Source: https://www.oav-geriatrie.de/index.php/allg-infos/pflege-apotheken-aerzte
Timestamp: 2019-06-16 03:23:55
Document Index: 180907345

Matched Legal Cases: ['§ 140', '§ 92', '§ 12', '§ 2', '§ 140', '§ 92']

Wirksam helfen. Pflege erleichtern. Zufriedenheit steigern.
Nutzen und Risiko liegen eng beieinander
Arzneimittel können ein längeres Leben ermöglichen. Gleichzeitig kann die Kombination von vielen Arzneimitteln schwerwiegende Erkrankungen auslösen. Gerade bei pflegebedürftigen Senioren/-innen werden die Dimensionen dieser Ereignisse stark unterschätzt. Diese durch Arzneimittel hervorgerufenen Schädigungen sind Ausdruck einer eigenständigen Erkrankungsursache, die man auch als Iatrogenesis bezeichnet.
Zu den arzneimittelassoziierten Erkrankungen und UAE der pflegebedürftigen Senioren gehören insbesondere Stürze, Kognitionsstörungen, Inkontinenz oder Magenbluten.1 In deutschen Pflegeeinrichtungen mit durchschnittlich 100 Heimbewohnern werden monatlich 8 unerwünschte Arzneimittelereignisse, sog. UAEs, durch Arzneimittel verursacht. Dadurch entstehen erhebliche Probleme und Folgekosten. Studien belegen, dass ca. zwei Drittel der UAE vermieden bzw. vermindert werden können.2
Arzneimittel bedingte Schäden binden Pflegezeit
Pro vermeidbarer UAE entstehen durchschnittlich 60 Stunden Mehraufwand in der Pflege.3 Überflüssige Medikamentengaben, Verwaltung und Dokumentationen binden zusätzlich weitere Pflegezeiten. Durch die neue Form der Zusammenarbeit mit Ärzten und Apothekern werden die Kernprobleme der medikamentösen Versorgung 'zu viel – zu lang – zu hoch' mit großen gesundheitlichen Vorteilen für die Pflegebedürftigen gelöst.
• die isoliert leitliniengerechte Therapie einzelner Erkrankungsbilder
• eine unzureichende Therapiebeobachtung
• ein suboptimaler Versorgungsprozess
• die Arzneimittel selbst und deren Kombinationen
• ein unzureichendes Risikobewusstsein und eine unzureichende Risikokommunikation
1) Müller-Oerlinghausen, B., Lasek, R., Düppenbecker, H., Munter, K.-H. (Hrsg.): Handbuch der unerwünschten Arzneimittelwirkungen, Urban & Fischer Verlag, München, Jena, 1. Auflage, Juli 1999.
2) Thürmann, P. et al.: Abschlussbericht im Auftrag des Bundesgesundheitsministeriums zum Projekt Arzneimitteltherapiesicherheit in Alten- und Pflegeheimen. Onlineveröffentlichung 2011.
3) Hanke, F.: Eine Untersuchung arzneimittelbezogener Probleme in stationären Alteneinrichtungen als methodische Grundlage einer Geriatrischen Pharmazie. Dissertationsschrift Universität Witten Herdecke 2014.
Kernelemente des OAV-Projektes
Das Projekt beinhaltet folgende Kernelemente
den Aufbau eines klinischen Risikomanagementsystems. Es werden organisations- und patientenbezogene Risiken identifiziert, analysiert, bewertet und anschließend werden daraus Maßnahmen eingeleitet. Die erzielten Ergebnisse werden stetig bewertet und dienen einer kontinuierlichen Verbesserung. Basis ist das Geriatrische Medikationsassessment 5,6 und eine klinisch evaluierte Software, die alle Phasen des Risikomanagements unterstützen und anhand von UAE-Raten das gemeinsame, erfolgreiche Handeln messen
eine wertschätzende, interdisziplinäre Zusammenarbeit der beteiligten Berufsgruppen
eine 2-jährige, berufsintegrierte und kostenfreie Hochschulweiterbildung für Pﬂegefachkräfte/Apotheker/Ärzte
die Vergütung der zusätzlichen Leistungen
5 Keller, G. Die ersten Geriatrischen Pharmazeuten in Deutschland. DAZ 2008. Onlineabruf 21.11.2017: https://www.deutsche-apotheker-zeitung.de/daz-az/2008/daz-10-2008/die-ersten-geriatrischen-pharmazeuten-in-deutschland
6 Füsgen I, Hanke F. Medikationssicherheit bei geriatrischen Patienten, Eur J Ger 2009; 11, 2: 58-63. Onlineabruf 21.11.2017: http://d-nb.info/999634623/34
Risikomanagementprozess Pharmakotherapie (Optimierungszyklus)
© Gero PharmCare GmbH; Dr. rer. medic., Dipl. pharm. Frank Hanke
Das Projekt wird wegen der grundlegenden Bedeutung für die Versorgung von pﬂegebedürftigen Patienten durch den Innovationsfonds mit 6,7 Mio. Euro über einen Zeitraum von 3 Jahren gefördert.
Das Versorgungsmodell soll nach erfolgreichem Abschluss in
die Regelversorgung übernommen werden.
Ab 2018 startet die Ausschreibung für vollstationäre Pﬂegeeinrichtungen und ambulante Pﬂegedienste, Apotheken und versorgende Haus- und Fachärzte im Rahmen der integrierten Versorgung (§ 140a SGB V i.V.m. § 92b SGB XI).
Geplant ist die Teilnahme von 96 regionalen geriatrischen Teams (Pﬂegeeinrichtung, Apotheke, Haus- und Facharztpraxen) im ambulanten und stationären Bereich mit 4.800 pﬂegebedürftigen Patienten.
Das OAV Projekt wird in Berlin, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern und Nordrhein-Westfalen durchgeführt.
Pﬂegekräfte nehmen eine entscheidende Schlüsselrolle im geriatrischen Team bei der Vermeidung von unerwünschten Arzneimittelereignissen ein. Eine Kernkompetenz ist die intensivierte Therapiebeobachtung. Pro vermeidbarer UAE entstehen durchschnittlich 60 Stunden Mehraufwand in der Pﬂege. Überﬂüssige Medikamentengaben, Verwaltung und Dokumentationen binden zusätzlich weitere Pﬂegezeiten.
Durch die neue Form der Zusammenarbeit mit Ärzten und Apothekern werden die Kernprobleme der medikamentösen Versorgung 'zu viel – zu lang – zu hoch' mit großen gesundheitlichen Vorteilen für die Pﬂegebedürftigen gelöst.
Interdisziplinäre Zusammenarbeit auf Augenhöhe:
Visitenvorbereitungen mit den Apothekern
Fallkonferenzen mit Ärzten und Apothekern
Arzneimittelkommitees mit Ärzten und Apothekern
Teilnahme-Benefit für Sie als Pflegeeinrichtung
Höhere Bewohner- und Patientensicherheit durch Reduktion arzneimittelassoziierter Schädigungen, z. B. Stürze, Kognitionsstörungen, gastrointestinale Störungen
Qualitätssteigerung Ihrer Versorgungsleistungen
Freiwerdende Arbeitskapazitäten im Bereich der Pﬂege- und Arbeitsorganisation werden in Betreuungs- und Weiterbildungsmaßnahmen umgewandelt
Sicheres Auftreten bei Prüfungen der Heimaufsicht und des MDK
Erhöhte Kompetenz und Bemühungen um das Fachpersonal (kostenfreie Weiterbildungen, Berufszufriedenheit)
Teilnahme-Benefit für Sie als ambulanter Pflegedienst
zusätzlich zu den Vorteilen der Pﬂegeeinrichtung:
Der Pﬂegebedürftige kann länger im gewohnten Umfeld bleiben und behält so ein großes Stück Freiheit und Individualität
Verbesserte Reputation durch engere Vernetzung mit Ärzten und Apothekern
Standortsicherung, Kundenbindung und Wettbewerbsvorteile
Berufsintegrierte Hochschulweiterbildung mit Zertiﬁkat
Mit der Teilnahme erwerben Sie die Möglichkeit auf eine neue Qualiﬁzierung 'Interdisziplinäre Geriatrie' als Pﬂegeexperte/In der medikamentösen Versorgung und/oder Pﬂegeexperte/In der Geriatrie.
Die 2-jährige, berufsintegrierte Hochschulweiterbildung ist kostenfrei.
Apotheker/-innen nehmen eine entscheidende Schlüsselrolle im geriatrischen Team bei der Vermeidung von unerwünschten Arzneimittelereignissen ein. Die Herangehensweise im OAV Projekt unterscheidet sich grundlegend von bisherigen AMTS-Initiativen. Die messbare Reduktion arzneimittelassoziierter Schädigungen gibt eine objektive Rückmeldung über die geleistete Versorgungsqualität für Ihre Patienten.
Teilnahme-Benefit für Sie als Apotheke
Versorgung pﬂegebedürftiger geriatrischer Patienten mit wirksamen Interventionen auf einem neuen Qualitätsniveau
Signiﬁkante Verbesserung der Erkrankungslage und Lebensqualität geriatrischer Patienten mit Multimedikation durch Ihre Apotheke im Team
Freude an einer rein heilberuﬂichen Tätigkeit und Verantwortung im Team
Zugang zu integrierten Versorgungsverträgen bei der Versorgung von Pﬂegepatienten
Standortsicherung, Vorteile im Qualitätswettbewerb
Mit der Teilnahme erwerben Sie die Möglichkeit auf eine neue Qualiﬁzierung 'Interdisziplinäre Geriatrie' als Geriatrische(r) Pharmazeut/-in, bzw. Fach-PTA für Geriatrische Pharmazie (Pharmazeutisch-Technische Assistenten).
Ärzte/Ärztinnen nehmen eine entscheidende Schlüsselrolle im geriatrischen Team bei der Vermeidung von UAEs ein. Das OAV Projekt entlastet Sie bei der Risikobewältigung Ihrer geriatrischen Patienten durch eine höhere Behandlungssicherheit bei gleichzeitig geringerem Zeitaufwand.
Hauptursachen sind eine isoliert leitliniengerechte Therapie einzelner Erkrankungsbilder, eine unzureichende Therapiebeobachtung und eine unzureichende Risikokommunikation der beteiligten Berufsgruppen. Die Pﬂege entlastet Sie als Verordner durch eine intensivere Therapiebeobachtung. Die Veriﬁzierung von UAEs erfolgt zusammen mit der Apotheke.
Teilnahme-Benefit für Sie als Arzt / Ärztin
Unterstützung durch Informationsgewinn mittels Risikoidentiﬁkation und -analyse
Eine priorisierte Risikobewertung zur schnelleren und besseren Umsetzung Ihrer pharmakotherapeutischen Behandlung
Eine gemeinsame Steigerung der Qualität der Therapie für jeden Patienten
Mit der Teilnahme erwerben Sie die Möglichkeit auf eine neue Qualiﬁzierung in der haus- und fachärztlichen Geriatrie und/oder klinisch-geriatrischen Pharmakotherapie. Eine Akkreditierung der Ärztekammern und einer Fachgesellschaft, z. B. der Deutschen Gesellschaft für Geriatrie, wird angestrebt.
Die gesundheitsökonomische Evaluation wird durch die Technische Universität Berlin durchgeführt. Während der Laufzeit des Versorgungsmodells werden berufsübergreifende Qualitätsindikatoren durch die Universität Witten/Herdecke entwickelt, die später neben dem Versorgungsmodell ebenfalls in die Regelversorgung einfließen sollen.
Das Projekt wird durch den Innovationsfonds mit insgesamt 6,7 Millionen Euro gefördert. Konsortialführer ist die AOK Nordost. Konsortialpartner sind die VIACTIV Krankenkasse sowie die IKK Brandenburg-Berlin, die Gero PharmCare GmbH, die Universität Witten-Herdecke, die TU Berlin. Kooperationspartner ist die Apothekerkammer Nordrhein. Die Ergebnisse werden nach Projektabschluss publiziert.
Welche und wie viele Pflegeeinrichtungen können teilnehmen?
Das Projekt ist ausgelegt für 96 Einrichtungen (vollstationäre Pflegeeinrichtungen und ambulante Pflegedienste). Es wird in den Regionen Berlin, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern und Nordrhein-Westfalen durchgeführt. Voraussetzung für eine Teilnahme ist, dass keine andere wissenschaftliche Studie in der Einrichtung während der Projektlaufzeit durchgeführt wird. Des Weiteren ist für die Teilnahme die Bereitschaft zu einer interdisziplinären Schulung und Zusammenarbeit notwendig.
Mit welchem Arbeitsaufwand ist für die Pflege zu rechnen?
Die Fortbildung ausgewählter Pflegefachkräfte in pflegerelevanter, geriatrischer Pharmakotherapie, Therapiebeobachtung und Medikamentenorganisation im sogenannten OAV Basiskurs beansprucht im ersten Jahr 5 Tage ausser Haus und 2 Tage in der Einrichtung zur Implementierung und Festigung des Risikomanagementsystems. Der Arbeitsaufwand für eine Fallbesprechung liegt bei durchschnittlich 1,5 Stunden im Monat für eine Pflegefachkraft pro Wohnbereich. Für die Teilnahme der Pflegedienstleitung an vierteljährlichen Fall- und Risikokonferenzen sind ca. 2 Stunden einzuplanen.
Welche Voraussetzungen für die Teilnahme am Projekt sind von der Apotheke zu erfüllen?
Beim der Pflegeeinrichtung:
Die kooperierende Apotheke verfügt über einen Vertrag zur Versorgung von Bewohnern von Heimen entsprechend § 12a Gesetz über das Apothekenwesen. Die Heimversorgung ist entsprechend § 2a der Apothekenbetriebsordnung Bestandteil im QM-System der Apotheke. Die Leitlinie der Bundesapothekerkammer „Versorgung der Bewohner von Heimen“ bildet die Grundlage der Versorgungsprozesse.
Beim ambulanten Pflegedienst:
Die kooperierende Apotheke versorgt mindestens 25 Versicherte der oben genannten Kostenträger..
Während der Projektphase darf keine weitere arzneimittelbezogene Studie oder eine maßgebliche Umstrukturierung der Arzneimittelversorgung (z.B. Verblisterung) durchgeführt werden.
Die Beschäftigung von weitergebildeten Apothekerinnen/Apothekern (Geriatrische Pharmazie) ist von Vorteil, aber nicht Bedingung.
Wie wird das Projekt evaluiert ?
Die Evaluation erfolgt durch die Fakultät Wirtschaft und Management der Technischen Universität Berlin. Im Rahmen der unabhängigen Evaluation wird analysiert, ob die neue Versorgungsform zu einer kosteneffektiven, signifikanten Verbesserung sowohl gesundheitlicher Outcomes als auch der medikamentösen Versorgung von geriatrischen Patienten im Vergleich zur Regelversorgung führt.
Wie werden die Leistungen des Pflegeheimes /Pflegedienstes vergütet?
Es erfolgt eine Pauschalvergütung, welche vertraglich geregelt ist.
Wie werden die Leistungen der Apotheke vergütet?
Wie werden die Leistungen der Haus- und Fachärzte vergütet?
Es erfolgt eine Pauschalvergütung, welche vertraglich geregelt ist Die.
Welche Vorteile bietet die Teilnahme dem Pflegeheim, dem Pflegedienst, der Apotheke und den Haus- und Fachärzten?
Höhere Bewohner- und Patientensicherheit durch Reduktion arzneimittel-assoziierter Schädigungen, z. B. Stürze, Kognitionsstörungen, gastrointestinale Störungen
Welche vertragsrechtliche Grundlage wird vorliegen?
Voraussetzung für eine Teilnahme ist der Abschluss eines integrierten Versorgungsvertrages nach § 140a SGB V i.V.m. § 92 b SGB XI zwischen dem Leistungserbringer (Pflegeeinrichtung, ambulanter Pflegedienst) und der Krankenkasse. Die Pflegeeinrichtung schließt Kooperationsverträge mit den notwendigen Partnern zur Leistungserbringung ab.
Wer entscheidet über die Teilnahme am Projekt?
Es handelt sich um eine Open-House Ausschreibung. Leistungserbringer, welche die Kriterien erfüllen, können teilnehmen.
Wie bewerbe ich mich als Pflegeheim, Pflegedienst?
Die Ausschreibung einer Teilnahme richtet sich an die Pflegeeinrichtung.