Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Gericht=OLG%20Koblenz&Datum=07.02.2011&Aktenzeichen=2%20Ss%20222/10
Timestamp: 2019-10-20 23:18:40
Document Index: 227626017

Matched Legal Cases: ['§ 17', '§ 21', '§ 21', '§ 28', '§ 28', '§ 17', '§ 28', '§ 28', '§ 21', '§ 21', '§ 15', '§ 17', '§ 17', '§ 17', '§ 17', '§ 17', '§ 17', 'EuG', '§ 28', '§ 28']

OLG Koblenz, 07.02.2011 - 2 Ss 222/10 - dejure.org
https://dejure.org/2011,3835
OLG Koblenz, 07.02.2011 - 2 Ss 222/10 (https://dejure.org/2011,3835)
OLG Koblenz, Entscheidung vom 07.02.2011 - 2 Ss 222/10 (https://dejure.org/2011,3835)
OLG Koblenz, Entscheidung vom 07. Februar 2011 - 2 Ss 222/10 (https://dejure.org/2011,3835)
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§ 17 StGB, § 21 Abs 1 Nr 1 StVG, § 21 Abs 2 Nr 1 StVG, § 28 Abs 1 FeV, § 28 Abs 4 Nr 2 FeV
Fahren ohne Fahrerlaubnis: Fahrlässige Begehung; Nichtgeltung einer tschechischen Fahrerlaubnis im Inland
Zur Erkundigungspflicht des Betroffenen hinsichtlich der Geltung seiner tschechischen Fahrerlaubnis im Inland - kein vermeidbarer Verbotsirrtum
Recht zur Führung eines Kraftfahrzeugs durch Erwerb einer ausländischen Fahrerlaubnis nach Entzug der deutschen Fahrerlaubnis; Vorliegen eines Verbotsirrtums bei unbewusster Fahrlässigkeit gem. § 17 Strafgesetzbuch (StGB)
EU-Fahrerlaubnisentziehung - Erkundigungspflicht über Gültigkeit
Ausländische Fahrerlaubnis - Erkundigungspflicht
AG Trier, 14.09.2010 - 8056 Js 9445/10
NStZ-RR 2011, 154 (Ls.)
NZV 2011, 359 (Ls.)
Aus § 28 Abs. 4 S. 2 FeV in der seit dem 19. Januar 2009 geltenden Fassung folgt nichts anderes: Danach kann (nicht: muss) die Behörde in den Fällen des § 28 Abs. 4 S. 1 Nr. 2 und 3 FeV einen feststellenden Verwaltungsakt über die fehlende Fahrberechtigung erlassen (OLG Koblenz, Urteil vom 07.02.2011 Az.: 2 Ss 222/10 mit Verweis auf OVG Koblenz, Urteil vom 31.10.2008 Az.: 10 A 10851/08 = SVR 2009, 396;… Janker, in: Burmann/Heß/Jahnke/Janker, Straßenverkehrsrecht, 21. Aufl. 2010, § 21 Rdnr. 6a;… König, in: Hentschel/König/Dauer, Straßenverkehrsrecht, 41. Aufl. 2011, § 21 Rdnr. 2a).
Fahrlässigkeit ist gegeben, wenn der Täter einen Tatbestand rechtswidrig verwirklicht, indem er objektiv gegen eine Sorgfaltspflicht verstößt und durch diesen Pflichtverstoß eine Rechtsgutverletzung verursacht, die er nach seinen subjektiven Kenntnissen und Fähigkeiten vorhersehen und vermeiden konnte (vgl. OLG Koblenz, Urteil vom 07.02.2011 Az.: 2 Ss 222/10 mit Verweis auf Fischer, StGB, 58. Aufl. 2011, § 15 Rdnr. 12).
Zwar enthält die Vorschrift keine Beschränkung auf Vorsatztaten, so dass sie grundsätzlich auch auf fahrlässig begangene Delikte Anwendung finden kann (vgl. OLG Koblenz, Urteil vom 07.02.2011 Az.: 2 Ss 222/10 mit Verweis auf Joecks, in: Münchener Kommentar zum StGB, Bd. 1, § 17 Rdnr. 73).
Nach allgemeiner Auffassung kommt ein Verbotsirrtum in den Fällen einer - wie hier vorliegenden - unbewussten Fahrlässigkeit jedoch ausschließlich in Form der sog. Regelunkenntnis in Betracht, in den Fällen also, in denen dem Täter auch bei vorsätzlichem Handeln die Unrechtseinsicht gefehlt hätte (so auch OLG Koblenz, Urteil vom 07.02.2011 Az.: 2 Ss 222/10 mit Verweis auf Sternberg-Lieben, in: Schönke-Schröder, StGB, 28. Aufl. 2010, § 17 Rdnr. 9;… Vogel, in: Leipziger Kommentar zum StGB, Bd. 1., 12. Aufl. 2006, § 17 Rdnr. 109).
In einem solchen Fall ist im Bereich der unbewussten Begehung eines Fahrlässigkeitsdelikts für die Annahme eines Verbotsirrtums mit der Möglichkeit einer Strafmilderung gem. § 17 StGB kein Raum (vgl. OLG Koblenz, Urteil vom 07.02.2011 Az.: 2 Ss 222/10 mit Verweis auf Sternberg-Lieben, in: Schönke-Schröder, StGB, 28. Aufl. 2010, § 17 Rdnr. 9).
Das im Subjektiven geminderte Tatunrecht wird schon durch die fahrlässige Begehungsweise des Tatbestands und seiner deutlich herabgesetzten Rechtsfolgenandrohung erfasst (so auch OLG Koblenz, Urteil vom 07.02.2011 Az.: 2 Ss 222/10 mit Verweis auf Joecks, in: Münchener Kommentar zum StGB, Bd. 1, § 17 Rdnr. 73).
Zur weiteren Begründung wird auf die zutreffenden Ausführungen der Generalstaatsanwaltschaft in ihrer Zuschrift vom 2. September 2011 verwiesen (vgl. auch OLG Koblenz, Beschl. v. 07.02.2011, 2 Ss 222/10 - zitiert nach "juris").
Der Besitz eines von einem anderen Mitgliedsstaat ausgestellten Führerscheins ist grundsätzlich als Nachweis dafür anzusehen, dass der Inhaber am Tag der Erteilung des Führerscheins die unionsrechtlichen Voraussetzungen erfüllt hat (…EuGH in st. Rspr., zuletzt C-419/10 v. 26.04.2012 [Hofmann] Rn. 46, vgl. NJW 2012, 1935; Senat, Beschl. 2 Ss 222/10 v. 07.02.2011 - juris u. 2 Ss 208/11 v. 24.05.2012).
23 Sinn und Zweck der Vorschrift, im allgemeinen Interesse der öffentlichen Verkehrssicherheit die Umgehung der im deutschen Recht vorgesehenen besonderen Voraussetzungen für die Neuerteilung einer versagten oder entzogenen Fahrerlaubnis zu verhindern, sind nur dann zu erreichen, wenn beim Vorliegen der sonstigen Voraussetzungen des § 28 Abs. 4 Satz 1 FeV ausländische Fahrerlaubnisse bereits vom Zeitpunkt ihrer Erteilung an unwirksam sind (vgl. OLG Koblenz, NStZ-RR 2011, 154 nach juris; OLG Hamburg DAR 2011, 647 nach juris.;… Hentschel-Dauer a. a. O., § 28 FeV Rdnr. 39).