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Timestamp: 2016-10-22 16:17:04
Document Index: 182746590

Matched Legal Cases: ['BGE', 'Art. 82', 'Art. 5', 'Art. 12', 'Art. 5', 'Art. 8', 'Art. 8', 'Art. 12', 'Art. 5', 'Art. 8', 'Art. 8', 'Art. 8', 'Art. 5', 'Art. 8', 'Art. 5', 'BGE', 'BGE', 'Art. 12', 'BGE', 'BGE', 'Art. 12', 'Art. 12', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'Art. 12', 'Art. 5']

I 23/04 (23.09.2004)
Die 1985 geborene Z.________ wurde im Sommer 2000 vom Kinder- und Jugendpsychiatrischen Dienst X.________ (KJPD) wegen einer schweren Adoleszentenkrise mit oppositionellem Verhalten zur weiteren Abkl�rung im Spital O.________ angemeldet. Im Sommer 2001 wurde die Diagnose einer Essst�rung im Sinne einer Bulimanorexia und einer Adoleszentenkrise (ICD-10 F50.2) mit der Indikation f�r eine Psychotherapie gestellt, welche seit September 2001 im KJPD durchgef�hrt wird. Eine zunehmend schwierige intrafamili�re Konfliktsituation f�hrte am 16. Dezember 2001 zur notfallm�ssigen Hospitalisation. Ab 7. Januar 2003 erfolgte eine intensive station�re Behandlung im Kinderspital.
Am 29. Oktober 2002 hatten die Eltern von Z.________ die IV-Stelle des Kantons St. Gallen um medizinische Massnahmen zur Behandlung der Essst�rung ihrer Tochter ersucht. Die Verwaltung holte daraufhin den Bericht des Spitals O.________ vom 31. Dezember 2002 ein. Mit Schreiben vom 5. M�rz 2003 teilte das KJPD der IV-Stelle mit, um das station�r Erreichte zu stabilisieren, sei die Fortf�hrung der ambulanten Behandlung dringend notwendig, um die Eingliederung ins Berufsleben zu erm�glichen. Es werde daher eine entsprechende Kosten�bernahme beantragt. Mit Verf�gung vom 25. Juni 2003 wies die IV-Stelle das Gesuch um Kostengutsprache f�r Psychotherapie ab, da die Krankheit einer Dauerbehandlung bed�rfe und die Eingliederungsf�higkeit durch die beantragten Massnahmen nicht wesentlich verbessert werden k�nnten. Daran hielt sie auf Einsprache des zust�ndigen Krankenversicherers von Z.________, der SWICA Krankenversicherung AG (nachfolgend: SWICA), hin mit Einspracheentscheid vom 26. August 2003 fest.
Die SWICA erhob dagegen Beschwerde mit dem Antrag, es sei die IV-Stelle zu verpflichten, die medizinischen Massnahmen zu �bernehmen. Mit Entscheid vom 15. Dezember 2003 hiess das Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen die Beschwerde gut, hob den Einspracheentscheid vom 26. August 2003 auf und verpflichtete die IV-Stelle, die Z.________ erbrachten medizinischen Massnahmen zu �bernehmen.
Mit Verwaltungsgerichtsbeschwerde beantragt das Bundesamt f�r Sozialversicherung (BSV), es sei in Gutheissung der Verwaltungsgerichtsbeschwerde der vorinstanzliche Entscheid vom 15. Dezember 2003 aufzuheben.
Die SWICA schliesst auf Abweisung der Verwaltungsgerichtsbeschwerde, w�hrend sich Z.________ nicht vernehmen l�sst. Die IV-Stelle beantragt Gutheissung der Verwaltungsgerichtsbeschwerde.
1.1 Am 1. Januar 2003 sind das Bundesgesetz �ber den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts vom 6. Oktober 2000 (ATSG) und die Verordnung �ber den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSV) vom 1. September 2002 in Kraft getreten. Mit ihnen sind unter anderem auch im Invalidenversicherungsrecht verschiedene materiellrechtliche Bestimmungen ge�ndert worden.
1.2 Streitig und zu pr�fen ist, ob die Versicherte ab Behandlungsbeginn im Jahre 2001 bis l�ngstens zum Erlass des Einspracheentscheides vom 26. August 2003, welcher rechtsprechungsgem�ss die zeitliche Grenze der richterlichen �berpr�fungsbefugnis bildet (BGE 121 V 366 Erw. 1b mit Hinweis), Anspruch auf medizinische Massnahmen hat.
Diese Frage beurteilt sich, da keine laufenden Leistungen im Sinne der �bergangsrechtlichen Ausnahmebestimmung des Art. 82 Abs. 1 ATSG, sondern Dauerleistungen im Streit liegen, �ber welche noch nicht rechtskr�ftig verf�gt worden ist, - den allgemeinen intertemporalrechtlichen Regeln folgend - f�r die Zeit bis 31. Dezember 2002 aufgrund der bisherigen Rechtslage und ab diesem Zeitpunkt nach den neuen Normen des ATSG (noch nicht in der Amtlichen Sammlung ver�ffentlichtes Urteil M. vom 5. Juli 2004 [I 690/03] mit Hinweis auf das noch nicht in der Amtlichen Sammlung ver�ffentlichte Urteil L. vom 4. Juni 2004 [H 6/04]).
1.2.1 F�r die Zeit bis 31. Dezember 2002 galt folgende gesetzliche Grundlage: Nichterwerbst�tige Personen vor dem vollendeten 20. Altersjahr mit einem k�rperlichen oder geistigen Gesundheitsschaden gelten als invalid, wenn der Gesundheitsschaden wahrscheinlich eine Erwerbsunf�higkeit zur Folge haben wird (Art. 5 Abs. 2 IVG). Der Versicherte hat Anspruch auf medizinische Massnahmen, die nicht auf die Behandlung des Leidens an sich, sondern unmittelbar auf die berufliche Eingliederung gerichtet und geeignet sind, die Erwerbsf�higkeit dauernd und wesentlich zu verbessern oder vor wesentlicher Beeintr�chtigung zu bewahren (Art. 12 Abs. 1 IVG).
1.2.2 Art. 5 Abs. 2 IVG in der ab 1. Januar 2003 g�ltigen Fassung lautet: Bei nicht erwerbst�tigen Personen vor dem vollendeten 20. Altersjahr bestimmt sich die Invalidit�t nach Art. 8 Abs. 2 ATSG. Art. 8 Abs. 2 ATSG hatte in der vom 1. Januar bis 31. Dezember 2003 in Kraft gestandenen Fassung folgenden Wortlaut: Nicht erwerbst�tige Minderj�hrige gelten als invalid, wenn die Beeintr�chtigung ihrer k�rperlichen oder geistigen Gesundheit voraussichtlich eine ganze oder teilweise Erwerbsunf�higkeit zur Folgen haben wird. Art. 12 Abs. 1 IVG hat bis 31. Dezember 2003 keine �nderung erfahren.
1.2.3 Die unter der bisherigen Gesetzesordnung ergangene Rechtsprechung bleibt auch nach dem In-Kraft-Treten (1. Januar 2003) des ATSG und des revidierten Art. 5 Abs. 2 IVG massgebend. Im Zusammenhang mit Art. 8 Abs. 2 ATSG wird ausdr�cklich festgehalten, diese Bestimmung lehne sich an die in der bisherigen Gesetzgebung der Invalidenversicherung enthaltene Umschreibung der Invalidit�t von Minderj�hrigen an (BBl 1991 II 249; Ueli Kieser, ATSG-Kommentar, Rz 9 zu Art. 8). Zwar ist der Begriff "voraussichtlich" (vgl. Art. 8 Abs. 2 ATSG in der bis 31. Dezember 2003 g�ltig gewesenen Fassung) an die Stelle von "wahrscheinlich" (vgl. Art. 5 Abs. 2 in der bis 31. Dezember 2002 g�ltig gewesenen Fassung) getreten. Dadurch wird betont, dass die Beeintr�chtigung der k�rperlichen oder geistigen Gesundheit Minderj�hriger aufgrund einer auf die Zukunft ausgerichteten Betrachtungsweise zu beurteilen ist (Ueli Kieser, a.a.O., Rz 10 zu Art. 8). Dies entspricht der zu Art. 5 Abs. 2 IVG in der bis 31. Dezember 2002 g�ltig gewesenen Fassung ergangenen Rechtsprechung, wonach bei Minderj�hrigen die anzunehmende Erwerbsunf�higkeit nicht zeitlich aktuell gegeben sein muss (vgl. Ulrich Meyer-Blaser, Rechtsprechung des Bundesgerichts zum IVG, Z�rich 1997, S. 31 f.).
2.1 Nach der Rechtsprechung k�nnen bei nichterwerbst�tigen Minderj�hrigen medizinische Vorkehren schon dann �berwiegend der beruflichen Eingliederung dienen und trotz des einstweilen noch labilen Leidenscharakters von der Invalidenversicherung �bernommen werden, wenn ohne diese Vorkehren eine Heilung mit Defekt oder ein sonst wie stabilisierter Zustand eintr�te, wodurch die Berufsbildung oder die Erwerbsf�higkeit oder beide beeintr�chtigt w�rden. Dabei geht es also um die erwerblich bedeutsame Heilung eines Leidens, das ohne vorbeugende medizinische Vorkehren sich zu einem stabilen pathologischen Zustand entwickeln w�rde. Hier soll der Eintritt eines stabilen Defektes verhindert werden. Handelt es sich aber nur darum, die Entstehung eines solchen Zustandes mit Hilfe von Dauertherapie hinauszuschieben, so liegt keine Heilung vor. Freilich wird auch durch derartige kontinuierliche Behandlung die Erwerbsf�higkeit positiv beeinflusst, aber es besteht eine �hnlich Situation wie beispielsweise beim Diabetiker, dessen Gesundheitszustand durch st�ndige medikament�se Therapie bloss im Gleichgewicht gehalten und dadurch vor wesentlicher, die Leistungsf�higkeit beeintr�chtigender Verschlimmerung mit allenfalls letalem Risiko bewahrt wird; auch hier ist die medizinische Vorkehr nicht auf die Heilung eines Leidens zur Verh�tung eines stabilen pathologischen Defektes gerichtet. In allen derartigen F�llen stellen die Vorkehren nach der Rechtsprechung (dauernde) Behandlung des Leidens an sich dar und es kommt ihnen kein Eingliederungscharakter im Sinne des IVG zu (BGE 100 V 43 Erw. 2a; vgl. auch BGE 105 V 19). Diese Rechtsprechung wurde in ZAK 1981 S. 548 Erw. 3a ausdr�cklich best�tigt. Dabei ist bez�glich der Anspruchsvoraussetzungen von Art. 12 Abs. 1 IVG bei Minderj�hrigen nicht entscheidend, ob eine Sofortmassnahme (z.B. eine Operation) oder eine zeitlich ausgedehntere (aber nicht unbegrenzte) Vorkehr (z.B. Physiotherapie, Ergotherapie) angeordnet wird.
2.2 Daraus ergibt sich f�r minderj�hrige Versicherte mit psychischen Leiden, dass die Invalidenversicherung f�r vorbeugende Psychotherapien aufzukommen hat, wenn das erworbene psychische Leiden mit hinreichender Wahrscheinlichkeit zu einem schwer korrigierbaren, die sp�tere Ausbildung und Erwerbsf�higkeit erheblich behindernden oder gar verunm�glichenden stabilen pathologischen Zustand f�hren w�rde. Umgekehrt kommen prophylaktische Massnahmen der Invalidenversicherung nicht in Betracht, wenn sich diese gegen psychische Krankheiten und Defekte richten, welche nach der heutigen Erkenntnis der medizinischen Wissenschaft ohne dauernde Behandlung nicht gebessert werden k�nnen. Dies trifft in der Regel unter anderem bei Schizophrenien und manisch-depressiven Psychosen zu (BGE 100 V 44 Erw. 2a; vgl. auch BGE 105 V 20). In ZAK 1970 S. 234 Erw. 2 hat das Eidgen�ssische Versicherungsgericht erwogen, Psychosen im engeren Sinn (Schizophrenie und organische Psychosen) k�nnten bei Kindern und Jugendlichen sp�ter oft zu einem relativ stabilisierten Defektzustand f�hren. Bei diesen Krankheiten sei manchmal eine Behandlung m�glich, die - auf den Zeitpunkt des Eintritts ins Erwerbsalter bezogen - zur dauernden und wesentlichen Verbesserung der Erwerbsf�higkeit geeignet sei. Dabei richte sich die Behandlung prim�r auf das Leiden an sich, d.h. spezifisch auf die Grundkrankheit. K�nne diese aufgehalten oder geheilt werden, so bedeute dies die Wiederherstellung oder Verbesserung der Erwerbsf�higkeit. Bei pathologischen Pers�nlichkeitsentwicklungen komme es meistens �berhaupt nicht oder erst viel sp�ter als beim Eintritt ins Erwerbsleben zu relativ stabilisierten Zust�nden. Nach ZAK 1971 S. 604 Erw. 3b bleibt ein psychotischer Zustand - Ausnahmen vorbehalten - bei einem Kind lange fortschreitend. Bei einem an solchen St�rungen leidenden Kind dient die psychotherapeutische Massnahme in der Regel nicht der Verhinderung eines stabilen Defektzustandes, der sich in naher Zukunft einstellen w�rde. Vorbehalten hat das Eidgen�ssische Versicherungsgericht den Fall, dass eine medizinische Massnahme, die an sich der Leidensbehandlung dient, derart eng mit gleichzeitig zur Durchf�hrung gelangenden medizinischen Eingliederungsmassnahmen verbunden ist, dass sie von diesen nicht getrennt werden kann, ohne die Erfolgsaussichten zu gef�hrden. In diesem Falle seien Art und Ziel des gesamten Massnahmenkomplexes ausschlaggebend. Demzufolge k�nne Psychotherapie von der Invalidenversicherung �bernommen werden, wenn sie der Erg�nzung der Sonderschulung oder anderer Massnahmen p�dagogischer Art diene, sofern sie nicht selbst von derartiger Bedeutung sei, dass sie die andern Massnahmen in den Hintergrund verweise (ZAK 1971 S. 604 Erw. 3a).
3.1 Nach Auffassung der Vorinstanz macht die Unterscheidung zwischen der Behandlung stabiler Defektzust�nde und der Dauerbehandlung station�rer Zust�nde zur Verhinderung einer Verschlimmerung bei Personen, die das 20. Altersjahr noch nicht vollendet haben, keinen Sinn. Die Invalidit�t im Zusammenhang mit medizinischen Massnahmen Jugendlicher werde allein durch den �berwiegenden Eingliederungszweck definiert, weshalb eine Differenzierung zwischen einem stabilen Defektzustand und einem nur durch eine Dauerbehandlung station�r zu haltenden Leiden gesetzwidrig sei. Sie verstosse zudem gegen den Gleichbehandlungsgrundsatz. Der Eingliederungsbedarf sei derselbe, ob die Krankheit nur station�r zu halten oder ob sie heilbar sei. Mit Bezug auf medizinische Massnahmen zur Behandlung einer Anorexia nervosa oder einer Bulimanorexia bedeute dies, dass weder die generelle Heilbarkeit der Krankheit noch die konkreten Heilungschancen massgebend seien. Entscheidend sei einzig, dass ohne medizinische Behandlung keine berufliche Eingliederung m�glich w�re.
3.2 Das BSV macht geltend, medizinische Massnahmen k�nnten bei Leiden, die eine dauernde Behandlung erforderten, selbst Minderj�hrigen nicht gew�hrt werden. Der erwartete oder bereits eingetretene Eingliederungserfolg einer solchen Massnahme sei, f�r sich allein gesehen, im Rahmen von Art. 12 IVG kein taugliches Abgrenzungskriterium, da praktisch jede �rztliche Vorkehr, die medizinisch erfolgreich sei, auch die (k�nftige) Erwerbsf�higkeit g�nstig beeinflusse.
4.1 Die dargelegte Rechtsprechung zu den medizinischen Massnahmen st�tzt sich auf Art. 12 Abs. 1 IVG, wonach nur solche Vorkehren von der Invalidenversicherung zu �bernehmen sind, die "nicht auf die Behandlung des Leidens an sich", also nicht auf die Heilung oder Linderung labilen pathologischen Geschehens gerichtet sind. W�hrend dies bei Erwachsenen ohne weiteres gilt, sind bei Jugendlichen - ihrer k�rperlichen und geistigen Entwicklungsphase Rechnung tragend - medizinische Vorkehren trotz des einstweilen noch labilen Leidenscharakters von der Invalidenversicherung zu �bernehmen, wenn ohne diese Vorkehren in absehbarer Zeit eine Heilung mit Defekt oder ein sonst wie stabilisierter Zustand eintr�te, wodurch die Berufsbildung oder die Erwerbsf�higkeit oder beide beeintr�chtigt w�rden (BGE 98 V 215 Erw. 2). Die Invalidenversicherung hat daher bei Jugendlichen - die Erf�llung der �brigen Voraussetzungen vorbehalten - nicht nur unmittelbar auf die Beseitigung oder Korrektur stabiler Defektzust�nde oder Funktionsausf�lle gerichtete Vorkehren zu �bernehmen, sondern auch dann Leistungen zu erbringen, wenn es darum geht, mittels geeigneter Massnahmen einem die berufliche Ausbildung oder die k�nftige Erwerbsf�higkeit beeintr�chtigenden Defektzustand vorzubeugen. Diese Rechtsprechung wurde wiederholt best�tigt (vgl. beispielsweise BGE 105 V 20; AHI 2000 S. 64 Erw. 1, 2003 S. 104 Erw. 2). Entgegen der von der Vorinstanz vertretenen Auffassung bestehen keine entscheidenden Gr�nde, welche zu Gunsten einer �nderung dieser Praxis sprechen w�rden.
4.2 Nun gibt es psychische Leiden, welche nach den Erkenntnissen der medizinischen Wissenschaft ohne dauernde Behandlung nicht gebessert werden k�nnen. Dies trifft in der Regel unter anderem bei Schizophrenien und manisch-depressiven Psychosen zu (BGE 100 V 44 Erw. 2a). Diese Behandlung f�llt nach der in Erw�gung 2.2 dargelegten Rechtsprechung nicht in den Bereich der Invalidenversicherung. Denn es geht in diesen F�llen nicht um einen "einstweilen noch labilen Leidenscharakter", sondern um eine dauernde Behandlung des Leidens, von welcher nicht mehr gesagt werden kann, sie diene (auch) der beruflichen Eingliederung. Es fehlt somit am Eingliederungscharakter der Therapie. Da die Behandlungsbed�rftigkeit in diesen F�llen auch im Erwachsenenalter unver�ndert andauert, besteht kein Grund, die speziell f�r Versicherte vor dem vollendeten 20. Altersjahr geltende Praxis anzuwenden. Es kann somit in diesem Zusammenhang nicht von einer rechtsungleichen Behandlung gesprochen werden. An der bisherigen Rechtsprechung ist daher festzuhalten.
4.3 Andere Krankheiten nehmen nach medizinischen Erkenntnissen einen individuell unterschiedlichen Verlauf. Dies ist beispielsweise bei der Anorexia nervosa der Fall, welche zur totalen Remission f�hren, aber auch chronisch-persistierende und chronisch-rezidivierende Varianten aufweisen kann. Von einer Heilung l�sst sich nur bei 45% der F�lle sprechen. Eine partielle Besserung tritt bei etwa 33% der Patienten ein, und 20% zeigen einen chronifizierten Krankheitsverlauf. Als positive Prognosefaktoren k�nnen Erkrankungen in der Adoleszenz, hysterische Pers�nlichkeitsanteile, konfliktfreie Eltern-Kind-Beziehungen, kurze und wenige station�re Behandlungen, kurze Krankheitsdauer vor der station�ren Therapie und h�herer Bildungs- und Sozialstatus betrachtet werden. Ung�nstige Prognosefaktoren sind hingegen Erbrechen, Bulimie, hoher Gewichtsverlust, Chronizit�t, pr�morbide Auff�lligkeiten im Sinne von Entwicklungsabweichungen und Verhaltensprobleme sowie m�nnliches Geschlecht (Hans-Christoph Steinhausen, Psychische St�rungen bei Kindern und Jugendlichen, Lehrbuch der Kinder- und Jugendpsychiatrie, 5. Auflage, M�nchen 2002, S. 169). Der Umstand, dass die Anspruchsvoraussetzungen oftmals nicht erf�llt sind, �ndert nichts daran, dass im Einzelfall zu pr�fen ist, ob Anspruch auf medizinische Massnahmen gegen�ber der Invalidenversicherung besteht. Die Anspruchsvoraussetzungen einer psychotherapeutischen Behandlung wurden denn auch in AHI 2000 S. 63 eingehend gepr�ft und gest�tzt auf die fach�rztlichen Meinungs�usserungen als nicht gegeben erachtet. Ebenso war das Vorgehen in AHI 2003 S. 103 mit Bezug auf hyperkinetische St�rungen.
5.1 Verwaltungsweisungen sind f�r das Sozialversicherungsgericht nicht verbindlich. Es soll sie bei seiner Entscheidung mit ber�cksichtigen, sofern sie eine dem Einzelfall angepasste und gerecht werdende Auslegung der anwendbaren gesetzlichen Bestimmungen zulassen. Es weicht anderseits insoweit von Weisungen ab, als sie mit den anwendbaren gesetzlichen Bestimmungen nicht vereinbar sind (BGE 127 V 61 Erw. 3a, 126 V 68 Erw. 4b, 427 Erw. 5a, 125 V 379 Erw. 1c, je mit Hinweisen).
5.2 Im Kreisschreiben des Bundesamtes f�r Sozialversicherung �ber die medizinischen Eingliederungsmassnahmen in der Invalidenversicherung (KSME) wird in Rz 645-647/845-847.4 ausgef�hrt: Das Vorliegen von Krankheiten und Defekten, die nach heutiger Erkenntnis der Medizin ohne dauernde Behandlung nicht gebessert werden k�nnen (z.B. Schizophrenien, manisch-depressive Psychosen) schliessen medizinische Massnahmen der IV auch gegen�ber Jugendlichen aus. Dies gilt auch f�r Leiden, die einer Therapie zumindest �ber l�ngere Zeit hinweg bed�rfen und ohne dass sich eine zuverl�ssige Prognose stellen l�sst (z.B. hyperkinetische St�rungen, Anorexien).
5.3 Bei schweren erworbenen psychischen Leiden ist die Kosten�bernahme gegeben, sofern nach intensiver fachgerechter Behandlung von einem Jahr Dauer keine gen�gende Besserung erzielt wurde und gem�ss spezial�rztlicher Feststellung bei einer weiteren Behandlung erwartet werden darf, dass der drohende Defekt mit seinen negativen Wirkungen auf die Berufsausbildung und Erwerbsf�higkeit ganz oder in wesentlichem Ausmass verhindert werden kann. Dauer und Intensit�t der Behandlung m�ssen durch Berichte, Arztrechnung und dergl. belegt sein (Rz 645-647/845-847.5 KSME). Insoweit stimmt die Weisung mit der ab 1. Januar 1979 g�ltig gewesenen Fassung �berein. In BGE 105 V 20 hat das Eidgen�ssische Versicherungsgericht ausdr�cklich festgehalten, diese Verwaltungspraxis halte sich im Rahmen des Gesetzes (vgl. auch AHI 2000 S. 64 f. Erw. 1; Urteil C. vom 28. Februar 2003 [I 615/01]). Nachtr�glich in die Verwaltungsweisung eingef�gt wurde der Zusatz: Die Kosten�bernahme erfolgt ab 2. Behandlungsjahr. Die Psychotherapie ist dabei jeweils f�r maximal zwei Jahre zu verf�gen. Ob dieses "Karenzjahr" gesetzm�ssig ist, was nach Auffassung der Vorinstanz mit Bezug auf medizinische Massnahmen mit �berwiegendem Eingliederungscharakter bei Versicherten unter dem 20. Altersjahr zu verneinen ist, braucht in diesem Verfahren aus den nachstehenden Gr�nden nicht beurteilt zu werden (vgl. Erw. 8).
Geht es um psychische Beeintr�chtigungen, stellt sich die Frage nach der Natur des Leidens. Liegen labile Gesundheitsverh�ltnisse vor, ist zu pr�fen, ob mittels medizinischer Massnahmen einem Defektzustand vorgebeugt werden kann, welcher die Berufsbildung oder die Erwerbsf�higkeit oder beide beeintr�chtigen w�rde. Der (fach)�rztliche Bericht ist im allgemeinen eine unerl�ssliche Grundlage zur Beurteilung der Anspruchsberechtigung, wobei die Pr�fung im Rahmen der freien Beweisw�rdigung zu erfolgen hat. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob er f�r die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden ber�cksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Beurteilung der medizinischen Zusammenh�nge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Experten begr�ndet sind (BGE 125 V 352 Erw. 3a). Die Beurteilung darf sich somit nicht mit einem pauschalen Hinweis auf die m�gliche Verbesserung oder Erhaltung von Berufs- und Erwerbsf�higkeit begn�gen. Auf weitere Abkl�rungen kann selbstverst�ndlich immer dann verzichtet werden, wenn von Vornherein klar ist, dass die Voraussetzungen von Art. 12 Abs. 1 in Verbindung mit Art. 5 Abs. 2 IVG nicht erf�llt sind.
Dr. med. G.________ vom Spital O.________ f�hrte im Bericht vom 31. Dezember 2002 zur Anamnese aus, die ersten Abkl�rungen h�tten eine famili�re Kommunikationsst�rung mit oppositionellem Verhalten der Patientin gezeigt. Daraufhin sei eine Psychotherapie eingeleitet worden. Im weiteren Verlauf sei eine Essst�rung mit anorektischem und bulimischem Verhalten aufgetreten. Da die zunehmend schwierige intrafamili�re Konfliktsituation trotz ambulanter Psychotherapie nicht habe vermindert werden k�nnen, sei es am 16. Dezember 2001 zur notfallm�ssigen Hospitalisation im Kinderspital gekommen. Das K�rpergewicht wurde bei einer Gr�sse von 162.5 cm mit 48 kg angegeben. Der Gesundheitszustand wurde als besserungsf�hig bezeichnet. Zudem wird die Frage, ob durch die medizinischen Massnahmen die M�glichkeit einer sp�teren Eingliederung ins Erwerbsleben wesentlich verbessert werde k�nne, bejaht. Gem�ss Bericht des KJPD vom 5. M�rz 2003 wurde im Sommer 2001 die Diagnose einer Essst�rung mit Bulimia nervosa und Adoleszentenkrise gestellt. Seit September 2001 werde eine ambulante therapeutische Behandlung durchgef�hrt, welche in erster Linie der Motivation f�r das Ernstnehmen der sich immer deutlicher etablierenden Essst�rung gedient habe. Auf die Nahrungsverweigerung sei eine bulimische Phase gefolgt. Dazu seien Verhaltensst�rungen, Konflikte mit den Eltern und soziale Auff�lligkeiten gekommen. Die intensive psychotherapeutische Behandlung habe dazu gedient, diese Aspekte zu bearbeiten und die Motivation f�r eine intensive station�re Behandlung im Kinderspital, die seit 7. Januar 2003 durchgef�hrt werde, zu f�rdern. Zur Stabilisierung des Erreichten sei eine daran anschliessende ambulante Behandlung dringend notwendig, um in der Folge eine Eingliederung ins Berufsleben zu erm�glichen.
Obwohl die medizinischen Berichte eher kurz abgefasst sind, verm�gen sie f�r die Beurteilung des vorliegenden Falles dennoch eine rechtsgen�gliche Entscheidungsgrundlage zu bilden. Ihnen ist zu entnehmen, dass die Essst�rung anorektische und bulimische Z�ge aufweist und sich zudem vor dem Hintergrund einer schweren famili�ren Krisensituation abspielt. Damit weist das als labil zu bezeichnende Krankheitsgeschehen zumindest zwei der in der medizinischen Literatur als ung�nstig bezeichneten Prognosefaktoren auf (vgl. Erw. 4.3). Daraus ist auf ein Leiden zu schliessen, dessen Folgen derzeit nicht abgesch�tzt werden k�nnen. Zudem muss angenommen werden, es handle sich um eine St�rung, die in naher Zukunft nicht zu einem stabilen Defektzustand f�hrt. Dass die zur Diskussion stehende Behandlung auch der Berufsbildung und Erwerbsf�higkeit n�tzlich ist, �ndert nichts daran, dass sie weder einen untrennbaren Bestandteil eines Komplexes berufsbildender Massnahmen darstellt, noch dazu bestimmt ist, einen sich in naher Zukunft einstellenden Defektzustand zu verhindern. Den medizinischen Massnahmen fehlt es daher am Eingliederungscharakter, weshalb sie nicht in den Bereich der Invalidenversicherung fallen.