Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Gericht=BGH&Datum=06.02.2003&Aktenzeichen=III%20ZR%2044/02
Timestamp: 2019-06-20 02:32:32
Document Index: 351884165

Matched Legal Cases: ['BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 839', '§ 839', '§ 839', 'BGH', 'BGH', '§ 74', '§ 839', '§ 839', 'BGH', 'BGH', '§ 74', '§ 74', 'BGH', 'BGH', '§ 74', 'BGH', '§ 823', '§ 154', 'BGH', '§ 839', '§ 839', 'BGH', '§ 9', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 839']

BGH, 06.02.2003 - III ZR 44/02 - dejure.org
https://dejure.org/2003,847
BGH, 06.02.2003 - III ZR 44/02 (https://dejure.org/2003,847)
BGH, Entscheidung vom 06.02.2003 - III ZR 44/02 (https://dejure.org/2003,847)
BGH, Entscheidung vom 06. Februar 2003 - III ZR 44/02 (https://dejure.org/2003,847)
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Schadensersatz wegen Amtshaftung - Zur Drittgerichtetheit von Amtspflichten eines Gutachterausschusses zur Wertermittlung im Zwangsversteigerungsverfahren - Der Meistbietende als "Dritter" im Sinne des § 839 Abs. 1 Satz 1 Bürgerliches Geseztbuch (BGB) - Zur Haftung von gerichtlichen Sachverständigen
Haftung des gerichtlichen Sachverständigen; drittgerichtete Amtspflichten; Amtspflichtverletzung
Zur Frage des Amtshaftungsanspruchs des Ersteigerers bei fehlerhafter Wertermittlung des Gutachterausschusses
Zwangsversteigerungsverfahren: Amtspflichten bei Wertermittlung
Gutachterausschuss: Amtspflichtverletzung bei falschem Wertgutachten? (IBR 2003, 208)
NVwZ-RR 2003, 401
NZM 2003, 411
VersR 2003, 1535
WM 2003, 2053
Rpfleger 2003, 310
BauR 2003, 860
ZfBR 2003, 570
Dementsprechend hat auch der Bundesgerichtshof in zwei noch zum früheren Recht ergangenen Entscheidungen für vergleichbare Fallkonstellationen in Betracht gezogen, daß nach neuem Recht eine Haftung des gerichtlichen Sachverständigen nach § 839a BGB eintreten könne (Senatsurteil vom 6. Februar 2003 - III ZR 44/02 = VersR 2003, 1535, 1536; Urteil des VI. Zivilsenats vom 20. Mai 2003 - VI ZR 312/02 = NJW 2003, 2825, 2826 = VersR 2003, 1049, 1050).
Der Ersteher (Meistbietende) ist "Verfahrensbeteiligter" (des Zwangsversteigerungsverfahrens) im Sinne von § 839a BGB (…Senatsurteil vom 9. März 2006 aaO S. 315 f Rn. 6 ff; s. auch Senatsurteil vom 6. Februar 2003 - III ZR 44/02, NZM 2003, 411).
Er darf in schutzwürdiger Weise darauf vertrauen, dass der Gutachter bei der Ermittlung des Verkehrswerts sorgfältig und sachgemäß verfahren ist (s. Senatsurteile vom 6. Februar 2003 aaO …und vom 9. März 2006 aaO S. 316 Rn. 7 f; vgl. auch BGH…, Beschluss vom 18. Mai 2006 - V ZB 142/05, NJW-RR 2006, 1389, 1390 Rn. 9).
Mit der Wertermittlung und -festsetzung soll vornehmlich der "Verschleuderung" des Grundbesitzes entgegengewirkt werden (s. dazu Senatsurteil vom 6. Februar 2003 aaO; BGH…, Beschluss vom 18. Mai 2006 aaO; OLG Rostock DS 2008, 386, 387;… Hintzen aaO § 74a Rn. 32).
Der Ersteigerer darf, selbst wenn ihm keine Mängelgewährleistungsansprüche zustehen, in schutzwürdiger Weise darauf vertrauen, dass das Gericht bei der Festsetzung des Grundstückswerts, die die Grundlage für die Höhe des Gebots bildet, mit der erforderlichen Sorgfalt verfahren ist (Senatsurteil vom 6. Februar 2003 - III ZR 44/02 = VersR 2003, 1535, 1536 m.w.N.).
Der Senat hat dazu entschieden, dass in dem gleichen Umfang wie die vom Gericht selbst bei der Wertfestsetzung wahrzunehmenden Amtspflichten auch diejenigen des mit der Wertermittlung beauftragten Gutachterausschusses drittgerichtet sind (Senatsurteil vom 6. Februar 2003 aaO).
Dies bedeutet, dass der Geschädigte - entgegen einer missverständlichen Formulierung im Senatsurteil vom 6. Februar 2003 (aaO) - nicht lediglich einen Anspruch darauf hat, so gestellt zu werden, als hätte er das Objekt nicht ersteigert.
Sie haften deshalb, wenn sie schuldhaft ein objektiv unrichtiges Gutachten erstatten, nicht nach § 839 BGB (…vgl. Staudinger/Wurm, BGB, 2002, § 839a Rdn. 1 m.w.N.; BGH, Urteil vom 6. Februar 2003 - III ZR 44/02 - ZfIR 2003, 260).
Gutachterausschuß - im Rahmen einer normalen Amtstätigkeit erfolgt (vgl. dazu BGH, Urteil vom 6. Februar 2003 - III ZR 44/02 - aaO).
aa) (1) Die Wertermittlung und -festsetzung gemäß § 74a Abs. 5 Satz 1 ZVG soll einer Verschleuderung des beschlagnahmten Grundstücks entgegenwirken (vgl. §§ 74a, 85a Abs. 1 ZVG) und den Bietinteressenten eine Orientierungshilfe für ihre Entscheidung geben (vgl. BGH, Urt. v. 6. Februar 2003, III ZR 44/02, WM 2003, 2053;… Urt. v. 9. März 2006, III ZR 143/05, WM 2006, 867, 868); sie muss daher auf eine sachgerechte Bewertung des Grundstücks ausgerichtet sein (vgl. BGH, Beschl. v. 27. Februar 2004, IXa ZB 185/03, WM 2004, 1040, 1041).
Folglich hätte die Wertermittlung und -festsetzung gemäß § 74a Abs. 5 Satz 1 ZVG ihren Zweck, einer Verschleuderung des Grundstücks entgegenzuwirken und den Bietinteressenten Orientierungshilfe für ihre Entscheidung zu geben, verfehlt (vgl. Senat, Beschluss vom 18. Mai 2006, V ZB 142/05, WM 2006, 1727; BGH, Urt. v. 6. Februar 2003, III ZR 44/02, WM 2003, 2053;… Urt. v. 9. März 2006, III ZR 143/05, WM 2006, 867, 868).
Zwangsversteigerung: Haftung des gerichtlichen Sachverständigen; Gutachten ohne …
Nach altem Recht kam deshalb als Anspruchsgrundlage nur 826 BGB - der Sonderfall des im Einzelfall beeidigten Sachverständigen mit der Haftung nach § 823 Abs. 2 BGB i. V. m. §§ 154, 163 StGB (vgl. dazu BGH NZM 2003, 411, 412; OLG Düsseldorf NJW 1986, 2891) steht hier nicht in Frage - in Betracht, dessen Voraussetzungen hier nicht ersichtlich sind.
Soweit sich die Berufung demgegenüber wegen drittbezogener Pflichten des Sachverständigen auf das Urteil des Bundesgerichtshofs vom 6. Februar 2003 - III ZR 44/02 - beruft (eine Kopie des Urteils war der Berufungsbegründung entgegen der Ankündigung auf Seite 4 nicht beigefügt, was aber auch unschädlich ist, denn die Entscheidung ist dem Senat ohnehin bekannt und z. B. in NZM 2003, 411 veröffentlicht), ändert das nichts.
Der Bundesgerichtshof hat überdies in eben der Entscheidung vom 6. Februar 2003 gerade im Hinblick auf den neu eingeführten § 839 a BGB ausdrücklich betont, dass andere Gerichtssachverständige als der Gutachterausschuss durch ihre Beauftragung durch das Gericht nicht nach § 839 BGB haften, wenn sie schuldhaft ein objektiv unrichtiges Gutachten erstatten (BGH NZM 2003, 411, linke Spalte).
Im Übrigen lässt sich entgegen der Meinung des Antragstellers ein Anspruch auf Aufhebung von Maßnahmen der Zwangsversteigerung im Wege des Sekundärrechtsschutzes aus dem Urteil des Bundesgerichtshofs vom 06.02.2003 - III ZR 44/02 -, NVwZ-RR 2003, 401 gerade nicht herleiten.
Dementsprechend werden in den Schutzbereich der bei der Zwangsversteigerung eines Grundstücks bestehenden Amtspflichten neben den nach § 9 ZVG am Verfahren förmlich Beteiligten auch die Bieter und insbesondere der Meistbietende einbezogen (BGH, NVwZ-RR 2003, 401).
Die notwendige Aufklärung des Sachverhaltes, d. h. die Schaffung der tatsächlichen Beurteilungsgrundlage, hatte auch nicht gemeinsam i.S. einer Arbeitsteilung von der Beklagten und dem Bundesamt zur Regelung offener Vermögensfragen zu erfolgen, etwa vergleichbar einem Gutachterausschuss und einer dessen Ergebnisse verwertenden Gemeinde (BGHZ 146, 365), sondern oblag dem Bundesamt allein.Der Antrag der Beklagten war auch nicht der Stellungnahme einer Fachbehörde vergleichbar, die die Bedeutung eines Sachverständigengutachtens, wie in einem Zwangsversteigerungsverfahren, hätte gewinnen können (BGH WM 2003, 2053).
Nur in einem solchen Fall hätten Amtspflichten der Beklagten in den Schutzbereich der Amtspflichten gehört, welche die zur Endentscheidung berufene Behörde wahrzunehmen hat und hätten so ihrerseits drittschützenden Gehalt erlangt (BGH MDR 2003, 628).
LG Berlin, 27.10.2004 - 28 O 157/04
Zwangsversteigerungsverfahren: Keine Haftung aus § 839a BGB
Zwangsversteigerungsverfahren: Haftung des Wertgutachters gegenüber dem …