Source: http://www.janvonbroeckel.de/soziales/foerderungprivataltersvorsorge.html
Timestamp: 2019-02-18 03:10:47
Document Index: 8990011

Matched Legal Cases: ['§ 84', '§ 85', '§ 86', '§ 10', '§ 86', '§ 10', '§ 255', '§ 255', '§ 255', '§ 68', '§ 68']

Der Riester-Faktor in der Rentenformel
Förderung private Pflegevorsorge
Während die gesetzliche Rentenversicherung die meisten im Rahmen eines privaten Arbeitsverhältnis mit einem Bruttoentgelt von mehr als 450 € beschäftigten Arbeitnehmer automatisch erfasst, ist zusätzliche private Vorsorge für das Alter nicht vorgeschrieben, sondern beruht auf der eigenen Entscheidung jeder Arbeitnehmerin und jedes Arbeitnehmers, ob sie oder er ergänzend etwas für die finanzielle Absicherung im Alter tun will. Bei der gesetzlichen Rentenversicherung erbringen Arbeitgeber und Arbeitnehmer die Beiträge jeweils zur Hälfte (paritätische Finanzierung). Verdient jemand zum Beispiel 1.000 EUR, beläuft sich der Beitrag bei einem Beitragssatz von 18,7% (2015 bis 2017) auf 187 Euro. Hiervon zahlt der Arbeitnehmer die Hälfte, also 93,50 Euro, die ihm vom Lohn abgezogen werden, während die andere Hälfte vom Arbeitgeber getragen wird, der diese Leistung zusätzlich zum Bruttolohn erbringt. Man spricht hier auch von Lohnnebenkosten. Jede Erhöhung des paritätisch finanzierten Beitragssatzes zur Rentenversicherung verteuert somit die menschliche Arbeitskraft und kann die Wettbewerbsfähigkeit deutscher Unternehmen auf einem globalen Markt beeinträchtigen. Die ausgezahlten Renten werden überwiegend von den aktuellen Beitragszahlern finanziert (Umlageverfahren), aber mehr als 20% der Einnahmen der Rentenversicherung fließen über das allgemeine Steueraufkommen zu. Eine niedrige Geburtenrate und eine höhere Lebenserwartung sorgen dafür, dass das Zahlenverhältnis zwischen Beitragszahlern und Rentenempfängern zuungunsten der Beitragszahler immer mehr verschoben wird. Insbesondere vor dem Hintergrund unsteter Erwerbsbiogra-
fien (etwa durch Arbeitslosigkeit) steht die gesetzliche Rentenversicherung vor großen Herausforderungen.
Der Grund für die Einführung der Riester-Rente ist die Tatsache, dass aufgrund der Bevölkerungsstruktur weniger Berufstätige für eine größere Gruppe von Rentnern die gesetzliche Pflichtrente finanzieren müssen. Die Leistungsfähigkeit der staatlichen Rentenkasse dürfte aufgrund dieses Finanzierungssystems weniger leistungsfähig sein als vor einigen Jahrzehnten.
Förderungsfähig sind private Rentenver-
sicherungen, ein Banksparplan, ein Investmentfondsspar-
plan und ein Wohn-
Riester-Vertrag.
2015 gab es mehr als 16 Millionen Riester-Ver-
träge, davon sind etwa zwei Drittel private Rentenversicherungen. In den letzten Jahren hat sich die Zunahme der Riester-Verträge aufgrund der Niedrigzinsphase verlangsamt.
h) Personen, die Wehrdienst leisten.
Zulagen und Sonderausgaben bei Riester-Förderung
(§ 84 EStG)
(für Berufseinsteiger unter 25 Jahren einmalig 300 €)
(§ 85 EStG)
für ab 2008 geborene Kinder 300 €
(§ 86 EStG)
4% vom Bruttoeinkommen des Vorjahres abzüglich der staatlichen Zulagen, mindestens jedoch 60 €
Höchsteigenbetrag
(§ 10 a Absatz 1 Satz 1 EStG i.V.m. § 86 Absatz 1 Satz 2 EStG)
2.100 € abzüglich der Zulagen
(§ 10 a Absatz 1 Satz 1 EStG)
maximal 2.100 € plus Zulagen
Einige Monate vor der Verabschiedung der Riester-Rente wurde bereits durch das Altersvorsorge-Ergänzungsgesetz mit Wirkung ab 2002 der sogenannte Riester-Faktor in die Rentenformel zur Berechnung der Höhe der Renten aus der gesetzlichen Rentenversicherung eingeführt. Ursprünglich waren beide Regelungen in einem Entwurf enthalten. Da SPD und Grüne seinerzeit über keine Mehrheit im Bundesrat verfügten, wurde das Gesetz aufgespalten in einen zustimmungspflichtigen und einen nicht zustimmungspflichtigen Teil mit Eingriffen in die Rentenformel. Dieser Riester-Faktor bremste bei der zum 1. Juli eines jeden Jahres stattfindenden Rentenanpassung die Erhöhung der Renten (Neufestsetzung des aktuellen Rentenwerts, der mit den persönlichen Entgeltpunkten, dem Zugangsfaktor und dem Rentenartfaktor multipliziert die Höhe der monatlichen Rente ergibt). Der Riester-Faktor berücksichtigte einmal die zunehmende private Vorsorge für das Alter (Altersvorsorgeanteil) und die Belastung der Beitragszahler mit dem Beitragssatz zur Rentenversicherung (Rentenversicherungsbeitrag). Der Altersvorsorgeanteil stieg von 0,5 Prozent im Jahr 2002 in 0,5-Prozentpunkte-Schritten bis zum Wert von 4,0 im Jahr 2012, in den Jahren 2006 bis 2008 verharrte er beim Wert von 2,0 Prozent (§ 255 e Sechstes Sozialgesetzbuch [SGB VI].
Im Jahr 2012 wirkte der Riester-Faktor um 0,65 Prozent rentenmindernd. Dieser Wert errechnete sich aus (§ 255 e SGB VI):
1. 100 minus Altersvorsorgeanteil für das vergangene Jahr 2011 minus Beitragssatz in der Rentenversicherung 2011 (100 - 3,5 - 19,9 = 76,6),
2. 100 minus Altersvorsorgeanteil für das vorvergangene Jahr 2010 minus Beitragssatz in der Rentenversicherung 2010 (100 - 3,0 - 19,9 = 77,1),
der sich aus 1. ergebende Wert wird durch den sich aus 2. ergebenden Wert dividiert (76,6 / 77,1 = 0,9935).
(1 - 0,9935) * 100 = 0,65.
Das Gesetz enthält jedoch eine Schutzklausel, wonach der Riester-Faktor nicht anzuwenden war, wenn er zu einer Verringerung des aktuellen Rentenwerts oder zu einem geringeren als dem bisher festzusetzenden allgemeinen Rentenwert führen würde (§ 255 e SGB VI). Gleiches gilt für die Veränderung der Bruttolöhne und die Anwendung des Nachhaltigkeitsfaktors (niedrigeres Lohnniveau macht sich nicht direkt rentenmindernd bemerkbar, § 68 a SGB VI). Im Jahr 2012 kam es aber zu einer Rentenerhöhung, da sich die Bruttolöhne erhöht hatten und sich der Nachhaltigkeitsfaktor rentensteigernd auswirkte. Der Nachhaltigkeitsfaktor berücksichtigt insbesondere das Beschäftigungsniveau (Arbeitslosigkeit). Wenn die Schutzklausel dazu führt, dass eine eigentlich gebotene Herabsetzung des aktuellen Rentenwerts unterbleibt und die Renten gleich hoch bleiben wie im Vorjahr, werden diese ausgesetzten Senkungen bei zukünftigen Heraufsetzungen des Rentenwerts dämpfend berücksichtigt (Nachholfaktor, § 68 a Absatz 1 Satz 2 und 3 SGB VI).
Näheres zur Rentenformel hier.
Eingebettetes Video des NDR (ARD) zur Riester-Rente auf YouTube
Seite zuletzt bearbeitet am: 21.12.2017