Source: http://www.steuerberater-oberursel.com/aktuelle-themen/gutschrift-und-folgefehlervermeidung
Timestamp: 2018-03-19 12:36:15
Document Index: 38926682

Matched Legal Cases: ['Art. 226', '§ 14', '§ 14', '§ 15', '§ 14', '§ 14', '§ 14', '§ 14', '§ 31']

Umsatzsteuer: Gutschrift und Folgefehlervermeidung
Gutschrift und Folgefehlervermeidung
Der Mandant ist ein Verlag und rechnet als Leistungsempfänger gegenüber dem Schriftsteller üblicherweise mittels einer Gutschrift ab, bezeichnet die Abrechnung jedoch nicht als solche, sondern als Honorarrechnung. Es wird ein Honorar von 10.000 EUR netto und Umsatzsteuer in Höhe von 700 EUR abgerechnet und Vorsteuer vom Aussteller in Höhe von 700 EUR gezogen.
Der Vorsteuerabzug des Ausstellers in Höhe von 700 EUR ist zu versagen.
Hinweis: Nach EU-rechtlichen Vorgaben müssen seit 1. Januar 2013 umsatzsteuerliche Gutschriften als solche explizit bezeichnet werden (Art. 226 MwStSyStRL). Mit einer baldigen Implementierung in das deutsche Umsatzsteuerrecht ist zu rechnen und wird in diesem Beispiel deshalb bereits zugrunde gelegt.
Gemäß § 14 Abs. 2 Satz 2 UStG gilt eine Gutschrift, mit der ein Unternehmer als Leistungsempfänger über steuerpflichtige Lieferungen und Leistungen abrechnet, grds. als eine zum Vorsteuerabzug berechtigende Rechnung.
Die Versagung der Ausübung des Vorsteuerabzugs ergibt sich aus der geplanten Neuregelung des § 14 Abs. 4 Nr. 10 UStG-E, der bei einer Abrechnung durch den Leistungsempfänger die Bezeichnung Gutschrift als zwingenden Rechnungsbestandteil normiert. Die Neuregelung wird voraussichtlich für Leistungszeiträume ab dem 1. Januar 2013 gelten. Das hat zur Folge, dass hier dann keine ordnungsgemäße, zum Vorsteuerabzug berechtigende Rechnung vorliegt (§ 15 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 UStG).
Wird die Vorsteuer aus einer Rechnung gezogen, die nicht den Anforderungen des § 14 Abs. 4 UStG entspricht, kann das zu einer Verzinsung der Steuernachforderung führen.
Vor Ausstellung der Gutschrift: Vor der Ausstellung der Gutschrift sollte genau darauf geachtet werden, dass der Aussteller das Wort Gutschrift und nicht Rechnung verwendet, um den Anforderungen des § 14 Abs. 4 Nr. 10 UStG-E gerecht zu werden und den Vorsteuerabzug zu gewährleisten.
Rechnungskorrekturen bzw. Berichtigungen sollten zukünftig nicht mehr als Gutschrift bezeichnet werden, um Verwechslungen mit einer Abrechnung durch den Leistungsempfänger und eine Steuerschuld nach § 14c UStG zu vermeiden.
Korrekturmöglichkeiten nach Ausstellung: Berichtigt der Gutschriftaussteller die Honorarabrechnung, indem er sie als Gutschrift bezeichnet, kann die Vorsteuer ab dem Zeitpunkt der Korrektur der Honorarabrechnung abgesetzt werden und eine etwaige Verzinsung zu einem späteren Zeitpunkt kommt nicht mehr in Betracht. Der Aussteller muss jedoch zusätzlich dafür sorgen, dass die berichtigten Gutschriften dem leistenden Unternehmer zugehen.
Allerdings ist zu beachten, dass nicht jede Korrektur einer Rechnung eine wirksame Korrektur darstellt. Ggf. kann es sogar zu einer Steuerschuld nach § 14c UStG kommen, wenn dasselbe Abrechnungspapier mehrfach in den Rechtsverkehr gelangt und die Korrektur nicht ordnungsgemäß erfolgt. Um diese Folgen zu vermeiden, sollte der Aussteller entweder eine Stornierung der ursprünglichen Honorarabrechnung vornehmen oder einen zusätzlichen Beleg erstellen, der sich auf die ursprüngliche Rechnung bezieht, da eine Rechnung aus mehreren Belegen bestehen kann (§ 31 UStDV).
Juliane Herrn, RAin, FAStR