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Timestamp: 2016-10-22 17:50:41
Document Index: 311620510

Matched Legal Cases: ['BGE', 'BGE', 'BGE', 'Art. 9', 'Art. 9', 'Art. 9', 'Art. 9', 'Art. 9']

U 126/02 (08.10.2003)
U 126/02
Pr�sident Borella, Bundesrichter Lustenberger und Kernen; Gerichtsschreiberin Riedi Hunold
S.________, 1945, Beschwerdef�hrer, vertreten durch Rechtsanwalt Hansruedi Wigger, Haldenstrasse 37b, 6002 Luzern,
Der 1945 geborene S.________ ist seit 1. Januar 1975 f�r die Firma E.________ AG t�tig und in dieser Eigenschaft bei der Schweizerischen Unfallversicherungsanstalt (nachfolgend: SUVA) gegen Unf�lle versichert. Mit Unfallmeldung vom 11. Februar 2000 teilte die Arbeitgeberin der SUVA die Schulterprobleme von S.________ mit, welche durch Ereignisse im April und Oktober 1999 ausgel�st worden seien, wobei ein eigentliches Unfallereignis nicht vorliege, und bat um Abkl�rung. Die SUVA ersuchte S.________ um eine Stellungnahme und den Kreisarzt um eine Berurteilung. Nachdem sowohl S.________ als auch sein Krankenversicherer, die SWICA Gesundheitsorganisation (heute: Swica Krankenversicherung AG), Einsprache gegen die leistungsablehnende Verf�gung vom 30. August 2000 erhoben hatten, holte die SUVA eine Stellungnahme des �rzteteams Unfallmedizin ein, welche ihrerseits bei PD Dr. med. Z.________, stellvertretender Leitender Arzt, Abteilung Radiologie, Orthop�dische Klinik B.________, ein Gutachten anforderte. Gest�tzt auf diese Abkl�rungen sowie die Berichte der behandelnden �rzte (Dr. med. X.________, Spezialarzt f�r Allgemeine Medizin, Dr. med. L.________, Spezialarzt f�r orthop�dische Chirurgie, und Dr. med. T.________, Institut f�r medizinische Radiologie und Nuklearmedizin, Klinik A.________) hielt die SUVA mit Einspracheentscheid vom 30. April 2001 an ihrer Leistungsablehnung fest.
Die hiegegen erhobene Beschwerde wies das Verwaltungsgericht des Kantons Luzern mit Entscheid vom 25. Februar 2002 ab.
S.________ l�sst Verwaltungsgerichtsbeschwerde f�hren und beantragen, es seien der vorinstanzliche Entscheid aufzuheben und die Leistungspflicht der SUVA f�r die nachgewiesene partielle Sehnenruptur festzustellen. Das kantonale Gericht und die SUVA schliessen auf Abweisung der Verwaltungsgerichtsbeschwerde. Das Bundesamt f�r Sozialversicherung verzichtet auf eine Vernehmlassung.
Am 1. Januar 2003 ist das Bundesgesetz �ber den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 in Kraft getreten. Mit ihm sind zahlreiche Bestimmungen im Unfallversicherungsbereich ge�ndert worden. Weil in zeitlicher Hinsicht grunds�tzlich diejenigen Rechtss�tze massgebend sind, die bei der Erf�llung des zu Rechtsfolgen f�hrenden Tatbestandes Geltung haben (BGE 127 V 467 Erw. 1), und weil ferner das Sozialversicherungsgericht bei der Beurteilung eines Falles grunds�tzlich auf den bis zum Zeitpunkt des Erlasses des streitigen Einspracheentscheides eingetretenen Sachverhalt abstellt (BGE 121 V 366 Erw. 1b), sind im vorliegenden Fall die bis zum 31. Dezember 2002 geltenden Bestimmungen anwendbar.
Das Eidgen�ssische Versicherungsgericht hat sich in seinem zur Publikation in der Amtlichen Sammlung vorgesehenen Urteil H. vom 20. August 2003, U 17/03, erneut zu den Leistungsvoraussetzungen bei unfall�hnlichen K�rpersch�digungen ge�ussert. Es hat dabei in Fortsetzung der Rechtsprechung gem�ss BGE 123 V 43 und RKUV 2001 Nr. U 435 S. 332 daran festgehalten, dass mit Ausnahme der Ungew�hnlichkeit s�mtliche Tatbestandsmerkmale des Unfallbegriffs erf�llt sein m�ssen. Besondere Bedeutung kommt dabei der Voraussetzung eines �usseren Ereignisses zu, d.h. eines ausserhalb des K�rpers liegenden, objektiv feststellbaren, sinnf�lligen, eben unfall�hnlichen Vorfalles. Wo ein solches Ereignis mit Einwirkung auf den K�rper nicht stattgefunden hat, und sei es auch nur als Ausl�ser eines in Art. 9 Abs. 2 lit. a-h UVV aufgez�hlten Gesundheitsschadens, liegt eine eindeutig krankheits- oder degenerativ bedingte Gesundheitssch�digung vor. Kein unfall�hnliches Ereignis liegt etwa in all jenen F�llen vor, in denen der �ussere Faktor mit dem (erstmaligen) Auftreten der f�r eine der in Art. 9 Abs. 2 lit. a-h UVV enthaltenen Gesundheitssch�den typischen Schmerzen gleichgesetzt wird. Auch nicht erf�llt ist das Erfordernis des �usseren sch�digenden Faktors, wenn das (erstmalige) Auftreten von Schmerzen mit einer blossen Lebensverrichtung einhergeht, welche die versicherte Person zu beschreiben in der Lage ist; denn f�r die Bejahung eines �usseren auf den menschlichen K�rper sch�digend einwirkenden Faktors ist stets ein Geschehen verlangt, dem ein gewisses gesteigertes Gef�hrdungspotenzial innewohnt. Das ist zu bejahen, wenn die zum einschiessenden Schmerz f�hrende T�tigkeit im Rahmen einer allgemein gesteigerten Gefahrenlage vorgenommen wird, wie dies etwa f�r viele sportliche Bet�tigungen zutreffen kann. Wer hingegen beim Aufstehen, Absitzen, Abliegen, der Bewegung im Raum, Handreichungen usw. einen einschiessenden Schmerz erleidet, welcher sich als Symptom einer Sch�digung nach Art. 9 Abs. 2 UVV herausstellt, kann sich nicht auf das Vorliegen einer unfall�hnlichen K�rpersch�digung berufen. Erf�llt ist demgegen�ber das Erfordernis des �usseren sch�digenden Faktors bei �nderungen der K�rperlage, die nach unfallmedizinischer Erfahrung h�ufig zu k�rpereigenen Traumen f�hren k�nnen, also im Sinne der bisherigen Rechtsprechung das pl�tzliche Aufstehen aus der Hocke, die heftige und/oder belastende Bewegung und die durch �ussere Einfl�sse unkontrollierbare �nderung der K�rperlage im Sinne der von der Rechtsprechung positiv beurteilten Sachverhalte.
Streitig und zu pr�fen ist, ob die SUVA f�r die geltend gemachte unfall�hnliche K�rpersch�digung (Teilruptur der Supraspinatussehne) leistungspflichtig ist.
3.1 Der Beschwerdef�hrer schildert in seiner Stellungnahme vom 24. Januar 2000 den Hergang der Ereignisse ausf�hrlich. Am 20. April 1999 habe er auf einer Leiter stehend beabsichtigt, mit einem ca. 2 kg schweren Hammer eine T�rverriegelung am Gl�hofen zu l�sen. Bei einem Schlagversuch mit dem ausgestreckten rechten Arm nach oben habe er pl�tzlich einen stechenden Schmerz im rechten Oberarm gegen das Schultergelenk versp�rt. Weitere Schl�ge seien in dieser Haltung wegen starken Schmerzen nicht mehr m�glich gewesen. Bei lockerer K�rperhaltung (Arm h�ngend oder auf dem Tisch aufliegend) seien die Schmerzen stark zur�ckgegangen; nach ca. 3 Wochen habe er bei normalen Bewegungen keine Schmerzen mehr versp�rt. Er habe stets voll gearbeitet. Am 5. Oktober 1999 habe sich der geschilderte Fall auf �hnliche Weise wiederholt. Mit praktisch gleicher Armhaltung habe er mit dem rechten Arm eine Schutzplane �ber ein Aggregat schwingen wollen. Dabei sei genau das Gleiche wie am 20. April 1999 passiert. Nach wiederum 3 bis 4 Wochen seien die Schmerzen praktisch wieder verschwunden. Nur in ganz bestimmten Bewegungsabl�ufen habe er weiterhin ein leichtes Stechen im Oberarm. Ab dem 5. Januar 2000 habe er zunehmend st�rkere Schmerzen versp�rt und deshalb am 10. Januar 2000 erstmals einen Arzt aufgesucht. Am 17. Januar 2000 sei er erstmals arbeitsunf�hig gewesen. Nach einer schmerzstillenden Spritze habe er am 18. Januar 2000 die Arbeit wieder aufgenommen.
3.2 Gem�ss den Schilderungen des Beschwerdef�hrers, von deren Massgeblichkeit auszugehen ist, veranlassten ihn zunehmende Schmerzen ab dem 5. Januar 2000 am 10. Januar 2000 erstmals einen Arzt aufzusuchen. Ein �usseres Ereignis im Sinne eines ausserhalb des K�rper liegenden, objektiv feststellbaren Vorfalles f�r die Zunahme der Schmerzen wird nicht erw�hnt. Das Auftreten von Schmerzen als solches ist jedoch kein �usserer (sch�digender) Faktor im Sinne der Rechtsprechung, wonach es gerade nicht gen�gt, dass die versicherte Person nur das (erstmalige) Auftreten von Schmerzen in zeitlicher Hinsicht anzugeben vermag (zur Publikation in der amtlichen Sammlung vorgesehenes Urteil H. vom 20. August 2003, U 17/03, Erw. 4.2.1).
Was die Ereignisse vom 20. April und 5. Oktober 1999 betrifft, so f�hren diese zu keinem anderen Ergebnis, da die Annahme einer unfall�hnlichen K�rpersch�digung am Nachweis der Kausalit�t scheitert; denn die Rechtsprechung verlangt, dass die f�r die Beeintr�chtigung gem�ss Art. 9 Abs. 2 UVV typischen Schmerzen nachgewiesenermassen unmittelbar im Anschluss an den als �usseren Faktor bezeichneten Lebenssachverhalt auftreten (zur Publikation in der amtlichen Sammlung vorgesehenes Urteil H. vom 20. August 2003, U 17/03, Erw. 4.3; vgl. auch Urteil A. vom 24. Oktober 2001, U 458/00, Urteil S. vom 27. Juni 2001, U 127/00, sowie Urteil R. vom 27. Juni 2001, U 92/00). Auch gibt der Versicherte an, dass es sich dabei um gewohnte, wenn auch seltene T�tigkeiten handelte. Der f�r das Tatbestandsmerkmal des �usseren Ereignisses notwendige �ussere Faktor mit erheblichem Sch�digungspotenzial ist aber nur zu bejahen, wenn die in Frage stehende Lebensverrichtung einer mehr als physiologisch normalen und psychologisch beherrschten Beanspruchung des K�rpers gleichkommt. Deswegen fallen denn auch einschiessende Schmerzen als Symptome einer Sch�digung nach Art. 9 Abs. 2 UVV ausser Betracht, wenn sie allein bei der Vornahme einer allt�glichen Lebensverrichtung auftreten, ohne dass hiezu ein davon unterscheidbares �usseres Moment hineinspielt (zur Publikation in der amtlichen Sammlung vorgesehenes Urteil H. vom 20. August 2003, U 17/03, Erw. 4.2.2). Bei den vom Beschwerdef�hrer geschilderten Vorg�ngen liegt jedoch keine gesteigerte Gefahrenlage vor und es ist auch kein Hinzutreten eines zur Unkontrollierbarkeit f�hrenden Momentes ersichtlich.
3.3 Bei dieser Sachlage kann offen bleiben, ob tats�chlich eine Teilruptur der Supraspinatussehne vorlag oder nicht, da es bereits am unfall�hnlichen Ereignis fehlt, um die Leistungspflicht der SUVA zu begr�nden.
Dieses Urteil wird den Parteien, dem Verwaltungsgericht des Kantons Luzern und dem Bundesamt f�r Sozialversicherung zugestellt.