Source: https://www.up-aktuell.de/aktuell/2019/09/bloss-nichts-anbrennen-lassen.html
Timestamp: 2019-10-15 03:31:36
Document Index: 212478087

Matched Legal Cases: ['§ 10', '§ 5', '§ 3', '§ 5', '§ 10', '§ 4']

Bloß nichts anbrennen lassen! – up|unternehmen praxis
Brandschutz beginnt bei der Gefährdungsbeurteilung
Ein lauschiges Lagerfeuer im Sommer, im Winter das gemütliche Knistern des Kamins: wie schön Feuer doch sein kann! Das ändert sich jedoch schnell, wenn wir die Kontrolle darüber verlieren. In der Praxis können bereits kleine Brände verheerende Folgen haben – für Ihre Mitarbeiter und Patienten, aber auch aus wirtschaftlicher Sicht. Wie genau der Brandschutz auszusehen hat, hängt primär von zwei Faktoren ab: gesetzlichen Vorschriften und den Ergebnissen aus Ihrer Gefährdungsbeurteilung.
iStock: Stefanie Keller
Nehmen wir an, es kommt auf Grund eines schadhaften Kabels zu einem Kurzschluss, der nach Praxisschluss ein Feuer verursacht. Die Praxisräume sind nicht mehr nutzbar, der Schaden hoch. Da wegen Renovierungsarbeiten die Praxis mehrere Wochen geschlossen bleibt, gehen einige Patienten zur Konkurrenz. In der Nachbarschaft kursieren zudem Gerüchte von nicht ausreichendem Brandschutz – ein großer Imageverlust droht. Und obwohl Ihre Mitarbeiter keine Arbeitsleistung erbringen können, steht am Monatsende die nächste Lohnzahlung an.
Aber die Versicherung, die zahlt ja wenigstens! Nein, auch das ist nicht immer gesagt. Ist der Brand etwa auf fahrlässiges Verhalten zurückzuführen, bleiben Sie auf den Kosten sitzen. Und kommt es dann noch zu einem Personenschaden, haben Sie im Ernstfall direkt auch noch einen zivil- oder strafrechtlichen Prozess am Hals. Viele Gründe, den Brandschutz wirklich ernst zu nehmen.
Grundprinzipien des Brandschutzes
Da Brände für Ihre Mitarbeiter ein gesundheitliches Risiko darstellen, sind Sie als Arbeitgeber laut § 10 Arbeitsschutzgesetz dazu verpflichtet, Brandschutzmaßnahmen zu etablieren. Diese umfassen bauliche, technische und organisatorische Maßnahmen, die den Vorgaben vieler verschiedener Gesetze, Vorgaben und Regelungen entsprechen müssen (siehe Kasten unten).
Doch nicht nur Sie als Unternehmer sind in der Pflicht, auch Ihre Mitarbeiter müssen laut der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV) ihren Teil zum Thema Brandschutz beitragen, indem sie den Weisungen zur Brandverhütung Folge leisten und durch ihr Verhalten alle Maßnahmen zur Verhütung von Bränden und Explosionen unterstützen.
Wie diese Brandschutzmaßnahmen konkret auszusehen haben, hängt von unterschiedlichen Faktoren ab – etwa dem Standort der Praxis, den dort verwendeten elektronischen Geräten und baulichen Besonderheiten. Daher muss auch jede Praxis ein individuelles Brandschutzkonzept erarbeiten. Basis dessen ist die Gefährdungsbeurteilung nach § 5 Arbeitsschutzgesetz (ArbSchG). Anhand dieser ermitteln Sie, welche Risiken es im Hinblick auf Feuer und Brände in Ihrer Praxis gibt und welche Maßnahmen notwendig sind, um die Gefährdung zu minimieren bzw. ganz zu beseitigen. Unterstützen lassen können Sie sich dabei von einem Brandschutzbeauftragten.
Hier einige Beispiele für potenzielle Gefährdungen:
Schadhafte elektronische Geräte, etwa mit defekten Kabeln oder Steckern
Nicht ordnungsgemäß ausgeschaltete Geräte, etwa das Wasserbad zum Erwärmen der Fangopackung, aber auch die Kaffeemaschine
Lampen, die mit Handtüchern abgedeckt werden
Größere Mengen alkoholhaltige Reinigungsmittel, die neben Papier gelagert werden
Kochplatte in der Gemeinschaftsküche, die als Ablagefläche genutzt wird
Mit Kartons (oder gar Möbeln) zugestellte Fluchtwege
Zu wenige oder nicht ordnungsgemäß gewartete Feuerlöscher
Fehlende Unterweisung der Mitarbeiter zum Thema Verhalten im Brandfall
Hier finden Sie eine Checkliste mit allgemeinen Hinweisen zum Thema Brandschutz, die für alle Praxisinhaber relevant sind.
Allgemeine Gesetze und Vorschriften
Es gibt viele verschiedene Gesetze, Vorschriften und Regelungen, die beim Thema betrieblicher Brandschutz zum Tragen kommen. Zu den allgemein wichtigsten zählen:
Betriebssicherheitsverordnung (BetrSichV) (§ 3 Gefährdungsbeurteilung)
Arbeitsschutzgesetz (ArbSchG) (§ 5 Beurteilung der Arbeitsbedingungen, § 10 Erste Hilfe und sonstige Notfallmaßnahmen)
Arbeitsstättenverordnung (ArbStättV) (§ 4 Besondere Anforderungen an das Betreiben von Arbeitsstätten)
Elektrische Anlagen und Betriebsmittel | DGUV Vorschrift 3
Sicherheits- und Gesundheitsschutzkennzeichnung | Technische Regel für Arbeitsstätten ASR A1.3
Umfangreiche Informationen zum Thema Brandschutz, Löschmittel und Co. finden Sie in der Technischen Regel für Arbeitsstätten „Maßnahmen gegen Brände“.