Source: http://kanzleipalm.de/familie.htm
Timestamp: 2018-01-19 09:31:24
Document Index: 57350515

Matched Legal Cases: ['§ 17', '§ 31', '§ 19', '§ 31', '§ 31', '§ 31', '§ 17', '§ 81', '§ 31']

Anwaltskanzlei Dr. Palm - Bonn - ONLINE - Ausländerrecht - Familie
Das neue „Aufenthaltsgesetz (AufenthG)“ löst das bislang geltende Ausländergesetz ab und normiert umfassend Einreise und Aufenthalt von Ausländern ausgehend von ihrem Zweck statt wie bisher nach Aufenthaltstiteln. Die Grundzüge des alten Rechts der §§ 17 - 22 AuslG 1990 wurden beibehalten.
Die Ehe eines Ausländers mit einem Deutschen/einer Deutschen führt zu einer Privilegierung des Aufenthalts. Folgende unten aufgeführte Regelungen sind für verheiratete Ausländer maßgeblich.
Die alte Gesetzeslage: Ausländische Ehepartner müssen nur noch eine zweijährige Ehe  bis vor zwei Jahren waren es vier Jahre  nachweisen, um ein eigenständiges Aufenthaltsrecht in Deutschland zu erhalten.
Der Ausländer erwirbt schon dann ein eigenständiges Aufenthaltsrecht, wenn die eheliche Lebensgemeinschaft mit dem deutschen Ehegatten mindestens zwei Jahre lang bestanden hat. Die zunächst auf drei Jahre befristete Aufenthaltserlaubnis kann daher in diesem Fall nicht mehr nachträglich befristet werden und wird nach Ablauf der drei Jahre zunächst um ein Jahr verlängert. Die Erteilung einer unbefristeten Aufenthaltserlaubnis kommt indes nach wie vor erst dann in Betracht, wenn die eheliche Lebensgemeinschaft nach drei Jahren noch Bestand hat oder der Ausländer bereits seit fünf Jahren eine Aufenthaltserlaubnis besitzt.
Weiterhin galt, dass die Aufenthaltserlaubnis selbst dann verlängert werden kann, wenn die eheliche Lebensgemeinschaft weniger als zwei Jahre bestanden hat, sofern eine besondere Härte vorliegt. Hierbei stellt das Gesetz fest, dass eine besondere Härte nicht nur dann gegeben ist, wenn die Rückkehr in das Heimatland dem Ausländer nicht zumutbar ist. Vielmehr liegt eine besondere Härte auch dann vor, wenn es dem Ausländer nicht zumutbar ist, an der Lebensgemeinschaft mit dem deutschen Ehegatten festzuhalten. Der Gesetzgeber hat hierbei insbesondere an solche Fälle gedacht, in denen ausländische Ehefrauen von ihren deutschen Ehemännern geschlagen oder missbraucht werden. Zu beachten ist allerdings, dass die Verlängerung der Aufenthaltserlaubnis aufgrund einer besonderen Härte zur Vermeidung von Missbrauch versagt werden kann, wenn der Ausländer Sozialhilfe bezieht.
Damit ist nicht nur die Dauer bis zu einem eigenständigen Aufenthaltsrecht verkürzt worden. Auch die Gründe, die bei kürzer bestehender Ehe als Härtefall dennoch zu einem Bleiberecht führen, sind erweitert worden. Während früher unter Härtefall nur ein aus der Rückkehrverpflichtung erwachsender Grund berücksichtigungsfähig war, sind jetzt auch Gründe beachtenswert, die die Zumutbarkeit der Ehe überhaupt betreffen.
So lautete das alte Gesetz:
1. die eheliche Lebensgemeinschaft seit mindestens zwei Jahren rechtmäßig im Bundesgebiet bestanden hat,
2. die eheliche Lebensgemeinschaft rechtmäßig im Bundesgebiet bestanden hat und es zur Vermeidung einer besonderen Härte erforderlich ist, dem Ehegatten den weiteren Aufenthalt zu ermöglichen, es sei denn, für den Ausländer ist die Erteilung einer unbefristeten Aufenthaltserlaubnis ausgeschlossen, oder
Eine besondere Härte im Sinne von Satz 1 Nr. 2 liegt insbesondere vor, wenn dem Ehegatten wegen der aus der Auflösung der ehelichen Lebensgemeinschaft erwachsenden Rückkehrverpflichtung eine erhebliche Beeinträchtigung seiner schutzwürdigen Belange droht, oder wenn dem Ehegatten wegen der Beeinträchtigung seiner schutzwürdigen Belange das weitere Festhalten an der ehelichen Lebensgemeinschaft unzumutbar ist; zu den schutzwürdigen Belangen zählt auch das Wohl eines mit dem Ehegatten in familiärer Lebensgemeinschaft lebenden Kindes. Zur Vermeidung von Missbrauch kann die Verlängerung der Aufenthaltserlaubnis in den Fällen des Satzes 1 Nr. 2 versagt werden, wenn der Ehegatte aus einem von ihm zu vertretenen Grund auf die Inanspruchnahme von Sozialhilfe angewiesen ist.
Die Neuregelungen in § 31 AufenthG übernehmen weitgehend die Neuregelungen des § 19 AuslG a. F. - also zweijährige Ehebestandszeit nach § 31 Abs. 1 S. 1 Nr. 1 AufenthG, Tod des Ehepartners nach § 31 Abs. 1 S. 1 Nr. 2 AufenthG sowie nach § 31 Abs. 2 AufenthG "besondere Härte".
Die Rechtsprechung geht weitgehend davon aus, dass die zweijährige Ehebestandszeit und der Begriff der besonderen Härte auch dann einschlägig ist, wenn die eheliche Lebensgemeinschaft bereits vor dem 01.06.2000 aufgelöst und der Antrag auf die Aufenthaltserlaubnis vor diesem Zeitpunkt gestellt worden ist.
3. dem ausländischen Elternteil eines minderjährigen ledigen Deutschen zur Ausübung der Personensorge zu erteilen, wenn der Deutsche seinen gewöhnlichen Aufenthalt im Bundesgebiet hat; sie kann nach Maßgabe des § 17 Abs. 1 auch dem nicht-sorgeberechtigten Elternteil eines minderjährigen ledigen Deutschen erteilt werden, wenn die familiäre Gemeinschaft schon im Bundesgebiet gelebt wird.
Exkurs: Aufenthaltsfiktion § 81 AufentG und Ehedauer
Beantragt ein Ausländer, der sich rechtmäßig im Bundesgebiet aufhält, ohne einen Aufenthaltstitel zu besitzen, die Erteilung eines Aufenthaltstitels, gilt sein Aufenthalt bis zur Entscheidung der Ausländerbehörde als erlaubt. Wird der Antrag verspätet gestellt, gilt ab dem Zeitpunkt der Antragstellung bis zur Entscheidung der Ausländerbehörde die Abschiebung als ausgesetzt. Beantragt ein Ausländer die Verlängerung seines Aufenthaltstitels oder die Erteilung eines anderen Aufenthaltstitels, gilt der bisherige Aufenthaltstitel vom Zeitpunkt seines Ablaufs bis zur Entscheidung der Ausländerbehörde als fortbestehend. Dem Ausländer ist eine Bescheinigung über die Wirkung seiner Antragstellung (Fiktionsbescheinigung) auszustellen.
Für die zweijährige Ehebestandszeit des § 31 Abs. 1. S. Nr. AufenthG reichen Erlaubnisfiktionen nach diesen beiden Fallkonstellationen für die Rechtmäßigkeit des Aufenthalts aus.
Ein Anspruch auf Erteilung einer Duldung zur Eheschließung besteht nur dann, wenn die Eheschließung mit einem deutschen Staatsangehörigen, von dem die Eheschließung im Ausland nicht verlangt werden kann, unmittelbar bevorsteht. Entscheidend ist die Aussage des Standesbeamten. Wird bei der Prüfung der Ehevoraussetzungen ein Ehehindernis nicht festgestellt, so teilt das Standesamt den Eheschließenden mit, dass die Eheschließung vorgenommen werden kann; die Mitteilung ist für das Standesamt, das die Eheschließung vornimmt, verbindlich.