Source: https://www.rechtslupe.de/wirtschaftsrecht/das-aerztebewertungsportal-basisdaten-3129372?pk_campaign=feed&pk_kwd=das-aerztebewertungsportal-basisdaten
Timestamp: 2020-04-06 01:33:53
Document Index: 23931442

Matched Legal Cases: ['§ 35', 'BGH', 'BGH', 'Art. 5', 'Art. 10', 'Art. 2', 'Art. 1', 'Art. 8', '§ 29', '§ 4', '§ 3']

Das Ärz­te­be­wer­tungs­por­tal – und die "Basis­da­ten" der Ärz­te | Rechtslupe
Das Ärz­te­be­wer­tungs­por­tal – und die "Basis­da­ten" der Ärz­te
Die Spei­che­rung und Über­mitt­lung per­so­nen­be­zo­ge­ner Daten einer Ärz­tin im Rah­men eines Arzt­su­che- und Arzt­be­wer­tungs­por­tals im Inter­net ohne Zustim­mung der Ärz­tin kann unzu­läs­sig sein.
In dem hier vom Bun­des­ge­richts­hof ent­schie­de­nen Fall strit­ten die Par­tei­en um die Auf­nah­me der kla­gen­den Ärz­tin in das Arzt­be­wer­tungs­por­tal der Beklag­ten.
Die beklag­te Port­al­be­trei­be­rin betreibt unter der Inter­net­adres­se www.jameda.de ein Arzt­su­che- und Arzt­be­wer­tungs­por­tal, auf dem Infor­ma­tio­nen über Ärz­te und Trä­ger ande­rer Heil­be­ru­fe kos­ten­frei abge­ru­fen wer­den kön­nen.
Als eige­ne Infor­ma­tio­nen der Port­al­be­trei­be­rin wer­den die soge­nann­ten "Basis­da­ten" eines Arz­tes ange­bo­ten. Zu ihnen gehö­ren – soweit die­se Anga­ben der Port­al­be­trei­be­rin bekannt sind – aka­de­mi­scher Grad, Name, Fach­rich­tung, Pra­xis­an­schrift, wei­te­re Kon­takt­da­ten sowie Sprech­zei­ten und ähn­li­che pra­xis­be­zo­ge­ne Infor­ma­tio­nen.
Dane­ben sind Bewer­tun­gen abruf­bar, die Nut­zer in Form eines Noten­sche­mas, aber auch von Frei­t­ext­kom­men­ta­ren, abge­ge­ben haben. Die Port­al­be­trei­be­rin bie­tet den Ärz­ten den kos­ten­pflich­ti­gen Abschluss von Ver­trä­gen an, bei denen ihr Pro­fil – anders als das Basis­pro­fil der nicht­zah­len­den Ärz­te – mit einem Foto und zusätz­li­chen Infor­ma­tio­nen ver­se­hen wird.
Dane­ben wer­den beim Auf­ruf des Pro­fils eines nicht­zah­len­den Arz­tes als "Anzei­ge" gekenn­zeich­net die Pro­fil­bil­der unmit­tel­ba­rer Kon­kur­ren­ten glei­cher Fach­rich­tung im ört­li­chen Umfeld mit Ent­fer­nungs­an­ga­ben und Noten ein­ge­blen­det. Dem­ge­gen­über blen­det die Port­al­be­trei­be­rin bei Ärz­ten, die sich bei ihr kos­ten­pflich­tig regis­triert und ein "Pre­mi­um-Paket" gebucht haben, kei­ne Kon­kur­ren­ten auf deren Pro­fil ein.
Die kla­gen­de Ärz­tin ist nie­der­ge­las­se­ne Der­ma­to­lo­gin und All­er­go­lo­gin. In dem Por­tal wird sie als Nicht­zah­le­rin gegen ihren Wil­len ohne Bild mit ihrem aka­de­mi­schen Grad, ihrem Namen, ihrer Fach­rich­tung und ihrer Pra­xis­an­schrift geführt. Bei Abruf ihres Pro­fils auf dem Por­tal erschei­nen unter der Rubrik "Haut­ärz­te (Der­ma­to­lo­gen) (mit Bild) in der Umge­bung" wei­te­re (zah­len­de) Ärz­te mit dem­sel­ben Fach­be­reich und mit einer Pra­xis in der Umge­bung der Pra­xis. Dar­ge­stellt wird neben der Note des jewei­li­gen ande­ren Arz­tes die jewei­li­ge Distanz zwi­schen des­sen Pra­xis und der Pra­xis der kla­gen­den Ärz­tin. Die­se erhielt in der Ver­gan­gen­heit mehr­fach Bewer­tun­gen. Sie bean­stan­de­te durch ihre frü­he­ren Pro­zess­be­voll­mäch­tig­ten im Jahr 2015 ins­ge­samt 17 abruf­ba­re Bewer­tun­gen auf dem Por­tal. Nach deren Löschung stieg die Gesamt­no­te der Klä­ge­rin von 4,7 auf 1,5.
Die Ärz­tin ver­lang­te mit der nun letzt­in­stanz­lich vom Bun­des­ge­richts­hof ent­schie­de­nen Kla­ge von der Port­al­be­trei­be­rin die voll­stän­di­ge Löschung ihres Ein­trags in www.jameda.de, die Löschung ihrer auf der Inter­net­sei­te www.jameda.de ver­öf­fent­lich­ten Daten, auf Unter­las­sung der Ver­öf­fent­li­chung eines sie betref­fen­den Pro­fils auf der genann­ten Inter­net­sei­te sowie Ersatz vor­ge­richt­li­cher Rechts­an­walts­kos­ten.
Das erst­in­stanz­lich hier­mit befass­te Land­ge­richt Köln hat die Kla­ge abge­wie­sen 1. Auch die Beru­fung der Ärz­tin blieb vor dem Ober­lan­des­ge­richt Köln ohne Erfolg 2. Mit der vom Ober­lan­des­ge­richt im Beru­fungs­ur­teil zuge­las­se­nen Revi­si­on ver­folgt die Ärz­tin ihre Kla­ge­an­trä­ge wei­ter und hat­te nun vor dem Bun­des­ge­richts­hof Erfolg; der Bun­des­ge­richts­hof gab ihrer Kla­ge statt:
Nach § 35 Abs. 2 Satz 2 Nr. 1 BDSG sind per­so­nen­be­zo­ge­ne Daten zu löschen, wenn ihre Spei­che­rung unzu­läs­sig ist. Dies war vor­lie­gend der Fall.
Der Senat hat mit Urteil vom 23. Sep­tem­ber 2014 ((BGH, Urteil vom 23.09.2014 – VI ZR 358/​13, -BGHZ 202, 242) für das auch hier streit­ge­gen­ständ­li­che Bewer­tungs­por­tal bereits im Grund­satz ent­schie­den, dass eine Spei­che­rung der per­so­nen­be­zo­ge­nen Daten mit eine Bewer­tung der Ärz­te durch Pati­en­ten zuläs­sig ist.
Der vor­lie­gen­de Fall unter­schei­det sich vom dama­li­gen in einem ent­schei­den­den Punkt. Mit der vor­be­schrie­be­nen, mit dem Bewer­tungs­por­tal ver­bun­de­nen Pra­xis ver­lässt die Port­al­be­trei­be­rin ihre Stel­lung als "neu­tra­ler" Infor­ma­ti­ons­mitt­ler. Wäh­rend sie bei den nicht­zah­len­den Ärz­ten dem ein Arzt­pro­fil auf­su­chen­den Inter­net­nut­zer die "Basis­da­ten" nebst Bewer­tung des betref­fen­den Arz­tes anzeigt und ihm mit­tels des ein­ge­blen­de­ten Quer­bal­kens "Anzei­ge" Infor­ma­tio­nen zu ört­lich kon­kur­rie­ren­den Ärz­ten bie­tet, lässt sie auf dem Pro­fil ihres "Premium"-Kunden – ohne dies dort dem Inter­net­nut­zer hin­rei­chend offen­zu­le­gen – sol­che über die ört­li­che Kon­kur­renz unter­rich­ten­den wer­ben­den Hin­wei­se nicht zu. Nimmt sich die Port­al­be­trei­be­rin aber in die­ser Wei­se zuguns­ten ihres Wer­be­an­ge­bots in ihrer Rol­le als "neu­tra­ler" Infor­ma­ti­ons­mitt­ler zurück, dann kann sie ihre auf das Grund­recht der Mei­nungs- und Medi­en­frei­heit (Art. 5 Abs. 1 Satz 1 GG, Art. 10 EMRK) gestütz­te Rechts­po­si­ti­on gegen­über dem Recht der Klä­ge­rin auf Schutz ihrer per­so­nen­be­zo­ge­nen Daten (Recht auf infor­ma­tio­nel­le Selbst­be­stim­mung, Art. 2 Abs. 1 i. V. m. Art. 1 Abs. 1 GG, Art. 8 Abs. 1 EMRK) auch nur mit gerin­ge­rem Gewicht gel­tend machen. Das führt hier zu einem Über­wie­gen der Grund­rechts­po­si­ti­on der Klä­ge­rin, so dass ihr ein "schutz­wür­di­ges Inter­es­se an dem Aus­schluss der Spei­che­rung" ihrer Daten (§ 29 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 BDSG) zuzu­bil­li­gen ist.
Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 20. Febru­ar 2018 – VI ZR 30/​17
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LG Köln, Urteil vom 13.07.2016 – 28 O 7/​16[↩]
OLG Köln, Urteil vom 05.01.2017 – 15 U 121/​16, AfP 2017, 164[↩]