Source: https://www.grin.com/document/435124
Timestamp: 2019-10-23 14:03:37
Document Index: 312836994

Matched Legal Cases: ['§184', '§ 3', '§ 8', '§ 12', '§ 16', '§ 21', '§ 184', '§ 1']

"Frau Wirtin ist jetzt indiziert". Der Erotika-Verleger Karl ... | Masterarbeit, Hausarbeit, Bachelorarbeit veröffentlichen
2 Karl Schustek – Biographie des Verlegers und Geschichte seines Verlages
2.1 Die Verlagsgründung in Wien und die Emigration im Krieg
2.2 Der Wiederaufbau des Verlagsgeschäfts in Lindau
2.3 Der Umzug nach Hanau am Main
2.4 Das Erotika-Verlagsprogramm im Visier der Staatsanwaltschaft – Der Fall Kamasutram
3 Voraussetzungen für die Indizierung „obszöner“ Literatur in den 1960er Jahren
3.1 Sittengeschichte und Wertewandel in der Gesellschaft
3.1.1 Klima der sexuellen Repression und Doppelmoral als Ausgangslage
3.1.2. Die Entwicklung der „Sexpansion“ ab Mitte des Jahrzehnts
3.2 Das „Gesetz über die Verbreitung jugendgefährdender Schriften“ vom 9. Juni 1953
3.2.1 Inhalt und Aussage des Gesetzes
3.2.2 Die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften
3.2.3 Stimmen der Befürworter und Kritiker
3.2.4 Auswirkungen einer Indizierung für Verlage
4 Die Indizierung des Wirtshaus an der Lahn und des Bonifatius Kiesewet- ters
4.1 Die Geschichte der indizierten Werke – Volkslied oder Jugendgefähr- dung?
4.2 Die Indizierung 1967 durch die Bundesprüfstelle
4.2.1 Schusteks Verteidigungsstrategie: prominente Gutachter
4.2.2 Die Entscheidungen 1830/1831
5 Die Anfechtungsklage Schusteks und die Berufung der Bundesprüfstelle
5.1 Zur Beweisaufnahme: Die Argumentation Karl Schusteks
5.2 Zur Beweisaufnahme: Die Argumentation der Bundesprüfstelle
5.3 Der weitere Verfahrensverlauf
5.4 Endgültiges Urteil des Oberverwaltungsgerichts 1972
6 Die Instrumentalisierung der Presse und des Buchhandels als Werkzeug gegen die Indizierung
6.1 Die Berichterstattung der Medien als kostenlose Werbung
6.2 Die Buchhändler-Rundschreiben als Mittel der Verkaufsförderung
6.3 Herausgabe einer „Image-Broschüre“
Mein Dank gilt jenen, die mich während der Bachelorarbeit auf so vielfältige Weise unterstützt haben. Prof. Dr. Christine Haug, die mich bei der Themenfindung unterstützte, mich auf den Verleger Karl Schustek aufmerksam machte und wichtige Impulse in den Sprechstunden gab. Dr. Johannes Frimmel, der in der Endphase meiner Arbeit neue Anregungen für mich bereit hielt und neue Blickwinkel eröffnete. Frau Sabine Ahmed von der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien, die mir sämtliche relevanten Prozessakten, die sich noch im Archiv der Prüfstelle befinden, schnell und unkompliziert zur Verfügung stellte. Frau Dick von der Nationalbibliothek Frankfurt, die mich dort bei meinem Aufenthalt betreute. Mein besonderer Dank gilt Hermann Staub von der Nationalbibliothek Frankfurt, der mich in den Nachlass des Verlages Karl Schustek einführte, mich an seinem Wissen über den Verleger teilhaben ließ und mir jederzeit fachkundig bei meinen Recherchen mit Rat und Tat zur Seite stand.
Ich will mit dieser Publikation beweisen, daß etwas zwar eine Schweinerei sein kann, aber dennoch nicht unsittlich. Diese Verlagsarbeit […] ist ein Teil meines Kampfes gegen Verlogenheit und Heuchelei.[1]
Karl Schustek, Erotika-Verleger aus Hanau, fügte sich mit der Herausgabe der beiden Verssammlungen Das Wirtshaus an der Lahn. Ein Volkslied[2] und Bonifatius Kiesewetter. Moralgedichte[3] in eine lange Reihe von Veröffentlichungen erotischer Literatur ein, welche sich Jahrhunderte lang immer wieder der Verfolgung ausgesetzt sah. Erotische Werke wirkten aufbegehrend, brachen Tabus und enthüllten tradierte restriktive Moralvorstellungen und die Doppelmoral, die in weiten Kreisen der Gesellschaft herrschte. Wenn sie sittliche Normen verletzten, wurde ein Verbot gegen sie ausgesprochen, Autoren, Verleger und Buchhändler mussten sich vor Gericht verantworten. Auch in der Zeit der 1960er Jahre gab es trotz Demokratisierung und der erneuten Abschaffung der Zensur weiterhin juristische und soziologische Vorbehalte gegen erotische Literatur. Mit der Einsetzung des „Gesetz über die Verbreitung jugendgefährdender Schriften“ (in Folge als GjS) vom 9. Juni 1953 und der Neugründung der darin vorgesehenen „Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften“ (in Folge BPS) hatte sich die junge Bundesrepublik Instrumente geschaffen, gegen unzüchtige und unsittliche Literatur vorzugehen. Dabei war und ist bis heute die Bewertung eines Werkes stets eng verknüpft mit dem politischen und kulturellen Klima. Zum einen spiegeln die Indizierungen der BPS als „Sittenwächter“ die Wertvorstellungen und die moralischen Maßstäbe wider, zum anderen ist es interessant zu sehen, wie sie ihre Aufgabe mit den geltenden rechtlichen Regelungen des GjS vereinbaren und ihre Beurteilungen begründen. Dabei befindet sich der institutionalisierte literarische Jugendschutz in einem Spannungsfeld zwischen tatsächlichem Schutz von Heranwachsenden vor für sie ungeeigneten Medien und der Zensur der unerwünschten Meinung, denn Indizierungen bedeuten auch immer durch die strengen Vertriebs- und Werbeverbote deutliche Eingriffe für erwachsene Rezipienten. Doch die 1960er Jahre waren auch eine Zeit des Umbruchs, gesellschaftlich und dementsprechend auch in der Rechtsprechung. Grundsatzurteile legten liberalere Prämissen für den Umgang mit erotischen Werken an und drängten die überkommene Moralauffassungen der sexuellen Repression zurück.
In diesem Zusammenhang soll in dieser Arbeit versucht werden, die Indizierungspraxis der BPS als Beispiel für gerichtliche Auseinandersetzungen im Bereich der erotischen Literatur näher zu beleuchten, welche bisher in der Forschung nur anhand weniger, dafür umso öfter rezitierter Prozesse, etwa Kurt Deschs Fanny Hill oder Günther Grass´ Katz und Maus, zur Verfügung stehen. Dabei soll der Blick auf die argumentative Beweisführung der BPS sowie der von der Indizierung betroffenen Verlage Aufschluss über angewandte Beurteilungskriterien geben. Der Fokus liegt auf der rechtlichen Seite der Indizierung, den Verfahrensmöglichkeiten, mit denen sich Betroffene gegen die Entscheidung der BPS wehren konnten und dem Umgang der Verleger mit den Konsequenzen der auferlegten Vertriebs- und Werbeverboten, die eine Indizierung für ihr Geschäft bedeutete. Als methodischer Zugriff dient zur Untersuchung der Fragestellung ein Fallbeispiel. Anhand der historischen Rekonstruktion der Indizierung der erotisch-folkloristischen Sammelschriften Das Wirtshaus an der Lahn und Bonifatius Kiesewetter, die 1965 im Hanauer Verlag Karl Schustek erschienen, und dem daraus resultierenden Verfahren soll es Ziel dieser Arbeit sein, die Indizierungspraxis der BPS zu beleuchten, um herauszufinden, wie Kleinverleger wie Schustek rechtlich belangt worden waren und welche Maßnahmen der Verleger unternahm, um gegen die Folgen der Indizierung vorzugehen oder sie sogar zu unterwandern. Den zeitlichen Rahmen setzt dabei das Erscheinen der Werke 1965 und die endgültige Urteilsverkündung des Oberverwaltungsgerichts Nordrhein-Westfalen (in Folge als OVerwG) 1972.
Die Arbeit wird zuerst einen biographischen und verlagsgeschichtlichen Einblick ins Leben und Wirken des Verlegers Karl Schustek geben. Um das Indizierungsverfahren zeitlich zu verorten, werden anschließend kurz die Sittengeschichte und den Wertewandel in der Bundesrepublik in den 1960er Jahren aufgezeigt, was als Grundlage zur Auseinandersetzung mit dem GjS und der BPS dient. Dabei kommen neben Befürworter des Gesetzes auch die Kritiker zu Wort. Ausgehend von den gesetzlichen geregelten Folgen einer Indizierung werden dann speziell Konsequenzen beleuchtet, die Verlage betreffen. Nach der Betrachtung der Indizierung der beiden genannten Werke folgt in einem nächsten Punkt die Darstellung des weiteren Prozessverlaufs, von der Anfechtungsklage bis zum Urteil des OVerwG. Abschließend erfolgt eine Analyse über die Instrumentalisierung der Presse und des Buchhandels als Werkzeug gegen die Folgen einer Indizierung.
Zur Biographie des Verlegers und zur Unternehmensgeschichte des Karl Schustek Verlages bietet sich neben der kurzen Übersichtsdarstellung zum Verlag in Prof. Murray Halls Österreichische Verlagsgeschichte 1918–1938[4] Ernst Fischers Verleger, Buchhändler und Antiquare aus Deutschland und Österreich in der Emigration nach 1933 [5] an, der die wichtigsten Daten von Hall übernimmt. Außerdem gibt der Journalist Werner Kurz in seinem Band Feine Herren, schräge Vögel und andere Hanauer in den letzten 150 Jahren [6] einen Einblick in Schusteks Leben, wozu er als Erster Einblick in den Nachlass nahm. Den umfangreichsten und kritischsten Überblick dazu hält das ungedruckte Manuskript Indische Liebeskunst obszön? Karl Schustek verlegt das Kamasutram[7] von Hermann Staub bereit. Die Sittengeschichte und der Wertewandel in der Gesellschaft in 1960er Jahren sind in der Forschungsliteratur weitestgehend erschöpft behandelt. Hervorzuheben sind folgende: Christian de Nuys-Henkelmann, der in seinem Aufsatz Wenn die rote Sonne abends im Meer versinkt. Die Sexualmoral der fünfziger Jahre [8] die repressive Sexualmoral der Nachkriegszeit beschreibt, ohne die die Gesellschaft in den 1960er Jahre nicht verstanden werden können. Sybille Steinbachers Wie der Sex nach Deutschland kam. Der Kampf um Sittlichkeit und Anstand in der frühen Bundesrepublik [9], die einen ausführlichen Einblick in die Sittengeschichte gibt, teilweise jedoch zu lakonisch argumentiert. Dagmar Herzogs Politisierung der Lust. Sexualität in der deutschen Geschichte des zwanzigsten Jahrhunderts [10], die den Sittenwandel unter politischen Gesichtspunkten analysiert. Im Bereich des rechtlichen Jugendschutzes ist die zeitgenössischen Arbeit von Robert Schilling, Schund- und Schmutzgesetz. Handbuch und Kommentar zum Gesetz über die Verbreitung jugendgefährdender Schriften vom 9. Juni 1953 [11], zu nennen, der zu seiner Zeit der wichtigste Kommentar zum GjS war und darin alle relevanten juristischen Begriffe klärt. Um sich mit Jugendschutz zu beschäftigen, ist es jedoch unerlässlich, auch die Forschungsarbeiten im Bereich Zensur mit einzubeziehen. Dazu gibt es eine Vielzahl an Arbeiten. Einen sehr guten Überblick über den Forschungsstand bietet hier stellvertretend Stepan Buchlohs Pervers, jugendgefährdend, staatsfeindlich. Zensur in der Ära Adenauer als Spiegel des gesellschaftlichen Klimas [12]. Speziell die Zensurinstitutionen, darunter die BPS, hat Irene Ferchels Zensurinstitutionen und Zensurinitiativen [13] im Fokus. Für diese Arbeit unerlässlich war vor allem aber der Nachlass des Verlages Karl Schustek im Historischen Archiv des Börsenvereins in der Deutschen Nationalbibliothek[14]. Neben der vollständigen Korrespondenz mit dem Anwalt Dr. Kurt Runge, der Schustek während der Indizierung vertrat, die jedoch leider ab Mitte 1969 endet und danach keinen weiteren Hinweis auf den weiteren Verlauf des Verfahrens gibt, finden sich eine Vielzahl an Briefen, Rundschreiben an Buchhändler und Zeitungsausschnitte, die in ihrer Gesamtheit ein genaues Bild des Indizierungsprozesses geben. Von besonderer Bedeutung dabei waren vor allem die Archiveinheiten 73 – 78 sowie 97 – 99, Erstere enthalten Rundschreiben, Zeitungsartikel und Prospekte ab 1966 sowie den juristischen Schriftverkehr, in Letzteren befinden sich gesammelter Briefverkehr in der Sache Wirtshaus/Kiesewetter. Die Gerichtsakten, Indizierungsentscheidungen und Urteile sind zum Teil im Nachlass enthalten, zum Teil jedoch nur im Archiv der BPS in Bonn zu finden.
Der Verleger Karl Schustek wurde am 27. August 1894 als Carl Schusdek in Wien geboren. Seine frühen Jahre sind schwer nachzuzeichnen, da er sich rückblickend selbst in Lebensdaten und -erinnerungen widerspricht. Nach der Matura studierte er ein Jahr Jura[15], nach eigenen Aussagen jedoch Romanistik und Germanistik[16] und nach einem Praktikum im Pariser Verlag Larousse meldete er sich freiwillig zu Kriegsbeginn 1914 beim österreichischen Militär, verließ es aber wohl trotz einer Verwundung eines Armes, die ihn zeit seines Lebens einschränken sollte, erst nach Kriegsende.
Kurz darauf verschrieb er sich dem Büchermachen: „1918 wurde ich Verleger, das ist weniger Beruf als Besessenheit, denn so ein Beruf wählt kein vernünftiger Mensch.“[17] Doch da das Geld für ein Lektorat und den Druck eigener Bücher fehlte, begann er seine Karriere wohl erst 1919 als Versandunternehmer der „Versandbuchhandlung Schusdek“ in Wien. Zwei Jahre später erhielt er die Konzession für einen Verlags- und Versandbuchhandel mit angeschlossenem Ladengeschäft und trat nun auch erstmals verlegerisch auf.[18] Der Schwerpunkt des Verlagsprogramm, das bis 1925 ca. zwölf Titel umfasste, lag auf unterhaltender, teils erotischer Literatur, jedoch immer mit wissenschaftlichem Anspruch. Als „Zugpferd“ erwies sich der Bestseller Die Hygiene der Ehe. Der Weg zu Liebes- und Eheglück von Joseph Carl Schlegel, der bis 1925 eine Gesamtauflage von 100.000 Exemplaren erreichte.[19] Ab diesem Jahr ist jedoch ein Produktionsstillstand seines Verlages erkennbar, wohl durch die Prokuristentätigkeit, die er für die 1924 gegründete „Buchhandlung Schneider & Co“ innehatte. Im angeschlossenen Verlag erschienen weiter erotische Werke, beispielsweise Edmond de Goncourts Die Dirne Elisa und Zwei Frauenleben von Paul und Victor Magueritte, sodass er „in manchen Kreisen als Pornographie-Verleger gesehen wurde“.[20] Große Bedeutung für Schustek hatte der Kontakt zu dem Sexualwissenschaftler Magnus Hirschfeld, mit dem er, neben anderen wesentlichen Werken des Autors, 1930 die zweibändige Sittengeschichte des Weltkrieges realisierte, „ein Werk, das so obszön sein sollte, wie der Krieg selbst“[21], wie er später zu den Vorwürfen gegen sein Verlagsprogramm kokettierte. Der Zusammenarbeit mit Hirschfeld entsprang auch die Idee zur Herausgabe des Kamasutram, das 1897 erstmals in deutscher Übersetzung erschien und 1929 unbeanstandet verkauft werden durfte.
Doch der 2. Weltkrieg unterbrach das Geschäft, seine jüdische Herkunft machte Karl Schustek zum Ziel der Nationalsozialisten. Schon 1935 wurde nahezu die gesamte Erzeugung der Verlage Schustek und Schneider auf die Liste 1 des schädlichen und unerwünschten Schrifttums der Nationalsozialisten gesetzt[22], was zwangsläufig Absatz- und Umsatzeinbußen bedeutete. Nach dem Anschluss Österreichs 1938 nahm man ihn in „Schutzhaft“, aus der er über Osteuropa nach Indien emigrierte. Er arbeitete als Sprachlehrer für Französisch und Englisch und brachte im eigenen Verlag Ansichtskarten heraus.[23] Hier überstand er unbeschadet den Krieg, konnte sich nach dem Sieg der Alliierten jedoch nicht für eine sofortige Rückkehr nach Österreich entschließen. So remigrierte er über Pakistan und Ostafrika weiter über Wien, bis er sich in Lindau am Bodensee niederließ.[24]
Trotz wirtschaftlichem Erfolg in der Zeit des Exils in Indien waren die Mittel knapp, um einen neuen Verlag zu gründen, weswegen Karl Schustek, der seinen Geburtsnamen „Schusdek“ vermutlich während der Exilzeit oder bei seiner Rückkehr nach Europa ablegte[25], mit seiner Frau Elise und deren Schwester Susanne Schulz als Inhaberin 1953 die „Rudolph´sche Verlagsbuchhandlung“ neu belebten und den „Buchversand Gutenberg Susanne Schulz“ ins Leben riefen. Dabei knüpfte er direkt an sein Wiener populärwissenschaftliches Verlagsprogramm an, in Buchhändler-Prospekten finden sich neben Ratgebern zu Tanz, Rhetorik, Lebenshilfe und Hypnose auch Witz- und Vortragsbücher, alle im günstigeren Preissegment, je nach Umfang von 2,40 – 12 DM. Dagegen teuer, teilweise bis zu 48 DM, waren die erotischen Romane wie die Neuauflage der Dirne Elisa und Louys´ Aphrodite und das Verlagssegment „Ernste Sexualliteratur“, zu welchem Werke wie Castellans Wie ist das Weib? und Puritz Glückliches Geschlechterleben zählten.[26] Auch das Kamasutram, der frühere Bestseller mit Vorwort von Magnus Hirschfeld, wurde 1958 unverändert neu aufgelegt. Ende der 20er Jahren unbeanstandet geblieben, löste die Herausgabe des Titels nun einen Sturm der Entrüstung aus, worauf später genauer eingegangen wird. 1967 kehrten Karl und Elise Schustek Lindau den Rücken und verkauften die Rudolph´sche Verlagsbuchhandlung und den Buchversand Gutenberg an die Freiburger Hermann Bauer KG, inklusive aller Bestände, Verlagsrechte und Geschäftsverbindungen zu Kunden und Lieferanten.[27]
Den letzten verlegerischen Neuanfang wagte der nun schon 73-Jährige in Hanau am Main, diesmal unter eigenem Namen[28]. Der Verlag Karl Schustek war lange geplant, das beweisen Buchproduktionen mit dieser Verlagsangabe ab 1963.[29] Auch hier verlor er seine Passion der erotischen Literatur mit wissenschaftlichen Anspruch nicht aus den Augen und publizierte neben de Sades Die hundertzwanzig Tage von Sodom und Hirschfelds dreibändige Sittengeschichte des 20. Jahrhunderts die illustrierten Ausgaben von Frans Masereel Krieg und Gewalt und Laster und Leidenschaft. Einen besonderen Fokus legte der Verleger in den letzten Jahren vor allem auf erotische Volkskunst und Folklore verschiedener Nationen. Titel wie Friedrich S. Krauss´ Japanisches Geschlechtsleben, die gesammelte Volks-Erotik und auch Das Wirtshaus an der Lahn. Ein Volkslied und Bonifatius Kiesewetter. Moralgedichte zeugen davon. Die Indizierung der beiden letzteren Werke 1967 und der Tod seiner Frau Elise im Oktober 1968 im andauernden Verfahren zehrten an Schusteks Kräften. Er zog sich 1970 nach anhaltenden gesundheitlichen Problemen aus dem Verlagsgeschäft zurück und verbrachte seine letzten Jahre, vermutlich an Demenz erkrankt, bis zu seinem Tod 1973 im Nervensanatorium Kilchberg in der Schweiz.[30] Der Eintrag im Handelsregister des Verlag Karl Schustek wurde im November 1973 gelöscht.
Karl Schustek war sich dem „Drahtseilakt zwischen Pornographie und Wissenschaftlichkeit“[31] in seinem Verlagsprogramm stets bewusst. Doch in den 50er und 60er Jahren bedeutete das Verlegen von erotischer Literatur meist sofortigen Konflikt mit dem Rechtsstaat, der die Werke entweder indizieren oder gleich verbieten wollte. Als Hauptprozess in der Verlagsgeschichte Schusteks kann das Kamasutram -Verfahren gelten.
Damit begann eine nicht endenwollende Reihe von Verfolgungen. Bücher meines Verlages wurden beschlagnahmt oder vor die Prüfstelle gebracht, Umschläge als obszön eingezogen, oder es wurde angedroht, man würde sie beschlagnahmen, wenn ich sie nicht rechtzeitig dem Reißwolf der Staatsanwaltschaft ausliefere.[32]
1958/59 brachte der Verleger das Buch in zwei Bänden unter dem Titel Liebe im Orient neu heraus, doch kurz darauf erfolgte die Beschlagnahmung von fertigen Exemplaren, von Diapositiven und Rohbögen des Werkes und die Anklage wegen Verbreitung unzüchtiger Schriften nach §184 StGB.[33] Gleichzeitig sah er sich dem Vorwurf gegenüber, das Buch von Arthur Cassini [d.i. Hugo Rothweiler] Wie wirbt man um Liebe? mehrfach beworben zu haben, trotz genauer Kenntnis des jugendgefährdenden Potential, das vom Werk ausginge.[34] Die Indizierung erfolgte erst 1961, also erst nach der Anklage, was Schustek als Taktik identifizierte. Nach vierjährigen Ermittlungen kam es im August 1963 zur Verhandlung, in der Schustek freigesprochen und die beschlagnahmten Titel ausgehändigt wurden. Die Presse nahm die Urteilsverkündung positiv auf und berichtete umfangreich über Deutschlands Grenzen hinweg. Am nächsten Tag legte jedoch ein Staatsanwalt Berufung ein und beschlagnahmte die eben freigegebenen Bücher erneut. Erst ein Jahr später, im Oktober 1964, beendete Schustek den Prozess als freier Mann, da die Staatsanwaltschaft auf das Angebot des Verlegers einging, auf die Rückgabe des als „unzüchtig“ beanstandeten zweiten Teils des Werkes zu verzichten, wenn das Verfahren eingestellt werden würde.[35] Ökonomisch stellte der Prozess jedoch eine schwere Belastung für Schustek dar, die Konfiszierung der Bücherbestände zogen Umsatzeinbußen nach sich, die nur durch wenige Bestseller im Verlag aufgefangen werden konnten, wie etwa Roger Potins Wunder der körperlichen Liebe von 1957, das sich bis 1959 55.000 mal verkaufte oder die Hypnose-Ratgeber, welche in Auflagen von 750.000 Exemplaren erschienen.[36] Nach dem Prozess um das Wirtshaus an der Lahn und Bonifatius Kiesewetter gab er nicht auf und riskierte 1970 die Herausgabe der Bände der Edition UEK (Unkastrierte Erotik)[37], die der Verleger aus Vaduz/Liechtenstein vertreiben ließ, um neuerliche Gerichtsverfahren zu umgehen, da die Bände allen Kriterien „unzüchtiger“, „obszöner“ und „jugendgefährdender“ Literatur entsprachen.
Besonders sensibilisiert in Bezug auf Sexualmoral und Sittlichkeit war die Gesellschaft der neu gegründeten Bundesrepublik in den 50er und 60er Jahren. Herrschte in den ersten Nachkriegsjahren noch eine bemerkenswerte Freizügigkeit und Offenheit in sexueller Beziehung, vollzog sich schon in den ersten Jahren der 50er Jahren ein abrupter Schwenk hin zu streng konservativen Auffassungen davon.
Um die in der Mitte der 1960er Jahre aufkommenden „Sexwelle“ bzw. die Liberalisierung und Kommerzialisierung des Sex in der Gesellschaft verstehen zu können, ist ein Blick zurück in die 50er Jahre nötig. Sexualität galt damals als der Inbegriff des Privaten und des Apolitischen. Vorherrschend war einen restriktive Sexual- und Familienmoral, die die Einschränkung vorehelicher und eine Ablehnung außerehelicher und abweichender Sexualität ebenso beinhaltete wie die selbstverständliche Orientierung auf eine lebenslange Ehe als Leitbild und die Gründung einer Familie. Vertreter dieser repressiven Ansichten waren Kirchen, politische Parteien, die Wissenschaft, außerdem die Massenmedien, die die Frauen dazu aufforderten, sich der männlichen Autorität unterzuordnen. Sie alle propagierten Jungfräulichkeit bis zur Ehe, wandten sich vehement gegen Onanie und gaben in Aufklärungs- und pädagogischen Schriften in Millionen-Auflagen Ratschläge zur Verhinderung und Eindämmung der aufkeimenden Sexualität ihrer Kinder und Jugendlichen. Rückblickend herrschte eine „Eiszeit der Erotik“[38]. Doch unter dem gesellschaftliche Konsens der sexuellen Unterdrückung herrschte eine allseits bekannte, jedoch verschwiegene Doppelmoral. Mutterschaft und das Ideal der sich über den Mann definierenden und treuen Frau als weibliches Lebensziel galt als Voraussetzung für eine Ehe, welche der Ehemann jedoch unbeanstandet untergrub. So erstaunt es nicht, dass die Einführung des GjS in diese Zeit fällt. Die von diesem Gesetz geschützten Jugendliche erlebten jedoch einen recht ambivalenten Umgang mit dem Thema Sexualität. Sollte nach Meinung der Eltern ein Geschlechtsleben erst nach der Verlobung beginnen, lockten hinter den gesellschaftlichen Verheimlichungsstrategien überall sexuelle Versprechungen: in der Mode, im Film, in der Musik, die meist aus den USA herüberkamen. Die in der Mitte der 60er Jahre aufkommenden Liberalisierung der Sexualmoral hatte ihre Auslöser jedoch nicht nur im Ausland. Das schmutzige Geheimnis, das die ältere Generation jahrelang um die „Sexualität“ machte, veranlasste viele jungen Menschen zu einer radikalen Ablösung und führte zu einer bundesweiten „Suche“ nach sexueller Befreiung. Begleitet wurde diese durch eine rasante Sexualisierung des öffentlichen Raumes und der massenmedialen „Sexwelle“.
Der Wertewandel, der sich in dieser Zeit in gesellschaftlicher und ideologischer Hinsicht vollzog, ist untrennbar mit den Schlagworten Liberalisierung, Medialisierung, Kommerzialisierung und Politisierung von Sexualität verbunden und muss als Zäsur gesehen werden. Die „sexuelle Revolution“ forderte neue Maßstäbe bezüglich Nacktheit, vor- und außerehelichen Sex und Aufklärung für Jugendliche. „Was man zuvor heimlich und verstohlen getan hatte, wurde nun offen praktiziert und lauthals verteidigt.“[39] Den (Print-)Medien, allen voran den Illustrierten Neue Illustrierte und Quick, die erste Busenenthüllungen schon früh auf ihren Titelblättern präsentierten, kam beim Prozess der sexuellen Befreiung der Gesellschaft als Motor und „wesentlicher Bestandteil der Selbstfindung einer kritischen Öffentlichkeit“[40] eine tragende Rolle zu. Sie verbreiteten die Diskussion um neue Werte und Normvorstellungen in weite Teile der Bevölkerung und drückten indirekt das neu entstandene Bedürfnis nach Aufhebung der Sexualtabus und der Prüderie der Nachkriegsgesellschaft aus. Ihren Ausgang nahm die „Sexpansion“, wie der Spiegel diese Bewegung 1966 in einem Leitartikel nannte[41], auch in der Veröffentlichung neuer sexualwissenschaftlicher Erkenntnisse, etwa der Kinsey-Report, der detailliert das Sexualleben darlegte und deutlich machte, wie weit Ideale und tatsächliche Sexualpraxis auseinanderklafften. Die Kommerzialisierung des Sex nahm seinen Lauf: Sex war eine Ware geworden, Bücher, Filme und Zeitschriften mit erotischem Inhalt fanden reißenden Absatz in der Bundesrepublik. Die Verfechter der konservativen überkommenen Moral sahen sich heftigen Angriffen ausgesetzt, die Ankläger zeigten sich empört über diffamierende und unsachliche Reaktionen gegenüber Sexualaufklärungskampagnen und Verhütungsmethoden wie die Pille, das staatliche Bemühen um (Re-)Etablierung der Sittlichkeit war jedoch nicht mehr zeitgemäß. Die Studentenbewegung machte Fragen und Themen um die Geschlechterbeziehungen zum Politikum:
Sexuelle Befreiung bedeutete für die rebellische Jugend ein Akt selbsttherapeutischer Identitätsfindung, einen Weg zur Bespiegelung der individuellen und familiären Geschichte sowie ein politisches Votum gegen die Vätergeneration.[42]
Die Auswirkungen und Veränderungen im Sexualleben der Bevölkerung waren bald erkennbar. Eheschließungen und Geburtenraten sanken, die Scheidungszahlen stiegen und die „Kernfamilie“ verlor ihre dominierende Stellung als Lebensform. „Die Sittlichkeit hatte ihre Relevanz verloren und war auch nicht mehr zu reaktivieren.“[43]
In den Nachkriegsjahren begann die Gefährdung der Sittlichkeit für die „Moralhüter“ bereits bei der bloßen Thematisierung von Sexualität in Kunst und Literatur. Schon 1949, kurz nach der Bildung der ersten Bundesregierung in der BRD, stellte die CDU/CSU den Antrag, ein Bundesgesetz „angesichts der […] die öffentliche Sittlichkeit bedrohende Entwicklung gewisser Auswüchse des Druckschriftenwesens“[44] gegen „Schmutz und Schund“ vorzulegen. Die wachsende Zahl billiger pornographischer Fotos, FKK-Zeitschriften, Aufklärungsschriften und Sittenromane, aber auch Comics, die nach der Währungsreform 1948 den Kiosk-Markt überschwemmt hatten, galten als unsittlich und jugendgefährdend. Neben dem Ziel des Jugendschutzes vor unflätiger Literatur sollte jedoch insgeheim auch die öffentliche Sittlichkeit gewahrt bleiben, durch Gesetze die Einhaltung von Sitte und Moral erzwungen werden und so als Stabilisator der Sexualmoral fungieren.[45] Schnelles Handeln blieb jedoch aus. Erst nach jahrelangem Ringen im Bundestag, nach verschieden Entwürfen, viele in direkter Nachfolge zum „Schmutz- und Schundgesetz“ von 1926 in der Weimarer Republik, trat das „Gesetz über die Verbreitung jugendgefährdender Schriften“ am 9. Juni 1953 offiziell in Kraft, das in geänderter Form auch heute noch Bestand hat.
Der Paragraph 1 des umgangssprachlich weiterhin „Schmutz- und Schundgesetz“ genannten Erlasses definierte den Kernpunkt seiner Aufgabe zum Schutze der Jugend:
Schriften, die geeignet sind, Jugendliche sittlich zu gefährden, sind in eine Liste aufzunehmen. Dazu zählen vor allem unsittliche sowie Verbrechen, Krieg und Rassenhaß verherrlichende Schriften. Die Aufnahme ist bekanntzumachen.[46]
Ausgenommen von der Listenaufnahme waren Schriften, die allein aufgrund „ihres politischen, sozialen, religiösen oder weltanschaulichen Inhalts“ indiziert werden sollten und Schriften, die „der Wissenschaft, der Forschung oder der Lehre“ dienten. Daneben enthielt es u.a. Bestimmungen über die Folgen einer Indizierung (§§ 3-5), die Zusammensetzung der zuständigen Bundesprüfstelle (§§ 8-10), die Verfahrensvorschriften einer Prüfung (§§ 12-15), die Listenführung (§§ 16-18) und die Strafen bei Zuwiderhandlung des Gesetzes (§ 21). Ein Druckwerk, das von der Bundesprüfstelle indiziert wurde, durfte demnach Jugendlichen weder angeboten noch verkauft oder sonst wie zugänglich gemacht werden und auch Werbung war, mit Ausnahme von Buchhandelsfachpresse, in jeder Art untersagt. Auch Schriften, die gerichtlich nach § 184 StGB (Verbot des Verkaufes von unzüchtigen Schriften und Abbildungen an Minderjährige) als „unzüchtig“ eingestuft worden waren, wurden in die Liste der jugendgefährdenden Schriften aufgenommen, was in den Jahren 1954 bis 1963 dazu führte, dass den 1.600 Indizierungen, die die Bundesprüfstelle vorgenommen hatte, dadurch weitere 1.568 Schriften auf den Index folgten.[47] Damit wird deutlich, dass trotz „Verbrechen“, „Krieg“ und „Rassenhass“ im Gesetzestext die Prüfer und die Antragsteller ihr Augenmerk hauptsächlich auf die „Unsittlichkeit“ legten und die Liste der jugendgefährdenden Schriften überwiegend aus Veröffentlichungen mit sexuellen Bezügen bestand.
Bei der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften, die zur Durchführung des Gesetzes 1954 in Bad Godesberg gegründet wurde und heute in Bonn sitzt, handelt es sich formal um eine oberste Bundesbehörde, die gerichtsähnliche Funktionen inne hat und an keine Weisungen gebunden ist. Sie darf jedoch nur auf Antrag des Bundesinnenministeriums sowie der obersten Jugendbehörden der Länder tätig werden. Sie ist wie folgt zusammengesetzt: Ein vom Bundesminister des Inneren ernannter Vorsitzender, jeweils ein von den Landesregierungen eingesetzter Beisitzer sowie weitere vom Bundesinnenminister ernannte „Gruppenbeisitzer“ aus den Bereichen der Kunst, der Literatur, des Buchhandel, der Verlegerschaft, der Jugendverbände, der Jugendwohlfahrt, der Lehrerschaft und aus den Kirchen und anderen Religionsgemeinschaften. Bei diesen Personen handelt es sich jedoch meist nicht um Sachverständige, sondern um Interessenvertreter; Wissenschaftler wie Psychologen oder Soziologen sind im Gremium nicht vorgesehen und werden nur im Klagefall vor Gericht bei Bedarf hinzugezogen. Im Normalfall entscheidet ein Gremium von 12 Personen einmal im Monat mit einer Zweidrittelmehrheit über eine Indizierung, die unverzüglich in die Liste der jugendgefährdenden Schriften aufgenommen und im Bundesanzeiger veröffentlicht werden muss.[48] Der betroffene Verleger oder der Autor darf sich jedoch, mit der Einschränkung „soweit möglich“, zur Sache äußern und verteidigen. Eine Streichung aus der Liste war ursprünglich im GjS nicht vorgesehen und kann nur von der BPS selbst vorgenommen werden. Entscheidungen der BPS können durch Klage vor einem Verwaltungsgericht angefochten werden. Dazu ist jedoch anzumerken, dass eine solche nur bei formalen Verfahrensfehlern Aussicht auf Erfolg hat, da die zuständigen Gerichte nicht zur inhaltlichen Kritik an der Indizierung befugt waren.[49] Im Betrachtungszeitraum der Arbeit wechselte der Vorsitzende der BPS verhältnismäßig oft. Ihr erster Chef war der auf Lebenszeit eingesetzte Staatsanwalt Robert Schilling (1954–1966), der davor in Köln das Sonderdezernat zur Bekämpfung unzüchtiger Schriften, Bilder und Inserate geleitet hatte. Sein Nachfolger Werner Jungeblodt (1966–1969) kämpfte gegen den ausbleibenden gesellschaftlichen Rückhalt, der wegen des gesellschaftlichen Wertewandels und den dadurch veränderten Anforderungen und Erwartungen an das Amt ausblieb und übergab 1969 das Amt Rudolf Stefen, der es bis 1991 behielt. Spätestens 1966 war nämlich unübersehbar geworden, dass die Zensurbestimmungen hinsichtlich Nacktheit und sexueller Themen nicht mehr zeitgemäß waren. Die Aufmerksamkeit der BPS verlagerte sich langsam, verstärkt ab Anfang der 1970er Jahre auf die Bereiche der kriegs- und gewaltverherrlichenden Schriften, die bis dato keinerlei Rolle in den Indizierungsverfahren gespielt hatten.
[1] Brief von Karl Schustek an Horst Mundle vom 30.01.1965, in HA/BV 53,98.
[2] [Schustek, Karl (Hrsg.)]: Das Wirtshaus an der Lahn. Ein Volkslied. Hanau/Main: Verlag Karl Schustek 1965.
[3] [Schustek, Karl (Hrsg.)]: Bonifatius Kiesewetter. Moralgedichte. Hanau/Main: Verlag Karl Schustek 1965.
[4] Hall, Murray G.: Österreichische Verlagsgeschichte 1918–1938/ 2. Belletristische Verlage der Ersten Republik. 2 Bände. Wien, Graz, Köln: Böhlau 1985, S. 373–375.
[5] Fischer, Ernst: Verleger, Buchhändler & Antiquare aus Deutschland und Österreich in der Emigration nach 1933. Elbingen: Verband Deutscher Antiquare 2011, S. 299.
[6] Kurz, Werner: Feine Herren, schräge Vögel und andere Hanauer aus den letzten 150 Jahren. Hanau: Hanauer Geschichtsverein 2010, S. 92–105.
[7] Staub, Hermann: Indische Liebeskunst obszön? Karl Schustek verlegt das Kamasutram. Unveröffentlichtes Manuskript, Frankfurt 2012.
[8] de Nuys-Henkelmann, Christian: Wenn die rote Sonne abends im Meer versinkt. Die Sexualmoral der fünfziger Jahre. In: Bagel-Bohlan, Anja/ Salewski Michael (Hrsg.): Sexualmoral und Zeitgeist im 19. und 20. Jahrhundert. Opladen: Leske + Budrich 1990, S. 107–145.
[9] Steinbacher, Sybille: Wie der Sex nach Deutschland kam. Der Kampf um Sittlichkeit und Anstand in der frühen Bundesrepublik. München: Siedler 2011.
[10] Herzog, Dagmar: Politisierung der Lust. Sexualität in der deutschen Geschichte des zwanzigsten Jahrhunderts. München: Siedler 2005.
[11] Schilling, Robert: Schund- und Schmutzgesetz. Handbuch und Kommentar zum Gesetz über die Verbreitung jugendgefährdender Schriften vom 9. Juni 1953. Darmstadt, Nürnberg, Düsseldorf, Berlin: Stoytscheff 1953.
[12] Buchloh, Stephan: Pervers, jugendgefährdend, staatsfeindlich. Zensur in der Ära Adenauer als Spiegel des gesellschaftlichen Klimas. Frankfurt am Main: Campus 2002 (Campus Forschung, Bd. 838). Dazu auch Seim, Robert: Zwischen Medienfreiheit und Zensureingriffen. Eine medien- und rechtssoziologische Untersuchung zensorischer Einflußnahmen auf bundesdeutsche Populärkultur. Münster/Westfalen: Telos 1997 sowie Schütz, Hans J.: Verbotene Bücher. Eine Geschichte der Zensur von Homer bis Henry Miller. München: Beck 1990.
[13] Ferchel, Irene: Zensurinstitutionen und Zensurinitiativen. In: Kienzle, Michael/Mende, Dirk (Hrsg.): Zensur in der BRD. Fakten und Analysen. München: Hanser 1980, S. 207–218.
[14] Nachlass Verlag Karl Schustek, Historisches Archiv des Börsenvereins in der Deutschen Nationalbibliothek, Frankfurt am Main, Signatur HA/BV 53.
[15] Vgl. Hall, Österreichische Verlagsgeschichte, S. 373.
[16] Vgl. Staub, Kamasutram, S. 2.
[17] Schustek, Karl: Indische Liebeskunst obszön? Ein Verleger wird gejagt. Hanau: Verlag Karl Schustek 1963, S. 3.
[18] Vgl. Hall, Österreichische Verlagsgeschichte, S. 374.
[19] Vgl. Ebd., S. 374.
[20] Ebd., S. 374.
[21] Schustek, Indische Liebeskunst, S. 3.
[22] Vgl. Staub, Kamasutram, S. 4.
[23] Vgl. Kurz, Feine Herren, S. 101.
[24] Über den genauen Zeitpunkt seiner Rückkehr in Europa und Ankunft in Lindau stimmen die Quellen nicht überein. Sie variieren zwischen 1950 und 1953.
[25] Ein genauer Zeitpunkt des Namenswechsels ist nicht festzustellen. Sicher ist, dass ab 1953 in Lindau in sämtlichem Schriftverkehr und in der Handelsregistereintragung der Name „Schustek“ anzutreffen ist.
[26] Vgl. Prospekt der Rudolph´schen Verlagsbuchhandlung in HB/BV 53,76.
[27] Vgl. Kaufvertrag Schustek – Bauer vom 30.06.1967 in HB/BV 53,56.
[28] Werner Kurz` Aussage, Schustek habe sich schon 1952 in Hanau niedergelassen, kann weder im Nachlass noch in der Forschungsliteratur nachgewiesen werden. Vgl. Kurz, Feine Herren, S. 102.
[29] Staub, Kamasutram, S. 15.
[31] Kurz, Feine Herren, S. 98.
[32] Schustek, Indische Liebeskunst, S. 4.
[33] Fischer, Verleger, Buchhändler & Antiquare, S. 299.
[34] Staub, Kamasutram, S. 9.
[35] Ebd., S. 14.
[36] Vgl. Rundschreiben und Prospekte in HA/BV 53,77.
[37] Darunter Titel wie Jean Qui Rits Scharfe Geschichten. Märchen aus Ungarn oder Essees Ruten- und Peitschenspiele, alle in „Privatdruck“ und ohne Verlags- und Jahresangabe erschienen.
[38] de Nuys-Henkelmann, Wenn die rote Sonne abends im Meer versinkt, S. 109.
[39] Herzog, Politisierung der Lust, S. 173.
[40] Steinbacher, Wie der Sex nach Deutschland kam, S. 279.
[41] [Anonym]: Die gefallene Natur. In: Der Spiegel, Nr. 19, 02.05.1966, url: http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-46407097.html (14.04.2012).
[42] Eder, Franz X.: Kultur der Begierde. Eine Geschichte der Sexualität. München: C.H. Beck. 2000, S. 221.
[43] Steinbacher, Wie der Sex nach Deutschland kam, S. 294.
[44] Schilling, Schund- und Schmutzgesetz, S. 46.
[45] Gerade ab Mitte der 60er Jahre trat dieses Bedürfnis in den Vordergrund, als die Öffentlichkeit die überkommenden Wertevorstellungen in Frage stellten.
[46] § 1 GjS, in der Fassung vom 9. Juni 1953.
[47] Vgl. Buchloh, Pervers, jugendgefährdend, staatsfeindlich, S. 132f.
[48] Eine Zusammenstellung der indizierten Werke findet sich in der vom ersten Vorsitzenden der BPS, Robert Schilling, herausgegebene Loseblattsammlung „Jugendgefährdende Schriften“. – Schilling, Robert (Hrsg.): Jugendgefährdende Schriften. Ergänzbares Gesamtverzeichnis und Arbeitshilfen. Berlin: Luchterhand 1962.
[49] Vgl. Seim, Zwischen Medienfreiheit und Zensureingriffen, S. 151.
V435124
9783668761537
9783668761544
Buchbranche, Verlag, Karl Schustek, Erotika, 1960, Verfahren, Biographie, Verlagsgeschichte, Justiz, Verlagsgründung, Wien, Emigration, Lindau, Kamasutram, Indizierung, Zensur, Index, obszöne Literatur, Literatur, Sittengeschichte, Wertewandel in der Gesellschaft, sexuelle Repression, Sexpansion, Gesetz über die Verbreitung jugendgefährdender Schriften, 1953, Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften, Wirtshaus an der Lahn, Bonifatius Kiesewetters, Volkslied, Jugendgefährdung, Verteidigungsstrategie, Gutachter, Gutachten, Anfechtungsklage, Beweisaufnahme, Argumentation, Berufung, Verfahrensverlauf, Richter, Urteil, Medien, Berichterstattung, Verkaufsförderung, Instrumentalisierung
Laura Köhninger (Autor), 2012, "Frau Wirtin ist jetzt indiziert". Der Erotika-Verleger Karl Schustek im Visier der Staatsanwaltschaft in den 1960er Jahren, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/435124
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