Source: https://www.anwalt.de/rechtstipps/die-besonderheiten-des-jugendstrafrechts-ein-kurzer-ueberblick_130765.html
Timestamp: 2019-05-26 22:59:39
Document Index: 290969479

Matched Legal Cases: ['§ 1', '§ 1', '§ 105', '§ 106', '§ 55', '§ 55']

Das Jugendstrafrecht ist ein Teilgebiet des Strafprozessrechts. Im Vergleich zum „normalen“ Strafverfahren gegen Erwachsene gibt es eine ganze Reihe von Unterschieden. Die prozessualen Besonderheiten des Jugendstrafrechts sind im Jugendgerichtsgesetz (JGG) geregelt, welches beim Vorliegen seines Anwendungsbereichs gegenüber der Strafprozessordnung (StPO) vorrangig heranzuziehen ist. Im Folgenden soll ein kurzer Überblick über Anwendungsbereich, Zielsetzung und Besonderheiten des deutschen Jugendstrafrechts gegeben werden.
Gemäß § 1 Abs. 1 JGG gilt das Jugendgerichtsgesetz, wenn ein Jugendlicher oder Heranwachsender eine Verfehlung begeht, die nach den allgemeinen Vorschriften mit Strafe bedroht ist. Nach § 1 Abs. 2 JGG ist Jugendlicher, wer zur Zeit der Tat vierzehn, aber noch nicht achtzehn Jahre alt ist. Als Heranwachsender gilt, wer zur Tatzeit zwar schon mindestens achtzehn aber noch nicht einundzwanzig Jahre alt ist. Bei Strafverfahren gegen Jugendliche ist das JGG immer anzuwenden. Wenn ein Heranwachsender einer Straftat beschuldigt wird, gilt § 105 JGG. Nach dieser Vorschrift ist Jugendstrafrecht anzuwenden, wenn der Heranwachsende bei Tatbegehung nach seiner sittlichen oder geistigen Entwicklung noch einem Jugendlichen gleichstand oder es sich nach Art, den Umständen oder den Beweggründen der Tat um eine Jugendverfehlung handelt. Sofern nicht mindestens eine dieser beiden Alternativen bejaht werden kann, ist das „normale“ Erwachsenenstrafrecht anzuwenden. Nach § 106 JGG kann es für Heranwachsende aber auch bei Anwendung des allgemeinen Strafrechts Milderungen geben.
Eine weitere Besonderheit des Jugendstrafrechts sind die Rechtsmittel. Zwar ist es wie im allgemeinen Strafrecht auch möglich, ein Urteil mit den Rechtsmitteln der Berufung oder der Revision anzugreifen. Allerdings ist der Umfang im Jugendstrafrecht stark eingeschränkt. Nach § 55 Abs. 1 JGG ist kein Rechtsmittel gegen Entscheidungen zulässig, die sich gegen Art, Umfang und Auswahl der Sanktion unterhalb der Jugendstrafe richten. Ein Rechtsmittel ist hier lediglich möglich, wenn die Entscheidung hinsichtlich der Schuldfrage angegriffen werden soll. Zudem kann man gemäß § 55 Abs. 2 JGG gegen Urteile des Jugendrichters oder des Jugendschöffengerichts nur einmal Rechtsmittel einlegen. Wird Berufung eingelegt, ist die Einlegung der Revision nicht mehr möglich und umgekehrt. Diese Beschränkung der Verfahrensrechte von Jugendlichen und Heranwachsenden ist meines Erachtens im Übrigen nicht gerechtfertigt, da sie eine willkürliche Schlechterstellung gegenüber Erwachsenen darstellt.
Aufgrund seiner Besonderheiten bietet das Jugendstrafrecht eine ganze Reihe von Möglichkeiten, auf Jugendliche und Heranwachsende erzieherisch einzuwirken, ohne eine Strafe verhängen zu müssen. Mithilfe eines versierten Verteidigers können oftmals gute und sachgerechte Ergebnisse erzielt werden. Aufgrund meiner Erfahrungen im Jugendstrafrecht stehe ich hierfür gerne als Verteidiger zur Verfügung.
Sehr geehrter Herr Rechtsanwalt Strohmayer, ich wende mich an Sie, da ich Ihren Rechtstipp "Die Besonderheiten des Jugendstrafrechts – ein kurzer Überblick" gelesen habe. (Bitte beschreiben Sie hier Ihre Situation bzw. Ihren rechtlichen Beratungsbedarf mit möglichst vielen relevanten Details.)