Source: http://www.rahuber.ch/Unfall.html
Timestamp: 2017-07-27 08:43:40
Document Index: 46918094

Matched Legal Cases: ['Art. 4', 'Art. 1', 'Art. 66', 'Art. 3', 'Art. 13', 'Art. 1', 'Art. 22']

rahuber.ch - Unfall - Verkehrsunfall
Gemäss Art. 4 ATSG (Allgemeiner Teil des Sozialversicherungrechts) ist ein Unfall "die plötz- liche, nicht beabsichtigte schädigende Einwirkung eines ungewöhnlichen äusseren Faktors auf den menschlichen Körper, die eine Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesund- heit oder den Tod zur Folge hat".
Näheres zum Unfallbegriff, der nicht nur im Sozial- versicherungsrecht, sondern in analoger Weise auch im Privatversicherungsrecht gilt, erfahren Sie bei- spielsweise hier... (Website www.koordination.ch von Michael Keller).
Obligatorisch unfallversichert?
Nach einem Unfall, sei es ein Verkehrsunfall oder ein sonstiger Unfall, stellt sich zuerst die Frage, ob Sie im Zeitpunkt des Unfalls obligatorisch unfallversichert waren oder nicht. Gemäss Art. 1a UVG (Bundesgesetz über die Obligatorische Unfallversicherung) sind obligatorisch versichert die in der Schweiz beschäftigten Arbeitnehmer, einschliesslich der Heimarbeiter, Lehrlinge, Praktikanten, Volontäre sowie der in Lehr- oder Invalidenwerkstätten tätigen Personen.
Die obligatorische Unfallversicherung wird durch private UVG-Versicherer bzw. für alle Bau- und industriellen Betriebe durch die Suva durchgeführt (zur genauen Abgrenzung vgl. Art. 66 UVG)
Nach Art. 3 UVG beginnt die Versicherung an dem Tag, an dem der Arbeitnehmer aufgrund der Anstellung die Arbeit antritt oder hätte antreten sollen, in jedem Falle aber im Zeitpunkt, da er sich auf den Weg zur Arbeit begibt. Sie endet mit dem 30. Tag nach dem Tage, an dem der Anspruch auf mindestens den halben Lohn aufhört.
Gegen Betriebsunfälle sind alle Arbeitnehmer versichert, gegen Nichtbetriebsunfälle alle Arbeitnehmer, die bei einem Arbeitgeber mehr als 8 Stunden pro Woche arbeiten (Art. 13 UVV; Verordnung über die Unfallversicherung).
Subsidiäre Unfalldeckung der Kranken- kasse
Wer nicht nach UVG obligatorisch unfallversichert ist, ist durch die obligatorische Krankenversicherung unfallversichert (Art. 1a KVG). Aus der Krankenkasse-Grundversicherung werden ohne Zusatzversicherung allerdings nur Heilungskosten vergütet. Taggeldleistungen werden nur erbracht, sofern diese zusätzlich versichert wurden. Rentenleistungen werden aus der Krankenkasse-Grundversicherung keine erbracht. Allerdings ist in jedem Einzelfall zu prüfen, ob im Rahmen der Krankenkassen-Zusatzversicherung oder einer privaten Lebensversicherung Taggeld- und/oder Rentenleistungen versichert sind.
Welche Leistungen erbringt die obligatorische Unfallversicherung?
die ambulante Behandlung durch den Arzt/die Ärztin, den Zahnarzt/die Zahnärztin und den Chiropraktor/die Chiropraktorin sowie - auf ärztliche Anordnung - durch medizinisches Hilfspersonal,
die vom Arzt/von der Ärztin verordneten Medikamente und Untersuchungen,
die Behandlung, Verpflegung und Unterkunft in der allgemeinen Abteilung eines Spitals,
die ärztlich verordneten Nach- und Badekuren,
Mittel und Gegenstände, die der Heilung dienen.
Obwohl alternativ-medizinische Behandlungen nach dem Wortlaut des UVG nicht übernommen werden müssen, werden einzelne Methoden gestützt auf eine Empfehlung der Ad-Hoc-Kommission UVG von den meisten UVG-Versicherern übernommen.
Kosten für die Heilbehandlung im Ausland für die ärztlich verordnete Hauspflege, Hilfsmittel, sowie Unfallschäden an Sachen, die einen Körperteil oder eine Körperfunktion ersetzen, werden vom Versicherer übernommen. Reise-, Transport- und Rettungskosten sowie Leichentransport- und Bestattungskosten werden ebenfalls vergütet.
Grundlage für die Geldleistungen der Unfallversicherung ist der versicherte Verdienst. Dies ist der für die AHV massgebende Lohn mit gewissen Ergänzungen. Der Höchstbetrag des versicherten Verdienstes (vgl. Art. 22 Abs. 1 UVV) beträgt zur Zeit CHF 126'000.
Massgebend für die Bemessung der Taggelder ist der letzte vor dem Unfall bezogene Lohn und für die Bemessung der Renten der innerhalb eines Jahres vor dem Unfall bezogene Lohn. Die Integritätsentschädigung und die Hilflosenentschädigungen werden bei allen Versicherten vom gesetzlichen Höchstbetrag des versicherten Verdienstes berechnet.
Ist eine versicherte Person auf Grund eines Unfalls voll oder teilweise arbeitsunfähig, so hat sie Anspruch auf ein Taggeld. Dieses wird ab den 3. Tag nach dem Unfalltag für jeden Kalendertag ausgerichtet. Es beträgt bei voller Arbeitsunfähigkeit 80% des versicherten Verdienstes, bei teilweiser Arbeitsunfähigkeit entsprechend weniger. Der Taggeldanspruch erlischt mit der Wiedererlangung der vollen Arbeitsfähigkeit, dem Beginn einer Invalidenrente oder mit dem Tod der versicherten Person. Das Taggeld für Personen, die während der Arbeitslosigkeit verunfallen entspricht der Arbeitslosenentschädigung. Wichtig: Entgegen einem weit verbreiteten Irrtum werden Taggeldleistungen nicht maximal zwei Jahre lang bezahlt, sondern so lange, bis ein sogenannter Endzustand eingetreten ist, d.h. der Gesundheitszustand sich mutmasslich nicht mehr verändert.
Wenn eine versicherte Person auf Grund eines Unfalls invalid wird, d.h. voraussichtlich bleibend oder für längere Zeit in ihrer Erwerbstätigkeit beeinträchtigt ist, so hat sie Anspruch auf eine Invalidenrente. Der Anspruch entsteht, wenn eine Fortsetzung der ärztlichen Behandlung keine namhafte Besserung des Gesundheitszustandes erwarten lässt und allfällige Eingliederungsmassnahmen der IV abgeschlossen sind. Massgebend für die Bemessung des Invaliditätsgrades ist der Vergleich der Erwerbsmöglichkeiten des Versicherten mit bzw. ohne die Beeinträchtigung seiner Erwerbsfähigkeit.
Erleidet eine versicherte Person durch einen Unfall eine dauernde erhebliche Schädigung der körperlichen oder geistigen Integrität (z. B. Verlust einer Niere oder eines Beines, Tetraplegie, vollständige Blindheit), hat sie Anspruch auf eine angemessene Integritätsentschädigung. Die Entschädigung in Form einer Kapitalleistung wird entsprechend der Schwere des Integritätsschadens abgestuft. Geregelt ist die Bemessung der Integritätsschäden im Anhang 3 zur UVV. In der Praxis werden allerdings eher die feiner abgestuften Integritätstabellen der Suva zur Bemessung verwendet.
Falls jemand für Ihren Unfall verantwortlich ist, können Sie gegen den Unfallverursacher Anspruch auch Schadenersatz (Erwerbsschaden, Haushaltschaden, Genugtuung, Schmerzensgeld etc.) geltend machen (vgl. auch die Seite Verkehrsunfall).
:: 31.08.2011