Source: https://www.rechtslupe.de/strafrecht/schwerer-missbrauch-kindern-3124475
Timestamp: 2019-11-13 20:24:08
Document Index: 384521950

Matched Legal Cases: ['§ 184', '§ 184', '§ 184', '§ 176', '§ 184', '§ 323', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 184', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 184', 'BGH', '§ 184', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 184', 'BGH']

Sexueller Missbrauch von Kindern - und das Berühren über der Kleidung - Rechtslupe
Sexueller Missbrauch von Kindern - und das Berühren über der Kleidung
Das blo­ße Berüh­ren des Geschlechts­teils über der Klei­dung ist nicht ohne wei­te­res als sexu­el­le Hand­lung im Sin­ne des § 184h Nr. 1 StGB – zur Tat­zeit noch § 184g Nr. 1 StGB – anzu­se­hen.
Zwar ist in einer sol­chen Hand­lung nach ihrem äuße­ren Erschei­nungs­bild der danach erfor­der­li­che sexu­el­le Bezug zu erken­nen 1; es muss aber auch die inso­weit erfor­der­li­che Erheb­lich­keit fest­ge­stellt wer­den.
Als erheb­lich im Sin­ne von § 184h Nr. 1 StGB sind sol­che sexu­al­be­zo­ge­nen Hand­lun­gen zu wer­ten, die nach Art, Inten­si­tät und Dau­er eine sozi­al nicht mehr hin­nehm­ba­re Beein­träch­ti­gung des im jewei­li­gen Tat­be­stand geschütz­ten Rechts­guts besor­gen las­sen 2.
Zur Fest­stel­lung der Erheb­lich­keit bedarf es einer Gesamt­be­trach­tung aller Umstän­de im Hin­blick auf die Gefähr­lich­keit der Hand­lung für das jeweils betrof­fe­ne Rechts­gut; unter die­sem Gesichts­punkt belang­lo­se Hand­lun­gen schei­den aus 3.
Bei Tat­be­stän­den, die – wie § 176 Abs. 1 StGB – dem Schutz von Kin­dern oder Jugend­li­chen die­nen, sind an das Merk­mal der Erheb­lich­keit gerin­ge­re Anfor­de­run­gen zu stel­len als bei Delik­ten gegen die sexu­el­le Selbst­be­stim­mung Erwach­se­ner 4. Aller­dings rei­chen auch hier kur­ze, flüch­ti­ge oder aus ande­ren Grün­den unbe­deu­ten­de Berüh­run­gen, ins­be­son­de­re des beklei­de­ten Geschlechts­teils, dafür grund­sätz­lich nicht aus 5.
Die Schwel­le zur Erheb­lich­keit kann jedoch über­schrit­ten sein, wenn über die blo­ße kur­ze Berüh­rung hin­aus wei­te­re Umstän­de hin­zu­kom­men, die das Gewicht des Über­grif­fes erhö­hen; dies ist etwa der Fall, wenn der Täter ein sich weh­ren­des 8jähriges Mäd­chen mit der lin­ken Hand fest­hält, mit der rech­ten Hand zwi­schen die Bei­ne des Kin­des fasst und des­sen beklei­de­tes Geschlechts­teil "eini­ge Male strei­chelt" 6, wenn er einem 9jährigen Mäd­chen "mit fes­tem Griff" an das beklei­de­te Geschlechts­teil fasst 7 oder wenn er einen 13jährigen Jun­gen in ein Gebüsch zerrt und ihn, wäh­rend er ihn fest umklam­mert, "an das beklei­de­te Geschlechts­teil fasst" sowie dabei teil­wei­se "fest drückt" 8.
Nach die­sen Maß­stä­ben hielt im hier ent­schie­de­nen Fall die Wer­tung des Land­ge­richts, der Griff an das beklei­de­te Geschlechts­teil stel­le eine erheb­li­che sexu­el­le Hand­lung im Sin­ne von § 184h Nr. 1 StGB dar, recht­li­cher Über­prü­fung nicht stand: Fest­stel­lun­gen zur Inten­si­tät oder Fes­tig­keit des Grif­fes hat die Straf­kam­mer nicht getrof­fen; auch die Art der Beklei­dung (nur leich­te Klei­dung oder ggf. meh­re­re Schich­ten) wird nicht mit­ge­teilt. Hin­sicht­lich der Dau­er der Berüh­rung lässt sich dem Urteil nur ent­neh­men, dass die Straf­kam­mer den Anga­ben der Zeu­gin gefolgt ist, wonach es "nicht so lan­ge" gewe­sen sei, "sie habe das aber gemerkt", sei sich aber nicht sicher gewe­sen, ob der Ange­klag­te sie absicht­lich an der Schei­de ange­fasst habe. Ein spe­zi­fisch sexu­al­be­zo­ge­ner Hand­lungs­rah­men, eine Beein­träch­ti­gung der Fort­be­we­gungs­frei­heit oder ein sonst erheb­li­ches Ein­wir­ken auf das Opfer sind somit nicht fest­ge­stellt. Die kur­ze Berüh­rung des Geschlechts­teils ober­halb der Klei­dung allein ver­mag die Wer­tung des Land­ge­richts, der Ange­klag­te habe damit in einem erheb­li­chen Maße in die geschütz­te unge­stör­te Ent­wick­lung des Kin­des ein­ge­grif­fen und die­se in einem nicht nur unbe­deu­ten­den Maße gefähr­det, nicht zu tra­gen.
Dem­ge­gen­über bejah­te der Bun­des­ge­richts­hof in einem ande­ren Fall eine erheb­li­che sexu­el­le Hand­lung des Ange­klag­ten: Hier­zu hat das Land­ge­richt fest­ge­stellt, dass der Ange­klag­te dem Mäd­chen im Schwimm­bad von unten an die nur mit einem Biki­ni­hös­chen beklei­de­te Schei­de griff, als sich das Mäd­chen in einen Schwimm­ring setz­te. In die­ser Situa­ti­on war das spär­lich beklei­de­te Mäd­chen dem Zugriff des Ange­klag­ten bei ein­ge­schränk­ter Abwehr- oder Flucht­mög­lich­keit aus­ge­lie­fert. Zwar konn­te die Straf­kam­mer auch hier nur eine rela­tiv kur­ze Berüh­rung fest­stel­len, aller­dings war der Griff in die leicht­be­klei­de­te inti­me Kör­per­zo­ne in die­sem Fall so inten­siv und deut­lich spür­bar, dass das Mäd­chen kei­ner­lei Zwei­fel an dem ziel­ge­rich­te­ten Vor­ge­hen des Ange­klag­ten hat­te; sie emp­fand sein Vor­ge­hen als unan­ge­nehm und belas­tend und zog sich wei­nend und zit­ternd in das Bade­zim­mer zurück, als der Ange­klag­te kurz dar­auf zu Besuch in der Woh­nung ihrer Mut­ter erschien. Damit ist hin­rei­chend belegt, dass der Ange­klag­te nicht nur eine belang­lo­se sexu­al­be­zo­ge­ne Hand­lung vor­nahm, son­dern das tat­be­stand­lich geschütz­te Rechts­gut in einer sozi­al nicht mehr hin­nehm­ba­ren Wei­se gefähr­de­te.
Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 16. Mai 2017 – 3 StR 122/​17
Abän­de­rung "alter" Jugend­amts­ur­kun­den über Kin­des­un­ter­halt Für die Abän­de­rung einer Jugend­amts­ur­kun­de über den Kin­des­un­ter­halt ist in Ver­fah­ren, die vor dem 1. Sep­tem­ber 2009 ein­ge­lei­tet wur­den, die Abän­de­rungs­kla­ge nach § 323 Abs.…
vgl. dazu etwa BGH, Urteil vom 24.09.1980 – 3 StR 255/​80, BGHSt 29, 336, 338[↩]
st. Rspr.; vgl. etwa BGH, Urtei­le vom 24.09.1980 – 3 StR 255/​80, BGHSt 29, 336, 338; vom 24.09.1991 – 5 StR 364/​91, NJW 1992, 324; vom 01.12 2011 – 5 StR 417/​11, NStZ 2012, 269, 270; vom 10.03.2016 – 3 StR 437/​15, NJW 2016, 2049[↩]
BGH, Urtei­le vom 03.04.1991 – 2 StR 582/​90, BGHR StGB § 184c Nr. 1 Erheb­lich­keit 4; vom 24.09.1991 – 5 StR 364/​91, NJW 1992, 324 f.; vom 01.12 2011 – 5 StR 417/​11, NStZ 2012, 269, 270; vom 21.09.2016 – 2 StR 558/​15, NStZ-RR 2017, 43, 44[↩]
BGH, Beschluss vom 13.07.1983 – 3 StR 255/​83, NStZ 1983, 553; Urteil vom 21.09.2016 – 2 StR 558/​15, NStZ-RR 2017, 43, 44[↩]
BGH, Beschluss vom 13.07.1983 – 3 StR 255/​83, NStZ 1983, 553; Urtei­le vom 08.02.1989 – 3 StR 546/​88, BGHR StGB § 184c Nr. 1 Erheb­lich­keit 3; vom 03.04.1991 – 2 StR 582/​90, BGHR StGB § 184c Nr. 1 Erheb­lich­keit 4; vom 04.05.2017 – 3 StR 87/​17 9; Beschlüs­se vom 10.09.1998 – 1 StR 476/​98, NStZ 1999, 45; vom 08.09.1999 – 3 StR 357/​99 4; vom 21.09.2005 – 2 StR 311/​05 8; Urteil vom 21.09.2016 – 2 StR 558/​15, NStZ-RR 2017, 43, 44[↩]
BGH, Urteil vom 27.02.1992 – 4 StR 23/​92, BGHSt 38, 212, 213[↩]
BGH, Urteil vom 06.05.1992 – 2 StR 490/​91, BGHR StGB § 184c Nr. 1 Erheb­lich­keit 6[↩]
BGH, Urteil vom 17.11.1999 – 2 StR 453/​99, NStZ-RR 2000, 299[↩]