Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Text=XII%20ZR%20102/08
Timestamp: 2019-12-12 22:04:45
Document Index: 193502335

Matched Legal Cases: ['BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 1570', '§ 1570', '§ 1570', '§ 1578', '§ 1578', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 1570', '§ 1615', '§ 1615', '§ 1570', '§ 1615', 'BGH', 'BGH', '§ 1570', '§ 1570', '§ 1570', '§ 1578', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 1570', '§ 1570', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 1615', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH']

BGH, 17.06.2009 - XII ZR 102/08 - dejure.org
https://dejure.org/2009,329
BGH, 17.06.2009 - XII ZR 102/08 (https://dejure.org/2009,329)
BGH, Entscheidung vom 17.06.2009 - XII ZR 102/08 (https://dejure.org/2009,329)
BGH, Entscheidung vom 17. Juni 2009 - XII ZR 102/08 (https://dejure.org/2009,329)
Tipp: Um den Kurzlink (hier: https://dejure.org/2009,329) schnell in die Zwischenablage zu kopieren, können Sie die Tastenkombination Alt + R verwenden - auch ohne diesen Bereich zu öffnen.
BGB §§ 1570, 1578 b
Verlängerung des Betreuungsunterhalts aus kindbezogenen Gründen, "gestufter Übergang" zur Vollerwerbstätigkeit
Verlängerung des nachehelichen Betreuungsunterhalts über die Vollendung des dritten Lebensjahres eines Kindes hinaus nach Billigkeitsgesichtspunkten; Möglichkeit eines gestuften Übergangs bis hin zu einer Vollzeiterwerbstätigkeit nach dem neuen Unterhaltsrecht
Unterhalt des geschiedenen Ehegatten; Unterhalt wegen Kinderbetreuung; Basisunterhalt und Billigkeitsunterhalt; gestufter Übergang bis hin zu einer Vollzeiterwerbstätigkeit nach Maßgabe der kindbezogenen und elternbezogenen Gründe; Begrenzung des Betreuungsunterhalts.
Betreuungsunterhalt (nachehelicher) - gestufter Übergang
Dauer des Betreuungsunterhaltes
BGB § 1570 Abs. 1; BGB § 1570 Abs. 2; BGB § 1578b
Familienrecht - Anspruch auf nachehelichen Betreuungsunterhalt
Nachehelicher Betreuungsunterhalt - nach drei Jahren
Familienrecht - Betreuungsunterhalt über das dritte Lebensjahr hinaus?
Mutter einer Siebenjährigen muss nur halbtags arbeiten - Hilfe der Großeltern soll ihr und nicht dem Vater zugute kommen
Betreuungsunterhalt ab Vollendung des 3. Lebensjahres des Kindes - kein abrupter Wechsel von der elterlichen Betreuung zu einer Vollzeiterwerbstätigkeit -
Betreuungsunterhalt ist nicht gemäß § 1578b BGB zu befristen
Betreuungsunterhalt - Betreuungsunterhalt über das 3. Lebensjahr des Kindes hinaus nur im Fall der Billigkeit
Bundesgerichtshof deutet mit der dritten Entscheidung zum nachehelichen Betreuungsunterhalt ein neues Altersphasenmodell an
Kurznachricht zu "Praxishinweis zum Urteil des BGH vom 17.06.2009, Az.: XII ZR 102/08 (Betreuungsunterhalt/Erwerbsobliegenheit/Unterhaltsbegrenzung)" von der FuR-Redaktion, original erschienen in: FuR 2009, 577 - 581.
Kurznachricht zu "Anmerkung zum Urteil des BGH vom 17.06.2009, Az.: XII ZR 102/08 (Dauer des Betreuungsunterhalts)" von VorsRiOLG Reinhardt Wever, original erschienen in: FF 2009, 373 - 375.
Kurznachricht zu "Anmerkung zum Urteil des BGH vom 17.06.2009, Az.: XII ZR 102/08 (Gestufter Übergang zu Vollzeiterwerbstätigkeit bei nachehelichem Betreuungsunterhalt)" von RIOLG Jörg Hahnenstein, original erschienen in: FamRZ 2009, 1985 - 1986.
AG München, 30.03.2007 - 533 F 1396/05
NJW 2009, 2592
MDR 2009, 1112
NJ 2009, 473
FamRZ 2009, 1391
FamRZ 2009, 1985
Ebenso hat der Senat ausgesprochen, dass der unterhaltsberechtigte Elternteil, dessen Anspruch auf Unterhalt wegen Kindesbetreuung (§ 1570 Abs. 1 BGB oder § 1615 l Abs. 2 BGB) in den ersten drei Lebensjahren des Kindes tituliert worden ist, in einem Abänderungsverfahren auch als Abänderungsantragsgegner wie bei der Erstfestsetzung diejenigen - kindbezogenen oder elternbezogenen - Gründe darlegen und beweisen muss, die eine Verlängerung des titulierten Betreuungsunterhalts über die Dauer von drei Jahren hinaus rechtfertigen sollen (vgl. Senatsurteil vom 17. Juni 2009 - XII ZR 102/08 - FamRZ 2009, 1391 Rn. 29).
Umfasst etwa die Betreuung von Schulkindern in einem Hort auch die Hausaufgabenbetreuung, bleibt auch insoweit für eine persönliche Betreuung durch einen Elternteil kein unterhaltsrechtlich zu berücksichtigender Bedarf (Senatsurteil vom 17. Juni 2009 - XII ZR 102/08 - FamRZ 2009, 1391 Tz. 23).
Dabei sind alle Umstände des Einzelfalls zu berücksichtigen, auch das konkrete Betreuungsangebot der kindgerechten Einrichtung (vgl. Senatsurteil vom 17. Juni 2009 - XII ZR 102/08 - FamRZ 2009, 1391 Tz. 24).
Insoweit hat der Gesetzgeber die Vorschrift des § 1615 l Abs. 2 BGB und den nachehelichen Betreuungsunterhalt nach § 1570 BGB weitgehend einander angeglichen (vgl. Senatsurteil vom 17. Juni 2009 - XII ZR 102/08 - FamRZ 2009, 1391, 1393 zum nachehelichen Betreuungsunterhalt sowie BT-Drucks. 16/6980 S. 8 ff.).
Insbesondere nach Maßgabe der im Gesetz ausdrücklich genannten kindbezogenen Gründe ist unter Berücksichtigung der bestehenden Möglichkeiten der Kinderbetreuung (§ 1615 l Abs. 2 Satz 5 BGB) ein gestufter Übergang bis hin zu einer Vollzeiterwerbstätigkeit möglich (zum nachehelichen Betreuungsunterhalt vgl. Senatsurteil vom 17. Juni 2009 - XII ZR 102/08 - FamRZ 2009, 1391, 1393 f. m. w. N.).
Auch Umstände, die aus elternbezogenen Gründen zu einer eingeschränkten Erwerbspflicht und damit zur Verlängerung des Betreuungsunterhalts führen können, hat der Unterhaltsberechtigte darzulegen und zu beweisen (Senatsurteile vom 17. Juni 2009 - XII ZR 102/08 - FamRZ 2009, 1391, 1393 m. w. N. und BGHZ 177, 272, 304 = FamRZ 2008, 1739, 1748).
Auch Umstände, die aus elternbezogenen Gründen zu einer eingeschränkten Erwerbspflicht und damit zur Verlängerung des Betreuungsunterhalts führen können, hat der Unterhaltsberechtigte darzulegen und zu beweisen (Senatsurteile vom 17. Juni 2009 - XII ZR 102/08 - FamRZ 2009, 1391, 1393 mwN; BGHZ 177, 272, 304 = FamRZ 2008, 1739, 1748; vom 13. Januar 2010 - XII ZR 123/08 - FamRZ 2010, 444; vom 16. Dezember 2009 - XII ZR 50/08 - FamRZ 2010, 357 …und vom 21. April 2010 - XII ZR 134/08 - FamRZ 2010, 1050 Rn. 35).
Nach Maßgabe der im Gesetz genannten kindbezogenen (§ 1570 Abs. 1 Satz 3 BGB) und elternbezogenen (§ 1570 Abs. 2 BGB) Gründe ist vielmehr ein gestufter Übergang bis hin zu einer Vollzeiterwerbstätigkeit möglich (Senatsurteile vom 17. Juni 2009 - XII ZR 102/08 - FamRZ 2009, 1391 Rn. 19 ff. …und vom 30. März 2011 - XII ZR 3/09 - FamRZ 2011, 791 Rn. 20 mwN).
Zwar ist es, wie ausgeführt, zu Unrecht davon ausgegangen, dass es sich bei dem Unterhalt allein um Betreuungsunterhalt nach § 1570 BGB handele, der nach der Rechtsprechung des Senats jedenfalls einer Befristung nach § 1578 b Abs. 2 BGB nicht zugänglich ist (vgl. Senatsurteile vom 6. Mai 2009 - XII ZR 114/08 - FamRZ 2009, 1124 und vom 17. Juni 2009 - XII ZR 102/08 - FamRZ 2009, 1391 Rn. 48).
Auch Umstände, die aus elternbezogenen Gründen zu einer eingeschränkten Erwerbspflicht und damit zur Verlängerung des Betreuungsunterhalts führen können, hat der Unterhaltsberechtigte darzulegen und zu beweisen (…Senatsurteile BGHZ 193, 78 = FamRZ 2012, 1040 Rn. 20; vom 17. Juni 2009 - XII ZR 102/08 - FamRZ 2009, 1391 Rn. 20 mwN und BGHZ 177, 272 = FamRZ 2008, 1739 Rn. 97).
Auch insoweit ist allerdings stets zunächst der individuelle Umstand zu prüfen, ob und in welchem Umfang die Kindesbetreuung auf andere Weise gesichert ist oder in einer für das Kind geeigneten Betreuungseinrichtung gesichert werden könnte (…Senatsurteil vom 17. März 2010 - XII ZR 204/08 - FamRZ 2010, 802 Rn. 11 zum volljährigen behinderten Kind;… vgl. auch Senatsurteile BGHZ 180, 170 = FamRZ 2009, 770 Rn. 27;… vom 6. Mai 2009 - XII ZR 114/08 - FamRZ 2009, 1124 Rn. 32 und vom 17. Juni 2009 - XII ZR 102/08 - FamRZ 2009, 1391 Rn. 23).
Nach Maßgabe der im Gesetz genannten kindbezogenen (§ 1570 Abs. 1 Satz 3 BGB) und elternbezogenen (§ 1570 Abs. 2 BGB) Gründe ist auch nach dem neuen Unterhaltsrecht ein gestufter Übergang bis hin zu einer Vollzeiterwerbstätigkeit möglich (…Senatsurteile BGHZ 180, 170 = FamRZ 2009, 770 Rn. 22;… vom 6. Mai 2009 - XII ZR 114/08 - FamRZ 2009, 1124 Rn. 26 und vom 17. Juni 2009 - XII ZR 102/08 - FamRZ 2009, 1391 Rn. 19).
Insoweit hat der Senat bereits ausgeführt, dass die ausgeübte oder verlangte Erwerbstätigkeit neben dem nach der Erziehung und Betreuung in einer Tageseinrichtung verbleibenden Anteil an der Betreuung nicht zu einer überobligatorischen Belastung des betreuenden Elternteils führen darf (Senatsurteile vom 17. Juni 2009 - XII ZR 102/08 - FamRZ 2009, 1391 Rn. 32 und BGHZ 177, 272 = FamRZ 2009, 1739 Rn. 103).
Unter Berücksichtigung des konkreten Betreuungsbedarfs ist dann eine Prüfung geboten, ob und in welchem Umfang die Erwerbsobliegenheit des unterhaltsberechtigten Elternteils über den Umfang der Betreuung des Kindes in einer kindgerechten Einrichtung hinaus noch eingeschränkt ist (Senatsurteile vom 17. Juni 2009 - XII ZR 102/08 - FamRZ 2009, 1391 Rn. 32;… vom 6. Mai 2009 - XII ZR 114/08 - FamRZ 2009, 1124 Rn. 37 und BGHZ 180, 170 = FamRZ 2009, 770 Rn. 32).
bb) Mit der Einführung des Basisunterhalts bis zur Vollendung des dritten Lebensjahres hat der Gesetzgeber dem betreuenden Elternteil die freie Entscheidung eingeräumt, ob er das Kind in dessen ersten drei Lebensjahren in vollem Umfang selbst betreuen oder andere Betreuungsmöglichkeiten in Anspruch nehmen will (Senatsurteile vom 17. Juni 2009 - XII ZR 102/08 - FamRZ 2009, 1391, 1393 m.w.N. und vom 13. April 2005 - XII ZR 273/02 - FamRZ 2005, 1154, 1156 f.).
Insbesondere nach Maßgabe der im Gesetz ausdrücklich genannten kindbezogenen Gründe ist unter Berücksichtigung der bestehenden Möglichkeiten der Kinderbetreuung (§ 1615 l Abs. 2 Satz 5 BGB) ein gestufter Übergang bis hin zu einer Vollzeiterwerbstätigkeit möglich (zum nachehelichen Betreuungsunterhalt vgl. Senatsurteil vom 17. Juni 2009 - XII ZR 102/08 - FamRZ 2009, 1391, 1393 f. m.w.N.).
Auch Umstände, die aus elternbezogenen Gründen zu einer eingeschränkten Erwerbspflicht und damit zur Verlängerung des Betreuungsunterhalts führen können, hat der Unterhaltsberechtigte darzulegen und zu beweisen (Senatsurteile vom 17. Juni 2009 - XII ZR 102/08 - FamRZ 2009, 1391, 1393 m.w.N. und BGHZ 177, 272, 304 = FamRZ 2008, 1739, 1748).
Im Rahmen dieser Billigkeitsentscheidung sind nach dem Willen des Gesetzgebers kind- und elternbezogene Verlängerungsgründe zu berücksichtigen (Senatsurteile vom 16. Juli 2008 - XII ZR 109/05 - FamRZ 2008, 1739, 1746; BGHZ 180, 170 = FamRZ 2009, 770 - Tz. 19; vom 6. Mai 2009 - XII ZR 114/08 - FamRZ 2009, 1124 Tz. 24 und vom 17. Juni 2009 - XII ZR 102/08 - FamRZ 2009, 1391 Tz. 17).
Auch insoweit ist im Rahmen der kindbezogenen Gründe stets zunächst der individuelle Umstand zu prüfen, ob und in welchem Umfang die Kindesbetreuung auf andere Weise gesichert ist oder in einer für das volljährige Kind geeigneten Betreuungseinrichtung gesichert werden könnte (vgl. Senatsurteile BGHZ 180, 170 = FamRZ 2009, 770 Tz. 27; vom 6. Mai 2009 - XII ZR 114/08 - FamRZ 2009, 1124 Tz. 32 und vom 17. Juni 2009 - XII ZR 102/08 - FamRZ 2009, 1391 Tz. 23).
Nach Maßgabe der im Gesetz genannten kindbezogenen und elternbezogenen Gründe ist ein gestufter Übergang bis hin zu einer Vollzeiterwerbstätigkeit möglich (BGH, FamRZ 2009, 1391, Tz. 19).
Erst wenn die Kinder ein Alter erreicht haben, in dem sie unter Berücksichtigung aller Umstände des Einzelfalles zeitweise sich selbst überlassen werden können, kommt es aus kindbezogenen Gründen soweit nicht mehr auf die vorrangig zu prüfende Betreuungsmöglichkeit in kindgerechten Einrichtungen an (BGH, FamRZ 2009, 1391, Tz. 25).
Der Umfang der elterlichen Kontrolle, der auch von der individuellen Entwicklung des Kindes abhängt, ist allerdings im Rahmen der elternbezogenen Verlängerungsgründe bei der Bemessung einer überobligationsmäßigen Belastung zu berücksichtigen (BGH, FamRZ 2009, 1391, Tz. 30).
Soweit der Umfang der Erwerbstätigkeit auf die Betreuung des Kindes durch die Eltern des betreuenden Elternteils zurückzuführen ist, liegt regelmäßig eine freiwillige Leistung vor, mit der die Großeltern die Belastung des betreuenden Elternteils mindern, nicht aber den barunterhaltspflichtigen Elternteil von seiner Unterhaltspflicht befreien wollen (BGH, FamRZ 2009, 1391, Tz. 33).
Ist die Betreuung eines Kindes auf andere Weise sichergestellt oder in einer kindgerechten Einrichtung möglich, können einer Erwerbsobliegenheit des betreuenden Elternteils auch elternbezogene Gründe entgegenstehen (BGH, FamRZ 2009, 1391, Tz. 31).
Unter Berücksichtigung des konkreten Betreuungsbedarfs ist dann eine Prüfung geboten, ob und in welchem Umfang die Erwerbsobliegenheit des unterhaltsberechtigten Elternteils über den Umfang der Betreuung des Kindes in der kindgerechten Einrichtung hinaus noch eingeschränkt ist (BGH, FamRZ 2009, 1391, Tz. 32).
Kosten der Ausübung des Umgangsrechts, die deutlich über den verbleibenden Anteil hinausgehen, können durch einen - teilweisen - Abzug vom Einkommen oder eine Erhöhung des Ehegattenselbstbehaltes berücksichtigt werden (BGH, FamRZ 2009, 1391, Tz. 41;… vgl. auch Büttner/Niepmann/Schwamb, a.a.O., Rz. 1037).
Das setzt allerdings voraus, dass einerseits die notwendige Erziehung und Betreuung gemeinsamer Kinder trotz abgesenkten Unterhaltsbedarfs sichergestellt und das Kindeswohl auch sonst nicht beeinträchtigt ist und andererseits eine fortdauernde Teilhabe des betreuenden Elternteils an den abgeleiteten ehelichen Lebensverhältnissen während der Ehe unbillig erscheint (BGH, FamRZ 2009, 1391, Tz. 50).
Insoweit trifft den Unterhaltspflichtigen die Darlegungs- und Beweislast (BGH, FamRZ 2009, 1391, Tz. 51).
OLG Brandenburg, 08.12.2009 - 10 UF 226/07
Nachehelicher Unterhalt: Berücksichtigung der Kosten für Fahrten zum persönlichen …