Source: https://www.flugrechte.eu/5057/sportgep%C3%A4ck-verloren-entsch%C3%A4digung
Timestamp: 2019-10-17 03:12:50
Document Index: 111833815

Matched Legal Cases: ['EuG', 'EuG', 'Art.19', 'Art. 17', 'Art. 22', 'Art. 22', 'Art. 19', 'EuG', 'Art.17']

Sportgepäck verloren Entschädigung - FLUGGASTRECHTE
Ich bin mit Condor (Nur-Flug-Buchung) nach Übersse geflogen und habe bewusst die Comfort Class gebucht, da darin die Beförderung eines Sportgepäckes inkludiert war.
Da es ein Angelurlaub sein sollte hat habe ich als Sportgepäck mein Angelzubehör angemeldet.
Condor hat es geschafft dieses 18kg schwere Gepäckstück zu verlieren.
Nun bietet man mir knapp 400€ an für den Zeitwert des Gepäck, Telefonkosten und Unkosten vorort.
Da mein Angelgepäck nie ankam war mir die Ausübung der Sportfischerei nicht möglich.
Ist es möglich hier einen Teil des Flugpreises zurückzuerhalten, da Condor einen Vertragsbestandteil (Beförderung des Sportgepäckes) nicht erfüllt hat?
condor-gepäckverlust
condor-sportgepäck
condor-comfort-class
comfort-class-condor
condor-business
condor-angelzubehör
Gefragt 16, Dez 2015 in Gepäckverlust von SC198 (140 Punkte)
wieder getaggt 16, Dez 2015 von admin
ein Gepäckverlust ist immer ärgerlich und problematisch sowohl für den Fluggast als auch die betroffene Fluggesellschaft. Bis heute gibt es in solchen Fällen kein einheitliches Verfahren, der die Frage der Entschädigung klärt.
Hier gilt das Montrealer Übereinkommen, das 2004 das Warschauer abkommen von 1929 abgelöst hat.
In diesem wird ein Pauschalersatzanspruch festgelegt, der für alle Fluggesellschaften gleich gilt.
- Die Fluggesellschafte haften maximal mit 1.131 SRZ (Sondereziehungsrechten). Das entspricht ugefähr dem Wert von 1330,- Euro. Die Haftung gilt pro Passagier, nicht pro Gepäckstück!
Viele Airlines verlangen einen Nachweis über den Wert des Gepäckinhaltes. Es ist somit sinnvoll, den Inhalt des verlorenen Koffers aufzulisten und den Wert möglichst konkret mit Kaufbelegen etc. nachweisen zu können.
In Ihrem Fall muss also beachtet werden, ob der Wert der letztendlich von der Fluggesellschaft gefordert wird 1.300.- Euro nicht übersteigt.
"Der EuGH hat mit dem vorliegenden Urteil in der Rechtssache C-63/09 Walz v. Clickair entschieden, dass sich die Haftungshöchstgrenzen aus dem Montrealer Übereinkommen von aktuell 1.131 Sonderziehungsrechten (was etwa EUR 1.300,00 entspricht) auf den gesamt geltend gemachten Schadensersatz des Reisenden beziehen und alle Schäden umfassen. Das bedeutet, dass im Rahmen des Schadensausgleiches von Gepäckschäden und Gepäckverlust unabhängig von Vermögens- oder Nichtvermögensschäden zunächst regelmäßig die Haftungshöchstgrenze von 1.131 Sonderziehungsrechten gilt."
Quelle: http://www.aktuell.ra-janbartholl.de/EuGH-Clickair-europaeische-Rechte-Gepaeckschaeden-Hoechstsumme-Hoechstgrenze-Erstattung-Montrealer-Uebereinkommen.html
Es wird nicht ausgeschlossen, dass bei Gepäckverlust der Schadensersatzwert von 1.330.- Euro nicht erhöht werden kann. Kann der Fluggast gewisse Leichtfertigkeit der MItarbeiter der Fluggesellschaft nachweisen, sind höhere Beträge je nach Fall möglich.
Leichtfertigkeit bedeutet rechtlich, dass ein qualifiziertes Verschulden nachgewiesen werden muss. Der betroffene Flugpassagier muss beweisen, dass "die Leute der Fluggesellschaft" in Ausführung der Gepäckbeförderung den Schaden leichtfertig in dem Bewusstsein begangen haben, dass wahrscheinlich ein Schaden eintreten wird. Die im Rahmen der Haftung im Montrealer Übereinkommen gesetzlich genannten "Leute" der Airline sind auch Mitarbeiter der Bodenabfertigungsdienste am Flughafen.
Beantwortet 17, Dez 2015 von Katarzyna (180 Punkte)
die Verspätung des Gepäcks ist für einen Urlaub natürlich sehr ungünstig. Fluggäste haben in einem solchen Fall einen Anspruch aus dem Montrealer Übereinkommen.
Gemäß Art.19 MÜ muss der Luftfrachtführer für jeglichen Schaden aufkommen, der Ihnen durch die Verspätung entsteht, für den dieser verantwortlich ist.
Darunter fallen vor allem Ersatzkäufe für beispielsweise Kleidung und Kosmetikartikel, wobei die Notwendigkeit des Kaufes von Ihnen nachgewiesen werden muss. Auch entstandene Telefonkosten und Fahrtkosten (beispielsweise zum Flughafen, um die Tasche abzuholen) können unter Umständen geltend gemacht werden.
Für diesen Schadensersatz gibt es allerdings auch eine Haftungsobergrenze von 1131 Sonderziehungsrechte, was ca. 1350€ entspricht. Dies gilt pro Person und nicht pro Gepäckstück.
Die immateriellen Schäden, wie etwa die Tatsache, dass sie nun nicht Angeln konnten, wird in der Regel nicht erfasst. Wenn das Angeln allerdings Hauptbestandteil der Reise war, kann unter Umständen eine Ausnahme gemacht werden. Dies ist allerdings ein Umstand des Einzelfalls, ich möchte für diese Möglichkeit meine Hand auch nicht ins Feuer legen.
Wichtig ist allerdings, dass Sie die Verspätung so schnell wie möglich melden und weitere Schäden bei Bedarf spätestens 21 Tage nach Erhalt des Gepäcks anzeigen.
Wichtige Urteile zu diesem Thema:
(zu finden über die Google-Suche „16 U 66/12 reise-recht-wiki“)
Bei einer Gepäckverspätung bzw. einem Gepäckverlust kommen Regelungen des Montrealer Übereinkommens (MÜ) infrage.
Gem. Art. 17, Abs. 2 MÜ hat die Fluggesellschaft den Schaden zu ersetzen, „der durch Zerstörung, Verlust oder Beschädigung von aufgegebenem Reisegepäck entsteht“. Dies gilt nur, wenn das Gepäck sich zum Zeitpunkt des Ereignisses in der Obhut der Fluggesellschaft befand. Darüber hinaus haftet die Fluggesellschaft auch dann nicht, wenn es bereits Mängel am Gepäck gab oder es aufgrund seiner Eigenart zerstört worden ist.
Das verlorene Gepäck wird entsprechend seinem Zeitwert entschädigt (Vgl. AG Bad Homburg, Urt. v. 26. August 1997, Az. 2 C 2694/93-19).
Aktuell beträgt der maximale Haftungsbetrag circa 1.300 €. Diese Obergrenze kann jedoch in Ausnahmefällen unter bestimmten Voraussetzungen aufgehoben werden. Zum Beispiel, wenn der Fluggast es nachweisen kann, dass das Gepäck durch leichtfertiges Verhalten der Fluggesellschaft abhandengekommen ist (Art. 22, Abs. 5 MÜ; Vgl. OLG Köln, Urt. v. 15. Februar 2005, Az. 22 U 145/04).
Darüber hinaus kann die Haftungsobergrenze entfallen, wenn der Fluggast vor dem Einchecken eine Interessendeklaration i. S. v. Art. 22, Abs. 2, S. 1 MÜ aufgegeben hat.
In den meisten restlichen Fällen wird nach dem Zeitwert des Gegenstandes entschädigt. Unter Zeitwert versteht man:
„derjenige Betrag, der erforderlich ist, um eine neue Sache gleicher Art und Güte am ständigen Wohnort des Klägers anzuschaffen und der durch den für das Alter und den Abnutzungsgrad des beschädigten Koffers sowie andere, den Wert beeinflussende Faktoren (z.B. Mode), abzuziehenden Betrag gemindert wird“
Darüber hinaus können Sie die Kosten für Neukauf von Ersatzgegenständen bzw. –sachen zurückverlangen, sofern Sie welche hatten (Art. 19 MÜ).
Ich würde nicht sagen, dass eine Minderung des Flugpreises unmöglich ist, aber, soweit ich weiß, ist eine solche im Montrealer Übereinkommen nicht vorgesehen.
Typischerweise spricht man von Montrealer Übereinkommen dann, wenn es um ein Gepäckproblem oder Verspätungskosten in Form von Hotel, Mietwagenzuschlag etc. geht. Der Begriff des Schadens im Montrealer Übereinkommen schließt die Möglichkeit nicht aus, dass ein immaterieller Schaden geltend gemacht werden kann (Vgl. EuGH, Urt. v. 06.05.2010, Az. C-63/09). Die Voraussetzung dafür ist, dass man den Schaden plausibel beziffern und begründen kann. Jedoch gilt auch hier die erwähnte Haftungsobergrenze.
Beantwortet 22, Dez 2015 von néboa vermella (3,360 Punkte)
auf Ihrem Condor Flug nach Übersee ist Ihr ganzes Angelzubehör verloren gegangen. Im Falle eines Gepäckverlustes kann Ihnen ein Anspruch aus dem Montrealer Übereinkommen zustehen. Anspruchsgrundlage dafür ist Artikel 17 des Montrealer Übereinkommens.
Nach dem Art.17 des Montrealer Übereinkommens hat der Luftfrachtführer den Schaden zu ersetzen, der durch Zerstörung, Verlust oder Beschädigung von aufgegebenem Reisegepäck entsteht, jedoch nur, wenn das Ereignis, durch das die Zerstörung, der Verlust oder die Beschädigung verursacht wurde, an Bord des Luftfahrzeugs oder während eines Zeitraums eingetreten ist, in dem sich das aufgegebene Reisegepäck in der Obhut des Luftfrachtführers befand.
Weiterhin haben Sie im Falle eines Gepäckverlustes die Möglichkeit Sachen nachzukaufen, die Sie für Ihren Urlaub benötigen und die Sie auf Grund des Kofferverlustes nicht bei sich haben.
AG Frankfurt, Urteil vom 13.06.2013, Az.: 29 C 2518/12(19) (einfach zu finden bei Google unter "reise-recht-wiki")
OLG Frankfurt, Beschluss vom 29.06.2012, Az.: 16 U 66/12 (einfach zu finden bei Google unter "reise-recht-wiki")