Source: https://www.netze-bw.de/Einspeiser/49-5-Hz
Timestamp: 2018-08-19 19:59:43
Document Index: 80684430

Matched Legal Cases: ['§21', '§ 21', '§5', '§ 100', '§ 13', '§ 13', '§ 19']

49,5 Hz, Nachrüstung dezentraler Erzeugungsleistung - Netze BW GmbH
49,5 Hz - Nachrüstung dezentraler Erzeugungsleistung
Am 14. März 2015 verabschiedete die Bundesregierung die Verordnung zur Änderung der Systemstabilitätsverordnung und reagiert damit auf das sogenannte „49,5-Hz-Problem“. Genau wie beim vorangegangenen „50,2-Hz-Problem“ geht es darum, das Stromnetz bei starken Abweichungen von der normalen Netzfrequenz (50 Hertz) stabil zu halten. Dies wird durch die Nachrüstung von EEG-Anlagen mit neuen Frequenzschutzeinstellungen ermöglicht.
Mit den geänderten Abschaltfrequenzen werden sich die Anlagen zukünftig nicht mehr zeitgleich vom Netz trennen, sondern in einem gestuften Prozess. Deutschlandweit sind rund 21.000 Windenergie-, Biomasse, KWK- und Wasserkraftanlagen betroffen, die insgesamt eine Leistung von ca. 27 Gigawatt ausmachen. Inwieweit eine Anlage in die Nachrüstung einbezogen wird, hängt von der installierten Leistung, dem Zeitpunkt der Inbetriebnahme und der Spannungsebene, an der sie angeschlossen ist, ab. Die Anlagenbetreiber werden rechtzeitig von der Netze BW oder Ihrem zuständigen Netzbetreiber über die Maßnahmen informiert. PV-Anlagen sind hingegen von dieser erneuten Verordnung nicht mehr betroffen.
Pflichten- und Fristenübersicht (PDF)
Nachrüstaufforderung (PDF)
SysStabV-Nachrüstungsprotokoll (PDF)
Musterformular Kostenvoranschlag gem. §21 SysStabV (DOC)
SysStabV Musterantrag - Kostenerstattung (DOC)
BDEW Prozessleitfaden SysStabV (PDF)
Prozessleitfaden technische Qualitätssicherung (PDF)
Bundesverband Windernergie
Was ist die SysStabV und was ist der Hintergrund der 49,5 Hz Problematik?
Am 14.03.2015 ist die Verordnung zur Änderung der Systemstabilitätsverordnung verabschiedet worden. Mit der Verordnung reagiert die Bundesregierung auf das sogenannte „49,5-Hz-Problem“. Genau wie beim vorangegangenen „50,2-Hz-Problem“ geht es darum, durch neue Frequenzschutzeinstellungen das Stromnetz bei starken Abweichungen von der normalen Netzfrequenz (50 Hertz) stabil zu halten. Mit den geänderten Abschaltfrequenzen sollen sich die Anlagen zukünftig nicht mehr zeitgleich vom Netz trennen, sondern in einem gestuften Prozess. Deutschlandweit sind rund 21.000 Windenergie-, Biomasse, KWK- und Wasserkraftanlagen betroffen, die insgesamt eine Leistung von ca. 27 Gigawatt ausmachen. Inwieweit eine Anlage in die Nachrüstung einbezogen wird, hängt von der installierten Leistung, dem Zeitpunkt der Inbetriebnahme und der Spannungsebene, an der sie angeschlossen ist, ab. PV-Anlagen sind hingegen von dieser erneuten Verordnung nicht mehr betroffen.
Wann ist eine Nachrüstung notwendig bzw. welche Anlagen sind davon betroffen?
KWK MS - 1.1.2009 5.000 kW -
KWK NS - 1.7.2012 5.000 kW -
KWK MS 1.1.2000 1.1.2009 100 kW 5.000 kW
KWK NS 1.1.2000 1.7.2012 100 kW 5.000 kW
Wind MS - 1.1.2009 450 kW -
Wind NS - 1.7.2012 450 kW -
Bio (fest) MS - 1.1.2009 100 kW -
Bio (fest) NS - 1.7.2012 100 kW -
Bio (flüssig, HS 1.1.2000 1.9.2004 100 kW -
gasförmig MS 1.1.2000 1.1.2009 100 kW -
und Biomethan NS 1.1.2000 1.7.2012 100 kW -
Wasser MS - 1.1.2009 100 kW -
Wasser NS - 1.7.2012 100 kW -
Was sind die Aufgaben des Verteilnetzbetreibers (VNB)?
Die Betreiber von Verteilnetzen sind Vermittler zwischen den Anlagenbetreibern und den Betreibern der Übertragungsnetze. Sie übernehmen einen Großteil der Kommunikation und verantworten die Auszahlung der über den Eigenanteil der Anlagenbetreiber hinausgehenden Kosten anhand einer Rechnung zur Kostenerstattung.
Was sind die Aufgaben des Übertragungsnetzbetreibers (ÜNB)?
Die Betreiber der Übertragungsnetze legen die einzustellenden Frequenzschutzwerte fest und entscheiden über Ausnahmebegehren und Kostenvoranschläge. Wenn die Nachrüstungskosten den Eigenanteil der Anlagenbetreiber übersteigen, sind sie außerdem dazu verpflichtet, die Kosten zu prüfen. Schließlich übernehmen sie die stichprobenweise Qualitätskontrolle der Nachrüstung, wobei sie von den Verteilnetzbetreibern unterstützt werden.
Warum taucht das Thema erst jetzt auf?
In Deutschland legen die Netzbetreiber die Regeln für den Anschluss und Betrieb des Stromnetzes fest. Konkret geschieht dies im „Forum zur Weiterentwicklung von Netztechnik und Netzbetrieb“ beim Verband der Elektrotechnik Elektronik Informationstechnik e.V. oder kurz „VDE FNN“.
Das zuvor zuständige Gremium, der Verband der Netzbetreiber (VDN), hat technischen Richtlinien vorgeschrieben, dass alle dezentralen Erzeugungsanlagen bei 50,2 Hz bzw. 49,5 Hz unverzüglich abgeschaltet werden müssen.
Den dynamischen Ausbau der dezentralen Erzeugungsleistung – Ende 2011 betrug die in Deutschland installierte Leistung etwa 25 Gigawatt – hat das Gremium bei der Formulierung der Anschlussrichtlinien in den Jahren 2005/2006 nicht vorhergesehen.
Durch den Anstieg des Anteils dezentraler Erzeugungsanlagen in Deutschland erweist sich die Abschaltfrequenz von 49,5 Hz allerdings zunehmend als potentielle Gefahr für den stabilen und sicheren Netzbetrieb.
Sinkt die Netzfrequenz aufgrund einer Störung auf 49,5 Hz, würden sich je nach Wetterlage und Erzeugungssituation Stromerzeuger mit einer installierten Leistung von bis zu 27 GW vom Netz trennen. Die Netzbetreiber könnten das Stromnetz bei einem solchen, plötzlichen Leistungsverlust nicht mehr stabilisieren, was einen weitreichenden Stromausfall zur Folge haben könnte.
Warum schalten dezentrale Erzeugungsanlagen bei einer bestimmten Frequenz ab?
Entscheidend für die Netzstabilität ist, dass immer die aktuell im Netz benötigte Menge Strom dem Netz zugeführt wird. Steigt die Frequenz an, ist das ein Zeichen dafür, dass zu viel Strom in das Netz eingespeist wird. Bei abfallender Frequenz wird entsprechend zu wenig Strom eingespeist. Um die Netzstabilität zu gewährleisten, werden mit Hilfe der neuen Regelung die Anlagen schrittweise bzw. „sanft“ vom Netz getrennt. Nach den bisherigen Vorgaben trennt sich gleichzeitig eine Vielzahl von Anlagen bei derselben Frequenz, was zu schwer beherrschbaren Situationen hätte führen können. Dies wäre bspw. bei einem Absinken der Netzfrequenz auf 49,5 Hz der Fall. Dadurch dass ohnehin in diesem Moment bereits zu wenig Einspeisung im Netz vorliegt, würde die zusätzliche gleichzeitige Abschaltung vieler dezentraler Erzeugungsanlagen das Absinken der Netzfrequenz weiter verstärken.
Warum gibt es eine einheitliche Frequenz von 50 Hz?
Die heute übliche Netzfrequenz in Deutschland und in Europa liegt bei 50 Hertz (Hz). Die Wahl der Netzfrequenz ist historischen Ursprungs. Um die Jahrhundertwende zwischen dem 19. und 20. Jahrhundert liegt der Ursprung des Elektrizitätsnetzes. Die Wahl der vergleichsweise niedrigen Frequenz von 50 Hz war ein Kompromissvorschlag, der vielen Faktoren Rechnung trug. So steigen zum Beispiel die Verluste bei höheren Frequenzen an. Eine einheitliche Frequenz ist eine wichtige Voraussetzung für ein synchron betriebenes Netz.
Was wird bei einer Nachrüstung an meiner dezentralen Anlage gemacht?
Die Nachrüstung kann in den meisten Fällen durch eine Anpassung der Einstellwerte des vorhandenen Frequenzschutzes erfolgen. Bei einigen Anlagen ist die vollständige Aufweitung des Frequenzbereichs nur mithilfe des Austauschs von Bauteilen am Antriebsstrang oder der Energieumwandlung möglich. In diesen Fällen ist ggf. eine Einzelfallbetrachtung nötig, um die technischen Spezifikationen zu bewerten.
In jedem Fall ist für sämtliche betroffenen Erzeugungsanlagen die untere Abschaltfrequenz von aktuell 49,5 Hz auf 47,5 Hz anzupassen (Abweichungen hiervon sind nur in Ausnahmefällen und nach Zustimmung des Regelzonenverantwortlichen Übertragungsnetzbetreiber zulässig -> vgl. Ausnahmebegehren). Die Nachrüstung betrifft sowohl die Änderung der Frequenzschutzeinstellwerte für die Erzeugungsanlage sowie die ggf. zusätzlich vorhandene vorgelagerte Entkupplungsschutzeinrichtung.
Die einmaligen Kosten der Nachrüstung (wenige Hundert Euro bis zu mehreren Tausend Euro pro Anlage) können je nach Anlagengröße und Anlagentyp sehr unterschiedlich ausfallen. Deutschlandweit werden Gesamtkosten von etwa 100 Millionen Euro erwartet. Die Kosten für die Nachrüstung tragen die Anlagenbetreiber bis zur Höhe von 7,50 Euro pro Kilowatt installierter Leistung selbst. Sollten die Kosten diesen Betrag übersteigen - zum Beispiel aufgrund von aufwendigen Recherchearbeiten - werden 75 Prozent der darüber hinausgehenden Kosten von den Betreibern der Übertragungsnetze erstattet. Die Auszahlung erfolgt durch den für die Erzeugungsanlage zuständigen Anschlussnetzbetreiber (i.d.R. der Verteilnetzbetreiber).
Was muss ich beim Einreichen eines Kostenvoranschlags beachten?
Gemäß SysStabV werden Kostenvoranschläge (KVA) vom Anlagenbetreiber an den Übertragungsnetzbetreiber (ÜNB) gesandt. Im Netzgebiet der Netze BW ist dies die Transnet BW. Ihre Kostenvoranschläge müssen unter der E-Mail Adresse systabv@transnetbw.de oder per Post eingereicht werden:
Transnet BW GmbH Frau Rhea Heßler Osloer Straße 15-17 70173 Stuttgart Tel.: 0711 21858–3179
Der ÜNB kann diese gemäß § 21 Abs. 3 SysStabV innerhalb von vier Wochen ab Zugang durch eine schriftliche oder elektronische Mitteilung an den Betreiber der Anlage beanstanden. Das Musterformular hierzu finden Sie im Downloadbereich. Für allgemeine Fragen rund um die 49,5 Hz-Thematik können Sie sich weiter an die Kontaktadressen auf der Website wenden.
Was ist bei der Einreichung einer Rechnung zur Kostenerstattung zu beachten?
Die Erstattung der Kosten an den Anlagenbetreiber erfolgt auf Basis der eingereichten Rechnung. Dabei muss der erstattungsfähige Betrag identisch zum vorher genehmigten Kostenvoranschlag sein.
Die Nachrüstung meiner PV-Anlage zur 50,2 Hz Problematik wurde durch die Netze BW durchgeführt. Warum bin ich nun in der Pflicht?
Ein an die Photovoltaik-Nachrüstung angelehntes Verfahren, bei dem die Nachrüstung durch die Netzbetreiber durchgeführt wird, ist hier nicht zielführend.
Es handelt sich hierbei um individuell aufgebaute Anlagen, bei denen sich die Hersteller/Errichter am besten auskennen und die Anlagen mit dem geringsten Aufwand nachrüsten können. Die Beauftragung eines Dienstleisters durch den Netzbetreiber würde für jede Anlage einen unverhältnismäßig hohen Recherche und Einarbeitungsaufwand bedeuten, der zu sehr hohen Nachrüstungskosten führen würde.
Zudem betrifft die Nachrüstung nur Anlagen mit einer Leistung von mehr als 100 Kilowatt, so dass von einer organsierten Betreiberstruktur ausgegangen werden kann, während bei PV-Anlagen hauptsächlich Einzelpersonen betroffen waren.
Meine Anlage erfüllt bereits die Anforderungen des EEG bzgl. Einspeisemanagement – weshalb muss ich dennoch zusätzlich die Anforderungen gemäß SysStabV nachrüsten?
Die SysStabV sieht eine passive präventive frequenzgesteuerte Abschaltung innerhalb von Millisekunden vor. Dies ist kein aktives Eingreifen des Netzbetreibers vergleichbar mit dem Einspeisemanagement mit Hilfe eines Funkrundsteuerempfängers (FRE). Der FRE überwacht nicht die Netzfrequenz, sondern dient lediglich als Signalempfänger für die Anforderung des Verteilnetzbetreibers zur Leistungsreduktion um einen Netzengpass zu verhindern und die Sicherheit und Zuverlässigkeit des Elektrizitätsversorgungssystems zu gewährleisten. Daher ist eine Nachrüstung laut SysStabV zur 49,5 Hz Problematik unabhängig davon nötig.
Die tatsächliche Leistung meiner Anlage ist aufgrund von beispielsweise Reibungsverlusten oder niedrigem Wasserstand deutlich geringer. Bin ich nun von der Nachrüstungspflicht befreit?
Nein, entscheidend ist die angegebene Nennleistung der Anlage (bspw. Typenschild oder Anlagendokumentation).
Meine Anlage wurde modernisiert und somit hat sich das Datum der Inbetriebnahme geändert. Muss ich meine Anlage immer noch nachrüsten lassen, auch wenn das Datum in der obigen Tabelle bei der jeweiligen Erzeugungsart nicht mehr vorhanden ist?
Ja, entscheidend ist das Datum der Inbetriebnahme der Anlage laut §5 Nr. 21 EEG-2014.
Was passiert, wenn ich die Fristen nicht einhalten kann oder bei Untätigkeit?
Wird die Nachrüstung nicht frist- oder vorgabengerecht umgesetzt, so droht dem Anlagenbetreiber gemäß § 100 Abs. 4 EEG 2014 die Verringerung der EEG-Vergütung oder der Marktprämie auf null. Die Sanktion gilt für jeden angefangenen Kalendermonat bis zur ordnungsgemäßen Umsetzung der Nachrüstung und kann nicht rückwirkend erstattet werden. Darüber hinaus droht die Einleitung eines Bußgeldverfahrens durch die Bundesnetzagentur. In besonderen Fällen kann eine Fristverlängerung oder Ausnahmebegehren beantragt werden.
Bis wann muss die Nachrüstung durchgeführt werden?
Die Nachrüstung muss bis 12 Monate nach Zugang der Nachrüstaufforderung durchgeführt werden.
Wer darf die Nachrüstung durchführen?
Die Nachrüstungen darf durch eine Fachkraft gem. DIN VDE 0105-100:2009-10 Abschnitt 3.2.3 durchgeführt werden. Soweit der Anlagenbetreiber die Voraussetzungen erfüllt, kann die Nachrüstung auch durch Ihn selbst erfolgen. Ein entsprechender Nachweis der Qualifikation als Fachkraft i.S. der Verordnung ist zwingend der Nachrüstbestätigung beizufügen (-> vgl. Nachrüstbestätigung).
Der Hersteller/Dienstleister meiner Anlage existiert nicht mehr. An wen soll ich mich nun wenden?
Falls Ihr Hersteller oder Dienstleister nicht mehr existiert, sollten Sie sich an eine zertifizierte Fachkraft wenden, die die Nachrüstung laut DIN VDE 0105-100:2009-10 Abschnitt 3.2.3 durchführen darf.
Was muss ich bei der Nachrüstbestätigung beachten?
Ausnahmebegehren
Diese relevanten Anlagen sind innerhalb der genannten Fristen vollständig auszufüllen und an den zuständigen Anschlussnetzbetreiber bzw. an das vom Anschlussnetzbetreiber beauftragten Dienstleisterunternehmen (welches in den Formularen angegeben ist) zurück zu senden.
Ein Nachweis über die Fachkunde ist der Nachrüstbestätigung zwingend beizufügen (gemäß § 13 Abs. 3 SysStabV).
Die einzustellenden Frequenzschutzwerte müssen den Vorgaben des Verteilnetzbetreibers entsprechen. Die Nachrüstung ist vom Betreiber und der Fachkraft mittels der vollständig ausgefüllten und unterzeichneten Nachrüstbestätigung, ggf. ergänzt über ein Prüfprotokoll, nachzuweisen (§ 13 Abs. 5 SysStabV).
Führt die Nachrüstung gemäß SystabV zu einem Gültigkeitsverlust der Anlagenzertifizierung/ Konformitätserklärung?
Nein. Da es sich bei der 49,5 Hz-Umrüstung um eine netzdienliche, -relevante und durch den Gesetzgeber geforderte Maßnahme handelt, bleibt die Gültigkeit der Zertifizierung/ Konformitätserklärung Ihrer Anlage hiervon unberührt.
Findet abschließend noch eine Qualitätskontrolle der technischen Nachrüstung statt?
Der Übertragungsnetzbetreiber ist verpflichtet, eine stichprobenartige Kontrolle der Nachrüstung durchzuführen oder durchführen zu lassen (§ 19 Abs. 1 Satz 1 SysStabV). Dabei sind die Verteilnetzbetreiber aufgefordert, bei der Durchführung der Kontrolle zu unterstützen. Die Ziehung der Stichprobe übernimmt der ÜNB über seine gesamte Regelzone.