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Timestamp: 2017-06-27 09:46:01
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Beschluss. In dem Verwaltungsverfahren. - Beteiligte zu 2. - PDF
Beschluss. In dem Verwaltungsverfahren. - Beteiligte zu 2.
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1 4. Beschlussabteilung B 4 45/10 FUSIONSKONTROLLVERFAHREN VERFÜGUNG GEMÄß 40 ABS. 2 GWB Für die Veröffentlichung bestimmt Beschluss In dem Verwaltungsverfahren 1. Sparkasse Karlsruhe Kaiserstraße Karlsruhe - Beteiligte zu Sparkasse Ettlingen Marktplatz Ettlingen Verfahrensbevollmächtigte zu 1.: Taylor Wessing Benrather Straße Düsseldorf - Beteiligte zu 2. wegen Prüfung eines Zusammenschlussvorhabens nach 35 ff. des Gesetzes gegen Wettbewerbsbeschränkungen (GWB) hat die 4. Beschlussabteilung des Bundeskartellamtes am 21. Oktober 2010 beschlossen: I. Das mit Schreiben vom 1. Juni 2010 angemeldete Zusammenschlussvorhaben wird freigegeben.2 - 2 - II. Die Gebühr für diese Entscheidung wird unter Anrechnung der Gebühr für die Anmeldung des Zusammenschlussvorhabens auf [ ] (in Worten: [ ]) festgesetzt und den Beteiligten zu 1 und 2 als Gesamtschuldnern auferlegt.3 - 3 - I. DIE BETEILIGTEN UNTERNEHMEN UND DAS VORHABEN 1. Die Sparkasse Karlsruhe und die Sparkasse Ettlingen haben mit Schreiben vom 1. Juni 2010, beim Bundeskartellamt eingegangen am 2. Juni 2010, die Vereinigung der Sparkasse Ettlingen mit der Sparkasse Karlsruhe durch Übertragung des Vermögens der Sparkasse Ettlingen auf die Sparkasse Karlsruhe im Wege der Gesamtrechtsnachfolge 1 angemeldet. A. Sparkasse Karlsruhe 2. Die Sparkasse Karlsruhe ist eine als Anstalt des öffentlichen Rechts betriebene Sparkasse. 2 Ihre Träger sind die Stadt Karlsruhe und folgende zum Landkreis Karlsruhe gehörenden Städte und Gemeinden: Stadt Philippsburg, große Kreisstadt Stutensee sowie die Gemeinden Dettenheim, Eggenstein-Leopoldshafen, Graben- Neudorf, Linkenheim-Hochstetten, Malsch, Pfinztal und Weingarten. Die Sparkasse Karlsruhe hat sich zum 1. Januar 2003 mit der Sparkasse Graben-Neudorff / Philippsburg zusammengeschlossen und ist, gemessen an der Bilanzsumme, die neuntgrößte der 54 Sparkassen Baden-Württembergs 3. Bundesweit belegt sie den 38. Rang bei insgesamt 431 Sparkassen. 4 Die Sparkasse Karlsruhe erbringt sowohl für Privat- als auch für Gewerbekunden 5 eine Reihe von Bankdienstleistungen wie Zahlungsverkehrsleistungen (Führung von Girokonten, Abwicklung von Überweisungs-aufträgen), Geldanlageleistungen (z.b. Tagesgelder, Termineinlagen, Spareinlagen) und Finanzierungsleistungen (z.b. Kreditgewährungen) sowie mit diesen Geschäften verbundene Dienstleistungen Gem. 3 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 des Sparkassengesetzes für Baden-Württemberg ( SpG ) in der Fassung der Bekanntmachung vom 19. Juli 2005, GBl. 2005, 587. Vgl. 1 SpG. Sparkassen nach Bilanzsumme, Sparkassenrangliste 2009, Hier und im Folgenden wird der Begriff der Gewerbekunden als Oberbegriff für die Kunden verwendet, die Bankdienstleistungen im Rahmen ihrer wirtschaftlich selbständigen Tätigkeit in Anspruch nehmen.4 - 4 - B. Sparkasse Ettlingen 3. Träger der Sparkasse Ettlingen sind die zum Landkreis Karlsruhe gehörenden großen Kreisstädte Ettlingen und Rheinstetten sowie die Gemeinden Karlsbad, Marxzell und Waldbronn. Die Sparkasse Ettlingen ist deutlich kleiner als die Sparkasse Karlsruhe (Rang 39 in Baden-Württemberg und Rang 278 bundesweit). Auch sie bietet Privat- und Gewerbekunden die Führung von Girokonten, die Anlage von Geldern und Finanzierungsleistungen an. C. Das Zusammenschlussvorhaben 4. Grundlage für das Zusammenschlussvorhaben sind die Vereinbarung über die Vereinigung der Sparkasse Karlsruhe und der Sparkasse Ettlingen 6 und die Ergänzungsvereinbarung zum Vertrag über die Vereinigung der Sparkasse Karlsruhe und der Sparkasse Ettlingen 7. Darin ist vorgesehen, dass das Vermögen der Sparkasse Ettlingen auf die Sparkasse Karlsruhe übertragen wird, die als Gesamtrechtsnachfolgerin der Sparkasse Ettlingen in deren Rechtsposition eintritt. Träger der vereinigten Sparkasse sind die bisherigen Träger der Sparkasse Karlsruhe bzw. der Sparkasse Ettlingen. Grundsätzlich hat jeder Träger in der Trägerversammlung eine Stimme; wenn der bei einer Teilung der Einwohnerzahl und der Summe der Steuerkraftsummen aller Träger durch die Zahl der Träger sich ergebende Teil in der Einwohnerzahl oder in der Steuerkraftsumme eines Trägers mehrfach enthalten ist, erhält dieser Träger für jeden weiteren Teil je eine zusätzliche Stimme. 8 Auf Grund dieser Regelung wird die Stadt Karlsruhe nach dem Zusammenschluss 16 von 30 Stimmen in der Trägerversammlung erhalten. 9 II. DAS VERFAHREN 5. Die Anmeldung des Zusammenschlussvorhabens ist am 2. Juni 2010 beim Bundeskartellamt eingegangen. Mit Schreiben vom 14. Juni 2010 sind die Beteiligten aufgefordert worden, zur Klärung der Auswirkungen des Zusammenschlusses auf die Anmeldung vom 1. Juni 2010, Anlage 1. Anmeldung vom 1. Juni 2010, Anlage 2. Satzung der Sparkasse Karlsruhe Ettlingen, 2 Abs. 5 Satz 1 und 2, Anmeldung vom 1. Juni 2010, Anlage 3. Anmeldung vom 1. Juni 2010, Anlage 7.5 - 5 - betroffenen Märkte eine Reihe von Auskünften zu erteilen bzw. interne Unterlagen vorzulegen. Das Auskunftsschreiben enthielt die ausdrückliche Aufforderung, alle Kooperationen mit Wettbewerbern vollständig darzustellen. Am 22. Juni 2010 und am 24. Juni 2010 haben die Beteiligten Antworten auf das Auskunftsersuchen vom 14. Juni 2010 übermittelt. Erst auf Grund einer parallel durchgeführten ersten Befragung von Wettbewerbern hat die Beschlussabteilung erfahren, dass die Sparkasse Karlsruhe und die Volksbank Karlsruhe gemeinsam an der GfBB Gesellschaft für Beratung und Beteiligung mbh ( GfBB, Karlsruhe) und der Stiftung Karlsruher Kompetenzzentrum für Finanzierung und Beratung ( KKFB, Karlsruhe) beteiligt sind. Mit Schreiben vom 25. Juni 2010 sind die Beteiligten deshalb aufgefordert worden, die entsprechenden Gesellschaftsverträge vorzulegen und die Beteiligungsverhältnisse darzustellen. Am 28. Juni 2010 sind die Antworten der Beteiligten beim Bundeskartellamt eingegangen. Hieraus ergibt sich, dass die Sparkasse Karlsruhe und die Volksbank Karlsruhe 45% und die Stadt Karlsruhe 10% der Anteile der GfBB halten und dass Gesellschafterbeschlüsse einer 2/3- Mehrheit bedürfen. Am 2. Juli 2010 ist den Beteiligten mitgeteilt worden, dass das Hauptprüfverfahren eingeleitet worden sei ( 40 Abs. 1 GWB). Gleichzeitig ist ihnen erläutert worden, dass die GfBB als ein mit der Sparkasse Karlsruhe verbundenes Unternehmen ( 36 Abs. 2 GWB) angesehen werde, über das in der Anmeldung die Angaben gem. 39 Abs. 3 Satz 4 GWB gemacht werden müssten; deshalb sei frühestens mit den Angaben zur GfBB die Anmeldung am 28. Juni 2010 vollständig. In einem Gespräch am 14. Juli 2010 hat die Beschlussabteilung den Beteiligten eine erste Einschätzung der Auswirkungen des Zusammenschlusses dargestellt. Am 6. September 2010 sind den Beteiligten die Ergebnisse der Marktuntersuchung insbesondere zur Marktabgrenzung und zur Verteilung der Marktanteile telefonisch dargestellt worden. Am 7. September 2010 haben die Beteiligten eine schriftliche Zusammenfassung dieser Ergebnisse erhalten. Mit Schreiben vom 16. September 2010 haben die Beteiligten hierzu Stellung genommen und am 22. September 2010 sind die Ergebnisse bei einem Gespräch im Bundeskartellamt erörtert worden. Mit Schreiben vom 8. und 11. Oktober 2010 haben die Beteiligten ihre Auffassung dargelegt, dass entgegen ihrer ursprünglichen Ansicht die Umsätze der Stadt Karlsruhe nicht der Sparkasse Karlsruhe zuzurechnen seien. Den Beteiligten sind am 15. Oktober 2010 telefonisch die Gründe erläutert worden, die aus Sicht der Beschlussabteilung für die Zurechnung der Umsätze der Stadt Karlsruhe sprechen.6 - 6 - III. FORMELLE UNTERSAGUNGSVORAUSSETZUNGEN A. Anwendungsbereich des GWB 6. Die Sparkasse Karlsruhe erzielte 2009 Erträge i.s.v. 38 Abs. 4 GWB in Höhe von [ ] EUR, die Sparkasse Ettlingen in Höhe von [ ] EUR, alle Erträge wurden nahezu ausschließlich im Inland erzielt. Die Stadt Karlsruhe erzielte nahezu ausschließlich im Inland im Jahr 2009 unmittelbare Umsätze von [ ] EUR und über Beteiligungsgesellschaften [ ] EUR. Die Umsätze der Stadt Karlsruhe wurden nicht konsolidiert. 1. Zurechnung der Umsätze der Stadt Karlsruhe 7. Der Sparkasse Karlsruhe werden die Umsätze der Stadt Karlsruhe auf der Grundlage von 36 Abs. 2 Satz 1 GWB zugerechnet. Aufgrund ihrer Rechte in der Trägerversammlung und im Verwaltungsrat sowie ihrer wirtschaftlichen Stellung beherrscht die Stadt Karlsruhe die Sparkasse Karlsruhe ( 36 Abs. 2 Satz 1 GWB, 17 Abs. 1 AktG). 8. In der Anmeldung vom 1. Juni 2010 haben die Beteiligten die Ansicht vertreten, dass angesichts der privatwirtschaftlichen Aktivitäten der Stadt Karlsruhe die Sparkasse Karlsruhe ein mit ihr verbundenes Unternehmen ist. 10 Sie wiesen dabei insbesondere auf die Mehrheit der Stadt Karlsruhe (13 von 22 Stimmen) in der Trägerversammlung hin. 9. Mit Schreiben vom 7. Oktober 2010 erklärten die Beteiligten, ihre Auffassung modifiziert zu haben. Eine Beherrschung der Sparkasse Karlsruhe durch die Stadt Karlsruhe sei im Hinblick auf die Rechtsnatur der Sparkasse Karlsruhe als Anstalt des öffentlichen Rechts, ihrer Verfassung und dem tatsächlichen Abstimmungsverhalten in den Organen der Sparkasse Karlsruhe zweifelhaft. 11 Im Einzelnen legen die Beteiligten dar, ihre Mehrheit in der Trägerversammlung vermittle der Stadt Karlsruhe keinen entscheidenden Einfluss auf die Besetzung der Leitungsgremien der Sparkasse bzw. auf wettbewerblich relevante Entscheidungen. Im Anmeldung vom 1. Juni 2010, S. 2. Schreiben vom 7. Oktober 2010, S. 2.7 - 7 - Verwaltungsrat verfüge die Stadt Karlsruhe auf Grund der Mitwirkung der Arbeitnehmervertreter (1/3 der Vertreter) nicht über eine gesicherte Mehrheit, die ihr einen beherrschenden Einfluss auf die Sparkasse Karlsruhe einräume. Aus der dem Schreiben beigefügten Übersicht ergibt sich, dass der Voranschlag der Geschäftskosten, der Jahresabschluss und die Entlastung des Vorstandes seit 2003 bis auf eine Ausnahme einstimmig verabschiedet wurden. Die Vorstandsmitglieder wurden mehrheitlich gewählt. Mit Schreiben vom 11. Oktober 2010 teilten die Beteiligten mit, dass auf Grund der Niederschriften über die Verwaltungsratssitzungen nicht ersichtlich ist, wie die Vertreter bei Mehrheitsentscheidungen im Einzelnen abgestimmt haben. Sie legen hierzu das Protokoll der Verwaltungsratssitzung vom [Juli 2006] vor. Aus ihm ist ersichtlich, dass der Vorstandsvorsitzende [ ] mit [ ] Stimmen bei [ ] und [ ] Gegenstimmen wieder bestellt wurde. Die Beteiligten haben auch erläutert, dass die Wahl bislang auf Grund eines Wahlvorschlages des Vorsitzenden der Trägerversammlung nach Abstimmung mit den anderen Trägern durchgeführt worden sei. Falls es zu einer solchen Einigung nicht komme und mehrere konkurrierende Listen zur Wahl stünden, sei auf Grund des dann anzuwendenden d Hondt schen Verfahrens bei realistischer Betrachtung nicht zu erwarten, dass sich der größte Träger mit seinem Wahlvorschlag vollständig durchsetze. Als Beleg werden zwei Szenarien durchgespielt, in denen neben einem Wahlvorschlag der Stadt Karlsruhe ein weiterer der übrigen neun und zwei weitere von vier bzw. fünf der übrigen Trägergemeinden zur Wahl stünden. In beiden Fällen würde die Stadt Karlsruhe neben dem Vorsitzende neun weitere Vertreter stellen. a) Die Trägerversammlung 10. Die Trägerversammlung besteht aus den gesetzlichen Vertretern der Trägergemeinden, d.h. den Bürgermeistern. 12 Die Anzahl der auf jeden Träger entfallenden Stimmen richtet sich nach der Einwohnerzahl und dem Steueraufkommen der Träger. 13 Auf Grundlage dieser Regelung verfügt die Stadt Karlsruhe in der Trägerversammlung derzeit über 13 von 22 Stimmen. Die Trägerversammlung entscheidet grundsätzlich mit einfacher Mehrheit. 14 Für folgende Entscheidungen ist eine 2/3-Mehrheit erforderlich: Vereinigung mit einer anderen Sparkasse durch Vgl. 42 Abs. 1 Satz 2 Gemeindeordnung (Gemeindeordnung GemO) für Baden-Württemberg in der Fassung vom 24. Juli 2000, GBl. 2000, Abs. 5 Satz 1 und 2 der Satzung der Sparkasse Karlsruhe, vgl. oben Tz Abs. 9 SpG, 37 Abs. 6 Satz 2 GemO.8 - 8 - Übertragung des Vermögens auf eine neu gebildete oder bereits bestehende Sparkasse; Auflösung einer Sparkasse; Änderung der Sparkassen-Satzung; Beitritt des Sparkassenverbandes als Träger. 15 Die Bestellung der Mitglieder des Verwaltungsrates erfolgt in entsprechender Anwendung der Regelung in der Landkreisordnung für beschließende Ausschüsse. 16 Demnach werden die Mitglieder des Verwaltungsrates von den Trägern auf Grund von Wahlvorschlägen nach den Grundsätzen der Verhältniswahl unter Bindung an die Wahlvorschläge gewählt. Wird nur ein gültiger oder kein Wahlvorschlag eingereicht, findet Mehrheitswahl ohne Bindung an die vorgeschlagenen Bewerber statt. 11. Der Stadt Karlsruhe steht als Gemeinde, in der die Sparkasse ihren Sitz hat 17, der Vorsitz in der Trägerversammlung zu. 18 Der Vorsitzende hat gegenüber Beschlüssen der Trägerversammlung in entsprechender Anwendung der Gemeindeordnung 19 ein Widerspruchsrecht. Er muss Beschlüssen widersprechen, wenn er der Auffassung ist, dass sie gesetzwidrig sind; er kann widersprechen, wenn er der Auffassung ist, dass sie für die Sparkasse nachteilig sind. Der Widerspruch hat aufschiebende Wirkung. Gleichzeitig ist unter Angabe der Widerspruchsgründe eine Sitzung einzuberufen, in der erneut über die Angelegenheit zu beschließen ist. Ist nach Ansicht des Vorsitzenden auch der neue Beschluss gesetzwidrig, muss er ihm erneut widersprechen und unverzüglich die Entscheidung der Rechtsaufsichtsbehörde herbeiführen. b) Der Verwaltungsrat (1) Beherrschender Einfluss der Stadt Karlsruhe auf die Zusammensetzung des Verwaltungsrates 12. Die Mitglieder des Verwaltungsrates werden durch die Trägerversammlung üblicherweise auf Grund eines Vorschlags des Vorsitzenden bestellt. Im Sparkassengesetz werden hinsichtlich der Vertreter folgende allgemeinen Vorgaben gemacht 20 : Die Zusammensetzung des Verwaltungsrats soll Gewähr dafür bieten, dass bei der Erfüllung der Aufgaben der Sparkasse die Interessen des gesamten Abs. 6 Satz 3; 3 Abs. 1 Satz 1, 5 Abs. 1 Satz 1, 7 Abs. 1 Satz 2, 2. Halbsatz, 8 Abs. 2 Satz 3 SpG. 15 Abs. 1 Satz 4 SpG, 35 Abs. 2 Landkreisordnung für Baden-Württemberg (Landkreisordnung LKrO) in der Fassung vom 19. Juni 1987, GBl. 1987, S Abs. 1 der Satzung der Sparkasse Karlsruhe. 8 Abs. 8 Satz 1 SpG. 8 Abs. 9 SpG, 43 Abs. 2 GemO. 13 Abs. 3 SpG.9 - 9 - Kundenkreises berücksichtigt werden. Die Mitglieder des Verwaltungsrats und ihre Stellvertreter sollen wirtschaftliche Erfahrung und Sachkunde besitzen und geeignet sein, die Sparkasse zu fördern und bei der Erfüllung ihrer Aufgaben zu unterstützen. Eine Verpflichtung, einen bestimmten Proporz einzuhalten besteht nicht. Im Verwaltungsrat stellt die Stadt Karlsruhe einschließlich des Vorsitzenden derzeit 10 der 16 Vertreter der Trägergemeinden. Je einen Verwaltungsrat entsenden die Gemeinden Malsch, Pfinztal, Weingarten, Graben-Neudorf, Philippsburg und Stutensee. Nicht vertreten sind die Gemeinden Dettenheim, Eggenstein- Leopoldshafen und Linkenheim-Hochstetten. 13. Die von den Beteiligten vorgestellten Szenarien für den Konfliktfall mit konkurrierenden Wahlvorschlägen der weiteren Träger in der Trägerversammlung sind unrealistisch. Viel eher ist zu erwarten, dass zunächst versucht wird wie bisher einen gemeinsamen Wahlvorschlag zu erarbeiten und dass die Stadt Karlsruhe versucht, in diesem Prozess eine aus ihrer Sicht ausreichende Zahl von Vertretern zur Durchsetzung ihrer Interessen im Verwaltungsrat zu erreichen. Sollte dennoch eine oder mehrere der übrigen Trägergemeinden eine stärkere Vertretung im Verwaltungsrat verlangen, ist kaum vorstellbar, dass sich die nicht berücksichtigten Trägergemeinden auf einen oder mehrere gemeinsame Wahlvorschläge verständigen können, weil dies eine Einigung zwischen den betroffenen Ratsversammlungen über die Aufteilung der gemeinsamen Liste auf die jeweiligen Ratsfraktionen voraussetzt. Es ist vielmehr zu erwarten, dass entweder nur der Vorschlag der Stadt Karlsruhe mit der aus ihrer Sicht adäquaten Berücksichtigung der übrigen Träger oder überhaupt kein Wahlvorschlag gemacht wird; in beiden Fällen findet eine Mehrheitswahl - und falls kein Wahlvorschlag gemacht wurde auch ohne Bindung an die vorgeschlagenen Bewerber statt. 21 Unterstellt man, dass das Sparkassengesetz eine solche adäquate Vertretung aller Trägerkommunen verlangt 22 wofür es im Gesetzeswortlaut keinen unmittelbaren Anhaltspunkt gibt kann die Stadt Karlsruhe bis zu 3 Vertreter anderer Träger in einen Wahlvorschlag aufnehmen, ohne ihre Mehrheit zu verlieren. 14. Vorsitzender des Verwaltungsrats ist als Vorsitzender der Trägerversammlung Oberbürgermeister von Karlsruhe. Dem Vorsitzenden steht wie in der Trägerver- 23 der Abs. 1 Satz 4 SpG, 35 Abs. 2 Satz 2 LKrO. So die im Schreiben vom 7. Oktober 2010 geäußerte Ansicht der Beteiligten. Vgl. 14 Abs. 1 Satz 1 SpG.10 sammlung ein Widerspruchsrecht gegen rechtswidrige oder auch bloß nachteilige Beschlüsse des Verwaltungsrats zu Bereits die Möglichkeit der Stadt Karlsruhe, über die Zusammensetzung des Verwaltungsrates zu entscheiden reicht aus, um einen beherrschenden Einfluss auf die Sparkasse Karlsruhe annehmen zu können. Es ist für die Frage nach der Anwendung des 36 Abs. 2 i.v.m. 17 Abs. 1 AktG unerheblich, ob und in welcher Weise von der Beherrschungsmöglichkeit tatsächlich Gebrauch gemacht wird. (2) Beherrschender Einfluss der Stadt Karlsruhe auf den Verwaltungsrat in der derzeitigen Zusammensetzung 16. Neben den 16 Vertretern der Trägergemeinden entsenden die Mitarbeiter der Sparkasse Karlsruhe 8 Vertreter in den Verwaltungsrat. Der Verwaltungsrat entscheidet insbesondere über die Besetzung des Vorstands 25, die Verwendung des Überschusses 26, er stellt den Voranschlag der Geschäftskosten mit Stellenplan für das kommende Geschäftsjahr 27 und den Jahresabschluss 28 fest und beschließt über die Entlastung des Vorstandes Die Stadt Karlsruhe verfügt über die Mehrheit der Stimmen der Träger im Verwaltungsrat. Um die Mehrheit in der Trägerversammlung zu erhalten, benötigt sie drei weitere Stimmen aus dem Kreis der Träger oder der Mitarbeitervertreter. Seit 2003 sind Entscheidungen über den Voranschlag der Geschäftskosten, den Jahresabschluss und die Entlastung des Vorstandes stets einstimmig ergangen. Die Vorstandsmitglieder wurden dagegen bis auf eine Ausnahme im Jahr 2008 mit Stimmenmehrheit gewählt. Die von den Beteiligten vorgelegte Niederschrift der Sitzung des Verwaltungsrates [vom Juli 2006], auf der über die Verlängerung des Dienstvertrages mit dem Vorstandsvorsitzenden Michael Huber bis zum [ ] entschieden wurde, zeigt, dass auch bei Mehrheitsentscheidungen der Vorsitzende des Verwaltungsrates regelmäßig seinen Vorschlag durchsetzen kann. Bei [ ] Ja- Stimmen gab es lediglich [ ] Nein-Stimmen und [ ] Enthaltung Abs. 1 SpG, 43 Abs. 2 GemO. 12 Abs. 2 Nr. 4 SpG. 12 Abs. 2 Nr. 7 SpG. 29 Satz 2 SpG. 30 Abs. 3 Satz 1 SpG. 30 Abs. 3 Satz 3 SpG. Anlage zum Schreiben vom 7. Oktober 2010; für das Jahr 2006 ist die Situation unklar, weil dort einstimmig bzw. mehrheitlich vermerkt ist.11 Die wirtschaftlichen Interessen der Vertreter im Verwaltungsrat lassen es auch unwahrscheinlich erscheinen, dass die Vertreter der Stadt Karlsruhe durch die weiteren Träger und Vertreter der Arbeitnehmer in unternehmensstrategischen Fragen oder bei der Besetzung der Leitungsgremien der Sparkasse Karlsruhe überstimmt werden. Die weiteren Träger werden sich bei ihrem Abstimmungsverhalten bewusst sein, dass die Stadt Karlsruhe als die gemessen am Steueraufkommen wirtschaftlich ihnen weit überlegene Trägerin auch einen entsprechend größeren Teil wirtschaftlicher Risiken abdecken kann bzw. die Sparkasse falls notwendig mit entsprechenden Mitteln ausstatten kann. Die Stellung der Stadt Karlsruhe entspricht der eines Unternehmens, das mehrheitlich an einem anderen Unternehmen beteiligt ist, und das auf Grund der ihm zustehenden Rechte und seiner gegenüber den anderen Anteilseignern überwiegenden wirtschaftlichen Bedeutung das Beteiligungsunternehmen beherrschen kann. 19. Die Gewährträgerhaftung und Anstaltslast als rechtlich bindende Pflicht der Träger, Sparkassen in ihrer Trägerschaft mit Mitteln auszustatten und für ihre Risiken einzustehen, ist in allen Bundesländern abgeschafft worden. In Baden-Württemberg wurde durch das Gesetz zur Änderung sparkassenrechtlicher Vorschriften vom 16. Oktober 2002 ausdrücklich klargestellt, dass der Träger die Sparkasse bei der Erfüllung ihrer Aufgaben unterstützt, dass aber weder eine Verpflichtung des Trägers, die Sparkasse mit Mitteln auszustatten, noch ein entsprechender Anspruch der Sparkasse gegen den jeweiligen Träger besteht. 31 Eine Haftung des Trägers für Verbindlichkeiten der Sparkasse ist ausgeschlossen Aus der Gesetzesbegründung ergibt sich jedoch, dass der Träger weiterhin eine Finanzierungsverantwortung für die Sparkasse in dem Rahmen, in dem dies auch bei privaten Unternehmen der Fall ist, [hat]. 33 Diese äußere sich darin, dass sich die Träger jeweils auf Grund einer zum jeweiligen Zeitpunkt gegebenen Situationsanalyse entscheiden müssen, ob und ggf. mit welcher Zielsetzung sie die Sparkasse mit Mitteln ausstatten wollen. Von Belang kann sein, dass die Eigenkapitalbasis der Sparkasse verbreitert werden soll, um der Sparkasse eine Ausweitung ihrer Geschäftstätigkeit zu ermöglichen. Im Fall einer akuten oder drohenden Schieflage der Sparkasse werden die Träger entscheiden müssen, ob sie diese weiterführen Abs. 4 SpG. 8 Abs. 5 Satz 2 SpG. Landtag von Baden-Württemberg, Drucksache 13/1062, S. 16.12 oder auflösen wollen. 34 Auf die Stadt Karlsruhe dürften bei einer Ausstattung mit Mitteln insbesondere zur Abwendung finanzieller Risiken entsprechend ihrer Einwohnerzahl und ihrem Steueraufkommen die größten Lasten zukommen. Ein Hinweis auf die Aufteilung der Lasten ist der Regelung über die Haftung der Träger für Alt-Verbindlichkeiten der Sparkasse enthalten, die noch unter die Gewährträgerhaftung fallen. Während sie im Außenverhältnis als Gesamtschuldner haften, haften sie im Innenverhältnis zur Hälfte nach dem Verhältnis der Einwohnerzahlen und zur Hälfte nach dem Verhältnis der Steuerkraft. 35 Vor diesem Hintergrund ist schon nicht zu erwarten, dass sich die übrigen Träger bei unternehmensstrategischen Entscheidungen gegen die Stadt Karlsruhe stellen. Noch viel weniger ist anzunehmen, dass die Vertreter der Arbeitnehmer ein solches Abstimmungsverhalten unterstützen würden, wenn zu befürchten ist, dass die Stadt Karlsruhe notwendige Mittel nicht zur Verfügung stellt. Letztlich kommt es auf den tatsächlichen Einfluss der Stadt Karlsruhe auf Entscheidungen des Verwaltungsrates aber nicht an. Entscheidend für die Annahme des beherrschenden Einflusses auf die Sparkasse Karlsruhe ist, dass sie über ihre Mehrheit in der Trägerversammlung die Zusammensetzung des Verwaltungsrates alleine bestimmen kann. 2. Ergebnis 21. Die Vorschriften über die Zusammenschlusskontrolle finden auf Grund der Umsätze der beteiligten Unternehmen gem. 35 Abs. 1 GWB Anwendung. Die Europäische Kommission ist nicht zuständig ( 35 Abs. 3 GWB, Verordnung (EG) Nr. 139/2004 des Rates über die Kontrolle von Unternehmenszusammenschlüssen). B. Zusammenschlusstatbestand 22. Durch die Übertragung des Vermögens der Sparkasse Ettlingen auf die Sparkasse Karlsruhe erwirbt die Sparkasse Karlsruhe deren gesamtes Vermögen ( 37 Abs. 1 Nr. 1 GWB). Gleichzeitig erwirbt die Stadt Karlsruhe, als Trägerin der Sparkasse Karlsruhe, mit der gegenüber den anderen Trägern mit Abstand größten Einwohner Landtag von Baden-Württemberg, Drucksache 13/1062, S. 18f. 2 Abs. 3 Satz 5 und 6 der Satzung der Sparkasse Karlsruhe.13 zahl und dem größten Steueraufkommen auf Grund ihrer Mehrheit in der Trägerversammlung Kontrolle über die Sparkasse Ettlingen ( 37 Abs.1 Nr.2 GWB). 36 IV. MATERIELLE UNTERSAGUNGSVORAUSSETZUNGEN A. Sachliche relevante Märkte 23. Grundlage der wettbewerblichen Beurteilung eines Zusammenschlusses bildet der relevante Markt (marktbezogene Betrachtung), der in sachlicher und räumlicher Hinsicht abzugrenzen ist. Ausgangspunkt der Marktabgrenzung ist das Bedarfsmarktkonzept. Danach bilden sämtliche Erzeugnisse, die sich nach ihren Eigenschaften, ihrem wirtschaftlichen Verwendungszweck und ihrer Preislage so nahe stehen, dass der verständige Verbraucher sie für die Deckung eines bestimmten Bedarfs geeignet, in berechtigter Weise abwägend miteinander vergleicht und als gegeneinander austauschbar ansieht, einen einheitlichen sachlichen Markt. 37 Maßgebend ist die tatsächliche Handhabung durch die Abnehmer, wobei auf den verständigen Durchschnittsnachfrager abzustellen ist. 38 Eine nur von wenigen Nachfragern angenommene Austauschbarkeit reicht nicht Korrigiert und ergänzt wird das Bedarfsmarktkonzept im Einzelfall durch das Konzept des Vollsortiments bzw. der Angebotsumstellungsflexibilität. 40 Dabei werden dem relevanten Markt Produkt- und Dienstleistungsgruppen zugerechnet, die einen typisierten Bedarf abdecken bzw. für deren Entwicklung und Erbringung ein vergleichbares Entwicklungs- und Leistungs-Know-how sowie gleichartige Erbringungseinrichtungen einsetzbar sind. Sofern bei diesen Produktgruppen übereinstimmende Wettbewerbsverhältnisse vorliegen, ist eine Durchbrechung der Insoweit ändern sich die bereits bislang bestehenden Einflussmöglichkeiten der Stadt Karlsruhe auf die Sparkasse Karlsruhe nicht wesentlich; vgl. im Einzelnen oben unter A. Ständige Rspr.; vgl. BGH, Beschluss vom 5. Oktober 2004, KVR 14/03, WRP 2004, 1502, 1504 Staubsaugerbeutelmarkt; BGH, Urteil vom 19. März 1996, KZR 1/95, WuW/E BGH 3058, 3062 Pay-TV- Durchleitung. BGH, Beschluss vom 22. September 1987, KVR 5/86, WuW/E BGH 2433, 2436 Gruner+Jahr / Zeit; KG, Beschluss vom 14. April 1978, Kart 8/78, WuW/E OLG 1983, 1984 m.w.n. Rama-Mädchen; Paschke in Frankfurter Kommentar, Kartellrecht, IV 1-23 GWB, 19 Rz. 74. Paschke in Frankfurter Kommentar, aao., 19 Rz. 75; KG, Beschluss vom 19. März 1975, Kart 26/74, WuW/E OLG 1599, 1602 Vitamin B 12; KG, Beschluss vom 5. Januar 1976, Kart 41/74, WuW/E OLG 1645, 1649 Valium. Vgl. BGH, Beschluss vom 16. Januar 2007, KVR 12/06, WuW DE-R 1925, 1928 National Geographic II, Rz. 19f; Beschluss vom 21. Februar 1978, KVR 4/77, WuW/E 1501, 1502 Kfz-Kupplungen.14 Marktabgrenzung nach der funktionellen Austauschbarkeit gerechtfertigt. 41 Dies gilt nach der Rechtsprechung des BGH jedoch nur, wenn und soweit das Bedarfsmarktkonzept nicht geeignet ist, die Frage nach den auf die beteiligten Unternehmen wirkenden Wettbewerbskräfte zutreffend und umfassend zu beantworten. 42 Berücksichtigt wird auch, wenn verschiedene Produktgruppen auf Seiten der Anbieter vergleichbare Fähigkeiten oder Kenntnisse erfordern, so dass diese prinzipiell in der Lage sind, ihr Angebot im Rahmen eines wirtschaftlich und zeitlich vertretbaren Aufwandes umzustellen. 25. Die Anbieterstruktur im Bereich von Bankdienstleistungen ist heterogen. In erster Linie sind hier die Kreditinstitute tätig, die entweder alle oder zumindest die meisten Bankgeschäfte i.s. von 1 Abs. 1 Kreditwesengesetz (KWG) sowohl im Privatkunden- als auch im Gewerbekundenbereich abwickeln (sog. Universalkreditinstitute). Das sind zum einen die Kreditbanken (Großbanken und sonstige Privatbanken), zum anderen die Genossenschaftsbanken (Volksbanken - und Raiffeisenbanken und andere wie die Spardabanken und die Badische Beamtenbank) und schließlich die öffentlich-rechtlichen Kreditinstitute (Sparkassen und Landesbanken). Je nach geographischer Ausrichtung der Tätigkeit kann weiter zwischen regionalen Kreditinstituten (insbesondere die Volks- und Raiffeisenbanken sowie die Sparkassen), überregional tätigen Kreditinstituten (insbesondere die Großbanken) und Direktbanken unterschieden werden. Im Gegensatz zu den Universalkreditinstituten bieten Spezialanbieter wie die Bausparkassen, Realkreditinstitute, sog. Autobanken und Leasinggesellschaften nur bestimmte Arten von Bankdienstleistungen an. 26. Die Zusammenschlussbeteiligten bieten sowohl Privat- als auch Gewerbekunden eine Reihe von Bankdienstleistungen wie Zahlungsverkehrsleistungen (Führung von Girokonten, Abwicklung von Überweisungsaufträgen), Geldanlageleistungen (z.b. Tagesgelder, Termineinlagen, Spareinlagen) und Finanzierungsleistungen (z.b. Kreditgewährungen) an Ruppelt in Langen/Bunte, Kommtentar zum deutschen und europäischen Kartellrecht, Band 1 19 Rz. 20. BGH, Beschluss vom 11. November 2008, KVR 60/07, WuW/E DE-R 2451 E.ON/Stadtwerke Eschwege, Rz. 17.15 Privatkunden und Gewerbekunden 27. Auf Seiten der Nachfrager ist zunächst eine Differenzierung zwischen dem Privatkundengeschäft sowie dem Gewerbekundengeschäft vorzunehmen, da sich das Nachfragerverhalten dieser beiden Gruppen signifikant unterscheidet. 43 Zwar haben viele der von beiden Kundengruppen nachgefragten Produkte grundsätzlich dieselbe Funktionsweise. Es bestehen jedoch erheblich Unterschiede bei den Konditionen, die u.a. darauf zurückzuführen sind, dass Gewerbekunden häufiger und in größerem Umfang (höhere Volumina) Bankdienstleistungen in Anspruch nehmen als Privatkunden. Auch beim Verwendungszweck unterscheiden sich Bankdienstleistungen für Privatkunden von Bankdienstleistungen für Gewerbekunden. So dienen Investitionskredite Gewerbekunden der Finanzierung von Anlagevermögen, das für die Ausübung ihrer Geschäftstätigkeit erforderlich ist. Dagegen können Privatkunden Ratenkredite auch unabhängig von einem bestimmten Verwendungszweck erhalten, Kredite für den Wohnungsbau 44 dagegen dienen dem Aufbau bzw. Erhalt ihres privaten Immobilienvermögens. Darüber hinaus stellen Gewerbekunden andere Anforderungen an Bankdienstleistungen als Privatkunden. Im Einlagenbereich haben sie beispielsweise mit Blick auf ihre Liquidität im Geschäftsverkehr grundsätzlich andere Bedürfnisse als Privatkunden, für die Verfügbarkeit von Liquidität regelmäßig nicht dieselbe Bedeutung hat. 28. Auch aus Anbietersicht unterscheiden sich Privatkunden von Gewerbekunden. Insbesondere die Kreditwürdigkeitsprüfung im Vorfeld der Kreditvergabe unterscheidet sich deutlich. So spielt etwa bei Gewerbekunden die Prüfung der Jahresabschlüsse und sonstiger Unterlagen zur Feststellung der Ertrags- und Liquiditätslage des vom Kreditnehmer betriebenen Geschäfts eine bedeutende Rolle, während bei Privatkunden Einkommensnachweise wie Steuerbescheide zur Prüfung der Kreditwürdigkeit herangezogen werden. Bei der Kreditvergabe an gewerbliche Kunden ist auch die Einschätzung lokaler oder regionaler Marktgegebenheiten oder besondere Branchenkenntnisse von Bedeutung. Auch im Hinblick auf die Besicherung ergeben sich wesentliche Unterschiede sowohl bei der Bestellung als auch bei der Verwertung von Sicherheiten. Bei Gewerbekunden Vgl. Fallbericht zur Freigabe der Großfusionen im Bankensektor, Rz. 4-6; Europäische Kommission, Entscheidung vom 3. Oktober 2007, COMP/M.4844 Fortis / ABN Amro Assets, Rz. 12, 33; Entscheidung vom 8. November 2001, COMP/M.2567 Nordbanken / Postgirot. Der Begriff der Kredite für den Wohnungsbau wird entsprechend der Bundesbankstatistik umfassend für alle Kredite verwendet, die der Schaffung oder dem Erhalt von Wohnraum dienen.16 kommen etwa Sicherungsabtretungen (z.b. der Forderungen des Kreditnehmers an seine Abnehmer) und Sicherungsübereignungen (z.b. eines Warenlagers) als Sicherungsmittel in Betracht. Bei Privatkunden können Lohn- und Gehaltsforderungen zur Sicherheit abgetreten werden, sie unterliegen aber Vollstreckungsbeschränkungen (vgl. 850ff. ZPO). Auf Grund dieser sehr unterschiedlichen Anforderungen trennen die Beteiligten und ihre Wettbewerber das Privatkundengeschäft vom Gewerbekundengeschäft und betreiben separate Betreuungs- und Beratungsstrukturen. 2. Privatkundenmärkte 29. Zu den Privatkunden zählen grundsätzlich alle Personen, die kein Einkommen aus wirtschaftlich selbständiger Tätigkeit erzielen (Arbeiter, Angestellte, Beamte, Rentner und Pensionäre und Personen ohne eigenes Einkommen). Bankdienstleistungen, die von Privatkunden in Anspruch genommen werden, lassen sich in unterschiedliche Dienstleistungsgruppen einteilen, die jeweils einem eigenen, klar definierten Bedarf gerecht werden. So dienen Giro- und Gehaltskonten der Zahlungsverkehrsabwicklung, während Kredite einen Finanzierungsbedarf für größere Anschaffungen (z.b. ein Auto oder eine Immobilie) abdecken, die nicht durch die laufenden Gehalts- oder sonstigen Zahlungseingänge bestritten werden können, und mit Einlagen sollen Zinserträge erzielt werden. 30. Die übrigen Leistungen der Beteiligten im Privatkundenbereich sind für die Bewertung des Zusammenschlussvorhabens irrelevant. Die Beteiligten bieten neben der Zahlungsverkehrsabwicklung, dem Einlagengeschäft und der Kreditfinanzierung weitere Produkte an wie die Verwaltung von Wertpapierdepots und Anlageberatung, die Stellung von Bürgschaften und die Vermietung von Bankschließfächern. Darüber hinaus vermitteln sie auch verschiedene Dienstleistungen Dritter wie Altersvorsorgeprodukte oder zweckgebundene Darlehen (Autokredite, Förderkredite). a) Kein Gesamtmarkt für Bankdienstleistungen gegenüber Privatkunden 31. Die Zusammenfassung aller Privatkunden angebotenen Dienstleistungen zu einem umfassenden Privatkundenmarkt ist nach dem Ergebnis der Ermittlungen nicht sachgerecht. Universalkreditinstitute zu denen die Zusammenschlussbeteiligten zu rechnen sind bieten regelmäßig ein gewisses Kernspektrum an Produkten an,17 zu dem zumindest Einlagenprodukte, Zahlungsverkehrsabwicklung und Kreditfinanzierungen zählen. Eine Durchbrechung des Bedarfsmarktprinzips und Zusammenfassung der verschiedenen typischen Bankdienstleistungen zu einem Sortimentsmarkt, spiegelt aber die Wettbewerbsverhältnisse nicht angemessen wider Gegen einen solchen Ansatz spricht, dass sich die Funktion, d.h. der Verwendungszweck dieser drei Kerngeschäftsfelder namentlich die Abwicklung des Zahlungsverkehrs, die Finanzierungsfunktion und die Spar-/ Geldanlagefunktion aus Sicht der Nachfrager eindeutig unterscheidet. Auch die Wettbewerbsverhältnisse innerhalb der verschiedenen Dienstleistungsgruppen sind nicht homogen und die jeweiligen Anbieterstrukturen unterscheiden sich zum Teil deutlich. Insbesondere die Tätigkeit spezialisierter Anbieter, deren Geschäftstätigkeit sich auf bestimmte Arten von Bankdienstleistungen konzentriert, führt zu unterschiedlichen Wettbewerbsbedingungen. So beschränken beispielsweise Bausparkassen ihre Geschäftstätigkeit in der Regel auf das Einlagengeschäft und Kreditfinanzierungen, während die Zahlungsverkehrsabwicklung hier kaum eine Rolle spielt. Gerade den Bereich der Zahlungsverkehrsabwicklung siedeln Kunden typischerweise bei den Kreditinstituten an, während andere Bankdienstleistungen viel eher auch anderen Anbietern von Finanzdienstleistungen zugeschrieben werden. Bei Einlagen in der Form von Tages- oder Festgeldern haben demgegenüber Direktbanken eine deutlich stärkere Stellung als bei Girokonten zur Abwicklung des Zahlungsverkehrs. 33. Auch hinsichtlich der Transparenz der Marktbedingungen bestehen Unterschiede zwischen den verschiedenen Bankdienstleistungen. So stellt sich das Einlagengeschäft als relativ homogen dar: die Konditionen (Zinssätze und Laufzeit) sind einfach zugänglich. Dagegen besteht bei den für Gehalts- und Girokonten erhobenen Preisen aufgrund der unterschiedlichen Gebührenmodelle eine geringere Vergleichbarkeit. Zudem besteht aus Nachfragersicht bei Girokonten eine geringe Bereitschaft, den Anbieter zu wechseln aufgrund des damit verbundenen organisatorischen Aufwandes (z.b. Umstellung eingerichteter Daueraufträge und Einzugsermächtigungen). 34. Bei Zugrundelegung eines einheitlichen sachlichen Marktes für alle Bankdienstleistungen könnten weder die durch die jeweilige Anbieterstruktur sowie die 45 Dies entspricht auch der Linie der Europäische Kommission, die in der Entscheidung Fortis / ABN AMRO Assets (aao., Rz. 35ff.) eine Anwendung des Sortimentsgedankens nur für bestimmte mit einem Bankprodukt (insbesondere Girokonten) verbundene Dienstleistungen erwogen, die Frage jedoch nicht abschließend entschieden hat.18 ungleiche Markttransparenz entstehenden Unterschiede in den Wettbewerbsverhältnissen noch die mit den jeweiligen Eigenschaften der einzelnen Bankdienstleistungen zusammenhängenden Besonderheiten aus Nachfragersicht hinreichend gewürdigt werden. Daher ist bei den Bankdienstleistungen für Privatkunden je nach Zweck des jeweiligen Finanzprodukts zwischen der Zahlungsverkehrsabwicklung, dem Einlagengeschäft, dem Finanzierungsgeschäft zu differenzieren. Innerhalb dieser Gruppen ist jeweils festzustellen, inwieweit die Produkte zunächst aus Sicht der Nachfrager austauschbar sind. b) Keine nach Vertriebswegen oder Produktnutzungs- und Zugangsmöglichkeiten getrennte Märkte 35. Die Ermittlungen haben ergeben, dass im Privatkundenbereich Produkte, die stationär und Produkte, die über Telefon oder Internet vertrieben werden, einem einheitlichen Markt zuzurechnen sind. 36. Es gibt Anzeichen, dass das filialgebundene Geschäft zu Gunsten von Internet- und Telefonvertrieb an Bedeutung verliert. Der Anteil des Internets am Neugeschäft nimmt stetig zu. Auch ist die Anzahl der Bankfilialen in den letzten Jahren rückläufig. 46 Hinzu kommt, dass in den nächsten Jahren immer mehr Personen Dienstleistungen zur Abwicklung des Zahlungsverkehrs nachfragen werden, die mit der Nutzung des Internets aufgewachsen sind und aus diesem Grund gegenüber dem Vertriebskanal Internet aufgeschlossener sein dürften. 37. Der Fernabsatz von Bankdienstleistungen hat in den letzten Jahren erheblich zugenommen, mit einem deutlichen Zuwachs insbesondere beim Internetvertrieb. Aktuell macht der reine Internetvertrieb von Girokonten d.h. der Abschluss des Kontovertrages außerhalb einer Filiale allerdings noch einen relativ geringen Anteil des Neugeschäfts aus. 48 Auch in der Region Karlsruhe-Ettlingen ist der Anteil Laut Statistik der Deutschen Bundesbank sank die Zahl der Zweigstellen von Banken und Sparkassen zwischen 1998 und 2009 von auf Nach einer Studie von GfK, Google und Deutsche Bank Research, deren Ergebnisse am 1. September 2010 veröffentlich wurden, ( Clickstream-Analyse ) beträgt der Anteil des Vertriebs von Bankdienstleistungen über Internet und Telefon etwa 17,4% (Stand: 2009). Demnach ist der Online-Anteil am Neugeschäft von 7,2% im Jahr 2004 auf 11,4% gestiegen. Allerdings scheint dabei auch eine Substitution von Telefonabschlüssen durch Online- Abschlüsse stattgefunden zu haben. Der gemeinsame Anteil lag nämlich bereits im Jahr 2004 bei ca. 17,6% und damit insgesamt auf ähnlichem Niveau wie im Jahr Nach dem Ergebnis der Clickstream-Analyse lag der Internetanteil im Jahr 2009 insgesamt (d.h. ohne Differenzierung nach einzelnen Bankdienstleistungen) bei ca. 11,4%, zusätzlich wurden ca. 6% der Neugeschäfte schriftlich oder telefonisch geschlossen. Mit über 80% nahm damit das Filialgeschäft eine überragende Stellung ein. Bei Girokonten lagen die Internetabschlüsse mit ca. 12,4% nur leicht über dem Durchschnitt.19 der Direktbanken an der Gesamtzahl der Girokonten gering (unter 5% 49 ). Insgesamt überwiegt beim Vertrieb von Bankdienstleistungen an Privatkunden aber nach wie vor das Filialgeschäft. 50 Für die überwiegende Anzahl der Bankkunden stellt der nicht-stationäre Vertrieb von Bankdienstleistungen keine oder nur für bestimmte Leistungen wie die Geldanlage nicht aber für Girokonten eine Bezugsalternative dar. Schnelle Veränderungen beim Verhalten der Privatkunden sind nicht zu erwarten, da Bankdienstleistungen ein eher langfristiges, vertragsgebundenes Geschäft mit hoher Vertrauenskomponente darstellen und gerade im Bereich Zahlungsverkehrsabwicklung eine geringe Wechselbereitschaft besteht. 51 Den weitaus größten Anteil des Internet-/Telefon-Vertriebs stellen derzeit dennoch die weniger komplexen Bankdienstleistungen mit eher geringem Beratungsbedarf dar. Insbesondere die Filialbanken bieten hauptsächlich die Eröffnung von Girokonten, den Abschluss einfacher Sparprodukte wie Tagesgeld und Verbraucherkredite im Internet oder telefonisch an; die auf den Fernabsatz spezialisierten Direktbanken dagegen auch komplexere Produkte wie Kredite für den Wohnungsbau. 38. Die im Raum Karlsruhe-Ettlingen ansässigen Regionalkreditinstitute vertreiben Produkte in der Regel stationär über ihre Filialen. Dem Online-Vertrieb von Produkten, z.b. der Anlage von Tagesgeldern, kommt eine deutlich geringere ergänzende Funktion zu. Die überregional tätigen Kreditinstitute (insbesondere die Privatbanken) vertreiben in der Regel zumindest einige ihrer Produkte parallel zum stationären Vertrieb im Internet oder telefonisch. Teilweise erfolgt der Internet-/Telefon- Vertrieb über eigens zu diesem Zweck gegründete Tochterunternehmen. Die Direktbanken vertreiben Bankdienstleistungen fast ausschließlich über das Internet oder per Telefon. 39. Soweit Kreditinstitute mit stationärem Vertrieb Bankdienstleistungen auch über Internet oder Telefon anbieten, unterscheiden sich die Konditionen nicht wesentlich. Die Befragung der im Raum Karlsruhe-Ettlingen tätigen Kreditinstitute hat ergeben, dass nur im Einzelfall abweichende (günstigere) Konditionen z.b. bei Einlagen gewährt werden. Umgekehrt bietet die Sparkasse Karlsruhe ein Girokonto an, das Soweit Direktbanken keine gebietsbezogenen Daten darstellen konnten, sind die auf das betroffene Gebiet entfallenden Konten berechnet worden. Fabel/Pratz/Warschun, Apple versus Filialbank, in: Die Bank, Heft 9/2010, S. 38 (41): Kundenumfragen zeigen, dass die Filialdichte und die Erreichbarkeit entscheidend für die Neukundengewinnung in Basisprodukten sind. Zu diesem Ergebnis kommt auch die Europäische Kommission in ihrer Sektoruntersuchung zum Retail Banking, Interim Report II, Current Accounts And Related Services, 17. Juli 2006, S. 22.20 ähnliche Konditionen aufweist wie die von Direktbanken angebotenen und nur im Internet vertriebenen Girokonten Dem Umstand, dass Kreditinstitute den Zugang zu ihren Produkten bzw. die Nutzung ihrer Produkte über Online-Banking ermöglichen, insbesondere im Rahmen einer Girokontoverbindung, führt ebenfalls nicht zu einer weiteren Differenzierung im Rahmen der sachlichen Marktabgrenzung. Der Anteil der Privatkunden, die das Internet für Online-Banking (z.b. Überweisungen) nutzen, liegt deutlich höher als der Anteil der Kunden, die auch bei Eröffnung der Geschäftsbeziehung auf eine Filialpräsenz verzichten. 53 Bei der Internetnutzung (z.b. zur Zahlungsverkehrsabwicklung) werden häufig geringere Transaktionspreise erhoben und der Grundpreis (Kontoführungsgebühr) bei einem Girokonto, das ausschließlich online genutzt wird, kann teilweise ganz entfallen. Aus Sicht der Nachfrager handelt es sich hierbei im Wesentlichen aber um die Bereitstellung einer erweiterten Zugangs- und Nutzungsmöglichkeit ein und desselben Produkts. Preisunterschiede spiegeln lediglich verschiedene Leistungsmodalitäten mit entsprechenden Kostenunterschieden (z.b. geringere Verarbeitungskosten) bzw. unterschiedliche Vermarktungsstrategien wider. Aus einer von der Sparkasse Karlsruhe vorgelegten Studie 54, die sie im Rahmen der Umstellung ihres Girokonto-Preismodells hat anfertigen lassen, geht hervor, dass die Abwicklung von Transaktionen über Online-Banking nur ein Element ist, das für die Entgeltgestaltung bedeutsam ist. Neben dem Kanal (nur online oder online und Filiale), über den der Kunde Aufträge an sein Kreditinstitut erteilt, sind insbesondere Merkmale wie Untergrenzen für monatliche Gehaltseingänge für die Festlegung von Gebührenmodellen ausschlaggebend. Der Nutzung von Bankdienstleistungen per Internet oder Telefon kommt vornehmlich eine komplementäre Funktion zu. Online-Banking gehört heutzutage zum Standardangebot der meisten Kreditinstitute Kostenloses Girokonto unter der Bedingung eines regelmäßigen monatlichen Mindestgeldeingangs. 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