Source: https://www.rechtslupe.de/verwaltungsrecht/umweltrecht/habitatschutzrechtliche-abweichungsentscheidungen-und-die-naturschutzverbaende-363108
Timestamp: 2020-07-03 16:46:55
Document Index: 52030622

Matched Legal Cases: ['§ 34', '§ 34', '§ 34', '§ 34', '§ 34', '§ 34', '§ 34', '§ 34', '§ 34', '§ 34', '§ 34', '§ 34', 'EuG', '§ 34', '§ 34', '§ 34', '§ 34', '§ 34', '§ 34']

Habitatschutzrechtliche Abweichungsentscheidungen und die Naturschutzverbände | Rechtslupe
Gemäß § 34 BNatSchG sind Pro­jek­te vor ihrer Zulas­sung oder Durch­füh­rung auf ihre Ver­träg­lich­keit mit den Erhal­tungs­zie­len eines Natu­ra-2000-Gebiets (FFH-Gebiet) zu über­prü­fen, wenn sie ein­zeln oder im Zusam­men­wir­ken mit ande­ren Pro­jek­ten oder Plä­nen geeig­net sind, das Gebiet erheb­lich zu beein­träch­ti­gen, und nicht unmit­tel­bar der Ver­wal­tung des Gebiets die­nen. Ob die­se Vor­aus­set­zun­gen vor­lie­gen, ist im Rah­men einer Vor­prü­fung fest­zu­stel­len [1]. Vor­prü­fung und Ver­träg­lich­keits­prü­fung sind natur­schutz­recht­lich obli­ga­to­ri­sche Ver­fah­rens­schrit­te [2]. In der Ver­träg­lich­keits­prü­fung muss der Trä­ger des Vor­ha­bens unter Berück­sich­ti­gung der bes­ten ein­schlä­gi­gen wis­sen­schaft­li­chen Erkennt­nis­se nach­wei­sen, dass eine vor­ha­ben­be­ding­te Beein­träch­ti­gung der Erhal­tungs­zie­le der betrof­fe­nen Gebie­te aus­ge­schlos­sen ist. Bestehen nach Aus­schöp­fung aller wis­sen­schaft­li­chen Mit­tel und Quel­len ver­nünf­ti­ge Zwei­fel dar­an, dass das Vor­ha­ben die Erhal­tungs­zie­le nicht beein­träch­ti­gen wird, ist das Pro­jekt gemäß § 34 Abs. 2 BNatSchG unzu­läs­sig [3]. Abwei­chend von Absatz 2 darf ein Pro­jekt gemäß § 34 Abs. 3 bis 5 BNatSchG nur unter strik­ter Wah­rung der dort beschrie­be­nen, eng aus­zu­le­gen­den Vor­aus­set­zun­gen [4] zuge­las­sen wer­den. Die Zulas­sung im Rah­men des "Abwei­chungs­re­gimes" [5] setzt ihrer­seits vor­aus, dass zuvor eine den Anfor­de­run­gen des § 34 Abs. 1 BNatSchG genü­gen­de Ver­träg­lich­keits­prü­fung durch­ge­führt wur­de, da die­se die Infor­ma­tio­nen ver­mit­telt, derer es bedarf, um das Vor­lie­gen der Aus­nah­me­vor­aus­set­zun­gen fest­zu­stel­len [6]. Wird eine Abwei­chungs­ent­schei­dung nicht getrof­fen oder lie­gen die mate­ri­ell­recht­li­chen Vor­aus­set­zun­gen hier­für nicht vor, ist das Pro­jekt ent­spre­chend der Grund­re­gel des § 34 Abs. 2 BNatSchG natur­schutz­recht­lich unzu­läs­sig. Etwai­ge Män­gel der Ver­träg­lich­keits­prü­fung schla­gen auf die Abwei­chungs­ent­schei­dung durch [7].
Sofern das Pro­jekt einer fach­recht­li­chen Zulas­sung bedarf, bedient sich § 34 BNatSchG die­ses Zulas­sungs­ver­fah­rens als Trä­ger­ver­fah­ren. § 34 BNatSchG unter­schei­det zwi­schen zulas­sungs­be­dürf­ti­gen und nicht zulas­sungs­be­dürf­ti­gen Pro­jek­ten. Für den Fall, dass ein Pro­jekt nach ande­ren fach­recht­li­chen Vor­schrif­ten einer behörd­li­chen Zulas­sungs­ent­schei­dung bedarf und das Natur­schutz­recht zum Prüf­pro­gramm die­ser Ent­schei­dung gehört [8], fin­det die Ver­träg­lich­keits­prü­fung im Rah­men die­ses Zulas­sungs­ver­fah­rens statt ("auf­ge­dräng­te Prü­fung"). Die Ver­träg­lich­keits­prü­fung ist in die­sem Fall ein Ver­fah­rens­schritt inner­halb des die Zulas­sung des Pro­jekts betref­fen­den behörd­li­chen Ent­schei­dungs­pro­zes­ses. Zustän­dig ist die­je­ni­ge Behör­de, die nach den maß­geb­li­chen fach­recht­li­chen Vor­schrif­ten über die Zulas­sung des Pro­jekts zu befin­den hat [9]. Ihr obliegt es, inner­halb des fach­recht­li­chen Trä­ger­ver­fah­rens auch die FFH-Ver­träg­lich­keits­prü­fung vor­zu­neh­men und eine gege­be­nen­falls erfor­der­li­che habi­tat­recht­li­che Abwei­chungs­ent­schei­dung zu tref­fen. Die­se Zustän­dig­keits­kon­zen­tra­ti­on im jewei­li­gen fach­recht­li­chen Trä­ger­ver­fah­ren ist in § 34 BNatSchG zwar nicht aus­drück­lich gere­gelt. Sie ergibt sich jedoch aus § 34 Abs. 6 BNatSchG, wonach für den Fall, dass ein Pro­jekt kei­ner behörd­li­chen Ent­schei­dung oder Anzei­ge bedarf (und auch nicht von einer Behör­de durch­ge­führt wird), ein sub­si­diä­res Anzei­ge­ver­fah­ren bei der für Natur­schutz und Land­schafts­pfle­ge zustän­di­gen Behör­de vor­ge­se­hen ist [10], um auch in die­ser Situa­ti­on ein zur Auf­nah­me der habi­tat­schutz­recht­li­chen Prü­fun­gen geeig­ne­tes Trä­ger­ver­fah­ren ver­füg­bar zu haben.
BVerwG, Urteil vom 17.01.2007 – 9 A 20.05, BVerw­GE 128, 1 Rn. 61 f.; vgl. auch Sto­rost, DVBl 2009, S. 673, 674; Wolf, in: Schla­cke, GK-BNatSchG, 2012, § 34 Rn. 6[↩]
Ewer, in: Lütkes/​Ewer, BNatSchG, 2011, § 34 Rn. 9 ff.; Gel­ler­mann, in: Landmann/​Rohmer, Umwelt­recht Band II, Stand Juni 2012, § 34 BNatSchG Rn. 7[↩]
BVerwG, Urtei­le vom 17.01.2007 a.a.O. und vom 12.03.2008 – 9 A 3.06, BVerw­GE 130, 299 Rn. 67[↩]
EuGH, Urteil vom 20.09.2007 – C‑304/​05, Slg. 2007, I‑7495 Rn. 83 = NuR 2007, 679[↩]
zum Begriff Wolf, a.a.O. § 34 Rn. 13 ff.[↩]
BVerwG, Urteil vom 17.01.2007 a.a.O. Rn. 114[↩]
Ewer, a.a.O. § 34 Rn. 38[↩]
vgl. hier­zu Ewer, a.a.O. § 34 Rn. 80[↩]
all­ge­mei­ne Mei­nung, vgl. z.B. Gel­ler­mann, a.a.O. § 34 Rn. 12 und 46, und Wolf, a.a.O. Rn. 5[↩]
Gel­ler­mann, a.a.O. § 34 Rn. 12; Wolf, a.a.O. § 34 Rn.19[↩]
FFH-Ver­­­trä­g­­li­ch­­keits­­prü­­fung Bei der FFH-Ver­­­trä­g­­li­ch­­keits­­prü­­fung sind die­je­ni­gen cha­rak­te­ris­ti­schen Arten aus­zu­wäh­len, die einen deut­li­chen Vor­kom­mens­schwer­punkt im je­wei­li­gen Le­bens­raum­typ auf­wei­sen bzw. die Er­hal­tung ihrer Po­pu­la­tio­nen muss un­mit­tel­bar an den…
Flora-Fauna-HabitatHabitat-RichtlinieNaturschutzverband