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Timestamp: 2020-08-12 10:43:55
Document Index: 180560349

Matched Legal Cases: ['§ 1', 'Art. 7', '§ 7', '§ 7', '§ 7', '§ 7', '§ 7', 'Art. 7', '§ 1', '§ 26', '§ 26', 'Art. 267', 'Art. 31', 'Art. 7', '§ 249', '§ 275', '§ 280', '§ 283', '§ 287', '§ 1', '§ 7', '§ 26']

BAG Urteil vom 19.02.2019 - 9 AZR 541/15 | Haufe Personal Office Platin | Personal | Haufe
BAG Urteil vom 19.02.2019 - 9 AZR 541/15
Verfall von Urlaub. Mitwirkungsobliegenheiten des Arbeitgebers
1. Der Anspruch auf den gesetzlichen Mindesturlaub (§§ 1, 3 Abs. 1 BUrlG) erlischt bei einer mit Art. 7 der Richtlinie 2003/88/EG konformen Auslegung von § 7 BUrlG nur dann am Ende des Kalenderjahres (§ 7 Abs. 3 Satz 1 BUrlG) oder eines zulässigen Übertragungszeitraums (§ 7 Abs. 3 Satz 3 und Satz 4 BUrlG), wenn der Arbeitgeber den Arbeitnehmer zuvor in die Lage versetzt hat, seinen Urlaubsanspruch wahrzunehmen, und der Arbeitnehmer den Urlaub dennoch aus freien Stücken nicht genommen hat (Rn. 27).
2. Die Befristung des Urlaubsanspruchs nach § 7 Abs. 3 BUrlG setzt grundsätzlich voraus, dass der Arbeitgeber seinen aus einem richtlinienkonformen Verständnis von § 7 Abs. 1 Satz 1 BUrlG resultierenden Mitwirkungsobliegenheiten bei der Verwirklichung des Urlaubsanspruchs genügt, indem er den Arbeitnehmer – erforderlichenfalls förmlich – auffordert, seinen Urlaub zu nehmen, und ihm klar und rechtzeitig mitteilt, dass der Urlaub mit Ablauf des Kalenderjahres oder Übertragungszeitraums verfällt, wenn er ihn nicht beantragt (Rn. 26, 41).
3. Tarifvertragsparteien können Urlaubs- und Urlaubsabgeltungsansprüche, die den von Art. 7 Abs. 1 der Richtlinie 2003/88/EG gewährleisteten und von §§ 1, 3 Abs. 1 BUrlG begründeten Anspruch auf Mindestjahresurlaub von vier Wochen übersteigen, frei regeln. Dies schließt die Befugnis ein zu bestimmen, dass der tarifliche Mehrurlaub am Ende des Jahres oder des Übertragungszeitraums verfällt, ohne dass der Arbeitgeber zuvor seinen Mitwirkungsobliegenheiten entsprochen hat (Rn. 35).
4. Für den Willen der Tarifvertragsparteien, den Verfall des Urlaubs abweichend von den gesetzlichen Bestimmungen zu regeln, müssen deutliche Anhaltspunkte vorliegen. Fehlen solche, ist von einem Gleichlauf des gesetzlichen Urlaubsanspruchs und des Anspruchs auf tariflichen Mehrurlaub auszugehen (Rn. 36).
5. In § 26 TVöD hat ein vom Gesetzesrecht abweichender Regelungswille der Tarifvertragsparteien keinen Niederschlag gefunden. Der nicht gewährte tarifliche Mehrurlaub teilt daher das rechtliche Schicksal des gesetzlichen Mindesturlaubs. Das Fristenregime des § 26 Abs. 2 Buchst. a TVöD wird nur ausgelöst, wenn der Arbeitgeber seinen Mitwirkungsobliegenheiten Rechnung getragen hat (Rn. 37).
AEUV Art. 267, 288 Abs. 3; GRC Art. 31 Abs. 2; Richtlinie 2003/88/EG Art. 7; BGB § 249 Abs. 1, § 275 Abs. 1, 4, § 280 Abs. 1, 3, §§ 283, 286 Abs. 1 S. 1, § 287 S. 2; BUrlG §§ 1, 3 Abs. 1, § 7; Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst (TVöD) § 26
LAG München (Urteil vom 06.05.2015; Aktenzeichen 8 Sa 982/14)
ArbG München (Urteil vom 13.11.2014; Aktenzeichen 13 Ca 7172/14)
BB 2019, 499
DStR 2019, 12
DStR 2019, 1213
IBR 2019, 494
NZG 2019, 6
ZIP 2019, 15
ZTR 2019, 145
ZTR 2019, 426
ArztR 2019, 274
AuA 2019, 206
AuA 2019, 373
DZWir 2019, 400
EzA-SD 2019, 11
EzA-SD 2019, 4
RiA 2020, 49
öAT 2019, 169
AE 2020, 14
AUR 2019, 193
AUR 2019, 433
ArbRB 2019, 67
ArbR 2019, 119
ArbR 2019, 390
BerlAnwBl 2019, 312
GV/RP 2019, 596
GWR 2019, 154
RdW 2019, 342
KRS 2019, 340
PERSONALmagazin 2019, 12
SPA 2019, 47
sis 2019, 311