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Timestamp: 2018-05-23 05:31:53
Document Index: 10824663

Matched Legal Cases: ['§ 32', '§ 33', '§ 34', '§ 32', '§ 34', 'BGH']

Coverfoto: ©iStock.com/JanPietruszka
Print ISBN: 978‐3‐527‐71284‐7
ePub ISBN: 978‐3‐527‐80245‐6
mobi ISBN: 978‐3‐527‐80244‐9
Felix Herzog (Jg. 1959) wurde 1992 als seinerzeit jüngster Professor seines Fachs an die Juristische Fakultät der Humboldt‐Universität zu Berlin berufen. Er ist damit seit 25 Jahren in der strafrechtlichen Lehre und Forschung aktiv. In dieser Zeit hat er zahlreiche Aufsätze und Bücher veröffentlicht und Vorträge im In‐ und Ausland gehalten. Nach dem Wechsel an die Universität Bremen 2005 war Felix Herzog mehrere Jahre stellvertretender Vorsitzender des Justizprüfungsamtes. Er ist somit mit den Anforderungen und Maßstäben von Prüfungen bestens vertraut. Die Lehrveranstaltungen von Felix Herzog sind all die Jahre in den studentischen Evaluationen immer mit Höchstnoten ausgezeichnet worden.
Teil I: Wichtige Grundlagen des Strafrechts
Kapitel 1: Die Begründung und Wirkungsweise von Strafrecht und Strafe
Kapitel 2: Begrenzungen des Strafrechts
Das Gesetzlichkeitsprinzip (nullum crimen, nulla poena sine lege)
Verfassungsrechtliche Grenzen des Strafrechts
Prinzipien eines fairen Strafverfahrens
Kapitel 3: Das Straftatsystem – die Vorgehensweise bei der Prüfung von Strafrechtsfällen
Die Struktur des Straftatsystems
Exkurs: Die Strafe bei mehreren Straftaten – Konkurrenzen
Teil II: Die Elemente des Tatbestandes: Handlung, Erfolg, Zurechnung, Vorsatz
Kapitel 4: Der objektive Tatbestand – Einstiegsvoraussetzung: Handlung
Der wissenschaftliche Streit um den Handlungsbegriff
Gesicherte Fallgruppen des Nicht‐Handelns
Grenzfall: Automatisierte Handlungsweisen
Kapitel 5: Die Feststellung des tatbestandsmäßigen Erfolgs
Die Beweismittel vor Gericht, Beweiswürdigung und Urteilsfindung
Die Auslegung des Strafgesetzes und seine Grenzen
Kapitel 6: Ursache und Wirkung – Handlung und Erfolg (Kausalität)
Die Bedingungs‐ oder Äquivalenztheorie
»Kranke Fälle« der Kausalität
Kapitel 7: Die Lehre von der objektiven Zurechnung
Der Kerngedanke der objektiven Zurechnung – Überschreitung des erlaubten Risikos
Risikozusammenhang: Riskante Handlung und Erfolg
Fallgruppen des Ausschlusses der objektiven Zurechnung
Kapitel 8: »Nichts‐Tun« als strafbares Verhalten – die Unterlassungsdelikte
Der Unterschied von echten und unechten Unterlassungsdelikten
Kapitel 9: Der objektive Tatbestand der Unterlassungsdelikte
Die »Ursächlichkeit« des Unterlassens
Die physisch‐reale Möglichkeit zu einer Rettungshandlung
Die Gleichwertigkeit von Tun und Unterlassen
Kapitel 10: Der subjektive Tatbestand strafbaren Verhaltens – Vorsatz
Die beiden Elemente des Vorsatzes: Wissen und Wollen
Die Grade des Vorsatzes
Bedingter Vorsatz (dolus eventualis) oder bewusste Fahrlässigkeit (luxuria)
Die Absicht als »überschießende Innentendenz«
Teil III: Strafbarkeit bei Verletzung von Sorgfaltspflichten – Fahrlässigkeit
Kapitel 11: Die Bestrafung von fahrlässigem Verhalten
Die Vorsatztat als Regelfall, die Fahrlässigkeitstat als Sonderfall strafbaren Verhaltens
Die Unterschiede von Vorsatzunrecht und Fahrlässigkeitsunrecht
Grade der Fahrlässigkeit
Das Wesen des Fahrlässigkeitsunrechts
Kapitel 12: Felder fahrlässigen Verhaltens: Medizin und Straßenverkehr
Die strafrechtliche Verantwortlichkeit für Behandlungsfehler in der Medizin
Gefahrenzone Straßenverkehr
Teil IV: Rechtfertigung/Keine Strafe ohne Schuld
Kapitel 13: Grundgedanken und Konstellationen der Rechtfertigung
Grundgedanke der Rechtfertigung
Rechtfertigungsgründe im BGB
Rechtfertigungsgründe in der Strafprozessordnung und im Polizeirecht
Kapitel 14: Voraussetzungen und Grenzen der Notwehr (§ 32 StGB)
Zulässige Verteidigungshandlungen
(Sozialethische) Einschränkungen des Notwehrrechts
Überschreitung der Notwehr – Notwehrexzess (§ 33 StGB)
Kapitel 15: Rechtfertigung in Notstandslagen
Die Notstandslage in § 34 StGB
Zulässige Notstandshandlungen
Abwägung/Angemessenheit
Kapitel 16: Einwilligung in die Verletzung
Zulässigkeit der Einwilligung und ihre Grenzen
Drei Beispielsfelder: Einwilligung in Medizin, Sport und Sex
Kapitel 17: Irrtümer über die Rechtfertigung
Der Erlaubnis(grenz)irrtum
Kapitel 18: Keine Strafe ohne Schuld
Schuld als Vorwerfbarkeit
Defizite der Einsichts‐ und Steuerungsfähigkeit
Vorsätzliche Herbeiführung der Schuldunfähigkeit – actio libera in causa
Fehlende Verbotskenntnis (Verbotsirrtum)
Sogenannte Gewissenstäter
Handeln in Lagen außergewöhnlicher Bedrängnis
Irrtum über Entschuldigungsgründe
Teil V: Täterschaft und Teilnahme
Kapitel 19: Die Abgrenzung von Täterschaft und Teilnahme
Abgrenzung nach der Willensbeziehung zur Tat (subjektive Theorie)
Abgrenzung nach der Rolle im Geschehensablauf (Tatherrschaft)
Kapitel 20: Mittelbare Täterschaft und Mittäterschaft
Der mittelbare Täter – ein Marionettenspieler
Der Mittäter – auf gute Zusammenarbeit
Kapitel 21: Anstiftung
Das Bestimmen einer anderen Person zur Tat
Aufstiftung, Abstiftung und Umstiftung
Der Doppelvorsatz des Anstifters
Kapitel 22: Beihilfe
Keine Beihilfe ohne vorsätzliche rechtswidrige Haupttat
Kapitel 23: Irrtümer im Rahmen der Tatbeteiligung
Der »error in persona« des angestifteten Täters
Irrtümer des mittelbaren Täters
Teil VI: Versuch und Rücktritt vom Versuch
Kapitel 24: Stadien einer Straftat und Voraussetzungen eines strafbaren Versuchs
Die Strafbarkeit des versuchten Verbrechens
Idee – Entschluss – Vorbereitung – Versuch
Die Voraussetzungen des strafbaren Versuchs
Versuchte Anstiftung zu einem Verbrechen
Kapitel 25: Der Rücktritt vom Versuch
Der Rücktritt vom unbeendeten Versuch
Der Rücktritt vom beendeten Versuch
Rücktritt bei fehlender Verhinderungskausalität
Besonderer Fall: Rücktritt bei mehraktigem Geschehen
Kapitel 26: Zehn Tipps, wie Sie eine Strafrechtsklausur bewältigen
Lesen Sie den Sachverhalt sehr sorgfältig
Verwenden Sie einen Schmierzettel
Erstellen Sie eine Lösungsskizze
Lassen Sie sich nach der Klausur nicht von Panik‐Panthern irritieren
Einsen und Zweien sind die Seltenheit im Jurastudium
Schreiben Sie im Gutachtenstil
Schauen Sie sich das nun folgende kurze Fallbeispiel an
Üben Sie die Lösung von Fällen mit »Strafrecht AT Fälle und Schemata für Dummies«
Kapitel 27: Zehn wichtige Probleme aus dem Strafrecht Allgemeiner Teil
Wenn es auf die Auslegung des Gesetzes ankommt – die Wortlautgrenze
Wenn es auf den Ursachen‐Wirkungszusammenhang ankommt – Kausalität und objektive Zurechnung
Wann ein Täter die Tat mit Eventualvorsatz begeht
Wann Unachtsamkeit zur Bestrafung wegen Fahrlässigkeit führt
Wann man berechtigt ist, sich gegen einen Angriff zu wehren
Wann der Versuch einer Straftat beginnt
Wann und wie man von dem Versuch einer Straftat zurücktreten kann
Wann man Täter und wann man Teilnehmer einer Straftat ist
Wann und wie man als mittelbarer Täter einen anderen Menschen zu seinem Werkzeug machen kann
Wann man keine Schuld an einer Straftat hat
Sie haben sich entschlossen, dieses Buch als Einführung in den Allgemeinen Teil des Strafrechts zu wählen. Das freut mich sehr! Es gibt unzählige Lehrbücher zu den Grundlagen (also zum Allgemeinen Teil) des Strafrechts. Manche haben einen Umfang von 200 Seiten, manche umfassen zwei Bände und weit über 1.000 Seiten.
Manche darunter halte ich für gut oder sehr gut, andere würde ich nicht empfehlen. Es ist aber natürlich immer eine Frage der Chemie zwischen einem Buch und seinem Leser, mit welcher Art von Darstellung Sie am besten arbeiten können. Sicher kann Strafrecht Allgemeiner Teil für Dummies kein großes Lehrbuch ersetzen. Aber fast alles, was Sie dort ausführlich und unter Darstellung aller hierzu vertretenen wissenschaftlichen Theorien dargestellt finden, wird auch in diesem Buch als Problem aufgegriffen und mit einem Lösungsvorschlag versehen.
Mit diesem Buch verfolge ich das Ziel,
alle wesentlichen Probleme des Strafrechts Allgemeiner Teil in anschaulicher und einprägsamer Weise zu präsentieren,
Schneisen durch den Theoriendschungel zu schlagen,
Wege zu einer angemessenen und vertretbaren argumentativen Bearbeitung und Lösung von Problemen aufzuzeigen.
Beim Strafrecht geht es zunächst einmal um die grundlegenden Fragen:
Was darf ich überhaupt bestrafen?
Welche Wirkungen darf man von der Bestrafung auf den Täter und die Gesellschaft erwarten?
Auf der nächsten Ebene der Problembehandlung geht es um die einzelnen Schritte der Zurechnung strafrechtlicher Verantwortlichkeit:
Wenn Sie auf eine Rechtsgüterverletzung mit Strafe reagieren, müssen Sie sich ernste Gedanken darüber machen, wer überhaupt als der Verursacher einer Verletzung anzusehen ist. Es macht einen Unterschied, ob jemand einen anderen Menschen mit Vorsatz verletzt hat oder ob ihm die Verletzung nur fahrlässig unterlaufen ist.
Es macht auch einen Unterschied, ob jemand einen anderen Menschen ertränkt oder unbeteiligt zusieht, wie er ertrinkt. Das eine nennt man ein Tun, das andere ein Unterlassen. Für die Strafbarkeit des Unterlassens gelten besondere, differenzierte Regeln.
Eine wichtige und schwierige Konstellation im Strafrecht ist das Recht, sich gegen rechtswidrige Angriffe zu verteidigen (Notwehr, § 32 StGB). Das Strafrecht regelt auch Ihre Rechte bei der Abwehr von Gefahren (Notstand, § 34 StGB).
Im Strafrecht ist es wie im wirklichen Leben: In allen möglichen Zusammenhängen irren sich Menschen, erliegen Missverständnissen und glauben etwas zu tun, das nicht der Realität entspricht. Das ist folgenreich für die strafrechtliche Verantwortlichkeit.
Die Verhängung von Strafe setzt nach dem obersten Prinzip des Strafrechts Schuld voraus. Die Schuld wird als eine vorwerfbare Entscheidung gegen das Recht unter der Option, sich rechtstreu zu verhalten (Anders‐handeln‐Können), definiert. Dies ist ein sehr voraussetzungsreiches Problemfeld.
Das Strafrecht hat es natürlich nicht nur mit einzelnen Tätern zu tun, sondern das Gesetz beschreibt eine Reihe von unterschiedlichen Rollen bei Straftaten: So gibt es mittelbare Täter und Mittäter, Anstifter und Gehilfen. In diesem Geflecht entstehen viele schwierige Fragen der Rechtsanwendung.
Schließlich sind in vielen Fällen Straftäter gar nicht mit ihrer Tat erfolgreich; sie haben die Tat dann nur versucht. Häufig ist der Versuch einer Straftat strafbar. In einer Situation, in der es nicht zum Erfolg der Straftat gekommen ist, ermöglicht das Gesetz aber auch einen strafbefreienden Rücktritt vom Versuch. Der Versuch und der Rücktritt vom Versuch sind vielschichtige Problemfelder des Allgemeinen Teils mit zuweilen überraschenden Rechtsregeln.
Der Allgemeine Teil des Strafrechts ist gerade in Deutschland mit enormer Gründlichkeit und viel Liebe zum Detail von der Wissenschaft und den Gerichten geformt und durchdacht worden.
Unter den Jura‐Studierenden hierzulande gilt dieser Stoff als die erste große Herausforderung für das juristische Denken im Studium. Die Klausuren und Hausarbeiten Strafrecht Allgemeiner Teil werden oft als kolossale Denksportaufgaben wahrgenommen und treiben den Studierenden die Schweißperlen auf die Stirn.
Das muss nicht sein! Mit Strafrecht Allgemeiner Teil für Dummies haben Sie einerseits ein Nachschlagewerk für alle wichtigen Fragen zur Hand, andererseits möchte ich Ihnen empfehlen, einmal das ganze Buch von vorne bis hinten durchzulesen. Das Strafrecht behandelt in seinem Allgemeinen Teil alle grundlegenden Fragen der strafrechtlichen Verantwortlichkeit in einer sachlogischen Ordnung. Diese Ordnung prägt die Struktur und Gliederung der von Ihnen anzufertigenden Falllösungen bis ins Detail. Wenn Sie sich in dieser Ordnung auskennen, dann können Sie die Einzelprobleme auf den richtigen Ebenen unterbringen und die Zusammenhänge erkennen. Die Übungsarbeiten im Studium werden Ihnen viel leichter fallen.
Ich habe versucht, die komplexe Materie und die Fälle aus der Rechtsprechung mit einer gewissen Leichtigkeit und Ironie darzustellen.
Ohne den Wert der Wissenschaft herabsetzen zu wollen, kann man sagen, dass die Wirklichkeit des Rechts von der Rechtsprechung geprägt wird. Sie werden deswegen in diesem Buch zahlreiche Fälle und Entscheidungen des Bundesgerichtshofs (BGH) in Strafsachen finden, denn ich habe mich oft an den dort vorgeschlagenen Problemlösungen orientiert. Ich möchte Ihnen für dieses Buch und überhaupt für das gesamte Jura‐Studium empfehlen, häufig Entscheidungen der höchsten Gerichte zu lesen.
Mein herzlicher Dank für ihre Hilfe und Anregungen gilt Shirin Dirks, Mohamad El‐Ghazi und Patrique‐Robert Noetzel.
Das Lektorat des Verlags (danke, Frau Neuendorf!) hat mich schon früh und mit freundlichem Nachdruck davon abgehalten, allzu häufig ins Juristendeutsch zu verfallen. Dabei gehen keine Inhalte verloren, sondern werden häufig sogar deutlicher. Sie müssen sich also keine Sorgen machen: Wenn in diesem Buch die Leitgedanken von bestimmten Theorien viel einfacher formuliert sind, als Sie das aus einem Lehrbuch kennen, habe ich nichts vereinfacht. Nur wenn es auf eine Formulierung »genau so« ankommt oder wenn es sich um eine feststehende Formel aus der höchstrichterlichen Rechtsprechung handelt, habe ich mich genau daran gehalten.
An einigen Punkten dieses Buches war es unvermeidbar, Begriffe aus dem Juristenlatein zu verwenden. Ich führe diese Begriffe dann jeweils mit deutscher Übersetzung ein. Zuweilen ist es aber so, dass sich der lateinische Begriff als der Fachbegriff durchgesetzt hat und die deutsche Übersetzung kaum verwendet wird. Das habe ich dann kenntlich gemacht.
Dass dieses Buch in der Dummies‐Reihe erscheint, bedeutet nicht, dass ich am intellektuellen Niveau und an der juristisch‐argumentativen Qualität Abstriche gemacht hätte. Strafrecht Allgemeiner Teil für Dummies ist kein »Kinderbuch« über Strafrecht, sondern soll jedem Studierenden helfen, einen Weg durch den Dschungel der schwierigen Grundlagenfragen des Strafrechts zu finden. Es eignet sich deswegen sowohl für diejenigen, die im Dschungel verloren gegangen sind und Hilfe suchen, als auch für diejenigen, die sich gut zurechtfinden und sich die Wege noch einmal einprägen möchten. Aber vor allen Dingen auch für diejenigen, die zum ersten Mal den Dschungel betreten wollen.
Jeder Abschnitt in diesem Buch beginnt mit einer Vorstellung der wesentlichen Problemfelder, die sodann in den Kapiteln behandelt werden. Auch die Kapitel beginnen jeweils mit einer Einführung, in der die einzelnen Sektoren des Problemfelds vorgestellt werden. Sie können das Buch gezielt als Nachschlagewerk benutzen; dabei hilft Ihnen das Stichwortverzeichnis am Ende. Sinnvoll erscheint es mir jedoch, wenn Sie das Buch einmal im Zusammenhang durchgelesen haben, bevor Sie es in dieser Funktion benutzen. Um im Bild zu bleiben: Wenn Sie das Buch als Dschungelführer benutzen, ist ja nicht nur die Frage »Welche giftigen Schlangen gibt es im Dschungel?« entscheidend, sondern Sie möchten überhaupt die Gefahren des Dschungels kennenlernen.
Im Strafrecht Allgemeiner Teil gibt es wegen der sachlogischen Zusammenhänge viele (zum Teil überraschende) Verknüpfungen zwischen den Themenbereichen. Immer wenn dies der Fall ist, finden Sie im Text einen Querverweis. Sie sollten diesen Verweisen nachgehen, um die Zusammenhänge zu verstehen.
Jeder Autor hat ein Konzept für sein Buch und möchte einen roten Faden durch den Text spannen. Es fällt mir deswegen schwer, Ihnen eine Empfehlung dafür zu geben, was Sie nicht lesen müssen. Die in diesem Buch dargestellten Probleme können nach meiner Erfahrung sämtlich in den Klausuren und Hausarbeiten im Strafrecht für Studienanfänger vorkommen und sind später erst recht Gegenstand von Prüfungen bis hin zum Staatsexamen. Wenn die Gerüchtelage ganz gesichert ist, dass bei Professor X nur Rechtfertigung drankommt, können Sie vielleicht das Wagnis eingehen, nur diesen Abschnitt zu lesen. Ich würde Ihnen von einem solchen »Mut zur Lücke« abraten.
Dieses Buch ist nicht nur wichtig für Studierende des Rechts an den Universitäten, sondern auch
für Studierende an den Hochschulen der Polizei, die sich intensiv mit den strafrechtlichen Zusammenhängen ihres Dienstes befassen müssen,
für die vielen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im öffentlichen Dienst, die mit strafrechtlichen Fragen in Berührung kommen,
alle diejenigen Menschen (und das sind viele), die sich für das Strafrecht interessieren oder zuweilen darüber schimpfen, weil sie seine Funktionsweise nicht verstehen.
Manche sind vielleicht auch einfach nur neugierig auf die zahlreichen Fälle aus der Praxis des Strafrechts, die in diesem Buch vorgestellt und gelöst werden. Auch ein gutes Motiv, dieses Buch zu kaufen, denn Sie werden sehen: In der Wirklichkeit geschehen Dinge, die man sich kaum ausdenken könnte.
Dies ist kein Kinderbuch über Strafrecht Allgemeiner Teil. Ich werde Ihnen die Probleme nicht auf einem Sandkastenniveau erklären. Sie haben dieses Buch gekauft, um die Dinge noch einmal einfach und verständlich erklärt zu bekommen. Das kann unterschiedliche Gründe haben – und keiner davon bedeutet, dass Sie zu dumm sind, um das Strafrecht zu verstehen. Die wenigsten Menschen haben so etwas wie ein Naturtalent für juristisches Denken, Sprechen und schon gar nicht für Schreiben. »Juristisch« muss man wie eine – ziemlich komplizierte – Fremdsprache lernen, nicht nur Vokabeln, sondern ganze Argumentationsstrukturen. Juristisch Schreiben ist ein Prozess des Erlernens von Stil und Form, der sich über Jahre erstreckt.
Strafrecht Allgemeiner Teil für Dummies umfasst sieben große Teile. Diese Teile behandeln jeweils ein großes Problemfeld und sind in Kapitel aufgeteilt, um die einzelnen Sektoren des Problemfelds zu markieren.
Sie erfahren in diesem Teil, welchen Stellenwert und welche Aufgabe das Strafrecht in unserer Rechtsordnung hat. Die Anforderungen an die Begründung der Bestrafung von Menschen sind hoch. Es bestehen vielfältige Bezüge zum Verfassungsrecht. Sie müssen sich Gedanken darüber machen, was Sie mit Strafen bei den Bestraften und für die Gesellschaft bewirken wollen. Über die Verhängung von Strafe muss in fairen Verfahren verhandelt werden.
Zur Einhaltung der rechtsstaatlichen Garantien und zur Transparenz der Anwendung von Strafrecht gibt es feststehende Regeln für die Prüfung von Strafrechtsfällen. Die daraus folgende Ordnung nennt man das Straftatsystem. Ich zeige Ihnen, wie in den Schritten Tatbestandsmäßigkeit, Rechtswidrigkeit und Schuld geprüft wird, ob ein menschliches Verhalten strafrechtliche Verantwortlichkeit zur Folge hat.
Ganz zum Schluss lernen Sie noch ein Problem aus der Praxis der Strafgerichte kennen. In der Realität von Kriminalität kommt es oft vor, dass im Rahmen eines Geschehens mehrere Tatbestände verwirklicht werden. Häufig sind vor Gericht auch mehrere getrennte, im Lauf der Zeit begangene Straftaten zusammen zu beurteilen. In unserer Rechtskultur werden dann nicht einfach die Strafen zusammengezählt, sondern die Straftaten werden nach bestimmten Regeln ins Verhältnis zueinander gesetzt, um eine Strafe zu bestimmen. Dies nennt man die »Konkurrenzen«.
Teil II: Die Elemente des Tatbestandes – Handlung, Erfolg, Zurechnung, Vorsatz
Sie lernen, dass es auf der ersten Ebene des Straftatsystems (dem Tatbestand) zunächst darum geht, Geschehnisse auszuscheiden, in denen der Zufall und nicht ein bewusst handelnder Mensch am Werke war.
Sodann stehen Sie vor der Frage, ob eine Handlung einen »Erfolg« bewirkt hat. Mit dem Begriff »Erfolg« wird im Strafrecht die Verwirklichung des Tatbestandes bezeichnet. Zwischen der Handlung und dem Erfolg muss ein Ursache‐Wirkungszusammenhang bestehen. Im Regelfall können Sie diesen Zusammenhang mit einfachen gedanklichen Schritten begründen. Es gibt jedoch eine Reihe von Fällen, die aus dem Schema fallen.
Als einen besonderen Deliktstyp lernen Sie die Strafbarkeit wegen Unterlassens der Abwendung eines tatbestandsmäßigen Erfolges kennen.
Schließlich geht es zum Schluss in Teil II darum, unter welchen Bedingungen Sie sagen können, dass sich ein Täter mit Vorsatz für eine Rechtsverletzung entschieden hat.
Im Gegensatz zum Vorsatztäter hat sich der Täter bei dem Fahrlässigkeitsdelikt nicht für die Verletzung eines Rechtsguts entschieden. Er verletzt einen anderen Menschen wegen fehlender Achtsamkeit in seinen Handlungen. Sie werden sehen, dass nicht jeder Unfall auf der Baustelle oder im Straßenverkehr, nicht jede Fehlbehandlung im Krankenhaus mit Personenschäden ein Strafverfahren nach sich zieht. Die strafrechtliche Verantwortlichkeit für einen solchen Erfolg wird dem Täter nur dann auferlegt, wenn er Sorgfaltspflichten verletzt hat, wenn objektiv und subjektiv voraussehbar war, dass dies schlimme Folgen haben kann, und wenn diese Folgen bei entsprechender ihm möglicher Sorgfalt vermeidbar gewesen wären. Dies erkläre ich Ihnen in Teil III an vielen Beispielen.
Wer mit Vorsatz oder fahrlässig einen anderen Menschen verletzt hat, der hat den objektiven und subjektiven Tatbestand eines Strafgesetzes erfüllt. Es droht ihm, für seine Tat strafrechtlich zur Verantwortung gezogen zu werden. Es kann aber sein, dass dieses Ergebnis auf der Ebene der Rechtswidrigkeit korrigiert werden muss, weil die Person das Recht dazu hatte, den anderen zu verletzen. Rechtfertigungsgründe führen zu einem Unrechtsausschluss. Wer gerechtfertigt gehandelt hat, wird nicht bestraft.
Auf der Ebene der Schuld wird die Vorwerfbarkeit des Verhaltens behandelt. Nur wer für sein Verhalten etwas kann, verantwortlich ist, das Unrecht erkannt hat und nicht in einem unauflösbaren Konflikt zwischen den Verhaltensanforderungen des Rechts und einer bedrängenden Notstandslage stand, soll mit dem folgenreichen Vorwurf belegt werden, er habe sich schuldig gemacht. Schuld bedeutet, den Vorwurf des Anders‐handeln‐Könnens und der fehlsamen Entscheidung für die Rechtsverletzung zu erheben.
Teil V – Täterschaft und Teilnahme
In diesem Teil erhalten Sie einen Überblick, in welchen verschiedenen Rollen Menschen Täter oder Beteiligte einer Straftat sein können. Die Erfahrung lehrt, dass Straftaten oft aus gruppendynamischen Entwicklungen entstehen und in gruppendynamischen Zusammenhängen begangen werden. Menschen geben den Anstoß zu Straftaten anderer, Menschen unterstützen die Straftaten anderer, Menschen überlegen sich gemeinsam die Begehung einer Straftat und führen sie dann auch gemeinsam aus. Natürlich kann es dabei auch enorme Verwicklungen geben. In solchen Fallkonstellationen müssen Sie mit den recht kurzen Rollenbeschreibungen des StGB arbeiten und Sie müssen sich präzise auf eine Rolle festlegen, denn die Rollenzuweisung hat erhebliche Konsequenzen für die Bestrafung der jeweiligen Person. Wie Sie eine treffsichere Rollenzuweisung vornehmen, erfahren Sie in Teil V.
Sie haben bis zu diesem Punkt nur vollendete Straftaten kennengelernt. Der Täter hat eine Vorstellung davon, was er erreichen möchte, und es gelingt ihm, dies in die Tat umzusetzen. Häufig bleiben Taten aber auch im Versuch stecken. Das kann zum Beispiel darin liegen, dass der Täter ein untaugliches Mittel für die Tat benutzt. Die Strafbarkeit des Versuchs liegt darin begründet, dass der Täter immerhin die Vorstellung von einer Tat hatte und zu ihrer Verwirklichung angesetzt hat. Böse Gedanken alleine allerdings werden im Strafrecht ebenso wenig bestraft wie übersinnliche Tatversuche (»verhexen«).
Sehr kompliziert ist die Regelung über den Rücktritt vom Versuch. Im Kern geht es darum, dass derjenige, der den Versuch aufgibt, eine strafaufhebende Rücktrittsmöglichkeit erhält. Worauf sich diese Vergünstigung stützt und unter welchen Voraussetzungen sie gewährt werden kann, werden Sie im zweiten Kapitel dieses Abschnitts kennenlernen.
In diesem Teil finden Sie zunächst wichtige Hinweise dazu, wie Sie erfolgreich eine Strafrechtsklausur bewältigen können. Es geht dabei um das richtige Zeitmanagement und die richtige Bearbeitungsstrategie. Schließlich zeige ich Ihnen noch ein Beispiel für die richtige Methode bei der Niederschrift Ihrer Lösung.
Das Buch schließt mit den Top Ten der strafrechtlichen Probleme, mit denen Sie in einer Strafrechtsklausur rechnen müssen.
In diesem Buch verwende ich einige der bekannten Dummies‐Symbole, um Sie auf wichtige Beispiele und Fälle, umstrittene Probleme, Warnungen und Hinweise sowie Definitionen aufmerksam zu machen.
Das Symbol zeigt an, dass Sie sich diese Definition oder diesen Gedanken gut einprägen sollten.
Mit diesem Symbol sind die zahlreichen Beispielfälle zu den jeweiligen Problemfeldern gekennzeichnet; in der Mehrzahl handelt es sich um Fälle und ihre Entscheidung aus der höchstrichterlichen Rechtsprechung.
Wenn Sie die Glühbirne sehen, sollte Ihnen ein Licht aufgehen.
Dieses Symbol soll Sie auf einen besonderen Aspekt aufmerksam machen.
Dieses Symbol markiert eine grundlegende juristische Streitfrage, die Konsequenzen für die Lösung eines Falls hat.
Sie wissen ja – ich bin der Meinung, dass Sie dieses Buch zunächst einmal durchlesen und dann erst als Nachschlagewerk benutzen sollten. Sie können aber natürlich erst einmal reinschnuppern und den einen oder anderen Fall lesen. Wenn Sie jedoch jetzt gerade dringend eine Frage klären müssen, hilft Ihnen das Stichwortverzeichnis am Ende.
Ohne ein aktuelles Strafgesetzbuch in gedruckter Form oder ohne Nachschlagen der gesetzlichen Regelungen des StGB im Internet kommen Sie mit der Lektüre nicht voran. Alle Entscheidungen, die in diesem Buch zitiert werden, finden Sie durch Eingabe der Fundstelle bei Google.
Wichtige Grundlagen des Strafrechts
Sie erfahren in diesem Teil, welchen Stellenwert und welche soziale Aufgabe das Strafrecht in unserer Rechtsordnung einnimmt. Daraus ergeben sich besondere Anforderungen an die Begründung der Bestrafung von Menschen. Der Einsatz von Strafrecht muss eine verhältnismäßige und angemessene Reaktion auf die Verletzung elementarer Interessen und Rechte sein.
Unverzichtbar für eine rechtsstaatliche Umsetzung des Strafrechts auf den Fall ist ein Strafverfahrensrecht mit schützenden Formen und Prinzipien.
Zur Einhaltung der rechtsstaatlichen Garantien und zur Transparenz der Anwendung von Strafrecht ist es wichtig, dass die Prüfung von Strafrechtsfällen einer bestimmten Ordnung folgt. Innerhalb dieser Ordnung müssen die Argumente eine bestimmte Form und Qualität besitzen. Diese Ordnung nennt man das Straftatsystem. In den Schritten Tatbestandsmäßigkeit, Rechtswidrigkeit und Schuld wird geprüft, ob ein menschliches Verhalten strafrechtliche Verantwortlichkeit zur Folge hat.