Source: https://www.rechtslupe.de/steuerrecht/einkommensteuer/einkommensteuer-privat/kindergeldanspruch-bei-dualer-ausbildung-397921
Timestamp: 2020-01-21 18:05:04
Document Index: 160445482

Matched Legal Cases: ['§ 32', '§ 62', '§ 63', '§ 32', '§ 32', '§ 32', '§ 32', '§ 32', '§ 32', '§ 32', '§ 32', '§ 32', '§ 32', '§ 32', '§ 32', '§ 32', '§ 12', '§ 32']

Kin­der­geld­an­spruch bei dua­ler Aus­bil­dung | Rechtslupe
Kin­der­geld­an­spruch bei dua­ler Aus­bil­dung
ein Kind, das ein dua­les Stu­di­um durch­führt, hat sei­ne Erst­aus­bil­dung i.S. des § 32 Abs. 4 Satz 2 EStG noch nicht mit der erfolg­rei­chen Absol­vie­rung einer stu­di­en­in­te­grier­ten prak­ti­schen Aus­bil­dung in einem Lehr­be­ruf (hier: zur Fach­in­for­ma­ti­ke­rin) been­det, son­dern die Erst­aus­bil­dung dau­ert jeden­falls bis zum Abschluss eines par­al­lel durch­ge­führ­ten Bache­lor­stu­di­ums fort 1.
Dem­ge­mäß ist ein sich in dua­ler Aus­bil­dung befind­li­ches Kind bis zum Bache­lor-Abschluss als Kind des Klä­gers nach § 62 Abs. 1, § 63 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 i.V.m. § 32 Abs. 1 Nr. 1, Abs. 4 Satz 1 Nr. 2 Buchst. a EStG zu berück­sich­ti­gen, weil es das 18. Lebens­jahr, aber noch nicht das 25. Lebens­jahr voll­endet hat und für einen Beruf aus­ge­bil­det wird. Weder die Ände­rung des § 32 Abs. 4 Sät­ze 2 und 3 EStG durch das Steu­er­ver­ein­fa­chungs­ge­setz 2011 vom 01.11.2011 2 noch die erneu­te ‑rück­wir­ken­de- Ände­rung des § 32 Abs. 4 Satz 2 EStG durch das Gesetz zur Umset­zung der Amts­hil­fe­richt­li­nie sowie zur Ände­rung steu­er­li­cher Vor­schrif­ten vom 26.06.2013 3 haben an der Aus­le­gung des § 32 Abs. 1 Nr. 1, Abs. 4 Satz 1 Nr. 2 Buchst. a EStG etwas geän­dert 4.
Gemäß § 32 Abs. 4 Satz 2 EStG i.d.F. des Amts­hil­feR­LUmsG, der rück­wir­kend zum 1.01.2012 in Kraft getre­ten ist und den das Finanz­ge­richt sei­nem Urteil zugrun­de gelegt hat, wird ein Kind nach Abschluss einer erst­ma­li­gen Berufs­aus­bil­dung oder eines Erst­stu­di­ums in den Fäl­len des Sat­zes 1 Nr. 2 nur berück­sich­tigt, wenn das Kind kei­ner Erwerbs­tä­tig­keit nach­geht. Nach der Recht­spre­chung des III. Bun­des­fi­nanz­hofs des BFH 5, der sich der Bun­des­fi­nanz­hof anschließt, gel­ten für die Aus­le­gung die­ser Vor­schrift fol­gen­de Grund­sät­ze:
§ 32 Abs. 4 Satz 2 EStG n.F. ist dahin aus­zu­le­gen, dass der Begriff des Erst­stu­di­ums nur einen Unter­fall des Ober­be­grif­fes der erst­ma­li­gen Berufs­aus­bil­dung dar­stellt 6.
Der in § 32 Abs. 4 Satz 2 EStG n.F. ver­wen­de­te Berufs­aus­bil­dungs­be­griff ist enger aus­zu­le­gen als das in § 32 Abs. 4 Satz 1 Nr. 2 Buchst. a EStG ver­wen­de­te Tat­be­stands­merk­mal "Kind, das … für einen Beruf aus­ge­bil­det wird" 7.
Für die Fra­ge, ob bereits der ers­te (objek­tiv) berufs­qua­li­fi­zie­ren­de Abschluss in einem öffent­lich-recht­lich geord­ne­ten Aus­bil­dungs­gang zum Ver­brauch der Erst­aus­bil­dung füh­ren soll oder ob bei einer mehr­ak­ti­gen Aus­bil­dung auch ein nach­fol­gen­der Abschluss Teil der Erst­aus­bil­dung sein kann, ist nach der sys­te­ma­ti­schen Stel­lung, dem Zweck der Vor­schrift und der Funk­ti­on des Fami­li­en­leis­tungs­aus­gleichs dar­auf abzu­stel­len, ob sich der ers­te Abschluss als inte­gra­ti­ver Bestand­teil eines ein­heit­li­chen Aus­bil­dungs­gangs dar­stellt 8. Auch im Rah­men der durch § 32 Abs. 4 Satz 2 EStG erfolg­ten Abgren­zung zwi­schen der steu­er­recht­lich zu berück­sich­ti­gen­den Unter­halts­ver­ant­wor­tung der Eltern für "eine" Aus­bil­dung des Kin­des und der Ver­ant­wor­tung des Kin­des für die eige­ne Unter­halts­si­che­rung darf bei mehr­ak­ti­gen Aus­bil­dun­gen das von den Eltern und dem Kind bestimm­te Berufs­ziel nicht außer Betracht gelas­sen wer­den 9.
Ist auf­grund objek­ti­ver Beweis­an­zei­chen erkenn­bar, dass das Kind die für sein ange­streb­tes Berufs­ziel erfor­der­li­che Aus­bil­dung nicht bereits mit dem ers­ten erlang­ten Abschluss been­det hat, kann auch eine wei­ter­füh­ren­de Aus­bil­dung noch als Teil der Erst­aus­bil­dung zu qua­li­fi­zie­ren sein. Abzu­stel­len ist dabei dar­auf, ob sich die ein­zel­nen Aus­bil­dungs­ab­schnit­te als inte­gra­ti­ve Tei­le einer ein­heit­li­chen Aus­bil­dung dar­stel­len. Inso­weit kommt es vor allem dar­auf an, ob die Aus­bil­dungs­ab­schnit­te in einem engen sach­li­chen Zusam­men­hang (z.B. die­sel­be Berufs­spar­te, der­sel­be fach­li­che Bereich) zuein­an­der ste­hen und in engem zeit­li­chen Zusam­men­hang durch­ge­führt wer­den 9.
Die in § 32 Abs. 4 Satz 3 EStG n.F. vor­ge­se­he­ne Ein­schrän­kung des § 32 Abs. 4 Satz 2 EStG n.F. steht die­ser Aus­le­gung nicht ent­ge­gen 10.
Für eine Beschrän­kung des Erst­aus­bil­dungs­be­grif­fes auf den ers­ten (objek­tiv) berufs­qua­li­fi­zie­ren­den Abschluss spricht auch nicht, dass bei Kin­dern, die nach einem sol­chen Abschluss einer den Umfang des § 32 Abs. 4 Satz 3 EStG n.F. über­schrei­ten­den Erwerbs­tä­tig­keit nach­ge­hen, die Frei­stel­lung des Exis­tenz­mi­ni­mums des Kin­des im Rah­men der Besteue­rung der Ein­künf­te des Kin­des statt­fin­det, so dass bei Anwen­dung der Ver­wal­tungs­auf­fas­sung eine effek­ti­ve steu­er­recht­li­che Frei­stel­lung des Exis­tenz­mi­ni­mums des Kin­des sowohl auf der Ebe­ne der Besteue­rung der Eltern als auch auf der Ebe­ne der Besteue­rung des Kin­des fehl­schla­gen könn­te 11.
Bei der Aus­le­gung der in § 32 Abs. 4 Satz 2 EStG n.F. ver­wen­de­ten Begrif­fe der erst­ma­li­gen beruf­li­chen Aus­bil­dung und des Erst­stu­di­ums besteht kei­ne Bin­dung an eine ggf. abwei­chen­de Aus­le­gung die­ser Begrif­fe im Rah­men des § 12 Nr. 5 EStG 12.
Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 16. Juni 2015 – XI R 1/​14
BFH, Urteil vom 03.07.2014 – III R 52/​13, BFHE 246, 427, BSt­Bl II 2015, 152[↩]
vgl. BFH, Urteil in BFHE 246, 427, BSt­Bl II 2015, 152, unter II. 1. i.V.m. II. 2.b[↩]
Urteil in BFHE 246, 427, BSt­Bl II 2015, 152, unter II. 3.[↩]
BFH, Urteil in BFHE 246, 427, BSt­Bl II 2015, 152, Rz 19 ff.; BR-Drs. 54/​11, S. 55 f.[↩]
BFH, Urteil in BFHE 246, 427, BSt­Bl II 2015, 152, Rz 22 ff.; BR-Drs. 54/​11, S. 55 f.[↩]
BFH, Urteil in BFHE 246, 427, BSt­Bl II 2015, 152, Rz 25 ff.; Sei­ler in Kirch­hof, EStG, 14. Aufl., § 32 Rz 17[↩]
BFH, Urteil in BFHE 246, 427, BSt­Bl II 2015, 152, Rz 31 f.[↩]
BFH, Urteil in BFHE 246, 427, BSt­Bl II 2015, 152, Rz 33[↩]
BFH, Urteil in BFHE 246, 427, BSt­Bl II 2015, 152, Rz 34; s.a. BFH, Urteil vom 27.05.2003 – VI R 33/​01, BFHE 202, 314, BSt­Bl II 2004, 884[↩]
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