Source: https://www.hausbauberater.de/architektenvertragsrecht
Timestamp: 2017-10-18 16:29:17
Document Index: 80892166

Matched Legal Cases: ['§ 631', '§ 631', '§ 631', '§ 631', '§ 634', '§ 633', 'BGH', 'BGH']

Architektenvertrag: das Architektenvertragsrecht
Zahlreiche Bauherren benötigen für den Bau ihres Traumhauses einen Architekten. Den meisten ist jedoch nicht bewusst, mit welchen Rechten und Pflichten ein solches Vertragsverhältnis verbunden ist. Wir informieren Sie über alles Wissenswerte rund um den Architektenvertrag.
Die Regelungsmaterie des Architektenvertragsrechts
Vor der Klärung der Frage, was Sie als Bauherr im Wesentlichen im Bereich des Architektenvertragsrechts zu beachten haben, soll zunächst das Architektenvertragsrecht näher beschrieben werden. Kurz gesagt: Das Architektenvertragsrecht basiert auf den Vorschriften der §§ 631 ff BGB. § 631 BGB regelt den Werkvertrag und damit auch den Architektenvertrag: Der Architekt schuldet durch den abgeschlossenen Architektenvertrag die Erstellung spezifischer Planungsunterlagen für den Bau des geplanten Bauwerks. Diese Planungsunterlagen stellen ein Werk im Sinne des § 631 BGB dar. Gleichzeitig regelt er die Höhe des seitens des vom Auftraggeber zu zahlenden Honorars. Die Grundlage hierfür schafft die Honorarordnung für Architekten und Ingenieure (HOAI). Die §§ 631 ff BGB und die HOAI sind somit die gesetzlichen Säulen des Architektenvertragsrechts.
Was bedeutet dies für Sie als Bauherr in der Praxis? Da der Architektenvertrag komplexe Sachverhalte regelt, sollte er immer schriftlich fixiert werden. Nach Werkvertragsrecht wäre zwar auch ein mündlicher Architektenvertrag wirksam, für die Praxis jedoch vollkommen untauglich. Spätestens die zu klärende Honorarfrage erfordert eine schriftliche Fixierung. Denn so schreibt es die HOAI grundsätzlich vor. Sind die Leistungen des Architekten mit erheblichen Mängeln behaftet, so greifen die in der zentralen Vorschrift des § 634 BGB im Werkvertragsrecht geregelten Rechte des Bauherrn bei Sach- und Rechtsmängeln. Wann konkret ein Sach- oder ein Rechtsmangel vorliegt, regelt § 633 BGB. Das Architektenvertragsrecht ist somit gleichzeitig Bestandteil des privaten Baurechts.
Wichtige Eckpunkte im Architektenvertrag
Zur Vermeidung späterer Rechtsstreitigkeiten sollte im Architektenvertrag das gesamte erforderliche Leistungsspektrum aus Sicht des Bauherrn abgeklärt werden. Neben den grundlegenden Angaben zum Bau gehören hierzu u. a. die Baubeschreibung, die Bauzeit sowie eventuelle Fertigstellungsfristen. Am wichtigsten ist die Festschreibung der eigenen Vorstellungen hinsichtlich der Baukosten, damit der Architekt auch Ihre Liquidität im Auge behält. Gerade hierzu gibt es eine unter dem Az. VII ZR 230/11 am 21.03.2013 ergangene Entscheidung des Bundesgerichtshofs (BGH), die sich mit der wichtigen Frage beschäftigt, wann ein Architekt wegen einer Missachtung der Kostenvorstellungen des Bauherrn haftet: Nämlich nur dann, wenn diese Vertragsbestandteil geworden sind. Den Gründen dieser Entscheidung ist klar zu entnehmen, dass der Architekt sogar von sich aus die Kostenvorstellungen des Bauherrn erforschen muss. Aber Sie als Bauherr sollten diese Kostenvorstellungen immer möglichst konkret bezeichnen: Entsprechend der oben zitierten Entscheidung sollen "die dem Architekten gegenüber zum Ausdruck gebrachten Kostenvorstellungen bereits dann verbindlich sein, wenn diese den Planungsrahmen bestimmen und der Architekt dem nicht widerspricht". Der (BGH) geht sogar in seiner Entscheidung noch weiter: Diese Kostenvorstellungen sollen auch dann verbindlich sein, wenn sie "nur Angaben zur ungefähren Bausumme enthalten, mit denen ein Kostenrahmen abgesteckt wird". Der Ratschlag für die Praxis kann daher nur lauten, bei solchen Gesprächen einen Zeugen hinzuziehen und - noch wichtiger- die Kostenvorstellungen schriftlich im Architektenvertrag zu fixieren.
Es stellt sich auch noch die Frage, welche Vollmachten man einem Architekten einräumt, wenn er das Bauvorhaben begleitet. Auch hier ist Vorsicht geboten, denn eine allgemeine Vollmacht beinhaltet die Befugnis, Zusatzaufträge auszulösen. Damit entstehen natürlich auch zusätzliche Kosten. Diese Befugnis sollte der Bauherr prinzipiell nicht einräumen. Eine eventuell notwendige Auftragserweiterung sollte Ihnen der Architekt laut Architektenvertrag zwar anzeigen müssen, die endgültige Entscheidung sollten jedoch Sie sich persönlich vorbehalten.
Fazit: Wenn Sie u. a. diese Punkte beachten, bleiben Sie Herr des Verfahrens. Hierauf sollten Sie im Architektenvertrag unbedingt Wert legen.