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Timestamp: 2017-04-29 09:18:34
Document Index: 68920379

Matched Legal Cases: ['§ 3', '§ 18', '§18', '§ 833', 'BGH', '§ 833', '§ 3', '§ 3', '§ 3', '§ 16', '§ 11']

Unübersichtlichkeit der Hundeverordnungen
Jeder Hund ist klasse, egal welche Rasse!
Das Aussetzen von Tieren
Das Aussetzen von Tieren ist gemäß § 3, Ziff. 3 Tierschutzgesetz, verboten. Wer gegen diese Vorschrift verstößt, handelt gemäß § 18, Abs. 1, Ziff.4, ordnungswidrig und muss mit einer Geldstrafe von bis zu DM 50.000,- rechnen (§18,Abs. 3).
Beißen sich Hunde gegenseitig, so kommt die gesetzliche Tierhaltung (§ 833BGB) zur Anwendung. Dies bedeutet im Regelfall, dass der eine Hundehalter für die Verletzung (Behandlungskosten) am anderen Hund aufkommen muss. War aber der eine Hund angeleint und der andere Hund nicht, so gilt ein anderer Haftungsverteilungsmaßstab. In diesem Fall trägt der Halter des nicht angeleinten Hundes die Kosten für die tierärztliche Behandlung des anderen Tieres alleine. Amtsgericht Frankfurt, Az.: 32 C 4500/94-39 Hund in die Hand gebissen. Verbissene Hunde: Hilfe zahlt sich nicht aus
Ein Hundehalter führte seine beiden Schäferhunde an kurz gehaltener Leine aus, als ihm zwei kleine unangeleinte Hunde entgegenkamen. Der Hundehalter dieser frei laufenden Tiere rief seine Hunde nicht zurück, sodass einer der beiden Hunde auf die Schäferhunde zulief, worauf es zu einem Kampf kam. Als der Halter der Schäferhunde versuchte, die kämpfenden Tiere zu trennen, wurde er sehr
schmerzhaft von dem fremden Hund verletzt. Er verklagte den Hundebesitzer auf Schmerzensgeld, das ihm aber verwehrt wurde. Zwar ist grundsätzlich eine Haftung des Halters der frei laufenden Hunde gegeben, doch wertete das Gericht das Eingreifen des Schäferhundehalters als Mitverschulden. Nach Auffassung des Richters hätte der verletzte Hundehalter seinen Hund von der Leine lösen müssen, um eine Selbstgefährdung auszuschalten. Wer in einer solchen Situation eingreift, geht ein so hohes Risiko ein, dass die Gefährdungshaftung des anderen Hundehalters zurücktritt. Amtsgericht Lampertsheim
Hundegebell Ein Hundehalter ist nicht verpflichtet, seine Hunde so zu halten, dass sie nur zu bestimmten Zeiten nicht länger als 10 Minuten am Stück und insgesamt nicht mehr als 30 Minuten am Tag bellen. So entschied das Landgericht Schweinfurt über die Klage eines Nachbarn wegen der Lärmbelästigung. Damit wich das Gericht von einer vorangegangenen Entscheidung des Oberlandesgerichts Köln ab. Landgericht Schweinfurt, 1997-02-21 3 S 57/96
Schnauze zu - oder ab in die Hundeschule
Hunde dürfen am Tag eine halbe Stunde lang bellen, nachts müssen sie die Schnauze halten. Richter können den Besuch in der Hundeschule anordnen, wenn das Tier über Gebühr die Nachbarn nervt. Oberlandesgericht Nürnberg, Az.: 8 U 2819/96. Dagegen ist die Rechtsprechung bei streunenden Katzen großzügiger. Nachbarn müssen kurze Besuche selbst dann dulden, wenn sich im Garten eine Vogeltränke befindet. Der Nachbarkatze darf aber durch freilaufende Hunde die Stippvisite verleidet werden. AG Erlangen, Az.: 3 C 984/90 Ungewollter Deckakt
In der Rechtsprechung (BGH, Az.: VI ZR 177/75; OLG Schleswig, Az.: 7 U 9/92) ist inzwischen anerkannt, dass der vom Hundehalter nicht gewünschte Deckakt zur Tiergefahr (§ 833 BGB) gehört, sodass der Halter des Rüden dem Halter der Hündin zum Schadensersatz verpflichtet ist, wenn die Hündin durch den unerwünschten Deckakt trächtig wird. Rechtlich gesehen wird der Deckakt damit als Sachbeschädigung eingestuft. Im Rahmen der Schadensminderungspflicht ist in einem solchen Fall der Halter der Hündin aber verpflichtet, für eine Abtreibung zu sorgen. Landesgericht Kassel, ZfS 81263/95
Verführerische Hunde
Fühlt sich ein Hund durch den Duft einer paarungsbereiten Hündin unwiderstehlich angezogen, so hat der Eigentümer keinen Anspruch auf Schadensersatz, wenn aus dieser Begegnung ungewollter Hundenachwuchs hervorgeht. Das Amtsgericht Daun hatte jedenfalls Nachsicht mit einem Rüden, der einer Hündin einen ungebetenen Besuch abstattete: Die Klage der Eigentümerin der Hündin auf Schadensersatz wegen der Geburt von sechs Mischlingswelpen wies es ab (für Abtreibung sorgen) Amtsgericht Daun, 3 C 436/95
Hunde dürfen in einem Jagdbezirk nicht ohne Aufsicht frei laufen gelassen werden. Dies schreiben die jeweiligen Landesjagdgesetze zum Schutz des Wildbestandes vor. Dabei bedeutet “Aufsicht“ nicht aber gleich “angeleint”. Ein Verstoß gegen die gesetzliche Vorschrift liegt so erst dann vor, wenn sich der Hund im Jagdbezirk ausserhalb der Sicht- oder Rufweite des Hundeführers aufhält oder der Hundeführer nicht die tatsächliche Möglichkeit hat, durch gezielte Kommandos oder andere Handlungen eine Kontrolle über sein Tier auszuüben. Damit kann ein Hund auch dann unter Kontrolle sein, wenn er nicht angeleint ist. Amtsgericht Altenkirchen, Az.: 2109 Js 35731/96-9 OWi
Generelle Leinenpflicht unrechtmäßig
Eine Regelung, wonach ohne Rücksicht auf Art und Größe der Hunderasse für das gesamte Gemeindegebiet ohne zeitliche Ausnahmen ein genereller Leinenzwang besteht, ist unzulässig. Ein Hundehalter aus Lünen muss zwei gegen ihn durch die Stadt verhängte Bußgeldbescheide in Höhe von je 100 DM nicht bezahlen. Der Richter sprach ihn frei, weil die Bußgeldbescheide auf einer Verordnung beruhten, die weder nach Art oder Größe der Hunde differenziert, noch bestimmte Zeiten auf kenntlich gemachten öffentlichen Flächen Ausnahmen vom Leinenzwang zulässt. Dem Leinenzwang zum Schutz der Bevölkerung ist weitgehend Vorrang einzuräumen. Durch die Verordnung, die überhaupt keine Ausnahmen zulässt, werden die Rechte von Hundehaltern, insbesondere auf eine artgerechte Tierhaltung, unangemessen eingeschränkt. Oberlandesgericht Hamm, Az: 55s Owi 1125/00
Interessensabwägung beim Leinenzwang
Eine Rechtsverordnung, die einen Leinenzwang für Hunde ohne Rücksicht auf Art und Größe der Hunderasse und ohne zeitliche Ausnahme für das gesamte Gebiet der erlassenden Gemeinde anordnet, ist unverhältnismäßig und kann keine Ermächtigungsgrundlage eines Bußgeldbescheids sein. Ein solcher Leinenzwang verstößt gegen das Übermaßverbot, zumal auch der Hundehalter ein Recht auf freie Entfaltung seiner Persönlichkeit hat, wobei auch das Interesse an artgerechter Tierhaltung zu berücksichtigen ist. Amtsgericht Trier, Az: 8015 Js 5859/05 37 OWi
LANDRATSAMT MUSS SCHÄFERHUND UND ROTTWEILER GLEICH BEHANDELN!!! München – Entweder alle Hunde an die Leine oder keiner: Wenn eine Gemeinde erlaubt, Schäferhunde frei laufen zu lassen, darf sie für Kampfhunde mit bestandenem Wesenstest keinen Leinenzwang anordnen. Das geht aus einem am Montag veröffentlichten Urteil des Bayerischen Verwaltungsgerichtshofs (BayVGH) hervor. Mit Urteil vom 9. November 2010 hat der Bayerische Verwaltungsgerichtshof der Berufung von Haltern eines Rottweilers stattgegeben, die verpflichtet wurden, ihren Hund an der Leine zu führen, obwohl er den so genannten Wesenstest bestanden hatte. Die allein auf die Zugehörigkeit zu dieser Hunderasse gestützten behördlichen Anordnungen zur Hundehaltung wurden aufgehoben. Zugleich hat der BayVGH aber betont, dass in der Regel eine konkrete Gefahr für Leib und Leben Dritter besteht, wenn – unabhängig von ihrer Rasse – große Hunde auf öffentlichen Straßen und Wegen mit relevantem Publikumsverkehr frei umherlaufen, durch eine hierzu nicht befähigte Person geführt werden oder nicht ausbruchsicher untergebracht werden. Angesichts der gravierenden Folgen, die aus einem Fehlverhalten von Mensch oder Tier entstehen könnten, reiche bereits die geringe Wahrscheinlichkeit einer Beschädigung von Leben oder Gesundheit aus, um eine konkrete Gefahr anzunehmen und damit Anordnungen zu rechtfertigen.
Gleichwohl hat der BayVGH die Anordnung aufgehoben, weil die beklagte Verwaltungsgemeinschaft in der gesetzlich vorgeschriebenen Ermessensabwägung der Verpflichtung, alle großen und kräftigen Hunde gleich zu behandeln, nicht ausreichend nachgekommen ist. Unabhängig von besonderen Vorkommnissen hat die Sicherheitsbehörde in ständiger Verwaltungspraxis Hundehalter mit einem Leinenzwang belegt, deren Hunde einer in der Kampfhundeverordnung gelisteten Rasse angehörten, während andere große Hunde, wie beispielsweise Schäferhund oder Dobermann, frei umherlaufen durften, außer sie waren bereits in einen Beißvorfall verwickelt oder sonst auffällig geworden. Diese Praxis verstößt nach Auffassung des BayVGH gegen den verfassungsrechtlichen Gleichheitsgrundsatz.
Die Revision wurde nicht zugelassen. Dagegen kann Beschwerde zum Bundesverwaltungsgericht in Leipzig erhoben werden.
(Bayer. Verwaltungsgerichtshof, Beschluss vom 9. November 2010 Az. 10 BV 06.3053)
Münster - Nach einem Beschluss des Oberverwaltungsgerichts Münster darf eine Stadt versuchen, mit der erhöhten Hundesteuer das Halten gefährlicher Tiere einzudämmen, befand der 14. Senat des für Nordrhein-Westfalen zuständigen Gerichts am Dienstag. Welche Hunde gefährlich seien und dem erhöhten Steuersatz unterlägen, läge im Ermessen der Stadt. Dabei könne die Kommune der vom Landesrecht vorgegebenen Typisierung folgen. In dem konkreten Fall hatte das Gericht die von der Halterin eines Bullterrier-Staffordshire-Mischlings beabsichtigte Beschwerde gegen einen Beschluss des Verwaltungsgerichts Gelsenkirchen vom 8. März 2001 nicht zugelassen. Damals hatten die Richter in einem Eilverfahren gegen die Hundehalterin entschieden. Diese wollte für ihren Hund nicht die für Kampfhunde geforderte monatliche Steuer von 138 Mark sondern weiterhin nur 23 Mark normale Hundesteuer zahlen. Der Beschluss des OVG Münster ist unanfechtbar (Aktenzeichen: Oberverwaltungsgericht Münster 14 B 472/01). Das Oberverwaltungsgericht Schleswig fällte ein tendenziell anderes Urteil. Wesentliche Teile der Kampfhundeverordnung von Schleswig-Holstein seien ungültig. Das Kriterium der Rassezugehörigkeit sei für die Einstufung der Gefährlichkeit eines Hundes ungeeignet, urteilten die Richter am Dienstag. Gegen die im Sommer 2000 nach mehreren, zum Teil tödlichen Attacken von Hunden erlassene Verordnung hatten zwölf betroffene Hundehalter geklagt. Das Land kündigte eine Beschwerde gegen die Entscheidung beim Bundesverwaltungsgericht an. Bis zu dieser Entscheidung sei die Verordnung in Kraft, hieß es. Ein Hund werde nie gefährlich geboren, sondern unabhängig von der Rassezugehörigkeit durch den Menschen manipuliert, befanden die Richter. Es sei wissenschaftlich nicht haltbar, alle Individuen einer Rasse auf Grund einer allgemeinen Beurteilung als gefährlich einzustufen, wie dies in der Verordnung geschehen sei. Danach hätten auch der Deutsche Schäferhund, die Deutsche Dogge, der Rottweiler und der Boxer in die Rasseliste aufgenommen werden müssen. "Das Urteil ist wirklichkeitsfremd", sagte der Kieler Innenstaatssekretär Ulrich Lorenz. Es führe dazu, dass die Bevölkerung vor gefährlichen Hunden nicht mehr effektiv geschützt werden könne. Das OVG-Urteil stehe ferner im Widerspruch zum Bundesverwaltungsgericht, das bei bestimmten Kampfhunderassen eine abstrakte Gefährlichkeit unterstellt. In seiner Entscheidung vom Januar 2000 über die Rechtmäßigkeit einer höheren Steuer für so genannte Kampfhunde stellt das Gericht ausdrücklich fest, dass bei den so genannten Kampfhunderassen gezielt solche Eigenschaften gezüchtet wurden, die die Kampfkraft steigern. Wörtlich heißt es in der Urteilsbegründung: "Dieser Sachverhalt reicht für eine dem Gleichheitssatz entsprechende Differenzierung aus“ Lorenz wies darauf hin, dass das OVG-Urteil auch mit der jüngsten Gesetzgebung des Bundes kollidiere. Danach dürfen American Pitbull Terrier, American Staffordshire Terrier, Staffordshire Bullterrier und Bullterrier wegen ihrer Gefährlichkeit weder eingeführt noch gezüchtet werden. Urteil OVG Lüneburg. Nach dem Urteil gegen die schleswig- holsteinische Kampfhunde-Verordnung hat auch ein Gericht in Niedersachsen die entsprechende Regelung in Teilen für nichtig oder rechtswidrig erklärt. Das lüneburger Oberverwaltungsgericht (OVG) bemängelte bei der Verhandlung von vier Musterklagen vor allem die pauschale Behandlung von Hunderassen statt einzelner aggressiver Tiere. Das Gericht sprach sich unter anderem für einen Stopp der Tötung von Hunden aus, die den so genannten Wesenstest nicht bestanden haben. Maulkorb und Leine seien ausreichend. Nach Ansicht des Gerichts sollte es zu einer bundesweit einheitlichen Regelung kommen (Az: 11 K 2877/00). Erhöhte Hundesteuer auch bei Hartz IV Bezug
Das Verwaltungsgericht Münster urteilte: Auch Empfänger des Arbeitslosengeld II müssen für bestimmte Hunderassen die erhöhte Hundesteuer entrichten.
Das Verwaltungsgericht Münster urteilte heute: Auch Empfänger des Arbeitslosengeld II (ALG II) müssen für bestimmte Hunderassen die erhöhte Hundesteuer entrichten. Bei bestimmten Hunden müssen zusätzliche Steuern gezahlt werden. Diese Steuer wird auch Kampfhundesteuer genannt. Eine Hundebesitzerin wollte geltend machen, diese erhöhten Steuersatz der Hundesteuer nicht zu zahlen. Die Besitzerin eines Bullterriers aus Nottuln hatte geklagt, weil nach ihrer Ansicht der Hund nicht als gefährlich eingestuft werden könne, da dieser friedliebend sei. Zudem könne die Frau, die auf Hartz IV Leistungen angewiesen ist, den zusätzlichen Steuerbetrag nicht begleichen, da der ALG II Regelsatz dafür nicht ausreiche.
Doch die Richter des Verwaltungsgericht Münster (Az. 1240/05) teilten diese Ansicht nicht und begründeten das Urteil damit, dass die Einstufung des Bull-Terriers als gefährlicher Hund rechtens sei. Die Steuer werde zudem nicht nach dem Einkommen berechnet. Mit der Hundesteuer hat die Gemeinde das Ziel, in ihrem Gebiet längerfristig das Halten von sog. Kampfhunden einzudämmen, die nach Ansicht von einigen Experten durch ihre Züchtung typische Eigenschaften von Aggressivität entwickeln.
Doch ist anzumerken, dass die Haltung und Erziehung der Hunde durch den Hundehalter eine gewichtige Rolle spielt. (11.03.2009)
Abweichende Rechtsauffassung dazu:
"Kampfhunde"steuer VG Gelsenkirchen
"Eine Steuer ist dann unverhältnismäßig, wenn sie aus demjenigen zu bezahlen ist, was der Staat dem Einzelnen zur Sicherung eines menschenwürdigen Daseins als Existenzminimum zur Verfügung stellt. Da die Hundesteuer bei der Bestimmung des Existenzminimums nicht berücksichtigt werde, ist deren Erhebung bei denjenigen, die ihren Lebensunterhalt aus dem zur Führung eines menschenwürdigen Daseins staatlich garantierten Existenzminimum bestreiten müssen, unverhältnismäßig (nichtamtliche Leitsätze)..."
VG Gelsenkirchen, Urteil vom 16. Oktober 2008 - Az.: 2 K 3211/08 - (nicht rechtskräftig) 15. Juli 2008 NRW: Urteil zu Anforderungen des LHundG, Rassen- / Phänotypbestimmung Erlassbestimmung des MUNLV zu Gutachtern wirkungslos -> Urteil VG Düsseldorf 18.06.2008 Az 18 K 5472/07 "...der Beklagte (der Oberbürgermeister der Stadt Duisburg, Anm. der Red.) beantragt, die Klage abzuweisen. Er ist der Ansicht, dass es sich aufgrund der eigenen Angaben der Klägerin, die diese seinerzeit der Versicherung abgegeben habe, um einen Pitbull-Mischling und damit um einen gefährlichen Hund handele. Etwas anderes ergebe sich auch nicht aus den "Gutachten für eine Rassezuordnung" vom 20. November 2007. Nach dem Erlass des Landesamtes für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz Nordrhein-Westfalen vom 16. Januar 2007 könne ein Abstammungsnachweis nur anerkannt werden, wenn der Aussteller einem Dachverband im Hundewesen angehöre und der Dachverband die Authentizität des Nachweises bestätigt habe...Das sei bei der Gutachterin der Klägerin nicht der Fall."
"...Entscheidungsgründe (des Gerichtes, Anm. der Red.):
...Einen solchen Nachweis hat die Klägerin jedoch inzwischen aufgrund des Gutachtens von Frau ... erbracht. Daraus folgt, dass es sich bei dem Hund der Klägerin nicht um einen gefährlichen Hund im Sinne des § 3 LHundG handelt... Anhaltspunkte dafür, dass der Inhalt des Gutachtens von Frau...vom 20. November 2007 inhaltlich fehlerhaft und daher unbrauchbar wäre, sind nicht ersichtlich und von dem Beklagten auch nicht vorgetragen worden. Sein Einwand, dieses Gutachten sei deshalb nicht maßgeblich, weil die Gutachterin keinem Dachverband im Hundewesen angehöre, ist nicht durchschlagend. § 3 Abs. 2 Satz 4 LHundG fordert "nur" einen Nachweis des Halters, dass eine Kreuzung nach Satz 1 des § 3 Abs. 2 LHundG nicht vorliegt. Wie dieser Nachweis erbracht wird, wird nicht näher erläutert. Auch § 16 LHundG enthält keine Ermächtigungsgrundlage dafür, etwa durch ordnungsrechtliche Verordnung Bestimmungen über die inhaltliche Ausgestaltung eines "Nachweises" zu treffen...
Wenn der Beklagte nun aufgrund des Erlasses des Landesamtes für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz Nordrhein-Westfalen vom 16. Januar 2007 einen Abstammungsnachweis nur anerkennen will, wenn der Aussteller einem Dachverband im Hundewesen angehört und der Dachverband die Authentizität des Nachweises bestätigt, so findet das - wie zuvor dargelegt - weder im Landeshundegesetz selbst noch in der Durchführungsverordnung zum Landeshundegesetz eine rechtliche Grundlage und ist daher als reine Verwaltungsansicht ohne gesetzgeberische Vorgabe für das Gericht rechtlich ohne Bedeutung." Von hier aus ein ganz herzlicher Dank & Gruß nach Duisburg an Lulu und Ihr Frauchen. Hic facit gloria m/hundi: Dr. Jürgen Küttner, Kanzlei Wolf & Partner
Es ist erstaunlich dreist, wie das MUNLV sowohl unter rot-grüner als auch unter schwarz-gelber Führung immer wieder Rechtswidrigkeiten, mit denen sie in Verordnungen oder Gesetzen aufgrund der größeren Öffentlichkeit nicht durchkommen würde, nachträglich durch Hintertüren Erlasse und Verwaltungsvorschriften einzuführen versucht, in der Hoffnung, es werde schon keiner merken. Mancher Bürger merkt es aber doch, und tritt den Amtsschimmel dahin, wo er es verdient hat.
Was sagten wir hier schon Anno 2000 über norminterpretierende (??) Vorschriften (Höhnsche Verwaltungsvorschriften, Uhlenbergsche nachträgliche Monopol-Erlasse zu Nutz und Frommen des VDH usw.), die keinerlei rechtliche Aussenwirkung entfalten? Wieder nicht aufgepasst im Unterricht!
Oberbürgermeister und Ordnungsamt der Stadt Duisburg - Setzen! Sechs! MUNLV NRW - auch setzen! Auch Sechs! Den Erlass vom 16. Januar 2007 dahin stecken, wo die Sonne nicht hinscheint! Und dann drauf Nachsitzen! Oberverwaltungsgericht für das Land Nordrhein-Westfalen zum Gebührenrecht
Mit Berufungsurteil vom 09.04.2008 hat das Oberverwaltungsgericht für das Land Nordrhein-Westfalen ein erstinstanzliches Urteil des Verwaltungsgerichts Arnsberg ebenso wie die vom Kläger angegriffenen Gebührenbescheide aus März 2003, welche für Verhaltensprüfungen zur Befreiung vom Leinen- und Maulkorbzwang erlassen worden waren, aufgehoben. Denn zur Ermittlung des maßgeblichen Zeitpunktes für die Beurteilung der Rechtmäßigkeit dieser Bescheide sei § 11 Abs. 1 S. 1 des Gebührengesetzes NRW zu berücksichtigen. Danach entstehe die Gebührenpflicht für Amtshandlungen, für die ein Antrag erforderlich sei, dem Grunde nach mit Stellung des Antrags; für die Höhe der Gebühr sei die Beendigung der Amtshandlung maßgebend. Daher habe die Behörde die Gebühr für die Verhaltensprüfung nicht auf Tarifstelle 18a. 1.7 des AGT zur AVerwGebO NRW stützen können; denn diese Tarifstelle bezog sich zum Zeitpunkt der Verhaltensprüfung nach auf die „alte“ Landeshundeverordnung, die es im März 2003 gar nicht mehr gab, da diese zum 01.01.2003 durch das LHundG NRW ersetzt worden war. Ferner konnte die Behörde – und dies ist das eigentlich bedeutsame an der Entscheidung des Oberverwaltungsgerichts – die Gebührenerhebung auch nicht auf die Tarifstelle 30.5 AGT stützen. Diese Tarifstelle regelt die Gebührenpflicht für Amtshandlungen, für die keine andere Tarifstelle vorgesehen ist und die nicht einem von der handelnden Behörde wahrzunehmenden besonderen Interesse dienen. Dieser sog. Auffangtatbestand müsse nun nach Auffassung des 9. Senats einschränkend dahingehend ausgelegt werden, dass auf Grundlage dieser Tarifstelle allenfalls solche Fallgestaltungen zu erfassen seien, die nicht konkret vorhersehbar waren und nur deshalb nicht rechtzeitig genauer (bzw. „bestimmter“) geregelt werden konnten. Davon konnte vorliegend keine Rede sein, da der Gesetzgeber, der das LHundG NRW zum 01.01.2003 in Kraft setzte, es im Gesetzgebungsverfahren in der Hand gehabt hätte, rechtzeitig auch die einschlägigen Tarifstellen zu ändern, damit nicht auf den Auffangtatbestand zurückgegriffen werden musste. Die Auswirkungen dieser (Stand heute: 24.04.2008) noch nicht rechtskräftigen Entscheidung sind noch nicht absehbar. Zwar ist aktuell der Tarif für „Hundeangelegenheiten“ dem LHundG NRW angepasst. Aber viele Behörden, insbesondere Veterinärämter, greifen oftmals in anderen Rechtsbereichen auf den Auffangtatbestand der Tarifstelle 30.5 zurück. In Anbetracht der jetzigen Entscheidung des Oberverwaltungsgerichts dürfte diese Vorgehensweise im Einzelfall durchaus angreifbar sein. Quelle: Urteil des Oberverwaltungsgerichts für das Land Nordrhein-Westfalen vom 09.04.2008 (Az.: 9 A 111/05) 28. Januar 2008, Urteil VG Stuttgart 5 K 4370/06
"VerwG Stuttgart: "Kampfhund" nur, wenn mindestens ein Elternteil reinrassig war.
Mit am 08.01.2008 ausgefertigten Urteil vom 09.10.2007 hat die 5. Kammer des Verwaltungsgerichts Stuttgart (Az.: 5 K 4370/06) festgestellt, daß ein Mischlingshund nur dann ein sog. Kampfhund im Sinne der „Polizeiverordnung gefährliche Hunde“ (PolVOgH) ist, wenn zumindest ein Elternteil ein reinrassiger „Kampfhund“ ist. Bei einer weitergehenden Auslegung wäre die Eigenschaft als „Kampfhund“ nicht mehr zuverlässig zu ermitteln, zumal die rechtsstaatlichen Grundsätze der Normenbestimmtheit sowie der Verhältnismäßigkeit es gebieten würden, eine restriktive Auslegung an den Tag zu legen, um eine ufer- und konturlose Handhabung bei Kreuzungen zu vermeiden...."
-> Hier Weiterlesen bei Hund und Halter e.V., RA Lars Jürgen Weidemann
Pressemitteilung des VG Stuttgart vom 21. Januar 2008
Zur Frage der Feststellung der Kampfhundeeigenschaft eines Mischlingshundes Es reicht hierzu nicht aus, dass lediglich in Teilen ein Hund dem äußeren Erscheinungsbild einer Kampfhunderasse ähnelt. Die charakteristischen Merkmale der Rasse (Rassestandards) müssen im äußeren Erscheinungsbild signifikant sein und dominieren. Das hat das Verwaltungsgericht Stuttgart mit nun bekannt gegebenem Urteil vom 09.10.2007 entschieden und auf die Klage einer Hundebesitzerin die von der LHS Stuttgart angeordnete Untersagung der Haltung ihres Mischlingshundes aufgehoben.
Im Januar 2003 wurde die Klägerin von der Stadt Stuttgart gebeten, ihren Hund zur Feststellung der Rasse beim Veterinäramt vorzustellen, dem die Klägerin nicht nachkam. Im Juli 2003 wurde sie aufgefordert, die Papiere ihres Hundes vorzuweisen. Darauf gab die Klägerin an, der Hund sei ein Mischling und kein Kampfhund; Wurftag sei der 18.05.2001. Sie habe den Rüden als Welpen im Ausland auf einem Parkplatz in der Nähe von Triest, direkt aus dem Kofferraum eines Hundehändlers erworben.
Die Stadt untersagt der Klägerin im Februar 2004 die Haltung ihres „Kampfhundes S.“, weil nach den amtstierärztlichen Feststellungen es sich vom Phänotyp her bei dem Hund sowohl um einen American Pitbull Terrier als auch einen American Staffordshire Terrier handle. Das Halten eines Kampfhundes, der älter als sechs Monate sei, bedürfe der Erlaubnis der Ortspolizeibehörde. Eine solche Erlaubnis besitze die Klägerin nicht. Ihre hiergegen erhobene Klage war erfolgreich. Die 5. Kammer führte aus:
Die Untersagung der Hundehaltung sei rechtswidrig. Nach der Polizeiverordnung über das Halten gefährlicher Hunde werde zwar bei den Rassen American Staffordshire Terrier, Bullterrier und Pitbull Terrier sowie deren Kreuzungen untereinander oder mit anderen Hunden die Eigenschaft als Kampfhund aufgrund rassespezifischer Merkmale vermutet, solange der zuständigen Behörde für den einzelnen Hund nicht nachgewiesen werde, dass dieser keine gesteigerte Aggressivität oder Gefährlichkeit gegenüber Menschen oder Tieren aufweise (sog. Verhaltensprüfung).
Der Hund S. sei jedoch kein „Kampfhund“ im Sinne der Polizeiverordnung. Er gehöre zu keiner bestimmten Rasse. Er sei, wie der Sachverständige in der der mündlichen Verhandlung festgestellt habe, weder ein American Staffordshire Terrier noch einen Bullterrier oder ein Pitbull Terrier. Auch sei der Hund in der mündlichen Verhandlung weitestgehend teilnahmslos gewesen. Ein Ansatz von Aggressivität sei in keiner Weise erkennbar gewesen. Diese Beobachtungen ersetzten zwar keinen Wesentest, doch aus dem Verhalten in der unbekannten Umgebung eines Gerichtssaales mit vielen fremden Menschen würden sich durchaus entsprechende Wesensschlüsse ziehen lassen.
Der Hund S. entstamme aber auch nicht aus einer „Kreuzung“ unter den genannten Kampfhunden oder mit anderen Hunden im Sinne der Polizeiverordnung. Eine Kreuzung in diesem Sinne sei nur dann anzunehmen, wenn das Endprodukt aus einer Paarung zwischen einem der genannten Rassen und anderen Hunden entstamme. Nicht ausreichend sei, dass sich Mischlinge - auch mit einem „Kampfhundeanteil“ - mit anderen Hunden paarten. Bei einer solchen Auslegung wäre die Eigenschaft als Kampfhund nicht mehr zuverlässig handhabbar. Da die unbekannten Eltern des Hundes S. keiner der genannten Kampfhunderassen hätten zugeordnet werden können, fehle es schon an einer Kreuzung im Sinne der Verordnung.
Die ungeklärte Zuordnung der Elterntiere und damit die offene Abstammung von S. würden sich aber auch auf sein äußeres Erscheinungsbild auswirken. Eindeutig dominierende bzw. signifikante Merkmale des Erscheinungsbildes einer Kampfhunderasse ließen sich nicht feststellen. Es könne aber nicht ausreichen, dass lediglich in Teilen ein Hund dem äußeren Erscheinungsbild einer Kampfhunderasse ähnle. Die Rassestandards müssten im äußeren Erscheinungsbild signifikant sein und dominieren. Hierauf könne auch bei einer Kreuzung schon im Hinblick auf eine sonst kaum noch zu praktizierende und berechenbare Anwendung der Norm nicht verzichtet werden. Nur so bleibe die Vorschrift für die Ordnungsbehörden auch handhabbar. Gegen das Urteil (Az.: 5 K 4370/06) steht den Beteiligten die Berufung zu, wenn sie vom Verwaltungsgerichtshof Baden-Württemberg zugelassen wird. Der Antrag auf Zulassung der Berufung ist innerhalb eines Monats nach Bekanntgabe der Entscheidung zu beantragen.
Hundebissstatistik 2007: Erstmals Auswertung nach Hundetypen
Bern, 28.08.2008 - Hunde bestimmter Hundetypen beißen häufiger als andere. Dies geht aus der Hundebissstatistik 2007 hervor. Erstmals konnten die Angaben aus der Hundekennzeichnung mit den gemeldeten Bissverletzungen verglichen werden. 2007 wurden insgesamt 4291 Beißunfälle, davon 2678 beim Menschen, und 309 verhaltensauffällige Hunde gemeldet. In über 1000 Fällen verordneten die kantonalen Veterinärämter sichernde Massnahmen.
Die Auswertung der Beißstatistik nach Hundetypen bestätigt die Angaben aus dem Jahr 2006. Insgesamt waren über 200 verschiedene Hundetypen in Beißunfälle involviert. Die häufigsten Typen verursachen auch die meisten Verletzungen. Dennoch weist die Statistik auf deutliche Unterschiede hin: Kommen im Durchschnitt auf 100 Hunde 0,9 Bisse, so sind es bei American Pitbull Terriern 8,5, bei Rottweilern 3,8, bei Dobermännern 2,6 und bei Deutschen Schäfern 2. Dabei ist zu beachten, dass Pitbulls deutlich häufiger andere Hunde beißen als Menschen.
Besonders betroffen von Hundebissen sind Kinder. Sie werden häufiger gebissen als Erwachsene und die Bissverletzungen sind gravierender. Bei Kindern unter 10 Jahren befindet sich die Bissverletzung in der Hälfte der Fälle an Kopf oder Hals. Jeder vierte Beissunfall bei Kindern wurde durch kleine Hunde verursacht. Dies macht deutlich, dass auch HalterInnen von kleinen Hunden ihre Tiere im Griff haben müssen. Seit 2006 melden ÄrztInnen, TierärztInnen und HundeausbildnerInnen Beißunfälle bei Mensch und Tier und verhaltensauffällige Hunde dem kantonalen Veterinäramt. Damit sollen verhaltensauffällige Hunde möglichst früh erkannt und entsprechende Maßnahmen getroffen werden. Zudem geben die Zahlen Aufschluss über das tatsächliche Gefährdungspotenzial und bilden so die Grundlage für Maßnahmen zur Verbesserung der öffentlichen Sicherheit.
Lesen Sie dazu auch den Blog-Beitrag von Direktor Hans Wyss: „Bestimmte Hundetypen beißen häufiger – was bedeutet das?“. Die Hundebissstatistik 2007 finden Sie unter: www.bvet.admin.ch/themen/tierschutz/00760/00763/index.html
Marcel Falk, Kommunikation, Bundesamt für Veterinärwesen, 031 323 84 96
Internet: www.bvet.admin.chVolltextsuche
Bestimmte Hundetypen beissen häufiger – was bedeutet das? Beissunfälle: Statistik 2007
7.7.2005 Auswirkung von Leine und Halsband auf das Verhalten des Hundes
Das Verhalten von Haustieren ist bei weitem nicht nur ein Schwerpunkt in der täglichen Veterinär-Praxis. Verhaltensprobleme bei Tieren und ihre Folgen werden der breiten Öffentlichkeit – z.B. durch themenbezogene TV-Sendungen – immer mehr bewusst gemacht. Gerade das Verhalten von Hunden während des Spaziergangs und Probleme bei der Begegnung mit anderen Hunden beschäftigen unzählige Hundebesitzer. Dieser interessante Artikel beschreibt die Auswirkung von Halsband und Leine auf das Verhalten des Hundes bei der Annäherung an einen fremden Hund.
Einleitung: Untersucht wurde das Verhalten von 10 Hunden bei der Begegnung mit anderen Hunden. Es wurden pro Hund 10 Begegnungen dokumentiert, womit die Daten von 100 Hundebegegnungen zur Verfügung standen.
Die Dokumentation erfolgte durch die Hundebesitzer, die bei jeder Begegnung einen vorgefertigten Fragebogen ausfüllten, so dass jeweils die gleichen Beurteilungskriterien vorlagen. Beurteilt wurde das Verhalten der Tiere bei einer Entfernung von noch etwa 10m voneinander. Bei der Auswertung wurde das Hauptaugenmerk auf die visuelle Kommunikation der Hunde unter Einwirkung der Leine gelegt. Ebenfalls wurden die physischen sowie psychischen Veränderungen von angeleinten Hunden, sowie deren Auslöser erörtert. Physiologische Veränderung:
Wie verändern sich Hunde physiologisch wenn sie an der Leine gehalten werden? Hunde verständigen sich untereinander vor dem ersten (Körper) Kontakt visuell. Hierbei tauschen Sie schon Informationen (optische Einschätzung des Gegenübers) aus. Die Körpersprache signalisiert, wie das Aufeinandertreffen ablaufen soll bzw. muss. Es werden normalerweise schon visuell Rangordnungsfragen (Auswertung der Körpersprache und Mimik zur Klärung der Durchsetzbarkeit der eigenen Ansprüche) geklärt, die Hunde kommunizieren. Durch das Kurzhalten (Verkürzung der Halter-Hund-Distanz) wird aber die Körpersprache des Hundes schon stark verändert, der Hund kann sich gar nicht mehr äußern, er wird in eine Körperposition gebracht, welche vielfach nur einen Schluss für den entgegen kommenden Hund zulässt. `Ich muss mich rüsten, der andere ist bereit zu kämpfen!
Im einzelnen verändert sich der Körper wie folgt: Der Hund will nach vorne, wird aber gestoppt mit dem Halsband. Ergebnis: Der Hund strotzt vor Kraft und richtet sich auf. Die gesamte Kopfpartie richtet sich auf, der Hals steht steiler und der Hund wirkt größer. Der Brustkorb kommt nach vorne, wird breit und die Vorderhand geht etwas auseinander. Die Muskulatur im Rumpf spannt sich an. Die Öffnung der Ohren zeigt meist nach vorne, die Augen werden groß (teilweise auch durch den Sauerstoffmangel beim Ziehvorgang, der Hund würgt sich selber, nicht zu verwechseln mit der Pupillenerweiterung im Ausdruck des defensiven Drohens, bzw. der Angst) und der andere Hund wird fixiert, denn da will er ja hin. Das Rückenfell sträubt sich. Eine Beurteilung der Situation über die Rutenhaltung kann hier nur individuell erfolgen, da die Rutenhaltung rasseabhängig, und somit nicht pauschalisierbar angewendet werden kann.
Der Hund strahlt hier also absolute Kampfbereitschaft / Verteidigungsbereitschaft und gegebenenfalls Dominanz aus, bedingt durch die Vorwärtsbewegung des Hundes und die `Stop`- bzw. Rückwärtsbewegung des Halters, die auf den Hund durch das Halsband übertragen wird. Es besteht für den Hund keine -für den anderen Hund eindeutige- Möglichkeit, sich zu unterwerfen bzw. Beschwichtigungssignale auszusenden!
Der Hund verfügt über ca. 200 - 220 Millionen Riechzellen. Im Vergleich dazu verfügt der Mensch über 5 Millionen Riechzellen. Der Hundeführer denkt: `Da kommt schon wieder ein Hund, gleich gibt´s Ärger. Ich halte meinen Hund jetzt ganz kurz, dann passiert nichts. In diesem Moment jedoch spannt sich der Halter an und erregt sich. Bei nervöser Erregung (Stress) des Menschen beginnt die Schweißsekretion u.a. an Handtellern und Fußsohlen. Die Schweißdrüsen werden durch das vegetative Nervensystem reguliert. Bei Tieren werden durch den Schweiß die Geruchsreize für Artgenossen intensiviert. Bedingt durch das Heranziehen des Hundes an den Halter (und somit Verkürzen der Halter- Hund-Distanz) kommt die `schwitzende` Hand, welche die Leine hält, noch näher an die Nasenpartie des Hundes heran.
Dieser Vorgang dauert von der Auslösung des `Stresses` beim Halter durch das Bild des entgegen kommenden Hundes bis zur Wahrnehmung der `veränderten` Ausgangssituation durch den eigenen Hund, und somit das Einstellen des eigenen Hundes auf die neue Situation ca. 1 - 4 Sekunden. Wenn man eine normale Fußgängergeschwindigkeit von ca. 4 km/h zu Grunde legt, und einen Mittelwert in der Reaktionszeit von 2 Sekunden veranschlagt, wird gerade einmal eine Strecke von ca. 2,2 m zurück gelegt in der eine Entscheidung des Halters für das Verhalten des Hundes getroffen wird.
Der Hund riecht die Erregung in dem er die Botenstoffe für Gefahr, Adrenalin und Noradrenalin, wahrnimmt - und denkt: `Oh, der Halter rüstet sich, Kampf ist angesagt!` Hierbei liegt eigentlich die Unsicherheit des Hundehalters zugrunde, die Situation kontrollieren zu können, und das spürt der Hund: durch das Zusammenleben in einer Mensch / Hundbeziehung unterstützt der Hund den Halter und `hilft` diesem, die Situation zu kontrollieren. Dieses Verhalten des Hundes anderen Hunden gegenüber festigt sich immer mehr, so dass der Hund dieses unerwünschte Verhalten schon bald prophylaktisch anwendet.
Auswertung: Die Auswertung von 100 Hundebegegnungen besagt eindeutig: Hunde haben keine generelle Abneigung gegen alle großen / kleinen, schwarzen / weißen, dicken oder dünnen Hunde. Selbst wenn Hunde mit einem bestimmten Hund negative Erfahrungen gemacht haben, pauschalisieren sie ihr Verhalten nicht. So kann es bei einer Annäherung an einen Hund dieser Rasse (optische Gleichheit) kurzfristig zu einer Verhaltensänderung kommen, diese ist aber sofort vergessen, wenn sich die Hunde `beschnüffeln`. Selbstverständlich gibt es Hunde die `ihren erklärten Lieblingsfeind` haben. Hierbei handelt es sich bei Rüden meist um (nicht geklärtes) Territorialverhalten, während es bei Hündinnen sehr oft um die Rolle des `Alphatieres` (und somit das Recht der Fortpflanzung) geht. Im einzelnen beurteilt wurde das Verhalten von 5 Rüden (davon 1 kastriert) sowie 5 Hündinnen (1 kastriert) im Alter von 11 Monaten bis 8 Jahre. Die Fellfarbe reicht von falben über grau bis schwarz-rot.
Dominantes Verhalten des Rüden: Dominantes Verhalten zeigte der eigene Rüde in 14 Fällen gegenüber anderen Rüden, gegenüber anderen Hündinnen in einem Fall. In 12 von 15 Fällen war der eigene Rüde angeleint, in 7 von 12 Fällen waren beide Hunde angeleint. In 3 Fällen war kein Hund angeleint.
Dominantes Verhalten der Hündin: Dominantes Verhalten zeigte die eigene Hündin gegenüber Rüden in 5 Fällen und in 6 Fällen gegenüber Hündinnen. In 9 von 11 Fällen war die eigene Hündin angeleint, in 4 von 9 Fällen waren beide Hunde angeleint. In einem Fall zeigte die nicht angeleinte Hündin dominantes Verhalten gegenüber einem angeleinten Rüden.
Freundliches Verhalten: Als freundlich zu bezeichnendes Verhalten zeigten 43 Hunde, wobei hier kein Unterschied zwischen Geschlechtern feststellbar ist.
Neutrales Verhalten: Neutrales Verhalten zeigten 30 Hunde, wobei auch hier kein geschlechtsspezifischer Unterschied erkennbar ist. Jedoch war auch hier feststellbar, das mehr unangeleinte Hunde als angeleinte Hund neutrales Verhalten zeigten.
Devotes Verhalten: Devotes Verhalten zeigten zwei unangeleinte Hunde (Rüde und Hündin) gegenüber angeleinten Hunden. Die beiden Hunde zeigten bei den übrigen Begegnungen neutrales bis freundliches Verhalten anderen Hunden gegenüber.
- fremder Hund angeleint: Das eigene Tier zeigt hier eine Bandbreite von verschiedenen Verhaltensmerkmalen, beginnend von angeleint neutralem Verhalten (6x), sich steigernd auf angeleint freundlich (10x), bis zur häufigsten Äußerung im Zustand angeleint: dominant (14x). Unangeleint zeigte das eigene Tier devotes Verhalten in 2 Fällen, freundliches Verhalten ebenfalls 2x. Neutrales Verhalten zeigte sich 6x und dominantes Verhalten 1x. - fremder Hund unangeleint: Das Verhalten des eigenen Tieres ändert sich wie folgt: Ist jetzt der eigene Hund angeleint zeigt er sich 4x angeleint freundlich, 6x angeleint neutral und angeleint dominant in 7 Fällen. Ebenfalls unangeleint zeigt sich der eigene Hund in 27 Fällen freundlich, in 12 Fällen neutral und in 3 Fällen ist dominantes Verhalten sichtbar.
Schlussfolgerung: Im direkten Vergleich zeigt sich, dass sich Hunde, welche sich unangeleint (beide Tiere) einander nähern, in 39 von 42 Fällen neutral bis freundlich begegnen. Im angeleinten Zustand (beide Tiere) ist in 16 von 30 Begegnungen neutrales bis freundliches Verhalten sichtbar.
Literaturliste: Dorit Feddersen-Petersen, Hundepsychologie, Franck-Kosmos Verlags GmbH & Co, Stuttgart, 1986 Dr. Hans Morschitzky, Vegetatives Nervensystem: Schweißdrüsen, Web Stanley Coren, “How to speak dog. Mastering tue Art of Dog - Human Communication”, The free press, 2000
Autor: Jörg Tschentscher, 2005 http://www.vetcontact.com/de/art.php?a=3144 Copyright © Vetcontact
So friedlich wie Golden Retriever
Neues & Wichtiges über sogenannte Kampfhunde und sogenannte Schutzhunde vom Tierschutzzentrum der TiHo Hannover, und zur Genetik des sogenannten Deutschen Schäferhundes
Ausgangsbasis: fremder Hund angeleint Reaktion des eigenen Hundes darauf:
Grafische Darstellung: Ausgangsbasis: fremder Hund nicht angeleint Reaktion des eigenen Hundes darauf: Auswertung der Diagramme im direkten Vergleich:
«Der Bullterrier ist einer der freundlichsten Hunde» Die Tierärztliche Hochschule Hannover untersuchte das Wesen von sogenannten Kampfhunden, und kam zu folgendem, für Praktiker wenig überraschenden Ergebnis: Es seien «friedliche Tiere» .
Die Mehrzahl der so genannten Kampfhunde sind der Untersuchung der Tierärztlichen Hochschule (TiHo) in Hannover zufolge vom Wesen her friedliche Tiere. Diesen Schluss zieht die TiHo aus insgesamt mehr als 1000 Wesenstests der vergangenen fünf Jahre.
96 bis 98 Prozent der untersuchten American Staffordshire Terrier, Bullterrier, Pitbull Terrier, Dobermänner oder Rottweiler verhielten sich durchgängig nicht angriffslustig und genauso ausgeglichen wie die Golden Retriever in einem Vergleichstest. «Der Bullterrier ist einer der freundlichsten Hunde», stellte Professor Hansjoachim Hackbarth, Leiter des Instituts für Tierschutz und Verhalten an der TiHo, fest.
Aggressives Verhalten bei Hunden könne man nicht an der Rasse festmachen, sagte Hackbarth. «Von den Hunden, die den Test nicht bestanden haben, ist die Mehrzahl nur wegen ein oder zwei Situationen durchgefallen.» Es seien überwiegend Situationen gewesen, in denen die Hunde bedroht wurden. Die durchgefallenen Hunde seien zudem auffällig oft als Schutzhunde eingesetzt worden, oft auch mit entsprechender Prüfung. Zwar seien sie dann häufig nicht aggressiv gegen Menschen, wohl aber verstärkt gegen Artgenossen.
Fehlende Freilaufmöglichkeiten und aggressive Erziehungsmethoden, aber auch schon der Ruck an der Leine verstärkten beim Hund nachweislich die Aggressionen gegen andere Hunde. Prof. Hackbarth hält es nicht für legitim, bestimmte Hunderassen zu diskriminieren und sie massiven Einschränkungen zu unterwerfen: "Es ist absoluter Schwachsinn, die Steuer nach der Rasse festzusetzen. Wenn man Unterschiede machen will, dann sollte man nach Größe besteuern, denn große Hunde machen auch mehr Dreck."
Der Wesenstest habe zudem gezeigt, dass Hundehalter mehr Einfluss auf das Verhalten ihres Tieres haben als die Gene. Man könne jeden Hund zum Beißen bringen. Prof. Hansjoachim Hackbarth: «In unserer Gesellschaft sollte ein kompetenter, fachlich gebildeter, verantwortungsvoller Hundebesitzer gefördert werden, denn dieses ist die wirkungsvollste Maßnahme, um Verhaltensproblemen bei Hunden vorzubeugen», sagte Hackbarth. Wir möchten uns der Schlussfolgerung von Prof. Hackbarth anschließen, diese ist in unseren Augen jedoch nicht als Kompliment zu verstehen, sondern als Aufforderung. Wir setzen uns seit Jahren gegen Rasselisten ein, weil sie kontraproduktiv sind und eine tatsächliche Gefahrenabwehr gegen individuell gefährliche Hunde und vor allem individuell gefährliche Hundehalter durch Fehlsteuerung verhindern. Stattdessen muss das immer noch wie bisher vorhandene Vollzugsdefizit beseitigt werden. Wir setzen uns ebenfalls für ein Verbot der Schutzhundeausbildung in privater Hand ein, weil sie aggressionsfördernd ist. Wir setzen uns für Hunde ein. Wir setzen uns definitiv NICHT für denjenigen, durchaus existenten und zahlreichen Teil der Hundehalter ein, der auch uns selbst durch seine Verantwortungslosigkeit, Dummheit, Ahnungslosigkeit, Gleichgültigkeit, Ignoranz, Überheblichkeit, Rücksichtslosigkeit, Respektlosigkeit, Patzigkeit, Unbelehrbarkeit und Dreistigkeit ein großes Ärgernis ist. Ein Jeder prüfe sich selbst. Bereits erfolgte Forschungsarbeiten der TiHo Hannover finden Sie hier. Demnächst erscheinen am Tierschutzzentrum der Tierärztlichen Hochschule Hannover die folgenden, sehr interessanten Dissertationen: "Untersuchung einer Bullterrier-Zuchtlinie auf Hypertrophie des Aggressionsverhaltens" "Vergleichende Untersuchung des Bewertungssystems von Qualitätsmerkalen und Gebrauchseigenschaften für Hunde innerhalb der Abteilung C (Schutzdienst) der Schutzhund-/Vielseitigkeitsprüfung für Gebrauchshunde Stufe 3 (SchH/VPG 3 nach der Prüfungsordnung des Vereins für Deutsche Schäferhunde" Dann werden wir hoffentlich alle etwas dazu lernen. Übrigens ist der sogenannte Deutsche Schäferhund trotz seines Phänotyps laut einer amerikanischen Studie genetisch einwandfrei den Molosserrassen zuzuordnen, im Gegensatz zu den anderen Schäferhund- und Hütehundrassen: SCIENCE Vol. 304 21. Mai 2004 So kann Wissenschaft überraschen. DogsGuard
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