Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Gericht=BGH&Datum=20.11.1997&Aktenzeichen=IX%20ZR%2062/97
Timestamp: 2019-05-22 05:56:23
Document Index: 276859512

Matched Legal Cases: ['BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 675', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH']

BGH, 20.11.1997 - IX ZR 62/97 - dejure.org
https://dejure.org/1997,1397
BGH, 20.11.1997 - IX ZR 62/97 (https://dejure.org/1997,1397)
BGH, Entscheidung vom 20.11.1997 - IX ZR 62/97 (https://dejure.org/1997,1397)
BGH, Entscheidung vom 20. November 1997 - IX ZR 62/97 (https://dejure.org/1997,1397)
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Anspruch auf Schadenersatz gegen den Steuerberater aufgrund eines Beratungsfehlers - Verpflichtung des Steuerberaters bei einer Ausweitung der gewerblichen Tätigkeit auf einen zweiten Betrieb auf die steuerlich günstigeste Gestaltungsformen hinzuweisen - Möglichkeit die Beratung nach Betriebseröffnung zu korregieren - Erforderlichkeit von Anhaltspunkten vom Mandanten über die Bereitschaft zur Gründung einer Personengesellschaft mit dem Ehepartner für das Bestehen einer Hinweispflicht des Steuerberaters auf die steuerlich günstigere Gestaltungsform
Beratungspflichten des mit einem umfassenden Dauermandat betrauten steuerlichen Beraters
Steuerberatung; Hinweispflicht auf steuerlich günstige Gestaltungsformen bei umfassendem Dauermandat
NJW 1998, 1221
VersR 1998, 599
WM 1998, 299
WM 1998, 299 ff.
BB 1998, 239
BB 1998, 767
Zu den typischerweise berufsmäßig abverlangten Pflichten eines steuerlichen Beraters gehört die Beachtung geltenden Rechts, nicht aber die --hier notwendige-- wissenschaftliche Aufarbeitung, teilweise Verwerfung und "Rekonstruktion" (Altfelder, FR 2000, 18, 19) des Gesetzeswortlauts, mit dem --in Anbetracht der hohen Fehleranfälligkeit nicht zu vernachlässigenden-- Risiko, für eine unvollständige und/oder unzutreffende Beratung persönlich zu haften (vgl. BGH-Urteil vom 20. November 1997 IX ZR 62/97, HFR 1998, 763).
Dazu war der Steuerberater schon aufgrund des ihm übertragenen Dauermandates verpflichtet (vgl. BGHZ 129, 386, 396; BGH, Urt. v. 20. November 1997 - IX ZR 62/97, WM 1998, 299, 300; v. 18. Juli 2001 - IX ZR 246/00, WM 2001, 1868, 1869).
Das Berufungsgericht hat ein vom Bundesgerichtshof so bezeichnetes "umfassendes Dauermandat" (vgl. etwa Urteil vom 20. November 1997 - IX ZR 62/97, WM 1998, 299, 300), welches alle Steuerarten umfasst, die für den Auftraggeber in Betracht kommen, und daher zur Beratung einschließlich der Möglichkeiten zu zivilrechtlichen Steuergestaltungen auch jenseits der konkret bearbeiteten Angelegenheiten verpflichtet (vgl. BGH, Urteil vom 11. Mai 1995 - IX ZR 140/94, BGHZ 129, 386, 396; vom 20. November 1997, aaO;… vom 20. Oktober 2005, aaO unter II. 2. a), nicht feststellen können.
Im Rahmen eines umfassenden Dauermandats (BGH Urteil vom 23.02.2012 - IX ZR 92/08 - VersR 2012, 872; Urteil vom 20.11.1997 - IX ZR 62/97 - VersR 1998, 598 = WM 1998, 299, 300; OLG Köln, Urteil vom 19.02.1999 - 19 U 115/98 - OLGR Köln 1999, 265 ff., OLG Bamberg, Urteil vom 28.04.2006 - 6 U 23/05 - DB 2006, 1262 ff.), welches alle Steuerarten umfasst, die für den Auftraggeber in Betracht kommen, ist er verpflichtet zur Beratung einschließlich der Möglichkeit zu zivilrechtlichen Steuergestaltungen auch jenseits der konkret bearbeitenden Angelegenheiten (BGH, Urteil vom 23.02.2012 - IX ZR 92/08 - VersR 2012, 872; vom 11.05.1995 - IX ZR 140/94 - VersR 1995, 1062, 1065; vom 20.11.1997, aaO;… Bamberger/Roth-Fischer, BGB, BeckOK, 30. Edition, Stand 01.02.2014, § 675 Rn. 35 f.; Thoma, Hinweispflichten bei beschränktem Dauermandat, WPK Magazin 2012, Nr. 2, 56 f.).
Ohne weitere Feststellungen durfte das Berufungsgericht jedenfalls nicht von einem umfassenden steuerberatenden Dauermandat ausgehen, bei dem der Beklagte die Kläger jederzeit auch ungefragt über Gestaltungsmöglichkeiten ihrer gemeinsamen Anwalts- und Maklertätigkeit hätte beraten müssen und für einen entsprechenden Personaleinsatz und Informationsfluß verantwortlich gewesen wäre (vgl. BGH, Urt. v. 20. November 1997 - IX ZR 62/97, NJW 1998, 1221, 1222 unter I.).
Es kommt hier nicht entscheidend darauf an, ob der Beklagte in dem maßgebenden Zeitraum ein umfassendes Dauermandat (vgl. insoweit BGH NJW 1998, 1221) als steuerlicher Betreuer der Klägerin (Rechtsvorgängerin) gehabt hat.
Dann aber ist es auch seine Aufgabe, die Klägerin über die steuerlich günstigste Art der Gestaltung zutreffend zu beraten, zumal da insoweit keine abgelegenen und besonders schwierigen Rechtsfragen zu beantworten waren (vgl. BGH NJW 1998, 1221/1222).
Einen Lebenssachverhalt in einer steuergünstigen Weise einzurichten, ist steuerrechtlich dann, aber auch nur dann nicht unzulässig, wenn damit tatsächlich - und nicht nur vorgespiegelt - die wirtschaftlichen Voraussetzungen geschaffen werden, an die der angestrebte Steuertatbestand anknüpft (BGH NJW 1998, 1221/1222).
Er muss den Mandanten bei jeglicher steuerlichen Gestaltung beraten und belehren und insbesondere auch ferner liegende steuerliche Sachverhalte berücksichtigen (BGH WM 1998, 299 ).
Hierbei hat er den Mandanten in die Lage zu versetzen, eigenverantwortlich seine Rechte und Interessen wahren und eine Fehlentscheidung zu vermeiden (BGHZ 128, 358, 361 = NJW 1995, 958; BGHZ 129, 386, 396 = NJW 1995, 2108, 2110; BGH NJW 1993, 2799, 2800; NJW 1995, 3248; NJW 1997, 1008, 1011 [insoweit in BGHZ 134, 212 nicht abgedruckt]; NJW 1998, 1221; NJW 1998, 1486; NJW 1998, 1488, 1489 und 1491).
Er hat im Rahmen des erteilten Auftrages die steuerlichen Interessen seines Mandanten umfassend wahrzunehmen (BGH NJW 1998, 1221) und muss den für seinen Mandanten sichersten Weg wählen (BGH NJW-RR 1992, 1112).
OLG Düsseldorf, 25.02.2003 - 23 U 7/02
Schadensersatzpflicht des Steuerberaters wegen unzureichender Beratung im …