Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Text=SozR%203-2500%20%C2%A7%2082%20Nr.%203
Timestamp: 2019-05-23 06:21:52
Document Index: 262162600

Matched Legal Cases: ['§ 82', '§ 106', '§ 82', '§ 82', '§ 106', '§ 82', '§ 85', '§ 106', '§ 82', '§ 32', '§ 82', '§ 33', '§ 50', '§ 182', '§ 120', '§ 2', '§ 82', '§ 85', '§ 82', '§ 85', '§ 82', '§ 82', '§ 45', '§ 82', '§ 85', '§ 82', '§ 85', '§ 85', '§ 82', '§ 75', '§ 92', '§ 82', '§ 106', '§ 58', '§ 82', '§ 58', '§ 106', '§ 421', '§ 421', '§ 82', '§ 82', '§ 45', '§ 10', '§ 82', '§ 82', '§ 82', '§ 10', '§ 82', '§ 33', '§ 82', '§ 85', '§ 242', '§ 33', '§ 33', '§ 37', '§ 82', '§ 85', '§ 22', '§ 106', '§ 85', '§ 82', '§ 85', '§ 106', '§ 106']

BSG, 12.12.2001 - B 6 KA 3/01 R - dejure.org
https://dejure.org/2001,77
BSG, 12.12.2001 - B 6 KA 3/01 R (https://dejure.org/2001,77)
BSG, Entscheidung vom 12.12.2001 - B 6 KA 3/01 R (https://dejure.org/2001,77)
BSG, Entscheidung vom 12. Dezember 2001 - B 6 KA 3/01 R (https://dejure.org/2001,77)
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Gemeinschaftspraxis - Gesamtschuldner - Bekanntgabe - Bestimmtheit - Ermessen - sachlich-rechnerische Richtigstellung - Rücknahme - Chromosomenanalyse - Zelluntersuchung - Mehrfachabrechnung - Anhörung - Heilung - vorläufige Festsetzung - Vertrauen - Vertrauensschutz - weiteres Quartal - Duldung rechtswidriger Leistungserbringung - Widerspruch - Abhilfe - Vertrauenswegfall
Berechtigung - Aufhebung - Honorarbescheid - Arzt - Gemeinschaftspraxis - Kassenärztliche Vereinigung
Honorarbescheid: Geprüft ist geprüft!
SG München, 11.03.1998 - S 32 KA 1732/96
LSG Bayern, 26.07.2000 - L 12 KA 87/98
BSG, 06.05.2002 - B 6 KA 3/01 R
BSGE 89, 90
Nach diesen im Wesentlichen gleichlautenden Vorschriften hat die KÄV von Amts wegen oder auf Antrag einer Krankenkasse die Befugnis, die von Vertragsärzten eingereichten Abrechnungen rechnerisch und gebührenordnungsmäßig zu prüfen und nötigenfalls richtig zu stellen (stRspr, vgl BSGE 89, 90, 93 f = SozR 3-2500 § 82 Nr. 3 S 6;… BSG SozR 4-2500 § 106a Nr. 5 RdNr 13) .
Nach ständiger Rechtsprechung des Senats ist es grundsätzlich nicht zu beanstanden, wenn Aufhebungs- und Rückforderungsbescheide, die Quartale betreffen, in denen eine Praxis als Gemeinschaftspraxis (jetzt Berufsausübungsgemeinschaft) geführt wurde, nicht an die Gemeinschaftspraxis, sondern nur an einen der Partner gerichtet wurden (vgl BSGE 89, 90, 93 = SozR 3-2500 § 82 Nr. 3 S 6) .
Die Partner einer Gemeinschaftspraxis können jeder für sich in Anspruch genommen werden (BSGE 89, 90, 92 f = SozR 3-2500 § 82 Nr. 3 S 5;… BSG SozR 4-2500 § 106 Nr. 26 RdNr 16) .
d) Der Aufhebung der ursprünglichen Honorarbescheide steht auch die vierjährige Ausschlussfrist, innerhalb derer der Bescheid über die sachlich-rechnerische Richtigstellung ergehen muss (s hierzu BSGE 89, 90, 103 = SozR 3-2500 § 82 Nr. 3 S 16;… BSGE 96, 1 = SozR 4-2500 § 85 Nr. 22, RdNr 14;… BSGE 97, 84 = SozR 4-2500 § 106 Nr. 15, RdNr 12) , nicht entgegen.
Während bislang das Richtigstellungsverfahren von Amts wegen oder auf Antrag einer Krankenkasse durchgeführt werden konnte (vgl BSGE 89, 90, 93 f = SozR 3-2500 § 82 Nr. 3 S 6 und stRspr, zB BSG SozR 4-5520 § 32 Nr. 2 RdNr 10 und BSG SozR 4-5533 Nr. 40 Nr. 2 RdNr 11; zuletzt BSG, Urteil vom 7.2.2007 - B 6 KA 32/05 R, RdNr 11 = USK 2007-14), ist die Beklagte nach dem seit dem 1.1.2004 geltenden Recht - unabhängig von einer weiterhin möglichen Antragstellung - zu einem Tätigwerden von Amts wegen verpflichtet.
Für einen verständigen Erklärungsempfänger (vgl zu dieser Voraussetzung: BSGE 89, 90, 100 = SozR 3-2500 § 82 Nr. 3 S 13) wäre der objektive Regelungsgehalt dieses Bescheids zeitlich auf den Monat Juli 2003 beschränkt, während die Bewilligung für die Folgemonate nicht schriftlich, sondern nach § 33 Abs. 2 Zehntes Buch Sozialgesetzbuch - Sozialverwaltungsverfahren und Sozialdatenschutz -(SGB X) auf andere Weise jeweils konkludent durch Überweisung erfolgt wäre (…zum konkludenten Erlass eines Verwaltungsaktes durch Auszahlung: BSG SozR 3-1300 § 50 Nr. 13 S 33 ;… BSG SozR 2200 § 182 Nr. 103 S 218 f ; Bundesverwaltungsgericht Buchholz 436.0 § 120 BSHG Nr. 17 ;… zweifelnd noch der nicht mehr zuständige 9b-Senat des Bundessozialgerichts : SozR 4-3520 § 2 Nr. 1 RdNr 14).
Mit der angefochtenen Ablehnung höherer Leistungen hat die Beklagte vielmehr für einen objektiven Erklärungsempfänger (vgl zu diesen Voraussetzungen: BSGE 89, 90, 100 = SozR 3-2500 § 82 Nr. 3 S 13) erstmalig über die Übernahme weiteren Heimentgelts in Höhe der Differenz zwischen dem von der Klägerin mit der Einrichtung vereinbarten und der von der Beklagten an die Einrichtung gezahlten Vergütung für den streitbefangenen Zeitraum befunden.
Es beruht auf den Besonderheiten des vertrags(zahn)ärztlichen Vergütungssystems, dass den K(Z)ÄVen durch die bundesmantelvertraglichen Vorschriften eine umfassende Befugnis zu sachlich-rechnerischen Richtigstellungen eingeräumt wird (…s ausführlich BSGE 89, 62, 67 ff = SozR 3-2500 § 85 Nr. 42 S 346 ff; BSGE 89, 90, 94 ff = SozR 3-2500 § 82 Nr. 3 S 7 ff).
Dies resultiert aus der Besonderheit, dass die KKn das festgelegte Gesamtvergütungsvolumen gemäß § 85 Abs. 1 SGB V mit befreiender Wirkung für die Gesamtheit der Vertrags(zahn)ärzteschaft entrichten, sodass bei überzahltem Honorar Nachforderungen an die KKn ausgeschlossen sind (vgl ausführlich zB BSGE 89, 90, 97 = SozR 4-2500 § 82 Nr. 3 S 10).
Das ist zunächst der Fall, wenn die Frist von vier Jahren seit Erlass des Quartalshonorarbescheides bereits abgelaufen ist (Urteil vom 12. Dezember 2001 - BSGE 89, 90, 103 = SozR 3-2500 § 82 Nr. 3 S 16, mwN).
Der rechtswidrig begünstigende Honorarbescheid ist insoweit nur noch nach den Vertrauensausschlusstatbeständen des § 45 (Abs. 2 Satz 3 iVm Abs. 4 Satz 1) SGB X rücknehmbar (BSGE 89, 90, 98 ff = SozR 3-2500 § 82 Nr. 3 S 11 ff; bekräftigt in BSG, Urteile vom 26. Juni 2002 - B 6 KA 26/01 R ua - juris;… BSGE 93, 69 = SozR 4-2500 § 85 Nr. 11, jeweils RdNr 15).
Der Fall, dass die Frist für die Vornahme sachlich-rechnerischer Richtigstellungen - vier Jahre seit Erlass des Quartalsabrechnungsbescheids - bereits abgelaufen sein könnte (vgl BSGE 89, 90, 103 = SozR 3-2500 § 82 Nr. 3 S 16), ist ersichtlich nicht einschlägig.
Bei Festlegung aller für die Honorierung relevanten Grenz- und Punktwerte im Vorhinein ließe sich kaum vermeiden, dass das Gesamtvergütungsvolumen entweder nicht vollständig verteilt oder für die Erfüllung der Honorarforderungen nicht ausreichen würde, was beides der aus § 85 Abs. 4 Satz 1 SGB V resultierenden Obliegenheit zu möglichst umfassender Auskehrung des Gesamtvergütungsvolumens zuwiderliefe (…vgl hierzu zB BSGE 89, 62, 69 = SozR 3-2500 § 85 Nr. 42 S 348; BSGE 89, 90, 95 f = SozR 3-2500 § 82 Nr. 3 S 8).
Es waren insbesondere keine anderen möglichen Kostenbeitragsschuldner (M; Mutter der M) notwendig beizuladen (§ 75 Abs. 2 1. Alt SGG) , weil eine ggf bestehende gesamtschuldnerische Haftung nicht bewirkt, dass das streitige Rechtsverhältnis jedem Gesamtschuldner gegenüber nur einheitlich festgestellt werden könnte (…vgl zum Kostenersatz durch Erben BSG SozR 4-5910 § 92c Nr. 2; allgemein: BSGE 89, 90, 92 f = SozR 3-2500 § 82 Nr. 3 S 5;… BSG SozR 4-2500 § 106 Nr. 26 RdNr 16;… SozR 3-1500 § 58 Nr. 1) .
Die gesamtschuldnerische Haftung trifft jeden Erben gesondert und bewirkt gerade nicht, dass das streitige Rechtsverhältnis ihnen gegenüber nur einheitlich festgestellt werden könnte (BSGE 89, 90, 92 f = SozR 3-2500 § 82 Nr. 3 S 5;… BSG SozR 3-1500 § 58 Nr. 1;… SozR 4-2500 § 106 Nr. 26 RdNr 16; vgl auch Bundessozialgericht , Beschluss vom 15.7.2011 - B 12 SF 1/11 S - RdNr 8; aA für gemeinsame Unternehmer bei Beitragsbescheiden im Recht der gesetzlichen Unfallversicherung BSG, Urteil vom 30.3.1988 - 2/9b RU 18/87 - mwN).
Dieses "Wahlrecht", das im Zivilrecht seine Grenze lediglich im Rechtsmissbrauch findet (…Grüneberg in Palandt, BGB, 72. Aufl 2013, § 421 RdNr 12 mwN) , ist im öffentlichen Recht insoweit allgemein eingeschränkt, als an die Stelle des "freien Beliebens" ein pflichtgemäßes Ermessen bei der Auswahl des Gesamtschuldners tritt (Bundesverwaltungsgericht , Urteil vom 22.1.1993 - 8 C 57/91;… Grüneberg in Palandt, aaO, § 421 RdNr 12; zur Erforderlichkeit der Ermessensausübung allgemein auch BSGE 89, 90, 93 = SozR 3-2500 § 82 Nr. 3 S 5) .
Entgegen dem Vorbringen der Revision führt nicht jede beliebige, von der K(Z)ÄV im Regelfall auf der Grundlage nur begrenzt vorhandener Informationen über die tatsächlichen Umstände des Leistungsgeschehens (s dazu BSGE 89, 90, 95 = SozR 3-2500 § 82 Nr. 3 S 7) zu Gunsten des Vertrags(zahn)arztes verfügte Rückgängigmachung einer sachlich-rechnerischen Richtigstellung dazu, dass weitere Korrekturen, deren Voraussetzungen möglicherweise erst später offenbar werden, künftig ausgeschlossen oder nur noch nach Maßgabe des § 45 SGB X durchführbar sind.
Die (Zahn-)Ärzte müssen vielmehr bis zum Ablauf der in den Bundesmantelverträgen vorgesehenen Fristen damit rechnen, dass einzelne Krankenkassen den in einseitigen Abrechnungshinweisen und entsprechender Abrechnungspraxis zum Ausdruck gekommenen Standpunkt der K(Z)ÄV nicht teilen und ihren Anspruch auf Richtigstellung aus ihrer Sicht fehlerhafter Honorarabrechnungen gegebenenfalls auch mit gerichtlicher Hilfe durchsetzen (…vgl BSG SozR 3-5555 § 10 Nr. 1 S 2; BSGE 89, 90, 101 = SozR 3-2500 § 82 Nr. 3 S 14).
Auf derselben Grundlage beruht der besondere Vertrauenstatbestand, der durch vorbehaltlose Rückgängigmachung einer bereits vorgenommenen Richtigstellung auf einen Rechtsbehelf des Vertrags(zahn)arztes hin auch mit Ausstrahlung auf nachfolgende Quartale geschaffen wird (vgl BSGE 89, 90, 98 = SozR 3-2500 § 82 Nr. 3 S 11).
Für diese Konstellation der nachträglichen Korrektur einer unrichtigen Anwendung der vertrags(zahn)ärztlichen Gebührenordnung gilt nach den speziellen Vorschriften der Bundesmantelverträge zur sachlich-rechnerischen Richtigstellung, dass der (Zahn-)Arzt Vertrauensschutz erst nach Ablauf von vier Jahren seit Erlass des Honorarabrechnungsbescheides beanspruchen kann (…vgl BSG SozR 3-5535 Nr. 119 Nr. 1 S 2 f; BSGE 89, 90, 103 = SozR 3-2500 § 82 Nr. 3 S 16).
Zudem muss, wie bereits ausgeführt, der einzelne Vertrags(zahn)arzt bis zum Ablauf der vertraglich vereinbarten Fristen ohnehin damit rechnen, dass einzelne Krankenkassen ihren Anspruch auf Richtigstellung aus ihrer Sicht fehlerhafter vertrags(zahn)ärztlicher Honorarabrechnungen geltend machen (…vgl BSG SozR 3-5555 § 10 Nr. 1 S 2; BSGE 89, 90, 101 = SozR 3-2500 § 82 Nr. 3 S 14).
a) Die Honorarbescheide sind hinreichend bestimmt iS des § 33 Abs. 1 SGB X. Diesem Bestimmtheitsgebot entspricht ein Verwaltungsakt nur dann nicht, wenn dessen Verfügungssatz nach seinem Regelungsgehalt in sich nicht widerspruchsfrei ist und der davon Betroffene bei Zugrundelegung der Erkenntnismöglichkeiten eines verständigen Empfängers nicht in der Lage ist, sein Verhalten daran auszurichten (BSGE 89, 90, 100 = SozR 3-2500 § 82 Nr. 3 S 13;… s auch BSG SozR 3-2500 § 85 Nr. 46 S 384 und BSG SozR 3-4100 § 242q Nr. 1 S 2;… Engelmann in: von Wulffen , SGB X, 4. Aufl 2001, § 33 RdNr 3; Krasney in: Kasseler Kommentar, Stand 2003, § 33 SGB X RdNr 3;… s auch Kopp/Ramsauer, aaO, § 37 RdNr 5).
Eine Anhörungspflicht besteht bei Honorarbescheiden vielmehr erst dann, wenn deren begünstigende Regelungen (teilweise) aufgehoben oder ersetzt werden sollen, da in diesem Fall durch Bescheid zuerkannte Rechte wieder entzogen werden (BSGE 89, 90, 93 = SozR 3-2500 § 82 Nr. 3 S 5;… s auch BSGE 89, 62, 63 = SozR 3-2500 § 85 Nr. 42 S 342 und BSGE 87, 122, 123 = SozR 3-3900 § 22 Nr. 2 S 10 f).
Diese Ausschlussfrist, innerhalb derer der Bescheid ergehen muss, gilt für sachlich-rechnerische Richtigstellungen (…s hierzu BSGE 97, 84 = SozR 4-2500 § 106 Nr. 15, RdNr 12;… BSG SozR 4-2500 § 85 Nr. 22 RdNr 14; BSGE 89, 90, 103 = SozR 3-2500 § 82 Nr. 3 S 16) und für Bescheide zur Umsetzung degressionsbedingter Honorarminderungen (…BSG MedR 2008, 100 RdNr 15 ff, und BSGE 98, 169 = SozR 4-2500 § 85 Nr. 35, RdNr 15 ff) gleichermaßen wie für Wirtschaftlichkeitsprüfungen (…s hierzu BSGE 72, 271, 277 = SozR 3-2500 § 106 Nr. 19 S 111 f;… BSGE 95, 199 = SozR 4-2500 § 106 Nr. 11, RdNr 62) .
BSG, 27.04.2005 - B 6 KA 46/04 B
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