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Timestamp: 2016-10-26 02:29:54
Document Index: 277028479

Matched Legal Cases: ['Art. 6', 'Art. 9', 'BGE', 'BGE', 'Art. 9', 'Art. 9', 'Art. 9', 'BGE', 'BGE', 'Art. 9', 'BGE', 'Art. 9', 'BGE', 'Art. 9']

U 159/06 (29.08.2006)
U 159/06
Pr�sident Ferrari, Bundesrichter Meyer und Lustenberger; Gerichtsschreiberin Heine
K.________, Beschwerdegegner
Mit Verf�gung vom 23. November 2005, best�tigt durch Einspracheentscheid vom 30. Dezember 2005, lehnte es die Vaudoise Allgemeine Versicherungs-Gesellschaft (nachfolgend: Vaudoise) mangels eines Unfalls oder einer unfall�hnlichen K�rpersch�digung ab, dem 1955 geborenen K.________ Leistungen wegen des Ereignisses vom 26. Oktober 2005 (Achillessehnenruptur beim Aufstehen vom B�rostuhl) zu erbringen.
In Gutheissung der von K.________ dagegen eingereichten Beschwerde bejahte das Versicherungsgericht des Kantons Solothurn eine unfall�hnliche K�rpersch�digung und wies die Verwaltung an, vorbeh�ltlich der �brigen Anspruchsvoraussetzungen, die gesetzliche Leistung f�r die am 26. Oktober 2005 erlittene Achillessehnenruptur zu erbringen (Entscheid vom 28. Februar 2006).
Die Vaudoise f�hrt Verwaltungsgerichtsbeschwerde mit dem Rechtsbegehren, der kantonale Gerichtsentscheid sei aufzuheben.
K.________ beantragt die Abweisung der Verwaltungsgerichts-beschwerde. Das Bundesamt f�r Gesundheit verzichtet auf eine Vernehmlassung.
Der Streit dreht sich um die Frage, ob die Beschwerdef�hrerin f�r die Folgen des Ereignisses vom 26. Oktober 2005 gest�tzt auf das Vorliegen einer unfall�hnlichen K�rpersch�digung leistungspflichtig ist.
Das kantonale Gericht hat die hief�r einschl�gigen gesetzlichen Bestimmungen �ber den Begriff der K�rpersch�digungen, die auch ohne ungew�hnliche �ussere Einwirkung Unf�llen gleichgestellt sind (Art. 6 Abs. 2 UVG in Verbindung mit Art. 9 Abs. 2 UVV [in der seit 1. Januar 1998 g�ltigen Fassung]), ebenso dargelegt wie die in BGE 129 V 466 mit Hinweisen best�tigte und pr�zisierte Rechtsprechung, wonach am Erfordernis des �usseren Faktors gem�ss BGE 123 V 43 und RKUV 2001 Nr. U 435 S. 332 festzuhalten ist. Darauf wird verwiesen.
Nach dieser Rechtsprechung ist tatbestandsm�ssig ein ausserhalb des K�rpers liegender, objektiv feststellbarer, sinnf�lliger, eben unfall�hnlicher Vorfall erforderlich. Wo ein solches Ereignis mit Einwirkung auf den K�rper nicht stattgefunden hat, und sei es auch nur als Ausl�ser eines in Art. 9 Abs. 2 lit. a-h UVV aufgez�hlten Gesundheitsschadens, ist eine eindeutig krankheits- oder degenerativ bedingte Gesundheitssch�digung gegeben. Kein unfall�hnliches Ereignis liegt in all jenen F�llen vor, in denen der �ussere Faktor mit dem (erstmaligen) Auftreten der f�r eine der in Art. 9 Abs. 2 lit. a-h UVV enthaltenen Gesundheitssch�den typischen Schmerzen gleichgesetzt wird. Auch nicht erf�llt ist das Erfordernis des �usseren sch�digenden Faktors, wenn das (erstmalige) Auftreten von Schmerzen mit einer blossen Lebensverrichtung einhergeht, welche die versicherte Person zu beschreiben in der Lage ist; denn f�r die Bejahung eines �usseren, auf den menschlichen K�rper sch�digend einwirkenden Faktors ist stets ein Geschehen verlangt, dem ein gewisses gesteigertes Gef�hrdungspotenzial innewohnt. Das ist zu bejahen, wenn die zum einschiessenden Schmerz f�hrende T�tigkeit im Rahmen einer allgemein gesteigerten Gefahrenlage vorgenommen wird, wie dies etwa f�r viele sportliche Bet�tigungen zutreffen kann. Wer hingegen beim Aufstehen, Absitzen, Abliegen, der Bewegung im Raum, Handreichungen usw. einen einschiessenden Schmerz erleidet, welcher sich als Symptom einer Sch�digung nach Art. 9 Abs. 2 UVV herausstellt, kann sich nicht auf das Vorliegen einer unfall�hnlichen K�rpersch�digung berufen. Erf�llt ist demgegen�ber das Erfordernis des �usseren sch�digenden Faktors bei �nderungen der K�rperlage, die nach unfallmedizinischer Erfahrung h�ufig zu k�rpereigenen Traumen f�hren k�nnen, wie das pl�tzliche Aufstehen aus der Hocke, die heftige und/oder belastende Bewegung und die durch �ussere Einfl�sse unkontrollierbare �nderung der K�rperlage (BGE 129 V 467 ff. Erw. 2.2 und 4.2). Erforderlich und hinreichend f�r die Bejahung eines �usseren Faktors ist, dass diesem ein gesteigertes Sch�digungspotential zukommt, sei es zufolge einer allgemein gesteigerten Gefahrenlage, sei es durch Hinzutreten eines zur Unkontrollierbarkeit der Vornahme der allt�glichen Lebensverrichtung f�hrenden Faktors (BGE 129 V 471 Erw. 4.3).
Der Ausl�sungsfaktor kann dabei allt�glich und diskret sein. Es muss sich indessen um ein pl�tzliches Ereignis handeln, wie eine heftige Bewegung oder das pl�tzliche Aufstehen aus der Hocke. Dabei kommt es beim Begriffsmerkmal der Pl�tzlichkeit im Rahmen der unfall�hnlichen K�rpersch�digungen nicht in erster Linie auf die Dauer der sch�digenden Einwirkung an als vielmehr auf deren Einmaligkeit. Keine unfall�hnliche K�rpersch�digung liegt demgem�ss vor, wenn eine Verletzung im Sinne von Art. 9 Abs. 2 lit. a-h UVV ausschliesslich auf wiederholte, im t�glichen Leben laufend auftretende Mikrotraumata zur�ckzuf�hren ist, welche eine allm�hliche Abn�tzung bewirken und schliesslich zu einem behandlungsbed�rftigen Gesundheitsschaden f�hren (Urteil A. vom 27. Oktober 2005, U 223/05, Erw. 4.2 mit Hinweisen auf BGE 116 V 148 Erw. 2c und Alfred B�hler, Die unfall�hnliche K�rpersch�digung, in: SZS 1996 S. 88).
3.1 Es steht fest (Schadenmeldung UVG des Hausarztes Dr. med. W.________, Allgemeine Medizin FMH, vom 29. Oktober 2005; Bericht des Dr. med. C.________, Praxisgemeinschaft, Orthop�dische Chirurgie/Sportmedizin, vom 28. Oktober 2005), dass der Beschwerdegegner am 26. Oktober 2005 eine Achillessehnenruptur und damit eine Verletzung gem�ss Art. 9 Abs. 2 lit. f UVV ("Sehnenriss") erlitten hat. Strittig und zu pr�fen ist, ob die Blessur auf ein unfall�hnliches Ereignis gem�ss den in Erw. 1 und 2 hievor dargelegten Bestimmungen und Grunds�tzen zur�ckzuf�hren ist. Die Beschwerdef�hrerin verneint dies mit der Begr�ndung, die K�rpersch�digung sei beim "normalen", "�blichen" Aufstehen von einem Stuhl eingetreten.
3.2 Auf Grund des aktenm�ssigen Geschehensablaufes ist es - wie schon von der Vorinstanz erkannt - �berwiegend wahrscheinlich, dass der als Dozent t�tige Beschwerdegegner am 26. Oktober 2005 aus seinem B�rostuhl aufgesprungen ist, wobei anl�sslich der abrupten Rotations-/Seitw�rtsbewegung der Sehnenriss eingetreten ist. Im Rahmen der Beweisw�rdigung kommt dabei den Angaben der (erst-)behandelnden �rzte Dres. med. W.________ und C.________ erhebliches Gewicht zu. Die Aussagen der beiden �rzte zum Unfallgeschehen basieren - naturgem�ss - auf der Darstellung ihres Patienten; der Umstand, dass die �rzte nicht aus eigener Wahrnehmung berichteten, sondern die Schilderung des Versicherten wiedergaben, f�hrt entgegen der offenbaren Auffassung der Beschwerdef�hrerin indes nicht dazu, dass die Angaben der Mediziner nicht im Sinne von Indizien zu ber�cksichtigen sind. Auf Grund der zeitlichen N�he zum Ereignis sind sodann bewusste oder unbewusste �berlegungen versicherungsrechtlicher oder anderer Art wenig wahrscheinlich, was zus�tzlich f�r die Zuverl�ssigkeit der Angaben der �rzte spricht. Laut Schadenmeldung UVG des Dr. med. W.________ vom 29. Oktober 2005 machte der Beschwerdegegner eine abrupte Bewegung, indem er aus Freude �ber die g�nstigen Konditionen f�r den Abschluss eines grundpfandgesicherten Darlehens ("Festhypothek") in die H�he gesprungen ist; Dr. med. C.________ nannte im Bericht vom 28. Oktober 2005 seinerseits eine abrupte Rotations-/Seitw�rtsbewegung als urs�chlich f�r die Verletzung. Die Sachverhaltsdarstellung der behandelnden �rzte stimmt schliesslich insoweit mit den Angaben des Beschwerdegegners im "Fragebogen Unfallbegriff" (vom 3. November 2005) �berein, als der Versicherte dort erkl�rte, die Verletzung sei beim etwas abrupten Aufstehen eingetreten. Der Umstand, dass der Beschwerdegegner die Frage verneinte, ob die Verletzung auf etwas Ausserordentliches ("Schlag, Sturz, Ausrutschen usw.") zur�ckzuf�hren sei und insgesamt der Eindruck entsteht, der Beschwerdegegner habe das Geschehnis vom 26. Oktober 2005 initial gegen�ber der Unfallversicherung eher bagatellisiert, f�hrt zu keinem anderen Beweisergebnis.
Insgesamt ist davon auszugehen, dass mit dem Aufspringen aus dem B�rostuhl eine abrupte �nderung der K�rperlage stattgefunden hat, der ein zwar nicht ungew�hnliches, jedoch gegen�ber dem normalen Gebrauch der K�rperteile gesteigertes Gef�hrdungspotential innewohnte (BGE 129 V 470 Erw. 4.2.2 und 4.3.3), welches sich hier realisierte. Demnach ist ein �usseres Ereignis im Sinne von Art. 9 Abs. 2 UVV zu bejahen und der angefochtene Entscheid h�lt vor Bundesrecht stand.