Source: https://www.anwalt.de/themenwelten/karriere/jobsuche/lebenslauf
Timestamp: 2018-11-13 22:19:12
Document Index: 190511349

Matched Legal Cases: ['§ 123', '§ 263', '§ 267', '§ 132', '§ 124', '§ 132', '§ 32', '§ 4']

Schummeln im Lebenslauf | Das müssen Sie wissen – anwalt.de
Als schüchterner Berufseinsteiger in der Hoffnung auf einen baldigen Karrierestart oder als erfahrener Mitarbeiter auf der Suche nach neuen Aufstiegsmöglichkeiten müssen Sie unbedingt beachten, dass Schummeleien im Lebenslauf zwar Ihre Jobaussichten verbessern könnten, gleichzeitig aber Ihre Karriere bzw. Ihren Arbeitsplatz gefährden könnten.
Wie viel Schummeln ist im Lebenslauf erlaubt?
Sie haben Ihren Urlaub in Asien als Studienaufenthalt verkauft? Sie haben in Ihrer Bewerbung verschwiegen, dass Sie mehrere Monate arbeitslos waren? Oder haben Sie sogar schon zur Urkundenfälschung gegriffen, indem Sie aus einem guten Arbeitszeugnis ein sehr gutes Arbeitszeugnis mithilfe von Photoshop gemacht haben? Wie weit würden Sie für Ihren Traumjob gehen?
Bevor Sie sich diese Frage stellen, sollten Sie unbedingt wissen, dass die Grenze zwischen Schönfärberei und Falschaussage in der Bewerbung fließend ist. Dabei darf man die Schummeleien im Lebenslauf nicht mit dem „Recht zur Lüge“ im Vorstellungsgespräch verwechseln. Beim Letzteren darf der Bewerber bei sogenannten unzulässigen Fragen, z. B. nach der Religionszugehörigkeit oder einer bestehenden Schwangerschaft, im Vorstellungsgespräch lügen.
Grundsätzlich gilt: Kommt es aufgrund einer falschen Angabe im Lebenslauf zur Begründung eines Arbeitsverhältnisses und wird diese Lüge irgendwann aufgedeckt, so kann der Arbeitgeber den Arbeitsvertrag – auch nach langjähriger Tätigkeit – anfechten bzw. fristlos kündigen. Deshalb sollten Bewerber von falschen Angaben unter anderem zur Ausbildung und fachlichen Qualifikation sowie zur bisherigen beruflichen Erfahrung im Lebenslauf absehen. Dagegen zählen unwahre Angaben zu angeblichen Hobbys und Interessen oder zu Sprachkenntnissen des Bewerbers zu einer sogenannten Grauzone. „Kleine Lügen“ in diesen Bereichen des Lebenslaufs stellen in der Regel keinen wirklichen Verstoß dar, soweit diese keine zwingende Voraussetzung für die angebotene Stelle sind.
Welche Konsequenzen drohen bei Schummeleien im Lebenslauf?
Die Rechtsprechung ist in diesem Bereich ziemlich eindeutig. Wer im Lebenslauf bewusst lügt und unwahre Angaben macht, um den gewünschten Job zu ergattern, riskiert die Anfechtung des Arbeitsvertrags wegen arglistiger Täuschung (§ 123 Abs. 1 BGB) bzw. die fristlose Entlassung. Mehr zum Thema Beendigung des Arbeitsverhältnisses finden Sie auf unserer Themenseite Beendigung und Arbeitszeugnis. Ist die Anfechtung des Arbeitsvertrags erfolgreich, so ist das Arbeitsverhältnis sofort beendet und der Arbeitsplatz weg. Die Aufdeckung von Lügen im Lebenslauf führt nicht selten auch zu Schadensersatzforderungen gegenüber dem täuschenden Arbeitnehmer. So wurde beispielsweise ein Jurist, nachdem ans Licht kam, dass er seine Zeugnisnoten von „ausreichend“ zu „voll befriedigend“ in seiner Bewerbung frisiert hat, wegen arglistiger Täuschung gekündigt und musste außerdem 75.000 Euro Gehalt an seinen Arbeitgeber zurückzahlen.
Neben der zivilrechtlichen Ahndung von Lügen im Lebenslauf ist in bestimmten Fällen auch mit strafrechtlichen Konsequenzen (z. B. beim Betrugsversuch nach § 263 StGB) zu rechnen. So ist bereits der Versuch, Noten in einem Zeugnis zu ändern, eine Straftat (nach § 267 StGB) und kann zu einer Geld- bzw. Freiheitsstrafe (in besonders schweren Fällen sogar bis zu zehn Jahren) führen. Beispielsweise konnte eine Lehrerin in vier verschiedenen Bundesländern mehrere Jahrzehnte mit gefälschten Abschlüssen und Urkunden unterrichten. Jedoch flog ihre Lüge irgendwann auf. Die betroffenen Länder forderten die Rückzahlung von Beamtenbezügen in einer 6-stelligen Höhe und die falsche Lehrerin erhielt eine Bewährungsstrafe. Auch das unbefugte Führen eines akademischen Titels oder einer Berufsbezeichnung kann nach § 132a StGB strafrechtlich geahndet werden und mit einer Geld- bzw. Freiheitsstrafe bestraft werden.
Gibt es eine Verjährungsfrist bei falschen Angaben im Lebenslauf?
Bei Lügen im Lebenslauf, Anschreiben oder auch im Bewerbungsgespräch, welche erst nach Jahren aufgedeckt werden, spielt die Dauer der ausgeübten Tätigkeit in der Regel keine Rolle. Auch nach langjähriger, treuer Mitarbeit können Arbeitnehmer, die vorsätzlich über Tatsachen in ihrer Bewerbung getäuscht haben, mit arbeitsrechtlichen Konsequenzen rechnen. Eine Verjährungsfrist läuft erst ab dem Zeitpunkt, an dem der Arbeitgeber vom Schwindel seines Mitarbeiters erfahren hat, und beträgt nach § 124 BGB Abs. 1 ein Jahr.
Eine Krankenschwester wurde beispielsweise nach 14 Jahren tadelloser Arbeit gekündigt, nachdem ihr Arbeitgeber herausfand, dass sie ihre ausländischen Prüfungszeugnisse gefälscht hatte. Auch ein Universalschweißer verlor nach erfolgreicher 8-jähriger Tätigkeit seinen Arbeitsplatz, nachdem der Arbeitgeber von seinen gefälschten Zeugnisnoten erfahren hat und das Arbeitsverhältnis wegen arglistiger Täuschung erfolgreich angefochten hat.
Ausgewählter Rechtstipp zum Thema „Schummeln im Lebenslauf“
§ 132a StGB: Missbrauch von Titeln, Berufsbezeichnungen und Abzeichen
AG Düsseldorf, Urteil vom 07.12.2010, Az. 114 Ds-20 Js 1798/10-190/10: Ein Jurist wird aufgrund des Betrugs zu zehn Monaten Haft auf Bewährung verurteilt
LAG München, Urteil vom 28.06.2007, Az.: 4 Sa 159/07: Anfechtung des Arbeitsvertrages wegen arglistiger Täuschung durch die Arbeitnehmerin bei der Einstellung durch Vorlage als gefälscht anzusehender ausländischer Ausbildung-/Prüfungszeugnisse
LAG Baden-Württemberg, Urteil vom 13.10.2006, Az. 5 Sa 25/06: Anfechtung des Arbeitsvertrages wegen Bewerbung mit gefälschtem Ausbildungszeugnis – Kenntnis des Anfechtungsgrundes nach mehrjähriger Tätigkeit
Auch für Prominente gilt das Sprichwort „Lügen haben kurze Beine“. In den vergangenen Jahren kam es nämlich immer wieder zu spektakulären Fällen, in denen bekannt wurde, dass Personen des öffentlichen Lebens bewusst falsche Angaben in ihrem beruflichen Werdegang gemacht haben.
Im Juli 2016 kam beispielsweise heraus, dass die langjährige SPD-Bundestagsabgeordnete Petra Hinz, die zuletzt auch als ordentliches Mitglied im Rechnungsprüfungsausschuss und Haushaltsausschuss des Parlaments fungierte, wesentliche Teile ihres Lebenslaufs erfunden hatte. Trotz ihrer Angaben im Lebenslauf hatte sie nämlich weder Abitur gemacht noch hatte sie ein rechtswissenschaftliches Studium abgeschlossen. Die Folge war, dass sie ihr Bundestagsmandat niederlegte und im Jahr 2017 auf eine erneute Bundestagskandidatur verzichtete. Ein Ermittlungsverfahren wurde gegen sie allerdings nicht eingeleitet. Diese Schummelei sorgte für viel Verärgerung und Kopfschütteln in der Bevölkerung.
Die wichtigsten Fakten zu „Schummelei im Lebenslauf“
Begriff Lebenslauf
Der Lebenslauf ist fester Bestandteil einer jeden Bewerbung und in der Regel der erste Schritt im Bewerbungsverfahren. Anhand des Lebenslaufs, meistens in Kombination mit einem Anschreiben und verschiedensten Zeugnissen, entscheiden zunächst Arbeitgeber bzw. Personalverantwortliche, ob der Bewerber die für die ausgeschriebene Position notwendige Qualifikation überhaupt besitzt und ob er zum Vorstellungsgespräch eingeladen werden soll. Aus diesem Grund ist die Erstellung des Lebenslaufs keine leichte Aufgabe, denn der Bewerber möchte natürlich mit seinen Bewerbungsunterlagen einen optimalen ersten Eindruck beim potenziellen Arbeitgeber hinterlassen.
Schummeln als Alltagspraxis
Laut Wirtschaftswoche gehen Personaler sogar davon aus, dass fast die Hälfte aller Bewerber bei den Angaben im Lebenslauf schummelt. Bei der Vorbereitung von Bewerbungsunterlagen hat sich nämlich längst eine „Optimierungspraxis“ etabliert, d. h. Bewerber möchten sich so gut wie möglich in ihrer Bewerbung präsentieren und greifen dafür tief in die Trickkiste. Wie man seinen Lebenslauf für die Jobsuche aufpolieren kann, dafür findet man im Internet genug Tipps und Tricks. Dass die Verschönerung des Lebenslaufs tatsächlich auch rechtliche Konsequenzen haben könnte, das wissen leider die wenigsten.
Wo tricksen Bewerber am meisten
Von den Bewerbern, die in ihrem Lebenslauf zur Lüge greifen, schummeln rund 30 % bei den Angaben zum beruflichen Werdegang. Insbesondere wenn es sich um die Frage nach Führungsverantwortung und Aufgabenfeldern aus früheren Tätigkeiten handelt, bedienen sich viele Bewerber der Lüge. Darüber hinaus schummeln rund 22 % der Bewerber, wenn es sich um ihre Managementfähigkeiten handelt. 16 % der Bewerber übertreiben bei ihren Sprachkompetenzen, 10 % bei den Gehaltsangaben (aus früherer Tätigkeit) und 5 % bei den Softwarekenntnissen. Ein kleiner Teil der Bewerber (ca. 4 %) trauen sich sogar, bei ihrem Bildungsgrad und Studienabschluss falsche Angaben zu machen.
Selbstverständlich sind Arbeitgeber dem immer mehr zunehmenden Bewerbungsschwindel nicht hilflos ausgeliefert. Grundsätzlich dürfen Arbeitgeber im Bewerbungsverfahren einen sogenannten Background Check durchführen. Nach § 32 Abs. 1 S. 1 BDSG ist die Erhebung und Verarbeitung von Bewerberdaten zulässig, wenn dies für die Entscheidung über die Begründung eines Beschäftigungsverhältnisses erforderlich ist. Allerdings müssen Arbeitgeber bei der Datenerhebung das Gebot der Direkterhebung (§ 4 Abs. 2 Satz 1 BDSG) einhalten, sprich Informationen direkt beim Bewerber zu erfragen. Verletzt die Datenerhebung das Persönlichkeitsrecht des Bewerbers, die Erforderlichkeitsvoraussetzung und/oder den Direkterhebungsgrundsatz, so ist diese grundsätzlich unzulässig. Obwohl Hintergrundprüfungen über soziale Netzwerke rechtlich nicht klar geregelt sind, nutzen Arbeitgeber nicht selten Online-Plattformen wie Facebook, Xing, LinkedIn und Co., um sich über Bewerber genau zu informieren und gegebenenfalls auch deren Angaben im Lebenslauf genauer zu überprüfen.