Source: http://swissblawg.ch/2016/06/2c1802014-bundesgericht-bestatigt-busse.html
Timestamp: 2017-10-21 10:08:09
Document Index: 385883426

Matched Legal Cases: ['Art. 5', 'Art. 49', 'Art. 5', 'Art. 5', 'Art. 49', 'Art. 5']

2C_180/2014: Bundesgericht bestätigt Busse gegen Gaba, fällt Leitentscheid zur Erheblichkeit von Wettbewerbsabreden - swissblawg
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Oliver Kaufmann	• 29. Juni 2016
Mit Urteil vom 28. Juni 2016 (2C_180/2014) hat das Bun­des­ge­richt eine im Jahr 2009 gegen die Elmex-Her­stel­le­rin Gaba ver­häng­te Bus­se der Wett­be­werbs­kom­mis­si­on (WEKO) in der Höhe von CHF 4.8 Mio bestä­tigt. Der Ent­scheid des Bun­des­ge­rich­tes stellt den ersten höchst­rich­ter­li­chen Ent­scheid zur kar­tell­recht­lich unzu­läs­si­gen Ver­hin­de­rung von Par­al­lel­im­por­ten dar, und es ist gleich­zeitg der Leit­ent­scheid zur Beur­tei­lung der Erheb­lich­keit von Wett­be­werbs­ab­re­den im Bereich von­Preis-, Men­gen-, und Gebiets­ab­spra­chen im Sin­ne der Art. 5 Abs. 3 und 4 KG.
Die WEKO hat­te mit Ver­fü­gung vom 30. Novem­ber 2009 fest­ge­stellt, dass Gaba Inter­na­tio­nal AG (heu­te Col­ga­te-Palm­o­li­ve Euro­pe Sàrl) bis zum 1. Sep­tem­ber 2006 den Schwei­zer Markt in kar­tell­rechts­wid­ri­ger Wei­se abge­schot­tet hat­te. Kon­kret hat­te Gaba ihre öster­rei­chi­sche Ver­triebs­part­ne­rin Gebro Phar­ma GmbH ver­trag­lich dazu ver­pflich­tet, kei­ne Expor­te von Elmex-Pro­duk­ten in ande­re Län­der zu täti­gen, mit­hin kei­ne Elmex-Pro­duk­te als Par­al­lel­im­por­te in die Schweiz zu lie­fern. Die WEKO beleg­te Gaba infol­ge des­sen mit einer direk­ten Sank­ti­on nach Art. 49a KG in der Höhe von rund CHF 4.8 Mio.
Das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt hat in der Fol­ge am 19. Dezem­ber 2013 eine von Gaba erho­be­ne Beschwer­de abge­wei­sen und die Ver­fü­gung der WEKO bestä­tigt.
In einem wesent­li­chen Punkt ging das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt aller­dings über die Ver­fü­gung der WEKO hin­aus. Anders als sei­ne Vor­in­stanz ging das Gericht näm­lich davon aus, dass sich die Erheb­lich­keit von Wett­be­werbs­ab­re­den im Bereich der Ver­mu­tungs­tat­be­stän­de für har­te Kar­tell­ab­spra­chen der Art. 5 Abs. 3 und 4 KG allei­ne nach qua­li­ta­ti­ven Kri­te­ri­en bemisst, wobei sich eine Prü­fung quan­ti­ta­ti­ver Kri­te­ri­en erüb­rigt. Mass­geb­lich ist nach die­ser Auf­fas­sung allei­ne der Inhalt einer Wett­be­werbs­ab­re­de (restric­tion by object), und nicht, ob und inwie­weit sich eine Wett­be­werb­ab­re­de auf dem rele­van­ten Markt aus­ge­wirkt hat (restric­tion by effect).
Das Bun­des­ge­richt ist in sei­nem Urteil vom 28. Juni 2016 nun der Inter­pre­ta­ti­on des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­rich­tes gefolgt. Das höch­ste Schwei­zer Gericht hat sich in der öffent­li­chen Ver­hand­lung in einem mit 3 zu 2 Stim­men gefäll­ten Grund­satz­ent­scheid dafür aus­ge­spro­chen, im Bereich har­ter Kar­tel­lab­re­den auf eine Prü­fung quan­ti­ta­ti­ver Kri­te­ri­en zu ver­zich­ten. Abre­den im Bereich der Ver­mu­tungs­ta­be­stän­de der Art. 5 Abs. 3 und 4 KG gel­ten dem­nach allei­ne auf­grund ihrer Qua­li­tät als erheb­li­che Bein­träch­ti­gung des Wett­be­werbs, unab­hän­gig von quan­ti­ta­ti­ven Kri­te­ri­en. Eine Recht­fer­ti­gung aus Grün­den der wirt­schaft­li­chen Effi­zi­enz vor­be­hal­ten, gel­ten sol­che Abre­den als unzu­läs­sig.
Im Wei­te­ren hat das Bun­des­ge­richt auch die Grund­satz­fra­ge ent­schie­den, ob ledig­lich wett­be­werbs­be­schrän­ken­de Abre­den im Bereich der Ver­mu­tungs­tat­be­stän­de eben­falls sank­tio­niert wer­den kön­nen. Dem Urteil des Bun­des­ge­rich­tes zufol­ge kön­nen direk­te Sank­tio­nen nach Art. 49a KG nicht nur bei wett­be­werbs­be­sei­ti­gen­den Abre­den ver­hängt wer­den. Im Sin­ne der bis­he­ri­gen Pra­xis der WEKO kann ein fehl­ba­res Unter­neh­men auch dann gebüsst wer­den, wenn die Ver­mu­tung der Wett­be­werbs­be­sei­ti­gung nach Art. 5 Abs. 3 oder 4 KG umge­sto­ssen wer­den kann, eine bloss erheb­li­che Beein­träch­ti­gung des Wett­be­werbs resul­tiert und die Recht­fer­ti­gung aus Effi­zi­enz­grün­den miss­lingt.
Die schrift­li­che Begrün­dung des Urteils steht noch aus.
Wei­te­re Infor­ma­tio­nen: Medi­en­mit­tei­lung vom 28. Juni 2016 (PDF).