Source: https://www.grin.com/document/345016
Timestamp: 2020-07-10 04:25:07
Document Index: 353123036

Matched Legal Cases: ['§ 283', '§ 264', '§ 238', '§ 264', '§ 325', '§ 140', '§ 141']

Was ist der Unterschied zwischen Jahresabschlussbericht und ... | Masterarbeit, Hausarbeit, Bachelorarbeit veröffentlichen
Was ist der Unterschied zwischen Jahresabschlussbericht und Geschäftsbericht?
Reporting in der Praxis
3. Der Jahresabschlussbericht
3.3 Aufbau, Inhalt und Gestaltung
3.4 Sprache und Formulierung
3.5 Besonderheiten und Kennzahlen
4. Der Geschäftsbericht
4.3 Aufbau, Inhalt und Gestaltung
4.4 Sprache und Formulierung
4.5 Besonderheiten und Kennzahlen
5. Praxisbeispiel: Wacker Neuson SE
5.1 Jahresabschlussbericht und Geschäftsbericht
Abbildung I: Funktionen des Jahresabschlusses
Abbildung II: Vorschriften zum Jahresabschluss
Abbildung III: Grafik - Wacker Neuson SE
Abbildung IV: Gründe für die Ablehnung von Investitionskrediten
Abbildung V: Brief an die Aktionäre - Klöckner & Co SE
Tabelle l: Wacker Neuson SE - Bilanz
Mit der Insolvenz der US-amerikanischen Großbank Lehman Brothers im September 2008 wurde die Weltwirtschaftskrise eingeläutet.1 Durch den damit verbundenen Kollaps an den Kapitalmärkten verloren institutionelle und private Anleger viel Geld an den Börsen. Auch konservative Bank- häuser waren durch Insolvenzen oder sogar Pleiten kleiner und mittel- ständischer Unternehmen direkt betroffen. Häufig nannten Investoren und Kreditgeber mangelnde Transparenz als Grund für ihre Fehlanalysen. Die Offenlegung des Jahresabschlusses bzw. des Geschäftsberichts gewann daher zusehends an Bedeutung. Durch die gesetzliche und freiwillige Be- richterstattung soll es Stakeholdern ermöglicht werden, sich ein Bild über die Lage des Unternehmens zu machen. Vor allem aber profitieren die Unternehmen von einer steigenden Aufmerksamkeit. Sie können durch ein nachhaltiges Geschäftsmodell und ein hochwertiges Reporting das Ver- trauen der Stakeholder für sich gewinnen und diese an sich binden.2
Ziel der Seminararbeit ist es die Unterschiede zwischen dem Jahres- abschlussbericht und dem Geschäftsbericht herauszuarbeiten. Dabei soll die Seminararbeit auch aufzeigen, wie Reporting in der Praxis gelebt wird. Um dies zu ermöglichen wird in Kapitel 2 ein besonderes Augenmerkt auf die historische Entwicklung der Berichterstattung gelegt. Kapitel 3 widmet sich dem Jahresabschlussbericht und Kapitel 4 dem Geschäftsbericht. Beide Kapitel wurden in fünf Unterpunkte gegliedert, welche die Besonder- heiten der entsprechenden Offenlegungsart untersuchen. Bevor im 6. Kapitel das Fazit folgt, wird in Kapitel 5 der Jahresabschluss- und der Ge- schäftsbericht am Praxisbeispiel der Wacker Neuson SE untersucht.
Bevor auf den Jahresabschluss und den Geschäftsbericht im Detail einge- gangen werden kann, bedarf es wesentliche Kenntnisse zur Offenlegung. Die doppelte Buchführung wurde bereits im 15. Jahrhundert in italienischen Handelsstädten wie Genua oder Venedig praktiziert. Die Buchführung in Deutschland war zu dieser Zeit noch freiwillig. Der interne Jahresabschluss wurde durch das augsburgerische Großunternehmen der Fugger geprägt. Diese erstellten 1511 erstmals einen Jahresabschluss. 1673 wurde die Buchführungs- und Inventarisierungspflicht durch den Ordonnance de Commerce in Frankreich gesetzlich festgeschrieben. In Deutschland erfolgte die Einführung erst im Jahr 1861 durch das erste Allgemeine Handelsgesetzbuch (in der Folge HGB).3 Ein weiterer Meilenstein folgte im Jahre 1969 mit dem Publizitätsgesetz. Mit diesen gesetzlichen Rahmen- bedingungen wurde der Grundstein für die externe Berichterstattung gelegt.
Der Begriff „Geschäftsbericht“ sorgt immer häufiger für Sprachverwirrung. Dies liegt vornehmlich daran, dass der Geschäftsbericht vom Gesetzgeber nicht definiert wurde.4 Der ursprüngliche Begriff des Geschäftsberichts liegt im Aktiengesetz (in der Folge AktG) von 1965.5 Dieser bestand aus einem Erläuterungs- bzw. Abschlussbericht und einem Lagebericht.6 Neben der Darstellung des Geschäftsverlaufs der Vorperiode enthielten die Berichte zudem Angaben zum Jahresabschluss.7 Durch neue Bilanzierungs- richtlinien war die Erstellung eines Geschäftsberichts nicht mehr erforder- lich. Der Erläuterungsbericht findet sich heute im Anhang des Jahres- abschlusses wieder. Auch die Erstellung des Lageberichts ist nicht mehr für alle Rechtsformen verpflichtend. Gegenwärtig bezeichnet der Geschäftsbe- richt die Veröffentlichung des Jahresberichts großer Aktiengesellschaften. Da der „Geschäftsbericht des AktG 1965“ in der heutigen Zeit keine An- wendung mehr findet, erfolgt in der Seminararbeit der Vergleich zwischen dem Jahresabschlussbericht und der derzeit gängigen Definition des Geschäftsberichts.
Mit dem Jahresabschluss sollen die wirtschaftlichen Vorgänge einer Unter- nehmung in komprimierten Zahlenwerten dargestellt werden.8 Es ist daher naheliegend, dass der Jahresabschlussbericht hauptsächlich zur Infor- mation verschiedenster Stakeholder dient.9 Neben internen Stakeholdern wie den Anteilseignern, Arbeitnehmern oder der Geschäftsführung dient der Jahresabschluss auch zur Information von externen Stakeholdern wie der Öffentlichkeit oder den Gläubigern.10 Da sich der Jahresabschlussbe- richt an eine Vielzahl von Interessenten richtet, wird in der Betriebswirt- schaft zwischen drei Funktionen des Jahresabschlusses unterschieden.
Abbildung I: Funktionen des Jahresabschlusses11
Handelsrechtliche Funktion
Die Aufstellung des Jahresabschlusses ist gesetzlich (insbesondre durch das HGB) vorgeschrieben.12 Dabei ist seine zentrale Funktion der Gläubi- gerschutz. Als Teil der Rechtsordnung übernimmt der Jahresabschluss bei Konflikten der verschiedenen Interessensgruppen zudem eine schlichtende Aufgabe. Zudem dokumentiert der Jahresabschluss das Unternehmens- geschehen mittels Zahlenmaterial.13 Neben der Informationsfunktion für die am Unternehmen Beteiligten, hat der Jahresabschluss auch die Funktion der Gewinnermittlung. Sie ist schlussendlich maßgeblich dafür wie hoch die Ausschüttung bzw. Erfolgsbeteiligung ausfällt.14 Im Insolvenzfall übernimmt der Jahresabschluss eine entscheidende Rolle ein. Durch ihn hat der Kaufmann die Chance nachzuweisen, dass er sich nicht nach einer der im §§ 283 ff.. StGB aufgeführten Straftaten schuldig gemacht hat.15
Steuerrechtliche Funktion
Bei der steuerrechtlichen Funktion des Jahresabschlusses, die vereinfacht auch als Steuerbilanz bezeichnet wird, ist der Adressat einzig und allein das Finanzamt.16 Dabei verfolgt der Fiskus die Zielsetzung der perioden- gerechten Gewinnermittlung. Mit dem Steuerbilanzgewinn legt der Fiskus die Steuerschuld des Unternehmens fest.17 Die Steuerbilanz leitet sich aus der Handelsbilanz ab.18 Um den handelsbilanziellen Erfolg möglichst wenig zu verzerren, sind die Spielräume bei der Steuerbilanz deutlich enger. Die
Steuerbilanz ist der Öffentlichkeit nicht zugänglich.19 Nicht zuletzt verfolgt die Steuerbilanz neben dem Grundsatz der Manipulationsfreiheit auch den Gedanken der Steuergerechtigkeit.20
Funktionen nach IFRS
Die International Financial Reporting Standards (in der Folge IFRS) finden neben den nationalen handelsrechtlichen Rechnungslegungsvorschriften zusehend in Deutschland Anwendung. Zentrale Aufgabe der Rechnungs- grundlegung und Berichterstattung nach IFRS ist die Information über die wirtschaftlichen Verhältnisse eines Unternehmens. Dazu zählt neben der Vermögens- und Finanzlage auch die Ertragslage der Unternehmung. Die Gewinnermittlung ist kein Bestandteil von IFRS.21 Vorteil der Jahres- abschlussberichterstattung nach IFRS ist die Vergleichbarkeit zwischen Unternehmen unterschiedlicher Nationen. Seit 2005 sind börsennotierte Großkonzerne in Deutschland dazu verpflichtet ihre Bilanz nach IFRS auf- zustellen.22
Die Grundlage für den deutschen Jahresabschluss bildet das dritte Buch des HGBs.23 Dieses gilt sowohl für Handelsgesellschaften, Kommanditge- sellschaften (auf Aktien), Aktiengesellschaften oder Gesellschaften mit be- schränkter Haftung. Allerdings sind nicht alle Unternehmen zur Erstellung eines Jahresabschlusses verpflichtet. Einzelkaufleute haben ein Wahlrecht. Die externe Berichterstattung im Rahmen des Jahresabschlussberichts ist im Sinne des § 264a HGB geregelt. Demnach müssen Kapitalgesell- schaften und Personenhandelsgesellschaften, je nach Größe der Unter- nehmung, einen Jahresabschlussbericht nach Vorgaben des HGBs auf- stellen, prüfen und offenlegen.24 Die Vorgaben für den Jahresabschluss- bericht können sich je nach Rechtsform und Größe unterscheiden. Neben den allgemeinen Rechnungslegungsvorschriften für alle Kaufleute (§§ 238- 263 HGB) gelten für Kapitalgesellschaften Spezialvorschriften (§§ 264-289 HGB). Die Offenlegung des Jahresabschlussberichts ist in § 325 HGB ge- regelt.25 Bei den Grundsätzen ordnungsgemäßer Buchführung (in der Folge GoB) handelt es sich um Vorschriften zur Bilanzierung, die den Jahresabschlussbericht in seiner Aussagekraft stärken.26
Bei der Erstellung des Jahresabschlussberichts für das Finanzamt (Steuerbilanz) hat sich das betroffene Unternehmen an die Abgabenordnung (in der Folge AO) §§ 140 ff. AO zu halten. Die AO gilt für all jene Unternehmen die auch nach dem HGB zur Buchführung verpflichtet sind.27 Nach § 141 AO sind auch Unternehmen die den Wert von EUR 350.000,00 Jahresumsatz und EUR 30.000,00 Jahresgewinn überschreiten, zur Erstellung einer Steuerbilanz verpflichtet. Durch das Prinzip der Maßgeblichkeit gelten die handelsrechtlichen Vorschriften, sofern nichts anderes nach dem Steuerrecht geregelt ist, auch für die Steuerbilanz.28
Weitere rechtliche Rahmenbedingungen werden durch das Publizitätsgesetz, den DRS und das Aktiengesetz abgesteckt.29 Sie finden hauptsächlich beim Geschäftsbericht Anwendung.
Weitere Rahmenbedingungen für die Erstellung, Prüfung und Offenlegung des Jahresabschlussberichts sind durch die IFRS gegeben. Ziel der IFRS war die Schaffung weltweit, einheitlicher Jahresabschlussnormen für Un- ternehmen unterschiedlicher Nationen. Dabei spielt vor allem der Gläubi- ger- und Aktionärsschutz eine große Rolle.30 IFRS kommt der US- amerikanischen Rechnungslegung - US-GAAP - ziemliche nahe.31
Um der Schutzwirkung des Jahresabschlussberichts gerecht zu werden, wurden vom Gesetzgeber oder von gesetzlich begründeten Fachgremien Mindestanforderungen hinsichtlich Form und Inhalt der Jahresabschluss- berichte bestimmt.32 Maßgeblich dabei ist die Größe der Unternehmung.
Grundsätzlich besteht der Jahresabschlussbericht mindestens aus einer Bilanz und einer Gewinn- und Verlustrechnung (in der Folge GuV). Die GuV misst den Periodenerfolg der Unternehmung.33 Ist das Ergebnis der GuV positiv so spricht man von einem Jahresüberschuss. Ein Negativwert, welcher häufig auch in einer Klammer steht, wird als Jahresfehlbetrag bezeichnet. Der Jahresüberschuss wird in der Bilanz der zugeführt.34 Die Bilanz setzt sich aus der Aktivseite und der Passivseite zusammen. Auf der Aktivseite, die auch Aktiva genannt wird, befindet sich das Anlage- und Umlaufvermögen. Die Aktiva gibt den Stakeholdern Auskunft über die Mittelverwendung. Die Passiva, die das Eigen- und Fremdkapital auflistet, beschreibt die Mittelherkunft.35
Abbildung II: Vorschriften zum Jahresabschluss36
Bei kleinen Kapitalgesellschaften ist dem Jahresabschlussbericht ein An- hang hinzuzufügen. Mittelgroße und große Kapitalgesellschaften sind zur Erstellung eines Lageberichts verpflichtet.37 Sowohl Anhang als auch Lagebericht sollen dazu beitragen, dass das reine Zahlenmaterial in der GuV und der Bilanz von den Analysten besser nachvollzogen werden kann. Der Anhang übernimmt neben seiner Erläuterungsfunktion auch eine Relativierungs-, Entlastungs- und Ergänzungsfunktion.38 Zudem findet man im Anhang zum Beispiel Angaben zu den Bewertungs- und Ab- schreibungsmethoden oder der Beteiligung an anderen Unternehmen. Der Lagebericht ist kein Teil des Jahresabschlusses, gehört aber in den Jahresabschlussbericht.
1 Vgl. Kapoor (2011), S. 42.
2 Vgl. Panitz, Waschkowitz (2012), S. 7.
3 Vgl. Coenenberg, Haller, Schultze (2014), S. 9 ff.
4 Vgl. Jung (2009), S. 1064.
5 Vgl. Hütten (2000), S. 6.
6 Vgl. Jung (2009), S. 1064.
7 Vgl. Böcking, Hommel, Wüstemann (2010), S. 64.
8 Vgl. Wöhe (2010), S. 707.
9 Vgl. Wöhe (2010). S. 708.
10 Vgl. Coenenberg, Haller, Schultze (2014), S. 16.
11 Vgl. Coenenberg, Haller, Schultze (2014), S. 16 ff.
12 Vgl. Mayländer, Krapf, Klotz, Kaiser (2010), S. 259.
13 Vgl. Bitz, Schneeloch, Wittstock, Patek (2014), S. 42.
14 Vgl. Coenenberg, Haller, Schultze (2014), S. 19.
15 Vgl. Wöhe (2010), S. 719.
16 Vgl. Wöhe (2010), S. 730.
17 Vgl. Küting, Weber (2015), S. 241.
18 Vgl. Wöhe (2010), S. 712.
19 Vgl. Küting, Weber (2015), S. 241.
20 Vgl. Coenenberg, Haller, Schultze (2014), S. 21.
21 Vgl. Coenenberg, Haller, Schultze (2014), S. 25.
22 Vgl. Luther (2010), S. 54.
23 Vgl. Wöhe (2007), S. 708.
24 Vgl. Wöltje (2013), S. 16.
25 Vgl. Wöhe (2007), S. 728.
26 Vgl. Jung (2009), S. 1039.
27 Vgl. Coenenberg, Haller, Schultze (2014), S. 37.
28 Vgl. Jung (2009), S. 1026.
29 Vgl. Wöhe (2007), S. 729.
30 Vgl. Wöhe (2007), S. 826.
31 Vgl. Coenenberg, Haller, Schultze (2014), S. 52.
32 Vgl. Piwinger, Zerfaß (2007), S. 599.
33 Vgl. Wöhe (2007), S. 713.
34 Vgl. Eichhorn (2015), S. 300.
35 Vgl. Wöltje (2013), S. 21.
36 Vgl. Wöhe (2007), S. 727.
37 Vgl. Wöltje (2013), S. 20.
38 Vgl. Küting, Weber (2015), S. 415.
V345016
9783668348035
9783668348042
Markiewitz, Geschäftsbericht, Jahresabschlussbericht, Wünsche, Isabella, FH Südwestfalen, Wacker Neuson SE
Manuel Markiewitz (Autor), 2016, Was ist der Unterschied zwischen Jahresabschlussbericht und Geschäftsbericht?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/345016
Isabella I. von Kastilien. Ihr Kampf ...
Die Hofordnung Herzog Philipps des Gu...
Wirkungsorientierte Geschäftsberichte...
Wünsche im Märchen "Der Fischer ...