Source: https://www.rechtslupe.de/arbeitsrecht/berechnung-des-pfaendbaren-einkommens-die-nettomethode-363450
Timestamp: 2020-08-11 19:14:45
Document Index: 317938822

Matched Legal Cases: ['§ 850', '§ 850', '§ 850', '§ 850', '§ 850', '§ 394', '§ 850', '§ 850', '§ 850', '§ 850', '§ 850', '§ 850', '§ 850', '§ 850', '§ 850', '§ 850', '§ 19', '§ 14', '§ 850', '§ 850', '§ 850', '§ 850', '§ 4', '§ 3', '§ 850', '§ 850', '§ 850', '§ 850', '§ 850', '§ 850', '§ 850', '§ 850', '§ 850', '§ 850', '§ 850', '§ 850', '§ 850', '§ 850', '§ 850', '§ 850', '§ 850', '§ 850', '§ 850', '§ 850', '§ 850', '§ 850', '§ 850', '§ 850', '§ 850', '§ 850', '§ 850', '§ 210']

Berechnung des pfändbaren Einkommens - die Nettomethode | Rechtslupe
Bei Vor­lie­gen unpfänd­ba­rer Bezü­ge ist das pfänd­ba­re Ein­kom­men gemäß § 850e Nr. 1 Satz 1 ZPO nach der Net­to­me­tho­de zu berech­nen. Die der Pfän­dung ent­zo­ge­nen Bezü­ge sind mit ihrem Brut­to­be­trag vom Gesamt­ein­kom­men abzu­zie­hen. Ein erneu­ter Abzug der auf die­sen Brut­to­be­trag ent­fal­len­den Steu­ern und Abga­ben erfolgt nicht.
Gemäß § 850e Nr. 1 Satz 1 ZPO sind bei der Berech­nung des pfänd­ba­ren Ein­kom­mens nicht mit­zu­rech­nen die nach § 850a ZPO der Pfän­dung ent­zo­ge­nen Bezü­ge, fer­ner Beträ­ge, die unmit­tel­bar auf­grund steu­er­recht­li­cher oder sozi­al­recht­li­cher Vor­schrif­ten zur Erfül­lung gesetz­li­cher Ver­pflich­tun­gen des Schuld­ners abzu­füh­ren sind.
Nach der Recht­spre­chung der Instanz­ge­rich­te und der herr­schen­den Mei­nung im Schrift­tum sind von dem Gesamt­brut­to­ein­kom­men des Arbeit­neh­mers zunächst die nach § 850a ZPO unpfänd­ba­ren Bezü­ge mit dem Brut­to­be­trag und anschlie­ßend die auf das Gesamt­brut­to­ein­kom­men (d.h. ein­schließ­lich der unpfänd­ba­ren Bezü­ge) zu zah­len­den Steu­ern und Sozi­al­ver­si­che­rungs­bei­trä­ge abzu­zie­hen (sog. Brut­to­me­tho­de) [1]. Die auf die unpfänd­ba­ren Bezü­ge ent­fal­len­den Steu­ern und Sozi­al­ver­si­che­rungs­bei­trä­ge wer­den nach die­ser Ansicht also zwei­mal in Abzug gebracht [2]. Das soll im Hin­blick auf die Schutz­wür­dig­keit des Schuld­ners und ver­ein­fach­te Rechen­we­ge hin­nehm­bar sein.
Nach der Gegen­an­sicht sind im Anschluss an den Abzug der nach § 850a ZPO unpfänd­ba­ren Beträ­ge mit dem Brut­to­be­trag ledig­lich die Steu­ern und Sozi­al­ver­si­che­rungs­bei­trä­ge in Abzug zu brin­gen, die auf das rest­li­che, also das ohne die unpfänd­ba­ren Bezü­ge ver­blei­ben­de Brut­to­ein­kom­men zu zah­len sind (sog. Net­to­me­tho­de) [3].
Das Bun­des­ar­beits­ge­richt hat über die­se Fra­ge bis­her nicht aus­drück­lich ent­schie­den.
Im Urteil vom 04.04.1989 folg­te der Ach­te Bun­des­ar­beits­ge­richt im Ergeb­nis der Brut­to­me­tho­de, aller­dings ohne die Streit­fra­ge zu erör­tern [4].
Im Urteil vom 05.12.2002 erklär­te das Bun­des­ar­beits­ge­richt die Auf­rech­nung eines Arbeit­ge­bers gegen Lohn­for­de­run­gen des Arbeit­neh­mers für gemäß § 394 Satz 1 BGB unzu­läs­sig, weil der Klä­ger im maß­geb­li­chen Monat neben dem ste­ti­gen Monats­lohn Anspruch auf Über­stun­den­ver­gü­tung hat­te und der Arbeit­ge­ber nicht dar­ge­legt hat­te, wel­cher Teil des auf der Lohn­ab­rech­nung aus­ge­wie­se­nen Gesamt­net­to­be­trags der Über­stun­den­ver­gü­tung zuzu­rech­nen sei [5]. Die­ser Argu­men­ta­ti­on liegt die Net­to­me­tho­de zugrun­de; nach der Brut­to­me­tho­de wäre das pfänd­ba­re Ein­kom­men nach Maß­ga­be der auf der Lohn­ab­rech­nung aus­ge­wie­se­nen Brut­to­be­trä­ge und abzu­füh­ren­den Steu­ern und Sozi­al­ver­si­che­rungs­bei­trä­ge erre­chen­bar gewe­sen.
Die zutref­fen­de Berech­nungs­wei­se ist die Net­to­me­tho­de. Im Anschluss an den Abzug der nach § 850a ZPO unpfänd­ba­ren Beträ­ge mit dem Brut­to­be­trag sind ledig­lich die Steu­ern und vom Arbeit­neh­mer zu tra­gen­den Sozi­al­ver­si­che­rungs­ab­ga­ben in Abzug zu brin­gen, die auf das ohne die unpfänd­ba­ren Bezü­ge ver­blei­ben­de Brut­to­ein­kom­men zu zah­len sind. Bei der Berech­nung des pfänd­ba­ren Ein­kom­mens gemäß § 850e Nr. 1 Satz 1 ZPO sind die auf die unpfänd­ba­ren Bezü­ge ent­fal­len­den Steu­ern und Sozi­al­ver­si­che­rungs­bei­trä­ge also nur ein­mal abzu­zie­hen. Das ergibt die Aus­le­gung des § 850e Nr. 1 Satz 1 ZPO.
Der Wort­laut der Vor­schrift weist bereits in die­se Rich­tung, lässt aller­dings Zwei­feln Raum. Nicht zum pfänd­ba­ren Ein­kom­men gehö­ren nach § 850e Nr. 1 Satz 1 ZPO „die nach § 850a der Pfän­dung ent­zo­ge­nen Bezü­ge“ sowie „fer­ner Beträ­ge, die … auf­grund steu­er­recht­li­cher oder sozi­al­recht­li­cher Vor­schrif­ten … abzu­füh­ren sind“, also Steu­ern und Sozi­al­ver­si­che­rungs­bei­trä­ge.
Da § 850e Nr. 1 Satz 1 ZPO „die nach § 850a der Pfän­dung ent­zo­ge­nen Bezü­ge“ vor den abzu­füh­ren­den Steu­ern und Sozi­al­ver­si­che­rungs­bei­trä­gen erwähnt, muss es sich dabei um Brut­to­be­zü­ge han­deln [6]. Davon geht auch die Net­to­me­tho­de aus, indem sie zunächst den Brut­to­be­trag der nach § 850a ZPO der Pfän­dung ent­zo­ge­nen Bezü­ge in Abzug bringt.
Nicht voll­ends ein­deu­tig ist, wie der Begriff „Beträ­ge“ zu ver­ste­hen ist. Die von den Befür­wor­tern der Brut­to­me­tho­de ver­tre­te­ne Annah­me, „Beträ­ge“ im Sin­ne von § 850e Nr. 1 Satz 1 ZPO sei­en die auf das Gesamt­brut­to­ein­kom­men zu zah­len­den Steu­ern und Sozi­al­ver­si­che­rungs­bei­trä­ge, hat den Geset­zes­wort­laut nur schein­bar auf ihrer Sei­te, inso­fern näm­lich auch für die gemäß § 850a ZPO unpfänd­ba­ren Bezü­ge Steu­ern und Sozi­al­ver­si­che­rungs­bei­trä­ge „… abzu­füh­ren sind“. Die maß­geb­li­chen Vor­schrif­ten (§ 19 EStG, § 14 Abs. 1 SGB IV) unter­schei­den nicht zwi­schen pfänd­ba­ren und unpfänd­ba­ren Bezü­gen. Gegen ein sol­ches Ver­ständ­nis des Begriffs „Beträ­ge“ spricht aller­dings, dass die „Beträ­ge“ neben den „Bezü­gen“ erwähnt sind; sie sind „fer­ner“ nicht mit­zu­rech­nen. Dies legt nach übli­cher Geset­zes­tech­nik nahe, dass die jeweils mit den Begrif­fen gekenn­zeich­ne­ten Berei­che nicht iden­tisch und auch nicht tei­li­den­tisch sind. Da es sich bei den unpfänd­ba­ren Bezü­gen im Sin­ne von § 850a ZPO wie dar­ge­legt um Brut­to­be­zü­ge han­delt, ent­hal­ten sie bereits die abzu­füh­ren­den Steu­ern und Sozi­al­ver­si­che­rungs­bei­trä­ge. „Beträ­ge“ im Sin­ne von § 850e Nr. 1 ZPO sind danach eher nur die auf das rest­li­che, nicht unter § 850a ZPO fal­len­de Ein­kom­men zu zah­len­den Steu­ern und Sozi­al­ver­si­che­rungs­bei­trä­ge.
Die Ent­ste­hungs­ge­schich­te der Vor­schrift ist weder im Sin­ne der einen noch der ande­ren Berech­nungs­wei­se aus­sa­ge­fä­hig.
Der Wort­laut des § 850e Nr. 1 Satz 1 ZPO geht zurück auf die Ver­ord­nung zur ein­heit­li­chen Rege­lung des Pfän­dungs­schut­zes für Arbeits­ein­kom­men vom 30.10.1940 [7]. Der Ent­wurf die­ser Ver­ord­nung sah für die Berech­nung des pfänd­ba­ren Ein­kom­mens zunächst fol­gen­de Rege­lung vor [8]:
„Für die Berech­nung des nach § 4 der Pfän­dung nicht unter­lie­gen­den Arbeits­ein­kom­mens gilt Fol­gen­des:
1. Die nach § 3 der Pfän­dung ent­zo­ge­nen Bezü­ge sind nicht mit­zu­rech­nen, wohl aber Beträ­ge, die auf­grund steu­er­recht­li­cher oder sons­ti­ger gesetz­li­cher Vor­schrif­ten zuguns­ten des Schuld­ners unmit­tel­bar an Drit­te abzu­füh­ren sind.(…)“
In den anschlie­ßen­den Bera­tun­gen setz­te sich dann die Ansicht durch, dass bei der Berech­nung des pfänd­ba­ren Arbeits­ein­kom­mens Net­to­be­trä­ge zugrun­de zu legen sei­en. Vor die­sem Hin­ter­grund erhielt die maß­geb­li­che Vor­schrift eine neue, mit dem Wort­laut des heu­ti­gen § 850e Abs. 1 Nr. 1 ZPO über­ein­stim­men­de Fas­sung [9]. Es ist nicht ersicht­lich, dass die kon­kre­te Berech­nung des pfänd­ba­ren Ein­kom­mens bei Vor­lie­gen unpfänd­ba­rer Beträ­ge im Rah­men des Gesetz­ge­bungs­ver­fah­rens erör­tert wur­de.
Auch die Begrün­dung zu dem vom Bun­des­rat vor­ge­leg­ten Ent­wurf eines Geset­zes zur Neu­struk­tu­rie­rung und Moder­ni­sie­rung des Pfän­dungs­schut­zes [10] lässt ent­ge­gen der Rechts­auf­fas­sung des Klä­gers nicht erken­nen, wel­cher Berech­nungs­mo­dus nach dem Wil­len des Gesetz­ge­bers im Rah­men des § 850e Nr. 1 Satz 1 ZPO ange­wen­det wer­den soll. In der Begrün­dung wird ledig­lich fest­ge­stellt, das pfänd­ba­re Ein­kom­men sei nach der herr­schen­den Mei­nung im Schrift­tum mit­tels der Brut­to­me­tho­de zu berech­nen [11].
Ent­schei­dend spricht das gesetz­ge­be­ri­sche Ziel für die Net­to­me­tho­de. Sie führt durch­weg zu plau­si­blen und dem Geset­zes­zweck die­nen­den Ergeb­nis­sen. Sie sichert den mit den Pfän­dungs­schutz­vor­schrif­ten beab­sich­tig­ten sozia­len Schutz des Schuld­ners und ver­mei­det die mit der Brut­to­me­tho­de ein­her­ge­hen­de und mit der gesetz­ge­be­ri­schen Absicht in kei­nem ver­nünf­ti­gen Zusam­men­hang ste­hen­de Benach­tei­li­gung des Pfän­dungs­gläu­bi­gers [12].
Die §§ 850a, 850e ZPO sind Teil der Pfän­dungs­schutz­vor­schrif­ten, wel­che die Durch­setz­bar­keit von Ansprü­chen mit­hil­fe staat­li­cher Zwangs­voll­stre­ckungs­maß­nah­men zum Schutz des Schuld­ners aus sozia­len Grün­den ein­schrän­ken [13]. Sinn des § 850a ZPO ist es, einen Anreiz für die Aus­übung bestimm­ter Tätig­kei­ten zu erhal­ten (Nr. 1, 3), bestimm­te Auf­wen­dun­gen des Schuld­ners aus­zu­glei­chen (Nr. 3, 4) und ihm bestimm­te Zuwen­dun­gen aus sozia­len Grün­den zu belas­sen (Nr. 2 – 8) [14]. Durch die Anord­nung der Unpfänd­bar­keit soll sicher­ge­stellt wer­den, dass dem Arbeit­neh­mer die erfass­ten Bezü­ge in vol­lem Umfang erhal­ten blei­ben [15].
Die­sem Zweck der §§ 850a, 850e Nr. 1 Satz 1 ZPO trägt die Net­to­me­tho­de Rech­nung. Indem die unpfänd­ba­ren Bezü­ge mit dem Brut­to­be­trag in Abzug gebracht wer­den, ist sicher­ge­stellt, dass sie nicht der Pfän­dung unter­lie­gen und dem Schuld­ner unge­schmä­lert erhal­ten blei­ben. Der Schuld­ner wird im Ein­klang mit den Vor­ga­ben des § 850a ZPO so behan­delt, als hät­te er die­se Beträ­ge über­haupt nicht erhal­ten [16]. Die Brut­to­me­tho­de geht hin­ge­gen über das mit den §§ 850a, 850e Nr. 1 Satz 1 ZPO ver­folg­te Ziel hin­aus, weil dem Schuld­ner nach ihr nicht nur die der Pfän­dung ent­zo­ge­nen Bezü­ge in vol­lem Umfang erhal­ten blei­ben, son­dern das pfänd­ba­re Ein­kom­men zusätz­lich redu­ziert wird, indem von dem ver­blei­ben­den Brut­to­ein­kom­men die auf die unpfänd­ba­ren Bezü­ge abzu­füh­ren­den Steu­ern und Sozi­al­ver­si­che­rungs­ab­ga­ben noch­mals abge­zo­gen wer­den [17].
Auf­grund der dop­pel­ten Berück­sich­ti­gung der auf den unpfänd­ba­ren Teil ent­fal­len­den Steu­ern und Sozi­al­ver­si­che­rungs­bei­trä­ge bewirkt die Brut­to­me­tho­de, dass das pfänd­ba­re Ein­kom­men des Arbeit­neh­mers umso nied­ri­ger aus­fällt, je höher die unpfänd­ba­ren Bezü­ge im Sin­ne von § 850a ZPO sind [18]. Ab einem bestimm­ten Anteil der unpfänd­ba­ren Bezü­ge am Gesamt­ein­kom­men hat die Brut­to­me­tho­de dem­entspre­chend sogar zur Fol­ge, dass das pfänd­ba­re Ein­kom­men des Schuld­ners allein wegen der zusätz­li­chen unpfänd­ba­ren Bezü­ge unter die Pfän­dungs­frei­gren­zen des § 850c ZPO fällt und eine Zwangs­voll­stre­ckung im Wege der Pfän­dung voll­stän­dig aus­ge­schlos­sen ist [19]. Die Brut­to­me­tho­de führt damit zu dem para­do­xen Ergeb­nis, dass der Gläu­bi­ger in einer Lohn­ab­rech­nungs­pe­ri­ode, in der der Schuld­ner erheb­lich mehr ver­dient, kein Arbeits­ein­kom­men pfän­den kann, nur weil zusätz­lich unpfänd­ba­re Bezü­ge anfal­len [20].
Dem­ge­gen­über führt die Net­to­me­tho­de zu zweck­mä­ßi­gen und inter­es­sen­ge­rech­ten Ergeb­nis­sen. Der Umfang der unpfänd­ba­ren Bezü­ge hat hier kei­nen Ein­fluss auf die Höhe des pfänd­ba­ren Arbeits­ein­kom­mens. Der pfänd­ba­re Teil des Arbeits­ein­kom­mens ent­spricht viel­mehr stets dem Betrag, den ein Gläu­bi­ger auch dann pfän­den kann, wenn der Voll­stre­ckungs­schuld­ner kei­ne Bezü­ge im Sin­ne von § 850a ZPO erhält [21].
Die Net­to­me­tho­de hat auch kei­ne „miss­li­chen Berech­nungs­schwie­rig­kei­ten“ zur Fol­ge [22]. Zwar trifft es zu, dass der Dritt­schuld­ner bei Anwen­dung der Net­to­me­tho­de neben der Berech­nung der auf das Gesamt­brut­to­ein­kom­men abzu­füh­ren­den Steu­ern und Sozi­al­ver­si­che­rungs­bei­trä­ge zusätz­lich die Abga­ben zu ermit­teln hat, die auf das nach Abzug der unpfänd­ba­ren Bezü­ge ver­blei­ben­de Brut­to­ein­kom­men abzu­füh­ren wären. Die mit die­ser zusätz­li­chen fik­ti­ven Berech­nung ver­bun­de­nen Belas­tun­gen sind jedoch über­schau­bar, ins­be­son­de­re ange­sichts der heut­zu­ta­ge ver­füg­ba­ren Hilfs­mit­tel für die Lohn­ab­rech­nung wie zB ent­spre­chen­der Lohn­ab­rech­nungs­pro­gram­me [23]. Auch im vor­lie­gen­den Ver­fah­ren war die beklag­te Arbeit­ge­be­rin ohne Schwie­rig­kei­ten dazu in der Lage, das pfänd­ba­re Ein­kom­men nach der Net­to­me­tho­de zu berech­nen. Dar­über hin­aus ver­lan­gen die Lohn­pfän­dungs­vor­schrif­ten auch in ande­rem Zusam­men­hang fik­ti­ve Berech­nun­gen, z.B. im Rah­men des § 850h Abs. 2 und § 850d Abs. 1 Satz 3 ZPO [24]. Die zusätz­li­che fik­ti­ve Berech­nung ist dem Arbeit­ge­ber als Dritt­schuld­ner daher zumut­bar [25].
Für die Net­to­me­tho­de spre­chen letzt­lich auch sys­te­ma­ti­sche Erwä­gun­gen.
Im Aus­gangs­punkt liegt es näher, im Rah­men einer Kal­ku­la­ti­on ein­zel­ne Berech­nungs­pos­ten jeweils nur ein­mal zu berück­sich­ti­gen, in die­sem Fall also in Abzug zu brin­gen. Die auf den unpfänd­ba­ren Teil ent­fal­len­den Steu­ern und Sozi­al­ver­si­che­rungs­bei­trä­ge könn­ten daher allen­falls dann zwei­mal berück­sich­tigt wer­den, wenn das Gesetz dies ein­deu­tig anord­nen wür­de [26]. Dies ist jedoch nicht der Fall. Wie dar­ge­legt lässt sich weder dem Wort­laut noch der Ent­ste­hungs­ge­schich­te der Vor­schrift eine bestimm­te Berech­nungs­me­tho­de ent­neh­men.
Der Umstand, dass auch für die nach § 850a ZPO unpfänd­ba­ren Bezü­ge nach Maß­ga­be steu­er- und sozi­al­ver­si­che­rungs­recht­li­cher Vor­schrif­ten Abga­ben zu leis­ten sind, spricht ent­ge­gen der Rechts­auf­fas­sung des Lan­des­ar­beits­ge­richts nicht für die Anwen­dung der Brut­to­me­tho­de. § 850e ZPO betrifft nicht die steu­er- und sozi­al­ver­si­che­rungs­recht­li­che Ein­ord­nung unpfänd­ba­rer Bezü­ge, son­dern regelt die Berech­nung des pfänd­ba­ren Arbeits­ein­kom­mens.
Bun­des­ar­beits­ge­richt, Urteil vom 17. April 2013 – 10 AZR 59/​12
vgl. LAG Ber­lin 14.01.2000 – 19 Sa 2154/​99, zu II 1 der Grün­de; LAG Mün­chen 30.05.2007 – 7 Sa 1089/​06, zu B I 1 der Grün­de; LG Mön­chen­glad­bach 1.02.2005 – 5 T 631/​04, zu II 2 der Grün­de; VG Düs­sel­dorf 15.06.2012 – 26 K 5884/​11 -; Hen­ze Rpfle­ger 1980, 456; Münch­Komm-ZPO/S­mid 4. Aufl. § 850e Rn. 2, 4; Musielak/​Becker ZPO 10. Aufl. § 850e Rn. 2 f.; Stein/​Jonas/​Brehm ZPO 22. Aufl. § 850e Rn. 7; Zöller/​Stöber ZPO 28. Aufl. § 850e Rn. 1a f.; Stö­ber For­de­rungs­pfän­dung 15. Aufl. Rn. 984, 986a, 999b, 1133 ff.; Schusch­ke/­Wal­ker/­Kes­sal-Wulf ZPO 5. Aufl. § 850e Rn. 2; PG/​Ahrens ZPO 5. Aufl. § 850e Rn. 3, 5; Ben­gels­dorf Lohn­pfän­dungs­recht 2. Aufl. S. 79; Hk-ZV/­Mel­ler-Han­nich 2. Aufl. § 850e ZPO Rn. 5; Thomas/​Putzo/​Hüßtege ZPO 33. Aufl. § 850e Rn. 2[↩]
LAG Ber­lin 14.01.2000 – 19 Sa 2154/​99, zu II 1 c der Grün­de[↩]
vgl. Boewer/​Bommermann Lohn­pfän­dung und Lohn­ab­tre­tung in Recht und Pra­xis Rn. 645 ff.; Boe­wer Hand­buch Lohn­pfän­dung Rn. 752 ff.; Bauck­ha­ge-Hof­fer/Um­nuß NZI 2011, 745, 747 ff.; im Ergeb­nis auch ArbG Aachen 21.02.2006 – 4 Ca 4544/​05 -; Napier­a­la Rpfle­ger 1992, 49, 51; Baumbach/​Lauterbach/​Albers/​Hartmann ZPO 71. Aufl. § 850e Rn. 3[↩]
BAG 4.04.1989 – 8 AZR 689/​87, zu I 2 a der Grün­de[↩]
BAG 5.12.2002 – 6 AZR 569/​01, zu 2 a der Grün­de[↩]
allg. Mei­nung, vgl. LAG Ber­lin 14.01.2000 – 19 Sa 2154/​99, zu 1 b der Grün­de; Stö­ber For­de­rungs­pfän­dung Rn. 1133; Hen­ze Rpfle­ger 1980, 456; Napier­a­la Rpfle­ger 1992, 49, 50[↩]
vgl. Lud­wig Der Pfän­dungs­schutz für Lohn­ein­kom­men S. 189[↩]
vgl. Lud­wig aaO S.190 f.[↩]
BT-Drucks. 17/​2167[↩]
BT-Drucks. 17/​2167 S. 18[↩]
vgl. zum Aus­gleich der ver­fas­sungs­recht­lich geschütz­ten Belan­ge von Schuld­ner und Gläu­bi­ger als Geset­zes­ziel: BT-Drucks. 17/​2167 S. 12 f.; zur Berück­sich­ti­gung von Gerech­tig­keits- und Zweck­mä­ßig­keits­er­wä­gun­gen im Rah­men der teleo­lo­gi­schen Geset­zes­aus­le­gung: vgl. Palandt/​Sprau BGB 72. Aufl. Einl. Rn. 40, 46 mwN[↩]
Münch­Komm-ZPO/S­mid § 850 Rn. 1[↩]
vgl. BAG 14.03.2012 – 10 AZR 778/​10, Rn. 12; Hk-ZV/­Mel­ler-Han­nich § 850a Rn. 2; Stö­ber For­de­rungs­pfän­dung Rn. 976[↩]
vgl. Stö­ber For­de­rungs­pfän­dung aaO; Napier­a­la Rpfle­ger 1992, 49, 50[↩]
Boewer/​Bommermann Lohn­pfän­dung und Lohn­ab­tre­tung in Recht und Pra­xis Rn. 647; Boe­wer Hand­buch Lohn­pfän­dung Rn. 755[↩]
vgl. Napier­a­la Rpfle­ger 1992, 49, 51[↩]
Hk-ZV/­Mel­ler-Han­nich § 850a Rn. 32; Bauck­ha­ge-Hof­fer/Um­nuß NZI 2011, 745, 747[↩]
vgl. Bauck­ha­ge-Hof­fer/Um­nuß aaO[↩]
vgl. Boewer/​Bommermann Lohn­pfän­dung und Lohn­ab­tre­tung in Recht und Pra­xis Rn. 646; Boe­wer Hand­buch Lohn­pfän­dung Rn. 753; Bauck­ha­ge-Hof­fer/Um­nuß aaO[↩]
Bauck­ha­ge-Hof­fer/Um­nuß NZI 2011, 745, 747[↩]
so aber: LAG Mün­chen 30.05.2007 – 7 Sa 1089/​06, zu B I 1 b der Grün­de; Stein/​Jonas/​Brehm ZPO § 850e Rn. 7[↩]
vgl. bereits Napier­a­la Rpfle­ger 1992, 49, 51[↩]
vgl. Stö­ber For­de­rungs­pfän­dung Rn. 1108, 1223 f.[↩]
im Ergeb­nis eben­so: BAG 5.12.2002 – 6 AZR 569/​01, zu 2 b der Grün­de[↩]
Napier­a­la Rpfle­ger 1992, 49, 51[↩]
Abtren­nung von Ver­fah­rens­tei­len im Eröff­nungs­ver­fah­ren Die Anord­nung ergän­zen­der Beweis­erhe­bun­gen im Zwi­schen­ver­fah­ren ist auch dann nicht mit der sofor­ti­gen Beschwer­de nach § 210 Abs. 2 StPO anfecht­bar, wenn das Gericht zugleich…
755 zpoGehaltspfändungPfändungsschutzunpfändbares Einkommen