Source: https://rd.springer.com/chapter/10.1007/978-3-662-41865-9_2
Timestamp: 2018-07-23 10:25:36
Document Index: 380329905

Matched Legal Cases: ['§ 941', '§ 143', '§ 103', 'Art. 26', '§ 1713', '§ 62', '§ 12', '§212', 'Art. 142', 'Art. 45', 'Art. 22', '§ 55', '§ 7']

Verwaltungsrecht pp 109-339 | Cite as
Unter Rechtsquellen verstehen wir alles, was die Entscheidung der Rechtsfrage beeinflußt. Zu den Rechtsquellen gehören vor allem die Rechtssätze selbst, daneben aber auch alle Erscheinungen, die auf den Inhalt oder auf die Gültigkeit eines Rechtssatzes Einfluß haben. Die Rechtsfrage steht im Gegensatze zur Tatfrage und zur Ermessensfrage und kommt in reiner Form beim Rechtsmittel der Revision vor, da das Revisionsgericht nur angerufen werden kann, wenn die angefochtene Entscheidung „auf der Nichtanwendung oder auf der unrichtigen Anwendung des bestehenden Rechts, insbesondere auch der von den Behörden innerhalb ihrer Zuständigkeit erlassenen Verordnungen“ beruht (LVG. § 941). Alles also, was das Revisionsgericht bei seiner Entscheidung in den Kreis seiner Erwägungen ziehen muß, gehört zu den Rechtsquellen, z. B. auch die tatsächlichen Unterlagen eines örtlichen Gewohnheitsrechts, nicht nur das Gewohnheitsrecht selbst1. Wie aber schon anderweit dargelegt2, unterscheiden sich die Rechtssätze von andern staatlichen Åußerungen durch die abstrakte Allgemeinheit der Adressaten; sie gelten für alle, die es angeht, nicht nur für eine bestimmte Einzelperson, auch nicht nur für den Staat und seine Organe. Ein an eine bestimmte Einzelperson gerichteter Befehl ist eine Verfügung, deren Zulässigkeit andern Regeln unterliegt als die Zulässigkeit eines Rechtssatzes und die ebensowenig zur Rechtsfrage gehört wie eine an die Behörden gerichtete Dienstanweisung3. Die Grenze zwischen Rechtsfrage und Tatfrage ist mitunter nicht ganz einfach zu ziehen, auch sind staatliche Anordnungen denkbar, die für einen Teil der von ihnen Betroffenen Einzelanordnungen sind, für einen andern Teil wie ein Rechtssatz wirken; so kann die Bezeichnung eines einzelnen Werks als Schund-Druckschrift, die nicht im Umherziehen feilgeboten werden darf, vom Verfasser als Einzelanordnung angefochten werden4, während sie den Hausierern gegenüber Rechtssatz ist.
So die durch den Fall Zabern berühmt gewordene AKabO. v. 17. Okt. 1820, Kamptz’ Annalen 1820 S. 810ff.; vgl. dazu meine Besprechung von Hubrich Die Entwicklung der Gesetzespublikation in Preußen 1918, in ZHandelsR. 87 (1924) S. 205ff.Google Scholar
Über die Rechtslage in Württemberg vgl. Bühler in WürttZ. 64 (1922) S. 159 u.Google Scholar
Geier in WürttZ. 66 (1924) S. 177ff., 209ff.Google Scholar
Zum folgenden vgl. Otto Mayer I S. 98, II S. 235 (Verwaltungsakt auf Unterwerfung); Fleiner S. 168ff.; Schoenborn Studien zur Lehre vom Verzicht im öffentlichen Recht 1908; K. Perels Darf die Verwaltungsbehörde die Erteilung einer in ihr freies Ermessen gelegten Genehmigung von der Zahlung einer gesetzlich nicht vorgesehenen „Gebühr“ abhängig machen? ArchÖffR. N. F. 6 (1924) S. 93ff.; Schult und Rubensohn in MecklZ. 44 (1928) Sp. 389ff., 521 ff. Aus der Gesetzgebung thür. LVO. § 143, aus der Rechtsprechung PrOVG. 18. Juni 08, Entsch. 52, 374ff.; PrOVG. 10. Febr. 21, Entsch. 76, 436f.; OldOVG. 9. Jan. 08 u. 5. Nov. 14, OldZ. 35 (1909) S. 13ff. u. 42 (1915) S. 75ff.; RG. III 16. Dez. 02, RGZ. 53, 186ff. (mit privatrechtlicher Lösung).Google Scholar
(1921) S. 1ff. Vgl. auch Höft Das Gewohnheitsrecht in der Verwaltung, Kieler Diss. 1922; E. Josef im PrVBl. 44 (1923) S. 415 f.; Hartmann in HansRZ. 1923 Sp. 321 ff.; Meinzolt in BayVerwBl. 76 (1928) S. 225ff.; HansOLG. 29. März 22, HansRZ. 1922 Sp. 578ff.Google Scholar
Vgl. auch Bilfinger im ArchÖffR. N. F. 11 (1926) S. 176.Google Scholar
Abegg, Ztschr. „Die Polizei“ 1926 S. 301ff. u. Stusev. 1926 S. 437ff; Klee u. H. Peters GoltdArch. 71 (1927) S. 81 ff., 121 ff.; Grzesinski „Die Polizei“ 1928 S. 1ff.; Drews DJZ. 1928 Sp. 893ff. Vgl. vorerst Beschluß des pr. Min. d. I. v. 14. Jan. 29 (MinBliV. Sp. 63f.), der alle im Bereiche des Min. d. I. vor dem 1. Januar 1890 erlassenen Polizeiverordnungen der Ober-, Regierungspräsidenten, Kreis-und Ortspolizeibehörden außer Kraft setzt.Google Scholar
Nachweise Gesetz, Gesetzesanwendung S. 226 N. 4. Vgl. ferner Hubrich in AnnDR. 1916 S. 641 ff.; Menne im PrVerwBl. 44 (1923) S. 437f.Google Scholar
Pape im RVerwBl. 50 (1929) S. 6ff.; BayVGH. 11. Mai 25, Samml. 46 19ff.; BadVGH. 16. Nov. 27, BadVerwZ. 60 (1928) S. 39. Auch nach der neuen Gem. u. KrO. f. Thüringen v. 8. Juli 26 besteht Bekanntmachungszwang für Ortsgesetze (§ 103), ebenso nach der bay. GemO. v. 17. Okt. 27 (Art. 26II).Google Scholar
Vgl. aus der neueren Zeit Fleiner S. 82f.; Hatschek S. 56ff.; Haller in WüRV. 19 (1926) S. 65ff; G. A. Walz im ArchÖffR. N. F. 14 (1928) S. 161 ff.Google Scholar
Hierzu die kritische Abhandlung von Jastrow Das Reichsgesetzblatt, ZStaatsW. 79 (1925) S.40ff.Google Scholar
Sehr zuverlässig für Alt-und Neupreußen v. Rönne-Zorn StR. d. preuß. Monarchie5 I 1899 S. 170ff.Google Scholar
Hierzu O. Gerland Über die örtliche Zuständigkeit der Ortspolizeibehörden, VerwArch. 4 (1896) S. 197ff.Google Scholar
E. v. Hippel Untersuchungen zum Problem des fehlerhaften Staatsakts. Beiträge zur Methode einer teleologischen Rechtsauslegung 1924. Dazu meine Besprechung im ArchöffR. N. F. 9 (1925) S.361ff.Google Scholar
So Anschütz im VerwArch. 14 (1906) S. 329ff.Google Scholar
Hierzu Gesetz, Gesetzesanwendung 1913 S. 176 f. und insbesondere Anschütz im VerwArch. 14 (1906) S. 315ff.Google Scholar
PrOVG. 15. Mai 08, Entsch. 52, 290ff. Gegen die Möglichkeit polizeilichen Einschreitens Hilse im VerwArch. 13 (1905) S. 548ff.Google Scholar
Anders WürttVGH. 9./16. Okt. 12, WüRV. 6 (1913) S. 270ff., auch WürttJ. 25 (1913) S. 80ff.; Heck Anatomieversorgung, ArchZivPrax. 112 (1915) S. 319ff.; v. Blume Fragen des Totenrechts, ebenda S. 367ff. Vgl. zu der ganzen Frage auch LG. Bonn 16. Mai 28 mit Anmerkungen von Ebermayer und Strassmann, JW. 1928 S. 2294ff.Google Scholar
Vgl. E. v. Hippel im ArchÖffR. N. F. 10 (1926) S. 145 N. 60.Google Scholar
Bedenklich daher Schußwaffengesetz v. 12. Apr. 28 § 1713, da es die Zigeuner schlechthin benachteiligt, nicht nur, wenn sie nach Zigeunerart umherziehen. Über die Rechtsfragen zum württembergischen Zigeunerrecht Krauss in WürttZ. 42 (1900) S. 187f.Google Scholar
Aichele in WüRV. 7 (1914) S. 25ff.; über das neue bayerische Zigeuner-und Arbeitsscheuengesetz v. 16. Juli 26 insbesondere Wachinger in DRiZ. 1927 S. 237ff. Vgl. auch unten S. 435, 464f.Google Scholar
PrOVG. 29. Jan. 14, Entsch. 66 S. 311ff. Über die ganze Frage Schultzenstein im VerwArch. 29 (1922) S. 105ff.Google Scholar
Friedrichs Verwaltungsrechtspflege II 1921 S. 580ff.Google Scholar
Vgl. Fehlerh. Staatsakt S. 84ff.; Rissom im ArchMilRecht. 6 (1916) S. 193f.Google Scholar
Popitz im PrVerwBl. 38 (1917) S. 135; andr. Ans. Kormann System S. 229, 239. Vgl. jetzt auch thür. Gem. u. KrO. v. 8. Juli 26 § 62II: „War ein Bürgermeister oder ein Beigeordneter nicht wählbar..., so scheidet er aus seinem Amte aus. Die Gültigkeit vorheriger Amtshandlungen wird durch seine Mitwirkung nicht berührt.“Google Scholar
Vgl. vor allem Schultzenstein Polizeiwidriges Handeln und Vertretung, VerwArch. 14 (1906) S. 1ff.; ferner Goedecke Polizeiliche Verantwortlichkeit juristischer Personen, Pr.-VerwBl. 47 (1926) S. 24ff.; SächsOVG. 24. Mai 11, Jahrb. 17, 193ff. Andr. Ansicht namentlich Fleiner S. 163 N. 47.Google Scholar
Hellwig-Oertmann System des Deutschen Zivilprozeßrechts II 2 (1919) S. 383.Google Scholar
Vgl. Landmann-Rohmer GewO.8 I 1928 S. 163 (zu § 12).Google Scholar
So Meurer Bayerisches Kirchenvermögensrecht III (1919) S. 56, im Einklang mit O. Gierke Die Genossenschaftstheorie und die deutsche Rechtsprechung 1887 S. 155.Google Scholar
Wie im Text PrOVG. 16. Nov. 11, Entsch. 62, 282ff.; SächsOVG. 30. Mai 07, Jahrb. 11, 52ff.; BadVGH. 20. Dez. 27, BadVerwZ. 60 (1928) S. 122f. Abweichend PrOVG. 1. März 01, Entsch. 39, 440ff.; BraunschwVGH. 17. Dez. 24, BraunschwZ. 71 (1925) Beil. S. 35f.; Josef im PrVerwBl. 45 (1924) S. 356f.Google Scholar
RG. VI 14. Nov. 24, RGZ. 109, 90ff.; dagegen v. Kienitz in EisenbE. 41 (1924/25) S. 204ff.Google Scholar
Ebenso Holtz-Kreutz Pr. Wassergesetz II 2 u. 3 1919 S. 83ff. zu §212, Bochalli Wassergenossenschafts-u. Deichrecht2 1925 S. 23 und schon früher RG. IV 10. Dez. 85, PrVerwBl. 8 (1886/7) S. 182f. Abweichend für das frühere Recht PrOVG. 23. Jan. 97, PrVerwBl. 18 (1897) S.231f., und heute noch Lenhard-Reichau Pr. Wassergesetz 1918 S.465.Google Scholar
Otto Mayer II S. 386; Hatschek S. 291; Baath VO.ü.d. Fürsorgepflicht6 1928 S. 46, 52; WürttVGH. 7. März 28, WüRV. 21 (1928) S. 166f.Google Scholar
So Anschütz RV. zu Art. 142; Thoma a. a. O. S. 216f.; ThürOVG. 28. Juli 18, Jahrb. 6, 47ff. Dagegen Rothenbücher und Smend auf der Münchener Tagung der Vereinig, d. Deutsch. Staatsrechtslehrer, Frühjahr 1927, VStaatsRL. 4 (1928) S. 32ff., 56ff.; ferner Frhr. Marschall v. Bieberstein Vom Kampf des Rechtes gegen die Gesetze 1927 S. 178ff.Google Scholar
Vgl. z. B. Staecker in der MecklZ. 42 (1926) S. 147ff.; PrOVG. 22. Febr. 21, Entsch. 76, 122ff.; RG. V 13. Juni 27, RGZ. 117, 235ff.Google Scholar
Vgl. Triepel im ArchÖffR. 40 (1921) S. 367ff.; ThürOVG. 28. Juni 16, Jahrb. 4, 103ff. Könnte ein Machtspruch des Gesetzgebers wissenschaftliche Streitfragen entscheiden, so gäbe es ein „Recht auf das Amt“ in Württemberg: BeamtG. v. 21. Jan. 29 Art. 45 (Überschrift); vgl. jedoch Art. 22, 23.Google Scholar
Schültzenstein Persönliche gewerbliche Konzession und Erbrecht, VerwArch. 10 (1902) S. 113ff.Google Scholar
Vgl. Dr. Schmidt im PrVerwBl. 42 (1921) S. 32f. (Versorgungsgebührnisse).Google Scholar
Die vielumstrittene (vgl. Ziegler in BlAdmPr. 64, 1914, S. 34ff.) Bestimmung des § 55II der bayerischen VO. über die Vorbedingungen für den höheren Justiz-und Verwaltungsdienst v. 4. Juli 99/18. Okt. 10, wonach der sog. „Dreier-Jurist“, um die zweite Staatsprüfung wiederholen zu können, auf das frühere Prüfungsergebnis ausdrücklich verzichten mußte, gilt nicht mehr.Google Scholar
Vgl. hierzu Wolzendorff Art. „Tanzlustbarkeiten“ im WStVR. III; Krüger Tanzwesen und Reichsvereinsgesetz, FischersZ. 39 (1911) S. 1ff.Google Scholar
So im Grunde Schultzenstein Die Widmung zum öffentlichen Wege, VerwArch. 28 (1921) S. 179ff.Google Scholar
Vgl. Friedrichs Ortsnamenpolizei, Stusev. 1924 S. 235ff., 296ff.; Mosheim, RVerwBl. 49 (1928) S. 663 ff.Google Scholar
Vgl. Laband Staatsr. d. Deutsch. Reiches5 III 1913 S. 169.Google Scholar
Vgl. Seydel im PrVerwBl. 47 (1926) S. 548ff.Google Scholar
Guillaume im PrVerwBl. 48 (1927) S. 25f.Google Scholar
Vgl. Graf von Hardenberg im PrVerwBl. 47 (1926) S.415ff.; Pr. Min. d. I. 16. März 28, MinBliV. Sp. 339 ff.Google Scholar
Vgl. Kelsen Über Staatsunrecht, GrünhutsZ. 40 (1914) S. 1ff.Google Scholar
Vgl. Morawitz BraunschwZ. 66 (1919) S. 105f.; Thoma ArchÖffR. N. F. 4 (1922) S. 275; E. v. Hippel Unters, z. Probl. d. fehlerh. Staatsakts 1924 S. 79ff.Google Scholar
Vgl. v. Seydel-v. Grassmann Bay. Staatsrecht II 1913 S. 220Google Scholar
Braunwart in der BayGemZ. 31 (1921) Sp. 315f.; Rottmann ebenda 33 (1923) Sp. 591.Google Scholar
ReichsVO. v. 2. Nov. 23 § 7; für die Kriegszeit vgl. J. Goldschmtdt und Köppel im ArchZivPrax. 117 (1919) S. 1ff. u. S. 229ff.Google Scholar
v. Seydel-v. Grassmann Bay. Staatsr. II 1913 S. 220. Vgl. zu der Frage auch die kritischen Ausführungen von Hofacker Die Staatsverwaltung und die Strafrechtsreform 1919 S. 302ff.Google Scholar
Vgl. Drews in ZStaatsW. 78 (1924) S. 599ff.Google Scholar
PrKompGH. 20. März 26, PrVerwBl. 47 (1926) S. 530ff.; RG. IV. ZivSen. 12. Apr. 26, JW. 1926 S. 2083f.; Schumburg, PrVerwBl. 46 (1925) S. 149f. (Borkumlied).Google Scholar
RG. VII 23. Apr. 20, RGZ. 99, 12ff. Vgl. auch LGRat Dr. Gmelin in WürttZ. 48 (1906) S. 277ff.Google Scholar
Fehlerh. Staatsakt S. 181ff. Aus neuerer Zeit u.a. Oertmann, ArchBürgR. 42 (1916) S. 1ff.Google Scholar
Jellinek W. (1929) Allgemeiner Teil. In: Verwaltungsrecht. Enzyklopädie der Rechts- und Staatswissenschaft (Abteilung Rechtswissenschaft), vol 25. Springer, Berlin, Heidelberg
DOI https://doi.org/10.1007/978-3-662-41865-9_2
Print ISBN 978-3-662-41726-3
Online ISBN 978-3-662-41865-9