Source: https://www.rechtslupe.de/wirtschaftsrecht/versicherungsrecht/der-ausgleichsanspruch-des-versicherungsvertreters-und-das-grundurteil-398582
Timestamp: 2020-07-09 13:57:52
Document Index: 284982378

Matched Legal Cases: ['§ 304', '§ 89', '§ 287', '§ 89', '§ 89', '§ 89', '§ 287', '§ 89', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH']

Der Ausgleichsanspruch des Versicherungsvertreters - und das Grundurteil | Rechtslupe
Ein Grund­ur­teil kann nach § 304 Abs. 1 ZPO erge­hen, wenn ein Anspruch nach Grund und Betrag strei­tig ist und es nach dem Sach- und Streit­stand zumin­dest wahr­schein­lich ist, dass der Anspruch in irgend­ei­ner Höhe besteht [1].
Die Vor­ab­ent­schei­dung über den Grund des Aus­gleichs­an­spruchs eines Ver­si­che­rungs­ver­tre­ters setzt grund­sätz­lich vor­aus, dass sämt­li­che Vor­aus­set­zun­gen des § 89b Abs. 5 i.V.m. Abs. 1 HGB gege­ben sind [2].
Im Hin­blick auf die für den Ver­si­che­rungs­ver­tre­ter eröff­ne­te Mög­lich­keit, die von den Spit­zen­ver­bän­den der Ver­si­che­rungs­wirt­schaft und des Ver­si­che­rungs­au­ßen­diens­tes ver­ein­bar­ten "Grund­sät­ze zur Errech­nung der Höhe des Aus­gleichs­an­spruchs" [3] als Grund­la­ge für die Schät­zung (§ 287 ZPO) eines Min­dest­aus­gleichs­be­trags her­an­zu­zie­hen [4], gilt dies jedoch nicht unein­ge­schränkt, wenn der Ver­si­che­rungs­ver­tre­ter von die­ser Mög­lich­keit Gebrauch macht.
Aus­weis­lich der Prä­am­beln der "Grund­sät­ze-Sach" (Grund­sät­ze zur Errech­nung der Höhe des Aus­gleichs­an­spruchs [§ 89b HGB]) [5], der "Grund­sät­ze-Leben" (Grund­sät­ze zur Errech­nung der Höhe des Aus­gleichs­an­spruchs [§ 89b HGB] für dyna­mi­sche Lebens­ver­si­che­run­gen) [6] und der "Grund­sät­ze-Kran­ken" (Grund­sät­ze zur Errech­nung der Höhe des Aus­gleichs­an­spruchs [§ 89b HGB] in der pri­va­ten Kran­ken­ver­si­che­rung) [7] bedarf es im Fal­le der Anwen­dung die­ser "Grund­sät­ze" zunächst einer Prü­fung der Fra­ge nicht, ob das Ver­si­che­rungs­un­ter­neh­men auch nach Been­di­gung des Ver­trags­ver­hält­nis­ses erheb­li­che Vor­tei­le hat oder ob die Zah­lung eines Aus­gleichs unter Berück­sich­ti­gung aller Umstän­de der Bil­lig­keit ent­spricht, weil die "Grund­sät­ze" für den Nor­mal­fall davon aus­ge­hen, dass die­se Vor­aus­set­zun­gen vor­lie­gen. Ent­spre­chen­des gilt bei Her­an­zie­hung der "Grund­sät­ze" als Grund­la­ge für die Schät­zung (§ 287 ZPO) eines Min­dest­aus­gleichs­be­trags.
Vor die­sem Hin­ter­grund und im Hin­blick auf die hier von der Ver­si­che­rungs­ge­sell­schaft nach den "Grund­sät­zen" vor­ge­nom­me­ne Berech­nung des "theo­re­ti­schen Aus­gleichs­an­spruchs nach § 89b HGB" zum Stich­tag kön­nen die Vor­aus­set­zun­gen für den Erlass eines Grund­ur­teils mit der Begrün­dung ange­nom­men wer­den, der Ver­si­che­rungs­ver­tre­ter habe mit der Inbe­zug­nah­me auf eine Berech­nung nach den "Grund­sät­zen" jeden­falls dar­ge­tan, dass ihm rech­ne­risch noch ein Zah­lungs­an­spruch gegen die Ver­si­che­rungs­ge­sell­schaft zuste­he.
BGH, Urteil vom 24.04.2014 – VII ZR 164/​13, BGHZ 201, 32 Rn. 27; st. Rspr.[↩]
vgl. BGH, Urteil vom 04.06.1986 – I ZR 161/​84, VersR 1986, 1072 f. 11, m.w.N.[↩]
abge­druckt bei Küstner/​Thume, Hand­buch des gesam­ten Ver­triebs­rechts, Band 2, 9. Aufl., Anhang, S. 933 ff.; im Fol­gen­den: "Grund­sät­ze"[↩]
vgl. BGH, Urteil vom 23.11.2011 – VIII ZR 203/​10, NJW-RR 2012, 674 Rn. 33 ff. = ZVer­triebsR 2012, 110[↩]
abge­druckt bei Küstner/​Thume, aaO, S. 933 ff.[↩]
abge­druckt bei Küstner/​Thume, aaO, S. 939 ff.[↩]
abge­druckt bei Küstner/​Thume, aaO, S. 944 ff.[↩]
287 zpoAusgleichsanspruchGrundurteilVersicherungsvertreter