Source: https://www.anwalt24.de/urteile/bag/2012-12-11/3-azr-684_10
Timestamp: 2017-11-20 13:45:47
Document Index: 13553920

Matched Legal Cases: ['§ 18', '§ 28', '§ 5', '§ 9', '§ 20', 'Art. 157', 'Art. 1', 'Art. 2', 'Art. 3', 'Art. 16', 'Art. 18', '§ 6', '§ 6', '§ 85', 'Art. 17', '§ 19', 'Art. 6', 'Art. 3', '§ 2', 'Art. 1', '§ 5', 'Art. 7', '§ 20', '§ 1587', '§ 46', 'Art. 3', '§ 2']

BAG, 11.12.2012 - 3 AZR 684/10 - Hinterbliebenenversorgung eingetragener Lebenspartner | anwalt24.de
Urt. v. 11.12.2012, Az.: 3 AZR 684/10
Referenz: JurionRS 2012, 36829
ArbG Hannover - 03.02.2010 - AZ: 8 Ca 199/09 Ö
LAG Niedersachsen - 28.09.2010 - AZ: 3 Sa 540/10 B
BeamtVG §§ 18 ff.
BeamtVG § 28
LPartG § 5
LPartG § 9
LPartG § 20
AEUV Art. 157 Abs. 2
Richtlinie 2000/78/EG des Rates (vom 27. November 2000) zur Festlegung eines allgemeinen Rahmens für die Verwirklichung der Gleichbehandlung in Beschäftigung und Beruf (ABl. EG L 303 vom 2. Dezember 2000 S. 16) Art. 1
Richtlinie 2000/78/EG des Rates (vom 27. November 2000) zur Festlegung eines allgemeinen Rahmens für die Verwirklichung der Gleichbehandlung in Beschäftigung und Beruf (ABl. EG L 303 vom 2. Dezember 2000 S. 16) Art. 2 Abs. 2 Buchst. a
Richtlinie 2000/78/EG des Rates (vom 27. November 2000) zur Festlegung eines allgemeinen Rahmens für die Verwirklichung der Gleichbehandlung in Beschäftigung und Beruf (ABl. EG L 303 vom 2. Dezember 2000 S. 16) Art. 3 Abs. 1 Buchst. c
Richtlinie 2000/78/EG des Rates (vom 27. November 2000) zur Festlegung eines allgemeinen Rahmens für die Verwirklichung der Gleichbehandlung in Beschäftigung und Beruf (ABl. EG L 303 vom 2. Dezember 2000 S. 16) Art. 16
Richtlinie 2000/78/EG des Rates (vom 27. November 2000) zur Festlegung eines allgemeinen Rahmens für die Verwirklichung der Gleichbehandlung in Beschäftigung und Beruf (ABl. EG L 303 vom 2. Dezember 2000 S. 16) Art. 18 S. 1
ArbR 2013, 265
AuR 2013, 55
AuR 2013, 226
BB 2012, 3199 (Pressemitteilung)
BB 2013, 1140
DB 2013, 1063-1064
EzA-SD 26/2012, 11 (Pressemitteilung)
EzA-SD 8/2013, 8
FA 2013, 57 (Pressemitteilung)
FA 2013, 181-182
MDR 2013, 17-18
NZA 2013, 9
NZA 2013, 696
NZA-RR 2013, 308-310
PersV 2013, 279
RiA 2013, 254-255
schnellbrief 2013, 15
2. Der Ausschluss des eingetragenen Lebenspartners von der Gewährung der Hinterbliebenenversorgung gegenüber der Gewährung einer solchen an hinterbliebene Ehepartner stellt eine nicht gerechtfertigte unmittelbare Diskriminierung wegen der sexuellen Ausrichtung dar und verstößt gegen die Richtlinie 2000/78/EG des Rates vom 27. November 2000 zur Festlegung eines allgemeinen Rahmens für die Verwirklichung der Gleichbehandlung in Beschäftigung und Beruf (ABl. EG L 303 vom 2. Dezember 2000 S. 16).
hat der Dritte Senat des Bundesarbeitsgerichts aufgrund der mündlichen Verhandlung vom 11. Dezember 2012 durch die Vorsitzende Richterin am Bundesarbeitsgericht Gräfl, die Richterin am Bundesarbeitsgericht Dr. Schlewing, den Richter am Bundesarbeitsgericht Dr. Spinner sowie die ehrenamtliche Richterin Frehse und den ehrenamtlichen Richter Dr. Hopfner für Recht erkannt:
"§ 6 Geld- und geldwerte Leistungen, Versorgung
(1) Für Geld- und geldwerte Leistungen und die Versorgung gelten die Vorschriften für Beamte des Bundes entsprechend."
§ 6 Abs. 1 der auf das Arbeitsverhältnis des verstorbenen Dienstordnungsangestellten B und der Beklagten anwendbaren Dienstordnung sicherte dem verstorbenen B eine Versorgung entsprechend den "Vorschriften für Beamte des Bundes" zu. Zum Zeitpunkt des Vertragsschlusses und auch noch zum Zeitpunkt des Todes von B im September 2007 galt § 85 BBG (aufgehoben mit Wirkung zum 12. Februar 2009 durch Art. 17 Abs. 11 des Dienstrechtsneuordnungsgesetzes vom 5. Februar 2009, BGBl. I S. 160), der auf das Beamtenversorgungsgesetz verwies. Dieses Gesetz ist deshalb für die Versorgung des Klägers als hinterbliebenem eingetragenen Lebenspartner von B im hier streitgegenständlichen Zeitraum maßgeblich. § 19 Abs. 1 Satz 2 Nr. 1 und Nr. 2 BeamtVG sah in seiner bis zum 31. Dezember 2008 geltenden Fassung eine Hinterbliebenenversorgung nur für Ehepartner, nicht aber für eingetragene Lebenspartner vor.
(2) Nach deutschem Recht befinden sich hinterbliebene Lebenspartner jedenfalls seit dem 1. Januar 2005 hinsichtlich der Hinterbliebenenversorgung in einer Eheleuten vergleichbaren Situation. Art. 6 Abs. 1 GG steht nicht entgegen. Danach ist es dem Gesetzgeber zwar verwehrt, andere Lebensformen gegenüber der Ehe zu begünstigen. Es besteht jedoch keine Verpflichtung, im Sinne eines "Abstandsgebots" andere Lebensformen gegenüber der Ehe zu benachteiligen (BVerfG 17. Juli 2002 - 1 BvF 1/01, 1 BvF 2/01 - zu B II 1 c cc der Gründe, BVerfGE 105, 313; 7. Juli 2009 - 1 BvR 1164/07 - Rn. 105, BVerfGE 124, 199). Damit ist es Sache des Gesetzgebers zu bestimmen, ob und inwieweit er zwischen der Ehe und der eingetragenen Lebenspartnerschaft eine vergleichbare Situation schafft (BAG 15. September 2009 - 3 AZR 294/09 - Rn. 23, AP GG Art. 3 Nr. 317 = EzA AGG § 2 Nr. 5).
Eine solche vergleichbare Situation hat der Gesetzgeber nicht bereits durch das Lebenspartnerschaftsgesetz (LPartG) in der ursprünglichen, am 1. August 2001 in Kraft getretenen Fassung (Art. 1, 5 des Gesetzes zur Beendigung der Diskriminierung gleichgeschlechtlicher Gemeinschaften: Lebenspartnerschaften vom 16. Februar 2001, BGBl. I S. 266) geschaffen. Dieses Gesetz sah zwar in § 5 bereits eine Unterhaltspflicht für Lebenspartner vor, hatte jedoch Fragen der Altersversorgung nicht zum Gegenstand. Das änderte sich erst durch das Gesetz zur Überarbeitung des Lebenspartnerschaftsrechts vom 15. Dezember 2004 (BGBl. I S. 3396), das nach seinem Art. 7 Abs. 1 am 1. Januar 2005 in Kraft trat. Durch dieses Gesetz wurde ein Versorgungsausgleich wie bei der Ehescheidung auch bei der Aufhebung der Lebenspartnerschaft eingeführt (§ 20 LPartG einerseits und früher §§ 1587 ff. BGB sowie jetzt Versorgungsausgleichsgesetz andererseits). Weiter wurde § 46 SGB VI ergänzt und damit die eingetragene Lebenspartnerschaft in der gesetzlichen Rentenversicherung der Ehe gleichgestellt. Dadurch wurde "das Recht der Lebenspartnerschaft weitgehend an das Recht der Ehe angeglichen" (BT-Drucks. 15/3445 S. 14).
zu Orientierungssatz 1: Bestätigung von BAG 14. Januar 2009 - 3 AZR 20/07 - BAGE 129, 105; 15. September 2009 - 3 AZR 294/09 - AP GG Art. 3 Nr. 317 = EzA AGG § 2 Nr. 5
zu Orientierungssatz 2: Bestätigung der Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts zum Beamtenversorgungsrecht BVerwG 28. Oktober 2010 - 2 C 47.09 - ZTR 2011, 192
Besonderer Interessentenkreis: Berufsgenossenschaften, Gesetzliche Krankenkassen