Source: http://nci-br.netzwerkit.de/docs/nci-aktuell-archiv-09-04.htm
Timestamp: 2018-12-09 23:23:30
Document Index: 78941905

Matched Legal Cases: ['EuG', '§8', '§9', '§4', '§5', '§11', '§84', '§84', '§3', '§ 87', '§5', '§5', '§5']

NCI Aktuell Archiv: April 2009
NCI Aktuell Archiv April 2009
NSN Mch-M, RA-Umzug nach Ulm: Interessenausgleich und Sozialplan unterschrieben
Betriebsrat und Betriebsleitung haben am 29.4.2009 den Interessenausgleich und Sozialplan für den geplanten RadioAccess-Umzug von München nach Ulm unterschrieben.
Heute um 15.00 Uhr wird die Betriebsleitung Interessenausgleich und Sozialplan in einer Mitarbeiterveranstaltung im Werinhers vorstellen.
Erfreulicherweise gibt es jetzt einen Schutz vor betriebsbedingten Kündigungen bis 31.12.2011. Außerdem gibt es für Pendler einen Zuschuss von 30.000 EUR brutto, verteilt über bis zu 2 Jahre. Des Weiteren wurde eine Abfindungsregelung auf Basis des Sozialplans von 2007 (Aufhebungsverträge ohne beE) für Mitarbeiter vereinbart, die die Firma verlassen wollen. Änderungskündigungen für Ulm-Ablehner kommen im Interessenausgleich nicht vor.
Mehr Details dazu in Kürze an dieser Stelle. Und natürlich gibt es wieder BR-Gruppenberatungen.
Nokia plant weitere Massenentlassungen
Wie das Nachrichtenportal heise.de berichtet, plant Nokia die Entlassung von 450 weiteren Mitarbeitern. Nokia möchte seine Angebote für Mobilfunk- und Internetdienste konzentrieren und somit Kosten einsparen.
Urlaubsanspruch geht nicht mehr verloren bei Krankheit
Nach einem relativ neuen Urteil des Europäischen Gerichtshofes vom 20.01.2009 verliert ein Arbeitnehmer nicht den gesetzlichen Anspruch auf Erholungsurlaub, wenn der Arbeitnehmer während des gesamten Bezugszeitraums (incl. des Übertragungszeitraumes, üblicherweise bis Ende März des nachfolgenden Jahres) oder eines Teils davon krankgeschrieben war und seine Arbeitsunfähigkeit bis zum Ende des Bezugszeitraumes fortgedauert hat, weshalb er seinen Anspruch auf bezahlten Jahresurlaub nicht ausüben konnte (EuGH AZ C-350-06).
Dies ist deshalb von Bedeutung, weil dies den bisherigen deutschen Rechtsvorschriften widerspricht, bei denen der Anspruch auf nicht genommenen Urlaub am Ende des Übertragungszeitraumes erlischt.
Nach dem Spruch des Europäischen Gerichtshofs muss nun der nicht genommene Urlaub gewährt oder wenn das Arbeitsverhältnis aufgelöst wird sogar abgegolten werden. Zu beachten ist, dass hier der gesetzliche Urlaub von 4 Wochen (exakt 24 Werkstagen) jährlich zitiert wird.
Betriebsversammlung NSN Mch-H: beE-Vertragstexte
Am 29.4.09 wurden erstmalig die konkreten beE-Vertragstexte ins Intranet gestellt, kritische Passagen daraus wurden schon in der Betriebsversammlung des von Schließung und Kündigungen bedrohten NSN-Standortes Hofmannstraße diskutiert.
Vertrags-Basis war der mit dem Betriebsrat ausgehandelte Interessenausgleich/Sozialplan, aber die konkreten Vertragstexte dazu stammen einzig aus der Feder des Arbeitgebers, keinerlei Änderungsvorschläge des Betriebsrats wurden berücksichtigt; was sich auch auf die Unterschreiber-Quoten auswirken kann.
Vor allem vier Formulierungen wurden heftig kritisiert, teilweise schon im Vorfeld durch den Betriebsrat und teilweise in der Betriebsversammlung:
Fragen zum Vorbehalt, dass die beE auch wirklich von der Bundesagentur für Arbeit gefördert wird, wurden live von der Betriebsleitung beantwortet.
Zum zu allgemein gehaltenen Datenweitergabe-Persilschein wird es nun eine ergänzende Protokollnotiz geben, in der klargestellt wird, dass es ausschließlich um die Weitergabe von Daten/Lebensläufen zum Zweck der Jobvermittlung an potentielle Arbeitgeber geht.
Zur ebenfalls zu allgemein gehaltenen Stillschweige-Verpflichtung wird in derselben Protokollnotiz konkretisiert, dass es nur darum geht, nicht die Trennungskonditionen (z.B. die Höhe der Abfindungen) auszuplaudern.
Widersprüchliche Aussagen gibt es zur Frage, warum (und ob) die Möglichkeit verhaltensbedingter Kündigungen in der beE so in den Vertragstext hineinformuliert werden musste; eigentlich ist es eine juristische Selbstverständlichkeit, dass solange ein Arbeitsvertragsverhältnis fortbesteht auch verhaltensbedingte Kündigungen möglich sind, aber in diesem Falle geht es ja nicht um das Ohrfeigen oder Beleidigen des Vorgesetzten oder um Diebstahl von Firmeneigentum, sondern um die Bedingungen für die Zahlung von Transferkurzarbeitergeld im ersten beE-Jahr, und das macht viele Kollegen nun doch sehr argwöhnisch; diese Bedenken konnte die Betriebsleitung nicht restlos aufräumen, eine Änderung des Vertragstextes oder auch nur eine erläuternde Protokollnotiz dazu wurde aber auch nicht in Aussicht gestellt. Schade, und möglicherweise folgenschwer.
Sollte ich nun deswegen einen beE-Vertrag doch nicht unterschreiben?
Darüber gibt es höchst unterschiedliche Meinungen, ich kann dazu nur meine eigene Meinung äußern: Dass wegen dieser Formulierung nachher wirklich Kündigungen ausgesprochen werden, glaube ich nicht, zumal diese juristisch höchst abenteuerlich und leicht angreifbar wären. Klar, diese Formulierung ist ebenso unnötig wie ärgerlich, und ich ärgere mich auch darüber, aber es wäre für mich alleine noch kein Grund, einen beE-Vertrag (insofern ich diesen sonst unterschrieben hätte) nur deshalb nun doch nicht zu unterschreiben. Aber wie gesagt: Nur meine Privatmeinung.
NSN Hofmannstraße: Zwischenstand „Ringtausch“
Kurz vor dem Halbzeitpfiff steht es 3:2, Hofmannstraße gegen Trennungswillige.
Soll heißen: Aus Sicht der Zahl gemeldeter Ringtäuschler kommen auf zwei Trennungswillige drei wechselwillige Hofmannsträßler.
Konkreter: 109 wechselwillige Hofmannsträßler haben sich gemeldet, und 75 Trennungswillige (überwiegend aus der St.Martinstraße, davon 34 Ulm-Umzügler).
Ein Strukturproblem besteht noch darin, dass wir bei den Wechselwilligen sehr viele Systemtester haben, die nur innerhalb Münchens ringtauschen wollen, und auf der anderen Seite einige trennungswillige Hardwareentwickler für Ulm wohl keinen geeigneten Ringtauschpartner finden werden.
Placements (konkrete Ringtauschvorschläge mit Lebensläufen an die Vorgesetzten der Trennungswilligen) wurden bisher für 85 von 109 Wechselwilligen und für alle 75 Trennungswilligen abgegeben, und der Mai wird nun der Monat der Vorstellungsgespräche und Personalentscheidungen sein. Bisher haben sich bereits 18 Chefs für einen Ringtauschpartner für ihren trennungswilligen Mitarbeiter entschieden und die Versetzungsanträge eingeleitet.
Noch eine wichtige aktuelle Info für die Trennungswilligen-Chefs:
Die BU’s, die in Mch-H restrukturieren müssen, werden die Kosten komplett übernehmen.
NSN: Be part of something
Vorwegnahme des Stellenabbaus bei NSN durch selektive Mailverteiler:
Am 4.Mai (8:00-9:30 und 15:00-16:30) findet in den MchM-Kantinen ein „all hands strategy sharing“ mit NSN-Chef Simon Beresford-Wylie statt. Die Mitarbeiter der Münchner Hofmannstraße (außer den IT-Kollegen, die die Firma ja noch behalten will) haben gar nicht erst die Einladungsmail bekommen, die Strategie für sie ist eben doch eher schnell beschrieben, z.B. mit dem Modewort „Abwrackprämie“.
Die NSN-Strategie? Offshoring, das wissen wir doch!
Übrigens: Diese quietschbunte Einladungsmail ist mit einem Bildchen illustriert, auf dem vier Gummibärchen oder sowas sowie ein Laptop und ein Windrad (für die warme Luft?) abgebildet sind, mit dem Schriftzug „be part of something“. Tja, wir Hofmannsträßler sind ja auch Teil von irgendwas, frägt sich nur von was; von NSN jedenfalls nicht mehr länger, allenfalls von einer NSN-beE.
Danke für dieses „strategy sharing“ und überhaupt für diese zukunftsweisende Strategie!
Marathonlauf während der Krankschreibung
Wenn aus ärztlicher Sicht nichts gegen die Teilnahme an einem Marathonlauf spreche, insbesondere wenn mit keiner Verzögerung des Heilungsverlauf der aktuellen Krankheit (im vorliegenden Fall: Schulterblattbruch) zu rechnen sei, darf man trotz Arbeitsunfähigkeit (d.h. Krankschreibung) wegen der Teilnahme an der Sportveranstaltung nicht außerordentlich gekündigt werden (AG Stuttgart AZ 9 Ca 475/06).
Auch die hilfsweise ordentliche verhaltensbedingte Kündigung wegen genesungswidrigen Verhaltens wurde als nicht sozial gerechtfertigt abgewiesen.
Die Unbedenklichkeit hinsichtlich des Heilungsverlaufs wurde vor der Teilnahme am Lauf durch eine Konsultation beim behandelnden Arzt bestätigt.
Die Kündigungserklärungsfrist von drei Wochen wurde eingehalten.
Es lag eine ordnungsgemäße schriftliche Betriebsratsanhörung vor.
Dieses Urteil lässt sich sicher auch auf andere Sportarten übertragen.
Keine Verbindung: Mobilfunknetz von T-Mobil ausgefallen
Am 21.04.2009 kam es zu einem mehrstündigen, weitgehenden Ausfall des Mobilfunknetzes des Deutschen Mobilfunkbetreibers T-Mobil. T-Mobil hat etwa 39 Millionen Kunden. Betroffen war das so genannte Home Location Register (HLR), das laut einem Bericht des Nachrichtenportals heise.de erst im vergangenen Jahr durch Nokia Siemens Networks (NSN) geliefert worden sein soll.
Für viele Eltern sind Beruf und Familie schwer zu vereinbaren. Besonders Frauen verlieren sehr oft nach der Geburt ihrer Kinder den Anschluss im Job, weil sie sich ausschließlich auf die Familie konzentrieren. Teilzeitarbeit ist da häufig eine willkommene Alternative. Aber nicht nur familiäre Gründe, wie Kindererziehung und Pflege von Angehörigen spielen bei Teilzeitarbeit eine Rolle, sondern z.B. auch Weiterbildung, Studium, Promotion oder Hobbys. Während bei Frauen der Wunsch nach Teilzeitarbeit als "normal" gesehen wird, treffen Männer dabei häufig auf den Widerstand ihrer Arbeitgeber. Selbstverständlich haben aber Frauen und Männer - auch was die Teilzeitarbeit angeht - die gleichen Rechte.
Seit 2001 ist Teilzeitarbeit im Teilzeit- und Befristungsgesetz (TzBfG) geregelt. Hier einige wesentliche Punkte daraus:
Jeder Arbeitnehmer, der länger als 6 Monate in einem Betrieb mit mindestens 15 Arbeitnehmern beschäftigt ist. (§8 TzBfG)
Was muss man tun, um von Vollzeit- auf Teilzeitarbeit umzustellen?
Mindestens 3 Monate im Voraus muss die Teilzeitarbeit beim Arbeitgeber beantragt werden, dabei ist der Umfang der gewünschten Reduzierung und die gewünschte Lage der Arbeitszeit anzugeben.
Muss man den Wunsch nach Teilzeitarbeit begründen?
Nein, der Antrag muss nicht begründet werden. Die Gründe sind ja schließlich immer privater Art.
Der Arbeitgeber ist verpflichtet, den Antrag mit dem Arbeitnehmer mit dem Ziel zu erörtern, zu einer Vereinbarung zu gelangen.
Kann der Arbeitgeber den Antrag auf Teilzeitarbeit ablehnen?
Der Arbeitgeber hat der Verringerung der Arbeitszeit zuzustimmen und ihre Verteilung entsprechend den Wünschen des Arbeitnehmers festzulegen, soweit betriebliche Gründe nicht entgegenstehen, das sind erhebliche Beeinträchtigungen der Organisation, des Arbeitsablaufes, der Sicherheit im Betrieb oder auch unverhältnismäßig hohe Kosten. Ist man mit der Entscheidung des Arbeitgebers nicht einverstanden, kann man dagegen am Arbeitsgericht klagen.
Gibt es auch für den Arbeitgeber Fristen?
Der Arbeitgeber muss spätestens einen Monat vor dem gewünschten Beginn seine Entscheidung schriftlich bekannt geben. Versäumt er dies, gilt der Antrag als angenommen und die Arbeitszeit ändert sich wie gewünscht.
Hat man als Teilzeit-Beschäftigter das Recht, jederzeit wieder zur Vollzeitarbeit zurückzukehren?
Nein, aber ein teilzeitbeschäftigter Arbeitnehmer muss bei der Besetzung eines entsprechenden freien Arbeitsplatzes bei gleicher Eignung bevorzugt werden. (§9 TzBfG)
Kann man Teilzeitarbeit auch befristet vereinbaren?
Einen gesetzlichen Anspruch auf befristete Teilzeitarbeit sieht das TzBfG nicht vor. (Selbstverständlich kann man aber versuchen, mit dem Arbeitgeber eine solche Befristung zu vereinbaren. Der Vorteil einer Befristung für den Arbeitnehmer liegt klar auf der Hand: Man muss nach Ablauf der Befristung nicht auf einen freien Vollzeitarbeitsplatz warten.)
Es gibt jedoch zwei Sonderfälle von befristeter Teilzeitarbeit mit gesetzlicher Regelung:
in Elternzeit ist auch Teilzeitarbeit für zwei Jahre und bis zu 30 Stunden Wochenarbeitszeit vorgesehen, Details siehe Gesetz zum Elterngeld und zur Elternzeit (BEEG)
Laut Pflegezeitgesetz (PflegeZG) haben Arbeitnehmer das Recht, zur Pflege von nahen Angehörigen bis zur Dauer von einem halben Jahr ganz oder teilweise von der Arbeit freigestellt zu werden.
Selbstverständlich kann anschließend an die Elternzeit bzw. Pflegezeit eine ganz normale Teilzeitarbeit beantragt werden
Hat ein Teilzeit-Beschäftigter die gleichen Rechte wie ein Vollzeit-Beschäftigter?
Ein teilzeitbeschäftigter Arbeitnehmer darf wegen der Teilzeitarbeit nicht schlechter behandelt werden als ein vergleichbarer vollzeitbeschäftigter. (§4 TzBfG)
Kann man gekündigt werden, weil man das Recht auf Teilzeitarbeit in Anspruch genommen hat?
Nein, §5 TzBf sagt: „Der Arbeitgeber darf einen Arbeitnehmer nicht wegen der Inanspruchnahme von Rechten nach diesem Gesetz benachteiligen.“ (Benachteiligungsverbot)
Kann der Arbeitgeber einen zwingen, z.B. durch eine Änderungskündigung, zu Teilzeitarbeit zu wechseln?
Die Kündigung eines Arbeitsverhältnisses wegen der Weigerung eines Arbeitnehmers, von einem Vollzeit- in ein Teilzeitarbeitsverhältnis oder umgekehrt zu wechseln, ist unwirksam. (§11 TzBfG)
Sehr ausführliche und informative Broschüre des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales: "Teilzeit – Alles, was Recht ist"
Was ist eigentlich ein Krankenrückkehrgespräch?
Nach Lidl (wir berichteten darüber) ist nun auch bei Daimler (www.zeit.de, www.focus.de) und der Drogeriekette Müller (www.faz.net, www.zeit.de, www.sueddeutsche.de) illegales Sammeln von Krankendaten bekannt geworden. In diesem Zusammenhang war auch von "Krankenrückkehrgesprächen" die Rede.
Dabei handelt es sich um Gespräche, die Vorgesetzte oder Mitarbeiter der Personalabteilung mit Arbeitnehmern führen, die nach einer krankheitsbedingten Abwesenheit wieder an den Arbeitsplatz zurückgekehrt sind. In vielen Firmen haben diese Krankenrückkehrgespräche einen standardisierten Verlauf und ihre Ergebnisse werden sogar in Formularen festgehalten.
Welche möglichen Ziele verfolgen dabei die Arbeitgeber?
Angebot von Hilfestellung beim Wiedereinstieg nach längerer Krankheit auf Grund der Fürsorgepflicht des Arbeitgebers. z.B. im Rahmen des betrieblichen Eingliederungsmanagements (BEM) nach §84 Abs.2 SGB IX. Dort ist die Beteiligung von Betriebsrat und Schwerbehindertenvertretung sowie das Einverständnis des Betroffenen als Voraussetzung ausdrücklich festgelegt.
Abfrage, ob die Krankheit durch betriebliche Faktoren bedingt sind, die im Verantwortungsbereich des Arbeitgebers liegen.
Feststellen einer Veränderung der Leistungsfähigkeit.
Kontrolle, ob überhaupt eine krankheitsbedingte Abwesenheit vorlag.
Sammeln von Informationen zur Art der Krankheit (Diagnose), zur Krankheitsursache, zum Krankheitsverlauf und zur Prognose. Durch diese Informationen können "Personenbedingte Kündigungen" vorbereitet werden.
Senkung des Krankenstands, indem durch diese Krankenrückkehrgespräche Druck aufgebaut wird, beim Einzelnen, aber auch allgemein in der Belegschaft.
Sind die ersten beiden Punkte noch legitim, so überschreitet der Arbeitgeber bei den weiteren Punkten i.a. die Grenze des rechtlich Zulässigen. Die Art der Krankheit und die Krankheitsursache gehört in den persönlichen und intimen Bereich der Arbeitnehmer, und dieser ist durch das Grundgesetz geschützt.
Selbstverständlich muss der Arbeitnehmer dem Arbeitgeber nicht selbst die Informationen liefern, die dieser braucht, um eine "Personenbedingte Kündigung" auszusprechen. Das sind vor allem Angaben über die genaue Diagnose, den Verlauf der Krankheit und Zukunftsprognosen. Beweispflichtig bei einer Kündigung ist ja der Arbeitgeber.
Wie schon mehrmals auf diesen Seiten erwähnt, kann der Arbeitnehmer die Beantwortung unzulässiger Fragen ablehnen oder die Unwahrheit sagen ("Notwehrlüge"); dies ist dann keine arglistige Täuschung. Aber Vorsicht beim Lügen: Die Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung trägt meist den Stempel des Arztes mit Angabe der Fachrichtung, also nichts von einer Grippe erzählen, wenn man vom Orthopäden kommt. Auch den Kollegen sollte man besser gar nichts erzählen und bei der (meist telefonischen) Krankmeldung am ersten Krankheitstag braucht man nichts über die Krankheit sagen, nur dass man krank ist und voraussichtlich wie lang.
Grundsätzlich in Krankenrückkehrgesprächen nichts unterschreiben!
Das Festhalten des Inhalts der Krankenrückkehrgespräche in Formularen, der Zwang diese auch noch zu unterschreiben so wie die Aufforderung, den behandelnden Arzt von seiner Schweigepflicht zu entbinden, entbehren jeder rechtlichen Grundlage. Solche Praktiken sind am besten sofort dem Betriebsrat zu melden. Auch eine Beschwerde nach §§84,85 BetrVG ist möglich.
Muss man sich vom Betriebsarzt untersuchen lassen?
Die Aufgaben der Betriebsärzte sind im §3 ASiG (Arbeitssicherheitsgesetz) geregelt, insbesondere steht ausdrücklich in Abs. 3 "Zu den Aufgaben der Betriebsärzte gehört es nicht, Krankmeldungen der Arbeitnehmer auf ihre Berechtigung zu überprüfen."
Nach einer Grundsatzentscheidung des Bundesarbeitsgerichts (BAG, 08.11.1994 – 1 ABR 22/94) hat der Betriebsrat Mitbestimmungsrechte nach § 87 Abs.1 Nr.1 BetrVG ("Fragen der Ordnung des Betriebs und des Verhaltens der Arbeitnehmer im Betrieb"), wenn formalisierte Krankenrückkehrgespräche durchgeführt werden, d.h. wenn sie nicht vereinzelt sondern z.B. regelmäßig ab einer bestimmten Krankheitsdauer oder Anzahl von Krankheitstagen im Jahr abgehalten werden. Diese institutionalisierten Krankenrückkehrgespräche sind somit nur mit Zustimmung des Betriebsrates oder entsprechend einer Betriebsvereinbarung zulässig. Fragen Sie also vor einem Krankenrückkehrgespräch nach einer einschlägigen Betriebsvereinbarung.
Man wird die Teilnahme an Krankenrückkehrgespräche nicht grundsätzlich ablehnen können (Weisungsrecht des Arbeitgebers), aber jeder Arbeitnehmer hat das Recht, einen von ihm ausgewählten Betriebsrat mitzunehmen. Dieser Betriebsrat hat dann v.a. die Aufgabe, unzulässige Fragen abzuwehren, der Arbeitnehmer kommt somit nicht mehr in die Verlegenheit dies selbst tun zu müssen. Im günstigsten Fall werden diese Fragen bei Anwesenheit eines Betriebsrats dann gar nicht mehr gestellt, denn viele Vorgesetzte wissen, was sie dürfen und was nicht.
Für den Betriebsrat sind Krankenrückkehrgespräche nicht das bevorzugte Mittel, um krankheitsfördernde Umstände (dazu gehören auch psychische Belastungen!) am Arbeitsplatz festzustellen. Die Gefährdungsbeurteilung nach §5 ArbSchG Arbeitsschutzgesetz) führt effektiver zu diesem Ziel. Diese und betriebliches Eingliederungsmanagement haben gesetzliche Grundlagen und machen Krankenrückkehrgespräche überflüssig. Der Betriebsrat sollte seine Mitbestimmungsrechte dafür verwenden, diesen Weg durchzusetzen.
Personelle Veränderungen bei NSN - na und?
NCI-Leser fragten uns, warum wir nicht über die neuesten Veränderungen bei NSN berichten: HR-Chef Bosco Novak übernimmt einen völlig anderen Job, als Caselitz-Nachfolger, und CMO-Chef Christoph Caselitz wiederum „wird auf eigenen Wunsch eine neue Rolle übernehmen, die sich auf globale Kundenthemen und CMO-Strategy fokussiert“. Aaaah ja.
Man könnte auch sagen: Jetzt wird die Trennung von Siemens gänzlich vollzogen.
Andererseits aber: Boscos Nachfolger wird wiederum der Siemens-stämmige Hans-Jürgen Bill (der bisher auch etwas völlig anderes gemacht hat).
Ist das nun eine Schlagzeile wert? Eigentlich nicht. Dass ab einer bestimmten Positionshöhe nur noch das Pöstchen und nicht mehr fachspezifische Erfahrung wichtig sind, kennen wir schon aus der Politik. Und ob nun ein Siemens-stämmiger Manager durch einen Nokia-stämmigen Manager ersetzt wird - wen schert's? Dass NSN immer mehr Nokia-dominiert wird, ist nun wirklich keine Neuigkeit, und dass die wenigen noch verbliebenen Siemens-stämmigen Manager dem Siemens-stämmigen Fußvolk irgend etwas genutzt hätten (z.B. die Sicherheit der Arbeitsplätze in Deutschland betreffend) haben wir eigentlich auch nicht bemerkt, genauso wenig wie finnische Arbeitsplätze durch Nokia-stämmige Chefs sicherer geworden wären - Hochlohnland ist Hochlohnland.
Der eine kommt, der andere geht - glaubt jemand ernsthaft, dass sich dadurch etwas ändert, z.B. an der fortgesetzt offshoringlastigen Personalpolitik bei NSN, und dass unsere Arbeitsplätze dadurch sicherer oder unsicherer werden?
Nicht wirklich; diese Häuptlinge sind einer wie der andere, genauso austauschbar wie ihre Indianer.
Nein, das ist nicht wirklich eine Schlagzeile wert.
Erfinden statt Sparen
Unter dieser Schlagzeile berichtet die SZ vom 22.4. über die Personalpolitik der Pharmafirma Boehringer.
Zitat: "Die Antwort der unabhängigen, privaten Firma auf diese Herausforderungen heißt mehr Kreativität statt Kostenkontrolle, höhere Investitionen statt einfallslosem Sparkurs, und das Rekrutieren neuer Mitarbeiter statt Stellenabbau...
Anders als viele Wettbewerber will Boehringer keine Zeit mit Großfusionen und daraus folgenden Kulturkämpfen verschwenden. Die eigenen Leute sollen die Firma groß machen."
Mit dieser mutigen Vorwärtsstrategie will Boehringer als Gewinner aus der weltweiten Finanzkrise hervorgehen, und das Interessante daran: Es funktioniert auch!
Muss eine Firma aus der Pharmabranche kommen, um erkennen zu können, dass es gegen die Krankheit "Wirtschaftskrise" auch noch eine andere Arznei gibt als immer nur den reichlich phantasielosen (personellen) Aderlass?
Davon könnte noch manch einer lernen.
Auf Regen folgt Sonnenschein – im Arbeitsleben auch?
Ein Leserbrief aus dem NSN-Betrieb in der Tölzerstraße, wo den IT-Kollegen auch schon das Wasser bis zum Halse steht - ob wohl auch hier der Kapitän als Letzter von Bord geht?"
Ich sitze in meinem Büro und blicke aus dem Fenster. Drohend ziehen graue Wolken am Himmel auf. Ein Unwetter liegt in der Luft. Ich kann die Spannung spüren, denn meine Gedanken kreisen. Kommt das Wetter, wie stark regnet es und füllt sich die Rinne an der Fensterinnenseite wieder mit Wasser? Da die Fenster an der Wetterseite liegen, gibt es hier ein Problem. Denn, wenn es arg stürmt und regnet tropft das Wasser an der Innenseite der Fenster in die vorhandene Rinne.
Nun, es ist soweit. Die ersten Tropfen stürzen sich auf die Erde und klatschen bei dem heftigen Wind an die Fenster. Ich sehe zu, wie sie an den undichten Stellen von draußen ins Innere dringen, langsam kullern sie in die Rinne und sammeln sich dort. Der Wasserstand steigt und steigt.
Um dies überblicken zu können, bastle ich mir ein Boot, setze meine gelbe Quietschente und das Boot in die Büroregenrinne. Die Angst steigt mit den Fragen: Läuft die Rinne über? Was kann ich dann tun? Muss ich eventuell Sandsäcke füllen, um das Wasser aufzuhalten.
Nein, Letzteres muss ich nicht, denn die Wolken verziehen sich langsam wieder und die warme Sonne kommt zum Vorschein. Was übrig bleibt, ist eine volle Büroregenrinne mit einem hohen Wasserstand, einem Boot und einer Ente. Am anderen Tag ist das Boot auf Grund gelaufen und die Ente sitzt im Trockenen, bis zum nächsten heftigen Regenschauer.
Jedes Bemühen, jede Email über diesen "nassen" Zustand blieben erfolglos. Dieses Jahr kam die Nachricht, dass die Fenster im Frühjahr gemacht werden, welches Frühjahr blieb ein Geheimnis.
Blaue Briefe bei Enterprise (SEN)
Jetzt ist es also mal wieder soweit: Die allseits beliebten „blauen Briefe“ gingen raus; irgendwie fehlte uns ja fast etwas „ohne“. So manch ein „2003er-Veteran“ kann seine Erfahrungen aus unserem damaligen Arbeitsrechts-Praktikum nun wieder gewinnbringend einbringen, gelernt ist gelernt!
Noch am 7.4. gab es eine schöne Rundmail „…wussten Sie, dass SEN schuldenfrei und bestens kapitalisiert ist? Wir befinden uns im US-Markt sogar in der Akquirierungsphase…“; dann folgte das Kleingedruckte (aus einer Enterprise-Mail vom 1.April): "Am 17. Februar 2009 hat unser CEO Jim O’Neill den Abbau von weiteren 800 Stellen in Deutschland angekündigt. Gestern haben Betriebsrat und Geschäftsleitung einen Interessensausgleich für die betroffenen Kollegen verabschiedet…. Den betroffenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern wird der Abschluss eines Aufhebungsvertrages mit oder ohne Übertritt in eine beE angeboten. Sie haben auch die Möglichkeit über eine Personaldrehscheibe zu prüfen, ob ein Wechsel innerhalb SEN oder zur Siemens AG möglich ist. Die Laufzeit der beE ist vom 01.07.2009 – 30.06.2011… Allen verbleibenden Mitarbeitern möchten wir an dieser Stelle noch einmal versichern, dass unser Unternehmen sich in die richtige Richtung entwickelt."
Dabei wird Bezug genommen auf einen Interessenausgleich von 2008, in dem u.a. stand: „Die Umsetzung dieser Programme führt zu einem Personalanpassungsbedarf in Höhe von 1.240 Mitarbeitern (rechnerisch)… Durch die Berücksichtigung bereits vereinbarter bzw. erfolgter Austritte und unter der Bedingung, dass alle 262 Mitarbeiter, die alle Voraussetzungen einer ATZ erfüllen, diese auch abschließen und in die Siemens AG wechseln, ergibt sich ein noch offener Anpassungsbedarf von 822 Mitarbeitern (rechnerisch).“ Die wesentliche Änderung gegenüber diesem Stand ist nun wohl, dass aktuell die Turboprämie wegfällt. (Außerdem soll ab 1.6.09 Kurzarbeit kommen.) Es ist die „übliche“ 2-jährige beE mit 85% BME, also keine 3-jährige beE wie zuletzt bei NSN in Mch-H. „So sozialverträglich wie möglich“, heißt es dazu in den blauen Briefen mit der Überschrift „Stellenabbau bei SEN“.
Auszug: „In enger Abstimmung zwischen Geschäftsleitung und Führungskräften wurde festgelegt, welche Arbeitsplätze konkret entfallen. Wir bedauern sehr, dass leider auch Ihr Arbeitsplatz betroffen ist und die Arbeitsinhalte Ihrer Funktion zukünftig entfallen. Bei dieser schweren Entscheidung haben wir betriebliche Notwendigkeiten abgewogen.“
Also im Klartext: Auch hier mal wieder eine betriebliche, keine soziale Auswahl! Überall dasselbe.
Auch soll es zwar zwei beE-Eintrittstermine geben, die sich aber in diesem Fall (anders als bei NSN) nicht der Mitarbeiter, sondern SEN aussuchen darf. Aber dafür ist es auch noch nicht die knallharte Kündigungs-Ankündigung, sondern erst mal noch die weichgespülte Vorstufe: „Bitte prüfen Sie für sich persönlich, ob ein Wechsel innerhalb der SEN, sowie innerhalb und außerhalb des Hauses Siemens über die eingerichtete Personaldrehscheibe oder die im IA vereinbarten Angebote (Eintritt in eine beE oder Abschluss eines Aufhebungsvertrags) für Sie in Betracht kommt … Bitte vereinbaren Sie kurzfristig einen Termin für ein Beratungsgespräch.“
So hat sich eben das Arbeitsleben gewandelt: Früher die Idee einer Siemens-„Familie“, heute muss man sich einfach daran gewöhnen alle paar Monate sowas um die Ohren zu kriegen, und wer sich einmal erfolgreich gegen den Rauswurf wehrt, muss sich über die Regel “nach der Restrukturierung ist vor der Restrukturierung“ klar sein, die nächste kommt bestimmt, es reicht nicht, sich nur ein einziges mal erfolgreich gewehrt zu haben, das sich-Wehren wird zum Dauerzustand, zum Lifestyle. Steigert natürlich ungemein sowohl die Identifikation mit dem Unternehmen als auch die Motivation; wie viele Jahre es wohl noch dauern wird, bis das Arbeitgeberlager begreift, dass es sich mit so einer Personalpolitik keinen Gefallen tut?
Egal wohin man sieht: Kurzarbeit bei Siemens, Blaue Briefe bei SEN, Ulm-Umzug und verlagerungsbedingt drohender Stellenabbau bei NSN in Mch-M, Betriebsschließung mit Verlust aller Arbeitsplätze (mit umgangener Sozialauswahl) bei NSN in Mch-H, krasse Gehaltsverluste und trotzdem noch drohender Arbeitsplatzverlust bei Tieto, Kündigungen bei der Schnurlostelefon-Sparte: Wohin man/frau sieht, es macht einfach keinen Spaß mehr. Aber wo wäre das heutzutage schon besser?
Diese „Ehe“ (mit unseren jeweiligen Arbeitgebern) hält nur noch ein dünnes Band, das heißt „etwas Besseres kommt selten nach, woanders ist es auch nicht besser“. Keine wirklich solide Grundlage für eine gute Ehe. Ich muss unbedingt mal wieder Lotto spielen!
Datenschutzbericht: Der Bundesdatenschutzbeauftragte Peter Schaar fordert ein Arbeitnehmerdatenschutzgesetz
Auch angesichts der Vorfälle von Arbeitnehmerüberwachung in Unternehmen (Lidl, Telekom) befasst sich der am 21.4.2009 erschienene Datenschutzbericht mit dem Fehlen von klaren gesetzlichen Regelungen für die Datenerhebung, -verarbeitung und -nutzung in einem Arbeitsverhältnis, das zu einer erheblichen Rechtsunsicherheit in diesem Bereich führe. Das Bundesdatenschutzgesetz sei zu allgemein, so dass nur die zwar umfangreiche, aber lückenhafte und unübersichtliche Rechtsprechung als Orientierung bleibe. Ein unbefriedigender Zustand sowohl für Arbeitnehmer als auch für Arbeitgeber.
Der Datenschutzbericht stellt folgende Forderungen an ein Arbeitnehmerdatenschutzgesetz (Zitat):
Die Datenerhebung erfolgt grundsätzlich beim Arbeitnehmer selbst.
Aus Gründen der Transparenz sind Arbeitnehmer umfassend darüber zu informieren, welche Daten zu welcher Zeit, auf welche Weise und zu welchem Zweck über sie erhoben und in welcher Art und Weise sie ausgewertet werden. Dies muss umfassende Auskunfts- und Einsichtsrechte des Arbeitnehmers einschließen.
Die Rolle des betrieblichen Datenschutzbeauftragten ist zu stärken; seine umfassende Beteiligung vor der Umsetzung betrieblicher Maßnahmen ist sicher zu stellen.
Dem Betriebsrat ist bei der Bestellung des betrieblichen Datenschutzbeauftragten ein Mitwirkungsrecht einzuräumen.
Betriebsrat und betrieblicher Datenschutzbeauftragten sind zur engen Zusammenarbeit verpflichtet.
Datenschutzbericht (PDF)
(S. 122: "Dringender Handlungsbedarf beim Arbeitnehmerdatenschutz")
Nokia Siemens Networks: Weltweiter Personalabbau, oder „nur“ Offshoring?!
Wie der NCI InWaChRo-BLOG "NSN: Entwicklung Mitarbeiter-Zahl" dokumentiert, hat sich laut Quartalsbericht die Zahl der NSN-Mitarbeiter weltweit auf einen neuen Höchststand von 60.546 hochgeschraubt; nicht dass wir etwas dagegen hätten, dass in anderen Ländern auf- statt abgebaut wird, solange deswegen nicht unsere eigenen Arbeitsplätze vernichtet werden. Nur geschieht eben leider genau dieses (z.B. aktuell in der Münchner Hofmannstraße)! Begründet werden solche Abbaumaßnahmen mit weltweiter Finanzkrise und deshalb auch weltweitem Personalabbau, die Wahrheit sieht aber anscheinend doch anders aus: Bei uns wird nur abgebaut, um woanders aufzubauen.
Mal ganz abgesehen davon, wie sinnhaft dieses Offshoring überhaupt ist, und von der Frage der „Anständigkeit“ mal ganz zu schweigen, stellt so eine offshoringdominierte Personalpolitik auch unsere Unternehmenskultur vor Herausforderungen:
Die Frage der „Unternehmensethik in Situationen des Stellenabbaus“.
Die Frage nach dem Knowhowverlust, den Einbußen an technologischer Kompetenz.
Insbesondere auch unter Berücksichtigung der hohen Fluktuation in Niedriglohnländern: Die wirklich guten Leute geben sich mit diesen niedrigen Löhnen auch dort nicht lange zufrieden, und verlassen dann das Unternehmen, um sich zu verbessern. Die durchschnittliche Berufserfahrung im Unternehmen und die darin aufgebaute Kompetenz kann so einen gewissen Level nie überschreiten, und schon wird der nächste wieder von vorne eingearbeitet.
Die Frage nach offener und ehrlicher Kommunikation,
und in dem Kontext auch nach dem Vertrauen in das Management, das Unternehmen, unsere Zukunft in diesem Unternehmen.
Behauptet wurde einmal, es werde weltweit abgebaut, es gebe in Deutschland keine Betriebsschließungen, der deutsche Anteil des 9000er-Abbaus sei schon erbracht, und auch der Betrieb Mch-H sei sicher (man solle doch nur mal auf die Laufzeit unserer Mietverträge schauen) – und die Wahrheit? Sehr vertraueneinflößend.
Die Frage nach Motivation, Loyalität, Identifikation mit dem Unternehmen,
wenn der Mitarbeiter nur noch als „Mitarbeiter auf Zeit“ angesehen wird, wenn man von heute auf morgen plötzlich gesagt bekommt „Deine Arbeit wandert jetzt nach Indien“.
Dieses „von heute auf morgen“ führt dazu, dass auch (noch) nicht betroffene Mitarbeiter sich alles andere als sicher fühlen, geistig schon auf dem (unfreiwilligen) Absprung sind.
Beruhigenden Statements wie „die Restrukturierung ist jetzt abgeschlossen“ glaubt doch keiner mehr, dazu haben wir so fromme Sprüche schon gar zu oft gehört, wir sind ja lernfähig.
Das Problem des „interkulturellen Zusammenwachsens“ in einem multinationalen Unternehmen.
Häufig werden in firmeninternen BLOG-Diskussionen leicht nationalistisch klingende Ressentiments laut, da ist die Rede von „den“ Indern, „den“ Chinesen, und so fort, es ist eine Haltung des „wir gegen den Rest der Welt“ statt eines „wir von NSN“; aber wie kann das auch anders sein, wenn durch Offshoring-Maßnahmen Niedriglohnstandorte gegen Hochlohnländer ausgespielt werden, und die Leute mit ihren Jobs zugleich auch ihre Existenzgrundlage bedroht sehen? Wie sollen wir denn so jemals zusammenwachsen?
Wie wichtig, im Guten wie im Schlechten, solche „psychologisch-kulturelle“ Aspekte der Zusammenarbeit sind, wie stark sie unseren Output und unseren Erfolg beeinflussen, wird schon seit Jahrzehnten in jedem Personalführungsseminar gepredigt, aber:
Wo sind unsere Konsequenzen? So kann es schwerlich weiter gehen!
Wo liegt wohl die nächste "Hofmannstraße", wer ist als nächster dran?
Wann endlich ist ein Ende des Offshorings erreicht? Wenn der Letzte das Licht ausmacht?
Fachkräfte Mangelware?
Diesmal erzählt das die IHK, die Industrie- und Handelskammer für München und Oberbayern, und bietet dazu eine kostenfreie Veranstaltung am 25.05.2009 mit dem Thema: "Wachstum sichern mit Fachkräften. Kluge Köpfe gewinnen, entwickeln und binden". Denn trotz Wirtschaftskrise würden immer mehr Branchen den Fachkräftemangel zu spüren bekommen und kluge Köpfe würden im Zuge der demografischen Entwicklung Mangelware werden. Und es folgen Hochrechnungen, dass im Jahr 2020 rund 230.000 Ingenieure, Naturwissenschaftler und Techniker laut einer Studie des Instituts der Deutschen Wirtschaft in Köln, fehlen würden. Und nicht nur in Zukunft, nein, schon Mitte 2008 gab es 144.000 Fachkräfte zu wenig - darunter
37.000 Maschinen- und Fahrzeugbauingenieure
25.000 Maschinenbautechniker
22.000 EDV-Spezialisten.
Durch diese fehlenden Fachkräfte würden pro Jahr gigantische Wertschöpfungsverluste von gut 28 Milliarden Euro verursacht.
Na, im Jammern war die Industrie immer schon gut. Wenn es darum ging gebetsmühlenartig zu erzählen: uns fehlen Fachkräfte, haben immer alle wohlwollend eingestimmt: jawohl, es fehlen Fachkräfte! Dass aber gerade die Industrie in den letzten Jahre Tausende an Spezialisten freigesetzt hat, das erzählt niemand. 22.000 EDV-Spezialisten fehlten 2008 - man höre und staune!
Wer sich trotzdem diese Veranstaltung antun will: Flyer Anmeldung
Ort: Max-Joseph-Straße 2, 80333 München
Die Veranstaltung ist kostenfrei, Anmeldung bis 17.05.2009
Ulm hat lediglich 120.000 Einwohner, ist kaum 10% so gross wie München. Meine Erwartungen hielten sich daher auch von Anfang an in Grenzen. Wer möchte schon gern aufs Land ziehen, wenn man das Leben in einer Stadt wie München gewohnt ist.
Im Mittelpunkt der Stadt steht eine riesige Kirche, das Ulmer Münster. Das Münster wurde zwischen 1377 und 1890 errichtet. Der Kirchturm sei der höchste weltweit. Das Streben nach dieser Gigantomanie führte allerdings auch zu Geldmangel, so dass die Bauarbeiten für lange Zeit unterbrochen werden mussten. Seit der Vergangenheit bis jetzt hat sich da nichts verändert.
Im 2. Weltkrieg war Ulm schweren Bombenangriffen ausgesetzt, so dass es starke Zerstörungen gab. Die Baulücken wurden oft durch moderne, schachtel-förmige Gebäude aus Beton, Stahl oder Glas ersetzt. Das wird dann in Ulm als "Neue Mitte" bezeichnet. Direkt neben dem historischen Münster befindet sich so ein modernes Gebäude, das Stadthaus. Leider wurde der ganze Platz so stark bebaut, dass es mir mit meinem kleinen Fotoapparat kaum gelungen ist, ein gescheites Foto von dem Münster zu machen.
Einen weiteren, sehr starken, Kontrast bilden das historische Rathaus und eine sich daneben befindliche Glaspyramide, in der eine Bibliothek untergebracht sein soll.
Im Stadtzentrum fallen vergleichsweise viele gastronomische Einrichtungen auf. Eine Kugel italienisches Eis für 1 Euro habe ich nicht gekauft, denn dies ist ungefähr 25% teurer als bei meinem Lieblingsitaliener in München. Ob mein Gehalt auch um 25% angehoben wird?
Wer es deftiger mag, könnte zum Beispiel ins Gasthaus "Zum wilden Mann" gehen, da gibt es auch Mittag- und Abendessen. Als lokale Biersorte wird die Marke Gold-Ochsen beworben. Das schmeckt vieleicht auch zu einem Döner-Kebap, den man in diesem unterirdischen Fußgängertunnel am Bahnhof für 2,50 Euro erwerben kann.
Verhungern wird man wahrscheinlich nicht, wenn man fern von Frau und Familie den Abend in Ulm verbringen muss. Wer sich einsam fühlt, könnte dann noch in den Nachtclub Eden gehen. Die Fassade des Hauses ziert unübersehbar eine Reklame: 5 leicht bekleidete Damen laden zu einem Besuch ein. Wie Schade, dass ich keinen Gutschein hatte.
Wochenende in Ulm für NSN RA Mitarbeiter
Zurück aus dem Osterurlaub findet sich ganz spannende Post im privaten Postkasten zu Hause. Am Karsamstag wurde ein DIN-A4-Brief von NSN (Absender mit Postleitzahl 80240) mit folgendem Inhalt zugestellt:
ein "Merian-Extra" Heft über Ulm und Neu-Ulm
ein Gutschein für eine Übernachtung mit Partner (und Familie/Kinder) in Ulm zum Kennenlernen der Stadt.
In dem Anschreiben steht:
"Um die Donaustadt etwas näher kennenzulernen, laden wir Euch, Eure/n Partner/in und Eure Kinder zu einem Schnupper-Wochenende nach Ulm ein - inklusive An- und Abreise, Hotelübernachtung mit Frühstück, Stadtführung und der "Ulm Card" mit zahlreichen Vergünstigungen."
Der Voucher ist gültig ab sofort, bis Ende Mai. In diesem Zeitfenster kann man den Termin mit seiner Familie frei wählen, und es stehen fünf Hotels zur Verfügung, die alle zentral liegen. Na ja, die fünf Hotels werden im Folgesatz sofort auf die ersten beiden reduziert, bzw. diese beiden Hotels sollen bevorzugt werden, da NSN mit diesen Hotels bereits Rahmenverträge hat. Wahrscheinlich gilt immer noch Travel Ban, auch für diese Aktion.
Das wären acht Wochenenden, eigentlich nur sieben, denn den Karsamstag kann man gar nicht mitzählen, da war das Angebot ja erst im Postkasten. Also sieben Wochenenden, für über 400 Mitarbeiter in fünf Hotels, bzw. eigentlich nur zwei bevorzugten Hotels, wegen der Rahmenverträge, das macht also so ca. 30 NSN Mitarbeiter pro Wochenende und Hotel. Toll, ich wollte schon immer mal mit meinem Chef und meinen Kollegen so Wand an Wand in einem Hotel Urlaub machen. Hat bestimmt auch seinen Reiz.
Dieses Schnupperwochenende klingt durchaus verlockend, es besteht nur ein Problem: Wir sollen doch nicht unsere Freizeit in Ulm verbringen, sondern wir sollen in Ulm unserer Erwerbstätigkeit nachgehen. Was also sollen wir am Wochenende in Ulm? Da ist der NSN Standort Eselsberg geschlossen. Wir haben keine Chance, uns unsere zukünftigen Arbeitsplätze anzusehen, uns dort mit dem Betriebsrat zu unterhalten oder die dortige Kantine auszuprobieren, oder ähnliches. Das wären die Kriterien, die man von einem Arbeitsplatz wissen möchte.
Aber trotzdem, eine nette Osterüberraschung, oder?
Nach einer kurzen Denkphase habe ich extra nochmal überprüft, ob der Karsamstag evtl. mit dem 1. April zusammen gefallen war. Nein, Karsamstag war definitiv nicht der 1. April - die müssen das ernst gemeint haben!
Ach, da liegt also Ulm!
Komme ich gerade von meinem Briefkasten zurück, um zu schauen, was sich über die Ostertage da so alles angehäuft hat.
Ach schau, auch von NSN ist was dabei. Ein großer weißer Umschlag, dick und schwer - Das wird doch nicht ein Aufheb... - nein! Ich wage nicht, das auszusprechen... Und außerdem bin ich einer der rund 400 Auserwählten, die für Ulm, also die Völkerwanderung der LTE-Experten auserkoren sind. Und uns wird doch stets erzählt, wir brauchten jeden Kopf in Ulm. Da können die mich doch nicht einfach fallen lassen!
...Obwohl, da kommt mir nun schon wieder diese komische Erinnerung an unsere alte Zeit bei ICN und Siemens Mobile in den Sinn. Auch da hatten "die da oben" uns gesagt, "ICN - jeder Mitarbeiter zählt!". Und wenig später kam dann der Kahlschlag anno 2003. - Wie schnell sich alles ändern kann!
Achwas, das war doch alles gestern. Sofort mache ich den Umschlag auf und finde eine Sonderausgabe des Reisemagazins "Merian", mit Schwerpunktthema "Ulm"! Dazu noch eine feierliche Einladung, nach Ulm zu reisen, dort im Hotel zu nächtigen, sowie das Städtchen anzuschaeuen - und all das zahlt die Firma! Was will man mehr?
Klar - daß die Aktion nicht billig wird, ist abzusehen, aber ein ganz klein wenig Werbung muß schon sein!
Doch, was hat uns der Dozent damals in "Marketing" erzählt? - "Ein gutes Produkt verkauft sich selbst!". Und was sagt uns das, wenn irgendwas gar so viel Werbung braucht?
Auch schwirrt schon wieder dieser Brief in meinem Kopf herum, wo uns die Geschäftsleitung anläßlich des Übergangs zu NSN - wie die besorgte Mutter ihrem Kinde - suggerierte, ebendiesem Übergang zu widersprechen, möchten wir uns vorher gründlich überlegen. Nun, wir hatten überlegt, doch falsch entschieden...
Und so widme ich mich nun dem "Merian", den Erzählungen und seinen wunderschönen Bildern, die mich für einen Augenblick vergessen lassen, dass ich in dieses Märchenland um des Berufes wegen, und nicht zum Urlaub machen, ziehen soll.
Doch bleibt, bei all dem Glanz, ein fader Beigeschmack:
Es ist hier nichts von alledem erkennbar, was Belegschaft und BR gefordert hatten, um dem Ganzen noch ein Mindestmaß an Sicherheit mit auf den Weg zu geben.
Es steht hier nichts von Beschäftigungs- und Standortgarantie, die gerade in Regionen mit eingeschränktem Arbeitsmarkt die Existenzen sichern könnten.
Auch all die anderen Fragen der Belegschaft bleiben ohne Antwort - wo zum Beispiel sollen all die vielen Leute parken? Wird es statt der uns bekannten Imbissbude bald eine Kantine geben, die diesen Namen auch verdient? Kann uns die Firma garantieren, uns die Mindestarbeitsfläche laut Tarifvertrag bereitzustellen?
Das sicher gutgemeinte Angebot, zu zeigen, was es "in Ulm, um Ulm, und um Ulm herum" zu sehen gibt, weiß ich zu schätzen, doch kann ich es allein aus Gründen von "cost sensifit" - es "zählt ja jeder Cent" - nicht reinen Herzens akzeptieren.
Mehr noch. Die uns zugegangene Werbung ist nichts als ungestellter Fragen Antwort - doch wann erhalten wir auf unsere Fragen Antwort?
Hinweis auf eine Veranstaltungsreihe zur Europapolitik
Rechtzeitig vor den am 7. Juni stattfindenden Europawahlen veranstaltet Attac-München, die Petra-Kelly-Stiftung und die Evangelische Stadtakademie München eine Reihe von fünf Vorträgen mit hochkarätigen Referenten zu europapolitischen Themen
Moderation bei allen Veranstaltungen: Renate Börger, Journalistin
Ort: Evangelische Stadtakademie, Herzog-Wilhelmstr. 24 (U1/U2/U3/U6, Tram, Sendlinger-Tor) google.maps
Zeit: Dienstag, 21.4., 28.4., 5.5., 12.5., 19.5. jeweils 19:00
Eintritt: 6 / 5 € je Abend
Um eine Anmeldung wird gebeten bei: info@evstadtakademie.de
NSN: Wasserstandsmeldung "Ringtausch Mch-H"
Nachdem wir nun schon eine ganze Reihe von Paarungsvorschlägen an die jeweiligen Vorgesetzten gemeldet haben (dazu finden jetzt Vorstellungsgespräche statt), müssen wir für den noch nicht an den Mann (bzw. an die Frau) gebrachten Rest leider eine Diskrepanz von Angebot und Nachfrage feststellen.
Im "Angebot" hätten wir vor allem noch Jobs als Hardwareentwickler für Ulm, nachgefragt wird aber vor allem von jeder Menge Softwareentwicklern und Testern für München.
Das bringen wir nicht nur wegen der "Ulm"-Frage, sondern auch wegen der unpassenden Skillprofile nicht zusammen.
Nehmen wir’s aber auch positiv: Wenn ein MchH-Wechselwilliger beim Lesen dieser Zeilen sich daran erinnert, dass er in seinem früheren Leben doch auch schon mal Hardware entwickelt hat und auch noch weiß wie man "CAD" buchstabiert, und dies auch noch mit der Bereitschaft nötigenfalls doch auch in Ulm zu arbeiten verknüpft, dann gingen die Aussichten für einen erfolgreichen Ringtausch für ihn/sie schon fast gegen 100%.
Falls dem so sein sollte, also bitte unbedingt beim Ringtauschteam nachmelden!
Weil es auch dazu anscheinend noch Verunsicherungen gibt: Ja, auch (nicht vom Stellenabbau betroffene) IT-Kollegen aus Mch-H können sich als „Trennungswillige“ am Ringtauschprogramm beteiligen! (Genauso wie z.B. auch die Kollegen aus Mch-M; es gibt da keinen Unterschied.) Und natürlich können sich auch Trennungswillige anderer NSN-Betriebe (nicht nur aus München) am Ringtausch beteiligen.
Und dann gibt es neben dem Ringtausch natürlich auch noch den NSN-internen Stellenmarkt. Der Ringtausch wird als "Rettungsweg" umso bedeutender, je bedeutungsloser der NSN-interne Stellenmarkt wird; die Zahl ausgeschriebener NSN-Stellen in München wird immer übersichtlicher.
Erschwerend kommt hinzu, dass nun auch in der St.Martinstraße Arbeitsplätze gefährdet sind, und wenn ein Hofmannsträßler sich auf eine MchM-Stelle bewirbt, auf die sich auch ebenfalls gefährdete Martinstraßenkollegen beworben haben, kann der rettende Wechsel nach Mch-M selbst dann noch (am dortigen Betriebsrat) scheitern, wenn der aufnehmende Vorgesetzte eigentlich schon einverstanden war. (Das gilt aber wie gesagt nur für die Besetzung normal ausgeschriebener Stellen, nicht für unser Ringtauschprogramm.)
Die Möglichkeiten, sich über eine Versetzung auf eine in Mch-M ausgeschriebene Stelle zu retten, werden also immer mauer.
Hinweis am Rande: Bitte informieren Sie den aufnehmenden Betriebsrats-Personalausschuss nicht nur über Ihre Bewerbung, sondern auch über die Gefährdung Ihres dzt. Arbeitsplatzes sowie ggf. über eine vorhandene Schwerbehinderung (da Schwerbehinderte bevorzugt zu berücksichtigen sind, kann auch das eine wichtige Information sein).
NSN bietet für Nortel-Sparten
Wie das "Wall Street Journal" am Dienstag berichtete, bietet neben Avaya und SEN auch Nokia Siemens Networks bei der Versteigerung für große Teile der insolventen Nortel, die Nortel-Netzwerksparte (Business Telecom und Mobilfunktechnologie LTE).
Die NSN-Belegschaft fürchtet natürlich „Synergieeffekte“ aus einem möglichen Nortel-Zukauf, u.a. in der Ulmer LTE-Entwicklung.
Hinweis: NCIonAir-Sendung "Burnout" vom 1.4.09 jetzt auch online
Selten haben wir so viele positive Feed-back-mails zu einer NCIonAir-Sendung bekommen wie dieses mal.
Für alle, die sie sich noch einmal (oder auch zum ersten Mal) anhören wollen: Die Sendung steht jetzt (wie fast alle unsere Sendungen) zum Download als mp3-Datei (11,4 MB) bereit.
NSN München-Hofmannstraße: Happy Birthday, und tschüss!
Die Geschäftsführung von NSN in Deutschland freut sich über den 2-jährigen Geburtstag von Nokia Siemens Networks am 1.April; für die Kollegen im NSN-Betrieb München-Hofmannstraße, der im Oktober (unter Verlust aller Arbeitsplätze) geschlossen werden soll, klingt das wie ein schlechter Aprilscherz.
Mit den Geburtstagskerzen wurde zugleich ihrem Betrieb das Lebenslicht ausgeblasen. Die Freude über das gelungene JointVenture werden die Mitarbeiter schwerlich teilen; dass sie das mit ihrem Job bezahlen würden, davon war vor zwei Jahren jedenfalls noch keine Rede.
NSN: Ringtauschprogramm Mch-H: Zwischenstand
Obwohl das Ringtauschprogramm erst vor wenigen Tagen gestartet wurde, gingen bis jetzt insgesamt schon 86 Ringtauschanmeldungen wechselwilliger Hofmannsträßler sowie 48 Ringtauschanmeldungen Trennungswilliger (überwiegend aus Mch-M) ein.
Für 40 Wechselwillige und 17 Trennungswillige wurden bisher Ringtauschvorschläge an die zuständigen Vorgesetzten für Vorstellungsgespräche weitergeleitet, weitere sind in Bearbeitung.
Drei erste Ringtäusche sind bereits in trockenen Tüchern (vom jew. Chef akzeptiert), mithin die Wünsche von sechs Kollegen erfüllt worden.
Klar ist aber auch, dass wir noch immer in der Phase des Aufsammelns von Ringtausch-Anmeldungen sind, wir hoffen noch immer auf deutlich mehr Anmeldungen.
Jeder vom Abbau betroffene Hofmannsträßler, der heute schon weiß, dass er kein Trennungsangebot annehmen kann, sollte eigentlich mitmachen, um zumindest zu versuchen sich so einen neuen NSN-Arbeitsplatz zu ergattern; in Zeiten eines nahezu leergeputzten NSN-internen Stellenmarktes wäre das ohne Ringtauschprogramm ein schwieriges Unterfangen.
Umgekehrt haben wir zwar zahlreiche unverbindliche Anfragen möglicherweise Trennungswilliger bekommen, aber gerade mal jeder Zweite davon hat sich bisher auch offiziell für einen Ringtausch angemeldet; viele Kollegen haben halt einfach Angst, sich damit bei ihrem Vorgesetzten zu „outen“ und befürchten Nachteile davon, falls es mit dem Ringtausch doch nicht klappen sollte.
Eine Befürchtung, die sich bisher in der Regel nicht bewahrheitet hat, im Gegenteil unterstützen die meisten Vorgesetzten in Mch-M unser Ringtauschprogramm durchaus.
Aber so oder so, es geht halt nicht anders: Wer ringtauschen will, muss es irgendwann auch mal sagen! Auch wer zu lange damit wartet, den kann das Leben strafen: Natürlich vermitteln wir jetzt schon so schnell und so viele Ringtäusche wie möglich, wer also zu spät kommt, dessen Feld ist womöglich schon von Schneller-Entschlossenen abgegrast, so dass sich dann kein „skillkompatibler“ Ringtauschpartner mehr für ihn findet. Also bitte nicht auf die lange Bank schieben, sondern jetzt schon zum Ringtausch bei BR-Ringtauschteam und Placementteam anmelden!
Ein „kleines“ Problemchen haben wir auch mit den Berufsgruppen „Softwareentwickler“, „Tester“ und „Teamassistenzkraft“: Nach den bisherigen Ringtauschanmeldungen gibt es speziell in diesen Berufsgruppen in Mch-H kaum Wechselwillige, die bereit wären auch nach Ulm umzuziehen; umgekehrt gibt es aber in Mch-M speziell zu diesen Berufsgruppen bisher überwiegend solche Trennungswillige, deren Arbeitsplätze im Oktober nach Ulm umgezogen werden.
Da gibt es eigentlich nur zwei denkbare Lösungen:
Zum einen sollten die betroffenen MchH-Kollegen bitte nochmal darüber nachdenken (und das möglichst noch im April), ob sie nicht doch eine Ulm-Umzugsbereitschaft nachmelden wollen (zumal heute kein Mensch vorhersagen kann, ob die Jobs in Mch-M wirklich sicherer sind als die in Ulm).
Und zum anderen könnten wir eben auch noch mehr „reinrassige“ Martinsträßler als trennungswillige Ringtäuschler insbes. aus diesen Berufsgruppen brauchen. In beiden Fällen: Bitte melden!
NSN: Kalenderbestellung leicht gemacht
Was kostet die zunehmende Bürokratisierung bei Nokia Siemens Networks? Am Beispiel Kalenderbestellung:
Es nähert sich wieder der Mai und die Kalenderbestellung wird wieder fällig. Ich bin mal gespannt, ob das wieder so ein Arbeitsaufwand wird wie letztes Jahr. Für die Kalenderbestellung gibt es ein Portal. Toll, denkt man sich, da gibt man seine Bestellung ab und irgendwann im Herbst kommen dann die Kalender. Denkste! Erst einmal bekam ich viele, viele Auftragsbestätigungen. Bei Rückfrage warum soviele Auftragsbestätigungen geschickt werden, ist auch noch herausgekommen, dass zusätzlich zur Eingabe im Portal noch eine Bestellung über MyOrders getätigt werden muss. Also, die ganze Bestellung nochmal in MyOrders eingetippt. Es kam noch eine Bestätigung von MyOrders und das wars dann mal fürs erste. Jetzt kommt ein Lieferungstermin und von MyOrders gleich die Aufforderung den Wareneingang zu buchen. Die Ware ist aber noch nicht im Hause. So ca. jede Woche schreibt MyOrders, dass der Wareneingang noch nicht gebucht wurde. Im Oktober war es dann soweit, die Schachtel mit den Kalendern ist angekommen. Zugleich wurde von mir auch der Wareneingang für die gesamte Bestellung gebucht. Monate später, schon im neuen Jahr, kommt per Mail wieder eine Auftragbestätigung und ein Hinweis, dass ich nicht den ganzen Betrag in My Orders gebucht habe, sondern ein paar Euro weniger. Nach Rückmeldung und Zuschicken der Bestätigung was ich gebucht habe, wurde ich angerufen. In diesem Gespräch wurde erläutert, dass ein Kalender fehlt, der nicht gebucht wurde und ich solle doch für den einen Kalender eine neue MyOrders-Bestellung erstellen. Da ich ja die Bestätigung hatte, was ich gebucht habe, wurde dann vereinbart, dass diese Abteilung dies manuell nachträgt. Ich muss sagen, ich freue (!) mich jetzt schon auf die Kalenderbestellung für 2010.
Nein, es geht mir mit diesem kleinen Erlebnisbericht nicht um Kalenderbestellungen, es sollte nur ein konkretes Beispiel für unsere ausufernde Bürokratie sein; was wir bei Siemens schon "gut" konnten, entwickeln wir bei Nokia Siemens Networks zur Perfektion.
Zur Bestellung eines Kalenders z.B. im Wert von 21 Cent muss so insgesamt ein Arbeitsaufwand von etwa 16 Stunden erbracht werden, den Gegenwert in Euro möge sich jeder selber ausrechnen. Das nennt man dann wohl "cost sensifit"?
Schon wieder Datenschutzskandal bei Lidl
Der Zufall brachte es an den Tag: In einer Mülltonne einer Autowaschanlage in Bochum fand man Personalunterlagen des Lebensmitteldiscounters Lidl, neben Personalstammblättern mit Adresse, Telefonnummer und dem Gehalt, Aufhebungsverträgen, Arbeitszeugnissen, Spesenabrechnungen fanden sich auch ausgefüllte Formulare mit Krankheitsdaten von Mitarbeitern. Offensichtlich forderte man bei Lidl krank gewordene Mitarbeiter auf, detaillierte Angaben zu ihrer Krankheit zu machen, und sammelte diese Daten systematisch.
Der Bundesdatenschutzbeauftragte Peter Schaar sieht die Notizen "äußerst kritisch". "Der Grund der Krankheit geht den Arbeitgeber grundsätzlich nichts an." Und da hat er natürlich Recht, denn in §5 EntgFG (Entgeltfortzahlungsgesetz) steht nur "Der Arbeitnehmer ist verpflichtet, dem Arbeitgeber die Arbeitsunfähigkeit und deren voraussichtliche Dauer unverzüglich mitzuteilen." Auch die ärztliche Bescheinigung enthält nicht den Grund für die Krankheit, denn im gleichen §5 steht. "Dauert die Arbeitsunfähigkeit länger als drei Kalendertage, hat der Arbeitnehmer eine ärztliche Bescheinigung über das Bestehen der Arbeitsunfähigkeit sowie deren voraussichtliche Dauer spätestens an dem darauffolgenden Arbeitstag vorzulegen."
Was aber tun, wenn der Chef unzulässigerweise nach der Krankheit fragt, vielleicht dabei sogar Druck ausübt? Nicht jeder hat den Mut zu sagen "Das geht Sie nichts an" (auch wenn er damit nur den Bundesdatenschutzbeauftragten zitiert) oder einfach zu schweigen. Genau wie bei den unzulässigen Fragen beim Vorstellungsgespräch darf man hier die Unwahrheit sagen ("Notwehrlüge").
Zurück zu Lidl: Nicht nur die Fragen nach der Krankheit waren illegal, sondern erst recht das systematische Sammeln der Daten, vom bodenlos skandalösen Umgang mit diesen hochsensiblen Unterlagen mal ganz abgesehen.
Die gefundenen Unterlagen stammen übrigens aus der Zeit nach dem Spitzelskandal in der gleichen Firma im März 2008, was ganz klar zeigt, dass die Beteuerung "das Unternehmen unternehme alles Erdenkliche, damit dem Datenschutz Rechnung getragen werde" zumindest in der Vergangenheit nicht der Wahrheit entsprach. Es wurde einfach weitergemacht wie bisher, meint der Arbeitsrechtler Jens Peter Hjort. Immerhin: Die Krankenformulare werden seit Beginn des Jahres nicht mehr verwendet.
Aber wann kommt der nächste Lidl-Skandal ans Licht?
Indien: Nokia Siemens Networks eröffnet Global Network Solution Center
Eigenen Angaben zufolge hat NSN ein Global Network Solution Center in Indien eröffnet. Ferngesteuert sollen von hier aus Dienstleistungen für Netzwerke erbracht werden. NSN hat in Indien 8.000 Mitarbeiter und investiert über einen Zeitraum vom 3 Jahren 100 Millionen US Dollar.
Bewertung des IA/SP Mch-H
Mitte März hat ein Kollege in einer Rundmail etwas schulmeisterlich „Schulnoten“ für den in Mch-H ausgehandelten Sozialplan vergeben, und zwar wenig schmeichelhafte.
Die Rechnung des Kollegen stimmte allerdings nicht so ganz; diverse Betriebsräte hatten aber nur ihm selber geantwortet und auf die Fehler in seiner Kalkulation hingewiesen, ohne das mit größeren Verteilern zu streuen.
Wir haben uns da vielleicht zu sehr darauf verlassen, dass die Belegschaft im Zweifelsfall den Betriebsrat selbst konsultiert, derweilen macht aber besagte Rundmail anscheinend munter weiter die Runde und verunsichert einige Kollegen.
Daher nun doch noch mal der Hinweis: Verlassen Sie sich nicht ungeprüft auf die (möglicherweise fehlerhaften oder lückenhaften) Rechnungen irgendwelcher Kollegen, sondern lassen Sie sich Ihre konkreten Daten von HR und/oder BR ausrechnen und kontrollieren Sie es selbst!
Wir wollen den Sozialplan nicht schön-reden, aber zumindest zwei Punkte wollen nun doch kommentiert sein:
Die Angebote für Mitarbeiter über 50 sind nicht nur „minimal mehr“, sondern ganz erheblich höhere Abfindungen, und insbes. die Trennungsangebote für die Generation „55+“ (beE + vB) treffen auf reges Interesse, auch aus eigentlich nicht betroffenen Betrieben (→ Ringtausch).
Auch für die jüngeren Mitarbeiter (unter 45) kann man nicht pauschal von schlechteren Trennungskonditionen reden, wenn alle Aspekte korrekt berücksichtigt werden.
Es gibt den jüngeren Mitarbeiter, der so jung-dynamisch und voller Selbstvertrauen ist zu sagen „ich brauche die beE nicht, ich will nur meine Abfindung“; der unterschreibt einen Aufhebungsvertrag ohne beE, und das zu höheren Abfindungen als bisher.
Dann gibt es den jüngeren Mitarbeiter, der doch eine beE braucht, und dort dann feststellen muss, dass er (Finanzkrise sei dank) doch noch das erstmalig ausgehandelte dritte beE-Jahr braucht, um einen neuen Job zu finden. Im Vergleich mit früheren (zweijährigen) beE’s wirkt dann die dreijährige beE wie eine in 12 Monatsscheiben ausgezahlte Abfindungserhöhung in Höhe von 12*80% eines Bruttomonatseinkommens; hätte der Kollege das in seiner Rechnung nicht übersehen, hätte er schnell feststellen können, dass auch für diesen Kollegen in Summe deutlich mehr Geld als bisher rüberkommt.
Lediglich der junge Mitarbeiter, der in die beE geht und dann tatsächlich innerhalb der ersten zwei beE-Jahre schon einen neuen Job findet, bekommt eine (im Vergleich zu früher) niedrigere Abfindung, da der Arbeitgeber diesmal zu keiner "Frühaustrittsprämie" mehr bereit war; dafür hat er dann aber auch einen neuen Job.
Wie gesagt, wir wollen nichts rechtfertigen oder schön-reden, aber wir empfehlen dringend, solchen „Experten“-Mails nicht blind zu vertrauen, sondern seine Daten lieber selber nachzurechnen, wobei der Betriebsrat nötigenfalls gerne hilft. Dann kann sich jeder selbst eine qualifizierte Meinung bilden, ob ihm/ihr dieses Angebot gut genug ist, oder nicht.