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Timestamp: 2017-07-24 13:28:22
Document Index: 364673103

Matched Legal Cases: ['Art. 360', 'Art. 385', 'Art. 393', 'Art. 394', 'Art. 396', 'Art. 398', 'Art. 403', 'Art. 449', 'Art. 308', 'Art. 394', 'Art. 307', 'Art. 14']

Veröffentlicht von:Holger Küchler
Kindes- und Erwachsenenschutz Universität Freiburg HS 2013 Dr.iur. Yvo Biderbost
Erwachsenenschutz (Art. 360 ff. ZGB) KESR - yvo biderbost
Leitideen / zentrale Anliegen der Revision Förderung der Selbstbestimmung –insb.: eigene Vorsorge (Vorsorgeauftrag / Patientenverfügung) Stärkung der Familiensolidarität –insb.: gesetzl. Partnervertretung bei Urteilsunfähigkeit –Hinweis: Kaskadenvertretung bei medizinischen Massnahmen Massschneiderung Rechtsschutz (Verfahren und Organisation) Terminologie KESR - yvo biderbost
Hierarchie der „Massnahmen“ Eigene Massnahmen („hors d‘ouevre“) - Autonomismen - do it yourself! Gesetzliche Massnahmen - Automatismen - hypothetisierte Selbstbestimmung Behördliche Massnahmen - Autoritätismen - KESR - yvo biderbost
Instrumentarium KESR - yvo biderbost Nicht behördliche Massnahmen Behördliche Massnahmen Eigene Vorsorge Massnahmen für Urteilsunfähige Eigene MassnahmenGesetzl. Massnahmen VAPV Partner- vertretung Pflege- einrichtungen Vertretung bei med. Massnahmen ZGB 392 Beistand- schaft FU
Die behördlichen Massnahmen KESR - yvo biderbost
Ausgangslage (bisheriges Recht) Trias: Beistandschaft / Beiratschaft / Vormundschaft Typengebundenheit (Rechtssicherheit) Zu viel / zu wenig / unpassend KESR - yvo biderbost Kritik / Reformziele
Neu: Einheitsmassnahme Vorab: Amtsgebundene Massnahme (Ein) Kernstück der Revision Eine Massnahme: die Beistandschaft Unzählige Ausgestaltungsmöglichkeiten für individuelle Lösungen (Nur) Namenskongruenz Nota bene abgeschafft: erstreckte elterliche Sorge (Art. 385 Abs. 3 aZGB) KESR - yvo biderbost
Behördliche Massnahmen (1) „Vormassnahmen“ (ZGB 392)  Das Erforderliche  Auftrag an Dritte  Einsicht und Auskunft (2) Beistandschaften (ZGB 393 ff.)  Massschneiderung  Verzicht auf erstreckte elterliche Sorge (3) Fürsorgerische Unterbringung (FU) (ZGB 426 ff.) Unterbringung in einer Einrichtung Medizinische Massnahmen bei psych. Störung Nachbetreuung / ambulante Massnahmen Ausbau Rechtsschutz KESR - yvo biderbost
Die 4 Beistandschaftsarten (1) Die Begleitbeistandschaft (Art. 393 ZGB) (2) Die Vertretungsbeistandschaft (Art. 394/95 ZGB) (3) Die Mitwirkungsbeistandschaft (Art. 396 ZGB) (4) Die umfassende Beistandschaft (Art. 398 ZGB) Daneben:- Ersatzbeistand (Art. 403 ZGB) - Verfahrensbeistand (Art. 449a ZGB) KESR - yvo biderbost
(1) Begleitbeistandschaft Art. 308 Abs. 1 ZGB (Erziehungsbeistandschaft) nachgebildet Vertretungslose, rein begleitende Unterstützung (Beratung, Vermittlung, „Assistenz“, … Hilfe zur Selbsthilfe) in bestimmten Belangen (oder evtl. in allen Lebensbereichen) Von Gesetzes wegen keine Einschränkung der Handlungsfähigkeit aber: proaktive, bedarfsgerechte Bringschuld des Beistands Voraussetzung: Einverständnis der betroffenen Person Hilfe wider Willen kaum möglich Für Aufgaben, welche der/die Betroffene relativ eigenständig meistern kann Abgrenzung zu entspr. Massnahmen des kantonalen Sozialhilferechts ?? Beispiele: –Anschlusslösung an Kindesschutz –Ablösung einer weitergehenden Massnahme KESR - yvo biderbost
(2) Vertretungsbeistandschaft Vorab: Verwaltung ist auch Vertretung Beistand ist im Umfang der Aufgabe gesetzlicher Vertreter Für Betroffene, an deren Stelle in bestimmten Bereichen gehandelt werden muss Handlungsfähigkeit bleibt grundsätzlich bestehen (Parallelzuständigkeit/-kompetenz von Beistand und betroffener Person) Aber: Möglichkeit der (punktuellen) Beschränkung und damit ausschliessliche Kompetenzen des Beistands (Art. 394 Abs. 2 ZGB) d.h. Abkehr vom bisherigen „Alles-oder-nichts-Prinzip“ KESR - yvo biderbost
(3) Mitwirkungsbeistandschaft Der altrechtlichen Mitwirkungsbeiratschaft nachgebildet, aber: keine Enummeration Also: bedarfsgerechte Aufgabenstellung Mitwirkung, nicht Vertretung!! Weder Verbeiständeter noch Beistand können selbständig handeln Nur für Urteilsfähige Für Betroffene, die selbständig handeln wollen und können, sich aber selbst schaden würden Von Gesetzes wegen: entsprechende Beschränkung der Handlungsfähigkeit im beiständlichen Zustimmungsbereich KESR - yvo biderbost
(4) umfassende Beistandschaft Nachfolgeinstitut der Vormundschaft Vollumfängliche (ausschliessliche) gesetzliche Vertretung Vollumfängliches Entfallen der Handlungsfähigkeit weitere betroffene Bereiche (z.B. elterl. Sorge) quer zur Massschneiderung Ultima ratio ! Vorbehalt: –Eigenes Handeln Urteilsfähiger im Rahmen des Personenrechts –Höchstpersönliche Rechte –Deliktsfähigkeit KESR - yvo biderbost
Beistandschaft (Arten) Begleit- beistandschaft Vertretungs- beistandschaft Mitwirkungs- beistandschaft umfassende Beistandschaft -Vertretungslose, rein begleitende Unterstützung - von Gesetzes wegen keine Einschränkung der Handlungsfähigkeit - Einverständnis der betroffenen Person -gesetzlicher Vertreter im Umfang der Aufgaben - Handlungsfähigkeit bliebt grundsätzlich bestehen, kann aber punktuell eingeschränkt werden -Mitwirkung, nicht Vertretung! (also nur Urteilsfähige) - Von Gesetzes wegen entspr. Einschränkung der Handlungsfähigkeit Nachfolgeinstitut der Vormundschaft -Vollumfängliche gesetzl. Vertretung -Vollumfängliches Entfallen der Handlungsfähigkeit Genaue Aufgabenbereiche Kombinationen möglich 392FU
KESR - yvo biderbost Votum NR P. Schwander
Verzicht auf Beistandschaft (ZGB 392) Im Allgemeinen Behördliche Massnahmen / Anordnungen Beistandschaft „offensichtlich unverhältnismässig“ d.h. liquide, klare, einfache, überblickbare Aufgabe; augenfällige oder eindeutige Lösung in Sicht Grundsätzlich: sehr punktuelles Eingreifen KESR - yvo biderbost
Verzicht auf Beistandschaft (ZGB 392) Das „Erforderliche“ –Direktes Handeln der Behörde –Zu beachten: Kürzung Rechtsmittelinstanz Auftrag an Drittperson –Für einzelne Aufgaben –An natürliche oder juristische Person Person mit Einblick und Auskunftsrecht –Vgl. Art. 307 Abs. 3 ZGB –Verlängerter Behördenarm: beobachtend und rapportierend KESR – yvo biderbost
Voraussetzungen Schwächezustand (ZGB 390): –geistige Behinderung, psychische Störung oder ähnlicher in der Person des Betroffenen liegender Schwächezustand –bei FU: + schwere Verwahrlosung –vorübergehende Urteilsunfähigkeit oder Abwesenheit Schutzbedürfnis –Angelegenheiten nur teilweise oder gar nicht besorgen (ZGB 390 I 1) –Subsidiarität / Alternativen (ZGB 389 / 392) Verhältnismässigkeit „Berücksichtigung“ Belastung und Schutz Dritter (ZGB 390 II) Antrag / Anzeige ? KESR - yvo biderbost
Massschneiderung (I) Das Gesetz braucht dieses neue Zauberwort nirgends Bedarfs-/Individuumsorientierung –Wo klemmt‘s? Wie klemmt‘s? Was klappt (noch)? Vorab: Massschneiderung der behördlichen Reaktion, nicht bloss der Massnahme – zum Massschneidern gehören auch die Suche und die Anordnung von Alternativen Zur behördlichen Massnahme: Flexible Einheitsmassnahme –Abschied von bisheriger Typengebundenheit (Massnahmetrias) –Abschied vom faktischen Alles-oder-nichts-System (bzgl. Handlungsfähigkeit) KESR - yvo biderbost Massnehmen / Masshalten
Massschneiderung (II) Eigenbesorgungslücke(n) Bestimmung der Massnahmeart: Spektrum von „Size Zero“ bis „all inclusive“ Kombination – „Mischen possible“ Beistandschaft „forte“: (punktuelle) Beschränkung der Handlungsfähigkeit Besondere Anordnungen –Zugriffsentzug auf best. Vermögenswerte (ZGB 395 III) –Post / Wohnräume (ZGB 391 III) –Spezielle Zustimmungen (ZGB 417) –etc. KESR - yvo biderbost
Massschneiderung (III) Massschneiderung ist nicht Selbstzweck Risiko: Übertriebenes Feintuning / Bedarfsorientierung an Milimeterbedürfnissen Für Standardfälle sind Standardanwendungen falladäquat (Paradebeispiel: sog. „Altersbeistandschaft“) Haute couture? Prêt-à-porter ? Masskonfektion? KESR - yvo biderbost
Zwei Hinweise: Alles ist höchstens so gut wie die Umsetzung - will u.a. heissen: Ohne geeigneten Mandatsträger, ohne zuträgliche Mandatsführung keine Passung! Exkurs: Stufenfolge oder Kletterwand ? KESR - yvo biderbost
Übergangsrecht (Art. 14 SchlT)  Grundsatz: bisherige Massnahme bleibt; Überführung / Massschneiderung innert drei Jahren; ohne Anpassung: Dahinfallen  Entmündigung wird automatisch und sofort (1.1.2013) zur umfassenden Beistandschaft; Anpassung / Massschneiderung ist aber „so bald wie möglich“ vorzunehmen KESR - yvo biderbost
05.04.2016 Klaus Heinrich 1 Die Beratung für behinderte und chronisch kranke Studierende an der Universität Tübingen Informationen im Rahmen der O-Wochen. Über Projekt