Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Text=BVerwGE%2044,%20333
Timestamp: 2017-10-24 00:37:37
Document Index: 320244864

Matched Legal Cases: ['§ 35', '§ 51', '§ 7', '§ 42', '§ 51', '§ 51', '§ 51', '§ 51', '§ 48']

BVerwG, 30.01.1974 - VIII C 20.72 - dejure.org
Wehrpflichtigen-Mietzuschuß
§ 35 VwVfG, § 51 VwVfG, Zweitbescheid, Anspruch auf ermessensfehlerfreie Entscheidung über Wiederaufnahme
Voraussetzungen des Anspruchs eines Wehrpflichtigen auf Gewährung eines Mietzuschusses - Entscheidung über das Wiederaufgreifen eines rechtsbeständig abgeschlossenen Verfahrens im Unterhaltssicherungsrecht - Anspruch auf Erlass eines Zweitbescheids im Unterhaltssicherungsrecht - Beachtung des Grundsatzes der materiellen Gerechtigkeit im Unterhaltssicherungsrecht - Beachtung des Grundsatzes der Rechtssicherheit im Unterhaltssicherungsrecht
USG § 7 Abs. 2 Nr. 5; VwGO §§ 42, 114
Wird - wie hier - die Rücknahme eines bestandskräftigen belastenden Verwaltungsaktes begehrt, ist bei der Ausübung des Rücknahmeermessens in Rechnung zu stellen, dass dem Grundsatz der materiellen Gerechtigkeit prinzipiell kein größeres Gewicht zukommt als dem Grundsatz der Rechtssicherheit, sofern dem anzuwendenden Recht nicht ausnahmsweise eine andere Wertung zu entnehmen ist (vgl. Urteil vom 30. Januar 1974 - BVerwG 8 C 20.72 - BVerwGE 44, 333 ; Beschluss vom 22. Oktober 1984 - BVerwG 8 B 56.84 - NVwZ 1985, 265).
Derartige Umstände, nach denen die Aufrechterhaltung des Erstbescheides schlechthin unerträglich wäre, etwa die offensichtliche Fehlerhaftigkeit des rechtskräftigen Urteils oder ein Verstoß gegen die guten Sitten oder Treu und Glauben (…vgl. dazu Urteile vom 19. Oktober 1967 - BVerwG 3 C 123.66 - [BVerwGE 28, 122, 127] und vom 30. Januar 1974 - BVerwG 8 C 20.72 - [BVerwGE 44, 333, 336], Beschluß vom 16. August 1989 - BVerwG 7 B 57.89 - [Buchholz 421.0 Nr. 268]), sind hier nicht ersichtlich.
Das öffentliche Interesse, das in diesen Fällen den ausschließlichen Maßstab für die Rücknahmeentscheidung bildet, wird nicht nur vom Grundsatz der Gesetzmäßigkeit der Verwaltung, sondern ebenso vom Gesichtspunkt der Rechtssicherheit bestimmt (vgl. nur Urteil vom 30. Januar 1974 - BVerwG 8 C 20.72 - BVerwGE 44, 333 m.w.N.).
Die Wiederaufgreifensgründe sind seit dem Inkrafttreten des Verwaltungsverfahrensgesetzes - VwVfG - vom 25. Mai 1976 (BGBl. I S. 1253) in dessen § 51 Abs. 1 Nrn. 1 bis 3 aufgeführt; davor waren sie in der Rechtsprechung der Verwaltungsgerichte bereits anerkannt (vgl. BVerwGE 31, 112 [BVerwG 04.12.1968 - V C 38/66] ; 44, 333 [BVerwG 30.01.1974 - VIII C 182/71] [335], Kopp, VwVfG, 1976, § 51 Anm. 1; Stelkens/Bonk/Leonhardt, VwVfG, 1978, § 51 RdNr. 26).
17 2.2 Die geltend gemachte Abweichung von dem Urteil des Bundesverwaltungsgerichts vom 30. Januar 1974 ( BVerwG 8 C 20.72 BVerwGE 44, 333) rechtfertigt die Zulassung der Revision hiernach nicht.
Das war bereits vor Inkrafttreten des Verwaltungsverfahrensgesetzes anerkannt (vgl. z.B. Urteil vom 30. Januar 1974 - BVerwG 8 C 20.72 - BVerwGE 44, 333) und folgt nunmehr aus § 51 Abs. 5 VwVfG, der die Vorschriften der §§ 48 Abs. 1 Satz 1, 49 Abs. 1 VwVfG unberührt läßt (vgl. Urteil vom 23. Juli 1980 - BVerwG 8 C 90.79 - BVerwGE 60, 316 ).
Bereits vor Erlaß des Verwaltungsverfahrensgesetzes bejahte die Rechtsprechung einen subjektiv-rechtlichen Anspruch auf fehlerfreie Ermessensentscheidung über den Widerruf bzw. die Rücknahme eines Verwaltungsakts (BVerfGE 27, 297, 307; BVerwGE 44, 333, 335).
vgl. BVerwG, Urteile vom 14. März 1984 - 6 C 107.82 -, BVerwGE 69, 90 (94), vom 30. Januar 1974 - VIII C 20.72 -, BVerwGE 44, 333 (334) und vom 10. Oktober 1961 - VI C 123.59 -, BVerwGE 13, 99 (103).
vgl. BVerwG, Urteil vom 30. Januar 1974, a.a.O., und Beschluss vom 22. Oktober 1984 - 8 B 56/84 -, NVwZ 1985, 265; OVG NRW, Beschluss vom 11. März 1996 - 9 A 851/93 - und Urteil vom 16. Juni 1994 - 9 A 128/93 -.
vgl. in diesem Zusammenhang: BVerwG, Urteil vom 30. Januar 1974, a.a.O. (336); OVG NRW, Beschluss vom 14. Juni 1999 - 3 A 7634/95 - (zum Erschließungsbeitragsrecht).
vgl. OVG NRW, Beschluss vom 11. März 1996 und Urteil vom 16. Juni 1994, jeweils a.a.O.; BVerwG, Urteil vom 30. Januar 1974, a.a.O..
BVerwG, 10.12.2001 - 9 B 86.01
Divergenzrüge; Gebührenbescheid; Bestandskraft; Wiederaufgreifen des Verfahrens; …
BVerwG, 10.01.1990 - 6 B 44.89
Zulassung der Revision bei Abweichung von Urteilen des Senats - Bestehens eines …
VGH Bayern, 02.11.2011 - 4 ZB 10.2446
Darlegung der Berufungszulassungsgründe
BVerwG, 14.12.1977 - 8 C 79.76
Abgeschlossener Verwaltungsverfahren - Wiederaufgreifen im Ermessenswege - …
VGH Baden-Württemberg, 28.05.1980 - 9 S 114/80
Wiedereinsetzung bei Versäumung der Widerspruchsfrist; höhere Gewalt; Anspruch …
BVerwG, 12.10.1988 - 3 B 46.88
Feststellung von Kriegssachschäden an Betriebsvermögen - Wiederaufgreifen eines …
BVerwG, 03.09.1997 - 9 B 162.97
Voraussetzungen einer Administrativumsiedlung - Anspruch auf Ausstellung eines …
Polizeibeamter; Dienstunfähigkeit; Nachzahlung; Dienstbezüge; Bescheid; …
BVerwG, 24.01.1980 - 3 B 32.79