Source: https://www.recht.de/phpbb/viewtopic.php?p=1666787
Timestamp: 2019-12-10 11:33:19
Document Index: 249555232

Matched Legal Cases: ['§ 651', '§ 651', '§ 651', '§ 638', '§ 638', '§ 651', '§ 651', '§ 651']

Inklusivleistungen in Wirklichkeit gebührenpflichtig? - recht.de
Inklusivleistungen in Wirklichkeit gebührenpflichtig?
stelufl
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Beitrag von stelufl » 17.06.15, 10:33
Reiseveranstalter A beschreibt im Reisekatalog folgendes Hotelangebot:
5 Pools: Pool Süßwasser, Poollandschaft Süßwasser
Internet: WLAN/WiFi im öffentlichen Bereich, gegen Gebühr, Internetterminal gegen Gebühr
mehrere Bars: Poolbar (Outdoor), Snackbar
Familie B geht davon aus, dass also der dem Hotel zugehörige Aquapark mit 4 Wasserrutschen, der ausschließlich von Hotelgästen nutzbar ist, kostenfrei nutzbar ist.
Vor Ort stellt sich heraus, dass der angesprochene Aquapark 10 € pro Person und Tag extra kostet. Familie B hat sich jedoch darauf gefreut gehabt und kann den Aquapark daher nicht bzw. nur eingeschränkt nutzen. Der Aquapark war ein entscheidender Buchungsfaktor.
Ergibt sich für Familie B ein rechtlicher Anspruch auf Reisepreisminderung gegen Reiseveranstalter A, weil der Aquapark nicht als "gegen Gebühr", wie viele andere Leistungen auch, gekennzeichnet wurde?
Re: Inklusivleistungen in Wirklichkeit gebührenpflichtig?
Beitrag von Ronny1958 » 17.06.15, 10:45
Das wäre eine Frage des Reiserechts (möglw. auch des Verbraucherrechts) und nicht des Hotel- und Gaststättenrechts.
Beitrag von SusanneBerlin » 17.06.15, 10:49
Man kann sich natürlich darüber streiten, ob das Angebot missverständlich beschrieben wurde und der Reisende davon ausgehen durfte, dass die Benutzung des Aqaparks kostenlos ist. Andererseits ist man man den erwähnten Bars ja auch nicht davon ausgegangen, dass die Getränke und Snacks kostenlos sind, obwohl es nicht extra dabeistand, oder?
Meiner Meinung nach sind die Chancen eher gering, dass man eine nachträgliche Minderung erreicht, denn der Aqapark war vorhanden und nutzbar, nur eben gegen entsprechendes Entgelt.
Um einen Anspruch zu haben, hätte die kostenlose Benutzung Wasserpark schon in der Leistungsbeschreibung enthalten sein müssen, und nicht lediglich in der Beschreibung der Hotelanlage.
maler21
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Beitrag von maler21 » 17.06.15, 11:37
SusanneBerlin hat geschrieben: Man kann sich natürlich darüber streiten, ob das Angebot missverständlich beschrieben wurde und der Reisende davon ausgehen durfte, dass die Benutzung des Aqaparks kostenlos ist. Andererseits ist man man den erwähnten Bars ja auch nicht davon ausgegangen, dass die Getränke und Snacks kostenlos sind, obwohl es nicht extra dabeistand, oder?
Wenn man sich die komplette Reisebeschreibung mal durchliest, dann gibt es nichts was darauf hindeuten könnte, dass die Benutzung des hoteleigenen Aquaparks nicht inklusive wäre.
Dein Beispiel mit den Bars ist zwar gut, aber zum einen handelt es sich bei dem Hotel um ein All-Inklusiv-Hotel, so dass die meisten Getränke tatsächlich kostenfrei sind und außerdem ist unter "Essen und Trinken" genau beschrieben was inklusiv ist und was nicht.
Würde man deiner Argumentation folgen, dann müßte man ja dovon ausgehen, dass auch die 4 Pools, der Lift und die Terrasse extra bezahlt werden müssen.
Das wäre aber meiner Meinung nach unlogisch. Da die gebührenpflichtigen Angebote (Wellnes, Internet, Badetücher,, ...) in der Reisebeschreibung extra genannt werden muss man schon davon ausgehen dass die anderen Dinge inklusive sind.
@stelufl: Wurde denn bereits vor Ort beim Reiseveranstalter/-leiter reklamiert?
Beitrag von SusanneBerlin » 17.06.15, 11:51
maler21 hat geschrieben: aber zum einen handelt es sich bei dem Hotel um ein All-Inklusiv-Hotel, so dass die meisten Getränke tatsächlich kostenfrei sind und außerdem ist unter "Essen und Trinken" genau beschrieben was inklusiv ist und was nicht.
Wenn Sie das durch den Austausch von PNs oder durch persönliche Bekanntschaft mit dem TE erfahren haben, wäre es ganz nett wenn Sie das dazuschrieben, denn der Sachverhalt gibt das nicht her.
Beitrag von Froggel » 17.06.15, 12:22
SusanneBerlin hat geschrieben: Und woher wissen Sie das?
Wahrscheinlich Google. Wenn man den oben genannten Text eingibt, kommt nur ein Hotel in Griechenland infrage - und das ist in jedem Angebot All inklusive. Ich denke auch, dass man dann davon ausgehen könnte, dass der Aquapark ebenfalls inkl. ist. Auf jeden Fall würde ich versuchen, den Veranstalter zu einer Reisepreisminderung zu bewegen. Allerdings dürfte der Ersatz mehr als zehn Euro am Tag nicht übersteigen, entsprechend dem Eintrittpreis für den Aquapark.
Beitrag von stelufl » 17.06.15, 12:24
ich kenne weder den maler21, noch haben wir per PN Kontakt.
Davon mal abgesehen ist das im Fallbeispiel erwähnte Hotel in der Tat ein AI Hotel.
Aufgrund dessen, dass in der Hotelbeschreibung bei vielen Leistungen steht "gegen Gebühr" und beim Aquapark eben nicht, es aber trotzdem kostenpflichtig ist, fühlt sich Familie B etwas veräppelt.
Die Reiseleitung wurde vor Ort nicht angesprochen.
Beitrag von Newbie2007 » 17.06.15, 12:34
stelufl hat geschrieben: Die Reiseleitung wurde vor Ort nicht angesprochen.
Das war m. E. ein Fehler. In dem Fall wird man allenfalls die gezahlte Gebühr für die Benutzung des Aquaparks zurückfordern konnen, aber keine Entschädigung für entgangene Urlaubsfreuden. Möglicherweise hätte der Reiseveranstalter das Problem auch gleich gelöst.
Beitrag von maler21 » 17.06.15, 13:33
Wahrscheinlich Google.
Genau so ist es! Die Übereinstimmung war 100% wenn man den Text des TS als Suchbegriff wählt.
@TS: Dann sehe ich es so wie Newbie2007.
Beitrag von winterspaziergang » 17.06.15, 14:02
Wahrscheinlich Google. Wenn man den oben genannten Text eingibt, kommt nur ein Hotel in Griechenland infrage - ...
Echt? Das ist doch eine 08/15 Beschreibung eines Sommerreisekatalogs. Welcher Teil ist so spezifisch, dass nur ein einziges Hotel weltweit dafür in Frage kommt?
Beitrag von maler21 » 18.06.15, 08:27
winterspaziergang hat geschrieben: Echt? Das ist doch eine 08/15 Beschreibung eines Sommerreisekatalogs. Welcher Teil ist so spezifisch, dass nur ein einziges Hotel weltweit dafür in Frage kommt?
Ich hab hiermit gegoogelt
und nur ein Hotel gefunden, in den exakt diese Wörter in dieser Reihenfolge aufgelístet wird.
Insbesondere der Aquapark dürfte nicht unbedingt in jeder Hotelbeschreibung zu finden sein.
Wenn man übrigens die negativen Bewertungen im Hotel-Vergleichs-Portal durchliest, dann ist der TS nicht der erste, der sich über den kostenpflichtigen Aquapark beschwert.
Beitrag von Froggel » 18.06.15, 10:12
Die Anordnung der Begriffe. Wenn man den Text komplett markiert, in die Zwischenablage kopiert und dann bei Google einfügt, steht an den ersten Stellen des Suchergebnisses das, was den Text genau in dieser Reihenfolge enthält. Und das ist nun einmal nur ein einziges Hotel.
@ TE die Reiseleitung nicht anzusprechen ist immer ein Fehler. Ich wage mal zu behaupten, dass sich der Reiseveranstalter auch genau darauf berufen wird und damit eventuelle Rückzahlungen verweigert. Und wenn man das auch noch in den negativen Bewertungen hätte nachlesen können ...
klausschlesinger
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Beitrag von klausschlesinger » 18.06.15, 20:35
Froggel hat geschrieben: @ TE die Reiseleitung nicht anzusprechen ist immer ein Fehler. Ich wage mal zu behaupten, dass sich der Reiseveranstalter auch genau darauf berufen wird und damit eventuelle Rückzahlungen verweigert. Und wenn man das auch noch in den negativen Bewertungen hätte nachlesen können ...
Genau so sieht's aus!!!
Auch ich bin der Meinung, daß in der Kostenpflichtigkeit des Aquaparks, welche in der All-Inclusive-Beschreibung nicht angegeben war, ein Reisemangel vorliegt, der den Reisenden zu einer nachträglichen Reisepreisminderung berechtigt.
Im vorliegenden Fall könnte der Reisende einen Anspruch auf eine nachträgliche Reiepreisminderung haben, obwohl er den Mangel nicht an den Reiseveranstalter oder seinen Bauftragten (örtliche Reiseleitung vor Ort) angezeigt hatte:
Es muß von Seiten des Reisenden eine Mängelrüge an den Reiseveranstalter gerichtet werden (vgl. § 651d Abs. 2 BGB):
§ 651d BGB - Minderung
(1) Ist die Reise im Sinne des § 651c Abs. 1 mangelhaft, so mindert sich für die Dauer des Mangels der Reisepreis nach Maßgabe des § 638 Abs. 3. § 638 Abs. 4 findet entsprechende Anwendung.
(2) Die Minderung tritt nicht ein, soweit es der Reisende schuldhaft unterlässt, den Mangel anzuzeigen.
maler21 hat geschrieben: Wenn man übrigens die negativen Bewertungen im Hotel-Vergleichs-Portal durchliest, dann ist der TS nicht der erste, der sich über den kostenpflichtigen Aquapark beschwert.
Wenn der Reisende allerdings nachweisen kann, daß der Mangel dem Reiseveranstalter bereits bekannt war, könnte dies wiederum zu einem Anspruch auf eine nachträgliche Reisepreisminderung führen.
Eine Mängelanzeige nach § 651 d II BGB ist entbehrlich, wenn der Mangel dem Reiseveranstalter bereits bekannt ist (OLG Düsseldorf RRa 2004, 65, 66 und OLG Frankfurt/M RRa 1998, 67, Nachweise bei Führich; Reiserecht, Rn. 296). Anders jedoch: LG Duisburg, 23.6.2005, 12 S 9/05, Fundstelle: RRa 2006, 22 (vgl. http://www.reiserecht-fuehrich.de/Reise ... 202004.htm).
Hier reicht allerdings nicht der Nachweis aus, daß sich einige Leute (gar noch unter Pseudonym oder sogar anonym) im Internet entsprechend negativ über das Hotel oder den Reiseveranstalter geäußert haben. Der Reisende müßte ggf. vor Gericht konkret nachweisen, daß bereits jemand vor ihm den Mangel direkt beim Reiseveranstalter oder der örtlichen Reiseleitung (und nicht beim Erfüllungsgehilfen wie z. B.: Hotelier/Airline) angezeigt hatte. (Tip für die Praxis: Im Internet eine konkrete real existierende Person als Zeugen suchen/ermitteln/namhaft machen, die den Mangel bereits an den Reiseveranstalter gemeldet hatte.)
Ansprüche nach den §§ 651c bis 651f hat der Reisende innerhalb eines Monats nach der vertraglich vorgesehenen Beendigung der Reise gegenüber dem Reiseveranstalter geltend zu machen (vgl. § 651g Abs. 1 Satz 1 BGB).
Ich mache zwei Kampfsportarten: Ju-Jutsu und Jura. - Jura ist die schwierigere!
'Es sei nicht immer zu verlangen, „dass der Inhalt gesetzlicher Vorschriften dem Bürger grundsätzlich ohne Zuhilfenahme juristischer Fachkunde erkennbar sein muss“.' (BVerfG)
Beitrag von klausschlesinger » 19.06.15, 05:03
SusanneBerlin hat geschrieben: Meiner Meinung nach sind die Chancen eher gering, dass man eine nachträgliche Minderung erreicht, denn der Aqapark war vorhanden und nutzbar, nur eben gegen entsprechendes Entgelt.
'Bei einer All-Inclusive Reise müssen alle im Katalog zugesicherten Vorzüge tatsächlich vorhanden sein. Das Ausbleiben des zugesicherten Hummers im Speiseangebot rechtfertigt daher die Minderung des Reisepreises um 2 Prozent. Weitere 2 Prozent können abgezogen werden, wenn für das Windsurfen eine zusätzliche Gebühr zu entrichten ist. So urteilte das Landgericht Duisburg am 26.6.2003, wie der Deutsche Anwaltsverein (DAV) jetzt mitteilte. ( Az 12 S 27/03).
Der Kläger hatte bei der Beklagten eine Flugreise in die Dominikanische Republik für sich uns seine Familie gebucht. Vor Gericht hat er nun vorgetragen, dass der im Katalog abgebildete Lobster im Restaurant nicht serviert worden sei. Außerdem sei Windsurfen nur gegen Zahlung einer zusätzlichen Gebühr möglich gewesen. Er forderte daher eine Minderung des Reisepreises von 35 Prozent.
Insgesamt sah das Gericht eine Minderung als gerechtfertigt an, konnte der geforderten Höhe aber nicht zustimmen. Da es sich bei dem Fehlen des Lobsters lediglich um eine einzige Speise gehandelt habe, die Familie allerdings ansonsten auf das komplette Speiseangebot zurückgreifen konnte, sei eine Minderung für diesen Bereich nur um 2 Prozent, so die Richter.
Hinsichtlich des Surfens sei zu berücksichtigen, dass es sich bei dem Bereich Sport und Fitness nur um einen Teilbereich der angebotenen Reiseleistungen handelte. Hinzu komme, dass es neben dem Windsurfen zahlreiche andere Angebote, wie Tischtennisspielen, Tennis, Bogenschießen etc. unentgeltlich möglich waren. Die Richter sahen hier die Möglichkeit der Minderung von ebenfalls 2 Prozent.' Quelle: http://www.123recht.net/Bei-All-Inclusi ... a6989.html
Ähnliches dürfte für den Aquapark gelten.