Source: https://www.rechtslupe.de/zivilrecht/die-vom-bgh-anwalt-gewuenschte-honorarvereinbarung-und-die-haftung-der-instanzanwaelte-378913
Timestamp: 2020-04-01 20:42:09
Document Index: 94538138

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Die vom BGH-Anwalt gewünsch­te Hono­rar­ver­ein­ba­rung – und die Haf­tung der Inst­anz­an­wäl­te | Rechtslupe
Die vom BGH-Anwalt gewünschte Honorarvereinbarung - und die Haftung der Instanzanwälte
Die vom BGH-Anwalt gewünsch­te Hono­rar­ver­ein­ba­rung – und die Haf­tung der Inst­anz­an­wäl­te
Über­nimmt es ein Inst­anz­an­walt, im Auf­trag sei­ner Par­tei nach sei­ner Wahl einen beim Bun­des­ge­richts­hof zuge­las­se­nen Rechts­an­walt mit der Ein­le­gung einer zuge­las­se­nen Revi­si­on zu beauf­tra­gen, will die­ser das Man­dat aber nur nach Abschluss einer Hono­rar­ver­ein­ba­rung über­neh­men, muss sich der Inst­anz­an­walt ver­ge­wis­sern, dass die Hono­rar­ver­ein­ba­rung mit sei­nem Man­dan­ten recht­zei­tig abge­schlos­sen wird, und andern­falls einen ande­ren beim Bun­des­ge­richts­hof zuge­las­se­nen Rechts­an­walt beauf­tra­gen.
Nach stän­di­ger Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs beschrän­ken sich die Sorg­falts­pflich­ten bei der Ertei­lung eines Rechts­mit­tel­auf­trags durch einen Rechts­an­walt der Vor­in­stanz nicht dar­auf, recht­zei­tig ein Auf­trags­schrei­ben zu ver­sen­den. Der Absen­der muss sich viel­mehr grund­sätz­lich inner­halb der Rechts­mit­tel­frist, gege­be­nen­falls durch Rück­fra­ge, recht­zei­tig ver­ge­wis­sern, ob der beauf­trag­te Rechts­an­walt den Auf­trag über­nimmt; eine Aus­nah­me gilt nur dann, wenn – was hier nicht gel­tend gemacht wird – zwi­schen dem Absen­der und dem Rechts­mit­tel­an­walt im Ein­zel­fall oder all­ge­mein eine Abspra­che dahin besteht, dass die­ser Rechts­mit­tel­auf­trä­ge anneh­men, prü­fen und aus­füh­ren wird 1.
Im Fal­le der Ableh­nung des Man­dats durch den zunächst in Aus­sicht genom­me­nen Rechts­an­walt muss der Auf­trag­ge­ber in der Lage sein, den Rechts­mit­tel­auf­trag noch recht­zei­tig einem ande­ren Rechts­an­walt zu ertei­len, um die Durch­füh­rung des Rechts­mit­tels zu gewähr­leis­ten 2.
Die Par­tei trifft aller­dings an der Ver­säu­mung der Frist kein Ver­schul­den, wenn sie den Auf­trag zur Ein­le­gung der Revi­si­on recht­zei­tig dem erst­in­stanz­li­chen Pro­zess­be­voll­mäch­tig­ten erteilt. Damit bestand für sie ohne beson­de­ren Anlass kein Grund, an der recht­zei­ti­gen Ein­le­gung der Revi­si­on zu zwei­feln und beson­de­re Maß­nah­men zur Frist­wah­rung zu ergrei­fen.
Sowohl den erst­in­stanz­li­chen Pro­zess­be­voll­mäch­tig­ten wie den zweit­in­stanz­li­chen Pro­zess­be­voll­mäch­tig­ten trifft jedoch an der Nicht­ein­hal­tung der Frist ein Ver­schul­den.
Die Aus­wahl des zu beauf­tra­gen­den Rechts­an­walts am Bun­des­ge­richts­hof hat­te der Man­dant sei­nen Inst­anz­an­wäl­ten über­las­sen. War der von die­sen aus­ge­such­te Rechts­an­walt nicht bereit, den Auf­trag zu den gesetz­li­chen Gebüh­ren zu über­neh­men, muss­te der Inst­anz­an­walt klä­ren, ob die Vor­aus­set­zun­gen für die Über­nah­me des Man­dats durch die­sen Anwalt geschaf­fen wur­den. War dies nicht der Fall, hät­te er einen ande­ren beim Bun­des­ge­richts­hof zuge­las­se­nen Rechts­an­walt beauf­tra­gen müs­sen. Er durf­te auf die Nach­richt des BGH-Anwalts – mit dem Ange­bot einer Ver­gü­tungs­ver­ein­ba­rung – nicht des­halb untä­tig blei­ben, weil aus­weis­lich der Mail eine Kopie an den Man­dan­ten und den erst­in­stanz­li­chen Pro­zess­be­voll­mäch­tig­ten gehen soll­ten. Er muss­te inso­weit in Rech­nung stel­len, dass der Zugang der Mail an den Man­dan­ten wegen der Gefahr einer tech­ni­schen Stö­rung nicht gesi­chert war 3. Da er die Ertei­lung des Auf­trags an einen vor dem Bun­des­ge­richts­hof pos­tu­la­ti­ons­fä­hi­gen Rechts­an­walt über­nom­men hat­te, muss­te er dafür Sor­ge tra­gen, dass der Auf­trag über­nom­men wird. Dem­entspre­chend hat­te er auch um Bestä­ti­gung der Über­nah­me des Man­dats gebe­ten. Da eine sol­che Bestä­ti­gung abge­lehnt wor­den war, muss­te er sicher­stel­len, dass die Vor­aus­set­zun­gen für die Über­nah­me des Man­dats geschaf­fen wur­den, oder einen ande­ren Rechts­an­walt beauf­tra­gen.
Den erst­in­stanz­li­chen Anwalt trifft eben­falls ein Ver­schul­den. Er hat­te es gegen­über der Man­dan­tin über­nom­men, für den recht­zei­ti­gen Ein­gang der Revi­si­on beim Bun­des­ge­richts­hof zu sor­gen. Die­se Pflicht hat er schuld­haft ver­letzt. Nach­dem er erfah­ren hat­te, dass der aus­ge­wähl­te BGH-Anwalt nur auf­grund einer Hono­rar­ver­ein­ba­rung tätig wer­den wür­de, wur­de er durch das blo­ße Wei­ter­lei­ten die­ser Mail an den Schuld­ner sei­nen Sorg­falts­pflich­ten schon des­halb nicht gerecht, weil auch er nicht dar­auf ver­trau­en konn­te, dass die Mail des BGH-Anwalts oder sei­ne eige­ne Mail den Man­dan­ten errei­chen wür­den. Er muss­te zumin­dest orga­ni­sa­to­ri­sche Maß­nah­men ergrei­fen, die eine Kon­trol­le des Zugangs ermög­lich­ten, etwa durch Anfor­de­rung einer Lese­be­stä­ti­gung 4. Zudem durf­te er selbst für den Fall, dass den Schuld­ner die Mails erreich­ten, nicht dar­auf ver­trau­en, dass die Hono­rar­ver­ein­ba­rung unmit­tel­bar zwi­schen dem Man­dan­ten und dem Revi­si­ons­an­walt geschlos­sen wer­den wür­de. Er hat­te viel­mehr den Schuld­ner zu bera­ten, wel­che Alter­na­ti­ven hier­zu bestan­den, gege­be­nen­falls die­se recht­zei­tig wahr­zu­neh­men. Für die Par­tei bestand vor­lie­gend nicht die Alter­na­ti­ve, Revi­si­on bei Abschluss einer Hono­rar­ver­ein­ba­rung mit dem aus­ge­wähl­ten BGH-Rechts­an­walt oder über­haupt nicht ein­zu­le­gen. Es hät­te ein ande­rer Anwalt beauf­tragt wer­den kön­nen. Der erst­in­stanz­li­che Rechts­an­walt muss­te sich jeden­falls ver­ge­wis­sern, dass die Vor­aus­set­zun­gen für die Ein­le­gung der Revi­si­on geschaf­fen waren. Er konn­te dies nach Über­nah­me des Auf­trags nicht kom­men­tar­los dem Man­dan­ten über­las­sen, ohne sich über des­sen ent­spre­chen­des Tätig­wer­den zu ver­ge­wis­sern. Dar­auf, dass der BGH-Rechts­an­walt beim Schuld­ner nach­fra­gen wür­de, konn­te er sich nicht ver­las­sen. Mit dem BGH-Rechts­an­walt bestand noch kein Ver­trag. Er hat­te sei­ne Bedin­gun­gen mit­ge­teilt. Die Tele­fon­num­mer des Schuld­ners war ihm nicht bekannt gege­ben wor­den. Für schrift­li­che Nach­fra­gen fehl­te es an der hier­für erfor­der­li­chen Zeit. Die Mail­an­schrift war nicht aus­rei­chend sicher.
Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 5. Juni 2014 – IX ZR 239/​13
BGH, Beschluss vom 11.07.1988 – II ZB 5/​88, BGHZ 105, 116, 117 ff; vom 07.11.1995 – XI ZB 21/​95, NJW-RR 1996, 378; vom 23.11.2006 – IX ZB 291/​05, nv, Rn. 5; vom 04.03.2008 – VI ZR 66/​07, NJW-RR 2008, 1452 Rn. 5[↩]
BGH, Beschluss vom 07.11.1995, aaO[↩]
BGH, Beschluss vom 16.05.2013 – IX ZB 272/​11, WM 2013, 1232 Rn. 23; vom 17.07.2013 – I ZR 64/​13, NJW 2014, 556 Rn. 11 f[↩]
BGH, Beschluss vom 17.07.2013, aaO Rn. 11[↩]
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