Source: https://www.arbeitsrecht.org/betriebsrat/betriebsvereinbarung/arbeitszeit/
Timestamp: 2017-12-17 07:49:59
Document Index: 9028445

Matched Legal Cases: ['§ 87', '§ 14', '§ 5', '§ 3', '§ 4', '§ 5', '§ 6', '§ 7']

Arbeitszeit: Was Sie wissen müssen! | Arbeitsrecht.org Arbeitszeit: Was Sie zu diesem Thema wissen müssen – Arbeitsrecht.org
Arbeitszeit: Was Sie zu diesem Thema wissen müssen
Möchte Ihr Arbeitgeber die betriebsübliche Arbeitszeit vorübergehend verlängern oder verkürzen, kommt er an Ihnen nicht vorbei. Sie haben hier ein Mitbestimmungsrecht. Ihren Kollegen wird es insoweit darauf ankommen, dass sie sich bei eventueller Mehrarbeit nicht überarbeiten und sie bei einer Verringerung der Arbeitszeit nicht um ihre Stelle fürchten müssen. § 87 Abs. 1 Nr. 2 und 3 Betriebsverfassungsgesetz (BetrVG) spricht Ihnen ein Mitbestimmungsrecht bei Regelungen über den Beginn und das Ende der täglichen Arbeitszeit, der Lage der Pausen und der Verteilung der Arbeitszeit auf die Wochentage sowie der vorübergehenden Verlängerung und Verkürzung der Arbeitszeit zu. Da einige Arbeitgeber es in Sachen Arbeitszeit immer wieder übertreiben, ist es wichtig, dass Sie Ihre Möglichkeiten kennen.
Ein Thema, das viele von Ihnen immer wieder beschäftigt, sind Überstunden: Wann dürfen sie angeordnet werden? Wie werden sie richtig angeordnet? Wann dürfen sie verweigert werden? Für Sie als Betriebsrat ist insoweit vor allem Folgendes zu berücksichtigen: Ohne Vereinbarung mit Ihnen darf Ihr Arbeitgeber keine Überstunden anordnen. Hier dürfen Sie dann Ihre Zustimmung verweigern. Tun Sie das im Zweifelsfall auch. Schließlich ist Sinn und Zweck des Arbeitszeitgesetzes (ArbZG) sicherzustellen, dass Sie und Ihre Kollegen ausreichend Zeit haben, sich zu erholen.
Ist weder im Arbeitsvertrag oder im Tarifvertrag noch in einer Betriebsvereinbarung vorgesehen, dass die Arbeitnehmer bei Bedarf auch mal Überstunden leisten müssen, kann Ihr Arbeitgeber diese auch nicht wirksam einseitig anordnen. Das heißt, dass Ihre Kollegen die Überstunden nicht leisten müssen und dabei auch keinerlei arbeitsrechtliche Konsequenzen zu befürchten haben.
Grundsätzlich muss Ihr Arbeitgeber Überstunden stets einige Tage vorher anordnen. Wie viele Tage vorher er sich mit den betroffenen Kolleginnen und Kollegen auseinandersetzen muss, hängt vom jeweiligen Einzelfall ab. In der Regel sollten Sie und Ihre Kollegen 4 Tage vorher informiert werden.
Auch insoweit gilt: Ausnahmen bestätigen die Regel. In Notfällen darf Ihr Arbeitgeber auch ohne vertragliche Regelung Überstunden anordnen (§ 14 ArbZG). Dann müssen Sie und Ihre Kollegen die Überstunden auch leisten. Prüfen Sie als Betriebsrat in jedem Einzelfall, ob es wirklich ein Notfall ist.
Tipp: Schlagen Sie Ihrem Arbeitgeber den Abschluss einer Betriebsvereinbarung vor. Ein Muster lesen Sie auf Seite 7. Ziel der Betriebsvereinbarung ist es, einen gerechten Verteilungsmodus bei der Mehrarbeit festzulegen und Ihrem Arbeitgeber zur Beschäftigungssicherung genaue Vorgaben zu machen, wann er die Arbeitszeit reduzieren darf.
Schnell-Check: Überstunden richtig angeordnet?
Sie als Betriebsrat haben zugestimmt.
Die Überstunden waren zu leisten (Bereitschaft ist vertraglich geregelt bzw. es lag ein dringender Notfall vor).
Die Überstunden wurden richtig angeordnet.
Geleistete Überstunden wurden ordnungsgemäß vergütet.
Können Sie alle Punkte als „erledigt“ markieren, waren die angeordneten bzw. geleisteten Überstunden gerechtfertigt.
Muster-Betriebsvereinbarung: Arbeitszeit
Zwischen der … (Name des Unternehmens), vertreten durch …, und dem Betriebsrat der …, vertreten durch den Betriebsratsvorsitzenden, wird folgende Betriebsvereinbarung über die Verkürzung bzw. Verlängerung der Arbeitszeit geschlossen:
Betriebsrat und Arbeitgeber sind sich darüber einig, dass sich die Personaleinsatzplanung vornehmlich am betrieblichen Interesse orientieren muss. Andererseits darf aber die Vereinbarkeit von Familie und Beruf und von Beruf und privaten Interessen der Arbeitnehmer nicht zu kurz kommen. Das geht nur durch eine gute Personaleinsatzplanung und durch die Vermeidung von Überstunden und Mehrarbeit.
Diese Betriebsvereinbarung gilt für alle Arbeitnehmer des Betriebs im Sinne von § 5 Abs. 1 BetrVG.
Diese Betriebsvereinbarung regelt das Verfahren bei der Anordnung von Beginn und Ende der Arbeitszeit, der Pausen und der Verteilung der Arbeitszeit auf die einzelnen Wochentage. Ferner wird geregelt, wann vorübergehend eine Verlängerung bzw. eine Verkürzung der Wochenarbeitszeit angesetzt werden darf.
§ 3 Regelarbeitszeit
Im Unternehmen wird grundsätzlich in der 40-Stunden-Woche gearbeitet. Die 40 Stunden verteilen sich auf die Tage von Montag bis Freitag.
Arbeitsbeginn ist 8 Uhr, Arbeitsende ist 17 Uhr bei einer Stunde Mittagspause.
Die Arbeitszeit von Teilzeitlern wird individuell vereinbart.
§ 4 Arbeitsbeginn und Ende
Die Arbeitszeit beginnt mit dem Einstempeln und endet mit dem Ausstempeln.
§ 5 Vorübergehende Verlängerung der Arbeitszeit
Eine vorübergehende Verlängerung der Arbeitszeit ist nur
auf Veranlassung der Betriebsleitung
vorübergehend (nicht länger als 3 Monate)
in dringenden Fällen (etwa Eilaufträgen) und
nach Anhörung und nur mit Zustimmung des Betriebsrats zulässig.
Der Arbeitgeber prüft vor jeder Verlängerung, ob diese nicht durch die Aufstockung von Teilzeitstellen abgefangen werden kann.
Sollte die Verlängerung länger als 3 Monate dauern, ist erneut Rücksprache mit dem Betriebsrat zu nehmen.
Bei der Auswahl der Arbeitnehmer, die Mehrarbeit oder Überstunden leisten, ist zuerst nach Freiwilligen zu fragen. Danach sind zunächst bevorzugt die Arbeitnehmer zu belasten, die keine familiären Verpflichtungen haben. Der Betriebsrat bestimmt bei der Verteilung der Mehrarbeit auf die einzelnen Wochentage mit.
§ 6 Vorübergehende Verkürzung der Arbeitszeit
Eine vorübergehende Verkürzung der Arbeitszeit ist nur
in dringenden Fällen (zur Vermeidung von Entlassungen oder anderen betriebsbedingten personellen Maßnahmen) und
Der Betriebsrat bestimmt bei der Verteilung der verkürzten Arbeitszeit auf die einzelnen Wochentage mit.
§ 7 Sondertage
Am 24.12., 31.12. und am … (z. B. Rosenmontag) endet die Arbeitszeit um 13 Uhr.
Diese Betriebsvereinbarung kann durch eine entsprechende Erklärung schriftlich mit einer Frist von 3 Monaten zum Monatsende gekündigt werden. Bis zum Abschluss einer neuen Betriebsvereinbarung zu diesem Thema wirkt sie fort.
Diese Betriebsvereinbarung tritt mit der Unterzeichnung durch beide Parteien in Kraft.
Unterschrift Arbeitgeber Unterschrift Betriebsrat
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