Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Text=B%201%20KR%2022/12%20R
Timestamp: 2020-01-26 23:30:13
Document Index: 311345350

Matched Legal Cases: ['§ 280', '§ 1', '§ 2', '§ 2', '§ 2', '§ 280', '§ 69', '§ 69', '§ 112', '§ 164', '§ 69', '§ 280', '§ 69', '§ 129', '§ 69', '§ 35', '§ 31', '§ 69', '§ 2', 'Art. 4', '§ 69', '§ 129', '§ 69', '§ 35', '§ 31', '§ 69', '§ 2', '§ 69', '§ 812', '§ 2', '§ 69', '§ 2', '§ 280', '§ 33']

BSG, 12.11.2013 - B 1 KR 22/12 R - dejure.org
https://dejure.org/2013,34203
BSG, 12.11.2013 - B 1 KR 22/12 R (https://dejure.org/2013,34203)
BSG, Entscheidung vom 12.11.2013 - B 1 KR 22/12 R (https://dejure.org/2013,34203)
BSG, Entscheidung vom 12. November 2013 - B 1 KR 22/12 R (https://dejure.org/2013,34203)
Tipp: Um den Kurzlink (hier: https://dejure.org/2013,34203) schnell in die Zwischenablage zu kopieren, können Sie die Tastenkombination Alt + R verwenden - auch ohne diesen Bereich zu öffnen.
Krankenversicherung; Pflichtverletzung eines Krankenhauses gegenüber Krankenkasse; Schadensersatz; keine vertragsärztliche Arzneimittelversorgung während vollstationärer Behandlung
§ 280 Abs 1 BGB vom 02.01.2002, § 1 Abs 1 BPflV 1994 vom 26.09.1994, § 2 Abs 1 S 1 BPflV 1994 vom 26.09.1994, § 2 Abs 2 S 1 BPflV 1994 vom 26.09.1994, § 2 Abs 2 S 2 Nr 2 BPflV 1994 vom 26.09.1994
SG Düsseldorf, 09.12.2010 - S 8 KR 180/07
SG Aachen, 14.10.2013 - S 14 AS 656/13
BSGE 115, 11
Die Möglichkeit einer auch im öffentlich-rechtlichen Vertragsrecht anwendbaren Schadensersatzhaftung (vgl § 280 BGB iVm § 69 Abs. 1 S 3 SGB V und hierzu zB BSGE 115, 11 = SozR 4-2500 § 69 Nr. 9, RdNr 12;… BSGE 110, 104 = SozR 4-1300 § 112 Nr. 1, RdNr 36) macht eine ergänzende Vertragsauslegung nicht entbehrlich.
Waren USt-VAe und -Anmeldungen für die betroffenen Herstellungspauschalen schon vor dem 20.10.2016 bestandskräftig und nicht mehr nach §§ 164, 168 ff AO abänderbar, beruht der Anspruch der Klägerin auf einem Schadensersatzanspruch nach § 69 Abs. 1 S 3 SGB V iVm § 280 Abs. 1 BGB (zu dessen grundsätzlicher Anwendbarkeit vgl BSGE 115, 11 = SozR 4-2500 § 69 Nr. 9, RdNr 9) .
Bei in solcher Weise unwirtschaftlicher Gestaltung erforderlicher Krankenhausbehandlung ist es nicht geboten, zu einem völligen Vergütungsausschluss zu gelangen, wie es bei ihrer Art nach unwirtschaftlichen Leistungsgegenständen grundsätzlich der Fall ist (…vgl zum Vergütungsausschluss zB BSG SozR 4-2500 § 129 Nr. 9 RdNr 25 ff - Retaxierung auf null; zur Verfassungsmäßigkeit BVerfG Beschluss vom 7.5.2014 - 1 BvR 3571/13, 1 BvR 3572/13, Juris; BSG Urteil vom 12.11.2013 - B 1 KR 22/12 R - zur Veröffentlichung vorgesehen in BSGE und SozR 4-2500 § 69 Nr. 9;… vgl zur Regelungskonzeption auch BSGE 107, 287 = SozR 4-2500 § 35 Nr. 4, RdNr 24;… BSGE 95, 132 RdNr 17 = SozR 4-2500 § 31 Nr. 3 RdNr 24 mwN) .
Sie lässt es in diesem ausdrücklich geregelten Ausnahmefall zu, dass neben der vollstationären Krankenhausbehandlung bezüglich der Dialyse vertragsärztliche Behandlung erfolgt (vgl BSGE 115, 11 = SozR 4-2500 § 69 Nr. 9, RdNr 17) .
Denn zu den vom Pflegesatz dieser Krankenhäuser umfassten allgemeinen Krankenhausleistungen gehört generell nicht eine Dialyse (vgl § 2 Abs. 2 S 3 BPflV idF durch Art. 4 Abs. 2 Nr. 3 Buchst b FPG vom 23.4.2002, BGBl I 1412 mWv 1.1.2004 und hierzu BSGE 115, 11 = SozR 4-2500 § 69 Nr. 9, RdNr 17).
Bei unwirtschaftlicher Gestaltung erforderlicher Krankenhausbehandlung ist es nicht stets geboten, zu einem völligen Vergütungsausschluss zu gelangen, wie es bei ihrer Art nach unwirtschaftlichen Leistungsgegenständen grundsätzlich der Fall ist (…vgl zum Vergütungsausschluss zB BSG SozR 4-2500 § 129 Nr. 9 RdNr 25 ff - Retaxierung auf null; zur Verfassungsmäßigkeit BVerfG Beschluss vom 7.5.2014 - 1 BvR 3571/13, 1 BvR 3572/13 - Juris; BSG Urteil vom 12.11.2013 - B 1 KR 22/12 R - zur Veröffentlichung vorgesehen in BSGE und SozR 4-2500 § 69 Nr. 9;… vgl zur Regelungskonzeption auch BSGE 107, 287 = SozR 4-2500 § 35 Nr. 4, RdNr 24;… BSGE 95, 132 RdNr 17 = SozR 4-2500 § 31 Nr. 3 RdNr 24 mwN) .
Das Krankenhaus, das einen Versicherten zur vollstationären Behandlung aufgenommen hat, ist nämlich zu einer umfassenden und einheitlichen Gesamtleistung verpflichtet und darf sich nicht etwa einzelnen Leistungen aus Kostengründen entziehen (vgl BSGE 115, 11 = SozR 4-2500 § 69 Nr. 9, RdNr 16; vgl auch Bofinger/Dietz, KHG, BPflV und Folgerecht, Bd 1, Stand März 2014, BPflV, § 2 Anm II.1; E. Hauck, MedR 2010, 226, 228).
Die den Rechtsverhältnissen zwischen KK und KZÄV einerseits und KZÄV und Vertragszahnarzt andererseits zugrunde liegenden Vorschriften des Vertragszahnarztrechts mit ihren spezifischen Interessenbewertungen regeln abschließend die jeweiligen Leistungsbeziehungen (zum vorrangigen bzw erschöpfenden Charakter der Regelungen über die Leistungsbeziehungen in der GKV vgl auch BSGE 115, 11 = SozR 4-2500 § 69 Nr. 9, RdNr 21;… BSG SozR 4-7610 § 812 Nr. 8 RdNr 26, auch zur Veröffentlichung in BSGE vorgesehen) .
Für allgemeine Krankenhausleistungen dürfen deshalb - von besonders geregelten Ausnahmen abgesehen (…zur Dialyse vgl BSG Urteil vom 19.4.2016 - B 1 KR 34/15 R - SozR 4-5562 § 2 Nr. 1 RdNr 16, 19 ff; BSG Urteil vom 12.11.2013 - B 1 KR 22/12 R - BSGE 115, 11 = SozR 4-2500 § 69 Nr. 9, RdNr 14 f, 17; Degener-Hencke in Dietz/Bofinger, KHEntgG, § 2 S 19, Stand August 2012) - keine anderen oder gar zusätzlichen Entgelte gefordert werden .
Auf die Revision des Beklagten hat das Bundessozialgericht (BSG) die Entscheidung des Senates mit Urteil vom 12.11.2013 (Aktenzeichen: B 1 KR 22/12 R) aufgehoben und den Rechtsstreit zur erneuten Verhandlung und Entscheidung zurückverwiesen.
Wegen der weiteren Einzelheiten wird auf den Inhalt der Gerichts- sowie der Behandlungsakten, der Verwaltungsakten sowie der beigezogenen Streitakten BSG (Aktenzeichen: B 1 KR 22/12 R) und SG Düsseldorf (Aktenzeichen: S 33 KA 187/07) Bezug genommen.
Erforderliche stationäre Behandlung Versicherter in einem zugelassenen Krankenhaus begründet zwischen seinem Träger und der Krankenkasse ein gesetzliches öffentlich-rechtliches Schuldverhältnis, für das § 280 Abs. 1 BGB gilt (vgl. BSG, Urteil vom 12.11.2013, B 1 KR 22/12 R, juris Rn. 11).
Als professionellem Systembeteiligten hätte dem Beklagten jedoch das Verbot vertragsärztlicher Parallelbehandlung bei vollstationärer Krankenhausbehandlung ebenso bekannt sein wie sich die Notwendigkeit aufdrängen müssen, dass es ihm bei Einschaltung Dritter in seine vollstationäre Leistungserbringung obliegt, seine Gesamtverantwortung deutlich zu machen (vgl. BSG, Urteil vom 12.11.2013, a.a.O., Rn. 13).
Eine solche würde im System der gesetzlichen Krankenversicherung die Leistungsbeziehungen und die spezifischen Steuerungsmechanismen missachten (siehe hierzu BSG, Urteil vom 12. November 2013 - B 1 KR 22/12 R -, Rn. 22).
So hat das BSG das Vorliegen einer vom Krankenhaus zu vertretenden Pflichtverletzung für den Fall bejaht, dass ein Krankenhaus bei Einbeziehung Dritter in einen Leistungsfall verschweigt, dass es vollstationär behandelt, sodass der Dritte vertragsärztlich behandelt bzw. verordnet (siehe hierzu BSG, Urteil vom 12. November 2013 - B 1 KR 22/12 R -, Rn. 13).
Indes lässt sich der Gesetzeswortlaut auch dahin verstehen, dass die Hilfsmittelversorgung nur solange Teil der Krankenhausleistung ist, solange das Krankenhaus die vollstationäre Behandlung durchführt (vgl. in diesem Sinne auch BSG, Urteil vom 12. November 2013 - B 1 KR 22/12 R -, Rn. 16 f.).
Besonders zu berücksichtigen ist insoweit nämlich, dass im Rahmen der Hilfsmittelversorgung, anders als im Rahmen der Arzneimittelversorgung, wo die Verordnungen vor der Leistung an den/die Versicherte/n nicht durch die Krankenkassen überprüft werden können und die Apotheken durch die Verordnung selbst zur Abgabe des Medikaments verpflichtet sind und bereits hierdurch der Vergütungsanspruch gegen die Krankenkassen entsteht (vgl. dazu BSG, Urteil vom 12. November 2013 - B 1 KR 22/12 R -, Rn. 19), die Krankenkassen die Möglichkeit (und grundsätzlich auch die Pflicht) haben, das Bestehen des Sachleistungsanspruchs des Versicherten nach § 33 SGB V vor der Versorgung zu prüfen.
SG Osnabrück, 27.02.2017 - S 34 KR 55/15
Verordnen Krankenhausärzte Hilfsmittel wie Orthesen während der Dauer des stationären Aufenthalts und sind die Hilfsmittel auch für den poststationären Aufenthalt erforderlich, so fehlt es für einen Schadensersatzanspruch an der haftungsausfüllenden Kausalität (Abgrenzung zu BSG, Urteil vom 12. November 2013, B 1 KR 22/12 R).
Ein Bereicherungsausgleich scheidet in diesen Fällen aus (Anschluss an BSG, Urteil vom 12. November 2013, B 1 KR 22/12 R).
Vorab sind die hier vorliegenden Fallgestaltungen von dem Sachverhalt aus B 1 KR 22/12 R (Urteil des BSG vom 12. November 2013, juris) abzugrenzen.
Ein Bereicherungsausgleich scheidet nach der Rechtsprechung des BSG (B 1 KR 22/12 R, Rn. 21 ff.) aus.
SG Augsburg, 30.09.2016 - S 10 KR 71/14