Source: http://katzencontent.com/2008/02/futterkunde-teil-2-gesetze-und-verordnungen/
Timestamp: 2020-01-21 06:17:34
Document Index: 351767228

Matched Legal Cases: ['§ 13', '§ 13', '§ 13', '§ 18', '§ 4', 'Art. 2']

Futterkunde Teil 2 - Gesetze und Verordnungen - Katzencontent
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Dieser Artikel ist Teil der Serie "Futterkunde"
Futterkunde Teil 3 – Trockenfutter und ausreichend Wasser?
Futterkunde Teil 4 – Trocken- oder Naßfutter? Beides!
Deutschland wäre nicht Deutschland, wenn es nicht für alles ein Gesetz oder zumindest eine Verordnung gäbe. Selbstverständlich wird auch das Futter unserer Heimtiere per Verordnung geregelt und genau vorgeschrieben, was wie deklariert werden muss. Bereits im ersten Teil der Futterkunde wurde ja schon auf den feinen Unterschied zwischen Hühnermehl und Hühnerfleischmehl hingewiesen – während das erste so ziemlich alles vom Huhn enthalten kann, besteht das zweite nur aus Muskelfleisch.
An dieser Stelle möchte ich die Bestimmungen, die sich hinter solchen Spitzfindigkeiten verbergen, zusammenfassen. Vielleicht hilft das ein Stück weiter, Deklarationen auf Tierfutteretiketten zu verstehen, wenn der gesunde Menschenverstand nicht weiterhilft.
Futtermittelgesetz (BGBI)
Rechtliche Vorschriften zum Tierfutter sind im Futtermittelgesetz (PDF) (FuttMV) geregelt. In diesem Gesetz wurden allgemeine Regelungen über Futtermittel, allgemeine Regelungen über Zusatzstoffe und Vormischungen, Kennzeichnung, Werbung und Verpackung, Anforderungen an Herstellerbetriebe und vieles mehr geregelt. Seit dem 1. September 2005 ist das Futtermittelgesetz außer Kraft gesetzt.
Heute sind alle rechtlichen Vorschriften zu Futtermitteln in der Futtermittelverordnung (FuttMV) festgehalten. In der Futtermittelverordnung ist unter anderem festgehalten, welche Futtermittel zugelassen sind und wie diese gekennzeichnet werden müssen. In sieben Paragraphen werden Form und Inhalt der verbindlichen Mindestangaben, der freiwilligen Angaben, der Angaben zu Zusatzstoffen und der dazugehörigen Toleranzen vorgeschrieben.
Einzelfuttermittel oder Mischfuttermittel
Einzelfuttermittel sind einzelne Grundstoffe, die quasi nur aus einer „Zutat“ bestehen. Alle Einzelfuttermittel sind in Anlage 1 der Futtermittelverordnung aufgeführt. Beispiele für Einzelfuttermittel sind Tiermehl, Bruchreis oder Maiskleber – insgesamt werden über 150 Einzelfuttermittel definiert. Mischfuttermittel bestehen aus verschiedenen Einzelfuttermitteln, die in absteigender Reihenfolge ihrer Gewichtsanteile angegeben werden müssen (§ 13 Abs. 2 Satz 2 FuttMV).
(2) Die Angaben über die Zusammensetzung müssen enthalten:
2. bei Mischfuttermitteln für Hunde und Katzen die enthaltenen Einzelfuttermittel in vom Hundert oder in der absteigenden Reihenfolge ihrer Gewichtsanteile.
Hierbei können Einzelfuttermittel in Gruppen zusammengefaßt werden, die in Anlage 2b (zu § 13 Abs. 3 Satz 1) aufgeführt sind. Für Katze sind vor allem folgende Gruppen relevant:
Alle Fleischteile geschlachteter warmblütiger Landtiere, frisch oder durch ein geeignetes Verfahren haltbar gemacht, sowie alle Erzeugnisse und Nebenerzeugnisse aus der Verarbeitung von Tierkörpern.
Fische oder Fischteile, frisch oder durch ein geeignetes Verfahren haltbar gemacht, sowie die Nebenerzeugnisse aus der Verarbeitung
Das bedeutet, dass bei derartig deklarierten Futtermitteln wirklich alles enthalten sein kann, was bei der Verarbeitung von warmblütigen Landtieren bzw. Fischen anfällt. Es wird weder ausgewiesen, um welche Art von Tier es es sich handelt noch, welchen Anteil Fleischteile im Verhältnis zu Nebenerzeugnissen haben.
Eine Liste aller nicht zulassungsbedürftigen Einzelfuttermittel [PDF] wurde von der Normenkommission für Einzelfuttermittel im Zentralausschuß der Deutschen Ladnwirtschaft veröffentlicht.
Zusätzlich müssen nach § 13 Abs. 1 FuttMV für Alleinfuttermittel folgende Inhaltsstoffe in Prozent der Originalsubstanz angegeben werden:
Außerdem sind Zusatzstoffe wir folgt zu kennzeichnen (§ 18 Abs. 1 FuttVM)
Futtermittel-Zusatzstoff zusätzliche Angaben
Antioxidantien bei Einzelfuttermitteln oder Mischfuttermitteln für Heimtiere die der Bezeichnung vorangestellte Angabe: „mit Antioxidans“
Bentonit-Montmorillonit, Citronensäure
Enzyme, Mikroorganismen Gehalt an wirksamer Substanz, Endtermin der Garantie des Gehaltes oder Haltbarkeitsdauer vom Herstellungsdatum an, EG-Registernummer nach dem Anhang der jeweiligen EG-Zulassungsverordnung, Spalte „EG-Nummer“ oder Spalte „Zulassungsnummer des Zusatzstoffs“ oder Spalte „Kennnummer des Futtermittel-Zusatzstoffs“
färbende Stoffe einschließlich Pigmente bei Einzelfuttermitteln oder Mischfuttermitteln für Heimtiere die der Bezeichnung vorangestellte Angabe: „mit Farbstoff“ oder „gefärbt mit“
Konservierungsstoffe bei Einzelfuttermitteln oder Mischfuttermitteln für Heimtiere die der Bezeichnung vorangestellte Angabe: „mit Konservierungsstoff“ oder „konserviert mit“
Kupfer Gehalt an Kupfer
Sonstige zootechnische Zusatzstoffe, Kokzidiostatika oder Histomonostatika Gehalt an wirksamer Substanz, Endtermin der Garantie des Gehaltes oder Haltbarkeitsdauer vom Herstellungsdatum an, Zulassungs- Kennnummer des Betriebes nach Artikel 19 Abs. 2 der Verordnung (EG) Nr. 183/2005
Vitamin a und Vitamin D Gehalt an wirksamer Substanz, Endtermin der Garantie des Gehaltes oder Haltbarkeitsdauer vom Herstellungsdatum an
Vitamin E Gehalt, ausgedrückt in Äquivalenten von Alpha-Tocopherolacetat, Endtermin der Garantie des Gehaltes oder Haltbarkeitsdauer vom Herstellungsdatum an
Tiermehl oder Fleischmehl?
Wenn nicht alle Bestandteile tierischer Herkunft unter der pauschalen Gruppe „Fleisch und tierirsche Nebenerzeugnisse“ bzw. „Fisch und Fischnebenerzeugnisse“ zusammengefaßt sind, müssen die Einzelfuttermittel tierischer Herkunft jeweils aufgeführt sein. Hierbei gilt es, zwischen Tiermehl (bzw. Geflügelmehl oder Fischmehl) und Fleischmehl zu unterscheiden.
Zunächst zum Tiermehl. Die Definitionen lauten gemäßt Anlage 1a (zu den §§ 4, 5 und 13):
Erzeugnis, das durch Erhitzen, Trocknen und Mahlen von Körpern und Körperteilen warmblütiger Landtiere gewonnen wird und dessen Fett teilweise extrahiert oder physikalisch entzogen sein kann. Es muss soweit wie technisch möglich von Horn, Borsten, Haaren und Federn sowie Magen- und Darminhalt frei sein
Erzeugnis, das durch Erhitzen, Trocknen und Mahlen von Nebenprodukten der Geflügelschlachtung gewonnen wird. Es muss so weitwie technisch möglich von Federn frei sein
Erzeugnis, das beim Verarbeiten ganzer Fische oder von Fisch teilen anfällt, dem Öl teilweise entzogen und der Fischpresssaft wieder zugesetzt worden sein kann
Tier-, Geflügel- und Fischmehl können also neben dem Muskelfleisch auch alle anderen Innereien und Körperteile enthalten außer Horn, Borsten, Haare, Federn. Magen- und Darminhalte sind bei Geflügelmehl und und Fischmehl nicht ausgeschlossen.
Der Begriff Fleischmehl oder speziell Geflügelfleischmehl soll sich in Tierfutteretiketten im Gegensatz zur Bezeichnung Tiermehl oder Geflügelmehl auf reines Muskelfleisch als Ausgangsprodukt beziehen.
Dafür gibt es aber keine Grundlage in der aktuellen Futtermittelverordnung. In der Verordnung des Bundesministers für Land und Forstwirtschaft, mit der Bestimmungen zur Durchführung des Futtermittelgesetzes 1999 wird Fleischmehl noch wie folgt definiert:
Erzeugnis, das durch Trocknen und Mahlen von Fleischteilen und Knochen geschlachteter Nutztiere gemäß Art. 2 Z 3 der RL 90/667 gewonnen wird und praktisch frei von Haaren, Hufen, Hörnern, Haut, Blut und Magen- und Darminhalt, Rückständen sowie Splittern und scharfkantigen Knochenteilen ist.
In der Futtermittelverordnung in der Fassung der Bekanntmachung vom 24. Mai 2007 (BGBl. I S. 770), zuletzt geändert durch die Verordnung vom 19. Januar 2008 (BGBl. I S. 35), ist stattdessen eine ähnlich klingende Defintion für Fleischknochenmehl enthalten:
Erzeugnis, das durch Erhitzen, Trocknen und Mahlen von Körperteilen warmblütiger Landtiere gewonnen wird und dessen Fett teilweise extrahiert oder physikalisch entzogensein kann. Es muss soweit wie technisch möglich von Horn, Borsten, Haaren und Federn sowie von Magen- und Darminhalt frei sein.
Im „Lehrbuch für Studenten der Agrarwissenschaften“ von Menke und Huss (Verlag Eugen Ulmer, Stuttgar) findest sich folgende Aussage zu Fleischmehl:
Werden ausschließlich Fleischteile von geschlachteten, warmblütigen Landtieren durch Trocknen und Mahlen verarbeitet, so entstehen je nach dem Anteil an Knochen Fleisch(futter)mehle (min. 72% Rohprotein) oder Fleischknochenmehle (min. 40% Rohprotein). Beide Produkte müssen bis auf unvermeidbare Anteile frei von Haaren, Federn, Horn, Haut und Blut sowie Magen- und Darminhalt sein…
Zumindest für den Begriff Fleisch gibt es eine klare Definition in der VERORDNUNG (EG) Nr. 853/20 4 („mit spezifischen Hygienevorschriften für Lebensmittel tierischen Ursprungs“):
alle genießbaren Teile der in den Nummern 1.2 bis 1.8 genannten Tiere, einschließlich Blut;
1.2. „Huftiere“ Haustiere der Gattungen Rind (einschließlich Bubalus und Bison), Schwein, Schaf und Ziege sowie als Haustiere gehaltene Einhufer;
1.3. „Geflügel“ Farmgeflügel, einschließlich Tiere, die zwar nicht als Haustiere gelten, jedoch wie Haustiere aufgezogen werden, mit Ausnahme von Laufvögeln;
1.4. „Hasentiere“ Kaninchen, Hasen und Nagetiere;
1.5. „frei lebendes Wild“ frei lebende Huf- und Hasentiere sowie andere Landsäugetiere, die für den menschlichen Verzehr gejagt werden und nach dem geltenden Recht des betreffenden Mitgliedstaats als Wild gelten, einschließlich Säugetiere, die in einem geschlossenen Gehege unter ähnlichen Bedingungen leben wie frei lebendes Wild, und frei lebende Vogelarten, die für den menschlichen Verzehr gejagt werden.
1.6. „Farmwild“ Zuchtlaufvögel und andere als die in Nummer 1.2 genannten Landsäugetiere aus Zuchtbetrieben;
1.7. „Kleinwild“ frei lebendes Federwild und frei lebende Hasentiere;
1.8. „Großwild“ frei lebende Landsäugetiere, die nicht unter die Begriffsbestimmung für Kleinwild fallen;
Was darf alles in die Nebenprodukte?
Darüber hinaus wird auch durch eine EU-Verordnung (VERORDNUNG (EG) Nr. 1774/2002), welche nicht zum menschlichen Verzehr geeigneten tierischen Nebenprodukte dem Tierfutter zurgesetzt werden dürfen.
Dieser Verordnung zufolgen dürfen ausschließlich Stoffe verwendet werden, die hygienisch einwandfrei sind, so dass von ihnen keine Gefährdung für die Gesundheit von Mensch und Tier ausgeht. Hierzu zählen auch Schlachtnebenprodukte von als für den menschlichen Verzehr tauglich beurteilten Tieren. Hinzukommen als genußuntauglich bewertet, aber hygienishc einwandfreie Teile, kommerziell nicht vermarktbare Teile (z.B. als kutlurellen Gründen abgelehnte Teile), Hufe, Hörner, Schweineborsten und Federn, Blut und einiges mehr. Entscheidend ist, dass nur Nebenprodukte von Tieren, die eine entsprechende Fleischuntersuchung und Beurteilung nach dem Standard für Lebensmittel durchlaufen haben, für die Futtermittelproduktion zugelassen wird.
Das Bild „La hora de colación se respeta – Valparaiso“ wurde von la_cola_de_mi_perro bei Flickr unter Creative Commons Lizenz zur Verfügung gestellt.
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Rolligkeit – (fast) alles ist möglich
4. März 2008 um 19:59 Uhr
Hallo!Kompliment, hätte ich nicht besser machen können. Endlich mal jemand, der im ganzen Internet-Müll aufgeräumt hat und sich die Mühe machte, ENDLICH die Gesetzestexte zu zitieren!Persönlich hätte ich mir noch eine ordentlichere Beschreibung der Tierischen Nebenprodukte Verordnung bzgl des Kategorie 3 Materials gewünscht und eine ordentliche Recherche über die Verwendung des Kategorie 1 und 2 Materials (eine Alternative in der Energiegewinnung). Damit auch endlich mal Ruh is mit den vielen Theorien!Trotzdem, Well done!
4. März 2008 um 20:19 Uhr
Danke für das Kompliment! Und da das sicherlich nicht der letzte Artikel zum Thema sein wird, merke ich die Recherche zu den alternativen Verwendung der Abfallmaterialien gleich vor.
6. März 2008 um 00:12 Uhr
Ich hätte weiss Gott nie gedacht, dass es da soviele Verordnungen gibt. Was sind denn typische Schlachtnebenprodukte? Früher trank ein Bauer(Nachbarn von mir) immer "schwarze Suppe".
juravendis Rechtsanwälte sagt:
22. Februar 2010 um 02:00 Uhr
DBV: Positivliste für Einzelfuttermittel
Die Normenkommission für Einzelfuttermittel hat die 8. Version der Positivliste vorgelegt. Die Positivliste trägt entscheidend zu mehr Transparenz und Sicherheit innerhalb der Lebensmittelkette bei. Systempartner der QS Qualität und Sicherheit GmbH dürfen nur solche Einzelfuttermittel/Futtermittelausgangserzeugnisse verwenden, die in der aktuellen Positivliste geführt sind. In weit über 90 Prozent der in Deutschland hergestellten Mischfuttermittel werden folglich nur Rohstoffe nach der deutschen Positivliste eingesetzt.
Weitere Informationen erhalten Sie kostenfrei und unverbindlich unter http://www.juravendis.de/produktrecht/futtermittelrecht.html
Futterscout sagt:
12. Januar 2011 um 04:10 Uhr
Na die schwarze Suppe wird wohl Blut gewesen sein….. Aber im ernst, haben viele Leute früher getrunken, und heute wird ja auch noch Blutwurst gegessen.