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Timestamp: 2018-10-15 09:32:25
Document Index: 277088223

Matched Legal Cases: ['§ 11', '§ 12', '§ 24', '§ 1', '§ 30', 'Art. 83']

Die Delegierten waren sich einig: Keine Honorarkürzungen, wenn die Hersteller nicht genügend Komponenten für die Telematikinfrastruktur zur Verfügung stellen können – und eine Fristverlängerung bis mindestens Ende 2019. Neben der TI-Einführung gab es weitere Topthemen in der Vertreterversammlung der KZV BW Ende Juni. Im Zentrum standen u. a. der Datenschutz und die EU-DSGVO, die Quecksilberverordnung, die Patientenbefragung der KZV BW sowie last, but not least die Zahnmedizinischen Versorgungszentren (s. das Interview mit dem KZBV-Vorstandsvorsitzenden Dr. Wolfgang Eßer und den Beitrag zum MVZ-Problemaufriss mit Schreiben an Sozialminister Manne Lucha).
Die Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) stand ganz oben auf dem Programm, zumal man auch einen absoluten Fachmann begrüßen konnte: Dr. Stefan Brink, den Landesbeauftragten für den Datenschutz und die Informationsfreiheit in Baden-Württemberg, der in seinem Vortrag über die Essentials der DSGVO informierte. Erstmals sei damit der zuvor national gesetzlich geregelte Datenschutz europaweit vereinheitlicht worden. Die Bestimmungen sind nun auch für alle außereuropäischen Datenverarbeiter, die in der EU arbeiten, bindend. Deutlich mehr Rechte haben die Bürgerinnen und Bürger. Dass sie diese auch wahrnehmen, belegte Brink: Das Beschwerdeaufkommen von vorher 250 bis 300 pro Monat habe sich verdreifacht. Der Schwerpunkt der Tätigkeit der Dienststelle des Landesdatenbeauftragten liegt bei dem neuen Thema zunächst auf der Beratung in Datenschutzfragen. Das Prinzip „Beraten vor bestrafen“ hieß Dr. Georg Bach ausdrücklich gut, allerdings mit dem Nachsatz: „Dennoch hängt der Hammer in Brüssel“. Wie optimal oder restriktiv die DSGVO in zwei, drei Jahren umgesetzt wird, kann heute niemand sagen. „Wir überlegen in den Körperschaften, wie wir den Praxen helfen können, eine Option wäre das Aufstellen von Verhaltensregeln zur Orientierung“, sagte Ass. jur. Christian Finster, stellv. Vorstandsvorsitzender der KZV BW. Die Perspektive: „von der Bußgeldkultur zur Schutzkultur“ zu kommen.
Folgekosten. Die Gesetzes- und Regulierungsdichte, die von der Europäischen Union ausgeht und sich auf alle Mitgliedstaaten auswirkt, nimmt also weiter zu, die Stichworte: Dienstleistungspaket, Quecksilberverordnung und Datenschutzgrundverordnung – alles zusammen sorgt für mitunter hohe Folgekosten für die Praxen. Die konkrete praktische Dimension spiegelte sich denn auch in der Diskussion und in den Beschlüssen (s. QR-Code) wider. „Das Augenmaß weit verrutscht“, sah Dr. Michael von der Heide beim Datenschutz. Überdies werden „kleinere Praxen über Gebühr belastet“, so der Delegierte, es müsse daher für die Umsetzung der DSGVO innerhalb des Budgets einen Ausgleich geben. Dr. Uwe Lückgen, Sprecher des Landesbeirates, sagte unterstützend: „Wir sollten Erhebungen zu den Kosten veranlassen, die den Praxen erwachsen, und das in die Vertragsverhandlungen integrieren“. KZVVorstandsvorsitzende Dr. Ute Maier erläuterte, dass sich die Kosten im Zahnärzte-Praxis-Panel (ZäPP) niederschlagen würden. Und weiter: „Wir werden das in den nächsten Vertragsverhandlungen in die Kostenstruktur einpreisen“!
Im Zusammenhang mit der Quecksilberverordnung proklamierte Dr. Rainer-Udo Steck das „Primat der Fachlichkeit“. Die Zahnärzteschaft soll analysieren und entscheiden, welche Füllungsmaterialien verwendet werden. „Diese Verordnung ist ein Bespiel dafür, dass der fundierte fachliche Rat der Zahnärzte fehlte“, kritisierte Dr. Ute Maier.
Auf Bundesebene laufe nun intern die Diskussion der KZBV mit der Wissenschaft. Die spannende Frage: Welche Materialien sind geeignet? Aktuell seien die Alternativen in der Füllungstherapie nun einmal nicht so gut erforscht wie Amalgam. Ziel sei eine „einfache, gute Lösung“ – „im Spannungsfeld von Gesetzgebung, Ordnungen und Machbarem“ und unter genauer Beobachtung des Leistungsgeschehens. Maier: „Die KZBV überlegt sich sehr genau, in welche Richtung es geht“! Die Mehrkostenregelung bleibe auf alle Fälle bestehen.
Telematik. Das Dauerbrennerthema ließ die Delegierten auch in dieser VV nicht los. Da sind vor allem die gesetzlich angedrohten Honorarkürzungen: Die Frist für die Durchführung des Versichertenstammdatenmanagements müsse zurückgenommen werden, heißt es in einem Beschluss. Der Hintergrund: Aktuell (Stand: 23.07.2018) sind nur zwölf Komponenten, darunter gerade zwei Konnektoren, zugelassen. Eine vollumfängliche Ausstattung der Zahnärzteschaft bundesweit bis Ende des Jahres ist so gut wie ausgeschlossen. „Dafür können doch nicht die Zahnärztinnen und Zahnärzte haftbar gemacht werden“, wandte Dipl.-Volkswirt Christoph Besters, stellv. Vorstandsvorsitzender der KZV BW ein. Die neue Frist solle mindestens der 31.12.2019 sein. Ein weiterer Beschluss fordert den Gesetzgeber dazu auf, die Systemvertreiber und Hersteller zur Haftung für Systemausfälle und daraus entstehende Schäden zu verpflichten. Zudem soll durch die Krankenkassen die vollständige und unbefristete Übernahme der Kosten sichergestellt werden.
Lebendige VV. Dr. Dr. Alexander Raff, Vorsitzender der Vertreterversammlung, schloss eine lebendige VV erst am späten Samstagnachmittag – nicht ohne die Delegierten ausdrücklich zu würdigen für ihre vielzähligen Redebeiträge und die fachliche, kritische, stets konstruktive Diskussionskultur. Die nächste Vertreterversammlung findet am 30.11. und 1.12.2018 in Donaueschingen statt. » guido.reiter@kzvbw.de
Die Europäische Union steckt momentan in einer tiefen Krise, sie produziert Schlagzeilen, die den Normalbürger immer skeptischer gegenüber Brüssel werden lassen. Und das ein Jahr vor den Neuwahlen zum Europaparlament!
Nun bekommt auch unser Berufsstand die Beschlüsse der EU-Administration in den Praxen direkt zu spüren. Sei es die EUDienstleistungsrichtlinie mit dem direkten Angriff auf die Freiberuflichkeit und unser Honorarsystem, sei es die EU-Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) oder die EUQuecksilberverordnung mit der daraufhin erfolgten Ergänzung der Gebührenposition 13 im BEMA: Wir dürfen uns direkt damit beschäftigen. Wenn wie bei der DSGVO noch dazu kommt, dass weder auf Landes- noch auf Bundesebene die Gesetze entsprechend angepasst und mit nationalen Ausführungsbestimmungen ergänzt wurden, wird das Vertrauen in die Politik nicht gerade gestärkt.
Man fragt sich tatsächlich, ob die Verantwortlichen in Brüssel, Berlin und Stuttgart wissen, welche direkten Folgen ihre Beschlüsse oder auch Versäumnisse auf die Wähler und deren berufliches Umfeld haben. Wenn selbst der Landesdatenschutzbeauftragte Dr. Stefan Brink darauf hinweist, dass die Konsequenzen aus der DSGVO erst noch im SBG V und anderen Sozialgesetzestexten verankert werden müssen und bis dahin eine Rechtssicherheit nicht gegeben ist, tut man sich als KZV und Kammer schwer, den Praxen eindeutige Verfahrensanweisungen zu geben.
Immerhin hat Dr. Brink darauf hingewiesen, dass er seine Aufgabe in erster Linie in der Aufklärung und Beratung sieht und nicht in der Sanktionierung. Das ist allerdings seine persönliche Auffassung, es steht nirgendwo geschrieben. Des Weiteren hat er angekündigt, dass Skepsis gegenüber Brüssel Kommentar EU-Beschlüsse zur Umsetzung der DSGVO und Sanktionierung bei Fehlverhalten sofortige Auswirkungen auf die Mitgliedsländer haben werden. Gegebenenfalls müssen liberale Auslegungen in den Mitgliedstaaten kassiert werden. Es scheint also noch nicht zu Ende zu sein.
Umso wichtiger ist es, mit der Politik im Gespräch zu bleiben und gerade jetzt vor den Wahlen zum Europaparlament die Kandidaten um ihre Stellungnahme zu unseren Anliegen zu bitten. Dazu planen KZV BW und LZK BW eine ähnliche Aktion wie die Sommertour im Vorfeld der Bundestagswahl letztes Jahr. Wir laden die Kandidaten zum Gespräch in unsere Praxen ein, um ihnen vor Ort die Probleme zu zeigen. Statt Entlastung ist die Konsequenz ein Mehr an Bürokratie. Wir bekennen uns zum Verbraucher- und Datenschutz, aber bitte mit Augenmaß und Sinnhaftigkeit. Die „Großen“ treffen zu wollen, dabei die „Kleinen“ mitleiden zu lassen, kann nicht der richtige Weg sein.
Brandbrief an Sozialminister Manne Lucha
In Baden-Württemberg verändert sich die zahnmedizinische Versorgungsstruktur gerade tiefgreifend – durch die starke Zunahme großer, rein zahnmedizinischer Versorgungszentren (Z-MVZ). Gab es im Jahre 2015 sieben solcher Z-MVZ, so sind es 2018 bereits 80. Politisches Ziel dabei war die Stärkung der Versorgung im ländlichen Raum, eingetreten ist aber genau das Gegenteil. „Rund 80 Prozent der MVZ befinden sich in städtischen Regionen, dort sind die guten Risiken“, erläuterte Dr. Ute Maier, Vorstandsvorsitzende der KZV BW, den Delegierten in der Vertreterversammlung (VV) Ende Juni. Die MVZ-Beschlüsse der VV sind eine wichtige Grundlage auch für den Brandbrief des Vorstandes an Sozialminister Manne Lucha.
Die aktuellen Entwicklungen und Konsequenzen benennt der Vorstand der KZV BW in seinem detaillierten Schreiben (s. QR-Code): Z-MVZ nehmen in Baden-Württemberg rasant zu, die großen konzentrieren sich ausschließlich auf die Ballungsräume, fördern somit insbesondere Anstellungsverhältnisse in den städtischen Regionen, drängen zugleich die Bereitschaft zur Niederlassung in eigener Praxis zurück und ziehen in- und ausländische Groß- und Finanzinvestoren magisch an. Eine konkrete, drastische Folge: „Sehr deutlich wurde in den letzten beiden Jahren, dass es bundesweit vermehrt zu Unterversorgung in ländlichen Gebieten kommt, seit es arztgruppengleiche MVZ und die dadurch möglichen Großzentren in den Ballungsräumen gibt“, so Dr. Ute Maier. „Starke regionale Konzentrationsprozesse der Z-MVZ sind in bereits gut bis sehr gut versorgten Gebieten zu verzeichnen“, so der Vorstand der KZV BW gegenüber dem Minister.
Fehlsteuerungen. Versorgungszentren, die als größere Einheiten angelegt sind, können aus Sicht der KZV BW „im ländlichen Raum nur in Ausnahmefällen einen solchen Patientenstamm generieren, um wirtschaftlich praktizieren zu können“. Grund dafür ist strukturell die geringere Bevölkerungsdichte. Ergo: „Der ländliche Raum wird auch in Zukunft überwiegend von der klassischen Einzelpraxis versorgt werden müssen.“ Der aktuelle Trend werde nicht ohne Folgen bleiben, „eklatante Fehlsteuerungen“ in der zahnmedizinischen Versorgung seien zu erwarten.
Besonders interessant sind zahnärztliche MVZ für Groß- und Finanzinvestoren. Bundesweit ist bereits die Hälfte der Versorgungszentren in Ketten organisiert, auch in Baden-Württemberg ist die Entwicklung von Verbundstrukturen zu beobachten. „Heute sind sieben große Private-Equity-Fonds im deutschen Dentalmarkt aktiv, versprochen werden hohe Gewinne bis 20 Prozent“, berichtete Dr. Ute Maier den VV-Delegierten. Teil des Konzepts sei der Verkauf der Zentren nach wenigen Jahren. Im Zentrum des Interesses der Fremdinvestoren stehe die Gewinnmaximierung.
Bundesratsinitiative. Eindringlich warnt der Vorstand davor, das gut austarierte System, das seit Jahrzehnten eine exzellente Versorgung sicherstelle, ins Wanken zu bringen. Der Minister wird um eine eindeutige Positionierung gebeten und darum, hier sein bundespolitisches Gewicht in die Waagschale zu werfen und eine Bundesratsinitiative zu initiieren mit folgenden Inhalten:
• Der Zutritt von Fremd- und Großinvestoren bei Gründung und beim Ankauf von MVZ-Ketten im Bereich der vertragszahnärztlichen Versorgung soll verhindert werden. • Zahnmedizinische Versorgungszentren müssen verpflichtet werden, im Rechtsverkehr sowie in der Außendarstellung des MVZ die Gesellschafter sowie die Rechtsform der Trägergesellschaft zu benennen. • MVZ, in denen Zahnärzte tätig sind, sollen ausschließlich fachgruppenübergreifend tätig sein.
In den Vertreterversammlungen der Kassenzahnärztlichen Vereinigung Baden-Württemberg und der Kassenzahnärztlichen Bundesvereinigung (s. Interview mit dem Vorstandsvorsitzenden Dr. Wolfgang Eßer) debattierten die Delegierten das Thema intensiv. Auf Bundesebene brachte sich die KZV BW innerhalb der AG KZVen mit zahlreichen Redebeiträgen und gemeinsamen, gut ausgearbeiteten Anträgen ein.
Mit dem seit Januar 2004 in Kraft getretenen GKV-Modernisierungsgesetz fing alles an. Erstmals im deutschen Gesundheitswesen wurden fachübergreifende Medizinische Versorgungszentren (MVZ) als zusätzliche Versorgungsform eingeführt. Dann ging die Entwicklung langsam, aber stetig voran. Deutschlandweit gab es bis zum Jahr 2015 knapp 2300 MVZ-Gründungen, davon aber nur 28 mit zahnärztlicher Beteiligung. Mit Verabschiedung des GKV-Versorgungsstärkungsgesetzes im selben Jahr, mit dem arztgruppengleiche MVZ zugelassen wurden, ist die Anzahl rein zahnärztlicher MVZ bis Frühjahr 2018 sprunghaft auf bereits 544 MVZ angewachsen, mit weiter stark steigender Tendenz. Die Hälfte dieser MVZ werden mittlerweile von Großkapitalinvestoren mittels ganzer MVZ-Ketten organisiert und mit attraktiven Renditeversprechen wirtschaftlich betrieben. Damit werden immer mehr und vor allem jüngere Zahnärztinnen und Zahnärzte angelockt, in diesen Großstrukturen im Angestelltenverhältnis zu arbeiten und sich nicht mehr wie früher in selbstständiger Tätigkeit in Einzeloder Gemeinschaftspraxis niederzulassen.
Angesichts dieser Entwicklung stellt sich mir die Frage, wie wir, die zahnärztliche Profession insgesamt und die körperschaftlichen Selbstverwaltungen im Besonderen, auf diese Entwicklung reagieren sollen, ohne von ihr überrollt zu werden. Das Mauerwerk einer bis dato auf einem sicheren Fundament stehenden und stabil zementierten (zahn-) ärztlichen Versorgungslandschaft mit gut behüteter Einzelpraxisstruktur wird durch immer mehr MVZ-Rammböcke erschüttert und fängt an, Risse zu bekommen. Ein Flächenbrand droht, den es abzuwenden gilt.
Denn eines hat die Entwicklung, vor allem der Politik, drastisch vor Augen geführt: Die neu ermöglichten arztgruppengleichen MVZ siedeln sich hauptsächlich in den Städten und im suburbanen Umland an, weniger auf dem Lande. Das ursprüngliche Ziel der Politik, die medizinische Unterversorgung im ländlichen Raum abzubauen, wurde mit dem GKV-Versorgungsstärkungsgesetz ins Gegenteil verkehrt. Der Magneteffekt städtischer MVZ-Gründungen forciert somit die Unterversorgung auf dem Land als auch die Überversorgung in der Stadt. Mit dieser Fehlsteuerung will die Politik anscheinend nichts mehr zu tun haben. Zumindest im Referentenentwurf zum Terminservice- und Versorgungsgesetz (TSVG) finden sich leider keinerlei Regelungen, fachgruppengleiche MVZ zu verbieten, insbesondere den Aufkauf und die Gründung von zahnärztlichen MVZ durch Großinvestoren, die den Markt mit weiteren Dentalketten aufmischen wollen.
Die zahnärztlichen Spitzeninstitutionen sind bereits mit der Politik im Gespräch. Mit einheitlicher Stimme wird die Bundesregierung aufgefordert, zeitnahe Gegenmaßnahmen zu ergreifen. Dabei ist den Verantwortlichen im BMG auch klarzumachen, dass die gesamten freiberuflichen Errungenschaften einer bisher flächendeckenden zahnärztlichen Versorgung der Bevölkerung auf qualitativ hohem Niveau gefährdet sein können, weil die MVZ nicht der beruflichen Kammeraufsicht und damit der Einhaltung von Berufspflichten unterliegen. Damit würden auch Patientenschutz und Qualitätssicherung unter Umständen einem kurzsichtigen Renditestreben geopfert.
Brandbriefe und MVZVerbotsforderungen an die Adresse des Gesetzgebers sind wichtig, aber nur die eine Seite, ganz davon abgesehen, was die EUKommission in Brüssel später dazu sagen wird. Für die Zukunft ebenso relevant ist meines Erachtens die Analyse der zahnärztlichen beruflichen Strukturen im Rahmen der gesamtgesellschaftlichen Veränderungen. Der Berufsstand muss sich diesen neuen Anforderungen en detail stellen. Wie gehen wir in Zukunft mit den wachsenden Wünschen vieler junger Kolleginnen und Kollegen, insbesondere der Millennials um, die sich in einem angestellten Arbeitsverhältnis eine bessere Work-Life-Balance wünschen? Sind Genossenschaftsmodelle, eine intensivere Förderung von Einzelpraxen und ÜBAGs zahnärztlich sinnvolle Alternativen zu MVZ-Strukturen? Wie kann der zahnärztliche Notfalldienst so organisiert werden, dass er mit den 24/7-Versprechungen der MVZ mithalten kann? Wir müssen gemeinsam klare Konzepte mit Zukunftsperspektiven entwickeln, überzeugend präsentieren und verantwortungsvoll umsetzen. Dieser professionsinterne Anspruch ist Chance und Aufgabe zugleich.
Dr. Torsten Tomppert Präsident der Landeszahnärztekammer Baden-Württemberg
Interview mit Dr. Wolfgang Eßer, Vorsitzender des Vorstandes der KZBV
Folgenreiche Veränderungen in der Versorgung durch arztgruppengleiche Zahnarzt-MVZ, ungebremstes Wachstum und Kettenbildung, Goldgräberstimmung bei Finanzinvestoren: „Die Zerstörung bewährter Versorgungstrukturen wird billigend in Kauf genommen und einer industrialisierten Zahnmedizin der Weg bereitet“, formuliert es drastisch Dr. Wolfgang Eßer, Vorsitzender des Vorstandes der Kassenzahnärztlichen Bundesvereinigung (KZBV). Und das sei alles andere als eine Übertreibung, fügt er an, denn die zahnmedizinische Versorgung drohe „zum Spielball von Kapitalinteressen und den ungezügelten Kräften des Marktes zu werden“. Mit dem komplexen Thema Zahnarzt-MVZ hat sich die Vertreterversammlung der KZBV im Juni intensiv befasst. Im ZBW-Interview: Fragen zur Situation, zu den Folgen und zu möglichen Lösungen an Dr. Wolfgang Eßer.
ZBW: Herr Dr. Eßer, arztgruppengleiche Medizinische Versorgungszentren standen im Zentrum der Debatte in der Vertreterversammlung der KZBV in Köln. Sie sagten, dass das Thema stark bagatellisiert werde. Welche Problematik wird bei der Diskussion aus Ihrer Sicht zu wenig berücksichtigt?
Dr. Eßer: Angesichts der Faktenlage lässt sich ohne Polemik feststellen: Mit der Ermöglichung arztgruppengleicher MVZ ist die Sicherstellung einer flächendeckenden wohnortnahen zahnärztlichen Versorgung in Gefahr! Inzwischen haben sich – bei ungebremster Dynamik – mehr als 500 solcher Einrichtungen gerade dort etabliert, wo schon heute Überversorgung herrscht – in Großstädten, in Ballungsräumen, in einkommensstarken ländlichen Gebieten. Zur Sicherstellung der Versorgung in strukturschwachen Räumen leisten sie hingegen nicht den geringsten Beitrag! Im Rückblick bestätigt sich also unsere Befürchtung, dass die ursprüngliche Zielsetzung des Gesetzgebers klar verfehlt wird, mit Hilfe der MVZ die Versorgung in ländlichen und strukturschwachen Gebieten zu verbessern. Zumindest im vertragszahnärztlichen Bereich wird sogar genau das Gegenteil erreicht: Arztgruppengleiche MVZ fungieren hier als regelrechter Katalysator für Unterversorgung! Ihre Sogwirkung in Ballungsgebieten auf potenziell niederlassungsund anstellungswillige junge Zahnärztinnen und Zahnärzte lässt in Kombination mit dem fortschreitenden demografischen Wandel innerhalb des Berufsstandes mittelfristig Engpässe im ländlichen Raum und in strukturschwachen Gebieten erwarten. Das gilt für die neuen Länder, aber auch für viele strukturschwache Regionen im Westen. Besonders betroffen sind Flächenstaaten. Und anders als in der ärztlichen kann die zahnärztliche Versorgung auch nicht durch den stationären Bereich aufgefangen werden.
Verschärft wird diese Fehlentwicklung jetzt auch noch zusätzlich durch kapitalstarke Groß- und Finanzinvestoren. Die erst mit den arztgruppengleichen MVZ etablierte Praxiskettenbildung war quasi der Startschuss für das Engagement ausländischer Finanzinvestoren im deutschen Dentalmarkt, da mit den Kettenstrukturen etablierte Marktpräsenz einfach eingekauft werden konnte. Diese Fremdinvestoren forcieren die Kettenbildung von MVZ ganz bewusst. Insgesamt lassen sich derzeit mindestens sieben solcher Gesellschaften im heimischen Dentalmarkt identifizieren, davon fünf mit einem weltweiten Operationsradius. Wir sprechen hier über eine gewaltige Investitionssumme von etwa 85,8 Milliarden Euro, die diese Gesellschaften verwalten. Die Vergewerblichung eines weiteren Teils der Heilberufe und der medizinischen Versorgung wird also mit Nachdruck vorangetrieben. Dabei stehen wir den Internetauftritten dieser Groß- und Finanzinvestoren zufolge offensichtlich erst am Beginn einer großangelegten Investitionswelle im zahnmedizinischen Sektor.
Fremdinvestoren bringen frisches Kapital in die Versorgung. Erst im Krankenhausbereich, jetzt werden die Geldströme in Pflegeheime und auch auf den Dentalmarkt gelenkt. Mehr Geld in der Versorgung – ist das nicht positiv zu sehen?
Es ist ein Irrglaube zu hoffen, Fremdinvestoren würden ihr Kapital in den Gesundheitsmarkt einbringen, um Versorgung zu verbessern. Ihr Ziel ist es, im Umfeld eines ungünstigen allgemeinen Kapitalmarktes hohe und vergleichbar risikoarme Renditen zu erzielen. Ein Hedgefonds aus Bahrain hat in Deutschland offenkundig keine Versorgungsziele. Die Daten unserer unlängst vorgelegten Analyse zu besagten Fremdinvestoren belegen eindeutig, dass insbesondere Private-Equity- Gesellschaften massiv in den zahnärztlichen Markt investieren, indem sie Krankenhäuser aufkaufen, die in finanzielle Schieflage geraten sind und keinerlei Fachbezug zur Zahnmedizin vorweisen können. Diese Kliniken gründen dann wiederum MVZ oder sogar gleich eine ganze MVZ-Kette. Der Umweg über den stationären Sektor führt also letztlich in die ambulante zahnärztliche Versorgung – buy-and-build-Strategie nennt sich das im Fachjargon von Finanzjongleuren.
Entsprechende Kapitalgeber haben mit solchen Konstrukten jedoch ausschließlich Renditemaximierung im Blick. Ihre Hebel sind eine umfassende Marktdurchdringung in kurzer Zeit, um dann das aufgebaute Netzwerk oder die MVZ-Kette in eine Gelddruckmaschine zu verwandeln. MVZ, die von Investmentfirmen gegründet wurden, konzentrieren sich ja nicht nur zufällig auf Leistungsbereiche, mit denen sich in der Regel hohe Gewinnmargen erzielen lassen. Die Implantologie sei hier als Beispiel genannt. Nach einer gewissen Haltezeit wird das Investment dann wieder abgestoßen und der Ertrag realisiert. Die Zerstörung bewährter Versorgungsstrukturen wird dabei billigend in Kauf genommen und einer industrialisierten Zahnmedizin der Weg bereitet. Ich übertreibe also nicht, wenn ich arztgruppengleiche MVZ oder reine Zahnarzt-MVZ als unmittelbare Bedrohung für die qualitativ hochwertige, flächendeckende zahnärztliche Versorgung bezeichne.
Wie meinen Sie, können die Bestrebungen von Fremdinvestoren und Fremdkapitalgebern bei der Gründung und beim Aufkauf von MVZ und Ketten eingedämmt werden?
Zum einen und vorrangig sollte bei MVZ, in denen Zahnärztinnen und Zahnärzte tätig werden, wieder zu dem vormals wesensbestimmenden Merkmal einer fachübergreifenden Ausrichtung zurückgefunden werden. Zudem muss aus unserer Sicht der Marktzugang für Groß- und Finanzinvestoren, die ja ausschließlich Kapitalinteressen verfolgen, schnell geschlossen und die Kettenbildung unterbunden werden. Das kann erreicht werden, indem die Gründung von MVZ auf Leistungserbringer beschränkt wird, deren fachliches Spektrum in den MVZ auch alleine erbracht wird. Sofern Zahnarzt- MVZ weiterbestehen, würde das bedeuten, dass ausschließlich zugelassene Vertragszahnärztinnen und Vertragszahnärzte überhaupt gründungsberechtigt sind. Es ist unter Versorgungsgesichtspunkten doch in keiner Weise nachvollziehbar, warum die Gründung oder der Betrieb solcher Zahnarzt- MVZ durch Personen oder Einrichtungen möglich sein soll, die nicht den geringsten räumlichen oder fachlichen Bezug zur Versorgung haben. Mit dem GKV-Versorgungsstrukturgesetz wurde ja bereits versucht, Investoren ohne fachlichen Bezug zur medizinischen Versorgung zurückzudrängen. Tatsächlich aber nutzen jetzt viele Investoren Schlupflöcher wie etwa den erwähnten Umweg über den Aufkauf von Krankenhäusern oder Dialysezentren, um Zugang zum Dentalmarkt zu erlangen. Die Politik muss solche fragwürdigen Geschäftsmodelle deshalb konsequent unterbinden. Bestehende MVZ sollten darüber hinaus nicht mehr zur Gründung weiterer MVZ berechtigt sein dürfen.
Kürzlich haben Sie Bundesgesundheitsminister Spahn die detaillierte KZBV-Analyse zu Fremdinvestoren im Bereich zahnärztlicher MVZ zur Verfügung gestellt. Welche Wirkung erwarten Sie sich von solchen Daten? Wird es dazu einen Dialog geben?
Anlässlich unseres diesjährigen Frühjahrsfestes hat der Minister in seinem Grußwort der Zahnärzteschaft explizit seine Dialogbereitschaft angeboten. Dieses Angebot haben wir gerne angenommen. Wir stehen mit Herrn Minister Spahn und etlichen Politikern aller Parteien in einem ständigen Austausch. Die mit den arztgruppengleichen MVZ eingeleitete politische Fehlsteuerung zu korrigieren, konkrete Versorgungsverbesserungen zu erzielen und die vertragszahnärztliche Versorgung zukunftsfest zu machen – das ist und bleibt die Richtschnur für das Handeln der KZBV.
Gerade beim Thema MVZ weisen wir konsequent auf bekannte Fehlentwicklungen hin und unterbreiten praktikable Lösungsvorschläge. Unsere Position ist dabei sehr klar: Wenn die Regierung das selbstgesteckte Ziel tatsächlich weiterverfolgt, möglichst gleichwertige Lebensbedingungen in ganz Deutschland zu schaffen, dann darf sie vor einer solchen fatalen Entwicklung wie der Kommerzialisierung und Kettenbildung bei arztgruppengleichen MVZ nicht einfach die Augen verschließen! Das bedeutet konkret, dass MVZ künftig ausschließlich fachübergreifend ausgestaltet werden dürfen und insbesondere der Spielraum für Finanzinvestoren konsequent beschränkt werden muss, bevor schädliche Veränderungen in Versorgungsstrukturen eintreten, die unumkehrbar sind. Noch ist es nicht zu spät, aber die Zeit drängt! Um den notwendigen Dialog konstruktiv zu führen und unseren Standpunkt sachlich zu untermauern, helfen uns unsere vorgelegten Analysen und belegbaren Daten. Diese Zahlen sprechen eine eindeutige Sprache und können von der Politik kaum ignoriert werden. Sie zeigen, dass der Trend zu Zahnarzt-MVZ anhält und sich weiter verstetigt, dass zunehmend viele Fremdinvestoren in einer Art gold rush in den deutschen Dentalmarkt drängen – mit allen entsprechenden versorgungspolitischen Kollateralschäden.
Wie sieht die Situation auf dem Land denn heute konkret aus? Gibt es bereits Versorgungsengpässe?
Auf Ebene der Planungsbereiche haben wir aktuell noch keine Versorgungsprobleme, in wenigen lokal begrenzten Fällen in Flächenländern lässt sich aber durchaus bereits heute von Unterversorgung sprechen. Diese Entwicklung wird sich verstärken und in absehbarer Zeit wird Unterversorgung auf der Mittelbereichsebene fast aller Kassenzahnärztlichen Vereinigungen in bestimmten Regionen Realität sein. Schon heute ist es eine Tatsache, dass Praxen in ländlichen und strukturschwachen Gegenden nicht mehr veräußerbar sind, wenn nicht schon früh eine junge Kollegin oder ein junger Kollege als Nachfolger in die Bestandspraxis integriert werden konnte. Findet sich kein Nachfolger, entsteht sofort und unwiderruflich konkrete Unterversorgung. Das ist inzwischen Realität auf dem Land und lässt das Gespenst einer Unterversorgung auf größeren Ebenen Realität werden, zumal in den nächsten Jahren demografiebedingt zahlenmäßig starke Zahnarztjahrgänge in den Ruhestand gehen.
Mit der Konzentration reiner Zahnarzt-MVZ in gut bis sehr gut versorgten Gebieten wird also ein Ziel der Politik verfehlt: Die Ansiedelung von Praxen im ländlichen Raum mit dem Effekt der Vermeidung von Unterversorgung. Welche Maßnahmen würden Sie umsetzen, um die aktuelle Entwicklung umzukehren und die Berufsausübung auf dem Land auch für junge Kolleginnen und Kollegen interessant zu machen?
Zunächst ist es ja so, dass angehende Zahnärztinnen und Zahnärzte – übrigens anders als die jungen Ärzte – den ländlichen Raum als Arbeitsort durchaus in Betracht ziehen. Einer Studie des Instituts der Deutschen Zahnärzte zum Berufsbild junger Zahnärzte zufolge, wollen zudem 80 Prozent der Befragten gerne in ihrer Heimatregion tätig sein. Die MVZ ziehen jedoch Nachwuchs aus den ländlichen Regionen ab in die Ballungsgebiete. Um dem entgegenzuwirken, müssen mit einem gemeinsamen Kraftakt von Politik und Selbstverwaltung vor allem adäquate Rahmenbedingungen geschaffen werden. Dazu zählen unter anderem Planungssicherheit, eine auskömmliche Honorierung sowie eine gute Infrastruktur. Die Versorgung durch eine freiberuflich tätige Vertragszahnärzteschaft in bewährten Praxisstrukturen muss gefördert und die Degression als erhebliche Hürde für eine gute Versorgung endlich abgeschafft werden. Den jungen Zahnärzten muss also ein berufliches Umfeld nach ihren Vorstellungen – abseits von Großversorgerstrukturen – ermöglicht werden. Nur so lässt sich langfristig die flächendeckende und wohnortnahe Versorgung auch auf dem Land sichern.
Muss hier auch der Gesetzgeber eingreifen?
Selbstverständlich! Wir benötigen zur Schaffung der Rahmenbedingungen notwendigerweise auch den Gesetzgeber. Was wir im Rahmen der Selbstverwaltung leisten können, sind wir bereit zu tun. Vor allem benötigen wir vom Gesetzgeber eigenständige Steuerungselemente und gesetzliche Lösungen, die für unseren Versorgungsbereich passgenau sind. Dass Steuerungsinstrumente im ärztlichen und im zahnärztlichen Bereich gleich gut funktionieren, war schon immer ein Märchen. Die zahnärztliche Versorgung benötigt und verdient vielmehr eigenständige Steuerungsmechanismen. Das muss von der Politik endlich anerkannt und bei künftiger Gesetzgebung dann auch berücksichtigt werden. Dafür haben wir dem Minister konkrete Vorschläge unterbreitet.
Bei MVZ und Ketten steht die Gewinnmaximierung über Therapiefreiheit und Qualität. Ist diese Befürchtung begründet?
Ja, durchaus. Die zahnmedizinische Versorgung von mehr als 70 Millionen GKV-Versicherten droht derzeit zum Spielball von Kapitalinteressen und den ungezügelten Kräften des Marktes zu werden. Bei Investoren herrscht eine Goldgräberstimmung in der Hoffnung auf möglichst satte Gewinne. Im Unterschied zu tradierten Praxisformen, die nur zwei angestellte Zahnärztinnen und Zahnärzte pro zugelassenem Zahnarzt beschäftigen dürfen, können in MVZ ja beliebig viele angestellte Zahnärzte tätig werden. Dort gibt es im Unterschied zu tradierten Praxisformen keine Verpflichtung zur persönlichen Leistungserbringung. Dazu fehlen derzeit Vorschriften für die MVZ, die eine regelmäßige fachliche Anleitung und Überwachung angestellter Zahnärzte bewirken. Nur wenn aber für die MVZ die gleichen Regelungen und Voraussetzungen gelten wie für traditionelle Einzel- und Mehrbehandlerpraxen, lässt sich eine vergleichbare Qualität in der Versorgung erreichen. Es wird also dringend Zeit, die ganz erheblichen Wettbewerbsvorteile arztgruppengleicher Zahnarzt-MVZ abzuschaffen und gleiche Anstellungsgrenzen für Praxen und MVZ zu verankern. Qualitätssichernde Maßnahmen müssen schließlich für beide Praxisformen gleichermaßen gelten. Sonst kann von einem fairen Wettbewerb endgültig keine Rede mehr sein. Vielmehr würden sich zwei unterschiedliche Arten von Zahnärzten in ungleichen Praxisformen etablieren, was versorgungspolitisch völlig inakzeptabel ist.
Großversorger im Schutze eines MVZ auf der einen Seite und die Kollegen, die die restliche Versorgung leisten müssen: Ihr markanter Ausspruch vor den Delegierten der Vertreterversammlung hallt nach. Keine besonders erfreuliche Perspektive, oder?
Ich hätte mich gerne einer etwas nüchterneren Wortwahl bedient, aber es ist schließlich wichtig, Klartext zu reden und die aktuellen Vorgänge nicht zu verharmlosen. Es zeichnet sich in der Tat ab, dass in Zukunft immer mehr Großinvestoren ihr Kapital im Dentalmarkt vermehren wollen und MVZ gut situierte Menschen in Städten und Ballungsgebieten versorgen, während wenige Zahnärztinnen und Zahnärzte mit Mühe und Not versuchen, auf dem Land und in strukturschwachen Regionen eine zunehmend prekäre Versorgung sicherzustellen. Das sind die beiden unterschiedlichen Arten von Zahnärzten, von denen ich gesprochen habe. Wenn reine Zahnarzt- MVZ dort Unterversorgung befeuern und in urbanen und einkommensstarken Regionen Überversorgung verstärken, dann ist das im Übrigen der direkte Weg in die berüchtigte Zwei-Klassen-Versorgung, von der ja immer behauptet wird, dass sie um jeden Preis verhindert werden müsse.
Für ein derart düsteres Zukunftsszenario darf sich der Berufsstand nicht missbrauchen lassen. Ich persönlich bin auch unter keinen Umständen bereit, eine solche eklatante Fehlentwicklung einfach hinzunehmen. Es geht beim Thema MVZ um nicht weniger als um die Sicherstellung der flächendeckenden und wohnortnahen vertragszahnärztlichen Versorgung sowie um den Erhalt der Freiberuflichkeit! Dafür machen wir uns als KZBV auch weiterhin ohne Abstriche stark. Ich werde zusammen mit meinen Vorstandskollegen und allen konstruktiven Kräften des FVDZ und der BZÄK dafür sorgen, dass die Politik unseren Weckruf hört – so lange es noch nicht zu spät ist.
Die Fragen stellte Guido Reiter.
Die Gründung oder Übernahme von MVZ-Ketten oder gut gehenden BAG durch kapitalstarke Investoren ist leider nicht so einfach zu verhindern. Die Gefahr ist groß, dass profitorientierte Großstrukturen wie diese MVZ, die sich überwiegend in Ballungsräumen und deren Randgebieten ansiedeln, junge Kolleginnen und Kollegen anlocken. Die Folge wird sein, dass die Versorgung im ländlichen Raum „austrocknet“, da eine selbstständige Praxistätigkeit in diesen Regionen offensichtlich nicht mehr erstrebenswert scheint. Eine Entwicklung, die uns allen große Sorgen bereiten muss! Aber was ist zu tun, um dieser Entwicklung Einhalt zu gebieten? Der Gesetzgeber als Urheber dieser Entwicklung scheint unsere Bedenken nicht hören zu wollen, obwohl er regelmäßig mit den neusten Entwicklungen von der KZBV durch entsprechende Zahlen konfrontiert wird. Aber nur er kann eine notwendige Gesetzesänderung herbeiführen.
Wenn die jungen Kolleginnen und Kollegen sich nicht in die Abhängigkeit dieser MVZ begeben würden, könnten diese auch nicht so erfolgreich agieren. Aber wir erreichen sie mit unseren Bedenken offensichtlich nicht. Trotzdem dürfen wir nicht nachlassen, ihnen die positiven Perspektiven der freiberuflichen Niederlassung aufzuzeigen.
Die Betreiber von kleineren und gut laufenden MVZ, die als frühere BAG nur wegen der durch den Gesetzgeber bewusst eingeräumten Vorteile ihre Rechtsform geändert haben, werden durch sehr lukrative Übernahmeangebote seitens dieser finanzstarken Investoren fast zum Verkauf gedrängt, obwohl dies – hiervon zeugen Beispiele, nachzulesen in den „Zahnärztlichen Mitteilungen“ (Nr. 12, S. 74-76) – nicht immer zum Vorteil der Abgeber abläuft.
Unsere Körperschaften auf Landes- und Bundesebene beschäftigen sich intensiv mit dieser Entwicklung und warnen in zahlreichen Gesprächen die Gesundheitspolitiker. Eine Lösung ist im Moment noch nicht in Sicht.
Wichtig bleibt, dass der freie Gesundheitsmarkt, den wir als Freiberufler immer gerne einfordern, nicht eingeschränkt werden darf. Aber es müssen dieselben Regeln für alle gelten. Und das wird schwierig.
Vertreterversammlung der Landeszahnärztekammer BW
Die Vertreterversammlung der LZK im Sommer ist traditionell dem Erlass und der Änderung von Satzungen vorbehalten. Die Satzungsautonomie ist Ausdruck der Selbstverwaltung. Aber man wolle sich auch „neuen Aspekten öffnen“, so LZK-Präsident Dr. Torsten Tomppert, „und dafür eignet sich aktuell kaum ein Thema besser als die Telemedizin“. Telemedizinische Anwendungen finden in der Patientenversorgung zunehmend Einsatz. Mit „docdirekt“ hat die KVBW als erste Kassenärztliche Vereinigung in Deutschland ein Telemedizin-Projekt auf den Weg gebracht. Über das seit April laufende Modellprojekt berichtete der stv. Vorstandsvorsitzende der KVBW, Dr. Johannes Fechner, in einem Impulsreferat.
Die Notaufnahmen in den Krankenhäusern sind überschwemmt. Verschärft wird die Situation in den Notaufnahmen durch den Ärztemangel auf dem Land und zunehmend auch in den Städten. „Wenn sich solche tiefgreifenden Veränderungen am Markt ergeben“, so Dr. Fechner, „ist es Aufgabe der KV vorne mit dabei zu sein und Lösungsansätze zu präsentieren“. Man habe also den Blick über die Landesgrenzen gerichtet, konkret nach Basel. Dort gibt es bereits seit 15 Jahren die Fernbehandlung per Telefon. Die Hälfte aller Schweizer nimmt daran teil und erhält 15 Prozent Beitragsnachlass. „Das System funktioniert und die Patienten nehmen die neuen telemedizinischen Möglichkeiten an“, so Dr. Fechner.
Voraussetzung für den Start des Modellprojekts in Deutschland war die Lockerung des Fernbehandlungsverbotes, das in der Berufsordnung und damit im Zuständigkeitsbereich der Kammern geregelt ist.
Im Juli 2016 gab die Vertreterversammlung der Landesärztekammer Baden-Württemberg grünes Licht: Modellprojekte, in denen ärztliche Behandlungen ausschließlich über Kommunikationsnetze durchgeführt werden, werden gestattet, bedürfen allerdings der Genehmigung und sind zu evaluieren.
Am 16. April 2018 ging das Modellprojekt der KVBW an den Start: Bei akuten Erkrankungen können Patienten, sofern sie ihren behandelnden Arzt nicht erreichen, bei docdirekt anrufen. Die Telefone sind montags bis freitags zwischen 9 und 19 Uhr besetzt. Speziell geschulte Medizinische Fachangestellte erfassen bei jedem Anruf Personalien und Krankheitssymptome und klären die Dringlichkeit. Handelt es sich um einen lebensbedrohlichen Notfall, leiten sie an die in Europa länderübergreifende Notrufnummer 112 weiter. In allen anderen Fällen geht das Gespräch an einen der 40 Tele-Ärzte von docdirekt. Der Tele- Arzt ruft den Patienten dann innerhalb von 30 Minuten zurück, erhebt die Anamnese und klärt das Beschwerdebild. Im Idealfall kann er den Patienten abschließend telemedizinisch beraten. Falls medizinisch erforderlich, leitet der Tele-Arzt den Patienten taggleich an eine verfügbare „patientennah erreichbare Portal- Praxis“, kurz PEP-Praxis, weiter. docdirekt richtet sich ausschließlich an gesetzlich versicherte Patienten in Stuttgart und Tuttlingen. Dr. Fechner zeigte sich überzeugt, dass das Projekt sich durchsetzen wird. „Wenn es die KV nicht macht, machen es andere – besser unter der Hoheit der Körperschaften.“ Und gedanklich ist er bereits einen Schritt weiter, „in einigen Jahren werden sämtliche Anrufe auf die europaweite Referenznummer 116117 geroutet werden“.
Notdienst und Zahnunfall. Gedanklich einen Schritt weiter ist auch LZK-Präsident Dr. Tomppert, dem ein telemedizinisches Projekt in der Zahnmedizin nicht zur Fernbehandlung, sondern „als Steuerungsfunktion im Bereich des Notdienstes und bei Zahnunfällen“ vorschwebt.
Bezugnehmend auf die gegenwärtig intensiv geführte Debatte im Berufsstand zu Medizinischen Versorgungszentren sieht der Präsident den Notdienst „als Einfallstor für MVZ“. Erreichbar 24 Stunden am Tag an 365 Tagen im Jahr: Für MVZ ist das kein Problem, denn sie können unbegrenzt viele Zahnärztinnen und Zahnärzte in Voll- und Teilzeit einstellen und sind damit wirtschaftlich deutlich im Vorteil gegenüber den Einzel- und Gemeinschaftspraxen. In Stuttgart bieten Groß-MVZ den Niedergelassenen bereits eine Übernahme des Notdienstes an – in der Hoffnung, dass der gestresste Manager auch weiterhin die Rund-um-die-Uhr-Behandlungstermine des MVZ schätzt und als Patient weiterhin in Anspruch nimmt. Mit Blick auf die als Gast geladene Vorstandsvorsitzende der KZV BW, Dr. Ute Maier, die zustimmend nickte, zeigte sich der LZK-Präsident jedoch zuversichtlich, dass die beiden zahnärztlichen Körperschaften der gegenwärtigen Herausforderung mit durchdachten Strategien und klugem Agieren begegnen.
Satzungsänderungen. Der Erlass und die Änderung einer Satzung durch Organe einer Selbstverwaltungskörperschaft ist ein wesentliches Merkmal autonomer Rechtssetzung. Nach § 11 Ziffer 1 der LZK-Satzung ist der Erlass und die Änderung von Satzungen der Vertreterversammlung als höchstem Organ der Landeszahnärztekammer vorbehalten: Sieben Satzungen sollten auf Antrag des LZK-Vorstandes und auf Vorschlag des Satzungsausschusses eine Änderung erfahren. Traditionell führt der Vorsitzende des Satzungsausschusses, Dr. Eberhard Montigel, als Berichterstatter durch die Änderungen der Satzungen. Jede zu beschließende Änderung in den einzelnen Satzungen wurde zunächst durch Dr. Montigel erläutert und vorgestellt und war für die Delegierten in übersichtlichen und transparenten Synopsen dargestellt.
Die Änderungen in der LZK-Satzung betrafen die Einführung des Begriffs „Präsidium“ in § 12 Abs. 3, die Sicherung des Fortbestands der Ausschüsse, Kommissionen und Arbeitskreise bis zu einer Neukonstituierung bei einer neuen Kammerperiode sowie eine Änderung in den §§ 24 und 26 aus sozialversicherungsrechtlichen Erwägungen. Gegen den Begriff des Präsidiums sprach sich vehement Dr. Eva Hemberger aus: Präsidium erwecke den Anschein einer Gleichberechtigung, doch der Stellvertreter stehe in der Hierarchie hinter dem Präsidenten. Dies berge bei Uneinigkeit Probleme. Dr. Montigel konnte die Bedenken nicht teilen: „Präsidium ist ein Begriff, kein neues Gremium verbunden mit neuen Aufgaben, es entspricht der Arbeitsweise der Spitze der LZK“.
Eine Diskussion löste auch die Änderung bei der Führung der laufenden Geschäfte in der Verwaltung aus, die nunmehr von den BZKVorsitzenden an die Geschäftsführer in den Bezirkszahnärztekammern übergehen sollte, analog der Regelung bei der LZK.
Sämtliche Änderungen wurden jedoch schließlich mehrheitlich angenommen.
Ohne Diskussion folgten die Delegierten den Änderungsvorschlägen in der Geschäftsordnung der Vertreterversammlung, dem Statut der Gutachterkommission für Fragen zahnärztlicher Haftung sowie der Berufsordnung: Die Änderungen des § 1 Abs. 2 der Geschäftsordnung der Vertreterversammlung ermöglichen zukünftig auch eine Einberufung der Vertreterversammlung in Textform, also per E-Mail. Mit den Änderungen im Statut der Gutachterkommission wurde eine Regelungslücke bezüglich der Zuständigkeit der Gutachterkommission für den Fall geschlossen, dass ein Zahnarzt nach Eröffnung des Verfahrens den Kammerbereich verlässt und kein Kammermitglied mehr ist. Bei der Berufsordnung wurden Änderungen der Muster- Berufsordnung der BZÄK übernommen, um bundesweit einheitliche berufsrechtliche Regelungen zu gewährleisten.
Weiterbildungsordnung. Für die Änderungen in der Weiterbildungsordnung übergab Dr. Montigel an den Vorsitzenden des Ausschusses für Oralchirurgie, Dr. Manuel Troßbach. Zu Beginn der Versammlung hatte Versammlungsleiter Dr. Konrad Gast einen Antrag von Dr. Georg Bach und Dr. Manuel Troßbach entgegengenommen. Der Antrag betraf ebenfalls die Änderung der Weiterbildungsordnung, aber mit geändertem Regelungsinhalt. § 30 Abs. 2 sollte nicht zur Abstimmung kommen. Derzeit finden auf Bundesebene Gespräche über eine Neuregelung der Ermächtigung statt. „Wir wollen einer bundeseinheitlichen Regelung nicht vorgreifen“, so Dr. Troßbach, „und zunächst die Entscheidung dort abwarten“. Der Antrag fand Zustimmung in der Versammlung. Der LZK-Vorstand zog daraufhin seinen ursprünglichen Antrag zurück. Neben einer Reihe von redaktionellen Änderungen in der Weiterbildungsordnung sollte für die Zukunft auch geregelt werden, dass ein zahnärztlicher Leiter eines MVZ in Bezug auf die Weiterbildungsermächtigung einem niedergelassenen Zahnarzt gleichgestellt wird. Sämtliche vorgeschlagene Änderungen fanden die Zustimmung der Delegierten. Größeren Diskussionsbedarf löste der Änderungsvorschlag aus, dass Hospitationen von jeweils einer Woche in den Themenbereichen Allgemeinmedizin, Hals-Nasen-Ohren- Heilkunde, Unfallchirurgie, Anästhesiologie und Notfallmedizin, Dermatologie sowie Innere Medizin, Onkologie in einer Klinik absolviert werden sollen. „Diese Hospitationen werden auf großes Interesse stoßen“, ist sich Dr. Troßbach sicher. Prof. Dr. Dr. Reinert bezweifelte diese Resonanz und sah zudem die Ausführung für den Weiterbildenden als problematisch an. Dr. Jutta Vischer schlug vor, die Hospitationen über die Kliniken hinaus auf Praxen zu erweitern. Schließlich einigte man sich darauf, „Klinik“ als Ort der Hospitation zu streichen. Dr. Troßbach zeigte sich überzeugt, dass die Weiterbildungsassistenten auch außerhalb der Kliniken genug Anlaufstellen für ihre Hospitation finden werden.
Ebenso für größere Diskussion unter den Delegierten sorgte der OPKatalog im Fachgebiet Zahnärztliche Chirurgie. Zahlreiche Delegierte waren der Ansicht, dass der OP-Katalog zu viele Tätigkeiten aus dem Aufgabenbereich des Allgemeinzahnarztes aufweise. „Die nichtchirurgischen Leistungen müssen aus dem Katalog für Oralchirurgen heraus“, so Dr. Dr. Alexander Raff. Nach kontroverser Debatte verwies die Vertreterversammlung den OP-Katalog zurück in den Fachausschuss zur erneuten Vorlage in einem Jahr.
Ohne Diskussion blieben die Änderungen bei der Verfahrensordnung des Schlichtungsausschusses für ZFA und der Gebührenordnung. Sie wurden einstimmig angenommen.
Nachwahl. Das Statut für die Fortbildungseinrichtungen der LZK sieht die Niederlassung als Voraussetzung für die Bezirksvertreter und -vertreterinnen im Verwaltungsrat vor. Mit der Rückgabe ihrer vertragszahnärztlichen Zulassung durch Mitglieder des Verwaltungsrates der Akademie Karlsruhe bedurfte es einer Nachwahl der beiden Bezirksvertreter aus dem Bezirk Freiburg und Tübingen. Die Bezirkszahnärztekammern Freiburg und Tübingen haben zur Nachwahl in den Verwaltungsrat der Akademie Karlsruhe Dr. Klaus Sebastian und Dr. Herbert Martin vorgeschlagen. Beide Vorschläge wurden von den Delegierten bestätigt.
Seit 25. Mai ist sie in Kraft, die EU-DSGVO. Die Handreichung der LZK zur Umsetzung ist fertiggestellt, berichtete Dr. Hendrik Putze, der die Arbeit der Task Force aus Juristen und Zahnärzten lobte. „Die in der DSGVO angeführten Strafen für Arzt- und Zahnarztpraxen sind völlig übertrieben“, beklagte Dr. Putze. Die Vertreterversammlung verabschiedete daher einstimmig eine Aufforderung an den Landesdatenschutzbeauftragten „zur maßvollen Anwendung des Art. 83 DSGVO“. Festgestellte Verstöße gegen das Datenschutzrecht müssten nicht zwingend sofort mit Geldbußen geahndet werden.
Des Weiteren unterstützt die Vertreterversammlung den in den Bundestag eingebrachten Ergänzungsantrag zum Gesetzentwurf zur zivilprozessualen Musterfeststellungsklage, mit dem Abmahnmissbrauch bei mutmaßlichen Verstößen gegen die DSGVO verhindert werden soll. Ein Gesetz zur Bekämpfung von Abmahnmissbrauch sei dringend zu erlassen.
Auf Antrag von Dr. Klaus Lux wurde der LZK-Vorstand beauftragt, bis zur nächsten Dezember- VV ein Konzept zur Ergänzung der Verleihbestimmungen der Verdienstmedaille der LZK zu erarbeiten.
Landesversammlung des FVDZ Baden-Württemberg
Ein großes berufspolitisches Pensum hatten die Delegierten des Landesverbandes des Freien Verbandes am 14. Juli in Stuttgart zu bewältigen. Der Vorsitzende Dr. Joachim Härer konnte sich über die rege Teilnahme der Delegierten und zahlreicher Ehrengäste freuen, die trotz des sommerlichen Wetters den Weg in die Landesversammlung fanden.
Jochen Haußmann MdL, Gesundheitspolitischer Sprecher der FDPLandtagsfraktion, ließ es sich nicht nehmen, zur Landesversammlung zu kommen und seinen Respekt vor dem Engagement der Delegierten des Freien Verbandes auszudrücken. Denn just an diesem Tag kam auch die FDP in Rheinau zusammen, um auf ihrem kleinen Parteitag die Weichen für die Kommunal- und Europawahl im kommenden Jahr zu stellen. In seinem politischen Grußwort sparte er kaum ein Thema aus, das zurzeit den Berufsstand im Besonderen und die Bürgerinnen und Bürger im Lande im Allgemeinen bewegt. Ob die drohenden Fahrverbote in Stuttgart für Dieselfahrzeuge, die EU-Datenschutzgrundverordnung, und die damit verbundene Bürokratie, die Auswirkung von Zöllen und andere Themen mehr zeigen, dass mit Jochen Haußmann ein kompetenter Politiker engagiert die Bereiche Gesundheit und Verkehr in der Politik vertritt. Sein Credo, das sichtlich bei den Delegierten ankam: „Uns verbindet die Freiberuflichkeit“.
Kompetenz. Baden-Württembergs Landesverband kann sich glücklich schätzen, dass mit Dr. Gudrun Kaps-Richter eine in KZV und Kammer bestens vernetzte Kollegin auch als stv. FVDZBundesvorsitzende ihre Stimme einbringen kann. Dr. Gudrun Kaps- Richter nahm in ihrem Redebeitrag das Thema Pflege auf und wies darauf hin, dass ein Referentenentwurf aus dem Bundesministerium für Gesundheit vorliege. Sie dankte der LZK und KZV Baden-Württemberg, die zusammen mit den Kollegen Dr. Elmar Ludwig und Dr. Guido Elsäßer sehr engagiert die zahnärztliche Kompetenz und Stimme auf Bundes- und Landesebene bei der Versorgung von Menschen mit Handicap und Pflegebedarf einbringen. Sie appellierte an die Politik, weil die Pflege eine „gesamtgesellschaftliche Aufgabe ist, wesentlich mehr
Finanzmittel bereitzustellen“.
Kritisch setzte sich Dr. Gudrun Kaps-Richter ebenso wie Dr. Torsten Tomppert, Präsident der Landeszahnärztekammer Baden- Württemberg, mit den arztgruppengleichen medizinischen Versorgungszentren auseinander, die „Einfallstore für Kapitalgesellschaften sind und sich verstärkt in Ballungsräumen ansiedeln“. Hier sieht Dr. Kaps-Richter die Aufgabe des Freien Verbandes, noch mehr als bisher die zahnärztlichen Selbstverwaltungen in die Pflicht zu nehmen, denn die Selbstverwaltungen müssten aktiver werden und bei der Politik darauf hinwirken, dass die Rolle der arztgruppengleichen MVZ kritisch hinterfragt werde. Ihre klare Positionierung: „Der Gesundheitssektor kann keine Spielwiese für Heuschrecken sein.“ Dr. Tomppert betonte, dass die „Mono-MVZs abgeschafft werden müssen“. MVZs sind keine Kammermitglieder und stärken somit nicht die Selbstverwaltung. Darüber hinaus berichtete der Präsident über den konstruktiv-kritischen Dialog mit Sozialminister Lucha, der auch dazu geführt habe, dass in einem gemeinsamen Arbeitskreis das Thema Praxisbegehung und Hygieneanforderung mit zahnärztlicher Kammerkompetenz behandelt werde. Abgerundet wurden die Statements durch Anton Kehl, der als Repräsentant der apoBank für den Dialog mit den Berufsvertretungen steht.
Analyse und Perspektiven. Bevor die berufspolitische Agenda mit Anträgen aufgerufen, diskutiert und verabschiedet wurde, bat die Versammlungsleiterin, Dr. Elisabeth Echternach, den Vorsitzenden des FVDZ-BW, Dr. Joachim Härer, um seinen standespolitischen Bericht. Dr. Härer ging sofort in medias res, ließ die Ergebnisse der Koalitionsverhandlungen der GroKo Revue passieren und sparte nicht mit scharfen Kommentaren. So fragte er, ob nicht eine Einheitsgebührenordnung ante portas stünde. Dezidiert sprach er sich für eine strikte Trennung von ärztlichen und zahnärztlichen Bereichen im SGB V aus. Diese Trennung führe im Ergebnis auch zu einer Trennung von GOÄ und GOZ. Darüber hinaus appellierte er an die Politiker, die Approbationsnovellierung „zügig abzuschließen und für die Approbationsneuordnung auch die notwendigen Finanzmittel bereitzustellen“. Kritisch setzte er sich mit dem Stand der Telematik-Infrastruktur auseinander und forderte, dass Kosten- und Haftungsfragen nicht beim Berufsstand hängen bleiben dürfen. Im Hinblick auf die Umsetzung der EU-DSGVO lobte er die „sehr gute Unterstützung der Kollegenschaft“ durch die Landeszahnärztekammer Baden-Württemberg. Die Handlungsanleitung für die Kollegenschaft im Internet sei eine sehr gute Hilfestellung.
Bürokratie. Im Hinblick auf die nach wie vor kaum beherrschbare Bürokratie erinnerte er an die Empfehlungen des Normenkontrollrats aus dem Jahr 2015, die „nicht ansatzweise bis heute zum Abbau der Bürokratie geführt haben“. In seinem sehr ausführlichen Bericht ließ er keine für den Berufsstand relevanten Themen aus, die sich zudem in den Anträgen widerspiegeln.
Eine breite Diskussion unter den Delegierten löste der Antrag des Bezirksvorstands Süd-Württemberg aus, in dem die „Übernahme aller mit der Telematik-Infrastruktur zusammenhängenden Kosten durch die Krankenkassen“ gefordert wurde. So appellierte Kai Sallie an die KZBV, verstärkt mit den Krankenkassen zu verhandeln, damit die Kosten nicht beim Zahnarzt hängen bleiben. Letztlich wurden die Anträge u. a. zur Digitalisierung, zur Telematikinfrastruktur, zu arztgruppengleichen MVZs und zur eigenständigen Regelung des zahnärztlichen Bereichs im SGB V sowie die Abschaffung der Degression einstimmig von den Delegierten angenommen.
Last but not least wurde das politische Weißbuch des Freien Verbandes, die Plattform, aktualisiert und durch die Delegierten in der neuen Fassung einstimmig verabschiedet. Die Landesversammlung bekam durch die Bank von den Delegierten und dem Vorstand ob des sehr engagierten Auftretens der Delegierten und ihrer Diskussionsbeiträge großes Lob: „Konstruktiv und aktiv zum Wohle des Berufsstandes“ hieß es unisono.
Weitere Bildimpressionen finden Sie unter zahnaerzteblatt.de. Anträge und Plattform unter fvdz-bw.de.
Einerseits strenge Zulassungsbeschränkungen zum Studium, gleichzeitig ein zunehmender Mangel an Ärzten und Zahnärzten im ländlichen Raum: Politiker unterschiedlicher Couleur sehen hier nicht nur einen Zusammenhang, sondern auch eine potenzielle Lösungsstrategie für ein Versorgungsproblem, das in manchen Teilen Deutschlands bereits virulent ist. Junge (Zahn-)ärztinnen und -ärzte zieht es immer mehr in die Ballungszentren. Die Einzelpraxis in eigener Verantwortung, noch dazu im ländlichen Raum, wird dagegen immer unattraktiver – Praxisinhaber suchen oft vergeblich Nachfolger. Die Selbstverwaltungskörperschaften werden in den kommenden Jahren zunehmend mit dem Problem konfrontiert sein, wie sich angesichts dieser Entwicklung der Versorgungsauftrag flächendeckend sicherstellen lässt.
Ende 2017 wurde das bisherige Prozedere bei der Studienplatzvergabe im Fach Medizin teilweise für verfassungswidrig erklärt. Insbesondere bemängelten die Karlsruher Richter, dass zu viel Gewicht auf die Abiturnote gelegt werde. Aus dem richterlichen Auftrag, zu einer gerechteren Vergabe zu kommen, ergeben sich neue Chancen, nicht nur für die angehenden Studierenden, sondern auch für die Gesundheitsversorgung generell. Und nicht zum ersten Mal in der Geschichte des bundesdeutschen Föderalismus versuchen Gesundheitspolitiker aus der enormen Nachfrage nach den begehrten Studienplätzen Hilfsprogramme für die zunehmend dünne Personaldecke auf dem Land zu stricken.
Landarztquote. Ein in mehreren Bundesländern vorangetriebenes Modell ist die sogenannte Landarztquote, mit der ein bestimmter Anteil der Studienplätze gezielt an Bewerberinnen und Bewerber vergeben wird, die sich vertraglich verpflichten, eine gewisse Zeit in unterversorgten Gebieten zu praktizieren. Grundlage ist der von Bund und Ländern 2017 beschlossene „Masterplan Medizinstudium 2020“. Ganz aktuell hat die Landesregierung von Nordrhein-Westfalen einen Gesetzentwurf vorgelegt, mit dem ab dem Wintersemester 2019/2020 zunächst 168 der Medizin-Studienplätze (insg. 7,6 Prozent) nach einem besonderen Auswahlverfahren vergeben werden sollen: Wer bereits eine Ausbildung im medizinischen Bereich absolviert hat, wer sich ehrenamtlich engagiert und zudem einen speziellen Eignungstest für Landärzte übersteht, soll auch ohne Einser-Abitur die Chance auf ein Medizinstudium haben. Die Quote soll nicht nur für Allgemeinmediziner, sondern auch für Kinderärzte und Internisten gelten. „Ich kenne auch gute Mediziner, die eine drei als Abiturnote hatten“, erklärte unlängst der federführende Minister für Arbeit, Gesundheit und Soziales Karl Josef Laumann (CDU). Explizit werden im Gesetzentwurf Empathie und Sozialkompetenz als wichtige Schlüsselfaktoren genannt. Mit diesem Instrument erhofft sich die NRW-Regierung Linderung für den Ärztemangel auf dem Land. Für die Zahnmedizin gilt diese Quote zwar nicht, aufgrund vergleichbarer Probleme sind dahingehende Initiativen aber durchaus denkbar.
Sanktionen. Die Studierenden in NRW, die von der Landarztquote profitieren sollen, müssen sich im Gegenzug vertraglich verpflichten, für zehn Jahre in unterversorgten oder von Unterversorgung bedrohten Gebieten zu arbeiten. Sanktionen sind im Gesetz nicht geregelt, Minister Laumann zufolge drohen jedoch Vertragsstrafen, die sich an den Kosten des Studiums orientieren – bis zu 250.000 Euro stehen dabei im Raum. Erfahrungen aus den 80er-Jahren deuten jedoch auf eine hohe Quote von Vertragsbrüchigen hin, die die fällige, aber offenbar zu niedrig angesetzte Konventionalstrafe bezahlt haben. Analog dazu stehen auch die Probleme der Bundeswehr, die angehenden Ärzten ein Studium der Medizin oder Zahnmedizin ermöglicht und finanziert, wenn diese sich dafür für 17 (!) Jahre verpflichten. Ob das jetzt diskutierte Strafmaß die Studierenden davon abhält, sich später von ihrer Verpflichtung freizukaufen, bleibt abzuwarten. In Bayern, dessen Landesregierung ebenfalls die Einführung einer Landarztquote vorbereitet, ist unter Bezug auf Rechtsgutachter des Bundesgesundheitsministeriums ein Strafmaß von 150.000 Euro im Gespräch. Die Befürchtung, der wohlhabende Münchner Radiologe könne seinem Sohn und designiertem Praxisnachfolger über die Landarztregelung trotz nicht erreichten NCs ein Studium „kaufen“, lässt sich so jedenfalls kaum zerstreuen. Dabei ist die mit der geplanten Quote einhergehende Verpflichtung nichts völlig Neues: Auch die bestehende Förderung über das Stipendienprogramm des Bayerischen Gesundheitsministeriums setzt voraus, dass Medizinstudierende die fachärztliche Weiterbildung im Fördergebiet absolvieren und dann mindestens 60 Monate dort tätig sind – die Einschränkungen sind mithin deutlich begrenzter als bei der Landarztquote.
Bewertung. Die Beurteilung dieser Maßnahme fällt auch unter den Akteuren des Gesundheitswesens zwiespältig aus. Ob man nun primär eine Einschränkung der freien Berufsausübung sieht, oder aber ein freiwilliges Angebot, damit mehr junge Menschen ihren Traum von einem Medizinstudium verwirklichen können und zusätzlich die Versorgung gestärkt wird – viele Fragen sind bis heute ungeklärt.
Frühe Entscheidung. Fachlich scheint es zumindest fragwürdig, ob man bereits von Studienanfängern verlangen kann, sich sofort auf einen Bereich festzulegen, obwohl sie die Vielfalt der medizinischen Fachgebiete noch gar nicht überblicken können. Denn es ist unbestreitbar, dass Ärztinnen und Ärzte, die schon im Vorhinein auf einen bestimmten Studienschwerpunkt verpflichtet werden und diesen während des Studiums ungeachtet aller persönlichen Erfahrungen nicht mehr ändern können, in ihrer Lebensplanung beeinflusst werden. So kritisiert auch der Bundesverband der Medizinstudierenden in Deutschland eine „unverhältnismäßige Einschränkung der beruflichen Wahlmöglichkeiten“. Minister Laumann hingegen argumentiert, er wolle niemanden zwingen, aber denjenigen, deren erklärtes Ziel der Landarztberuf sei, ein Studium ermöglichen. Ob in der Realität nicht doch viele Profiteure der Quote eher widerwillig ihre zehn Jahre „absitzen“ werden, bis sie in urbane Zentren ziehen dürfen, bleibt abzuwarten.
Perspektiven. Weiterhin stellt sich die Frage, was es für das Image des Landarztes bedeutet, wenn potenzielle Bewerberinnen und Bewerber mit der Aussicht auf einen Studienplatz geködert werden sollen, den sie nur dank eines Sonderprogramms bekommen. In Schleswig- Holstein, dessen Landesregierung ebenfalls eine Landarztquote einführen will, sieht Ärztekammer- Präsident Bartmann darin „implizit das Eingeständnis, dass die Tätigkeit als Landarzt per se unattraktiv ist“. Um für die Zukunft genügend Ärzte und Zahnärzte zu finden, die sich freiwillig und aus eigenem Antrieb im ländlichen Raum niederlassen wollen, zählen zweifellos andere Faktoren. Hier muss die Politik ein umfassendes Paket schnüren, um die Lage vor Ort den Bedürfnissen der nächsten Generation, insbesondere auch junger Familien anzupassen. Gute Bildung und Betreuung, wirtschaftliche Perspektiven auch für den/die Partner/in, eine moderne öffentliche Infrastruktur durch gute Verkehrsverbindungen und schnelles Internet, kulturelle Angebote – das und vieles mehr wäre ein Weg, damit kleine Kommunen den Ballungszentren etwas an Attraktivität entgegensetzen können. Und natürlich muss sich auch die Selbstverwaltung hier einbringen, indem sie Vernetzung fördert und den Nachwuchs bei der Niederlassung im ländlichen Raum gezielt unterstützt und begleitet.
Fazit. Dennoch bleibt festzuhalten: Den zwei einwohnerstärksten Bundesländern Nordrhein-Westfalen und Bayern sowie weiteren Landesregierungen, die sich entsprechend positioniert haben, geht es längst nicht mehr um einen regionalen Modellversuch, sondern um eine tiefgreifende Neuerung in den Ausbildungsstrukturen des medizinischen Nachwuchses, die mittelfristig in immer mehr Ländern umgesetzt werden kann. Als Maßnahme, um schon bei der Auswahl der Studienbewerber gezielt die bestehenden Strukturfragen des Gesundheitswesens zu berücksichtigen, könnte eine solche Quote vielleicht taugen. Um den ländlichen Raum als Arbeitsumfeld gerade für Ärzte und Zahnärzte auf Dauer attraktiv zu halten oder wieder attraktiver zu machen, ist sie sicherlich unzureichend.
KZV BW stellt ersten Versorgungsbericht vor
In diesem Jahr hat die Kassenzahnärztliche Vereinigung Baden- Württemberg (KZV BW) erstmalig einen Versorgungsbericht herausgegeben. Anspruch und Ziel dieser Publikation ist es, für die Zahnärzteschaft wie auch für die Öffentlichkeit Transparenz über die zahnmedizinische Versorgung in den einzelnen Landkreisen zu schaffen. Neben den regionalen Versorgungszahlen liegt der Fokus auf dem vielfältigen strukturellen Wandel, dem der Berufsstand in Baden-Württemberg unterworfen ist. Außerdem wird die Versorgungssituation für einzelne Zielgruppen wie Pflegebedürftige und Menschen mit Behinderungen sowie in der Kinder- und Jugendzahnheilkunde beleuchtet.
21 Mio. Behandlungssitzungen, insg. 6,54 Millionen behandelte GKV-Versicherte, 7.900 Zahnärztinnen und Zahnärzte in 5.266 Zahnarztpraxen, ein Zahnarzt- Einwohner-Verhältnis von 1 zu 1.387 und dazu 98 Prozent der Patientinnen und Patienten, die mit ihrem Zahnarzt zufrieden sind – so stellt sich in wenigen Zahlen die zahnmedizinische Versorgung der Bevölkerung in Baden-Württemberg dar. „Unser Bericht belegt, dass die Situation landesweit noch gut bis sehr gut ist“, betont KZV-Vorstandsvorsitzende Dr. Ute Maier. „Diese starken Strukturen auch unter veränderten Bedingungen auf Dauer zu erhalten und vorausschauend zu agieren, ist unsere zentrale Aufgabe als KZV.“ Nicht in den Versorgungszahlen enthalten, aber durch zahlreiche Rückmeldungen und nicht zuletzt durch die Versichertenbefragung der KZV bestätigt, ist dagegen das hohe Maß an Empathie in Verbindung mit fachlicher Kompetenz, das die Patientinnen und Patienten erfahren.
Regionale Versorgung. Dem neuen Versorgungsbericht zufolge gibt es im großen Flächenland Baden-Württemberg trotz erheblicher regionaler Unterschiede nirgendwo eine Unterversorgung. Diese läge bei einem Versorgungsgrad von weniger als 50 Prozent vor. Den niedrigsten Versorgungsgrad weisen der Landkreis Freudenstadt (69,7 %) sowie der Enzkreis (66,8 %) auf. 18 Landkreise haben einen Versorgungsgrad von 80 bis 100 Prozent, 23 Stadt- und Landkreise von über 100 Prozent. Den landesweit höchsten Versorgungsgrad hat der Stadtkreis Baden-Baden mit 140,4 Prozent, dahinter folgen der Landkreis Konstanz (127,8 %) und der Landkreis Waldshut (127,3 %). Damit ist das Land auch in den Gegenden mit der niedrigsten Zahnarztdichte noch weit von einer Unterversorgung entfernt. Allerdings deutet sich an, dass die Versorgung im ländlichen Raum in den kommenden Jahren und Jahrzehnten eine zunehmende Herausforderung wird, denn die junge Generation von Zahnärztinnen und Zahnärzten zieht es immer mehr in die Ballungszentren.
Berufsbild. Der viel zitierte Strukturwandel ist somit auch in der Zahnmedizin immer stärker zu spüren. Es gibt verschiedene folgenreiche Entwicklungen, die der Versorgungsbericht anhand aktueller Zahlen der KZV klar bestätigt. Zentral ist dabei der Trend zu immer mehr Anstellungsverhältnissen anstelle der Niederlassung in der eigenen Praxis. Auch arbeiten immer mehr Zahnärztinnen und Zahnärzte nur noch in Teilzeit. Zwischen 2014 und 2018 ist die Zahl der angestellten Vertragszahnärztinnen und -zahnärzte von 1.164 auf 1.709 gestiegen, in Bezug auf die gesamte Vertragszahnärzteschaft von 15 auf 21 Prozent. Von den Zahnärztinnen befindet sich bereits ein Drittel in einem Anstellungsverhältnis. Diese Entwicklung wird sich aller Erwartung nach fortsetzen, denn bei den unter 35-Jährigen haben sich von 1.030 zugelassenen Mitgliedern sogar nur noch gut 30 Prozent für die Arbeit in der eigenen Praxis entschieden. Während die Zahl der Zahnärztinnen und Zahnärzte im Land insgesamt wächst, sinkt demgegenüber die Zahl der Zahnarztpraxen, was mit der Etablierung neuer Praxisformen zusammenhängt. Insbesondere die Zahl der Medizinischen Versorgungszentren hat in den letzten Jahren rasant zugenommen.
Geschlechterverhältnis. Das Geschlechterverhältnis in der Zahnärzteschaft wandelt sich ebenfalls: War der Berufsstand bis vor wenigen Jahren noch klar männlich dominiert, wächst der Anteil der Zahnärztinnen stetig an. Heute sind noch gut 60 Prozent der Zahnärzteschaft in Baden- Württemberg männlich und knapp 40 Prozent weiblich – bis 2030 werden die Frauen in der Mehrheit sein. Immer mehr Frauen studieren inzwischen Zahnmedizin, im Wintersemester 2016/17 waren 65 Prozent weiblich. In der Kieferorthopädie sind Frauen schon seit Jahren in der Mehrheit.
Generell ist ein gesteigerter Bedarf an Möglichkeiten zu einer besseren Vereinbarung von Familie und Beruf zu verzeichnen, was keineswegs nur die Zahnärztinnen, sondern den zahnmedizinischen Nachwuchs insgesamt betrifft. Neben Bürokratie und finanziellem Risiko hat die apoBank in einer Studie „Zukunftsbild Heilberufler“ vor allem die Themen „Vereinbarkeit von Familie und Beruf“ sowie „Arbeitsbelastung“ als Gründe ermittelt, warum sich Zahnärztinnen und Zahnärzte gegen eine Niederlassung entscheiden. Aufgabe der Körperschaften der Selbstverwaltung ist es, diesen Wandel aktiv zu begleiten. Der Versorgungsbericht bietet hierzu umfangreiches Datenmaterial und vielfältige Analysen.
Pflegebedürftige. Neben den Versorgungszahlen für die einzelnen Landkreise und den Daten zum Wandel innerhalb der Zahnärzteschaft beschäftigt sich der Versorgungsbericht u. a. mit der Zahngesundheit von Pflegebedürftigen und Menschen mit Behinderungen als einem Schwerpunkt der zahnärztlichen Versorgung. Erhalt und Förderung der Mundgesundheit bei diesen Gruppen ist umso wichtiger, da sie aufgrund körperlicher Einschränkungen oft nicht die Möglichkeit zu einer selbstständigen Zahn- und Mundpflege haben. Entscheidend ist zudem, gerade diejenigen zu erreichen, die nur eingeschränkt mobil sind und nicht (mehr) selbstständig eine Zahnarztpraxis aufsuchen können. Die Zahnärzteschaft in Baden- Württemberg hat dazu spezielle Therapieangebote im Rahmen der Gesetzlichen Krankenversicherung.
Für eine bessere zahnärztliche Versorgung dieser Patientengruppen hat der Gesetzgeber in den letzten Jahren verschiedene Regelungen für die aufsuchende Betreuung auf den Weg gebracht. So können Vertragszahnärztinnen und -zahnärzte Kooperationsverträge mit stationären Pflegeeinrichtungen abschließen, in denen die zahnärztlichen Leistungen sowie die Anleitung des Pflegepersonals zur Durchführung einer regelmäßigen Mund- und Zahnpflege bei den Patientinnen und Patienten geregelt sind. Stand März 2018 gab es mit knapp 400 Pflegeheimen (ca. 23 Prozent aller stationären Pflegeeinrichtungen) entsprechende Vereinbarungen. Insgesamt engagieren sich landesweit etwa 900 Zahnärztinnen und Zahnärzte intensiv in diesem Bereich. Seit Juli 2018 stehen für die Versorgung von älteren Menschen und Menschen mit Behinderungen zusätzliche Leistungen zur Verhütung von Zahnerkrankungen zur Verfügung (das Zahnärzteblatt Baden-Württemberg hat in Heft Nr. 6/2018 S. 8 ff. darüber berichtet).
Kinder und Jugendliche. Auch die Zahngesundheit von Kindern und Jugendlichen wird immer besser, was die erfolgreiche Präventionsarbeit der Zahnärzteschaft im Land bestätigt. Insbesondere der Rückgang von Karies ist deutlich: 81,3 Prozent sind heute vollkommen kariesfrei. Besonders erfreulich ist, dass dank der Gruppenprophylaxe, die zunehmend auch für unter Dreijährige greift, alle sozialen Schichten davon profitieren. Im Rahmen der Landesarbeitsgemeinschaft für Zahngesundheit Baden-Württemberg e.V. betreuen über 1.400 Patenzahnärztinnen und -zahnärzte sowie 170 Prophylaxefachkräfte zusammen mit Mitarbeitern des Öffentlichen Gesundheitsdienstes die Schulen und Kindertagesstätten vor Ort.
„Grenzenloses Vertrauen?“
„Grenzenloses Vertrauen“ klingt überaus spirituell, beinahe religiös – aber nicht nach einer empirisch messbaren Größe. Knapp 100 Prozent oder ganz exakt 97 Prozent Vertrauen dagegen sind messbar und aussagekräftig. Denn dies ist eines der Ergebnisse einer aktuellen Befragung von gesetzlich und privat Versicherten zur zahnärztlichen Versorgung in Baden-Württemberg. Und so gaben eben jene 97 Prozent der Befragten an, zu ihrem Zahnarzt großes bis sehr großes Vertrauen zu haben, 98 Prozent sind mit ihrem Zahnarzt zufrieden bis äußerst zufrieden. Auch die weiteren Zahlen, die der Vorstand auf der Vertreterversammlung Ende Juni erstmals präsentierte, waren von beeindruckender Deutlichkeit.
Damit liegt ganz aktuell eine umfassende, von einem renommierten Forschungsinstitut repräsentativ durchgeführte Umfrage zur zahnärztlichen Versorgung in Baden- Württemberg vor – nicht jedoch anhand von Niederlassungsstatistiken oder Abrechnungspositionen, sondern aus der subjektiven Sicht der Versicherten. „Es gibt ganz offensichtlich einen deutlichen Unterschied zwischen öffentlicher und veröffentlichter Meinung“, kommentierte Dr. Ute Maier die Ergebnisse in der Vertreterversammlung angesichts vielfältiger medial transportierter Kritik in den letzten Monaten „Unser Berufsstand macht trotz steigender gesetzlicher Regulierungen und einer hohen Bürokratielast einen phantastischen Job in stürmischen Zeiten. Das bestätigen uns die Patientinnen und Patienten in Baden-Württemberg.“
Ergebnisse. Abgefragt wurden in dieser Umfrage sämtliche Aspekte, die die zahnmedizinische Versorgung betreffen. Gleichzeitig wurde dabei nach unterschiedlichen Kriterien wie u. a. Versicherungsform, Geschlecht, Altersgruppe oder der Größe des Wohnorts differenziert. Betrachtet man die wesentlichen – etwa die generelle Zufriedenheit mit dem eigenen Zahnarzt, das Vertrauen in dessen fachliche Fähigkeiten, die Zufriedenheit mit der Versorgung vor Ort oder die Disziplin der Patientinnen und Patienten bei der Vorsorge – könnte man sich relativ entspannt zurücklehnen und die reinen Zahlen für sich selbst sprechen lassen. Dass neun von zehn Befragten ihre eigene Zahngesundheit für gut oder sehr gut halten, ist ebenfalls als starkes Zeichen für die zahnärztliche Versorgung und gerade auch für die Präventionsarbeit der Zahnärzteschaft zu werten. Dennoch wurde diese Umfrage nicht durchgeführt, damit sich ein Berufsstand und seine Körperschaften der Selbstverwaltung in ihrem eigenen Glanz sonnen können, sondern um konkrete Hinweise zu bekommen, was den Versicherten wirklich wichtig ist, wo im Sinne des Versorgungsauftrags und der Patientenzufriedenheit nachgesteuert werden muss und welche Themen für die Versorgungsplanung in den kommenden Jahren besonders im Fokus stehen müssen.
Persönliches Verhältnis. Mit den ausgezeichneten Werten bei der generellen Zufriedenheit und dem Vertrauen in die fachliche Fähigkeiten korrespondiert die oft langjährige Treue zu einer Praxis: Über drei Viertel der Befragten werden demnach seit mindestens fünf Jahren in derselben Praxis versorgt, 54 Prozent sogar schon seit zehn und mehr Jahren. Die gezielte Frage, welche Aspekte den Versicherten besonders wichtig sind, hat dementsprechend ergeben, dass eine große Mehrheit von 87 Prozent viel Wert auf ein persönliches Verhältnis zu ihrem Zahnarzt legt. Für die zukünftige Bedarfsplanung leitet sich daraus eine klare Botschaft ab. Es geht eben nicht nur darum, dass ‚irgendein Zahnarzt‘, der sein Handwerk gelernt hat, möglichst problemlos zu erreichen ist – es geht um ‚meinen Zahnarzt‘, also um den, der seine Patientinnen und Patienten sowie deren persönlichen Gesundheitszustand und die Krankengeschichte gut kennt. Nimmt man diesen Wunsch der Versicherten ernst, wird auch in Zukunft kein Weg an einer dezentralen Versorgungsstruktur mit – gerade im ländlichen Raum – kleineren Praxen vorbeiführen.
Bewertungsportale. Auch sind die persönlichen Erfahrungen als Patientin oder Patient deutlich wichtiger als die oft zweifelhaften Aussagen auf kommerziellen Bewertungsportalen im Internet, die nur von 16 Prozent der Befragten schon einmal genutzt wurden. Allerdings zeigt die Befragung nach Altersgruppen auch, dass die junge Generation deutlich häufiger von dieser Möglichkeit Gebrauch macht, was überdurchschnittlich stark auch auf Versicherte im urbanen Umfeld und mit einem hohen Bildungsniveau zutrifft. Zudem ist das Vertrauen in diese Portale bei den 18-34-Jährigen mit 68 Prozent relativ groß, während in allen anderen Altersgruppen die Skepsis überwiegt. Grundsätzlich ist davon auszugehen, dass die Bedeutung von Bewertungsportalen für internetaffine Nutzerinnen und Nutzer in den nächsten Jahren weiter zunehmen wird. Insofern wird es für die Zahnärzteschaft geboten sein, einen gemeinsamen modus vivendi zu finden, damit diese Portale nicht einer Entsolidarisierung unter Kolleginnen und Kollegen Vorschub leisten, die sich mithilfe kostenpflichtiger Profile oder gekaufter Bewertungen gegenseitig übervorteilen.
GKV – PKV. Eine deutliche Sprache sprechen die Ergebnisse der Befragung gerade auch in Bezug auf vermeintliche Unterschiede bei der Versorgung von gesetzlich und privat Versicherten. Wie häufig in der gesundheitspolitischen Debatte auch die „Zwei-Klassen-Medizin“ beschworen wird – bei der zahnärztlichen Versorgung in Baden-Württemberg ist davon aus Sicht der Patientinnen und Patienten nichts zu spüren. Durch die Erhebung der jeweiligen Versicherungsart lässt sich exakt nachzeichnen, dass in keinem einzigen Bereich nennenswerte Unterschiede in der Behandlung von gesetzlich und privat Versicherten bestehen. So bekommen alle Versicherten, ob privat oder gesetzlich, im selben Zeitraum einen Termin bei ihrem Zahnarzt, wenn kein Notfall vorliegt. Auch die Wartezeiten auf einen Termin bei akuten Zahnschmerzen oder Zahnproblemen bewegen sich auf demselben Niveau – diesen bekommen beide Gruppen zumeist ohne oder nur mit sehr geringer Wartezeit, fast 75 Prozent innerhalb eines Tages. Der Vorwurf, PKV-Versicherte würden direkt ins Behandlungszimmer durchgewinkt, während gesetzlich Versicherte im Wartezimmer schmoren müssten, entbehrt in baden-württembergischen Zahnarztpraxen ebenfalls jeder Grundlage. Die Wartezeiten in der Praxis sind fast exakt deckungsgleich – für beide Versicherungsarten gaben 95 Prozent der Befragten an, weniger als 30 Minuten warten zu müssen. Auch bei den regelmäßigen Zahnarztbesuchen wie bei der Bewertung der fachlichen Fähigkeiten decken sich die Ergebnisse zwischen privat und gesetzlich Versicherten.
Ländlicher Raum. Großes Interesse gilt nicht zuletzt den Ergebnissen der Befragung zur wohnortnahen zahnärztlichen Versorgung, nachdem analog zur allgemeinmedizinischen Versorgung auch die Besetzung von Zahnarztsitzen insbesondere im ländlichen Raum zunehmend schwieriger wird. Mit Blick auf die Bedarfsplanung der KZV Baden-Württemberg wird klar, dass es aus heutiger Sicht zwar keinen einzigen unterversorgten Landkreis gibt, wohl aber einige Gebiete, in denen es langsam knapp wird. Dazu passt die Wahrnehmung der Versorgungslage außerhalb der Ballungszentren bei den Versicherten: Heute sind 85 Prozent der Befragten in kleineren Kommunen der Meinung, dass die Anzahl der Zahnarztpraxen „eher ausreichend“ bis „voll und ganz ausreichend“ ist. Sieben Prozent halten sie für „eher nicht ausreichend“, zwei Prozent für „ungenügend“. In Kommunen mit mehr als 100.000 Einwohnerinnen und Einwohnern sind es lediglich drei Prozent, die die Anzahl der Zahnarztpraxen in Wohnortnähe für nicht ausreichend halten.
Fazit. Die derzeitige zahnärztliche Versorgung in Baden-Württemberg befindet sich für die Befragten qualitativ auf einem exzellenten, in Bezug auf die Erreichbarkeit einer Praxis auf einem überwiegend guten Niveau. Dennoch besteht für eine dauerhafte Sicherstellung einer guten wohnortnahen Versorgung in allen Landesteilen, gerade unter veränderten strukturellen Bedingungen, Handlungsbedarf. Hier ist die KZV aktiv – unter anderem über das Kommunalportal – und im Dialog mit allen Akteuren des Gesundheitswesens, um die entsprechenden Rahmenbedingungen zu schaffen.
Social-Media-Seminar der KZV BW
Die sozialen Netzwerke spielen als Kommunikationsmittel auch für die Zahnarztpraxen eine zunehmend wichtigere Rolle. Viele Praxen haben längst ihren eigenen Facebook-Auftritt, manche sind darüber hinaus auch auf anderen Kanälen aktiv. Nicht nur für die Außendarstellung und den Informationsfluss mit Blick auf die Patientinnen und Patienten – gerade auch im Wettbewerb um qualifiziertes Praxispersonal kann eine erfolgreiche Social-Media-Präsenz den entscheidenden Punkt setzen. Die optimale Nutzung der Sozialen Medien für Zahnarztpraxen das bestimmende Thema eines kürzlich von der Kassenzahnärztlichen Vereinigung Baden-Württemberg angebotenen Seminars.
Facebook ist mit über zwei Milliarden Nutzern das mit Abstand größte soziale Netzwerk weltweit – mit nach wie vor steigenden Nutzungszahlen. In Deutschland wird es von gut 30 Mio. Menschen in allen Altersgruppen genutzt. Richtig eingesetzt kann ein Facebook-Auftritt einen wichtigen Beitrag dazu leisten, als Zahnarztpraxis schnell mit konkreten Infos und einem einladenden Image an die unterschiedlichen Zielgruppen heranzukommen.
KZV-Seminar. Die praktischen Ratschläge, die Referent Christian Faller am 18. Juli beim Social- Media-Seminar der KZV BW für die anwesenden Praxisinhaber und Angestellten im Gepäck hatte, ließen an Klarheit nichts zu wünschen übrig. Ein Facebookprofil sei noch lange kein Selbstzweck, erklärte Faller, Social-Media-Experte mit internationaler Erfahrung, dazu Gründer und Geschäftsführer der digitalen Werbeagentur deepr in Stuttgart. Es komme darauf an, ein Verständnis dafür zu entwickeln, wie Facebook und andere Netzwerke funktionieren, und die bestehenden Möglichkeiten sinnvoll zu nutzen. Ein guter Auftritt in den sozialen Medien sei ein wichtiger Bestandteil für eine positive Außendarstellung einer Praxis – eine schlechte Performance dagegen nicht nur sinnlos, sondern im schlimmsten Fall auch schädlich.
Algorithmus. Ziel eines aktiv genutzten Facebookprofils ist es, eine gute Reichweite mit den eigenen Beiträgen zu erzielen, um wahrgenommen zu werden. Denn die allermeisten Nutzer gehen nicht auf die Profilseite von Personen oder Institutionen, sondern lesen nur deren Beiträge im Newsfeed. Entscheidend ist dabei der vielzitierte Facebook-Algorithmus, denn dieser bestimmt, was die Nutzer in ihrem Newsfeed zu sehen bekommen. „Was zählt, sind gute Beiträge.“ „Lieber gar nichts posten, als schlechtes Zeug!“ „Interagieren ist wertvoll.“ Wenn man sich auf wenige Grundsätze wie diese besinnt, ist viel gewonnen. Ein Beitrag sollte auf jeden Fall das Interesse der eigenen Fans oder Facebookfreunde berühren. Er sollte anstelle eines einfachen „gefällt mir“ aktive Emotionen wie „Haha“, „traurig“ oder „wütend“ generieren, Kommentare hervorrufen, die wiederum kommentiert werden und so Diskussionen anzetteln, und idealerweise auch noch geteilt werden.
Beitrag. Der Facebooknutzer hat nur eine sehr kurze Zeitspanne von knapp zwei Sekunden, um mit seinem Beitrag zu überzeugen und beim Empfänger „anzukommen“. Beiträge funktionieren am besten, wenn Videos und Bilder gezielt eingesetzt werden. Emojis werten ein Posting ebenfalls auf, der Text dagegen sollte möglichst kurz sein. Außerdem sollte man auf die Zeit der Veröffentlichung achten: Facebook analysiert das Nutzerverhalten und liefert Informationen, wann Fans oder Freunde online sind.
Wenn wenn es einer Praxis gelingt, über die unterschiedlichen sozialen Medien Alleinstellungsmerkmale zu schaffen, ein vertrauenerweckendes, konsistentes Bild nach außen abzugeben und mit präzisen Informationen einen echten Mehrwert für den Leser zu schaffen, profitiert sie davon genauso wie die Patientinnen und Patienten. Die KZV BW steht hier unterstützend zur Seite und wird bei Bedarf weitere derartige Seminare anbieten.