Source: https://www.rechtslupe.de/steuerrecht/einkommensteuer/einkommensteuer-privat/das-scheidungsfolgeverfahren-belastung-3114162
Timestamp: 2020-02-22 03:00:27
Document Index: 323403603

Matched Legal Cases: ['§ 33', '§ 33', '§ 33', '§ 33', '§ 33', '§ 623', '§ 137', '§ 155', '§ 293']

Das eng­li­sche Schei­dungs­fol­ge­ver­fah­ren – und die außer­ge­wöhn­li­che Belas­tung | Rechtslupe ")}}return a.proceed()});scriptParent=document.getElementsByTagName("script")[0].parentNode;if(scriptParent.tagName.toLowerCase!=="head"){head=document.getElementsByTagName("head")[0];aop_around(head,"insertBefore");aop_around(head,"appendChild")}aop_around(scriptParent,"insertBefore");aop_around(scriptParent,"appendChild");var a2a_config=a2a_config||{};a2a_config.no_3p=1;var addthis_config={data_use_cookies:false};var _gaq=_gaq||[];_gaq.push(["_gat._anonymizeIp"])}
Das englische Scheidungsfolgeverfahren - und die außergewöhnliche Belastung
Pro­zess­kos­ten im Zusam­men­hang mit einem Schei­dungs­fol­ge­ver­fah­ren nach bri­ti­schem Recht kön­nen nach Ansicht des Bun­des­fi­nanz­hofs kei­ne in Aus­nah­me­fäl­len außer­ge­wöhn­li­che Belas­tun­gen dar­stel­len.
Erwach­sen einem Steu­er­pflich­ti­gen zwangs­läu­fig grö­ße­re Auf­wen­dun­gen als der über­wie­gen­den Mehr­zahl der Steu­er­pflich­ti­gen glei­cher Ein­kom­mens­ver­hält­nis­se, glei­cher Ver­mö­gens­ver­hält­nis­se und glei­chen Fami­li­en­stan­des 1, so wird auf Antrag die Ein­kom­men­steu­er in bestimm­tem Umfang ermä­ßigt (§ 33 Abs. 1 EStG). Gemäß § 33 Abs. 2 Satz 1 EStG erwach­sen dem Steu­er­pflich­ti­gen Auf­wen­dun­gen zwangs­läu­fig, wenn er sich ihnen aus recht­li­chen, tat­säch­li­chen oder sitt­li­chen Grün­den nicht ent­zie­hen kann und soweit die Auf­wen­dun­gen den Umstän­den nach not­wen­dig sind und einen ange­mes­se­nen Betrag nicht über­stei­gen. Ziel des § 33 EStG ist es, zwangs­läu­fi­ge Mehr­auf­wen­dun­gen für den exis­tenz­not­wen­di­gen Grund­be­darf zu berück­sich­ti­gen, die sich wegen ihrer Außer­ge­wöhn­lich­keit einer pau­scha­len Erfas­sung in all­ge­mei­nen Frei­be­trä­gen ent­zie­hen. Aus dem Anwen­dungs­be­reich des § 33 EStG aus­ge­schlos­sen sind dage­gen die übli­chen Auf­wen­dun­gen der Lebens­füh­rung, die in Höhe des Exis­tenz­mi­ni­mums durch den Grund­frei­be­trag abge­gol­ten sind 2.
Bei den Kos­ten eines Zivil­pro­zes­ses sprach nach der lang­jäh­ri­gen Recht­spre­chung des BFH eine Ver­mu­tung gegen die Zwangs­läu­fig­keit 3. Sol­che Kos­ten wur­den nur als zwangs­läu­fig erach­tet, wenn auch das die Zah­lungs­ver­pflich­tung oder den Zah­lungs­an­spruch adäquat ver­ur­sa­chen­de Ereig­nis zwangs­läu­fig war 4. Dar­an fehl­te es nach der Recht­spre­chung des BFH im All­ge­mei­nen bei einem Zivil­pro­zess 5. Als zwangs­läu­fi­ge Auf­wen­dun­gen erkann­te die Recht­spre­chung Zivil­pro­zess­kos­ten nur an, wenn der Pro­zess exis­ten­zi­ell wich­ti­ge Berei­che oder den Kern­be­reich mensch­li­chen Lebens berühr­te. Lie­fe der Steu­er­pflich­ti­ge ohne den Rechts­streit Gefahr, sei­ne Exis­tenz­grund­la­ge zu ver­lie­ren und sei­ne lebens­not­wen­di­gen Bedürf­nis­se in dem übli­chen Rah­men nicht mehr befrie­di­gen zu kön­nen, kön­ne er trotz unsi­che­rer Erfolgs­aus­sich­ten gezwun­gen sein, einen Zivil­pro­zess zu füh­ren 6.
Dage­gen nahm der Bun­des­fi­nanz­hof in sei­ner Ent­schei­dung vom 12.05.2011 (BFH, Urteil vom 12.05.2011 – VI R 42/​10, BFHE 234, 30, BSt­Bl II 2011, 1015)) die Unaus­weich­lich­keit von Zivil­pro­zess­kos­ten unter der Vor­aus­set­zung an, dass die beab­sich­tig­te Rechts­ver­fol­gung hin­rei­chen­de Aus­sicht auf Erfolg bie­te und nicht mut­wil­lig erschei­ne. Die­se Auf­fas­sung hat auch das Finanz­ge­richt dem ange­foch­te­nen Urteil zugrun­de gelegt.
Der Bun­des­fi­nanz­hof hält an sei­ner in die­sem Urteil 7 ver­tre­te­nen Auf­fas­sung aller­dings nicht mehr fest. Wie er in sei­nem Urteil vom 18.06.2015 8 ent­schie­den hat, kehrt er unter Auf­ga­be sei­ner in dem Urteil in BFHE 234, 30, BSt­Bl II 2011, 1015 ver­tre­te­nen Ansicht zu sei­ner frü­he­ren Recht­spre­chung zur Abzieh­bar­keit der Kos­ten eines Zivil­pro­zes­ses als außer­ge­wöhn­li­che Belas­tung zurück 9.
Das Finanz­ge­richt ist von ande­ren Rechts­grund­sät­zen aus­ge­gan­gen. Sei­ne Ent­schei­dung hat daher kei­nen Bestand.
Der Bun­des­fi­nanz­hof führt für die bis ein­schließ­lich 2012 anzu­wen­den­de Fas­sung des § 33 EStG die Recht­spre­chung zur Berück­sich­ti­gung von durch Ehe­schei­dungs­ver­fah­ren ent­stan­de­nen Pro­zess­kos­ten als außer­ge­wöhn­li­che Belas­tun­gen fort 10. Danach sind zwar die mit dem Gerichts­ver­fah­ren ver­bun­de­nen Kos­ten für die Schei­dung und den Ver­sor­gungsaugleich als zwangs­läu­fig ent­stan­den anzu­se­hen und dem­entspre­chend als außer­ge­wöhn­li­che Belas­tun­gen abzieh­bar. Aber Kos­ten für außer­halb des sog. Zwangs­ver­bunds durch das Fami­li­en­ge­richt oder außer­ge­richt­lich im Zusam­men­hang mit der Ehe­schei­dung getrof­fe­ne Rege­lun­gen wer­den nicht als außer­ge­wöhn­li­che Belas­tun­gen berück­sich­tigt. Dies gilt unab­hän­gig davon, ob für die Schei­dungs­fol­ge­sa­chen § 623 Abs. 1 der Zivil­pro­zess­ord­nung (ZPO) anzu­wen­den ist oder § 137 Abs. 1 des Geset­zes über das Ver­fah­ren in Fami­li­en­sa­chen und in Ange­le­gen­hei­ten der frei­wil­li­gen Gerichts­bar­keit. Wei­ter kommt es nicht dar­auf an, ob ein Ehe­gat­te die Kos­ten aus­lö­sen­de Auf­nah­me von Schei­dungs­fol­ge­sa­chen in den Schei­dungs­ver­bund bean­tragt hat­te und die­se inso­weit zwin­gend im Ver­bund zu ent­schei­den waren. Denn auch inso­weit gel­ten die Kos­ten für den mit dem Ver­fah­ren über­zo­ge­nen Ehe­gat­ten nicht als unver­meid­bar 11. Ent­schei­dend ist, dass der Gesetz­ge­ber den frü­he­ren Ehe­leu­ten Inhalt und Ver­fah­ren der Rege­lung ihrer Ver­hält­nis­se zur eigen­ver­ant­wort­li­chen Gestal­tung über­tra­gen hat wie in bestehen­der Ehe oder im Fal­le nicht­ehe­li­cher Fami­li­en­be­zie­hun­gen 12.
Im hier ent­schie­de­nen Fall ist für die Strei­tig­kei­ten zwi­schen den Ex-Ehe­leu­ten über­wie­gend ‑ggf. mit Aus­nah­me des Ver­sor­gungs­aus­gleichs- bri­ti­sches Recht anzu­wen­den. Es gehört zu den Auf­ga­ben des Finanz­ge­richt als Tat­sa­chen­in­stanz, das maß­ge­ben­de aus­län­di­sche Recht zu ermit­teln (§ 155 FGO i.V.m. § 293 ZPO) 13. Aus­ge­hend von sei­ner abwei­chen­den Rechts­auf­fas­sung hat das Finanz­ge­richt im vor­lie­gen­den Fall nicht fest­ge­stellt, ob die dem Streit­fall zugrun­de lie­gen­den Rechts­strei­tig­kei­ten nach bri­ti­schem Recht in einem dem sog. Zwangs­ver­bund ver­gleich­ba­ren Ver­fah­ren zu ent­schei­den oder ob Inhalt und Ver­fah­ren der Rege­lung der strei­ti­gen Ver­hält­nis­se den Ehe­leu­ten zur eigen­ver­ant­wort­li­chen Gestal­tung über­tra­gen sind und es mit­hin an der Zwangs­läu­fig­keit der strei­ti­gen Auf­wen­dun­gen fehlt. Das Finanz­ge­richt wird die­se Fest­stel­lun­gen im zwei­ten Rechts­gang nach­ho­len und auf die­ser Grund­la­ge ent­schei­den, ob und ggf. in wel­cher Höhe die strei­ti­gen Auf­wen­dun­gen als außer­ge­wöhn­li­che Belas­tun­gen anzu­er­ken­nen sind.
Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 15. Juni 2016 – VI R 26/​13
vgl. wegen der Ein­zel­hei­ten: BFH, Urteil in BFHE 250, 153, BSt­Bl II 2015, 800[↩]
BFH, Urtei­le vom 20.01.2016 – VI R 66/​12, BFH/​NV 2016, 998; – VI R 70/​12, BFH/​NV 2016, 905; vom 10.03.2016 – VI R 38/​13, BFH/​NV 2016, 1009[↩]
vgl. BFH, Urtei­le in BFHE 210, 306, BSt­Bl II 2006, 492; vom 30.06.2005 – III R 36/​03, BFHE 210, 302, BSt­Bl II 2006, 491[↩]
z.B. BFH, Urtei­le vom 15.03.1995 – I R 14/​94, BFHE 177, 263, BSt­Bl II 1995, 502; vom 13.06.2013 – III R 10/​11, BFHE 241, 562, BSt­Bl II 2014, 706[↩]