Source: https://gez-boykott.de/Forum/index.php?topic=18629.msg153320
Timestamp: 2020-08-07 21:31:27
Document Index: 50877380

Matched Legal Cases: ['§ 80', '§ 80', '§ 80', '§ 80', '§ 80', '§ 80', '§ 80', '§ 80', '§1', '§ 1', '§1', '§ 1']

Autor Thema: Vollstreckungsrechtliche Folgen eines fehlenden Leistungsgebotes im Bescheid (Gelesen 12473 mal)
« Antwort #15 am: 21. Juni 2017, 22:50 »
An dieser Stelle dürfte auch der
Beschluss des VG Gera vom 6. Mai 2004, 5 E 71/04 (PDF, Seite 5)
http://www.thovg.thueringen.de/OVGThueringen/rechtsp.nsf/6c24af328dcfcb8cc1256ab9002dd3c/9c49e94ffe31f322c1256ea500160f34/$FILE/04-5E-00071-B-A.pdf
Der Festsetzungsbescheid ist ein feststellender Verwaltungsakt i.S.v. § 80 Abs. 1 Satz 2 VwGO, da er feststellt, dass für das veranlagte Grundstück die sachliche Beitragspflicht in Höhe von insgesamt 629,28 € entstanden ist. Über die Festsetzung hinaus enthält er aber noch keine weitere Regelung, insbesondere hinsichtlich eines Leistungsgebotes bzw. der Fälligkeit des Beitrages. Sein Regelungsgehalt geht über die Festsetzung nicht hinaus. Damit beinhaltet der Festsetzungsbescheid auch keine Anforderung von öffentlichen Abgaben und Kosten i. S. v. § 80 Abs. 2 Nr. 1 VwGO, so dass die aufschiebende Wirkung des Widerspruchs nicht entfällt. Denn Anforderung i. S. v. § 80 Abs. 2 Nr. 1 VwGO ist nicht die bloße Festsetzung, ohne dass ein Leistungs- oder Heranziehungsbescheid ergeht (vgl. Bader/Funke-Kaiser/Kuntze/von Albedyll, Verwaltungsgerichtsordnung, Kommentar, 2. Auflage, § 80 Rn. 30). Ob der Widerspruch nun den Vollzug oder die Wirksamkeit des angefochtenen Verwaltungsaktes hemmt, kann dahingestellt bleiben, da die Behörde jedenfalls keine für den Antragsteller nachteiligen Folgen – rechtlicher oder tatsächlicher Art – aus dem angefochtenen Bescheid ziehen darf (vgl. Finkelnburg/Jank, Vorläufiger Rechtsschutz im Verwaltungsstreitverfahren, 4. Aufl., Rn. 645). Damit hätte der Antragsgegner den 1. Teilleistungsbescheid nicht erlassen und die Forderung nicht fällig stellen dürfen.
vgl. auch die Erwähnung und Diskussion unter
Inhaltliche Unbestimmtheit von Beitragsfestsetzungen
http://gez-boykott.de/Forum/index.php/topic,14091.msg95122.html#msg95122
« Letzte Änderung: 22. Juni 2017, 00:48 von DumbTV »
« Antwort #16 am: 22. Juni 2017, 08:49 »
Das Gericht ist der Meinung, dass der Widerspruch gegen die Festsetzung aufschiebende Wirkung hat und dass die Leistungsaufforderung dann nicht ergehen darf:
3. Der Antrag ist allerdings begründet, da der 1. Teilleistungsbescheid im Hinblick auf die
aufschiebende Wirkung des Widerspruchs gegen den Festsetzungsbescheid nicht hätte
ergehen dürfen.
Nach § 80 Abs. 1 Satz 1 Verwaltungsgerichtsordnung (VwGO) haben Widerspruch und
Anfechtungsklage aufschiebende Wirkung. Das gilt nach § 80 Abs. 1 Satz 2 VwGO
grundsätzlich auch für feststellende Verwaltungsakte. Die aufschiebende Wirkung entfällt
nach § 80 Abs. 2 Nr. 1 VwGO lediglich bei der Anforderung von öffentlichen Abgaben und
Kosten. In diesen Fällen kann das Gericht nach § 80 Abs. 5 Satz 1 VwGO die aufschiebende
Wirkung anordnen.
Wie ist das beim Rundfunk zu verstehen?
Hier gibt es die ominösen Festsetzungsbescheide in denen
- Zeitraum und Beitrag festgesetzt werden
- Es aber kein Leistungsgebot für den festgesetzten Beitrag gibt.
Der Widerspruch gegen die Festsetzung müsste nach der Logik des Gerichtes oben das Leistungsgebot (wenn es überhaupt eines gibt) unwirksam machen.
Eine Zwangsvollstreckung ist demnach nicht rechtmäßig!
« Letzte Änderung: 22. Juni 2017, 19:19 von Bürger »
« Antwort #17 am: 22. Juni 2017, 09:57 »
Zu beachten ist, dass Bescheide vor ca. 2014/9 noch als "Gebühren-/Beitragsbescheid" betitelt waren und einen Satz mit einer Bitte enthielten "Bitte zahlen Sie umgehend den festgesetzten Betrag." -->
Das könnte als Leistungsgebotes angesehen werden. Dann folgte der Satz "Dadurch vermeiden Sie die Einleitung von Mahn- und Vollstreckungsmaßnahmen." -> Wobei jetzt klar ist, dass genau das nicht der Fall sein würde, wenn z.B. einem ersten Bescheid mit Antrag auf Aussetzung widersprochen wurde oder der erste Bescheid nicht bekannt gegeben wurde und ein zweiter dann bezahlt worden wäre. So wäre unter Umständen trotzdem eine Vollstreckung für den zweiten Bescheid zu erwarten gewesen weil die Zahlung auf den ersten Bescheid verrechnet wurden wäre. Dieser Punkt sollte hier nicht weiter Thema sein.
Bei den Festsetzungsbescheiden wurde dann erst dieser Satz geändert in einen Aussagesatz mit vorgeschobener Bedingung. "Wenn Sie den offenen Gesamtbetrag von xxx.xx EUR umgehend begleichen, können Sie Mahnmaßnahmen vermeiden, die mit weiteren Kosten verbunden sind." (Satz aus 09/2014) --> Das mit einer Zahlung Vollstreckungsmaßnahmen vermieden würden ist entfallen, bei neueren ist das vielleicht anders.
Es gilt jedoch, der Gesamtbetrag kann vom festgesetzten Betrag abweichen. Durch die Kontoführung wird es aber nur möglich Mahnmaßnahmen zu vermeiden, wenn alles bezahlt würde also auch unbekannte Bescheide oder auch strittige. Aber auch das sollte hier nicht weiter Thema sein.
Der Aussagesatz mit vorgeschobener Bedingung ist kein Leistungsgebot oder ein Heranziehungsbefehl.
Ob die ältere Bitte bis 2014/9 als Leistungsgebot verstanden werden sollte, ist aber ebenso fraglich, denn es fehlt die Angabe des "wo" zu bezahlen ist.
https://de.wikipedia.org/wiki/Leistungsgebot
Das Leistungsgebot muss Angaben darüber enthalten, wann, wo und wie die Leis­tung zu bewirken ist.
« Letzte Änderung: 22. Juni 2017, 19:21 von Bürger »
« Antwort #18 am: 22. Juni 2017, 11:13 »
Danke an Philosoph, für das Fundstück.
Wir werden hier in Karlsruhe die Gerichte verstärkt mit diesem Thema in Erinnerungen, Rechtschutz und Klage konfrontieren.
« Antwort #19 am: 22. Juni 2017, 12:06 »
Zitat von: PersonX am 22. Juni 2017, 09:57
--> Das mit einer Zahlung Vollstreckungsmaßnahmen vermieden würden ist entfallen, bei neueren ist das vielleicht anders.
Anbei mal ein "druckfrischer" "Festsetzungsbescheid".
Ein Leistungsgebot kann ich hier nicht erkennen....
Hier ist zu beachten, daß mitgeteilt wurde, daß Vollstreckungsmaßnahmen eingeleitet wurden. Besonders schön, da die durchschnittliche Postlaufzeit vom BS zum Bürger mindestens 1 Woche beträgt.
4. Festsetzungsbescheid_anonym.jpg (172.17 KB, 621x876 - angeschaut 358 Mal.)
« Antwort #20 am: 22. Juni 2017, 12:31 »
Zitat von: Philosoph am 22. Juni 2017, 12:06
Hier ist zu beachten, daß mitgeteilt wurde, daß Vollstreckungsmaßnahmen eingeleitet wurden.
Das scheint im Moment der neueste Ausfluß mangelden Gehirnschmalzes zu sein, um den Bürger einschüchtern zu wollen.
Erst die Drohung mit einem unrechtmäßigen Vollstreckungstitel und nun die Drohung mit einer unrechtmäßigen Zwangsvollstreckung.
Ich kann mir schon den Festsetzungsbescheid im nächsten Jahr vorstellen:
"Für Rückstände, die bereits mit vorangegangenen Bescheiden festgesetzt und erfolglos zwangsvollstreckt wurden, haben wir Ihre Haft beantragt."
« Antwort #21 am: 22. Juni 2017, 13:02 »
Eine PersonX kann auch kein Leistungsgebot erkennen.
Vielleicht vergleiche jeder seinen aktuellen mit einem Festsetzungsbescheid aus 01.09.2014
http://gez-boykott.de/Forum/index.php/topic,11015.msg75357.html#msg75357
Es gibt Unterschiede. Vielleicht auch aktuell im Fall das noch keine Vollstreckung läuft. Also vielleicht gibt es somit auch noch eine weitere Variante mit dem Text "können Sie künftige Vollstreckungsmaßnahmen vermeiden." jedoch ohne den Satz "Für Rückstände, die bereits mit ... die Zwangsvollstreckung eingeleitet."
Bitte den Bescheid nochmal ganz genau lesen.
Wenn Sie den offenen Gesamtbetrag von xxx.xx EUR umgehend begleichen, können Sie künftige Vollstreckungsmaßnahmen vermeiden.
Das Angebot ist doch super praktisch. Jetzt schnell noch den "Gesamtbetrag" bezahlen und dann gibt es keine "künftige" Vollstreckungsmaßnahmen.
Was passiert dann bei einem neuen Bescheid? -> natürlich gibt es bei Nichtzahlung keine Vollstreckung, denn schließlich ist diese Aussage in dem Bescheid eine dauerhafte Regelung, weil doch Aussagen für die Zukunft festgelegt werden.
Diese Aussage stellt doch eine dauerhafte Begünstigung, welche an eine einmalige Bedingung gekoppelt ist, dar.
https://www.anwalt24.de/lexikon/verwaltungsakt_mit_dauerwirkung
https://wuecampus2.uni-wuerzburg.de/moodle/mod/book/view.php?id=73504&chapterid=815
http://www.juraforum.de/lexikon/verwaltungsakt-mit-dauerwirkung
http://www.rechtslexikon.net/d/verwaltungsakt-mit-dauerwirkung/verwaltungsakt-mit-dauerwirkung.htm
Was passiert mit der aktuellen Vollstreckung? -> Natürlich läuft diese weiter, zumindest schon wegen der Kosten.
Zu Risiken und Nebenwirkungen befragen Sie einen Anwalt Ihres Vertrauens.
Vielleicht sollte der Festsetzungsbescheid "Verwaltungsakt" bezüglich seiner Elemente und Art zerlegt werden.
Aber nur, wenn auch die Legaldefinition zu Grunde gelegt werden kann, zu welcher auch die Zerlegung passt.
« Letzte Änderung: 24. August 2017, 00:37 von Bürger »
« Antwort #22 am: 22. Juni 2017, 13:29 »
Der Festsetzungsbescheid war hier auch schon Thema - siehe Vollstreckungsboard unter "Bremen"
http://gez-boykott.de/Forum/index.php/topic,22112.msg144618.html#msg144618
« Letzte Änderung: 22. Juni 2017, 19:18 von Bürger »
« Antwort #23 am: 23. August 2017, 14:16 »
Die Sache wurde anscheinend auch hier schon diskutiert:
http://gez-boykott.de/Forum/index.php/topic,14210.msg95662.html#msg95662
http://gez-boykott.de/Forum/index.php/topic,17517.msg115248.html#msg115248
« Antwort #24 am: 27. August 2017, 12:11 »
Es geht auch ohne "Leistungsgebot" im Festsetzungsbescheid:
VwVG NRW §1
Daß die sogen. "Zahlungsaufforderung" der LRAn (mangels Angabe der "Behörde" LRA, Rechtsmittelbelehrung etc.) kein Verwaltungsakt ist, kann bei dieser Formulierung glattweg ignoriert werden.
Da das aber Landes-VwVG ist, kann sich das allerdings von Bundesland zu Bundesland unterscheiden.
« Antwort #25 am: 28. August 2017, 00:57 »
... und wie das im Gesetz (§ 1 VwVGNRW) dann weitergeht ! Gigantisch.
Das dürfte auch in anderen Bundesländern - außer NRW - Argumentationshilfe bieten.
« Antwort #26 am: 28. August 2017, 23:21 »
Soweit ich diesen Paragraphen verstehe: VwVG NRW §1 (4):
Sätze 1-3: "Einwendungen gegen die Forderung" können geltend gemacht werden (VwVG -> Verwaltungsgericht), der Schuldner ist über dieses Recht aufzuklären.
Sätze 4ff: Sollten eingereichte "Einwendungen" ohne nachfolgende Klage bleiben (4 Wochen für Klageantrag), oder die Klage zu den "Einwendungen" rechtskräftig von einem Gericht abgewiesen werden, sind keine weiteren verwaltungsrechtlichen Rechtsmittel mehr möglich -> die Verwaltungsvollstreckung endet hier -> es findet ab jetzt die Zwangsvollstreckung nach ZPO statt.
Speziell nach verlorener "Einwendungs"-Klage würde eine Unterschrift eines Richters vorliegen -> möglicherweise ist (generell?) nach erfolglosen Einwendungen aus dem vollstreckbaren Titel ein rechtskräftiger Titel geworden -> möglicherweise kann dann (in Zwangsvollstreckung) vor dem AG noch weniger argumentiert werden.
« Antwort #27 am: 30. August 2017, 15:08 »
Zitat von: maikl_nait am 28. August 2017, 23:21
Ich verstehe § 1 Abs. 4 VwVG-NRW komplett anders. Es steht doch eindeutig da (oder täusche ich mich?):
Darüber, dass der Schuldner Klage zu erheben hat, lese ich jedenfalls nichts... [?] Er macht Einwendungen gegen die Forderung, Gläubiger/in muss dann klagen. Hauptstreitpunkt ist die Forderung. Vollstreckungsrechtliche Aspekte können evtl. mitverhandelt werden. Fakt scheint, der Schuldner muss nicht, wie in anderen Bundesländern, mühsam um Einstellung der Vollstreckung ringen während einer gerichtlichen Auseinandersetzung.
Nun lebe ich nicht in NRW und habe mich nicht vertieft mit dortigem Landesrecht auseinandergesetzt. Es würde mich aber trotzdem interessieren, da hier anscheinend dem erhöhten Rechtsschutzbedürfnis der Schuldner/in endlich mal Rechnung getragen wird, was dem Selbsttitulierungsrechts der Behörden u.ä. öff-rechtl. Gläubiger/innen Rechnung geschuldet ist.
Aber ich bemerke grad, wir sind OT - und sollten diese Diskussion hier auslagern und woanders weiterführen
« Letzte Änderung: 30. August 2017, 15:40 von cecil »
« Antwort #28 am: 02. September 2017, 00:38 »
Danke für den Hinweis -- jetzt wo ich es zum x+1. Mal lese, stimmt wohl.
Aber: die Einwendungen landen ja bei der Vollstreckungsbehörde, nicht bei einem Richter. Möglicherweise ist dort dann wichtig, was die Vollstreckungsbehörde als "Einwendungen" auffassen kann und/oder muß.
« Antwort #29 am: 02. September 2017, 18:10 »
Danke @maikl_nait.
Es wurde dazu weiteres kommentiert: