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Timestamp: 2019-03-22 02:49:16
Document Index: 130746729

Matched Legal Cases: ['§ 217', '§ 217', '§ 217', '§ 217', '§ 217', '§ 217', '§ 217', '§ 308', '§ 217', '§ 310', '§ 217', '§ 217', '§ 299', '§ 217', '§ 217', '§ 295', '§ 293', '§ 293', '§ 217', '§ 289', '§ 217', '§ 217', '§ 248', '§ 289', '§ 45', '§ 217', '§ 217', '§ 217', '§ 205', '§ 295', '§ 217', '§ 217', '§ 217', '§ 210', '§ 210', '§ 217', '§ 307', '§ 289', '§ 295', '§ 200', '§ 45', '§ 45', '§ 217', '§ 217', '§ 210', '§ 210', '§ 217', '§ 217', '§ 230', '§ 212', '§ 235', '§ 236', '§ 293', '§ 217', '§ 77', '§ 217', '§ 299', '§ 217', '§ 209', '§ 217', '§ 85', '§ 86', '§ 85', '§ 311', '§ 217', '§ 274', '§ 214', '§ 217', '§ 217', '§ 217', '§ 217', '§ 217', '§ 236', '§ 217']

RAE, Richtlinien für die Abgabeneinhebung - Findok Internet
Fassung vom 18.10.2005
Fassung 07.11.2014
Fassung 18.10.2005
Richtlinie des BMF vom 18.10.2005, 05 2202/1-IV/5/03 gültig von 18.10.2005 bis 06.11.2014
RAE, Richtlinien für die Abgabeneinhebung
Die RAE stellen einen Auslegungsbehelf zum 6. Abschnitt der BAO dar.
9. Säumniszuschlag (§ 217 BAO)
9.8. Vollstreckungsbescheid vor Ablauf einer Zahlungsfrist (§ 217 Abs. 6 BAO)
Die Abgabe kann in den Fällen des § 217 Abs. 6 BAO vollstreckt werden, obwohl die Verpflichtung zur Entrichtung des Säumniszuschlages hinausgeschoben ist. Die Verpflichtung zur Entrichtung eines Säumniszuschlages besteht nur hinsichtlich des Betrages, der bis zum Ablauf der maßgebenden Frist, spätestens einen Monat ab Zustellung des Vollstreckungsbescheides, nicht entrichtet ist. Mit Ablauf dieser Fristen beginnt die Dreimonatsfrist des § 217 Abs. 3 erster Satz BAO zu laufen.
9.9. Kein grobes Verschulden an der Säumnis (§ 217 Abs. 7 BAO)
Grobes Verschulden liegt vor, wenn das Verschulden nicht nur als leichte Fahrlässigkeit zu qualifizieren ist. Leichte Fahrlässigkeit liegt vor, wenn ein Fehler unterläuft, den gelegentlich auch ein sorgfältiger Mensch begeht (VwGH 13.9.1999, 97/09/0134). Grobe Fahrlässigkeit wird mit auffallender Sorglosigkeit gleichgesetzt. Auffallend sorglos handelt, wer die im Verkehr mit Behörden und für die Einhaltung von Terminen und Fristen erforderliche und nach den persönlichen Fähigkeiten zumutbare Sorgfalt außer Acht lässt (VwGH 12.5.1999, 99/01/0189). Ein Verschulden des Vertreters ist dem Verschulden des Vertretenen gleichzuhalten (VwGH 26.4.2000, 2000/14/0006). Dies gilt nicht nur für Parteienvertreter, sondern auch für Organe juristischer Personen (VwGH 8.10.1990, 90/15/0134). Grobes Verschulden eines Boten, dessen sich der Abgabepflichtige bedient, ist dann schädlich, wenn den Abgabepflichtigen grobes Verschulden trifft, insbesondere Auswahlverschulden oder Verletzung der nach der Sachlage gebotenen Überwachungspflicht (VwGH 9.10.1990, 90/11/0177). Kein grobes Verschulden eines Abgabepflichtigen liegt vor, wenn sich der Abgabepflichtige zur Überweisung von Geldbeträgen eines ansonsten verlässlichen Kreditinstituts bedient und das Kreditinstitut trotz rechtzeitigen Auftrages durch den Abgabepflichtigen die Überweisung verspätet durchführt.
Ist die Abgabenentrichtung unmöglich (bei Zahlungsunfähigkeit) oder unzumutbar (weil etwa nur durch Vermögensverschleuderung bewirkbar), wird im Allgemeinen kein grobes Verschulden an der Säumnis unterstellt werden können (Ausnahme: grob fahrlässige Herbeiführung der Zahlungsunfähigkeit). Es liegt jedoch am Abgabepflichtigen, die Unmöglichkeit oder Unzumutbarkeit der Abgabenentrichtung zum Zeitpunkt der Fälligkeit, und dass gegebenenfalls auch keine Vorsorge für die Entrichtung erkennbar anfallender Abgabenschuldigkeiten getroffen werden konnte, deutlich offen zu legen (vgl. Ritz, BAO, Aufl 2, Seite 254).
§ 217 Abs. 7 BAO ist auch anwendbar, wenn eine Konkursmasse zur Abdeckung aller Masseforderungen nicht ausreicht (siehe Rz 925).
Bei nach Abgabenvorschriften selbst zu berechnenden Abgaben (zB Umsatzsteuer, Lohnsteuer) ist ein grobes Verschulden an der Unrichtigkeit der Selbstberechnung auszuschließen, wenn der Berechnung eine vertretbare Rechtsansicht zu Grunde liegt. Nimmt der Abgabepflichtige oder Abfuhrpflichtige eine falsche Berechnung auf Grund einer unvertretbaren Rechtsauffassung vor, so wäre § 217 Abs. 7 BAO nur bei Vorliegen leichter Fahrlässigkeit anwendbar.
Bei nicht grob verschuldeter Versäumung einer Zahlungsfrist kommt auch eine Wiedereinsetzung in den vorigen Stand (§ 308 BAO) in Betracht. Die Bewilligung der Wiedereinsetzung beseitigt nicht nur den Säumniszuschlagsbescheid aus dem Rechtsbestand, sondern im Gegensatz zu den Auswirkungen des § 217 Abs. 7 BAO auch alle anderen sich aus der Versäumung ergebenden Rechtsfolgen (§ 310 Abs. 3 BAO). Ein allenfalls eingetretener Terminverlust wäre rückgängig zu machen und die Verbuchung der Gebarung neu aufzurollen.
Ein Antrag nach § 217 Abs. 7 BAO kann bereits vor Festetzung eines Säumniszuschlages gestellt werden.
Maßnahmen im Sinne des § 217 Abs. 7 BAO können auch im Weg einer Berufung gegen den Säumniszuschlagsbescheid oder durch einen Antrag gemäß § 299 Abs. 1 BAO getroffen werden.
9.10. Nachträgliche Herabsetzung der Abgabenschuld (§ 217 Abs. 8 BAO)
§ 217 Abs. 8 BAO trifft eine Regelung, der zufolge bei nachträglicher Herabsetzung der Abgabenschuldigkeit die Berechnung des Säumniszuschlages unter rückwirkender Berücksichtigung des Herabsetzungsbetrages zu erfolgen hat. Eine Herabsetzung der für die Verwirkung des Säumniszuschlages maßgebenden Abgabenschuldigkeit ist nachträglich, wenn sie nach Verwirkung des Säumniszuschlages erfolgt. In Betracht kommen Änderungen gemäß § 295 BAO, Berichtigungen nach dem § 293 BAO oder dem § 293b BAO, neue Sachbescheide nach Wiederaufnahme des Verfahrens sowie Berufungs(vor)entscheidungen.
Die Abschlusszahlung auf Grund einer Einkommensteuer-Veranlagung wird bis zum Fälligkeitstag nicht entrichtet. Da weder ein Zahlungserleichterungsansuchen noch ein Antrag auf Aussetzung der Einhebung zeitgerecht eingebracht wurde, erfolgte die Festsetzung eines Säumniszuschlages. Der maßgebliche Abgabenbescheid wird im Berufungsweg aufgehoben, der Säumniszuschlagsbescheid ist auf Antrag aufzuheben.
§ 217 Abs. 8 BAO erfasst nur den Fall der Herabsetzung der Abgabenschuldigkeit, somit jener Abgabe, deren Nichtentrichtung Ursache für die Verwirkung des Säumniszuschlages war. Es ist somit ausschließlich auf die Minderung jener Abgaben Bedacht zu nehmen, welche die Bemessungsgrundlagen für die Festsetzung des Säumniszuschlages gebildet haben. Demgegenüber ist bei Neuberechnung von Stundungszinsen eine Abgabenbezogenheit nicht erforderlich (siehe Rz 323). Eine Herabsetzung der Stammabgabe liegt auch dann vor, wenn der sie festsetzende Abgabenbescheid ersatzlos aufgehoben wird. Die Aufhebung eines mit Berufung angefochtenen Bescheides durch die Abgabenbehörde zweiter Instanz gemäß § 289 Abs. 1 BAO entspricht einer nachträglichen Herabsetzung im Sinne des § 217 Abs. 8 BAO.
Auf Antrag des Abgabepflichtigen zu berücksichtigende Herabsetzungen der Stammabgabe können sich ergeben zB als Folge
einer Minderung der Bemessungsgrundlage,
einer Anrechnung von Abzugssteuern (zB Lohnsteuer) oder
einer Berichtigung der Abgabenberechnung.
Wurden gegenüber einem Haftungspflichtigen wegen Nichtentrichtung der mit Haftungsbescheid geltend gemachten Abgabenschuldigkeit ein Säumniszuschlag festgesetzt, so liegt ihm gegenüber eine Herabsetzung der Abgabenschuld im Sinne des § 217 Abs. 8 BAO auch dann vor, wenn der Umfang der Inanspruchnahme durch Abänderung des Haftungsbescheides (zB durch Berufungsvorentscheidung) gemindert wird. Dies gilt in gleicher Weise für den Fall der Aufhebung des Haftungsbescheides.
Eine Herabsetzung der Abgabenschuld liegt auch vor, wenn der Bescheid über den Abgabenanspruch im Sinne des § 248 BAO abgeändert wird, sodass sich die Bemessungsgrundlage für den Säumniszuschlag verringert. Ob die Berufung gegen diesen Bescheid der Primärschuldner oder der Haftungspflichtige eingebracht hat, ist für gegenüber dem Haftungspflichtigen verwirkte Säumniszuschläge bedeutungslos.
Ob die Herabsetzungen der Einkommensteuer- und Körperschaftsteuervorauszahlungen auf Grund eines in der BAO vorgesehenen Verfahrenstitels (zB § 289 BAO) oder etwa gemäß § 45 Abs. 4 EStG 1988 (Anpassung von Vorauszahlungen) erfolgt, ist unerheblich.
9.10.1. Gutschrift entsteht durch Anrechnung von Vorauszahlungen (§ 217 Abs. 8 lit. a BAO)
§ 217 Abs. 8 lit. a BAO bildet die Rechtsgrundlage für einen Antrag auf Herabsetzung von Säumniszuschlägen wegen Nichtentrichtung oder nicht zeitgerecht entrichteter Vorauszahlungen für den Fall, dass sich aus der Veranlagung von Einkommensteuer oder Körperschaftsteuer eine Gutschrift ergibt.
Die Einkommensteuervorauszahlung 2002 beträgt 100.000 Euro. Wegen verspäteter Entrichtung des zweiten Vorauszahlungs-Viertels (25.000 Euro) wird ein erster Säumniszuschlag in Höhe von 500 Euro (2 % von 25.000 Euro) festgesetzt. Die Einkommensteuer-Veranlagung für 2002 ergibt (vor Anrechnung der Einkommensteuervorauszahlung) eine Einkommensteuerschuld von 90.000 Euro. Die aus der Anrechnung der Vorauszahlungen sich ergebende Gutschrift beträgt daher 10.000 Euro. Auf Antrag des Abgabepflichtigen ist der Säumniszuschlag auf 300 Euro (2 % von 15 000 Euro) herabzusetzen.
9.10.2. Nachforderungszinsen und nachträgliche Gutschriftszinsen für dieselbe Abgabe (§ 217 Abs. 8 lit. b BAO)
Anspruchszinsen (§ 205 BAO) sind auch dann, wenn sie dieselbe Abgabe betreffen, je für die Entstehung des Zinsenanspruches maßgeblichen Differenzbetrag eine Abgabe. Obwohl ein nach Erlassung eines Nachforderungszinsenbescheides erlassener Gutschriftszinsenbescheid für dieselbe Abgabe den erstgenannten Bescheid nicht berührt, gilt für Zwecke des Säumniszuschlages die Minderung von Nachforderungszinsen durch dieselbe Abgabe betreffende später entstandene Gutschriftszinsen als Herabsetzung der Nachforderungszinsen.
Eine Einkommensteuernachforderung für 2002 führt zur Festsetzung von Nachforderungszinsen in der Höhe von 7.000 Euro. Wegen nicht zeitgerechter Entrichtung der Nachforderungszinsen wird ein Säumniszuschlag von 140 Euro (2 % von 7.000 Euro) festgesetzt. Der Einkommensteuerbescheid 2000 wird nach § 295 Abs. 1 BAO geändert. Diese Änderung hat eine Gutschrift zur Folge, die Gutschriftszinsen betragen 3.000 Euro. Auf Antrag des Abgabepflichtigen ist der Säumniszuschlag auf 80 Euro (2 % von 4 000 Euro - dieser Betrag entspricht jenem Teil der Nachforderungszinsen, der nicht durch Gutschriftszinsen kompensiert wurde) herabzusetzen.
9.11. Rückwirkende Zuerkennung oder Verlängerung von Zahlungsfristen (§ 217 Abs. 9 BAO)
§ 217 Abs. 9 BAO sieht zur Vermeidung von Härten, die sich in bestimmten Fällen, rückblickend betrachtet, ergeben können, vor, dass die zunächst zu Recht erfolgte Festsetzung eines Säumniszuschlages zur Gänze oder teilweise beseitigt wird.
Nach § 217 Abs. 9 BAO hat eine Herabsetzung von Säumniszuschlägen bzw. eine Aufhebung von Säumniszuschlagsbescheiden als Folge von bescheidmäßigen rückwirkenden Verlängerungen von Zahlungsfristen (zB bei Verlängerung der Fälligkeitsfrist des § 210 Abs. 1 BAO oder der Nachfrist des § 210 Abs. 4 BAO) zu erfolgen. Eine derartige Rückwirkung kommt insbesondere Berufungs(vor)entscheidungen zu.
Keine rückwirkende Zuerkennung einer Zahlungsfrist liegt vor, wenn einem nicht zeitgerecht, nach Verwirkung eines Säumniszuschlages eingebrachten Zahlungserleichterungsansuchen entsprochen wird.
Rückwirkungen im Sinne des § 217 Abs. 9 BAO bestehen weiters etwa bei
Aufhebung des die Wiederaufnahme bewilligenden oder verfügenden Bescheides (§ 307 Abs. 3 BAO)
Aufhebung gemäß § 289 BAO
Keine Rückwirkungen bestehen etwa bei Änderungen gemäß § 295 BAO, bei endgültigen Bescheiden gemäß § 200 Abs. 2 BAO und bei Anpassungen von Vorauszahlungen nach § 45 Abs. 4 EStG 1988. Eine derartige Herabsetzung lässt die in der Vergangenheit liegende Fälligkeit unberührt; sie führt nach § 45 Abs. 3 EStG 1988 lediglich zu einer Gutschrift. Ebenso liegt keine rückwirkende Zuerkennung einer Zahlungsfrist vor, wenn einem nicht zeitgerecht eingebrachten Ansuchen um Zahlungserleichterungen stattgegeben wird. Solche Zuerkennungen berühren entstandene Säumniszuschlagsansprüche nicht und ermöglichen daher keine auf § 217 Abs. 9 BAO gestützten Herabsetzungen.
§ 217 Abs. 9 BAO betrifft Zahlungsfristen (insbesondere die Fälligkeit nach § 210 Abs. 1 BAO und Nachfristen, wie zB jene nach § 210 Abs. 4 BAO), über die im Spruch des Leistungsgebotes (insbesondere des Abgabenbescheides) abgesprochen wird. Wird ein solcher Bescheid mit Berufung angefochten und verschiebt die Berufungs(vor)entscheidung den für die Verwirkung des Säumniszuschlages maßgebenden Zahlungstermin, so ist § 217 Abs. 9 BAO anwendbar.
Ein ESt-Bescheid 2002 mit einer Nachforderung von 30.000 Euro weist im Bescheidspruch die Fälligkeit 5. Mai 2003 aus. In der Berufung gegen diesen Bescheid wird unter Hinweis auf eine erst am 28. April 2003 erfolgte Zustellung geltend gemacht, dass die Fälligkeit am 28. Mai 2003 eingetreten sei. Die Abgabe wird am 23. Mai 2003, somit nach der im Bescheid ausgewiesenen Fälligkeit entrichtet. Ein Säumniszuschlag in der Höhe von 600 Euro wird festgesetzt. Der Berufung wird im Oktober 2003 stattgegeben, sodass die Fälligkeit nunmehr mit 28. Mai 2003 festgelegt wird. Auf Antrag des Abgabepflichtigen ist der Säumniszuschlag gemäß § 217 Abs. 9 BAO aufzuheben.
Ein im Sinn des § 230 Abs. 3 BAO zeitgerechtes Zahlungserleichterungsansuchen wird abgewiesen; die für die Entrichtung der Abgabe zur Verfügung stehende Frist des § 212 Abs. 3 BAO wird nicht zur Zahlung genützt. Auf Grund einer gegen den Abweisungsbescheid gerichteten Berufung wird die beantragte Zahlungserleichterung bewilligt. Auf Antrag des Abgabepflichtigen ist der Säumniszuschlagsbescheid aufzuheben (sollte hingegen die Zahlungserleichterung auf Grund eines neuerlichen Ansuchens mittels Erstbescheides bewilligt werden, bliebe hievon der Säumniszuschlag unberührt).
Der Abgabepflichtige sucht für Abgabenschulden in der Höhe von 100.000 Euro um Bewilligung von Ratenzahlungen zu 10.000 Euro an. Das Finanzamt bewilligt abweichend vom Ansuchen fünf Raten zu je 20.000 Euro. Der Abgabepflichtige beruft gegen diesen Bescheid und entrichtet Raten in der beantragten Höhe von 10.000 Euro. Dadurch tritt zwar Terminverlust ein; die bereits eingetretene Verpflichtung zur Entrichtung eines Säumniszuschlages entfällt, wenn der Abgabepflichtige im Berufungsverfahren mit seinem Begehren durchdringt.
Eine Nachsicht betreffend eine ESt-Schuld in der Höhe von 30.000 Euro wird widerrufen; die Entrichtung erfolgt nicht innerhalb der Nachfrist des § 235 Abs. 3 BAO in Verbindung mit § 236 Abs. 3 BAO, weshalb ein Säumniszuschlag von 600 Euro festgesetzt wird. Auf Grund einer gegen den Widerrufsbescheid eingebrachten Berufung wird der Widerruf auf 20.000 Euro eingeschränkt; somit erfolgt eine Gutschrift von 10.000 Euro. Auf Antrag des Abgabepflichtigen ist der Säumniszuschlag auf 400 Euro herabzusetzen.
Zu den Möglichkeiten, einen Säumniszuschlagsbescheid gemäß § 293a BAO aufzuheben, siehe Ausführungen zu dieser Bestimmung.
9.12. Anträge nach § 217 Abs. 7 bis 9 BAO
Zur Antragstellung ist der Abgabepflichtige (§ 77 BAO) berechtigt, somit derjenige, an den der Säumniszuschlagsbescheid ergeht oder bei dem im Fall der Nichtentrichtung der Abgabe ein Säumniszuschlagsanspruch entstehen würde.
Dem Antrag muss entnehmbar sein, weshalb eine Nichtfestsetzung oder Herabsetzung von Säumniszuschlägen bzw. die Aufhebung von Säumniszuschlagsbescheiden begehrt wird. Eine ziffernmäßige Berechnung des in Betracht kommenden Betrages ist nicht erforderlich. Bei Unklarheiten über den Inhalt des Anbringens ist die Absicht der Partei zu erforschen (VwGH 20.2.1998, 96/15/0127).
Wird der Antrag in der Berufung gegen den Säumniszuschlagsbescheid gestellt, so ist im Berufungsweg darüber abzusprechen; dies im Hinblick darauf, dass Berufungserledigungen grundsätzlich auf die Sach- und Rechtslage zum Zeitpunkt ihrer Erlassung Bedacht zu nehmen haben.
Maßnahmen im Sinne des § 217 Abs. 7, 8 und 9 BAO kommen auch auf Grund eines Antrages gemäß § 299 Abs. 1 BAO in Betracht.
Anträge gemäß § 217 Abs. 7, 8 und 9 BAO sind zurücknehmbar; sie können unbefristet gestellt werden; zu beachten ist jedoch der Eintritt der Bemessungsverjährung für den Säumniszuschlag. Wurde der Antrag vor Eintritt der Bemessungsverjährung des Säumniszuschlages gestellt, so ist im Hinblick auf § 209a Abs. 2 BAO eine (teilweise) stattgebende Erledigung des Antrages auch nach Ablauf der Verjährungsfrist zulässig.
Anträge gemäß § 217 Abs. 7, 8 und 9 BAO sind Anbringen zur Geltendmachung von Rechten. Sie sind dem § 85 Abs. 1 BAO zufolge grundsätzlich schriftlich einzureichen; nach Maßgabe von auf § 86a BAO gestützten Verordnungen können sie im Weg automationsunterstützter Datenübertagung oder in jeder anderen technisch möglichen Weise eingereicht werden. Nach Maßgabe des § 85 Abs. 3 BAO können sie mündlich eingebracht werden.
Die Anträge unterliegen der Entscheidungspflicht; bei Säumnis kommt ein Devolutionsantrag in Betracht (§ 311 Abs. 2 BAO).
Wurde ein Antrag vor Festsetzung eines Säumniszuschlages eingebracht, so ist, wenn dem Antrag entsprochen wird, ein Bescheid über die Nichtfestsetzung des Säumniszuschlages zu erlassen bzw. der Säumniszuschlag in einem geringeren Ausmaß festzusetzen, als er verwirkt wurde.
Für Bescheide, mit denen Säumniszuschläge gemäß § 217 Abs. 7, 8 oder 9 BAO herabgesetzt werden, gilt § 274 BAO: Wurde gegen einen Säumniszuschlagsbescheid eine Berufung eingebracht, über die im Zeitpunkt der Erlassung des den Säumniszuschlag herabsetzenden Bescheides noch nicht entschieden war, dann ist sie zugleich mit der Erlassung des Herabsetzungsbescheides insoweit als gegenstandslos zu erklären, als dieser Bescheid dem Berufungsbegehren Rechnung trägt. Im übrigen gilt die gegen den ursprünglichen Säumniszuschlagsbescheid eingebrachte Berufung als auch gegen den Herabsetzungsbescheid gerichtet.
Zu den weiteren Möglichkeiten einer Minderung oder Aufhebung von Säumniszuschlägen, siehe die Ausführungen zu §§ 214 Abs. 5 und 293a BAO.
9.13. Bagatellgrenze (§ 217 Abs. 10 BAO)
Säumniszuschläge, die im Einzelfall den Betrag von 50 Euro nicht erreichen, sind nicht festzusetzen. Dies gilt auch für Abänderungen und Aufhebungen von Säumniszuschlägen festsetzenden Bescheiden.
Die Sonderregelung des § 217 Abs. 10 zweiter Satz BAO gilt für Selbstbemessungsabgaben betreffende Säumniszuschläge. Die Bagatellgrenze für Selbstbemessungsabgaben gilt mit der Maßgabe, dass die Summe der Säumniszuschläge für Nachforderungen gleichartiger, jeweils mit einem Abgabenbescheid oder Haftungsbescheid geltend gemachter Abgaben maßgebend ist.
Beispiel betreffend Umsatzsteuervorauszahlung:
Jänner 2004 Nachforderung
Februar 2004 Nachforderung
März 2004 Nachforderung
April 2004 Gutschrift
Die Bemessungsgrundlage für den Säumniszuschlag beträgt 2.300 Euro; der Säumniszuschlag würde 46 Euro betragen; die Festsetzung des Säumniszuschlages hat daher zu unterbleiben.
Randzahlen 1005 bis 1099: derzeit frei
§ 217 Abs. 6 BAO, Bundesabgabenordnung, BGBl. Nr. 194/1961
§ 217 Abs. 8 lit. a BAO, Bundesabgabenordnung, BGBl. Nr. 194/1961
VwGH 09.10.1990, 90/11/0177
RAE, Richtlinien Abgabeneinhebung Rz 925
RAE, Richtlinien Abgabeneinhebung Rz 323
§ 217 Abs. 3 erster Satz BAO, Bundesabgabenordnung, BGBl. Nr. 194/1961
§ 236 Abs. 3 BAO, Bundesabgabenordnung, BGBl. Nr. 194/1961
§ 217 Abs. 10 zweiter Satz BAO, Bundesabgabenordnung, BGBl. Nr. 194/1961
Abgabeneinhebung, Einkommensteuervorauszahlung, Berufungsentscheidung, Berufungsvorentscheidung, Vollstreckungsbescheid, Zahlungsfrist, Säumniszuschlag, Säumniszuschläge, grobes Verschulden, leichte Fahrlässigkeit, grobe Fahrlässigkeit, auffallende Sorglosigkeit, Sorgfalt, Auswahlverschulden, Überwachungspflicht, Zahlungsunfähigkeit, Unmöglichkeit, Unzumutbarkeit, Vorsorge, Konkurs, Umsatzsteuer, Lohnsteuer, Selbstberechnung, Wiedereinsetzung, Herabsetzung der Abgabenschuld, nachträgliche Herabsetzung, Herabsetzungsbetrag, Herabsetzung, Abgabenbezogenheit, Stammabgabe, Berufung, Haftungsbescheid, Körperschaftsteuervorauszahlungen, Gutschrift, Anrechnung von Vorauszahlungen, Veranlagung, Nachforderungszinsen, Gutschriftszinsen, Anspruchszinsen, Differenzbetrag, Differenzbeträge, Nachforderungszinsenbescheid, Minderung von Nachforderungszinsen, Zahlungsfristen, Verlängerungen von Zahlungsfristen, Antragstellung, Antrag, Anträge, Entscheidungspflicht, Devolutionsantrag, Devolutionsanträge, Bagatellgrenze, 50 Euro, Selbstbemessungsabgaben
Findok-Nr: 19978.1, aufgenommen am: 20.04.2006 11:24:13, zuletzt geändert am: 11.03.2010, Dokument-ID: 7eae6716-0482-4020-bd40-7dbd345dd46e, Segment-ID: 470fa21b-26c5-4b5b-b8ea-4f41d50299e8