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Timestamp: 2016-12-10 15:33:49
Document Index: 59369888

Matched Legal Cases: ['OGH', 'Art 10', 'Art 8', 'Art 10', 'Art 3', 'Art 8', 'Art 5', 'OGH']

⭐Grenzen der Internet- und -nutzung im Unternehmen
Grenzen der Internet- und -nutzung im Unternehmen
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Clara Bruhn
1 Grenzen der Internet- und -nutzung im Unternehmen Rechtliche Rahmenbedingungen für Content Filtering, Schutz und Haftung Dr Martin Brodey Februar 20032 Überblick Anspruch auf Nutzung Neuer Medien am Arbeitsplatz? Steuerung der Verwendung Neuer Medien I. Internet am Arbeitsplatz II. am Arbeitsplatz Haftungsfragen3 I. Internet am Arbeitsplatz4 Internet-Nutzung: Problembereiche Arbeitszeit Download-Volumen Angewählte Seiten Schaden durch Viren5 Internet-Filtering: Rechtlicher Rahmen Arbeitsrecht Datenschutzrecht Telekommunikationsrecht Strafrecht6 Internet am Arbeitsplatz Anspruch auf (private) Internet- (und -) Nutzung am Arbeitsplatz? Grundsätzlich kein Anspruch auf Nutzung Verkehrssitte, Ortsgebrauch und Betriebsübung (Tolerierung durch AG) zu beachten Erzwingbare Betriebsvereinbarung bei generellem Nutzungsverbot ( 97 Abs 1 Z 6 ArbVG zweckentsprechende Benützung von Betriebseinrichtungen ) Bei Fehlen vertraglicher Regelung/Weisung ist maßvolle Nutzung wohl zulässig (Maßstab: Treuepflicht des AN - Exzessverbot )7 Regelung der Nutzung Durch Arbeitsvertrag Vollständiges Verbot (un-/beschränkte) Erlaubnis Benützungsregelung Durch Weisung Durch Betriebsvereinbarung8 Sanktionen unzulässiger Nutzung Entlassungsgründe (zuvor Abmahnung!) - Bei fehlender Regelung privater Nutzung: Vertrauensunwürdigkeit/Untreue bei exzessiver privater Nutzung ( 27 Z 1 AngG) - Bei Regelung privater Nutzung: Beharrliche Pflichtenverweigerung ( 27 Z 4 2. F AngG) oder Nichterbringung der Dienstleistung in erheblichem Ausmaß ( 27 Z 4 1. F AngG) OGH-Jud. streng (private EDV-Verwendung) Benutzungsentgelt ( 1041 ABGB), Schadenersatz (Viren) kein Haftungsprivileg nach DHG Beweisverbot im arbeitsgerichtlichen Verfahren?9 Filterung als Kontrollmaßnahme Kontrollmaßnahmen und technische Systeme zur Kontrolle der AN, die die Menschenwürde berühren, sind nur mit vorheriger Zustimmung des Betriebsrates (normative Betriebsvereinbarung; 96 Abs 1 Z 3 ArbVG) oder mit Zustimmung aller AN (wenn kein BR besteht) zulässig ( 10 AVRAG) Betriebsvereinbarung nicht erzwingbar ( 96a Abs 3 ArbVG), beidseits jederzeit kündbar Zustimmung des einzelnen AN jederzeit widerrufbar (außer bei vertraglicher Regelung über Dauer; 10 Abs 2 AVRAG)10 Menschenwürde 17 ABGB: Vermutung der Unantastbarkeit angeborener natürlicher Rechte, solange keine gesetzliche Beschränkung Briefgeheimnis (Art 10 StGG, Art 8 EMRK) Fernmeldegeheimnis (Art 10a StGG) Schutz vor unmenschl. Behandlung (Art 3 EMRK) Schutz des Privatlebens (Art 8 EMRK) Datenschutz ( 1 DSG)11 Interessenabwägung Grundrecht der Unverletzlichkeit des Eigentums des AG (Art 5 StGG) gegenüber Persönlichkeitsrecht des AN auf Achtung seines Privatbereichs und seiner Geheimsphäre In die Interessenabwägung ist Arbeitsvertrag einzubeziehen, aus dem sich Fürsorgepflichten des AG einerseits und Treuepflichten des AN andererseits ergeben Berücksichtigung wirtschaftlicher Überlegungen des AG (anlaufende Gebühren)12 Berührung - Verletzung Berührung der Menschenwürde: Kontrolle der Privatsphäre Übersteigerte Kontrolle der Arbeitsleistung, dauerndes Gefühl potentieller Überwachung Objektive Eignung reicht, Anwendung nicht nötig Verletzung der Menschenwürde: Lückenlose Kontrolle und Überwachung13 Telefongesprächsregistrierung Berührt Telefongesprächsdatenerfassung Menschenwürde? EA Feldkirch (1986): nein EA Wien (1983), EA Linz (1985): ja VwGH (1987): nicht bei fehlender Abhörmöglichkeit VwGH (1988): nein, sofern keine Registrierung der Zielnummern oder Mögl., diese Speicherung zu verhindern OGH (2002): ja, wenn Teilnehmernummern systematisch und vollständig den Nebenstellen zugeordnet werden, selbst wenn durch Tastendruck am Tel Endziffern der Rufnummern im System unterdrückt werden können.14 Maßnahmen gegen unzulässige Kontrolleinrichtungen Menschenwürde berührende Einrichtungen: Unzulässigkeit des Vorganges Boykott aber: Gefahr der Entlassung Unterlassungs- oder Beseitigungsanspruch des einzelnen (Gefahr: Entlassung) bzw des BR Einzelvereinbarung unter Umgehung der betrieblichen Mitbestimmung unzulässig15 Maßnahmen gegen unzulässige Kontrolleinrichtungen Menschenwürde verletzende Kontrollmaßnahmen Sind jedenfalls sittenwidrig, Einführung daher nichtig und unzulässig ( 879 ABGB) (Betriebliche) Zustimmung saniert die Sittenwidrigkeit nicht, Einführung bleibt rechtsunwirksam bzw unzulässig Anspruch auf Beseitigung, Unterlassung, Schadenersatz16 Was erlaubt ist... Erstellung anonymer Nutzungsstatistiken Prüfung von Downloads aus dem Internet nach Viren Herausfiltern unerwünschter Internet-Angebote (LAG Braunschweig) Zurverfügungstellung (nur) bestimmter Websites an AN Begrenzung des Download-Volumens aus dem Internet je Arbeitsplatz Grenze: Gleichbehandlungsgrundsatz17 Datenschutzrecht Jedermann hat Anspruch auf Geheimhaltung der ihn betreffenden personenbezogenen Daten, soweit ein schutzwürdiges Interesse daran besteht ( 1 Abs 1 DSG) Schutzwürdiges Interesse fehlt: bei allgemeiner Verfügbarkeit der Daten Bei mangelnder Rückführbarkeit auf den Betroffenen18 Daten Personenbezogene Daten: Angaben über Betroffene, deren Identität bestimmt oder bestimmbar ist. Sensible Daten: Daten von natürlichen Personen über ihre rassische oder ethnische Herkunft, politische Meinung, Gewerkschaftszugehörigkeit, religiöse oder philosophische Überzeugung, Gesundheit oder Sexualleben ( 4 Z 2 DSG) Keine Daten sind anonymisierte Daten, die niemand auf eine Person zurückführen kann.19 Datenschutz Arbeitgeber, der eigenen Server betreibt, ist Auftraggeber isd Datenschutzgesetzes (DSG). Eine Verarbeitung personenbezogener Daten ist nur zulässig, wenn der Arbeitnehmer zustimmt oder wenn überwiegende berechtigte Interessen des Arbeitgebers bestehen (Problem: gängige Server-Software). Verarbeitung sensibler Daten immer nur mit Zustimmung zulässig: Auswertung durch Filter-Software erfasst meist auch sensible Daten. Generelles Nutzungsverbot: Zustimmung des Arbeitnehmers zur Kontrolle nach DSG nicht erforderlich.20 Telekommunikationsrecht Wer verwaltet Daten über Internetzugang (AG oder Dritter)? - Wenn Dritter (Provider): Provider, nicht AG, unterliegt Fernmeldegeheimnis des 88 TKG (Geheimhaltung) der Inhaltsdaten und näheren Umstände der Kommunikation - Strafsanktion ( 102 ff TKG)21 Telekommunikationsrecht (Forts.) Wer verwaltet Daten über Internetzugang (AG oder Dritter)? - eigener Server des AG (Zugriff auf Vermittlungs- und Inhaltsdaten): AG kein Betreiber, weil kein öffentlicher TK-Dienst angeboten - AG unterliegt daher nicht 88 Abs 1 TKG (Wahrung des FM- Geheimnisses) betreffend Geheimhaltung von Inhaltsdaten (übermittelte Nachrichten) und den Strafbestimmungen des TKG - aber: 88 Abs 3 TKG: Allg Verbot des Mit-, Abhörens, Aufzeichnens, Abfangen einer Kommunikation und Weitergabe von Informationen darüber an Dritte ohne Zustimmung. Daher Geheimhaltung von Vermittlungsdaten erforderlich.22 Strafrecht 119 StGB ( 88 TKG): Verletzung des Fernmeldegeheimnisses Mitteilung der Umstände der Kommunikation, Beteiligung an Kommunikationsvorgang Freiheitsstrafe bis zu 3/6 Monaten oder Geldstrafe bis zu 180/360 TS Privatanklagedelikt23 Strafrecht (Forts.) 51 DSG: Verletzung des Datenschutzes Vermögensvorteil oder Schadenszufügung beabsichtigt Veröffentlichung, Benützung oder Zugänglichmachung von Daten Daten beruflich oder sonst erlangt Obwohl schutzwürdiges Interesse des anderen Freiheitsstrafe bis 1 Jahr24 II. am Arbeitsplatz25 -Nutzung: Problembereiche Private Nutzung während der Arbeitszeit Überwachung des Inhalts (rechtswidrige Handlungen der AN) und mobbing Belastung des Netzwerkes Ein- und ausgehende Viren26 -Filtering: Rechtsfragen Im wesentlichen gleiche Rechtsfragen betreffend Kontrolle wie bei Internet- Nutzung Filterung privater s nach bestimmten Begriffen (ohne Lektüre des Textes) nur eingeschränkt möglich (Menschenwürde!)27 Datenschutz und Briefgeheimnis Ist ein ein Brief? Lesen privater s ist unzulässig (Briefgeheimnis) und strafbar ( 118 StGB) Öffnung eines nicht zu seiner Kenntnisnahme bestimmten verschlossenen Briefes, Öffnen eines verschlossenen Behältnisses zu diesem Zweck, Unterdrückung eines Briefes28 Datenschutz und Briefgeheimnis Datenschutzrechtlich ist Überwachung des Verkehrs idr nicht durch überwiegende Interessen des AG gerechtfertigt, außer bei Gefahr durch schädliche Attachments Individuelle Zustimmung der AN zu Filtering einholen.29 (Mit-)Haftung des Arbeitgebers Problembereiche Download illegaler Inhalte Versendung von s mit illegalen oder schädigenden Inhalten Rechtlicher Rahmen Strafrecht Zivilrecht30 Haftung: Strafrecht Kinderpornografie NS-Wiederbetätigung Beleidigung, Drohung Sonstiges Strafrecht (Betrug,..)31 Haftung: Strafbarkeit des Arbeitgebers? Grundsatz: Strafbarkeit nur bei eigenem Verschulden des Arbeitgebers. Haftung durch aktiven Beitrag: Bloßes Zurverfügungstellen des Netzzugangs kein Beitrag. Haftung durch Unterlassen: Mögliche Strafbarkeit, wenn technisch verfügbare Zugangssperren nicht eingesetzt werden.32 Haftung: Zivilrecht Schaden durch versendete Viren: Haftung des Arbeitgebers bei eigener Fahrlässigkeit (Virenschutz). Urheberrecht: Haftung des Arbeitgebers nur bei vorsätzlicher Förderung von Urheberrechtsverletzungen (jedoch Überprüfungspflicht nach begründeter Anzeige).33 Was erlaubt ist... Vorsorgliche, anonyme Überprüfung von ein- und ausgehenden s nach Viren Automatisches Sperren von Spams Stichprobenartige Überprüfung des Postausganges von AN, wenn private e- mails untersagt sind34 Zusammenfassung Eine individuelle Kontrolle der Arbeitnehmer ist nur in sehr eingeschränktem Umfang zulässig. Wenn die nicht personenbezogene Systemüberwachung konkrete Anhaltspunkte für Missbrauch oder Risikoverhalten ergibt, darf zu personenbezogener Kontrolle übergegangen werden. Diese muss allerdings angekündigt oder angedroht werden sowie verhältnismäßig und vertraulich sein. Betriebliche Mitbestimmungsrechte sind zu beachten.35 Zusammenfassung (Forts.) Das Haftungsrisiko eines Arbeitgebers bei Erlaubnis der Internet- und -Nutzung am Arbeitsplatz ist überschaubar. Die Haftung kann durch geeignete Maßnahmen weitgehend begrenzt werden. Maßnahmen zum vorsorglichen Schutz vor illegalen Handlungen und Schäden des Netzwerks stehen keine rechtlichen Hindernisse entgegen. Prävention ist besser als Repression ( Internet Policy ).36 Ihr Ansprechpartner bei Fragen Dr Martin Brodey, LL.M. Dorda Brugger & Jordis Rechtsanwälte GmbH Dr Karl Lueger-Ring 12, 1010 Wien T: F: E: W: Ähnliche Dokumente
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