Source: https://www.hannover.ihk.de/rechtsteuern/steuern/aktuell1/buerokratie.html
Timestamp: 2020-02-26 18:29:02
Document Index: 188392203

Matched Legal Cases: ['§ 19', '§ 18', '§ 147', '§ 138', '§ 3', '§ 40', '§ 40', '§ 40']

Bürokratieentlastungsgesetz III greift ab 2020 - IHK Hannover
Am 8. November 2019 hat der Bundesrat dem „Dritten Gesetz zur Entlastung insbesondere der mittelständischen Wirtschaft von Bürokratie“ (Bürokratieentlastungsgesetz III) zugestimmt. Das Gesetz enthält auch steuerrechtliche Entlastungen, die bereits 2020 in Kraft treten:
· Umsatzsteuerliche Kleinunternehmergrenze:
Zum 1. Januar 2020 wird die umsatzsteuerliche Kleinunternehmergrenze von 17.500 auf 22.000 Euro Vorjahresumsatz angehoben, § 19 Umsatzsteuergesetz (UStG). Dadurch entfallen der Ausweis von Umsatzsteuer in der Rechnung und die Umsatzsteuer-Voranmeldung für kleine Unternehmen.
· Monatliche Abgabe der Umsatzsteuervoranmeldung für Neugründer:
Die Sonderregelung für Neugründer, innerhalb der ersten beiden Kalenderjahre eine Umsatzsteuervoranmeldung monatlich abzugeben, wird für die Besteuerungszeiträume 2021 bis 2026 befristet abgeschafft (§ 18 UStG). Für diesen Zeitraum ist als Umsatzsteuervoranmeldungszeitraum das Kalendervierteljahr maßgeblich. Erst ab einer abgeführten Steuer über 7.500 Euro im vorangegangenen Kalenderjahr müssen Unternehmer die Umsatzsteuer monatlich melden.
· Verkürzung der Aufbewahrungsfrist für digitale Unterlagen bei Systemwechsel:
Nach § 147 Abs. 6 Abgabenordnung (AO) ist es im Fall eines Wechsels des Datenverarbeitungssystems oder im Fall der Auslagerung von aufzeichnungs- und aufbewahrungspflichtigen Daten aus dem Produktivsystem in ein anderes Datenverarbeitungssystem ausreichend, wenn der Steuerpflichtige nach Ablauf des fünften Kalenderjahres, das auf die Umstellung oder Auslagerung folgt, diese Daten ausschließlich auf einem maschinell lesbaren und maschinell auswertbaren Datenträger vorhält. Die Änderung gilt für aufzeichnungs- und aufbewahrungspflichtige Daten, deren Aufbewahrungsrist bis zum 1. Januar 2020 noch nicht abgelaufen ist.
· Elektronische Übermittlung der für die Besteuerung erheblichen Verhältnisse bei Betriebseröffnung:
Zukünftig muss die Übermittlung von Auskünften über die rechtlichen und tatsächlichen Verhältnisse bei einer Betriebseröffnung (Gewerbeanmeldung oder Aufnahme einer freiberuflichen Tätigkeit) elektronisch erfolgen (§ 138 AO). Diese Digitalisierungspflicht kann in Einzelfällen vom Finanzamt erlassen werden. Der Zeitpunkt der erstmaligen Anwendung der Neuregelung wird durch ein im Bundessteuerblatt zu veröffentlichendes BMF-Schreiben bestimmt.
· Steuerfreibetrag für betriebliche Gesundheitsförderung:
Der Freibetrag für Arbeitgeberleistungen zur Verhinderung und Vermeidung von Krankheitsrisiken und zur Förderung der Gesundheit in Betrieben wird von 500 auf 600 Euro angehoben (§ 3 Nr. 34 Einkommensteuergesetz (EStG). Diese Änderung ist erstmals für den Veranlagungszeitraum 2020 und den Lohnsteuerabzug 2020 anzuwenden.
· Lohnsteuerpauschalierung bei kurzfristiger Beschäftigung:
Ebenfalls für den Lohnsteuerabzug 2020 wird die Grenze zur Lohnsteuerpauschalierung bei kurzfristiger Beschäftigung von 72 auf 120 Euro (durchschnittlich je Arbeitstag) angehoben (§ 40a Abs. 1 S. 2 Nr. 1 EStG), sowie der pauschalierungsfähige durchschnittliche Stundenlohn von 12 auf 15 Euro (§ 40a Abs. 4 Nr. 1 EStG). Beides sind Vereinfachungen, die im Zeitablauf nur eingetretene Lohnsteigerungen abbilden.
· Lohnsteuerpauschalierung für beschränkt Steuerpflichtige:
Es wurde ein neuer Absatz eingefügt, der dem Arbeitgeber erstmals für den Lohnsteuerabzug 2020 erlaubt, einen Pauschalsteuersatz von 30 Prozent des Arbeitslohns für kurzfristige, im Inland ausgeübte Tätigkeiten beschränkt steuerpflichtiger Arbeitnehmer, die einer ausländischen Betriebsstätte dieses Arbeitgebers zugeordnet sind (§ 40a Abs. 7 neu EStG) anzuwenden. Die ausgeübte Tätigkeit darf allerdings 18 zusammenhängende Arbeitstage nicht übersteigen.
· Lohnsteuerpauschalierung für Beiträge zur Gruppenunfallversicherung:
Außerdem wird die lohnsteuerliche Pauschalierungsgrenze für Beiträge zu einer Gruppenunfallversicherung zum Lohnsteuerabzug 2020 von 62 auf 100 Euro angehoben. Die Änderung ist erstmals für den Lohnsteuerabzug 2020 anzuwenden.
Neben diesen steuerlichen Änderungen enthält das BEG III auch Entlastungen von Statistik- und Meldepflichten sowie Änderungen im Steuerberatungsgesetz.
In seinem Beschluss stellt der Bundesrat abschließend fest, dass der Umfang der im BEG III erreichten Entlastungen noch deutlich hinter dem zurück geblieben sei, was im Interesse der Stärkung und der Wettbewerbsfähigkeit mittelständischer Wirtschaft wünschenswert wäre. Das Gesetz verzichte auf einen großen Wurf und lasse die Chance auf deutlich spürbare Vereinfachungen verstreichen. Teilweise vollziehe es lediglich Entwicklungen nach, die sich im Zuge der Digitalisierung ergeben und verschaffe Erleichterungen bei Bemessungsgrenzen, die wenig mehr als die Inflationsrate nachvollziehen.
Dokumenten-Nr.: 111939582