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Timestamp: 2016-10-26 17:09:47
Document Index: 216148895

Matched Legal Cases: ['BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'Art. 19', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'Art. 18', 'Art. 65', 'Art. 66', 'Art. 68', 'BGE']

8C_780/2010 (04.07.2011)
Der 1957 geborene B._________ war seit 2. April 1980 als Bauarbeiter f�r die X._________ AG, Bauunternehmung, t�tig und in dieser Eigenschaft bei der Schweizerischen Unfallversicherungsanstalt (SUVA) gegen die Folgen von Unf�llen und Berufskrankheiten versichert. Am 27. Januar 2005 fiel er beim Ausschalen einer Decke von der Bockleiter und zog sich dabei eine Commotio cerebri sowie eine Schulter- und Beckenkontusion rechts zu (Austrittsbericht des Spitals M.________ vom 1. Februar 2005). Die SUVA kam f�r die Heilbehandlung auf und richtete Taggelder aus. B._________ nahm seine Arbeit am 9. Juni 2005 zu 50 % und ab 1. Juli 2005 zu 100 % wieder auf. Mit Schreiben vom 15. Februar 2006 stellte die SUVA die Versicherungsleistungen ein und schloss den Fall ab. Dagegen opponierte B._________ am 6. M�rz 2006 unter Hinweis auf persistierende Kopfschmerzen, Schwindelanf�lle und Probleme mit dem Geh�r.
Beim Versuch, einen Stahlquertr�ger einzuschweissen, verlor B._________ am 22. August 2006 das Gleichgewicht, st�rzte unbehelmt aus einer H�he von ungef�hr f�nf Metern in eine Baugrube und erlitt gem�ss Austrittsbericht des Spitals S.________ vom 18. September 2006 eine Distraktionsverletzung Th8/9 mit Processus-articularis- und Lamina-Fraktur, einen Vorderkantenabriss Th9, eine Thoraxkontusion mit Rippenfraktur Costa 8 links und 9 rechts und Sternumfraktur sowie ein Sch�del-Hirntrauma mit Commotio cerebri und ausgedehnter Rissquetschwunde am Sch�del frontal. Er wurde mit der REGA ins Spital S.________ geflogen, wo am gleichen Tag eine R�ckenoperation durchgef�hrt wurde. Die SUVA erbrachte auch f�r diesen Unfall Versicherungsleistungen. Mit Verf�gung vom 31. Juli 2008 stellte sie ihre Leistungen bez�glich der Ereignisse vom 27. Januar 2005 und 22. August 2006 mangels organisch nachweisbarer Unfallfolgen bei fehlender Unfallkausalit�t psychisch bedingter Beeintr�chtigungen auf den 15. August 2008 ein, was sie mit Einspracheentscheid vom 17. Juli 2009 best�tigte.
B._________ l�sst Beschwerde in �ffentlich-rechtlichen Angelegenheiten f�hren und beantragen, die SUVA habe �ber den 15. August 2008 hinaus die Heilkosten zu tragen und Taggeldleistungen zu erbringen; ab Berentungszeitpunkt sei eine Invalidenrente, basierend auf einer vollst�ndigen Erwerbsunf�higkeit, auszurichten, wobei auch die �bernahme der Heilungskosten weiter zu gew�hrleisten sei; zudem sei eine Integrit�tsentsch�digung, entsprechend einer Integrit�tseinbusse von mindestens 80 %, zu bezahlen; eventualiter sei die Sache zur weiteren Abkl�rung und zur Neubeurteilung an das kantonale Gericht oder an die SUVA zur�ckzuweisen.
Das kantonale Gericht und die SUVA schliessen auf Abweisung der Beschwerde. Das Bundesamt f�r Gesundheit verzichtet auf eine Vernehmlassung.
Streitig und zu pr�fen ist, ob dem Beschwerdef�hrer aufgrund der am 27. Januar 2005 und 22. August 2006 erlittenen Unf�lle �ber den 15. August 2008 hinaus ein Anspruch auf Leistungen der Unfallversicherung zusteht.
Das kantonale Gericht hat im angefochtenen Entscheid den f�r einen Leistungsanspruch erforderlichen nat�rlichen Kausalzusammenhang zwischen Unfall und eingetretenem Schaden (Krankheit, Invalidit�t, Tod; BGE 129 V 177 E. 3.1 S. 181 mit Hinweisen) zutreffend umschrieben. Ebenfalls richtig dargelegt hat es die Rechtsprechung �ber den zus�tzlich zum nat�rlichen erforderlichen ad�quaten Kausalzusammenhang. Danach spielt im Sozialversicherungsrecht die Ad�quanz als rechtliche Eingrenzung der sich aus dem nat�rlichen Kausalzusammenhang ergebenden Haftung des Unfallversicherers bei organisch objektiv ausgewiesenen Unfallfolgen praktisch keine Rolle, weil sich hier die ad�quate weitgehend mit der nat�rlichen Kausalit�t deckt (BGE 134 V 109 E. 2.1 S. 112, 127 V 102 E. 5b/bb S. 103 mit Hinweisen). Objektivierbar sind Untersuchungsergebnisse, die reproduzierbar und von der Person des Untersuchenden und den Angaben des Patienten unabh�ngig sind. Von organisch objektiv ausgewiesenen Unfallfolgen kann somit erst dann gesprochen werden, wenn die erhobenen Befunde mit apparativen/bildgebenden Abkl�rungen best�tigt wurden und die dabei angewendeten Untersuchungsmethoden wissenschaftlich anerkannt sind (SVR 2010 UV Nr. 30 S. 120 E. 5.3, 8C_537/2009). Anders verh�lt es sich bei nat�rlich unfallkausalen, aber organisch nicht objektiv ausgewiesenen Beschwerden. Hier ist bei der Beurteilung der Ad�quanz vom augenf�lligen Geschehensablauf auszugehen, und es sind je nach Schweregrad des Unfalles weitere unfallbezogene Kriterien mit einzubeziehen (BGE 117 V 359 E. 6 S. 366 ff. und 369 E. 4 S. 382 ff., 115 V 133 E. 6 S. 138 ff.). Bei nach einem Unfall auftretenden psychischen Fehlentwicklungen werden diese Ad�quanzkriterien unter Ausschluss psychischer Aspekte gepr�ft (BGE 115 V 133 E. 6c/aa S. 140), w�hrend bei Schleudertraumen (BGE 117 V 359 E. 6a S. 367) und �quivalenten Verletzungen der Halswirbels�ule (SVR 1995 UV Nr. 23 S. 67 E. 2, U 183/93) sowie bei Sch�del-Hirntraumen (BGE 117 V 369 E. 4b S. 383) auf eine Differenzierung zwischen physischen und psychischen Komponenten verzichtet wird. Dies, weil f�r die Beurteilung des ad�quaten Kausalzusammenhanges als einer Rechtsfrage nicht entscheidend ist, ob die im Anschluss an eine solche Verletzung auftretenden Beschwerden medizinisch eher als organischer und/oder psychischer Natur bezeichnet werden, zumal diese Differenzierung angesichts des komplexen, vielschichtigen Beschwerdebildes in heiklen F�llen gelegentlich grosse Schwierigkeiten bereiten w�rde (BGE 134 V 109 E. 6.2.1 S. 116 f.; vgl. zum Ganzen auch BGE 127 V 102 E. 5b/bb S. 103 und SVR 2007 UV Nr. 8 S. 27 E. 2, U 277/04, je mit Hinweisen). Korrekt sind schliesslich auch die vorinstanzlichen Ausf�hrungen zu den Grunds�tzen, welche bei der beweism�ssigen Auswertung medizinischer Berichte zu beachten sind (BGE 134 V 231 E. 5.1 S. 232 mit Hinweis). Darauf wird verwiesen.
4.1 Gem�ss Art. 19 Abs. 1 UVG und der dazu ergangenen Rechtsprechung hat der Unfallversicherer den Fall (unter Einstellung von Heilbehandlung und Taggeld sowie Pr�fung des Anspruchs auf eine Invalidenrente und eine Integrit�tsentsch�digung) abzuschliessen, wenn von der Fortsetzung der �rztlichen Behandlung keine namhafte Besserung des Gesundheitszustandes des Versicherten mehr erwartet werden kann und allf�llige Eingliederungsmassnahmen der Invalidenversicherung abgeschlossen sind (BGE 134 V 109 E. 4.1 S. 114 mit Hinweisen). Ob eine namhafte Besserung noch m�glich ist, bestimmt sich insbesondere nach Massgabe der zu erwartenden Steigerung oder Wiederherstellung der Arbeitsf�higkeit, soweit diese unfallbedingt beeintr�chtigt ist. Dabei verdeutlicht die Verwendung des Begriffes "namhaft" durch den Gesetzgeber, dass die durch weitere Heilbehandlung zu erwartende Besserung ins Gewicht fallen muss. Unbedeutende Verbesserungen gen�gen nicht (BGE 134 V 109 E. 4.3 S. 115).
4.2 Der Beschwerdef�hrer musste sich infolge des Unfalls vom 22. August 2006 einer dorsalen Aufrichtespondylodese Th6 bis Th11 mit Beckenkammspongiosaentnahme dorsal links unterziehen. In der Nachkontrolle vom 20. Februar 2007 konnte Dr. med. L.________, Oberarzt, Spital S.________, ein "sehr sch�nes radiologisches Ergebnis" mit regelrechter Implantatlage ohne Lockerungszeichen oder Materialversagen feststellen. Ein Jahr nach der Operation k�nne allenfalls eine Metallentfernung in Betracht gezogen werden, welche allerdings "nicht sehr viel" zu einer Besserung der Situation beitragen werde. Trotz bildgebender Untersuchungen wurden keine Anzeichen f�r ein weiteres organisches Substrat gefunden, welches die �brigen vom Versicherten beklagten Leiden h�tte erkl�ren k�nnen. Gest�tzt auf die medizinische Aktenlage steht demzufolge mit dem erforderlichen Beweisgrad der �berwiegenden Wahrscheinlichkeit fest, dass sp�testens im Zeitpunkt des strittigen Fallabschlusses durch die Fortsetzung der �rztlichen Behandlung keine namhafte Besserung der R�ckenproblematik mehr erreicht werden konnte. Diesbez�glich waren von zus�tzlichen Abkl�rungsmassnahmen keine neuen entscheidwesentlichen Erkenntnisse zu erwarten, weshalb Verwaltung und Vorinstanz insoweit - ohne den Anspruch des Versicherten auf rechtliches Geh�r zu verletzen - zu Recht auf die Abnahme weiterer Beweise verzichtet haben (antizipierte Beweisw�rdigung; BGE 136 I 229 E. 5.3 S. 236; 134 I 140 E. 5.3 S. 148; 124 V 90 E. 4b S. 94). Es l�sst sich demgem�ss nicht beanstanden, dass die SUVA den Fall mit Verf�gung vom 31. Juli 2008 in Bezug auf vor�bergehende Leistungen per 15. August 2008 abgeschlossen und einen Anspruch auf Rente und Integrit�tsentsch�digung gepr�ft hat.
5.1 Im Rahmen der Abkl�rung eines Renten- und Integrit�tsentsch�digungsanspruchs wird im Einspracheentscheid der SUVA vom 17. Juli 2009 eine Ad�quanzpr�fung nach Massgabe der in BGE 115 V 133 festgelegten Kriterien durchgef�hrt. Die Vorinstanz �ussert sich zur Richtigkeit dieses Vorgehens nicht abschliessend, da sie einen rechtserheblichen Kausalzusammenhang zwischen den persistierenden Beschwerden und den Unfallereignissen vom 27. Januar 2005 und 22. August 2006 selbst unter Anwendung der Schleudertraumapraxis gem�ss BGE 134 V 109 verneint. Nicht entscheidend ist f�r das kantonale Gericht demgem�ss auch, ob ein nat�rlicher Kausalzusammenhang zu bejahen w�re.
5.2 Der Beschwerdef�hrer l�sst dagegen zu Recht einwenden, sowohl Verwaltung als auch kantonales Gericht h�tten �bersehen, dass durchaus ein unfallbedingter organischer Befund bestehe, welcher sich auf die Arbeitsf�higkeit auswirke. Die Vorinstanz weist zwar zutreffend auf das gute R�ckenoperationsergebnis hin. Dennoch wird der Versicherte unfallbedingt nicht mehr in seine bisherige T�tigkeit als Bauarbeiter zur�ckkehren k�nnen. F�r k�rperlich schwere T�tigkeiten besteht bleibend eine 100%ige Arbeitsunf�higkeit. Hingegen wird bereits im Austrittsbericht der Klinik B._________ vom 16. Februar 2007 wieder eine k�rperlich leichte bis mittelschwere T�tigkeit als ganztags zumutbar erachtet, sofern sie in Wechselbelastung ausgef�hrt werden kann und namentlich nicht �ber Kopfh�he oder l�nger dauernd mit stark vorgeneigtem oder verdrehtem Oberk�rper gearbeitet werden muss. Mit Bezug auf die nat�rlich kausale, objektiv ausgewiesene R�ckenverletzung l�sst sich der ad�quate Kausalzusammenhang nicht verneinen (vgl. E. 3 hiervor). Schon allein wegen des R�ckenleidens h�tte daher ein Einkommensvergleich durchgef�hrt werden m�ssen, um zu pr�fen, ob der Versicherte unfallbedingt in rentenbegr�ndendem Ausmass (Art. 18 Abs. 1 UVG) invalid ist. Ungekl�rt ist zudem, ob der Beschwerdef�hrer aufgrund der R�ckenproblematik eine Integrit�tseinbusse erleidet. Im Rahmen der demgem�ss zus�tzlich erforderlichen medizinischen Erhebungen wird sich auch herausstellen, ob die �tiologisch unklaren Beeintr�chtigungen des Gesundheitszustandes, welche vom Beschwerdef�hrer geltend gemacht werden, in einem nat�rlichen Kausalzusammenhang mit dem Unfall vom 27. Januar 2005 und/oder vom 22. August 2006 stehen, und ob sie die Arbeitsf�higkeit �berhaupt einschr�nken. Nur wenn dies zutrifft, wird bez�glich dieser Leiden eine Ad�quanzbeurteilung, je bezogen auf die Ereignisse vom 27. Januar 2005 und 22. August 2006, notwendig sein.
Mit heutigem Datum weist das Bundesgericht im �brigen im invalidenversicherungsrechtlichen Verfahren eine Beschwerde des Versicherten gegen den Entscheid des Verwaltungsgerichts des Kantons Thurgau vom 19. Januar 2011 ab, mit welcher die Durchf�hrung beruflicher Massnahmen und die Zusprechung einer unbefristeten ganzen Rente beantragt wurde (Urteil 8C_215/2011). Die IV-Stelle holte im invalidenversicherungsrechtlichen Verfahren umfangreiche medizinische Stellungnahmen, darunter auch die polydisziplin�re Expertise des Instituts Y.________ vom 15. September 2009, ein.
Die unfallversicherungsrechtliche Angelegenheit geht mit Blick auf die ungekl�rten Fragen an die SUVA zur�ck, damit sie, nach Beizug der Akten der Invalidenversicherung und gest�tzt auf das Ergebnis allenfalls notwendiger zus�tzlicher Abkl�rungen, �ber den Renten- und Integrit�tsentsch�digungsanspruch neu verf�ge.
Das Verfahren ist kostenpflichtig (Art. 65 BGG). Die R�ckweisung der Sache an die SUVA zu neuem Entscheid mit noch offenem Ausgang gilt hinsichtlich der Verfahrenskosten als volles Obsiegen des Versicherten, weshalb die Beschwerdegegnerin als unterliegende Partei die Gerichtskosten zu tragen und dem anwaltlich vertretenen Beschwerdef�hrer �berdies eine Parteientsch�digung zu entrichten hat (Art. 66 Abs. 1, Art. 68 Abs. 2 BGG; BGE 133 V 642).
Die Beschwerde wird teilweise gutgeheissen. Der Entscheid des Verwaltungsgerichts des Kantons Thurgau vom 14. Juli 2010 und der Einspracheentscheid der SUVA vom 17. Juli 2009 werden aufgehoben. Die Sache wird an die SUVA zur�ckgewiesen, damit sie, nach erfolgter Abkl�rung im Sinne der Erw�gungen, �ber den Leistungsanspruch des Beschwerdef�hrers ab 16. August 2008 neu verf�ge. Im �brigen wird die Beschwerde abgewiesen.