Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Gericht=BFH&Datum=22.08.2012&Aktenzeichen=I%20R%209/11
Timestamp: 2020-07-03 17:53:02
Document Index: 335402402

Matched Legal Cases: ['Art 3', '§ 2', '§ 7', '§ 7', '§ 7', '§ 10', '§ 10', '§ 14', '§ 8', 'Art 2', 'Art 20', '§ 2', 'Art 14', 'Art 28', '§ 10', 'Art 3', '§ 2', '§ 2', '§ 10', '§ 7', '§ 10', '§ 10', '§ 10', 'Art. 3', 'Art. 3', '§ 10', 'Art. 3', '§ 10', '§ 10', '§ 10', '§ 2', '§ 8', '§ 22', '§ 11', '§ 11', '§ 11']

BFH, 22.08.2012 - I R 9/11 - dejure.org
https://dejure.org/2012,36805
BFH, 22.08.2012 - I R 9/11 (https://dejure.org/2012,36805)
BFH, Entscheidung vom 22.08.2012 - I R 9/11 (https://dejure.org/2012,36805)
BFH, Entscheidung vom 22. August 2012 - I R 9/11 (https://dejure.org/2012,36805)
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Sog. Mindestbesteuerung nicht verfassungswidrig - Abschnittsbesteuerung - Verhältnis zwischen Periodizitätsprinzip und objektivem Nettoprinzip - Prognose über drohende Verlustvernichtung - Vorliegen einer "Definitivsituation" - Festhaltung an Erwägungen zur Frage der ...
Sog. Mindestbesteuerung nicht verfassungswidrig; Abschnittsbesteuerung; Verhältnis zwischen Periodizitätsprinzip und objektivem Nettoprinzip; Prognose über drohende Verlustvernichtung; Vorliegen einer "Definitivsituation"; Festhaltung an Erwägungen zur Frage der ...
GG Art 3 Abs 1, EStG § ... 2 Abs 7 S 1, EStG § 2 Abs 7 S 2, KStG § 7 Abs 3 S 1, KStG § 7 Abs 3 S 2, GewStG § 7 S 1, GewStG § 10a S 1, GewStG § 10a S 2, GewStG § 14 S 2, KStG § 8 Abs 1, GG Art 2 Abs 1, GG Art 20 Abs 3, EStG § 2 Abs 2, GG Art 14 Abs 1, GG Art 28 Abs 2 S 3, EStG § 10d Abs 2 S 1
Art 3 Abs 1 GG, § 2 Abs 7 S 1 EStG 2002, § 2 Abs 7 S 2 EStG 2002, § 10d Abs 2 S 1 EStG 2002 vom 22.12.2003, § 7 Abs 3 S 1 KStG 2002
Sog. Mindestbesteuerung nicht verfassungswidrig – Abschnittsbesteuerung – Verhältnis zwischen Periodizitätsprinzip und objektivem Nettoprinzip – Prognose über drohende Verlustvernichtung – Vorliegen einer “Definitivsituation” – ...
Mindestbesteuerung nicht verfassungswidrig
Sogenannte Mindestbesteuerung ist nicht verfassungswidrig
Mindestbesteuerung: Verfassungsmäßigkeit von § 10d Abs. 2 EStG
Verlustvortrag, Mindestbesteuerung § 10d EStG
Vorlage zur Verfassungsmäßigkeit der Mindestbesteuerung bei Definitiveffekt
§ 10d EStG bei Kapitalgesellschaften
Die Vortragsberechnung
BVerfG - 2 BvR 2998/12 (anhängig)
BFHE 238, 419
DB 2012, 2785
BStBl II 2013, 512
NZG 2012, 1436
ee) Nach der Rechtsprechung des BFH (vgl. dazu insbesondere die Nachweise im Senatsurteil vom 22. August 2012 I R 9/11, BFHE 238, 419, BStBl II 2013, 512) bestehen im Hinblick auf Art. 3 Abs. 1 GG grundsätzlich insoweit keine Zweifel an der Verfassungsmäßigkeit einer Verlustausgleichsbeschränkung, als der Verlustausgleich nicht versagt, sondern lediglich zeitlich gestreckt wird.
Der IV. Senat des BFH hat sich in seinem Urteil in BFHE 238, 429, BStBl II 2013, 498 mit Blick auf die Einschränkung der gewerbesteuerrechtlichen Verlustverrechnung dem Senatsurteil in BFHE 238, 419, BStBl II 2013, 512 ausdrücklich angeschlossen: Die Beschränkung der Verrechnung von vortragsfähigen Gewerbeverlusten durch Einführung einer jährlichen Höchstgrenze mit Wirkung ab 2004 sei mit dem Grundgesetz (Art. 3 Abs. 1 GG) vereinbar; insbesondere sei mit dieser Regelung den Anforderungen, die an die Typisierungsbefugnis des Gesetzgebers zu stellen sind, entsprochen worden.
Die Mindestbesteuerung nach § 10a Sätze 1 und 2 GewStG verstößt nicht gegen den Gleichheitssatz des Art. 3 Abs. 1 GG (ebenso BFH-Urteil vom 22. August 2012 I R 9/11, juris, BFHE 238, 419).
Damit schließt sich der Senat der Auffassung des I. Senats des BFH in dessen Urteil vom 22. August 2012 I R 9/11 zur Mindestbesteuerung nach § 10d EStG und § 10a Sätze 1 und 2 GewStG an.
Sie stehen dem Interesse des Gesetzgebers an einer sofortigen Streckung der Verrechnung bereits aufgelaufener Verluste nicht entgegen, und zwar auch nicht unter dem Aspekt, dass die Verluststreckung zugleich das Risiko einer endgültig ausfallenden Verlustverrechnung erhöht (ebenso BFH-Urteil vom 22. August 2012 I R 9/11, m.w.N . ).
In seiner vom Senat vertretenen Auslegung ist § 10a Sätze 1 und 2 GewStG indessen nach den vorstehenden Erwägungen mit der Verfassung vereinbar (ebenso BFH-Urteil vom 22. August 2012 I R 9/11).
Die Grundsätze der Besteuerung nach der Leistungsfähigkeit und damit das objektive Nettoprinzip gelten gleichermaßen im Bereich der Körperschaftsteuer (z.B. Senatsurteil vom 22. August 2012 I R 9/11, BFHE 238, 419, BStBE II 2013, 512).
bb) Es bestehen für den Senat ebenfalls ernstliche Zweifel, ob die Zinsschranke durch einen sog. qualifizierten Fiskalzweck gerechtfertigt werden kann (vgl. Prinz, DB 2013, 1571, 1572; s. zum qualifizierten Fiskalzweck Senatsurteil in BFHE 238, 419, BStBl II 2013, 512; Desens, Finanz-Rundschau --FR-- 2012, 745, 749; Kube, DStR 2011, 1781, 1789 f.).
Das damit beschriebene ("objektive") Nettoprinzip ist jedenfalls einfachgesetzlich in § 2 Abs. 2 EStG 2002 n.F. angelegt (s. BVerfG-Beschluss vom 12. Mai 2009 2 BvL 1/00, BVerfGE 123, 111) und auf der Grundlage der Verweisung in § 8 Abs. 1 KStG 2002 auch im Bereich der Körperschaftsteuer anzuwenden (BVerfG-Beschluss in BVerfGE 127, 224; Senatsurteil vom 22. August 2012 I R 9/11, BFHE 238, 419, BStBl II 2013, 512, m.w.N.).
Allerdings hat das BVerfGE den völligen Ausschluss der Verlustverrechnung bei laufenden Einkünften aus der Vermietung beweglicher Gegenstände (§ 22 Nr. 3 Satz 3 EStG 1983) für verfassungswidrig erklärt (BVerfG, Beschluss vom 30.9.1998 2 BvR 1818/91, BVerfGE 99, 88 ; BFH, Urteil vom 22.8.2012 I R 9/11, BStBl II 2013, 512 ).
Auch bestehe naturgemäß keine Gewissheit, die Verluste in Zukunft verrechnen zu können (BFH, Urteil vom 22.8.2012 I R 9/11, BStBl II 2013, 512 ).
Denn damit habe der Gesetzgeber nicht nur auf den (nicht in ausreichender Weise rechtfertigenden) Einnahmezweck (Erzielung von Steuermehreinnahmen), sondern auf einen in der Konzeption der Regelung angelegten "qualifizierten Fiskalzweck" verwiesen (BFH, Urteil vom 22.8.2012 I R 9/11, BStBl II 2013, 512 ).
Jedenfalls handelt es sich um einen dem "qualifizierten Fiskalzweck" im Sinne des BFH-Urteils vom 22.8.2012 I R 9/11 (BStBl II 2013, 512 ) vergleichbaren Zweck, der als Rechtfertigung geeignet ist.
Ein vom Steuerpflichtigen prognostiziertes sog. Definitivwerden reicht dazu --wie der Senat in seinem Urteil in BFHE 238, 419, BStBl II 2013, 512 ausgeführt hat-- nicht aus.
Denn wenn eine Billigkeitsentscheidung beim Definitivwerden eines Verlustabzugshindernisses wegen des Eingriffs in den Kernbereich einer Nettoertragsbesteuerung ausgeschlossen ist, weil Typisierungs- oder Vereinfachungserfordernisse es in dieser Situation nicht rechtfertigen können, dass der Gesetzgeber auf der Rechtsfolgenseite der Norm eine Differenzierung nach Verlustursachen bzw. nach Zusammenhängen mit der Gewinnentstehung vollständig unterlassen hat, betrifft dieser Ausschluss einer Billigkeitsentscheidung erst recht die Situation bei fortbestehender Verlustabzugsmöglichkeit (s. parallel zum Streitfall auch die Konstellation, die dem Senatsurteil in BFHE 238, 419, BStBl II 2013, 512 zugrunde liegt, wohingegen das von der Klägerin angeführte BFH-Urteil vom 26. Oktober 1994 X R 104/92 [BFHE 176, 3, BStBl II 1995, 297] eine Definitivsituation betrifft, die vom Gesetzgeber nicht offensichtlich in Kauf genommen wurde).
Denn es fehle an einer rechtlichen Verfestigung der wirtschaftlichen Position der Verlustausgleichsmöglichkeit im Augenblick der Gesetzesänderung (BFH, Urteil vom 22. August 2012 - I R 9/11 - BFHE 238, 419 Rn. 11 m.w.N.).
Zwar könnte die sog. Mindestbesteuerung in Insolvenz- und sonstigen Liquidationsfällen in den Kernbereich der Gewährung eines Verlustausgleichs in unverhältnismäßiger Weise einwirken (dies ist offengeblieben im Senatsurteil vom 22. August 2012 I R 9/11, BFHE 238, 419; s. zu dieser Frage auch z.B. Geist, GmbHR 2008, 969, 972 ff.; Holland in Ernst & Young, KStG, § 11 Rz 59.1; Moritz in Schnitger/Fehrenbacher, KStG, § 11 Rz 118; Mössner/Seeger/Zuber, Körperschaftsteuergesetz, § 11 Rz 116;… ablehnend aber Bergmann, a.a.O., S. 55 ff.).
FG Hamburg, 20.02.2020 - 2 K 293/15
Verfassungsmäßigkeit der Verlustabzugsbeschränkung bei Steuerstundungsmodellen …