Source: https://www.arbeitssicherheit.de/schriften/dokument/0:5004710,13.html
Timestamp: 2020-07-13 01:50:22
Document Index: 220970260

Matched Legal Cases: ['§ 8', '§ 8', '§ 3', '§ 5', '§ 8', '§ 8']

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DGUV Information 212-515 - Persönliche Schutzausrüstungen Informationsschrift fü...
Anhang 1, Methode zur "Risikobeurteilung von Arbeiten mit Ab...
Persönliche Schutzausrüstungen Informationsschrift für Unternehmer und Versicherte zur Auswahl, Bereitstellung und Benutzung von persönlichen Schutzausrüstungen (bisher: BGI 515)
Titel: Persönliche Schutzausrüstungen Informationsschrift für Unternehmer und Versicherte zur Auswahl, Bereitstellung und Benutzung von persönlichen Schutzausrüstungen (bisher: BGI 515)
Amtliche Abkürzung: DGUV Information 212-515
Anhang 1 – Methode zur "Risikobeurteilung von Arbeiten mit Absturzgefahr bei Verwendung von persönlichen Schutzausrüstungen gegen Absturz bzw. zum Retten aus Höhen und Tiefen"
Diese Methode wurde vom Sachgebiet "PSA gegen Absturz" im Fachausschuss "Persönliche Schutzausrüstungen" der Berufsgenossenschaftlichen Zentrale für Sicherheit und Gesundheit - BGZ erarbeitet. Zielrichtung ist es insbesondere, dem Unternehmer eine Praxishilfe zur Durchführung der Risikobeurteilung von Arbeiten mit Absturzgefahr unter Verwendung von persönlichen Schutzausrüstungen gegen Absturz bzw. zum Retten aus Höhen und Tiefen zu geben.
Mit dieser Methode zur Risikobeurteilung kann ein arbeitsplatzspezifisches Risiko beschrieben werden, um geeignete Maßnahmen ableiten zu können. Sie wird durch branchenübergreifende Beispiele illustriert (siehe www.hvbg.de/psa). Es wird jedoch ausdrücklich darauf hingewiesen, dass es keine Standardlösungen gibt, sondern vielmehr jeder Einsatzfall individuell betrachtet und bewertet werden muss.
Grundlegende Ausführungen
"Persönliche Schutzausrüstungen gegen Absturz bzw. zum Retten aus Höhen und Tiefen" schützen gegen tödliche Gefahren! Somit bedeutet die nicht bestimmungsgemäße Verwendung ein hohes Risiko. Es wird daher bei allen Risikobeurteilungen im Sinne dieser Handlungsanleitung generell davon ausgegangen, dass der Unternehmer für die Verwendung der "PSA gegen Absturz" geeignete Beschäftigte beauftragt hat und dass die persönlichen Schutzausrüstungen bestimmungsgemäß unter Berücksichtigung der anstehenden Arbeiten eingesetzt werden.
Arbeiten mit "Persönlichen Schutzausrüstungen gegen Absturz" - Auffangsystemen
Auf Grund der hohen Risiken für Leib und Leben nach Stürzen bei Arbeiten in Verbindung mit der Verwendung von "Auffangsystemen" sind diese grundsätzlich als "gefährliche Arbeiten" im Sinne des § 8 der Unfallverhütungsvorschrift "Grundsätze der Prävention" (BGV A1) einzustufen. Hieraus ergibt sich zwangsläufig, dass Alleinarbeit nicht zulässig ist und daher mindestens eine zweite Person anwesend sein muss; dies hat besondere Bedeutung für die unverzügliche Einleitung von Sofort- und Rettungsmaßnahmen.
Arbeiten mit "Persönlichen Schutzausrüstungen gegen Absturz" - Rückhalte- oder Positionierungssystemen
Bei Arbeiten mit Absturzgefahren und Verwendung von Rückhalte- oder Positionierungssystemen kann alternativ vorgegangen werden. Entweder wird der ungünstigste Fall "Einstufung als gefährliche Arbeit im Sinne des § 8 der Unfallverhütungsvorschrift "Grundsätze der Prävention" (BGV A1)" angenommen oder es wird eine individuelle Risikobeurteilung durchgeführt, aus der sich die erforderlichen Maßnahmen ergeben.
Vom Sachgebiet "PSA gegen Absturz" im Fachausschuss "Persönliche Schutzausrüstungen" wurden daher auf der Grundlage der nachstehend beschriebenen Methode (Abschnitt 4 dieses Anhangs) Arbeiten mit Absturzgefahren dargestellt und beispielhafte Risikobeurteilungen (unter www.hvbg.de/psa) zugeordnet.
Im Rahmen der vom Unternehmer nach § 3 der Unfallverhütungsvorschrift "Grundsätze der Prävention" (BGV A1) und § 5 Arbeitsschutzgesetz durchzuführenden "Gefährdungsermittlung und der Beurteilung der Arbeitsbedingungen" ist eine Risikobeurteilung vorzunehmen, damit wirksame präventive Maßnahmen getroffen werden können.
Das nachfolgend beschriebene Verfahren stellt eine Möglichkeit zur Risikobeurteilung dar und ist angelehnt an die DIN EN ISO 1050 "Leitsätze zur Risikobeurteilung".
Über die ermittelte Risikoprioritätszahl (RPZ) kann festgestellt werden, ob es sich um eine gefährliche Arbeit im Sinne des § 8 der Unfallverhütungsvorschrift "Grundsätze der Prävention" (BGV A1) handelt.
Im nachfolgenden wird das Risiko durch die "Risikoprioritätszahl (RPZ)" ausgedrückt. Diese ergibt sich aus dem Produkt "Verletzungsschwere/Handlungsfähigkeit" multipliziert mit der "Wahrscheinlichkeit des Auftretens".
Risikoprioritätszahl (RPZ) = Verletzungsschwere/Handlungsfähigkeit (G) x Wahrscheinlichkeit des Auftretens (A)
Hinweis: Die "Verletzungsschwere/Handlungsfähigkeit" ergibt sich ausTabelle 1und die "Wahrscheinlichkeit des Auftretens" ausTabelle 2dieser Darstellung, wobei jeweils Zahlenwerte von 1 bis 10 möglich sind.
Grad der Verletzungsschwere/Handlungsfähigkeit (G)
Der Grad der Verletzungsschwere/Handlungsfähigkeit (G) ist entsprechend den Arbeitsverfahren so weit wie möglich objektiv festzulegen.
Die Bewertungsskala reicht hier von einer minimalen Verletzung oder uneingeschränkten Handlungsfähigkeit (G=1) bis hin zum Tod (G=10). Die Verwendung von zusätzlichen persönlichen Schutzausrüstungen kann die Folgen der Verletzung deutlich erhöhen, z.B. Atemschutz.
Verletzungsschwere/Handlungsfähigkeit (Grad 1 bis 10)
Verletzungsschwere Handlungsfähigkeit (G) Verletzungsschwere
(mit PSA) Handlungsfähigkeit
leicht 1 Minimalverletzung Handlungsfähig
(kann sich selbst aus der Notsituation befreien)
2 oberflächliche Verletzung
3 leichte Prellungen
mittel 4 schwere Prellungen (AU < 3 Tage) eingeschränkt handlungsfähig
(kann eigenständig die Rettungskette einleiten)
5 schwere Prellungen (AU > 3 Tage)
6 leichte Knochenbrüche
schwer 7 schwere Knochenbrüche Handlungsunfähig
8 schwere Knochenbrüche mit inneren Verletzungen
9 schwere innere Verletzungen
Erläuterungen zu Tabelle 1:
Handlungsunfähig ist, wer auf Grund seiner Verletzung oder seiner Position nicht mehr in der Lage ist, Maßnahmen zu seiner Rettung einzuleiten.
Bei der Festlegung der Ziffer ist unter Berücksichtigung der Verletzungsschwere und der Handlungsfähigkeit wahlweise der höhere Wert einzusetzen.
Eintrittswahrscheinlichkeit des Unfalls
Die Ziffer zur "Wahrscheinlichkeit des Auftretens des Unfalls" ist unter anderem von folgenden Einflüssen abhängig:
Arbeitsverfahren, Dauer der Verwendung der persönlichen Schutzausrüstungen,
Arbeitsplatzgestaltung (Beleuchtung),
Betriebsorganisation, z.B. Unterweisungen, Kontrollen, Zeitdruck, vertragliche Verpflichtung zur Benutzung von persönlichen Schutzausrüstungen,
Betriebserfahrung, z.B. Arbeitsanweisungen werden eingehalten,
Erfahrung des Mitarbeiters, z.B. seltene Tätigkeiten, Unterschätzen der Gefahr durch Routine, neue persönliche Schutzausrüstungen im Einsatz,
Verfassung des Mitarbeiters, z.B. private Probleme, Drogenkonsum,
Unfallgeschehen im Betrieb (Arbeitsunfälle und Beinahe-Unfälle),
Witterungseinflüsse, z.B. Wind, Regen, Eis, Schnee, Nebel.
Wahrscheinlichkeit des Auftretens (A);(3 Stufen, Ziffern 1 bis 10)
A Stufe Wahrscheinlichkeit des Auftretens des Unfalls
1 Gering Äußerst unwahrscheinlich
5 Wahrscheinlich
9 Äußerst wahrscheinlich
10 Zwangsläufig, unabdingbar
Die Ziffern zur "Wahrscheinlichkeit des Auftretens des Unfalls" sind generell den 3 Stufen "Gering, Mittel, Hoch" zugeordnet, wobei sich die Zwischenwerte insbesondere durch die oben genannten Faktoren ergeben. Die Ziffer 10 beschreibt ein unabwendbares Ereignis.
Zur abschließenden Bewertung des Risikos werden die Ziffern zur Verletzungsschwere und Handlungsfähigkeit (G) und der Wahrscheinlichkeit des Auftretens (A) miteinander multipliziert und die Risikoprioritätszahl (RPZ) ermittelt.
RPZ = G x A
Die RPZ kann somit zwischen
RPZ = 1 x 1 = 1
und dem Maximalwert
RPZ = 10 x 10 = 100
Die Risikobeurteilung und damit verbunden die ermittelte RPZ ist Grundlage für die jeweils zu treffende Maßnahme. Ist das vorhandene Risiko aus Sicht des Unternehmers akzeptabel - so liegt "ausreichende Sicherheit" vor. Ist das Risiko nicht akzeptabel - so liegt "Gefährdung" vor. Aus dieser Betrachtung ergibt sich die vom Unternehmen akzeptierte RPZ.
Sofern die "Schwere der Verletzung mit persönlichen Schutzausrüstungen" einen Zustand der Handlungsunfähigkeit (Tabelle 1, ab Ziffer 7) ergeben sollte, so ist grundsätzlich eine gefährliche Arbeit im Sinne des § 8 der Unfallverhütungsvorschrift "Grundsätze der Prävention" (BGV A1) anzunehmen!
Unter Beachtung des Standes der Technik ist eine möglichst niedrige RPZ anzustreben!
Hinweise zum "akzeptablen Risiko" sind in der Internet-Beispielsammlung aufgeführt; siehe www.hvbg.de/psa
Abschnitt 3, 3 Maßnahmen zur Verhütung von Gefahren für Leben und Gesundheit bei...
Abschnitt 3.1, Rangfolge der Maßnahmen
Abschnitt 3.2, Bereitstellung
Abschnitt 3.3, Benutzung, Wartung und Prüfung
Abschnitt 3.4, Unterweisung, Informationen für die Benutzung
Abschnitt 3.5, Besondere Unterweisungen
Abschnitt 4, 4 Gefährliche Arbeiten
Abschnitt 4.1, Arbeiten mit Absturzgefahr
Anhang 1, Methode zur "Risikobeurteilung von Arbeiten mit Absturzgefahr bei Verw...