Source: https://erbrecht.iusnet.ch/de/stichworte/%C3%B6ffentliches-inventar
Timestamp: 2020-08-11 00:21:10
Document Index: 253229238

Matched Legal Cases: ['in casu', 'Art. 580', 'Art. 567', 'Art. 582', 'Art. 582', 'Art. 495']

Erbrecht > Stichworte > Öffentliches Inventar
Zu Unrecht erfolgte Verweigerung der Verlängerung der Deliberationsfrist?
Nicht nur Gründe oder Umstände, die Klarheit bezüglich der Solvenz der Erbschaft schaffen, sondern auch solche, die es den Erben erlauben, den Grad der Überschuldung abzuschätzen, können eine Verlängerung der Deliberationsfrist rechtfertigen. Da der Nachlass in casu aber selbst bei Wegfall der bestrittenen Steuerschuld noch massiv überschuldet wäre und die Beschwerdeführer betreffend die behauptete Unterbewertung der Aktiven und Überbewertung der Passiven die Feststellungen des Obergerichts nicht umzustossen vermögen, kann dem Obergericht beim Entscheid über die Fristverlängerung keine falsche Ermessensausübung vorgeworfen werden.
Weiterlesen über Zu Unrecht erfolgte Verweigerung der Verlängerung der Deliberationsfrist?
Beginn der Frist, während der ein öffentliches Inventar verlangt werden kann
101 2019 317
Kantonsgericht FR
Die Frist für das Begehren um Aufnahme eines öffentlichen Inventars beginnt für gesetzliche Erben auch dann, wenn sie vom Erblasser auf den Pflichtteil gesetzt wurden, mit dem Zeitpunkt, an dem sie vom Tod des Erblassers bzw. ggf. vom Erbfall Kenntnis erhalten haben (Art. 580 Abs. 2 i.V.m. Art. 567 Abs. 2 ZGB). Da der Zeitpunkt, an welchem die Gesuchsteller vom Tod des Erblassers erfahren haben, für den Beginn des Fristenlaufs und damit für die Beurteilung des Gesuchs massgebend ist, hätte das Gericht unter der auf das Verfahren der freiwilligen Gerichtsbarkeit anwendbaren sozialen Untersuchungsmaxime die Pflicht gehabt, die Gesuchsteller aufzufordern, sich entsprechend zu äussern.
iusNet ErbR 17.01.2020
Weiterlesen über Beginn der Frist, während der ein öffentliches Inventar verlangt werden kann
Beanstandung der Aufnahme einer verspätet angemeldeten Forderung in das öffentliche Inventar
VB190002
Da das Inventar seine Präklusivwirkung auch gegenüber zu Unrecht nicht im Inventar aufgenommenen Forderungen entfaltet und dies gegenüber den Erben, die unter öffentlichem Inventar angenommen haben, im Zivilprozess nicht mehr geltend gemacht werden kann, muss es den Betroffenen möglich sein, eine allfällige Verletzung formeller Inventarisierungsvoraussetzungen gemäss Art. 582 f. ZGB mit einem Rechtsmittel zu beanstanden, und zwar im Rahmen der vom Einzelgericht zu prüfenden Beschwerde ohne Kognitionsbeschränkung. Das muss auch für i.S.v. Art. 582 f. zu Unrecht aufgenommene Forderungen gelten.
Weiterlesen über Beanstandung der Aufnahme einer verspätet angemeldeten Forderung in das öffentliche Inventar
Kann ein durch Vertrag und Testament vollständig übergangener Erbe ein öffentliches Inventar verlangen?
ZK2 2018 65 und ZK2 2018 66
Die Berechtigung, ein öffentliches Inventar zu verlangen, setzt voraus, dass der Erbe die Erbschaft noch ausschlagen kann. Damit ist von einem engen Erbenbegriff auszugehen. Enterbte und durch Verfügung Todes wegen ausgeschlossene oder durch Erbvertrag i.S.v. Art. 495 ZGB ausgekaufte Erben können ein öffentliches Inventar erst dann verlangen, wenn sie ihre Erbenstellung aufgrund eines Herabsetzungs- bzw. Ungültigkeitsurteils zu ihren Gunsten erlangt haben.
iusNet ErbR 12.06.2019
Weiterlesen über Kann ein durch Vertrag und Testament vollständig übergangener Erbe ein öffentliches Inventar verlangen?
Anforderungen an das öffentliche Inventar
PF180002
Das öffentliche Inventar bezweckt u.a., den Erben die für den Entscheid über Annahme oder Ausschlagung der Erbschaft nötigen Informationen zu verschaffen. Die zuständige Behörde hat daher vor Ansetzung der Deliberationsfrist zu prüfen, ob das Inventar vollständig durchgeführt wurde und den gesetzlichen Anforderungen genügt. Fehlen das Verzeichnis der Vermögenswerte und Schulden der Erbschaft sowie die Schätzung der Inventarstücke, ist das Inventar von ihr als mangelhaft zurückzuweisen.
Weiterlesen über Anforderungen an das öffentliche Inventar
Der beschränkte Zweck des öffentlichen Inventars besteht darin, die Erben über die Aktiven und Passiven der Erbschaft zu informieren und ihnen die Möglichkeit zu geben, in Form des Instituts der Annahme der Erbschaft unter öffentlichem Inventar die Schuldenhaftung zu beschränken. Dies lässt es nicht als notwendig erscheinen, den Erben eine mehr als einmalige Einsichts- und Äusserungsmöglichkeit einzuräumen.
Weiterlesen über Einsprache- und Äusserungsmöglichkeit zum öffentlichen Inventar
101 2018 135
Die Frist zur Annahme oder Ausschlagung der Erbschaft im Verfahren betreffend öffentliches Inventar ist auch mehrmals erstreckbar, sofern die Umstände es rechtfertigen. Nicht erstreckbar ist dagegen die Auflagefrist.