Source: https://www.rechtslupe.de/verwaltungsrecht/antragsfrist-fuer-einen-normenkontrollantrag-bei-satzungsaenderungen-350814
Timestamp: 2019-11-13 20:22:57
Document Index: 238364030

Matched Legal Cases: ['§ 47', '§ 47', '§ 60', '§ 47', '§ 47', 'Art. 1', 'Art. 10', '§ 47', '§ 47', 'Art. 3', '§ 195', '§ 47', '§ 47', '§ 47', '§ 47', '§ 47', '§ 60', '§ 47', '§ 47', 'Art.19', '§ 47', '§ 47', '§ 47', '§ 47', '§ 93', '§ 47', '§ 47', '§ 47']

Antragsfrist für einen Normenkontrollantrag bei Satzungsänderungen - Rechtslupe
Antragsfrist für einen Normenkontrollantrag bei Satzungsänderungen
Bei Norm­än­de­run­gen beginnt die Frist des § 47 Abs. 2 Satz 1 VwGO nur für die geän­der­ten Bestim­mun­gen neu, nicht jedoch für die unver­än­dert geblie­be­nen Bestim­mun­gen, auch wenn sie vom Sat­zungs­ge­ber erneut in sei­nen Wil­len auf­ge­nom­men wor­den sein soll­ten. Eine abge­lau­fe­ne Antrags­frist nach § 47 Abs. 2 Satz 1 VwGO wird durch Ände­rung einer Sat­zung nur dann erneut in Gang gesetzt, wenn die Ände­rungs­sat­zung neue Rechts­vor­schrif­ten ent­hält, die nun ange­grif­fen wer­den und eine zusätz­li­che Beschwer durch die bis­her gel­ten­den, für sich genom­men nicht mehr angreif­ba­ren Vor­schrif­ten bewir­ken, etwa weil sie deren Anwen­dungs­be­reich oder mate­ri­el­len Gehalt ändern. Eine Wie­der­ein­set­zung in den vori­gen Stand nach § 60 VwGO ist bezüg­lich der Frist des § 47 Abs. 2 Satz 1 VwGO aus­ge­schlos­sen.
Nach § 47 Abs. 2 Satz 1 VwGO in der Fas­sung des Art. 1 Nr. 2 Buchst. a des Geset­zes vom 1. Novem­ber 1996 1, das am 1. Janu­ar 1997 in Kraft getre­ten ist, war ein Nor­men­kon­troll­an­trag inner­halb einer Frist von zwei Jah­ren nach Bekannt­ma­chung der Rechts­vor­schrift zu stel­len. Nach Art. 10 Abs. 4 des Geset­zes vom 01.11.1996 – einer Über­lei­tungs­vor­schrift – begann für Rechts­vor­schrif­ten, die vor dem 1. Janu­ar 1997 bekannt gemacht wor­den sind, die Frist nach § 47 Abs. 2 Satz 1 VwGO mit Inkraft­tre­ten des Geset­zes vom 01.11.1996 zu lau­fen.
Zum 1. Janu­ar 2007 wur­de die Frist des § 47 Abs. 2 Satz 1 VwGO durch Art. 3 Nr. 1 Buchst. a des Geset­zes vom 21.12.2006 2 auf ein Jahr ver­kürzt. Nach der hier­zu erlas­se­nen Über­gangs­vor­schrift des § 195 Abs. 7 VwGO galt für Rechts­vor­schrif­ten, die vor dem 1. Janu­ar 2007 bekannt gemacht wur­den, die Frist des § 47 Abs. 2 Satz 1 VwGO in der bis zum 31.12.2006 gel­ten­den Fas­sung.
Die Frist des § 47 Abs. 2 Satz 1 VwGO wur­de auch nicht durch Bekannt­ma­chung der inner­halb der Frist des § 47 Abs. 2 Satz 1 VwGO ange­grif­fe­nen Ände­rungs­sat­zung für die übri­gen hier rele­van­ten (bereits frü­her erlas­se­nen) Sat­zungs­be­stim­mun­ge­nen neu in Lauf gesetzt. Bei Norm­än­de­run­gen beginnt die Frist des § 47 Abs. 2 Satz 1 VwGO nur für die geän­der­ten Bestim­mun­gen neu, nicht jedoch für die unver­än­dert geblie­be­nen Bestim­mun­gen, auch wenn sie vom Sat­zungs­ge­ber erneut in sei­nen Wil­len auf­ge­nom­men wor­den sein soll­ten. Durch Ände­rung einer Sat­zung wird eine abge­lau­fe­ne Antrags­frist nach § 47 Abs. 2 Satz 1 VwGO nur dann erneut in Gang gesetzt, wenn die Ände­rungs­sat­zung neue Rechts­vor­schrif­ten ent­hält, die nun ange­grif­fen wer­den und die eine zusätz­li­che Beschwer durch die bis­her gel­ten­den, für sich genom­men nicht mehr angreif­ba­ren Vor­schrif­ten bewir­ken, etwa weil sie deren Anwen­dungs­be­reich oder mate­ri­el­len Gehalt ändern 3. Eine sol­che Aus­nah­me liegt hier indes nicht vor. Die Antrag­stel­le­rin macht nicht gel­tend, dass die Vor­schrif­ten der Ände­rungs­sat­zung die belas­ten­de Wir­kung der zuvor vom Antrags­geg­ner erlas­se­nen Sat­zungs­be­stim­mun­gen, bezüg­lich derer die Antrags­frist bereits abge­lau­fen ist, erwei­tern. Die aus Sicht der Antrag­stel­le­rin zu engen Vor­aus­set­zun­gen der Sat­zung, die in ihrem Fall, das heißt bei kur­zer und been­de­ter Mit­glied­schaft, eine Anwart­schaft aus­schlie­ßen, blie­ben durch die Ände­rungs­sat­zung unbe­rührt. Daher kann sie nun auch kei­ne hier­auf bezo­ge­ne Norm­ergän­zung mehr gel­tend machen 4.
Eine Wie­der­ein­set­zung in den vori­gen Stand nach § 60 VwGO kommt nicht in Betracht. Die­se ist bezüg­lich der Frist des § 47 Abs. 2 Satz 1 VwGO aus­ge­schlos­sen, sonst hät­ten alle Per­so­nen, die erst nach Ablauf der Antrags­frist von der Vor­schrift betrof­fen wer­den, einen Anspruch auf Wie­der­ein­set­zung in den vori­gen Stand. Damit wür­de die gesetz­ge­be­ri­sche Absicht einer Befris­tung der prin­zi­pa­len Nor­men­kon­trol­le weit­ge­hend obso­let 5.
Die Ein­stu­fung der Frist des § 47 Abs. 2 Satz 1 VwGO als Aus­schluss­frist und der damit ein­her­ge­hen­de Aus­schluss einer Wie­der­ein­set­zung in den vori­gen Stand erscheint auch nicht im Hin­blick auf das aus Art.19 Abs. 4 GG fol­gen­de Gebot der Gewähr­leis­tung eines effek­ti­ven Recht­schut­zes gegen Akte öffent­li­cher Gewalt bedenk­lich. Beden­ken bestün­den allen­falls dann, wenn ein Betrof­fe­ner nach Ablauf der Aus­schluss­frist kei­ne Mög­lich­keit mehr hät­te, sich gegen eine Rechts­ver­let­zung durch die oder auf­grund der Norm zur Wehr zu set­zen 6. Dies ist jedoch nicht der Fall. Die Nor­men­kon­trol­le gemäß § 47 VwGO ist ver­fas­sungs­recht­lich nicht gebo­ten 7. Es genügt auch, wenn die Mög­lich­keit der inzi­den­ten Rechts­kon­trol­le – bei­spiels­wei­se im Rah­men einer Fest­stel­lungs­kla­ge – besteht 8.
Ver­wal­tungs­ge­richts­hof Baden-Würt­tem­berg, Beschluss vom 12. Dezem­ber 2012 – 9 S 2933/​11
Das Auf­stel­len von Alt­klei­der­con­tai­nern Sind in einer Stadt Alt­tex­til­con­tai­ner auf­ge­stellt wor­den, ohne dass die Fir­ma die dafür not­wen­di­ge Erlaub­nis besitzt, dann darf die Stadt die sofor­ti­ge Ent­fer­nung die­ser Alt­tex­til­con­tai­ner…
BGBl. I S. 1626[↩]
BGBl. I S. 3316[↩]
vgl. BVerfG, Beschlüs­se vom 07.02.1961 – 2 BvR 23/​61, BVerfGE 12, 139, 141; vom 19.03.1968 – 1 BvR 554/​65, BVerfGE 23, 229, 237; und vom 06.06.1989 – 1 BvR 921/​85, BVerfGE 80, 137, 149; Beschluss vom 30.07.2003 – 1 BvR 646/​02; BVerwG, Urteil vom 21.01.2004 – 8 CN 1/​02, BVerw­GE 120, 82; VGH Bad.-Württ., Urteil vom 27.10.2010 – 5 S 1292/​10, DVBl.2011, 239; Bay. VGH, Urtei­le vom 02.10.2001 – 23 N 01.723, BayVBl.2002, 531; und vom 15.06.2005 – 4 N 03.1045, BayVBl.2006, 16; OVG Rh.-Pf., Urteil vom 18.06.2003 – 8 C 12003/​02; Sächs. OVG, Urteil vom 20.08.2008 – 5 D 24/​06; OVG NRW, Urteil vom 12.12.2005 – 10 D 27/​03.NE; Wysk, in: ders., Hrsg., VwGO, 2011, § 47 Rn. 23; Kopp/​Schenke, VwGO, 17. Aufl.2011, § 47 Rn. 83; Zie­kow, in: Sodan/​ders., Hrsg., VwGO, 3. Aufl.2010, § 47 Rn. 289a; Heusch/​Sennekamp, in: Umbach/​Clemens/​Dollinger, Hrsg., BVerfGG, 2. Aufl.2005, § 93 Rn. 90[↩]
vgl. zur Norm­ergän­zung: Kopp/​Schenke, a.a.O., § 47 Rn. 14; Schmidt, in: Eyer­mann, VwGO, 13. Aufl.2010, § 47 Rn.20[↩]
vgl. Kopp/​Schenke, a.a.O., § 47 Rn. 83; Bay. VGH, Urteil vom 17.11.2009 – 1 N 08.2796, BayVBl.2010, 439, OVG LSA Urteil vom 26.10.2011 – 2 K 10/​10; noch offen gelas­sen: VGH Bad.-Württ., Beschluss vom 13.07.2001 – 5 S 2711/​99[↩]
vgl. BVerfG, Beschluss vom 21.11.1996 – 1 BvR 1862/​96, NJW 1997, 650[↩]
vgl. BVerfG, Beschluss vom 27.07.1971 – 2 BvR 4434/​70, BVerfGE 31, 364, 367 f.; Bay. VGH, Urteil vom 17.11.2009 – 1 N 08.2796, BayVBl.2010, 439[↩]
vgl. dazu BVerfG, Beschluss vom 17.01.2006 – 1 BvR 541/​02 u.a., BVerfGE 115, 81[↩]
NormenkontrolleSatzungsänderung