Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Text=BeckRS%202016,%2015120
Timestamp: 2020-08-14 05:48:04
Document Index: 368455604

Matched Legal Cases: ['§ 495', '§ 355', '§ 242', '§ 488', '§ 355', '§ 355', 'BGH', '§ 355', '§ 14']

OLG Hamm, 18.07.2016 - 31 U 284/15 - dejure.org
OLG Hamm, 18.07.2016 - 31 U 284/15
https://dejure.org/2016,24499
OLG Hamm, 18.07.2016 - 31 U 284/15 (https://dejure.org/2016,24499)
OLG Hamm, Entscheidung vom 18.07.2016 - 31 U 284/15 (https://dejure.org/2016,24499)
OLG Hamm, Entscheidung vom 18. Juli 2016 - 31 U 284/15 (https://dejure.org/2016,24499)
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Darlehen, Verbraucherdarlehen, Widerrufsrecht, Widerrufsbelehrung, Fußnote, Verwirkung, Treu und Glauben
BGB § 495; BGB § 355; BGB § 242
Darlehen; Verbraucherdarlehen; Widerrufsrecht; Widerrufsbelehrung; Fußnote; Verwirkung; Treu und Glauben
BGB § 488 Abs. 1 ; BGB § 355 Abs. 1 a.F.
BeckRS 2016, 15120
Der Zusatz in der Fußnote "bzw. werden kann" war nicht geeignet, den Hinweis zu verunklaren (a.A. OLG Düsseldorf…, Urteil vom 13. Mai 2016 - 17 U 175/15, juris Rn. 16; OLG Frankfurt/Main…, Urteil vom 21. Dezember 2016 - 24 U 151/15, juris Rn. 42; OLG Hamm, Urteil vom 18. Juli 2016 - 31 U 284/15, juris Rn. 40 ff.;… OLG Zweibrücken, Urteile vom 16. Dezember 2016 - 7 U 119/15, juris Rn. 91 ff. und - 7 U 133/15, juris Rn. 85 ff.).
Die Belehrungen waren schon deshalb unzureichend, weil sie die Länge der Widerrufsfrist aufgrund der beiden alternativ angegebenen Fristen nicht in hinreichender Deutlichkeit bezeichneten (ebenso für die gleiche Alternativfrist mit gleicher Fußnote OLG Hamm, Urt. v. 18.07.2016, 31 U 284/15, juris-Rdnr. 39 f.;… LG Stuttgart, Urt. v. 22.04.2016, 8 O 338/14, juris-Rdnr. 41 f.).
Die Belehrung war schon deshalb unzureichend, weil sie die Länge der Widerrufsfrist aufgrund der beiden alternativ angegebenen Fristen nicht in hinreichender Deutlichkeit bezeichnet (…ebenso für die gleiche Alternativfrist mit gleicher Fußnote OLG Düsseldorf, Urt. v. 13.05.2016, 17 U 175/15, juris-Rdnr. 16; OLG Hamm, Urt. v. 18.07.2016, 31 U 284/15, juris-Rdnr. 39 f.;… LG Stuttgart, Urt. v. 22.04.2016, 8 O 338/14, juris-Rdnr. 41 f.).
Insoweit kann es dahinstehen, ob die Widerrufsbelehrung in der vorliegenden Ausgestaltung, insbesondere im Hinblick auf die Formulierung zur Fristdauer mit Klammerzusatz und Fußnote, den Anforderungen des § 355 Abs. 2 BGB a.F. genügt (dies verneinend OLG Hamm, Urteil vom 18.07.2016 - 31 U 284/15 - BeckRS 2016, 15120).
Das Berufungsgericht (OLG Hamm, Urteil vom 18. Juli 2016 - 31 U 284/15, juris) hat zur Begründung seiner Entscheidung im Wesentlichen ausgeführt, die Klägerin könne die Beklagte erfolgreich auf Zahlung in Anspruch nehmen, weil die Beklagte die Klägerin fehlerhaft über ihr Widerrufsrecht unterrichtet habe.
Teile der Rechtsprechung bejahen einen Verstoß gegen das Deutlichkeitsgebot (…OLG Düsseldorf, Urt. v. 03.11.2016 - 6 U 50/16, zit. nach juris Rn. 15;… Urt. v. 13.05.2016 - 17 U 175/15, zit. nach juris Rn. 16;… OLG Frankfurt, Urt. v. 07.09.2016 - 17 U 6/16; OLG Hamm, Urt. v. 18.07.2016 - 31 U 284/15, zit. nach juris Rn. 39 ff. [anhängig beim BGH unter Az. XI ZR 432/16]); OLG Stuttgart, Beschl. v. 15.12.2015 - 6 U 185/15; Urt. v. 01.12.2015 - 6 U 107/15; OLG Zweibrücken, Urt. v. 23.11.2016 - 7 U 62/16, zit. nach juris Rn. 75 ff.).
Soweit Teile der obergerichtlichen Rechtsprechung (so OLG Hamm, Urt. v. 18.97.2016 - 31 U 284/15, zit. nach juris Rn. 44; OLG Stuttgart, Beschl. v. 15.12.2015 - 6 U 185/15) darüber hinaus annehmen, die Belehrung im Fußnotentext sei auch insofern irreführend, als ausgeführt werde, die Monatsfrist gelte, wenn die Widerrufsbelehrung in Textform erst nach Vertragsschluss "mitgeteilt wird bzw. mitgeteilt werden kann", da der Begriff "kann" mehrdeutig sei, kann dies vorliegend dahinstehen.
Ebenso wenig vermag aus Sicht des Senats die Erwägung zu überzeugen, dass ein Verstoß gegen das Deutlichkeitsgebot auch bei Präsenzgeschäften anzunehmen sei, bei denen die Widerrufsbelehrung zusammen mit dem zu unterschreibenden Darlehenstext übergeben werde, da hier unter Umständen die Widerrufsbelehrung zeitlich erst nach dem Vertragsschluss zur Kenntnis genommen werde oder sogar zeitlich danach gesondert unterzeichnet werde und der Verbraucher dadurch im Unklaren sein könne, ob die in der Fußnote beschriebene Fallkonstellation vorliege (so OLG Hamm, Urt. v. 18.07.2016 - 31 U 284/15, zit. nach juris Rn. 43;… OLG Zweibrücken, Urt. v. 23.11.2016 - 7 U 62/16, zit. nach juris Rn. 81).
Eine Widerrufsbelehrung, die die Dauer der Widerrufsfrist mit "zwei Wochen (einem Monat)" angibt und in einer hierzu angefügten Fußnote den Zusatz enthält "Die Widerrufsfrist beträgt nach § 355 Abs. 2 S. 2 BGB einen Monat, wenn die Widerrufsbelehrung erst nach Vertragsschluss in Textform dem Kunden mitgeteilt wird bzw. mitgeteilt werden kann" genügt auch im sog. Präsenzgeschäft weder dem Deutlichkeitsgebot noch entspricht sie der Musterbelehrung zu § 14 BGB-InfoV in den Fassungen vom 1. April 2008 bis 10. Juni 2010 (Anschluss an OLG Hamm, 18. Juli 2016, 31 U 284/15;… entgegen OLG Nürnberg, Urt. v. 1. August 2016, 14 U 1780/15).
75 Die Belehrung war indes deshalb unzureichend, weil sie die Länge der Widerrufsfrist aufgrund der beiden alternativ angegebenen Frist nicht in hinreichender Deutlichkeit bezeichnet (ebenso für die gleiche Alternativfrist mit gleicher Fußnote OLG Hamm, Urt. v. 18.07.2016, 31 U 284/15, juris-Rdnr. 39 f.;… LG Stuttgart, Urt. v. 22.04.2016, 8 O 338/14, juris-Rdnr. 41 f.).
85 Die Belehrung war schon deshalb unzureichend, weil sie die Länge der Widerrufsfrist aufgrund der beiden alternativ angegebenen Fristen nicht in hinreichender Eindeutigkeit bezeichnete (…ebenso zu inhaltsgleichen Alternativfristen mit identischer Fußnote OLG Düsseldorf, Urt. v. 13.05.2016, 17 U 175/15, juris-Rdnr. 16; OLG Hamm, Urt. v. 18.07.2016, 31 U 284/15, juris-Rdnr. 39 f.;… LG Stuttgart, Urt. v. 22.04.2016, 8 O 338/14, juris-Rdnr. 41 f.).
Soweit sie sich auf Ausführungen des Oberlandesgerichts Hamm im Urteil vom 18. Juli 2016 - 31 U 284/15 - beruft, betreffen diese die dortige Vertragssituation.
Eine Zulassung der Revision unter dem Gesichtspunkt der Sicherung einer einheitlichen Rechtsprechung ist insbesondere nicht durch das von der Klägerin zitierte Urteil des Oberlandesgerichts Hamm vom 18. Juli 2016 - 31 U 284/15 - veranlasst, weil diese Entscheidung teilweise - wie ausgeführt - durch Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs überholt ist bzw. aus Sicht des Senats von dieser abweicht und im Übrigen nicht ersichtlich ist, dass diesem Urteil ein in den entscheidenden Punkten übereinstimmender Sachverhalt zugrunde liegt.
Zwar war die den Klägern erteilte Widerrufsbelehrung nach Ansicht des Senats fehlerhaft, weil sie nicht hinreichend deutlich über die Widerrufsfrist aufgeklärt hat (vgl. Urteil des Senats vom 18. Juli 2016, 31 U 284/15).