Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Gericht=BGH&Datum=23.09.1993&Aktenzeichen=III%20ZR%20139/92
Timestamp: 2019-05-23 16:22:09
Document Index: 172602876

Matched Legal Cases: ['BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'Art. 20', 'BGH', 'BGH', '§ 839', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 839', 'BGH', '§ 839', '§ 39', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH']

BGH, 23.09.1993 - III ZR 139/92 - dejure.org
https://dejure.org/1993,831
BGH, 23.09.1993 - III ZR 139/92 (https://dejure.org/1993,831)
BGH, Entscheidung vom 23.09.1993 - III ZR 139/92 (https://dejure.org/1993,831)
BGH, Entscheidung vom 23. September 1993 - III ZR 139/92 (https://dejure.org/1993,831)
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Amtshaftung - Bauaufsicht - Bauvorbescheid
Amtshaftung; geschützte Dritte bei rechtswidrigem Bauvorbescheid
Amtshaftungsansprüche bei unrichtigem positiven Bauvorbescheid auch für Erwerber? (IBR 1994, 72)
NJW 1994, 130
MDR 1993, 1180
VersR 1994, 94
WM 1993, 2135
DB 1993, 2526
BauR 1994, 349
Denn zu dieser Einschätzung ist das Oberlandesgericht unter ausdrücklicher Bezugnahme auf Senatsentscheidungen gelangt, in denen eine Amtshaftung für unrichtige Bauvorbescheide bejaht wird (Senat, Urteile vom 30. Juni 1988 - III ZR 232/86, BGHZ 105, 52, 54 ff und vom 23. September 1993 - III ZR 139/92, NJW 1994, 130), ohne in diesem Zusammenhang weiteren Klärungs- und Entscheidungsbedarf durch den Bundesgerichtshof aufzuzeigen.
Vielmehr darf er im Hinblick auf die Bindung der Behörde an Gesetz und Recht nach Art. 20 Abs. 3 GG grundsätzlich darauf vertrauen, dass der Bescheid rechtmäßig erlassen worden und damit verlängerungsfähig ist, solange ihm dessen Fehlerhaftigkeit unbekannt ist (…vgl. Senat, Urteile vom 30. Juni 1988, aaO, S. 56 f;… vom 6. Mai 1993, aaO, S. 322 und vom 23. September 1993, aaO, S. 131;… Hennig, aaO, S. 200; allgemein zum Vertrauensschutz bei Erlass rechtswidriger Bauverwaltungsakte: Schlick, DVBl. 2007, 457, 463 ff und BauR 2008, 290, 297 f).
Dies ändert jedoch nichts daran, dass der Bauwillige, solange er keine Kenntnis von der Rechtswidrigkeit des Vorbescheids hat, über dessen formelle Geltungsdauer hinaus auf der haftungsrechtlichen (Sekundär-)Ebene ein schutzwürdiges Vertrauen in dessen Rechtmäßigkeit und damit auch in dessen Verlängerungsfähigkeit genießt (…Senat, Urteile vom 30. Juni 1988, aaO, S. 56 f und vom 23. September 1993, aaO).
Diese Funktion kann auch darin bestehen, daß der Bescheid als öffentlich-rechtlicher Nachweis über die Baulandqualität dient (Senatsurteil vom 23. September 1993 - III ZR 139/92 = NJW 1994, 130).
Im letzteren Falle dient der Vorbescheid als preisbildender Faktor auf dem Grundstücksmarkt (vgl. Senatsurteil vom 23. September 1993 aaO.).
Dabei ist es unerheblich, daß die Kläger beim Erlaß des Vorbescheides noch nicht Eigentümer der Grundstücke waren; die gegenüber dem seinerzeitigen antragstellenden Grundstücksmiteigentümer wahrzunehmenden Amtspflichten galten auch zugunsten der Kläger als seiner Rechtsnachfolger (st. Rspr.; vgl. z.B. Senatsurteile BGHZ 122, 317, 321 f; vom 23. September 1993 - III ZR 139/92 = NJW 1994, 130, 131; vom 6. Juli 2000 - III ZR 340/98, für BGHZ 144, 394 vorgesehen = NJW 2000, 2996).
Die verletzte Amtspflicht bestand auch zu Gunsten der Klägerin als der Rechtsnachfolgerin der ursprünglichen Antragstellerin; die Klägerin war insoweit geschützter "Dritter" i.S. des § 839 Abs. 1 Satz 1 BGB (st. Rspr.; vgl. z.B. Senatsurteil BGHZ 122, 317, 321; Senatsurteil vom 23. September 1993 - III ZR 139/92 = NJW 1994, 130).
Bei Bauverwaltungsakten kann der Kreis der geschädigten Dritten unterschiedlich zu bestimmen sein, je nachdem ob es um die Erteilung oder um die Versagung des betreffenden Bescheides geht (vgl. etwa Senatsurteile vom 6. Mai 1993 - III ZR 2/92 - VersR 1993, 966, für BGHZ 122, 317 vorgesehen; vom 23. September 1993 - III ZR 139/92 - BGHR BGB § 839 Abs. 1 Satz 1 Bauvorbescheid 6; …und vom 24. Februar 1994 - III ZR 6/93 -, für BGHR vorgesehen).
Der Kläger war danach bezüglich der Auskunft, dem Grunde nach nicht anders als wenn ein förmlicher Bauvorbescheid vorgelegen hätte (…vgl. Senatsurteile vom 6. Mai 1993 aaO. und vom 23. September 1993 aaO.), "Dritter" i.S.v. § 839 Abs. 1 Satz 1 BGB bzw. Betroffener der "Maßnahme" nach § 39 Abs. 1 Buchst. b OBG NW.
Dazu zählen - in den Grenzen eines überschaubaren zeitlichen und sachlichen Zusammenhangs (…BGH, Urt. v. 06.05.1993, Az: III ZR 2/92, NJW 1993, 2303 = BGHZ 122, 317, 322) - die Personen, die im berechtigten Vertrauen unmittelbar die Verwirklichung des Bauvorhabens in Anspruch nehmen wollen und zu diesem Zweck konkrete Aufwendungen für Planungen tätigen, z.B. der Rechtsnachfolger des Antragstellers oder ein künftiger Käufer, der im Vertrauen auf die Baugenehmigung das Grundstück erwirbt (BGH, Urt. v. 23.09.1993, Az: III ZR 139/92, NJW 1994, 130;… BGH, Urt. v. 06.07.2000, Az: III ZR 340/98, BGHZ 144, 394, 396).
Etwas Gegenteiliges ist auch nicht der vom Klägervertreter zitierten Entscheidung des Bundesgerichtshofes vom 23.09.1993 (BGH, Urt. v. 23.09.1993, Az: III ZR 139/92, Rn. 14, a.a.O.) zu entnehmen, vielmehr hat der Bundesgerichtshof dort lediglich für den Fall einer Veräußerung des Grundstückes entschieden, dass für einen Käufer ein positiver Bauvorbescheid eine hinreichende Verlässlichkeitsgrundlage sein kann, ein solcher Fall ist hier jedoch gerade nicht gegeben.
Er muß den Verjährungsbeginn prüfen und für die rechtzeitige Unterbrechung der Verjährung sorgen (BGH NJW 1994, 2741; 1992, 820) und für den Fall, dass die Forderung verjährt ist, hierauf vor Klageerhebung ausdrücklich hinweisen, weil eine verjährte Forderung grundsätzlich nicht durchsetzbar ist (BGH VersR 1994, 94 ff. [96]).
b) Bei Bauverwaltungsakten - Baugenehmigungen oder, wie hier, Bauvorbescheiden - kann der Kreis der geschädigten Dritten unterschiedlich zu bestimmen sein, je nachdem ob es um die Erteilung oder um die Versagung des betreffenden Bescheides geht (Senatsurteil vom 6. Mai 1993 - III ZR 2/92 - VersR 1993, 966, für BGHZ 122, 317 vorgesehen, m.w.N.; Senatsurteil vom 23. September 1993 - III ZR 139/92 - WM 1993, 2135, für BGHR vorgesehen).
Damit unterscheidet sich der vorliegende Fall zugleich in einem wesentlichen Punkt von demjenigen, der dem Senatsurteil vom 23. September 1993 (III ZR 139/92 - WM 1993, 2135) zugrunde lag.
Es muss mithin eine besondere Beziehung zwischen der verletzten Amtspflicht und dem geschädigten "Dritten" bestehen (BGH, Urt. v. 23.09.1993, Az.: III ZR 139/92, NJW 1994, 130 m.w.N.).