Source: https://www.kujus-strafverteidigung.de/strafrechts-abc/fahrlaessige-toetung/
Timestamp: 2019-08-18 22:24:05
Document Index: 168300243

Matched Legal Cases: ['§ 211', '§ 212', '§ 221', '§ 222', '§ 227', '§ 251', '§ 15', '§ 222', '§ 78']

Fahrlässige Tötung | Strafrechts-ABC
Fahrlässige Tötung bei einem Verkehrsunfall
Unterschied fahrlässige Tötung und Totschlag
Die Tötung eines anderen Menschen ist strafbewährt und findet sich in verschiedenen Vorschriften des Strafgesetzbuches wieder. Man spricht in diesem Zusammenhang von Tötungsdelikten.
Diese Delikte sind im sechzehnten Abschnitt des Strafgesetzbuches (StGB) geregelt und umfassen Straftaten von Mord (§ 211 StGB) und Totschlag (§ 212 StGB) bis hin zu Aussetzung (§ 221 StGB) und Fahrlässige Tötung (§ 222 StGB). Daneben spielt der Tod eines Menschen noch in anderen Delikten als schwere Folge eine Rolle. Zu nennen sind etwa die Körperverletzung mit Todesfolge (§ 227 StGB) und der Raub mit Todesfolge (§ 251 StGB).
Grundsätzlich steht im Strafrecht nur vorsätzliches Handeln (oder Unterlassen) unter Strafe. Allerdings kann ausnahmsweise auch fahrlässiges Handeln bestraft werden, soweit dies ausdrücklich durch das Gesetz verlangt wird (vgl. § 15 StGB). Der Straftatbestand der Fahrlässigen Tötung stellt eine solche Ausnahme dar.
Geregelt ist die Fahrlässige Tötung in § 222 StGB. Die Vorschrift lautet dabei folgendermaßen:
Bei einer fahrlässigen Tötung will der Täter den Tod einer anderen Person gerade nicht herbeiführen. Dennoch wird hier auch ein vorsatzloses Verhalten als strafwürdig angesehen, wenn der Täter fahrlässig- das heißt, die im Verkehr erforderliche Sorgfalt außer acht lassend – handelt.
Mit anderen Worten will der Täter bei einer fahrlässigen Tötung den Tod einer anderen Person zwar gerade nicht bewirken, führt diesen aber durch Missachtung einer ihm obliegenden Sorgfaltspflicht kausal herbei. Die Einhaltung der Sorgfaltspflicht muss für den Betroffenen erkennbar und möglich gewesen sein.
Fahrlässiges Handeln kann beispielsweise Vorliegen, bei:
Verstößen gegen die StVO
Planungsfehlern und Organisationsfehlern (z.B. Unglück bei der Love-Parade)
Offenes Herumliegenlassen von Waffen, Medikamenten, Giften oder anderen gefährlichen Gegenständen in Reichweite von Kindern
Missachtung von Sicherungspflichten
falsche Beaufsichtigung von Hunden und anderen Tieren
Tod nach Verbringunsgewahrsam durch die Polizei bei betrunkenen und desorientierten Personen
Freilich kommt eine Fahrlässige Tötung nur in Betracht, wenn tatsächlich ein Mensch gestorben ist. Eine versuchte fahrlässige Tötung gibt es nicht! Man spricht von einem sogenannten Erfolgsdelikt. Voraussetzung ist der Tot eines anderen Menschen.
Ein Paradebeispiel sind Verkehrsunfälle, bei denen eine Sorgfaltspflicht (etwa die Geschwindigkeitsbegrenzung) missachtet wurde und es zum Crash kommt. Wird das Opfer verletzt, kann sich der Fahrer wegen einer fahrlässigen Körperverletzung strafbar gemacht haben. Stirbt das Unfallopfer kommt eine fahrlässige Tötung in Betracht.
Um ein Ausufern zu vermeiden, wird bei derartigen Delikten das Erfordernis der Kausalität verlangt. Das bedeutet, das die Sorgfaltspflichtverletzung auch kausal zum Tod eines anderen Menschen geführt haben muss. Was selbstverständlich klingt, kann im Einzelfall schwer abzugrenzen sein.
So stellt sich in vielen Konstellationen regelmäßig die Frage, ob es nicht auch ohne die vorgeworfene Sorgfaltspflichtverletzung zu dem Todesfall gekommen wäre. Bei diesem Fragenkomplex spielen rechtsmedizinische Gutachten oder Sachverständigengutachten bei Verkehrsunfällen eine entscheidende Rolle.
Recht Häufig wird der Vorwurf einer fahrlässigen Tötung im Rahmen von Verkehrsunfällen erhoben. Fahrlässiges Handeln liegt bereits vor, wenn ein Verkehrsteilnehmer die erforderliche Sorgfalt außer auch gelassen hat. Wer also mangels Schulterblick beim Abbiegen oder Ausparken einen Fahrradfahrer oder ein anderes Auto übersieht und rammt, lässt die im Verkehr erforderliche Sorgfalt außer acht und handelt somit fahrlässig.
Gleiches gilt etwa:
bei der Überschreitung der zulässigen Höchstgeschwindigkeit
bei Fehlern bei Überholvorgängen
bei Unaufmerksamkeit durch das Fallenlassen von Zigaretten
beim Telefonieren am Steuer
bei zu geringen Seitenabstand oder zu geringen Abstand zum vorausfahrenden Fahrzeug
beim Fahren unter Alkoholeinfluss (oder unter Einfluss anderer berauschender Mittel)
beim Überfahren einer Roten Ampel oder eines Zebrastreifens
Auch bei illegalen Autorennen kann es zu einer fahrlässigen Tötung kommen. Bei Unfällen im Rahmen von illegalen Straßenverkehrsrennen wurde im Rahmen eines „Raser-Falles“ aber jüngst sogar das Vorliegen eines Tötungsvorsatzes vom Bundesgerichtshof bestätigt!
Eine weitere Konstellation bei der der Vorwurf der fahrlässigen Tötung häufig erhoben wird, sind medizinische Eingriffe oder Pflichtverletzungen in der Rettungsmedizin.
Unterlassen einer Behandlung
Nicht ausreichende personelle Besetzung (qualitativ oder quantitativ) eines Krankenhauses oder Pflegeheims
Organisationsfehler bei Rettung-, bzw. Not- oder Bereitschaftsdiensten
Wie ist nun aber zwischen fahrlässiger Tötung und Totschlag, Körperverletzung mit Todesfolge oder gar Mord zu unterscheiden? Alle diese Delikte haben eines gemeinsam: Es ist ein Mensch in strafbewährter Weise durch die Handlung eines anderen zu Tode gekommen.
Wie dargelegt geht es bei der fahrlässigen Tötung um die Tötung eines Menschen, ohne das ein Vorsatz – also etwa Tötungsabsicht oder Mutwilligkeit – erkennbar wäre. Bei Totschlag ist hingegen ein Vorsatz des Täters zwingend erforderlich. Das bedeutet, der Täter will das Opfer töten oder nimmt den Tod zumindest billigend in Kauf. Bei Mord treten noch weitere Bedingungen hinzu. Letztlich bedarf es auch bei Körperverletzung mit Todesfolge einer Vorsatztat. Bei dieser Straftat muss sich der Vorsatz allerdings nur auf die Körperverletzung, nicht aber auf den Tod des Opfers beziehen.
Die Straftat wird mit einer Geldstrafe oder Freiheitsstrafe bis zu 5 Jahren geahndet. Die Tat verjährt gemäß § 78 Abs. 3 Nr. 4 StGB nach fünf Jahren.
Ihnen wird eine fahrlässige Tötung vorgeworfen. Sie haben eine Anzeige, also eine Vorladung, einen Strafbefehl oder eine Anklage erhalten?
Die Fahrlässige Tötung ist kein Kavaliersdelikt! Der Tatvorwurf sollte keinesfalls unterschätzt werden. Es drohen erhebliche Strafen und einschneidende persönliche Nachteile.