Source: http://www.hensche.de/Aenderungen_des_TVG_des_AEntG_und_des_ArbGG_ab_16.08.2014.html
Timestamp: 2017-01-19 12:58:19
Document Index: 226750433

Matched Legal Cases: ['§ 4', '§ 3', '§ 4', '§ 7', '§ 7', '§ 7', '§ 2', '§ 97']

ARBEITSRECHT AKTUELL // 14/299
Er­leich­ter­te All­ge­mein­ver­bind­li­cherklärung von Ta­rif­verträgen
Er­leich­ter­te Er­stre­ckung von Min­dest­lohn­ta­rif­verträgen nach dem AEntG
Zuständig­keit der Lan­des­ar­beits­ge­rich­te für Strei­tig­kei­ten über Er­stre­ckungs­ver­ord­nun­gen und die Ta­riffähig­keit von Ko­ali­tio­nen
Fa­zit: Stärkung der Re­gu­lie­rungs­macht von Ta­rif­verträgen
Er­leich­ter­te All­ge­mein­ver­bind­li­cherklärung von Ta­rif­verträgen Die Rechts­nor­men ei­nes Ta­rif­ver­trags gel­ten nor­ma­ler­wei­se für al­le ta­rif­ge­bun­de­nen Ar­beit­neh­mer ei­ner be­stimm­ten Bran­che und ei­nes be­stimm­ten Ta­rif­ge­bie­tes, z.B. für al­le Mit­glie­der der IG Me­tall, die in ei­nem me­tall­ver­ar­bei­ten­den Be­trieb des Ta­rif­ge­biets Nordwürt­tem­berg-Nord­ba­den ar­bei­ten. Vor­aus­set­zung ist al­ler­dings, dass ihr Ar­beit­ge­ber eben­falls ta­rif­ge­bun­den ist, d.h. Mit­glied des ta­rif­sch­ließen­den Me­tall­ar­beit­ge­ber­ver­ban­des (§ 4 Abs.1 TVG, § 3 Abs.1 TVG). Ist der Ar­beit­ge­ber nicht im Ar­beit­ge­ber­ver­band, d.h. ist er "Außen­sei­ter", muss er die vom Ver­band ver­ein­bar­ten Ta­rif­verträge auch nicht an­wen­den. Er kann sei­ne Ar­beit­neh­mer un­ter­ta­rif­lich be­zah­len.
Er­leich­ter­te Er­stre­ckung von Min­dest­lohn­ta­rif­verträgen nach dem AEntG Nach bis­he­ri­ger Rechts­la­ge war die Eta­blie­rung neu­er Bran­chen-Min­destlöhne nach dem Ar­beit­neh­mer-Ent­sen­de­ge­setz (AEntG) ei­ne mühse­li­ge An­ge­le­gen­heit, weil da­zu das AEntG geändert wer­den muss­te. Bis­lang muss­te nämlich der Ge­setz­ge­ber ak­tiv wer­den und die be­tref­fen­de neue Bran­che in das AEntG auf­neh­men, d.h. in des­sen § 4. Stand Au­gust 2014 wer­den in die­sem Pa­ra­gra­phen neun Bran­chen ge­nannt, de­ren Min­dest­lohn­ta­rif­verträge auf der Grund­la­ge von § 7 AEntG vom Ar­beits­mi­nis­te­ri­um auf al­le Ar­beit­neh­mer der ge­sam­ten Bran­che für ver­bind­lich erklärt wur­de.
Zuständig­keit der Lan­des­ar­beits­ge­rich­te für Strei­tig­kei­ten über Er­stre­ckungs­ver­ord­nun­gen und die Ta­riffähig­keit von Ko­ali­tio­nen Wenn das Bun­des­ar­beits­mi­nis­te­ri­um ei­nen Bran­chen-Min­dest­lohn­ta­rif­ver­trag auf der Grund­la­ge von § 7 AEntG bzw. des neu­en § 7a AEntG per Rechts­ver­ord­nung für al­le Ar­beits­verhält­nis­se der je­wei­li­gen Bran­che ver­bind­lich macht, ist die­se Er­stre­ckungs­ver­ord­nung ein staat­li­cher Ho­heits­akt. Stel­len Ar­beit­ge­ber oder Ar­beit­ge­ber­verbände, die mit ei­ner sol­chen Rechts­ver­ord­nung nicht ein­ver­stan­den sind, de­ren Rechtmäßig­keit in Fra­ge, wa­ren dafür bis­her die Ver­wal­tungs­ge­rich­te zuständig.
Bei die­ser Ge­le­gen­heit hat der Ge­setz­ge­ber auch gleich die erst­in­stanz­li­che Zuständig­keit der LAGs für Strei­tig­kei­ten über die Ta­riffähig­keit von Ge­werk­schaf­ten und Ar­beit­ge­ber­verbänden ein­geführt. Für sol­che Strei­tig­kei­ten war schon im­mer die Ar­beits­ge­richts­bar­keit zuständig (§ 2a Abs.1 Nr.4 ArbGG), nur dass der In­stan­zen­zug jetzt auch hier bei den LAGs be­ginnt (§ 97 Abs.2 ArbGG neue Fas­sung). Fa­zit: Stärkung der Re­gu­lie­rungs­macht von Ta­rif­verträgen Während der neue ge­setz­li­che Min­dest­lohn von 8,50 EUR den Ta­rif­par­tei­en ei­nen Teil ih­rer bis­he­ri­gen Betäti­gungsmöglich­kei­ten nimmt, weil Ta­riflöhne un­ter­halb die­ses Min­dest­lohns nicht bzw. nur für ei­ne kur­ze Über­g­angs­zeit möglich sind, stärkt der Ge­setz­ge­ber mit den hier be­spro­che­nen Ge­set­zesände­run­gen die Rechts­wir­kun­gen von Ta­rif­verträgen. Denn so­wohl die All­ge­mein­ver­bind­li­cherklärung als auch die Einführung neu­er ver­bind­li­cher Bran­chen­min­destlöhne sind künf­tig er­heb­lich öfter, un­kom­pli­zier­ter und schnel­ler möglich als bis­her. Da­zu passt die Kon­zen­tra­ti­on al­ler da­mit ver­bun­de­ner Rechts­strei­tig­kei­ten bei den Ar­beits­ge­rich­ten und die Ver­fah­rens­be­schleu­ni­gung in­fol­ge der Ein­gangs­zuständig­keit der LAGs.