Source: https://www.rechtslupe.de/steuerrecht/einkommensteuer/einkommensteuer-betrieb/keine-billigkeitsmassnahme-verfassungswidrigkeit-3134125
Timestamp: 2020-07-16 17:09:17
Document Index: 300843020

Matched Legal Cases: ['§ 163', '§ 5', '§ 163', '§ 227', '§ 163', '§ 10', '§ 10', '§ 3', '§ 8', '§ 10', '§ 8', '§ 10', '§ 8', '§ 8', '§ 8', '§ 163', '§ 10', 'Art. 3', '§ 10', '§ 155', '§ 251', '§ 74', '§ 74', '§ 10', '§ 10', 'BGH', '§ 34', '§ 10', '§ 2']

Keine Billigkeitsmaßnahme wegen behaupteter Verfassungswidrigkeit der Mindestbesteuerung | Rechtslupe
Eine für den Steu­er­pflich­ti­gen ungüns­ti­ge Rechts­fol­ge, die der Gesetz­ge­ber bewusst ange­ord­net oder in Kauf genom­men hat, recht­fer­tigt kei­ne Bil­lig­keits­maß­nah­me, weil Bil­lig­keits­maß­nah­men nicht die einem gesetz­li­chen Steu­er­tat­be­stand inne­woh­nen­de Wer­tung des Gesetz­ge­bers gene­rell durch­bre­chen oder kor­ri­gie­ren, son­dern nur einem unge­woll­ten Über­hang des gesetz­li­chen Steu­er­tat­be­stan­des abhel­fen dür­fen.
Der Sanie­rungs­er­lass, der nach dem Beschluss des Gro­ßen Senats des Bun­des­fi­nanz­hofs gegen den Grund­satz der Gesetz­mä­ßig­keit der Ver­wal­tung ver­stößt, ist auch in Alt­fäl­len nicht anzu­wen­den.
Nach § 163 Satz 1 AO kön­nen Steu­ern nied­ri­ger fest­ge­setzt wer­den und ein­zel­ne Besteue­rungs­grund­la­gen, die die Steu­ern erhö­hen, bei der Fest­set­zung der Steu­er unbe­rück­sich­tigt blei­ben, wenn die Erhe­bung der Steu­er nach Lage des ein­zel­nen Falls unbil­lig wäre.
Die Fest­set­zung einer Steu­er ist aus (hier allein strei­ti­gen) sach­li­chen Grün­den unbil­lig, wenn sie zwar dem Wort­laut des Geset­zes ent­spricht, aber den Wer­tun­gen des Geset­zes zuwi­der­läuft [1]. Das setzt vor­aus, dass der Gesetz­ge­ber die Grund­la­gen für die Steu­er­fest­set­zung anders als tat­säch­lich gesche­hen gere­gelt hät­te, wenn er die zu beur­tei­len­de Fra­ge als rege­lungs­be­dürf­tig erkannt hät­te. Eine für den Steu­er­pflich­ti­gen ungüns­ti­ge Rechts­fol­ge, die der Gesetz­ge­ber bewusst ange­ord­net oder in Kauf genom­men hat, recht­fer­tigt dage­gen kei­ne Bil­lig­keits­maß­nah­me [2].
Die Ent­schei­dung über eine Bil­lig­keits­maß­nah­me ist zwar sowohl im Fest­set­zungs- als auch im Erhe­bungs­ver­fah­ren eine Ermes­sens­ent­schei­dung der Finanz­ver­wal­tung (§ 5 AO). Aller­dings han­delt es sich hier­bei nicht um ein vor­aus­set­zungs­lo­ses Ermes­sen. Viel­mehr set­zen die abwei­chen­de Steu­er­fest­set­zung nach § 163 Satz 1 AO und der Erlass nach § 227 AO vor­aus, dass die Erhe­bung bzw. Ein­zie­hung der Steu­er nach Lage des ein­zel­nen Falls unbil­lig wäre. Der Begriff "unbil­lig" ragt in den Ermes­sens­be­reich hin­ein und bestimmt damit zugleich Inhalt und Gren­zen der Ermes­sens­aus­übung [3]. Da das in §§ 163 und 227 AO ver­wen­de­te Merk­mal "unbil­lig" danach ein im gericht­li­chen Ver­fah­ren über­prüf­ba­rer Rechts­be­griff ist, kommt ein die­ses Merk­mal ein­schlie­ßen­des behörd­li­ches Ermes­sen nicht in Betracht [4].
Im hier vom Bun­des­fi­nanz­hof ent­schie­de­nen Fall hat­te daher das erst­in­stanz­lich ange­ru­fe­ne Finanz­ge­richt Köln [5] im Ergeb­nis zutref­fend ange­nom­men, dass die kla­gen­de GmbH kei­ne abwei­chen­de Fest­set­zung aus Bil­lig­keits­grün­den auf­grund des Sanie­rungs­er­las­ses begeh­ren kann.
Dies ergibt sich aller­dings schon dar­aus, dass der Sanie­rungs­er­lass nach dem Beschluss des Gro­ßen Senats des Bun­des­fi­nanz­hofs [6] gegen den Grund­satz der Gesetz­mä­ßig­keit der Ver­wal­tung ver­stößt. Dies gilt nach der Fol­ge­recht­spre­chung des Bun­des­fi­nanz­hofs auch in Alt­fäl­len [7].
Soweit die GmbH gel­tend gemacht hat, die Anwen­dung der Min­dest­be­steue­rung sei in ihrem aty­pi­schen Ein­zel­fall sach­lich unbil­lig, hat das Finanz­ge­richt zu Recht ange­nom­men, dass kei­ne sach­li­che Unbil­lig­keit vor­liegt.
Der Bun­des­fi­nanz­hof geht davon aus, dass ‑anders als das Finanz­amt mög­li­cher­wei­se meint- auf beson­de­re Grün­de des Ein­zel­falls gestütz­te Bil­lig­keits­maß­nah­men [8] auch in Fäl­len der Min­dest­be­steue­rung durch­aus zuläs­sig sind [9]. Eine Bil­lig­keits­maß­nah­me kann gebo­ten sein, wenn ein Gesetz, das in sei­nen gene­ra­li­sie­ren­den Wir­kun­gen ver­fas­sungs­ge­mäß ist, bei der Steu­er­fest­set­zung im Ein­zel­fall zu Grund­rechts­ver­stö­ßen führt [10].
Eine für den Steu­er­pflich­ti­gen ungüns­ti­ge Rechts­fol­ge, die der Gesetz­ge­ber bewusst ange­ord­net oder in Kauf genom­men hat, recht­fer­tigt hin­ge­gen kei­ne Bil­lig­keits­maß­nah­me [11]. Bil­lig­keits­maß­nah­men dür­fen nicht die einem gesetz­li­chen Steu­er­tat­be­stand inne­woh­nen­de Wer­tung des Gesetz­ge­bers gene­rell durch­bre­chen oder kor­ri­gie­ren, son­dern nur einem unge­woll­ten Über­hang des gesetz­li­chen Steu­er­tat­be­stan­des abhel­fen; Här­ten, die dem Besteue­rungs­zweck ent­spre­chen und die der Gesetz­ge­ber bei der Aus­ge­stal­tung eines Tat­be­stan­des bewusst in Kauf genom­men hat, kön­nen Bil­lig­keits­maß­nah­men nicht recht­fer­ti­gen, son­dern sind ggf. durch Kor­rek­tur des Geset­zes zu behe­ben [12].
Vor­lie­gend ist der Umstand, dass der Gewinn der GmbH auf einem For­de­rungs­ver­zicht der Gesell­schaf­ter beruht, kein aty­pi­scher Ein­zel­fall, der ein Abse­hen von der Min­dest­be­steue­rung wegen sach­li­cher Unbil­lig­keit erlaubt.
Nicht aus­ge­gli­che­ne nega­ti­ve Ein­künf­te, die nicht nach § 10d Abs. 1 EStG abge­zo­gen wor­den sind, sind in den fol­gen­den Ver­an­la­gungs­zeit­räu­men bis zu einem Gesamt­be­trag der Ein­künf­te von 1 Mio. EUR unbe­schränkt, dar­über hin­aus bis zu 60 % des 1 Mio. EUR über­stei­gen­den Gesamt­be­trags der Ein­künf­te vor­ran­gig vor Son­der­aus­ga­ben, außer­ge­wöhn­li­chen Belas­tun­gen und sons­ti­gen Abzugs­be­trä­gen abzu­zie­hen (Ver­lust­vor­trag).
Die Annah­me der GmbH, der Gesetz­ge­ber sei bei Ein­füh­rung der Vor­schrift der Auf­fas­sung gewe­sen, die Min­dest­be­steue­rung sol­le nur in bestimm­ten Fäl­len gel­ten, hat weder im Wort­laut noch in der Sys­te­ma­tik Nie­der­schlag gefun­den.
Viel­mehr ist auf der Rechts­fol­gen­sei­te des § 10d Abs. 2 EStG eine Dif­fe­ren­zie­rung nach Ver­lus­t­ur­sa­chen bzw. nach Zusam­men­hän­gen mit der Gewinn­ent­ste­hung nicht vor­ge­se­hen [13].
Soweit die GmbH in die­sem Zusam­men­hang vor­bringt, die Geset­zes­ma­te­ria­li­en lie­ßen aus ihrer Sicht den Schluss zu, dass der Gesetz­ge­ber poten­ti­el­le Pro­blem­la­gen im Bil­lig­keits­we­ge habe behe­ben wol­len, und in die­sem Zusam­men­hang auf die Geset­zes­ma­te­ria­li­en zu § 3 Nr. 66 EStG ver­weist, kön­nen zwar Vor­ar­bei­ten für ein Gesetz unter­stüt­zend ver­wer­tet, die in den Gesetz­ge­bungs­ma­te­ria­li­en doku­men­tier­ten Vor­stel­lun­gen der gesetz­ge­ben­den Instan­zen aber nicht mit dem objek­ti­ven Geset­zes­in­halt gleich­ge­setzt wer­den [14]. Für die Aus­le­gung einer Geset­zes­vor­schrift ist der zum Aus­druck kom­men­de objek­ti­vier­te Wil­le des Gesetz­ge­bers maß­ge­bend, so wie er sich aus dem Geset­zes­wort­laut und dem Sinn­zu­sam­men­hang ergibt, in den die­se hin­ein­ge­stellt ist [15]. Eine Dif­fe­ren­zie­rung zwi­schen ver­schie­de­nen Arten von Ver­lus­ten ist danach nicht zu erken­nen.
Unab­hän­gig davon benennt die GmbH kei­ne kon­kre­te Äuße­rung der gesetz­ge­ben­den Kör­per­schaf­ten, die für eine vom ein­deu­ti­gen Wort­laut abwei­chen­de Aus­le­gung spre­chen könn­te. Sie deu­tet die Geset­zes­ma­te­ria­li­en ledig­lich in ihrem Sin­ne.
Über­dies führt das Vor­brin­gen der GmbH schon des­halb nicht zum Erfolg, weil der Gro­ße Senat des Bun­des­fi­nanz­hofs [16] ent­schie­den hat, dass es nicht in der Kom­pe­tenz der Finanz­ver­wal­tung liegt, ver­meint­lich unschlüs­si­ge Geset­zes­än­de­run­gen durch Bil­lig­keits­maß­nah­men zu kor­ri­gie­ren. Es war und ist vor dem Hin­ter­grund einer beschränk­ten Ver­lust­ver­rech­nung allein Sache des Gesetz­ge­bers, die Auf­he­bung von Pri­vi­le­gie­run­gen (wie z.B. von Sanie­rungs­ge­win­nen) zu über­den­ken oder ‑wie von der GmbH im Ergeb­nis begehrt- eine Pri­vi­le­gie­rung von Buch­ge­win­nen neu zu schaf­fen.
Der Ver­zicht der Gesell­schaf­ter der GmbH hat auch ‑ent­ge­gen der Auf­fas­sung der GmbH- die Leis­tungs­fä­hig­keit der GmbH erhöht, obwohl der GmbH kei­ne Liqui­di­tät zuge­flos­sen ist [17]. Sach­li­che Bil­lig­keits­grün­de sind unab­hän­gig von den wirt­schaft­li­chen Ver­hält­nis­sen des Steu­er­pflich­ti­gen, auf die die GmbH abstellt, zu beur­tei­len [18]. Es liegt des­halb im Fall der GmbH kein aty­pi­scher Aus­nah­me­fall vor, der eine Bil­lig­keits­maß­nah­me wegen sach­li­cher Unbil­lig­keit recht­fer­tig­te. Die Situa­ti­on der GmbH unter­schei­det sich nicht von der ande­rer Steu­er­pflich­ti­ger, bei denen ein For­de­rungs­ver­zicht zu einem Gewinn geführt hat, ohne dass ihnen dadurch Liqui­di­tät zur Beglei­chung der Steu­er zuge­flos­sen wäre, und für die der Gro­ße Senat eine sach­li­che Unbil­lig­keit der Besteue­rung des Gewinns ver­neint hat.
Der wei­te­re Vor­trag der GmbH, sie mache (trotz des aus­drück­li­chen Hin­wei­ses auf § 8c KStG) einen defi­ni­ti­ven Ver­lust­un­ter­gang in Bezug auf das Jahr 2006 nicht gel­tend, son­dern einen sons­ti­gen aty­pi­schen Ein­zel­fall, führt eben­falls zu kei­ner ande­ren Beur­tei­lung; denn wenn eine Bil­lig­keits­maß­nah­me beim Defi­ni­tiv­wer­den eines Ver­lust­ab­zugs­hin­der­nis­ses wegen des Ein­griffs in den Kern­be­reich einer Net­to­er­trags­be­steue­rung aus­ge­schlos­sen ist [19], betrifft die­ser Aus­schluss einer Bil­lig­keits­ent­schei­dung erst recht die Situa­ti­on bei fort­be­stehen­der Ver­lust­ab­zugs­mög­lich­keit [20].
Ob § 10d Abs. 2 EStG i.V.m. § 8 Abs. 1 KStG in Fäl­len nicht liqui­di­täts­wirk­sa­mer Buch­ge­win­ne ver­fas­sungs­wid­rig ist, wie die GmbH in der Revi­si­ons­be­grün­dung umfang­reich dar­legt, ist kei­ne Fra­ge des Bil­lig­keits­ver­fah­rens. Der Fall der GmbH birgt inso­fern kei­ne sin­gu­lä­re Aty­pik, son­dern wirft Fra­gen auf, wel­che die Ver­fas­sungs­mä­ßig­keit des § 10d Abs. 2 EStG i.V.m. § 8 Abs. 1 KStG ins­ge­samt betref­fen. Die Ent­schei­dung sol­cher Fra­gen obliegt nicht dem Finanz­amt im Bil­lig­keits­ver­fah­ren [21].
Das bereits im Lau­fe des Kla­ge­ver­fah­rens gegen­über dem Finanz­ge­richt gel­tend gemach­te wei­te­re Argu­ment der GmbH, der Ver­lust­vor­trag der GmbH sei auf­grund von § 8c KStG im Jahr 2013 teil­wei­se und im Jahr 2014 im ver­blei­ben­den Umfang unter­ge­gan­gen, führt eben­falls zu kei­ner ande­ren Beur­tei­lung.
Die GmbH ist dar­auf hin­zu­wei­sen, dass dies schon des­halb kei­ne Bil­lig­keits­maß­nah­me im Streit­jahr recht­fer­tigt, weil die­ser defi­ni­ti­ve Unter­gang, zu dem das Finanz­ge­richt indes kei­ne nähe­ren Fest­stel­lun­gen getrof­fen hat, nach dem Vor­trag der GmbH auf Anteils­über­tra­gun­gen in den Ver­an­la­gungs­zeit­räu­men 2013 und 2014 beruht. Inso­weit steht es der GmbH frei, sich dage­gen mit Rechts­be­hel­fen zur Wehr zu set­zen, wenn sie den Ver­lust­un­ter­gang für ver­fas­sungs­recht­lich unzu­läs­sig hal­ten soll­te [22], oder bezüg­lich jener Beschei­de Bil­lig­keits­maß­nah­men zu bean­tra­gen, soweit eine sach­li­che oder per­sön­li­che Unbil­lig­keit vor­lie­gen soll­te. Mög­li­cher­wei­se wird auch der Gesetz­ge­ber zuguns­ten der GmbH tätig und ändert § 8c KStG rück­wir­kend [23].
Ohne­hin schei­den aber in Fäl­len der Min­dest­be­steue­rung Bil­lig­keits­maß­nah­men nach § 163 AO zur gene­rel­len Ver­mei­dung von Defi­ni­tiv­ef­fek­ten aus, weil dar­in eine struk­tu­rel­le Geset­zes­kor­rek­tur läge [19]. Soweit die GmbH dage­gen ein­wen­det, die­ses Ver­ständ­nis der Geset­zes­ma­te­ria­li­en sei unhalt­bar, trifft dies nicht zu [24]. Soweit die GmbH gel­tend macht, dies wider­spre­che der Auf­fas­sung des IV. Senats des Bun­des­fi­nanz­hofs, geht auch der IV. Senat des Bun­des­fi­nanz­hofs [25] davon aus, dass eine für den Steu­er­pflich­ti­gen ungüns­ti­ge Rechts­fol­ge, die der Gesetz­ge­ber bewusst ange­ord­net oder in Kauf genom­men hat, kei­ne Bil­lig­keits­maß­nah­me recht­fer­tigt. Der IV. Senat des Bun­des­fi­nanz­hofs hat im Urteil in BFHE 238, 518, BStBl II 2013, 505 eben­falls einen Anspruch auf eine Bil­lig­keits­maß­nah­me ver­neint, obwohl der dor­ti­ge Gewinn auf einem For­de­rungs­ver­zicht beruh­te, durch den der dor­ti­gen GmbH kei­ne Liqui­di­tät zuge­flos­sen war.
Die Fra­ge nach der ‑von der GmbH bezüg­lich § 10d Abs. 2 EStG gel­tend gemach­ten- Ver­fas­sungs­wid­rig­keit eines Geset­zes und der auf sei­ner Grund­la­ge ergan­ge­nen Steu­er­be­schei­de ist kein Gegen­stand des Bil­lig­keits­ver­fah­rens [26]. Im vor­lie­gen­den Ver­fah­ren wegen abwei­chen­der Fest­set­zung aus Bil­lig­keits­grün­den kann des­halb offen­blei­ben, ob und ggf. in wel­chem Umfang der Gleich­heits­satz (Art. 3 Abs. 1 GG) nach dem Grund­satz der Aus­rich­tung der Besteue­rung an der wirt­schaft­li­chen Leis­tungs­fä­hig­keit im Fest­set­zungs­ver­fah­ren gene­rell die Mög­lich­keit eines ver­an­la­gungs­zeit­raum­über­grei­fen­den Ver­lust­ab­zugs i.S. von § 10d EStG erfor­dert [27]. Dies ist vor­lie­gend im ruhen­den Ein­spruchs­ver­fah­ren wegen Kör­per­schaft­steu­er 2006 zu klä­ren. Auf die umfang­rei­chen ver­fas­sungs­recht­li­chen Erwä­gun­gen zur Min­dest­be­steue­rung [28] braucht der Bun­des­fi­nanz­hof des­halb nicht wei­ter ein­zu­ge­hen.
Der sei­tens der GmbH ange­spro­che­nen, nicht erfolg­ten Aus­set­zung des Kla­ge­ver­fah­rens durch das Finanz­ge­richt im Hin­blick auf die Ver­fah­ren 2 BvR 2998/​12 oder 2 BvL 19/​14 bedurf­te es des­halb nicht.
Per­sön­li­che Bil­lig­keits­grün­de hat die GmbH nicht gel­tend gemacht.
Ein Ruhen des Ver­fah­rens nach § 155 FGO i.V.m. § 251 ZPO schei­det aus, weil ein sol­ches Ruhen über­ein­stim­men­de Anträ­ge der Betei­lig­ten vor­aus­setzt [29]. Dar­an fehlt es hier. Das Finanz­amt hat sich auf die Fra­ge des Bun­des­fi­nanz­hofs, ob dem bean­trag­ten Ruhen des Ver­fah­rens zuge­stimmt wird, nicht geäu­ßert.
Der Bun­des­fi­nanz­hof setzt das Ver­fah­ren auch nicht nach § 74 FGO aus.
Nach der Recht­spre­chung des Bun­des­fi­nanz­hofs ist zwar eine Aus­set­zung des Ver­fah­rens nach § 74 FGO u.a. dann gebo­ten, wenn vor dem BVerfG bereits ein nicht als aus­sichts­los erschei­nen­des Mus­ter­ver­fah­ren gegen eine im Streit­fall anzu­wen­den­de Norm anhän­gig ist, zahl­rei­che Par­al­lel­ver­fah­ren vor­lie­gen und kei­ner der Ver­fah­rens­be­tei­lig­ten ein beson­de­res berech­tig­tes Inter­es­se an einer Ent­schei­dung über die Ver­fas­sungs­mä­ßig­keit der umstrit­te­nen gesetz­li­chen Rege­lung trotz des beim Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt anhän­gi­gen Ver­fah­rens hat [30]. Bei offen­sicht­li­cher Aus­sichts­lo­sig­keit des Mus­ter­ver­fah­rens ist eine Aus­set­zung aber nicht gebo­ten [31]. Hier­nach war das Revi­si­ons­ver­fah­ren nicht aus­zu­set­zen. Der Bun­des­fi­nanz­hof hält das der­zeit beim Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt anhän­gi­ge Ver­fah­ren 2 BvR 242/​17 ange­sichts des BVerfG, Beschlus­ses in HFR 2017, 544 für aus­sichts­los.
Bun­des­fi­nanz­hof, Beschluss vom 11. Juli 2018 – XI R 33/​16
vgl. BFH, Urtei­le vom 04.06.2014 – I R 21/​13, BFHE 246, 130, BStBl II 2015, 293, Rz 10; BFH, Beschluss vom 12.07.2017 – VI R 36/​15, BFHE 258, 151, BStBl II 2017, 979[↩]
BFH, Urteil vom 21.09.2016 – I R 65/​14, BFH/​NV 2017, 267, Rz 24; BVerwG, Urteil vom 19.02.2015 – 9 C 10/​14, BVerw­GE 151, 255[↩]
vgl. GmS-OBG, Beschluss vom 19.10.1971 – GmS-OGB 3/​70, BFHE 105, 101, BStBl II 1972, 603[↩]
vgl. BFH, Beschluss vom 28.11.2016 – GrS 1/​15, BFHE 255, 482, BStBl II 2017, 393, Rz 98 ff., 106[↩]
FG Köln, Urteil vom 16.06.2016 – 13 K 984/​11[↩]
BFH (GrS), in BFHE 255, 482, BStBl II 2017, 393[↩]
vgl. BFH, Urtei­le vom 23.08.2017 – I R 52/​14, BFHE 259, 20, BStBl II 2018, 232; – X R 38/​15, BFHE 259, 28, BStBl II 2018, 236; BFH, Beschlüs­se vom 16.04.2018 – X B 13/​18, DStR 2018, 1283; vom 08.05.2018 – VIII B 124/​17, BFH/​NV 2018, 822; a.A. BMF, Schrei­ben vom 29.03.2018 – IV C 6‑S 2140/​13/​10003, BStBl I 2018, 588[↩]
vgl. BFH, Beschluss in BFHE 255, 482, BStBl II 2017, 393, Rz 145[↩]
für die Zuläs­sig­keit von Bil­lig­keits­maß­nah­men auch BFH, Urtei­le vom 20.09.2012 – IV R 36/​10, BFHE 238, 429, BStBl II 2013, 498, Rz 57; – IV R 29/​10, BFHE 238, 518, BStBl II 2013, 505, Rz 21[↩]
BVerfG, Beschluss vom 28.02.2017 1 BvR 1103/​15, HFR 2017, 544, Rz 11, zu § 10a GewStG[↩]
BFH, Urtei­le in BFHE 238, 518, BStBl II 2013, 505, Rz 21; vom 23.07.2013 – VIII R 17/​10, BFHE 242, 134, BStBl II 2013, 820, Rz 12; vom 17.12 2013 – VII R 8/​12, BFHE 244, 184, BFH/​NV 2014, 748, Rz 10, 29 f.[↩]
BVerfG, Beschluss in HFR 2017, 544, Rz 12, zu § 10a GewStG[↩]
BFH, Beschluss vom 26.02.2014 – I R 59/​12, BFHE 246, 27, BStBl II 2014, 1016, Rz 32 und 41[↩]
BVerfG, Beschluss vom 31.03.2016 – 2 BvR 1576/​13, NVwZ-RR 2016, 521, Rz 63, m.w.N.[↩]
stän­di­ge Recht­spre­chung, vgl. BVerfG, Urtei­le vom 21.05.1952 – 2 BvH 2/​52, BVerfGE 1, 299, Rz 56; vom 19.03.2013 – 2 BvR 2628/​10 u.a., BVerfGE 133, 168, Rz 66; BVerfG, Beschluss in NVwZ-RR 2016, 521, Rz 63; BFH, Urtei­le vom 30.09.2015 – II R 13/​14, BFHE 251, 569, BFH/​NV 2016, 362, Rz 14; vom 15.06.2016 – VI R 54/​15, BFHE 254, 319, BStBl II 2016, 1010, Rz 20; Urteil des Bun­des­ge­richts­hofs vom 21.04.2016 – I ZR 198/​13, BGHZ 210, 77, Rz 69[↩]
vgl. BFH (GrS), Beschluss in BFHE 255, 482, BStBl II 2017, 393, Rz 132[↩]
vgl. BFH (GrS), Beschluss in BFHE 255, 482, BStBl II 2017, 393, Rz 114 und 116[↩]
vgl. BFH (GrS), Beschluss in BFHE 255, 482, BStBl II 2017, 393, Rz 119[↩]
vgl. BVerwG, Urteil in BVerw­GE 151, 255, Leit­satz und Rz 16 ff.; BFH, Beschluss in BFHE 246, 27, BStBl II 2014, 1016, Rz 38[↩][↩]
vgl. BFH, Urteil in BFH/​NV 2017, 267, Rz 29[↩]
vgl. BVerfG, Beschluss vom 11.05.2015 – 1 BvR 741/​14, HFR 2015, 882, Rz 15[↩]
vgl. dazu BVerfG, Beschluss vom 29.03.2017 – 2 BvL 6/​11, BStBl II 2017, 1082; FG Ham­burg, Vor­la­ge­be­schluss vom 29.08.2017 – 2 K 245/​17, EFG 2017, 1906, Az. des BVerfG: 2 BvL 19/​17[↩]
vgl. § 34 Abs. 6 KStG i.d.F. des Refe­ren­ten­ent­wurfs eines Jah­res­steu­er­ge­set­zes 2018; s. auch BR-Drs. 372/​18, S. 9, 54 f.[↩]
vgl. BVerfG, Beschluss in HFR 2017, 544, Rz 15 ff.[↩]
BFH, Urteil in BFHE 238, 518, BStBl II 2013, 505, Rz 21[↩]
vgl. BVerfG, Beschluss in HFR 2017, 544, Rz 12, zu § 10a GewStG[↩]
eben­so offen­las­send BVerfG, Beschluss in BStBl II 2017, 1082, Rz 119[↩]
vgl. dazu auch BFH, Beschluss vom 06.09.2006 – XI R 26/​04, BFHE 214, 430, BStBl II 2007, 167, unter B.III., Rz 28 ff., zu § 2 Abs. 3 EStG a.F.[↩]
vgl. BFH, Beschlüs­se vom 22.06.2012 – IX B 52/​12, BFH/​NV 2012, 1619; vom 09.09.2013 – XI B 103/​12, BFH/​NV 2013, 1923, Rz 19; vom 23.08.2016 – V B 32/​16, BFH/​NV 2016, 1757[↩]
vgl. BFH, Beschlüs­se vom 19.09.2007 – XI B 52/​06, BFH/​NV 2008, 63, unter 1.a, Rz 4; vom 27.04.2015 – III B 127/​14, BFHE 249, 519, BStBl II 2015, 901, Rz 7[↩]
vgl. BFH, Urtei­le vom 18.08.2015 – I R 43/​14, BFH/​NV 2016, 232, Rz 23; vom 21.02.2018 – VI R 11/​16, BFHE 260, 507, DStR 2018, 1114, Rz 78, 80[↩]