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Timestamp: 2017-05-24 02:29:59
Document Index: 106646269

Matched Legal Cases: ['Art. 64', 'Art. 81', 'Art. 86', 'Art. 2', 'Art. 1', 'Art. 1', 'Art. 64', 'Art. 49', 'Art. 19', 'Art. 21', 'Art. 22', 'Art. 48', 'Art. 37', 'Art. 49', 'Art. 49', 'Art. 49', 'Art.48', 'Art. 39', 'Art. 39', 'Art. 39', 'Art. 46', 'Art. 43', 'Art. 43', 'Art. 6', 'Art. 39', 'Art. 25', 'Art. 34', 'Art. 25', 'Art. 34', 'Art. 49', 'Art. 9', 'Art. 102', 'Art. 102', 'Art. 1', 'Art. 2', 'Art. 716']

Teil D: Richtlinien der Finanzmarktaufsicht Liechtenstein - PDF
Teil D: Richtlinien der Finanzmarktaufsicht Liechtenstein
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1 AFW Lie 06 d D :50 Uhr Seite 141 Teil D: Liechtenstein I. FMA-Richtlinie 2005/3 Wohlverhaltensregeln für den Fondsplatz Liechtenstein Ziele Ziel der Wohlverhaltensregeln ist es, zum Schutz der Anleger beizutragen und das Vertrauen in den liechtensteinischen Fondsplatz und das liechtensteinische Finanzwesen (Marktintegrität) im In- und Ausland zu sichern und zu fördern. Sie dienen als Hilfe zur Interpretation des Gesetzes über Investmentunternehmen (IUG) und der dazugehörenden Verordnung (IUV), können zur Auslegung von Rechten und Pflichten herangezogen werden und sorgen für eine offene und transparente Information der Anleger. Die Verwaltungsgesellschaften (VerwG) von Investmentunternehmen üben ihre Tätigkeiten aus, in dem sie alle Tätigkeiten recht und billig 1 sowie mit der gebotenen Sachkenntnis, Sorgfalt und Gewissenhaftigkeit im besten Interesse der Anleger und der Marktintegrität ausüben; über die für eine ordnungsgemässe Geschäftstätigkeit erforderlichen Mittel und Verfahren verfügen und diese wirksam einsetzen; und sich darum bemühen, Interessenkonflikte zu vermeiden und, sofern dies nicht möglich ist, dafür sorgen, dass die Interessen der Anleger der von ihr verwalteten Investmentunternehmen gewahrt werden. Rechtsgrundlagen Die Finanzmarktaufsicht (FMA) erlässt in Übereinstimmung mit Art. 64 Abs. 4 IUG sowie Art. 81 IUV Wohlverhaltensregeln, die fortwährend einzuhalten sind. Gültigkeit und Verbindlichkeit Diese Wohlverhaltensregeln gelten für alle VerwG und Depotbanken eines liechtensteinischen Investmentunternehmens sowie deren Beauftragte; die Vertreter ausländischer Investmentunternehmen in Liechtenstein; und ausländische VerwG, die im Wege des grenzüberschreitenden Dienstleistungsverkehrs in Liechtenstein tätig werden oder eine Zweigstelle errichten. 1 Recht und billig bedeutet, nicht gegen die Sitten und gegen das Rechtsgefühl der Gemeinschaft verstossend. Der Begriff der Billigkeit geht weiter als jener der Rechtmässigkeit. Neben den Rechtsnormen müssen auch allgemeine Rechtsgrundsätze eingehalten werden, welche das Rechtsgefühl der Rechtsgemeinschaft widerspiegeln. 1412 AFW Lie 06 d D :50 Uhr Seite 142 Wohlverhaltensregeln A Treue- und Sorgfaltspflicht Die Ausübung aller Tätigkeiten muss recht und billig sowie mit der gebotenen Sachkenntnis, Sorgfalt und Gewissenhaftigkeit im besten Interesse der Anleger und der Marktintegrität stattfinden. Verwaltung des Fondsvermögens 1. Die VerwG verwalten die Investmentunternehmen ausschliesslich im Interesse der Anleger. Die Anlagepolitik sowie der im Prospekt dargelegte Anlagecharakter sind dauernd einzuhalten. Für die Verwaltung von Einzelportfolios und fondsähnlichen Vermögen sowie die Anlageberatung sind die Wohlverhaltensregeln im Sinne von Art. 86 Abs. 1 IUVzu beachten. 2. Die VerwG wahren das Prinzip der Gleichbehandlung sowohl im Hinblick auf die von ihr verwalteten Investmentunternehmen als auch auf deren Anleger. 3. Die VerwG handeln im Sinne der Integrität des Marktes. Sie unterlassen insbesondere Handlungen, die eine transparente und marktkonforme Preisbildung an den Wertpapiermärkten beeinträchtigen können. Wertpapier- und sonstige Handelsgeschäfte 4. Wertpapier- und sonstige Handelsgeschäfte (z.b. Securities Lending) für Investmentunternehmen sind immer zu marktgerechten Konditionen abzuwickeln. Praktiken, welche zu Lasten eines Investmentunternehmens und dessen Anleger gehen, sind zu unterlassen. 5. Die VerwG verhindern, dass Investoren Anteile von Investmentunternehmen zu bereits bekannten Preisen kaufen oder zurückgeben können. Es gilt grundsätzlich das Prinzip des Forward Pricing. Forward Pricing ist der international angewandte Standard für die periodische Bewertung von Investmentunternehmen. Das Vermögen wird anhand der Börsen-/Devisenschlusskurse vom Vortag bewertet. Im Zeitpunkt der Auftragserteilung ist der Inventarwert noch nicht bekannt. Börsengehandelte Fonds unterliegen nicht dieser Bestimmung. Ebenso sind bei der Anteilsbewertung die notwendigen Vorkehrungen zu treffen, um der Ausnutzung von Arbitrage-Geschäften vorzubeugen und das Late Trading zu verhindern. 6. Die VerwG erteilen Aufträge nur an sorgfältig ausgewählte Gegenparteien, welche Gewähr dafür bieten, dass die Wertpapier- und sonstigen Handelsgeschäfte zu marktkonformen Konditionen erfolgen. Die Aufträge stellen aus Gesamtsicht in preislicher, zeitlicher und quantitativer Hinsicht die «best execution» dar. 1423 AFW Lie 06 d D :50 Uhr Seite Die VerwG stellen sicher, dass Rückvergütungen, Bestandespflegekommissionen sowie sonstige Leistungen im Zusammenhang mit dem Erwerb, dem Bestand und der Veräusserung von Anlagen des Investmentunternehmens direkt oder indirekt diesem zugute kommen. Soft commissions (z.b. aus Finanzanalysen, Markt- und Kursinformationssystemen) sind erlaubt, soweit die Interessen der Anleger damit nicht geschädigt werden. Zusammenarbeit mit der Depotbank und Delegation 8. Die VerwG arbeiten ausschliesslich mit Depotbanken zusammen, die für eine einwandfreie Ausführung ihrer gesetzlichen und vertraglichen Aufgaben dauernd qualifiziert sind. 9. Die VerwG und die Depotbanken legen die Ausübung der Depotbankfunktion in einem schriftlichen Vertrag fest, welcher die Schnittstellen, die Verantwortlichkeiten, den Überwachungsablauf hinsichtlich Einhaltung der gesetzlichen und vertraglichen Bestimmungen, die Zuständigkeiten und Haftungsfragen sowie die gegenseitigen Informationspflichten angemessen regeln muss. Zudem sind die Gebühren sowie die Delegationsmöglichkeiten der Depotbank an Dritte, gegebenenfalls in einem separaten Anhang, aufzulisten. 10. Bei einer Delegation an Dritte verpflichten die VerwG und/oder die Depotbank diese in einem schriftlichen Vertrag zur Einhaltung dieser Wohlverhaltensregeln. 11. Die VerwG delegieren Tätigkeiten ausschliesslich an solche Dritte, die für eine einwandfreie Ausführung der betreffenden Aufgaben dauernd ausreichend qualifiziert sind und die notwendigen gesetzlichen Voraussetzungen erfüllen. 12. Die VerwG treffen die notwendigen Massnahmen für eine korrekte Instruktion sowie eine zweckmässige Überwachung und Kontrolle der Beauftragten und der Durchführung der delegierten Tätigkeiten. Sie halten den Umfang der delegierten Tätigkeiten in schriftlichen Verträgen fest, welche die Schnittstellen, die Verantwortlichkeiten, die Zuständigkeiten und Haftungsfragen sowie die gegenseitigen Informationspflichten angemessen regeln müssen. Sie lassen sich zudem die erforderlichen Einsichts-, Weisungs- und Kontrollrechte vertraglich einräumen. 13. Soweit die VerwG mit dem Vertrieb der von ihr verwalteten Investmentunternehmen Dritte beauftragen (Vertriebspartner), sind schriftliche Vertriebsvereinbarungen zu treffen, die gewährleisten, dass der Vertriebspartner alle Bestimmungen hinsichtlich Anlegerschutz einhält und im Sinne der Integrität des Marktes handelt. Zudem achten die VerwG darauf, dass sie nur mit Vertriebspartnern zusammenarbeiten, die Gewähr für eine einwandfreie Geschäftstätigkeit sowie eine den Marktusanzen entsprechende Kundenakquisition und -beratung bieten. 14. Die VerwG sind nach Art. 2 Abs. 1 Bst. d des Gesetzes über die beruflichen Sorgfaltspflichten bei Finanzgeschäften diesem unterstellt, sofern sie nicht vom Anwendungsbereich ausgenommen sind. 1434 AFW Lie 06 d D :51 Uhr Seite 144 B Einsatz der erforderlichen Mittel und Verfahren Die VerwG müssen über die für eine ordnungsgemässe Geschäftstätigkeit erforderlichen Mittel und Verfahren verfügen und diese wirksam einsetzen. Organisation 15. Die VerwG und die Depotbank treffen die erforderlichen organisatorischen Massnahmen, die eine einwandfreie Geschäftsführung sowie eine einwandfreie Bewertung, Verbuchung und Verwahrung des Vermögens gewährleisten. 16. Die VerwG verfügen über ausreichend personelle, finanzielle und sachliche Ressourcen, um eine wirksame Kontrolle der Einhaltung gesetzlicher und vertraglicher Bestimmungen möglichst zeitnah zu gewährleisten (Compliance). Sie sorgen insbesondere für ein adäquates Risikomanagement, ein den gesetzlichen Anforderungen entsprechendes Berichtswesen sowie die technische Infrastruktur. 17. Unter Berücksichtigung der jeweiligen betrieblichen Struktur und Grösse beachten die VerwG eine klare Funktionentrennung zwischen dem Fondsmanagement (Entscheidung); den Handelsgeschäften (Ausführung); und der Bewertung des Vermögens des Investmentunternehmens (Administration). Auf die Einhaltung dieser Funktionentrennung ist auch bei Delegationen zu achten. 18. Der Verwaltungsrat und eine allfällige Geschäftsleitung der VerwG verfügen kumuliert über ausreichend theoretische Kenntnisse und weisen fundierte praktische Erfahrung im Fondsbereich auf. 19. Die Leitungsorgane der Verwaltungsgesellschaft und der Depotbank müssen so zusammengesetzt sein, dass sie die ihnen zugewiesenen Aufgaben weisungsunabhängig erfüllen können und die juristische Trennung gewährleistet ist. 20. Die VerwG halten die Grundsätze zur Aufbau- und Ablauforganisation sowie das interne Kontrollsystem und die Kompetenzverteilung in geschäftsinternen Dokumenten (Weisungen, Richtlinien, Reglementen, etc.) fest. 21. Die VerwG halten zudem die an ihre Organisationsstruktur und an ihr Angebot an Investmentunternehmen angepassten Grundsätze und die Ablauforganisation für die Bewertung der Vermögen der Investmentunternehmen und den Umgang mit Bewertungsfehlern in geschäftsinternen Dokumenten fest, sofern diese im Prospekt nicht geregelt sind. Diese beinhalten insbesondere: die systematische Prüfung der Bewertung des Vermögens der Investmentunternehmen vor der Veröffentlichung; Massnahmen, die zur Vermeidung von Bewertungsfehlern dienen: z.b. Plausibilisierung des berechneten Inventarwertes oder Vergleich mit der vorangegangenen Berechnung oder der Entwicklung der Benchmark; 1445 AFW Lie 06 d D :51 Uhr Seite 145 unter welchen Umständen eine Bewertung des Fondsvermögens objektiv nicht möglich ist; das Vorgehen bei wesentlichen Bewertungsfehlern. Die FMA legt den Massstab für die Beurteilung der Wesentlichkeit nach allgemein anerkannten Standards fest; das Vorgehen bei Ausgabe oder Rücknahme zu falschen Preisen, welche als wesentlich zu beurteilen sind. In diesem Fall sind die Abrechnungen der Kundenaufträge zu korrigieren und die Anleger schadlos zu halten. Jede wesentliche Abweichung ist der FMA, der Depotbank und der Revisionsstelle zu melden. C Vermeidung von Interessenkonflikten Die VerwG bemühen sich um die Vermeidung von Interessenkonflikten. Sollte sich ein solcher Interessenkonflikt dennoch nicht vermeiden lassen, müssen die VerwG oder ihre Beauftragten dafür sorgen, dass die von ihnen verwalteten Investmentunternehmen nach Recht und Billigkeit behandelt werden. In jedem Fall sind ausschliesslich die Interessen der Anleger zu wahren. Organisation der VerwG zur Vermeidung von Interessenkonflikten 22. Die VerwG vermindern mit geeigneten organisatorischen und personellen Massnahmen das Risiko von Interessenkonflikten bei Anlageentscheiden. Insbesondere stellen sie sicher, dass keine Anreize geschaffen werden, die das Anlageverhalten des Asset Managers derart beeinflussen, dass es mit den Interessen der Anleger in Konflikt steht oder stehen könnte. 23. Die VerwG stellen über ein internes Kontrollsystem sicher, dass die bestandesund transaktionsbezogenen Kontrollen unabhängig vom Asset Manager erfolgen. 24. Die VerwG erlassen für ihre Mitarbeiter geeignete Bestimmungen, um Interessenkonflikten bei Eigengeschäften 2 entgegenzuwirken. Zugleich verhindern sie Praktiken (wie z.b. Insiderhandel 3, Front Running 4 ), welche zur missbräuchlichen Erlangung von Vermögensvorteilen ausgenützt werden könnten. 25. Die VerwG stellen im Verhältnis zu ihren Beauftragten die Einhaltung der vorgenannten Bestimmung vertraglich sicher. 26. Sind die Vorkehrungen im Einzelfall nicht ausreichend, um zu gewährleisten, dass das Risiko der Beeinträchtigung von Kundeninteressen durch Interessenkonflikte vermieden wird, so weisen die VerwG in geeigneter Form darauf hin. 2 Unter Eigengeschäft bzw. -handel fallen Wertpapiergeschäfte der VerwG bzw. deren Mitarbeiter, die sie auf eigene Rechnung vornehmen. Beim Eigenhandel treten die VerwG bzw. deren Mitarbeitern selber als Investoren auf. 3 Für die Definition des Insiders ist Art. 1 der Richtlinie 2003/6/EG (Missbrauchsrichtlinie) heranzuziehen. 4 Für die Definition des Front-Runnings ist Art. 1 der Richtlinie 2003/6/EG (Missbrauchsrichtlinie) heranzuziehen. 1456 AFW Lie 06 d D :51 Uhr Seite 146 Ausübung von Mitgliedschafts- und Gläubigerrechten 27. Die VerwG üben die mit den Anlagen der verwalteten Investmentunternehmen verbundenen Aktionärs- und Gläubigerrechte unabhängig und ausschliesslich im Interesse der Anleger aus. 28. Bei den einzelnen Geschäften steht es den VerwG frei, ob sie die Aktionärs- und Gläubigerrechte für das Investmentunternehmen selber ausüben oder die Ausübung an die Depotbank oder Dritte delegieren oder auf die Ausübung verzichten wollen. Bei Geschäften, welche die Interessen der Anleger wesentlich beeinflussen, haben die VerwG das Stimmrecht selber auszuüben oder ausdrückliche Weisungen zu erteilen. Sie dürfen sich dabei auf Informationen abstützen, die sie von der Depotbank, dem Asset Manager, der Gesellschaft, von Dritten oder aus anderen zuverlässigen Quellen erfahren. 29. Die VerwG halten die wichtigsten Grundsätze zur Ausübung von Mitgliedschaftsund Gläubigerrechten in geschäftsinternen Dokumenten fest. D Information & Transparenz Die VerwG informieren klar, umfassend und verständlich, um eine sachgerechte und professionelle Kundenwerbung und -betreuung zu gewährleisten. Insbesondere legen sie die mit einer Fondsanlage verbundenen Risiken sowie die Performance und Kosten offen. Anlagegrundsätze und Anlagevorschriften 30. Die VerwG erläutern den Anlegern die Anlagegrundsätze, Anlagevorschriften und die damit verbundenen Risiken der Investmentunternehmen in kundengerechter Form und Sprache. 31. Die VerwG weisen im Prospekt auf die fondsspezifischen Chancen und Risiken der jeweiligen Anlagen hin, so dass sich der Anleger ein objektives Bild über die möglichen Wertveränderungen der Anteile machen kann. Die Informationspflicht bezieht sich insbesondere auf Derivative Finanzinstrumente (insbesondere Leverage und komplexe Strukturen) Emittentenrisiko (Bonitätsrisiko); Gegenparteirisiko; Länderrisiko; Marktrisiko; Währungsrisiko; Zinsrisiko; oder andere Faktoren, welche das mit der Fondsanlage verbundene Risiko für den Anleger erhöhen. 1467 AFW Lie 06 d D :51 Uhr Seite 147 Performance 32. Die VerwG stellen eine konsistente Informationspolitik sicher, die es dem Anleger ermöglicht, sich ein objektives Bild über die Wertentwicklung der Fondsanteile zu machen. 33. Die Grundlagen zur Ermittlung und zur Veröffentlichung von Performancedaten werden von den VerwG für die von ihr verwalteten Investmentunternehmen in geschäftsinternen Dokumenten festgehalten. Dies beinhaltet insbesondere Informationen hinsichtlich Berechnungsmethode; Einbezug der bekannten Kosten und Kommissionen (Nettoperformance) 5 ; zweckmässige und aussagekräftige Zeitperiode (z.b. ein, drei und fünf Jahre sowie seit Gründung des Investmentunternehmens); und Wahl und Änderung geeigneter Vergleichsindizes (Benchmark). 34. Bei jeder Werbung im Zusammenhang mit Performancedaten weisen die VerwG darauf hin, dass die Performanceergebnisse der Vergangenheit für die Zukunft nicht garantiert werden können. 35. Die VerwG verzichten in der Werbung auf Hochrechnungen und irreführende Rückrechnungen hinsichtlich der Performance. 36. Die VerwG verzichten in der Werbung auf irreführende Performancevergleiche (z.b. missbräuchliche Wahl und/oder Wechsel von Perioden und Vergleichsindizes) und -versprechen. Der Wechsel eines Vergleichsindizes ist in geeigneter Weise kenntlich zu machen. 37. In jeder Werbung weisen die VerwG auf die Bezugsstellen für den vollständigen und vereinfachten Prospekt hin. Kostentransparenz 38. Die VerwG legen im Prospekt sämtliche bei der Ausgabe und Rücknahme von Anteilen sowie bei der Verwaltung der Investmentunternehmen anfallenden Kosten offen. Bei der Veröffentlichung von Nettoinventarwerten weisen sie auf allfällige Kommissionen hin. Die VerwG veröffentlichen in den Halbjahres- und Geschäftsberichten die Total Expense Ratio (TER). 39. Die Kosten sind derart auszugestalten, dass sie den Marktusanzen entsprechen, sich in einer objektiven Weise errechnen lassen sowie kein Anlage- und Transaktionsverhalten des Asset Managers begünstigen, welches den Interessen der Anleger widerspricht (insbesondere Gebühren, welche von der Anzahl der getätigten Transaktionen abhängen). 5 In diesen Kommissionen sind die Ausgabe- und Rücknahmekommissionen nicht enthalten. 1478 AFW Lie 06 d D :51 Uhr Seite 148 Revisionspflicht und Inkrafttreten Die VerwG beauftragen ihre Revisionsstellen, die Einhaltung dieser Wohlverhaltensregeln zu überprüfen. Die Wohlverhaltensregeln wurden am 24. Oktober 2005 von der FMA verabschiedet. Sie treten per 1. November 2005 in Kraft. Es besteht eine Übergangsfrist bis zum 30. April 2006, während derer die VerwG und Vertreter ausländischer Investmentunternehmen die nötigen Umsetzungsarbeiten durchzuführen haben. 1489 AFW Lie 06 d D :51 Uhr Seite 149 II. FMA-Richtlinie 2006/1 Risikomess- und Meldeverfahren für den Einsatz von derivativen Finanzinstrumenten bei Investmentunternehmen für Wertpapiere 1. Allgemeines 1.1. Zweck und Bedeutung der FMA-Richtlinie Die vorliegende FMA-Richtlinie regelt das Risikomess- und Meldeverfahren für den Einsatz von derivativen Finanzinstrumenten bei Investmentunternehmen für Wertpapiere. Eine Verwaltungsgesellschaft (VerwG) setzt nach Art. 64 Abs.7 des Gesetzes über Investmentunternehmen (IUG) in Verbindung mit (i.v.m.) Art. 49 Abs.1 der Verordnung über Investmentunternehmen (IUV) ein Basismodell zur Berechnung der Risiken aus den Anlageinstrumenten, insbesondere in Bezug auf derivative Finanzinstrumente, ein. Dabei müssen anerkannte Berechnungsmethoden verwendet werden. Durch diese Bestimmungen werden die Art. 19 Abs. 1 Bst. g, Art. 21 sowie die derivatbezogenen Vorschriften des Art. 22 der EU-Richtlinie 85/611/EWG in der Fassung der Änderungsrichtlinien 2001/107/EG und 2001/108/EG unter Berücksichtigung der Empfehlung 2004/383/EG national umgesetzt. Aufgrund dieser Bestimmungen muss eine VerwG bei Investmentunternehmen für Wertpapiere ein Risikomessverfahren verwenden, das es ihr erlaubt, das mit den Anlagepositionen verbundene Risiko sowie ihren jeweiligen Anteil am Gesamtrisikoprofil des Anlageportfolios jederzeit zu überwachen und zu messen; sie muss ferner ein Verfahren verwenden, das eine präzise und unabhängige Bewertung des Werts der OTC-Derivate erlaubt. Die VerwG setzt die Bestimmungen dieser FMA-Richtlinie in einer internen Richtlinie nach Art. 48 Abs. 5 IUV um, welche der Revisionsstelle des Investmentunternehmens für Wertpapiere zur Kenntnis zu bringen ist. Die Revisionsstelle prüft anlässlich der Revision die Einhaltung der Bestimmungen dieser FMA-Richtlinie. Beim Einsatz von derivativen Finanzinstrumenten in einem Investmentunternehmen für Wertpapiere verfolgt die VerwG das Anlageziel und die Anlagepolitik des entsprechenden Investmentunternehmens nach seinem Prospekt. Dabei darf durch den Abschluss von Geschäften mit derivativen Finanzinstrumenten nicht gegen das Leerverkaufsverbot nach Art. 37 Abs. 5 IUV verstossen werden Geltungsbereich Diese FMA-Richtlinie regelt ausschliesslich das Risikomessverfahren bei Investmentunternehmen für Wertpapiere. 14910 AFW Lie 06 d D :51 Uhr Seite Meldungen 2.1. Inhalt der Meldungen Die VerwG reicht der FMA vierteljährlich die in dieser FMA-Richtlinie vorgeschriebenen Meldungen ein. Diese Meldungen haben für jedes von der VerwG verwaltete Investmentunternehmen, bei segmentierten Investmentunternehmen für jedes Segment, die Risikokennzahlen in Bezug auf die derivativen Finanzinstrumente sowie auf das Gesamtrisiko des Investmentunternehmens zu enthalten. Für die Einreichung der Meldung ist das Meldeformular nach Anhang 1 zu verwenden, welches unter der Adresse (Investmentunternehmen/Publikationen/Formulare zum Download) auf der FMA Website elektronisch bezogen werden kann. Die schriftliche Meldung an die FMA enthält folgende Angaben: a. Name des Investmentunternehmens und Angabe der ISIN-Nummer sowie die Bezeichnung des Segments, falls segmentiert; b. Name der VerwG; c. Angaben über die verwendete Berechnungsmethode; d. Falls beim Value-at-Risk Approach (VaR Approach) von der FMA der absolute VaR genehmigt wurde, Angabe der bewilligten Obergrenze sowie den ermittelten Betrag für diese Meldung (im Feld Bemerkungen ); e. Angaben über das eingegangene Risiko bei derivativen Finanzinstrumenten (Derivatrisiko) als Prozentsatz des Nettoinventarwertes (nicht notwendig beim VaR Approach); f. Angaben über das eingegangene Risiko des Investmentunternehmens bzw. des Segmentes (Gesamtrisiko) als Prozentsatz des Nettoinventarwertes; g. Angaben über die Anzahl von Übertretungen der in Bst. e und f ermittelten Risikokennzahl während dem abgelaufenen Quartal. Befinden sich zum Zeitpunkt der Meldung keine derivativen Finanzinstrumente im Fondsvermögen, so ist eine Leermeldung zu erstatten und dies entsprechend in der Meldung zu kennzeichnen Periodizität der Meldungen Die Meldungen erfolgen per 31. März, 30. Juni, 30. September, 31. Dezember und sind gemeinsam mit der vierteljährlichen Berichterstattung innerhalb eines Monats nach Quartalsende schriftlich der FMA einzureichen. 3. Marktrisiko 3.1. Allgemeines Das Marktrisiko eines Investmentunternehmens spiegelt sich in der Ab- und Zunahme des Fondsvermögens durch Markteinflüsse. Das mit derivativen Finanzinstrumenten verbundene Gesamtrisiko eines Investmentunternehmens für Wertpapiere darf nach Art. 49 Abs. 1 IUV das Gesamtvermögen seines Portfolios nicht überschreiten. Dabei 15011 AFW Lie 06 d D :51 Uhr Seite 151 ist sicherzustellen, dass insgesamt 200% des Nettoinventarwertes nicht überschritten werden. Die VerwG stellt sicher, dass das Investmentunternehmen seinen Verpflichtungen aus den eingegangenen Positionen zu jedem Zeitpunkt nachkommen kann sowie keine Positionen eingegangen werden, die ein für das Vermögen unlimitiertes Risiko darstellen Berechnungsmethoden Für die Berechnung des Marktrisikos von Investmentunternehmen, welche ausschliesslich derivative Finanzinstrumente nach Anhang 2 in ihrem Fondsvermögen führen, kann der Simple oder Modified Commitment Approach (Vgl. Ziffer 3.2 Bst. a und b) angewendet werden. Investmentunternehmen, welche zusätzlich oder ausschliesslich derivative Finanzinstrumente nach Anhang 3 in ihrem Fondsvermögen halten, wenden den VaR Approach (Vgl. Ziffer 3.2. Bst. c) an. Es ist den Investmentunternehmen freigestellt, anstatt dem Simple bzw. Modified Commitment Approach den VaR Approach zu verwenden. Es muss jedoch eine dauerhafte Anwendung der gewählten Berechnungsmethode gewährleistet sein. Für die Berechnung des Marktrisikos sind nur Direktanlagen massgebend. Tätigt ein Investmentunternehmen Anlagen in andere Investmentunternehmen, so sind die entsprechenden Zielanlagen dieses Investmentunternehmens für die Berechnung des Marktrisikos nicht relevant. Das Marktrisiko von Investmentunternehmen ist bei jeder Net Asset Value-Berechnung (NAV-Berechnung) zu kalkulieren und schriftlich festzuhalten, so dass es für die Revisionsstelle bzw. für die FMA nachvollziehbar ist. Die VerwG hat die Berechnungsmethode für das jeweilige Investmentunternehmen bzw. dessen Segmente in der Meldung nach Anhang 1 zu deklarieren. Der Wechsel der Berechnungsmethode ist der FMA vorab schriftlich unter Angabe von Gründen zu melden sowie der Revisionsgesellschaft zur Kenntnis zu bringen. a. Simple Commitment Approach für derivative Finanzinstrumente ohne Hebelwirkung Unter dem Simple Commitment Approach wird die Umrechnung der Derivatpositionen in die jeweiligen Basiswerte verstanden. Derivative Finanzinstrumente, deren Einsatz eine risikoreduzierende Wirkung hat, können jeweils mit den Kassapositionen des selben Titels und den derivativen Finanzinstrumenten, deren Einsatz eine risikoerhöhende Wirkung hat, zur Ermittlung des Gesamtrisikos nach Art. 49 Abs. 1 IUV gegeneinander aufgerechnet werden. Beim Simple Commitment Approach sind die Derivatpositionen, welche eine risikoerhöhende Wirkung haben, mit flüssigen Mitteln oder mit den entsprechenden Wertschriften zu hinterlegen, so dass keine Hebelwirkung entsteht. Bei der Berechnung ist die Heranziehung eines Optionsdeltas nicht möglich. Für diese Berechnungsmethode kann im Meldeformular nach Anhang 1 das Derivatund das Gesamtrisiko anstatt als Zahl auch in Worten dargelegt werden. 15112 AFW Lie 06 d D :51 Uhr Seite 152 b. Modified Commitment Approach für derivative Finanzinstrumente mit Hebelwirkung Unter dem Modified Commitment Approach wird die Umrechnung der Derivatpositionen in die jeweiligen Basiswerte verstanden. Derivative Finanzinstrumente, deren Einsatz eine risikoreduzierende Wirkung hat, können jeweils mit den Kassapositionen des selben Titels und den derivativen Finanzinstrumenten, deren Einsatz eine risikoerhöhende Wirkung hat, zur Ermittlung des Gesamtrisikos nach Art. 49 Abs. 1 IUV gegeneinander aufgerechnet werden. Die Umrechnung von Optionen in das jeweilige Wertpapieräquivalent kann unter Heranziehung des entsprechenden Optionsdeltas erfolgen. Bei Forwards, Futures, Swaps sowie Devisentermingeschäften erfolgt die Risikoermittlung ohne Einbezug eines Deltas 1. c. VaR Approach Der VaR Approach wird beim Einsatz von derivativen Finanzinstrumenten nach Anhang 3 angewendet. Der VerwG ist es jedoch freigestellt, diesen Ansatz auch beim Einsatz von derivativen Finanzinstrumenten nach Anhang 2 anzuwenden. Der zuordenbare Risikobetrag für das Marktrisiko eines Investmentunternehmens ist standardmässig auf Basis eines zugehörigen, derivatfreien Vergleichsvermögens zu ermitteln (relativer VaR). Das Marktrisiko des Investmentunternehmens wird dabei dem Marktrisiko des Vergleichsvermögens gegenübergestellt. Das Marktrisiko des Investmentunternehmens darf maximal das Zweifache des Risikobetrags des zugehörigen Vergleichsvermögens betragen. ca. Dazugehöriges Vergleichsvermögen Das dazugehörige Vergleichsvermögen ist ein derivatfreies Vermögen, das dem aktuellen Marktwert des Investmentunternehmens entspricht. Die Zusammenstellung dieses Vergleichsvermögens muss dem Anlageziel und der Anlagepolitik des Investmentunternehmens entsprechen sowie die Bestimmungen seines Prospektes erfüllen. Im Zweifelsfall ist ein Vermögen mit geringerem Risiko zu wählen. Ist für ein Investmentunternehmen ein derivatfreier Vergleichsmassstab (Benchmark) bereits im Prospekt vordefiniert, so darf dieser Vergleichsmassstab, falls er in Bezug auf das Gesamtrisiko des Investmentunternehmens repräsentativ erscheint, als Vergleichsvermögen zur Berechnung des zugehörigen Risikos herangezogen werden. Gegenüber der FMA ist der Sachverhalt vorgängig zu begründen. Die Zusammensetzung des Vergleichsvermögens und allfällige Änderungen dieser Zusammensetzung sind von der VerwG schriftlich und nachvollziehbar zu dokumentieren. Ist die Ermittlung des Marktrisikos eines Investmentunternehmens auf Basis eines zugehörigen Vergleichsvermögens plausibel begründet nicht möglich oder durchführbar, kann die VerwG das Marktrisiko anhand eines relativen Wertes zum Nettovermögen (relativer VaR) ermitteln. Die Obergrenze dieses relativen VaR ist von der FMA zu 1 Das Delta ist das Verhältnis der Veränderung des Werts des derivativen Finanzinstruments zu einer als geringfügig angenommenen Veränderung des Werts des Basiswerts. 15213 AFW Lie 06 d D :51 Uhr Seite 153 genehmigen sowie dessen Höhe und Ermittlung sind im vollständigen und vereinfachten Prospekt anzugeben. cb. Quantitative Vorgaben Bei der Verwendung des VaR Approaches sind für die Berechnung des Marktrisikos folgende Faktoren heranzuziehen: a. Konfidenzintervall von 99%; b. Halteperiode von einem Monat; c. Objektiver Beobachtungszeitraum von höchstens einem Jahr (jüngste Volatilität). d. Andere Berechnungsmethoden Andere Berechnungsmethoden (Interne Risikomessverfahren) können von der FMA zugelassen werden, wenn sichergestellt ist, dass der Schutzumfang dieser FMA-Richtlinie durch die entsprechende Berechnungsmethode gewährleistet ist. 4. Regelmässige Überprüfung des VaR Approach 4.1. Stresstests Die VerwG hat für jedes Investmentunternehmen, welches den VaR Approach anwendet, risikoadäquat geeignete Stresstests durchzuführen. Die Ergebnisse dieser Stresstests müssen bei der Anlageentscheidung im Investmentunternehmen entsprechend berücksichtigt werden. In einem Stresstest sind mögliche aussergewöhnlich grosse Wertverluste des Investmentunternehmens zu ermitteln, die aufgrund von ungewöhnlichen Änderungen der wertbestimmenden Parameter und ihrer Zusammenhänge entstehen können. Umgekehrt sind die Änderungen der wertbestimmenden Parameter und ihrer Zusammenhänge zu ermitteln, die einen aussergewöhnlich grossen oder vermögensbedrohenden Wertverlust des Fondsvermögens zur Folge hätten. Ist für einzelne Risikoarten eine genaue Bemessung der potentiellen Wertverluste des Fondsvermögens oder der Änderungen der wertbestimmenden Parameter und ihrer Zusammenhänge nicht möglich, so darf die VerwG an deren Stelle eine qualifizierte Schätzung setzen. Die qualifizierte Schätzung stellt dabei die bestmöglichste Schätzung unter Einbeziehung aller mit vernünftigem Aufwand erreichbaren Informationen dar. Die Stresstests müssen sich auf alle möglichen Risiken erstrecken, mit welchen vernünftigerweise in absehbarer Zeit gerechnet werden muss. Besonderes Gewicht muss auf denjenigen Risiken liegen, denen der VaR Approach nicht oder nur unvollständig Rechnung trägt. Die VerwG regelt in einer internen Richtlinie über derivative Finanzinstrumente nach Art.48 Abs.5 IUV die Gestaltung und den Ablauf der Stresstests (Vgl. oben Ziffer 1.1.). Die Gestaltung ist fortlaufend an das Fondsvermögen des Investmentunternehmens und die für das Investmentunternehmen relevanten Marktgegebenheiten nachvollziehbar anzupassen. Die durchgeführten Stresstests sind für jedes Investmentunternehmen mit den Ergebnissen schriftlich und objektiv nachvollziehbar zu dokumentieren. 15314 AFW Lie 06 d D :51 Uhr Seite 154 Die Stresstests sind mindestens einmal im Quartal durchzuführen. Darüber hinaus sind Stresstests dann durchzuführen, wenn eine wesentliche Änderung der Ergebnisse der Stresstests durch eine Änderung des Werts oder der Zusammensetzung des Fondsvermögens oder durch eine Änderung in den Marktgegebenheiten nicht ausgeschlossen werden kann. Bei jeder Änderung der Gestaltung der Stresstests sind mindestens einmal der bisherige und der geänderte Stresstest parallel durchzuführen Backtesting Die Prognosegüte eines Risikomodells ist mindestens einmal im Quartal mittels eines täglichen Vergleichs des anhand des Risikomodells auf der Basis einer Haltedauer von einem Arbeitstag ermittelten potentiellen Risikobetrags für das Marktrisiko mit der täglichen Wertveränderung zu ermitteln. Für jedes Investmentunternehmen ist das Ergebnis des Backtestings schriftlich und nachvollziehbar festzuhalten. 5. Kreditrisiko 5.1. Emittentenrisiko Die derivativen Finanzinstrumente eines Investmentunternehmens sind bei der Berechnung der Einhaltung der Emittentengrenzen nach Art. 39 IUV einzubeziehen. Zur Berechnung des Emittentenrisikos werden die entsprechenden derivativen Finanzinstrumente mittels Commitment Approach in wertpapieräquivalente Positionen umgerechnet. Derivative Finanzinstrumente, deren Einsatz eine risikoreduzierende Wirkung hat, können jeweils mit den Kassapositionen des selben Titels und den derivativen Finanzinstrumenten, deren Einsatz eine risikoerhöhende Wirkung hat, für die Ermittlung der Emittentengrenzen nach Art. 39 IUV gegeneinander aufgerechnet werden. Anlagen in indexbasierte Derivate sind bei der Emittentengrenze nach Art. 39 IUV nur dann nicht zu berücksichtigen, wenn es sich beim Basiswert um einen Index handelt, welcher Art. 46 Abs. 3 IUV entspricht, und der Prospekt solche Anlagen zulässt Ausfallrisiken (Gegenparteienrisiko) Nach Art. 43 Abs.1 IUV werden als Ausfallrisiken offene Positionen bei Gegenparteien bezeichnet, deren Erfüllung durch Liquiditätsschwierigkeiten oder einen Konkurs der entsprechenden Gegenpartei gefährdet ist. Das Ausfallrisiko bezieht sich dabei grundsätzlich auf den positiven Wiederbeschaffungswert der offenen Position. Derivatgeschäfte, welche an einer Börse getätigt werden, deren Clearingstelle die Voraussetzungen nach Art. 43 Abs. 2 IUV erfüllt, gelten als ausfallsrisikofrei und bleiben bei der Berechnung des Anrechnungsbetrages für das Gegenparteienrisiko unberücksichtigt. Alle anderen derivativen Finanzinstrumente gelten als nicht ausfallsrisikofrei. Der Anrechnungsbetrag für das Gegenparteienrisiko ergibt sich dabei aus der Summe der aktuellen, positiven Wiederbeschaffungswerte der Derivatpositionen, die bezüglich eines Vertragspartners bestehen, zuzüglich eines Sicherheitszuschlages. Existiert für die Derivatposition kein liquider Markt, so kann als Marktwert jener rechnerische Be- 15415 AFW Lie 06 d D :51 Uhr Seite 155 trag herangezogen werden, der sich aus der Zugrundelegung von Marktbedingungen ergibt. Der Sicherheitszuschlag beträgt in Prozent des positiven Wiederbeschaffungswerts der jeweiligen Derivatposition: Restlaufzeit Zinsbezogene Währungsbezogene Aktienkursbezogene Geschäfte Geschäfte Geschäfte bis 1 Jahr über 1 Jahr bis 5 Jahre über 5 Jahre 0.00% 0.50% 1. 50% 1. 00% 5.00% 7.50% 16.00% 18.00% 10.00% Im Fall zweiseitiger Aufrechnungsvereinbarungen und Schuldumwandlungsverträge dürfen die positiven Wiederbeschaffungswerte zuzüglich der Sicherheitszuschläge und die negativen Wiederbeschaffungswerte der Derivatpositionen des Investmentunternehmens bezüglich eines Vertragspartners saldiert werden (Netting), sofern die Voraussetzungen für eine Aufrechnung nach Art. 6 Bst. e der Verordnung zum Gesetz über die Banken und Finanzgesellschaften (Bankenverordnung) erfüllt sind. Bei der Berechnung des Anrechnungsbetrags für das Gegenparteienrisiko darf der Wert einer von dem Vertragspartner gestellten Sicherheit abgezogen werden, wenn die Sicherheit: a. täglich auf der Grundlage des aktuellen Marktkurses neu bewertet wird und ihr Wert den Risikobetrag übersteigt; b. nur zu vernachlässigenden Risiken ausgesetzt ist (Beispiel: erstklassige Staatsanleihen oder Barmittel) und liquide ist; c. von einem Dritten verwahrt wird, der in keinerlei Verbindung zum Betreiber steht oder rechtlich vor den Auswirkungen eines Konkurses einer mit dieser verbundenen Partei geschützt ist; d. vom Investmentunternehmen jederzeit verwertet werden kann. Der Anrechnungsbetrag für das Gegenparteienrisiko ist bei der Berechnung der Emittentengrenze nach Art. 39 IUV zu berücksichtigen. 6. Deckung von Geschäften mit börsennotierten und ausserbörslichen derivativen Finanzinstrumenten Wird bei einem derivativen Finanzinstrument automatisch oder auf Wunsch der VerwG ein Barausgleich vorgenommen, so ist es zulässig, dass das Investmentunternehmen das betreffende Basisinstrument nicht zur Deckung hält. In diesem Fall sind Barmittel und liquide Werte zur Deckung zu halten. Es werden jene Instrumente als «liquide» betrachtet, die in weniger als sieben Arbeitstagen zu einem Preis, der möglichst genau dem aktuellen Marktwert des abzudeckenden Finanzinstruments entspricht, zu Barmitteln gemacht werden können. Das Investmentunternehmen hat den Verpflichtungen aus derivativen Finanzgeschäften in vollem Umfang jederzeit nachzukommen. 15516 AFW Lie 06 d D :51 Uhr Seite 156 Ist bei einem derivativen Finanzinstrument ein Barausgleich nicht möglich, so muss das Investmentunternehmen das betreffende Basisinstrument zur Deckung in seinem Portfolio halten. 7. Delegation des Risikomessverfahrens Nach Art. 25 IUG kann die FMA einer VerwG die Delegation einer oder mehrerer ihrer Aufgaben zum Zweck einer effizienten Geschäftsführung an Dritte bewilligen. Die vorgesehene Person muss dabei die notwendigen Voraussetzungen erfüllen. Dabei muss nach Art. 34 Abs.1 IUV die Aufsicht der FMA sichergestellt sein sowie die Interessen der Anleger dürfen nicht gefährdet erscheinen. Die beauftragte Person muss über die entsprechenden Qualifikationen verfügen und in der Lage sein, die betreffenden Aufgaben einwandfrei durchzuführen. Ebenso dürfen keine Interessenskonflikte durch die Delegation entstehen. Eine VerwG kann das Risikomessverfahren im Sinne dieser FMA-Richtlinie an eine geeignete Person delegieren, welche die Anforderungen nach Art. 25 IUG und Art. 34 IUVerfüllt. Eine Delegation ist vorgängig durch die FMA zu genehmigen. 8. Ausnahmebestimmung Die FMA kann einer VerwG in besonderen Fällen andere Auflagen erteilen und/oder sie von der Einhaltung dieser Richtlinie ganz oder teilweise befreien. 9. Inkrafttreten Diese FMA-Richtlinie wurde am 31. März 2006 von der FMA verabschiedet und tritt am 1. Mai 2006 in Kraft. Es besteht eine Übergangsfrist bis zum 1. Oktober 2006, während derer die VerwG die nötigen Umsetzungsarbeiten durchzuführen hat. Die erste schriftliche Meldung an die FMA erfolgt per 31. Dezember 2006 und ist bis spätestens 31. Januar 2007 der FMA einzureichen. 15617 AFW Lie 06 d D :51 Uhr Seite 157 Anhang 1: Das folgende Meldeformular wird unter (Investmentunternehmen/Publikationen/Formulare zum Download) zur Verfügung gestellt. Meldebestätigung für Investmentunternehmen für Wertpapiere betreffend das Risikomanagementverfahren nach Art. 49 IUV Meldung per: Angaben über das Investmentunternehmen Name des Investmentunternehmens: Name des Segments (falls segmentiert): ISIN-Nummer: Name der Verwaltungsgesellschaft: Risikokennzahlen Verwendete Berechnungmethode: Simple Commitment Y Modified Commitment Y Value-at-Risk Y Derivatrisiko in % des Nettoinventarwertes:* Gesamtrisiko in % des Nettoinventarwertes:* * Bei Simple Commitment eingehalten/nicht eingehalten Vorfälle während des Quartals Anzahl Übertretungen beim Derivatsrisiko: beim Gesamtrisiko: Bemerkungen Leermeldung: (falls keine Derivate vorhanden) Y Ja Y Nein Ort und Datum Unterschrift der Geschäftsleitung 15718 AFW Lie 06 d D :51 Uhr Seite 158 Anhang 2: Für die Berechnung des Marktrisikos eines Investmentunternehmens, welches folgende derivative Finanzinstrumente in seinem Fondsvermögen hält, kann der Simple bzw. Modified Commitment Approach angewendet werden. Basiswert Zinsen Wertpapiere Index Währungen Commodities Put Option Put Option Put Option Put Option Put Option Call Option Call Option Call Option Call Option Call Option Swaption Credit Spread Options Swaption Cap Option Floor Option Collar Option Call auf Future Call auf Indexfuture Call auf Future Put auf Future Put auf Indexfuture Put auf Future Future Future Future Future Future Swap Notes (Future auf Swap) Forward Forward Forward Forward Forward Forward Rate Agreement (FRA) Interest Rate Swap Equity Swap Indexswap Cross Currency Swap Contract for Difference (CFD) Amortised Swap Credit Default Swap Equity Index Swap Step-up-Swap Total Return Swap Deferred/Forward Swap Extendable Swap Puttable Swap Constant Maturity Swap Diff Swap Basket Options Basket Options Basket Options Basket Options 15819 AFW Lie 06 d D :51 Uhr Seite 159 Anhang 3: Für die Berechnung des Marktrisikos eines Investmentunternehmens, welches komplexe derivative Finanzinstrumente in seinem Fondsvermögen hält, muss der VaR Approach angewendet werden. Beispiele für komplexe Optionen sind insbesondere folgende derivative Finanzinstrumente oder Kombinationen mit solchen Instrumenten: Komplexe Optionen Barrier Option Asian Option Lookback Option Payout Option Compound Option Spread Option Outperformance Option Quantos Rainbow Option Forward Start Option Chooser Option Contingent Option Cliquet Option (Ratchet Option) Ladder Option Sonstige derivative Finanzinstrumente 15920 AFW Lie 06 d D :51 Uhr Seite 160 Mehr anzeigen
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