Source: https://www.rechtslupe.de/steuerrecht/einkommensteuer/einkommensteuer-privat/das-hochbegabte-kind-als-aussergewoehnliche-belastung-3105129
Timestamp: 2019-09-17 12:40:23
Document Index: 61134418

Matched Legal Cases: ['§ 33', '§ 33', '§ 33', '§ 33', '§ 33', '§ 33', '§ 12', '§ 2', '§ 64', '§ 64', '§ 275', '§ 84', '§ 64', '§ 33', '§ 64', '§ 33', '§ 12', '§ 64', '§ 64']

Das hoch­be­gab­te Kind – als außer­ge­wöhn­li­che Belas­tung | Rechtslupe
Das hochbegabte Kind - als außergewöhnliche Belastung
Das hoch­be­gab­te Kind – als außer­ge­wöhn­li­che Belas­tung
Auf­wen­dun­gen für Lern­the­ra­pie und Erzie­hungs­be­ra­tung eines hoch­be­gab­ten Kin­des stel­len kei­ne außer­ge­wöhn­li­che Belas­tung dar, solan­ge ihre medi­zi­ni­sche Indi­ka­ti­on nicht nach­ge­wie­sen ist.
Erwach­sen einem Steu­er­pflich­ti­gen zwangs­läu­fig grö­ße­re Auf­wen­dun­gen als der über­wie­gen­den Mehr­zahl der Steu­er­pflich­ti­gen glei­cher Ein­kom­mens­ver­hält­nis­se, glei­cher Ver­mö­gens­ver­hält­nis­se und glei­chen Fami­li­en­stan­des (außer­ge­wöhn­li­che Belas­tung), so wird auf Antrag die Ein­kom­men­steu­er in bestimm­tem Umfang ermä­ßigt (§ 33 Abs. 1 EStG). Gemäß § 33 Abs. 2 Satz 1 EStG erwach­sen dem Steu­er­pflich­ti­gen Auf­wen­dun­gen zwangs­läu­fig, wenn er sich ihnen aus recht­li­chen, tat­säch­li­chen oder sitt­li­chen Grün­den nicht ent­zie­hen kann und soweit die Auf­wen­dun­gen den Umstän­den nach not­wen­dig sind und einen ange­mes­se­nen Betrag nicht über­stei­gen. Ziel des § 33 EStG ist es, zwangs­läu­fi­ge Mehr­auf­wen­dun­gen für den exis­tenz­not­wen­di­gen Grund­be­darf zu berück­sich­ti­gen, die sich wegen ihrer Außer­ge­wöhn­lich­keit einer pau­scha­len Erfas­sung in all­ge­mei­nen Frei­be­trä­gen ent­zie­hen. Aus dem Anwen­dungs­be­reich des § 33 EStG aus­ge­schlos­sen sind dage­gen die übli­chen Auf­wen­dun­gen der Lebens­füh­rung, die in Höhe des Exis­tenz­mi­ni­mums durch den Grund­frei­be­trag abge­gol­ten sind1.
In stän­di­ger Recht­spre­chung geht der BFH davon aus, dass Krank­heits­kos­ten ‑ohne Rück­sicht auf die Art und die Ursa­che der Erkran­kung- dem Steu­er­pflich­ti­gen aus tat­säch­li­chen Grün­den zwangs­läu­fig erwach­sen. Aller­dings wer­den nur sol­che Auf­wen­dun­gen als Krank­heits­kos­ten berück­sich­tigt, die zum Zweck der Hei­lung einer Krank­heit (z.B. Auf­wen­dun­gen für Medi­ka­men­te, Ope­ra­ti­on) oder mit dem Ziel getä­tigt wer­den, die Krank­heit erträg­li­cher zu machen, bei­spiels­wei­se Auf­wen­dun­gen für einen Roll­stuhl2.
Auf­wen­dun­gen für die eigent­li­che Heil­be­hand­lung wer­den typi­sie­rend als außer­ge­wöhn­li­che Belas­tung berück­sich­tigt, ohne dass es im Ein­zel­fall der nach § 33 Abs. 2 Satz 1 EStG an sich gebo­te­nen Prü­fung der Zwangs­läu­fig­keit dem Grun­de und der Höhe nach bedarf3. Eine der­art typi­sie­ren­de Behand­lung von Krank­heits­kos­ten ist zur Ver­mei­dung eines unzu­mut­ba­ren Ein­drin­gens in die Pri­vat­sphä­re gebo­ten4. Dies gilt aber nur dann, wenn die Auf­wen­dun­gen nach den Erkennt­nis­sen und Erfah­run­gen der Heil­kun­de und nach den Grund­sät­zen eines gewis­sen­haf­ten Arz­tes zur Hei­lung oder Lin­de­rung der Krank­heit ange­zeigt (ver­tret­bar) sind und vor­ge­nom­men wer­den5, also medi­zi­nisch indi­ziert sind6.
Vor­beu­gen­de Auf­wen­dun­gen, die der Gesund­heit all­ge­mein die­nen, und sol­che, die auf einer medi­zi­nisch nicht indi­zier­ten Behand­lung beru­hen, zäh­len hin­ge­gen nicht zu den Krank­heits­kos­ten. Es han­delt sich inso­weit viel­mehr um Auf­wand, der nicht aus tat­säch­li­chen Grün­den zwangs­läu­fig i.S. des § 33 Abs. 2 Satz 1 EStG ent­steht, son­dern auf einer frei­en Wil­lens­ent­schlie­ßung beruht und des­halb gemäß § 12 Nr. 1 EStG den nicht abzugs­fä­hi­gen Kos­ten der Lebens­hal­tung zuzu­rech­nen ist7.
Der Steu­er­pflich­ti­ge hat die Zwangs­läu­fig­keit von Auf­wen­dun­gen im Krank­heits­fall in einer Rei­he von Fäl­len for­ma­li­siert nach­zu­wei­sen. Bei krank­heits­be­ding­ten Auf­wen­dun­gen für Arz­nei, Heil- und Hilfs­mit­tel (§§ 2, 23, 31 bis 33 SGB V) ist die­ser Nach­weis nach § 64 Abs. 1 Nr. 1 ESt­DV (i.d.F. des StVer­einfG 2011) durch eine Ver­ord­nung eines Arz­tes oder Heil­prak­ti­kers zu füh­ren. Für psy­cho­the­ra­peu­ti­sche Behand­lun­gen ist nach § 64 Abs. 1 Nr. 2 Satz 1 Buchst. b ESt­DV i.d.F. des StVer­einfG 2011 der Nach­weis der Zwangs­läu­fig­keit durch ein amts­ärzt­li­ches Gut­ach­ten oder eine ärzt­li­che Beschei­ni­gung eines Medi­zi­ni­schen Diens­tes der Kran­ken­ver­si­che­rung (§ 275 SGB V) zu erbrin­gen.
Die­sem for­ma­li­sier­ten Nach­weis­ver­lan­gen ist auch im Streit­fall Rech­nung zu tra­gen. Denn nach § 84 Abs. 3f ESt­DV i.d.F. des StVer­einfG 2011 ist § 64 Abs. 1 ESt­DV i.d.F. des StVer­einfG 2011 in allen Fäl­len, in denen ‑wie vor­lie­gend- die Ein­kom­men­steu­er noch nicht bestands­kräf­tig fest­ge­setzt ist, anzu­wen­den. Weder die in § 33 Abs. 4 EStG i.d.F. des StVer­einfG 2011 nor­mier­te Ver­ord­nungs­er­mäch­ti­gung noch der auf ihrer Grund­la­ge ergan­ge­ne § 64 Abs. 1 ESt­DV i.d.F. des StVer­einfG 2011 begeg­nen durch­grei­fen­den ver­fas­sungs­recht­li­chen Beden­ken8.
Bei Vor­lie­gen einer Hoch­be­ga­bung kön­nen Auf­wen­dun­gen für die Inan­spruch­nah­me von Leis­tun­gen, die medi­zi­nisch indi­ziert sind, unmit­tel­ba­re Krank­heits­kos­ten dar­stel­len und des­halb nach § 33 EStG als außer­ge­wöhn­li­che Belas­tun­gen zu berück­sich­ti­gen sein9. Im Streit­fall haben die Klä­ger die medi­zi­ni­sche Indi­ka­ti­on der von Z nach ihrem Vor­trag erbrach­ten The­ra­pie­leis­tun­gen jedoch nicht nach­ge­wie­sen.
Vor­lie­gend war schon nicht fest­ge­stellt, dass bei dem Sohn zum Zeit­punkt der durch­ge­führ­ten The­ra­pie­maß­nah­men über­haupt eine Krank­heit vor­lag. Die Hoch­be­ga­bung von des Soh­nes als sol­che stellt noch kei­ne Krank­heit dar. Das Vor­lie­gen einer Kon­zen­tra­ti­ons­stö­rung bei dem Sohn schloss die Bera­te­rin in ihrem Bericht sogar aus­drück­lich aus. Die bei dem Sohn beob­ach­te­te Ver­wei­ge­rungs­hal­tung weist nach ihrer Ansicht viel­mehr auf eine chro­ni­sche Unter­for­de­rung hin, was noch getes­tet wer­den müs­se. Eine schu­li­sche Unter­for­de­rung ist indes eben­falls kei­ne Erkran­kung.
Dem­entspre­chend war davon aus­zu­ge­hen, dass die durch­ge­führ­te The­ra­pie der "Ver­hin­de­rung einer Krank­heit" des Soh­nes gedient habe bzw. not­wen­dig gewe­sen sei, "um die Gefahr einer see­li­schen Behin­de­rung zu ver­mei­den". Hier­nach han­del­te es sich bei den gel­tend gemach­ten Auf­wen­dun­gen nicht um ech­te Krank­heits­kos­ten, son­dern allen­falls um gesund­heits­för­dern­de Vor­beu­ge­auf­wen­dun­gen, die den gemäß § 12 Nr. 1 EStG nicht abzugs­fä­hi­gen Kos­ten der Lebens­hal­tung zuzu­rech­nen sind.
Unter­stellt man zuguns­ten der Eltern dem­ge­gen­über, dass die Auf­wen­dun­gen für die Lern­the­ra­pie und die Erzie­hungs­be­ra­tung ech­te Krank­heits­kos­ten dar­stell­ten, fehlt es jeden­falls am Nach­weis der Zwangs­läu­fig­keit der Auf­wen­dun­gen. Dabei kann der Bun­des­fi­nanz­hof dahin­ste­hen las­sen, ob es sich bei den Maß­nah­men der Z um Heil­mit­tel i.S. von § 64 Abs. 1 Nr. 1 ESt­DV oder um eine psy­cho­the­ra­peu­ti­sche Behand­lung i.S. von § 64 Abs. 1 Nr. 2 Satz 1 Buchst. b ESt­DV han­del­te. Im ers­ten Fall fehlt es an der Ver­ord­nung eines Arz­tes oder eines Heil­prak­ti­kers, im zwei­ten Fall an einem amts­ärzt­li­chen Gut­ach­ten oder einer ärzt­li­chen Beschei­ni­gung eines Medi­zi­ni­schen Diens­tes der Kran­ken­ver­si­che­rung.
Ins­be­son­de­re kön­nen das – im ent­schie­de­nen Fall vor­ge­leg­te – Gut­ach­ten der Diplom-Psy­cho­lo­gin, die kei­ne Ärz­tin ist, und der Bericht der Heil­prak­ti­ke­rin weder die Ver­ord­nung eines Arz­tes oder eines Heil­prak­ti­kers noch ein amts­ärzt­li­ches Gut­ach­ten oder die ärzt­li­che Beschei­ni­gung eines Medi­zi­ni­schen Diens­tes der Kran­ken­ver­si­che­rung erset­zen.
Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 19. Novem­ber 2015 – VI R 45/​14
Ver­fas­sungs­be­schwer­de gegen die Ände­rung des Baye­ri­schen… Vor dem Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt blieb jetzt eine Ver­fas­sungs­be­schwer­de gegen die Ände­run­gen des Baye­ri­schen Poli­zei­auf­ga­ben­ge­set­zes (Bay­PAG) durch das Gesetz zur effek­ti­ve­ren Über­wa­chung gefähr­li­cher Per­so­nen vom 24.07.2017 ((BayGVBl.…
BFH, Urtei­le vom 29.09.1989 – III R 129/​86, BFHE 158, 380, BSt­Bl II 1990, 418; und vom 26.06.2014 – VI R 51/​13, BFHE 246, 326, BSt­Bl II 2015, 9 [↩]
BFH, Urtei­le vom 17.07.1981 – VI R 77/​78, BFHE 133, 545, BSt­Bl II 1981, 711; vom 13.02.1987 – III R 208/​81, BFHE 149, 222, BSt­Bl II 1987, 427; vom 20.03.1987 – III R 150/​86, BFHE 149, 539, BSt­Bl II 1987, 596; aus neue­rer Zeit z.B. BFH, Urteil vom 18.06.2015 – VI R 68/​14, BFHE 250, 166, BSt­Bl II 2015, 803 [↩]
BFH, Urtei­le vom 01.02.2001 – III R 22/​00, BFHE 195, 144, BSt­Bl II 2001, 543; und vom 03.12 1998 – III R 5/​98, BFHE 187, 503, BSt­Bl II 1999, 227 [↩]
BFH, Urteil in BFHE 195, 144, BSt­Bl II 2001, 543 [↩]
BFH, Urteil vom 18.06.1997 – III R 84/​96, BFHE 183, 476, BSt­Bl II 1997, 805 [↩]
BFH, Urteil vom 19.04.2012 – VI R 74/​10, BFHE 237, 156, BSt­Bl II 2012, 577 [↩]
BFH, Urteil vom 02.09.2010 – VI R 11/​09, BFHE 231, 69, BSt­Bl II 2011, 119 [↩]
BFH, Urteil in BFHE 237, 156, BSt­Bl II 2012, 577 [↩]
BFH, Urteil vom 12.05.2011 – VI R 37/​10, BFHE 234, 25, BSt­Bl II 2013, 783 [↩]
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