Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Text=BFH/NV%201996,%20798
Timestamp: 2019-08-20 19:31:16
Document Index: 348729068

Matched Legal Cases: ['§ 35', '§ 184', '§ 174', '§ 171', '§ 45', '§ 171', '§ 11', '§ 171', '§ 174', '§ 174', '§ 174']

BFH, 27.03.1996 - I R 100/94 - dejure.org
https://dejure.org/1996,5425
BFH, 27.03.1996 - I R 100/94 (https://dejure.org/1996,5425)
BFH, Entscheidung vom 27.03.1996 - I R 100/94 (https://dejure.org/1996,5425)
BFH, Entscheidung vom 27. März 1996 - I R 100/94 (https://dejure.org/1996,5425)
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Änderung bestandskräftiger Gewerbesteuermessbescheide - Aufgrund irriger Beurteilung eines bestimmten Sachverhaltes ergangener Steuerbescheid
GewStG § 35 b, AO 1977 § 184, AO 1977 § 174
Änderung; Atypische stille Beteiligung; Bekanntgabe; Gesellschaft mbH; Rechtswirksamkeit
FG Düsseldorf, 29.04.1994 - 14 K 476/88
BFH/NV 1996, 798
Die Klägerin ist Steuerpflichtige i.S. des § 171 Abs. 5 Satz 1 AO, da sie als Gesamtrechtsnachfolgerin die Stellung der verstorbenen A als Steuerschuldnerin in Miterbengemeinschaft übernommen hat (§ 45 Abs. 1 Satz 1 AO) und somit Schuldnerin der Ansprüche aus dem Steuerschuldverhältnis geworden ist, deren Festsetzungsfrist gehemmt werden soll (vgl. ergänzend Senatsurteil vom 27. März 1996 I R 100/94, BFH/NV 1996, 798;… BFH-Urteil vom 30. Oktober 1990 VII R 18/88, BFH/NV 1991, 721).
Sollte z.B. zunächst nur die Erbschaftsteuer Prüfungsgegenstand gewesen sein, ist deshalb im Hinblick auf § 171 Abs. 5 AO maßgeblich, wann die Erstreckung der Prüfung auf die Einkommensteuer 1998 für die Klägerin erkennbar geworden ist (vgl. Senatsurteile vom 24. April 2002 I R 25/01, BFHE 198, 303, BStBl II 2002, 586, und in BFH/NV 1996, 798).
Der Bundesfinanzhof (BFH) hat deshalb in ständiger Rechtsprechung den Freibetrag nach § 11 Abs. 1 Satz 3 Nr. 1 GewStG auch atypischen stillen Gesellschaften eingeräumt (vgl. BFH-Urteile vom 10. November 1993 I R 20/93, BFHE 173, 184, BStBl II 1994, 327; vom 8. Februar 1995 I R 127/93, BFHE 177, 332, BStBl II 1995, 764, und vom 27. März 1996 I R 100/94, BFH/NV 1996, 798, unter II.5. der Gründe).
Denn ein Rechtsbehelf, der seiner äußeren Form nach von einer atypisch stillen Gesellschaft stamme, sei als von deren Gesellschaftern eingelegt auszulegen (BFH-Urteil vom 27. März 1996 I R 100/94, BFH/NV 1996, 798); diese Auslegung habe das FG in rechtsfehlerhafter Weise unterlassen.
Sollte z.B. zunächst nur die Erbschaftsteuer Prüfungsgegenstand gewesen sein, ist deshalb im Hinblick auf § 171 Abs. 5 AO maßgeblich, wann die Erstreckung der Prüfung auf die Einkommensteuer 1999 für die Klägerin erkennbar geworden ist (vgl. Senatsurteile vom 24. April 2002 I R 25/01, BFHE 198, 303, BStBl II 2002, 586, und in BFH/NV 1996, 798).
Dritter im Sinne des § 174 Abs. 5 AO ist derjenige, der im ursprünglichen, aufgehobenen Steuerbescheid nicht als Steuerschuldner angegeben war (ständige Rechtsprechung, BFH-Urteile vom 5. Mai 1993, X R 111/91, BFHE 171, 400, BStBl. II 1993, 817, vom 10. November 1993, I R 20/93, BFHE 173, 184, BStBl. II 1994, 327, vom 8. Februar 1995, I R 127/93, BFHE 177, 332, BStBl. II 1995, 764, vom 27. März 1996, I R 100/94, BFHNV 1996, 798, BFH-Beschluss vom 21. September 1994, V B 195/93, BFHNV 1995, 487).
Ein Rechtsbehelf, der der äußeren Form nach von einer atypisch stillen Gesellschaft stammt, ist als von den Gesellschaftern eingelegt auszulegen (…BFH-Beschluss vom 20. Dezember 2006 I B 47/05, BFH/NV 2007, 831; BFH-Urteil vom 27. März 1996 I R 100/94, BFH/NV 1996, 798).
Ob diese den Verjährungseintritt suspendierende Spezialregelung hier schon deswegen nicht eingreift, weil § 174 Abs. 4 AO die - vom Beklagten lange Zeit selbst in Zweifel gezogene - Rechtswirksamkeit des aufzuhebenden oder zu ändernden Bescheids (hier: vom 1. Dezember 1999) voraussetzt (ständige Rechtsprechung des BFH, vgl. z.B. Urteile vom 16. Mai 1990 X R 147/87, BStBl. II 1990, 942, 944, vom 10. November 1993 I R 20/93, BFHE 173/184, BStBl. II 1994, 327, und vom 27. März 1996 I R 100/94, BFH/NV 1996, 797, sowie Klein/Rüsken, Abgabenordnung, Kommentar, 8. Auflage, § 174 Rz. 54, m.w.N.), kann im Streitfall auf sich beruhen.
Im Urteil vom 27. März 1996 I R 100/94 (BFH/NV 1996, 798), das wie das Urteil in BFHE 177, 332, BStBl II 1995, 764 Gewerbesteuermessbescheide an eine atypisch stille Gesellschaft betrifft, hat der I. Senat diese Auffassung bestätigt.
Nach dieser Regelung darf u.a. bei der Änderung eines Steuerbescheides nicht zu Ungunsten des Steuerpflichtigen berücksichtigt werden, dass sich die Rechtsprechung des BFH geändert hat, die bei der bisherigen Steuerfestsetzung von der Finanzbehörde in einem im wesentlichen gleichgelagerten Sachverhalt angewandt worden ist (BFH-Urteile vom 07.12.1988 - X R 15/87 -, BFHE 155, 353, BStBl. II 1989, 421 und vom 27.01.1996 - I R 100/94 -, BFH/NV 1996, 798).