Source: https://dgc.de/Informationsservice/2009-01/index.html
Timestamp: 2018-05-26 21:47:31
Document Index: 189856224

Matched Legal Cases: ['§ 267', '§ 248', '§ 249', '§ 91', '§ 289', '§ 317', '§ 247', '§ 254', '§ 279', '§ 281']

DGC Informationsservice 2009/01
Das aktuelle Bilanzrechtsmodernisierungsgesetz (BilMoG) – Auswirkungen auf Bilanzbuchhaltung und Controlling
Die derzeitige Wirtschaftskrise macht es erforderlich, Unternehmensziele, Planungen und Geschäftsaktivitäten zu überdenken und neu auszurichten. Deshalb werden Controlling, Kostenrechnung und Kennzahlenanalysen noch mehr gefordert als zu Wachstumszeiten. Die DGC sieht im Controlling die Funktion des „betriebwirtschaftlichen Souffleurs“ der Unternehmensführung, besonders bei der Vorbereitung von betriebswirtschaftlichen Entscheidungen in Krisenzeiten.
Die Anforderungen an Controlling und Kostenrechnung steigen zusätzlich erheblich aufgrund des BilMoG, das am 03.04.2009 gesetzlich verabschiedet wurde.
Auch wenn nach BilMoG weiterhin der Jahresabschluss nach HGB aufgestellt werden muss, müssen sich nun auch kleinere und mittelständische Unternehmen, mit internationalen Rechnungslegungsnormen, also mit den International Financial Reporting Standards (IFRS) auseinandersetzen: Denn der deutsche Gesetzgeber ist mit dem Ziel einer Angleichung des deutschen HGB an die IFRS gezwungen, die raschen Veränderungen der sehr komplizierten und sich rasch ändernden IFRS Vorschriften zügig ins deutsche Bilanzrecht nachzuziehen. Natürlich werden sich daher auch Abschlussprüfer bei der Umsetzung des BilMoG an die internationalen Rechnungslegungsnormen orientieren.
Ein wichtiger Aspekt des BilMoG wurde der Öffentlichkeit derzeit aber noch gar nicht richtig vermittelt: Unerlässliche Voraussetzung für die richtige Umsetzung des neuen Gesetzes in der Finanzbuchhaltung ist ein bereits installiertes, gut funktionierendes Controlling! Davon geht der Gesetzgeber einfach aus, denn er zitiert im Gesetzesentwurf oft Bereiche des Controllings. Wir möchten Ihnen daher in diesem Informationsbrief erklären, warum Sie zukünftig statt von Bilanzbuchhaltung und Controlling besser vom „Biltrolling“ (also eines vereinheitlichten Rechnungswesens) sprechen sollten.
Im nachfolgenden werden erst Ziele und die wesentlichen Inhalte des BilMoG beschrieben, danach werden wir Ihnen aufzeigen, wo dringender Handlungsbedarf zur Vereinheitlichung von Controlling / Kostenrechnung und Bilanzbuchhaltung besteht, um eine ordnungsgemäße Umsetzung des BilMoG sicherzustellen. Ausserdem erläutern wir Ihnen, was ein vereinheitlichtes Rechnungswesen - das „Biltrolling“ – für Sie konkret bedeuten könnte.
1. Ziele und wesentliche Inhalte des BilMoG
Die Bundesregierung hat am 03.04.2009 das Gesetz zur Modernisierung des Bilanzrechts (BilMoG) beschlossen. Wesentliche Ziele des Gesetzes sind:
Eine Entlastung kleiner und mittelständischer Unternehmen. So entfällt die Bilanzierungspflicht für Einzelkaufleute, die bestimmte Umsatz- und Gewinnschwellenwerte nicht überschreiten. Außerdem werden die Größenklassen, die nach § 267 HGB darüber entscheiden, welche Informationspflichten ein Unternehmen treffen, deutlich angehoben.
Eine Verbesserung der Aussagekraft des HGB Einzel- und Konzernabschlusses. Die HGB Vorschriften werden reformiert und den internationalen Bilanzrichtlinien, den International Financial Reporting Standards (IFRS) in wesentlichen Teilen angeglichen. Damit soll sichergestellt werden, dass kleine und mittelständische Unternehmen (KMUs) auch weiterhin keinen IFRS Abschluss aufstellen müssen, sondern wesentlich kostengünstiger und einfacher die HGB Bilanzierung beibehalten werden. Die HGB-Einzelbilanz soll auch zukünftig Grundlage für die Steuerbemessung und Ausschüttungsbemessung bleiben.
Mit folgenden wesentlichen Anpassungen des deutschen Bilanzrechts an IFRS soll die Aussagekraft von HGB-Abschlüssen verbessert werden:
Selbst geschaffene immaterielle Güter (z. B. selbsterstellte Marken, Entwicklungskosten) sollen zukünftig aktivierbar sein (Aufhebung des Aktivierungsverbots für nicht entgeltlich erworbenes immaterielles Anlagevermögen nach § 248 Abs. 2 HGB).
Teilweise Einführung der erfolgswirksamen Stichtagsbewertung von Forderungen/Verbindlichkeiten in fremder Währung.
Realistischere Bewertung von Rückstellungen: Zukünftige Kostenentwicklung müssen stärker berücksichtigt werden.
Abschaffung nicht „zeitgemäßer“ Wahlrechte (insbesondere Einschränkung der Passivierung von Aufwandsrückstellungen nach § 249 Abs. 1 und Abs. 2 HGB).
Ansatz von aktiven und passiven latenten Steuern wird häufig erforderlich.
Abzinsung von langfristigen Rückstellungen mit einem von der Deutschen Bundesbank ermittelten Durchschnittszinssatz. Das betrifft insbesondere Pensionsrückstellungen und langfristige Ansammlungsrückstellungen für Sanierungs- oder Rückbauverpflichtungen.
Selbsterstellte Vorräte und aktivierte Eigenleistungen sind zukünftig mit Einzelkosten und variablen Gemeinkosten zu aktivieren.
Verschärfte Vorschriften für kapitalmarktorientierte Unternehmen. So werden u. a. die gesetzlichen Anforderungen des § 91 Abs. 2 AktG, § 289 Abs. 1 HGB i.V.m. DRS 5 und des § 317 Abs. 4 HGB zur Lageberichterstattung und zur Einrichtung, Beschreibung und Prüfung des internen Frühwarn- und Kontrollsystems für bestimmte Kapitalgesellschaften nochmals erweitert.
Aufgabe der umgekehrten Maßgeblichkeit (§ 247 (3) HGB, § 254 HGB, § 279, § 281 HGB) aber Beibehaltung der materiellen Maßgeblichkeit.
Nach derzeitigem Kenntnisstand soll das BilMoG spätestens zum 01.01.2010 in Kraft treten:
2. Erforderliche Vereinheitlichung von Bilanzbuchhaltung und Controlling
Das neue BilMoG macht in der der Praxis eine Vereinheitlichung von Bilanzbuchhaltung und Controlling erforderlich. Die Unternehmen müssen zukünftig sicherstellen, dass entsprechende organisatorische Schnittstellen zwischen Bilanzbuchhaltung und Controlling bestehen.
Zukünftig sind erwartete Preis- und Kostensteigerungen bei der Rückstellungsbewertung zu berücksichtigen. Die notwendigen Daten müssen aus dem Controlling bzw. der (Plan-) Kostenrechnung kommen.
Die Pflicht zur Aktivierung von Entwicklungskosten ist vor allem für Unternehmen mit hohen F&E Kosten interessant. Die Informationen des internen F&E - Controlling bzw. der Kostenrechnung müssen zukünftig ins externe Rechnungswesen einfließen (Ermittlung der direkt zurechenbaren Kosten, Referenz zu aktuellen Planungsrechnungen).
Herstellungskosten: Zukünftig Aktivierungspflicht von Einzelkosten und aller variablen Gemeinkosten. Im Controlling muss somit eine aussagekräftige Teilkostenrechnung aufgebaut werden!
Zeitnahe Bewertung von Pensionen und ähnlichen Verpflichtungen: Notwendig wird eine Schnittstelle zur finanzwirtschaftlichen Planung.
Einführung des Hedge Accounting für Sicherungsgeschäfte: Datenbasis ist die finanzwirtschaftliche Planung.
Aufgrund der Bilanzierung von aktiven und passiven latenten Steuern muss die steuerliche Ergebnisplanung mit der operativen bzw. Mittelfristplanung im Rahmen des Controllings abgestimmt werden.
Einführung der Stichtagsbewertung von Fremdwährungsforderungen/
-verbindlichkeiten: Schnittstellen zum internen Risikomanagement erforderlich.
Zusätzliche Anforderungen zur Lageberichterstellung und Risikoberichterstattung: Das Risikocontrolling übernimmt die Funktion einer zentralen Schnittstelle zwischen internem Controlling und externen Rechnungswesen. Bei allen wesentlichen unternehmerischen Entscheidungen muss der Risikocontroller mögliche Risiken, aber auch wirtschaftliche Chancen abwägen, beurteilen und geeignete Steuerungsmaßnahmen aufzeigen. Einfacher wird dies, wenn im Unternehmen bereits ein gutes Risiko- und Controllingkennzahlensystem installiert ist.
3. Was bedeutet das konkret für Sie?
Ein vereinheitlichtes Rechnungswesen (nach dem „Biltrolling“ Ansatz) muss folgende Voraussetzungen erfüllen:
Enge Verzahnung von Bilanzbuchhaltung und Controlling: Vergangenheitsbezogene Abrechnungsaufgaben des externen Rechnungswesens werden um Planungs-, Steuerungs- und Berichterstattungsaufgaben ergänzt.
Durchführung betriebswirtschaftlicher Berechnungen aller Art im externen Rechnungswesen für vergangene Ist- und zukünftige Planzeiträume.
Aufbau eines einheitlichen Berichtswesens auf Basis einer einheitlichen Datenbasis.
Bündelung von Finanzbuchhaltungs- und Controlling-Prozessen.
Risikosteuerung mit Informationen aus beiden Bereichen.
Die Abschlussprüfung greift auf beide Bereiche des Rechnungswesens zu und beurteilt die Güte des Rechnungswesens für beide Bereiche gleichermaßen (IKS Aufbau- und Funktions- Prüfung).
Bilanzbuchhaltung und Controlling müssen viel mehr als derzeit in den meisten deutschen Unternehmen der Fall ist, teamorientiert zusammen arbeiten. Nur so können die nach BilMoG erforderlichen Schnittstellen zum internen Controlling geschaffen werden.
In deutschen Unternehmen ist häufig (und auch von uns wurde diese Auffassung bisher vertretenen) internes vom externes Rechnungswesen sachlich getrennt, da nur so sichergestellt wird, dass der Controller einen objektiven Blick auf das operative und strategische Unternehmensbild wirft. Diese Trennung müssen wir nach BilMoG und mit der zunehmenden Internationalisierung des deutschen Bilanzrechts in vielen Teilen revidieren. Damit nähern wir uns schon sehr weit an die angloamerikanische Rechnungslegung an: Dort sind deutsche Controlling oder Kostenrechnungsmethoden, wie z.B. der Ansatz von kalkulatorischen Kosten, die Überleitung von den Zahlen der Finanzbuchhaltung auf die Kostenrechnung und überhaupt das „Controlling“ völlig unbekannt: Das dortige „Management Accounting“ umfasst sowohl Planung, Führung und Kontrolle als auch die Finanzberichterstattung. Eine der Gründe dafür ist, dass dort die Rechnungslegung allein die Aufgabe hat, verlässliche und erntscheidungsrelevante Informationen über die wirtschaftliche Unternehmenslage zu vermitteln – die Kernaufgabe des Controllings!
4. Mögliche Unterstützung durch die DGC
1. DGC Beratungsleistungen
Gerne unterstützen wir Sie fachlich und operativ bei der konkreten (fachlichen und operativen) Umsetzung des BilMoG oder der IFRS in Ihrem Unternehmen. Nutzen Sie unsere fundierten Kenntnisse im Bereich Internationale Rechnungslegung/ Bilanzrechtsmodernisierung und Controlling. Rufen Sie uns hierfür einfach an (Tel.: +49 (0)89-745 83 80) oder nehmen Sie Kontakt via E-Mail mit uns auf. Sie haben auch die Möglichkeit, schnell und einfach das unverbindliche Anfrageformular für Beratungen auszufüllen.
2. DGC Praxisworkshops
Zum Themengebiet Internationale Rechnungslegung, BilMoG, Biltrolling, Kennzahlensysteme und Benchmarking bieten wir dieses Jahr folgende Praxisworkshops an, die selbstverständlich auch als individuelle Inhouse-Veranstaltung oder als Einzelcoaching gebucht werden können:
Neuer DGC Praxisworkshop: „Internationale Rechnungslegung
–Bilanzierung und Controlling nach IFRS und BilMoG“
In welchen Bereichen sind Sie vom BilMoG betroffen?
Wie erstellt man eine Überleitung von HGB auf das „neue“ HGB (nach BilMoG) und auf IFRS?
Was müssen Bilanzbuchhalter, Controller und Geschäftsführer heute von Internationaler Rechnungslegung (IFRS, US GAAP) wissen?
Was ist ein vereinheitlichtes Rechnungswesen („Biltrolling“)?
Wie wirkt sich das neue, Internationale Bilanzrecht auf das Controlling und auf Controllingkennzahlen aus?
Individuelle Terminvereinbarung ab 3 Teilnehmer jederzeit möglich.
Praxisworkshop: „Installation von Benchmarking- und Kennzahlensystemen im Unternehmen“
Welche wesentlichen Kennzahlen müssen Sie aus der Flut von Informationen herausfiltern um Maßstäbe aufstellen und die wirtschaftliche Situation transparent machen und objektivieren!
Wie können Sie durch ein aussagekräftiges Kennzahlensystem Abweichungen und Schwachstellen rechtzeitig erkennen?
Wie baut man in der Praxis ein gutes Kennzahlensystem auf?
Wo und wie können Sie Benchmarking zielgerichtet einsetzen?
Gebühren je Workshop
EUR 180,- zzgl. MwSt.
In den Kursgebühren sind umfangreiche Teilnehmerunterlagen, Formulare für die konkrete Umsetzung in die Praxis und sämtliche Workshopnebengebühren mit eingeschlossen.
Preißler P., Controlling, 13. Auflage, München 2007
Preißler P., Die besten Checklisten Controlling, 4. Auflage, München 2005
Preißler P., Figlin, G., IFRS-Lexikon, München 2009
Preißler P., Preißler, G., Lexikon Controlling, München 2008
Preißler P., Betriebswitschaftliche Kennzahlen, München 2008