Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Gericht=BVerwG&Datum=10.01.2007&Aktenzeichen=1%20D%2015.05
Timestamp: 2019-08-23 08:24:25
Document Index: 152558465

Matched Legal Cases: ['§ 54', '§ 55', '§ 77', '§ 13', '§ 85', '§ 85', '§ 85']

BVerwG, 10.01.2007 - 1 D 15.05 - dejure.org
https://dejure.org/2007,14410
BVerwG, 10.01.2007 - 1 D 15.05 (https://dejure.org/2007,14410)
BVerwG, Entscheidung vom 10.01.2007 - 1 D 15.05 (https://dejure.org/2007,14410)
BVerwG, Entscheidung vom 10. Januar 2007 - 1 D 15.05 (https://dejure.org/2007,14410)
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Alkoholkranker Postbeamter des einfachen Dienstes im Ruhestand; Zugriffsdelikt (veruntreuende Unterschlagung von vier Nachnahmebeträgen in Höhe von insgesamt 2 265, 90 DM als Briefzusteller mit Verbundtätigkeiten); Strafurteil (Verwarnung, Gesamtgeldstrafe); keine "anerkannten Milderungsgründe"; hinreichende tatsächliche Anhaltspunkte für das Vorliegen einer anderen Ausnahmesituation (Unterschlagungen in der "nassen Phase" der Alkoholkrankheit, Kausalität nicht auszuschließen, Minderung der Eigenverantwortung aufgrund unzureichender Dienstaufsicht); kein negatives Persönlichkeitsbild; an sich angemessene Ruhegehaltskürzung unzulässig wegen strafgerichtlicher Verurteilung; Einstellung des Verfahrens.
BBG § 54 Satz 2 und 3, § 55 Satz 2, § 77 Abs. 1 Satz 1
Alkoholkranker Postbeamter des einfachen Dienstes im Ruhestand; Zugriffsdelikt (veruntreuende Unterschlagung von vier Nachnahmebeträgen in Höhe von insgesamt 2 265,90 DM als Briefzusteller mit Verbundtätigkeiten); Strafurteil (Verwarnung, Gesamtgeldstrafe); keine "anerkannten Milderungsgründe"; hinreichende tatsächliche Anhaltspunkte für das Vorliegen einer anderen Ausnahmesituation (Unterschlagungen in der "nassen Phase" der Alkoholkrankheit, Kausalität nicht auszuschließen, Minderung der Eigenverantwortung aufgrund unzureichender Dienstaufsicht); kein negatives Persönlichkeitsbild; an sich angemessene Ruhegehaltskürzung unzulässig wegen strafgerichtlicher Verurteilung; Einstellung des Verfahrens.
VG Düsseldorf, 20.07.2005 - 37 K 2271/05
Die von der Schwere des Dienstvergehens ausgehende Indizwirkung für die Angemessenheit der Höchstmaßnahme entfällt allerdings, wenn zugunsten des Beamten gewichtige Entlastungsgründe zu berücksichtigen sind, die den Schluss rechtfertigen, der Beamte habe das Vertrauen des Dienstherrn oder der Allgemeinheit noch nicht endgültig verloren vgl. BVerwG, Urteil vom 20.10.2005, a.a.O., BVerwG, Urteil vom 10.1.2007 - 1 D 15.05 -, ZBR 2009, 160 f., BVerwG, Urteil vom 3.5.2007 a.a.O..
Sie müssen in ihrer Gesamtheit geeignet sein, die Schwere des Pflichtenverstoßes erheblich herabzusetzen BVerwG, Urteil vom 10.1.2007, a.a.O. und BVerwG, Urteil vom 3.5.2007, a.a.O..
Zu solchen möglichen, im Gesamtkontext zu würdigenden Umständen gehört auch eine unzureichende Dienstaufsicht zur Tatzeit BVerwG, Urteil vom 10.1.2007, a.a.O..
Zwar kann eine Vernachlässigung der Aufsichtspflicht durch Vorgesetzte unter dem Gesichtspunkt der Verletzung der Fürsorgepflicht oder des "Mitverschuldens" als Mitursache einer dienstlichen Verfehlung bei der Bemessung der Disziplinarmaßnahme mildernd berücksichtigt werden, wenn konkrete Anhaltspunkte für besondere Umstände vorliegen, die ausreichende Kontrollmaßnahmen unerlässlich gemacht hätten, diese aber pflichtwidrig unterblieben sind BVerwG, Urteil vom 10.1.2007, a.a.O..
Denn eine ständige und lückenlose Kontrolle eines jeden Mitarbeiters ist unmöglich vgl. nur BVerwG, Urteil vom 10.1.2007, a.a.O..
vgl. BVerwG, Urteile vom 20. Oktober 2005 - 2 C 12.04 -, NVwZ 2006, 469, 471 f. und vom 10. Januar 2007 - 1 D 15.05 -, JURIS.
vgl. auch BVerwG, Urteil vom 10. Januar 2007 - 1 D 15.05 -, JURIS.
vgl. BVerwG, Urteile vom 17. September 2003 - 2 WD 49.02 -, NVwZ-RR 2004, 264 und vom 10. Januar 2007 - 1 D 15.05 -, JURIS.
Für einen Beamten, der auf dienstlich anvertrautes oder zugängliches Gut zugreift - also unabhängig von der strafrechtlichen Beurteilung (z. B. Betrug, Diebstahl, Untreue oder Unterschlagung) ein sog. "Zugriffsdelikt" begeht, galt aufgrund der Rechtsprechung des erkennenden Senats und der bisherigen Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts aufgrund der Schwere dieser Dienstvergehen die Entfernung aus dem Beamtenverhältnis grundsätzlich als Richtschnur für die Maßnahmebestimmung (BVerwG, U. v. 10.1.2007 - 1 D 15.05; U. v. 11.6.2002 - 1 D 31.01 - jeweils in juris).
Das Unterlassen der Änderung des Administratorenkennwortes und der Sperrung der lokalen Administratorenzugänge als geeignete und erforderliche Schutzmaßnahmen ist hier als mildernder Umstand bei der Bewertung der Schwere des Dienstvergehens zu berücksichtigen (zum Unterlassen auf Grund besonderer Umstände erforderlicher Kontrollen des Beamten als bei der Maßnahmebemessung mildernd zu berücksichtigende Fürsorgepflichtverletzung vgl. BVerwG, Beschluss vom 11.07.2014 - 2 B 70.13 -, Buchholz 235.1 § 13 BDG Nr. 25; Urteil vom 10.01.2007 - 1 D 15.05 -, Buchholz 235.1 § 85 BDG Nr. 14; Urteil des Senats vom 30.10.2014 - DB 13 S 773/14 -).
Bei Zugriffsdelikten, d.h. der Veruntreuung dienstlich anvertrauter Gelder und Güter, ist die Entfernung aus dem Beamtenverhältnis grundsätzlich Richtschnur für die Maßnahmebestimmung, wenn die veruntreuten Beträge oder Werte insgesamt die Schwelle der Geringwertigkeit deutlich übersteigen (BVerwG…, Urteil vom 25. Juli 2013 - 2 C 63.11 -, BVerwGE 147, 229 ff., zit. nach juris, Rn. 15;… Urteil vom 23. Februar 2012 - 2 C 38.10 -, juris, Rn. 12; Urteil vom 10. Januar 2007 - 1 D 15.05 -, juris, Rn. 12; BVerfG…, Beschluss vom 19. Februar 2003 - 2 BvR 1413/01 -, juris, Rn. 30).
Es ist grundsätzlich davon auszugehen, dass beim Umgang mit dienstlich anvertrauten Geldern eine ständige und lückenlose Kontrolle eines jeden Mitarbeiters unmöglich ist (BVerwG, Urteil vom 10. Januar 2007 - 1 D 15.05 -, juris, Rn. 23).
Eine Vernachlässigung der Aufsichtspflicht durch Vorgesetzte kann allenfalls unter dem Gesichtspunkt der Verletzung der Fürsorgepflicht oder des "Mitverschuldens" als Mitursache einer dienstlichen Verfehlung bei der Bemessung der Disziplinarmaßnahme mildernd berücksichtigt werden, wenn konkrete Anhaltspunkte für besondere Umstände vorlagen, die ausreichende Kontrollmaßnahmen unerlässlich machten, solche aber pflichtwidrig unterblieben oder nur unzureichend durchgeführt wurden (BVerwG, Urteil vom 10. Januar 2007 - 1 D 15.05 -, juris, Rn. 22), und zudem eine vorschriftswidrige, den Zugriff auf die dienstlichen Vermögenswerte erleichternde Praxis geduldet wurde (vgl. BVerwG, Urteil vom 19. September 1985 - 2 WD 63/84 -, BVerwGE 83, 52, 57 f.).
vgl. BVerwG, Beschluss vom 11. Juli 2014 - 2 B 70.13 - , juris, Rn. 9, und Urteil vom 10. Januar 2007 - 1 D 15.05 -, juris, Rn. 22; OVG NRW, Urteil vom 13. April 2011 - 3d A 980/10.O -, m. w. N.
vgl. BVerwG, Urteile vom 20. Oktober 2005 - 2 C 12.04 -, NVwZ 2006, 469, 471 f., vom 10. Januar 2007 - 1 D 15.05 - und vom 3. Mai 2007 - 2 C 30.05 und 2 C 9.06 - , jeweils JURIS.
BVerwG, Urteile vom 20.10.2005 - 2 C 12.04 -, NVwZ 2006, 469, 471 f. und vom 10.1.2007 - 1 D 15.05 -, Buchholz 235.1 § 85 BDG Nr. 14.
BVerwG, Urteile vom 20.1.2005 - 2 C 12.04 -, NVwZ 2006, 469, 471 f., vom 10.1.2007 - 1 D 15.05 -, Buchholz 235.1 § 85 BDG Nr. 14, und vom 3.5.2007 - 2 C 30.05 -, NVwZ 2007, 1196, - 2 C 9.06 -, NVwZ-RR 2007, 695.
VGH Bayern, 05.10.2016 - 16a D 14.2285
Entfernung aus Beamtenverhältnis wegen schwerer Dienstvergehen - Verwahrungsbruch …
2.3.2 Eine Vernachlässigung der Aufsichtspflicht kann im Einzelfall unter dem Gesichtspunkt der Verletzung der Fürsorgepflicht oder des "Mitverschuldens" als Mitursache einer dienstlichen Verfehlung bei der Bemessung der Disziplinarmaßnahme mildernd berücksichtigt werden, wenn konkrete Anhaltspunkte für besondere Umstände vorliegen, die ausreichende Kontrollmaßnahmen unerlässlich machen, solche aber pflichtwidrig unterbleiben (…vgl. BVerwG, B. v. 11.7.2014 - 2 B 70/13 - juris Rn. 9; U. v. 11.1.2007 - 1 D 15.05 - juris Rn. 22).
BVerwG, 03.02.2010 - 2 B 103.09
Rechtmäßigkeit der Entfernung eines Beamten aus dem Beamtenverhältnis aufgrund …
VGH Bayern, 28.01.2013 - 16b DZ 08.3209
Sehr häufige Kernzeitverletzungen über längeren Zeitraum; Kürzung der …
VG Saarlouis, 11.01.2013 - 7 K 404/11
Landesdisziplinarrecht - Manipulation im Beurteilungsverfahren