Source: http://relevancy.bger.ch/php/aza/http/index.php?lang=de&zoom=&type=show_document&highlight_docid=aza%3A%2F%2F30-03-2015-8C_11-2015
Timestamp: 2016-10-23 20:36:42
Document Index: 190713287

Matched Legal Cases: ['Art. 106', 'Art. 42', 'BGE', 'Art. 6', 'Art. 9', 'BGE', 'Art. 6', 'Art. 9', 'Art. 66']

8C_11/2015 (30.03.2015)
8C_11/2015 � � Urteil vom 30. M�rz 2015
A.________ war seit dem 1. Januar 2007 bei den Schulen B.________ angestellt und in dieser Eigenschaft bei der Visana Versicherungen AG (kurz: Visana) gegen Unf�lle obligatorisch versichert. Am 5. November 2013 meldete die Arbeitgeberin der Visana einen Meniskus-Riss im rechten Knie, den A.________ am 16. September 2013 beim abendlichen Aerobic-Training erlitten habe und weswegen sie sich, nachdem bei gewissen Bewegungen die beim Ereignis aufgetretenen Schmerzen fortbestanden, seit dem 21. Oktober 2013 in �rztlicher Behandlung befinde. Der Unfallversicherer liess A.________ einen Fragebogen zum Ereignishergang am 18. November 2013 ausf�llen. Auf die darin enthaltene Aufforderung, den Ablauf des Ereignisses vom 16. September 2013 so genau wie m�glich zu umschreiben, f�hrte sie aus, w�hrend des Trainings eine grosse Bewegung gemacht und sofort einen grossen Schmerz im rechten Knie versp�rt zu haben. Die Frage, "Hat sich der Ablauf wie gewohnt und unter normalen Umst�nden zugetragen oder ist der Ablauf durch etwas Besonderes beeintr�chtigt worden?", beantwortete sie im ersten Punkt mit "Ja" und im zweiten mit "Nein". Gest�tzt darauf und nach Eingang dazu eingeholter Arztberichte teilte der Unfallversicherer ihr mit Verf�gung vom 27. Januar 2014 mit, keine Leistungen nach UVG zu erbringen, da es sich bei der von ihr geschilderten Bewegung um eine beherrschte, gleichm�ssig ausgef�hrte T�tigkeit ohne erh�htes Sch�digungspotential handle und deshalb weder von einem Unfall noch einer unfall�hnlichen K�rpersch�digung auszugehen sei. In der Einsprache machte A.________ geltend, die im Fragebogen gestellte Frage zu den normalen Umst�nden oder ob das Ereignis durch etwas Besonderes herbeigef�hrt worden sei, nicht richtig verstanden zu haben; w�hrend einer �bung habe sie mit einer grossen Bewegung vom Stepper wieder auf den Boden stehen wollen, dabei sei dieser unter dem einen Fuss weggerutscht, weshalb sie auf den anderen rechten Fuss hart habe abstehen m�ssen. Mit Entscheid vom 26. Mai 2014 hielt die Visana an ihrer Auffassung fest.
Mit Beschwerde in �ffentlich-rechtlichen Angelegenheiten l�sst A.________ beantragen, in Aufhebung des vorinstanzlichen und des Einsprache-Entscheids sei die Visana zu verpflichten, die gesetzlichen Unfallversicherungsleistungen f�r das Ereignis vom 16. September 2013 zu erbringen; eventualiter sein die Angelegenheit f�r weitere Beweiserhebungen an die Visana zur�ckzuweisen.
Das Bundesamt f�r Gesundheit verzichtet auf eine Stellungnahme. Die Visana schliesst auf Abweisung der Beschwerde.
Das Gericht wendet das Recht von Amtes wegen an (Art. 106 Abs. 1 BGG), pr�ft indessen - unter Beachtung der Begr�ndungspflicht in Beschwerdeverfahren (Art. 42 Abs. 1 und 2 BGG) - nur die geltend gemachten R�gen, sofern allf�llige weitere rechtliche M�ngel nicht geradezu offensichtlich sind (BGE 133 II 249 E. 1.4.1 S. 254; Urteil 8C_561/2014 vom 31. Oktober 2014 E. 1).
Das kantonale Gericht hat die gesetzlichen Bestimmungen zur Leistungspflicht der Unfallversicherung bei unfall�hnlichen K�rpersch�digungen (Art. 6 Abs. 2 UVG in Verbindung mit Art. 9 Abs. 2 UVV) und die dazu ergangene Rechtsprechung (BGE 139 V 327; 129 V 466) zutreffend dargelegt Darauf wird verwiesen.
Die Versicherte zog sich beim Aerobic-Training eine Meniskusl�sion zu. In Frage steht, ob diese eine unfall�hnliche K�rpersch�digung im Sinne von Art. 6 Abs. 2 UVG in Verbindung mit Art. 9 Abs. 2 UVV darstellt.
3.1.�Die Vorinstanz umschrieb das Aerobic-Training n�her als ein dynamisches Fitnesstraining in der Gruppe mit rhythmischen Bewegungen zu motivierender Musik, das sich durch das Aneinanderreihen von durch die instruierende Person vorgef�hrten verschiedenen, wiederholt vorzunehmenden Bewegungsabl�ufen auszeichnet. Das Gericht f�hrte weiter aus, dies sei zwar mit einer gewissen Kraftanstrengung und st�ndigem Belastungswechsel verbunden, es handle sich dabei aber in der Regel um normale, kontrollierte und voraussehbare, wenn auch nicht immer ganz �bliche Bewegungsabl�ufe, sodass im Regelfall von einer physiologisch normalen und psychologisch beherrschten Beanspruchung des K�rpers auszugehen sei; deshalb k�nne anders als etwa beim Carving-Skifahren (vgl. dazu Urteil U 223/05 vom 27. Oktober 2005) nicht von einer erh�ht risikogeneigten Sportart ausgegangen werden; ebenso wenig gehe es dabei im Unterschied zur Partner�bung im Selbstverteidigungstraining (dazu siehe Urteil 8C_147/2014 vom 16. Juli 2014) um ein m�glichst rasches Reagieren auf teilweise unvorhergesehene Bewegungen oder Angriffe eines Trainingspartners. Diesen Ausf�hrungen ist vorbehaltlos beizupflichten.
3.2.�Soweit das kantonale Gericht alsdann eine im Rahmen eines Aerobic-Trainings ausgef�hrte "grosse Bewegung" mit abschliessendem Abstellen des Fusses auf den Boden als eine kontrollierte und physiologisch im normalen Rahmen liegende Bewegung wertet, ist dies ebenfalls zutreffend. Dabei ist unerheblich, ob diese Bewegung allenfalls von einem Aerobic-Steppbrett aus erfolgt ist oder nicht. Das Stepp-Aerobic zeichnet sich durch sich wiederholende Schrittvariationen mit Auf- und Absteigen (nicht Auf- und Abspringen) auf eine �blicherweise zwischen 10 und 20 cm hohe Plattform (Stepper) aus, vergleichbar einem wiederholten Auf- und Absteigen auf oder von einer Treppenstufe. Zwar wirken dabei je nach Ausf�hrungsvariante auch leicht h�here Kr�fte auf das Knie als wenn die Schrittabfolgen rein auf dem Boden ausgef�hrt werden. Im Unterschied etwa zu einem Squat-Sprung, bei welchem aus einer Hockstellung heraus mit an die H�ften angelegten Armen so hoch wie m�glich gesprungen wird (dazu siehe Urteil 8C_40/2014 vom 8. Mai 2014), geht damit indessen nicht eine gesteigerte Gefahrenlage einher. Ebensowenig f�hrt allein das blosse Be- oder Absteigen eines Steppers im Rahmen einer Aerobic-Choreographie zu einer unkontrollierbaren Bewegung. Anders w�re mit der Vorinstanz allenfalls zu entscheiden, falls der Stepper beim Absteigevorgang ausgewiesenermassen weggerutscht w�re.
Dies l�sst sich indessen mit der Vorinstanz nicht mit �berwiegender Wahrscheinlichkeit erstellen. Soweit die Beschwerdef�hrerin in diesem Zusammenhang argumentiert, Verwaltung und Vorinstanz h�tten gegen den Untersuchungsgrundsatz verstossen, wenn sie in antizipierter Beweisw�rdigung auf das Befragen der am Aerobic-Kurs Teilnehmenden verzichtet haben, ist ihr entgegenzuhalten, dass nicht davon auszugehen ist, dass diese den von ihr erst im Einspracheverfahren geschilderten Geschehensablauf im Detail noch nachtr�glich und durch eigene Wahrnehmung erfasst, best�tigen k�nnen. Denn allein die Feststellung, dass mit einem Stepper trainiert worden ist, hilft nach Gesagtem nicht weiter. Und das im Einspracheverfahren behauptete Wegrutschen des (an sich sehr stabilen) Steppers unter dem einen Fuss w�hrend des Absetzens des anderen auf dem Boden mit der einzigen Konsequenz, dass auf diesen h�rter als �blich gestanden (und nicht etwa hingefallen) wurde, d �rfte, wenn es sich tats�chlich so zugetragen hat, ebenfalls wenig augenf�llig gewesen sein, anderenfalls die Versicherte erfahrungsgem�ss auch im am 18. November 2013 ausgef�llten Fragebogen n�here Ausf�hrungen dazu gemacht h�tte. Entgegen dem Vorgebrachten kann n�mlich auch nicht gesagt werden, die ihr im Fragebogen gestellten Fragen seien zweideutig und derart unklar formuliert gewesen, dass deswegen ein augenf�lliges Wegrutschen eines an sich rutsch festen Trainingsger�tes beim Zuziehen der Verletzung in guten Treuen unerw�hnt geblieben w�re.
Soweit auf die Dres. med. C.________ und D.________ verwiesen wird, wonach die Beschwerdef�hrerin eine Kniegelenkdistorsion (verdrehtes Knie) erlitten haben soll, stimmt dies sodann nicht mit ihrer eigenen Geschehensschilderung �berein. Ebenso wenig kann aus der von der Arbeitgeberin ausgef�llten Unfallmeldung vom 5. November 2011 etwas zu ihren Gunsten abgeleitet werden, ist darin doch lediglich ganz allgemein von einer falschen Bewegung beim Aerobic die Rede.
3.3.�Zusammengefasst ist weder eine heftige, belastenden Bewegung, noch ein in den Bewegungsablauf hinein spielendes �usseres Moment, das zur Unkontrollierbarkeit der K�rperbewegung h�tte f�hren k�nnen, ausgewiesen. Allein der Umstand, dass die Verletzung beim Training mit dem Stepper erfolgt ist, gen�gt nicht. Somit fehlt es an einem einwirkenden �usseren Faktor. Vorinstanz und Verwaltung durften demnach das Vorliegen einer unfall�hnlichen K�rpersch�digung verneinen.
Ausgangsgem�ss sind die Kosten des Verfahrens der Beschwerdef�hrerin zu �berbinden (Art. 66 Abs. 1 BGG).
Luzern, 30. M�rz 2015