Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Gericht=VGH%20Baden-W%C3%BCrttemberg&Datum=19.08.2004&Aktenzeichen=1%20S%20976/04
Timestamp: 2019-09-18 06:05:22
Document Index: 305356349

Matched Legal Cases: ['§ 45', '§ 5', '§ 5', '§ 58', '§ 45', '§ 58', '§ 45', '§ 45', '§ 5']

VGH Baden-Württemberg, 19.08.2004 - 1 S 976/04 - dejure.org
https://dejure.org/2004,2572
VGH Baden-Württemberg, 19.08.2004 - 1 S 976/04 (https://dejure.org/2004,2572)
VGH Baden-Württemberg, Entscheidung vom 19.08.2004 - 1 S 976/04 (https://dejure.org/2004,2572)
VGH Baden-Württemberg, Entscheidung vom 19. August 2004 - 1 S 976/04 (https://dejure.org/2004,2572)
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§ 45 Abs 2 S 1 WaffG 2002, § 5 Abs 2 Nr 1a WaffG 2002, § 5 Abs 2 Nr 1b WaffG 1976, § 58 Abs 1 WaffG
Waffenbesitzkarte, Widerruf, Nachträglich eingetretene Tatsachen, Unzuverlässigkeit, Straftat, Verurteilung, Rechtsänderung, Waffengesetz, Neuregelung, Übergangsregelung, Rückwirkung, Rechtsstaatsprinzip, Vertrauensschutz, Rechtssicherheit
Widerruf einer Waffenbesitzkarte wegen nachträglich eingetretener Tatsachen; Maßgeblichkeit der aktuellen Rechtslage bei Widerruf einer Waffenbesitzkarte; Voraussetzungen für das Fehlen der erforderlichen Zuverlässigkeit; Auslegung der Übergangsvorschrift über die ...
Waffenrecht - Waffenbesitzkarte, Widerruf, Nachträglich eingetretene Tatsachen, Unzuverlässigkeit, Straftat, Verurteilung, Rechtsänderung, Waffengesetz , Neuregelung, Übergangsregelung, Rückwirkung, Rechtsstaatsprinzip, Vertrauensschutz, Rechtssicherheit
Verschärfte Zuverlässigkeitsanforderungen für Inhaber einer Waffenerlaubnis
NVwZ-RR 2006, 183 (Ls.)
VBlBW 2005, 102
Anträge auf vorläufigen Rechtsschutz beim Verwaltungsgericht Sigmaringen (Beschluss vom 05.03.2004, Az. 2 K 1892/03) und beim Verwaltungsgerichtshof Baden-Württemberg (Beschluss vom 19.08.2004, Az. 1 S 976/04) blieben ohne Erfolg.
Nach der Rechtsprechung des Bayerischen Verwaltungsgerichtshofs (vgl. Beschluss vom 14.11.2003, - 21 CS 03.2056 -, zitiert nach juris) ist für die Frage, ob nachträglich eingetretene Tatsachen im Sinne des § 45 Abs. 2 Satz 1 WaffG 2002 zur Versagung hätten führen müssen, auf die Rechtslage zum Zeitpunkt des Eintritts der Tatsache abzustellen und nicht - wie hier vertreten - auf die Rechtslage im Zeitpunkt der Widerrufsentscheidung (vgl. VGH Baden-Württemberg, Beschluss vom 19.08.2004, - 1 S 976/04 -).
(VGH Baden-Württemberg, Beschluss vom 19.8.2004 - 1 S 976/04 -, juris) Alle anderen Obergerichte, die sich zwischenzeitlich mit dieser Frage zu befassen hatten, nehmen an, dass auch Verurteilungen aus der Zeit vor Inkrafttreten der Neuregelung berücksichtigt werden müssen und begründen dies überzeugend.
(Niedersächsisches OVG, Urteil vom 26.1.2006 - 11 LB 178/05 - OVG Nordrhein-Westfalen, Be-schluss vom 6.4.2005 - 20 B 155/05 - OVG Sachsen-Anhalt, Beschluss vom 4.3.2005 - 1 M 279/04 - VGH Baden-Württemberg, Beschlüsse vom 19.8.2004, a.a.O., und vom 13.7.2004 - 1 S 807/04 -;ebenso: VG Neustadt, Beschluss vom 14.3.2005 - 4 L 371/05.NW; VG Sigmaringen, Be-schluss vom 9.3.2004 - 5 K 1858/03 -, alle juris).
vgl. Niedersächsisches OVG, Urteil vom 26. Januar 2006 - 11 LB 178/05 -, DVBl. 2006, 528 (Ls), OVG Sachsen-Anhalt, Beschluss vom 4. März 2005 - 1 M 279/04 - und VGH Baden-Württemberg, Beschluss vom 19. August 2004 - 1 S 976/04 -, VBlBW 2005, 102.
Diese Auslegung, die der Senat bereits in seinem Beschluss vom 9. Juni 2004 (11 LA 63/04) - allerdings ohne nähere Begründung - für vorzugswürdig gehalten hat, entspricht auch der herrschenden Meinung in der Rechtsprechung (vgl. OVG NRW, Beschl. v. 6.4.2005 - 20 B 155/05 - OVG Sachsen-Anhalt, Beschl. v. 4.3.2005 - 1 M 279/04 - VGH Bad-Württ., Beschl. v. 19.8.2004, VBlBW 2005, 102;… Sächs. OVG, Beschl. v. 10.3.2004 - 3 BS 8/03 - VG Chemnitz, Beschl. v. 3.6.2005 - 3 K 449/05 - VG Sigmaringen, Urt. v. 31.1.2005 - 2 K 978/04 - VG Aachen, Urt. v. 31.3.2004 - 6 K 1922/03 -).
Gelten sie kraft Anordnung des § 58 Abs. 1 WaffG 2002 fort, so handelt es sich um Erlaubnisse "nach diesem Gesetz" (…BVerwG, Urt. v. 16.05.2007, a.a.O., m.w.N.; VGH Bad.-Württ., Beschl. v. 19.08.2004 - 1 S 976/04 -, VBlBW 2005, 102 ff.;… VG Sigmaringen, Urt. v. 31.01.2005 - 2 K 978/04 - ).
Vielmehr ist der Fortbestand auch dieser Erlaubnisse uneingeschränkt nach den aktuell geltenden Vorschriften zu beurteilen (ebenso: Nds. OVG, Beschluss vom 29.10.2003 - 11 ME 286/03 - mit ausführlicher Begründung: VGH Baden-Württemberg, Beschluss vom 19.08.2004 - 1 S 976/04 - und zum selben Sachverhalt in der Hauptsache: VG Sigmaringen, Urteil vom 31.01.2005 - 2 K 978/04; OVG Sachsen-Anhalt, Beschluss vom 04.03.2005 - 1 M 279/04 - VG Chemnitz, Beschluss vom 03.06.2005 - 3 K 449/05; a. A.: Bayerischer VGH, Beschluss vom 14.11.2003 - 21 CS 03.2056 - alle Entscheidungen zitiert nach juris).
Bei der Anwendung des § 45 Abs. 2 WaffG ist die Frage, ob eine Tatsache "zur Versagung hätte führen müssen", auf der Grundlage des zum Zeitpunkt der Verwaltungsentscheidung geltenden Rechts zu beantworten, vgl. Bundesverwaltungsgericht (BVerwG), Urteil vom 16. Mai 2007 - 6 C 24.06 -, Neue Zeitschrift für Verwaltungsrecht (NVwZ) 2007 Seite 1201; VGH Baden-Württemberg, Beschluss vom 19. August 2004 - 1 S 976/04 -, Verwaltungsblätter Baden-Württemberg 2005 Seite 102.
Schließlich ist die Widerrufsregelung des § 45 Abs. 2 Satz 1 WaffG 2002 auf die nach dem WaffG 1976 erteilten Waffenbesitzkarten des Klägers anwendbar und können die in den Jahren 1998 bis 2000 unter Geltung des früheren Rechts begangenen Straftaten nach den Maßstäben des neuen Rechts, d.h. des § 5 Abs. 2 Nr. 5 WaffG 2002, zur Begründung der Regelvermutung der Unzuverlässigkeit des Klägers herangezogen werden (vgl. hierzu bereits VG Koblenz, Beschluss vom 22. März 2005 - 5 L 242/05.KO -, im Anschluss an VGH Baden-Württemberg, Beschluss vom 19. August 2004 - 1 S 976/04 .KO -, juris).
Auch dann, wenn - wie hier - die die Annahme der Unzuverlässigkeit rechtfertigenden Tatsachen bereits vor Inkrafttreten der Neuregelung des Waffengesetzes eingetreten sind, ist für die Frage, ob nachträglich eingetretene Tatsachen zur Versagung der Erlaubnis hätten führen müssen, allein auf die Rechtslage im Zeitpunkt der Entscheidung über den Widerruf abzustellen (vgl. VGH Mannheim, B. v. 19.08.2004 - 1 S 976/04, juris).
VG Düsseldorf, 02.03.2005 - 18 K 6897/04