Source: http://relevancy.bger.ch/php/aza/http/index.php?lang=de&zoom=&type=show_document&highlight_docid=aza%3A%2F%2F13-02-2012-8C_435-2011
Timestamp: 2016-10-25 13:56:18
Document Index: 330602576

Matched Legal Cases: ['Art. 6', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'Art. 65', 'Art. 66', 'BGE', 'Art. 68']

8C_435/2011 (13.02.2012)
vertreten durch Rechtsanw�ltin Dr. Kathrin H�ssig, Dorfstrasse 18, 8630 R�ti,
Die 1960 geborene T.________ war als Gesch�ftsf�hrerin und K�chenchefin der X.________ GmbH bei der Winterthur Versicherungen (heute AXA Versicherungen AG, nachstehend: die AXA) gegen die Folgen von Unf�llen versichert, als sie sich am 29. August 2006 beim �ffnen eines Steamers im Bereich der Schulter, des Thorax und des Vorderarms zweitgradig (10 % KOF 2a und 1 % 2b an der Schulter rechts) verbr�hte (Austrittsbericht der Klinik f�r Wiederherstellungschirurgie vom 30. August 2006). Nach Einholung eines interdisziplin�ren Gutachtens der Rehaklinik Y.________ (psychiatrische Untersuchung durch Dr. med. K.________, Facharzt FMH Psychiatrie und Psychotherapie, und chirurgische Untersuchung durch Dr. med. G.________, Facharzt FMH Chirurgie) vom 18. Februar 2008 sprach die AXA f�r die verbliebenen Restfolgen dieses Ereignisses der Versicherten mit Verf�gung vom 17. Dezember 2008, best�tigt mit Einspracheentscheid vom 22. Juli 2009, eine Integrit�tsentsch�digung aufgrund einer Integrit�tseinbusse von 10 % und ab 1. Februar 2008 eine Invalidenrente bei einem Invalidit�tsgrad von 10 % zu.
Die hiegegen erhobene Beschwerde wies das Sozialversicherungsgericht des Kantons Z�rich mit Entscheid vom 25. M�rz 2011 ab.
Mit Beschwerde in �ffentlich-rechtlichen Angelegenheiten beantragt die Versicherte, ihr seien unter Aufhebung des Einsprache- und des kantonalen Gerichtsentscheides die gesetzlichen Leistungen, insbesondere eine angemessene Invalidenrente, Pflegeleistungen und Kostenverg�tungen, zuzusprechen. Eventualiter seien weitere Sachverhaltsabkl�rungen vorzunehmen.
Im kantonalen Gerichtsentscheid werden die nach der Rechtsprechung f�r den Anspruch auf Leistungen der obligatorischen Unfallversicherung (Art. 6 Abs. 1 UVG) geltenden Voraussetzungen des nat�rlichen und ad�quaten Kausalzusammenhangs zwischen dem Unfallereignis und dem eingetretenen Schaden (vgl. BGE 129 V 177 E. 3.1 und 3.2 S. 181), insbesondere bei psychischen Unfallsch�den (BGE 115 V 133; vgl. auch BGE 134 V 109 E. 6.1 S. 116), zutreffend dargelegt. Gleiches gilt f�r die vorinstanzlichen Ausf�hrungen zum Beweiswert medizinischer Berichte und Gutachten (BGE 125 V 351 E. 3a S. 352 mit Hinweis, vgl. auch BGE 135 V 465 E. 4.3 S. 468 ff.; 137 V 210 E. 1.3.4 S. 227). Darauf wird verwiesen.
Es steht fest und ist unbestritten, dass die Beschwerdef�hrerin aus somatischen Gr�nden im Umfang von 10 % arbeitsunf�hig ist. Unbestritten ist zudem die Integrit�tsentsch�digung von 10 %. Streitig und zu pr�fen bleibt im vorliegenden Verfahren, ob auch die psychischen Beschwerden nat�rlich und ad�quat kausal durch das Unfallereignis vom 29. August 2006 verursacht worden sind und ob die Invalidenrente aufgrund dieser Beschwerden zu erh�hen ist.
4.1 Der Psychiater Dr. med. K.________ diagnostizierte im interdisziplin�ren Gutachten vom 18. Februar 2008 eine in Teilen gebesserte psychotraumotologische St�rung, die anfangs als posttraumatische Belastungsst�rung (ICD-10: F43.1) bezeichnet werden musste, und sich nunmehr in Form einer ausgepr�gten phobischen St�rung vor Hitzequellen (spezifische Phobie, ICD-10: F40.2) pr�sentiert sowie eine mindestens mittelgradige depressive Episode (F32.11). Diese psychiatrischen Leiden stehen gem�ss Gutachter in einem nat�rlichen Kausalzusammenhang zum Unfallereignis vom 29. August 2006. Vorinstanz und Verwaltung gehen jedoch davon aus, dass dieser Kausalzusammenhang nicht im Sinne der Rechtsprechung (BGE 115 V 133) ad�quat und damit nicht rechtsgen�glich ist.
4.2 Die Schwere des Unfalles ist aufgrund des augenf�lligen Geschehensablaufs mit den sich dabei entwickelnden Kr�ften zu beurteilen (SVR 2008 UV Nr. 8 S. 26, U 2/07 E. 5.3.1). Nicht zu ber�cksichtigen sind jedoch Folgen des Unfalles oder Begleitumst�nde, die nicht direkt dem Unfallgeschehen zugeordnet werden k�nnen. Derartigen dem eigentlichen Unfallgeschehen nicht zuzuordnenden Faktoren ist gegebenenfalls bei den Ad�quanzkriterien Rechnung zu tragen. Dies gilt etwa f�r die - ein eigenes Kriterium bildenden - Verletzungen, welche sich die versicherte Person zuzieht, aber auch f�r - unter dem Gesichtspunkt der besonders dramatischen Begleitumst�nde oder besonderen Eindr�cklichkeit des Unfalls zu pr�fende - �ussere Umst�nde, wie eine allf�llige Dunkelheit im Unfallzeitpunkt oder Verletzungs- resp. gar Todesfolgen, die der Unfall f�r andere Personen nach sich zieht (SVR 2011 UV Nr. 10 S. 35, 8C_584/2010 E. 4.2.2 mit Hinweisen). Die Vorinstanz wertete das Ereignis vom 29. August 2006, bei dem sich die Versicherte beim �ffnen eines Steamers im Bereich der Schulter, des Thorax und des Vorderarms verbr�hte, zu Recht als mittelschweren Unfall (vgl. auch Urteil U 242/95 vom 29. Mai 1996 E. 2c). Die Ad�quanz des nat�rlichen Kausalzusammenhanges w�re somit dann zu bejahen, wenn drei der sieben massgeblichen Ad�quanzkriterien erf�llt sind oder eines in besonders ausgepr�gter Weise vorliegt (SVR 2010 UV Nr. 25 S. 100, 8C_897/2009 E. 4.5 mit Hinweisen). Dies gilt es nachfolgend zu pr�fen.
4.2.1 Die Versicherte macht zu Recht nicht geltend, das Kriterium der �rztlichen Fehlbehandlung, welche die Unfallfolgen erheblich verschlimmert hat, sei erf�llt.
4.2.2 Die Vorinstanz hat das Kriterium der k�rperlichen Dauerschmerzen bejaht. Dies ist entgegen den Vorbringen der Beschwerdegegnerin mit Blick auf das Gutachten der Rehaklinik vom 18. Februar 2008 insbesondere die traumatologische Stellungnahme des Dr. med. G.________ nicht zu beanstanden.
4.2.3 Entgegen den Ausf�hrungen der Beschwerdef�hrerin haben weder Vorinstanz noch Verwaltung das Kriterium der besonders dramatischen Begleitumst�nde oder der besonderen Eindr�cklichkeit des Unfalls bejaht. Dieses ist objektiv zu beurteilen und nicht aufgrund des subjektiven Empfindens bzw. Angstgef�hls der versicherten Person (RKUV 1999 Nr. U 335 S. 207, U 287/97 E. 3b/cc; Urteil U 56/07 vom 25. Januar 2008 E. 6.1). Zu beachten ist, dass jedem mindestens mittelschweren Unfall eine gewisse Eindr�cklichkeit eigen ist, welche somit noch nicht f�r eine Bejahung des Kriteriums ausreichen kann (vgl. Urteil 8C_655/2010 vom 15. November 2010 E. 4.2.2). Vor diesem Hintergrund erf�llt das Geschehen vom 29. August 2006 das Kriterium nicht.
4.2.4 Zu Recht verneint hat das kantonale Gericht sodann auch das Kriterium der ungew�hnlich langen Dauer der �rztlichen Behandlung somatischer Beschwerden. Daran vermag der Umstand nichts zu �ndern, dass der Versicherten im August 2008 offenbar noch eine Kompressionsjacke abgegeben wurde, hat doch Dr. med. G.________ bereits in seiner traumatologischen Stellungnahme vom 4. Februar 2008 festgehalten, eine weitere Behandlung w�rde das organische Bild h�chstens noch unwesentlich beeinflussen k�nnen.
4.2.5 Zur Bejahung des Kriteriums des schwierigen Heilungsverlaufs und der erheblichen Komplikationen bedarf es besonderer Gr�nde, die die Heilung beeintr�chtigt haben (Urteil 8C_1044/2010 vom 12. Mai 2011 E. 4.4.5 mit weiterem Hinweis). Aus der �rztlichen Behandlung und den erheblichen Beschwerden darf nicht auf einen schwierigen Heilungsverlauf und/oder erhebliche Komplikationen geschlossen werden. Solche besondere Gr�nde sind vorliegend nicht ersichtlich; das Kriterium ist mithin nicht erf�llt.
4.2.6 Nachdem bei der Ad�quanzpr�fung nach BGE 115 V 133 beim Kriterium des Grades und der Dauer der Arbeitsunf�higkeit nur jene Zeiten zu ber�cksichtigen sind, welche die versicherte Person aufgrund einer rein physischen Betrachtungsweise arbeitsunf�hig war, hat das kantonale Gericht entgegen den Vorbringen der Beschwerdef�hrerin auch das Vorliegen dieses Kriteriums zu Recht verneint.
4.2.7 Beim Kriterium der Schwere oder besonderen Art der erlittenen Verletzungen ist insbesondere ihre erfahrungsgem�sse Eignung, psychische Fehlentwicklungen auszul�sen, zu ber�cksichtigen. Eine solche generelle Eignung ist bei Verbr�hungen, wie sie die Beschwerdef�hrerin erlitten hat, nicht ohne weiteres zu bejahen. Wie die Vorinstanz zudem zutreffend festh�lt, sind die erlittenen Narben zwar st�rend, jedoch sind sie vorwiegend im Sommer oder bei festlichen Anl�ssen sichtbar, weshalb sie allein keine Verletzungen darstellen, die nach den Erfahrungen des Lebens eine psychische Fehlreaktion ausl�sen k�nnen. Allerdings gilt festzustellen, dass im konkreten Fall gem�ss psychiatrischem Teilgutachten des Dr. med. K.________ eine direkte psychotraumatologische Auswirkung des Unfalls, n�mlich eine ausgepr�gte phobische St�rung vor Hitzequellen (spezifische Phobie, ICD-10: F40.2) vorliegt. Bei einer spezifischen (isolierten) Phobie handelt es sich um eine Phobie, die auf eine ganz spezifische Situationen beschr�nkt ist (DILLING/MOMBOUR/SCHMIDT, Internationale Klassifikation psychischer St�rungen: ICD-10 Kapitel V [F], Klinisch-diagnostische Leitlinien, 7. Aufl. 2010, S. 172). Dass sich das konkrete Unfallereignis im Zusammenspiel mit den erlittenen erheblichen Verbr�hungen und den zur�ckbleibenden Narben erfahrungsgem�ss eignet, die diagnostizierte spezifische phobische Angst vor Hitzequellen auszul�sen, erscheint unzweifelhaft und ist im zu beurteilenden Fall gar als besonders geeignet zu qualifizieren, zumal bei der Ad�quanzpr�fung bei psychischen St�rungen von einer weiten Bandbreite von Versicherten auszugehen ist (BGE 125 V 456 E. 5c S. 462 f. mit Hinweisen) und bei der Beschwerdef�hrerin eine erh�hte psychische Vulnerabilit�t infolge biografisch fr�herer Belastungen (insbesondere Krieg) festgestellt wurde. Nachdem laut Gutachter solche psychotraumatischen St�rungen sehr h�ufig von einer Depressivit�t begleitet werden, kann das Kriterium im konkreten Fall auch bez�glich der Folgeerscheinung (co-morbide mittelgradige depressive Episode) als erf�llt gelten. Allerdings liegt es nur in Bezug auf die diagnostizierte phobische St�rung vor Hitzequellen ausgepr�gt vor.
4.3 Zusammenfassend ist festzustellen, dass bez�glich der depressiven Episode zwei der Hilfskriterien (k�rperliche Dauerschmerzen sowie Schwere und besondere Art der erlittenen Verletzungen) erf�llt sind, allerdings nicht in ausgepr�gter Form. Der nat�rliche Kausalzusammenhang zwischen dem Unfallereignis und dieser Episode ist mithin nicht ad�quat und damit nicht rechtsgen�glich. Bez�glich der diagnostizierten ausgepr�gten phobischen St�rung vor Hitzequellen hingegen liegt das Kriterium der besonderen Art der erlittenen Verletzung ausgepr�gt vor. Daraus folgt, dass der nat�rliche Kausalzusammenhang zwischen dem Unfallereignis und dieser St�rung ad�quat erscheint. Die Beschwerdegegnerin ist somit auch f�r die Folgen dieser St�rung leistungspflichtig.
4.4 Somit ist die Beschwerdegegnerin nicht bloss f�r die somatischen Unfallfolgen, sondern zus�tzlich auch f�r die erwerblichen Auswirkungen der phobischen St�rung vor Hitzequellen leistungspflichtig. Dementsprechend ist die Beschwerde gutzuheissen, Einsprache- und kantonaler Gerichtsentscheid sind, soweit die Invalidenrente betreffend, aufzuheben und die Sache ist an die AXA zur�ckzuweisen, damit sie den Anspruch auf eine Invalidenrente unter Ber�cksichtigung dieser Vorgabe neu festsetze. Nicht leistungspflichtig ist die Beschwerdegegnerin jedoch f�r die Auswirkungen der depressiven Episode.
Das Verfahren ist kostenpflichtig (Art. 65 BGG). Als unterliegende Partei hat die Beschwerdegegnerin die Gerichtskosten zu tragen (Art. 66 Abs. 1 BGG; BGE 133 V 642 E. 5). Sie hat der Beschwerdef�hrerin �berdies eine Parteientsch�digung zu entrichten (Art. 68 Abs. 1 BGG).
Die Beschwerde wird gutgeheissen. Der Entscheid des Sozialversicherungsgerichts des Kantons Z�rich vom 25. M�rz 2011 und der Einspracheentscheid der AXA Versicherungen AG vom 22. Juli 2009 werden, soweit die Invalidenrente betreffend, aufgehoben. Die Sache wird an die AXA Versicherungen AG zur�ckgewiesen, damit sie den Anspruch auf eine Invalidenrente im Sinne der Erw�gungen neu festsetze.