Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Text=IX%20ZR%20168/93
Timestamp: 2020-07-08 02:15:42
Document Index: 356629831

Matched Legal Cases: ['BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 2', '§ 305', '§ 119', '§ 121', '§ 122', '§ 2', '§ 119', 'BGH', '§ 305', 'BGH', '§ 305', 'BGH', '§ 119', 'BGH', 'Art. 10', 'BGH', 'BGH', '§ 2', 'BGH', 'BGH', '§ 3', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 2', 'BGH', 'BGH', '§ 151', 'BGH', '§ 451', '§ 438', 'BGH', '§ 2', '§ 305', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH']

BGH, 27.10.1994 - IX ZR 168/93 - dejure.org
BGH, 27.10.1994 - IX ZR 168/93
https://dejure.org/1994,615
BGH, 27.10.1994 - IX ZR 168/93 (https://dejure.org/1994,615)
BGH, Entscheidung vom 27.10.1994 - IX ZR 168/93 (https://dejure.org/1994,615)
BGH, Entscheidung vom 27. Januar 1994 - IX ZR 168/93 (https://dejure.org/1994,615)
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Nicht übersetzte Bürgschaftsurkunde
§ 2 AGBG (Hinweis: jetzt § 305 BGB <Fassung seit 1.1.02>) ist nicht anwendbar auf "Formularverträge";
§ 119 Abs. 1 BGB bei Täuschung durch den Hauptschuldner über Inhalt der Erklärung, § 121, § 122 BGB
Inhaltsirrtum bei Unterschrift unter eine ungelesene/falschverstandene Urkunde
Bürgschaftsvertrag - Bürgschaftserklärung - Geltungsvereinbarung
Wirksame Einbeziehung von AGB durch vorformulierte Bürgschaft ohne besondere Geltungsvereinbarung
AGBG § 2; BGB §§ 119, 121
Einbeziehung von in einem vorformulierten Bürgschaftsvertrag enthaltenen AGB; Anfechtung einer Bürgschaftserklärung
Sprachrisiko eines Ausländers; Anfechtung einer Bürgschaftserklärung
NJW 1995, 190
ZIP 1994, 1840
MDR 1995, 459
DNotZ 1995, 298
WM 1994, 2274
BB 1994, 2439
DB 1995, 1073
Denn auch derjenige, der ein Schriftstück ganz oder teilweise ungelesen unterschrieben hat, darf anfechten, wenn er sich - wie hier - von dessen Inhalt eine bestimmte, allerdings unrichtige Vorstellung gemacht hat und dadurch bei Abgabe einer hierauf bezogenen Erklärung Erklärungsinhalt und Erklärungswille miteinander nicht im Einklang stehen (BGH, Urteile vom 27. Oktober 1994 - IX ZR 168/93, WM 1994, 2274 unter II 2 a; vom 15. Januar 2002 - XI ZR 98/01, WM 2002, 436 unter III 1 a;… Beschluss vom 30. Oktober 2013 - V ZB 9/13, NJW 2014, 1242 Rn. 8; jeweils mwN).
Damit diese Allgemeine Geschäftsbedingung Vertragsinhalt wird, genügt grundsätzlich, dass für den Vertragspartner die Möglichkeit bestand, von dieser Klausel Kenntnis zu nehmen (§ 305 BGB; vgl. BGH, Urteil vom 27.10.1994 - IX ZR 168/93, Rn. 15;… Erman/Roloff, BGB, 15. Auflage, § 305 Rn. 26).
Nutzt er derartige zumutbare Möglichkeiten, sich Kenntnis vom Inhalt des Vertragsangebots zu verschaffen, nicht und schließt stattdessen ohne Zwang einen Arbeitsvertrag in einer Sprache, die er nicht versteht, darf der Erklärungsempfänger nach Treu und Glauben davon ausgehen, dass der Arbeitnehmer trotz seiner Sprachunkundigkeit eine Erklärung mit dem aus der Vertragsurkunde ersichtlichen Inhalt abgeben wollte (im Ergebnis ebenso die herrschende Meinung, die in diesen Fällen einen Vertragsschluss bejaht, vgl. BGH 27. Oktober 1994 - IX ZR 168/93 - zu II 1 b der Gründe; LAG Niedersachsen 18. März 2005 - 10 Sa 1990/04 - zu II 2 a bb der Gründe; Hessisches LAG 11. September 1986 - 9 Sa 421/86 -; 7. Juni 1974 - 8 Sa 45/74 -; LAG Baden-Württemberg 30. Dezember 1970 - 4 Sa 64/70 -; 12. Juli 1968 - 4 Sa 37/68 -; LAG Hamm 7. September 1992 - 19 Sa 531/92 -; Gola/Hümmerich BlSt Soz ArbR 1976, 273, 275; Freckmann BB 2000, 1402, 1405 f.; Moll/Reichel RdA 2001, 308, 314; Rieble FS Löwisch 2007 S. 229, 232 ff.; Herbert/Oberrath DB 2010, 391, 392; Hinrichs/Stütze NZA-RR 2011, 113, 117; Mückl/Butz ArbRAktuell 2013, 34; allg. (ohne spezifisch arbeitsrechtlichen Bezug) Schäfer JZ 2003, 879, 883; Schlechtriem FS Weitnauer 1980 S. 129, 138; grds. auch Staudinger/Singer (2012) § 119 Rn. 18; Dehler Die Zurechnung des Sprachrisikos bei Willenserklärungen S. 192 f., 292; Kling Sprachrisiken im Privatrechtsverkehr S. 256, 291; aA Becker/Braasch Recht der ausländischen Arbeitnehmer 3. Aufl. Rn. 154; Jancke Das Sprachrisiko des ausländischen Arbeitnehmers im Arbeitsrecht S. 217 f.) .
Der sprachunkundige Arbeitnehmer steht insoweit demjenigen gleich, der eine Urkunde ungelesen unterschreibt (vgl. BGH 27. Oktober 1994 - IX ZR 168/93 - zu II 1 b der Gründe; MünchKommBGB/Spellenberg 5. Aufl. Art. 10 Rom I- VO Rn. 53 ) .
Auch dieser erklärt sich mit dem Inhalt der Urkunde aus der Sicht des Vertragspartners einverstanden (BGH 27. Oktober 1994 - IX ZR 168/93 - zu II 1 b der Gründe mwN) .
Er kann seine Willenserklärung allenfalls anfechten, soweit er sich von dem Inhalt des Schriftstücks, das er ungelesen unterschrieben hat, eine bestimmte unrichtige Vorstellung gemacht hat (vgl. BAG 27. August 1970 - 2 AZR 519/69 - zu 2 b der Gründe, BAGE 22, 424; 5. April 1990 - 2 AZR 337/89 - zu C I 1 der Gründe; BGH 27. Oktober 1994 - IX ZR 168/93 - zu II 1 b der Gründe; 15. Januar 2002 - XI ZR 98/01 - zu III 1 a der Gründe) .
Der Senat hat in seinem Urteil vom 27. Oktober 1994 ( IX ZR 168/93, WM 1994, 2274 mit zust. Anm. Bülow EWiR 1995, 7; Moritz WuB I F 1 a. - 2.95; Meinhold-Heerlein WiB 1995, 298) in dieser Sache ausgeführt, der formularmäßige Bürgschaftsvertrag der Parteien unterliege dem deutschen Recht und sei nicht nach §§ 2 Abs. 1 AGBG , 766 BGB unwirksam.
Dies ist aber darauf zurückzuführen, daß die Beklagte die Warnfunktion der ihr vorgelegten Bürgschaftsurkunde mißachtet hat, indem sie diese unterzeichnet hat, ohne zuvor vom Inhalt der Urkunde Kenntnis zu nehmen (Senatsurt. v. 27. Oktober 1994 - IX ZR 168/93, aaO. 2276).
Nutzt er eine zumutbare Möglichkeit, sich Kenntnis von ihrem Inhalt zu verschaffen, nicht, so muß er das mit der Unterzeichnung der ungelesenen Urkunde verbundene Risiko tragen, daß der Inhalt der Urkunde nicht seinen Vorstellungen entspricht (vgl. BGHZ 87, 112, 114 f; BGH, Urt. v. 27. Oktober 1994 IX ZR 168/93, aaO. 2276).
In seinem ersten Revisionsurteil vom 27. Oktober 1994 ( IX ZR 168/93, aaO. 2277) hat der Senat ausgeführt, die Frage, ob eine Bürgenhaftung der Beklagten gemäß §§ 3, 4 AGBG auf den Kredit für den Hauskauf der Hauptschuldner zu beschränken sei, stelle sich beim derzeitigen Sachstand nicht, weil die Beklagte ihr ursprüngliches Vorbringen, sie habe bei Unterzeichnung des Bürgschaftsformulars angenommen, daß sie für die Rückzahlung dieses Darlehens - in Höhe von 800.000 DM - bürgen solle, aufgegeben habe.
BGH, 18.05.1995 - IX ZR 108/94
Formularmäßige Ausdehnung der Bürgenhaftung über das verbürgte Kreditlimit hinaus
Die Erstreckung der Bürgschaft auf alle bestehenden und künftigen Forderungen der Klägerin in der als Allgemeine Geschäftsbedingung anzusehenden (vgl. BGH, Urt. v. 27. Oktober 1994 - IX ZR 168/93, WM 1994, 2274, 2275) vorformulierten Zweckerklärung ist an dem AGBG zu messen.
BGH, 28.05.2020 - I ZR 40/19
Zur Wirksamkeit einer Klausel zur automatischen Verlängerung eines …
(2) Die Regelungen im Alleinverkaufsauftrag sind unmittelbarer Bestandteil der lediglich aus einer Seite bestehenden Vertragsurkunde, so dass es keiner Prüfung bedarf, ob ein ausdrücklicher Hinweis erfolgt ist (BGH, Urteil vom 27. Oktober 1994 - IX ZR 168/93, NJW 1995, 190 [juris Rn. 13] zu § 2 Abs. 1 AGBG, mwN).
BGH, 15.01.2002 - XI ZR 98/01
Sittenwidrigkeit der Mithaftung gilt nicht für GmbH-Gesellschafter
Wer eine Urkunde ungelesen unterschreibt, hat nur dann ein Anfechtungsrecht, wenn er sich von deren Inhalt eine bestimmte, allerdings unrichtige Vorstellung gemacht hat (BGH, Urteil vom 27. Oktober 1994 - IX ZR 168/93, WM 1994, 2274, 2276).
Mit der formlosen Annahme der Bürgschaftserklärung durch das Kreditinstitut des Klägers als dessen Vertreter kam der Vertrag gemäß § 151 BGB zustande (vgl. BGH, Urt. v. 27. Oktober 1994 - IX ZR 168/93, WM 1994, 2274, 2275).
OLG Saarbrücken, 29.06.2005 - 5 U 164/03
Möglichkeit der Erschwerung der Schadensanzeige gemäß §§ 451f, § 438 Abs. 1 Satz …
Alsdann ist es ihm zuzumuten, sich vor Abschluss des Vertrages selbst die erforderliche Übersetzung zu beschaffen, andernfalls muss er den nicht zur Kenntnis genommenen Text der Geschäftsbedingungen gegen sich gelten lassen; eine Verpflichtung des Verwenders, für Ausländer Übersetzungen der Allgemeinen Geschäftsbedingungen bereit zu halten, besteht bei dieser Sachlage nicht (…BGHZ 87, S. 112 /114; NJW 1995, S. 190; Staudinger-Schlosser, BGB, 13. Bearb., AGBG § 2, Rdnr.4;… Palandt-Heinrichs, BGB, 62. Aufl., § 305, Rdnr. 42).
OLG Saarbrücken, 23.12.2003 - 4 U 199/03
Direktunterrichtsvertrag: Wirksamkeit eines Kündigungsausschlusses für die ersten …
Andernfalls muss er den nicht zur Kenntnis genommenen Text der Geschäftsbedingungen gegen sich gelten lassen (vgl. BGHZ 87, 112 (114 f); BGH, NJW 1995, 190; OLG Bremen, WM 1973, 1228 (1229); OLG München, NJW 1974, 2181 f).
BGH, 30.10.2013 - V ZB 9/13
Beschwerde in einer Abschiebungshaftsache: Wirksamkeit einer in deutscher Sprache …
BGH, 22.10.2003 - VIII ZR 361/02
Auslegung eines Leasingvertrages im Hinblick auf eine zwischen dem Leasinggeber …
LG Bochum, 15.11.2011 - 11 S 100/11
Betreiber des "gewerblichen Verzeichnisses für Handwerk Handel und Industrie" im …
LAG Niedersachsen, 18.03.2005 - 10 Sa 1990/04
Ausschlussfrist, einseitige, AGB, Überraschungsklausel, Einbeziehung, …
OLG Hamm, 27.10.2006 - 12 U 76/06
Bürgschaft zur Zahlung auf erstes Anfordern trotz abweichender Sicherungsabrede …
LG Bielefeld, 09.04.2009 - 21 S 46/08
OLG Düsseldorf, 25.09.2012 - 24 U 4/12
OLG Saarbrücken, 21.06.2013 - 5 U 367/12
Maßgebliches Sachrecht bei Versterben einer US-Staatsbürgerin in Deutschland; …
LAG Rheinland-Pfalz, 09.12.2011 - 11 Ta 214/11
Prozesskostenhilfe - Bewilligungsvoraussetzung - hinreichende Erfolgsaussichten …
OLG Düsseldorf, 13.11.2000 - 9 U 111/00
Haftung des Bürgen bei Veränderungen der Hauptschuld
OLG Düsseldorf, 18.12.2000 - 9 U 122/00
Rechtsfolgen unbemerkter Beurkundung eines zu niedrigen Kaufpreises bei einem …
LAG Hessen, 01.04.2003 - 13 Sa 1240/02
Zulässigkeit einer Kündigungsschutzklage; Folgen einer Formulierung in einer …
LG Bochum, 15.11.2011 - 11 S 84/11
Entgeltabrede für "gewerbliches Verzeichnis für Handwerk Handel und Industrie" im …
AG Bamberg, 16.09.2010 - 105 C 2425/09
Widerruf eines Haustürgeschäfts: Unzureichende Widerrufsbelehrung über die Folgen …
LG Potsdam, 31.01.2018 - 6 O 482/16
Zur Anfechtung einer Willenserklärung wegen arglistiger Täuschung durch Vorlage …