Source: http://dierezensenten.blogspot.de/2017/07/
Timestamp: 2017-11-21 15:52:52
Document Index: 59596266

Matched Legal Cases: ['§ 44', '§ 252', '§ 31', '§ 31', '§ 1', '§ 50', '§ 50', '§ 50', '§ 50', '§ 58', '§ 58', '§ 58', '§ 19']

Die Rezensenten: Juli 2017
Lorse, Die dienstliche Beurteilung, 6. Auflage, Erich Schmidt 2016
Die nunmehr in sechster Auflage erschienene Publikation zur dienstlichen Beurteilung besticht durch ihre Bandbreite im Hinblick auf die komprimierte Darstellung des neu geregelten Beamtenrechts in Bayern. Dies war durch die Abschaffung des (Bundes-)Beamtenrechtsrahmengesetzes auch zwingend notwendig, da sich die bisherige Zuständigkeitsstruktur völlig verändert hat. Dadurch profitiert der Leser von einer Darstellung aus „erster Hand“.
Die 6. Auflage enthält die neueste Rechtsprechung zur dienstlichen Beurteilung auf den Stand von Juni 2016. Das Werk vermittelt Ihnen auch einen Überblick über den aktuellen Stand dienstlicher Beurteilungsrichtlinien von Bund, Ländern und Kommunen.
Auf über 600 (!) Seiten bietet der Autor eine ausführliche Übersicht und Darstellung über die den Anspruch und zugleich Alleinstellungsmerkmal der dienstlichen Beurteilung. Das Werk bietet eine umfassende, systematische Darstellung, besticht aber durch seine Konzentration auf die erörterungsbedürftigsten Fragen in der Praxis einen schnellen Überblick, wobei besonders die normbezogene Erörterung überzeugen kann. Dabei wird auch sehr umfangreich die dienstliche Beurteilung von Richtern und Soldaten in den Blick genommen. Aber auch der Leistungsbewertung von Arbeitnehmern wird ein Kapitel gewidmet.
Dem Leser wird es leicht gemacht, sich den Inhalt in kurzer Zeit anzueignen. Nicht nur, dass die jeweiligen Einleitungen hervorragend gelungen sind, auch der Aufbau der einzelnen Kapitel besticht durch einen sehr bedachten Aufbau.
Das Werk bietet dabei nicht nur eine abstrakte Darstellung, sondern es lassen sich auch an mehreren Stellen Beispiele vorfinden, so dass der Leser die abstrakte Darstellung auch anhand von konkreten Beispielen (Best-Practice-Beispiele) nachvollziehen kann. Von dem breiten Hintergrundwissen der Autoren profitiert die gesamte, gerade auch die Erfordernisse der Praxis aufgreifende Darstellung.
Gelungen ist auch die jeweilige Darstellung des Rechtsschutzes am Ende der jeweiligen Kapitel. Das Werk bietet insgesamt eine umfassende Darstellung der dienstlichen Beurteilung im öffentlichen Dienst. Unstrittig dabei ist, dass heutzutage eine transparente und vor allem rechtlich unangreifbare Leistungsbewertung und -messung im öffentlichen Dienst unverzichtbar ist.
Für alle Personalabteilungen des öffentlichen Dienstes, Personalvertretungen, Verwaltungsgerichte, Fachanwälte für Verwaltungsrecht und Personalberatungsunternehmen mit Kunden im öffentlichen Sektor sehr empfehlenswert. Aber auch für all diejenigen, die mit dem Dienstrecht befasst sind, ist das Buch ein quasi unverzichtbares Hilfsmittel für die Erfassung der rechtlichen Grundlagen und der Rechtsprechung, wobei auch die europarechtliche Rechtsentwicklung berücksichtigt wird. Nur am Rande ist noch auf den erfreulichen Preis des Bandes hinzuweisen.
Eller, Liquidation der GmbH, 3. Auflage, Erich Schmidt 2016
Die Rechtsform der GmbH ist beliebt und weit verbreitet. Tatsächlich ist eine solche Gesellschaft spätestens seit dem MoMiG auch schnell gegründet. Demgegenüber kann sich das Ende länger hinziehen. Denn als Regelfall der Auflösung und Beendigung der GmbH hat der Gesetzgeber die Liquidation vorgesehen. Mit dem in seinen Einzelheiten komplexen Thema der Liquidation der GmbH und seinen Bezügen zum Gesellschafts- und Steuerrecht sowie zu den Besonderheiten der Rechnungslegung befasst sich Rechtsanwalt Peter Eller, der Autor dieses, nunmehr schon in der 3. Auflage, vorliegenden Werkes.
Nach eigener Aussage im Vorwort ist es das Ziel des Buches in kompakter und leicht verständlicher Form alle gesellschafts- und steuerrechtlichen Aspekte der Liquidation der GmbH zu beleuchten. Adressaten des Werkes sollen nach den Vorstellungen des Autors in erster Linie Steuerberater, Rechtsanwälte und Liquidatoren sowie deren Berater sein.
Um es vorweg zu nehmen: Die Zielsetzung wurde vollständig erreicht. Der Autor versteht es, die sich aufwerfenden Fragen nachvollziehbar darzustellen und verständlich zu beantworten. Wer zunächst eine schnelle Orientierung benötigt, findet sich wegen des stimmigen Aufbaus schnell zurecht. Das 19-seitige Stichwortverzeichnis am Ende des Buches tut sein Übriges.
Bei genauerem Hinsehen fällt auf, mit welcher Tiefe im Detail sich der Autor dem Thema widmet. Im ersten Teil des Werkes wird das Gesellschaftsrecht dargestellt. Hier werden, durchaus sinnvoll, im Rahmen der Einführung auch die Alternativen zur Liquidation und die Fortführung der GmbH in erfrischender Kürze dargestellt, um die Einzelheiten hierzu am Ende dieses Teils nochmals gesondert zu behandeln. Ansonsten ist der Aufbau dem Ablauf der Liquidation nachempfunden. Die Technik, bestimmte Randfragen einzelner Themenbereiche aufzugreifen um diese jedoch vollständig an anderer, geeigneterer Stelle zu beantworten, hilft dem Rat suchenden Leser nicht nur, das Problem richtig zu verorten, sondern unterstützt auch das Verständnis. Auffällig ist dies beim praktisch relevanten Thema des Schicksals der Pensionszusagen. Richtigerweise nennt der Autor dieses Thema bereits bei der Darstellung der zurückzuführenden Verbindlichkeiten in der Liquidation und stellt das Grundproblem dort kurz dar. Wegen der engen Verbundenheit zur steuerrechtlichen Problematik widmet er im zweiten Teil diesem Problemkreis unter der Überschrift Ablösung von Pensionszusagen sodann ein ganzes Kapitel.
Überhaupt ist der zweite Teil, der sich mit der Rechnungslegung und dem Steuerrecht befasst, eine weitere Stärke des Buches. Beginnend mit den Grundlagen der Liquidationsrechnungslegung, über die Besteuerung auf Gesellschaftsebene bis hin zur Besteuerung des Abwicklungserlöses führt einen der Autor sicher durch das mit einigen Untiefen versehene steuerrechtliche Fahrwasser in der Liquidation der GmbH. Hier zeigt sich die praktische Erfahrung des Autors als Fachanwalt für Steuerrecht.
Abgeschlossen wird das Werk mit einem Anhang in welchem sich eine sinnvolle Checkliste zum Regelablauf der Liquidation findet, ein brauchbares Muster für einen Verschmelzungsvertrag aufgeführt wird sowie die relevanten BMF-Schreiben vom 21.10.2010 und vom 14.08.2012 im Wortlaut abgedruckt sind.
Bedauerlich ist allenfalls, dass sich das Werk ausschließlich auf die GmbH konzentriert und verbreitete Sonderformen wie die UG oder die gGmbH nicht berücksichtigt. Auch ist das gewählte kleine Schriftbild auf Dauer für die Augen anstrengend, sodass trotz der verständlichen Sprache eine längere Lektüre etwas Kraft kosten wird.
Positiv hervorzuheben ist neben der bereits angesprochenen komplexen und dennoch überaus verständlichen Darstellung der rechtlichen Gegebenheiten der übersichtliche Fußnotenapparat mit Entscheidungen von Gerichten, die weit überwiegend mit Datum und Aktenzeichen sowie Fundstelle zitiert sind. Gerade mit der Angabe von Datum und Aktenzeichen ist jedem Praktiker gedient, der zwar die einzelne Entscheidung schnell benötigt aber die angegebene Fundstelle nicht zur Hand hat. Ebenfalls einer anerkennenden Erwähnung wert sind die über das ganze Werk sinnvoll verteilten Praxishinweise, Beispiele und Musterformulierungen.
Insgesamt ist dieses Werk sowohl dem Gesellschafter oder Liquidator einer GmbH als auch deren Berater zu empfehlen. Selbst Praktiker, die regelmäßig Liquidationsverfahren vorbereiten oder begleiten werden dieses Werk gewinnbringend nutzen können.
Labels: Gesellschaftsrecht, Steuerrecht, Zivilrecht
Rezension: Die Revision in der strafrechtlichen Assessorklausur
Russack, Die Revision in der strafrechtlichen Assessorklausur, 11. Auflage, C.F. Müller 2017
In der inzwischen 11. Auflage ist das Skript von Russack zur Vorbereitung auf die strafrechtliche Revisionsklausur erschienen. Es zählt auf dem Weg zur Zweiten Juristischen Staatsprüfung zum festen Bestandteil eines Bücherregals im Referendariat. Im Gegensatz zum Lehrbuchcharakter vieler anderer Bücher und Skripten verfolgt das Werk einen empirischen Ansatz zur Vorbereitung auf die Revisionsklausur, der an der Erkenntnis ansetzt, dass die meisten abstrakten Rechtsprobleme in jüngeren Klausuren lediglich in ein neues Gewand eingekleidet werden und nur ausnahmsweise vollständig neue Probleme in Klausuren auftauchen. Dementsprechend sind ausschließlich erstmals gelaufene Problemkreise aus den Klausuren 2015 und 2016 des LJPA Nordrhein-Westphalen in das Skript eingepflegt worden.
Indem sich der Aufbau des Skripts am Klausur- bzw. Prüfungsaufbau orientiert und nach den Kapiteln Zulässigkeit (Rn. 12 ff.) und Begründetheit (Rn. 79 ff.) der Revision sowie Zweckmäßigkeitserwägungen (Rn. 616 ff.) gegliedert ist, stellt das Skript den Prüfungsstoff einprägsam dar. Dadurch wird dem ungeübten Revisionsrechtler insbesondere die Einordnung unbekannter abstrakter Rechtsproblem in den formalen Prüfungsaufbau erleichtert. Das gilt insbesondere für die strukturierte Darstellung der – für gerade von der Universität kommende Referendare ungewohnten –Wiedereinsetzung in den vorigen Stand nach § 44 StPO (Rn. 43 ff.). Außerdem werden Wege aufgezeigt, um Korrektoren eine geringe Angriffsfläche zu bieten (Rn. 52, 54) und Formulierungsvorschläge unterbreitet (Rn. 53, 539, 636, 638).
Sucht man in dem hervorragenden Skript das Haar in der Suppe, würde man sich zu der „enorm wichtige[n] Ausnahme vom Beweisverbot des § 252 StPO“ (Rn. 278) im Fall der Verwertung der Aussage des Vernehmungsrichters im weiteren Verfahren Ausführungen dazu wünschen, ob mit dem 2. Strafsenat eine qualifizierte Belehrung durch den Vernehmungsrichter über die Vernehmung seiner Person als Zeugen erforderlich ist (dazu Jäger, JA 2014, 948 ff.). Den Streit zwischen den Senaten hat letztendlich der Große Senat für Strafsachen mit Beschluss vom 15.07.2016 – GSSt 1/16 – NJW 2017, 94 ff. entschieden und sich gegen das Erfordernis einer weitergehenden Belehrung ausgesprochen.
Die Neuauflage bleibt dem empirischen Ansatz zur Vorbereitung auf die Revisionsklausur treu und trägt einen Kanon revisionsrechtlicher Klausurprobleme zusammen, den man für die Examensprüfung zwingend parat haben muss. Besonders dienlich hat sich für die Examensvorbereitung dabei die durchgehende und stete Zitation von Meyer-Goßner/Schmitt herausgestellt, weil mit der Lektüre des Skripts der Umgang mit dem StPO Kommentar eingeübt wird und ein Gefühl dafür entsteht, wann und wo sich ein Nachsehen lohnt. Insgesamt ist das Werk uneingeschränkt zur Examensvorbereitung zu empfehlen, denn es verdichtet den Revisionsstoff auf einen beherrschbaren Umfang (177 Seiten) und bereitet ihn unmittelbar für die Klausurpraxis auf.
Stöber / Otto, Handbuch zum Vereinsrecht, 11. Auflage, Otto Schmidt 2016
Das von Kurt Stöber – Regierungsdirektor a.D. in Rothenburg ob der Tauber – begründete Handbuch wird seit der 10. Auflage aus 2012 von Dr. Dirk-Ulrich Otto – Notarassessor in Leipzig – fortgeführt, der somit mit der 11. Auflage aus 2016 die erste Überarbeitung seiner „ersten Auflage“ vorlegt.
Die Schwierigkeit, ein immer noch übersichtliches und praktisch nutzbares Handbuch für diesen Rechtsbereich zu verfassen, liegt u.a. darin, dass Anzahl, Unterschiedlichkeit sowie Zweckrichtungen von Vereinen schier unüberschaubar sind. Es gibt wohl kaum einen Menschen in unserem Land, der nicht zeit seines Lebens wenigstens zeitweise Mitglied eines oder meist mehrerer Vereine war. Hierneben bilden Vereine den sicher häufigsten und wichtigsten Faktor im Bereich der Bündelung von gemeinsamen Interessen und Aktivitäten in kleiner sowie großer Form jedweder Art.
Trotz dieser Schwierigkeit gelingt es dem Autor, vollumfänglich die zivilrechtlichen und in gebotenem Maße die steuerrechtlichen Rahmenbedingungen des Vereinsrechts in seinem Handbuch so darzustellen, dass der Nutzer schnell einen Überblick über das vereinsrechtlich und –strukturell Wichtige erhält und alle Grundsatz- und Standardfragen allein mit dem vorliegen Werk klären und lösen kann.
Der etwas über 700 Seiten starke Hauptteil des Werkes umfasst von der Vereinsgründung bis zur Auflösung alles was Vereinsleben und Vereinsrecht bestimmen kann. Weiter wird dem Nutzer insbesondere deutlich vor Augen geführt was davon je nach Vereinszweck aus rechtlicher und struktureller Sicht auch zwingend erforderlich ist. Die anschauliche Darstellung der Rechte, Pflichten und Funktionen von Mitgliedern, Vorstand und Mitgliederversammlung, etc. sowie fakultativer und obligatorischer Abläufe für Vorgenannte und im Vereinsleben überhaupt ermöglichen, sich mit dem Werk auf Vereinsarbeit insgesamt vorzubereiten und sich bei dieser einfach und schnell zu informieren. Hervorgehobene Beispiele sowie zahlreiche Muster und Formulierungsvorschläge für Klauseln und Vereinsdokumente machen das Werk noch besser verständlich und erleichtern die praktische Umsetzung der behandelten Themen für die jeweiligen eigenen Vereinszwecke.
Hierbei ist auch der weitere knapp 170 Seiten umfassende Anhang des Werkes äußerst hilfreich, der weitere Satzungsbeispiele, eine Übersicht der zuständigen Gerichte und Behörden für Vereine in den einzelnen Bundesländern, auszugsweise die vereinsrechtlich relevanten Paragraphen verschiedener Gesetze, Verordnungen und Erlasse sowie Muster für Zuwendungsbestätigungen mit Hinweisen des Bundesministeriums der Finanzen enthält. Besonders vorbildlich sind hierbei die ausführlichen Rück-Verweisungen in den Satzungsbeispielen auf die jeweiligen Randnummern des Hauptteiles, so dass jederzeit schnell im Werk die entsprechenden Passagen im Hauptteil aufgefunden werden können.
Gegenüber der Vorauflage behandelt das Werk alle relevanten Rechtsänderung, zum Beispiel die durch § 31b BGB eingeführten eigenen Haftungsregeln für Vereinsmitglieder untereinander, gegenüber dem Verein sowie Dritten bei Erfüllung von Vereinsaufgaben, den Ausbau der dortigen Haftungserleichterungen und auch den Ausbau solcher für Vorstände und andere Organmitglieder in § 31a BGB, die Auswirkungen des Mindestlohngesetzes auf die vielen Helfer im Vereinsleben, die Änderung in der Abgabenordnung rund um die Fragen der Gemeinnützigkeit und die kostenrechtlichen Neuerungen durch das Gesetz über Kosten der freiwilligen Gerichtsbarkeit für Gerichte und Notare.
Layout, Inhalts-, Abkürzungs- und Literaturverzeichnis sowie Sachregister des Werkes lassen keine Wünsche offen. Wichtiges ist im Fließtext durch Fettdruck hervorgehoben, so dass schnelles Auffinden und gute Lesbarkeit gewährleistet sind. Neben der bereits oben erwähnten vorbildlichen Rück-Verweisung des Anhanges auf den Hauptteil sind die Querverweise zwischen den Themengebiete des Hauptteiles untereinander, die Hinweise auf die jeweiligen gesetzlichen Regelungen und die enthaltenen weiterführenden Literatur- und Rechtssprechungshinweise ebenso vorbildlich.
Fazit: Das Handbuch kann allen mit dem Vereinsrecht befassten Spezialisten aber auch dem ambitionierten vereinsrechtlichen Laien, der erste oder tiefere Einblicke gewinnen möchte, uneingeschränkt empfohlen werden. Dem Rezensenten selbst hat es bei der Überarbeitung verschiedener Vereinssatzungen und -ordnungen wertvolle Dienste geleistet, ohne dass ein weiteres Werk aufgeschlagen werden musste. Die durchdachte Struktur und die lückenlose Verweisung des Werkes auf sich beeinflussende Themen und Fragen ermöglichen ein schnelles und systematisches Arbeiten. Die klare und verständliche Sprache sowie die zahlreichen praxisbezogenen Beispiele, Muster und Hinweise machen es auch für Nicht-Juristen hervorragend nutzbar.
Löwisch / Kaiser (Hrsg.), BetrVG – Betriebsverfassungsgesetz, Bd. 1, 7. Auflage, Recht und Wirtschaft 2017
Das Betriebsverfassungsgesetz ist von elementarer Bedeutung für die Arbeit der Betriebsparteien. Zwar mögen nicht derart regelmäßig wie in anderen Bereichen Änderungen an diesem Gesetz vorgenommen werden. Jedoch ist die aktuelle Rechtsentwicklung – gerade auch aufgrund der sich stets weiter entwickelnden Rechtsprechung und immer wieder neu auftretender Problemlagen – für die Praxis von herausragender Wichtigkeit.
Der vorliegende, von Prof. Dr. Manfred Löwisch, Leiter der Forschungsstelle für Hochschulrecht und Hochschularbeitsrecht an der Universität Freiburg, und Prof. Dr. Dagmar Kaiser, Professorin an der Universität in Mainz, herausgegebene, Kommentar erfährt aufgrund des sich nicht besonders schnell entwickelnden Rechtsgebiets lediglich in weiten Abständen neue Auflagen. So stammt die Vorauflage des Kommentars noch aus dem Jahr 2010. Unterstützt werden die Herausgeber bei der Kommentierung nunmehr von Prof. Dr. Steffen Klumpp, Professor an der Universität in Erlangen, sowie Dr. Bernd Wiebauer, Richter am Arbeitsgericht in Nürnberg. Der Anteil von Klumpp beschränkt sich allerdings wohl auf Band 2. Hervorzuheben ist noch, dass das traditionell einbändige Werk nunmehr in zwei Bände aufgespalten wurde. Der im Rahmen dieser Besprechung behandelte Band umfasst insbesondere die §§ 1-73b BetrVG sowie die Wahlordnung. Der zweite, im kommenden Jahr erscheinende, Band wird sich sodann den Mitbestimmungs- und Mitwirkungsvorschriften widmen.
Für die tägliche Arbeit im Betrieb, Unternehmen und Konzern kommt es oftmals auf die Frage an, welche Ebene auf Betriebsratsseite für eine konkrete Angelegenheit überhaupt zuständig ist. § 50 Abs. 1 BetrVG regelt, dass der Gesamtbetriebsrat zuständig ist für diejenigen Angelegenheiten, „die das Gesamtunternehmen oder mehrere Betriebe betreffen und nicht durch die einzelnen Betriebsräte innerhalb ihrer Betriebe geregelt werden können; seine Zuständigkeit erstreckt sich insoweit auch auf Betriebe ohne Betriebsrat.“ Insoweit handelt es sich um eine Ausprägung des in vielen gesellschaftlichen Bereichen zu findenden Subsidiaritätsprinzips: Nur dann, wenn eine Angelegenheit mehrere Betriebe betrifft und nicht durch die einzelnen Betriebsräte geregelt werden kann, ist der Gesamtbetriebsrat zuständig. In diesem Fall geht Gesetzgeber davon aus, dass die Angelegenheit auf Ebene des Gesamtbetriebsrats besser geregelt werden kann. Die Grundsätze dieser „originären“ Zuständigkeit des Gesamtbetriebsrats (daneben ist nach § 50 Abs. 2 BetrVG noch die Beauftragung des Gesamtbetriebsrats durch den einzelnen Betriebsrat möglich) arbeitet Löwisch unter Zugrundelegung der im Fließtext der Kommentierung angegebenen Fundstellen strukturiert heraus. Dabei werden – wie im gesamten Werk – die eingearbeiteten Rechtsprechungs- und Literaturangaben jeweils durch ein vorangestelltes fettgedrucktes „R“ bzw. „L“ hervorgehoben. Dies erleichtert die Arbeit mit dem Kommentar ungemein, da der Leser – oftmals lediglich auf der Suche nach einer zitierfähigen oder weitere Aufschlüsse gebenden Urteilspassage – so direkt zu den einschlägigen Fundstellen „springen“ kann. Die konkreten Ausführungen zu den Sachverhalten, in denen eine originäre Zuständigkeit des Gesamtbetriebsrats besteht, (§ 50, Rn. 13 ff.) sind indes sehr knapp gehalten. Stellt sich etwa die sehr relevante Frage, welche Ebene für die Einführung eines IT-Systems zuständig ist, so heißt es in der Kommentierung lediglich, dass die Zuständigkeit des Gesamtbetriebsrats „für ein betriebsübergreifendes Datenverarbeitungssystem“ besteht (§ 50, Rn. 22). Damit dürften die in der Praxis auftretenden Zuständigkeitskonflikte jedoch nur in sehr eindeutigen Fällen zu klären sein. Auch die Kommentierung zur Parallelvorschrift des § 58 Abs. 1 BetrVG, der die Zuständigkeitsabgrenzung zwischen Gesamt- und Konzernbetriebsrat enthält, hat dem nur wenig hinzuzufügen. Eine Zuständigkeit der höheren Ebene, in diesem Rahmen des Konzernbetriebsrats, ist danach gegeben, „wenn die Daten konzernweit aufgezeichnet, verknüpft und ausgewertet werden“ (§ 58, Rn. 7). Nach der Rechtsprechung des BAG genügt hierfür bereits die Möglichkeit der Nutzung bzw. Überwachung. Eine Auseinandersetzung mit den in der Literatur vertretenen Auffassungen (die h.M. plädiert in diesen Fällen für die regelmäßige Zuständigkeit des Konzernbetriebsrats, vgl. etwa Wedde, in: von dem Bussche/Voigt, 2014, Konzerndatenschutz, S. 188; dagegen nur Trittin, in: DKKW, BetrVG, 11. Aufl. 2014, § 58, Rn. 62) lässt die Kommentierung indes ebenso vermissen wie weitere Rechtsprechungsnachweise, die in der Praxis als Anhaltspunkte zur Klärung der Zuständigkeitsfrage dienen könnten.
Wenn oftmals bei Neuauflagen darauf hingewiesen wird, dass die Rechtsprechungs- und Literaturhinweise aktualisiert worden sein, so passiert dies nicht immer so umfassend wie im vorliegenden Werk. Die hier vielerorts anzutreffenden Angaben sehr aktueller Fundstellen werden vom Rezensenten daher sehr geschätzt. Zudem ist der Kommentar angenehm lesbar, was aus der Bildung vieler Absätze und Zwischenüberschriften folgt. Positiv hervorzuheben – vor allem für die regelmäßige Arbeit mit dem Kommentar – ist auch, dass durch die Vergabe ungewöhnlich vieler Randnummern eine sehr genaue Zitation der jeweiligen Passage ermöglicht wird. Inhaltlich hat das Werk – wie gezeigt – in Teilen lediglich einen Überblickscharakter. In anderen Fällen – etwa im Rahmen der Aufzählung möglicher Nichtigkeitsgründe einer Betriebsratswahl (§ 19, Rn. 35 ff.) – fällt die Auseinandersetzung dagegen umfangreicher aus und ist mit mehr Beispielen aus der Rechtsprechung unterlegt. Durch die Aufspaltung in zwei Bände bleibt jedenfalls die Hoffnung, dass der Kommentar an Umfang und Inhalt künftig noch zulegen wird, was sehr zu wünschen wäre.
Aufgrund seiner sehr angenehmen Lesbarkeit und der sehr guten Struktur der Kommentierungen ist das Werk als erster Einstieg immer eine gute Wahl. Durch die vielen und aktuellen Verweise auf Rechtsprechung und Literatur wird der Leser seinem Ziel oft näherkommen. Ebenso wird die Systematik der Normen gut aufbereitet. Sucht der Leser indes den Schlüssel zur Lösung eines Detailproblems, so wird der vorliegende Kommentar zwar oftmals kein Türöffner sein, aber jedenfalls Hinweise geben können, wo der Schlüssel verborgen liegt. In diesem Sinne freut sich der Rezensent auch schon auf die Wegweisungen, die der zweite – im kommenden Jahr erscheinende – Band ihm geben wird.