Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Text=II%20ZR%20180/90
Timestamp: 2020-04-01 11:17:26
Document Index: 235764188

Matched Legal Cases: ['BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 826', '§ 276', '§ 13', '§ 826', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 276', 'BGH', 'BGH', '§ 64', '§ 64', 'BGH', 'BGH', '§ 276', 'BGH', 'BGH', 'BGH']

BGH, 01.07.1991 - II ZR 180/90 - dejure.org
https://dejure.org/1991,94
BGH, 01.07.1991 - II ZR 180/90 (https://dejure.org/1991,94)
BGH, Entscheidung vom 01.07.1991 - II ZR 180/90 (https://dejure.org/1991,94)
BGH, Entscheidung vom 01. Juli 1991 - II ZR 180/90 (https://dejure.org/1991,94)
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GmbH-Geschäftsführer - Vertragsverhandlungen - Pflichtverletzung - Schlechte Wirtschaftslage - Gesellschaft - Offenbarungspflicht
Haftung des Geschäftsführers aus § 826 BGB wegen unterlassener Offenbarung der zu erwartenden Zahlungsunfähigkeit der GmbH
BGB § 276; GmbHG § 13
Abschluss neuer Verträge, Beseitigung der Krise, eigenes wirtschaftliches Interesse, fahrlässiges Mitverschulden, Haftung aus Verschulden bei Vertragsschluss, Haftung bei unterbliebener Offenlegung, Haftung nach § 826 BGB, Haftung wegen sittenwidriger Schädigung gemäß § ...
Eigenhaftung des Vertreters, Haftung geschäftsführender Gesellschafter, culpa in contrahendo
NJW-RR 1991, 1312
VersR 1991, 1247
WM 1991, 1548
DB 1991, 1765
Der Geschäftsführer einer GmbH nimmt, wenn er für diese in- Vertragsverhandlungen eintritt, grundsätzlich nur das normale Verhandlungsvertrauen in Anspruch, für dessen Verletzung der Vertragspartner, in diesem Fall also die GmbH, einzustehen hat; von einem persönlichen Vertrauen läßt sich nur sprechen, wenn der Vertreter beim Verhandlungspartner ein zusätzliches, von ihm selbst ausgehendes Vertrauen auf die Vollständigkeit und Richtigkeit seiner Erklärungen hervorgerufen hat (Sen. Urt. v. 1. Juli 1991 - II ZR 180/90, ZIP 1991, 1140, 1142 f. m.w.N.).
Rechtsfehlerfrei verneint das Berufungsgericht auch eine Eigenhaftung der Beklagten zu 1 als Vertreterin der Beklagten zu 2. Die Voraussetzungen einer solchen Haftung (BGHZ 88, 67, 69; BGH, Urt. v. 1. Juli 1991, II ZR 180/90, ZIP 1991, 1140, 1142; BGHZ 126, 181, 189;… BGH, Urt. v. 13. Juni 2002, VII ZR 30/01, WM 2003, 34, 35) sind nicht erfüllt.
Dazu reicht die Beteiligung des Geschäftsführers und Gesellschafters einer GmbH an der von ihm vertretenen Gesellschaft allein nicht aus (vgl. BGH, Urteil vom 1. Juli 1991 - II ZR 180/90, NJW-RR 1991, 1312, 1313; BGH, Urteil vom 6. Juni 1994 - II ZR 292/91, BGHZ 126, 181, 184 ff. m.w.N.).
Persönliches Vertrauen nimmt der Geschäftsführer nur dann in Anspruch, wenn er dem Verhandlungsgegner eine zusätzliche, von ihm persönlich ausgehende Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit seiner Erklärungen geboten hat, die für den Willensentschluß des anderen Teils bedeutsam gewesen ist (BGH vom 01.07.1991 - II ZR 180/90, LM Nr. 119 zu § 276 [Fa] BGB = MDR 1992, 33 = NJW-RR 1991, 1312 = ZIP 1991, 1140, m.w.N.).
Auch in Fällen der Täuschung durch aktives Handeln nimmt der Geschäftsführer persönliches Vertrauen nur dann in Anspruch, wenn er dem Verhandlungspartner eine zusätzliche, von ihm persönlich ausgehende Gewähr für die Richtigkeit seiner Erklärungen bietet, die für dessen Entscheidung bedeutsam geworden sind (BGH vom 01.07.1991, a.a.O., m.w.N.).
Gleiches gilt, wenn es der Geschäftsführer bei Vertragsschluß unterlassen hat, die schlechte Vermögenslage der GmbH zu offenbaren (BGH vom 26.06.1989 - II ZR 289/88, AP Nr. 1 zu § 64 GmbHG = LM Nr. 8 zu § 64 GmbHG = KTS 1990, 58 = MDR 1990, 136 = NJW 1989, 3277 = ZIP 1989, 1341; BGH vom 01.07.1991, a.a.O.; BGH vom 16.03.1992 - II ZR 152/91, LM Nr. 124 zu § 276 [Fa] BGB = KTS 1992, 587 = MDR 1992, 564 = NJW-RR 1992, 1061 = ZIP 1992, 694).
Eine Pflicht zur Offenbarung der wirtschaftlichen Lage einer GmbH wird dann angenommen, wenn die Durchführbarkeit des Vertrags bei Vorleistungspflicht des Vertragspartners durch Überschuldung der Gesellschaft von vornherein schwerwiegend gefährdet ist oder wenn die schlechte wirtschaftliche Lage zur Vereitelung des Vertragszwecks geeignet ist (BGH vom 01.07.1991, a.a.O., m.w.N.).
Für die weitere Spielart einer Haftung des Vertreters wegen Eigeninteresses, also eine Eigenhaftung eines Geschäftsführers unter dem Gesichtspunkt des Verschuldens bei Vertragsschluß, hat die Rechtsprechung (BGH vom 01.07.1991, a.a.O.; BGH vom 01.03.1993 - II ZR 292/91, ZIP 1993, 763 [Ulmer]) im übrigen klargestellt, daß allein eine maßgebliche oder beherrschende Beteiligung des Geschäftsführers an einer GmbH eine Außenhaftung wegen unmittelbaren wirtschaftlichen Eigeninteresses nicht begründen kann.
OLG Celle, 19.11.1993 - 4 U 46/91