Source: https://www.rechtslupe.de/strafrecht/pentedron-und-die-nicht-geringe-menge-3116926
Timestamp: 2019-10-20 03:57:42
Document Index: 26940938

Matched Legal Cases: ['BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH']

"Bade­salz" – und die nicht gerin­ge Men­ge von Pen­te­dron | Rechtslupe
"Badesalz" - und die nicht geringe Menge von Pentedron
Nach Ansicht des Bun­des­ge­richts­hofs leigt der Grenz­werts der nicht gerin­gen Men­ge bei Pen­te­dron bei 15 g Pen­te­dron­ba­se.
Pen­te­dron ist ein psy­cho­ak­ti­ves Cathi­non-Deri­vat aus der Grup­pe der Amphet­ami­ne, das bei Ein­nah­me durch den Men­schen sti­mu­lie­rend und stark ent­aktogen wirkt und im Ver­gleich mit Amphet­amin deut­lich neben­wir­kungs­rei­cher und sucht­er­zeu­gen­der ist. Das erst­mals 2010 ana­ly­sier­te Pen­te­dron wird häu­fig in Legal High-Pro­duk­ten ("Bade­salz") ein­ge­setzt.
Nach der vom Bun­des­ge­richts­hof in stän­di­ger Recht­spre­chung ver­wen­de­te Metho­de 1 ist der Grenz­wert der nicht gerin­gen Men­ge eines Betäu­bungs­mit­tels stets in Abhän­gig­keit von des­sen kon­kre­ter Wir­kungs­wei­se und inten­si­tät fest­zu­le­gen. Maß­geb­lich ist zunächst die äußerst gefähr­li­che, gar töd­li­che Dosis des Wirk­stoffs 2. Feh­len hier­zu gesi­cher­te Erkennt­nis­se, so errech­net sich der Grenz­wert als ein Viel­fa­ches der durch­schnitt­li­chen Kon­sum­ein­heit eines nicht an den Genuss die­ser Dro­ge gewöhn­ten Kon­su­men­ten. Das Viel­fa­che ist nach Maß­ga­be der Gefähr­lich­keit des Stof­fes, ins­be­son­de­re sei­nes Abhän­gig­keit aus­lö­sen­den oder sonst die Gesund­heit schä­di­gen­den Poten­ti­als zu bemes­sen 3. Las­sen sich auch zum Kon­sum­ver­hal­ten kei­ne aus­rei­chen­den Erkennt­nis­se gewin­nen, so ent­schei­det ein Ver­gleich mit ver­wand­ten Wirk­stof­fen 4.
Im hier ent­schie­de­nen Fall hat­te der erst­in­stanz­li­che Sach­ver­stän­di­ge die sti­mu­lie­ren­den und stark eupho­ri­sie­ren­den Wir­kungs­wei­sen des Pen­te­dron als Cathi­non-Deri­vat zugrun­de gelegt, die denen von Amphet­amin und Metham­phet­amin ver­gleich­bar sind. Eben­so wie bei den genann­ten Stof­fen füh­re auch der Kon­sum von Pen­te­dron regel­mä­ßig u.a. zu einer Erhö­hung der Herz­fre­quenz, des Blut­drucks und der Kör­per­tem­pe­ra­tur. Von der Ver­gleich­bar­keit in den Wir­kungs­wei­sen mit Amphet­amin und Metham­phet­amin ist auch der Ver­ord­nungs­ge­ber bei der suk­zes­si­ve erfolg­ten Auf­nah­me zahl­rei­cher Cathi­non-Deri­va­te in die Anla­ge – II des Betäu­bungs­mit­tel­ge­set­zes aus­ge­gan­gen 5. Bei Bestim­mung des Grenz­werts anhand der im vor­ste­hen­den Absatz genann­ten Kri­te­ri­en hat der Sach­ver­stän­di­ge Urteils­grün­de in den Blick genom­men, dass es in Bezug auf Art und Umfang des Kon­sums von Pen­te­dron kei­ne "nen­nens­wer­ten Publi­ka­tio­nen", son­dern ledig­lich ver­öf­fent­lich­te Erfah­rungs­be­rich­te von Kon­su­men­ten gibt 6. Ange­sichts der aus­rei­chend beleg­ten Ver­gleich­bar­keit der Wir­kungs­wei­sen mit denen von Amphet­amin und Metham­phet­amin sowie den aus den Erfah­rungs­be­rich­ten gewon­ne­nen Erkennt­nis­sen über das Kon­sum­ver­hal­ten sowohl von erfah­re­nen als auch nicht erfah­re­nen Kon­su­men­ten konn­te sich das Land­ge­richt, auch inso­weit dem Sach­ver­stän­di­gen fol­gend, bei der Fest­le­gung des Grenz­werts an der bei Amphet­amin und Metham­phet­amin aner­kann­ten Maß­zahl von Kon­sum­ein­hei­ten ori­en­tie­ren. Die Bestim­mung der sicher wirk­sa­men Kon­sum­men­ge mit 90 mg Pen­te­dron­hy­dro­chlo­rid ist ange­sichts der mit­ge­teil­ten vor­kom­men­den Kon­sum­ge­wohn­hei­ten so vor­sich­tig erfolgt, dass eine dem Ange­klag­ten nach­tei­li­ge Annah­me aus­ge­schlos­sen ist. Aus­ge­hend von 200 Kon­sum­ein­hei­ten als Maß­zahl und einer sicher wirk­sa­men Kon­sum­men­ge von 90 mg Pen­te­dron­hy­dro­chlo­rid ist die Fest­le­gung des Grenz­wer­tes bei 18 g Pen­te­dron­hy­dro­chlo­rid und ent­spre­chend 15 g Pen­te­dron­ba­se nicht zu bean­stan­den.
Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 13. Okto­ber 2016 – 1 StR 366/​16
Tarif­li­che Aus­schluss­fris­ten – und ihre Wah­rung Tarif­li­che Aus­schluss­fris­ten die­nen der Rechts­si­cher­heit und Rechts­klar­heit. Der Anspruchs­geg­ner soll sich auf die nach Auf­fas­sung des Anspruch­stel­lers noch offe­ne For­de­rung recht­zei­tig ein­stel­len, Bewei­se sichern und…
sie­he etwa BGH, Urtei­le vom 14.01.2015 – 1 StR 302/​13, BGHSt 60, 134 ff. Rn. 35; und vom 05.11.2015 – 4 StR 124/​14, Stra­Fo 2016, 37[↩]
BGH, Urtei­le vom 22.12 1987 – 1 StR 612/​87, BGHSt 35, 179; vom 14.01.2015 – 1 StR 302/​13, BGHSt 60, 134 ff. Rn. 35; und vom 05.11.2015 – 4 StR 124/​14, Stra­Fo 2016, 37[↩]
vgl. BGH, Urtei­le vom 24.04.2007 – 1 StR 52/​07, BGHSt 51, 318, 322; vom 17.11.2011 – 3 StR 315/​10, BGHSt 57, 60, 63 f.; vom 14.01.2015 – 1 StR 302/​13, BGHSt 60, 134 ff. Rn. 35; und vom 05.11.2015 – 4 StR 124/​14, Stra­Fo 2016, 37[↩]
vgl. BR-Drs. 317/​12 S. 9 bzgl. der 26. BtMÄnd­VO vom 20.07.2012; sie­he auch Patzak in Körner/​Patzak/​Volkmer, BtMG, 8. Aufl., Stof­fe, Teil 1. Betäu­bungs­mit­tel Rn. 351 mwN[↩]
vgl. zur Bedeu­tung sol­cher Erfah­rungs­be­rich­te BGH, Urteil vom 14.01.2015 – 1 StR 302/​13, BGHSt 60, 134 ff. Rn. 51[↩]
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