Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Text=VersR%201978,%20350
Timestamp: 2020-02-25 23:03:06
Document Index: 208057043

Matched Legal Cases: ['BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 852', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 852', '§ 14', 'BGH', '§ 199', 'BGH']

BGH, 20.12.1977 - VI ZR 190/75 - dejure.org
https://dejure.org/1977,1765
BGH, 20.12.1977 - VI ZR 190/75 (https://dejure.org/1977,1765)
BGH, Entscheidung vom 20.12.1977 - VI ZR 190/75 (https://dejure.org/1977,1765)
BGH, Entscheidung vom 20. Dezember 1977 - VI ZR 190/75 (https://dejure.org/1977,1765)
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Beginn der Verjährungsfrist bei Schadensersatzansprüchen aus unerlaubter Handlung - Verletzung des Eigentums an einer Sache durch bloße Entziehung - Kenntnis des Schadens im Sinne des § 852 Bürgerliches Gesetzbuch (BGB) - Vorhersehbarkeit einer Schadensentwicklung
VersR 1978, 350
WM 1978, 331
Die Verjährung des Ersatzanspruchs erfasst auch solche nachträglich eintretenden Schadensfolgen, die im Zeitpunkt der Entstehung des Anspruchs als möglich voraussehbar waren (vgl. Senatsurteile vom 20. Dezember 1977 - VI ZR 190/75, VersR 1978, 350 Rn. 13;… vom 3. Juni 1997 - VI ZR 71/96, VersR 1997, 1111 Rn. 15;… vom 15. März 2011 - VI ZR 162/10, VersR 2011, 682 Rn. 8;… vom 5. April 2016 - VI ZR 283/15, VersR 2016, 1058 Rn. 15;… BGH, Urteile vom 15. Oktober 1992 - IX ZR 43/92, WM 1993, 251 Rn. 35;… vom 21. Februar 2005 - II ZR 112/03, ZIP 2005, 852 Rn. 9).
Dafür ist erforderlich und genügt die Kenntnis von der Vermögensbeeinträchtigung (…vgl. hierzu BGH, Urt. v. 26. Oktober 1989 - IX ZR 257/88, VersR 1990, 277, 278;… Urt. v. 15.10.1992, IX ZR 43/92) und der Verursachung in ihrer wesentlichen Gestaltung, während das Schadensbild hinsichtlich Umfang und Höhe der Schädigung sowie die Einzelheiten des schadensstiftenden Ereignisses und des weiteren Ursachenverlaufs nicht bekannt zu sein brauchen (…vgl. BGH, Urt. v. 20. Oktober 1959 - VI ZR 166/58, NJW 1960, 380; v. 11. April 1960 - III ZR 78/59, VersR 1960, 638, 639; v. 7. März 1963 - III ZR 167/61, VersR 1963, 631, 632; v. 20. Dezember 1977 - VI ZR 190/75, WM 1978, 331, 332).
Vielmehr genügt die allgemeine Kenntnis vom Eintritt eines Schadens; wer diese erlangt hat, dem gelten grundsätzlich auch solche Schadensfolgen als bekannt, die im Zeitpunkt der Kenntniserlangung nur als möglich voraussehbar waren (BGH, Urt. v. 20. Dezember 1977 - VI ZR 190/75, WM 1978, 331, 332).
Bei späteren Schadensfolgen, die wie hier durch eine bereits 1957 abgeschlossene Handlung verursacht worden sind, beginnt die Verjährungsfrist für nachträgliche Verschlimmerungen, wenn sie im Zeitpunkt der Kenntnis vom Schaden schon als möglich erscheinen, bereits mit diesem Zeitpunkt (vgl. BGH WM 1978, 331, 332).
Zwar hat der Bundesgerichtshof in ständiger Rechtsprechung entschieden (BGHZ 67, 372, 373; Senatsurt. v. 20. Dezember 1977 - VI ZR 190/75 = VersR 1978, 350), daß für die Kenntnis i.S. von § 852 BGB bzw. § 14 StVG volle Überschaubarkeit von Umfang und Höhe des Schadens nicht erforderlich ist, daß vielmehr der gesamte aus dem Delikt entspringende Schaden für den Beginn der Verjährungsfrist eine Einheit darstellt und darum auch solche Schadensfolgen als bekannt gelten, die im Zeitpunkt der Erlangung jener Kenntnis als möglich voraussehbar waren.
Wird etwa eine Sache entzogen und später beschädigt oder vernichtet, beginnt deshalb die Verjährung auch hinsichtlich des Folgeschadens der Beschädigung oder Vernichtung bereits mit der Kenntnis von dem Entzug, weil dieser - für den Verletzten erkennbar - das Beschädigungs- und Verletzungsrisiko erhöht (BGH WM 1978, 331;… Münchener Kommentar zum BGB/Grothe aaO., § 199 Rn. 9).
Die Kenntnis vom Schaden ist zwar nicht gleichbedeutend mit der Kenntnis vom Schadensumfang, sie setzt aber doch voraus, daß dem Verletzten der Eintritt irgendeines Schadens bekannt wird (vgl. BGH, Urt. v. 20. Dezember 1977 - VI ZR 190/75, WM 1978, 331, 332).