Source: https://kaktus-ac.de/flexible-hilfen/konzept/
Timestamp: 2018-11-17 01:19:52
Document Index: 39408302

Matched Legal Cases: ['§ 27', '§ 30', '§ 31', '§ 35', '§ 35', '§ 41', '§ 41', '§ 35', '§ 41', '§ 41']

Konzept – Kaktus e.V. Aachen
Kaktus e.V.
Konzept der Flexiblen Hilfen
1. Selbstverständnis und Leitideen
Grundhaltung der Flexiblen Hilfen ist ein humanistisches Menschenbild.
Jedes Kind hat das Recht auf eine geschützte Entwicklung seiner Persönlichkeit.
Rasante gesellschaftliche Entwicklungen erfordern enorme Anpassungsleistungen. Daraus resultierende komplexe, gesellschaftliche und individuelle Herausforderungen können von unseren Klienten häufig nicht mehr oder nur noch dysfunktional bewältigt werden. Vor dem Hintergrund ihrer biographischen Belastungen, Defizite und Ressourcen, unterstützen die
Flexiblen Hilfen die Entwicklungspotenziale der Klienten. In einem transparenten, wertschätzenden Prozess werden gemeinsam Lösungsstrategien und Hilfe zur Selbsthilfe nachhaltig aufgebaut.
2. Übergeordnete Ziele
Bei allen Formen der Jugend- und Familienhilfe ist das oberste Ziel die Sicherung des Kindeswohls.
Die Hinführung des Klienten zu einem eigenverantwortlichen Leben als gemeinschaftsfähige Persönlichkeit im Sinne des KJHG ist anzustreben. Die Fähigkeit des Klienten seine Persönlichkeit zu entwickeln und eigene Lebenskonzepte zu erarbeiten und zu gestalten, sind bei unseren Klienten häufig durch Entwicklungsstörungen, unzureichende Förderungen und Traumatisierungen eingeschränkt oder verschüttet. Die Stärkung von Selbsthilfepotenzialen, und die Aktivierung und Entfaltung eigener Ressourcen sollen dazu beitragen, familiäre Konflikte in Richtung lebbarer Perspektiven zu verändern. Innerhalb dieses Veränderungsprozesses soll die Kommunikationsfähigkeit verbessert, die Entwicklung eines tragfähigen, sozialen Netzes und der Aufbau gesundheitsfördernder Strukturen erfolgen.
Die Flexiblen Hilfen bieten folgende ambulante Hilfen nach dem § 27ff SGB VIII an:
a) Erziehungsbeistandschaft nach § 30 SGB VIII
b) Sozialpädagogische Familienhilfe nach § 31 SGB VIII
c) Intensive Sozialpädagogische Einzelbetreuung nach § 35 SGB VIII
d) Hilfe für seelisch behinderte Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene und/oder von seelischer Behinderung bedrohter Kinder, Jugendlicher und junger Volljähriger nach § 35a SGB VIII
e) Hilfen für junge Volljährige und Nachbetreuung nach § 41 SGB VIII
f) Hilfen für junge volljährige Flüchtlinge § 41 SGB VIII
g) Durchführung von Klärungsaufträgen
4. Zielgruppen und unsere spezifischen Angebote
a) Zielgruppe in der Arbeit der Erziehungsbeistandschaft
Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene, die in ihrem familiären System nur unzureichend unterstützt und gefördert werden können. In dieser Zielgruppe kann häufig eine präventiv ausgerichtete pädagogische Betreuung und Begleitung einen Verbleib im gewohnten Umfeld bewirken.
Entwicklung von Konfliktlösungsstrategien im Zusammenleben in der Familie
Entwicklung von Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten
Hilfe und Unterstützung in den Bereichen Schule und Ausbildung
Unterstützung bei der Entwicklung einer Ausbildungs- und Berufsperspektive
Unterstützung bei administrativen Angelegenheiten
Unterstützung in der Verselbständigung
Entwicklung einer gefestigten und selbstbestimmten Lebensführung
Beratung bei Beziehungskonflikten mit dem Freund/der Freundin
Verhütungs- und Schwangerschaftskonfliktberatung
b) Zielgruppen in der Sozialpädagogischen Familienhilfe
Kernfamilien, alleinerziehende Elternteile, Patchwork-Familien, Pflegefamilien, „erweiterte Familiensysteme“ wie z. B. Großeltern. Der Lebensmittelpunkt des Kindes/der Kinder ist in diesem Hilfeangebot entscheidend.
Ein grundsätzliches Merkmal dieser Zielgruppen ist die Überlastung der Eltern im Umgang mit zunehmend komplexeren Alltagsanforderungen im Zusammenleben mit ihren Kindern. Diesen sind sie nicht mehr oder nur noch unzureichend gewachsen.
In diesen Zielgruppen ist das Kindeswohl häufig nicht nur durch beeinträchtigende Lebensumstände wie z. B. beengte Wohnverhältnisse, Armut, Arbeitslosigkeit und Verschuldung der Erziehungsberechtigten belastet. Hohe Risikofaktoren wie z. B. psychische Erkrankungen der Eltern, häusliche Gewalt und Suchterkrankungen der Erziehungsberechtigten können das Kindeswohl massiv gefährden.
Sicherstellung der Grundversorgung der Kinder
Entlastung in der Alltagsbewältigung
Unterstützung in der Strukturierung der Haushaltsführung, um Verwahrlosung entgegenzuwirken; u. U. Einbindung externer Hilfsangebote
Entwicklung einer dem Kindeswohl fördernden Gestaltung des häuslichen Umfelds
Erhöhung und Stärkung der Erziehungskompetenz
Bearbeitung von Erziehungsfragen
Sensibilisierung der Erziehungsberechtigten im Hinblick auf die Wahrnehmung kindlicher Bedarfe und Bedürfnisse und dem Umgang damit
Begleitung und Beratung in der Sicherstellung einer kindgerechten Gesundheitsfürsorge
Erkennen von Beziehungsmustern und deren Auswirkungen auf die einzelnen Familienmitglieder
Trennungskonfliktberatung
Unterstützung in behördlichen und finanziellen Fragen
Unterstützung in der Beantragung von Leistungen
Begleitung zu Behörden wie Jobcenter, Kindergeldkasse, Wohnungsamt, Ausländeramt, Ä.
c) Zielgruppe in der Intensiven Sozialpädagogischen Einzelbetreuung
Jugendliche und junge Erwachsene, die in ihrer psychischen und/oder physischen Integrität schwerwiegend beeinträchtigt sind. Diese Zielgruppe hat in ihrer Lebensbiographie häufig Erfahrungen massiver Vernachlässigungen, schwerer Misshandlungen in Form körperlicher, psychischer und/oder sexueller Gewalt gemacht. Eine nicht rollen- und altersadäquate Verantwortungsübernahme für psychisch und/oder suchtkranke Eltern führen zusätzlich zu großen Belastungs- und Überforderungssituationen, die oft über Suchtmittelkonsum kompensiert wurden. Diese Zielgruppe hält sich häufig in Lebensumständen auf, die akut gefährdend und nachhaltig schädlich sind.
Den Jugendlichen/jungen Erwachsenen „dort abholen, wo er ist“
Aufbau einer tragfähigen Betreuungsbeziehung mit nachsozialisierenden Erfahrungen
Niedrigschwelliges, flexibles (zeitliches, örtliches und inhaltliches) Betreuungsangebot
Unterstützung und Begleitung in der Alltagsbewältigung
Motivationsarbeit zum Aufbau gesellschaftlicher Teilhabe
Stabilisierung und Stärkung des Selbstwertgefühls
Unterstützung bei der Impulskontrolle und Emotionsregulierung
Aufbau und Stärkung von Resilienzen
Einüben von Konfliktfähigkeit
Erhöhung der Frustrationstoleranzgrenze
Einüben von Durchhaltevermögen
Aufarbeitung von Beziehungsabbrüchen
Thematisierung und Bearbeitung von Drogenmissbrauch und Suchtproblemen
Erarbeitung von aktiven und konstruktiven Lebensbewältigungsstrategien
Gemeinsame Entwicklung einer Lebensperspektive
d) Zielgruppen in der Arbeit nach § 35a SGB VIII
Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene, die psychisch krank sind oder von psychischer Erkrankung bedroht sind. Häufig gibt es auch psychische Erkrankungen und andere schwere Belastungen in der Familie. Diese Zielgruppe kann in ihrem familiären Rahmen nicht adäquat unterstützt und gefördert werden. Sie wird oft über Stigmatisierungen in der Gesellschaft ausgegrenzt. Sie hat damit keinen/einen eingeschränkten Zugang zur gesellschaftlichen Teilhabe.
Entgegenwirken gesellschaftlicher Ausgrenzungen durch das Stigma der psychischen Erkrankung
Entwicklung einer konstruktiven, lebensbejahenden Lebensführung
Unterstützung in der Entwicklung einer Ausbildungs- und Berufsperspektive
e) Zielgruppe in der Hilfe nach § 41 SGB VIII: junge Erwachsene und Nachbetreuung
Unterstützung in der Umsetzung einer geplanten Ausbildungs- und Berufsperspektive
f) Zielgruppe junge volljährige Flüchtlinge i. V. m. § 41 SGB VIII
Sicherung eines Aufenthaltsortes
Sicherung des Aufenthaltsstatus
Unterstützung bei der Anbindung an Sprachkurse
Unterstützung bei der Integration und Verselbständigung
g) Zielgruppen im Rahmen eines Klärungsauftrages
Alle für einen Klärungsprozess relevante Personen/Personengruppen innerhalb und außerhalb eines Familiensystems. Klärungsaufträge werden vom Jugendamt z. B. dann eingerichtet, wenn sich im Rahmen einer bereits vorhandenen Hilfemaßnahme Fragen stellen, die nicht in dem schon laufenden Betreuungsprozess beantwortet werden können oder massive Unklarheiten im Vorfeld einer einzurichtenden Hilfe vorhanden sind. In der Regel geht es um Fragen des zukünftigen Lebensmittelpunktes des Kindes/der Kinder oder um die Einrichtung von Besuchskontakten des Kindes/der Kinder zu getrennt lebenden Elternteilen oder anderen Familienmitgliedern und deren zeitlichem Umfang. Klärungsaufträge sind zeitlich begrenzt. Sie umfassen in der Regel ein Zeitfenster von 6 – 12 Wochen.
Durchführung des Klärungsauftrages im Zweierteam
Klärung des zukünftigen Aufenthaltsortes des Kindes/der Kinder unter der Prämisse des Kindeswohls
Klärung von Besuchskontakten zwischen Kind und Elternteilen, u. a. unter dem Fokus: Wie viele Kontakte sind dem Kindeswohl zuträglich?
Erstellen eines umfangreichen Abschlussberichtes mit Empfehlungen zu einer weiteren Hilfeplanung
Die Flexiblen Hilfen verfügen über ein gut funktionierendes Netzwerk mit Kooperationspartnern aus den unterschiedlichsten Fachbereichen.
Diese Vernetzungsstrukturen können bei Bedarf in der Arbeit mit allen Zielgruppen genutzt werden. Eine multidisziplinäre Zusammenarbeit ermöglicht einen differenzierteren Blick auf das Klienten-System und beinhaltet kurze Informationswege. Eine effizientere Arbeit durch gemeinsame Absprachen und umfassendere (Risiko-)Einschätzungen können das Kindeswohl langfristig sichern.
Grundlage für eine effektive Netzwerkarbeit ist die Schweigepflichtentbindung der eingebundenen Institutionen gegenüber den Mitarbeitern der Flexiblen Hilfen.
6. Auftraggeber und Hilfeplanverfahren
Der Auftraggeber der Flexiblen Hilfen ist das Jugendamt Aachen und das Jugendamt der Städteregion Aachen. Privatpersonen können keine Aufträge an die Flexiblen Hilfen erteilen. Bei Hilfebedarf müssen Privatpersonen sich an das jeweilige Jugendamt wenden.
Die Entscheidung über Beginn, Art, Umfang und Finanzierung der zu gewährenden Hilfe obliegt grundsätzlich dem zuständigen Jugendamt.
Vertreter des Jugendamtes setzen sich bei einem konkreten Hilfebedarf mit einem Träger der Jugend- und Familienhilfe in Verbindung. In einem ersten Gespräch wird ermittelt, ob der Träger sowohl die fachliche Kompetenz als auch zeitliche Kapazität für die spezielle Anfrage zur Verfügung stellen kann.
In einem ersten gemeinsamen Hilfeplangespräch mit Klienten, Vertretern des Jugendamtes und Fachkräften des Trägers, wird die aktuelle Problemlage mit allen noch einmal ausführlich erörtert. Der aktuelle Hilfebedarf wird ermittelt und über die Konkretisierung gemeinsamer Aufträge und anzustrebender Ziele festgelegt. Regelmäßige Folge-Hilfeplangespräche finden in einem Turnus von 3 oder 6 Monaten, je nach Hilfeform, statt. Als Grundlage für jedes Hilfeplangespräch dient ein Bericht der zuständigen Fachkraft über den Verlauf der Hilfe. Dieser Bericht wird mit den jeweiligen Klienten erörtert und bei Bedarf Veränderungsvorschläge berücksichtigt. Die Hilfeplangespräche sollen dazu dienen, den Betreuungsverlauf kritisch zu hinterfragen und gemeinsam zu überprüfen, ob Aufträge und Ziele im Betreuungsverlauf umgesetzt werden konnten. In der Praxis zeigt sich häufig, dass sich Aufträge und Ziele im konkreten Betreuungsprozess verändern bzw. verändern müssen. Diesem muss in einer weiteren Hilfeplanung mit allen Beteiligten Rechnung getragen werden. Erfahrungsgemäß sind die Hilfen auf einen Zeitraum von 2 Jahren festgelegt. Bei Beendigung einer eingerichteten Hilfe findet immer ein Abschluss-Hilfeplangespräch mit allen Beteiligten statt. Grundlage hierfür ist ein ausführlicher Abschlussbericht der Fachkraft. Diesen hat die Fachkraft im Vorfeld mit den jeweiligen Klienten besprochen.
7. Pädagogisches Personal
Das Team der Flexiblen Hilfen setzt sich aus sieben Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern zusammen. Die Arbeit der Flexiblen Hilfen wird von Diplom-Sozialarbeitern, Sozialarbeitern/Sozialpädagogen B. A., Diplom-Sozialpädagogen und Diplom-Pädagogen durchgeführt.
Die fachliche Qualität der Mitarbeiter der Flexiblen Hilfen wird kontinuierlich durch eine verbindliche Teilnahme an Fort- und Weiterbildungen, die den inhaltlichen Themen und Anforderungen der Arbeit einer Ambulanten Hilfe im Jugend- und Familienhilfebereich Rechnung trägt, gesichert. Die Anforderungen in der pädagogischen Arbeit im Rahmen der Flexiblen Hilfen unterliegen stets aktuellen gesellschaftlichen Veränderungsprozessen/Veränderungen. Sie bedürfen einer kontinuierlichen Verifizierung und Anpassung an neue pädagogische Bedarfe und Konzepte im Rahmen der Jugend- und Familienhilfearbeit.
Darüber hinaus sichern folgende Standards die Qualität der Arbeit der Flexiblen Hilfen:
Begleitete Umgänge: Begleitete Umgänge zwischen Kindern und Erziehungsberechtigten können in den Räumen der Flexiblen Hilfen oder außerhalb der Räumlichkeiten, z. B. auf Spielplätzen, stattfinden.
Betreuungen im Zweierteam: Auch in Urlaubs- und/oder Krankheitszeiten einer Fachkraft ist die Weiterführung der eingerichteten Hilfe durch eine vertraute Person, die den Hilfeprozess ebenfalls kontinuierlich begleitet, gewährleistet.
Freizeit- und Ferienfreizeitangebote und -Gestaltung
Zusammenarbeit mit unserer Jugendwohngruppe (Püngelerstraße 2a, 52074 Aachen)
Praktische Unterstützung durch unseren Hausmeister
Einrichtung von Verwaltungskonten im Rahmen der Verselbständigung Jugendlicher und junger Erwachsener (bei Bedarf)
In den mit dem Jugendamt vereinbarten Standards ist die Finanzierung einer eingerichteten Hilfe auf der Grundlage von erbrachten Fachleistungsstunden geregelt.
Kaktus Jugend- und Familienhilfeeinrichtungen e.V.
Püngelerstraße 2a
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Jugendwohngruppe / BEW
Telefon: 0241 – 87 48 11
Telefon: 0241 – 87 93 809
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