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Timestamp: 2019-05-22 11:13:13
Document Index: 203821772

Matched Legal Cases: ['§ 13', '§ 13', '§ 13', '§ 3', '§ 25', '§ 25', '§ 25', '§ 25']

Steuerliche Besonderheiten bei Verkäufen über Amazon, eBay und Co. | internethandel-Blog
Geposted 12. Juli 2013 (2013-07-12T09:01:53+00:00) by Gastautor Bernhard Köstler Permalink: https://www.internethandel.de/blog/steuerliche-besonderheiten-bei-verkaeufe-ueber-internetplattformen-wie-ebay-und-amazon/
Kategorie: Online-Handel / Verkäufe über Internetplattformen wie eBay und Amazon – Steuerliche Besonderheiten beachten / Keywords: Amazon eBay Internetplattform steuerliche Besonderheiten Umsatzsteuer Vorsteuer Verkaufsagent Vermittler Online-Handel eBay-Händler Online-Shop Steuerregeln / Description: Der Verkauf über Internetplattformen wie Amazon oder eBay bringt für Online-Händler eine ganze Reihe Vorteile mit sich. Allerdings sind auch steuerliche Besonderheiten zu beachten, wie dieser Beitrag zeigt. / Image: https://www.internethandel.de/blog/wp-content/uploads/Steuerliche-Besonderheiten.jpg / Publisher: Internethandel.de / Language: de-DE
Immer mehr gewerbliche Händler verkaufen ihre Waren nicht nur im eigenen Ladenlokal und Online-Shop, sondern auch auf Internetplattformen wie eBay oder Amazon. Dadurch werden Millionen zusätzlicher potenzieller Kunden erreicht. Erfahren Sie nachfolgend, welche steuerliche Besonderheit der Handel auf fremden Plattformen mit sich bringt.
Die Steuerregeln bei Verkäufen über eBay
Nutzen gewerbliche Händler die Internetplattform eBay, ruft das auch das Interesse des Finanzamts hervor. Im Visier der Überprüfungen sind dabei vor allem die folgenden für eBay-Verkäufe typischen Sachverhalte:
Porto und Versandkosten und die Umsatzsteuer
Holt der eBay-Kunde seine Ware nicht vor Ort beim Händler ab, werden ihm zusätzlich Porto und Versandkosten in Rechnung gestellt. Diese Kosten unterliegen wie der Umsatz für die Ware der Umsatzsteuer.
Richtige Abrechnung Falsche Abrechnung
Nettoerlös Ware 100 Euro 100 Euro
Porto und Verpackung 4,90 Euro 4,90 Euro
19 % Umsatzsteuer 19,93 Euro 19 Euro
Auch Kleinunternehmer müssen Umsatzsteuer für eBay abführen
Wer bei eBay als gewerblicher Unternehmer registriert ist, bekommt bei der Gebühren-Abrechnung eine Nettorechnung ohne Ausweis der Umsatzsteuer. Das liegt daran, dass die Leistungen von eBay in Luxemburg erbracht werden und deshalb § 13b Abs. 2 Nr. 1 UStG greift. Unternehmer müssen die Umsatzsteuer aus dieser Nettorechnung ermitteln und sie ans Finanzamt abführen. Zum Vorsteuerabzug berechtigte Unternehmer dürfen jedoch in gleicher Höhe Vorsteuer gegenrechnen. Ein Umsatzsteuerrisiko besteht hier nur für Kleinunternehmer. Sie dürfen keine Vorsteuer gegenrechnen. Deshalb schaut das Finanzamt bei diesen sehr streng auf die Abführung der Umsatzsteuer.
Kleinunternehmer A und Unternehmer B erhalten beide jeweils eine Rechnung von eBay über Gebühren von netto 200 Euro.
Kleinunternehmer A Unternehmer B
nach § 13b UStG 38 Euro 38 Euro
Vorsteuerabzug 0 Euro 38 Euro
Zahlung ans Finanzamt 38 Euro 0 Euro
Um die Überweisung von 19 Prozent Umsatzsteuer zu vermeiden, lassen sich Kleinunternehmer oft als privates eBay-Mitglied registrieren. Dann erhalten sie eine Rechnung mit der nur 15-prozentigen luxemburgischen Umsatzsteuer. Doch die Ersparnis dieser 4 Prozent steht nur auf dem Papier, wenn das Finanzamt Wind davon bekommt. Die nach § 13b Abs. 2 Nr. 1 UStG abzuführende Umsatzsteuer steigt in diesem Fall sogar.
Artikel selbst ersteigert oder ersteigern lassen?
Um angebotene Artikel trotz des verlockenden Anfangsgebots von 1 Euro nicht unter Preis zu verkaufen, ersteigern Unternehmer ihre Ware oftmals selbst oder lassen diese von eigens dazu beauftragten Dritten ersteigern. Diese Transaktionen müssen für mögliche Nachfragen des Finanzamts gesondert festgehalten werden.
Beachten Sie: Um herauszufinden, ob ein gewerbliches eBay-Mitglied tatsächlich alle Verkaufserlöse als Betriebseinnahmen aufgezeichnet hat, stellt das Finanzamt nicht selten Einzelauskunftsersuchen an eBay. Die Verkaufserlöse, die eBay an die Finanzverwaltung meldet, passen dann natürlich nicht mit den aufgezeichneten Umsätzen zusammen, wenn die Ware selbst ersteigert wurde. Deshalb ist es so wichtig, solche Eigenersteigerungen gesondert aufzuzeichnen.
Händler wird als Verkaufsagent tätig oder beauftragt Agenten
Immer häufiger bieten erfahrene eBay-Händler an, Waren von Unternehmern oder von Privatleuten als Agent höchstbietend zu verkaufen. Tritt der Agent dabei im eigenen Namen für fremde Rechnung auf, handelt es sich um Kommissionsgeschäfte, die nach den allgemeinen Grundsätzen des Umsatzsteuergesetzes zu versteuern sind. Bei der Kommission liegt nach § 3 Abs. 3 UStG zunächst eine Lieferung des Klienten (Kommittent) an den Verkaufsagenten vor, der dann wiederum an den Käufer liefert.
Wird der Agent für Privatpersonen tätig und versteigert Gegenstände, für die die Privatleute keinen Vorsteuerabzug hatten, ist die Differenzbesteuerung nach § 25a UStG anwendbar. Hier ergeben sich folgende Besonderheiten:
Die Provision, die der Agent von den Privatpersonen oder Handelsunternehmen für den Verkauf deren Waren erhält, unterliegt nicht der Differenzbesteuerung.
Auf der Rechnung an den Käufer der Ware muss folgender Hinweis stehen: „Steuerfreier Umsatz nach § 25a UStG – Differenzbesteuerung.“
Die Umsatzsteuer wird hierbei aus dem Differenzbetrag zwischen An- und Verkaufspreis herausgerechnet.
Liegen die Einkaufswerte der einzelnen Gegenstände unter 500 Euro, kann der Wiederverkäufer (= Agent) eine Gesamtdifferenz bilden (§ 25a Abs. 4 UStG). Die Gesamtdifferenz ist der Betrag, um den die Summe der Verkaufspreise die Summe der Einkaufspreise – jeweils bezogen auf den Besteuerungszeitraum – übersteigt. Die in dem Unterschiedsbetrag enthaltene Umsatzsteuer ist herauszurechnen.
Beispiel zur Gesamtdifferenz nach § 25a Abs. 4 UStG
Verkäufe im Rahmen Differenzbesteuerung im Monat August
mit Einzel-Einkaufswert unter 500 Euro 20.000 Euro
Einkäufe im Rahmen Differenzbesteuerung im Monat August
mit Einzel-Einkaufswert unter 500 Euro . /. 5.000 Euro
Gesamtdifferenz August brutto 15.000 Euro
Die Steuerregeln bei Verkäufen über Amazon
Neben eBay-Verkäufen wecken vor allem Umsätze über das Internetportal von Amazon das Interesse der Betriebs- und Umsatzsteuerprüfer. Je nachdem, für welches Vertriebsmodell sich ein Unternehmer entscheidet, gibt es spezielle steuerliche Besonderheiten zu beachten.
Amazon tritt als Vermittler auf
Vertreiben Buchhändler über Amazon Bücher und übernimmt Amazon die Abrechnung mit den Endkunden, ist Folgendes zu beachten:
Abrechnung: Amazon überweist hier die Zahlungseingänge der Kunden unter Einbehaltung einer Vermittlungsgebühr.
Ertragsteuer: Bucht der Buchhändler nur diese Zahlungseingänge auf dem Bankkonto als Betriebseinnahme, führt das ertragsteuerlich nicht zu einem falschen Ergebnis. Er könnte auch den kompletten Verkaufserlös als Einnahme und die Gebühr an Amazon als Betriebsausgabe buchen, was zum selben ertragsteuerlichen Ergebnis führen würde.
Umsatzsteuer: Amazon ist lediglich Vermittler der Transaktion. Das hat zur Folge, dass der Buchhändler nicht nur auf die Gutschrift auf dem Bankkonto Umsatzsteuer ans Finanzamt überweisen muss, sondern auf den Gutschriftsbetrag plus der von Amazon einbehaltenen Gebühren.
Buchhändler verkauft über Amazon ein Buch für 50 Euro zuzüglich 3,90 Euro Verpackung und Porto an einen Kunden. Den Versand übernimmt Amazon. Der Unternehmer bekommt nach Abzug der Vermittlungsgebühren 45 Euro von Amazon auf seinem Bankkonto gutgeschrieben.
Bruttoerlös 53,90 Euro 45 Euro
19 % Umsatzsteuer 8,61 Euro 7,18 Euro
Sammelauskunftsersuchen der Finanzverwaltung vorerst tabu
Dass die Finanzverwaltung Verkäufe von Unternehmen über Amazon akribisch prüfen möchte, zeigt ein Sammelauskunftsersuchen, das bei Amazon gestellt wurde. Das FG Niedersachsen hat entschieden, dass Amazon einem solchen Auskunftsersuchen „ins Blaue hinein“ nicht nachkommen muss (FG Niedersachsen, Urteil vom 23.2.2012, Az. 5 K 397/10). Die Entscheidung ist aber noch nicht rechtskräftig. Die Finanzverwaltung hat Revision eingelegt (Az. beim BFH: II R 15/12).
Gastautor Bernhard Köstler