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Timestamp: 2018-06-25 11:26:21
Document Index: 383720104

Matched Legal Cases: ['§ 1', '§ 2', '§ 8', '§ 7', '§ 3', '§ 9', '§ 11', '§ 11', '§ 11', '§ 14']

Betreff: SpA 8-10/11
SV Alsenbrück-Langmeil + TTC Sand // Verbandsspielleiter Ber
In dem wegen Täuschung und unerlaubter Spielverlegung eingeleiteten Disziplinarverfahren des SV Alsenbrück-Langmeil e.V., vertreten durch den Vorsitzenden Gerd Haffner, dieser hier vertreten durch den Abteilungsleiter Peter Jäger – Einspruchsführer 1 – und des TTC Sand e.V., vertreten durch den Vorsitzenden Peter Elsner – Einspruchsführer 2 - gegen den Pfälzischen Tischtennis-Verband e.V., vertreten durch den Präsidenten Kurt Sturm, dieser hier vertreten durch den Verbandsspielleiter Bernhard Weber – Einspruchsgegner – hat der Spruchausschuss durch den Vorsitzenden Harz sowie die Beisitzer Eisele und Gerlinger ohne mündliche Verhandlung am 09.05. 2011 folgende Entscheidung getroffen:
1. Die Urteile Nr. 2344, 2345 und 2346 des Einspruchsgegners vom 02.02. 2011 werden aufgehoben.
2. Das Meisterschaftsspiel der 2. Pfalzliga West der Damen zwischen SV Alsenbrück-Langmeil und dem TTC Sand wird gemäß dem erspielten Ausgang mit 8:5 Spielen für den Einspruchsführer 1 als gewonnen gewertet.
3. Der Einspruchsgegner trägt die Kosten des Verfahrens.
Die jeweils erste Damenmannschaft der beiden Einspruchsführer (Ef.) spielten in der Saison 2010/2011 in der 2. Pfalzliga West.
Am 22.01. 2011 stand die Rückrundenbegegnung der beiden Mannschaften auf dem Programm, wobei die Mannschaft des Ef.s 1 Heimrecht genoss. An diesem Tag stand jedoch dem Ef. 1 sein üblicherweise genutztes Spiellokal nicht zur Verfügung, so dass er nach Rücksprache mit dem benachbarten TTC Winnweiler den Gegner dahingehend informierte, dass besagtes Spiel ausnahmsweise im Spiellokal des TTC Winnweiler zur Austragung kommt. Der Einspruchsgegner (Eg.) wurde diesbezüglich nicht benachrichtigt. Die Partie endete schließlich mit einem 8:5 Sieg der Mannschaft des Ef.s 1. Beim Ausfüllen des Spielberichts hatte die Mannschaftsführerin Alsenbrück-Langmeil als Spielort eingetragen.
Am 02.02. 2011 veröffentlichte der Eg. drei Urteile. In den Urteilen Nr. 2345 und 2346 wurde beiden Ef.n eine Geldbuße in Höhe von je EUR 150 wegen vorsätzlicher Täuschung auferlegt. Mit Urteil Nr. 2344 wurde zudem die Begegnung mit 2:0 Punkten und 8:0 Spielen für den Ef. 1 als verloren und für den Ef. 2 als gewonnen gewertet.
Gegen die ihn belastenden Urteile erhob der Ef. 1 per Telefax vom 14.02. 2011 Einspruch. Der Ef. 2 folgte ihm per email vom 16.02. 2011. Einspruchsgebühren in Höhe von jeweils EUR 30 erreichten den PTTV am 21.02. (Ef. 2) und am 02.03. 2011 (Ef. 1).
Der Einspruchsführer 1 trägt vor, dass aufgrund eines Versehens nicht der richtige Spielort angegeben worden sei. Die Mannschaftsführerin habe aus reiner Gewohnheit den üblichen Heimspielort eingetragen und dabei keinesfalls Hintergedanken oder sogar eine Täuschungsabsicht verfolgt. Dies habe man auch bei der Ergebniseingabe im Internet nicht richtig stellen können, da dort der Spielort überhaupt nicht geändert werden könne. Schließlich habe die Mannschaftsführerin sofort und ohne Umschweife gegenüber dem Eg. eingeräumt, dass das Spiel in Winnweiler ausgetragen worden sei, als dieser sie darauf angesprochen habe. Der Ef. 1 meint keinerlei Veranlassung für eine Vertuschung dieses Umstandes gehabt zu haben.
Die Punkteaberkennung sei nicht gerechtfertigt, weil das Spiel exakt zu der amtlich angesetzten Zeit ausgetragen worden sei. Eine gegenüber dem Eg. vorzunehmende Meldepflicht enthalte die Wettspielordnung (WO) in diesen Fällen nicht. Lediglich der Gegner müsse verständigt werden, wenn das eigene Spiellokal ausfällt und in eine andere Austragungsstätte ausgewichen werde.
Der Ef. 2 steht auf dem Standpunkt, dass seitens seiner Mannschaftsführerin nicht getäuscht worden sei, weil hierfür Vorsatz hätte vorliegen müssen. Sie habe den Spielbericht zwar unterschrieben, hierbei aber nicht auf die Ortsangabe geachtet, womit ihr allenfalls Fahrlässigkeit angelastet werden könne. Der Ef. 2 habe den Spiellokalwechsel zur Kenntnis genommen und nicht weiter hinterfragt. Das Spiel sei im Übrigen unter regelgerechten Bedingungen ausgetragen worden, so dass es für den Ef. 2 auch keinen Anlass für eine Täuschung gegeben habe.
Der Einspruchsführer 1 beantragt die Aufhebung der Urteile Nr. 2344 sowie 2345 und ferner wie unter Ziffer 2 des Tenors entschieden.
Der Einspruchsführer 2 beantragt die Aufhebung des Urteils Nr. 2346.
Der Einspruchsgegner begehrt die Abweisung der Einsprüche.
Er trägt lediglich vor, dass dem Ef. 1 schon einige Tage vor dem amtlichen Termin bekannt gewesen sei, dass seine Halle belegt sein würde. Gleichwohl sei die Verlegung ihm gegenüber nicht angezeigt worden.
Die nach § 1, Abs. 2 Rechtsordnung (RechtsO) statthaften Einsprüche sind auch zulässig. Der Eg. trat gemäß § 2 RechtsO als Rechtsorgan auf und ahndete die aus seiner Sicht begangenen Ordnungsverstöße. Aufgrund der Geldbußen wurden beide Ef. offenkundig auch beschwert, wobei der Ef. 1 durch die zusätzliche Punkteaberkennung auch noch einen immateriellen Schaden erlitt, so dass das in § 8 RechtsO geforderte Rechtsschutzbedürfnis zu bejahen ist. Beide Ef. sind zudem gemäß § 7 RechtsO anrufungsberechtigt, weil sie entsprechend § 3, Ziffer 2 PTTV-Satzung Mitglieder des PTTV sind.
Beide Einsprüche erfolgten auch rechtzeitig und deutlich innerhalb der in § 9, Ziffer 2 RechtsO festgelegten Frist, nachdem diese schon 12 und 14 Tage nach der Veröffentlichung der Urteile des Eg.s dem Spruchausschuss vorlagen.
Beide Ef. erfüllten auch die in § 11, Abs. 1 RechtsO, D. Kostenordnung (KostenO) normierte Gebührenpflicht. Hinsichtlich des Ef.s 2 geschah dies zweifelsfrei fristgemäß (§ 11, Abs. 2 RechtsO).
Die Einzahlung durch den Ef. 1 erfolgte gleichfalls rechtzeitig, aber gerade noch innerhalb akzeptabler Frist.
Nach A. 5 Internetordnung gelten die Veröffentlichungen der Verbandsmitarbeiter mit dem nächsten Montag als bekanntgemacht. Die Urteile des Eg.s erschienen am 02.02. im Internet, so dass die Einspruchsfrist erst ab dem 07.02., welcher den darauf folgenden Montag markiert, zu laufen begann und am 28.02. 2011 endete. An genau diesem Tag wurde seitens des Ef.1 die Gebührenüberweisung getätigt, was gemäß § 11, Abs. 2 RechtsO auch ausreichend ist.
§ 14, Abs. 2 und 3 RechtsO war von beiden Ef.n beachtet worden, wenngleich dies seitens des Ef.s 1 erst nach mehrmaliger Aufforderung geschehen war.
Die Einsprüche sind auch begründet.
Der Vorwurf der Täuschung konnte nicht einmal ansatzweise – und schon gar nicht gegenüber dem Ef. 2 – nachgewiesen werden. Demnach besteht für eine Bestrafung nach B. 1 KostenO keine Grundlage.
Wenn der Eg. behauptet, die Ef. haben sich ordnungswidrig verhalten, ist er dafür beweispflichtig. Eine nach B. 1 KostenO verbotswidrige Täuschung kann nur dann vorliegen, wenn der Täuschende vorsätzlich handelt, also bei seinem Gegenüber oder Unbeteiligten zielgerichtet eine Vorstellung hervorruft, die wissentlich nicht mit der Realität übereinstimmt.
Zwar hat die Verantwortliche des Ef. 1 einen falschen Spielort eingetragen. Der Eg. konnte aber kein Indiz und schon gar keinen Beweis dafür erbringen, dass dies vorsätzlich geschehen war. Der Eg. hatte auch nicht dargelegt, weshalb der Ef. 1 diese Täuschung hätte begehen sollen. Vielmehr ist vorstellbar, dass man sich tatsächlich versehentlich verschrieben hatte. Es entspricht der Lebenserfahrung, dass derjenige, der den Spielbericht stets ausfüllt die allgemeinen Angaben routinemäßig niederschreibt und dabei nicht nachdenkt und auch oftmals von Mannschaftskameradinnen, den Gästen oder Zuschauern unterbrochen und abgelenkt wird. Es ist auch zutreffend, dass bei der Ergebniseingabe im Internet der Spielort gar nicht abgefragt wird und Änderungen nicht ohne weiteres zu vermerken sind.
Die Bestrafung des Ef.s 2 erscheint dabei sogar schon als etwas abwegig. Die Mitglieder des Spruchausschusses wissen aus eigener Erfahrung, dass der Mannschaftsführer der Gäste unmittelbar nach Spielende ganz andere Dinge im Kopf hat als die Überprüfung der Zeit- und Ortsangabe im Spielbericht. Regelmäßig wird das Endergebnis und allenfalls noch die Einzelauswertungen der Spieler überprüft. Das Urteil des Eg.s trägt dieser Lebenswirklichkeit nicht Rechnung. Der Spruchausschuss vermisst jegliches Indiz und Motiv, das auf eine Täuschungsabsicht des Ef.s 2 schließen ließe.
Das Urteil des Eg.s bezüglich der Punkteaberkennung war gleichfalls aufzuheben, weil die Voraussetzungen des G. 12.6 WO nicht vorliegen. Zwar ist danach für einen Pfalzligisten ein Heimspiel als verloren zu werten, wenn er ohne Meldung an den Spielleiter ein Spiel verlegt. Nach Ansicht des Spruchausschusses bezieht sich die in dieser Norm gemeinte Verlegung jedoch ausschließlich auf zeitliche Verschiebungen und nicht auf Verlegungen des Spielortes. Dies ergibt sich daraus, dass der gesamte Abschnitt G. 12 mit „Verlegung von Spielterminen“ überschrieben ist. Die Änderung des Spielortes stellt begrifflich ganz eindeutig keine Verlegung eines Spieltermines dar. Die folgenden Vorschriften G. 12.1 bis G. 12.5 WO beziehen sich dann auch erkennbar auf die nur zeitliche Verschiebung eines Meisterschaftsspiels. Eine örtliche Verlegung wird hiervon nicht erfasst. Diese wird in G. 12.7 WO zwar erwähnt, wobei klargestellt wird, dass auch der Ausfall des eigenen Spiellokals keine zeitliche Verlegung rechtfertigt, weil dann der Heimverein verpflichtet ist ein Ausweichlokal zu suchen oder beim Gegner anzutreten, was vom Ef. 1 dann auch ordnungskonform erledigt wurde. Insoweit behandelt auch diese Norm durch eine negative Abgrenzung das Thema der Verlegung eines Spieltermins.
Von einer Verpflichtung auch in diesen Fällen den Eg. vorher in Kenntnis zu setzen, ist gerade nicht die Rede. Gerade weil zuvor in G. 12.6 WO abschließend die Rechtsfolgen bei Verstößen gegen die Benachrichtigungspflicht bei einvernehmlichen zeitlichen Verlegungen geregelt werden, ist daraus zu schließen, dass bei einem Wechsel nur des Spiellokals eine gesonderte Anzeige an den Eg. nicht zu erfolgen braucht. Hätte der Verfasser der WO auch örtliche Verlegungen von der Meldepflicht umfassen wollen, hätte er dies deutlich zum Ausdruck bringen müssen, was auch problemlos mit einem Halbsatz hätte formuliert werden können. Soweit in einer Ordnung Lücken oder Unklarheiten vorhanden sind, gehen diese nach der in der Rechtsprechung angewendeten Unklarheitenregel stets zu Lasten des Verfassers und Verwenders der Ordnung und können nie zum Nachteil der sich nach den Ordnungen sich richtenden Vereine ausgelegt werden.
Ein ordnungswidriges Verhalten des Ef.s 1 kann demzufolge nicht festgestellt werden.