Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Text=NJW-RR%202013,%20660
Timestamp: 2020-01-17 21:15:56
Document Index: 328400859

Matched Legal Cases: ['§ 280', '§ 823', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH']

OLG Saarbrücken, 28.03.2013 - 4 U 26/12 - 8 - dejure.org
OLG Saarbrücken, 28.03.2013 - 4 U 26/12 - 8
https://dejure.org/2013,5806
OLG Saarbrücken, 28.03.2013 - 4 U 26/12 - 8 (https://dejure.org/2013,5806)
OLG Saarbrücken, Entscheidung vom 28.03.2013 - 4 U 26/12 - 8 (https://dejure.org/2013,5806)
OLG Saarbrücken, Entscheidung vom 28. März 2013 - 4 U 26/12 - 8 (https://dejure.org/2013,5806)
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Zur Verkehrssicherungs- ud Sorgfaltspflichten des Betreibers einer Autowaschanlage
Umfang der Verkehrssicherungspflichten des Betreibers einer sog. Portal-Waschanlage
BGB § 280, BGB § 823
Verkehrsrecht - Die kratzige Autowäsche
BMW in der Waschanlage zerkratzt - Antenne eines Vorbenutzers verhakte sich in der Waschbürste: Schadenersatz?
Erheblicher Sachschaden nach Waschvorgang in Portal-Wagenwaschanlage
Fahrzeugbeschädigung in Waschanlage - Wann haftet der Autowaschanlagenbetreiber?
Lackkratzer nach Waschanlage: Keine ein- bis zweistündliche Kontrollpflicht des Waschanlagenbetreibers - Schäden am Lack durch abgerissene Antenne und nicht durch Funktionsstörung der Anlage
LG Saarbrücken, 08.12.2011 - 9 O 146/11
NJW 2013, 2207
Zu keinem anderen Ergebnis gelangt die Rechtsanwendung, wenn man mit den gleichfalls anerkannten Grundsätzen zur Beweislastverteilung nach Gefahrenbereichen (BGH, Urteil vom 22.10.2008, Az.: XII ZR 148/06, u.a. in: NJW 2009, Seite 142; OLG Saarbrücken, Urteil vom 28.03.2013, Az.: 4 U 26/12, u.a. in: NJW-RR 2013, Seiten 660 ff.) argumentiert: Selbst bei verhaltensbezogenen Pflichten kann auf eine Pflichtverletzung des Schuldners geschlossen werden, wenn der Gläubiger dartut, dass die Schadensursache allein aus dem Verantwortungsbereich des Schuldners herrühren kann.
So liegen die Dinge auch hier (OLG Saarbrücken, Urteil vom 28.03.2013, Az.: 4 U 26/12, u.a. in: NJW-RR 2013, Seiten 660 ff.).
Demgegenüber ergibt sich bei erfolgsbezogenen Pflichten der Beweis der objektiven Pflichtverletzung bereits daraus, dass die Leistung nicht, nicht rechtzeitig oder nicht ordnungsgemäß erbracht wurde: Hat der Schuldner nach dem Vertragsinhalt die erfolgsbezogene Pflicht, einen Schaden zu vermeiden, wird somit durch den Nachweis des Schadens zugleich die Pflichtverletzung bewiesen (OLG Saarbrücken, Urteil vom 28.03.2013, Az.: 4 U 26/12, u.a. in: NJW-RR 2013, Seiten 660 ff.).
Allerdings ist eine Verkehrssicherung, die jede Schädigung ausschließt, im praktischen Leben nicht zu erreichen (BGH, Urteil vom 02.03.2010, Az.: VI ZR 223/09, u.a. in: NJW 2010, Seite 1967; OLG Saarbrücken, Urteil vom 28.03.2013, Az.: 4 U 26/12, u.a. in: NJW-RR 2013, Seiten 660 ff.).
Erforderlich sind solche Maßnahmen, die ein umsichtiger und verständiger, in vernünftigen Grenzen vorsichtiger Angehöriger der Verkehrskreise für notwendig und ausreichend erachtet, um andere Personen - hier die Kunden einer Selbstwaschanlage - vor Schäden zu bewahren (BGH, Urteil vom 02.03.2010, Az.: VI ZR 223/09, u.a. in: NJW 2010, Seite 1967; OLG Saarbrücken, Urteil vom 28.03.2013, Az.: 4 U 26/12, u.a. in: NJW-RR 2013, Seiten 660 ff.).
Schließlich sind Ausmaß und Größe der Gefahr sowie die Schadenswahrscheinlichkeit in die Gesamtbetrachtung einzubeziehen (OLG Saarbrücken, Urteil vom 28.03.2013, Az.: 4 U 26/12, u.a. in: NJW-RR 2013, Seiten 660 ff.; OLG Düsseldorf, NJW 2007, Seite 460).
Diese Kriterien stehen miteinander in Wechselwirkung: Je größer die Wahrscheinlichkeit einer Schädigung und je schwerer der drohende Schaden, desto weitgehendere Sicherungsmaßnahmen sind zu ergreifen (BGH, Urteil vom 31.10.2006, Az.: VI ZR 223/06, u.a. in: VersR 2007, Seiten 72 f.; OLG Saarbrücken, Urteil vom 28.03.2013, Az.: 4 U 26/12, u.a. in: NJW-RR 2013, Seiten 660 ff.).
Eine solche lückenlose Kontrolle ist jedoch bei Selbstwaschanlagen der vorliegend zu beurteilenden Art nicht zumutbar und entspricht auch nicht den berechtigten Erwartungen der betroffenen Verkehrskreise (OLG Saarbrücken, Urteil vom 28.03.2013, Az.: 4 U 26/12, u.a. in: NJW-RR 2013, Seiten 660 ff.).
Mithin hat der Betreiber einer Portalwaschanlage durch die ständige Anwesenheit des Tankstellenpersonals zugleich eine verkehrssichernde Maßnahme ergriffen, die es im Regelfall erlaubt, gerade dem vorliegend zu beurteilenden Schaden, der nachfolgenden Kunden durch abgerissene Fahrzeugteile droht, wirksam zu begegnen (OLG Saarbrücken, Urteil vom 28.03.2013, Az.: 4 U 26/12, u.a. in: NJW-RR 2013, Seiten 660 ff.).
Die entgegen stehende Rechtsprechung des OLG Saarbrücken, NJW-RR 2013, 660, bezieht sich auf Portalwaschanlagen und die Untersuchungspflicht hinsichtlich etwaiger Fremdkörper in den Waschbürsten und ist daher nicht einschlägig.
Welche Sorgfalt ein Betreiber einer Selbstwaschanlage aufwenden muss, um den Verkehr vor Schäden zu bewahren, ist auf den Einzelfall bezogen zu beantworten (OLG Saarbrücken NJW-RR 2013, 660).
Schließlich sind Ausmaß und Größe der Gefahr sowie die Schadenswahrscheinlichkeit in die Gesamtbetrachtung einzubeziehen (vgl. OLG Saarbrücken NJW-RR 2013, 660).
Somit wird dann durch den Nachweis des Schadens zugleich die Pflichtverletzung bewiesen (OLG Saarbrücken NJW-RR 2013, 660-662).
Da sich die deliktische Verkehrssicherungspflicht und die vertraglichen Schutzpflichten in ihrem Inhalt im Wesentlichen decken, ist in der weiteren Betrachtung eine rechtliche Differenzierung entbehrlich (OLG Saarbrücken, Urteil vom 28.03.2013, 4 U 26/12).
Die objektive Pflichtverletzung der Beklagten ergibt sich insoweit bereits daraus, dass die Klägerin als Gläubiger bei der Durchführung des Vertrags einen Schaden erlitten hat (vgl. hierzu LG Krefeld, Urteil vom 30.07.2010, 1 S 23/10, Rn 8; OLG Düsseldorf…, Urteil vom 16.12.2003, 21 U 97/03, Rn. 13; OLG Saarbrücken, Urteil vom 28.03.2013, 4 U 26/12, Rn. 36 ff. - jeweils zitiert nach juris).
Erforderlich sind solche Maßnahmen, die ein umsichtiger und verständiger, in vernünftigen Grenzen vorsichtiger Angehöriger der Verkehrskreise für notwendig und ausreichend erachtet, um andere Personen vor Schäden zu bewahren (BGH, Urteil vom 01.10.2013, VI ZR 369/12, juris; Urteil vom 02.03.2010, VI ZR 223/09, juris; OLG Saarbrücken, Urteil vom 28.03.2013, 4 U 26/12, Rn. 50, juris).
(vgl. BGH, NJW 2005, 422 OLG Saarbrücken, NJW-RR 2013, 660, 661).