Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Gericht=OLG%20Stuttgart&Datum=19.05.2011&Aktenzeichen=1%20Ss%20175/11
Timestamp: 2019-05-20 11:48:19
Document Index: 396005795

Matched Legal Cases: ['§ 130', 'Art 4', 'Art. 4', 'Art. 5', 'Art. 4', '§ 130']

OLG Stuttgart, 19.05.2011 - 1 Ss 175/11 - dejure.org
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OLG Stuttgart, 19.05.2011 - 1 Ss 175/11 (https://dejure.org/2011,8876)
OLG Stuttgart, Entscheidung vom 19.05.2011 - 1 Ss 175/11 (https://dejure.org/2011,8876)
OLG Stuttgart, Entscheidung vom 19. Mai 2011 - 1 Ss 175/11 (https://dejure.org/2011,8876)
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Volksverhetzung: Tatbestandsmäßige Zuordnung der die islamischen Grundpflichten nicht befolgenden Muslime in Deutschland; Schutzbereich des Religionsgrundrechts für religiöse Bekenntnisschriften
StGB § 130; GG Art 4 Abs. 1
Nichtfasten im Ramadhan und die Volksverhetzung
AG Böblingen - 12 Cs 3 Js 103498/08
LG Stuttgart, 24.01.2011 - 40 Ns 3 Js 103498/08
Wie die Meinungsfreiheit vorbehaltlich ihrer Schranken auch extremistische Meinungen schützt, schützt das Religionsgrundrecht vorbehaltlich seiner Schranken auch fundamentalistische oder extremistische religiöse Bekenntnisse (vgl. OLG Stuttgart, Urteil v. 19.05.2011 - Az. 1 Ss 175/11 -, juris, Rn. 14); es schützt den Grundrechtsträger auch vor diffamierenden, diskriminierenden oder verfälschenden Darstellungen (…vgl. BVerfG, Beschluss v. 26.06.2002 - Az. 1 BvR 670/91 -, juris, Rn. 53).
Die Bekenntnisfreiheit nach Art. 4 Abs. 1 GG ist für den religiösen Bereich lex specialis zu Art. 5 Abs. 1 GG und folgt den zur Meinungsfreiheit entwickelten Grundsätzen (OLG Stuttgart, Urteil v. 19.05.2011, a. a. O., Rn. 15).
Der objektive Sinn wird vielmehr auch vom Kontext und den Begleitumständen der Äußerung bestimmt, soweit diese für den Rezipienten erkennbar sind (…vgl. BVerfG, Beschluss v. 12.05.2009 - Az. 1 BvR 2272/04 -, juris, Rn. 31;… BVerfG, Beschluss v. 24.09.2009 - 2 BvR 2179/09 -, juris, Rn. 7; OLG Stuttgart, Urteil v. 19.05.2011 - Az. 1 Ss 175/11 -, juris, Rn. 18).
Vor diesem Hintergrund fällt auch die einzelfallbezogene Abwägung zwischen den grundrechtlich geschützten Positionen des Klägers und der durch ihre Wahrnehmung beeinträchtigten Rechtsgüter, deren Schutz Aufgabe des LfV ist, zulasten des Klägers aus, denn eine Aufforderung zu Gewalt und Menschenrechtsverletzungen findet ihre Grenze in den einfachgesetzlichen und grundgesetzlichen (bezüglich Art. 4 Abs. 1 und Abs. 2 GG verfassungsimmanenten) Schranken (vgl. etwa OLG Stuttgart, Urteil v. 19.05.2011 - Az. 1 Ss 175/11 -, juris, Rn. 26 ff.).
OVG Sachsen, 21.08.2017 - 4 A 372/16
Betriebserlaubnis, Kindergarten, Kindeswohl, Salafismus
Die Relevanz des von der Klägerin in diesem Zusammenhang zitierten Urteils des OLG Stuttgart vom 19. Mai 2011 (- 1 SS 175/11 -, juris), mit welchem ein vom Vorwurf der Volksverhetzung nach § 130 StGB freisprechendes Urteil des Landgerichts Stuttgart aufgehoben und die Sache zur erneuten Verhandlung und Entscheidung an das Landgericht Stuttgart zurückverwiesen wurde, wird ebenfalls nicht erkennbar.