Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Gericht=OLG%20D%C3%BCsseldorf&Datum=26.04.2007&Aktenzeichen=8%20U%2037/05
Timestamp: 2019-06-20 02:16:05
Document Index: 4944163

Matched Legal Cases: ['§ 823', '§ 831', '§ 847', 'BGH', 'BGH', '§ 630']

OLG Düsseldorf, 26.04.2007 - I-8 U 37/05 - dejure.org
OLG Düsseldorf, 26.04.2007 - I-8 U 37/05
https://dejure.org/2007,10525
OLG Düsseldorf, 26.04.2007 - I-8 U 37/05 (https://dejure.org/2007,10525)
OLG Düsseldorf, Entscheidung vom 26.04.2007 - I-8 U 37/05 (https://dejure.org/2007,10525)
OLG Düsseldorf, Entscheidung vom 26. April 2007 - I-8 U 37/05 (https://dejure.org/2007,10525)
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BGB § 823 Abs. 1; BGB § 831; BGB § 847 (a.F.)
Haftung für den durch eine fehlerhafte Behandlung hervorgerufenen Hirnschaden eines Neugeborenen; Vorliegen eines ärztlichen Behandlungsfehlers bei der Geburt eines Kindes; Widersetzung einer ärztlichen Anordnungen zur Vornahme einer dringend erforderlichen Untersuchung oder Therapiemaßnahme; Hinweis des Arztes auf die medizinische Notwendigkeit einer Maßnahme, die Folgen eines Verzichts hierauf sowie auf die Entstehung möglicher Schäden und deren Folgen; Schwere Versäumnisse einer Hebamme während des Geburtsvorgangs; Bemessung der Höhe eines Schmerzensgeldkapitalbetrags und einer monatlichen Schmerzensgeldrente
Schmerzensgeldbemessung bei allerschwersten Geburtsschäden (hier: hypoxischer Hirnschaden)
Ärztliche Aufklärung des Patienten bis zum Eklat
VersR 2008, 534
Die assistierende Hebamme trifft dann eine Remonstrationspflicht (…vgl. Martis Winkhart, Arzthaftungsrecht, 4. Auflage unter A.111 ; Urteil des BGH v. 07.12.2004 - VI ZR 212/03 -, Juris-Veröffentlichung unter Rz.20; Urteil des OLG Düsseldorf v. 26.04.2007 - I-8 U 37/05, Juris-Veröffentlichung unter Rz.61).
Anderes kann zwar unter Umständen dann gelten, wenn die im nichtärztlichen Rettungsdienst Tätigen aufgrund ihrer eigenen Ausbildung erkennen müssen, dass das Vorgehen des Arztes vollkommen regelwidrig und unverständlich ist bzw. wenn sich das Vorgehen des Arztes als schlechterdings unvertretbar mit dem erkennbaren Erfordernis sofortiger Intervention darstellt (zum Verhältnis von Hebamme und geburtsleitendem Arzt BGH NJW 2005, 888; OLG Hamm VersR 2006, 512; OLG Düsseldorf VersR 2008, 534).
Hat der Arzt die Behandlung übernommen, kommt eine Haftung der Hebamme daher nur in Betracht, wenn die Hebamme aufgrund ihrer geburtshilflichen Ausbildung erkennt oder erkennen muss, dass das Vorgehen des Arztes vollkommen regelwidrig und unverständlich ist, sie aber gleichwohl nicht remonstriert (vgl. etwa Senat, Urteil vom 01.12.2015 - 8 U 79/14, Entscheidungsumdruck, S. 11 u. S. 13; OLG Frankfurt, Urteil vom 06.04.1990 - 24 U 18/89, NJW-RR 1991, 1373, 1373 f.; OLG Düsseldorf, Urteil vom 26.04.2007 - 8 U 37/05, VersR 2008, 534, 536 [OLG Düsseldorf 26.04.2007 - I-8 U 37/05] ;… Lafontaine, in: Herberger/Martinek/Rüßmann u. a. (Hrsg.), jurisPK-BGB, 7. Aufl. 2014, § 630a, Rdnr. 420).
Aus den veröffentlichten Präjudizien zu Schwerstschadensfällen, bei denen die Betroffenen irreversibel schwerste körperliche und geistige Behinderungen erlitten und dadurch die Möglichkeit eines Lebens als selbstbestimmte Persönlichkeit verloren haben, ergeben sich als bisher höchste rechtskräftig titulierte Schmerzensgelder Beträge in einem Rahmen von 300.000 Euro nebst Rente in Höhe von 300 Euro monatlich bis zu 500.000 Euro nebst Rente in Höhe von 500 Euro monatlich [OLG Zweibrücken, 22. April 2008, 5 U 6/07, MedR 2009, 88, Geburtsschaden, 500.000 Euro nebst Rente in Höhe von 500 Euro monatlich; OLG Köln, 20. Dezember 2006, 5 U 130/01, VersR 2007, 219, Geburtsschaden, 500.000 Euro ohne zusätzliche monatliche Rente; OLG Hamm, 21. Mai 2003, 3 U 122/02, VersR 2004, 386, Geburtsschaden, 500.000 Euro ohne zusätzliche monatliche Rente; OLG München, 19. September 2005, 1 U 2640/05, MedR 2006, 211, Geburtsschaden, 350.00 Euro nebst Rente in Höhe von 500 Euro monatlich, vorgehend: LG München, 2. März 2005, 9 O 6741/98; OLG Düsseldorf, 26. April 2007, 8 U 37/05, VersR 2008, 534, Geburtsschaden; 300.000 Euro nebst Rente in Höhe von 300 Euro, vorgehend: LG Kleve, 9. Februar 2005, 2 O 370/01; hinsichtlich der von den Beklagten zitierten Entscheidung des LG Ansbach vom 7. August 2009 zu 2 O 259/04, mit der ein Schmerzensgeld von 400.000 Euro nebst einer monatlichen Rente von 500 Euro zugesprochen worden wurde, ist der - soweit ersichtlich - einzigen Fundstelle in Hacks/Wellner/ Hecker, Schmerzensgeldbeträge 2014, lfd.
Das OLG Düsseldorf hat in einer vergleichbaren Schadenskonstellation (infolge eines Sauerstoffmangels unter der Geburt erlittene körperliche und geistige Schwerstbehinderung, nämlich eine infantile Zerebralparese mit ausgeprägter psychomotorischer Retardierung und einer Tetraspastik) mit Urteil vom 26. April 2007 (Geschäftszeichen 8 U 37/05; VersR 2008, 534 - 537) ein Schmerzensgeld in Höhe von 300.000,- Euro sowie eine monatliche Schmerzensgeldrente von 300,- Euro für angemessen erachtet.
Denn einerseits darf sich in einer solchen Situation der Arzt nicht von der Patientin, die nicht operiert werden will, in deren "Boot holen lassen", sondern muss dieser vielmehr drastisch und eindringlich erläutern, dass ein operativer Eingriff unumgänglich ist (vgl. OLG Düsseldorf GesR 2008, 19 f.;… Martin/Winkhart, Arzthaftungsrecht, 2. Aufl., S. 97 f.).