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Timestamp: 2017-06-27 07:33:42
Document Index: 53401246

Matched Legal Cases: ['§ 1', '§ 9', '§ 10', '§ 11', '§ 11', '§ 11', '§ 11', '§ 14', '§ 15', '§ 15', '§ 14', '§ 15', '§15', '§ 15', '§15', '§ 15', '§ 15', '§ 11', '§ 11', '§ 11', '§ 11', '§ 12', '§ 20', '§ 11']

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Lehrlingsausbildung - Rechtliches Basiswissen
Veröffentlicht von:Reto Monnig
Präsentation zum Thema: "Lehrlingsausbildung - Rechtliches Basiswissen"— Präsentation transkript:
Lehrlingsausbildung - Rechtliches BasiswissenMag. Irene Novak-Hodnik April 2015
Grundsätzliches zum Lehrverhältnis
Grundsätzliches zum LehrverhältnisLehrverhältnisse lassen sich nicht auf die bloße Kurzformel „Arbeit gegen Entgelt“ bringen, da der Lehrberechtigte neben Entgelt und Fürsorge primär die Ausbildung schuldet. Es passt daher eher die Kurzformel „Arbeit gegen Ausbildung und Entgelt“. Das Gesetz definiert Lehrlinge als Personen, die auf Grund eines Lehrvertrages zur Erlernung eines in der Lehrberufsliste angeführten Lehrberufes bei einem Lehrberechtigten fachlich ausgebildet und im Rahmen dieser Ausbildung verwendet werden (§ 1 Berufsausbildungsgesetz BAG) Dualismus zwischen theoretischer und praktischer Ausbildung
Grundsätzliches zum LehrverhältnisDem Ausbildungszweck entsprechend ist das Lehrverhältnis durch ein eigenes Berufsausbildungsgesetz (BAG) geregelt. Zusätzlich gilt in erheblichen Umfang auch das allgemeine Arbeitsrecht einschließlich des jeweiligen Branchenkollektivvertrages. Zu beachten bleibt, dass manche Bestimmungen des allgemeinen Arbeitsrechtes bzw. des Branchenkollektivvertrages in Folge der Besonderheiten des Berufsausbildungsrechtes nicht anwendbar oder durch Sonderbestimmungen modifiziert sind. Bei minderjährigen Lehrlingen sind die Besonderheiten des Kinder- und Jugendbeschäftigungsgesetzes (KJBG) zu beachten.
Abschluss und Anmeldung des Lehrvertrages
Abschluss und Anmeldung des LehrvertragesAbschluss des Lehrvertrages - Form Bei Lehrverhältnissen ist die Ausfertigung eines schriftlichen Lehrvertrages zwingend. Für die gültige Begründung eines Lehrverhältnisses ist Schriftform aber nicht erforderlich. Das Lehrverhältnis wird schon durch den Eintritt des Lehrlings in die fachliche Ausbildung und Verwendung begründet. Bei Minderjährigen ist zusätzlich die Zustimmung des gesetzlichen Vertreters (ein Elternteil ausreichend) erforderlich.
Abschluss und Anmeldung des Lehrvertragesschriftliche, gebührenfreie Ausfertigung des Lehrvertrages Der Lehrberechtigte hat den Lehrvertrag ohne unnötigen Aufschub, jedenfalls binnen drei Wochen nach Beginn des Lehrverhältnisses, in vier Ausfertigungen bei der Lehrlingsstelle der WK zur Eintragung anzumelden. Die verspätete Anmeldung ist als Verwaltungsübertretung strafbar. Der Mindestinhalt ist im BAG vorgegeben. Der Lehrberechtigte hat den Lehrling binnen 2 Wochen in der Berufsschule anzumelden. Die Anmeldung des Lehrlings bei der Gebietskrankenkasse muss vor Arbeitsantritt erfolgen.
Lehrlingsentschädigungdie Höhe ist durch den Kollektivvertrag geregelt (Mindestsätze) gewerbliche Lehrlinge unterliegen dem jeweiligen Arbeiterkollektivvertrag kaufmännische, Bürolehrlinge und technische Zeichnerlehrlinge dem jeweiligen Angestelltenkollektivvertrag nach Lehrjahren gestaffelt geregelt Sonderzahlungen (Weihnachtsremuneration, Urlaubszuschuss) Höhe und Anspruch ebenfalls im Kollektivvertrag geregelt
LehrlingsentschädigungDer Anspruch auf die Lehrlingsentschädigung ist zwingend. Über den Abrechnungszeitraum ist eine schriftliche Übersicht über die Entgeltabrechnung auszuhändigen. Sämtliche Ansprüche (Lohn, Zulagen, Überstundenzuschläge, etc.) müssen ersichtlich sein und die gesetzlichen Abzüge festgehalten werden. Lehrlingsentschädigung gebührt auch während der Unterrichtszeit in der Berufsschule sowie für die Dauer der Lehrabschlussprüfung.
Pflichten aus dem LehrverhältnisPflichten des Lehrberechtigten (§ 9 BAG) Pflichten des Lehrlings (§ 10 BAG) Pflichten der Eltern (§ 11 BAG)
Pflichten des LehrberechtigtenDer Lehrberechtigte hat ... ... für die Ausbildung zu sorgen ... den Lehrling nur zu Tätigkeiten heranzuziehen, die mit dem Wesen der Ausbildung vereinbar sind ... die Eltern (sonstige Erziehungsberechtigte) bei minderjährigen Lehrlingen von wichtigen Vorkommnisse, die die Ausbildung betreffen, zu verständigen ... die Zeit für den notwendigen Besuch der Berufsschule freizugeben ... über die Lehrlingsentschädigung hinausgehende Internats- und Verpflegungskosten zu ersetzen
Pflichten des LehrberechtigtenDer Lehrberechtigte hat ... ... bei Entfall von Schulstunden bzw. -tagen (maximal 2), wenn es dem Lehrling aufgrund der Wegzeiten nicht zumutbar ist, den Betrieb aufzusuchen, dem Lehrling freizugeben ... die zur Ablegung der Lehrabschlussprüfung (LAP) erforderliche Zeit dem Lehrling freizugeben. Wird die LAP während der Lehrzeit oder der Behaltefrist abgelegt, sind beim erstmaligen Antritt auch die Kosten der Prüfungstaxe zu ersetzen. ... umgehend, spätestens binnen vier Wochen an der Lehrlingsstelle anzuzeigen: alle die Dauer des Lehrverhältnisses betreffende Umstände die Endigung des Lehrverhältnisses die Fortsetzung des Lehrverhältnisses eine vorzeitige Auflösung einen Ausbilderwechsel
Pflichten des LehrlingsDer Lehrling ... ... muss sich bemühen, die für den Lehrberuf erforderlichen Kenntnisse und Fähigkeiten zu erwerben ... hat die ihm übertragenen Aufgaben ordnungsgemäß auszuführen ... und durch sein Verhalten im Betrieb der Eigenart des Betriebes Rechnung zu tragen ... hat Geschäfts - und Betriebsgeheimnisse zu wahren ... hat mit den ihn anvertrauten Werkstoffen, Werkzeugen und Geräten sorgsam umzugehen
Pflichten des LehrlingsDer Lehrling ... ... hat im Falle einer Erkrankung oder Verhinderung den Lehrberechtigten oder Ausbilder ohne Verzug zu verständigen ... dem Lehrberechtigten unverzüglich nach Erhalt das Zeugnis der Berufsschule und auf Verlangen auch Hefte, sonstige Unterlagen und Schularbeiten vorzulegen
Pflichten der Eltern Die Eltern (Erziehungsberechtigten) eines minderjährigen Lehrlings ... ... haben im Zusammenwirken mit dem Lehrberechtigten den Lehrling dazu anzuhalten, seine Pflichten aufgrund der Vorschriften des BAG‘s und auf Grund des Lehrvertrages zu erfüllen
Schulbesuch und Internatskostenbeitrag
Schulbesuch und InternatskostenbeitragLehrlinge unterliegen der Berufsschulpflicht. Ihnen ist daher die zum Schulbesuch erforderliche Zeit bei Weiterzahlung der Lehrlingsentschädigung freizugeben. Unterscheidung: ganzjährige Berufsschule mit mind. einem vollen Schultag oder mindestens zwei halben Schultagen pro Woche lehrgangsmäßige Berufsschule mit einem durchgehenden Unterricht von mind. 8 Wo pro Jahr saisonmäßige Berufsschule mit einem auf best. Jahreszeit zusammengezogenen Unterricht
Schulbesuch und InternatskostenbeitragDie Berufsschulzeit wird insofern praktisch als vollwertige Arbeitszeit gewertet, als die Unterrichtszeit auf die Dauer der wöchentlichen Arbeitszeit anzurechnen ist (§ 11 Abs 5 KJBG). Entfallen an einem Schultag nur einzelne Unterrichtsstunden oder entfällt bei lehrgangsmäßigen Berufsschulen der Unterricht an maximal zwei aufeinanderfolgenden Werktagen ist eine sog. „Zumutbarkeitsprüfung“ durchzuführen (§ 11 Abs 6 KJBG). Ist es dem Lehrling nicht zumutbar, während der unterrichtsfreien Zeit den Betrieb aufzusuchen, ist ihm diese Zeit unter Fortzahlung der Lehrlingsentschädigung freizugeben. Besucht ein Jugendlicher eine lehrgangsmäßige (saisonmäßige) Berufsschule, darf er während des Besuches des Lehrganges nicht im Betrieb beschäftigt werden (§ 11 Abs 8 KJBG). Ferienzeiten und vergleichbare Ausfallszeiten werden von dieser Regelung nicht umfasst (-> „Zumutbarkeitsprüfung“)
Schulbesuch und InternatskostenbeitragDie Verpflichtung zur Gewährleistung bezahlter Freizeit gilt auch für die Ablegung der Lehrabschlussprüfung und der in den Ausbildungsvorschriften vorgesehenen Teilprüfungen, jeweils auf die erforderliche Zeit. Der Lehrberechtigte muss dem Lehrling, der erstmals zur Lehrabschlussprüfung antritt, die Kosten der Prüfungstaxe ersetzen.
Endigung und vorzeitige Auflösung des LehrverhältnissesGrundsätzliches Probezeit Einvernehmliche Auflösung Entlassung Vorzeitiger Austritt Ausbildungsübertritt
Endigung und vorzeitige Auflösung des LehrverhältnissesDas Lehrverhältnis ist ein befristetes Dienstverhältnis. endet im Regelfall durch Zeitablauf Das Lehrverhältnis steht unter starkem Bestandschutz. vorzeitige Auflösung nur in den im BAG erschöpfend aufgezählten Fällen Es ist daher zu unterscheiden: Endigung des Lehrverhältnisses kraft Gesetzes gemäß § 14 BAG vorzeitige Auflösung des Lehrverhältnisses vorzeitige Auflösung gemäß § 15 BAG „Ausbildungsübertritt“ gemäß § 15 a BAG
Endigung und vorzeitige Auflösung des LehrverhältnissesEndigung des Lehrverhältnisses kraft Gesetzes (§ 14 BAG) insbesondere nach Ablauf der im Lehrvertrag vereinbarten Dauer der Lehrzeit bzw. nach erfolgreicher Ablegung der Lehrabschlussprüfung vor dem Lehrzeitende (der letzte Tag des Lehrverhältnisses ist der auf die erfolgreich abgelegte Lehrabschlussprüfung folgende Sonntag) sonstige im Gesetz aufgezählte Gründe: der Lehrling stirbt der Lehrberechtigte stirbt und kein Ausbilder vorhanden ist, es sei denn, dass er ohne unnötigen Aufschub bestellt wird die Eintragung des LV rechtskräftig verweigert oder die Löschung der Eintragung rechtskräftig verfügt wurde der Lehrberechtigte nicht mehr zur Ausbildung der Tätigkeit befugt oder ausgeschlossen ist
Endigung und vorzeitige Auflösung des LehrverhältnissesVorzeitige Auflösung des Lehrverhältnisses (§ 15 BAG) einseitige Auflösung während der Probezeit einvernehmliche Auflösung einseitige Auflösung durch den Lehrling (vorzeitiger Austritt) einseitige Auflösung durch den Lehrberechtigten (Entlassung) außerordentliche Auflösung (Ausbildungsübertritt) Grundsätzliches Auflösung bedarf der Schriftform Abmeldung bei der Gebietskrankenkasse und der Berufsschule ist vorzunehmen die Lehrlingsstelle ist zu informieren
Probezeit Auflösung während der ProbezeitSowohl der Lehrberechtigte als auch der Lehrling können in der Probezeit das Lehrverhältnis jederzeit, mit sofortiger Wirkung und ohne Angaben von Gründen schriftlich lösen. bei Auflösung durch minderjährige Lehrlinge: Zustimmung der gesetzlichen Vertreter (beide Elternteile!) erforderlich schriftliche Auflösung erforderlich Übersendung oder Übergabe eines unterschriebenen Schreibens (SMS genügt nicht) die schriftliche Auflösung muss innerhalb der Probezeit zugehen
Probezeit Auflösung während der Probezeites müssen keine Gründen angegeben werden die Auflösung darf jedoch nicht aus diskriminierenden Gründen erfolgen die Vorschriften über den Kündigungs- und Entlassungsschutz des MSchG, APSG, BEinstG bzw. ArbVG haben keinen Einfluss bloße Krankenstände stehen der Auflösung nicht entgegen die Probezeit umfasst 3 Monate ab Lehrzeitbeginn erfüllt der Lehrling in den ersten 3 Monaten seine Schulpflicht in einer lehrgangsmäßig geführten Berufsschule, gelten die ersten 6 Wochen der Ausbildung im Betrieb als Probezeit
Einvernehmliche AuflösungEinvernehmliche Auflösung des Lehrverhältnisses Lösung des Lehrverhältnisses in beiderseitigem Einvernehmen Schriftlichkeit erforderlich Bescheinigung der AK oder Amtsbestätigung eines Gerichtes notwendig muss vom Lehrling schon vor Unterschriftsleistung eingeholt worden sein bei Minderjährigen ist die Zustimmung der gesetzlichen Vertreter (beide Elternteile!) einzuholen jederzeit während der gesamten Dauer möglich ein rechtlicher Grund muss dafür nicht vorliegen
Entlassung Vorzeitige Auflösung durch den Lehrberechtigten – „Entlassung“ Die einseitige, empfangsbedürftige Willenserklärung des Lehrberechtigten bei Vorliegen bestimmter wichtiger Gründe, das Dienstverhältnis mit dem Lehrling sofort zu beenden. Schriftlichkeit erforderlich an das Vorliegen bestimmter Gründe gebunden die in §15 Abs 3 BAG genannten Gründe sind taxativ aufgezählt einseitig: Gestaltungsrecht des AG empfangsbedürftig: grundsätzlich mit Zugang der schriftlichen Entlassungserklärung wirksam
Entlassung Vorzeitige Auflösung durch den Lehrberechtigten – „Entlassung“ Inhalt der Entlassungserklärung: so wenig wie möglich aufnehmen Der praktische Erfolg einer Entlassung hängt nicht nur von der Rechtslage, sondern auch von der Beweissituation ab. Der AG muss im Streitfall vor Gericht die Entlassungsgründe nicht nur behaupten, sondern auch beweisen können. Verwarnungen im Vorfeld unbedingt schriftlich aussprechen. den Erziehungsberechtigten über die Verwarnung verständigen Bei Zeugen sind Niederschriften des Wahrgenommenen anlässlich des Vorfalls zu empfehlen.
Entlassung EntlassungsausspruchSobald dem AG der Entlassungsgrund bekannt ist, muss er die Entlassung unverzüglich, das heißt sofort und ohne Verzögerung aussprechen (Sonderfall: Dauerdelikte). Das Zuwarten mit dem Ausspruch kann konkludenten Verzicht auf die Geltendmachung des Entlassungsrecht darstellen. Zur Feststellung des Sachverhalts erforderliche und zumutbare Erhebungen ohne Verzögerung durchführen. Zuwarten bis man den Lehrling hinsichtlich des möglichen Entlassungsgrundes konfrontieren kann. Abwarten des Endberichtes eines Detektivs zulässig, wenn Beweisbarkeit des Sachverhaltes noch nicht eindeutig feststeht. Einholung rechtlicher Beratung durch WK oder Anwalt. Lehrling gegebenenfalls arbeitsfrei stellen (keine Weiterbeschäftigung!).
Entlassung Besonders Entlassungsgeschützte PersonengruppenBestimmte Personengruppen können nur nach vorheriger Zustimmung des Arbeits- und Sozialgerichtes entlassen werden: werdende Mütter und Lehrlinge in Mütter- bzw. Väterkarenz bzw. teilweise in Elternteilzeit Präsenz- und Zivildiener Betriebsratsmitglieder, Jugendvertrauensratsmitglieder, Wahlvorstände, Wahlwerber Die Zustimmung muss unverzüglich nach Bekanntwerden des Entlassungsgrundes eingeholt werden. Entlassungen, die ohne Einholung der Zustimmung ausgesprochen werden, sind rechtsunwirksam. Begünstigte Behinderte unterliegen keinem besonderen Entlassungsschutz. Wird die Entlassung erfolgreich bekämpft, kommt es in diesen Fällen jedoch zur Fortsetzung des Dienstverhältnisses.
Entlassung Kurzübersicht der Entlassungsgründe gemäß § 15 Abs 3 BAGDiebstahl, Veruntreuung oder sonstige strafbare Handlung, die den Lehrling des Vertrauens des Lehrberechtigten unwürdig macht wenn der Lehrling länger als einen Monat in Haft gehalten wird (ausgenommen Untersuchungshaft) Tätlichkeit, erheblich wörtliche Beleidigung, gefährliche Drohung gegenüber Lehrberechtigten bzw. Betriebsangehörigen wenn der Lehrling trotz wiederholter Ermahnung die ihm auf Grund des BAG, des Schulpflichtgesetzes oder des Lehrvertrages obliegenden Pflichten verletzt oder vernachlässigt Verrat/Verwertung eines Geschäfts- oder Betriebsgeheimnisses abträglicher Nebenerwerb; Verrichtung von Arbeiten des Lehrberufes für Dritte gegen Entgelt unbefugtes Verlassen des Lehrplatzes wenn der Lehrling unfähig wird, den Lehrberuf zu erlernen
Vorzeitiger Austritt Vorzeitige Auflösung durch den Lehrling – vorzeitiger Austritt Die vom Lehrling erklärte sofortige (fristlose) Auflösung des Lehrverhältnisses aus einem wichtigen Grund. Schriftlichkeit erforderlich bei Minderjährigen ist die Zustimmung der gesetzlichen Vertreter (beide Elternteile!) erforderlich an das Vorliegen bestimmter Gründe gebunden die in §15 Abs 4 BAG genannten Gründe sind taxativ aufgezählt einseitig: Gestaltungsrecht des Lehrlings empfangsbedürftig: grundsätzlich mit Zugang der schriftlichen Auflösungserklärung wirksam Austritt muss unverzüglich erklärt werden (außer Dauerdelikt)
Vorzeitiger Austritt Kurzübersicht der Austrittsgründe gemäß § 15 Abs 4 BAG Ein Austrittsgrund liegt vor, wenn der Lehrling ohne Schaden für seine Gesundheit das Lehrverhältnis nicht fortsetzen kann der Lehrberechtigte/Ausbilder seine Pflichten gröblich vernachlässigt, den Lehrling zu unsittlichen oder gesetzeswidrigen Handlungen verleiten sucht, ihn misshandelt, körperlich züchtigt oder erheblich wörtlich beleidigt (oder ihn diesbezüglich zu schützen unterlässt) der Lehrberechtigte unfähig wird, seine Verpflichtungen auf Grund des BAG oder des Lehrvertrages zu erfüllen der Lehrling seinen Lehrberuf aufgibt
Vorzeitiger Austritt Exkurs: „Aufgabe des Lehrberufes“Erfordert als Austrittstatbestand eine einseitige empfangsbedürftige schriftliche Willenserklärung des Lehrlings. Bei Minderjährigkeit ist die Zustimmung des gesetzlichen Vertreters (beide Elternteile) notwendig. Der Lehrling ist in keiner Weise verpflichtet seinen Entschluss zu begründen oder einen Nachweis zu erbringen, dass er seinen Lehrberuf tatsächlich aufgibt. Im Falle eines Rechtsstreites ist der Lehrling beweispflichtig, dass er im Zeitpunkt der Auflösungserklärung den Willen zur Auflösung des Lehrberufes besaß. Die derzeitige Rechtslage sieht keine Wartezeit für den Abschluss eines neuen Lehrvertrages vor.
Endigung und vorzeitige Auflösung des LehrverhältnissesRechtsunwirksame Auflösungen Mangelt es an einem gesetzlichen Lösungsfall, an der Schriftlichkeit oder der erforderlichen Zustimmung bzw. Belehrung ist die Auflösung rechtsunwirksam. Daraus folgt der Anspruch des Lehrlings auf Fortbestand seines Lehrverhältnisses, bei Verschulden des AG mit einem Wahlrecht des Lehrlings Kündigungsentschädigung zu begehren. Unwirksame Austrittserklärung des Lehrlings Tritt der Lehrling ohne ausreichenden Grund, bloß mündlich oder ein Minderjähriger ohne Zustimmung der gesetzlichen Vertreter aus, ist das Lehrverhältnis als nicht beendet anzusehen. Das weiterhin aufrechte Lehrverhältnis kann jederzeit bei Vorliegen eines Entlassungsgrundes durch den AG beendet werden.
AusbildungsübertrittAußerordentliche Auflösung – „Ausbildungsübertritt“ (§ 15 a BAG) Die außerordentliche Auflösungsmöglichkeit ist am Ende des 12. Monats bzw. bei drei- und mehrjährigen Lehrberufen auch am Ende des 24. Monats der Lehrzeit sowohl durch den Lehrberechtigten als auch durch den Lehrling möglich. bei werdenden Müttern oder Präsenzdienern nicht möglich bei behinderten Lehrlingen möglich (diese unterliegen nicht dem Behinderteneinstellungsgesetz) Beim Ausbildungsübertritt sind die Frist von einem Monat sowie ein mehrstufiges Verfahren einzuhalten.
AusbildungsübertrittMitteilung der Auflösungsabsicht Der Lehrberechtigte hat spätestens am Ende des 9. bzw. 21. Lehrmonats die Mitteilung über die Absicht einer außerordentlichen Auflösung und die geplante Aufnahme eines Mediationsverfahrens nachweislich dem Lehrling, der Lehrlingsstelle und (soweit existent) dem Betriebsrat sowie dem Jugendvertrauensrat zu übermitteln. Mediationsverfahren Der Lehrberechtigte hat einen Mediator vorzuschlagen. Aufgabe des Mediators ist es, als fachlich ausgebildeter, neutraler Vermittler die Kommunikation zwischen Lehrberechtigtem und Lehrling mit dem Ziel zu fördern, eine selbst verantwortete Lösung ihres Konfliktes zu ermöglichen.
AusbildungsübertrittLehnt der Lehrling den Mediator unverzüglich ab, hat der Lehrberechtigte zwei weitere Mediatoren vorzuschlagen. Wählt der Lehrling keine dieser Personen unverzüglich aus, gilt der Erstvorschlag als angenommen. Der Lehrberechtigte hat den Mediator spätestens am Ende des 10. bzw. 22. Lehrmonats mit der Mediation zu beauftragen. In die Mediation sind einzubeziehen: der Lehrberechtigte, der Lehrling, bei Minderjährigkeit des Lehrlings der gesetzliche Vertreter und auf Verlangen des Lehrlings eine Person seines Vertrauens Die Kosten des Mediationsverfahrens trägt der Lehrberechtigte.
AusbildungsübertrittDas Mediationsverfahren endet spätestens mit Beginn des 5. Werktages vor Ablauf des 11. bzw. 23. Lehrmonats durch Zeitablauf. Voraussetzung für das „automatische“ Ende ist zumindest ein Mediationsgespräch unter Teilnahme des Lehrberechtigten oder des Ausbilders. Ein Ende der Mediation tritt vor diesem Zeitpunkt ein, wenn der Lehrberechtigte sich zur Fortsetzung des Lehrverhältnisses bereit erklärt, der Lehrling erklärt, nicht weiter auf der Fortsetzung des Lehrverhältnisses zu bestehen, oder der Mediator das Mediationsverfahren für beendet erklärt.
AusbildungsübertrittAuflösungserklärung und Ende des Lehrverhältnisses Die schriftlich Auflösungserklärung muss dem Lehrling (bei Minderjährigen auch dem gesetzlichen Vertreter) spätestens am letzten Tag des 11. bzw. des 23. Lehrmonats zugehen. Das Lehrverhältnis endet dann am letzten Tag des 12. bzw. des 24. Lehrmonats. Wird das Schriftstück per Post übermittelt, muss es entsprechend frühzeitig abgesendet werden. Empfehlenswert ist die persönliche Übergabe oder die Übergabe mittels Boten. Der Lehrberechtigte hat schriftlich unverzüglich nach Auflösungserklärung die Lehrlingsstelle, innerhalb von 14 Tagen nach Ende des Lehrverhältnisses die Berufsschule zu verständigen.
Besonderheiten in der LehrlingsausbildungArbeitszeit bei minderjährigen Lehrlingen Überstunden Urlaub
Arbeitszeit bei minderjährigen LehrlingenDie Regelungen über Arbeitszeit stellen zwingendes Recht dar. Sie können - abgesehen von den ausdrücklich geregelten Möglichkeiten - weder durch privatrechtliche Vereinbarungen noch durch Zustimmung seitens des jugendlichen Lehrlings geändert werden. Die Normalarbeitszeit für Jugendliche darf grundsätzlich 8 h täglich (zulässige Tagesarbeitszeit) und 40 h wöchentlich (zulässige Wochenarbeitszeit) betragen. Die zulässige Arbeitszeit kann in Ausnahmefällen auf maximal 9 (im Zusammenhang mit Vor- und Abschlussarbeiten 9,5) Stunden pro Tag beziehungsweise 45 Stunden pro Woche ausgedehnt werden.
Arbeitszeit bei minderjährigen LehrlingenNach § 11 Abs 1 KJBG ist die tägliche Arbeitszeit von Jugendlichen mit 8 Stunden begrenzt und darf nur in den im KJBG ausdrücklich aufgezählten Fällen überschritten werden. Eine solche Ausnahme gestatten: § 11 Abs 2 in Verbindung mit der Erreichung einer längeren Freizeit, die mit der Wochenfreizeit zusammenhängen muss. § 11 Abs 2a bei einem mehrwöchigen Durchrechnungszeitraum, der allerdings voraussetzt, dass für vergleichbare AN des Betriebes eine solche Arbeitszeiteinteilung besteht und dem AG eine abweichende Arbeitszeiteinteilung für Jugendliche nicht zugemutet werden kann. § 11 Abs 2b im Zusammenhang mit der Einarbeitung von sog. Fenstertagen in Verbindung mit Feiertagen. § 12 in Verbindung mit der Durchführung von Vor- und Abschlussarbeiten. § 20 bei der Vornahme von Notstandsarbeiten.
Arbeitszeit bei minderjährigen LehrlingenDie zulässige Dauer der Wochenarbeitszeit beträgt nach § 11 Abs 1 KJBG 40 Stunden. Für folgende Anlässe hat der Gesetzgeber Ausnahmen vorgesehen: Bei Vorligen einer kollektivvertraglichen Regelung, wonach die Wochenarbeitszeit innerhalb eines mehrwöchigen Zeitraumes so verteilt wird, dass sie im wöchentlichen Durchschnitt die zulässige Dauer von 40 h nicht überschreitet. Neben der KV-Zulassung muss eine solche Arbeitszeiteinteilung auch für vergleichbare erwachsene AN bestehen und dem AG eine abweichende Regelung für Jugendliche nicht zugemutet werden können.
Arbeitszeit bei minderjährigen LehrlingenBei Einarbeitung von sog. Fenstertagen in Verbindung mit Feiertagen, vorausgesetzt der Einarbeitungszeitraum beträgt höchstens 7 Wochen (durch Betriebsvereinbarung Ausdehnung auf 13 Wochen möglich). Bei Vor- und Abschlussarbeiten aus zwingenden betrieblichen Gründen bis zu einem Höchstausmaß von 43 Wochenstunden, soweit es sich um Jugendliche handelt, die das 16. Lebensjahr vollendet haben. Bei der Vornahme von Notstandsarbeiten.
Arbeitszeit bei minderjährigen LehrlingenRuhezeit Jugendliche haben spätestens nach 6 h Arbeit Anspruch auf eine ununterbrochene Ruhepause von 30 Minuten. Lehrlinge bis zum vollendeten 15 Lj. haben nach Arbeitsende Anspruch auf eine ununterbrochene Ruhezeit von 14 h innerhalb von 24 h nach Arbeitsbeginn. Lehrlinge bis zum vollendeten 18 Lj. sind 12 h ununterbrochene Ruhezeit innerhalb von 24 h zu gewähren. Nachtarbeitsverbot Zwischen 20 und 6 Uhr dürfen Jugendliche nicht beschäftigt werden (Ausnahme in mehrschichtigen Betrieben: ab 5 Uhr). Auch an Sonn- und gesetzlichen Feiertagen dürfen Jugendliche grundsätzlich nicht beschäftigt werden Ausnahme: z.B. Gastgewerbe
Arbeitszeit bei minderjährigen LehrlingenGrundsätzlich haben Jugendliche Anspruch auf eine ununterbrochene Wochenfreizeit von 2 Tagen, in die der Sonntag zu fallen hat. Diese Wochenfreizeit hat spätestens um 13 Uhr am Samstag zu beginnen. bei Vor- und Abschlussarbeiten 15 Uhr sollte eine Beschäftigung am Samstag erfolgen, hat der Montag arbeitsfrei zu bleiben Ausnahmeregelungen: Teilung der Wochenfreizeit aus organisatorischen Gründen Sonderregelungen z.B. für Handel, Bäcker, Fleischer, Konditor, Molkereifachmann, usw.
Überstunden Wird die gesetzlich vorgesehene Normalarbeitszeit überschritten, liegen in der Regel Überstunden vor. Ausnahme z.B. Durchrechnungszeitraum nach KV Überstunden sind für Jugendliche verboten. werden sie dennoch geleistet, gebührt ein Zuschlag von 50% auf den Normallohn (= Lehrlingsentschädigung) Kollektivverträge können höhere Überstundenentgelte vorsehen Ausnahmen bei Vor- und Abschlussarbeiten bzw. bei Vorliegen zwingender betrieblicher Gründe bei Jugendlichen über 16 Jahre Überstunden sind bei Lehrlingen über 18 Jahren zulässig. für die Berechnung ist der niedrigste betriebliche Arbeiter- bzw. Angestelltenlohn („Istlohn“) heranzuziehen
Überstunden Lehrlinge bis zum vollendeten 16. LebensjahrEs gilt ein Überstundenverbot. Sie dürfen nur ausnahmsweise zu Vor- und Abschlussarbeiten herangezogen werden, wobei diese zusätzlichen Arbeitszeiten durch Zeitausgleich in der gleichen, spätestens jedoch in der folgenden Kalenderwoche auszugleichen sind. Lehrlinge über 16 Jahre Bei zwingenden betrieblichen Gründen dürfen die tägliche Arbeitszeit um eine halbe Stunde (max. 9,5 h) bzw. die wöchentliche Arbeitszeit um maximal 3 Stunden zur Leistung von Vor- und Abschlussarbeiten überschritten werden. z.B.: Arbeiten zur abschließenden Kundenbedienung einschließlich damit zusammenhängender Aufräumungsarbeiten. Diese Mehrleistungen dürfen als Überstunden entlohnt werden. Volljährige Lehrlinge Lehrlinge, die das 18. Lebensjahr bereits vollendet haben dürfen Überstunden leisten (Achtung: spezielle Entlohnung).
Urlaub Es gelten grundsätzlich die Bestimmungen des allgemeinen Urlaubsrechts. Jeder Lehrling hat Anspruch auf einen 5-wöchigen Mindesturlaub (30 Werktage). Besonders beachtet werden müssen bei Lehrlingen die im KJBG enthaltenen Sonderbestimmungen. Minderjährige Lehrlinge haben auf Verlangen Anspruch auf mindestens 12 Werktage Urlaub zwischen und
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