Source: http://www.datenschutzticker.de/kategorie/gesundheitsdatenschutz/
Timestamp: 2019-03-21 08:32:21
Document Index: 352303552

Matched Legal Cases: ['Art. 13', 'Art. 13', 'Art. 9', '§ 26', '§ 203', '§ 203', '§ 203', '§ 203', '§ 203', '§ 203', '§ 203', '§ 203', '§ 203']

Apps übermitteln Gesundheitsdaten an Facebook
Das Wall Street Journal hat herausgefunden, dass Apps wie Menstruationskalender und Herzfrequenzmesser sensible Daten an Facebook weitergeben. Davon wissen die meisten Nutzer jedoch nichts. Facebook sieht sich nicht in der Verantwortung, da die App-Entwickler selbst entscheiden, welche Angaben über bereitgestellte Tools übermittelt werden. Zweck dieser Datenübermittlung ist es, personalisierte Facebook-Werbung zu ermöglichen.
Mithilfe einer Software haben die Journalisten untersucht, welche Daten 70 populäre Apps aus dem Apple Store weitergeben. Elf davon übermitteln sensible Daten, ohne dass der Nutzer darüber gemäß Art. 13 DSGVO informiert wurde. Laut Experten verstößt diese Praxis gegen die DSGVO.
Die App Flo, mit der Frauen ihre Menstruationszyklen festhalten können, sendet die gesammelten Daten, wie etwa zum Eisprung, welche die Nutzerin eingibt.
Facebook reagiert auf die Recherchen und teilt mit, dass diese Apps gegen die Vorgaben von Facebook verstoßen und fordert die Betreiber auf, die Daten nicht mehr an Facebook zu übermitteln.
Kategorien: EU-Datenschutzgrundverordnung · Gesundheitsdatenschutz · Online-Datenschutz · Social Media
Schlagwörter: Art. 13 DSGVO, Art. 9 DSGVO, Facebook, Gesundheitsdaten
Nach dem Tod einer Person stellt sich für die Angehörigen oder die sonstigen Erben oftmals die Notwendigkeit der Beantragung eines Erbscheins beim Nachlassgericht. Mit Einreichung der entsprechenden Anträge prüft das Nachlassgericht, ob die Voraussetzungen für die Ausstellung eines Erbscheins vorliegen. Falls der Verstorbene im Wege einer einseitigen Verfügung von Todes wegen selbst seine Erben bestimmt hat, prüft das Nachlassgericht vor der Ausstellung des Erbscheins unter anderem, ob es möglicherweise Anlass zu Zweifeln an der Testierfähigkeit des Erblassers gibt. Um aufzuklären, ob beispielsweise die Testierfähigkeit des Verstorbenen aufgrund gesundheitlicher Beeinträchtigungen nicht mehr gegeben war, kann sich das Nachlassgericht mit der Bitte um Übermittlung der Patientenakte an den behandeln Arzt wenden.
Bei einem Nachlassverfahren handelt es sich um ein Verfahren, für welches das Gesetz über das Verfahren in Familiensachen und in den Angelegenheiten der freiwilligen Gerichtsbarkeit (FamFG) einschlägig ist. §§ 26, 29 FamFG ermächtigt die Nachlassgerichte dabei die entscheidungserheblichen Tatsachen unabhängig vom Parteivorbringen von Amts wegen in geeigneter Form zu ermitteln, sodass sich das Nachlassgericht direkt mit einer entsprechenden Bitte um Übermittlung der Patientenakte an den behandelnden Arzt wenden kann.
Für den behandelnden Arzt stellt sich sodann die Frage, wie er mit dieser an sich statthaften Bitte des Nachlassgerichts umgehen soll. Aus der Bitte des Nachlassgerichts folgt nämlich nicht immer auch zwingend die Befugnis zur Übermittlung der besonders geschützten medizinischen Daten. Für den Arzt ist hierbei insbesondere relevant, dass die unbefugte Weitergabe fremder Geheimnisse – zu denen auch die Behandlungsdaten eines Patienten gehören – nach § 203 Abs. 1 StGB eine Straftat darstellt, die mit Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder Geldstrafe bestraft werden kann. Bei einer entsprechenden Bitte um Übermittlung der Patientenakte hat der Arzt demnach genau zu prüfen, ob für ihn auch eine Befugnis zur Übermittlung besteht.
Eine Befugnis zur Offenbarung von Geheimnissen im Sinne von § 203 StGB kann sich aus einer gesetzlichen Ermächtigungsnormen oder aus einer Einwilligung des Betroffenen ergeben. Für den Fall einer Übermittlung an ein Nachlassgericht besteht zur Zeit keine spezialgesetzlich normierte Ermächtigungsgrundlage. Im oben skizzierten Fall ist das Einholen einer Einwilligung in Form einer Entbindung von der Schweigepflicht aufgrund des Todesfalls jedoch nicht mehr möglich. Da es sich bei dem über § 203 StGB geschützten allgemeinen Persönlichkeitsrecht um ein höchstpersönliches Rechtsgut handelt, das grundsätzlich nicht auf die Hinterbliebenen übergeht, besteht für auch die Hinterbliebenen nicht die Möglichkeit, den Arzt von seiner Schweigepflicht zu entbinden.
In einem solchen Fall kann jedoch gegeben falls ein Rückgriff auf eine vermutete Einwilligung des Verstorbenen als Rechtfertigung im Sinne von § 203 StGB statthaft sein. Hierbei ist durch den behandelnden Arzt im Einzelfall einzuschätzen, ob der Verstorbene eine Offenbarung seiner Patientenakte gegenüber dem Nachlassgericht zu Zwecken der Feststellung seiner Testierfähigkeit zugestimmt hätte oder nicht. Falls dem behandelnden Arzt, etwa aufgrund von Äußerungen des Verstorbenen, Zweifel an einer solchen Zustimmung kommen, ist die Übermittlung an das Nachlassgericht nicht durch eine vermutete Einwilligung zu rechtfertigen. Sollten dem behandelnden Arzt hingegen keine Einwände des Verstorbenen gegen eine Übermittlung zum Zwecke der Feststellung der Testierfähigkeit bekannt sein, dann greift noch immer regelmäßig die Vermutung des Bundesgerichtshofs, dass dem Verstorbenen daran gelegen war, Zweifel über seine Testierfähigkeit nach Möglichkeit auszuräumen. Das wohlverstandene Interesse des Verstorbenen sei nicht darauf gerichtet, zu verbergen, dass er testierunfähig sei, da damit vielfach gerade die seinem Schutz dienenden Vorschriften zur Testierfähigkeit in vielen Fällen unterlaufen würden.
Gerne unterstützen wir Sie bei diesbezüglichen und weiteren Fragestellungen aus dem Bereich des Gesundeitsdatenschutzes durch entsprechende Beratungsleistungen.
Schlagwörter: Testament; Verletzung von Privatgeheimnissen; § 203 StGB
Der deutsche Bundestag hat eine Reform der berufsrechtlichen Verschwiegenheitspflichten verabschiedet. Hiervon betroffen sind klassischerweise Anwälte, Ärzte und Psychologen oder Steuerberater. In der Reform geht es vorrangig jedoch um einen anderen Aspekt, der aus datenschutzrechtlicher Sicht eine große Relevanz hat: Die Zusammenarbeit mit externen Dienstleistern im Kontext der Auftragsverarbeitung.
Denn die den Berufsgeheimnisträgern anvertrauten Informationen müssen über den eigenen Machtbereich hinaus auch bei externen Dienstleistern sicher sein und dürfen das Grundkonzept der Verschwiegenheit nicht unterlaufen.
Im Zuge dessen wurde das Gesetz zur Neuregelung des Schutzes von Geheimnissen bei der Mitwirkung Dritter an der Berufsausübung schweigepflichtiger Personen beschlossen.
Dabei geht es speziell in dem eingeführten § 203 Abs. 3 StGB um eine mögliche Legitimation der Weitergabe von Daten durch Berufsgeheimnisträger an Dritte. Dass es diese Möglichkeit nun gibt, muss vor dem Hintergrund der digitalen und wirtschaftlichen Realität gesehen werden. Auch die genannten Berufe mit besonderer Vertrauensstellung kommen häufig nicht umhin, sich gegenüber arbeitsteiligen Outsourcing-Prozessen zu öffnen. Schließlich gibt es beispielsweise für Anwälte und Ärzte bereits eine Vielzahl von Software-Lösungen „in der Cloud“. Hierin spiegelt sich aus datenschutzrechtlicher Sicht eine Konstellation der Auftragsverarbeitung wider.
§ 203 Abs. 3 StGB legitimiert die Datenweitergabe an Dritte dann, wenn
Im Gegenzug können sich nun auch Dritte, die an der Verarbeitung von berufsständisch besonders geschützten Daten mitwirken, entsprechend strafbar machen.
Die Datenschutz-Grundverordnung sieht für die Weitergabe sensibler Informationen (u.a. Gesundheitsdaten) die Einwilligung der jeweils Betroffenen vor, was die Datenübermittlung grundsätzlich erschwert und viele der auf dem Markt verfügbaren Arbeitserleichterungen nicht nutzbar macht. Mit der Reform des § 203 StGB ist dieses Regelungsproblem jedoch in vernünftiger Weise zugunsten der Zusammenarbeit mit Dritten gelöst worden. Selbstverständlich sind die strengen und mit hohen Bußgeldern unterlegten datenschutzrechtlichen Anforderungen an die Weitergabe von Daten weiterhin zu erfüllen.
Schlagwörter: § 203 StGB, Berufsgehiemnis, Umgang mit sensiblen Daten
Kategorien: Allgemein · Aufsichtsbehördliche Maßnahmen · Gesundheitsdatenschutz · Internationaler Datenschutz/Konzerndatenschutz
Die Praxisräume einer Arztpraxis unter datenschutzrechtlichen Gesichtspunkten
An der Anmeldung einer Praxis laufen alle Fäden zusammen. Hier erfolgt die Meldung eines Patienten zur Sprechstunde, eine neue Terminvergabe oder die Abholung eines Rezeptes. Dabei sind wichtige persönliche Daten, u.a. besonders sensible Daten betroffen. Doch die meisten Praxisräumlichkeiten sind auf die neuen datenschutzrechtlichen Anforderungen nicht angepasst. Die Patienten stehen oft in langen Schlangen vor der Anmeldung oder das ganze Wartezimmer kann aufgrund der örtlichen Gegebenheiten bei Telefon-/Gesprächen mithören.
Datenschutzrechtlich ist es empfehlenswert, im Zuge der DSGVO die örtlichen Gegebenheiten und Handlungsabläufe zu überprüfen und ggf. zu verbessern, um Beschwerden von Patienten zu verhindern.
Es ist u.a. ratsam, einen Anmeldebereich zu schaffen, wo Patienten einzeln hereintreten können. Die Problematik hinsichtlich des telefonischen Kontakts könnte durch einen separaten Telefonbereich gelöst werden. Daneben gibt es noch viele weitere Probleme (Nennung des Grundes des Arztbesuchs, Aufruf der Patienten, der Online Service …) die Ärzte in ihrer Praxis bedenken und im Zuge der neuen Datenschutzgrundverordnung anpassen sollten.
Schlagwörter: Ärztliche Schweigepflicht, Arztpraxis, Umgang mit sensiblen Daten