Source: https://www.selbsthilfeverband-inkontinenz.org/svi_suite/viewtopic.php?f=22&t=329
Timestamp: 2020-06-03 00:48:49
Document Index: 110803878

Matched Legal Cases: ['§ 37', '§ 37', '§37', '§ 15', '§ 14', '§ 14', '§ 14', '§ 14', '§ 14', '§ 14', '§ 15', '§ 15', '§ 15']

Selbsthilfeverband Inkontinenz e.V. • Thema anzeigen - Frage zu Pflegegeld
Frage zu Pflegegeld
#1 von mama123 » 11 Feb 2004 13:11
es geht hier um meinen Sohn ( 6 Jahre). Ich habe seinen Fall schon im Stuhlinkontinenz-Forum dargestellt. Er ist durch eine seltene Rückenmarkserkrankung stuhlinkontinent und nachts auch blaseninkontinent. Laut Aussage eines Spezialisten für diese Rückenmarkserkrankung wird sich daran wohl auch nichts ändern. Ich habe nun zum einen einen Antrag beim Versorgungsamt für einen Behindertenausweis gestellt als auch bei der Pflegekasse Pflegegeld beantragt, da für mich als Mutter der Pflegeaufwand für ihn natürlich wesentlich höher ist, als bei einem gesunden Kind. Nun hat sich der medizinische Dienst zu Besuch angemeldet. Kann mir jemand noch einige Tipps geben, auf was ich bei dieser Befragung besonders achten soll. Ich habe im Internet auf verschiedenen Seiten gelesen, dass es nciht einfach ist, dass ein Kind in eine Pflegestufe eingestuft wird, da man da immer von einem Grundpflegedarf bei Kindern ausgeht und der besondere Pflegebedarf dann eben entsprechend höher sein muss. Aber es ist nun mal so, dass bei einem inkontinenten Kind es wirklich mehr zu tun gibt. Ich habe noch zwei andere Kinder ( fast 10 und 4) und selbst bei der vierjährigen ist der sogenannte Pflegeaufwand viel geringer als bei meinem inkontinenten Sohn.
Ich wäre also froh, wenn mir jemand ein paar Tipps geben könnte, wie ich mich bei diesem Besuch am besten zu verhalten habe.
#2 von Matti » 11 Feb 2004 19:25
Anders als bei Erwachsenen kommt es bei Kindern für das Vorliegen der Pflegestufe I nicht darauf an, daß für wenigstens zwei Verrichtungen aus einem oder mehreren Bereichen der Grundpflege mindestens einmal täglich und zusätzlich mehrfach in der Woche Hilfen bei der hauswirtschaftlichen Versorgung benötigt werden.
Bei Kindern ist für die Zuordnung zu einer Pflegestufe in der Pflegeversicherung allein der zusätzliche Hilfebedarf gegenüber einem gleichaltrigen, gesunden Kind maßgebend, nicht aber Art und Anzahl der Verrichtungen, bei denen fremde Hilfe erforderlich ist.
Zusätzlicher Hilfedarf kann der zeitliche Mehraufwand, den ein Familienangehöriger oder eine andere nicht als Pflegekraft ausgebildete Pflegeperson benötigt, sein.
Nach § 37 Abs. 1 Satz 1 SGB XI können Pflegebedürftige anstelle der häuslichen Pflegehilfe ein Pflegegeld beantragen. Der Anspruch setzt voraus, daß der Pflegebedürftige mit dein Pflegegeld dessen Umfang entsprechend die erforderliche Grundpflege und hauswirtschaftliche Versorgung in geeigneter Weise sicherstellt (§ 37 Abs. 1 Satz 2 SGB XI 1. d. F. des Ersten Gesetzes zur Änderung des Elften Buches Sozialgesetzbuch und anderer Gesetze - 1. SGB XI-ÄndG v. 14. 6. 1996, BGBl. I S. 830). Das Pflegegeld beträgt je Kalendermonat für Pflegebedürftige der Pflegestufe 1 210€.
(§37 Abs. 1 Satz 3 Nr. 1 SGB XI).
Pflegebedürftig sind Personen, die wegen einer körperlichen, geistigen oder seelischen Krankheit oder Behinderung für die gewöhnlichen und regelmäßig wiederkehrenden Verrichtungen im Ablauf des täglichen Lebens auf Dauer, voraussichtlich für mindestens sechs Monate, in erheblichem oder höherem Maße (§ 15 SGB XI) der Hilfe bedürfen (§ 14 Abs. 1 SGB XI). Krankheiten oder Behinderungen i. S. des § 14 Abs. 1 SGB XI sind unter anderem Funktionsstörungen der inneren Organe (§ 14 Abs. 2 SGB XI). Die Hilfe i. S. des § 14 Abs. 1 SGB XI besteht in der Unterstützung, in der teilweisen oder vollständigen Übernahme der Verrichtungen im Ablauf des täglichen Lebens oder in der Beaufsichtigung oder Anleitung mit dem Ziel der eigenständigen Übernahme dieser Verrichtungen (§ 14 Abs. 3 SGB XI).
Gewöhnliche und regelmäßig wiederkehrende Verrichtungen i. S. des 14 Abs. 1 SGB XI sind.
1. Im Bereich der Körperpflege - das Waschen, Duschen, Baden, die Zahnpflege, das Kämmen, Rasieren, die Darm- oder Blasenentleerung,
2. im Bereich der Ernährung - das mundgerechte Zubereiten oder die Aufnahme der Nahrung,
3. im Bereich der Mobilität - das selbständige Aufstehen und Zubettgehen, An- und Auskleiden, Gehen, Stehen, Treppensteigen oder das Verlassen und Wiederaufsuchen der Wohnung,
4. im Bereich der hauswirtschaftlichen Versorgung - das Einkaufen, Kochen, Reinigen der Wohnung, Spülen, Wechseln und Waschen der Wäsche und Kleidung oder das Beheizen (§ 14 Abs. 4 SGB XI).
Der Pflegestufe I (erheblich Pflegebedürftige) sind Personen zuzuordnen, die bei der Körperpflege, der Ernährung oder der Mobilität für wenigstens zwei Verrichtungen aus einem oder mehreren Bereichen mindestens einmal täglich der Hilfe bedürfen und zusätzlich mehrfach in der Woche Hilfen bei der hauswirtschaftlichen Versorgung benötigen (vgl. § 15 Abs. 1 Nr. 1 SGB XI).
Der Zeitaufwand, den ein Familienangehöriger oder eine andere nicht als Pflegekraft ausgebildete Pflegeperson für die erforderlichen Leistungen der Grundpflege und der hauswirtschaftlichen Versorgung benötigt, muß wöchentlich im Tagesdurchschnitt in der Pflegestufe 1 mindestens 90 Minuten betragen; hierbei müssen auf die Grundpflege mehr als 45 Minuten entfallen (§ 15 Abs. 3 Nr. 1 SGB XI i. d. F. des 1. SGB XI-Änderungsgesetzes).
Bei Kindern ist für die Zuordnung der zusätzliche zeitliche Hilfebedarf gegenüber gesunden gleichaltrigen Kindern maßgebend (§ 15 Abs. 2 SGB XI).
Das heisst im Klartext das die Hilfestellung und evtl. Übernahme bestimmter Tätigkeiten durch die Eltern bei einem Kind Vorausgesetzt werden und nur der "ZUSÄTZLICHE" Aufwand im vergleich eine Gesunden Kindes berücksichtigung findet.
Als erstes solltest du ein sogenantes Pflegetagebuch schreiben in dem du die zusätzlichen Tätigkeiten die bei deinem Sohn anfallen Aufschreibst. Die Häufigkeit und der Zeitbedarf sind ebenfalls zu Vermerken.
Wenn es sich bei dem Hilfebedarf deines Sohnes um das reine Saubermachen handelt das durch die Inkontinenz ensteht denke ich wirst du schlechte Karten haben. Jegliche Beinträchtigung und zusätzlicher Hilfebedarf sollte festgestellt werden und gegebenenfalls Berücksichtigt werden.
#3 von Ramona » 11 Feb 2004 19:47
Habe ich das jetzt richtig verstanden, daß Dein Sohn nur die Inkontinenz als Folge der Rückenerkrankung hat? Wenn keine weiteren Einschränkungen vorliegen, wird es schwer eine Pflegestufe durch zu bekommen. Wie Du schon weißt, wird im Vergleich zu einen nichtbehinderten Kind der Hilfsbedarf gemessen. Es gibt bei http://www.behinderte-kinder.de/ eine Tabelle (bei Pflegegeld), wo hervorgeht, wieviel Hilfe ein nichtbehindertes Kind braucht. Laut dieser Tabelle sind da bei einen 6jährigen Kind ingesamt 105 Min. Das ist der "normale" Hilfsbedarf. Dazu müssen jetzt noch mind. 50 Min. Grundpflege dazukommen, damit Dein Sohn eingestuft werden kann. Jetzt weiß ich natürlich nicht, wie oft pro Tag Du Deinen Sohn nach Stuhlgang reinigen mußt. Wenn dieses aber nur ein oder zweimal pro Tag ist, wird der MdK kaum anerkennen, daß 50 Min. zusammen kommen. Die gehen leider davon aus, daß man einen Windelwechsel nach Stuhlgang in 10 Min. schafft. Leider haben die ihre Richtwerte und weichen selten davon ab.
Versuchen kannst Du es auf jeden Fall, nur sollst Du auch wissen, daß es nicht so toll aussieht. Wenn jetzt aber andere Einschränkungen dazu kommen, wir es schon einfacher. Auf jeden Fall solltest Du ein Pflegetagebuch führen für Deinen Sohn und dieses für Dich kopieren und das Original den MdK mitgeben. Falls Du wegen der Zeitkorridore mal schauen möchtest, schau Dir folgenden Link an:
http://www.senioreninfo.info/article.php?sid=479
Trotzdem wünsche ich Dir Glück. Es hängt ja auch einiges vom Gutachter ab.
Gruß Ramona[/url]