Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Gericht=BGH&Datum=11.01.2007&Aktenzeichen=IX%20ZR%2031/05
Timestamp: 2019-07-17 11:42:37
Document Index: 359467531

Matched Legal Cases: ['BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 129', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH']

BGH, 11.01.2007 - IX ZR 31/05 - dejure.org
https://dejure.org/2007,151
BGH, 11.01.2007 - IX ZR 31/05 (https://dejure.org/2007,151)
BGH, Entscheidung vom 11.01.2007 - IX ZR 31/05 (https://dejure.org/2007,151)
BGH, Entscheidung vom 11. Januar 2007 - IX ZR 31/05 (https://dejure.org/2007,151)
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Keine Insolvenzanfechtung bei Zahlung aus lediglich geduldeter Kontoüberziehung
Anspruch auf Rückgewähr einer Scheckzahlung im Wege der Insolvenzanfechtung; Bewirken einer inkongruenten Deckung durch zur Abwendung einer unmittelbar bevorstehenden Zwangsvollstreckung erbrachte Leistungen des späteren Insolvenzschuldners innerhalb der letzten drei Monate vor dem Insolvenzeröffnungsantrag; Anfechtungsechtliche Trennung zwischen der Ausstellung eines Schecks und dessen Einlösung durch die bezogene Bank; Bestimmung des Zeitpunktes der Vornahme einer Rechtshandlung; Einordnung der Hingabe eines Schecks als Leistung erfüllungshalber; Folgen der Annahme einer Leistung erfüllungshalber auf die Fälligkeit der Forderung; Rechtliche Folgen der bloßen Duldung einer Kontoüberziehung durch das Konto führende Kreditinstitut
Keine Insolvenzanfechtung bei Erbringung einer Leistung an einen Gläubiger unter geduldeter Kontoüberziehung
Mangels Gläubigerbenachteiligung keine Insolvenzanfechtung einer durch lediglich geduldete Überziehung des Schuldnerkontos bewirkten Scheckzahlung
Befriedigung eines Gläubigers aus einer lediglich geduldeten Kontoüberziehung - keine Anfechtung der Deckung in der Insolvenz des Schuldners
Anfechtung der Befriedigung eines Gläubigers aus einer geduldeten Kontoüberziehung
Keine Deckungsanfechtung bei Kontoüberziehung
Anfechtung einer Befriedigung mit Mitteln aus geduldeter Kontoüberziehung
Schuldner begleicht Schulden aus Kontoüberziehung: Insolvenzverwalter kann die Zahlung nicht anfechten
Befriedigung eines Gläubigers mit Mitteln aus geduldeter Kontoüberziehung regelmäßig keine Gläubigerbenachteiligung
Zusammenfassung von "Einmal ist keinmal? - Zur Anfechtung "geduldeter" Kontoüberziehungen" von Wiss. Mit. Dr. Sebastian Mock, LL.M., original erschienen in: ZInsO 2007, 561 - 565.
Zusammenfassung von "Anmerkung zum Urteil des BGH vom 11.01.2007, Az.: IX ZR 31/05 (Insolvenzanfechtung bei Tilgung von Forderungen mit Mitteln aus ungenehmigter Kontoüberziehung)" von RA Dr. Jürgen D. Spliedt, original erschienen in: NZI 2007, 225 - 229.
Zusammenfassung von "Anmerkung zum Urteil des BGH vom 11.01.2007, Az.: IX ZR 31/05 (Anfechtung einer Befriedigung mit Mitteln aus geduldeter Kontoüberziehung)" von RA Dr. Mark Zeuner FAInsR, original erschienen in: DZWIR 2007, 248 - 252.
Zusammenfassung von "Die Gläubigerbenachteiligung im Fall der Überschreitung der Kreditlinie" von Regierungsrat z.A. Stefan Galster, original erschienen in: ZInsO 2007, 908 - 911.
LG Ellwangen/Jagst, 20.08.2004 - 3 O 288/04
BGHZ 170, 276
ZIP 2007, 435
NZI 2007, 225
WM 2007, 508
DB 2007, 570
Bei der Zahlung von einem debitorischen Konto liegt lediglich ein Gläubigertausch, aber keine Masseschmälerung vor (BGH…, Urteil vom 26. Januar 2016 - II ZR 394/13, ZIP 2016, 1119 Rn. 38;… Urteil vom 8. Dezember 2015 - II ZR 68/14, ZIP 2016, 364 Rn. 26;… Urteil vom 23. Juni 2015 - II ZR 366/13, BGHZ 206, 52 Rn. 32;… Urteil vom 3. Juni 2014 - II ZR 100/13, ZIP 2014, 1523 Rn. 15;… Urteil vom 25. Januar 2011 - II ZR 196/09, ZIP 2011, 422 Rn. 26), während anfechtungsrechtlich darin eine Gläubigerbenachteiligung zu sehen sein kann (vgl. BGH, Urteil vom 10. Januar 2007 - IX ZR 31/05, BGHZ 170, 276 Rn. 12).
Der Senat hat sogar einen treuhänderisch gebundenen und deshalb möglicherweise unpfändbaren Darlehensanspruch dem Insolvenzbeschlag unterworfen, soweit die Zweckbindung allein den Interessen des Darlehensgebers und des mit dem Darlehen befriedigten Gläubigers diente (…BGH, Urt. v. 7. Juni 2001 - IX ZR 195/00, WM 2001, 1476, 1477; v. 11. Januar 2007 - IX ZR 31/05, ZIP 2007, 435, 437, z.V.b. in BGHZ 170, 276).
Es bedarf daher keiner Entscheidung, ob und unter welchen Voraussetzungen die konkludente Vereinbarung einer erhöhten Kreditlinie in Betracht kommt, wenn das Kreditinstitut eine an sich vertragswidrige Überziehung für einen längeren Zeitraum zulässt (vgl. BGHZ 170, 276, 283 Rn. 16).
In seinem Urteil vom 11. Januar 2007 hat der Senat angenommen, dass eine Deckung in der Regel mangels Gläubigerbenachteiligung nicht angefochten werden kann, wenn ein Gläubiger mit Mitteln befriedigt wird, die der Schuldner aus einer lediglich geduldeten Kontoüberziehung schöpft (BGHZ 170, 276, 279 Rn. 11).
Er ist also auch bei Kenntnis drohender oder eingetretener Zahlungsunfähigkeit des Schuldners im Hinblick auf eine Gläubigerbenachteiligung nach dem Verständnis des Senatsurteils BGHZ 170, 276 unwissend.
Deshalb hat der Senat die vom Reichsgericht für richtig erachtete Zusammenschau der Wirkungen neuer Kreditaufnahme zum Zwecke der Gläubigerbefriedigung im Sinne eines masseneutralen Gläubigertausches (vgl. RGZ 48, 148, 151) verlassen und auch für die Gläubigerbefriedigung mit Mitteln eines zuvor eingeräumten und vom Schuldner abgerufenen Dispositionskredits in einzelner Betrachtung von Kreditschöpfung und Mittelverwendung die gläubigerbenachteiligende Wirkung der Deckungshandlung bejaht (vgl. BGHZ 170, 276, 280 Rn. 12;… BGH, Urt. v. 7. Juni 2001 - IX ZR 196/00, WM 2001, 1476, 1477; v. 7. Februar 2002 - IX ZR 115/99, WM 2002, 561, 563;… Beschl. v. 27. März 2008 - IX ZR 210/07, ZIP 2009, 747, 748 Rn. 4).
Der Beklagte kann sich nicht darauf berufen, ihm könne keine Kenntnis des Gläubigerbenachteiligungsvorsatzes angelastet werden, weil zum Anfechtungszeitpunkt noch davon auszugehen gewesen sei, dass mangels Gläubigerbenachteiligung eine Deckung in der Insolvenz des Schuldners nicht angefochten werden könne, wenn der Gläubiger mit Mitteln aus einer lediglich geduldeten Kontoüberziehung befriedigt worden sei (BGH, Urteil vom 11. Januar 2007 - IX ZR 31/15, BGHZ 170, 276).
Erst dadurch tritt die Gläubigerbenachteiligung ein, der durch die Anfechtung entgegengewirkt werden soll (vgl. BGH 11. Januar 2007 - IX ZR 31/05 - Rn. 10, BGHZ 170, 276) .
Die Gläubigerbefriedigung mit Mitteln eines zuvor eingeräumten und vom Schuldner abgerufenen Dispositionskredits stellt nicht lediglich, wie die Revisionserwiderung meint, einen masseneutralen Gläubigertausch dar, sondern bewirkt nach ständiger Rechtsprechung des Senats eine Gläubigerbenachteiligung (BGH, Urteil vom 7. Juni 2001 - IX ZR 195/00, WM 2001, 1476, 1477; vom 7. Februar 2002 - IX ZR 115/99, WM 2002, 561; vom 11. Januar 2007 - IX ZR 31/05, BGHZ 170, 276 Rn. 12;… vom 6. Oktober 2009 - IX ZR 191/05, BGHZ 182, 317 Rn. 13).
Die zusätzliche Liquidität, die der Schuldner durch eine geduldete Kontoüberziehung erhält, ist damit auch kein den Insolvenzgläubigern haftendes Vermögen, solange der fragliche Betrag nicht an ihn ausbezahlt oder auf ein im pfändbaren Bereich geführtes Konto übertragen wird (BGHZ 170, 276, 279 ff.; BGH, Beschl. v. 1. Februar 2007 - IX ZB 248/05, ZIP 2007, 601, 602).
Der Senat hat jedoch bereits darauf hingewiesen, dass für eine mittelbare Gläubigerbenachteiligung dann Raum ist, wenn der Anspruch der Bank auf Rückzahlung des Überziehungskredits für die Insolvenzmasse ungünstiger ist als der Anspruch des befriedigten Gläubigers, insbesondere weil die Bank für ihren Darlehensrückzahlungsanspruch über (bessere) Sicherheiten verfügt (BGHZ 170, 276, 279 f;… BGH, Beschl. v. 1. Februar 2007 aaO Rn. 13).
Es kommt sogar eine unmittelbare Gläubigerbenachteiligung in Betracht, wenn sich die Bank und ihr Kunde konkludent über die Erweiterung der Kreditlinie geeinigt haben (BGHZ 170, 276, 282; vgl. hierzu auch Mock ZInsO 2007, 561, 563; ders. ZInsO 2007, 911 ff; Spliedt NZI 2007, 228, 229; ablehnend Galster ZInsO 2007, 908, 910).
Jedoch hat der Senat einen derartigen Darlehensanspruch dem Insolvenzbeschlag unterworfen, weil die Zweckbindung nicht dem Schutz des Schuldners, sondern den Interessen des mit dem Darlehen befriedigten Gläubigers dient (BGHZ 170, 276, 282;… BGH, Urt. v. 7. Juni 2001 - IX ZR 195/00, WM 2001, 1476, 1477).
Eine Gläubigerbenachteiligung liegt grundsätzlich vor, wenn die angefochtene Rechtshandlung entweder die Schuldenmasse vermehrt oder die Aktivmasse verkürzt hat (…BGH, Urt. v. 7. Februar 2002 - IX ZR 115/99, ZIP 2002, 489 mit zahlreichen Nachweisen;… vom 6. April 2006 - IX ZR 185/04, ZIP 2006, 1007, 1011 Rn. 20), wenn sich also mit anderen Worten die Befriedigungsmöglichkeiten der Insolvenzgläubiger ohne die Handlung bei wirtschaftlicher Betrachtungsweise günstiger gestaltet hätten (BGHZ 124, 76, 78 f ; 170, 276, 280 Rn. 12;… HK-InsO/Kreft, aaO § 129 Rn. 37).
War die Überweisung nicht durch ein insolvenzfestes Pfändungspfandrecht des beklagten Landes gedeckt, so liegt eine objektive Gläubigerbenachteiligung vor, weil auch die Zahlung mit Mitteln eines vom Schuldner abgerufenen Dispositionskredits gläubigerbenachteiligende Wirkung hat (BGH, Urteil vom 11. Januar 2007 - IX ZR 31/05, BGHZ 170, 276 Rn. 12;… vom 6. Oktober 2009 - IX ZR 191/05, BGHZ 182, 317 Rn. 13).
Überraschendes Abweichen von einer älteren Entscheidung bei deutlichem Ansprechen …
BGH, 13.12.2007 - IX ZR 122/07
Benachteiligung der Gläubiger bei geduldeter Kontoüberziehung
BGH, 20.03.2008 - IX ZR 52/06
BGH, 24.01.2008 - IX ZR 234/06
Bewilligung von Prozesskostenhilfe für ein Revisionsverfahren bei Änderung der …