Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Text=VersR%201987,%201238
Timestamp: 2019-09-16 07:32:10
Document Index: 256617485

Matched Legal Cases: ['BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH']

BGH, 02.06.1987 - VI ZR 174/86 - dejure.org
https://dejure.org/1987,710
BGH, 02.06.1987 - VI ZR 174/86 (https://dejure.org/1987,710)
BGH, Entscheidung vom 02.06.1987 - VI ZR 174/86 (https://dejure.org/1987,710)
BGH, Entscheidung vom 02. Juni 1987 - VI ZR 174/86 (https://dejure.org/1987,710)
Tipp: Um den Kurzlink (hier: https://dejure.org/1987,710) schnell in die Zwischenablage zu kopieren, können Sie die Tastenkombination Alt + R verwenden - auch ohne diesen Bereich zu öffnen.
Dekubitusprophylaxe - Dekubitusbehandlung - Risikopatient
Anordnungsverantwortung bei Dekubitusprohylaxe und -behandlung
LG Bremen, 20.06.1985 - 6 O 1124/84
OLG Bremen, 10.06.1986 - 1 U 105/85
NJW 1988, 762
MDR 1987, 1017
VersR 1987, 1238
So hat denn auch der BGH in einer Entscheidung zur Haftung eines Krankenhausträgers betreffend Behandlungsfehler im Rahmen der Dekubitus- Prophylaxe (BGH NJW 1988, 762) keine solche schlechthin erfolgsbezogene Pflicht mit der Folge der Umkehrung der Beweislast beim Auftreten eines Dekubitus-Geschwürs angenommen, die Problematik vielmehr in dem auch hier zu beobachtenden Bereich der fehlenden Dokumentation (dazu unten) angesiedelt.
So hat er in der bereits erwähnten Entscheidung NJW 1988, 762 der Vorinstanz, die ausgeführt hatte, es gebe keinen medizinischen Erfahrungssatz, nachdem das Entstehen von Durchliege-Geschwüren ausnahmslos auf falsche oder unzureichende Vorbeugemaßnahmen zurückzuführen sei, nicht widersprochen.
Nach der bereits erwähnten Entscheidung des Bundesgerichtshofs NJW 1988, 762, 763 kann eine Entscheidung darüber, ob Ärzte und Pflegepersonal bei der Dekubitus-Prophylaxe und der Dekubitus-Behandlung etwas versäumt haben, grundsätzlich nicht getroffen werden, bevor nicht geklärt ist, was im Fall des Patienten bzw. Pflegebefohlenen hätte angeordnet und durchgeführt werden müssen.
a) Der Tatrichter hat Einwendungen einer Partei gegen ärztliche Gutachten auch eines gerichtlichen Sachverständigen ernst zu nehmen und sich sorgfältig damit auseinanderzusetzen (vgl. z.B. Senatsurteil vom 2. Juni 1987 - VI ZR 174/86 - VersR 1987, 1238).
Damit spricht die Revision den Grundsatz an, daß das Gericht im Arzthaftungsprozeß die Einwendungen der Parteien gegen ein Sachverständigengutachten ernstzunehmen und die von ihnen vorgelegte einschlägige Fachliteratur in die gebotene kritische Würdigung des gerichtlichen Sachverständigengutachtens einzubeziehen hat (Senatsurteile vom 2. Juni 1987 - VI ZR 174/86 - VersR 1987, 1238; vom 2. März 1993 - VI ZR 104/92 - VersR 1993, 749 und vom 10. Mai 1994 - VI ZR 192/93 - VersR 1994, 984).
Einwendungen einer Partei gegen Gutachten auch eines gerichtlichen Sachverständigen sind stets ernst zu nehmen; auch das jeweilige Gericht hat sich sorgfältig damit auseinanderzusetzen (vgl. BGH, Urteil vom 02.06.1987, VI ZR 174/86, zitiert aus JURIS).
Im Übrigen hat auch der Bundesgerichtshof zur Haftung eines Krankenhausträgers betreffend Behandlungsfehler im Rahmen der Druckgeschwür-Prophylaxe keine schlechthin erfolgsbezogene Pflicht mit der Folge der Umkehrung der Beweislast beim Auftreten eines Dekubitus-Geschwürs angenommen (vgl. BGH NJW 1988, 762).
Insoweit gilt auch nach der höchstrichterlichen Rechtsprechung, dass die Entscheidung über das, was zu tun ist bei Dekubitus-Risikopatienten, nicht allein dem Pflegepersonal überlassen werden darf (vgl. BGH, VersR 1987, 1238).