Source: https://www.kujus-strafverteidigung.de/strafrechts-abc/beischlaf-zwischen-verwandten/
Timestamp: 2019-12-07 06:34:25
Document Index: 345592987

Matched Legal Cases: ['§ 173', '§ 173', '§ 173', '§ 173', '§ 173', '§ 173', '§ 173', '§ 174', '§ 176', '§ 173', '§ 173', '§ 173', '§ 173', '§ 78']

Beischlaf zwischen Verwandten | Strafrechts-ABC
Der Beischlaf zwischen Verwandten (Inzest) findet sich im 12. Abschnitt des StGB unter „Straftaten gegen den Personenstand, die Ehe und die Familie“ (und nicht etwa unter den „Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung“).
Der Straftatbestand ist in § 173 StGB normiert:
Erklärtes Ziel des „Inzestverbots“ ist die Freihaltung des engsten Familienkreises vor sexuellen Beziehungen. Ob das Verbot noch zeitgemäß und notwendig ist, ist – nicht nur unter Juristen – heftig umstritten.
Obgleich die kriminalpolitische Bedeutung dieser Strafvorschrift gering ist, werden Strafverfahren dieser Art oft mit großem öffentlichen Interesse und medienwirksam verfolgt.
Wann ist der Beischlaf zwischen Verwandten strafbar?
Sex mit dem Cousin strafbar?
Ab welchem Alter gilt die Strafbarkeit?
Können weitere Straftaten erfüllt werden?
Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts und des Europäischen Gerichtshofes für Menschenrechte
Wie bereits der Name der Vorschrift verrät, ist dieser Straftatbestand nur einschlägig, sofern es sich um den Beischlaf zwischen Verwandten handelt. Auch wenn der Straftatbestand recht klar formuliert ist, sind einige Fragen und Mythen aufzuklären.
Von dem strafrechtlich relevanten Inzestverbot sind nur Verwandte in gerader Linie betroffen. Dies schließt
Geschwister (auch Halbgeschwister) sowie
in den strafrechtlichen Schutz ein.
Entgegen einer weitläufigen Meinung, fallen insbesondere Cousins und Cousinen nicht unter § 173 StGB, sodass die sexuelle Beziehung zwischen Cousin und Cousine nicht strafbar ist.
Zusammengefasst ist daher in gerader Linie der Beischlaf in folgenden Konstellationen unter Strafe gestellt:
Vater/ Mutter und Sohn/ Tochter
Großmutter (Oma)/ Großvater (Opa) zu den eigenen Kindern sowie zu den Enkelkindern
Die Vorschrift erfasst ferner nur die leibliche Verwandtschaft. Das bedeutet, dass sexuelle Beziehungen zwischen Adoptivgeschwisters, Stiefeltern und Stiefkinder nicht von § 173 StGB erfasst sind. Andere Strafvorschriften bleiben hiervon allerdings unberührt.
Strafbar nach § 173 StGB ist nur der vaginale Geschlechtsverkehr.
Andere Formen sexueller Handlungen, wie etwa Oralverkehr, Analverkehr und Petting, sind von der Vorschrift nicht erfasst. Aus diesem Grund sind gleichgeschlechtliche Beziehungen innerhalb der Familie nicht strafrechtlich sanktioniert.
Sexuelle Beziehungen jeglicher Art sind zwischen Cousin und Cousine in Deutschland erlaubt – Dies betrifft sowohl den Oral- , den Vaginal- wie auch den Analverkehr.
Auch die Ehe zwischen Cousin und Cousine ist nicht unter Strafe gestellt.
Gemäß § 173 Abs. 3 StGB wird nicht bestraft, wer zum Zeitpunkt der Tat das 18. Lebensjahr noch nicht erreicht hat.
Handelt es sich beispielsweise um den Beischlaf unter Geschwistern und haben beide das 18. Lebensjahr noch nicht erreicht, machen sie sich nicht nach § 173 StGB strafbar. Handelt es sich um den Beischlaf zwischen einem erwachsenen Elternteil und einem minderjährigen Kind, macht sich der Vater oder die Mutter, nicht aber das Kind nach § 173 StGB strafbar.
Sind beide handelnden Personen über 18, machen sie sich beide strafbar.
Das kommt – wie so oft – auf die konkreten Umstände an.
Handelt es sich um sexuelle Handlungen zu einem Minderjährigen kommt häufig § 174 StGB (Sexueller Mißbrauch von Schutzbefohlenen) und § 176 StGB (Sexueller Mißbrauch von Kindern) in Betracht.
Damit bleibt kaum ein eigener Spielraum für § 173 StGB. Letztlich ist die Vorschrift auf Fälle zugeschnitten, die sich zwischen volljährigen Verwandten abspielen. Die praktische Relevant der Strafvorschrift ist entsprechend gering.
In der Öffentlichkeit wird wiederholt debattiert, den sexuellen Kontakt zu Verwandten zu entkriminalisieren und die Strafnorm des § 173 StGB abzuschaffen.
Es wird vorgebracht, das Rechtsgut der sexuellen Selbstbestimmung sei höher zu werten als die genetischen Risiken für den möglichen Nachwuchs. Überhaupt könne die Vermeidung erbranken Nachwuchses kein Staatsziel sein.
Mit Beschluss vom 26.02.208 hat das Bundesverfassungsgericht entschieden, dass die strafrechtliche Vorschrift des Inzestverbots nach § 173 StGB nach verfassungsrechtlichen Maßstäben nicht zu beanstanden sei.
Am 12.04.2011 entschied im gleichen Ton auch der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte: Der § 173 StGB verstößt nicht gegen die Europäische Menschenrechtskonvention.
Die Tat wird mit Freiheitsstrafe bis drei Jahren oder mit Geldstrafe geahndet.
Entsprechend § 78 Abs. 3 Nr. 4 StGB verjährt die Tat nach fünf Jahren.
Ihnen wird der (strafbare) Beischlaf zwischen Verwandten vorgeworfen? Mit einer konsequenten und zielgerichteten Verteidigung können vielfache