Source: https://www.bag-urteil.com/11-12-2014-6-azr-477-13/
Timestamp: 2019-08-21 16:39:44
Document Index: 359912139

Matched Legal Cases: ['§ 3', '§ 9', '§ 3', '§ 3', '§ 3', '§ 3', '§ 3', '§ 9']

﻿ ﻿ BAG – 6 AZR 477/13 | bag-urteil.com
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 11.12.2014, 6 AZR 477/13
Auf die Revision der Beklagten wird das Urteil des Landesarbeitsgerichts Hamburg vom 4. April 2013 – 8 Sa 83/12 – aufgehoben.
Die Berufung der Klägerin gegen das Urteil des Arbeitsgerichts Hamburg vom 6. Juli 2012 – 14 Ca 382/11 – wird zurückgewiesen.
6 AZR 477/13 > Rn 1
6 AZR 477/13 > Rn 2
6 AZR 477/13 > Rn 3
§ 3 Abfindung wegen einvernehmlicher Beendigung
§ 9 Angebot der Maßnahmen
6 AZR 477/13 > Rn 4
Mit ihrer am 19. September 2011 bei Gericht eingegangenen Klage begehrt die Klägerin – soweit für die Revisionsinstanz noch von Bedeutung – die Zahlung der höchstmöglichen Abfindung nach § 3 MaßnahmenTV DRV KBS von 25 Monatsbezügen in rechnerisch unstreitiger Höhe.
6 AZR 477/13 > Rn 5
6 AZR 477/13 > Rn 6
6 AZR 477/13 > Rn 7
6 AZR 477/13 > Rn 8
6 AZR 477/13 > Rn 9
6 AZR 477/13 > Rn 10
6 AZR 477/13 > Rn 11
2. Entgegen der Ansicht des Landesarbeitsgerichts und der Klägerin genügt es zur Entstehung des Anspruchs auf Abfindung nach § 3 MaßnahmenTV DRV KBS nicht, dass das Arbeitsverhältnis während der Geltungsdauer dieses Tarifvertrags einvernehmlich beendet wird. Voraussetzung für einen solchen Abfindungsanspruch ist vielmehr darüber hinaus, dass der Arbeitgeber das Arbeitsverhältnis zum Zwecke des Personalabbaus bzw. zur Senkung von Personalkosten einvernehmlich unter Zahlung einer Abfindung als Maßnahme im Sinne des MaßnahmenTV DRV KBS beenden will (ebenso Thüringer Landesarbeitsgericht 12. Juli 2012 – 6 Sa 191/11 -; Landesarbeitsgericht Berlin-Brandenburg 29. April 2009 – 24 Sa 2342/08 -). Diese Beschränkung ergibt sich aus der Auslegung des § 3 MaßnahmenTV DRV KBS unter Berücksichtigung des tariflichen Gesamtzusammenhangs.
6 AZR 477/13 > Rn 12
a) Entgegen der Auffassung der Klägerin kann § 3 MaßnahmenTV DRV KBS nicht isoliert betrachtet werden. Bei der Auslegung ist nicht allein der Wortlaut dieser Bestimmung, sondern auch und vor allem der tarifliche Gesamtzusammenhang, in dem sie steht, heranzuziehen. Nur so kann auf den wirklichen Willen der Tarifvertragsparteien geschlossen und nur unter Berücksichtigung dieses Zusammenhangs kann der Sinn und Zweck der Abfindungsregelung zutreffend ermittelt werden (vgl. BAG 15. Februar 2006 – 10 AZR 59/05 – Rn. 13). Auch die Praktikabilität denkbarer Auslegungsergebnisse ist zu berücksichtigen. Im Zweifel gebührt derjenigen Auslegung der Vorzug, die zu einer vernünftigen, sachgerechten, zweckorientierten und praktisch brauchbaren Tarifregelung führt (vgl. BAG 22. April 2010 – 6 AZR 962/08 – Rn. 17, BAGE 134, 184).
6 AZR 477/13 > Rn 13
6 AZR 477/13 > Rn 14
6 AZR 477/13 > Rn 15
6 AZR 477/13 > Rn 16
6 AZR 477/13 > Rn 17
c) Ein Anspruch auf Abfindung nach § 3 Abs. 1 MaßnahmenTV DRV KBS entsteht demnach nur, wenn die Beklagte – entsprechend der Überschrift des § 9 des Tarifvertrags – einem Arbeitnehmer anbietet, das Arbeitsverhältnis zum Zwecke des Personalabbaus im Sinne des MaßnahmenTV DRV KBS gegen Zahlung einer Abfindung nach den tariflichen Maßstäben zu beenden oder wenn sie – entsprechend den Angaben unter I 5 bzw. II 6 auf Seite 4 bzw. 8 des Fragen- und Antwortenkatalogs (Stand Januar 2011) – einen Antrag des Arbeitnehmers, das Arbeitsverhältnis einvernehmlich unter Zahlung einer Abfindung nach dem MaßnahmenTV DRV KBS zu den aus der Präambel ersichtlichen Zwecken zu beenden, annimmt. Allein dieses Auslegungsergebnis ist vernünftig, sachgerecht, zweckorientiert und praktisch brauchbar.
6 AZR 477/13 > Rn 18
6 AZR 477/13 > Rn 19
6 AZR 477/13 > Rn 20
6 AZR 477/13 > Rn 21
NZA-RR 2015, 141
ZTR 2015, 202
Das Urteil BAG – 6 AZR 477/13 wird zitiert in: