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Timestamp: 2016-10-21 13:07:33
Document Index: 206245440

Matched Legal Cases: ['Art. 64', 'Art. 81', 'BGE', 'Art. 9', 'Art. 56', 'Art. 63', 'Art. 59', 'Art. 64', 'Art. 64', 'Art. 56', 'Art. 56', 'BGE', 'Art. 182', 'Art. 56', 'Art. 183', 'Art. 187', 'Art. 185', 'Art. 183', 'Art. 183', 'Art. 184', 'Art. 185', 'Art. 183', 'Art. 183', 'Art. 187', 'Art. 187', 'Art. 183', 'Art. 184', 'Art. 56', 'BGE', 'Art. 56', 'Art. 9', 'BGE', 'Art. 56', 'Art. 184', 'Art. 183', 'Art. 56', 'Art. 184', 'Art. 183', 'Art. 56', 'Art. 64', 'Art. 56', 'Art. 56', 'Art. 66', 'Art. 64']

6B_265/2015 (03.12.2015)
6B_265/2015 � � Urteil vom 3. Dezember 2015
Staatsanwaltschaft des Kantons St. Gallen, Untersuchungsamt Gossau,�
Verwahrung (Art. 64 Abs. 1 lit. a StGB),
Gegen dieses Urteil erkl�rten sowohl X.________ als auch die Staatsanwaltschaft des Kantons St. Gallen Berufung. Anl�sslich der Berufungsverhandlung vom 8. Mai 2013 wurden X.________ befragt und die Parteivortr�ge angeh�rt. Das Kantonsgericht St. Gallen beschloss, X.________ ein weiteres Mal psychiatrisch begutachten zu lassen.
Nachdem die Parteien zum Gutachten Stellung genommen hatten, fand am 5. Januar 2015 die Urteilsberatung ohne weitere m�ndliche Verhandlung statt. Das Kantonsgericht hob das Urteil des Kreisgerichts auf (Dispositivziffer 1) und sprach X.________ des Mordes schuldig (Dispositivziffer 2). Es verurteilte ihn zu einer Freiheitsstrafe von 18 Jahren unter Anrechnung der Untersuchungs- und Sicherheitshaft von insgesamt 1'382 Tagen (Dispositivziffer 3). Von der Anordnung einer Massnahme beziehungsweise einer Verwahrung sah es ab. Es auferlegte X.________ die Kosten des Untersuchungs- und des erstinstanzlichen Gerichtsverfahrens (Dispositivziffer 7). Die Kosten des Berufungsverfahrens auferlegte es ihm im Umfang von f�nf Sechsteln. Einen Sechstel dieser Kosten nahm es auf den Staat (Dispositivziffer 8).
Die Staatsanwaltschaft beantragt, es sei die Strafsache zur Anordnung der Verwahrung von X.________ an die Vorinstanz zur�ckzuweisen. Dispositivziffer 8 des Entscheids sei aufzuheben, soweit die Kosten dem Staat auferlegt worden seien.
Das Kantonsgericht St. Gallen schliesst in seiner Vernehmlassung auf Abweisung der Beschwerde. X.________ beantragt, auf die Beschwerde der Staatsanwaltschaft sei nicht einzutreten, eventualiter sei sie abzuweisen.
Die Legitimation zur Beschwerde in Strafsachen richtet sich nach Art. 81 BGG. Der Staatsanwaltschaft steht das Beschwerderecht in Strafsachen grunds�tzlich ohne Einschr�nkungen zu (BGE 134 IV 36 E. 1.4; Urteil 6B_950/2013 vom 10. Dezember 2013 E. 3.1). Im Kanton St. Gallen besteht weder eine f�r den ganzen Kanton zust�ndige Oberstaatsanwaltschaft noch eine vergleichbare Beh�rde (vgl. Urteil 6B_949/2013 vom 3. Februar 2014 E. 2.2 mit Hinweis; Art. 9-11 des Einf�hrungsgesetzes des Kantons St. Gallen vom 3. August 2010 zur Schweizerischen Straf- und Jugendstrafprozessordnung; THOMAS HANSJAKOB, in: Organisation der kantonalen und eidgen�ssischen Strafbeh�rden, Arn/Saurer/Kuhn [Hrsg.], 2011, S. 424 N. 22, wonach der Erste Staatsanwalt die Staatsanwaltschaft bloss gegen aussen leitet und der Konferenz der Leitenden Staatsanw�lte und des Leitenden Jugendanwalts vorsteht, diesen gegen�ber aber �ber kein Weisungsrecht verf�gt). Der Leitende Staatsanwalt des Untersuchungsamts Gossau ist befugt, Beschwerde in Strafsachen an das Bundesgericht zu erheben (vgl. Urteil 6B_909/2013 vom 12. Februar 2014 E. 2).
Nicht einzutreten ist auf den Antrag der Beschwerdef�hrerin zum Kostenpunkt. Sie begr�ndet ihren Antrag mit keinem Wort und befasst sich diesbez�glich auch nicht mit den Erw�gungen im angefochtenen Entscheid (S. 31).
3.1.�Die Vorinstanz pr�ft im angefochtenen Entscheid, ob eine vollzugsbegleitende ambulante Massnahme, eine station�re therapeutische Behandlung oder eine Verwahrung �ber den Beschwerdegegner anzuordnen ist (Entscheid, S. 24 ff.). Sie st�tzt sich auf das psychiatrische Gutachten von "Prof. Dr. med. E.________ und Dr. med. F.________" vom 9. Juli 2014, welches sie als rechtsgen�gende Entscheidgrundlage im Sinne von Art. 56 Abs. 3 StGB qualifiziert (Entscheid, S. 24). Gest�tzt auf das Gutachten schliesst die Vorinstanz sowohl therapeutische Massnahmen nach Art. 63 und Art. 59 StGB als auch eine Verwahrung nach Art. 64 Abs. 1 lit. a oder b StGB aus.
3.2.�Die Beschwerdef�hrerin r�gt eine willk�rliche W�rdigung des psychiatrischen Gutachtens vom 9. Juli 2014 durch die Vorinstanz. Die Feststellung im angefochtenen Entscheid (S. 24), im Gutachten seien keine inhaltlichen Widerspr�che auszumachen, sei aktenwidrig und willk�rlich. �berdies erachtet die Beschwerdef�hrerin den Verzicht auf eine Verwahrung nach Art. 64 Abs. 1 lit. a StGB im vorliegenden Fall als bundesrechtswidrig (Beschwerde, S. 6 ff.).
3.3.�Der Beschwerdegegner macht vor Bundesgericht wie zumindest ansatzweise bereits im Verfahren vor Vorinstanz geltend, das Gutachten vom 9. Juli 2014 sei nicht verwertbar. Der ernannte Sachverst�ndige Prof. Dr. med. E.________ habe die Begutachtung nicht pers�nlich vorgenommen, sondern grossmehrheitlich durch eine andere Person, eine "Assistentin", durchf�hren lassen. Eine derartige Delegation bzw. eine solche Team- oder Kollektivbegutachtung sei mit dem konkreten Gutachterauftrag nicht zu vereinbaren. Dieser enthalte keine Erm�chtigung zum Beizug einer weiteren begutachtenden Person oder Hilfsperson. Die Vorinstanz h�tte eine derartige Prozessrechtsverletzung von Amtes wegen feststellen m�ssen (Stellungnahme zur Beschwerde, act. 11, S. 4 ff. mit Hinweis auf kantonale Akten, act. B/65).
4.1.1.�Gutachten sind im Massnahmenrecht nach Art. 56 ff. StGB unabdingbar. Sie werden vom Gesetzgeber und auch vom Bundesgericht in konstanter Praxis als zwingende Entscheidgrundlage bezeichnet, sofern die Indikation einer Massnahme, sei diese therapeutisch oder sichernd, zu beurteilen ist. Art. 56 Abs. 3 StGB schreibt vor, dass sich das Gericht beim Entscheid �ber die Anordnung einer Massnahme nach den Artikeln 59-61, 63 und 64 StGB sowie bei der �nderung der Sanktion nach Artikel 65 StGB auf eine sachverst�ndige Begutachtung st�tzt (BGE 134 IV 246 E. 4, 315 E. 4.3.1). An die Person des Sachverst�ndigen und den Inhalt des Gutachtens werden dabei hohe Anforderungen gestellt. Die in der StPO diesbez�glich enthaltenen Grunds�tze gem�ss Art. 182 ff. StPO gelangen vorbehaltlos zur Anwendung (vgl. MARIANNE HEER, in: Basler Kommentar, Strafrecht, Band I, 3. Aufl. 2013, N. 38 zu Art. 56 StGB).
4.1.2.�Bei der Auftragserteilung stehen die Person des Sachverst�ndigen und das damit verbundene Vertrauen in deren Fachkompetenz und Unabh�ngigkeit im Vordergrund. Wird ein bestimmter Sachverst�ndiger - im Einvernehmen mit den Parteien - bestellt und mit der Begutachtung betraut, hat er den Auftrag grunds�tzlich pers�nlich auszuf�hren (NIKLAUS SCHMID, Schweizerische Strafprozessordnung, Praxiskommentar, 2. Aufl. 2013, N. 1 zu Art. 183 sowie N. 4 zu Art. 187 StPO; ANDREAS DONATSCH, in: Kommentar zur Schweizerischen Strafprozessordnung, Donatsch/Hansjakob/Lieber [Hrsg.], 2. Aufl. 2014, N. 1 zu Art. 185 StPO; MARIANNE HEER, in: Basler Kommentar, Schweizerische Strafprozessordnung, 2. Aufl. 2014, N. 9 zu Art. 183 StPO). Eine Delegation seiner Aufgabe und seiner Verantwortung an Dritte ist nicht zul�ssig (Delegationsverbot). Hingegen ist der bestellte Sachverst�ndige nicht verpflichtet, s�mtliche f�r die Begutachtung notwendigen T�tigkeiten selber vorzunehmen. Er kann f�r untergeordnete Arbeiten Hilfspersonen heranziehen (HERR, a.a.O., N. 8 und 10 zu Art. 183 StPO). Der Sachverst�ndige kann dar�ber hinaus f�r die Ausarbeitung des Gutachtens weitere Personen unter seiner Verantwortung einsetzen (Art. 184 Abs. 2 lit. b StPO; DONATSCH, a.a.O., N. 2 und 3 zu Art. 185 StPO; SCHMID, a.a.O., N. 6 zu Art. 183 StPO). Zu denken ist etwa an den Einsatz eines/einer qualifizierten Mitarbeiters/Mitarbeiterin zur selbst�ndigen Bearbeitung gewisser Teilaspekte des Gutachtens (SCHMID, a.a.O., N. 7 zu Art. 183 StPO). Eine solche Weitergabe der gutachterlichen (Kern-) Aufgaben steht allerdings einerseits unter dem Vorbehalt der Erm�chtigung durch die auftraggebende Strafbeh�rde und ist andererseits im Gutachten transparent zu machen. Funktion sowie Art und Inhalt der Mitwirkung der eingesetzten Personen sind offenzulegen (Art. 187 Abs. 1 StPO; HEER, a.a.O., N. 9 zu Art. 187 sowie N. 11 zu Art. 183 StPO; Schmid, a.a.O., N. 6 zu Art. 184 StPO). An der Pflicht zur pers�nlichen Erstattung des Gutachtens durch den bestellten Sachverst�ndigen und dessen uneingeschr�nkten Gesamtverantwortung f�r den Inhalt des Gutachtens �ndert dies allerdings nichts (siehe zum Ganzen auch Urteil 6B_884/2014 vom 8. April 2015 E. 3.3).
4.1.3.�Inhaltlich hat sich ein Gutachten nach Art. 56 Abs. 3 StGB �ber alle entscheidrelevanten Fragen aus fach�rztlicher Sicht schl�ssig und klar auszusprechen. Es muss insbesondere zur Notwendigkeit und zu den Erfolgsaussichten einer Behandlung des T�ters, Art und Wahrscheinlichkeit weiterer m�glicher Straftaten und zu den M�glichkeiten des Vollzugs der Massnahme Stellung nehmen (so schon BGE 127 IV 1 E. 2a; Urteil des Bundesgerichts 6S.258/2005 vom 24. September 2005 E. 2.3; siehe insbesondere auch HEER, in: Basler Kommentar, Strafrecht, Band I, 3. Aufl. 2013, N. 50 zu Art. 56 StGB).
4.2.�Wie alle Beweismittel sind auch Gutachten grunds�tzlich frei zu w�rdigen. In Fachfragen darf das Gericht allerdings nicht ohne triftige Gr�nde von ihnen abweichen und muss es Abweichungen begr�nden. Das Abstellen auf ein nicht schl�ssiges Gutachten kann Art. 9 BV verletzen, wenn gewichtige, zuverl�ssig begr�ndete Tatsachen oder Indizien die �berzeugungskraft des Gutachtens ernstlich ersch�ttern (BGE 138 III 193 E. 4.3.1; 129 I 49 E. 4; 118 Ia 144 E. 1c; 101 IV 129 E. 3a).
5.1.�Die Vorinstanz st�tzt ihren Entscheid, von einer Massnahme, insbesondere einer Verwahrung, abzusehen, auf das psychiatrische Gutachten von "Prof. Dr. med. E.________ und Dr. med. F.________ " vom 9. Juli 2014 (kantonale Akten, act. B/72, Gutachten). Sie spricht dabei im angefochtenen Entscheid mehrfach von "den Sachverst�ndigen".
5.2.�Im fraglichen Gutachten wird darauf hingewiesen, zur bisherigen Lebensgeschichte des Beschwerdegegners l�gen nur rudiment�re Informationen vor. Dessen Pers�nlichkeit und typische Verhaltensweisen h�tten im Gespr�ch herausgearbeitet werden m�ssen. Dabei sei prim�r klar geworden, dass sich dieser nicht in die Karten blicken lassen wolle. Seine selektiv pr�sentierten Angaben, die zahlreiche Widerspr�che enthielten und deren Wahrheitsgehalt fraglich sei, h�tten trotz entsprechender Bem�hungen nicht objektiviert werden k�nnen. �berpr�fbare Quellen fehlten fast ausnahmslos. Der Interaktionsstil des Beschwerdegegners sei Ausdruck eines zentralen Pers�nlichkeitsmerkmals. Es gehe dem Beschwerdegegner namentlich darum, m�glichst keine Spuren zu hinterlassen, permanent einen m�glichst grossen Spielraum aufrecht zu erhalten und (grossartige) Selbstdarstellungen sowie Interpretationen von - angeblichen - Geschehnissen so zu pr�sentieren, dass sie weder �berpr�ft noch widerlegt werden k�nnten. In seinen Angaben falle weiter auf, dass er Regeln und Gesetzen wenig Bedeutung beimesse, sich im Vergleich zu andern Menschen f�r aussergew�hnlich halte, in der Regel freundlich und kompetent auftrete, jedoch gegen�ber vielen Personen abwertende Gedanken habe und Wut versp�re (Gutachten, S. 104 ff.).
5.3.�Im Wesentlichen vor diesem Hintergrund kommt das Gutachten aufgrund der aktuell vorhandenen Informationen zum Schluss, dass beim Beschwerdegegner eine als dissozial und narzisstisch zu bezeichnende Pers�nlichkeitsakzentuierung vorliege, die Diagnose einer psychiatrischen Erkrankung im engeren Sinn aber nicht gestellt werden k�nne. Das Gutachten f�hrt aus, die Pers�nlichkeitseigenheiten des Beschwerdegegners k�nnten zwar grunds�tzlich Ausdruck einer Pers�nlichkeitsst�rung nach ICD-10 sein (Gutachten, S. 110). Es h�lt in der Folge jedoch fest, dass die diesbez�glichen Eingangskriterien trotz der festgestellten auff�lligen Pers�nlichkeitseigenheiten nicht erf�llt "erscheinen", und weist in diesem Zusammenhang namentlich darauf hin, dass insbesondere eine jahrelange erfolgreiche Arbeitst�tigkeit mit einer Pers�nlichkeitsst�rung nicht vereinbar sei. Daneben seien beim Beschwerdegegner auch eine deutliche Unausgeglichenheit in den Einstellungen und im Verhalten in mehreren Funktionsbereichen nicht erkennbar (Gutachten, S. 110 f.).
5.4.�Die Risikoeinsch�tzung wird im Gutachten anhand von Prognoseinstrumenten, insbesondere FOTRES, im Rahmen einer Einzelfallbeurteilung vorgenommen. Das Risiko f�r ein weiteres T�tungsdelikt sei "moderat bis deutlich". In speziellen Lebenssituationen seien durchaus Gewalt- bis hin zu T�tungsdelikten m�glich. R�ckfallfreiheit sei aber ebenfalls m�glich, weil auch situative Faktoren eine Rolle spielten. Der Beschwerdegegner h�tte das Delikt vermutlich nicht begangen, wenn er sich nicht in einer verzweifelten pers�nlichen Situation befunden oder er die M�glichkeit gehabt h�tte, der provokativ erlebten Konfrontation mit dem Opfer auszuweichen. Die situativen Konstellationen best�nden in einem massiven Kr�nkungserleben, welchem sich der Beschwerdegegner nicht unter Wahrung seines grossartigen Selbstbildes entziehen k�nne. Solche situativen Konstellationen seien nicht so unwahrscheinlich, dass von einem insgesamt geringen R�ckfallrisiko gesprochen werden k�nne. Das Risiko sei gesamthaft geringer als 50%, weil der Beschwerdegegner kein Mensch mit einer prim�ren Gewaltproblematik sei. Er werde voraussichtlich erst in einem fortgeschrittenen Lebensalter aus dem Strafvollzug entlassen. Der unspezifische Alterseffekt sollte tendenziell zus�tzlich risikosenkend wirken. Das Risiko sei aufgrund der grunds�tzlich beg�nstigenden Pers�nlichkeitsdisposition aber gegen�ber dem Risiko der Normalbev�lkerung so deutlich erh�ht, dass von einem relevant ausgepr�gten Risiko f�r die Begehung schwerer Gewaltverbrechen zu sprechen sei, auch wenn langfristige Deliktfreiheit m�glich und sogar wahrscheinlicher sei als einschl�gige R�ckf�lligkeit (Gutachten, S. 119 ff., 133 ff., S. 136).
6.1.�Die Fragen, ob die Vorinstanz das psychiatrische Gutachten vom 9. Juli 2014 in vertretbarer Weise gew�rdigt und gest�tzt darauf zu Recht auf eine Massnahmenanordnung verzichtet hat, k�nnen vorliegend offenbleiben, weil das Gutachten aus den nachstehenden, formellen und inhaltlichen Gr�nden keine rechtsgen�gende Entscheidgrundlage im Sinne von Art. 56 Abs. 3 StGB darstellt.
6.2.1.�Die Verfahrensleitung der Vorinstanz beauftragte am 23. Juli 2013 Prof. Dr. med. E.________ mit der Erstellung eines psychiatrischen Gutachtens (Art. 184 Abs. 1 StPO). Sie richtete ihren Auftrag an den Psychiatrisch-Psychologischen Dienst (PPD) des Amts f�r Justizvollzug des Kantons Z�rich und damit an Prof. Dr. med. E.________ in seiner Eigenschaft und Funktion als Leiter und Chefarzt des PPD Z�rich (vgl. kantonale Akten, Auftragsvergabe, act. B/48). Prof. Dr. med. E.________ nahm den Auftrag indessen nicht in seiner Funktion als Leiter und Chefarzt des PPD an, sondern als privat bzw. nebenberuflich t�tiger Gutachter (vgl. Briefkopf des Gutachtens vom 9. Juli 2014). Dar�ber h�tte er die Verfahrensleitung einschliesslich die Parteien grunds�tzlich aufkl�ren m�ssen. Dass er dies getan h�tte, ist den Akten, soweit ersichtlich, nicht zu entnehmen.
6.2.2.�Das in Auftrag gegebene Gutachten vom 9. Juli 2014 wurde in der Folge zu wesentlichen Teilen, wenn nicht gar �berwiegend, durch Dr. med. F.________ erstellt. Der Beschwerdegegner wurde in insgesamt sechs Gespr�chen vom 26. Februar 2014 (120 Min.), vom 19. M�rz 2014 (10 Min.), vom 9. April 2014 (60 Min.), vom 23. April 2014 (150 Min.), vom 1. Mai 2014 (90 und 150 Min.) sowie vom 21. Mai 2014 (80 Min.) im Umfang von insgesamt 11 Stunden untersucht (Gutachten, S. 3). Die Exploration erfolgte zur Hauptsache alleine durch Dr. med. F.________. Prof. Dr. med. E.________ wirkte nur an den Gespr�chen vom 9. April 2014 (60 Min.) und vom 21. Mai 2014 (80 Min.) mit bzw. explorierte den Beschwerdef�hrer nur bei dieser Gelegenheit. Im Gutachten heisst es denn auch, Dr. med. F.________ habe - "allerdings durchgehend unter supervisorischer Kontrolle des gesamtverantwortlichen Unterzeichners" - "wesentliche Arbeitsschritte weitgehend selbstst�ndig" durchgef�hrt. Das Gutachten sei "in Zusammenarbeit" mit ihr erstellt worden (Gutachen, S. 2). Weiter wird darin festgehalten, das Kantonsgericht habe sie, also Dr. med. F.________ und Prof. Dr. med E.________ ("uns"), mit der Erstellung des Gutachtens beauftragt (Gutachten, S. 1). Unterzeichnet wird es mit "Dr. med. F.________" und "Prof. Dr. med. E.________" (Gutachten, S. 137).
6.2.3.�Die Mitwirkung von Dr. med. F.________ an der Ausarbeitung des Gutachtens geht �ber einen an sich formlos zul�ssigen Einsatz einer blossen Hilfsperson weit hinaus. Dr. med. F.________ hat mit ihrem massgeblichen Beitrag die eigentliche Begutachtung des Beschwerdegegners vorgenommen. Dass im Gutachten darauf hingewiesen wird, Prof. Dr. med. E.________ �bernehme bei Aktenkenntnis und eigenst�ndiger Urteilsbildung die Gesamtverantwortung hierf�r, �ndert daran nichts. Das Gutachten kann nicht mehr als die Expertise des gerichtlich bestellten Sachverst�ndigen Prof. Dr. med. E.________ angesehen werden. Eine Weitergabe der wesentlichen gutachterlichen Aufgaben durch den ernannten Sachverst�ndigen an eine Drittperson, wie sie hier vorliegt, ist mit der pers�nlichen Leistungspflicht des beauftragten Sachverst�ndigen nicht (mehr) vereinbar und ohne ausdr�ckliche vorg�ngige Erm�chtigung durch den Auftraggeber nicht zul�ssig (vorstehend E. 4.1.2). Die in einem solchen Umfang an der Ausarbeitung des Gutachtens beteiligten Personen sind gem�ss den Vorgaben in der StPO durch die auftraggebende Beh�rde vorg�ngig zu erm�chtigen, sollten �berdies - wie der bestellte Sachverst�ndige - im Auftrag genannt werden und sind wie dieser in Pflicht zu nehmen, zumal auch f�r sie Art. 183 Abs. 3 bzw. Art. 56 StPO gelten (SCHMID, a.a.O., N. 7 zu Art. 184 StPO; HEER, N. 9 zu Art. 183 StPO). Diese formalen Anforderungen wurden in Bezug auf Dr. med. F.________ nicht eingehalten (vgl. kantonale Akten, Auftragsvergabe, act. B/48). Das Gutachten leidet insofern an einem wesentlichen Mangel.
6.3.1.�Das Gutachten vom 9. Juli 2014 vermag auch inhaltlich nicht zu �berzeugen. Mit R�cksicht darauf, dass die Begutachtung von Pers�nlichkeitsst�rungen schwierig und die Abgrenzung zwischen Pers�nlichkeitsakzentuierungen und bereits als pathologisch zu bezeichnenden Pers�nlichkeitsauff�lligkeiten problematisch ist (vgl. NORBERT NEDOPIL, Forensische Psychiatrie, 3. Aufl. 2007, Stuttgart, S. 190 Ziff. 12.8.5), fallen die gutachterlichen Ausf�hrungen, mit welchen die Diagnose einer Pers�nlichkeitsst�rung verneint werden, ausserordentlich knapp aus. Das Gutachten gibt zwar die theoretischen Grundlagen bzw. die Eingangskriterien wieder, die nach ICD-10 erf�llt sein m�ssen, um eine Pers�nlichkeitsst�rung zu diagnostizieren (vgl. Gutachten, S. 110 f.). Im Gutachten wird anschliessend jedoch nicht diskutiert, dass und weshalb diese Eingangskriterien gem�ss ICD-10 beim Beschwerdegegner nicht gegeben sein sollen. Die fraglichen Kriterien werden vielmehr ohne jegliche weiterf�hrende Begr�ndung pauschal verneint ("Diese Kriterien erscheinen im Falle des Exploranden trotz der vorstehend genannten Pers�nlichkeitseigenheiten nicht erf�llt"; vgl. Gutachten, S. 110). Eine vertiefte Auseinandersetzung fehlt vollst�ndig. Die gedanklich vorgenommenen Pr�fschritte werden nicht er�rtert. Es ist weder nachvollziehbar noch �berpr�fbar, auf welchem Weg und auf welcher wissenschaftlichen Grundlage die Gutachter zu ihrer abschliessenden Beurteilung gelangen, beim Beschwerdegegner liege keine psychiatrische Erkrankung oder St�rung im engeren Sinn vor. Dar�ber hinaus leidet das Gutachten auch an einem inhaltlichen Widerspruch insofern, als die Gutachter im Zusammenhang mit der pauschalen Verneinung der Eingangskriterien nach ICD-10 anmerken, dass insbesondere "eine jahrelange erfolgreiche Arbeitst�tigkeit mit einer Pers�nlichkeitsst�rung i.d.R. schwer vereinbar sei" (Gutachten, S. 110). Wie die Gutachter auf diese Zuschreibung einer "jahrelangen erfolgreichen Arbeitst�tigkeit" kommen, bleibt unerfindlich, zumal sie im Gutachten selber darauf hinweisen, dass es an gesicherten Daten �ber das Leben des Beschwerdegegners �ber weite Strecken fehlt. Die Beschwerdef�hrerin h�lt in ihrer Beschwerde denn auch zutreffend fest, dass es keinen (einzigen) objektiven und damit verl�sslichen Hinweis auf eine "jahrelange erfolgreiche Arbeitst�tigkeit" des Beschwerdegegners gebe. Was dieser im Zeitraum nach seiner Entlassung aus dem Strafvollzug im Jahre 1994 bis zum 26. M�rz 2011 (Tag seiner Verhaftung im aktuellen Strafverfahren) beruflich gemacht hat, bleibt im Dunkeln. Das Gutachten erweist sich unter diesen Umst�nden als ungen�gend und fehlerhaft.
6.3.2.�Ebenso wenig vermag die gutachterliche Prognoseeinsch�tzung zur R�ckfallgefahr zu �berzeugen. Zusammenfassend sch�tzen die Gutachter das Risiko f�r die Begehung eines weiteren T�tungsdelikts als "moderat bis deutlich" bzw. "gesamthaft geringer als 50%" ein (Gutachten, S. 133 f.). Das konkret angegebene Risikospektrum f�r die Begehung eines weiteren Gewaltverbrechens ist damit gutachterlich sehr weit gefasst, der Spielraum f�r diesbez�gliche m�gliche Interpretationen dementsprechend gross. Das Gutachten erlaubt mit andern Worten sehr unterschiedliche Auslegungen in Bezug auf die H�he der R�ckfallgefahr, je nachdem welche Aspekte der gutachterlichen Gef�hrlichkeits- und Risikobeurteilung als entscheidrelevant in den Vordergrund gestellt werden. So erscheint der vorinstanzliche Standpunkt einer insgesamt nur moderaten R�ckfallgefahr f�r ein weiteres T�tungsdelikt nicht von vornherein als ausgeschlossen, wenn die im Gutachten genannten Umst�nde betont werden, der Beschwerdegegner sei kein Mensch mit einer prim�ren Gewaltproblematik, der Alterseffekt wirke tendenziell zus�tzlich risikosenkend und dessen Lebenssituation d�rfte im Zeitpunkt seiner Entlassung aus dem Strafvollzug eine andere sein (vorstehend E. 5.4; Gutachten, S. 119 ff., 133 ff., S. 136). Werden demgegen�ber die grunds�tzlich deliktsbeg�nstigende Pers�nlichkeitsdisposition des Beschwerdegegners f�r Gewaltdelikte, deren praktische Unver�nderbarkeit und der Umstand, dass die f�r den Deliktsmechanismus situativ bestimmenden Faktoren nicht derart unwahrscheinlich sind, dass sie sich nicht wiederholen k�nnten, als entscheidwesentlich ins Zentrum ger�ckt, erscheint auch die von der Beschwerdef�hrerin vertretene Annahme einer deutlichen R�ckfallgefahr f�r ein weiteres schweres Gewaltverbrechen als nicht unvertretbar (Gutachten, S. 119 ff., 133 ff., S. 136). Erlaubt ein Gutachten in Bezug auf die R�ckfallgefahr betreffend die Begehung einer schweren Gewaltstraftat im Sinne eines T�tungsdelikts aber derart weit auseinander liegende Interpretationen, kann letztlich aus juristischer Sicht nicht mehr von einer hinreichend bestimmten gutacherlichen Entscheidgrundlage im Sinne von Art. 56 Abs. 3 StGB gesprochen werden. Auch wenn die prognostische Risikobeurteilung schwierig ist und sich menschliches Verhalten wohl kaum je abschliessend voraussagen l�sst, hat sich der Sachverst�ndige doch hinreichend fassbar dazu zu �ussern, ob und allenfalls welche Delikte mit wie hoher Wahrscheinlichkeit k�nftig zu erwarten sind (vgl. HEER, in: Basler Kommentar, Strafrecht, Band I, 3. Aufl. 2013, N. 60 ff. sowie 64 ff. zu Art. 64 StGB; eingehend BOETTICHER/KR�BER/M�LLER-ISBERNER ET AL., Mindestanforderungen f�r Prognosegutachten, in: Neue Zeitschrift f�r Strafrecht, NStZ, 26. Jahrgang 2006, S. 537 ff., S. 539). Es bedarf insofern unter Aussch�pfung der Prognosem�glichkeiten einer hinreichend bestimmten Entscheidung �ber die Gef�hrlichkeit eines Betroffenen. Dieser Anforderung wird das Gutachten nicht gerecht.
6.4.�Nach dem Gesagten erweist sich das Gutachten vom 9. Juli 2014 zusammengefasst in verschiedener Hinsicht sowohl formell als auch inhaltlich als mangelhaft. Im Ergebnis bildet es keine rechtsgen�gende Entscheidgrundlage im Sinne von Art. 56 Abs. 3 StGB. F�r die Frage, ob von einer Massnahme bzw. einer Verwahrung abgesehen werden kann oder eine solche anzuordnen ist, kann darauf nicht abgestellt werden.
Die Beschwerde ist damit im Sinne der Erw�gungen gutzuheissen, soweit darauf einzutreten ist. Der angefochtene Entscheid ist aufzuheben und die Angelegenheit ist zur Einholung eines rechtsgen�genden Gutachtens im Sinne von Art. 56 Abs. 3 StGB und zur neuen Entscheidung an die Vorinstanz zur�ckzuweisen. Auf die weiteren Vorbringen der Beschwerdef�hrerin ist nicht einzutreten.
Dem Kanton St. Gallen sind keine Gerichtskosten aufzuerlegen (Art. 66 Abs. 1 und 4 BGG). Das Gesuch des Beschwerdegegners um unentgeltliche Rechtspflege kann bewilligt werden (Art. 64 Abs. 1 und 2 BGG). Die Rechtsvertreterin des Beschwerdegegners, Rechtsanw�ltin Dr. Monika Brenner, ist aus der Bundesgerichtskasse angemessen zu entsch�digen.
Die Beschwerde wird im Sinne der Erw�gungen gutgeheissen, soweit darauf einzutreten ist, der angefochtene Entscheid des Kantonsgerichts St. Gallen vom 8. Mai 2013/5. Januar 2015 aufgehoben und die Angelegenheit zur Einholung eines Gutachtens und zur neuen Entscheidung an die Vorinstanz zur�ckgewiesen.
Das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege wird bewilligt.
Die Rechtsvertreterin des Beschwerdegegners, Rechtsanw�ltin Dr. Monika Brenner, wird aus der Bundesgerichtskasse mit Fr. 3'000.-- entsch�digt.