Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Text=ZIP%202006,%20562
Timestamp: 2019-06-17 23:41:11
Document Index: 344927625

Matched Legal Cases: ['BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 707', '§ 707', 'BGH']

BGH, 23.01.2006 - II ZR 306/04 - dejure.org
https://dejure.org/2006,193
BGH, 23.01.2006 - II ZR 306/04 (https://dejure.org/2006,193)
BGH, Entscheidung vom 23.01.2006 - II ZR 306/04 (https://dejure.org/2006,193)
BGH, Entscheidung vom 23. Januar 2006 - II ZR 306/04 (https://dejure.org/2006,193)
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Begründung nachträglicher Beitragspflichten durch Mehrheitsbeschluss in einer Publikumsgesellschaft
Unwirksame Klausel über Nachschußpflicht in BGB Gesellschaft
Verpflichtung von Gesellschaftern geschlossener Immobilienfonds zur Zahlung von als Nachschuss bezeichneter Geldbeträge; Begründung nachträglicher Beitragspflichten durch Mehrheitsbeschluss in einer Publikumsgesellschaft; Fehlen einer gesellschaftsvertraglichen Obergrenze für Beitragserhöhungen; Anforderungen an die gesellschaftsvertragliche Grundlage einer Nachschussverpflichtung
Nachschusspflicht in Publikums-GbR durch Mehrheitsbeschluss nur bei gesellschaftsvertraglicher Obergrenze oder sonstiger Risikobegrenzung
Nachschußpflicht bei Immobilienfonds; Anlegerschutz
Zur Frage der wirksamen Begründung von Nachschusspflichten durch Mehrheitsbeschluss in einer Publikumsgesellschaft
Voraussetzungen der Festsetzung nachträglicher Beitragspflichten in einer Publikumsgesellschaft
Müssen Nachschüsse immer bezahlt werden?
Keine Nachschusspflicht bei GbR
Nachträgliche Beitragspflichten durch Mehrheitsbeschluss in einer Publikumsgesellschaft
Zweifelsfreie Festlegung der genauen Voraussetzungen ist Wirksamkeitsvoraussetzung einer Nachzahlungspflicht bei Publikums-GbR
Grenze für Nachschusspflicht ist bei Publikumsgesellschaften zuvor festzulegen (IMR 2006, 1083)
AG Berlin-Charlottenburg, 10.08.2004 - 206 C 176/04
LG Berlin, 13.12.2004 - 52 S 298/04
NJW-RR 2006, 827
ZIP 2006, 562
MDR 2006, 937
NZM 2006, 718
WM 2006, 577
BB 2006, 797
BauR 2006, 1951 (Ls.)
NZG 2006, 306
Soweit in der Rechtsprechung des Senats zu nachträglichen Beitragserhöhungen eine eindeutige Regelung im Gesellschaftsvertrag gefordert wird, die Ausmaß und Umfang einer möglichen zusätzlichen Belastung der Gesellschafter erkennen lassen muss (st. Rspr., vgl. nur BGH, Urteil vom 23. Januar 2006 - II ZR 306/04, ZIP 2006, 562 Rn. 18ff.;… Urteil vom 5. März 2007 - II ZR 282/05, ZIP 2007, 766 Rn. 13;… Urteil vom 9. Februar 2009 - II ZR 231/07, ZIP 2009, 864 Rn. 14 f.), geht es nicht um die formelle Legitimation des Beschlusses über die Beitragserhöhung, sondern darum, dass ein Gesellschafter nicht ohne eigene Zustimmung mit zusätzlichen Beitragspflichten belastet werden kann und eine grundsätzlich mögliche antizipierte Zustimmung zu einer nachträglichen Beitragserhöhung durch Mehrheitsbeschluss eine eindeutige gesellschaftsvertragliche Bestimmung voraussetzt, die Ausmaß und Umfang der möglichen zusätzlichen Belastung erkennen lässt.
Anlagen können lediglich zur Erläuterung des schriftsätzlichen Vortrags dienen, diesen aber nie ersetzen (…BGH, Urt. v. 27. September 2001 - V ZB 29/01, BGH-Report 2002, 257; vgl. Sen.Urt. v. 23. Januar 2006 - II ZR 306/04, ZIP 2006, 562, 564).
Vor allem für Mehrheitsentscheidungen über nachträgliche Beitragserhöhungen (…dazu RG aaO) ist, wie allgemein anerkannt, schon wegen des besonderen Charakters einer solchen, nur mit - zumindest antizipiert im Gesellschaftsvertrag erteilter - Zustimmung eines jeden Gesellschafters zulässigen Lastenvermehrung (vgl. § 707 BGB) nach wie vor eine eindeutige entsprechende Legitimationsgrundlage im Gesellschaftsvertrag erforderlich, die auch Ausmaß und Umfang einer möglichen zusätzlichen Belastung der Gesellschafter erkennen lassen muss (vgl. Sen.Urt. v. 23. Januar 2006 - II ZR 306/04 und II ZR 126/04, ZIP 2006, 562 bzw. 754).
Das kann der Senat selbst feststellen, weil der Gesellschaftsvertrag der Klägerin als Publikumsgesellschaft objektiv auszulegen ist (…vgl. zuletzt Sen.Urt. v. 4. Juli 2005 aaO; v. 23. Januar 2006 - II ZR 126/04 aaO Tz. 15 und II ZR 306/04 aaO Tz. 15 m.w.Nachw.).
Im Übrigen ist ein Gesellschafter zur Hinnahme von Eingriffen in seine Mitgliedschaft nur dann verpflichtet, wenn diese im Gesellschaftsinteresse geboten und ihm unter Berücksichtigung seiner eigenen schutzwürdigen Belange zumutbar sind (…Sen.Urt. v. 4. Juli 2005 aaO, 1456 f.; v. 23. Januar 2006 - II ZR 126/04 aaO Tz. 24 und II ZR 306/04 aaO Tz. 24 m.w.Nachw.).
Das erfordert die Angabe einer Obergrenze oder die Festlegung sonstiger Kriterien, die das Erhöhungsrisiko eingrenzen (st.Rspr., s. zuletzt Sen.Urt. v. 23. Januar 2006 - II ZR 126/04 aaO Tz. 20 m.w.Nachw.).
An diese Verpflichtung sind jedoch besonders hohe Anforderungen zu stellen, da ein Gesellschafter grundsätzlich nicht zu neuen Vermögensopfern gezwungen werden kann (st.Rspr., s. zuletzt Sen.Urt. v. 23. Januar 2006 - II ZR 126/04 aaO Tz. 23 f. m.w.Nachw.).
Zwar ist für Mehrheitsentscheidungen über eine nachträgliche Erhöhung der Beitragspflichten im Sinn von § 707 BGB eine entsprechende eindeutige Legitimationsgrundlage im Gesellschaftsvertrag erforderlich, die Ausmaß und Umfang einer möglichen zusätzlichen Belastung der Gesellschafter erkennen lassen muss, weil es sich hierbei um eine antizipierte Zustimmung handelt (st. Rspr., vgl. nur BGH, Urteil vom 23. Januar 2006 - II ZR 306/04, ZIP 2006, 562 Rn. 18 ff.;… Urteil vom 5. März 2007 - II ZR 282/05, ZIP 2007, 766 Rn. 13;… Urteil vom 9. Februar 2009 - II ZR 231/07, ZIP 2009, 864 Rn. 14 f.).