Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Text=B%2014%20AS%208/13%20R
Timestamp: 2019-01-21 08:39:48
Document Index: 257993829

Matched Legal Cases: ['§ 1', '§ 25', '§ 30', '§ 1', '§ 25', '§ 30', '§ 7', '§ 1', '§ 1', '§ 3', '§ 25', '§ 7', '§ 7', '§ 7', '§ 7', '§ 7', '§ 7', '§ 7', '§ 7', '§ 7', '§ 7', '§ 7', '§ 12', '§ 7', '§ 23', '§ 25', '§ 12', '§ 7', '§ 7', '§ 1', '§ 7', '§ 7', '§ 7', '§ 23', '§ 7', '§ 25', '§ 7', '§ 6', '§ 6', '§ 25', '§ 7', '§ 7']

BSG, 02.12.2014 - B 14 AS 8/13 R - dejure.org
Grundsicherung für Arbeitsuchende - Anwendung des Leistungsausschlusses für Leistungsberechtigte nach § 1 AsylbLG - bindende Tatbestandswirkung der Aufenthaltserlaubnis gem § 25 Abs 5 AufenthG 2004 - langjährige Aufenthaltsbefugnis gem § 30 Abs 4 AuslG 1990
Grundsicherung für Arbeitsuchende; Leistungsausschlusses für Leistungsberechtigte nach § 1 AsylbLG; Tatbestandswirkung der Aufenthaltserlaubnis gem § 25 Abs 5 AufenthG 2004; langjährige Aufenthaltsbefugnis gem § 30 Abs 4 AuslG 1990; Verfassungsmäßigkeit
§ 7 Abs 1 S 2 Nr 3 SGB 2, § 1 Abs 1 Nr 3 AsylbLG, § 1 Abs 2 AsylbLG, § 3 AsylbLG, § 25 Abs 5 AufenthG 2004
Kurznachricht zu "Grundsicherung für Arbeitsuchende - Leistungsausschluss/AsylblG - Anmerkung zum Urteil des BSG vom 02.12.2014" von RiLSG Dr. Tobias Aubel, original erschienen in: SGb 2016, 103 - 109.
BSGE 117, 297
Die Systemabgrenzung zwischen den existenzsichernden Leistungen nach dem SGB II und SGB XII ist auch durch die Rechtsprechung des BSG nach und nach ausdifferenziert worden, ohne hierbei allein an die Erwerbsfähigkeit als Differenzierungsmerkmal anzuknüpfen (…vgl nur zu § 7 Abs. 1 Satz 2 ff SGB II: BSG vom 13.11.2008 - B 14 AS 24/07 R - BSGE 102, 60 = SozR 4-4200 § 7 Nr. 10; BSG vom 16.12.2008 - B 4 AS 40/07 R - juris;… BSG vom 19.10.2010 - B 14 AS 23/10 R - BSGE 107, 66 = SozR 4-4200 § 7 Nr. 21;… BSG vom 30.1.2013 - B 4 AS 54/12 R - BSGE 113, 60 = SozR 4-4200 § 7 Nr. 34; BSG vom 2.12.2014 - B 14 AS 8/13 R - BSGE 117, 297 = SozR 4-4200 § 7 Nr. 41;… zu § 7 Abs. 4 SGB II: BSG vom 6.9.2007 - B 14/7b AS 60/06 R - SozR 4-4200 § 7 Nr. 5; BSG vom 16.12.2008 - B 4 AS 9/08 R - juris;… BSG vom 24.2.2011 - B 14 AS 81/09 R - SozR 4-4200 § 7 Nr. 24;… BSG vom 16.5.2012 - B 4 AS 105/11 R - SozR 4-4200 § 7 Nr. 30;… BSG vom 5.6.2014 - B 4 AS 32/13 R - BSGE 116, 112 = SozR 4-4200 § 7 Nr. 36;… BSG vom 2.12.2014 - B 14 AS 66/13 R - BSGE 117, 303 = SozR 4-4200 § 7 Nr. 42;… BSG vom 19.8.2015 - B 14 AS 1/15 R - BSGE 119, 271 = SozR 4-4200 § 12a Nr. 1;… BSG vom 12.11.2015 - B 14 AS 6/15 R - SozR 4-4200 § 7 Nr. 45;… zu § 23 Abs. 3 Satz 1 SGB XII: BSG vom 18.11.2014 - B 8 SO 9/13 R - BSGE 117, 261 = SozR 4-3500 § 25 Nr. 5) .
Streitbefangen ist der Zeitraum vom 1.12.2014 bis zum 18.3.2016, dem Tag der mündlichen Verhandlung vor dem LSG, denn grundsätzlich erstreckt sich bei einer vollständigen und unbefristeten Leistungsablehnung - hier ab 1.12.2014 - der streitige Leistungszeitraum bis zur letzten mündlichen Verhandlung in der Tatsacheninstanz, wenn nicht zuvor auf einen erneuten Leistungsantrag eine weitere Verwaltungsentscheidung getroffen wird (vgl BSG vom 31.10.2007 - B 14/11b AS 59/06 R - juris, RdNr 13;… BSG vom 22.3. 2012 - B 4 AS 99/11 R - SozR 4-4200 § 12 Nr. 18 RdNr 11; BSG vom 2.12.2014 - B 14 AS 8/13 R - BSGE 117, 297 = SozR 4-4200 § 7 Nr. 41, RdNr 9).
Da sich die Zuordnung erwerbsfähiger Hilfebedürftiger zum AsylbLG allein nach dem konkreten aufenthaltsrechtlichen Status des Ausländers bestimmt, weil leistungsrechtlich ein eigenständiges Prüfungsrecht nicht besteht (vgl. BSGE 117, 297 = SozR 4-4200 § 7 Nr. 41 ), ist der Kläger in der umstrittenen Zeit gemäß § 1 Abs. 1 Nr. 4 AsylbLG dem Existenzsicherungssystem dieses Gesetzes unterfallen.
Auch dies hat der Senat bereits entschieden (BSG vom 2.12.2014 - B 14 AS 8/13 R - BSGE 117, 297 = SozR 4-4200 § 7 Nr. 41) und hält hieran fest.
Zudem bestanden für die Klägerin auch insoweit noch Gestaltungsmöglichkeiten durch die zumutbare Inanspruchnahme von Rechtsschutz mit dem Ziel, ein anderes Aufenthaltsrecht zu erlangen und hierüber vermittelt Zugang zu einem anderen Existenzsicherungssystem zu erhalten (vgl dazu BSG vom 2.12.2014 - B 14 AS 8/13 R - BSGE 117, 297 = SozR 4-4200 § 7 Nr. 41, RdNr 14) .
Dies gilt jedenfalls auf der Grundlage des § 7 Abs. 1 SGB II i.d.F. des Gesetzes vom 22.12.2016 (BGBl. I S. 3155), in dessen S. 4 nun ausdrücklich hinsichtlich des gewöhnlichen Aufenthalts und der Leistungsberechtigung auf den bloßen Erlass einer Verlustfeststellung abgestellt wird (vgl. zur Tatbestandswirkung von Aufenthaltserlaubnissen BSG, Urteil vom 02.12.2014 - B 14 AS 8/13 R, Rn. 12 m.w.N., wonach die Leistungsträger nicht zur Überprüfung und ggf. Nichtbeachtung aufenthaltsrechtlicher Statusentscheidungen befugt sind).
Für die Ergreifung aufenthaltsbeendender Maßnahmen wegen Nichtbestehens eines materiellen Aufenthaltsrechts sind ausschließlich die Ausländerbehörden zuständig (BSG, Urteil vom 02.12.2014 - B 14 AS 8/13 R).
Die Entscheidung des Ausländeramtes wird auch Tatbestandswirkung gegenüber dem Antragsgegner bzw. den Sozialgerichten entfalten (vgl. zur Tatbestandswirkung von Aufenthaltserlaubnissen BSG, Urteil vom 02.12.2014 - B 14 AS 8/13 R, Rn. 12 m.w.N., wonach die Leistungsträger nicht zur Überprüfung und ggf. Nichtbeachtung aufenthaltsrechtlicher Statusentscheidungen befugt sind).
Eine solche ausländerrechtliche Entscheidung hat für den Träger der Sozialhilfe und die Gerichte der Sozialgerichtsbarkeit Tatbestandswirkung (…Schlette in Hauck/Noftz, SGB XII, § 23 Rdnr. 96 [Mai 2017]; vgl. BSG, Urteil vom 2. Dezember 2014 - B 14 AS 8/13 R - juris Rdnr. 12 m.w.N.).
BSG, 12.05.2016 - B 14 KG 1/15 B
Aus der Beschwerdebegründung ergibt sich auch, dass sich das LSG für seine Entscheidung auf das Urteil des erkennenden Senats vom 2.12.2014 (BSG Urteil vom 2.12.2014 - B 14 AS 8/13 R - BSGE 117, 297 = SozR 4-4200 § 7 Nr. 41) bezogen hat, nach dem, soweit der Ausschluss von Leistungen nach dem SGB II an den Besitz einer Aufenthaltserlaubnis geknüpft ist, dem Besitz dieses Aufenthaltstitels Tatbestandswirkung zukommt.
6 Hiervon ausgehend lässt die Beschwerdebegründung nicht hinreichend erkennen, dass und warum es trotz dieses Urteils vom 2.12.2014 noch oder wieder klärungsbedürftig sein könnte, ob der Besitz eines Aufenthaltstitels allein nach § 25 Abs. 5 AufenthG bindende statusbegründende Wirkung für die Zuordnung zum Existenzsicherungssystem des AsylbLG und damit für den Leistungsausschluss nach dem SGB II ohne Rücksicht auf die materielle Richtigkeit entfaltet (so BSG Urteil vom 2.12.2014 - B 14 AS 8/13 R - BSGE 117, 297 = SozR 4-4200 § 7 Nr. 41, RdNr 12) und deshalb zum Ausschluss auch von Kinderzuschlag nach § 6a BKGG als existenzsichernde Leistungen nach dem SGB II vermeidende Leistung (vgl § 6 Abs. 1 Nr. 4 BKGG) führt.
Auch wird nicht hinreichend dargelegt, dass und warum ggf bestehenden Rechten türkischer Arbeitnehmer aufgrund des Assoziationsratsbeschlusses Nr. 1/80 eine die Tatbestandswirkung des Besitzes eines förmlich erteilten Aufenthaltstitels allein nach § 25 Abs. 5 AufenthG verdrängende Wirkung zukommen könnte, obwohl nach der Rechtsprechung des erkennenden Senats nur entscheidend ist, ob ein zu Leistungen nach dem SGB II berechtigender Aufenthaltstitel erteilt worden ist (so BSG Urteil vom 2.12.2014 - B 14 AS 8/13 R - BSGE 117, 297 = SozR 4-4200 § 7 Nr. 41, RdNr 14).
Die Ehefrau des Klägers hätte grundsicherungsrechtlich einen Antrag auf Leistungen nach dem SGB II stellen und diese beim Vorliegen der Voraussetzungen in Anspruch nehmen können, ein Ausschlusstatbestand lag mit den Nebenbestimmungen zur Aufenthaltserlaubnis nicht vor (vgl zur Tatbestandswirkung aufenthaltsrechtlicher Verwaltungsakte: BSG vom 2.12.2014 - B 14 AS 8/13 R - BSGE 117, 297 = SozR 4-4200 § 7 Nr. 41) .
SG Hamburg, 17.07.2018 - S 23 AS 2391/18