Source: https://www.bke.de/content/html/statistik/faq.show.html?item_type=V2VpdGVyZSBBYmdyZW56dW5nZW4gdm9uIExlaXN0dW5nZW4%3D
Timestamp: 2020-07-04 12:59:35
Document Index: 53317096

Matched Legal Cases: ['§ 28', '§ 28', '§ 11', '§ 17', '§ 5', '§ 219', '§ 16', '§ 53', '§ 51', '§ 29', '§ 16', '§ 29', '§ 98', '§ 28']

Weitere Abgrenzungen von Leistungen
42. Kann jeder, der „Erziehungsberatung“ macht, seine Arbeit in die Bundesstatistik melden?
Nein. Erziehungsberatung ist eine Leistung, die nach den gesetzlichen Vorgaben an bestimmte Bedingungen geknüpft ist. So müssen in der Einrichtung Fachkräfte unterschiedlicher Fachrichtungen zusammenwirken. Die Fachkräfte müssen dieses Leistungsangebot auch kontinuierlich vorhalten. Drei Fachkräfte, die hauptamtlich andere Aufgaben wahrnehmen, und nur gelegentlich für „Erziehungsberatung“ eingesetzt werden, ergeben noch kein multidisziplinäres Fachteam im Sinne des § 28 SGB VIII. Das Statistische Bundesamt weist deshalb darauf hin, dass die Einrichtungen, die Erziehungsberatung nach § 28 SGB VIII vorhalten, mindestens zwanzig Stunden in der Woche tätig sein müssen.
Entsprechend kann auch kein Allgemeiner Sozialer Dienst Leistungen der Erziehungsberatung in die Statistik melden, wenn er diese Aufgabe nicht dauerhaft mit einem multidisziplinären Fachteam wahrnimmt.
43. In der Bundesstatistik ist bisher auch nach Jugendberatung gefragt worden. Ist sie nicht mehr zu erfassen?
Die alte Bundesstatistik hat für die Leistung Erziehungsberatung verschiedene Schwerpunkte erhoben, u.a. den Schwerpunkt „Jugendberatung“. Dabei ist nicht berücksichtigt worden, dass das SGB VIII Jugendberatung als eine eigene Leistung kodifiziert hat. Jugendberatung ist ein Angebot der Jugendarbeit (§ 11 Abs. 3 Nr. 6 SGB VIII). Jugendberatung in diesem Sinne bietet konzeptionell der Altersphase entsprechende niederschwellige Angebote an, die sowohl funktional wie institutionell in eigenen Jugendberatungsstellen erbracht werden können. Jugendberatungsstellen werden inzwischen in der Bundesstatistik gesondert ausgewiesen. Die Beratungen, die in den Einrichtungen erbracht werden, werden jedoch in der Bundesstatistik nicht erfasst.
In der Erziehungsberatung werden Jugendliche in aller Regel mit dem methodischen Repertoire unterstützt, dass dieser Einrichtung zur Verfügung steht. Die Beratungen von Jugendlichen in der Erziehungsberatung sind daher als Hilfe zur Erziehung in der Bundesstatistik zu erfassen.
44. Können Leistungen der Ehe- und Lebensberatung auch in die Bundesstatistik gemeldet werden?
Nein. Ehe- und Lebensberatung ist ein Leistungsbereich, der neben der Erziehungs- und Familienberatung vorrangig in konfessioneller Trägerschaft aufgebaut worden ist. Der Ehe- und Lebensberatung liegt kein sozialrechtlicher Leistungsanspruch zu Grunde. Sie wird jedoch vielfach durch Bundesländer oder Kommunen finanziell gefördert.
Gelegentlich erbringen Ehe- und Lebensberatungsstellen auch Leistungen nach § 17 Abs. 1 SGB VIII. Sie nehmen dann zwar Aufgaben der Jugendhilfe wahr, aber diese Leistungen sind nicht in der Bundesstatistik zu berücksichtigen. (Siehe auch: Frage 30.)
45. Wann kann Schwangerschaftskonfliktberatung in die Bundesstatistik gemeldet werden?
Schwangerschaftskonfliktberatung erfolgt auf Grundlage von §§ 5 u. 6 SchKG i.V.m. § 219 StGB. Es steht für Fragen des Schwangerschaftskonflikts ein eigenes System von Beratungseinrichtungen zur Verfügung. Auch wenn in integrierten Beratungsstellen diese Leistung neben der Erziehungsberatung erbracht wird, kann sie nicht im Rahmen der Bundesstatistik der Jugendhilfe erfasst werden. Nur Schwangerschaftsabbrüche werden als Bundesstatistik erfasst. Aber die Träger der Beratungsstellen (z.B. das Diakonische Werk der EKD) führen eine eigene Statistik über Schwangerschaftskonfliktberatungen.
46. In der Bundesstatistik ist bisher auch nach Drogen- und Suchtberatung gefragt worden. Ist sie nicht mehr zu erfassen?
Die alte Bundesstatistik hat für die Leistung Erziehungsberatung verschiedene Schwerpunkte erhoben, u.a. den Schwerpunkt „Suchtberatung“. Dabei ist nicht berücksichtigt worden, dass in der Bundesrepublik Deutschland eigene Beratungsstellen errichtet worden sind, die Drogenabhängige und ihre Angehörigen beraten. Diese sind in der Regel auf der Grundlage von § 16 Abs. 2 SGB II tätig. Die Einrichtungen werden inzwischen in der Bundesstatistik gesondert ausgewiesen. Leistungen werden – soweit Suchtberatung als Leistung zur Eingliederung erbracht worden ist - nach § 53 i.V.m. § 51b Abs. 1 Nr. 2 SGB II in der Statistik der Bundesagentur für Arbeit ausgewiesen.
47. Wenn Gruppenarbeit mit Kindern in der Erziehungsberatungsstelle durchgeführt wird, handelt es sich dann um eine Leistung nach § 29 SGB VIII, die vom Jugendamt zur Statistik gemeldet werden muss?
Nicht jede Arbeit in Gruppen ist soziale Gruppenarbeit. Erziehungsberatungsstellen sind frei darin, pädagogische oder therapeutische Gruppen für Kinder, Jugendliche und auch für Erwachsene je nach Problemlage anzubieten und auszugestalten. Dies gehört zum Leistungsspektrum von Erziehungsberatung. Für jede/n einzelne/n Gruppenteilnehmer/in erfolgt eine Meldung in die Bundesstatistik. Wenn die Gruppensitzungen (einschließlich Vor- und Nachbereitung) mehr als sechzig Minuten dauern, werden für jeden Teilnehmenden zwei (oder mehr) Kontakte gemeldet. (Wenn es sich jedoch um ein präventiv angelegtes Gruppenangebot handelt, etwa Gruppe für junge Mütter mit Kleinkindern, dann liegt eine Leistung nach § 16 SGB VIII vor, die nicht in die Bundesstatistik zu melden ist.)
Soziale Gruppenarbeit nach § 29 SGB VIII ist eine spezifische Hilfeart. Sie soll bei älteren Kindern und Jugendlichen die soziale Handlungsfähigkeit verbessern. Wenn Beratungsstellen diese Aufgabe wahrnehmen wollen, bedürfen sie dazu einer Vereinbarung mit dem örtlichen Jugendamt, das diese Hilfe zur Erziehung gewährt. Sollte soziale Gruppenarbeit als Hilfeart tatsächlich in der Beratungsstelle durchgeführt werden, so wird diese Leistung durch das Jugendamt in die Bundesstatistik gemeldet.
48. Die Beratungsstelle hält „Telefonische Beratung“ als ein konzeptionell begründetes Angebot vor. Können die Beratungen in die Bundesstatistik gemeldet werden?
Rein telefonische Beratungen sind von der Erfassung in der Bundesstatistik ausgeschlossen. Dies gilt auch dann, wenn die Beratungen mehr als dreißig Minuten umfassen, oder wenn mehrere Beratungsgespräche nacheinander erfolgen. Denn es ist in aller Regel davon auszugehen, dass bei telefonischen Beratungen nicht alle Merkmale, die in der Bundesstatistik erfasst werden sollen, bekannt werden.
49. Wird auch Online-Beratung in der Bundesstatistik erfasst?
In der Bundesstatistik werden auch Beratungen erfasst, die über das Internet erbracht werden, sei es als Server gestützte Mail-Beratungen oder als Beratungen im Chat. Voraussetzung der Erfassung ist wie bei den Face-to-Face-Beratungen auch, dass der Beratungskontakt länger als dreißig Minuten dauert.
Gerade bei Online-Beratungen kann es vorkommen, dass nicht zu allen Merkmalen, die die Bundesstatistik erfasst, Sachverhalte zur beratenen Person bekannt geworden sind. Deshalb muss darauf hingewiesen werden, dass Meldungen an das Statistische Bundesamt in den Auswertungen nur berücksichtigt werden, wenn alle Merkmale angegeben worden sind.
50. Müssen die Erhebungsbögen vollständig ausgefüllt werden?
Die Träger der Erziehungs- und Familienberatungsstellen sind nach § 98 SGB VIII zur Auskunft verpflichtet. Daher gehört die Meldung der anonymisiert erhobenen Daten in die Bundesstatistik für die Fachkräfte zu ihrem Dienstauftrag. Die Merkmale der Statistik sind so angelegt, dass sie den Fachkräften im Verlauf einer Beratung bekannt werden. Soweit dies eventuell bei der Lebenssituation nicht der Fall ist, besteht die Möglichkeit zur Angabe „unbekannt“ bzw. Nicht-Beantwortung der Frage. Bei allen anderen Merkmalen ist die Vollständigkeit der Angaben Voraussetzung für die weitere Verarbeitung der Daten in der Bundesstatistik.
51. Ist Mediation eine Leistung, die im Rahmen der Bundesstatistik erfasst wird?
Mediation oder „mediative Elemente“ werden in Beratungsstellen in aller Regel im Zusammenhang von Trennung und Scheidung eingesetzt. Allerdings erfolgt Mediation gelegentlich auch, um z.B. Konflikte zwischen Jugendlichen und Eltern zu bewältigen. Für die Bundesstatistik ist hier nicht relevant, dass Mediation als Verfahren eingesetzt worden ist. Zu prüfen ist allein, ob die Leistung auf der Grundlage von § 28 SGB VIII erfolgte. Ist dies der Fall, so sind die entsprechenden Beratungskontakte in der Bundesstatistik zu melden.
52. Beratungskontakte mit weniger als dreißig Minuten Dauer gehen in der Bundesstatistik verloren. Sollten kürzere Kontakte nicht zu einem Kontakt zusammengefasst und in die Statistik gemeldet werden?
Eine Kumulierung von kleineren Zeitanteilen ist im Rahmen dieser Statistik nicht vorgesehen. Sie können nicht zusammengefasst gemeldet werden.
Personeller Stand der Erziehungsberatung
Inanspruchnahme von Erziehungsberatung