Source: http://finanzielle-freiheit-passives-einkommen.eu/intransparente-investmentfonds/
Timestamp: 2020-03-31 13:07:19
Document Index: 357950592

Matched Legal Cases: ['§5', '§6', '§ 5', 'EuG', 'EuG', 'EuG', '§ 6']

Intransparente Investmentfonds - Finanzielle Freiheit
Auf Grund der Kommentare im Blog habe ich mich mit dem Thema Besteuerung von Intransparenten Investmentfonds beschäftigt. Dank meines Investments in den Global X SuperIncome Preferred ETF Fonds bin ich hiervon auch „betroffen“ …
Wann ist ein Investmentfonds intransparent?
Für die Besteuerung von Investmentfonds ist das Investmentsteuergesetz (InvStG) maßgeblich. Entsprechend §5 InvStG muss die jeweilige Fondsgesellschaft die für eine Besteuerung notwendigen Daten (z.B. Angabe der Ausschüttung, der erwirtschafteten Erträge, der ausgeschütteten Erträge, der thesaurierte Erträge, etc.) auf Basis des deutschen Steuerrechts ermitteln und in deutscher Sprache im elektronischen Bundesanzeiger veröffentlichen. Die Richtigkeit der Angaben ist von einem Steuerberater bzw. Wirtschaftsprüfer zu bestätigen.
Erfüllt ein (in- oder ausländischer) Investmentfonds nicht alle geforderten Publizitäts- und Bescheinigungspflichten, so wird dieser als sogenannter intransparenter Investmentfonds eingestuft. Dies hat eine pauschale Besteuerung zur Folge. Entsprechend §6 InvStG sind
70 Prozent des Wertzuwachses der sich aus dem ersten im Kalenderjahr festgesetzten Rücknahmepreis und dem letzten im Kalenderjahr festgesetzten Rücknahmepreis ergibt,
mindestens jedoch 6 Prozent des letzten im Kalenderjahr festgesetzten Rücknahmepreises
zu versteuern. Wird ein Rücknahmepreis nicht festgesetzt (Regelfall bei ETF), so tritt an seine Stelle der Börsen- oder Marktpreis.
Identifikation eines Intransparenten Investmentfonds
Der geneigte Leser wird sich sicherlich fragen, wie er die steuerliche Behandlung seines Fonds am besten herausbekommt. Ganz einfach über den Bundesanzeiger. Hier die ISIN / WKN eingeben und nach der „Bekanntmachung der Besteuerungsgrundlagen gemäß § 5 Abs. 1 InvStG“ Ausschau halten. Gefunden – super der Fonds wird „normal“ besteuert. Findet sich diese Bekanntmachung nicht bzw. sind überhaupt keine Veröffentlichungen vorhanden (wie beim Global X der Fall), ist der Fonds als intransparent einzustufen.
Momentan besitze ich 200 Anteile am Global X. Für den 2. Januar 2015 habe ich (ohne Gewähr) einen Kurs von 12,07 Euro an der Berliner Börse gefunden. Den Rücknahmepreis am Ende des Jahres 2015 setze ich mit 14,00 Euro an (Jahreshoch waren 13,96 Euro). Der Wertzuwachs in 2015 würde demzufolge 1,93 Euro je Anteil betragen. Dies führt je Anteil zu folgender Bemessungsgrundlage:
70 Prozent des Wertzuwachses sind 1,35 Euro
6 Prozent des Rücknahmepreise sind 0,84 Euro
Somit unterliegen je Fonds-Anteil 1,35 Euro der 25 prozentigen Abgeltungssteuer. Je Fonds-Anteil führt dies (ohne Soli) zu einer effektiven Steuerbelastung von 0,34 Euro. Bei meinen 200 Anteilen kommen dadurch 68 Euro an zu zahlender Steuer zusammen. Monatlich erhalte ich eine Netto Ausschüttung von rund 10 Euro. Auf Jahressicht ergeben sich hierdurch Einnahmen von 120 Euro. Die „Strafsteuer“ würde in meinem Beispielfall rund die Hälfte der Ausschüttungen aufbrauchen. Das ist natürlich alles andere als berauschend!
Im Oktober 2014 gab es einen ersten Lichtblick. Der Europäische Gerichtshof (EuGH-Urteil vom 9. Oktober 2014 (C-326/12) hat die bisherige Praxis der pauschalierten Besteuerung von intransparenten (ausländischen) Fonds für nicht zulässig erklärt. Sie verstoße gegen den vom EU-Recht garantierten Grundsatz des freien Kapitalverkehrs.
Im Februar diesen Jahres hat die deutsche Finanzverwaltung mit dem BMF-Schreibens vom 4.2.2015 (IV C 1 – S 1980-1/11/10014: 005) reagiert. Man schiebt den „schwarzen Peter“ einfach dem Steuerpflichtigen zu. Dieser könnte doch schließlich „selbst die entsprechenden Unterlagen oder Informationen beibringt, mit denen sich die tatsächliche Höhe seiner Einkünfte nachweisen lässt.“ Die nach Aufforderung durch das Finanzamt vorzulegenden Unterlagen sind getrennt nach Mindestangaben und Optionale Angaben im BMF Schreiben aufgeführt.
Im Einzelfall wird es sicherlich möglich – wenngleich nicht einfach sein, die gewünschten Unterlagen beizubringen. Insbesondere könnte es erforderlich sein einen Steuerberater / Wirtschaftsprüfer zu beauftragen, um die Richtigkeit der Angaben zu bescheinigen (erster Punkt der Mindestanforderungen) und das alles um (in meinem Beispielfall) 68 Euro Steuern zu sparen ?!
Wie immer ist das mit dem deutschen Steuerrecht so eine Sache. Dank des EuGH-Urteil und es hieraus resultierenden BMF-Schreibens hat der Anleger (zumindest theoretisch) die Möglichkeit der „Strafsteuer“ zu entgehen. Wem das zu viel Aufwand ist, der sollte bis zur zu einer gesetzlichen Umsetzung des EuGH-Urteils die Finger von solchen Fonds lassen.
Persönlich werde ich die Fondsanteile via Schenkung auf das Depot meiner Kinder übertragen. Dank bisher nicht ausgeschöpftem Freibetrag pressiert die Straffsteuer die nächsten Jahre nicht weiter und was der liebe Gesetzgeber (in ein paar Jahren) entscheidet kann ich (bzw. meine Kinder) so entspannt abwarten …
Wie (in)transparent sind Eure Fonds?
Bastian H. 4. Juni 2015
Ich war ja einer derjenigen, der nochmals explizit bezüglich der Besteuerung von intransparenten Fonds nachgefragt hat, – deshalb wollte ich mich auch nochmals ausdrücklich bedanken, dass du dir die Mühe gemacht hast, das Thema nochmals ausführlicher zu behandeln!
Lese deinen Blog sehr gerne – bitte weiter so!
Geldsack 4. Juni 2015
Hallo Bastian, danke für die Anregung / Idee zum Blogbeitrag!
Gruß und weiterhin viel Spaß beim Lesen
Stefan 1. August 2015
I was hit for intransparent funds in 2009 and 2010, I payed in excess of 23000€ to much in tax compared with the latest BMF schreibung tax requirements.
Question: Is the BMF schreibung rueckwirkend, can I claim the excessive over payment back for 2009 and 2010..
Geldsack 3. August 2015
the mentioned “BMF-Schreiben” is unfortunately only prospective. The question is whether you have lodged an objection against these 2009 and 2010 tax assessments or not. Or maybe the tax assessments regarding the topic has not achieved legal force. If so you could claim your money back.
Andy 29. April 2016
Soweit ich das verstehe gilt die das BMF Schreiben allerdings nicht für amerikanische ETFs, oder? Bei mir wurden von der Comdirect 4,300 Euro Steuern einbehalten bei einem gewinn von ca 8,500 Euro. Schon ein großer Brocken.
Geldsack 2. Mai 2016
mehr als 50 Prozent Steuern bei sonst nur 25 Prozent Kapitalertragssteuer ist schon echt heftig!
Unter Punkt 2 Veranlagung findet sich folgender Satz: „… wird bei Erträgen aus EU -/EWR -Investmentfonds von der pauschalen Ermittlung der steuerlichen Bemessungsgrundlage nach § 6 InvStG Abstand genommen.“ Somit sind m.E. amerikanische Fonds grundsätzlich nicht erfasst – es sei denn sie sind irgendwo in Europa via eigenem Tochterunternehmen präsent … genaueres kann Dir leider nur das FA oder Dein Steuerberater sagen
Andy 2. Mai 2016
Ja es ist eine Frechheit, werd auf jeden Fall ein Steuerberater einschalten. Das gibt mir Hoffnung: https://www.buhl.de/steuernsparen/urteil-viiir2712/
Geldsack 3. Mai 2016
Ich drück Dir die Daumen! Rückmeldungen von Deinem Steuerberater würden mich natürlich auch interessieren 😉
Stephan 26. Juli 2016
Ein sehr informativer Artikel, zumal viele, die sich erst gerade mit dem Thema Investmentfonds beschäftigen, dies garnicht wissen. Auf diese Weise kann man sich doch ausführlich informieren.