Source: https://www.rechtslupe.de/steuerrecht/einkommensteuer/einkommensteuer-privat/kindergeldrechtliche-erfassung-monatlicher-einkuenfte-bei-behinderten-kindern-366646
Timestamp: 2020-01-25 01:30:12
Document Index: 118626874

Matched Legal Cases: ['§ 32', '§ 11', '§ 62', '§ 63', '§ 32', '§ 2', '§ 11', '§ 11', '§ 11', '§ 11', '§ 11', '§ 11', '§ 66', '§ 32']

Kin­der­geld­recht­li­che Erfas­sung monat­li­cher Ein­künf­te bei behin­der­ten Kin­dern | Rechtslupe
Kin­der­geld­recht­li­che Erfas­sung monat­li­cher Ein­künf­te bei behin­der­ten Kin­dern
Monat­lich wie­der­keh­ren­de Ein­künf­te und Bezü­ge, die im Rah­men der nach § 32 Abs. 4 Satz 1 Nr. 3 EStG durch­zu­füh­ren­den –monats­be­zo­ge­nen– Ver­gleichs­rech­nung nach dem Zufluss­prin­zip des § 11 EStG zu erfas­sen sind und dem behin­der­ten Kind kur­ze Zeit vor Beginn oder kur­ze Zeit nach Been­di­gung des Kalen­der­mo­nats, für den sie bestimmt sind, zuflie­ßen, sind in dem bestim­mungs­ge­mä­ßen Monat zu erfas­sen. Als kur­ze Zeit gilt ein Zeit­raum von bis zu zehn Tagen.
Gemäß § 62 Abs. 1, § 63 Abs. 1 Sät­ze 1 und 2 i.V.m. § 32 Abs. 4 Satz 1 Nr. 3 EStG besteht für ein Kind, das das 18. Lebens­jahr voll­endet hat, ein Anspruch auf Kin­der­geld, wenn es wegen kör­per­li­cher, geis­ti­ger oder see­li­scher Behin­de­rung außer­stan­de ist, sich selbst zu unter­hal­ten; Vor­aus­set­zung ist, dass die Behin­de­rung vor Voll­endung des 25. Lebens-jah­res ein­ge­tre­ten ist.
Ein behin­der­tes Kind ist dann außer­stan­de, sich selbst zu unter­hal­ten, wenn es sei­nen Lebens­un­ter­halt nicht bestrei­ten kann. Ist das Kind hin­ge­gen trotz sei­ner Behin­de­rung (z.B. auf­grund hoher Ein­künf­te oder Bezü­ge) in der Lage, selbst für sei­nen Lebens­un­ter­halt zu sor­gen, kommt der Behin­de­rung kei­ne Bedeu­tung zu 1. Ob dies der Fall ist, ist anhand eines Ver­gleichs zwei­er Bezugs­grö­ßen zu prü­fen, näm­lich des gesam­ten Lebens­be­darfs des Kin­des einer­seits und sei­ner finan­zi­el­len Mit­tel ande­rer­seits 2. Zu den finan­zi­el­len Mit­teln des behin­der­ten voll­jäh­ri­gen Kin­des gehö­ren sei­ne Ein­künf­te und Bezü­ge. Ein­künf­te sind sol­che i.S. von § 2 Abs. 2 EStG, zu den Bezü­gen gehö­ren alle Ein­nah­men in Geld oder Natu­ral­leis­tun­gen, die nicht im Rah­men der ein­kom­men­steu­er­recht­li­chen Ein­künf­teer­mitt­lung erfasst wer­den 3.
Bei Prü­fung der Fra­ge, ob ein voll­jäh­ri­ges Kind wegen sei­ner Behin­de­rung außer­stan­de ist, sich selbst zu unter­hal­ten, ist kei­ne jah­res­be­zo­ge­ne Betrach­tung vor­zu­neh­men, son­dern auf den Kalen­der­mo­nat abzu­stel­len 4. Die Ein­künf­te und Bezü­ge sind, soweit für Gewinn­ein­künf­te nicht das Rea­li­sa­ti­ons­prin­zip gilt 5, nach dem Zufluss­prin­zip des § 11 EStG zu erfas­sen 6.
Nach Auf­fas­sung des Bun­des­fi­nanz­hofs ist bei Anwen­dung des Zufluss­prin­zips auch der in der Vor­schrift des § 11 Abs. 1 Satz 2 EStG zum Aus­druck kom­men­de Rechts­ge­dan­ke zu berück­sich­ti­gen. Nach die­ser Vor­schrift gel­ten regel­mä­ßig wie­der­keh­ren­de Ein­nah­men, die dem Steu­er­pflich­ti­gen kur­ze Zeit vor Beginn oder kur­ze Zeit nach Been­di­gung des Kalen­der­jah­res, zu dem sie wirt­schaft­lich gehö­ren, zuge­flos­sen sind, als in dem Jahr der wirt­schaft­li­chen Zuge­hö­rig­keit bezo­gen. Der Geset­zes­zweck die­ser Vor­schrift, Zufäl­lig­kei­ten bei der zeit­li­chen Erfas­sung wie­der­keh­ren­der Leis­tun­gen zu ver­mei­den 7, recht­fer­tigt auch deren Her­an­zie­hung bei monat­lich wie­der­keh­ren­den –im Rah­men der Ver­gleichs­rech­nung anzu­set­zen­den– Ein­künf­ten und Bezü­gen. Dies bedeu­tet, dass sol­che monat­lich wie­der­keh­ren­den Leis­tun­gen, die dem behin­der­ten Kind kur­ze Zeit vor Beginn oder kur­ze Zeit nach Been­di­gung des Kalen­der­mo­nats, für den sie bestimmt sind, zuflie­ßen, in dem bestim­mungs­ge­mä­ßen Monat zu erfas­sen sind. In Anleh­nung an die Recht­spre­chung zu § 11 Abs. 1 Satz 2 EStG ist als "kur­ze Zeit" ein Zeit­raum von bis zu zehn Tagen anzu­se­hen 8. Aller­dings misst der BFH hier­bei dem Erfor­der­nis, dass die Leis­tung auch wäh­rend die­ser kur­zen Zeit –wie sonst bei § 11 Abs. 1 Satz 2 EStG vor­aus­ge­setzt 9– fäl­lig sein muss, kei­ne Bedeu­tung bei, und zwar des­halb, weil für die Beur­tei­lung der Fra­ge, ob einem behin­der­ten Kind aus­rei­chen­de finan­zi­el­le Mit­tel zur Ver­fü­gung gestan­den haben, nicht auf die Fäl­lig­keit einer Zah­lung, son­dern viel­mehr dar­auf abzu­stel­len ist, ob tat­säch­lich ent­spre­chen­de finan­zi­el­le Mit­tel zeit­nah vor­han­den waren. Im Übri­gen kommt eine Ver­tei­lung sol­cher, in Anleh­nung an § 11 Abs. 1 Satz 2 EStG abwei­chend vom Zufluss­mo­nat zu erfas­sen­der monat­lich wie­der­keh­ren­der Leis­tun­gen auf einen län­ge­ren Zeit­raum nicht in Betracht (anders bei jähr­lich anfal­len­den Ein­nah­men 10).
Ob für monat­lich wie­der­keh­ren­den Arbeits­lohn ggf. Abwei­chen­des gilt (s. dazu § 11 Abs. 1 Satz 4 EStG), bedarf im Streit­fall kei­ner Klä­rung.
Schließ­lich wirkt sich eine im Lau­fe eines Monats zuge­flos­se­ne Nach­zah­lung, die zum Weg­fall der Unfä­hig­keit zum Selbst­un­ter­halt führt, erst in dem auf den Zufluss­mo­nat fol­gen­den Zeit­raum kin­der­geld­schäd­lich aus 11. Dem liegt die Über­le­gung zugrun­de, dass das Kin­der­geld gemäß § 66 Abs. 2 EStG bis zum Ende des Monats gezahlt wird, in dem die Anspruchs­vor­aus­set­zun­gen vor­lie­gen 12. Danach ist Kin­der­geld für den Zufluss­mo­nat der Nach­zah­lung zu gewäh­ren, wenn die finan­zi­el­len Mit­tel in die­sem Monat ohne Berück­sich­ti­gung der Nach­zah­lung nicht aus­ge­reicht hät­ten, um den gesam­ten Bedarf des behin­der­ten Kin­des zu decken.
Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 11. April 2013 – III R 35/​11
Kin­der­geld – und die Schmer­zens­geld­ren­te des voll­jäh­ri­gen… Bei der Prü­fung, ob ein voll­jäh­ri­ges behin­der­tes Kind über hin­rei­chen­de finan­zi­el­le Mit­tel zur Bestrei­tung sei­nes per­sön­li­chen Unter­halts ver­fügt, ist eine Schmer­zens­geld­ren­te grund­sätz­lich nicht zu berück­sich­ti­gen.…
BFH, Urteil vom 24.08.2004 – VIII R 83/​02, BFHE 207, 244, BSt­Bl II 2007, 248, m.w.N.[↩]
BFH, Urteil in BFHE 207, 244, BSt­Bl II 2007, 248, m.w.N.[↩]
z.B. BFH, Urteil vom 04.08.2011 – III R 22/​10, BFHE 234, 329, BSt­Bl II 2012, 337, m.w.N.[↩]
z.B. BFH, Urtei­le vom 04.11.2003 – VIII R 43/​02, BFHE 204, 120, BSt­Bl II 2010, 1046; in BFHE 207, 244, BSt­Bl II 2007, 248; a.A. Grei­te, Finanz-Rund­schau 2004, 424; Pust in Littmann/​Bitz/​Pust, Das Ein­kom­men­steu­er­recht, Kom­men­tar, § 32 EStG Rz 491[↩]
s. dazu BFH, Urteil vom 22.12.2011 – III R 69/​09, BFHE 236, 298[↩]
BFH, Urteil vom 16.04.2002 – VIII R 76/​01, BFHE 199, 116, BSt­Bl II 2002, 525[↩]
z.B. BFH, Urteil vom 24.07.1986 – IV R 309/​84, BFHE 147, 419, BSt­Bl II 1987, 16[↩]
s. dazu BFH, Beschluss vom 06.11.2002 – X B 30/​02, BFH/​NV 2003, 169[↩]
BFH, Urteil in BFHE 147, 419, BSt­Bl II 1987, 16[↩]
s. dazu BFH, Urteil in BFHE 207, 244, BSt­Bl II 2007, 248, unter II.1.e[↩]
BFH, Urteil in BFHE 204, 120, BSt­Bl II 2010, 1046, unter II.2.[↩]
BFH, Urteil in BFHE 204, 120, BSt­Bl II 2010, 1046[↩]