Source: https://www.rechtslupe.de/verwaltungsrecht/beamtenrecht/entfernung-aus-dem-beamtenverhaeltnis-durch-verwaltungsakt-3202126
Timestamp: 2020-06-06 13:44:01
Document Index: 244813519

Matched Legal Cases: ['Art. 33', 'Art. 33', '§ 34', '§ 33', '§ 34', '§ 26', '§ 5', '§ 31', '§ 31', '§ 38', '§ 38', '§ 38', '§ 29', '§ 121', '§ 14', '§ 15', '§ 80', '§ 23', '§ 64', '§ 7', '§ 7', '§ 71', '§ 77', '§ 154', '§ 22', '§ 19', '§ 21', '§ 21', '§ 113', '§ 40', '§ 47', '§ 33', '§ 14', '§ 38', '§ 2', '§ 46', '§ 14', '§ 38', 'Art.19', '§ 21', '§ 56', '§ 10', '§ 38', 'Art. 33', 'Art. 2', 'Art. 3', 'Art.20', '§ 38', '§ 38', '§ 38', '§ 38', 'Art. 33', '§ 38', 'Art. 33', 'Art. 33', 'Art. 33', 'Art. 33', 'Art. 33', 'Art. 33', 'Art. 33', 'Art. 92', '§ 9', '§ 43', '§ 55', 'Art. 77', '§ 46', '§ 77', '§ 54', '§ 46', '§ 55', '§ 45', '§ 14', '§ 47', '§ 10', '§ 163', '§ 177', '§ 57', '§ 25', '§ 60', '§ 56', '§ 47', '§ 41', 'Art. 10', '§ 23', '§ 10', '§ 52', '§ 75', '§ 73', '§ 46', '§ 98', '§ 99', '§ 101', 'Art. 98', '§ 50', '§ 27', '§ 32', 'Art. 129', 'Art. 33', 'Art. 33', '§ 31', '§ 26', '§ 3', '§ 55', '§ 169', '§ 3', '§ 55', '§ 171', '§ 77', '§ 154', '§ 171', 'Art.19', '§ 38', 'Art. 3', 'Art. 3', 'Art. 3', 'Art. 33', '§ 38', 'Art. 33', '§ 38', 'Art. 33', 'Art.20', 'Art.20', 'Art. 33', 'Art. 33', 'Art. 1', 'Art. 33', 'Art. 33', 'Art. 33', 'Art. 33', 'Art. 33', 'Art. 33', 'Art. 33', 'Art. 33', 'Art. 33', 'Art. 3', 'Art. 9', 'Art.20', 'Art. 33', 'Art. 33', 'Art. 33', 'Art.20', 'Art.20', 'Art. 23', 'Art. 24', 'Art. 24', 'Art. 45', 'Art. 79', 'Art. 33', 'Art. 33', 'Art. 33', 'Art. 33', 'de lege lata', '§ 34', '§ 34', '§ 35', 'Art. 35', '§ 34', '§ 38', '§ 34', '§ 36', '§ 35', '§ 40', '§ 34', '§ 34', '§ 34', '§ 34', '§ 34', '§ 41', 'Art. 33', 'Art. 33', 'Art. 33', 'Art. 33', 'Art. 28', 'Art. 33', '§ 38', 'Art. 33', 'Art.19', 'Art. 33', '§ 42', '§ 23', '§ 64', 'Art.19', '§ 38', 'Art. 33', '§ 38', '§ 4', '§ 4', '§ 38', '§ 38', 'Art. 33', '§ 38', 'Art. 33', '§ 26', '§ 31', '§ 45', '§ 29', '§ 45', '§ 2', '§ 1', '§ 27', '§ 45', '§ 27', '§ 2', '§ 45', '§ 27', '§ 4', '§ 86', '§ 4', '§ 86', '§ 86', '§ 45', '§ 45', '§ 45', '§ 45', '§ 4', '§ 2', '§ 13', '§ 26', 'Art. 3', 'Art. 33', 'Art. 6', 'Art. 79', 'Art. 87', 'Art. 33', '§ 114', 'Art. 33', 'Art. 33', 'Art. 33', 'EuG', 'EuG', 'EuG', 'Art. 33', '§ 33', '§ 45', '§ 1', 'Art. 33', '§ 4', 'Art. 33', 'Art. 33', '§ 33', '§ 33']

Entfernung aus dem Beamtenverhältnis - durch Verwaltungsakt | Rechtslupe
Entfernung aus dem Beamtenverhältnis - durch Verwaltungsakt
Ein her­ge­brach­ter Grund­satz des Berufs­be­am­ten­tums, wonach eine Ent­fer­nung aus dem Beam­ten­ver­hält­nis nur durch Rich­ter­spruch erfol­gen darf, besteht nicht. Gleich­falls besteht kein her­ge­brach­ter Grund­satz, wonach die Ent­fer­nungs­ent­schei­dung der unmit­tel­ba­ren allei­ni­gen Dis­zi­pli­nar­ge­walt des Dienst­vor­ge­setz­ten ent­zo­gen und immer einem Gre­mi­um zu über­ant­wor­ten ist. Das Lebens­zeit­prin­zip gemäß Art. 33 Abs. 5 GG erfor­dert kei­nen Rich­ter­vor­be­halt für Ent­fer­nun­gen aus dem Beam­ten­ver­hält­nis, wenn effek­ti­ver nach­ge­la­ger­ter Rechts­schutz sicher­ge­stellt ist.
Die Ent­fer­nung aus dem Beam­ten­ver­hält­nis durch Ver­wal­tungs­akt ver­stößt mit­hin nicht gegen her­ge­brach­te Grund­sät­ze des Berufs­be­am­ten­tums im Sin­ne von Art. 33 Abs. 5 GG. Ein Grund­satz der Ent­fer­nung aus dem Beam­ten­ver­hält­nis nur durch Rich­ter­spruch oder nur durch eine vom Dienst­vor­ge­set­zen ver­schie­de­ne Stel­le exis­tiert nicht. Auch das Lebens­zeit­prin­zip wird durch die Abschaf­fung der gericht­li­chen Dis­zi­pli­nar­ge­walt nicht ver­letzt.
Mit die­ser Begrün­dung hat jetzt das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt die Ver­fas­sungs­be­schwer­de eines ehe­ma­li­gen baden-würt­tem­ber­gi­schen Poli­zei­be­am­ten zurück­ge­wie­sen, der ent­spre­chend dem geän­der­ten Lan­des­recht durch Ver­wal­tungs­akt aus dem Beam­ten­ver­hält­nis ent­fernt wor­den war. Der Poli­zei­be­am­te übte sei­nen Dienst zuletzt als Poli­zei­ober­meis­ter bei einem Poli­zei­re­vier aus. Par­al­lel hier­zu war er als Geschäfts­füh­rer zwei­er Bau­un­ter­neh­men tätig. In die­sem Zusam­men­hang wur­de er drei­mal ins­be­son­de­re wegen Betrugs- und Urkun­den­de­lik­ten rechts­kräf­tig ver­ur­teilt, zuletzt zu einer zur Bewäh­rung aus­ge­setz­ten Gesamt­frei­heits­stra­fe von elf Mona­ten. Im Dezem­ber 2011 ent­fern­te ihn das zustän­di­ge Poli­zei­prä­si­di­um aus dem Beam­ten­ver­hält­nis. Sei­ne hier­ge­gen gerich­te­te Kla­ge blieb in allen Instan­zen bis hin zur Revi­si­on vor dem Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt [1] erfolg­los.
Ent­wick­lung des Dis­zi­pli­nar­rechts in Baden-Würt­tem­berg
Kei­ne Ent­fer­nung aus dem Beam­ten­ver­hält­nis nur durch Rich­ter­spruch
Ent­fer­nung aus dem Beam­ten­ver­hält­nis durch den Dienst­vor­ge­setz­ten
Ent­fer­nung aus dem Beam­ten­ver­hält­nis und die Sub­stan­zia­li­tät
Lebens­zeit­prin­zip und die Abschaf­fung der gericht­li­chen Dis­zi­pli­nar­ge­walt
Will­kür­li­che Dis­zi­pli­nar­ver­fü­gung?
Abwei­chen­de Mei­nung des Ver­fas­sungs­rich­ters Huber
Ent­wick­lung des Dis­zi­pli­nar­rechts in Baden-Würt­tem­berg[↑]
In der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land gehör­te es zu den prak­ti­zier­ten Siche­run­gen der Beam­ten­schaft gegen Will­kür des Dienst­herrn, dass die Ent­fer­nung aus dem Beam­ten­ver­hält­nis allein durch Rich­ter­spruch mög­lich war. Hier­an änder­te sich auch durch die umfas­sen­de Geset­zes­re­form auf Bun­des­ebe­ne im Jahr 2001 sowie die hier­an ori­en­tier­ten Geset­zes­än­de­run­gen in vie­len Län­dern zunächst nichts. Sowohl nach §§ 34, 52 ff. des Bun­des­dis­zi­pli­nar­ge­set­zes (BDG) als auch im Dis­zi­pli­nar­recht der meis­ten Län­der ist die Ent­schei­dung über die Ent­fer­nung von Beam­ten aus dem Beam­ten­ver­hält­nis einer bei den Ver­wal­tungs­ge­rich­ten ange­sie­del­ten Dis­zi­pli­nar­ge­richts­bar­keit zuge­wie­sen. Wäh­rend der Dienst­herr die Ver­fah­rens­ein­stel­lung und den Erlass ein­fa­cher und mitt­le­rer Dis­zi­pli­nar­maß­nah­men selbst ver­fü­gen kann (vgl. § 33 BDG), hat er, wenn er wegen beson­ders gra­vie­ren­der Ver­feh­lun­gen die Ver­hän­gung einer der schwe­ren, sta­tus­re­le­van­ten Maß­nah­men (Zurück­stu­fung, Ent­fer­nung aus dem Beam­ten­ver­hält­nis, Aberken­nung des Ruhe­ge­halts) erstrebt, Dis­zi­pli­nar­k­la­ge zum Ver­wal­tungs­ge­richt zu erhe­ben (vgl. § 34 BDG). Das Gerichts­ver­fah­ren ist als kon­tra­dik­to­ri­sches Ver­fah­ren aus­ge­stal­tet, wobei den Gerich­ten eine eigen­stän­di­ge Dis­zi­pli­nar­ge­walt zukommt. In die­sem Sin­ne ist die Dis­zi­pli­nar­k­la­ge Gestal­tungs­kla­ge.
Bis zur Dis­zi­pli­nar­rechts­re­form im Jahr 2008 ent­sprach die Rechts­la­ge in Baden-Würt­tem­berg mit der Lan­des­dis­zi­pli­nar­ord­nung Baden-Würt­tem­berg vom 25.04.1991 [2] (im Fol­gen­den: LDO BW) im Wesent­li­chen der sei­ner­zei­ti­gen Rechts­la­ge im Bund. Seit der umfas­sen­den Neu­ord­nung des Dis­zi­pli­nar­rechts für Lan­des­be­am­te – wel­che die kos­ten­ein­spa­ren­de Ver­ein­fa­chung und Ver­kür­zung des Dis­zi­pli­nar­ver­fah­rens zum Ziel hat­te [3] – sieht das Lan­des­dis­zi­pli­nar­ge­setz vom 14.10.2008 [4] jedoch vor, dass sämt­li­che Dis­zi­pli­nar­maß­nah­men, also auch die Ent­fer­nung aus dem Beam­ten­ver­hält­nis, die Zurück­stu­fung und die Aberken­nung des Ruhe­ge­halts durch Ver­wal­tungs­akt ange­ord­net wer­den.
In den §§ 26 ff. LDG BW sind die Bemes­sungs­grund­la­gen für die Ver­hän­gung einer Dis­zi­pli­nar­maß­nah­me expli­zit nor­miert, sodass das Ver­wal­tungs­han­deln legis­la­tiv enger als zuvor (vgl. §§ 5 ff. LDO BW) gesteu­ert ist. Hier­nach sind je nach Dis­zi­pli­nar­maß­nah­me in gra­du­el­ler Abstu­fung bei fest­ste­hen­dem Dienst­ver­ge­hen des­sen Schwe­re, die Beein­träch­ti­gung des Ver­trau­ens sowie das Per­sön­lich­keits­bild des Beam­ten maß­geb­lich. Außer bei der Ent­fer­nung aus dem Beam­ten­ver­hält­nis und der Aberken­nung des Ruhe­ge­halts ist auf Rechts­fol­gen­sei­te behörd­li­ches Ermes­sen ein­ge­räumt. Die Ent­fer­nung aus dem Beam­ten­ver­hält­nis nach § 31 Abs. 1 LDG BW ist als gebun­de­ne Ent­schei­dung aus­ge­stal­tet:
§ 31 LDG BW Ent­fer­nung aus dem Beam­ten­ver­hält­nis
(1) Hat der Beam­te durch ein schwe­res Dienst­ver­ge­hen das Ver­trau­en des Dienst­herrn oder der All­ge­mein­heit in die pflicht­ge­mä­ße Amts­füh­rung end­gül­tig ver­lo­ren, wird er aus dem Beam­ten­ver­hält­nis ent­fernt. (…)
Die behörd­li­che Ent­fer­nungs­ent­schei­dung unter­liegt als gebun­de­ne Ent­schei­dung der vol­len gericht­li­chen Kon­trol­le. Ins­be­son­de­re bezo­gen auf die Fest­stel­lung des end­gül­ti­gen Ver­trau­ens­ver­lusts besteht aus­weis­lich der Geset­zes­be­grün­dung [5] unter Bezug­nah­me auf die Recht­spre­chung des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts [6] kein Beur­tei­lungs­spiel­raum.
Das behörd­li­che Ver­fah­ren wur­de – ana­log zur Dis­zi­pli­nar­rechts­re­form auf Bun­des­ebe­ne im Jahr 2001 [7] – zudem gestrafft und ver­ein­facht. Die Unter­schei­dung zwi­schen förm­li­chem und nicht-förm­li­chem Ver­fah­ren wur­de auf­ge­ge­ben, der wei­sungs­freie Unter­su­chungs­füh­rer abge­schafft. Gleich­wohl genie­ßen die Beam­ten anders als im all­ge­mei­nen Ver­wal­tungs­ver­fah­ren eine gestärk­te Ver­fah­rens­stel­lung. So ist unter ande­rem neben den bereits zuvor bestehen­den Anhö­rungs- und Betei­li­gungs­rech­ten der Beam­ten für die Ent­fer­nung aus dem Beam­ten­ver­hält­nis in § 38 Abs. 1 Satz 2 LDG BW ein Zustim­mungs­er­for­der­nis der höhe­ren Dis­zi­pli­nar­be­hör­de bezie­hungs­wei­se ein Vor­la­ge­er­for­der­nis an die Rechts­auf­sichts­be­hör­de vor­ge­se­hen. Wei­ter stellt § 38 Abs. 2 LDG BW gestei­ger­te Begrün­dungs­an­for­de­run­gen.
§ 38 LDG BW Aus­spruch von Dis­zi­pli­nar­maß­nah­men
(1) Dis­zi­pli­nar­maß­nah­men wer­den durch Dis­zi­pli­nar­ver­fü­gung aus­ge­spro­chen. Eine Dis­zi­pli­nar­maß­nah­me nach §§ 29 bis 33 darf nur aus­ge­spro­chen wer­den, wenn
die höhe­re Dis­zi­pli­nar­be­hör­de der Dis­zi­pli­nar­ver­fü­gung zuge­stimmt hat,
bei Gemein­den mit bis zu 10.000 Ein­woh­nern die Dis­zi­pli­nar­ver­fü­gung der Rechts­auf­sichts­be­hör­de vor­ge­legt wor­den ist; § 121 Abs. 2 der Gemein­de­ord­nung gilt ent­spre­chend.
(2) Die Dis­zi­pli­nar­ver­fü­gung ist mit Begrün­dung, Kos­ten­ent­schei­dung und Rechts­be­helfs­be­leh­rung zu ver­se­hen und dem Beam­ten zuzu­stel­len. In der Begrün­dung sind der per­sön­li­che und beruf­li­che Wer­de­gang des Beam­ten, der Gang des Dis­zi­pli­nar­ver­fah­rens, die Tat­sa­chen, die ein Dienst­ver­ge­hen begrün­den, und die ande­ren Tat­sa­chen und Beweis­mit­tel dar­zu­stel­len, die für die Ent­schei­dung bedeut­sam sind. Auf die bin­den­den Fest­stel­lun­gen eines Urteils oder einer Ent­schei­dung nach § 14 Abs. 1 Satz 1 kann ver­wie­sen wer­den.
Die Aus­ge­stal­tung des gericht­li­chen Ver­fah­rens weist fol­gen­de Beson­der­hei­ten und Neue­run­gen auf: Gegen die ergan­ge­ne Dis­zi­pli­nar­ver­fü­gung steht den Beam­ten ohne Vor­ver­fah­ren (§ 15 Abs. 2 des Geset­zes zur Aus­füh­rung der Ver­wal­tungs­ge­richts­ord­nung Baden-Würt­tem­berg vom 14.10.2008; im Fol­gen­den: AGVw­GO BW) der Rechts­weg zu den Ver­wal­tungs­ge­rich­ten offen. Die Kla­ge hat kei­ne auf­schie­ben­de Wir­kung (§ 80 Abs. 2 Nr. 3 VwGO i.V.m. § 23 Abs. 5 LDG BW). Der Rechts­weg umfasst grund­sätz­lich drei Instan­zen, wobei die Beru­fung anders als auf Bun­des­ebe­ne (vgl. § 64 Abs. 1 BDG) zulas­sungs­ab­hän­gig aus­ge­stal­tet ist. Die nach­träg­li­che gericht­li­che Kon­trol­le ist dabei beson­de­ren Dis­zi­pli­nar­kam­mern (zwei Rich­ter, ein Beam­ten­bei­sit­zer) bezie­hungs­wei­se Dis­zi­pli­nar­se­na­ten (drei Rich­ter, zwei Beam­ten­bei­sit­zer) zuge­wie­sen (§§ 7, 8 AGVw­GO BW). Die Über­tra­gung auf den Ein­zel­rich­ter ist aus­ge­schlos­sen (§ 7 Abs. 3 AGVw­GO BW). Anders als zuvor (vgl. § 71 LDO BW) sind die Ver­hand­lun­gen durch die Ein­glie­de­rung in das all­ge­mei­ne ver­wal­tungs­pro­zes­sua­le Sys­tem öffent­lich. Zudem ist das Gerichts­ver­fah­ren nun­mehr – wie im Sys­tem der Dis­zi­pli­nar­k­la­ge, vgl. nur § 77 BDG in Ver­bin­dung mit §§ 154 ff. VwGO – gebüh­ren­pflich­tig (§ 22 AGVw­GO BW). Trotz der stär­ke­ren Ori­en­tie­rung am ver­wal­tungs­ge­richt­li­chen Ver­fah­ren fin­den im Rah­men des Beweis­rechts, vor allem beim Zeu­gen- und Sach­ver­stän­di­gen­be­weis, wei­ter­hin straf­pro­zes­sua­le Vor­schrif­ten Anwen­dung (§ 19 Abs. 1 AGVw­GO BW).
In Durch­bre­chung der prin­zi­pi­el­len Über­tra­gung der Dis­zi­pli­nar­ge­walt auf den Dienst­vor­ge­setz­ten sieht § 21 Satz 2 AGVw­GO BW eine par­ti­el­le gericht­li­che Dis­zi­pli­nar­ge­walt im Sin­ne einer Auf­recht­erhal­tens- oder Abmil­de­rungs­be­fug­nis bei erwie­se­nem Dienst­ver­ge­hen vor:
§ 21 AGVw­GO BW Ent­schei­dung über die Kla­ge gegen die Abschluss­ver­fü­gung
Soweit die Abschluss­ver­fü­gung rechts­wid­rig und der Klä­ger dadurch in sei­nen Rech­ten ver­letzt ist, hebt das Gericht die Ver­fü­gung auf. Ist ein Dienst­ver­ge­hen erwie­sen, kann das Gericht die Ver­fü­gung auch auf­recht­erhal­ten oder zu Guns­ten des Beam­ten ändern, wenn mit der gericht­li­chen Ent­schei­dung die Rechts­ver­let­zung besei­tigt ist. Die Vor­schrif­ten des Lan­des­dis­zi­pli­nar­ge­set­zes über die Bemes­sung von Dis­zi­pli­nar­maß­nah­men fin­den Anwen­dung. Im Übri­gen bleibt § 113 VwGO unbe­rührt. Auf eine Abschluss­ver­fü­gung, die nach Satz 2 auf­recht­erhal­ten oder geän­dert wur­de, fin­det § 40 LDG Anwen­dung.
Der Poli­zei­be­am­te ver­sah sei­nen Dienst zuletzt als Poli­zei­ober­meis­ter bei einem Poli­zei­re­vier. Par­al­lel hier­zu war er selb­stän­dig als Geschäfts­füh­rer zwei­er Bau­un­ter­neh­men tätig. In die­sem Zusam­men­hang wur­de er drei­mal in den Jah­ren 2007, 2010 und 2011 ins­be­son­de­re wegen Betrugs- und Urkun­den­de­lik­ten sowie Insol­venz­straf­ta­ten im wei­te­ren Sin­ne erst zu einer Geld, danach zu einer Gesamt­frei­heits­stra­fe von zunächst acht Mona­ten, schließ­lich unter Ein­be­zie­hung der Frei­heits­stra­fe aus dem frü­he­ren Straf­ur­teil zu einer Gesamt­frei­heits­stra­fe von elf Mona­ten, jeweils aus­ge­setzt zur Bewäh­rung, rechts­kräf­tig ver­ur­teilt. Das Urteil aus dem Jahr 2007 erging dabei auf einen Ein­spruch des Poli­zei­be­am­ten gegen einen ergan­ge­nen Straf­be­fehl. Da der Ein­spruch auf die Rechts­fol­gen beschränkt war, ent­hält das Urteil kei­ne tat­säch­li­chen Fest­stel­lun­gen zu den began­ge­nen Straf­ta­ten.
Im Dezem­ber 2011 ent­fern­te das zustän­di­ge Poli­zei­prä­si­di­um Karls­ru­he den Poli­zei­be­am­ten aus dem Beam­ten­ver­hält­nis mit der Begrün­dung, dass er durch die abge­ur­teil­ten Taten ein schwe­res Dienst­ver­ge­hen nach § 47 Abs. 1 des Geset­zes zur Rege­lung des Sta­tus­rechts der Beam­tin­nen und Beam­ten in den Län­dern (Beam­ten­sta­tus­ge­setz – BeamtStG) began­gen habe, indem er schuld­haft die ihm oblie­gen­den Dienst­pflich­ten, ins­be­son­de­re die Wohl­ver­hal­tens­pflicht nach §§ 33 f. BeamtStG, ver­letzt habe. Zur Begrün­dung des Dienst­ver­ge­hens ver­wies es hier­bei über § 14 Abs. 1 LDG BW auf die Fest­stel­lun­gen der drei rechts­kräf­ti­gen Straf­ur­tei­le.
Die gegen die Ent­fer­nung aus dem Beam­ten­ver­hält­nis gerich­te­te Kla­ge des Poli­zei­be­am­ten, in deren Zen­trum zunächst die gel­tend gemach­te will­kür­be­grün­den­de Ein­be­zie­hung des Straf­ur­teils aus dem Jahr 2007, sodann die Ver­fas­sungs­ge­mäß­heit des § 38 Abs. 1 LDG BW stand, blieb in allen Instan­zen erfolg­los.
Das Ver­wal­tungs­ge­richt Karls­ru­he stell­te in sei­nem Urteil vom 27.06.2012 [8] zwar einen Begrün­dungs­man­gel fest, da das in dem Bescheid in Bezug genom­me­ne Straf­ur­teil aus dem Jahr 2007 wegen des auf die Rechts­fol­gen beschränk­ten Ein­spruchs kei­ne Fest­stel­lun­gen zum tat­säch­li­chen Gesche­hen ent­hal­ten habe. Die­sen erach­te­te es jedoch nach § 2 LDG BW, § 46 des Ver­wal­tungs­ver­fah­rens­ge­set­zes für Baden-Würt­tem­berg (Lan­des­ver­wal­tungs­ver­fah­rens­ge­setz – LVwVfG) für unbe­acht­lich, da der Begrün­dungs­man­gel weder einen abso­lu­ten Auf­he­bungs­grund dar­stel­le noch zur Unbe­stimmt­heit der Ver­fü­gung füh­re und die Ent­schei­dung offen­sicht­lich nicht beein­flusst habe.
Die hier­ge­gen gerich­te­te Beru­fung des Poli­zei­be­am­ten wies der Ver­wal­tungs­ge­richts­hof Baden-Würt­tem­berg in Mann­heim mit Urteil vom 30.09.2013 zurück [9].
Der Ver­weis auf das Urteil aus dem Jahr 2007 über § 14 LDG BW sei zwar unzu­läs­sig. Ob dies einen Begrün­dungs- oder einen mate­ri­el­len Man­gel dar­stel­le, kön­ne jedoch offen­blei­ben, da bereits die den bei­den ande­ren Ver­ur­tei­lun­gen zugrun­de­lie­gen­den Straf­ta­ten eine Ent­fer­nung aus dem Beam­ten­ver­hält­nis recht­fer­tig­ten. Auf­grund ihrer umfas­sen­den Über­prü­fungs­be­fug­nis könn­ten die Dis­zi­pli­nar­ge­rich­te selbst fest­stel­len, ob die vor­ge­wor­fe­nen Ver­stö­ße die höchs­te Dis­zi­pli­nar­maß­nah­me erfor­der­ten. Dies ent­spre­che auch der im Dis­zi­pli­nar­recht all­ge­mein ange­nom­me­nen Befug­nis zur Beschrän­kung des Dienst­ver­ge­hens, wenn bereits ein­zel­ne Pflicht­ver­let­zun­gen die Höchst­maß­nah­me recht­fer­tig­ten. Ver­tei­di­gungs­rech­te sei­en nicht beein­träch­tigt, da wegen der Bezug­nah­me auf die bei­den ande­ren Ver­ur­tei­lun­gen für den Poli­zei­be­am­ten klar ersicht­lich gewe­sen sei, wel­che Pflicht­ver­let­zun­gen ihm zur Last gelegt wür­den und dass allein auf deren Grund­la­ge mit einer Ent­fer­nung aus dem Beam­ten­ver­hält­nis zu rech­nen sei.
Das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt wies die – wegen grund­sätz­li­cher Bedeu­tung der Rechts­sa­che zuge­las­se­ne – Revi­si­on des Poli­zei­be­am­ten mit Urteil vom 21.04.2016 als unbe­grün­det zurück [1].
Der Poli­zei­be­am­te kön­ne ohne Ver­stoß gegen her­ge­brach­te Grund­sät­ze des Berufs­be­am­ten­tums durch Dis­zi­pli­nar­ver­fü­gung aus dem Beam­ten­ver­hält­nis ent­fernt wer­den.
Es las­se sich im tra­di­ti­ons­bil­den­den Zeit­raum die Her­aus­bil­dung eines Rich­ter­vor­be­halts für die dis­zi­pli­na­re Ent­fer­nung von Beam­ten aus dem Beam­ten­ver­hält­nis nicht fest­stel­len. Die his­to­ri­sche Ana­ly­se begin­nend im 18. Jahr­hun­dert bis zum Ende der Wei­ma­rer Repu­blik zei­ge, dass die Ent­schei­dung über die Ent­fer­nung eines Beam­ten aus dem Beam­ten­ver­hält­nis auf Reichs- wie Län­der­ebe­ne ganz unter­schied­li­chen Orga­nen über­tra­gen gewe­sen sei. Zwar sei­en in eini­gen Glied­staa­ten Dienst­ent­fer­nun­gen durch Rich­ter­spruch vor­ge­se­hen gewe­sen, in ande­ren Län­dern sei die Ent­fer­nung aus dem Beam­ten­ver­hält­nis aber im exe­ku­ti­ven Weg erfolgt. Die oft­mals kol­le­gia­le Orga­ni­sa­ti­on der beson­de­ren Dis­zi­pli­nar­be­hör­den ände­re im Ergeb­nis nichts dar­an, dass es sich bei ihnen um Stel­len öffent­li­cher Ver­wal­tung gehan­delt habe, deren Ent­schei­dun­gen letzt­lich exe­ku­ti­ven Cha­rak­ter gehabt hät­ten. In dem für das Beam­ten­recht prä­gen­den Preu­ßen sei erst mit der am 1.04.1932 in Kraft getre­te­nen Beam­ten­dienst­straf­ord­nung eine unab­hän­gi­ge Dis­zi­pli­nar­ge­richts­bar­keit ein­ge­führt wor­den. Der Zeit­raum von weni­ger als zehn Mona­ten bis zum Ende der Wei­ma­rer Repu­blik genü­ge jedoch nicht, um anzu­neh­men, dass der Grund­satz auch über eine län­ge­re Zeit bestan­den habe und prak­ti­ziert, mit­hin "gewahrt" wor­den sei.
Aller­dings habe sich wäh­rend des tra­di­ti­ons­bil­den­den Zeit­raums eine Regel her­aus­ge­bil­det, wonach die Befug­nis zur Ent­fer­nung aus dem Beam­ten­ver­hält­nis dem allei­ni­gen admi­nis­tra­ti­ven Anord­nungs­recht des Dienst­vor­ge­setz­ten von vorn­her­ein ent­zo­gen gewe­sen sei. Die­se Regel stel­le jedoch kein eigen­stän­di­ges Struk­tur­prin­zip dar, son­dern sei Aus­prä­gung des Lebens­zeit­prin­zips, wel­ches eine will­kür­li­che Ent­las­sung der Beam­ten außer­halb eines förm­li­chen Ver­fah­rens ver­bie­te. Dass den Anfor­de­run­gen des Lebens­zeit­prin­zips sei­ner­zeit durch die maß­geb­li­che Ein­bin­dung ande­rer Stel­len als des unmit­tel­ba­ren Dienst­vor­ge­setz­ten ent­spro­chen wor­den sei, sei eine Detail­re­ge­lung, wel­che sich ins­be­son­de­re vor dem Hin­ter­grund der damals feh­len­den umfas­sen­den gericht­li­chen Kon­troll­mög­lich­kei­ten erklä­re. Die Betei­li­gung sons­ti­ger Stel­len sei daher sei­ner­zeit ledig­lich Mit­tel zum Schutz des Lebens­zeit­prin­zips, nicht aber das Struk­tur­prin­zip selbst gewe­sen. Im Kern gehe es um die Absi­che­rung des Lebens­zeit­prin­zips, wel­che durch ein förm­li­ches gesetz­lich gere­gel­tes Ver­fah­ren mit nach­ge­la­ger­tem Rechts­schutz hin­rei­chend gewähr­leis­tet sei. Im Übri­gen sehe das LDG BW die Betei­li­gung wei­te­rer Stel­len in § 38 Abs. 1 Satz 2 vor und genü­ge damit dem zuvor beschrie­be­nen Grund­satz.
Beam­te sei­en auch unter der baden-würt­tem­ber­gi­schen Neu­re­ge­lung durch den umfas­sen­den nach­träg­li­chen Rechts­schutz ent­spre­chend der Rechts­schutz­ga­ran­tie des Art.19 Abs. 4 GG geschützt, wobei der Schutz durch die Schaf­fung einer par­ti­el­len ori­gi­nä­ren Dis­zi­pli­nar­ge­walt der Gerich­te in § 21 Satz 2 AGVw­GO BW noch erwei­tert wer­de.
Schließ­lich lie­ge kei­ne Ver­let­zung des Will­kür­ver­bots vor. Die vom Beru­fungs­ge­richt vor­ge­nom­me­ne Beschrän­kung des dis­zi­pli­nar­recht­lich rele­van­ten Sach­ver­halts sei nicht zu bean­stan­den. Eine Dis­zi­pli­nar­ver­fü­gung, die auf meh­re­re Dienst­pflicht­ver­let­zun­gen gestützt sei, sei nicht als rechts­wid­rig auf­zu­he­ben, wenn bereits ein­zel­ne Dienst­pflicht­ver­let­zun­gen die dis­zi­pli­nar­recht­li­che Höchst­maß­nah­me recht­fer­tig­ten und durch die Nicht­be­rück­sich­ti­gung ande­rer Dienst­pflicht­ver­let­zun­gen Ver­tei­di­gungs­rech­te der Beam­ten im Ver­fah­ren nicht ver­letzt wür­den. Zwar ent­hal­te das LDG BW kei­ne dem § 56 BDG ent­spre­chen­de Rege­lung, wonach Gerich­te durch Aus­schei­den ein­zel­ner, vor­aus­sicht­lich nicht ins Gewicht fal­len­der Hand­lun­gen das Dis­zi­pli­nar­ver­fah­ren beschrän­ken dürf­ten, noch sei § 10 Abs. 2 LDG BW, wel­cher für das behörd­li­che Ver­fah­ren Beschrän­kungs­mög­lich­kei­ten vor­se­he, auf das gericht­li­che Ver­fah­ren über­trag­bar. Jedoch bestehe ein all­ge­mei­ner ver­wal­tungs­pro­zes­sua­ler Grund­satz, wonach kein ach­tens­wer­tes recht­li­ches Inter­es­se an der Auf­klä­rung ent­schei­dungs­un­er­heb­li­cher Tat­sa­chen bestehe. Trü­gen wie hier bereits ein­zel­ne Dienst­pflicht­ver­let­zun­gen die Höchst­maß­nah­me, könn­ten wei­te­re Pflicht­ver­let­zun­gen kei­ne ande­ren Rechts­fol­gen recht­fer­ti­gen, son­dern die Schwe­re des Dienst­ver­ge­hens nur noch ver­tie­fen. Wei­te­re Hand­lun­gen sei­en allein dann zu ermit­teln und fest­zu­stel­len, wenn sich aus ihnen Mil­de­rungs­grün­de ergä­ben. Dies sei vor­lie­gend weder vor­ge­tra­gen noch ersicht­lich.
Mit sei­ner Ver­fas­sungs­be­schwer­de wen­det sich der Poli­zei­be­am­te gegen die fach­ge­richt­li­chen Urtei­le sowie die Aus­gangs­ver­fü­gung des Poli­zei­prä­si­di­ums und mit­tel­bar gegen § 38 Abs. 1 LDG BW. Er rügt einen Ver­stoß gegen die her­ge­brach­ten Grund­sät­ze des Berufs­be­am­ten­tums als grund­rechts­glei­che Rech­te (Art. 33 Abs. 5 GG) und gegen das Will­kür­ver­bot (Art. 2 Abs. 1, Art. 3 Abs. 1 i.V.m. Art.20 Abs. 1 und 3 GG). Zudem bean­tragt er Aus­la­gen­er­stat­tung.
§ 38 Abs. 1 LDG BW wider­spre­che dem her­ge­brach­ten Grund­satz des Berufs­be­am­ten­tums, wonach die Befug­nis zur dis­zi­pli­nar­recht­li­chen Ent­fer­nung aus dem Beam­ten­ver­hält­nis dem allei­ni­gen admi­nis­tra­ti­ven Anord­nungs­recht des Dienst­vor­ge­setz­ten von vorn­her­ein ent­zo­gen und stets einem Gre­mi­um über­tra­gen gewe­sen sei. Bei die­sem Grund­satz hand­le es sich ent­ge­gen der Auf­fas­sung des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts um ein eigen­stän­di­ges Struk­tur­prin­zip. Denn der Ent­zug der unmit­tel­ba­ren admi­nis­tra­ti­ven Dis­zi­pli­nar­ge­walt für die Ent­fer­nung aus dem Beam­ten­ver­hält­nis sei seit jeher die wirk­sa­me Siche­rung der lebens­läng­li­chen Anstel­lung und der wirk­sa­me Schutz der unab­hän­gi­gen Amts­füh­rung gegen will­kür­li­che Anord­nun­gen Vor­ge­setz­ter gewe­sen. Das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt argu­men­tie­re wider­sprüch­lich, wenn es einer­seits auf den tra­di­ti­ons­bil­den­den Zeit­raum bis zum Ende der Wei­ma­rer Repu­blik abstel­le, ande­rer­seits aber das Bestehen eines her­ge­brach­ten Grund­sat­zes mit Ver­weis auf die heu­te gege­be­nen Rechts­schutz­mög­lich­kei­ten ableh­ne. Aus der Bezug­nah­me auf den heu­ti­gen Rechts­schutz fol­ge viel­mehr, dass sei­ner­zeit gera­de man­gels ande­rer Schutz­mög­lich­kei­ten der Ent­zug der allei­ni­gen Anord­nungs­be­fug­nis essen­ti­ell gewe­sen und damit ein her­ge­brach­ter Grund­satz sei. Die­ser Grund­satz wer­de durch § 38 Abs. 1 LDG BW in Ver­bin­dung mit den ein­schlä­gi­gen Zustän­dig­keits­re­geln ver­letzt, da für mehr als 80 % der Lan­des­be­am­ten der Dienst­vor­ge­setz­te zugleich unte­re wie auch höhe­re Dis­zi­pli­nar­be­hör­de sei und damit fak­tisch das allei­ni­ge unmit­tel­ba­re Anord­nungs­recht zur Ent­fer­nung habe. Das in § 38 Abs. 1 LDG BW vor­ge­se­he­ne Zustim­mungs­er­for­der­nis der höhe­ren Dis­zi­pli­nar­be­hör­de bezie­hungs­wei­se das Vor­la­ge­er­for­der­nis zur Rechts­auf­sichts­be­hör­de lau­fe dem­nach wei­test­ge­hend leer.
Die Rege­lung ver­let­ze über­dies das Lebens­zeit­prin­zip. Ins­be­son­de­re ver­ken­ne das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt die Unter­schie­de zwi­schen pri­mä­rer gericht­li­cher Ent­schei­dungs­zu­stän­dig­keit und nach­träg­li­cher gericht­li­cher Kon­trol­le. In die admi­nis­tra­ti­ve Dis­zi­pli­nar­ent­schei­dung flös­sen Aspek­te ein, die nur bedingt einer gericht­li­chen Über­prü­fung zugäng­lich sei­en. Durch die Ver­la­ge­rung der Ent­schei­dungs­zu­stän­dig­keit und damit der Letzt­ver­ant­wor­tung auf den Dienst­vor­ge­setz­ten wer­de des­sen Ein­fluss auf das Dis­zi­pli­nar­ver­fah­ren ver­stärkt, was ten­den­zi­ell zu einer Ver­schär­fung des Dis­zi­pli­nar­rechts füh­re. Zudem wer­de durch den Umstand, dass unter­schied­li­che Dienst­vor­ge­setz­te über die Ent­fer­nung aus dem Beam­ten­ver­hält­nis ent­schie­den, die Diver­genz der Ent­fer­nungs­pra­xis ver­tieft.
Schließ­lich ver­letz­ten die Ent­schei­dun­gen das Will­kür­ver­bot, indem zum einen die dar­ge­stell­ten her­ge­brach­ten Grund­sät­ze des Berufs­be­am­ten­tums nicht beach­tet wür­den. Zum ande­ren miss­ach­te­ten die Gerich­te in will­kür­li­cher Wei­se, dass die Dis­zi­pli­nar­ver­fü­gung wegen eines for­mel­len Feh­lers nich­tig sei. Denn die Ver­fü­gung lei­de wegen des unzu­läs­si­gen Ver­wei­ses auf das Urteil aus dem Jahr 2007 an einem offen­sicht­li­chen Ver­fah­rens­man­gel, da sie wegen der unzu­rei­chen­den Begrün­dung bezie­hungs­wei­se der unzu­rei­chen­den Bestim­mung des Dienst­ver­ge­hens zu unbe­stimmt sei. Die Ver­hän­gung einer Dis­zi­pli­nar­maß­nah­me ohne Bestim­mung des Dienst­ver­ge­hens sei jedoch nicht hin­nehm­bar, die Dis­zi­pli­nar­ver­fü­gung also nich­tig. Der Feh­ler sei auch nicht unbe­acht­lich. Die Gerich­te sei­en man­gels eige­ner Dis­zi­pli­nar­ge­walt nicht befugt, Tei­le aus dem behörd­lich fest­ge­leg­ten ein­heit­li­chen Dienst­ver­ge­hen nach­träg­lich aus­zu­schei­den, zumal nicht aus­ge­schlos­sen wer­den kön­ne, dass sich aus dem aus­ge­schie­de­nen Sach­ver­halt Mil­de­rungs­grün­de erge­ben könn­ten. Das gericht­li­che Vor­ge­hen fin­de mit­hin kei­ne Stüt­ze im baden-würt­tem­ber­gi­schen Lan­des­dis­zi­pli­nar­ge­setz und ver­let­ze zudem den Grund­satz der Ein­heit des Dienst­ver­ge­hens.
Das baden-würt­tem­ber­gi­sche Minis­te­ri­um für Inne­res, Digi­ta­li­sie­rung und Migra­ti­on hat die ange­grif­fe­ne lan­des­recht­li­che Rege­lung in Abstim­mung mit dem Minis­te­ri­um der Jus­tiz und für Euro­pa ver­tei­digt. Der dbb beam­ten­bund und tarif­uni­on sowie der Beam­ten­bund Baden-Würt­tem­berg haben die Neu­re­ge­lung als ver­fas­sungs­recht­lich bedenk­lich ein­ge­stuft.
Soweit der Poli­zei­be­am­te sich gegen die ange­grif­fe­nen Ent­schei­dun­gen mit der Rüge wen­det, der ihnen zugrun­de­lie­gen­de § 38 Abs. 1 LDG BW sei in der Vari­an­te der Ent­fer­nung aus dem Beam­ten­ver­hält­nis wegen Ver­let­zung von Art. 33 Abs. 5 GG ver­fas­sungs­wid­rig, ist die Ver­fas­sungs­be­schwer­de zuläs­sig, aber unbe­grün­det. Die Ent­fer­nung aus dem Beam­ten­ver­hält­nis durch Ver­wal­tungs­akt gemäß § 38 LDG BW ver­stößt nicht gegen her­ge­brach­te Grund­sät­ze des Berufs­be­am­ten­tums im Sin­ne von Art. 33 Abs. 5 GG, da es weder einen Grund­satz der Ent­fer­nung aus dem Beam­ten­ver­hält­nis nur durch Rich­ter­spruch oder nur durch eine vom Dienst­vor­ge­set­zen ver­schie­de­ne Stel­le gibt noch das Lebens­zeit­prin­zip durch die Abschaf­fung der gericht­li­chen Dis­zi­pli­nar­ge­walt ver­letzt ist.
Die her­ge­brach­ten Grund­sät­ze des Berufs­be­am­ten­tums[↑]
Nach Art. 33 Abs. 5 GG ist das Recht des öffent­li­chen Diens­tes unter Berück­sich­ti­gung der her­ge­brach­ten Grund­sät­ze des Berufs­be­am­ten­tums zu regeln und fort­zu­ent­wi­ckeln.
Mit den her­ge­brach­ten Grund­sät­zen des Berufs­be­am­ten­tums im Sin­ne des Art. 33 Abs. 5 GG ist der Kern­be­stand von Struk­tur­prin­zi­pi­en gemeint, die all­ge­mein oder doch ganz über­wie­gend wäh­rend eines län­ge­ren, tra­di­ti­ons­bil­den­den Zeit­raums, ins­be­son­de­re unter der Reichs­ver­fas­sung von Wei­mar, als ver­bind­lich aner­kannt und gewahrt wor­den sind [10].
Die Ent­wick­lung des Berufs­be­am­ten­tums ist his­to­risch eng mit der­je­ni­gen des Rechts­staats ver­knüpft: War der Beam­te ursprüng­lich allein dem Regen­ten ver­pflich­tet, wan­del­te er sich mit dem ver­än­der­ten Staats­ver­ständ­nis vom Fürs­ten- zum Staats­die­ner. Sei­ne Auf­ga­be war und ist es, Ver­fas­sung und Gesetz im Inter­es­se des Bür­gers auch und gera­de gegen die Staats­spit­ze zu behaup­ten. Das Berufs­be­am­ten­tum als Insti­tu­ti­on grün­det auf Sach­wis­sen, fach­li­cher Leis­tung und loya­ler Pflicht­er­fül­lung. Es soll eine sta­bi­le Ver­wal­tung sichern und damit einen aus­glei­chen­den Fak­tor gegen­über den das Staats­we­sen gestal­ten­den poli­ti­schen Kräf­ten bil­den [11].
Bezugs­punkt des auf alle Beam­ten anwend­ba­ren Art. 33 Abs. 5 GG ist nicht das gewach­se­ne Beam­ten­recht, son­dern das Berufs­be­am­ten­tum [12]. In ihrem Bestand geschützt sind daher nur die­je­ni­gen Rege­lun­gen, die das Bild des Berufs­be­am­ten­tums in sei­ner über­kom­me­nen Gestalt maß­geb­lich prä­gen, sodass ihre Besei­ti­gung das Berufs­be­am­ten­tum als sol­ches antas­ten wür­de [13]. Die­ses Erfor­der­nis der Sub­stan­zia­li­tät ergibt sich bereits aus dem Wesen einer insti­tu­tio­nel­len Garan­tie, deren Sinn gera­de dar­in liegt, den Kern­be­stand der Struk­tur­prin­zi­pi­en, mit­hin die Grund­sät­ze, die nicht hin­weg­ge­dacht wer­den kön­nen, ohne dass damit zugleich die Ein­rich­tung selbst in ihrem Cha­rak­ter grund­le­gend ver­än­dert wür­de, dem gestal­ten­den Gesetz­ge­ber ver­bind­lich als Rah­men vor­zu­ge­ben. Das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt hat dies mit der For­mu­lie­rung zum Aus­druck gebracht, dass Art. 33 Abs. 5 GG inso­weit nicht nur Berück­sich­ti­gung, son­dern auch Beach­tung ver­langt [14].
Dem­ge­gen­über steht Art. 33 Abs. 5 GG einer Wei­ter­ent­wick­lung des Beam­ten­rechts nicht ent­ge­gen, solan­ge eine struk­tu­rel­le Ver­än­de­rung an den für Erschei­nungs­bild und Funk­ti­on des Berufs­be­am­ten­tums wesent­li­chen Rege­lun­gen nicht vor­ge­nom­men wird [15]. In der Pflicht zur Berück­sich­ti­gung ist eine Ent­wick­lungs­of­fen­heit ange­legt, die den Gesetz­ge­ber in die Lage ver­setzt, die Aus­ge­stal­tung des Dienst­rechts den jewei­li­gen Ent­wick­lun­gen der Staat­lich­keit anzu­pas­sen und das Beam­ten­recht damit in die Zeit zu stel­len. Die Struk­tur­ent­schei­dung des Art. 33 Abs. 5 GG belässt aus­rei­chend Raum, die geschicht­lich gewach­se­ne Insti­tu­ti­on in den Rah­men unse­res heu­ti­gen Staats­le­bens ein­zu­fü­gen und den Funk­tio­nen anzu­pas­sen, die das Grund­ge­setz dem öffent­li­chen Dienst in der frei­heit­li­chen, rechts- und sozi­al­staat­li­chen Demo­kra­tie zuschreibt [16].
Kei­ne Ent­fer­nung aus dem Beam­ten­ver­hält­nis nur durch Rich­ter­spruch[↑]
Ein her­ge­brach­ter Grund­satz des Berufs­be­am­ten­tums, wonach eine Ent­fer­nung aus dem Beam­ten­ver­hält­nis nur durch Rich­ter­spruch erfol­gen darf, besteht nicht.
Der durch die ver­fas­sungs­ge­richt­li­che Recht­spre­chung kon­tu­rier­te grund­ge­setz­li­che Begriff der "recht­spre­chen­den Gewalt" ist durch den Grund­satz der Gewal­ten­tei­lung bestimmt; dem­nach soll für den Bereich Recht­spre­chung eine beson­de­re Eigen­stän­dig­keit und Unab­hän­gig­keit gewähr­leis­tet wer­den. Nicht aus­rei­chend ist dem ver­fas­sungs­ge­richt­li­chen Begriffs­ver­ständ­nis zufol­ge im Sin­ne einer rein orga­ni­sa­ti­ons­recht­li­chen Betrach­tung die Beset­zung eines staat­li­chen Gre­mi­ums mit unab­hän­gi­gen Rich­tern gemäß Art. 92 ff. GG. Viel­mehr müs­sen zudem in mate­ri­el­ler Hin­sicht bestimm­te hoheits­recht­li­che Befug­nis­se bereits durch die Ver­fas­sung Rich­tern zuge­wie­sen sein, oder es muss sich von der Sache her um einen tra­di­tio­nel­len Kern­be­reich der Recht­spre­chung han­deln [17]. Dane­ben han­delt es sich in funk­tio­nel­ler Hin­sicht um Recht­spre­chung, wenn der Gesetz­ge­ber ein gerichts­för­mi­ges Ver­fah­ren hoheit­li­cher Streit­bei­le­gung vor­sieht und den dort zu tref­fen­den Ent­schei­dun­gen eine Rechts­wir­kung ver­leiht, die nur unab­hän­gi­ge Gerich­te her­bei­füh­ren kön­nen. Zu den wesent­li­chen Begriffs­merk­ma­len der Recht­spre­chung in die­sem Sin­ne gehört das Ele­ment der Ent­schei­dung, der letzt­ver­bind­li­chen, der Rechts­kraft fähi­gen Fest­stel­lung und des Aus­spruchs des­sen, was im kon­kre­ten Fall rech­tens ist [18]. Kenn­zei­chen recht­spre­chen­der Tätig­keit ist daher typi­scher­wei­se die letzt­ver­bind­li­che Klä­rung der Rechts­la­ge in einem Streit­fall im Rah­men beson­ders gere­gel­ter Ver­fah­ren [19].
Unter Zugrun­de­le­gung die­ses Ver­ständ­nis­ses der "recht­spre­chen­den Gewalt" ergibt die rechts­his­to­ri­sche Ana­ly­se, dass sich wäh­rend des tra­di­ti­ons­bil­den­den Zeit­raums bis zum Ende der Wei­ma­rer Repu­blik kei­ne Regel eta­blier­te, wonach eine Ent­fer­nung aus dem Beam­ten­ver­hält­nis nur durch Rich­ter­spruch erfol­gen darf.
Ab Mit­te des 19. Jahr­hun­derts fin­den sich zwar in eini­gen Teil­staa­ten Rege­lun­gen mit Rich­ter­vor­be­halt. Im poli­tisch wie flä­chen­mä­ßig bedeut­sa­men Preu­ßen sowie auf Reichs­ebe­ne eta­blier­te sich eine rich­ter­li­che Dis­zi­pli­nar­ge­walt im maß­geb­li­chen Zeit­raum jedoch nicht, wes­halb eine jeden­falls über­wie­gen­de Gel­tung des in Rede ste­hen­den Grund­sat­zes nicht ange­nom­men wer­den kann.
Aus­ge­hend von der in der Spät­pha­se des auf­ge­klär­ten Abso­lu­tis­mus ein­set­zen­den Ent­wick­lung hin zum Geset­zes­staat und einer ent­spre­chen­den Wand­lung der Beam­ten vom Fürs­ten- zum Staats­die­ner gewann in der ers­ten Hälf­te des 19. Jahr­hun­derts die Ein­sicht an Bedeu­tung, dass ein nicht mehr per­sön­lich dem Mon­ar­chen, son­dern der Ver­fas­sung ver­pflich­te­tes Beam­ten­tum sich nur dann schüt­zend vor das gel­ten­de Recht stel­len und poli­ti­scher Will­kür Wider­stand leis­ten konn­te, wenn es nicht des­we­gen mit sofor­ti­ger Ent­fer­nung aus dem Beam­ten­ver­hält­nis rech­nen muss­te. Die Ein­räu­mung einer gesi­cher­ten Rechts­stel­lung der Beam­ten wur­de so zu einer "staats­po­li­ti­schen Not­wen­dig­keit", um die Beam­ten­schaft zur Siche­rung der Ver­fas­sung und der Gesetz­mä­ßig­keit der Ver­wal­tung anzu­hal­ten [20]. In die­ser libe­ra­len Pha­se des Vor­mär­zes fan­den Über­le­gun­gen zur ver­fah­rens­recht­li­chen Siche­rung der Beam­ten­schaft in vie­le Rege­lun­gen der deut­schen Klein- und Mit­tel­staa­ten Ein­gang [21].
In die­ser Zeit nah­men eini­ge Glied­staa­ten den dis­zi­pli­na­ren Rich­ter­vor­be­halt gesetz­lich auf. Eine Ent­las­sung nur durch Rich­ter­spruch sah als ers­tes die Baye­ri­sche Haupt­lan­des­prag­ma­tik vom 01.01.1805 [22] vor. So hieß es in Art. VIII: "Der Ver­lust des die­ner­schaft­li­chen Stan­des (Kas­sa­ti­on) kann nur nach vor­her­ge­gan­ge­ner rich­ter­li­cher Unter­su­chung, und aus der Kraft des Urtheils­spru­ches eines Jus­tiz Kol­le­gi­ums erfol­gen (…)". Die­ser Rege­lungs­me­cha­nis­mus wur­de spä­ter durch § 9 des Edikts über die Ver­hält­nis­se der Staats­die­ner, vor­züg­lich in Bezie­hung auf ihren Stand und Gehalt (IX. Ver­fas­sungs­bei­la­ge) vom 26.05.1818 [23] fort­ge­setzt.
Nach Über­nah­me die­ses Grund­an­sat­zes sahen auch wei­te­re deut­sche Mit­tel- und Klein­staa­ten eine Ent­fer­nung aus dem Beam­ten­ver­hält­nis durch Rich­ter­spruch vor (etwa die Her­zog­tü­mer Anhalt-Des­sau und Anhalt-Köthen: §§ 43, 45 des Zivil-Staats­die­ner-Geset­zes für die Her­zogt­hü­mer Anhalt-Des­sau und Anhalt-Köthen vom 10.04.1850 [24]; Lip­pe: § 55 des Geset­zes über den Staats­dienst vom 15.01.1850 [25]; Olden­burg: Art. 77, 78 des Civil­staats­die­ner­ge­set­zes vom 26.03.1855 [26]; Fürst­li­che Reu­ßi­sche Lan­de jün­ge­rer Linie: §§ 46, 53 des Geset­zes über den Civil-Staats-Dienst vom 16.06.1853 [27]; Schwarz­burg-Son­ders­hau­sen: § 77 des Lan­des­grund­ge­set­zes für das Fürs­t­ent­hum Schwarz­burg-Son­ders­hau­sen vom 24.09.1841 [28]; Wal­deck: §§ 54, 73, 84 des Geset­zes über den Staats­dienst vom 27.04.1850 [29]).
Ande­re deut­sche Glied­staa­ten nor­mier­ten eine gericht­li­che Über­prü­fungs­mög­lich­keit der exe­ku­ti­ven Ent­fer­nungs­ent­schei­dung (etwa Sach­sen-Wei­mar-Eisen­ach: § 46 des Geset­zes über den Civil-Staats­dienst vom 09.03.1850 [30]; Schaum­burg-Lip­pe: §§ 55, 64 des Geset­zes über den Fürst­li­chen Civil­staats­dienst vom 08.03.1872 [31]; Schwarz­burg-Rudol­stadt: §§ 45, 46 des Geset­zes über den Civil-Staats­dienst vom 01.05.1850 [32]).
In eini­gen Län­dern erfolg­te die Ent­las­sung – abge­se­hen von Rich­ter­ent­las­sun­gen – auf exe­ku­ti­vem Wege, teils durch Ein­zel, teils durch Kol­le­gi­a­l­ent­schei­dung (etwa Groß­her­zog­tum Baden: § 14 des Civil-Staats­die­ner-Edikts vom 30.01.1819 [33]; König­reich Würt­tem­berg: § 47 der Ver­fas­sungs­ur­kun­de für das König­reich Würt­tem­berg vom 25.09.1819 [34] mit Aus­nah­men für Jus­tiz­be­am­te und Ent­fer­nung wegen Ver­bre­chen oder gemei­ner Ver­ge­hen; König­reich Han­no­ver: § 10 der Amts-Ord­nung vom 18.04.1823 [35] sowie § 163 des Grund­ge­set­zes des König­reichs vom 26.09.1833 [36], § 177 des Lan­des­ver­fas­sungs­ge­set­zes für das König­reich Han­no­ver 1840 vom 06.08.1840 [37], §§ 57, 58, 64 des Staats­die­ner­ge­set­zes vom 08.05.1852 [38]; König­reich Sach­sen: §§ 25, 27 des Geset­zes, die Ver­hält­nis­se der Civil­staats­die­ner betref­fend vom 07.03.1835 [39]).
Wei­ter dif­fe­ren­zier­ten eini­ge der Lan­des­re­ge­lun­gen im Hin­blick auf die judi­ka­ti­ve oder exe­ku­ti­ve Aus­ge­stal­tung des Ent­las­sungs­ver­fah­rens zwi­schen höhe­ren und nie­de­ren Beam­ten (etwa Braun­schweig: §§ 60, 69 des Geset­zes über den Civil-Staats-Dienst vom 12.10.1832 [40]; Kur­hes­sen: § 56 der Ver­fas­sungs-Urkun­de vom 05.01.1831 [41], §§ 47 ff., 59 des Staats­dienst­ge­set­zes vom 08.03.1831 [42], § 41 der Ver­fas­sungs-Urkun­de für das Kur­fürs­t­ent­hum Hes­sen vom 30.05.1860 [43]; Hes­sen-Hom­burg: Art. 10, 11, 12 des Geset­zes, die öffent­li­chen Dienst­ver­hält­nis­se der Staats­die­ner betref­fend vom 26.10.1849 [44]).
Die­se Rege­lungs­viel­falt setz­te sich zu Beginn des 20. Jahr­hun­derts fort (eine Ent­fer­nung aus dem Beam­ten­ver­hält­nis durch Exe­ku­tiv­ent­schei­dung vor­se­hend etwa Meck­len­burg-Schwe­rin: § 23 der Ver­ord­nung, betref­fend die Dienst­ver­ge­hen der nicht­rich­ter­li­chen lan­des­herr­li­chen Beam­ten, das Dis­zi­pli­nar­ver­fah­ren gegen die­sel­ben und deren Ver­set­zung in den Ruhe­stand vom 03.05.1907 [45]. Gericht­li­che bezie­hungs­wei­se gerichts­ähn­li­che Struk­tu­ren mit Instan­zen­zug nor­mier­ten etwa Ham­burg: Art. I § 10 des Dis­zi­pli­nar- und Pen­si­ons­ge­set­zes für die nicht­rich­ter­li­chen Beam­ten vom 07.01.1884 [46]; Lübeck: § 52 des Geset­zes, die Rechts­ver­hält­nis­se der Beam­ten betref­fend vom 28.01.1914 [47]; Anhalt: §§ 75 ff. des Geset­zes, den Civil­staats­dienst betref­fend vom 22.12 1875 [48]; Thü­rin­gen: §§ 73, 82 ff. des Staats­be­am­ten­ge­set­zes vom 14.03.1923 [49]; Braun­schweig: § 46 des Staats­be­am­ten­ge­set­zes vom 04.04.1923 [50]).
Für Preu­ßen lässt sich ein Rich­ter­vor­be­halt in Dis­zi­pli­nar­sa­chen erst ab dem Jahr 1932 fest­stel­len.
Schon früh gab es in Preu­ßen in Zusam­men­hang mit dem im Jahr 1794 in Kraft getre­te­nen Preu­ßi­schen All­ge­mei­nen Land­recht (PrALR) Über­le­gun­gen zum Schutz der Beam­ten­schaft vor will­kür­li­cher Ent­las­sung. Nach II 10 § 98 PrALR war dem Dienst­vor­ge­setz­ten die allei­ni­ge Dis­zi­pli­nar­ge­walt ent­zo­gen. Die Ent­las­sung wur­de viel­mehr durch den Staats­rat – bestehend aus den Prin­zen des regie­ren­den Hau­ses, dem Staats­kanz­ler, den Minis­tern und ande­ren vom Mon­ar­chen ernann­ten Mit­glie­dern – beschlos­sen (II 10 §§ 99, 100 PrALR) [51] und bedurf­te in gewis­sen Fäl­len der Bestä­ti­gung durch den Lan­des­herrn (II 10 § 101 PrALR). Wei­te­re Instan­zen oder Rechts­mit­tel waren nicht vor­ge­se­hen. Die Preu­ßi­sche Ver­fas­sung vom 31.01.1850 [52] ent­hielt in Art. 98 ledig­lich die Vor­ga­be, "den Staats-Beam­ten gegen will­kür­li­che Ent­zie­hung von Amt und Ein­kom­men ange­mes­se­nen Schutz [zu gewäh­ren]."
Ab dem Jahr 1844 wur­den in Preu­ßen ers­te spe­zi­el­le Dis­zi­pli­nar­ge­set­ze erlas­sen. Die dort zur Ent­schei­dung über die Ent­fer­nung von Beam­ten aus dem Beam­ten­ver­hält­nis beru­fe­nen Stel­len (Pro­vin­zi­al­be­hör­den, Dis­zi­pli­nar­hof, Staats­mi­nis­te­ri­um, Appel­la­ti­ons­ge­richt, Prä­si­dent der Bezirks­re­gie­rung, Bezirks­aus­schuss, Ple­num des Ober­ver­wal­tungs­ge­richts, Ober­ver­wal­tungs­ge­richt, Vor­sit­zen­der des Vor­stands der Ver­si­che­rungs­an­stalt) [53] wie­sen zwar eine gewis­se orga­ni­sa­to­ri­sche Eigen­stän­dig­keit auf. Vor allem dem Dis­zi­pli­nar­hof kam eine star­ke Stel­lung inner­halb des Dis­zi­pli­nar­ver­fah­rens zu. Neben sei­ner erst­in­stanz­li­chen Zustän­dig­keit war er im Beru­fungs­ver­fah­ren gegen Ent­las­sungs­ent­schei­dun­gen der Pro­vin­zi­al­be­hör­den gut­ach­ter­lich ein­ge­bun­den. Lau­te­te die Ent­schei­dung des Dis­zi­pli­nar­hofs in ers­ter Instanz oder sein Gut­ach­ten auf Frei­spre­chung des Beam­ten, durf­te das Staats­mi­nis­te­ri­um in sei­ner Beru­fungs­ent­schei­dung kei­ne Dienst­ent­las­sung, son­dern nur mil­de­re Dis­zi­pli­nar­stra­fen ver­hän­gen (§ 50 der Ver­ord­nung, betref­fend die Dienst­ver­ge­hen der nicht rich­ter­li­chen Beam­ten, die Ver­set­zung der­sel­ben auf eine ande­re Stel­le oder in den Ruhe­stand vom 11.07.1849 [54]. Wegen der Ein­set­zung des Staats­mi­nis­te­ri­ums als Beru­fungs­in­stanz, aber auch der Aus­ge­stal­tung des Rechts­schut­zes für Beam­te der Pro­vin­zi­al­be­hör­den, wel­che den bei wei­tem größ­ten Teil der Beam­ten aus­mach­ten [55], sowie wegen der mit der erneu­ten Ernen­nungs­mög­lich­keit als Mit­glied des Dis­zi­pli­nar­hofs ver­bun­de­nen poten­ti­el­len Druck­si­tua­ti­on kann trotz gerichts­ähn­li­cher Ver­fah­rens­ge­stal­tung aller­dings nicht von einer unab­hän­gi­gen Gerichts­bar­keit gespro­chen wer­den [56].
Auch zu Zei­ten der Wei­ma­rer Repu­blik brach­ten weder die Preu­ßi­sche Ver­fas­sung von 1920 [57] noch die beam­ten­recht­li­chen Geset­zes­än­de­run­gen von 1922 [58] inso­weit rele­van­te Neue­run­gen [59].
Erst mit der Beam­ten­dienst­straf­ord­nung vom 27.01.1932 [60] (im Fol­gen­den: BDS­tO) – und damit weit nach der Ein­füh­rung der Ver­wal­tungs­ge­richts­bar­keit und der Errich­tung des Preu­ßi­schen Ober­ver­wal­tungs­ge­richts im Jahr 1875 – führ­te Preu­ßen nach inten­si­ver par­la­men­ta­ri­scher Vor­ar­beit mit den Dienst­straf­kam­mern und dem Dienst­straf­hof eine unab­hän­gi­ge Dis­zi­pli­nar­ge­richts­bar­keit für die im preu­ßi­schen Dienst ste­hen­den Lan­des- und Kom­mu­nal­be­am­ten ein [61]. Die Unab­hän­gig­keit sowohl der Spruch­kör­per als Dienst­straf­ge­rich­te wie auch der Rich­ter selbst war nun­mehr gesetz­lich expli­zit ver­bürgt (§ 27 Abs. 2, § 32 BDS­tO). Gleich­wohl wur­den nicht zuletzt des­we­gen, weil das Amt am Dienst­straf­ge­richt als Neben­amt aus­ge­übt wur­de und weil wegen der nur tem­po­rä­ren Ernen­nung mit Blick auf eine Wie­der­wahl das Ent­schei­dungs­ver­hal­ten beein­flusst wer­den konn­te, Beein­träch­ti­gun­gen der Unab­hän­gig­keit befürch­tet [62]. Zudem wur­den Neue­run­gen der BDS­tO wie etwa die Ver­jäh­rung von Dienst­ver­ge­hen oder die Öffent­lich­keit der Haupt­ver­hand­lung wegen ihres Wider­spruchs zur natio­nal­so­zia­lis­ti­schen Staats­auf­fas­sung durch Geset­zes­no­vel­lie­rung im Jahr 1934 wie­der zurück­ge­nom­men [63].
Auch auf Reichs­ebe­ne bil­de­te sich weder wäh­rend des Kai­ser­reichs noch in der Zeit der Wei­ma­rer Repu­blik ein Grund­satz der Ent­fer­nung aus dem Beam­ten­ver­hält­nis durch Rich­ter­spruch her­aus.
Seit dem Gesetz, betref­fend die Rechts­ver­hält­nis­se der Reichs­be­am­ten vom 31.03.1873 [64] (im Fol­gen­den: Reichs­be­am­ten­ge­setz), waren in ers­ter Instanz Dis­zi­pli­nar­kam­mern und in der Beru­fungs­in­stanz der Dis­zi­pli­nar­hof zur Ent­schei­dung über die Ent­fer­nung aus dem Beam­ten­ver­hält­nis in einem förm­li­chen Dis­zi­pli­nar­ver­fah­ren beru­fen [65]. Bei die­sen Stel­len han­del­te es sich trotz der mehr­heit­lich rich­ter­li­chen Beset­zung und der stark judi­ka­tiv aus­ge­rich­te­ten Ver­fah­rens­ge­stal­tung nicht um unab­hän­gi­ge Gerich­te im Sin­ne des Grund­ge­set­zes. Wenn­gleich das Bestre­ben nach einer mög­lichst will­kürfrei­en Ver­fah­rens­ge­stal­tung deut­lich zu Tage tritt und funk­tio­nell in gewis­ser Wei­se recht­spre­chen­de Tätig­keit aus­ge­übt wur­de, genügt dies nicht, um die­se Gre­mi­en nach den oben for­mu­lier­ten Maß­stä­ben als unab­hän­gi­ge Gerich­te ein­zu­ord­nen [66]. Denn bei dem Dis­zi­pli­nar­hof und den Dis­zi­pli­nar­kam­mern han­del­te es sich um Reichs­be­hör­den, wel­che der Auf­sicht des Reichsam­tes des Inne­ren unter­stan­den [67] und somit orga­ni­sa­to­risch der Exe­ku­ti­ve zuge­hör­ten [68]. Sie waren "gerichts­ähn­li­che Spruch­kör­per der Exe­ku­ti­ve" [69] und wie­sen damit nicht das für die Zuord­nung zur Judi­ka­ti­ve erfor­der­li­che Maß an Unab­hän­gig­keit auf. Auch der Umstand, dass sie in gewis­ser Wei­se fak­tisch das Feh­len einer Ver­wal­tungs­ge­richts­bar­keit auf Reichs­ebe­ne [70] kom­pen­sier­ten, genügt nicht, um bei den orga­ni­sa­to­risch der Exe­ku­ti­ve zuge­hö­ri­gen Spruch­kör­pern im Sin­ne des obi­gen, auf Gewal­ten­tei­lung und Unab­hän­gig­keit abstel­len­den Gerichts­ver­ständ­nis­ses von Gerich­ten aus­zu­ge­hen.
Zunächst änder­te sich an der im Kai­ser­reich bestehen­den Aus­ge­stal­tung auch in der Zeit der Wei­ma­rer Repu­blik nichts. Die Wei­ma­rer Reichs­ver­fas­sung vom 11.08.1919 [71] schrieb zwar in Art. 129 Abs. 1 Satz 1 die Anstel­lung der Beam­ten auf Lebens­zeit fest und bestimm­te in Abs. 3, dass "gegen jedes dienst­li­che Straf­er­kennt­nis […] ein Beschwer­de­weg sowie die Mög­lich­keit des Wie­der­auf­nah­me­ver­fah­rens eröff­net sein" müs­se, ent­hielt aber kei­nen Rich­ter­vor­be­halt.
Im ein­fa­chen Geset­zes­recht ver­än­der­te das Gesetz über die Pflich­ten der Beam­ten zum Schut­ze der Repu­blik vom 21.07.1922 [72] das beam­ten­recht­li­che Dis­zi­pli­nar­ver­fah­rens­recht für Reichs­be­am­te zu deren Las­ten. In der Fol­ge­zeit kam es bis zum Ende der Wei­ma­rer Repu­blik zwar wie­der­holt zu Geset­zes­in­itia­ti­ven, die auf die Eta­blie­rung einer unab­hän­gi­gen Dis­zi­pli­nar­ge­richts­bar­keit abziel­ten [73]. Die Reform­be­mü­hun­gen kamen jedoch zu kei­nem Abschluss, viel­mehr blie­ben die dis­zi­pli­nar­recht­li­chen Bestim­mun­gen des inso­fern wei­ter maß­geb­li­chen Reichs­be­am­ten­ge­set­zes aus dem Jahr 1873 bis zum Jahr 1937 in Kraft. Erst die Reichs­dienst­straf­ord­nung vom 26.01.1937 [74] brach­te grund­le­gen­de Neue­run­gen und knüpf­te hin­sicht­lich der Dis­zi­pli­nar­ge­richts­bar­keit an jene Ent­wurfs­vor­stel­lun­gen sowie die gel­ten­de preu­ßi­sche Rechts­la­ge an, obgleich der ursprüng­lich libe­ra­le Grund­im­pe­tus der Vor­ar­bei­ten aus der Spät­pha­se der Wei­ma­rer Repu­blik nicht mehr zum Tra­gen kam [75]. Mit dem Beschluss des Reichs­tags vom 26.04.1942, der Hit­ler unter ande­rem eine umfas­sen­de Ent­fer­nungs­kom­pe­tenz ohne Bin­dung an ein förm­li­ches Ver­fah­ren ein­räum­te [76], fand die unab­hän­gi­ge Dis­zi­pli­nar­ge­richts­bar­keit fak­tisch end­gül­tig ihr Ende [77].
Für die Fest­stel­lung eines her­ge­brach­ten Grund­sat­zes des Berufs­be­am­ten­tums sind die ledig­lich inten­dier­ten, aber nicht prak­ti­zier­ten Refor­men in der Spät­pha­se der Wei­ma­rer Repu­blik unbe­acht­lich. Die nach ihrem fak­ti­schen Ende am 30.01.1933 erfolg­te Ein­rich­tung einer Dis­zi­pli­nar­ge­richts­bar­keit im Jahr 1937 ist nicht in den tra­di­ti­ons­bil­den­den Zeit­raum ein­zu­be­zie­hen. Denn das Beam­ten­recht wur­de in der Zeit der natio­nal­so­zia­lis­ti­schen Herr­schaft sehr bald als Instru­ment der Dik­ta­tur ein­ge­setzt und kann daher kei­ne Vor­bild­funk­ti­on für das Berufs­be­am­ten­tum des Grund­ge­set­zes ent­fal­ten [78]. Gera­de die Reichs­dienst­straf­ord­nung war, wenn­gleich sie an die noch von libe­ra­le­ren Gedan­ken getra­ge­nen Reform­über­le­gun­gen der Spät­pha­se der Wei­ma­rer Repu­blik anknüpf­te, bereits stark von natio­nal­so­zia­lis­ti­schem Impe­tus getra­gen, sodass kei­ne von der natio­nal­so­zia­lis­ti­schen Per­ver­si­on unbe­rühr­te Gel­tung bestand.
Nach alle­dem lässt sich für den tra­di­ti­ons­bil­den­den Zeit­raum bis zum Ende der Wei­ma­rer Repu­blik kein Rich­ter­vor­be­halt für den wenigs­tens ganz über­wie­gen­den Teil des Reichs fest­stel­len.
Ab Beginn des 19. Jahr­hun­derts zeig­te sich in den Glied­staa­ten ein dis­pa­ra­tes Bild. Wäh­rend zuvör­derst Bay­ern bereits im Jahr 1805 in der Baye­ri­schen Haupt­lan­des­prag­ma­tik einen Rich­ter­vor­be­halt ver­an­ker­te und auch wei­te­re Län­der eine Ent­las­sung nur durch Rich­ter­spruch vor­sa­hen, oblag die Ent­las­sungs­ent­schei­dung in ande­ren Glied­staa­ten der Exe­ku­ti­ve. Die Ent­schei­dung war dabei zum Teil Ein­zel­nen oder – teils gemischt exe­ku­tiv-judi­ka­tiv zusam­men­ge­setz­ten – Kol­le­gi­al­gre­mi­en über­ant­wor­tet. Zudem unter­schie­den die lan­des­recht­li­chen Rege­lun­gen oft­mals zwi­schen Rich­ter­be­am­ten, Beam­ten höhe­ren und nie­de­ren Diens­tes, wobei eini­ge Län­der nur für die ers­ten bei­den Kate­go­rien ein gericht­li­ches Ent­las­sungs­ver­fah­ren bezie­hungs­wei­se ein höhe­res Schutz­ni­veau vor­sa­hen. Eine ein­heit­li­che Rege­lung ist hier nicht zu erken­nen.
Preu­ßen ver­folg­te als flä­chen­mä­ßig größ­tes und für das Berufs­be­am­ten­tum prä­gen­des Land bis ins 20. Jahr­hun­dert hin­ein einen exe­ku­ti­ven Ansatz für Ent­fer­nun­gen aus dem Beam­ten­ver­hält­nis, bevor es erst ab dem Jahr 1932 eine unab­hän­gi­ge Dis­zi­pli­nar­ge­richts­bar­keit eta­blier­te. Damit dürf­te zwar ab die­sem Zeit­punkt für den über­wie­gen­den Teil des Rei­ches die Regel der Ent­las­sung durch Rich­ter­spruch bestan­den haben. Ange­sichts der kur­zen Zeit­span­ne bis zum Ende der Wei­ma­rer Repu­blik von ledig­lich rund neun Mona­ten kann jedoch nicht von einer ver­bind­li­chen Aner­ken­nung und Wah­rung des Grund­sat­zes wäh­rend eines län­ge­ren tra­di­ti­ons­bil­den­den Zeit­raums gespro­chen wer­den, zumal wie gese­hen bereits durch die Novel­lie­rung im Jahr 1934 das Schutz­ni­veau für Beam­te wie­der zurück­ge­nom­men wur­de.
Auf Reichs­ebe­ne ist für die Zeit des Deut­schen Kai­ser­reichs bis zum Ende der Wei­ma­rer Repu­blik die Her­aus­bil­dung eines Rich­ter­vor­be­hal­tes gleich­falls nicht fest­zu­stel­len. So exis­tier­ten mit den Dis­zi­pli­nar­kam­mern und dem Dis­zi­pli­nar­hof zwar gerichts­ähn­li­che Kol­le­gi­al­or­ga­ne als Ent­schei­dungs­gre­mi­en. Wegen ihrer Zuge­hö­rig­keit zur Exe­ku­ti­ve kön­nen sie jedoch nicht als Gerich­te im Sin­ne des Grund­ge­set­zes ein­ge­ord­net wer­den.
Dahin­ste­hen kann daher, ob der vom Poli­zei­be­am­ten behaup­te­te Grund­satz von der Ent­fer­nung aus dem Beam­ten­ver­hält­nis nur durch Rich­ter­spruch auch die erfor­der­li­che Sub­stan­zia­li­tät auf­weist. Aller­dings dürf­ten die bes­se­ren Grün­de dage­gen spre­chen.
Geschützt von Art. 33 Abs. 5 GG sind allein die­je­ni­gen Grund­sät­ze, die das Bild des Berufs­be­am­ten­tums in sei­ner über­kom­me­nen Gestalt maß­geb­lich prä­gen, sodass ihre Besei­ti­gung das Berufs­be­am­ten­tum als sol­ches antas­ten wür­de [79]. Bei der Ent­fer­nung aus dem Beam­ten­ver­hält­nis durch Rich­ter­spruch dürf­te es sich jedoch nicht um einen Grund­satz han­deln, der nicht hin­weg­ge­dacht wer­den kann, ohne dass damit zugleich das Berufs­be­am­ten­tum selbst in sei­nem Cha­rak­ter grund­le­gend ver­än­dert wür­de. Um eine der­ar­ti­ge grund­le­gen­de Aus­wir­kung auf den Prä­ge­cha­rak­ter des Berufs­be­am­ten­tums beur­tei­len zu kön­nen, sind die übri­gen Struk­tur­prin­zi­pi­en in den Blick zu neh­men. Vor­lie­gend berührt die Fra­ge­stel­lung allein das Lebens­zeit­prin­zip als wei­te­ren her­ge­brach­ten Grund­satz. Wenn aber – wie unten unter Rn. 63 ff. auf­ge­zeigt wird – dem Lebens­zeit­prin­zip durch eine effek­ti­ve nach­träg­li­che gericht­li­che Kon­trol­le Genü­ge getan wer­den kann, so dürf­te im Umkehr­schluss der Rich­ter­vor­be­halt nicht der­ge­stalt prä­gend sein, dass andern­falls das Berufs­be­am­ten­tum infol­ge der Impli­ka­tio­nen auf ande­re Grund­sät­ze nach­hal­tig ver­än­dert wür­de.
Ent­fer­nung aus dem Beam­ten­ver­hält­nis durch den Dienst­vor­ge­setz­ten[↑]
Gleich­falls besteht kein her­ge­brach­ter Grund­satz, wonach die Ent­fer­nungs­ent­schei­dung der unmit­tel­ba­ren allei­ni­gen Dis­zi­pli­nar­ge­walt des Dienst­vor­ge­setz­ten ent­zo­gen und immer einem Gre­mi­um zu über­ant­wor­ten ist. Unge­ach­tet des­sen, ob "nega­tiv" auf den Ent­zug der Dis­zi­pli­nar­be­fug­nis oder "posi­tiv" auf die Not­wen­dig­keit der Ent­schei­dung durch ein Gre­mi­um abge­stellt wird, fehlt es auch inso­weit an der Sub­stan­zia­li­tät.
Das Dis­zi­pli­nar­ver­fah­ren war im tra­di­ti­ons­bil­den­den Zeit­raum im Ent­fer­nungs­fall unter­schied­lich aus­ge­stal­tet. Neben der Über­tra­gung der Dis­zi­pli­nar­be­fug­nis auf Gerich­te fan­den sich ver­schie­dens­te Ele­men­te exe­ku­ti­ver Selbst- und judi­ka­ti­ver Fremd­kon­trol­le, die ihrer­seits unter­schied­lich kom­bi­niert wur­den. Hier­bei ging es jedoch nicht pri­mär dar­um, gera­de dem Dienst­vor­ge­setz­ten die Dis­zi­pli­nar­be­fug­nis zu ent­zie­hen, son­dern dar­um, den Beam­ten nach Mög­lich­keit vor einer will­kür­li­chen Ent­fer­nung aus dem Beam­ten­ver­hält­nis zu schüt­zen und des­halb zu ver­hin­dern, dass die allei­ni­ge und letzt­ver­bind­li­che Gestal­tung in der Hand eines Ein­zel­nen liegt. Hier­für sind jedoch neben dem Ent­zug der Dis­zi­pli­nar­be­fug­nis auch wei­te­re Instru­men­te, ins­be­son­de­re eine nach­träg­li­che gericht­li­che Voll­kon­trol­le, denk­bar. Dar­aus folgt im Umkehr­schluss, dass die Ent­zie­hung der allei­ni­gen Dis­zi­pli­nar­be­fug­nis des Dienst­vor­ge­setz­ten nicht der­art prä­gend für das Beam­ten­tum ist, dass ihr der Rang eines Struk­tur­prin­zips zuzu­spre­chen wäre. Inso­fern greift auch der Ein­wand des Poli­zei­be­am­ten zu kurz, das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt argu­men­tie­re wider­sprüch­lich, weil es auf den jet­zi­gen Rechts­schutz­stan­dard ver­wei­se. Denn es geht inso­weit nicht um das Merk­mal der Tra­di­tio­na­li­tät, son­dern um die Sub­stan­zia­li­tät, die nicht his­to­risch, son­dern wer­tend zu bestim­men ist.
Ent­fer­nung aus dem Beam­ten­ver­hält­nis und die Sub­stan­zia­li­tät[↑]
Auch wenn der Vor­trag des Poli­zei­be­am­ten dahin­ge­hend ver­stan­den wird, dass die Ent­fer­nungs­ent­schei­dung immer durch ein Gre­mi­um statt durch einen Ein­zel­nen getrof­fen wer­den müs­se, ent­behrt die­se Regel der für die Annah­me eines Struk­tur­prin­zips erfor­der­li­chen prä­gen­den Kraft. Viel­mehr stellt die Ent­schei­dungs­be­fug­nis eines Gre­mi­ums ledig­lich eine Mög­lich­keit dar, das Risi­ko einer will­kür­li­chen Ent­schei­dung zu sen­ken. Läuft aber das Argu­ment des Schut­zes der Beam­ten leer, so stellt sich die Fra­ge, wor­aus sich gera­de die­se Regel unter Sub­stan­zia­li­täts­ge­sichts­punk­ten recht­fer­tigt. Bei allen vor­ste­hen­den Les­ar­ten des vom Poli­zei­be­am­ten behaup­te­ten Grund­sat­zes geht es im Kern immer um den Schutz der Beam­ten vor will­kür­li­cher Ent­las­sung. Dies ist ori­gi­nä­rer Schutz­ge­halt des Lebens­zeit­prin­zips. Die Mit­tel hier­zu sind viel­fäl­tig, sodass es einer spe­zi­el­len Gestal­tung im Umkehr­schluss an der Sub­stan­zia­li­tät fehlt.
Lebens­zeit­prin­zip und die Abschaf­fung der gericht­li­chen Dis­zi­pli­nar­ge­walt[↑]
Das Lebens­zeit­prin­zip gemäß Art. 33 Abs. 5 GG erfor­dert kei­nen Rich­ter­vor­be­halt für Ent­fer­nun­gen aus dem Beam­ten­ver­hält­nis, da vor­lie­gend effek­ti­ver nach­ge­la­ger­ter Rechts­schutz sicher­ge­stellt ist. Dies ist jeden­falls dann der Fall, wenn – wie mit dem LDG BW – eine gericht­li­che Voll­kon­trol­le vor­ge­se­hen ist. Dann bedarf es auch kei­ner wei­te­ren kom­pen­sa­to­ri­schen Schutz­vor­keh­run­gen auf gericht­li­cher oder behörd­li­cher Ebe­ne. Wei­te­re im Gesetz­ge­bungs­ver­fah­ren und in der Lite­ra­tur vor­ge­brach­te Ein­wän­de füh­ren zu kei­ner ande­ren Bewer­tung.
Zu dem Kern­be­stand von Struk­tur­prin­zi­pi­en, bei dem die Beach­tens­pflicht den Weg zu tief­grei­fen­den struk­tu­rel­len Ver­än­de­run­gen durch den ein­fa­chen Gesetz­ge­ber ver­sperrt, gehört das Lebens­zeit­prin­zip [80]. Es beinhal­tet neben dem Grund­satz der lebens­zei­ti­gen Anstel­lung auch die grund­sätz­li­che Unent­zieh­bar­keit des sta­tus­recht­li­chen Amtes [81].
Das Lebens­zeit­prin­zip hat – im Zusam­men­spiel mit dem die amts­an­ge­mes­se­ne Besol­dung sichern­den Ali­men­ta­ti­ons­prin­zip – die Funk­ti­on, die Unab­hän­gig­keit der Beam­ten im Inter­es­se einer rechts­staat­li­chen Ver­wal­tung zu gewähr­leis­ten. Erst recht­li­che und wirt­schaft­li­che Sicher­heit bie­tet die Gewähr dafür, dass das Berufs­be­am­ten­tum zur Erfül­lung der ihm vom Grund­ge­setz zuge­wie­se­nen Auf­ga­be, im poli­ti­schen Kräf­te­spiel eine sta­bi­le, geset­zes­treue Ver­wal­tung zu sichern, bei­tra­gen kann [82].
Dazu gehört auch und vor allem, dass der Beam­te nicht will­kür­lich oder nach frei­em Ermes­sen poli­ti­scher Gre­mi­en aus sei­nem Amt ent­fernt wer­den kann, denn damit ent­fie­le die Grund­la­ge für sei­ne Unab­hän­gig­keit [83]. Die Been­di­gung des Beam­ten­ver­hält­nis­ses ist nur unter genau gesetz­lich gere­gel­ten Vor­aus­set­zun­gen und For­men zuläs­sig [84]. Die lebens­lan­ge Anstel­lung sichert dem Beam­ten per­sön­li­che Unab­hän­gig­keit. Das Bewusst­sein ihrer gesi­cher­ten Rechts­stel­lung soll die Bereit­schaft der Beam­ten zu einer an Gesetz und Recht ori­en­tier­ten Amts­füh­rung för­dern und ihn zu unpar­tei­ischem Dienst für die Gesamt­heit befä­hi­gen. Die mit dem Lebens­zeit­prin­zip ange­streb­te Unab­hän­gig­keit der Amts­füh­rung ist dabei nicht etwa ein per­sön­li­ches Pri­vi­leg der Beam­ten, das ihrer Dis­po­si­ti­on unter­lie­gen könn­te, son­dern dient dem Gemein­wohl. Nur wenn die inne­re und äuße­re Unab­hän­gig­keit gewähr­leis­tet ist, kann rea­lis­ti­scher­wei­se erwar­tet wer­den, dass ein Beam­ter auch dann auf rechts­staat­li­cher Amts­füh­rung beharrt, wenn sie (partei-)politisch uner­wünscht sein soll­te. Das Berufs­be­am­ten­tum wird so zu einem tra­gen­den Ele­ment des Rechts­staa­tes [85].
Der Schutz vor Staats­will­kür und Macht­miss­brauch zur Frei­heits­si­che­rung wird im demo­kra­ti­schen Rechts­staat des Grund­ge­set­zes vor­nehm­lich durch die Gewal­ten­tei­lung als tra­gen­des Orga­ni­sa­ti­ons­prin­zip des Grund­ge­set­zes gewähr­leis­tet. Sei­ne Bedeu­tung liegt in der poli­ti­schen Macht­ver­tei­lung, dem Inein­an­der­grei­fen der drei Gewal­ten und der dar­aus resul­tie­ren­den Mäßi­gung der Staats­herr­schaft [86]. Dane­ben soll die Gewal­ten­tei­lung die Sach­lich­keit und inhalt­li­che Rich­tig­keit staat­li­cher Ent­schei­dun­gen sichern, indem die­se von den Orga­nen getrof­fen wer­den, die dafür nach ihrer Orga­ni­sa­ti­on, Zusam­men­set­zung, Funk­ti­on und Ver­fah­rens­wei­se über die bes­ten Vor­aus­set­zun­gen ver­fü­gen [87]. Auf­grund ihrer Neu­tra­li­tät und Unab­hän­gig­keit eig­net sich die Judi­ka­ti­ve zur Mäßi­gung exe­ku­ti­ver Eigen­macht in beson­de­rer Wei­se. Folg­lich obliegt nach dem Grund­ge­setz die Kon­trol­le der Exe­ku­ti­ve zuvör­derst den Gerich­ten.
Dies bedeu­tet für den vor­lie­gen­den Fall jedoch nicht, dass bereits die dis­zi­pli­na­re Erst­ent­schei­dung von einem Gericht getrof­fen wer­den muss. Viel­mehr kann ange­sichts des aus­dif­fe­ren­zier­ten Rechts­schutz­sys­tems ein hin­rei­chen­der Grund­rechts­schutz grund­sätz­lich durch nach­träg­li­che gericht­li­che Kon­trol­le gewähr­leis­tet wer­den. Es ist zwar nicht aus­ge­schlos­sen, dass aus­nahms­wei­se im Sin­ne eines Grund­rechts­schut­zes durch Ver­fah­ren eine ori­gi­nä­re gericht­li­che Pri­mär­ent­schei­dung gebo­ten sein kann. Die Schwe­re des Grund­rechts­ein­griffs allein genügt – wenn­gleich sie ein ers­ter Anknüp­fungs­punkt sein kann – für die Begrün­dung eines sol­chen ori­gi­nä­ren gericht­li­chen Ent­schei­dungs­mo­no­pols nicht. Die­ses kann jedoch ins­be­son­de­re dann erfor­der­lich sein, wenn nach­träg­li­cher Rechts­schutz nur unzu­rei­chen­den Schutz bie­tet.
Der­ar­ti­ge struk­tu­rel­le Rechts­schutz­de­fi­zi­te las­sen sich vor­lie­gend nicht fest­stel­len. Zwar greift die Ent­fer­nung aus dem Beam­ten­ver­hält­nis in essen­ti­el­ler Wei­se in das Lebens­zeit­prin­zip ein. Aller­dings kann ein etwai­ger unbe­rech­tig­ter Ein­griff durch nach­träg­li­che gericht­li­che Über­prü­fung hin­rei­chend effek­tiv kor­ri­giert wer­den. Auch sofern mit einem Dis­zi­pli­nar­ver­fah­ren finan­zi­el­le oder sta­tus­be­zo­ge­ne Nach­tei­le etwa im Hin­blick auf mög­li­che Beför­de­run­gen ver­bun­den sind, kann dem unter Eil­be­dürf­tig­keits­ge­sichts­punk­ten durch die Instru­men­te des einst­wei­li­gen Rechts­schut­zes wirk­sam begeg­net wer­den. Es steht also nicht zu befürch­ten, dass durch eine gege­be­nen­falls rechts­wid­ri­ge exe­ku­ti­ve Ent­fer­nungs­ent­schei­dung zulas­ten des Beam­ten Fak­ten geschaf­fen und das Lebens­zeit­prin­zip – jeden­falls tem­po­rär – bis zu einer Ent­schei­dung in der Haupt­sa­che aus­ge­he­belt wer­den wür­de. Der von den Ver­wal­tungs­ge­rich­ten zu gewäh­ren­de effek­ti­ve (Eil-)Rechtsschutz macht eine ori­gi­nä­re rich­ter­li­che Dis­zi­pli­nar­ge­walt zum Schutz des Lebens­zeit­prin­zips ent­behr­lich.
Der Grund­rechts­schutz wird auch nicht der­ge­stalt struk­tu­rell geschwächt, dass der Ein­zel­ne in einer sei­ne Unab­hän­gig­keit gefähr­den­den Wei­se sein Ver­hal­ten prä­ven­tiv anpas­sen müss­te, um nach­tei­li­ge dis­zi­pli­na­ri­sche Kon­se­quen­zen zu ver­mei­den. Denn um der­ar­ti­ge Kon­se­quen­zen zu ver­mei­den, ist schlicht ein rechts­kon­for­mes Ver­hal­ten erfor­der­lich, sodass es sich bei einer unter­stell­ten fak­ti­schen Ver­hal­tens­steue­rung ledig­lich um die Rea­li­sie­rung der spe­zi­al­prä­ven­ti­ven Dimen­si­on des Dis­zi­pli­nar­rechts han­del­te, das sei­ner­seits als her­ge­brach­ter Grund­satz mit sei­ner grund­rechts­ver­kür­zen­den Dimen­si­on aner­kannt ist [88]. Anhalts­punk­te dafür, dass durch die Ver­wei­sung auf eine nach­ge­la­ger­te gericht­li­che Kon­trol­le stär­ker als in dem eben­falls mit Unan­nehm­lich­kei­ten ver­bun­de­nen Sys­tem der Ent­fer­nung aus dem Beam­ten­ver­hält­nis durch Rich­ter­spruch ein die Geset­zes­treue gefähr­den­des ange­pass­tes Ver­hal­ten der Beam­ten aus Furcht vor einer unge­recht­fer­tig­ten Ent­fer­nung pro­vo­ziert wür­de, sind nicht ersicht­lich.
Eine gericht­li­che Dis­zi­pli­nar­ge­walt erscheint schließ­lich auch unter dem Aspekt der grö­ße­ren Rich­tig­keits­ge­währ nicht gebo­ten. Die Annah­me, es bestün­de auf­grund der feh­len­den Distanz und nicht neu­tra­len Stel­lung des Dienst­vor­ge­setz­ten im Ver­fah­ren ein grö­ße­res Risi­ko sach­frem­der Erwä­gun­gen, erweist sich als nicht durch­schlags­kräf­tig. Der­ar­ti­ge sach­frem­de Fak­to­ren – die­se als gege­ben unter­stellt – wer­den sich wegen der nach­ge­la­ger­ten gericht­li­chen Kon­troll­mög­lich­keit letzt­end­lich nicht in der Ent­schei­dung aus­wir­ken. Zudem ist nicht ersicht­lich, dass im Fall der Ent­fer­nung aus dem Beam­ten­ver­hält­nis beson­de­res Son­der- oder Fach­wis­sen maß­geb­lich ist, das struk­tu­rell nicht auf Ver­wal­tungs, son­dern nur auf Gerichts­sei­te vor­han­den wäre.
Jeden­falls im Fall eines nach­ge­la­ger­ten effek­ti­ven Rechts­schut­zes in Gestalt einer gericht­li­chen Voll­kon­trol­le ist dem Lebens­zeit­prin­zip Genü­ge getan.
Grund­sätz­lich sind Ver­wal­tungs­ent­schei­dun­gen voll­um­fäng­lich gericht­lich kon­trol­lier­bar. In die­sem Grund­mo­dell der gericht­li­chen Voll­kon­trol­le haben die Gerich­te die Kom­pe­tenz zur Letzt­ent­schei­dung. Aus­nahms­wei­se ist die gericht­li­che Kon­trol­le zurück­ge­nom­men, wenn der Exe­ku­ti­ve Letzt­ent­schei­dungs­be­fug­nis­se in Gestalt von Ermes­sen oder tat­be­stand­li­chen Beur­tei­lungs­spiel­räu­men ein­ge­räumt sind. Beschrän­kun­gen der gericht­li­chen Kon­trol­le müs­sen gesetz­lich vor­ge­se­hen und durch Aus­le­gung fest­stell­bar sein [89]. Der Gesetz­ge­ber ist bei der Ein­räu­mung sol­cher Letzt­ent­schei­dungs­be­fug­nis­se nicht frei. Aus den Beson­der­hei­ten des jewei­li­gen Sach­ge­biets fol­gen sie, wenn­gleich die­se ein ers­ter Anhalts­punkt sind, nicht ohne Wei­te­res. Viel­mehr bin­den den Gesetz­ge­ber die Grund­rech­te sowie das Rechts­staats- und Demo­kra­tie­prin­zip und die hier­aus fol­gen­den Grund­sät­ze der Bestimmt­heit und Nor­men­klar­heit sowie der Ver­hält­nis­mä­ßig­keit [89].
Der kon­sen­tier­te grund­ge­setz­li­che Maß­stab ver­bie­tet eine Ent­fer­nung der Beam­ten aus dem Beam­ten­ver­hält­nis aus "Will­kür oder frei­em Ermes­sen". Allein dem Wort­laut nach zu urtei­len, könn­te auch eine ein­ge­schränk­te gericht­li­che Kon­trol­le von Ermes­sens­ent­schei­dun­gen ver­fas­sungs­recht­lich genü­gen, zumal die Ver­fas­sung einen in jeder Hin­sicht opti­ma­len Schutz nicht for­dert. Wird aller­dings der maß­geb­li­che Bezugs­punkt des Lebens­zeit­prin­zips, näm­lich der Schutz der Unab­hän­gig­keit der Beam­ten im Inter­es­se einer rechts­staat­li­chen Ver­wal­tung, in den Blick genom­men, so ver­blie­ben durch ein­ge­schränkt gericht­lich kon­trol­lier­ba­re Ent­schei­dun­gen Unsi­cher­heits­res­te im Hin­blick auf die Maß­geb­lich­keit der Ent­fer­nungs­pa­ra­me­ter, die Beam­te in ihrer Amts­aus­füh­rung behin­dern könn­ten.
Auch aus mate­ri­ell-recht­li­cher Per­spek­ti­ve wären admi­nis­tra­ti­ve Letzt­ent­schei­dungs­kom­pe­ten­zen bedenk­lich. Das Dis­zi­pli­nar­recht ist mul­ti­funk­tio­nal kon­zi­piert, indem es neben der indi­vi­du­al­prä­ven­ti­ven sowie ‑schüt­zen­den Dimen­si­on mit Blick auf die Funk­ti­ons­fä­hig­keit der Ver­wal­tung auch eine Ord­nungs- und Lösungs­funk­ti­on erfüllt [90]. Daher wäre die Ein­räu­mung von exe­ku­ti­ven Letzt­ent­schei­dungs­be­fug­nis­sen ange­sichts der Ein­griffs­in­ten­si­tät einer end­gül­ti­gen Ent­fer­nung als letz­tem dis­zi­pli­na­ri­schem Mit­tel – als ulti­ma ratio – mit Blick auf das Lebens­zeit­prin­zip wohl unver­hält­nis­mä­ßig.
Die Ent­fer­nung aus dem Beam­ten­ver­hält­nis nach dem LDG BW, wie es vom Ver­wal­tungs­ge­richts­hof Baden-Würt­tem­berg aus­ge­legt und ange­wandt wird, ist als gebun­de­ne, gericht­lich voll kon­trol­lier­ba­re Ent­schei­dung aus­ge­stal­tet.
Gemäß § 31 Abs. 1 Satz 1 LDG BW wird ein Beam­ter aus dem Beam­ten­ver­hält­nis ent­fernt, wenn er durch ein schwe­res Dienst­ver­ge­hen das Ver­trau­en des Dienst­herrn oder der All­ge­mein­heit in die pflicht­ge­mä­ße Amts­füh­rung end­gül­tig ver­lo­ren hat. Nach § 26 Abs. 1 Satz 1 LDG BW ist dabei das Per­sön­lich­keits­bild des Beam­ten zu berück­sich­ti­gen.
Damit ist zunächst fest­zu­stel­len, ob es sich um ein schwe­res Dienst­ver­ge­hen han­delt. Hier­bei sind in be- wie ent­las­ten­der Wei­se die objek­ti­ve Hand­lung (ins­be­son­de­re die Eigen­art und Bedeu­tung der Dienst­pflicht­ver­let­zung, zum Bei­spiel die Ver­let­zung einer Kern- oder einer Neben­pflicht, sowie beson­de­re Umstän­de der Tat­be­ge­hung, wie etwa die Häu­fig­keit und Dau­er eines wie­der­hol­ten Fehl­ver­hal­tens), sub­jek­ti­ve Hand­lungs­merk­ma­le (ins­be­son­de­re Form und Gewicht des Ver­schul­dens des Beam­ten, Beweg­grün­de für sein Ver­hal­ten) sowie unmit­tel­ba­re Fol­gen des Dienst­ver­ge­hens für den dienst­li­chen Bereich und Drit­te (zum Bei­spiel der mate­ri­el­le Scha­den) zu berück­sich­ti­gen [91].
Hin­sicht­lich des end­gül­ti­gen Ver­trau­ens­ver­lus­tes ist zu prü­fen, ob auf Grund der pro­gnos­ti­schen Gesamt­wür­di­gung auf der Grund­la­ge aller im Ein­zel­fall bedeut­sa­men be- und ent­las­ten­den Gesichts­punk­te der Schluss gezo­gen wer­den muss, der Beam­te wer­de auch künf­tig in erheb­li­cher Wei­se gegen Dienst­pflich­ten ver­sto­ßen, oder die durch sein Fehl­ver­hal­ten her­bei­ge­führ­te Schä­di­gung des Anse­hens des Berufs­be­am­ten­tums sei bei einer Fort­set­zung des Beam­ten­ver­hält­nis­ses nicht wie­der­gut­zu­ma­chen [92]. Das Vor­lie­gen eines schwe­ren Dienst­ver­ge­hens indi­ziert dabei einen end­gül­ti­gen Ver­trau­ens­ver­lust; die­se Indi­zwir­kung kann aber bei Bestehen gewich­ti­ger und im Ein­zel­fall durch­grei­fen­der Ent­las­tungs­grün­de ent­kräf­tet wer­den.
Schließ­lich sind, bezo­gen auf das Per­sön­lich­keits­bild des Beam­ten, unter ande­rem die per­sön­li­chen, also fami­liä­ren, wirt­schaft­li­chen und sozia­len Ver­hält­nis­se, der beruf­li­che Wer­de­gang sowie die dienst­li­che Leis­tung und Füh­rung, das Ver­hal­ten vor, bei und nach der Pflicht­ver­let­zung – ins­be­son­de­re etwai­ges per­sön­lich­keits­frem­des Ver­hal­ten in Not- und psy­chi­schen Zwangs­la­gen – sowie etwai­ge dis­zi­pli­nar- oder straf­recht­li­che Vor­be­las­tun­gen bezie­hungs­wei­se Unauf­fäl­lig­kei­ten ein­zu­stel­len [93].
Hier­bei sind weder auf Tat­be­stands- noch auf Rechts­fol­gen­sei­te Beur­tei­lungs- oder Ermes­sen­spiel­räu­me eröff­net. Ins­be­son­de­re besteht bezo­gen auf die Fest­stel­lung des end­gül­ti­gen Ver­trau­ens­ver­lus­tes kein Beur­tei­lungs­spiel­raum. Die­ser wird nach der hier maß­geb­li­chen stän­di­gen Recht­spre­chung viel­mehr nach objek­ti­ven Kri­te­ri­en bestimmt [6].
Kon­troll­freie Räu­me ver­blei­ben auch im Hin­blick auf ein etwai­ges Ent­schlie­ßungs­er­mes­sen der Behör­den ange­sichts der Beson­der­hei­ten der tat­be­stand­li­chen Rege­lungs­struk­tur nicht. Denn durch die genann­ten Merk­ma­le sind die denk­ba­ren ermes­sens­re­le­van­ten Aspek­te auf die Tat­be­stands­sei­te ver­la­gert, sodass bei ver­nünf­ti­ger Betrach­tung kei­ne Ele­men­te vor­han­den sind, die noch ein Ent­schlie­ßungs­er­mes­sen eröff­nen könn­ten.
In einem der­ar­ti­gen Sys­tem der gericht­li­chen Voll­kon­trol­le bedarf es kon­se­quen­ter­wei­se kei­ner zumin­dest par­ti­el­len ori­gi­nä­ren gericht­li­chen Dis­zi­pli­nar­ge­walt. Beam­te sind durch die nach­träg­li­che Kon­trol­le der Gerich­te hin­rei­chend geschützt, da eine rechts­wid­ri­ge end­gül­ti­ge Ent­schei­dung abge­wen­det wer­den kann.
Damit ist die Fra­ge einer zumin­dest par­ti­el­len ori­gi­nä­ren Dis­zi­pli­nar­ge­walt von Gerich­ten bei Ent­fer­nungs­ent­schei­dun­gen letzt­lich nur unter Beschleu­ni­gungs­ge­sichts­punk­ten rele­vant. Denn ein rein kas­sa­to­ri­sches Urteil kann das Dis­zi­pli­nar­ver­fah­ren erheb­lich ver­län­gern, wenn die Dienst­vor­ge­setz­ten erneut eine Dis­zi­pli­nar­maß­nah­me ver­hän­gen, wel­che ihrer­seits wie­der­um zur gericht­li­chen Über­prü­fung gestellt wird. Ange­sichts die­ser Ver­zö­ge­rungs­ri­si­ken besteht zwar die Mög­lich­keit von Span­nun­gen zu dem aus dem Ver­hält­nis­mä­ßig­keits­grund­satz fol­gen­den Gebot der zügi­gen Durch­füh­rung eines Dis­zi­pli­nar­ver­fah­rens [94], wel­ches eine auf­grund der Umstän­de evi­dent unver­hält­nis­mä­ßi­ge Ver­fah­rens­län­ge und damit ein "nicht ord­nungs­ge­mä­ßes Ver­fah­ren" ver­hin­dern soll. Die mit dem nach­ge­la­ger­ten gericht­li­chen Rechts­schutz mög­li­cher­wei­se in Ein­zel­fäl­len ein­her­ge­hen­den Ver­zö­ge­run­gen wie­gen jedoch nicht der­art schwer, dass eine ori­gi­nä­re Dis­zi­pli­nar­ge­walt der Gerich­te von Ver­fas­sungs wegen zwin­gend erfor­der­lich wäre.
Durch den Weg­fall der Ent­fer­nung aus dem Beam­ten­ver­hält­nis durch Rich­ter­spruch erge­ben sich auch kei­ne wei­te­ren fak­ti­schen Hin­der­nis­se für die Inan­spruch­nah­me gericht­li­chen Rechts­schut­zes, wel­che unter dem Gesichts­punkt des Lebens­zeit­prin­zips beson­de­re Anfor­de­run­gen an die Aus­ge­stal­tung des gericht­li­chen Ver­fah­rens stell­ten.
Ins­be­son­de­re sind für den Betrof­fe­nen im Fall einer nach­ge­la­ger­ten Kon­trol­le die – durch die mit der Ein­glie­de­rung in das all­ge­mei­ne Sys­tem der ver­wal­tungs­ge­richt­li­chen Kon­trol­le ver­bun­de­ne – Öffent­lich­keit der Gerichts­ver­hand­lun­gen sowie die mit der Klä­ger­stel­lung ein­her­ge­hen­de Kos­ten­be­las­tung ver­fas­sungs­recht­lich unbe­denk­lich, zumal auch im Sys­tem der Dis­zi­pli­nar­k­la­ge der Öffent­lich­keits­grund­satz (§ 3 BDG i.V.m. § 55 VwGO, § 169 Abs. 1 Satz 1 GVG mit Aus­schluss­mög­lich­kei­ten im Ein­zel­fall nach § 3 BDG i.V.m. § 55 VwGO, §§ 171b ff. GVG) gilt und ein Kos­ten­ri­si­ko vor­han­den ist (vgl. nur § 77 BDG i.V.m. §§ 154 ff. VwGO). Denn es besteht die Mög­lich­keit des Öffent­lich­keits­aus­schlus­ses (sie­he §§ 171b, 172 GVG) sowie der Bean­tra­gung von Pro­zess­kos­ten­hil­fe. Auf­grund der beruf­lich-exis­ten­ti­el­len Dimen­si­on einer Ent­fer­nungs­ent­schei­dung scheint ein Ver­zicht auf die Anru­fung der Gerich­te auf­grund einer blo­ßen Kos­ten-/Nut­zen­ana­ly­se ohne­hin fern­lie­gend.
Auch im Hin­blick auf das Rechts­mit­tel­ver­fah­ren erge­ben sich beim Ver­weis der Beam­ten auf den nach­ge­la­ger­ten Rechts­schutz kei­ne beson­de­ren Anfor­de­run­gen. Aus dem Lebens­zeit­prin­zip lässt sich nicht ablei­ten, dass gericht­li­che Ent­schei­dun­gen mit Rechts­mit­teln angreif­bar sein müs­sen, denn durch die Eröff­nung einer effek­ti­ven judi­ka­ti­ven Kon­troll­mög­lich­keit im Sin­ne der gegen­sei­ti­gen Mäßi­gung der Gewal­ten ist dem Schutz der Beam­ten vor Staats­will­kür Genü­ge getan [95]. Unter Rechts­schutz­ge­sichts­punk­ten ergibt sich eben­falls kein abwei­chen­des Ergeb­nis, da Art.19 Abs. 4 GG zwar den Zugang zu Gerich­ten, nicht jedoch einen Instan­zen­zug ver­bürgt [96].
An die Aus­ge­stal­tung des behörd­li­chen Ver­fah­rens stellt das Lebens­zeit­prin­zip bei einer umfas­sen­den und effek­ti­ven gericht­li­chen Letzt­kon­trol­le kei­ne beson­de­ren Anfor­de­run­gen.
Das Lebens­zeit­prin­zip for­dert im Fal­le einer Ent­fer­nung aus dem Beam­ten­ver­hält­nis die Ein­hal­tung eines gesetz­lich gere­gel­ten förm­li­chen Ver­fah­rens. Wenn­gleich dies eine Ver­ein­fa­chung nicht aus­schließt, so ver­bie­tet das Lebens­zeit­prin­zip in Über­ein­stim­mung mit der pro­zess­recht­li­chen Für­sor­ge­pflicht des Dienst­herrn zum Schutz der Beam­ten vor unge­recht­fer­tig­ten Sank­tio­nen ein Dis­zi­pli­nar­ver­fah­ren im Sin­ne eines form­lo­sen Ver­wal­tungs­ver­fah­rens und damit die Ent­fer­nung in der Art eines "Schnell­ver­fah­rens".
Im Sys­tem der nach­ge­la­ger­ten gericht­li­chen Voll­kon­trol­le bedarf es der Betei­li­gung wei­te­rer Stel­len – etwa im Sin­ne eines Zustim­mungs- und Vor­la­ge­er­for­der­nis­ses der bezie­hungs­wei­se zu den höhe­ren Dis­zi­pli­nar­be­hör­den bereits im behörd­li­chen Ver­fah­ren – ver­fas­sungs­recht­lich nicht zwin­gend, um etwai­ge Schutz­de­fi­zi­te durch ver­fah­rens- und orga­ni­sa­ti­ons­recht­li­che Kom­pen­sa­ti­ons­maß­nah­men ent­spre­chend dem Gedan­ken der Rich­tig­keits­ge­währ durch Ver­fah­ren aus­zu­glei­chen. Zwar könn­te eine Betei­li­gung der höhe­ren Dis­zi­pli­nar­be­hör­de im Sin­ne einer exe­ku­ti­ven Selbst­kon­trol­le zur Inten­si­vie­rung des Schutz­ni­veaus bei­tra­gen [97]. Ange­sichts der aus­dif­fe­ren­zier­ten gericht­li­chen Kon­troll­dich­te ist ein sol­cher Ver­fah­rens­schritt ver­fas­sungs­recht­lich aber nicht erfor­der­lich.
Ob und in wel­chem Umfang das in § 38 Abs. 1 Satz 2 LDG BW vor­ge­se­he­ne behörd­li­che Zustim­mungs- bezie­hungs­wei­se Vor­la­ge­er­for­der­nis fak­tisch leer­läuft, kann daher jeden­falls für die Dis­zi­pli­nar­maß­nah­me der Ent­fer­nung aus dem Beam­ten­ver­hält­nis aus ver­fas­sungs­recht­li­cher Sicht dahin­ste­hen.
Die übri­gen im Gesetz­ge­bungs­ver­fah­ren und der wis­sen­schaft­li­chen Dis­kus­si­on for­mu­lier­ten Ein­wän­de gebie­ten mit Blick auf das Lebens­zeit­prin­zip gleich­falls nicht, wei­te­re Schutz­ele­men­te vor­zu­se­hen. Abge­se­hen davon, dass es dabei mit der Funk­ti­ons­fä­hig­keit der Ver­wal­tung um ein rein objek­ti­ves Inter­es­se geht, grei­fen sie auch in der Sache nicht durch.
Die Sor­ge, die Ver­wal­tung könn­te wegen der Neu­re­ge­lung von einer erfor­der­li­chen Ent­fer­nung aus dem Beam­ten­ver­hält­nis aus Gefäl­lig­keit oder Scheu vor einem öffent­li­chen Gerichts­pro­zess abse­hen, sodass untrag­ba­re Per­so­nen im Dienst ver­blie­ben, führt im hie­si­gen Kon­text schon des­halb nicht wei­ter, weil sowohl im Dis­zi­pli­nar­k­la­ge- als auch im Bescheid­sys­tem glei­cher­ma­ßen das Risi­ko besteht, dass von der Erhe­bung der Kla­ge bezie­hungs­wei­se dem Aus­spruch der Ent­fer­nung aus dem Beam­ten­ver­hält­nis trotz Vor­lie­gens der tat­be­stand­li­chen Vor­aus­set­zun­gen und unter Ver­let­zung einer Ver­pflich­tung zum Tätig­wer­den abge­se­hen wird. Struk­tu­rel­le Unter­schie­de, wel­che in dem einen oder ande­ren Sys­tem das Risi­ko hier­für signi­fi­kant erhöh­ten, sind nicht ersicht­lich.
Auch das Argu­ment, das Dis­zi­pli­nar­k­la­ge­sys­tem gewähr­leis­te eine grö­ße­re Rechts­ver­ein­heit­li­chung, bleibt ver­fas­sungs­recht­lich ohne Kon­se­quenz. Denn zum einen ent­fal­tet die nach­träg­li­che gericht­li­che Kon­trol­le im Bescheid­sys­tem über Prä­ju­di­zi­en­bil­dung eine Ver­ein­heit­li­chungs­wir­kung unab­hän­gig davon, dass die Gerich­te selbst kei­ne eige­ne Dis­zi­pli­nar­ge­walt und damit eine gerin­ge­re inhalt­li­che Steue­rungs­wir­kung vor allem im Hin­blick auf die Mil­de­rung von Dis­zi­pli­nar­maß­nah­men besit­zen. Zum ande­ren kön­nen Ver­ein­heit­li­chungs­ef­fek­te über die Betei­li­gung Drit­ter, etwa der höhe­ren Dis­zi­pli­nar­be­hör­de ent­spre­chend der baden-würt­tem­ber­gi­schen Rege­lung [98], im behörd­li­chen Ver­fah­ren erreicht wer­den. Ein struk­tu­rel­les Gleich­heits­pro­blem besteht unter die­sem Gesichts­punkt nicht.
Schließ­lich fehlt es für eine struk­tu­rel­le Miss­brauchs­ge­fahr im Sin­ne "schi­ka­nö­ser Ent­fer­nun­gen" an sub­stan­zi­el­len Anhalts­punk­ten. Denn wenn die Ent­fer­nungs­ver­fü­gung nicht die gesetz­li­chen Vor­aus­set­zun­gen erfüllt, ist sie gericht­lich angreif­bar und im Ergeb­nis auf­heb­bar. Erfüllt sie hin­ge­gen die Vor­aus­set­zun­gen, so ist für die Annah­me von Miss­brauch kein Raum. Aus den glei­chen Grün­den sind Sor­gen um eine Ver­schär­fung des Dis­zi­pli­nar­rechts ver­fas­sungs­recht­lich nicht rele­vant. Die Befürch­tung, der Ver­wal­tung könn­ten durch die etwai­ge Nicht­an­fech­tung einer rechts­wid­ri­gen Ent­fer­nungs­ver­fü­gung durch den Betrof­fe­nen "gute Köp­fe" ver­lo­ren gehen mit der Fol­ge einer qua­li­ta­ti­ven Ver­schlech­te­rung des Per­so­nal­kör­pers, ist auf­grund der beruf­lich-exis­ten­ti­el­len Bedeu­tung der Ent­fer­nung aus dem Beam­ten­ver­hält­nis eher theo­re­ti­scher Natur. Eben­so blei­ben die Ein­wän­de eines Ver­dachts der Par­tei­lich­keit bei admi­nis­tra­ti­ven Ent­fer­nungs­ent­schei­dun­gen, der Sor­ge um die Stö­rung des "Betriebs­frie­dens" sowie eine ver­mu­te­te höhe­re Akzep­tanz von gericht­li­chen Ent­fer­nungs­ent­schei­dun­gen im Vagen und damit im ver­fas­sungs­recht­lich nicht erheb­li­chen Bereich.
Will­kür­li­che Dis­zi­pli­nar­ver­fü­gung?[↑]
Im Hin­blick auf den Will­kür­vor­wurf genügt die Ver­fas­sungs­be­schwer­de schon nicht den Begrün­dungs­an­for­de­run­gen; jeden­falls aber erweist sich die­ser als unbe­grün­det.
Der Poli­zei­be­am­te rügt die feh­ler­haf­te Anwen­dung von Ver­fah­rens­recht als will­kür­lich, setzt sich aber weder argu­men­ta­tiv mit den ange­grif­fe­nen Gerichts­ent­schei­dun­gen aus­ein­an­der, noch zeigt er über ein­fach­recht­li­che Aus­le­gungs­ar­gu­men­te hin­aus auf, an wel­chen Stel­len die Ent­schei­dun­gen schlech­ter­dings unver­tret­bar sind [99]. Viel­mehr beschränkt er sich dar­auf, die Ent­schei­dun­gen im Stil eines wei­te­ren Rechts­mit­tels zu rügen. So behaup­tet er eine aus dem Begrün­dungs­man­gel fol­gen­de, zur Nich­tig­keit füh­ren­de Unbe­stimmt­heit der Dis­zi­pli­nar­ver­fü­gung, geht aber nicht auf den von den Gerich­ten in den Vor­der­grund gestell­ten Aspekt ein, dass jeden­falls mit Blick auf die Straf­ur­tei­le aus den Jah­ren 2009 und 2011 die übri­gen Pflicht­ver­let­zun­gen hin­rei­chend bestimmt und die Vor­wür­fe für eine Rechts­ver­tei­di­gung hin­rei­chend erkenn­bar sei­en. Auch setzt er sich in kei­ner Wei­se mit den umfas­sen­den Aus­füh­run­gen des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts zu einer gericht­li­chen Beschrän­kungs­be­fug­nis im Sin­ne eines all­ge­mei­nen ver­wal­tungs­pro­zes­sua­len Grund­sat­zes aus­ein­an­der. Wei­ter ver­hält er sich nicht dazu, dass die Gerich­te eine vol­le tat­säch­li­che und recht­li­che Kon­trol­le vor­neh­men, also eigen­stän­dig beur­tei­len kön­nen, ob ein die Ent­fer­nung aus dem Beam­ten­ver­hält­nis recht­fer­ti­gen­des Dienst­ver­ge­hen vor­liegt. Soweit er die gericht­li­che Beschrän­kung auf die Straf­ur­tei­le aus den Jah­ren 2009 und 2011 wegen mög­li­cher Mil­de­rungs­grün­de kri­ti­siert, benennt er weder sol­che zu beach­ten­den Grün­de, noch geht er dar­auf ein, dass sich die Gerich­te mit dem Ein­wand etwai­ger Mil­de­rungs­grün­de aus­ein­an­der­ge­setzt haben.
Unab­hän­gig davon ist die Ver­fas­sungs­be­schwer­de im Hin­blick auf den Will­kür­vor­wurf unbe­grün­det. Ein Ver­stoß gegen das Will­kür­ver­bot des Art. 3 Abs. 1 GG liegt vor, wenn eine gericht­li­che Ent­schei­dung sach­lich schlecht­hin unhalt­bar ist [100]. Auch die rich­ter­li­che Aus­le­gung und Anwen­dung von Ver­fah­rens­recht kann, wenn sie will­kür­lich gehand­habt wird, gegen Art. 3 Abs. 1 GG ver­sto­ßen [101]. Jedoch ist Art. 3 Abs. 1 GG nicht bereits dann ver­letzt, wenn die Rechts­an­wen­dung oder das ein­ge­schla­ge­ne Ver­fah­ren Feh­ler ent­hal­ten. Hin­zu­kom­men muss, dass die­se bei ver­stän­di­ger Wür­di­gung der das Grund­ge­setz beherr­schen­den Gedan­ken nicht mehr ver­ständ­lich sind und sich daher der Schluss auf­drängt, dass sie auf sach­frem­den Erwä­gun­gen beru­hen [102].
Gemes­sen dar­an liegt kei­ne Ver­let­zung des Will­kür­ver­bo­tes vor. Sowohl Beru­fungs- als auch Revi­si­ons­in­stanz legen unter dezi­dier­ter Aus­ein­an­der­set­zung mit den bun­des- und lan­des­recht­li­chen Beson­der­hei­ten dar, dass der ver­wal­tungs­pro­zes­sua­le Grund­satz bestehe, wonach kei­ner der am gericht­li­chen Ver­fah­ren Betei­lig­ten ein schüt­zens­wer­tes Inter­es­se an der Ermitt­lung ent­schei­dungs­un­er­heb­li­cher Tat­sa­chen habe. Recht­fer­tig­ten bereits ein­zel­ne Hand­lun­gen die dis­zi­pli­na­ri­sche Höchst­maß­nah­me, bedür­fe es kei­ner Auf­klä­rung wei­te­rer Vor­wür­fe, es sei denn, es ergä­ben sich hier­aus Mil­de­rungs­grün­de, was aber weder vor­ge­tra­gen noch ersicht­lich sei. Die Rechts­an­wen­dung ist somit auf nach­voll­zieh­ba­re Grün­de gestützt und setzt sich plau­si­bel mit Gegen­ar­gu­men­ten, ins­be­son­de­re dem Vor­lie­gen von Mil­de­rungs­grün­den aus­ein­an­der. Sie berück­sich­tigt die aner­kann­ten Aus­le­gungs­re­geln und ent­hält weder logi­sche noch intel­lek­tu­el­le Brü­che. Sach­frem­de Erwä­gun­gen sind nicht ersicht­lich. Sofern die Will­kür­lich­keit der Ent­schei­dung mit der Ver­let­zung her­ge­brach­ter Grund­sät­ze des Berufs­be­am­ten­tums begrün­det wird, steht dem bereits ent­ge­gen, dass die als ver­letzt gerüg­ten Grund­sät­ze nicht bestehen oder – mit Blick auf das Lebens­zeit­prin­zip – nicht ver­letzt sind.
Abwei­chen­de Mei­nung des Ver­fas­sungs­rich­ters Huber[↑]
Der Annah­me des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts, die Ver­fas­sungs­be­schwer­de sei unbe­grün­det, weil es unter dem Blick­win­kel von Art. 33 Abs. 5 GG gegen § 38 Abs. 1 LDG BW ver­fas­sungs­recht­lich nichts zu erin­nern gäbe, ver­mag ich nicht zu fol­gen. Zwar kann auch nach mei­ner Auf­fas­sung ein her­ge­brach­ter Grund­satz des Berufs­be­am­ten­tums, wonach ein Beam­ter nur durch Rich­ter­spruch aus dem Dienst ent­fernt wer­den darf, nicht nach­ge­wie­sen wer­den. Die insti­tu­tio­nel­le Garan­tie des Berufs­be­am­ten­tums in Art. 33 Abs. 5 GG gebie­tet jedoch, dass im Dis­zi­pli­nar­ver­fah­ren eine Ent­fer­nung aus dem Dienst nur auf­grund eines förm­li­chen, Unpar­tei­lich­keit und Fair­ness sichern­den Ver­fah­rens ange­ord­net wer­den darf. Die­sen Anfor­de­run­gen wird § 38 Abs. 1 LDG BW in sei­ner kon­kre­ten Aus­ge­stal­tung nicht gerecht.
Auch wenn das über­kom­me­ne Ver­ständ­nis der her­ge­brach­ten Grund­sät­ze des Berufs­be­am­ten­tums in der Recht­spre­chung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts der Modi­fi­ka­ti­on bedarf, wirkt sich dies hier doch nicht aus, weil die Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts­mehr­heit die Exis­tenz eines her­ge­brach­ten Grund­sat­zes des Berufs­be­am­ten­tums, wonach die Ent­fer­nung eines Beam­ten aus dem Dienst nur durch Rich­ter­spruch erfol­gen darf, im Ergeb­nis zutref­fend ver­neint hat.
Abs. 5 GG ent­hält eine insti­tu­tio­nel­le Garan­tie [103], die das Berufs­be­am­ten­tum in sei­ner Funk­ti­ons­fä­hig­keit im Inter­es­se der All­ge­mein­heit erhal­ten will. Er will gewähr­leis­ten, dass Beam­tin­nen und Beam­te die ihnen zuge­wie­se­ne Auf­ga­be, im poli­ti­schen Kräf­te­spiel und bei wech­seln­den Mehr­heits­ver­hält­nis­sen eine sta­bi­le, geset­zes­treue Ver­wal­tung zu sichern [104], auf­grund der ihnen zukom­men­den per­sön­li­chen und wirt­schaft­li­chen Unab­hän­gig­keit auch tat­säch­lich erfül­len. Art. 33 Abs. 5 GG sichert die Bin­dung der Ver­wal­tung an die Ver­fas­sung sowie an Gesetz und Recht ab und dient damit der Effek­ti­vie­rung sowohl des Demo­kra­tie- (Art.20 Abs. 1 und Abs. 2 GG) als auch des Rechts­staats­prin­zips (Art.20 Abs. 3 GG). Das Berufs­be­am­ten­tum erscheint damit als tra­gen­des Ele­ment des Rechts­staa­tes [105] wie auch der Demo­kra­tie.
Als insti­tu­tio­nel­le Garan­tie will Art. 33 Abs. 5 GG abrup­te Ände­run­gen und Brü­che in der Ent­wick­lung des Berufs­be­am­ten­tums ver­hin­dern, ohne des­sen Wei­ter­ent­wick­lung und Anpas­sung an gesell­schaft­li­che, poli­ti­sche oder öko­no­mi­sche Ver­än­de­run­gen grund­sätz­lich aus­zu­schlie­ßen. Inso­weit erweist er sich nicht nur gegen­über Inter­ven­tio­nen des Dienst­herrn im Ein­zel­fall als wehr­fä­hig, son­dern auch mit Blick auf gesetz­li­che Rege­lun­gen. Das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt spricht inso­weit davon, dass aus der insti­tu­tio­nel­len Garan­tie eine Beach­tens­pflicht fol­ge, die dem ein­fa­chen Gesetz­ge­ber den Weg zu einer tief­grei­fen­den struk­tu­rel­len Ver­än­de­rung ver­sperrt [106].
Der insti­tu­tio­nel­len Garan­tie wird daher nur ein Ver­ständ­nis von Art. 33 Abs. 5 GG gerecht, das einen gewis­sen Schutz vor den Unwäg­bar­kei­ten des poli­ti­schen Kräf­te­spiels bie­tet und das erfor­der­li­che Maß an Sta­bi­li­tät gewähr­leis­tet [107], ohne eine behut­sa­me Wei­ter­ent­wick­lung zu ver­hin­dern. Das hat auch der ver­fas­sungs­än­dern­de Gesetz­ge­ber im Kon­text der Föde­ra­lis­mus­re­form I durch Art. 1 Nr. 3 des Geset­zes zur Ände­rung des Grund­ge­set­zes vom 28.08.2006 [108] klar­ge­stellt, wonach das Recht des öffent­li­chen Diens­tes unter Berück­sich­ti­gung der her­ge­brach­ten Grund­sät­ze des Berufs­be­am­ten­tums "fort­zu­ent­wi­ckeln" ist. Art. 33 Abs. 5 GG gewähr­leis­tet daher einen Bestands­schutz der das Berufs­be­am­ten­tum prä­gen­den und für sei­ne Funk­ti­ons­er­fül­lung not­wen­di­gen Grund­sät­ze sowie eine Siche­rung gegen erheb­li­che, nicht durch hin­rei­chen­de Sach­grün­de gerecht­fer­tig­te Ände­run­gen des Beam­ten­rechts, die das Berufs­be­am­ten­tum zum Spiel­ball der poli­ti­schen Ver­hält­nis­se machen kön­nen. Die­ser Gewähr­leis­tungs­ge­halt kann und muss sich gege­be­nen­falls über die Zeit hin­weg wan­deln.
Die ein­fach-gesetz­li­che Aus­ge­stal­tung des Berufs­be­am­ten­tums durch das Beam­ten­recht genießt einen rela­ti­ven Norm­be­stands­schutz [109]. Ein­grif­fe in den effek­ti­ven Gewähr­leis­tungs­ge­halt von Art. 33 Abs. 5 GG wie auch Fort­ent­wick­lun­gen müs­sen daher durch sach­li­che Grün­de gerecht­fer­tigt sein, die schwe­rer wie­gen als jene, die für die Bewah­rung des Sta­tus quo strei­ten. Dar­aus folgt ein Regel-Aus­nah­me-Ver­hält­nis zuguns­ten des Über­kom­me­nen und eine ent­spre­chen­de Begrün­dungs­last für den ver­än­de­rungs­wil­li­gen Gesetz­ge­ber.
Aus der insti­tu­tio­nel­len Garan­tie des Berufs­be­am­ten­tums ergibt sich zudem ein Gebot der Bin­nen­ko­hä­renz und der Fol­ge­rich­tig­keit [110]. Als Aus­prä­gung des all­ge­mei­nen Gleich­heits­sat­zes und in sei­ner objek­ti­ven Dimen­si­on im Rechts­staats­prin­zip wur­zelnd ver­langt die­ses Gebot, dass sich der Gesetz­ge­ber dort, wo ihm Ein­schät­zungs­spiel­räu­me zukom­men und er sich unter Aus­nut­zung die­ser Spiel­räu­me auf ein bestimm­tes Rege­lungs­kon­zept fest­ge­legt hat, an den von ihm getrof­fe­nen Grund­ent­schei­dun­gen fest­hal­ten las­sen muss [111].
Inhalt­li­cher Bezugs­punkt von Art. 33 Abs. 5 GG sind die her­ge­brach­ten Grund­sät­ze des Berufs­be­am­ten­tums. Sie bil­den den instru­men­tel­len Kern der insti­tu­tio­nel­len Garan­tie, die, über die her­ge­brach­ten Grund­sät­ze hin­aus, alle Rege­lun­gen umfasst, die das Beam­ten­recht in sei­ner kon­kre­ten Gestalt so prä­gen, dass ihre Besei­ti­gung das Berufs­be­am­ten­tum sub­stan­ti­ell ver­än­dern wür­de.
Nach stän­di­ger Recht­spre­chung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts bil­den die her­ge­brach­ten Grund­sät­ze des Berufs­be­am­ten­tums im Sin­ne von Art. 33 Abs. 5 GG einen Kern­be­stand an Struk­tur­prin­zi­pi­en, die all­ge­mein oder doch ganz über­wie­gend wäh­rend eines län­ge­ren, tra­di­ti­ons­bil­den­den Zeit­raums, ins­be­son­de­re unter der Reichs­ver­fas­sung von Wei­mar, als ver­bind­lich aner­kannt und gewahrt wor­den sind [112].
In der Tat woll­te der Ver­fas­sungs­ge­ber der Jah­re 1948/​49 auch im Bereich des Beam­ten­rechts an die Tra­di­tio­nen des libe­ra­len und bür­ger­li­chen Rechts­staats anknüp­fen, wie er sich im 19. Jahr­hun­dert all­mäh­lich her­aus­ge­bil­det hat­te und in der Wei­ma­rer Ver­fas­sung 1919 schließ­lich ver­wirk­licht wor­den war [113]. Dies hat er mit dem Begriff der her­ge­brach­ten Grund­sät­ze zum Aus­druck gebracht und den die insti­tu­tio­nel­le Garan­tie aus­ge­stal­ten­den Gesetz­ge­ber damit zunächst an den vor­kon­sti­tu­tio­nel­len Kern­be­stand des Berufs­be­am­ten­tums gebun­den. Das erklärt und recht­fer­tigt zugleich, war­um das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt in sei­nen frü­hen Ent­schei­dun­gen zumin­dest auf die Zeit der Wei­ma­rer Repu­blik abge­stellt hat und auch abstel­len muss­te [114].
Es bedeu­tet jedoch nicht, dass der Ver­fas­sungs­ge­ber jenes his­to­risch über­lie­fer­te Pro­fil des Berufs­be­am­ten­tums zeit­lich unbe­grenzt fest­schrei­ben und "ver­stei­nern" woll­te. Mehr als 70 Jah­re nach Inkraft­tre­ten des Grund­ge­set­zes und ange­sichts der tief­grei­fen­den Ver­än­de­run­gen, die Staat und Gesell­schaft seit­dem durch­lau­fen haben – pars pro toto genannt sei­en etwa die wei­te Öff­nung der Staat­lich­keit für die euro­päi­sche Inte­gra­ti­on [115], die Pri­va­ti­sie­rung grund­le­gen­der Ver­wal­tungs­auf­ga­ben [116] oder die fun­da­men­ta­len Ver­än­de­run­gen von Geschlech­ter­rol­len und Fami­li­en­struk­tu­ren [117] –, kann die Fra­ge, wel­cher Richt­li­ni­en und Prin­zi­pi­en, das heißt instru­men­tel­len Siche­run­gen es bedarf, um den Zweck der insti­tu­tio­nel­len Garan­tie von Art. 33 Abs. 5 GG zu ver­wirk­li­chen, nicht mehr allein danach beur­teilt wer­den, ob die­se auch schon wäh­rend eines tra­di­ti­ons­bil­den­den Zeit­raums, der jeden­falls deut­lich vor 1933 beginnt, erfor­der­lich waren. Die aus­nahms­lo­se Anknüp­fung her­ge­brach­ter Grund­sät­ze an die­sen Tra­di­ti­ons­be­stand ver­sperrt die Mög­lich­keit, die insti­tu­tio­nel­le Garan­tie des Berufs­be­am­ten­tums in Anse­hung sich wan­deln­der sozia­ler, öko­no­mi­scher und poli­ti­scher Rah­men­be­din­gun­gen wei­ter­zu­ent­wi­ckeln, damit die­se auch unter gewan­del­ten Bedin­gun­gen ihre Funk­ti­on erfül­len kann.
Die Fixie­rung auf den vor­kon­sti­tu­tio­nel­len Tra­di­ti­ons­be­stand und die Wei­ge­rung, die Ver­fas­sungs­ent­wick­lung unter dem Grund­ge­setz in die Betrach­tung ein­zu­be­zie­hen, die mitt­ler­wei­le län­ger währt als die gesam­te Span­ne zwi­schen der Grün­dung des deut­schen Natio­nal­staats (1867/​71) und dem Ende der Wei­ma­rer Repu­blik (1933), ist auch metho­disch frag­wür­dig, weil die Ver­fas­sung mit ihren Wer­tun­gen grund­sätz­lich als objek­ti­ve Ord­nung begrif­fen wird, die ihre Wir­kun­gen im Kon­text des jewei­li­gen gesell­schaft­li­chen Lebens und der kon­kre­ten geschicht­li­chen Situa­ti­on erfül­len muss [118]. Sie ist – was in Deutsch­land prak­tisch unbe­strit­ten ist [119] – ein "living instru­ment", für des­sen Ver­ständ­nis es nur nach­ran­gig auf die his­to­ri­sche Aus­le­gung ankommt [120].
Zwar betont auch das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt regel­mä­ßig, dass Art. 33 Abs. 5 GG nicht zu einer "Ver­stei­ne­rung" des gel­ten­den Beam­ten­rechts füh­ren dür­fe [121]; er zieht dar­aus jedoch nicht die not­wen­di­gen Kon­se­quen­zen. Zwar sieht er in der Pflicht zur (blo­ßen) "Berück­sich­ti­gung" der her­ge­brach­ten Grund­sät­ze eine hin­rei­chen­de Ent­wick­lungs­of­fen­heit ange­legt, die den Gesetz­ge­ber in die Lage ver­set­zen soll, die Aus­ge­stal­tung des Dienst­rechts den jewei­li­gen Ent­wick­lun­gen der Staat­lich­keit anzu­pas­sen und das Beam­ten­recht damit "in die Zeit" zu stel­len [122]. Das ver­schlei­ert jedoch die tat­säch­li­che Bin­dungs­kraft und Bin­dungs­wir­kung der her­ge­brach­ten Grund­sät­ze. Hin­zu kommt, dass die Anknüp­fung an den tra­di­ti­ons­bil­den­den Zeit­raum unter der Wei­ma­rer Reichs­ver­fas­sung in einem gewis­sen Wider­spruch zu der gleich­zei­tig beton­ten Ent­wick­lungs­of­fen­heit steht. Einer­seits gibt es Grund­sät­ze, die erhal­ten blei­ben müs­sen, um den Cha­rak­ter der Insti­tu­ti­on zu wah­ren, ande­rer­seits sol­len Abwei­chun­gen durch hin­rei­chen­de Sach­grün­de gerecht­fer­tigt wer­den kön­nen.
Selbst in der Recht­spre­chung fin­den sich auch ver­ein­zel­te Anhalts­punk­te für ein offe­ne­res Begriffs­ver­ständ­nis. Das gilt etwa für die abwei­chen­de Mei­nung der Rich­te­rin Oster­loh und des Rich­ters Ger­hardt zur Drei­jah­res­frist in der Beam­ten­ver­sor­gung [123] oder für das Son­der­vo­tum des Rich­ters Ger­hardt zur Teil­zeit­be­schäf­ti­gung [124]. Auch die jün­ge­re Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts­recht­spre­chung lässt immer­hin Fle­xi­bi­li­sie­rungs­an­sät­ze erken­nen, wenn etwa im Beschluss zu den War­te­fris­ten bei Über­tra­gung eines höhe­ren Sta­tusamts eine Bezug­nah­me auf Wei­mar gänz­lich unter­bleibt [125] oder wenn in der Ent­schei­dung zur Sol­da­ten­ver­sor­gung zumin­dest ange­deu­tet wird, dass neben den tra­di­tio­nel­len her­ge­brach­ten Grund­sät­zen auch Rege­lun­gen für das ver­fas­sungs­recht­li­che Fun­da­ment des Berufs­be­am­ten­tums bedeut­sam wer­den könn­ten, die erst nach 1933 bezie­hungs­wei­se 1949 ent­stan­den sind [126]:
Auch wenn die Zeit seit dem Inkraft­tre­ten des Grund­ge­set­zes nicht Bestand­teil des tra­di­ti­ons­bil­den­den Zeit­raums im Sin­ne des Art. 33 Abs. 5 GG ist, weil die Vor­schrift an die zum Zeit­punkt ihres Inkraft­tre­tens schon "her­ge­brach­ten" Grund­sät­ze anknüpft, so kön­nen doch im Lau­fe der Zeit auch sol­che beam­ten­recht­li­chen Rege­lun­gen dem Schutz der insti­tu­tio­nel­len Garan­tie von Art. 33 Abs. 5 GG, bei­spiels­wei­se in Ver­bin­dung mit Art. 33 Abs. 2, Art. 3 Abs. 2 und 3 GG, Art. 9 Abs. 3 und Art.20 Abs. 3 GG, unter­fal­len, deren Tra­di­ti­ons­li­ni­en erst nach 1949 begon­nen haben und die für das Berufs­be­am­ten­tum über einen län­ge­ren Zeit­raum hin­weg prä­gend gewor­den sind. Sie bil­den dann zusam­men mit Art. 33 Abs. 5 GG das ver­fas­sungs­recht­li­che Fun­da­ment für das Insti­tut des Berufs­be­am­ten­tums.
Im Schrift­tum wird dage­gen schon seit lan­gem eine Abkehr von der star­ren Fixie­rung min­des­tens auf die Wei­ma­rer Zeit und die Ein­be­zie­hung spä­te­rer prä­gen­der Ent­wick­lun­gen gefor­dert [127]. Teil­wei­se wird zumin­dest all­ge­mein auf die Ent­wick­lungs­of­fen­heit hin­ge­wie­sen [128].
Rich­tig ver­stan­den sind her­ge­brach­te Grund­sät­ze im Sin­ne von Art. 33 Abs. 5 GG jene grund­le­gen­den Richt­li­ni­en oder Prin­zi­pi­en, derer es bedarf, damit die insti­tu­tio­nel­le Garan­tie des Berufs­be­am­ten­tums die ihr von der Ver­fas­sung zuge­dach­te Funk­ti­on erfül­len kann. Auch wenn die Vor­stel­lung des­sen, was die Ver­fas­sung vom Berufs­be­am­ten­tum erwar­tet, his­to­risch geprägt ist, kann es für die Fra­ge, was zur Erfül­lung die­ses Zwecks in der Gegen­wart erfor­der­lich ist, jedoch nicht allein auf einen bestimm­ten his­to­ri­schen Zeit­punkt oder Stich­tag ankom­men. Maß­ge­bend ist viel­mehr, wel­cher Richt­li­ni­en und Prin­zi­pi­en es zu einem kon­kre­ten Zeit­punkt bedarf, um den Zweck des Art. 33 Abs. 5 GG zu erfül­len, die ver­fas­sungs­recht­li­chen Grund­ent­schei­dun­gen für die Demo­kra­tie (Art.20 Abs. 1 und Abs. 2 GG) und den Rechts­staat (Art.20 Abs. 3 GG) per­so­nal­wirt­schaft­lich zu umhe­gen [129]. Ganz in die­sem Sin­ne hat das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt schon früh aus­ge­spro­chen, dass die Aner­ken­nung eines her­ge­brach­ten Grund­sat­zes unter dem Vor­be­halt steht, dass die­ser mit den Funk­tio­nen ver­ein­bar ist, die das Grund­ge­setz dem öffent­li­chen Dienst in der frei­heit­li­chen, rechts- und sozi­al­staat­li­chen Demo­kra­tie zuschreibt [130]. War­um das nur in nega­ti­ver Hin­sicht mit Blick auf die Ver­gan­gen­heit gel­ten soll­te, erschließt sich nicht.
Mit dem Wan­del der sozia­len, öko­no­mi­schen und poli­ti­schen Rah­men­be­din­gun­gen kön­nen sich auch die Anfor­de­run­gen an den Funk­ti­ons­auf­trag des Berufs­be­am­ten­tums ändern und die Gefah­ren, denen sei­ne Ein­lö­sung aus­ge­setzt ist. So bringt es etwa die Öff­nung der Staat­lich­keit Deutsch­lands und sei­ne Betei­li­gung an der Euro­päi­schen Uni­on (Art. 23 Abs. 1 GG) und ande­ren zwi­schen­staat­li­chen Ein­rich­tun­gen (Art. 24 Abs. 1 GG) sowie Sys­te­men gegen­sei­ti­ger kol­lek­ti­ver Sicher­heit (Art. 24 Abs. 2 GG) mit sich, dass Beam­te, Rich­ter und Sol­da­ten ihren Dienst im Auf­tra­ge des Dienst­herrn (zeit­wei­se) auch in der­ar­ti­gen Ein­rich­tun­gen und im Aus­land leis­ten müs­sen [131]. Im Anwen­dungs­be­reich des Uni­ons­rechts müs­sen sich Beschrän­kun­gen der Frei­zü­gig­keit der Arbeit­neh­mer, auf die sich auch Beam­te beru­fen kön­nen, wenn sie in einem ande­ren Mit­glied­staat bei einer inter­na­tio­na­len Orga­ni­sa­ti­on arbei­ten [132], zudem an Art. 45 AEUV mes­sen las­sen. Hemm­nis­se und Ungleich­be­hand­lun­gen – dazu gehört auch der Ver­lust von Leis­tun­gen der sozia­len Sicher­heit [133] – sind nur dann geeig­net, die dadurch ver­folg­ten Zie­le zu errei­chen, wenn die­se tat­säch­lich "in kohä­ren­ter und sys­te­ma­ti­scher Wei­se" ver­folgt wer­den [134]. Dass sich unter die­sen Bedin­gun­gen neue und ande­re Anfor­de­run­gen an das Berufs­be­am­ten­tum erge­ben dürf­ten und damit auch ande­re oder modi­fi­zier­te Leit­li­ni­en und Prin­zi­pi­en, ist nicht von der Hand zu wei­sen. Auch die Pri­va­ti­sie­rung von Ver­wal­tungs­auf­ga­ben und Infra­struk­tur­un­ter­neh­men hat die Sub­stanz der Staat­lich­keit ver­än­dert und neue Legi­ti­ma­ti­ons, Steue­rungs- und Loya­li­täts­pro­ble­me geschaf­fen [135]. Der gesell­schaft­li­che Wan­del und die Teil­zeit­be­schäf­ti­gung [136] sind ein wei­te­res Bei­spiel dafür, dass die per­so­nal­wirt­schaft­li­che Absi­che­rung von Demo­kra­tie und Rechts­staat im Jah­re 2020 neu­er, ande­rer oder modi­fi­zier­ter Leit­li­ni­en und Prin­zi­pi­en bedarf als frü­her. Schließ­lich sind Beam­te, Rich­ter und Sol­da­ten unter dem Grund­ge­setz – nicht zuletzt wegen des Schei­terns der Wei­ma­rer Ver­fas­sung – auf die Wehr­haf­tig­keit des demo­kra­ti­schen Rechts­staats ver­pflich­tet. Sie haben für ihn ein­zu­tre­ten und gegen rechts­wid­ri­ge Wei­sun­gen zu remons­trie­ren [137]. Dass aus­ge­rech­net die­ser Grund­satz, der einen deut­li­chen Bezug zu der in Art. 79 Abs. 3 GG beson­ders geschütz­ten Ver­fas­sungs­iden­ti­tät des Grund­ge­set­zes auf­weist, der insti­tu­tio­nel­len Garan­tie des Art. 33 Abs. 5 GG nicht unter­fal­len und daher weit­ge­hend zur Dis­po­si­ti­on des Gesetz­ge­bers ste­hen soll­te, über­zeugt nicht.
Vor die­sem Hin­ter­grund konn­ten und kön­nen sich auch unter der Gel­tung des Grund­ge­set­zes "her­ge­brach­te Grund­sät­ze des Berufs­be­am­ten­tums" ent­wi­ckeln, wenn sie Leit­li­ni­en oder Prin­zi­pi­en dar­stel­len, die not­wen­dig sind, um den Zweck von Art. 33 Abs. 5 GG – Demo­kra­tie- und Rechts­staats­prin­zip per­so­nal­wirt­schaft­lich zu umhe­gen – auch unter ver­än­der­ten poli­ti­schen, öko­no­mi­schen und sozia­len Bedin­gun­gen zu erfül­len.
Im vor­lie­gen­den Fall hat die Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts­mehr­heit die Exis­tenz eines her­ge­brach­ten Grund­sat­zes des Berufs­be­am­ten­tums, wonach die Ent­fer­nung eines Beam­ten aus dem Dienst nur durch Rich­ter­spruch erfol­gen darf – ent­ge­gen einer im Schrift­tum ver­tre­te­nen Auf­fas­sung [138] – jedoch im Ergeb­nis zu Recht ver­neint. Bei dem Erfor­der­nis, dass eine Ent­fer­nung aus dem Dienst nur durch Rich­ter­spruch zu erfol­gen hat, han­delt es sich nicht um eine Leit­li­nie oder ein Prin­zip von sol­chem Gewicht, dass das Berufs­be­am­ten­tum sei­ne Demo­kra­tie und Rechts­staat die­nen­de Funk­ti­on ohne die­ses nicht mehr erfül­len könn­te. In der Sache stellt die Rege­lung viel­mehr bloß eine beson­de­re Absi­che­rung des Lebens­zeit­prin­zips dar, das als her­ge­brach­ter Grund­satz des Berufs­be­am­ten­tums aner­kannt ist [139]. Die­se kann etwa durch ande­re funk­tio­nal äqui­va­len­te orga­ni­sa­to­ri­sche und pro­ze­du­ra­le Vor­keh­run­gen in einem förm­li­chen Ver­wal­tungs­ver­fah­ren ersetzt wer­den [140] und stellt im Übri­gen auch kei­ne (neue) Ant­wort auf gewan­del­te Bedin­gun­gen der Staat­lich­keit dar. Die Rege­lun­gen, die eine Ent­fer­nung aus dem Dienst an einen prä­ven­ti­ven Rich­ter­vor­be­halt bin­den, reagie­ren viel­mehr auf Gefähr­dun­gen des Lebens­zeit­prin­zips, die es von jeher gab. Inso­fern spricht die Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts­mehr­heit, wenn auch wohl mit Blick auf die insti­tu­tio­nel­le Garan­tie des Art. 33 Abs. 5 GG und nicht im Hin­blick auf die Ver­nei­nung eines her­ge­brach­ten Grund­sat­zes des Berufs­be­am­ten­tums, im Ergeb­nis zu Recht davon, dass es den Rege­lun­gen, wonach eine Ent­fer­nung aus dem Beam­ten­ver­hält­nis nur durch Rich­ter­spruch erfol­gen kann, an der erfor­der­li­chen Sub­stan­zia­li­tät feh­le.
Die prak­tisch ersatz­lo­se Strei­chung des prä­ven­ti­ven Rich­ter­vor­be­halts bei der Ent­fer­nung aus dem Dienst greift aller­dings unver­hält­nis­mä­ßig in den effek­ti­ven Gewähr­leis­tungs­be­reich der insti­tu­tio­nel­len Garan­tie des Berufs­be­am­ten­tums aus Art. 33 Abs. 5 GG ein. Die­ser Ein­griff wird nicht durch funk­tio­nal äqui­va­len­te, wenn auch unter Umstän­den schwä­che­re Vor­keh­run­gen kom­pen­siert, wie sie etwa ein förm­li­ches, Unpar­tei­lich­keit und Fair­ness sichern­des Ver­wal­tungs­ver­fah­rens dar­stel­len wür­de. Die blo­ße Ver­wei­sung auf den nach­träg­li­chen ver­wal­tungs­ge­richt­li­chen Rechts­schutz genügt inso­weit nicht.
Seit 1932, jeden­falls seit Inkraft­tre­ten des Grund­ge­set­zes bis zur Dis­zi­pli­nar­rechts­re­form in Baden-Würt­tem­berg im Jah­re 2008 – mit­hin für einen Zeit­raum von fast 60 Jah­ren – war die Ent­fer­nung eines Beam­ten aus dem Dienst sowohl auf Bun­des- als auch auf Lan­des­ebe­ne allein durch Rich­ter­spruch mög­lich. Das gilt – mit Aus­nah­me der hier in Rede ste­hen­den baden-würt­tem­ber­gi­schen Rege­lung – bis heu­te. Ein Beam­ter kann de lege lata grund­sätz­lich nur durch Erhe­bung der Dis­zi­pli­nar­k­la­ge aus dem Dienst ent­fernt wer­den (vgl. § 34 Abs. 1 BDG, § 34 Abs. 1 DiszG BE, § 35 Abs. 1 LDG BB, Art. 35 Abs. 1 Satz 2 BayDG, § 34 BremDG, § 38 Abs. 1 HDG, § 34 Abs. 1 HmbDG, § 36 Abs. 1 Satz 1 LDG M‑V, § 35 Abs. 1 LDG NRW, § 40 Abs. 1 LDG RP, § 34 Abs. 1 LDG SH, § 34 Abs. 1 SDG, § 34 Abs. 1 SächsDG, § 34 Abs. 1 DG LSA, § 34 Abs. 1 NDiszG, § 41 Satz 1 ThürDG).
Der prä­ven­ti­ve Rich­ter­vor­be­halt gewähr­leis­tet Beam­tin­nen und Beam­ten nicht nur ein Höchst­maß an effek­ti­vem Rechts­schutz [141]. Er sichert zugleich Fair­ness und Waf­fen­gleich­heit zwi­schen dem Beam­ten und sei­nem Dienst­herrn und erschwert eine miss­bräuch­li­che Inan­spruch­nah­me des Dis­zi­pli­nar­rechts durch den Vor­ge­setz­ten, etwa sei­ne sach­frem­de Instru­men­ta­li­sie­rung durch per­sön­li­che Ani­mo­si­tä­ten oder par­tei­po­li­ti­sche Ein­flüs­se.
Mit der ein­heit­li­chen Rege­lung durch alle zustän­di­gen Gesetz­ge­ber und sei­ne jahr­zehn­te­lan­ge Gel­tung ist der prä­ven­ti­ve Rich­ter­vor­be­halt bei Ent­fer­nung eines Beam­ten aus dem Dienst in ganz Deutsch­land zu einer wesent­li­chen Aus­for­mung des Lebens­zeit­prin­zips gewor­den und damit Teil des effek­ti­ven Gewähr­leis­tungs­be­reichs von Art. 33 Abs. 5 GG, den der Gesetz­ge­ber zu beach­ten hat. Wie das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt in stän­di­ger Recht­spre­chung aus­ge­spro­chen hat, hat das Lebens­zeit­prin­zip – im Zusam­men­spiel mit dem die amts­an­ge­mes­se­ne Besol­dung sichern­den Ali­men­ta­ti­ons­prin­zip – die Funk­ti­on, die Unab­hän­gig­keit der Beam­tin­nen und Beam­ten im Inter­es­se einer rechts­staat­li­chen Ver­wal­tung zu gewähr­leis­ten. Erst recht­li­che und wirt­schaft­li­che Sicher­heit bie­ten die Gewähr dafür, dass das Berufs­be­am­ten­tum zur Erfül­lung der ihm vom Grund­ge­setz zuge­wie­se­nen Auf­ga­be, im poli­ti­schen Kräf­te­spiel eine sta­bi­le, geset­zes­treue Ver­wal­tung zu sichern, bei­tra­gen kann. Dazu gehört auch und vor allem, dass Beam­tin­nen und Beam­te nicht will­kür­lich oder nach frei­em Ermes­sen poli­ti­scher Gre­mi­en aus dem Amt ent­fernt wer­den kön­nen. Die lebens­lan­ge Anstel­lung sichert ihnen per­sön­li­che Unab­hän­gig­keit. Dabei soll das Bewusst­sein einer gesi­cher­ten Rechts­stel­lung ihre Bereit­schaft zu einer an Gesetz und Recht ori­en­tier­ten Amts­füh­rung för­dern und sie zu unpar­tei­ischem Dienst für die Gesamt­heit befä­hi­gen. Die mit dem Lebens­zeit­prin­zip ange­streb­te Unab­hän­gig­keit der Amts­füh­rung ist dabei nicht etwa ein per­sön­li­ches Pri­vi­leg der Beam­tin­nen und Beam­ten, das ihrer Dis­po­si­ti­on unter­lie­gen könn­te; sie soll viel­mehr dem Gemein­wohl die­nen. Nur wenn die inne­re und äuße­re Unab­hän­gig­keit gewähr­leis­tet ist, kann rea­lis­ti­scher­wei­se erwar­tet wer­den, dass Beam­tin­nen und Beam­te auch dann auf rechts­staat­li­cher Amts­füh­rung behar­ren, wenn sie (partei-)politisch uner­wünscht sein soll­te. Dem dient nicht zuletzt der hier in Rede ste­hen­de prä­ven­ti­ve Rich­ter­vor­be­halt, bei dem es um nichts ande­res geht als um die Gewähr­leis­tung der Unab­hän­gig­keit von Beam­tin­nen und Beam­ten, ihren Schutz vor will­kür­li­cher Ent­fer­nung aus dem Dienst und den Erhalt des Bewusst­seins einer gesi­cher­ten Rechts­stel­lung. Es han­delt sich inso­weit um eine wesent­li­che ver­fah­rens­recht­li­che Absi­che­rung des Lebens­zeit­prin­zips im Sin­ne des – auch von das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts­mehr­heit aner­kann­ten – Grund­rechts­schut­zes durch Ver­fah­ren.
Vor die­sem Hin­ter­grund gehör­te der prä­ven­ti­ve Rich­ter­vor­be­halt bei der Ent­fer­nung aus dem Dienst zum Zeit­punkt der Neu­re­ge­lung in Baden-Würt­tem­berg zum effek­ti­ven Gewähr­leis­tungs­be­reich der insti­tu­tio­nel­len Garan­tie des Art. 33 Abs. 5 GG, die der Gesetz­ge­ber zu beach­ten hat­te [142]. Das war dem Lan­des­ge­setz­ge­ber auch bewusst, denn er hat­te bei der Neu­ord­nung des Lan­des­dis­zi­pli­nar­rechts die in der Lite­ra­tur for­mu­lier­ten ver­fas­sungs­recht­li­chen Ein­wän­de deut­lich im Blick [143].
Die­se kon­kre­te Aus­ge­stal­tung von Art. 33 Abs. 5 GG genoss bezie­hungs­wei­se genießt indes nur einen rela­ti­ven Norm­be­stands­schutz und ist für eine behut­sa­me Wei­ter­ent­wick­lung durch den Gesetz­ge­ber offen, wenn sich die­ser auf sach­li­che Grün­de stüt­zen kann und den effek­ti­ven Gewähr­leis­tungs­be­reich der insti­tu­tio­nel­len Garan­tie nicht unver­hält­nis­mä­ßig beschränkt. Es ist dem Dienst­herrn daher mög­lich, das bis­he­ri­ge Ver­fah­ren durch ein ande­res Ver­fah­ren zu erset­zen, wenn die­ses dem Lebens­zeit­prin­zip hin­rei­chend Rech­nung trägt und die mit einer Ent­fer­nung aus dem Dienst durch Ver­wal­tungs­akt ver­bun­de­nen Risi­ken ver­mei­det. Zu die­ser Wei­ter­ent­wick­lung sind Bund und Län­der glei­cher­ma­ßen beru­fen, mit der Fol­ge, dass der effek­ti­ve Gewähr­leis­tungs­ge­halt von Art. 33 Abs. 5 GG – wie auch bei der insti­tu­tio­nel­len Garan­tie von Art. 28 Abs. 2 GG – von Dienst­herr zu Dienst­herr bezie­hungs­wei­se von Land zu Land vari­ie­ren kann [144].
Bei der Ent­fer­nung aus dem Dienst han­delt es sich um den denk­bar schwers­ten Ein­griff der Dis­zi­pli­nar­ge­walt gegen­über akti­ven Beam­tin­nen und Beam­ten. Sie betrifft den Bestand des Dienst­ver­hält­nis­ses, des­sen grund­sätz­li­che Unent­zieh­bar­keit das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt als eine der wich­tigs­ten von Art. 33 Abs. 5 GG geschütz­ten Regeln des Beam­ten­rechts erach­tet [145], und einen Kern­be­stand­teil des Lebens­zeit­prin­zips.
Soll die­ser Ein­griff ver­hält­nis­mä­ßig sein, so bedarf es beson­de­rer, sei­ne Inten­si­tät ver­min­dern­der ver­fah­rens­recht­li­cher Vor­keh­run­gen [146]. Jeden­falls bedarf es – gewis­ser­ma­ßen als Kor­re­lat der Ver­pflich­tung der Beam­tin­nen und Beam­ten zur lebens­lan­gen "vol­len Hin­ga­be" [147] – wirk­sa­mer ver­fah­rens­recht­li­cher Vor­keh­run­gen, damit die­se den mit der gesetz­lich eröff­ne­ten Ver­fü­gungs­be­fug­nis des Dienst­herrn über ihren Sta­tus ver­bun­de­nen Risi­ken nicht schutz­los aus­ge­lie­fert wer­den. Denk­bar wäre inso­weit etwa die Ein­rich­tung eines förm­li­chen Ver­wal­tungs­ver­fah­rens mit pro­ze­du­ra­len Siche­run­gen wie der Betei­li­gung der über­ge­ord­ne­ten Dis­zi­pli­nar­be­hör­de, eines unab­hän­gi­gen Dis­zi­pli­nar­füh­rers oder ‑anklä­gers, eines Ver­wal­tungs­aus­schus­ses, ein kon­tra­dik­to­ri­sches Ver­fah­ren mit beson­de­ren Rechts­bei­stän­den oder die Schaf­fung neu­er Haf­tungs­tat­be­stän­de. Ent­schei­dend ist, dass – wie die Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts­mehr­heit betont – Beam­tin­nen und Beam­te vor will­kür­li­cher Ent­las­sung und ihren Vor- und Nach­wir­kun­gen effek­tiv geschützt blei­ben.
§ 38 Abs. 1 LDG BW wird die­sen Anfor­de­run­gen nicht gerecht. Er stellt einen unver­hält­nis­mä­ßi­gen Ein­griff in die insti­tu­tio­nel­le Garan­tie des Berufs­be­am­ten­tums dar und ver­letzt den Poli­zei­be­am­ten in sei­nem grund­rechts­glei­chen Recht aus Art. 33 Abs. 5 GG. Dar­an ändert die ohne­hin durch Art.19 Abs. 4 GG vor­ge­ge­be­ne Eröff­nung gericht­li­chen Rechts­schut­zes im Nach­hin­ein nichts.
Eine Ent­fer­nung aus dem Dienst durch Ver­wal­tungs­akt birgt ver­gli­chen mit dem Sta­tus quo ante emp­find­li­che Nach­tei­le und Risi­ken für die per­sön­li­che und wirt­schaft­li­che Unab­hän­gig­keit der Beam­tin­nen und Beam­ten – eine Ver­la­ge­rung des Pro­zess­ri­si­kos, wirt­schaft­li­che und sozia­le Unsi­cher­heit, eine Stig­ma­ti­sie­rung, die Ver­schär­fung der feh­len­den Pari­tät zwi­schen den Par­tei­en oder einen gerin­ge­ren Schutz bei Mani­pu­la­ti­on –, die die ver­fas­sungs­recht­lich gebo­te­nen Wir­kun­gen des Lebens­zeit­prin­zips beein­träch­ti­gen kön­nen. Die ersatz­lo­se Strei­chung des prä­ven­ti­ven Rich­ter­vor­be­halts erscheint daher als unver­hält­nis­mä­ßi­ger Ein­griff in den rela­ti­ven Norm­be­stands­schutz von Art. 33 Abs. 5 GG, der ent­ge­gen der Auf­fas­sung das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts­mehr­heit durch die Mög­lich­keit einer nach­träg­li­chen gericht­li­chen Über­prü­fung allein nicht ver­hin­dert wird.
Das Ver­trau­en das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts­mehr­heit, dass eine Beschrän­kung der Vor­keh­run­gen auf eine nach­träg­li­che ver­wal­tungs­ge­richt­li­che Kon­trol­le kei­ne emp­find­li­che Schwä­chung der per­sön­li­chen Unab­hän­gig­keit des Beam­ten befürch­ten lässt, ver­mag ich nicht zu tei­len. Jeden­falls för­dert es die Bereit­schaft der Beam­tin­nen und Beam­ten nicht, ihren Remons­tra­ti­ons­ob­lie­gen­hei­ten gegen­über dem Dienst­vor­ge­setz­ten auch tat­säch­lich nach­zu­kom­men, wenn sie sich bewusst sind, dass die­ser Dienst­vor­ge­setz­te auch die Ent­schei­dung über ihre Ent­fer­nung aus dem Dienst tref­fen kann.
Soweit die Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts­mehr­heit dar­auf ver­weist, etwai­ge sach­frem­de Fak­to­ren könn­ten sich wegen der nach­ge­la­ger­ten gericht­li­chen Kon­troll­mög­lich­keit struk­tu­rell nicht in der Ent­schei­dung aus­wir­ken, über­sieht dies die mit einer – auch spä­ter kor­ri­gier­ten – Ent­fer­nung aus dem Dienst ver­bun­de­ne Stig­ma­ti­sie­rung und die in der Schwe­be­zeit ein­tre­ten­den Nach­tei­le bei Ver­wen­dungs­ent­schei­dun­gen, dienst­li­chen Beur­tei­lun­gen und Beför­de­run­gen.
Selbst wenn Beam­tin­nen und Beam­te gegen eine Ent­fer­nung aus dem Dienst durch Ver­wal­tungs­akt die Anfech­tungs­kla­ge gemäß § 42 Abs. 1 VwGO erhe­ben und zuvor um einst­wei­li­gen Rechts­schutz nach­su­chen kön­nen, ist damit doch eine gra­vie­ren­de Ver­schlech­te­rung ihrer frü­he­ren Posi­ti­on ver­bun­den. Dass die Anfech­tungs­kla­ge gemäß § 23 Abs. 5 LDG BW kei­ne auf­schie­ben­de Wir­kung hat und die Beru­fung – im Gegen­satz zum Bun­des­recht (vgl. § 64 Abs. 1 BDG) – zulas­sungs­ab­hän­gig ist, wirkt sich dabei eben­falls nega­tiv aus. Zudem muss der Dienst­herr nicht mehr durch Vor­la­ge einer Anschul­di­gungs­schrift eine gericht­li­che Ent­schei­dung her­bei­füh­ren; nun­mehr müs­sen Beam­tin­nen und Beam­te selbst die Initia­ti­ve ergrei­fen und kön­nen sich nicht mehr nur auf die Ver­tei­di­gung ihrer Rech­te beschrän­ken. Die Neu­re­ge­lung drängt sie inso­weit – anders als frü­her – in die Antrag­stel­ler- bezie­hungs­wei­se Klä­ger­rol­le und belas­tet sie mit dem Pro­zess­ri­si­ko und den damit ver­bun­de­nen Unwäg­bar­kei­ten und Nach­tei­len.
Zu die­sen gehört auch die von das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts­mehr­heit für gering erach­te­te vor­schuss­be­zo­ge­ne Kos­ten­be­las­tung. Es ver­schlech­tert die Rechts­stel­lung der Beam­tin­nen und Beam­ten und wird ihre Hal­tung bei Kon­fron­ta­tio­nen mit dem Dienst­vor­ge­setz­ten nicht unbe­rührt las­sen, wenn sie im Kla­ge­ver­fah­ren die Gerichts­ge­büh­ren schon mit Ein­gang der Kla­ge­schrift bei Gericht zah­len müs­sen. Die Pro­zess­kos­ten­hil­fe mag hier das mit Blick auf Art.19 Abs. 4 GG Not­wen­di­ge gewähr­leis­ten; die Nach­tei­le für die per­sön­li­che und wirt­schaft­li­che Unab­hän­gig­keit gleicht sie jedoch kei­nes­wegs aus.
Nach der baden-würt­tem­ber­gi­schen Rege­lung reicht der Rechts­schutz für Beam­te auf Lebens­zeit, die wegen des Vor­wurfs eines schwe­ren Dienst­ver­ge­hens aus dem Beam­ten­ver­hält­nis ent­fernt wer­den sol­len, damit im Ergeb­nis nicht wesent­lich wei­ter als für Arbeit­neh­mer, die Kün­di­gungs­schutz genie­ßen [148]. Das erscheint mit Blick auf das Lebens­zeit­prin­zip unan­ge­mes­sen.
Soweit § 38 Abs. 1 Satz 2 Nr. 1 LDG BW ein Zustim­mungs­er­for­der­nis der höhe­ren Dis­zi­pli­nar­be­hör­de sta­tu­iert, wäre die­ses zwar mög­li­cher­wei­se theo­re­tisch, nicht aber in der kon­kre­ten Situa­ti­on des baden-würt­tem­ber­gi­schen Dis­zi­pli­nar­rechts ein funk­tio­nal äqui­va­len­tes Siche­rungs­in­stru­ment zum Schutz der Beam­tin­nen und Beam­ten. Die Betei­li­gung der höhe­ren Dis­zi­pli­nar­be­hör­de kann zur Ver­min­de­rung der Ein­griffs­in­ten­si­tät in den effek­ti­ven Gewähr­leis­tungs­be­reich von Art. 33 Abs. 5 GG bei­tra­gen und eine Vor­keh­rung ins­be­son­de­re gegen die feh­len­de Pari­tät zwi­schen Beam­ten und Dienst­herrn sowie all­fäl­li­ge Miss­brauchs­mög­lich­kei­ten sein [149]. Die Rege­lung in § 38 Abs. 1 Satz 2 Nr. 1 LDG BW erweist sich im Hin­blick auf den ver­fas­sungs­recht­li­chen Anspruch an die exe­ku­ti­ve Selbst­kon­trol­le aller­dings als unzu­rei­chend. Dies zeigt etwa ein vom Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt ent­schie­de­ner Fall, in dem das Regie­rungs­prä­si­di­um als Dienst­vor­ge­setz­ter und Ernen­nungs­be­hör­de zugleich als unte­re (vgl. § 4 Satz 1 Nr. 3 LDG BW) und höhe­re Dis­zi­pli­nar­be­hör­de (vgl. § 4 Satz 1 Nr. 2 Buch­sta­be a LDG BW) fun­gier­te [150]. Wenn der Zustim­mungs­vor­be­halt des § 38 Abs. 1 Satz 2 Nr. 1 LDG BW bei Iden­ti­tät von unte­rer und höhe­rer Dis­zi­pli­nar­be­hör­de aber kei­ner­lei Kon­se­quenz hat, ist er auch nicht in der Lage, die ihm zuge­dach­te Funk­ti­on zur Siche­rung des Lebens­zeit­prin­zips zu erfül­len. So lie­gen die Din­ge hier. Denn bei einem gro­ßen Teil der Beam­tin­nen und Beam­ten in Baden-Würt­tem­berg – ins­be­son­de­re in den Berei­chen Schu­le und Poli­zei – ist der Dienst­vor­ge­setz­te in der Tat zugleich unte­re wie auch höhe­re Dis­zi­pli­nar­be­hör­de [151].
Im Ergeb­nis hat § 38 Abs. 1 LDG BW damit eine Ver­la­ge­rung des Pro­zess-risi­kos auf Beam­tin­nen und Beam­te bewirkt, ihnen für die Zeit bis zur rechts­kräf­ti­gen Ent­schei­dung über die Anfech­tungs­kla­ge wirt­schaft­li­che und sozia­le Unsi­cher­hei­ten und Nach­tei­le auf­er­legt, sie dem Risi­ko einer Stig­ma­ti­sie­rung aus­ge­setzt, das auch nach einer erfolg­rei­chen Kla­ge fort­wir­ken kann, und kaum funk­ti­ons­tüch­ti­ge Vor­keh­run­gen getrof­fen, um der feh­len­den Pari­tät zwi­schen Beam­tin­nen und Beam­ten auf der einen und den Dienst­vor­ge­setz­ten auf der ande­ren Sei­te sowie all­fäl­li­gen Mani­pu­la­ti­ons­ge­fah­ren zu begeg­nen. Er stellt damit einen unver­hält­nis­mä­ßi­gen Ein­griff in die insti­tu­tio­nel­le Garan­tie des Art. 33 Abs. 5 GG dar.
Der Lan­des­ge­setz­ge­ber war sich des Sys­tem­bruchs durch die Abschaf­fung des prä­ven­ti­ven Rich­ter­vor­be­halts bewusst, wie die sehr aus­führ­li­che Begrün­dung des Gesetz­ent­wurfs zur Neu­ord­nung des Lan­des­dis­zi­pli­nar­rechts zeigt [152]. Er hat mit § 38 Abs. 1 LDG BW gleich­wohl eine Rechts­la­ge geschaf­fen, die den sich aus Art. 33 Abs. 5 GG erge­ben­den ver­fas­sungs­recht­li­chen Anfor­de­run­gen nicht genügt. Die Vor­schrift ist mei­nes Erach­tens daher nich­tig, die Ver­fas­sungs­be­schwer­de inso­weit begrün­det.
Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt, Beschluss vom 14. Janu­ar 2020 – 2 BvR 2055 – /​16
BVerwG, Urteil vom 21.04.2016 – 2 C 4.15[↩][↩]
GBl S. 227; außer Kraft seit 22.10.2008[↩]
vgl. LTDrucks 14/​2996, S. 1 f.[↩]
GBl S. 343[↩]
vgl. LTDrucks 14/​2996, S. 85 f. zu §§ 26, S. 96 spe­zi­ell zu § 31 LDG BW[↩]
vgl. BVerw­GE 124, 252, 260[↩][↩]
BGBl I S. 1510[↩]
VG Karls­ru­he, Urteil vom 27.06.2012 – DL 11 K 3458/​11[↩]
VGH Baden-Würt­tem­berg, Urteil vom 30.09.2013 – DL 13 S 724/​13[↩]
BVerfGE 8, 332, 343; 46, 97, 117; 58, 68, 76 f.; 83, 89, 98; 106, 225, 232; 107, 218, 237; 117, 330, 344 f.; 117, 372, 379; 121, 205, 219; 149, 1, 15 Rn. 33; 149, 382, 390 Rn. 14; ohne Bezug auf die Wei­ma­rer Reichs­ver­fas­sung BVerfGE 145, 1, 8 Rn. 6[↩]
BVerfGE 140, 240, 290 Rn. 101; 149, 1, 15 f. Rn. 33[↩]
BVerfGE 117, 330, 349[↩]
BVerfGE 114, 258, 286; 149, 1, 16 Rn. 34; 150, 169, 177 f. Rn. 24[↩]
BVerfGE 8, 1, 16 f.; 11, 203, 210; 61, 43, 57 f.; 150, 169, 178 Rn. 25[↩]
BVerfGE 117, 330, 348 f.; 117, 372, 379; 150, 169, 178 f. Rn. 25[↩]
vgl. BVerfGE 8, 1, 16; 9, 268, 286; 15, 167, 195; 150, 169, 178 f. Rn. 25 m.w.N.[↩]
vgl. BVerfGE 22, 49, 76 ff.[↩]
BVerfGE 7, 183, 188 f.; 31, 43, 46; 60, 253, 269 f.[↩]
BVerfGE 103, 111, 136 ff.; 138, 33, 39 f. Rn. 18[↩]
Sum­mer, Doku­men­te zur Geschich­te des Beam­ten­rechts, 1986, S. 24 f.[↩]
über­blicks­ar­tig bei Sum­mer, ZBR 1982, S. 321, 328 Fn. 81 sowie 329 Fn. 83 f., zudem ders., Doku­men­te zur Geschich­te des Beam­ten­rechts, 1986, S. 59 ff.; Weiß, in: GKÖD II M § 45, Lfg. 2/​16, Rn. 42 f.; Meyers/​Anschütz, Lehr­buch des Deut­schen Staats­rechts, 7. Aufl.1919, S. 628 f.[↩]
RegBl Sp. 225[↩]
GBl Sp. 333[↩]
GS S. 1747[↩]
GS Bd. 2 S. 337[↩]
GBl S. 541[↩]
GS S. 327[↩]
GS S.202[↩]
RegBl S. 57[↩]
RegBl S. 127[↩]
LVO­en S.199[↩]
GS S. 369[↩]
StRegBl S. 11[↩]
StRegBl S. 634[↩]
GS I S. 83[↩]
GS I S. 286[↩]
GS I S. 141[↩]
GS I S. 97[↩]
GVBl S. 169[↩]
GVS S. 331[↩]
GS S. 1[↩]
GS S. 69[↩]
GS S. 25[↩]
RBl S. 85[↩]
RegBl S. 125, geän­dert durch Gesetz vom 02.11.1921, RegBl S. 983[↩]
GS I S. 4, geän­dert durch Gesetz vom 12.02.1920, GS I S. 36[↩]
GVBl S. 35; ent­spre­chend Nach­trag vom 10.05.1921, GVBl S. 102[↩]
GS 1876 S. 15, geän­dert durch Gesetz vom 01.06.1920, GS S. 121[↩]
GS S. 129[↩]
GVS S. 151[↩]
Meyers/​Anschütz, Lehr­buch des Deut­schen Staats­rechts, 7. Aufl.1919, S. 404 f. m.w.N.[↩]
PrGS S. 17[↩]
sie­he zu alle­dem die hier ange­grif­fe­ne Ent­schei­dung, BVerw­GE 155, 6, 19 ff. Rn. 39 – 44[↩]
PrGS S. 271; vgl. v. Rhein­ba­ben, Die preu­ßi­schen Dis­zi­pli­nar­ge­set­ze, 2. Aufl.1911, S. 237, § 29 Anm. 2, dort zum anknüp­fen­den Dis­zi­pli­nar­ge­setz vom 21.07.1852; Brand, Das Beam­ten­recht, 3. Aufl.1928, S. 780[↩]
Weiß, in: GKÖD II M § 45, Lfg. 2/​16, Rn. 44[↩]
vgl. Lind­gen, Hand­buch des Dis­zi­pli­nar­rechts, Bd. 1, 1966, § 2, S. 6; anders Baßl­sper­ger, in: Bay­Be­am­tR, 197. AL, August 2016, § 1 BeamtStG Rn. 52, der jedoch weder die Ein­ord­nung als Gericht belegt noch auf die Beru­fungs­in­stanz des Staats­mi­nis­te­ri­ums ein­geht[↩]
PrGS S. 543[↩]
PrGS S.208 ff.[↩]
sie­he inso­weit die Erläu­te­run­gen des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts in der hier ange­grif­fe­nen Ent­schei­dung, BVerw­GE 155, 6, 25, 27 Rn. 52, 55[↩]
PrGS S. 59[↩]
sie­he inso­weit die Erläu­te­run­gen des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts in der hier ange­grif­fe­nen Ent­schei­dung, BVerw­GE 155, 6, 27 f. Rn. 57 f.[↩]
Brand, Die preu­ßi­schen Dienst­straf­ord­nun­gen, 2. Aufl.1932, § 27, S. 213 f.; vgl. Weiß, in: GKÖD II M § 45, Lfg. 2/​16, Rn. 45[↩]
Brand, Die preu­ßi­schen Dienst­straf­ord­nun­gen, 3. Aufl.1935, Vor­be­mer­kun­gen zu § 27, S. 266 f.; Lind­gen, Hand­buch des Dis­zi­pli­nar­rechts, Bd. 1, 1966, § 2, S. 6 f.[↩]
RGBl S. 61[↩]
für wei­te­re Ein­zel­hei­ten sie­he inso­weit die Erläu­te­run­gen des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts in der hier ange­grif­fe­nen Ent­schei­dung, BVerw­GE 155, 6, 22 ff. Rn. 45 ff.[↩]
so auch Weiß, in: GKÖD II M § 45, Lfg. 2/​16, Rn. 46; a.A. Jel­li­nek, Der Schutz des öffent­li­chen Rechts durch ordent­li­che und durch Ver­wal­tungs­ge­rich­te, in: VVDStRL Bd. 2 [1925], S. 8, 35; Brand, Die preu­ßi­schen Dienst­straf­ord­nun­gen, 3. Aufl.1935, Vor­be­mer­kun­gen zu § 27, S. 266; Sum­mer, Doku­men­te zur Geschich­te des Beam­ten­rechts, 1986, S. 21, 82, Tabel­le Spal­te 1 [Deut­sches Reich 5]; die sach­li­che Unab­hän­gig­keit beto­nend: Laband, Das Staats­recht des Deut­schen Rei­ches, Bd. 1, 5. Aufl.1911, S. 411 ff.; hier­zu auch Stein­beiß-Win­kel­mann, in: Hand­buch der Geschich­te der Ver­wal­tungs­ge­richts­bar­keit, Bd. 1, 2019, § 4, S. 88, 90 f., die den Dis­zi­pli­nar­hof den beson­de­ren Reichs­ver­wal­tungs­ge­rich­ten zuord­net[↩]
Brand, Das Reichs­be­am­ten­ge­setz vom 31.03.1873, 2. Aufl.1907, § 86 Ziff. 2; zur wohl nur räum­li­chen Anglie­de­rung beim Reichs­ober­han­dels­ge­richt, spä­ter dann beim Reichs­ge­richt Stein­beiß-Win­kel­mann, in: Hand­buch der Geschich­te der Ver­wal­tungs­ge­richts­bar­keit, Bd. 1, 2019, § 4, S. 90 f.[↩]
Kann­gies­ser, Das Recht der Deut­schen Reichs-Beam­ten, 1874, § 86 Bemer­kung 2, S. 179; Schul­ze, Reichs­be­am­ten­ge­setz, 1908, § 86 Ziff. 1; Weiß, in: GKÖD II M § 45, Lfg. 2/​16, Rn. 46[↩]
Weiß, in: GKÖD II M § 45, Lfg. 2/​16, Rn. 46[↩]
vgl. Weiß, in: GKÖD II M § 45, Lfg. 2/​16, Rn. 46[↩]
RGBl S. 1383[↩]
RGBl I S. 590[↩]
sie­he inso­weit die Erläu­te­run­gen des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts in der hier ange­grif­fe­nen Ent­schei­dung, BVerw­GE 155, 6, 25 f. Rn. 53 f.[↩]
RGBl I S. 71[↩]
vgl. Weiß, in: GKÖD II M § 45, Lfg. 2/​16, Rn. 47; hier­zu auch Thie­le, Die Ent­wick­lung des deut­schen Berufs­be­am­ten­tums, 1981, S. 62; Stein­beiß-Win­kel­mann, in: Hand­buch der Geschich­te der Ver­wal­tungs­ge­richts­bar­keit, Bd. 1, 2019, § 4, S. 131[↩]
zum Beschluss im Wort­laut aus­zugs­wei­se Thie­le, Die Ent­wick­lung des deut­schen Berufs­be­am­ten­tums, 1981, S. 67[↩]
Lind­gen, Hand­buch des Dis­zi­pli­nar­rechts, Bd. 1, 1966, § 2, S. 7 f.; Köh­ler, in: Hum­mel u.a., BDG, 6. Aufl.2016, Ein­füh­rung S. 62[↩]
BVerfGE 3, 58, 112 ff.; 6, 132, 163 ff., 196 ff.[↩]
BVerfGE 114, 258, 286; 149, 1, 16 Rn. 34; 150, 169, 178 Rn. 25[↩]
BVerfGE 9, 268, 286; 44, 249, 265; 70, 251, 266; 71, 255, 268; 121, 205, 220; 141, 56, 71 Rn. 38; 149, 1, 17 Rn. 35[↩]
vgl. BVerfGE 121, 205, 220 f.; 141, 56, 71 f. Rn. 39; 149, 1, 18 Rn. 36[↩]
BVerfGE 149, 1, 17 Rn. 35[↩]
BVerfGE 7, 155, 163[↩]
vgl. BVerfGE 7, 155, 163; 8, 332, 352 f.[↩]
BVerfGE 121, 205, 221; 149, 1, 17 f. Rn. 35[↩]
BVerfGE 3, 225, 247[↩]
BVerfGE 68, 1, 86; 95, 1, 15; 98, 218, 251 f.; 150, 1, 99 Rn.197[↩]
vgl. BVerfGE 7, 129, 144; 15, 105, 121; 37, 167, 178 f.; Beschluss vom 23.08.2017 – 2 BvR 1745/​17, Rn. 17[↩]
BVerfGE 129, 1, 22 f.[↩][↩]
vgl. Claussen/​Benneke/​Schwandt, Das Dis­zi­pli­nar­ver­fah­ren, 6. Aufl.2010, Rn. 7 ff.[↩]
VGH Baden-Würt­tem­berg, Urteil vom 24.08.2011 – DL 13 S 583/​11, Rdnr. 37[↩]
VGH Baden-Würt­tem­berg, Urteil vom 24.08.2011 – DL 13 S 583/​11, Rdnr. 47[↩]
vgl. Urban, in: ders./Wittkowski, BDG, 2. Aufl.2017, § 13 Rn. 23 ff.; Burr, in: v. Alber­ti u.a., Lan­des­dis­zi­pli­nar­recht Baden-Würt­tem­berg, 2. Aufl.2012, § 26 Rn. 22 ff.[↩]
vgl. BVerfGE 46, 17, 29; BVerfG, Beschluss vom 18.01.2008 – 2 BvR 313/​07 15[↩]
vgl. BVerfGE 4, 205, 211[↩]
BVerfGE 11, 232, 233; stRspr[↩]
vgl. LTDrucks 14/​2996 S. 116 f.[↩]
sie­he LTDrucks 14/​2996 S. 116 f., wonach das Betei­li­gungs­er­for­der­nis der Stär­kung der Gleich­be­hand­lung, der Abstim­mung im Hin­blick auf kon­kur­rie­ren­de auf­sichts- und per­so­nal­recht­li­che Maß­nah­men sowie dem Schutz der kom­mu­na­len Per­so­nal­ho­heit die­nen soll[↩]
vgl. zu die­sen Begrün­dungs­an­for­de­run­gen BVerfGE 81, 132, 137; 86, 59, 63; 130, 1, 21; BVerfG, Beschluss vom 04.02.2016 – 2 BvR 2223/​15, Rn. 57, 64[↩]
BVerfGE 58, 163, 167 f.; 62, 189, 192; 71, 122, 135 f.[↩]
BVerfGE 42, 64, 64 f.[↩]
BVerfGE 4, 1, 7; 80, 48, 51; 81, 132, 137; stRspr[↩]
vgl. BVerfGE 106, 225, 231 f.; 117, 330, 344; 117, 372, 379; 119, 247, 260; 139, 64, 111 Rn. 92; 141, 56, 69 Rn. 33; 145, 249, 270 Rn. 45; 148, 296, 345 Rn. 118; 149, 1, 15 f. Rn. 33; 150, 169, 177 f. Rn. 24[↩]
vgl. BVerfGE 8, 1, 14, 16; 11, 203, 216 f.; 21, 329, 345; 64, 367, 379; 119, 247, 264; 139, 64, 121 Rn. 119; 140, 240, 291 Rn. 104; 141, 56, 71 Rn. 38; 145, 249, 270 Rn. 45; 148, 296, 347 Rn. 122[↩]
vgl. BVerfGE 121, 205, 221; 141, 56, 71 Rn. 38; 149, 1, 17 f. Rn. 35; Rn. 64 des Beschlus­ses; stRspr[↩]
vgl. BVerfGE 117, 372, 380[↩]
vgl. BVerfGE 121, 205, 219 f.[↩]
vgl. BVerfGE 139, 64, 126 Rn. 128; 140, 240, 295 Rn. 111; 145, 1, 13 Rn. 28; Lüb­be-Wolff, Die Grund­rech­te als Ein­griffs­ab­wehr­rech­te, 1988, S. 125 ff.[↩]
vgl. P. Kirch­hof, in: Maunz/​Dürig, GG, Art. 3 Abs. 1 Rn. 423, August 2019[↩]
vgl. BVerfGE 66, 214, 223 f.; 68, 143, 152 f.; 82, 60, 88; 99, 246, 260; 105, 73, 126; 107, 186, 197; 112, 268, 280 f.; 116, 164, 180 f.; 117, 1, 30 f.; 120, 1, 29; 120, 82, 103 f.; 120, 125, 155; 121, 108, 119 f.; 121, 317, 362 f.; 125, 175, 225 f.; 126, 400, 417; 139, 285, 310; 141, 1, 39 f. Rn. 95; 145, 106, 144 Rn. 104[↩]
vgl. BVerfGE 46, 97, 117; 58, 68, 76 f.; 83, 89, 98; 106, 225, 232; 107, 218, 237; 117, 330, 344 f.; 117, 372, 379; 121, 205, 219; 141, 56, 69 Rn. 33; 148, 296, 345 Rn. 118; 149, 1, 15 f. Rn. 33; 149, 382, 390 Rn. 14; 150, 169, 178 Rn. 24[↩]
vgl. BVerfGE 5, 85, 197; Sum­mer, Doku­men­te zur Geschich­te des Beam­ten­rechts, 1986, S. 10 f.; Jach­mann-Michel/­Kai­ser, in: v. Mangoldt/​Klein/​Starck, GG, Bd. 2, 7. Aufl.2018, Art. 33 Rn. 39[↩]
vgl. BVerfGE 8, 322, 343[↩]
vgl. BVerfGE 89, 155 ff.; 123, 267 ff.; BVerfG, Urteil vom 30.07.2019 – 2 BvR 1685/​14, 2 BvR 2631/​14, Rn. 119 ff., 140 ff.[↩]
vgl. BVerfGE 147, 50, 58 ff. Rn. 2 ff.; 152 ff. Rn. 265 ff.[↩]
vgl. BVerfGE 119, 247, 248 ff.; 121, 241, 255 ff.[↩]
vgl. grund­le­gend BVerfGE 7, 198, 205 f.; 105, 313, 342 ff.; 124, 199, 221 ff.; 126, 400, 419 ff.; 131, 239, 261 ff.; 132, 179, 188 ff.; 133, 377, 413 ff.[↩]
vgl. Hes­se, in: FS Scheu­ner, 1973, S. 123?f.; Hopf­auf, in: Schmidt-Bleib­treu/Hof­man­n/Hen­ne­ke, GG, 14. Aufl.2018, Ein­lei­tung Rn. 222 ff.; Schlaich/​Korioth, Das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt, 11. Aufl.2018, Rn. 14; Badu­ra, in: Maunz/​Dürig, GG, Art. 6 Rn. 36 f., August 2019; Her­de­gen, in: Maunz/​Dürig, GG, Art. 79 Rn. 33, August 2019; kri­tisch in Bezug auf die Wehr­ver­fas­sung Mül­ler-Fran­ken, in: v. Mangoldt/​Klein/​Starck, GG, Bd. 3, 7. Aufl.2018, Art. 87a Rn. 3[↩]
vgl. schon BVerfGE 1, 299, 312[↩]
vgl. BVerfGE 70, 69, 79; 76, 256, 347 f.; 110, 353, 364; 145, 304, 332 Rn. 86[↩]
vgl. BVerfGE 117, 372, 392 ff.[↩]
vgl. BVerfGE 119, 247, 279, ins­be­son­de­re 289 ff.[↩]
vgl. BVerfGE 145, 1, 8 Rn. 16[↩]
BVerfGE 145, 249, 276 f. Rn. 55 f.[↩]
vgl. Thie­me, in: Forst­hoff u.a., Hrsg., Ver­fas­sungs­recht­li­che Gren­zen einer Reform des öffent­li­chen Dienst­rechts, Bd. 5, 1973, S. 303, 326 f.; May­er, in: Forst­hoff u.a., Hrsg., Ver­fas­sungs­recht­li­che Gren­zen einer Reform des öffent­li­chen Dienst­rechts, Bd. 5, 1973, S. 557, 602 f.; ders., Mög­lich­kei­ten und Gren­zen einer Neu­ge­stal­tung des Lauf­bahn­sys­tems für den öffent­li­chen Dienst im Rah­men des Grund­ge­set­zes, in: FS Ule, 1977, S. 344; ders., Die "her­ge­brach­ten Grund­sät­ze des Berufs­be­am­ten­tums" – eine ange­mes­se­ne Ver­fas­sungs­ant­wort auf die gesell­schaft­li­che Her­aus­for­de­rung?, in: Cars­tens u.a., Hrsg., Beam­ten­sta­tus – Ärger­nis oder Ver­pflich­tung?, 1978, S. 93, 99; Schup­pert, in: AK-GG, 3. Aufl.2001, Art. 33 Rn. 34 ff., August 2002; Mer­ten, in: HGRe, Bd. V, 2013, § 114 Rn. 74; vgl. auch Sum­mer, Doku­men­te zur Geschich­te des Beam­ten­rechts, 1986, S. 9 f.; Kunig, in: v. Münch/​ders., GG, Bd. 1, 6. Aufl.2012, Art. 33 Rn. 61[↩]
vgl. Badu­ra, ZBR 1996, S. 321, 325; Bat­tis, in: Sachs, GG, 8. Aufl.2018, Art. 33 Rn. 68[↩]
vgl. Badu­ra, Reich­wei­te des Funk­ti­ons­vor­be­halts nach Art. 33 Abs. 4 GG unter Berück­sich­ti­gung aktu­el­ler Pri­va­ti­sie­rungs­ten­den­zen sowie der Aus­wir­kung der euro­päi­schen Inte­gra­ti­on und der Ent­wick­lung in den neu­en Län­dern, For­schungs­pro­jekt für das Bun­des­mi­nis­te­ri­um des Innern, 1995, S. 5[↩]
vgl. BVerfGE 15, 167, 195[↩]
vgl. inso­weit die Kon­stel­la­ti­on in BVerfGE 145, 249 ff.[↩]
vgl. EuGH, Urteil vom 06.10.2016, Adri­en u.a., – C‑466/​15, EU:C:2016:749, Rn. 24[↩]
vgl. EuGH, Urteil vom 06.10.2016, a.a.O., Rn. 28[↩]
vgl. EuGH, Urteil vom 13.07.2016, Pöpperl/​Land Nord­rhein-West­fa­len, – C‑187/​15, EU:C:2016:550, Rn. 33 ff. mit Ver­weis auf Urteil vom 10.03.2009, Hart­lau­er, – C‑169/​07, EU:C:2009:141, Rn. 55 und Urteil vom 19.05.2009, Apo­the­ker­kam­mer des Saar­lan­des u.a., – C‑171/​07 und – C‑172/​07, EU:C:2009:316, Rn. 42[↩]
vgl. die Kon­stel­la­ti­on in BVerfGE 147, 50 ff.[↩]
vgl. die Kon­stel­la­ti­on in BVerfGE 119, 247 ff.[↩]
vgl. Jach­mann-Michel/­Kai­ser, in: v. Mangoldt/​Klein/​Starck, GG, Bd. 2, 7. Aufl.2018, Art. 33 Rn. 43[↩]
vgl. Sum­mer, Doku­men­te zur Geschich­te des Beam­ten­rechts, 1986, S. 37; Weiß, in: Fürst, GKÖD, Bd. 2, M § 33 Rn. 115a f., Lfg. 6/​15, § 45 Rn. 9, 40 ff., Lfg. 2/​16; Baßl­sper­ger, in: Bay­Be­am­tR, § 1 BeamtStG, August 2016[↩]
vgl. BVerfGE 9, 268, 286; 44, 249, 265; 70, 251, 266; 71, 255, 268; 121, 205, 220; 141, 56, 71 Rn. 38[↩]
vgl. BVerfGE 56, 298, 319 ff.; 76, 107, 122; 86, 90, 107 f.; 107, 1, 24 f.; 137, 108, 156 Rn. 112; 138, 1, 22 Rn. 60[↩]
vgl. BVerfG, Beschluss vom 12.03.2019 – 2 BvR 675/​14, Rn. 53 m.w.N.[↩]
vgl. Maunz, in: ders./Dürig, GG, Art. 33 Rn. 65, 1966; Zängl, Ver­wal­tungs­akt statt Dis­zi­pli­na­rur­teil, in: FS Fürst, 2002, S. 447, 458 ff.; vgl. auch Claussen/​Benneke/​Schwandt, Das Dis­zi­pli­nar­ver­fah­ren, 6. Aufl.2010, Rn. 16; Baßl­sper­ger, Her­ge­brach­te Grund­sät­ze des Berufs­be­am­ten­tums, 2016, S. 50 f.; Fran­ke, in: GKÖD, Bd. 1, L § 4 Rn. 54, Lfg. 14/​17[↩]
vgl. LTDrucks 14/​2996, S. 108 ff.; vgl. zu den ver­fas­sungs­recht­li­chen Beden­ken auch BVerw­GE 155, 6, 10 ff. Rn. 14 ff.[↩]
vgl. Jach­mann-Michel/­Kai­ser, in: v. Mangoldt/​Klein/​Starck, GG, Bd. 2, 7. Aufl.2018, Art. 33 Rn. 54; Badu­ra, in: Maunz/​Dürig, GG, Art. 33 Rn. 77, August 2019[↩]
vgl. BVerfGE 8, 332, 352 f.[↩]
vgl. BVerfGE 53, 30, 65; 65, 1, 44 ff.; 69, 315, 355; 141, 220, 275 ff. Rn. 117 f., 126 ff., 134 ff.; 143, 1, 19 Rn. 57; 150, 1, 107 Rn. 221[↩]
vgl. BVerfGE 119, 247, 264[↩]
vgl. Zängl, Ver­wal­tungs­akt statt Dis­zi­pli­na­rur­teil, in: FS Fürst, 2002, S. 447, 461[↩]
vgl. LTDrucks 14/​2996, S. 116 f.[↩]
vgl. BVerwG, Beschluss vom 20.06.2017 – 2 B 84.16, Rn. 17 f.[↩]
vgl. auch Weiß, in: Fürst, GKÖD, Bd. 2, M § 33 Rn. 115d, Lfg. 6/​15[↩]
vgl. dazu auch Weiß, in: Fürst, GKÖD, Bd. 2, M § 33 Rn. 115b, Lfg. 6/​15[↩]
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