Source: http://www.internet-law.de/2010/12/sind-ddos-attacken-strafbar.html
Timestamp: 2017-05-30 07:22:49
Document Index: 20992886

Matched Legal Cases: ['§ 202', '§ 303', '§ 303', '§ 303', '§ 202', '§ 202', '§ 202', 'BGH', '§ 315', 'Art. 5', '§ 303', '§ 202', '§ 202', '§ 202', '§ 202', '§ 303', '§ 303', '§ 202']

Internet-Law » Sind DDoS-Attacken strafbar?
posted by Stadler at 18:27 Comments (14)	Eingeloggt in....	Profil abbrechen	Unterschrieben mit Twitter
Letzter Kommentar war vor 15.12, 2010	Dominik	Ansehen
11.12, 2010
Mal abgesehen von legal oder illegal würde es mich wundern wenn nach so einer Attacke die angegriffenen Unternehmen der Unternehmung Wikileaks plötzlich deutlich positiver gegenüberstehen… ;)
Ich nehme mal an, dass die gesetzlichen Bestimmungen nie auf eine Privatperson angewendet werden würden die sich beteiligt haben.
Ein Bot-Netz Betreiber, der 1.000 oder 10.000 Computer steuert ist was anderes. Der macht das auch aus wirtschaftlicher Motivation.
Aber der „Ein-Mann-Computer“, der sich nur Flashmob-artig zusammenrottet kann am Ende nicht überführt werden. Es muss doch bestimmt auch Vorsatz vorliegen.
Jeder Windows Computer ist eine potentielle Bot-Schleuder. Insoweit haben da sicher auch unfreiwillige mitgemacht, die sich letztens den neuesten Harry-Potter-Screensaver runterladen mussten.
Trotzdem aber ein interessanter Artikel. Dass der Aufruf „straffrei“ ist, hätte ich jetzt nicht gedacht.
Bedarfsträger	Ansehen
*PFFFT*… Akademisch kann man zu einer Strafbarkeit kommen, im Lichte der Grundrechte eher „weniger“. Allerdings: Ein Großteil der verwendeten „Angreifer IP-Adressen“ dürfte schon aus den Logfiles der hiesigen ISP „verschwunden“ sein. Im Bereich der Strafverfolgung klappt seit der Entscheidung des BVerfG im Frühjhar meines Wissens (und glaubt man den tränenreichen Berichten der Verfolger) nur noch die „Live-Auswertung“ mit zeitgleicher, händischer Anfrage beim ISP (Wenn überhaupt…Vodafone löscht nach jeder Zwangstrennung bei Flatrates vollständig) Bis die Amis (zumindest Paypal) ihre Logfiles forensisch aufbereitet (und ausgedruckt *LOL*) haben und nebst eines Strafantrages, wenn überhaupt, an eine (welche) deutsche StA geschickt haben, dürften sogar die sieben Tage Speichervorhalt der Telekom verstrichen sein.
Bleibt technisch (u.a.) die Frage, was überhaupt geloggt noch werden konnte, wenn die „Abwehr“ nach der „ersten Salve“ die IP-Adresse/Bereiche gesperrt hat… ebenso fraglich, ob die Aktion überhaupt eine technische Wirkung hatte (offenbar haben manche die laut „Down“ getwittert haben, nicht gemerkt, dass sie geblogt wurden. Ich jedenfalls hatte zu keinem Zeitpunkt Schwierigkeiten paypal zu erreichen…) Bei den hiesigen Behörden wird man, ohne echten Schaden, sicher kein Interesse haben sich selbst zu DDos´en mit einigen tausend sinnfreien IP-Anfangsverdachten, auf deren Grundlage kaum ein Durchsuchungsbeschluss zu bekommen sein dürfte…(vgl. LG Aachen zur „Operation Himmel“). Ne, Ne, kein einziges Ermittlungsverfahren wird es geben… den Buben in Holland haben SIE wegen eines IRC-Servers (Richtig!) und wohl einiger anderer Aktivitäten (Unbekannt) „hops“ genommen…
Spannender ist freilich die beeindruckende FUD-Welle, die (offenbar) ein einziger dpa-Artikel ausgelöst hat. Nach meinem Eindruck basieren 90 Prozent aller Berichte („Erste Verhaftungen“…so ein Blödsinn) auf einer DPA-Meldung von Freitag. Es geht hier um ein Delikt der Kategorie „Ladendiebstahl“, das allerdings einigen juristischen „Sprengstoff“ enthält. Wer die Entscheidung des BVerfG zu § 202c StGB kennt, wird überdies kein Ermittlungsverfahren „anleiern“, mit Auslandsbezug und einige technischen Rafinessen… Nein, nein, der Kindheit unschuldige Spiele…
Allerdings: Die Aktion könnte weit reichende Folgen zeitigen, ich warte bis der erste Christdemokrat die Vorratsdatenspeicherung zum Schutz des internationalen Finanzverkehrs fordert…
12.12, 2010
Im § 303b steht:
In §§ 303a steht: löscht, unterdrückt, unbrauchbar macht oder verändert.
Es stellt sich die Frage, ob mit DDoS eine Unterdrückung erfolgt. Um eine Löschung oder Unbrauchbarmachung kann es sich wohl nicht handeln.
Was den § 303b Abs.1 Nr. 2 betrifft, so wird dort Bezug auf § 202a genommen.
In § 202a heißt es aber: Wer unbefugt sich oder einem anderen Zugang zu Daten, die nicht für ihn bestimmt und die gegen unberechtigten Zugang besonders gesichert sind, unter Überwindung der Zugangssicherung verschafft, wird mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.
Das ist bei den DDoS-Attacken offensichtlich nicht der Fall.
Lese ich die §§ falsch?
…strafbar macht sich wer:
Daten [§ 202a: im Sinne des Absatzes 1 sind nur solche, die elektronisch, magnetisch oder sonst nicht unmittelbar wahrnehmbar gespeichert sind oder übermittelt werden] in der Absicht, einem anderen Nachteil, übermittelt…
_Das_ ist nicht die Frage… Aber: Die Musik spielt a) in der Ermittlungswirklichkeit (s.o.), b) im subjektiven Tatbestand (Absicht! Immer schön an die Rechtsprechung des BGH zu § 315b StGB denken!), c) bei der Frage der Bestimmtheit (Nachteil! Schaden? Vermögensschaden, technischer Schaden…) und d) im Rahmen einer verfassungskonformen Auslegung (Art. 5 GG), okay, ist was für die Uni, aber spannend. M.E. ist die „Operation Payback“ der dogmatische Schritt ins Web 3.0. Schließlich: Haben sich die Opfer geäußert? Oder hüpfen da ein paar Admins freudig kreischend im Gang rum, weil die Systeme den Stresstest bestanden haben? Ich glaube immer noch nicht, dass Paypal ernstlich beeinträchtigt war…ein Überseekabel kappen, o.k., aber hier gilt: Was kratzt es einen skalierten amerikanischen Server, wenn sich Borstenvieh an ihm wetzt…? Gibt es Strafanträge? Wie sollen bitteschön die Log-Dateien aufgearbeitet werden, damit nicht User und DAUs verfolgt werden, deren Rechner, im „Gewitter“ der Ionenkanonen selbst oder über F5 20-100 Mal versucht haben, die Seite zu erreichen? Die LOIC wurde im Hive-Modus (sagt man so?) offenbar mit Pausen und Rückantwort-Option „gefeuert“…
Die öffentliche Diskussion hat derzeit Heise-Troll-Niveau… Kurz: Operation Payback („Verhaftungen“) hat derzeit HOAX-Status.
Ja, Sie lesen die Vorschrift in der Tat falsch, denn der Verweis auf 303 a bezieht sich nur auf die Nr. 1, während wir hier über den Tatbestand von Nr. 2 sprechen. § 303b Abs. 1 Nr. 2 ist folgendermaßen zu lesen:
Wer eine Datenverarbeitung, die für einen anderen von wesentlicher Bedeutung ist, dadurch erheblich stört, dass er Daten (§ 202a Abs. 2) in der Absicht, einem anderen Nachteil zuzufügen, eingibt oder übermittelt wird mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.
@stadler #7
In StGB § 202a Abs. 2 steht aber:
… und die gegen unberechtigten Zugang besonders gesichert sind …
Es steht auch nicht und/oder.
Die Daten von Mastercard und den anderen vorauseilenden Zensoren waren doch nicht besonders gesichert?
Oder, was heißt besonders gesichert?
@Bedarfsträger, #6
Es geht hier nicht um Musik. Da wird das angeblich verbotene Runterladen bestraft.
Meine Frage bezieht sich auf DDoS-Attacken. Dabei wird nichts Verbotenes runtergeladen, es wird nicht geklaut oder missbräuchlich verwendet.
§ 202a Abs. 2 lautet:
Der Verweis lautet nur auf Abs. 1 und nicht auf Abs. 2. Es geht nur um die allgemeine Definition von Daten in § 202a Abs. 2.
13.12, 2010
@Stadler #10
Das Verbot ist im Abs 1 definiert. DDos-Attacken sind im Abs. 1 nicht erfasst.
Abs. 2 schränkt das Verbot noch weiter ein, indem definiert wird, was unter Daten zu verstehen ist.
Somit greift der § 303 b Abs. 1 Nr. 2 StGB nicht gegen die DDoS-Attacken.
§ 303 b Abs. 1 Nr. 2 StGB greift, weil er ja Daten nach § 202a Abs. 2. definiert.
Bin eben manchmal schwer von kp.
15.12, 2010
Soll das also heissen das das mehrfache, hintereinander drücken der Reloadtaste dann auch strafbar ist?
Wer will denn in dem Fall den Vorsatz nachweisen?
Sorry, wer will den wie den Vorsatz nachweisen?