Source: https://www.rechtslupe.de/wirtschaftsrecht/handelsrecht/das-wiedergefundene-transportgut-und-das-carnet-328547
Timestamp: 2019-10-17 00:26:09
Document Index: 374949086

Matched Legal Cases: ['Art. 11', 'Art. 17', 'Art. 20', 'Art. 20', 'Art. 20', 'Art. 17', 'Art. 17', 'Art. 17', 'Art. 17', 'Art. 11', 'Art. 11', 'Art. 11', 'Art. 11', 'Art. 11', '§ 452', 'BGH', 'Art. 20', 'Art. 20', 'Art. 20', 'Art. 20', 'BGH', 'BGH', 'Art. 20', 'Art. 20', 'Art. 20', 'Art. 17', 'Art. 17', 'Art. 17', 'Art. 11', 'Art. 11', 'Art. 11', 'Art. 11', 'Art. 11', 'Art. 11', 'Art. 11', 'Art. 11']

Das wie­der­ge­fun­de­ne Trans­port­gut und das Car­net | Rechtslupe
Ein Car­net TIR zählt nicht zu den "not­wen­di­gen Urkun­den" im Sin­ne von Art. 11 Abs. 1 CMR, die der Absen­der dem Fracht­füh­rer für die Durch­füh­rung der Beför­de­rung zur Ver­fü­gung zu stel­len hat.
Nach Art. 17 Abs. 1 CMR haf­tet der Fracht­füh­rer grund­sätz­lich für den zwi­schen der Über­nah­me des Gutes und sei­ner Ablie­fe­rung ein­ge­tre­te­nen Ver­lust. Gemäß Art. 20 Abs. 1 CMR kann der Ver­fü­gungs­be­rech­tig­te das Gut, ohne wei­te­re Bewei­se erbrin­gen zu müs­sen, als ver­lo­ren betrach­ten, wenn es nicht bin­nen sech­zig Tagen nach der Über­nah­me durch den Fracht­füh­rer abge­lie­fert wor­den ist. Es han­delt sich inso­weit um eine unwi­der­leg­ba­re Ver­mu­tung 1. Der Anspruchs­be­rech­tig­te soll nach dem fest­ge­leg­ten Zeit­punkt dis­po­nie­ren kön­nen, ohne Gefahr zu lau­fen, das Gut spä­ter doch anneh­men zu müs­sen 2. Er kann daher auch auf­grund der blo­ßen Ver­lust­fik­ti­on den im Ver­lust­fall all­ge­mein vor­ge­se­he­nen Scha­dens­er­satz­an­spruch gel­tend machen 3.
Die­sem hier­aus resul­tie­ren­den Scha­dens­er­satz­ver­lan­gen steht nicht ent­ge­gen, dass das Trans­port­fahr­zeug samt Ladung spä­ter wie­der auf­ge­taucht ist, so etwa im hier vom Bun­des­ge­richts­hof ent­schie­den­nen Fall vom tür­ki­schen Zoll zurück­ge­ge­ben wur­de, wenn zu die­sem Zeit­punkt die Ablie­fe­rungs­frist von sech­zig Tagen bereits abge­lau­fen war. Wird das Gut nach Ablauf der Frist des Art. 20 Abs. 1 CMR, so kann sich der Ersatz­be­rech­tig­te gleich­wohl auf die Ver­lust­fik­ti­on gemäß Art. 20 Abs. 1 CMR beru­fen 4.
Von der Obhuts­haf­tung gemäß Art. 17 Abs. 1 CMR ist der Fracht­füh­rer dann befreit, wenn die Vor­aus­set­zun­gen für einen Haf­tungs­aus­schluss nach Art. 17 Abs. 2 CMR vor­lie­gen. Die Haf­tungs­be­frei­ung nach Art. 17 Abs. 2 CMR erfor­dert, dass der Ver­lust des Gutes durch ein Ver­schul­den des Ver­fü­gungs­be­rech­tig­ten, durch eine nicht vom Fracht­füh­rer ver­schul­de­te Wei­sung des Ver­fü­gungs­be­rech­tig­ten, durch beson­de­re Män­gel des Gutes oder durch Umstän­de ver­ur­sacht wur­de, die der Fracht­füh­rer nicht ver­mei­den und deren Fol­gen er nicht abwen­den konn­te. Im Streit­fall kommt allein ein Ver­schul­den der Ver­si­che­rungs­neh­me­rin oder der Klä­ge­rin, die im Ver­hält­nis zur Beklag­ten als Absen­de­rin fun­gier­te, in Betracht. Das Ver­schul­den im Sin­ne von Art. 17 Abs. 2 CMR setzt nicht vor­aus, dass der Ver­fü­gungs­be­rech­tig­te gegen ech­te Ver­trags­pflich­ten ver­stößt. Es genügt viel­mehr, dass er in vor­werf­ba­rer Wei­se eine Oblie­gen­heit zur Scha­dens­ver­hin­de­rung ver­letzt, das heißt die ver­kehrs­er­for­der­li­che Sorg­falt nicht beach­tet hat. Das dem Ver­fü­gungs­be­rech­tig­ten anzu­las­ten­de Ver­hal­ten muss zudem kau­sal gewor­den sein und kann sowohl den Ein­tritt als auch die Höhe des Scha­dens betref­fen 5.
Gemäß Art. 11 Abs. 1 CMR hat der Absen­der dem Fracht­füh­rer die­je­ni­gen Urkun­den zur Ver­fü­gung zu stel­len, die für die vor der Ablie­fe­rung des Gutes zu erle­di­gen­de Zoll- oder sons­ti­ge amt­li­che Behand­lung not­wen­dig sind. Damit sind sämt­li­che Urkun­den gemeint, die die betei­lig­ten Hoheits­trä­ger bei einem grenz­über­schrei­ten­den Trans­port zur Vor­aus­set­zung des Grenz­über­tritts gemacht haben 6. Doku­men­te, die ledig­lich die Abwick­lung von Ver­wal­tungs­ver­fah­ren begüns­ti­gen oder den Grenz­über­tritt beschleu­ni­gen kön­nen, wer­den vom Wort­laut des Art. 11 Abs. 1 CMR nicht erfasst 7. Dem­entspre­chend ord­net Art. 11 Abs. 2 Satz 2 CMR eine ver­schul­dens­un­ab­hän­gi­ge 8Haf­tung des Absen­ders für alle Schä­den an, die aus dem Feh­len, der Unvoll­stän­dig­keit oder der Unrich­tig­keit der nach Art. 11 Abs. 1 CMR erfor­der­li­chen Urkun­den ent­stan­den sind.
Bei einem Car­net TIR han­delt es sich nicht um eine "not­wen­di­ge Urkun­de" im Sin­ne von Art. 11 Abs. 1 CMR.
Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 9. Sep­tem­ber 2010 – I ZR 152/​09
Das nicht ablie­fer­ba­re Fracht­gut Wird nach Über­nah­me des Gutes erkenn­bar, dass die Ablie­fe­rung nicht ver­trags­ge­mäß durch­ge­führt wer­den kann, so hat der Fracht­füh­rer nach der gemäß § 452 HGB auf…
BGH, Urteil vom 25.10.2001 – I ZR 187/​99, TranspR 2002, 198, 199 = VersR 2002, 1580; Kol­ler, Trans­port­recht, 07. Aufl., Art. 20 CMR Rn. 1; MünchKomm.HGB/Jesser-Huß, 02. Aufl., Art. 20 CMR Rn. 4; Boesche in Ebenroth/​Boujong/​Joost/​Strohn, HGB, 02. Aufl., Art. 20 CMR Rn. 2[↩]
Herber/​Piper, CMR, Art. 20 Rn. 3[↩]
BGH, TranspR 2002, 198, 199[↩]
BGH, TranspR 2002, 198, 199; Herber/​Piper aaO Art. 20 Rn. 3; Boesche in Ebenroth/​Boujong/​Joost/​Strohn aaO Art. 20 CMR Rn. 2; Thume/​Demuth, CMRKom­men­tar, 02. Aufl., Art. 20 Rn. 4[↩]
Kol­ler aaO Art. 17 CMR Rn. 31a; Boesche in Ebenroth/​Boujong/​Joost/​Strohn aaO Art. 17 CMR Rn. 22; MünchKomm.HGB/JesserHuß aaO Art. 17 CMR Rn. 30 f.[↩]
Thume/​Temme aaO Art. 11 Rn. 3[↩]
Kol­ler aaO Art. 11 CMR Rn. 2; Thume/​Temme aaO Art. 11 Rn. 8; Boesche in Ebenroth/​Boujong/​Joost/​Strohn aaO Art. 11 CMR Rn. 2; Herber/​Piper aaO Art. 11 Rn. 1[↩]
vgl. Kol­ler aaO Art. 11 CMR Rn. 3; Helm, Fracht­recht II: CMR, 02. Aufl., Art. 11 Rn. 4; MünchKomm.HGB/JesserHuß aaO Art. 11 CMR Rn. 4[↩]
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