Source: https://www.raklinger.de/testament/gestaltung.html
Timestamp: 2020-01-24 22:24:16
Document Index: 303526451

Matched Legal Cases: ['§ 2269', '§ 2348', '§ 1924', '§ 1925', '§ 1926', '§ 1926', '§ 1926', '§ 2329', '§ 1638', '§ 1852', '§ 2303', '§ 2333', '§ 2338', '§ 2115']

Eine kluge und vorausschauende Vorsorge für den Erbfall muss auf Ihre spezielle Lebenssituation zugeschnitten sein. Hierbei gibt es keine „Standardlösung von der Stange“.
Die Antwort wird von Bernhard F. Klinger, Fachanwalt für Erbrecht in München, hier erläutert.
Die meisten Ehepartner betrachten ihr Vermögen – Wohnung, Aktien, Auto, Bargeld – als gemeinsames Eigentum, obwohl die Vermögen rechtlich auch nach der Eheschließung vollständig getrennt bleiben. Wegen dieser Vorstellung erwarten sie, dass das Vermögen nach dem Tod des einen in vollem Umfang dem Überlebenden zusteht. Weit verbreitet ist der Wunsch, dass die eigenen Kinder oder nahe Verwandte das Vermögen erst nach dem Tod der Witwe oder des Witwers erben sollen. Um diesen Wunsch zu verwirklichen, können die Ehepartner ein gemeinschaftliches Testament im Sinne von § 2269 BGB errichten.
Den Ehegatten stehen verschiedene Möglichkeiten der testamentarischen Nachlassregelung zur Verfügung. Der überlebende Ehegatte kann eingesetzt werden als
Vorerbe, oder
Vermächtnisnehmer.
Muster „Ehegattentestament mit Voll- und Schlusserbschaft“
Schlusserben beim Tod des Überlebenden von uns und Erben von uns beiden im Falle unseres gleichzeitigen Versterbens sind unsere gemeinschaftlichen Abkömmlinge, und zwar einschließlich adoptierter und nichtehelicher Abkömmlinge, unter sich nach den Regeln der gesetzlichen Erbfolge erster Ordnung zum Zeitpunkt des zweiten Erbfalls.
Muster „Ehegattentestament mit befreiter Vorerbschaft“
Wir berufen uns gegenseitig zu alleinigen Vorerben. Der Vorerbe ist von allen Beschränkungen und Verpflichtungen befreit, von denen er nach dem Gesetz befreit werden kann. Ihm stehen alle Rechte zu, die ihm nach dem Gesetz zustehen können, einschließlich des Rechts auf Verzehr des Nachlasses. Nacherben auf den Tod des Letztversterbenden und Erben des Letztversterbenden und Erben von uns beiden im Falle unseres gleichzeitigen Versterbens sind unsere gemeinschaftlichen Abkömmlinge, und zwar einschließlich adoptierter und nichtehelicher Abkömmlinge, unter sich nach den Regeln der gesetzlichen Erbfolge erster Ordnung zum Zeitpunkt des zweiten Erbfalls.
Muster „Ehegattentestament mit Vermächtnis zugunsten des Ehegatten“
Der Erstversterbende von uns setzt zu seinen Erben unsere Abkömmlinge zu gleichen Teilen ein. Dem Überlebenden von uns wird der lebenslange unentgeltliche Nießbrauch an unserem Wohnhaus in … eingeräumt.
Muster „Abänderungsrecht des überlebenden Ehegatten“
Alle vorstehenden Erbeinsetzungen, Vermächtnisse und Auflagen sind nicht wechselbezüglich. Nach dem ersten Todesfall ist der Überlebende deshalb berechtigt, sämtliche Bestimmungen für den zweiten Todesfall uneingeschränkt aufzuheben oder abzuändern.
Muster „Pflichtteilsklausel“
Macht einer unserer Abkömmlinge nach dem Tode des Erststerbenden von uns gegen den Willen des Überlebenden seinen Pflichtteilsanspruch oder Pflichtteilsergänzungsanspruch geltend und erhält er diesen auch ganz oder teilweise, dann ist er mit seinem ganzen Stamm sowohl für den ersten als auch für den zweiten Todesfall von der Erbfolge einschließlich aller sonstigen letztwilligen Zuwendungen ausgeschlossen.
Häufig wird angenommen, dass bei kinderlosen Ehepaaren der überlebende Ehegatte Alleinerbe wird. Dem ist aber nicht so:
Die bei gesetzlicher Erbfolge entstehende Erbengemeinschaft zwischen der Witwe bzw. dem Witwer einerseits und den Schwiegereltern andererseits führt dazu, dass keiner der Miterben allein über Nachlassgegenstände verfügen kann:
Expertentipp von Bernhard F. Klinger (Fachanwalt für Erbrecht in München): Diese gravierenden Nachteile der gesetzlichen Erbfolge kann ein Ehepaar nur durch Errichtung eines Testaments vermeiden.
Um den überlebenden Ehegatten möglichst umfangreich abzusichern, empfiehlt es sich, dass die Eheleute sich in einem Testament als Alleinerben einsetzen. Hierdurch wird vermieden, dass die Eltern des Erblassers kraft Gesetz neben dem überlebenden Ehegatten erben.
Expertentipp von Bernhard F. Klinger (Fachanwalt für Erbrecht in München): Diese Art der Zuwendung ist vor allem dann sinnvoll, wenn dieser Person lediglich ein Vermögensvorteil (Wohnrecht oder monatliche Rente) zustehen soll, ohne an der Verwaltung und Teilung des Nachlasses mitwirken zu müssen.
Trotz der Gefahr einer Haftung für Pflichtteilsanspruch oder Pflichtteilsergänzungsanspruch gegenüber den Eltern ist die Alleinerbeneinsetzung des überlebenden Ehegatten sinnvoll:
Noch zu Lebzeiten könnte mit den jeweiligen Eltern des Ehegatten ein so genannter Pflichtteilsverzicht vereinbart werden, der allerdings der notariellen Beurkundung bedarf (§ 2348 BGB). Da die Eltern zu diesem Pflichtteilsverzicht nicht gezwungen werden können, sollte mit ihnen rechtzeitig die Notwendigkeit einer derartigen Regelung besprochen werden.
Zunächst kann jeder Ehepartner für sich ein Einzeltestament errichten und den anderen Ehepartner als Alleinerben einsetzen. Diese Form der letztwilligen Verfügung kann aber vom Testierenden jederzeit widerrufen werden, ohne dass der andere Ehepartner hiervon erfahren muss. Sehr häufig setzen sich Ehepaare im Rahmen eines gemeinschaftlichen Testamentes zu Alleinerben ein. Die mit dem Tod eines Ehegatten eintretende Bindungswirkung kann im Ehegattentestament vollständig oder auch für einzelne Anordnungen aufgehoben oder beschränkt werden.
Diese Frage sollten die Eheleute in ihrem Testament festlegen, ansonsten würde nach dem Tod des längerlebenden Ehegatten die gesetzliche Erbfolge eingreifen. In diesem Fall würden – sofern die Eltern vorverstorben sind – die Geschwister des jeweiligen überlebenden Ehepartners Erbe werden.
Es empfiehlt sich deshalb eine „Schlusserbenregelung“. Damit kann man Personen aus der Verwandtschaft oder Bekanntenkreis, eine kirchliche Stiftung, karitative Vereinigung, einen Verein oder Verband oder sonstige Organisationen als Erben einsetzen. Ratsam ist immer auch eine Ersatzerbenregelung für den Fall, dass der ursprünglich bedachte Erbe vor dem Ehepaar verstirbt.
Im Ehegattentestament sollte ausdrücklich festgelegt werden, ob der überlebende Ehegatte befugt ist, von einer ursprünglich getroffenen Schlusserbenregelung nach seinem Gutdünken abzuweichen. Dies kann erforderlich werden, wenn etwa eine Person aus der Verwandtschaft bedürftig wird und der Witwer bzw. die Witwe diesem Verwandten (beispielsweise für erbrachte Pflegleistungen) etwas zukommen lassen möchte.
Die Erben 1. Ordnung (§ 1924 BGB): Hierzu zählen die Nachkommen des Erblassers und deren Abkömmlinge, also Kinder, Enkel und Urenkel des Erblassers, auch die nichtehelichen und adoptierten Kinder und ihre Nachkommen.
Hier kommen die Erben 2. Ordnung (§ 1925 BGB) zum Zuge, also die Eltern des Erblassers.
Die Großeltern des Verstorbenen erben nach der gesetzlichen Erbfolge, wenn keine Erben der ersten (Kinder, Enkel, Urenkel des Verstorbenen) und der zweiten Ordnung (Eltern, Geschwister des Verstorbenen) vorhanden sind (§§ 1926, 1930 BGB). Jeder der vier Großelternteile erbt dabei ein Viertel des Nachlasses (§ 1926 Abs. 2 BGB). Wenn von einem Großelternpaar der Großvater oder die Großmutter nicht mehr lebt, dann erben gemäß § 1926 Abs. 3 BGB die Abkömmlinge dieses Großelternteils nach der üblichen Erbfolge (Kinder, Enkel, Urenkel, Eltern, Geschwister usw.).
Der ledige, kinderlose Testierende kann seinen „Wunscherben“ grundsätzlich völlig frei bestimmen. Beachtet werden muss aber, dass die Eltern eines kinderlosen Erblassers vom Erben 50 % des Nachlasses als Pflichtteil verlangen können. Hier kann z. B. ein notarieller Pflichtteilsverzicht der Eltern – ggf. gegen Zahlung einer Abfindung – vorbeugen.
Verwitwete Partner übersehen immer wieder, dass ihre Testierfreiheit durch die Bindungswirkung eines früheren Ehegattentestaments eingeschränkt sein kann (Einzelheiten dazu finden Sie hier). Das Testament einer Witwe oder eines Witwers (z.B. zugunsten des neuen Lebenspartners) hat dann keine rechtliche Wirkung.
In Deutschland gibt es zwischenzeitlich mehr als 2,5 Mio. nichteheliche Lebensgemeinschaften. Das Zusammenleben ohne Trauschein kann aber gerade im Pflege- oder Todesfall zu erheblichen Problemen und Versorgungslücken führen.
Expertentipp von Bernhard F. Klinger (Fachanwalt für Erbrecht in München): Nichteheliche Lebensgefährten haben kein gesetzliches Erbrecht oder Pflichtteilsrecht beim Tod des Partners. Dies gilt selbst dann, wenn die Lebensgemeinschaft dauerhaft bestanden oder ein Partner den anderen jahrelang gepflegt hat. Von den Gerichten ist lediglich anerkannt, dass der Partner ohne Trauschein für einen Zeitraum von 30 Tagen nach Erbfall die mit dem Verstorbenen gemeinsam genutzte Wohnung und den Haushalt weiter nutzen darf (sog. "Dreißigster"). Nach dieser Schonfrist muss er damit rechnen, dass ihn die Erben buchstäblich „vor die Tür setzen“.
Vor besonderen Schwierigkeiten stehen Partner ohne Trauschein im Krankheits- und Pflegefall. Ärzte und Krankenhäuser dürfen Informationen über den Gesundheitszustand nur an Verwandte weitergeben. Bei Betreuungsbedürftigkeit des Partners setzt das Vormundschaftsgericht meist nur Familienangehörige als Betreuer ein. Der Lebenspartner ist in diesen Fällen nur dann befugt die notwendigen Maßnahmen und Entscheidungen zu treffen, wenn er eine Patientenverfügung bzw. Vorsorgevollmacht vorweisen kann.
Für die „Totenfürsorge“ sind ausschließlich die nächsten Angehörigen zuständig. Sie regeln die Bestattung und berücksichtigen dabei die persönlichen Vorstellungen des Verstorbenen. Laut Gesetz gilt folgende Reihenfolge:
falls der Verstorbene nicht (mehr) verheiratet war: die Kinder.
falls weder Ehepartner noch Kinder vorhanden sind: die Eltern,
schließlich die Geschwister.
Der Lebenspartner zählt nicht zu den „Angehörigen“.
Grabstätte (Familien-, Wahl-, Reihen-, Gemeinschafts-, Wandgrabstätte).
Expertentipp von Bernhard F. Klinger (Fachanwalt für Erbrecht in München): Der Lebenspartner hat bei der Bestattung kein Mitspracherecht, selbst wenn er mit dem Verstorbenen bis zum Erbfall jahrelang zusammengelebt hat. Jeder Partner sollte deshalb rechtzeitig für sich in schriftlicher Form festlegen, wie und wo er bestattet werden möchte. Er sollte auch dafür sorgen, dass die finanziellen Mittel für die Bestattung zur Verfügung stehen.
Zur wirtschaftlichen Absicherung im Todesfall ist zwingend eine letztwillige Verfügung zugunsten des Partners notwendig. Anders als Ehegatten können Paare ohne Trauschein aber kein gemeinschaftliches Testament (sog. „Berliner Testament“) errichten. Vorsorge kann nur in Form von Einzeltestamenten oder durch einen Erbvertrag getroffen werden.
Zwischen den beiden Formen einer „letztwilligen Verfügung“ gibt es einen großen Unterschied:
Expertentipp von Bernhard F. Klinger (Fachanwalt für Erbrecht in München): Es empfiehlt sich, in den Erbvertrag einen Widerrufsvorbehalt für den Fall des Scheiterns der nichtehelichen Lebensgemeinschaft aufzunehmen.
Wird der Partner gemeinsam mit Kindern als Miterbe eingesetzt, ist seine Handlungsfreiheit bei der Verwaltung oder Verwertung des Nachlasses stark eingeschränkt. Häufig entsteht innerhalb der Erbengemeinschaft Streit; dies kann bei Nachlassimmobilien zur Teilungsversteigerung führen. Der Lebenspartner sollte deshalb – soweit möglich – nicht neben Kindern erben, sondern anders abgesichert werden.
Verwitwete Partner übersehen immer wieder, dass ihre Testierfreiheit durch die Bindungswirkung eines früheren Ehegattentestaments eingeschränkt sein kann. Das Testament einer Witwe oder eines Witwers zugunsten des neuen Lebenspartners hat dann keine rechtliche Wirkung. Aufgrund dieser Bindungswirkung kann es sein, dass ein Lebenspartner, der von seinem verwitweten Partner Geschenke erhalten hat, diese nach dem Erbfall an die Erben herausgeben muss.
Expertentipp von Bernhard F. Klinger (Fachanwalt für Erbrecht in München): Vom Beschenkten kann der Pflichtteilsberechtigte die Herausgabe des Geschenkes gemäß § 2329 BGB nur dann verlangen, wenn der Erbe selbst zur Ergänzung des Pflichtteiles nicht verpflichtet ist, etwa weil kein ausreichender oder nur ein verschuldeter Nachlass vorhanden ist.
Sollen nur die Kinder des Testierenden erben, kann der überlebende Partner mittels Vermächtnis durch ein Wohnrecht, ein Nießbrauchsrecht oder eine Leibrente abgesichert werden. Im Einzelfall kann es auch sinnvoll sein, den Lebenspartner als Vorerben und die Kinder oder Geschwister als Nacherben einzusetzen. Der Partner kann dann aus dem Nachlass nichts verschenken und darf Immobilien, die er geerbt hat, weder veräußern noch belasten.
Sollen die Kinder des anderen Lebenspartners als Erbe eingesetzt werden, ist besondere Vorsicht geboten:
Expertentipp von Bernhard F. Klinger (Fachanwalt für Erbrecht in München): Abhilfe kann hier eine Adoption der Kinder des Lebenspartners schaffen.
Der Partner ohne Trauschein unterliegt im Schenkungs- und Erbfall einer extrem hohen Steuerlast. Während Eheleute und Kinder hohe Freibeträge in Anspruch nehmen können und zudem ein sehr niedriger Steuersatz gilt, fallen nichteheliche Lebenspartner bei der Schenkungssteuer und Erbschaftssteuer in die schlechteste Steuerklasse III und können zudem nur einen Freibetrag von 20.000 Euro für einen Zeitraum von insgesamt 10 Jahren in Anspruch nehmen.
Expertentipp von Bernhard F. Klinger (Fachanwalt für Erbrecht in München): Es bestehen relativ wenige Möglichkeiten diese extrem hohe Steuerbelastung im Schenkungs- und Erbfall bei Partnern ohne Trauschein zu reduzieren. Es sollte deshalb sehr gut überlegt werden, ob das Paar nicht doch heiratet und ungewünschte Folgen der Eheschließung durch einen klug gestalteten Ehevertrag geregelt werden.
Ohne testamentarische Regelung der Erbfolge entsteht zwischen dem überlebenden Ehepartner und den Kindern des Erblassers oder den Erben 2., 3. oder 4. Ordnung kraft Gesetz eine Erbengemeinschaft. Bei Nachlassimmobilien ist eine solche Zwangsgemeinschaft besonders gefährlich:
Der Ehepartner kann durch eine Einsetzung als Alleinerbe wirtschaftlich bestmöglich abgesichert werden. Hierdurch erhält der überlebende Ehegatte die alleinige Entscheidungsfreiheit über die Verwaltung, Nutzung und die Veräußerung der Nachlassimmobilien.
Expertentipp von Bernhard F. Klinger (Fachanwalt für Erbrecht in München): Ohne präzise testamentarische Anordnungen ist Streit unter den Miterben vorprogrammiert. Häufig enden die Auseinandersetzungen mit der Teilungsversteigerung der Nachlassimmobilien, die manchmal nur zu einem geringen Erlös führt.
Wenn beide Elternteile versterben (z.B. bei einem Verkehrsunfall), wird das Vormundschaftsgericht zum Wohle eines minderjährigen Kindes einen Vormund suchen. Der vom Gericht bestellte Vormund verfügt in diesem Fall über das gesamte Vermögen des Kindes, also auch über die Erbschaft. Die Eltern können in einem Testament einen Vormund für ihre minderjährigen Kinder benennen (z.B. die Großmutter oder Tante des Kindes). Das Vormundschaftsgericht darf von diesem Vorschlag nur bei gravierenden Gründen abweichen.
Soweit meine Kinder bei meinem Tod noch minderjährig sind, entziehe ich meinem geschiedenen Ehegatten gemäß § 1638 BGB das Recht, den Erwerb von Todes wegen der Kinder zu verwalten. Zur Verwaltung des von Todes wegen erworbenen Vermögens benenne ich als Pfleger Herrn/Frau . . . . . . Für Herrn/Frau . . . . . . gelten die in den §§ 1852 bis 1854 BGB bezeichneten Befreiungen.
Eltern geistig schwer behinderter Kinder stehen in aller Regel vor der Frage, wie sie ihre letztwillige Verfügung gestalten sollen, um dem behinderten Abkömmling möglichst gerecht zu werden. Häufig sind solchermaßen erkrankte Kinder in Heimen untergebracht, wobei die Heimkosten über staatliche Zuschüsse gedeckt werden. Dieser Zuschuss kann auch in Form eines Darlehens gewährt werden. Hat ein behindertes Kind Leistungen vom Sozialhilfeträger erhalten, so nimmt dieser regelmäßig Regress beim Nachlass, den das Kind von seinen Eltern erhalten hat.
Sofern der Behinderte zu Vermögen kommen sollte, leitet der Sozialhilfeträger die entsprechenden Erstattungsansprüche auf sich über, um die gezahlten Beträge zurück zu fordern. Als Vermögenserwerb gilt dabei auch eine Erbschaft oder ein Pflichtteilsanspruch oder Pflichtteilsergänzungsanspruch des Sozialleistungsempfängers. Verstirbt ein Elternteil des behinderten Kindes, unterliegt der Nachlass deshalb regelmäßig dem staatlichen Zugriff.
Oft versuchen Eltern durch eine Enterbung des behinderten Kindes zu verhindern, dass dieses pfändbaren Nachlass erhält. Hierdurch entsteht jedoch Pflichtteilsanspruch oder Pflichtteilsergänzungsanspruch zugunsten des behinderten Kindes, die wiederum auf den Sozialhilfeträger übergeleitet werden können.
Unter dem Begriff „Behindertentestament“ ist eine effektive Gestaltungsmöglichkeit entstanden, um diese Zugriffsmöglichkeit zu begrenzen. Das während des Lebens erarbeitete Familienvermögen soll soweit als möglich der eigenen Familie und den folgenden Generationen erhalten bleiben und dem Zugriff bzw. Regress des Sozialhilfeträgers nach dem Tod eines Elternteils entzogen werden. Ausgangspunkt dieser Testamentsgestaltung ist die Tatsache, dass das Eigenvermögen des behinderten Kindes mit dem Nachlass der Eltern im Erbfall zu einer Einheit verschmilzt. Deshalb kann der Sozialhilfeträger auch auf die Erbschaft des Hilfeempfängers zugreifen. Es gilt daher, diese Verschmelzung von Eigenvermögen und Nachlass zu verhindern, aber dennoch dem behinderten Kind aus dem Nachlass etwas zukommen zu lassen.
Bei lediglich körperbehinderten Kindern kann dasselbe Ziel durch die Errichtung eines Erbvertrages erreicht werden, in welchem ein Behindertentestament mit einem Pflichtteilsverzichtsvertrag kombiniert wird.
Die genaue Ausgestaltung der Handlungsbefugnis des Testamentsvollstreckers und die Fassung seiner Aufgabenbereiche stellen ein Hauptproblem des so genannten „Behindertentestaments“ dar. Als Testamentsvollstrecker sollte – soweit möglich – ein Familienangehöriger eingesetzt werden um zu vermeiden, dass familienfremde Dritte Einblick in die Vermögensverhältnisse der eigenen Familie erhalten.
Der Bundesgerichtshof hat diese Art der Gestaltung des Behindertentestamentes für wirksam erklärt und hierfür ein billigenswertes Interesse des Erblassers anerkannt. Bisher war die Rechtsprechung „erblasserfreundlich“ und hat im Wege erweiterter Auslegung dem Erblasserwillen auch bei missglückten oder zweifelhaft formulierten Behindertentestamenten zum Erfolg verholfen. Ob das auch weiterhin der Fall sein wird, darf auf Grund der derzeitigen finanziellen Misere der staatlichen Finanzen bezweifelt werden.
Expertentipp von Bernhard F. Klinger (Fachanwalt für Erbrecht in München): Da jede familiäre und finanzielle Situation anders gelagert ist, ist dringend davor zu warnen, ein Behindertentestament „von der Stange“ oder aufgrund vorgedruckter Erklärungen zu fertigen. Droht bei behinderten Kindern mit dem Ableben eines Elternteils der Rückgriff durch Träger der Sozialhilfe, sollte der Erblasser daher rechtzeitig und richtig Vorsorge treffen, um das Vermögen über den eigenen Tod hinaus im Familienbesitz zu halten. Dies kann wegen der komplexen Rechtsfragen nicht ohne fachkundigen Rat geschehen.
Eltern, deren Kinder zur Verschwendung neigen oder verschuldet sind, suchen oftmals nach einer Möglichkeit, das Familienvermögen den Nachkommen zu erhalten. Würden die Eltern das verschwendungssüchtige oder überschuldete Kind durch Testament enterben, steht diesem zumindest der Pflichtteilsanspruch (§ 2303 BGB) in Höhe der Hälfte des gesetzlichen Erbteils zu. Dieser Pflichtteil kann dem Kind nur bei schweren schuldhaften Verfehlungen durch Testament entzogen werden (§ 2333 BGB). Da der Gesetzgeber die Voraussetzungen für eine Pflichtteilsentziehung sehr eng gefasst hat, kommt ihr kaum praktische Bedeutung zu.
Zwischen dem Anspruch auf den vollen Pflichtteil und der Entziehung des Pflichtteils steht die so genannte Pflichtteilsbeschränkung in guter Absicht (§ 2338 BGB). Ziel einer solchen Pflichtteilsbeschränkung ist es, das Familienvermögen zugunsten der Abkömmlinge und deren Erben zu erhalten. Durch eine Art „Zwangsfürsorge“ wird der spätere Nachlass vor der Verschwendungssucht des Erben oder vor dem Zugriff seiner Gläubiger bewahrt und damit der laufende Unterhalt des Kindes gesichert.
Die Pflichtteilsbeschränkung in guter Absicht ist nur gegenüber Abkömmlingen (also Kindern), nicht aber gegenüber Eltern oder Ehegatten des Erblassers zulässig. Sie erfordert vom Erblasser die Errichtung einer letztwilligen Verfügung, also eines Testamentes oder Erbvertrages und hat folgende Voraussetzungen:
Expertentipp von Bernhard F. Klinger (Fachanwalt für Erbrecht in München): Im Testament selbst muss der Sachverhalt, der zur Pflichtteilsbeschränkung in guter Absicht geführt hat, im Kern beschrieben sein. Formulierungen wie z.B. „Ich beschränke den Pflichtteil meines Sohnes, weil er verschuldet ist.“ genügen also nicht. Die relevanten Informationen und Beweismittel für die Überschuldung oder Verschwendungssucht sollten umfassend dokumentiert und im Testament als Anlage beigefügt werden. Nur so kann nach dem Erbfall das „gut gemeinte“ Ziel einer Pflichtteilsbeschränkung auch tatsächlich erreicht werden.
Die Eltern können das verschwenderische bzw. überschuldete Kind zum Vorerben und dessen gesetzliche Erben als Nacherben einsetzen. Als Vorerbe darf das Kind keine Vermögenswerte aus dem Nachlass verschenken; Nachlassimmobilien dürfen weder verkauft noch mit Grundpfandrechten belastet werden. Durch die Anordnung einer Vorerbschaft wird somit erreicht, dass den Nacherben nach dem Tod des Vorerben die Substanz des Nachlasses im Wesentlichen erhalten bleibt. Mit anderen Worten: Zumindest die Nachlassimmobilie bleibt den Enkelkindern des Erblassers erhalten. Weiterer Vorteil der Vorerbschaft ist, dass Gläubiger des Kindes nicht in das Vorerbschaftsvermögen vollstrecken können (§ 2115 BGB). Die Eltern können ergänzend eine Vertrauensperson (etwa ein anderes „zuverlässiges“ Kind) als Testamentsvollstrecker einsetzen, der die Aufgabe hat, dem überschuldeten bzw. verschwenderischen Kind die Einkünfte, die aus dem Nachlass erzielt werden, als laufende Unterhaltszahlung zu überlassen.
Expertentipp von Bernhard F. Klinger (Fachanwalt für Erbrecht in München): Durch Kombination der Vor- und Nacherbschaft mit einer Verwaltungstestamentsvollstreckung wird der maximale Schutz des Familienvermögens erreicht.