Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Text=KZR%2036/85
Timestamp: 2019-06-19 16:03:47
Document Index: 233040700

Matched Legal Cases: ['BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 33', 'BGH', '§ 26', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH']

BGH, 16.12.1986 - KZR 36/85 - dejure.org
BGH, 16.12.1986 - KZR 36/85
https://dejure.org/1986,1048
BGH, 16.12.1986 - KZR 36/85 (https://dejure.org/1986,1048)
BGH, Entscheidung vom 16.12.1986 - KZR 36/85 (https://dejure.org/1986,1048)
BGH, Entscheidung vom 16. Dezember 1986 - KZR 36/85 (https://dejure.org/1986,1048)
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Rechtsirrtum - Gewerblicher Rechtsschutz - Wettbewerbsrecht - Schadensersatz
GRUR 1987, 564
Im gewerblichen Rechtsschutz werden strenge Anforderungen an die Sorgfaltspflicht gestellt; wer seine Interessen trotz zweifelhafter Rechtslage auf Kosten fremder Rechte wahrnimmt, trägt grundsätzlich das Risiko einer unzutreffenden rechtlichen Beurteilung (BGH GRUR 1987, 564, 566 - Taxi-Genossenschaft).
Durch strenge Anforderungen an seine Sorgfalt muß indessen verhindert werden, daß er das Risiko der zweifelhaften Rechtslage dem anderen Teil zuschiebt (BGH, Urt. v. 16.12.1986 - KZR 36/85, GRUR 1987, 564, 565 - Taxi-Genossenschaft;… Urt. v. 10.10.1989 - KZR 22/88, GRUR 1990, 474, 476 = WRP 1990, 263 - Neugeborenentransporte).
Deshalb sind strenge Anforderungen an die Sorgfalt des Irrenden zu stellen (vgl. BGH, Urteil v. 16.12.1986 -KZR 36/85, WuW/E BGH 2341 ff., Rz. 19 bei juris - Taxizentrale Essen ;… BGH, Urteil v. 10.10.1989 -KZR 22/88, WuW/E BGH 2603 ff., Rz. 23 bei juris - Neugeborenentransporte , jew. m.w.N.).
Liegen bereits "kontroverse Äußerungen" von Behörden bzw. Gerichten vor, kann sich der Irrende umso weniger von einem Sorgfaltsverstoß freisprechen (vgl. BGH, Urteil v. 16.12.1986 -KZR 36/85, WuW/E BGH 2341 ff., Rz. 21 bei juris - Taxizentrale Essen ).
Zwar kann nach der Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs der Rechtsirrtum desjenigen, der seine Interessen trotz zweifelhafter Rechtslage auf Kosten fremder Rechte wahrnimmt, ausnahmsweise dann entschuldigt sein, wenn dem Handelnden nach sorgfältiger Prüfung der Sach- und Rechtslage auch unter Berücksichtigung der schutzwürdigen Interessen des anderen Teils nicht zugemutet werden kann, eine (weitere) Klärung der Rechtslage herbeizuführen oder abzuwarten, ehe er seine Interessen durchzusetzen versucht (vgl. BGH, Urteil v. 16.12.1986 -KZR 36/85, WuW/E BGH 2341 ff., Rz. 24 bei juris - Taxizentrale Essen ).
Bei einer zweifelhaften Rechtsfrage, für welche der rechtsirrig Handelnde keine einheitliche Rechtsprechung zu finden scheint, braucht dies aber nicht zu bedeuten, daß für den Handelnden die Möglichkeit einer ihm ungünstigen gerichtlichen Entscheidung ausgeschlossen erscheinen mußte (BGH, Urt. v. 16.12.1986 - KZR 36/85, GRUR 1987, 564, 565 - Taxi-Genossenschaft;… Urt. v. 10.10.1989 - KZR 22/88, GRUR 1990, 474, 476 = WRP 1990, 263 - Neugeborenentransporte).
Bei einer zweifelhaften Rechtsfrage, für welche der rechtsirrig Handelnde keine einheitliche Rechtsprechung zu finden scheint, braucht dies aber nicht zu bedeuten, daß für den Handelnden die Möglichkeit einer ihm ungünstigen gerichtlichen Entscheidung ausgeschlossen erscheinen mußte (BGH, Urt. v. 16.12.1986 - KZR 36/85, GRUR 1987, 564, 565 - Taxi-Genossenschaft;… Urt. v. 10.10.1989 - KZR 22/88, GRUR 1990, 474, 476 - Neugeborenentransporte).
In diesem Fall kommt ein Schadensersatzanspruch der Klägerin aus § 33 GWB in Betracht (vgl. Senat, BGHZ 36, 91, 100 - Gummistrümpfe; 49, 90, 98 - Jägermeister; Urt. v. 16.12.1986 - KZR 36/85, WuW/E 2341, 2342 - Taxizentrale Essen; v. 12.5.1998 - KZR 23/96, WuW/E DE-R 206 - Depotkosmetik, jeweils zu § 26 Abs. 2 GWB a.F.).
Nach ständiger Rechtsprechung ist die Interessenabwägung unter Berücksichtigung der auf die Freiheit des Wettbewerbs gerichteten Zielsetzung des GWB vorzunehmen (BGHZ 38, 90, 102 - Grote Revers; BGHZ 52, 65, 71 [BGH 03.03.1969 - KVR 6/68] - Sportartikelmesse; BGH, Urt. v. 16.12.1986 - KZR 36/85, WuW/E 2341, 2343 Taxizentrale).
Nach ständiger Rechtsprechung (vgl. BGH, Urt. v. 16.12.1986 - KZR 36/85, GRUR 1987, 564, 565 = WuW/E BGH 2341, 2344 f. - Taxigenossenschaft m.w.N.) ist ein Rechtsirrtum nur dann entschuldigt, wenn der Irrende bei Anwendung der im Verkehr erforderlichen Sorgfalt mit einer anderen Beurteilung durch die Gerichte nicht zu rechnen brauchte.
Zur Vermeidung eines schuldhaften Rechtsirrtums hätte die Beklagte vor ihrem Boykottaufruf zunächst sachkundigen Rechtsrat einholen (vgl. Senat, Urt. v. 16.12.1986 - KZR 36/85, GRUR 1987, 564, 566 = WuW/E BGH 2341, 2345 - Taxigenossenschaft) und danach mit einer anderen Beurteilung ihrer Rechtsauffassung durch die Gerichte rechnen müssen.