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Timestamp: 2017-08-24 06:34:39
Document Index: 166644250

Matched Legal Cases: ['§ 77', '§ 223', '§ 230', '§ 395', '§ 226', '§ 224', '§ 223', '§ 230', '§ 158', '§ 253', '§ 395']

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körperverletzung und schadensersatz
| 05.12.2011 14:56 |
am sammstag mittag wurde ich von meinem nachbarn tätlich angefriffen dabei habe ich mir einen prellung am hinterkopf mit einer gehirnerschütterung und an der wirbelsäule eine prelllung zugezogen.
ich wurde mit dem krankenwagen ins KH gebracht und dort weiter untersucht. der vorfall wurde polizeilich aufgenommen
wurde dann anschiesend wieder aus dem KH entlassen.
zeugen für diesen übergriff sind vorhanden.
heute war ich beim hausarzt der mir die verletzungen nochmal schriftlich bestädigt hat.
Ich entnehme Ihrer Schilderung, dass es Ihnen darum geht Ihren Nachbarn in Anspruch zu nehmen, weil Sie dieser tätlich angegriffen hat.
Hierzu haben Sie 2 Wege, den zivilrechtlichen und den strafrechtlichen.
Sie sollten in Ihrem Fall auch beide Wege beschreiten.
1) Strafrechtliche Seite
Hier sollten Sie zunächst - falls noch nicht geschehen - Strafanzeige gegen Ihren Nachbarn erstatten.
Dies können Sie auch ohne Anwalt innerhalb von 3 Monaten besorgen, § 77 b I StGB. Die nach Ihrer Schilderung in Betracht kommende Körperverletzung gem. § 223 StGB erfordert einen solchen Strafantrag wegen § 230 StGB grundsätzlich.
Obwohl das Strafverfahren nicht primär Ihrem Anspruch auf Ersatz Genüge tun will, bestehen im Rahmen dieses Verfahrens diverse Möglichkeiten wie Sie einen finanziellen Ausgleich für die Körperverletzung erreichen können.
Hierzu dient insbesondere auch die Beteiligung am Verfahren durch das Institut der Nebenklage nach § 395 I Nr. 3 StGB, wenn von Seiten der Staatsanwaltschaft Anklage erhoben werden sollte.
Sie sollten sich bereits jetzt schon das Geschehen von Samstag Mittag als Gedächtnisstütze aufschreiben. Naturgemäß verblasst die Erinnerung mit zunehmender Zeit und so können den Geschehensablauf auch noch im Rahmen Ihrer Zeugenaussage widerspruchsfrei darlegen.
1) Zivilrechtliche Ansprüche
Ihnen stehen nach Ihrer Schilderung sowohl ein Schadensersatz- als auch ein Schmerzensgeldanspruch zu.
Diese Ansprüche müssten Sie vor dem Zivilgericht einklagen. Dazu sollten Sie sich in jedem Fall eines Anwalts bedienen.
Sie müssen Ihre Ansprüche im Zivilprozess beweisen können.
Sie sollten daher bereits jetzt die Adressdaten der infrage kommenden Zeugen notieren. Zudem werden auch die Krankenhausberichte und die Bestätigung des Hausarztes für die Höhe des Schmerzengeldes heranzuziehen sein.
Mit diesen Unterlagen kann Ihr Anwalt dann eine Klageschrift fertigen.
Zur Höhe der Ihnen zustehenden Ansprüche kann ich naturgemäß ohne Kenntnis der gesamten Umstände nichts sagen.
Sollten Sie weitere konkrete Nachfragen haben, so stellen Sie diese im Rahmen der kostenlosen Nachfragefunktion.
Nachfrage vom Fragesteller	06.12.2011 | 11:48
Sehr geehrter Herr RA Fork
vielen dank für ihren rat und hilfe die sie mir im geschilderten fall vorgeschlagen haben.
leider habe ich bis heute noch nichts von der polizei gehört, obwohl sie meine personendaten zu einer vernehmung aufgenommen haben
und sich innerhalb 2 tagen zu einer vernehmung bei mir melden wollten.
inzwischen habe ich, wie von ihnen vorgeschlagen, dankend den vorfall protokolliert und im einzelnen aufgeführt.
Desweiteren werde ich ihre beschriebenen Wege beschreiten und den täter sowohl strafrechtlich als auch Zivilrechtlich beklagen.
unteranderem wegen schwerer körperverletzung mit folge einer gehirnerschütterung sowie rücken und schulterprellungen, als auch schadensersatzansprüche geltend machen
da ich privat versichert bin, und mir dadurch erhebliche kosten seitens DRK ,sowie Kh , und Hausarzt kosten und ausfall einer Prämienrückerstattung auf mich zu kommen werden.
ich wäre ihnen dankbar wenn sie noch den einen oder anderen hinweiß,hinsichtlich einer anklageschrift geben könnten.
da ich in stuttgart wohne, werde ich bedauerlicher weiße ihre untersützung nicht in anspruch nehmen können, da es wohl eher nicht der verhältnissmäßigkeit
des rechtsstreites genüge tut.
Antwort auf die Nachfrage vom Anwalt 06.12.2011 | 13:01
Eine schwere Körperverletzung gem. § 226 StGB liegt nach Ihrer Schilderung eher fern, da Sie glücklicherweise nicht die in der Norm genannten schweren Folgen durch den Angriff Ihres Nachbarn erlitten haben.
Auch die Annahme einer gefährlichen Körperverletzung nach § 224 StGB ist wohl nicht gegeben.
In beiden Fällen hätten Sie nicht zwingend einen Strafantrag stellen müssen, da man hier von Amts wegen ermittelt hätte.
Da aber wohl nur § 223 StGB einschlägig ist, ist ein Strafantrag von Ihnen wegen § 230 StGB erforderlich.
Ansonsten besteht die Gefahr, dass die Strafverfolgungsbehörde das besondere öffentliche Interesse an der Strafverfolgung verneint.
Sollten Sie also in dieser Woche nichts mehr von der Polizei hören, so sollten Sie direkt selbst aktiv werden.
Gemäß § 158 Abs. II StPO muss der Antrag bei einem Gericht oder der Staatsanwaltschaft schriftlich oder zu Protokoll, bei einer anderen Behörde (z.B. Polizei) schriftlich angebracht werden.
"ich wäre ihnen dankbar wenn sie noch den einen oder anderen hinweiß,hinsichtlich einer anklageschrift geben könnten."
Der Inhalt einer Klageschrift ergibt sich aus § 253 ZPO. Folgende 4 Hinweise halte ich in Ihrem Fall für erwähnenswert:
1.) Die Schadenspositionen (z.B. Arztbesuche, Fahrtkosten, Verdienstausfall) die bei Ihnen Ihnen infolge der Tat anfallen müssen einzeln, konkret und detailliert aufgeführt werden. Es dürfen die einzelnen Schadensposten keinesfalls addiert und als Gesamtsumme geltend gemacht werden.
Die einzelnen Positionen müssen unter Beweisantritt dargelegt werden (Rechnungen, Quittungen, Verdienstbescheinigungen etc.).
2.) Im Gegensatz zu Punkt 1 reicht hinsichtlich der Höhe des Schmerzensgeldanspruchs ein sog. unbezifferter Antrag. Erforderlich ist dann nur die Angabe der tatsächlichen Gründe, die Basis für die Klageforderung sind.
Eine ungefähre Höhe des zu erwartenden Schmerzensgelds erhält man anhand der konkreten Verletzungen aus dem Buch von "Hacks, Ring, Böhm: SchmerzensgeldBeträge".
Den hier erhaltenden Betrag kann man dann als Untergrenze in den Antrag ziehen.
3.)Möglicherweise entstehen Ihnen durch die Tat auch in der Zukunft noch Schäden. Hier kann ein Feststellungsantrag sinnvoll sein.
Ob auch zusätzlich ein Feststellungsantrag gestellt werden sollte richtet sich danach
ob die Möglichkeit eines Schadenseintritts besteht. Ein Feststellungsinteresse ist nur zu verneinen, wenn aus der Sicht des Geschädigten bei verständiger Würdigung kein Grund besteht, mit dem Eintritt eines Schadens wenigstens zu rechnen.
4.) Damit eine Privatinsolvenz Ihres Nachbarn diesen nicht vor Ihren Ansprüchen retten kann empfiehlt es sich, einen Feststellungsantrag zu stellen mit dem festgestellt wird, dass Ihre Ansprüche aus einer vorsätzlich begangenen unerlaubten Handlung herrühren.
Ergänzung vom Anwalt 05.12.2011 | 16:36
Die Nebenklage findet sich in § 395 I Nr. 3 StPO
Bewertung des Fragestellers 08.12.2011 | 07:34
"Vielen dank, sehr kompetent und eine umfangreiche ausführliche inormation.
Sehr präzise antworten seitens Herrn RA Fork.kann ihn nur weiterempfehlen. "
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