Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Gericht=EGMR&Datum=2012-06-26&Aktenzeichen=9300%2F07
Timestamp: 2019-03-20 04:02:59
Document Index: 335027110

Matched Legal Cases: ['EGMR', 'Art. 41', 'Art. 1', 'Art. 1', 'Art. 1', 'EGMR', 'EGMR', '§ 6', '§ 6', 'EGMR', 'EGMR', 'EGMR', 'EGMR', 'EGMR', '§ 6', 'Art. 1', 'EGMR', '§ 6', 'Art. 1', 'EGMR', 'EGMR', 'EGMR', 'EGMR', 'EGMR', 'EGMR', 'EGMR', '§ 6', '§ 6', 'EGMR']

EGMR, 26.06.2012 - 9300/07 - dejure.org
HERRMANN c. ALLEMAGNE
Art. 41, Protokoll Nr. 1 Art. 1, Protokoll Nr. 1 Art. 1 Abs. 1, Protokoll Nr. 1 Art. 1 Abs. 2 MRK
Violation de l'article 1 du Protocole n° 1 - Protection de la propriété (article 1 al. 1 du Protocole n° 1 - Respect des biens article 1 al. 2 du Protocole n° 1 - Réglementer l'usage des biens) Préjudice moral - réparation (Article 41 - Préjudice moral) (französisch)
Violation of Article 1 of Protocol No. 1 - Protection of property (Article 1 para. 1 of Protocol No. 1 - Peaceful enjoyment of possessions Article 1 para. 2 of Protocol No. 1 - Control of the use of property) Non-pecuniary damage - award (Article 41 - Non-pecuniary damage) (englisch)
HERRMANN v. GERMANY - [Deutsche Übersetzung]
[DEU] Violation of Article 1 of Protocol No. 1 - Protection of property (Article 1 para. 1 of Protocol No. 1 - Peaceful enjoyment of possessions Article 1 para. 2 of Protocol No. 1 - Control of the use of property) Non-pecuniary damage - award
HERRMANN v. GERMANY - [Deutsche Übersetzung] summary by the Austrian Institute for Human Rights (ÖIM)
[DEU] Violation of Article 1 of Protocol No. 1 - Protection of property (Article 1 para. 1 of Protocol No. 1 - Peaceful enjoyment of possessions;Article 1 para. 2 of Protocol No. 1 - Control of the use of property);Non-pecuniary damage - award
Stell Dir vor, Deine Menschenrechte werden verletzt, und Du merkst es gar nicht
zeit.de (Pressebericht, 12.07.2012)
Jagdrecht: Blattschuss für die Jägerlobby
Zwangsmitgliedschaft in der Jagdgenossenschaft
Jagdrecht: Grundstückseigentümer müssen Jagd auf eigenem Land nicht dulden
spiegel.de (Pressemeldung, 26.06.2012)
Gerichtshof schränkt deutsches Jagdrecht ein
Telepolis (Pressebericht, 28.06.2012)
Grundstückseigentümer muss Jagd auf seinem Land nicht dulden - EGMR rügt Verletzung des Schutzes des Eigentums
123recht.net (Pressemeldung zum Verfahren - vor Ergehen der Entscheidung, 13.07.2011)
Streit um Jagdrecht in Rheinland-Pfalz geht in eine neue Runde
Das Ende der Jagdgenossenschaft?
Aktueller Gesetzesentwurf zum examensträchtigen Thema der Jagdgenossenschaft
Kurznachricht zu "Jagdduldungszwang und Europäische Menschenrechtskonvention - Das Urteil Herrmann/Deutschland und seine Folgen" von RiVG Dr. Christian Maierhöfer, original erschienen in: NVwZ 2012, 1521 - 1524.
Kurznachricht zu "Eigentumsgesetzgebung im Lichte des Grundgesetzes und der Europäischen Menschenrechtskonvention" von Wiss. Mitarbeiter Fabian Michl, original erschienen in: JZ 2013, 504 - 513.
BVerwG, 24.08.2005 - 3 C 31.04
NJW 2012, 3629
NVwZ 2012, 15291
DÖV 2012, 733
Dieser umfasst sowohl die Auswahl der Durchführungsmodalitäten als auch die Beurteilung der Frage, ob deren Folgen im Allgemeininteresse durch das Bemühen gerechtfertigt sind, das Ziel der in Rede stehenden Rechtsvorschriften zu erreichen (EGMR 26. Juni 2012 - 9300/07 - Rn. 574) .
Das Verfahren wird bis zu der Änderung des Bundesjagdgesetzes, die durch die Entscheidung des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte vom 26. Juni 2012 (Bw.-Nr. 9300/07 ) veranlasst ist, ausgesetzt.
Zur Begründung beruft sie sich primär auf die Entscheidung des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte (im Folgenden: Gerichtshof) vom 26. Juni 2012 (Bw.-Nr. 9300/07 ).
4 1. Der Klageantrag ist (im Gegensatz zu dem Feststellungsantrag, der Kläger sei nicht - rechtswirksam - Mitglied der Jagdgenossenschaft, den der im Beschwerdeverfahren Nr. 9300/07 vor dem Gerichtshof erfolgreiche Beschwerdeführer vor dem OVG Koblenz und dem Bundesverwaltungsgericht gestellt hat, vgl. BVerwG vom 14.4.2005 NVwZ 2006, 92 ff., RdNrn. 2 und 12) auf bescheidsmäßige Befreiung von der Zwangsmitgliedschaft und deshalb zutreffend gegen den Beklagten gerichtet.
Zur Begründung beruft er sich primär auf die Entscheidung des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte (im Folgenden: Gerichtshof) vom 26. Juni 2012 (Bw.-Nr. 9300/07 ).
Dabei ist zu berücksichtigten, dass Zweck des neu eingefügten § 6a BJagdG ist, der Rechtsprechung des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte (Urt. v. 26.6.2012, Nr. 9300/07, ECLI:CE:ECHR:2012:0626JUD000930007, NJW 2012, 3629 - Herrmann/Deutschland) zu genügen (…vgl. Munte, in Schuck, BJagdG, 2. Aufl. 2015, § 6a Rn. 4), es sich aber um eine begrenzte und eng auszulegende Ausnahmevorschrift handelt.
Anknüpfend an die Rechtsprechung des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte (…Urt. v. 29.4.1999, Nr. 25088/94 u. a., ECLI:CE:ECHR:1999:0429JUD002508894, NJW 1999, 3695 - Chassagnou/Frankreich; darauf verweisend Urt. v. 26.6.2012, Nr. 9300/07, ECLI:CE:ECHR:2012:0626JUD000930007, NJW 2012, 3629 - Herrmann/Deutschland) muss plausibel werden, dass die vorgebrachten Gründe einen gewissen Grad von Entschiedenheit, Geschlossenheit und Wichtigkeit erreichen und daher in einer demokratischen Gesellschaft Achtung verdienen.
Wenn die Rechtsordnung die Nutzung von Sachen auf unterschiedliche Berechtigte verteilt, wie hier den Grundeigentümer und den Jagdausübungsberechtigten, hat dabei das Gewissen des Eigentümers nicht notwendig einen höheren Rang als die Grundrechtsausübung anderer Berechtigter (…BVerfG, Kammerbeschl. v. 13.12.2006, 1 BvR 2084/05, NVwZ 2007, 808, juris Rn. 25 f.; nachfolgend EGMR, Urt. v. 26.6.2012, a. a. O., ohne Auseinandersetzung mit diesem Gesichtspunkt).
Aussetzung des Verfahrens im Hinblick auf eine Änderung des Bundesjagdgesetzes, die durch die Entscheidung des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte vom 26. Juni 2012 (Bw.-Nr. 9300/07 ) veranlasst ist.
Der Klageantrag ist (im Gegensatz zu dem Feststellungsantrag, der Kläger sei nicht - rechtswirksam - Mitglied der Jagdgenossenschaft, den der im Beschwerdeverfahren Nr. 9300/07 vor dem Gerichtshof erfolgreiche Beschwerdeführer vor dem OVG Koblenz und dem Bundesverwaltungsgericht gestellt hat, vgl. BVerwG vom 14.4.2005 NVwZ 2006, 92 ff., RdNrn. 2 und 12) auf bescheidsmäßige Befreiung von der Zwangsmitgliedschaft und deshalb zutreffend gegen den Beklagten gerichtet.
vgl. EGMR, Urteil vom 26. Juni 2012 - 9300/07 (I. ) -, NJW 2012, 3629, 3632, = juris, Rn. 574; siehe auch Urteile vom 29. April 1999 - 25088/94 u. a. (Chassagnou u. a.) -, NJW 1999, 3695, 3696, und vom 10. Juli 2007 - 2113/04 (Schneider) -, NuR 2008, 489, 492, jeweils m. w. N.
vgl. EGMR, Urteil vom 26. Juni 2012 - 9300/07 (I. ) -, a. a. O., Rn. 732: "Schließlich stellt der Gerichtshof fest, dass das Bundesjagdgesetz in keinem Fall die ethischen Überzeugungen der Eigentümer, die die Jagd ablehnen, berücksichtigt."; vgl. auch OVG Rh.-Pf., Beschluss vom 21. Juni 2013 - 8 B 10517/13 -, Jagdrechtliche Entscheidungen I Nr. 120 = juris, Rn. 14, 18; OVG Hamburg, Urteil vom 12. April 2018 - 5 Bf 51/16 -, a. a. O., Rn. 98.
vgl. auch EGMR, Urteil vom 26. Juni 2012- 9300/07 (I. ) -, a. a. O., Rn. 653.
Der EGMR habe in seiner Entscheidung vom 26.06.2012 - 9300/07 - im Verfahren Hermann ./. die Bundesrepublik Deutschland festgestellt, dass die Handhabung von § 6 a BJagdG durch die Bundesrepublik Deutschland gegen Art. 1 Protokoll Nr. 1 zur EMRK verstoße: Die Verpflichtung, die Jagd auf dem eigenen Land zu dulden, obwohl diese aus Gewissensgründen abgelehnt werde, lege Grundstückseigentümern eine unverhältnismäßige Belastung auf.
Soweit der Antragsteller geltend macht, der EGMR habe in seiner Entscheidung vom 26.06.2012 - 9300/07 - im Verfahren Hermann ./. die Bundesrepublik Deutschland festgestellt, dass die Handhabung von § 6 a BJagdG durch die Bundesrepublik Deutschland gegen Art. 1 Protokoll Nr. 1 zur EMRK verstoße, ist das unzutreffend.
In der Entscheidung des EGMR heißt es, der Gerichtshof stellt fest, dass das Bundesjagdgesetz in keinem Fall die ethischen Überzeugungen der Eigentümer, die die Jagd ablehnen, berücksichtigt, und deshalb die Verpflichtung, die Jagd auf ihren Grundstücken zu dulden, für die Eigentümer, die die Jagd aus ethischen Gründen ablehnen, eine unverhältnismäßige Belastung darstellt.(EGMR vom 26.06.2012 - 9300/07 -, juris S. 19 von 43).
Dass der Austritt aus einer bzw. mehreren Jagdgenossenschaften durch die Erklärung der Grundstücke zu befriedetem Besitztum aus ethischen Gründen, trotz des vom Gesetz vorgegebenen erheblichen Verwaltungsaufwandes gebührenrechtlich zu einer Freistellung bzw. Festsetzung der Gebühren deutlich unterhalb des Aufwandes der Verwaltungsbehörde führen müsse, lässt sich der Entscheidung des EGMR vom 26.06.2012 - 9300/07 - nicht entnehmen.
In der Entscheidung zum System deutscher Jagdgenossenschaften (Herrmann ./. BRD, Urt. v. 26.06.2012, Az. 9300/07) habe der EGMR festgestellt, dass der Eigentümer imstande sein müsse, auf seinen Flächen die Jagdausübung vollständig zu verbieten.
Die Rechtsprechung des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte (EGMR) zur unverhältnismäßigen Belastung von Grundstückseigentümern durch die Verpflichtung zur Duldung der Jagd sei mit den Urteilen vom 29. April 1999 (Nr. 25088/94 u.a.; "C..."), 10. Juli 2007 (Nr. 2113/04; "S...") und 26. Juni 2012 (Nr. 9300/07; "H...") gefestigt.
Legt man die Entscheidung des EGMR vom 26. Juni 2012 (Nr. 9300/07) zu Grunde, so kann eine unverhältnismäßige Beeinträchtigung des Eigentumsrechts von Grundstückseigentümern durch die Verpflichtung zur Jagd auf ihren Grundstücken nur bei einer besonderen Aufladung des Eigentumsgrundrechts durch ethische Überzeugungen der Grundstückseigentümer angenommen werden.
Zudem ist die Beeinträchtigung nur unverhältnismäßig, wenn es an einem angemessenen Ausgleich zwischen den Erfordernissen des Allgemeininteresses der Gemeinschaft und den Anforderungen an den Schutz der Rechte des Einzelnen fehlt (vgl. EGMR, U.v. 26.6.2012 - 9300/07 - juris Rn 574).
Selbst vor dem Oberverwaltungsgericht hat er, obgleich er dort offensichtlich auf das Urteil des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte (GK) vom 26. Juni 2012 (Herrmann v. Deutschland, Nr. 9300/07) hingewiesen hat, seine ablehnende Haltung gegen den Angliederungsbescheid nicht anders oder zusätzlich begründet.
Die Möglichkeit, zu einem Jagdbezirk gehörende Grundflächen auf Antrag des Grundeigentümers aus ethischen Gründen zu befriedeten Bezirken erklären zu lassen, wurde vom Gesetzgeber mit dem neuen § 6a BJagdG in Reaktion auf das Urteil des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte (GK) vom 26. Juni 2012 (Nr. 9300/07 [Herrmann v. Deutschland] - NJW 2012, 3629) geschaffen.
OVG Niedersachsen, 04.09.2012 - 4 LA 181/11
Angliederung eines Grundstücks an einen Eigenjagdbezirk
BVerfG, 23.11.2015 - 1 BvR 1795/08
Festsetzung des Gegenstandswertes und Anordnung der Auslagenerstattung nach …
VG Münster, 14.02.2017 - 1 K 1608/15
Befriedung von Grundflächen; Ablehnung der Jagdausübung; Ethische Gründe; …
VG Lüneburg, 11.02.2016 - 6 A 275/15
Zur Befriedung eines Grundstücks nach § 6 a BJagdG
Rundfunkbeitrag; Verfassungsmäßigkeit im privaten Bereich; Anschluss an die …
VG München, 09.03.2016 - M 7 K 15.2530
Wirtschaftlicher Nutzen der Amtshandlung als wesentlicher Aspekt bei …
OVG Niedersachsen, 22.12.2016 - 4 LA 83/16
Jagdbefriedung bei Gesamthandseigentum; vorliegen der ethischen Gesichtspunkte
OVG Nordrhein-Westfalen, 27.08.2013 - 16 B 516/13
Festsetzung der Verfahrenskosten nach gemeinsamer Erledigterklärung des Verfahren …
VG Würzburg, 05.03.2013 - W 5 E 13.138
Ablehnung der Jagd aus ethischen Gründen; einstweiliger Rechtsschutz; …
EGMR, 04.06.2015 - 44262/10
MORENO DIAZ PEÑA ET AUTRES c. PORTUGAL
VG Würzburg, 09.01.2013 - W 5 K 12.581
Vertretungszwang, Jagdausübung, Gewissensfreiheit, Eigentum