Source: http://juracrash.de/index.php?thema=blutalkohol
Timestamp: 2017-04-28 02:31:19
Document Index: 48344501

Matched Legal Cases: ['§ 21', '§ 20', '§ 316', '§ 316', '§ 316', '§ 20', '§ 316', '§ 323']

Strafrecht Crashkurs Blutalkohol
In der recht­li­chen Pra­xis spielt Al­ko­hol ei­ne gro­ße Rol­le bei der Fra­ge der Schuld­fä­hig­keit und bei den Ver­kehrs­de­lik­ten. Al­ko­hol kann re­le­vant wer­den bei
ver­min­der­ter Schuld­fäh­ig­keit (§ 21 StGB),
Schuld­un­fä­hig­keit (§ 20 StGB) oder
Trun­ken­heit im Ver­kehr (§ 316 StGB).
Ein we­sent­li­ches In­diz für die Trun­ken­heit ist die Blut­al­ko­hol­kon­zen­tra­tion (BAK).
Ist für die Tat­zeit ei­ne BAK von 1,1  fest­ge­stellt, so liegt bei Au­to­fah­rern un­wi­der­leg­bar Fahr­un­tüch­tig­keit iSv § 316 StGB vor (ab­so­lu­te Fahr­un­tüch­tig­keit). Bei BAKen zwi­schen 0,3  und 1,1  ist ein Ver­dacht bzgl. § 316 StGB ge­ge­ben. Re­la­ti­ve Fahr­un­tüch­tig­keit liegt vor:
bei Wer­ten zwi­schen 0,3  und un­ter 1,1  und
zu­sätz­li­chen Aus­fall­er­schei­nun­gen (z.B. Fah­ren in Schlan­gen­li­ni­en).
Die Blut­pro­be wird oft län­ge­re Zeit nach der Tat ent­nom­men. Auf die BAK zur Tat­zeit muss dann im We­ge ei­ner Rück­rech­nung ge­schlos­sen wer­den. Von wel­chem Ab­bau­wert aus­ge­gan­gen wird, hängt davon ab, welche recht­li­che Frage zu be­ant­wor­ten ist. Hier spielt der Grund­satz in du­bio pro reo ei­ne gro­ße Rol­le:
Mit ei­nem hö­he­ren Ab­bau­wert kommt man zu ei­nem hö­he­ren Er­geb­nis der BAK zur Tat­zeit, folg­lich eher zur An­nah­me von Schuld­un­fä­hig­keit.
Mit ei­nem nied­ri­ge­ren Ab­bau­wert kommt man zu ei­nem nied­ri­ge­ren Er­geb­nis der BAK zur Tat­zeit, folg­lich liegt die An­nah­me von Fahr­un­tüch­tig­keit fer­ner.
Es kann des­halb in dem­selben Fall zu völ­lig un­ter­schied­li­chen BAK-An­nah­men kom­men.
Bei der Fra­ge der Schuld­fä­hig­keit ist die An­nah­me ei­ner krank­haf­ten see­li­schen Stö­rung iSv § 20 StGB ab einer BAK von 2,0  mög­lich. Ab einer BAK von 3,0  liegt die­se re­gel­mä­ßig vor. Bei schwe­ren Ge­walt­de­lik­ten und Tö­tungs­de­lik­ten sind diese Gren­zen leicht nach oben ver­scho­ben (2,2  bzw. 3,3 ).
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