Source: http://m.hensche.de/Arbeitsrecht_Urteile_Equal_pay_auch_bei_Arbeitseinsatz_im_Ausland_BAG_5AZR422-12.html
Timestamp: 2017-02-28 09:58:14
Document Index: 340628192

Matched Legal Cases: ['Art. 27', 'Art. 28', 'Art. 27', '§ 9', '§ 2', '§ 307', '§ 2', '§ 97', '§ 9']

HENSCHE Arbeitsrecht: 5 AZR 422/12
Equal pay, Arbeitnehmerüberlassung, CGZP
Arbeitsgericht Bocholt, Urteil vom 31.3.2011 - 3 Ca 1792/10Landesarbeitsgericht Hamm, Urteil vom 29.2.2012 - 3 Sa 859/11
5 AZR 422/12 3 Sa 859/11Lan­des­ar­beits­ge­richt Hamm Im Na­men des Vol­kes!
hat der Fünf­te Se­nat des Bun­des­ar­beits­ge­richts auf­grund der Be­ra­tung vom 28. Mai 2014 durch den Vi­ze­präsi­den­ten des Bun­des­ar­beits­ge­richts Dr. Müller-Glöge, den Rich­ter am Bun­des­ar­beits­ge­richt Dr. Biebl, die Rich­te­rin am Bun­des­ar­beits­ge­richt We­ber so­wie den eh­ren­amt­li­chen Rich­ter Jung­bluth und die eh­ren­amt­li­che Rich­te­rin Zorn für Recht er­kannt: - 2 - 1. Die Re­vi­si­on der Be­klag­ten ge­gen das Ur­teil des Lan­des­ar­beits­ge­richts Hamm vom 29. Fe­bru­ar 2012 - 3 Sa 859/11 - wird zurück­ge­wie­sen.
„1. Die Rech­te und Pflich­ten der Par­tei­en die­ses Ar­beits­ver­tra­ges be­stim­men sich ab dem 02.06.2009 nach den zwi­schen der AMP und der Ta­rif­ge­mein­schaft des CG­ZP ge­schlos­se­nen Ta­rif­verträgen, be­ste­hend aus Man­tel-, Ent­gelt­rah­men-, Ent­gelt- und Beschäfti­gungs­si­che­rungs­ta­rif­ver­trag in ih­rer je­weils gülti­gen Fas­sung. Dies gilt auch, wenn der Ar­beit­neh­mer nicht Mit­glied der Mit­glieds­ge­werk­schaft der in Satz 1 ge­nann­ten Ta­rif­ge­mein­schaft ist. So­weit mit dem Ar­beit­neh­mer be­reits vor­her ein Beschäfti­gungs­verhält­nis be­stan­den hat, wird der bis­her be­ste­hen­de Ar­beits­ver­trag in­so­fern durch den jetzt und hier­mit ge­schlos­se­nen Ar­beits­ver­trag er­setzt. Die je­weils gülti­gen und auf die­sen Ar­beits­ver­trag an­zu­wen­den­den Ta­rif­verträge sind in je­der Nie­der­las­sung der Fir­ma S aus­ge­legt und ste­hen dem Ar­beit­neh­mer zur Ein­sicht zur Verfügung....
4. Soll­ten die ge­nann­ten Ta­rif­verträge gekündigt wer­den oder in sons­ti­ger Wei­se ih­re Wirk­sam­keit ver­lie­ren, oh­ne dass neue Ta­rif­verträge an ih­re Stel­le tre- - 3 - ten, be­stim­men sich die Rech­te und Pflich­ten der Par­tei­en des Ar­beits­ver­tra­ges je­weils nach den ge­nann­ten Ta­rif­verträgen in der zu­letzt zwi­schen den Ta­rif­ver­trags­par­tei­en ver­ein­bar­ten Fas­sung.
Der Kläger hat - so­weit für die Re­vi­si­on von Be­lang - zu­letzt be­an­tragt, die Be­klag­te zu ver­ur­tei­len, an ihn 9.980,02 Eu­ro brut­to zu zah­len. - 4 - Die Be­klag­te hat Kla­ge­ab­wei­sung be­an­tragt und gel­tend ge­macht, die Par­tei­en hätten wirk­sam die Gel­tung ei­nes Ta­rif­ver­trags ver­ein­bart. Je­den­falls er­fas­se die In­be­zug­nah­me von Ta­rif­verträgen in der „je­weils gülti­gen Fas­sung“ auch zeit­lich nach­fol­gen­de mehr­glied­ri­ge Ta­rif­verträge. Da­nach sei­en die bis April 2010 ent­stan­de­nen Ansprüche oh­ne­hin ver­fal­len. Im Übri­gen sei ihr Ver­trau­ens­schutz zu gewähren. Die Dar­le­gung des Ver­gleichs­ent­gelts sei un­sub­stan­ti­iert.
1. Dies ist nach den vor­lie­gend an­wend­ba­ren Art. 27 ff. EGBGB der Fall. Die Ver­ord­nung (EG) Nr. 593/2008 des Eu­ropäischen Par­la­ments und des Ra­tes vom 17. Ju­ni 2008 über das auf ver­trag­li­che Schuld­verhält­nis­se an­zu­wen­den­de Recht fin­det gemäß ih­rem Art. 28 kei­ne An­wen­dung. Der Ar­beits­ver­trag - 5 - der Par­tei­en wur­de vor dem 17. De­zem­ber 2009 ge­schlos­sen. Alt­verträge un­ter­ste­hen wei­ter dem bis­he­ri­gen Recht (BAG 20. April 2011 - 5 AZR 171/10 - Rn. 11, BA­GE 137, 375).
2. Die Par­tei­en ha­ben die An­wen­dung deut­schen Rechts ver­ein­bart. a) Nach Art. 27 Abs. 1 Satz 1 EGBGB un­ter­liegt ein Ver­trag dem von den Par­tei­en gewähl­ten Recht. Die Rechts­wahl muss nicht aus­drück­lich er­fol­gen. Sie kann sich kon­klu­dent aus den Be­stim­mun­gen des Ver­trags oder aus den Umständen des Ein­zel­falls er­ge­ben (BAG 10. April 2013 - 5 AZR 78/12 - Rn. 24). Ins­be­son­de­re die Ori­en­tie­rung maßgeb­li­cher ar­beits­ver­trag­li­cher Re­ge­lun­gen an deut­schem Ar­beits­recht spricht für die Wahl deut­schen Rechts (vgl. BAG 12. De­zem­ber 2001 - 5 AZR 255/00 - BA­GE 100, 130; 1. Ju­li 2010 - 2 AZR 270/09 - Rn. 28).
1. Das AÜG gilt zwar aus­sch­ließlich im Gel­tungs­be­reich des Grund­ge­set­zes für die Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land, ver­pflich­tet aber in die­sem räum­li­chen Gel­tungs­be­reich ansässi­ge Ver­lei­h­un­ter­neh­mer zur Gewährung glei­chen Ent­gelts, wenn auf das Ar­beits­verhält­nis deut­sches Recht An­wen­dung fin­det. - 6 - 2. Ei­ne nach § 9 Nr. 2 AÜG zur Ab­wei­chung vom Ge­bot der Gleich­be­hand­lung be­rech­ti­gen­de Ver­ein­ba­rung ha­ben die Par­tei­en nicht ge­trof­fen. § 2 Abs. 1 Ar­beits­ver­trag ver­weist auf we­gen der feh­len­den Ta­riffähig­keit der CG­ZP un­wirk­sa­me Ta­rif­verträge (vgl. BAG 13. März 2013 - 5 AZR 954/11 - Rn. 12 ff.). Die vom Ar­beit­ge­ber­ver­band Mit­telständi­scher Per­so­nal­dienst­leis­ter e. V. (AMP) mit der CG­ZP und ei­ner Rei­he von christ­li­chen Ar­beit­neh­mer­ver­ei­ni­gun­gen ge­schlos­se­nen Ta­rif­verträge sind nicht wirk­sam in Be­zug ge­nom­men wor­den, denn es fehlt be­reits die für ei­ne Be­zug­nah­me auf ei­nen mehr­glied­ri­gen Ta­rif­ver­trag un­ver­zicht­ba­re Kol­li­si­ons­re­gel. Die AGB-Klau­sel ist in­trans­pa­rent und nach § 307 Abs. 1 Satz 2 BGB un­wirk­sam (vgl. BAG 13. März 2013 - 5 AZR 954/11 - Rn. 26 ff.).
b) Die Ent­schei­dun­gen zur feh­len­den Ta­riffähig­keit der CG­ZP wa­ren nicht mit ei­ner Recht­spre­chungsände­rung ver­bun­den. We­der das Bun­des­ar­beits­ge­richt noch In­stanz­ge­rich­te ha­ben in dem dafür nach § 2a Abs. 1 Nr. 4 iVm. § 97 ArbGG vor­ge­se­he­nen Ver­fah­ren je­mals die Ta­riffähig­keit der CG­ZP fest­ge­stellt. Die bloße Er­war­tung, das Bun­des­ar­beits­ge­richt wer­de ei­ne von ihm noch nicht geklärte Rechts­fra­ge in ei­nem be­stimm­ten Sin­ne, et­wa ent­spre­chend im Schrift­tum geäußer­ter Auf­fas­sun­gen, ent­schei­den, ver­mag ei­nen Ver­trau­en­stat­be­stand nicht zu be­gründen (Koch SR 2012, 159, 161 mwN). - 7 -
III. Der An­spruch des Klägers auf glei­ches Ar­beits­ent­gelt ist nicht ver­fal­len. 1. Der Kläger war nicht ge­hal­ten, Aus­schluss­fris­ten aus un­wirk­sa­men Ta­rif­verträgen ein­zu­hal­ten. Sol­che sind auch nicht kraft Be­zug­nah­me als All­ge­mei­ne Geschäfts­be­din­gung Be­stand­teil des Ar­beits­ver­trags ge­wor­den. Ar­beits­ver­trags­par­tei­en sind zwar grundsätz­lich frei, ein kol­lek­ti­ves Re­gel­werk in Be­zug zu neh­men, oh­ne dass es auf des­sen nor­ma­ti­ve Wirk­sam­keit an­kommt. Ei­ne der­ar­ti­ge Ab­re­de schei­det je­doch aus, wenn An­halts­punk­te dafür vor­lie­gen, nur ein wirk­sa­mer Ta­rif­ver­trag ha­be ver­ein­bart wer­den sol­len. Das ist hier der Fall. Nur mit ei­ner Be­zug­nah­me auf ei­nen wirk­sa­men Ta­rif­ver­trag konn­te die Be­klag­te als Klau­sel­ver­wen­de­rin den Zweck der Be­zug­nah­me - das Ab­wei­chen vom Ge­bot der Gleich­be­hand­lung nach § 9 Nr. 2 AÜG - er­rei­chen (vgl. BAG 13. März 2013 - 5 AZR 954/11 - Rn. 35).
2. Ei­ne ei­genständi­ge Aus­schluss­fris­ten­re­ge­lung enthält der Ar­beits­ver­trag der Par­tei­en nicht. - 8 - IV. Den sich aus der Ge­samt­be­rech­nung er­ge­ben­den An­spruch des Klägers auf Zah­lung rest­li­cher Vergütung iHv. 6.257,80 Eu­ro brut­to hat das Lan­des­ar­beits­ge­richt zu­tref­fend be­stimmt.
4. Die dem Kläger von der Be­klag­ten ge­leis­te­te Brut­to­vergütung hat das Lan­des­ar­beits­ge­richt den Ab­rech­nun­gen des Streit­zeit­raums ent­nom­men und mit 19.695,20 Eu­ro an­ge­setzt. - 9 -
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