Source: http://www.bverfg.de/entscheidungen/rs20000719_1bvr053996
Timestamp: 2017-08-18 07:00:57
Document Index: 197915234

Matched Legal Cases: ['Art 12', 'Art. 12', 'Art. 12', '§ 1', '§ 13', 'Art. 1', '§ 13', '§ 1']

Bundesverfassungsgericht - Entscheidungen - Teilweise Verfassungswidrigkeit des baden-württembergischen Spielbankengesetzes: Zulässigkeit der Verfassungsbeschwerde, Betroffenheit der Spielbankgesellschaften - Betätigung als Spielbankunternehmer als Berufsausübung iSv GG Art 12 Abs 1
StartseiteEntscheidungen Beschluss vom 19. Juli 2000 - 1 BvR 539/96
vom 19. Juli 2000
- 1 BvR 539/96 -
Das Betreiben einer öffentlichen Spielbank ist, solange diese Tätigkeit nicht gesetzlich verboten und privaten Unternehmen zugänglich ist, Ausübung eines Berufs im Sinne von Art. 12 Abs. 1 GG.
Beschränkungen des Zugangs zu diesem Beruf sind zulässig, wenn mit ihnen wichtige Gemeinwohlbelange verfolgt werden und der Verhältnismäßigkeitsgrundsatz gewahrt ist.
Die Regelungen des baden-württembergischen Spielbankenrechts von 1995 und 1996 über die Trägerschaft der öffentlichen Spielbanken in Baden-Baden und Konstanz sind mit dem Grundrecht der Berufswahlfreiheit aus Art. 12 Abs. 1 GG unvereinbar und nichtig, weil sie den Grundsatz der Verhältnismäßigkeit nicht wahren.
1. der S p i e l b a n k B a d e n - B a d e n Gesellschaft mit beschränkter Haftung & Co Kommanditgesellschaft, Baden-Baden,
2. der Spielbank Baden-Baden Gesellschaft mit beschränkter Haftung & Co S p i e l b a n k K o n s t a n z Kommanditgesellschaft,
vertreten durch die Spielbank Baden- Baden Gesellschaft mit beschränkter Haftung, Baden-Baden,
3. des Herrn Professor Dr. A...,
4. des Herrn Dr. K...,
5. des Herrn von R...,
6. des Herrn von R...,
7. des Herrn O...,
8. des Herrn S...,
9. des Herrn T...,
10. des Herrn R...,
11 des Herrn G...,
Rechtsanwälte Professor Dr. Rüdiger Zuck und Koll.
, Möhringer Landstraße 5,
gegen 1. § 1 Abs. 3 und 5, § 13 Abs. 1 Satz 2 und 3,
Abs. 2 Satz 1 des baden-württembergischen Gesetzes
über öffentliche Spielbanken (Spielbankengesetz - SpBG) vom 23. Februar 1995 (GBl S. 271),
2. Art. 1 des baden-württembergischen Gesetzes zur Änderung des Spielbankengesetzes vom 12. Februar 1996 (GBl S. 127)
Beteiligte: Landesregierung Baden-Württemberg,
Richters Kühling,
am 19. Juli 2000 beschlossen:
Artikel 1 des baden-württembergischen Gesetzes zur Änderung des Spielbankengesetzes vom 12. Februar 1996 (Gesetzblatt für Baden-Württemberg Seite 127) und § 13 Absatz 1 Satz 2 und 3 in Verbindung mit § 1 Absatz 3 und 5 des baden-württembergischen Gesetzes über öffentliche Spielbanken (Spielbankengesetz - SpBG) vom 23. Februar 1995 (Gesetzblatt für Baden-Württemberg Seite 271) sind mit Artikel 12 Absatz 1 des Grundgesetzes unvereinbar und nichtig.
Die Verfassungsbeschwerde wird, soweit sie von den Beschwerdeführern zu 3 bis 11 eingelegt worden ist, verworfen.
Das Land Baden-Württemberg hat den Beschwerdeführerinnen zu 1 und 2 die im Verfassungsbeschwerdeverfahren entstandenen notwendigen Auslagen zu erstatten.
2. In der Bundesrepublik Deutschland gibt es derzeit 46 öffentliche Spielbanken (vgl. dazu und zum Folgenden die Internet-Angaben unter der URL <Uniform Resource Locator>:
http://www.casinoland.de/bank16.shtml
<Stand: 17. Februar 2000>). Von ihnen werden sechs als Staatsbetriebe des Freistaats Bayern, 25 durch Gesellschaften, deren Anteile vollständig vom jeweiligen Land gehalten werden, und die restlichen 15 in privater Trägerschaft betrieben. Die Spielbankunternehmen haben 1999 bei einem Umsatz von zusammen 68 Milliarden DM einen Brutto-Spielertrag von rund 1,7 Milliarden DM erwirtschaftet.
Spielbankerlaubni s
Kühling Jaeger Haas
Hoffmann-Riem Di Fabio
ECLI:DE:BVerfG:2000:rs20000719.1bvr053996
BVerfG, Beschluss des Ersten Senats vom 19. Juli 2000
- 1 BvR 539/96 - Rn. (1-94),
http://www.bverfg.de/e/rs20000719_1bvr053996.html
Nr. 122/2000 vom 21. September 2000
BVerfGE 102, 197 - 224