Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Text=BFHE%20196,%20200
Timestamp: 2020-02-20 03:25:30
Document Index: 191389677

Matched Legal Cases: ['§ 162', '§ 162', '§ 162', '§ 363', '§ 97', '§ 162', '§ 284', '§ 393', '§ 162', '§ 393', '§ 162']

BFH, 19.09.2001 - XI B 6/01 - dejure.org
https://dejure.org/2001,1392
BFH, 19.09.2001 - XI B 6/01 (https://dejure.org/2001,1392)
BFH, Entscheidung vom 19.09.2001 - XI B 6/01 (https://dejure.org/2001,1392)
BFH, Entscheidung vom 19. September 2001 - XI B 6/01 (https://dejure.org/2001,1392)
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AO 1977 §§ 162, 393 Abs. 1
Besteuerungsgrundlagen - Schätzung - Strafverfahren - Steuerstraftat - Einleitung - Rohgewinnaufschlag - Beschwerde - Aussageverweigerung - Sachverständigengutachten - Tabelle
AO (1977) §§ 162 393 Abs. 1
Feststellungsverfahren - Zulässigkeit einer Schätzung bei eingeleitetem Steuerstrafverfahren
§§ 162, 393 Abs. 1 AO
Steuerstrafrecht; Zulässigkeit einer Schätzung bei einem eingeleiteten Steuerstrafverfahren
drburkhard.de (Entscheidungsbesprechung)
§ 363 AO; § 97 InsO
Die Taktik der Steuerfahndungsdienststellen in Steuerstrafverfahren (RA Dr. jur. Jörg Burkhard, Wiesbaden; AnwBl 2003, 70)
BFHE 196, 200
NJW 2002, 847
BB 2002, 34
BStBl II 2002, 4
a) Ungeachtet der gegen die Gesellschafter der Klägerin eingeleiteten Ermittlungsverfahren (vgl. Einleitungsverfügungen vom 3. Februar 2000) bleiben die beschuldigten Steuerpflichtigen im Besteuerungsverfahren entsprechend der in der AO 1977 enthaltenen gesetzlichen Regelung zur Mitwirkung, insbesondere bei der Aufklärung des Sachverhalts, verpflichtet (BFH-Beschlüsse vom 19. September 2001 XI B 6/01, BFHE 196, 200, BStBl II 2002, 4, m.w.N.;… vom 17. Juli 2003 X B 19/03, BFH/NV 2003, 1594; BFH-Urteil vom 23. Januar 2002 XI R 10, 11/01, BFHE 198, 7, BStBl II 2002, 328).
Die Mitwirkungspflichten eines Steuerpflichtigen im Besteuerungsverfahren bleiben nämlich auch bei Einleitung eines Steuerstrafverfahrens gegen ihn bestehen (BFH-Beschluss vom 19.09.2001 XI B 6/01, BFHE 196, 200 , BStBl II 2002, 4).
Es ist höchstrichterlich geklärt, dass ein Fortbestehen der Mitwirkungspflichten im Besteuerungsverfahren während eines Steuerstrafverfahrens verfassungsrechtlich unbedenklich ist (BFH-Beschluss vom 19.09.2001 XI B 6/01, BFHE 196, 200 , BStBl II 2002, 4, m. w. N.).
Jede andere Auffassung würde zu einer mit dem Gleichheitssatz (Prinzip der Belastungsgleichheit) unvereinbaren Privilegierung des in ein Strafverfahren verwickelten Steuerpflichtigen führen (BFH-Beschluss vom 19.09.2001 XI B 6/01, a. a. O., m. w. N.).
Dafür, dass ein Rohgewinnaufschlagsatz von 350 v.H. bei italienischen Restaurants, die ein ganz ähnliches Speisesortiment wie das Restaurant des Ast. aufweisen, nicht unüblich ist, lässt sich schließlich auch der Fall anführen, über den der BFH am 19.09.2001 (BFH-Beschluss vom 19.09.2001 XI B 6/01, BFHE 196, 200 , BStBl II 2002, 4) zu entscheiden hatte.
Was die Ansicht des Ast. anlangt, es müsse im Hauptsacheverfahren ein Sachverständigengutachten zur Höhe des ermittelten Rohgewinnaufschlagsatzes eingeholt werden, weist das Gericht vorsorglich darauf hin, dass die Schätzung von Besteuerungsgrundlagen gemäß § 162 AO keine der Beweiserhebung zugängliche Tatsache, sondern eine Schlussfolgerung darstellt (vgl. BFH-Beschluss vom 19.09.2001 XI B 6/01, BFHE 196, 200 , BStBl II 2002, 4, m. w. N.).
Das Gericht ist daher auch bei entsprechendem Beweisantrag nicht gehalten, im Rahmen seiner eigenen Schätzung ein Sachverständigengutachten zur Höhe des ermittelten Rohgewinnaufschlagsatzes einzuholen (BFH-Beschluss vom 19.09.2001 XI B 6/01, a. a. O.).
Der BFH hat hierzu bereits zutreffend ausgeführt, dass auch der einer Schätzung zugrunde gelegte durchschnittliche Rohgewinnaufschlagsatz nur das Ergebnis einer Schätzung sein kann, da die tatsächlichen Aufschläge in den Streitjahren nicht bekannt sind und auch ein Sachverständiger diese nicht nachträglich feststellen könnte (BFH-Beschluss vom 19.09.2001 XI B 6/01, a. a. O.).
Während - verfassungsrechtlich unbedenklich (vgl. BVerfG, Beschluss vom 13. Januar 1981 - 1 BvR 116/77, BVerfGE 56, 37, 41) - im gesamten Besteuerungsverfahren die gesetzlich normierten Mitwirkungspflichten auch während eines eingeleiteten Steuerstrafverfahrens fortbestehen (anderes führte zu einer mit dem Gleichheitssatz unvereinbaren Privilegierung des in ein Strafverfahren verwickelten Steuerpflichtigen, BFH, Beschluss vom 19. September 2001 - XI B 6/01, BFHE 196, 200 mwN), ergibt sich für das Strafverfahren aus dem Nemo-tenetur-Grundsatz, dass die im Rahmen einer eidesstattlichen Versicherung nach § 284 AO gemachten wahrheitsgemäßen Angaben über die Vermögenssituation nicht in dem das Festsetzungsverfahren betreffenden Steuerstrafverfahren verwertet werden dürfen.
Das Zwangsmittelverbot des § 393 Abs. 1 Satz 2 AO steht dabei der Zulässigkeit der Schätzung gemäß § 162 AO nicht entgegen (BFH-Beschluss vom 19. September 2001 XI B 6/01, BFHE 196, 200, 204, BStBl II 2002, 4, 6).
Der strafrechtsprozessuale Grundsatz, dass niemand gehalten ist, sich selbst zu beschuldigen, findet hierbei keine Anwendung (BFH-Beschlüsse in BFHE 196, 200, BStBl II 2002, 4;… in BFH/NV 2005, 503).
Ist, wie im Streitfall, Privatvermögen betroffen, können auch aus einer unter Umständen als unzureichend angesehenen Mitwirkung des Steuerpflichtigen keine nachteiligen Schlüsse gezogen werden, da der Steuerpflichtige für sein Privatvermögen keine Aufzeichnungspflichten hat (BFH-Urteil vom 28. Mai 1986, I R 265/83, BStBl. II 1986, 732, 733 f. sowie BFH-Beschlüsse vom 19. September 2001, XI B 6/01, BStBl. II 2002, 4 …und vom 4. Dezember 2001, III B 76/01, BFH/NV 2002, 476).
Durch die Rechtsprechung des BFH ist jedoch geklärt, dass das Verfahren zur Aufklärung von Steuerstraftaten und das Verfahren zur Aufklärung der Besteuerungsgrundlagen unabhängig und gleichrangig nebeneinander durchgeführt werden können (BFH-Beschluss vom 19. September 2001 XI B 6/01, BStBl II 2002, 4).
Soweit in der Literatur ein Vorrang der strafrechtlichen Verfahrensvorschriften bejaht wird (…vgl. z.B. Streck, Die Steuerfahndung, 3. Aufl., Rz. 467), steht dem nach der Rechtsprechung des BFH (vgl. Urteil vom 19. August 1998 XI R 37/97, BFHE 186, 506, BStBl II 1999, 7; Beschluss vom 19. September 2001 XI B 6/01, BFHE 196, 200, BStBl II 2002, 4) der eindeutige Wortlaut des § 393 Abs. 1 Satz 1 AO 1977 entgegen.
Bei Verletzung dieser Mitwirkungspflicht sind die Besteuerungsgrundlagen nach § 162 AO 1977 zu schätzen (BFH-Beschluss vom 19. September 2001 XI B 6/01, BFHE 196, 200, BStBl II 2002, 4;… zuletzt bestätigt im BFH-Beschluss vom 9. Dezember 2004 III B 83/04, BFH/NV 2005, 503).
Dass gegen den Steuerpflichtigen ein Steuerstrafverfahren eingeleitet worden ist, steht dem nicht entgegen (BFH, Beschluss vom 19.9.2001 XI B 6/01, BStBl II 2002, 4).
BFH, 06.10.2005 - II B 9/04
BFH, 03.04.2003 - XI B 60/02
FG Niedersachsen, 04.06.2002 - 6 K 840/01
Außenprüfung bei eingeleitetem Steuerstrafverfahren
FG München, 14.05.2002 - 6 K 4569/01
Prozessuale Mitwirkungspflicht bei laufendem Strafverfahren; …