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Timestamp: 2019-02-21 08:06:53
Document Index: 60484038

Matched Legal Cases: ['§ 253', 'Art. 75', '§ 284', '§ 284', '§ 253', 'Art. 75', '§ 285', '§ 285', 'Art. 75', '§ 253']

FACHNACHRICHTEN PLUS - MAI 2016
1. Angabepflichten durch die Neuregelung zur Abzinsung von Pensionsrückstellungen
2. Ergebnisse einer empirischen Studie zu Saldenbestätigungen
3. Mustervorlagen für die Einholung von Bestätigungen Dritter
4. Kostenlose App: Wer wird WP-Experte?
ANGABEPFLICHTEN DURCH DIE NEUREGELUNG ZUR ABZINSUNG VON PENSIONSRÜCKSTELLUNGEN
Mit der Niedrigzinsphase sinkt die Attraktivität von Pensionsrückstellungen. Es wird mehr Kapital benötigt, um die zugesagten Pensionen zu erwirtschaften. Das führt zu erhöhtem Aufwand und zu einer steigenden Fremdkapitalquote.
Mit dem "Gesetz zur Umsetzung der Wohnimmobilienkreditrichtlinie und zur Änderung handelsrechtlicher Vorschriften" (BGBl 2016 I S. 396) wurden diese Effekte abgemildert, indem für die Abzinsung von Pensionsrückstellungen nunmehr ein durchschnittlicher Marktzinssatz von zehn Jahren, anstatt bisher von sieben Jahren, anzuwenden ist (§ 253 II 1 HGB n.F.).
Die geänderte Abzinsung ist verpflichtend für Geschäftsjahre, die nach dem 31.12.2015 beginnen (Art. 75 VI EGHGB n.F.). Für Geschäftsjahre, die nach dem 31.12.2014 beginnen besteht ein Wahlrecht.
Mit der geänderten Abzinsung wird nicht die Bewertungsmethode geändert. Die Abzinsung erfolgt unverändert nach der RückAbzinsVO. Eine Durchbrechung der Stetigkeit (§ 284 II Nr. 2 HGB i.d.F. BilRUG) liegt demnach nicht vor.
Allerdings ist die Beschreibung der Bilanzierungs- und Bewertungsmethoden an die geänderte Berechnung des Abzinsungssatzes anzupassen (§ 284 II Nr. 1 HGB).
Darüber hinaus führt § 253 VI HGB n.F. eine neue Anhangsangabe ein. Der Unterschiedsbetrag, der sich aus der Abzinsung mit einem Zinssatz der vergangenen 10 Jahre und demjenigen der vergangenen 7 Jahre ergibt, ist im Anhang anzugeben. Kleinst-KapG und bilanzierende Kaufleute, die keinen Anhang aufzustellen brauchen, müssen die Angabe unter der Bilanz machen.
Die geforderte Darstellung geht über eine bloße Nennung hinaus. Anzugeben sind:
Ursache für den Unterschiedsbetrag
Höhe des Unterschiedsbetrags
Hinweis auf die Ausschüttungssperre bzgl. des Unterschiedsbetrags
Dieser Unterschiedsbetrag unterliegt als nicht realisierter Buchgewinn einer Ausschüttungssperre.
Bei Inanspruchnahme des Wahlrechts im Jahr 2015 fordert Art. 75 VII 4 EGHGB n.F zusätzliche Erläuterungen im Anhang von mittelgroßen und großen KapG zur „Ausübung der Anwendung des Wahlrechts“. Es wird also auch hier mehr verlangt, als die bloße Angabe, dass das Wahlrecht ausgeübt wurde. Anzugeben dürften daher sein:
Beschreibung des Wahlrechts
Angabe der Ausübung des Wahlrechts
Einfluss auf die VFE-Lage (Unterschiedsbetrag.
Unter Berücksichtigung dieser Ausführungen lassen sich folgende Muster-Anhangsangaben ableiten:
A. Für Jahresabschlüsse zum 31.12.2016
"Pensionsrückstellungen (§ 285 Nr. 24 HGB)
Die Rückstellung für Pensionen und ähnliche Verpflichtungen wurde nach der versicherungsmathematischen Teilwertmethode gebildet. Es wurden folgende Annahmen für die Berechnung berücksichtigt (§ 285 Nr. 24 HGB):
pauschale durchschnittliche Restlaufzeit von 15 Jahren
durchschnittlicher Marktzinssatz der vergangenen zehn Jahre von 4,3% (im Vorjahr: durchschnittlicher Marktzinssatz der vergangenen sieben Jahre von 3,89%), der von der Dt. Bundesbank bekanntgemacht wurde
Lohn- und Gehaltssteigerungen von 2% nach den Erfahrungswerten aus der Vergangenheit
Sterbetafeln nach Dr. Klaus Heubeck „Richttafeln 2005 G“
Aus der Abzinsung der Pensionsrückstellungen mit dem durchschnittlichen Marktzinssatz der vergangenen zehn Jahre ergibt sich im Vergleich zur Abzinsung mit dem durchschnittlichen Marktzinssatz der vergangenen sieben Jahre ein Unterschiedsbetrag in Höhe von T€ 58. Dieser Unterschiedsbetrag ist für die Ausschüttung gesperrt."
B. für die wahlweise Anwendung zum 31.12.2015:
Das Wahlrecht nach Art. 75 VII EGHGB n.F. wurde ausgeübt und als Abzinsungsfaktor erstmals der durchschnittliche Marktzinssatz der vergangenen zehn Jahre statt wie im Vorjahr derjenige der vergangenen sieben Jahre verwendet. Der Abzinsungssatz wurde von der Deutschen Bundesbank bekanntgemacht und beträgt 4,3% (Vorjahr: 3,89%).
Aus der Abzinsung der Pensionsrückstellungen mit dem durchschnittlichen Marktzinssatz der vergangenen zehn Jahre ergibt sich im Vergleich zur Abzinsung mit dem durchschnittlichen Marktzinssatz der vergangenen sieben Jahre ein Unterschiedsbetrag in Höhe von T€ 58.
In Höhe dieses Unterschiedsbetrags sind die passivierte Pensionsrückstellung und der Zinsaufwand im Vergleich zur bisherigen Abzinsung mit dem durchschnittlichen Marktzinssatz von sieben Jahren niedriger angesetzt.
Dieser abzinsungsbedingte Unterschiedsbetrag ist für die Ausschüttung gesperrt (§ 253 VI 2 HGB n.F.)."
ERGEBNISSE EINER EMPIRISCHEN STUDIE ZU SALDENBESTÄTIGUNGEN
Die Bergische Universität Wuppertal hat im Jahr 2015 eine empirische Studie zur Organisation und Durchführung von Saldenbestätigungsaktionen durchgeführt und erste Ergebnisse der Befragung veröffentlicht.
Anlass der Studie war der überarbeitete IDW PS 302 n.F, der nun auch explizit elektronische Medien zur Durchführung von Bestätigungsanfragen zulässt. Der zunehmende Einsatz von Informationstechnologie in der Abschlussprüfung bietet vielfältige Möglichkeiten. Ziel war es, die in der Praxis übliche Vorgehensweise bei einer Saldenbestätigungsaktion zu ermitteln, mögliche Optimierungspotentiale zu bestimmen und diese zu bewerten.
Die Stichprobe ist repräsentativ für den Berufsstand. Es wurden die Geschlechter- und Altersverteilung, die örtliche Verteilung der registrierten Wirtschaftsprüfer, die Aufteilung in WPG, Partnerschaften, Sozietäten und Wirtschaftsprüfer in eigener Praxis sowie die Größenverteilung nach Prüfungsumsatz berücksichtigt.
Saldenbestätigungsaktionen werden überwiegend stichtagsbezogen zur Prüfung von Forderungen und Verbindlichkeiten eingesetzt. Dabei werden mit den Vorbereitungen hierzu überwiegend bis zu 4 Wochen vor dem Abschlussstichtag begonnen.
Hier einige wichtige Ergebnisse:
Die Stichprobe wird ganz überwiegend (65%) durch bewusste Auswahl gezogen. Nur 9% nutzen mathematisch-statistische Verfahren. 21% kombinieren statistische Verfahren mit der bewussten Auswahl. Dabei erfolgt die Auswahl der Stichprobe zu 73% manuell, in 18% wird die Auswahl IT-gestützt ermittelt.
Die Hälfte der Befragten versendet bis zu 100 Bestätigungsanfragen pro Abschlussprüfung. Damit werden bis zu 50% des Gesamtvolumens der zu prüfenden Salden abgedeckt. Etwas mehr als die Hälfte berücksichtigen bei der Bestimmung des Stichprobenumfangs die erwartete Rücklaufquote nicht. 23% wählen die Stichprobe bewusst überdimensioniert aus.
Wird die Bestätigungsanfrage nicht beantwortet, führen 61% eine Kombination aus alternativen Prüfungshandlungen und Folgeanfragen durch, 31% führen ausschließlich alternative Prüfungshandlungen durch.
Die Mehrheit fragt nach der positiven Methode in geschlossener Form an, d.h. es wird um Bestätigung oder Ablehnung eines mitgeteilten Saldos gebeten. Etwa ein Viertel erfragt eine Information und 13% kombinieren die beiden Formen der positiven Bestätigungsmethode. Damit wenden 94% die positive Methode an.
Der Versand der Bestätigungsanfragen erfolgt zu 90% per Brief, zu 5% per Email und zu 3% per Fax. Mündliche Auskünfte kommen nicht vor.
Vor dem Versand werden von 39% die Adressen i.d.R. kontrolliert, 32% kontrollieren nur im Verdachtsfall und 29% führen keine oder nur selten Kontrollen durch.
Den Versand führt in 63% der WP selbst durch, in 19% überwacht der WP den Versand durch den Mandanten und in 16% führt der Mandant den Versand durch, was dann zu einem nicht unerheblichen Verlässlichkeitsrisiko führen kann.
Die Rücklaufkontrolle erfolgt zu 87% manuell. Dabei werden zu 41% Folgeanfragen bei unvollständigem Rücklauf versendet. 31% geben an, eine Folgeanfrage nur dann zu versenden, wenn der Rücklauf für eine verlässliche Prüfung nicht ausreicht. 14% versenden nie Folgeanfragen.
Werden positive Bestätigungsanfragen nicht beantwortet, führen 65% alternative Prüfungshandlungen durch. 32% führen alternative Prüfungshandlungen nur bei wesentlichen Salden, bei nicht ausreichendem Rücklauf oder bei besonderen Gründen durch, was grundsätzlich nicht den Anforderungen des IDW PS 302 n.F. Tz 16 entspricht).(dh)
MUSTERVORLAGEN FÜR DIE EINHOLUNG VON BESTÄTIGUNGEN DRITTER
Im Rahmen ordnungsgemäßer Prüfungsdurchführung ist der Abschlussprüfer durch die fachlichen Regeln angehalten, aussagefähige und angemessene Nachweise (PS 300) bei Dritten einzuholen um mit hinreichender Sicherheit abschließende Prüfungsfeststellungen zu treffen.
Der Kreis Dritter umfasst hierbei nicht nur Kunden, Lieferanten, Rechtsanwälte und Banken des zu prüfenden Unternehmens, sondern auch Versicherungen, Leasinggesellschaften, Sachverständige etc..
Hier ein Überblick über die - je nach Prüfungsmethode - in Frage kommenden 17 Bestätigungsanfragen.
Während an Anlagen zum IDW PS 302 n.F. nur zwei Musterschreiben für Bestätigungsanfragen zur Verfügung gestellt werden, werden wir bei PR1MUS alle 17 möglichen Anfragen in Form von Musteranschreiben (als word-Dokumente) für unsere Seminarteilnehmer ausformulieren und ins Downloadcenter einstellen.
Dies soll Ihnen die Praxisarbeit erleichtern! (dh)
KOSTENLOSE APP: WER WIRD WP-EXPERTE?
Also: Viel Spaß beim spielerischen LERNEN! (dh)