Source: https://www.captain-huk.de/urteile/der-bgh-klipp-und-klar-zur-frage-der-erforderlichkeit-fuer-die-beauftragung-eines-schverstaendigen/
Timestamp: 2020-07-16 14:36:21
Document Index: 235669119

Matched Legal Cases: ['BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 287', '§ 249', '§ 828', 'BGH', 'BGH', '§ 828', '§ 828', '§ 828', '§ 828', '§ 828', '§ 3', '§ 828', '§ 828', '§ 828', 'BGH', '§ 828', '§ 828', '§ 828', '§ 254', 'BGH', '§ 828', '§ 828', '§ 828', '§ 828', '§ 249', 'BGH', '§ 249', 'BGH', 'BGH', '§ 254', '§ 249', 'BGH', '§ 249', '§ 287', '§ 249', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 249', 'BGH', '§ 254', '§ 254', 'BGH', '§ 254', 'BGH', 'BGH', 'BGH']

Der BGH – klipp und klar – zur Frage der Erforderlichkeit für die Beauftragung eines Schverständigen (VI ZR 365/03 vom 30.11.2004) | Captain HUK
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Der BGH urteilte bereits am 30.11.2004 unter dem AZ: VI ZR 365/03 u.a. auch zur Erstattung der Kosten für das Sachverständigengutachten. Ihre Ausführungen haben die BGH-Richter – klipp und klar – kurz und prägnant, wohl auch weil der Versicherer sich nicht in aus- bzw. abschweifende Schriftsätze verloren hatte, gefasst. Zur Urteilsbesprechung Ersatz der Gutachterkosten, bei captain-huk, Donnerstag, 30.03.2006 um 10:23 von Peter Pan, wird nachfolgend das Urteil im Volltext eingestellt:
Für die Frage, ob der Schädiger die Kosten eines Gutachtens zu ersetzen hat, ist entgegen der Auffassung der Revision nicht allein darauf abzustellen, ob die durch die Begutachtung ermittelte Schadenshöhe einen bestimmten Betrag überschreitet oder in einem bestimmten Verhältnis zu den Sachverständigenkosten steht, denn zum Zeitpunkt der Beauftragung des Gutachters ist dem Geschädigten diese Höhe gerade nicht bekannt. Allerdings kann der später ermittelte Schadensumfang im Rahmen tatrichterlicher Würdigung nach § 287 ZPO oft ein Gesichtspunkt für die Beurteilung sein, ob eine Begutachtung tatsächlich erforderlich war oder ob nicht möglicherweise andere, kostengünstigere Schätzungen – wie beispielsweise ein Kostenvoranschlag eines Reparaturbetriebs – ausgereicht hätten (vgl. Wortmann, VersR 1998, 1204 f.). c) Die Auffassung des Berufungsgerichts, die Beauftragung eines Sachverständigen sei erforderlich gewesen, weil der Schaden im Streitfall mehr als 1.400 DM (715,81 €) betragen habe und es sich deshalb nicht um einen Bagatellschaden gehandelt habe, ist revisionsrechtlich nicht zu beanstanden. Der Betrag liegt in dem Bereich, in dem nach allgemeiner Meinung die Bagatellschadensgrenze anzusiedeln ist (vgl. MünchKommBGB/Oetker, 4. Aufl., § 249 BGB, Rn. 372 m.w.N.; Wussow/Karczewski, 15. Aufl., Kap. 41, Rn. 6 m.w.N.).
a) Das Haftungsprivileg des § 828 Abs. 2 Satz 1 BGB greift nur ein, wenn sich bei der gegebenen Fallkonstellation eine typische Überforderungssituation des Kindes durch die spezifischen Gefahren des motorisierten Verkehrs realisiert hat (vgl. Senatsurteil
vom 30. November 2004 – VI ZR 335/03 – zur Veröffentlichung in BGHZ bestimmt).
BGH, Urteil vom 30. November 2004 – VI ZR 365/03 – LG Duisburg
. AG Duisburg
Die Haftung sei auch nicht gemäß § 828 Abs. 3 BGB ausgeschlossen, denn die Beklagte habe die zur Erkenntnis der Verantwortlichkeit erforderliche Einsicht gehabt. Sie habe auch fahrlässig gehandelt. Der zu ersetzende Schaden betrage 944,55 €. Der Kläger könne auch Ersatz der Gutachterkosten verlangen.
a) Wie vom Berufungsgericht zutreffend gesehen, könnte der hier zu beurteilende Sachverhalt nach dem Wortlaut des neugefaßten § 828 Abs. 2 Satz 1 BGB ohne weiteres unter das Haftungsprivileg für Minderjährige fallen. Aus seinem Wortlaut geht nicht hervor, daß das Haftungsprivileg davon abhängen soll, ob sich das an dem Unfall beteiligte Kraftfahrzeug im fließenden oder – wie der hier geschädigte parkende Pkw – im ruhenden Verkehr befindet. Auch aus der systematischen Stellung der Vorschrift ergibt sich nicht, daß der Gesetzgeber einen bestimmten Betriebszustand des Kraftfahrzeugs zugrunde legen wollte, zumal er bewußt nicht das Straßenverkehrsgesetz, sondern das allgemeine Deliktsrecht als Standort für die Regelung gewählt hat (vgl. BT-Drucks.14/7752, S. 26). Allein diese Auslegungsmethoden führten daher nicht zu dem Ergebnis, daß § 828 Abs. 2 BGB auf Fälle des fließenden Verkehrs von Kraftfahrzeugen begrenzt ist. Andererseits ist dem Wortlaut der Vorschrift auch nicht zweifelsfrei zu entnehmen, daß sie sich ohne Ausnahme auf sämtliche Unfälle beziehen soll, an denen ein Kraftfahrzeug beteiligt ist, wie schon die seit ihrem Inkrafttreten dazu veröffentlichten kontroversen Meinungen im Schrifttum zeigen (vgl. für eine weite Auslegung: Cahn, Einführung in das neue Schadensrecht, 2003, Rn. 232 ff.; Elsner DAR 2004, 130, 132; Jaklin/Middendorf, VersR 2004, 1104 ff.; MünchKommBGB/Wagner, 4. Aufl., § 828, Rn. 6; Pardey, DAR 2004, 499, 501 ff.; für eine einschränkende Auslegung: Ady, ZGS 2002, 237, 238; Erman/Schiemann, BGB, 11. Aufl., § 828 Rn. 2a; Heß/Buller, ZfS 2003, 218, 220; Huber, Das neue Schadensersatzrecht, 2003, § 3 Rn. 48 ff.; Kilian, ZGS 2003, 168, 170; Lemcke, ZfS 2002, 318, 324; Ternig, VD 2004, 155, 157).
Mit der Einführung der Ausnahmevorschrift in § 828 Abs. 2 BGB wollte der Gesetzgeber dem Umstand Rechnung tragen, daß Kinder regelmäßig frühestens ab Vollendung des zehnten Lebensjahres imstande sind, die besonderen Gefahren des motorisierten Straßenverkehrs zu erkennen, insbesondere Entfernungen und Geschwindigkeiten richtig einzuschätzen, und sich den Gefahren entsprechend zu verhalten (vgl. BT-Drucks. 14/7752, S. 16, 26). Allerdings wollte er die Deliktsfähigkeit nicht generell (vgl. dazu Wille/Bettge, VersR 1971, 878, 882; Kuhlen, JZ 1990, 273, 276; Scheffen, 29. Deutscher Verkehrsgerichtstag 1991, Referat Nr. II/3, S. 97; dieselbe in Festschrift Steffen, 1995, S. 387, 388 ff.) und nicht bei sämtlichen Verkehrsunfällen (vgl. Empfehlungen des Deutschen Verkehrsgerichtstages 1991, S. 9; Antrag von Abgeordneten und der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen vom 18. Juli 1996, BT-Drucks. 13/5302, S. 1 ff.; Antrag von Abgeordneten und der SPD-Fraktion vom 11. Dezember 1996, BT-Drucks. 13/6535, S. 1, 5 ff.) erst mit Vollendung des zehnten Lebensjahres beginnen lassen. Er wollte die Heraufsetzung der Deliktsfähigkeit vielmehr auf im motorisierten Straßen- oder Bahnverkehr plötzlich eintretende Schadensereignisse begrenzen, bei denen die altersbedingten Defizite eines Kindes, wie z.B. Entfernungen und Geschwindigkeiten nicht richtig einschätzen zu können, regelmäßig zum Tragen kommen (vgl. BT-Drucks. 14/7752, S. 26).
Für eine solche Begrenzung sprach, daß sich Kinder im motorisierten Verkehr durch die Schnelligkeit, die Komplexität und die Unübersichtlichkeit der Abläufe in einer besonderen Überforderungssituation befinden. Gerade in diesem Umfeld wirken sich die Entwicklungsdefizite von Kindern besonders gravierend aus. Demgegenüber weisen der nicht motorisierte Straßenverkehr und das allgemeine Umfeld von Kindern gewöhnlich keine vergleichbare Gefahrenlage auf (vgl. Bollweg/Hellmann, Das neue Schadensersatzrecht, 2002, Teil 3, § 828 BGB, Rn. 11; BT-Drucks. 14/7752, S. 16 f., 26 f.). Diese Erwägungen zeigen, daß Kinder nach dem Willen des Gesetzgebers auch in dem hier maßgeblichen Alter von sieben bis neun Jahren für einen Schaden haften sollen, wenn sich bei dem Schadensereignis nicht ein typischer Fall der Überforderung des Kindes durch die spezifischen Gefahren des motorisierten Verkehrs verwirklicht hat und das Kind deshalb von der Haftung freigestellt werden soll. Dem Wortlaut des § 828 Abs. 2 Satz 1 BGB ist nicht zu entnehmen, daß der Gesetzgeber bei diesem Haftungsprivileg zwischen dem fließenden und dem ruhenden Verkehr unterscheiden wollte, wenn es auch im fließenden Verkehr häufiger als im sogenannten ruhenden Verkehr eingreifen mag. Das schließt jedoch nicht aus, daß sich in besonders gelagerten Fällen – zu denen der Streitfall aber nicht gehört – auch im ruhenden Verkehr eine spezifische Gefahr des motorisierten Verkehrs verwirklichen kann (vgl. etwa Senatsurteile BGHZ 29, 163, 166 f. und vom 25. Oktober 1994 – VI ZR 107/94 – VersR 1995, 90, 92). Der Gesetzgeber wollte vielmehr lediglich den Fällen einer typischen Überforderung der betroffenen Kinder durch die spezifischen Gefahren des motorisierten Verkehrs Rechnung tragen. Zwar wird in der Gesetzesbegründung ausgeführt, der neue § 828 Abs. 2 BGB lehne sich an die Terminologie der Haftungsnormen des Straßenverkehrsgesetzes an (vgl. BT-Drucks. aaO, S. 26). Die danach folgende Erläuterung, im motorisierten Straßenverkehr sei das deliktsfähige Alter heraufzusetzen, weil bei dort plötzlich eintretenden Schadensereignissen in der Regel die altersbedingten Defizite eines Kindes beim Einschätzen von Geschwindigkeiten und Entfernungen zum Tragen kämen (vgl. BT-Drucks. aaO. S. 26 f.), zeigt aber deutlich, daß für den Gesetzgeber bei diesem Aspekt nicht das bloße Vorhandensein eines Motors im Fahrzeug ausschlaggebend war, sondern vielmehr der Umstand, daß die Motorkraft zu Geschwindigkeiten führt, die zusammen mit der Entfernung eines Kraftfahrzeugs von einem Kind vor Vollendung des zehnten Lebensjahres nur sehr schwer einzuschätzen sind (vgl. Bollweg/Hellmann, aaO).
Aus den vorstehenden Ausführungen ergibt sich, daß der Gesetzgeber nur dann, wenn sich bei einem Schadensfall eine typische Überforderungssituation des Kindes durch die spezifischen Gefahren des motorisierten Verkehrs verwirklicht hat, eine Ausnahme von der Deliktsfähigkeit bei Kindern vor Vollendung des zehnten Lebensjahres schaffen wollte. Andere Schwierigkeiten für ein Kind, sich im Straßenverkehr verkehrsgerecht zu verhalten, sollten diese Ausnahme nicht rechtfertigen. Insoweit ging der Gesetzgeber davon aus, daß Kinder in dem hier maßgeblichen Alter mit solchen Situationen nicht generell überfordert sind und die Deliktsfähigkeit daher grundsätzlich zu bejahen ist. Das wird auch deutlich bei der Begründung, weshalb das Haftungsprivileg in Fällen vorsätzlicher Schädigung nicht gilt. Hierzu heißt es, daß in diesen Fällen die Überforderungssituation als schadensursächlich auszuschließen sei und sich jedenfalls nicht ausgewirkt habe (vgl. BT-Drucks. 14/7752, S. 16, 27; Hentschel, NZV 2002, 433, 442). Allerdings kam es dem Gesetzgeber darauf an, die Rechtsstellung von Kindern im Straßenverkehr umfassend zu verbessern. Sie sollte insbesondere nicht davon abhängen, ob das betroffene Kind im Einzelfall „Täter“ oder „Opfer“ eines Unfalls ist, denn welche dieser beiden Möglichkeiten sich verwirklicht, hängt oft vom Zufall ab (vgl. Medicus, Deutscher Verkehrsgerichtstag 2000, Referat Nr. III/4, S. 121; Bamberger/Roth/Spindler, BGB, § 828 Rn. 4). Die Haftungsprivilegierung Minderjähriger erfaßt deshalb nicht nur die Schäden, die Kinder einem anderen zufügen. Da § 828 BGB auch für die Frage des Mitverschuldens nach § 254 BGB maßgeblich ist (vgl. Senatsurteil BGHZ 34, 355, 366), hat die Haftungsfreistellung Minderjähriger auch zur Folge, daß Kinder dieses Alters sich ihren eigenen Ansprüchen, gleichviel ob sie aus allgemeinem Deliktsrecht oder aus den Gefährdungshaftungstatbeständen des Straßenverkehrsgesetzes oder des Haftpflichtgesetzes hergeleitet werden, ein Mitverschulden bei der Schadensverursachung nicht entgegenhalten lassen müssen (vgl. BT-Drucks. 14/7752, S. 16; Bollweg/Hellmann, Das Neue Schadensersatzrecht, § 828 Teil 3, Rn. 5; Heß/Buller ZfS 2003, 218, 219). § 828 Abs. 2 BGB gilt deshalb unabhängig davon, ob das an einem Unfall mit einem Kraftfahrzeug beteiligte Kind Schädiger oder Geschädigter ist. Diese Grundsätze können im Streitfall jedoch nicht eingreifen, weil nach den Feststellungen des Berufungsgerichts unter den Umständen des vorliegenden Falles das Schadensereignis nicht auf einer typischen Überforderungssituation des Kindes durch die spezifischen Gefahren des motorisierten Verkehrs beruht, so daß das Berufungsgericht im Ergebnis zu Recht eine Freistellung der Beklagten von der Haftung verneint hat. 2. Zutreffend und von der Revision unbeanstandet hat das Berufungsgericht auch angenommen, daß § 828 Abs. 3 BGB einer haftungsrechtlichen Verantwortung nicht entgegensteht. Daß die Beklagte nicht die zur Erkenntnis ihrer Verantwortlichkeit erforderliche Einsicht im Sinne von § 828 Abs. 3 BGB gehabt hätte, hat diese nicht dargetan.
5. Die Revision bleibt auch insoweit ohne Erfolg, als sie sich gegen die Zuerkennung der Sachverständigenkosten wendet. a) Die Kosten eines Sachverständigengutachtens gehören zu den mit dem Schaden unmittelbar verbundenen und gemäß § 249 Abs. 1 BGB (n.F.) auszugleichenden Vermögensnachteilen, soweit die Begutachtung zur Geltendmachung des Schadensersatzanspruchs erforderlich und zweckmäßig ist (vgl. BGH, Urteil vom 29. November 1988 – X ZR 112/87 – NJW-RR 1989, 953, 956). Ebenso können diese Kosten zu dem nach § 249 Abs. 2 Satz 1 BGB (n.F.) erforderlichen Herstellungsaufwand gehören, wenn eine vorherige Begutachtung zur tatsächlichen Durchführung der Wiederherstellung erforderlich und zweckmäßig ist (vgl. Senatsurteil vom 6. November 1973 – VI ZR 27/73 – VersR 1974, 90, insoweit in BGHZ 61, 346 nicht abgedruckt).
b) Für die Frage der Erforderlichkeit und Zweckmäßigkeit einer solchen Begutachtung ist auf die Sicht des Geschädigten zum Zeitpunkt der Beauftragung abzustellen (vgl. zur Beauftragung eines Rechtsanwalts Senatsurteil vom 8. November 1994 – VI ZR 3/94 – NJW 1995, 446, 447). Demnach kommt es darauf an, ob ein verständig und wirtschaftlich denkender Geschädigter nach seinen Erkenntnissen und Möglichkeiten die Einschaltung eines Sachverständigen für geboten erachten durfte (vgl. Senatsurteile BGHZ 54, 82, 85 und 61, 346, 349 f.; Geigel/Rixecker, Der Haftpflichtprozeß, 24. Aufl., 3. Kap., Rn. 111). Diese Voraussetzungen sind zwar der Schadensminderungspflicht aus § 254 Abs. 2 BGB verwandt. Gleichwohl ergeben sie sich bereits aus § 249 BGB, so daß die Darlegungs- und Beweislast hierfür beim Geschädigten liegt (vgl. Senatsurteil BGHZ 61, 346, 351; Baumgärtel/Strieder, 2. Aufl., § 249 BGB, Rn. 7). Für die Frage, ob der Schädiger die Kosten eines Gutachtens zu ersetzen hat, ist entgegen der Auffassung der Revision nicht allein darauf abzustellen, ob die durch die Begutachtung ermittelte Schadenshöhe einen bestimmten Betrag überschreitet oder in einem bestimmten Verhältnis zu den Sachverständigenkosten steht, denn zum Zeitpunkt der Beauftragung des Gutachters ist dem Geschädigten diese Höhe gerade nicht bekannt. Allerdings kann der später ermittelte Schadensumfang im Rahmen tatrichterlicher Würdigung nach § 287 ZPO oft ein Gesichtspunkt für die Beurteilung sein, ob eine Begutachtung tatsächlich erforderlich war oder ob nicht möglicherweise andere, kostengünstigere Schätzungen – wie beispielsweise ein Kostenvoranschlag eines Reparaturbetriebs – ausgereicht hätten (vgl. Wortmann, VersR 1998, 1204 f.). c) Die Auffassung des Berufungsgerichts, die Beauftragung eines Sachverständigen sei erforderlich gewesen, weil der Schaden im Streitfall mehr als 1.400 DM (715,81 €) betragen habe und es sich deshalb nicht um einen Bagatellschaden gehandelt habe, ist revisionsrechtlich nicht zu beanstanden. Der Betrag liegt in dem Bereich, in dem nach allgemeiner Meinung die Bagatellschadensgrenze anzusiedeln ist (vgl. MünchKommBGB/Oetker, 4. Aufl., § 249 BGB, Rn. 372 m.w.N.; Wussow/Karczewski, 15. Aufl., Kap. 41, Rn. 6 m.w.N.).
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4 Kommentare zu Der BGH – klipp und klar – zur Frage der Erforderlichkeit für die Beauftragung eines Schverständigen (VI ZR 365/03 vom 30.11.2004)
26. April 2010 um 13:44
mit dem oben angegebenen Urteil des BGH hat der für Schadensersatzrecht zuständige VI. Zivilsenat bestätigt, was vorher bereits Instanzgerichte entschieden hatten, nämlich dass es bei der Prüfung der Erforderlichkeit i.S.d. § 249 BGB auf die ex-ante-Betrachtung des Geschädigten ankommt. Entscheidend ist, wie der Geschädigte im Zeitpunkt der Beauftragung des Sachverständigen dies für erforderlich gehalten hat. Dann darf der Geschädigte auch Kosten zu Lasten des Schädigers verursachen, deren Höhe er noch gar nicht kennt und auch nicht kennen muss. Eine Marktforschung muss der Geschädigte vor Beauftragung des Sachverständigen nicht betreiben. Da der Sachverständige nach Schadenshöhe abrechnen darf, kann dieser im Vorfeld seiner Beauftragung auch noch nicht angeben, wie hoch seine Kosten ausfallen werden. Im übrigen fällt auch auf, dass der zuständige VI. Zivilsenat den hier bereits öfters angegebenen RA. Wortmann zitiert. Zuletzt hatte der Blog auch auf seinen neuesten Aufsatz in der DS 2010, 102 ff. hingewiesen.
Mir liegt mit Datum vom 05.06.2013 ein Regulierungsverweigerungsschreiben der Allianz vor.
Einem nicht gerade kleinen Baubetrieb verweigert die Allianz die Erfüllung des Kfz-Haftpflicht-Versicherungsvertrages.
Unter Berufung auf das obige Urteil, bittet uns die Allianz beiliegende Kopie zur Kenntnis zu nehmen:
Das Honorar könne man LEIDER nicht übernehmen. Der Geschädigte wäre verpflichtet, den Schaden gering zu halten. Bei einem EINFACHSCHADEN hätte ein Kostenvoranschlag ausgereicht. Der Geschädigte hätte nach – u. a. nach VI ZR 365/03 – gegen seine Schadenminderungspflicht verstoßen.
Nur, im zitierten Urteil steht geschrieben:
b) Für die Frage der Erforderlichkeit und Zweckmäßigkeit einer solchen Begutachtung ist auf die Sicht des Geschädigten zum Zeitpunkt der Beauftragung abzustellen (vgl. zur Beauftragung eines Rechtsanwalts Senatsurteil vom 8. November 1994 – VI ZR 3/94 – NJW 1995, 446, 447). Demnach kommt es darauf an, ob ein verständig und wirtschaftlich denkender Geschädigter nach seinen Erkenntnissen und Möglichkeiten die Einschaltung eines Sachverständigen für geboten erachten durfte (vgl. Senatsurteile BGHZ 54, 82, 85 und 61, 346, 349 f.; Geigel/Rixecker, Der Haftpflichtprozeß, 24. Aufl., 3. Kap., Rn. 111). Diese Voraussetzungen sind zwar der Schadensminderungspflicht aus § 254 Abs. 2 BGB verwandt.
Schadenhöhe hier 847 Euro!
Noch ein Satz dazu, was wirklich unter Schadenminderungspflicht zu verstehen ist:
Wann eine Schadenminderungspflicht in Betracht kommen könnte, das sehe ich, wenn ich an unseren Fähranleger gehe. Die Elbe steigt am Ort rasend schnell und bedrohlich an. Die Bewohner der umliegenden, tiefer gelegenen Dörfer werden es kaum schaffen, all ihr Hab und Gut in Sicherheit zu bringen. Doch um ihren Schaden bzw. die Schadensersatzleistungen der Versicherer so gering wie möglich zu halten, tun diese und viele Helfer alles was möglich ist.
bei einem Schaden von 847,– € liegt kein Einfachschaden vor. Wenn der Geschädigte bei Auftragserteilung von dieser Schadenshöhe ausgehen konnte, und er im übrigen selbst nicht in der Lage war, den Schaden zu beziffern, dann war er grundsätzlich berechtigt, einen qualifizierten Kfz-Sachverständigen mit der Erstellung des Schadensgutachtens zu beauftragen. Nur dann, wenn von vornherein und auch für einen Laien erkenntlich, der Schaden gering ist und weitere Schäden ausgeschlossen sind, ist der Geschädigte zur Schadensgeringhaltung verpflichtet, § 254 II BGB. Meine Auffassung, niedergelegt in der VersR 1998, 1204 ff., wurde vom BGH auch angegeben.
Wegen des Schreibens der Allianz sollte der Geschädigte daher einen Anwalt konsultieren. Der weiß, was zu machen ist.
Zum Schluß noch eine Anmerkung zur Schadensminderungspflicht. Das Wort ist missverständlich und sollte so nicht gebraucht werden. Ein einmal eingetretener Schaden kann nicht mehr gemindert werden. Der Schaden ist existent, und zwar auch hinsichtlich seiner Höhe. Was aber gemacht werden kann – und wozu der Geschädigte auch nach § 254 II BGB verpflichtet ist -, ist die sich daran anschließenden Folgeschäden so gering wie möglich zu halten, wenn er die Entwicklung dieser Folgeschäden beeinflussen kann. Dass an der Elbe Hochwasser droht, stand bereits seit längerem fest, denn die Hochwasserfluten aus der tschechischen Republik, aus Dresden, Bitterfeld, Schönebeck, Magdeburg usw. kommen die Elbe abwärts. Lauenburg wird die Fluten auch noch erleben. Wer dann nicht während der Vorlaufzeit die gefährdeten Güter aus dem Gefahrenbereich entfernt und ihm die Entfernung möglich ist, der verletzt grundsätzlich die Schadensgeringhaltungspflicht. Dass zunächst Leib und Leben gerettet und in Sicherheit gebracht werden müssen, bevor Sachen geschützt werden, ist klar. Gebäude und festinstallierte Gegenstände können selbstverständlich nicht entfernt werden. Insoweit ist gut beraten, wer die alten DDR-Elementarversicherungen behalten hat.
Es soll ja versicherungsinterne Unterlagen geben, die dem Sachbearbeiter Anweisungen an die Hand geben, wie er zu regulieren hat. In denen könnte dann vielleicht sinngemäß stehen
Der BGH hat sich das letzte mal 2004 zur Bagatellschadengrenze geäußert. Damals hat der BGH die Auffassung vertreten, daß 714,- € unterhalb der Bagatellgrenze liegen [was der BGH natürlich nicht gesagt hat. Er hat vielmehr gesagt, umgerechnet 715,- € liegen über der Bagatellgrenze]. Da aber in den letzten Jahren alles teuerer geworden ist (Stundensätze, Ersatzteilpreise), gehen wir als Versicherung jetzt davon aus, daß die Bagatellschadensgrenze jetzt bei 1.000,- € netto liegt.
In den Anweisungen könnte dann ferner stehen
Wenn der Sachverständige die Kürzung moniert, schreiben wir einfach, wir haben die Sache nochmals geprüft und wir bleiben bei der Ablehnung. Wenn der Sachverständige dann mit Klage droht, zahlen wir bei einer Kürzung unter 100,- € aus wirtschaftlichen Gründen. Liegt die Abweichung über 100,- €, prüfen wir die Sache noch mal ganz genau, und entscheiden dann, ob wir den Rechtsstreit führen.
Die Ergebnisse dieser Musterprozesse könnte die Versicherung dann auswerten.
Vielleicht zahlt die Versicherung ja trotzdem, wenn ein Totalschaden bei Beauftragung des SV zumindest in Betracht kommt, wenn mit versteckten Schäden gerechnet werden muß oder das Gutachten zur Beweissicherung erforderlich war (Bestreiten der des Schadens an der Unfallstelle, Unfallflucht, Abgrenzung Vor-/Altschäden) … 😉
Möglicherweise wird diese Argumentation der Versicherung demnächst öfters zu hören sein…