Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Text=NVwZ%201998,%20878
Timestamp: 2018-03-23 20:40:12
Document Index: 5523635

Matched Legal Cases: ['BGH', '§ 839', 'Art. 34', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 839', '§ 839', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 839', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH']

BGH, 02.04.1998 - III ZR 111/97 - dejure.org
Verschulden bei sorgfältiger und ausschöpfender Betrachtung des Sachverhalts durch einen Beamten - Einsicht eines Rechtskundigen gegenüber einem Kollegialorgan - Duldung einer Maßnahme bei deren Rechtmäßigkeit
BGB § 839; GG Art. 34 Abs. 1
NJW 1998, 2909 (Ls.)
NVwZ 1998, 878
Nach der Rechtsprechung des Bundesgerichtshofes entfällt ein Verschulden des Beamten, wenn ein Kollegialgericht dessen Rechtsansicht bestätigt hat (vgl. BGH, Urteil vom 14. Dezember 1978 - III ZR 77/76 - BGHZ 73, 161 ; 97, 97 ; BGH, Urteil vom 2. April 1998 - III ZR 111/97 - NVwZ 1998, 878; ebenso BVerwG, Urteil vom 22. Januar 1998 - BVerwG 2 C 4.97 - BayVBl 1998, 668 = JZ 1999, 89).
Er gilt jedenfalls dann nicht, wenn die Beurteilung des Kollegialgerichts auf einer unzureichenden tatsächlichen oder rechtlichen Grundlage beruht, etwa weil das Gericht den festgestellten Sachverhalt nicht sorgfältig und erschöpfend gewürdigt hat (BGH, Urteil vom 2. April 1998 - III ZR 111/97, BGHR BGB § 839 Abs. 1 Satz 1 - Verschulden 32, m.w.Nachw.).
Zweifelhaft ist insoweit bereits das Feststellungsinteresse: Aus einer präjudiziellen Wirkung im Hinblick auf eine vorgesehene Amtshaftungsklage (§ 839 BGB) kann es sich schon deshalb nicht ergeben, weil mit Blick auf das klagabweisende Urteil des Verwaltungsgerichts ein Verschulden der für den Beklagten handelnden Amtswalter fehlen dürfte (zur sog. Kollegialgerichtsregel s. BGH, Urteil vom 2. April 1998, NVwZ 1998, 878 m.w.N.).
Darüber hinaus ist die sog. Kollegialgerichtsrichtlinie zu beachten, wonach ein Verschulden des Amtsträgers in der Regel - abgesehen von hier, wie noch ausgeführt wird, nicht einschlägigen Ausnahmekonstellationen - ausscheidet, wenn ein mit mehreren Rechtskundigen besetztes Kollegialgericht die Rechtmäßigkeit der Amtshandlung (unrichtigerweise) bejaht hat (BGH, NJW 1998, 751, 752 m.w.N.; BGH, Urteil vom 02.04.1998, III ZR 111/97, zitiert nach juris Rn. 12, 13; OLG München…, Beschluss vom 07.03.2007, 1 U 1585/07, zitiert nach juris Rn. 9;… Paland/Sprau, BGB, 72. Aufl., § 839 Rn. 53 m.w.N.).
Gründe für eine Ausnahme von der Kollegialgerichts-Richtlinie sind nicht gegeben (s. dazu BVerwG…, Beschluss vom 3. Mai 2004, a.a.O.; BGH, Urteil vom 2. April 1998, a.a.O.; BGH, Urteil vom 16. Januar 1997 - III ZR 117/95 -, BGHZ 134, 268 ff.).
Deswegen bestehen insoweit keine Bedenken gegen die Anwendung der "Kollegialgerichts-Richtlinie", die besagt, daß einen Beamten in der Regel kein Verschulden trifft, wenn ein mit mehreren Rechtskundigen besetztes Kollegialgericht die Amtstätigkeit als objektiv rechtmäßig angesehen hat (vgl. zu dieser Richtlinie zuletzt Senatsurt. v. 16. Oktober 1997 - III ZR 23/96 = NJW 1998, 751, und v. 2. April 1998 - III ZR 111/97, für BGHR vorgesehen, jeweils m.w.N.).
Soweit er ferner die Frage aufwirft, ob allein der Umstand, dass einige Oberverwaltungsgerichte bzw. Verwaltungsgerichtshöfe durch ihre besonnenen Richterinnen und Richter die Furcht syrischer Wehrdienstentzieher vor flüchtlingsrelevanten Sanktionen für begründet hielten, die Verfolgungsfurcht als begründet erscheinen lasse, mag ihm die "Kollegialgerichtsrechtsprechung" zur Amtshaftung vorgeschwebt haben (BGH, Urt. v. 2.4.1998 - III ZR 111/97 -, NVwZ 1998, 878).
Anhaltspunkte für das Vorliegen einer jener Ausnahmefallgestaltungen, in denen die "Kollegialgerichtsrichtlinie" nicht eingreift (vgl. dazu z.B. BGH, U.v. 2.4.1998 - III ZR 111/97 - NVwZ 1998, 878), sind ebenso wenig ersichtlich wie dafür, dass der Klägerin zu 1) ein verschuldensunabhängiger Ersatzanspruch gegen die Beklagte zustehen könnte.
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