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Timestamp: 2016-10-24 10:31:09
Document Index: 83873426

Matched Legal Cases: ['Art. 95', 'Art. 96', 'Art. 106', 'Art. 42', 'BGE', 'Art. 18', 'Art. 19', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE']

8C_246/2016 � � Urteil vom 26. September 2016
�Allianz Suisse Versicherungs-Gesellschaft AG, Schadenservice, Postfach, 8010 Z�rich
A.a.�A.________, geboren 1975, zog sich anl�sslich eines Unfalles am 6. Juli 2003 verschiedene Verletzungen zu. Seither war sie nicht mehr erwerbst�tig. Die Allianz Suisse Versicherungen (nachfolgend: Allianz oder Beschwerdegegnerin) �bernahm die Heilbehandlung und erbrachte ein Taggeld. Am 12. Februar 2010 stellte sie s�mtliche Versicherungsleistungen per 28. Februar 2010 ein und hielt mit Einspracheentscheid vom 9. April 2010 daran fest. Das fr�here Verwaltungsgericht des Kantons Luzern (heute: Kantonsgericht Luzern) hiess die hiegegen gerichtete Beschwerde gut, hob den Einspracheentscheid auf und wies die Sache an die Allianz zur�ck, damit diese �ber die gesetzlichen Leistungen neu verf�ge. Das Bundesgericht wies die von der Allianz dagegen erhobene Beschwerde ab (Urteil 8C_488/2011 vom 19. Dezember 2011).
A.b.�Daraufhin veranlasste die Allianz eine konsiliarische Beurteilung der Versicherten durch Dr. med. B.________, Psychiater. Gest�tzt auf dessen Konsilium vom 18. Juni 2012 hielt die Allianz zun�chst am folgenlosen Fallabschluss per 28. Februar 2010 fest (Verf�gung vom 14. Februar 2013). Dagegen erhob die Versicherte Einsprache, welche die Allianz in dem Sinne teilweise guthiess, als sie den folgenlosen Fallabschluss auf den 25. M�rz 2011 verschob (Einspracheentscheid vom 17. Januar 2014).
Die hiegegen erhobene Beschwerde der A.________ wies das Kantonsgericht Luzern mit Entscheid vom 25. Februar 2016 ab, soweit es darauf eintrat. Es st�tzte sich dabei insbesondere auf das psychiatrische Gerichtsgutachten des Dr. med. C.________ vom 5. November 2015 (nachfolgend: Gerichtsgutachten).
Mit Beschwerde in �ffentlich-rechtlichen Angelegenheiten l�sst A.________ beantragen, der angefochtene Gerichts- und der Einspracheentscheid seien aufzuheben. Die Allianz habe ihr ab 26. M�rz 2011 eine Invalidenrente bei einem Invalidit�tsgrad von mindestens 35% auszurichten.
1.1.�Die Beschwerde in �ffentlich-rechtlichen Angelegenheiten kann wegen Rechtsverletzung gem�ss Art. 95 und Art. 96 BGG erhoben werden. Das Bundesgericht wendet das Recht von Amtes wegen an (Art. 106 Abs. 1 BGG). Es ist somit weder an die in der Beschwerde geltend gemachten Argumente noch an die Erw�gungen der Vorinstanz gebunden; es kann eine Beschwerde aus einem anderen als dem angerufenen Grund gutheissen oder es kann sie mit einer von der Argumentation der Vorinstanz abweichenden Begr�ndung abweisen. Das Bundesgericht pr�ft indessen, unter Ber�cksichtigung der allgemeinen R�ge- und Begr�ndungspflicht (Art. 42 Abs. 1 und 2 BGG), nur die geltend gemachten Vorbringen, falls allf�llige weitere rechtliche M�ngel nicht geradezu offensichtlich sind (BGE 141 V 236 E. 1 S. 236; 140 V 136 E. 1.1 S. 137 f.; Urteil 8C_867/2015 vom 20. April 2016 E. 1.1).
2.1.�Fest steht, dass �ber den urspr�nglich per 28. Februar 2010 verf�gten folgenlosen Fallabschluss hinaus keine organisch objektiv ausgewiesenen Unfallfolgen mehr feststellbar waren (Urteil 8C_488/2011 vom 19. Dezember 2011 E. 3). Die danach geklagten - organisch nicht objektiv ausgewiesenen - Beschwerden stehen gem�ss Urteil 8C_488/2011 vom 19. Dezember 2011 E. 5.3 nicht nur in einem nat�rlichen, sondern auch in einem ad�quaten Kausalzusammenhang zum Unfall vom 6. Juli 2003.
2.2.�Streitig und zu pr�fen bleibt, ob diese Beschwerden �ber den 25. M�rz 2011 hinaus eine anspruchsbegr�ndende dauerhafte Einschr�nkung der Erwerbsf�higkeit von mindestens 10% (Art. 18 Abs. 1 UVG) zur Folge haben. Die Einstellung der Heilbehandlung per 25. M�rz 2011 (Art. 19 Abs. 1 UVG) blieb zu Recht unbestritten.
3.1.�Unbestritten ist ferner, dass dem Gerichtsgutachten gem�ss angefochtenem Entscheid volle Beweiskraft zukommt. Demnach diagnostizierte Dr. med. C.________ abschliessend eine rezidivierende depressive St�rung, zurzeit in Remission (ICD-10 F33.4), eine anhaltende somatoforme Schmerzst�rung (ICD-10 F45.4) und eine Entwicklung k�rperlicher Symptome aus psychischen Gr�nden (ICD-10 F68.0).
3.2.�Die im Bereich der Invalidenversicherung ergangene Rechtsprechungs�nderung zu den anhaltenden somatoformen Schmerzst�rungen und vergleichbaren psychosomatischen Leiden gem�ss BGE 141 V 281 gilt hinsichtlich Ermittlung der Invalidit�t im Falle eines entsprechenden Leidens auch im Bereich der obligatorischen Unfallversicherung (BGE 141 V 574 E. 5.2 S. 581 f.). Bei somatoformen St�rungen (ICD-10: F45) im Besonderen ist folglich dem diagnoseinh�renten Schweregrad vermehrt Rechnung zu tragen (BGE 141 V 281 E. 2.1.1 S. 286; vgl. auch Urteil 9C_125/2015 vom 18. November 2015 E. 5.3).
4.1.�Das kantonale Gericht hat nach einl�sslicher und sorgf�ltiger Beweisw�rdigung mit ausf�hrlicher Begr�ndung, worauf verwiesen wird, zutreffend dargelegt, dass angesichts der zu geringen Auspr�gung der diagnoserelevanten Befunde und Symptome keine anspruchsbegr�ndende Invalidit�t feststellbar sei. Es hat einen rentenbegr�ndenden Invalidit�tsgrad gest�tzt auf BGE 140 V 290 mangels Beweises der Anspruchsgrundlage (gesundheitlich bedingte, erhebliche und evidente, dauerhafte sowie objektivierbare Beeintr�chtigung der Arbeits- und Erwerbsf�higkeit; BGE a.a.O. E. 3.3.1 S. 296) verneint, obwohl der Gerichtsgutachter Dr. med. C.________ eine 30-40%ige Arbeitsunf�higkeit bejahte. Entgegen s�mtlichen Vorbringen in der Beschwerde verletzt diese Beurteilung kein Bundesrecht (zur Aufgabenteilung von rechtsanwendender Stelle und begutachtender Arztperson bei der Beurteilung der Arbeitsunf�higkeit: BGE 140 V 193). Dies insbesondere mit Blick auf die massgebende, vom kantonalen Gericht korrekt angewandte neue Rechtsprechung gem�ss BGE 141 V 281, womit das Bundesgericht das Erfordernis eines schl�ssigen Beweises der Arbeitsunf�higkeit und bei dessen Fehlen die Verteilung der Folgen der Beweislosigkeit zulasten der rentenansprechenden versicherten Person ausdr�cklich best�tigt hat (BGE a.a.O. E. 3.7 S. 295 ff.; Urteil 9C_90/2016 vom 3. Mai 2016 E. 1). Die im vorinstanzlichen Entscheid wiedergegebenen Feststellungen des psychiatrischen Sachverst�ndigen stehen der Annahme eines konsistenten Gesamtbildes von einer invalidisierenden Gesundheitsbeeintr�chtigung (BGE a.a.O. E. 4.4 S. 303 f.) entgegen. Der Gerichtsgutachter konnte anl�sslich seiner Exploration keine diagnosef�hige Depression feststellen. Die Kriterien f�r eine leichte oder mittelgradige depressive Episode waren anl�sslich seiner Abkl�rung nicht erf�llt. Dementsprechend ordnete Dr. med. C.________ die von ihm erhobenen Befunde bei der Kodifizierung F33.4 nach ICD-10 ein, wonach "in den letzten Monaten (...) keine depressiven Symptome" bestanden. Daraus ist jedenfalls nicht auf einen invalidisierenden relevanten psychischen Gesundheitsschaden zu schliessen (Urteil 9C_146/2015 vom 19. Januar 2016 E. 3.4). Im �brigen sind leichte bis h�chstens mittelschwere St�rungen aus dem depressiven Formenkreis gem�ss bundesgerichtlicher Praxis in der Regel therapierbar und f�hren zu keiner invalidisierenden Einschr�nkung der Arbeitsf�higkeit (vgl. BGE 140 V 193 E. 3.3 S. 197; Urteile 8C_119/2016 vom 20. Mai 2016 E. 3.2 und 9C_892/2015 vom 22. Januar 2016 E. 3 mit Hinweisen; vgl. auch RAHEL SAGER, Die bundesgerichtliche Rechtsprechung betreffend Depressionen, in: SZS 2015 S. 308 ff., 317 f. Ziff. 5.2). Zudem setzte sich der Gerichtsgutachter nach Massgabe der ge�nderten Rechtsprechung (BGE 141 V 281 E. 2.1.1 S. 285 f.) mit der Diagnose "anhaltende somatoforme Schmerzst�rung" intensiv auseinander. Aus seiner Beurteilung ergibt sich eindeutig, dass er einen andauernden schweren und qu�lenden Schmerz nicht feststellen konnte. Die im Verlauf mehrfach beschriebenen depressiven St�rungen und die �brigen diagnostizierten Beschwerden hatten auf Grund ihrer ausgewiesenen - nicht schweren - Auspr�gung und Intensit�t sowie ihres entsprechenden Schweregrades nie ein invalidisierendes Ausmass erreicht.
4.2.�Was die Beschwerdef�hrerin hiegegen vorbringt, ist unbegr�ndet. Entgegen ihren Erkl�rungsversuchen steht aktenkundig fest, dass die Versicherte von Beginn weg trotz klarer Indikation eine psychopharmakologische Behandlung ablehnte und sich gegen�ber einer Gespr�chstherapie misstrauisch und ambivalent verhielt. So berichtete bereits der erstbehandelnde Psychiater Dr. med. D.________, bei seiner Behandlung vom 15. November 2004 habe ihm die Beschwerdef�hrerin mitgeteilt, dass ihr Anwalt sich gegen eine Psychotherapie negativ ge�ussert habe. Nachdem ihr der Psychiater daraufhin die Frage stellte, ob sie weiter kommen wolle, habe sie sich nach dem 15. November 2004 nicht mehr bei ihm gemeldet. Die Versicherte macht nicht geltend, sie habe die psychopharmakologische Behandlung aus Gr�nden einer medizinisch nachvollziehbar ausgewiesenen Medikamentenunvertr�glichkeit abgelehnt. Vielmehr hat die Vorinstanz auch unter Mitber�cksichtigung des nach 2004 aktenm�ssig dokumentierten Verhaltens der Beschwerdef�hrerin zutreffend auf ein inad�quates Schonverhalten mit Dekonditionierung und hypochondrischer Entwicklung, eine mangelhafte Motivation und Kooperation hinsichtlich einer seit 2004 schrittweise zumutbaren Wiedereingliederung und eine Unfallfehlverarbeitung als unschuldiges Unfallopfer mit kompensatorischer Begehrlichkeit geschlossen. Weitere (psychiatrische) Abkl�rungen sind nach dem Gesagten mit Blick auf die gesamte Aktenlage in antizipierter Beweisw�rdigung (BGE 124 V 90 E. 4b S. 94; 122 V 157 E. 1d S. 162) nicht angezeigt. Im �brigen beschr�nkt sich die Beschwerdef�hrerin weitgehend darauf, die medizinischen Unterlagen abweichend von der Vorinstanz zu w�rdigen und daraus andere Schl�sse zu ziehen. Demgegen�ber legt sie nicht dar, weshalb die vorinstanzliche Beweisw�rdigung bundesrechtswidrig sei und das kantonale Gericht den rechtserheblichen Sachverhalt nicht mit dem erforderlichen Beweisgrad der �berwiegenden Wahrscheinlichkeit festgestellt habe. Die ab 25. M�rz 2011 anhaltend geklagten, organisch nicht objektiv ausgewiesenen Beschwerden verm�gen nach dem Gesagten praxisgem�ss keine invalidisierende Gesundheitssch�digung zu begr�nden. Die Vorinstanz hat daher den von der Allianz mit Einspracheentscheid vom 17. Januar 2014 per 25. M�rz 2011 verf�gten folgenlosen Fallabschluss zu Recht mit angefochtenem Entscheid best�tigt.
Die unbegr�ndete Beschwerde ist demnach abzuweisen.