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Timestamp: 2018-10-21 14:26:29
Document Index: 249169869

Matched Legal Cases: ['§ 113', '§ 21', '§ 17', '§ 71', '§ 12', '§ 20', '§ 25', '§ 21', '§ 18', 'Art. 19', '§ 18', '§ 18', '§ 13', '§ 18', '§ 12', '§ 13', '§ 13', '§ 18', '§ 13', '§ 7', '§ 7', '§ 7', '§ 154']

VG Düsseldorf, 15 K 4262/00: VG Düsseldorf: abschreibung, mündliche prüfung, prüfer, schüler, staatsprüfung, kritik, rüge, begriff, prüfungskommission, wiederholung
Urteil des VG Düsseldorf vom 30.08.2002, 15 K 4262/00
15 K 4262/00
VG Düsseldorf: abschreibung, mündliche prüfung, prüfer, schüler, staatsprüfung, kritik, rüge, begriff, prüfungskommission, wiederholung
Abschreibung, Mündliche prüfung, Prüfer, Schüler, Staatsprüfung, Kritik, Rüge, Begriff, Prüfungskommission, Wiederholung
Verwaltungsgericht Düsseldorf, 15 K 4262/00
Aktenzeichen: 15 K 4262/00
Das Urteil ist wegen der Kosten vorläufig vollstreckbar. Die Klägerin darf die Vollstreckung durch Sicherheitsleistung in Höhe von 25,- Euro abwenden, wenn nicht der Beklagte vor der Vollstreckung Sicherheit in gleicher Höhe leistet.
Die am 23. Februar 1967 geborene Klägerin wendet sich gegen das endgültige Nichtbestehen ihrer Zweiten Staatsprüfung für das Lehramt für die Sekundarstufe II.
3Nachdem sie am 20. Juni 1996 die Diplomprüfung für Handelslehrer bestanden hatte, die wiederum als Erste Staatsprüfung für das Lehramt für die Sekundarstufe II in der beruflichen Fachrichtung Wirtschaftswissenschaft und in Banken/Unternehmensrechnung anerkannt wurde, nahm die Klägerin am 1. Februar 1997 den Vorbereitungsdienst in den Fächern Wirtschaftswissenschaften und Steuerlehre auf und unterzog sich der Zweiten Staatsprüfung für das Lehramt der Sekundarstufe II erstmals im Dezember 1998 ohne Erfolg. Die in diesem Prüfungsversuch erstellte schriftliche Hausarbeit im Fach Wirtschaftswissenschaften wurde nicht in die Wiederholungsprüfung übernommen.
Während der bis zum 31. Januar 2000 verlängerten Zeit des Vorbereitungsdienstes gehörte die Klägerin dem Studienseminar für das Lehramt der Sekundarstufe II in E an und unterrichtete am Berufskolleg Wstraße in N. Die im Wiederholungsversuch von der Klägerin verfasste schriftliche Hausarbeit im Fach Wirtschaftswissenschaften wurde mit der Note "ausreichend" (4,0) bewertet. Das Endgutachten des Fachleiters des Fachseminars Wirtschaftswissenschaften schließt mit der Note "ausreichend" (4,0), dasjenige des Fachleiters für das Fachseminar Steuerlehre mit "befriedigend" (3,3) ab. Das Endgutachten des Hauptseminarleiters weist als Leistungsnote "ausreichend" (4,0) 2
5Die von der Klägerin am 17. Januar 2000 im Fach Wirtschaftswissenschaften zum Thema "Exemplarische Erarbeitung der linearen und degressiven Abschreibung bei beweglichen abnutzbaren Wirtschaftsgütern des Anlagevermögens in der Sozialform Gruppenarbeit" absolvierte Unterrichtsprobe bewertete der Prüfungsausschuss (in der Besetzung Frau OStD`in W1 als Vorsitzende, Herr StD C als Fremdprüfer, Frau StD`in I als Hauptseminarleiterin und Herr StD I1 als Fachleiter) mit der Note "mangelhaft" (5,0), die anschließende mündliche Prüfung mit der Note "befriedigend" (3,0). Die von der Klägerin ebenfalls am 17. Januar 2000 abgelegte Unterrichtsprobe im Fach Steuerlehre wurde mit "ausreichend" (4,0), die anschließende mündliche Prüfung in diesem Fach mit "befriedigend" (3,0) und die mündliche Prüfung zum Hauptseminar mit "befriedigend" (3,3) beurteilt.
6Wegen der im Fach Wirtschaftswissenschaften erzielten Gesamtnote "mangelhaft" (4,3) erklärte der Prüfungsausschuss die Zweite Staatsprüfung für endgültig nicht bestanden.
7Mit Schreiben vom 24. Januar 2000 übersandte das beklagte Prüfungsamt der Klägerin eine Bescheinigung über die nicht bestandene Zweite Staatsprüfung und teilte ihr zugleich mit, eine weitere Wiederholung der Prüfung sei unzulässig.
8Gegen die Prüfungsentscheidung legte die Klägerin mit Schreiben vom 24. Februar 2000 Widerspruch ein, den sie mit Schriftsatz ihrer Prozessbevollmächtigten vom 22. März 2000, auf den wegen der Einzelheiten Bezug genommen wird, näher begründete. Dabei wandte sie sich ausschließlich gegen die Bewertung der Unterrichtsprobe im Fach Wirtschaftswissenschaften mit der Note "mangelhaft" (5,0). Mit am 15. Juni 2000 zugestellten Bescheid vom 13. Juni 2000 wies das beklagte Prüfungsamt den Widerspruch der Klägerin im Wesentlichen unter Bezugnahme auf die Stellungnahme der Prüfungskommission vom 31. Mai 2000 als unbegründet zurück.
9Die Klägerin hat am 7. Juli 2000 Klage erhoben und diese mit Schriftsatz vom 14. Mai 2001 hinsichtlich der Bewertung der Unterrichtsprobe im Fach Wirtschaftswissenschaften weiter begründet. Wegen der weiteren Einzelheiten wird Bezug genommen auf den Inhalt der die Klage begründenden Schriftsätze vom 14. Mai 2001 und 5. September 2001.
11den Beklagten unter Aufhebung der Prüfungsentscheidung vom 17. Januar 2000 sowie der darauf beruhenden Bescheide vom 24. Januar 2000 und 13. Juni 2000 zu verpflichten, nach einer Neubewertung, hilfsweise nach erneuter Ablegung der Unterrichtsprobe im Fach Wirtschaftswissenschaften über das Ergebnis ihrer Zweiten Staatsprüfung für das Lehramt für die Sekundarstufe II unter Beachtung der Rechtsauffassung des Gerichts erneut zu entscheiden.
Nachdem die Prüfungskommission erneut am 1. Juli 2001 und 15. November 2001 zusammengetreten ist, ist er weiter der Auffassung, die angefochtene 14
Prüfungsentscheidung sei rechtmäßig ergangen, und vertieft sein Vorbringen aus dem Widerspruchsverfahren.
15Wegen der weiteren Einzelheiten des Sach- und Streitstandes wird ergänzend Bezug genommen auf den Inhalt der Gerichtsakten des vorliegenden Verfahrens sowie den Inhalt der beigezogenen Verwaltungsakten des Beklagten.
17Die gegen das Nichtbestehen der Zweiten Staatsprüfung im Wiederholungsversuch gerichtete Klage bleibt erfolglos; sie ist zulässig, aber nicht begründet.
18Die Klägerin hat gegen das beklagte Amt keinen Anspruch darauf, dass über das Ergebnis ihrer Prüfungsleistungen nach Maßgabe des Klageantrages erneut entschieden wird. Denn mit der Bewertung der schriftlichen Hausarbeit, der beiden Unterrichtsproben und mündlichen Prüfungen in den Fächern Wirtschaftswissenschaften und Steuerlehre sowie der mündlichen Prüfung in den Gegenständen des Hauptseminars ist ihr Prüfungsanspruch erfüllt. Die Prüfungsentscheidung des beklagten Amtes vom 17. Januar 2000 und die darauf beruhenden Bescheide vom 24. Januar 2000 und 13. Juni 2000 lassen keine Rechtsfehler erkennen (§ 113 Abs. 5 S. 2 VwGO).
19Gemäß §§ 21 Abs. 2 lit. b), 25 Abs. 1 S. 1, Abs. 2 der Ordnung des Vorbereitungsdienstes und der Zweiten Staatsprüfung für Lehrämter an Schulen (OVP) in der durch die Verordnung vom 2. Dezember 1996 (GV NRW S. 482) geänderten Fassung vom 8. Juli 1994 (GV NRW S. 626), die auf den §§ 17 Abs. 5 und 19 Abs. 5 des Lehrerausbildungsgesetzes in der Fassung der zuletzt durch Gesetz vom 3. Mai 1994 (GV NRW S. 220) geänderten Bekanntmachung vom 23. Juni 1989 (GV NRW S. 421) beruht und die nach § 71 Abs. 2 Buchst. b) der OVP (OVP n. F.) vom 12. Dezember 1997 (GV NRW 1998 S. 2) noch auf Lehramtswärter Anwendung findet, die - wie die Klägerin - bis zum 1. Februar 1998 den Vorbereitungsdienst aufgenommen haben, ist die Zweite Staatsprüfung, die aus einer schriftlichen Hausarbeit (1.), einer Unterrichtsprobe im ersten Fach (2.), einer Unterrichtsprobe im zweiten Fach (3.) und einer mündlichen Prüfung (4.) besteht (§ 12 OVP), unter anderen nicht bestanden, wenn die Note in einem Fach nicht mindestens "ausreichend" ist, wobei sich gemäß § 20 Abs. 1 OVP die Note für jedes Fach aus der durch sechs geteilten Summe der dreifach gewichteten Note der Unterrichtsprobe, der zweifach gewichteten Note im Endgutachten des Fachleiters und der einfach gewichteten Note für die mündliche Prüfung im Fach unter Berücksichtigung einer Dezimalstelle errechnet. Wird die Zweite Staatsprüfung in der Wiederholung nicht bestanden, ist das Nichtbestehen endgültig, da eine zweite Wiederholung der Prüfung nicht zulässig ist (§ 25 Abs. 2 i.V.m. § 21 Abs. 3 S. 2, 2. Halbs. OVP).
20Der Prüfungsausschuss hat im Rahmen seiner am 17. Januar 2000 getroffenen Prüfungsentscheidung in nicht zu beanstandender Weise festgestellt, dass die Klägerin die Zweite Staatsprüfung in der Wiederholung - und damit zugleich endgültig - nicht bestanden hat, weil sich für sie unter Berücksichtigung dieses Berechnungsmodus im Fach Wirtschaftswissenschaften nach Ablegung der Unterrichtsprobe sowie der mündlichen Prüfung die Note "mangelhaft" (4,3) (nämlich 26 (2x4,0 + 3x5,0 + 1x3,0) : 6) - und damit nicht mindestens "ausreichend" (4,0) - ergibt.
21Ein Rechtsanspruch auf Neubewertung einer Prüfungsleistung besteht, wenn die Bewertung der ihrerseits verfahrensfehlerfrei erbrachten Prüfungsleistung mit Rechtsfehlern behaftet ist, die sich auf das Ergebnis der Beurteilung ausgewirkt haben können.
Vgl. Niehues, Schul- und Prüfungsrecht, Band 2, Prüfungsrecht, 3. Aufl., 1994, Rdz. 284. 22
23Die Klägerin hat lediglich die Bewertung der Unterrichtsprobe im Fach Wirtschaftswissenschaften gerügt. Verfahrensrechtlich ist die Abnahme der in diesem Fach von ihr als Prüfungsleistung erbrachten Unterrichtsprobe nicht zu beanstanden. Das angefertigte Prüfungsprotokoll genügt den Anforderungen des § 18 Abs. 8 OVP und erfüllt den prüfungsrechtlichen Anspruch der Klägerin auf Bekanntgabe der Gründe, die für die getroffene Bewertung maßgeblich waren. Auch der Anspruch auf ein Überdenken der Prüfungsentscheidung durch die Mitglieder der Prüfungskommission ist erfüllt, da sie sich ausweislich der auf ihrer erneuten Zusammenkunft vom 31. Mai 2000 beruhenden Stellungnahmen mit den von der Klägerin im Widerspruchsverfahren vorgebrachten Einwänden auseinander gesetzt haben.
24Die Bewertung der ihrerseits verfahrensfehlerfrei erbrachten Prüfungsleistungen ist aus Rechtsgründen nicht zu beanstanden.
25Nach ständiger Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts, der die Verwaltungsgerichte folgen,
26vgl. BVerfG, Beschluss vom 17. April 1991 - 1 BvR 419/81, 213/83 -, NJW 1991, S. 2005 (2007 ff.), BVerwG, Urteil vom 9. Dezember 1992 - 6 C 3.92 -, DVBl 1993, S. 503; BVerwG, Urteil vom 21. Oktober 1993 - 6 C 12.92 -, Buchholz 421.0 Prüfungswesen Nr. 320, S. 307; OVG NW, Urteil vom 23. Januar 1995 - 22 A 1834/90 -, S: 9; OVG NW, Urteil vom 21. April 1998 - 22 A 669/96 -; Urteile der Kammer vom 11. Juni 1999 - 15 K 4530/98 -, S. 5 f. und vom 17. September 1999 - 15 K 1993/97 -, S. 5, beide m.w.N.,
27verpflichtet Art. 19 Abs. 4 GG die Gerichte, auch Prüfungsentscheidungen in rechtlicher und tatsächlicher Hinsicht grundsätzlich vollständig nachzuprüfen. Lediglich bei "prüfungsspezifischen Wertungen",
28vgl. zur Abgrenzung BVerwG, Beschluss vom 17. Dezember 1997 - 6 B 55.97 - , DVBl 1998, S. 404 f.,
29verbleibt der Prüfungsbehörde ein die gerichtliche Kontrolle insofern einschränkender Beurteilungsspielraum, als komplexe prüfungsspezifische Wertungen - z.B. bei der Gewichtung verschiedener Aufgaben untereinander, bei der Einordnung des Schwierigkeitsgrades der Aufgabenstellung oder bei der Würdigung der Qualität der Darstellung - im Gesamtzusammenhang des Prüfungsverfahrens getroffen werden müssen und sich deshalb im nachfolgenden Verwaltungsstreitverfahren nicht ohne weiteres nachvollziehen lassen. Fachliche Meinungsverschiedenheiten zwischen Prüfling und Prüfer sind der gerichtlichen Überprüfung demgegenüber nicht entzogen. Eine wirksame gerichtliche Kontrolle setzt insoweit allerdings eine schlüssige und hinreichend substantiierte Rüge im gerichtlichen Verfahren voraus, die sich mit den fachlichen Einwendungen gegen die Prüfungsleistung inhaltlich auseinander setzt. Macht der Prüfling dabei geltend, er habe eine fachwissenschaftlich vertretbare Lösung gewählt, hat er dies unter Hinweis auf seiner Ansicht nach einschlägige Fundstellen
näher darzulegen; der im verwaltungsgerichtlichen Verfahren geltende Amtsermittlungsgrundsatz ist insoweit durch die Mitwirkungspflicht des Prüflings begrenzt,
vgl. BVerwG, Urteil vom 24. Februar 1993 - 6 C 35.92 -, DVBl 1993, S. 842 (845). 30
31Einwände des Prüflings gegen Fachfragen betreffende Prüferkritik, die im vorstehenden Sinne unschlüssig oder unsubstantiiert sind, bleiben im gerichtlichen Verfahren ebenso wie solche, die - lediglich - unbegründet sind, ohne Erfolg. Für die Abgrenzung gelten folgende Maßstäbe: Unschlüssig ist eine Rüge, wenn sie die Beanstandung des Prüfers nicht trifft, somit die Argumentation des Prüflings an der Prüferkritik vorbeigeht und diese damit schon nicht entkräften kann. Unsubstantiiert ist eine Rüge, wenn sie zwar die Prüferkritik zutreffend erfasst, es aber an hinreichenden fachlichen Argumenten etwa zu der Vertretbarkeit oder Richtigkeit einer Lösung fehlt und/oder die Argumentation nicht durch Angabe einschlägiger Fundstellen zu der streitigen Fachfrage belegt wird. Dies gilt auch im Bereich von Prüfungen, die ausschließlich oder zum Teil juristische Problemstellungen zum Gegenstand haben, in dem das Gericht regelmäßig selbst die erforderliche Qualifikation zur Klärung der Frage der Vertretbarkeit der juristischen Ausführung hat.
32Vgl. BVerwG, Urteile vom 24. Februar 1993 - 6 C 38/92 -, NVwZ 1993, S. 686 (687) und - 6 C 35/92 -, KMK-HSchR Nr. 21 C.1 Nr. 12, S. 6; vgl. auch Urteil der Kammer vom 17. September 1999, a.a.O., S. 5 f.
33Unbegründet ist schließlich eine Rüge, wenn die Argumentation des Prüflings die Prüferkritik nicht zu entkräften vermag, weil sie fachlich unzutreffend ist.
Vgl. Urteil der Kammer vom 11. Juni 1999 - 15 K 4530/98, S. 6. 34
35Unter Zugrundelegung dieser Grundsätze lässt die Bewertung der Unterrichtsprobe vom 17. Januar 2000 im Fach Wirtschaftswissenschaften keine Fehler erkennen.
36Zu Recht hat die Prüfungskommission als Grundlage der Bewertung der Unterrichtsprobe auf die von der Klägerin vorgelegte Planung der konkreten Unterrichtsstunde und deren Durchführung abgestellt, da sich aus der Prüfungsordnung ergibt, dass die Prüfungsleistung in der Durchführung der - in aller Regel eine Unterrichtsstunde dauernden (§ 18 Abs. 2 OVP) - Unterrichtsprobe und der vorherigen Vorlage einer auf den notwendigen Umfang beschränkten schriftlichen Planung dieser Unterrichtsstunde besteht.
37Der von den Prüfern zu Grunde gelegte Bewertungsmaßstab lässt ebenfalls keine erheblichen Verfahrensfehler erkennen. § 18 Abs. 7 OVP sieht lediglich vor, dass der Prüfungsausschuss vor Beginn der mündlichen Prüfung jede der beiden Unterrichtsproben unter Berücksichtigung der schriftlichen Unterrichtsplanung mit einer Note bewertet.
38Die Zuordnung einer Note zu den Leistungen des Prüflings fällt grundsätzlich in den Bereich der prüfungsspezifischen Wertungen, wobei die Prüfer sich an den Notendefinitionen der Prüfungsordnung und den Anforderungen bzw. Prüfungszielen zu orientieren haben, welche nach der Prüfungsordnung vom Prüfling bei der jeweiligen Prüfungsleistung zu erfüllen sind. Für die Zweite Staatsprüfung für Lehrämter an
Schulen sind die Notendefinitionen in § 13 Abs. 1 OVP, die möglichen Bandbreiten in Abs. 2 und die Anforderungen an die Unterrichtsproben in den Fächern in § 18 OVP definiert. Danach sind die Einzelnen in § 12 OVP genannten Prüfungsleistungen wie folgt zu bewerten:
39I. mit der Note 1 (= sehr gut): eine Leistung, die den Anforderungen in besonderem Maße entspricht; II. mit der Note 2 (= gut): eine Leistung, die den Anforderungen voll entspricht; III. mit der Note 3 (= befriedigend): eine Leistung, die den Anforderungen im Allgemeinen entspricht; IV. mit der Note 4 (= ausreichend): eine Leistung, die zwar Mängel aufweist, aber im Ganzen den Anforderungen noch entspricht; V. mit der Note 5 (= mangelhaft): eine Leistung, die den Anforderungen nicht entspricht, die jedoch erkennen lässt, dass die notwendigen Grundkenntnisse vorhanden sind und die Mängel in absehbarer Zeit behoben werden könnten; VI. mit der Note 6 (= ungenügend): eine Leistung, die den Anforderungen nicht entspricht und bei der selbst die Grundkenntnisse so lückenhaft sind, dass die Mängel in absehbarer Zeit nicht behoben werden könnten.
§ 13 Abs. 1 S. 2 und 3 OVP regelt des Weiteren, dass zur differenzierten Bewertung Zwischenwerte durch Erniedrigen oder Erhöhen der einzelnen Noten um 0,3 gebildet werden können, wobei die Noten 0,7, 4,3, 4,7 und 6,3 dabei ausgeschlossen sind.
42Soweit aus den Noten für die einzelnen Prüfungsleistungen Durchschnittsnoten gebildet werden, entsprechen den Ergebnissen, bei denen nur die erste Dezimalstelle hinter dem Komma berücksichtigt wird - alle weiteren Stellen werden ohne Rundung gestrichen - gemäß § 13 Abs. 2 OVP folgende Noten:
I. bis 1,5 = sehr gut; II. über 1,5 bis 2,5 = gut, III. über 2,5 bis 3,5 = befriedigend, IV. über 3,5 bis 4,0 = ausreichend, V. über 4,0 bis 5,0 = mangelhaft, VI. über 5,0 = ungenügend. 41
45Die fachliche Beurteilung der Unterrichtsprobe im Fach Wirtschaftswissenschaften durch den Prüfungsausschuss erweist sich als rechtsfehlerfrei.
46Die in der Niederschrift enthaltene schriftliche Bewertung der Unterrichtsprobe stellt eine in sich schlüssige, an den Bewertungskriterien des § 18 Abs. 7 OVP orientierte und angesichts der darin enthaltenen Aussagen über die Unterrichtsplanung und die Umsetzung, die Zusammensetzung der Lerngruppe und die diesbezüglichen Überlegungen der Klägerin, die von ihr gewählten Arbeitsformen, die Anlage der Stunde und den erzielten Lernerfolg eine die Note "mangelhaft" (5,0) tragende Begründung dar. Dem steht nicht entgegen, dass in der Leistungsbeurteilung auch Vorzüge genannt werden. Die Bewertung einer Prüfungsleistung mit der Note "mangelhaft" setzt nämlich nicht voraus, dass es ihr an jeglicher fachlichen Qualität fehlt. Gemäß § 13 Abs. 1 OVP genügt vielmehr, dass die Leistung zwar den Anforderungen nicht entspricht, jedoch erkennen lässt, dass die notwendigen Grundkenntnisse vorhanden sind und die Mängel in absehbarer Zeit behoben werden könnten.
47Soweit die Klägerin darauf hinweist, dass der Prüfungsausschuss den Unterrichtsverlauf als weit gehend der Planung entsprechend festgestellt habe, spricht dies schon deshalb nicht zu ihren Gunsten, weil die Prüfer im Rahmen ihrer Begründung der
Leistungsbewertung gerade ausdrücklich festgehalten haben, dass beide Bereiche - nämlich sowohl die unterrichtliche Planung als auch die Umsetzung - erhebliche Defizite aufwiesen. In ihrer ergänzenden Stellungnahme vom 31. Mai 2001 haben die Prüfer die mit dieser Aussage einhergehende Kritik nochmals vertieft und betont, es sei insoweit zu Lasten der Klägerin zu berücksichtigen gewesen, dass sie außer Stande gewesen sei, die sich bereits aus ihrer Planung ergebenden Mängel zu erkennen und zu beheben.
48Der Einwand der Klägerin gegen die weitere Kritik der Prüfer, ihrer Entscheidung, die Wiederholer wie auch den ehemaligen Schüler der Berufsfachschule nicht gesondert auszuweisen, könne nicht gefolgt werden, da der unterrichtliche Verlauf ein differenziertes Vorwissen belege, bleibt ebenfalls erfolglos. Die Rüge verfehlt bereits die Prüferkritik, soweit sich die Klägerin darauf beruft, ihr sei im Rahmen ihrer Ausbildung vermittelt worden, in eine Bedingungsanalyse nur die Angaben aufzunehmen, die Einfluss auf die Unterrichtsplanung hätten. Dies haben die Prüfer gar nicht bemängelt, sondern auch sie gehen ausweislich ihrer ergänzenden Stellungnahme vom 31. Mai 2000 davon aus, dass Angaben, die ohne Einfluss auf die Unterrichtsplanung sind, nicht in die Bedingungsanalyse gehören. Anders als die Klägerin, die pauschal und durch nichts belegt behauptet hat, die Wiederholer fielen auf Grund ihrer schwachen Leistung nicht aus dem allgemeinen Leistungsbild der Klasse heraus, sodass ihre Teilnahme am Unterricht ohne Einfluss auf die Unterrichtsplanung gewesen sei, sind die Prüfer jedoch - bestätigt durch die von ihnen vorgenommene Befragung der Schüler - zu der Ansicht gelangt, dass im Rahmen der konkreten Situation der Unterrichtsprobe durchaus anhand des vorhandenen erheblichen Vorwissens erkennbar gewesen sei, welcher der Schüler Wiederholer gewesen sei, und haben hierzu ausgeführt, diese hätten den tatsächlichen Unterrichtsverlauf überhaupt erst ermöglicht. Die Prüfer kritisieren insofern gerade, dass dem unterschiedlichen Vorwissen der Schüler nicht in Form eines binnendifferenzierten Gruppenarbeitsarrangements Rechnung getragen worden ist. Diese jedenfalls mit der erläuternden Stellungnahme des Prüfungsausschusses vom 31. Mai 2000 anhand der Erfahrungen des Fachleiters des Faches Wirtschaftswissenschaften im Einzelnen nachvollziehbar begründete Einschätzung der Prüfer und ihre darauf basierende Kritik hat die Klägerin schon nicht substantiiert in Abrede gestellt. Ihre allgemeine, ebenfalls nicht näher belegte Behauptung, der Ausbildungslehrer Herr U habe - wenn auch nicht zu Protokoll - erklärt, die Wiederholer seien sehr schwach und fielen nicht im Unterricht auf, vermag die Prüferkritik ebenfalls nicht zu entkräften.
49Die weitere Rüge der Klägerin, die Beurteilung der Unterrichtsprobe weise einen eklatanten Bewertungsmangel auf, weil ihr zu Unrecht sowohl in der Planung als auch in der Umsetzung als Kardinalfehler vorgeworfen worden sei, die beiden Methoden der linearen und degressiven Abschreibung getrennt voneinander behandelt zu haben, greift ebenfalls nicht durch.
50Die Prüfer haben zur Begründung ihrer Bewertung der Unterrichtsprobe vom 17. Januar 2000 ausgeführt, der Klägerin sei es weder auf der Ebene der Planung noch bei der Umsetzung gelungen, mit den Schülerdefiziten der zugestandenermaßen schwierigen Lerngruppe umzugehen. Dies haben sie beispielhaft damit begründet, dass im Entwurf kein Hinweis und keine Begründung für die Gruppenzusammensetzung zu finden sei, obschon die Gruppen, die sich mit der degressiven Abschreibung zu beschäftigen hatten, zunächst die lineare Abschreibung verstanden haben mussten, die wiederum Auftrag der anderen drei Gruppen gewesen sei.
51Damit haben sie eindeutig als Kernpunkt der Kritik zum Ausdruck gebracht, dass es die Klägerin nicht geschafft habe, bei der Gestaltung und Durchführung ihres Unterrichtes dem - geringen - Lernniveau der Schüler hinreichend Rechnung zu tragen. Dies ergibt sich insbesondere auch daraus, dass die Prüfer diesen Vorwurf mit ihrer Bemerkung, die Klägerin habe das Leistungsniveau der Gruppe nicht getroffen, abschließend ausdrücklich nochmals hervorgehoben haben.
52Der Umstand, dass die Prüfer zugleich- beispielhaft - auf die Art und Weise der Bearbeitung der linearen und der degressiven Abschreibung in Gruppenarbeit abgestellt haben, lässt insofern - entgegen den Ausführungen der Klägerin - schon nicht erkennen, dass gerade diese Handhabung durch die Klägerin seitens der Prüfer als der entscheidende Kardinalfehler angesehen worden ist, der maßgeblich zur Bewertung von Planung und Unterrichtsverlauf mit der Note "mangelhaft" geführt hat. Dies haben die Prüfer in ihrer Stellungnahme vom 31. Mai 2000 nochmals wiederholt und vertieft, indem sie nachvollziehbar dargelegt haben, dass eine kritische und umfassende Würdigung aller Faktoren, nämlich der Unterrichtsplanung, der Durchführung wie auch der Lehrerpersönlichkeit der Klägerin, ausschlaggebend für die Bewertung der Prüfungsleistung mit der Note "mangelhaft" (5,0) gewesen sei.
53Soweit die Prüfer die Vorgehensweise der Klägerin, in Gruppenarbeit von einem Teil der Schüler die lineare und von einem anderen Teil die degressive Abschreibung jeweils getrennt erarbeiten zu lassen, beispielhaft - nicht als Kardinalfehler - mit kritisiert haben, ist die Klägerin dem nicht schlüssig, jedenfalls aber nicht substantiiert entgegen getreten.
54Sie hat nicht in Abrede gestellt, dass die mit der degressiven Abschreibung befassten Gruppen zwangsläufig die Formel für die lineare Abschreibung begriffen haben und auch anwenden können mussten. Wenngleich sie weiterhin darauf beharrt, dass man nicht die lineare Abschreibung kennen müsse, um die degressive Abschreibung durchführen zu können, hat sie mit Schriftsatz vom 5. September 2001 eingeräumt, dass den Schülern der lineare Abschreibungssatz für die degressive Abschreibung geläufig sein musste. Aus dem vom Beklagten zitierten, von der Klägerin verfassten "Informationsblatt" für die Schülergruppe, die sich mit der degressiven Abschreibung auseinander setzen sollte, ergibt sich ebenfalls, dass eine exemplarische Erarbeitung der degressiven Abschreibung jedenfalls ohne Kenntnis des linearen Abschreibungssatzes nicht möglich ist. So hat die Klägerin selbst formuliert: "Der degressive Abschreibungssatz darf das Dreifache des linearen Abschreibungssatzes betragen, wobei jedoch 30% nicht überschritten werden dürfen. Der lineare Abschreibungssatz (Prozentsatz) ergibt sich aus der Division von 100 durch die Nutzungsdauer (ND) des Wirtschaftsgutes." Auch im Rahmen ihrer Unterrichtsplanung führt die Klägerin unter dem Gliederungspunkt "Ergebnissicherung" wörtlich aus: " Um für die Schüler den Abschreibungsplan verständlicher zu machen, habe ich mich dafür entschieden, die Merkmale der jeweiligen Abschreibungsmethode als Erstes zu präsentieren. Die lineare Abschreibungsmethode wird zuerst präsentiert, weil der lineare Abschreibungssatz Voraussetzung für den degressiven Abschreibungssatz ist."
55Damit hat die Klägerin selbst zugestanden, dass diejenigen Gruppen, die sich mit der degressiven Abschreibung beschäftigen sollten, logischerweise die lineare Abschreibungsmethode - in Form des linearen Abschreibungssatzes - ebenfalls verstanden haben mussten.
56Soweit sie dennoch der Auffassung ist, ihre Vorgehensweise sei vertretbar bzw. sogar richtig, und dies damit begründet, die Prüfer hätten verabsäumt, zwischen der Durchführung der linearen Abschreibung einerseits und der Ermittlung des linearen Abschreibungssatzes andererseits zu differenzieren, das Einzige, was den Schülern für die degressive Abschreibung habe bekannt sein müssen, sei der lineare Abschreibungssatz gewesen, auch von einer im Leistungsbild eher schwächeren höheren Handelsschulklasse könne verlangt werden, den Abschreibungssatz mit Hilfe einer vorgegebenen Formel zu ermitteln, ohne die lineare Abschreibung als solche zu kennen, ist dies nicht nachvollziehbar und verkennt den Kern der Prüferkritik.
57Die Prüfer haben mit ihrer ergänzenden Stellungnahme vom 31. Mai 2000 nachvollziehbar verdeutlicht, dass sich die mit der degressiven Abschreibung befassten Gruppen mit ihnen unbekannten Inhalten hätten auseinander setzen müssen, die explizit Aufgabe der anderen, mit der linearen Abschreibung befassten Gruppen gewesen seien. Die Prüferkritik setzt insoweit an dem Punkt an, dass die Schüler der für die degressiven Abschreibung zuständigen Gruppen den linearen Abschreibungssatz anzuwenden hatten, obwohl ihnen Begriff und Funktionsweise der linearen Abschreibung nicht zuvor erläutert worden waren. So haben die Prüfer in ihrer ergänzenden Stellungnahme vom 31. Mai 2000 ausdrücklich betont, gerade aus pädagogischer Sicht müsse es um die Vermittlung von Verstehenszusammenhängen und nicht um das mechanische Anwenden von Formeln gehen. Insoweit betrifft die Prüferkritik nicht die Frage, ob auch von einer leistungsmäßig schwachen höheren Handelsschulklasse verlangt werden kann, ohne Kenntnis der linearen Abschreibung "den Abschreibungssatz mit Hilfe einer vorgegebenen Formel zu ermitteln", sondern es geht vielmehr darum, ob es didaktisch sinnvoll war, die Schüler unreflektiert eine vorgegebene, bezüglich der zu Grunde liegenden Begriffe aber nicht erläuterte Formel anwenden zu lassen.
58Gerade diese Vorgehensweise sah aber das Unterrichtskonzept der Klägerin vor. Unstreitig hatten sich die Gruppen, die für die degressive Abschreibung zuständig waren - ebenso wie die Gruppen, deren Arbeitsauftrag nur die lineare Methode umfasste, - zwangsläufig (auch) mit der linearen Abschreibungsmethode zu befassen. Dies folgt auch daraus, dass beide Informationsblätter insoweit identisch sind, als jeweils der lineare Abschreibungssatz eingeführt wird. Anders als bei dem Informationsblatt für die lineare Abschreibung, das sich zunächst mit dem Begriff und der Art und Weise der Durchführung der linearen Abschreibung befasst, enthält das Informationsblatt für die degressive Abschreibung jedoch nur eine Kurzfassung des linearen Abschreibungssatzes, ohne dass den Schülern dieser Gruppe zuvor Begriff und Funktionsweise der linearen Abschreibung erklärt worden wären.
59Der Einwand der Klägerin, ihre Unterrichtsplanung habe das Ziel gehabt, zunächst im Rahmen einer Unterrichtsstunde die lineare und degressive Abschreibung exemplarisch zu erarbeiten und sodann in einer Folgestunde den Übergang von der degressiven zur linearen Abschreibung zu verdeutlichen, und sei daher korrekt bzw. sowohl in betriebswirtschaftlicher als auch in pädagogischer Hinsicht zumindest vertretbar gewesen, geht an dieser von den Prüfern geübten Kritik vorbei. Das weitere Argument der Klägerin, der Darstellung "Rechnungswesen Buch der Kaufleute im Groß- und Außenhandel" (Cornelsen Verlag, 2. Aufl., 2000) sei zu entnehmen, dass es durchaus vertretbar sei, zuerst die Ermittlung der Abschreibung abzuhandeln, und erst zu einem späteren Zeitpunkt auch Buchung und Bedeutung der Abschreibung sowie eine
Verknüpfung beider Abschreibungsarten zu vermitteln, verfehlt die Prüferkritik gleichfalls, die gerade aus didaktischen Erwägungen an der vorrangigen Vermittlung von Verstehenszusammenhängen ansetzt, ohne dass die Klägerin diese didaktisch begründeten Kritikpunkte durch einen schlüssigen, substantiierten und begründeten Vortrag zu entkräften vermocht hätte.
60Gleiches gilt für ihr Vorbringen, die getrennte Behandlung beider Abschreibungsmethoden in jeder betriebswirtschaftlichen Abhandlung sei eine betriebswirtschaftliche Binsenweisheit, auch im Wirtschaftslexikon von Gabler würden beide Abschreibungsarten getrennt aufgeführt. Dass beide Abschreibungsmethoden getrennt voneinander behandelt werden könnten, ergebe sich auch daraus, dass sie verschiedene gesetzliche Grundlagen hätten (§ 7 Abs. 1 EStG und § 7 Abs. 2 EStG). Fest stehe, dass die Schüler nicht erst die lineare Abschreibung verstanden haben müssten, um die degressive Abschreibung verstehen zu können. Auch dieser Klägervortrag verkennt bereits die Prüferkritik, denn diese haben nicht die Behauptung aufgestellt, dass eine getrennte Abhandlung der beiden Abschreibungsarten grundsätzlich fachwissenschaftlich nicht möglich sei, sondern stattdessen entscheidend darauf abgestellt, dass das Für und Wider einer fachwissenschaftlichen Darstellung im Rahmen der unterrichtlichen Umsetzung vornehmlich unter didaktischen Gesichtspunkten reflektiert werden müsse. Insbesondere auch unter Berücksichtigung des Niveaus der konkreten Schülergruppe und des Umstandes, dass die degressive Abschreibungsmethode unstreitig logischerweise die Kenntnis des linearen Abschreibungssatzes voraussetze, haben sie insofern dargelegt, sie sähen die in der Unterrichtsplanung der Klägerin vorgesehene und auch im Unterricht so durchgeführte Vorgehensweise, die mit der degressiven Abschreibung befassten Schüler eine Formel zur Ermittlung der linearen Abschreibung anwenden zu lassen, ohne diese zuvor begrifflich durchdrungen zu haben, als methodisch-didaktisch nicht sinnvoll an.
Im Übrigen hat die Klägerin dieser Kritik auch substantiiert nichts entgegengesetzt. 61
62Die Prüfer haben mit ergänzender Stellungnahme vom 31. Mai 2000 nämlich zu Recht darauf hingewiesen, aus der Art und Weise, wie beide Abschreibungsarten im Wirtschaftslexikon von Gabler dargestellt seien, ergäben sich zweifelsohne keine didaktischen Entscheidungshilfen. Darüber hinaus haben sie nachvollziehbar dargelegt, die auf die verschiedenen gesetzlichen Grundlagen der beiden Abschreibungsarten in § 7 Abs. 1 und 2 EStG gerichtete Argumentation der Klägerin übersehe, dass in Absatz 3 dieser Vorschrift gerade der kritische Punkt geregelt werde, nämlich der Übergang von der linearen zur degressiven Abschreibung und dass es eines auf didaktische Überlegungen ausgerichteten Verhaltens des Lehrers bedürfe, um diesen Übergang den Schülern verständlich zu machen, zu dem die Klägerin jedoch gerade nicht im Stande gewesen sei, weil eine didaktische Übermittlung auf die Lerngruppe nicht erfolgt sei. Schließlich haben die Prüfer in ihrer ergänzenden Stellungnahme vom 31. Mai 2000 nochmals den didaktischen Schwerpunkt ihrer Kritik betont, indem sie ausgeführt haben, abgesehen davon, dass das zitierte Schulbuch für einen völlig anderen Bildungsgang bestimmt sei, sei es gerade eine der zentralen Aufgaben eines Lehrers, Schulbuchinhalte didaktisch sinnvoll, auf die Voraussetzungen der Lerngruppe abgestimmt aufzubereiten und methodisch so umzusetzen, dass die inhaltlichen Zusammenhänge verstanden würden.
63Ist die Klägerin dieser methodisch-didaktisch ausgerichteten Prüferkritik nach alledem nicht schlüssig und substantiiert entgegengetreten, ist auch ihr pauschaler Hinweis
darauf, die Schüler hätten in der Folgestunde die Abschreibungsmethoden zutreffend angewandt, nicht geeignet, die Prüferkritik zu entkräften. Denn er ist weder überprüfbar noch betrifft er die hier allein streitgegenständliche Prüfungsleistung der Klägerin, die sich auf die Planung und Umsetzung der Unterrichtsstunde vom 17. Januar 2000 beschränkt, noch vermag er eine dezidierte inhaltliche Auseinandersetzung mit den von den Prüfern angeführten fachlichen Gründen für ihre didaktisch-methodische Einschätzung zu ersetzen.
64Die weitere Rüge der Klägerin, der Vorwurf der Prüfer, der Begriff der Abschreibung werde inhaltlich nicht bearbeitet, treffe schon deshalb nicht zu, weil sie bewusst - auch nach der von ihr vorgelegten Planung - auf den Aufwandscharakter und die Verbuchung nicht habe eingehen wollen, um die Klasse nicht zu überfordern, geht ebenfalls fehl. In ihrer schriftlichen Begründung der Note "mangelhaft" für die Unterrichtsprobe vom 17. Januar 2000 haben die Prüfer ausgeführt, die Klägerin sei nicht in der Lage, eine Problematisierung aus dem Einstieg bzw. im Einstieg herzustellen, wobei schwer wiege, dass der Begriff der Abschreibung nicht inhaltlich bearbeitet werde. Gerade im Anschluss an die Erfolgskonten sei nicht nachvollziehbar, den Aufwandscharakter des Werteverkehrs nicht zu thematisieren. Diese Kritik haben die Prüfer im Rahmen ihrer ergänzenden Stellungnahme vom 31. Mai 2000 nochmals dahingehend erläutert, dass die spärlichen Hinweise zum Wesen der Abschreibung, die sich auf den Informationsblättern befänden, nicht als das Verständnis der konkreten Lerngruppe fördernde inhaltliche Aufbereitung genügten. Der absichtliche Verzicht auf eine Verdeutlichung des Aufwandscharakters stelle auch - gerade im Hinblick auf das Thema der Vorstunde ("Buchungstechnische Erfassung der Anschaffungskosten von beweglichen abnutzbaren Wirtschaftsgütern des Anlagevermögens") und die bereits zuvor erfolgte Einführung der Erfolgskonten - keine sinnvolle Reduktion dar, sondern erschwere die Einsicht der Schüler in die Zusammenhänge und überfordere die Lerngruppe. Das Argument der Prüfer, die Schüler hätten mit einem Sachverhalt umgehen müssen, von dem sie nicht gewusst hätten, wie er in das Rechnungswesen einzuordnen sei, die Klägerin habe es versäumt, innerhalb der Unterrichtsreihe eine sinnvolle und notwendige Verknüpfung herzustellen, ist ohne weiteres nachvollziehbar.
65Mit dieser an verschiedene sachliche Kriterien anknüpfenden Begründung der Prüferkritik hat sich die Klägerin schon nicht im Einzelnen substantiiert befasst. Sie hat dem lediglich lapidar entgegengesetzt, sie habe die Klasse bewusst nicht überfordern wollen, es sei nirgendwo zwingend vorgeschrieben, bei der Erarbeitung der Abschreibung bereits in der ersten Stunde den Aufwandscharakter der Abschreibung zu behandeln. Der erstere Einwand lässt jegliche inhaltliche Auseinandersetzung mit dem dezidierten Vorbringen der Prüfer vermissen, der bewusste Verzicht auf eine Erläuterung des Aufwandscharakters der Abschreibung und eine entsprechende Einordnung der Abschreibung als Aufwendung im Bereich des Rechnungswesens habe den Schülern unter Berücksichtigung ihres Vorwissens ein Verständnis der Zusammenhänge nicht etwa erleichtert, sondern vielmehr erschwert.
66Soweit sich die Klägerin im Klageverfahren darauf berufen hat, eine Thematisierung des Aufwandscharakters sei so letztlich nirgends zwingend vorgeschrieben, hat der am 1. Juli 2001 erneut zusammengetretene Prüfungsausschuss unwidersprochen entgegnet, Abschreibungen seien stets - in allen gängigen Schulbüchern - als Aufwendungen erläutert. Im Übrigen haben die Prüfer erneut darauf verwiesen, dass die Argumentation der Klägerin ihre didaktische Schwäche belege, weil sie sich eher als "Ausführungsorgan" denn als kritisch reflektierende Lehrerin betrachte, deren Ziel es
sei, Lernprozesse sinnvoll zu arrangieren, ohne dass die Klägerin dem etwas substantiiert entgegengesetzt hätte.
67Ebenfalls erfolglos bleibt die Rüge der Klägerin, der Vorwurf, sie habe das Leistungsniveau der Lerngruppe nicht getroffen, sei nicht zutreffend. Die Prüfer haben in ihrer Begründung vom 17. Januar 2000 - neben der abschließenden Bemerkung, die Klägerin habe das Leistungsniveau der Gruppe verfehlt - weiter ausgeführt, der Anlage der Stunde, könne, insbesondere im Hinblick auf die schwache Lerngruppe, nicht gefolgt werden, die unterrichtliche Umsetzung sei durchweg mangelhaft. Mit dieser wiederum an der methodisch-didaktischen Konzeption der Unterrichtsstunde orientierten Prüferkritik hat sich die Klägerin - wie bereits oben dargelegt - nicht in dem erforderlichen Maße auseinander gesetzt. Soweit sie zur Begründung ihrer Auffassung darauf verweist, die Schüler seien zu einem richtigen Ergebnis gekommen und hätten dieses Ergebnis auch an der Tafel präsentiert, früher seien beide Abschreibungsmethoden in 15 Minuten abgehandelt worden, bezieht sich ihre Argumentation allein auf das ihrer Ansicht nach erzielte Resultat, nicht aber auf den im Unterricht eingeschlagenen Weg. Der von den Prüfern in den Vordergrund gestellte Mangel einer fehlenden didaktischen Reflexion wird dadurch nicht entkräftet. Zudem steht der Behauptung der Klägerin die von den Prüfern bereits in der am 17. Januar 2000 abgefassten Begründung getroffene Aussage entgegen, die Klägerin habe zwar erkannt, dass die Schülerpräsentationen über die Merkmale der Abschreibungsarten nicht lesbar gewesen seien, habe aber versäumt, die dringend notwendigen Rechenoperationen an der Tafel darzustellen. Daraus ergibt sich, sowohl, dass die Art und Weise der Schülerpräsentationen und die Reaktion der Klägerin darauf keineswegs auf ein durchweg positives Echo bei den Prüfern gestoßen sind, als auch die weitere Kritik, eine - für das Verständnis der Schüler wichtige - Aufbereitung der erforderlichen Rechenoperationen an der Tafel sei unterblieben.
68Hinsichtlich des pauschalen Hinweises der Klägerin, der Vorwurf der Prüfer, das Leistungsniveau der Schüler nicht getroffen zu haben, könne schon deshalb nicht zutreffen, weil die Schüler nach Angaben des Ausbildungslehrers eine Unterrichtswoche später beide Abschreibungsmethoden verstanden hätten und in der Lage gewesen seien, diese richtig anzuwenden, wird auf die obigen Ausführungen zu diesem Argument Bezug genommen.
69Soweit die Klägerin geltend macht, sie habe sich mit ihrer Unterrichtsplanung nicht dem Vorwurf aussetzen wollen, eine "Sicherheitsplanung" vorgelegt und die Lerngruppe unterfordert zu haben, wie dies in der anderen Unterrichtsprobe der Fall gewesen sei, kann dem ebenfalls nicht gefolgt werden. Anders als bei der Lerngruppe der Unterrichtsprobe im Fach Steuerlehre, bei der die Leistungsfähigkeit und Leistungswilligkeit in der Stellungnahme der Ausbildungslehrerin in der Prüfungsniederschrift als "gut" bezeichnet worden ist, gehen die Klägerin, der Ausbildungslehrer und die Prüfer bei der Lerngruppe der Unterrichtsprobe im Fach Wirtschaftswissenschaften einhellig davon aus, dass diese "generell sehr schwach" war. Etwaige Kritikpunkte, das zu niedrige Unterrichtsniveau im Fach Steuerlehre betreffend, sind deshalb schon, abgesehen von dem unter Umständen unterschiedlichen Tiefgang beider Unterrichtskonzepte, auch mangels Vergleichbarkeit beider Lerngruppen nicht geeignet, auf die Unterrichtsprobe im Fach Wirtschaftswissenschaften übertragen zu werden oder als Rechtfertigung dafür zu dienen, warum in dieser Unterrichtsprobe das Leistungsniveau der - schwachen - Lerngruppe der Prüferkritik zufolge verfehlt wurde.
70Ohne Erfolg bleibt schließlich auch das Vorbringen der Klägerin, die Vergabe der Note "ausreichend" (4,0) sei schon dann gerechtfertigt, wenn sich in nur einem Punkt ergebe, dass sie eine vertretbare Unterrichtsplanung und darauf aufbauend eine vertretbare Unterrichtsdurchführung vorgenommen habe, weil im Rahmen der weiteren Bewertung die Organisation der Wandzeitung positiv hervorgehoben worden sei. Abgesehen davon, dass die Einwände der Klägerin gegen die Prüferkritik gerade nicht schlüssig, substantiiert und begründet sind, wie oben dargelegt, haben die Prüfer ausdrücklich hervorgehoben, dass ihre Bewertung der Prüfungsleistung auf einer Gesamtwürdigung aller Kriterien beruht. Des Weiteren haben sie betont, diesen Aspekt zwar positiv bewertet, aber mit der einschränkenden Bemerkung versehen zu haben, "positiv bleibt nur die Organisation der Wandzeitung zu nennen", sodass auf Grund dessen allein die Bewertung mit der Note "mangelhaft" (5,0) an Stelle der Note "ungenügend" (6,0) gerechtfertigt gewesen sei. Diese Einschätzung liegt im gerichtlich nicht überprüfbaren Beurteilungsspielraum der Prüfer.
71Die Nebenentscheidungen folgen aus §§ 154 Abs. 1, 167 Abs. 2 i.V.m. Abs. 1 VwGO, 708 Nr. 11, 711 ZPO.