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Timestamp: 2019-11-14 01:00:22
Document Index: 218119221

Matched Legal Cases: ['§ 8', '§ 9', '§ 126', '§ 8', '§ 9', '§ 15', '§ 8', '§ 15', '§ 8', '§ 9']

Rückkehrrecht in Vollzeit?| Was bringt die neue Brückenteilzeit für Arbeitnehmer? | Pagels Arbeitsrecht Frankfurt
Brückenteilzeit: Rückkehrrecht in Vollzeit
Für Arbeitnehmer ergeben sich durch die Neuregelung zur Teilzeitarbeit, der sogenannten Brückenteilzeit oder befristeten Teilzeit, völlig neue Perspektiven hinsichtlich der Gestaltung der eigenen Arbeitszeit. Durch die Brückenteilzeit wird Arbeitnehmern die Entscheidung für einen Antrag auf Teilzeitarbeit erleichtert, da durch die zeitlich befristete Teilzeit die Rückkehr Möglichkeit in Vollzeitarbeit geschaffen wird.
Teilzeit ist damit endlich kein Risiko mehr und denn die Brückenteilzeit ermöglicht den Ausstieg auf Zeit und bietet auch eine interessante Alternative zum Sabbatical.
Die Kanzlei Pagels klärt in dem nachfolgenden Artikel zum Thema Brückenteilzeit darüber auf, unter welchen Voraussetzungen Arbeitnehmer einen Anspruch auf die Brückenteilzeit haben und worin die Unterschiede und Vorteile zu einer herkömmlichen Teilzeit liegen.
Das neue Recht auf Rückkehr in Vollzeit: Brückenteilzeit oder befristete Teilzeit
Die Arbeitszeit und Arbeitsbelastung soll sich den verschiedenen Lebensphasen des Arbeitnehmers anpassen. Also einen Wechsel in Teilzeit aber genauso auch eine Rückkehr in Vollzeit ermöglichen- zum Beispiel nach Ende der Familienphase.
Die Rückkehr von Teilzeit in Vollzeit war bisher schwierig und hat den Begriff Teilzeitfalle geprägt.
Auf dieses gesellschaftspolitische und familienpolitische Ziel, dass Arbeitnehmer freiwillig in Teilzeit arbeiten können, aber nicht unfreiwillig in Teilzeit verbleiben müssen findet der neue Gesetzentwurf zur sogenannten Brückenteilzeit oder befristeten Teilzeit eine Antwort.
Teilzeitvariante Elternzeit Pflegezeit Familienpflegezeit Teilzeit
Rückkehrrecht Ja Ja Ja Nein,
Bisher war kein Rückkehrrecht vorgesehen
Bisher war im Teilzeit und Befristungsgesetz (TzBfG) lediglich ein Recht für Arbeitnehmer auf Reduzierung der Arbeitszeit und damit Arbeit in Teilzeit enthalten. Die bisherige Regelung zum Teilzeitanspruch war daher häufig eine Einbahnstraße, da es insbesondre für Mütter keine Rückkehr Möglichkeit auf eine Vollzeitarbeitsstelle beim eigenen Arbeitgeber gibt.
Das Teilzeit und Befristungsgesetz soll daher laut dem vorliegenden Gesetzentwurf erweitert werden und unter bestimmten Bedingungen Arbeitnehmern eine Rückkehrecht auf eine Vollzeitstelle einräumen.
Das bereits in Deutschland bestehende Teilzeitrecht wird daher zu Gunsten der Arbeitnehmer durch die Einführung eines Rechtsanspruches auf eine befristete sogenannte Brückenteilzeit weiterentwickelt. Auch der Begriff temporäre Teilzeit oder befristet Teilzeit wird in diesem Zusammenhang verwendet.
Dies entspricht der Lebenswirklichkeit vieler Arbeitnehmer, denn viele Beschäftigte wollen die Arbeitszeit nicht dauerhaft, sondern nur für einen bestimmten Zeitraum reduzieren, um beispielsweise mehr Zeit für die Familie zu haben oder eine Fortbildung zu absolvieren
Allerdings sind bisher viele Beschäftigte und insbesondere Frauen mit dem Wunsch nach Reduzierung der Arbeitszeit die Teilzeitfalle getappt. Denn der Gesetzgeber hat Arbeitnehmern durch § 8 Teilzeit und Befristungsgesetz (TzBfG) zwar die Reduzierung der Arbeitszeit ermöglicht, aber einen Rechtsanspruch auf eine Rückkehr in Vollzeit nicht vorgesehen.
Zwar sollen teilzeitbeschäftigte Arbeitnehmer nach § 9 Teilzeit und Befristungsgesetz (TzBfG) bevorzugt berücksichtigt werden. Hier trägt allerdings der Arbeitnehmer die Beweislast für einen freien Arbeitsplatz sowie seine Eignung für die Stelle. Häufig heißt daher einmal Teilzeit immer Teilzeit für den betroffenen Arbeitnehmer.
Was bedeutet befristete Teilzeit oder auch Brückenteilzeit genannt?
Der Gesetzentwurf zur befristeten Teilzeit sieht vor, dass Arbeitnehmer für eine bestimmte Zeit ihrer Beschäftigung in Teilzeit nachgehen und dann wieder auf eine Vollzeitstelle zurückkehren können.
War bisher nur das Recht auf eine Reduzierung der Arbeitszeit gesetzlich garantiert, so wird durch das neue Gesetz zur befristeten Teilzeit, dass Recht der Arbeitnehmer auf Aufstockung der Arbeitszeit und Rückkehr auf eine Vollzeitstelle unter bestimmten Bedingungen geschaffen.
Nicht jeder Arbeitgeber muss seinen Arbeitnehmern auch die Möglichkeit einer befristeten Teilzeit einräumen. So wie es für einen Anspruch auf regulären Teilzeitanspruch mindestens 15 Mitarbeiter bedarf, so müssen kleine Betriebe von bis zu 45 Mitarbeitern grundsätzlich keine Brückenteilzeit gewähren. Kleine Betriebe sollen so vor einer Überforderung durch Personalplanung geschützt werden. Ob ein Arbeitgeber daher zur Gewährung von befristeter Teilzeit verpflichtet ist hängt zum einen von der Anzahl der Arbeitnehmer ab und zum anderen davon wie viele andere Arbeitnehmer bereits in befristeter Teilzeit arbeiten.
Wann besteht ein Recht auf die befristete Teilzeit?
Ob ein Arbeitnehmer tatsächlich das neue Gesetz auf befristete Teilzeit in Anspruch nehmen kann hängt von verschiedenen Faktoren ab.
Damit ein wirksamer Antrag auf befristete Teilzeit gestellt werden kann, muss das Arbeitsverhältnis mindesten seit 6 Monaten bestehen.
Ankündigungsfrist/Vorlaufzeit für Teilzeitantrag
Der Arbeitnehmer hat seinen Wunsch auf befristete Teilzeit dem Arbeitgeber mindestens 3 Monate vor dem gewünschten Begin mitzuteilen.
Der Wunsch auf Brückenteilzeit muss in Textform erfolgen Die Anforderungen an die Textform ist in § 126 b BGB geregelt.
Textform bedeutet im Gegensatz zur Schriftform, dass keine eigenhändige Unterschrift notwendig ist. Damit wahrt beispielsweise eine Email die Textform. .
Ein mündlicher Antrag des Arbeitnehmers reicht daher nicht aus.
Häufige Fragen zum Rückkehrrecht in Vollzeit
Habe ich ein Recht auf Brückenteilzeit?
Kleine Arbeitgeber mit bis zu 45 Arbeitnehmern sind nicht dazu verpflichtet eine befristete Teilzeit anzubieten.
Für Betriebe in der Größenordnung ab 46 Arbeitnehmer bis hin zu 200 Arbeitnehmern richtet sich die Pflicht auf Gewährung von befristeter Teilzeit nach dem Zumutbarkeitsregeln.
Ein Arbeitgeber, der zwischen 46 und 200 Arbeitnehmer beschäftigt, kann das Verlangen eines Arbeitnehmers auch ablehnen, wenn zum Zeitpunkt des begehrten Beginns der verringerten Arbeitszeit bei einer Arbeitnehmerzahl von in der Regel
In einem Unternehme mit 60 Beschäftigen bedeutet dies, wenn schon 4 Arbeitnehmer sich in einem Brückenteilzeitmodell befinden, dass der Arbeitgeber also die folgenden Anträge auf Gewährung von Brückenteilzeit ablehnen kann.
Es ist geplant, dass das Gesetz ab Januar 2019 in Kraft tritt und Arbeitnehmer ab diesem Stichtag das Recht haben zwischen einer unbefristeten Teilzeit und einer befristeten Teilzeit zu wählen und entsprechend den Antrag zu stellen.
Wie lange kann ich höchstens befristete Teilzeit beantragen?
Anders als bei einem regulären Teilzeitantrag nach § 8 TzBfG muss der Arbeitnehmer bei einer temporären oder befristeten Teilzeit den Zeitraum in dem die Arbeitsreduzierung stattfinden soll festlegen. Die Teilzeit endet also zu einen bestimmten Datum automatisch.
Der Arbeitnehmer muss also vor Antritt der Teilzeitperiode dem Arbeitgeber mitteilen nach welchem Zeitraum er wieder in Vollzeit an seinen Arbeitsplatz zurückkehren möchte.
Die Mindest- und Höchstdauer einer temporären Teilzeit beträgt:
Minium 1 Jahr
Der von Arbeitnehmer einmal gewählte Zeitraum ist bindend und kann hinterher weder verkürzt noch verlängert werden, da dem Arbeitgeber eine Personalplanung ermöglicht werden soll.
Wie oft kann ich einen Antrag auf befristete Teilzeit bei meinem Arbeitgeber stellen?
Theoretisch beliebig oft. Allerdings gilt es zu bedenken, dass ein neuer Antrag auf befristet Teilzeit erst nach einem Jahr Vollzeitarbeit wieder möglich ist.
Ablauf eines Antrages auf Brückenteilzeit
Antrag auf Brückenteilzeit – die wichtigsten Punkte:
Der Wunsch auf eine Reduzierung der Arbeitszeit besteht.
Der Arbeitnehmer überlegt sich ab welchem Zeitpunkt er in Teilzeit arbeiten will und beachtet, dass der Antrag auf temporäre Teilzeit spätestens 3 Monate vor dem Beginn der Arbeitszeitreduzierung erfolgen muss.
Der Arbeitnehmer stellt unter Einhaltung der Textform, dass heißt schriftlich, gegenüber dem Arbeitgeber den Antrag auf Gewährung eines befristeten Teilzeit.
Der Antrag enthält den Starttermin sowie die Dauer der gewünschten Teilzeit.
Der Arbeitgeber hat mit dem Arbeitnehmer den Antrag zu erörtern.
Der Arbeitgeber genehmigt den Antrag auf befristete Teilzeit.
Der Arbeitgeber trifft keine Entscheidung bis einen Monat vor Beginn der Teilzeit. Er erteilt also weder eine Ablehnung noch eine Zustimmung zum Teilzeitbegehren, dann tritt der Wunsch des Arbeitnehmers hinsichtlich Dauer und Umfang der Stundenreduzierung automatisch in Kraft.
Der Arbeitgeber lehnt die befristete Teilzeit aus betrieblichen Gründen ab- Der Arbeitnehmer kann hier gegen Klage beim Arbeitsgericht erheben.
Hilfe durch Fachanwalt für Arbeitsrecht
Sie sind sich unsicher bezüglich der Beantragung der Brückenteilzeit, erwarten Probleme bei Ihrem Arbeitgeber oder ihr Antrag wurde bereits abgelehnt? In allen Fällen können Sie sich professionellen Rat bei einem Anwalt mit Kernkompetenz im Arbeitsrecht oder einem Fachanwalt für Arbeitsrecht einholen, um Ihr Recht auf Brückenteilzeit zu prüfen und ggf. durchzusetzen.
Rückkehrrecht auf eine Vollzeitstelle nach Teilzeit
Bisher bestand kein Rechtsanspruch auf Rückkehr in Vollzeit aus einer bestehenden Teilzeit. Zwar hatte der Arbeitgeber den Teilzeitler nach § 9 Teilzeit und Befristungsgesetz (TzBfG) bei einer Neubesetzung einer Vollzeitstelle bevorzugt zu berücksichtigen.
Der Arbeitnehmer hatte jedoch dazulegen, dass eine seinen Qualifikationen entsprechende Vollzeitstelle zu besetzten ist.
Bei Vorliegen einer temporären Teilzeit findet jetzt eine Beweislastumkehr zu Lasten des Arbeitgebers statt. Hier muss also der Arbeitgeber den Beweis erbringen, dass keine freie Vollzeitstelle vorhanden ist.
Was bedeutet denn eine freie Vollzeitstelle im juristischen Sinn?
Nach dem bisherigen Gesetzentwurf liegt dann ein freier zu besetzender Arbeitsplatz vor, wenn der Arbeitgeber die Organisationsentscheidung getroffen hat, diesen Arbeitsplatz zu schaffen oder einen unbesetzten Arbeitsplatz neu zu besetzen.
Habe ich den Anspruch auf Rückkehr an meinen alten Arbeitsplatz?
Arbeitnehmer haben zwar bei einer befristeten Teilzeit Anspruch auf eine Rückkehr auf einen Vollzeitarbeitsplatz. Dieses Rückkehrrecht beinhaltet jedoch nicht, die Rückkehr auf den alten Arbeitsplatz.
Der Arbeitgeber kann den Arbeitnehmer daher im Rahmen des Direktionsrechtes auch auf einem anderen Arbeitsplatz beschäftigen.
Recht auf Rückkehr in Vollzeit nach Teilzeitbeschäftigung in der Elternzeit?
Auch nach dem Ende der Elternzeit besteht ein Rückkehrrecht auf die Vollzeitstelle gemäß § 15 V BEEG, beziehungsweise auf die Stundenanzahl die vor dem Antritt der Elternzeit vertraglich vereinbart war.
Hierin besteht ein wesentlicher Unterschied zwischen einer Teilzeittätigkeit während der Elternzeit und einer normalen Teilzeittätigkeit nach § 8 TzBfG. Elternzeitrückkehr haben einen Rechtsanspruch auf die Rückkehr auf eine Vollzeitstelle nach Ende der Elternzeit.
Fazit zum Thema Rückkehrrecht in Vollzeit:
Was die Möglichkeit auf Rückkehr in ein Vollzeit Arbeitsverhältnis betrifft hängt von der Art der gewählten Teilzeit:
Ein Recht auf eine Rückkehr in Vollzeit besteht bisher nur im Rahmen der Teilzeittätigkeit im Zusammenhang mit der Elternzeit nach § 15 V Bundeselterngeld und Elternzeitgesetz (BEEG)
Ab Januar 2019 besteht ebenfalls ein Rückkehrrecht zur Vollzeitstelle zu einem vorher festgelegenen Zeitpunkt im Rahmen der Brückenteilzeit oder befristeten Teilzeit.
Ist hingegen gemäß § 8 Teilzeit und Befristungsgesetz (TzBfG) eine Reduzierung der Arbeitszeit, also Teilzeit vereinbart worden, besteht weiterhin kein Rückkehrrecht. Sondern nur eine bevorzugte Berücksichtigung bei der Vergabe einer Vollzeitstelle nach § 9 Teilzeit- und Befristungsgesetz (TzBfG).
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Teilzeit: Ansprüche durchsetzen