Source: https://arbeitssicherheit-mv.com/arbeitgeber-arbeitsschutz/
Timestamp: 2019-06-25 16:46:43
Document Index: 235627855

Matched Legal Cases: ['§ 5', '§ 3', '§ 6', '§ 5', '§ 3', '§ 3', '§ 3', '§ 4', '§ 6']

Gefährdungsbeurteilung | Arbeitssicherheit Arbeitsschutz Rostock MV
Weshalb muss ich als Arbeitgeber eine Gefährdungsbeurteilung durchführen?
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Geschrieben Uta Richter
Ohne Beurteilung keine Verbesserung. Sind die Gesundheitsgefahren am Arbeitsplatz nicht bekannt, kann sich auch niemand davor schützen. Eine der grundlegenden Aufgaben des betrieblichen Arbeits- und Gesundheitsschutzes ist es, die Arbeitsbedingungen zu beurteilen, d.h. mögliche Gefährdungen für die Gesundheit und Sicherheit der Beschäftigten festzustellen. Ermittelte Gefahren können durch Verbesserungsmaßnahmen abgestellt oder gemindert werden.
Quelle: Regine Rundnagel, ErgoOnline
Mögliche Gefahrenquellen im Arbeitsprozess
Das Arbeitsschutzgesetz verweist allgemein auf mögliche Gefahrenquellen. Sie werden zum Beispiel für Bildschirmarbeit in der Bildschirmarbeitsverordnung oder für Arbeitsstätten in der Arbeitsstättenverordnung durch Gestaltungsanforderungen konkretisiert. Die Gefährdung kann gegeben sein durch:
die Arbeitsumgebung: physikalische, chemische und biologische Einwirkungen wie Lärm, Klima, Gefahrstoffe
die Arbeitsmittel: Maschinen und Geräte, z.B. Bildschirm
Die aufgezählten Gefährdungsbereiche im Gesetz sind nicht abschließend, es kommt auf die jeweilige betriebliche Situation an. Ausgangspunkt ist der grundsätzliche Anspruch, den der Gesetzgeber im Arbeitsschutzgesetz fordert: die Vermeidung von Unfällen, Berufskrankheiten und arbeitsbedingter Erkrankungen und die menschengerechte Gestaltung von Arbeit. Prävention, wie sie hier als Leitbild definiert wird, nutzt dem Unternehmen und den Beschäftigten, weil es Gesundheit und Leistungsfähigkeit der Beschäftigten langfristig erhält. Die Gefährdungsbeurteilung ist Voraussetzung hierfür.
Eine Beurteilung der Arbeitsbedingungen und der dort möglichen Gefähdungen sollte entlang der Arbeitsprozesse im Unternehmen durchgeführt werden, denn nur so ist es möglich, Gefährdungen vollständig zu erfassen.
Seit Inkrafttreten des Arbeitsschutzgesetzes 1996 ist die Gefährdungsbeurteilung gesetzliche Vorschrift. Die Pflicht zur Gefährdungsbeurteilung ist auch in der Berufsgenossenschaftlichen Vorschrift (Unfallverhütungsvorschrift) DGUV Vorschrift 1 „Grundsätze der Prävention“ geregelt:
Rechtlich bindende Vorschriften zur Gefährdungsbeurteilung
Beurteilung der für die Beschäftigten mit ihrer Arbeit verbundenen Gefährdungen
Ermittlung der erforderlichen Maßnahmen des Arbeitsschutzes
Beurteilung je nach Art der Tätigkeit
Bei gleichartigen Arbeitsbedingungen reicht die Beurteilung eines Arbeitsplatzes/einer Tätigkeit aus
gesetz § 5
Verpflichtung des Arbeitgebers, die erforderlichen Maßnahmen des Arbeitsschutzes zu treffen
Überprüfung der Maßnahmen auf ihre Wirksamkeit
Anpassung an sich ändernden Gegebenheiten
gesetz § 3
Bereithalten der erforderlichen Unterlagen zu den Ergebnissen der Gefährdungsbeurteilung, den Maßnahmen und dem Ergebnis ihrer Überprüfung je nach Art der Tätigkeiten und der Zahl der Beschäftigten
gesetz § 6
Beurteilung der für die Versicherten mit ihrer Arbeit verbundenen Gefährdungen, Ermittlung der erforderlichen Maßnahmen
Überprüfung der Gefährdungsbeurteilungen insbesondere dann, wenn sich die betrieblichen Gegebenheiten hinsichtlich Sicherheit und Gesundheitsschutz verändert haben
Dokumentation des Ergebnisses der Gefährdungsbeurteilung, der festgelegten Maßnahmen und des Ergebnisses ihrer Überprüfung
Auskunftspflicht gegenüber der Berufsgenossenschaft zu allen Informationen über die im Betrieb getroffenen Maßnahmen des Arbeitsschutzes
Beurteilung der Arbeitsbedingungen bei Bildschirmarbeitsplätzen insbesondere hinsichtlich einer möglichen Gefährdung des Sehvermögens sowie körperlicher und psychsicher Belastungen
Gefährdungsbeurteilung in Bezug auf das Einrichten und Betreiben von Arbeitsstätten unter Einbezug der gesicherten arbeitswissenschaftlichen Erkenntnisse und Sicherstellung fachkundiger Durchführung
Ermittlung der notwendigen Maßnahmen für die sichere Bereitstellung und Benutzung der Arbeitsmittel unter Berücksichtigigung von Gefährdungen, die mit der Benutzung des Arbeitsmittels selbst verbunden sind und die am Arbeitsplatz durch Wechselwirkungen der Arbeitsmittel untereinander oder mit Arbeitsstoffen oder der Arbeitsumgebung hervorgerufen werden, Ermittlung der notwendigen Prüfungen und Prüffristen
Im Rahmen der Gefährdungsbeurteilung nach § 5 des Arbeitsschutzgesetzes hat der Arbeitgeber die Gefährdung der Beschäftigten durch die Tätigkeiten mit Biostoffen vor Aufnahme der Tätigkeit zu beurteilen. Die Gefährdungsbeurteilung ist fachkundig durchzuführen. Verfügt der Arbeitgeber nicht selbst über die entsprechenden Kenntnisse, so hat er sich fachkundig beraten zu lassen.
Im Rahmen einer Gefährdungsbeurteilung des Arbeitsschutzgesetzes hat der Arbeitgeber festzustellen, ob die Beschäftigten Tätigkeiten mit Gefahrstoffen ausüben oder ob bei Tätigkeiten Gefahrstoffe entstehen oder freigesetzt werden können.
verordnung § 3 Arbeitsstätten- verordnung § 3 Betriebssischer- heitsverordnung § 3
verordnung § 4 Gefahrstoff-
verordnung § 6
Die Überprüfung der Wirksamkeit von Maßnahmen zur Vermeidung oder Minderung von Gefährdungen ist ein selbstverständlicher Schritt im systematischen Arbeitssschutz. Das kann z.B. die Prüfung der Wirkung technischer Maßnahmen sein, wie Lärmmessungen oder Befragungen der Betroffenen nach Einbau einer Lärmdämmung, oder die Prüfung der Umsetzung von Regeln zu sicherheitsgerechtem Verhalten, wie die Anweisung zur Nutzung von Aufstiegshilfen.
Die Dokumentation der Gefährdungsbeurteilung, der Ergebnisse, der Maßnahmen und ihrer Überprüfung auf Wirksamkeit bietet die Grundlage, Entwicklungen nachzuvollziehen und Erfolge aufzuzeigen. Sie ist also nicht allein eine Nachweispflicht für die staatlichen Arbeitsschutzbehörden oder die Berufsgenossenschaften, sondern ein Schritt zu einem Arbeitsschutzmanagement.
im Planungsstadium von Arbeitsplätzen (vorausschauende, prospektive Gefährdungsbeurteilung),
ein Arbeitsplatz in Betrieb genommen wurde
Arbeitsplätze und Arbeitsaufgaben sich grundlegend ändern und damit die möglichen Gefährdungen,
Beschäftigte wechseln und sich dadurch Gefährdungen ändern,
Personen nach Krankheit wieder eingegliedert werden sollen,
oder wenn auf die Tätigkeit zurückführbare Beschwerden auftreten
muss eine erneute Beurteilung der Arbeitsbedingungen erfolgen.
Die aktive Einbeziehung und Information der Beschäftigten ist sehr zu empfehlen. Sie wird sogar von den überbetrieblichen Arbeitsschutzinstitutionen gefordert (vgl. GDA-Leitlinie). Die Beteiligung der Beschäftigten kann sich beziehen auf:
Information über die Ergebnisse und die ergriffenen Maßnahmen
Unterweisung zu den festgestellten Gefährdungen und präventivem Verhalten
Durch Partizipation werden Beschäftigte sensibilisiert und akzeptieren Verbesserungsmaßnahmen eher, wenn sie selbst daran mitarbeiten können. Das stärkt Eigenverantwortung für gesundheitsgerechtes Verhalten. Im Rahmen der Unterweisung haben die Beschäftigten das Recht, über die Ergebnisse der Gefährdungsbeurteilung und die getroffenen Maßnahmen informiert zu werden. Ohne diese Informationen können sie sich nicht sicherheits- und gesundheitsgerecht verhalten.
Eine systematische Analyse aller möglichen Gefährdungen und ihre Beurteilung hinsichtlich des Risikos für die Sicherheit und die Gesundheit erfordert Fachkunde. Beratend stehen hierzu die Fachkraft für Arbeitssicherheit und der Betriebsarzt zur Verfügung. Die Durchführung der Gefährdungsbeurteilung gehört nicht automatisch zu ihren Aufgaben, zumindest nicht innerhalb der gesetzlich vorgeschriebenen Einsatzzeiten. Spezielle Fachkunde kann erforderlich sein bei der Prüfung der Arbeitsmittel auf Elektrosischerheit (Elektrofachkraft) oder der Lärmmessung zur Bestimmung des Beurteilungspegels .
Sinnvoll ist es, das Vorgehens zu planen, die verantwortlichen Personen, die Verfahrensschritte festzulegen und in größeren Betrieben ein Analyseteam zu bilden. Der Gesetzgeber schreibt keine konkrete Methode vor. Die Berufsgenossenschaften verweisen auf einen notwendigen SOLL-IST-Vergleich mit dem gesetzlichen Vorschriften und dem technischen Regelwerk. Werden diese als Beurteilungskriterien für das Gefährdungsrisiko genutzt, besteht Rechtssicherheit für die Verantwortlichen.
Die Gefährdungsbeurteilung ist kein einmaliger Vorgang. Die Verpflichtung Verbesserungs-maßnahmen auf ihre Wirksamkeit hin zu überprüfen, macht es erforderlich, im Betrieb ein regelmäßiges Verfahren zur Gefährdungsanalyse zu etablieren. Auch fordert das Arbeitsschutzgesetz, die Verbesserung der Sicherheit und des Gesundheitsschutzes der Beschäftigten anzustreben. Damit wird der Arbeits- und Gesundheitsschutz im Betrieb als ein kontinuierlicher Verbesserungsprozess verankert, so wie alle anderen Prozesse des Qualitätsmanagements in einem Unternehmen.
Das Mutterschutzgesetz verpflichtet den Arbeitgeber bei Beschäftigung einer werdenden oder stillenden Mutter die erforderlichen Maßnahmen zu ihrem Gesundheitsschutz zu treffen. Die Verordnung zum Schutze der Mütter am Arbeitsplatz fordert dazu konkretisierend die rechtzeitige Beurteilung der Arbeitsbedingungen. Auch mögliche Gefährdungen durch Stress müssen hierbei berücksichtigt werden.
Kehrt ein erkrankter oder verunfallter Beschäftigter, oder ein Beschäftigter der schwerbehindert oder von Schwerbehinderung bedroht ist, in den Betrieb zurück, ist in einem Wiedereingliederungsgespräch nach SGB IX der Einsatz am alten Arbeitsplatz zu klären. Dies erfordert möglicherweise eine Analyse der dortigen Gefährdungen vor dem Hintergrund der Möglichkeiten des Rehabilitanten – auch wenn dies evt. nur vorübergehend ist. Eine Prüfung muss auch für einen Einsatz auf einen neuen Arbeitsplatz erfolgen.
Vollständigkeit – Berücksichtigung aller Tätigkeiten, Arbeitsplätze und Gefährdungs- und Belastungsfaktoren
Quelle: ErgoOnline
Gefährdungsbeurteilung, Ratgeber
Arbeitsschutzgesetz, Arbeitsstättenverordnung, Bildschirmarbeitsverordnung, Gefährdungsbeurteilung, MV, Rostock, Uta Richter