Source: http://www.pax-westphalica.de/cgi-bin/ipomlst.pl?ip=ipo&art=05&dl=d1&pr=0&ul=0
Timestamp: 2018-01-19 04:01:03
Document Index: 216753335

Matched Legal Cases: ['§ 47', '§ 47', '§ 47', '§ 47', '§ 47', '§ 47', '§ 47', '§ 47', '§ 47', '§ 47', '§ 47', '§ 47', '§ 47', '§ 47', '§ 47', '§ 47', '§ 47', '§ 47', '§ 47', '§ 47', '§ 47', '§ 47', '§ 47', '§ 47', '§ 47', '§ 47', '§ 47', '§ 47', '§ 47', '§ 47', '§ 47', '§ 47', '§ 47', '§ 47', '§ 47', '§ 47', '§ 47', '§ 47', '§ 47', '§ 47', '§ 47', '§ 47', '§ 47', '§ 47', '§ 47', '§ 47', '§ 47', '§ 47', '§ 47', '§ 47', '§ 47', '§ 47', '§ 47', '§ 47', '§ 47', '§ 47', '§ 47', '§ 47', '§ 47']

Instrumentum Pacis: Der lang gewünschte allgemeine Deutsche Friedenschluß/ Welcher Von Käyserl. Mayt. Königlichen Schwedischen und Frantzösischen: auch Chur: Fürsten und allen so wol Geist: als Weltlichen Ständen des heiligen Römischen Reichs/ etc. Hochansehnlichen/ zu den Friedens=Tractaten Gevollmächtigten/ den 27. Julii/ 6. Augusti zu Oßnabrück/ darnach den 14. 24. Octobr. in Münster/ durch Göttliche Verley[h]ung/ einhelliglich getroffen/ geschlossen vnd vnterschrieben/ den 15. 25. Tag ermeldten Octobers zu Münster und Oßnabrüg: deß 1648 Jahres offentlich publiciret: Vnd darauff die Ratification von hochermeldten Herren allerseits einhelliglich geschehen/ Welche den 8. 18. Febr. dieses 1649. Jahrs mit grosser solennität außgewechselt worden. Samt dem Keyserlichen Mandat in Puncto Executionis wegen obgemelten Friedens. Gedruckt im Jahr nach der Gnadenreichen Geburt unsers FriedenFürstens Jesu Christi 1649. (KB Stockholm: Sveriges Freder och traktater, Karton 1648/4 [Nr. 4]), Bl. B4-D4'.
[Art. V IPO ← § 47 IPM] Diesem nechst vnd zumahln nun die Beschwernüssen eine Zeithero zwischen beyderseits Religions=Verwandten Chur=Fürsten vnd Stände sich enthaltend/ dieses gegenwertigen Krieges Haupt=Vrsache vnd Gelegenheit gewesen: Als ist über dieselbige nachfolgender Vergleich beliebt vnd getroffen worden.
[Art. V,1 IPO ← § 47 IPM] 1. Beliebet die in Anno 1552. zu Passaw auffgerichtete Handlung/ sampt darauff im Jahr 1555. erfolgeten ReligionFriede/ wie derselbige auff dem Reichstage zu Augspurg Anno 1566. vnd nachmahln auff verschiedenen allgemeinen ReichsTagen bestettiget worden/ in ihren Würden vngekräncket/ vnd sollen dieselbige in allen Articulen/ wie sie von Keys. Maj. vnd beyder Religion zugethanen Chur=Fürsten vnd Ständen einhellig beliebet vnd geschlossen/ jederzeit fest vnd vnverbrüchlich gehalten:
Was aber wegen etlicher disputirlicher Puncten in demselben/ durch diesen gemeinen Abschied/ mit der Partheyen Belieben gesetzet wird/ sol als eine stetwärende Erläuterung bemeldten Religion=Frieden/ so wol in= als ausserhalb Gerichts/ biß durch Verleyhung Göttlicher Gnaden eine allgemeine Vereinigung beyder Religionen getroffen/ in acht genommen werden/ mit Hindansetzung aller vnd jeden von Geist= vnd Weltlich in oder ausserhalb Reichs nun oder ins künfftige eingewendeter Gegenrede oder Protestation/ welche alle vor nichtig vnd von Vnwürden hiermit erkläret werden.
Jm übrigen allen sol zwischen beyder Religionen ChurFürsten unnd Stände eine durchgehende Gleichheit seyn so fern sie der Republic Verfassung/ den Reichssatzungen vnd gegenwertigen Handlung gemäß/ daß solcher massen/ was einem Theil recht/ solches auch dem andern recht/ alle Gewalt vnd Eigenthätigkeit aber/ wie sonsten/ also auch hierinen beyden Theilen gäntzlich verbotten seyn.
[Art. V,2 IPO ← § 47 IPM] 2. Der Ziel von dem an die Wiedereinsetzung im Geistlichen/ vnd was dannenher rührend/ im Weltlichen verendert ist/ geschehen sol/ ist der 1. Jan. des 1624. Jahrs. Sollen demnach gantz vnd vollkommen wiedereingesetzet werden alle ChurFürsten vnd Stände beyderley Religionen/ die freye Reichs Ritterschafft vnd andere des Reichs ohnmittelbahre Gemeinden/ Dorffschafften mit eingeschlossen/ mit Auffhebung aller von der Zeit in solchen Sachen gegebenen/ eröffneten vnd angestelten Vrtheilen/ Satzungen/ Handlungen Verträgen/ vnd Executionen/ also daß alles dißfals in den Stand/ worin es gemelten Tag vnd Jahrs gewesen/ wiederumb gesetzet werde.
[Art. V,3 IPO ← § 47 IPM] Die Städte/ Augspurg/ Dünckelspiel/ Biberach vnd Ravenspurg sollen ihre Güter/ Rechte vnd die Religions=Vbung jtztbesagten Jahrs vnd Tages behalten/ wegen der Raths Stelle vnd andern Stadt=Emptern aber/ zwischen beyde ReligionsVerwandten eine Gleichheit auch in der Zahl gehalten werden.
[Art. V,4 IPO ← § 47 IPM] Absonderlich aber die Stadt Augspurg betreffend/ sollen in dem Geheimen Rath Sieben Rathsherren aus denen Geschlechtern erwehlet/ vnd aus diesen zweene Stadtpflegere/ Einer von Catholischer/ der Ander von Augspurgischer Confession genommen werden; Von denen übrigen fünffen/ drey der Catholischen/ vnd zween der Augspurg. Confession: Die übrigen Rathsherren des genandten Jüngern Raths/ wie auch die Syndici/ Beysitzer des Stadtgerichts vnd alle Bediente alle in gleicher Zahl von beyder Religion seyn. Die Herren Verwaltere der gemeinen Gelder sollen in der Zahl drey/ vnd deren zween von einer/ der dritte von einer andern Religion/ der Gestalt/ daß in dem ersten Jahr zween Catholische vnd ein Augspurgischer Confessions=Verwandter/ in dem andern zween erstgedachte Confession Verwandte/ vnd der dritte Catholisch seyn/ vnd also fort jedes Jahr abgewechselt werden solle.
[Art. V,5 IPO ← § 47 IPM] Es sollen auch daselbst drey Zeug=Herren mit gleicher Jährlicher Vmbwechselung seyn. Gleichmässiges sol auch bey Verwaltunge der Stewer/ Victualien/ der Bawmeister vnd anderer Empter/ so mit drey Personen bestellet werden/ gehalten werden: Solcher massen/ daß/ wann in einem Jahr zwey Empter (als die Verwaltung der Stadt=Gelder vnd Victualien oder des Bawmeisters Ampts[)] bey zween Catholischen/ vnd einen der der Augspurg. Confession ist/ in demselbigen Jahr zwey andere Empter (als die Verwaltung des Zeughauses vnd der Stewr) mit zween Augspurgischer Confession zugethanen vnd einen Catholischen bestehet; Jm folgenden Jahr aber in diesen Emptern denen zween Catholischen/ zween Augspurgischer Confession=Verwandte/ vnd einem Catholischen einer der Augspurgischen Confession angesetzet werden sollen.
[Art. V,6 IPO ← § 47 IPM] Die Empter/ so einer Person allein pflegen auffgetragen zu werden/ sollen nach Beschaffenheit der Sach/ in einen oder mehr Jahren zwischen Catholischen vnd der Augspurg. Confession zugethanen Bürgern umbgewechselt werden/ vnd zwar auff diese Weise/ wie von denen Emptern/ so dreyen Personen anbefohlen worden/ erst besagt ist.
[Art. V,7 IPO ← § 47 IPM] Jedem Theil jedoch sol die Pflege jhrer Kirchen vnd Schulen frey vorbehalten seyn. Es sollen aber die Catholischen/ so anjtzo zur Zeit dieser Friedenshandlung über/ die obverglichene Anzahl vnter der Obrigkeit vnd in den Emptern befindlich/ zwar in allem jhre vorige Ehre vnd Genieß jedoch biß daß jhre Stellen entweder durch den Todt oder die Abtrettung erlediget werden/ behalten/ vnd entweder zu Hause verbleiben/ oder wann sie zu weilen dem Rath beywohnen wollen/ sich keiner Stimme anzumassen haben.
[Art. V,8 IPO ← § 47 IPM] Es sol aber kein Theil die Macht seiner Religion Beygethanen: zu Vnterdrückung der andern mißbrauchen/ noch ein grössere Anzahl zu der Stadt=Pflegere Rathsherren vnd andere Empter zu machen sich vnternehmen/ sondern was/ zu welchen Zeiten auch welcherley massen hierinne solte vnd würde angefangen vnd versuchet werden/ alles ohne Kräfften und Würden seyn/ zu welchem Ende nicht allein diese Verordnung Jährlich/ wann von Erwehlung newer Rathsherren vnd anderer Beampten an der abgestorbenen Stell gehandelt wird/ öffentlich vorgelesen werden: sondern auch die Wahl des Catholischen Stadt=Pflegers/ vnd anderer Catholischer geheimbter vnd jüngerer Raths=Verwandten/ Vorstehere/ Syndicorum/ Richtern vnd Beampten nun vnd hinfüro bey denen Catholischen: der Augspurg. Confession zugethanen aber bey ihren Mitverwandten stehen/ vnd einem abgeleibten Catholischen ein anderer Catholischer/ imgleichen einem Augspurg. Confession zugethanen ein anderer von seinen Mit=Verwandten nachgesetzet werden sol.
[Art. V,9 IPO ← § 47 IPM] Die mehrere Stimmen aber sollen in Sachen/ die Religion mit vmbschweiff oder stracks weges betreffend/ in keinerley Wege beobachtet werden/ noch den Bürgern der Augsp. Confession daselbst mehr als denen Chur=Fürsten vnd Ständen derselben Confession in dem Röm. Reich verhinderlich seyn: Dafern aber die Catholische in diesen/ oder allen andern Sachen sich der mehrern Stimmen zun Nachtheil der Augs. Confession Verwandten mißbrauchen würden/ solle diesen vorbehalten seyn/ Krafft dieser Handlung zu Einführung der Vmbwechslung des fünfften Herrn des geheimbten Raths vnd andern rechtmessigen Mitteln sich zu beruffen.
[Art. V,10 IPO ← § 47 IPM] Jm übrigen sol der Religions=Friede/ ingleichen die Ordnung Keyser Carls von der Wahl der Obrigkeit/ nicht weniger auch die Anno 1[5]84. vnd 1591. auffgerichtete Handlungen (so weit sie dieser Verordnung mit vmbschweiff oder stracks weges nicht entgegen) in allen bey vnverbrüchlichen Kräfften verbleiben.
[Art. V,11 IPO ← § 47 IPM] Zu Dünckelspiel/ Bieberach vnd Ravenspurg sollen zween Bürgermeister/ einer der Catholischen/ der ander der Augspurgischen Confession/ vnd die vier des innern Rathsverwandte in gleicher Anzahl von beyder Religion seyn. Ebenmässige Gleichheit sol in dem Rath/ Stadtgericht/ Geld Ampt vnd allen andern Emptern vnd Würden gehalten werden. Belangend aber das StadtRichterAmpt/ Syndicat vnd die Secretarien des Raths vnd Gerichts/ wie auch andere dergleichen Empter/ welche einer Person allein auffgetragen werden/ sol damit eine ewige Vmbwechselung geschehen/ solcher gestalt/ daß einem abgestorbenen Catholischen jedesmahl ein Augspurgischer Confessions=Verwandter vnd hinwiederumb einem solchen ein Catholischer nachfolgen sol. So viel die Art der Wahl/ die mehrere Stimmen/ wie auch die Pflege der Kirchen vnd Schulen vnd jährliche Vorlesung dieser Verordnung betrifft/ sol gleichmässiges als von Augspurg gesagt/ in achtgenommen werden.
[Art. V,12 IPO ← § 47 IPM] Anreichend die Stadt Donowerth/ dafern auff nechstkünfftigen Reichstag derselben Wiedereinsetzung in ihre vorige Freyheit von den Sta$nden des Reichs wird erkandt werden/ sol sie mit andern freyen ReichsStädten/ krafft dieser Handlung gleiches Rechts in Geist= vnd Weltlichen Sachen zu geniessen haben/ jedoch denen jenigen/ so auff diese Stadt Ansprach haben/ ihre Rechte vnbenommen.
[Art. V,13 IPO ← § 47 IPM] Es sol aber der Ziel des 1624. Jahrs/ den jenigen [vn]nachtheilig seyn/ die nach Jnhalt der Vergessenheit/ oder anders woher wieder einzusetzen seyn.
[Art. V,14 IPO ← § 47 IPM] 3. Vnmittelbahre Geistliche Güter belangend/ sie seyn Ertz= oder Bisthumbe/ Prælaturen/ Abdeyen/ Empter/ Probsteyen/ Commenden/ freye Weltliche Stifftungen/ oder andere/ zusampt den Renten/ Zinsen/ vnd andern Einkommen/ wie sie Nahmen haben mögen/ in Städten oder auff dem Lande belegen/ was deren Catholische/ oder Augspurgischer Confessions=Verwandte Stände am 1. Januar. Anno 1624. besessen/ solches alles vnd jedes nichts außgeschlossen/ sollen deroselben Religions=Verwandte/ so damahln in wircklichen Besitz gewesen/ biß durch Gottes Gnaden der Zwist der Religionen wird beygelegt werden/ ruhig vnd vngehindert besitzen/ vnd kein Theil dem andern in= oder ausserhalb Gerichts zu belästigen/ viel weniger zu bevnruhigen oder einige Hindernisse zuzufügen erlaubet seyn. Wenn aber/ das Gott verhüten wolle/ kein gütlicher Vergleich in deren ReligionsStreitigkeiten könte getroffen werden/ sol nichts desto weniger dieser Vertrag ewig seyn/ vnd ein immerwärender Friede verbleiben.
[Art. V,15 IPO ← § 47 IPM] So derowegen ein Catholischer Ertz=Bischoff[/] Prælat/ oder ein Augspurgischer Confessions Verwandter zum Ertz[=] Bischoff/ Prælaten erwehlt= oder Postulirter/ allein/ oder mit seinen Capitularen allen oder etzlichen/ oder auch andere Geistliche hinfüro die Religion verendern würden/ sollen sie zwar alsobald ihres Rechtens/ jedoch an Ehr vnd Nahmen vnverletzt/ verlustig seyn/ ihre Genieß vnd Einkommen ohne Verzug vnd Einrede abtreten/ vnd dem Capitul/ oder dem es zu recht gebühret/ frey stehen/ eine andere Person der Religion/ welcher solch Beneficium in Krafft dieser Handlung zustehet/ zu erwehlen oder zu fordern/ jedoch sollen dem abtretenden Ertz= Bischoff/ Prælaten die biß dahin genossene vnd verzehrte Früchte vnd Hebungen gelassen werden.
Wann solchem nach die Catholische/ oder Augspurgischer Confession=Verwandte Stände jhrer vnmittelbahren Ertz=Stiffter/ Beneficien vnd Præben[d]en seit[h] dem 1. Januar. Anno 1624. Gerichtlich oder ausserhalb Gerichts entsetzet oder einiges Weges darinnen vervnruhiget worden/ sollen sie Krafft dieses alsobalden so wol in Welt= als Geistlichen wieder eingesetzet/ und alle Newerungen abgethan werden/ solcher massen/ daß alle vnmittelbahre Geistliche Güter so am 1. Januar. 1624. vnter einem Catholischen Häupt gewesen/ dasselbe wiederumb bekommen/ vnd ebener Gestalt/ welcher am besagtem Tag vnd Jahr der Augspurgischen Confession=Verwandte besessen/ dieselbe auch hinfüro behalten sollen/ jedoch mit Nachlassung der [i]nmittelst genossenen Früchten/ erlittenen Schäden vnd gethanen Kosten/ die ein Theil gegen dem andern vorwenden könte.
[Art. V,16 IPO ← § 47 IPM] 4. Bey allen Ertz=Bistthumben/ Bistthumben/ vnd andern vnmittelbahren Stifftungen bleiben die Gerechtigkeiten zu wehlen vnd zu fordern/ nach jedes Ort alten Gewohnheiten vnd Satzungen/ in vngeendertem Stand/ so weit dieselbe denen Reichs=Abscheiden/ dem Passawischen Vertrag/ ReligionsFrieden/ vnd bevorab dieser gegenwertigen Erläuterung vnd Vergleichung gemäß seyn/ vnd in Ansehen der denen Augspurgischen Confessions=Verwandten verbleibenden Ertz=Bistthüme nicht in sich begreiffen so erstgedachter Confession zuwider seyn mag; Jnmassen auch in den Stifften vnd Kirchen/ in welchen denen Catholischen vnd Augspurgischen Confession=Verwandten gemengte Rechte zugelassen werden/ denen alten Satzungen nichts newes sol beygefüget werden/ wodurch der Catholischen oder Augspurgischen Confession=Verwandten Gewissen vnd Sache jedes theils könte verletzt/ oder jhre Gerechtigkeiten geschmälert werden.
[Art. V,17 IPO ← § 47 IPM] Die Erwehlte vnd Geforderte aber sollen in jhren Huldigungen geloben/ daß sie die angetretene Fürstenthumbe/ Würden vnd Beneficien nicht erblich besitzen/ noch erblich zu machen trachten wollen: sondern so wol die Wahl vnd Forderung/ als die Verwaltung vnd Vbung der Bischöfflichen Gerechtigkeit/ dem Capitul vnd denen solches zusampt dem Capitul/ dem herkommen nach zustehet/ frey verbleiben vnd dahin gesehen werden solle/ daß Adeliche/ Patricii/ graduirte vnd andere geschickte Personen/ woselbst es den Stifftungen nicht zugegen/ keines wegs außgeschlossen/ sondern vielmehr darbey erhalten werden.
[Art. V,18 IPO ← § 47 IPM] 5. Wo Keys. Maj. das Recht der hohen Vorbitt geübt/ sollen sie es auch hinfüro üben/ wann nur bey Absterben eines Augspurgischen Confessions=Verwandten in den Bistthumben selbiger Religion ein solches nach außweist [!]/ der Ordnung vnd des Herkommens/ der tauglich ist/ derselben Vorbitt geniessen: Da aber die Bistthumb oder andere vnmittelbahre Orter/ von beyden Religionen vermischet sind/ sol der jenige/ so auff solche hohe Vorbitt sich anmeldet/ deren nicht geniessen/ es hette dann seyn Religions=Verwandter die ledige Stell besessen.
[Art. V,19 IPO ← § 47 IPM] Würden auch wegen der Annaten/ Gerechtigkeit des Pallij/ Confirmationen/ Päbstlichen Monaten/ vnd dergleichen Berechtigungen vnd Vorbehalt auff der Augs. Confession=Verwandten Ständen vnmittelbare Geistliche Güter/ von wem/ zu <wel>cher Zeit/ vnd welcherley Art es geschehen möge/ etwas vorgewendet werden/ dasselbe sol Krafftloß vnd ohne Execution vnd Hülffe des Weltlichen Arms seyn vnd bleiben.
[Art. V,20 IPO ← § 47 IPM] Jn welcher vnmittelbahrer Geistlicher Güter Capitulen/ beyder Religion zugethane Capitulares oder Dumbherren Krafft obgemelten Ziels sich finden/ die sollen in gewisser Anzahl zugelassen werden/ vnd wo die Päbstliche Monaten zu der Zeit im Brauch gewesen/ sollen sie fürters/ wann die abgehende Capitularn oder Dumbherren/ aus der bestimpten Zahl der Catholischen gewesen/ auch bleiben/ vnd zu der Execution auff begebenden Fall kommen/ wenn nur die Päbstliche Vorsehung den Capitulen vnmittelbahr aus dem Römischen Hoff vnd zu rechtmässiger Zeit angegeben wird.
[Art. V,21 IPO ← § 47 IPM] 6. Den zu Ertz Bischoff oder Prælaten erwehlten oder erforderten Augsp. Confession/ sollen von Keys. Maj. nachdem sie innerhalb Jahrs jhrer Erwehlung vnd Forderung erweißliche Anzeig gethan/ vnd die gewöhnliche Lehens=Eyde geleistet/ die Belehnung ohne einige Widerrede ertheilet/ sie über den gewöhnlichen Taxt noch die Helffte desselben/ für die Belehnung erlegen:
Jmgleichen dieselbe/ oder wenn der Stuel ledig ist/ die Capitula/ vnd welchen mit dieser gesampter Hand die Verwaltung gebühret/ zu allen so wol allgemeinen/ als absonderlichen Deputations= Visitations[=] Revis[i]ons[=] unnd andern Reichs=Versamlungen/ durch gewöhnliche Außschreiben beruffen werden/ vnd ihre Stimme haben/ allermassen wie vor entstandenem Religionsstreit jeder Stand ist berechtiget gewesen. Was für Personen aber/ vnd wie viel deren zu solchen Versamlungen abzusenden/ haben sich die Bischoff/ vnd Vorstehere mit den Capitulen vnd Conventualen zu vergleichen:
[Art. V,22 IPO ← § 47 IPM] Wegen den Titel der Geistlichen Fürsten aus denen Augs. Confessions=Verwandten ist verabschiedet/ daß selbige/ wie wol ohne Nachtheil des Stands vnd Würden sollen tituliret werden: Erwehlte oder Postulirte zu ErtzBischoff Abt und Pröbsten. Jhren Sitz aber sollen sie auff einer überzwerg gesetzten Banck zwischen denen Geist= vnd Weltlichen Ständen nehmen/ welchen in Versamblungen aller dreyen Reichs=Collegien der Chur=Mäyntzische Cantzley Director/ als in Nahmen des Herrn ErtzBischoffen die GeneralVerrichtung der allgemeinen Reichshändel führende/ vnd nach diesem die Directores des Fürstl. Collegii/ zur Seiten sitzen sollen: Gleichmässiges sol auch in dem Collegialiter versamleten FürstenRath von desselben Collegii Directoribus allein gehalten werden.
[Art. V,23 IPO ← § 47 IPM] 7. Wie viel Capitulares oder Dumherren am 1. Januarii 1624 aller Orten entweder Augsp. Confession oder Catholisch gewesen/ so viel sollen daselbst von beyden Religionen jederzeit verbleiben/ vnd denen abgehenden keine andere/ als derselben Religion/ welcher der abgehende gewesen/ eingesetzet werden: So aber jrgends anjtzo der Capitularen oder Dumbherren einer oder der andern Religion/ eine mehrere Anzahl/ als An. 1624. sich befindet/ sollen zwar dieselbe/ so über der gesetzten Zahl seyn/ die Præben[d]en jhr Lebenlang behalten/ nach begebendem Absterben aber denen Catholischen die Augspurgischen Confessions=Verwandte/ vnd diesen jene so lange nachfolgen/ biß von beyden Religion Capitularen vnd Dumbherren die am 1. Januarii Anno 1624. gewesene Zahl wiederumb wird ergäntzet seyn.
Die Vbung der Religion aber in denen gemengten Stifftern sol also wieder eingesetzet werden/ vnd verbleiben/ wo selbst/ vnd welcher massen es Anno 1624. in öffentlichen Schwange gewesen vnd verstattet w[o]rden/ darumb auch den Angesetzten allen entweder mit der Wahl oder mit dem vorstellen/ oder sonsten gar keinen [Ein]trag sol geschehen.
[Art. V,24 IPO ← § 47 IPM] 8. Welche Ertz= Bistthümbe/ oder andere Stifftungen/ auch Geistliche mittelbahre oder vnmittelbahre Güter/ der Kön. Maj. vnd dem Königreich Schweden zur Vergnügung oder gleichgüldiger Erstattung vnd Schadloßhaltung jhrer Bundsgenossen/ Freunde/ Mitbegriffenen/ sind eingeraumt/ die sollen bey jhren absonderlichen Verträgen/ drunten bey dem Punct der Vergnügung etwas ausführlich begriffen/ in allem gelassen werden. Jn allen denen aber/ welche darunter nicht begriffen werden/ vnd vnter diesem/ was drunten im 16. §. die PfarrGerechtigkeit/ etc. sollen den Satzungen des Reichs vnd dieser Handlung vnterthan bleiben.
[Art. V,25 IPO ← § 47 IPM] 9. Alle Clöster/ Collegia/ Baliveyen/ Commenden/ Kirchen/ Fundationes/ Schulen/ Hospitalien/ vnd andere mittelbahre Geistliche Gütere/ wie auch deren Hebungen vnd Gerechtigkeiten/ wie sie immer Nahmen haben mögen/ der Augsp. Confession zugethane ChurFürsten vnd Stände am 1. Januarii 1624. besessen/ dieselbe alle vnd jede sie haben gleich zu jeden Zeiten ingehabt/ oder durch Wiedergebung wieder bekommen/ oder welche ihnen nach Krafft dieser Handlung müssen wiedergeben werden/ sollen sie besitzen biß durch gütlichen Vergleich der Partheyen die Religions=Streitigkeiten auffgehoben werden/ vngehindert der Einwendungen/ daß sie vor oder nach dem Passawischen Vertrag oder Religions=Frieden reformiret vnd eingenommen/ oder dieselben zum Gebieth der Stände Augsp. Confession nicht gehören/ oder davon befreyet/ oder andern Ständen wegen Rechtens zum Suffragan/ Diacon/ oder sonsten einigerley Weiß verbunden seyn solten.
Der einige vnd alleinige Grund dieses Vertrags/ Wiedergebung/ vnd künfftiger Haltung sol seyn der auff den ersten Tag Januarii des Jahrs 1624. gehabter Besitz/ mit gäntzlicher Vernichtung alles Einwendens/ welches von irgend eingeführten Jnterims=Vbung/ oder vorher oder nach ergangenen/ Verträgen/ allgemeinen oder absonderlichen Abschieden/ oder erregten Streitigkeit/ gefällten Vrtheilen/ oder auch Decreten/ Befehlen/ Rescripten/ Paritorien/ Verschreibungen/ schwebenden Streit/ oder einigen andern Vorwand vnd Beweiß könte genommen werden.
Wo derowegen von allen obgemelten Gütern/ vnd darzu gehörigen Früchten/ denen Ständen Augsp. Confession/ durch einige Wege vnd Schein: Gerichtlich oder ausser Gerichts/ seith obgedachter Zeit/ etwas entzogen vnd abgenommen worden/ sol dasselbe durchaus ohne Vorzug vnd Vnterscheid (vnd darunter absonderlich auch die Clöster/ Stifftungen vnd Geistliche Güter/ alle vnd jede/ so der Hertzog von Würtenberg Anno 1624. in Besitz gehabt/ mit allen Früchten/ Hebungen vnd Zugehörungen/ sie seyn gelegen/ wo sie wollen/ zusampt allen entwandten Vrkundten/ in vorigen Stand wiederumb gesetzt: Auch der Augsp. Confession=Verwandte hinfüro in jhren gehabten vnd wieder erlangten Besitz in keinerley Wege gejrriget werden/ sondern vor aller Verfolgung des Rechtens vnd der That stetwärend gesichert sey[n]/ biß die ReligionsVneinigkeiten werden beygeleget seyn.
[Art. V,26 IPO ← § 47 IPM] Jmgleichen sollen auch die Catholische alle mittelbahre Clöster/ Stifftungen vnd Brüderschafften/ deren würcklichen Besitz sie am 1. Jan. 1624 gehabt/ ferner besitzen/ ob schon dieselbe in Augspurgischer Confession Ständen Herrschafft vnd Gebieten gelegen/ jedoch sollen sie zu keinem andern Geistlichen Orden/ als auff deren Regul sie Anfangs gestifftet/ verwandelt werden/ es were dann solcher Geistlicher Orden gäntzlich abgangen/ welches Falls der Catholischen Obrigkeit frey stehen sol/ aus einem andern in Teutschland vor entstandener ReligionsZwist gebräuchlichen Orden/ newe OrdensBrüder einzusetzen.
Jn welchen mittelbahren Stifftungen/ Collegial=Kirchen/ Clöstern/ Hospitalien/ so Catholische/ als der Augsp. Confessions=Verwandte bey einander gelebet/ sollen auch hinfüro beysammen in solcher Zahl/ wie am 1. Januar 1624. daselbst befunden/ gelassen werden/ auch die offentliche Vbung der Religion/ wie es jedes Orts am besagtem Jahr vnd Tag üblich gewesen/ ohne eines oder des andern Theils Hinderniß verbleiben.
Jn welchen mittelbahren Stifftungen auch Keyserl. Majest. die hohe Vorbitt gehabt/ sollen sie dieselbe ferner gebrauchen/ auff Art vnd Weiß/ als oben bey den vnmittelbahren erkläret ist; Ebener Gestalt sol es auch mit den Päpstlichen Monaten/ wie oben von denselben im fünfften Articul erörtert gehalten werden. Auch sollen die Ertz=Bischoffe/ vnd welchen andere solche Gerechtigkeit gebühret/ die Beneficien der ExtraordinariMonaten verleihen.
Wann auch der Augspurgischen Confession=Verwandte solchen mittelbahren/ vnd von den Catholischen in gemeldten Jahr vnd Tag gantz oder zum Theil besessenen Geistlichen Gütern das Recht der Vorstellung/ Besuchung/ Auffsicht/ Bestettigung/ Verbesserung des Schirms/ Eröffnung/ Ablagen/ Hand=Frohn vnd andere Dienste gehabt/ auch Pfarrherren vnd Vorstehere daselbst vnterhalten/ sollen ihnen diese Gerechtigkeiten vngekräncket verbleiben:
Vnd so die Wahlen in gebührender Zeit oder Weiß nicht geschehen/ sol die Außgeb[=] vnd Wiederbesetzung der erledigten Præben[d]en auff selbiger Religion=Verwandte/ welcher der Abgestorbene gewesen/ aus heimgefallenen Recht an dieselbe verfallen/ jedoch aber hierdurch in solchen mittelbahren Geistlichen Gütern dem Gebrauch Catholischer Religion nichts vorgegriffen/ vnd der Catholischen Geistlichen Obrigkeit jhre Nach Einsetzung des Ordens in die Ordens=Leute gebührende Rechte vnverletzt gelassen werden: Denen auch vngeachtet die Wahlen oder Ersetzung der erledigten Præben[d]en in behöriger Zeit nicht geschehen/ das heimgefallene Recht vnabbrüchig verbleiben sol.
Die Reichs=Pfandschafften betreffend/ demnach in Keyserl. Capitulation versehen/ daß ein erwehlter Römischer Keyser denen Chur=Fürsten vnd andern vnmittelbahren Ständen des Reichs dergleichen Pfandschafften bekräfftigen, vnd sie in deren Ruhsam= vnd Friedlichen Besitz schützen vnd handhaben sol: Als ist beliebet/ daß es darbey biß zu der Chur=Fürsten vnd Stände anderweitiger Verordnung verbleiben sol. Diesem nach der Stadt Lindaw/ wie auch Weissenburg im Nordgaw/ die jhnen auff erlegte Haupt=Summen entzogene Reichs=Pfandschaften/ fordersampst vnd vollkömmlich sollen wiedergeben werden:
[Art. V,27 IPO ← § 47 IPM] Welche Güter aber ein ReichsStand dem andern über MenschenGedencken verpfändlich verknüpfft/ sol die Wiedereinlösung derselben nicht eher statt finden/ es sey dann/ daß des Besitzers Vorbehalt/ vnd Hauptsächliche Nothdurfft zur Gnüge eingenommen vnd überleget w[o]rden:
Hette auch jemand dergleichen Güter bey währendem Krieg oder ohne vorhergehend Erkändnüß der Sach/ oder ohne Wiedererstattung des Hauptgelds eingenommen/ sollen dieselbe zusampt den Vrkunden vnverzüglich oder vollkömlich denen vorigen Besitzern wiederumb zugestellet werden: Vnd dafern ein ergangenes Vrtheil der Außlösung verstattet/ welches in gerichtlich entscheidene Sach erwachsen/ auch auff bezahlten PfandSchilling die Wiedergebung erfolget were/ sol zwar bey dem Richtigen Herren oder Eigeners freyen Willkühr stehen/ in solchem verpfände[te]n/ oder wiederumb zu ihm gekehrten Orten seiner Religion offentliche Vbung einzuführen/ die Einwohner vnd Vnterthanen aber wegzuziehen/ oder jhre vnter dem vorigen Jnhaber sothaner verpfändeter Orten gehabte Religion zu verlassen nicht gezwungen: Sondern wegen öffentlicher Vbung jhrer Religion zwischen jhnen/ vnd dem wieder einlösenden Eigener ein Vergleich getroffen werden.
[Art. V,28 IPO ← § 47 IPM] Die freye vnmittelbahre Ritterschafft des Reichs/ wie auch alle vnd jede deroselben Gliedmassen/ zusampt ihren Vnterthanen vnd Gütern/ so wol Lehen/ als Erblichen (es sey dann/ daß sie an etlicher Oertern wegen der Güter vnd des Landes oder ihres Haußwesens/ andern Ständen vnterworffen sey/) sollen Krafft des Religion=Frieders vnd dieses gegenwertigen Vertrags/ in Sachen vnd Gerechtigkeiten die Religion betreffend/ oder daraus herrührenden Beneficiis/ gleiches Rechtens/ als obgedachten Chur=Fürsten vnd Ständen zustehet/ geniessen/ vnd darinnen vnter keiner Vorwand beeinträchtiget oder beunruhiget werden: were es aber geschehen/ sol ein jeglicher gäntzlich in vorigen Stand wieder gesetzet werden.
[Art. V,29 IPO ← § 47 IPM] 11. Die freye Reichs=Städte/ wie sie alle vnd jede/ nicht allein in dem Religions=Friede vnd desselben gegenwertiger Erklärung/ sondern auch sonsten überall vnter dem Nahmen der Reichs=Stände begriffen: Also sollen vnter denenselben die jenige/ in welchen Anno 1624 nur eine Religion üblich gewesen/ so wol wegen der Reformations=Gerechtigkeit/ als anderer Religions=Fälle/ nicht weniger auff ihren Land=Gebiethen/ und in Ansehung ihrer Vnterthanen/ als inner ihren Mawren und Vor=Städten/ mit denen andern höhern Ständen des Reichs gleiches Recht haben. Solchem nach/ was von diesem ins gemein verordnet und beliebet/ auch von denen Reichs=Städten sol verstanden werden/ vnangesehen in den jenigen Städten/ in welchen keine andere Vbung/ als der Augspurgischen Confession von Rath vnd der Bürgerschafft nach ihres Orts Gerechtigkeit vnd Satzungen Anno 1624 eingeführet/ etliche Catholische Bürger verblieben/ oder auch in etlichen daselbst gelegenen vnmittel= oder mittelbahren Capituln/ Collegial=Kirchen/ Clöstern vnd Conventen/ welche in dem Stand/ darinn sie den 1. Januar. 1624. gewesen/ noch ferrner mit der innerhalb besagtes Ziels nicht eingeführten Geistligkeit vnd damals daselbst befundenen Catholischen Bürgern/ activè vnd passivè allerdings sollen gelassen werden/ die Vbung Catholischer Religion were getrieben worden:
Für allem aber sollen diejenige Reichs=Städte/ welche einer oder beyderley Religionen verwandt/ vnd vnter diesen letztern insonderheit Augspurg/ Dünckelspiel/ Biberach/ Ravenspurg vnd Kauffbeuern/ seith 1624 der Religion der vor/ oder nach dem Passawischen Vertrag vnd darauff erfolgtem Religions=Frieden eingenommenen vnd reformirten Geistlichen Güter halber/ oder sonsten in Ansehen auff die Religion/ auff einige Wege in Weltlichen Sachen gerichtlich oder ausserhalb Gerichts beschweret worden/ in dem Stand/ darinnen sie den 1. Januar. 1624. beydes in Geistlich<e>n/ als Weltlichen Sachen gewesen/ nicht weniger/ als die andere höhere Stände des Reichs/ vollkömlichst wiederumb gesetzet/ vnd darinnen ohne fernere Beeinträchtigung/ gleich dem/ was sie damahln annoch besessen/ oder inzwischen wiederumb zu ihrem Besitz gebracht/ biß zu gütlichem Vergleich der Religionen/ geschützet/ und keinen Theil verstattet werden/ den andern in seiner Religion öffentlichem Gebrauch der Kirchen/ Ceremonien zu hindern oder davon zu stossen: sondern sollen die Bürgere fried= vnd freündlich beysammen wohnen/ vnd zu beyden Theilen den freyen Gebrauch ihrer Religion vnd Güter haben/ mit Abschaffung deren im andern und neundten Articulen erzehlten Außflüchten/ als gefälten Vrtheilen/ vnd Vergleichungen der streitigen Sachen/ jedoch das jenige/ was oben in dem andern Articul von Augspurg/ Dünckelspiel/ Biberach vnd Ravenspurg/ deren Weltlichen Sachen betreffend/ verordnet ist/ bey solcher Verordnung wol verbleiben sol.
[Art. V,30 IPO ← § 47 IPM] 12. So viel dann Graffen/ Freyherren/ von Adel/ Lehen=Leute/ Städte/ Geistliche Stifftungen/ Clöster/ Commenden/ Gemeine vnd Vnterthanen/ so denen vnmittelbahren/ so Geist= als Weltlichen Reichs=Ständen vnterwürffig/ betrifft/ weiln solchen vnmittelbahren Ständen mit der Lands=Obrigkeitlichen Hoheit/ aus gemeinen durchs gantze Reich bißhero hergebrachten Gebrauch/ auch das Recht die Religion zu endern zustehet/ auch vorlengst in den Religions=Friede solcher Stände Vnterthanen/ als sie mit des Lands Oberherrschafft nicht einerley Religion/ das Beneficium außzuziehen vergönnet/ da benebenst zu Erhaltung mehrer Einigkeit zwischen den Ständen versehen/ daß niemand eines andern Stands Vnterthanen zu seiner Religion ziehen/ oder solcher Vrsach halber in Schutz vnd Schirm nehmen/ noch denenselben einigen Vorschub leisten solle: Als ist beliebet/ daß solches ferner von beyderley Religion=Ständen gehalten werden/ vnd keinem vnmittelbahren Stand in seinem Recht/ so ihm in Religions Sachen Krafft Lands.Obrigkeitlicher=Gerechtigkeit zustehet/ Verhinderung geschehen sol noch möge.
[Art. V,31 IPO ← § 47 IPM] Dieses doch vngehindert/ sollen Catholischer Stände Landsassen/ LehnLeute vnd Vnterthanen/ wes Standes sie seyn/ so Anno 1624. zu welcher Zeit des Jahrs es gewesen/ entweder Krafft gewisser Verträge vnd Freyheiten/ oder durch lange Vbung/ auch nur das zusehen allein die Vbung der Augspurgischen Confession offentlich oder auch heimlich gehabt/ solches auch hinfüro/ zusampt was deme anhängig/ vnd soweit sie es in gedachtem Jahr in Vbung gehabt/ oder solche Vbung erweißlich ist/ behalten. Vnd seyn solche der ReligionsVbung anhängige Sachen: die Bestellung der Consistorial Gerichte: der Kirchen vnd Schuldienste: das Jus patronatus, vnd dergleichen wie nicht weniger sie in Besitz aller damals in ihrer Gewalt gehabter Kirchen/ Stifftungen/ Clöster/ Hospitalien zusampt allen Renten/ Zufällen vnd Zugehörungen/ verbleiben sollen.
Dieses alles sol zu allen Zeiten vnd Orten so lang in guter Obacht gehalten werden/ biß über der Christlichen Religion entweder durchgehendes vnd ins gemein/ oder zwischen denen vnmittelbahren Ständen vnd deren Vnterthanen mit e[in]helliger Bewilligung ein anders verglichen wird. Es sol auch niemand von dem andern auff einige Weiß oder Wege geirret;
[Art. V,32 IPO ← § 47 IPM] Die Vergewaltigte aber ohne einige Gegenrede/ in den Zustand/ in welchem sie 1624. gewesen/ vollkömlich wieder eingesetzet werden.
Gleichmässiges sol auch denen Catholischen Vnterthanen/ vnter Augspurgischer Confessions Herrschaft gesessen/ vnd woselbst sie in mehrgemeltem 1624. Jahr/ die Vbung Catholischer Religion öffentlich oder heimblich gehabt/ gültig seyn.
[Art. V,33 IPO ← § 47 IPM] Belangend aber die Bedingungen/ Verträge/ Vergleiche/ oder Vergönnungen/ welch zwischen solchen vnmittelbahren ReichsStänden/ vnd obbesagten ihren LandStänden vnd Vnterthanen von Einführ= Verstatt= und Erhaltung des öffentlichen oder heimlichen Gebrauchs der Religion hiebevorn eingegangen/ gemacht vnd gegeben/ sollen dieselbe weiter von keinen Kräfften noch würden seyn/ als so fern sie der Obacht mehrgedachtes 1624. Jahrs nicht zu wider lauffen/ auch davon anders nicht/ als durch beyder Theilen Verwilligung/ zu weichen erlaubt seyn/ wie dann alle eröffnete Vrtheil/ Reversalen/ Verträge/ so erstangeregter Brauch des 1624. Jahrs/ als welche für ein Richtschnur zu achten/ zugegen seyn/ vnd vnter denselben benantlich das jenige/ was der Bischoff zu Hildesheimb/ vnd die Hertzogen zu Braunschweig=Lüneburg/ der Religion halber der Stände vnd Vnterthanen im Stifft Hildesheim Anno 1643. mit gewissen Verträgen verglichen/ von Vnwürde/ todt vnd krafftloß seyn sollen.
Es werden aber von besagtem Ziel die neun im Stifft Hildesheim gelegene Clöster/ welche die Hertzogen von Braunschweig im obgesetzten Jahr auff gewisse maaß abgetretten/ außgenommen/ vnd denen Catholischen vorbehalten.
[Art. V,34 IPO ← § 47 IPM] Ferner ist beliebt/ daß der Catholischen Stände Vnterthanen Augs. Confession/ imgleichen dieser Confession Verwandten Stände Catholische Vnterthanen/ so zu keiner Zeit des 1624. Jahrs weder öffentlichen/ noch den heimlichen Gebrauch ihrer Religion gehabt/ wie auch/ welche hinfüro zu künfftigen Zeiten nach dem getroffenen Friede eine andere Religion als ihre Lands=Obrigkeit/ haben vnd annehmen werden/ bescheidentlich gedüldet/ vnd mit freyen Gewissen in ihren Häusern/ ihrer eygenen Andacht ohne Befahrung der Nachforschung/ oder Zerstörung/ abzuwarten; in der Nachbarschafft aber/ wo/ vnd so offt sie wollen/ der öffentlichen ReligionsVbung beyzuwohnen/ ihre Kinder auff andere ihrer ReligionSchulen zuverschicken/ oder daheim durch eigene Lehrmeister vnterweisen zu lassen/ nicht verhindert werden sollen; Jedoch sollen dergleichen Landsassen/ Lehn=Leute vnd Vnterthanen im übrigen ihres Ampts vnd Pflicht in schuldigem Gehorsam vnd Vnterthänigkeit geleben vnd zu keinen Empörungen Anlaß geben.
[Art. V,35 IPO ← § 47 IPM] Es seyn aber die Vnterthanen Catholischer/ oder der Augspurgischen Religion beygethan/ sollen sie keines Orts der Religion halber verächtlich gehalten/ noch von Gemeinschafft der Kauffleute/ Handwercker/ oder Zünffte/ Erbfällen/ Vermächtnüssen/ Hospitalien/ Kranckenhäusern/ Allmosen vnd andern Gerechtigkeiten vnd Handthierungen/ vielweniger von öffentlichen Kirchhöfen/ vnd Ehr[li]chen Begräbnüssen verstossen/ noch der Begräbnüß halber von denen nachgelassenen/ über die gewöhnliche einer jeder Pfarrkirche zustehende Gebühr/ etwas abgefodert werden/ sondern in diesen vnd dergleichen Dingen/ nebenst andern MittBürgern/ gleiches Rechtens/ Gerechtigkeit vnd Schutzes zugeniessen haben.
[Art. V,36 IPO ← § 47 IPM] Dafern aber ein Vnterthan/ so 1624. weder die öffentliche/ noch heimliche Vbung seiner Religion gehabt/ oder auch nach eröffneten Friede die Religion verändert hat/ eygnes Beliebens außziehen wolte/ oder dessen von dem LandsHerrn befehlicht würde/ sol ihm frey stehen/ bey dem Abzug seine Güter zu behalten/ oder zu vereussern/ die behaltene durch Bediente zuverwalten/ vnd so offt es die Nothdurfft erfordert/ zu deren Auffsicht vnd Verfolgung seiner streitigen Sachen/ oder Einforderung der Schulden/ frey vngehindert/ ohne Paßbrieffe dahin zu kommen.
[Art. V,37 IPO ← § 47 IPM] Es ist auch verglichen/ daß von denen Lands/ Oberherren den jenigen Vnterthanen/ welche in obgemeltem Jahr weder die öffentliche noch heimliche Vbung ihrer Religion gehabt/ vnd zu Zeit begebender Eröffnung dieser gegenwärtigen Friedens=Handlunge/ in denen Landen der unmittelbaren Stände von einer/ oder der andern Religion/ wonhafftig erfunden werden/ wie auch denen/ so zu entweichung der Kriegs=Beschwerden/ jedoch ohne Meynung sich anderweitigs gäntzlich niederzusetzen/ anders wohin sich begeben/ auff geschlossenem Friede wieder anheimb kehren wollen/ vnd nicht weniger als 5. Jahr; denen aber/ so nach außgeblasenem Fride die Religion verändern/ nicht minder/ als drey Jahr (es sey dann/ daß sie eine längere Frist werden erhalten können) zum Abzug gegeben werden soll/
vnd sollen weder den freywillig/ noch auß zwang abziehenden/ ihre Geburts= Freyheit= Freylassungs LehrBrieffen vnd Zeugnissen ehrliches Verhaltens verweigert; noch daselbst mit vngewöhnlicher reversen, oder Zehenden jhrer abführenden Haab/ über Billigkeit/ beschweret werden/ vielweniger den freywillig abziehenden vnter der Leibeygenschafft oder andern Schein einige Hinderung geschehen.
[Art. V,38 IPO ← § 47 IPM] 13. Die Schlesische Augspurgische Confessions=Verwandte Fürsten/ als die Hertzogen in Brieg/ Liegnitz/ Münsterberg vnd Oelß/ imgleichen die Stadt Breßlaw/ sollen bey freyem Gebrauch ihrer vor dem Krieg erhaltener Rechten vnd Freyheiten wie auch dem auß Keyserl. vnd Königl. Gnade verstattete Vbung der Augspurgischen Confession gehandhabet werden.
[Art. V,39 IPO ← § 47 IPM] Belangend aber die Graffen/ Freyherren/ von Adel vnd deren Vnterthanen in denen übrigen Schlesischen Fürstenthumben/ so zu der Königl. Cammer vnmittelbahr gehörig/ ingleichen die jetziger Zeit in Vnter Oeste[rr]eich wonhaffte Graffen/ Freyherrn vnd von Adel/ ob wol Keyserl. Majest. weniger nicht als andern Königen vnd Fürsten das Recht die Religion zu reformiren zustehet/ verwilligen sie jedoch/ nicht zwar auß einigem Vertrag/ nach Jnhalt des obgesetzten vers. "Belangend aber die Bedingungen etc." Sondern auff Jhrer K. M. in Schweden Vnterhandlung vnd zu gnädiger Willfahrung der Augsp. Confession Stände beschehene Vorbitt/ daß solche Grafen/ Freyherrn vnd von Adel/ vnd derselben in obgedachten Hertzogthumben in Schlesien Vnterthanen/ wegen Bekäntnüß Augspurgischer Confession/ zu verlassung ihrer Wohnung vnd Güter/ oder zum Abzug nicht sollen gedrungen/ noch jhnen verbotten werden/ gemelter ihrer Religion Vbung an benachbarten Orten/ ausserhalb Lands/ zubesuchen/ wann sie nur im übrigen ruhig vnnd friedlich lebenn/ vnnd sich dergestalt erweisen/ als gegen jren höchsten LandsFürst sich geziemet vnnd gebüret. Wann sie aber eygnes Willens abzuziehen gedächten/ vnd ihre vnbewegliche Gütere weder verkauffen wolten/ noch füglich könten/ soll jhnen, so offt es ihnen beliebet/ zu beobacht= vnd Anordnung jhrer Sachen/ freyes Reisen gegönnet seyn.
[Art. V,40 IPO ← § 47 IPM] Vber das aber, was oben von besagten Schlesischen Hertzogthumben/ so vnmittelbahr zur Königl. Cammer gehörig/ beliebt ist/ geloben Jhre Keyserl. Majest. noch ferner/ daß sie denen/ so in denselben Hertzogthumben der Augspurg. Confession beygethan seyn/ zu der Vbung dieser Confession drey Kirchen/ so bald sie darumb anlangen werden/ verstatten wolten/ welche sie auf ihre eygne Vnkosten/ ausserhalb den Städten Schweinitz/ Jawer vnd Großglogaw/ nechst den Mawren/ an hierzu bequemen/ vnd durch Keyserl. Majest. Befehl anweisenden Orten/ nach geschlossenem Fried/ zubawen haben werden.
[Art. V,41 IPO ← § 47 IPM] Demnach auch bey gegenwertigen Handlungen von Verstattung mehrer Religions Freyheit vnd Vbung in obgedachten/ vnd denen übrigen Reichen vnd Landschafften Jhrer Keyserl. Majest. vnd des Hauses Oesterreich/ unterschiedliche Handlung gepflogen; wegen der Keys. Herrn Gevollmächtigten Gegenrede aber kein Vergleich hat mögen getroffen werden: Als vorbehalten ihnen die Königl. Majest. in Schweden vnd der Augspurgischen Confession=Verwandte Stände/ auff nechstkünftiger Reichs=Versambl[un]g/ oder sonsten/ bey Jhrer Keyserl. Majest. deßhalben noch ferner respectivè einzukommen/ vnd zu bitten.
[Art. V,42 IPO ← § 47 IPM] 14. Von blosser Lehens= oder Affterlehens Beschaffenheit/ sie rühren gleich vom Königreich Böhmen/ oder andern Chur=Fürsten vnd Ständen/ oder woher sie wollen/ hanget das Reformations Recht gantz nicht/ vnd sollen dieselbe Lehen vnd Affterlehen/ wie auch LehnLeute/ Vnterthanen vnd Geistliche Güter in Religions Sachen/ was auch der Lehens=Herr vorwendet/ eingeführet/ oder ihm angemasset haben mag/ nach dem Zustand des 1. Jan. 1624. zu jeden Zeiten geachtet; alle gerichtliche/ oder ausserhalb Gerichts beschehene Newerungen auffgehoben/ vnd in vorigen Zustand wiederumb gesetzet werden.
[Art. V,43 IPO ← § 47 IPM] Were auch die LandsOberherrligkeit vor oder nach dem Ziel des 1624. Jahrs streitig worden/ soll der Besitzer selbigen Jahrs gleiches Recht zugebrauchen haben/ biß die Sach über Besitz vnd Forderung zu Erkäntniß vnd Entscheid wird gebracht seyn: Vnd zwar solches/ so viel die öffentliche Vbung betrifft; Die Vnterthanen aber sollen/ wegen immittels/ vnd bey hangender streitigen Lands=Oberherrligkeit veränderten Religion/ abzuziehen nicht gezwungen werden.
Jn denen Orten/ woselbst Catholische vnd Augspurg. Confession Stände die LandsOberherrligkeit zugleich haben/ soll es so wol mit der öffentlichen Vbung als andern Religions=Sachen bey dem Zustand/ wie es in dem obbesagten Jahr vnd Tag gewesen/ sein verbleiben haben.
[Art. V,44 IPO ← § 47 IPM] Die blosse Criminal Gerechtigkeit/ Centgericht/ das blosse Halßgericht/ vnd Hinterhaltung der Erbkästen/ Vögtey vnd Filialschafft sollen weder ins gesampt/ noch jedes absonderlich das Reformations Recht geben/ so derowegen vnter solchem Schein bißhero einige Reformation eingeschlichen/ oder durch Verträge eingeführet/ soll sie abgethan/ die Beschwerte wider eingesetzt/ vnd hinfüro jederman sich dessen gäntzlich enthalten.
[Art. V,45 IPO ← § 47 IPM] 15. Mit allen vnd jeden zu Geistlichen Gütern/ oder deren Besitzern angehörigen Zinß vnd Renten was Art sie seyn mögen/ soll es für allem bey der Gewonheit verbleiben wie in dem Religions=Frieden §. Dagegen sollen die Stände der Augspurg. Confession etc. Vnd §. alsdann auch den Ständen der alten Religion etc. geordnet ist.
[Art. V,46 IPO ← § 47 IPM] Die Renten/ Zinse/ Zehenden vnd Gülten aber/ welche/ vermöge ietztgedachtes ReligionFrie[d]ens/ denen Ständen Augsp. Confession/ auß Catholischer Stände Ländern/ wegen vnmittel= oder mittelbahrer/ vor oder nach dem Religions=Fried an sich gebrachte Geistliche Stifftungen gehören/ die sollen/ es habe sie am 1. Jan. des Jahrs 1624. besessen/ oder gleichsam erhaben wer da wol/ ohne einige Gegenrede entrichtet werden.
So auch jrgends Augspurg. Confession=Verwandte Stände an Catholischen Geistlichen Orten vnd Gütern/ sie seyn inner oder ausserhalb ihrer Bottmessigkeit gelegen/ Schutz vnd Schirms=Gerechtigkeit/ Oeffnungen/ Ablager/ Dienste/ oder andere Rechte/ durch rechtmässigen Gebrauch oder Vergünstigung hergebracht; Jngleichem/ so Catholischen Ständen dergleichen etwas an Augspurgischer Confession=Verwandter Stände Geistlichen ergebenen Gütern gebühret/ sollen beyde Theile gleichmässig ihre vorige Rechte behalten/ jedoch also/ damit durch sothanen Gebrauch der Gerechtigkeit das Einkommen Geistlicher Güter nicht zu viel beschweret/ noch gemindert werde.
[Art. V,47 IPO ← § 47 IPM] Auch sollen die Rente/ Zehende/ Zinsen vnd Gülten/ denen Ständen Augsp. Confession auß frembden Gebieten zuständig/ deren Stifftungen aber anjetzo verstöret vnd zerfallen/ denen jenigen/ so am 1. Jan. 1624. in dem Besitz oder gleichsam der Niessung gewesen/ bezahlet: Welche Stifftungen aber seith An. 1624. zerstöret/ oder ins künfftig zerfallen werden/ deren Gülten/ ob sie schon in einem andern Gebiet fällig/ dem Eygner solches zerfallenen Closters/ oder des Orts/ wo selbiges gelegen/ gereichet werden.
Welche Stifftungen am 1. Jan. 1624. die NovalZehenden oder Newbrüch in einem frembden Gebiet gehabt/ sollen dieselbe noch ferner/ jedoch ohne Erlangung einer newen Gerechtigkeit/ behalten. Vnter den übrigen Ständen vnd Vnterthanen des Reichs sollen solcher Zehende vnd Newbrüche halber/ die gemeine Rechte/ oder jedes Orts Gewonheit vnd Gebrauch/ oder die deßwegen beliebte vnd auffgerichtete Verträge/ gefolget werden.
[Art. V,48 IPO ← § 47 IPM] 16. Die PfarrGerechtigkeiten vnd gantze Geistliche Jurisdiction/ mit allen ihren Arten sol gegen die Augsp. Confess. zugethane Churfur$$rsten/ Stände/ (die freye Reichs=Ritterschafft mit eingeschlossen) vnd ihre Vnterthanen/ so wol zwischen Catholischen vnd Augsp. Confession Verwandte Ständen/ als diesen letztern allein/ biß zu Christlichem Vergleich der Religions=Streitigkeiten auffgehaben seyn/ vnd eines jeden Pfarrgerechtigkeit vnd Geistliche Jurisdiction innerhalb den Gräntzen seines Gebiets sich enthalten:
Gleichwol sollen zu Erhebung der Renten/ Zinsen/ Zehenden vnd Gülten in denen Ländern der Augsp. Confession=Verwandten Stände/ woselbst die Catholische Anno 16[2]4. die kundbahre Besitzung oder gleichsam der Geistlichen Jurisdiction gehabt/ sie derselben noch ferner gebrauchen/ jedoch bey Einforderung dieser Gülten/ etc. anders nicht/ als allererst nach der dritten Ankündigung der Catholischen/ zum Bann schreiten.
Der Catholischen Landsassen vnd Vnterthanen Augspurgischer Confession/ so Anno 1624. die Geistliche Jurisdiction erkandt haben/ sollen in denen Fällen/ welche die Augspurgische Confession keines wegs betreffen/ vnter erstbesagter Jurisdiction verbleiben/ wann nur durch Veranlassung des Handels ihnen nicht gegen mehr angeregte Confession/ oder ihr Gewissen aufferleget wird.
Gleiches Rechtens sollen auch Catholische Vnterthanen vnter Augsp. Confession=Verwandter=Obrigkeit zu geniessen haben/ vnd sol über diese/ welche 1624. die offentliche Vbung Catholischer Religion gehabt/ den Bischoffen die PfarrGerechtigkeit/ so fern sie es im besagten Jahr ruhig über dieselbe gehabt/ unbenommen verbleiben:
[Art. V,49 IPO ← § 47 IPM] Jn welchen ReichsStädten aber die beyden Religionen in Schwang/ sollen die Catholische Bischoffe gegen vnd über die Bürger Augspurg. Confession keine Gerechtigkeit haben/ vnd mit den Catholischen nach ihrem Recht vnd der Gewonheit des 1624. Jahrs handeln vnd verfahren.
[Art. V,50 IPO ← § 47 IPM] 17. Beyder Religion Obrigkeit sol ernst vnd scharffen Verbott thun/ daß niemand den Passawischen Vertrag/ ReligionsFrieden/ vnd insonderheit dieser Erklärung oder Vergleichung öffentlich oder heimlich mit predigen/ lehren/ disputiren/ schreiben/ rathgeben einiger Orten anzufechten/ zweiffelhafftig zu machen/ oder wiedrige Schlüsse daraus einzuführen sich gelüsten lassen. Was auch bißhero diesem zuwider außgegeben/ herfürgebracht vnd außgebreitet worden/ sol zernichtet/
vnd so dahero oder anderweits Zweiffel vorfiele/ oder aus Sachen den Religion=Frieden oder dieser Vergleichung betreffend/ entstünde/ darüber auff Reichs Tagen/ oder andern Reichs=Zusammenkünfften zwischen beyder Religion=Ständen nicht anders/ als gütlich gehandelt vnd geschlossen werden.
[Art. V,51 IPO ← § 47 IPM] 18. Auff öffentlichen Deputations=Tagen des Reichs/ sol der Stände Abgeordneten aus beyder Religion gleiche Anzahl seyn: Von den Personen oder Ständen des Reichs/ so beyzufügen/ beym nechstkünfftigen Reichstag geordnet werden. Auff solchen Versamlungen/ ingleichen auff allgemeine Reichtagen/ die Abordnung geschehe aus einen zweyen oder dreyen Reichs=Collegiis/ aus was Vrsach/ oder zu was End es jmmer müge/ sol die gleiche Anzahl von beyder Religion Ständen gehalten werden:
Jn sachen/ die durch extraordinari=Commissionen im Reich außzurichten seyn/ als dieselbe der Augsp. Confession Verwandte belangen/ sollen auch selber Confession zugethane allein verordnet/ deßgleichen vnter Catholischen allein Catholischen/ vnd vnter Catholischen/ vnd der Augsp. Confession Verwandten Stände zugleich aus beyderley Religionen in gleicher Anzahl die Commissarien ernant vnd bestellet werden. Es ist auch beliebet/ daß zwar die Commissarien ihre Handlungen mit Anfügung ihrer Stimmen erzehlen/ jedoch nichts Spruchs weiß erörtern sollen.
[Art. V,52 IPO ← § 47 IPM] 19. Jn Religions= vnd allen anderen Sachen/ darinnen die Stände als ein Corpus nicht betr<ach>tet werden können/ wann auch die Catholische vnd Augspurgische Confession Verwande Stände zweyerley Partheyen machen/ sollen die Streitigkeiten durch gütlichen Vergleich allein entschieden/ vnd die Vberstimmung nicht beobachtet werden.
Belangend aber die mehrere Stimmen in Handlung der Reichsstewren/ weil solches bey gegenwertiger Versamlung nicht hat können erlediget werden/ sol es biß zu nechsten Reichstag außgestellet seyn.
[Art. V,53 IPO ← § 47 IPM] 20. Demnach auch die aus diesem Krieg entstandenen Verenderung/ vnd anderer Vrsachen halber/ von Versetzung der Keyserlichen Cammergerichts an einem den gesampten Ständen des Reichs bequemren Orth/ wie auch von Darstellung in gleicher Anzahl von beyder Religion Richtere/ Præsidenten/ Assessoren vnd anderer Rechtsbedienten/ ingleichen von andern das Cammergericht betreffenden Stücken ein vnd anders Vorbringen geschehen/ so aber in gegenwertiger Versamlung/ wegen Wichtigkeit der Wercks/ nicht so vollkömlich kan entschieden werden: Als ist beliebet/ daß von diesem allen auff dem nechst anstellenden Reichstag Handlung vnd Vergleich gepflogen: Dann auch die auff dem Reichs=Deputations Tag in Franckfurt gehaltene Rathschläge von Reformation des Justitzwesens/ werckstellig gemacht/ vnd dafern noch einiger Mangel erschiene/ derselben ersetzet vnd verbessert werden solle.
Damit aber solcher Punct nicht auff gäntzlicher Vngewißheit verbleibe/ ist verglichen/ daß/ über den Cammer Richter/ vnd die vier Præsidenten/ (deren zween zwar von Keyserlicher Majestät allein von Augspurgischer Confession zu bestellen/) die Zahl der Cammer=Beysitzern ins gesampt biß auff 50. erhöhet werde/ der gestalt/ daß die Catholische mit denen zweyen Jhrer Keyserlichen Majestät Darstellung vorbehaltenen Beysitzern 26. die Augspurgischer Confession=Verwandten 24. Beysitzer darstellen mögen vnd sollen/ vnd aus jedem Kreyß/ in welchem beyde Religionen zugleich befindlich/ nicht allein zween Catholische/ sondern auch zween Augspurgischer Religion zugethane zu erwehlen vnd anzunehmen erlaubt sey/ die übrige Puncta/ des Cammergerichtes belangend/ eingangs erwehnter massen auff nechst begebenden Reichstag außstellende.
[Art. V,54 IPO ← § 47 IPM] Diesem nach die Kreise zu zeitlicher Darstellung newer Beysitzer dem Cammergericht/ anstatt der Abgestorbenen/ vnd nach Jnhalt der zu End beygefügten Verzeichnüß sollen vermahnet werden: die Catholische auch über der Vorstellungs=Ordnung zu seiner Zeit sich zu vereinbahren haben/ vnd Jhre Keyserliche Majestät verordnen werden/ daß nicht allein in besagten Cammergericht Geist= vnd Weltlichen Sachen/ sich zwischen Catholischen vnd Augspurgischer Confession Verwandten/ oder vnter diesen allein erhaltend/ oder auch wann bey ereigenden Streitigkeiten beyderseits Catholischer Partheyen ein dritter Zwischeneinkommender mehrgedachter Augspurgischer Confession seyn/ oder zu beyden streitenden widersprechenden Partheyen der dritte Mann Catholischer Religion kommen wird/ mit Zuziehung beyder Religions=Beysitzern in gleicher Anzahl erörtert vnd erkandt: sondern auch gleichmässiges im Keyserlichen Reichs=Hoffrath gehalten werden solle/ zu welchem End etzliche der Augspurgischen Confession=Verwandte Gelehrte vnd des heiligen Reichs Sachen erfahrne Männer aus den Kreisen/ wo die Augspurgische allein/ oder auch zugleich die Catholische Religion im Schwang/ daselbst zu bestellen/ vnd zwar in solcher Zahl/ das auff begebenen Fall die Gleichheit der entscheidenden Beysitzern von beyderley Religion möge vnd könne gehalten werden: Gleichmässiges sol auch wegen der Gleichheit der Beysitzer beobachtet werden/ so offt ein vnmittelbahrer Reichs=Stand Augsp. Confession von einem mittelbahren Catholischen/ oder ein vnmittelbahrer Catholischer von einem mittelbahren Augsp. Confession=Verwandten gerichtlich belange[t] wird.
[Art. V,55 IPO ← § 47 IPM] Den gerichtlichen Proceß betreffend/ sol die Cammergerichts=Ordnung auch im Keys. ReichsHoffrath in allem gehalten werden/ dabenebenst damit nicht die Partheyen daselbst aller auffschüblichen Hülffe beraubt seyn/ an statt der in der Cammer üblichen Vbersehung/ dem beschwerten Theil von einer im Reichs=Hoffrath gesprochenen Vrtheil an Keys. Majest. zu suppliciren erlaubt seyn/ da dann die Handlungen mit Zuziehung anderer der Sachen gewachsenen/ vnd keinen Theil beygethanen Räthen/ aus beyderley Religionen vnd in gleicher Anzahl/ die auch der Verfassung vnd Außspruch voriger Vrtheil nicht beygewohnt/ oder ja keine Anbringere oder Miterzehlende gewesen/ von newen übersehen werden sollen/ Jhrer Maj. auch vorbehältlich/ in höhern Sachen/ vnd darau Tumult oder Auffruhr im Reich zu besorgen/ auch etlicher von beyder Religion Herren Chur= vnd Fürsten Meynunge vnd Stimmen darüber einzuholen.
[Art. V,56 IPO ← § 47 IPM] Die Besuchung des Reichs=Hoffraths sol vom ChurFürsten zu Mäyntz so offt es die Nothdurfft erfordert/ angestellet werden/ auf Maaß vnd Weiß wie bey er [!] erstkünftigem Reichstag mit einhelliger Beliebung der Stände wird gut erachtet werden.
So aber über dem Verstand vnd Meynung des heiligen Reichs Satzungen vnd allgemeiner Abschieden Zweiffel entstehen/ oder aber in Entscheidung der zwischen obangeregten Partheyen schwebenden so Geist[=] als Weltlichen Sachen wegen Gleichheit der Beysitzere beyder Religionen/ nach derenselben auch in vollem Rath/ jedoch allezeit mit gleicher Anzahl der Richtere beschehner Erforschung/ widrige Stimmen fallen/ der Gestalt daß die Catholische die eine/ der Augspurgischen Confession zugethane aber die andere behäupten/ sollen dieselbe auff einem allgemeinen Reichs=Tag verschoben werden: Da aber zween oder mehr Catholische mit einem oder dem andern Confessions=Verwandten/ vnd hinwiederumb zween oder mehr Confessions=Verwandte mit einem oder dem andern Catholischen einer Meynung/ die übrige aber in gleicher Anzahl/ wiewol von vngleicher Religion/ der andern Meynung beyfällig seyn/ vnd dannehero Spaltung entstehet/ solches Falls sol die streitige Sach nach dem Jnhalt der Cammergerichts Ordnung entschieden werden/ vnd den ferneren Auffschub auff einen Reichstag keine statt haben. Vnd sol dieses alles in Sachen der Stände/ darunter die vnmittelbahre Reichs Ritterschafft mit begriffen/ sie seyn gleich Klägere oder Beklagte/ oder Zwischenkommende gehalten werden. Wann aber zwischen mittelbahren Kläger/ Beklagte/ oder der dritter Zwischenkommender Augsp. Confession zugethan seyn/ vnd gleiche Anzahl der Beysitzer aus beyderley Religion begehren wird/ sol ihnen damit willfahret werden: Bey alsdann ereigneter Gleichheit der Stimmen aber sol die Auffschiebung auff einen Reichstag unzulässig seyn/ vnd die Sach der Cammergerichts=Ordnung gemäß ihren Entscheid bekommen.
Jm übrigen sol den Ständen des Reichs/ die Freyheiten erster Gegenre[d]e der Außträge/ die Rechte vnd Freyheiten nicht zu appelliren/ nicht weniger in dem Reichs=Hoffrath/ als dem Cammergericht vngekräncket verbleiben/ noch durch Befehlen/ Commissionen/ Advocationen/ oder einigerley andere Wege Eintrag geschehen.
Endlich vnd zumahln auch von Auffhebung des Rothweilischen/ wie auch der Schwäbischen vnd anderer im Reich bißhero üblichen Landgerichten/ Anregung geschehen/ solches aber von höherer Wichtigkeit ist ermessen worden/ sol auch hievon die mehrere Berathschlagung biß zum nechsten ReichsTag außgestellet seyn.
[Art. V,57 IPO ← § 47 IPM] Die Beysitzer der Augspurgischen Confeßion=Verwandten.
Ordinarii Extraordinarii
Chur Sachsen.
Chur Brandenburg. Cräise 6
Chur Pfaltz.
OberSächsische 4
NiederSächsische 4 1. Wechsel weiß in beyde Cräisen.
Fränkische. 2
Schwäbische. 2
OberRheinische. 2 1. Wechsel weiß in diesen Cräisen.
Westphälische. 2
[Art. V,58 IPO ← § 47 IPM] Ob wol in dieser Verzeichnüß der im Bäyrischen Kräiß begriffenen Reichs=Stände Augspurgischer Confession nicht gedacht wird/ sol jedoch ihnen hiedurch nichts nachtheilig seyn/ sondern ihre Rechte/ Privilegia vnd Freyheiten vnverletzt verbleiben