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Timestamp: 2016-10-28 08:26:06
Document Index: 113981862

Matched Legal Cases: ['Art. 6', 'BGE', 'BGE', 'Art. 44', 'BGE', 'BGE', 'Art. 66', 'Art. 68', 'BGE']

8C_326/2011 (10.08.2011)
8C_326/2011
Die 1949 geborene A.________ bezog Taggelder der Arbeitslosenversicherung und war dadurch bei der Schweizerischen Unfallversicherungsanstalt (SUVA) gegen die Folgen von Unf�llen versichert, als sie am 8. August 2007 einen Autoauffahrunfall erlitt. Die SUVA erbrachte die gesetzlichen Leistungen. Bei der kreis�rztlichen Untersuchung vom 10. August 2009 und mit Schreiben vom 24. September 2009 teilte sie der SUVA mit, dass sie anfangs April 2009 wegen eines Schwindelanfalls auf die rechte Hand gefallen sei und dort seither an Schmerzen leide. Mit Verf�gung vom 12. Januar 2010 und Einspracheentscheid vom 16. Juni 2010 stellte die SUVA ihre Leistungen wegen fehlender Unfallkausalit�t der noch geklagten Beschwerden ein.
Die hiegegen eingereichte Beschwerde wies das Verwaltungsgericht des Kantons Schwyz mit Entscheid vom 23. M�rz 2011 ab.
Mit Beschwerde l�sst A.________ die Aufhebung des vorinstanzlichen Entscheides und weiterhin die Ausrichtung der Leistungen der SUVA beantragen. Eventualiter sei die Angelegenheit zur Sachverhaltsabkl�rung an die SUVA, subeventualiter an die Vorinstanz zur�ckzuweisen. Ferner wird um unentgeltliche Prozessf�hrung und Verbeist�ndung ersucht.
Das kantonale Gericht legte die Bestimmung �ber die Leistungspflicht des obligatorischen Unfallversicherers (Art. 6 Abs. 1 UVG), die Grunds�tze �ber den vorausgesetzten nat�rlichen Kausalzusammenhang (BGE 129 V 177 E. 3.1 S. 181) und zum Beweiswert �rztlicher Berichte (BGE 134 V 231 E. 5.1 S. 232, 125 V 351 E. 3a S. 352) zutreffend dar. Darauf wird verwiesen.
Zu erg�nzen ist, dass bei Entscheiden gest�tzt ausschliesslich auf versicherungsinterne �rztliche Beurteilungen, die im Wesentlichen oder ausschliesslich aus dem Verfahren vor dem Sozialversicherungstr�ger stammen, an die Beweisw�rdigung strenge Anforderungen zu stellen sind: Bestehen auch nur geringe Zweifel an der Zuverl�ssigkeit und Schl�ssigkeit der �rztlichen Feststellungen, ist eine versicherungsexterne medizinische Begutachtung im Verfahren nach Art. 44 ATSG oder ein Gerichtsgutachten anzuordnen (BGE 135 V 465 E. 4 S. 467 ff.; 122 V 157 E. 1d S. 162).
Streitig und zu pr�fen ist die Unfallkausalit�t der Beschwerden an der rechten Hand.
3.1 Die Vorinstanz verneinte eine Unfallkausalit�t mit Verweis auf die Angaben des Kreisarztes Dr. med. G.________ in seinem Bericht vom 16. Dezember 2009, wonach bei einer erheblichen Traumatisierung mit einer strukturellen L�sion eine rasche Zunahme der Arthrose zu erwarten gewesen w�re. Es sei somit von der Pr�misse auszugehen, dass eine traumatische Ursache der Rhizarthrose am rechten Daumensattelgelenk nur dann anzunehmen ist, wenn im Verlauf eine starke Progredienz festgestellt werden k�nne; sei demgegen�ber keine oder nur eine leichte Progredienz ersichtlich, sei eine traumatische Ursache mit �berwiegender Wahrscheinlichkeit ausgeschlossen. Aus den medizinischen Akten ergebe sich, dass w�hrend des gesamten �berblickbaren Zeitraums von knapp zwei Jahren kein rasches Fortschreiten der Rhizarthrose am rechten Daumensattelgelenk zu beobachten gewesen sei. Der Sturz vom 14. April 2009 sei daher mit �berwiegender Wahrscheinlichkeit nicht mehr urs�chlich f�r die Beschwerden an der rechten Hand gewesen. Zudem sei im Februar 2010 auch an der linken Hand eine beginnende Rhizarthrose festgestellt worden, was zus�tzlich die Schlussfolgerung st�tze, dass es sich um eine degenerative, nicht traumabedingte Arthrose handle. Der behandelnde Arzt Dr. med. S.________, Facharzt f�r Orthop�dische Chirurgie FMH und Sportmedizin, �ussere sich weder zu den von ihm festgestellten Befunden noch zur Progredienz seit dem Unfallereignis. Eine retrospektive Beurteilung w�rde ohnehin zu keinen neuen Ergebnissen f�hren.
3.2 Den medizinischen Unterlagen l�sst sich hierzu Folgendes entnehmen: Nach dem Sturz vom 12. April 2009 untersuchte der Hausarzt Dr. med. S.________ die Beschwerdef�hrerin erstmals am 14. April 2010 und hielt deutliche Schmerzen auf der rechten Daumenbasis fest. Nach seinen Angaben ergab die R�ntgenuntersuchung jedoch keine Pathologie. Im Widerspruch dazu f�hrte der Kreisarzt Dr. med. G.________ in seiner Aktenbeurteilung vom 16. Dezember 2009 aus, bereits bei diesem ersten R�ntgen habe sich eine diskrete Rhizarthrose gezeigt. Anl�sslich der MRI-Untersuchung vom 4. November 2009 berichtete Dr. med. F.________ vom Diagnostikzentrum X.________, es seien Zeichen einer aktivierten Daumensattelgelenksarthrose mit radialer Subluxation des Os metatarsale I festgestellt worden. Dr. med. G.________ f�hrte dazu am 16. Dezember 2009 aus, in diesem MRI f�nden sich Hinweise f�r eine Rhizarthrose. Das Verlaufsr�ntgenbild des Daumens f�nf Monate nach dem Ereignis zeige einen unver�nderten Befund. Die Arthrose sei �ber f�nf Monate nicht progredient gewesen, wie das bei einer Instabilit�t als Unfallfolge zu erwarten gewesen w�re. Die Rhizarthrose sei eine epidemiologisch geh�uft auftretende Ver�nderung, sodass die Ver�nderung �berwiegend wahrscheinlich im Rahmen einer Degeneration zu erkl�ren sei. Bei der Untersuchung in der Handchirurgie der Klinik Y.________ vom 8. Februar 2010 wurde eine posttraumatisch aktivierte Daumensattelgelenksarthrose rechts Stadium II nach Eaton diagnostiziert. In einer weiteren Stellungnahme vom 5. Mai 2010 berichtete Dr. med. G.________, bereits 14 Tage nach dem Sturz sei eine Rhizarthrose nachgewiesen worden. Am 19. Oktober 2010 diagnostizierte Dr. med. S.________ eine traumatisch bedingte Rhizarthrose rechts nach dem Sturz und gab an, die aktuelle radiologische Stellungskontrolle habe nun eine fortgesetzte Rhizarthrose ergeben, sodass ein Traumazusammenhang unmittelbar bestehe. Dr. med. G.________ vermerkte am 1. Dezember 2010, aufgrund der neu angefertigten Bilder vom Februar 2010 und Oktober 2010 k�nne f�r diesen Zeitraum keine relevante Zunahme der degenerativen Ver�nderungen nachgewiesen werden. Nachdem die Beschwerdef�hrerin R�ntgenaufnahmen vom 14. April und 18. September 2009 sowie vom 8. Februar 2010 eingereicht hatte, nahm Dr. med. G.________ am 17. Februar 2011 erneut eine Beurteilung vor und gab an, es k�nne keine relevante Ver�nderung in den Aufnahmen festgehalten werden. Die Bilder seien vergleichbar mit den Aufnahmen aus dem Jahr 2010, wie sie bei der letzten Stellungnahme vorgelegen h�tten. Am 28. Februar 2011 nahm Dr. med. S.________ zur Beurteilung von Dr. med. G.________ vom 17. Februar 2011 Stellung und verwies auf die initiale Aufnahme vom 14. April 2009, in der keinerlei arthrotische Ver�nderungen vorgelegen h�tten. Die weiteren Aufnahmen, vor allem im Jahr 2010, h�tten dann doch eine zunehmende arthrotische Ver�nderung gezeigt, sodass grunds�tzlich von einem traumatischen Ereignis als Ursache der Ver�nderungen auszugehen sei.
3.3 Aus den medizinischen Akten ergibt sich im Wesentlichen eine unterschiedliche Beurteilung der Progredienz der Befunde an der rechten Hand anhand der erstellten Bilder zwischen dem behandelnden Arzt Dr. med. S.________ und dem Kreisarzt Dr. med. G.________. Insbesondere die ersten Bilder nach dem Unfall werden unterschiedlich interpretiert. F�r Dr. med. G.________ war bei der Beurteilung der Unfallkausalit�t der progrediente Verlauf nach dem Unfall bzw. dessen Fehlen entscheidend. W�rde der Beurteilung der Bilder durch Dr. med. G.________ gefolgt, lag bereits unmittelbar nach dem Sturz eine Rhizarthrose vor und eine Progredienz w�re zu verneinen. Trifft hingegen die Interpretation der bildgebenden Befunde von Dr. med. S.________ zu, wonach direkt nach dem Unfall noch keine Pathologie erkennbar war, k�nnte ein progredienter Verlauf bejaht werden. Dr. med. S.________ gab bereits vor der ersten Stellungnahme von Dr. med. G.________ an, auf der Aufnahme direkt nach dem Unfall sei keine Pathologie erkennbar und hielt auch nach der abweichenden Einsch�tzung von Dr. med. G.________ daran fest. Die Stellungnahmen von Dr. med. S.________ verm�gen zumindest geringe Zweifel an der Zuverl�ssigkeit und Schl�ssigkeit der Interpretation des versicherungsinternen Arztes Dr. med. G.________ zu begr�nden (vgl. BGE 135 V 465 E. 4 S. 467 ff.). Eine versicherungsexterne medizinische Beurteilung der Kausalit�t erweist sich damit als angezeigt. Da anders als etwa in F�llen, in denen keine medizinischen Unterlagen aus der Vergangenheit existierten, der Verlauf hier bildgebend dokumentiert ist, sind keine Gr�nde gegen eine retrospektive Beurteilung ersichtlich. In teilweiser Gutheissung der Beschwerde ist die Sache daher an die Beschwerdegegnerin zur�ckzuweisen, damit diese die Unfallkausalit�t der Befunde bei einer unabh�ngigen Stelle abkl�ren l�sst.
Die R�ckweisung der Sache an die Verwaltung zu erneuter Abkl�rung (mit noch offenem Ausgang) gilt f�r die Frage der Auferlegung der Gerichtskosten wie auch der Parteientsch�digung als vollst�ndiges Obsiegen im Sinne von Art. 66 Abs. 1 sowie Art. 68 Abs. 1 und 2 BGG, unabh�ngig davon, ob sie beantragt oder ob das entsprechende Begehren im Haupt- oder im Eventualantrag gestellt wird (BGE 132 V 215 E. 6.1 S. 235). Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens sind die Gerichtskosten daher der unterliegenden Beschwerdegegnerin aufzuerlegen. Der obsiegenden, anwaltlich vertretenen Beschwerdef�hrerin steht eine Parteientsch�digung zu. Das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege wird gegenstandslos.
Die Beschwerde wird in dem Sinne teilweise gutgeheissen, dass der Entscheid des Verwaltungsgerichts des Kantons Schwyz vom 23. M�rz 2011 und der Einspracheentscheid der SUVA vom 16. Juni 2010 aufgehoben werden und die Sache an die SUVA zur�ckgewiesen wird, damit sie, nach erfolgter Abkl�rung im Sinne der Erw�gungen, �ber den Leistungsanspruch neu verf�ge. Im �brigen wird die Beschwerde abgewiesen.
Die Beschwerdegegnerin hat die Beschwerdef�hrerin f�r das bundesgerichtliche Verfahren mit Fr. 2'657.10 zu entsch�digen.