Source: http://www.hensche.de/Arbeitsrecht_Urteile_Auschschlussklausel_Mindestentgelt_BAG_5AZR703-15_u.html
Timestamp: 2019-06-24 17:29:16
Document Index: 31451468

Matched Legal Cases: ['§ 2', '§ 9', '§ 13', '§ 134', '§ 22', '§ 4', '§ 22', '§ 305', '§ 306', '§ 306', '§ 306', '§ 307', 'BGH', 'BGH', '§ 92']

BAG, Urteil vom 24.08.2016, 5 AZR 703/15 - HENSCHE Arbeitsrecht
BAG, Ur­teil vom 24.08.2016, 5 AZR 703/15
Schlagworte: Mindestentgelt, Ausschlussfristen
Aktenzeichen: 5 AZR 703/15
Leitsätze: Eine arbeitsvertragliche Verfallklausel, die auch den Anspruch auf das Mindestentgelt nach § 2 PflegeArbbV erfasst, verstößt im Anwendungsbereich dieser Verordnung gegen § 9 Satz 3 iVm. § 13 AEntG und ist insoweit nach § 134 BGB unwirksam.
Vorinstanzen: Arbeitsgericht Braunschweig, Urteil vom 12.09.2014, 3 Ca 253/14
Landesarbeitsgericht Niedersachsen, Urteil vom 17.09.2015, 6 Sa 1328/14
am 24. Au­gust 2016
„§ 22 Aus­schluss­frist bei Gel­tend­ma­chung von Ansprüchen
trag­li­che Aus­schluss­frist ha­be sie nicht ein­hal­ten müssen, die Frist des § 4 Pfle­ge­ArbbV sei ge­wahrt.
richts hat die Kläge­rin am 19. No­vem­ber 2013 ih­ren Ar­beits­platz (erst) ver­las­sen, „nach­dem sie zu­vor ih­ren ar­beits­ver­trag­li­chen Ver­pflich­tun­gen in vol­lem Um­fang nach­ge­kom­men war“. Da­nach ist an die­sem Tag kei­ne Ar­beits­leis­tung we­gen Ar­beits­unfähig­keit der Kläge­rin aus­ge­fal­len. Sie hat kei­nen An­spruch auf Ent­gelt­fort­zah­lung im Krank­heits­fall. Ob das für den Mo­nat No­vem­ber 2013 ge­zahl­te Ent­gelt die am 19. No­vem­ber 2013 noch vor Ar­beits­en­de ge­leis­te­te Ar­beit mit­um­fasst, ist nicht streit­ge­genständ­lich.
135/16 - Rn. 22). Er fällt als An­spruch aus dem Ar­beits­verhält­nis, je­den­falls als sol­cher, der mit dem Ar­beits­verhält­nis in Ver­bin­dung steht, in den An­wen­dungs­be­reich von § 22 Ar­beits­ver­trag.
2014 - 9 AZR 295/13 - Rn. 20, BA­GE 150, 207; 17. März 2016 - 8 AZR 665/14 - Rn. 29; ErfK/Preis 16. Aufl. §§ 305 - 310 BGB Rn. 104; HWK/Gott­hardt/Ro­loff 7. Aufl. § 306 BGB Rn. 4; Bo­nin in Däubler/Bo­nin/Dei­nert AGB-Kon­trol­le im Ar-beits­recht 4. Aufl. § 306 BGB Rn. 18, al­le mwN; krit. Schlewing in Cle­menz/ Kreft/Krau­se AGB - Ar­beits­recht § 306 BGB Rn. 73 ff.).
aa) Gemäß § 307 Abs. 1 Satz 2 BGB kann sich die zur Un­wirk­sam­keit ei­ner All­ge­mei­nen Geschäfts­be­din­gung führen­de un­an­ge­mes­se­ne Be­nach­tei­li­gung aus der man­geln­den Klar­heit und Verständ­lich­keit der Be­din­gung er­ge­ben. Die­ses Trans­pa­renz­ge­bot schließt das Be­stimmt­heits­ge­bot ein. Es müssen die tat­be­stand­li­chen Vor­aus­set­zun­gen und Rechts­fol­gen so ge­nau be­schrie­ben wer­den, dass für den Ver­wen­der kei­ne un­ge­recht­fer­tig­ten Be­ur­tei­lungs­spielräume ent­ste­hen. Der Ver­trags­part­ner des Klau­sel­ver­wen­ders soll oh­ne frem­de Hil­fe Ge­wiss­heit über den In­halt der ver­trag­li­chen Rech­te und Pflich­ten er­lan­gen und nicht von der Durch­set­zung be­ste­hen­der Rech­te ab­ge­hal­ten wer­den (st. Rspr., vgl. et­wa BAG 17. Au­gust 2011 - 5 AZR 406/10 - Rn. 13, BA­GE 139, 44; 21. Ja­nu­ar 2015 - 10 AZR 84/14 - Rn. 33, BA­GE 150, 286). Ei­ne Klau­sel, die die Rechts­la­ge un­zu­tref­fend oder miss­verständ­lich dar­stellt und auf die­se Wei­se dem Ver­wen­der ermöglicht, be­gründe­te Ansprüche un­ter Hin­weis auf die in der Klau­sel ge­trof­fe­ne Re­ge­lung ab­zu­weh­ren, be­nach­tei­ligt den Ver­trags­part­ner ent­ge­gen den Ge­bo­ten von Treu und Glau­ben un­an­ge­mes­sen (BGH 5. Ok­to­ber 2005 - VIII ZR 382/04 - Rn. 23; 25. No­vem­ber 2015 - VIII ZR 360/14 - Rn. 17 mwN, BGHZ 208, 52).
IV. Die Kos­ten­ent­schei­dung folgt aus § 92 Abs. 1 ZPO. 34
Jung­bluth
zur Übersicht 5 AZR 703/15