Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Text=EFG%202012,%201284
Timestamp: 2019-11-19 17:39:38
Document Index: 44250463

Matched Legal Cases: ['Art. 11', '§ 64', '§ 62', 'Art. 1', 'Art. 60', 'Art. 60', '§ 64', '§ 62', 'Art. 1', 'Art. 60', 'Art. 67', 'Art. 60', 'Art. 67', 'Art. 60', 'Art. 68']

FG Niedersachsen, 08.02.2012 - 9 K 353/10 - dejure.org
https://dejure.org/2012,7509
FG Niedersachsen, 08.02.2012 - 9 K 353/10 (https://dejure.org/2012,7509)
FG Niedersachsen, Entscheidung vom 08.02.2012 - 9 K 353/10 (https://dejure.org/2012,7509)
FG Niedersachsen, Entscheidung vom 08. Februar 2012 - 9 K 353/10 (https://dejure.org/2012,7509)
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Kindergeld eines in Deutschland wohnenden und Arbeitslosengeld II beziehenden polnischen Staatsbürgers für ein in Polen im Haushalt der mit dem Kläger nicht verheirateten Kindesmutter untergebrachtes Kind
Kindergeld eines in Deutschland wohnenden und Arbeitslosengeld II beziehenden polnischen Staatsbürgers für ein in Polen im Haushalt mit der nicht verheirateten Kindesmutter lebenden Kindes
Kindergeld: In Deutschland wohnender polnischer Staatsbürger mit Kind in Polen
EFG 2012, 1284
Gleichermaßen erfüllt aber auch das für den Monat Mai 2010 noch anteilig gewährte Arbeitslosengeld II nach der Auffassung des Senats nicht die Voraussetzungen einer "Geldleistung aufgrund oder infolge einer Beschäftigung" im Sinne des Art. 11 Abs. 2, da es sich hierbei um eine Sozialleistung handelt, die gerade nicht an eine vorherige Erwerbstätigkeit anknüpft (im Ergebnis ebenso: Niedersächsisches Finanzgericht [FG], Urteil vom 08. Februar 2012 - 9 K 353/10, veröffentlicht in juris, unter 1. a) bb) der Gründe).
Vielmehr kann sich auf die Rangfolgeregelung des § 64 Abs. 2 Satz 1 EStG mit Erfolg nur berufen, wer selbst nach § 62 Abs. 1 , Abs. 2 EStG kindergeldberechtigt ist (ebenso FG) Rheinland-Pfalz, Urteile vom 23. März 2011 - 2 K 2248/10, Entscheidungen der Finanzgerichte [EFG] 2011, 1323; vom 14. Dezember 2011 - 2 K 2085/10, veröffentlicht in juris; FG München, Urteile vom 27. Oktober 2011 - 5 K 1075/11, EFG 2012, 253, sowie 5 K 3245/10, EFG 2012, 256; FG Hamburg, Urteil vom 31. Januar 2012 - 1 K 204/11, veröffentlicht in juris; Niedersächsisches FG, Urteil vom 08. Februar 2012 - 9 K 353/10, a.a.O.; FG Düsseldorf, Urteil vom 09. Februar 2012 - 16 K 1564/11 Kg, veröffentlicht in juris; anderer Ansicht insoweit FG Bremen, Urteil vom 10. November 2011 - 3 K 26/11 [1], EFG 2012, 143).
Da die nationalen Vorschriften in Deutschland keine Personen als "Familienangehörige" bezeichnen, gilt die Begriffsbestimmung gemäß Art. 1 lit. i) Ziff. 2, wonach als Familienangehörige der Ehegatte, die minderjährigen Kinder sowie die unterhaltsberechtigten volljährigen Kinder anzusehen sind (vgl. in diesem Sinne: Niedersächsisches FG, Urteil vom 08. Februar 2012 - 9 K 353/10, a.a.O., unter 1. d) cc) der Gründe).
Gemäß Art. 60 Abs. 1 Satz 3 der VO (EG) Nr. 987/2009 ist in einem solchen Fall der Antrag des anderen Elternteils - hier: der Antrag des Klägers - zu berücksichtigen (ebenso Niedersächsisches FG, Urteil vom 08. Februar 2012 - 9 K 353/10, a.a.O., mit weiteren Nachweisen).
Art. 60 Abs. 1 EG-DVO 987/2009 begründet keine zusätzlichen materiell-rechtlichen Ansprüche, sondern enthält lediglich verfahrensrechtliche Regelungen zur Umsetzung der EG-VO 883/2004 (Niedersächsisches FG, Urteil vom 08.02.2012, 9 K 353/10, juris, m. w. N.).
Vielmehr kann sich auf die Rangfolgeregelung des § 64 Abs. 2 Satz 1 EStG nur berufen, wer selbst nach § 62 Abs. 1 , Abs. 2 EStG kindergeldberechtigt ist (ebenso Finanzgericht Rheinland-Pfalz, Urteile vom 23.03.2011 2 K 2248/10, EFG 2011, 1323; vom 14.12.2011 2 K 2085/10, veröffentlicht in juris; FG München, Urteile vom 27.10.2011 5 K 1075/11, EFG 2012, 253, sowie 5 K 3245/10 EFG 2012, 256; FG Hamburg, Urteil vom 31.01.2012 1 K 204/11, veröffentlicht in juris; Niedersächsisches FG, Urteil vom 08.02.2012 9 K 353/10, a.a.O.; FG Düsseldorf Urteil vom 09.02.2012 16 K 1564/11 Kg, veröffentlicht in juris; anderer Ansicht insoweit FG Bremen Urteil vom 10.11.2011 3 K 26/11, EFG 2012, 143).
Da die nationalen Vorschriften in Deutschland keine Personen als "Familienangehörige" bezeichnen, gilt die Begriffsbestimmung gemäß Art. 1 lit. i) Ziff. 2, wonach als Familienangehörige der Ehegatte, die minderjährigen Kinder sowie die unterhaltsberechtigten volljährigen Kinder anzusehen sind (vgl. ebenso Niedersächsisches FG Urteil vom 08.02.2012 9 K 353/10, a.a.O., unter 1. d) cc) der Gründe).
Art. 60 Abs. 1 EG-DVO 987/2009 begründet keine zusätzlichen materiell-rechtlichen Ansprüche, sondern enthält lediglich verfahrensrechtliche Regelungen zur Umsetzung der EG-VO 883/2004 (Niedersächsisches FG, Urteil vom 08.02.2012, 9 K 353/10, EFG 2012, 1284, m. w. N.).
Hieraus schließen die ganz einhellige Rechtsprechung der Finanzgerichte (z.B. FG Berlin-Brandenburg…, Urteil vom 28. November 2013 5 K 5145/13, [...] Rz 1, 22 f., zwischenzeitlich wegen vorrangiger Anwendung des Art. 67 Satz 1 VO (EG) Nr. 883/2004 i.V.m. Art. 60 Abs. 1 Satz 2 DVO (EG) Nr. 987/2009 durch den BFH aufgehoben mit Urteil vom 23. August 2016 V R 2/14, BFH/NV 2016, 1725 ; FG Düsseldorf, Urteil vom 8. Februar 2012 7 K 1530/11 Kg, [...] Rz 9, zwischenzeitlich wegen vorrangiger Anwendung des Art. 67 Satz 1 VO (EG) Nr. 883/2004 i.V.m. Art. 60 Abs. 1 Satz 2 DVO (EG) Nr. 987/2009 durch den BFH aufgehoben mit Urteil vom 26. Oktober 2016 III R 27/13, [...]; Niedersächsisches FG, Urteil vom 8. Februar 2012 9 K 353/10, EFG 2012, 1284 , [...] Rz 15, rechtskräftig) - der sich das erkennende Gericht anschließt - und auch die Literatur (z.B. Helmke/Bauer, Familienleistungsausgleich - Kommentar - Fach D I. Kommentierung Europarecht VO Nr. 883/2004, Art. 68 Rz 36), dass dann, wenn Leistungen nach den Rechtsvorschriften eines Mitgliedstaates z.B. wegen der Höhe des Einkommens oder des Alters des Kindes nicht zu gewähren sind, mangels Anspruchskonkurrenz zwischen Ansprüchen auf Familienleistungen für dasselbe Kind in zwei Mitgliedstaaten der Europäischen Union der Anwendungsbereich der Prioritätsregeln nicht eröffnet ist.