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Timestamp: 2018-02-18 07:24:48
Document Index: 390024596

Matched Legal Cases: ['Art 6', 'Art. 6', 'Art. 1', 'Art. 2', 'Art. 3', 'Art. 4', 'Art. 5', '§ 8', '§ 8', '§ 11', '§ 16', '§ 22', '§ 27', '§ 35', '§41', '§ 42', '§ 50', '§ 52', '§ 35', '§ 67', '§ 74', '§ 77', '§ 78', '§ 84', '§ 8', '§ 8', 'Art. 1', '§ 8', '§ 8', '§ 8', '§ 8', '§ 10', '§ 13', '§ 27', '§ 35', '§ 35', '§ 27']

socialnet Rezensionen: Walter Schellhorn, Lothar Fischer u.a.: SGB VIII – Kinder- und Jugendhilfe. Kommentar | socialnet.de
Walter Schellhorn, Lothar Fischer u.a. (Hrsg.): SGB VIII – Kinder- und Jugendhilfe. Kommentar
Die Herausgeber und Autoren des Kommentarssind ausgewiesene Kenner des Kinder- und Jugendhilferechts:
Walter Schellhorn als ehemaliger Geschäftsführer des Deutschen Vereins für öffentliche und private Fürsorge und Autor zum Sozial- und Jugendhilferecht,
Prof. Dr. Lothar Fischer als Vizepräsident des Verwaltungsgerichts Kassel,
Horst Mann als Leiter des Servicebereichs Recht beim Landeswohlfahrtsverband Hessen, Prof. Dr. Helmut Schellhornals Hochschullehrer und
Dr. Christoph Kernals Staatsanwalt, Referat Jugend, Jugendschutz und Sozialer Nahbereich bei der Staatsanwaltschaft Kempten.
Das Buch ist die Neuauflage des Kommentars SGB VIII Kinder- und Jugendhilferecht, durch die vor allem die Gesetzesänderungen seit der vorhergehenden Auflage berücksichtigt werden. Das Kinder- und Jugendhilferecht regelt Leistungen und Maßnahmen zum Schutz von Kindern und Jugendlichen einschließlich jungen Volljährigen. Es konkretisiert das Wächteramt des Staates aus Art 6 Abs. 2 Satz 2 Grundgesetz unter Berücksichtigung des Erziehungsrechts der Eltern (Art. 6 Abs. 2 Satz 1 GG). Mit der Reform im Jahre 1990 wurde das Kinder- und Jugendhilferecht in das Sozialgesetzbuch eingeordnet (SGB VIII) und unterliegt damit den Grundsätzen des Sozialleistungsrechts und des Verfahrensrechts (SGB I und X). Seither ist das Gesetz vierzig Mal geändert worden (siehe die Auflistung der Gesetzesänderungen S. 24). Das Kinder- und Jugendhilferecht stand in den letzten Jahren im Hinblick auf zahlreiche Fälle von Kindeswohlgefährdungen und Kindestötungen in Familien unter einem enormen Veränderungsdruck seitens der Politik und der Gesetzgebung.
Die Aktualität des Buches ergibt sich aus der Berücksichtigung des Bundeskinderschutzgesetzes vom 21.12.2011 (BGBl. I S. 2975, das am 1. Januar 2012 in Kraft getreten ist. Das Bundeskinderschutzgesetz ist ein sog. Artikelgesetz, das in Art. 1 ein neues Gesetz, das Gesetz zur Kooperation und Information im Kinderschutz (KKG) geschaffen hat und in Art. 2 Änderungen des SGB VIII enthält. Art. 3 ändert andere Gesetze, Art. 4 verlangt eine Evaluation über die Wirkungen des Gesetzes. Art. 5 sieht eine Neufassung des SGB VIII vor. Die Änderungen des SGB VIII werden bei den von der Änderung betroffenen Paragrafen erläutert. Das KKG wird nicht als weiteres Gesetz nach den einzelnen Paragrafen kommentiert. Die Inhalte des Gesetzes werden im Bereich des Schutzauftrags bei Kindeswohlgefährdung (§ 8a) mit erörtert.
Die Literaturform „Kommentar“ bedeutet, dass die insgesamt 105 Paragrafen des Gesetzeswerkes jeweils einzeln erläutert werden. Anliegen der Autoren ist, dabei die vielfältigen Verknüpfungen des Kinder- und Jugendhilferechts mit dem Gesellschafts- und Familienrecht und dem Sozialrecht aufzuzeigen. Weitere Anknüpfungen erfolgen zu den Vorschriften des Verfahrensrechts (FamFG und Jugendgerichtsgesetz).
Der Aufbau des Werkes entspricht der Systematik des Gesetzes. Es ist in 10 Kapitel eingeteilt. Das erste Kapitel enthält allgemeine Vorschriften, in denen die Zielsetzung und die Aufgaben des Gesetzes geregelt sind. In diesem Kapitel findet sich aber auch die wichtige Regelung des Schutzauftrags bei Kindeswohlgefährdung (§§ 8a und 8b).
Das zweite Kapitel behandelt die Leistungen der Jugendhilfe. Dazu gehören die Jugendarbeit und Jugendsozialarbeit (§§ 11ff), die Förderung der Erziehung in der Familie (§§ 16ff), die Tagesbetreuung von Kindern (§§ 22ff), die Hilfe zur Erziehung (§§ 27ff), die Eingliederungshilfe für seelisch behinderte Kinder und Jugendliche (§ 35a) sowie die Hilfe für junge Volljährige (§41).
Das dritte Kapitel regelt die Anderen Aufgaben der Jugendhilfe, in denen das Wächteramt des Staates deutlich zum Ausdruck kommt. Mit der Inobhutnahme (§ 42) als vorläufige Maßnahme zum Schutz von Kindern und Jugendlichen sowie der Mitwirkung des Jugendamts im familiengerichtlichen (§ 50) und im jugendgerichtlichen Verfahren (§ 52) erhält das Jugendamt wichtige Befugnisse zum Schutz von Kindern und Jugendlichen.
Das vierte Kapitel regelt den Schutz von Sozialdaten als Konkretisierung des Sozialgeheimnisses von § 35 SGB I und der allgemeinen Vorschriften des Sozialdatenschutzes nach §§ 67ff SGB X.
Im fünften Kapitel finden sich die Regelungen bezüglich der Träger der Jugendhilfe, der Zusammenarbeit der Träger und der Gesamtverantwortung mit den zentralen Regelungen bezüglich der Finanzierung, wie Förderung der freien Jugendhilfe (§ 74), Vereinbarungen über die Kosten (§ 77), Vereinbarungen über Leistungsangebote, Entgelte und Qualitätsentwicklung (§§ 78aff).
Im sechsten Kapitel werden zentrale Aufgaben wie der Jugendbericht (§ 84) und im siebten Kapitel Zuständigkeit und Kostenerstattung beschrieben.
Das achte Kapitel regelt die Kostenbeteiligung, das neunte Kapitel enthält die Bestimmung über die Kinder- und Jugendhilfestatistik, das zehnte Kapitel sichert die Einhaltung des Gesetzes durch Straf- und Bußgeldvorschriften.
Für die Neuauflage des Kommentars ist die Einarbeitung der Neuerungen des Bundeskinderschutzgesetzes zum 1. Januar 2012 sowie die Änderungen des FGG-Reformgesetzes mit der Einführung des FamFG (Gesetz über das Verfahren in Familiensachen und in den Angelegenheiten der freiwilligen Gerichtsbarkeit) zum 1. September 2009 von erheblicher Bedeutung. Eine Auflistung der bisherigen Gesetzesänderungen findet sich am Anfang des Buches (S. 24ff). Wesentlichen Änderungen betreffen die Regelungen zum Schutzauftrag bei Kindeswohlgefährdung in dem geänderten § 8a und dem neu eingefügten § 8b. Die nur vier Paragrafen des Gesetzes zur Kooperation und Information im Kinderschutz (KKG; Art. 1 BKiSchG) werden innerhalb des § 8a erläutert. Sie beinhalten die sog. Frühen Hilfen, die mit dem KKG gesetzlich verankert wurden. Das KKG bezieht weitere Berufsgruppen, wie Ärzte, Hebammen, Berufspsychologen, Lehrer und andere in die Verpflichtung zum Schutzauftrag bei Kindeswohlgefährdung ein. Sehr ausführlich sind die Ausführungen zu den Empfehlungen des Deutschen Städtetags für die Risikoeinschätzung (§ 8a Rz. 22), zur Informationsgewinnung, wie Stuttgarter Kinderschutzbogen (§ 8a Rz. 23) sowie zum Hausbesuch (§ 8a Rz.27).
Die aktuelle Diskussion um die Abgrenzung der Zuständigkeit von Schule und Jugendhilfe wird in § 10 Rz.20ff ausführlich – auch in Abgrenzung zu Leistungen des SGB II – unter Einbeziehung der aktuellen Rechtsprechung erläutert. Neben der eher präventiven Schulsozialarbeit bzs. Jugendsozialarbeit an Schulen (§ 13) geht es vor allem auch um Einzelfallhilfen, wie der Hilfe zur Erziehung (§ 27) und der Eingliederungshilfe für seelisch behinderte Kinder und Jugendliche gemäß § 35a. Die umfangreiche Rechtsprechung wird zu den unterschiedlichen seelischen Störungen dokumentiert und erläutert. § 35a scheint die Jugendhilfeleistung zu sein, die am häufigsten gerichtlich erstritten wird. Die wichtigste Jugendhilfe ist die Hilfe zur Erziehung nach §§ 27. Hierzu werden Rechtscharakter der Hilfe, gesetzliche Voraussetzungen, Verfahrensfragen sowie Fragen der gerichtlichen Überprüfung praxisnah dargestellt.
Ein Kommentar zum SGB VIII ist für alle diejenigen, die in Praxis, Forschung und Lehre mit dem Kinder- und Jugendhilferecht zu tun haben und in diesem Bereich Verantwortung tragen unverzichtbar. Das Werk sollte daher vor allem für Leitungen und Mitarbeiter/innen in Jugendämtern, für Verantwortliche und Mitarbeiter/innen der freien Träger der Kinder- und Jugendhilfe sowie für Studierende der Studiengänge Soziale Arbeit und frühkindliche Pädagogik Pflichtlektüre sein.
Der Kommentar ist eine aktuelle Darstellung des Kinder- und Jugendhilferechts auf dem Stand des Jahres 2012, der insbesondere die Neuerungen des Bundeskinderschutzgesetzes darstellt und erläutert. Das Buch ist eine Fundquelle an Rechtsprechung und sonstigen Informationen, wie der Landesjugendämter und bezieht die aktuelle Fachliteratur ein. Als Kommentar wird das Buch dem Anspruch, ein Nachschlagewerk zu sein, voll und ganz gerecht. Es ist trotz zahlreicher Abkürzungen, die in der Kommentierung verwendet werden, sehr gut lesbar, übersichtlich und verständlich geschrieben. Für Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen in Jugendämtern sowie für die Beschäftigung mit dem Kinder- und Jugendhilferecht in Forschung und Lehre ist der Kommentar dringend zu empfehlen.
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Renate Oxenknecht-Witzsch. Rezension vom 15.01.2013 zu: Walter Schellhorn, Lothar Fischer, Horst Mann, Helmut Schellhorn, Christoph Kern (Hrsg.): SGB VIII – Kinder- und Jugendhilfe. Kommentar. Luchterhand Verlag (München) 2012. 4., Auflage. ISBN 978-3-472-07977-4. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/13573.php, Datum des Zugriffs 18.02.2018.