Source: https://www.rechtslupe.de/wirtschaftsrecht/massenhafte-abmahnungen-und-der-rechtsmissbrauch-385087
Timestamp: 2020-01-24 09:29:54
Document Index: 271525629

Matched Legal Cases: ['§ 8', 'BGH', '§ 8', 'BGH', 'BGH', '§ 8', '§ 8']

Mas­sen­haf­te Abmah­nun­gen – und der Rechts­miss­brauch | Rechtslupe
Massenhafte Abmahnungen - und der Rechtsmissbrauch
Dar­le­gungs- und beweis­pflich­tig für die Vor­aus­set­zun­gen des § 8 Abs. 4 UWG ist grund­sätz­lich der Ver­let­zer. Erst wenn in aus­rei­chen­dem Umfang Indi­zi­en vor­ge­tra­gen sind, die für eine rechts­miss­bräuch­li­che Gel­tend­ma­chung des Unter­las­sungs­an­spru­ches spre­chen, obliegt es sodann dem Anspruch­stel­ler, die­se Umstän­de zu wider­le­gen 1.
Der Umstand, dass er bereits in grö­ße­rem Umfang Abmah­nun­gen aus­ge­spro­chen haben mag, ist für sich genom­men nicht geeig­net, einen Miss­brauch zu bele­gen 2. Anders wäre dies zwar, wenn sich die Abmahn­tä­tig­keit des Ver­fü­gungs­klä­gers ver­selb­stän­digt hät­te, d. h. in kei­nem ver­nünf­ti­gen wirt­schaft­li­chen Ver­hält­nis mehr zur eigent­li­chen Geschäfts­tä­tig­keit steht und damit bei objek­ti­ver Betrach­tung an der Ver­fol­gung bestimm­ter Wett­be­werbs­ver­stö­ße kein nen­nens­wer­tes wirt­schaft­li­ches Inter­es­se außer dem Gebüh­ren­er­zie­lungs­in­ter­es­se bestehen kann 3.
Im vor­lie­gen­den Ver­fü­gungs­ver­fah­ren kann auch nicht ange­nom­men wer­den, dass die Pro­zess­be­voll­mäch­tig­ten des Ver­fü­gungs­klä­gers die Abmahn­tä­tig­keit "in eige­ner Regie" betrei­ben 4. So hat der Ver­fü­gungs­klä­ger den der Abmah­nung zugrun­de lie­gen­den Test­kauf in der M Filia­le der Ver­fü­gungs­be­klag­ten selbst durch­ge­führt. Das spricht dafür, dass er die Abmahn­tä­tig­keit bis­lang nicht voll­stän­dig aus der Hand gege­ben hat, auch wenn er offen­bar ander­wei­ti­ge Test­käu­fe am Sitz der Kanz­lei sei­ner Pro­zess­be­voll­mäch­tig­ten hat vor­neh­men las­sen.
Auf ein im Vor­der­grund ste­hen­des Gebüh­ren­er­zie­lungs­in­ter­es­se kann es zwar hin­deu­ten, dass der Ver­fü­gungs­klä­ger unstrei­tig Kos­ten­er­stat­tungs­an­sprü­che gegen die Ver­fü­gungs­be­klag­te in der­sel­ben Sache in zwei gericht­li­chen Ver­fah­ren, also "dop­pelt", gel­tend gemacht hat. Er hat jedoch dazu vor­ge­tra­gen, dies beru­he auf einem Ver­se­hen sei­ner Pro­zess­be­voll­mäch­tig­ten. Dass dies unzu­tref­fend ist, hat die Ver­fü­gungs­be­klag­te weder kon­kret dar­ge­tan noch glaub­haft gemacht.
Ober­lan­des­ge­richt Hamm, Urteil vom 14. August 2014 – 4 U 46/​14
BGH, GRUR 2006, 243 – MEGA-Sale; Köhler/​Bornkamm, UWG, 32. Aufl., § 8 Rn.04.25[↩]
vgl. BGH, GRUR 2012, 286 – Fal­sche Such­ru­brik; Ober­lan­des­ge­richt, Urteil vom 28.04.2009 – 4 U 216/​08[↩]
vgl. BGH, GRUR 2001, 260, 261 – Viel­fach­ab­mah­ner; GRUR 2012, 286 – Fal­sche Such­ru­brik; Köhler/​Bornkamm, 32. Aufl., § 8 UWG, Rn. 4.12a[↩]
vgl. Köhler/​Bornkamm, UWG, 32. Aufl., § 8 Rn. 4.12b[↩]
AbmahnungRechtsmissbrauchUnterlassungsanspruchWettbewerbsrecht