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Timestamp: 2020-04-02 23:46:25
Document Index: 212473280

Matched Legal Cases: ['§ 5', '§ 252', '§ 248', '§ 6', '§ 246', '§ 246', '§ 5', '§ 4', '§ 4', '§ 266']

Bilanzierung von immateriellen Vermögensgegenständen nach HGB und ...
von Chantsaldulam Adiyasuren (Autor)
2. Definitionen und Arten von immateriellen Vermögenswerten
2.1 Definitionen von immateriellen Vermögenswerten
2.1.1 Handelsrechtliche Definition
2.1.2 Steuerrechtliche Definition
2.1.3 Vergleich der handels- und steuerrechtlichen Definitionen
2.2 Arten immaterieller Vermögensgegenstände
3. Bilanzierung immaterieller Vermögensposten im Handels- und Steuerbilanz
3.1 Ansatz immaterieller Vermögensgegenstände
3.1.1 Grundsätzliche Anforderungen
3.1.1.1 Anforderungen in der Handelsbilanz
3.1.1.2 Anforderungen in der Steuerbilanz
3.1.2 Ansatz entgeltlich erworbener immaterieller Vermögensposten
3.1.2.1 Ansatz in der Handelsbilanz
3.1.2.2 Ansatz in der Steuerbilanz
3.1.2.3 Vergleich des Ansatzes in der Handels- und Steuerbilanz
3.1.3 Ansatz selbst geschaffener immaterieller Vermögensposten
3.1.3.1 Ansatz in der Handelsbilanz
3.1.3.2 Ansatz in der Steuerbilanz
3.1.3.3 Vergleich des Ansatzes in der Handels- und Steuerbilanz
3.1.4 Ansatz vom Geschäfts- oder Firmenwert
3.1.4.1 Ansatz in der Handelsbilanz
3.1.4.2 Ansatz in der Steuerbilanz
3.1.4.3 Vergleich des Ansatzes in der Handels- und Steuerbilanz
3.2 Bewertung von immateriellen Vermögensposten
3.2.1 Zugangsbewertung immaterielle Vermögensposten
3.2.1.1 Zugangsbewertung entgeltlich erworbener immaterieller Vermögensgegenstände
3.2.1.1.1 Zugangsbewertung in der Handelsbilanz
3.2.1.1.2 Zugangsbewertung in der Steuerbilanz
3.2.1.1.3 Vergleich der Zugangsbewertung in der Handels- und Steuerbilanz
3.2.1.2 Zugangsbewertung selbst geschaffene immaterielle Vermögensgegenstände
3.2.1.2.1 Zugangsbewertung in der Handelsbilanz
3.2.1.2.2 Zugangsbewertung in der Steuerbilanz
3.2.1.2.3 Vergleich der Zugangsbewertung in der Handels- und Steuerbilanz
3.2.1.3 Zugangsbewertung Geschäfts- oder Firmenwert
3.2.1.3.1 Zugangsbewertung in der Handelsbilanz
3.2.1.3.2 Zugangsbewertung in der Steuerbilanz
3.2.1.3.3 Vergleich der Zugangsbewertung in der Handels- und Steuerbilanz
3.2.2 Folgebewertung immaterieller Vermögensposten
3.2.2.1 Folgebewertung entgeltlich erworbener immaterieller Vermögensgegenstände
3.2.2.1.1 Folgebewertung in der Handelsbilanz
3.2.2.1.2 Folgebewertung in der Steuerbilanz
3.2.2.1.3 Vergleich der Folgebewertung in der Handel- und Steuerbilanz
3.2.2.2 Folgebewertung selbst geschaffener immaterieller Vermögensposten
3.2.2.2.1 Folgebewertung in der Handelsbilanz
3.2.2.2.2 Folgebewertung in der Steuerbilanz
3.2.2.2.3 Vergleich der Folgebewertung in der Handels- und Steuerbilanz
3.2.2.3 Folgebewertung Geschäfts-oder Firmenwert
3.2.2.3.1 Folgebewertung in der Handelsbilanz
3.2.2.3.2 Folgebewertung in der Steuerbilanz
3.2.2.3.3 Vergleich der Folgebewertung in der Handels- und Steuerbilanz
3.3 Ausweis immaterieller Vermögensposten im Handels- und Steuerbilanz
3.4 Latente Steuern
3.4.1 Aktive und passive latente Steuern
3.4.2 Bewertung und Ausweis latente Steuern
4. Synoptische Zusammenfassung
Tab. 1: Bestandteile der Anschaffungskosten nach HGB
Tab. 2: Wertunter- und Wertobergrenze der Herstellungskosten
Tab. 3: Ermittlung des Geschäfts- oder Firmenwerts
Tab. 4: Synoptische Darstellung
Immaterielle Werte gelten, bedingt durch einen Strukturwandel hin zu einer wissensbasierten Gesellschaft, als relevante Wertetreiber für Unternehmen. Indes stellt die Behandlung immaterieller Werte die Rechnungslegung vor großen Herausforderungen. Der Anteil des immateriellen Vermögens, am Gesamtvermögen, ist bei den Unternehmen relativ hoch, was auf die hohen Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten dieser Unternehmen zurückzufüh- ren ist.1 Immer häufiger lässt sich dies auch im Rahmen von Unternehmens- erwerben feststellen, bei denen der Kaufpreis und das bilanzierte Eigenkapi- tal des erworbenen Unternehmens stark divergieren. Neben stillen Reserven sind hierfür besonders nicht bilanzierte immaterielle Vermögenswerte die verursachende Kraft.
Aufgrund dieser klaren Entwicklungstendenz ist eine intensive Auseinander- setzung mit der Systematik der immateriellen Vermögensgegenstände, un- abhängig vom jeweils verwendeten Rechnungslegungskreis, erforderlich.
Die vorliegende Arbeit soll speziell die Rechnungslegung von immateriellen Vermögensposten nach HGB und Steuerrecht darstellen und vergleichen. Eine Behandlung immaterieller Werte des Umlaufvermögens ist nicht Ge- genstand dieser Arbeit. Neben der Einleitung erfolgt eine Untergliederung in drei weitere Kapitel. Zielsetzung des 2. Kapitels ist es zunächst ein Grund- verständnis für die Thematik der immateriellen Vermögensgegenstände zu schaffen. Unter Kapitel 3 wird detailliert die bilanzielle Behandlung der imma- teriellen Vermögenswerte nach HGB und Steuerrecht dargestellt. Hierunter fallen der Ansatz, die Bewertung, der Ausweis sowie latente Steuern. Auf Grundlage dieser Betrachtung wird ein Ausblick gegeben.
Im Kapitel 4 wird zusammenfassend der Vergleich der Rechnungslegung nach HGB und Steuerrecht synoptisch dargestellt.
2. Definitionen und Arten von immateriellen Vermö- genswerten
Für immaterielle Werte werden in der Literatur verschiedene Begriffe, wie z.B. „immaterielle Vermögensgegenstände“, „immaterieller Vermögenswert“, „immaterielle Güter“ oder „immaterielle Ressourcen“ inhaltsgleich und ohne genaue Abgrenzung zwischen den Begrifflichkeiten verwendet. Es gibt keine generelle Definition von immateriellen Werten. Dennoch lassen sich im Er- gebnis die Begriffsmerkmale aus der handelsrechtlichen Rechnungslegung sowie den Grundsätzen ordnungsmäßiger Buchführung (GoB) ableiten. Das deutsche Handelsrecht verwendet den Terminus „immaterieller Vermögens- gegenstand“. Grundsätzlich haben diese Bezeichnungen das Merkmal der „Immaterialität“ gemein, was so viel wie „Stofflose“, „Nichtkörperliche“ oder „Geistige“ bedeutet.2
Im Bereich der Rechnungslegung dominiert die Abgrenzung der immateriellen von materiellen und finanziellen Gütern anhand von negativen Merkmalen.3 Die immateriellen Güter umfassen all die Werte, die nicht den materiellen bzw. finanziellen Gütern zuzuordnen sind. Finanzielle Vermögenswerte, sog. Nominalpräsentanten, bilden eine eigenständige Kategorie und sind nicht gleichzusetzen mit immateriellen Vermögenswerten.4 Immaterielle Güter sind im Unterschied zu finanziellen Gütern nicht monetär.
In der Literatur werden immaterielle Werte, hinsichtlich ihrer Identifizierbarkeit häufig, in drei Kategorien eingeordnet:
- Rechte,
- wirtschaftliche Werte und
- rein wirtschaftliche Vorteile.5
Unter Rechten werden sämtliche Werte vereint, deren wirtschaftlicher Nutzen durch das sog. Immaterialgüterrecht vor der Nutzung durch Dritte vertraglich oder gesetzlich geschützt ist. Solche Rechte können Lizenzen, Konzessio- nen und Urheberrechte sein.6 Zu wirtschaftlichen Werten zählen beispiels- weise ungeschützte Erfindungen oder Rezepturen. Sie können nicht rechtlich oder vertraglich geschützt werden. Während sich die Bestandteile der ersten beiden Gruppen klar abgrenzen lassen, sind die rein wirtschaftlichen Vorteile wiederum eine Sammelposition, unter die all jene Güter zu subsumieren sind, die weder als Recht geschützt noch so abgrenzbar sind, dass sie Ge- genstand eines Rechtsgeschäfts sein können.7 Darunter fallen z.B. Werbe- ausgaben und die Ausgaben für die Aus- und Weiterbildung der Mitarbeiter.
Die einzelnen Kategorien immaterieller Güter stellen jedoch nicht gleichzeitig immaterielle Vermögensgegenstände dar. Daher ist für diese Grundgesamt- heit zunächst zu prüfen, welche Kategorie sich durch die Erfüllung der Ver- mögensgegenstandsdefinition grundsätzlich für den Ansatz in der Bilanz eig- net.8
Bedingt durch das Maßgeblichkeitsprinzip i.S.d. § 5 Abs. 1 Satz 1 EStG kann der handelsrechtliche Begriff des Vermögensgegenstandes inhaltlich mit dem des steuerrechtlichen Wirtschaftsgutes weitestgehend gleichgesetzt werden.9 Dennoch formuliert weder das Handelsrecht noch das Steuerrecht eine Definition des Begriffs Vermögensgegenstand bzw. Wirtschaftsgut. Beide Rechtsgebiete setzen ihren jeweiligen Begriff voraus.10
Da die Definitionen der Begriffe Vermögensgegenstand und Wirtschaftsgut unterschiedlich formuliert sind, muss anhand einer genauen Analyse geprüft werden, ob es sich nur um eine begriffliche oder auch um eine inhaltliche Un- terscheidung handelt. Nach der gebräuchlichen Definition sind Wirtschaftsgü- ter Gegenstände im Sinne des BGB (Sachen und nichtkörperliche Gegen- stände) und vermögenswerte Vorteile (Rechte, Werte, tatsächliche Zustände, konkrete Möglichkeiten), für die der Steuerpflichtige Aufwendungen gemacht hat. Nach der Verkehrsauffassung müssen sie selbständig bewertbar sein und erfahrungsgemäß einen wesentlichen Nutzen, über den Abschlussstichtag hinaus zu bringen.11
Sachen und Rechte i.S.d. bürgerlichen Rechts sowie finanzielle Vermögens- werte sind unproblematisch. Bei diesen Werten handelt es sich zweifellos sowohl um Vermögensgegenstände als auch um Wirtschaftsgüter. Handels- rechtlich und steuerrechtlich ist die abstrakte Bilanzierungsfähigkeit unstrittig.
Im Gegensatz dazu ist die Beurteilung der sonstigen wirtschaftlichen Vorteile komplexer. Ein Wirtschaftsgut muss nicht nur „greifbar“ sondern auch einer „besonderen Bewertung zugänglich“ sein. Dieses Erfordernis folgt aus dem Einzelbewertungsprinzip (§ 252 Abs. 1 Nr. 3 HGB)12 Daraus wird deutlich, dass das steuerliche Kriterium der selbstständigen Bewertbarkeit den Kreis der abstrakt bilanzierungsfähigen wirtschaftlichen Vorteile weiter abgrenzt als das handelsbilanzielle Merkmal der selbständigen Verwertbarkeit.13
Der große Senat hat in seinem Beschluss vom 03.02.1969 immaterielle Wirtschaftsgüter wie folgt beschrieben:
- zu deren Erlangung Aufwendungen gemacht werden,
- die dem Betrieb über den Bilanzstichtag hinaus zugutekommen,
- die eine besonderen Abgrenzung und Bewertung fähig sind und
- für die der Erwerb des Betriebes ein besonderes Entgelt ansetzen würde.14
Sowohl das Handelsrecht als auch das Steuerrecht verlangen für das Vorlie- gen eines immateriellen Wertes einen abgrenzbaren wirtschaftlichen Wert im fortgeführten Unternehmen. Dieser muss im Laufe der gesamten wirtschaftli- chen Tätigkeit des Unternehmens auf seine tatsächliche Werthaltigkeit kon- kret überprüft werden. Hinsichtlich des Erfordernisses bestehen keine Unter- schiede in Bezug auf greifbare Objektivierung in Form eines am Markt entstandenen Entgeltes. So werden im Schrifttum die immateriellen Vermögensgegenstände und Wirtschaftsgüter weitestgehend gleichgesetzt.
Das Handelsrecht stellt den Gläubigerschutz und das Vorsichtsprinzip in den Vordergrund. Die Bilanz soll Auskunft darüber geben, ob ausreichendes Schuldendeckungspotenzial vorhanden ist. Das Steuerrecht hingegen dient dazu den periodengerechten Gewinn im Sinne der Gleichmäßigkeit der Be- steuerung zu ermitteln. Für beide Bilanzen liegen verbindliche Regelungen vor und führen in der praktischen Handhabung regelmäßig zum gleichen Er- gebnis.15
Die immateriellen Vermögensgegenstände des Anlagevermögens sind zu unterscheiden in
a) Selbst geschaffene gewerbliche Schutzrechte und ähnliche Rechte und Werte,
b) Konzessionen, gewerbliche Schutzrechte und ähnliche Rechte und Werte sowie Lizenzen an solchen Rechten und Werten,
c) Geschäfts- oder Firmenwert,
d) Geleistete Anzahlungen.16
Es folgt eine detaillierte Betrachtung der einzelnen Arten von immateriellen Vermögensgegenständen.
a) Selbst geschaffene immaterielle Vermögensgegenstände
Zur Verbesserung der Information über selbst geschaffene Immaterialgüter, aus Gründen des internationalen Überblicks der Aktivierung von Entwick- lungskosten (IAS38) und wegen der angestrebten Innovationsförderung sieht das Bilanzrechtsmodernisierungsgesetz 2009 in § 248 Abs. 2 Satz 1 HGB erstmals die Möglichkeit vor, selbst geschaffene immaterielle Vermögens- stände des Anlagevermögens als handelsbilanzielle Aktivposten aufzuneh- men.17
Selbst geschaffene immaterielle Anlagegüter sind grundsätzlich körperlich nicht fassbar und können weder den Sach- noch den Finanzanlagen zugeordnet werden. Sie sind dazu bestimmt, dem Geschäftsbetrieb auf Dauer zu dienen.
Die Eigenproduktion von Immaterialgütern ist vornehmlich Gegenstand von Forschungs- und Entwicklungsprozessen. Wegen der fehlenden körperlichen Substanz, nicht eindeutiger Zurechenbarkeit, schwerer Objektivierbarkeit und hoher Unsicherheit bzgl. der zukünftigen Entwicklung besteht die Gefahr, gegen das Vorsichts- und Gläubigerschutzprinzips zu verstoßen.18
Ein Beispiel für einen selbst erstellten immateriellen Vermögensgegenstand ist das Filmrecht (keine Auftragsproduktion). Die möglichen Formen der Verwertung von Filmrechten sind Urheberrechte, leistungsgerechte Nutzungsrechte und Lizenzen. Alle diese Verwertungsrechte berechtigen zur Nutzung des Aktivierungswahlrechts bei dem Rechteinhaber.
b) Konzessionen, gewerbliche Schutzrechte und ähnliche rechte und Werte
Konzessionen sind öffentlich-rechtliche Befugnisse, für die die öffentliche Verwaltung ein Verleihungsrecht besitzt, kraft deren bestimmte wirtschaftliche Tätigkeiten ausgeübt werden dürfen.19
Zu unterscheiden sind Real- und Personalkonzessionen. Erstere werden für eine bestimmte Sache erteilt und sind an diese gebunden. Es handelt sich hierbei um Genehmigungen für bestimmte Anlagen bzw. Aggregate wie z.B. genehmigungsbedürftige Anlagen.20
Die Personalkonzessionen sind an eine Person gebunden und ermöglichen dem Konzessionsinhaber die Ausübung einer bestimmten wirtschaftlichen Tätigkeit, sofern er hierfür geeignet ist (z.B. Schankkonzessionen).21
Gewerbliche Schutzrechte sind Patente, Gebrauchsmuster, Geschmacks- muster und Markenzeichen bzw. Warenzeichen. Patente schützen den Rechtsinhaber vor einer unberechtigten Nutzung einer Erfindung durch Fremde. Bei Gebrauchsmustern handelt es sich um nicht patentfähige Erfin- dungen, wie wesentliche Verbesserung von Maschinen, die einen technischen Fortschritt darstellen und für die die gleichen Grundsätze wie für Patente gelten.
Warenzeichen dienen dem Schutz von Markenartikeln und sollen den Rechtsinhaber vor unerlaubten Nachbildungen schützen. Ähnliche Rechte müssen den gewerblichen Schutzrechten in wesentlichen Punkten vergleich- bar sein, d.h. es muss sich um Rechte handeln, die gegenüber Dritten beste- hen.22
Unter dem Geschäfts- oder Firmenwert (GoF) versteht man grundsätzlich den Betrag, um den der Gesamtwert eines Unternehmens die Summe der Zeitwerte der vorhandenen Vermögensgegenstände abzüglich der Schulden übersteigt (originären Geschäfts- oder Firmenwert).23
Das HGB definiert den Geschäfts- oder Firmenwert als den „Unterschiedsbe- trag, um den die für die Übernahme eines Unternehmens bewirkte Gegen- leistung den Wert der einzelnen Vermögensgegenstände des Unternehmens abzüglich der Schulden zum Zeitpunkt der Übernahme übersteigt“ (derivati- ver Geschäfts- oder Firmenwert).24 Die Differenz zwischen einem im Rahmen eines Unternehmens gezahlten Gesamtkaufpreis und den Werten aller bilan- zierten einzelnen Vermögensgegenstände im Zeitpunkt der Übernahme stellt den Geschäfts- oder Firmenwert dar (§ 6 Abs. 1 Nr. 1 EStG).25
Er verkörpert die aus den Ergebnissen der Vergangenheit abzuleitenden künftigen Gewinnchancen des Unternehmens. Zum Geschäfts- oder Fir- menwert gehören bspw. der Unternehmensruf, seine Marktgeltung, seine Organisation sowie die Qualität von Mitarbeitern und Management.26
Im Wesentlichen besteht der Geschäfts- oder Firmenwert aus dem Kapitali- sierungsmehrwert, der daraus resultiert, dass die aus der Kombination der eingesetzten Wirtschaftsgüter stammende Ertragsfähigkeit des Unternehmens den Reproduktionswert der einzelnen materiellen und immateriellen Wirtschaftsgüter übersteigt.27
Ein negativer Geschäfts- oder Firmenwert der sich dann ergeben kann, wenn der Kaufpreis des Unternehmens aufgrund eines niedrigen Ertragswertes geringer ist als der Substanzwert, wird nach herrschender Meinung sowohl in der Handels- als auch in der Steuerbilanz abgelehnt.28
Bei den geleisteten Anzahlungen muss es sich um solche handeln, die aktivierungspflichtige immaterielle Wirtschaftsgüter darstellen. Die Zahlungen werden durch die Aktivierung erfolgsneutral behandelt.29
Sofern diese Anzahlungen den Erwerb eines immateriellen Anlagegutes zum Inhalt haben, sind sie zu aktivieren.30
Die Aktivierungsfähigkeit von immateriellen Vermögensgegenständen wird standardübergreifend eine zweistufige Prüfung festgestellt. Auf der ersten Stufe wird die abstrakte, auf der zweiten Stufe die konkrete Aktivierungsfä- higkeit beleuchtet. Die abstrakte Aktivierungsfähigkeit prüft die theoretischen Voraussetzungen für das Vorliegen eines Vermögensgegenstandes, wäh- rend der konkreten Aktivierungsfähigkeit den Ansatz nach gesetzlichen An- satzwahlrechten, -geboten und -verboten beschreibt.31 Diese Trennung folgt dem § 246 Abs. 1 Satz 1 HGB, der u.a. besagt, dass im Jahresabschluss sämtliche Vermögensgegenstände zu aktivieren sind (abstrakte Aktivierungs- fähigkeit), soweit gesetzlich nichts anderes bestimmt ist (konkrete Aktivie- rungsfähigkeit). Folglich kommt es vor, dass trotz abstrakter Aktivierungsfä- higkeit nicht alle Vermögensgegenstände aktiviert werden dürfen.32 Anderer- seits kann trotz fehlender abstrakter Aktivierungsfähigkeit eine Aktivierung geboten sein (sog. Aktivierungsgrundsatz).33 Die abstrakte Aktivierungsfähig- keit setzt die handelsrechtliche Klassifizierung des Guts als Vermögensge- genstand voraus. Im Handelsrecht wird der Begriff nicht abschließend defi- niert, er zählt zu den unbestimmten Rechtsbegriffen und wird unter Berück- sichtigung der GoB ausgelegt. Für abstrakte Aktivierungsfähigkeit müssen folgende drei Kriterien erfüllt sein:34
- selbstständige Verwertbarkeit,
- selbstständige Bewertbarkeit und
- bilanzielle Greifbarkeit.
Zentrales abstraktes Aktivierungskriterium ist die selbstständige Verwertbar- keit.35 Der Begriff der selbstständigen Verwertbarkeit umfasst nicht nur die Einzelveräußerung. Auch eine Verwertung durch eine anderweitige Nutzung, wie bspw. Nutzungsüberlassung, wird als hinreichendes Kriterium angese- hen, d.h. der Vermögensgegenstand verfügt über wirtschaftliches Schulden- deckungspotenzial.36
Das Kriterium der selbstständigen Bewertbarkeit ist erfüllt, wenn Aufwendun- gen, sei es als Anschaffungskosten oder Herstellungskosten, vorliegen.37
Das dritte Kriterium der abstrakten Aktivierungsfähigkeit ist die bilanzielle Greifbarkeit. Durch dieses Kriterium soll zum Ausdruck gebracht werden, dass das Gut unabhängig vom Gesamtunternehmen als Einzelheit ins Gewicht fällt und nicht nur als Bestandteil des Geschäfts- oder Firmenwerts in Erscheinung tritt. Die Greifbarkeit ist für Rechte, die immaterielle Vermögensgüter darstellen, unbestritten. Jedoch ist die Greifbarkeit nicht nur auf Sachen und Rechte als Gegenstände des bürgerlichen Rechts beschränkt, auch tatsächliche Zustände, konkrete Möglichkeiten und sämtliche Vorteile, wie bspw. der Kundenstamm, werden vom Bundesfinanzhof (BFH) anerkannt, sofern sie entgeltlich erworben wurden.38
Eine weitere Voraussetzung, die erfüllt sein muss, ist die Verankerung der wirtschaftlichen Zurechnung (§ 246 Abs. 1 Satz 2 HGB). Folglich können in der Handelsbilanz nur die Vermögensgegenstände aktiviert werden, die dem Bilanzierenden auch wirtschaftlich zugerechnet werden können. Eine beson- dere Bedeutung kommt diesem Kriterium vor allem dann zu, wenn das wirt- schaftliche Eigentum mit dem zivilrechtlichen Eigentum auseinander fällt. Bei der Beurteilung der wirtschaftlichen Zurechnung sind in jedem Einzelfall die Chancen und Risiken des zu bilanzierenden Vermögensgegenstandes zu un- tersuchen. Ein Unternehmen ist dann der wirtschaftliche Eigentümer, wenn ihm durch eine wertende Betrachtung wesentliche Chancen und Risiken zu- geordnet werden können.39
Im Regelfall kommen drei Arten des Zugangs immaterieller Vermögensgegenstände in Frage. Hierbei handelt es um die gesonderte Anschaffung, die Selbsterstellung und den Erwerb eines GoF.40
Nach § 5 Abs. 1 EStG ist „für den Schluss des Wirtschaftsjahres das Betriebsvermögen (§ 4 Abs. 1 Satz 1) anzusetzen, das nach den handelsrechtlichen Grundsätzen ordnungsmäßiger Buchführung auszuweisen ist“. Dieses Maßgeblichkeitsprinzip überlässt eindeutig den handelsrechtlichen GoB, was bilanziert werden muss. Vor allem der handelsrechtliche Vermögensgegenstand und die Schulden hätten damit mittelbar auch Bedeutung für den Ansatz dem Grunde nach in der Steuerbilanz.41
Es kann aus Gründen der Bilanzzwecken zu Abweichungen zwischen der Steuer- und Handelsbilanz kommen. Der Begriff „Wirtschaftsgut“ wird sehr weit als „Barentnahmen, Waren, Erzeugnisse, Nutzungen und gen“ umschrieben (§ 4 Abs. 1 Satz 2 EStG).42
Zunächst sind positive und negative Wirtschaftsgüter zu unterscheiden. Merkmale eines positiven Wirtschaftsgutes sind:
- Sachen, Rechte, tatsächliche Zustände, konkrete Möglichkeiten und wirtschaftliche Vorteile für den Betrieb,
- deren Erlangung der Kaufmann sich etwas kosten lässt,
- die i.d.R. einen über die Dauer eines Wirtschaftsjahres hinausreichen- den Nutzen für das Unternehmen erbringen,
- einzeln oder im Zusammenhang mit dem Betrieb übertragbar sind und
- einer besonderen Bewertung zugänglich sind.43
Wirtschaftliche Vorteile, die die Kriterien eines Wirtschaftsguts erfüllen, müs- sen wegen des Grundsatzes der Vollständigkeit in die Bilanz aufgenommen werden. Bei aktiven Wirtschaftsgütern besteht zwischen der abstrakten Bi- lanzierungsfähigkeit und der gesetzlichen Regelung zu Ansatz regelmäßig Übereinstimmung.
1 Vgl. Lutz-Ingold, 2005, S.1.
2 Vgl. Lutz-Ingold, 2005. S. 7.
3 Vgl. Dawo, 2003, S. 6.
4 Vgl. Bentele, 2004, S. 21.
5 Vgl. Küting/Ellmann, 2009, S. 266.
6 Vgl. Bentele, 2004, S. 23.
7 Vgl. Dawo, 2003, S.20.
8 Vgl. Küting/Ellmann, 2009, S. 267.
9 Vgl. Scheffler, 2011, S.99.
10 Vgl. Horschitz/Groß/Fanck/Kirschbaum, 2013, S. 89.
11 Vgl. Scheffler, 2011, S. 95.
12 Vgl. Moxter, 2007, S. 8.
13 Vgl. Scheffler, 2011, S. 100.
14 Vgl. Rinker/Ditges/Arendt, 2012, S. 96.
15 Vgl. Scheffler, 2011, S. 101.
16 § 266 Abs. 2 HGB.
17 Vgl. Padberg/Padberg/Werner, 2010, S. 20.
18 Vgl. Federmann, 2010, S. 329.
19 Vgl. Niemann, 2006, S. 5.
20 Vgl. Dawo, 2003, S.28.
21 Vgl. Niemann, 2006, S. 6.
22 Vgl. Niemann, 2006, S. 9.
23 Vgl. Petersen/Reinholdt/Wohlgemuth, Steuerberater Handbuch, 2013, Rn. 198.
24 Vgl. Petersen/Reinholdt/Wohlgemuth, Steuerberater Handbuch, 2013, Rn. 199.
25 Vgl. Adomat, 2013, S. 26.
26 Vgl. Günkel, 2009, S. 117.
27 Vgl. Scheffler, 2011, S. 102.
28 Vgl. Niemann, 2006, S. 17.
29 Vgl. Rinker/Ditges/Arendt, 2012, S.99.
30 Vgl. Niemann, 2006, S. 21.
31 Vgl. Federmann, 2010, S. 275.
32 Vgl. Dawo, 2003, S. 70.
33 Vgl. Federmann, 2010, S. 277.
34 Vgl. Federmann, 2010, S. 279.
35 Vgl. Küting/Ellmann, 2009, S. 268.
36 Vgl. Federmann, 2010, S. 278.
37 Vgl. Wagner, 2006, S. 41.
38 Vgl. Küting/Ellmann, 2009, S. 268.
39 Vgl. Scheffler, 2011, S. 121.
40 Vgl. Hayn/Waldersee/Benzel, 2009, S. 88.
41 Vgl. Federmann, 2010, S. 286.
42 Vgl. Federmann, 2010, S. 286.
43 Vgl. Federmann, 2010, S. 287.
9783668070417
9783668070424
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Bilnzierung Steuerliche Behandlung immaterielle Wirtschaftsgüter Immaterielle Vermögensgegenstände im Bilanzposten
Chantsaldulam Adiyasuren (Autor)