Source: https://www.dcdualvet.org/unsere-referenz/duale-berufsbildungssysteme-im-vergleich/vergleichender-expertenbericht-systemebene/
Timestamp: 2018-02-20 07:28:05
Document Index: 86994220

Matched Legal Cases: ['§ 1', 'Art. 15', '§ 30', '§8', '§8', '§ 8', '§ 8', '§8']

Vergleichender Expertenbericht: Systemebene | DC dVET
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Vergleichender Expertenbericht: Systemebene	Webmaster	2018-02-13T15:10:40+00:00
Hauptmerkmale und Ausprägungen der dualen Berufsbildungssysteme Deutschland, Liechtenstein, Österreich und der Schweiz
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1. Systemebene
Definition „duale Berufsbildung“ (gemäß jeweiliger Gesetzgebung)
Ausbildungsformen (gemäß Lernorten)
Ausbildungsformen für unterschiedliche Zielgruppen
1.1. Definition „duale Berufsbildung“ (gemäß jeweiliger Gesetzgebung)
Duale Berufsbildung wird in allen vier Vergleichsländern als Berufsbildung verstanden, die an mindestens zwei Lernorten (daher dual), nämlich „on the job“, insb. am betrieblichen Arbeitsplatz und „off the job“, insb. an der Berufs(fach)schule und in Ausbildungszentren, stattfindet. Sie führt zu einer vollberuflichen Qualifikation und ist daher auch eine mehrjährige Ausbildung. Dabei werden am betrieblichen Arbeitsplatz schwerpunktmäßig die berufspraktischen Ausbildungsinhalte vermittelt und im Ausbildungszentrum und in der Berufs(fach)schule grundlegende Fertigkeiten sowie berufstheoretische und allgemeinbildende Inhalte. Die praktische Ausbildung im Betrieb überwiegt im Umfang deutlich und die Unternehmen und ihre Verbände und Interessenvertretungen sind wesentliche Mitgestalter der dualen Berufsbildung.
Der betriebliche Teil der Lehrlingsausbildung ist im Berufsausbildungsgesetz (BAG) geregelt. Gemäß BAG ist das Bundesministerium für Wissenschaft, Forschung und Wirtschaft (BMWFW) für die Koordination und Förderung der Zusammenarbeit zwischen den mit der Berufsausbildung befassten Behörden und Institutionen verantwortlich. Ausbildungsordnungen für Lehrberufe werden vom BMWFW nach Gutachten des Bundes-Berufsausbildungsbeirates (BBAB) unter Einbindung der Sozialpartner erlassen. Bestimmungen zur Organisation der Berufsschulen und grundsätzlichen Lehrplanbestimmungen werden im Schulorganisationsgesetz (SchOG) des Bundes durch das Bundesministerium für Bildung (BMB) festgelegt.
Die Verwaltung der Berufsschulen und die konkrete Ausgestaltung der Lehrpläne obliegen den Bundesländern. Auch die Administration der betrieblichen Ausbildung erfolgt auf Bundeslandebene durch die Lehrlingsstellen der Wirtschaftskammern.
Berufsausbildungsgesetz – BAG
Die Berufsbildung ist über das Berufsbildungsgesetz (BBG) als eine „gemeinsame Aufgabe von Bund, Kantonen und Organisationen der Arbeitswelt“ definiert. Das BBG regelt sämtliche Berufsbereiche außerhalb der Hochschulen. Dazu gehören:
die Berufliche Grundbildung einschl. Berufsmaturität
die berufsorientierte Weiterbildung
Sowohl die Verordnungen über die berufliche Grundbildung und die höhere Berufsbildung (Ausbildungsordnungen) wie die Rahmenlehrpläne der Berufsfachschulen werden durch das Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation (SBFI) per Verordnung erlassen.
Die Umsetzung und Verwaltung obliegen den kantonalen Berufsbildungsämtern.
Bundesgesetz für Berufsbildung BBG
Die duale Berufsbildung in Deutschland wird durch das Berufsbildungsgesetz geregelt (BBiG), in dem die Zuständigkeit des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie (BMWi) (oder anderer zuständiger Fachministerien) festgelegt wird, im Einvernehmen mit dem Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF), durch Rechtsverordnungen die Grundlagen für eine geordnete und einheitliche Berufsausbildung zu schaffen. Fachleute erarbeiten mit dem Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) und unter Einbindung der Sozialpartner Entwürfe der neuen Ausbildungsordnungen, die Bundesregierung verleiht ihnen Gesetzeskraft. Den Bundesländern obliegt die Verantwortung für die Berufsschulen des dualen Systems (Landes-Schulgesetze).
Zur Entwicklung des Rahmens und von Standards für die Ausbildung sowie zur Beratung der zuständigen Ministerien und Landesregierungen sind auf Bundes- und Landesebene Ausschüsse und Sachverständigengruppen eingerichtet. Die administrative Umsetzung und Überwachung erfolgt meist durch die zuständigen Kammern auf Landesebene.
Berufsbildungsgesetz BBiG
Schulgesetze der Länder in der Bundesrepublik Deutschland Präsentationen zur deutschen Berufsbildung (GOVET)
Im Berufsbildungsgesetz (BBG) ist die Berufsbildung als gemeinsame Aufgabe des Staates und der Organisationen der Arbeitswelt geregelt. Das Gesetz umfasst Regelungen zur Organisation der beruflichen (Erstaus-)Bildung, zu beruflicher Weiterbildung und Umschulung sowie zu Aspekten der Finanzierung. Ein zentraler Bestandteil des Gesetzes sind die Regelungen, die es Jugendlichen aus Liechtenstein ermöglichen, (Berufs-) Schulen in anderen Ländern zu besuchen.
Die Verantwortung für den Rechtsvollzug im Bereich der Berufsbildung liegt beim Amt für Berufsbildung und Berufsberatung (ABB).
1.2. Berufskonzept
Das Berufskonzept im Sinne der dualen Ausbildung beschreibt ein Bündel an zusammengehörenden und zusammenpassenden Tätigkeiten/Qualifikationen, die im Konsens der beteiligten Institutionen (staatliche Organe, Sozialpartner/Organisationen der Arbeitswelt) in Ausbildungsordnungen (Verordnungen über die berufliche Grundbildung) festgelegt werden, und die zu einer qualifizierten Berufsausübung befähigen.
Berufsausbildungen sollen laut BAG auf qualifizierte berufliche Tätigkeiten vorbereiten und die erforderlichen Kompetenzen vermitteln. In jeder Ausbildungsordnung wird ein spezifisches Berufsbild des Lehrberufs festgelegt, dieses entspricht dem „Lehrplan“ für den Lehrbetrieb.
Im Unterschied dazu sind vollzeitschulische Berufsbildungen nicht dem Berufskonzept i.e.S. verpflichtet, sondern qualifizieren für bestimmte Berufsfelder.
Berufsausbildungsgesetz – BAG, § 1a BAG
Laut BBG dient die berufliche Grundbildung der Vermittlung und dem Erwerb der Fähigkeiten, Kenntnisse und Fertigkeiten, die zur Ausübung einer Tätigkeit in einem Beruf oder in einem Berufs- oder Tätigkeitsfeld erforderlich sind. Dazu werden auch eine grundlegende Allgemeinbildung sowie die Fähigkeit gezählt, zu einer nachhaltigen Entwicklung beizutragen.
Bundesgesetz für Berufsbildung BBG, Art. 15
Berufsausbildung hat laut BBiG die für die Ausübung einer qualifizierten beruflichen Tätigkeit notwendige berufliche Handlungsfähigkeit in einem geordneten Ausbildungsgang zu vermitteln. Ein „Ausbildungsberuf“ ist eine im Konsens (Sozialpartner, Staat) vereinbarte Ordnungskategorie, mit deren Hilfe die Auswahl/Bündelung von Tätigkeiten/Qualifikationen und Kompetenzen vorgenommen wird.
Auswahlbibliografie “Berufskonzept”
1.3. Ausbildungsformen (nach Lernorten)
Grundsätzlich ist duale Berufsbildung in den vier Vergleichsländern so organisiert, dass die Ausbildung am betrieblichen Arbeitsplatz (oder für die Ausbildung eigens eingerichteten betrieblichen Werkstätten) und in der Berufs(fach)schule erfolgt. Die Ausbildung im Betrieb überwiegt dabei deutlich. In der Schweiz kommen als dritter Lernort überbetriebliche Kurse hinzu. Daneben bestehen in den einzelnen Ländern unterschiedliche Sonderformen, um flexibel auf besonderen Anforderungen von Betrieben eingehen zu können, aber auch um z.B. bestimmte Zielgruppen leichter in die Ausbildung integrieren zu können.
Die duale Lehrausbildung erfolgt grundsätzlich in Betrieb und Berufsschule, wobei die betriebliche Ausbildung ca. 80 % der Ausbildungszeit umfasst, die schulische ca. 20 %.
Ca. 92 % aller Ausbildungen gem. Lehrlingsstatistik zum Stichtag 31.12.2014 erfolgen in dieser Form.
Lehrwerkstätten: besonders in Industriebetrieben werden Lehrlinge einen Teil der Lehrzeit in eigens dafür eingerichteten Werkstätten ausgebildet, die organisatorisch von der Produktion getrennt sind. Mitunter werden in Lehrwerkstätten auch Lehrlinge anderer Betriebe mit ausgebildet.
Ausbildungsverbünde (AV) sind brancheninterne Betriebszusammenschlüsse, um gemeinsam Lehrlinge auszubilden, wenn ein Betrieb die Berufsbildpositionen nicht alleine erfüllen kann.
Ergänzende Ausbildungsmaßnahmen erfolgen in geeigneten anderen Betrieben oder Bildungseinrichtungen (z.B. Weiterbildungsinstituten) sowie brancheneigenen Aus- und Weiterbildungseinrichtungen.
Überbetriebliche Lehrlingsausbildung (ÜBA): für beim Arbeitsmarktservice (AMS) vorgemerkte Jugendliche, die keine betriebliche Lehrstelle finden bzw. eine Lehre abgebrochen haben. ÜBA wird von Ausbildungseinrichtung übernommen, die alle im Berufsbild enthaltenen Kenntnisse/Fertigkeiten vermitteln können.
Jugendliche in der überbetrieblichen Berufsausbildung
Überbetriebliche Lehrlingsausbildung im Tirol
Die berufliche Grundbildung kann betrieblich oder schulisch organisiert sein. Beide Formen führen zu den gleichen Abschlüssen, basierend auf den gleichen Qualifikationsverfahren. Die dominante Form ist die betrieblich organisierte Grundbildung. Sie erfolgt in Betrieb, Berufsfachschule und in überbetrieblichen Kursen. Letztere vermitteln grundlegende praktische Fertigkeiten und finden meist in Zentren der Organisationen der Arbeitswelt (Berufsverbände) statt. Der Anteil der betrieblichen Ausbildung beträgt zwischen 60 % und 80 %, der schulische Ausbildungsanteil zwischen 20 % und 40 %.
Gegen 90 % aller Abschlüsse werden in betrieblich organisierten Ausbildungsverhältnissen erworben, in der Deutschschweiz mehr, in der Romandie und dem Tessin weniger. Man spricht auch von Betriebslehre oder dualer (eigentlich „trialer“) Ausbildung.
Drei Typen von betrieblich organisierten Grundbildungen
Ausbildung in Klein- und Mittelbetrieben: Drei bis vier Tage pro Woche Tätigkeit im Lehrbetrieb, unterbrochen von Ausbildungsblöcken in Ausbildungszentren (je nach Beruf einige Tage bis einige Monate, verteilt auf die ganze Lehrzeit). Die betriebliche Ausbildung kann auch in Lehrbetriebsverbünden erfolgen, wobei jeweils ein Betrieb für die Ausbildung als Ganzes verantwortlich ist (Verbundausbildung erster Art)
Ausbildung in Mittel- und Großbetrieben: Die Lernenden beginnen ihre Lehre oft in betriebseigenen Lehrwerkstätten, Lehrlabors oder externen Ausbildungszentren und werden erst nach einigen Monaten, manchmal auch erst nach ein bis zwei Jahren produktiv, also „on the Job“ in den Betrieben eingesetzt.
Ausbildung im Ausbildungsverbund: Verantwortlich für die Ausbildung ist ein Verbund. In seinen Werkstätten vermittelt er während einigen Monaten bis zu zwei Jahren die grundlegenden Fertigkeiten. Anschließend werden die Lernenden in einem oder in mehreren dem Verbund angeschlossenen Unternehmen eingesetzt, um Erfahrung zu erwerben (Verbundausbildung zweiter Art).
Bei allen drei Formen besuchen die Lernenden parallel zur Ausbildung in Betrieb und Ausbildungszentrum während ein bis zwei Tagen pro Woche oder (seltener) in Blöcken von einigen Wochen Dauer die Berufsfachschule.
Blockunterricht: Der Berufsfachschulunterricht und oft auch die überbetrieblichen Kurse werden in Blöcken von einigen Wochen Dauer vermittelt, statt parallel zur betrieblichen Ausbildung. Üblich für Berufe mit kleiner Zahl von Lernenden um zu lange Schulwege zu vermeiden. Eine Sonderform davon sind die Schulhotels, bestimmt für Lernende in Saisonbetrieben des Hotels- und Gastrobereichs.
Ausbildung im Maßnahmenvollzug: Durchführung von Grundbildungen in Strafanstalten und (häufiger) im Rahmen des Maßnahmenvollzugs bei Jugendlichen.
Berufliche Ausbildung von Leistungssportlern und künstlerisch Leistungsstarken: Freistellung für das Training in Verbindung mit einer Verlängerung der Grundbildung
Basislehrjahr: Lernende aus Klein- und Mittelbetrieben werden im 1. Lehrjahr in einer Vollzeitschule oder einem externen Ausbildungszentrum ausgebildet, bevor sie in betrieblichen Abläufe eingegliedert werden.
Lehrbetriebsverbünde
Evaluation Lehrbetriebsverbünde
Berufsbildung in der Schweiz – Zahlen und Fakten 2016
Die duale Berufsbildung erfolgt in Betrieb und Berufsschule, wobei der betriebliche Anteil rund 60 % bis 80 % umfasst, der schulische 20 % bis 40 %.
Rund 90 % aller dualen Berufsbildungen erfolgen in der betrieblichen Form.
Überbetriebliche Berufsbildungsstätten (ÜBS): Teile der Ausbildung werden in geeigneten Einrichtungen außerhalb des Lehrbetriebs durchgeführt. Diese decken Ausbildungsbereiche ab, die vom einzelnen Betrieb nicht bedient werden können. Seit 2000 erfolgt eine gezielte Förderung der Weiterentwicklung von ÜBS zu sogenannten „Kompetenzzentren“ (kundenorientierte Berufsbildungsdienstleister)
Vier Ausbildungsverbundformen (AV): Ausbildung in Leitbetrieb mit Partnerbetrieb; Auftragsausbildung; Ausbildung über Ausbildungsverein; Ausbildungskonsortium. Allen ist gemeinsam, dass nicht alle Inhalte einer Ausbildung im eigentlichen Ausbildungsbetrieb vermittelt werden können.
Außerbetriebliche Berufsausbildung (= Berufsausbildung in außerbetrieblichen Einrichtungen, BaE): Lernbeeinträchtigte und sozial benachteiligte Menschen, die nicht in einem Betrieb ausgebildet werden können, sollen durch BaE die Möglichkeit erhalten, einen Ausbildungsabschluss zu bekommen. Ziel ist dabei ein frühestmöglicher Übergang in eine betriebliche Ausbildung zu ermöglichen. Wenn dieser Übergang nicht erreicht wird, kann die Ausbildung bis zum Abschluss außerbetrieblich in Bildungseinrichtungen fortgeführt werden.
BIBB-Datenreport 2012
Überbetriebliche Bildungsstätten ÜBS
Gestaltung von Ausbildungsverbünden
1.4. Ausbildungsformen für unterschiedliche Zielgruppen
Die duale Berufsausbildung steht in der „traditionellen“ Form – also Ausbildung in Betrieb und Berufs(fach)schule – in allen Vergleichsländern grundsätzlich allen Jugendlichen offen, die die jeweils geltende obligatorische Schulpflicht erfüllt haben.
Daneben wurden in allen Ländern Sonderformen entwickelt, die den Zugang zur dualen Berufsbildung für benachteiligte Gruppen unterstützen und erleichtern sollen. Diese Sonderformen umfassen meist außerbetriebliche Angebote für Personen, die aus unterschiedlichen Gründen keinen betrieblichen Ausbildungsplatz finden oder annehmen können und Angebote, die Personen die betriebliche Ausbildung erleichtern oder ermöglichen (etwa Ausbildungsbegleitung, Verlängerung der Ausbildungsdauer etc.)
Zusätzlich bestehen in allen Ländern besondere Übergangsangebote, die den Übergang von der obligatorischen Schulbildung in die duale Ausbildung erleichtern und ermöglichen sollen, indem bspw. Grundkompetenzen und Ausbildungsbereitschaft gefördert werden, Defizite in bestimmten Bereichen ausgeglichen oder fachliche Kompetenzen entwickelt werden und häufig ein starker Fokus auf eine intensive berufliche Orientierung gelegt wird.
Die „reguläre“ duale Ausbildung steht allen offen, die die 9-jährige Schulpflicht erfüllt haben.
a) Für Personen mit Schwierigkeiten in einer regulären Lehre Fuß zu fassen
Überbetriebliche Lehrausbildung (ÜBA) gemäß § 30 BAG: Diese wird über das Arbeitsmarktservice (AMS) abgewickelt. Zielgruppe sind beim AMS vorgemerkte Lehrstellensuchende mit abgeschlossener Schulpflicht, die trotz Vermittlungsbemühungen keine geeignete Lehrstelle finden oder die betriebliche Lehre abgebrochen haben. Bei ÜBA wird der Ausbildungsvertrag nicht mit einem Lehrbetrieb, sondern mit einer Schulungseinrichtung abgeschlossen. Die Ausbildung wird entweder vollständig von der Schulungseinrichtung übernommen oder diese kooperiert mit Betrieben, die praktisches Wissen vermitteln. Neben der praktischen Ausbildung erfolgt auch ein regulärer Besuch der Berufsschule.
Grundsätzlich besteht das Ziel der ÜBA darin, die Lehrlinge in eine betriebliche Lehrstelle zu vermitteln. Gelingt es während der ÜBA nicht, eine betriebliche Lehrstelle zu finden, kann die gesamte Lehre überbetrieblich erfolgen und anschließend die LAP absolviert werden. ÜBA-Lehrlinge sind „betrieblichen“ Lehrlingen in allen rechtlichen Belangen gleichgestellt, anstelle der Lehrlingsentschädigung erhalten sie jedoch eine sogenannte Ausbildungsbeihilfe. 2014 absolvierten 8 % aller Lehrlinge eine überbetriebliche Form.
Berufsausbildung gemäß §8b BAG (bis Juni 2015: Integrative Berufsausbildung (IBA)): für am Arbeitsmarkt benachteiligte Personen: das sind Sonderschulabgänger/innen, Jugendliche ohne oder mit negativem Pflichtschulabschluss, Menschen mit besonderen Bedürfnissen gemäß Behinderteneinstellungsgesetz sowie Personen, die das AMS aus anderen Gründen nicht in reguläres Lehrverhältnis vermitteln kann.
Variante 1 Verlängerung der Lehrzeit: Diese Variante ermöglicht die Verlängerung der Lehrzeit um ein bis max. zwei Jahre, wenn dadurch ein positiver Lehrabschluss möglich wird.
Variante 2 Erwerb von Teilqualifikationen: In dieser Variante können im Ausbildungsvertrag nur bestimmte Teilqualifikationen (Ausschnitte aus Berufsbild des Lehrberufes) im Rahmen einer Ausbildungsdauer von ein bis drei Jahren festgelegt werden.Möglich sind in diesem Rahmen auch sogenannte Standardisierte Ausbildungsprogramme, die in einer verkürzten Lehrzeit vordefinierte Teilqualifikationen des Berufsbildes vermitteln.
Ob Jugendliche für diese Ausbildung infrage kommen, prüft das AMS. §8b-Ausbildungen werden durch Berufsausbildungsassistent/innen begleitet; diese führen auch (mit Experten des jeweiligen Berufsbereiches) für die in Teilqualifikation ausgebildeten Jugendlichen maßgeschneiderte Abschlussprüfung durch.
Die Ausbildung gem. § 8b BAG kann sowohl in betrieblicher als auch in überbetrieblicher Form erfolgen. Es ist ein Wechsel aus einer § 8b-Ausbildung in eine reguläres Lehrverhältnis (und umgekehrt) möglich.
b) Übergangsangebote
Jugendcoaching: Das Jugendcoaching richtet sich grundsätzlich an alle Jugendliche ab dem 9. Schulbesuchsjahr sowie an außerschulische Jugendliche bis 19 Jahre, besonders aber an Jugendliche, die gefährdet sind, die Schule abzubrechen oder keinen Abschluss erlangen zu können. Jugendliche mit einer Behinderung oder sonderpädagogischem Förderbedarf können das Programm bis zum 24. Lebensjahr in Anspruch nehmen.Ziel ist es, anhand von Stärken und Fähigkeiten der Jugendlichen gemeinsam die optimalen Schritte für einen erfolgreichen Übertritt in die Ausbildung und ins zukünftige Berufsleben zu planen. Das Jugendcoaching begleitet auch bei der Lehrstellensuche.Das Jugendcoaching ist in drei Stufen aufgebaut, beginnend mit einem mehrstündigen Erstgespräch, gefolgt von einem Beratungsprozess, der maximal drei Monate dauert und als mögliche dritte Stufe eine längerfristige Begleitung (Case Management) über ein Jahr.
Produktionsschulen: Jugendliche, die nach Beendigung der Schulpflicht (neun Schuljahre) wichtige Voraussetzungen und grundlegende Kompetenzen für den Eintritt in eine Berufsausbildung noch nicht haben, erhalten die Möglichkeit diese nachzuholen.Zielgruppe der Produktionsschule sind Jugendliche bis zum vollendeten 21. Lebensjahr (bzw. bei Jugendlichen mit Behinderung bzw. sonderpädagogischem Förderbedarf, Lernbehinderung, sozialen oder emotionalen Beeinträchtigungen bis zum 24. Lebensjahr), die eine (Berufs)Ausbildung absolvieren wollen und deren Berufswunsch bereits relativ klar scheint, die aber aufgrund von Defiziten im Bereich definierter Basiskompetenzen überfordert sind.Voraussetzung für die Teilnahme an einer Produktionsschule ist u.a. die Absolvierung eines Jugendcoachings. Produktionsschulen dauern zwischen drei und 12 Monaten und umfassen theoretische und praktische Module, Coaching und sportliche Aktivitäten.
c) Für Personen ohne Ausbildungsabschluss
Außerordentliche Lehrabschlussprüfung (a.o. LAP): Zur Lehrabschlussprüfung (LAP) können auch Personen zugelassen werden, die keine Lehrausbildung absolviert haben. Voraussetzung ist die Vollendung des 18. Lebensjahres und Glaubhaftmachung, dass die erforderlichen Fertigkeiten und Kenntnisse auf andere Weise erworben wurden (z.B. längere praktische Tätigkeit). Außerdem sind Personen zuzulassen, die mindestens die Hälfte der Lehrzeit eines Lehrberufs absolviert haben und keine Möglichkeit haben, für die restliche Zeit einen Lehrvertrag abzuschließen.
Facharbeiter/innen-Intensivausbildung (AMS): Personen ab dem 18. Lebensjahr ohne Ausbildungsabschluss können am Arbeitsmarkt stark nachgefragte Lehrabschlüsse in verkürzter Form nachholen (betrieblich oder überbetrieblich). Es handelt sich hierbei um Sonderform der à a.o. LAP.
d) Für besonders leistungsstarke Jugendliche
Lehre mit Matura (= Berufsmatura; Berufsreifeprüfung): Für besonders leistungsstarke Jugendliche besteht die Möglichkeit parallel zur Lehrausbildung die Berufsmatura zu absolvieren und dadurch die uneingeschränkte Studienberechtigung zu erwerben. Die Vorbereitung und drei von vier erforderlichen Teilprüfungen zur Berufsmatura können während der Lehrzeit absolviert werden; bei 4jährigen Lehrberufen auch die vierte Teilprüfung.
Lehre nach der Matura: Um den Einstieg von Maturantinnen und Maturanten in eine Lehrausbildung zu erleichtern und zu fördern, werden in Pilotprojekten in technischen Lehrberufen regional eigene Berufsschulklassen für Maturantinnen und Maturanten gebildet. Außerdem kann generell die Lehrzeit für Maturantinnen und Maturanten in Übereinstimmung mit dem Ausbildungsbetrieb um ein Jahr verkürzt werden.
Evaluierung der integrativen Berufsausbildung
Berufsausbildungsgesetz §8b (BAG)
Warum Jugendcoaching
NEBA – Produktionsschule www.technical-experts.at
In der Schweiz bestehen mit dem 2-jährigen Eidgenössischen Berufsattest (EBA) und dem 3- bis 4-jährigen Eidgenössischen Fähigkeitszeugnis (EFZ) zwei reguläre Varianten der beruflichen Grundbildung. In beiden Fällen ist die Absolvierung der obligatorischen Schulzeit (in den meisten Kantonen 11 Jahre inkl. 2 Kindergartenjahre) und ein Mindestalter von 15 Jahre Voraussetzung für den Ausbildungseinstieg. Die 2-jährige berufliche Grundbildung mit eidgenössischem Berufsattest (EBA) ist eine bundesweite Maßnahme und basieren auf eigenständigen, arbeitsmarktorientierten Berufsprofilen. Anschlusslösungen zu den 3 bis 4-jährigen beruflichen Grundbildungen mit EFZ sind gewährleistet. EBA findet wie die übrige berufliche Grundbildung bei der betrieblich organisierten Form an drei Lernorten Lehrbetrieb, Berufsfachschule und überbetriebliche Kurse statt, bei der schulisch organisierten in Fachschulen oder Lehrwerkstätten. Bei der Ausgestaltung der Kurse sind zielgruppengerechte Ausbildungsformen und Qualifikationsverfahren zu wählen, wobei der Unterricht auch allenfalls unzureichende Sprachkenntnisse der Lernenden berücksichtigt. Sonderformen: a) Für Personen mit Schwierigkeiten eine Lehre erfolgreich zu durchlaufen
Individuelle Verlängerung der Lehrzeit: Wenn sich abzeichnet, dass die Bildungsziele innerhalb der normalen Dauer nicht erreicht werden können, kann über Beantragung beim kantonalen Berufsbildungsamt eine Verlängerung der Lehrzeit erfolgen. Hier ist Austausch zwischen den drei Lernorten wichtig, um abzuklären, ob die Verlängerung Sinn macht. Auch nach einem nicht bestandenen Qualifikationsverfahren besteht die Möglichkeit, die berufliche Grundbildung zu verlängern.
„Individueller Nachweis der Kompetenzen für Jugendliche ohne eidgenössischen Berufsbildungsabschluss“: Zielgruppe sind Jugendliche mit erheblicher Beeinträchtigung in Praktischen Ausbildungen (PrA) der INSOS (Nationaler Branchenverband von Institutionen für Menschen mit Behinderungen), Jugendliche, welche die zweijährige berufliche Grundbildung (noch) nicht bestehen, Jugendliche mit Berufsbildung in Jugendheimen oder im Maßnahmenvollzug. Für diese haben die SBBK, Schweizerischer Gewerbeverband (SGV) und INSOS den Kompetenznachweis lanciert, der tatsächlich vorhandene Fähigkeiten, Methoden-, Sozial- und Selbstkompetenzen aufzeigen soll. Unterstützung erhalten die Lehrbetriebe dabei von Kantonen und OdA, denen auch die Bescheinigung der Kompetenzen obliegt. Der Kompetenznachweis soll die Arbeitsmarktchancen der betroffenen Jugendlichen erhöhen.
Niederschwellige Angebote: für Jugendliche, die den Anforderungen einer 2-jährigen beruflichen Grundbildung (noch) nicht gewachsen sind. Dazu zählen die IV-Anlehren für Personen mit einer Verfügung der Invalidenversicherung (IV) für berufliche Maßnahmen; Anlehren dauern maximal zwei Jahre und folgen einem individuellen Lehrplan. Absolvent/innen erhalten ein Diplom der Ausbildungsinstitution. Die Praktische Ausbildungen (PrA) bereiten auf die berufliche Grundbildung mit EBA, eine Hilfstätigkeit in der Privatwirtschaft oder die Arbeit in einer geschützten Werkstatt vor.
Sozialpädagogisch geprägte Angebote: Für intellektuell leistungsfähige Jugendliche mit Schwierigkeiten im sozialpsychologischen Bereich: Jugendheime (Betreutes Wohnen in Verbindung mit internen oder externen Ausbildungsangeboten), Ausbildungsverbünde mit sozialpädagogischer Ausrichtung etc. Oft werden berufslehrvorbereitende Angebote mit schulisch oder betrieblich organisierten Grundbildungen verbunden.
Brückenangebote: auf Ebene der Kantone bestehen Übergangslösungen mit Fokus auf Berufseinstieg. Sie dienen der Vorbereitung auf die berufliche Grundbildung. Die Zielgruppe sind Jugendliche, die keine Lehrstelle gefunden oder aus sozialen/schulischen Gründen keine berufliche Grundbildung begonnen haben. Möglich sind rein schulische Angebote, aber auch Kombinationen aus praktischen und schulischen Bildungsteilen (Vorlehren, Vorkurse). Weiter bietet die Arbeitslosenversicherung sogenannte Motivationssemester für stellenlose Jugendliche ohne abgeschlossene berufliche Grundbildung an.
Case Management Berufsbildung (CM BB): für stark gefährdete Jugendliche/junge Erwachsene. Die fallführende Stelle sorgt über institutionelle Grenzen hinweg für ein koordiniertes Vorgehen, um die Effizienz/Effektivität verschiedener eingesetzter Maßnahmen zu steigern. Die Unterstützung kann die gesamte Phase von Berufsfindung über den Einstieg in berufliche Grundbildung bis zum Ausbildungsabschluss umfassen. Das Angebot ist nicht mit neuen Förder- und Begleitmaßnahmen verbunden, sondern soll bestehende Programme und beteiligte Personen/Institutionen koordinieren.
Beratungs- und Vermittlungsangebote: auf Kantonsebene unterstützen Berufsinformations- und Berufsberatungsstellen Jugendliche bei Berufswahl und Lehrstellensuche. Sie arbeiten dabei eng mit den Schulen zusammen. Ebenfalls während der obligatorischen Schulzeit setzen (kantonale oder private) Coaching- und Mentoring-Programme durch individuelle Begleitung der Jugendlichen an, um berufsrelevante und soziale Kompetenzen zu fördern oder Bewerbungsunterlagen zu optimieren.
Rund 550’000 Personen (13,7 % der ständigen Wohnbevölkerung) sind ohne eidgenössisch anerkanntem Berufsabschluss, darunter 10 % der Männer zwischen 25 und 34 Jahren und 11 % der gleichaltrigen Frauen.
Basierend auf dem BBG werden heute vier Wege angeboten, um noch einen Abschluss nachzuholen
Das Nachholen der Ausbildung über eine reguläre oder – bei einschlägigen Vorkenntnissen auch – verkürzte berufliche Grundbildung, wozu in einigen Berufen spezielle Angebote, sogenannte Berufslehren für Erwachsene, angeboten werden.
Eine direkte Zulassung zur Abschlussprüfung, wenn jemand sich über eine mindestens fünfjährige Berufstätigkeit und einschlägige Vorkenntnisse ausweisen kann.
Den Erwerb über andere Qualifikationsverfahren insb. über die Validierung von Bildungsleistungen.
Neben den genannten vier Wegen kann der Erwerb eines ersten eidgenössisch anerkannten Abschlusses in manchen Berufen auch im Rahmen der Höheren Berufsbildung erfolgen. Weiter wird eine beachtliche Zahl von Fachkursen angeboten, die zwar nicht (oder erst indirekt) zu einem staatlich anerkannten Abschluss führen, aber trotzdem den Erwerb von im Arbeitsmarkt anerkannten und gesuchten Qualifikationen ermöglichen.
Berufsmaturität: Für besonders leistungsstarke Jugendliche besteht die Möglichkeit, während der beruflichen Grundbildung oder nach deren Abschluss die Vorbereitung auf die Berufsmatura zu absolvieren. Dazu ist auf Basis einer drei- bis vierjährigen beruflichen Grundbildung eine erweiterte Allgemeinbildung erforderlich, die entweder in einem Tag pro Woche während der Lehrzeit oder danach in Vollzeit (1 Jahr) oder nebenberuflich (2 Jahre) erworben wird. Die Berufsmaturität ermöglicht den Zugang zu Fachhochschulen. Für das Studium an Universitäten oder Technischen Hochschulen sind Ergänzungsprüfungen zu absolvieren.
Besuch von Freifachkursen an den Berufsfachschulen
Vorbereitung auf nationale und internationale Wettbewerbe
Manche Betriebe, insb. Großbetriebe und Ausbildungszentren fördern leistungsstarke Jugendliche durch ein „Enrichment“ der Anforderungen und Aufgaben. Dies erfolgt bspw. in sog. Juniorunternehmen, in denen berufsgemischte Teams relativ selbstständig bestimmte Produkte oder Dienstleistungen entwickeln, produzieren und vermarkten.
Lehrstellen berufliche Grundbildung
Berufliche Grundbildung für Erwachsene
Zweijährige berufliche Grundbildung EBA
Förderung von Jugendlichen mit unterschiedlichen Begabungspotenzialen
Personen ohne Abschluss auf Sekundarstufe II, 2014
Statistik der Abschlüsse
Die „reguläre“ Lehre steht allen Personen offen, die die Vollzeitschulpflicht (9 Schulbesuchsjahre, in einigen Bundesländern 10) erfüllt haben. Sonderformen: a) Für Personen mit Schwierigkeiten in einer regulären Lehre Fuß zu fassen
Berufsausbildung in außerbetrieblicher Einrichtung (BaE): für lernbeeinträchtigte/sozial benachteiligte Jugendliche, die trotz Unterstützung keine betriebliche Lehrstelle finden konnten (Teilnehmer/innen müssen zuvor mind. 6 Monate an einem Berufsvorbereitungsjahr oder einer Berufsvorbereitenden Maßnahme teilnehmen, werden anschließend von der Bundesagentur für Arbeit in eine BaE vermittelt). Die BaE erfolgt überwiegend bei sozialen Trägern, flankiert durch Betriebspraktika. BaE wird in zwei Varianten angeboten: Bei integrativer BaE erfolgt sowohl die fachtheoretische und als auch die fachpraktische Unterweisung durch den Bildungsträger, ergänzt durch betriebliche Ausbildungsphasen. Bei kooperativer BaE erfolgt die fachpraktische Unterweisung durch einen Kooperationsbetrieb. Bei der BaE liegt der Fokus vor allem auf zusätzlicher schulischer Unterstützung. Ziel ist es, dass die Teilnehmer/innen während der BaE in eine reguläre duale Ausbildung in einem normalen Betrieb wechseln.
Assistierte Ausbildung (AsA): Ziel der AsA ist es, junge Menschen mit besonderem Unterstützungsbedarf (lernbeeinträchtigte oder sozial benachteiligte junge Menschen) in eine betriebliche Ausbildung zu vermitteln, dort zu halten und zum Abschluss zu führen. Unterstützt werden sowohl die Auszubildenden vor und während der Ausbildung durch Begleitung und Förderung, als auch die Betriebe durch Unterstützung bei administrativen und organisatorischen Aufgaben bei der Aufnahme von Personen der besagten Zielgruppe. Die Überprüfung der Voraussetzungen und Auswahl der in Frage kommenden Personen erfolgt durch die regional zuständige Agentur für Arbeit.
Berufsvorbereitende Bildungsmaßnahmen: Zielgruppe sind v.a. Jugendliche, die noch nicht die erforderliche Ausbildungsreife/Berufseignung besitzen. Die Maßnahme soll vorrangig auf Ausbildungseingliederung bzw. Beschäftigungsaufnahme vorbereiten. Im Rahmen der Maßnahme sollen Jugendliche sich beruflich orientieren und Berufswahlentscheidung treffen. Darüber hinaus sollen die hierzu notwendigen Fähigkeiten und Fertigkeiten vermittelt werden. Die Maßnahme dauert üblicherweise bis zu einem Jahr und die Teilnehmer/innen haben Anspruch auf eine Berufsausbildungsbeihilfe. Ob die Voraussetzungen für Förderung vorliegen, wird bei der örtlichen Agentur für Arbeit geklärt.
Einstiegsqualifizierung: Diese soll Jugendliche mit eingeschränkten Vermittlungsperspektiven, ohne Ausbildungsreife oder lernbeeinträchtigte/sozial benachteiligte Ausbildungssuchende über ein betriebliches Praktikum (6 – 12 Monate) auf die Berufsausbildung vorbereiten. Daneben besuchen sie die Berufsschule. Teilnehmer/innen schließen mit einem Betrieb einen Vertrag über eine Einstiegsqualifizierung ab und erhalten eine Praktikumsvergütung. Ziel ist es, dass sie im Anschluss eine Berufsausbildung aufnehmen können. Die Erfüllung der Teilnamevoraussetzungen wird von örtlichen Agenturen für Arbeit geklärt.
Berufseinstiegsbegleitung: Diese soll Jugendliche beim Übergang von allgemeinbildenden Schulen in berufliche Ausbildung unterstützen. Ziele sind insb. das Erreichen des Abschlusses einer allgemeinbildenden Schule, Berufsorientierung und -wahl, Suche nach einem Ausbildungsplatz und Stabilisierung des Ausbildungsverhältnisses. Üblicherweise beginnt die Maßnahme spätestens ein Jahr vor Verlassen der allgemeinbildenden Schule. Die Begleitung endet ein halbes Jahr nach Beginn einer beruflichen Ausbildung. Die Auswahl der Teilnehmer/innen erfolgt durch die Bundesagentur für Arbeit in Absprache mit Lehrer/innen und Schulsozialarbeiter/innen.
Aktivierungshilfen für Jüngere: niederschwelliges Angebot im Vorfeld von Ausbildung, Qualifizierung und Beschäftigung. Für benachteiligte Jugendliche bis 25 Jahren, die auf andere Weise nicht für berufliche Qualifizierung motiviert werden können und Defizite im Bereich Motivation/Einstellungen, Schlüsselqualifikationen, soziale Kompetenzen aufweisen. Ziel: Heranführung/Eingliederung in Ausbildungs- und Beschäftigungssystem vorrangig durch Sozial- und Netzwerkarbeit sowie Einbindung der Teilnehmer/innen in projektbezogenes Arbeiten. Dabei Einsatz individuell abgestimmter Förderangebote: Sucht-, Schuldenprävention, Bewerbungstraining, Betriebliche Erfahrungen, Sprachförderung. Während der gesamten Maßnahme erfolgt eine sozialpädagogische Begleitung.
Außerordentliche Zulassung („Externenprüfung“): Zugelassen werden Personen, die den Nachweis erbringen, dass sie das Eineinhalbfache der Ausbildungszeit im jeweiligen Ausbildungsberuf ohne Ausbildungsabschluss tätig waren, oder wer durch Zeugnisse/auf andere Weise glaubhaft machen kann, dass er/sie die entsprechende berufliche Handlungsfähigkeit erworben hat.
Konzept – Assistierte Ausbildung
Forschungsbericht – Einstiegsqualifizierung
Bundes- und Länderprogramme zur Förderung der Berufsausbildung
Außerbetriebliche Berufsausbildung – Geschäftsanweisungen
azubi – Berufsausbildung in außerbetrieblichen Einrichtungen
Evaluation Berufseinstiegsbegleitung 2015
1.5. Systemsteuerung
Gemeinsam ist allen Vergleichsländern eine Zusammenarbeit zwischen Institutionen und Behörden auf Bundes- und Landesebene sowie der Sozialpartner bzw. Organisationen der Arbeitswelt (OdA). Die konkreten Zuständigkeiten und Aufgabenteilungen sind in den einzelnen Ländern unterschiedlich ausgeprägt. Auf Bundesebene erfolgt in der Regel die strategische Steuerung und Rahmengesetzgebung, wobei auch hier die Sozialpartner bzw. OdA in beratenden Gremien wesentlich mitwirken. Die Sozialpartner/OdA spielen insb. bei der Definition der Ausbildungsinhalte eine bedeutende Rolle.
Die administrative Umsetzung der Regelungen erfolgt durchwegs auf Landesebene, wiederum unter Einbeziehung der Sozialpartner und der OdA. Auf lokaler Ebene agieren die ausbildenden Betriebe in Zusammenarbeit mit den Berufs(fach)schulen und etwaigen über- bzw. zwischenbetrieblichen Ausbildungseinrichtungen und Verbundorganisationen.
Auf Bundesebene sind das BMWFW für den betrieblichen Teil und das BMB für den schulischen Teil der Lehrausbildung zuständig. Ausbildungsordnungen werden vom BMWFW nach Gutachten des BBAB erlassen. Die Mitglieder des BBAB werden vom BMWFW auf Vorschlag der Sozialpartner (Wirtschaftskammer und Arbeiterkammer) eingesetzt.
Auf Landesebene sind Lehrlingsstellen für die Administration der Ausbildung zuständig, die in den Wirtschaftskammern der Bundesländer angesiedelt sind. Sie prüfen die Eignung der Lehrbetrieb, Protokollieren die Lehrverträge und wickeln die Lehrabschlussprüfungen ab. Berufsschulen (Ausstattung, Mitfinanzierung der Lehrkräfte, Umsetzung der Rahmenlehrpläne des Bundes) fallen in den Zuständigkeitsbereich der Bundesländer.
Auf lokaler Ebene agieren die Lehrberechtigten als verantwortliche Träger/innen der betrieblichen Ausbildung und in der Zusammenarbeit mit den Berufsschulen.
Austria – Vet in Europe – Country report
Die Berufsbildung wird über das BBG als „gemeinsame Aufgabe von Bund, Kantonen und Organisationen der Arbeitswelt“ definiert. Der Bund ist für die strategische Systemsteuerung (Qualitätssicherung, Weiterentwicklung, Transparenz der Angebote) zuständig.
Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation (SBFI): Strategische Steuerung und Entwicklung. Das SBFI erlässt Verordnungen über berufliche Grundbildung (einschließlich der Bildungspläne) und genehmigt Bildungsgänge in der Höheren Berufsbildung sowie für Berufsbildungsverantwortliche. Es ist auch zuständig für die Mitfinanzierung der Berufsbildung und Kompetenzzentrum des Bundes für (inter-)nationale Fragen der Bildungs-, Forschungs- und Innovationspolitik. Das SBFI wird unterstützt und beraten durch verschiedene Kommissionen, insb. die Eidgenössische Berufsbildungskommission (EBBK): Sie hat beratende Funktion fürs SBFI und beurteilt Projekte zur Entwicklung der Berufsbildung.
Kantonale Ämter für Berufsbildung und Berufsberatung: Vollzug der eidgenössischen Regelungen. Sie sind Kompetenzzentren für alle Fragen der Berufsbildung im Kanton, für die finanzielle Steuerung und inhaltliche Koordination der Berufsbildung. Sie sorgen für ein ausreichendes Angebot an Berufsfachschulunterricht und an überbetrieblichen Kursen. Sie genehmigen die Lehrverträge und beaufsichtigen die berufliche Grundbildung. Sie organisieren die Abschlussprüfungen und fördern die Qualitätsentwicklung (gemeinsam mit anderen Bildungspartnern).
Organisationen der Arbeitswelt: Die Berufsverbände und bestimmte andere Branchenorganisationen definieren die Bildungsinhalte der Grundbildung und tw. der Höheren Berufsbildung sowie der nationalen Qualifikationsverfahren in diesem Bereich. Sie beteiligen sich an der Entwicklung der Berufsbildung und der Sicherung ihrer Qualität. Die nationalen und kantonalen Spitzenverbände nehmen maßgebend Einfluss auf die Gesetzgebung auf ihrer Ebene.
Joint Governance and Financing of Vet
OECD-Studie zur Berufsbildung Schweiz
Die Gesamtverantwortung liegt beim BMBF, u.a. für das BBiG, den betrieblichen Teil der Lehre und die Finanzierung des BIBB. Die Ausbildungsordnungen werden vom zuständigen Fachministerium im Einvernehmen mit dem BMBF erlassen.
Die Bundesländer tragen insb. die Verantwortung für die Berufsschulen: Lehrplanerstellung, Ausbildung/Bezahlung der Lehrkräfte. Aufgrund der „Kulturhoheit“ der Länder bestehen zwischen den einzelnen Bundesländern erhebliche Unterschiede bezüglich Organisation und Inhalt des schulischen Teils der dualen Ausbildung.
Die Sozialpartner sind in die Gestaltung der Berufsbildung stark involviert: u.a. in die Ausarbeitung/Aktualisierung der Ausbildungsordnungen oder Festlegung der Ausbildungsvergütung. Die Berufskammern beraten Ausbildungsbetriebe/Auszubildende und überwachen die betriebliche Ausbildung. Der Bundesagentur für Arbeit (BA) obliegt die Beratung, Vermittlung, Förderung der Berufsbildung für Jugendliche und Betriebe.
Germany – Vet in Europe – Country report
OCED-Studien zur Berufsbildung – Deutschland
Die Berufsbildung wird über das BBG als gemeinsame Aufgabe von Staat und OdA definiert. Die Aufsicht über die berufliche Grundbildung wird vom ABB ausgeübt.
1.6. Innovationen
Die Initiative für Veränderungen und Innovationen kann grundsätzlich von allen an der Berufsbildung beteiligten Institutionen ausgehen, also sowohl von den zuständigen Bundes- und Landesbehörden, von den Sozialpartnerorganisationen bzw. OdA bis hin zu Initiativen von Ausbildungsbetrieben. Häufig geht der Anstoß z.B. für neue Ausbildungsberufe oder die erforderliche Novellierung von Ausbildungsordnungen von den Vertretungen der Ausbildungsbetriebe (z.B. Fachverbänden) oder Arbeitgebervertretungen (z.B. Gewerkschaften.) aus, weil diese aus der operativen Tätigkeit in den Betrieben einen etwaigen Entwicklungsbedarf am frühesten erkennen. In allen Vergleichsländern werden Veränderungs- und Innovationsprozesse wissenschaftlich durch Evaluierungen und Studien von Bildungsforschungseinrichtungen begleitet.
Initiativen für Innovationen und Entwicklungen können von betroffenen Betrieben, Branchen, Sozialpartnereinrichtungen oder zuständigen Ministerien ausgehen, i.d.R. kommen sie von Unternehmen und ihren Verbänden. In jedem Fall stehen Anforderungen des Berufslebens und praktische Erfordernisse einer Branche im Vordergrund.
Unterstützung werden die Prozesse durch wissenschaftliche Studien und Evaluierungen durch Bildungsforschungsinstitute.
Die Initiative für Veränderungen und Innovationen gehen prioritär von landesweit tätigen Organisationen der Arbeitswelt (OdA) aus, tw. auch von der Bundesbehörde und kantonalen Gremien, manchmal auch von politischen Parteien und Organisationen der Zivilgesellschaft.
Unterstützt werden die Prozesse durch wissenschaftliche Studien und Evaluierungen durch Forschungseinrichtungen, u.a. durch die „Leading Houses“
Die Initiativen für Innovationsprozesse gehen direkt von Unternehmen oder von Kammern, Gewerkschaften, Ländern und Bund aus.
Soll bspw. Inhalt/Struktur eines Ausbildungsberufs modernisiert werden oder ein neuer Beruf entstehen, geht die Initiative i.d.R. von Fachverbänden, Spitzenorganisationen der Arbeitgeber, Gewerkschaften oder vom BIBB aus.
Unterstützt werden die Prozesse durch wissenschaftliche Studien und Evaluierungen durch Forschungseinrichtungen, u.a. durch das BIBB.
1.7. Systementwicklung
Die Initiative für neue Ausbildungsordnungen geht meist von den Arbeitgeber- oder Arbeitnehmervertretungen/OdA aus. Unter Beteiligung der Sozialpartnerorganisationen bzw. OdA werden vom jeweils zuständigen Ministerium die Ausbildungsordnungen in eigens dafür eingerichteten Gremien erarbeitet und von den beteiligten Institutionen begutachtet. Bei der Entwicklung der Ausbildungsinhalte werden Berufsbildungsexpertinnen und -experten aus dem jeweiligen Fachbereich einbezogen. Die Ausbildungsordnungen müssen überdies mit den Rahmenlehrplänen für die Berufs(fach)schulen abgestimmt werden. In der Regel sind in die Entwicklung neuer Ausbildungsordnungen auch Bildungsforschungseinrichtungen einbezogen, die bspw. Bedarfsanalysen und Evaluierungen durchführen.
Die Ausbildungsordnung legt sowohl die inhaltlichen Bestandteile der betrieblichen Ausbildung fest, als auch die zeitliche Gliederung. Während in DE und AT die Ausbildungsordnungen für die betriebliche Ausbildung und die Rahmenlehrpläne für die Berufsschulen getrennt voneinander von unterschiedlichen Institutionen entwickelt und erstellt und aufeinander abgestimmt werden, werden in der CH die Lehrpläne für alle drei Lernorte gemeinsam entwickelt. Begleitend werden in der Regel Maßnahmen ergriffen, um neue Ausbildungsordnungen bei den Ausbildungsbetrieben und potenziellen Lernenden bekannt zu machen. Die formalen Zuständigkeiten variiert von Land zu Land.
Im Vordergrund stehen immer die praktischen Erfordernisse der Branchen. Ausbildungsordnungen (AO) werden durch den BBAB und das BMWFW inhaltlich vorbereitet und vom BMWFW verordnet. Unterstützt wird der Prozess durch Studien, Evaluierungen, Expertisen und Expertenbefragungen etwa durch das ibw. Im nächsten Schritt werden alle Beteiligten in Begutachtungsverfahren einbezogen und deren Stellungnahmen ausgewertet. Anschließend werden die Ausbildungsordnungen durch BMWFW und Rahmenlehrpläne durch das BMB in Kraft gesetzt.
Neue Ausbildungsordnungen werden grundsätzlich vorerst als Ausbildungsversuch verordnet und erprobt, bevor sie nach einer Evaluierung in eine „reguläre“ Ausbildungsordnung übergeführt werden.
Gemeinsam mit der AO wird auch die Prüfungsordnung (PO) erlassen, die die Inhalte der Lehrabschlussprüfung (LAP) regelt.
Begleitend werden folgende Maßnahmen getroffen:
In ausgewählten Lehrberufen werden durch das ibw gemeinsam mit Fachorganisationen der Unternehmen und Unterstützung der Arbeitnehmervertretung Leitfäden für Ausbildungsbetriebe erstellt.
Die Information der Lehrbetriebe über neue Ausbildungsberufe erfolgt durch die Lehrlingsstellen.
Facheinschlägige Schulung der Ausbilder/innen in den Betrieben und der Lehrer/innen in den Berufsschulen sowie Schulung der Prüfer/innen für neue LAP.
Wie entsteht ein neuer Lehrberuf?
An der Neugestaltung von Ausbildungsvorschriften sind drei Akteure beteiligt: Die OdA reichen den Antrag auf Erlass einer „Verordnung über die berufliche Grundbildung ein. Die Hauptaufgaben der OdA sind die operative Projektleitung und die Definition der Bildungsinhalte. Das SBFI erlässt die Verordnung über die berufliche Grundbildung und begleitet den Reformprozess (strategische Projektleitung, hoheitliche Aufgaben). Die Kantone sind für den Vollzug der Verordnung verantwortlich und begleiten/unterstützen den Reformprozess von Beginn an.
Handbuch Verordnungen
Am geregelten Verfahren sind Bund, Länder, Arbeitgeber, Gewerkschaften und die Berufsbildungsforschung beteiligt. Fachleute aus der Ausbildungspraxis erarbeiten mit dem BIBB Entwürfe der neuen Ausbildungsordnungen, stimmen sie unter Beteiligung von Berufsschulfachleuten mit Rahmenlehrplanentwürfen ab. Nach Anhörung aller Beteiligten entscheidet das fachlich zuständige Bundesministerium in Abstimmung mit Ländern. Häufig nimmt das BIBB zuvor in einem Gutachten Stellung oder führt bei größeren Reformvorhaben ein Forschungsprojekt durch. Arbeitgeber und Gewerkschaften werben in Betrieben für die neuen Ausbildungsordnungen, Bundesregierung verleiht ihnen Gesetzeskraft.
Erarbeitet werden für den Ausbildungsordnungsentwurf ein „Paragrafenteil“ und ein Ausbildungsrahmenplan. Im Ausbildungsrahmenplan ist die sachliche und zeitliche Gliederung festgelegt. Der Paragrafenteil enthält u.a. die Ausbildungsberufsbezeichnung, das Ausbildungsberufsbild und die Prüfungsanforderungen.
Das BBiG sieht Möglichkeit der Erprobung neuer Berufe/Ausbildungsformen vor.
1.8. Curriculumentwicklung
Die Vorgangsweise bei der Entwicklung von Rahmenlehrplänen unterscheidet sich zwischen DE und AT auf der einen und der CH auf der anderen Seiten relativ deutlich. Während in DE und AT die Entwicklung von Rahmenlehrplänen für die Berufsschule zwar in Abstimmung, aber grundsätzlich getrennt von der Entwicklung der betrieblichen Ausbildungsordnungen erfolgt, wird in der Schweiz ein gemeinsamer Rahmenlehrplan für alle drei (Schweiz) Lernorte erstellt.
Der Rahmenlehrplan legt im deutschen und österreichischen Verständnis die grundsätzlichen Lehrinhalte in der Berufsschule fest, die dann auf Landesebene detailliert und umgesetzt werden. In der Schweiz legt der Rahmenlehrplan (Bildungsplan) die Inhalte und den Ablauf der gesamten Ausbildung für alle drei Lernorte fest. Während in der Schweiz die OdA auch bei der Entwicklung der Inhalte für die Berufsfachschule beteiligt sind, spielen die Sozialpartner bei der Entwicklung der schulischen Lehrpläne in DE und AT nur eine untergeordnete Rolle.
Rahmenlehrpläne für die Berufsschulen werden für jeden Lehrberuf durch eine Expertengruppe unter Leitung des BMB entwickelt. Anschließend erfolgt eine österreichweite Begutachtung der Entwürfe. Die Abstimmung zwischen Rahmenlehrplan und Ausbildungsordnung erfolgt im BBAB. Auf Bundeslandebene werden die Rahmenlehrpläne durch die Landesschulinspektion in Landeslehrpläne umgesetzt.
Der Rahmenlehrplan (sog. Bildungsplan) legt Inhalte und Ablauf der Ausbildung an den drei Lernorten fest. Er entsteht parallel zur Verordnung über die berufliche Grundbildung und ist ein Anhang zur jeweiligen Verordnung. An seiner Entwicklung bzw. Revision sind neben den OdA und den Behörden auch die Vertretungen der Lernorte, insb. Lehrpersonen der Berufsfachschulen maßgebend beteiligt. Alle beruflichen Tätigkeiten werden zunächst systematisch analysiert und geordnet. Daraus resultiert ein Tätigkeitsprofil (Zusammenstellung aller beruflichen Tätigkeiten), darauf aufbauend entsteht ein Qualifikationsprofil (definiert Anforderungsniveau des Berufes) und schließlich der Bildungsplan. Diesem muss ein pädagogisch-didaktisches Modell zugrunde liegen: Dieses stellt sicher, dass der Bildungsplan den Qualitätsansprüchen (Verständlichkeit, Verbindlichkeit, Konsistenz) genügt. Im Verlauf der Reform müssen die OdA auch gemeinsam mit den Kantonen ein Informations- und Ausbildungskonzept für Berufsbildungsverantwortliche zeitgerecht entwickeln und umsetzen.
In Abstimmung mit Sachverständigen des Bundes entwickeln Sachverständige der Länder den Entwurf eines Rahmenlehrplans für den Berufsschulunterricht. In einer Erarbeitungs- und Abstimmungsphase werden Ausbildungsordnungen für Betriebe und Rahmenlehrpläne für berufsbildende Schulen aufeinander abgestimmt. In einer abschließenden Sitzung beraten Sachverständige (Bund, Länder) nochmals die Entwürfe und stimmen sie aufeinander ab.
Handreichung für die Erarbeitung von Lehrplänen
1.9. Finanzierung
Die Finanzierung der dualen Berufsbildung erfolgt über eine Verteilung der Kosten auf die die öffentliche Hand (Bund und Länder) und die Ausbildungsbetriebe. Die Ausbildungsbetriebe tragen im Allgemeinen die Kosten für die betriebliche Ausbildung, während Bund und Länder – unterschiedlich je nach Zuständigkeit – die Kosten für die Berufs(fach)schulen sowie tw. für die Administration tragen. Unterschiedliche Berechnungen bzw. Schätzungen in den einzelnen Ländern zeigen, dass der Kostenanteil für die betriebliche Ausbildung jenen für die schulische deutlich übersteigt und damit die Betriebe den größeren Teil der Kosten tragen. Gleichzeitig tragen die Auszubildenden/Lernenden in der Regel durch ihre produktive Arbeit bereits während der Ausbildung zum Ertrag des Unternehmens bei. Es bestehen außerdem unterschiedliche Unterstützungen zu den betrieblichen Ausbildungskosten, u.a. über Förderungen (insb. AT) oder Berufsbildungsfonds (insb. CH).
Die Lehrbetriebe finanzieren die betriebliche Ausbildung (Lehrlingsentschädigung, Ausbilder/innen-, Anlagen- und Materialkosten). Die Kosten variieren je nach Lehrberuf/Lehrzeitdauer/Branche erheblich. Die Berufsschulen werden von der öffentlichen Hand finanziert. Ausstattungskosten der Berufsschulen (Maschinen, Geräte, Lehrmittel) tragen die Bundesländer, Kosten für Lehrpersonal werden je zur Hälfte vom Bund und vom jeweiligen Bundesland getragen.
Die betrieblichen Kosten übersteigen i.d.R. die Kosten der öffentlichen Hand erheblich. Häufig macht die Lehrlingsentschädigung den größten Kostenanteil aus (die Höhe wird in Kollektivverträgen festgelegt).
Für die betriebliche Ausbildung werden von der öffentlichen Hand unterschiedliche Förderungen gewährt (unmittelbare finanzielle Förderungen, Beitragsbefreiungen, Steuererleichterungen etc.). Diese sind tw. an die Erfüllung bestimmter Qualitätsmerkmale geknüpft.
In einzelnen Branchen bzw. Ausbildungsverbünden erfolgt außerdem eine Finanzierung ausbildender Betriebe durch Beiträge nicht-ausbildender Betriebe (freiwillige Ausbildungsfonds).
In der überbetrieblichen Ausbildungen (ÜBA) werden sowohl die Ausbildungseinrichtungen als auch die Ausbildungsentschädigung für die Lehrlinge von der öffentlichen Hand getragen.
Die Kosten der betrieblichen Ausbildung werden im Wesentlichen durch die Unternehmen getragen, wobei die Lernenden durch ihre produktive Arbeit zur Finanzierung beitragen, so dass in rund zwei Drittel aller Fälle bereits während der Ausbildung ein Ertrag für den Betrieb entsteht. Darüber hinaus steuern in Branchen und Kantonen, in denen Berufsbildungsfonds (BBF) bestehen, diese einen bescheidenen Teil zu den Kosten bei.
Ihre Aufgaben sind u.a. die Deckung der Kosten von Berufsbildner/innenkursen, Anschubfinanzierungen von Lehrbetriebsverbünden oder Maßnahme zur Erhaltung der Ausbildungsbereitschaft von Betrieben/Branchen.
Die öffentlichen Berufsbildungskosten umfassen insb. die Kosten für den Unterricht an Berufsfachschulen, für die überbetrieblichen Kurse, für die Qualifikationsverfahren, für die Ausbildung der Berufsbildungsverantwortlichen, für Überwachung und Qualitätssicherung und für die (weitgehend freiwilligen) Beträge an die Höhere Berufsbildung und die Weiterbildung. Der Bund übernimmt mit Pauschalbeiträgen 25 % der anfallenden Kosten, die übrigen 75 % müssen von den Kantonen finanziert werden.
Der Bundesrat kann auf Antrag der zuständigen OdA deren BBF für alle Betriebe der Branche landesweit verbindlich erklären (aktuell 28 landesweite BBF).
Der Bund leistet auch Beiträge „für besondere Leistungen im öffentlichen Interesse“, die ohne staatliche Unterstützung nicht erbracht werden könnten (z.B. Maßnahmen für benachteiligte Regionen/Gruppen, Maßnahmen zur Sicherung/Erweiterung des Lehrstellenangebots). Solche Beiträge werden für höchstens 5 Jahre gewährt.
Die duale Lehre: eine Erfolgsgeschichte – auch für Betriebe
Die Unternehmen tragen die Kosten der betrieblichen Ausbildung (siehe auch AT). Für die Finanzierung der Berufsschulen sind die Bundesländer/Kommunen zuständig.
In einigen Branchen (z.B. Bauwirtschaft) wurden allgemeine Fonds eingerichtet, an die alle Betriebe der Branche Beiträge zahlen und über die Ausbildungskosten gedeckt werden. Zusätzliche Finanzierungsmittel werden vom Bund und der BA bereitgestellt. Finanzielle Anreize werden auch auf Länderebene geschaffen: In einigen Bundesländern gibt es z.B. finanzielle Unterstützungen für Betriebe, die Lehrlinge aus Insolvenzbetrieben übernehmen.
Überbetriebliche Bildungsstätten (ÜBS), die als Lernort für überbetrieblich ergänzende Ausbildungen insb. im Bereich der KMUs eine zunehmende Bedeutung gewinnen, werden im Allgemeinen über HWKs, IHKs und Landwirtschaftskammern getragen.
Die Kosten für Berufsausbildung in außerbetrieblichen Einrichtungen (BaE) und andere unterstützende Angebote für spezielle Zielgruppen werden über die öffentliche Hand finanziert. Die Abwicklung erfolgt in der Regel über die regional zuständige Agentur für Arbeit
Berufsbildung auf einen Blick
Kosten Nutzung und Finanzierung der beruflichen Bildung
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