Source: http://www.studieren-ohne-abitur.de/web/artikel/Baden-Wuerttemberg
Timestamp: 2019-03-22 09:53:47
Document Index: 365648794

Matched Legal Cases: ['§ 58', '§ 14', '§ 58', '§ 58', '§ 58', '§ 58', '§ 58', '§ 35', '§ 58', '§ 30', '§ 31', '§ 31']

Baden-Württemberg gehört zu den Bundesländern, in denen die Beteiligung am Studium ohne allgemeine Hochschul- und Fachhochschulreife relativ schwach ausgeprägt ist. Die aktuellen Zahlen zeigen, dass das Bundesland in diesem Sektor zwar neue Höchstwerte in den Bereichen Studienanfänger(innen) und Studierende erreicht. Dennoch gehört Baden-Württemberg im Bundesländervergleich weiterhin zu den Schlusslichtern und liegt mit seinen Quoten deutlich unter dem Bundesdurchschnitt. Beruflich Qualifizierte mit Aufstiegsfortbildungen können nach einem Beratungsgespräch an der Hochschule ihrer Wahl studieren. Studieninteressierte mit Berufsausbildung und mehrjähriger Berufserfahrung müssen zusätzlich eine Eignungsprüfung bestehen, um die fachgebundene Hochschulzugangsberechtigung zu erhalten.
Gemäß § 58 Abs. 2 Nr. 5 LHG berechtigt „eine Meisterprüfung oder eine andere öffentlich-rechtlich geregelte berufliche Aufstiegsfortbildung, insbesondere nach dem Berufsbildungsgesetz, nach der Handwerksordnung oder nach § 14 des Schulgesetzes für Baden-Württemberg, die grundsätzlich auf einer mindestens zweijährigen Berufsausbildung aufbaut und deren Lehrgang mindestens 400 Unterrichtsstunden umfasst“ zu einem Studium aller Fachrichtungen an allen Hochschulen. Jedoch muss der Bewerber / die Bewerberin einen Nachweis über ein Beratungsgespräch an einer Hochschule erbringen.
Weitere berufliche Fortbildungen, die der oben genannten Meisterprüfung gleichgestellt sind, werden in der baden-württembergischen Berufstätigenhochschulzugangsverordnung genannt. Darunter fallen Abschlüsse an einer Verwaltungs- und Wirtschaftsakademie als Verwaltungs-Betriebswirt(in), Verwaltungs-Diplom-Inhaber(in), Betriebswirt(in), Betriebswirt(in) in einem Schwerpunktfach, Diplom-Finanzierungsfachwirt(in) oder Kommunikationsfachwirt(in), wenn vor der Ausbildung an der Verwaltungs- und Wirtschaftsakademie eine mindestens zweijährige Berufsausbildung abgeschlossen wurde.
Auch der Abschluss einer ein- oder zweijährigen Fachschule kann zu der Berechtigung zur Bewerbung um einen Studienplatz nach der Berufstätigenhochschulzugangsverordnung führen.
§ 58 Abs. 2 Nr. 6 LHG: Bewerber(innen), die eine mindestens zweijährige Berufsausbildung abgeschlossen haben sowie über eine in der Regel dreijährige Berufserfahrung verfügen (jeweils in einem dem angestrebten Studiengang fachlich entsprechenden Bereich), sind berechtigt, eine studiengangbezogene Hochschulzugangsberechtigung zu erlangen. Dazu ist ein schriftlicher Nachweis über ein Beratungsgespräch an einer Hochschule erforderlich. Die Qualifikation für ein Hochschulstudium wird schließlich durch das Bestehen einer Eignungsprüfung erworben.
Einzelheiten der Eignungsprüfung regeln die Hochschulen durch Satzung nach Maßgabe von § 58 Abs. 3, wonach die Prüfung „aus schriftlichen und mündlichen Prüfungsteilen“ besteht und „sowohl allgemeine als auch fachspezifische Prüfungsanteile“ umfasst.
§ 58 Abs. 2 Nr. 6 LHG: In „besonders begründeten Einzelfällen kann auch beim Nachweis einer mehrjährigen herausgehobenen oder inhaltlich besonders anspruchsvollen Tätigkeit zur Eignungsprüfung für ein Studium in einem dieser Tätigkeit fachlich entsprechenden Studiengang zugelassen werden“.
§ 58 Abs. 3 LHG: Familienarbeit mit selbstständiger Führung eines Haushaltes und Verantwortung für mindestens eine erziehungs- oder pflegebedürftige Person wird bei fachlicher Entsprechung mit bis zu zwei Jahren auf die Berufserfahrung angerechnet.
In § 58 Abs. 2 Nr. 10 LHG ist geregelt, dass eine ausländische Vorbildung, sofern sie sich nicht wesentlich von den im Hochschulgesetz benannten Qualifikationsnachweisen unterscheidet, ebenfalls als Qualifikation für ein Hochschulstudium anerkannt wird.
§ 35 Abs. 3 LHG: Außerhalb des Hochschulsystems erworbene Kenntnisse und Fähigkeiten können auf ein Hochschulstudium angerechnet werden, wenn die Voraussetzungen für den Hochschulzugang bestehen (zum Zeitpunkt der Anrechnung), die Kompetenzen nach Inhalt und Niveau gleichwertig zu den zu ersetzenden Studien- und Prüfungsleistungen sind und eine Akkreditierung die Kriterien für die Anrechnung überprüft hat. Höchstens 50 Prozent des Hochschulstudiums dürfen so ersetzt werden. Die Hochschulen regeln die Einzelheiten – auch eine mögliche Einstufungsprüfung – in einer Prüfungsordnung.
§ 58 Abs. 2 Nr. 9 LHG: Bei einem Wechsel aus einem anderen Bundesland ist nach einem Jahr nachweislich erfolgreich absolvierten Studiums (ein Probestudium zählt nicht dazu) ein Weiterstudium an einer baden-württembergischen Hochschule derselben Hochschulart in dem gleichen oder einem affinen Studiengang möglich.
Weiterbildende Studiengänge und Teilzeitstudiengänge
Im Landeshochschulgesetz werden Teilzeitstudiengänge explizit erwähnt, die unter anderem dazu dienen sollen, die Lebensumstände von Berufstätigen zu berücksichtigen (§ 30 Abs. 3 LHG). Erwähnt werden auch weiterbildende Bachelorstudiengänge, die sich an Personen richten, „die bereits über eine im sekundären Bildungsbereich erworbene Berufsausbildung verfügen“ und an in dieser Berufsausbildung erworbene Kenntnisse und Kompetenzen anknüpfen, um sie zu vertiefen und zu erweitern (§ 31 Abs. 2 LHG).
§ 31 Abs. 3 LHG: Der Zugang zu weiterbildenden Masterstudiengängen und zu sonstigen weiterbildenden Studien setzt „mindestens einen Studienabschluss in einem grundständigen Studiengang“ voraus.
Baden-Württemberg sieht keine gesetzlichen Regelungen zu Vorabquoten oder speziellen Auswahlverfahren für Bewerber(innen) ohne eine schulische Hochschulzugangsberechtigung vor.
Die Zahlen für Baden-Württemberg beim Studium ohne allgemeine Hochschul- und Fachhochschulreife liegen allesamt deutlich unter dem Bundesdurchschnitt, und zwar sowohl bei den Quoten der Studienanfänger(innen) als auch der Studierenden und der Absolvent(inn)en. Dennoch steigen die Anteile der Studienanfänger(innen) sowie der Studierenden ohne schulische Hochschulzugangsberechtigung an den Hochschulen im Bundesland im Jahr 2016 auf ein eigenes Höchstniveau an. Im Bundesländervergleich verliert Baden-Württemberg in diesen beiden Kategorien trotzdem jeweils einen Platz und belegt aktuell den vorletzten Rang. Die Absolvent(inn)enquote bleibt im Vergleich zum Vorjahr konstant, wodurch Baden-Württemberg im Ländervergleich erneut aufrückt und nun den 11. Platz belegt. Die aktuellen Daten der beruflich Qualifizierten ohne schulische HZB passen sich – nach einem geringen Einbruch im Vorjahr – insgesamt also wieder dem positiven Trend der letzten Jahre an. Insgesamt betrachtet ist Baden-Württemberg im bundesweiten Vergleich beim Studium ohne Abitur in der Schlussgruppe zu verorten.
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