Source: https://www.rechtslupe.de/zivilrecht/erledigung-grundbuchsachen-feststellungsantrag-3125292
Timestamp: 2020-07-02 21:09:51
Document Index: 14325579

Matched Legal Cases: ['§ 62', '§ 62', '§ 62', '§ 62', '§ 14', '§ 10', '§ 59', '§ 59', '§ 1', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 71', '§ 71', '§ 71', '§ 2', '§ 2']

Erledigung in Grundbuchsachen - und der Feststellungsantrag | Rechtslupe
Dass die Grund­buch­ein­tra­gung (hier: der Fort­füh­rungs­nach­weis) nach Ein­gang der (Rechts-)Beschwerde voll­zo­gen wor­den ist, ändert dar­an nichts, weil die (Rechts-)Beschwerde in ana­lo­ger Anwen­dung von § 62 FamFG als Fest­stel­lungs­an­trag fort­ge­führt wer­den kann.
Gemäß § 62 FamFG spricht das Beschwer­de­ge­richt nach Erle­di­gung der Haupt­sa­che auf Antrag aus, dass die Ent­schei­dung des Gerichts des ers­ten Rechts­zugs den Beschwer­de­füh­rer in sei­nen Rech­ten ver­letzt, wenn die­ser ein berech­tig­tes Inter­es­se an der Fest­stel­lung hat. Die­se Norm gilt nach all­ge­mei­ner und zutref­fen­der Ansicht auch im Grund­buch­ver­fah­ren [1]. Auf das Ver­fah­ren der Rechts­be­schwer­de fin­det sie ent­spre­chen­de Anwen­dung [2].
Die Vor­aus­set­zun­gen von § 62 FamFG sind hier gege­ben: Die Haupt­sa­che hat sich wäh­rend des Rechts­be­schwer­de­ver­fah­rens erle­digt, weil das Grund­buch­amt den Fort­füh­rungs­nach­weis voll­zo­gen hat.
Das berech­tig­te Inter­es­se an der Fest­stel­lung liegt gemäß § 62 Abs. 2 Nr. 2 FamFG in der Regel vor, wenn eine Wie­der­ho­lung kon­kret zu erwar­ten ist, was vor­aus­setzt, dass gera­de der Beschwer­de­füh­rer von einer gleich­ar­ti­gen Rechts­ver­let­zung betrof­fen wäre. Dar­an fehlt es zwar, wenn das Inter­es­se ledig­lich auf die abs­trak­te Klä­rung einer Rechts­fra­ge für die künf­ti­ge Rechts­pra­xis einer Behör­de gerich­tet ist [3]. Hier geht es aber um die kon­kre­te Aus­ge­stal­tung der lau­fen­den Zusam­men­ar­beit zwi­schen Land­kreis und Grund­buch­amt. Der Land­kreis macht näm­lich gel­tend, dass die Ver­mes­sungs­be­hör­de auf­grund der Ver­fah­rens­wei­se des Grund­buch­amts ihre gesetz­li­chen Auf­ga­ben nicht wahr­neh­men kann; die­se bestehen dar­in, dass die Ver­mes­sungs­be­hör­de feh­ler­haf­te Bestands­da­ten des Lie­gen­schafts­ka­tas­ters von Amts wegen zu berich­ti­gen (§ 14 Abs. 3 Satz 1 des Geset­zes über das amt­li­che Ver­mes­sungs­we­sen und das Lie­gen­schafts­ka­tas­ter im Frei­staat Sach­sen vom 29.01.2008 [Sächs­VermKatG], SächsGVBl. S. 138, 148, zuletzt geän­dert durch das Gesetz vom 19.06.2013, SächsGVBl. S. 482) und die Über­ein­stim­mung von Lie­gen­schafts­ka­tas­ter und Grund­buch zu wah­ren hat (§ 10 Abs. 6 Satz 3 Sächs­VermKatG). Da das Grund­buch­amt nach dem Vor­trag des Land­krei­ses allein am 14.04.2016 in 53 wei­te­ren Fäl­len den Voll­zug gleich­ge­la­ger­ter Fort­füh­rungs­nach­wei­se mit dem Fort­füh­rungs­an­lass "Ver­än­de­rung am Flur­stück mit Ände­rung der Umfangs­gren­ze" abge­lehnt hat, hat der Land­kreis auch nach Erle­di­gung der vor­lie­gen­den Haupt­sa­che ein berech­tig­tes Inter­es­se dar­an, klä­ren zu las­sen, ob ihn eine sol­che Ver­fah­rens­wei­se des Grund­buch­amts in sei­nen Rech­ten ver­letzt.
In ver­fah­rens­recht­li­cher Hin­sicht ist die Beschwer­de zu Recht als zuläs­sig ange­se­hen wor­den. Dabei kann offen blei­ben, ob sich die Beschwer­de­be­rech­ti­gung in Grund­buch­sa­chen nach § 59 Abs. 1 FamFG rich­tet und vor­aus­setzt, dass der Beschwer­de­füh­rer eine Rechts­be­ein­träch­ti­gung gel­tend macht [4] oder ob nach all­ge­mei­nen Grund­sät­zen bereits die Behaup­tung einer mit­tel­ba­ren oder unmit­tel­ba­ren Beein­träch­ti­gung in einem recht­lich geschütz­ten Inter­es­se aus­reicht [5]. Jeden­falls macht der Land­kreis eine Rechts­be­ein­träch­ti­gung im Sin­ne von § 59 Abs. 1 FamFG gel­tend, die sich aus den bereits genann­ten gesetz­li­chen Auf­ga­ben der Ver­mes­sungs­be­hör­de ergibt; es ent­spricht all­ge­mei­ner Auf­fas­sung, dass die Ver­mes­sungs­be­hör­de Ent­schei­dun­gen des Grund­buch­amts anfech­ten kann, mit denen die Über­nah­me von Fort­füh­rungs­nach­wei­sen abge­lehnt wird [6].
Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 20. Juli 2017 – V ZB 47/​16
vgl. OLG Hamm, FGPrax 2011, 209, 210; OLG Düs­sel­dorf, FamRZ 2014, 330; OLG Mün­chen, FamRZ 2015, 2186, 2187; Dem­har­ter, GBO, 30. Aufl., § 1 Rn. 83; Bött­cher, Notar 2013, 252, 259[↩]
vgl. für das Abschie­bungs­haft­ver­fah­ren BGH, Beschluss vom 25.02.2010 – V ZB 172/​09, FGPrax 2010, 150 Rn. 9; für das Betreu­ungs­ver­fah­ren BGH, Beschluss vom 20.08.2014 – XII ZB 205/​14, FamRZ 2014, 1916 Rn. 5[↩]
vgl. BGH, Beschluss vom 22.10.2015 – V ZB 169/​14, FGPrax 2016, 34 Rn. 12[↩]
so Mei­kel­/­Schmidt-Räntsch, GBO, 11. Aufl., § 71 Rn. 109[↩]
so etwa Dem­har­ter, GBO, 30. Aufl., § 71 Rn. 57; Lemke/​Gottwald, Immo­bi­li­en­recht, 2. Aufl., § 71 GBO Rn. 32[↩]
vgl. nur OLG Hamm, OLGZ 1985, 276, 277 f.; OLG Düs­sel­dorf, OLGZ 1988, 58, 59; Dem­har­ter, GBO, 30. Aufl., § 2 Rn. 24; Meikel/​Nowak, GBO, 11. Aufl., § 2 Rn. 16[↩]
Der Zei­chen­feh­ler im Grund­buch – und der Fort­füh­rungs­nach­weis Die Berich­ti­gung eines Zei­chen­feh­lers (also einer gra­phisch fal­schen Dar­stel­lung des rich­ti­gen Ver­mes­sungs­zah­len­werks in der Flur­kar­te des Lie­gen­schafts­ka­tas­ters) durch die Ver­mes­sungs­be­hör­de hat das Grund­buch­amt stets als…
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