Source: https://www.rechtslupe.de/zivilrecht/ladung-des-sachverstaendigen-zur-muendlichen-erlaeuterung-seines-gutachtens-387651
Timestamp: 2020-07-08 15:03:17
Document Index: 193103018

Matched Legal Cases: ['§ 397', '§ 411', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 411', '§ 411']

Ladung des Sachverständigen zur mündlichen Erläuterung seines Gutachtens | Rechtslupe
Ladung des Sach­ver­stän­di­gen zur münd­li­chen Erläu­te­rung sei­nes Gut­ach­tens
Nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs kommt es für die Fra­ge, ob die Ladung eines Sach­ver­stän­di­gen zur münd­li­chen Erläu­te­rung des von ihm erstat­te­ten Gut­ach­tens gebo­ten ist, nicht dar­auf an, ob das Gericht noch Erläu­te­rungs­be­darf sieht oder ob zu erwar­ten ist, dass der Gut­ach­ter sei­ne Auf­fas­sung ändert.
Wei­ter ist uner­heb­lich, ob das schrift­li­che Gut­ach­ten Män­gel auf­weist.
Die Par­tei­en haben zur Gewähr­leis­tung des recht­li­chen Gehörs nach §§ 397, 402 ZPO einen Anspruch dar­auf, dass sie dem Sach­ver­stän­di­gen die Fra­gen, die sie zur Auf­klä­rung der Sache für wesent­lich erach­ten, in einer münd­li­chen Anhö­rung stel­len kön­nen. Die­ses Antrags­recht der Par­tei­en besteht unab­hän­gig von § 411 Abs. 3 ZPO [1].
Dabei kann von der Par­tei, die einen Antrag auf Ladung des Sach­ver­stän­di­gen stellt, nicht ver­langt wer­den, dass sie die Fra­gen, die sie an den Sach­ver­stän­di­gen zu rich­ten beab­sich­tigt, im Vor­aus kon­kret for­mu­liert. Es genügt, wenn sie all­ge­mein angibt, in wel­cher Rich­tung sie durch ihre Fra­gen eine wei­te­re Auf­klä­rung her­bei­zu­füh­ren wünscht.
Vor­lie­gend­konn­te dem Vor­brin­gen der Klä­ge­rin ent­nom­men wer­den, wel­chem Ziel die Anhö­rung die­nen soll­te. Dass auch das Beru­fungs­ge­richt die­se Ziel­rich­tung erkannt hat, bele­gen sein Beweis­be­schluss und die dem Sach­ver­stän­di­gen dar­in ergän­zend gestell­ten Fra­gen. Mit Ein­ho­lung die­ser ergän­zen­den schrift­li­chen gut­acht­li­chen Stel­lung­nah­me war mag die­ses Ver­fah­ren zur wei­te­ren Sach­auf­klä­rung auch sinn­voll erschei­nen der Antrag der Klä­ge­rin auf Anhö­rung des Sach­ver­stän­di­gen aber nicht erle­digt [2]. Denn das Recht der Par­tei, dem Sach­ver­stän­di­gen im Rah­men einer münd­li­chen Anhö­rung Fra­gen zum Gut­ach­ten zu stel­len, erlischt nicht dadurch, dass das Gericht dem Sach­ver­stän­di­gen Fra­gen stellt, die die­ser beant­wor­tet.
Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 19. Novem­ber 2014 – IV ZR 47/​14
BGH, Beschlüs­se vom 30.10.2013 – IV ZR 307/​12, r+s 2014, 25 Rn. 9; vom 15.03.2006 – IV ZR 182/​05, VersR 2006, 950 Rn. 6 m.w.N.; BGH, Beschluss vom 10.05.2005 – VI ZR 245/​04, VersR 2005, 1555 unter 2 a m.w.N. und stän­dig[↩]
vgl. BGH, Urteil vom 03.06.1986 – VI ZR 95/​85, VersR 1986, 1079 unter – II 3 b; Musielak/​Huber, ZPO 11. Aufl. § 411 Rn. 7; Beck­OK-ZPO/­Scheuch, Stand 15.09.2014 § 411 Rn.20[↩]