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Timestamp: 2016-12-02 18:04:56
Document Index: 157020749

Matched Legal Cases: ['§249', '§250', '§255', '§255', '§223', '§224', '§ 249', '§ 249', '§ 249', '§ 249', '§ 250']

Raub oder räuberische Erpressung?? - Strafrecht / Strafprozeßrecht - JuraForum.de
Raub oder räuberische Erpressung??
Dieses Thema "Raub oder räuberische Erpressung?? - Strafrecht / Strafprozeßrecht" im Forum "Strafrecht / Strafprozeßrecht" wurde erstellt von Pyrro, 27. Juli 2009.
wenn jemand einen anderen mit einer Waffe bedroht, um von ihm Geld zu bekommen, ist das dann eher eine räuberische Erpressung`??
Unterstellt auch, das die Waffe nicht geladen ist und der Täter nur an das Geld kommen kann, wenn das Opfer (bespw) den Tresor öffnet.
AW: Raub oder räuberische Erpressung??
Jemanden mit einer Waffe zu bedrohen um eine Beute zu erlangen ist eher §249 StGB oder aber auch §250 StGB. Es ist unerheblich ob die Waffe geladen ist oder nicht. Immerhin muss das Opfer davon ausgehen, dass er gerade um sein Leben fürchten muss...
Aber mal von ausgegangen der Täter hat gesagt: Gib mir das Geld oder du bist tot, dürfte es nicht eher eine räuberische Erpressung sein?
Weil es wäre doch dann quasi keine Wegnahme vorhanden sondern eher ein (wenn auch nötigungsbedingtes) Weggeben.
Gibt's da nicht sogar nen Streit drüber wie es sich verhält wenn die (eigentliche) Weggabe so sehr nötigungsbedingt erscheint, dass man es als Wegnahme dann ausnahmsweise ansieht?
Ach mensch ich bin mir echt unsicher...^^
Räuberische Erpressung nach §255 StGB wird auf jeden Fall genauso bestraft wie Raub. Allerdings hast Du Recht. ICh würde zwar eher wie gesagt zu Raub tendieren.
Es kommt doch darauf an, ob hier eine Wegnahme vorliegt (dann 249) oder nicht (dann 253/255). Und genau das ist umstritten:
Eine Ansicht sagt, dass der äußere Anschein zählt, also eine Wegnahme vorliegt, wenn sich das Geschehen als äußerer Akt des Nehmens darstellt.
Hier müsste ja das Opfer dem Täter das Geld geben, es liegt also ein äußerer Akt des Gebens vor. Nach dieser Ansicht also keine Wegnahme. 249 würde ausscheiden.
Die andere Ansicht stellt auf die innere Willensrichtung des Opfers ab. Demnach würde eine Wegnahme vorliegen, wenn das Opfer aus seiner Sicht, den Gewahrsamsverlust letztlich nicht verhindern kann.
Nach dieser Ansicht läge hier eine Wegnahme vor, denn das Ofer kann aus seiner sicht den Gewahrsamsverlust nicht verhindern, denn entweder gibt es dem Täter das Geld, oder dieser nimmt es sich, nachdem er die Drohung mit der Waffe wahr gemacht hat. Daran ändert der Umstand, dass die Waffe geladen ist nichts, da hier nur die innere Willensrichtung des Opfers maßgeblich ist.
Der Streit stellt sich dann natürlich spiegelbildlich für 253/255 dar. Wie schon gesagt ändert das am Strafrahmen für den Täter jedoch nichts, vgl. 255 a. E. Auch die Qualifikationen der 250, 251 sind dann anwendbar.
Das heb ich nich so ganz verstanden.
Ich denke das geschehen eines solchen "Überfalls" stellt sich doch im Grunde immer gleich dar mit evtl nem kleinen Unterschied. Ein Passant P wird von einem Mann mit Waffe M bedroht. Eine normale Reaktion ist es, dass man alles tut um eben nicht erschoßen zu werden. Wenn ich Dich nun richtig verstanden habe, Chris, liegt der kleine Unterschied nur darin, ob P das Geld freiwillig rausgibt, oder ob M sich das Geld aus der Tasche ziehen muss?
Angenommen wir haben folgende Alterntiven:
2. O wird von T bedroht und dieser nimmt sich das Geld.
zu 1: Hier wäre nach der ersten Ansicht (Rspr.) die Wegnahme abzulehnen, da sich das Ganze als Akt des Gebens darstellt. Hiernach wäre 249 zu verneinen.
Nach der zweiten Ansicht (h. Lit.) müsste O hier davon ausgehen, dass T das Geld ohnehin bekommt, wenn er auf O schießt. Hiernach läge also eine Wegnahme vor. Demnach würde hier 253/255 auscheiden.
Für die zweite Ansicht ändert sich hier nichts.
Für die Rspr. (1. Ansicht) kommt es also im Hinblick auf 249 tatsächlich darauf an, ob das Opfer die Sache herausgibt, oder der Täter sie ihm entreißt. Für die h. Lit. (2. Ansicht) liegt in beiden Fällen eine Wegnahme iSv 249 vor.
Nach der zweiten Ansicht (h. Lit.) müsste O hier davon ausgehen, dass T das Geld ohnehin bekommt, wenn er auf O schießt. Hiernach läge also eine Wegnahme vor. Demnach würde hier 253/255 auscheiden.Klicken Sie in dieses Feld, um es in vollständiger Größe anzuzeigen.
Aber ist diese Annahme nicht immer gegeben? Natürlich gibt es Äußere Einwirlungen, die das verhindern könnten (zufällig kommt eine Polizeistreife vorbei, oder T gibt warum auch immer auf und flieht). Aber man muss doch in so einem Falle auf jeden Fall davon ausgehen, dass T das Geld von O bekommt. Ob er ihm das nun gibt oder sich T das nimmt. Im Strafmaß unterscheiden sich die beiden Fälle doch auch nicht oder? §255 sagt aus, dass dies wie ein Raub zu bestrafen ist. Ich könnte mir lediglich vorstellen, dass wenn O das Geld rausgibt die Strafe weniger hoch ausfallen könnte, als wenn sich T dieses nimmt. Denn in diesem Falle könnte doch u.U. noch §223 oder §224 zum Zuge kommen.
Um es erneut abzurunden:
Abgrenzung Raub und räuberische Erpressung mittels zweier verschiedener Ansichten.
Die erste Ansicht stellte auf das äußeres Erscheinungsbild und die zweite Ansicht auf die innere Willensrichtung des Opfers ab.
Nimmt von außen betrachtet der Täter die Sache unter Drohung oder mit Gewalt weg, liegt Raub vor. Denn Raub und Diebstahl sind strukturverwandt, d.h. Raub ist Diebstahl mit Gewalt.
Denkt das Opfer, dass es selbst notwendig mitwirken muss, damit der Täter Gewahrsam an der Sache begründen kann, liegt (räuberische) Erpressung vor und kein Raub. Denn (räuberische) Erpressung ist strukturverwandt mit dem Betrug, d.h. bei beiden muss das Opfer eine "Vermögensverfügung" vornehmen.
Denkt also das Opfer es kommt auf die eigene Mitwirken an damit der Täter an die Sache kommt, handelt es sich um (räuberische) Erpressung. Denkt dagegen das Opfer, der Täter werde die Sache so oder so, d.h. ohne jede Mitwirkung erlangen können, liegt keine (räuberische) Erpressung, sondern Raub vor.
Eine Streitentscheidung kann entfallen, wenn sowohl Raub als auch räuberische Erpressung zu bejahen sind, weil der Täter gleich zu bestrafen ist.
(z.B.: §§ 249 I, 250 II Nr. 1 oder "" 253, 255, 250 II Nr. 1)
Im den oben genannten Fällen ist eine Entscheidung regelmäßig überflüssig.
Eine Entscheidung kann aber notwendig werden, wenn zunächst beide Meinungen zum gleichen Ergebnis führen, z.B. bei vis compulsiva.
Beide Ansichten gehen dann zunächst von Raub aus. Problematisch wird es aber dann, wenn der Raub z.B. wegen mangelnder Zueignungsabsicht ausscheidet.
Das Problem liegt darin, dass nach der einen Meinung eine räuberische Erpressung immer zugleich den Raub mitverwirklicht, während sich nach der anderen Ansicht Raub und Erpressung gegenseitig ausschließen.
Die Rechtsprechung prüft nach dem abgelehnten Raub die räuberische Erpressung, dagegen kann nach der Literatur nach festgestellter Wegnahme (innere Willensrichtung) keine für eine Erpressung notwendige Verfügung mehr vorliegen, weil ja gerade eine Wegnahme vorliegt.
Aber auch dann ist eine Streitentscheidung nur erforderlich, wenn auch die Voraussetzungen der Erpressung tatsächlich vorliegen. Die Entscheidung könnte dann z.B. offen bleiben, wenn kein Vermögensschaden eingetreten ist.
Im den oben genannten Fällen ist eine Entscheidung regelmäßig überflüssig.Klicken Sie in dieses Feld, um es in vollständiger Größe anzuzeigen.
Aber ist nicht in genau meinem genannten Fall EBEN DOCH eine Streitentscheidung erforderlich?
Ich wiederhole: A bedroht B mit einer (nicht geladenen) Pistole. B soll ihm Geld geben.
B tut dies nach einigem Zögern, auch weil er nicht sofort an das Geld herankommt.
Später gibt er es dem A dann.
Denn die andere Meinung (eben nicht die Rechtsprechung) will ja ausnahmsweise doch einen Raub annehmen, nämlich dann, wenn das Opfer gar keine andere Möglichkeit hat, als die Sache "herauszugeben", weil es so sehr unter Bedrohung steht (unter Lebensangst bspw.), dass die Weggabe einer Wegnahme gleichzusetzen ist.
Würde heißen, es würde sich hier doch um einen Raub handeln.
Nach der Rechtsprechung jedoch würde es eine räuberische Erpressung sein, da nach äußerem Erscheinungsbild trotz allem eine Weggabe vorliegt.
Erhärtet wird dies meiner Meinung nach dadurch, dass der Täter eben gar nicht in der Lage war, das Geld wegzunehmen, eben weil er auf die "Mithilfe" des A angewiesen war.
Ich würde den Streit hier entscheiden, weil sich die einschlägige Rechtsnorm ändert. Man kann (außer bei der Wahlfeststellung) nicht wegen § 249 oder 255 verurteilen, sondern muss die einschlägige Norm feststellen.
Als kleine Anmerkung: In derartigen Konstellationen sollte man immer auch über Geiselnahme/erpresserischen Menschenraub nachdenken. Wobei es hier wohl an der Verfestigung der Bemächtigungslage fehlt.
Die Tatsache, dass die Waffe nicht geladen ist, ist übrigens vollkommen unbeachtlich. Der Drohende muss nur vorgeben, dass er Einfluss auf die Realisierung des Übels hat, tatsächlich muss er ihn nicht haben.Klicken Sie in dieses Feld, um es in vollständiger Größe anzuzeigen.
Ok. Das hab ich soweit erstmal verstanden.
Aber wo würde ich die Problematik dann diskutieren?
Müsste man dann in einer Fallbearbeitung zuerst einen schweren Raub anprüfen, beispielsweise nach §§ 249 I, 250 II Nr. 1 und dann die Diskussion bei der Wegnahme komplett einbauen (um sich dann wohl am Ende gegen den Raub zu entscheiden)
-->um dann danach die räuberische Erpressung zu prüfen (aber halt nicht nochmal die Diskussion aufwerfen)
soll man gleich die räuberische Erpressung prüfen und dort die Streitigkeit (es könnte ja auch Raub sein) aufwerfen?
Kannst du machen, ist allerdings schwierig. Evtl. verzettelst du dich da beim Aufbau.
Ich würde mit dem "normalen" Raub beginnen und dort unter "Wegnahme" die Abgrenzungsstreitigkeiten abhandeln. Außerdem kannst du dann unter RW und Schuld alle eventuellen AT-Probleme bearbeiten.Klicken Sie in dieses Feld, um es in vollständiger Größe anzuzeigen.
Aber eigentlich würde ich mich gegen den Raub und für die räuberische Erpressung entscheiden, eben weil der Sachverhalt von mir oben ja auch aussagt, dass das Opfer 1. zögert bei der Herausgabe und 2. auch erstmal das Zeitschloss/den Tresor öffnen müsste --> das heisst ja, dass der Täter wohl auf die "Mithilfe" des Opfers angewiesen ist.
Dann würde ich unter einem neuen Gliederungspunkt den schweren Raub prüfen. Der hat genügend Probleme, um eine gesonderte Prüfung zu rechtfertigen. Bezüglich GrundTB, RW, Schuld kannst du dann nach oben verweisen.Klicken Sie in dieses Feld, um es in vollständiger Größe anzuzeigen.
Genau das ist es ja. Denn theoretisch könnte man jetzt diskutieren, unter was eine NICHT GELADENE WAFFE eigentlich fällt.
Das kann ich doch aber nicht mehr, wenn ich den Raub schon scheitern lasse mangels Wegnahme??!!
-->hmmm ich weiss echt nicht so richtig weiter...
Also nochmal den Sachverhalt:
X bedroht Y (in der Bank) mit einer ungeladenen Pistole und verlangt das gesamte Geld heraus. Y zögert vorerst und weist den X auch auf ein Zeitschloss am Tresor hin. Erst nach einer ganzen Weile händigt Y dem X dann das Geld aus.
Also ich meine, wenn ich den einfachen Raub schon mangels Wegnahme ausschließen würde, dann würde das gleiche doch auch für den schweren Raub gelten (denn auch dieser benötigt eine Wegnahme) ??!
Ok, also ich würde es folgendermaßen machen:
Ich würde jetzt den Raub anprüfen (ihn aber mangels Wegnahme scheitern lassen) und die Problematik vllt kurz ansprechen.
Dann würde ich die räuberische Erpressung prüfen.
Die Sache mit der ungeladenen Waffe würde ja doch noch eine Rolle spielen, oder? Und zwar bei der Prüfung der schweren räuberischen Erpressung.
Denn eine ungeladene Waffe besitzt ja nach neuer und inzw verfestigter Rechtsprechung keine objektive Gefährlichkeit mehr und fällt deswegen nicht unter Abs. II Nr. 1, sondern "nur" unter Abs. I Nr. 1b (des Raubes)
Man kann (außer bei der Wahlfeststellung) nicht wegen § 249 oder 255 verurteilen, sondern muss die einschlägige Norm feststellen.Klicken Sie in dieses Feld, um es in vollständiger Größe anzuzeigen.
In meinem Lehrbuch (allerdings "nur" Rolf Schmidt) wird der Streit nicht entschieden, sondern darauf verwiesen, dass beide Ansichten letztlich gleichsam zum § 250 gelangen, d.h. es werden 249 und 253, 255 komplett durchgeprüft. Ich finde es aber auch eher besser sich zu entscheiden, ob nun Raub oder Erpressung vorliegt.
In dem nun vollständigen Sachverhalt sollte man im Rahmen der Wegnahme beim Raub nur kurz feststellen, dass beide Ansichten zur räuberischen Erpressung führen und es somit zunächst nicht entschieden werden muss. Aber genau diesen Fällen kann es dann doch noch nötig sein den Streit zu entscheiden. Denn wenn nun die räuberische Erpressung doch aus irgendwelchen Gründen scheitert, prüft die Rechtsprechung erneut den Raub während die Literaten dies ablehnen.
D.h. die Streitentscheidung wäre gerade in den Fällen, in denen "im ersten Schritt" Einhelligkeit besteht notwendig, weil dann die versch. Ansichten eben nicht gleichsam zum 250 gelangen...
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