Source: http://alt.ikvu.de/html/archiv/ikvu/frauenordination/priesterinnen-ratzinger.html
Timestamp: 2017-09-25 00:37:04
Document Index: 147435883

Matched Legal Cases: ['§ 1347', '§ 1024', '§ 1732', '§ 2', '§ 2', '§ 1', '§ 2', '§ 1', '§ 1', '§ 1']

Stellungnahmen der"Priesterinnen (Juli 2002)
Stellungnahmen der "Priesterinnen"
10.7. / 22.7. / 30.7. / 14.8. / 18.9. / 3.11. (2002)
27.1. 2003
GRUPPE: WEIHEÄMTER FÜR FRAUEN
Sprecherin für Deutschland:
Dr. Gisela Forster
E-Mail: gisela.forster@campus.lmu.de
Tel.: 0049 8151 970039
Sprecherin für Österreich:
Christine Mayr-Lumetzberger
E-Mail: mmcml@ping.at
TEL.: 0043 7615 7566
ERSTE ANTWORT AUF DAS SCHREIBEN DES VATIKANS ZUR PRIESTERINNENWEIHE
Der Präfekt der Glaubenskongregation im Vatikan, Herr Ratzinger, hat in seinem Schreiben vom 10. Juli 2002 den Frauen, die sich am 29. Juni 2002 zu Priesterinnen weihen ließen, die Exkommunikation angedroht. Als Reaktion auf diese Bestrafungsinitiative des Vatikans kommt von der WEIHEGRUPPE FÜR FRAUEN folgende Antwort:
1. FRAUENSOLIDARITÄTSAUFRUF:
Aufruf an alle Frauenverbände der Welt, die Gleichstellungsbehörden, die evangelischen, anglikanischen und altkatholischen Pfarrerinnen und Christinnen, Frauenbasisgruppen und -initiativen und an die Frauen aller politischen Parteien:
Die römisch-katholische Kirche will uns Frauen für den Mut, mit dem wir uns am 29.Juni 2002 zu Priesterinnen weihen ließen, bestrafen. Wir rufen euch alle zum Widerstand gegen eine männerdominierte römisch-katholische Kirche und zur Solidarität mit den unterdrückten Frauen innerhalb dieser Kirche auf.
Solidaritätserklärungen an das WEIHEBÜRO FÜR FRAUEN von Österreich, Deutschland und Amerika: emmeloord@utanet.at
2. 10 FRAGEN AN HERRN RATZINGER:
In seinem Schreiben vom 10. Juli 2002 droht Herr Ratzinger mit der Exkommunikation für die Frauen, die sich am 29. Juni zu Priesterinnen weihen ließen, falls diese
nicht die "Nichtigkeit der Weihe anerkennen"
nicht "Reue bekennen" und
nicht um "Verzeihung bitten für das bei den Gläubigen verursachte Ärgernis"
Hierzu stellt die WEIHEGRUPPE FÜR FRAUEN 10 Fragen an Herrn Ratzinger:
1) Verbreiten wirklich wir Frauen ein "Ärgernis"? Wir, die wir von Gott mit weiblichem Wesen und weiblichem Körper geschaffen wurden; ist nicht vielmehr d a s Ärgernis die Sexualmoral der katholischen Kirche, die Frauen ausgrenzt und diffamiert?
2) Sind wirklich wir Frauen "Ärgernis" verursachend? Oder ist es nicht vielmehr die römisch-katholische Kirche, die in ihren leibfeindlichen Vorschriften erstickt?
3) Ist nicht das Verhalten der Kirche ein "Ärgernis", weil es ihr seit Jahrhunderten nicht mehr gelingt, den Menschen in seinem gesamten Wesen zu akzeptieren?
4) Ist es nicht ein fundamentales "Ärgernis", dass die Kirche die Gesetze der Staaten nicht achtet, in denen eine "Diskriminierung der Frau wegen ihres Geschlechts" verboten ist und es der Kirche trotz jahrhundertelanger Appelle nicht gelingt, die Frau als gleichberechtigtes Geschöpf gleichwertig anzuerkennen?
5) Sind wirklich wir Frauen "Ärgernis" verbreitend, während die Kirche selbst seit dem 12. Jahrhundert Menschen in Zölibatsgesetze zwingt, in denen Frauen und Priester ihre Liebe verheimlichen müssen und die Kinder, die aus Priester-Verbindung geboren werden, verstecken oder abtreiben müssen? Eine Kirche, die Frauen und Priester wie Straftäter behandelt und aus ihrem Amt und Beruf entläßt, falls sie sich zu ihrer Liebe und zu ihren Kindern bekennen?
6) Sind wirklich wir Frauen ein "Ärgernis" oder ist es nicht die Praxis der Amtskirche, in der vereinsamte Priester in ihrer sexuellen Not Kinder berühren, Kinder, die von ihren Müttern in römisch-katholische Obhut gegeben wurden, und wo Mütter zusehen müssen, wie ihre Kinder von katholischen Priestern, die mit dem Zölibat nicht leben können, benutzt werden?
7) Ist es nicht ein "Ärgernis", wenn Frauen und Priester, die sich nur ein wenig gegen das Diktat der Kirchenhierarchie auflehnen und selbstständig anfangen zu denken, ihrer Existenz beraubt werden?
8) Ist es nicht ein gewaltiges "Ärgernis", wenn von der römisch-katholischen Kirche die christlichen Schwesternkirchen degradiert werden, als seien sie unwürdige Sekten und nicht Gott-suchende Menschen?
9) Ist es nicht mehr als ein "Ärgernis", wenn wegen einer nicht mehr zeitgemäßen Sexualmoral Kondome verboten werden, obwohl ein ganzer Kontinent an AIDS dahinsiecht?
10) Ist es nicht richtig, wenn Millionen von Menschen das Verhalten der römisch-katholischen Kirche als "Ärgernis" empfinden, weil diese immer noch nicht einwilligt, dass Empfängnisverhütung durchgeführt werden darf, obwohl Kontinente nicht in der Lage sind, die vielen Kinder zu ernähren und diese jämmerlichst verhungern?
Sind wirklich wir Frauen, die wir friedlich und bewußt innere Reformen und Gleichstellungen in der römisch-katholischen Kirche anstreben, "Ärgernis" verursachend? Wäre es nicht Zeit, Herr Ratzinger, dass Sie in der von Ihnen dominierten Kirche Kirchengesetze so reformieren, dass diese nicht schaden, sondern dem Menschen helfen und ihm bei der Bewältigung des Lebens nützen? Wenn ein wirkliches "Ärgernis" besteht, dann ist das doch die Sexualmoral dieser römisch-katholischen Kirche - wir friedlichen Frauen verursachen kein "Ärgernis". Bekennen Sie sich zum Menschen "als Mann und Frau" und werfen Sie nicht mit Steinen auf Frauen.
3. PERSÖNLICHER BRIEF AN DEN PAPST
Lieber Papst Johannes Paul II.,
Sie sind ein welterfahrener, versöhnlicher, aufgeschlossener und moderner Mensch. Nun hat leider der Präfekt Ihrer Glaubenskongregation, Josef Ratzinger, gemeint, er müßte in mittelalterlicher, wenig toleranter und engstirniger Art und Weise uns Frauen, die wir sehr glücklich darüber sind, dass wir am 29. Juni 2002 genau nach römisch-katholischem Ritus von einem römisch-katholischen Bischof zu römisch-katholischen Priesterinnen geweiht worden sind, strafen.
Er schreibt von einem § 1347, der nach genauer Nachsicht in dem Handbuch des katholischen Kirchenrechts eine Bestrafung beinhaltet, die nicht so schnell und so hart angewendet werden sollte: "Keinesfalls darf der Ordinarius ein Strafverfahren einleiten, wenn die Besserung des Täters auf andere Weise erreicht werden kann. Er muß daher auch prüfen, wie es um die hartnäckige Widersetzlichkeit eines Täters steht und ob nicht die Wiederherstellung der Gerechtigkeit und die Behebung eines Ärgernisses auch ohne Strafprozess erreicht werden können." (Josef Listl und Heribert Schmitz, Handbuch des Katholischen Kirchenrechts, Verlag Pustet, Regensburg 1999, Seite 1215). Wir Frauen denken, dass wir nach unserem Gewissen, das ja die höchste Entscheidungsinstanz bei einem Christen und einer Christin ist, richtig gehandelt haben. Wir wollen nicht länger zusehen, wie das Evangelium in der katholischen Kirche nicht mehr verkündet werden kann, weil die Männer nicht mehr bereit sind, sich für das Priesteramt zu entscheiden (Der Rückgang der Neupriester ist dramatisch).
Dazu glauben wir, dass "Strafe" in jedem Fall schlecht für künftige Dialoge ist - und wir wollen doch unsere Verständigungsbasis nicht zerstören. Wenn Sie jetzt das Damoklesschwert der Exkommunikation über uns hängen, so verletzen Sie uns zutiefst und geben uns keine Chance, mit Ihnen vernünftig ins Gespräch zu kommen. Besser als uns zu strafen wäre es, wir würden uns einmal offen über die ganze Angelegenheit unterhalten. Ob Kardinal Josef Ratzinger und Staatssekretär Bertoni dabei sein sollen, überlassen wir Ihnen; in jedem Fall sollten nicht mehr Männer als Frauen an dieser Unterredung teilnehmen: Sie verstehen schon, das Gleichgewicht der Geschlechter, das in allen Verfassungen der Staaten und Menschenrechtsgesetzen inzwischen fester Bestandteil ist.
Wir könnten uns, wenn Sie uns zu sich einladen, oder wenn sie zu uns hier nach München, Passau oder Linz kommen, auch darüber unterhalten, warum Sie Herrn Bischof Romulo Braschi, unseren Weihebischof, so wenig schätzen. Er steht in einer klaren, sogar zweifachen apostolischen Sukzession, und seine Ressentiments gegen den Vatikan rühren aus jener Zeit, als er an der Seite der Arbeiter von Buenos Aires gegen die argentinische Militärdiktatur auftrat. Verfolgung und Gefängnis hat ihm dieses Engagement eingebracht, und alles andere als Schutz durch die argentinischen Bischöfe. Die römisch-katholische Kiche hat im Jahr 2000 bitter und öffentlich bereut, dass sie zur Militärdiktatur gehalten hat. Eine Versöhnung zwischen Bischof Romulo Braschi und Ihnen wäre historisch gesehen überfällig.
Dem "Monitum" Ihres Präfekten Josef Ratzinger entnehmen wir außerdem, dass er grundsätzlich nichts gegen die Priesterinnenweihe hat, sondern dass er sie offensichtlich nur nicht von Romulo Braschi durchführen lassen wollte - eben weil er meint, dieser wäre "schismatisch". Das stimmt aber nicht. Da Ratzinger offenbar nichts gegen die Priesterinnenweihe an sich hat, könnten wir ihm entgegenkommen, und uns ausnahmsweise von einem Bischof, den er für gut befindet und für würdig hält, sub conditione weihen lassen: wir würden das Ihm und Ihnen zuliebe tun. Das soll es ja in der römisch-katholischen Weltkirche schon öfters gegeben haben ...
Sie sehen, wir bemühen uns wirklich um eine Versöhnung. Wir lieben nicht den harten Kampf und den Krieg, vor allem nicht in der Kirche. Die römisch-katholische Kirchen wurde in der Vergangenheit ohnehin oft genug als abscheulich gewalttätig eingeschätzt - das wollen wir doch nicht fortsetzen! Gerade wir Frauen werden für unser Bemühen um Ausgleich, für unsere Wärme, für unsere Fähigkeiten, hinzuhören und kommunikativ tätig zu sein, geschätzt. Die Kirche braucht diese unsere Talente und Begabungen. Schauen Sie sich so manche Kleriker-Männerbünde an - da wird es Ihnen sicher auch nicht warm ums Herz.
Also winken Sie Ihren Präfekten der Glaubenskongregation zu sich und ermahnen Sie ihn, gegen Frauen nicht so hart zu sein. Sicher - er weiß nicht, wie man mit Frauen umgeht, aber auch ältere Männer können so etwas lernen. Wir jedenfalls hoffen sehr auf mildere Töne, entgegenkommende Versöhnungsvorschläge und überhaupt auf eine Kirche, die allen Menschen, auch uns, hilft.
Es handelt sich doch nur um einen Paragraphen des kirchlichen Gesetzbuchs (§ 1024) - und nur um die Änderung eines Wortes, von "Mann" auf "Mensch". Das wäre, wie Johannes XXIII. bezüglich des Zölibatsgesetzes sagte, "nur ein Federstrich". Das Kirchenrecht wurde in der Vergangenheit schon so oft geändert und den Bedürfnissen der Zeit angepaßt. Es läge in Ihrer Hand, diesen "Federstrich" auszuführen.
In diesem Sinne erwarten wir Ihre Antwort.
Dr. Gisela Forster und Christine Mayr-Lumetzberger
Christine Mayr-Lumetzberger, Dr. Gisela Forster, Dr. Ida Raming,
Dr. Iris Müller, Sr. Adelinde Theresia Roitinger, Angela White, Pia Brunner
Eisenwerkstrasse 4, A-4020 Linz, den 22. Juli 2002
I 00120 CITTA DEL VATICANO
zu Händen von Joseph Kardinal Ratzinger, Präfekt
Abschriften an seine Exzellenz den Bischof von Linz, seine Exzellenz den Bischof von Salzburg, seine Eminenz den Bischof von München-Freising, seine Eminenz und Vorsitzenden der deutschen Bischofskonferenz den Bischof von Mainz, seine Exzellenz den Bischof von Köln, seine Exzellenz den Bischof von Münster und seine Exzellenz den Bischof von Rochester
RECURSUS ADVERSUS ET PETITIO
(BESCHWERDE CIC § 1732-1739 und ANTRAG)
Mit dem RECURSUS wird BESCHWERDE gegen das MONITUM von Joseph Kardinal Ratzinger vom 10. Juli 2002 erhoben:
Wir Frauen wehren uns gegen die ANDROHUNG der EXKOMMUNIKATION, denn wir haben keine Tat begangen, die die BEUGESTRAFE der EXKOMMUNIKATION rechtfertigen würde.
Die Priesterinnenweihe wurde mit der Kraft des Heiligen Geistes durch die Handauflegung eines in der apostolischen Sukzession stehenden Bischofs sakramental gültig nach römisch-katholischem Ritus gespendet.
MIT DER PETITIO, stellen wir den ANTRAG auf Veränderung eines Wortes im Canon 1024 CIC:
Wir beantragen, dass die Priesterinnenweihe auch kirchenrechtlich anerkannt wird und dass der Canon 1024 CIC:
"Die heilige Weihe empfängt gültig nur ein getaufter Mann" verändert wird in "Die heilige Weihe empfängt gültig nur ein getaufter Mensch"
Die Gleichberechtigung der Frau ist in allen Ländern der Welt festgeschrieben. Diskriminierungen von Personen auf Grund ihres Geschlechtes sind weltweit verboten und widersprechen dem christlichen Glaubensverständnis (vergl. II. Vatikanisches Konzil: LG Nr.32; GS Nr.29).
Einzelnen Frauen aus der Weihegruppe wurde ein MONITUM von Joseph Kardinal Ratzinger übermittelt, in dem dieser schwere Vorwürfe gegen die Frauen erhebt. Den Behauptungen von Joseph Kardinal Ratzinger muß widersprochen werden:
Kardinal Ratzinger schreibt von dem "Gründer einer schismatischen Gemeinschaft", der die Priesterinnenweihe erteilt habe. Monsignore Romulo Braschi ist kein Schismatiker. Er wurde niemals aus der katholischen Kirche ausgeschlossen und hat auch niemals seinen Austritt erklärt. Es gab kein Verfahren der Exkommunikation, der Suspendierung oder des Interdikts gegen ihn.
Monsignore Romulo Braschi hat nicht "versucht", die "Priesterweihe" zu erteilen, sondern er hat Kraft seiner apostolischen Sukzession unter Anrufung des Heiligen Geistes die Priesterinnenweihe gespendet. Der Wortlaut der Weihe entspricht in allen Details der vorgeschriebenen römisch-katholischen Priesterweihe. Der Vorgang wurde von einem Notar dokumentiert.
Die Priesterinnenweihe war keine "Simulation eines Sakramentes", sondern eine ordnungsgemäße Sakramentenspendung. Die Weihe kann daher nicht ungültig und nicht nichtig sein (vergl. Canon 849 CIC: "Die Taufe ist die Eingangspforte zu den Sakramenten.")
Über den "Platz" der Frauen in der Kirche sollten nicht Männer allein entscheiden, sondern nur Männer im Dialog mit Frauen. Dieser Dialog wird von seiner Exzellenz Joseph Kardinal Ratzinger seit Jahrzehnten verweigert. Er hat daher nicht das Recht, die "Stellung der Frau" in der Kirche zu bestimmen. Was in der "Ordinatio sacerdotalis" steht, ist tiefste Frauenfeindlichkeit, gemischt mit der Anmaßung, dies sei "göttliche Verfassung". Die Worte im MONITUM stehen im Widerspruch zur Lehre. Lehre des Christentums ist die Gleichrangigkeit von Mann und Frau: "Ihr alle, die ihr auf Christus getauft seid, habt Christus angezogen. Da sind nicht mehr Juden und Heiden, nicht Sklaven und Freie, nicht Mann und Frau; denn ihr alles seid 'einer' in Christus Jesus." (Galaterbrief 3,27f).
Kardinal Ratzinger trennt mit seiner frauenfeindlichen Einstellung Männer und Frauen in zwei Teile und er schadet damit der Einheit der katholischen Kirche. Die "Stellungsnahme" "der österreichischen Bischofskonferenz" haben weder Joseph Kardinal Ratzinger noch irgendeine andere kirchliche Stelle den Frauen der Weihegruppe bisher mitgeteilt. Eine Verwarnung der österreichischen Bischofskonferenz ist den Frauen nicht bekannt.
Canon 1347 CIC besagt: "Die Beugestrafe kann gültig nicht verhängt werden, wenn nicht vorher der Täter einmal verwarnt worden ist, seine Widersetzlichkeit aufzugeben, und ihm eine entsprechende Zeitspanne zum Sinneswandel gewährt wurde."
- Zur Zeitspanne:
Die Bischofs-Briefe tragen die Poststempel: 11.7., angekommen sind die Briefe am 15.7. Als Termin setzt Kardinal Ratzinger den 22. 7. Er gibt den Frauen also nicht einmal 8 Tage Zeit, um die Tatsachen zu erörtern. Dies ist keine "entsprechende Zeitspanne". Da internationale Entscheidungsfindungen getroffen werden müssen, beantragen wir eine Besprechungszeit von 3 Monaten.
Damit wir uns in diesen 3 Monaten umfassend und wissenschaftlich informieren können, bitten wir um BELEHRUNG in folgenden Punkten:
Kriterien für ein "schismatisches" Verhalten
Wortlaut der "göttlichen Verfassung"
Bibelstellen gegen die "Gleichberechtigung" der Frau
Dokument der Stellungnahme der österreichischen Bischofskonferenz
"Vollmacht" des Papstes, Männer zu weihen
Bestätigung oder Ergänzung, der von uns aufgeführten "Exkommunikationsgründe"
Außergerichtliche Versöhnung
- Zur Strafe:
Im Handbuch des Katholischen Kirchenrechts (Listl, S. 1128, Canon 1318 CIC) heißt es ausdrücklich, dass "die Beugestrafe, insbesondere die Exkommunikation nur mit allergrößter Zurückhaltung und nur für schwerste Straftaten" angewendet werden sollte.
IM CIC werden für die Exkommunikation nur folgende Straftaten genannt:
Glaubensabfall Canon 1364 CIC
Irrglauben Canon 1364 CIC
Abtrünnigkeit Canon 1364 CIC
Kirchenaustritt Canon 1364 CIC
Verletzung des Beichtgeheimnisses Canon 1388 CIC
Abtreibung Canon 1398 CIC
Wegwerfen von Hostien Canon 1367 CIC
Physische Gewalt gegen den Papst Canon 1370 CIC
Lossprechungsversuch eines wegen sexueller Delikte angeklagten Priesters Canon 977 CIC und Canon 1378 CIC
Keines dieser Delikte haben wir Frauen begangen: Wir sind nicht vom Glauben abgefallen, wir haben keinen Irrglauben verbreitet, wir sind nicht abtrünnig geworden, sondern wir haben uns exakt nach dem römisch-katholischen Ritus weihen lassen. Wir sind nicht aus der Kirche ausgetreten, haben kein Beichtgeheimnis verletzt und haben nicht abgetrieben. Auch haben wir keine Hostien weggeworfen und keinen sexuell verfehlten Priester losgesprochen.
Die 7 Frauen, die sich am 29. Juni 2002 zu Priesterinnen weihen ließen, können nicht erkennen, warum diese Weihe "nichtig" sein soll. Die Frauen sehen diese Weihe nicht im Widerspruch zur authentischen christlichen Lehre. Ein "Ärgernis" bei den Gläubigen ist nicht entstanden, die vielen aufmunternden Zuschriften und Anrufe besagen vielmehr, dass das Kirchenvolk die Weihe von Priesterinnen für richtig hält.
Als Ärgernis wird dagegen von den Menschen die Verweigerung der Amtskirche, Frauen zu Priesterinnen zu weihen, gesehen, wie wir aus den Solidaritätsbekundungen, die im Netz unter www.virtuelle-dioezese.de veröffentlicht werden, entnehmen können.
Da wir Frauen immerzu ausdrücklich erklärten, dass wir keinen Streit oder Krieg mit der Amtskirche wünschen, soll von uns aus auf die Bereitschaft zu einem Dialog mit Joseph Kardinal Ratzinger oder Papst Johannes Paul II hingewiesen werden. Unsere Bereitschaft zum Dialog betonen wir im Besonderen unter Hinweis auf den Canon 1733 CIC: "Es ist sehr zu wünschen, dass zwischen dem, der sich durch ein Dekret beschwert fühlt, und dem, der das Dekret erlassen hat, ein Rechtsstreit vermieden wird und dass zwischen ihnen in gemeinsamer Überlegung für eine billige Lösung Sorge getragen wird; dabei sollen gegebenenfalls auch angesehene Persönlichkeiten zur Vermittlung und zum Dienst beigezogen werden, so dass auf geeignete Weise Streit vermieden oder geschlichtet wird."
München, Linz am Tag von MARIA VON MAGDALA, der Frau, der Jesus nach seinem Tod als erster erschienen ist, 22. Juli 2002
Christine Mayr-Lumetzberger, Sprecherin für Österreich
Dr. Gisela Forster, Sprecherin für Deutschland
PRESSEERKLÄRUNG ZUR "EINSTWEILIGEN VERFÜGUNG"
ausgesprochen am 26. Juli 2002 von der Erzdiözese München und Freising*
(*Anm.: gemeint ist wohl "vom Landgericht München I")
ERZDIÖZESE GEHT GERICHTSWEG
Wieder versucht es die Erzdiöze München-Freising mit Härte und mit Unsachlichkeit: Anstatt auf Argumente und Beweggründe der Frauen, die sich am 29. Juni 2002 zu Priesterinnen weihen ließen, einzugehen, wird seit dem 26. Juli 2002 versucht, über Gericht gegen einzelne Sätze des am 29. Juni 2002 veröffentlichten Buches: WIR SIND PRIESTERINNEN vorzugehen.
Angekreidet wird in dem Buch ein Doppeladjektiv, das nach unseren Recherchen zweimal vorkommt: "römisch-katholisch" Konkret heißt es in der "Einstweiligen Verfügung": "Der Antragsgegnerin wird bei Meldung ... geboten, es zu unterlassen, unmittelbar oder mittelbar, selbst oder durch Dritte, wörtlich oder sinngemäß die Behauptung, Ende Juni 2002 seien Frauen von römisch-katholischen Bischöfen zu Priesterinnen geweiht worden, aufzustellen und/oder zur verbreiten." (Zitat aus der Einstweiligen Verfügung des Landgerichts München 1 vom 25.7.2002)
KERNFRAGE: Was ist ein "römisch-katholischer" Bischof?
Die Weihegruppe und die Herausgeber argumentieren: Als römisch-katholisch gilt (zunächst einmal) ein Mensch, der durch die Taufe, empfangen von einem römisch-katholischen Priester, Diakon oder von r.k. Laien (z.B. per Nottaufe) in die Gemeinschaft der römisch-katholischen Kirche aufgenommen wurde, der die römisch-katholischen Sakramente der Hl. Kommunion und der Firmung erhalten hat und nicht aus der römisch-katholischen Kirche ausgetreten ist. Die im Sakrament der Taufe "grundgelegte Kirchengliedschaft ist nicht rückgängig zu machen" (N. Ruf: Das Recht der katholischen Kirche, Freiburg, 4. Aufl. 1983, S. 71).
Als Bischof mit römisch-katholischer apostolischer Sukzession kann ein Mensch bezeichnet werden, der die römisch-katholische Priesterweihe erhalten hat und von einem römisch-katholischen Bischof mit apostolischer Sukzession nach römisch-katholischem Ritus die Bischofsweihe empfangen hat (siehe Listl: Handbuch des katholischen Kirchenrechts, S. 869: "Zum gültigen Vollzug der Weihe sind auf Seiten des Spenders neben der Befähigung aufgrund der Bischofsweihe die rechte Intention und die Einhaltung des Weiheritus in den wesentlichen Teilen erforderlich.")
MÖGLICHE STRAFE DER EXKOMMUNIKATION HAT KEINE BEDEUTUNG FÜR DIE GÜLTIGKEIT DER WEIHE
Die Weihegruppe und die Herausgeber folgern: Wenn ein Mensch diese beiden Punkte erfüllt, dann kann er sich "römisch-katholischer Bischof" im weiteren Sinne nennen. Selbst wenn dieser Bischof ohne päpstlichen Auftrag geweiht wurde und angedroht wird, dass er sich die Strafe der Exkommunikation durch "Tatstrafe" zuziehe (CIC c. 1382: "Ein Bischof, der jemanden ohne päpstlichen Auftrag zum Bischof weiht, und ebenso, wer von ihm die Weihe empfängt, zieht sich die dem Apostolischen Stuhl vorbehaltene Exkommunikation als Tatstrafe zu."), erlischt die Weihekraft des Bischofs nicht: "Die Weihegewalt kann durch eine Strafe nur in der Ausübung eingeschränkt oder untersagt, niemals aber entzogen werden" (Listl, Handbuch des katholischen Kirchenrechts, S. 1132) und can. 1338 § 2 CIC: "Einen Entzug der Weihegewalt kann es nicht geben"
WAS IST EINE TATSTRAFE?
Zur Tatstrafe wird bei Listl, Handbuch des katholischen Kirchenrechts, S. 1126 bemerkt, dass die Automatik der "Tatstrafe" eingeschränkt ist: "Tatstrafen dürfen nur für einzelne vorsätzlich begangene Straftaten, die ein schweres Ärgernis hervorrufen oder durch Androhnung einer Spruchstrafe nicht wirksam geahndet werden können, angedroht werden. Beugestrafen, insbesondere die Exkommunikation, nur mit allergrößter Zurückhaltung und nur für schwere Straftaten." Wortwörtlich im Kirchenrecht dazu laut can. 1318 CIC: "Tatstrafen darf der Gesetzgeber nicht androhen, es sei denn etwa für einzelne, arglistig begangene Straftaten, die ein schweres Ärgernis hervorrufen können oder denen durch Spruchstrafen nicht wirksam begegnet werden kann." Das bedeutet, dass Tatstrafen, auch wenn der Name: "ipso facto" so klingt, als würden die Strafen durch die Tat sofort eintreten, nicht automatisch eintreten, vor allem nicht, wenn die Beweggründe nicht "arglistig", sondern ehrlich sind und vom eigenen Gewissen geprüft als hilfreich für das Wohl der Menschen gelten. Ehrlichkeit, Gewissensprüfung und Handeln zum Wohl der Menschen sind und waren immer Ziele der Weihegruppe. Ein "Ärgernis" ist bei den Menschen nicht entstanden, im Gegenteil, alle Umfragen zeigen, dass die Menschen die katholische Priesterin wollen. Sollte trotzdem die Hierarchie Beugestrafen anwenden wollen, so sind diese laut can. 1335 CIC nicht von pausenloser Gültigkeit, sondern abhängig vom Spender und Empfänger: "Wenn eine Beugestrafe untersagt, Sakramente oder Sakramentalien zu spenden oder einen Akt der Leitungsgewalt zu setzen, wird das Verbot ausgesetzt, sooft es für das Heil der Gläubigen notwendig ist, die sich in Todesgefahr befinden; wenn eine als Tatstrafe verwirkte Beugestrafe nicht festgestellt ist, wird das Verbot außerdem ausgesetzt, sooft ein Gläubiger um die Spendung eines Sakramentes oder Sakramentale oder um einen Akt der Leitungsgewalt nachsucht; das aber zu erbitten, ist aus jedwedem gerechten Grund erlaubt." Der Heilige Benedikt sagte: "Wir Menschen sind täglich vom Tode bedroht..." Monsignore Dr. Romulo Braschi wurde eindringlich gebeten, zu weihen.
BISCHÖFE ERFÜLLEN BEDINGUNGEN
Alle Bischöfe, die die 7 Frauen am 24. März 2002 zu Diakoninnen und am 29. Juni 2002 zu Priesterinnen geweiht haben, erfüllen die genannten Bedingungen. Monsignore Dr. Romulo Braschi hat ausdrücklich und schriftlich erklärt, dass er "immer noch römisch-katholisch" ist, weil er nach dem "römisch-katholischen Ritus getauft" und die römisch-katholischen Sakramente der "Heiligen Kommunion", der "Firmung" und der römisch-katholischen "Priesterweihe" empfangen hat. Er wurde weder exkommuniziert, noch sei er aus der römisch-katholischen Kirche ausgetreten. Er schreibt konkret: "Letztendlich habe ich die Bischofsweihe nach dem römischen Ritus von einem römisch-katholischen Bischof und von einem zweiten Bischof mit der römisch-katholischen Sukzession erhalten, deshalb bin ich immer noch römisch-katholisch." (Zitate aus der privaten Erklärung Romulo Braschis, die sich in den Händen der Weihegruppe befindet).
UNTILGBARES PRÄGEMERKMAL
Das Erzbischöfliche Ordinariat ignoriert in seiner Presseerklärung das auf katholischer Lehre fußende Kirchenrechtliche Gesetz, das laut can. 1008 CIC besagt: "Durch das Sakrament der Weihe werden kraft göttlicher Weisung aus dem Kreis der Gläubigen einige mittels eines untilgbaren Prägemals, mit dem sie gezeichnet werden, zu geistlichen Amtsträgern bestellt", wenn sie behauptet: "ein römisch-katholischer Bischof" sei nur derjenige, "bei dem die Einheit mit der Institution römisch-katholische Kirche ... gegeben sei" (Zitat aus dem Schreiben des Erzbischöfliches Ordinariats vom 26.Juli 2002)
Das Ordinariat stellt sich mit seiner Behauptung gegen die Logik der Sakramentenlehre und gegen die vom Heiligen Geist ausgehenden Prozessabläufe des Weihevorgangs, die durch die Kraftübertragung des Heiligen Geistes in der apostolischen Sukzession weitergegeben werden und durch die die Geweihten für immer - unauslöschlich - gestärkt sind. "Unauslöschlich" bedeutet, "Einen Entzug der Weihegewalt kann es nicht geben "(can 1338 § 2 CIC), und auch Beugestrafen, wie die Exkommunikation, mindern zwar die Rechtsausübung des betroffenen Kirchengliedes, berühren aber die in der Taufe grundgelegte Zugehörigkeit zur römisch-katholischen Kirche nicht (vgl. N. Ruf, a.a.O., S. 72).
ORDINARIAT IGNORIERT "CHARAKTER INDELEBILIS" DER WEIHE
Das Ordinariat ignoriert mit seinem Schreiben die Sakramentalität der Taufe und Weihe (mit dem character indelebilis) und erfindet sogenannte Zusatzkriterien, wie Eintragung in ein Register der römisch-katholischen Kirche (Erzbischöfliches Ordinariat vom 26. Juli 2002: "Übrigens seien römisch-katholische Bischöfe im Päpstlichen Jahrbuch verzeichnet"). Damit geht das Ordinariat an wesentlichen Grundsätzen der römisch-katholischen Kirchenlehre vorbei und ignoriert kircheneigene Gesetze.
ORDINARIAT ZITIERT FALSCH
Auch die Zitate, die das Erzbischöfliche Ordinariat verwendet, gehen an den Wesensmerkmalen der Weihe vorbei: Wesensmerkmal ist nicht eine Befehlsausführung für eine weltliche sich verändernde Institution, sondern Wesensmerkmal ist, ob die in der römisch-katholischen Kirche für die Gültigkeit einer Weihe verlangte "apostolische Sukzession" = "die legitime Nachfolge seit Petrus", gegeben ist und nachgewiesen werden kann.
Das Erzbischöfliche Ordinariat zitiert bei seinen Behauptungen Monsignore Dr. Romulo Braschi falsch, und zwar in einem falschen Zusammenhang und mit falschen Worten: Die Erzdiözese schreibt: Braschi habe "festgestellt, er könne die Frauen gar nicht für die römisch-katholische Kirche weihen", in Wirklichkeit kann aber den Originaldokumenten entnommen werden, dass Monsignore Dr. Romulo Braschi folgenden Satz geschrieben hat: "er könne die Weihe nicht für die römisch-katholische Kirche vornehmen". Seine "Feststellung" ist eine ganz andere, als von der Erzdiözese behauptet, sie geht in die Richtung der Bestätigung seiner legitimen Weihekraft. Monsignore Dr. Romulo Braschi stellt nämlich fest: "dass ich in legitimer und authentischer Form die apostolische Nachfolge des Heiligen Petrus bekleide ..." Die Erzdiözese München hat also sowohl falsch als auch aus dem Zusammenhang gerissen zitiert.
ORDINARIAT ZITIERT SINNENTSTELLEND
Die angegeben Zitate des Ordinariats sind zudem sinnentstellend: "Jemand für etwas nicht weihen", wie es in der falsch zitierenden Presseerklärung des Ordinariats vom 26. Juli 2002 heißt, bedeutet, dass der Weihende bewußt, unbewußt oder von der Eignung her, eine Weihe nicht durchführen kann oder will - genau das ist aber bei Monsignore Dr. Romulo Braschi nicht der Fall. Dagegen "eine Weihe nicht für jemanden vornehmen", so wie Monsignore Dr. Romulo Braschi schreibt, bedeutet, dass der Weihende zwar alle Weihefähigkeiten hat und eine durch seine legitime Nachfolge des Apostels Petrus gültige Weihe spenden kann, er sich selbst aber nicht als Vollzugsorgan einer Institution sieht. Der Nachsatz, der vom Ordinariat nicht zitiert wurde, bestätigt das legitime Handeln von Monsignore Dr. Romulo Braschi: "dass ich in legitimer und authentischer Form die apostolische Nachfolge des Heiligen Petrus habe".
ERSUCHEN AN DAS ORDINARIAT
Wir ersuchen die Erzdiözese München-Freising ihre Veröffentlichungen wissenschaftlich exakt und sachlich richtig zu formulieren und keine falschen Behauptungen zu verbreiten. Zentral ist die Aussage: Die im Sakrament der Taufe grundgelegte Kirchengliedschaft wird auch durch eventuell eingetretene Tatstrafen (Exkommunikation ...) nicht rückgängig gemacht (vergl. Ruf, a.a.O, S. 71).
Jeder gültig geweihte Bischof, auch der häretische, schismatische ... oder exkommunizierte, kann das Weihesakrament gültig spenden, vorausgesetzt, dass er die erforderliche Intention hat und den wesentlichen äußeren Ritus einhält (L. Ott: Grundriß der katholischen Dogmatik, Freiburg 1957, S. 546)
Die Handlungen der Gruppe: WEIHEÄMTER FÜR FRAUEN waren genauestens vorbereitet und wurden verantwortungsvoll durchgeführt. Die Gruppe würde es sehr begrüßen, wenn die Amtskirche nicht mit Härte, Unsachlichkeit und falschen Zitaten drohen, sondern sich einem fundierten, offenen Dialog über das SAKRAMENT DER Weihe UND SEINE AUSWIRKUNGEN öffnen würde.
BUCH: WIR SIND PRIESTERINNEN
Das Buch: WIR SIND PRIESTERINNEN unterliegt mit den beanstandeten Passagen der Einstweiligen Verfügung, es kann deshalb derzeit nur mit zwei geschwärzten Stellen bezogen werden
bei KIRCHE-IN, E-mail: office@kirche-in.at oder
bei der GRUPPE "Weiheämter für Frauen", E-mail: priesterinnen@utanet.at
Christine Mayr Lumetzberger, Sprecherin Österreich
Dr. Gisela Forster, Sprecherin Deutschland
AN DIE KONGREGATION FÜR DIE GLAUBENSLEHRE
Palazzo del S. Ufficio
I 100129 Citta del Vaticano
1. Per Boten an die
2. Vorab per Telefax: 030 61624300
Lilienthalstr. 3 a
3. Vorab per Telefax: 0039 06 69 88 34 09
S.E. Joseph Cardinal Ratzinger pers.
Betreff: Dekret zur Feststellung der Exkommunikation vom 05.08.2002
hiermit sowohl im eigenen Namen als auch im Namen von Dr. Ida Raming, Dr.Iris Müller, Adelinde Theresia Roitinger, Pia Brunner und Angela White gem. can. 1734 - § 1 CIC bei der Kongregation für die Glaubenslehre die
des Dekrets zur Feststellung der Exkommunikation vom 05.08.2002.
Zugleich beantragen
wir gem. can. 1481 - § 2 CIC die Beiordnung eines im Kirchenrecht kundigen Anwalts für das weitere Verfahren.
1. Es fehlt bereits an der ordnungsgemäßen Bekanntgabe des Dekrets. Gem. can. 1509 - § 1 CIC hat die Bekanntgabe von Dekreten durch die Post oder auf eine andere äußerst sichere Weise zu erfolgen. Wir haben von der Feststellung der Exkommunikation am 5. 8. 2002 um 13 Uhr 30 nur aus der Presse erfahren. Am Samstag, den 10.08.2002 lag vor einer Zimmertür in Berg ein Brief ohne Absenderangabe, der das Dekret der Kongregation für die Glaubenslehre enthielt. Die Niederlegung eines Briefes ohne Absenderangabe ist keine "äußerst sichere Weise" der Übermittlung und stellt damit keine ordnungsgemäße Bekanntgabe dar. Damit ist das Dekret uns gegenüber nicht wirksam geworden und kann keinerlei Rechtswirkungen entfalten.
2. Gleichwohl stellen wir vorsorglich Antrag gem. can. 1734 - § 1 CIC, den wir folgendermaßen begründen:
Wir haben das uns vorgeworfene "schwerwiegende Vergehen" (ebenso wenig wie die anderen fünf Frauen) nicht begangen.
Begründung im Einzelnen:
1. Die Gleichberechtigung der Frau ist in allen demokratischen Ländern der Welt festgeschrieben. Diskriminierungen von Personen auf Grund ihres Geschlechtes sind weltweit verboten und widersprechen vor allem auch dem christlichen Glaubensverständnis (vergl.II. Vatikanisches Konzil: LG Nr. 32;GS Nr.29).
2. Monsignore Romulo Braschi hat nicht "versucht", die "Priesterweihe" zu erteilen, sondern er hat Kraft seiner apostolischen Sukzession unter Anrufung des Heiligen Geistes die Priesterinnenweihe sakramental gültig gespendet. Der Wortlaut der Weihe entspricht in allen Details der vorgeschriebenen römisch-katholischen Priesterweihe. Der Vorgang wurde von einem Notar dokumentiert.
3. Die Priesterinnenweihe war keine "Simulation eines Sakramentes", sondern eine ordnungsgemäße Sakramentenspendung. Die Weihe kann daher nicht ungültig und nicht nichtig sein (vergl. Canon 849 CIC: "Die Taufe ist die Eingangspforte zu den Sakramenten.")
4. Über den "Platz" der Frauen in der Kirche sollten nicht Männer allein entscheiden, sondern nur Männer im Dialog mit Frauen. Dieser Dialog wird von den verantwortlichen Amtsträgern der Kirche seit Jahrzehnten verweigert. Sie haben daher nicht das Recht, die "Stellung der Frau" in der Kirche zu bestimmen.
5. Die Aussagen in "Ordinatio sacerdotalis" basieren auf einer überholten frauenfeindlichen Anthropologie: Der vermeintliche angemasste Vorrang des Mannes vor der Frau wird als "göttliche Verfassung" der Kirche deklariert. Bekanntlich ist die Begründung des Apostolischen Schreibens "Ordinatio sacerdotalis" für den Ausschluss der Frau von der Priesterweihe von einer großen Zahl maßgebender Theologen und Theologinnen aus aller Welt als nicht stichhaltig zurückgewiesen worden. Wir verweisen auf die einschlägige Literatur.
6. Lehre des Christentums ist die Gleichrangigkeit von Mann und Frau: "Ihr alle, die ihr auf Christus getauft seid, habt Christus angezogen. Da sind nicht mehr Juden und Heiden, nicht Sklaven und Freie, nicht Mann und Frau; denn ihr alle seid 'einer' in Christus Jesus." (Galaterbrief 3,27f). Die verantwortlichen kirchenleitenden Amtsträger verursachen durch den Auschluß der Frau von allen Weiheämtern eine tiefgreifende Schranke zwischen Männern und Frauen und schaden so der Einheit der katholischen Kirche.
7. Im Handbuch des Katholischen Kirchenrechts( Listl, S. 1128, can. 1318 CIC) heißt es ausdrücklich, dass "die Beugestrafe, insbesondere die Exkommunikation nur mit allergrößter Zurückhaltung und nur für schwerste Straftaten" angewendet werden sollte.
Im CIC werden folgende Straftaten mit der Exkommunikation belegt:
1. Glaubensabfall: Canon 1364 CIC
2. Irrglauben: Canon 1364 CIC
3. Abtrünnigkeit: Canon 1364 CIC
4. Kirchenaustritt: Canon 1364 CIC
5. Verletzung des Beichtgeheimnisses: Canon 1388 CIC
6. Abtreibung: Canon 1398 CIC
7. Wegwerfen von Hostien: Canon 1367 CIC
8. Physische Gewalt gegen den Papst: Canon 1370 CIC
9. Absolution des Mitschuldigen an einer Sünde gegen das sechste Gebot: Canon: 977 CIC und Canon 1378 CIC
Keines dieser Delikte haben wir Frauen begangen. Die 7 Frauen, die sich am 29. Juni 2002 zu Priesterinnen weihen ließen, können nicht erkennen, warum diese Weihe ein "schwerwiegendes Vergehen" sein soll, wenn keines der im Kirchenrecht erwähnten Delikte begangen wurde.
Die 7 geweihten Frauen weisen ausdrücklich darauf hin, dass sie den "Weg zur Einheit im Glauben und zur Gemeinschaft mit der Kirche" niemals verlassen haben und dass sie daher auch nicht zur Kirche "zurückzufinden" brauchen. Die Frauen bedauern, dass Joseph Cardinal Ratzinger anscheinend keinen der von ihnen an die Glaubenskongregation gesandten Briefe liest und bislang auf keines der mitgeteilten Argumente geantwortet hat. Die Frauen sehen darin eine menschenverachtende Verhaltensweise. Unter Bezugnahmen auf Libero Gerosa möchten die Frauen die Frage stellen, "ob die Kirche, wenn sie Strafen verhänge, nicht im Widerspruch zu ihrem Wesen stehe, eine Gemeinschaft der Liebe zu sein, die sich auf den freien Glaubensakt gründet" (Zitat: Libero Gerosa: Ist die Exkommunikation eine Strafe? in AfkKR 154 (1985), S. 83; In: Listl, Handbuch des katholischen Kirchenrechts, Pustet Verlag, Regensburg S. 1120). Die Frauen weisen darauf hin, dass es wünschenswert wäre, wenn sich auch der Präfekt der Glaubenskongregation an diesen Ursprung der Kirche erinnern und die "Liebe zum Nächsten" über die "Bestrafung des Nächsten" stellen würde. Im Besonderen verweisen die Frauen auf can. 50 CIC: "Bevor eine Autorität ein Dekret erläßt, soll sie notwendige Erkundigungen und Beweismittel einholen sowie nach Möglichkeit diejenigen hören, deren Rechte verletzt werden könnten."
Wir bitten deshalb eindringlich um Anhörung und um den längst fälligen Dialog mit den geweihten Frauen zusammen mit den weihenden Bischöfen und den zuständigen Diözesanbischöfen.
München, Linz, am 14. August 2002
AN DIE PRESSE am 18.9. 2002 0.00 Uhr
Herr Kardinal Ratzinger hatte laut Kirchenrecht, CIC can 1735, 30 Tage Zeit, auf den Einspruch der Gruppe: 'Weiheämter für Frauen' mit dem Antrag auf
1) Rücknahme der Exkommunikation
2) Beiordnung eines im Kirchenrecht kundigen Anwalts
zu antworten.
Die 30 Tage sind am 13.9.2002 um 14 Uhr verstrichen. Wir haben weitere 3 Tage auf eine Antwort von Herrn Kardinal Ratzinger gewartet. Bis heute ist eine Antwort von Herrn Kardinal Ratzinger nicht eingetroffen.
Herr Kardinal Ratzinger verweigert durch dieses Verhalten weiterhin den von uns beantragten Dialog und verstößt damit gegen entsprechende Vorschriften des Kirchenrechts, in denen ausdrücklich auf eine Anhörung der durch ein Strafdekret Betroffenen hingewiesen wird (vgl. can. 50 u. can. 1733 § 1 CIC).
Kardinal Ratzinger stellt sich damit auch gegen einschlägige Gesetze eines jeden Rechtsstaates, wonach für den Strafvollzug verpflichtend vorgeschrieben ist, dass Angeklagte "gehört" werden, vor Vollzug einer Strafe die Möglichkeit bekommen, ihre Lage darzustellen und einen grundätzlichen Schutz mit der Möglichkeit zur Verteidigung erhalten.
Angesichts dieser Sachlage stellt sich die prinzipielle Frage, inwieweit dieses Verhalten des Präfekten der Kongregation für die Glaubenslehre, Kardinal J. Ratzinger, vereinbar ist mit den Verfassungen demokratischer Staaten, und ob eine Institution, die elementare Grundrechte der Staaten, in denen sie wirkt, missachtet, die Privilegien dieser demokratischen Staaten in Anspruch nehmen darf. Konkret: Ist es hinnehmbar, dass demokratisch verfasste Staaten der Welt weiterhin der römisch-katholischen Kirche den bevorzugten Status: 'Anstalt des öffentlichen Rechts' geben, wenn die römisch-katholische Kirche sich explizit gegen Artikel 3 des Grundgesetzes (GG) der Bundesrepublik Deutschland stellt: "1) Alle Menschen sind vor dem Gesetz gleich. 2) Männer und Frauen sind gleichberechtigt. Der Staat fördert die tatsächliche Durchsetzung der Gleichberechtigung von Frauen und Männern und wirkt auf die Beseitigung bestehender Nachteile hin. 3) Niemand darf wegen seines Geschlechtes, seiner Abstammung, seiner Rasse, seiner Heimat und Herkunft, seines Glaubens, seiner religiösen und politischen Anschauungen benachteiligt oder bevorzugt werden...". Kann die römisch-katholische Kirche in Anspruch nehmen, von allen Bürgerinnen und Bürgern eines Staates Zuschüsse und Vergünstigungen zu erhalten, wenn sie nicht bereit ist, die Grundrechte dieser Bürgerinnen und Bürger zu achten und zu schützen?
Die Gruppe: 'Weiheämter für Frauen' erhebt deshalb aus formalen, inhaltlichen und verfassungsrechtlichen Gründen BESCHWERDE.
Diese BESCHWERDE wird von den Frauen in den nächsten 15 TAGEN eingereicht werden: Konkret muß sie bis zum 27.9. 2002 14 Uhr beim Präfekten der Kongregation für die Glaubenslehre vorliegen.
AN DIE KIRCHLICHEN REFORMGRUPPEN
Nachdem unsere Ordination (am 29.06.02) nun ein paar Monate hinter uns liegt, wollen wir - Mitglieder der Gruppe "Weiheämter für Frauen" - unsere derzeitige Situation in diesem Statement kurz umreißen und unsere Erwartungen an die kirchlichen Reformgruppen vorbringen. (Diese Ausführungen sind weniger als eine Bilanz unseres Aktes aufzufassen, sondern als vorläufige Information, die besonders an die Reformgruppen gerichtet ist.)
In unserer "Erklärung anlässlich der Frauenordination am 29.06." haben wir die Motivation für unser Handeln ausführlich dargelegt. (Dieser Text wurde vor der Ordination an die Reformgruppen geschickt und ist inzwischen u.a. auf der Website: www.virtuelle-dioezese.de veröffentlicht.) Wir haben darin hervorgehoben, dass wir trotz langjähriger, mindestens 40jähriger Argumentation für die Frauenordination eine Änderung der Rechtslage der Frauen in der römisch-katholischen Kirche nicht erreichen konnten. Vielmehr wurde der Ausschluss der Frauen vom Priesteramt seitens der Kirchenleitung durch wiederholte amtskirchliche Verlautbarungen noch verfestigt und als "definitiv" erklärt (s. u.a. Apostolisches Schreiben 'Ordinatio Sacerdotalis', 1994). Wir haben daher unsere Ordination contra legem (c.l.). als ein Zeichen des Protestes gegen die Reformunwilligkeit der Kirchenleitung vollzogen - vor allem aber als Aufruf und Anstoß zur Erneuerung der Kirche, besonders im Blick auf die Stellung der Frau.
Bekanntlich erfolgte die Reaktion aus dem Vatikan umgehend: Am 5. August 2002 wurden alle beteiligten 7 Frauen per Dekret von der Kongregation für die Glaubenslehre mit der Strafe der Exkommunikation belegt. Diese umgehende schroffe Reaktion verdeutlicht, dass der Akt der Ordination c. l. die Kirchenleitung an ihrer empfindlichsten Stelle getroffen hat, nämlich an ihrer ideologischen Basis. Das geht eindeutig aus der Stellungnahme des Sekretärs der Glaubenskongregation (Erzbischof Tarcisio Bertone) gegenüber Radio Vatikan (am 06.08.02) hervor. Er rechtfertigt die Exkommunikation folgendermaßen: "Das Verhalten ... der Frauen (= Ordination contra legem, d.Vf.) gefährdet die Struktur der Kirche, so wie sie gedacht, gewollt und eingerichtet ist von ihrem Gründer, unserem Herrn Jesus Christus, und auch von der Gemeinschaft der Apostel, und wie es eben auch die Tradition der Kirche bestätigt hat: Das Priesteramt ist den Männern anvertraut! ... Das Verhalten der Frauen verdient die schwerste in der Kirche zu verhängende Strafe, für den Fall, dass versucht wird, das Glaubensgut und das Regelfundament der Kirche selbst zu zerstören..." .
Der Akt der Frauenordination hat also eine große kirchenpolitische Bedeutung. Er richtet sich an die römisch-katholische Kirche als ganze, vor allem aber an ihre derzeitige Leitung; denn gerade im Hinblick auf die Stellung der Frau hat die römisch-katholische Kirche eine fundamentale Reform dringend nötig.
Was haben wir mit unserm Vorgehen bislang erreicht?
Die Thematik Frauenordination in der römisch-katholischen Kirche ist trotz der "endgültigen" Entscheidung gegen die Frauenordination aufgrund von "Ordinatio Sacerdotalis" und des damit verbundenen Diskussionsverbots weltweit wieder aktuell geworden.
Die ordinierten Frauen erhalten Einladungen zu Vorträgen und Gesprächen im In- und Ausland. Mehrere Studentinnen schreiben wissenschaftliche Arbeiten zum Thema Frauenordination und speziell über die Ordination am 29.06.
Schüler/innen behandeln die Thematik im Religionsunterricht.
Die Medien sind weiterhin an dem Thema interessiert.
Die Website: www.virtuelle-dioezese.de berichtet über die aktuellen Vorgänge... Zahlreiche Solidaritätsadressen aus dem In- u. Ausland sind inzwischen eingegangen.
Einige der ordinierten Frauen werden bereits um Seelsorge und Sakramentenspendung gebeten, vor allem von kranken Menschen.
Was erwarten bzw. erhoffen wir von den kirchlichen Reformgruppen:
Zunächst einmal das grundlegende Verständnis dafür, dass Frauen, die sich zum Diakonats- und Presbyteramt berufen fühlen, sich nicht länger auf eine unabsehbare "Wartebank" setzen lassen wollen; dass sie sich auch nicht mit scheinprogressiven Vorstellungen "abspeisen" lassen wollen, nach dem Prinzip: "Zuerst müssen die kirchlichen Ämter grundlegend reformiert bzw. umstrukturiert werden, dann erst können Frauen zugelassen werden...!" (Mit dieser Forderung werden bezeichnenderweise ja auch nicht die Männer konfrontiert, die sich auf eine Ordination vorbereiten!)
Dauernd sich wiederholende Fragen, z.B. nach den Weihebischöfen am 29.06., empfinden wir als störend und unnötig, weil sie die Bewegung für die Frauenordination nicht voranbringen. Die Ordination c.l. (am 29.06.) sollte so, wie sie war, mit ihren Vorzügen und Mängeln, akzeptiert werden und die besten Konsequenzen für die Sache der Frauenordination daraus gezogen werden. Unter den gegebenen Umständen in der röm.-kath. Kirche konnte wohl kaum eine 'bessere' Ordination erreicht werden.
Durch wissenschaftliche Untersuchungen der betreffenden Verlautbarungen der Glaubenskongregation wurde inzwischen nachgewiesen, dass die Exkommunikation der sieben Frauen sich auf kein entsprechendes Strafgesetz im CIC stützen kann (vgl. u.a. Klaus Lüdicke, Schutz durch das Recht? Exkommunikation von Frauen aufgrund Empfanges der Priesterweihe, in: Orientierung 66 (2002) Nr. 17, S.178-181). Daher ist die Exkommunikation ein reiner Willkürakt und nichtig. Dieses Vorgehen zeigt, dass die Glaubenskongregation sich sogar über das geltende Kirchenrecht hinwegsetzt. Dieser Sachverhalt sollte von den Reformgruppen öffentlich kritisiert und angeklagt werden. Darüber hinaus wäre eine kritische Analyse des kirchlichen Strafrechts erforderlich.
Gegenüber der Kirchenleitung, besonders auch gegenüber der Deutschen Bischofskonferenz, sollte betont werden, dass unsere Ordination nicht ein "Vorgang außerhalb der Kirche" ist, wie z.B. von der DBK behauptet wurde, sondern mitten in der Kirche stattgefunden hat. Denn wir bleiben römisch-katholisch und setzen durch unser Vorgehen ein deutliches Signal, dass von Gott geschenkte Berufungen von Frauen zu Diakonat und Priesteramt respektiert werden müssen - um der Erneuerung der römisch-katholischen Kirche willen - und dass daher der diskriminierende Ausschluss der Frauen von den Weiheämtern nicht länger hingenommen werden kann.
Oktober 2002 (versendet am 3.11.2002)
Für die Gruppe "Weiheämter für Frauen":
Dr. theol. Iris Müller / Dr. theol. Ida Raming
Presseerklärung zur "Bestätigung der Exkommunikation", Herausgeber Joseph Card. Ratzinger
Am 27.1.2003 nachmittags wurde über die Nachrichtenagenturen der Welt verbreitet, dass seine Eminenz Joseph Kardinal Ratzinger im Namen der römischen Glaubenskongregation im Pressesaal des Vatikans ein Schriftstück aushängen ließ, mit dem Inhalt, dass die 7 Frauen, die am 29. Juni 2002 auf einem Donauschiff die Priesterinnenweihe empfingen, endgültig exkommuniziert sind. Keiner von uns Frauen wurde ein Schreiben zugeschickt. Keine von uns wurde mündlich oder schriftlich informiert.
Der Gewaltakt gegen die Frauen wurde von 13 Kardinälen und zwei Erzbischöfen vollzogen. Frauen waren an den Entscheidungen nicht beteiligt. Neu ist, dass Papst Johannes Paul II persönlich in das Verfahren mit einbezogen wurde, er persönlich hat die Veröffentlichung des Dekrets der endgültigen Exkommunikation angeordnet, heißt es.
Alle 16 beteiligten höchsten römisch-katholischen Würdenträger, die die römisch-katholische Kirche bieten kann, drückten in dem Schlußwort des Dekrets ihre "Hoffnung" aus: Dass die Frauen den Weg zur Umkehr, zur Einheit im Glauben und zur Gemeinschaft mit der Kirche finden...
WIR FRAUEN ANTWORTEN HIERAUF:
Wir sind über das Vorgehen des Vatikans tief erschüttert und von den harten Worten schwer getroffen. Fortwährend hatten wir gehofft, dass die höchsten Würdenträger des Vatikans einen Schritt in Richtung Anerkennung der Frau und Berücksichtigung der Frau in allen kirchlichen Ämtern gehen würden. Es war zwar nicht zu erwarten, dass bei Kardinälen ein Prozess hin zu einer Gleichberechtigung der Frau einsetzen würde, aber es wurde doch erhofft, dass sie als Männer nach all unseren Appellen und Schreiben lernen würden, die Würde der Frauen ohne Einschränkungen zu achten.
Die Antwort heute zeigt jedoch, dass es den Kardinälen nicht gelungen ist, aus der jahrtausendealten Tradition der römisch-katholischen Kirche herauszutreten, sondern dass sie vielmehr in erschreckender Weise in gesellschaftlich längst überholten frauenfeindlichen Verhaltensmustern verharren. Wundert es, angesichts der Erziehung und der Lebensgeschichten dieser Männer? Zeigt nicht vielmehr auch dieser Gewaltakt gegen die Frauen, dass sie selbst Opfer eines dringend zu reformierenden Systems sind?
Wir hegen keinen Hass in Richtung Rom. Im Gegenteil, wir können nachdrücklich versichern, dass wir in all unserem Handeln die geforderte "Einheit des Glaubens" nicht verletzen, dass wir "in Gemeinschaft mit der Kirche handeln" und uns weder im vergangen Jahr irgendetwas daran lag oder zukünftig daran liegen wird, die Kirche zu verletzen.
Das Schreiben der Glaubenskongregation zeigt erneut, es liegt ein großes Missverständnis vor:
1. Der Vatikan glaubt, wir handeln gegen ihn, wollen ihm schaden oder Schmerzen zufügen, unser Ansinnen aber ist, die römisch-katholische Kirche gesunden zu lassen, sie zu öffnen hin zu einer Kirche, die für die Menschen der Gegenwart ansprechbar ist und dazu gehören die Gleichberechtigung der Frau genauso wie die ökumenische Annäherung. Wir kümmern uns um die Menschen, die von der beamteten Seelsorge nicht betreut werden. Auch diese Menschen haben ein Recht auf Gemeinschaft. Frauen und Männer wollen vor Gott einander die Ehe versprechen, ohne dass ihnen erhobene Zeigefinger entgegengestreckt werden. Alte und kranke Menschen und ihre Angehörigen und Freunde bitten um die Krankensalbung, wem steht es zu, diese zu verweigern?
2. Wir wissen, dass wir sakramental gültig geweiht sind. Der Hinweis der römischen Kardinäle bestätigt ja geradezu die sakramental gültige Weihe, denn wenn darauf hingewiesen werden muss, dass etwas "nichtig" ist, dann besagt das in logischer Konsequent, dass etwas stattgefunden haben muss. Das bedeutet: Die Glaubenskongregation weiß nicht mit absoluter Gewissheit, dass die sakramental gültige Weihe "nichtig" war, deshalb fühlt sie sich gezwungen, die "Nichtigkeit" durch ein Dekret zu erklären. Für uns ist die "sakramental gültige Weihe" durch dieses Vorgehen bestätigt.
3. Die Glaubenskongregation verhängte eine "Spruchstrafe", das heißt, dass wir Frauen durch die Weihe keine Tatstrafe begangen haben, sondern dass die Kardinäle uns durch "Aussprechen einer Strafe" verurteilen wollen. Dass unsere Handlung nicht zur Tatstrafe erklärt wurde, lässt uns hoffen, denn Beurteilungen von Menschen, und seien sie in einem noch so hohen Amt, lassen sich mit der Zeit revidieren und verändern (siehe Galilei).
4. Uns eine "Mittäterschaft" an einem Schisma vorzuwerfen, ist eine grobe Unterstellung. Wir Frauen haben in den vergangenen Monaten bewiesen, dass wir niemals auch nur daran dachten, ein Schisma anzuregen. Romulo Braschi ist ein Bischof in der apostolischen Sukzession, der sakramental gültig weihen kann. Das ist unbestritten und unabhängig von jedem Exkommunikationsversuch.
5. Beim päpstlichen Schreiben "ordinatio sacerdotalis" handelt es sich um KEIN Dogma - es ist daher nicht verpflichtend zu befolgen. Auf Grund dieser Argumentation werden wir weiter an der Gültigkeit unserer Weihe festhalten. Wir werden nicht provozieren, Niemanden in Gewissenskonflikte bringen, Pfarrer, die uns keine Kommunion mehr geben wollen, werden wir respektieren, sie nur auf die Freiheit des eigenen Gewissens hinweisen... und wir werden uns ganz nach dem Kirchenrecht richten, das besagt: Wenn jemand in Todesgefahr ist, dann dürfen wir auch als "Exkommunizierte" sakramental gültig Sakramente spenden. Bezogen auf das Leben: Wann sind Menschen nicht in Todesgefahr? Konkret: Wenn Menschen uns um Sakramente bitten, dann werden wir ihnen diese nicht verwehren, denn das wäre eine Sünde gegen unser Gewissen und das Gewissen steht auch bei der römisch-katholischen Kirche an höchster Stelle.
Dieser 1. STELLUNGNAHME wird in den nächsten Tagen ein persönliches Schreiben an die Kardinäle: Joseph Ratzinger und die anderen 12 Kardinäle, die "kollegial" gegen uns mitentschieden haben, folgen. Unmittelbar danach, werden wir 7 Frauen unsere "letzte Chance" nutzen und an den Papst persönlich einen APPELL zur Versöhnung mit der Hälfte der Menschheit (der weiblichen) richten.
Für Rückfragen am Dienstag:
Handy Christine Mayr- Lumetzberger: 0043 (0) 664 15 444 26
Handy Dr. Gisela Forster 0049 (0)172 8535405
E-Mail-Anfragen, die aber erst am Mittwoch beantwortet werden können, da wir als "Arbeiterpriesterinnen" im lebendigen Arbeitsleben tätig sind: mmcml@ping.at; gisela.forster@campus.lmu.de
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