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Timestamp: 2016-10-25 01:30:53
Document Index: 247260341

Matched Legal Cases: ['BGE', 'BGE', 'Art. 108', 'Art. 152', 'Art. 135', 'BGE']

U 126/99 (06.02.2002)
U 126/99 Gb
Urteil vom 6. Februar 2002
B.________, Beschwerdef�hrer, vertreten durch Rechtsanwalt Martin Habl�tzel, Lutherstrasse 4, 8004 Z�rich,
A.- Der 1961 geborene B.________ war seit Mai 1992 bei den Bahnen X.________ als Rangierarbeiter besch�ftigt, als er am 24. April 1995 einen Arbeitsunfall erlitt: Wegen der kurz bevorstehenden Entgleisung musste er von einer fahrenden Rangierkomposition springen und st�rzte anschliessend auf das Ges�ss. In der Folge traten Schmerzen im Bereich der Lendenwirbels�ule auf und der ab 17. Mai 1995 behandelnde Rheumatologe Dr. E.________ diagnostizierte in seinem Arztbericht vom 19. Juni 1995 ein posttraumatisches lumbospondylogenes Syndrom links bei Spondylolisthesis L5/S1 sowie Status nach einer im Jahre 1990 durchgef�hrten Diskushernienoperation L5/S1 links. Die Schweizerische Unfallversicherungsanstalt (SUVA), bei welcher B.________ obligatorisch gegen Unf�lle versichert war, kam f�r die Heilbehandlung auf und richtete ein Taggeld auf der Grundlage einer vollst�ndigen Arbeitsunf�higkeit im bisherigen T�tigkeitsbereich aus. Mit Verf�gung vom 25. Juni 1996 und Einspracheentscheid vom 26. Juli 1996 stellte die SUVA ihre Versicherungsleistungen "per sofort" ein, weil der schicksalsm�ssige Verlauf der vorbestehenden R�ckenproblematik auch ohne Unfall zum "heutigen" Zustand gef�hrt h�tte.
B.- Das Sozialversicherungsgericht des Kantons Z�rich wies die gegen den Einspracheentscheid erhobene Beschwerde mit Entscheid vom 24. Februar 1999 ab.
C.- B.________ l�sst Verwaltungsgerichtsbeschwerde f�hren mit dem Antrag auf Weiterausrichtung der gesetzlichen Leistungen (namentlich Heilbehandlung und Taggelder); eventuell sei eine medizinische Begutachtung anzuordnen oder die Sache diesbez�glich an die SUVA zur�ckzuweisen. �berdies l�sst er um Gew�hrung der unentgeltlichen Rechtspflege (unentgeltliche Verbeist�ndung) ersuchen.
Die SUVA schliesst auf Abweisung, w�hrend das Bundesamt f�r Sozialversicherung auf eine Vernehmlassung zur Verwaltungsgerichtsbeschwerde verzichtet.
1.- a) Das kantonale Gericht hat im angefochtenen Entscheid die Rechtsprechung zum f�r die Leistungspflicht des Unfallversicherers erforderlichen nat�rlichen Kausalzusammenhang zwischen dem Unfallereignis und dem eingetretenen Schaden (Krankheit, Invalidit�t; BGE 119 V 337 Erw. 1, 118 V 289 Erw. 1b, je mit Hinweisen) richtig wiedergegeben. Darauf kann verwiesen werden.
b) Wird durch einen Unfall ein krankhafter Vorzustand verschlimmert oder �berhaupt erst manifest, entf�llt die Leistungspflicht des Unfallversicherers erst, wenn der Unfall nicht die nat�rliche und ad�quate Ursache des Gesundheitsschadens darstellt, wenn also letzterer nur noch und ausschliesslich auf unfallfremden Ursachen beruht. Dies trifft dann zu, wenn entweder der (krankhafte) Gesundheitszustand, wie er unmittelbar vor dem Unfall bestanden hat (status quo ante), oder aber derjenige Zustand, wie er sich nach dem schicksalsm�ssigen Verlauf eines krankhaften Vorzustandes auch ohne Unfall fr�her oder sp�ter eingestellt h�tte (status quo sine), erreicht ist (RKUV 1994 Nr. U 206 S. 328 Erw. 3b, 1992 Nr. U 142 S. 75 Erw. 4b, je mit Hinweisen). Ebenso wie der leistungsbegr�ndende nat�rliche Kausalzusammenhang muss das Dahinfallen jeder kausalen Bedeutung von unfallbedingten Ursachen eines Gesundheitsschadens mit dem im Sozialversicherungsrecht allgemein �blichen Beweisgrad der �berwiegenden Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sein. Die blosse M�glichkeit nunmehr g�nzlich fehlender urs�chlicher Auswirkungen des Unfalles gen�gt nicht. Da es sich hiebei um eine anspruchsaufhebende Tatfrage handelt, liegt die Beweislast - anders als bei der Frage, ob ein leistungsbegr�ndender nat�rlicher Kausalzusammenhang gegeben ist - nicht bei den Versicherten, sondern beim Unfallversicherer (RKUV 2000 Nr. U 363 S. 46 Erw. 2, 1994 Nr. U 206 S. 329, 1992 Nr. U 142 S. 76 Erw. 4b).
c) F�r die Feststellung nat�rlicher Kausalzusammenh�nge und ihres Dahinfallens ist das Gericht im Bereich der Medizin wesensgem�ss auf Angaben �rztlicher Fachpersonen angewiesen. Dabei kommt es f�r den Beweiswert eines Arztberichtes entscheidend darauf an, ob der Bericht f�r die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden ber�cksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Beurteilung der medizinischen Zusammenh�nge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der �rztlichen Fachperson begr�ndet sind. Ausschlaggebend f�r den Beweiswert ist grunds�tzlich somit weder die Herkunft eines Beweismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gutachten (BGE 125 V 352 Erw. 3a mit Hinweis).
2.- Die Vorinstanz gelangte in einl�sslicher W�rdigung s�mtlicher relevanten medizinischen Unterlagen zum zutreffenden Schluss, dass die bei Einstellung der Unfallversicherungsleistungen (Mitte 1996) vorhandenen, die bisherige T�tigkeit als Rangierarbeiter ausschliessenden R�ckenbeschwerden nicht mehr zumindest teilweise in einen urs�chlichen Zusammenhang mit der am 24. April 1995 erlittenen axialen Kontusion der Wirbels�ule gebracht werden k�nnen, sondern vielmehr mit �berwiegender Wahrscheinlichkeit ausschliesslich dem prek�ren Vorzustand zuzuschreiben sind. Diese gest�tzt auf die verschiedenen Arztberichte gezogene Schlussfolgerung stimmt - worauf Kreisarzt Dr. C.________ im abschliessenden Bericht vom 17. Juni 1996 hingewiesen hat - mit der unfallmedizinischen Erfahrungstatsache �berein, dass eine richtungweisende, mithin dauernde, unfallbedingte Verschlimmerung einer vorbestandenen, degenerativen Erkrankung der Wirbels�ule nur als nachgewiesen gelten kann, wenn - was vorliegend nicht der Fall ist - eine rasche H�henverminderung der betroffenen Bandscheibe und das Auftreten oder die Vergr�sserung von Randzacken nach einem Trauma r�ntgenologisch erstellt sind (RKUV 2000 Nr. U 363 S. 46 Erw. 3a; nicht ver�ffentlichtes Urteil M. vom 4. September 1995, U 45/95; Morscher, Sch�den des St�tz- und Bewegungsapparates nach Unf�llen: Wirbels�ule, in: Baur/Nigst, Versicherungsmedizin, 3. Aufl., 1985, S. 191; B�r/Kiener, Prellung, Verstauchung oder Zerrung der Wirbels�ule, in: Medizinische Mitteilungen der SUVA Nr. 67, S. 45-47).
3.- An der dargelegten Betrachtungsweise verm�gen s�mtliche in der Verwaltungsgerichtsbeschwerde erhobenen Einwendungen nichts zu �ndern.
Namentlich kann dem Beschwerdef�hrer insoweit nicht gefolgt werden, als er geltend macht, die "Diagnose der Spondylolyse" werde erstmals im Arztbericht des Prof. Dr. D.________, Wirbels�ulen-/R�ckenmarkschirurg an der Klinik Z.________, vom 28. Dezember 1995 gestellt. Die �rzte der Neurologisch-Neurochirurgischen Poliklinik des Spitals Y.________, wo am 27. September 1990 eine Hemilaminektomie mit Hemifazettektomie L5 links und mikrochirurgischer Diskektomie L5/S1 links durchgef�hrt worden war, erhoben bereits am 7. Januar 1991 den radiologischen Befund einer "bekannte(n) Dysplasie des Wirbelbogens L5 bds. sowie Anteroposition des Wirbelk�rpers L5 gegen�ber S1 von 8 mm". Die Bedeutung der (durch die Spondylolyse bewirkten) Spondylolisthesis L5/S1 f�r die postoperativen Beschwerden sei "zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht sicher definierbar". Das Wirbelgleiten k�nne allenfalls chirurgisch stabilisiert werden (im �brigen ergab das am Spital Y.________ erstellte MRI vom 24. September 1991 den Nachweis eines Hernienrezidivs L5/S1 mediolateral links sowie degenerative Ver�nderungen auch der �brigen lumbalen Bandplatten mit Protrusion L4/5). Auch die nach dem streitigen Unfallereignis in der Klinik Q.________ durchgef�hrte Computertomographie der Lumbalwirbels�ule vom 13. Juni 1995 zeigte u.a. auf der Etage L5/S1 eine asymmetrische Spaltbildung links im dysplastischen Bogen und eine "Olisthese" (d.h. eine Spondylolisthesis) "von 1 cm"; die "Lyse" (d.h. die Spondylolyse) wurde "als sicher vorbestehend" bezeichnet. Im Rahmen s�mtlicher in der Folge abgegebener medizinischen Stellungnahmen stand denn auch ausser Frage, dass bereits vor der axialen Stauchung der Wirbels�ule vom 24. April 1995 eine Spondylolyse mit Spondylolisthesis L5/S1 bestand.
Entgegen der vom Beschwerdef�hrer vertretenen Auffassung erf�llt die erw�hnte Stellungnahme des Prof. Dr. D.________ vom 28. Dezember 1995 ohne weiteres die in Erw. 1c hievor dargelegten, im Hinblick auf den Beweiswert von Arztberichten praxisgem�ss erhobenen Anforderungen. Es braucht indessen nicht auf den fraglichen Bericht abgestellt zu werden, geht doch auch aus den �brigen medizinischen Unterlagen mit aller Deutlichkeit hervor, dass durch das Unfallereignis vom 24. April 1995 nicht eine gesunde Wirbels�ule gestaucht, sondern ein krankhafter Vorzustand (Ausr�umung der lumbosakralen Bandscheibe im Jahre 1990, Spondylolyse mit Spondylolisthesis in diesem Bereich) traumatisiert wurde. Dar�ber sieht der Versicherte zu Unrecht hinweg, wenn er zur Begr�ndung der nat�rlichen Kausalit�t auf die nicht wiedergewonnene funktionelle Leistungsf�higkeit als Rangierarbeiter verweist. Eine zus�tzliche medizinische Begutachtung verm�chte f�r das vorliegende Verfahren keine relevanten neuen Erkenntnisse zu liefern, weshalb von den beantragten prozessualen Weiterungen abzusehen ist.
Da nach Ablauf der Rechtsmittelfrist - abgesehen von hier offenkundig nicht gegebenen Ausnahmen - keine neuen Akten mehr eingebracht werden k�nnen (Art. 108 Abs. 2 OG; zur Publikation in der Amtlichen Sammlung vorgesehenes Urteil A. vom 15. Oktober 2001, U 147/99), bleiben die nachgereichten medizinischen Unterlagen unber�cksichtigt.
4.- Dem Gesuch um Gew�hrung der unentgeltlichen Verbeist�ndung kann entsprochen werden, da die hief�r nach Gesetz (Art. 152 in Verbindung mit Art. 135 OG) und Rechtsprechung (BGE 125 V 202 Erw. 4a und 372 Erw. 5b, je mit Hinweisen) erforderlichen Voraussetzungen erf�llt sind.
wird Rechtsanwalt Martin Habl�tzel, Z�rich, f�r das
Luzern, 6. Februar 2002