­rer Be­triebs­treue. Mit ihr sol­len die Ar­beit­neh­mer auch künf­tig für ei­ne be­stimm­te Zeit an den Be­trieb ge­bun­den wer­den. In­so­weit kommt auch der Weih­nachts­gra­ti­fi­ka­ti­on ei­ne „In­ves­ti­ti­ons­cha­rak­ter“ zu. Sieht in der­ar­ti­gen Fällen ei­ne Ar­beits­ver-
trags­klau­sel ei­ne Rück­zah­lungs­ver­pflich­tung auch für den Fall ei­ner vor Ab­lauf der Ver-trags­bin­dungs­frist aus­ge­spro­che­nen be­triebs­be­ding­ten Kündi­gung durch den Ar­beit­neh­mer vor, blei­ben eben­so we­nig die wech­sel­sei­tig an­zu­er­ken­nen­den In­ter­es­sen bei­der Ver­trags­part­ner, son­dern nur ein­sei­tig die­je­ni­gen des Ar­beit­ge­bers, berück­sich­tigt, wor­aus ei­ne Be­nach­tei­li­gung des Ar­beit­neh­mers folgt. Die ver­ein­bar­te Rück­zah­lungs­ver­pflich­tung auch für ei­nen an sich ver­trags­treu­en Ar­beit­neh­mers stellt so­mit kei­ne aus­ge­wo­ge­ne Ge­samt­re­ge­lung mehr dar: Der Ar­beit­neh­mer hat es nicht mehr in der Hand hat, durch ei­ge­ne Be­triebs­treue der Rück­zah­lungs­pflicht zu ent­ge­hen.
Die in Nr. III. 2. c. des Ar­beits­ver­tra­ges ent­hal­te­ne Rück­zah­lungs­klau­sel un­ter­schei­det nicht da­nach, wes­sen Ver­ant­wor­tungs- und Ri­si­ko­be­reich die ei­ne Rück­zah­lungs­ver­pflich­tung auslösen­de Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses zu­zu­rech­nen ist. Auch dann, wenn sich der Ar­beit­neh­mer we­gen ei­nes Fehl­ver­hal­tens des Ar­beit­ge­bers zur Ei­genkündi­gung be­rech­tigt an­se­hen darf oder, wenn der Ar­beit­ge­ber aus be­triebs­be­ding­ten Gründen kündigt, ist nach dem Wort­laut der Ver­trags­re­ge­lung ei­ne Rück­zah­lung des Weih­nachts­gel­des be­gründet, ob­schon dann die vor­zei­ti­ge Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses nicht dem Ar­beit­neh­mer zu­zu­rech­nen ist. In­so­weit be­steht al­ler­dings kei­ne sach­li­che Grund­la­ge für die Er­stat­tung der Weih­nachts­gra­ti­fi­ka­ti­on, da der Ar­beit­neh­mer die Ver­trags­be­en­di­gung nicht be­ein­flus­sen kann. Dies gilt um­so mehr, als bei Gra­ti­fi­ka­ti­ons­zah­lun­gen kei­ne Min­de­rung des Rück­zah­lungs­be­tra­ges nach er­brach­ter Be­triebs­zu­gehörig­keit er­folgt und dem Ar­beit­neh­mer auch kein Vor­teil auf dem Ar­beits­markt, wie bei ei­ner ab­ge­schlos­se­nen Aus- und Wei­ter­bil­dung, zu­ge­flos­sen ist. Auch wenn die be­trieb­li­chen Aus- und Wei­ter­bil­dungs­kos­ten in vie­len Fällen über der Sum­me ei­ner Weih­nachts­gra­ti­fi­ka­ti­on lie­gen mögen, so stel­len die be­zahl­ten Beträge für die Beschäftig­ten auch hier re­gelmäßig ei­nen durch­aus er­heb­li­chen Be­trag dar. Der Kläger er­hielt in con­cre­to ei­nen Brut­to­mo­nats­ver-dienst (Grund­ge­halt), der – ob­schon zu­meist ver­braucht – voll zurück­zu­gewähren ist, oh­ne dass wei­te­re Vor­tei­le beim Kläger ver­blie­ben.
cc. Man­gels ei­ner Ge­gen­for­de­rung, mit der die Be­klag­te hätte auf­rech­nen könne, war der vol­le Ver­dienst für Fe­bru­ar 2008, ein­sch­ließlich der zu­ge­sag­ten Ab­fin­dung an den Kläger aus­zu­zah­len. Un­ter Berück­sich­ti­gung der be­reits er­folg­ten teil­wei­sen Erfüllung (§ 362 BGB) steht der sei­tens der Be­klag­ten in An­rech­nung ge­brach­te Dif­fe­renz­be­trag von € 3.000.- noch zur Zah­lung aus.
3. Die Zins­ent­schei­dung folgt aus §§ 286, 288 Abs. 1 BGB.
III. Die Kos­ten­fol­ge er­gibt sich aus § 92 Abs. 1 ZPO.
IV. Nach § 72 Abs. 1 Nr. 1 ArbGG war Re­vi­si­on zu­zu­las­sen.
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