Source: http://www.familienrecht-allgaeu.de/de/einkuenfte.html
Timestamp: 2017-01-20 03:56:17
Document Index: 347967699

Matched Legal Cases: ['§ 2', '§ 2', '§ 2', '§ 4', '§ 8', 'BGH', 'BGH', '§ 55', '§ 1', 'BGH', '§ 287', 'BGH', 'BGH', '§ 41', '§ 19', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 1581', '§ 2', 'BGH', 'BGH', 'BGH']

Reale Einkünfte | Dr. Schröck | Fachanwalt für Familienrecht
Erster Schritt zum unterhaltsrechtlichen Einkommen
UNTERHALT RATGEBERWege zum Unterhaltsrecht
EINKOMMENLeitfaden zur Einkommensermittlung
WEGWEISER zum EINKOMMEN Das Erfassen des steuerrelevanten -> Gesamteinkommens und die -> Korrektur des realen Gesamteinkommens bilden den ersten Schritt zum unterhaltsrelevanten Einkommen. Das Wort "real" wird deshalb betont, weil zum unterhaltsrelevanten Einkommen auch -> fiktive Einkünfte zählen können (= der zweite Schritt: Mehr dazu -> HIER....). Die Seite beschäftigt sich hier mit dem ersten Schritt. Folgen Sie dafür dem -> Wegweiser zum "Real-Einkommen".
Wegweiser zum "Real-Einkommen"
♦ Anknüpfungspunkt: Das steuerrelevante Einkommen♦ Korrekturen des positiven Einkommens
Abfindung Sachleistungen Sozialleistungen Vermögenswirksame Leistungen Erstattung von Spesen
♦ Korrekturen des negativen Einkommens♦ Korrekturen des Steuerabzugs
I. Das steuerrelevante (Gesamt-)Bruttoeinkommen
Welches Einkommen ist unterhaltsrechtlich maßgebend?
♦ Ausgangspunkt - Das steuerrelevante Bruttoeinkommen
LEITFADENzum unterhaltsrelevanten Einkommen
Anknüpfungspunkt für das -> unterhaltsrelevante Einkommen ist das steuerrelevante Gesamteinkommen, bestehend aus der Summe aller sieben Einkunftsarten des § 2 Abs.1 EStG. Es gilt das -> Totalitätzprinzip. Dies bestätigen sämtliche Leitlinien der OLG`s. Beispielhaft werden die süddeutschen Leitlinien ( -> SüdL) mit Ziff. 1.1 SüdL zitiert: "Auszugehen ist vom Bruttoeinkommen als Summe aller Einkünfte". Im ersten Schritt zum unterhaltsrelevanten Einkommen werden damit die sieben Einkunftsarten nach § 2 Abs.1 EStG erfasst, d.h.
Einkünfte sind nach § 2 Abs.2 S.1 EStG
bei Land- und Forstwirtschaft, Gewerbebetrieb und selbständiger Arbeit der Gewinn (§§ 4 bis 7k und 13a EStG) und
bei den anderen Einkunftsarten der Überschuss der Einnahmen über die Werbungskosten (§§ 8 bis 9a EStG).
BGH, Urteil vom 18. April 2012 - XII ZR 73/10Grundsatz der vollständigen Erfassung des Einkommens
(Zitat, Rn 22) "Nach der Rechtsprechung des Senats sind zur Feststellung des Einkommens des Unterhaltspflichtigen allerdings grundsätzlich alle Einkünfte heranzuziehen, die ihm zufließen. Demgemäß sind als Arbeitseinkommen regelmäßig alle Leistungen anzusehen, die dem Unterhaltspflichtigen im Hinblick auf das Arbeits- oder Dienstverhältnis gewährt werden, gleichgültig aus welchem Anlass sie im Einzelnen gezahlt werden. Deshalb gehören Sonderzuwendungen ebenso wie Zulagen und sonstige Nebeneinnahmen regelmäßig zum -> unterhaltsrelevanten Einkommen. Auch die Bestimmung einer Leistung zum Ausgleich besonderer Anstrengungen ( -> überobligatorischer Arbeitseinsatz) oder ähnlichen Verwendungszwecken führt nicht dazu, dass sie von vornherein außer Ansatz zu lassen wären. Vielmehr kommt es insoweit auf den tatsächlichen Mehraufwand an, den der Empfänger einer derartigen Zulage hat (BGH Urteil vom 16. Januar 1980 - IV ZR 115/78 - FamRZ 1980, 342, 343 f. zum Auslandszuschlag nach § 55 BBesG und Senatsurteil vom 6. Oktober 1993 - XII ZR 112/92 - FamRZ 1994, 21, 22 zur Fliegeraufwandsentschädigung für Kampfflieger).
Im Ausgangspunkt gilt also ein Totalitätsprinzip ("Alles wird erfasst"). Auch unregelmäßig zufließende Tantieme gehören dazu. Solche Leistungen sind grundsätzlich unterhaltsrechtlich relevantes Einkommen, das dem sonstigen Erwerbseinkommen gleichsteht (vgl. OLG Frankfurt, OLGR 1997, 166; Wendl/Staudigl-Dose, Das Unterhaltsrecht in der familienrichterlichen Praxis, 7. Aufl., § 1 Rn. 55; Kalthoener/Büttner-Niepmann, Die Rechtsprechung zur Höhe des Unterhalts, 10. Aufl., Rn. 818). Zu Korrekturen, d.h. zum Abblenden bestimmter Einkommensbestandteile kommt es nur dann, wenn sich ausnahmsweise das Einkommen z.T. als Ergebnis eines -> überobligatorischen Arbeitseinsatzes darstellt. Das Thema überobligatorisches Einkommen ist nur ein Teilbereich von möglichen unterhaltsrechtlich veranlassten -> Einkommenskorrekturen. Ausgehend von steuerlichen Bemessungsgrundlage der sieben Einkunftsarten können auf dem Weg zum unterhaltsrechtlichen Einkommen eine Vielzahl rechtstechnischer Korrekturen in Betracht kommen (Überblick dazu -> HIER....). Welcher Art diese sind, zeigen z.B. Ziff. 1.2. bis Ziff. 10 SüdL. Weitere Erklärungen dazu erfolgen über den -> Wegweiser zum "Real-Einkommen".
♦ Einkommenskorrekturen
WEGWEISER EINKOMMENSKORREKTUREN
Das steuerrelevante Einkommen ist nur der (unterhaltsrechtlich anerkannte) Anknüpfungspunkt für das unterhaltsrelevante Einkommen. Denn nicht alles, was steuerpolitisch den Einkommmensbegriff des Einkommensteuerrecht prägt, wird zugleich familienpolitisch respektiert. So sind bei jedem Schritt zum Einkommen (-> Schritte zum Einkommen) unterhaltsrechtliche Korrekturen in Betracht zu ziehen.
Merksätze zum "Gesamteinkommen"
♦ Jeder Geldzufluss wird erfasst (-> Totalitätsprinzip). Es ist das Gesamteinkommen festzustellen.♦ Das Gesamteinkommen unterliegt unterhaltsrechtlichen -> Korrekturen, d.h. es kann zum Abblenden bestimmter Einkommensbestandteile kommen, wenn
das Einkommen z.T. das Ergebnis eines -> überobligatorischen Arbeitseinsatzes ist,
eine -> konkrete Bedarfsermittlung durchzuführen ist. Hier wird insbesondere beim -> Ehegattenunterhalt der Einkommensanteil abgeblendet, der zur Vermögensbildung verwendet wird. Ähnliches gilt beim -> Kindesunterhalt.
Wenn Geldzuflüsse existieren, die keiner steuerlichen Einkunftsart zuzuordnen sind (z.B. -> freiwillige Zuwendungen) und keine -> Lohnersatzfunktion aufweisen.
♦ Ermittlung und Korrektur des Gesamteinkommens bilden den ersten Schritt zum unterhaltsrelevanten Einkommen. Im zweiten Schritt sind mögliche fiktive Einkünfte festzustellen -> HIER..
II. Korrekturen des (positiven) Bruttoeinkommens
Positives reales Einkommen
Unterhaltsrelevante Korrekturen
Um einen Überblick der Korrekturen zum steuerrelevanten Einkommen zu bekommen, wird auf -> Ziff. 1.2. bis Ziff. 10 SüdL verwiesen. Die weiteren Ausführungen sind Ergänzungen und stellen praxisrelevante Themen in den Vordergrund.
♦ Überobligatorische Erwerbstätigkeit
ÜBEROBLIGATORISCHES EINKOMMENIch arbeite mehr als ich verpflichtet bin ...
Wer -> Überstunden leistet, wer neben der -> Kinderbetreuung zusätzlich arbeiten geht, im -> Rentenalter arbeitet oder aus sonstigen Gründen mehr Einkommen erzielt, als ihm üblicherweise zugemutet wird, kann evtl. sein Real-Einkommen um den Anteil an überobligatorischer Leistung korrigieren. Wann es zum Phänomen -> "überobligatorisches Einkommen" kommt, erfahren Sie -> HIER...
♦ Abfindung für den Verlust des Arbeitsplatzes
ABFINDUNGSind Abfindungen unterhaltsrelevant?
♦ Geldwerter Sachvorteil
Geldwerte Sachleistungen, die vom Arbeitgeber gewährt werden, sind dem Einkommen mit einem Geldwert hinzuzurechnen -> Ziff. 4 SüdL (z.B. Werkswohnung oder der -> Dienstwagen als Sachbezug). In der Regel werden Sachbezüge bereits nach Einkommensteuerrecht als Einkommen gewertet. Auch geldwerte Naturalien zählen zum unterhaltsrelevanten Einkommen.
BGH, Urteil vom 9. Juni 2004 - XII ZR 277/02Geldwerter Vorteil & landwirtschaftliche Selbstversorgung (Zitat) "Soweit die Einkünfte der Parteien nicht nur durch Geldeinnahmen, sondern auch durch Sachentnahmen oder andere vermögenswerte Vorteile (z.B. -> Wohnwert) bestimmt werden, sind diese bei der Ermittlung des unterhaltsrechtlich relevanten Einkommens wertmäßig erhöhend zu berücksichtigen.(...) Geht man mit dem Oberlandesgericht davon aus, daß im Bereich der Landwirtschaft Eigenprodukte für den Lebensbedarf verwandt werden, und haben solche Produkte auch die ehelichen Einkommensverhältnisse der Parteien mit geprägt, so sind diese grundsätzlich mit ihrem Geldwert zu veranschlagen und in die Einkommensberechnung einzustellen. Es ist weder dargetan noch ersichtlich, daß eine solche - ggf. im Wege der Schätzung (§ 287 ZPO) vorzunehmende - Bewertung hier nicht möglich oder nicht sachgerecht wäre."
FIRMEN-PKWPrivate Nutzung des Dienstwagens als unterhaltsrechtlicher Vorteil
Hier geht es um den Fall, dass der Arbeitgeber seinem Mitarbeiter einen Dienstwagen (auch) zur privaten Nutzung zur Verfügung stellt. Wie ist das unterhaltsrechtlich zu beurteilen? -> HIER.
FIRMEN-FAHRRADPrivate Nutzung des Dienstfahrrads als unterhaltsrechtlicher Vorteil
Immer häufiger kommt es vor, dass Betriebe für ihre Mitarbeiter Fahrräder leasen, die die Arbeitnehmer auch privat nutzen dürfen. Die Bandbreite an geleasten Rädern reicht dabei vom einfachen Tourenrad bis hin zum E-Bike. Wie wird dieser geldwerte Vorteil steuerrechtlich und unterhaltsrechtliche berwertet? Mehr dazu -> HIER ...
♦ Sozialleistungen (mit Lohnersatzfunktion)
Die -> Süddeutschen Leitlinien erfassen Sozialleistungen unter Ziff. 2 SüdL. Sozialleistungen, die Lohnersatzfunktion haben, werden als unterhaltsrelevantes Einkommen angerechnet. Dazu zählen
Altersrente (BGH, Urteil vom 31.10.2012 - XII ZR 30/10)
Arbeitslosengeld I (BGH, Urteil v. 19.11.2008 - XII ZR 129/06)
-> Betreuungsgeld
-> Elterngeld
Grundsicherungsleistungen (§§ 41ff. SGB XII) und Hilfen zum Lebensunterhalt (§§ 19 Abs.2 S.2, 27ff SGB XII) als anrechenbares unterhaltsrelantes Einkommen des Unterhaltsbedürftigen? -> siehe dazu Hans-Ulrich Graba, die Rechtsprechung des BGH zum Unterhaltsrecht im Jahr 2015, in FF 2016, 139
Krankengeld (BGH, Urteil vom 31.10.2012 - XII ZR 30/10)
-> Übergangsgeld
Wohngeld BGH, Urteil vom 18.02.2012 - XII ZR 73/10, Rn 15)
Diese Sozialleistung die keine Lohnersatzfunktion aufweisen, gehören nicht zum unterhaltsrelevantem Einkommen.
BGH Urteil v. 19.11.2008 - XII ZR 129/06Arbeitslosengeld II - Leitsätze a) Ein vom Unterhaltsberechtigten bezogenes Arbeitslosengeld II ist nicht bedarfsdeckend und lässt den Unterhaltsanspruch als subsidiäre Sozialleistung nicht entfallen. b) Bezieht der Unterhaltspflichtige Krankengeld, sind davon bereits im Rahmen der Bedarfsbemessung grundsätzlich weder pauschale berufsbedingte Kosten noch ein Erwerbstätigenbonus abzusetzen.
Betreuungsgeld für die Pflegeperson (-> BGH, Urteil vom 01.03.2006 - XII ZR 157/03)
♦ Vermögenswirksame Leistungen
Zusatzleistungen des Arbeitgebers für die vermögenswirksame Anlage sind dem Bezieher zu belassen (vgl. Ziff. 10.6. der Ergänzung der Düsseldorfer Tabelle). Beiträge des Arbeitnehmers zu vermögenswirksamen Leistungen mindern das Einkommen nicht, sofern sie nicht als Vorsorgeaufwendungen berücksichtigt werden können: siehe -> private Altzersvorsorge.
♦ Spesen
Spesen zählen nicht zu den -> berufsbedingten Aufwendungen. Erstattungen von Spesen seitens des Arbeitgebers zählen zum unterhaltsrelevanten Einkommen. In welcher Höhe Spesenzahlungen unterhaltsrelevanten Einkommen zugerechnet werden, erfahren Sie -> HIER ...
Dazu zählen freiwillige Leistungen aus dem Familienkreis (z.B. Zuwendungen von Eltern/Großeltern). Diese gehören nicht zum Einkommen, es sei denn, es besteht ein Anspruch auf solche Leistungen.
BGH, Urteil v. 19.05.1999 - XII ZR 210/97zu den freiwilligen Zuwendungen Dritter (Zitat) "Im Unterhaltsrecht gilt (...) der allgemeine Grundsatz, daß ohne Rechtsanspruch gewährte, freiwillige Zuwendungen Dritter nur dem Zuwendungsempfänger allein zugute kommen, sich aber auf ein Unterhaltsrechtsverhältnis nicht auswirken sollen, es sei denn, dem Willen des Zuwendenden läßt sich anderes entnehmen. Dabei treten zwei Fallgestaltungen auf: Leistungen eines Dritten an den Unterhaltsberechtigten, die an sich geeignet wären, dessen Unterhaltsbedarf zu decken, führen im Verhältnis zu dem Unterhaltsverpflichteten nur dann zu einer Minderung seiner -> Bedürftigkeit, wenn der Dritte damit zugleich bezweckt, den Unterhaltsverpflichteten zu entlasten. Geht sein Wille dagegen dahin, nur den Zuwendungsempfänger selbst zu begünstigen, berührt dies dessen Bedürftigkeit im Verhältnis zum Unterhaltsverpflichteten im allgemeinen nicht (Senatsurteil v. 22. 2. 1995 - XII ZR 80/94 -, FamRZ 1995, 537, 538 f., m.N. aus der Rspr. des Senats). In Mangelfällen wird indessen auch für den zuletzt genannten Fall eine - jedenfalls teilweise - Anrechnung der Zuwendung auf den -> Unterhaltsbedarf im Hinblick auf § 1581 BGB aus Billigkeitserwägungen in Betracht gezogen (vgl. Senatsurteil v. 17. 3. 1999 - XII ZR 139/97 -, S. 21, m.N., FamRZ 1999, 843)."
III. Korrekturen des negativen Bruttoeinkommens
Negatives reales Einkommen
Ergeben sich aus dem Steuerbescheid und den Anlagen zur Ermittlung der Einkünfte für bestimmte Einkunftsarten negative Einkünfte, so hat dies den Effekt, dass die negativen Einkünfte die Summe aller Einkünfte (§ 2 Abs.3 EStG) mindert und damit die Bemessungsgrundlage für die Einkommensteuer. Unterhaltsrechtlich wirken steuerliche negative Einkünfte wie eine -> Einkommensbereinigung. Ob der Steuerspareffekt von negativen Einkünften unterhaltsrechtlich anerkannt wird, hängt davon ab, ob die unterhaltsrechtlichen Voraussetzungen gegeben sind. Für die Anerkennung von privaten Kreditverbindlichkeiten als Abzugsposten vom Einkommen haben sich -> Abwägungskriterien herausgebildet, die auch für die Anerkennung von negativen Gewinneinkünften Bedeutung haben. Ein Beispiel: häufig ergeben sich aus Steuerbescheiden negative Einkünfte aus Vermietung und Verpachtung von immobilienvermögen. Ursachen dafür können sein
-> Abschreibungen für Abnutzung von Gebäuden
-> Ansatz von Instandsetzungskosten
Ansatz von Zinsbelastungen aus der Immobilienfinanzierung
Die Aufwendungen, die sich dahinter verbergen, sind Kosten zur Finanzierung Aufbau eines Immobilienvermögens. Es findet somit ein steuerprivilegierter -> vermögensbildender Schuldenabbau statt. Diesem Effekt steht das Unterhaltsrecht generell kritisch gegenüber, soweit sich dies nicht gleichzeitig als eine angemessene Form zum Aufbau einer -> privaten Altersvorsorge darstellen lässt. Es ist nämlich nicht einzusehen, warum die Belange des Unterhaltsberechtigten davon negativ betroffen sein sollen und dieser den Effekt indirekt mitfinanziert. Dies führt nach der Rechtsprechung des BGH dazu, dass negative Einkünfte aus Vermietung und Verpachtung unterhaltsrechtlich in der Regel abgeblendet werden.
BGH, Urteil v. 01.12.2004 - XII ZR 75/02zur Ausblendung negativer Einkünfte & steuerlichen Bereinigung des Einkommens Der BGH befasst sich in dieser Entscheidung mit der unterhaltsrechtlichen Anerkennung von Abschreibungen für die Abnutzung von Immobilien, Instandsetzungskosten und Zinslasten aus der Immobilienfinanzierung. Er kommt zu dem Ergebnis, dass bei unterhaltsrechtlicher Aberkennung dieser Abzugspositionen zugleich auch die tatsächlich erzielten Mieteinnahmen nicht anzuerkennen sind, in dem sämtliche Auswirkungen aus der negativen Einkunftsart ausgeblendet werden. Also muss auch die Einkommensteuer für unterhaltsrechtliche Zwecke fiktiv nur anhand der übrigen positiven Einkünfte ermittelt und berücksichtigt werden.
(Zitat) "Nach der Rechtsprechung des Senats berühren Abschreibungen für die Abnutzung von Gebäuden das unterhaltsrechtlich maßgebende Einkommen nicht, weil ihnen ein Verschleiß von Gegenständen des Vermögens zu Grunde liegt und die zulässigen steuerlichen Pauschalen vielfach über das tatsächliche Ausmaß der Wertminderung hinausgehen. Darüber hinaus ist zu beachten, daß sie durch ein günstige Entwicklung des Immobilienmarkts ausgeglichen werden können. Instandsetzungskosten können unterhaltsrechtlich nur insoweit einkommensmindernd berücksichtigt werden, als es sich um notwendigen Erhaltungsaufwand handelt und nicht um solchen für Ausbauten und wertsteigernde Verbesserungen, die der Vermögensbildung dienen."
(Zitat) "Für den vorliegenden Fall bedeutet dies, daß zwar zum einen die erzielten Verluste nicht einkommensmindernd berücksichtigt werden können, daß aber zum anderen auch die dadurch erzielte Steuerersparnis außer Betracht zu bleiben hat, weil sie ohne die Übernahme des Grundbesitzes nicht eingetreten wäre. Bei einer solchen Fallgestaltung ist - in Abweichung von dem Grundsatz, daß zur Feststellung des unterhaltsrelevanten Einkommens die tatsächlich entrichtete Steuer in Abzug zu bringen ist - eine fiktive Steuerberechnung vorzunehmen, nämlich zu ermitteln, in welcher Höhe Steuern auf das nicht durch die Verluste reduzierte übrige Einkommen des Unterhaltspflichtigen zu entrichten wären (vgl. Senatsurteil vom 1. Oktober 1986 - IVb ZR 68/85 - FamRZ 1987, 36, 37 zur Berücksichtigung von Steuerersparnissen durch die Beteiligung an einem Bauherrenmodell und vom 2. Juni 2004 - XII ZR 217/01 - FamRZ 2004, 1177, 1179 zur Berücksichtigung von Steuerersparnissen durch später aufgelöste Ansparabschreibungen)."
Anmerkung: Blendet man die negativen Einkünfte aus Steuersparmodellen (z.B. aus kreditfinanziertem Immobilienvermögen) ab, kommt es zur Erhöhung der Steuerbemessungsgrundlage (= -> Summe aller Einkünfte). Mit Abblenden der negativen Einkünfte wird fiktiv für unterhaltsrechtliche Zwecke die Steuerbemessungsgrundlage erhöht. Dies löst wiederum eine fiktive Berechnung der Steuerlast aus und führt zu einem fiktiv erhöhten Steuerabzug (= Neutralisierung des Steuerspareffekts). Wenn man dagegen die negativen Einkünfte aus dem Steuersparmodell nicht abblendet, werden die aus dem Steuersparmodell folgenden Steuererstattungen dem unterhaltsrelevanten Einkommen zuzurechnen sein. Diese Steuerersparnis (Steuererstattungen) müssten wiederum um die tatsächlichen Verluste (nach Abzug der Abschreibungen) bereinigt werden.
IV. Korrekturen des Steuerabzugs
Steuerklassenwahl - Wiederheirat - Splittingvorteil
STEUERKLASSENWAHL der EHEGATTEN Die Steuerklassen haben Bedeutung für die Frage, welche Steuerlast ist für unterhaltsrelevante Zwecke vom Einkommen in Abzug zu bringen. Die Steuerklasse III führt zu weniger Steuerabzug als die Steuerklasse IV. Je weniger Steuer der Unterhaltsschuldner in Abzu bringen kann, desto höher ist sein unterhaltsrelevantes Einkommen und kommt dem Unterhaltsschuldner zu Gute. Ob dieser Effekt zu Gunsten des Unterhaltsgläubiger gerechtfertigt ist oder gar verlangt werden kann ist der Kern des Problems und kann zu unterhaltsrechtlichen Korrekturen des realen Steuerabzugs führen:
Steuerklasse & Unterhalt
Frage beim Trennungunterhalt
ANTWORT Beim Trennungsunterhalt stellt sich die Frage, ob der unterhaltsbedürftige Ehegatte (Steuerklasse V) einen Anspruch darauf hat, dass das Einkommen des unterhaltspflichtigen Ehegatten weiterin nur nach Steuerklasse III versteuert wird?
Frage beim Kindesunterhalt
ANTWORT Beim Kindesunterhalt stellt sich die Frage, ob des unterhaltsbedürftige Kind einen Anspruch darauf hat, dass der unterhaltspflichtige Elternteil nur die Steuerlast in Abzug bringt, die den gerinsten Steuerabzug zur Folge hat?
Splitting-Vorteil & Unterhalt?
ANTWORT Kommt bei Wiederheirat des unterhaltsplichtigen Elternteils dem unterhaltsbedürftigen Kind aus erster Ehe der Splittingvorteil aus zweiter Ehe zu Gute?
Frage beim nachehelichen Unterhalt
ANTWORT Kommt beim nachehelichen Unterhalt für die Ehefrau aus erster Ehe bei Wiederheirat der Splittingvorteil aus zweiter Ehe zu Gute?
Fiktive Steuerberechnung für unterhaltsrechtliche Korrekturen
STEUERKORREKTUR & GEMEINSAME VERANLAGUNG Sind Splittingvorteile und Steuerklassen unterhaltsrechtlich zu korrigieren, wird stets eine fiktive Einzelveranlagung mit der entsprechend unterhaltsrechtlich gerechtfertigten Steuerklasse durchgeführt. Zu den Rechen-Schritten -> Thema Steuerkorrektur & gemeinsame Veranlagung.
Zur möglichen selbstaändigen Berechnung von steuerlichen Korrekturen weisen wir auf Steuerrechner online hin
Wegweiser zum fiktiven Einkommen ...
Wegweiser zur Einkommensbereinigung ...
Heiß, Abschreibungen, in Heiß/Born, Unterhaltsrecht, Stand Oktober 2015
Einkommensermittlung für Beamte, unser Az.: 142/15 (D3/932-15) 102/15 (D3/944-15) VI. Noch Fragen?
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