Source: https://lawbrary.ch/en/browser/JStPO/312_1__1/?plang=de
Timestamp: 2020-07-09 02:40:16
Document Index: 45945063

Matched Legal Cases: ['Art. 17', 'Art. 23', 'Art. 31', 'Art. 33', 'Art. 34', 'Art. 358', 'Art. 372', 'Art. 374', 'Art. 21', 'Art. 9', 'Art. 56', 'Art. 32', 'Art. 33', 'Art. 426', 'Art. 5', 'Art. 9', 'Art. 12', 'Art. 18', 'Art. 23', 'Art. 27']

Lawbrary | JStPO - Schweizerische Jugendstrafprozessordnung
Gegenstand und Grundsätze (1 - 5)
Jugendstrafbehörden (6 - 8)
Allgemeine Verfahrensregeln (9 - 17)
Parteien und Verteidigung
Parteien (18 - 22)
Verteidigung (23 - 25)
Zwangsmassnahmen, Schutzmassnahmen und Beobachtungen (26 - 29)
Untersuchung (30 - 31)
Strafbefehlsverfahren (32 - 32)
Anklageerhebung (33 - 33)
Hauptverhandlung (34 - 37)
Rechtsmittel (38 - 41)
Vollzug von Sanktionen (42 - 43)
Kosten (44 - 45)
Änderung bisherigen Rechts (46 - 46)
Übergangsbestimmungen (47 - 53)
Referendum und Inkrafttreten (54 - 54)
Die­ses Ge­setz re­gelt die Ver­fol­gung und Be­ur­tei­lung der Straf­ta­ten nach Bun­des­recht, die von Ju­gend­li­chen im Sin­ne von Ar­ti­kel 3 Ab­satz 1 des Ju­gend­straf­ge­set­zes vom 20. Ju­ni 20031 (JStG) ver­übt wor­den sind, so­wie den Voll­zug der ge­gen sie ver­häng­ten Sank­tio­nen.
Für die Ver­fol­gung und Be­ur­tei­lung der Straf­ta­ten so­wie den Voll­zug der ver­häng­ten Sank­tio­nen sind aus­sch­liess­lich die Kan­to­ne zu­stän­dig.
1Ent­hält die­ses Ge­setz kei­ne be­son­de­re Re­ge­lung, so sind die Be­stim­mun­gen der Straf­pro­zess­ord­nung vom 5. Ok­to­ber 20071 (StPO) an­wend­bar.
2Nicht an­wend­bar sind die Be­stim­mun­gen der StPO über:
die Über­tre­tungs­straf­be­hör­den und das Über­tre­tungs­straf­ver­fah­ren (Art. 17 und 357);
die Bun­des­ge­richts­bar­keit (Art. 23-28);
den Ge­richts­stand (Art. 31 und 32) und die be­son­de­ren Ge­richts­stän­de im Fal­le meh­re­rer Be­tei­lig­ter (Art. 33) und bei meh­re­ren an ver­schie­de­nen Or­ten ver­üb­ten Straf­ta­ten (Art. 34);
das ab­ge­kürz­te Ver­fah­ren (Art. 358-362);
das Ver­fah­ren bei An­ord­nung der Frie­dens­bürg­schaft (Art. 372 und 373);
das Ver­fah­ren bei ei­ner schul­d­un­fä­hi­gen be­schul­dig­ten Per­son (Art. 374 und 375).
3Kommt die Straf­pro­zess­ord­nung zur An­wen­dung, so sind de­ren Be­stim­mun­gen im Lich­te der Grund­sät­ze von Ar­ti­kel 4 die­ses Ge­set­zes aus­zu­le­gen.
1Für die An­wen­dung die­ses Ge­set­zes sind der Schutz und die Er­zie­hung der Ju­gend­li­chen weg­lei­tend. Al­ter und Ent­wick­lungs­stand sind an­ge­mes­sen zu be­rück­sich­ti­gen.
2Die Straf­be­hör­den ach­ten in al­len Ver­fah­rens­sta­di­en die Per­sön­lich­keits­rech­te der Ju­gend­li­chen und er­mög­li­chen ih­nen, sich ak­tiv am Ver­fah­ren zu be­tei­li­gen. Vor­be­hält­lich be­son­de­rer Ver­fah­rens­vor­schrif­ten hö­ren sie die Ju­gend­li­chen per­sön­lich an.
3Sie sor­gen da­für, dass das Straf­ver­fah­ren nicht mehr als nö­tig in das Pri­vat­le­ben der Ju­gend­li­chen und in den Ein­fluss­be­reich ih­rer ge­setz­li­chen Ver­tre­tung ein­greift.
4Sie be­zie­hen, wenn es an­ge­zeigt scheint, die ge­setz­li­che Ver­tre­tung und die Be­hör­de des Zi­vil­rechts ein.
1Die Un­ter­su­chungs­be­hör­de, die Ju­gend­staats­an­walt­schaft und das Ge­richt se­hen von der Straf­ver­fol­gung ab, wenn:
die Vor­aus­set­zun­gen für ei­ne Straf­be­frei­ung nach Ar­ti­kel 21 JStG1 ge­ge­ben und Schutz­mass­nah­men ent­we­der nicht not­wen­dig sind oder die Be­hör­de des Zi­vil­rechts be­reits ge­eig­ne­te Mass­nah­men an­ge­ord­net hat; oder
ein Ver­gleich oder ei­ne Me­dia­ti­on er­folg­reich ab­ge­schlos­sen wer­den konn­te.
2Im Üb­ri­gen ist Ar­ti­kel 8 Ab­sät­ze 2-4 StPO2 an­wend­bar.
1Straf­ver­fol­gungs­be­hör­den sind:
die Un­ter­su­chungs­be­hör­de;
die Ju­gend­staats­an­walt­schaft, so­fern der Kan­ton ei­ne sol­che Be­hör­de vor­se­hen muss (Art. 21).
2Die Kan­to­ne be­zeich­nen als Un­ter­su­chungs­be­hör­de:
ei­ne oder meh­re­re Ju­gend­rich­te­rin­nen oder einen oder meh­re­re Ju­gend­rich­ter; oder
ei­ne oder meh­re­re Ju­gend­an­wäl­tin­nen oder einen oder meh­re­re Ju­gend­an­wäl­te.
3Die Ju­gend­rich­te­rin­nen und Ju­gend­rich­ter sind Mit­glie­der des Ju­gend­ge­richts. Im Üb­ri­gen blei­ben die Be­stim­mun­gen über die Ab­leh­nung (Art. 9) und den Aus­stand (Art. 56-60 StPO1) vor­be­hal­ten.
4Die Ju­gend­an­wäl­tin­nen und Ju­gend­an­wäl­te ver­tre­ten vor dem Ju­gend­ge­richt die An­kla­ge.
1Ge­richt­li­che Be­fug­nis­se im Ju­gend­straf­ver­fah­ren ha­ben:
das Ju­gend­ge­richt;
die Be­schwer­de­in­stanz in Ju­gend­strafsa­chen;
die Be­ru­fungs­in­stanz in Ju­gend­strafsa­chen.
2Das Ju­gend­ge­richt setzt sich zu­sam­men aus dem Prä­si­den­ten oder der Prä­si­den­tin und zwei Bei­sit­ze­rin­nen oder Bei­sit­zern.
3Die Kan­to­ne kön­nen die Be­fug­nis­se der Be­schwer­de­in­stanz der Be­ru­fungs­in­stanz über­tra­gen.
1Die Kan­to­ne re­geln Wahl, Zu­sam­men­set­zung, Or­ga­ni­sa­ti­on, Auf­sicht und Be­fug­nis­se der Ju­gend­straf­be­hör­den, so­weit die­ses Ge­setz oder an­de­re Bun­des­ge­set­ze dies nicht ab­sch­lies­send re­geln.
2Die Kan­to­ne kön­nen in­ter­kan­to­nal zu­stän­di­ge Ju­gend­straf­be­hör­den vor­se­hen.
3Sie kön­nen Ober- oder Ge­ne­ral­ju­gend­an­walt­schaf­ten vor­se­hen.
1Die oder der ur­teils­fä­hi­ge be­schul­dig­te Ju­gend­li­che und die ge­setz­li­che Ver­tre­tung kön­nen in­nert zehn Ta­gen seit Er­öff­nung des Straf­be­fehls (Art. 32) be­zie­hungs­wei­se Zu­stel­lung der An­kla­ge­schrift (Art. 33) ver­lan­gen, dass die Ju­gend­rich­te­rin oder der Ju­gend­rich­ter, die oder der be­reits die Un­ter­su­chung ge­führt hat, im Haupt­ver­fah­ren nicht mit­wirkt. Die Ab­leh­nung be­darf kei­ner Be­grün­dung.
2Die oder der ur­teils­fä­hi­ge be­schul­dig­te Ju­gend­li­che und die ge­setz­li­che Ver­tre­tung wer­den im Straf­be­fehl oder in der An­kla­ge­schrift auf die­ses Ab­leh­nungs­recht auf­merk­sam ge­macht.
1Für die Straf­ver­fol­gung ist die Be­hör­de des Or­tes zu­stän­dig, an dem die oder der be­schul­dig­te Ju­gend­li­che bei Er­öff­nung des Ver­fah­rens den ge­wöhn­li­chen Auf­ent­halt hat.
2Fehlt ein ge­wöhn­li­cher Auf­ent­halt in der Schweiz, so ist fol­gen­de Be­hör­de zu­stän­dig:
bei Ta­ten im In­land die Be­hör­de am Ort der Be­ge­hung;
bei Ta­ten im Aus­land die Be­hör­de des Hei­mator­tes oder, für die aus­län­di­sche Ju­gend­li­che oder den aus­län­di­schen Ju­gend­li­chen, die Be­hör­de des Or­tes, wo sie oder er we­gen der Tat erst­mals an­ge­hal­ten wur­de.
3Über­tre­tun­gen wer­den am Ort ih­rer Be­ge­hung ver­folgt. Er­ge­ben sich An­halts­punk­te da­für, dass Schutz­mass­nah­men an­ge­ord­net oder ge­än­dert wer­den müs­sen, so ist die Straf­ver­fol­gung der Be­hör­de je­nes Or­tes zu über­tra­gen, an dem die oder der Ju­gend­li­che den ge­wöhn­li­chen Auf­ent­halt hat.
4Die zu­stän­di­ge schwei­ze­ri­sche Be­hör­de kann auf Er­su­chen der aus­län­di­schen Be­hör­de die Straf­ver­fol­gung über­neh­men, wenn:
die oder der Ju­gend­li­che den ge­wöhn­li­chen Auf­ent­halt in der Schweiz hat oder das Schwei­zer Bür­ger­recht be­sitzt;
die oder der Ju­gend­li­che im Aus­land ei­ne auch nach schwei­ze­ri­schem Recht straf­ba­re Tat be­gan­gen hat; und
die Vor­aus­set­zun­gen für die Straf­ver­fol­gung nach den Ar­ti­keln 4-7 des Straf­ge­setz­bu­ches1 (StGB) nicht er­füllt sind.
5Die zu­stän­di­ge Be­hör­de wen­det bei der Straf­ver­fol­gung nach Ab­satz 4 so­wie nach den Ar­ti­keln 4-7 StGB aus­sch­liess­lich schwei­ze­ri­sches Recht an.
6Für den Voll­zug ist die Be­hör­de am Ort der Be­ur­tei­lung zu­stän­dig; ab­wei­chen­de Be­stim­mun­gen in Ver­trä­gen zwi­schen den Kan­to­nen blei­ben vor­be­hal­ten.
7Kom­pe­tenz­kon­flik­te zwi­schen den Kan­to­nen ent­schei­det das Bun­dess­traf­ge­richt.
1Ver­fah­ren ge­gen Er­wach­se­ne und Ju­gend­li­che wer­den ge­trennt ge­führt.
2Auf die Tren­nung kann aus­nahms­wei­se ver­zich­tet wer­den, wenn die Un­ter­su­chung durch die Tren­nung er­heb­lich er­schwert wür­de.
1Die ge­setz­li­che Ver­tre­tung und die Be­hör­de des Zi­vil­rechts ha­ben im Ver­fah­ren mit­zu­wir­ken, wenn die Ju­gend­straf­be­hör­de dies an­ord­net.
2Bei Nicht­be­fol­gung kann die Un­ter­su­chungs­be­hör­de oder das Ju­gend­ge­richt die ge­setz­li­che Ver­tre­tung ver­war­nen, bei der Be­hör­de des Zi­vil­rechts an­zei­gen oder ihr ei­ne Ord­nungs­bus­se bis zu 1000 Fran­ken auf­er­le­gen. Der Bus­sen­ent­scheid kann bei der Be­schwer­de­in­stanz an­ge­foch­ten wer­den.
Die oder der be­schul­dig­te Ju­gend­li­che kann in al­len Ver­fah­rens­sta­di­en ei­ne Ver­trau­ens­per­son bei­zie­hen, so­fern die In­ter­es­sen der Un­ter­su­chung oder über­wie­gen­de pri­va­te In­ter­es­sen ei­nem sol­chen Bei­zug nicht ent­ge­gen­ste­hen.
1Das Straf­ver­fah­ren fin­det un­ter Aus­schluss der Öf­fent­lich­keit statt. Die Un­ter­su­chungs­be­hör­de und die Ge­rich­te kön­nen die Öf­fent­lich­keit in ge­eig­ne­ter Wei­se über den Stand des Ver­fah­rens in­for­mie­ren.
2Das Ju­gend­ge­richt und die Be­ru­fungs­in­stanz kön­nen ei­ne öf­fent­li­che Ver­hand­lung an­ord­nen, wenn:
die oder der ur­teils­fä­hi­ge be­schul­dig­te Ju­gend­li­che oder die ge­setz­li­che Ver­tre­tung dies ver­langt oder das öf­fent­li­che In­ter­es­se es ge­bie­tet; und
dies den In­ter­es­sen der oder des be­schul­dig­ten Ju­gend­li­chen nicht zu­wi­der­läuft.
1Die Ein­sicht in In­for­ma­tio­nen über die per­sön­li­chen Ver­hält­nis­se der oder des be­schul­dig­ten Ju­gend­li­chen kann in ih­rem oder sei­nem In­ter­es­se ein­ge­schränkt wer­den für:
sie oder ihn sel­ber;
die ge­setz­li­che Ver­tre­tung;
die Be­hör­de des Zi­vil­rechts.
2Die Ver­tei­di­gung und die Ju­gend­staats­an­walt­schaft kön­nen die ge­sam­ten Ak­ten ein­se­hen. Sie dür­fen von In­hal­ten, in wel­che die Ein­sicht ein­ge­schränkt ist, kei­ne Kennt­nis ge­ben.
Die Un­ter­su­chungs­be­hör­de und das Ju­gend­ge­richt kön­nen ver­su­chen:
zwi­schen der ge­schä­dig­ten Per­son und der oder dem be­schul­dig­ten Ju­gend­li­chen einen Ver­gleich zu er­rei­chen, so­weit An­trags­de­lik­te Ge­gen­stand des Ver­fah­rens sind; oder
ei­ne Wie­der­gut­ma­chung zu er­zie­len, so­fern ei­ne Straf­be­frei­ung nach Ar­ti­kel 21 Ab­satz 1 Buch­sta­be c JStG1 in Fra­ge kommt.
1Die Un­ter­su­chungs­be­hör­de und die Ge­rich­te kön­nen das Ver­fah­ren je­der­zeit sis­tie­ren und ei­ne auf dem Ge­biet der Me­dia­ti­on ge­eig­ne­te Or­ga­ni­sa­ti­on oder Per­son mit der Durch­füh­rung ei­nes Me­dia­ti­ons­ver­fah­rens be­auf­tra­gen, wenn:
Schutz­mass­nah­men nicht not­wen­dig sind oder die Be­hör­de des Zi­vil­rechts be­reits ge­eig­ne­te Mass­nah­men an­ge­ord­net hat;
die Vor­aus­set­zun­gen von Ar­ti­kel 21 Ab­satz 1 JStG1 nicht er­füllt sind.
2Ge­lingt die Me­dia­ti­on, so wird das Ver­fah­ren ein­ge­stellt.
Par­tei­en sind:
die oder der be­schul­dig­te Ju­gend­li­che;
die ge­setz­li­che Ver­tre­tung der oder des be­schul­dig­ten Ju­gend­li­chen;
im Haupt- und im Rechts­mit­tel­ver­fah­ren: die Ju­gend­an­wäl­tin oder der Ju­gend­an­walt be­zie­hungs­wei­se die Ju­gend­staats­an­walt­schaft.
1Die oder der be­schul­dig­te Ju­gend­li­che han­delt durch die ge­setz­li­che Ver­tre­tung.
2Ur­teils­fä­hi­ge be­schul­dig­te Ju­gend­li­che kön­nen ih­re Par­tei­rech­te selbst­stän­dig wahr­neh­men.
3Die Be­hör­de kann das Recht der oder des be­schul­dig­ten Ju­gend­li­chen auf Teil­nah­me an be­stimm­ten Ver­fah­rens­hand­lun­gen mit Rück­sicht auf Al­ter und un­ge­stör­te Ent­wick­lung be­schrän­ken. Die­se Be­schrän­kun­gen gel­ten nicht für die Ver­tei­di­gung.
1Die Pri­vat­klä­ger­schaft kann an der Un­ter­su­chung teil­neh­men, wenn dies den In­ter­es­sen der oder des be­schul­dig­ten Ju­gend­li­chen nicht zu­wi­der­läuft.
2Sie nimmt an der Haupt­ver­hand­lung nicht teil, aus­ser wenn be­son­de­re Um­stän­de es er­for­dern.
Wird die Un­ter­su­chung durch ei­ne Ju­gend­rich­te­rin oder einen Ju­gend­rich­ter ge­führt, so sieht der Kan­ton ei­ne Ju­gend­staats­an­walt­schaft vor. Die Ju­gend­staats­an­walt­schaft:
er­hebt An­kla­ge vor dem Ju­gend­ge­richt;
kann an der Haupt­ver­hand­lung vor dem Ju­gend­ge­richt und vor der Be­ru­fungs­in­stanz teil­neh­men; sie ist da­zu ver­pflich­tet, wenn das Ge­richt sie da­zu auf­for­dert;
kann ge­gen Ur­tei­le des Ju­gend­ge­richts Be­ru­fung ein­le­gen;
ver­tritt die An­kla­ge vor der Be­ru­fungs­in­stanz;
nimmt je­ne Auf­ga­ben wahr, wel­che ihr das kan­to­na­le Recht über­trägt.
Sieht das kan­to­na­le Recht ei­ne Ober- oder Ge­ne­ral­ju­gend­an­walt­schaft vor, so sind die Ar­ti­kel 322 Ab­satz 1, 354 Ab­satz 1 Buch­sta­be c und 381 Ab­satz 2 StPO1 sinn­ge­mä­ss an­wend­bar.
Die oder der ur­teils­fä­hi­ge be­schul­dig­te Ju­gend­li­che so­wie die ge­setz­li­che Ver­tre­tung kön­nen ei­ne An­wäl­tin oder einen An­walt mit der Ver­tei­di­gung be­trau­en.
Die oder der Ju­gend­li­che muss ver­tei­digt wer­den, wenn:
ihr oder ihm ein Frei­heits­ent­zug von mehr als ei­nem Mo­nat oder ei­ne Un­ter­brin­gung droht;
sie oder er die ei­ge­nen Ver­fah­rens­in­ter­es­sen nicht aus­rei­chend wah­ren kann und auch die ge­setz­li­che Ver­tre­tung da­zu nicht in der La­ge ist;
die Un­ter­su­chungs- oder Si­cher­heits­haft mehr als 24 Stun­den ge­dau­ert hat;
sie oder er vor­sorg­lich in ei­ner Ein­rich­tung un­ter­ge­bracht wor­den ist;
die Ju­gend­an­wäl­tin oder der Ju­gend­an­walt be­zie­hungs­wei­se die Ju­gend­staats­an­walt­schaft an der Haupt­ver­hand­lung per­sön­lich auf­tritt.
1Die zu­stän­di­ge Be­hör­de ord­net ei­ne amt­li­che Ver­tei­di­gung an, wenn bei not­wen­di­ger Ver­tei­di­gung:
die oder der be­schul­dig­te Ju­gend­li­che oder die ge­setz­li­che Ver­tre­tung trotz Auf­for­de­rung kei­ne Wahl­ver­tei­di­gung be­stimmt;
der Wahl­ver­tei­di­gung das Man­dat ent­zo­gen wur­de oder sie es nie­der­ge­legt hat und die oder der be­schul­dig­te Ju­gend­li­che oder die ge­setz­li­che Ver­tre­tung nicht in­nert Frist ei­ne neue Wahl­ver­tei­di­gung be­stimmt; oder
die oder der be­schul­dig­te Ju­gend­li­che und die ge­setz­li­che Ver­tre­tung nicht über die er­for­der­li­chen Mit­tel ver­fü­gen.
2Die Ent­schä­di­gung der amt­li­chen Ver­tei­di­gung rich­tet sich nach Ar­ti­kel 135 StPO1. Zur Rück­er­stat­tung im Sin­ne von Ar­ti­kel 135 Ab­satz 4 StPO kön­nen im Rah­men ih­rer Un­ter­halts­pflicht auch die El­tern ver­pflich­tet wer­den.
1Die Un­ter­su­chungs­be­hör­de ist zu­stän­dig zur An­ord­nung:
je­ner Zwangs­mass­nah­men, die ge­mä­ss den Be­stim­mun­gen der StPO1 durch die Staats­an­walt­schaft an­ge­ord­net wer­den kön­nen;
der Un­ter­su­chungs­haft;
der vor­sorg­li­chen Schutz­mass­nah­men nach den Ar­ti­keln 12-15 und 16a JStG3;
der Be­ob­ach­tung im Sin­ne von Ar­ti­kel 9 JStG.
2Das Zwangs­mass­nah­men­ge­richt ist zu­stän­dig zur An­ord­nung oder Ge­neh­mi­gung der üb­ri­gen Zwangs­mass­nah­men.
3Ist der Straf­fall beim Ge­richt hän­gig, so ist die­ses für die An­ord­nung der ge­setz­lich vor­ge­se­he­nen Zwangs­mass­nah­men zu­stän­dig.
2 Fas­sung ge­mä­ss An­hang Ziff. 2 des BG vom 13. Dez. 2013 über das Tä­tig­keits­ver­bot und das Kon­takt- und Ray­on­ver­bot, in Kraft seit 1. Jan. 2015 (AS 2014 2055; BBl 2012 8819).
1Un­ter­su­chungs- und Si­cher­heits­haft wer­den nur in Aus­nah­me­fäl­len und erst nach Prü­fung sämt­li­cher Mög­lich­kei­ten von Er­satz­mass­nah­men an­ge­ord­net.
2Soll die Un­ter­su­chungs­haft län­ger als sie­ben Ta­ge dau­ern, so stellt die Un­ter­su­chungs­be­hör­de spä­tes­tens am sieb­ten Tag ein Ver­län­ge­rungs­ge­such an das Zwangs­mass­nah­men­ge­richt. Die­ses ent­schei­det un­ver­züg­lich, spä­tes­tens aber in­nert 48 Stun­den nach Ein­gang des Ge­suchs. Das Ver­fah­ren rich­tet sich nach den Ar­ti­keln 225 und 226 StPO1.
3Das Zwangs­mass­nah­men­ge­richt kann die Un­ter­su­chungs­haft mehr­mals ver­län­gern, je­doch je­weils um höchs­tens einen Mo­nat. Das Ver­fah­ren rich­tet sich nach Ar­ti­kel 227 StPO.
4Die oder der ur­teils­fä­hi­ge be­schul­dig­te Ju­gend­li­che und die ge­setz­li­che Ver­tre­tung kön­nen bei der Be­hör­de, wel­che die Haft an­ge­ord­net hat, je­der­zeit die Ent­las­sung be­an­tra­gen. Das Ver­fah­ren rich­tet sich nach Ar­ti­kel 228 StPO.
5Die An­fecht­bar­keit der Ent­schei­de des Zwangs­mass­nah­men­ge­richts rich­tet sich nach Ar­ti­kel 222 StPO.
1Un­ter­su­chungs- und Si­cher­heits­haft wer­den in ei­ner für Ju­gend­li­che re­ser­vier­ten Ein­rich­tung oder in ei­ner be­son­de­ren Ab­tei­lung ei­ner Haft­an­stalt voll­zo­gen, wo die Ju­gend­li­chen von er­wach­se­nen In­haf­tier­ten ge­trennt sind. Ei­ne an­ge­mes­se­ne Be­treu­ung ist si­cher­zu­stel­len.
2Die Ju­gend­li­chen kön­nen auf ihr Ge­such hin ei­ner Be­schäf­ti­gung nach­ge­hen, wenn das Ver­fah­ren da­durch nicht be­ein­träch­tigt wird und die Ver­hält­nis­se der Ein­rich­tung oder der Haft­an­stalt es er­lau­ben.
3Für den Voll­zug kön­nen pri­va­te Ein­rich­tun­gen bei­ge­zo­gen wer­den.
1Die vor­sorg­li­chen Schutz­mass­nah­men und die Be­ob­ach­tung wer­den schrift­lich an­ge­ord­net und be­grün­det.
2Die sta­tio­näre Be­ob­ach­tung ist an­ge­mes­sen auf die Stra­fe an­zu­rech­nen. Für den Voll­zug ist Ar­ti­kel 16 JStG1 sinn­ge­mä­ss an­wend­bar.
1Die Un­ter­su­chungs­be­hör­de lei­tet die Straf­ver­fol­gung und nimmt al­le zur Wahr­heits­fin­dung not­wen­di­gen Un­ter­su­chungs­hand­lun­gen vor.
2Wäh­rend der Un­ter­su­chung hat sie die Be­fug­nis­se und Auf­ga­ben, die nach der StPO1 in die­sem Ver­fah­rens­sta­di­um der Staats­an­walt­schaft zu­kom­men.
1Bei der Ab­klä­rung der per­sön­li­chen Ver­hält­nis­se der oder des be­schul­dig­ten Ju­gend­li­chen ar­bei­tet die Un­ter­su­chungs­be­hör­de mit al­len In­stan­zen der Straf- und Zi­vil­rechts­pfle­ge, mit den Ver­wal­tungs­be­hör­den, mit öf­fent­li­chen und pri­va­ten Ein­rich­tun­gen und mit Per­so­nen aus dem me­di­zi­ni­schen und so­zia­len Be­reich zu­sam­men; sie holt bei ih­nen die nö­ti­gen Aus­künf­te ein.
2Die­se In­stan­zen, Ein­rich­tun­gen und Per­so­nen sind ver­pflich­tet, die ver­lang­ten Aus­künf­te zu er­tei­len; das Be­rufs­ge­heim­nis bleibt vor­be­hal­ten.
1Die Un­ter­su­chungs­be­hör­de schliesst die Un­ter­su­chung ab und er­lässt einen Straf­be­fehl, wenn die Be­ur­tei­lung der Straf­tat nicht in die Zu­stän­dig­keit des Ju­gend­ge­richts fällt.
2Die oder der be­schul­dig­te Ju­gend­li­che kann vor Er­lass des Straf­be­fehls ein­ver­nom­men wer­den.
3Die Un­ter­su­chungs­be­hör­de kann im Straf­be­fehl auch über Zi­vil­for­de­run­gen ent­schei­den, so­fern de­ren Be­ur­tei­lung oh­ne be­son­de­re Un­ter­su­chung mög­lich ist.
4Der Straf­be­fehl wird er­öff­net:
der oder dem ur­teils­fä­hi­gen be­schul­dig­ten Ju­gend­li­chen und der ge­setz­li­chen Ver­tre­tung;
der Pri­vat­klä­ger­schaft und den an­de­ren Ver­fah­rens­be­tei­lig­ten, so­weit ih­re An­trä­ge be­han­delt wer­den;
der Ju­gend­staats­an­walt­schaft, so­fern das kan­to­na­le Recht dies vor­sieht.
5Ge­gen den Straf­be­fehl kön­nen bei der Un­ter­su­chungs­be­hör­de in­nert 10 Ta­gen schrift­lich Ein­spra­che er­he­ben:
die oder der ur­teils­fä­hi­ge be­schul­dig­te Ju­gend­li­che und die ge­setz­li­che Ver­tre­tung;
die Pri­vat­klä­ger­schaft hin­sicht­lich des Zi­vil­punk­tes so­wie hin­sicht­lich der Kos­ten- und Ent­schä­di­gungs­fol­ge;
wei­te­re Ver­fah­rens­be­tei­lig­te, so­weit sie in ih­ren In­ter­es­sen be­trof­fen sind;
die Ju­gend­staats­an­walt­schaft, so­fern das kan­to­na­le Recht dies vor­sieht.
6Im Üb­ri­gen rich­tet sich das Ver­fah­ren nach den Ar­ti­keln 352-356 StPO1.
1Die zu­stän­di­ge Be­hör­de er­hebt An­kla­ge vor dem Ju­gend­ge­richt, wenn sie den Sach­ver­halt und die per­sön­li­chen Ver­hält­nis­se der oder des be­schul­dig­ten Ju­gend­li­chen als hin­rei­chend ge­klärt er­ach­tet und kein Straf­be­fehl er­las­sen wur­de.
2Für die An­kla­ge­er­he­bung zu­stän­dig ist:
wenn die Un­ter­su­chung durch ei­ne Ju­gend­rich­te­rin oder einen Ju­gend­rich­ter ge­führt wur­de: die Ju­gend­staats­an­walt­schaft;
wenn die Un­ter­su­chung durch ei­ne Ju­gend­an­wäl­tin oder einen Ju­gend­an­walt ge­führt wur­de: die Ju­gend­an­wäl­tin oder der Ju­gend­an­walt.
3Die zu­stän­di­ge Be­hör­de stellt die An­kla­ge­schrift zu:
der oder dem be­schul­dig­ten Ju­gend­li­chen und der ge­setz­li­chen Ver­tre­tung;
der Pri­vat­klä­ger­schaft;
dem Ju­gend­ge­richt, mit­samt den Ak­ten so­wie den be­schlag­nahm­ten Ge­gen­stän­den und Ver­mö­gens­wer­ten.
1Das Ju­gend­ge­richt be­ur­teilt als ers­te In­stanz al­le Straf­ta­ten, für die in Fra­ge kommt:
ei­ne Un­ter­brin­gung;
ei­ne Bus­se von mehr als 1000 Fran­ken;
ein Frei­heits­ent­zug von mehr als drei Mo­na­ten.
2Es be­ur­teilt An­kla­gen im An­schluss an Ein­spra­chen ge­gen Straf­be­feh­le.
3Die Kan­to­ne, wel­che Ju­gend­an­wäl­tin­nen oder Ju­gend­an­wäl­te als Un­ter­su­chungs­be­hör­de be­zeich­nen, kön­nen vor­se­hen, dass die Prä­si­den­tin oder der Prä­si­dent des Ju­gend­ge­richts An­kla­gen im An­schluss an Ein­spra­chen ge­gen Straf­be­feh­le be­ur­teilt, wel­che Über­tre­tun­gen zum Ge­gen­stand ha­ben.
4Fällt ei­ne Straf­tat nach Auf­fas­sung des Ju­gend­ge­richts in die Zu­stän­dig­keit der Un­ter­su­chungs­be­hör­de, so kann das Ju­gend­ge­richt die Straf­tat selbst be­ur­tei­len oder den Fall der Un­ter­su­chungs­be­hör­de zum Er­lass ei­nes Straf­be­fehls über­wei­sen.
5Ist der Straf­fall bei ihm hän­gig, so ist das Ju­gend­ge­richt für die An­ord­nung der ge­setz­lich vor­ge­se­he­nen Zwangs­mass­nah­men zu­stän­dig.
6Das Ju­gend­ge­richt kann auch über Zi­vil­for­de­run­gen ent­schei­den, so­fern de­ren Be­ur­tei­lung oh­ne be­son­de­re Un­ter­su­chung mög­lich ist.
1Die oder der be­schul­dig­te Ju­gend­li­che und die ge­setz­li­che Ver­tre­tung ha­ben an der Haupt­ver­hand­lung vor dem Ju­gend­ge­richt und der Be­ru­fungs­in­stanz per­sön­lich zu er­schei­nen, wenn sie nicht da­von dis­pen­siert wor­den sind.
2Das Ge­richt kann die oder den Ju­gend­li­chen, die ge­setz­li­che Ver­tre­tung und die Ver­trau­ens­per­son von der Haupt­ver­hand­lung ganz oder teil­wei­se aus­sch­lies­sen, so­fern über­wie­gen­de pri­va­te oder öf­fent­li­che In­ter­es­sen dies recht­fer­ti­gen.
Das Ab­we­sen­heits­ver­fah­ren ist nur mög­lich, wenn:
die oder der be­schul­dig­te Ju­gend­li­che trotz zwei­ma­li­ger Vor­la­dung nicht zur Haupt­ver­hand­lung er­scheint;
sie oder er durch die Un­ter­su­chungs­be­hör­de ein­ver­nom­men wor­den ist;
die Be­weis­la­ge ein Ur­teil in ih­rer Ab­we­sen­heit zu­lässt; und
ein­zig ei­ne Stra­fe in Be­tracht kommt.
1Das Ur­teil ist nach Mög­lich­keit münd­lich zu er­öff­nen und zu be­grün­den.
2Das Ge­richt hän­digt den Par­tei­en und den an­de­ren Ver­fah­rens­be­tei­lig­ten am En­de der Haupt­ver­hand­lung das Ur­teils­dis­po­si­tiv aus oder stellt es ih­nen in­nert fünf Ta­gen zu.
3Das Ur­teil wird schrift­lich be­grün­det und zu­ge­stellt:
der Ju­gend­an­wäl­tin oder dem Ju­gend­an­walt be­zie­hungs­wei­se der Ju­gend­staats­an­walt­schaft;
der Pri­vat­klä­ger­schaft und den an­de­ren Ver­fah­rens­be­tei­lig­ten, so­weit ih­re An­trä­ge be­han­delt wer­den.
4Das Ge­richt kann auf ei­ne schrift­li­che Be­grün­dung ver­zich­ten, wenn:
es das Ur­teil münd­lich be­grün­det; und
kei­nen Frei­heits­ent­zug und kei­ne Schutz­mass­nah­me ver­hängt hat.
5Das Ge­richt stellt den Par­tei­en nach­träg­lich ein be­grün­de­tes Ur­teil zu, wenn:
ei­ne Par­tei dies in­nert zehn Ta­gen nach Zu­stel­lung des Dis­po­si­tivs ver­langt;
6Er­greift nur die Pri­vat­klä­ger­schaft ein Rechts­mit­tel, so be­grün­det das Ge­richt das Ur­teil nur in­so­weit, als die­ses sich auf das straf­ba­re Ver­hal­ten zum Nach­teil der Pri­vat­klä­ger­schaft oder auf de­ren Zi­vil­an­sprü­che be­zieht.
1Zum Er­grei­fen von Rechts­mit­teln sind le­gi­ti­miert:
die oder der ur­teils­fä­hi­ge Ju­gend­li­che; und
die ge­setz­li­che Ver­tre­tung oder, wo die­se fehlt, die Be­hör­de des Zi­vil­rechts.
2Das Recht zur Be­ru­fung steht je­ner Be­hör­de zu, die vor dem Ju­gend­ge­richt die An­kla­ge ver­tre­ten hat.
3Im Üb­ri­gen ist Ar­ti­kel 382 StPO1 an­wend­bar.
1Die Zu­läs­sig­keit der Be­schwer­de und die Be­schwer­de­grün­de rich­ten sich nach Ar­ti­kel 393 StPO1.
2Die Be­schwer­de ist über­dies zu­läs­sig ge­gen:
die vor­sorg­li­che An­ord­nung von Schutz­mass­nah­men;
die An­ord­nung der Be­ob­ach­tung;
den Ent­scheid über die Ein­schrän­kung der Ak­ten­ein­sicht;
die An­ord­nung der Un­ter­su­chungs- und Si­cher­heits­haft;
an­de­re ver­fah­rens­lei­ten­de Ent­schei­de, so­fern sie einen nicht wie­der­gutz­u­ma­chen­den Nach­teil zur Fol­ge ha­ben.
3Für den Ent­scheid zu­stän­dig ist die Be­schwer­de­in­stanz; bei Be­schwer­den ge­gen die An­ord­nung der Un­ter­su­chungs- und Si­cher­heits­haft das Zwangs­mass­nah­men­ge­richt.
1Die Be­ru­fungs­in­stanz ent­schei­det über:
Be­ru­fun­gen ge­gen ers­tin­stanz­li­che Ur­tei­le des Ju­gend­ge­richts;
die Aus­set­zung ei­ner vor­sorg­lich an­ge­ord­ne­ten Schutz­mass­nah­me.
2Ist ein Fall bei der Be­ru­fungs­in­stanz hän­gig, so ist die­se für die An­ord­nung der ge­setz­lich vor­ge­se­he­nen Zwangs­mass­nah­men zu­stän­dig.
Über Re­vi­si­ons­ge­su­che ent­schei­det das Ju­gend­ge­richt.
1Für den Voll­zug von Stra­fen und Schutz­mass­nah­men ist die Un­ter­su­chungs­be­hör­de zu­stän­dig.
2Für den Voll­zug kön­nen öf­fent­li­che und pri­va­te Ein­rich­tun­gen so­wie Pri­vat­per­so­nen bei­ge­zo­gen wer­den.
Mit­tels Be­schwer­de kön­nen an­ge­foch­ten wer­den:
die Än­de­rung der Mass­nah­me;
die Über­wei­sung an ei­ne an­de­re Ein­rich­tung;
die Ver­wei­ge­rung oder der Wi­der­ruf der be­ding­ten Ent­las­sung;
die Be­en­di­gung der Mass­nah­me.
1Die Ver­fah­rens­kos­ten wer­den vor­erst von dem Kan­ton ge­tra­gen, in dem das Ur­teil ge­fällt wur­de.
2Im Üb­ri­gen gel­ten die Ar­ti­kel 422-428 StPO1 sinn­ge­mä­ss.
3Sind die Vor­aus­set­zun­gen für ei­ne Kos­ten­auf­la­ge zu­las­ten der oder des be­schul­dig­ten Ju­gend­li­chen er­füllt (Art. 426 StPO), so kön­nen ih­re oder sei­ne El­tern für die Kos­ten so­li­da­risch haft­bar er­klärt wer­den.
1Als Voll­zugs­kos­ten gel­ten:
die Kos­ten des Voll­zugs von Schutz­mass­nah­men und Stra­fen;
die Kos­ten ei­ner im Lau­fe des Ver­fah­rens an­ge­ord­ne­ten Be­ob­ach­tung oder vor­sorg­li­chen Un­ter­brin­gung.
2Der Kan­ton, in dem die oder der Ju­gend­li­che bei Er­öff­nung des Ver­fah­rens den Wohn­sitz hat­te, trägt sämt­li­che Voll­zugs­kos­ten mit Aus­nah­me der Kos­ten des Straf­voll­zugs.
3Der Ur­teils­kan­ton trägt:
sämt­li­che Voll­zugs­kos­ten für Ju­gend­li­che, die in der Schweiz kei­nen Wohn­sitz ha­ben;
die Kos­ten des Straf­voll­zugs.
4Ver­trag­li­che Re­ge­lun­gen der Kan­to­ne über die Kos­ten­ver­tei­lung blei­ben vor­be­hal­ten.
5Die El­tern be­tei­li­gen sich im Rah­men ih­rer zi­vil­recht­li­chen Un­ter­halts­pflicht an den Kos­ten der Schutz­mass­nah­men und der Be­ob­ach­tung.
6Ver­fügt die oder der Ju­gend­li­che über ein re­gel­mäs­si­ges Er­w­erb­sein­kom­men oder über Ver­mö­gen, so kann sie oder er zu ei­nem an­ge­mes­se­nen Bei­trag an die Voll­zugs­kos­ten ver­pflich­tet wer­den.
1Bei In­kraft­tre­ten die­ses Ge­set­zes hän­gi­ge Ver­fah­ren und lau­fen­de Voll­zugs­mass­nah­men wer­den nach neu­em Recht fort­ge­führt, so­weit die nach­fol­gen­den Be­stim­mun­gen nichts an­de­res vor­se­hen.
2Ver­fah­rens­hand­lun­gen, die vor In­kraft­tre­ten die­ses Ge­set­zes an­ge­ord­net oder durch­ge­führt wor­den sind, be­hal­ten ih­re Gül­tig­keit.
1Bei In­kraft­tre­ten die­ses Ge­set­zes hän­gi­ge Ver­fah­ren und lau­fen­de Voll­zugs­mass­nah­men wer­den von den nach neu­em Recht zu­stän­di­gen Be­hör­den wei­ter­ge­führt, so­weit die nach­fol­gen­den Be­stim­mun­gen nichts an­de­res vor­se­hen.
2Kon­flik­te über die Zu­stän­dig­keit zwi­schen Be­hör­den des glei­chen Kan­tons ent­schei­det die Be­schwer­de­in­stanz in Ju­gend­strafsa­chen des je­wei­li­gen Kan­tons, sol­che zwi­schen Be­hör­den ver­schie­de­ner Kan­to­ne das Bun­dess­traf­ge­richt. Der Ent­scheid ist nicht selbst­stän­dig an­fecht­bar.
1Ist bei In­kraft­tre­ten die­ses Ge­set­zes ein Ver­fah­ren vor ei­nem Ju­gend­ge­richt hän­gig, so kann die Ju­gend­rich­te­rin oder der Ju­gend­rich­ter an der Haupt­ver­hand­lung nur teil­neh­men, wenn die oder der Ju­gend­li­che der Teil­nah­me aus­drück­lich zu­ge­stimmt hat.
2Ist beim In­kraft­tre­ten die­ses Ge­set­zes die Haupt­ver­hand­lung vor ei­nem Ein­zel­ge­richt oder ei­nem Kol­le­gi­al­ge­richt be­reits er­öff­net, so wird sie nach bis­he­ri­gem Recht, vom bis­her zu­stän­di­gen ers­tin­stanz­li­chen Ge­richt, fort­ge­führt.
1Ab­we­sen­heits­ver­fah­ren, die vor In­kraft­tre­ten die­ses Ge­set­zes auf­ge­nom­men wor­den sind, wer­den nach bis­he­ri­gem Recht fort­ge­setzt.
2Kennt das kan­to­na­le Recht kein Ab­we­sen­heits­ver­fah­ren, so ist neu­es Recht an­wend­bar.
1Ist ein Ent­scheid vor In­kraft­tre­ten die­ses Ge­set­zes ge­fällt wor­den, so kön­nen da­ge­gen die Rechts­mit­tel nach bis­he­ri­gem Recht er­grif­fen wer­den. Die­se wer­den nach bis­he­ri­gem Recht, von den nach bis­he­ri­gem Recht zu­stän­di­gen Be­hör­den, be­ur­teilt.
2Steht ge­gen den Ent­scheid kein Rechts­mit­tel nach bis­he­ri­gem Recht zur Ver­fü­gung, so rich­tet sich sei­ne An­fecht­bar­keit nach den Be­stim­mun­gen des neu­en Rechts.
3Im Üb­ri­gen ist Ar­ti­kel 453 Ab­satz 2 StPO1 an­wend­bar.
In Fäl­len, in de­nen nach In­kraft­tre­ten die­ses Ge­set­zes al­tes Recht zur An­wen­dung kommt, tra­gen die Be­hör­den den Grund­sät­zen die­ses Ge­set­zes Rech­nung; sie ach­ten ins­be­son­de­re auf die Ein­hal­tung der Ver­fah­rens­grund­sät­ze be­tref­fend:
den Ver­zicht auf Straf­ver­fol­gung (Art. 5);
die Ab­leh­nung (Art. 9);
die Mit­wir­kung der ge­setz­li­chen Ver­tre­tung (Art. 12);
die Par­tei­stel­lung (Art. 18);
die Ver­tei­di­gung der oder des Ju­gend­li­chen (Art. 23-25);
die Un­ter­su­chungs- und die Si­cher­heits­haft (Art. 27 und 28).
1Der Voll­zug von Schutz­mass­nah­men, die bei In­kraft­tre­ten die­ses Ge­set­zes ih­rem En­de zu­ge­hen, kann durch die nach bis­he­ri­gem Recht zu­stän­di­ge Be­hör­de ab­ge­schlos­sen wer­den. Die Be­hör­de prüft je­doch in je­dem Fall, ob ei­ne Über­tra­gung an die nach die­sem Ge­setz zu­stän­di­ge Be­hör­de an­ge­bracht er­scheint.
2Wird bei In­kraft­tre­ten die­ses Ge­set­zes ei­ne Be­ob­ach­tung oder ei­ne vor­sorg­li­che Un­ter­brin­gung durch­ge­führt, so rich­tet sich der Voll­zug nach neu­em Recht.