Source: https://www.rechtslupe.de/familienrecht/beschwerdeverfahren-ueber-eine-teilweise-sorgerechtsentziehung-und-die-reformatio-in-peius-3113399
Timestamp: 2020-07-04 02:48:52
Document Index: 186021200

Matched Legal Cases: ['§ 1666', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 19', '§ 1666', 'BGH', 'BGH']

Beschwerdeverfahren über eine teilweise Sorgerechtsentziehung - und die reformatio in peius | Rechtslupe
Das Ver­bot der refor­ma­tio in pei­us gilt in Beschwer­de­ver­fah­ren über eine (teil­wei­se) Sor­ge­rechts­ent­zie­hung nur ein­ge­schränkt und schließt nach ent­spre­chen­dem Hin­weis an die Betei­lig­ten eine im Sin­ne des Kin­des­wohls gebo­te­ne Ent­zie­hung wei­te­rer elter­li­cher Sor­ge­be­fug­nis­se auch dann nicht aus, wenn nur die Eltern Beschwer­de ein­ge­legt haben [1].
Die (hier:) erst­ma­li­ge Ent­zie­hung des Umgangs­be­stim­mungs­rechts im Beschwer­de­ver­fah­ren ist ver­fah­rens­recht­lich zuläs­sig. Ein Ver­bot der refor­ma­tio in pei­us besteht inso­weit nicht, da im Ver­fah­ren nach §§ 1666, 1666 a BGB die Dis­po­si­ti­ons­ma­xi­me nicht gilt und des­halb vom Rechts­mit­tel­füh­rer im Inter­es­se des Kin­des­wohls auch eine Schlech­ter­stel­lung hin­zu­neh­men ist [2]. Die- se vor dem Inkraft­tre­ten der FGG-Reform ergan­ge­ne Recht­spre­chung ist für das seit 1.09.2009 gel­ten­de Ver­fah­rens­recht auf­recht­zu­er­hal­ten, zumal für eine dies­be­züg­li­che Ände­rungs­ab­sicht des Gesetz­ge­bers nichts ersicht­lich ist.
Die zum Betreu­ungs­recht ergan­ge­ne Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs [3] steht wegen der Ver­schie­den­ar­tig­keit von Sor­ge­rechts­ent­zie­hung und Betreu­er­be­stel­lung nicht ent­ge­gen. Der Bun­des­ge­richts­hof hat dar­in bereits auf sei­ne in Kind­schafts­sa­chen anders­lau­ten­de Recht­spre­chung hin­ge­wie­sen [4].
Die­se Dif­fe­ren­zie­rung ent­spricht auch der Pra­xis zum frü­he­ren Ver­fah­rens­recht [5].
im Anschluss an BGH, Beschluss vom 17.10.2007 XII ZB 42/​07 FamRZ 2008, 45[↩]
BGH, Beschluss vom 17.10.2007 XII ZB 42/​07 FamRZ 2008, 45 Rn. 24[↩]
BGH, Beschlüs­se vom 11.12 2013 XII ZB 280/​11 FamRZ 2014, 378 Rn. 10; und vom 03.12 2014 XII ZB 355/​14 FamRZ 2015, 486 Rn. 24[↩]
BGH, Beschluss vom 03.12 2014 XII ZB 355/​14 FamRZ 2015, 486 Rn. 27[↩]
vgl. Keidel/​Kahl FGG 15. Aufl. § 19 Rn. 117 f. mwN[↩]
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