Source: http://www.anwalt24.de/rund-ums-recht/BAG_20_10_2010_4_AZR_105_09_Voraussetzungen_fuer_die_Zulaess-d4369069.html
Timestamp: 2016-12-06 06:35:19
Document Index: 232633473

Matched Legal Cases: ['Art. 33', '§ 99', 'Art. 9', '§ 133', '§ 157', '§ 242', '§ 1', '§ 18', '§ 242', '§ 18', 'Art. 9']

BAG, 20.10.2010 - 4 AZR 105/09 - Voraussetzungen für die Zulässigkeit der Klage auf Zustimmung zu einer Betriebsvereinbarung bei tariflicher Öffnungsklausel | Urteile auf anwalt24.de
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BAG, 20.10.2010 - 4 AZR 105/09 - Voraussetzungen für die Zulässigkeit der Klage auf Zustimmung zu einer Betriebsvereinbarung bei tariflicher Öffnungsklausel
BundesarbeitsgerichtUrt. v. 20.10.2010, Az.: 4 AZR 105/09Gericht: BAGEntscheidungsform: UrteilDatum: 20.10.2010Referenz: JurionRS 2010, 35399Aktenzeichen: 4 AZR 105/09 Verfahrensgang:vorgehend:ArbG Frankfurt am Main - 19.04.2007 - AZ: 19 Ca 592/07LAG Hessen - 06.03.2008 - AZ: 9 Sa 798/07Rechtsgrundlagen:Art. 9 Abs. 3 GG§ 133 BGB§ 157 BGB§ 242 BGB§ 1 Abs. 1 TVG§ 18 Rahmentarifvertrag für die Beschäftigten der Steine- und Erdenindustrie in Baden-Württemberg (RTV 2005) vom 26. April 2005Fundstellen:BAGE 136, 71 - 84ArbR 2011, 224ArbRB 2011, 107AuA 2010, 723AuA 2011, 551-552AuR 2011, 223AuR 2010, 488AUR 2010, 488AUR 2011, 223BB 2010, 2756 (Pressemitteilung)BB 2011, 1204DB 2011, 16DB 2011, 2388EBE/BAG 2011, 76-80EzA-SD 22/2010, 14 (Pressemitteilung)EzA-SD 7/2011, 13FA 2011, 192GmbHR 2010, 361NZA 2011, 468-473PERSONALmagazin 2010, 70SAE 2010, 267 (Pressemitteilung)SAE 2011, 219-225schnellbrief 2010, 7ZBVR online 2010, 16 (Pressemitteilung)ZTR 2011, 302-304Orientierungssatz:1. Die Klage einer Tarifvertragspartei gegen die andere Tarifvertragspartei auf Verurteilung zur Abgabe einer Willenserklärung (hier: Zustimmung zu einer Betriebsvereinbarung, die im Hinblick auf eine Öffnungsklausel im Tarifvertrag geschlossen worden ist) ist zulässig.2. Der Grundsatz der Unzulässigkeit eines Rechtsmissbrauchs gemäß § 242 BGB kann die Ausübung eines Rechts behindern, nicht jedoch einen ansonsten nicht bestehenden Anspruch erst schaffen.3. Eine tarifvertragliche Klausel, die das Erfordernis der Zustimmung einer Tarifvertragspartei zu einer abweichenden Betriebsvereinbarung regelt, gehört zum schuldrechtlichen Teil des Tarifvertrages.4. Die in § 18 Nr. 2 Satz 3 RTV 2005 getroffene Regelung, wonach im Falle der begründeten Notwendigkeit abweichender betrieblicher Regelungen zu bestimmten, im RTV 2005 aufgeführten Zwecken, einer Betriebsvereinbarung über abweichende Arbeitsbedingungen von den Tarifvertragsparteien zugestimmt werden "soll", gewährt einer Tarifvertragspartei gegen die andere Tarifvertragspartei einen schuldrechtlich begründeten Anspruch auf die Erteilung dieser Zustimmung, wenn die dort genannten Voraussetzungen vorliegen und wenn die andere Partei nicht das Vorliegen eines besonderen Ausnahmesachverhaltes geltend machen kann.5. Der in einem solchen Fall bestehenden Verpflichtung zur Zustimmungserklärung steht die tarifautonome Entscheidungsbefugnis der einzelnen Koalition aus Art. 9 Abs. 3 GG nicht entgegen. Sie ist vielmehr Ergebnis der tarifautonom vereinbarten Öffnungsklausel mit - begrenzter - Zustimmungspflicht, zu deren Einhaltung sich die Tarifvertragspartei mit dem Abschluss des Tarifvertrages für den Fall des Vorliegens der tariflichen Voraussetzungen schuldrechtlich verpflichtet hat.Amtlicher Leitsatz:Wenn ein Tarifvertrag eine Öffnungsklausel enthält, nach der beim Vorliegen bestimmter, im Tarifvertrag genannter Voraussetzungen die Tarifvertragsparteien einer von den Tarifregelungen abweichenden Betriebsvereinbarung zustimmen "sollen", kann eine der Parteien des Tarifvertrages von der anderen die Zustimmung verlangen, wenn die tariflich bestimmten Voraussetzungen vorliegen, wenn die Betriebsvereinbarung die tariflichen Anforderungen erfüllt (hier: Zweck der Beschäftigungssicherung und der Wettbewerbsverbesserung, Einhaltung eines bestimmten Absenkungsrahmens) und wenn die andere Partei nicht das Vorliegen eines besonderen Ausnahmesachverhaltes geltend machen kann.In SachenBeklagte, Berufungsbeklagte und Revisionsklägerin,pp.Kläger, Berufungskläger und Revisionsbeklagter,hat der Vierte Senat des Bundesarbeitsgerichts aufgrund der mündlichen Verhandlung vom 20. Oktober 2010 durch den Vorsitzenden Richter am Bundesarbeitsgericht Prof. Bepler, die Richter am Bundesarbeitsgericht Creutzfeldt und Dr. Treber sowie die ehrenamtlichen Richter Valentien und Hess für Recht erkannt:Tenor:1. Die Revision der Beklagten gegen das Urteil des Hessischen Landesarbeitsgerichts vom 6. März 2008 - 9 Sa 798/07 - wird zurückgewiesen.2. Die Beklagte hat die Kosten der Revision zu tragen.Von Rechts wegen!