Source: https://issuu.com/koschyk/docs/rede-geldw__sche_20120928085724
Timestamp: 2017-10-20 18:52:37
Document Index: 228749017

Matched Legal Cases: ['§ 2', '§ 9', '§9', '§ 9', '§ 9', '§ 9', '§ 9', '§ 17']

Rede-Geldwäsche by Harmut Koschyk - issuu
Erste Beratung des Gesetzentwurfs der Bundesregierung Entwurf eines Gesetzes zur Ergänzung des Geldwäschegesetzes (GwGErgG) BT-Drucksache 17/10745 TOP 22
Nach den Schätzungen der Europäischen Kommission lagen die Einnahmen der Online-Glücksspielanbieter innerhalb der EU bereits im Jahr 2008 bei über 6 Mrd. Euro. Dabei ist das Dunkelfeld noch nicht berücksichtigt. Viele Anbieter operieren illegal. Deshalb sind die tatsächlichen Volumina weit höher. Online-Glücksspiel ist ein Wachstumsmarkt. Die Einnahmen aus dem Online-Glücksspiel durften sich in den nächsten fünf Jahren – ausgehend von den erwähnten Schätzungen aus dem Jahr 2008 – verdoppeln.
Bei Online-Glücksspielen sind auch die Risiken für Betrug und Geldwäsche besonders hoch, weil Spieler leichter anonym oder mit gefälschten Identitäten auftauchen können. Dies geschieht zum Teil im Zusammenwirken zwischen Spielern sowie dem Betreiber des Online-Glücksspiels und meistens zulasten anderer Spieler. Die illegale Herkunft der in den Spielbetrieb eingebrachter Gelder kann durch Transaktionen über mehrere Spielerkonten und Konten der Betreiber bestens verschleiert werden. Da der Spieler nicht physisch präsent ist und die Verifizierung der Identität des Spielers in vielen Staaten nur unzureichenden Anforderungen unterliegt, bleibt vielfach die handelnde Person oder der wirtschaftlich Berechtigte im Dunkeln. Illegal erlangte Vermögenszuwächse können durch Teilnahme am Spiel als Spielgewinn deklariert werden. Erleichtert wird Geldwäsche und Betrug zusätzlich dadurch, dass im Spiel eingesetzte Gelder durch neue Zahlungsmethoden, etwa durch die Nutzung von elektronischem Geld, an oder vom
Glückspielbetreiber transferiert werden, ohne eine Datenspur zu hinterlassen.
Deshalb besteht im Bereich des Online-Glücksspiels Handlungsbedarf für den Gesetzgeber. Mit dem Gesetzentwurf sollen die Betreiber von Glücksspielen im Internet in den Kreis der Verpflichteten des Geldwäschegesetzes mit einbezogen werden. Die Glücksspielaufsichtsbehörden der Länder sollen in die Lage versetzt werden, Finanzströme des von legalen oder illegalen Betreibern angebotenen Onlineglücksspiels wirksam nachzuverfolgen und im Falle der Illegalität auch zu unterbinden.
Dieses Ziel lässt sich nur erreichen, wenn die Nachvollziehbarkeit aller Zahlungsströme zwischen dem Spieler und dem Betreiber gewährleistet ist. Der Herstellung von lückenloser Transparenz bei den Zahlungsströmen gilt deshalb ein besonderes Augenmerk. Neue Zahlungsprodukte wie elektronisches Geld in der Form der anonymen PrepaidKarte oder Zahlungskarten, die nicht zwingend über ein Referenzkonto (Girokonto) genutzt und von dort gespeist werden, erschweren oder verunmöglichen die Verfolgung von Zahlungsströmen und die eindeutige Zuordnung von Zahlungen an bestimmte Auftraggeber oder Empfänger. Intransparente Zahlungsproduktformen wie auf Prepaid Cards gespeichertes elektronisches Geld oder Bargeld können deshalb im Online-Glücksspiel nicht verwendet werden. Die Identifizierung und Verifizierung des Spielers wird den
strengen Anforderungen unterworfen, die in Deutschland bereits für Kreditinstitute bei der Eröffnung eines Kontos gelten und ohnehin im Vollzug höheren Anforderungen als in vielen Staaten unterliegen.
Gegenüber Betreibern und Spielern soll eine wirksame Kontrolle und Nachvollziehbarkeit der Finanzströme sichergestellt werden. Ca. 80 % der Spielereinsätze werden weltweit über Kreditkartenzahlungen, der Rest weitgehend über nicht nachvollziehbare E-Geld-Zahlungen erbracht. Kreditkartentransaktionen lassen sich vom pflichtigen Institut, das die Kreditkarte emittiert sowie von den Glücksspielaufsichtsbehörden schwerer als etwa Überweisungen nach Auffälligkeiten kontrollieren. Hier müssen durch technische und organisatorische Vorgaben für Kreditkartenzahlungen und sonstige Transaktionen Parameter geschaffen werden, die es sowohl den in der Zahlungskette eingeschalteten Kredit- und Zahlungsinstituten als auch den Glücksspielaufsichtsbehörden letzteren durch Auskunfts- und Prüfungsrechte ermöglichen, einschlägige Transaktionen abzuprüfen.
Vor diesem Hintergrund sieht der Entwurf u. a. folgende Maßnahmen vor:
Einbeziehung von Veranstaltern und Vermittlern von Onlineglücksspielen als Verpflichtete in das Geldwäschegesetz (§ 2 Absatz 1 GwG-E)
Besondere Sorgfalts- und Organisationspflichten unter Berücksichtigung der spezifischen Geldwäscherisiken des Online-Glücksspiels (§§ 9a bis §9d GwG-E) Interne Sicherungsmaßnahmen und Anforderungen an das interne Risikomanagement für OnlineGlücksspielanbieter (§ 9a GwG-E) Auskunftsrechte der zuständigen Glücksspielaufsichtsbehörden der Länder gegenüber Finanzinstituten zur Verhinderung des illegalen Online-Glücksspiels (§ 9a GwG-E) Vorgaben zur Spieleridentifizierung, Anforderungen an die Errichtung eines Spielerkontos und Herstellung von Transparenz der Zahlungsströme zwischen OnlineGlücksspielanbietern und Spielern (§§ 9b, 9c GwG-E) Neue Sorgfaltspflichten für die in die Zahlungswege eingebundenen Kredit- und Zahlungsinstitute bei der Nutzung von Zahlungskarten (§ 9d GwG-E) Anpassung der Bußgeldtatbestände (§ 17 GwG-E)
Bisher war in Deutschland das Glücksspiel über das Internet oder anderen elektronischen Fernkommunikationsmitteln (sog. Online-Glücksspiel) ausnahmslos verboten. Demzufolge war eine Einbeziehung dieser Form des Glücksspiels in den Verpflichtetenkreis des Geldwäschegesetzes obsolet. Mit Auslaufen des Staatsvertrags zum Glücksspielwesen in Deutschland aus dem Jahr 2007 und den in die Zuständigkeit der Länder fallenden Neuregelungen hat sich hier eine grundlegende
Änderung ergeben. Schleswig-Holstein hat mit dem Gesetz zur Neuordnung des Glücksspiels vom 20. Oktober 2011 Regelungen für legales Glücksspiel im Internet erlassen. Die übrigen Bundesländer haben mit dem Ersten Staatsvertrag zur Änderung des Staatsvertrages zum Glücksspielwesen in Deutschland vom 15. Dezember 2011 die Möglichkeit zur Erlaubnis des Eigenvertriebs und der Vermittlung von Lotterien sowie die Veranstaltung und Vermittlung von Sportwetten im Internet geschaffen.
Deshalb ist es erforderlich geworden, das Geldwäschegesetz der neuen Situation anzupassen und die Online-Varianten des Glücksspiels in die präventiv wirkenden Regelungen des Geldwäschegesetzes einzubeziehen und dem spezifischen Geldwäscherisiko angemessene Sicherungsmaßnahmen und Organisationspflichten für diesen Wirtschaftsbereich zu schaffen.
Eine Einbeziehung des Glücksspiels im Internet ist auch aus europarechtlichen Gründen erforderlich: Der Erwägungsgrund 14 der Richtlinie 2005/60/EG besagt, dass diese auch für die über das Internet ausgeübten Tätigkeiten der dieser Richtlinie unterliegenden Institute und Personen gelten solle. Nach dem Bericht der Europäischen Kommission an das Europäische Parlament und den Rat über die Anwendung der Richtlinie 2005/60/EG vom 11.4.2012 wird die Aufnahme einer umfassenderen Definition des Begriffs „Glücksspiel“ unter Ausweitung des Geltungsbereichs über die derzeit Verpflichteten hinaus
generell befürwortet. Auch der Deutsche Bundestag hat sich im Bericht des Finanzausschusses vom 1. Dezember 2011 zu dem Gesetzesentwurf der Bundesregierung zum Entwurf eines Gesetzes zur Optimierung der Geldwäscheprävention für solche regulatorischen Maßnahmen ausgesprochen.
Es soll hier nicht verschwiegen werden, dass der Gesetzesentwurf aufgrund seiner beschränkten Reichweite nicht alle Probleme beseitigen kann. Deutschland kann den legalen und illegalen Glücksspielmarkt nur regulieren, soweit deutsche Konzessionäre, von Deutschland aus agierende Spieler oder über deutsche Institute abgewickelte Finanzströme betroffen sind. Für legale oder illegale Glücksspiele, die weltweit für das internationale Publikum von einem Betreiber im Sitz im Ausland online - in Europa insbesondere über die nicht zur EU gehörenden Kanalinseln angeboten werden, gilt dies nicht. Der Schwarzmarkt bei Online‐Sportwetten wird sich deshalb nur wirksam zurückdrängen lassen, wenn rechtsverbindliche internationale Standards über die Genehmigungsanforderungen an die Konzessionäre geschaffen und umgesetzt werden. Dies ist auch für eine harmonisierte Strafverfolgung zwingend. Die Umsetzung der harmonisierten geldwäscherechtlichen Anforderungen der 3. Geldwäscherichtlinie im europäischen Online-Glücksspielsektor und ihre Erweiterung, die Gegenstand der Diskussion über die 4. EUGeldwäscherichtlinie sein werden, wäre ein wichtiger erster Schritt.
Mit dem im Gesetzesentwurf verfolgten Präventionsansatz wird nicht nur der derzeit in der Europäischen Union verbindliche Standard zur Verhinderung der Geldwäsche eingehalten, sondern dieser qualitativ fortgeschrieben. Die Bundesregierung wird sich im Rahmen der Verhandlungen der kommenden 4. EU-Geldwäscherichtlinie dafür einsetzen, dass dieser qualitative Ansatz in der neuen Richtlinie für den gesamten Online-Glücksspielsektor in der Europäischen Union übernommen wird.
Rede-Geldwäsche
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