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Timestamp: 2020-08-06 13:09:58
Document Index: 68419721

Matched Legal Cases: ['§ 1355', '§ 1355', '§ 1355', '§ 1355', 'Art. 10', '§ 1355', '§ 1355', '§ 1355', 'Art. 10', '§ 1355']

Jauß – Voranstellung des Geburtsnamens einer Vietnamesin vor den Ehenamen gemäß § 1355 Abs. 4 BGB | StAZ Jahrgang 2000 | ElBib | Verlag für Standesamtswesen
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Jauß – Voranstellung des Geburtsnamens einer Vietnamesin vor den Ehenamen gemäß § 1355 Abs. 4 BGB
Titel Voranstellung des Geburtsnamens einer Vietnamesin vor den Ehenamen gemäß § 1355 Abs. 4 BGB
FA-Nr. 3550
Voranstellung des Geburtsnamens einer Vietnamesin vor den Ehenamen gemäß § 1355 Abs. 4 BGB
Fachausschuß-Nr. 3550, verhandelt am 11./12. November 1999
Eine Vietnamesin mit dem Familiennamen Lú und dem Namenszusatz thị sowie dem Vornamen Liên will demnächst mit dem deutschen Staatsangehörigen Herbert Zweig die Ehe schließen. Sie wollen für den künftig zu führenden Namen gemäß Art. 10 Abs. 2 EGBGB das deutsche Recht wählen. Die Frau will dem Ehenamen ihren Geburtsnamen Lú thị gemäß § 1355 Abs. 4 BGB voranstellen. Ihr Name soll also Lú thị-Zweig lauten (die Namen sind geändert).
Erfaßt § 1355 Abs. 4 BGB den Namenszusatz thị mit und wenn ja, verhindert § 1355 Abs. 4 Satz 3 BGB die Voranstellung?
Im Vietnamesischen führen weibliche Personen häufig hinter ihrem Familiennamen den Zusatz »thị«. Das »thị« weist darauf hin, daß es sich um eine weibliche Person handelt, die als Geburtsnamen den Familiennamen ihres Vaters führt. Dieser Zusatz ist kein Bestandteil des Familiennamens, sondern diesem zugeordnet. Er ist weder ein Wort noch ein Name, ist grammatisch ein Suffix, d.h. eine Nachsilbe. In deutschen Personenstandsbüchern wird »thị« deshalb als Namenszusatz bezeichnet. Besonders deutlich wird diese Feststellung bei der Eheschließung der Frau. Es ist gesicherte Erkenntnis, daß der Namenszusatz »thị« wegfällt, wenn die Frau in der Ehe den Geburtsnamen ihres Mannes als Ehenamen führt. Das trifft selbst dann zu, wenn die Frau im allgemeinen Umgang (in Vietnam) den Namen ihres Mannes führt (vgl. zuletzt StAZ 1996, 122).
Der Geburtsname des Mannes soll hier über die Wahl deutschen Rechts (Art. 10 Abs. 2 EGBGB) zum Ehenamen bestimmt werden. Mit dieser Erklärung ist der Namenszusatz »thị« der Frau weggefallen und in Spalte 10 des nach der Eheschließung anzulegenden Familienbuches zu vermerken. Das hindert die Frau jedoch nicht, ihren Geburtsnamen »Lú« gemäß § 1355 Abs. 4 BGB voranzustellen.
Ergebnis: Da der Namenszusatz »thị« nicht Bestandteil des Familiennamens der Frau ist, sondern diesem zugeordnet, kann er bei der Voranstellung des Geburtsnamens nicht mit einbezogen werden.