Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Text=12%20U%2017/08
Timestamp: 2020-06-06 05:36:52
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Matched Legal Cases: ['§ 286', '§ 287', '§ 287', '§ 287', 'BGH', '§ 287', 'BGH', '§ 287', '§ 287', '§ 287', '§ 287', 'BGH', '§ 287', 'BGH', 'BGH', 'BGE', 'BGH', 'BGH', '§ 286', 'BGH', '§ 287', 'BGH', 'BGH']

OLG Brandenburg, 25.09.2008 - 12 U 17/08 - dejure.org
https://dejure.org/2008,12300
OLG Brandenburg, 25.09.2008 - 12 U 17/08 (https://dejure.org/2008,12300)
OLG Brandenburg, Entscheidung vom 25.09.2008 - 12 U 17/08 (https://dejure.org/2008,12300)
OLG Brandenburg, Entscheidung vom 25. September 2008 - 12 U 17/08 (https://dejure.org/2008,12300)
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Schadensersatz bei Verkehrsunfall mit Personenschaden: Grundsätze für den Nachweis der Unfallbedingtheit von Folgeschäden einer HWS-Verletzung
Nachweis der haftungsbegründenden Kausalität bei Personenschäden i.R.d. strengen Beweisführung nach § 286 Zivilprozessordnung (ZPO); Feststellung der Schadensfolgen bei Primärverletzungen entsprechend der Wahrscheinlichkeitserwägungen des Beweismaßes des § 287 ZPO
LG Neuruppin, 14.12.2007 - 3 O 340/05
Der unter Berücksichtigung der Beweiserleichterung des § 287 ZPO zu führende Beweis wäre insoweit geführt, wenn mit erheblicher bzw. überwiegender Wahrscheinlichkeit feststeht, dass Folgeschäden tatsächlich vorliegen und diese zudem auch auf den hier streitigen Verkehrsunfall (und nicht z.B. auf andere Erkrankungen etc. p. p.) beruhen, wobei der erforderliche Grad der Wahrscheinlichkeit je nach Einzelfall variieren kann (OLG Brandenburg, Urteil vom 25.09.2008, Az.: 12 U 17/08; OLG Hamm, VersR 1994, Seiten 1322 f.).
Wenn also die Klägerseite hier bewiesen hat, dass der Zeuge B... aufgrund des streitigen Unfallgeschehens tatsächlich eine posttraumatische Belastungsstörungen erlitten hat, kommt es dann wegen der Folgeschäden auch nur noch auf das Beweismaß des § 287 ZPO an (OLG Brandenburg, Urteil vom 25.09.2008, Az.: 12 U 17/08, NJW-Spezial 2008, Seite 682 = BeckRS 2008, Nr.: 20922 und in "juris"; OLG Brandenburg, Urteil vom 08.03.2007, Az: 12 U 48/06).
Die bloße zeitliche Nähe zwischen einem Unfallereignis und der Entstehung der Beschwerden und die daran anknüpfende "gefühlsmäßige" Wertung, beide Ereignisse müssten irgendwie miteinander in Zusammenhang stehen, reicht jedoch nicht aus (BGH NJW 2004, 777 [778]; OLG Saarbrücken SP 2006, 134; OLG Brandenburg, Urt. v. 25.09.2008 - 12 U 17/08 [juris]; KG, Beschl. v. 03.12.2009 - 12 U 232/08 [juris];… Senat, Urt. v. 21.05.2010 - 10 U 2853/06 [juris, Rz. 124]).
Nur wenn überhaupt eine Primärverletzung aufgrund des streitigen Verkehrsunfalls feststeht und diese somit auch nicht bereits vor dem streitigen Verkehrsunfall vorlag, ist es nämlich gerechtfertigt, hinsichtlich der Feststellung der Schadensfolgen auf Wahrscheinlichkeitserwägungen und damit auf das Beweismaß des § 287 ZPO zu verweisen ( BGH , NJW 2004, Seite 777; OLG Brandenburg , Urt vom 25.09.2008, Az.: 12 U 17/08; OLG Frankfurt/Main , ZfSch 2008, Seiten 264 ff. = VRR 2008, Seite 282 ).
Auch die Frage, ob der Unfall über diese Primärverletzung hinaus auch noch für die weiteren Beschwerden der vermeintlich geschädigten Zeugin R. S. ursächlich ist, ist erst dann der Maßstab des § 287 ZPO anzulegen ( OLG Brandenburg , Urt vom 25.09.2008, Az.: 12 U 17/08; OLG Brandenburg , Urt vom 08.03.2007, Az.: 12 U 48/06, Schaden-Praxis 2007, Seite 428; Saarländisches OLG , Urt vom 20.01.2004, Az.: 3 U 6/03; OLG Frankfurt/Main , ZfSch 2008, Seiten 264 ff. = VRR 2008, Seite 282; OLG Saarbrücken , OLG-Report 2005, Seiten 740 ff .; OLG Frankfurt/Main , Urt vom 10.09.2003, Az.: 4 U 153/00; OLG Hamm , VersR 1994, Seiten 1322 f.; AG Saarbrücken , Urt vom 31.08.2006, Az.: 5 C 152/06 ).
Der unter Berücksichtigung der Beweiserleichterung des § 287 ZPO zu führende Beweis wäre insoweit geführt, wenn mit erheblicher bzw. überwiegender Wahrscheinlichkeit feststeht, dass die Folgeschäden auf der hier streitigen, durch diesen Verkehrsunfall (und nicht durch andere Unfälle oder altersbedingte Erkrankungen etc. p. p.) bedingten Körperverletzung beruhen, wobei der erforderliche Grad der Wahrscheinlichkeit je nach Einzelfall variieren kann ( OLG Brandenburg , Urt vom 25.09.2008, Az.: 12 U 17/08; OLG Hamm , VersR 1994, Seiten 1322 f. ).
Davon kann allerdings dann nicht mehr ausgegangen werden, wenn die ernsthafte Möglichkeit besteht, dass sich die Krankheit/Verletzung schicksalhaft entwickelt hat oder bereits vor dem Verkehrsunfall schon vorlag, denn in einem solchen Fall reicht allein die zeitliche Nähe zwischen dem Unfallereignis und der Entstehung von vermeintlichen Beschwerden nicht aus ( OLG Brandenburg , Urt vom 25.09.2008, Az.: 12 U 17/08; OLG Frankfurt/Main , ZfSch 2008, Seiten 264 ff. = VRR 2008, Seite 282; Saarländisches OLG , OLG-Report 2005, Seiten 740 ff. ).
Nur Folgebeschwerden körperlicher und psychischer Art würden dann nämlich die haftungsausfüllende Kausalität betreffen; es wäre also nur in einem solchen Fall das erleichterte Beweismaß des § 287 ZPO anzuwenden ( OLG Brandenburg , Urt vom 25.09.2008, Az.: 12 U 17/08; Saarländisches Oberlandesgericht , Urt vom 28.06.2005, Az: 4 U 236/04; OLG Stuttgart , Urt vom 19.03.1999, Az: 2 U 150/98; OLG Köln , VersR 1998, Seite 1249; OLG Hamm , NZV 1994, Seite 189; OLG Brandenburg , Urt vom 08.03.2007, Az: 12 U 48/06; AG Saarbrücken , Urt vom 31.08.2006, Az.: 5 C 152/06 ).
Nur wenn also zwischen den Parteien unstreitig ist oder die Klägerseite bewiesen hat, dass die vermeintlich geschädigte Zeugin S. aufgrund des streitigen Unfallgeschehens ein HWS-Schleudertrauma und/oder die anderen Verletzungen/Erkrankungen als Primärverletzungen erlitten hätte, würde es dann wegen der beklagten Folgeschäden auch nur noch auf das Beweismaß des § 287 ZPO ankommen ( OLG Brandenburg , Urt vom 25.09.2008, Az.: 12 U 17/08, NJW-Spezial 2008, Seite 682 = BeckRS 2008, Nr.: 20922 u. a. in: "juris"; OLG Brandenburg , Urt vom 08.03.2007, Az: 12 U 48/06 ).
Der Annahme einer Kausalität zwischen einer unstreitigen bzw. bewiesenen Verletzung/Schleudertrauma und verbliebenen Folgeschäden würde es damit auch nicht entgegen stehen, wenn in einem der jeweiligen Sachlage angemessenen Umfang andere, weniger wahrscheinliche Verlaufsmöglichkeiten nicht mit der sonst erforderlichen Wahrscheinlichkeit auszuschließen sind ( BGH , NJW 2004, Seite 777; OLG Stuttgart , Urt vom 19.03.1999, Az: 2 U 150/98; OLG Brandenburg , Urt vom 25.09.2008, Az.: 12 U 17/08, NJW-Spezial 2008, Seite 682 = BeckRS 2008, Nr.: 20922 und in "juris"; OLG Brandenburg , Urt vom 08.03.2007, Az: 12 U 48/06 ), jedoch auch nur dann.
121 Ob über die Primärverletzung hinaus ein Unfall auch für weitere körperliche und psychische (Folge-)Beschwerden ursächlich ist, ist eine Frage der haftungsausfüllenden Kausalität, die sich gem. § 287 ZPO beurteilt (BGH VersR 2003, 474 = NJW 2003, 1116 = DAR 2003, 217; NJW 2004, 777 [778]; VersR 2008, 644; NJW-RR 2009, 409 = MDR 2009, 163 = VersR 2009, 69 = zfs 2009, 206 = r+s 2009, 127; KG VersR 2004, 1193 = VRS 106 [2004] 260;… Senat, Urt. v. 28.07.2006 -10 U 1684/06 [Juris]; OLG Schleswig NZV 2007, 203; OLG Brandenburg, Urt. v. 25.09.2008 - 12 U 17/08 [Juris]; Müller VersR 2003, 137 [142 unter III 1, 2]).
124 Die bloße zeitliche Nähe zwischen einem Unfallereignis und der Entstehung der Beschwerden und die daran anknüpfende "gefühlsmäßige" Wertung, beide Ereignisse müßten irgendwie miteinander in Zusammenhang stehen, reicht nicht aus (BGH NJW 2004, 777 [778] = NZV 2004, 27 = SP 2004, 40 = VersR 2004, 118 = DAR 2004, 81 = VRS [2004] 177 = zfs 2004, 159; OLG Brandenburg, Urt. v. 25.09.2008 - 12 U 17/08 [Juris];… näher zum Problem des Fehlschlusses "post hoc, ergo propter hoc" - also des Schlusses aus der bloßen Zeitfolge auf ein Ursachenverhältnis, aus dem bloßen Folgen auf ein Erfolgen - gerade bei HWS-Distorsionsverletzungen Schweizer Bundesgericht, Urt. v. 18.05.1993 - BGE 119 V 335 [341 f.];… Eidgenössisches Versicherungsgericht, Urt. v. 15.10.2003 - U 154/03 [http://jumpcgi.bger.ch/cgi-bin/JumpCGI?id= 15.10.2003_U_154/03;… aus medizinischer Sicht ganz allgemein Gross/Löffler, Prinzipien der Medizin, 1997, S. 105, 186 ff.; Türp/Schwarzer, Zur Wirksamkeit therapeutischer Maßnahmen: der Post-hoc-ergo-propter-hoc-Trugschluss, in: Schweizer Monatsschrift für Zahnmedizin 113 [2003] 37-42).
Dabei ist es dem Gericht nicht verwehrt, im Wege des Ausschlusses anderer Ursachen zu der Feststellung zu gelangen, dass als einzig realistische Ursache für die Beschwerden der Unfall in Betracht kommt (vgl. BGH VersR 2003, 474, 476; BGH NJW 2004, 777, 778; Saarländisches OLG OLGR 2005, 489, 491; Senatsurteile v. 08.03.2007 - 12 U 48/06, Schadenpraxis 2007, 428, und vom 25.09.2008 - 12 U 17/08, zitiert nach Juris; KG NZV 2003, 239; OLG Hamm r+s 2000, 155; OLG Karlsruhe NZV 2001, 511).
64 Die Feststellung, ob der Kläger zu 2) eine Gehirnerschütterung und der Kläger zu 3) psychischen Beeinträchtigungen erlitten haben, ist eine Frage der haftungsbegründenden Kausalität, für welche die Kläger den Vollbeweis nach § 286 I ZPO zu führen haben (vergleiche BGH VersR 2003, 474 = NJW 2003, 1116 = DAR 2003, 217; VersR 2008, 1126; 2008, 1133 = NJW-RR 2008, 1380 = MDR 2008, 1115 = r+s 2008, 394 = zfs 2008, 562 = SP 2008, 323 = NZV 2008, 502 = VRS 115 [2008] 106-110; KG VersR 2006, 1233 f.; Senat SP 2002, 347 f.; NZV 2003, 474 [475] …und Urt. v. 28.07.2006 - 10 U 1684/06 [Juris]; OLG Brandenburg, Urt. v. 25.09.2008 - 12 U 17/08 [Juris]).
65 Bei der Frage, ob der Kläger zu 2) darüber hinaus psychische Beeinträchtigungen erlitten hat, handelt es sich dagegen um ein Problem der haftungsausfüllenden Kausalität, welches sich nach § 287 ZPO beurteilt, nachdem beim Kläger zu 2) Primärverletzungen feststehen und aufzuklären sein wird, ob sich hieraus die behaupteten psychischen Beeinträchtigungen entwickelt haben (BGH VersR 2003, 474 = NJW 2003, 1116 = DAR 2003, 217; NJW 2004, 777 [778]; VersR 2008, 644; NJW-RR 2009, 409 = MDR 2009, 163 = VersR 2009, 69 = zfs 2009, 206 = r+s 2009, 127; KG VersR 2004, 1193 = VRS 106 [2004] 260;… Senat , Urt. v. 28.07.2006 -10 U 1684/06 [Juris]; OLG Schleswig NZV 2007, 203; OLG Brandenburg, Urt. v. 25.09.2008 - 12 U 17/08 [Juris]; Müller VersR 2003, 137 [142 unter III 1, 2]).
36 Die bloße zeitliche Nähe zwischen einem Unfallereignis und der Entstehung der Beschwerden und die daran anknüpfende "gefühlsmäßige" Wertung, beide Ereignisse müssten irgendwie miteinander in Zusammenhang stehen, reicht zwar zur Bejahung eines Kausalzusammenhangs noch nicht aus (BGH NJW 2004, 777 [778] = NZV 2004, 27 = SP 2004, 40 = VersR 2004, 118 = DAR 2004, 81 = VRS [2004] 177 = zfs 2004, 159; OLG Saarbrücken OLGR 2005, 740 = SP 2006, 134; OLG Brandenburg, Urt. v. 25.09.2008 - 12 U 17/08 [Juris = NJW-Spezial 2008, 682 - red.