Source: https://www.rechtslupe.de/steuerrecht/der-auswaertige-rechtsanwalt-und-die-erstattung-von-reisekosten-3104281
Timestamp: 2020-01-24 09:15:42
Document Index: 131802763

Matched Legal Cases: ['§ 139', '§ 91', '§ 91', '§ 139', '§ 162', '§ 91', '§ 173', '§ 155', '§ 139', 'BGH', '§ 91', 'BGH', 'BGH', 'BGH']

Der aus­wär­ti­ge Rechts­an­walt – und die Erstat­tung von Rei­se­kos­ten | Rechtslupe
Der auswärtige Rechtsanwalt - und die Erstattung von Reisekosten
Zu erstat­ten sind gemäß § 139 Abs. 1 FGO die zur zweck­ent­spre­chen­den Rechts­ver­fol­gung oder Rechts­ver­tei­di­gung not­wen­di­gen Auf­wen­dun­gen der Betei­lig­ten, ein­schließ­lich der Kos­ten des Vor­ver­fah­rens. Erstat­tungs­fä­hig sind somit nur not­wen­di­ge Auf­wen­dun­gen.
Die Norm des § 91 Abs. 2 Satz 1 ZPO bestimmt, dass im zivil­ge­richt­li­chen Ver­fah­ren Rei­se­kos­ten eines Rechts­an­walts, der nicht in dem Bezirk des Pro­zess­ge­richts nie­der­ge­las­sen ist und am Ort des Pro­zess­ge­richts auch nicht wohnt, nur inso­weit zu erstat­ten sind, als die Zuzie­hung zur zweck­ent­spre­chen­den Rechts­ver­fol­gung oder Rechts­ver­tei­di­gung not­wen­dig war.
Die Fin­naz­ge­richts­ord­nung sieht zwar kei­ne § 91 Abs. 2 Satz 1 ZPO ent­spre­chen­de gesetz­li­che Ein­schrän­kung der Erstat­tungs­fä­hig­keit von Rei­se­kos­ten aus­wär­ti­ger Rechts­an­wäl­te vor.
In der ver­wal­tungs­ge­richt­li­chen Recht­spre­chung wird jedoch zu der § 139 Abs. 1 FGO wort­glei­chen Vor­schrift des § 162 Abs. 1 VwGO ein­hel­lig ver­tre­ten, dass sich eine § 91 Abs. 2 Satz 1 ZPO ver­gleich­ba­re Ein­schrän­kung bei der Beauf­tra­gung aus­wär­ti­ger Rechts­an­wäl­te über die Gene­ral­ver­wei­sung § 173 VwGO aus dem das gesam­te Kos­ten­recht durch­zie­hen­den Spar­sam­keits­ge­bot erge­be 1.
Das Finanz­ge­richt Ham­burg schließt sich die­ser ver­wal­tungs­ge­richt­li­chen Auf­fas­sung für das finanz­ge­richt­li­che Ver­fah­ren und die hie­si­ge Gene­ral­ver­wei­sung § 155 FGO an 2.
In der somit bei der Anwen­dung von § 139 FGO her­an­zieh­ba­ren Recht­spre­chung des BGH zu § 91 Abs. 2 Satz 1 ZPO hat die­ser an sei­ner bis­he­ri­gen Auf­fas­sung fest­ge­hal­ten, dass die (Rei­se­kos­ten aus­lö­sen­de) Beauf­tra­gung eines spe­zia­li­sier­ten aus­wär­ti­gen Rechts­an­walts, der sei­nen Sitz weder am Gerichts­ort noch am Wohn­sitz bzw. Sitz der Klä­ge­rin oder des Klä­gers unter­hält, nur dann aus­nahms­wei­se not­wen­dig ist, wenn ein ver­gleich­ba­rer orts­an­säs­si­ger Rechts­an­walt nicht beauf­tragt wer­den kann 3. Ein bestehen­des beson­de­res Ver­trau­ens­ver­hält­nis zwi­schen einem Betei­lig­ten und sei­nem Pro­zess­be­voll­mäch­ti­gen reicht dabei nicht aus, um orts­an­säs­si­ge Rechts­an­wäl­te als nicht ver­gleich­bar erschei­nen zu las­sen 4.
Die Fra­ge der Ver­gleich­bar­keit ist viel­mehr aus Sicht eines ver­stän­di­gen, nicht not­wen­di­ger­wei­se rechts­kun­di­gen, Betei­lig­ten zu beant­wor­ten 5.
Sie rich­tet sich danach, ob der aus­wär­ti­ge Rechts­an­walt über beson­de­re Fach­kennt­nis­se in einer den kon­kre­ten Fall betref­fen­den recht­li­chen Spe­zi­al­ma­te­rie und/​oder beson­de­re zur Fall­be­ar­bei­tung not­wen­di­ge Kennt­nis­se auf tat­säch­li­chem Gebiet ver­fügt, die ihn von ande­ren, orts­an­säs­si­gen Rechts­an­wäl­ten abhe­ben.
Über beson­de­re Kennt­nis­se in tat­säch­li­cher Hin­sicht ver­fügt ein aus­wär­ti­ger Rechts­an­walt nicht nur dann, wenn er nahe­zu aus­schließ­lich eine bestimm­te Grup­pe von Man­dan­ten oder Man­dan­ten aus einer bestimm­ten Bran­che ver­tritt und dadurch über ver­tief­te Kennt­nis­se der bran­chen­üb­li­chen Gepflo­gen­hei­ten und der den Rechts­strei­tig­kei­ten zu Grun­de lie­gen­den wirt­schaft­li­chen Sach­ver­hal­te ver­fügt, son­dern auch, wenn er ein­schlä­gig beson­ders umfang­reich, also über die blo­ße vor­pro­zes­sua­le Ver­tre­tung hin­aus, mit den Ange­le­gen­hei­ten des Man­dan­ten vor­be­fasst war 6.
Im letz­te­ren Sin­ne erfüll­te in dem hier ent­schie­de­nen Fall der Pro­zess­be­voll­mäch­tig­te der Klä­ge­rin die Vor­aus­set­zun­gen der beson­de­ren Kennt­nis­se in tat­säch­li­cher Hin­sicht auf­grund sei­ner beson­ders umfang­rei­chen Vor­be­fas­sung; näm­lich Ver­traut­heit mit den bau­pla­nungs­recht­li­chen Aspek­ten der Immo­bi­lie der Klä­ge­rin, Aus­wer­tung von Bil­dern, Plä­nen und Gut­ach­ten, Rei­sen zu Ter­mi­nen vor Ort; und zwar auf­grund sei­ner lan­gen Man­dats­be­zie­hung sowie im Rah­men sowohl des steu­er­straf­recht­li­chen Ermitt­lungs­ver­fah­rens als auch des Ver­an­la­gungs­ver­fah­rens und des außer­ge­richt­li­chen Rechts­be­helfs­ver­fah­rens.
Finanz­ge­richt Ham­burg, Beschluss vom 12. Novem­ber 2015 – 3 KO 117/​15
Beru­fungs­be­grün­dung – und die Aus­ein­an­der­set­zung mit den… Für die erfor­der­li­che Aus­ein­an­der­set­zung mit den Urteils­grün­den der ange­foch­te­nen Ent­schei­dung reicht es nicht aus, die tat­säch­li­che oder recht­li­che Wür­di­gung durch das Arbeits­ge­richt mit for­mel­haf­ten Wen­dun­gen…
z. B. VG Ber­lin, Beschluss vom 23.02.2010 – 9 KE 27.10, 13 A 40.07; OVG Ham­burg, Beschluss vom 05.03.2007 – 3 So 5/​06, NVwZ-RR 2007, 565; Baye­ri­scher VGH, Beschluss vom 27.07.2006 – 2 N 04.2476; OVG Sach­sen-Anhalt, Beschluss vom 01.11.2005 – 4 O 327/​05; OVG Rhein­land-Pfalz, Beschluss vom 25.02.2004 – 8 C 10550/​03.OVG; VGH Mann­heim, Beschluss vom 20.07.1989 2 S 1497/​89[↩]
eben­so FG Ham­burg vom 18.06.2012 3 KO 209/​11, Juris; FG Bran­den­burg vom 02.04.1996 – I Ko 242/​96 KF, EFG 1996, 1054[↩]
BGH vom 20.12 2012 – XI ZB 12/​11, Juris; – XI ZB 13/​11, Betriebs­be­ra­ter ‑BB- 2012, 458; vom 21.12 2011 – I ZB 47/​09, Der Rechts­pfle­ger ‑Rpfle­ger- 2012, 288 m. w. N; ständ. Rspr.[↩]
BGH vom 20.12 2011 – XI ZB 13/​11, BB 2012, 458 m. w .N[↩]
BVerwG vom 06.12 1963 – VII C 14.63, BVerw­GE 17, 245; VG Karls­ru­he vom 13.04.2004 5 K 1141/​02, Juris; VG Göt­tin­gen vom 26.11.2010 2 A 23/​10, Juris; LG Tübin­gen vom 09.09.2008 2 O 374/​05, Juris[↩]
BGH vom 20.12 2011 – XI ZB 13/​11, BB 2012, 458; Thü­rin­ger OLG vom 17.10.2011 9 W 488/​11, Juris; OLG Düs­sel­dorf vom 13.07.2010 I‑6 W 26/​10, Juris; OLG Sach­sen-Anhalt vom 30.07.2010 2 W 61/​10, Juris; OVG Bran­den­burg vom 09.10.2001 2 E 84/​00, NVwZ-RR 2002, 317; Baye­ri­scher VGH vom 17.05.1977 29 – VIII 77, BayVBl 1977, 477[↩]
FinanzgerichtsverfahrenKostenerstattungRechtspflegerReisekostenReisekostenerstattung