Source: https://rd.springer.com/chapter/10.1007%2F978-3-642-99564-4_4
Timestamp: 2020-07-05 05:21:38
Document Index: 99240723

Matched Legal Cases: ['§ 14', '§ 13', '§ 17', '§ 12', '§ 18', '§ 19', '§ 17']

Die Entstehung des Kirchenstaats | Springer for Research & Development
Pippin und die Römische Kirche pp 154-197 | Cite as
Die Entstehung des Kirchenstaats
Wir haben im vorigen Abschnitt die urkundlichen Elemente der fränkisch-päpstlichen Abmachungen, die Garantie von Kiersy und die Schenkung von Pavia 756, in ihrem Verhältnis zu den beiden Friedensverträgen von 754 und 756 erörtert, und festgestellt, welche territorialen Veränderungen geplant, welche vollzogen worden sind. Jetzt gilt es zu untersuchen, was für staatsrechtliche und politische Wandlungen sich daraus oder in Verbindung damit ergeben haben.
Die beste Übersicht bei W. Sickel GGA. 1900 S. 110ff., wozu noch die von Gundlach entwickelte Ansicht (s. Anm. 2) zu ergänzen ist.Google Scholar
Ich habe ein methodisches Bedenken gegen das Vorgehen W. Sickels in dieser Frage. Seine Besprechung des Buches von Ketterer, Karl d. Gr. und die Kirche, GGA. 1900 S. 106 ff. ist durch das Zusammentragen eines außerordentlich reichen Materials hochbedeutend, aber sie nutzt es nicht auf induktivem Wege, sondern sie baut darüber deduktiv einen Begriff des Kirchenstaats auf, der gewissermaßen automatisch und unabhängig von der Absicht der handelnden Personen in dem Augenblick entstanden sei, da der Papst den Dukat von Rom dem Schlitze des Frankenkönigs unterstellte: „Der Abschluß des Schutzvertrages setzt das Bestehen des Kirchenstaates voraus. Denn der eine Staat wollte für den anderen handeln, er wollte ihm Schutz geben, und der andere wollte ihn nehmen, so daß Stephan II. bei der Eingehung des Vertrages sich in der Stellung eines Herrschers, der für seinen Staat tätig wird, befunden hat“ (S. 112). Das ist eine abstrakte Konstruktion, die ebensowenig Quellenfundament hat wie die entgegengesetzte These von Gundlach, der — mit schroffer Absage an die „philologische Untersuchung“, die in dieser Frage „unzulänglich“ sei und nur „in Verbindung mit der kirchen-, Staats- und völkerrechtlichen Erörterung zu einem zweckdienlichen Geräte wird“ (S. 3) — aus demselben Schutzvertrag heraus den Kirchenstaat als ein bloßes Immunitätsgebiet ohne jeden öffentlich-rechtlichen Charakter konstruiert vgl. S. 10. Anm. 3. W. Sickel fährt fort (S. 114): „Mit welchem Maße von Klarheit Stephan II. sich seiner Schöpfungstat bewußt war, ob er bei seiner Erklärung für den Schutzvertrag und der aus ihm sich ergebenden Unabhängigkeit Roms von der kaiserlichen Herrschaft den Rechtserfolg sich deutlich vergegenwärtigt hat, oder ob er unbestimmter dachte, ist gleich falls unerheblich, weil seine Willensäußerung ihrem Wesen nach nicht ein bloßer Entwurf, sondern eine Tat war, durch welche er die staatliche Gewalt für seine Kirche ergriff: durch diese Handlung hat er die Gründung des Kirchenstaates vollzogen.“ Mir scheint, daß gerade darauf — und darauf allein —, was Stephan beabsichtigte, alles ankommt; wenigstens für den Historiker, der die Genesis des Kirchenstaats aufdecken will und nicht die Aufgabe hat, etwa wie ein Gesetzgeber, einen rechtlich zureichenden und scharfen Begriff „Kirchenstaat“ zu formulieren. — W. Sickel hat seine Ansicht gleichzeitig in einer allgemeiner gefaßten Darstellung ohne den wertvollen gelehrten Apparat jener Besprechung veröffentlicht: „Kirchenstaat und Karolinger. Staatsrechtliche Bemerkungen“, HZ. LXXXIV, 385 ff. — Zu den beiden Abhandlungen von W. Sickel und Gundlach vgl. die vorsichtig abwägende Besprechung über die letztere von U. Stutz in Zeitschr. d. Savigny-Stiftg. Germ. Abt. XXI, 343.Google Scholar
Vgl. die Nachweise bei W. Sickel GGA. 1900 S. 108 Anm. 2, 3, S. 109 Anm. 1.Google Scholar
Regalia s. Petri gebraucht, soviel bisher nachgewiesen ist, zuerst Gregor VII., vgl. Ficker, Forsch. II, 304.Google Scholar
Vgl. auch Brackmanns Artikel „Patrimonium Petri“ in Herzog-Haucks Bealenzyklopädie, 3. Aufl. XIV (1904).Google Scholar
Vgl. Brunner, D. Rechtsgeseh. II (1892) S. 86: „jenem politischen Embryo, dessen staatsrechtlicher Begriff und Umfang unter dem Namen res publica beati Petri oder Romanorum wohl nicht ohne Absicht im unklaren gehalten wurde“; Kehr GGA. 1895 S. 710: „Aus den Trümmern der alten res publica war die neue sanctae Dei ecclesiae Romanorum res publica, wie der neue Staat offiziell hieß (zuerst in Cod. Саг. n. 6), erwachsen“; Hauck, Kirchengesch. II 2. Aufl. (1900) S. 25 Anm. 2 (vgl. 3., 4. Aufl. S. 25 Anm. 2): „ein Begriff, der vorher nicht vorkommt… b. Petri sanctaeque Dei ecclesiae res publica, sanctae Dei ecclesiae res publica Romanorum“; W. Sickel GGA. 1900 S. 108: „Das Wort Kirchenstaat ist 755 in amtlichen Gebrauch gekommen… einen Staat, auf dessen Besonderheit er (Stephan IT.) und seine Nachfolger bis 772 gern durch einen Zusatz als auf einen Staat der römischen Kirche oder der Römer hingedeutet haben“; Brackmann in Haucks Realenz. XIV, 772: „die Grenze der sancta Dei ecclesiae Romanorum res publica“; Hubert, Revue hist. LXIX, 253: „à la res publica Romana a succédé la sancta Dei ecclesiae res publica;“ endlich jüngst Werminghoff, Verfassungsgeschichte d. deutschen Kirche im Mittelalter, 2. Aufl. (Meisters Grundriß d. Geschiehtswiss.) S. 33: „Als Eigentümer der sancta Dei ecclesiae Romanae (Romana?) res publica galt der Apostel Petrus“.Google Scholar
S. oben S. 76 Anm. 2.Google Scholar
So haben die Codices der Klasse A (der Ausgabe von Duchesne), deren Archetyp der Lucensis saec. VIII/IX ist, und der Leidener Cod. C1 gleichen Alters. Die jüngeren Codices der Klasse С und die der Klasse B, deren erhaltene Vertreter nicht über das 9. Jahrh. hinaufreichen, aber auf einen Archetyp zurückgehen, der spätestens um 792 anzusetzen ist, haben et rei publice. Schon nach dieser Lage der Überlieferung ist die letztere, schlechter überlieferte Lesart zu verwerfen, obgleich die Ausgabe von Duchesne und ihr folgend der Abdruck von Haller sowohl, wie die meisten neueren Forscher, Martens S. 72, Niehues Jahrb. II, 92, Gundlach S. 31, Lindner S. 25, usw. — im Gegensatz zu älteren, wie Waitz VG. III2 88 Anm. 1, Sybel S. 73, Scheffer-Boichorst S. 72 Anm. 28 — das et im Text belassen, und Duchesne État pont. (3 1911) S. 58 es nur als zweifelhaft bezeichnet. Tatsächlich handelt es sich um nichts anderes als einen Emendationsversuch, der das Schwerverständliche, aber gerade Charakteristische der Stelle verwischt, indem er ein vermeintlich fehlendes et ergänzt. Die Erklärung ist im folgenden im Zusammenhang mit den anderen ähnlichen Stellen der Briefe zu suchen, in welchen übrigens ebenfalls frühere Editionen des Codex Carolinus durch eingeschobene Partikeln vel die vermeintlich fehlende Klarheit des Ausdrucks herzustellen versuchten; vgl. Sybel l. с S. 74 Anm. 2 und E. Mayer ZfK XXXVI, 39 Anm. 2.Google Scholar
Daran fehlt es den Erörterungen von Gundlach S. 27 ff. und E. Mayer ZfK. XXXVI S. 38 ff., die zwar bisher am eingehendsten über diese Quellenstellen gehandelt haben (neben ihnen wäre noch Lindner S. 41 f. zu nennen, der jedoch nicht alle einschlägigen Stellen berücksichtigt und deshalb zu falschen Schlüssen gelangt), aber durch Mangel an philologischer Schärfe die herrschende Unklarheit nur noch vermehrt haben. Gundlach glaubt aus diesen Stellen eine Schritt für Schritt sich wandelnde Bedeutung des Kirchenstaatsbegriffs und „merkwürdige Schwankungen über die Art, den Römerstaat mit dem h. Petrus, der römischen Kirche und dem Papst in Beziehung zu bringen“, entnehmen zu sollen; E. Mayer nennt die Formel „künstlich so aufgebaut, daß sie nach drei Richtungen interpretiert werden kann“. Vgl. dagegen oben im Text.Google Scholar
Diese wichtigste Stelle hat Hauck in seiner Zusammenstellung KG. II 3.4 S. 25. Anm. 2 übersehen, und E. Mayer hat sie mit Unrecht von allen übrigen (denen er doch die chronologisch spätere Stelle e) ausdrücklich beirechnet) getrennt, als Beleg für eine nunmehr, nach 756, eindeutige Ausdrucksweise gegenüber der angeblich vieldeutigen vorher. Gundlach S. 27 setzt beide Stellen d) und e) den übrigen entgegen: in ihnen sei der Staatsbegriff „sonderbar verschoben“.Google Scholar
Nicht nur die Ergänzung von et ist unstatthaft (s. S. 156 Anm. 3), sondern auch eine Übersetzung wie bei Sybel S. 73: „die Sache des hl. Petrus, des römischen Gemeinwesens“, also eine asyndetische Koordination von Petrus und res publica, die im Grunde nichts anderes ist, als eine (nur stillschweigende) Ergänzung von et. Google Scholar
Gundlach S. 27/28 will freilich rei publice als asyndetisch in „schüchterner Apposition“ nachfolgenden Dativ konstruieren!Google Scholar
Daß Martens S. 75 ein et ergänzt, ist ein ebenso willkürlicher Eingriff in den Text wie die übrigen derartigen Ergänzungen.Google Scholar
Hauck KG. 3. 4 S. 25 Anm. 2 behauptet freilich: „Die Stelle b. Petri sanctaeque Dei ecclesiae rei publice civitates (= b) scheint mir jeden Zweifel, wie die Wendung grammatisch zu erklären ist, auszuschließen“, (nämlich: b. Petri sanctaeque Dei ecclesiae res publica, vgl. S. 156 Anm. 1). Mit niehten. Sicherlich ist vielmehr die andere Konstruktion möglich, wie die unmittelbar vorangehende Stelle a) desselben Briefs beweist, wo ecclesiae neben Petro unzweifelhaft Dativ, rei pubJicae also Genetiv ist. Auch b) ist also zum mindesten doppeldeutig, und die Stelle d), die Hauck übersehen hat, entscheidet wie für alle übrigen Stellen so auch für b) gegen Haucks Konstruktion.Google Scholar
Es ergibt sich, daß eine ältere Anschauung, die von maßgebenden Forschern vertreten wurde, ehe die eingehende Einzeldiskussion über diese Formel eröffnet war, wieder zu Ehren zu bringen ist. Waitz VG.3 III 88 gab die Stelle b) (neben der er noch e) und f) zitiert) folgendermaßen wieder: „Sie (die Eroberungen) wurden dem h. Petrus und der römischen Kirche, welche hier für das Römische Reich in Italien eintrat, übertragen.“ Unberechtigt ist der Vorwurf von E. Mayer ZfK. XXXVI, 40 Anm. 2, das sei „unklar“; es ist nur vorsichtig ausgedrückt, wie es Waitz’ Art war. Bestimmter als Waitz (und im zweiten Teile des Satzes anfechtbar, vgl. S. 168f.) sagt Oelsnee Jahrb. Pippins S. 147: „Das römische Bistum war zur sancta Dei ecclesia rei publicae Romanorum geworden, der Kirchenstaat war gegründet“; Scheffer-Boichorst S. 71: „Sie (die Päpste) bezogen die Republik auf die Kirche des hl. Peter und sagten demnach: ecclesia sancii Petri rei publicae“, vgl. ihm folgend Sackur MJÖG. XIX, 70 „Begriff der sancta Dei ecclesia rei publice Romanorum“; Martens S. 75: „ein Ausdruck… der, wie es scheint; von Stephan selbst zum erstenmal gebraucht worden ist, nämlich sancta Dei ecclesia rei publicae Romanorum“; Sybel S. 74. Es ist erstaunlich, wie diese vom Wortlaut der Quellen ausgehende, richtige Interpretation neuerdings so völlig hat verdrängt werden können, s. S. 156 Anm. 1. Augenscheinlich sind die Schwierigkeiten der sachlichen Interpretation dabei maßgebend gewesen. Aber es heißt das Problem vom verkehrten Ende anfassen, wenn man argumentiert wie Niehues Hist. Jahrb. II, 92: „Was soll man sich unter einer ‘Kirche des römischen Staats oder Gemeinwesens’ vorstellen? Gab es eine solche in Rom? Oder darf man wirklich bei einem in den Ideen von der universalen Bedeutung der Kirche und des Papsttums erwachsenen Schriftsteller, was doch der Schreiber der Vita Steph. unzweifelhaft war, billigerweise annehmen, daß er einen so schiefen Satz wie den von einer hl. Gotteskirche des Staates formuliert habe?“Google Scholar
Diese irrige Ansicht, die in der Tat nur durch Berücksichtigung aller einschlägigen Stellen zu vermeiden ist, haben nicht blos die Forscher, welche res publica s. Dei ecclesiae konstruieren — bei ihnen ergibt sich dieser zweite Irrtum als natürliche Konsequenz des ersten —, sondern auch noch andere vertreten. Auch Martens S. 75 meint, es seien „nur verschiedene Bezeichnungen desselben Gegenstandes, wenn die Restitution für die Kirche, für die res publica oder für die ecclesia rei publicae gefordert wird“; Genelin Das Schenkungsversprechen und die Schenkung Pippins (1881) S. 14 sagt: „Eine genaue Betrachtung der Angaben des Papstbuchs und der Papstbriefe zeigt uns auch, daß die Ausdrücke: der hl. Petrus, die römische Kirche und die römische Republik… für einander (S. 17 „identisch“) gebraucht werden.“ Ausdrücklich stimmt ihm Weiland Zeitschr. f. Kirchenrecht XVII, 373 zu, daß Stephan dahin gestrebt habe, „die res publica Romanorum mit der römischen Kirche zu identifizieren“. Von den schon oben S. 156 Anm. 1 genannten Forschern erwähne ich hier nur Hauck, der S. 25 Anm. 2 mit Unrecht gegen Waitz polemisierend sagt, daß „die Rückgabe an die res publica (b, e) mit der an den h. Petrus (a, c,)… identisch ist“. Eine solche Gleichsetzung findet sich nirgends in den Briefen. Von Restitutionen an die res publica (ohne den Zusatz Romanorum) ist nur an einer einzigen Stelle in der Vita Stephani II. (c. 49 p. 455) die Rede, wo es von Desiderius heißt: insuper et rei publice se redditurum professus est civitates quae remanserant (vgl. damit die zugrunde liegenden Stellen des Briefs n. 11: civitates reliquas… matri tuae spiritali, sanctae ecclesiae restituaere praecipiatis und oben e); aber das ist gerade älterer, nicht neuer Sprachgebrauch, (vgl. V. Zachariae с. 15 p. 431: duas partes territorii castri Cesinae ad partem rei publicȩ restituii).Google Scholar
Das ist der dritte, sachliche Irrtum, der sich aus den grammatischen Irrtümern bei allen genannten Forschern folgerecht ergeben hat. Martens überschreibt ein Kapitel: „Die neue Res publica Romanorum“ (S. 71); Gukdlach gibt sogar seiner ganzen Abhandlung den Titel „Die Entstehung des Kirchenstaats und der kuriale Begriff Res publica Romanorum“. Daselbst S. 32 Anm. 115 (33) und bei W. Sickel ZfG. XI, 323 Anm. 1 ist die bunte Fülle der Meinungen über die Bedeutung des Begriffes verzeichnet.Google Scholar
V. Steph. c. 8 p. 442: rei publicae loca… proprio restitueret dominio, с. 21 p. 446: vel de reliquis rei publicae locis, e. 26 p. 448: exarchatum Ra-vennae et rei publice iura seu loca reddere modis omnibus, c. 49 p. 455: rei publice se redditurum professus est civitates quae remanserant, c. 51 p. 455: rem publicam dilatans, Cod. Car. n. 7: noster populus rei puplice Romanorum, n. 8: nostrum Romanorum rei puplicȩ populum, n. 19: territoria diversarum civitatum nostrarum rei publicȩ Romanorum.Google Scholar
Vgl. die von Waitz VG. II, 23 S. 118 Anm. 2 angeführten Stellen und insbesondere den Hinweis auf Contin. Fred. с. 120 (37) (quod nequiter contra rem publicam et sedem Romanam apostolicam admiserat; ulterius ad sedem apostolicam Romanam et rem publicam hostiliter numquam accederei), ibid. III2, 237 Anm. 2. Was W. Sickel ZfG. XI, 323 Anm. 1, und Gundlach S. 32 Anm. 115 gegen die Deutung auf das römische Reich sagen, entbehrt jeder quellenmäßigen Stütze.Google Scholar
Vgl. die von Gundlach S. 28 gesammelten Stellon.Google Scholar
Vgl. zu diesen Stellen oben S. 58ff. Daß mit res publica hier das römische Reich gemeint ist, wird heute mit Recht von niemand mehr bezweifelt, wenn auch gelegentlich früher andere Meinungen laut wurden. Ich führe noch zwei weitere ganz unzweideutige Belege an: iuxta votum Romanae rei publicae vel sacratissimi patris nostri imperatoris (Brief Childeberts II. an Laurentius von Mailand 585, MG. Epp. III, 151 n. 46) und: ad pristinum statum sanctae rei publicae et imperiali servitio dominorum filiorumque nostrorum Leonis et Constantini magnorum imperatorum (Briefe Gregors II.? III.? an Ursus von Venedig, ibid. p. 702 n. 11, u. Antonin v. Grado, ib. n. 12, JE. 2177, 2178).Google Scholar
Vgl. Hist. Lang. lib. I с 1, 4, 9, ed. MG. Scr. rer. Lang. p. 48, 49, 53.Google Scholar
lib. II c. l p. 72: Langobardi…. Romanae rei publicae adversum aemulos adiutores fuerunt.Google Scholar
lib. V. c. 30 p. 154: Romanorum regnum Constantinus Constantii augusti filius suscepit.Google Scholar
Z. B. lib. V c. 11 p. 149: Constans… omnes saevitiae suae minas contra suos, hoc est Romanos, retorsit. Nam egressus Neapolim, Romam perrexit. Cui… Vitalianus papa cum sacerdotibus et Romano populo occurrit.Google Scholar
Vgl. lib. II с. 5 p. 75: Expedierai Romanis, Goťhis potius servire quam Grecis; lib. II c. 26 p. 86: Nec erat tunc virtus Romanis, ut resistere possint, guia et pestilentia… plurimos in Liguria et Venetiis extinxerat; lib. IV с. 42 p. 134: Qui (Aio)… Ticinum pergens, ibi ei Romanorum malitia talis potio data est, quae eum mente excedere faceret; lib. V c. 27 p. 153: Forum populi, Romanorum civitatem, u. a.Google Scholar
lib. IV с. 8 p. 118: Maurisionem ducem Langobardorum, qui se Romanorum partibus tradiderat.Google Scholar
Vgl. den Index der Ausgabe von Duchesne s. v. Romanus.Google Scholar
Vgl. V. Johannis V. с. 3 p. 366: Provincia Africa subiugata est Romano imperio atque restaurata; V. Gregorii II. с. 20 p. 407: ne desisterent ab amore vel fide Romani imperii; с. 23 p. 408: Petasius, qui sibi regnum Romani imperii usurpare conabatur.Google Scholar
С. 10 p. 394: Contigit, ut Petrus quidam pro ducatu Romanae urbis Ravennani dirigeret.Google Scholar
С. 14 p. 403: Marinus imperialis spatharius qui Romanumducatum tenebat.Google Scholar
Nicht alle Erwähnungen sind eindeutig im einen oder anderen Sinn. Klar ist z. B. die Bedeutung Dukatsrömer, wo von dem Anmarsch des Exarchen Paulus mit den Ravennaten gegen den Papst die Rede ist: Sed motis Romanis atque undique Langobardis pro defemione pontificie… circumdantes Romanorum fines hoc praepedierunt. Der Dukat ist das „Gebiet der Römer“ (V. Greg. II. с. 17 p. 404). Romani = Dukatsrömer dann häufig in den Schilderungen zu Anfang der Vita Zachariae, с. 2–4, vgl. oben S. 55ff.Google Scholar
Vgl. oben S. 37 Anm. 1.Google Scholar
V. Zach, с. 12 p. 429:… dum nimio opprimerei praedictus rex provinciám Ravennantium, с. 15 p. 431: ne amplius Eavennantium provinciam opprimerei.Google Scholar
V. Stephani II. с. 6 p. 441: Cupiens… cunctam hanc provinciam invadere; с. 15 p. 444: in hac Romanorum, provincia; litteras… nimio dolore huic provinciae inherenti conscriptas; civitates et provincia ista Romanorum; с. 13 p. 443: Hic beatissimus vir pro salute provinciae et omnium Christianorum omni sabbatorum die laetaniam… fieri statuit.Google Scholar
C. 9 p. 428: pacem cum ducato Romano ipse rex in viginti confir-mavit annos. Sed et captivos omnes quos detenebat ex diversis provinciis Romanorum… una cum Ravinianos captivos… praedicto beatissimo redonavit pontifici. Die diversae provinciae Romanorum können natürlich nicht identisch sein mit dem bloßen ducatus Romanus. Die Verbindung una cum ist daher hier nicht exklusiv und koordinierend, derart daß die Raviniani außerhalb der diversae provinciae Romanorum ständen, sondern sie ist ebenso gebraucht wie mehrfach simul et (V. Zachariae с 2 p. 426: totam Italiam provinciam… simul et ducatum Romanum, Paul I. JE. 2342: cunctam hanc Italiam provinciam simulque et exarchatum Ravennantium), d. h. ein Teil des ersten, umfassenderen Begriffes ist an zweiter Stelle besonders hervorgehoben; vgl. oben S. 102 Anm. 2.Google Scholar
Vgl. oben S. 89.Google Scholar
C. 38 p. 451.Google Scholar
С. 15 p. 420.Google Scholar
С. 15 p. 431.Google Scholar
Außer in V. Steph. с 47 findet sich dieser Ausdruck nur noch in einem Brief Pauls I. n. 20 (764): ne pars nostra Romanorum proprium consequatur iustitiam, und in V. Hadriani c. 27 p. 494: iustitias parti Romanorum fecisset. Doch vgl. ferner entsprechend ep. 17: ncque praefatos hospites permittatis parti Langobardorum restituaere; ep. 21: ut vestrum annuissetis dirigere missum, quatenus eius presentia inter partes iustitiae provenissent, ut non ex hoc aliqua a nostra vel Langobardorum parte ad easdem proveniendum iustitias dilatio proveniret. Vgl. auch oben S. 65 Anm. 5.Google Scholar
Er kommt zuerst in der Vita Gregorii III. vor, vgl. oben S. 127. Die älteren Viten des Liber pontificalis hatten Reichsitalien einfach provincia oder Italia genannt. Vgl. z. B. V. Martini с. 4 p. 337: donec optinueritis provinciam et potueritis vobis exercitum adgregare, tam Romane civitatis atque Ravennate; V. Gregorii II. c. 14 p. 403: eo quod censum in provincia ponere praepediebat; V. Johannis VI. c. 1 p. 383: militia totius Italiae tumultuose convenit apud hanc Romanam civitatem; V. Adeodati c. 2 p. 346: perrexit exercitus Italiae per partes Histriae, olii per partes Campaniae. Zu provincia vgl. ferner den Index der Ausgabe des Liber diurnus s. v.Google Scholar
Daß beides nah verwandte Begriffe sind, hat nach dem Vorgang von Niehues Hist. Jahrb. II 89 und Thelen Z. Lösung d. Streitfrage über d. Verhandlungen Pippins u. Stephans (1881) S. 12 ff. Scheffer-Boichorst S. 71 richtig hervorgehoben, aber wenn er sagt: „Ista Italia provincia ist dasselbe Gebiet, welches als Romanorum res publica bezeichnet wurde“, so geht das m. E. zu weit. Ista Italia provincia enthält ein Statusquo-Programm, es bedeutet das byzantinische Reichsitalien (s. S. 102 Anm. 2); res publica Romanorum enthält ein nationales Programm, das, wie wir oben (S. 147) sahen, in der päpstlichen Aktion ergänzend zu jenem trat; was zur res publica Romanorum gehört, das ist nicht sowohl eine rechtliche, als vielmehr eine tatsächliche Feststellung; es richtet sich nach den jeweiligen nationalen Verhältnissen und kann sich mit ihnen wandeln. Daß res publica Romanorum einen qualitativen Inhalt hat im Unterschied von dem quantitativen Begriff Italia provincia, das ist der richtige Kern in der im übrigen verfehlten Definition von Gundlach S. 32 Anm. 115.Google Scholar
Das nationale Element des Begriffes res publica Romanorum hat Döllinger Münch. Jahrb. 1865 S. 310ff. richtighervorgehoben, aber irrig damit den Begriff der Restitutionen Pippins so verknüpft, daß die byzantinische Herrschaft als eine jahrhundertelange Usurpation gegenüber einer alten italienisch-römischen res publica angesehen worden sei. Das Korrelat des Begriffes Restitution ist vielmehr der Begriff Reichszugehörigkeit, s. unten S. 184.Google Scholar
Das Folgende haben all die Forscher übersehen, welche res publica Romanorum mit einem bestimmten territorialen Gebiet identifizieren, sei es mit dem Dukat (Genelin D. Schenkungsversprechen und die Schenkung Pippins S. 26, ihm folgend Weiland ZfK. XVII 373), sei es mit dem Exarchat (Maetens S. 72 ff.), sei es mit beiden zusammen (Niehues, Thelen, Scheffer-Boichorst, s. S. 164 Anm. 2). Am besten bisher die vorsichtige Formulierung von Waitz VG.2 III 88 Anm. 1 (mit Polemik gegen die Annahme res publica Romanorum = Dukat): „Man wird deshalb nur allgemein den römischen Staat, die römische Herrschaft verstehen können, die der Papst offenbar für Italien an die Stadt Rom knüpfte und mit der Kirche des h. Petrus hier in solchen Zusammenhang brachte, daß er als Vorsteher der Kirche auch die Rechte des Reichs geltend machte und sich übertragen ließ“.Google Scholar
N. 24: cum omni populo istius provinciae a vobis redempto; n. 18: istius a vobis redempte provintiae utilitatum necessitates; n. 30: salutem istius provintiae a vobis redemtae; n. 22: universus noster populus istius provintiae; n. 34: istius a vobis redempte provintiae salus; n. 21: post Deum huius provintiae liberatori; omnis istius provintiae a vobis redempte populus; nur scheinbar entgegen steht n. 13: ut dilatationem huius provintiae a vobis de manu gentium ereptae perficere iubeatis, vgl. unten S. 166 Anm. 5.Google Scholar
N. 36: haec miserrima et afflicta provintiola a perfidia inimicorum liberetur.Google Scholar
N. 31: quas Leon inperiali[s a secretis] (so ist das getilgte — s servus wohl zu entendieren) eius sanctitati Ravennarum provintia visus est direxisse.Google Scholar
N. 44: istius provintiae a vobis redemptae, n. 45: hanc nostrani Romanorum provintiam.Google Scholar
C. 9 p. 489: in finibus Romanorum atque exarchatus Ravennantium; с. 22 p. 493: adflictae Romanorum seu exarchatus Ravennantium provinciae. Alle diese Stellen beweisen nebenbei gesagt zur Genüge, wie unmöglich die Ansicht von Gundlach S. 18 ist, provincia Romanorum umfasse das römische und das ravennatische Gebiet.Google Scholar
Auf den Zusatz Romanorum wollte besonders Weiland ZfK. XVII, 373 den Unterschied zwischen römischem Reich und Kirchenstaat gründen, ebenso Gundlach S. 28. Aber schon W. Sickel ZfG. XI 323 Anm. 1 bemerkte mit Recht: „Es macht keinen Unterschied, ob res publica Romanorum oder schlechthin res publica gesagt wird“.Google Scholar
S. oben 161.Google Scholar
Dies scheint die Ansicht von W. Sickel ZfG. XI, 323 Anm. 1 zu sein, indem er solche frühere Stellen anführt und sagt, hier habe res publica „seine gewöhnliche Bedeutung“ (= römisches Reich).Google Scholar
F. 60 ed. Sickel p. 54.Google Scholar
JE. 2346 (MG. Conc. II, 64 n. 12). — Dilatatio (rei publicae u. a.) ist ein formelhaftes Element, dessen Entwickelung man im Diktat der Briefe verfolgen kann. Eine biblische Reminiszenz gibt hier wie auch sonst (s. S. 24, 25, 43 f.) den Anstoß. Stephan II. schreibt in seinem letzten Briefe n. 11: Dilatet Deus semen vestrum in Anlehnung an Gen. 32, 12: dilatares semen meum sicut arenam, und seitdem findet man zuweilen, z. B. n. 13, 33, 35, 52, in den Schlußwünschen, dilatane (dilatet) terminos regni vestri. So ist denn in n. 13 die Phrase dilatationem huius provintiae a vobis de manu gentium ereptae nicht in dem Sinne wörtlich zu nehmen, daß provincia, im Unterschied von allen übrigen Stellen (s. S. 165 Anm. 2), hier mehr als den römischen Dukat, der ja bereits vollständig in den Händen des Papstes ist, bedeuten müsse. Auch rem publicam dilatans im Schluß-Elogium der Vita Stephani (c. 51 p. 455) gehört hierher.Google Scholar
So z. B. auch in JE. 2346: imp. d. Constantino aug. a Deo coron, magno imperatore. Vgl. zur Datierung der Papsturkunden Bresslau Urkundenlehre I1, 836, Schmitz-Kallenberg Papsturkunden2 S. 77, 85 (Meisters Grundriß d. Geschichtswissenschaft).Google Scholar
Es macht sachlich keinen Unterschied, ob man Italiae grammatisch zu rei publicae zieht, wie ich für richtig halte, oder zu exercitus. Denn auch im letzteren Fall gilt das Kirchengebet nur noch der res publica auf italienischem Boden; der Gedanke eines Ost und West umfassenden römischen Reichs ist aufgegeben. — E. Mayer S. 23 Anm. 6 (24) sieht freilich in dem Ausdruck Romane rei publicae Italiae „den zwingenden Beweis dafür, daß die res publica Romanorum nicht allenfalls nur Italien befaßte“. Er verkennt aber die besondere Variante r. p. Romanorum neben res publica (Romana), s. oben S. 161ff.; nur für den letzteren Ausdruck trifft das, was er sagt, zu.Google Scholar
C. 15, p. 420.Google Scholar
Ein Zusammenhang ist selbstverständlich, da die römische Kirche ja im Bereich des imperium Romanum liegt. Dieser Gedanke kommt gelegentlich auch schon in einem früheren Dokument zum Ausdruck, auf das E. Mayer S.40 Anm.3 hingewiesen hat. In einem Schreiben Papst Agathos, (JE. 2110), das von einer römischen Synode des abendländischen Episkopats 680 an den Kaiser in Byzanz gerichtet ist, heißt es (in der lateinischen Version): Nos autem…. enitimur, ut Christiani vestri imperii res publica, in qua b. Petri apostolorum principis sedes fundata est, cuius auctoritatem omnes Christianae nobiscum nationes venerantur et colunt, per ipsius b. Petri apostoli reverentiam omnium gentium sublimior esse monstretur. Die römische Kirche mit ihrer Autorität über den abendländischen Episkopat — in medio gentium, tam Langobardorum, quamque Sclavorum, necnon Francorum, Gallorum et Gothorum atque Britannorum, plurimi confamulorum nostrorum esse noscuntur, heißt es kurz vorher —, liegt selbst doch im Bereich des christlichen Reichs des Kaisers, und sie erhöht um der Verehrung willen, die dem h. Petrus auch von den übrigen nationes Christianae gezollt wird, das Ansehen dieses kaiserlichen Reichs.Google Scholar
Es geht nicht an, die grammatisch irrige Interpretation „Staat der Kirche“ (s. S. 156ff.) einfach umzudrehen in „Kirche des Staats“ (= „Kirche die zum Staat gehört“); denn zu Kirche steht Petrus völlig parallel und „h. Petrus, der zum Staat gehört“ ist eine unmögliche Übersetzung. Andererseits kann auch der h. Petrus nicht einfach als Rechtssubjekt des Staats gefaßt werden, wie etwa der „Kaiser des Staats“ denn zu dieser Deutung stimmt wieder die „h. Kirche des Staats“ nicht. Das Konstruierte, einer klaren begrifflichen Fassung Spottende ist m. E. gerade das Charakteristische an der Formel, und wenn man von der petitio principii ausgeht, daß ein bestimmter staatsrechtlicher Begriff gerade aus dieser Formel zu entnehmen sein müsse, kann man zum richtigen Verständnis derselben niemals gelangen. Verfehlt ist m. E. wieder die Argumentation von Niehues Hist. Jahrb. II, 92, Anm. 3, der Sybels Übersetzung der Stelle b) (s. S. 157 Anm. 3) mit Recht als inkonsequent im Vergleich zu der sonst von jenem vertretenen Interpretation sancta Dei ecclesia rei pubïicae (s. S. 158 Anm. 4) bezeichnet, zugleich aber hinzufügt: Mit gutem Grunde habe Sybel hier anders übersetzt, „denn die konsequente Durchführung seiner Theorie würde ihn gezwungen haben, einen ‘hl. Petrus des römischen Gemeinwesens’ zu konstruieren“. Gerade umgekehrt muß man logischer Weise vorgehen: die feste Tatsache ist, daß der Diktator von n. 6 „einen hl. Petrus des römischen Gemeinwesens konstruiert“, und es ist zu erklären, was er damit gemeint hat.Google Scholar
Ähnlich Waitz in der oben S. 158 Anm. 4 angeführten Stelle.Google Scholar
Vgl. Reg. Gregorii I. lib. II, 29 (MG. Epp. I, 125): cum nec ex familia massae homines ipsi sed esse liberi asserantur; lib. IX, 29 (l. с. II, 62): ad familiam vero eiusdem patrimonii secundum morem praecepta direximus; Lib. diurn. f. 53 (ed. Sickel p. 43): colonis et familiȩ massarum sive fundorum in provincia ill. constitute; f. 81 (p. 86): ex familia sanctae Romane cui deo auctore deservimus ecclesiae; Lib. pont. V. Cononis c. 3 p. 369: ut restituantur familia suprascripti patrimonii.Google Scholar
Reg. Gregorii I. lib. V, 31 (l. с. I, 311): Sicut enim appellatio beati Petri apostolorum principie familiam ecclesiae tantae multitudini clariorem demonstrai…. familia ecclesiae non solum nomine sed et meritis honoretur.Google Scholar
Reg. Gregorii I. lib. I, 42 (l. c. I, 67): Si qui vero ex familia ecclesiastica sacerdotes vel levitae vel monachi vel clerici vel quilibet alii lapsi fuerint. Google Scholar
So besonders in den Pallienformularen, Lib. diurn. f. 45 (p. 33): nos qui pastores animarum dicimur, adtendamus et susceptum officium exhibere erga custodiam dominicarum ovium non cessemus; f. 47 p. 38: unanimitatem quam cum beato Petro apostolo universus grex dominicarum ovium, quae ei commisse sunt, habere non dubium est; f.61 p. 56: quatenus insit in apostolice sedis specula qui et Christi regat ecclesiam gregemque rationabilium salubriter dispensei ovium. Google Scholar
S. oben S. 56.Google Scholar
Treffend sagt Duchesne, État pont.3 p. 39: „Le bercail dont il s’agit est un bercail politique; les brebis ne sont nullement menacées au point de vue religieux.“Google Scholar
Zugleich verwischt das Bild, wie wir oben S. 62 sahen, die Unterschiede der staatsrechtlichen Stellung von Dukat und Exarchat.Google Scholar
Vgl. Deut. 7, 6: ut sis ei populus peculiaris de cunctis populis; 14, 2: Te elegit, ut sis ei in populum peculiarem; 26, 18: Elegit te hodie, ut sis ei populus peculiaris. In den Briefen Gregors I. und in den Formeln des Liber diurnus findet sich der Ausdruck nirgends.Google Scholar
Cod. Car. n l: ad defendendam eclesiam Dei et peculiarem populum; erga… beatum Petrum et nos eiusque peculiarem populum zelando et defendendo; n. 2: sanctam Dei eclesiam eiusque populum peculiarem non conantur defendere; potens est…. ipse princeps apostolorum.… suam defendere domum et populum peculiarem; res sanctorum apostolorum destruere et peculiarem populum depraedare; contra eclesiam sanctam Dei eiusque populum peculiarem non exercitamus; res beati Petri principis apostolorum dissipent atque populum peculiarem captivent; subvenias ȩclesie sancii Petri et eius peculiari populo. Vgl. dazu treffend Gregobovius Gesch. d. Stadt Rom3 II, 240 Anm. 2: „Eine neue Phrase, welche die neue Epoche Roms bezeichnet: das römische Volk Eigentum und pecus des S. Petrus“.Google Scholar
Vgl. z. B. Lib. diurn. f 46 p. 36: ad nostrani non inmerito applicetur poenam perditio, qui commissos sollicita custodire cautela neglegimus. Google Scholar
V. Zachariae c. 6 p. 427: ut vere pastor populi sibi a Deo crediti; c. 28 p. 435: populus a Deo illi commissus; V. Stephani II. (erster Teil) с. 7 p. 442: ommipoienti domino Deo nostro suam populique sibi commissi commendane contulit causam. Google Scholar
Sanctam Dei ecclȩsiam et nostrum Romanorum rei publicȩ populum comisimus protegendum; vgl. auch ibid.: post Deum in tuis manibus nostras omnium Romanorum commisimus animas; quia vobis animas omnium nostrum Romanorum tradidimus. Google Scholar
Vgl. n. 12: cum nostro populo; n. 22: universus noster populus istius provintiae; n. 37: nobis… vel cuncto populo nostro; n. 99: cum omni nostro populo; n.44: una cum universo populo nostro istius provintiae; n. 45: vel cuncto nostro Romanorum istius provintiae populo; n. 52: cum universo nostro populo; n. 59: universum nostrum populum. Google Scholar
Vgl. n. 17: sanctae Dei aecclesiae et eius peculiaris populi; n. 29: nobis commisso populo; sancte Dei ecclesiae vel eius peculiaris populi (bis); n. 36: sancta Dei ecclesia et populus eius peculiaris; n. 44: in vobis atque universo peculiare populo sanctae Dei ecclesiae; n. 59: salutem populi nobis a Deo commissi. Google Scholar
Vgl. dazu V. Steph. II. с. 6 p. 441: civitatem hanc Romanam vel subiacentes ei castra. Google Scholar
Sollicitudinem, quam circa sanctam Dei catholicam et apostolicam ecclae-siam vel eius familiarem populum habere dinoscimini. Google Scholar
Vgl. dazu Stephans II. Brief n. 8, der die familia Petri im eigentlichen Sinne den familiae der Römer nur erst zur Seite stellt: et omnes domos cultas beati Petri igni conbusserunt vel omnium Romanorum, ut dictum est, domos conburentes…. et neque domui sanete nostrae ecclaęsiae neque cuiquam in hac Romana urbe conmoranti spes vivendi remansit… sed et copiosam familiam beati Petri vel omnium Romanorum, tam viros quamque midieres, iugulaverunt. Google Scholar
Vgl. Lib. diurn. f. 32 (ed. Sickel p. 23): monasterium… sedis apostolicȩ infulis decoretur, ut sub iurisdictione sanctae nostrae… ecclesiae constitutum nullius alteriusecclesie iurisdictionibus summittatur.. Et ideo отпет cuiuslibet ecclesiae sacerdotem in prefato monasterio dicionem quamlibet habere… prohibemus. Google Scholar
Vgl. ibid. f. 33 p. 24 (Preceptum de commutando loco): quoniam ill. fundum… iuris sanctȩ Romane… ecclesiae poposcit atque desiderat commutare, ad cuius vicem fundum ill… iuris proprii concedere velit, und weiterhin: suscipiens ab eo nimirum ad vicem eiusdem fundi ill. in ius domin(i)umquesanctae nostraeecclesiae denominatum fundum ill.; f. 36 p. 27 (Preceptum de commutando mancipio): antefatum puerum in iura sanctae nostre ecclesiae suscipientes, tibi… puerum antedictum ill.… donamus, nullam iurisdictionem partem sanctae nostrae ecclesiȩ in eum de cetero habere decernentes; f. 81 p. 86 (Preceptum aliud de concedendo puero): puerum… in tua transferentes iura, ita ut in eo ius atque dominium et potestatem habeas отпет quam domini in proprios habere videntur famulos. Google Scholar
So schreibt z.. В. Gregor I. (Reg. lib. IX, 239, Mg. Epp. II, 234) an den Verwalter einer solchen: Quia igitur comperimus publici patrimonii curam vestrae esse ordinationi commissam, idcirco…. Patrimonium vobis nostrae ecclesiae secundum iustitiam commendamus. Google Scholar
C. 20 p. 433: (Der Kaiser) donationem in scriptis de duabus massis quae Nimphas et Normias appellantur, iuris existentes publici, eidem sanctissimo ac beatissimo papae sanctaeque Romanae ecclesiae iure perpetuo direxit possidendas. Vgl. auch с. 26 p. 435: Hic massas quae vocantur Antius et Formias suo studio iure beati Petri adquisivit. Sehr charakteristisch ist ein Gegenbeispiel aus dem 9. Jahrh., wo sich dieser Unterschied im Kirchenstaat, der mit dem römisch-byzantinischen Reich nichts mehr zu tun hat, verflüchtigt hat, Vita Leonis IV. c. 70 p. 123; ut de singulis civitatibus massisque universis publicis ac monasteriis per vices suas generaliter advenire fecisset Duchesne Lib. pont. II, 137 Anm. 47.Google Scholar
Vgl. oben S. 58.Google Scholar
S. ibid.Google Scholar
So ist m. E. zu interpungieren und zu interpretieren: поп enim (scil, enarrare vobis possunt), quia. Läßt man (wie die Ausgaben Jaffés und Gundlachs) das Komma hinter enim fort und faßt non enim quia — sed etiam als koordinierte Satzglieder „nicht nur daß — sondern sogar“, so muß voluit in noluit emendiert werden (wie Haller in seinem Abdruck (Quellen S. 86) in der Tat vorschlägt). Aber die andere Interpretation hat den Vorzug, ohne Emendation auszukommen.Google Scholar
S. oben 18.Google Scholar
So wird man die iustitiae Romanorum in langobardisehen Städten (m) am besten bezeichnen. Es kann z. B. auch Fahrhabe darunter begriffen sein (n).Google Scholar
Das ergibt sich mit Bestimmtheit aus dem Sinn der Stelle. Stephan will nicht etwa sagen, daß Aistulf einerseits Patrimonien nicht zurückgebe, andererseits in den Städten des autonomen Gebiets Verwüstungen anrichte, sondern er will sagen, daß Aistulf nicht nur das frühere Unrecht nicht wieder gutmache, sondern neues Unrecht hinzufüge.Google Scholar
Paul I. schreibt in n. 17 von einem langobardisch-byzantinischen Unternehmen auf Ravenna: quatenus ex una parte ipse inperatoris exercitus et ex alia isdem Desiderius cum universo Langobardorum populo utrique dimicantes Ravennantium civitatem conprehendere queant suamque imperator, quod Dominus non permittat, adimplere valeat in quodcumque voluerit voluntatem. An dieser einzigen Stelle, die den Kaiser in Verbindung mit Ravenna nennt, ist die Frage durch die Wahl des Ausdrucks umgangen.Google Scholar
S. oben S. 91 ff.Google Scholar
Vita Gregorii П. с. 7 p. 400.Google Scholar
Ibid. с. 21 p. 407.Google Scholar
V. Gregorii III. с. 15 p. 420.Google Scholar
V. Zachariae с. 15 p. 431.Google Scholar
С. 6 p. 441.Google Scholar
С. 10 p. 442.Google Scholar
С. 8 p. 442.Google Scholar
G 44–45 p. 453.Google Scholar
Vgl. Duchesne Lib. pont. I p. CCXXVII.Google Scholar
С. 14 p. 420.Google Scholar
Vgl. treffend Hartmann II, 2 S. 185: „Es handelt sich… nur um das, was unsere Quellen als dicio bezeichnen, um die unmittelbare Verwaltung, um jenen alten Kampf zwischen den lokalen Gewalten in Italien, unter denen sich der Papst zu besonderer Macht emporgeschwungen hatte, und der machtlosen kaiserlichen Bureaukratie.“Google Scholar
S. oben S. 173.Google Scholar
С. 41 p. 452. S. oben S. 86.Google Scholar
С. 21 p. 446.Google Scholar
C. 31 p. 449; gleich darauf noch einmal: propria propriis saluberrime suaderet reddere. Google Scholar
Das wird klar, und jeder Zweifel, ob mit proprium, proprietas hier nicht doch vielleicht blos die Patrimonien gemeint seien, wird ausgeschlossen, wenn man Pippins Botschaft an Aistulf: propter pacis foedera et proprietatis sanete Dei ecclesie rei publice restituenda iura, mit Stephans II. erster Bitte an Pippin: ut per pacis foedera causam beati Petri rei publice Romanorum disponeret, vergleicht. Eins entspricht dem anderen formell wie sachlich völlig: proprietas b. Petri ist ebenso umfassend wie causa b. Petri. — Damit ist nicht gesagt, daß proprius nun überall und dauernd seines privatrechtlichen Sinnes entkleidet wäre. Wenn Stephan II. in n. 11 nach Erörterung der Frage über die civitates reliquae und die plenaria iustitia, d. h. die noch ausstehenden Restitutionen aus dem Exarchat, in einem besonderen Abschnitt sagt: ita disponere iubeas de parte Greeorum ut… sancta Dei ecclesia sicut ab aliis (scil, den Langobarden) et ab eorum pestifera malitia liberetur et secura reddatur atque omnia proprietatis suae pereipiat, unde… luminariorum concinnatio Dei ecclȩsiis permaneat et esuries pauperum egenorum vel peregrinorum nihilominus refectetur, so wird man Oelsner Jahrb. Pippins S. 290 zustimmen müssen (vgl. Kehr, Gött. Nachr. 1896 S. 112, Anm. 1), daß hier, jedenfalls in erster Linie, die kirchlichen Patrimonien im byzantinischen Reich gemeint sind; denn der concinnatio luminariorum (vgl. Lib. diurn. f. 64 p. 60, f. 68 p. 65) und der Armenpflege dienten seit jeher vorzüglich die Erträge der Patrimonien. So schreibt Gregor III. an Karl Martell (ep. 2): dum cernimus id, quod modicum remanserat preterito anno pro subsidio et alimento pauperum Christi seu luminariorum concinnatione in partibus Ravennacium, nunc gladio et igni cuneta consumi a Luidprando et Hilprando regibus Langobardorum. Sed in istis partibus Romanis mittentes plura exercita, similia nobis fecerunt et faciunt et omnes salas sancti Petri destruxerunt et peculia, quae remanserant, abstulerunt, vgl. auch oben S. 59. Freilich wird andererseits in einem Brief Pauls I. (n. 34: quatenus isdem beatus Petrus princeps apostolorum, pro cuius restituendis luminariis decertatis) dieser alte kirchliche terminus auch einmal für die Gesamtheit der fränkischen Pflichten aus dem Schutzvertrage gebraucht. — Aber auch weiterhin werden ja z. B. im Ludovicianum Dukat und Exarchat mit ihren Städten einerseits, Patrimonien andererseits nebeneinander aufgeführt. In der Benennung zum mindesten bleibt der Unterschied also noch lange Zeit lebendig. Ob dem noch ein sachlicher Unterschied entspricht, und wie die Rechte des Papstes später zu definieren sind, das sind Fragen, die von der im Text erörterten zu unterscheiden und erst im Zusammenhang mit der weiteren Entwickelung zu behandeln sind.Google Scholar
Weiland ZfK. XVII, 374/375: „Man wollte die nominelle Oberhoheit des Kaisers nicht abstreifen, nicht aus dem Imperium heraustreten. Was man wollte, war vielmehr nur Autonomie, Ausschluß der direkten Regierung des Kaisers und seiner Beamten.… Die res publica Romanorum (doch vgl. zu diesem Begriff oben S. 166) war also ein autonomes Glied des imperium in denjenigen Teilen Italiens, wo die unmittelbare Regierungsgewalt des Kaisers nicht mehr bestand. Scheffer Boichorst S. 72: „Die Päpste waren gleichsam nur Statthalter istius Italiae provincias oder Romanorum rei publicae“… „das Gebiet, über welches sie eine Art Verweserschaft für das oströmische Reich ausgeübt hatten.“Google Scholar
S. oben S. 84ff.Google Scholar
Die gleiche Tendenz verfolgte den Langobarden gegenüber schon die von Zacharias begonnene, von Stephan II. zu Anfang seiner Regierung fortgesetzten Friedenspolitik, die unverkennbar auf ein durch beständige Erneuerung in einen dauernden Zustand überzuführendes Vertragsverhältnis ging. Aber Aistulfs Verhalten vereitelte diese Pläne, s. oben S. 65.Google Scholar
S. oben S. 4.Google Scholar
Vgl. die Adressen von n. 6 und 7: Dominis excellentissimis filiis Pippino regi et nostro spiritali compatri seu Carolo et Carolomanno idem regibus et utrisque patritiis Romanorum, bzw. n. 8 an Pippin allein: Domino etc. Pippino regi Francorum et patricio Romanorum, und so fortan ständig. Eine kleine Abweichung zeigt n. 9, als dessen Absender Papst Stephan und die Römer gemeinsam genannt sind: Dominis excellentissimis Pippino, Carolo et Carlomanno tribus regibus et nostris Romanorum patriciis. Man könnte darin ein Zeugnis dafür sehen, daß der Patriziat insbesondere das Verhältnis Pippins zu den Römern ausdrückt; doch ist darauf kein allzugroßes Gewicht zu legen, denn in n. 13, dem Brief der Römer nach Pauls I. Wahl, fehlt der Zusatz noster in der Adresse.Google Scholar
Zusammenstellungen der zahlreichen Ansichten über Entstehung, Wesen und Bedeutung des Patriziats Pippins bei W. Sickel ZfG. XI, 344 Anm. 1 und GGA. 1900 S. 115 ff. und Hartmann II, 2 S. 203 Anm. 21. Mit Recht hat besonders Hartmann den engen Zusammenhang mit dem Patrizius-Exarchen von Ravenna betont (vgl. auch S. 182 Anm. 4) und gegenüber der Fülle von Deutungen bemerkt: „In Wirklichkeit ist der Patriziat gar nicht so unklar, wenn man nichts in ihn hineinlegt, als was in diesem Titel immer gelegen ist, und nicht gewaltsam die kirchlichen und persönlichen Beziehungen der Päpste zu den Frankenkönigen in ihn hineinpressen will“. Eine gute Formulierung auf dieser Basis hat jüngst Haller S. 46 gegeben: „Unter einem patricius Romanorum hatte man bis dahin den Exarchen in Ravenna, den kaiserlichen Vizekönig über die Römer, verstanden. Den gibt es seit 754 (besser 751) nicht mehr. An seine Stelle ist eben der fränkische König getreten. Das war die staatsrechtliche Form, in der die Römer unter Führung des Papstes ihre tatsächliche Autonomie gegenüber der kaiserlichen Verwaltung durchsetzten, während sie dem Namen nach auch weiterhin Bürger des römischen Reiches und Untertanen des Kaisers blieben“.Google Scholar
Daß der Titel patricius des Exarchen von dem Titel patricius Romanorum völlig verschieden sei, wie neben anderen W. Sickel l. с. behauptet, ist mit Recht von Hartmann l. c. zurückgewiesen worden, aber völlige Gleichheit besteht doch nicht. Beide Titel verhalten sich genau so zueinander wie res publica zu res publica Romanorum (s. S. 161 ff.); vgl. Hauck KG. 3 · 4 II, 21 Anm. 2: „(der Titel) erhielt dadurch seine Eigenart, daß er nicht wie bisher im Reiche patricius schlechthin, sondern patricius Romanorum lautete. Er sollte also ein dauerndes Verhältnis bezeichnen“.Google Scholar
Auf beide Punkte ist schon mehrfach (vgl. z. B. auch Ketterer Karl d. Gr. und die Kirche, 1898, S. 60) hingewiesen worden.Google Scholar
In diesem Punkt ist Hartmanns Ansicht mit Recht fast allgemein zurückgewiesen worden, der meint, Stephan habe auch hierin im Einverständnis mit dem Kaiser gehandelt. Neu, aber nicht überzeugend ist die jüngst von Hauck l. с. vertretene Ansicht, nicht Stephan habe den Titel an Pippin verliehen, sondern dieser habe ihn auf Grund der Verhandlungen von 754 selbst angenommen. Aber Pippin die Initiative zuzuschreiben, verbietet m. E. allein schon der Umstand, daß er den Titel bekanntlich gar nicht geführt hat; aus der Nota de unctione geht ferner jedenfalls soviel hervor, daß auch im Frankenreich die Anschauung herrschte, die Anregung sei vom Papste ausgegangen.Google Scholar
Vgl. n. 6: quod beatus Petrus princeps apostolorum nunc per vestrum fortissimum brachium suam percepisset iustitiam, wörtlich ebenso in n. 7; n. 13: maximam post Deum et beatum Petrum in vestri fortissimi regni brachio possidemus spem; n. 19: tuo zelo et fortitudinis brachio. Vgl. auch n. 22: Nos quippe post Deum… atque sacratíssimos ipsius apostolos fiduciam nostram alibi non habemus nisi in vestram praeclaram excellentiam. Tu enim post Deum nobis refugium;… tu cum Dei brachio firma existis opitulatio. Daß mit fortissimum brachium der Patriziat gemeint ist, und zugleich, daß dieser Patriziat nichts anderes bezweckt, als was früher die Pflicht des Exarchen war, ergibt sich aus einer Stelle der sogen. Commemoratio über Papst Martins I. Prozeß in Byzanz (Mansi Conc. coll. X, 856), wo sich der Papst im Verhör gegen den Vorwurf der Begünstigung oder des passiven Verhaltens während der Rebellion des Exarchen Olympius so verteidigt: Quomodo habebam ego tali viro adversus stare, habenti praecique brachium universae militiae Italicae? An potius ego illum feci exarchum? Vgl. zu n. 13 und 22 insbesondere Lib. diurn. f. 59 p. 50 (Nuntius ad exarchum de transitu): post divinum enim auxilium ad vestiram excellentiam… omnes habemus fiduciam, dazu oben S. 6.Google Scholar
S. oben S. 122.Google Scholar
Das tritt gleichzeitig noch offenkundiger zutage in der Urkunde von Kiersy; geht doch das Gebiet, welches sie als Geltungsbereich der defensio Romanae ecclesiae des Frankenkönigs absteckt, über die Grenzen des bestehenden wie des ehemaligen Reichsbesitzes hinaus, es umfaßt auch die Herzogtümer Benevent und Spoleto; die territoriale Interessensphäre der römischen Kirche deckt sich nicht mehr durchweg mit römischem Reichsgebiet.Google Scholar
Vgl. was oben S. 154 Anm. 2 über derartige Versuche von seiten W. Sickels und Gündlachs gesagt ist.Google Scholar
S. oben 81.Google Scholar
Der im folgenden entwickelte Unterschied zwischen Restitutions- und Schenkungstheorie und das Verhältnis beider zueinander ist, wie ich meine, bisher niemals richtig herausgearbeitet worden. Einer klaren Erkenntnis stand im Wege die Annahme, daß die ganzen fränkisch-päpstlichen Beziehungen mit „Schenkungen“beginnen. Nicht allein den Forschern, welche eine erste Schenkungsurkunde Pippins von 754 annahmen (s. S. 77 Anm. 1), sondern auch denjenigen, welche der Interpretation der Vita Hadriani folgend die Urkunde von Kiersy für ein „Schenkungsversprechen“hielten, mithin allen Forschern, soweit sie den Resten der urkundlichen Überlieferung nicht überhaupt ablehnend gegenüberstanden, mußte der wahre Sachverhalt, der, wie ich hoffe, jetzt klar zutage tritt, verborgen bleiben. Sie haben dem Begriff der Restitution nur sozusagen eine sekundäre Bedeutung beigelegt. Einige, wie zuletzt noch Hauck KG. 3. 4 II. 25, sehen in ihm geradezu „eine den rechtlichen wie den wirklichen Zuständen widersprechende Fiktion“, die nur verständlich sei, wenn man annehme, daß die konstantinische Schenkung bereits von Stephan II. als Beweismittel benutzt worden sei; vgl. dazu S. 185 Anm. 2. Auch Oelsner Jahrb. Pippins S. 131, meint, nur in bezug auf das rechtmäßige (private) Eigentum der Kirche an Patrimonien sei oft, „der eigentlichen Bedeutung des Wortes gemäß, von einer Restitution die Rede“. Andere Forscher endlich setzen das Wort Restitution als eine blos mit Rücksicht auf Byzanz beliebte Fiktion in Anführungsstriche (z. B. Martens S. 56 „der ‚Restitutionsakt‛ vom Jahre 756“; Kehr HZ. LXX, 431 „Zusatzvertrag zu der eigentlichen, dem Schutz des jungen Kirchenstaats und seiner ‚Restitution‛ geltenden Promissio Pippins“; Duchesne, État pont.3 p. 60 „ce que l’on appela la ‘restitution’ de Ravenne). In Wahrheit kommt dem Begriffe Restitution die primäre Bedeutung zu, so von allen allein Hartmann II, 2 S. 185, der mit Recht sagt, daß „die Rechtsgrundlage durch die Ansprüche des Reiches gegeben war“, daß es sich 754 im Kern darum gehandelt habe, „die kaiserliche provincia Italia.. durch Restitution der losgerissenen Teile in ihren Grenzen wiederherzustellen“. Die Schenkungstheorie (hierin versuche ich über Hartmann hinauszukommen) tritt m. E. zur Restitutionstheorie nachträglich, als etwas Neues und zugleich Widersprechendes und Unvereinbares hinzu. Indem ich die Schenkungstheorie sodann in ihrer weiteren siegreichen Entwickelung verfolge, hoffe ich die Konstantinische Fälschung in den richtigen historischen Zusammenhang setzen und die Umdeutung der Urkunde von Kiersy in ein „Schenkungsversprechen“aus der gleichen Entwickelung heraus nun erst völlig begreiflich machen zu können.Google Scholar
Vgl. die von Waitz, VG.2 III, 640 angezogene Stelle beim Fortsetzer Fredegars e. 126: Cepit urbem et restituii eam ditioni suae iure praelii. Google Scholar
Kritische Ausgabe von Zeumer in Festgaben f. Gneist (1888) S. 47 ff., abgedruckt bei Haller Quellen S. 241 ff. — Entstehungszeit und -ort hat m. E. abschließend festgestellt Scheffer-Boichorst S. 1 ff. Auf dieser kritisch gesicherten Basis hat Tendenz und Absichten des Verfassers vortrefflich dargelegt Hartmann II, 2 S. 220 ff., dem ich mich im folgenden fast durchweg anschließe, indem ich nicht eine nach allen Seiten hin vollständige Würdigung des Dokuments versuche, sondern nur das, was im Zusammenhang dieser Erörterungen wichtig ist, berühre. — Von späteren Arbeiten zur Konstantinischen Schenkung kommt E. Mayer ZfK. XXXVI S. 1 ff. in der Frage der Entstehungszeit etwa zu demselben Resultat wie Scheffer-Boichorst, in der Beurteilung bedeutet er, wo er von Hartmann abweicht, keinen Fortschritt. Die neuen Gesichtspunkte, die er beibringt, betreffen zumeist die (in unserem Zusammenhang nicht in Betracht kommenden) in der Fälschung berührten dogmatischen Fragen, in denen übrigens Hauck KG. 3.4 II, 26 Anm. 1 Mayers Aufstellungen widerspricht. Boehmer in Realenzykl.3 XI (1902) S. 6 und Hauck l. c. halten an der Ansicht fest, daß die Fälschung vor 754 und zu dem praktischen Zweck, Pippin vorgelegt zu werden, geschmiedet worden sei: „Der nicht zu widerlegende Grund für diese Annahme ist die geforderte Rückgabe Ravennas. Sie ist ohne dieselbe ein unlösbares Rätsel“. Das Rätsel löst sich und die Widerlegung ist gegeben, nachdem fest gestellt ist, wie die Forderung auf Restitution Ravennas im Frieden von 754 lautete, und daß erst im Jahre 756 durch die Macht der äußeren Umstände auf päpstliches Betreiben eine Schenkung an den Papst daraus wurde. Die Fiktion der konstantinischen Schenkung ist nicht die Basis dieser Entwickelung, sondern sie knüpft umgekehrt theoretisch an dem Punkte an, bis zu dem sich die Dinge praktisch entwickelt hatten.Google Scholar
Hartmann l. c. S. 230.Google Scholar
S. oben S. 175ff.Google Scholar
§ 14 ed. Zeumer p. 55, Haller p. 247.Google Scholar
§ 13 ed. Zeumer p. 55, Haller p. 247.Google Scholar
§ 17 ed. Zeumer p. 58, Haller p. 249.Google Scholar
S. oben S. 177.Google Scholar
§ 12 ed. Zeumer p. 54, Haller p. 246.Google Scholar
§ 18 ed. Zeumer p. 58, Haller p. 249.Google Scholar
§ 19 ed. Zeumer p. 59, Haller p. 249.Google Scholar
Ein anderer, der in diesen Zusammenhang nicht gehört, betrifft die Art und Weise der Herrschaftsübung des Papsttums im werdenden Kirchenstaat und kommt in den Erfindungen über Rang und Ehren der päpstlichen Beamten zum Ausdruck. Ich verweise hier wiederum nur auf die treffenden Ausführungen von Hartmann l. c. S. 219, da ich selbst die wirkliche Ausübung einer päpstlichen Landesherrschaft erst später, im Zusammenhang der weiteren Entwickelung zur Zeit Karls d. Gr., zu behandeln gedenke.Google Scholar
§ 17, ed. Zeumer p. 58, Haller p. 249.Google Scholar
Vgl. Hartmann l. с S. 229, nur legt er S. 247 Anm. 14 zuviel Gewicht auf den Ausdruck provincia. Er ist in dieser Zeit nicht mehr ausschließlich auf Reichsgebiet beschränkt, sondern wird daneben auch in der einfachen Bedeutung „Land“gebraucht, z. B. Cod. Car. n. 7: in tam spatiosam et longinquam provintiam (= Frankreich), V. Steph. с. 30 p. 44S: Franciae provinciam. Google Scholar
Etwas anders Hartmann l. с: „Er stellt im Geiste der Zeit den Occident dem Oriente gegenüber und denkt vor allem an die italienischen Provinzen. Was er sich über Venetien und Istrien einerseits, über den Süden Italiens andererseits und etwa über die Inseln, die im strengen Sinn nicht zu Italien gehörten, für Gedanken gemacht hat, wird sich schon deshalb schwer feststellen lassen, weil diese Gedanken schwerlich ganz klar waren.“Google Scholar
S. oben S. 113ff.Google Scholar
Für die Einzelheiten ist auf P. Kehrs Abhandlung „Über die Chronologie der Briefe Papst Pauls I.“in Gött. Nachr. 1896, S. 103 ff. zu verweisen, der in die verwickelten Verhältnisse durch richtige Gruppierung des Quellenmaterials erst Klarheit gebracht hat. Die frühere Darstellung dieser Verhandlungen bei Schnürer S. 60 ff. ist damit überholt, in der späteren bei Hartmann II, 2 S. 206 ff. ist Kehrs Abhandlung leider übersehen worden.Google Scholar
Cod. Car. n. 44.Google Scholar
So auch Hartmann II, 2 S. 251: „eine Liste der Forderungen, die er an die Langobarden noch zu stellen hatte.“Google Scholar
S. oben S. 117f.Google Scholar
Daß Stephan III. vielmehr die territorialen Angaben der Urkunde von Kiersy noch ganz richtig nur als den Geltungsbereich der fränkischen defensio auffaßte, beweist sein anderer Brief an den Patriarchen von Grado, vgl. oben S. 118.Google Scholar
Sackur MJÖG. XIX, 57 hat diese Stelle m. E. mißverstanden und gerade das Gegenteil dessen, was wirklich aus ihr zu entnehmen ist, herausgelesen. Er sagt: „Also: Karl und Karlmann sollen die plenariae iustitiae nach einer von Stephan aufgestellten Liste einfordern, die ihre Begründung in der Promissio hat. ‚Sowie auch Eure Promissio enthält‛ kann dem ganzen Zusammenhange nach nur heißen, daß die Orte und Rechte, die die Liste, das Kapitulare, aufführt, bereits in der von Pippin mit seinen beiden Söhnen ausgestellten Promissio stehen oder doch mit unter einen in der Promissio stehenden territorialen Begriff fallen.“Aber sicut—continet bezieht sich grammatisch wie dem Sinn nach lediglich auf iustitias plenarias exigere; Stephan sagt nur, daß diese allgemeine Verpflichtung in der Urkunde von Kiersy enthalten sei. Die territorialen Angaben derselben bleiben gänzlich aus dem Spiel; wozu auch eine neue Liste, wenn in der Urkunde von Kiersy bereits die iustitiae auf gezählt waren? Vgl. dagegen, wie Hadrian I. die Urkundo von Kiersy zitiert.Google Scholar
Dies gegen die Echtheit der Urkunde von Kiersy früher besonders nachdrücklich ins Feld geführte argumentum ex silentio ist schon von Kehr HZ. LXX 438, GGA. 1895 S. 715 entkräftet worden. Daß im Augenblick, da der Biograph schrieb, die Urkunde von Kiersy „erst in zweiter, vielleicht in dritter Reihe“stand, keine „aktuelle Bedeutung“besaß, ist richtig, nur nicht die Begründung, daß sie eine der Vergangenheit angehörende, „einer Möglichkeit geltende politische Kombination“— nämlich ein nicht zur Ausführung gelangter Eventualteilungsvertrag — gewesen sei; ebensowenig die von Schnürer S. 44 Anm. 8 vertretene, von Kehr GGA. 1895 S. 699 beifällig aufgenommene Vermutung, daß die Urkunde absichtlich von der Kurie geheimgehalten worden sei.Google Scholar
V. Hadriani с. 41 ff, p. 448, vgl. oben S. 99 ff.Google Scholar
Was Hartmann II, 2 S. 184 von der Urkunde von Kiersy sagt, trifft, etwas allgemeiner gewendet, durchaus das Richtige: „Wenn.. unsere Quellen.. von einer Schenkungsurkunde sprechen, so haben sie die tatsächlichen Verhältnisse im Auge und drücken damit aus, daß über das tatsächlich dem Reich Verlorene nur durch die Hand Pippins verfügt wurde.“Google Scholar
S. oben S. 87 f.Google Scholar
S. oben S. 88 Anm. 1.Google Scholar
Die Stelle zeugt nicht etwa, wie Lamprecht S. 80 gemeint hat (vgl. S. 76 Anm. 5), für das Vorhandensein einer Schenkungsurkunde von 754. Zur richtigen Interpretation von concessit ist auf ep. 17 zu verweisen, wo Paul I. von einem Plan des Desiderius berichtet: Nam et hoc cum eodem Georgio imperiali misso constituit, ut dromonorum Siciliae stolum in Otorantina civitate dirigatur, ut tam Greci quamque Langobardi ipsam opsidentes conprehendere valeant civitatem eamque concedat imperatori. Otranto soll den Beneventanern, in deren Besitz es war (vgl. Gay L’Italie méridionale p. 14), abgenommen werden und durch Abtretung von seiten Desiderius’ in den Besitz des Kaisers gelangen. Ebenso bedeutet concessit in Anwendung auf Narni nichts weiter, als daß der Papst durch Pippin (im Vertrage von Pavia) die Abtretung und den Besitz der Stadt erlangt habe.Google Scholar
S. oben S. 24.Google Scholar
Zu concessa vgl. Anm. 1. — Es heißt sich durch eine Phrase des kurialen Stils täuschen lassen — und noch dazu durch eine ganz gelegentliche wie diese, die nur den Wert eines Symptoms in der Entwickelung besitzt, die zur völligen Wandlung der Anschauungen über die Ursprünge der päpstlichen Herrschaft hinführt —, wenn man aus dieser Stelle folgert, Pippin habe den Dukat an den Papst geschenkt, wie Lamprecht S. 80 allerdings nur zögernd tut, indem er meint, die Stelle beziehe sich „aller Wahrscheinlichkeit nach“auf die (angebliche) Schenkungsurkunde von 754.Google Scholar
Sie ist, soviel ich sehe, bisher nur von Sackur MJÖG. XIX, 58 beachtet, aber freilich nicht in ihrer wahren Bedeutung erkannt worden. Gewiß enthält sie eine Beziehung auf die Urkunde von Kiersy, aber das Zitat gibt deren Inhalt nichts weniger als getreu wieder, sondern interpretiert ihn um. Die Stelle findet eine genaue Parallele in V. Hadriani с. 6 p. 488: coniunxit mandatum, quod iamfatus Desiderine abstulisset civitatem Faventinam et ducatum Ferrariae seu Comiacclum de exarchato Ravennate, quae sanctae memoriae Pipinus rex et eius filii Carulus et Garulomannus, excellentissimi reges Francorum et patricii Èomanorum, beato Petro concedentes offeruerunt. Gemeint ist auch hier deutlich nicht die Schenkung Pippins von 756 — Ferrara hat Stephan II. überhaupt erst 757 von Desiderius erhalten —, sondern die von allen drei Königen ausgestellte Urkunde von Kiersy (so auch W. Sickel GGA. 1900 S. 112 Anm. 1). Die gleiche Auffassung bereitet sich schon in der Vita Stephani II. (c. 45 p. 453) vor, wenn bez. der Exarchatsstädte gesagt wird, Pippin habe gegenüber den byzantinischen Forderungen auf Herausgabe geschworen, niemals quod semel beato Petro obtulit auferret, eine Stelle, die ebensowenig wie alle übrigen, die man angeführt hat, für das Vorhandensein einer Schenkungsurkunde Pippins von 754 zeugt, vgl. oben S. 76 Anm. 5.Google Scholar
Dies der Ausdruck von Lamprecht S. 76, der die Urkunde von 756 in der Tat abseits von der Reihe der eigentlich wichtigen „Schenkungen“und „Versprechen“stellt und ihr die untergeordnete Rolle zuweist, die ihr im Rahmen dieser neuen mit Hadrian I. abgeschlossenen Schenkungstheorie — aber eben nur hier, keineswegs in Wirklichkeit — zukommt.Google Scholar
„ Die Urkunde von Quierzy wird als die Gründungsurkunde des Kirchenstaats bezeichnet. Und mit Recht. Durch ihre Ausführung wurden erst die festen Grundlagen für denselben gelegt“, sagt Mühlbacher DG. S. 63. In Wahrheit ist das jedoch erst die von Hadrian I. aufgebrachte Interpretation.Google Scholar
Vgl. Scheffer-Boichorst S. 72, der darauf hinwies, daß „die letzte Urkunde, welche ein Papst nach der Regierung griechischer Kaiser datiert (JE. 2395, von 772), die vorletzte Erwähnung der res publica [Romanorum] bietet“. In Wahrheit ist es sogar die letzte Erwähnung der res publica Romanorum (welchen Zusatz Scheffer а. а. O. nicht berücksichtigt) und zugleich allerdings diejenige, welche so klar wie nie bisher die res publica Romanorum für den Papst in Anspruch nimmt. Die Vorgänger hatten wohl von „unserem Volk der provincia Romanorum“(Cod. Car. n. 22, 44, 45) und von „unseren Städten der res publica Romanorum“(n. 19) gesprochen (vgl. S. 171 ff.), Hadrian I. aber sagt geradezu: nefarii homines nostrae Romanorum rei publicae. Es ist die letzte Erwähnung, denn in der V. Hadriani с. l. p. 486, auf die Scheffer l. с verweist, heißt es nur: inimicis sanctae Dei ecclesiae ac rei publicae inpugnatoribus resistens; von der res publica ist aber ohne prägnante Bedeutung und später zumal in formelhaften Wendungen noch weit bis ins 9. Jahrh. hinein, ja noch im 11. Jahrh. im Liber pontificalis und den Papstbriefen die Rede, vgl. V. Sergii II. c. 11 p. 88: pro salute rei publicae ас totius urbis, V. Benedicti III. с. 7 p. 141: omni clero ас rei publice cetibus, Registr. Johannis VIII. n. 78 (MG. Epp. VII, 74): pro defensione sanctȩ Dei ecclesiȩ et rei publicȩ stabilitale, n. 121 u. 122 p. 111: sanctarum Dei ecclesiarum statum et rei publice quietem u. a., Reg. Gregorii VII. lib. I, 25 (ed. Jaffé Bibl. II, 42): ad confusionem et periculum rei publicae et sanctae ecclesiae; vgl. auch W. Sickel GGA. 1900 S. 108 Anm. 1.Google Scholar
Vgl. Vita Hadriani с. 32–33; p. 495–496 und oben S. 147. Daß Hadrian das Recht zu diesen Maßregeln aus der Urkunde von Kiersy ableitete, erkannte richtig Genelin D. Schenkungsversprechen und die Schenkung Pippins (1881) S. 33, dem Kehr HZ. LXX, 439 zustimmt; nur daß Hadrian „kraft des Schenkungsversprechens Pippins es zu tun berechtigt“war, ist zuviel behauptet.Google Scholar
Die folgenden Briefstellen hat zuerst Scheffer-Boichorst S. 67 gesammelt.Google Scholar
Sie waren damals allerdings noch nicht wirklich in Hadrians Händen; der Erzbischof von Ravenna machte sie ihm vorerst mit Erfolg streitig, und sicher nachweisbar als päpstlicher Besitz sind Imola und Bologna erst in der Reichsteilung von 806, vgl. Kehr Gött. Nachr. 1896 S. 144 Anm. 2.Google Scholar
Auf diesen Unterschied von concedere und offerre, der allerdings nur eine Nuance ist, macht auch Gundlach S. 57 Anm. 174 aufmerksam.Google Scholar
Vgl. dazu oben S. 69 Anm. 4.Google Scholar
Vgl. JE. 2342, vom Jahre 759, s. oben S. 102 Anm. 2.Google Scholar
Aus der nächsten Zeit ist dann noch eine Äußerung Hadrians I. zu erwähnen, in welcher die Schenkungstheorie ganz klar und ohne die Überreste der Restitutionstheorie, welche der Bericht der Vita Hadriani noch enthält, zum Ausdruck kommt. Im Jahre 787 schreibt der Papst in einem nach Byzanz gerichteten Briefe (JL. 2448): Carolus… nostris obtemperam monitis atque adimplens in omnibus voluntates, omnes H esperiȩ occiduȩque partis barbaras nationes sub suis prosternens conculcavit pedibus omnipotentatum illarum domans et suo subiciens regno adunavit. Unde per sua laboriosa certamina eidem Dei apostoli ecclesiȩ ob nimium amorem plura dona perpetuo obtulit possidenda, tam provincias, quam civitates, seu castra et cȩtera territoria, imo et patrimonia, quȩ a perfida Longobardorum gente detinebantur, brachio forti eidem Dei apostolo restituii, cuius et iure esse dignoscebantur (Mansi XII, 1075). Restitutiert sind also nur die Patrimonien, alles übrige, und zwar nicht blos einzelne Städte und Orte, sondern ganze provinciae, sind geschenkt, und daß der Papst das so offen Byzanz selbst gegenüber behauptet, beweist, wie vollständig die Umwälzung der Verhältnisse im Lauf eines Menschenalters die alte Rechtslage zugunsten neuer Anschauungen verdrängt hatte. — Ich erwähne hier ferner, ohne auf die noch nicht einwandfrei gelöste Frage der Komposition und Entstehungszeit in diesem Zusammenhang bereits einzugehen, das sogen. Fragmentum Fantuzzianum, (s. oben S. 153 Anm. 5) weil diese Fälschung gleichsam das letzte, noch fehlende Glied in der kurialen Theorie ergänzt. Hier berichtet nämlich Pippin in der Einleitung seiner für Stephan II. ausgestellten Promissionsurkunde, der Papst habe vor der Wendung an den fränkischen Schutz die ausdrückliche kaiserliche Erlaubnis dazu erbeten und durch ein Schreiben des Kaisers erhalten. Damit ist der päpstlichen Politik nachträglich klare und volle Legalität vindiziert.Google Scholar
Brunner RG. II, 86.Google Scholar
Caspar E. (1914) Die Entstehung des Kirchenstaats. In: Pippin und die Römische Kirche. Springer, Berlin, Heidelberg
DOI https://doi.org/10.1007/978-3-642-99564-4_4