Source: https://www.pabst-consult.com/2013/05/02/anrechnung-suedafrikanischer-steuern-in-deutschland-aus-einem-erbfall-in-suedafrika/
Timestamp: 2019-02-16 23:25:58
Document Index: 60178846

Matched Legal Cases: ['§ 15', '§ 16', '§ 19', '§ 21', '§ 21', '§ 21']

Anrechnung südafrikanischer Steuern in Deutschland aus einem Erbfall in Südafrika - DR. GÜNTER PABST – RECHTSANWALT
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02 Mai Anrechnung südafrikanischer Steuern in Deutschland aus einem Erbfall in Südafrika
Posted at 11:55h in ARTIKEL, ERBRECHT	by	Dr. Pabst
Erwirbt ein in Deutschland unbeschränkt Steuerpflichtiger einen Vermögenswert aus einem Nachlass in Südafrika sieht die Ausgangslage zunächst ganz übersichtlich aus:
In Deutschland ist der Erwerb nach deutschem Erbschaftsteuerrecht zu versteuern; für das deutsche Recht spielt es bei unbeschränkter Steuerpflicht des Erblassers oder des Erwerbers keine Rolle, aus welchem Staat der Nachlass stammt. Die Hö-he der Steuer hängt von der Steuerklasse und dem Wert ab.
Südafrika besteuert den Nachlass (Estate Duty) mit 20% des Nettowertes, völlig unabhängig davon, wo die Begünstigten sonst noch steuerpflichtig sein könnten; lediglich ein Freibetrag von ZAR 3,5 Mio wird vom Wert des Nachlasses abgezogen und komplett steuerfrei ist der überlebende Ehegatte/Lebenspartner. Außerdem wird in Südafrika noch der Kapitalgewinn besteuert, und zwar durch die Capital Gains Tax (CGT) als eine besondere Form der Einkommensteuer, die u.a. auch durch den Erbfall ausgelöst wird – der Tod führt zur Fiktion der Veräußerung aller Nachlass-Werte.
Im Ergebnis kann dies dazu führen, dass der deutsche Steuerpflichtige seinen Anteil an dem Nachlass in Südafrika um drei Steuern gemindert sieht:
Persönliche Erbschaftsteuer in Deutschland,
Estate Duty in Südafrika +
Capital Gains Tax in Südafrika.
Aufgezeigt werden soll die Situation am Beispiel eines Bruders des Erblassers, der hälftiger Erbe des südafrikanischen Nachlasses im Gesamtwert von ZAR 10 Mio wird, in dem sich ein Kapitalgewinn von ZAR 5 Mio aus dem Wertzuwachs einer gewerblichen Immobilie angesammelt hat (alle Zahlen sind ca-Werte in EUR, basierend auf einem Wechselkurs von ZAR/EUR von 12:1).
Capital Gains Tax: EUR 26.000
(ZAR 5,00 Mio ./ Freibetrag ZAR 0,30 Mio = ZAR 4,70 Mio x 33,3% = ZAR 1,57 Mio x 40% Income Tax = ZAR 0,63 Mio x 50% Anteil am Nachlass = EUR 26.000)
Estate Duty: EUR 56.000
(ZAR 10,00 Mio ./. Freibetrag ZAR 3,50 Mio ./. CGT ZAR 0,63 Mio ./. Kosten ZAR 0,25 Mio = ZAR 5,62 Mio x 20% Estate Duty = ZAR 1,12 Mio x 50% Anteil am Nachlass = EUR 56.000)
Erbschaftsteuer: EUR 108.000 (ohne Anrechnung von Steuern in Südafrika)
– Steuerklasse III (§ 15 Abs 1 ErbStG)
– Freibetrag EUR 20.000 (§ 16 Abs 1 Nr 7 ErbStG)
– Nachlasswert EUR 0,38 Mio (ZAR 10 Mio ./. ZAR 0,63 Mio CGT ./. 0,25 Mio Ko-sten = ZAR 9,12 Mio x 50% Anteil am Nachlass = ZAR 4,56 Mio = EUR 0,38 Mio)
– Steuersatz 30% (§ 19 Abs 1 ErbStG) auf EUR 380.000 ./. Freibetrag EUR 20.000 = EUR 360.000 x 30% = EUR 108.000.
Kann der Bruder auf seine deutsche Erbschaftsteuer von EUR 108.000 die in Südafrika auf seinen Erbteil entfallenden Steuern anrechnen, also
– EUR 26.000 CGT (um die er bereits den in Deutschland zu versteuernden Nachlass-wert reduziert hat) und
– EUR 56.000 Estate Duty?
Die Antwort gibt § 21 Abs 1 ErbStG: Es kommt darauf an, ob der Erwerber in Südafrika „zu einer der deutschen Erbschaftsteuer entsprechenden Steuer herangezogen“ wurde. Das scheint auf den ersten Blick weder mit der CGT noch mit der Estate Duty der Fall zu sein:
– Die CGT besteuert nicht den Nachlass, sondern einen Kapitalgewinn, der als mit dem Erbfall entstanden gilt und dem Erblasser als Einkommen zugerechnet wird.
– Die Estate Duty besteuert nicht den Vermögensanfall beim Erwerber, sondern er hebt die Steuer auf den Nachlass.
Während das Ergebnis bei der Nicht-Anrechenbarkeit der CGT eindeutig ist, helfen die Erbschaftsteuer-Richtlinien (ErbStRiLi 2011 zu § 21 ErbStG) dem Bruder bei der Anrechenbarkeit der südafrikanischen Estate Duty:
„Es reicht für die Anrechenbarkeit aus, dass die Nachlass-Steuer den Nachlass als sol-chen und damit alle Nachlassgegenstände gleichmäßig belastet. Eine unmittelbare wirtschaftliche Belastung des Erwerbers ist für die Anrechnung nicht erforderlich.“
Die deutsche Erbschaftsteuer reduziert sich damit von EUR 108.000 um EUR 56.000 auf verbleibende EUR 52.000. Der Bruder zahlt damit im Ergebnis 30% und nicht mehr. Ein anderes Ergebnis gäbe es nur dann, wenn es sich um einen Erwerber der Steuerklasse I han-delt, bei dem der Steuersatz unter 20% liegt (was bei Werten unter EUR 6 Mio der Fall ist). Dann findet die Anrechnung nur zum gleichen Prozentsatz statt (§ 21 Abs 1 Satz 2 ErbStG).
Anrechenbarkeit von Steuern, Dr. Günter Pabst, Erbfall Südafrika, Südafrika