Source: https://www.rechtslupe.de/steuerrecht/einkommensteuer/einkommensteuer-betrieb/veraeusserungsgewinne-und-die-fortgefuehrte-unternehmerische-taetigkeit-3101892
Timestamp: 2020-01-20 09:52:12
Document Index: 356671822

Matched Legal Cases: ['§ 35', '§ 35', '§ 180', '§ 35', '§ 15', '§ 18', '§ 18', '§ 35', '§ 35', '§ 18', '§ 18', '§ 35', '§ 18', '§ 18', '§ 18']

Ver­äu­ße­rungs­ge­win­ne – und die fort­ge­führ­te unter­neh­me­ri­sche Tätig­keit | Rechtslupe
Über die Fra­ge, ob Tei­le des fest­ge­setz­ten Gewer­be­steu­er­mess­be­trags von der Ein­kom­men­steu­er­ermä­ßi­gung nach § 35 Abs. 1 EStG 2002 aus­ge­schlos­sen sind, ist im Fest­stel­lungs­ver­fah­ren nach § 35 Abs. 3 EStG 2002 zu ent­schei­den 1. Bei die­sem Ver­fah­ren han­delt es sich um ein ‑gegen­über der Gewinn­fest­stel­lung gemäß § 180 Abs. 1 Nr. 2 Buchst. a der Abga­ben­ord­nung- eigen­stän­di­ges Fest­stel­lungs­ver­fah­ren, auch wenn ‑wie im Streit­fall erfolgt- die in den bei­den Ver­fah­ren zu tref­fen­den Fest­stel­lun­gen äußer­lich, d.h. for­mu­lar­mä­ßig, mit­ein­an­der ver­bun­den wer­den kön­nen 2.
Nach § 35 Abs. 1 Nr. 2 EStG 2002 ermä­ßigt sich die tarif­li­che Ein­kom­men­steu­er, soweit sie antei­lig auf im zu ver­steu­ern­den Ein­kom­men ent­hal­te­ne gewerb­li­che Ein­künf­te ent­fällt, bei Ein­künf­ten aus Gewer­be­be­trieb als Mit­un­ter­neh­mer i.S. des § 15 Abs. 1 Satz 1 Nrn. 2 und 3 EStG 2002 um das 1, 8fache des fest­ge­setz­ten antei­li­gen Gewer­be­steu­er­mess­be­trags. Mit Rück­sicht auf die son­der­ge­setz­li­che Wer­tung des § 18 Abs. 4 Sät­ze 1 und 2 UmwStG 2002 gehö­ren aller­dings Ver­äu­ße­rungs- und Auf­ga­be­ge­win­ne i.S. des § 18 Abs. 4 Sät­ze 1 und 2 UmwStG 2002 nicht zu den Ein­künf­ten aus Gewer­be­be­trieb i.S. von § 35 Abs. 1 Nr. 2 EStG 2002. Der auf sol­che Gewin­ne ent­fal­len­de Teil des Gewer­be­steu­er­mess­be­trags ist danach bereits nach § 35 EStG 2002 von der Steu­er­ermä­ßi­gung nach die­ser Vor­schrift aus­ge­schlos­sen. Inso­weit kommt § 18 Abs. 4 Satz 3 UmwStG 2002, dem­zu­fol­ge der auf Ver­äu­ße­rungs- oder Auf­ga­be­ge­win­nen i.S. des § 18 Abs. 4 Sät­ze 1 und 2 UmwStG 2002 beru­hen­de Teil des Gewer­be­steu­er­mess­be­trags bei der Ein­kom­men­steu­er­ermä­ßi­gung des § 35 EStG 2002 nicht zu berück­sich­ti­gen ist, ledig­lich klar­stel­len­de Bedeu­tung zu 2.
Anders als das Finanz­amt offen­bar meint, wer­den von § 18 Abs. 4 Sät­ze 1 und 2 UmwStG 2002 Gewin­ne aus Geschäfts­vor­fäl­len, die auf der im Wesent­li­chen unver­än­der­ten Fort­füh­rung der bis­he­ri­gen unter­neh­me­ri­schen Tätig­keit beru­hen, nicht erfasst. Dies ergibt sich aus Sinn und Zweck des § 18 Abs. 4 UmwStG 2002. Die­se Rege­lung will ledig­lich ver­hin­dern, dass die Gewer­be­steu­er­pflicht einer Kapi­tal­ge­sell­schaft, die auch Gewin­ne aus der Ver­äu­ße­rung oder Liqui­da­ti­on ihres Betriebs umfasst, dadurch unter­lau­fen wird, dass die Kapi­tal­ge­sell­schaft ohne Auf­de­ckung der stil­len Reser­ven in eine Per­so­nen­ge­sell­schaft umge­wan­delt und der über­ge­gan­ge­ne Betrieb erst im Anschluss hier­an (inner­halb von fünf Jah­ren nach der Umwand­lung) ‑wie­der­um ohne Anfall von Gewer­be­steu­er- ver­äu­ßert oder auf­ge­ge­ben wird 3. Die Ver­äu­ße­rung von Wirt­schafts­gü­tern als Teil der lau­fen­den unter­neh­me­ri­schen Tätig­keit unter­fällt aber auch bei einer Per­so­nen­ge­sell­schaft selbst dann der Gewer­be­steu­er, wenn sie zeit­lich mit der Auf­ga­be oder der Ver­äu­ße­rung ihres Betriebs zusam­men­fällt 4. Inso­weit bedurf­te es also kei­ner son­der­ge­setz­lich gere­gel­ten Gewer­be­steu­er­pflicht der­ar­ti­ger Ver­äu­ße­rungs­ge­win­ne. Von § 18 Abs. 4 Sät­ze 1 und 2 UmwStG 2002 wird danach ein Gewinn aus der Ver­äu­ße­rung eines Wirt­schafts­guts nicht erfasst, wenn sich die­se Ver­äu­ße­rung als zur fort­lau­fen­den Geschäfts­tä­tig­keit der Per­so­nen­ge­sell­schaft gehö­ren­der Geschäfts­vor­fall dar­stellt, selbst wenn das betref­fen­de Wirt­schafts­gut zuvor, z.B. bei der durch Umwand­lung been­de­ten Kapi­tal­ge­sell­schaft, noch einem ande­ren Zweck gedient hat.
Ohne Erfolg beruft sich das Finanz­amt auch auf das BFH, Urteil vom 10.08.2005 – VIII R 78/​02 5. Nach die­ser Ent­schei­dung sind Wirt­schafts­gü­ter, die zum Zwe­cke der dau­er­haf­ten Ein­bin­dung in einen bereits bestehen­den Geschäfts­be­trieb erwor­ben wer­den, ‑vor­be­halt­lich eines Gestal­tungs­miss­brauchs- auch dann im Anla­ge­ver­mö­gen aus­zu­wei­sen, wenn die gesam­te orga­ni­sa­to­ri­sche Ein­heit (Betrieb ein­schließ­lich erwor­be­ner Wirt­schafts­gü­ter) kur­ze Zeit spä­ter mit der Absicht ihrer Wei­ter­füh­rung ver­äu­ßert wird. Im Streit­fall fehlt es aber bereits an der Ver­äu­ße­rung einer sol­chen orga­ni­sa­to­ri­schen Ein­heit.
z.B. BFH, Urteil vom 15.04.2010 – IV R 5/​08, BFHE 229, 524, BSt­Bl II 2010, 912[↩]
z.B. BFH, Urteil in BFHE 229, 524, BSt­Bl II 2010, 912[↩][↩]
z.B. BFH, Urteil vom 16.12 2009 – IV R 22/​08, BFHE 227, 481, BSt­Bl II 2010, 736[↩]
z.B. BFH, Urteil vom 26.06.2007 – IV R 49/​04, BFHE 217, 150, BSt­Bl II 2009, 289[↩]
BFHE 211, 137, BSt­Bl II 2006, 58[↩]