Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Gericht=BGH&Datum=18.11.2003&Aktenzeichen=XI%20ZR%20322/01
Timestamp: 2020-05-28 04:56:30
Document Index: 380917664

Matched Legal Cases: ['BGH', '§ 6', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 9', '§ 3', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 3', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 5', 'EuG', 'BGH', '§ 5', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH']

BGH, 18.11.2003 - XI ZR 322/01 - dejure.org
Die unzutreffende Bezeichnung des Bestimmungszwecks des im Vertrag ausgewiesenen Kostenbetrages macht die Angabe zwar unrichtig und mag das Ziel einer hinreichenden Transparenz der Kostenstruktur für den Verbraucher (…vgl. BT-Drucks. 11/5462, S. 36) nicht ganz erreichen; einem Fehlen einer Angabe im Sinne des § 6 Abs. 1 VerbrKrG steht sie jedoch nicht gleich (Senatsurteile vom 14. Oktober 2003 - XI ZR 134/02, WM 2003, 2328, 2330 und vom 18. November 2003 - XI ZR 322/01, Umdruck S. 20).
Sie darf regelmäßig davon ausgehen, dass die Kunden entweder selbst über die notwendigen Kenntnisse und Erfahrungen verfügen oder sich jedenfalls der Hilfe von Fachleuten bedient haben (vgl. BGH BB 1992, 1520/1521 = WM 1992, 901 = NJW-RR 1992, 875 [BGH 31.03.1992 - XI ZR 70/91] ; WM 2003, 1370, 1372 [BGH 20.05.2003 - XI ZR 248/02] ; WM 2004, 172, 173).
Eine solche Gefährdung ist etwa zu bejahen, wenn das Kreditinstitut das eigene wirtschaftliche Wagnis auf den Kunden verlagert und diesen bewusst mit einem Risiko belastet, das über die mit dem zu finanzierenden Vorhaben normalerweise verbundenen Gefahren hinausgeht (vgl. BGH WM 1992, 1310, 1311 [BGH 28.04.1992 - XI ZR 165/91] ; WM 1999, 678, 679 = NJW 1999, 2032, 2033 [BGH 11.02.1999 - IX ZR 352/97] ; WM 2004, 172, 174).
Weiterhin können sich Aufklärungs- und Hinweispflichten der Bank ergeben, wenn sie in Bezug auf spezielle Risiken des zu finanzierenden Vorhabens gegenüber dem Darlehensnehmer einen konkreten Wissensvorsprung hat (vgl. z.B. BGH BB 1992, 1520, 1521; WM 2003, 1370, 1372 [BGH 20.05.2003 - XI ZR 248/02] ; WM 2004, 172, 173).
Hierbei ist nicht erforderlich, dass sich die Bank ihres Wissensvorsprungs bewusst ist; es reicht aus, wenn der Wissensvorsprung für sie erkennbar war (vgl. BGH ZIP 1989, 1184, 1185 [BGH 01.06.1989 - III ZR 277/87] ; WM 2004, 172, 173).
Eine Aufklärungspflicht der Bank unter dem Gesichtspunkt eines Wissensvorsprungs besteht auch nicht deswegen, weil sie die Wirtschaftlichkeit und die Eignung der finanzierten Eigentumswohnung als Steuersparobjekt nicht überprüft und den Kläger auf mit dem Objekt verbundene Risiken nicht hingewiesen hat (vgl. BGH WM 2004, 172, 173).
Nicht ausreichend zur Begründung einer Aufklärungspflicht ist nach ständiger Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs grundsätzlich auch ein Wissensvorsprung der Bank darüber, dass der vom Erwerber zu zahlende Kaufpreis in keinem angemessenen Verhältnis zum Wert des zu erwerbenden Objekts steht (vgl. BGH WM 2000, 1245, 1247 [BGH 18.04.2000 - XI ZR 193/99] ; NJW 2003, 424, 425 [BGH 12.11.2002 - XI ZR 3/01] ; ZIP 2003, 894, 895 [BGH 18.03.2003 - XI ZR 422/01] ; WM 2003, 1370, 1372 [BGH 20.05.2003 - XI ZR 248/02] ; WM 2004, 172, 173).
Eine solche Aufklärungspflicht setzt voraus, dass die Bank im Zusammenhang mit der Planung, der Durchführung oder dem Vertrieb des Objekts gleichsam als Partei des zu finanzierenden Geschäfts in nach außen erkennbarer Weise Funktionen oder Aufgaben des Veräußerers oder Vertreters übernommen und damit einen zusätzlichen auf die übernommenen Funktionen bezogenen Vertrauenstatbestand geschaffen hat (vgl. BGH BB 1Ö92, 1520, 1523 = WM 1992, 901, 905 [BGH 31.03.1992 - XI ZR 70/91] ; WM 2003, 1370, 1373 [BGH 20.05.2003 - XI ZR 248/02] ; ZIP 2003, 160, 161 [BGH 12.11.2002 - XI ZR 25/00] ; WM 2003, 918, 922 [BGH 18.03.2003 - XI ZR 188/02] ; WM 2004, 172, 174).
Die bloße Zusammenarbeit der Bank mit dem Vertreiber bzw. dem Finanzierungsvermittler reicht grundsätzlich nicht aus, eine Aufklärungspflicht zu begründen (vgl. BGH ZIP 2003, 160, 161 [BGH 12.11.2002 - XI ZR 25/00] ; WM 2004, 172, 174).
Der Umstand, dass die Beklagte zu 1) eine Vielzahl von durch die Vertriebsfirmen der XXX vermittelten Kaufverträgen - nach Angaben des Klägers rund 7.000 - finanziert hat, reicht zur Annahme einer Überschreitung ihrer Kreditgeberrolle durch die Beklagte zu 1) ebenso wenig aus wie die Tatsache, dass einzelne Vertriebsfirmen der XXX - so der Kläger - seit 1995 nur noch von der Beklagten zu 1) vorgedruckte Darlehensvertragsformulare verwendet haben sollen (vgl. hierzu BGH WM 2004, 172, 174; OLG Stuttgart, ZIP 2003, 692, 694).
Soweit ihm in diesem Zusammenhang die für die Beurteilung notwendigen Kenntnisse fehlen, ist ihm in der Regel zuzumuten, sich durch Rückfragen bei der Bank die Grundlage für eine sachgerechte Entscheidung zu verschaffen (vgl. BGH NJW 1989, 1667/1668 = ZIP 1989, 558 = WM 1989, 865 [BGH 09.03.1989 - III ZR 269/87] ; WM 2004, 172, 174).
Nach der höchstrichterlichen Rechtsprechung gelten die vorgenannten Grundsätze dann jedoch nicht, wenn die Bank dem Kunden an Stelle des üblichen Ratenkredits eine besondere Vertragskombination anbietet, wenn z. B. die Finanzierung der von dem Anleger zu erwerbenden Eigentumswohnung durch eine Kombination von Darlehen (Kreditvertrag) und Lebensversicherung (vgl. BGH NJW 1989, 1667, 1668 [BGH 09.03.1989 - III ZR 269/87] ; NJW 1998, 2898, 2899; WM 2003, 1370, 1373 [BGH 20.05.2003 - XI ZR 248/02] ; WM 2004, 172, 174; NJW 2005, 383, 385) oder durch eine Kombination von Vorausdarlehen (Kreditvertrag) und Bausparvertrag (vgl. BGH NJW-RR 1997, 1116; NJW 2001, 358, 359 [BGH 14.11.2000 - XI ZR 336/99] ) erfolgen soll.
Wegen dieser gezielten Nachfrage nach einer konkreten Kreditart durfte die Beklagte davon ausgehen, dass auf Seiten des Klägers insoweit ein Informationsbedarf nicht vorlag (BGH WM 2004, 172, 174).
Der Kläger ist damit - wie in dem vom BGH entschiedenen Fall (WM 2004, 172, 174) - gegebenenfalls über die eingeschaltete Finanzvermittlerin, die XXX GmbH bzw. den Finanzuntervermittler XXX, mit einem vollständigen - die Tilgung des Vorausdarlehens über 109.000,00 DM durch zwei Bausparverträge über 55.000,00 DM und 54.000,00 DM vorsehenden - Finanzierungskonzept an die Beklagten herangetreten und hat ihnen ein entsprechendes Vertragsangebot gemacht.
Auf Realkreditverträge - wie den hier vorliegenden - ist § 9 VerbrKrG nach dem eindeutigen Wortlaut der Vorschrift des § 3 Abs. 2 Nr. 2 VerbrKrG nicht anzuwenden (ständige Rechtsprechung des BGH, vgl. BGH WM 1992, 901, 905 [BGH 31.03.1992 - XI ZR 70/91] ; WM 2000, 1287 [BGH 19.05.2000 - V ZR 322/98] ; NJW 2002, 1881, 1884 = WM 2002, 1181, 1186 = ZIP 2002, 1075 [BGH 09.04.2002 - XI ZR 91/99] ; WM 2002, 2501 [BGH 12.11.2002 - XI ZR 47/01] ; NJW 2003, 885, 886 [BGH 26.11.2002 - XI ZR 10/00] ; NJW 2003, 424, 426 [BGH 12.11.2002 - XI ZR 3/01] ; NJW 2003, 199 [BGH 10.09.2002 - XI ZR 151/99] ; WM 2004, 172, 175; NJW 2004, 158, 159 [BGH 28.10.2003 - XI ZR 263/02] ; NJW 2004, 153 [BGH 16.09.2003 - XI ZR 447/02] ; NJW 2004, 2736, 2739 [BGH 14.06.2004 - II ZR 393/02] ).
Für die Frage, ob ein grundpfandrechtlich abgesicherter Kredit zu den "üblichen Bedingungen" im Sinne des § 3 Abs. 2 Nr. 2 VerbrKrG gewährt worden ist, kommt es entscheidend auf die Zinshöhe und die sonstigen Kreditkonditionen an (vgl. BGHZ 146, 5, 9 = WM 2001, 20; WM 2000, 1245, 1247 [BGH 18.04.2000 - XI ZR 193/99] ; WM 2002, 588 [BGH 05.02.2002 - XI ZR 327/01] ; WM 2003, 916, 917 [BGH 18.03.2003 - XI ZR 422/01] ; WM 2004, 172, 175).
Es muss im Rahmen eingehender Vertragsverhandlungen und auf Befragen des Kunden ein ausdrücklicher Rat, d.h. eine fachmännische Bewertung und Empfehlung erteilt worden sein ( BGH, WM 1977, 1027f; BGH WM 1987, 531 [BGH 04.02.1987 - IVa ZR 134/85] ; BGHZ 88, 130; BGH ZIP 1984, 962, 965 [BGH 06.06.1984 - VIII ZR 83/83] ; BGH WM 1981, 308; BGH WM 2004, 172).
Die Kläger haben unstreitig weder die Beklagten um einen Rat, d.h. um eine fachmännische Bewertung und Empfehlung (vgl. BGH WM 1987, 531 [BGH 04.02.1987 - IVa ZR 134/85] ) gebeten, noch haben die Beklagte ihnen von sich aus einen Rat erteilt ( BGH WM 2004, 172).
Demgemäß hat eine Bank nach der Rechtsprechung des Bundesgerichtshofes bei der Finanzierung einer Eigentumswohnung mit Hilfe eines Realkredits grundsätzlich nicht ungefragt darüber aufzuklären, dass die Finanzierung mit Hilfe eines durch eine Kapitallebensversicherung zu tilgenden Festkredits wirtschaftlich ungünstiger ist als ein Annuitätendarlehen ( BGH WM 2004, 172; BGH WM 2004, 521 [BGH 20.01.2004 - XI ZR 460/02] ).
(1) Ein Überschreiten der Kreditgeberrolle im Sinne des vorbezeichneten Haftungstatbestandes liegt vor, wenn die Bank im Zusammenhang mit der Planung, der Durchführung oder dem Vertrieb des Objekts gleichsam als Partei des zu finanzierenden Geschäfts in nach außen erkennbarer Weise Funktionen oder Aufgaben des Veräußerers oder Vertreibers übernommen und damit einen zusätzlichen, auf die übernommenen Funktionen bezogenen Vertrauenstatbestand geschaffen hat ( BGH ZIP 2003, 160, [BGH 12.11.2002 - XI ZR 25/00] BGH ZIP 2003, 984 [BGH 18.03.2003 - XI ZR 188/02] ; BGH ZIP 2003, 1710; BGH WM 2004, 172; BGH WM 2004, 521 [BGH 20.01.2004 - XI ZR 460/02] ).
Es stellt keine Überschreitung der Kreditgeberrolle dar, wenn eine Bank mit dem Verkäufer oder Vermittler der Wohnungen in ständiger Geschäftsbeziehung steht oder wenn sie den Erwerb der Mehrzahl der Wohnungen in einem Objekt finanziert ( BGH ZIP 2003, 160 [BGH 12.11.2002 - XI ZR 25/00] ; BGH WM 2004, 172; Oberlandesgericht des Landes Sachsen-Anhalt OLGR Naumburg 2006, 490).
Selbst wenn man den von den Klägern allerdings nur unsubstanziiert behaupteten Verkehrswert der Wohnung von 57 240, 94 DM als zutreffend unterstellt, würde er immer noch 33 % der Grundschuldsumme (172 000,- DM) und damit die Wesentlichkeitsschwelle erreichen, denn nach der Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs ist selbst dann von einer nicht nur unwesentlichen Sicherung eines Kredits auszugehen, wenn eine Grundschuld von 134 000, 00 DM auf einem Grundstück lastet, dessen Wert lediglich 40 000, 00-50 000, 00 DM, mithin rund 30-40 % der Kreditsumme beträgt ( BGH WM 2004, 172).
Dies hat der Bundesgerichtshof jedoch selbst bei einem Überschreiten der oberen Streubreitengrenze von 0, 5 Prozentpunkten noch nicht angenommen ( BGH WM 2004, 172).
Die Anwendbarkeit des Haustürwiderrufsgesetzes ist allerdings nicht durch § 5 Abs. 2 HWiG ausgeschlossen, denn nach der im Zuge des Heininger-Urteils des EuGH ( WM 2001, 2334 [BGH 10.10.2000 - XI ZR 344/99] ) durchzuführenden richtlinienkonformen Auslegung dieser Vorschrift gehören Kreditverträge nicht zu den Geschäften, die im Sinne des § 5 Abs. 2 HWiG "die Voraussetzungen eines Geschäfts nach dem Verbraucherkreditgesetz" erfüllen, wenn das Verbraucherkreditgesetz kein gleich weit reichendes Widerrufsrecht wie das Haustürwiderrufsgesetz einräumt ( BGHZ 150, 248; BGHZ 152, 331; BGH WM 2003, 483 [BGH 21.01.2003 - XI ZR 125/02] ; BGH WM 2004, 172 und 1579; BGH WM 2005, 547 [BGH 31.01.2005 - II ZR 200/03] und 1408; BGH WM 2006, 220 [BGH 12.12.2005 - II ZR 327/04] ).