Source: http://www.hensche.de/Reform_Personalvertretungsrecht_Reform_des_Personalvertretungsrgesetzes_Baden-Wuerttemberg_2013.html
Timestamp: 2017-05-29 02:00:15
Document Index: 117111909

Matched Legal Cases: ['§ 38', '§ 70', '§ 70', '§ 70', '§ 71', '§ 71', '§ 71', '§ 68']

ARBEITSRECHT AKTUELL // 13/220
Ih­re Ver­tre­ter ha­ben künf­tig mehr Rech­te
Wähl­bar­keit und Amts­zeit
Zahl der Mit­glie­der des Per­so­nal­rats, frei­ge­stell­te Per­so­nal­rats­mit­glie­der, Schu­lung
Be­schluss­fas­sung des Per­so­nal­rats, Ausschüsse
Er­wei­te­rung von Mit­be­stim­mungs­rech­ten
Evo­ka­ti­ons­recht
Wirt­schafts­aus­schuss, Ar­beits­ge­mein­schaft der Vor­sit­zen­den der Haupt­per­so­nalräte (AR­GE-HPR)
Fa­zit: Vie­le klei­ne und ei­ni­ge große Ver­bes­se­run­gen
Wähl­bar­keit und Amts­zeit Während bis­her nur Beschäftig­te wähl­bar wa­ren, die min­des­tens ein Jahr in der öffent­li­chen Ver­wal­tung ge­ar­bei­tet und zu­dem min­des­tens sechs Mo­na­te in dem Geschäfts­be­reich "ih­rer" obers­ten Behörde tätig wa­ren, soll es künf­tig aus­rei­chen, wenn Wahl­be­wer­ber zwei Mo­na­te lang in der je­wei­li­gen Dienst­stel­le wa­ren. Das er­for­der­li­che Min­dest­al­ter für Wahl­be­wer­ber beträgt wei­ter­hin 18 Jah­re.
Die Amts­zeit der Per­so­nalräte soll von der­zeit vier auf fünf Jah­re verlängert wer­den. Aus Sicht der Ar­beit­ge­ber ist das von Vor­teil, denn es ver­min­dert die Kos­ten für die Wahl neu­er Gre­mi­en, für die Ein­ar­bei­tung neu­er Per­so­nal­rats­mit­glie­der und begüns­tigt "ein­ge­spiel­te" Rou­ti­nen. Ob ei­ne mit vier Jah­ren oh­ne­hin schon recht lan­ge Amts­zeit wei­ter verlängert wer­den soll­te, darüber kann man strei­ten. So weist der Deut­sche Ge­werk­schafts­bund (DGB) in sei­ner Stel­lung­nah­me vom Ja­nu­ar 2013 auf die Ge­fahr hin, dass be­reits jetzt bei klei­ne­ren Gre­mi­en das Pro­blem be­steht, dass die­se nur dünn be­setzt sind, so dass sie be­reits ei­ne vierjähri­ge Amts­zeit oft nicht über­ste­hen. Bei noch länge­rer Amts­zeit droht da­her Be­schlus­s­unfähig­keit klei­ne­rer Gre­mi­en, was Nach­wah­len er­for­der­lich ma­chen könn­te.
Zahl der Mit­glie­der des Per­so­nal­rats, frei­ge­stell­te Per­so­nal­rats­mit­glie­der, Schu­lung Die Zahl der Mit­glie­der der Per­so­nalräte wird an­ge­ho­ben. Be­reits ab 15 wahl­be­rech­tig­ten Beschäftig­ten (bis­her: ab 21) soll der Per­so­nal­rat nicht nur aus ei­ner Per­son be­ste­hen, son­dern drei Mit­glie­der ha­ben. Ab 1.501 Beschäftig­ten (bis­her: ab 2.001) hat der Per­so­nal­rat künf­tig 15 Mit­glie­der, ab 2.001 Beschäftig­ten (bis­her: ab 3.001) be­steht er aus 17 Mit­glie­dern usw.
Be­schluss­fas­sung des Per­so­nal­rats, Ausschüsse Ei­ne Be­schluss­fas­sung des Per­so­nal­rats ist bis­lang grundsätz­lich nur bei persönli­cher An­we­sen­heit der Hälf­te sei­ner Mit­glie­der möglich (§ 38 Abs.1 Per­so­nal­ver­tre­tungs­ge­setz BaWü). Künf­tig soll es "in ein­fach ge­la­ger­ten An­ge­le­gen­hei­ten" möglich sein, dass der Vor­sit­zen­de des Per­so­nal­rats ei­ne Be­schluss­fas­sung im schrift­li­chen Um­lauf­ver­fah­ren durchführt, wenn kein Mit­glied des Per­so­nal­rats die­sem Ver­fah­ren wi­der­spricht. Was als "ein­fach ge­la­ger­te An­ge­le­gen­heit" an­zu­se­hen ist und was nicht, sol­len die Per­so­nalräte in ih­ren Geschäfts­ord­nun­gen re­geln.
Neu ist auch die Möglich­keit, dass Per­so­nalräte ab elf Mit­glie­dern per Geschäfts­ord­nung zur Vor­be­ra­tung und Vor­be­rei­tung von Be­schlüssen Ausschüsse bil­den. So­gar die Be­fug­nis­se "in ein­fach ge­la­ger­ten Mit­be­stim­mungs­an­ge­le­gen­hei­ten und in Mit­wir­kungs­an­ge­le­gen­hei­ten" sol­len künf­tig per Geschäfts­ord­nung auf Ausschüsse über­tra­gen können. Sol­che Ver­fah­rens­ver­ein­fa­chun­gen ha­ben Vor­tei­le, aber auch Nach­tei­le. Auf der ei­nen Sei­te er­leich­tern sie den Per­so­nalräten ih­re Ar­beit und ver­rin­gern Zeit­ver­lus­te, die bis­lang durch den Zwang zur persönli­chen Zu­sam­men­kunft ent­ste­hen. Auf der an­de­ren Sei­te sind Per­so­nalräte de­mo­kra­ti­sche Gre­mi­en, zu de­ren we­sent­li­chen Auf­ga­be in­ter­ne Dis­kus­sio­nen gehören. All­zu weit­ge­hen­de Möglich­kei­ten der "Ent­las­tung" des Per­so­nal­rats brin­gen die Ge­fahr mit sich, dass das Gre­mi­um de­mo­kra­ti­sche Funk­tio­nen einbüßt.
Er­wei­te­rung von Mit­be­stim­mungs­rech­ten Die Mit­be­stim­mungs­rech­te des Per­so­nal­rats sol­len er­wei­tert wer­den, d.h. es sol­len neue Mit­be­stim­mungs­tat­bestände ein­geführt wer­den. Neu sind ins­be­son­de­re ein Mit­be­stim­mungs­recht bei der Einführung, An­wen­dung, Auf­he­bung oder we­sent­li­chen Ände­rung von Ar­beits­zeit­mo­del­len (§ 70 Abs.2 Nr.3 Pers­VG neue Fas­sung), ein Mit­be­stim­mungs­recht bei der An­ord­nung von Mehr­ar­beit oder von Über­stun­den, bei Be­reit­schafts­diens­ten und Ruf­be­reit­schaf­ten (§ 70 Abs.2 Nr.4 Pers­VG neue Fas­sung) so­wie ein Mit­be­stim­mungs­recht bei Maßnah­men des Ge­sund­heits­ma­nage­ments so­wie bei all­ge­mei­nen Fra­gen des behörd­li­chen oder be­trieb­li­chen Ein­glie­de­rungs­ma­nage­ments (§ 70 Abs.2 Nr.8 Pers­VG neue Fas­sung) .
Wei­te­re neue Mit­be­stim­mungs­tat­bestände sind die Einführung, we­sent­li­cher Ände­rung oder we­sent­li­cher Aus­wei­tung der In­for­ma­ti­ons- und Kom­mu­ni­ka­ti­ons­net­ze (§ 71 Abs.3 Nr.16 Pers­VG neue Fas­sung), die Einführung grundsätz­lich neu­er For­men der Ar­beits­or­ga­ni­sa­ti­on und we­sent­li­cher Ände­run­gen der Ar­beits­or­ga­ni­sa­ti­on (§ 71 Abs.3 Nr.17 Pers­VG neue Fas­sung) und die An­ord­nung von Ur­laubs­sper­ren aus ar­beits­or­ga­ni­sa­to­ri­schen Gründen (§ 71 Abs.3 Nr.18 Pers­VG neue Fas­sung). Evo­ka­ti­ons­recht An­ders als bei der Mit­be­stim­mung des Be­triebs­rats in so­zia­len, in wirt­schaft­li­chen oder in per­so­nel­len An­ge­le­gen­hei­ten muss der Per­so­nal­rat mit dem Staat als Ar­beit­ge­ber ver­han­deln. Der Staat wie­der­um kann, wie das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt (BVerfG) klar­ge­stellt hat, aus Gründen des De­mo­kra­tie- und Rechts­staats­prin­zips nicht so weit­ge­hend wie pri­va­te Ar­beit­ge­ber an Mit­be­stim­mungs­re­ge­lun­gen ge­bun­den sein. Ent­schei­dun­gen, die we­gen ih­rer Aus­wir­kun­gen auf das Ge­mein­wohl we­sent­li­cher Be­stand­teil der Re­gie­rungs­ge­walt sind, müssen ei­nem par­la­men­ta­risch ver­ant­wort­li­chen Amts­träger vor­be­hal­ten blei­ben.
Wirt­schafts­aus­schuss, Ar­beits­ge­mein­schaft der Vor­sit­zen­den der Haupt­per­so­nalräte (AR­GE-HPR) Neu sind schließlich auch ei­ni­ge Gre­mi­en, die das bis­he­ri­ge Per­so­nal­ver­tre­tungs­recht nicht kennt. So soll es künf­tig ei­nen Wirt­schafts­aus­schuss ge­ben (§ 68b Pers­VG neue Fas­sung), der die Auf­ga­be hat, wirt­schaft­li­che An­ge­le­gen­hei­ten der Dienst­stel­le im Sin­ne von Ab­satz 3 zu be­ra­ten und die Per­so­nal­ver­tre­tung zu un­ter­rich­ten. Ähn­lich wie beim Wirt­schafts­aus­schuss im Be­triebs­ver­fas­sungs­ge­setz () können im Wirt­schafts­aus­schuss Mit­glie­der des Per­so­nal­rats ver­tre­ten sein, doch geht es hier in ers­ter Li­nie um die persönli­che und fach­li­che Eig­nung, ins­be­son­de­re um wirt­schaft­li­chen und/oder ju­ris­ti­schen Sach­ver­stand. Zu den wirt­schaft­li­chen An­ge­le­gen­hei­ten, über die der Ar­beit­ge­ber den Wirt­schafts­aus­schuss zu in­for­mie­ren hat, gehören z.B. be­ab­sich­tig­te Ra­tio­na­li­sie­rungs­maßnah­men, die Einführung neu­er Ar­beits- und Ma­nage­ment­me­tho­den, die Ver­le­gung von Dienst­stel­len oder Dienst­stel­len­tei­len, die Auflösung, Neu­gründung, Zu­sam­men­le­gung oder Tei­lung von Dienst­stel­le oder Dienst­stel­len­tei­len so­wie die Zu­sam­men­ar­beit mit an­de­ren Dienst­stel­len.
Fa­zit: Vie­le klei­ne und ei­ni­ge große Ver­bes­se­run­gen Die Fort­ent­wick­lung der be­trieb­li­chen Mit­be­stim­mung und des Rechts der Per­so­nal­ver­tre­tung ist heut­zu­ta­ge Ar­beit am De­tail. Denn die Eck­punk­te der Mit­be­stim­mung lie­gen be­reits seit vie­len Jahr­zehn­ten fest und sind in al­len po­li­ti­schen La­gern ak­zep­tiert. Wenn es al­so et­was zu ändern oder zu ver­bes­sern gibt, dann an die­ser oder an je­ner Stell­schrau­be, aber nicht am Sys­tem.