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Timestamp: 2016-09-27 03:36:38
Document Index: 358757922

Matched Legal Cases: ['EuG', 'EuG', 'Art. 93', '§ 90', 'Art. 23', 'Art. 23', 'Art. 23', 'EuG', 'Art. 93']

Rechtslupe » Europarecht » Keine Verfassungsbeschwerde gegen den EuGH
Keine Verfassungsbeschwerde gegen den EuGH	16. August 2016 | EuroparechtGeschätzte Lesezeit: 3 Minuten	Maßnahmen von Organen, Einrichtungen und sonstigen Stellen der Europäischen Union sind keine Akte deutscher öffentlicher Gewalt im Sinne von Art. 93 Abs. 1 Nr. 4a GG, § 90 Abs. 1 BVerfGG und daher auch nicht unmittelbarer Beschwerdegegenstand im Verfahren der Verfassungsbeschwerde1.
Solche Maßnahmen können zwar – als Vorfrage – Gegenstand der Prüfung durch das Bundesverfassungsgericht sein, soweit sie die Grundrechtsberechtigten in Deutschland betreffen. Sie berühren die Gewährleistungen des Grundgesetzes und die Aufgaben des Bundesverfassungsgerichts, die den Grundrechtsschutz in Deutschland und insoweit nicht nur gegenüber deutschen Staatsorganen zum Gegenstand haben2. Eine solche Prüfungsbefugnis des Bundesverfassungsgerichts in Bezug auf Maßnahmen nichtdeutscher Hoheitsträger besteht aber nur insoweit, als diese Maßnahmen entweder Grundlage von Handlungen deutscher Staatsorgane sind3 oder aus der Integrationsverantwortung folgende Reaktionspflichten deutscher Verfassungsorgane auslösen4. Insofern prüft das Bundesverfassungsgericht mittelbar auch Maßnahmen von Organen, Einrichtungen und sonstigen Stellen der Europäischen Union daraufhin, ob sie durch das auf der Grundlage von Art. 23 Abs. 1 Satz 2 GG durch das Zustimmungsgesetz gebilligte Integrationsprogramm gedeckt sind oder gegen die der europäischen Integration durch das Grundgesetz sonst gezogenen Grenzen verstoßen5.
Nach diesen Maßstäben war die Verfassungsbeschwerde, die das Bundesverfassungsgericht hier nicht zur Entscheidung angenommen hat, unzulässig, weil ihr keine tauglichen Beschwerdegegenstände zugrunde lagen: Die Beschwerdeführerin griff eine Entscheidung der Europäischen Kommission und Urteile des Gerichts sowie des Gerichtshofs der Europäischen Union an. Damit wendet sie sich ausschließlich gegen Maßnahmen von Organen der Europäischen Union, die als solche mit der Verfassungsbeschwerde nicht angegriffen werden können.
Die Beschwerdeführerin rügt schließlich auch keine Verletzung der Integrationsverantwortung von Bundesregierung und Bundestag, die diese dazu verpflichten würde, das kartellrechtliche Bußgeldregime des Unionsrechts auf den Prüfstand zu stellen und sich aktiv mit der Frage auseinanderzusetzen, ob die Auslegung und Anwendung von Art. 23 der Verordnung (EG) Nr. 1/2003 durch die Organe der Europäischen Union die Verfassungsidentität des Grundgesetzes und die Grenzen des Integrationsprogramms wahrt, sowie eine positive Entscheidung darüber herbeizuführen, welche Wege zur Gewährleistung dieser Anforderungen gegebenenfalls beschritten werden sollen6.
Bundesverfassungsgericht, Beschluss vom 19. Juli 2016 – 2 BvR 2752/11
BVerfG, Urteil vom 21.06.2016 – 2 BvR 2728/13 u. a. 97; vgl. BVerfGE 129, 124, 175 f.↩
vgl. BVerfGE 73, 339, 374 ff.; 102, 147, 161 ff.; 118, 79, 95 ff.; 123, 267, 354; 126, 286, 298 ff.; BVerfG, Beschluss vom 15.12 2015 – 2 BvR 2735/14 36 ff.; Urteil vom 21.06.2016, a.a.O., Rn. 98 f.↩
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