Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Gericht=VGH%20Baden-W%C3%BCrttemberg&Datum=14.06.1996&Aktenzeichen=13%20S%201400/96
Timestamp: 2019-07-19 17:45:01
Document Index: 121358542

Matched Legal Cases: ['§ 20', '§ 3', '§ 20', '§ 20', '§ 20', '§ 50', 'Art 4', 'Art 5', 'Art 7', 'Art 16', '§ 2', '§ 20', 'Art. 6', '§ 20', '§ 20', '§ 20', '§ 20', 'Art. 7', 'Art. 4', 'Art. 2', '§ 16', 'Art. 19', 'Art. 7', 'Art. 19', '§ 2']

VGH Baden-Württemberg, 14.06.1996 - 13 S 1400/96 - dejure.org
https://dejure.org/1996,2198
VGH Baden-Württemberg, 14.06.1996 - 13 S 1400/96 (https://dejure.org/1996,2198)
VGH Baden-Württemberg, Entscheidung vom 14.06.1996 - 13 S 1400/96 (https://dejure.org/1996,2198)
VGH Baden-Württemberg, Entscheidung vom 14. Juni 1996 - 13 S 1400/96 (https://dejure.org/1996,2198)
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(Rechtsschutzinteresse an der Aussetzung des Sofortvollzuges der zeitlichen Beschränkung eines genehmigungsfreien Aufenthaltes; Kindernachzug - Beurteilungszeitpunkt für das Vorliegen der Voraussetzungen des AuslG 1990 § 20 Abs 2 Nr 2; Bedeutung einer Sorgerechtsentscheidung - Sorgerechtsübertra
§ 3 Abs 5 AuslG 1990, § 20 Abs 2 Nr 1 AuslG 1990, § 20 Abs 2 Nr 2 AuslG 1990, § 20 Abs 3 S 1 AuslG 1990, § 50 Abs 1 S 2 AuslG 1990, Art 4 MSA, Art 5 MSA, Art 7 MSA, Art 16 MSA, § 2... Abs 2 Nr 2 AuslG1990DV
Rechtsschutzinteresse an der Aussetzung des Sofortvollzuges der zeitlichen Beschränkung eines genehmigungsfreien Aufenthaltes; Kindernachzug - Beurteilungszeitpunkt für das Vorliegen der Voraussetzungen des AuslG 1990 § 20 Abs 2 Nr 2; Bedeutung einer Sorgerechtsentscheidung - Sorgerechtsübertragung für nichteheliches Kind auf den im Bundesgebiet lebenden Vater
VG Stuttgart, 18.04.1996 - 5 K 4023/95
NJW 1997, 270
NVwZ 1997, 312 (Ls.)
Zwar ist der Senat in den Beschlüssen vom 8.5.1996 - 13 S 1037/96 - und vom 14.6.1996 - 13 S 1400/96 - davon ausgegangen, daß vor dem Grundrecht des Art. 6 Abs. 1 und 2 GG viel dafür spricht, daß § 20 Abs. 3 S. 1 AuslG dahin auszulegen ist, daß die Ausländerbehörde in aller Regel von dem Umstand, daß u.a. der andere Elternteil eine Aufenthaltserlaubnis oder Aufenthaltsberechtigung nicht besitzt, dann abzusehen hat, wenn nach Sachlage die Familieneinheit nur mit dem im Bundesgebiet mit Aufenthaltserlaubnis lebenden Ausländer hergestellt werden kann, der berechtigt und verpflichtet ist, über seine minderjährigen Kinder das Personensorgerecht auszuüben.
An seiner in den Beschlüssen vom 8.5.1996, a.a.O. und vom 14.6.1996, a.a.O. dargelegten Rechtsauffassung hält der Senat grundsätzlich fest.
Wie der Senat schon in seinem Beschluß vom 14.6.1996 - 13 S 1400/96 - ausgeführt hat, setzt die Erteilung einer Aufenthaltserlaubnis nach § 20 Abs. 2 Nr. 1 und 2 und Abs. 3 S. 1 AuslG voraus, daß der dahingehende Antrag vor Vollendung des 16. Lebensjahres gestellt oder der Ausländer vor diesem Zeitpunkt erlaubnisfrei eingereist ist.
Der Antragsteller hätte daher lediglich auf der Grundlage der den Anspruch nach § 20 Abs. 2 AuslG erweiternden Regelung des § 20 Abs. 3 S. 1 AuslG die Aufenthaltserlaubnis erhalten können, wenn gleichzeitig die nach Maßgabe der Beschlüsse des Senats vom 8.5.1996, a.a.O. und vom 14.6.1996, a.a.O. das Ermessen der Antragsgegnerin einschränkende Voraussetzung einer gerichtlichen Sorgerechtsübertragung von der geschiedenen Mutter auf den Vater im Zeitpunkt der Vollendung des 16. Lebensjahres gegeben gewesen wäre.
Dies gilt unabhängig von der Frage, ob die Sorgerechtsübertragung nach Art. 7 des Haager Übereinkommens über die Zuständigkeit der Behörden und das Recht auf dem Gebiet des Schutzes von Minderjährigen von den Behörden der Bundesrepublik anzuerkennen wäre, was allerdings fraglich sein könnte, da der Antragsteller im Zeitpunkt der Sorgerechtsübertragung seinen gewöhnlichen Aufenthalt bereits im Bundesgebiet hatte und diese Maßnahme deshalb nach Art. 4 Abs. 1 des Haager Übereinkommens über die Zuständigkeit der Behörden und das anzuwendende Recht auf dem Gebiet des Schutzes von Minderjährigen - was jedenfalls nicht nachgewiesen ist - eine vorherige Verständigung der Behörden der Bundesrepublik Deutschland (hier wohl des Jugendamtes - vgl. Art. 2 Abs. 2 des Gesetzes zum Haager Übereinkommen vom 30.4.1971 - BGBl. II S. 217) erfordert hätte (vgl. dazu auch den Beschluß des Senats vom 14.6.1996, a.a.O.).
So auch VGH Mannheim, Beschluß vom 14. Juni 1996 - 13 S 1400/96 -, a.a.O.
Entgegen der darin zum Ausdruck gelangten Rechtsauffassung ist bei der aufenthaltsrechtlichen Bewertung des Kindeswohls bei einem alleinerziehenden Elternteil maßgeblich auf den Besitz des Personensorgerechts abzustellen (VGH Baden-Württemberg, 14.06.1996 - 13 S 1400/96 -, a.a.O.;… Hess. VGH, 10.03.1993, a.a.O.), und eine im Ausland erfolgte Sorgerechtsübertragung ist nur dann im Inland als unwirksam außer Acht zu lassen, wenn sie offensichtlich gegen den deutschen ordre public verstößt (vgl. § 16a FGG;… VGH Baden-Württemberg, a.a.O.; betr. Adoption Hess. VGH, EZAR 103 Nr. 18 = DVBl. 1994, 64 = NJW-RR 1994, 391 = FamRZ 1994, 956 = HessVGRspr. 1994, 9; Hess. VGH, 20.02.1996 - 12 TG 4149/95 -, EZAR 024 Nr. 6 = InfAuslR 1996, 170).
Sorgerecht Hess. VGH, 11.08.1997 - 12 UE 3540/96 - m.w.N.; vgl. auch VGH Baden-Württemberg, 14.06.1996 - 13 S 1400/96 -, EZAR 024 Nr. 7 = NJW 1997, 270).
In einem solchen Fall mag die Entscheidung zwar inhaltlich zweifelhaft sein, darin läge aber noch kein Verstoß gegen den (deutschen) ordre public (vgl. auch BayVGH, Beschluss vom 3. Juni 1998 - 10 CS 98.1074 -, juris; VGH Mannheim, Beschluss vom 14. Juni 1996, NJW 1997, 270 - Übertragung des Sorgerechts aus wirtschaftlichen Erwägungen nicht unhaltbar).
Das Gericht verkennt dabei nicht, dass eine ausländische Sorgerechtsentscheidung grundsätzlich nur dann unbeachtet bleiben darf, wenn sie offensichtlich mit der öffentlichen Ordnung (ordre public) unvereinbar ist (vgl. VGH Mannheim, Beschluss vom 14. Juni 1996 - 13 S 1400/96 - NJW 1997, 270 m.w.N.; VGH Kassel, Beschluss vom 26. März 1998 - 6 TZ 4017/97- NVwZ-RR 1998, 777).
Einen gewöhnlichen Aufenthalt im Sinne des Minderjährigenschutzabkommens hat der Minderjährige dort, wo sich in zeitlicher und sozialer Hinsicht der tatsächliche Mittelpunkt seiner eigenen Lebensführung befindet (vgl. VGH Baden-Württemberg, Beschluss vom 14.6.1996, 13 S 1400/96, NJW 97, 270 bis 274 unter Hinweis auf Münchner Kommentar BGB, 2. Auflage, Band 7, Art. 19 Anh., RdNr. 23 ff.).
Bei der Prüfung, welchem Elternteil das Personensorgerecht zusteht, ist auch eine ausländische Sorgerechtsentscheidung zu beachten, die nach dem Haager Übereinkommen über die Zuständigkeit der Behörden und das anzuwendende Recht auf dem Gebiete des Schutzes von Minderjährigen vom 05.10.1961 (ZustG v. 30.04.1971, BGBl. II S. 217) - Minderjährigenschutzabkommen (MSA) -, dem die Türkei am 16.04.1984 beigetreten ist (vgl. BGBl. II 1984 S. 460), in der Bundesrepublik Deutschland anzuerkennen ist (vgl. Art. 7 Satz 1 MSA;… Münch.- Kom., BGB, 2. Aufl., Bd. 7 Art. 19 Anhang, RdNr. 297; VGH Bad.-Württ., Beschl. v. 14.06.1996, NJW 1997, 270 = EZAR 024 Nr. 7;… Beschl. v. 08.05.1996 - 13 S 1037/96 - Hess. VGH, Urt. v. 26.03.1998 - 6 PZ 4017/97 -, InfAuslR 1998, 438 = DVBl. 1998, 1033).
OVG Niedersachsen, 08.10.1997 - 11 M 3998/97
Familiennachzug;; Alterserfordernis; Aufenthaltserlaubnis; Einreise: Zeitpunkt; …
Denn für das Alterserfordernis beim Nachzug eines ledigen Kindes i.S. von § 2 Abs. 2 Nr. 2 DV AuslG in der bis zum 14. Januar 1997 geltenden Fassung ist der Zeitpunkt der Einreise maßgebend (vgl. Senatsbeschl. v. 27.6.1995 - 11 M 2477/95 - Hess.VGH, Urt. v. 17.2.1997 - 12 UE 4436/96 - VGH Bad.-Württ., Beschl. v. 14.6.1996, NJW 1997, 270 = EZAR 024 Nr. 7).