Source: http://www.uni-protokolle.de/foren/viewt/165859,0.html
Timestamp: 2019-09-17 23:47:51
Document Index: 97140757

Matched Legal Cases: ['§ 212', '§ 212', '§ 23', '§ 12', '§ 23', '§212', '§ 222']

Verfasst am: 05 Dez 2007 - 22:35:52 Titel: Strafrecht II, uni hamburg, 1.HA., Prof.Dr.Keller
Die Eheleute (A) und (C) T. lebten mit ihren beiden Töchtern,(M), 22 Jahre, und (D), 13 Jahre, in einer Wohnung in einer deutschen Großstadt.Die Herkunft ist Sizilien.A war krank und nahm jeden Morgen ein in Wasser aufgelöstes lebenserhaltendes Medikament, das ihm jeweils M um 8 Uhr auf den Frühstückstisch stellte. C und D waren an Werktagen von 7.40-17 Uhr bei der Arbeit bzw. in der Schule.
A wurde zunehmend aggressiv gegen seine Familienangehörigen. Annähernd täglich beleidigte er seine Frau schwer.Besonders an den WE.Dann schlug er C und D ins Gesicht und versetzte ihnen heftige Tritte gegen Beine und Unterleib.
C und M(ohne sich darüber zu verständigen) empfanden die Situation als unerträglich. D wurde zunehmend verstört. Der C kam mehrfach der Gedanke, A zu töten; dies zu tun, fehlte ihr der Mut. M dachte ähnlich. Polizei usw. hielten sie für ineffektiv.
Als wieder schwere Gewalttätigkeiten A’s gegen C und D erlebt hatte, ohne sie verhindern zu können, beschloss M, A zu töten. Sie stellte ihm am folgenden Freitagmorgen statt des vorgesehenen Medikaments ein wirkungsloses, aber geschmacklich gleiches Mittel auf den Tisch, das A, ohne die Veränderung zu bemerken, einnahm. M meinte, A werde ohne das indizierte Medikament alsbald ohnmächtig werden und nach 4 Stunden sterben, wenn ihm nicht innerhalb von etwa 3 Stunden geholfen werde, was sie nicht vorhatte. M ging um 8.10 weg.Um 8.30 Uhr wurde A ohnmächtig. Um 8.50 Uhr kam außerplanmäßig C nach Hause, sah A und half ihm.Auch ohne C’s Eingreifen hätte das einmalige Ausbleiben des Medikaments nicht zum Tod A’s geführt.
An einem Samstagabend im darauf folgenden April war A schwer betrunken auf dem Rückweg von einer Gaststätte. Auf dem Gehweg neben einer Schnellstraße stolperte er, geriet ins Taumeln und stürzte auf die Schnellstraße, wo er von einem PKW angefahren und an den Fahrbahnrand geschleudert wurde. Der Fahrer des PKW, L, der die zulässige Höchstgeschwindigkeit um 25 km/h überschritten hatte und vor A nicht hatte bremsen können, hielt an, stieg aus und erkannte dass A lebensgefährlich verletzt war und der Hilfe bedurfte.L hat ihm nicht geholfen, weil er zu schnell gefahren war.Dem A wurde auch im Weiteren nicht geholfen; er starb nach einer halben Stunde infolge seiner Verletzung. Er wäre gerettet worden, wenn unmittelbar nach dem Unfall ein Rettungsdienst verständigt worden wäre und ihn ins Krankenhaus gebracht hätte.
Bei den weiteren Ermittlungen ergab sich, dass ein Fahrer mit korrekter Fahrweise den Unfall und die Verletzung der geschehenen Art mit etwa 50 %iger Wahrscheinlichkeit hätte vermeiden können.
Die Strafbarkeit M’s und L’s ist gem. §§ 212, 222, 223, 224, 229 StGB zu begutachten. Evtl. erforderliche Strafanträge sind gestellt. Sofern mehrere Gesetzesverletzungen gegeben sind, ist deren Konkurrenzverhältnis nicht zu prüfen.
Zuletzt bearbeitet von Arzu87 am 21 Dez 2007 - 23:38:08, insgesamt einmal bearbeitet
Verfasst am: 05 Dez 2007 - 22:41:59 Titel:
Okay, ich hab auch noch eine Aufgabe.
Der faule Jurastudent A stellt eine Hausarbeit, die der Professor B in mühevoller Arbeit erstellt hat, in das Internetforum des C ohne jede Zitatangabe. Die Strafbarkeit des A ist nach dem UrhG zu begutachten. Erforderliche Strafanträge sind gestellt.
Zusatzfrage: Welche prozessuale Maßnahme könnte B durchführen, um eine ladungsfähige Anschrift des A zu erlangen, um diesen zivilrechtlich zu belangen?
Verfasst am: 05 Dez 2007 - 22:55:51 Titel:
Hi Leute....^^
A. Strafbarkeit der M wegen versuchten Totschlags durch Unterlassen gem. §§ 212, 22, 23 I, 13 StGB.
1.Fehlende Vollendung
Ein vollendeter Totschlag liegt nicht vor, da der Tod des A nicht eingetreten ist.
Versuchter Totschlag müsste weiterhin strafbar gem. §§ 23 I, 12 I StGB sein. Mindeststrafe --------> 5 Jahre= Verbrechen i.S.d. § 12 StGB und gem. § 23 strafbar.
M müsste auch einen auf den Totschlag durch Unterlassen gerichteten Tatentschluss gehabt haben.
1.Erfolgseintritt.
- M wollte A umbringen ; daher unproblematisch.
2. Tun oder Unterlassen
- Unterlassen das wirksame Medikament zu verabreichen oder ihn später zu retten.
3. Individuelle Fähigkeit zur Erfolgsabwendung
- war psychisch und physisch in der Lage gewesen dem A das richtige Medikament geben zu können.
4. Garantenstellung
- Obhutsgarantenpflicht: Eltern/Kind-Verhältnis.
- Überwachungsgarantenpflicht??? Vorverhalten, das die nahe Gefahr einer Schädigung erzeugte)---> hat durch das Nichtverabreichen des Medikaments eine Gefahr herbeigeführt.
- Hier ist die Frage,ob die von M rechtlich geforderte Handlung nicht hinzugedacht werden kann ohne dass der von M vorgestellte Erfolg entfiele. Konkret ist also zu fragen, ob das Stellen des lebenserhaltenden Medikaments auf den Frühstückstisch nicht hinzugedacht werden kann ohne dass der von M vorgestellte Tod des Vaters entfiele. Wenn man sich die Abgabe des wirksamen Medikaments hinzudenkt, würde der Tod des A nicht eintreten können.
Hier bin ich wegen einem Satz durcheinander... Auch ohne C’s Eingreifen hätte das einmalige Ausbleiben des Medikaments nicht zum Tod A’s geführt.
hier komme ich nicht weiter... da hab ichs mit der Strafbarkeit von L weitergemacht.
Soll ich bei L mit "Strafbarkeit wegen Totschlags durch Unterlassen gem. §212,13 StGB" oder "Strafbarkeit wegen fahrlässiger Tötung durch Unterlassen gem. § 222, 13 StGB" anfangen? Es ist doch offensichtlich, dass L keinen Vorsatz hatte...
Verfasst am: 05 Dez 2007 - 22:56:54 Titel:
Ich habe die HA verändert -.-
Verfasst am: 09 Dez 2007 - 01:02:40 Titel:
ich würda da bei der hypothetischen kausalität aussteigen.
und bei L würde ich mit der fahrlässigen strafbarkeit anfangen, da es offensichtlich ist, dass er ohne vorsatz gehandelt hat.
Verfasst am: 09 Dez 2007 - 21:37:00 Titel:
Nur einige Einwürfe von mir zum Thema, ohne Anspruch auf Richtigkeit :
Wieso verneinst du die hypothetische Kausalität?
Wir befinden uns im Bereich des Versuchs.
Strafrecht ist bei mir momentan zwar ziemlich eingerostet, aber prüft man da nicht nur den Tatentschluss bezüglich aller objektiven Merkmale, wohlgemerkt nur den Tatentschluss, also ein subjektives Element.
Für mich stellt sich das als "untauglicher Versuch des Unterlassens" dar.
Bei L würde ich mit der fahrlässigen Tötung anfangen und dann nochmals eine vorsätzliche Tötung durch Unterlassen prüfen.
Verfasst am: 14 Dez 2007 - 20:22:32 Titel:
ich hatte die hypothetische Kausalität verneint, weil der Todeserfolg auch ohne das Eingreifen der C nicht eingetreten wäre. Soll ich da darauf eingehen, dass M für sicher hielt, dass der A stirbt, wenn er das Medikament nicht einnimmt ? Wie gesagt..Ich war mir nicht sicher, weil mich der eine Satz Auch ohne C’s Eingreifen hätte das einmalige Ausbleiben des Medikaments nicht zum Tod A’s geführt. durcheinander gebracht hat...
Verfasst am: 19 Dez 2007 - 15:57:58 Titel:
bin gerade dabei die Garantenstellung zu überprüfen.
Kann es sein, dass M kein Näheverhältnis und keine Bindung mehr zu ihrem Vater verspürte, weil er seine Familienangehörigen ständig geschlagen hat?
Und zur Ingerenz: ist ein pflichtwidriges gefährdendes Vorverhalten da jeder, der durch ein objektiv pflichtwidriges Tun oder Unterlassen für Rechtsgüter Dritter die nahe Gefahr eines Schadenseintrittes geschaffen hat, zur Abwendung des drohenden Erfolges und zu entsprechenden Rettungsmaßnahmen verpflichtet ist.
Dies trifft bei ihr doch zu oder?
Die Obhutspflicht hab ich verneint, weil sie kein Vertrauensverhältnis mehr zu ihrem Vater hatte.
Verfasst am: 21 Dez 2007 - 00:37:54 Titel:
Niemand hilft mir.... nicht mal 1 Satz
Verfasst am: 21 Dez 2007 - 08:59:34 Titel: