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Timestamp: 2019-11-21 21:43:05
Document Index: 106823999

Matched Legal Cases: ['§ 62', 'Art. 14', '§ 62', 'Art. 14', 'Art. 14', 'Art. 14', '§ 5', '§ 126', 'Art. 13', '§ 62', 'Art. 14', '§ 62', 'Art. 13', '§ 65', '§ 143']

Kindergeldberechtigung eines polnischen Arbeitnehmers / BFH / 2015 / Rechtsprechung / Rechtsprechung / Rechtsportal - Deubner Rechtsportal
BFH, Urteil vom 05.02.2015 - Aktenzeichen III R 29/14
DRsp Nr. 2015/10465
NV: Die Anwendung der §§ 62ff. EStG wird für einen nach Deutschland entsandten Arbeitnehmer nicht dadurch ausgeschlossen, dass nach Art. 14 Nr. 1 Buchst. a VO Nr. 1408/71 die Rechtsvorschriften des den Arbeitnehmer entsendenden EU-Mitgliedstaats für anwendbar erklärt werden.
Ein Kindergeldanspruch nach §§ 62f EStG kann auch im Falle einer durch Art. 14 Nr. 1 lit. a VO Nr. 1408/71 begründeten Anwendbarkeit ausländischen Rechts entstehen.
VO (EWG) Nr. 1408/71 Art. 14 Nr. 1;
Die hiergegen gerichtete Klage wies das Finanzgericht (FG) als unbegründet ab. Zur Begründung verwies es im Wesentlichen darauf, dass der Kläger nach Art. 14 Nr. 1 Buchst. a der Verordnung (EWG) Nr. 1408/71 des Rates vom 14. Juni 1971 zur Anwendung der Systeme der sozialen Sicherheit auf Arbeitnehmer und Selbständige sowie deren Familienangehörige, die innerhalb der Gemeinschaft zu– und abwandern (VO Nr. 1408/71) in der für den streitigen Zeitraum geltenden Fassung ausschließlich den polnischen Rechtsvorschriften unterfalle.
Der Kläger beantragt, das angefochtene FG-Urteil, den Ablehnungsbescheid vom 6. Februar 2008 und die hierzu ergangene Einspruchsentscheidung vom 13. März 2008 insoweit aufzuheben, als sie den streitgegenständlichen Zeitraum betreffen und die Familienkasse zu verpflichten, Kindergeld für seine drei Kinder für den Zeitraum April 2007 bis Juni 2007 in Höhe von insgesamt 1.386 € festzusetzen.
II. Die Familienkasse … der Bundesagentur für Arbeit ist aufgrund eines Organisationsaktes (Beschluss des Vorstands der Bundesagentur für Arbeit Nr. 21/2013 vom 18. April 2013 gemäß § 5 Abs. 1 Nr. 11 des Finanzverwaltungsgesetzes , Amtliche Nachrichten der Bundesagentur für Arbeit, Ausgabe Mai 2013, S. 6 ff., Nr. 2.2 der Anlage 2) im Wege des gesetzlichen Parteiwechsels in die Beteiligtenstellung der Bundesagentur für Arbeit – … – eingetreten (s. dazu Beschluss des Bundesfinanzhofs vom 3. März 2011 V B 17/10, BFH/NV 2011, 1105 , Rz 5). Das Rubrum wurde entsprechend angepasst.
III. Die Revision ist begründet. Sie führt gemäß § 126 Abs. 3 Satz 1 Nr. 2 der Finanzgerichtsordnung ( FGO ) insoweit zur Aufhebung des finanzgerichtlichen Urteils und zur Zurückverweisung der nicht spruchreifen Sache an das FG zur anderweitigen Verhandlung und Entscheidung, als das FG über den Anspruch auf Kindergeld für die drei Kinder des Klägers für den Zeitraum April 2007 bis Juni 2007 entschieden hat.
Wie der Senat im Anschluss an die Entscheidungen des Gerichtshofs der Europäischen Union (Urteil Bosmann, C–352/06, EU:C:2008:290, sowie Urteil Hudzinski und Wawrzyniak, C–611/10 und C–612/10, EU:C:2012:339) entschieden hat, entfalten die Zuständigkeitsregelungen der Art. 13 ff. VO Nr. 1408/71 keine Sperrwirkung gegenüber der Anwendung des nationalen Rechts (s. im Einzelnen z.B. Senatsurteile vom 16. Mai 2013 III R 8/11, BFHE 241, 511 , BStBl II 2013, 1040 , Rz 12 ff.; vom 14. November 2013 III R 12/11, BFH/NV 2014, 506 , Rz 12 ff., und vom 13. November 2014 III R 18/14, BFH/NV 2015, 331 , Rz 13). Ein Kindergeldanspruch nach §§ 62 f. des Einkommensteuergesetzes ( EStG ) kann daher —entgegen der Auffassung des FG— auch im Falle einer durch Art. 14 Nr. 1 Buchst. a VO Nr. 1408/71 begründeten Anwendbarkeit polnischen Rechts entstehen.
2. Die Sache ist nicht entscheidungsreif. Das FG hat —aus seiner Sicht zu Recht— keine Feststellungen dazu getroffen, ob der Kläger die Anspruchsvoraussetzungen der §§ 62 f. EStG erfüllt hat.
Hinsichtlich der insoweit im zweiten Rechtsgang nachzuholenden Feststellungen wird insbesondere auf die Ausführungen in den Senatsurteilen vom 24. Mai 2012 III R 14/10 (BFHE 237, 239 , BStBl II 2012, 897 , Rz 10 ff.), in BFHE 241, 511 , BStBl II 2013, 1040 , Rz 21 ff.) und vom 18. Dezember 2013 III R 44/12 (BFHE 244, 344 , BStBl II 2015, 143 , Rz 8 zum Fall eines Zweitwohnsitzes) verwiesen.
aa) Insoweit verweist der Senat darauf, dass das Konkurrenz-verhältnis nach nationalem Recht zu lösen ist, wenn Deutschland nach den Bestimmungen der Art. 13 ff. VO Nr. 1408/71 der nicht zuständige Mitgliedstaat und auch nicht der Wohnmitgliedstaat des betreffenden Kindes ist (s. im Einzelnen Senatsurteil in BFHE 241, 511 , BStBl II 2013, 1040 , Rz 28).
bb) Im Falle der Anwendbarkeit des § 65 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 EStG wäre das FG im Grundsatz verpflichtet, eine eigene Entscheidung darüber zu treffen, ob für ein Kind ein Anspruch auf Gewährung von dem Kindergeld vergleichbaren Leistungen nach ausländischem Recht besteht (s. im Einzelnen Senatsurteile vom 13. Juni 2013 III R 63/11, BFHE 242, 34 , BStBl II 2014, 711 , Rz 17 ff., und vom 13. Juni 2013 III R 10/11, BFHE 241, 562 , BStBl II 2014, 706 , Rz 20 ff.).
3. Die Übertragung der Kostenentscheidung auf das FG beruht auf § 143 Abs. 2 FGO .
Vorinstanz: Finanzgericht Düsseldorf, vom 17.02.2009 - Vorinstanzaktenzeichen 10 K 1293/08
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