Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Gericht=BVerfG&Datum=19.07.2007&Aktenzeichen=1%20BvR%20650/03
Timestamp: 2019-05-26 08:37:17
Document Index: 133494787

Matched Legal Cases: ['§ 7', 'Art. 124', '§ 7', '§ 912', 'Art. 124', '§ 7', '§ 7', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 912', '§ 19', '§ 19', '§ 912', '§ 19', '§ 912', '§ 19', 'Art. 124', '§ 19', '§ 7', '§ 7', '§ 23', '§ 10', '§ 16', '§ 912', '§ 7', '§ 543']

BVerfG, 19.07.2007 - 1 BvR 650/03 - dejure.org
https://dejure.org/2007,2840
BVerfG, 19.07.2007 - 1 BvR 650/03 (https://dejure.org/2007,2840)
BVerfG, Entscheidung vom 19.07.2007 - 1 BvR 650/03 (https://dejure.org/2007,2840)
BVerfG, Entscheidung vom 19. Juli 2007 - 1 BvR 650/03 (https://dejure.org/2007,2840)
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Verletzung des Anspruchs auf effektiven Rechtsschutz durch Nichtzulassung der Revision im Zivilprozess trotz grundsätzlicher Bedeutung - Zur Zulässigkeit landesrechtlicher Regelungen bzgl der Duldung eines Überbaus
Pflicht des Grundstückseigentümers zur Duldung eines aus einer Giebelverschalung und einem Dachabschluss bestehenden Überbaus; Hinnahme von untergeordneten Bauteilen als Überbau; Verfassungswidrigkeit von § 7b Abs. 1 S. 1 Gesetz über das Nachbarrecht des Landes Baden-Württemberg (NRG,BW) wegen fehlender Gesetzgebungskompetenz des Landes; Gestaltungsspielraum des Landesgesetzgebers bei der Bestimmung von Inhalt und Schranken des Eigentums; Auslegung des nachbarrechtlichen Regelungsvorbehalts für den Landesgesetzgeber in Art. 124 S. 1 Einführungsgesetz zum Bürgerlichen Gesetzbuch (EGBGB)
NRG BW § 7b Abs. 1 Satz 1; BGB § 912; EGBGB Art. 124 Satz 1
Verfassungsmäßigkeit des die Duldung von Überbau untergeordneter Bauteile regelnden § 7b Abs. 1 Satz 1 NRG BW
Nachbarrecht - Müssen übergreifende Bauteile geduldet werden?
Duldungspflicht für Überbau in Nachbargesetzen verfassungsgemäß! (IMR 2008, 91)
Kurznachricht zu "Anmerkung zum Beschluss des BVerfG vom 19.07.2007, Az.: 1 BvR 650/03 (Verfassungsmäßigkeit des die Duldung von Überbau untergeordneter Bauteile regelnden § 7b Abs.1 Satz 1 NRG BW)" von Notar Prof. Dr. Dr. Herbert Grziwotz, original erschienen in: ZfIR 2008, 112.
Zusammenfassung von "Besprechung des Beschlusses des BVerfG v. 19.7.2007 - 1 BvR 650/03 (Landesnachbarrecht und Nichtzulassungsbeschwerde)" von RiBGH a. D. Walter Dehner, original erschienen in: NVwZ 2009, 369 - 372.
AG Ulm, 29.08.2001 - 1 C 1445/01
LG Ulm, 13.11.2002 - 1 S 209/01
AG Ulm, 25.11.2002 - 1 C 1445/01
BGH, 20.02.2003 - V ZR 416/02
BGH, 06.03.2003 - V ZR 416/02
BGH, 30.04.2003 - V ZR 416/02
BGH, 11.12.2003 - V ZR 416/02
AG Ulm, 19.05.2004 - 1 C 1445/01
AG Ulm, 29.06.2004 - 1 C 1445/01
LG Ulm, 31.10.2005 - 1 T 55/04
AG Ulm, 06.12.2005 - 1 C 1445/01
BVerfGK 11, 420
NJW-RR 2008, 26
NVwZ 2009, 390 (Ls.)
Er wird von der Regelung betreffend den Überbau nach §§ 912 ff. BGB (OLG Frankfurt/Main, Urteil vom 08.06.2006, Az.: 3 U 143/05, u. a. in: OLG-Report 2006, Seiten 860 f.) und durch die §§ 19 und 19a BbgNRG (vgl. analog: BVerfG, Beschluss vom 19.07.2007, Az.: 1 BvR 650/03, u. a. in: NJW-RR 2008, Seiten 26 ff.; OLG Frankfurt/Main, Urteil vom 26.09.2012, Az.: 19 U 110/12, u. a. in: NJW 2012, Seiten 3729 ff.; AG Brandenburg an der Havel, Urteil vom 19.05.2009, Az.: 34 C 77/08, u. a. in: beckonline, BeckRS 2009, Nr.: 14511) durchbrochen.
Maßgebend ist somit, ob ein bestimmter Sachverhalt tatsächlich umfassend und lückenlos geregelt ist oder nach dem aus Gesetzgebungsgeschichte und Materialien ablesbaren objektivierten Willen des Gesetzgebers abschließend geregelt werden sollte (BVerfG, Beschluss vom 19.07.2007, Az.: 1 BvR 650/03, u. a. in: NJW-RR 2008, Seiten 26 ff.; BVerfG, BVerfGE 102, Seiten 99 ff.; VerfG Brandenburg, Beschluss vom 11.12.2015, Az.: VfGBbg 42/14, u. a. in: BeckRS 2015, Nr.: 5654; Dehner, NVwZ 2009, Seiten 369 f.).
Raum bleibt den Ländern im Übrigen selbst bei umfassender Regelung der Materie durch den Bund nach Maßgabe der im Bundesgesetz vorgesehenen Regelungsvorbehalte zugunsten des Landesgesetzgebers (BVerfG, Beschluss vom 19.07.2007, Az.: 1 BvR 650/03, u. a. in: NJW-RR 2008, Seiten 26 ff.; BVerfG, BVerfGE 83, Seiten 24; BVerfG, BVerfGE 35, Seiten 65 ff.), im Bereich des bürgerlichen Rechts also derjenigen des Einführungsgesetzes zum Bürgerlichen Gesetzbuch (BVerfG, Beschluss vom 19.07.2007, Az.: 1 BvR 650/03, u. a. in: NJW-RR 2008, Seiten 26 ff.; BVerfG, BVerfGE 78, Seiten 132 ff.).
Gemessen an diesen Grundsätzen kann hier aber gerade nicht festgestellt werden, dass der Landesgesetzgeber des Landes Brandenburg mit den §§ 19 und 19a BbgNRG - welche den Übergriff in den Luftraum bzw. den Überbau unter den dort genannten Voraussetzungen weitergehend als in § 912 BGB vorgesehen zulassen - außerhalb seiner Gesetzgebungskompetenz gehandelt hat (BVerfG, Beschluss vom 19.07.2007, Az.: 1 BvR 650/03, u. a. in: NJW-RR 2008, Seiten 26 ff.).
Mit Rücksicht darauf, dass die §§ 19 und 19a BbgNRG nur die privatrechtlichen Folgen des Überbaus auf der Grundlage einer nach öffentlichem Baurecht zulässigen Grenzbebauung regelt, wohingegen § 912 Abs. 1 BGB den Überbau im Allgemeinen betrifft, können diese Normen durchaus verschiedene Regelungsgegenstände gesehen und die §§ 19 und 19a BbgNRG so als "andere Beschränkung" im Sinne des Art. 124 Satz 1 EGBGB verstanden werden (BVerfG, Beschluss vom 19.07.2007, Az.: 1 BvR 650/03, u. a. in: NJW-RR 2008, Seiten 26 ff.).
Verfassungsrechtliche Bedenken dagegen, dass der Landesgesetzgeber den ihm bei der Bestimmung von Inhalt und Schranken des Eigentums zustehenden Gestaltungsspielraum mit der Regelung in den §§ 19 und 19a BbgNRG überschritten, insbesondere die Interessen des Grundstückseigentümers unverhältnismäßig eingeschränkt haben könnte, sind mit Rücksicht auf die differenzierten Vorgaben zu dessen Duldungspflicht in diesen Vorschriften und vor allem auch zu deren inhaltlicher und zeitlicher Begrenzung (solange die Benutzung seines Grundstücks nicht oder nur unwesentlich beeinträchtigt wird) nicht erkennbar (BVerfG, Beschluss vom 19.07.2007, Az.: 1 BvR 650/03, u. a. in: NJW-RR 2008, Seiten 26 ff.).
Das Bundesverfassungsgericht hat die Frage offengelassen (BVerfGK 11, 420, 431 f. zu § 7b NRG BW).
In materieller Hinsicht ist zweifelhaft, ob der Berliner Landesgesetzgeber die grundrechtlich geschützten Interessen des von dem Überbau betroffenen Nachbarn ausreichend berücksichtigt hat; Einschränkungen der Duldungspflicht, wie sie etwa § 7c NRG BW, § 23a NachbG NRW oder § 10a NachbG HE enthalten, sind in § 16a NachBG Bln nämlich nicht aufgenommen worden (…vgl. MüKoBGB/Brückner, 7. Aufl., § 912 Rn. 49; siehe auch BVerfGK 11, 420, 430 zu § 7 b NRG BW).
Hat der Bundesgerichtshof eine Rechtsfrage bereits geklärt, kann sich weiterer Klärungsbedarf ergeben, wenn neue Argumente ins Feld geführt werden können, die den Bundesgerichtshof zu einer Überprüfung seiner Auffassung veranlassen könnten (vgl. BVerfGK 11, 420 ;… BVerfG, Beschluss der 2. Kammer des Ersten Senats vom 27. Mai 2010 - 1 BvR 2643/07 -, FamRZ 2010, S. 1235 ;… Beschluss der 3. Kammer des Ersten Senats vom 29. September 2010 - 1 BvR 2649/06 -, juris, Rn. 29;… Beschluss der 3. Kammer des Ersten Senats vom 28. April 2011 - 1 BvR 3007/07 -, NJW 2011, S. 2276 ).
Klärungsbedürftig sind dabei solche Rechtsfragen, deren Beantwortung zweifelhaft ist oder zu denen unterschiedliche Auffassungen vertreten werden und die noch nicht oder nicht hinreichend höchstrichterlich geklärt sind (vgl. BVerfG, Beschluss vom 19.07.2007 - 1 BvR 650/03, NJW-RR 2008, 26, 29; Beschluss vom 27.05.2010 - 1 BvR 2643/07, FamRZ 2010, 1235, 1236;… Heßler, in: Zöller, Zivilprozessordnung, 29. Aufl. 2012, § 543 Rdnr. 11).