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Timestamp: 2016-10-25 08:40:05
Document Index: 281904443

Matched Legal Cases: ['Art. 61', 'BGE', 'Art. 41', 'BGE', 'Art. 95', 'BGE', 'Art. 43', 'Art. 61', 'BGE', 'BGE', 'Art. 49', 'BGE', 'BGE']

9C_286/2014 (08.08.2014)
9C_286/2014 � � Urteil vom 8. August 2014
Beschwerde gegen den Entscheid des Verwaltungsgerichts des Kantons Zug vom 27. Februar 2014.
Mit Verf�gung vom 12. August 2013 verneinte die IV-Stelle Zug u.a. gest�tzt auf die orthop�disch-konsiliarische Stellungnahme des regionalen �rztlichen Dienstes (RAD) vom 6. Juni 2013 einen Anspruch des A.________ auf Leistungen der Invalidenversicherung.
Die Beschwerde des A.________ wies das Verwaltungsgericht des Kantons Zug, Sozialversicherungsrechtliche Kammer, mit Entscheid vom 27. Februar 2014 ab.
Mit Beschwerde in �ffentlich-rechtlichen Angelegenheiten beantragt A.________ zur Hauptsache, der Entscheid vom 27. Februar 2014 sei aufzuheben und die IV-Stelle sei zu verpflichten, ihm Leistungen nach Gesetz (Rente und Eingliederungsmassnahmen) zuzusprechen.
Die IV-Stelle ersucht um Abweisung der Beschwerde. Das Bundesamt f�r Sozialversicherungen hat sich nicht vernehmen lassen.
Der Beschwerdef�hrer r�gt haupts�chlich, das Abstellen der Vorinstanz auf die Beurteilung des RAD-Facharztes vom 6. Juni 2013 verletze den Untersuchungsgrundsatz (Art. 61 lit. c ATSG; BGE 125 V 193 E. 2 S. 195), was im Rahmen der ihm obliegenden R�ge- und Begr�ndungspflicht (Art. 41 Abs. 1 und 2 BGG; BGE 133 II 249 E. 1.4.1 S. 254) frei zu pr�fen ist (Art. 95 lit. a und 106 Abs. 1 BGG; Urteil 9C_ 684/2013 vom 29. Januar 2014 E. 2.2 mit Hinweisen). Demgegen�ber ist die vorinstanzliche Beweisw�rdigung nur unter dem Blickwinkel der Willk�r zu pr�fen. Diesbez�gliche R�gen m�ssen somit in der Beschwerde pr�zise vorgebracht und begr�ndet werden (BGE 137 II 353 E. 5.1 S. 356; Urteil 9C_887/2013 vom 4. Februar 2014 E. 4).
3.1.�Im Sozialversicherungsverfahren gilt der Untersuchungsgrundsatz. Der rechtserhebliche Sachverhalt ist von Amtes wegen unter Mitwirkung der Versicherten resp. der Parteien zu ermitteln, und zwar richtig und vollst�ndig (Art. 43 Abs. 1 ATSG und Art. 61 lit. c ATSG; BGE 136 V 376 E. 4.1.1 S. 377; 133 V 196 E. 1.4 S. 200). In diesem Sinne rechtserheblich sind alle Tatsachen, von deren Vorliegen es abh�ngt, ob �ber den streitigen Anspruch so oder anders zu entscheiden ist (Fritz Gygi, Bundesverwaltungsrechtspflege, 2. Aufl. 1983, S. 43 und 273; Urteil 9C_818/2013 vom 24. Februar 2014 E. 4.1.1 mit Hinweis).
3.2.�Einem �rztlichen Bericht kommt Beweiswert zu, wenn er f�r die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden ber�cksichtigt und in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, wenn die Beschreibung der medizinischen Situation und Zusammenh�nge einleuchtet und die Schlussfolgerungen des Arztes begr�ndet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1 S. 232). Der Arzt muss �ber die notwendigen fachlichen Qualifikationen verf�gen (Urteil 9C_736/2009 vom 26. Januar 2010 E. 2.1). Diesen Anforderungen gen�gende Berichte regionaler �rztlicher Dienste k�nnen einen vergleichbaren Beweiswert haben wie ein Gutachten (Art. 49 Abs. 2 IVV; BGE 137 V 210 E. 1.2.1 S. 219; 135 V 254 E. 3.3.2 S. 257).
Auch reine Aktengutachten k�nnen beweiskr�ftig sein, sofern ein l�ckenloser Befund vorliegt und es im Wesentlichen nur um die fach�rztliche Beurteilung eines an sich feststehenden medizinischen Sachverhalts geht, mithin die direkte �rztliche Befassung mit der versicherten Person in den Hintergrund r�ckt. Dies gilt grunds�tzlich auch in Bezug auf Berichte und Stellungnahmen regionaler �rztlicher Dienste (Urteil 9C_196/2014 vom 18. Juni 2014 E. 5.1.1 mit Hinweisen).
3.3.�Nach der Rechtsprechung ist es dem Sozialversicherungsgericht nicht verwehrt, einzig oder im Wesentlichen gest�tzt auf die (versicherungsinterne) Beurteilung des RAD zu entscheiden. In solchen F�llen sind an die Beweisw�rdigung jedoch strenge Anforderungen in dem Sinne zu stellen, dass bei auch nur geringen Zweifeln an der Zuverl�ssigkeit und Schl�ssigkeit der �rztlichen Feststellungen erg�nzende Abkl�rungen vorzunehmen sind (BGE 135 V 465; 122 V 157 E. 1d���S. 162; Urteile 8C_874/2013 vom 14. Februar 2014 E. 3.3 und 9C_8/ 2011 vom 21. Februar 2011 E. 4.1.3).
4.1.�Der RAD-Arzt Dr. med. B.________, Orthop�discher Chirurg und Traumatologe, auf dessen Stellungnahme vom 6. Juni 2013 Beschwerdegegnerin und Vorinstanz abgestellt haben, erachtete eine eigene Untersuchung nicht als erforderlich, da die medizinischen Eckdaten rheumatologisch-orthop�disch in Bezug auf Bildgebung und klinische Untersuchungsbefunde als differenziert und umfassend einzuordnen seien. Gemessen daran sei nach gutachterlich gebotenem Abzug der subjektiven Beschwerden keine massgebliche und dauerhafte Einschr�nkung der Arbeitsf�higkeit in der zuletzt ausge�bten T�tigkeit als kaufm�nnischer Angestellter ausgewiesen, zumal die subjektiven Schmerzangaben des Versicherten demnach entsprechend zu relativieren und den objektiven Befunden kritisch gegen�berzustellen seien. Das g�ngige ergonomische Profil in dieser begutachtungsrelevanten T�tigkeit k�nne bei entsprechender Arbeitsplatzanpassung, z.B. mit Stehpult, als weitgehend r�ckenadaptiert gewertet werden.
4.2.�Die Vorinstanz hat einl�sslich dargelegt, weshalb auf die Beurteilung des Facharztes des RAD vom 6. Juni 2013 abgestellt werden kann und die �brigen medizinischen Unterlagen, soweit sie davon abweichen, deren Beweiswert nicht entscheidend zu mindern verm�gen. Die Vorbringen des Beschwerdef�hrers kommen dagegen nicht an:
4.2.1.�Im Bericht des Zentrums f�r medizinische Radiologie, R�ntgeninstitut E.________ vom 20. August 2010 �ber das MRI der LWS nativ vom selben Tag wurde unter Beurteilung erw�hnt: "Chondrosis intervertebralis der unteren BWS. Osteochondrosen und Spondylarthrosen der Bewegungssegmente unterhalb L2. Nicht relevante Einengung des Spinalkanals und der Neuroforamina in H�he LS/3 und L3/4. Relevante Spinalkanalenge und neuroforaminale Engen L4/5 und L5/S1 bei jeweils medial betonter Bandscheibenhernie. V.a. Kompression der beidseitigen Wurzel L5 in H�he der Recessus laterales L4/5. Zus�tzlich V.a. Irritation der Wurzeln L4 bds. neuroforaminal in dieser H�he. V.a. Irritation der Wurzel S1 bds. bei Bandscheibenhernie L5/S1". Gest�tzt darauf ist die Vorinstanz im Sinne des RAD-Arztes vom Fehlen von klinischen Anzeichen einer chronischen oder akuten Nervenwurzelbeteiligung ausgegangen. Dieser tats�chliche Schluss kann entgegen den Vorbringen in der Beschwerde nicht als aktenwidrig bezeichnet werden, woran nichts �ndert, dass im Bericht vom 20. August 2010 unter Befund festgehalten wurde, es bestehe ein Verdacht auf Irritation der Wurzel S1 bds. und L4. Entscheidend f�r die Beurteilung der Arbeits (un) f�higkeit ist nicht in erster Linie die Diagnose, sondern die plausible medizinische Einsch�tzung der Auswirkungen des Leidens auf die Arbeitsf�higkeit einer versicherten Person. Nicht nur der RAD-Arzt Dr. med. B.________, sondern auch die rheumatologischen Fach�rzte Dr. med. C.________ und diejenigen der Klinik D.________ gehen von einer Arbeitsf�higkeit in angepassten Arbeiten aus. Im Einzelnen:
4.2.2.�Der behandelnde Rheumatologe Dr. med. C.________ erachtete in seinem Bericht vom 7. Januar 2013 aufgrund der klinischen und radiologischen Befunde eine leichte k�rperliche T�tigkeit mit der M�glichkeit zu Wechselbelastungen lediglich in reduziertem Umfang als zumutbar. Abgesehen davon, dass sein Bericht rudiment�r und wenig begr�ndet ausf�llt, gab Dr. med. C.________ im gleichen Bericht an, der Beschwerdef�hrer sei bei wechselbelastenden T�tigkeiten nicht eingeschr�nkt. Im Austrittsbericht der Klinik D.________ vom 9. Dezember 2010 wurde ein Verdeutlichungsverhalten mit demonstrativen Schmerz�usserungen bei mehrheitlich (3 von 5) positiven Waddell-Zeichen erw�hnt. Die �rzte der Klinik attestierten dem Beschwerdef�hrer f�r die Zeit des Klinikaufenthaltes eine Arbeitsunf�higkeit und f�gten an: "unserseits wurde aus rheumatologischer Sicht keine weitere Arbeitsunf�higkeit best�tigt."
4.2.3.�Der Versicherte war vom behandelnden Rheumatologen Dr. med. C.________ im Oktober 2012 dem Neurochirurgen Dr. med. F.________ �berwiesen worden mit der Frage, ob operative Massnahmen angezeigt seien. Dieser stellte in seinem Bericht vom 12. Oktober 2012 fest, es l�gen multisegmentale degenerative Ver�nderungen im Sinne von Osteochondrosen der Bandscheiben vor; die Ursachen der chronifizierten tieflumbalen Kreuzschmerzen liessen sich neuroradiologisch nicht eindeutig lokalisieren. Nach Auffassung der Vorinstanz lassen diese Aussagen den Entscheid des Facharztes, von einer Operation abzusehen, als "absolut verst�ndlich und nachvollziehbar" erscheinen. Dagegen wendet der Beschwerdef�hrer - an sich zu Recht - ein, dass Dr. med. F.________ auch festhielt, dass "ein punctum maximum (..) in den untersten Bewegungssegmenten erkennbar" sei. Von operativen Massnahmen riet er mit der Begr�ndung ab, Exstirpationen der medianen Diskushernie, welche zumindest f�r die Ischialgie symptomatisch sein d�rfte, w�rden nur wenig bringen. Eine Spondylodese m�sste wenn �berhaupt wahrscheinlich eher etwas langstreckig erfolgen, da praktisch alle Bandscheiben erheblich degeneriert seien, was entsprechend in der Folge zu deutlichen Restbeschwerden f�hren d�rfte. Die Erfolgschancen f�r eine Besserung durch operative Massnahmen k�nnten auf h�chstens 50 % gesch�tzt werden. Der Neurochirurg f�hrte weiter aus, die mediane Diskushernie "d�rfte" zumindest f�r die Ischialgie symptomatisch sein. Dr. med. F.________ �usserte sich indessen mit keinem Wort zur Arbeitsf�higkeit des Beschwerdef�hrers, die nach der gesamten medizinisch schl�ssigen Aktenlage f�r eine angepasste und leichte T�tigkeit, wie sie eine heutzutage �bliche ergonomisch optimierte B�roarbeit darstellt, nicht dauernd und erheblich eingeschr�nkt ist.
4.2.4.�Schliesslich ergeben sich aus den �rztlichen Berichten keine Anhaltspunkte daf�r, dass die Adipositas permagna zu gesundheitlichen Beeintr�chtigungen gef�hrt hat oder selber die Folge gesundheitlicher St�rungen ist. Lediglich unter diesen alternativen Voraussetzungen w�re jedoch eine allf�llige darauf zur�ckzuf�hrende Arbeitsunf�higkeit von Bedeutung (vgl. Urteil 9C_48/2009 vom 1. Oktober 2009 E. 2.3, in: SVR 2010 IV Nr. 8 S. 25).
4.3.�Nach dem Gesagten kann der Vorinstanz weder eine Verletzung des Untersuchungsgrundsatzes noch eine willk�rliche Beweisw�rdigung vorgeworfen werden. Die Beschwerde ist unbegr�ndet.
Dem Beschwerdef�hrer wird die unentgeltliche Rechtspflege gew�hrt und Rechtsanwalt Rainer Deecke wird als unentgeltlicher Rechtsbeistand bestellt.
Die Gerichtskosten von Fr. 800.-- werden dem Beschwerdef�hrer auferlegt, indes vorl�ufig auf die Gerichtskasse genommen.
Dem Rechtsvertreter des Beschwerdef�hrers wird f�r das bundesgerichtliche Verfahren aus der Gerichtskasse eine Entsch�digung von Fr. 2'800.-- ausgerichtet.
Luzern, 8. August 2014