Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Text=MDR%202005,%20206
Timestamp: 2019-03-19 23:56:30
Document Index: 141618337

Matched Legal Cases: ['§ 531', '§ 16', 'BGH', '§ 531', '§ 16', 'BGH', 'BGH', '§ 287', 'BGH', '§ 16', 'BGH', '§ 531', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 287', 'BGH', 'BGH', '§ 531', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 16', '§ 16', '§ 242', '§ 641', '§ 242', '§ 641', '§ 242', 'BGH']

Rechtsprechung: MDR 2005, 206 - dejure.org
Weitere Entscheidung unten: OLG Celle, 13.07.2004
ZPO § 531 Abs. 2 Nr. 1; VOB/B § 16 Nr. 3 Abs. 1
Wiedereröffnung einer mündlichen Verhandlung wegen mangelnder Gelegenheit zur Äußerung zu einem Hinweis einer fehlenden Schlußrechnung im Hinblick auf eine Forderungsabtretung; Berufung der Beklagten auf eine fehlende Prüfbarkeit einer Rechnung als Fälligkeitsvoraussetzung eines Werklohns zwei Monate nach Rechnungszugang als Verstoß gegen Treu und Glauben
Zurückweisung verspäteten Vorbringens im Berufungsverfahren; Fälligkeit der Werklohnforderung nach Ablauf der Prüfungsfrist
Prüfbarkeit der Schlussrechnung muss binnen 2 Monate gerügt werden!
Architekten- und VOB-Bauvertrag: Fälligkeit des Vergütungsanspruchs auch bei nicht prüffähiger Schlussrechnung
VOB-Schlussrechnung: Auftraggeber muss fehlende Prüfbarkeit binnen zwei Monaten rügen! (IBR 2004, 675)
Vortrag im zweiten Rechtszug ist nicht verspätet, wenn er erstinstanzlich nicht erheblich war! (IBR 2005, 63)
VOB-Bauvertrag: Werklohn trotz fehlender prüfbarer Schlussrechnung durchsetzbar? (IBR 2005, 5)
Zusammenfassung von "Anmerkung zur Entscheidung des BGH vom 23.9.04, VII ZR 173/03 (ZPO § 531 Abs. 2 Nr. 1; VOB/B § 16 Nr. 3 Abs. 1)" von RA Christian Schwenker, original erschienen in: ZfIR 2005, 22 - 27.
Zusammenfassung von "Nicht prüfbar und dennoch fällig" von Dr. Stefan Weise, original erschienen in: NJW Spezial 2005, 69 - 70.
NJW-RR 2005, 167
MDR 2005, 206
NZBau 2005, 40
FamRZ 2005, 195 (Ls.)
BauR 2004, 1937
ZfBR 2005, 56
Vielmehr ist nach Sinn und Zweck der Vorschrift die Zulassung des neuen Vorbringens nur dann geboten, wenn die Rechtsansicht des Gerichts den erstinstanzlichen Sachvortrag der Parteien auch beeinflusst hat und daher, ohne dass deswegen ein Verfahrensfehler gegeben wäre, (mit-)ursächlich dafür geworden ist, dass sich Parteivorbringen in das Berufungsverfahren verlagert (…BGH, Urt. v. 19. Februar 2004 - III ZR 147/03, NJW-RR 2004, 927, 928; BGH, Urt. v. 23. September 2004 - VII ZR 173/03, NJW-RR 2005, 167, 168).
Bei ausreichender Grundlage kann der Werklohn gemäß § 287 ZPO geschätzt werden (im Anschluss an BGH, Urteil vom 23. September 2004 - VII ZR 173/03, BauR 2004, 1937).
Der Senat hat mit Urteil vom 23. September 2004 (VII ZR 173/03, BauR 2004, 1937 = ZfBR 2005, 56 = NZBau 2005, 40) entschieden, dass ein Auftraggeber gegen Treu und Glauben verstößt, wenn er Einwendungen gegen die Prüfbarkeit einer Schlussrechnung entgegen § 16 Nr. 3 Satz 1 VOB/B nicht innerhalb einer Frist von zwei Monaten nach Zugang der Schlussrechnung erhebt.
Der Umstand, dass das Aufmaß lediglich auf Schätzungen beruht, schließt nicht aus, dass es eine ausreichende Grundlage für die vorzunehmende Schätzung ist (vgl. BGH, Urteil vom 23. September 2004 - VII ZR 173/03, BauR 2004, 1937 = ZfBR 2005, 56 = NZBau 2005, 40; vom 13. Mai 2004 - VII ZR 424/02, BauR 2004, 1441 = NZBau 2004, 549 = ZfBR 2004, 687).
Die Zulassung neuen Vorbringens nach § 531 Abs. 2 Satz 1 Nr. 1 ZPO setzt aber auch voraus, dass die Rechtsansicht des Gerichts den erstinstanzlichen Sachvortrag der Parteien beeinflusst hat und daher (mit-) ursächlich dafür geworden ist, dass sich Parteivorbringen in das Berufungsverfahren verlagert; dies ist insbesondere der Fall, wenn das erstinstanzliche Gericht durch seine Hinweise die Partei dazu veranlasst hat, keine weiteren Bemühungen zur Vervollständigung des Vortrages zu einem bestimmten Gesichtspunkt mehr zu unternehmen (vgl. BGH, Urteil v. 23.9.2004 - VII ZR 173/03, MDR 2005, 206).
Damit findet die genannte Vorschrift nur unter der ungeschriebenen Voraussetzung Anwendung, dass die Rechtsansicht des Gerichts den erstinstanzlichen Sachvortrag der Partei beeinflusst hat und daher, ohne dass deswegen ein Verfahrensfehler gegeben wäre, (mit-)ursächlich dafür geworden ist, dass sich Parteivorbringen in das Berufungsverfahren verlagert (st. Rspr.; vgl. BGH…, Urteil vom 19. Februar 2004 - III ZR 147/03, aaO; vom 23. September 2004 - VII ZR 173/03, NJW-RR 2005, 167 unter III 2 b aa;… vom 30. Juni 2006 - V ZR 148/05, aaO Rn. 17 mwN;… Beschluss vom 22. Februar 2007 - III ZR 114/06, NJW-RR 2007, 774 Rn. 7;… Senatsurteil vom 29. Juni 2011 - VIII ZR 212/08, NJW 2011, 3361 Rn. 27).
So kann das Gericht eine Partei etwa durch die Erteilung von Hinweisen veranlassen, in erster Instanz von weiterem Vorbringen abzusehen (vgl. BGH, Urteil vom 23. September 2004 - VII ZR 173/03, aaO).
Es findet die Sachprüfung statt, ob die Forderung berechtigt ist (Bestätigung von BGH, Urteil vom 23. September 2004 - VII ZR 173/03, BauR 2004, 1937 = ZfBR 2005, 56 = NZBau 2005, 40).
Die Erwägungen, mit denen der Verstoß gegen Treu und Glauben begründet worden ist, gelten auch für einen Bauvertrag, dem die VOB/B zugrunde liegt (BGH, Urteil vom 23. September 2004 - VII ZR 173/03, BauR 2004, 1937, 1939 = ZfBR 2005, 56 = NZBau 2005, 40).
Die Klage kann dann aufgrund eines Vortrages ganz oder teilweise Erfolg haben, der dem Tatrichter eine ausreichende Grundlage für eine Schätzung nach § 287 ZPO bietet (BGH, Urteil vom 23. September 2004 - VII ZR 173/03, BauR 2004, 1937, 1939 = ZfBR 2005, 56 = NZBau 2005, 40; BGH, Urteil vom 25. September 1967 - VII ZR 46/65, vollständig dokumentiert in Juris, im Umdruck Seite 2).
Das folgt daraus, dass § 531 Abs. 2 Satz 1 Nr. 1 ZPO nur unter der weiteren, ungeschriebenen Voraussetzung Anwendung findet, dass die (objektiv fehlerhafte) Rechtsansicht des Gerichts den erstinstanzlichen Sachvortrag der Partei beeinflusst hat und daher, ohne dass deswegen ein Verfahrensfehler gegeben wäre, mitursächlich dafür geworden ist, dass sich Parteivorbringen in das Berufungsverfahren verlagert (vgl. Senat, BGHZ 158, 295, 302;… BGH, Urt. v. 19. Februar 2004, III ZR 147/03, NJW-RR 2004, 927, 928; Urt. v. 23. September 2004, VII ZR 173/03, NJW-RR 2005, 167, 168).
Es ist deshalb davon auszugehen, dass die Bauherrin und damit auch die Klägerin mit dem Einwand der fehlenden Prüfbarkeit ausgeschlossen ist, so dass die Forderung der Beklagten fällig ist (BGH, Urteil vom 23. September 2004 - VII ZR 173/03, BauR 2004, 1937 = ZfBR 2005, 56 = NZBau 2005, 40).
Dass der Beklagte auf das Fehlen eines Vortrages hierzu - aufgrund des möglicherweise verfehlten aber maßgebenden rechtlichen Standpunkts des Landgerichts - hätte hingewiesen werden müssen (vgl. BGH, Urteile vom 19. Februar 2004 - III ZR 147/03, NJW-RR 2004, 927; vom 23. September 2004 - VII ZR 173/03 z.V.b.), macht die Berufung auch nicht mittelbar geltend.
OLG Koblenz, 04.10.2012 - 2 U 1001/11
Rechtsfolgen des Verstreichens der Prüfungsfrist gemäß § 16 Nr. 3 VOB/B
OLG Düsseldorf, 05.12.2005 - 22 U 74/04
Zweimonatige Prüfungsfrist gemäß § 16 Nr. 3 VOB/B - Ersatzvornahme wegen Mängeln …
OLG Köln, 10.11.2008 - 3 U 37/08
OLG Brandenburg, 24.11.2006 - 11 U 64/06
Sorgfaltspflichtsverletzung eines Mitgesellschafters durch Täuschung über eine …
OLG Celle, 13.07.2004 - 16 U 41/04
Bauvertrag: Folgen der Verweigerung der Überprüfung des Bestehens von Baumängeln
Bauvertrag, Verwirkung, Mitwirkung des Bauherrn
BGB § 242; BGB § 641 Abs. 3
Bauvertrag: Verwirkung des Anspruchs auf Mängelbeseitigung?
Unternehmer darf Mängel nicht besichtigen: Folgen
Sanktionierung eines im Annahmeverzug befindlichen treuwidrig handelnden Gläubigers durch die materiellrechtliche Aberkennung der Gewährleistungsrechte nach § 242 BGB (Bürgerliches Gesetzbuch); Gläubigerverzug durch Verletzung der Mitwirkungspflichten nach dem Werkvertragsrecht; Grob nachlässiger Verstoß gegen die Prozessförderungspflicht durch Verweigerung einer Untersuchung der gerügten Mängel; Anwendbarkeit der Verspätungsvorschriften auf ein nicht anhängiges Rechtsverhältnis
Auftragnehmer darf Mängel nicht besichtigen: Kein Zurückbehaltungsrecht des Auftraggebers! (IBR 2004, 565)
LG Lüneburg, 30.01.2004 - 4 O 250/03
OLG Celle, 24.06.2004 - 16 U 41/04
NJW-RR 2004, 1669
NZBau 2005, 153
BauR 2004, 1669 (Ls.)
BauR 2004, 1948
Im Ansatz zutreffend ist die Kammer davon ausgegangen, dass die Verweigerung der Besichtigung und Beseitigung von Mängeln durch den Auftraggeber als treuwidriges Verhalten dazu führen kann, dass der Auftraggeber aus Gründen von Treu und Glauben daran gehindert ist, seine Gewährleistungsansprüche dem Werklohnanspruch des Auftragnehmers als Einrede des nicht erfüllten Vertrages im Rechtsstreit entgegenzusetzen (vgl. etwa OLG Celle, MDR 2005, 206).
Es liege eine der Entscheidung des OLG Celle vom 13.07.2004 zum Az. 16 U 41/04 vergleichbare Konstellation vor.
Ein geringerer Betrag als der nach § 641 Abs. 3 BGB vorgesehene dreifache Druckzuschlag kommt allenfalls in Ausnahmefällen gemäß § 242 BGB in Betracht, etwa, wenn der Besteller sich mit der Nacherfüllung in Annahmeverzug befindet (vgl. dazu OLG Celle BauR 06, 1316; BGH NJW-RR 04, 1669).