Source: http://www.uni-protokolle.de/foren/viewt/61436,0.html
Timestamp: 2020-01-24 16:55:29
Document Index: 260316449

Matched Legal Cases: ['§226', '§226', '§226', '§226', '§ 226', '§11', '§253', '§ 224']

Verfasst am: 24 März 2006 - 10:18:38 Titel: Kurze Frage zum Thema "versuchte schwere Körperverletzu
in meiner Hausarbeit rammt C dem B von hinten einer Messer in den Rücken. Ich möchte nun prüfen, ob C wegen versuchter schwerer Körperverletzung strafbar ist (nicht Vollendung, da B durch eine Not-Op nicht gelähmt bleibt). Bezüglich des VOrsatzes steht nichts im Sachverhalt, also ob C nachhaltige Verletzungen wollte. Kann ich den Versuch bejahen, wenn ich sage, dass wenn man jemandem ein Messer in den Rücken sticht, man davon ausgehen muss, dass es zu einer Lähmungen kommen kann und dass daher C mit dolus eventualis handelte?? Oder muss oich die Versuchsprüfung abbrechen, weil dazu nix im Sachverhalt steht???
Verfasst am: 24 März 2006 - 22:51:18 Titel:
eine versuchte vorsätzliche schwere Körperverletzung, §226 I, II StGB musst Du mangels anderer Angaben im Sachverhalt wohl verneinen. insbesondere da für eine strafbarkeit wegen versuchter vorsätzlicher schwerer körperverletzung min. direkter vorsatz erforderlich ist, §226 II
ich weiß nicht wie umfangreich der fall ist. u.U. müsstest Du, da es sich bei §226 um ein sog. erfolgsqualifiziertes delikt handelt noch einen versuch der erfolgsqualifikation prüfen bzw. diskutieren ob der versuch der erfolgsqualifikation bei §226 überhaupt möglich ist. letztlich ist aber auch für eine strafbarkeit wegen des versuchs der erfolgsqualifikation vorsatz nötig. d.h. zu einer strafbarkeit wegen versuchs wirst du auf keinen fall kommen.
deshalb vorsicht mit der prüfung des versuchs der erfolgsqualifikation. wird u.U. vom korrektor als überflüssig angesehen
Verfasst am: 25 März 2006 - 09:26:26 Titel:
der fall an sich ist schon sehr umfangreich, daher wollte ich das am anfang nicht prüfen. war nur verwirrt, weil im sachverhalt halt steht, dass er duch die Not-OP nicht gelähmt bleibt. dachte, dass das vielleicht ein hinweis sein könnte....
Verfasst am: 26 März 2006 - 16:21:03 Titel: Hallo
schwere KV ist ein erfolgsqualifiziertes Delikt, das bezüglich des Grunddelikts Vorsatz voraussetzt und bezüglich der qualifizierenden Tatfolge Fahrlässigkeit.
Bei Fahrlässigkeitsdelikten kann es aber keinen Versuch geben, da dieser ja Vorsatz voraussetzt. Unabsichtlichkeit kann man nicht versuchen.
Ist keine der qualifizierenden Umstäne des § 226 I Nr.2 StGB verwirklicht, verneinst Du schwere KV. Prüfen mußt Du sie aber, wenn der SV von einer Beinahe-Lähmung spricht.
Versuchen kann man nur das Grunddelikt. Aber das ist ja gelungen.
Verfasst am: 26 März 2006 - 16:47:38 Titel:
die sog. erfolgsqualifizierten delikte werden über §11 II stgb wie vorsätzliche delikte behandelt und sind somit keine fahrlässigkeitstaten.
ein versuch der erfolgsqualifikation (verwirklichtes grunddelikt und vorsatz bzgl. der schweren folge) ist bei einer reihe von erfolgsqualifizierten delikten nach h.M. durchaus möglich. die erfolgsqualifizierten delikte setzten z.B. oft min. leichtfertigkeit bzgl. der schweren folge voraus (§253), daraus ergibt sich, dass die schwere folge auch vorsätzlich verwirklicht werden kann.
Verfasst am: 26 März 2006 - 16:58:47 Titel: Hallo
Wär ja schlimm, wenn jemanden absichtlich der Arm abgeschlage würde und der Täter nur gem. § 224 StGB strafbar wäre, weil das nicht fahrlässig war.
Normalerweise wird der Versuch aber beim Grunddelikt geprüft. Wenn der Täter bei der KV aber eine Lähmung des Opfers in Kauf genommen hätte, würde ich Dir zustimmen. Bei Leichtfertigkeit kommt ein Versuch der Qualifikation hier aber nicht in Betracht.
A propos Messer im Rücken; da muß man natürlich Versuchten Totschlag prüfen.
Verfasst am: 26 März 2006 - 17:03:22 Titel:
Möglicherweise will der SV eher aufgegriffen wissen, ob und inwieweit bei einer (ja zunächst eingetretenen) schweren Folge die Vollendung überhaupt zu verneinen ist, da sie ja durch einen operativen Eingriff beseitigt wurde. Das wird in verschiedenen Zusammenhängen durchaus kontrovers diskutiert, wobei ich aber hier nicht von einem "echten Grenzfall" ausgehen würde.
Verfasst am: 26 März 2006 - 17:09:15 Titel:
Objektive Zurechnung eines fremdverhinderten Taterfolgs? Sachen gibt's...
Verfasst am: 26 März 2006 - 17:32:15 Titel:
Das ist in diesem Zusammenhang keine Frage der Zurechnung; eher geht´s um das Tatbestandsmerkmal "Dauerhaftigkeit" (abhängig von der jeweils verwirklichten Alternative), also ieS darum, ob der Taterfolg vorliegt. Wird meist in Bezug auf Prothesen, Hilfsmittel oä problematisiert.
Verfasst am: 27 März 2006 - 09:39:05 Titel:
also an totschlag hab ich auch gedacht. mein problem ist nur, dass ich überhaupt nicht weiß, was ich machen soll, wenn gar nix im sv steht - also zum vorsatz-
"Zugleich trat C, der 14 Jahre alte Bruder des A und Mitglied der „Jets“, von hinten an B heran und rammte ihm sein Taschenmesser in den Rücken, um eine Niederlage seines Bruders zu verhindern."
das ist alles! bei den sv, die wir sonst immer gemacht haben, stand immer was drin. zb.: er wollte den tod nicht, er nahm den tod in kauf usw. ....