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Timestamp: 2017-05-23 09:55:33
Document Index: 178369100

Matched Legal Cases: ['BGH', 'BGH', 'BGH', 'Art. 80', 'Art. 80', 'Art. 80']

Rudolph Die Kreditvergabeentscheidung der Banken - PDF
Rudolph Die Kreditvergabeentscheidung der Banken
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1 Rudolph Die Kreditvergabeentscheidung der Banken u62 Beiträge zur betriebswirtschaftlichen Herausgegeben von Prof. Dr. Horst Albach, Bonn Prof. Dr. Herbert Hax, Wien Prof. Dr. Paul Riebel, Frankfurt Prof. Dr. Klaus v. Wysocki, München Band 40 Forschung3 Bernd Rudolph Die der Der von auf Kreditvergabeentscheidung Banken Einfluß Zinsen und Sicherheiten die Kreditgewährung Westdeutscher Verlag 19744 1974 by Westdeutscher Verlag GmbH, Opladen Graphische Konzeption des Reihentitels von Hanswerner Klein, Opladen Alle Rechte vorbehalten. Auch die fotomechanische Vervielfältigung des Werkes (Fotokopie, Mikrokopie) oder von Teilen daraus bedarf der vorherigen Zustimmung des Verlages. Printed in Germany ISBN5 Vorwort Im Bereich der Finanzierungstheorie ist bisher dem Kreditvergabeprozeß der Banken relativ wenig Aufmerksamkeit geschenkt worden. Die modelltheoretischen Ansätze - von denen in der vorliegenden Arbeit die von Hodgman, Ryder, Miller und Freimer/Gordon analysiert werden - zeigen mangelhafte Absicherung der Prämissen, sowohl nach der entscheidungstheoretischen als auch nach der institutionellen Seite. Mit der vorliegenden Arbeit geht Bernd Rudolph über die bisherigen Forschungen hinaus: Er vertritt die These, daß im Kreditgeschäft der Banken nicht Portefeuille-Entscheidungen getroffen werden. Vielmehr vollzieht sich ein Prozeß von Einzelkreditentscheidungen. Dazu zwingen institutionelle und informationspolitische Bedingungen. Dieses Konzept, das im Ansatz auch meinem ersten Versuch zur Ableitung eines Kreditspielraums (in der Zeitschrift für Betriebswirtschaft 1966) zugrunde lag, hat einschneidende Konsequenzen. Das Konzept stellt die Brauchbarkeit der bei Portefeuille-Entscheidungen üblicherweise verwendeten Klasse von Entscheidungskriterien in Frage. An die Stelle der Vorteilhaftigkeitskriterien treten Zulässigkeitskriterien, die auf die Kreditanträge bestimmter Zinserlösklassen (oder auf Kreditanträge bestimmter Klassen von Gesamterlösen je kundenindividuelles Leistungsbündel) angewandt werden. Das Operieren mit Zinserlösklassen als Grundbedingung für den Ersatz von Vorteilhaftiqkeitskriterien durch Zulässigkeitskriterien setzt die Prüfung der Frage voraus, ob und in welchem Umfang Kreditrisiken in der Einschätzung der Banken durch Zinsgebote ihrer Kreditkunden substituiert werden können. Hier liegt der zweite wichtige Beitrag der Arbeit. Ich habe in einigen Untersuchungen die These vertreten, Banken gewährten Kredite zum Marktzins, solange ein vom Bankeigenkapital und dem geschätzten Gesamtausfallrisiko des schon begebenen Kreditvolumens abhängiger Risikogrenzwert bei dem zur Entscheidung anstehenden Einzelengagement nicht überschritten wird. Wird diese Marke überschritten, so gebe es keinen Kredit, auch nicht gegen höheres Zinsgebot. In der vorliegenden Arbeit wird diese These eingehend überprüft. Rudolph zeigt, welchen Standort eine solche These in der Theorie der Kapitalkosten einnimmt. Er hat darüber hinaus nachgewiesen, daß die Gegenthese (Substitutionalität von Kreditrisiko und Zinsgebot), träfe sie zu, in praxi nicht zu einem anderen Ergebnis führen würde: Der Substitutionsbereich ist so schmal anzunehmen, daß er vernachlässigt werden kann. Diese Ableitung ergibt sich im Zuge einer kritischen Analyse vorfindlicher finanzierungstheoretischer Modellansätze. Sie beruht auf speziellen Beobachtungen über die Verhaltensweise von Banken bei der Kreditvergabe. 56 Die modelltheoretische Diskussion bringt überdies manchen Ertrag in der Klärung von Prämissen, die bei Modellen der Bankkreditrationierung gesetzt werden. Rudolph hat die Theorie der Kreditvergabe schließlich erweitert, indem er das Phänomen der Besicherung in die Darstellung der Risiko-Chance-Struktur von Kreditpositionen einführt. Er zeigt in knapper und präziser Form, wie das zu geschehen hat. Insbesondere sieht man, wie sich die Risikostruktur der Kreditposition in den Entscheidungsfeldern verschiedener Kreditgeber durch bloße Umverteilung derselben beim Schuldner vorhandenen Sicherheiten unter den Kreditgebern verändert. Ich wünsche der vorliegenden ideenreichen Arbeit, daß sie zu weiteren Forschungen auf dem Gebiete der Theorie der Kreditvergabe anregt. Bonn, im Oktober 1973 Hans-Jacob Krümmel 67 Inhalt 1. Risikopolitische Elemente der Geschäftspolitik von Universalbanken Kredit- und Einlagengeschäfte als zentrale Bankabsatzleistungen Bankbetriebliche Funktionen bei der Hereinnahme und Ausleihung von Zahlungsmitteln Programmplanung versus Kreditentscheid Modelle zur Planung des Kreditportefeuilles und des gesamten finanziellen Bereichs von Banken Entscheidungen über die Kreditvergabe - Entscheidungen über den Einzelkredit Ansätze zu einer Theorie des individuellen Kreditangebots von Banken Die traditionelle These vom Kreditangebot der Banken - die Theorie der Kreditlimitierung Ausgangspunkte einer Theorie der Kreditrationierung Zur Darstellung der Qualität von Kreditpositionen Zur Formulierung von Ausscheidungskriterien bei der Kreditvergabe Mögliche Grenzen der Substitution von Kreditrisiken durch preispolitische Aktionen bei unterschiedlichen Zielvorstellungen der Bank Das Kreditrationierungsmodell von Hodgman Das Modell der Kreditrationierung von Ryder Das Konkurskostenmodell von Miller Das Modell des Kreditangebots von Freimer und Gordon Ergebnisse der Kreditrationierungsmodelle Risikopolitische Instrumente im Kreditgeschäft der Banken zur Variation der Beteiligung an den Unternehmensrisiken von Kreditnehmern Risikonormierung und Zerlegung der Fremdkapitalposition eines Unternehmens Möglichkeiten zur Zerlegung der Gläubigerposition eines Unternehmens in heterogene Parten Die Aufteilung der Gläubigerposition nach Rangklassen Auf der Konkursordnung beruhende Gläubigerrangklassen 70 78 Vertraglich vereinbarte Rangklassen der Gläubiger Rechtskonstruktionen, die eine Zuordnung von Teilen der Haftungsmasse zu einzelnen Gläubigern bewirken Aus- und Absonderungsrechte von Konkursgläubigern Darstellung einer besicherten Kreditposition Die haftungsmäßige Zuordnung potentiellen Unternehmensvermögens zu einzelnen Gläubigern Allgemeine Haftungszusagen Spezielle Haftungszusagen Möglichkeiten der Risikoverteilung zwischen mehreren Sicherungsnehmern Die Zerlegung einer Sicherheitenposition in homogene Parten (Sicherheitenpoolung) Die Konstruktion einer Rangfolge der Sicherungsnehmer Motive und Grundsätze für die Besicherüngsanforderungen der Banken Traditionelle Auffassungen über die Motive für Sicherheitenbestellungen Der Einfluß von Sicherheiten auf die Qualität der Kreditpositionen von Banken Personal- versus Realkredit Beispiele für die Veränderung von Kreditpositionen durch Sicherheitenhereinnahme 'Sichere' und 'unsichere' Banksicherheiten Unternehmenstypische Sicherheiten Bankübliche Sicherheiten Banküblichkeit der Besicherungsmitte Banküblichkeit der Vertragsgestaltung 98 Zusammenfassung 105 Literaturverzeichnis 108 Anmerkungen 118 89 1. Risikopolitische Elemente der Geschäftspolitik von Universalbanken 1.1 Kredit- und Einlagengeschäfte als zentrale Bankabsatzleistungen Kennzeichnet man Banken von ihrer speziellen Funktionsübernahme in einer Volkswirtschaft her, so stellt man fest, daß Banken, insbesondere die das Bild des modernen deutschen Bankensystems beherrschenden Universalbanken (1), heute üblicherweise folgende Funktionen einzeln oder kombiniert übernehmen und damit vom Absatzbereich der Bank aus gesehen folgende Leistungspalette anbieten: (2) - Banken nehmen Zahlungsmittel für eine bestimmte Zeit entgeltlich oder unentgeltlich entgegen (Einlagengeschäft) und überlassen sie. anderen Wirtschaftssubjekten gegen Entgelt für eine bestimmte Zeit zur Nutzung (Kreditgeschäft); - Banken halten sich gegen Entgelt bereit, beim Eintritt bestimmter Bedingungen Zahlungen zu leisten, die ihre Kunden gegenüber Dritten schulden (Garantiegeschäft); - Banken bieten ihren Kunden die Möglichkeit, bestimmte Teile ihres Sachvermögens (Safe, Abholfach) gegen Entgelt zu nutzen (Wertaufbewahrungsgeschäft); - Banken erbringen schließlich Verkehrsleistungen: sie übernehmen den Zahlungs- und Abrechnungsverkehr zwischen Wirtschaftssubjekten des In- und Auslandes, sie beraten, sie vermitteln Geschäfte und übernehmen den Kauf und Verkauf von Wertpapieren, von Sorten und Münzen. Banken bieten diese Leistungen in der Mehrzahl der Fälle nicht separat an; auch werden diese Leistungen nicht von vielen Wirtschaftssubjekten separat nachgefragt. Dem durch Banken angebotenen Leistungsbündel steht auf der Kundenseite ein Bündel nachgefragter Leistungen gegenüber. Dieser Tatbestand gilt insbesondere auch für die erste der angeführten Bankleistungen, die Entgegennahme von Einlagen und die Hergabe von Krediten. Zumindest Zahlungsverkehrsleistungen sind in aller Regel mit solchen Geschäften verbunden. Im weiteren wollen wir die Bankleistung par excellence, den Bankkredit, und das zu seinem Angebot erforderliche Einlagengeschäft isoliert aus dem von Banken angebotenen Leistungsbündel herausgreifen; das Modell der Bankpolitik wird eingeengt auf das Modell der Bankkreditpolitik. (3) Banken zeichnen sich danach insbesondere dadurch aus, daß sie Zahlungsmittel von Wirtschaftssubjekten sammeln und ihren Kunden zur Nutzung anbieten. 910 1.2 Bankbetriebliche Funktionen bei der Hereinnahme und Ausleihung von Zahlungsmitteln Man könnte vermuten, daß die Funktion der Banken innerhalb des aktiven und passiven Kreditgeschäfts eine im wesentlichen vermittelnde ist. "Banken, insbesondere die Kreditbanken, treten einerseits als Kreditnehmer, andererseits als Kreditgeber, als Kreditvermittler auf. Die letztere Bezeichnung ist insofern die richtigere, als die Banken die ihnen anvertrauten und leihweise überlassenen 'fremden' Mittel ganz oder teilweise dazu benutzen, solchen Wirtschaftspersonen, die Mittel für ihre Wirtschaftsführung benötigen, zur Nutzung überlassen, zu leihen." (4) Das eigentliche Kreditvermittlungsgeschäft der Banken, bei dem das Kreditinstitut seinen Kunden "zur Deckung eines in sich abgeschlossenen Fremdkapitalbedarfs materiell und personell bestimmbare Kreditbeziehungen von Anfang an mit der Absicht anbietet, die Finanzierungsfunktion auf Dritte, nämlich fremde Kreditgeber zu übertragen" (5), wird heute von den Banken im wesentlichen als Dienstleistungsgeschäft zur Vervollständigung der Angebotspalette angesehen. Insbesondere handelt es sich dabei um die Einschaltung von Banken bei der Gewährung von Krediten aus öffentlichen Mitteln nach dem 'Hausbankenverfahren' (6) und gelegentlichen Kreditvermittlungen der Geschäftsbanken an Hypothekenbanken. Bei der Hereinnahme und Hergabe von Zahlungsmitteln durch Banken ist deren Funktion jedoch weitreichender: Banken betreiben Kredittransformation. (7) Zahlungsmittel werden häufig an anderen Orten, in anderen Quantitäten und zu anderen Fristen nachgefragt als angeboten. Die Funktion der Banken besteht darin, daß sie die zum Ausgleich der angebotenen und nachgefragten Zahlungsmittel erforderlichen räumlichen Transformationen, die Transformation der Losgrößen und die erforderlichen Fristentransformationen vornehmen. Diese Transformationsveranstaltungen sind von Schmalenbach (8) mit der überbrückung regionaler Unterschiede, dem Ausgleich der Stückelung und der Transformation kurzfristiger Masseneinlagen in längerfristige Kredite beschrieben worden. Darüber hinaus ist das Halten eines Bestandes an Debitoren durch Banken mit bestimmten Risiken (Kreditrisiken) verbunden; eben daher ist auch die Einlage von Zahlungsmitteln bei einer Bank kein ganz sicheres Geschäft. Im allgemeinen wird eine Diskrepanz- zwischen den Risiken-bestehen, die die von Sachinvestoren angebotenen Kapitalanlagemöglichkeiten beinhalten, und den Risiken, die Bankeinleger noch hinzunehmen bereit sind. Die Funktion der Banken besteht hier insbesondere darin, eine Transformation der mit der Kreditvergabe an Sachinvestoren verbundenen Risiken in Anlagemöglichkeiten mit einem von den Bankeinlegern geforderten Sicherheitsgrad vorzunehmen: Banken betreiben Risikentransformation. (9) Banken bieten Einlagemöglichkeiten und Kreditfazilitäten an, die im Hinblick auf die Risiko-Chance-Position der Bankkunden 1011 als Einleger wie Kreditnehmer Vorteile gegenüber den direkten Kreditbeziehungen solcher Wirtschaftssubjekte aufweisen. (10) Da Bankeinleger in den seltensten Fällen bereit sind, ein für sie spürbares Risiko einzugehen, ist es die vornehmliche Aufgabe der Banken, die von den Einlegern als 'riskant' gemiedenen Anlagemöglichkeiten bei Sachinvestoren in sicherere Einlagenpositionen zu transformieren. Dementsprechend hat sich die bankbetriebliche Literatur schon recht früh mit den aus der ökonomischen Unsicherheit resultierenden Risiken und deren Bekämpfung im Rahmen der bankbetrieblichen Risikopolitik auseinandergesetzt. (11) Bei der Behandlung des Risikophänomens wird in der Bankbetriebslehre (neben der Darstellung und der Analyse des Liquiditätsrisikos (12)) vorwiegend von der Art des Geschäftsvorfalls ausgegangen, in dem Risiken auftreten können. So führt Hagenmüller z.b. folgende im Geschäftsbereich der Banken auftretenden Risiken an, die sich leicht in die oben vorgenommene Aufteilung der Leistungsbereiche einer Bank einordnen lassen: (13) - Kreditrisiken -- aktives Kreditrisiko (Risiko des Kreditausfalls), -- passives Kreditrisiko (Risiko des Einlagenabzugs), - Risiken des Effektengeschäftes, - Risiken des Wertaufbewahrungs- und Wertverwaltungsgeschäftes, - Risiken des Zahlunqsverkehrs- und Inkassogeschäftes, - Risiken des Auslandsgeschäftes (14). Die Risiken werden ihrer Entstehung nach analysiert und Abwehrmaßnahmen vorgeschlagen. (15) Dabei ist es zur. Herausarbeitung der Abwehrmaßnahmen in manchen Fällen erforderlich, die geschäftspolitischen Risiken in Teilrisiken zu zerlegen, wobei nun die risikoauslösenden Sachverhalte in den Vordergrund der Betrachtung rücken. Für das hier zur Rede stehende Kreditrisiko hat Wächtershäuser (16) die in der Literatur gebräuchlichsten Teilrisiken zusammengestellt: a. das Verlustrisiko (i.e.s.) der Kreditbetrag sowie die vereinbarten Zinsen, Provisionen und Gebühren werden möglicherweise überhaupt nicht oder nur zum Teil gezahlt; 1 112 b. das Liquiditätsrisiko der Zahlungsstrom erfolgt nicht pünktlich; I c. das Zinsänderungsrisiko der Marktzins kann während der Zeit, für die die Kreditvergabe ausgemacht wurde, über den vereinbarten Zins steigen; d. das Besicherungsrisiko die zur Besicherung von Krediten der Bank eingeräumten Eigentums- und Pfandrechte können sich als mangelhaft oder vollkommen wertlos erweisen; e. das Geldwertrisiko die Bank kann infolge einer Geldentwertung weniger Kaufkraft zurückerhalten als sie hingegeben hat; f. das Währungsrisiko durch Kursschwankungen oder Abwertungen einer Fremdwährung entspricht der Rückzahlungsbetrag aus einem Währungskredit in einheimischer Währung gerechnet möglicherweise nicht mehr dem ursprünglich erwarteten Betrag. Um aus dieser "mehr oder weniger willkürlichen" (17) Aufzählung der Teilrisiken die für unser Problem wesentlichen Gesichtspunkte herauszuarbeiten, gehen wir von dem Modell einer Kreditbank aus, für die ein Liquiditätsproblem zunächst nicht existiert. Die Kreditbank, die ihre Planung über eine Periode hinweg vornimmt, hat einen einzigen Debitor im Bestand, dessen Kreditrückzahlung am Ende der Periode fällig wird. Für die Bank besteht in diesem Modell einzig und allein ein Risiko, ein Vermögensrisiko, daß die dem Kreditnehmer zur Verfügung gestellten Zahlungsmittel am Fälligkeitstag nicht oder nicht vollständig zurückbezahlt werden: mit der Kreditposition der Bank ist ein Bonitätsrisiko verbunden. (18) Da wir unterstellt haben, daß die Laufzeit des Kredites mit dem Planungszeitraum der Bank übereinstimmt, besteht hier - abgesehen vom Bonitätsrisiko - keine weitere Unsicherheit über den Wert der Kreditforderung. (19) Der Kreditgeber hat für seine Forderung eine Preisgarantie. (20) Reicht dagegen die Restlaufzeit der Forderung über die Planungsperiode hinaus, so ist zwar die am Ende der Planungsperiode anfallende Zinssumme bekannt, nicht aber der Wert der Forderung selbst; es besteht ein Kurs- bzw. Zinsänderungsrisiko, da der Marktzins für einen Kredit dieser Art möglicherweise über den mit dem Kreditnehmer vereinbarten Zinssatz steigt., (21) Der Kredit wäre dann unterverzinslich; bei einer Bewertung der Forderung mit dem Kurswert läge dieser unter dem Nominalwert. (22) Die für eine einzelne Kreditposition der Bank wesentlichen Teilrisiken sind also das Bonitätsrisiko und das Zinsänderungsrisiko. 1213 Diese Feststellung muß nur wenig modifiziert werden, wenn die Annahme aufgegeben wird, für die Bank stelle sich das Problem der Aufrechterhaltung ihrer eigenen Zahlungsfähigkeit nicht. Zieht die Bank während der Planungsperiode zur Überbrückung eines Liquiditätsengpasses die Abtretung eines Debitors zur Refinanzierung in Betracht, so hat sie neben dem Bonitätsund dem Zinsänderungsrisiko zu berücksichtigen, wie hoch die mit der Refinanzierung verbundenen Transaktionskosten sind und wie groß die möglichen Kursbeeinflussungen durch die eigene Transaktion ist. Die beiden letzten Komponenten eines möglichen Liquidationsdisagios sind bei der Forderungsabtretung aber unbedeutend. Das Bild der Modellbank ändert sich aber dann, wenn die Bank nicht eine Kreditposition allein im Bestand hat, sondern ihr Kreditportefeuille einen Bestand an Debitoren unterschiedlicher Größenklassen, Branchen, Laufzeiten usw. aufweist. Dann ist bekanntlich das Vermögensverlustrisiko der Bank auch wesentlich abhängig von der Stärke der Gleichgerichtetheit der Bonitäts- und Zinsänderungsrisiken, die den einzelnen Kreditpositionen zukommen. Bei der weiteren Betrachtung wollen wir dabei das Risiko der Fristentransformation, das Zinsänderungsrisiko, unbeachtet lassen. 1.3 Programmplanung versus Kreditentscheid Modelle zur Planung des Kreditportefeuilles und des gesamten finanziellen Bereichs von Banken Eine Bank hat die Qualität eines einzelnen Kredites immer im Rahmen ihrer sonstigen Geschäfte zu beurteilen; sie hat insbesondere die durch eine zusätzliche Kreditvergabe veränderte Risikostruktur ihres gesamten Kreditportefeuilles zu beachten. Das gesamte Vermögensverlustrisiko aus dem Kreditgeschäft, dem sich eine Bank zu einem bestimmten Zeitpunkt gegenübersieht, ist, das hat die Theorie der Portfolio Selection (23) besonders deutlich herausgearbeitet, von zwei Komponenten abhängig: einmal von der Höhe der Einzelrisiken, die bei Kreditengagements übernommen werden, d.h. von der möglichen Höhe einzelner Kreditverluste und der Wahrscheinlichkeit, mit der mit solchen Verlusten gerechnet werden muß; zum anderen von der Korrelation der die möglichen Kreditverluste determinierenden Ereignisse oder Umweltzustände. Die traditionelle bankbetriebliche Risikopolitik hat in Anbetracht der Bedeutung einer Vermeidung eines Risikogleichlaufs im Kreditgeschäft zur Diversifikation in der Form der Risikozerfällung (Diversifikation der möglichen Größenordnungen von Kreditverlusten) und zur Diversifikation in der Form der Risikostreuung (Diversifikation möglicher Eintrittsursachen von Kreditverlusten) (24) die Einhaltung sogenannter 'Prinzipien der Risikopolitik 1 (25) gefordert, die Anhaltspunkte für die Ausrichtung der Kreditpolitik einer Bank insgesamt darstellen sollen. Die bekanntesten dieser Prinzipien seien kurz erläutert: 1 314 a. Die Risikozerfällung in Form der Risikoteilung Das Prinzip der Risikoteilung bezieht sich auf die Kreditvergabe an einen einzelnen Sachinvestor (Kreditnehmer); durch die Aufteilung des einer Gläubigerposition anhaftenden Verlustrisikos (bei gleichzeitiger Aufteilung der Ertragschancen) auf mehrere Banken im Rahmen von Metägeschäften oder Konsortialkrediten werden Teilpositionen geschaffen, die für die einzelnen beteiligten Banken vorteilhafte Anlagemöglichkeiten darstellen. Die Aufteilung einer Gläubigerposition auf mehrere beteiligte Institute ist zunächst ein reines Stückelungsproblem. Jedem Partizipanten wird eine Quote zugemessen, "die dem Umfang seiner anlagebereiten Mittel entspricht." (26) Eine solche Aufteilung kann auch dadurch notwendig werden, daß die Höhe des Gesamtengagements eine einzelne kreditgewährende Bank in Kollision mit Bestimmungen des KWG und den auf ihrer Grundlage erlassenen Grundsätzen des Bundesaufsichtsamtes für das Kreditwesen bringen würde. (27) Die Aufteilung einer Fremdkapitalposition auf mehrere Kreditinstitute kann aber auch die Möglichkeit schaffen, den möglichen Partizipanten eine Quote zuzumessen, deren Risiko-Chancen-Gehalt einen von ihnen geforderten Mindestwert erreicht oder übersteigt. So werden manchmal Konsortialkredite vereinbart, bei denen die Konsorten nur an einem etwaigen Verlust teilhaben (Risikobeteiligung), ohne daß die Konsortialführerin Anteilsbeträge bei ihren Mitkonsorten einfordert. (28) Bei Risikoaversion potentieller Kreditgeber kann die Aufteilung einer Gläubigerposition, die für jeden einzelnen der Beteiligten zu riskant erscheint, zu 'tragbaren' Teilpositionen für die einzelnen Partizipanten des Gemeinschaftskredits führen (risk sharing). (29) Die Fremdkapitalposition eines Unternehmens U sei in einem einfachen Beispiel dadurch gekennzeichnet, daß dem beantragten Kredit von K = DM ,- eine Gesamttilgungsleistung von T = DM ,- = K + 0,2 K gegenübersteht. Es wird angenommen, daß das Unternehmen am Ende der Kreditperiode von einem Jahr mit einer Wahrscheinlichkeit von 90 % in der Lage ist, den Kreditbetrag + Zinsen zurückzuführen. Andernfalls, also mit einer Wahrscheinlichkeit von 10 %, wird mit dem Gesamtausfall des Kreditbetrages gerechnet. Für die zur Finanzierung dieser Position in Frage kommenden Banken A und B las sen sich aufgrund ihrer individuellen risikoaversen Nutzenfunktion Indifferenzkurven I angeben, die für alternative Kreditbeträge k (Vermögenseinsätze) diejenigen Gesamttilgungsleistungen t bestimmen, die bei einer Kreditausfallwahrscheinlichkeit von 10 % mindestens gefordert werden müssen, um das Ausfallrisiko der Kreditposition gerade zu kompensieren. In der Abb. 1 sind die für die Banken A und B angenommenen gleichlaufenden Indifferenzkurven eingetragen. Die Abbildung zeigt, daß bei den zugrunde liegenden Annahmen die Gesamtgläubigerposition weder von der Bank A noch von der Bank B vollständig übernommen wird, daß aber wohl die halbe Gläubigerposition sowohl für die A- wie für die B-Bank eine vorteilhafte Anlagemöglichkeit darstellt. 1415 Banken teilen das Risiko von Kreditpositionen wegen ihrer mit steigenden Beträgen relativ zunehmenden Risikoaversion. Abb. 1: k - Kreditbetrag = Vermögenseinsatz der Bank t - vereinbarte Gesamttilgungsleistung = Kreditbetrag + Zinsen N - Kombinationen von Kreditbeträgen und Gesamttilgungsleistungen (mit Prob. = 0,9), die aufgrund der risikoaversen Nutzenfunktion der Banken nicht als vorteilhafte Anlagemöglichkeiten angesehen werden I - gleichlaufende Indifferenzkurven für Bank A und B bei einer angenommenen Kreditausfallwahrscheinlichkeit von 10 % P - Gesamtgläubigerposition des Unternehmens U, die weder für Bank A noch für Bank B tragbar ist Q - Halbierte Gesamtgläubigerposition (jeweilige Metakreditposition), die sowohl für Bank A wie für Bank B tragbar ist 1 516 b. Die Risikozerfällung in Form der Zerlegung des Gesamtausfallrisikos einer Kreditposition in mehrere Teilausfallrisiken Diese Form der Risikozerfällung durch Banken bezieht sich ebenfalls auf einen einzelnen Vertragspartner des Kreditgeschäfts. Das Kreditengagement wird hier aber nicht in der Weise zerlegt, daß mehrere Kreditinstitute als Partizipanten eingeschaltet werden; die Bank trägt hier das gesamte Vermögensverlustrisiko - dieses wird aber in mehrere Teilausfallrisiken zerlegt. Risikozerfällung in dieser Form läßt sich beispielsweise in der Sicherheitenpolitik der Banken beobachten: Ein Übermaß an Besicherung, das einmal im Verhältnis des Wertes des Sicherungsobjektes zur Höhe der gesicherten Forderung, zum anderen im Verhältnis des Wertes der Sicherheiten zu dem gesamten oder freien Aktivvermögen des Kreditnehmers bestehen kann, zieht nach herrschender Lehre die Sittenwidrigkeit und damit Nichtigkeit der ganzen Sicherung nach sich, wenn dieses Übermaß sich in einer Knebelung des Schuldners oder in einer Täuschung Dritter über die Kreditfähigkeit des Schuldners auswirkt. Hat eine Bank mit einem Kreditnehmer mehrere Kreditverträge und damit mehrere Besicherungsverträge abgeschlossen, dann können die Verträge in ihrer Gesamtheit den Tatbestand der Knebelung oder Kredittäuschung erfüllen; die Frage der Sittenwidrigkeit muß aber für jeden Vertrag gesondert geprüft werden und nichtig ist eben nur der letzte sittenwidrige Sicherungsvertrag, auch wenn die anderen Verträge diese Wirkung vorbereitet haben. (30) c. Die Risikostreuung Dieses Prinzip der Risikopolitik bezieht sich auf die Zusammensetzung verschiedener Kreditpositionen. Durch die Kombination ungleichartiger Kreditgeschäfte sollen die möglichen Ein- 1 trittsursachen für Kreditverluste möglichst voneinander unabhängig gestaltet werden, so daß die Wahrscheinlichkeit, daß bei sämtlichen in das Kreditportefeuille einbezogenen Einzelanlagen das zu einem Verlust führende Ereignis zur gleichen Zeit eintritt, sinkt, so daß damit das Risiko des Kreditportefeuilles (Globalposition) mit zunehmender Anzahl der Einzelkreditpositionen abnimmt. Dann führt das Eintreffen bestimmter Umweltzustände nur in verhältnismäßig kleinen Einheiten zu Verlusten (Schottensystem (31)). Als Unterkategorien einer solchen Risikostreuung kommen in Betracht: - die Risikostreuung in sachlicher Hinsicht bezüglich der Art (Barkredit, Kontokorrentkredit, Wechseldiskontkredit) und Höhe (Klein-, Mittel-, Großkredite) der Engagements; \ - die Risikostreuung in örtlicher Hinsicht bezüglich der geographischen Lage der Kreditnehmer; - die Risikostreuung in branchenmäßiger Hinsicht bezüglich der Zugehörigkeit der Kreditnehmer zu einem Wirtschaftszweig (Handel, Landwirtschaft, Industrie) oder einer Branche (Textilindustrie, Stahlindustrie, Baugewerbe); 16 i17 - die Risikostreuung im Hinblick auf den Verwendungszweck der Kredite (Betriebsmittelkredite, Saisonkredite, Investitionskredite, Konsumentenkredite); - die Risikostreuung nach der Rechtsform und Größe der finanzierten Unternehmen. (32) Knüpfen an die möglichen Eintrittsursachen für Kreditverluste Ertragsmöglichkeiten in anderen Geschäften (Gegengeschäften) an, so gelingt eine vollständige Kompensation des Kreditrisikos (Hedging); dieses als Risikokompensation bezeichnete Prinzip stellt also einen möglichen Extremfall für die Kombination der Eintrittsursachen für Kreditverluste dar; Beispiele für solche Kompensationsmöglichkeiten sind Kurssicherungsgeschäfte bei Devisenkrediten. d. Die Risikoüberwälzung Neben der Risikozerfällung und Risikostreuung stehen Banken zur Herabsetzung ihrer Ausfallrisiken bestimmte Möglichkeiten offen, Kreditrisiken oder Bestandteile dieser Risiken auf den Vertragspartner des Kreditgeschäfts oder einen -Dritten abzuwälzen. In unentgeltlicher Form wird das Prinzip der Risikoüberwälzung durch die Anwendung der sogenannten Freizeichnungsklauseln verfolgt, in denen dem Kreditpartner durch die Anerkennung der Allgemeinen Geschäftsbedingungen der Banken eine Reihe von Risiken aufgelastet werden, die insbesondere auf Irrtümer, Versehen oder höhere Gewalt zurückzuführen sind. (33) In entgeltlicher Form kann das Kreditrisiko auf einen Dritten mittels einer Kreditversicherung abgewälzt werden. "Bei der Delkredereversicherung übernimmt der Versicherer gegenüber dem Versicherungsnehmer das Delkredere für vom Versicherungsnehmer gewährte Kredite in Form einer Gewährleistung für den Eingang der entsprechenden Forderung." (34) Je nach der Art der zugrunde liegenden Kreditbeziehung spricht man von Warenkreditversicherung (Versicherung von Risiken aus Ausfuhr- und Teilzahlungskrediten) und von Finanzkreditversicherung (auf spezielle Anwendungsfälle beschränkte Debitorenversicherung). Im Gegensatz zur Delkredereversicherung, bei der der Kreditgeber als Versicherungsnehmer auftritt, wird bei der Kautionsversicherung ein Vertrag zwischen dem Kreditnehmer und dem Kreditversicherer abgeschlossen. Der Kreditgeber ist Begünstigter aus der Kaution des Versicherers, die rechtlich in eine Bürgschaftsoder Garantieerklärung gekleidet ist. (35) Die traditionellen 'Prinzipien der Risikopolitik 1 (36) können nur mögliche Richtungen angeben, in die sich bankbetriebliche Risikopolitik zu bewegen hat, ohne daß quantitative Aussagen über das Ausmaß einer solchen Politik getroffen werden können. Uber die möglichen Grenzen einer solchen Politik werden daher nur sehr globale Aussagen formuliert, die zudem 'ideologisch 1 gestützt werden. So steht bei Sparkassen dem Grundsatz der örtlichen Risikostreuung der Grundsatz der Ortsverbundenheit entgegen: "Es entspricht dem Charakter der Sparkasse als eines örtlich verwurzelten Kreditinstituts, daß sie sowohl im Passivais auch im Aktivgeschäft mit Vorbedacht die Interessen der 1718 heimischen Bevölkerung wahrnimmt." (37) So argumentiert z.b. Hahn (38) gegen die Abwälzung des Kreditrisikos durch die Banken auf Kreditversicherer, "daß eine Kreditversicherung für Banken in gewisser Hinsicht einen Widerspruch in sich selbst trägt, denn die Übernahme des Kreditrisikos gehört zu den ureigensten Aufgaben der Banken." Quantitative Aussagen über den Diversifikationsgrad von Banken im Hinblick auf ihre Zielsetzung werden aber von neueren analytischen Bankbetriebsmodellen angestrebt, die zur Ableitung von Dispositionshilfen für die optimale Gestaltung des gesamten Bankgeschäftes beitragen wollen. Wir haben sie daraufhin zu untersuchen, ob sie einen Beitrag zur Erklärung oder möglichen Steuerung des Prozesses der Risikentransformation durch Banken leisten können. Simultane Bankplanungsmodelle, die die formale Planung des gesamten finanziellen Bereichs von Kreditinstituten zum Ziel haben, bestehen heute im wesentlichen in vier Ansatzpunkten. (39) Porter (40) hat 1961 ein Modell der Bankbetriebspolitik entwickelt, in dem die Aufrechterhaltung der Liquidität als Restriktion des Rentabilitätsstrebens einer Bank theoretisch formuliert wird. Dabei werden Wahrscheinlichkeitsannahmen über den zukünftigen Einlagenbestand, den zukünftigen Kurswert der Obligationen im Portefeuille der Bank, den Anteil möglicher Kreditverluste und den Grad der Einfrierung des Kreditportefeuilles gemacht. Das Modell von Porter geht davon aus, daß der zukünftige Einlagenbestand nicht von der eingeschlagenen Kreditpolitik abhängt (Pooled-Funds-Approach (41)). Porter weist zwar darauf hin, daß die Bankbetriebspolitik auch sicher heitspolitische Aspekte zu berücksichtigen hat; eine Analyse des Kreditrisikos erfolgt aber nicht. "This aspect of bank uncertainty will be most summarily treated,..." (42) Die Bankj erhöht nach Porter den Nettozinssatz um eine Risikoprämie, die] die mutmaßlichen Kreditverluste langfristig kompensieren soll; eine Methode zur Ermittlung dieser Risikoprämie wird nicht an-j gegeben. j Ebenfalls vom Pooled-Funds-Approach gehen Chambers und Charnesi (43) in ihrem mehrperiodigen Planungsmodell aus, in dem die relevanten Größen mit Sicherheit bekannt sind. Bei Einhaltung der Liquiditätsnorm der Bankaufsichtsbehörde soll dasjenige Anlageportefeuille der Bank ermittelt werden, das den Gewinn bis zum Planungshorizont maximiert, wobei eine Anzahl von Nebenbedingungen einzuhalten sind. (44) Eine verbesserte Struktur weist das lineare Planungsmodell Deppes (45) auf, in dem die Handlungsmöglichkeiten der Bank durch eine Vielzahl von Nebenbedingungen beschränkt sind. "Dem Sicherheitserfordernis wird dann genügt, wenn die Zahlungsmittel zuzüglich Nichtzahlungsmittel die Verbindlichkeiten der Planperiode sowie den als notwendig erachteten Teil des Eigenkapitals mindestens decken." (46) Die Höhe des Mindesteigenkapitals wird dabei einmal vom Umfang der zur Fortführung der bankbetrieblichen Geschäfte notwendigen Bestände an Zahlungs- und Nichtzahlungsmitteln bestimmt, zum anderen durch das Ausmaß der in der Pla nungsperiode erwarteten Verluste. (47) Das Streben einer Bank 1819 nach Sicherheit, das sich in dem Streben der Bank nach Vermeidung des Konkursgrundes Überschuldung konkretisiert (48), führt also zur Formulierung einer Sicherheitsbedingung, die die Bank in jedem Zeitpunkt der Planungsperiode erfüllen muß. Da aber die Analyse und das Zusammenwirken zukünftiger Kursverluste und Kreditverluste nicht innerhalb des Modells vorgenommen werden kann und die Abschätzung des Gesamtvermögensverlustrisikos nur global in den Ansatz des Mindesteigenkapitals eingehen kann, ist das deterministische Bankplanungsmodell von Deppe nicht geeignet, zur Erklärung oder Steuerung des Prozesses der Risikentransformation beizutragen. De Long (49) hat 1966 ein Modell aufgestellt, das vom Pooled- Funds-Approach abgeht und die feedback-beziehungen zwischen Kreditgewährung und Einlagen berücksichtigt (Earmarked-Funds- Approach (50)). De Long geht davon aus, daß die Aktivastruktur einer Bank unmittelbar von der Umschlagsgeschwindigkeit der Einlagen abhängt, wobei allerdings die Modellbank De Longs an Hand von Bilanzschichten in mehrere spezialisierte Kreditinstitute gespalten wird, in denen eine den gegebenen Vorstellungen über den Liquiditätsbedarf der jeweiligen Kapitalstruktur genau entsprechende Liquiditätspolitik verfolgt wird. Der Auffassung von Mülhaupt und Küllmer (51), daß das Modell von De Long schon allein deshalb unbrauchbar sei, weil es "die Anlageentscheidung des Bankleiters im Aktivgeschäft von der Art der verfügbaren Mittel abhängig macht", kann nicht zugestimmt werden. Der methodische Fehler liegt in der Gliederung der Bankgeschäfte nach Bilanzschichten, die die in einem Kreditinstitut gegebenen liquiditätsmäßigen Kompensationsmöglichkeiten im Modell eliminiert. Die drei bisher behandelten Modelltypen konnten eine von Banken verfolgte Sicherheitspolitik zur Transformation von Kreditrisiken teils wegen ihres deterministischen Charakters, teils wegen der nur kursorischen Behandlung des Risikophänomens nicht beschreiben und erklären. Der vierte Ansatzpunkt ist dazu in der Lage. Er geht von dem für betriebswirtschaftliche Investitionsmodelle entwickelten Verfahren des 1 chance-constained-programming 1 aus. (52) Weingartner (53) hat 1967 in seiner Stellungnahme zu einem Bankplanungsmodell von Cohen und Hammer (54) die Anwendung dieses Verfahrens vorgeschlagen, das 1969 in dem von Krümmel (55) vorgelegten Bankplanungsmodell verwirklicht wurde. Das Modell besteht aus einer stochastischen Zielfunktion, in die die Handlungsmöglichkeiten der Bank mit den Erwartungswerten ihrer Erfolgsbeiträge, den Risiken der Realisierung dieser Erfolge (Varianz der erwarteten Zahlungen) und dem Zusammenhang dieser Risiken (Kovarianzen der erwarteten Zahlungen) eingehen, und die das empirisch beobachtbare risikoaverse Entscheidungsverhalten der Banken durch den Ansatz einer konkaven Nutzenfunktion zum Ausdruck bringt. (56) Eine Solvenzrestriktion soll gewährleisten, daß nur solche Handlungsprogramme als optimal gelten können, bei denen mit einer vorgegebenen, das Risikoverhalten der Bankeinleger kennzeichnenden Wahrscheinlichkeit die zukünftigen Liquidationserlöse aller Bankaktiva die Fremdkapitalanteile (Einlagen bei der Bank) übersteigen, d.h. die Bankgläubiger auch im Falle einer durch einen möglichen 1920 run-fall notwendig werdenden Liquidation der Bankaktiva mit vollständiger Befriedigung ihrer Forderungen rechnen können. (57) Eine Liquiditätsrestriktion sorgt für den laufenden Zahlungsmittelausgleich; weitere Nebenbedingungen zur Einhaltung institutioneller Beschränkungen können leicht zusätzlich formuliert werden. "Damit genügt das Modell den Anforderungen, die im Hinblick auf die Einhaltung aller bankbetrieblichen Zielgrößen - Liquidität, Rentabilität und Sicherheit - gestellt werden müssen." (58) Der Grad der Diversifikation des Handlungsprogramms der Bank wird durch die Nutzenfunktion der Bank und die vorgegebene Mindestwahrscheinlichkeit für die Einhaltung der Solvenzbedingung gesteuert. Die Grenzen der Anwendbarkeit eines solchen Modells lassen sich (59), außer dem Problem der Rechenbarkeit des Programms, leicht aus den Annahmen erkennen, die die betriebswirtschaftliche Entscheidungstheorie, in deren formalem Rahmen das Bankplanungsmodell von Krümmel formuliert ist, bezüglich der dem Planenden zur Verfügung stehenden Informationen, der Präferenzordnung über den möglichen Ergebnissen und der zur Auswahl des optimalen Handlungsprogramms angewandten Entscheidungsregel t r i f f t. (60) Greifen wir die Informationsannahmen heraus, so stehen der Bank (decision maker) in diesem Modell zum Entscheidungszeitpunkt eine Anzahl von sich gegenseitig ausschließenden Aktionen a-j, 3i2' n z u r Verfügung, die der Bankleitung alle gegenwärtig a sind und die das Entscheidungsfeld, den Aktionsraum A = {a-, a2/ a n } bilden. Der Aktionsraum, der mindestens zwei Aktionen umfassen muß, ist nur dann richtig beschrieben, wenn jede Aktionsmöglichkeit alle anderen ausschließt, so daß der Entscheidende eine der Alternativen wählen muß und höchstens eine der Aktionen ergreifen kann. (61) Jede Aktion kann zu mehreren unterschiedlichen Ergebnissen (pay offs) führen, die vom möglichen Eintritt bestimmter, für das Entscheidungsproblem relevanter Umweltzustände oder Ereignisse s-j, S2> s m abhängen, die den Ereignis- oder Zustandsraum S = {s-j, S2, s m ) bilden. (62) Jedes Ergebnis e^j ist also eindeutig determiniert durch eine Aktion des Entscheidenden und einen Umweltzustand. Die Zuordnung, die jeder Kombination aus Aktionsmöglichkeit ai und Ereignis SJ eindeutig ein Ergebnis ej_j e E zuordnet, ist der Bankleitung bekannt und läßt sich als Ergebnisfunktion e: A x S + E anschreiben. (63) Jede entscheidungstheoretische Alternative umschließt nun jeweils ein vollständiges, mögliches Handlungsprogramm der Bank, das sich aus einer Vielzahl von Einzelaktionen zusammensetzt, wobei zur Ermittlung des jeweiligen Ergebnisses alle ökonomischen Interdependenzen zwischen den einzelnen Handlungsmög- j lichkeiten bekannt sein müssen. Mögliche Einzelaktionen sind nicht nur etwa die Kreditvergabe über ein Jahr von DM ,- j an das Unternehmen U zu 12 % Kreditzinsen oder über 18 Monate der Wechselkredit an das Unternehmen V, der mit dem Diskontsatz + 3 % auf das eingereichte Wechselmaterial berechnet wird, sondern auch mögliche Ausgestaltungen des Kredits an das Unternehmen U. So biete sich etwa die Möglichkeit zu einer Kreditvergabe an U über DM ,- zu 11 % Kreditzinsen bei Absicherung des Kredits durch eine zweitrangige Grundschuld 20 Mehr anzeigen
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