Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Text=BStBl.%20II%201995,%20264
Timestamp: 2019-11-20 06:41:58
Document Index: 292866568

Matched Legal Cases: ['§ 169', '§ 40', '§ 4', '§ 175', '§ 173', '§ 174', '§ 174', '§ 174', '§ 174', '§ 174', '§ 172', '§ 173']

https://dejure.org/1994,120
BFH, 02.08.1994 - VIII R 65/93 (https://dejure.org/1994,120)
BFH, Entscheidung vom 02.08.1994 - VIII R 65/93 (https://dejure.org/1994,120)
BFH, Entscheidung vom 02. August 1994 - VIII R 65/93 (https://dejure.org/1994,120)
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AO 1977 §§ 169 Abs. 1 Satz 1, Abs. 2 Satz 1 Nr. 2, 173 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2, 174 Abs. 1 Satz 1, Abs. 4 und 5, 175 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2; FGO §§ 40 Abs. 2, 110 Abs. 1; EStG §§ 4 Abs. 4... , 12 Nr. 2, 20 Abs. 1 Nr. 7 (bis 1984 Nr. 8)
Abgabenordnung; Korrekturmöglichkeit der Einkommensbesteuerung des Darlehensgläubigers nach Versagung des Betriebsausgabenabzugs beim Darlehensschuldner
Eine Gerichtsentscheidung ist daher nur dann ein rückwirkendes Ereignis i.S. des § 175 Abs. 1 Nr. 2 AO 1977, wenn sie den Tatbestand, an den das Steuergesetz anknüpft, rückwirkend verändert (BFH-Urteil vom 2. August 1994 VIII R 65/93, BFHE 175, 500, BStBl II 1995, 264, unter 2. a bb, m.w.N.).
Das Unterlassen von Angaben zu einem im Erklärungsvordruck nicht vorgesehenen Punkt spricht jedenfalls im Ausgangspunkt gegen das Vorliegen von grobem Verschulden (BFH-Urteil in BFHE 175, 500, BStBl II 1995, 264 und Klein/Rüsken, AO, 10. Aufl., § 173 Rz 116).
Aus dem Urteil des BFH vom 2. August 1994 VIII R 65/93 (BFHE 175, 500, BStBl II 1995, 264) ergebe sich nichts anderes.
a) Tatsache i.S. der Vorschrift ist alles, was Merkmal oder Teilstück eines gesetzlichen Steuertatbestandes sein kann, also Zustände, Vorgänge, Beziehungen und Eigenschaften materieller oder immaterieller Art, nicht dagegen Schlussfolgerungen, insbesondere nicht juristische Subsumtionen (BFH-Urteile in BFHE 175, 500, BStBl II 1995, 264, …und vom 14. Mai 2003 X R 60/01, BFH/NV 2003, 1144).
Bei Gerichtsentscheidungen ist dementsprechend zwischen den festgestellten, der Entscheidung zugrunde liegenden Tatsachen --die nachträglich bekannt werden können-- und der rechtlichen Beurteilung, die keine Tatsache im dargelegten Sinne ist, zu unterscheiden (vgl. BFH-Urteile in BFHE 175, 500, BStBl II 1995, 264, und in BFH/NV 2003, 1144).
Um Tatsachen und nicht um juristische Wertungen handelt es sich auch dann noch, wenn ein Steuerpflichtiger z.B. unter der Bezeichnung "Kauf" oder "Pacht" ein vorgreifliches Rechtsverhältnis geltend macht und sich später aufgrund nachträglich bekannt gewordener Umstände herausstellt, dass die Wertung des Steuerpflichtigen nicht zutrifft (ständige Rechtsprechung des BFH, vgl. Urteile in BFHE 175, 500, BStBl II 1995, 264, und vom 20. Dezember 1988 VIII R 121/83, BFHE 156, 339, BStBl II 1989, 585, sowie vom 27. Oktober 1992 VIII R 41/89, BFHE 170, 1, BStBl II 1993, 569).
Tatsachen können sich auch dadurch ergeben, dass nachträglich Umstände zum Abschluss und Inhalt von Vereinbarungen unter nahen Angehörigen bekannt werden (BFH-Urteile in BFHE 175, 500, BStBl II 1995, 264, …und vom 14. November 1986 III R 161/82, BFH/NV 1987, 414).
Ein grobes Verschulden seines Steuerberaters ist dem Steuerpflichtigen nach ständiger Rechtsprechung grundsätzlich zuzurechnen (BFH-Urteil in BFHE 175, 500, BStBl II 1995, 264, …und Beschluss vom 10. Dezember 1997 VIII B 17/97, BFH/NV 1998, 1063).
In der Regel liegt grobe Fahrlässigkeit jedoch nicht vor, wenn ein Steuerpflichtiger von der steuerrechtlichen Wirksamkeit einer Vereinbarung unter Familienangehörigen ausgeht, solange ein nach einer Außenprüfung in diesem Zusammenhang geführtes Klageverfahren noch nicht abgeschlossen ist (BFH-Urteil in BFHE 175, 500, BStBl II 1995, 264).
Diese Beurteilung ließe nicht nur außer acht, dass der Betriebsausgabenabzug --wie zu Abschn. II. 1. der Gründe ausgeführt-- an das Vorliegen betrieblich veranlasster Aufwendungen gebunden und diese Voraussetzung im Fall eines steuerrechtlich nicht anzuerkennenden Vertragsverhältnisses auch mit Rücksicht auf den Refinanzierungsaufwand des Vertragspartners nicht gegeben ist (vgl. hierzu Senatsurteil vom 2. August 1994 VIII R 65/93, BFHE 175, 500, BStBl II 1995, 264); darüber hinaus würde diese Beurteilung verkennen, dass sog. Drittaufwand weder als Betriebsausgaben noch als Werbungskosten Berücksichtigung finden kann (vgl. hierzu --sowie zum Begriff des Drittaufwands-- BFH-Beschluss vom 23. August 1999 GrS 2/97, BFHE 189, 160, BStBl II 1999, 782).
a) Der BFH versteht § 174 Abs. 4 Satz 1 AO 1977 in ständiger Rechtsprechung als eine gegenüber den Regelungen des § 174 Abs. 1 bis Abs. 3 AO 1977 eigenständige Änderungsnorm, die nicht auf die Fälle der alternativen Erfassung eines bestimmten Sachverhaltes beschränkt ist (vgl. BFH-Urteile in BFHE 152, 203, BStBl II 1988, 404; vom 2. August 1994 VIII R 65/93, BFHE 175, 500, BStBl II 1995, 264, m. w. N.).
Die in der mehrfachen Erfassung eines bestimmten Sachverhalts liegenden Unrichtigkeiten müssen einander nach materiellem Recht zwingend (denknotwendig) ausschließen (Urteile des Bundesfinanzhofs --BFH-- vom 11. Juli 1991 IV R 52/90, BFHE 165, 449, BStBl II 1992, 126, unter Bezugnahme auf BTDrucks VI/1982, 153; vom 26. Januar 1994 X R 57/89, BFHE 174, 1, BStBl II 1994, 597, unter 1. b;… vom 9. April 2003 X R 38/00, BFH/NV 2003, 1035, jeweils mit Nachweisen der Rechtsprechung und Literatur; vgl. auch BFH-Urteil vom 2. August 1994 VIII R 65/93, BFHE 175, 500, BStBl II 1995, 264, unter 2. a aa;… von Groll in Hübschmann/Hepp/Spitaler, Abgabenordnung-Finanzgerichtsordnung, 10. Aufl., § 174 AO 1977 Rz. 100).
Nach dem BFH-Urteil in BFHE 175, 500, BStBl II 1995, 264 kommt eine Anwendung des § 174 Abs. 1 AO 1977 nicht in Betracht, wenn ein Sachverhalt, z.B. ein Darlehensverhältnis, "einkommensteuerrechtlich mehrfach" --beim Darlehensschuldner steuermindernd und beim Darlehensgläubiger als steuerbarer Zufluss-- "zu berücksichtigen ist".
d) Es kann dahingestellt bleiben, ob die Anwendung des § 174 Abs. 1 AO 1977 bereits deswegen ausscheidet, weil vorliegend ein Sachverhalt --nämlich das Pachtverhältnis-- gewerbesteuerrechtlich mehrfach zu berücksichtigen ist (BFH-Urteil in BFHE 175, 500, BStBl II 1995, 264).
Ohnehin ist Rechtsfortbildung im Regelungsbereich der §§ 172 ff. AO 1977 grundsätzlich ausgeschlossen (Senatsurteile in BFHE 174, 1, BStBl II 1994, 597;… in BFH/NV 1996, 288, unter 1. c; zustimmend BFH-Urteil in BFHE 175, 500, BStBl II 1995, 264;… offen gelassen in BFH-Urteil vom 27. August 1996 IX R 56/94, BFH/NV 1997, 273).
Grobe Fahrlässigkeit liegt vor, wenn ein Steuerpflichtiger die ihm nach seinen persönlichen Fähigkeiten und Verhältnissen zumutbare Sorgfalt in ungewöhnlichem Maße und in nicht entschuldbarer Weise verletzt (ständige Rechtsprechung, BFH-Urteil vom 2. August 1994 VIII R 65/93, BFHE 175, 500, BStBl II 1995, 264, m.w.N.).
Tatsache i.S. des § 173 Abs. 1 Nr. 2 AO 1977 ist alles, was Merkmal oder Teilstück eines gesetzlichen Tatbestands sein kann, also Zustände, Beziehungen u.a. entscheidungsrelevante Vorgänge (ständige Rechtsprechung, vgl. BFH-Urteil vom 2. August 1994 VIII R 65/93, BFHE 175, 500, BStBl II 1995, 264).
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