Source: https://www.wf-frank.com/detail/article/pflichtteil-in-den-usa-1629.html
Timestamp: 2020-07-12 19:58:47
Document Index: 178143793

Matched Legal Cases: ['§ 2', '§ 2', '§ 2', '§ 2', '§ 2', '§ 2', '§ 2', '§ 2']

Als Rechtsanwälte für deutsch-amerikanisches Erbrecht werden wir oft gefragt, welche Ansprüche Angehörige, welche im Testament nicht bedacht wurden haben und ob es einen Pflichtteil in den USA gibt. Der Beitrag erläutert die Grundzüge des amerikanischen Erbrechts betreffend die Rechte des überlebenden Ehegatten und der Kinder und gibt weiterführende Hinweise zum Pflichtteil.
Die Vereinigten Staaten von Amerika (USA) haben kein einheitliches Erbrecht. Vielmehr haben alle 50 US-Bundesstaaten und der District of Columbia ihr eigenes Erbrecht. Ein"amerikanisches Erbrecht" oder "Erbrecht der USA" gibt es daher nicht. Allerdings gibt es gewisse Prinzipien, die in allen US-Bundesstaaten gleich sind. Wenn nachfolgend daher von "Erbrecht der USA" oder "amerikanischen Erbrecht" gesprochen wird, so sind hiermit solche einheitlichen Prinzipien gemeint. Neben solchen Prinzipien, greift die nachfolgende Darstellung die Regelungen des Uniform Probate Code (UPC) auf.
Das US-amerikanisches Erbrecht ist vom Grundsatz der Testierfreiheit beherrscht und einen Pflichtteil im Sinne einer quotalen, wertmäßigen Beteiligung am Nachlass, gibt es in keinem US-Bundesstaaten (mit Ausnahme von Louisiana, welches für Kinder unter 24 Jahren eine Art Pflichtteil vorsieht).
Hinweis: Denken Sie daran, dass ein Pflichtteil natürlich insoweit in Betracht kommt, als auf den Nachlass deutsches Erbrecht anzuwenden ist. Dies kann z.B. der Fall sein, wenn der Erblasser eine Immobilie in Deutschland hatte oder wenn der "gewöhnliche Aufenthalt" des Erblassers in Deutschland war oder wenn es unbewegliches Vermögen (z.B. ein Haus) in Deutschland gab.
In den US-Bundesstaaten, die den UPC insoweit umgesetzt haben und weiteren Staaten (z.B. Florida, New York) kann der überlebende Ehegatte den Wahlanteil (elective share) verlangen, vgl. § 2-202 UPC. Der betreffende Nachlass (elective estate) umfasst
der dem probate-administration Verfahren unterliegende Netto-Nachlass, § 2-204 UPC;
den Anteil des Erblassers an Vermögensgegenständen, welche außerhalb des Nachlasses dritten Personen zufallen sind, § 2-205 UPC;
den Anteil des Erblasser an Vermögensgegenständen, welche außerhalb des Nachlasses an den Ehegatten übergehen, § 2-206 UPC; und
Vermögen, welches der überlebendem Ehegatten gemeinsam mit dem Erblasser gehörte, § 2-207 UPC.
Der überlebende Ehegatte erhält in vielen US-Bundesstaaten das Familienheim als homestead vorab, § 2-402 UPC. Dieses Recht ist oftmals auch in der Verfassung verankert.
Der überlebende Ehegatte erhält einen bestimmten Betrag in Geld als homestead allowance, § 2-402 UPC.
Ausgenommenes Vermögen (Exempt property)
Zusätzlich zur homestead allowance erhält der überlebende Ehegatte als Freiteil für die Haushaltsgegenstände $ 10.000,--, § 2-403 UPC. Wir der Erblasser nicht von einem Ehegatten überlebt, treten an seine Stelle die Kinder.
Nach dem Ehegüterrecht einiger US-Bundesstaaten (Arizona, California, Idaho, Louisiana, Nevada, New Mexico, Texas, Washington und Wisconsin) bilden die Eheleute eheliches Gesamtgut (community property), welches beim Tod eines Ehegatten auseinanderzusetzen ist. Es kann daher sein, dass der überlebende Ehegatte 1/2 des Gesamtvermögens bei Auflösung des Gesamtguts erhält.
Jan-Hendrik Frank 11.02.2014