Source: https://www.verbraucherbote.de/widerrufsbelehrung-und-die-dort-enthaltenen-zusaetzlichen-angaben-6342
Timestamp: 2020-07-09 16:39:08
Document Index: 61825791

Matched Legal Cases: ['Art. 247', '§ 3', 'Art. 247', '§ 3', 'Art. 247', '§ 8', '§ 492', 'Art. 247', '§ 9', 'Art. 247', '§ 9', '§ 503', '§ 492', 'Art. 247', '§ 3', 'Art. 247', '§ 3', 'Art. 247', '§ 3', 'Art. 247', '§ 8', 'Art. 247', '§ 6', '§ 492', '§ 492', '§ 492', 'Art. 247', '§ 6', 'Art. 247', '§ 6', '§ 495', 'Art. 247', '§ 9', '§ 503', '§ 492', 'Art. 247', '§ 3', 'Art. 247', '§ 3', 'Art. 247', '§ 3', 'Art. 247', '§ 8', 'Art. 247', '§ 6', 'Art. 247', '§ 3', 'Art. 247', '§ 6']

Wird in einem Immo­bi­li­arDar­le­hensver­trag in der Wider­rufsin­for­ma­ti­on neben den Pflicht­an­ga­ben nach Art. 247 § 3 Abs. 1 Nr. 1–7, 10 und 13 EGBGB sowie nach Art. 247 § 3 Abs. 4 EGBGB und nach Art. 247 § 8 EGBGB in der zwi­schen dem 11.06.2010 und dem 20.03.2016 gel­ten­den Fas­sung die Anga­be der Auf­sichts­be­hör­de und die Infor­ma­ti­on zum Ver­fah­ren bei Kün­di­gung des Ver­tra­ges zur Vor­aus­set­zung für das Anlau­fen der Wider­rufsfrist erho­ben 1. , so genügt die Mit­tei­lung die­ser Anga­ben in den All­ge­mei­nen Dar­le­hensbe­din­gun­gen, sofern die­se Bestand­teil der Ver­trags­ur­kun­de sind und damit ins­ge­samt die Schrift­form gewahrt wird.
Die Wider­rufsin­for­ma­ti­on ist auch nicht wegen der von der Beklag­ten zur Erläu­te­rung des Ver­wei­ses auf § 492 Abs. 2 BGB vor­ge­nom­me­nen bei­spiel­haf­ten Auf­zäh­lung ein­zel­ner Pflicht­an­ga­ben in dem Klam­mer­zu­satz feh­ler­haft. Zu bean­stan­den ist inso­weit weder der nur bei­spiel­haf­te Cha­rak­ter der auf­ge­führ­ten Pflicht­an­ga­ben noch der Umstand, dass mit „Anga­ben zum ein­zu­hal­ten­den Ver­fah­ren bei der Kün­di­gung des Ver­trags” und „Anga­be der für den Dar­le­hensge­ber zustän­di­gen Auf­sichts­be­hör­de” zwei „Pflicht­an­ga­ben” erwähnt wer­den, die für den Immo­bi­li­arDar­le­hensver­trag der Klä­ger gemäß Art. 247 § 9 EGBGB a.F. nach dem Gesetz nicht ein­schlä­gig sind.
Die Nen­nung der nach dem Gesetz nicht gefor­der­ten „Pflicht­an­ga­ben” beein­träch­tigt nicht die Wirk­sam­keit der Wider­rufsin­for­ma­ti­on, son­dern ist ledig­lich als ver­trag­li­ches Ange­bot der Beklag­ten auf­zu­fas­sen, das Anlau­fen der Wider­rufsfrist von der zusätz­li­chen Ertei­lung die­ser bei­den Anga­ben im Immo­bi­li­arDar­le­hensver­trag abhän­gig zu machen 6.
Nach Art. 247 § 9 Abs. 1 S. 1 und 3 EGBGB a.F. gal­ten näm­lich bei Immo­bi­li­arDar­le­hensver­trä­gen gemäß § 503 BGB a.F. über § 492 Abs. 2 BGB redu­zier­te Mit­tei­lungs­pflich­ten gegen­über sons­ti­gen Ver­brau­cherDar­le­hensver­trä­gen. Abwei­chend von Art. 247 §§ 3 bis 8, 12 und 13 EGBGB in der hier maß­geb­li­chen Fas­sung waren bei Immo­bi­li­arDar­le­hensver­trä­gen nur die Anga­ben nach Art. 247 § 3 Abs. 1 Nr. 1–7, 10 und 13 EGBGB sowie nach Art. 247 § 3 Abs. 4 EGBGB und nach Art. 247 § 8 EGBGB in der zwi­schen dem 11.06.2010 und dem 20.03.2016 gel­ten­den Fas­sung zwin­gend. Der Immo­bi­li­arDar­le­hensver­trag muss­te fer­ner die Anga­ben zum Wider­rufsrecht nach Art. 247 § 6 Abs. 2 EGBGB – hier wie­der­um in der zwi­schen dem 11.06.2010 und dem 03.08.2011 gel­ten­den Fas­sung – ent­hal­ten. Die für die Beklag­te als Dar­le­hensge­be­rin zustän­di­ge Auf­sichts­be­hör­de und das ein­zu­hal­ten­de Ver­fah­ren bei der Kün­di­gung des Ver­trags gehör­ten folg­lich nicht zu den Pflicht­an­ga­ben bei Immo­bi­li­arDar­le­hensver­trä­gen im Sin­ne des § 492 Abs. 2 BGB. Denn der Gesetz­ge­ber woll­te mit § 492 Abs. 2 BGB – wie den Geset­zes­ma­te­ria­li­en zu ent­neh­men ist 7 – die Pflicht­an­ga­ben in Abhän­gig­keit „von dem jewei­li­gen Ver­brau­cherDar­le­hensver­trag” defi­nie­ren 8. Die­ses gesetz­ge­be­ri­sche Kon­zept hat die Beklag­te nicht mit­voll­zo­gen. Sie hat damit den Inhalt des § 492 Abs. 2 BGB nicht kor­rekt abge­bil­det.
Die­ses – weil ihnen güns­tig unbe­denk­li­che – Ange­bot haben die Klä­ger durch Unter­zeich­nung des Dar­le­hensver­trags ange­nom­men. Dass die Ver­län­ge­rung der Wider­rufsfrist und die Infor­ma­ti­on über die Vor­aus­set­zun­gen ihres Anlau­fens in einem Akt zusam­men­fal­len, berührt die Ord­nungs­mä­ßig­keit der Wider­rufsin­for­ma­ti­on nicht 11.
Selbst wenn man den Vor­trag der Klä­ger als wahr unter­stellt, dass über die Home­page der Beklag­ten kei­ne Wider­rufser­klä­rung abge­ge­ben wer­den konn­te, scha­det dies der Wider­rufsin­for­ma­ti­on nicht. Zwar sah Gestal­tungs­hin­weis [3] zu Anla­ge 6 zu Art. 247 § 6 Abs. 2 S. 3 EGBGB a.F. vor, dass eine Inter­net-Adres­se ange­ge­ben wer­den konn­te, „wenn der Dar­le­hensneh­mer eine Bestä­ti­gung sei­ner Wider­rufser­klä­rung an den Dar­le­hensge­ber erhält”. Hier geht es indes nicht um die Fra­ge der Erlan­gung des Mus­ter­schut­zes nach Art. 247 § 6 Abs. 2 Satz 3 EGBGB a.F., son­dern die der Ord­nungs­ge­mäß­heit der Wider­rufsin­for­ma­ti­on an sich, wel­che sich allein an den Vor­aus­set­zun­gen der §§ 495, 492, 355 BGB a.F. ori­en­tiert. Die­se sind erfüllt. Wie bereits aus­ge­führt, gal­ten gemäß Art. 247 § 9 Abs. 1 Satz 1 und 3 EGBGB a.F. i.V.m. § 503 BGB a.F. bei Immo­bi­li­arDar­le­hensver­trä­gen – wie dem hier vor­lie­gen­den – über § 492 Abs. 2 BGB redu­zier­te Mit­tei­lungs­pflich­ten. Abwei­chend von Art. 247 §§ 3 bis 8, 12 und 13 EGBGB in der hier maß­geb­li­chen Fas­sung waren nur die Anga­ben nach Art. 247 § 3 Abs. 1 Nr. 1 bis 7, 10 und 13 EGBGB sowie nach Art. 247 § 3 Abs. 4 EGBGB und nach Art. 247 § 8 EGBGB in der zwi­schen dem 11.06.2010 und dem 20.03.2016 gel­ten­den Fas­sung zwin­gend. Der Immo­bi­li­arDar­le­hensver­trag muss­te fer­ner die Anga­ben zum Wider­rufsrecht nach Art. 247 § 6 Abs. 2 EGBGB a.F. ent­hal­ten. Das umfass­te nach Art. 247 § 3 Abs. 1 Nr. 1 EGBGB a.F. „den Namen und die Anschrift des Dar­le­hensge­bers” sowie nach Art. 247 § 6 Abs. 2 Satz 1 EGBGB a.F. die „ande­ren Umstän­de für die Erklä­rung des Wider­rufs”, wozu auch die kon­kre­te Anga­be der Über­mitt­lungs­mög­lich­keit eines Wider­rufs zu zäh­len ist. Namen und Anschrift des Dar­le­hensge­bers hat die Beklag­te genannt. Als Optio­nen für die Abga­be der Wider­rufser­klä­rung hat die Beklag­te fer­ner neben ihrer Post­an­schrift eine Fax-Num­mer sowie eine E‑Mail-Adres­se ange­ge­ben. Dass dane­ben über die Home­page der Beklag­ten – so der klä­ge­ri­sche Vor­trag – ein Wider­ruf nicht mög­lich gewe­sen sein soll, scha­det vor die­sem Hin­ter­grund nicht. Denn der Kun­de wird nicht dadurch vom Wider­ruf abge­hal­ten, dass einer von ins­ge­samt vier mög­li­chen Über­mitt­lungs­we­gen nicht zur Ver­fü­gung steht. Ein nor­mal infor­mier­ter, ange­mes­sen auf­merk­sa­mer und ver­stän­di­ger Ver­brau­cher, auf den abzu­stel­len ist 12, wird viel­mehr auf einen der drei ande­ren Wege aus­wei­chen, soll­te er fest­stel­len, dass er sei­nem Begeh­ren über die Home­page nicht zur Gel­tung ver­hel­fen kann.