Source: https://www.wko.at/site/bilanzbuchhaltung/oeffentliche-bestellung.html
Timestamp: 2020-07-11 09:04:44
Document Index: 371343416

Matched Legal Cases: ['§ 7', '§ 8', '§ 6', '§ 9', '§ 158', '§ 11', '§ 11']

Öffentliche Bestellung - WKO.at
Die selbstständige Ausübung eines Bilanzbuchhaltungsberufes durch eine natürliche Person setzt die öffentliche Bestellung durch den Präsidenten der WKO als Bilanzbuchhaltungsbehörde voraus.
Voraussetzungen für die öffentliche Bestellung sind nach § 7 BiBuG 2014:
ein Berufssitz in einem EU- oder EWR-Mitgliedstaat
die vorherige Ausübung einer einschlägigen, beruflichen fachlichen Tätigkeit
die erfolgreiche Ablegung einer Fachprüfung
grundsätzlich ab dem vollendeten 18. Lebensjahr
Die besondere Vertrauenswürdigkeit liegt nach § 8 BiBuG 2014 dann nicht vor, wenn der Berufswerber
von einer Finanzstrafbehörde wegen eines vorsätzlichen Finanzvergehens mit Ausnahme einer Finanzordnungswidrigkeit
rechtskräftig verurteilt oder bestraft worden ist und diese Verurteilung oder Bestrafung noch nicht getilgt ist oder solange die Beschränkung der Auskunft nach § 6 Abs. 2 oder 3 Tilgungsgesetz 1972 noch nicht eingetreten ist.
Geordnete wirtschaftliche Verhältnisse liegen nach § 9 BiBuG 2014 dann nicht vor, wenn
über das Vermögen des Berufswerbers ein Insolvenzverfahren anhängig ist und der Zeitraum der Einsichtgewährung in die Insolvenzdatei nicht abgelaufen ist, sofern dieses nicht durch Bestätigung eines Sanierungs- oder eines Zahlungsplanes aufgehoben worden ist oder
über das Vermögen des Berufswerbers innerhalb der letzten zehn Jahre zweimal rechtskräftig ein Sanierungsverfahren eröffnet worden ist und mittlerweile nicht sämtliche diesem Verfahren zugrundeliegenden Verbindlichkeiten nachgelassen oder beglichen worden sind oder
Der Abschluss und das Aufrechterhalten einer Vermögensschaden-Haftpflichtversicherung sind somit nicht nur eine Voraussetzung für die öffentliche Bestellung des Berufswerbers, sondern auch eine Verpflichtung während der aktiven Ausübung eines Bilanzbuchhaltungsberufes.
Die Wahl der Versicherung ist grundsätzlich frei. Diese kann auch im Ausland abgeschlossen werden, sofern der gesetzliche Versicherungsschutz in Österreich gewährleistet ist.
Die Versicherungssumme darf nicht geringer sein als 72.673,00 Euro für jeden einzelnen Versicherungsfall. Bei Vereinbarung einer betragsmäßigen Obergrenze für alle Versicherungsfälle eines Jahres und für allenfalls vereinbarte Selbstbehalte gilt § 158c Versicherungsvertragsgesetzes 1958.
Die Mitdeckung bei anderen Berufsberechtigten, die dem Klienten gegenüber haftet, ist grundsätzlich zulässig. Ist der Versicherungspflichtige Versicherter in einer Versicherung für fremde Rechnung, wird allerdings nur dann der Versicherungspflicht entsprochen, wenn nur er über die seinen Versicherungsschutz betreffenden Rechte aus dem Versicherungsvertrag verfügen kann und ihm für jeden Versicherungsfall zumindest die gesetzliche Mindestversicherungssumme zur Verfügung steht. Deckungsausschlussgründe, die nicht in seiner Person gelegen sind, können in diesem Fall nicht eingewendet werden.
Weitere Informationen finden Sie im BiBuG 2014 und auf unserer Infoseite zur Versicherung.
Der Berufswerber ist nach § 11 BiBuG 2014 verpflichtet, einen Berufssitz zu haben, der in einem EU- oder EWR-Mitgliedstaat liegt.
Unter Berufssitz ist dabei eine feste Einrichtung zu verstehen, welche durch ihre personelle, sachliche und funktionelle Ausstattung die Erfüllung der an einen Berufsberechtigten gestellten fachlichen Anforderungen gewährleistet.
Weitere Informationen finden Sie im BiBuG 2014 und auf unserer Infoseite zu Berufssitz.
Ausübung einer beruflichen fachlichen Tätigkeit
Der Berufswerber muss nach § 11 Abs. 2 BiBuG 2014 eine beruflich fachliche Tätigkeit von mindestens
drei Jahren für die öffentliche Bestellung als Bilanzbuchhalter oder
eineinhalb Jahren für die öffentliche Bestellung als Buchhalter oder Personalverrechner
auf einer Basis von 40 Wochenstunden ausgeübt haben.
Erfolgreiche Ablegung einer Fachprüfung
Informationen darüber, wo und wie Sie Fachprüfungen ablegen können, finden Sie auf unserer Infoseite zu Fachprüfung.
Im Falle der Erfüllung aller vorgenannten Voraussetzungen besteht ein Anspruch auf die öffentliche Bestellung.
Ab der öffentlichen Bestellung darf der Bilanzbuchhaltungsberuf durch die natürliche Person ausgeübt werden. Vor der öffentlichen Bestellung sowie im Falle einer Ruhendmeldung dürfen die Befugnisse nicht ausgeübt werden.