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Timestamp: 2016-10-22 16:18:41
Document Index: 234463912

Matched Legal Cases: ['Art. 95', 'Art. 106', 'Art. 42', 'BGE', 'Art. 112', 'BGE', 'BGE', 'Art. 43', 'Art. 61', 'BGE', 'Art. 19', 'BGE', 'BGE', 'Art. 66', 'Art. 64']

8C_197/2010 (13.09.2010)
8C_197/2010
Unfallversicherung (Invalidenrente, Integrit�tsent-sch�digung),
Die 1964 geborene S.________ arbeitete bei den Firmen A.________ sowie B.________ und war damit bei der Schweizerischen Unfallversicherungsanstalt (SUVA) obligatorisch unfallversichert. Am 22. Oktober 2002 verunfallte sie mit dem Velo. Das Spital C.________ diagnostizierte gleichentags eine AC-Luxation Tossy II links. Die SUVA erbrachte die gesetzlichen Leistungen (Heilbehandlung und Taggeld). Am 19. Dezember 2003 wurde die Versicherte in der Klinik D.________ wegen AC-Instabilit�t an der linken Schulter operiert (AC-Stabilisierung nach Weaver-Dunn). Nach medizinischen Abkl�rungen stellte die SUVA die Leistungen per 31. Januar 2008 ein (Verf�gung vom 26. November 2007). Die dagegen erhobene Einsprache wies sie mit Entscheid vom 11. Juli 2008 ab, da keine wesentlichen somatischen Unfallfolgen mehr vorl�gen; zwischen dem Unfall und den psychischen Beschwerden der Versicherten sei der ad�quate Kausalzusammenhang zu verneinen.
Die hiegegen eingereichte Beschwerde wies das Sozialversicherungsgericht des Kantons Z�rich mit Entscheid vom 22. De-zember 2009 ab.
Mit Beschwerde beantragt die Versicherte, in Aufhebung des kantonalen Entscheides sei ihr ab Februar 2008 bei einer Erwerbsunf�higkeit von 42 % eine UVG-Rente und bei einer Integrit�tseinbusse von 15 % eine Integrit�tsentsch�digung zuzusprechen; es sei ihr die unentgeltliche Verbeist�ndung zu gew�hren.
Die Beschwerde kann wegen Rechtsverletzung nach Art. 95 f. BGG erhoben werden. Das Bundesgericht wendet das Recht von Amtes wegen an (Art. 106 Abs. 1 BGG). Immerhin pr�ft es im Rahmen der allgemeinen Begr�ndungspflicht der Beschwerde (Art. 42 Abs. 1 und 2 BGG) grunds�tzlich nur die geltend gemachten R�gen, sofern die rechtlichen M�ngel nicht geradezu offensichtlich sind (nicht publ. E. 1.1 des Urteils BGE 136 V 57, in SVR 2010 BVG Nr. 12 S. 44 [9C_751/2009]).
Gem�ss Art. 112 Abs. 1 lit. b BGG m�ssen die Entscheide, welche der Beschwerde ans Bundesgericht unterliegen, die massgebenden Gr�nde tats�chlicher und rechtlicher Art, insbesondere die Angabe der angewendeten Gesetzesbestimmungen enthalten. Auch wenn es sich beim vorinstanzlichen Entscheid um einen l�ngeren, schwer lesbaren "Dass-Entscheid" handelt, so erf�llt er doch knapp die gesetzlichen Vorgaben (vgl. auch Urteil 8C_790/2009 vom 27. Juli 2010 E. 1.3 mit Hinweis).
Die ad�quate Kausalit�t als rechtliche Eingrenzung der sich aus dem nat�rlichen Kausalzusammenhang ergebenden Haftung des Unfallversicherers spielt bei organisch objektiv ausgewiesenen Unfallfolgen praktisch keine Rolle, da sich hier die ad�quate und nat�rliche Kausalit�t weitgehend decken (BGE 134 V 109 E. 2 S. 112). Organisch objektiv ausgewiesen sind Unfallfolgen erst dann, wenn die erhobenen Befunde mit apparativen/bildgebenden Abkl�rungen best�tigt werden und die angewendeten Untersuchungsmethoden wissenschaftlich auf breiter Basis anerkannt sind (BGE 134 V 231 f. E. 5.1; SVR 2009 UV Nr. 30 S. 105 E. 2.1 [8C_413/2008]). Das Dahinfallen jeder kausalen Bedeutung unfallbedingter Ursachen eines Gesundheitsschadens muss mit dem im Sozialversicherungsrecht allgemein �blichen Beweisgrad der �berwiegenden Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sein. Die blosse M�glichkeit nunmehr g�nzlich fehlender urs�chlicher Auswirkungen des Unfalls gen�gt nicht. Da es sich hierbei um eine anspruchsaufhebende Tatfrage handelt, liegt die Beweislast - anders als bei der Frage, ob eine leistungsbegr�ndende nat�rliche Kausalit�t gegeben ist - nicht bei der versicherten Person, sondern beim Unfallversicherer; dies betrifft den Fall, dass ungekl�rt bleibt, ob dem Unfall (noch) eine kausale Bedeutung f�r den andauernden Gesundheitsschaden zukommt. Bevor sich aber die Frage der Beweislast stellt, ist der Sachverhalt im Rahmen des Untersuchungsgrundsatzes richtig und vollst�ndig zu kl�ren (Art. 43 Abs. 1, Art. 61 lit. c ATSG; SVR 2009 UV Nr. 3 S. 9 E. 2.2 [8C_354/2007]).
4.1 Vom 24. September bis 2. Oktober 2007 weilte die Versicherte im Spital E.________, Rheumaklinik und Institut f�r Physikalische Medizin, wo sie auch psychiatrisch untersucht wurde. Die Dres. med. F.________, Oberarzt, und G.________, Assistenzarzt, diagnostizierten im Austrittsbericht vom 7. Oktober 2007 Folgendes: 1. Chronisches myofaszial betontes Schulter-Armsyndrom links; 2. Schwere depressive Episode, DD posttraumatische Belastungsst�rung; 3. Akute Hepatitis A (lgG/lgM pos.); 4. Leichte Hypalbumin�mie; 5. Grenzwertiger Vitamin D-Mangel sowie leichte Hypokalz�mie; 6. Unterleibsschmerzen bei Uterusmyom. Die Versicherte habe den linken Arm meist an den K�rper gepresst und dessen Einsatz nach M�glichkeit vermieden. Am ehesten sei noch isoliert die linke Hand eingesetzt worden, die sich ohne Weiteres habe ber�hren lassen (im Gegensatz zur sofort aufgebauten Abwehrspannung beim Versuch, den Oberarm oder die Schulterpartie zu ber�hren). Da sie nur geringf�gige organische Befunde h�tten feststellen k�nnen, die allenfalls noch einen somatischen Kern von (geringf�gigen) Restbeschwerden erkl�ren k�nnten, lasse sich dieses Verhalten nur auf dem Hintergrund der Depression erkl�ren. Aufgrund der geringgradigen Schonungszeichen sei davon auszugehen, dass die Versicherte den Arm im Rahmen des ihr aus psychischen Gr�nden M�glichen durchaus noch einsetze, weshalb bei g�nstiger Entwicklung der psychischen Problematik eine g�nstige Prognose bez�glich der Funktion des linken Arms gestellt werden k�nne. Aktuell bestehe 100%ige Arbeitsunf�higkeit. Auch nach Abheilen der akuten Hepatitisinfektion bleibe die Versicherte aus psychischen Gr�nden f�r alle beruflichen T�tigkeiten vorl�ufig zu 100 % arbeitsunf�hig. Bei positivem Ansprechen auf die vorgeschlagenen Therapien sei eine Steigerung der physischen und psychischen Belastbarkeit zu erwarten. Empfohlen werde eine Reevaluation der Arbeitsf�higkeit aus psychischer und somatischer Sicht in fr�hestens sechs Monaten. Eine Evaluation der funktionellen Leistungsf�higkeit sollte (falls n�tig) erst nach deutlicher Besserung der psychischen Situation erfolgen.
4.2 Der SUVA-Kreisarzt Dr. med. H.________, Facharzt FMH f�r Orthop�dische Chirurgie, gab in der Akten-Beurteilung vom 23. Oktober 2007 an, rein organisch sei der medizinische Zustand etwa ein Jahr nach der Operation vom 19. Dezember 2003 erreicht gewesen; danach d�rfe h�chstens noch eine minimale Behinderung angenommen werden, die l�ngstens ohne Bedeutung f�r die Arbeitsaufnahme gewesen w�re. Er schlage vor, die Ad�quanz der psychischen Entwicklung zu beurteilen und den Fall abzuschliessen.
5.1 Die Vorinstanz erwog im Wesentlichen, es seien h�chstens noch minimale somatische Behinderungen aus dem Unfall vom 22. Oktober 2002 anzunehmen, weshalb es einleuchte, wenn Dr. med. H.________ am 23. Oktober 2007 festgehalten habe, der heutige Zustand der Versicherten sei durch das urspr�nglich erlittene Trauma nicht erkl�rbar und die psychischen Ver�nderungen seien weit im Vordergrund. Es best�nden keine wesentlichen organischen Unfallfolgen mehr bzw. sie seien im Vergleich zur Gesamtsituation zu vernachl�ssigen. Eine weitere Behandlung der Unfallfolgen sei aussichtslos. Die Versicherte bestreite nicht, dass die ad�quate Kausalit�t zwischen dem Unfall und den psychischen Beschwerden (vgl. BGE 115 V 133) fehle. Demnach habe die SUVA die Leistungen zu Recht eingestellt.
5.2 Die Leistungseinstellung durch die SUVA auf den 31. Januar 2008 mit gleichzeitiger Pr�fung des Anspruchs auf Invalidenrente und Integrit�tsentsch�digung (Art. 19 Abs. 1 UVG; BGE 134 V 109 E. 4 S. 113 ff.) ist seitens der Versicherten zu Recht unbeanstandet geblieben. Weiter bestreitet sie nicht, dass die SUVA f�r ihre psychischen Beschwerden nicht leistungspflichtig ist. Diesbez�glich hat es mithin sein Bewenden.
Streitig und zu pr�fen ist, ob bez�glich des Schulter-Armsyndroms links der Versicherten ab 1. Februar 2008 ein unfallbedingter, organisch objektiv nachweisbarer Gesundheitsschaden besteht, f�r den die SUVA leistungspflichtig ist.
Aus dem Austrittsbericht des Spitals E.________ vom 7. Oktober 2007 und der dort gestellten Diagnose geht zwar hervor, dass organische Restfolgen im linken Schulter-Armbereich der Beschwerdef�hrerin bestehen. Hieraus ergibt sich jedoch ebenso deutlich, dass es sich �berwiegend wahrscheinlich um geringgradige organische Befunde handelt und dieser Gesundheitsschaden keinen Einfluss mehr auf ihre Arbeitsf�higkeit hat. Denn von einer Einschr�nkung der Arbeitsf�higkeit wegen dem Schulter-Armsyndrom ist in diesem Bericht mit keinem Wort die Rede; diese Einschr�nkung beruht vielmehr allein auf den schweren psychischen Beschwerden und der Hepatitis der Versicherten, welche nicht auf den Unfall vom 22. Oktober 2002 zur�ckzuf�hren sind. Die Empfehlung in diesem Bericht, eine Reevaluation der Arbeitsf�higkeit aus psychiatrischer und somatischer Sicht in fr�hestens sechs Monaten vorzunehmen, bezieht sich also nur auf diese Beschwerden. In diesem Lichte ist auch eine relevante unfallbedingte Integrit�tseinbusse zu verneinen.
Der Austrittsbericht des Spitals E.________ vom 7. Oktober 2007 - der durch die Stellungnahme des Dr. med. H.________ vom 23. Oktober 2007 bekr�ftigt wird - erf�llt die praxisgem�ssen Anforderungen an den Beweiswert von Arztberichten (BGE 134 V 231 f. E. 5.1), weshalb darauf abgestellt werden kann. Demnach ist der angefochtene Entscheid nicht zu beanstanden. S�mtliche Einwendungen der Beschwerdef�hrerin verm�gen an diesem Ergebnis nichts zu �ndern.
7.1 Die unterliegende Versicherte tr�gt die Gerichtskosten (Art. 66 Abs. 1 BGG).
7.2 Gem�ss Art. 64 Abs. 1 BGG wird einer Partei die unentgeltliche Rechtspflege gew�hrt, wenn sie bed�rftig ist und ihr Rechtsbegehren nicht aussichtslos erscheint. Eine Person ist bed�rftig, wenn sie nicht in der Lage ist, f�r die Prozesskosten aufzukommen, ohne dass sie Mittel beanspruchen m�sste, die zur Deckung des Grundbedarfs f�r sie und ihre Familie notwendig sind. Diese Voraussetzungen sind erf�llt.
Rechtsanw�ltin Christine Fleisch, wird als unentgeltliche Anw�ltin der Beschwerdef�hrerin bestellt, und es wird ihr f�r das bundesgerichtliche Verfahren aus der Gerichtskasse eine Entsch�digung von Fr. 2'000.- ausgerichtet.
Luzern, 13. September 2010