Source: https://www.bgbau-medien.de/tr/tros_3/4.htm
Timestamp: 2018-05-21 04:58:45
Document Index: 245121005

Matched Legal Cases: ['§ 3', '§ 3', '§ 4', '§ 10', '§ 7', '§ 7', '§ 12', '§ 3']

TROS: Laserstrahlung, Teil 3: Maßnahmen zum Schutz vor Gefährdungen durch Laserstrahlung, 4 Grundsätze bei der Festlegung und Durchführung von Schutzmaßnahmen
4 Grundsätze bei der Festlegung und Durchführung von Schutzmaßnahmen
(1) Ergibt die Gefährdungsbeurteilung (siehe Teil 1 „Beurteilung der Gefährdung durch Laserstrahlung“ der TROS Laserstrahlung) nach § 3 OStrV, dass eine Gefähr-dung durch Laserstrahlung nicht ausgeschlossen werden kann, dann sind nach §§ 3 und 7 OStrV Maßnahmen zur Vermeidung oder Verringerung der Gefährdung durch Laserstrahlung nach dem Stand der Technik festzulegen und durchzuführen.
(2) Dabei sind die Entstehung und die Ausbreitung von Laserstrahlung vorrangig an der Quelle zu verhindern oder auf ein Minimum zu reduzieren. Dazu ist der Laserbe-reich möglichst klein zu halten. Durch die Anwendung von Schutzmaßnahmen müs-sen in jedem Fall die Expositionsgrenzwerte nach Anlage 4 , Abschnitt 4.1 des Teils 2 „Messungen und Berechnungen von Expositionen gegenüber Laserstrahlung“ der TROS Laserstrahlung eingehalten werden.
(3) Ziel ist eine weitere Reduzierung der Expositionen auf ein erreichbares Minimum auch unterhalb der Expositionsgrenzwerte. Dies gilt insbesondere für Expositionen gegenüber ultravioletter Strahlung, da die festgelegten Expositionsgrenzwerte für den Schutz vor Langzeitschäden − wie Linsentrübung, Hautalterung und Hautkrebs − nicht ausgelegt sind.
(4) Ergibt die Gefährdungsbeurteilung, dass auch Gefährdungen durch indirekte Auswirkungen der Laserstrahlung nicht auszuschließen sind, dann sind Schutzmaß-nahmen nach dem Stand der Technik vorzusehen, die diese indirekten Gefährdungen wie vorübergehende Blendung, Brand- und Explosionsgefahr ausschließen oder minimieren.
4.2 Rangfolge von Schutzmaßnahmen
Vermeidung oder Minimierung von Gefährdungen durch Laserstrahlung an Arbeitsplätzen durch andere geeignete Arbeitsverfahren und Arbeitsmittel (Substitutionsprüfung, Minimierungsgebot),
Persönliche Schutzausrüstung (z. B. Augenschutz und Schutzkleidung).
(2) Kollektive Schutzmaßnahmen haben gemäß § 4 Arbeitsschutzgesetz (ArbSchG) Vorrang vor individuellen.
(3) Wenn Sofortmaßnahmen die Exposition unter die Expositionsgrenzwerte absenken sollen, haben Schutzmaßnahmen, die sich schnell durchführen lassen, eine höhere Priorität.
4.3 Vermeidung oder Minimierung der Gefährdungen durch Laserstrahlung
(1) Die Arbeitsverfahren und Arbeitsmittel sind so auszuwählen, dass keine oder nur vernachlässigbare Expositionen der Beschäftigten gegenüber Laserstrahlung auftre-ten können.
(2) Sollte dies nicht möglich sein, sind alternative Arbeitsverfahren zu prüfen und ge-gebenenfalls anzuwenden, welche die Exposition der Beschäftigten durch Laserstrahlung so gering wie möglich halten (Substitutionsprüfung).
(3) Um Gefährdungen der Beschäftigten auszuschließen oder so weit wie möglich zu verringern, haben nach dem Stand der Technik folgende Schutzmaßnahmen Priorität:
Laserstrahlung möglichst auf den Nutzungsort beschränken,
Schutzmaßnahmen auf dem Ausbreitungsweg von Laserstrahlung direkt am Arbeitsplatz (z. B. Verrohrung) vorsehen,
mit möglichst niedriger Laserleistung arbeiten (entsprechend der jeweiligen Anwendung),
räumliche Ausdehnung des Laserbereichs möglichst klein halten,
Zahl der sich im Laserbereich aufhaltenden Personen möglichst klein halten: Im Laserbereich dürfen sich nur Personen aufhalten, deren Aufenthalt dort erforderlich ist,
Laser-Einrichtungen der Klasse 1 oder 2 zur Grundjustierung verwenden.
4.4 Technische Schutzmaßnahmen
(1) Technische Schutzmaßnahmen sind mit dem Ziel durchzuführen, die Expositionen der Beschäftigten vorrangig an der Quelle zu verhindern oder auf ein Minimum zu reduzieren.
(2) Zu den technischen Schutzmaßnahmen gehören z. B.
Verwendung von Abschirmungen, Strahlfallen, Blenden, optischen Filtern,
Vorrichtungen zur automatischen Abschaltung.
(3) Der Einschaltzustand der Laser-Einrichtung muss eindeutig angezeigt werden, z. B. in Räumen durch Warnleuchten oder Leuchttableaus oder bei Einsätzen im Freien durch Blinkleuchten oder Rundumleuchten.
(4) In Abhängigkeit von der Gefährdung, die von der Laser-Einrichtung ausgeht, kann es erforderlich sein, den Zugang schleusenartig auszubauen (z. B. bei medizinischen Anwendungen) oder Türkontakte vorzusehen, durch die der Laser beim Betreten des Laserbereiches ausgeschaltet wird (z. B. bei Robotern).
(5) Kann der Zugang zu Laserbereichen für nicht unterwiesene Personen nicht durch technische Maßnahmen gesichert werden, so sind persönliche Schutzmaßnahmen im Laserbereich erforderlich und die Gefährdung ist z. B. durch Warnleuchten oder ein akustisches Signal anzuzeigen.
(6) Bei räumlich getrennter Anordnung von Strahlquelle und Strahlaustritt (Arbeitskabine) darf die Laserstrahlung auch im Störungsfall nicht aus dem Zuleitungssystem austreten.
(7) Zum Schutz vor gefährlichen Reflexionen sind Gegenstände und Flächen mit re-flektierenden Oberflächen aus der Umgebung des Laserstrahls soweit wie möglich fernzuhalten, zu entfernen oder abzudecken.
(8) Maßnahmen der Ersten Hilfe entsprechend § 10 ArbSchG, insbesondere die so-fortige Leistung Erster Hilfe nach einem Arbeitsunfall, müssen trotz der vorhandenen Schutzmaßnahmen möglich sein.
(9) Werden mehrere Laser-Einrichtungen gleichzeitig in demselben Raum betrieben, sind deren Strahlengänge gegenseitig abzuschirmen. Falls möglich, sollte der Strah-lengang nur von einer Seite aus zugänglich sein. Die optische Achse darf in der Re-gel nicht auf Fenster und Türen gerichtet werden. Sollte dies im Einzelfall zwingend erforderlich sein, so sind weitere Schutzmaßnahmen notwendig.
(10) Laserschutzwände gemäß DIN EN 60825-4 [8] erfüllen die Anforderungen an Abschirmungen von Laserbereichen.
Bezüglich der Verwendbarkeit und Zuverlässigkeit der eingesetzten Laserschutz-wände verweist DIN EN ISO 11553-1 [10] auf die im Rahmen der „Niederspannungs-richtlinie“ 2006/95/EG harmonisierte Norm DIN EN 60825-4 [8], deren Anwendung für den Hersteller ebenfalls mit der Konformitätsvermutung verbunden ist. Neben ei-ner Reihe konstruktiver Vorgaben verlangt diese Norm in jedem Fall die Ermittlung der sog. „vorhersehbaren Maximalbestrahlung“ (VMB) der Laserschutzwände. Diese muss unter Berücksichtigung vernünftigerweise vorhersehbarer Fehlerbedingungen im Einzelfall rechnerisch oder experimentell durch den Hersteller bestimmt und in der Benutzerinformation angegeben werden. Die Widerstandsfähigkeit der einzusetzen-den Schutzwände muss sich grundsätzlich nach dieser VMB richten. Dafür kann der Arbeitgeber Schutzwände mit festgelegter Schutzwirkung von spezialisierten Herstel-lern beziehen, die für ihre Produkte eine sog. „Schutzgrenzbestrahlung“ (SGB) spezi-fizieren. Eine Grundlage für die Spezifikation von Schutzwänden mit festgelegter Schutzwirkung sind dreifach gestaffelte „Prüfklassen“: Wartungsintervalle, in denen die Wirksamkeit bzw. der Verschleiß der Schutzwände − z. B. durch Augenschein − geprüft wird. Die entsprechenden Zeitabstände können zwischen 10 s (bei kontinu-ierlicher Beobachtung) und 30 000 s (bei automatischem Produktionsablauf) betra-gen. Die Schutzwirkung von Laserschutzwänden muss bei Laserbearbeitungsmaschinen der Klasse 1 mindestens 30 000 s betragen.
(11) Für Laserleistungen P < 100 W oder der Laserenergie Q < 30 J pro Einzelimpuls erfüllen auch Abschirmungen gemäß DIN EN 12254 [4] die Anforderungen an Abschirmungen von Laserbereichen.
(12) Abschirmungen, die zur temporären Abgrenzung von Laserbereichen dienen, z. B. bei der Instandhaltung von Laser-Einrichtungen oder bei der medizinischen An-wendung, sind geeignet, wenn sie der DIN EN 12254 [4] entsprechen. Abschirmun-gen mit geringeren Beständigkeitsanforderungen als in der genannten Norm sind im Einzelfall zulässig, wenn sichergestellt wird, dass die Laser-Einrichtung rechtzeitig vor dem Versagen der Abschirmung abgeschaltet werden kann.
Die DIN EN 12254 [4] gilt nicht für „Laserumschließungen“ und Lasergehäuse, die Teil der Laser-Einrichtung sind oder zum Anbau an ein Lasersystem geliefert werden, um eine Laser-Einrichtung (nach DIN EN 60825-1 [6]) zu bilden. Für diese Einhausungen (Umschließungen) gilt die DIN EN 60825-4 [8].
(13) Bei der Anwendung von Hochleistungslasern der Klasse 4 ist der Brandgefahr durch Verwendung geeigneter Strahlbegrenzungen zu begegnen (z. B. wasserge-kühlte Hohlkegel).
(14) Die Arbeitsumgebung ist möglichst hell und reflexionsarm zu gestalten.
4.5 Organisatorische Schutzmaßnahmen
(1) Soweit Gefährdungen der Beschäftigten durch Expositionen gegenüber Laserstrahlung durch technische Maßnahmen nicht ausgeschlossen oder so weit wie möglich verringert werden können, sind organisatorische Schutzmaßnahmen zu treffen.
(2) Zu organisatorischen Schutzmaßnahmen, die zur Verminderung der Gefährdung durch Laserstrahlung beitragen, gehören z. B.
Minimierung der Expositionszeit durch Optimierung der Arbeitsabläufe,
Vergrößerung des Abstandes zwischen der Laserstrahlungsquelle und dem bzw. den Beschäftigten,
Wechsel von Tätigkeitsanteilen zwischen höher und niedriger exponierten Bereichen,
Kennzeichnung, Abgrenzung und Festlegung von Zugangsregelungen zu Laser-bereichen,
Unterweisung und Üben der gefährlichen Arbeiten ohne Laserbetrieb, sodass die Beschäftigten die Tätigkeiten im Umfeld des Lasers sicher ausführen können.
4.5.1 Kennzeichnung von Laserbereichen
(1) Nach § 7 Absatz 3 OStrV ist ein Arbeitsbereich als Laserbereich zu kennzeichnen, wenn die Expositionsgrenzwerte für Laserstrahlung überschritten werden kön-nen. Die Kennzeichnung muss deutlich erkennbar und dauerhaft sein. Beispiele für geeignete Kennzeichnung enthält Anlage 3 dieser TROS Laserstrahlung.
(2) Der Zugang zum Laserbereich ist mit dem Warnzeichen W004 „Warnung vor Laserstrahl“ zu kennzeichnen. Weitere Details zur Kennzeichnung sind in der Technischen Regel für Arbeitsstätten ASR A1.3 [11] zu finden.
(3) Wenn bei zeitlich und räumlich beschränkter Anwendung von Laser-Einrichtungen auf Bühnen und in Studios der Laserbereich aus szenischen Gründen zugänglich sein kann, ist im Grundsatz neben der Unterweisung der Beschäftigten eine geeignete Kennzeichnung am Bühneneingang für die Darsteller anzubringen.
Bei Verwendung von Showlasern, bei LiDAR-Anwendungen oder anderen Laser-Einrichtungen im Freien, bei denen eine Gefährdung des Luftverkehrs möglich ist, ist eine Meldung des Betriebes gemäß Luftverkehrsordnung bei der örtlichen Flugsiche-rung erforderlich.
4.5.2 Abgrenzung von Laserbereichen
(1) Der Laserbereich ist nach § 7 Absatz 3 OStrV abzugrenzen. Die Eignung der Abgrenzung ist für jeden Einsatzort und entsprechend der Gefährdung gesondert zu beurteilen und regelmäßig zu überprüfen.
(2) Die Abgrenzung kann z. B. durch Lichtschranken, Verriegelungen, bauliche Maß-nahmen oder temporär durch Absperrketten erfolgen.
4.5.3 Zugangsregelung für Laserbereiche
(1) Im Laserbereich dürfen Beschäftigte nur tätig werden, wenn das Arbeitsverfahren dies erfordert. Der Zugang ist für Unbefugte einzuschränken, wenn dies durch technische Maßnahmen möglich ist. Ist dies nicht möglich, dann sind durch organisatorische Schutzmaßnahmen (z. B. Zugangsverbote) entsprechende Zugangsregelungen sicherzustellen.
(2) Laser-Einrichtungen der Klasse 3B und 4 sind in der Regel mit einem schlüssel-betätigten Hauptschalter am Gerät ausgerüstet. Neben einem schlüsselbetätigten Hauptschalter kann diese Art der Sicherung auch durch andere Steuer- und Bedienungseinrichtungen, wie z. B. Magnetkarten, oder auf andere Weise vom Hersteller gewährleistet werden. Der Schlüssel kann z. B. ein Passwort sein. Der Umgang, die Verantwortlichkeiten und die Berechtigungen (Schlüsselgewalt) sind durch den Arbeitgeber zu regeln.
4.6 Persönliche Schutzausrüstungen
(1) Wenn durch technische und organisatorische Schutzmaßnahmen Gefährdungen der Gesundheit und Sicherheit der Beschäftigten nicht ausgeschlossen werden kön-nen, sind geeignete individuelle Schutzmaßnahmen anzuwenden. Dies betrifft insbe-sondere die Anwendung persönlicher Schutzausrüstung (PSA).
(2) Persönliche Schutzausrüstungen dienen zum Schutz der Augen und der Haut.
(3) Sie sind geeignet, wenn sie für die jeweiligen Beschäftigten unter Berücksichti-gung der jeweiligen Arbeitsbedingungen zur Sicherstellung von Sicherheit und Ge-sundheitsschutz ausgewählt wurden und den Anforderungen der Verordnung über die Bereitstellung von persönlichen Schutzausrüstungen auf dem Markt (8. ProdSV) entsprechen.
(4) Die Beteiligung der Beschäftigten bei der Auswahl von persönlichen Schutzaus-rüstungen erhöht die Akzeptanz und damit die Benutzung der Schutzausrüstung. Die Mitbestimmungsrechte der Beschäftigtenvertretung ergeben sich aus dem Arbeitsschutzgesetz (ArbSchG) in Verbindung mit dem Betriebsverfassungsgesetz (BetrVG) und anderen entsprechenden Rechtsgrundlagen, z. B. dem Arbeitssicherheitsgesetz (ASiG).
(5) Für jede bereitgestellte persönliche Schutzausrüstung hat der Arbeitgeber die erforderlichen Informationen für die Benutzung in für die Beschäftigten verständlicher Form und Sprache bereitzuhalten. Gemäß § 12 ArbSchG in Verbindung mit § 3 Verordnung über Sicherheit und Gesundheitsschutz bei der Benutzung persönlicher Schutzausrüstungen bei der Arbeit (PSA-Benutzungsverordnung − PSA-BV) hat der Arbeitgeber die Beschäftigten darin zu unterweisen, wie die persönlichen Schutzausrüstungen sicherheitsgerecht benutzt werden. Soweit erforderlich, hat er eine Schulung in der Benutzung durchzuführen.
4.6.1 Laser-Schutzbrillen und Laser-Justierbrillen
(1) Laser-Schutzbrillen und Laser-Justierbrillen müssen gemäß 8. ProdSV mit der CE-Kennzeichnung gekennzeichnet sein. Brillen, bei denen diese Kennzeichnung fehlt, dürfen nicht eingesetzt werden.
Jede vom Benutzer vorgenommene Veränderung kann dazu führen, dass sich die Schutzeigenschaften der PSA verringern (z. B. durch Lackieren der Laser-Schutzbrille).
(2) Geeignete Augenschutzmittel bieten Schutz gegen eine zufällige Exposition von direkter, spiegelnd reflektierter oder diffus reflektierter Laserstrahlung. Trotz Augen-schutzmittel ist jedoch der Blick in den direkten Strahl zu vermeiden.
(3) Geeignete Augenschutzmittel sind z. B. Laser-Schutzbrillen, die der DIN EN 207 [2] und Laser-Justierbrillen, die der DIN EN 208 [3] entsprechen.
Weitere hilfreiche Informationen zur Auswahl von geeigneten Augenschutzmitteln sind auch in [14] enthalten.
4.6.2 Schutzkleidung
(1) Der Schutz der Haut durch geeignete Schutzkleidung hat die Aufgabe, die Laser-strahlung so zu verringern, dass die Expositionsgrenzwerte für Laserstrahlung sicher unterschritten werden.
(2) Wenn die Expositionsgrenzwerte der Haut überschritten werden können, ist ge-eignete Schutzkleidung zu verwenden, wenn keine anderen Maßnahmen ergriffen werden können, um die Exposition zu beseitigen oder zu minimieren. Dies kann ins-besondere beim Umgang mit Lasern der Klasse 4 erforderlich sein. Hinweise zur Hautgefährdung finden sich auch in der Benutzerinformation der Hersteller.
(3) Gesichtsschutz (Visiere) und Schutzhandschuhe können besonders bei Strahlung im UV-Bereich durch UV-Laser (z. B. Excimer-Laser) erforderlich sein.
Weitere hilfreiche Informationen zu Persönlicher Schutzausrüstung für Tätigkeiten mit handgeführten oder positionierten Laserbearbeitungsgeräten sind in [16] enthalten.
4.7 Schutzmaßnahmen gegen indirekte Auswirkungen
4.7.1 Schutzmaßnahmen vor inkohärenter optischer Strahlung beim Betrieb von Lasern
Bei der Anwendung von Lasern mit hoher Leistung, insbesondere beim Schweißen, Schneiden, Abtragen und Erhitzen von Material, kann eine gefährliche inkohärente optische Begleitstrahlung entstehen. Die Schutzmaßnahmen hierzu sind im Teil 3 „Maßnahmen zum Schutz vor Gefährdungen durch inkohärente optische Strahlung“ der TROS IOS beschrieben.
4.7.2 Schutzmaßnahmen vor vorübergehender Blendung
(1) Die wichtigsten Schutzmaßnahmen zur Vermeidung einer vorübergehenden Blendung sind:
Abschirmung der sichtbaren Laserstrahlung gegenüber den Beschäftigten,
Verwendung von nicht-reflektierenden Materialien am Arbeitsplatz und
Vermeidung des direkten Blicks in einen sichtbaren Laserstrahl.
(2) Bei Arbeiten mit sichtbarer Laserstrahlung sind darüber hinaus die Strahlverläufe so zu gestalten, dass weder ein direkter Blick in einen Strahl noch eine Reflexion eines Strahls wahrscheinlich sind.
(3) Ist die Vermeidung einer vorübergehenden Blendung nicht möglich, lässt sich eine maximale Minderung der Auswirkungen einer vorübergehenden Blendung durch die Verwendung der für die jeweilige Tätigkeit kleinstmöglichen Laserstrahlungsleis-tung erreichen.
4.7.3 Schutzmaßnahmen vor Brand- und Explosionsgefährdung
(1) Der Arbeitgeber hat dafür zu sorgen, dass Schutzmaßnahmen getroffen werden, wenn die Energie- oder Leistungsdichte der Laserstrahlung eine Zündung brennbarer Stoffe oder explosionsfähiger Atmosphäre herbeiführen kann (siehe auch TRGS 800 [13] und TRBS 2152 Teil 3 [12], insbesondere Abschnitte 5.10.1 Hinweise und 5.10.2 Schutzmaßnahmen für alle Zonen). Brennbare Stoffe sind z. B. hochentzündliche, leichtentzündliche und entzündliche Stoffe gemäß Gefahrstoffverordnung sowie sonstige brennbare Materialien wie Holz, Papier, Textilien und Kunststoffe.
(2) Bei der Anwendung von Laser-Einrichtungen der Klassen 3B und 4 muss immer geprüft werden, ob ausreichende Maßnahmen gegen Brand- und Explosionsgefah-ren getroffen worden sind.
(3) Bei der Anwendung von Hochleistungslasern der Klasse 4 im infraroten Wellen-längenbereich ist der Brandgefahr durch Verwendung geeigneter Strahlbegrenzun-gen zu begegnen, z. B. durch wassergekühlte Hohlkegel.
(4) Der Arbeitgeber hat dafür zu sorgen, dass bei der medizinischen Anwendung von Laserstrahlung im Bereich von Organen, Körperhöhlen und Tuben, die brennbare Gase oder Dämpfe enthalten können, Schutzmaßnahmen gegen Brand- und Explosionsgefahr getroffen werden.
4.7.4 Schutzmaßnahmen vor entstehenden Gefahrstoffen
(1) Der Arbeitgeber hat dafür zu sorgen, dass Schutzmaßnahmen nach dem Arbeitsschutzgesetz (ArbSchG) und der Gefahrstoffverordnung (GefStoffV) getroffen werden, sofern durch Einwirkung von Laserstrahlung gesundheitsgefährdende Konzentrationen von Gefahrstoffen (Gasen, Dämpfen, Stäuben, Nebeln oder Aerosolen) ent-stehen können. Diese Forderung ist erfüllt, wenn der Laserbereich von Gefahrstoffen z. B. durch eine Absaugung frei gehalten wird.
(2) Werden solche Gefahrstoffe für eine spezielle Anwendung der Laserstrahlung eingesetzt, dürfen nur die dafür erforderlichen Mindestmengen im Laserbereich vor-handen sein. Es sind Maßnahmen zu treffen, die eine Gefährdung der Beschäftigten durch das Zünden dieser Stoffe verhindern. In den Technischen Regeln für Gefahrstoffe (TRGS), welche die Anforderungen der GefStoffV konkretisieren, werden beispielhaft Schutzmaßnahmen beschrieben.
Bei der Einwirkung gepulster Laserstrahlung auf ein Material kann es neben der Bil-dung von Gasen vor allem zu einer Zerstäubung (Aerosolbildung) kommen.
4.7.5 Schutzmaßnahmen vor ionisierender Strahlung
(1) Bei der Anwendung von bestimmten Laser-Einrichtungen, die ultrakurzgepulste Laserstrahlung emittieren (z. B. Femtosekunden-Laser), kann durch die Wechselwir-kung mit Materie ionisierende Strahlung als Sekundärstrahlung entstehen. Hierfür sind bestimmte Schwellintensitäten erforderlich, die zur Bildung eines Plasmas (bzw. schneller Elektronen) führen. Treffen diese Elektronen auf einen Werkstoff, so kann eine charakteristische Röntgenstrahlung und eine kontinuierliche Bremsstrahlung emittiert werden.
(2) Der Arbeitgeber muss beim Betrieb derartiger Anlagen die Anforderungen aus der Röntgenverordnung (RöV) bzw. Strahlenschutzverordnung (StrlSchV) einhalten und die geeigneten Schutzmaßnahmen treffen.
(3) Die vom Hersteller mitgelieferten Benutzerinformationen sowie die Warnhinweise am Gerät sind zu beachten.
4.8 Verwendung von Arbeitsmitteln durch die Beschäftigten
Der Arbeitgeber hat dafür zu sorgen, dass Beschäftigte
die Laser-Einrichtungen entsprechend der Betriebsanweisung nach Abschnitt 6 bestimmungsgemäß benutzen,
dem zuständigen Vorgesetzten die von ihnen festgestellte unmittelbare erhebliche Gefahr für die Sicherheit und Gesundheit durch Laserstrahlung sowie jeden an den Schutzsystemen festgestellten Defekt an Laser-Einrichtungen unverzüglich melden.
Webcode: M1150-6