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Timestamp: 2020-01-24 14:19:31
Document Index: 106056162

Matched Legal Cases: ['§ 1', '§ 132', '§ 133', '§ 1', 'Art. 3', '§ 1', '§ 132', '§ 1', 'Art. 3', '§ 132', '§ 121', '§ 132', '§ 47']

BVerwG, 8 B 22.12: BVerwG: rückgabe, vorfrage, kreis, rechtskraftwirkung, beschwerdeschrift, enteignung, überzeugung, verfahrensrecht, berufungsschrift, grundstück
Urteil des BVerwG vom 27.09.2012, 8 B 22.12
Aktenzeichen: 8 B 22.12
BVerwG: rückgabe, vorfrage, kreis, rechtskraftwirkung, beschwerdeschrift, enteignung, überzeugung, verfahrensrecht, berufungsschrift, grundstück
BVerwG 8 B 22.12 VG 8 K 109/11
hat der 8. Senat des Bundesverwaltungsgerichts am 27. September 2012 durch den Vorsitzenden Richter am Bundesverwaltungsgericht Prof. Dr. Dr. h.c. Rennert, den Richter am Bundesverwaltungsgericht Dr. Deiseroth und die Richterin am Bundesverwaltungsgericht Dr. Rudolph
Die Beschwerde der Beklagten gegen die Nichtzulassung der Revision in dem aufgrund der mündlichen Verhandlung vom 5. Oktober 2011 ergangenen Urteil des Verwaltungsgerichts Frankfurt (Oder) wird verworfen.
Der Wert des Streitgegenstandes wird für das Beschwerdeverfahren auf 34 160 € festgesetzt.
1Die Kläger begehren als Erben nach Friedrich J. die Rückübertragung des
Eigentums an dem Flurstück …, Flur …, Gemarkung N. Eigentümerin dieses
Grundstücks ist die Bundesrepublik Deutschland. Bei dem im Streit stehenden
Grundstück handelt es sich um eine Teilfläche des ehemaligen Rittergutes B.
Den Antrag der Kläger auf Rückübertragung u.a. dieses Grundstücks lehnte die
Beklagte mit Bescheid vom 29. Dezember 1997 ab, weil die Enteignung auf
besatzungsrechtlicher bzw. besatzungshoheitlicher Grundlage gemäß § 1
Abs. 8 Buchst. a VermG beruht habe. Der hiergegen gerichteten Klage hat das
Verwaltungsgericht stattgegeben.
2Die Beschwerde gegen die Nichtzulassung der Revision in dem Urteil des Verwaltungsgerichts bleibt ohne Erfolg. Sie ist unzulässig. Die Beklagte beruft sich
zwar auf den Zulassungsgrund der Abweichung (§ 132 Abs. 2 Nr. 2 VwGO).
Hiernach ist die Revision zuzulassen, wenn das Urteil von einer Entscheidung
des Bundesverwaltungsgerichts, des Gemeinsamen Senats der obersten Gerichtshöfe des Bundes oder des Bundesverfassungsgerichts abweicht und auf
dieser Abweichung beruht. Das Vorliegen dieser Voraussetzungen wird aber
nicht schlüssig dargelegt, obwohl dies erforderlich gewesen wäre (§ 133 Abs. 3
3Die Beklagte behauptet zwar, dass die Annahme des Verwaltungsgerichts, der
Rechtsvorgänger der Kläger habe als „Mischling ersten Grades“ zur Zeit der
NS-Herrschaft zum Personenkreis der Kollektivverfolgten im Sinne von § 1
Abs. 6 Satz 2 VermG i.V.m. Art. 3 Abs. 1 Buchst. b REAO gehört, von dem Urteil des Bundesverwaltungsgerichts vom 21. Juni 2007 - BVerwG 8 C 8.06 -
(BVerwGE 129, 76) abweiche. Sie legt aber schon nicht dar, inwiefern das Urteil auf der behaupteten Abweichung beruht. Im Gegenteil weist sie selbst darauf hin, dass das Verwaltungsgericht seine Entscheidung - selbstständig tragend - auch auf die Hilfserwägung gestützt habe, der Rechtsvorgänger der Kläger habe den umstrittenen Vermögensgegenstand jedenfalls aufgrund einer
Individualverfolgung im Sinne von § 1 Abs. 6 Satz 1 VermG verloren (UA
S. 41 f.). Hiergegen macht sie Zulassungsgründe nicht geltend. Namentlich behauptet sie nicht, das Verwaltungsgericht habe seine Überzeugung insofern
unter Verletzung von Verfahrensrecht gebildet (§ 132 Abs. 2 Nr. 3 VwGO). Sie
kritisiert diese Ausführungen zwar im Stile einer Berufungsschrift, doch lässt
dies keine Verfahrensrügen erkennen.
4Auch abgesehen hiervon ist der Zulassungsgrund der Abweichung nicht dargetan. Hierzu wäre erforderlich gewesen, einen Rechtssatz zu bezeichnen, den
das Verwaltungsgericht aufgestellt hat und der sein Urteil trägt, und diesem
einen inhaltlich abweichenden Rechtssatz aus einer Entscheidung eines Divergenzgerichts gegenüberzustellen. Das leistet die Beklagte nicht. Sie bezeichnet
zwar (auf S. 2 ihrer Beschwerdeschrift) den Rechtssatz aus dem genannten
Urteil des Bundesverwaltungsgerichts vom 21. Juni 2007, dass es in Zweifelsfällen, ob jemand zum Personenkreis der Kollektivverfolgten im Sinne des § 1
Abs. 6 Satz 2 VermG i.V.m. Art. 3 Abs. 1 Buchst. b REAO gehörte, darauf ankomme, ob nach den Erkenntnissen zur Zeit des Nationalsozialismus der
Nachweis erbracht war, dass er Jude oder „Mischling ersten Grades“ war, oder
ob er unabhängig davon als solcher behandelt wurde. Sie stellt dem aber keinen abweichenden Rechtssatz des angefochtenen Urteils gegenüber. Sie legt
zwar - zutreffend - dar, dass das Verwaltungsgericht die Frage der Kollektivver-
folgung des Rechtsvorgängers der Kläger, um die es auch in dem dem genannten Urteil des Senats zugrundeliegenden Rechtsstreit ging, anders beurteilt hat
als der Senat. Sie legt aber nicht dar, dass dieser Unterschied auf einer Abweichung in dem angesprochenen rechtlichen Obersatz beruht. Vielmehr setzt sie
sich ausschließlich mit der konkreten Sachwürdigung des Verwaltungsgerichts
auseinander. Damit ist eine Divergenz im Sinne des § 132 Abs. 2 Nr. 2 VwGO
5Soweit in der Beschwerdebegründung ausgeführt wird, dass das Urteil des
Bundesverwaltungsgericht vom 21. Juni 2007 (a.a.O.) entgegen der Annahme
des Verwaltungsgerichts „eine Rechtskraftwirkung gemäß § 121 VwGO“ entfalte, ist ebenfalls kein Zulassungsgrund gemäß § 132 Abs. 2 VwGO bezeichnet
und dargelegt worden. Im Übrigen besteht die Rechtskraft auch nur zwischen
den Beteiligten des damaligen Verfahrens und auch nur im Rahmen des Streitgegenstandes, also der Entscheidung über die Rückgabe eines bestimmten
Vermögenswertes, um den es hier nicht geht. Die Vorfrage, ob der Alteigentümer zum Kreis der Kollektivverfolgten gehörte, nimmt nicht an der Rechtskraft
der damaligen Entscheidung teil.
7Die Streitwertfestsetzung ergib sich aus §§ 47, 52 Abs. 1 GKG.
8 B 22.12
Rückgabe, Vorfrage, Kreis, Rechtskraftwirkung, Beschwerdeschrift, Enteignung, überzeugung, Verfahrensrecht, Berufungsschrift, Grundstück