Source: https://www.rechtslupe.de/wirtschaftsrecht/kapitalanlagerecht/haftung-des-gruendungsgesellschafters-fuer-unwahre-angaben-seines-fondsvertriebs-343448
Timestamp: 2020-04-07 09:13:49
Document Index: 144699646

Matched Legal Cases: ['§ 278', '§ 278', '§ 278', '§ 278', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH']

Haf­tung des Grün­dungs­ge­sell­schaf­ters für unwah­re Anga­ben sei­nes Fonds­ver­triebs | Rechtslupe
Haf­tung des Grün­dungs­ge­sell­schaf­ters für unwah­re Anga­ben sei­nes Fonds­ver­triebs
Der Grün­dungs­ge­sell­schaf­ter, der sich zu den ver­trag­li­chen Ver­hand­lun­gen über den Bei­tritt eines Anle­gers zu einer Fonds­ge­sell­schaft eines Ver­triebs bedient und die­sem oder von die­sem ein­ge­schal­te­ten Unter­ver­mitt­lern die geschul­de­te Auf­klä­rung der Bei­tritts­in­ter­es­sen­ten über­lässt, haf­tet für deren unrich­ti­ge oder unzu­rei­chen­de Anga­ben. Ihm sind die feh­ler­haf­ten Anga­ben des Ver­mitt­lers nach § 278 BGB zuzu­rech­nen.
Der Grün­dungs­ge­sell­schaf­ter hat­te die Pflicht, einem Bei­tritts­in­ter­es­sen­ten für sei­ne Bei­tritts­ent­schei­dung ein zutref­fen­des Bild über das Betei­li­gungs­ob­jekt zu ver­mit­teln und ihn über alle Umstän­de, die für sei­ne Anla­ge­ent­schei­dung von wesent­li­cher Bedeu­tung sind oder sein kön­nen, ins­be­son­de­re über die mit der ange­bo­te­nen spe­zi­el­len Betei­li­gungs­form ver­bun­de­nen Nach­tei­le und Risi­ken zutref­fend, ver­ständ­lich und voll­stän­dig auf­zu­klä­ren 1.
Der Grün­dungs­ge­sell­schaf­ter, der sich zu den ver­trag­li­chen Ver­hand­lun­gen über einen Bei­tritt eines Ver­triebs bedient und die­sem oder von die­sem ein­ge­schal­te­ten Unter­ver­mitt­lern die geschul­de­te Auf­klä­rung der Bei­tritts­in­ter­es­sen­ten über­lässt, haf­tet über § 278 BGB für deren unrich­ti­ge oder unzu­rei­chen­de Anga­ben. Er muss sich das Fehl­ver­hal­ten von Per­so­nen, die er mit den Ver­hand­lun­gen zum Abschluss des Bei­tritts­ver­tra­ges ermäch­tigt hat, zurech­nen las­sen 2.
Die Ver­wen­dung eines Pro­spekts zur Auf­klä­rung der Bei­tritts­in­ter­es­sen­ten schließt es nicht aus, unzu­tref­fen­de Anga­ben des Ver­mitt­lers dem Grün­dungs­ge­sell­schaf­ter zuzu­rech­nen. Ver­mit­telt der Pro­spekt hin­rei­chen­de Auf­klä­rung, ist dies kein Frei­brief, Risi­ken abwei­chend hier­von dar­zu­stel­len und mit Erklä­run­gen ein Bild zu zeich­nen, das die Hin­wei­se im Pro­spekt für die Ent­schei­dung des Anle­gers ent­wer­tet oder min­dert 3. Dar­aus, dass eine Haf­tung auch dann besteht, wenn ein Pro­spekt ver­wen­det wird 4, lässt sich ent­ge­gen der Auf­fas­sung des Beru­fungs­ge­richts nicht ent­neh­men, dass nur für vom Ver­mitt­ler ver­schul­de­te Auf­klä­rungs­män­gel in Bezug auf etwai­ge Pro­spekt­feh­ler oder für eine unter­las­se­ne Rich­tig­stel­lung bekannt gewor­de­ner irre­füh­ren­der Anga­ben des Ver­mitt­lers gehaf­tet wird. Nach § 278 BGB haf­tet der Schuld­ner für Pflicht­ver­let­zun­gen eines Erfül­lungs­ge­hil­fen auch dann, wenn der Erfül­lungs­ge­hil­fe von sei­nen Wei­sun­gen abweicht, solan­ge sein Han­deln noch im Zusam­men­hang mit den ihm über­tra­ge­nen Auf­ga­ben steht 5. Die unzu­tref­fen­de Erklä­rung des Ver­mitt­lers K. über die Risi­ken der Betei­li­gung an dem Fonds, die Betei­li­gung sei sicher, da hin­ter die­ser Minis­ter der Baye­ri­schen Staats­re­gie­rung stün­den, geschah im Zusam­men­hang mit der über­tra­ge­nen, der Grün­dungs­ge­sell­schaf­tern als Grün­dungs­ge­sell­schaf­te­rin zukom­men­den Auf­ga­be, die Bei­tritts­in­ter­es­sen­ten über die Nach­tei­le und Risi­ken der Betei­li­gung auf­zu­klä­ren.
Der Grün­dungs­ge­sell­schaf­ter hat die Pflicht zur Auf­klä­rung teil­wei­se auf die Ver­triebs­ge­sell­schaft über­tra­gen. Dass sie nach dem Pro­spekt nicht selbst für den Ver­trieb der Anla­ge zustän­dig war, son­dern der Ver­trieb Auf­ga­be der E. GmbH war, ändert ent­ge­gen der Auf­fas­sung des Beru­fungs­ge­richts an der Zurech­nung nichts. Der Grün­dungs­ge­sell­schaf­ter hat die Auf­klä­rung der Bei­tritts­in­ter­es­sen­ten der Ver­triebs­ge­sell­schaft über­tra­gen, weil sie nach dem im Pro­spekt genann­ten Kon­zept Bei­tritts­in­ter­es­sen­ten nicht selbst, son­dern über die Ver­triebs­ge­sell­schaft warb. Die­ser Ver­triebs­ge­sell­schaft wur­den damit auch die Ver­hand­lun­gen mit den Bei­tritts­in­ter­es­sen­ten und ihre Auf­klä­rung über­tra­gen.
Wenn das anstel­le des Grün­dungs­ge­sell­schaf­ters mit den Bei­tritts­ver­hand­lun­gen und der Auf­klä­rung beauf­trag­te Ver­triebs­un­ter­neh­men wei­te­re Unter­ver­mitt­ler zuge­zo­gen hat, führt dies zur Haf­tung der Grün­dungs­ge­sell­schaf­ter nach § 278 BGB für ein Ver­schul­den der Unter­ver­mitt­ler. Das Ver­schul­den von Unter­ver­mitt­lern ist schon dann zuzu­rech­nen, wenn mit ihrem Ein­satz gerech­net wer­den muss­te 6. Der Grün­dungs­ge­sell­schaf­ter muss­te hier bereits des­halb mit der Ein­schal­tung wei­te­rer Unter­ver­mitt­ler rech­nen, weil das mit dem Ver­trieb beauf­trag­te Unter­neh­men Unter­ver­mitt­ler ein­schal­ten durf­te.
Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 14. Mai 2012 – II ZR 69/​12
st. Rspr., vgl. BGH, Urteil vom 17.05.2011 – II ZR 202/​09, AG 2011, 554 Rn. 9; Urteil vom 31.05.2010 – II ZR 30/​09, ZIP 2010, 1397 Rn. 9 m.w.N.[↩]
vgl. BGH, Urteil vom 01.03.2011 – II ZR 16/​10, ZIP 2011, 957 Rn. 7; Urteil vom 03.12.2007 – II ZR 21/​06, ZIP 2008, 412 Rn. 17; Urteil vom 26.09.2005 – II ZR 314/​03, ZIP 2005, 2060, 2063; Urteil vom 14.07.2003 – II ZR 202/​02, ZIP 2003, 1651, 1652; Urteil vom 03.02.2003 – II ZR 233/​01, DStR 2003, 1494, 1495; Urteil vom 14.01.1985 – II ZR 41/​84, WM 1985, 533, 534; Urteil vom 01.10.1984 – II ZR 158/​84, ZIP 1984, 1473, 1474[↩]
vgl. BGH, Urteil vom 12.07.2007 – III ZR 83/​06, ZIP 2007, 1866 Rn. 10 für den Anla­ge­ver­mitt­ler; Urteil vom 19.11.2009 – III ZR 169/​08, BKR 2010, 118 Rn. 24; Urteil vom 19.06.2008 – III ZR 159/​07 für den Anla­ge­be­ra­ter[↩]
BGH, Urteil vom 14.07.2003 – II ZR 202/​02, ZIP 2003, 1651, 1652[↩]
BGH, Urteil vom 15.12.1959 – VI ZR 222/​58, BGHZ 31, 358, 366; Urteil vom 14.02.1989 – VI ZR 121/​88, NJW-RR 1989, 723, 725[↩]
BGH, Urteil vom 08.01.2004 – VII ZR 181/​02, NJW 2004, 2156, 2157; Urteil vom 09.07.1998 – III ZR 158/​97, ZIP 1998, 1389, 1390; Urteil vom 24.09.1996 – XI ZR 318/​95, ZIP 1996, 1950, 1951[↩]
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