Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Text=BVerwGE%2011,%2095
Timestamp: 2019-04-21 19:14:50
Document Index: 385004994

Matched Legal Cases: ['§ 113', '§ 10', 'Art. 14', 'Art. 5', 'Art. 14', '§ 125', '§ 51', '§ 12', 'Art. 3', '§ 44', '§ 12', '§ 6', '§ 4', 'BGH', 'Art. 14', 'BGH', '§ 49', '§ 123']

BVerwG, 18.08.1960 - I C 42.59 - dejure.org
BVerwG, 18.08.1960 - I C 42.59
Nachbaranspruch auf Ermessensausübung, § 113 Abs. 5 VwGO, gerichtliche Aufklärungspflicht: grds. keine Zurückverweisung an die Verwaltungsbehörde zur weiteren Sachverhaltsaufklärung
Ermessensfreiheit bzgl. eines baupolizeilichen Einschreitens wegen Belästigung durch Staub und Geräusch eines in einem Wohngebiet betriebenen Kohlengeschäfts und Fuhrgeschäfts - Rechtsanspruch auf ermessensfehlerfreie Entscheidung bei Verletzung nachbarschützender Bestimmungen des öffentlichen Baurechts - Umfang der verwaltungsgerichtlichen Aufklärungspflicht und Entscheidungspflicht hinsichtlich eines Streits um eine einheitliche, unteilbare Amtshandlung
Baupolizei, Einschreiten gegen baurechtswidrige Zustände, Nachbarschutz, Ermessen
OVG Berlin, 16.05.1958 - II B 180.57
BVerwG, 04.11.1966 - IV C 36.65
BVerwGE 11, 95
NJW 1961, 793
ZMR 1961, 181
DVBl 1961, 125
BB 1961, 352
DÖV 1965, 382
Eine derartige subjektivrechtliche Ergänzung der zum Erlaß von Baustufenplänen ermächtigenden Rechtsgrundlage entspricht der Entwicklung, die das öffentliche Baunachbarrecht in der Vergangenheit genommen hat (vgl. BVerwG, Urteil vom 18. August 1960 - BVerwG 1 C 42.59 - BVerwGE 11, 95; vgl. auch Steinberg, NJW 1984, 457 [458]).
Zutreffend ist allerdings die in Rechtsprechung und Schrifttum vertretene Ansicht, daß der Dienstvorgesetzte Strafanzeige erstatten muß, wenn jede andere Entscheidung ermessensmißbräuchlich wäre, ihm also für den rechtsfehlerfreien Gebrauch seines Ermessens keine andere Wahl bleibt (Ermessensreduzierung auf Null, vgl. dazu BVerwGE 11, 95, 97; BVerwG DVBl. 1969, 586; BVerwG NVwZ 1988, 525 f;… Erichsen in Erichsen/Martens, Allg. VerwR, 9. Aufl. § 10 Rdn. 22).
Art. 14 Abs. 1 Satz 2 GG will damit zugleich verhindern, daß der Gesetzgeber sich der ihm obliegenden Regelung enthält und statt dessen die Bestimmung des Eigentumsinhalts dem Ermessen der Verwaltung anheimgibt (vgl. BVerfGE 6, 32 [42]; 8, 71 [76]; 9, 137 [147 f.]; 11, 168 [191 f.]; 13, 153 [160 f.]; BVerwGE 2, 114 [116]; 2, 349 [351]; 9, 284 [287]; 10, 202 [205]; 11, 95 [96]).
Der seinerzeit noch für das Baurecht zuständige 1. Senat des Bundesverwaltungsgerichts ist in seinem Urteil vom 18. August 1960 - BVerwG 1 C 42.59 - (BVerwGE 11, 95) davon ausgegangen, daß die Ermessensfreiheit nur bei hoher Intensität der Störung oder Gefährdung so weit schrumpfe, daß sich ein Einschreiten als die einzige ermessensfehlerfreie Entschließung erweise.
Nach allgemeinen polizeirechtlichen Grundsätzen kann sich indessen - was hier der Fall ist - dieses Ermessen zu einem Anspruch auf Einschreiten verdichten (vgl. dazu Berner/Köhler, Polizeiaufgabengesetz, 18. Auflage, Art. 5 Rn. 4 unter Hinweis auf BVerwGE 11, 95; vgl. auch Dietlein, DVBl. 1991, 685, 690).
Bei der Auslegung des Bebauungsplans ist allerdings zum einen zu berücksichtigen, dass sich der Nachbarschutz im öffentlichen Baurecht erst nach Inkrafttreten des Grundgesetzes allmählich entwickelt und das Bundesverwaltungsgericht erstmals in einer Entscheidung aus dem Jahr 1960 (Urteil vom 18. August 1960 - BVerwG I C 42.59 -, juris) ein subjektiv-öffentliches Abwehrrecht des Nachbarn bei Verletzung nachbarschützender Vorschriften des öffentlichen Baurechts anerkannt hat (…vgl. etwa Hoppenberg/Paar/Schäfer, in: Hoppenberg/de Witt, Handbuch des öffentlichen Baurechts, Stand Dez. 2016, H Rn. 3).
Dass das Landesrecht das Einschreiten gegen einen auch die Rechte eines Nachbarn verletzenden baurechtswidrigen Zustand in das Ermessen der zuständigen Behörde stellt, verstößt weder gegen das Rechtsstaatsgebot noch gegen Art. 14 GG (BVerwG, Urteil vom 18.8.1960 - I C 42.59 - BVerwGE 11, 95, juris Rn. 10 f.;… Beschlüsse vom 8.7.1981 - 4 B 90.81 - Buchholz 406.19 Nachbarschutz Nr. 45, juris Rn. 4 und vom 24.5.1988 - 4 B 93.88 - Buchholz 406.19 Nachbarschutz Nr. 80 …sowie Urteil vom 4.6.1996 - 4 C 15.95 - NVwZ-RR 1997, 271, juris Rn. 17).
Daß das Gesetz regelmäßig auch das Vorliegen eines öffentlichen Interesses fordert, macht das Individualinteresse nicht zu einem unselbständigen Teil des Allgemeininteresses, sondern besagt nur, daß die Polizei (Ordnungsbehörde) nicht tätig werden soll, wo es ausschließlich um private Belange geht (Bachof DVBl 1961, 128, 130 [BVerwG 18.08.1960 - I C 42/59]; zum Fragenkreis vgl. BVerwGE 11, 95 = DVBl 1961, 125 [BVerwG 18.08.1960 - I C 42/59] m.d. erwähnten Anm. Bachof; OVG Lüneburg DVBl 1967, 779; Rupp Grundfragen S. 268, 269;… Götz a.a.O. S. 34; Erichsen VVDStRL 35 [1977] S. 171 ff, 215; Knemeyer VVDStRL 35 [1977] S. 220 ff; 251, 252;… Wolff/Bachof VerwR III 4. Aufl. § 125 Rdn. 11, 39, 40;… Bender Staatshaftungsrecht 2. Aufl. Tz. 532; Frotscher DVBl 1976, 698; Maunz BayVBl 1977, 135).
Die materiellen Voraussetzungen für die Amtspflicht zu einem bestimmten Verhalten entsprechen weitgehend denen für ein subjektiv - öffentliches Recht auf behördliches Einschreiten, das für den Fall einer "Ermessensschrumpfung auf Null" angenommen wird (vgl. BVerwGE 11, 95; OVG Hamburg NJW 1977, 1254;… Drews/Wacke/Vogel/Martens a.a.O.;… Götz a.a.O.;… Knemeyer a.a.O. S. 235 Fn. 40;… Rüfner in Erichsen/Martens a.a.O. § 51 II 3 S. 409;… Erichsen/Martens a.a.O. § 12 II 2 S. 168, 169;… Dürig in Maunz/Dürig/Herzog/Scholz GG Art. 3 Abs. 1 Rdn. 55; Zuleeg DVBl 1976, 509, 518; Ossenbühl DÖV 1976, 463, 467).
Ob das BAK bei diesem Sachverhalt verpflichtet war, bereits im August 1971 oder vorher die ihm nach § 44 Abs. 2 KWG zustehenden Befugnisse gegenüber der HTG voll auszuschöpfen, ist namentlich auch mit Blick auf die von der Geschäftstätigkeit der HTG ausgehenden Gefahren für potentielle Einleger zu entscheiden (zur Bedeutung der "Schädlichkeitsschwelle" für die Verpflichtung zum Einschreiten vgl. BVerwGE 11, 95, 97;… Erichsen/Martens a.a.O. § 12 II 2 S. 169;… Drews/Wacke/Vogel/Martens a.a.O. § 6, 8 b S. 166 f;… Götz a.a.O. § 4 III 3 S. 70, 71;… Bender Staatshaftungsrecht Rdz. 523, 605; Ossenbühl DÖV 1976, 463, 468).
Das beklagte Land war verpflichtet, diese einzig ermessensfehlerfreie Entscheidung zu treffen (vgl. zu dieser Rechtsfolge einer Ermessensreduzierung auf Null BVerwG 18. August 1960 - I C 42.59 - BVerwGE 11, 95, 97; BGH 26. April 1979 - III ZR 20/78 - zu III 4 der Gründe, MDR 1980, 127).
Mit anderen Worten kann auch eine durch eine unzulässige oder übermäßige verkehrliche Straßennutzung hervorgerufene Erschütterung eines bebauten Grundstücks - je nach Dauer und Umfang des Verkehrs sowie der sonstigen kennzeichnenden Gegebenheiten - zu einer rechtserheblichen Beeinträchtigung des Eigentümers in seinem Grundrecht aus Art. 14 GG führen, die dieser nicht hinzunehmen braucht und der die Straßenverkehrsbehörde nicht tatenlos zusehen darf, soll ihr nicht der Vorwurf zu machen sein, durch Nichteinschreiten zu einer beachtlichen Eigentumsbeeinträchtigung bzw. -verletzung mit beigetragen zu haben (vgl. grundlegend für eine Bauordnungsbehörde: Urteil vom 18. August 1960 - BVerwG I C 42.59 - BVerwGE 11, 95 ).
BGH, 15.04.2011 - BLw 12/10
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BVerwG, 28.12.1966 - IV B 125.65
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VGH Bayern, 18.06.2008 - 9 ZB 07.497
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Wohnungsbeschlagnahme für Großfamilie - §§ 123, 42 Abs. 2 VwGO
BVerwG, 04.09.1978 - 1 DB 22.78
Einheit des Dienstvergehens - Dienstvorgesetzte - Einleitungsbehörde - …
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VGH Bayern, 20.04.2010 - 9 ZB 08.319
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BVerwG, 22.08.1975 - IV C 52.72
Verfügung des Wasser- und Schifffahrtsamtes - Haftungsbeschränkung des …
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Baupolizeiliche Anordnung zur Beseitigung eines Waldstücks bei Nichteinhaltung …
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Bezeichnung der verletzten Rechtsnormen als Voraussetzung der Zulässigkeit der …
BVerwG, 22.03.1972 - I B 17.71
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Bewerbung um einen Fleischbeschaubezirk - Ansprüche von Laien-Fleischbeschauern
OVG Berlin, 08.07.1982 - 3 B 32.81
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VG Berlin, 12.01.1979 - 13 A 128.77
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OVG Saarland, 25.05.1970 - II W 8/70
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BVerwG, 18.12.1968 - V B 114.68
Kündigung einer Hauptfürsorge
BVerwG, 17.01.1968 - V C 137.66
Wohnungsbaudarlehen für eine landwirtschaftliche Kleinsiedlung - Zweck der …
BVerwG, 25.10.1967 - IV B 64.67
BVerwG, 16.01.1961 - II CB 92.60
VG Neustadt, 27.10.2011 - 4 K 339/11
Nachbaranspruch auf bauordnungsbehördliches Einschreiten bei zivilrechtlicher …
OVG Rheinland-Pfalz, 04.10.1979 - 1 A 124/78
BVerwG, 09.03.1977 - 4 B 35.77
Rüge einer Verletzung des Grundsatzes der Gewährung rechtlichen Gehörs - …
BVerwG, 24.09.1976 - 4 B 141.76
BVerwG, 25.06.1975 - 4 B 80.75
BVerwG, 24.02.1975 - 4 B 15.75
BVerwG, 06.06.1974 - I B 23.74
BVerwG, 29.12.1971 - IV CB 36.71
Nichtzulassung der Revision mangels grundsätzlicher Bedeutung - Einhaltung der …
OVG Saarland, 29.11.1971 - II W 36/71
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OVG Saarland, 04.05.1970 - II W 9/70
Auffüllen einer Tongrube mit Müll; Rechtsanspruch auf Eingreifen einer Behörde …
BVerwG, 05.12.1968 - IV B 186.68
BVerwG, 30.05.1968 - IV B 40.67
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BVerwG, 21.09.1962 - III C 232.61
BVerwG, 08.02.1962 - III C 197.60
Feststellung von Vertreibungsschäden an Hausrat - Aufteilung der …
BVerwG, 23.02.1961 - I B 13.61
BVerwG, 16.10.1989 - 4 B 171.89
Zulassung einer Revision - Aufhebung einer Entscheidung über die Nichtzulassung …
BVerwG, 08.07.1971 - VII B 26.69
BVerwG, 09.08.1963 - I B 108.63
BVerwG, 10.10.1962 - I B 122.62
Sperrung einer Brücke für Lastwagen über 3,5 Tonnen - Ausnahmegenehmigung von …
BVerwG, 19.05.1961 - I B 18.60
Verpflichtung zum Einschreiten - Ansprüche eines Nachbarn bei Verstößen gegen …
BVerwG, 09.05.1961 - IV C 382.59
BVerwG, 10.01.1961 - VII B 18.59
Erteilung einer Vollschankerlaubnis unter Auflage - Zulassung musikalischer …