Source: https://www.jusmeum.de/urteil/vg_gelsenkirchen/e5d7c72905a6cabce53d3e113f42e61b667a5b9e918fc4c1aff59f59d5876dd4
Timestamp: 2020-02-26 06:55:09
Document Index: 308034136

Matched Legal Cases: ['§ 104', '§ 63', '§ 113', '§ 40', '§ 41', '§ 20', '§ 40', '§ 2', '§ 23', '§ 104', '§ 40', '§ 29', 'Art. 19']

VG Gelsenkirchen, 1 K 3751/05: VG Gelsenkirchen: schüler, probezeit, befangenheit, wider besseres wissen, voreingenommenheit, unterrichtsbesuch, chemie, dienstliches verhalten, nichtbewährung, entlassung
Urteil des VG Gelsenkirchen vom 09.04.2008, 1 K 3751/05
Aktenzeichen: 1 K 3751/05
VG Gelsenkirchen: schüler, probezeit, befangenheit, wider besseres wissen, voreingenommenheit, unterrichtsbesuch, chemie, dienstliches verhalten, nichtbewährung, entlassung
Verwaltungsgericht Gelsenkirchen, 1 K 3751/05
Schlagworte: Beurteilung, Bewährung, Lehrer, Probebeamter, Voreingenommenheit, Befangenheit, Beurteiler, Beurteilungsgrundlage, Aufgabenbeschreibung, Werturteile, Tatsachen, Beweis, Beweiserhebung, Beweisantrag
Normen: LBG § 104
Leitsätze: 1. Die in Ziffer 3.2 der Richtlinien für die dienstliche Beurteilung der Lehrkräfte sowie der Leiterinnen und Leiter an öffentlichen Schulen und Studienseminaren (ABl. NRW 1/03, S. 7) getroffene Regelung, nach der die Bewährungsbeurteilung spätestens drei Monate vor Ablauf der Probezeit zu erstellen ist, ist nicht in einem zwingenden Sinne zu verstehen. Insbesondere der Grundsatz der weitestmöglichen Ausschöpfung der Probezeit lässt es zu, dass in Ausnahmefällen die abschließende Beurteilung eines Probebeamten auch erst kurz vor Ablauf der Probezeit erstellt werden kann.
2. Zur Befangenheit des Beurteilers (hier verneint).
3. Hinsichtlich der in dienstlichen Beurteilungen enthaltenen Werturteile sind Darlegung und Beweis der ihnen naturgemäß zugrundeliegenden unbestimmten Fülle von Einzeltatsachen (Vorkommnissen, Verhaltensweisen und Erscheinungen) nicht erforderlich. Eine Beweiserhebung kommt insofern auch hinsichtliich der lediglich zur Erläuterung der Werturteile nur beispielhaft in der Beurteilung aufgeführten Vorkommnisse nicht in Betracht.
Die Klägerin richtet sich mit ihrer Klage gegen die aus Anlass des Ablaufs der verlängerten Probezeit erstellte dienstliche Beurteilung mit dem Ergebnis "nicht bewährt" vom 14. September 2005.
3Die Klägerin verfügt über die Befähigung für das Lehramt für die Sekundarstufe II und für das Lehramt für die Sekundarstufe I in den Fächern Chemie und Kunst. Als Studienreferendarin war sie während ihres Vorbereitungsdienstes vom 1. Februar 2000 bis zum 31. Januar 2002 der Gesamtschule E. -O. zugewiesen. Von August 1999 bis Januar 2001 ging sie einer Nebentätigkeit als Honorarkraft für den Chemieunterricht an der N. -T. des Hygieneinstituts im Gesundheitsamt der Stadt E. nach. Von Februar bis Juli 2002 war sie als Lehrkraft im Angestelltenverhältnis als Aushilfsangestellte an der Gesamtschule X. tätig.
4Mit Urkunde vom 29. Juli 2002 wurde sie mit Wirkung vom 2. September 2002 unter Berufung in das Beamtenverhältnis auf Probe zur Lehrerin zur Anstellung ernannt und zunächst an der H. -C. -S. in F. beschäftigt. Dort erteilte sie in diversen Klassen Unterricht. In einer der ersten zu den Personalakten gereichten schriftlichen - von den Konrektoren I. und L. gegengezeichneten - Stellungnahme hielt der Schulleiter T1. unter dem 20. April 2004 in Bezug auf den von der Klägerin erteilten Unterricht fest: "Frau I1. sollte ... daran arbeiten, dass der Unterricht bei ihr disziplinierter abläuft. ... Was das Durchsetzungsvermögen von Frau I1. anbetrifft, so muss festgestellt werden, dass sie dies in vielen Klassen nicht hat." Der Schulleiter verwies insofern auf Störungen und Unruhen in von der Klägerin erteilten Unterrichtsstunden. Bereits ab Februar 2003 kam es überdies zu Vorfällen, bei denen die Klägerin in der T. - sowie vereinzelt auch außerhalb der T. - Beleidigungen und teilweise sogar Bedrohungen von Seiten mehrerer Schüler und Schülerinnen ausgesetzt war. Die von der Klägerin zum Teil ergriffenen oder angeratenen Ordnungsmaßnahmen (Verweisungen aus dem Klassenzimmer, telefonische Kontaktaufnahme mit den Eltern, Durchführung von Klassen- bzw. Lehrerkonferenzen) wurden dabei seitens der Schulleitung zum Teil als unangebracht bewertet und daher nicht - jedenfalls nicht durchgehend - befürwortet.
5In einem bei der Bezirksregierung E1. am 4. Mai 2004 geführten Dienstgespräch unter Beteiligung der Klägerin führte diese u.a. an, sie werde hinsichtlich der bestehenden Problemlage nicht ausreichend von Seiten der Schulleitung unterstützt. Demgegenüber wiesen der ebenfalls anwesende Schulleiter T1. sowie der Konrektor L. diesen Vorwurf zurück und erklärten, dass die Klägerin die einzige Lehrerin mit solcherart gelagerten Problemen an der T. sei. Sie habe große Schwierigkeiten mit den meisten ihrer Lerngruppen, und aufgrund des Lärmpegels sei auch ein geordneter Unterricht für benachbarte Lerngruppen schwierig.
6Unter dem 10. Mai 2004 wurde die Klägerin anlässlich des Ablaufs der regulären Probezeit dienstlich beurteilt. Auch in dieser durch den Schulleiter T1. erstellten Beurteilung ist u.a. vermerkt: "Frau I1. ist vielfach nicht in der Lage, für einen geordneten Unterricht zu sorgen." Die Beurteilung endet mit dem Gesamturteil, die Klägerin habe sich innerhalb der Probezeit nicht bewährt, so dass diese - so die entsprechende abschließende Empfehlung des Schulleiters - zu verlängern sei.
In einer Gegenäußerung zu ihrer dienstlichen Beurteilung machte die Klägerin u.a. deutlich, dass Beleidigungen u.ä. durch Schüler ihr gegenüber bisher nie - weder an 2
ihrer Ausbildungsschule, in der Gesamtschule in X. noch an der N. -T. - passiert seien.
8Mit Bescheid vom 12. Mai 2004 wurde die Klägerin mit Wirkung vom 17. Mai 2004 an die S. T2. C1. in F. versetzt. Mit weiterem Bescheid vom 27. Mai 2004 wurde die Probezeit der Klägerin bis zum 15. September 2005 verlängert.
9Auch an der S. T2. C1. erteilte die Klägerin in diversen Klassen Unterricht. In mehreren handschriftlichen Vermerken über durchgeführte Unterrichtsbesuche ist vor allem seitens der Schulleiterin E2. sowie von Lehrerkollegen bzw. -kolleginnen notiert, dass in acht von elf beobachteten Unterrichtseinheiten der Klägerin im Unterrichtsraum "Unruhe" herrschte. Im Einzelnen finden sich hinsichtlich der Unterrichtsbesuche u.a. folgende Notizen:
1023.06.2004, Klasse 5a, Physik: u.a. "große Unruhe", "nicht nur mit einer Gruppe beschäftigen" (E2. )
24.06.2004, Klasse 7c, Kunst: u.a. "ruhige Arbeitsatmosphäre" (E2. ) 11
16.07.2004, Klasse 9a, Chemie: u.a. "stärkere Motivation zur Einführung nötig" (Aust) 12
1321.09.2004, Klasse 8nc, Chemie: u.a. "unkonzentriertes Zuhören der Schüler", "unklarer Arbeitsauftrag f.d. Schüler", "L oft zu leise", "unpräzise Anweisung", "Lautstärke der anderen" (Aust/Meißner)
1404.10.2004, Klasse 8e, Kunst: u.a. "Beschäftigung mit nur einem Schüler führt zu großer Unruhe bei anderen Schülern!" "´Pscht´ immer wiederkehrend" (E2. )
1505.11.2004, Klasse 8nc, Chemie: u.a. "´So´ ´Pscht´ ´W-Fragen´ nicht alle Schüler im Blick!", "Schüler sind zu unruhig / gelangweilt, passen nicht auf!" (E2. )
1614.12.2004, Klasse 9sw, Chemie: u.a. "´So´ - unbeholfene Sprache", "zwischenzeitliche Unruhe" (E2. )
15.03.2005, Klasse 8b, Kunst: u.a. "Klasse von Anfang an unruhig" (E2. ) 17
1814.04.2005, Klasse 6b, Physik: u.a. "´Sch...´ wieder häufiger Einsatz, Schüler setzen ´Sch´ ebenfalls ein, ´So´, Sitzordnung : Warum sitzen Schüler die stören nebeneinander?" "Unruhe kommt auf, Schüler nehmen Hö nicht ernst" (E2. )
1902.06.2005, Klasse 6b, Physik: u.a. "große Unruhe bereits nach der Begrüßung", "immer wiederkehrendes ´Pscht´", "Lautstärke erhöht sich" (E2. )
2003.06.2005, Klasse 10d, Kunst: u.a. "viele Rückfragen wegen unklarer Anweisungen" (E2. ).
21Hinsichtlich der mit der Klägerin vornehmlich im Anschluss an die Unterrichtsbesuche geführten (Nach-)Besprechungen finden sich in den Aufzeichnungen u.a. folgende Vermerke:
25.06.2004: "Gespräche mit Fr. I1. über beide Stunden" (E2. ) 22
16.07.2004: "Gespräch mit Frau I1. über die Chemiestunde" (B. ) 23
21.09.2004: "anschließendes Gespräch" (B. ) 24
23.09.2004: "anschließendes Gespräch mit Hö ... noch einmal Forderung erhoben: abgerundete Unterrichtsstunden, Sicherungsphasen, Eingehen auf alle Schüler, Stunden nicht überziehen. Frage nach anderen beruflichen Zukunftsperspektiven abgeblockt." (E2. )
28.09.2004: "Hö besucht Unterricht Da/10c E 4 Std. ... Im anschließenden Gespräch wird noch einmal auf klare Strukturen hingewiesen sowie Unterrichtsmethoden" (E2. ) 25
05.10.2004: "Gespräch Da/Sa/Hö" (E2. ) 27
2811.11.2004: "kurzes Nachgespräch: Hinweis auf Lehrerverhalten, sachl. Mängel waren an dieser Stunde nicht festzustellen" (E2. )
2922.11.2004: "Da/Au/Sa/Me/Hö Information an Frau I1. über Elternbriefe, Kurswechselwünsche, weitere Überprüfungen, Besuch Herr Scheller im Januar" (E2. )
3007.03.2005: "Da empfiehlt Hö eindringlich sich in Richtung ´Störungen im Unterricht´ schulen zu lassen" (E2. )
03.06.2005: "Nachbesprechung 2.6./3.6." (E2. ). 31
32Handschriftlich vermerkt wurde unter dem 31. Januar 2005 ferner: "3. Std. Kunstunterricht 8c/Hö sehr große Unruhe im Kunstraum..."; unter dem 1. Juli 2005 findet sich außerdem folgende Notiz: "5. Std. große Unruhe im Klassenraum unter Schulleiterzimmer. Da such Raum auf, gerade beim Eintreten fliegt Besen durch Raum. Da fast getroffen. Hö hatte um Besen gebeten."
33In den beigezogenen Akten befinden sich fernerhin Notizen der Schulleiterin E2. - beginnend mit einer Aktennotiz von "vor den Sommerferien 2004" -, nach denen sich Schüler und Schülerinnen über den Unterrichtsablauf beschwert hätten. Der von der Klägerin erteilte Unterricht zeichne sich durch mangelnde Disziplin, einen hohen Lärmpegel und eine fehlende Rücksichtnahme der Lehrerin auf den Lärm aus.
34Am 10. Juni 2005 beschädigte während des Chemieunterrichts der Klägerin ein Schüler mit einer Plastikflasche einen Wasserhahn an dem Energieblock eines Tisches in den Chemieräumen.
35Am 24. Juni 2005 - noch vor den Sommerferien 2005 - sollte anlässlich des Ablaufs der verlängerten Probezeit die Klägerin im Anschluss an eine Unterrichtsstunde und anschließendem Kolloquium hinsichtlich ihrer "Bewährung" abschließend dienstlich beurteilt werden. Nach dem Unterrichtsbesuch an diesem Tag teilte man der Klägerin hingegen mit, dass dies nur ein "Beratungsbesuch" gewesen sei; ihre dienstliche Beurteilung solle erst nach den Sommerferien im September 2005 stattfinden.
36Mit Beginn der Sommerferien 2005 wurde die Klägerin Opfer von Telefonterror durch Schüler der S. T2. C1. .
Am 13. September 2005 fanden sodann der Unterrichtsbesuch und das Kolloquium, bei dem neben der Schulleiterin E2. auch die Herren T3. (Dezernent der Bezirksregierung E1. ) und N1. (Vertrauenslehrer) anwesend waren, statt. Am Ende der Nachbesprechung wurde der Klägerin von Herrn T3. mitgeteilt, dass sie zwei Möglichkeiten habe: entweder sie "kündige" bis zum nächsten Tag mittags mit einem "Kündigungsschreiben" zum 30. September 2005 oder sie würde eine dienstliche Beurteilung mit dem Ergebnis "nicht bewährt" erhalten und entlassen und könne dann in Nordrhein-Westfalen nicht mehr arbeiten.
38Unter dem 14. September 2005 wurde die Klägerin durch die Schulleiterin dienstlich beurteilt mit dem Gesamtergebnis "nicht bewährt". Als Beurteilungsgrundlage werden u.a. ausgewählte Unterrichtsbesuche sowie gesondert der Unterrichtsbesuch vom 13. September 2005 angegeben. Unter dem Beurteilungsmerkmal "Fachkenntnisse" werden der Klägerin in Teilen gute fachliche, methodische und allgemeinpädagogische Kenntnisse attestiert. Auch in dem Kolloquium vom 13. September 2005 habe sie (mit Hilfen) gewusst, Inhalte und Ziele ihrer Fakultasfächer Chemie und Kunst darzulegen. Leider würden aber in der unterrichtspraktischen Umsetzung des Fachwissens immer wieder Lernsituationen erzeugt, die dem Lernniveau der Schüler nicht angemessen seien, so dass Schüler über- oder unterfordert würden. Vor allem hinsichtlich der "Leistung als Lehrerin" wird bemängelt, dass es der Klägerin nur selten gelinge, die von ihr angestrebten Ziele und Unterrichtsvorgaben in der Durchführung des Unterrichts umzusetzen. Sie schaffe es häufig nicht, eine Atmosphäre zu erzeugen, in der Schüler lernen könnten und die Lehrerin Wissen vermitteln könne, bei vermehrter Ruhestörung Beachtung zu finden und für Ruhe zu sorgen und auftretende positive wie negative Störungen wahrzunehmen. Hingewiesen und zusammengefasst dargestellt werden im Anschluss die von Seiten der Schüler und Eltern erhobenen Beschwerden. Ebenso wird auf entsprechende eigene Wahrnehmungen der Beurteilerin verwiesen. Unter dem Beurteilungsmerkmal "dienstliches Verhalten" ist u.a. vermerkt, dass die Klägerin die ihr gegebenen Arbeitsaufträge bereitwillig erledige und Sonderaufgaben übernehme. Im Fachbereich Chemie gelinge es ihr allerdings nicht, wesentliche Sicherheitsregeln einzuhalten. Beispielhaft verwiesen wird insofern auf den Vorfall vom 10. Juni 2005. Angeführt wird schließlich, dass die Klägerin durch die Gesamtsituation emotional stark belastet zu sein scheine und dass daher eine Weiterbeschäftigung auch aus Fürsorgegründen - gerade auch der Klägerin als Kollegin gegenüber - nicht erfolgen könne.
39Nach Beteiligung des Personalrates entließ die Bezirksregierung E1. die Klägerin mit Verfügung vom 19. September 2005 aus dem Beamtenverhältnis auf Probe mit Ablauf des 31. Dezember 2005. Zugleich sprach sie ein Verbot der Führung der Dienstgeschäfte gemäß § 63 LBG mit Anordnung der sofortigen Vollziehung aus. Die gegen diese Maßnahmen nach erfolglos durchgeführtem Widerspruchsverfahren vor dem erkennenden Gericht erhobene Klage ist Gegenstand des Verfahrens mit dem Az. 1 K 84/06.
Am 6. Oktober 2005 legte die Klägerin unter Beifügung einer umfangreichen Gegenäußerung Widerspruch gegen die ihr erteilte dienstliche Beurteilung ein. Zur Begründung führte sie aus, die Beurteilung sei formell und materiell rechtswidrig. Es sei u.a. verfahrensfehlerhaft gewesen, dass entgegen Ziff. 2.3 der Beurteilungsrichtlinien für Lehrkräfte (BRL) vor Anfertigung der Beurteilung kein Leistungsbericht und entgegen Ziff. 3.2 BRL die Beurteilung nicht spätestens drei Monate vor Ablauf der Probezeit erstellt worden sei. Als materiell rechtswidrig erweise sich die Beurteilung insbesondere 37
deshalb, da die Schulleiterin befangen gewesen sei und die Beurteilung nicht objektiv erstellt habe. Die Aufforderung zur "Kündigung" habe "ultimativen Charakter" gehabt und sei insofern offensichtlich eine Fürsorgepflichtverletzung gewesen.
41Mit Widerspruchsbescheid vom 3. November 2005 wies die Bezirksregierung E1. den Widerspruch der Klägerin als unbegründet zurück. Die Erstellung eines Leistungsberichts sei nach Ziff. 2.7 BRL nicht erforderlich gewesen, da die Schulleiterin selbst die Beurteilung zu erstellen hatte. Die Beurteilung sei im Übrigen erst deshalb einen Tag vor Ablauf der Probezeit erstellt worden, da sich während der Überprüfung am 24. Juni 2005 herausgestellt habe, dass Zweifel an der Bewährung der Klägerin bestünden. Durch die Erstellung der dienstlichen Beurteilung erst am 14. September 2005 habe man der Klägerin die Möglichkeit einräumen wollen, sich bis zum Schluss der Probezeit noch zu verbessern. Auch der Vorwurf fehlender Objektivität sei unberechtigt; die angegriffene dienstliche Beurteilung habe nahezu denselben Inhalt wie die Beurteilung des Schulleiters der H. -C. -S. . Ebenso habe Herr N1. als Lehrer des Vertrauens Herrn T3. gebeten, der Klägerin lediglich die Option einer Kündigung aufzuzeigen, was er getan habe. Sein Hinweis habe keineswegs "ultimativen Charakter" gehabt. Schließlich wies die Bezirksregierung E1. darauf hin, dass seit der Amtseinführung der Schulleiterin vor über sechs Jahren kein Telefonterror gegenüber Lehrkräften vorgekommen sei. Die T2. C1. S. sei bekannt für ein "gutes Schülerklientel". Das von den Schülern an den Tag gelegte Verhalten reflektiere fehlende entsprechende Kompetenzen der Klägerin.
42Am 25. November 2005 hat die Klägerin Klage erhoben. Sie ist der Ansicht, der Verstoß gegen Ziff. 3.2 Satz 2 BRL führe zur Rechtswidrigkeit der angegriffenen Beurteilung. Zum einen sei nicht auszuschließen, dass die Beurteilung zu einem früheren Zeitpunkt anders ausgefallen wäre; zum anderen hätte sie bei einer Beurteilung drei Monate vor Ablauf der Probezeit den verbleibenden Zeitraum nutzen können, um sich - etwa durch Inanspruchnahme der Supervision - noch zu verbessern. Auch sei kein sachlicher Grund für die Verschiebung des Beurteilungstermins ersichtlich. Soweit der Beklagte behaupte, man habe der Klägerin hierdurch die Möglichkeit einräumen wollen, sich innerhalb der letzten drei Monate nochmals zu verbessern, so sei dies in Anbetracht der Tatsache, dass der verbleibende Zeitraum aufgrund der Sommerferien überwiegend unterrichtsfrei gewesen sei, nicht glaubhaft. Außerdem habe Herr T3. bestätigt, dass die letzte - angeblich ausschlaggebende - Unterrichtsprobe "O.K." gewesen sei, so dass das Beurteilungsergebnis in Wahrheit bereits vor dem 13. September 2005 festgestanden habe. Abgesehen davon würden der Beurteilung zahlreiche sachwidrige Erwägungen sowie unwahre und unvollständige Tatsachen zu Grunde liegen. So sei zum Beispiel nicht erwähnt, dass die Klägerin im Jahr 2004/2005 mit der Kollegin C2. die Klassenleitung der Klasse 5b übernommen habe. Auch "gute Unterrichtsproben" - etwa diejenige vom 24. Juni 2004 - seien in den Beurteilungsgrundlagen nicht aufgeführt worden. Fernerhin werde bestritten, dass die Klägerin Sicherheitsregeln beim Chemieunterricht - etwa in Bezug auf das Schließen von Fenstern und Türen - missachtet habe. Bei dem Vorfall im Chemieunterricht vom 10. Juni 2005 habe sie von ihrem Platz aus den fraglichen Schüler nicht sehen können, als dieser den Wasserhahn zerstört habe. Hinsichtlich des Vorwurfs, nicht für Ruhe sorgen zu können, verweist die Klägerin darauf, dass z.B. die Klasse 6b mehrere Schüler enthalte, die für Unruhe sorgen würden, so dass auch andere Lehrer mit dieser Klasse Probleme hätten. Außerdem sei sie immer - unter Beachtung des Grundsatzes der Angemessenheit - sofort gegen Unruhe und Störungen eingeschritten und habe erzieherisch auf die Schüler eingewirkt. Insbesondere der Telefonterror der Schüler könne ihre Beurteilung
der Nichtbewährung nicht rechtfertigen; hierin liege keine Fehlleistung ihrerseits. Überdies habe sie keine ausreichende Unterstützung von Seiten der Schulleitung erhalten und auch die Behauptung, sie sei aufgrund der Situation an der T. emotional belastet, sei sachlich unzutreffend. Sie habe - entgegen der in der Beurteilung aufgeführten Behauptung - nie geweint und sei in der gesamten Dienstzeit auch nie krank gewesen. Die bereits im Vorverfahren gerügte Befangenheit der Schulleiterin E2. ergebe sich aus der Beurteilung selbst. Diese sei in keiner Weise wohlwollend formuliert; positive Dinge seien nicht aufgeführt und diverse Vorwürfe - etwa in Bezug auf den Vorfall im Chemieunterricht - seien nicht vorher mit ihr erörtert worden. Die Schulleiterin habe ihr Vieles - beispielshalber auch eine gegen die Klägerin geplante "SV-Aktion" - bewusst vorenthalten. Schließlich rügt die Klägerin weiterhin die "Aufforderung zur Kündigung" durch Herrn T3. im Anschluss an den Unterrichtsbesuch vom 13. September 2005 als Fürsorgepflichtverletzung.
44den Beklagten unter Aufhebung des Widerspruchsbescheides der Bezirksregierung E1. vom 3. November 2005 zu verurteilen, die dienstliche Beurteilung der Klägerin vom 14. September 2005 aufzuheben und eine neue dienstliche Beurteilung unter Beachtung der Rechtsauffassung des Gerichts zu erstellen.
Er ist der Ansicht, die als verletzt gerügte Drei-Monats-Frist der Ziff. 3.2 BRL sei eine bloße Richtangabe. Der Zeitraum der Beurteilung solle möglichst groß sein; dies gelte im vorliegenden Fall insbesondere mit Blick darauf, dass die Klägerin erst am 17. Mai 2004 an die S. T2. C1. in F. versetzt worden sei. Bei dem Unterrichtsbesuch am 24. Juni 2005 habe sich herausgestellt, dass die Klägerin den Anforderungen bis dato nicht gerecht geworden sei, so dass man - aus Fürsorgegründen - das Beurteilungsdatum auf einen späteren Zeitpunkt nach den Sommerferien verlegt habe. Außerdem hätte die Klägerin selbst dann, wenn ihre Nichtbewährung drei Monate vor Ablauf der Probezeit - mithin schon am 15. Juni 2005 - festgestellt worden wäre, an dem sodann feststehenden Ergebnis nichts mehr ändern können. Auch wäre das Ergebnis der dienstlichen Beurteilung zu einem früheren Zeitpunkt mit Gewissheit nicht anders ausgefallen. Hinsichtlich der unvollständigen Angaben in der dienstlichen Beurteilung verweist der Beklagte darauf, dass zwingend nur die Beurteilungsgrundlagen zu benennen seien, auf die sich der Beurteiler in der Beurteilung auch beziehe. Daher seien nicht zwingend alle Unterrichtsbesuche zu nennen. Die stellvertretende Klassenleitung der 5b sei nicht aufgeführt worden, weil es sich hierbei um keine der wesentlichen Tätigkeiten der Klägerin gehandelt habe, die die anderen Tätigkeiten in ihrer Bedeutung überwogen hätte. In Bezug auf den Vorwurf, die Klägerin habe keine Unterstützung erfahren, verweist der Beklagte auf die gesammelten Unterlagen, aus denen sich durchaus ergebe, dass ausreichend Nachbesprechungen im Anschluss an die Unterrichtsbesuche und diverse Beratungsgespräche stattgefunden hätten. Im Übrigen verweist der Beklagte auf seine Ausführungen im Widerspruchsbescheid.
Wegen der weiteren Einzelheiten des Sach- und Streitstandes wird auf den Inhalt der Gerichtsakte, der beigezogenen Akte zu dem Verfahren 1 K 84/06 und der beigezogenen Personalakte und Verwaltungsvorgänge (4 Hefte) Bezug genommen. 47
Die zulässige allgemeine Leistungsklage ist unbegründet. 50
51Die dienstliche Beurteilung vom 14. September 2005 und der angefochtene Widerspruchsbescheid der Bezirksregierung E1. vom 3. November 2005 sind rechtmäßig und verletzen die Klägerin nicht in ihren Rechten. Ein Anspruch auf Aufhebung des Widerspruchsbescheides und auf eine erneute Beurteilung steht der Klägerin daher nicht zu (§ 113 Abs. 1 und 4 VwGO).
52Dienstliche Beurteilungen sind nach der ständigen Rechtsprechung von den Verwaltungsgerichten nur beschränkt nachprüfbar. Nur der Dienstherr oder der für ihn handelnde jeweilige Vorgesetzte soll nach dem erkennbaren Sinn der Regelungen über die dienstliche Beurteilung ein persönlichkeitsbedingtes Werturteil darüber abgeben, ob und inwieweit der Beamte den - ebenfalls grundsätzlich vom Dienstherrn zu bestimmenden - zahlreichen sachlichen und persönlichen Anforderungen seines Amtes und seiner Laufbahn entspricht. Die verwaltungsgerichtliche Rechtmäßigkeitskontrolle hat sich daher darauf zu beschränken, ob die Verwaltung den anzuwendenden Begriff oder den gesetzlichen Rahmen, in dem sie sich frei bewegen kann, verkannt hat oder ob sie von einem unrichtigen Sachverhalt ausgegangen ist, allgemeingültige Wertmaßstäbe nicht beachtet, sachfremde Erwägungen angestellt oder gegen Verfahrensvorschriften verstoßen hat.
53Grundlegend: BVerwG, Urteile vom 29. September 1960 - II C 79.59 -, BVerwGE 11, 139, und vom 27. September 1962 - II C 164.61 -, BVerwGE 15, 39; vgl. ferner Urteile vom 27. Oktober 1988 - 2 A 2.87 -, Buchholz 232.1 § 40 Nr. 12, vom 24. November 1994 - 2 C 21.93 -, Buchholz 232.1 § 41 Nr. 3, vom 5. November 1998 - 2 A 3.97 -, BVerwGE 107, 360, vom 19. Dezember 2002 - 2 C 31.01 -, Buchholz 237.9 § 20 SaarLBG Nr. 1, sowie zuletzt etwa vom 21. März 2007 - 2 C 2.06 -, Buchholz 232.1 § 40 BLV Nr. 27.
54Gemessen an diesen Grundsätzen erweist sich die dienstliche Beurteilung der Klägerin nicht als rechtswidrig.
55I. Anhaltspunkte dafür, dass die hier streitgegenständliche dienstliche Beurteilung an Verfahrensmängeln leidet, sind nicht ersichtlich. Die Beurteilung der Lehrer und Lehrerinnen obliegt während der Probezeit gemäß Ziffer 2.1 i.V.m. 2.7 und 3.1.1 der Richtlinien für die dienstliche Beurteilung der Lehrkräfte sowie der Leiterinnen und Leiter an öffentlichen Schulen und Studienseminaren (RdErl. des Ministeriums für T. , Jugend und Kinder vom 2. Januar 2003 - 122-1.18.07.03-15026/02 -, ABl. NRW 1/03, S. 7) der Schulleiterin bzw. dem Schulleiter. Der Anfertigung eines Leistungsberichtes vor Erstellung der dienstlichen Beurteilung gemäß Ziffer 2.3 der Beurteilungsrichtlinien (BRL) bedurfte es insofern nicht (vgl. Ziffer 2.7 Satz 3 BRL).
56Die angegriffene Beurteilung erweist sich auch nicht deshalb als rechtswidrig, weil sie erst am 14. September 2005 und damit einen Tag vor Ablauf der Probezeit am 15. September 2005 erstellt wurde. Nach Ziffer 3.2 Satz 2 BRL gilt zwar: "Kann die Bewährung während der Probezeit (...) noch nicht abschließend beurteilt werden, ist spätestens drei Monate vor Ablauf der verlängerten Probezeit erneut eine Beurteilung zu erstellen." Diese Regelung lässt es zwar nach ihrem Wortlaut nicht zu, die Beamten auf Probe in einem Zeitabstand von weniger als drei Monaten vor dem Ende der
verlängerten Probezeit zu beurteilen. Aus Rechtsgründen kann diese Regelung indes nicht als in einem solchen Sinne zwingend begriffen werden.
57Vgl. Verwaltungsgerichtshof Baden-Württemberg, Urteil vom 3. April 1990 - 4 S 1940/88 -, juris (Rn. 67) zu einer ähnlichen baden-württembergischen Regelung: bloße "Richtangabe".
58Insbesondere der Grundsatz der weitestmöglichen Ausschöpfung der Probezeit allgemein und speziell in Bezug auf Bewährungsbeamte gebietet es, dass - zumindest in Ausnahme- oder Zweifelsfällen - die abschließende Beurteilung eines Probebeamten auch erst kurz vor Ablauf der Probezeit erstellt werden kann. Im Übrigen lässt es auch und gerade der Rechtscharakter der hier in Rede stehenden Regelung als bloße Verwaltungsvorschrift zu, dass in Ausnahmefällen ein Abweichen von der Regelung zulässig ist, soweit dies aus sachlichen Gründen gerechtfertigt ist.
59Einer sachlich begründeten Ausnahme steht auch der Zweck der Verwaltungsvorschrift nicht entgegen. Denn Sinn und Zweck der in Ziffer 3.2 Satz 2 BRL getroffenen Regelung bestehen - entgegen der Auffassung der Klägerin - nicht darin, dem Probebeamten nach Erteilung der Beurteilung nochmals die Möglichkeit zu gewähren, in den verbleibenden drei Monaten noch alles Mögliche unternehmen zu können, um einer Entlassung aus Gründen der Nichtbewährung noch entgegen zu wirken. Gegen die Annahme einer solchen Zweckrichtung dieser Richtlinie spricht bereits, dass die drei Monate vor Ablauf der Probezeit zu erstellende Beurteilung eine "abschließende" Beurteilung ist. Vielmehr soll diese Regelung es durch Vorverlagerung der Feststellung über die Bewährung dem Dienstherrn rechtzeitig ermöglichen, bis zum Schluss der Probezeit zu einer Entscheidung über die Umwandlung des Beamtenverhältnisses auf Probe in ein solches auf Lebenszeit oder die Entlassung wegen Nichtbewährung zu gelangen, um demgemäß - im Sinne eines möglichst "nahtlosen" Übergangs ab Ende der Probezeit - entweder die Übernahme in das Beamtenverhältnis auf Lebenszeit oder die Entlassung vorbereiten zu können.
60Vgl. Sächsisches Oberverwaltungsgericht, Beschluss vom 25. Juli 2000 - 2 BS 59/00 -, juris (Rn. 18), zur entsprechenden Regelung nach § 2 Abs. 1 Satz 1 der Sächsischen Beurteilungsverordnung vom 21. April 1998 (SächsGVBl. S. 169).
61Im vorliegenden Fall ist eine Ausnahme von der Verwaltungsvorschrift sachlich gerechtfertigt. Die Kammer hat nämlich keinen Anlass, an dem Vortrag des Beklagten zu zweifeln, dass die Klägerin den Anforderungen bei dem Unterrichtsbesuch am 24. Juni 2005 noch nicht gerecht geworden sei, so dass man aus Fürsorgegründen das Beurteilungsdatum auf den 14. September 2005 verlegt habe. Die Tatsache, dass der verbleibende Zeitraum aufgrund der Sommerferien überwiegend unterrichtsfrei war, steht dem nicht durchschlagend entgegen. Zum einen ist es der Klägerin auch in den unterrichtsfreien Wochen möglich gewesen, vorhandene Defizite theoretisch aufzuarbeiten. Zum anderen bleibt es dem Beurteiler unbenommen, dann, wenn er gerade im Fall einer drohenden Feststellung der Nichtbewährung sein Urteil noch nicht abschließend getroffen hat, eine weitere Unterrichtsprobe zu nehmen, um endgültig zu einem Ergebnis zu gelangen. Ganz in diesem Sinne wurde hier ein letzter Unterrichtsbesuch am 13. September 2005 durchgeführt. Dabei wurden von Seiten der Schulleiterin - gemäß ihren Ausführungen in der angegriffenen Beurteilung (Seite 4 der Beurteilung) - die für sie ausschlaggebenden Defizite ("Störungen" im Unterricht und fehlende Fähigkeit der Klägerin, diese wahrzunehmen) "erneut bestätigt".
62Außerdem bleibt festzustellen, dass auch eine Beurteilung der Klägerin drei Monate vor Ablauf der Probezeit mit hoher Wahrscheinlichkeit ohnehin nicht anders ausgefallen wäre, da sich bei dem Unterrichtsbesuch am 24. Juni 2005 - wie soeben bereits ausgeführt - herausgestellt hatte, dass die Klägerin den Anforderungen bis dato nicht genügte. Dass die Beurteilung erst am 14. September 2005 erstellt wurde, hat sich daher jedenfalls nicht zu Lasten der Klägerin ausgewirkt.
63Vgl. zur Unbeachtlichkeit eines Verstoßes gegen Ziffer 3.2 BRL in einem solchen Fall auch VG E1. , Urteil vom 19. Dezember 2006 - 2 K 133/06 -, juris (Rn. 44).
64II. Die angegriffene Beurteilung erweist sich fernerhin nicht als rechtswidrig aufgrund einer Befangenheit der Beurteilerin gegenüber der Klägerin.
65Ein zur Aufhebung der Beurteilung und Verpflichtung zur Neubeurteilung führender Verfahrensfehler liegt zwar dann vor, wenn die Beurteilung von einem voreingenommenen oder befangenen Vorgesetzten erstellt wurde. Die Forderung sachgemäßen, unparteiischen und unvoreingenommenen Verwaltungshandelns gehört zu den hergebrachten Grundsätzen des Berufsbeamtentums. Wird hiergegen verstoßen, so ist eine dienstliche Beurteilung allein aus diesem Grunde aufzuheben. Ein solcher Verstoß liegt aber nicht schon vor, wenn gegen den Beurteiler die Besorgnis der Befangenheit besteht, sondern erst, wenn er tatsächlich befangen ist. Maßgeblich ist mithin nicht die aus der subjektiven Sicht des Beurteilten begründete Besorgnis der Befangenheit, sondern die tatsächliche Voreingenommenheit eines Beurteilers aus der Sicht eines objektiven Dritten.
66Vgl. BVerwG, Urteil vom 12. März 1987 - 2 C 36.86 -, DVBl. 1987, 1159, sowie Beschluss vom 16. Juni 1989 - 2 B 4.89 -, juris (Rn. 2); vgl. auch Schnellenbach, Die dienstliche Beurteilung der Beamten und der Richter, Rn. 466 ff. mit weiteren Nachweisen.
67Die Feststellung einer solchen tatsächlichen Voreingenommenheit des Beurteilers kann sich aus der Beurteilung selbst, aber auch aus seinem Verhalten in Angelegenheiten des zu beurteilenden Beamten oder diesem gegenüber während des Beurteilungszeitraums und des Beurteilungsverfahrens ergeben. Hierbei liegt eine tatsächliche Voreingenommenheit vor, wenn der Beurteiler nicht willens oder nicht in der Lage ist, den Beamten sachlich und gerecht zu beurteilen.
68Vgl. BVerwG, Urteile vom 23. April 1998 - 2 C 16.97 -, BVerwGE 106, 318, und vom 23. September 2004 - 2 A 8.03 -, Buchholz 232 § 23 BBG Nr. 43; OVG NRW, Urteil vom 11. Februar 1998 - 12 A 6360/95 -, juris (Rn. 17), und Beschluss vom 3. November 2006 - 6 B 1866/06 -, juris (Rn. 12); Niedersächsisches Oberverwaltungsgericht, Beschluss vom 18. Juni 2007 - 5 ME 117/07 -, IÖD 2007, 194.
69Eine tatsächliche Voreingenommenheit in diesem Sinne ist mit Blick auf das vorliegende Verfahren nicht festzustellen. Insbesondere ergeben sich aus der Beurteilung selbst keine Hinweise auf eine objektive Voreingenommenheit der Schulleiterin. Stil und Ton der Ausführungen sind ganz überwiegend ausgewogen und zurückhaltend. Auch ist die angegriffene Beurteilung ihrem Inhalt nach keineswegs nur "negativ" formuliert, sondern enthält auch - etwa in Bezug auf die fachlichen Kenntnisse der Klägerin - positive Feststellungen. Dass grundsätzlich positive Elemente bewusst
nicht in die Beurteilung aufgenommen worden seien, ist insofern nicht zu erkennen. Inhaltlich werden in der Beurteilung auch keine Angaben ohne Sachbezug zur Frage der Bewährung gemacht. Ist eine dienstliche Beurteilung dementsprechend im Wesentlichen von sachlichen Aussagen geprägt, kann auf eine Befangenheit des Beurteilers auch dann nicht geschlossen werden, wenn in einzelnen Formulierungen Emotionen und Empfindlichkeiten des Beurteilers mitschwingen oder primär intuitive Beweggründe zum Ausdruck kommen sollten.
70Vgl. Oberverwaltungsgericht für das Land Schleswig-Holstein, Urteil vom 16. Januar 1992 - 3 L 197/91 -, IÖD 1992, 3; OVG NRW, Urteil vom 11. Februar 1998 - 12 A 6360/95 -, juris (Rn. 19).
71Anhaltspunkte dafür, dass die Schulleiterin nicht willens oder nicht in der Lage gewesen ist, die Klägerin sachlich und gerecht zu beurteilen, ergeben sich auch nicht aus ihrem Verhalten. Ständige dienstliche Zusammenarbeit und die Führungsaufgaben eines Vorgesetzten bringen naturgemäß auch die Möglichkeit von Konflikten mit sich. Entsprechend können grundsätzlich weder eine kritische Einschätzung der Arbeitsweise und des sonstigen dienstlichen Verhaltens des beurteilten Beamten durch den beurteilenden Vorgesetzten noch das Bestehen dienstlich veranlasster Spannungen bereits Anlass geben, eine Voreingenommenheit des Vorgesetzten anzunehmen. Dadurch und auch durch gelegentlich erregte oder sonst emotional gefärbte Reaktionen wird grundsätzlich noch nicht die Erwartung in Frage gestellt, der Vorgesetzte wolle und könne seine Pflichten einschließlich derjenigen zur sachlichen und gerechten dienstlichen Beurteilung erfüllen.
Vgl. BVerwG, Urteil vom 23. April 1998 - 2 C 16.97 -, a.a.O. 72
73Dass es zu einer - über dieses Maß hinausgehenden - nachhaltigen, fortwirkenden Störung des dienstlichen Verhältnisses zwischen der Klägerin und der Schulleiterin gekommen ist, die diese dazu hätte veranlassen können, wider besseres Wissen eine unzutreffende, verschlechterte Beurteilung zu erstellen, ist weder von Seiten der Klägerin vorgetragen worden noch aus den der Kammer vorliegenden Verwaltungsvorgängen erkennbar. Auch verifizierbare Aversionen oder ernstzunehmende unsachliche oder ehrverletzende Äußerungen der Beurteilerin gegenüber der Klägerin während des Beurteilungszeitraums oder -verfahrens, die unter Umständen die Annahme einer tatsächlichen Voreingenommenheit rechtfertigen können,
74vgl. VG Lüneburg, Urteil vom 15. Dezember 2006 - 1 A 409/04 -, juris (Rn. 23); Niedersächsisches Oberverwaltungsgericht, Beschluss vom 18. Juni 2007 - 5 ME 117/07 -, a.a.O.,
sind nicht auszumachen. 75
76Soweit die Klägerin ihren Befangenheitsvorwurf darauf stützt, dass die Schulleiterin sie nicht hinreichend unterstützt und überdies in diversen Dingen - namentlich etwa im Hinblick auf den Eingang schriftlicher Elternbeschwerden oder eine gegen die Klägerin geplante "SV-Aktion" - sogar bewusst "im Unklaren" gelassen habe, vermag die Kammer hierin keinen Anhaltspunkt für eine tatsächliche Befangenheit zu erblicken. Die Behauptung der Klägerin, nicht ausreichend unterstützt und informiert worden zu sein, beruht auf einer überwiegend subjektiv geprägten Sichtweise, die nach dem Gesagten
nicht für die Annahme des Vorhandenseins einer tatsächlichen Befangenheit oder Voreingenommenheit genügt. Der - von der Klägerin behauptete - Umstand, Beratungsgespräche hätten - entgegen den Aufzeichnungen der Schulleiterin - nicht stattgefunden und die Nachbesprechungen zu den Unterrichtsbesuchen seien oft oberflächlich und flüchtig gewesen, lässt einen objektiven Betrachter noch nicht auf eine Befangenheit etwa dergestalt schließen, dass es das Bestreben der Schulleiterin gewesen wäre, auf diesem Wege zielgerichtet die Entlassung der Klägerin aus dem Beamtenverhältnis zu betreiben und dafür die notwendigen Voraussetzungen in der Beurteilung der Klägerin zu schaffen.
77Vgl. Bayerischer Verwaltungsgerichtshof, Beschluss vom 2. Januar 2008 - 3 CS 07.2662 -, juris (Rn. 28 ff.).
78Gleiches gilt für den Vortrag der Klägerin, dass die den von der Klägerin erteilten Unterricht betreffenden Beanstandungen, welche Schüler und Eltern der Schulleitung gegenüber vorgetragen hätten, ihr nicht bzw. erst zu spät und nicht stets unter Nennung der für sie wichtigen Einzelheiten mitgeteilt worden seien. Auch dieser Umstand - einmal als wahr unterstellt - rechtfertigt nicht ohne Weiteres den Schluss, die Schulleiterin habe insofern etwa in der Absicht gehandelt, die Klägerin auf diesem Wege gezielt zu benachteiligen. Dass die Schulleiterin die Klägerin - wie diese behauptet - nicht durchweg über die Existenz oder den Inhalt von Schüler- und Elternbeschwerden in Kenntnis gesetzt habe, ist vor dem Hintergrund der unstreitig bestehenden Differenzen in der Frage der Handhabung solcher Beschwerden jedenfalls nicht grundlos erfolgt.
79Die Schulleiterin hat die Beschwerden der Schüler und Eltern auch nicht etwa - wie die Klägerin meint - unreflektiert übernommen und sich dementsprechend voreingenommen ein Bild von dem Leistungsstand der Klägerin gemacht. Sie hat die Beschwerden vielmehr zum Anlass genommen, den Unterricht der Klägerin - auch unangekündigt - mehrfach zu überprüfen. Die von ihr dabei gemachten Feststellungen haben sich mit dem Inhalt der Beschwerden - jedenfalls im Kern hinsichtlich der Vorwürfe in Bezug auf "Unruhe" und "Störungen" - gedeckt. Dies ist in der angegriffenen Beurteilung vor und nach der Wiedergabe des Inhalts der Beschwerden (Seite 4 f. der Beurteilung) auch entsprechend von Seiten der Schulleiterin dargestellt worden (vgl. insbesondere Seite 5 der Beurteilung: "In der Tat...").
80Schließlich lässt sich auch ein Grund, Befangenheit anzunehmen, nicht aus der der Klägerin gegenüber ausgesprochenen "Aufforderung zur Kündigung" ableiten. Zum einen wurde diese "Aufforderung" unstreitig nicht von der Schulleiterin selbst, sondern von Seiten des schulfachlichen Dezernenten der Bezirksregierung ausgesprochen. Zum anderen ist es durchaus üblich und mitunter aus Fürsorgeaspekten sogar geboten, einer Probebeamtin vor ihrer Entlassung die Konsequenzen einer Entlassung sowie - mitunter auch mit einem gewissen Nachdruck - die Option, selbst einen Antrag auf Entlassung aus dem Dienst zu stellen, aufzuzeigen. Dass ein solcher Hinweis mitunter einen "ultimativen Charakter" aufweisen kann, ist situationsbedingt, liegt insofern in der Natur der Sache und ist daher grundsätzlich noch kein objektives Anzeichen für Befangenheit.
81Erweist sich der Vortrag der Klägerin damit insgesamt als nicht geeignet, die tatsächliche Befangenheit der Schulleiterin zu begründen, war den von der Klägerin in diesem Zusammenhang schriftsätzlich gestellten Beweisanträgen aufgrund der Unerheblichkeit der darin unter Beweis gestellten Tatsachen nicht nachzugehen.
Vgl. nur BVerwG, Beschluss vom 16. Juni 1989 - 2 B 4.89 -, a.a.O. 82
83III. Der angegriffenen Beurteilung liegt auch kein unvollständiger oder unrichtiger Sachverhalt zugrunde.
841. Die Beurteilung vom 14. September 2005 ist insbesondere nicht schon deshalb rechtsfehlerhaft, weil sie nicht sämtliche angekündigte Unterrichtsbesuche als Beurteilungsgrundlage wiedergibt. Bereits nach Ziffer 1.4 Satz 3 BRL sind in dem Beurteilungstext nicht alle, sondern nur die für die Beurteilung "maßgeblichen" Grundlagen anzugeben. Lediglich dann, wenn eine "maßgebliche" Beurteilungsgrundlage nicht in die Beurteilung aufgenommen wird, ist die Beurteilung fehlerhaft.
Vgl. BVerwG, Beschluss vom 24. November 1981 - 1 WB 81/79 -, BVerwGE 73, 308. 85
86Die Verpflichtung des Beurteilers zur Angabe der maßgeblichen Grundlagen dient dazu, dem Beurteilten zu zeigen, wie der Beurteiler zu seinem Werturteil gelangt ist. Maßgeblich ist eine Grundlage daher nur dann, wenn die Beurteilung selbst entscheidend hierdurch geprägt ist.
Vgl. BVerwG, Beschluss vom 24. November 1981 - 1 WB 81/79 -, a.a.O. 87
88Die Entscheidung darüber, welche der hier durchgeführten Unterrichtsbesuche für die Beurteilung der Schulleiterin prägend waren, ist wiederum wesentlicher Bestandteil des dem Beurteiler zustehenden Beurteilungsspielraums. Ebenso, wie er innerhalb seines weiten Ermessens entscheiden kann, ob und in welchem Umfang Unterrichtsbesuche zur Schaffung einer breiteren Beurteilungsgrundlage stattfinden sollen,
vgl. OVG NRW, Beschluss vom 23. November 2007 - 6 B 1738/07 -, juris (Rn. 9), 89
90entscheidet er aufgrund der ihm zustehenden Beurteilungsermächtigung auch weitestgehend frei darüber, welche Unterrichtsbesuche er als prägend erachtet. Der Vortrag der Klägerin, die Schulleiterin habe die "guten" Unterrichtsproben nicht aufgeführt, ist insofern - da die Schulleiterin gerade diese neben den zahlreichen übrigen ungenügenden Unterrichtsproben als nicht prägend bewertet hat - unerheblich.
912. Auch die von der Klägerin erhobene Rüge der Unvollständigkeit der dargestellten Tätigkeitsfelder im Beurteilungszeitraum im Hinblick auf die behauptete stellvertretende Klassenleitung der Klasse 5b verfängt nicht.
92Die Darstellung der Aufgaben- und Tätigkeitsfelder unter I. 3. der dienstlichen Beurteilung hat zum einen den Zweck, dem Leser ein möglichst umfassendes Bild über die im Beurteilungszeitraum ausgeübten wesentlichen Tätigkeiten zu geben. Zum anderen ist die Aufgabenbeschreibung die Grundlage der Leistungsbeurteilung. In die Aufgabenbeschreibung sind demgemäß grundsätzlich nur die Tätigkeiten aufzunehmen, die der Beamte während des Beurteilungszeitraumes im Hauptamt versehen hat.
93Vgl. VG E1. , Beschluss vom 30. August 2006 - 13 L 1429/06 -, juris (Rn. 36); Schnellenbach, a.a.O., Rn. 358.
94Vor diesem Grund ist es unschädlich, dass die - nur zeitlich begrenzte - stellvertretende Klassenleitung der Klasse 5b als eine von Seiten des Beklagten als nicht wesentlich erachtete Tätigkeit nicht ausdrücklich in den Beurteilungstext aufgenommen wurde. Auch führt das Fehlen von Tatsachen in einem solchen "Tatbestand" einer dienstlichen Beurteilung allein noch nicht zu dem Schluss, der Dienstherr habe diese Umstände bei der Beurteilung gänzlich unberücksichtigt gelassen.
95Vgl. VG Darmstadt, Urteil vom 18. November 2005 - 5 E 799/03 (3) -, IÖD 2006, 187; VG Frankfurt am Main, Urteil vom 14. Dezember 1992 - IX/1 E 189/90 -, DÖD 1994, 69.
963. Soweit die Klägerin sich insbesondere gegen den Vorwurf richtet, ihr fehle die Fähigkeit, für Ruhe und Ordnung im Unterricht Sorge zu tragen, ist dieser Einwand angesichts der beschränkten gerichtlichen Nachprüfbarkeit dienstlicher Beurteilungen unerheblich.
97Wertungen, die in den fachlichen Beurteilungsspielraum des Dienstherrn fallen, können nicht durch die Wertungen eines Zeugen, Sachverständigen oder des Gerichts ersetzt werden.
98Vgl. BVerwG, Beschluss vom 21. Februar 1980 - 2 B 95.78 -, Buchholz 237.7 § 104 LBG NW Nr. 1, sowie Urteile vom 2. April 1981 - 2 C 34.79 -, BVerwGE 62, 135, und vom 31. Mai 1990 - 2 C 35.88 -, BVerwGE 85, 177.
99Durch die Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts ist ebenso geklärt, dass die dem Dienstherrn zustehende Beurteilungsermächtigung es ferner einschließt, dass auch die einer dienstlichen Beurteilung von Beamten zugrundeliegenden Tatsachen nur insoweit einer konkreten Darlegung und gerichtlichen Feststellung bedürfen, als der Dienstherr entweder historische Einzelvorgänge aus dem gesamten Verhalten des Beamten ausdrücklich in der dienstlichen Beurteilung erwähnt oder die dienstliche Beurteilung bzw. einzelne in ihr enthaltene wertende Schlussfolgerungen erkennbar auf bestimmte Tatsachen, insbesondere auf konkrete aus dem Gesamtverhalten im Beurteilungszeitraum herausgelöste Einzelvorkommnisse stützt. Hinsichtlich der in dienstlichen Beurteilungen enthaltenen Werturteile ist eine Darlegung und der Beweis der ihnen naturgemäß zugrundeliegenden unbestimmten Fülle von Einzeltatsachen (Vorkommnissen, Verhaltensweisen und Erscheinungen) hingegen nicht erforderlich. Werturteile sind lediglich plausibel und nachvollziehbar zu machen etwa dergestalt, dass das Werturteil keine formelhafte Behauptung bleibt, sondern dass es für den Beamten einsichtig und für außenstehende Dritte nachvollziehbar wird, dass der Beamte die Gründe und Argumente des Dienstherrn erfährt und für ihn der Weg, der zu dem Urteil geführt hat, sichtbar wird. Diese Einschränkung der gerichtlichen Kontrolldichte hat zur Folge, dass einzelne Wertungsvorgänge, die beim Zustandekommen der in einer Beurteilung enthaltenen Werturteile maßgeblich waren, nicht Gegenstand gerichtlicher Ermittlungen sein können. Soweit der Dienstherr von seiner Beurteilungsermächtigung Gebrauch macht, muss und kann er hierüber - auch im gerichtlichen Verfahren - grundsätzlich keine Rechenschaft über Einzelheiten ablegen. Der letztlich den Werturteilen in ihrem Ursprung zugrundeliegenden Tatsachenkomplex ist in der zusammenfassenden und wertenden Beobachtung des oder der Beurteilenden verschmolzen und die einzelnen Tatsachen sind als solche nicht mehr in ihrer Gesamtheit feststellbar. Infolgedessen kommt eine Beweiserhebung auch hinsichtlich der lediglich zur Erläuterung der Werturteile nur beispielhaft in der Beurteilung
aufgeführten Vorkommnisse nicht in Betracht.
100Grundlegend: BVerwG, Urteil vom 26. Juni 1980 - 2 C 8.78 -, BVerwGE 60, 245; vgl. ferner Urteile vom 27. Oktober 1988 - 2 A 2.87 -, Buchholz 232.1 § 40 BLV Nr. 12, vom 31. August 1990 - 6 A 2.8 -, Buchholz 236.1 § 29 SG Nr. 1, vom 16. Mai 1991 - 2 A 4.90 - , juris (Rn. 16 f.), sowie Beschlüsse vom 11. März 1987 - 2 B 21.87 - , juris, und vom 17. März 1993 - 2 B 25.93 -, ZBR 1993, 245, jeweils m.w.N.; vgl. zur Vereinbarkeit dieser Rspr. mit Art. 19 Abs. 4 GG: BVerfG, Nichtannahmebeschluss vom 29. Mai 2002 - 2 BvR 723/99 -, DVBl. 2002, 1203.
101Diesen Maßstäben entsprechend ergibt sich im Hinblick auf die verfahrensgegenständliche Beurteilung kein Anhaltspunkt für die Beanstandung der in der Beurteilung getroffenen Wertungen. Dies gilt namentlich mit Blick auf die Feststellungen wertender Natur hinsichtlich der Unterrichtsorganisation und - durchführung, nach denen die Klägerin etwa ein "nicht angemessenes Lernniveau" erzeuge und es häufig nicht schaffe, bei den Schülern eine "Grundmotivation für den Lernprozess" auszulösen oder "angemessene Aufgabenstellungen" zu erteilen. Auch die in der Beurteilung getroffene Aussage, der Klägerin gelinge es nicht, eine Atmosphäre zu schaffen, in der Schüler lernen könnten und die Lehrerin Wissen vermitteln könne, ist eine in dieselbe Richtung weisende Wertung hinsichtlich der pädagogischen Fähigkeiten der Klägerin. Nichts anderes gilt für den Vorwurf, die Klägerin finde bei vermehrter Ruhestörungen keine Beachtung und könne nicht für Ruhe sorgen, auftretende positive wie negative Störungen nehme sie nicht wahr; auch verfüge die Klägerin über keine "Alternativen zu eventuell notwendigen Abweichungen bei Störungen jeglicher Art". Auch und gerade diese Kritik ist in ihrem Kern unzweifelhaft wertender Natur.
102Alle diese Werturteile beruhen dabei auf einer Vielzahl von Eindrücken und Beobachtungen. In der angegriffenen Beurteilung selbst ist in Bezug auf u.a. den "Lärmpegel während des Unterrichts" und den "Unmut und die Unzufriedenheit der Schüler" ausgeführt: "Diese Vorkommnisse und Fehlleistungen sind nicht isoliert zu sehen und lassen sich kontinuierlich über den gesamten Berichtszeitraum nachweisen." Insbesondere diese Formulierung verdeutlicht, dass die Werturteile der Schulleiterin nicht auf konkrete, aus dem Gesamtverhalten der Klägerin im Beurteilungszeitraum herausgelöste Einzelvorkommnisse, sondern auf einen entsprechenden Gesamteindruck gestützt sind. Soweit die Schulleiterin in der angegriffenen Beurteilung konkrete Einzelheiten der dienstlichen Tätigkeit der Klägerin zur Sprache gebracht hat (Unterrichtsbesuch vom 13. September 2005 ["Störungen ... in beiden Unterrichtsstunden"], Seite 4 der Beurteilung, Vorfall am 1. Juli 2005 ["flog ein Besen"] und "geplante Aktion der SV", jeweils Seite 5 der Beurteilung) dienen diese Angaben lediglich dazu, das der Klägerin zuerkannte Werturteil und die diesem zugrunde liegenden Einzelbewertungen ihrer dienstlichen Tätigkeit bzw. ihres dienstlichen Verhaltens plausibel zu machen. Sind durch derartige Erläuterungen die bewerteten Beurteilungsmerkmale und das darauf beruhende Gesamturteil in nachvollziehbarer Weise - wie hier - substantiiert erläutert worden, bedarf es keiner Beweiserhebung über mitunter einzelne strittig gebliebene Sachverhaltselemente.
103Vgl. Oberverwaltungsgericht des Saarlandes, Beschluss vom 28. September 2004 - 1 Q 17/04 -, DÖD 2005, 36; VG Stuttgart, Urteil vom 31. Oktober 2003 - 18 K 2335/03 -, juris (Rn. 46 ff.).
104Soweit die Klägerin es ausdrücklich bestreitet, dass sie nicht gegen Störungen in ihrem Unterricht eingeschritten sei, ist dieser Einwand daher ebenso wie ihre unter Beweis gestellte Behauptung, sie habe stets erzieherisch auf störende Schüler eingewirkt, unerheblich. Soweit die Klägerin schriftsätzlich entsprechende Beweisanträge gestellt hat, war diesen folglich in diesem Verfahren nicht nachzugehen. Auch der Vortrag der Klägerin, die Unterrichtsprobe vom 13. September 2005 sei gut gewesen, ist ausweislich der Tatsache, dass die Werturteile der Schulleiterin in Bezug auf die pädagogischen Defizite nicht ausschließlich auf den an diesem Tag getroffenen Feststellungen beruhen, nicht erheblich. Gleiches gilt für die Behauptung, alle in der Klasse 6b unterrichtenden Lehrer hätten Probleme mit dieser Klasse gehabt. Auch der von der Klägerin in der Klasse 6b erteilte Unterricht ist nur einer der vielen Eindrücke gewesen, die in die Werturteile der Schulleiterin eingeflossen sind. Abgesehen davon wurden die insoweit in Rede stehenden Defizite hinsichtlich der Unterrichtsdisziplin unstreitig nicht nur in dem Unterricht in der Klasse 6b festgestellt.
105Soweit die Klägerin darüber hinaus die weitere Kritik der Schulleiterin hinsichtlich der Nichtbeachtung von Sicherheitsregeln im Fachbereich Chemie von sich weist, so ist auch hier darauf hinzuweisen, dass die Schulleiterin sich auch insofern nicht einzig und allein auf das Vorliegen eines konkreten Sachverhaltes bezieht. Auch hier wurde die Bewertung auf eine Mehrzahl von Einzeleindrücken gestützt und zu einer Wertung geformt. Die Spiegelstrich-Aufzählung hinsichtlich der vom Gefahrstoffbeauftragten angemahnten Sicherheitsregeln ("Aufräumen", "Fenster schließen", "Durchsetzung/Einhaltung der Betriebsanweisung") benennt diese nur "u.a.", ist also nicht abschließend. Auch und gerade der Vorfall im Chemieraum vom 10. Juni 2005, der zwar ausdrücklich in der Beurteilung benannt wurde, besitzt als bloßer Klammerzusatz zu dem letzten Spiegelstrich nur exemplarischen Charakter. Dem Beweisantrag der Klägerin u.a. durch Vernehmung der Zeugin O1. M. zwecks Aufklärung der Einzelheiten des Vorfalls vom 10. Juni 2005 war daher ebenfalls nicht nachzugehen. Dies gilt - abgesehen von dem lediglich exemplarischen Charakter dieses Vorfalls - auch deshalb, weil die angegriffene dienstliche Beurteilung ohnehin nicht maßgeblich auf den Vorwurf der Missachtung wesentlicher Sicherheitsregeln gestützt ist. Das gefundene Beurteilungsergebnis ergibt sich vielmehr schlüssig und vorwiegend aus den bereits zuvor genannten Defiziten hinsichtlich der pädagogischen Schwächen und der mangelnden Unterrichtsdisziplin. Bereits die Quantität der in der Beurteilung hierzu enthaltenen Ausführungen im Vergleich zu der äußerst kurzen Passage, die sich mit der Missachtung wesentlicher Sicherheitsregeln befasst (lediglich 8 Zeilen, vgl. Seite 6 der Beurteilung), macht deutlich, dass das Gesamturteil der Nichtbewährung ganz überwiegend auf die Feststellung ungenügender Unterrichtsgestaltung und vor allem mangelnder Disziplin gestützt ist.
106Auch das Bestreiten der Klägerin, sie sei nicht - wie von der Beurteilerin ausgeführt - "emotional belastet" gewesen und habe nie, wie von Schülern behauptet, "weinend den Unterrichtsraum verlassen", ist letztlich nicht entscheidungserheblich. Auch dieser Gesichtspunkt, der ebenfalls - zumindest soweit es um die dahinterstehende Würdigung der Belastbarkeit geht - wertender Natur ist, ist jedenfalls nicht ausschlaggebend für das Gesamtergebnis der angegriffenen Beurteilung gewesen.
107IV. Dass die Schulleiterin im Wesentlichen aufgrund des nicht hinreichend an das Niveau der Schüler angepassten Anforderungsniveaus und des Defizits der mangelnden Unterrichtsdisziplin zu dem Gesamtergebnis der Nichtbewährung gelangt ist, ist schließlich auch aus sonstigen Gründen nicht von Rechts wegen zu
beanstanden. Das von der Rechtsordnung dem Dienstherrn anvertraute Urteil über die Bewährung eines Beamten während der Probezeit hängt von zahlreichen - fachlichen und persönlichen - Anforderungen des konkreten Amtes