Source: https://www.rechtslupe.de/steuerrecht/einkommensteuer/einkommensteuer-privat/grundfreibetrag-und-die-haushaltsersparnis-3117930
Timestamp: 2020-08-08 06:41:20
Document Index: 279451091

Matched Legal Cases: ['§ 32', '§ 20', 'Art.20', '§ 850', '§ 243', '§ 202']

Grundfreibetrag - und die Haushaltsersparnis | Rechtslupe
Grundfreibetrag - und die Haushaltsersparnis
Die Höhe des ein­kom­men­steu­er­li­chen Grund­frei­be­trags war nach Ansicht des Bun­des­fi­nanz­hofs in den Jah­ren 2011 und 2012 ver­fas­sungs­ge­mäß.
Bei der Ermitt­lung des Grund­frei­be­trags geht es nicht um die Fra­ge, ob § 32a EStG eine Haus­halts­er­spar­nis berück­sich­ti­ge, son­dern um die Ermitt­lung des Min­dest­be­darfs [1].
Des Wei­te­ren ist ver­fas­sungs­recht­lich geklärt, dass das sozi­al­hil­fe­recht­lich defi­nier­te Exis­tenz­mi­ni­mum, wel­ches die Min­dest­gren­ze für das ein­kom­men­steu­er­li­che Exis­tenz­mi­ni­mum bil­det, ver­brauchs­be­zo­gen ermit­telt wird [2]. Inso­weit kann auch die ehe­li­che Lebens- und Wirt­schafts­ge­mein­schaft zum Anknüp­fungs­punkt wirt­schaft­li­cher Rechts­fol­gen wer­den. Die auf­grund einer gemein­sa­men Haus­halts­füh­rung mit einer ande­ren erwach­se­nen Per­son ent­ste­hen­den Syn­er­gie­ef­fek­te wer­den regel­mä­ßig zur Haus­halts­er­spar­nis genutzt [3], so dass die Berech­nung des Min­dest­be­darfs von Ehe­leu­ten als Bedarfs­ge­mein­schaft im Wege einer Gesamt­schau gerecht­fer­tigt ist.
Soweit die Ansicht ver­tre­ten wird, die für die Ermitt­lung des Min­dest­be­darfs erfor­der­li­chen Daten dürf­ten den man­gel- und feh­ler­be­haf­te­ten Exis­tenz­mi­ni­mum­be­rich­ten der Bun­des­re­gie­rung nicht ent­nom­men wer­den, folgt dem der Bun­des­fi­nanz­hof nicht.
Nach stän­di­ger Recht­spre­chung kann sich der Steu­er­ge­setz­ge­ber bei der Prü­fung der Fra­ge, ob durch den in den Ein­kom­men­steu­er­ge­set­zen fest­ge­setz­ten Grund­frei­be­trä­gen das Exis­tenz­mi­ni­mum von der Besteue­rung aus­ge­nom­men bleibt, an den maß­geb­li­chen Daten der Exis­tenz­mi­ni­mum­be­rich­te ori­en­tie­ren, da die­se sich weit­ge­hend an den Regel­sät­zen nach § 20 Abs. 2 und 3 SGB II anleh­nen [4]. Die gegen die­ses Urteil ein­ge­leg­te Ver­fas­sungs­be­schwer­de wur­de nicht zur Ent­schei­dung ange­nom­men [5]. Dar­über hin­aus hat das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt mit Beschluss vom 23.07.2014 [6] aus­ge­führt, dass das Grund­ge­setz selbst kei­ne exak­te Bezif­fe­rung des Anspruchs auf exis­tenz­si­chern­de Leis­tun­gen vor­ge­be und sich die ver­fas­sungs­recht­li­che Kon­trol­le im Wege einer Gesamt­schau auf die Höhe der Leis­tun­gen ins­ge­samt und nicht auf ein­zel­ne Berech­nungs­ele­men­te bezie­he. Da das Grund­ge­setz selbst kei­ne exak­te Bezif­fe­rung des Anspruchs erlau­be, beschrän­ke sich ‑bezo­gen auf das Ergeb­nis- die mate­ri­el­le Kon­trol­le dar­auf, ob die Leis­tun­gen evi­dent unzu­rei­chend sei­en [7]. Das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt hat zudem fest­ge­stellt, dass die als Ori­en­tie­rung die­nen­den staat­li­chen Sozi­al­hil­fe­leis­tun­gen für die Streit­jah­re 2011 und 2012 nicht evi­dent unzu­rei­chend sind [8]. Mehr gebie­tet das Sozi­al­staats­prin­zip des Art.20 Abs. 1 GG auch nicht [9].
Das Exis­tenz­mi­ni­mum muss auch nicht ent­spre­chend der Pfän­dungs­frei­gren­ze min­des­tens 1.000 EUR pro Monat betra­gen. Bbei der Berech­nung des Exis­tenz­mi­ni­mums nicht auf die Pfän­dungs­frei­gren­ze des § 850c der Zivil­pro­zess­ord­nung abzu­stel­len sei [10].
Auch kann eine Regio­na­li­sie­rung des Grund­frei­be­trags im Hin­blick auf die Kos­ten der Unter­brin­gung nicht gefor­dert wer­den, weil etwai­ge Unter­schie­de durch das Wohn­geld aus­ge­gli­chen wer­den kön­nen [11]
Bun­des­fi­nanz­hof, Beschluss vom 11. August 2016 – III B 88/​16
BFH, Beschluss in BFH/​NV 2014, 1032; sie­he auch BFH, Urteil vom 18.11.2009 – X R 34/​07, BFHE 227, 99, BStBl II 2010, 414[↩]
BVerfG, Kam­mer­be­schluss vom 23.08.1999 – 1 BvR 2164/​98, NJW 1999, 3478[↩]
vgl. BVerfG, Beschluss vom 22.05.2009 2 BvR 310/​07, BStBl II 2009, 884, Rz 37, m.w.N.[↩]
BFH, Urteil in BFHE 227, 99, BStBl II 2010, 414, Rz 122 ff., m.w.N.[↩]
BVerfG, Beschluss vom 13.07.2016 2 BvR 288/​10[↩]
BVerfG, Beschluss vom 23.07.2014 – 1 BvL 10/​12, 1 BvL 12/​12, 1 BvR 1691/​13, BVerfGE 137, 34, Rz 81[↩]
so auch BVerfG, Urteil vom 09.02.2010 – 1 BvL 1/​09, 1 BvL 3/​09, 1 BvL 4/​09, BVerfGE 125, 175, Rz 141[↩]
BVerfG, Beschluss in BVerfGE 137, 34, Rz 86 ff.[↩]
vgl. BVerfG-Nicht­an­nah­me­be­schluss vom 27.07.2010 – 2 BvR 2122/​09, NJW 2010, 3564, Rz 6[↩]
BFH, Beschluss vom 27.11.2012 – X B 48/​11, BFH/​NV 2013, 532, Rz 13 f.[↩]
BFH, Beschluss in BFH/​NV 2014, 1032, Rz 15; unter Bezug­nah­me auf BVerfG, Beschluss in BVerfGE 87, 153, BStBl II 1993, 413[↩]
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