Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Text=1%20BV%2010.1332
Timestamp: 2020-02-27 08:24:40
Document Index: 487949

Matched Legal Cases: ['§ 14', 'Art. 28', 'Art. 14', 'Art. 12', '§ 1', '§ 1', '§ 124']

VGH Bayern, 23.11.2010 - 1 BV 10.1332 - dejure.org
https://dejure.org/2010,4258
VGH Bayern, 23.11.2010 - 1 BV 10.1332 (https://dejure.org/2010,4258)
VGH Bayern, Entscheidung vom 23.11.2010 - 1 BV 10.1332 (https://dejure.org/2010,4258)
VGH Bayern, Entscheidung vom 23. November 2010 - 1 BV 10.1332 (https://dejure.org/2010,4258)
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Baueinstellungsverfügung bezügl. Mobilfunkanlage wegen nachträglicher Veränderungssperre
Städtebauliche Rechtfertigung von Mobilfunkanlagen in Wohngebieten bei einer ausschließenden kommunalen Planung zur Sicherstellung der Versorgung mit Mobilfunkleistungen von anderen Standorten im Gemeindegebiet als von Wohngebieten; Begründung eines Ausschlusses von ...
Sicherung des planerischen Ausschlusses von Mobilfunkanlagen im Innenbereich durch eine Veränderungssperre | Innenbereich, Negativplanung, Veränderungssperre, Verfahrensfreie Vorhaben, Standortplanung
Veränderungssperre: Ausschluss von Mobilfunkanlagen
Kurznachricht zu "Anmerkung zum Urteil des Bay VGH vom 23.11.2010, Az.: 1 BV 10/1332 (Auswirkungen von Veränderungssperren auf Mobilfunkanlagenprojekte)" von AkR Dr. Albert Ingold, original erschienen in: DVBl 2011, 776 - 780.
DVBl 2011, 299
BauR 2011, 807
ZfBR 2011, 276
Nach der ständigen Rechtsprechung des Bayerischen Verwaltungsgerichtshofs (…vgl. Entscheidung vom 1.7.2005 Az. 25 B 01.2747 a.a.O.; vom 22.2.2007 Az. 15 ZB 06.1638 BayVBl 2007, 661 = BauR 2007, 1372 = DÖV 2007, 979; vom 2.8.2007 Az. 1 BV 05.2105 VGHE 61, 27 = BayVBl 2008, 470 = UPR 2008, 268; vom 9.8.2007 Az. 25 B 05.3055 BayVBl 2008, 307; vom 3.11.2010 Az. 15 B 08.2426 - juris; vom 23.11.2010 Az. 1 BV 10.1332 BauR 2011, 807 = DVBl 2011, 299) stellen Mobilfunk-Basisstationen (Antennenmasten mit zugehörigen Versorgungseinheiten) Bestandteile eines gewerblich betriebenen Mobilfunknetzes und damit bauplanungsrechtlich eine - nicht störende - gewerbliche Nutzung im Sinn der Baunutzungsverordnung dar.
In diesem Zusammenhang hat der Begriff der Nebenanlage somit in erster Linie einen instrumentell-rechtstechnischen Zweck, der mit dem Begriffsinhalt, der ihm sonst in der Baunutzungsverordnung - nämlich als Pendant zum Begriff der Hauptanlage - zukommt, nicht kompatibel ist (…vgl. BayVGH vom 1.7.2005 Az. 25 B 01.2747 a.a.O.; vom 23.11.2010 Az. 1 BV 10.1332 a.a.O.).
Der Gemeinde wäre es bereits im Vorfeld der Abwehr schädlicher Umwelteinwirkungen gestattet, durch ihre Bauplanung eigenständig das Maß des Hinnehmbaren zu steuern (vgl. BayVGH, U.v. 2.8.2007 - 1 BV 05.2105 - BayVBl 2008, 470; B.v. 9.9.2009 - 1 CS 09.1292 - BauR 2009, 1871; U.v. 23.11.2010 - 1 BV 10.1332 - DVBl 2011, 299; B.v. 16.7.2012 - 1 CS 12.830 - juris).
Nach der ständigen Rechtsprechung des Bayerischen Verwaltungsgerichtshofs (vgl. U.v. 1.7.2005 - 25 B 01.2747 - BayVBl 2006, 469; B.v. 22.2.2007 - 15 ZB 06.1638 - BayVBl 2007, 661; U.v. 2.8.2007 - 1 BV 05.2105 - BayVBl 2008, 470; U.v. 9.8.2007 - 25 B 05.3055 - BayVBl 2008, 307; U.v. 3.11.2010 - 15 B 08.2426 - juris; U.v. 23.11.2010 - 1 BV 10.1332 - BauR 2011, 807; U.v. 19.5.2011 - 2 B 11.397 - BayVBl 2011, 724) stellen Mobilfunkbasisstationen Bestandteile eines gewerblich betriebenen Mobilfunknetzes und damit bauplanungsrechtlich eine - nicht störende - gewerbliche Nutzung im Sinn der Baunutzungsverordnung dar.
In sich schlüssige städtebauliche Gesamtkonzepte können grundsätzlich ein legitimes gemeindliches Instrument zur Steuerung der städtebaulichen Entwicklung sein (vgl. BVerwG vom 15.9.2009 - 4 BN 25/09 BRS 74 Nr. 112 zur Darstellung von Konzentrationsflächen in einem Teilflächennutzungsplan; vom 26.3.2009 - 4 C 21/07 BVerwGE 133, 310 zu einem Einzelhandelskonzept; BayVGH vom 23.11.2010 - Az. 1 BV 10.1332 DVBl 2011, 299, bestätigt durch BVerwG vom 30.8.2012 - 4 C 1/11 zu einem Mobilfunkkonzept).
Stichhaltige Gründe, aus denen es den Gemeinden von vornherein verwehrt wäre, Mobilfunkanlagen aus Gründen des vorbeugenden Gesundheitsschutzes sowie der Gestaltung des Ortsbilds möglichst von Wohngebieten fernzuhalten, liegen nicht vor (vgl. BayVGH vom 2.8.2007 Az. 1 BV 05.2105 VGH n.F. 61, 27 = BayVBl 2008, 470; vom 23.11.2010 Az. 1 BV 10.1332 DVBl 2011, 299 - nicht rechtskräftig -).
Bei der Rechtsanwendung des § 14 BauGB ist neben dem in Art. 28 Abs. 2 des Grundgesetzes (GG) gewährleisteten kommunalen Selbstverwaltungsrecht, das die Planungshoheit und deren Sicherung umfasst, auch die geschützte Position des Bauherrn aus Art. 14 Abs. 1 GG sowie ggf. aus Art. 12 Abs. 1 GG in den Blick zu nehmen (vgl. BayVGH, U. v. 23.11.2010 - 1 BV 10.1332 - BauR 2011, 807 ff. = juris Rn. 56).
Unter Berücksichtigung der Ausführungen des Bayerischen Verwaltungsgerichtshofs in seinen Entscheidungen vom 23. November 2010, Az. 1 BV 10.1332 und 9. September 2009, Az. 1 CS 09.1292, kann aber auch ungeachtet des Erfordernisses der Erteilung einer isolierten Ausnahme davon ausgegangen werden, dass die streitgegenständliche Mobilfunkanlage von der Beklagten erlassenen Veränderungssperre selbst dann erfasst wird, wenn ein noch nicht fertig gestelltes Vorhaben vor dem Inkrafttreten der Veränderungssperre rechtmäßig verfahrensfrei begonnen worden ist.
Es ist den Gemeinden nicht von vorneherein verwehrt, Mobilfunkanlagen aus Gründen des vorbeugenden Gesundheitsschutzes sowie der Gestaltung des Ortsbildes, § 1 Abs. 6 Nr. 7 c und Nr. 5 BauGB, möglichst von Wohngebieten fernzuhalten (vgl. BayVGH vom 23.11.2010 Az. 1 BV 10.1332).
Die Beschwerde beruft sich insoweit zu Unrecht auf die Rechtsprechung des Verwaltungsgerichtshofs (BayVGH vom 23.11.2010 Az. 1 BV 10.1332 ).
Dieser ist nach § 1 Abs. 6 Nr. 1 BauNVO 1990, der wegen der Änderungen dieser Ziffer hier anwendbar ist, zulässig (BayVGH, U.v. 23.11.2010 - 1 BV 10.1332 - juris Rn. 43).
Der Gemeinde ist es bereits im Vorfeld der Abwehr schädlicher Umwelteinwirkungen gestattet, durch ihre Bauplanung eigenständig das Maß des Hinnehmbaren zu steuern (vgl. BayVGH, U.v. 2.8.2007 - 1 BV 05.2105 - BayVBl 2008, 470; B.v. 9.9.2009 - 1 CS 09.1292 - BauR 2009, 1871; U.v. 23.11.2010 - 1 BV 10.1332 - DVBl 2011, 299; OVG NRW, B.v. 16.9.2008 - 10 A 2599/07 - juris).
Die Divergenzrüge (§ 124 Abs. 2 Nr. 4 VwGO) greift nicht durch, weil sich der Verwaltungsgerichtshof in den angeführten Entscheidungen (U.v. 2.8.2007 - 1 BV 05.2105 - VGH n.F. 61, 27; U.v. 23.11.2010 - 1 BV 10.1332 - BauR 2011, 807) nicht mit der Frage befasst hat, ob die 26. BImSchV ausreichenden Schutz gegen elektromagnetische Felder gewährt, sondern ob die Gemeinden befugt sind, über das gesetzliche Schutzniveau hinaus eine dem Vorsorgegrundsatz verpflichtete Bauleitplanung zu betreiben.