Source: http://m.hensche.de/Rechtsanwalt_Arbeitsrecht_Urteile_Fortbildung_AGB_BAG_3AZR900-07.html
Timestamp: 2017-12-14 22:39:23
Document Index: 253790139

Matched Legal Cases: ['§ 310', '§ 13', '§ 307', '§ 305', '§ 307', '§ 307', '§ 307', '§ 310', '§ 307', '§ 310', '§ 310', '§ 23', '§ 138', '§ 307', '§ 611', '§ 307', '§ 611', '§ 611', '§ 611', '§ 611', '§ 611', '§ 611', '§ 611', '§ 611', '§ 611', '§ 611', '§ 611', '§ 306', '§ 305', '§ 307', '§ 611', '§ 307', '§ 306', '§ 306', '§ 611', '§ 307', '§ 310', '§ 306', '§ 611', '§ 307']

HENSCHE Arbeitsrecht: 3 AZR 900/07
Schlag­worte: Fortbildung, AGB
Akten­zeichen: 3 AZR 900/07
Ent­scheid­ungs­datum: 14.01.2009
1. Es ist grundsätz­lich zulässig, in vom Ar­beit­ge­ber ge­stell­ten All­ge­mei­nen Geschäfts­be­din­gun­gen die Rück­zah­lung von Fort­bil­dungs­kos­ten zu ver­ein­ba­ren und die Höhe des Rück­zah­lungs­be­tra­ges da­von abhängig zu ma­chen, ob der Ar­beit­neh­mer das Ar­beits­verhält­nis in­ner­halb ei­ner be­stimm­ten Bin­dungs­dau­er be­en­det.
2. Die Bin­dungs­dau­er darf den Ar­beit­neh­mer nicht ent­ge­gen den Ge­bo­ten von Treu und Glau­ben be­nach­tei­li­gen. Ob dies der Fall ist, be­stimmt sich nach Re­gel­wer­ten, die je­doch ein­zel­fall­be­zo­ge­nen Ab­wei­chun­gen zugäng­lich sind.
3. Gibt der Ar­beit­ge­ber ei­ne zu lan­ge Bin­dungs­dau­er vor, ist die dar­an ge­knüpfte Rück­zah­lungs­klau­sel grundsätz­lich ins­ge­samt un­wirk­sam. Ein Rück­zah­lungs­an­spruch be­steht nicht. Je­doch kann im We­ge der ergänzen­den Ver­trags­aus­le­gung die un­zulässi­ge Bin­dungs­dau­er auf ei­ne zulässi­ge zurück­geführt wer­den, wenn es we­gen der ein­zel­fall­be­zo­ge­nen Be­trach­tung für den Ar­beit­ge­ber ob­jek­tiv schwie­rig war, die zulässi­ge Bin­dungs­dau­er im Ein­zel­fall zu be­stim­men. Ver­wirk­licht sich die­ses Pro­gno­se­ri­si­ko, ist die Bin­dungs­dau­er durch ergänzen­de Ver­trags­aus­le­gung zu be­stim­men.
Vor­ins­tan­zen: Arbeitsgericht Dessau, Urteil vom 25.01.2007, 10 Ca 150/06
Landesarbeitsgericht Sachsen-Anhalt, Urteil vom 06.09.2007, 10 Sa 142/07
3 AZR 900/07
14. Ja­nu­ar 2009
Kläge­rin, Wi­der­be­klag­te, Be­ru­fungs­be­klag­te und Re­vi­si­ons­be­klag­te,
hat der Drit­te Se­nat des Bun­des­ar­beits­ge­richts auf­grund der münd­li­chen Ver­hand­lung vom 14. Ja­nu­ar 2009 durch den Vor­sit­zen­den Rich­ter am Bun­des­ar­beits­ge­richt Dr. Rei­ne­cke, die Rich­ter am Bun­des­ar­beits­ge­richt Krem­hel­mer
und Dr. Zwan­zi­ger so­wie die eh­ren­amt­li­chen Rich­ter Ober­ho­fer und Stem­mer für Recht er­kannt:
1. Die Re­vi­si­on der Be­klag­ten ge­gen das Ur­teil des Lan­des­ar­beits­ge­richts Sach­sen-An­halt vom 6. Sep­tem­ber 2007 - 10 Sa 142/07 - wird zurück­ge­wie­sen.
2. Die Be­klag­te hat die Kos­ten des Re­vi­si­ons­ver­fah­rens zu tra­gen.
Die Par­tei­en strei­ten im Rah­men ei­ner Wi­der­kla­ge noch über die Ver­pflich­tung der Kläge­rin, Aus­bil­dungs­kos­ten zu er­stat­ten.
Die Kläge­rin war bei der Be­klag­ten, ei­nem mit­telständi­schen Un­ter­neh­men, seit dem 18. Ja­nu­ar 2002 als Büro­kauf­frau tätig ge­we­sen. Sie wur­de zu­letzt als As­sis­ten­tin der Geschäfts­lei­tung ein­ge­setzt. Ihr Ar­beits­ent­gelt be­trug 1.329,36 Eu­ro.
Am 26. Sep­tem­ber 2003 kam zwi­schen den Par­tei­en ein „Fort­bil­dungs­ver­trag mit Rück­zah­lungs­klau­sel für ge­werb­li­che Ar­beit­neh­mer der U GmbH“ zu­stan­de. Die­se Ver­ein­ba­rung wur­de von der Be­klag­ten ein­sei­tig vor­for­mu­liert, oh­ne dass die Kläge­rin die Möglich­keit hat­te, auf den In­halt Ein­fluss zu neh­men. Sie lau­tet aus­zugs­wei­se wie folgt:
„Zwi­schen ...
wird fol­gen­der Fort­bil­dungs­ver­trag mit Rück­zah­lungs­klau­sel als Zu­satz zum be­ste­hen­den Ar­beits­ver­trag an­ge­nom­men.
Die Ar­beit­neh­me­rin nimmt in der Zeit vom 26.09.2003 - 30.10.2004 an ei­nem Lehr­gang mit dem Aus­bil­dungs­ziel Be­triebs­wir­tin (HWK) 28 - WE teil.
Die Par­tei­en sind sich darüber ei­nig, dass die Teil­nah­me auf ei­ge­nen Wunsch der Ar­beit­neh­me­rin im In­ter­es­se ih­rer be­ruf­li­chen Fort- und Wei­ter­bil­dung er­folgt und den In­ter­es­sen der Fir­ma ent­spricht.
Die Fir­ma stellt der Ar­beit­neh­me­rin die Lehr­gangs­kos­ten, be­ste­hend aus 3.100,00 € Lehr­gangs­gebühr und 260,00 € Prüfungs­gebühr zur Verfügung.
Die Fir­ma wird die Ar­beit­neh­me­rin für die Zeit der Aus­bil­dung frei­stel­len.
Der Aus­bil­dungs­plan ist An­la­ge des Ver­tra­ges.
Die Fir­ma wird die Ar­beit­neh­me­rin 50 % der Werk­ta­ge un­ter Fort­zah­lung der Bezüge frei­stel­len. Die an­de­ren 50 % der Aus­bil­dungs­ta­ge nimmt die Ar­beit­neh­me­rin Ur­laub.
Die Kos­ten zur Ver­pfle­gung, Un­ter­brin­gung und Fahrt-kos­ten wer­den von der Ar­beit­neh­me­rin ge­tra­gen.
Hat die Fir­ma die Be­zah­lung obi­ger Kos­ten über­nom­men, so ist die Ar­beit­neh­me­rin zur Rück­zah­lung der Bezüge und Lehr­gangs­kos­ten ver­pflich­tet, wenn sie das Ar­beits­verhält­nis kündigt oder wenn sie sei­tens der Fir­ma aus ei­nem von der Ar­beit­neh­me­rin zu ver­tre­ten­den Grund gekündigt wird.
Für je ei­nen Mo­nat der Beschäfti­gung nach En­de des Lehr­gan­ges wer­den 1/60 des ge­sam­ten Rück­zah­lungs­be­tra­ges er­las­sen.
Ge­gen­stand der Aus­bil­dung wa­ren Volks­wirt­schafts­leh­re, Be­triebs­wirt­schafts­leh­re, Per­so­nal­ma­nage­ment so­wie Recht. Die Ge­samt­aus­bil­dungs­dau­er be­trug 500 St­un­den zuzüglich der Prüfungs­stun­den. Die Be­klag­te stell­te die Kläge­rin für ins­ge­samt 32 Ta­ge von der Ar­beits­leis­tung frei und zahl­te das ver­ein­bar­te Ar­beits­ent­gelt fort. Da­bei rech­ne­te sie 16 Ta­ge auf den Jah­res­ur­laub an.
Am 26. No­vem­ber 2004 leg­te die Kläge­rin vor der Hand­werks­kam­mer H die Fort­bil­dungs­prüfung mit Er­folg ab. Da­durch er­lang­te die Kläge­rin den bun­des­weit an­er­kann­ten Ab­schluss Be­triebs­wir­tin (HWK). Er ver­mit­telt den Nach­weis von Führungs­kom­pe­tenz und be­triebs­wirt­schaft­li­cher Hand­lungs-wei­se. Außer­dem be­steht die Möglich­keit, un­ter An­rech­nung bis­he­ri­ger Leis­tun­gen ein fünf­s­e­mest­ri­ges kaufmänni­sches Fach­hoch­schul­stu­di­um mit dem Ab­schluss „Ba­che­lor of Arts (Un­ter­neh­mensführung)“ an der Fach­hoch­schu­le Z zu ab­sol­vie­ren, das in Ko­ope­ra­ti­on mit dem Eu­ropäischen In­sti­tut für post­gra­dua­le Bil­dung an der Tech­ni­schen Uni­ver­sität D statt­fin­det. Die Qua­li­fi­ka­ti­on der Kläge­rin war für ih­re Tätig­keit als As­sis­ten­tin der Geschäfts­lei­tung er­for­der­lich.
Die Kläge­rin kündig­te das Ar­beits­verhält­nis mit Schrei­ben vom 14. Ju­li 2006 zum 14. Au­gust 2006.
Mit ih­rer Wi­der­kla­ge hat die Be­klag­te die Rück­zah­lung an­tei­li­ger Fort­bil­dungs­kos­ten gel­tend ge­macht. Da­bei ist sie von ei­ner Er­stat­tung in Höhe von 39/60 der ent­stan­de­nen Kos­ten aus­ge­gan­gen und hat be­haup­tet, die­se hätten ins­ge­samt 4.427,76 Eu­ro be­tra­gen, nämlich 3.360,00 Eu­ro Lehr­gangs- und Prüfungs­kos­ten so­wie 1.067,76 Eu­ro Ent­gelt­fort­zah­lungs­kos­ten für 16 Ta­ge. Auf die­ser Ba­sis hat die Be­klag­te ei­nen Rück­zah­lungs­an­spruch von 2.878,20 Eu­ro er­rech­net, den sie in den Vor­in­stan­zen zuzüglich Zin­sen gel­tend ge­macht hat. Das Ar­beits­ge­richt hat die Wi­der­kla­ge ab­ge­wie­sen. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt hat die Be­ru­fung der Be­klag­ten zurück­ge­wie­sen.
Mit ih­rer Re­vi­si­on be­gehrt die Be­klag­te noch die Ver­ur­tei­lung der Kläge­rin auf Rück­zah­lung von 553,47 Eu­ro nebst Zin­sen. Zwar sei die Ver­ein­ba­rung ei­ner fünfjähri­gen Bin­dungs­dau­er un­wirk­sam, der Ver­trag sei aber mit ei­ner Bin­dungs­dau­er von 24 Mo­na­ten wei­ter an­zu­wen­den. Da­mit er­ge­be sich ein Rück­zah­lungs­an­spruch von 3/24 der Ge­samt­auf­wen­dun­gen für die Fort­bil­dung. Die Kläge­rin be­gehrt die Zurück­wei­sung der Re­vi­si­on.
Die Re­vi­si­on ist un­be­gründet, da der Be­klag­ten kein Rück­zah­lungs­an­spruch zu­steht, auch nicht in dem noch gel­ten­den ge­mach­ten ge­rin­ge­ren Um­fang. Die streit­be­fan­ge­ne Ver­ein­ba­rung un­ter­liegt der Kon­trol­le nach dem Recht der All­ge­mei­nen Geschäfts­be­din­gun­gen. Sie be­nach­tei­ligt die Kläge­rin un­an­ge­mes­sen. Die Re­ge­lung kann auch nicht teil­wei­se auf­recht­er­hal­ten oder ergänzend aus­ge­legt wer­den und da­durch zu Ansprüchen der Be­klag­ten führen.
1. Die Rück­zah­lungs­klau­sel, auf die sich die Be­klag­te be­ruft, ist an­hand des Rechts der All­ge­mei­nen Geschäfts­be­din­gun­gen zu über­prüfen.
Nach § 310 Abs. 3 Nr. 2 BGB un­ter­lie­gen Ver­brau­cher­verträge auch dann der AGB-Kon­trol­le, wenn sie nur zur ein­ma­li­gen Ver­wen­dung be­stimmt sind, so­weit der Ver­brau­cher auf­grund der Vor­for­mu­lie­rung auf ih­ren In­halt kei­nen Ein­fluss neh­men konn­te. Die­se Vor­aus­set­zun­gen lie­gen hier vor: Ar­beit­neh­mer - und da­mit auch die Kläge­rin - sind Ver­brau­cher iSv. § 13 BGB (BAG 25. Mai 2005 - 5 AZR 572/04 - zu V 1 b der Gründe und ständig, BA­GE 115, 19). Die Kläge­rin konn­te auf den In­halt der Ver­ein­ba­rung kei­nen Ein­fluss neh­men.
Die In­halts­kon­trol­le ist auch nicht nach § 307 Abs. 3 BGB aus­ge­schlos­sen. Da­nach un­ter­lie­gen der In­halts­kon­trol­le nur Be­stim­mun­gen in All­ge­mei­nen Geschäfts­be­din­gun­gen, mit de­nen von Rechts­vor­schrif­ten ab-wei­chen­de oder sie ergänzen­de Re­ge­lun­gen ver­ein­bart wer­den. Da­zu gehören auch Re­ge­lun­gen, die die Umstände des vom Ver­wen­der ge­mach­ten Haupt­leis­tungs­ver­spre­chens aus­ge­stal­ten (vgl. BAG 18. Ja­nu­ar 2006 - 7 AZR 191/05 - zu B I 5 a der Gründe mwN, AP BGB § 305 Nr. 8 = EzA BGB 2002 § 307 Nr. 13). Um ei­ne der­ar­ti­ge Re­ge­lung han­delt es sich hier: Die Be­klag­te hat fest­ge­legt, un­ter wel­chen Umständen die von ihr er­brach­te Leis­tung, nämlich die Fi­nan­zie­rung der Fort­bil­dung, der Kläge­rin ver­blei­ben soll­te.
2. Die Rück­zah­lungs­klau­sel be­nach­tei­ligt die Kläge­rin als Ver­trags­part­ner der Ver­wen­de­rin von All­ge­mei­nen Geschäfts­be­din­gun­gen, nämlich der Be­klag­ten, ent­ge­gen den Ge­bo­ten von Treu und Glau­ben un­an­ge­mes­sen (§ 307 Abs. 1 BGB).
a) Nach § 307 Abs. 1 Satz 1 BGB ist ei­ne for­mu­larmäßige Ver­trags­be­stim­mung un­an­ge­mes­sen, wenn der Ver­wen­der durch ein­sei­ti­ge Ver­trags­ge­stal­tung miss­bräuch­lich ei­ge­ne In­ter­es­sen auf Kos­ten sei­nes Ver­trags­part­ners durch­zu­set­zen ver­sucht, oh­ne von vorn­her­ein auch des­sen Be­lan­ge hin­rei­chend zu berück­sich­ti­gen und ihm ei­nen an­ge­mes­se­nen Aus­gleich zu gewähren. Die Fest­stel­lung ei­ner un­an­ge­mes­se­nen Be­nach­tei­li­gung setzt ei­ne wech­sel­sei­ti­ge Berück­sich­ti­gung und Be­wer­tung an­zu­er­ken­nen­der In­ter­es­sen der Ver­trags­part­ner vor­aus. Da­bei sind grund­recht­lich geschütz­te Po­si­tio­nen zu be­ach­ten. Grundsätz­lich ist ein ge­ne­rel­ler, ty­pi­sie­ren­der, vom Ein­zel­fall los­gelöster Maßstab an­zu­le­gen. Art und Ge­gen­stand, Zweck und be­son­de­re Ei­gen­ar­ten des je­wei­li­gen Geschäfts sind in die Be­ur­tei­lung ein­zu­be­zie­hen (vgl. BAG 18. März 2008 - 9 AZR 186/07 - zu A III 2 der Gründe, AP BGB § 310 Nr. 12 = EzA BGB 2002 § 307 Nr. 36). Al­ler­dings sind bei Ver­brau­cher­verträgen, wie hier ei­ner vor­liegt, im Rah­men der Be­ur­tei­lung der un­an­ge­mes­se­nen Be­nach­tei­li­gung auch die den Ver­trags­schluss be­glei­ten­den Umstände zu berück­sich­ti­gen (§ 310 Abs. 3 Nr. 3 BGB). Da­zu gehören ins­be­son­de­re persönli­che Ei­gen­schaf­ten des in­di­vi­du­el­len Ver­trags­part­ners, die sich auf die Ver­hand­lungsstärke aus­wir­ken, Be­son­der­hei­ten der kon­kre­ten Ver­trags­ab­schluss­si­tua­ti­on und ty­pi­sche Son­der­in­ter­es­sen der Ver­trags­part­ner (vgl. BAG 31. Au­gust 2005 - 5 AZR 545/04 - zu II 3 c der Gründe, BA­GE 115, 372).
b) Bei Zu­grun­de­le­gung die­ser Maßstäbe er­gibt sich, dass die von der Be­klag­ten ver­wen­de­te Rück­zah­lungs­klau­sel die Kläge­rin un­an­ge­mes­sen be­nach­tei­ligt.
Be­reits be­vor mit dem Ge­setz zur Mo­der­ni­sie­rung des Schuld­rechts (vom 26. No­vem­ber 2001, BGBl. I S. 3138) mit Wir­kung zum 1. Ja­nu­ar 2002 das Recht der All­ge­mei­nen Geschäfts­be­din­gun­gen auf Verträge auf dem
Ge­biet des Ar­beits­rechts er­streckt wur­de (§ 310 Abs. 4 BGB; früher: Be­reichs­aus­nah­me nach § 23 Abs. 1 AGB-Ge­setz), nahm die Recht­spre­chung ei­ne In­halts­kon­trol­le von Rück­zah­lungs­klau­seln an­hand der §§ 138, 242, 315 BGB vor. Die auf die­ser Grund­la­ge ent­wi­ckel­ten Kri­te­ri­en sind auch im Rah­men der Prüfung nach § 307 Abs. 1 BGB her­an­zu­zie­hen (vgl. BAG 23. Ja­nu­ar 2007 - 9 AZR 482/06 - zu II 2 der Gründe, AP BGB § 611 Aus­bil­dungs­bei­hil­fe Nr. 38 = EzA BGB 2002 § 307 Nr. 19; 11. April 2006 - 9 AZR 610/05 - zu A II 3 a der Gründe, BA­GE 118, 36).
Da­nach sind ein­zel­ver­trag­li­che Ver­ein­ba­run­gen grundsätz­lich zulässig, nach de­nen sich ein Ar­beit­neh­mer an den Kos­ten ei­ner vom Ar­beit­ge­ber fi­nan­zier­ten Aus­bil­dung zu be­tei­li­gen hat, so­weit er vor Ab­lauf be­stimm­ter Fris­ten aus dem Ar­beits­verhält­nis aus­schei­det. Je­doch können der­ar­ti­ge Zah­lungs­ver­pflich­tun­gen, die an ei­ne vom Ar­beit­neh­mer zu ver­ant­wor­ten­de Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses an­knüpfen, ge­gen Treu und Glau­ben ver­s­toßen. Das ist an­hand ei­ner Güter­abwägung nach Maßga­be des Verhält­nismäßig­keits­grund­sat­zes un­ter Her­an­zie­hung al­ler Umstände des Ein­zel­falls zu er­mit­teln. Da­bei ist das In­ter­es­se des Ar­beit­ge­bers, die vom Ar­beit­neh­mer er­wor­be­ne Qua­li­fi­ka­ti­on möglichst lang­fris­tig zu nut­zen, ei­ner­seits, mit dem In­ter­es­se des Ar­beit­neh­mers, durch die Aus­bil­dung die ei­ge­nen Ar­beits­markt­chan­cen zu ver­bes­sern und sich ge­genüber dem Ar­beit­ge­ber nur in ei­nem sol­chen Um­fan­ge zu bin­den, wie das im Verhält­nis zu des­sen Auf­wen­dun­gen an­ge­mes­sen ist, an­de­rer­seits ins Verhält­nis zu set­zen (vgl. zum Gan­zen: BAG 24. Ju­ni 2004 - 6 AZR 383/03 - zu B II 2 der Gründe, BA­GE 111, 157; 19. Fe­bru­ar 2004 - 6 AZR 552/02 - zu 2 a aa der Gründe, BA­GE 109, 345; 5. De­zem­ber 2002 - 6 AZR 539/01 - zu 2 der Gründe, BA­GE 104, 125).
Ei­ne Rück­zah­lungs­klau­sel war und ist da­nach nur möglich, wenn die Aus- und Fort­bil­dungs­maßnah­me für den Ar­beit­neh­mer von geld­wer­tem Vor­teil ist, sei es, dass bei sei­nem bis­he­ri­gen Ar­beit­ge­ber die Vor­aus­set­zun­gen ei­ner höhe­ren Vergütung erfüllt sind oder dass sich die er­wor­be­nen Kennt­nis­se auch an­der­wei­tig nutz­bar ma­chen las­sen. Außer­dem müssen die Vor­tei­le der Aus­bil­dung und die Dau­er der Bin­dung in ei­nem an­ge­mes­se­nen Verhält­nis zu­ein­an­der ste­hen. Das ist in ers­ter Li­nie nach der Dau­er der Aus- oder Fort-
bil­dungs­maßnah­me, aber auch an­hand der Qua­lität der er­wor­be­nen Qua­li­fi­ka­tio­nen zu be­ur­tei­len. Grundsätz­lich gilt da­bei Fol­gen­des: Bei ei­ner Fort­bil­dungs­dau­er von bis zu ei­nem Mo­nat oh­ne Ver­pflich­tung zur Ar­beits­leis­tung un­ter Fort­zah­lung der Bezüge ist ei­ne Bin­dungs­dau­er bis zu sechs Mo­na­ten zulässig, bei ei­ner Fort­bil­dungs­dau­er von bis zu zwei Mo­na­ten ei­ne einjähri­ge Bin­dung, bei ei­ner Fort­bil­dungs­dau­er von drei bis vier Mo­na­ten ei­ne zweijähri­ge Bin­dung, bei ei­ner Fort­bil­dungs­dau­er von sechs Mo­na­ten bis zu ei­nem Jahr kei­ne länge­re Bin­dung als drei Jah­re und bei ei­ner mehr als zweijähri­gen Dau­er ei­ne Bin­dung von fünf Jah­ren. Ab­wei­chun­gen da­von sind je­doch möglich. Ei­ne verhält­nismäßig lan­ge Bin­dung kann auch bei kürze­rer Aus­bil­dung ge­recht­fer­tigt sein, wenn der Ar­beit­ge­ber ganz er­heb­li­che Mit­tel auf­wen­det oder die Teil­nah­me an der Fort­bil­dung dem Ar­beit­neh­mer über­durch­schnitt­lich große Vor­tei­le bringt. Es geht nicht um rech­ne­ri­sche Ge­setzmäßig­kei­ten, son­dern um richter­recht­lich ent­wi­ckel­te Re­gel­wer­te, die ein­zel­fall­be­zo­ge­nen Ab­wei­chun­gen zugäng­lich sind (vgl. ins­ge­samt da­zu: BAG 19. Ju­ni 1974 - 5 AZR 299/73 - zu I 1 a der Gründe, AP BGB § 611 Aus­bil­dungs­bei­hil­fe Nr. 1; 12. De­zem­ber 1979 - 5 AZR 1056/77 - zu II 2 der Gründe, AP BGB § 611 Aus­bil­dungs­bei­hil­fe Nr. 4 = EzA BGB § 611 Aus­bil­dungs­bei­hil­fe Nr. 1; 23. Fe­bru­ar 1983 - 5 AZR 531/80 - zu II und III der Gründe, BA­GE 42, 49; 11. April 1984 - 5 AZR 430/82 - zu II 3 der Gründe, AP BGB § 611 Aus­bil­dungs­bei­hil­fe Nr. 8 = EzA BGB § 611 Aus­bil­dungs­bei­hil­fe Nr. 4; 23. April 1986 - 5 AZR 159/85 - AP BGB § 611 Aus­bil­dungs­bei­hil­fe Nr. 10 = EzA BGB § 611 Aus­bil­dungs­bei­hil­fe Nr. 5; 15. De­zem­ber 1993 - 5 AZR 279/93 - zu B II 2 b der Gründe, BA­GE 75, 215; 6. Sep­tem­ber 1995 - 5 AZR 241/94 - AP BGB § 611 Aus­bil­dungs­bei­hil­fe Nr. 23 = EzA BGB § 611 Aus­bil­dungs­bei­hil­fe Nr. 14; 21. No­vem­ber 2001 - 5 AZR 158/00 - zu I 2 b bb der Gründe, BA­GE 100, 13; 21. Ju­li 2005 - 6 AZR 452/04 - zu 2 und 3 b der Gründe, AP BGB § 611 Aus­bil­dungs­bei­hil­fe Nr. 37 = EzA BGB 2002 § 611 Aus­bil­dungs­bei­hil­fe Nr. 8).
c) Zu Recht hat das Lan­des­ar­beits­ge­richt an­ge­nom­men, dass die von der Be­klag­ten ver­wen­de­te fünfjähri­ge Bin­dungs­klau­sel da­nach un­an­ge­mes­sen ist.
Al­ler­dings hat die Kläge­rin ei­nen for­ma­li­sier­ten Ab­schluss er­wor­ben, der ihr er­heb­li­che zusätz­li­che Kennt­nis­se be­schei­nigt und da­durch ih­re Chan­cen auf dem Ar­beits­markt erhöht. Grundsätz­lich be­ste­hen des­halb kei­ne Be­den­ken da­ge­gen, dass die Be­klag­te be­rech­tigt war, die Kläge­rin an den Kos­ten der Aus­bil­dung dann, wenn sie von sich aus aus dem Ar­beits­verhält­nis aus­schei­det, zu be­tei­li­gen. Un­an­ge­mes­sen lang war je­doch die von der Be­klag­ten in die ver­trag­li­che Ver­ein­ba­rung auf­ge­nom­me­ne Bin­dungs­dau­er. Die von der Kläge­rin durch­lau­fe­ne Aus­bil­dung um­fass­te 500 St­un­den, al­so un­gefähr die Ar­beits­zeit von drei Mo­na­ten. Da­bei ist zu berück­sich­ti­gen, dass 16 Ur­laubs­ta­ge an­ge­rech­net wur­den. Un­ter Berück­sich­ti­gung der über­nom­me­nen Lehr­gangs- und Prüfungs­kos­ten ent­spra­chen die ge­leis­te­ten Zah­lun­gen et­wa drei Brut­to­mo­nats­ent­gel­ten der Kläge­rin. Die Ge­samt­kos­ten von 4.427,76 Eu­ro stell­ten auch dann kei­nen be­son­ders er­heb­li­chen Auf­wand dar, wenn ent­ge­gen der An­sicht des Lan­des­ar­beits­ge­richts in die Be­ur­tei­lung ein­zu­be­zie­hen war, dass es sich bei der Be­klag­ten um ein mit­telständi­sches Un­ter­neh­men han­delt. Auch für mit­telständi­sche Un­ter­neh­men stellt ein Be­trag von deut­lich we­ni­ger als 5.000,00 Eu­ro kei­ne außer­gewöhn­li­che Be­las­tung dar. An­ge­sichts des­sen kommt im vor­lie­gen­den Fall al­len­falls ei­ne zulässi­ge Bin­dung von zwei, nicht je­doch von fünf Jah­ren in Be­tracht.
3. Ent­ge­gen der An­sicht der Be­klag­ten ist die von ihr ver­wen­de­te Klau­sel auch nicht mit der - mögli­cher­wei­se - zulässi­gen Bin­dungs­dau­er von zwei Jah­ren auf­recht­zu­er­hal­ten.
a) Nach dem Recht der All­ge­mei­nen Geschäfts­be­din­gun­gen sind un­wirk­sa­me Klau­seln grundsätz­lich nicht auf ei­nen da­mit zu ver­ein­ba­ren­den Re­ge­lungs­ge­halt zurück­zuführen. § 306 BGB gibt ei­ne sol­che Rechts­fol­ge nicht vor. Ei­ne Auf­recht­er­hal­tung mit ein­ge­schränk­tem In­halt wäre auch nicht mit dem Zweck der §§ 305 ff. BGB ver­ein­bar. Es ist Ziel des Ge­set­zes, auf ei­nen an­ge­mes­se­nen In­halt der in der Pra­xis ver­wen­de­ten All­ge­mei­nen Geschäfts­be­din­gun­gen hin­zu­wir­ken. Dem Ver­trags­part­ner des Ver­wen­ders soll die Möglich­keit sach­ge­rech­ter In­for­ma­ti­on über die ihm aus dem vor­for­mu­lier­ten Ver­trag er­wach­sen­den Rech­te und Pflich­ten ver­schafft wer­den. Die­ses Ziel ist
je­doch nicht zu er­rei­chen, wenn je­der Ver­wen­der von All­ge­mei­nen Geschäfts­be­din­gun­gen zunächst die Gren­ze des­sen über­schrei­ten könn­te, was er zu sei­nen Guns­ten in ge­ra­de noch ver­tret­ba­rer Wei­se ver­ein­ba­ren dürf­te. Würde dies als zulässig an­ge­se­hen, hätte das zur Fol­ge, dass die Ver­trags­part­ner des Ver­wen­ders in der Ver­trags­pra­xis mit über­zo­ge­nen Klau­seln kon­fron­tiert würden. Erst in ei­nem Pro­zess könn­ten sie dann den Um­fang ih­rer Rech­te und Pflich­ten zu­verlässig er­fah­ren. Das Trans­pa­renz­ge­bot des § 307 Abs. 1 Satz 2 BGB lie­fe weit­ge­hend leer (vgl. BAG 19. De­zem­ber 2006 - 9 AZR 294/06 - zu II 2 f der Gründe mwN, AP BGB § 611 Sach­bezüge Nr. 21 = EzA BGB 2002 § 307 Nr. 17).
Ei­ne Tei­lung von Ver­trags­klau­seln in ei­nen zulässi­gen und ei­nen un­zulässi­gen Teil kommt des­halb nur in Be­tracht, wenn Tei­le ei­ner Klau­sel sprach­lich und in­halt­lich ein­deu­tig ab­trenn­bar sind. In ei­nem sol­chen Fall wird nicht ei­ne zu weit­ge­hen­de Klau­sel neu ge­fasst, viel­mehr wird ei­ne teil­ba­re Klau­sel oh­ne ih­ren un­wirk­sa­men Be­stand­teil in ih­rem zulässi­gen In­halt auf­recht­er­hal­ten. Ge­gen­stand der In­halts­kon­trol­le sind dann je­weils ver­schie­de­ne, je­doch for­mal ver­bun­de­ne AGB-Be­stim­mun­gen. Die Zer­le­gung ei­ner ih­rem Wort­laut nach ein­deu­tig ein­heit­li­chen Re­ge­lung in meh­re­re selbständi­ge Re­ge­lun­gen ist da­ge­gen nicht zulässig (vgl. BAG 19. De­zem­ber 2006 - 9 AZR 294/06 - zu II 2 g der Gründe, aaO).
Im vor­lie­gen­den Fal­le ist da­nach die von der Be­klag­ten ver­wen­de­te Rück­zah­lungs­klau­sel als Gan­zes zu be­wer­ten, da sie ei­ne in­halt­li­che und sprach­li­che Ein­heit dar­stellt: Es soll ei­ne Bin­dung von fünf Jah­ren her­bei­geführt wer­den, wo­bei ei­ne teil­wei­se An­rech­nung von tatsäch­li­cher Beschäfti­gungs­zeit er­fol­gen soll. Die un­an­ge­mes­sen lan­ge Bin­dung führt des­halb zur Un­wirk­sam­keit der Klau­sel ins­ge­samt.
b) Eben­so schei­det ei­ne an die Un­wirk­sam­keit an­knüpfen­de ergänzen­de Ver­trags­aus­le­gung aus.
Ei­ne ergänzen­de Ver­trags­aus­le­gung ist nicht schon des­halb ge­bo­ten, weil es kei­ne ge­setz­li­chen Vor­schrif­ten gibt, auf die hier hin­sicht­lich des un­wirk­sa­men Be­stand­teils der All­ge­mei­nen Geschäfts­be­din­gun­gen nach § 306 Abs. 2
BGB zurück­ge­grif­fen wer­den kann. Würde in der­ar­ti­gen Fällen im­mer ei­ne ergänzen­de Ver­trags­aus­le­gung vor­ge­nom­men, wäre das Ri­si­ko der Ver­wen­dung un­wirk­sa­mer Klau­seln ent­ge­gen dem Zweck der ge­setz­li­chen Re­ge­lung vom Ver­wen­der weg ver­la­gert. Dar­an ändert sich auch nicht des­halb et­was, weil das Er­geb­nis ei­ner ergänzen­den Ver­trags­aus­le­gung idR nicht die Auf­recht­er­hal­tung ei­ner Ver­ein­ba­rung mit ei­ner Re­ge­lung ge­ra­de noch wirk­sa­men In­halts, son­dern die ins­ge­samt nach den Umständen an­ge­mes­se­ne Re­ge­lung wäre (vgl. BAG 11. April 2006 - 9 AZR 610/05 - zu A II 7 der Gründe, BA­GE 118, 36).
Ei­ne ergänzen­de Ver­trags­aus­le­gung kommt al­ler­dings un­ter den Umständen in Be­tracht, in de­nen das Ge­setz oh­ne­hin vor­sieht, dass ein Ver­s­toß ge­gen die Schutz­vor­schrif­ten des Rechts der All­ge­mei­nen Geschäfts­be­din­gun­gen aus­nahms­wei­se Aus­wir­kun­gen auf den Be­stand des Ver­tra­ges hat, al­so dann, wenn das Fest­hal­ten an ihm für ei­ne Ver­trags­par­tei ei­ne un-zu­mut­ba­re Härte dar­stel­len würde (§ 306 Abs. 3 BGB; BAG 19. De­zem­ber 2006 - 9 AZR 294/06 - zu II 2 i der Gründe, AP BGB § 611 Sach­bezüge Nr. 21 = EzA BGB 2002 § 307 Nr. 17; An­nuß BB 2006, 1333, 1338). In die­sen Fällen er­gibt sich aus der ge­setz­li­chen Wer­tung, dass es nicht bei der bloßen Un­wirk­sam­keit ei­ner Klau­sel ver­blei­ben kann.
Auch un­ter die­sem Ge­sichts­punkt recht­fer­tigt je­doch nicht je­de Ver­schie­bung der Ge­wich­te zu Las­ten des Ver­wen­ders die An­nah­me ei­ner un­zu­mut­ba­ren Härte und da­mit ei­ner ergänzungs­bedürf­ti­gen Lücke. Ent­schei­dend ist, ob die er­satz­lo­se Strei­chung der un­wirk­sa­men Klau­sel ei­ne an­ge­mes­se­ne, den ty­pi­schen In­ter­es­sen des AGB-Ver­wen­ders und sei­nes Ver­trags­part­ners Rech­nung tra­gen­de Lösung bie­tet (vgl. BAG 11. April 2006 - 9 AZR 610/05 - zu II 7 der Gründe, BA­GE 118, 36). Eben­so wie auch sonst bei der An­wen­dung des Rechts der All­ge­mei­nen Geschäfts­be­din­gun­gen auf ar­beits­ver­trag­li­che Ver­ein­ba­run­gen sind da­bei die im Ar­beits­recht gel­ten­den Be­son­der­hei­ten an­ge­mes­sen zu berück­sich­ti­gen (§ 310 Abs. 4 Satz 2 BGB). Maßgeb­lich sind in­so­weit nicht nur recht­li­che, son­dern auch tatsächli­che Be­son­der­hei­ten des Ar­beits­le­bens; denn es geht um die Be­ach­tung der dem Ar­beits­recht in­ne-
woh­nen­den Be­son­der­hei­ten (vgl. BAG 25. Mai 2005 - 5 AZR 572/04 - zu IV 5 der Gründe, BA­GE 115, 19).
Zu­min­dest un­ter Berück­sich­ti­gung die­ser Be­son­der­hei­ten kommt bei ei­ner mit ei­ner Rück­zah­lungs­ver­pflich­tung für Fort­bil­dungs­kos­ten ver­bun­de­nen zu lan­gen Bin­dungs­dau­er ei­ne ergänzen­de Ver­trags­aus­le­gung in Be­tracht. Zu Recht ver­weist die Re­vi­si­on in­so­fern auf die für den Ar­beit­ge­ber in die­sem Zu­sam­men­hang be­ste­hen­den Schwie­rig­kei­ten. Zwar sind die Kri­te­ri­en, nach de­nen die Zulässig­keit von Bin­dungs­klau­seln be­ur­teilt wird, in ih­ren Grund­struk­tu­ren fest­ge­legt. In Ein­z­elfällen sind je­doch Ab­wei­chun­gen möglich, et­wa wenn die Fort­bil­dung dem Ar­beit­neh­mer un­gewöhn­lich große Vor­tei­le bringt oder der Ar­beit­ge­ber gar er­heb­li­che Mit­tel auf­wen­det. Es ist al­so für den Ar­beit­ge­ber nicht im­mer vor­aus­seh­bar, wel­che Bin­dungs­dau­er an­ge­mes­sen ist. Er trägt da­mit ein Pro­gno­se­ri­si­ko. Die­ses Pro­gno­se­ri­si­ko ver­rin­gert sich auch nicht da­durch, dass grundsätz­lich ei­ne ty­pi­sier­te Be­trach­tungs­wei­se bei der Be­ur­tei­lung der An­ge­mes­sen­heit von Rück­zah­lungs­klau­seln an­ge­bracht ist. Denn je­den­falls ist im­mer im Ein­zel­fall zu über­prüfen, ob ein der­ar­ti­ger Aus­nah­me­fall vor­liegt. Ge­nau dar­in liegt die Be­son­der­heit der vor­lie­gen­den Fall­ge­stal­tung ge­genüber sons­ti­gen Fällen der In­halts­kon­trol­le von Verträgen. Es wäre un­an­ge­mes­sen und würde den In­ter­es­sen bei­der Par­tei­en nicht ge­recht, das sich dar­aus er­ge­ben­de Pro­gno­se­ri­si­ko dem Ar­beit­ge­ber auf­zu­er­le­gen, wenn es für ihn ob­jek­tiv schwie­rig war, die zulässi­ge Bin­dungs­dau­er zu be­stim­men.
Wenn und so­weit sich die­ses Pro­gno­se­ri­si­ko im Ein­zel­fall ver­wirk­licht, ist es für den Ar­beit­ge­ber ei­ne un­zu­mut­ba­re Härte, an sei­ner Ver­pflich­tung zur Tra­gung der Aus­bil­dungs­kos­ten fest­ge­hal­ten zu wer­den, oh­ne den Ar­beit­neh­mer an­ge­mes­sen bin­den zu können. Des­halb ist in die­sem Fall durch ergänzen­de Ver­trags­aus­le­gung fest­zu­stel­len, was die Ver­trags­par­tei­en ver­ein­bart hätten, wenn ih­nen die sich aus § 306 Abs. 1 BGB er­ge­ben­de Un­wirk­sam­keit der Klau­sel be­kannt ge­we­sen wäre (vgl. BAG 11. April 2006 - 9 AZR 610/05 - zu A II 7 der Gründe, BA­GE 118, 36). Da­bei kommt es zwar nicht auf das ge­ra­de noch Zulässi­ge an, son­dern auf ei­nen bei­den Sei­ten so­weit wie möglich ge­recht wer­den­den Aus­gleich (vgl. BAG 19. De­zem­ber 2006 - 9 AZR 294/06 - zu II 2 i der Gründe, AP BGB § 611 Sach­bezüge Nr. 21 = EzA BGB
2002 § 307 Nr. 17). Im Hin­blick auf die zulässi­ge Bin­dungs­dau­er wird aber man­gels be­son­de­rer An­halts­punk­te das ei­nen an­ge­mes­se­nen Aus­gleich dar-stel­len, was nach der Recht­spre­chung zulässig ist.
Die Vor­aus­set­zun­gen ei­ner ergänzen­den Ver­trags­aus­le­gung lie­gen hier auch un­ter Berück­sich­ti­gung der Be­son­der­hei­ten der vor­lie­gen­den Fall­ge­stal­tung nicht vor. Nicht das Pro­gno­se­ri­si­ko des Ar­beit­ge­bers im Hin­blick auf die Schwie­rig­kei­ten, ein­zel­ne Aus- und Fort­bil­dungs­maßnah­men zu be­wer­ten, hat sich ver­wirk­licht, son­dern die Be­klag­te hat ei­ne ex­trem lan­ge Bin­dungs­dau­er ver­ein­bart, hin­sicht­lich de­rer ei­ne Wirk­sam­keit er­sicht­lich nicht in Be­tracht kam.
Ober­ho­fer
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