Source: https://www.wbs-law.de/internetrecht/fotorecht-bildrecht/serie-zum-foto-und-bildrecht-teil-12-urhebereigenschaft-durch-bearbeitung-7802/
Timestamp: 2016-09-30 10:02:28
Document Index: 119251823

Matched Legal Cases: ['§ 3', '§ 3', 'BGH', '§ 23', '§ 2', '§ 23', '§ 24', '§ 3']

Serie zum Foto- und Bildrecht (Teil 12): Urhebereigenschaft durch Bearbeitung -
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Serie zum Foto- und Bildrecht (Teil 12): Urhebereigenschaft durch Bearbeitung
13. Juni 2011, 12:00 Uhr
Die Rechtsfragen, die sich im Zusammenhang mit dem Foto- und Bildrecht stellen, werden in einer mehrteiligen Serie von Rechtsanwalt Christian Solmecke beantwortet. Im heutigen 12. Teil geht es um das Bearbeiterurheberrecht.
Gem. § 3 UrhG können Urheberrechte auch durch die Bearbeitung eines fremden Werkes entstehen:
Eine Bearbeitung eines Fotos liegt z.B. dann vor, wenn ein fremdes Foto im Rahmen einer Collage verwendet wird. Auch wenn das Foto an sich nicht verändert wird, entsteht durch die Zusammenstellung mit anderen Fotos ein neues Werk, das eine persönliche geistige Schöpfung des Bearbeiters darstellt und gem. § 3 UrhG urheberrechtlichen Schutz genießt. So hat der BGH in einem Urteil vom 07.02.2002 (Az. I ZR 304/99) entschieden, dass eine Bearbeitung auch dann vorliegen kann, wenn ein geschütztes Werk in ein neues „Gesamtkunstwerk“ integriert wird. Hierzu führte das Gericht aus:
„(…) Eine Bearbeitung oder andere Umgestaltung i.S. des § 23 UrhG kann auch dann vorliegen, wenn das abhängige Werk das benutzte – wie dies hier der Fall ist – als solches unverändert wiedergibt. Das urheberrechtlich geschützte Werk ist die persönliche geistige Schöpfung i.S. des § 2 Abs. 2 UrhG. Es ist ein Immaterialgut, das im Werkstück lediglich konkretisiert wird. Es ist deshalb nicht entscheidend, ob für die Bearbeitung das Original oder ein sonstiges Werkstück in seiner Substanz verändert wurde. Bei einer Übernahme eines Werkes ohne jede Änderung wird allerdings regelmäßig eine Umgestaltung des Werkes zu verneinen sein. Eine Bearbeitung ist aber dann anzunehmen, wenn ein geschütztes Werk in ein neues „Gesamtkunstwerk” derart integriert wird, dass es als dessen Teil erscheint. Dies ist bei Zugrundelegung der Feststellungen des LG hier der Fall. Nach diesen sind Bild und Rahmen in den beiden Fällen, die Gegenstand des Rechtsstreits sind, schon deshalb nach dem Gesamteindruck ein einheitliches Ganzes, weil die Ausgestaltung der Rahmen jeweils eine Bearbeitung eigenschöpferischer Elemente der Bilder ist.(…)“
Bereits das OLG Koblenz (Urteil vom 18.12.1986; Az. 6 U 1334/85) hat die Verfremdung von Fotografien als Bearbeitung angesehen und die Schutzfähigkeit des durch die Bearbeitung entstehenden Werkes bejaht. Bei der Verfremdung einer Fotografie sei es charakteristisch, dass die fotografischen Vorlagen in dem Gesamtwerk nur eine untergeordnete Rolle spielen, die mit anderen Motiven in Zusammenhang gebracht werden. Weiter führte das Gericht aus:
„(…) Die „Verfremdung“ der einzelnen Fotografien, um die es im Streitfall geht, sind als eigenwillige Kompositionen sehr unterschiedlicher Elemente zu werten, wobei die ursprünglichen Motive nur noch Bestandteil eines Gesamtwerkes darstellen und darin wesentlich zurücktreten. (…) Es kann auf sich beruhen, ob jede eigenschöpferische „Verfremdung“ einer Fotografie als Werk der bildenden Kunst oder als Lichtbildwerk anzusehen ist. Die im einzelnen erörterten „Verfremdungen“ bei der Herstellung der Gesamtkomposition sind auf jeden Fall als Werke der bildenden Kunst zu werten. Denn ihnen ist charakteristisch, daß die fotografischen Vorlagen in dem Gesamtwerk nur eine untergeordnete, mehr beiläufige Rolle spielen, die mit anderen Motiven in Zusammenhang gebracht werden; so wie alles erscheint, ist die Darstellung unrealistisch. Alle Bildkompositionen zeugen von einer reichen Fantasie des Gestalters und einer ausgeprägten individuellen Sicht; ihm kam es ersichtlich darauf an, etwas Besonderes zum Ausdruck zu bringen. Die Darstellungen regen zum Nachdenken an und eröffnen der eigenen Fantasie des Betrachters zahlreiche Möglichkeiten der Auslegung. (…)“
Das Bearbeiterurheberrecht tritt als eigenständiges Urheberrecht neben das Urheberrecht des Herstellers des Originalwerkes, das bearbeitet wurde. Allerdings ist der Bearbeiter nicht frei in der Veröffentlichung und Verwertung der Bearbeitung. Vielmehr dürfen gem. § 23 UrhG Bearbeitungen oder andere Umgestaltungen des Werkes nur mit der Einwilligung des Urhebers des Originalwerkes veröffentlicht oder verwertet werden. Keine Bearbeitung liegt vor, wenn ein fremdes Foto lediglich als Inspirationsquelle dient. So z.B. wenn sich ein Fotograf von einem Landschaftsbild dazu inspirieren lässt, die Landschaft selbst zu bereisen und diese auch fotografisch festzuhalten. In einem solchen Fall liegt eine freie Benutzung nach § 24 UrhG vor, für die eine Zustimmung des Urhebers des benutzen Werkes für die Veröffentlichung oder Verwertung gerade nicht erforderlich ist. Entscheidend ist allerdings, dass das Foto lediglich der Inspiration dient und nicht eins zu eins nachgestellt wird. Darüber hinaus ist die rein technische Bearbeitung eines Fotos in aller Regel nicht als Bearbeitung im Sinne des § 3 UrhG zu werten. Eine rein technische Bearbeitung ist z.B. das Scannen einer Vorlage oder Retuschieren von kleinen Schönheitsmakeln durch Bildbearbeitungsprogramme sowie die Vergrößerung bzw. Verkleinerung von Fotos zu werten. Haben Sie Fragen zum Thema Fotorecht? Rufen Sie uns an! Unsere Spezialisten um Rechtsanwalt Christian Solmecke stehen Ihnen täglich zwischen 8-20 Uhr Rede und Antwort zum Thema. Tel: 0221 / 951 563 0 (Beratung bundesweit)
Tags: Bearbeiterurheberrecht, Serie Foto- und Bildrecht, Urhebereigenschaft Kommentare (1)
Serie zum Foto- und Bildrecht (Teil 12): Urhebereigenschaft durch … sagt:	17. Juni 2011 um 06:58	[…] den Originalbeitrag weiterlesen: Serie zum Foto- und Bildrecht (Teil 12): Urhebereigenschaft durch … Bookmarken Sie uns, Danke! Mit Klick auf diese Icons kann man diese Webseite mit anderen […]