Source: http://strafrecht-online.org/problemfelder/at/versuch/ruecktritt/untaugl-versuch/
Timestamp: 2018-07-21 09:23:22
Document Index: 104802591

Matched Legal Cases: ['§ 24', '§ 24', '§ 24', '§ 24', '§ 37', '§ 24']

Rücktritt vom untauglichen Versuch
Beendet; Unbeendet; Verhindern; Bemühen; Erfolgseintritt
Auch der untaugliche Versuch wird von der Versuchsstrafbarkeit erfasst (vgl. hierzu das entsprechende Problemfeld). Fraglich ist, ob der Täter auch von einem untauglichen Versuch zurücktreten kann, bei welchem der Erfolg (zum Beispiel wegen Einsatzes eines ungeeigneten Mittels) objektiv nicht eintreten kann.
Unbeendeter Versuch:
Glaubt der Täter, noch nicht alles zur Herbeiführung des gewünschten Erfolgs Notwendige getan zu haben, handelt es sich also um einen unbeendeten Versuch, kann der Täter auch dann gem. § 24 I 1 Alt. 1 mit Aufgabe der weiteren Ausführung zurücktreten, solange er die Untauglichkeit seiner Handlungen noch nicht erkannt hat (RGSt 68, 82; Wessels/Beulke/Satzger Strafrecht AT, 46. Aufl. 2016, Rn. 902).
Beendeter Versuch:
Der Rücktritt vom beendeten Versuch ist gem. § 24 I 1 Alt. 2 möglich, wenn der Täter freiwillig die Vollendung der Tat verhindert. Da der Erfolg beim untauglichen Versuch bereits objektiv nicht eintreten kann, kann der Täter auch keine Kausalkette in Gang setzen, die den Erfolgseintritt verhindert.
Beispiel: A schießt auf den vermeintlich schlafenden B, bereut dies sodann jedoch und setzt einen Notruf ab. Tatsächlich war B jedoch bereits vor dem Schuss gestorben.
Beim untauglichen Versuch entfällt damit der Rücktritt nach § 24 I 1 Alt. 2. Dies würde für sich gesehen jedoch zu dem unbilligen Ergebnis führen, dass der Täter eines tauglichen Versuchs strafbefreiend zurücktreten könnte, während für den eher ungefährlicheren Täter eines untauglichen Versuchs diese Möglichkeit nicht besteht. Diese Lücke wird von § 24 I 2 geschlossen (Rengier Strafrecht AT, 8. Aufl. 2016, § 37 Rn. 136 f.). Danach kann der Täter auch dadurch zurücktreten, dass er – sollte die Tat auch ohne sein Zutun nicht vollendet werden – sich freiwillig und ernsthaft um die Verhinderung bemüht. Dies gilt inzwischen unstreitig auch für den untauglichen Versuch, jedoch nur, solange sich der Täter der Untauglichkeit seiner ursprünglichen Handlung nicht bewusst ist, andernfalls läge ein fehlgeschlagener Versuch vor (Schönke/Schröder/Eser/Bosch StGB, 29. Aufl. 2014, § 24 Rn. 68 f.; Wessels/Beulke/Satzger Strafrecht AT, Rn. 908).