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Timestamp: 2017-06-27 03:32:13
Document Index: 333867761

Matched Legal Cases: ['Art. 3', 'Art. 134', '§ 9', '§ 9', '§ 11', '§ 11']

Valuation in Germany · Unternehmensbewertung: August 2010
Eine Generation später zeigt die Fortsetzung von Wall Street – die im nächsten Monat in die Kinos kommt –, wie Gekko aus dem Gefängnis entlassen wird und in die Finanzwelt zurückkehrt. Dies geschieht unmittelbar bevor die durch den Boom bei den Subprime-Hypotheken angeheizte Kreditblase platzt und die größte Finanz- und Wirtschaftskrise seit der Großen Depression auslöst.... Weiter
Copyright: Project Syndicate 2010www.project-syndicate.orgAus dem Englischen von Jan Doolan
---Warum Finanzmärkte nur mit Gier funktionieren
Die Argumentationsfunktion der funktionalen Unternehmensbewertung ist bis heute die am wenigsten durchdrungene Hauptfunktion der Unternehmensbewertung. Diese theoretische Vernachlässigung ist wohl auf den Aspekt zurückzuführen, dass mit Hilfe des durch die Argumentationsfunktion gebildeten Argumentationswerts eine Änderung des Verhaltens oder wenigstens der Sichtweise des Verhandlungspartners anzustreben ist. MATSCHKE / BRÖSEL:
Als Argumentationswert wird nicht eine einzelne Wertgröße, sondern die Gesamtheit von Begründungen (Argumenten) bezeichnet, die eine Verhandlungspartei mit dem Ziel der Verbesserung der eigenen Verhandlungsposition oder der Schwächung der Position des Verhandlungspartners und somit der Erreichung eines günstigeren Verhandlungsergebnisses selbst vorträgt oder auch vortragen läßt. (Matschke, Manfred Jürgen / Brösel, Gerrit: Unternehmensbewertung, 2. Auflage, Wiesbaden 2006, S. 503)
Das Ziel, Verhaltensänderungen seines Verhandlungspartners zu bewirken, setzt Kenntnisse über die Bestimmungsgründe des tatsächlichen menschlichen Entscheidungsverhaltens voraus; das idealtypische Konzept der Annahme rationalen Verhaltens ist für diesen Zweck ungeeignet. Erfahrungsgemäß bewegt sich das menschliche Entscheidungsverhalten auf einer stetigen Skala von "beschränkt rational" bis "vorhersehbar irrational". Angesichts dessen rücken beispielsweise experimentelle Untersuchungen des beschränkt rationalen Verhaltens in Finanzmärkten in den naturgemäß noch sehr weiten Blickwinkel des Interesses. Das BonnEconLab, Laboratorium für experimentelle Wirtschaftsforschung der Universität Bonn, hat kürzlich ein gleichnamiges Forschungsprojekt begonnen:
Im Rahmen des Forschungsprojekts soll das Anlegerverhalten auf Finanzmärkten im Laboratorium untersucht werden. Im Vergleich zu früheren Laboratoriumsuntersuchungen betrachten wir in unserer Studie den Finanzmarkt nicht losgelöst von der Realwirtschaft, sondern betten ihn in eine stochastisch wachsende Volkswirtschaft ein. Die Angebotsseite der Laboratoriumsökonomie wird durch einen stochastischen Prozess simuliert. Die zugrunde liegende Wachstumsverteilung ist den Akteuren der Laboratoriumsökonomie bekannt. Da das realisierte Wachstum der Vorperiode bekannt ist, lässt sich in jeder Periode die Entscheidung berechnen, die den erwarteten Unternehmungsgewinn maximiert.
Das herausragende Ziel unseres Forschungsprojekts ist letztendlich die Formulierung einer deskriptiven, verhaltensökonomischen Theorie der Unternehmensbewertung. An diesem Projekt beteiligt sind Reinhard SELTEN, Tibor NEUGEBAUER und Simon ZEHNDER. BonnEconLab wurde 1984 von Nobelpreisträger Reinhard SELTEN gegründet.
Exkurs "Rationalität":
In der ökonomischen Theorie ist die Auffassung vorherrschend, dass das wirtschaftliche Verhalten durch Optimierungsansätze beschrieben werden kann. Es werden unbegrenzte Denk- und Rechenfähigkeiten unterstellt. Die experimentelle Forschung der letzten Jahrzehnte hat deutlich gezeigt, dass dieser Ansatz nicht mit der Wirklichkeit übereinstimmt. Es ist das Ziel des Projekts, eine wirklichkeitsnähere Theorie der eingeschränkten Rationalität zu entwickeln. Der Ausgangspunkt ist die Annahme, dass Menschen weder über eine konsistente Präferenzordnung verfügen noch über die Informationsverarbeitungskapazität für vollständige und konsistente Wahrscheinlichkeitsurteile. Die angestrebte Theorie wird daher nicht-optimierendes Verhalten beschreiben, das auf Prozeduren gestützt ist, deren einzelne Schritte durchaus vernünftig sind. Im Laufe des Projektes werden fünf Problembereiche untersucht werden: Zielbildung, Anspruchsanpassung, qualitatives Schliessen, fallbasierte Entscheidung und innere Konflikte. Die an die Ziele gerichteten Ansprüche werden durch Anspruchsanpassung an die Entscheidungsergebnisse angepasst. Die Ziel- und Anspruchsbildung wird auf qualitative mentale Modelle gestützt. Eingeschränkt rationale Entscheidung beruht auf Fallunterscheidung. In den einzelnen Fällen werden unterschiedliche Prozeduren verwendet. Die Motivation für eingeschränkt rationale Entscheidungen beruht auf emotionalen Antrieben, die sich im Konflikt miteinander befinden können. Es ist daher wichtig, die Rolle dieser inneren Konflikte im Entscheidungsprozess zu untersuchen. Die theoretische Forschung soll auf umfangreiche experimentelle Untersuchungen gestützt werden, die am Laboratorium für experimentelle Wirtschaftsforschung der Universität Bonn stattfinden werden. (Akademieprojekt Rationalität im Lichte der experimentellen Wirtschaftsforschung, Leiter: Reinhard SELTEN) Eingestellt von
The valuation accuracy of equity valuation using a combination of multiples Abstract Purpose Aims to examine a comprehensive approach to combine several simple multiple valuation, so as to improve the valuation, accuracy of the simple multiple valuation technique. Design/methodology/approach In order to combine several simple multiple valuations, the equity value is estimated by a weighted average of the valuation outcomes obtained from several simple multiple valuations. To calculate the weight of each valuation outcome, the out-of-sample price-deflated regression of stock prices on several simple multiple valuation outcomes is conducted. Next, the alternative hypothesis of whether the composite approach yields a higher valuation accuracy than the simple multiple valuation is tested, using the actual stock price of the valued firm as the benchmark to measure the valuation accuracy under the assumption of market efficiency. Findings It was found that combining several simple multiple valuation outcomes of a firm, each of which is based on a stock price multiple to a historical accounting performance measure of the comparable firms (historical multiple), improves the valuation accuracy of the simple multiple valuation using a single historical multiple. However, further analysis shows that the combination of the simple multiple valuation outcomes based on a stock price multiple to analysts’ earnings forecasts of the comparable firms (forward earnings multiple) and several simple multiple valuation outcomes based on historical multiples does not improve the valuation accuracy of the simple multiple valuation using a forward earnings multiple. Research limitations/implications One caveat of this study is that only the linear combination of the simple multiple valuation outcomes is considered. Non-linear combination of the simple multiple valuation outcomes based on both forward earnings multiple and historical multiples may be able to improve the valuation accuracy of the simple multiple valuation using a forward earnings multiple. This possibility is still an open question. Practical implications The findings imply that a historical multiple contains incremental information not captured by other historical multiples, which is useful for the improvement of the valuation accuracy. However, the historical multiples may have no incremental information beyond a forward earnings multiple. Originality/value The forward earnings multiples as well as the historical multiples for the equity valuations of broader firms are considered. Given the previous finding that forward earnings multiple presents the highest valuation accuracy among the valuation multiples, it is further investigated whether the composite approach using forward earnings multiple and historical multiples can improve the valuation accuracy of the simple multiple valuation using a forward earnings multiple. In addition, the potential problem of selection bias in the previous study is addressed, which examines only the equity valuations in the tax court.
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The Austrian School of Economics derives its name from its Austrian founders and early supporters. Members of this school approach economics as an a priori system like logic or mathematics, not as an empirical science like physics. They strive to discover axioms of the science of human action (called "praxeology") and deduce further truths. Some of these axioms are: humans act purposefully; humans prefer more of a good to less; humans prefer to receive a good sooner rather than later; and each party to a trade benefits ex ante. There is much more. This wiki attempts to create an easily accessible and well documented overview of the Austrian School. Please help to make it grow. Austrian Economics Wiki
Multiplikatorverfahren zur relativen Bewertung am Kapitalmarkt haben in den letzten Jahren immer mehr an Bedeutung gewonnen. Ihr Grundprinzip, das auf dem "Law of one Price" beruht, ist allerdings alt. SCHMALENBACH hat bereits 1949 in seinem Werk "Beteiligungsfinanzierung" dieses Prinzip ausführlich als "Leistungseinheitswertmethode" beschrieben. Im Multiplikatorverfahren wird der Marktwert eines Unternehmens aus den Marktpreisen vergleichbarer Unternehmen gewonnen. Damit folgt es einer Systematik, die sich von den zahlungsstromorientierten Verfahren auf den ersten Blick grundsätzlich unterscheidet. Auf den zweiten Blick erkennt man jedoch: Die Verwendung eines Multiplikators bedeutet nicht, dass jemand bereit ist, einen Preis für eine Gewinn- oder Umsatzgröße zu bezahlen. Dass der präsumtive Käufer eines Unternehmens nicht bereit ist, einen Preis für eine Gewinn- oder Umsatzgröße zu bezahlen, ist im Grunde darauf zurückzuführen, dass es sich bei der Anwendung der Multiplikatorverfahren der Unternehmensbewertung um einen logisch unzulässigen Übergang vom Ist zum Soll handelt: HUMES Gesetz Aus deskriptiven Aussagen können keine präskriptiven Aussagen abgeleitet werden.
Der schottische Philosoph David HUME hat als erster ausdrücklich und mit großer Klarheit auf diesen Zusammenhang hingewiesen. HUMEs Gesetz wird in der modernen philosophischen und wissenschaftstheoretischen Diskussion häufig mit dem "naturalistischen Fehlschluss" gleichgesetzt. Der Begriff "Naturalistic Fallacy" wurde von George E. Moore in seinem 1903 veröffentlichten Werk "Principia Ethica" (Cambridge) geprägt. "Principia Ethica" wird mit dem folgenden Zitat eröffnet: "Everything is what it is, and not another thing" (Bishop Joseph Butler).
Auch der Einteilung der Wissenschaften in Natur- und Geisteswissenschaften, die auf den Neukantianismus zurückgeht, liegt die Differenz zwischen Tatsachen und Werten zugrunde. --- Multiplikatorverfahren in der Unternehmensbewertung Eingestellt von
Und dennoch: Obwohl diese Zentralbanken uns vor der Krise im Stich gelassen haben, sollten sie trotzdem die führende Rolle beim Verhindern der nächsten Krise übernehmen. Zu diesem vielleicht nicht ganz eingängigen Schluss kommt die Squam Lake Group [http://squamlakegroup.org/], eine Expertenkommission aus 15 Finanzwissenschaftlern, der ich angehöre, in ihrem jüngst veröffentlichten Bericht, Fixing the Financial System (in engl. Sprache)... Weiter
Copyright: Project Syndicate 2010www. project-syndicate.orgAus dem Englischen von Anke Püttmann
Animal Spirits und Rückkopplungsschleifen an den Finanzmärkten Eingestellt von
Michael OLBRICH, Direktor des Instituts für Wirtschaftsprüfung an der Universität des Saarlandes, hat am 18. Juni 2010 gemeinsam mit Christoph HARES und Alexander PAULY einen wegweisenden Aufsatz zur
(DStR 24 / 2010, S. 1250-1256) veröffentlicht.
Zu den Hintergründen der Erbschaftsteuerreform:
Jahrzehntelang wurden Betriebsvermögen im Regelfall deutlich geringer bewertet, als es ihrem Verkehrswert entsprach, während Finanzanlagen mit ihrem Kurs- oder Nominalwert in die Bemessungsgrundlage eingingen. Das Bundesverfassungsgericht hatte dies mit seinem Beschluss vom 7. November 2006 für verfassungswidrig erklärt und eine Neuregelung bis Ende 2008 vorgeschrieben. Die neuen Regelungen der Erbschaft- und Schenkungsteuer sind seit 1. Januar 2009 wirksam.
Welche wesentlichen verfassungsrechtlichen Anforderungen waren an das neue Erbschaft- und Schenkungsteuerrecht zu stellen? Im Steuerrecht ist die Verteilungsgerechtigkeit oberstes Ziel. Dieses Gebot der Gerechtigkeit entspringt der Moralphilosophie. Die Unterscheidung zwischen Verteilungsgerechtigkeit und Austauschgerechtigkeit wird auf ARISTOTELES zurückgeführt (Tipke: StuW 2007, S. 201, 203). Verteilungsgerechtigkeit ist aber zunächst eine Leerformel und bedarf deshalb eines Maßstabs. Bei der Umsetzung der Verteilungsgerechtigkeit ist der allgemeine Gleichheitssatz maßgebend, wonach wesentlich Gleiches gleich und wesentlich Ungleiches ungleich zu behandeln ist. Für das Steuerrecht bedeutet dies, dass die Steuerlast an der finanziellen Leistungsfähigkeit des Steuerpflichtigen auszurichten ist. Das Prinzip der Leistungsfähigkeit wird im Steuerrecht als ein sachgerechter Vergleichsmaßstab für den allgemeinen Gleichheitssatz des Art. 3 Abs. 1 GG anerkannt. Dieses Leistungsfähigkeitsprinzip geht auf Art. 134 der Weimarer Verfassung (WRV) zurück, der besagt, dass alle Bürger ohne Unterschied im Verhältnis ihrer Mittel zu allen öffentlichen Lasten nach Maßgabe der Gesetze beitragen. Im Kontext der Bewertung eines ererbten Unternehmens ist es wichtig, zu verstehen, dass die Erbschaftsteuer eine Erbanfallsteuer ist, die nicht den Nachlass als solchen besteuert, sondern die individuelle Bereicherung des Erbempfängers. Es erfolgt also keine Besteuerung der Substanz, die dem Nachlass des Erblassers entspricht, sondern eine Besteuerung des Einkommens des Erben (Birnbaum: Leistungsfähigkeitsprinzip und ErbStG, 2007, S. 37 / Tipke: Die Steuerrechtsordnung II, 2000, S. 872 / Seer: StuW, 2005, S. 353, 357).
Die Erbschaftsteuer wird durch die anfallende Bereicherung, die eine Steigerung der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit nach sich zieht, gerechtfertigt, knüpft an das Leistungsfähigkeitsprinzip an und wird dadurch der Leitlinie gerecht, die sich aus dem allgemeinen Gleichheitssatz ergibt.
OLBRICH et. al. weisen den steuer- und wirtschaftsberatenden Berufen den rechten Weg, um nach der zum 1. Januar 2009 in Kraft getretenen Erbschaftsteuerreform den Verkehrswert von Unternehmen mit betriebswirtschaftlichen Methoden zu ermitteln. Die von den Autoren für nicht börsennotierte Gesellschaften vorgeschlagene Anwendung der Entscheidungsfunktion der funktionalen Bewertungstheorie ist deshalb als der rechte Weg zu bezeichnen, weil sie das vom Gesetzgeber nolens volens erzeugte Spannungsfeld zwischen den Erfordernissen, dem Unternehmen einen "gemeinen Wert" beizulegen und die "Einzelfallgerechtigkeit der Besteuerung" zu bewahren, gut auflösen. Dabei konkretisieren sie den allgemeinen Begriff der "Einzelfallgerechtigkeit" durch die Maßgabe der individuellen wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit des Steuerpflichtigen.
Der Aufsatz besteht aus zwei Hauptteilen.
Teil 1: Ermittlung einer Bemessungsgrundlage für die Schenkungs- und Erbschaftsteuer aus Sicht der funktionalen Bewertungstheorie
OLBRICH et. al. schlagen aus guten Gründen eine individualisierte Form der Unternehmensbewertung vor, während andere Autoren - wie selbstverständlich - mit dem Anspruch der Objektivierung des Unternehmenswerts die Anwendung einer marktwertorientierten Unternehmensbewertung (DCF - Verfahren) unterstellen, bei der Wert und Preis eines Unternehmens entgegen jeder Erfahrung kurzerhand in Übereinstimmung gebracht werden, beispielsweise
Löffler, Andreas / Diller, Markus: Erbschaftsteuer und Unternehmensbewertung, in: arqus Diskussionsbeiträge zur Quantitativen Steuerlehre, Diskussionsbeitrag Nr. 96, Februar 2010.
Die Befürworter einer marktwertorientierten Unternehmensbewertung stützen sich vermutlich darauf, dass nach der Erbschaftsteuerreform dem zu bewertenden Unternehmen der "gemeine Wert" beizulegen ist. Nach der Legaldefinition des § 9 Abs. 2 BewG
wird der gemeine Wert durch den Preis bestimmt, der im gewöhnlichen Geschäftsverkehr nach der Beschaffenheit des Wirtschaftsgutes bei einer Veräußerung zu erzielen wäre. Dabei sind alle Umstände, die den Preis beeinflussen, zu berücksichtigen. Ungewöhnliche oder persönliche Verhältnisse sind nicht zu berücksichtigen.
Als solche persönlichen Verhältnisse führt § 9 Abs. 3 BewG Verfügungsbeschränkungen, insbesondere aufgrund letzwilliger Anordnungen, an. Diese Legaldefinition des gemeinen Werts erzeugt als vom Gesetzgeber verlangter Maßstab einer korrekten betriebswirtschaftlichen Unternehmensbewertung erhebliche Widersprüche und andere Probleme:
Der Gesetzgeber lässt sich von der Annahme leiten, dass der Wert eines Unternehmens und der dafür zu zahlende Preis in der Regel übereinstimmen. In der Praxis trifft dies jedoch fast nie zu. Der berühmte Investor Warren Buffet hat dieses Phänomen einmal mit dem Ausspruch umschrieben: Price is what you pay, value is what you get. Die in der Mergers- & Acquisitionsbranche bekannten Begriffe "Lucky Buy" bzw. "Bad Buy" zeugen ebenso von der Tatsache, dass Wert und Preis eines Unternehmens streng auseinander zu halten sind. Ein zu bewertendes Unternehmen ist ein "nicht - marktgängiges" Wirtschaftsgut. Da Unternehmen einmalige, in höchstem Maße heterogene Güter sind, werden sie nicht in der Weise gehandelt, dass es einen breiten "Unternehmensmarkt" gäbe. Die Marktform für die Preisbildung beim Verkauf eines Unternehmens ist in aller Regel die des bilateralen Monopols oder des Monopols - Oligopsons, bei denen der Preis indeterminiert ist. In einer derartigen Situation kann als Wert des Unternehmens nicht der "Marktpreis" als Maßstab herangezogen werden, vielmehr muss der Unternehmenswert durch einen besonderen Kalkül berechnet werden.
Die Reformer der Erbschaft- und Schenkungsteuer mussten trotzdem nolens volens einen "gemeinen Wert" verlangen, weil diese Orientierung vom Bundesverfassungsgericht vorgegeben worden ist. Außerdem darf nicht außer acht gelassen werden, dass die Besteuerung eines Steuerpflichtigen, der ein Unternehmen geerbt hat, ein höchst individueller Vorgang ist, bei dem die so genannte "Einzelfallgerechtigkeit" zu wahren ist. Es liegt auf der Hand, dass der Gesetzgeber gar nicht dazu in der Lage sein kann, diese Einzelfallgerechtigkeit selbst herzustellen, sondern auf eine "billige" Auslegung des "Rechts" durch den Anwender angewiesen ist. Das war bereits ARISTOTELES klar, als er schrieb:
Recht und Billigkeit sind im Grund das Gleiche, und obwohl beide vortrefflich und gut sind, ist doch die Billigkeit das Bessere. Das Problem rührt nur daher, dass die Billigkeit zwar ein Recht ist, aber nicht im Sinne des gesetzten Rechts, sondern als eine Korrektur desselben. Das hat darin seinen Grund, dass jedes Gesetz allgemein gehalten ist und in mancher Hinsicht treffende Bestimmungen durch ein allgemeines Gesetz sich nicht geben lassen. Wo nun eine allgemeine Bestimmung zu treffen ist, ohne dass sie völlig richtig sein kann, da zielt das Gesetz auf die Mehrheit der Fälle, ohne sich über den Mangel dieses Verfahrens im unklaren zu sein. Dennoch ist dieses Verfahren richtig. Denn der Fehler liegt weder am Gesetz noch am Gesetzgeber, sondern in der Natur der Sache. Wenn nun das Gesetz eine allgemeine Bestimmung trifft und in diesem Umkreis ein Fall vorkommt, der durch die allgemeine Bestimmung nicht erfasst wird, so ist es ganz in Ordnung, an der Stelle, wo uns der Gesetzgeber im Stiche lässt und durch seine vereinfachende Bestimmung einen Fehler verursacht hat, das Versäumnis im Sinne des Gesetzgebers selbst zu berichtigen: So wie er selbst die Bestimmung getroffen hätte, wenn er im Lande gewesen wäre und wie er sie, wenn ihm der Fall bewusst geworden wäre, in sein Gesetz aufgenommen hätte.
(Aristoteles: Nikomachische Ethik, V. 14 = 1137b).
Die Billigkeit ist ein die Gerechtigkeit präzisierender Gedanke; sie ist das notwendige Tor zur Interpretation, zur Zumutbarkeit, zu richterlichem Ermessen und zu allen anderen juristischen Mitteln, die sich um Einzelfallgerechtigkeit, also um "jedem das Seine", bemühen. Daran hat sich seit ARISTOTELES nichts geändert.
Ein eindeutiger Fingerzeig des Gesetzgebers zur billigen Auslegung des neuen Rechts der Erbschaft- und Schenkungsteuer ist in dem von OLBRICH et. al. in ihrem Aufsatz zitierten Wortlaut des Bewertungsgesetzes zu sehen:
Wie bereits oben angeführt, verlangt § 11 Abs. 2 Satz 2 BewG, bei der Bewertung des vererbten oder verschenkten Unternehmens "die Methode anzuwenden, die ein Erwerber der Bemessung des Kaufpreises zu Grunde legen würde". Der Wortlaut der Vorschrift macht deutlich, dass der Gesetzgeber dabei eine Bewertung des Unternehmens im Sinne der Entscheidungsfunktion der funktionalen Bewertungstheorie anstrebt. ...
(OLBRICH / HARES / PAULY, a.a.O., S. 1250, Abschnitt 2.1)
Der Schlussfolgerung von OLBRICH et. al., wonach die Entscheidungsfunktion der funktionalen Unternehmensbewertung anzuwenden ist, ist zuzustimmen, zumal in der funktionalen Bewertungslehre die Ermittlung von Besteuerungsgrundlagen zu den explizit genannten Nebenfunktionen zählt (s. Kußmaul / Pfirmann / Hell / Meyering, in: BB 2008, S. 472, 474).
Die Frage nach der betriebswirtschaftlich richtigen Bewertungsmethode ist von großer Bedeutung. Durch die allgemeine Regelung des Wertmaßstabs im Bewertungsgesetz erlangt die Neuregelung auch für Bewertungsfälle in anderen Steuerarten fundamentale Bedeutung. Beispielsweise für Zwecke der Einkommensteuer im Fall der Einlage von Beteiligungen. Nach ihrer Festlegung auf die Entscheidungsfunktion der funktionalen Unternehmensbewertung gehen OLBRICH et. al. ausführlich auf den investitionstheoretischen Rahmen und erbschaftsbedingte Besonderheiten ein. In diesem Abschnitt widmen sich die Autoren der wichtigen Abschätzung der Zahlungsüberschüsse:
Im betrachteten Fall der Bewertung verschenkter bzw. vererbter Unternehmen ist bei der Abschätzung der Zahlungsüberschüsse zu beachten, dass diese von der spezifischen Position, die der Steuerpflichtige im Zuge der Schenkung / Vererbung einnimmt, abhängen. Im Folgenden werden daher die denkbaren Fälle seiner Position (die im Grunde Teil seines Entscheidungsfelds ist) unterschieden. Darauf aufbauend wird hergeleitet, welche Konsequenzen sie für die Bewertung haben. Die Ausführungen erfolgen am Beispiel vererbter GmbH - Anteile.(OLBRICH / HARES / PAULY, a.a.O., S. 1251, Abschnitt 2.2)
Die von OLBRICH et. al. gemachten Ausführungen zur Abschätzung der Zahlungsüberschüsse sind nicht nur wegen der erbschaftsbedingten Besonderheiten überaus wichtig, sondern auch, weil sie die Bedeutung einer sorgfältigen Planung von Zahlungsüberschüssen für das Bewertungsresultat ins Bewußtsein des Lesers heben. Teil 2: Steuerpraktische Konsequenzen einer betriebswirtschaftlichen Wertfindung Im alten Erbschaftsteuerrecht war das Betriebsvermögen die Bemessungsgrundlage für die Erbschaftsteuer. Es wurde auf Basis einer Steuerbilanz ermittelt, die dem Finanzamt vorzulegen war.
Im neuen Recht dient der Unternemenswert als Bemessungsgrundlage, der durch den Entscheidungswert der funktionalen Unternehmensbewertung dargestellt wird. Der Steuerpflichtige ist jedoch nicht dazu gezwungen, dem Finanzamt den tatsächlichen Entscheidungswert mitzuteilen. Diese neue Hermetik gegenüber den Finanzbehörden erlaubt es dem Steuerpflichtigen, einen "Argumentationswert" zu kommunizieren, der selbstverständlich unterhalb des tatsächlichen Entscheidungswerts liegt. Exkurs Argumentationswert:
Der Argumentationswert ist das Ergebnis einer Unternehmensbewertung im Sinne der Argumentationsfunktion. Er ist ein Instrument zur Beeinflussung des Verhandlungspartners, um für den Argumentierenden eine möglichst günstige Konfliktlösung zu erzielen. Der Argumentationswert ist ein parteiischer Wert und läßt sich ohne Kenntnis des eigenen Entscheidungswertes und ohne Vermutungen über den gegnerischen Entscheidungswert nicht sinnvoll bestimmen. Denn erst die relevanten Entscheidungswerte ermöglichen einer Partei eine Aussage, welche Verhandlungsresultate mit rationaler Handlungsweise vereinbar und mittels eines sinnvollen Argumentationswertes anzustreben sind.
(Matschke, Manfred Jürgen / Brösel, Gerrit: Grundzüge der funktionalen Unternehmensbewertung, in: Diskussionspapier 03/2008, ERNST-MORITZ-ARNDT-UNIVERSITÄT GREIFSWALD, Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät, S. 14) OLBRICH et. al.:
Mit Hilfe derartiger Wertgrößen versucht der Erbe, sich argumentative Vorteile in der Auseinandersetzung zu schaffen. Zielsetzung des Steuerpflichtigen ist es dabei, sich schlussendlich mit dem Fiskus auf einen Arbitriumwert - im Sinne eines Kompromisses - zu einigen, der möglichst niedrig und kleiner als sein Entscheidungswert ist, um so die Bemessungsgrundlage und damit die Höhe der Steuer möglichst gering zu halten.
(OLBRICH / HARES / PAULY, a.a.O., S. 1252, Abschnitt 3.1) Dabei profitiert der Steuerpflichtige davon, dass der Arbitriumwert, ebenso wie der Argumentationswert und der Entscheidungswert zur funktionalen Unternehmensbewertung gehört. Der Bewerter bewegt sich als Berater des Steuerpflichtigen also bei jedem seiner Schritte innerhalb des selben Theoriegebäudes. Exkurs Arbitriumwert:
Der Arbitriumwert ist hingegen das Ergebnis der Unternehmensbewertung im Rahmen der Vermittlungsfunktion und soll eine Einigung zwischen den Konfliktparteien über die Bedingungen der Eigentumsänderung des zu bewertenden Unternehmens erleichtern oder bewirken. Er ist ein vom unparteiischen Gutachter vorgeschlagener Wert, auf dessen Basis der Gutachter als Vermittler eine Konfliktlösung für möglich hält. Der Arbitriumwert ist als ein Kompromiß aufzufassen, der für die beteiligten Parteien zumutbar ist, weil er die Entscheidungswerte der beteiligten Konfliktparteien nicht verletzt, und der ihre Interessen angemessen wahrt.
(Matschke, Manfred Jürgen / Brösel, Gerrit: a.a.O., S. 14)
Trotz Hinwendung des Steuerrechts zu einer betriebswirtschaftlichen Bewertung ist im steuerlichen Massenverfahren die Anwendung von Typisierungen geboten. OLBRICH et. al. diskutieren die Typisierungen des "vereinfachten Ertragswertverfahrens" und die Typisierungen der "Discounted Cash Flow" - Verfahren im Spannungsfeld zwischen Praktikabilität und Leistungsfähigkeitsprinzip. Abschließend gehen die Autoren auf Literaturmeinungen ein, die zur Lösung des Bewertungsproblems für eine weitgehend freie Verfahrenswahl durch den Steuerpflichtigen plädieren. OLBRICH / HARES / PAULY fassen ihren Aufsatz "Erbschaftsteuerreform und Unternehmensbewertung" thesenförmig zusammen:
Der in § 11 Abs. 2 Satz 2 BewG vom Gesetzgeber gewünschte und dem Leistungsfähigkeitsprinzip genügende Wert zur Bestimmung der steuerlichen Bemessungsgrundlage ist der individuelle Entscheidungswert des Steuerpflichtigen. Er wird mit investitionstheoretischen Bewertungsmodellen, im Regelfall dem Zukunftserfolgswertverfahren, ermittelt. Die Abschätzung der Zahlungsüberschüsse muss dabei stets unter Beachtung der mit der Schenkung / Vererbung entstandenen individuellen Eigentümerstellung des Steuerpflichtigen erfolgen. Bei der Frage, ob dem Zukunftserfolgswertverfahren die Erfolge aus der Fortführung oder der Liquidation zugrundezulegen sind, muss die Wahl auf die ökonomisch vorteilhaftere Alternative fallen. Dies gilt auch dann, wenn sich der Steuerpflichtige aus außerökonomischen Gründen de facto gegen die ökonomisch vorteilhaftere Lösung entscheidet.
Problematisch ist aus steuerpraktischer Sicht, dass der Steuerpflichtige dem Fiskus seinen Entscheidungswert nicht offenlegen, sondern ihm einen niedrigeren Argumentationswert als vermeintlichen Entscheidungswert kommunizieren wird. Es könnte dann zu einer zeit- und kostenintensiven Aufgabe der Finanzverwaltung und Finanzgerichtsbarkeit werden, derartige Argumentationswerte auf ihren ökonomischen Gehalt hin zu überprüfen. Insbesondere die Beurteilung der Überschussprognose, die der Steuerpflichtige der Unternehmensbewertung zugrundelegt, würde Behörden und Rechtsprechung dabei vor große Herausforderungen stellen.
Auch die neue, betriebswirtschaftlich orientierte Bewertungsmethodik im Schenkungs- und Erbschaftsteuerrecht bedarf daher aus Praktikabilitätsgründen einer Typisierung. Von Seiten des Gesetzgebers wurde hierfür das "verinfachte Ertragswertverfahren" entworfen, von Seiten des Schrifttums wurden auch DCF - Methoden angeführt.
Das vereinfachte Ertragswertverfahren gibt klare Bewertungsparameter vor und erhöht die praktische Umsetzbarkeit der Bewertung damit beträchtlich. Von Vorteil ist, dass es sich dabei um ein optionales, kein verpflichtendes Verfahren handelt. Sollte der aufgrund des vereinfachten Verfahrens ermittelte Unternehmenswert geringer als sein Entscheidungswert sein, wird der Steuerpflichtige das Rechenergebnis akzeptieren; sollte das Entscheidungswertkriterium verletzt werden, wird er hingegen auf einem stärkeren Subjektbezug der Bewertungsparameter bestehen.
Die verbesserte Plausibilität aufgrund des vereinfachten Ertragswertverfahrens geht mit einer Verletzung des Leistungsfähigkeitsprinzips einher, wobei diese Verletzung stets zugunsten des Steuerpflichtigen ausfällt. Aufgrund der vom BVerfG konstatierten besonderen Schutzwürdigkeit des Steuerpflichtigen gegenüber dem Staat ist diese Verletzung jedoch nicht zu beanstanden.
Die in Teilen des Schrifttums alternativ vorgeschlagene Typisierung auf Basis kapitalmarkttheoretischer DCF - Verfahren räumen große Bewertungsspielräume ein und stellen bloße "Scheintypisierungen" dar. Eine Anwendbarkeit der DCF - Methoden würde die Zahl möglicher Argumentationswerte folglich vergrößern, nicht reduzieren. Aus Sicht des Fiskus ist sie daher zu verneinen, aus Sicht des Steuerpflichtigen zu begrüßen.
Auch die in der Gesetzesbegründung und Teilen der Literatur befürwortete Anwendbarkeit einer Vielfalt unterschiedlicher Bewertungsmethoden ist differenziert zu beurteilen. Sie ist - abgesehen von dem Spektrum investitionstheoretischer Verfahren (Partial-, Totalmodell) - vom Wortlaut des BewG strenggenommen nicht gedeckt, erhöht die Zahl der Bewertungsspielräume und der damit verbundenen Argumentationswerte des Steuerpflichtigen und ist aus Sicht des Fiskus daher ungeeignet. Aus Sicht des Erben bzw. Beschenkten stellt sie naturgemäß aufgrund eben dieser Spielräume hingegen die attraktivste aller Lösungen des steuerlichen Bewertungsproblems dar.
(OLBRICH / HARES / PAULY, a.a.O., S. 1251, Abschnitt 2.2)
Es ist zu hoffen, dass dieser bemerkenswerte Aufsatz von OLBRICH / HARES / PAULY ein lebhaftes Echo im Schrifttum der Betriebswirtschaft auslöst. Eingestellt von
Daten - Kraken werden in Zeiten des Internets gefürchtet, so dass es sich der mündige Nutzer doppelt und dreifach überlegt, welche Informationen er diesem Moloch opfert. Das Wort Moloch ist die biblische Bezeichnung für Opferriten, die nach der Überlieferung die Opferung von Kindern durch Feuer vorsahen. Ganz so archaisch geht es heutzutage nicht mehr zu. Aber im übertragenen Sinne würden wohl viele Experten und Spezialisten zustimmen, wenn man das - zumeist in vielen Jahren organisch gewachsene - Wissen als ihr Kind betrachten würde. Das Teilen dieses Wissens, so wie es im Internet geschieht, kommt sehr wohl einer Opferung gleich.
Es ist also durchaus verständlich, dass es nur sehr wenige Menschen gibt, die diesen modernen Moloch praktizieren. Eine rühmliche und zudem sympathische Ausnahme ist Dirk Elsner. In seinem Blick Log kombiniert er eigenes Erfahrungswissen und sein Urteilsvermögen mit der "Beute" einer unglaublich fleißigen Daten - Krake; und das täglich!
Sein Verhalten im Internet nimmt zuweilen Züge von Altruismus an, wenn er abends nach getaner Brotarbeit eine Vielzahl von Wirtschaftsblogs durchforstet, um die interessantesten Beiträge am nächsten Tag in seinem Blog an hervorgehobener Stelle zu nennen und zu verlinken. Blick Log sammelt und strukturiert Daten. Der Leser findet in den Kategorien
Management in rauen Zeiten,
Neue Finanzordnung,
Deutsche Wirtschaftsblogs,
Zukunft des Paid Content,
Finanz- und Wirtschaftskrise,
umfangreiches Datenmaterial, in der Regel aus Originalquellen.
Ein besonderes Augenmerk richtet Blick Log auf die Entwicklung des "Social Banking".
Blick Log hat gestern seinen 2. Geburtstag gefeiert.
"Valuation in Germany" bedankt sich herzlich für das enorme Engagement und wünscht sich noch viele gemeinsame Jahre voller Neugier und Schaffenskraft!!!