Source: http://kuestenkanuwandern.de/fa_regel/030507_b.html
Timestamp: 2019-03-23 02:30:29
Document Index: 226180591

Matched Legal Cases: ['§ 23', '§ 23', '§ 23', '§24', '§25', '§22']

07.05.2003 Ausweichsregeln (Befahrensregelung/Recht)
In der YACHT berichtet Chr.Schumann in dem Beitrag:
einen Überblick über die geltenden Ausweichregeln entlang der Küste.
Folgende Punkte sind - inkl. einiger Ergänzung von mir - hervorhebenswert:
"Von wegen 'Berufsschiffahrt hat Vorfahrt', wie es so heißt. Schon allein den Ausdruck Berufsschifffahrt gibt es nicht, zumindest nicht im Gesetz (Kollisionsverhütungsregeln - KVR bzw. Seeschifffahrtsstraßenordnung - SeeSchStrO). Und den Begriff 'Vorfahrt' wird man im Bereich der KVR (wohl aber in der SeeSchStrO) ebenfalls nicht finden. ... Fraglich ist nur, ob sich Sportbootfahrer in jedem Fall darauf verlassen können, dass sie in völlig freiem Seeraum erkannt werden (- vom Radar werden nämlich die Kanuten auf Grund der Seegangs- und Regenenttrübung nicht erfasst - ) und die Stärkeren dann auch nachgeben."
"Wann kommt es zum Ausweichsfall? ... Was bleibt, ist die Peilung hinüber zu einem möglichen Kollisionsgegner. Verändert sich diese nicht oder nur sehr langsam bei gleichzeitiger Verringerung des Abstandes, besteht die Gefahr des Zusammenstoßes (sog. "Kollisionspeilung" lt. KVR Regel 7 (d) (i)). ... Es gibt in solchen Fällen zunächst einmal nur Verpflichtungen: Der eine muss Kurs und Geschwindigkeit beibehalten (sog. "Kurshalter") (KVR Regel 17 (a) (i)), der andere muss ausweichen. Es ist dem Ausweichpflichtigen also verboten, einfach (die Geschwindigkeit zu erhöhen... ), um noch vor dem Gegner zu passieren."
Wie weicht der Ausweichpflichtige aus? "Der Ausweichpflichtige muss dem Kurshalter deutlich und frühzeitig zeigen, was er zu tun gedenkt (KVR Regel 8 (a) u. 16). ....die Kursänderung muss so groß sein, dass der andere das auch klar erkennen kann. Dabei ist eine einmalige, deutliche Kursänderung von mindestens 30 ° vielen kleineren Kurskorrekturen vorzuziehen (KVR Regel 8 (b)). Diese können von zufälligen Steuerfehlern nicht unterschieden werden und damit zu Irritationen beim Kurshalter führen."
"Manöver des letzten Augenblicks": "Er tritt lt. KVR ein, wenn der Ausweichpflichtige allein den Zusammenstoß nicht mehr verhindern kann. Dann darf auch der Kurshaltepflichtige aktiv werden, um einen Crash zu verhindern." (KVR Regel 17 (b))
"Überhohler müssen immer ausweichen": So sagt es die Regel 13 der KVR.
In der SeeSchStrO steht dazu in § 23 noch Folgendes, worauf der Autor nicht hinweist:
"Grundsätzlich muss links überholt werden. Soweit die Umstände des Falles es erfordern, darf rechts überholt werden."
Der Überhohler muss "die Fahrt so weit herabsetzen oder einen solchen seitlichen Abstand vom vorausfahrenden Fahrzeug einhalten, dass kein gefährlicher Sog entstehen kann und während des ganzen Überholmanövers jede Gefährdung des Gegenverkehrs ausgeschlossen ist". Und weiter: "Das vorausfahrende Fahrzeug muss das Überholen soweit wie möglich erleichtern."
"Kann in einem Fahrwasser nur unter Mitwirkung des zu überholenden Fahrzeugs sicher überholt werden, so ist das Überholen nur erlaubt, wenn das zu überholende Fahrzeug auf eine entsprechende Anfrage oder Anzeige des überholenden Fahrzeug hin eindeutig zugestimmt hat."
Zusätzlich wird in KVR Regel 9 (b) (Enge Fahrwasser) noch Folgendes vorgeschrieben: "Ein Fahrzeug von weniger als 20 m Länge ... darf nicht die Durchfahrt eines Fahrzeugs behindern, das nur innerhalb eines engen Fahrwasser sicher fahren kann."
Dabei gilt auch die KVR Regel 8 (e) zu bedenken: "Um einen Zusammenstoß zu vermeiden oder mehr Zeit zur Beurteilung der Lage zu gewinnen, muss ein Fahrzeug erforderlichenfalls seine Fahrt mindern oder durch Stoppen oder Rückwärtsgehen jegliche Fahrt wegnehmen."
D.h. wird ein Kanute von einem Fährschiff in einem engen Fahrwasser überholt, ist es zumutbar, dass er das Fahrwasser verlässt, damit das Fährschiff sicher vorbei kommt (KVR Regel 9 (b)), und gegebenenfalls seine Fahrt stoppt (KVR Regel 8 (e)). Aber die Fähre sollte die Fahrt herunter nehmen, damit der Kanute im Flachen nicht von dessen Schwell gefährdet wird (§ 23 (2)) und zusätzlich durch einen Signalton auf seine Schwierigkeiten beim Überholen hinweisen (§ 23 (4)).
... und wie verhält man sich beim "Begegnen"? "Hier heißt es, dass jedes der beiden Fahrzeuge nach Steuerbord ausweichen muss (§24 (1) SeeSchStrO), so dass sich beide an Backbord passieren."
Fahrwasserdefinition: Sie "sind diejenigen Teile der Wasserflächen, die durch schwimmende Seezeichen begrenzt oder gekennzeichnet oder die für die durchgehende Schifffahrt bestimmt sind."
Dies ist wichtig zu wissen, denn die "in einem Fahrwasser fahrenden Fahrzeuge haben Vorfahrt gegenüber Fahrzeugen, die in das Fahrwasser einlaufen, das Fahrwasser queren, im Fahrwasser drehen ..." (§25 (2) SeeSchStrO)
Aber: "Wer ein Fahrwasser in Längsrichtung befährt, darf nicht mehr als 10° davon abweichen - ansonsten gilt er als kreuzendes oder querendes Fahrzeug."
Und: "Wer außerhalb des Fahrwassers fährt, sollte dies so deutlich tun, das es jeder erkennen kann." (§22 (2) SeeSchStrO)
Was gilt: SeeSchStrO oder KVR? "Die speziellere Verordnung bricht immer die allgemeinere, in Deutschland ist also bei widersprüchlichen Aussagen immer die SeeSchStrO den KVR vorzuziehen ..."
Quelle: YACHT, Nr. 10/03, S.46-51 - www.yacht.de
Literatur: Gesetzestext "KVR/SeeSchStrO", Delius Klasing Verlag, 2. Aufl. 1999
Weiere Infos zu "Ausweich- und Fahrregeln" sind abrufbar unter:
www.hamburger-kanu-verband.de/aktuellall.php?sparte=7 > Info v. 28.02.03