Source: https://www.intakt.info/informationen-und-recht/kindergartenalter/integration-im-kindergarten/
Timestamp: 2018-07-23 00:22:38
Document Index: 84435205

Matched Legal Cases: ['Art. 21', '§26', '§55', '§54', '§ 35', '§ 24', '§53', '§ 2', '§ 35']

INTAKT Integration im Kindergarten
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Welche rechtliche Grundlagen treffen zu?
Was muss ich für einen Betreuungsplatz tun?
Das Bayerische Kinderbildungs- und -betreuungsgesetz (BayKiBiG) bestimmt in Artikel 2, dass der Kindergarten eine Einrichtung für Kinder vom 3. Lebensjahr an bis zur Einschulung ist. Der Kindergarten ist also ohne Unterschied offen für alle Kinder, also auch für Kinder mit Behinderung.
Eine Integration bereits im Vorschulalter bietet darüber hinaus ganz entscheidende Vorteile für die Entwicklung der behinderten und nichtbehinderten Kinder:
Im Vorschulalter sind für viele Kinder Kategorien wie “behindert” und “nicht behindert” noch ohne Belang. Sie kennen diese von den Erwachsenen gesetzten Begriffe noch nicht, oder deuten sie innerhalb ihrer eigenen Vorstellungswelt. Aus diesem Grund gehen Kinder in diesem Alter noch unvoreingenommener miteinander um. Es gibt noch keine Vorurteile, die die Wahrnehmung verzerren.
Kindergartengruppen sind altersheterogen, d.h. Kinder verschiedener Altersstufen besuchen die selbe Gruppe. Aus diesem Grund fallen Leistungsunterschiede nicht so stark auf wie beispielsweise in Schulklassen, wo stets Kinder gleichen Alters zusammengefasst sind.
Zunehmend mehr Kindergärten können Kinder mit Behinderung aufzunehmen. Nachdem in der Vergangenheit oftmals “still” integriert wurden (d.h. ohne zusätzliche Hilfen), werden zunehmend einzelne Kinder in regulären Gruppen zusätzlich gefördert. Eine Liste mit Kindergärten und –tagesstätten in Bayern können Sie in unserer INTAKT-Datenbank abrufen.
Da in den letzten Jahren ein starker Rückgang der Geburtenzahlen zu verzeichnen ist und viele Kindergartengruppen nicht mehr voll besetzt sind, nimmt die Bereitschaft immer weiter zu, behinderte Kinder in Regelkindergärten aufzunehmen. Ein weiterer Vorteil ergibt sich aus der neuen gesetzlichen Grundlage des BayKiBiG ( Art. 21 (5) ) im Hinblick auf die Finanzierung der Kindergärten: Dort ist die kindbezogene Förderung geregelt. Im Vergleich erhält ein Kindergarten für ein behindertes vierjähriges Kind eine 4,5mal so hohe staatliche Förderung, wie für ein nicht behindertes Kind im gleichen Alter. Fragen Sie bei Ihrem nächstliegenden Regelkindergarten vor Ort nach, ob die Voraussetzungen für die Förderung eines Kindes mit Behinderung gegeben sind und ob man Ihnen bei der Antragstellung behilflich ist.
Eine große Schwierigkeit liegt derzeit darin entsprechende Fachkräfte für die Förderung der Kinder zu finden. Wir haben zu diesem Zweck in unserem Forum Regionalforen für Bayern eingerichtet. Hier können sowohl Eltern und Kindergärten nach Fachkräften suchen, als auch Therapeuten, Pädagogen und Psychologen ihre Leistungen anbieten. Weiterhin haben wir für den Regierungsbezirk
Unterfranken bereits einige Integrationsfachkräfte in unserer INTAKT-Datenbank .
Wenn Sie einen Kindergarten gefunden haben, der bereit ist Ihr Kind aufzunehmen, müssen Eltern und Kindergarten Anträge stellen. Zur Deckung der Kosten einer gruppe und zur Einzelintegration sind verschiedene rechtliche Grundlagen zu beachten:
§26 SGB IX : Leistungen zur medizinischen Rehabilitation, z.B. für Logopädie, Ergotherapie oder Physiotherapie: Antrag über den Hausarzt. Dieser verordnet die jeweilige Leistung auf Rezept, wodurch die Abrechnung über die Krankenkasse erfolgt.
§55 SGB IX : Leistungen zur Teilhabe am Leben in der Gemeinschaft, insbesondere hier “heilpädagogische Leistungen für Kinder, die noch nicht eingeschult sind”: Antrag an die Sozialhilfeverwaltung Ihres Bezirks (siehe auch unten auf dieser Seite).
§54 SGB XII : Leistungen der Eingliederungshilfe: “Hilfen zu einer angemessenen Schulbildung [...] einschließlich der Vorbereitung hierzu”. Antrag an die Sozialhilfeverwaltung Ihres Bezirks (siehe auch unten auf dieser Seite).
Nach § 35a SGB VIII Eingliederungshilfe für seelisch behinderte Kinder: Antrag an das zuständige Jugendamt .
In den meisten Fällen gilt für Ihr Kind das SGB IX bzw. das SGB XII. Eine seelische Behinderung nach SGB VIII liegt vor, wenn ein Kind z.B. in Folge von Misshandlung und Missbrauch massive Verhaltensauffälligkeiten zeigt.
Finden Sie eine Einrichtung (z.B. Kindertagespflege, Frühförderstelle, Kindergarten, Kindertagesstätte oder auch Tagespflegeperson)
die in der Lage ist Ihr Kind aufzunehmen. Je nach örtlicher Situationen kann es vorkommen, dass z.B. ein Kindergarten (unabhängig davon, ob ein Kind eine Behinderung hat oder nicht) keinen freien Platz mehr hat. Hierzu sollen Sie wissen: Ab Geburt besteht unter bestimmten Voraussetzungen und ab dem 1. Lebensjahr besteht generell ein Rechtsanspruch auf einen Platz in einer Kindertageseinrichtung (siehe § 24 SGB VIII in der Fassung vom 01.08.2013). Rechtlich zuständig für genügend Plätze sind nicht die Einrichtungen selbst, sondern die Kommunalverwaltungen bzw. die Stadtverwaltung. Dort können Sie ggf. Ihr Recht durchsetzen.
Sie als Eltern beantragen bei der Sozialhilfeverwaltung Ihres Bezirks (siehe auch weiter unten auf dieser Seite) Einzelfallhilfe im Rahmen der Eingliederungshilfe für Ihr Kind. Es genügt ein formloser Antrag. Legen Sie am besten alle Gutachten, die bereits über Ihr Kind erstellt wurden (z.B. Gutachten der Frühförderstellen, vom Kinderarzt etc.) bei. Je deutlicher aus diesen Gutachten ersichtlich wird, dass das Kind behindert oder von Behinderung bedroht ist, desto leichter wird der Antrag vom jeweiligen Sachbearbeiter befürwortet werden. Im Zweifelsfall entscheidet dies ein Gutachter des zuständigen Gesundheitsamts.
Nachdem Sie den formlosen Antrag gestellt haben erhalten Sie die Formblätter eines Antrags auf Sozialhilfe. Bitte beachten Sie: Dieser Antrag ist kein vollständiger Antrag auf Sozialhilfe, selbst wenn Ihnen sämtliche Formblätter zugeschickt werden. Sie sind NICHT verpflichtet einen Vermögensnachweis zu führen!
Bayern: Für das weitere Vorgehen und der konkreten Förderung im Kindergarten sollten Sie auch die Unterschiede in den bayerischen Regierungsbezirken beachten; diese sind durch das neue BayKiBiG seit 1.1.2013 weitgehend angeglichen. Für Kinder im letzten Kindergartenjahr (Vorschulalter) zahlt Bayern lt. BayKiBiG einen Zuschuss zu den Kindergatengebühren in Höhe von 50 EUR pro Monat.
Der Kindergarten, in welchem Ihr Kind aufgenommen wird, beantragt möglichst zeitgleich den Pflegesatz für Ihr Kind. Die genauen Beträge und Bedingungen wurden zwischen den Kindergärten und dem jeweiligen Bezirk ausgehandelt. Deshalb müssen wir im Folgenden unterscheiden.
Bedingungen der Förderung Beratungsstelle
Der Kindergarten erhält
ca. 23 Euro pro Tag der Anwesenheit, den Tagespflegesatz
ca. 152 Euro pro Monat, wenn das Kind mindestens 5 Tage pro Monat anwesend ist
Grundlage dafür ist eine Leistungsvereinbarung, die der Bezirk mit dem Kindergarten trifft. Die Bedingungen dafür sind:
Das Kind muss mindestens 4 Stunden pro Tag anwesend sein
Der Kindergarten muss Zusatzpersonal (pädagogische Ausbildung erforderlich!) für die Dauer von 3-5 Stunden pro Woche beschäftigen. Da es sich um eine pädagogische Leistung handelt, umfasst dieses Stundenkontingent NICHT Therapiestunden z.B. von einem Logopäden. Diese werden ja von der Krankenkasse bezahlt und in manchen Gegenden kommen die Therapeuten in die Kindergärten, um z.B. die Logopädie durchzuführen. Die Integrationsfachkraft ist dafür da, den
Integrationsprozess des betreffenden Kindes zu begleiten und auch die Gruppenleitung zu beraten, welche Maßnahmen für das Kind wichtig wären.
Ephesusweg 6
Tel.: 0931 / 3599954
Fax: 0931 / 6667378
J.Erk@t-online.de
Beratungsstelle für Integration und Arbeitskreis integrativer Kindertagesstätten
Einzelintegration:
Bis zu 20% der Personalkosten für die 2. Fachkraftstelle (Kinderpflegerinnen, Berufspraktikanten, ...) in der Gruppe
Bis zu 100% der Personalkosten für fachübergreifende Dienste (auch behinderungsspezifische Fortbildung), durch Heilpädagogen, Psychologen etc. bis zu insgesamt zwei Stunden wöchentlich je behindertes Kind.
Ausfallende Elternbeiträge (bis maximal zwei je behindertes Kind), ohne Saft- und Spielgeld, sofern die Kindergartengruppe um diese zwei Plätze reduziert wird. Die Eltern des behinderten Kindes haben den Kindergartenbeitrag, wie auch die Eltern nicht behinderter Kinder, selbst zu tragen, ebenso die Fahrtkosten
Erhöhter Sachaufwand pauschal jährlich bis zu 50,00 Euro je behindertes Kind
ABER: Die Gesamtkosten der Maßnahme können jedoch nur bis zu der Höhe übernommen werden, die eine entsprechende Tagesstättenbetreuung bei einer schulvorbereitenden Einrichtung verursachen würde.
Gruppenintegration:
Förderung und maximale Kosten wie bei Einzelintegration, jedoch ausfallende Elterebeiträge für bis zu 10 Kinder in der Integrationsgruppe.
Voraussetzung ist eine rechtzeitige (spätestens 8 Wochen vor Beginn des Kindergartenjahrs) Beantragung des Kindergartens bei der Sozialverwaltung des Bezirks Oberpfalz , sowie die Zustimmung des Kindergartenträgers, der Kindergartenaufsichtsbehörde, sowie der Kommune. Genauere Informationen und Antragsformulare auf der Seite der Regierung Oberpfalz
Fachberatung für integrative Kindertagesstätten an der Regierung der Oberpfalz
Frau Eichenseher
Tel.: 0941 / 5680-606; -656
Fax: 0941 / 5680-9656
sandra.eichenseher@reg-opf.bayern.de
astrid.krueger@reg-opf.bayern.de
In Schwaben wurde im Jahr 2003 beschlossen, keine Einzelintegration im Kindergarten mehr zu fördern. Trotz dieses Beschlusses werden in Ausnahmefällen weiterhin Anträge auf
Einzelintegration genehmigt. Generell wird hier die Integration in Gruppen favorisiert.
Integrationsgruppen erhalten
eine Reduzierung der Gruppenstärke um 2-3 Kinder pro Kind mit Behinderung,
die Auflage, Zusatzpersonal für 5 Stunden pro Woche einzustellen, für das jedoch keine besondere pädagogische Ausbildung erforderlich ist
ein pauschales Entgelt pro Tag für Halbtages- oder Ganztagesbesuch
Kontaktstelle für Integrationsfragen	Caritasverband für die Diözese Augsburg e.V.
Tel.: 0821 / 3156-313 oder -275
m.kinne@caritas-augsburg.de
a.leeman@caritas-augsburg.de
Eine Integrationsgruppe erhält eine Reduzierung der Gruppenstärke um
2-3 Kinder pro Kind mit Behinderung, jedoch keine zusätzliche pädagogische Fachkraft. Stattdessen hat das Kind einen Anspruch darauf, von einem Fachdienst 2 Behandlungseinheiten pro Woche heilpädagogische, pädagogische oder psychologische Förderung (§53 SGB XII) zu erhalten.
Der Kindergarten erhält vom Sozialhilfeträger 27,30 Euro pro Öffnungstag,
wovon der Fachdienst und die therapeutische Betreuung zu bezahlen sind. Eine pädagogische Unterstützung für das Kindergartenpersonal ist nicht vorgesehen.
Auch in Oberbayern wird die Gruppenintegration bevorzugt. Integrationsgruppen werden lokal nach Bedarf eröffnet.
Kontaktstelle für Integrationsfragen
Eine Liste mit den Kontaktdaten der regionalen Ansprechpartner_innen finden Sie hier:
Liste mit Kontaktdaten (pdf-Datei des Bezirk Niederbayern)
Da die Situation in den einzelnen bayerischen Regierungsbezirken recht unterschiedlich ist, empfiehlt es sich eine der angegebenen Beratungsstellen für Ihren Regierungsbezirk anzusprechen. Häufig können auch die Frühförderstellen weiter helfen.
Die Anerkennung, dass ein Kind behindert oder von Behinderung bedroht ist (nach § 2 SGB IX oder nach § 35a SGB VIII), ist Voraussetzung für die Beantragung einer Eingliederungshilfe in Form eines Pflegeentgeltes, ohne das eine Integrationsgruppe oder Einzelintegration nicht finanziert werden kann.
Wichtig ist eine rechtzeitige Beantragung der Pflegeentgelte. Die Beantragung ist prinzipiell immer möglich, doch empfiehlt es sich die Termine für die Antragstellung für das kommende Kindergarten- oder Hortjahr bei der Sozialhilfeverwaltung zu erfragen.
Die Kosten für den pädagogischen Fachdienst sind im Pflegeentgelt enthalten, die des medizinischen Fachdienstes (Logopädie, Ergotherapie, ...) werden über die Krankenkasse des betroffenen Kindes abgerechnet.
Integrative Kindergärten in Bayern
6. Integrationsnetzwerk-Treffen am 09.10.2003
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