Source: https://www.ra-kotz.de/autobahnrastanlage.htm
Timestamp: 2018-06-20 17:03:39
Document Index: 270906788

Matched Legal Cases: ['§ 823', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 15', '§ 1', 'BGH']

Autobahnrastanlage - Ersatz von Einnahmeausfall - RA Kotz
Az: VI ZR 155/14
Kann der Betreiber einer Autobahnrastanlage Ersatz des Einnahmeausfalles von der Haftpflichtversicherung eines Lastkraftwagenfahrers verlangen, der durch einen verschuldeten Unfall die Sperrung einer Autobahn für eine Dauer von mehreren Tagen verursacht? Diese Frage beantwortete der Bundesgerichtshof im anliegenden Beschluss. Im konkreten Fall lag die Autobahnrastanlage dabei ausserhalb des abgesperrten Bereichs. Dennoch musste die Autobahnrastanlage für mehrere Tage geschlossen bleiben.
bb) Insoweit entspricht es ständiger höchstrichterlicher Rechtsprechung, dass eine Eigentumsverletzung im Sinne des § 823 Abs. 1 BGB nicht zwingend einen Eingriff in die Sachsubstanz voraussetzt, sondern auch durch eine nicht unerhebliche Beeinträchtigung der bestimmungsgemäßen Verwendung der betreffenden Sache erfolgen kann (Senatsurteile vom 11. Januar 2005 – VI ZR 34/04, VersR 2005, 515, 516; vom 18. November 2003 – VI ZR 385/02, VersR 2004, 255, 257; vom 31. März 1998 – VI ZR 109/97, BGHZ 138, 230, 235; vom 4. November 1997 – VI ZR 348/96, BGHZ 137, 89, 97; vom 7. Dezember 1993 – VI ZR 74/93, VersR 1994, 319, 320; vom 21. November 1989 – VI ZR 350/88, VersR 1990, 204, 205; vom 25. Oktober 1988 – VI ZR 344/87, BGHZ 105, 346, 350; vom 21. Juni 1977 – VI ZR 58/76, VersR 1977, 965, 966; BGH, Urteile vom 15. November 1982 – II ZR 206/81, BGHZ 86, 152, 155 [„technische Brauchbarkeit“]; vom 7. Juni 1979 – II ZR 132/77, VersR 1979, 905, 906; vom 21. Dezember 1970 – II ZR 133/68, BGHZ 55, 153, 159 f.; ferner BGH, Urteil vom 31. Oktober 1974 – III ZR 85/73, BGHZ 63, 203, 206 f.). Voraussetzung ist freilich stets, dass die Beeinträchtigung der bestimmungsgemäßen Verwendung der Sache ihren Grund in einer unmittelbaren Einwirkung auf die Sache selbst hat, wobei diese Einwirkung tatsächlicher oder – wie im Falle eines Nutzungsverbots – rechtlicher Natur sein kann (vgl. zum „Einsperren“ von Fahrzeugen: BGH, Urteil vom 21. Dezember 1970 – II ZR 133/68, aaO; ferner Senatsurteil vom 11. Januar 2005 – VI ZR 34/04, aaO; zur Blockade von Baumaschinen: Senatsurteil vom 4. November 1997 – VI ZR 348/96, aaO; zur Verbindung der Sache mit anderen Bauteilen oder schädlichen Stoffen: Senatsurteile vom 31. März 1998 – VI ZR 109/97, aaO und vom 7. Dezember 1993 – VI ZR 74/93, aaO; zur gefahrenbedingten Aufhebung der Begehbarkeit eines Grundstücks: Senatsurteil vom 21. Juni 1977 – VI ZR 58/76, aaO; zum Nutzungsverbot: Senatsurteile vom 25. Oktober 1988 – VI ZR 344/87, aaO; vom 21. Juni 1977 – VI ZR 58/76, aaO). Fehlt es an einer solchen unmittelbaren Einwirkung auf die Sache selbst, wird eine auf Nutzungseinschränkungen gestützte Eigentumsverletzung abgelehnt (vgl. BGH, Urteile vom 15. November 1982 – II ZR 206/81, aaO; vom 31. Oktober 1974 – III ZR 85/73, aaO; vom 21. Dezember 1970 – II ZR 133/68, aaO, 160 [hinsichtlich der Schuten]). Dies gilt insbesondere auch für den Fall, dass die wirtschaftliche Nutzung einer Anlage nur deshalb vorübergehend eingeengt wird, weil sie von Kunden infolge einer Störung des Zufahrtsweges nicht angefahren werden kann, ohne dass zugleich in die Sachsubstanz der Anlage eingegriffen oder deren technische Brauchbarkeit beschränkt oder beseitigt wurde (BGH, Urteil vom 15. November 1982 – II ZR 206/81, aaO, 154 f.). An diesen Grundsätzen ist festzuhalten.
cc) Im Streitfall kann damit nicht davon ausgegangen werden, dass die Klägerin durch die Autobahnsperrung in ihrem berechtigten Besitz an der Rastanlage verletzt wurde. Denn die wenige Kilometer von der Rastanlage entfernte Sperrung, die die unmittelbare Zufahrt zur Anlage selbst – anders als in dem dem Urteil vom 15. November 1982 (II ZR 206/81, BGHZ 86, 152, 155) zugrunde liegenden Fall – sogar unbeeinträchtigt ließ, wirkte nicht unmittelbar auf die Rastanlage und ihre Einrichtungen ein. Die Auswirkungen der Sperrung auf die Rastanlage beschränkten sich vielmehr auf den Wegfall des Durchgangsverkehrs für die Zeit der Sperrung, das deshalb zu erwartende Ausbleiben von Kunden und die sich daraus ergebende vorübergehende Einengung der wirtschaftlichen Nutzung der Anlage. Nach den dargelegten Grundsätzen berührt dies allein das Vermögen der Klägerin, nicht aber ihre Rechtsposition als berechtigte Besitzerin der Rastanlage (vgl. BGH, Urteil vom 15. November 1982 – II ZR 206/81, aaO). Dass es sich bei der Rastanlage um einen Nebenbetrieb an einer Bundesautobahn im Sinne von § 15 und § 1 Abs. 4 Nr. 5 FStrG handelt, spielt auch insoweit keine Rolle.
b) Ein Anspruch der Klägerin aus Verletzung ihres eingerichteten und ausgeübten Gewerbebetriebs ist nicht gegeben. Ein solcher Anspruch kommt nur in Betracht, wenn die Beeinträchtigung unmittelbar in den Bereich des Gewerbebetriebs eingreift, also betriebsbezogen ist und nicht von diesem ohne weiteres ablösbare Rechte betrifft (z.B. Senatsurteile vom 11. Januar 2005 – VI ZR 34/04, VersR 2005, 515, 517; vom 18. November 2003 – VI ZR 385/02, VersR 2004, 255, 257; vom 21. Juni 1977 – VI ZR 58/76, VersR 1977, 965, 967; vom 9. Dezember 1958 – VI ZR 199/57, BGHZ 29, 65, 70 f., 74). Ein derartiger Eingriff liegt im Streitfall nicht vor. Der Unfall hat in keiner unmittelbaren Beziehung zum eingerichteten und ausgeübten Betrieb der Klägerin gestanden. Die angeordnete Sperrung der BAB und die Empfehlung, den gesperrten Bereich großräumig zu umfahren, waren allgemeine Folgen des Schadensereignisses, die die Klägerin rein zufällig trafen.