Source: https://www.rechtslupe.de/arbeitsrecht/mittaeter-und-die-einziehungsentscheidung-3143630
Timestamp: 2019-10-17 08:01:08
Document Index: 245282899

Matched Legal Cases: ['§ 73', '§ 73', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 73']

Mit­tä­ter – und die Ein­zie­hungs­ent­schei­dung | Rechtslupe
Mittäter - und die Einziehungsentscheidung
Mit­tä­ter – und die Ein­zie­hungs­ent­schei­dung
Nach der Sys­te­ma­tik der § 73 Abs. 1, § 73c Satz 1 StGB ist ent­schei­dend, dass der Täter "in irgend­ei­ner Pha­se des Tat­ab­laufs" (hier: beim Abtrans­port und Auf­bre­chen des Tre­sors) Mit­ver­fü­gungs­ge­walt an der Tat­beu­te erlang­te 1.
Die Gesamt­heit des aus der Tat Erlang­ten mit der Fol­ge einer ent­spre­chen­den gesamt­schuld­ne­ri­schen Haf­tung ist dem Ein­zie­hungs­be­trof­fe­nen nur dann zuzu­rech­nen, wenn sich die Betei­lig­ten einig sind, dass jedem die Mit­ver­fü­gungs­ge­walt hier­über zukom­men soll, und er die­se auch tat­säch­lich hat­te 2.
Eine sol­che tat­säch­li­che oder wirt­schaft­li­che Mit­ver­fü­gungs­ge­walt über den Ver­mö­gens­ge­gen­stand ist anzu­neh­men, wenn der Tat­be­tei­lig­te im Sin­ne eines tat­säch­li­chen Herr­schafts­ver­hält­nis­ses unge­hin­der­ten Zugriff auf den Ver­mö­gens­ge­gen­stand neh­men kann 3.
Fak­ti­sche Mit­ver­fü­gungs­ge­walt kann – jeden­falls bei dem vor Ort anwe­sen­den, Tei­le der Beu­te in den Hän­den hal­ten­den Mit­tä­ter – auch dann vor­lie­gen, wenn sich die­se in einer Abre­de über die Beu­te­tei­lung wider­spie­gelt. Denn damit "ver­fügt" der Mit­tä­ter zu sei­nen oder der ande­ren Betei­lig­ten Guns­ten über die Beu­te, indem er in Abspra­che mit die­sen Tei­le des gemein­sam Erlang­ten sich selbst oder den ande­ren zuord­net 4. Eine spä­te­re Auf­he­bung der Mit­ver­fü­gungs­ge­walt ist uner­heb­lich 2.
So auch in dem hier vom Bun­des­ge­richts­hof ent­schie­de­nen Fall: Der Ange­klag­te P. half dem Mit­an­ge­klag­ten H. nicht ledig­lich beim Abtrans­port des Tre­sors 5, des­sen Inhalt die bei­den Mit­tä­ter unter sich auf­tei­len woll­ten, son­dern hat­te – gleich­be­rech­tig­te – Ver­fü­gungs­ge­walt und auch nach Öff­nen unge­hin­der­ten Zugriff auf die Wert­ge­gen­stän­de. Dem­nach kommt es für die gesamt­schuld­ne­ri­sche Mit­haf­tung in Bezug auf den Wert der gesam­ten Tat­beu­te nicht dar­auf an, dass der Ange­klag­te P. am Ver­äu­ße­rungs­er­lös kei­ne Ver­fü­gungs­be­fug­nis erlang­te.
Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 13. März 2019 – 1 StR 424/​18
vgl. BT-Drs. 18/​9525, S. 62; BGH, Urteil vom 08.02.2018 – 3 StR 560/​17, NJW 2018, 2141, 2142; Köh­ler, NStZ 2017, 497, 503[↩]
BGH, Beschluss vom 21.08.2018 – 2 StR 311/​18, NStZ 2019, 20[↩][↩]
BGH, Beschlüs­se vom 21.08.2018 – 2 StR 311/​18, NStZ 2019, 20; und vom 23.10.2018 – 5 StR 185/​18[↩]
BGH, Urteil vom 18.07.2018 – 5 StR 645/​17, NStZ-RR 2018, 278, 279[↩]
vgl. BGH, Urteil vom 07.06.2018 – 4 StR 63/​18, BGHR StGB § 73c Abs. 1 Erlang­tes 1[↩]