Source: http://m.hensche.de/Altersdiskriminierung_Piloten_Diskriminierung_von_Lufthansa-Piloten_durch_Altersgrenze_60_in_Tarifvertrag_EuGH_C-447-09-u_Prigge_Lufthansa.html
Timestamp: 2018-02-23 06:36:13
Document Index: 225599581

Matched Legal Cases: ['Art. 2', 'Art. 234', 'Art. 2', 'Art. 1', 'Art. 2', 'Art. 3', 'Art. 4', 'Art. 6', 'Art. 16', 'Art. 18', '§ 20', '§ 4', '§ 46', '§ 19', '§ 14', '§ 1', '§ 1', '§ 8', '§ 8', '§ 19', '§ 19', '§ 14', '§ 14', '§ 14', '§ 19', '§ 19', 'Art. 2', 'Art. 6', 'Art. 6', 'Art. 4', 'Art. 2', 'Art. 4', 'Art. 6', 'Art. 21', 'Art. 1', 'Art. 3', '§ 19', 'Art. 3', 'Art. 2', 'Art. 2', 'Art. 1', '§ 19', 'Art. 1', 'Art. 2', '§ 14', 'Art. 28', 'Art. 16', 'Art. 2', 'Art. 2', 'Art. 2', 'Art. 2', 'Art. 1', 'Art. 2', 'Art. 2', 'Art. 2', 'Art. 2', 'Art. 1', 'Art. 2', 'Art. 2', 'Art. 19', 'Art. 2', 'Art. 2', 'Art. 4', 'Art. 6', 'Art. 3', 'Art. 2', 'Art. 2', 'Art. 2', 'Art. 2', 'Art. 2', 'Art. 2', 'Art. 4', 'Art. 4', 'Art. 1', 'Art. 4', 'Art. 4', 'Art. 4', 'Art. 2', 'Art. 4', 'Art. 4', 'Art. 6', 'Art. 6', 'Art. 6', 'Art. 6', 'Art. 6', 'Art. 2', 'Art. 2', 'Art. 2', 'Art. 2', 'Art. 4', 'Art. 6', 'Art. 2', 'Art. 2', 'Art. 2', 'Art. 2', 'Art. 4', 'Art. 6']

Akten­zeichen: C-447/09
Ent­scheid­ungs­datum: 13.09.2011
13. Sep­tem­ber 2011(*)
„Richt­li­nie 2000/78/EG – Art. 2 Abs. 5, 4 Abs. 1 und 6 Abs. 1 – Ver­bot der Dis­kri­mi­nie­rung we­gen des Al­ters – Ver­kehrs­flug­zeugführer – Ta­rif­ver­trag – Klau­sel zur au­to­ma­ti­schen Be­en­di­gung der Ar­beits­verträge bei Voll­endung des 60. Le­bens­jah­res“
In der Rechts­sa­che C‑447/09
be­tref­fend ein Vor­ab­ent­schei­dungs­er­su­chen nach Art. 234 EG, ein­ge­reicht vom Bun­des­ar­beits­ge­richt (Deutsch­land) mit Ent­schei­dung vom 17. Ju­ni 2009, beim Ge­richts­hof ein­ge­gan­gen am 18. No­vem­ber 2009, in dem Ver­fah­ren
Rein­hard Prig­ge,
Mi­cha­el Fromm,
Vol­ker Lam­bach
un­ter Mit­wir­kung des Präsi­den­ten V. Skou­ris, der Kam­mer­präsi­den­ten A. Tiz­za­no, J. N. Cun­ha Ro­d­ri­gues, K. Lena­erts, J.‑C. Bo­ni­chot, K. Schie­mann und D. Šváby, der Rich­te­rin R. Sil­va de La­pu­er­ta, des Rich­ters E. Juhász, der Rich­te­rin­nen P. Lindh (Be­richt­er­stat­te­rin), M. Ber­ger und A. Prechal so­wie des Rich­ters E. Ja­rašiūnas,
auf­grund des schrift­li­chen Ver­fah­rens und auf die münd­li­che Ver­hand­lung vom 8. März 2011,
– von R. Prig­ge, M. Fromm und V. Lam­bach, ver­tre­ten durch die Rechts­anwälte E. Hel­mig und J. Ro­dríguez Nieto,
– der Deut­schen Luft­han­sa AG, ver­tre­ten durch die Rechts­anwältin­nen K. Streichardt und C. Krem­ser-Wolf,
– von Ir­land, ver­tre­ten durch D. O’Ha­gan als Be­vollmäch­tig­ten im Bei­stand von D. Kea­ne, SC,
nach Anhörung der Schluss­anträge des Ge­ne­ral­an­walts in der Sit­zung vom 19. Mai 2011
Das Vor­ab­ent­schei­dungs­er­su­chen be­trifft die Aus­le­gung der Art. 2 Abs. 5, 4 Abs. 1 und 6 Abs. 1 der Richt­li­nie 2000/78/EG des Ra­tes vom 27. No­vem­ber 2000 zur Fest­le­gung ei­nes all­ge­mei­nen Rah­mens für die Ver­wirk­li­chung der Gleich­be­hand­lung in Beschäfti­gung und Be­ruf (ABl. L 303, S. 16).
Die­ses Er­su­chen er­geht im Rah­men ei­nes Rechts­streits von Herrn Prig­ge, Herrn Fromm und Herrn Lam­bach ge­gen ih­re Ar­beit­ge­be­rin Deut­sche Luft­han­sa AG (im Fol­gen­den: Deut­sche Luft­han­sa) we­gen der nach ei­ner ta­rif­ver­trag­li­chen Klau­sel bei Voll­endung des 60. Le­bens­jah­res au­to­ma­tisch ein­tre­ten­den Be­en­di­gung ih­rer Ar­beits­verträge.
Der Zweck der Richt­li­nie 2000/78 ist nach ih­rem Art. 1 die Schaf­fung ei­nes all­ge­mei­nen Rah­mens zur Bekämp­fung der Dis­kri­mi­nie­rung we­gen der Re­li­gi­on oder der Welt­an­schau­ung, ei­ner Be­hin­de­rung, des Al­ters oder der se­xu­el­len Aus­rich­tung in Beschäfti­gung und Be­ruf im Hin­blick auf die Ver­wirk­li­chung des Grund­sat­zes der Gleich­be­hand­lung in den Mit­glied­staa­ten.
In den Erwägungs­gründen 23, 25 und 36 die­ser Richt­li­nie heißt es:
„(23) Un­ter sehr be­grenz­ten Be­din­gun­gen kann ei­ne un­ter­schied­li­che Be­hand­lung ge­recht­fer­tigt sein, wenn ein Merk­mal, das mit der Re­li­gi­on oder Welt­an­schau­ung, ei­ner Be­hin­de­rung, dem Al­ter oder der se­xu­el­len Aus­rich­tung zu­sam­menhängt, ei­ne we­sent­li­che und ent­schei­den­de be­ruf­li­che An­for­de­rung dar­stellt, so­fern es sich um ei­nen rechtmäßigen Zweck und ei­ne an­ge­mes­se­ne An­for­de­rung han­delt. …
(25) Das Ver­bot der Dis­kri­mi­nie­rung we­gen des Al­ters stellt ein we­sent­li­ches Ele­ment zur Er­rei­chung der Zie­le der beschäfti­gungs­po­li­ti­schen Leit­li­ni­en [aus dem Jahr 2000, die der Eu­ropäische Rat von Hel­sin­ki am 10. und 11. De­zem­ber 1999 ge­neh­migt hat] und zur Förde­rung der Viel­falt im Be­reich der Beschäfti­gung dar. Un­gleich­be­hand­lun­gen we­gen des Al­ters können un­ter be­stimm­ten Umständen je­doch ge­recht­fer­tigt sein und er­for­dern da­her be­son­de­re Be­stim­mun­gen, die je nach der Si­tua­ti­on der Mit­glied­staa­ten un­ter­schied­lich sein können. Es ist da­her un­be­dingt zu un­ter­schei­den zwi­schen ei­ner Un­gleich­be­hand­lung, die ins­be­son­de­re durch rechtmäßige Zie­le im Be­reich der Beschäfti­gungs­po­li­tik, des Ar­beits­mark­tes und der be­ruf­li­chen Bil­dung ge­recht­fer­tigt ist, und ei­ner Dis­kri­mi­nie­rung, die zu ver­bie­ten ist.
Art. 2 („Der Be­griff ‚Dis­kri­mi­nie­rung‘“) der ge­nann­ten Richt­li­nie be­stimmt:
Nach ih­rem Art. 3 („Gel­tungs­be­reich“) Abs. 1 Buchst. c gilt die­se Richt­li­nie für al­le Per­so­nen in öffent­li­chen und pri­va­ten Be­rei­chen, ein­sch­ließlich öffent­li­cher Stel­len, u. a. in Be­zug auf die Beschäfti­gungs- und Ar­beits­be­din­gun­gen, ein­sch­ließlich der Ent­las­sungs­be­din­gun­gen.
Art. 4 („Be­ruf­li­che An­for­de­run­gen“) Abs. 1 der Richt­li­nie 2000/78 sieht vor:
Art. 6 („Ge­recht­fer­tig­te Un­gleich­be­hand­lung we­gen des Al­ters“) Abs. 1 die­ser Richt­li­nie lau­tet:
Art. 16 die­ser Richt­li­nie sieht vor:
Art. 18 der Richt­li­nie 2000/78 be­stimmt:
Um be­son­de­ren Be­din­gun­gen Rech­nung zu tra­gen, können die Mit­glied­staa­ten er­for­der­li­chen­falls ei­ne Zu­satz­frist von drei Jah­ren ab dem 2. De­zem­ber 2003, d. h. ins­ge­samt sechs Jah­re, in An­spruch neh­men, um die Be­stim­mun­gen die­ser Richt­li­nie über die Dis­kri­mi­nie­rung we­gen des Al­ters und ei­ner Be­hin­de­rung um­zu­set­zen. In die­sem Fall set­zen sie die Kom­mis­si­on un­verzüglich da­von in Kennt­nis. Ein Mit­glied­staat, der die In­an­spruch­nah­me die­ser Zu­satz­frist be­sch­ließt, er­stat­tet der Kom­mis­si­on jähr­lich Be­richt über die von ihm er­grif­fe­nen Maßnah­men zur Bekämp­fung der Dis­kri­mi­nie­rung we­gen des Al­ters und ei­ner Be­hin­de­rung und über die Fort­schrit­te, die bei der Um­set­zung der Richt­li­nie er­zielt wer­den konn­ten. Die Kom­mis­si­on er­stat­tet dem Rat jähr­lich Be­richt.
Re­ge­lung des Be­rufs des Pi­lo­ten
In­ter­na­tio­na­le Re­ge­lung
Das in­ter­na­tio­na­le Re­ge­lungs­werk für Pri­vat­flug­zeugführer, Be­rufs­flug­zeugführer und Ver­kehrs­flug­zeugführer wur­de von ei­ner in­ter­na­tio­na­len In­sti­tu­ti­on, den Joint Avia­ti­on Aut­ho­ri­ties, un­ter Be­tei­li­gung der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land er­ar­bei­tet. Ei­ne Re­ge­lung die­ses Re­ge­lungs­werks, die Joint Avia­ti­on Re­qui­re­ments – Flight Crew Li­cen­sing 1 (im Fol­gen­den: JAR-FCL 1), wur­de am 15. April 2003 er­las­sen.
Die JAR‑FCL 1 wur­de vom Bun­des­mi­nis­te­ri­um für Ver­kehr, Bau‑ und Woh­nungs­we­sen im Bun­des­an­zei­ger Nr. 80a vom 29. April 2003 be­kannt ge­macht.
Die JAR‑FCL 1.060 be­stimmt:
(a) 60–64 Jah­re:
(b) 65 Jah­re:
§ 20 Abs. 2 der Luft­ver­kehrs-Zu­las­sungs‑Ord­nung in der Fas­sung der Ver­ord­nung zur Ände­rung luft­recht­li­cher Vor­schrif­ten über An­for­de­run­gen an Flug­be­sat­zun­gen vom 10. Fe­bru­ar 2003 (BGBl. 2003 I S. 182) sieht vor:
„Die fach­li­chen Vor­aus­set­zun­gen und Prüfun­gen für den Er­werb von Li­zen­zen, de­ren Um­fang ein­sch­ließlich Be­rech­ti­gun­gen, Gültig­keits­dau­er, Verlänge­rung und Er­neue­rung so­wie sons­ti­ge Be­din­gun­gen für die Aus­bil­dung der mit ei­ner Li­zenz oder Be­rech­ti­gung ver­bun­de­nen Rech­te rich­ten sich nach der Ver­ord­nung über Luft­fahrt­per­so­nal …“
§ 4 der Ers­ten Durchführungs­ver­ord­nung zur Ver­ord­nung über Luft­fahrt­per­so­nal vom 15. April 2003 (Bun­des­an­zei­ger Nr. 82b vom 3. Mai 2003) lau­tet:
„Der In­ha­ber ei­ner in der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land aus­ge­stell­ten Be­rufs‑ oder Ver­kehrspi­lo­ten­li­zenz oder der In­ha­ber ei­ner Li­zenz gemäß § 46 Abs. 5 Luft­PersV darf nach Voll­endung des 60. Le­bens­jah­res bis zur Voll­endung des 65. Le­bens­jah­res die Rech­te sei­ner Li­zenz auch in Luft­fahr­zeu­gen mit ei­ner Min­dest­be­sat­zung von ei­nem Pi­lo­ten bei der ge­werbsmäßigen Beförde­rung von Fluggästen, Post und/oder Fracht, be­schränkt auf das Ho­heits­ge­biet der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land, ausüben.
Der In­ha­ber ei­ner Pi­lo­ten­li­zenz darf nach Voll­endung des 65. Le­bens­jah­res nicht mehr als Luft­fahr­zeugführer bei der ge­werbsmäßigen Beförde­rung von Fluggästen, Post und/oder Fracht ein­ge­setzt wer­den.“
Man­tel­ta­rif­ver­trag Nr. 5a
Auf die zwi­schen den Par­tei­en des Aus­gangs­ver­fah­rens be­ste­hen­den Ar­beits­verhält­nis­se fin­det der Man­tel­ta­rif­ver­trag Nr. 5a für das Cock­pit­per­so­nal der Deut­schen Luft­han­sa in sei­ner ab dem 14. Ja­nu­ar 2005 gel­ten­den Fas­sung (im Fol­gen­den: MTV Nr. 5a) An­wen­dung.
§ 19 Abs. 1 MTV Nr. 5a lau­tet:
„Das Ar­beits­verhält­nis en­det – oh­ne dass es ei­ner Kündi­gung be­darf – mit Ab­lauf des Mo­nats, in dem das 60. Le­bens­jahr voll­endet wird. …“
Na­tio­na­les Recht über Ar­beit und Gleich­be­hand­lung
§ 14 des Ge­set­zes über Teil­zeit­ar­beit und be­fris­te­te Ar­beits­verträge und zur Ände­rung und Auf­he­bung ar­beits­recht­li­cher Be­stim­mun­gen vom 21. De­zem­ber 2000 (BGBl. 2000 I S. 1966, im Fol­gen­den: Tz­B­fG) be­stimmt:
„(1) Die Be­fris­tung ei­nes Ar­beits­ver­tra­ges ist zulässig, wenn sie durch ei­nen sach­li­chen Grund ge­recht­fer­tigt ist. …“
Das All­ge­mei­ne Gleich­be­hand­lungs­ge­setz vom 14. Au­gust 2006 (BGBl. 2006 I S. 1897, im Fol­gen­den: AGG) setzt die Richt­li­nie 2000/78 um.
Die §§ 1, 2, 3, 7, 8 und 10 AGG be­stim­men:
(1) Beschäftig­te dürfen nicht we­gen ei­nes in § 1 ge­nann­ten Grun­des be­nach­tei­ligt wer­den …
§ 8 Zulässi­ge un­ter­schied­li­che Be­hand­lung we­gen be­ruf­li­cher An­for­de­run­gen
(1) Un­ge­ach­tet des § 8 ist ei­ne un­ter­schied­li­che Be­hand­lung we­gen des Al­ters auch zulässig, wenn sie ob­jek­tiv und an­ge­mes­sen und durch ein le­gi­ti­mes Ziel ge­recht­fer­tigt ist. Die Mit­tel zur Er­rei­chung die­ses Ziels müssen an­ge­mes­sen und er­for­der­lich sein. Der­ar­ti­ge un­ter­schied­li­che Be­hand­lun­gen können ins­be­son­de­re Fol­gen­des ein­sch­ließen:
Herr Prig­ge, Herr Fromm und Herr Lam­bach wa­ren langjährig als Flug­zeugführer, zu­letzt als Flug­ka­pitäne, bei der Deut­schen Luft­han­sa beschäftigt.
Ih­re Ar­beits­verträge en­de­ten nach § 19 Abs. 1 MTV Nr. 5a mit Voll­endung ih­res 60. Le­bens­jah­res im Jahr 2006 bzw. im Jahr 2007.
Die Kläger des Aus­gangs­ver­fah­rens wa­ren der An­sicht, dass sie un­ter Ver­s­toß ge­gen die Richt­li­nie 2000/78 und das AGG we­gen Al­ters dis­kri­mi­niert wor­den sei­en, und er­ho­ben vor dem Ar­beits­ge­richt Frank­furt am Main Kla­ge mit dem An­trag, fest­zu­stel­len, dass ih­re Ar­beits­verhält­nis­se mit der Deut­schen Luft­han­sa nicht zum En­de des Mo­nats, in dem sie das 60. Le­bens­jahr voll­endet ha­ben, en­de­ten, und mit dem wei­te­ren An­trag, die Fort­set­zung ih­rer Ar­beits­verträge an­zu­ord­nen.
Das Ar­beits­ge­richt Frank­furt am Main wies ih­re Kla­ge ab, und das Lan­des­ar­beits­ge­richt Hes­sen wies ih­re Be­ru­fung zurück. Die Kläger leg­ten hier­ge­gen Re­vi­si­on zum Bun­des­ar­beits­ge­richt ein.
Die­ses war bis zum In­kraft­tre­ten des AGG der Mei­nung, dass Be­stim­mun­gen wie die des § 19 Abs. 1 MTV Nr. 5a wirk­sam sei­en. Da § 14 Abs. 1 Tz­B­fG ei­ne Be­fris­tung des Ar­beits­ver­trags er­lau­be, wenn sie durch ei­nen sach­li­chen Grund ge­recht­fer­tigt sei, könne ei­ne ta­rif­ver­trag­lich vor­ge­se­he­ne Al­ters­gren­ze eben­falls durch ei­nen sach­li­chen Grund im Sin­ne die­ses § 14 Abs. 1 ge­recht­fer­tigt sein.
Nach Mei­nung des Bun­des­ar­beits­ge­richts können die Ta­rif­ver­trags­par­tei­en in An­wen­dung des Grund­sat­zes der Ta­rif­au­to­no­mie und der Frei­heit, über die sie bei ih­rer Norm­set­zung verfügten, Re­ge­lun­gen zur Be­fris­tung von Ar­beits­verträgen durch Fest­le­gung ei­ner Al­ters­gren­ze ver­ein­ba­ren. Die­ses Norm­set­zungs­recht müss­ten sie je­doch mit dem Staat tei­len; die­ser ha­be fest­ge­legt, dass die Be­fris­tung von Ar­beits­verhält­nis­sen ei­nes recht­fer­ti­gen­den Sach­grun­des bedürfe. Die Ta­rif­ver­trags­par­tei­en verfügten aber über ei­nen Be­ur­tei­lungs‑ und Er­mes­sens­spiel­raum bei der De­fi­ni­ti­on die­ses recht­fer­ti­gen­den Sach­grun­des. Aus die­sen Grundsätzen er­ge­be sich, dass ei­ne Al­ters­gren­ze von 60 Jah­ren für Pi­lo­ten der Deut­schen Luft­han­sa von der Re­ge­lungs­be­fug­nis der Ta­rif­ver­trags­par­tei­en ge­deckt sei.
Außer im Fall, dass die Al­ters­gren­ze an die Möglich­keit des Ar­beit­neh­mers, ei­ne Ren­te we­gen Al­ters zu be­zie­hen, an­knüpfe, sei die Be­fris­tung des Ar­beits­ver­trags auf­grund des Al­ters des Ar­beit­neh­mers nur ge­recht­fer­tigt, wenn das Er­rei­chen ei­nes be­stimm­ten Le­bens­al­ters we­gen der durch ihn aus­geübten Tätig­keit zu ei­ner Gefähr­dung führen könne. Die­se Be­din­gung sei bei Pi­lo­ten erfüllt. Die Al­ters­gren­ze für Pi­lo­ten si­che­re nicht nur die ord­nungs­gemäße Ausübung der Be­rufstätig­keit, son­dern die­ne darüber hin­aus dem Schutz von Le­ben und Ge­sund­heit der Be­sat­zungs­mit­glie­der, der Pas­sa­gie­re und der Be­woh­ner der über­flo­ge­nen Ge­bie­te. Das Al­ter sei ob­jek­tiv mit ei­ner Min­de­rung der phy­si­schen Leis­tungsfähig­keit ver­bun­den.
Die Tat­sa­che, dass die in­ter­na­tio­na­le und die na­tio­na­le Re­ge­lung so­wie an­de­re Ta­rif­verträge die Be­rufs­ausübung von Pi­lo­ten ab dem 60. Le­bens­jahr nicht vollständig un­ter­sag­ten, son­dern le­dig­lich ein­schränk­ten, bestäti­ge die Einschätzung, dass die Ausübung die­ses Be­rufs nach Voll­endung des 60. Le­bens­jah­res zu ei­ner Gefähr­dung führen könne. Durch die Fest­le­gung der Al­ters­gren­ze bei 60 Jah­ren sei­en die Ta­rif­ver­trags­par­tei­en in den Gren­zen ih­rer Norm­set­zungs­be­fug­nis ge­blie­ben.
Nach An­sicht des Bun­des­ar­beits­ge­richts ver­letzt die Tat­sa­che, dass in an­de­ren Ta­rif­verträgen für Pi­lo­ten an­de­rer Ge­sell­schaf­ten des Kon­zerns, zu dem Deut­sche Luft­han­sa gehöre, kei­ne Al­ters­gren­ze von 60 Jah­ren vor­ge­se­hen sei, nicht den Gleich­heits­grund­satz. Denn die­se an­de­ren Ta­rif­verträge sei­en von an­de­ren So­zi­al­part­nern für an­de­re Un­ter­neh­men aus­ge­han­delt wor­den.
Nach dem In­kraft­tre­ten der Richt­li­nie 2000/78 und des AGG fragt sich das Bun­des­ar­beits­ge­richt, ob ei­ne mit dem Uni­ons­recht ver­ein­ba­re Aus­le­gung des § 14 Abs. 1 Tz­B­fG nicht zur Fol­ge hätte, dass die Al­ters­gren­ze von 60 Jah­ren für Pi­lo­ten der Deut­schen Luft­han­sa un­wirk­sam sei.
§ 19 Abs. 1 MTV Nr. 5a ent­hal­te ei­ne un­mit­tel­bar auf dem Al­ter be­ru­hen­de Un­gleich­be­hand­lung. Das mit der Al­ters­gren­ze von 60 Jah­ren für Pi­lo­ten ver­folg­te Ziel sei die Gewähr­leis­tung der Flug­si­cher­heit. Es sei so­mit frag­lich, ob die­se Un­gleich­be­hand­lung ge­gen die Richt­li­nie und/oder die all­ge­mei­nen Grundsätze des Rechts der Uni­on ver­s­toße.
Ers­tens sei frag­lich, ob die in § 19 Abs. 1 MTV Nr. 5a be­stimm­te Al­ters­gren­ze vom Gel­tungs­be­reich der Richt­li­nie 2000/78 er­fasst wer­de. Da mit die­ser Maßnah­me das Ziel der Gewähr­leis­tung der Si­cher­heit des Flug­ver­kehrs ver­folgt wer­de, sei sie ei­ne für die Gewähr­leis­tung der öffent­li­chen Si­cher­heit im Sin­ne des Art. 2 Abs. 5 die­ser Richt­li­nie not­wen­di­ge Maßnah­me. Es sei je­doch frag­lich, ob Ta­rif­verträge „im ein­zel­staat­li­chen Recht vor­ge­se­he­ne Maßnah­men“ im Sin­ne die­ser Be­stim­mung sein könn­ten.
Falls die Al­ters­gren­ze in den Gel­tungs­be­reich der Richt­li­nie 2000/78 fal­le, sei zwei­tens frag­lich, ob das Ziel der Gewähr­leis­tung der Flug­si­cher­heit als Ziel im Sin­ne des Art. 6 Abs. 1 der Richt­li­nie in Be­tracht kom­men könn­te. Der Ge­richts­hof ha­be sich bei der Aus­le­gung die­ser Vor­schrift bis­her nur zu Maßnah­men geäußert, die Zie­le so­zi­al­po­li­ti­scher Art ver­folg­ten, oh­ne dass er sich aus­drück­lich zu Maßnah­men, die an­de­re Zie­le ver­folg­ten, geäußert ha­be. Wenn das Ziel der Gewähr­leis­tung der Si­cher­heit des Flug­ver­kehrs ein Ziel im Sin­ne des Art. 6 Abs. 1 der Richt­li­nie sei, sei zu prüfen, ob die Al­ters­gren­ze von 60 Jah­ren für Pi­lo­ten zur Er­rei­chung die­ses Ziels an­ge­mes­sen und er­for­der­lich sei.
Sch­ließlich fragt sich das Bun­des­ar­beits­ge­richt drit­tens, ob die Al­ters­gren­ze von 60 Jah­ren für Pi­lo­ten nicht nach Art. 4 Abs. 1 der Richt­li­nie 2000/78 ge­recht­fer­tigt sein könn­te. Denn die Gewähr­leis­tung der Flug­si­cher­heit könn­te ein rechtmäßiger Zweck für die Fest­le­gung ei­ner auf das Al­ter ab­stel­len­den be­ruf­li­chen An­for­de­rung sein. In die­sem Fall sei frag­lich, ob die Al­ters­gren­ze von den So­zi­al­part­nern im Rah­men ei­nes Ta­rif­ver­trags fest­ge­legt wer­den könne oder ob sie der staat­li­chen Norm­set­zung vor­be­hal­ten sei. Hier­zu stellt das vor­le­gen­de Ge­richt fest, dass die na­tio­na­le Re­ge­lung die Ausübung des Pi­lo­ten­be­rufs zwi­schen 60 und 65 Jah­ren nur ein­schränke, aber nicht ver­bie­te.
Auf­grund die­ser Erwägun­gen hat das Bun­des­ar­beits­ge­richt das Ver­fah­ren aus­ge­setzt und dem Ge­richts­hof fol­gen­de Fra­ge zur Vor­ab­ent­schei­dung vor­ge­legt:
Sind Art. 2 Abs. 5, Art. 4 Abs. 1 und/oder Art. 6 Abs. 1 Satz 1 der Richt­li­nie 2000/78 und/oder der all­ge­mei­ne Grund­satz des Ge­mein­schafts­rechts über das Ver­bot der Dis­kri­mi­nie­rung we­gen des Al­ters so aus­zu­le­gen, dass sie Re­ge­lun­gen des na­tio­na­len Rechts ent­ge­gen­ste­hen, die ei­ne auf Gründen der Gewähr­leis­tung der Flug­si­cher­heit be­ru­hen­de ta­rif­li­che Al­ters­gren­zen­re­ge­lung von 60 Jah­ren für Pi­lo­ten an­er­ken­nen?
Bei der Be­ant­wor­tung der Vor­la­ge­fra­ge ist vor­ab zum ei­nen zu prüfen, ob die im Aus­gangs­ver­fah­ren frag­li­che ta­rif­ver­trag­li­che Klau­sel in den Gel­tungs­be­reich der Richt­li­nie 2000/78 fällt und ei­ne Un­gleich­be­hand­lung we­gen des Al­ters enthält, und zum an­de­ren, ob die­se Richt­li­nie da­hin aus­zu­le­gen ist, dass sie Un­gleich­be­hand­lun­gen we­gen des Al­ters in ta­rif­ver­trag­li­chen Klau­seln wie der im Aus­gangs­ver­fah­ren frag­li­chen ent­ge­gen­steht.
Hin­sicht­lich der An­wen­dung der Richt­li­nie 2000/78 ist dar­auf hin­zu­wei­sen, dass der Ge­richts­hof die Exis­tenz ei­nes Ver­bots der Dis­kri­mi­nie­rung we­gen des Al­ters an­er­kannt hat, das als ein all­ge­mei­ner Grund­satz des Uni­ons­rechts an­zu­se­hen ist und durch die Richt­li­nie 2000/78 für den Be­reich Beschäfti­gung und Be­ruf kon­kre­ti­siert wor­den ist (vgl. in die­sem Sin­ne Ur­teil vom 19. Ja­nu­ar 2010, Kücükde­ve­ci, C‑555/07, Slg. 2010, I‑365, Rand­nr. 21). Das Ver­bot je­der Dis­kri­mi­nie­rung u. a. we­gen des Al­ters ist in Art. 21 der Char­ta der Grund­rech­te der Eu­ropäischen Uni­on ent­hal­ten, die seit dem 1. De­zem­ber 2009 den glei­chen recht­li­chen Rang hat wie die Verträge.
Außer­dem er­gibt sich so­wohl aus dem Ti­tel und den Erwägungs­gründen als auch aus dem In­halt und der Ziel­set­zung die­ser Richt­li­nie, dass sie ei­nen all­ge­mei­nen Rah­men schaf­fen soll, der gewähr­leis­tet, dass je­der „in Beschäfti­gung und Be­ruf“ gleich­be­han­delt wird, in­dem sie dem Be­trof­fe­nen ei­nen wirk­sa­men Schutz vor Dis­kri­mi­nie­run­gen aus ei­nem der in ih­rem Art. 1 ge­nann­ten Gründe – dar­un­ter auch das Al­ter – bie­tet (vgl. Ur­teil vom 12. Ok­to­ber 2010, In­ge­niørfo­re­nin­gen i Dan­mark, C‑499/08, noch nicht in der amt­li­chen Samm­lung veröffent­licht, Rand­nr. 19).
Aus Art. 3 Abs. 1 Buchst. c der Richt­li­nie 2000/78 er­gibt sich, dass die­se für al­le Per­so­nen in öffent­li­chen und pri­va­ten Be­rei­chen, ein­sch­ließlich öffent­li­cher Stel­len, u. a. in Be­zug auf die Beschäfti­gungs- und Ar­beits­be­din­gun­gen, ein­sch­ließlich der Ent­las­sungs­be­din­gun­gen, gilt.
In­dem § 19 Abs. 1 MTV Nr. 5a vor­sieht, dass das Ar­beits­verhält­nis der Pi­lo­ten – oh­ne dass es ei­ner Kündi­gung be­darf – mit Ab­lauf des Mo­nats en­det, in dem das 60. Le­bens­jahr voll­endet wird, be­trifft die­se Be­stim­mung die Beschäfti­gungs­be­din­gun­gen die­ser Ar­beit­neh­mer im Sin­ne von Art. 3 Abs. 1 Buchst. c der Richt­li­nie 2000/78. Die­se Richt­li­nie gilt da­her für Kon­stel­la­tio­nen wie die­je­ni­ge, die An­lass zu dem Rechts­streit ge­ge­ben hat, der bei dem vor­le­gen­den Ge­richt anhängig ist.
Hin­sicht­lich der Fra­ge, ob die im Aus­gangs­ver­fah­ren in Re­de ste­hen­de Maßnah­me ei­ne Dis­kri­mi­nie­rung we­gen des Al­ters im Sin­ne von Art. 2 Abs. 1 der Richt­li­nie 2000/78 enthält, ist dar­auf hin­zu­wei­sen, dass nach die­ser Be­stim­mung „‚Gleich­be­hand­lungs­grund­satz‘ [be­deu­tet], dass es kei­ne un­mit­tel­ba­re oder mit­tel­ba­re Dis­kri­mi­nie­rung we­gen ei­nes der in Ar­ti­kel 1 [die­ser Richt­li­nie] ge­nann­ten Gründe ge­ben darf“. Art. 2 Abs. 2 Buchst. a der Richt­li­nie stellt klar, dass ei­ne un­mit­tel­ba­re Dis­kri­mi­nie­rung im Sin­ne des Abs. 1 vor­liegt, wenn ei­ne Per­son we­gen ei­nes der in Art. 1 der Richt­li­nie ge­nann­ten Gründe in ei­ner ver­gleich­ba­ren Si­tua­ti­on ei­ne we­ni­ger güns­ti­ge Be­hand­lung erfährt als ei­ne an­de­re.
Im vor­lie­gen­den Fall sieht § 19 Abs. 1 MTV Nr. 5a vor, dass das dem ge­nann­ten Ta­rif­ver­trag un­ter­lie­gen­de Ar­beits­verhält­nis ei­nes Pi­lo­ten der Deut­schen Luft­han­sa au­to­ma­tisch en­det, wenn er das 60. Le­bens­jahr voll­endet.
Ein sol­cher Pi­lot be­fin­det sich in ei­ner Si­tua­ti­on, die der­je­ni­gen ei­nes Pi­lo­ten ver­gleich­bar ist, der jünger ist als er und für die­sel­be Luft­fahrt­ge­sell­schaft die glei­che Tätig­keit ausübt und/oder dem­sel­ben Ta­rif­ver­trag un­ter­liegt. Der erst­ge­nann­te Pi­lot, des­sen Ar­beits­ver­trag au­to­ma­tisch en­det, wenn er das 60. Le­bens­jahr voll­endet, erfährt we­gen sei­nes Al­ters ei­ne we­ni­ger güns­ti­ge Be­hand­lung als der zweit­ge­nann­te.
Die im Aus­gangs­ver­fah­ren in Re­de ste­hen­de Maßnah­me be­gründet folg­lich ei­ne un­mit­tel­bar auf dem Al­ter be­ru­hen­de Un­gleich­be­hand­lung im Sin­ne von Art. 1 in Ver­bin­dung mit Art. 2 Abs. 2 Buchst. a der Richt­li­nie 2000/78.
Da­bei ist zu be­ach­ten, dass der Um­stand, dass die na­tio­na­le Re­ge­lung – im vor­lie­gen­den Fall nach den An­ga­ben des vor­le­gen­den Ge­richts § 14 Abs. 1 Tz­B­fG – aus ei­nem sach­li­chen Grund zu­las­sen kann, dass ein Ta­rif­ver­trag bei Er­rei­chen ei­nes be­stimm­ten Al­ters die au­to­ma­ti­sche Be­en­di­gung von Ar­beits­verträgen vor­sieht, nichts dar­an ändert, dass der be­tref­fen­de Ta­rif­ver­trag dem Recht der Uni­on und ins­be­son­de­re der Richt­li­nie 2000/78 zu ent­spre­chen hat (vgl. in die­sem Sin­ne Ur­teil vom 12. Ok­to­ber 2010, Ro­sen­bladt, C‑45/09, noch nicht in der amt­li­chen Samm­lung veröffent­licht, Rand­nr. 53).
Denn das in Art. 28 der Char­ta der Grund­rech­te der Eu­ropäischen Uni­on pro­kla­mier­te Recht auf Kol­lek­tiv­ver­hand­lun­gen muss im Gel­tungs­be­reich des Uni­ons­rechts im Ein­klang mit die­sem aus­geübt wer­den (vgl. in die­sem Sin­ne Ur­tei­le vom 11. De­zem­ber 2007, In­ter­na­tio­nal Trans­port Workers’ Fe­de­ra­ti­on und Fin­nish Sea­men’s Uni­on, „Vi­king Li­ne“, C‑438/05, Slg. 2007, I‑10779, Rand­nr. 44, und vom 18. De­zem­ber 2007, La­val un Part­ne­ri, C‑341/05, Slg. 2007, I‑11767, Rand­nr. 91)
Wenn die So­zi­al­part­ner Maßnah­men tref­fen, die in den Gel­tungs­be­reich der Richt­li­nie 2000/78 fal­len, die für Beschäfti­gung und Be­ruf das Ver­bot der Dis­kri­mi­nie­rung we­gen des Al­ters kon­kre­ti­siert, müssen sie da­her un­ter Be­ach­tung die­ser Richt­li­nie vor­ge­hen (vgl. in die­sem Sin­ne Ur­teil vom 27. Ok­to­ber 1993, End­er­by, C‑127/92, Slg. 1993, I‑5535, Rand­nr. 22).
Aus Art. 16 Abs. 1 Buchst. b der Richt­li­nie 2000/78 geht klar her­vor, dass Ta­rif­verträge eben­so wie Rechts‑ und Ver­wal­tungs­vor­schrif­ten den mit die­ser Richt­li­nie durch­geführ­ten Grund­satz zu be­ach­ten ha­ben.
Da das vor­le­gen­de Ge­richt den Ge­richts­hof um ei­ne Aus­le­gung der Art. 2 Abs. 5, 4 Abs. 1 und 6 Abs. 1 der Richt­li­nie 2000/78 er­sucht hat, ist die ta­rif­ver­trag­li­che Klau­sel, die im Aus­gangs­ver­fah­ren in Re­de steht, nach­ein­an­der im Hin­blick auf je­de die­ser Be­stim­mun­gen so­wie im Hin­blick auf das oder die mit die­ser Maßnah­me ver­folg­ten Zie­le zu un­ter­su­chen.
Aus den Erläute­run­gen des vor­le­gen­den Ge­richts geht her­vor, dass die So­zi­al­part­ner die au­to­ma­ti­sche Be­en­di­gung der Ar­beits­verträge der Pi­lo­ten im Al­ter von 60 Jah­ren mit dem Ziel vor­ge­se­hen hätten, die Flug­si­cher­heit zu gewähr­leis­ten. In ih­ren Erklärun­gen ver­tritt die deut­sche Re­gie­rung die An­sicht, dass die Al­ters­gren­ze, über die die So­zi­al­part­ner sich ge­ei­nigt hätten, zum Schutz der Ge­sund­heit er­for­der­lich sei. Der Aus­schluss der über 60‑jähri­gen Pi­lo­ten vom Flug­ver­kehr ermögli­che nämlich, das Ri­si­ko von Unfällen zu ver­mei­den und die Ge­sund­heit der Pi­lo­ten, der Pas­sa­gie­re und der Be­woh­ner der über­flo­ge­nen Ge­bie­te zu schützen. Im Licht die­ser Erwägun­gen ist die Richt­li­nie 2000/78 aus­zu­le­gen.
Zur Aus­le­gung von Art. 2 Abs. 5 der Richt­li­nie 2000/78
Art. 2 („Der Be­griff ‚Dis­kri­mi­nie­rung‘“) der Richt­li­nie 2000/78 dient der Be­stim­mung des Be­griffs des Gleich­be­hand­lungs­grund­sat­zes im Sin­ne die­ser Richt­li­nie. Nach Art. 2 Abs. 1 kenn­zeich­net die­sen Grund­satz das Feh­len je­der un­mit­tel­ba­ren oder mit­tel­ba­ren Dis­kri­mi­nie­rung we­gen ei­nes der in Art. 1 der Richt­li­nie ge­nann­ten Gründe.
Art. 2 Abs. 2 bis 4 der Richt­li­nie 2000/78 de­fi­niert die Ver­hal­tens­wei­sen, die als Dis­kri­mi­nie­rung im Sin­ne von Art. 2 Abs. 1 die­ser Richt­li­nie an­zu­se­hen sind.
Nach Art. 2 Abs. 5 der ge­nann­ten Richt­li­nie „berührt [die­se] nicht die im ein­zel­staat­li­chen Recht vor­ge­se­he­nen Maßnah­men, die in ei­ner de­mo­kra­ti­schen Ge­sell­schaft für die Gewähr­leis­tung der öffent­li­chen Si­cher­heit, die Ver­tei­di­gung der Ord­nung und die Verhütung von Straf­ta­ten, zum Schutz der Ge­sund­heit und zum Schutz der Rech­te und Frei­hei­ten an­de­rer not­wen­dig sind“.
Mit dem Er­lass die­ser Be­stim­mung woll­te der Uni­ons­ge­setz­ge­ber auf dem Ge­biet von Beschäfti­gung und Be­ruf dem Ent­ste­hen ei­nes Span­nungs­fel­des zwi­schen dem Grund­satz der Gleich­be­hand­lung zum ei­nen und der not­wen­di­gen Gewähr­leis­tung der öffent­li­chen Ord­nung, Si­cher­heit und Ge­sund­heit, der Verhütung von Rechts­verstößen so­wie dem Schutz der in­di­vi­du­el­len Rech­te und Frei­hei­ten, die für das Funk­tio­nie­ren ei­ner de­mo­kra­ti­schen Ge­sell­schaft un­erläss­lich sind, zum an­de­ren vor­beu­gen und ver­mit­telnd ein­grei­fen. Der Uni­ons­ge­setz­ge­ber hat be­schlos­sen, dass in be­stimm­ten, in Art. 2 Abs. 5 der Richt­li­nie 2000/78 auf­geführ­ten Fällen die in die­ser Richt­li­nie auf­ge­stell­ten Grundsätze für sol­che Maßnah­men nicht gel­ten, die Un­gleich­be­hand­lun­gen we­gen ei­nes der in Art. 1 der Richt­li­nie ge­nann­ten Gründe ent­hal­ten, vor­aus­ge­setzt al­ler­dings, dass die­se Maßnah­men zum Er­rei­chen der oben ge­nann­ten Zie­le „not­wen­dig“ sind.
Der ge­nann­te Art. 2 Abs. 5 ist außer­dem, da er ei­ne Ab­wei­chung vom Grund­satz des Ver­bots der Dis­kri­mi­nie­run­gen be­gründet, eng aus­zu­le­gen. Auch der Wort­laut die­ser Be­stim­mung führt zu ei­nem sol­chen An­satz (vgl. in die­sem Sin­ne Ur­teil vom 12. Ja­nu­ar 2010, Pe­ter­sen, C‑341/08, Slg. 2010, I‑47, Rand­nr. 60).
So­mit ist zum ei­nen zu prüfen, ob die Flug­si­cher­heit zu den in Art. 2 Abs. 5 der Richt­li­nie 2000/78 auf­geführ­ten Zie­len gehört, und zum an­de­ren, ob Art. 19 Abs. 1 MTV Nr. 5a ei­ne im ein­zel­staat­li­chen Recht vor­ge­se­he­ne Maßnah­me im Sin­ne die­ser Be­stim­mung ist.
In Be­zug auf die Flug­si­cher­heit stel­len Maßnah­men, die auf die Ver­mei­dung von Flug­zeug­unglücken durch Kon­trol­le der Eig­nung und phy­si­schen Fähig­kei­ten der Pi­lo­ten ab­zie­len, da­mit men­sch­li­che Schwächen nicht zur Ur­sa­che der­ar­ti­ger Unfälle wer­den, un­be­streit­bar Maßnah­men dar, die ge­eig­net sind, die öffent­li­che Si­cher­heit im Sin­ne von Art. 2 Abs. 5 der Richt­li­nie 2000/78 zu gewähr­leis­ten.
Was die Fra­ge be­trifft, ob ei­ne ta­rif­ver­trag­lich ge­trof­fe­ne Maßnah­me ei­ne im ein­zel­staat­li­chen Recht vor­ge­se­he­ne Maßnah­me sein kann, ist dar­auf hin­zu­wei­sen, wie dies der Ge­ne­ral­an­walt in Nr. 51 sei­ner Schluss­anträge ge­tan hat, dass der Uni­ons­ge­setz­ge­ber in Art. 2 Abs. 5 der Richt­li­nie 2000/78 auf Maßnah­men, die zum „ein­zel­staat­li­chen Recht“ gehören, ab­stellt, während so­wohl Art. 4 Abs. 1 als auch Art. 6 Abs. 1 die­ser Richt­li­nie kei­nen Hin­weis auf das kon­kre­te recht­li­che In­stru­men­ta­ri­um ent­hal­ten.
Der Ge­richts­hof hat be­reits ent­schie­den, dass die So­zi­al­part­ner kei­ne öffent­lich-recht­lich ver­fass­ten Ein­rich­tun­gen sind (vgl. im Zu­sam­men­hang von Art. 3 Abs. 10 der Richt­li­nie 96/71/EG des Eu­ropäischen Par­la­ments und des Ra­tes vom 16. De­zem­ber 1996 über die Ent­sen­dung von Ar­beit­neh­mern im Rah­men der Er­brin­gung von Dienst­leis­tun­gen [ABl. 1997, L 18, S. 1] Ur­teil La­val un Part­ne­ri, Rand­nr. 84).
Die­se Erwägung hin­dert je­doch die Mit­glied­staa­ten nicht dar­an, über Ermäch­ti­gungs­vor­schrif­ten es den So­zi­al­part­nern zu ge­stat­ten, Maßnah­men im Sin­ne von Art. 2 Abs. 5 der Richt­li­nie 2000/78 auf den in die­ser Be­stim­mung ge­nann­ten Ge­bie­ten, die in den An­wen­dungs­be­reich von Ta­rif­verträgen fal­len, zu tref­fen. Die­se Ermäch­ti­gungs­vor­schrif­ten müssen hin­rei­chend ge­nau sein, da­mit gewähr­leis­tet wird, dass die ge­nann­ten Maßnah­men die in Art. 2 Abs. 5 der Richt­li­nie ge­nann­ten An­for­de­run­gen be­ach­ten.
Hin­sicht­lich der im Aus­gangs­ver­fah­ren in Re­de ste­hen­den Maßnah­me sol­len die So­zi­al­part­ner der An­sicht ge­we­sen sein, dass für die Möglich­keit der Pi­lo­ten, ih­re Tätig­kei­ten aus­zuüben, aus Gründen der Si­cher­heit der Pas­sa­gie­re und der Be­woh­ner der über­flo­ge­nen Ge­bie­te, aber auch aus Gründen, die die Ge­sund­heit und die Si­cher­heit der Pi­lo­ten selbst beträfen, ei­ne Al­ters­gren­ze von 60 Jah­ren vor­zu­se­hen sei. Die­se Maßnah­me ver­folgt Zie­le, die mit der öffent­li­chen Si­cher­heit und dem Schutz der Ge­sund­heit in Zu­sam­men­hang ste­hen, und fällt in den An­wen­dungs­be­reich von Ta­rif­verträgen.
Wie in den Rand­nrn. 14 und 16 des vor­lie­gen­den Ur­teils aus­geführt, war es nach der na­tio­na­len und der in­ter­na­tio­na­len Re­ge­lung je­doch nicht er­for­der­lich, den Pi­lo­ten die Ausübung ih­rer Tätig­kei­ten nach Voll­endung des 60. Le­bens­jah­res zu un­ter­sa­gen, son­dern le­dig­lich, die­se Ausübung zu be­schränken. So­mit war das in der im Aus­gangs­ver­fah­ren in Re­de ste­hen­den Maßnah­me ent­hal­te­ne Ver­bot, nach Er­rei­chen die­ses Al­ters ein Flug­zeug zu führen, für die Er­rei­chung des ver­folg­ten Ziels nicht not­wen­dig.
Aus die­sen Erwägun­gen geht her­vor, dass Art. 2 Abs. 5 der Richt­li­nie 2000/78 da­hin aus­zu­le­gen ist, dass die Mit­glied­staa­ten über Ermäch­ti­gungs­vor­schrif­ten den So­zi­al­part­nern ge­stat­ten können, Maßnah­men im Sin­ne die­ses Art. 2 Abs. 5 auf den in die­ser Be­stim­mung ge­nann­ten Ge­bie­ten, die in den An­wen­dungs­be­reich von Ta­rif­verträgen fal­len, zu tref­fen, vor­aus­ge­setzt, die­se Ermäch­ti­gungs­vor­schrif­ten sind hin­rei­chend ge­nau, da­mit gewähr­leis­tet wird, dass die ge­nann­ten Maßnah­men die in Art. 2 Abs. 5 der Richt­li­nie ge­nann­ten An­for­de­run­gen be­ach­ten. Ei­ne Maßnah­me wie die im Aus­gangs­ver­fah­ren in Re­de ste­hen­de, die die Al­ters­gren­ze, ab der Pi­lo­ten ih­rer be­ruf­li­chen Tätig­keit nicht mehr nach­ge­hen dürfen, auf 60 Jah­re fest­legt, während die na­tio­na­le und die in­ter­na­tio­na­le Re­ge­lung die­ses Al­ter auf 65 Jah­re fest­le­gen, ist kei­ne Maßnah­me, die für die öffent­li­che Si­cher­heit und den Schutz der Ge­sund­heit im Sin­ne die­ses Art. 2 Abs. 5 not­wen­dig ist.
Zur Aus­le­gung von Art. 4 Abs. 1 der Richt­li­nie 2000/78
Nach dem Wort­laut von Art. 4 Abs. 1 der Richt­li­nie 2000/78 „können die Mit­glied­staa­ten vor­se­hen, dass ei­ne Un­gleich­be­hand­lung we­gen ei­nes Merk­mals, das im Zu­sam­men­hang mit ei­nem der in Ar­ti­kel 1 [die­ser Richt­li­nie] ge­nann­ten Dis­kri­mi­nie­rungs­gründe steht, kei­ne Dis­kri­mi­nie­rung dar­stellt, wenn das be­tref­fen­de Merk­mal auf­grund der Art ei­ner be­stimm­ten be­ruf­li­chen Tätig­keit oder der Be­din­gun­gen ih­rer Ausübung ei­ne we­sent­li­che und ent­schei­den­de be­ruf­li­che An­for­de­rung dar­stellt, so­fern es sich um ei­nen rechtmäßigen Zweck und ei­ne an­ge­mes­se­ne An­for­de­rung han­delt“.
Aus dem Wort­laut die­ser Be­stim­mung geht her­vor, dass die Un­gleich­be­hand­lung nur dann kei­ne Dis­kri­mi­nie­rung dar­stellt, wenn sie auf ein Merk­mal gestützt ist, das im Zu­sam­men­hang mit ei­nem der in Art. 1 der Richt­li­nie 2000/78 ge­nann­ten Dis­kri­mi­nie­rungs­gründe steht, und die­ses Merk­mal ei­ne „we­sent­li­che und ent­schei­den­de“ be­ruf­li­che An­for­de­rung dar­stellt. Der Ge­richts­hof hat ent­schie­den, dass nicht der Grund, auf den die Un­gleich­be­hand­lung gestützt ist, son­dern ein mit die­sem Grund im Zu­sam­men­hang ste­hen­des Merk­mal ei­ne we­sent­li­che und ent­schei­den­de be­ruf­li­che An­for­de­rung dar­stel­len muss (vgl. Ur­teil vom 12. Ja­nu­ar 2010, Wolf, C‑229/08, Slg. 2010, I‑1, Rand­nr. 35).
Im Fall der Ver­kehrspi­lo­ten ist es we­sent­lich, dass sie ins­be­son­de­re über be­son­de­re körper­li­che Fähig­kei­ten verfügen, da körper­li­che Schwächen in die­sem Be­ruf beträcht­li­che Kon­se­quen­zen ha­ben können. Un­be­streit­bar neh­men die­se Fähig­kei­ten auch mit zu­neh­men­dem Al­ter ab (vgl. in die­sem Sin­ne für den Be­ruf des Feu­er­wehr­manns Ur­teil Wolf, Rand­nr. 41). Dar­aus folgt, dass für die Ausübung des Be­rufs des Ver­kehrspi­lo­ten das Vor­han­den­sein be­son­de­rer körper­li­cher Fähig­kei­ten als ei­ne „we­sent­li­che und ent­schei­den­de be­ruf­li­che An­for­de­rung“ im Sin­ne von Art. 4 Abs. 1 der Richt­li­nie 2000/78 an­ge­se­hen wer­den kann und dass die­se Fähig­kei­ten al­ters­abhängig sind.
Hin­sicht­lich des mit der Maßnah­me ver­folg­ten Zwecks hat das vor­le­gen­de Ge­richt, wie in Rand­nr. 51 des vor­lie­gen­den Ur­teils aus­geführt, dar­auf hin­ge­wie­sen, dass die So­zi­al­part­ner die au­to­ma­ti­sche Be­en­di­gung der Ar­beits­verträge der Pi­lo­ten bei Voll­endung des 60. Le­bens­jah­res mit dem Ziel vor­ge­se­hen hätten, die Si­cher­heit des Flug­ver­kehrs zu gewähr­leis­ten.
Ein sol­ches Ziel stellt ei­nen rechtmäßigen Zweck im Sin­ne von Art. 4 Abs. 1 der Richt­li­nie 2000/78 dar.
Zu prüfen ist außer­dem, ob die So­zi­al­part­ner, in­dem sie be­schlos­sen ha­ben, dass ab dem Al­ter von 60 Jah­ren die Ver­kehrspi­lo­ten nicht mehr über die körper­li­chen Fähig­kei­ten zur Ausübung ih­rer be­ruf­li­chen Tätig­keit verfügen, ei­ne an­ge­mes­se­ne An­for­de­rung auf­ge­stellt ha­ben.
Hier­bei ist dar­auf hin­zu­wei­sen, dass es im 23. Erwägungs­grund der Richt­li­nie 2000/78 heißt, dass un­ter „sehr be­grenz­ten Be­din­gun­gen“ ei­ne un­ter­schied­li­che Be­hand­lung ge­recht­fer­tigt sein kann, wenn ein Merk­mal, das ins­be­son­de­re mit dem Al­ter zu­sam­menhängt, ei­ne we­sent­li­che und ent­schei­den­de be­ruf­li­che An­for­de­rung dar­stellt.
Darüber hin­aus ist Art. 4 Abs. 1 der Richt­li­nie 2000/78, so­weit er es ermöglicht, vom Dis­kri­mi­nie­rungs­ver­bot ab­zu­wei­chen, eng aus­zu­le­gen (vgl. ent­spre­chend in Be­zug auf die Dis­kri­mi­nie­rung we­gen des Ge­schlechts die Ur­tei­le vom 15. Mai 1986, Johns­ton, 222/84, Slg. 1986, 1651, Rand­nr. 36, und vom 26. Ok­to­ber 1999, Sir­dar, C‑273/97, Slg. 1999, I‑7403, Rand­nr. 23, so­wie hin­sicht­lich Art. 2 Abs. 5 der Richt­li­nie 2000/78 in die­sem Sin­ne Ur­teil Pe­ter­sen, Rand­nr. 60).
Wie in den Rand­nrn. 14 und 16 des vor­lie­gen­den Ur­teils dar­ge­legt, ha­ben die Pi­lo­ten so­wohl nach der na­tio­na­len als auch nach der in­ter­na­tio­na­len Re­ge­lung die Möglich­keit, zwi­schen dem voll­ende­ten 60. und 65. Le­bens­jahr ih­ren Tätig­kei­ten un­ter be­stimm­ten Be­schränkun­gen wei­ter nach­zu­ge­hen. Folg­lich sind die na­tio­na­len und in­ter­na­tio­na­len Stel­len der An­sicht, dass Pi­lo­ten bis zum voll­ende­ten 65. Le­bens­jahr die körper­li­chen Fähig­kei­ten ha­ben, ein Flug­zeug zu führen, auch wenn sie dies zwi­schen dem voll­ende­ten 60. und dem voll­ende­ten 65. Le­bens­jahr nur als Mit­glied ei­ner Be­sat­zung, de­ren an­de­re Pi­lo­ten das 60. Le­bens­jahr noch nicht voll­endet ha­ben, tun können.
Die So­zi­al­part­ner sol­len ih­rer­seits die An­sicht ver­tre­ten ha­ben, dass die un­ter den MTV Nr. 5a fal­len­den Pi­lo­ten nach Voll­endung des 60. Le­bens­jah­res selbst un­ter be­stimm­ten Be­schränkun­gen ih­ren Tätig­kei­ten nicht mehr nach­ge­hen könn­ten. Darüber hin­aus ge­hen die Gründe, aus de­nen die­se Pi­lo­ten schon ab dem voll­ende­ten 60. Le­bens­jahr körper­lich nicht mehr fähig sein sol­len, ein Flug­zeug zu führen, we­der aus den Ak­ten noch aus den beim Ge­richts­hof ein­ge­reich­ten Erklärun­gen her­vor.
In­dem die So­zi­al­part­ner die Al­ters­gren­ze, ab der die un­ter den MTV Nr. 5a fal­len­den Ver­kehrspi­lo­ten als körper­lich nicht mehr fähig zur Ausübung ih­rer be­ruf­li­chen Tätig­keit gel­ten, auf 60 Jah­re fest­ge­legt ha­ben, wo­hin­ge­gen die na­tio­na­le und die in­ter­na­tio­na­le Re­ge­lung die Ausübung die­ser Tätig­keit un­ter be­stimm­ten Be­din­gun­gen bis zum Al­ter von 65 Jah­ren ge­stat­ten, ha­ben sie die­sen Pi­lo­ten ei­ne im Sin­ne von Art. 4 Abs. 1 der Richt­li­nie 2000/78 un­verhält­nismäßige An­for­de­rung auf­er­legt.
Aus die­sen Erwägun­gen er­gibt sich, dass Art. 4 Abs. 1 der Richt­li­nie 2000/78 da­hin aus­zu­le­gen ist, dass er ei­ner ta­rif­ver­trag­li­chen Klau­sel ent­ge­gen­steht, die wie die im Aus­gangs­ver­fah­ren in Re­de ste­hen­de die Al­ters­gren­ze, ab der Pi­lo­ten als körper­lich nicht mehr fähig zur Ausübung ih­rer be­ruf­li­chen Tätig­keit gel­ten, auf 60 Jah­re fest­legt, während die na­tio­na­le und die in­ter­na­tio­na­le Re­ge­lung die­ses Al­ter auf 65 Jah­re fest­le­gen.
Zur Aus­le­gung von Art. 6 Abs. 1 der Richt­li­nie 2000/78
Art. 6 Abs. 1 Un­terabs. 1 der Richt­li­nie 2000/78 be­stimmt, dass ei­ne Un­gleich­be­hand­lung we­gen des Al­ters kei­ne Dis­kri­mi­nie­rung dar­stellt, so­fern sie ob­jek­tiv und an­ge­mes­sen ist und im Rah­men des na­tio­na­len Rechts durch ein le­gi­ti­mes Ziel, wor­un­ter ins­be­son­de­re rechtmäßige Zie­le aus den Be­rei­chen Beschäfti­gungs­po­li­tik, Ar­beits­markt und be­ruf­li­che Bil­dung zu ver­ste­hen sind, ge­recht­fer­tigt ist und die Mit­tel zur Er­rei­chung die­ses Ziels an­ge­mes­sen und er­for­der­lich sind.
Wie in den Rand­nrn. 51 und 68 des vor­lie­gen­den Ur­teils aus­geführt, hat das vor­le­gen­de Ge­richt dar­auf hin­ge­wie­sen, dass die So­zi­al­part­ner die au­to­ma­ti­sche Be­en­di­gung der Ar­beits­verträge der Pi­lo­ten bei Voll­endung des 60. Le­bens­jah­res mit dem Ziel vor­ge­se­hen hätten, die Flug­si­cher­heit zu gewähr­leis­ten.
Zu prüfen ist, ob ein der­ar­ti­ges Ziel ein le­gi­ti­mes Ziel im Sin­ne von Art. 6 Abs. 1 Un­terabs. 1 der Richt­li­nie 2000/78 ist.
In­so­weit ist dar­auf hin­zu­wei­sen, dass die in die­ser Be­stim­mung auf­geführ­ten rechtmäßigen Zie­le, auch wenn die Aufzählung nicht erschöpfend ist, mit der Beschäfti­gungs­po­li­tik, dem Ar­beits­markt und der be­ruf­li­chen Bil­dung in Zu­sam­men­hang ste­hen.
Der Ge­richts­hof hat da­her ent­schie­den, dass die Zie­le, die als „le­gi­tim“ im Sin­ne von Art. 6 Abs. 1 Un­terabs. 1 der Richt­li­nie 2000/78 und da­mit als ge­eig­net an­ge­se­hen wer­den können, ei­ne Aus­nah­me vom Grund­satz des Ver­bots von Dis­kri­mi­nie­run­gen aus Gründen des Al­ters zu recht­fer­ti­gen, so­zi­al­po­li­ti­sche Zie­le wie sol­che aus den Be­rei­chen Beschäfti­gungs­po­li­tik, Ar­beits­markt oder be­ruf­li­che Bil­dung sind (vgl. Ur­tei­le vom 5. März 2009, Age Con­cern Eng­land, C‑388/07, Slg. 2009, I‑1569, Rand­nr. 46, und vom 18. Ju­ni 2009, Hütter, C‑88/08, Slg. 2009, I‑5325, Rand­nr. 41).
Aus all die­sen Ge­sichts­punk­ten er­gibt sich, dass ein Ziel wie die Flug­si­cher­heit nicht zu den in Art. 6 Abs. 1 Un­terabs. 1 der Richt­li­nie 2000/78 ge­nann­ten Zie­len gehört.
83 Nach al­le­dem ist auf die Vor­la­ge­fra­ge wie folgt zu ant­wor­ten:
– Art. 2 Abs. 5 der Richt­li­nie 2000/78 ist da­hin aus­zu­le­gen, dass die Mit­glied­staa­ten über Ermäch­ti­gungs­vor­schrif­ten den So­zi­al­part­nern ge­stat­ten können, Maßnah­men im Sin­ne die­ses Art. 2 Abs. 5 auf den in die­ser Be­stim­mung ge­nann­ten Ge­bie­ten, die in den An­wen­dungs­be­reich von Ta­rif­verträgen fal­len, zu tref­fen, vor­aus­ge­setzt, die­se Ermäch­ti­gungs­vor­schrif­ten sind hin­rei­chend ge­nau, da­mit gewähr­leis­tet wird, dass die ge­nann­ten Maßnah­men die in Art. 2 Abs. 5 der Richt­li­nie ge­nann­ten An­for­de­run­gen be­ach­ten. Ei­ne Maßnah­me wie die im Aus­gangs­ver­fah­ren in Re­de ste­hen­de, die die Al­ters­gren­ze, ab der Pi­lo­ten ih­rer be­ruf­li­chen Tätig­keit nicht mehr nach­ge­hen dürfen, auf 60 Jah­re fest­legt, während die na­tio­na­le und die in­ter­na­tio­na­le Re­ge­lung die­ses Al­ter auf 65 Jah­re fest­le­gen, ist kei­ne Maßnah­me, die für die öffent­li­che Si­cher­heit und den Schutz der Ge­sund­heit im Sin­ne die­ses Art. 2 Abs. 5 not­wen­dig ist;
– Art. 4 Abs. 1 der Richt­li­nie 2000/78 ist da­hin aus­zu­le­gen, dass er ei­ner ta­rif­ver­trag­li­chen Klau­sel ent­ge­gen­steht, die wie die im Aus­gangs­ver­fah­ren in Re­de ste­hen­de die Al­ters­gren­ze, ab der Pi­lo­ten als körper­lich nicht mehr fähig zur Ausübung ih­rer be­ruf­li­chen Tätig­keit gel­ten, auf 60 Jah­re fest­legt, während die na­tio­na­le und die in­ter­na­tio­na­le Re­ge­lung die­ses Al­ter auf 65 Jah­re fest­le­gen;
– Art. 6 Abs. 1 Un­terabs. 1 der Richt­li­nie 2000/78 ist da­hin aus­zu­le­gen, dass die Flug­si­cher­heit kein le­gi­ti­mes Ziel im Sin­ne die­ser Vor­schrift ist.
Art. 2 Abs. 5 der Richt­li­nie 2000/78/EG des Ra­tes vom 27. No­vem­ber 2000 zur Fest­le­gung ei­nes all­ge­mei­nen Rah­mens für die Ver­wirk­li­chung der Gleich­be­hand­lung in Beschäfti­gung und Be­ruf ist da­hin aus­zu­le­gen, dass die Mit­glied­staa­ten über Ermäch­ti­gungs­vor­schrif­ten den So­zi­al­part­nern ge­stat­ten können, Maßnah­men im Sin­ne die­ses Art. 2 Abs. 5 auf den in die­ser Be­stim­mung ge­nann­ten Ge­bie­ten, die in den An­wen­dungs­be­reich von Ta­rif­verträgen fal­len, zu tref­fen, vor­aus­ge­setzt, die­se Ermäch­ti­gungs­vor­schrif­ten sind hin­rei­chend ge­nau, da­mit gewähr­leis­tet wird, dass die ge­nann­ten Maßnah­men die in Art. 2 Abs. 5 der Richt­li­nie ge­nann­ten An­for­de­run­gen be­ach­ten. Ei­ne Maßnah­me wie die im Aus­gangs­ver­fah­ren in Re­de ste­hen­de, die die Al­ters­gren­ze, ab der Pi­lo­ten ih­rer be­ruf­li­chen Tätig­keit nicht mehr nach­ge­hen dürfen, auf 60 Jah­re fest­legt, während die na­tio­na­le und die in­ter­na­tio­na­le Re­ge­lung die­ses Al­ter auf 65 Jah­re fest­le­gen, ist kei­ne Maßnah­me, die für die öffent­li­che Si­cher­heit und den Schutz der Ge­sund­heit im Sin­ne die­ses Art. 2 Abs. 5 not­wen­dig ist.
Art. 4 Abs. 1 der Richt­li­nie 2000/78 ist da­hin aus­zu­le­gen, dass er ei­ner ta­rif­ver­trag­li­chen Klau­sel ent­ge­gen­steht, die wie die im Aus­gangs­ver­fah­ren in Re­de ste­hen­de die Al­ters­gren­ze, ab der Pi­lo­ten als körper­lich nicht mehr fähig zur Ausübung ih­rer be­ruf­li­chen Tätig­keit gel­ten, auf 60 Jah­re fest­legt, während die na­tio­na­le und die in­ter­na­tio­na­le Re­ge­lung die­ses Al­ter auf 65 Jah­re fest­le­gen.
Art. 6 Abs. 1 Un­terabs. 1 der Richt­li­nie 2000/78 ist da­hin aus­zu­le­gen, dass die Flug­si­cher­heit kein le­gi­ti­mes Ziel im Sin­ne die­ser Vor­schrift ist.
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