Source: https://www.bag-urteil.com/28-11-2007-aufhebungsvertrag/
Timestamp: 2019-02-16 00:03:43
Document Index: 168218479

Matched Legal Cases: ['§ 124', '§ 124', '§ 2', '§ 124', '§ 242', '§ 242', '§ 242', '§ 242', '§ 123', '§ 123', 'BGH']

﻿ ﻿ BAG – 6 AZR 1108/06 | bag-urteil.com
Ohne Hinzutreten weiterer Umstände ändert eine dem Arbeitnehmer eingeräumte Bedenkzeit auch nichts an der Ursächlichkeit der Drohung für den späteren Abschluss des Aufhebungsvertrags. Für eine von der Drohung nicht mehr maßgeblich beeinflusste Willensbildung spricht jedoch, dass der Anfechtende die Bedenkzeit dazu genutzt hat, die zwischen den Parteien getroffene Vereinbarung durch aktives Verhandeln – zB neue eigene Angebote – erheblich zu seinen Gunsten zu beeinflussen, insbesondere wenn er selbst rechtskundig ist oder zuvor Rechtsrat eingeholt hat bzw. auf Grund der Dauer der eingeräumten Bedenkzeit hätte einholen können.
Auf die Revision der Beklagten wird das Urteil des Landesarbeitsgerichts Berlin vom 22. August 2006 – 3 Sa 487/06 – aufgehoben.
6 AZR 1108/06 > Rn 1
6 AZR 1108/06 > Rn 2
6 AZR 1108/06 > Rn 3
6 AZR 1108/06 > Rn 4
6 AZR 1108/06 > Rn 5
6 AZR 1108/06 > Rn 6
6 AZR 1108/06 > Rn 7
6 AZR 1108/06 > Rn 8
6 AZR 1108/06 > Rn 9
6 AZR 1108/06 > Rn 10
6 AZR 1108/06 > Rn 11
6 AZR 1108/06 > Rn 12
6 AZR 1108/06 > Rn 13
6 AZR 1108/06 > Rn 14
6 AZR 1108/06 > Rn 15
6 AZR 1108/06 > Rn 16
6 AZR 1108/06 > Rn 17
6 AZR 1108/06 > Rn 18
6 AZR 1108/06 > Rn 19
6 AZR 1108/06 > Rn 20
6 AZR 1108/06 > Rn 21
6 AZR 1108/06 > Rn 22
6 AZR 1108/06 > Rn 23
6 AZR 1108/06 > Rn 24
6 AZR 1108/06 > Rn 25
6 AZR 1108/06 > Rn 26
6 AZR 1108/06 > Rn 27
6 AZR 1108/06 > Rn 28
6 AZR 1108/06 > Rn 29
6 AZR 1108/06 > Rn 30
6 AZR 1108/06 > Rn 31
6 AZR 1108/06 > Rn 32
6 AZR 1108/06 > Rn 33
6 AZR 1108/06 > Rn 34
6 AZR 1108/06 > Rn 35
6 AZR 1108/06 > Rn 36
6 AZR 1108/06 > Rn 37
6 AZR 1108/06 > Rn 38
6 AZR 1108/06 > Rn 39
6 AZR 1108/06 > Rn 40
6 AZR 1108/06 > Rn 41
6 AZR 1108/06 > Rn 42
a) Für eine teleologische Reduktion des § 124 Abs. 1 BGB in Fällen der vorliegenden Art, wie sie im Schrifttum vertreten wird (dazu Wolfgang Hromadka FS Zöllner 1998 S. 785, 790 ff.) , besteht keine Veranlassung . Angesichts der klaren Regelung in § 124 Abs. 1 BGB ist kein Raum für eine analoge Anwendung der in § 2 Satz 2 KSchG geregelten Drei-Wochen-Frist zur Annahme eines Änderungsangebots unter Vorbehalt. Das Gesetz gewährt in § 124 Abs. 1 BGB bei der widerrechtlichen Drohung dem Bedrohten eine lange Überlegungsfrist von einem Jahr und macht damit deutlich, dass es das Recht des Drohenden, schnellstmöglich über die Rechtslage Bescheid zu wissen, verhältnismäßig gering einschätzt. Diese gesetzgeberische Wertung ist eindeutig und zu respektieren (BAG 6. November 1997 – 2 AZR 162/97 – AP BGB § 242 Verwirkung Nr. 45 = EzA BGB § 242 Prozeßverwirkung Nr. 2, zu II 3 b der Gründe; zust. Mankowski Anm. EzA BGB § 242 Prozeßverwirkung Nr. 2).
6 AZR 1108/06 > Rn 43
6 AZR 1108/06 > Rn 44
6 AZR 1108/06 > Rn 45
6 AZR 1108/06 > Rn 46
6 AZR 1108/06 > Rn 47
6 AZR 1108/06 > Rn 48
a) Die Drohung mit einer außerordentlichen Kündigung ist widerrechtlich, wenn ein verständiger Arbeitgeber eine solche Kündigung nicht ernsthaft in Erwägung ziehen durfte. Die Widerrechtlichkeit der Kündigungsandrohung kann sich regelmäßig nur aus der Inadäquanz von Mittel und Zweck ergeben. Hat der Drohende an der Erreichung des verfolgten Zwecks kein berechtigtes Interesse oder ist die Drohung nach Treu und Glauben (§ 242 BGB) nicht mehr als angemessenes Mittel zur Erreichung dieses Zwecks anzusehen, ist die Drohung widerrechtlich. Nicht erforderlich ist, dass sich die angedrohte Kündigung, wenn sie ausgesprochen worden wäre, in einem Kündigungsschutzprozess als rechtsbeständig erwiesen hätte. Von dem Arbeitgeber kann nicht verlangt werden, dass er bei seiner Abwägung generell die Beurteilung des Tatsachengerichts “trifft”. Nur wenn der Arbeitgeber unter Abwägung aller Umstände des Einzelfalls davon ausgehen muss, die angedrohte Kündigung werde im Falle ihres Ausspruchs einer arbeitsgerichtlichen Überprüfung mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht standhalten, darf er die außerordentliche Kündigungserklärung nicht in Aussicht stellen, um damit den Arbeitnehmer zum Abschluss einer Beendigungsvereinbarung zu veranlassen (Senat 15. Dezember 2005 – 6 AZR 197/05 – Rn. 23, AP BGB § 123 Nr. 66 = EzA BGB 2002 § 123 Nr. 6 mwN) . Dem entspricht im Ergebnis die Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs. Danach ist die Drohung mit einer Kündigung widerrechtlich, wenn der Drohende selbst nicht an seine Berechtigung glaubt oder sein Rechtsstandpunkt nicht mehr vertretbar ist (BGH 19. April 2005 – X ZR 15/04 – NJW 2005, 2766, 2768 f., zu II 6 a der Gründe).
6 AZR 1108/06 > Rn 49
6 AZR 1108/06 > Rn 50
6 AZR 1108/06 > Rn 51
6 AZR 1108/06 > Rn 52
6 AZR 1108/06 > Rn 53
6 AZR 1108/06 > Rn 54
6 AZR 1108/06 > Rn 55
6 AZR 1108/06 > Rn 56
6 AZR 1108/06 > Rn 57
6 AZR 1108/06 > Rn 58
6 AZR 1108/06 > Rn 59
6 AZR 1108/06 > Rn 60
> BAG, 13.12.2007 – 6 AZR 145/07