Source: https://www.rechtslupe.de/verwaltungsrecht/asylantrag-in-der-abschiebungshaft-3109668
Timestamp: 2020-07-03 11:31:07
Document Index: 275123448

Matched Legal Cases: ['§ 14', '§ 55', '§ 55', '§ 14', '§ 57', '§ 62', '§ 14', '§ 62', '§ 14', '§ 62', '§ 14', '§ 55', '§ 58', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH']

§ 14 Abs. 3 Satz 1 Nr. 5 AsylVfG setzt nur vor­aus, dass eine Siche­rungs­haft aus den dort genann­ten Haft­grün­den tat­säch­lich ange­ord­net ist und sich der Betrof­fe­ne auf die­ser Grund­la­ge in Haft befin­det. Auf die Recht­mä­ßig­keit der Haft­an­ord­nung kommt es nicht an.
Der von dem Betrof­fe­nen gestell­te Asyl­an­trag hin­dert nicht die Anord­nung und Fort­dau­er der Siche­rungs­haft.
Die Auf­ent­halts­ge­stat­tung nach § 55 Abs. 1 Satz 1 und 3 AsylVfG ist zwar ledig­lich von der förm­li­chen Asyl­an­trag­stel­lung abhän­gig [1]. Der Betrof­fe­ne erwirbt aber bei der Ein­rei­se aus einem Mit­glied­staat der Euro­päi­schen Uni­on die Auf­ent­halts­ge­stat­tung nach § 55 Abs. 1 Satz 1 AsylVfG nicht bereits mit der Pro­to­kol­lie­rung des Asy­l­er­su­chens durch die Grenz­be­hör­de, son­dern erst mit der Stel­lung des Antra­ges bei dem zustän­di­gen Bun­des­amt [2]. Einen Asyl­an­trag bei dem Bun­des­amt für Migra­ti­on und Flücht­lin­ge hat der Betrof­fe­ne nach den nicht ange­grif­fe­nen – Fest­stel­lun­gen des Beschwer­de­ge­richts erst gestellt, als er sich schon auf­grund des Beschlus­ses des Amts­ge­richts Saar­brü­cken vom 02.08.2013 in Haft befand.
Befin­det sich der Betrof­fe­ne zum Zeit­punkt der Asyl­an­trag­stel­lung in Haft, steht dies in den Fäl­len des § 14 Abs. 3 Satz 1 AsylVfG der Anord­nung oder Auf­recht­erhal­tung von Abschie­bungs­haft nicht ent­ge­gen. Die Norm erfasst in ver­fas­sungs­recht­lich unbe­denk­li­cher Wei­se [3] auch die Haft zur Siche­rung der Zurück­schie­bung als eine Form der Abschie­bungs­haft (vgl. § 57 Abs. 3, § 62 Auf­en­thG). Die Vor­aus­set­zun­gen des § 14 Abs. 3 Satz 1 Nr. 5 AsylVfG sind erfüllt.
Im vor­lie­gen­den Fall hat das Amts­ge­richt Siche­rungs­haft nach § 62 Abs. 2 Satz 1 Nr. 5 Auf­en­thG aF ange­ord­net. Dass die­se Haft­an­ord­nung mög­li­cher­wei­se rechts­wid­rig war, weil das Amts­ge­richt in der Haupt­sa­che ent­schie­den hat, obwohl die betei­lig­te Behör­de ledig­lich den Erlass einer einst­wei­li­gen Anord­nung bean­tragt hat­te [4], berührt die Anwend­bar­keit von § 14 Abs. 3 Satz 1 Nr. 5 AsylVfG nicht. Die Vor­schrift setzt nur vor­aus, dass eine Siche­rungs­haft aus den dort genann­ten Haft­grün­den tat­säch­lich ange­ord­net ist und sich der Betrof­fe­ne auf die­ser Grund­la­ge in Haft befin­det. Auf die Recht­mä­ßig­keit der Haft­an­ord­nung kommt es nicht an. Lie­gen die for­mel­len und mate­ri­el­len Vor­aus­set­zun­gen für die Anord­nung einer Siche­rungs­haft nach § 62 Abs. 3 Satz 1 Nr. 1a bis 5 Auf­en­thG nicht vor, muss der Betrof­fe­ne die von der Ver­fah­rens­ord­nung bereit gestell­te Rechts­schutz­mög­lich­keit ergrei­fen, um die Auf­he­bung der Haft zu errei­chen [5]. Erst dann kann er sich – soweit nicht zwi­schen­zeit­lich eine wei­te­re Haft­an­ord­nung im Sin­ne des § 14 Abs. 3 Satz 1 AsylVfG ergan­gen ist – ggfs. auf eine Auf­ent­halts­ge­stat­tung nach § 55 Abs. 1 Satz 1 und 3 AsylVfG beru­fen. Vor­lie­gend hat der Betrof­fe­ne von der Mög­lich­keit, gegen die Haft­an­ord­nung vom 02.08.2013 Beschwer­de (§ 58 Abs. 1 FamFG) zu erhe­ben, kei­nen Gebrauch gemacht.
Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 25. Febru­ar 2016 – V ZB 171/​13
BGH, Beschluss vom 01.03.2012 – V ZB 183/​11, FGPrax 2012, 179, 180[↩]
vgl. BGH, Beschluss vom 25.02.2010 – V ZB 172/​09, BGHZ 153, 18, 20; Beschluss vom 06.05.2010 – V ZB 213/​09, NVwZ 2010, 1510 Rn. 11[↩]
BGH, Beschluss vom 06.05.2010 – V ZB 213/​09, NVwZ 2010, 1510 Rn. 13; BVerfG, NVwZ-RR 2009, 616, 617[↩]
vgl. dazu BGH, Beschluss vom 18.12 2014 – V ZB 114/​13, FGPrax 2015, 91 Rn. 11 ff.[↩]
vgl. BGH, Beschluss vom 28.04.2011 – V ZB 292/​10, FGPrax 2011, 200 Rn. 15[↩]
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