Source: https://www.rechtslupe.de/verwaltungsrecht/beamtenrecht/freigestellte-personalratsmitglieder-bundeswehr-3125674
Timestamp: 2019-08-22 17:41:55
Document Index: 387101718

Matched Legal Cases: ['§ 20', '§ 21', '§ 20', '§ 23', '§ 20', '§ 23', '§ 24', '§ 46', '§ 62', 'Art. 3', '§ 51', '§ 46', '§ 62', '§ 20', '§ 51', '§ 51', '§ 23', '§ 23', '§ 51', '§ 3', '§ 40', '§ 40', '§ 51']

In Umset­zung die­ser gesetz­li­chen Ver­pflich­tung hat das Bun­des­mi­nis­te­ri­um der Ver­tei­di­gung das Ver­fah­ren der sog. fik­ti­ven Lauf­bahn­nach­zeich­nung zunächst in der „Richt­li­nie für die För­de­rung vom Dienst frei­ge­stell­ter Sol­da­tin­nen und Sol­da­ten” vom 11.07.2002 und den hier­zu ergan­ge­nen „Erläu­te­run­gen zur Erlass­la­ge” vom 09.08.2010 gere­gelt und im Wesent­li­chen unver­än­dert in den heu­te gel­ten­den Zen­tral­er­lass B‑1336/​2 über­ge­lei­tet.
Das dort vor­ge­se­he­ne und auch im vor­lie­gen­den Fall anzu­wen­den­de Refe­renz­grup­pen­mo­dell ist nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts recht­lich nicht zu bean­stan­den1.
Die Bil­dung der Refe­renz­grup­pe nach dem Zen­tral­er­lass B‑1336/​2 unter­lag nicht der Anhö­rungs­pflicht in Per­so­nal­an­ge­le­gen­hei­ten gemäß §§ 20, 23 SBG (ab 2.09.2016: §§ 21, 24 SBG). Nach stän­di­ger Recht­spre­chung des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts kann das Anhö­rungs­recht der Ver­trau­ens­per­son bzw. des Per­so­nal­rats nach § 20 SBG nicht von dem mate­ri­el­len Betei­li­gungs­tat­be­stand des § 23 SBG getrennt wer­den; eine Rechts­ver­let­zung kann des­halb nicht iso­liert in der Miss­ach­tung der Anhö­rungs­vor­schrift des § 20 SBG, son­dern stets nur in der Ver­let­zung des Anhö­rungs­rechts in Ver­bin­dung mit einem mate­ri­el­len Betei­li­gungs­tat­be­stand lie­gen2. Ein Tat­be­stand, der eine Betei­li­gung der Ver­trau­ens­per­son bzw. des Per­so­nal­rats bei der Bil­dung einer Refe­renz­grup­pe für ein frei­ge­stell­tes Per­so­nal­rats­mit­glied anord­net oder eröff­net, ist in dem abschlie­ßen­den Kata­log des § 23 Abs. 1 Satz 1 SBG nicht ent­hal­ten (auch nicht in dem ab 2.09.2016 zum Teil erwei­ter­ten Kata­log des § 24 Abs. 1 und 2 SBG). Die Betei­li­gungs­rech­te der Ver­trau­ens­per­son bzw. des Per­so­nal­rats kön­nen auch nicht über die gesetz­li­chen Rege­lun­gen des Sol­da­ten­be­tei­li­gungs­ge­set­zes hin­aus – etwa durch Ver­wal­tungs­vor­schrif­ten oder durch Selbst­bin­dung einer Dienst­stel­le der Bun­des­wehr – erwei­tert wer­den3.
Mit die­sen Bestim­mun­gen hat das Bun­des­mi­nis­te­ri­um der Ver­tei­di­gung das Ermes­sen, das ihm bei der Umset­zung des Benach­tei­li­gungs­ver­bots aus § 46 Abs. 3 Satz 6 BPers­VG und § 62 Abs. 3 Satz 1 SBG4 zusteht, für sich und die nach­ge­ord­ne­ten Stel­len gebun­den. Außen­wir­kung gegen­über dem Sol­da­ten erlan­gen die Ver­wal­tungs­vor­schrif­ten mit­tel­bar über den all­ge­mei­nen Gleich­heits­satz des Art. 3 Abs. 1 GG5. Eine an Ver­wal­tungs­vor­schrif­ten ori­en­tier­te stän­di­ge Ver­wal­tungs­pra­xis ver­pflich­tet zur Gleich­be­hand­lung gleich­ge­la­ger­ter Fäl­le; ande­rer­seits kann der Sol­dat nur (und nicht mehr als) eine Behand­lung ent­spre­chend den gleich­mä­ßig voll­zo­ge­nen Ver­wal­tungs­vor­schrif­ten bean­spru­chen. Die tat­säch­lich geüb­te Ver­wal­tungs­pra­xis ist auch inso­fern von Bedeu­tung, als eine bestehen­de Ermes­sens­bin­dung durch eine hier­von abwei­chen­de Pra­xis aus sach­ge­rech­ten Erwä­gun­gen für die Zukunft geän­dert wer­den kann6. Eben­so ist die tat­säch­li­che Ver­wal­tungs­pra­xis maß­geb­lich, wenn die­se eine Ver­wal­tungs­vor­schrift auf bestimm­te Sach­ver­hal­te nicht anwen­det und so den Anwen­dungs­be­reich der Vor­schrift ein­schränkt7.
Die Refe­renz­grup­pe weist die regel­mä­ßig („soll­te”) erfor­der­li­che Min­dest­grö­ße von zehn Mit­glie­dern auf (Nr. 501 Abs. 1 Satz 2 ZE B‑1336/​2; zur Bedeu­tung der Min­dest­grö­ße vgl. BVerwG, Beschluss vom 11.12 2014 – 1 WB 6.13, Buch­holz 449.7 § 51 SBG Nr. 1 Rn. 36 ff.). Da im Jah­re 2003 neben dem Antrag­stel­ler nur zwei wei­te­re ver­gleich­ba­re Sol­da­ten in den Dienst­grad Stabs­feld­we­bel beför­dert wur­den (hier­zu noch nach­fol­gend, c), wur­den, um die Min­dest­grö­ße zu errei­chen, zuläs­si­ger­wei­se die unmit­tel­bar benach­bar­ten Jah­re 2002 und 2004 ein­be­zo­gen (Nr. 502 Abs. 2 ZE B‑1336/​2).
Die in dem Beschwer­de­be­scheid ange­führ­ten Grün­de für die tat­säch­li­che Ver­wal­tungs­pra­xis stel­len sach­ge­rech­te, dem Zweck des Benach­tei­li­gungs­ver­bots aus § 46 Abs. 3 Satz 6 BPers­VG und § 62 Abs. 3 Satz 1 SBG ent­spre­chen­de Erwä­gun­gen dar, die die Abwei­chung von dem Wort­laut der Ver­wal­tungs­vor­schrift recht­fer­ti­gen8.
Maß­geb­lich für den Ver­gleich ist der Stand der letz­ten plan­mä­ßi­gen dienst­li­chen Beur­tei­lung, die der Antrag­stel­ler für sei­ne Tätig­keit vor der Frei­stel­lung erhal­ten hat, also der plan­mä­ßi­gen dienst­li­chen Beur­tei­lung zum Vor­la­ge­ter­min 31.03.2005. In den dienst­li­chen Beur­tei­lun­gen zu die­sem Vor­la­ge­ter­min ist allen Refe­renz­grup­pen­mit­glie­dern die För­de­rungs­wür­dig­keit der Stu­fe „D” (zweit­bes­te Stu­fe nach den dama­li­gen Beur­tei­lungs­be­stim­mun­gen) zuer­kannt. Der Durch­schnitts­wert in der Bewer­tung der Leis­tun­gen im Beur­tei­lungs­zeit­raum bewegt sich bei den Refe­renz­grup­pen­mit­glie­dern zwi­schen 5, 813 und 6, 25, wobei der Antrag­stel­ler – annä­hernd mit­tig – einen Durch­schnitts­wert von „6, 063” auf­weist. Die­se Spann­brei­te von rund 0, 44 Wer­tungs­punk­ten ent­spricht dem Maß­stab eines „wesent­lich glei­chen Eig­nungs- und Leis­tungs­bilds„9. Nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts zu den dama­li­gen Beur­tei­lungs­be­stim­mun­gen (ZDv 20/​6) sind Unter­schie­de von bis zu einem hal­ben Wer­tungs­punkt (0,5) noch als gering­fü­gig anzu­se­hen, sodass die Leis­tungs­bil­der der betrof­fe­nen Sol­da­ten als „im Wesent­li­chen gleich” ange­se­hen wer­den kön­nen10.
Frei­ge­stell­te Per­so­nal­rats­mit­glie­der –… Das vom Bun­des­mi­nis­te­ri­um der Ver­tei­di­gung in der „Richt­li­nie für die För­de­rung vom Dienst frei­ge­stell­ter Sol­da­tin­nen und Sol­da­ten” vom 11.07.2002 und den hier­zu ergan­ge­nen „Erläu­te­run­gen zur Erlass­la­ge” vom 09.08.2010 gere­gel­te Refe­renz­grup­pen­mo­dell…
Infor­ma­ti­ons­an­spruch des Per­so­nal­rats im… Der Infor­ma­ti­ons­an­spruch der Ver­trau­ens­per­son bzw. (in per­so­nal­rats­fä­hi­gen Dienst­stel­len) des Per­so­nal­rats im Rah­men der Anhö­rung (§ 20 Satz 1 SBG) bezieht sich nur auf die Ent­schei­dungs­grund­la­gen der beab­sich­tig­ten Maß­nah­me. Aus ihm…
vgl. BVerwG, Beschlüs­se vom 11.12 2014 – 1 WB 6.13, Buch­holz 449.7 § 51 SBG Nr. 1 Rn. 32 ff.; vom 20.04.2016 – 1 WB 41.15 34 ff.; vom 21.07.2016 – 1 WB 8.16, Buch­holz 449.7 § 51 SBG Nr. 8 Rn. 28 ff.; und vom 04.05.2017 – 1 WB 5.16, Rn.19↩
vgl. BVerwG, Beschlüs­se vom 17.02.2009 – 1 WB 37.08, Rn.19; und vom 06.03.2014 – 1 WB 9.14, Buch­holz 449.7 § 23 SBG Nr. 10 Rn. 11↩
BVerwG, Beschluss vom 25.10.2011 – 1 WB 36.11, Buch­holz 449.7 § 23 SBG Nr. 9 LS und Rn. 42↩
bis 1.09.2016: § 51 Abs. 3 Satz 1 SBG↩
stRspr, vgl. BVerwG, Beschluss vom 28.05.2008 – 1 WB 19.07, Buch­holz 449 § 3 SG Nr. 44 Rn. 23↩
vgl. BVerwG, Beschluss vom 26.06.2007 – 1 WB 12.07, Buch­holz 449.2 § 40 SLV 2002 Nr. 3 Rn. 29↩
vgl. BVerwG, Beschluss vom 10.04.2008 – 1 WDS-VR 2.08, Rn. 27 ff.↩
vgl. BVerwG, Beschlüs­se vom 26.06.2007 – 1 WB 12.07, Buch­holz 449.2 § 40 SLV 2002 Nr. 3 Rn. 29; und vom 10.04.2008 – 1 WDS-VR 2.08, Rn. 27 ff.↩
vgl. BVerwG, Beschluss vom 21.07.2016 – 1 WB 8.16, Buch­holz 449.7 § 51 SBG Nr. 8 Rn. 42↩
BVerwG, Beschluss vom 25.09.2002 – 1 WB 27.02, BVerw­GE 117, 81, 84↩