Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Gericht=BGH&Datum=14.10.1992&Aktenzeichen=VIII%20ZR%20100/91
Timestamp: 2019-04-26 04:45:42
Document Index: 279840139

Matched Legal Cases: ['BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 242', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 353', 'BGH', 'BGH', '§ 353', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 353', '§ 86', 'BGH', 'BGH', 'Art. 21', '§ 2', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 353', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH']

BGH, 14.10.1992 - VIII ZR 100/91 - dejure.org
BGH, 14.10.1992 - VIII ZR 100/91
Kapitalgesellschaft - Volkseigene Betriebe - Handlungsgeschäft - Fälligkeit - Vertragsgericht - Schiedsspruch - Berufung - Wirtschaftsvertrag - Rechtswirksamkeit - Vergütungsanspruch
Einspruch gegen den Schiedsspruch eines Vertragsgerichts; Vergütungsanspruchs aus einem Kraftfahrzeugübernahmevertrag zwischen ehemaligen VeBs; Fälligkeitszinsen
BGH, 09.12.1992 - VIII ZR 100/91
ZIP 1992, 1793
MDR 1993, 94
Ein vor dem Beitritt der DDR zur Bundesrepublik Deutschland zur Post gegebener Einspruch gegen einen auf der Grundlage der Verordnung über die Aufgaben und die Arbeitsweise des Staatlichen Vertragsgerichts erlassenen Schiedsspruch ist nach dem Beitritt als Berufung zu behandeln (im Anschluß an BGH, WM 1992, 2151 [BGH 14.10.1992 - VIII ZR 100/91]).
Der Einspruch der Beklagten gegen den vom Kreisgericht noch auf der Grundlage der SVGVO erlassenen Schiedsspruch stellt daher ein echtes Rechtsmittel dar, das nach dem 3. Oktober 1990 als Berufung zu behandeln ist (vgl. BGH, Urteil vom 14. Oktober 1992 - VIII ZR 100/91 = WM 1992, 2151, 2152 [BGH 14.10.1992 - VIII ZR 100/91] = EWiR 1992, 1235 m. Anm. Briesemeister).
a) Die aus § 242 BGB entwickelten Grundsätze zum Wegfall der Geschäftsgrundlage sind allerdings nach mittlerweile gefestigter Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs für in der DDR - auch vor dem 1. Juli 1990 - begründete vertragliche Schuldverhältnisse, für die noch nach dem Beitritt weiterhin Recht der DDR gilt ("Altverträge"), ebenfalls anzuwenden (BGHZ 120, 10, 22; 121, 378, 391; 124, 1, 8; Senat, BGHZ 126, 150; Urt. v. 14. Oktober 1992, VIII ZR 100/91, WM 1992, 2151; v. 16. Dezember 1992, VIII ZR 28/92, ZIP 1993, 234, 237; v. 1. April 1993, VII ZR 22/92, ZIP 1993, 948, 950; v. 24. März 1994, VII ZR 159/92, DtZ 1994, 282, 284; v. 3. Mai 1994, VI ZR 278/93, Umdruck S. 25, zur Veröffentlichung in BGHZ 126, 87 vorgesehen;… Urt. v. 23. Juni 1994, VII ZR 167/93, DtZ 1994, 339, 340; v. 11. Oktober 1994, XI ZR 189/93, ZIP 1994, 1724, 1725; v. 11. Oktober 1994, X ZR 78/92, ZIP 1994, 1892, 1895; v. 21. September 1995, VII ZR 80/94, zum Abdruck im Nachschlagewerk vorgesehen).
Gemäß den Bestimmungen des Einigungsvertrages ist über Ansprüche aus dem Liefervertrag nur noch nach dem Recht der früheren DDR zu entscheiden, soweit dieses nicht in Widerspruch zu freiheitlich demokratischen Grundsätzen und zu den Prinzipien der sozialen Marktwirtschaft steht (vgl. BGH, Urteile vom 14. Oktober 1992 - VIII ZR 91/91 - BGHZ 120, 10 [BGH 14.10.1992 - VIII ZR 91/91] = WM 1992, 2144 und VIII ZR 100/91 - WM 1992, 2151 [BGH 14.10.1992 - VIII ZR 100/91]).
In Kapitalgesellschaften umgewandelte frühere volkseigene Betriebe der DDR sind berechtigt, auch für vor dem 1.7.1990 begründete Forderungen aus beiderseitigen Handelsgeschäften ab 1.7.1990 gem. §§ 353, 352 BGB 5 % Fälligkeitszinsen zu verlangen, soweit ihnen kein anderweitiger höherer Zinsanspruch zusteht (Bestätigung von BGH, WM 1992, 2151, 2155) [BGH 14.10.1992 - VIII ZR 100/91].
Dies hat zur Folge, daß in Kapitalgesellschaften umgewandelte frühere volkseigene Betriebe der DDR berechtigt sind, auch für vor dem 1. Juli 1990 begründete Forderungen aus beiderseitigen Handelsgeschäften ab 1. Juli 1990 gemäß §§ 353, 352 HGB 5 % Fälligkeitszinsen zu verlangen, soweit ihnen kein anderweitiger höherer Zinsanspruch zusteht (vgl. BGH, Urteil vom 14. Oktober 1992 - VIII ZR 100/91I ZR 100/91 = WM 1992, 2151, 2155 [BGH 14.10.1992 - VIII ZR 100/91] = EWiR 1992, 1235 m.Anm. Briesemeister).
BGH, 01.04.1993 - VII ZR 22/92
Das Berufungsgericht hat übersehen, daß auf den geltend gemachten Zinsanspruch ab 1. Juli 1990 die §§ 353, 352 HGB anzuwenden sind, soweit der Klägerin nicht ein anderweitiger höherer Zinsanspruch, etwa nach § 86 Abs. 4 des Zivilgesetzbuchs der DDR vom 19. Juni 1975 (GBl. DDR I S. 465) (ZGB), zusteht (vgl. Senat, Beschluß vom 4. Februar 1993 - VII ZR 277/91II ZR 277/91, nicht veröffentlicht, unter 2. b); Senat, Beschluß vom 4. Februar 1993 - VII ZR 39/92VII ZR 39/92, zur Veröffentlichung bestimmt, unter 2. b); ferner BGH, Urteil vom 14. Oktober 1992 - VIII ZR 100/91I ZR 100/91 = WM 1992, 2151, 2155 [BGH 14.10.1992 - VIII ZR 100/91] = EWiR 1992, 1235 m. Anm. Briesemeister).
Ihr kommt vermögenszuordnender, nicht enteignender Charakter zu (…vgl. Schmitt-Habersack aaO., Art. 21 VermG, Rdn. 3;… Schmidt-Räntsch/Hiestand, RVJ, § 2 VZOG Rdn. 32; Wilhelms, VIZ 1994, 641, 643, 646; zum Erwerb von Fondsvermögen des ehemaligen MfS vgl. BGH, Urt. v. 14. Oktober 1992, VIII ZR 10O/91, ZIP 1992, 1793, 1796).
Der Bundesgerichtshof hat wiederholt entschieden, daß auf vertragliche Schuldverhältnisse, die vor dem 1. Juli 1990, dem Inkrafttreten des Vertrags über die Schaffung der Währungs-, Wirtschafts- und Sozialunion vom 18. Mai 1990 (BGBl II 537), entstanden waren, die Grundsätze des Wegfalls der Geschäftsgrundlage anwendbar sein können (BGHZ 120, 10 [BGH 14.10.1992 - VIII ZR 91/91]; Urt. v. 14. Oktober 1992, VIII ZR 100/91, WM 1992, 2151 [BGH 14.10.1992 - VIII ZR 100/91]; BGHZ 121, 378 [BGH 25.02.1993 - VII ZR 24/92]).
a) Nach der Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs ist ein vor dem Beitritt der DDR zur Bundesrepublik Deutschland eingelegter und noch nicht erledigter Einspruch gegen eine auf der Grundlage der Verordnung über die Aufgaben und die Arbeitsweise des Staatlichen Vertragsgerichts vom 18. April 1963 (GBl. DDR II 293) in der Fassung vom 12. März 1970 (GBl. II 205) (SVGVO) erlassener Schiedsspruch nach dem Beitritt als Berufung im Verfahren der Zivilprozeßordnung zu behandeln (BGH, Urteil vom 14. Oktober 1992 - VIII ZR 100/91 = WM 1992, 2151, 2152 [BGH 14.10.1992 - VIII ZR 100/91] = EWiR 1992, 1235 Briesemeister; Urteil vom 25. Februar 1993 - VII ZR 24/92 = NJW 1993, 1856, 1857 = ZfBR 1993, 171, 172 = BauR 1993, 458, 459 f = EWiR 1993, 854 Kohte = BGHZ 121, 378 [BGH 25.02.1993 - VII ZR 24/92]).
Dies hat zur Folge, daß in Kapitalgesellschaften umgewandelte frühere volkseigene Betriebe der DDR berechtigt sind, auch für vor dem 1. Juli 1990 begründete Forderungen aus beiderseitigen Handelsgeschäften ab 1. Juli 1990 gemäß §§ 353, 352 HGB 5 % Fälligkeitszinsen zu verlangen, soweit ihnen kein anderweitiger höherer Zinsanspruch zusteht (vgl. BGH. Urteil vom 14. Oktober 1992 - VIII ZR 100/91 = WM 1992, 2151, 2155 [BGH 14.10.1992 - VIII ZR 100/91] = EWiR 1992, 1235 m. Anm. Briesemeister).
Die höchstrichterliche Rechtsprechung ist vielmehr grundsätzlich von dem Fortbestand der beim Ende der Planwirtschaft noch nicht erfüllten Verbindlichkeiten aus Wirtschaftsverträgen im Sinne des Vertragsgesetzes ausgegangen (vgl. etwa BGHZ 120, 10 ff.; BGH, WM 1992, 2151 ff. und 2155 ff.; WM 1993, 555 ff. und 856 ff. u.ö.).