Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Gericht=BGH&Datum=01.07.2008&Aktenzeichen=VI%20ZR%20287/07
Timestamp: 2019-10-22 18:05:13
Document Index: 392785699

Matched Legal Cases: ['BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 84', '§ 286', '§ 402', '§ 84', '§ 286', '§ 402', 'BGH', 'BGH', '§ 84', '§ 292', '§ 292', '§ 84', '§ 84', '§ 286', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 84', 'BGH', 'BGH']

BGH, 01.07.2008 - VI ZR 287/07 - dejure.org
https://dejure.org/2008,1175
BGH, 01.07.2008 - VI ZR 287/07 (https://dejure.org/2008,1175)
BGH, Entscheidung vom 01.07.2008 - VI ZR 287/07 (https://dejure.org/2008,1175)
BGH, Entscheidung vom 01. Juli 2008 - VI ZR 287/07 (https://dejure.org/2008,1175)
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AMG § 84; ZPO § 286, § 402
Umfang der Darlegungslast des einen pharmazeutischen Unternehmer unter dem Gesichtspunkt der Arzneimittelhaftung auf Schadensersatz in Anspruch nehmenden Patienten; Beurteilungskriterien der Eignung eines Arzneimittels zur Schadensverursachung im Einzelfall
Arzneimittelhaftung - Darlegungslast des Patienten
AMG § 84; ZPO § 286 § 402
Darlegungslast des Patienten bei Arzneimittelhaftung
Patientin contra Pharmaindustrie - BGH: Nachweis der schädlichen Wirkung eines Medikaments darf Patienten nicht zu schwer gemacht werden
medizinrecht-heynemann.de (Entscheidungsbesprechung)
BGH-Beschluss hilft Vioxx®-Opfern
medizinrechts-beratungsnetz.de (Aufsatz mit Bezug zur Entscheidung)
Verhältnis von Auskunfts- und Haftungsanspruch bei der Arzneimittelhaftung (RA Jörg Heynemann)
Kurznachricht zu "Kausalität und Unbedenklichkeit in der Arzneimittelhaftung" von Prof. Dr. iur. Dieter Hart, original erschienen in: MedR 2009, 253 - 256.
Kurznachricht zu "Die Zukunft der Arzneimittelhaftung oder das Ende einer Reform?" von Prof. Dr. Dieter Hart, original erschienen in: MedR 2016, 165 - 168.
LG Berlin, 18.10.2006 - 22 O 102/06
NJW 2008, 2994
MDR 2008, 1156
VersR 2008, 1264
aa) Die Kausalitätsvermutung gemäß § 84 Abs. 2 Satz 1 AMG stellt eine gesetzliche Vermutung im Sinne des § 292 ZPO dar (Bollweg, MedR 2012, 782, 783;… MünchKommZPO/Prütting, 4. Aufl., § 292 Rn. 17; Vogeler, MedR 2011, 81, 83 mwN; vgl. auch Senatsurteil vom 4. November 2003 - VI ZR 28/03, VersR 2004, 118, 120; Senatsbeschlüsse vom 1. Juli 2008 - VI ZR 287/07, VersR 2008, 1264 Rn. 3 und vom 26. Januar 2010 - VI ZR 72/09, juris).
Höhere Anforderungen an den Ausschluss der Kausalitätsvermutung nach § 84 Abs. 2 Satz 3 AMG sind entgegen der Auffassung der Revision auch nicht aus dem Senatsbeschluss vom 1. Juli 2008 (VI ZR 287/07, VersR 2008, 1264) abzuleiten.
Die Revision weist zwar zutreffend darauf hin, dass nach der Senatsrechtsprechung an die Darlegungslast des Patienten keine überhöhten Anforderungen gestellt werden dürfen, um ein weitgehendes Leerlaufen der Vorschriften über die Haftung für Arzneimittelschäden zu vermeiden (vgl. Senatsurteil vom 19. März 1991 - VI ZR 248/90, VersR 1991, 780, 781 für § 84 AMG a.F.; Senatsbeschluss vom 1. Juli 2008 - VI ZR 287/07, aaO Rn. 3; OLG München, PharmR 2009, 352, 353; OLG München, OLGR 2009, 846, 847; OLG Zweibrücken, NJW-RR 2011, 534).
64 Die Feststellung, ob der Kläger zu 2) eine Gehirnerschütterung und der Kläger zu 3) psychischen Beeinträchtigungen erlitten haben, ist eine Frage der haftungsbegründenden Kausalität, für welche die Kläger den Vollbeweis nach § 286 I ZPO zu führen haben (vergleiche BGH VersR 2003, 474 = NJW 2003, 1116 = DAR 2003, 217; VersR 2008, 1126; 2008, 1133 = NJW-RR 2008, 1380 = MDR 2008, 1115 = r+s 2008, 394 = zfs 2008, 562 = SP 2008, 323 = NZV 2008, 502 = VRS 115 [2008] 106-110; KG VersR 2006, 1233 f.; Senat SP 2002, 347 f.; NZV 2003, 474 [475] …und Urt. v. 28.07.2006 - 10 U 1684/06 [Juris];… OLG Brandenburg, Urt. v. 25.09.2008 - 12 U 17/08 [Juris]).
Vielmehr ist der Anspruch der Klägerin unabhängig von der verminderten Darlegungslast im Arzneimittelhaftungsprozess (vgl. dazu BGH, VersR 2008, 1264, Textziff. 3) aus rechtlichen Gründen nicht begründet.
Sind für die Behauptungen Medikamenteneinnahme und Ursächlichkeit der Medikamenteneinnahme für einen bestimmten Arzneimittelschaden Beweismittel angeboten worden, dann ist das erkennende Gericht nach der höchstrichterlichen Rechtsprechung verpflichtet, Beweis zu erheben (BGH, NJW 1991, 2351; BGH, NJW 2008, 2994).
Da die Entscheidung auf der Grundlage eines in einem weiteren Verfahren gegen die Beklagte wegen der Einnahme des Medikaments VIOXX ergangenen Beschlusses des BGH vom 01.07.2008 (NJW 2008, 2994) erfolgt und mit Rücksicht darauf, dass die Entscheidung die Anforderungen an die Darlegungslast des Anspruchstellers in einem Einzelfall betrifft, kommt der Rechtssache weder grundsätzliche Bedeutung zu noch erfordern die Fortbildung des Rechts oder die Sicherung einer einheitlichen Rechtsprechung eine Entscheidung des Revisionsgerichts.
Die Klägerin übersieht, dass es sich hierbei um einen unzulässigen Beweisermittlungsantrag handelt, weil dieser nur neue Informationen oder Beweise ausforschen soll (vgl. BVerfG NJW 2003, 2976; BGH NJW 2001, 2328; BGH NJW 2008, 2994).
Sind für die Behauptungen Medikamenteneinnahme und Ursächlichkeit der Medikamenteneinnahme für einen bestimmten Arzneimittelschaden Beweismittel angeboten worden, dann ist das erkennende Gericht nach der höchstrichterlichen Rechtsprechung verpflichtet, Beweis zu erheben (BGH NJW 1991, 2351; BGH NJW 2008, 2994).
Da die Entscheidung auf der Grundlage eines in einem weiteren Verfahren gegen die Beklagte wegen der Einnahme des Medikaments V. ergangenen Beschlusses des BGH vom 01.07.2008 (NJW 2008, 2994) erfolgt und mit Rücksicht darauf, dass die Entscheidung einen Einzelfall betrifft, kommt der Rechtssache weder grundsätzliche Bedeutung zu noch erfordern die Fortbildung des Rechts oder die Sicherung einer einheitlichen Rechtsprechung eine Entscheidung des Revisionsgerichts.
Auf den Umfang der Darlegungslast des Patienten (hierzu BGH v. 1.7.2008, VI ZR 287/07, NJW 2008, 2994 ) kommt es damit im Berufungsverfahren nicht mehr an.
Nach der Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs dürfen an die Darlegungslast des Patienten, um ein weitgehendes Leerlaufen der Vorschriften über die Haftung für Arzneimittelschäden zu vermeiden, keine überhöhten Anforderungen gestellt werden (BGH VersR 2008, 1264; VersR 1991, 780 zu § 84 AMG a.F.; vgl. auch Deutsch, NJW 2007, 3586 f. sowie Spickhoff, NJW 2008, 1636, 1639).
Ein solcher Antrag stellt grundsätzlich keinen unzulässigen Beweisermittlungsantrag dar (BGH VersR 2008, 1264; Urteil vom 14. Februar 1989 - VI ZR 65/88, insoweit in BGHZ 106, 391 und VersR 1989, 514 nicht abgedruckt).
Auf die Nichtzulassungsbeschwerde der Klägerin hat der Bundesgerichtshof das Urteil mit Beschluss vom 1. Juli 2008 (VI ZR 287/07) aufgehoben und die Sache zur neuen Verhandlung und Entscheidung an das Berufungsgericht zurückverwiesen.