Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Text=2%20AZR%20295/61
Timestamp: 2020-01-28 07:26:59
Document Index: 334820621

Matched Legal Cases: ['§ 6', '§ 5', '§ 6', '§ 5', '§ 130', '§ 6', '§ 5', '§ 6', '§ 139', '§ 68', '§ 6', '§ 6', '§ 4', '§ 4', '§ 6', '§ 6', '§ 6', '§ 6', '§ 6', '§ 13', '§ 6', '§ 6', '§ 6', '§ 6', '§ 1', '§ 626', '§ 6', '§ 5', '§ 4', '§ 13', '§ 6', '§ 139', '§ 68', '§ 6', '§ 5', '§ 6', '§ 4', '§ 4', '§ 4', '§ 4', '§ 3', '§ 5', '§ 3', '§ 4', '§ 6', '§ 5']

BAG, 30.11.1961 - 2 AZR 295/61 - dejure.org
BAG, 30.11.1961 - 2 AZR 295/61
https://dejure.org/1961,167
BAG, 30.11.1961 - 2 AZR 295/61 (https://dejure.org/1961,167)
BAG, Entscheidung vom 30.11.1961 - 2 AZR 295/61 (https://dejure.org/1961,167)
BAG, Entscheidung vom 30. November 1961 - 2 AZR 295/61 (https://dejure.org/1961,167)
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Außerordentliche Kündigung - Lohnfortzahlung - Feststellungsantrag - Schluß der mündlichen Verhandlung - Berufungsverfahren - Zurückverweisung
LAG Düsseldorf, 15.02.1961 - 6 Sa 642/60
BAGE 12, 75
NJW 1962, 1587
MDR 1962, 430
DB 1962, 411
Der Anwendungsbereich des § 6 KSchG ist erst durch die Rechtsprechung im Wege einer Analogie auf Fälle ausgedehnt worden, in denen der Arbeitnehmer aus der Unwirksamkeit einer Kündigung Ansprüche hergeleitet und deswegen eine Leistungsklage erhoben hat (BAG 30. November 1961 - 2 AZR 295/61 - BAGE 12, 75 = AP KSchG § 5 Nr. 3, zu 3 der Gründe).
Mit Rücksicht auf den Wortlaut und den Zweck des § 6 KSchG soll das Berufungsgericht den Rechtsstreit wegen des Verfahrensmangels an das Arbeitsgericht zurückverweisen dürfen (BAG 30. November 1961 - 2 AZR 295/61 - BAGE 12, 75 = AP KSchG § 5 Nr. 3, zu 5 der Gründe; LAG Düsseldorf 25. März 1980 - 8 Sa 525/79 - DB 1980, 2527; LAG Frankfurt 31. Juli 1986 - 12 Sa 341/86 - LAGE BGB § 130 Nr. 5; LAG Köln 8. März 1988 - 4 Sa 1369/87 - LAGE KSchG § 6 Nr. 1).
(1) So hat es in einem älteren, noch zu § 5 KSchG in der Fassung vor der Umnummerierung durch das Kündigungsschutzgesetz 1969 ergangenen Urteil vom 30. November 1961 ausgeführt, das Landesarbeitsgericht habe die Sache an das Arbeitsgericht zurückzuverweisen (- 2 AZR 295/61 - zu 4 und 5 der Gründe, BAGE 12, 75) .
Welche Rechtsfolgen einer Verletzung der Hinweispflicht nach § 6 Satz 2 KSchG als Verfahrensfehler nach § 139 Abs. 2 ZPO durch das Arbeitsgericht zukommt, bedarf jedoch hier keiner Entscheidung; insbesondere kann offenbleiben, ob das Landesarbeitsgericht in einem derartigen Fall bei einer Geltendmachung sonstiger Unwirksamkeitsgründe in der Berufungsinstanz trotz des Zurückweisungsverbots des § 68 ArbGG das erstinstanzliche Urteil aufzuheben und die Sache zur erneuten Verhandlung und Entscheidung an das Arbeitsgericht zurückzuverweisen hat (so zu § 6 aF KSchG: Senat 30. November 1961 - 2 AZR 295/61 - BAGE 12, 75; zu § 6 nF KSchG: offen gelassen Senat 12. Mai 2005 - 2 AZR 426/04 - AP KSchG 1969 § 4 Nr. 53 = EzA KSchG § 4 nF Nr. 70;… ErfK-Kiel KSchG 7. Aufl. § 6 KSchG Rn. 7;… Stahlhacke/Preis/Vossen-Vossen Kündigung und Kündigungsschutz im Arbeitsverhältnis 9. Aufl. Rn. 1824;… Löwisch/Spinner KSchG 9. Aufl. § 6 Rn. 13) oder ob es - wofür einiges sprechen mag - zu einer eigenen Entscheidung befugt ist (…KR-Friedrich 7. Aufl. § 6 KSchG Rn. 38, von Hoyningen-Huene/Linck KSchG 14. Aufl. § 6 Rn. 15; Bayreuther ZfA 2005, 391; Bader NZA 2004, 65).
aa) Nach der Rechtsprechung des Bundesarbeitsgerichts ist § 6 KSchG entsprechend anzuwenden, wenn der Arbeitnehmer aus der Unwirksamkeit einer Kündigung folgende Lohnansprüche mit einer Leistungsklage geltend macht (30. November 1961 - 2 AZR 295/61 - BAGE 12, 75; 28. Juni 1973 - 2 AZR 378/72 - AP KSchG 1969 § 13 Nr. 2; 16. April 2003 - 7 AZR 119/02 -BAGE 106, 72;… KR-Friedrich 8. Aufl. § 6 KSchG Rn. 23a;… HWK/Pods/Quecke 2. Aufl. § 6 KSchG Rn. 6;… v. Hoyningen-Huene/Linck KSchG 14. Aufl. § 6 Rn. 5;… Stahlhacke/Preis/Vossen-Vossen Kündigung und Kündigungsschutz im Arbeitsverhältnis 9. Aufl. Rn. 1821;… AnwK-Dreher/Schmitz-Scholemann § 6 KSchG Rn. 10; Raab RdA 2004, 321, 329).
Daher ist auf Klagen, die die Unwirksamkeit einer ordentlichen oder außerordentlichen Kündigung wegen Sozialwidrigkeit nach § 1 KSchG oder Fehlens eines wichtigen Grundes gemäß § 626 Abs. 1 BGB voraussetzen, § 6 KSchG entsprechend anzuwenden (grundlegend: BAG, Urteil vom 30.11.1961 - 2 AZR 295/61 - AP Nr. 3 zu § 5 KSchG).
Dies ist dann der Fall, wenn die Lohnfortzahlung vom Arbeitnehmer für einen Zeitraum nach Ausspruch der außerordentlichen arbeitgeberseitigen Kündigung gegenüber dem Arbeitgeber gerichtlich innerhalb der Ausschlußfrist des § 4 KSchG begehrt worden ist (BAG, Urteil vom 30.11.1961 - 2 AZR 295/61 -, aaO; BAG, Urteil vom 28.06.1973 - 2 AZR 378/72 - AP Nr. 2 zu § 13 KSchG 1969).
43 cc) Welche Rechtsfolgen einer Verletzung der Hinweispflicht nach § 6 Satz 2 KSchG als Verfahrensfehler nach § 139 Abs. 2 ZPO durch das Arbeitsgericht zukommt, bedarf daher hier keiner Entscheidung; insbesondere kann offenbleiben, ob das Landesarbeitsgericht in einem derartigen Fall bei einer Geltendmachung sonstiger Unwirksamkeitsgründe in der Berufungsinstanz trotz des Zurückweisungsverbots des § 68 ArbGG das erstinstanzliche Urteil aufzuheben und die Sache zur erneuten Verhandlung und Entscheidung an das Arbeitsgericht zurückzuverweisen hat (so zu § 6 aF KSchG: BAG 30. November 1961 - 2 AZR 295/61 - AP Nr. 3 zu § 5 KSchG = NJW 1962, 1587; zu § 6 nF KSchG: offengelassen BAG 12. Mai 2005 - 2 AZR 426/04 - AP Nr. 53 zu § 4 KSchG 1969 = NZA 2005, 1259 = EzA KSchG § 4 nF Nr. 70, zu B II 1 der Gründe) oder ob es zu einer eigenen Entscheidung befugt ist (so wohl BAG 8. November 2007 - 2 AZR 314/06 - AP Nr. 63 zu § 4 KSchG 1969 = NZA 2008, 936 = EzA § 4 nF KSchG Nr. 81, zu B I 3 d cc der Gründe, im Ergebnis allerdings dort wiederum offengelassen).
Eine hieran orientierte weite Auslegung von Prozeßhandlungen findet jedoch dort ihre Grenzen, wo es darum geht, Rechtssicherheit und Rechtsklarheit zu bewahren (BAG Urteil vom 11. September 1956 - 3 AZR 163/54 - BAGE 3, 107, 108 f. = AP Nr. 8 zu § 3 KSchG; Urteil vom 30. November 1961 - 2 AZR 295/61 - BAGE 12, 75, 76 f. = AP Nr. 3 zu § 5 KSchG; Urteil vom 21. Dezember 1967 - 2 AZR 105/67 - AP Nr. 33 zu § 3 KSchG).
Eine Zurückverweisung wurde vom Senat z.B. ausnahmsweise dann als zulässig angesehen, wenn der Arbeitnehmer in erster Instanz nicht den nach § 4 Satz 1 KSchG erforderlichen Feststellungsantrag gestellt und das Arbeitsgericht einen Hinweis nach § 6 Satz 2 KSchG unterlassen hatte (BAGE 12, 75 = AP Nr. 3 zu § 5 KSchG).
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