Source: http://www.uni-protokolle.de/foren/viewt/184883,0.html
Timestamp: 2019-09-20 17:22:28
Document Index: 195863826

Matched Legal Cases: ['§26', '§ 212', '§ 212', '§ 25', '§ 212', '§ 212', '§ 168']

anstiftung zur mittäterschaftl. tatbegehung?
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Verfasst am: 14 Apr 2008 - 19:58:02 Titel: anstiftung zur mittäterschaftl. tatbegehung?
ich weiß, doofe frage, aber wär toll, wenn jem. kurz ein wörtchen dazu sagen könnte.
die m möchte t aus habgier töten. sie überredet den s dazu, die tat gemeinsam zu begehen. s soll die t im schlaf mit einem gegenstand erschlagen. so tut er dies auch. die m steht daneben und sagt dem s, wann er aufhören sollte.
ich bin mir nicht sicher, ob ich hier unproblematisch eine anstiftung der m prüfen kann? oder muss es eine anstiftung zur mittäterschaftlichen tatbegehung sein? denn sie überredet den s ja dazu, die tat gemeinsam zu begehen.
kann mir bitte jem. kurz weiterhelfen?
Verfasst am: 14 Apr 2008 - 22:37:05 Titel:
Täter vor Teilnehmer.
Denn die Anstiftung setzt (im Gegensatz zum Versuch der Anstiftung) eine rechtswidrige vorsätzliche Tat voraus. An dieser Vortat hängt sozusagen die Strafwürdigkeit der Anstiftung nach §26.
Dementsprechend sollte man erstmal S und T gemeinsam auf Mittäterschaftliche Tatbegehung hin prüfen.
Da müßtest de dann überlegen, inwiefern S und T gemeinschaftlich oder eben nicht gemeinschaftlich handeln. (Bei der Lehre von der (hier: funktionellen) Tatherrschaft überprüfst de abgekürzt, ob S und T einen gemeinsamen Plan hatten, der durch den den Personen jeweils zugedachten Tathandlungen zur Verwirklichung der Tatbestandsmerkmale führen soll, und inwiefern die Personen bei der Ausführung dieses Tatplanes den tatbestandlichen Geschehensablauf in den Händen hielten.
Das mußt de halt abschätzen, ob man bei den Handlungen der S wirklich von Tatherrschaft reden kann.)
Wenn de zum Schluß kommst, daß S und T Mittäter sind, scheidet Anstiftung zum einen aus, weil S dann (Mit-) Täter ist.
Aber ohnehin würde eine Anstiftung zur Mittäterschaft ausscheiden, da Anstifter ist, wer vorsätzlich einen anderen zu dessen vorsätzlich begangener rechtswidriger Tat bestimmt hat. Die Tat kann jedenfalls dann nicht die Tat eines anderen (bzw. Anderer) sein, wenn die S Mittäter ist.
Wenn de zum Schluß kommst, daß keine mittäterschaftliche Tat vorliegt, solltest de den T separat prüfen.
Hat der einen vollendeten Totschlag bzw. Mord begangen, könnte S zu diesen angestiftet haben.
Soweit ich das richtig verstanden habe, wird das Opfer im Bett erschlagen. Heimtücke wäre also gegeben. Tatbezogene Mordmerkmale werden zugerechnet. S wäre dann wohl wegen Anstiftung zum Mord strafbar.
Naja .. in der Konstellation gibt es so einige Möglichkeit an den Fall heranzutreten. Aber ich müßt de länger drüber nachdenken. Seh' meine Bemerkungen einfach mal als Ansatzpunkt.
Verfasst am: 22 Apr 2008 - 18:09:46 Titel:
Denke auch, dass M und S nach §§ 212, 211, 25 II strafbar wären.
Nach diesem Prüfungsschema:
http://www.uni-potsdam.de/u/ls_mitsch/agmittaeter.pdf
müsstest Du M und S getrennt prüfen, da S alle objektiven Merkmale des § 212 erfüllt hat, während es bei M an der Tötungshandlung fehlt - diese ihr also nach § 25 II zugerechnet werden müsste.
Also erst den S und dann die M:
A. Strafbarkeit des S nach §§ 212, 211 (+)
I. Obj. Dtb
1. Tathandlung und Erfolg (sowie Kausalität) (+)
2. Obj. Mordmerkmale (2. Grp.) hier Heimtücke, da Opfer Arglosigkeit mit in den Schlaf genommen, aA vertr.
II. Subj. Dtb
Vorsatz (+)
subj. Mordmerkmale liegen bei M nach SV-Angaben nicht vor
III. Rewi, Schuld, Ergebnis (+)
B. Strafbarkeit der M nach §§ 212, 211, 25 II
1. Tathandlung (-), aber Zurechnung nach 25 II wenn:
- gemeinsamer Tatplan, hier (+)
- gemeinsame Tatausführung, hier problematisch, da S erst nach Tat ins Geschehen eingreift, allerdings könnte Sie auch schon vor dem Tot des T Stop sagen und damit hält sie das Geschehen in den Händen.
Daher nach wohl (+)
2. Obj. Mordmerkmal, hier Heimtücke (+)
2. Subj. Mordmerkmal (1. und 3. Grp), hier Habgier (+)
Anstiftung müsstest Du dann nicht mehr prüfen, da wie schon gesagt die Mittäterschaft eine Anstiftung ausschließt. Evtl. könnte man kurz über eine mittelbare Täterschaft nachdenken, aber mangels "Fehlers" beim unmittelbaren Täter, wäre diese Rechtsfigur hier sehr schnell abzulehnen.
Wenn M den S länger als 5 Minuten schlagen lässt, müsstest Du noch § 168 StGB prüfen und bejahen