Source: https://www.gomopa.net/Pressemitteilungen.html?id=1281&meldung=BGH-verlangt-eigene-Pruefung-der-Berater-bei-Kapitalanlagen-aber-wie
Timestamp: 2019-01-19 09:01:32
Document Index: 79188598

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GoMoPa: BGH verlangt eigene Prüfung der Berater bei Kapitalanlagen - aber wie?
BGH verlangt eigene Prüfung der Berater bei Kapitalanlagen - aber wie?
Die 841 Tied Agents (angebundenen Berater und Vermittler von Fonds und Vermögensanlagen), die in diesem Jahr unter Deutschlands Haftungsdach Nummer 1, der Infinus AG aus Dresden, geschlüpft waren, müssen nicht in eine Schockstarre verfallen, weil die sechs deutschen Infinus-Führungsmanager am 5. November 2013 wegen vermuteter Tricksereien mit Goldinvestments verhaftet worden sind.
Emittent Oskar Edler
von Schickh möchte
Sicherheit für seine Vermittler
"Das ist jetzt kurz vor Jahresschluss für die Vermittler sehr ärgerlich, aber für die Arbeit im kommenden Jahr nicht entscheidend", sagt der Bremer Fondsemittent Edler von Schickh vom Emissionshaus Ventafonds GmbH (Ökofonds) gegenüber dem Finanznachrichtendienst GoMoPa.net.
"Ich sehe das als eine Herausforderung für die Finanzberater. Sie müssen sich sowieso in Eigenregie selbst aktiv absichern. Sich auf ein Haftungsdach zu verlassen, reicht 2014 voraussichtlich nicht mehr. Der Bundesgerichtshof verlangt eine eigene Prüfung bei Kapitalanlagen durch den Vermittler selbst."
Aber wie? So ist die Ausgangslage:
Der BGH hat in mehreren Urteilen klargemacht, dass Berater und Vermittler ein Produkt ohne vertiefte Kenntnis weder beraten noch vermitteln dürfen. Anderenfalls verletzen sie ihre Obliegenheitspflichten. Es wird erwartet, dass die Berater und Vermittler die Umstände kennen, die den Erfolg oder Misserfolg der in Frage stehenden Investition bewirken oder verhindern könnten (BGH Urteil vom 19. Oktober 2006, Aktenzeichen III ZR 122/05; BGH Urteil vom 22. März 2007, Aktenzeichen III ZR 218/06).
Zwar gibt es (noch) keine genauen Vorgaben, wie die Prüfung der Plausibilität zu erfolgen hat. Fest steht aber, dass alle einschlägigen Urteile verlangen, dass sowohl der Anlageberater als auch der Anlagevermittler eine objektgerechte Aufklärung vorzunehmen haben, wonach der Anleger über sämtliche allgemeine und über besondere Risiken der jeweils empfohlenen Kapitalanlage aufzuklären ist. Der potentielle Anleger muss durch die Aufklärung des Anlageberaters beziehungsweise Anlagevermittlers in die Lage versetzt werden, dass er selbst Risiko und Tragweite seiner Entscheidung erkennt oder ersehen kann.
Bisherige Sorglospakete greifen voraussichtlich nicht.
Derzeit werden von einigen Initiatoren "Sorglospakete" durch Prüfung Dritter, zum Beispiel Wirtschaftsprüfer vorgelegt. Darauf kann sich der Berater und Vermittler nicht verlassen. Kein Haftungsdach und keine Vermögensschadenhaftpflicht entlassen ihn aus der Pflicht, das empfohlene Produkt selbst zu durchdringen. Verletzt der Anlageberater beziehungsweise der Anlagevermittler seine Aufklärungspflichten, macht er sich gegenüber dem Anleger schadensersatzpflichtig, so dass der Anleger den Kaufpreis zuzüglich Agio, Zinsen und Verfahrenskosten erstattet bekommt.
Zu diesen Sorglospakten gehört das Angebot, die Produktprüfung "auszulagern". Dies entspricht nicht den Vorgaben des Paragraphen 34f der Finanzanlagen-Vermittler- und Vermögensanlagenverordnung.
Um die eigene Plausibilitätsanalyse kommt zur Haftungsbefreiung niemand herum.
Nach der Rechtsprechung des Bundesgerichtshofes (BGH) sind alle für den Anlageentschluss maßgeblichen Informationen wahrheitsgemäß, sorgfältig, richtig und vollständig zu erteilen (BGH Urteil vom 19. Oktober 2006, III ZR 122/05; BGH Urteil vom 22. März 2007, III ZR 218/06), wenn diese für die Anlageentscheidung von wesentlicher Bedeutung sind. Infolgedessen hat sich der Anlageberater beziehungsweise Anlagevermittler über das Produkt und dessen Umfeld sowie den Anbieter umfassend zu informieren, um diese Informationen weitergeben zu können. Es ergeben sich somit vielfältige Nachforschungs- und Offenbarungspflichten.
Erfahrene Analysten können dem Berater dabei helfen, die richtigen Fragen zu stellen. Und sie können das Material aufbereiten und verfügbar machen, dass diese auf jeden Fall für das Verständnis der Plausibilität benötigen. So ist der Berater gewappnet, den Kunden zielgenau überzeugen zu können, ohne die Aufklärungspflichten zu verletzen.
Pflichtverletzungen können zu Problemen mit Vermögensschadenshaftpflicht führen.
Die Vermögensschadenhaftpflicht unterstellt, abhängig von den Vertragsbedingungen stillschweigend die allgemeinen Obliegenheitspflichten des Beraters und Vermittlers zur Plausibilitätsprüfung nach den einschlägigen Vorgaben (BGH-Rechtsprechung). Im Versicherungsfall wird das Beratungsgespräch überprüft. Die Plausibilitätsprüfung dürfte dann ein wichtiger Baustein in der Argumentation des Beraters/Vermittlers sein, ob seine Beratung/Vermittlung sachgerecht war und damit Versicherungsschutz gewährleistet ist.
Jährlich müssen Berater ihre Beratungs- oder Vermittlungsprotokolle bei einem geeigneten Prüfer vorlegen. 2013/2014 wird sich erstmalig zeigen, wie belastbar die Prüfer die bisherigen Plausibilitätsprüfungen einstufen. Die Mängel vieler Beratungsprotokolle haben bei einer großen Bank bereits zu Strafzahlungen geführt.
Sind die beigefügten Prüfungen von Dritten, so hängt es möglicherweise davon ab, wie der Prüfer die weiteren Unterlagen im Kontext zu der eigenen (!) Plausibilitätsanalyse - durch Dritte unterstützt - einschätzt. Einige Anbieter wie das Deutsche Institut für Kapitalanlagen aus Münster bieten Plausibilitätsprüfungen an. Doch diese sind eben nicht Prüfungen des Finanzberaters.
Die Dextro Group aus Darmstadt geht einen Schritt weiter:
» Vermittlerhaftung im Fall WGF AG
# - Kommentar von Helmut Kapferer am 11.11.2013 10:27
Eine wirkliche Lösung der Problematik ist das für die Anleger sicher nicht. Das Dilemma besteht ja schliesslich darin, bei der Plausibilitätsprüfung die für die jeweilige Anlageentscheidung relevanten Punkte herauszuarbeiten. Statt dessen wird, wenn ich den Beitrag richtig verstanden habe, der Anleger mit Fakten, die nicht eingeordnet sind, erschlagen.Das Problem haben wir schon bei der Risikodarstellung im Prospekt, wo aufgrund der Vielzahl der dargestellten Risiken der Blick auf die relevanten Risiken verstellt wird. Ein ganz übler, wenn auch in der Branche dank IdW akzeptierter Trick. Ganz zum Schluss: Muß bei diesem Thema ausgerechent ein Edler von Schickh gefragt werden?
#1 - Kommentar von Stephan Appel am 12.11.2013 10:33
Sehr geehrter Herr Helmut Kapferer,
gratuliere, wenn Sie in so kurzer Zeit die CHECK-Plausibilitätsprüfung durchgearbeitet haben, um beurteilen zu können, dass "der Leser mit Fakten, die nicht eingeordnet sind, erschlagen" wird.
Bitte versuchen Sie es noch einmal nach (!) der Lektüre der Fragen und lesen die Plausibilitätsfragen wirklich durch! Sie werden feststellen, dass die zirka 80 Dokumente, die wir ausgewertet und gleich am Anfang gelistet haben, keine Zierde sind: Diese sind vollständig und beweisen, dass die daraus entwickelten Fragen wirklich durchdrungen sind.
Haben Sie die Fragen überhaupt gelesen? Nach (!) der Lektüre der Argumente, die den Fragen jeweils vorausgestellt sind, haben Sie erstmals wirklich verstanden, welches Risiko- und Chancenpotenzial in dieser/der Beteiligung steckt! Denn nur dann, nach dieser objektiven, sehr gründlichen Erfassung der Hintergründe, Interessen (!) und Zusammenhänge, können Sie für sich und Ihren Kunden, den Anleger, entscheiden, welches Risiko dieser vor dem Hintergrund seiner Risikotragfähigkeit eingehen kann oder nicht.
Wir haben das System mehrfach getestet: Erstmals kann der Leser/Vermittler/Kunde sicher von sich behaupten, verstanden zu haben, was er verkauft/kauft. Hoffentlich haben Sie auch verstanden, dass der Vermittler mit dem extra zusätzlich gelieferten Excel-Tool seine von ihm erstellte Beratungsdokumentation mit eigenen Bewertungen und Gewichtungen erarbeiten kann!
Ist es das, was wir wollen? Probieren Sie es aus! Sollten wir nicht endlich mit den "Kurzfassungen" und "Sorglospaketen" aufhören (und sicher verhindern, dass "Infinus", "S&K", "Wölbern", .... bei der Angebotsprüfung "durchrutschen"?
Wenn es Ihnen nicht passt, Herrn von Schickh zu befragen, dann fragen Sie uns! Nehmen Sie am nächsten Online-Seminar am 27.11.2013 um 10 Uhr teil und stellen Ihre Fragen.
Ihre Kritik ist erwünscht! Helfen Sie sich und der Branche, eine neue Kultur der Angebotsprüfung zu etablieren. Ich bin sicher, dass dies auch in Ihrem Interesse ist!
Besten Gruß, Stephan Appel
#2 - Kommentar von Klugscheißer am 12.11.2013 10:47
Kenne den "Edlen Oskar" bereits sehr angenehm seit vielen Jahren. Einer der wenigen Lichtblicke der Branche, dieser von Schick. Ganz anders bin ich auf Stephan Appel zu sprechen, der seinen Hintern auch immer nur dort hinhält, wo der warme Wind herkommt. Wer gut zahlt, der wird gut bewertet!!!
#3 - Kommentar von Stephan Appel am 12.11.2013 20:57
Sehr geehrter Herr Klugscheißer,
freut mich, dass Sie Herrn von Schickh, dessen Aktivitäten wir seit zirka einem Jahrzehnt aufmerksam kritisch beobachten, akzeptieren!
Deshalb haben wir, bei diesem Erstlingswerk einer umfassenden Plausibilitätsanalyse, hinsichtlich der Wirtschaftlichkeit unserer Bemühungen, ganz erhebliche Abstriche gemacht.
Gleichwohl möchten wir an dieser Stelle die angesprochenen Interessenkonflikte eines Analysten zum Thema machen. Genau das war der Anlass, in die Plausibilitätsprüfung zum Beispiel auch die Offenlegung der Interessen des Analysten aufzunehmen. Der Investor soll nicht nur über die persönlichen Interessen der beteiligten Partner, sondern auch über die des Analysten aufgeklärt werden (Siehe Master-Plausi-Analyse Seite 31).
Der Investor/Vertrieb hat ein Recht darauf, zu erfahren, wie die Vergangenheitsperformance nicht nur der beteiligten operativen Partner des Fonds, sondern auch des Analysten ausgefallen ist. Dazu verschaffen Sie sich bitte hinsichtlich der laufenden Nachverfolgungen unserer CHECK-analysierten Beteiligungen einen Überblick auf unserer Homepage unter dem Link "NachCHECK".
Ob jemand "gut zahlt", gibt tatsächlich nicht (!) den Ausschlag, wie die Bewertung ausfällt. Sondern wir prüfen zuerst, ob die objektive, unbestreitbare Performance des Anbieters einer positiven Beurteilung standhält. Erst DANN, wenn das Rating feststeht, wird über Auflage gesprochen.
Es gibt keine Korrelation zwischen guter Bewertung und "guter Zahlung"! Oft ist es genau anders: Die Beteiligungsanbieter, die WIR für bewertungswürdig halten, sind keineswegs die, die uns mit einem "warmen Wind" anblasen! Ganz im Gegenteil kämpfen wir um diese Analysen, wenn wir erkannt haben, dass sich diese für eine positive CHECK-Analyse eignen.
Dagegen bläst uns oft ein eiskalter Wind entgegen, wenn wir einen Anbieter "enttäuschen", weil wir zum Beispiel einen Nischenanbieter besser bewertet haben. Wir werden in aller Regel zuerst ohne Auftrag tätig und warten keinen "warmen Wind" ab.
In den Fällen, in denen wir aus Aufklärungsgründen ohne jede Aussicht auf einen Auftrag für die Branche tätig werden (siehe unsere S&K-Analysefragen vom Mai 2012) wurden wir mit Schadensersatzklagen bedroht, haben uns aber trotzdem nicht davon abbringen lassen, ein zirka 120seitiges Dossier zum Firmengeflecht der S&K-Gruppe zu erstellen. An diesem Beispiel (dem übrigens weitere gefolgt sind und folgen werden!) war es zu jedem Zeitpunkt außer Frage, dass wir statt der "fürstlichen Honorare", mit denen man uns zu einem "Analysevertrag" verpflichten wollte, keinen Cent aus diesem Hause annehmen würden!
Sie können davon ausgehen, dass es solche "Angebote" immer wieder gegeben hat und geben wird. Wir haben sie immer ausgeschlagen, wenn erkennbar wurde, dass es an Transparenz, an Past-Performance, an belastbaren Beweisen für die operative Kompetenz fehlte.
Im Rahmen unserer neuerlich entwickelten CHECK-Plausibilitätsanalyse gehen wir einen wichtigen Schritt weiter, indem wir die Interessenlagen der an den Fondszielen orientierten Partner und Akteure genauestens zum Thema machen! Und erst dann, wenn wirklich klar ist, ob und warum das Incentive-System für die involvierten Akteure greift, soll der Vermittler per Wertung und Gewichtung entscheiden (er gibt in das Excel-Tool eine Zahl zwischen 1 und 4 ein), ob ihm dieses System (teilweise) plausibel erscheint oder nicht.
Nach einer quotalen Auswertung seiner Wertungen erhält er dann einen errechneten Vergleich der Wertungskriterien und kann ablesen, ob seine Benchmark (zum Beispiel 80 Prozent der erforderlichen Kriterien werden erfüllt) erreicht wurde! Dann fällt es ihm leicht, daraus für seinen Kunden eine "Risikoklasse" zu definieren. Den Weg zur Entscheidung des Kunden kann so genau nachvollzogen werden!
Mit freundlichen Grüßen, Stephan Appel
#4 - Kommentar von Stephan Appel am 12.11.2013 20:58
#5 - Kommentar von Ralf Werder am 22.06.2014 22:03
Das liegt doch auf der Hand. Die sicherheitsmaßnahmen müssen verstärkt werden also machen sie jetzt sowas. Die Unternehmen auf dem grauen Kapitalmarkt werden immer gerissener also müssen die "Kontrolleure" das auch werden. Am besten sie verschärfen die Regeln so das fast nicht mehr betrogen werden kann.