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Timestamp: 2016-10-25 22:40:53
Document Index: 183905011

Matched Legal Cases: ['Art. 191', 'Art. 191', 'Art. 191', 'BGE', 'BGE', 'Art. 191', 'Art. 277', 'BGE']

Art. 191 ch. 2 al. 2 CP, acte contraire � la pudeur commis sur un enfant. Commet un tel acte, celui qui porte � l'improviste la main sur les seins d'une adolescente inconnue. Faits � partir de page 88
A.- Am 15. Dezember 1976 vor 14 Uhr sprach S., der mit seinem Kastenwagen in jener Gegend umhergefahren war, im Buchbergwald auf der Strasse Diessenhofen-Unterschlatt die Sekundarsch�lerin B., geb. 1961, die ihr Fahrrad neben sich herstiess, an und griff ihr unvermittelt mit einer anz�glichen Bemerkung �ber der Windjacke an die Brust, worauf sie sich schreiend wehrte, das Fahrrad fallen liess und zum Langfurrihof floh.
B.- Das Obergericht des Kantons Thurgau verurteilte S. am 3. November 1977 wegen unz�chtiger Handlungen mit einem Kinde (Art. 191 Ziff. 2 Abs. 1 StGB) zu einer Gef�ngnisstrafe von 2 Monaten.
C.- Mit Nichtigkeitsbeschwerde beantragt S. R�ckweisung der Sache an das Obergericht zur Freisprechung.
2. Unter Berufung auf verschiedene Urteile des Kassationshofes und die Tatsache, dass heute das Geschlechtsleben allgemein mit weniger Pr�derie beurteilt wird als fr�her, macht der Beschwerdef�hrer geltend, sein Verhalten erf�lle nicht den Tatbestand von Art. 191 Ziff. 2 Abs. 1 StGB.
3. Es ist richtig, dass in der Beurteilung geschlechtlicher Verhaltensweisen ein gewisser Wandel im Sinne einer versachlichten und nat�rlichen Betrachtungsweise eingetreten ist (BGE 96 IV 70). Unz�chtig ist demgem�ss, was das durchschnittliche sittliche Empfinden der heutigen Wohnbev�lkerung der Schweiz in nicht leicht zu nehmender Weise verletzt.
BGE 104 IV 88 S. 89Wann das der Fall ist, h�ngt von den Umst�nden des Einzelfalles ab, beim Tatbestand des Art. 191 Ziff. 2 StGB insbesondere auch von den pers�nlichen Beziehungen der beteiligten Personen.
Nach den verbindlichen Feststellungen der Vorinstanz (Art. 277bis Abs. 1 BStP) trieb sich der Beschwerdef�hrer mit seinem Auto im Wald umher, weil er beabsichtigte, sich an einsamer Stelle unz�chtig an ein Schulm�dchen heranzumachen. Er hielt denn auch die ihm unbekannte B. unter einem Vorwand an und griff dem M�dchen �berraschend mit einem anz�glichen Ausspruch an die Brust. Das M�dchen empfand dies als unz�chtigen Angriff und rannte schreiend davon.
Die Handlung des Beschwerdef�hrers beruhte also ausschliesslich auf dem Wunsch nach sexueller Triebbefriedigung. Zwischen den beiden Personen bestand �berhaupt keine, geschweige denn eine auf gegenseitiger Zuneigung beruhende Beziehung; der Griff nach der Brust des M�dchens war weder eine gesteigerte Z�rtlichkeit zwischen Liebenden noch eine aus anderem Zusammenhang sich ergebende Ber�hrung, sondern ein �berraschungsangriff auf die Intimsph�re der Halbw�chsigen. Die Reaktion des M�dchens zeigt, dass es selbst diesen Angriff als keineswegs harmlos empfand.
Unter diesen Umst�nden hat die Vorinstanz den unz�chtigen Charakter der Handlung ohne Rechtsverletzung bejaht. Daran vermag nichts zu �ndern, dass der T�ter das M�dchen nur �ber der Windjacke anpackte und dieses sich weiteren Zudringlichkeiten durch sofortige Flucht entzog.
4. Ob das durchschnittliche sittliche Empfinden in nicht leicht zu nehmender Weise verletzt und eine Handlung daher als unz�chtig zu betrachten ist, h�ngt, wie oben ausgef�hrt, von den gesamten Umst�nden ab. Meist ist es von geringer Bedeutung, ob das Alter des Opfers nahe oder deutlich unter der Schutzgrenze von 16 Jahren liegt. Im vorliegenden Fall entlastet den Beschwerdef�hrer nicht, dass das M�dchen bereits 15 1/2 Jahre alt war, denn sein unsittlicher Angriff auf die unbekannte Sch�lerin war weder nach allgemeinem Empfinden noch nach der Wirkung auf das Opfer harmloser, als wenn er sich gegen ein wesentlich j�ngeres Kind gerichtet h�tte.
Auch der Hinweis auf die heute viel freiz�gigeren Darstellungen in Presse, Film usw. hilft dem Beschwerdef�hrer nichts. Es geht nicht darum, ob die Abbildung eines Mannes, der die BGE 104 IV 88 S. 90Brust einer Frau mit der Hand umfasst, unz�chtig ist, sondern ob der �berraschende Griff gegen die Br�ste einer halbw�chsigen Unbekannten, die sofort erschreckt die Flucht ergreift, als unz�chtig zu betrachten sei. Das ist zu bejahen. Die versachlichte W�rdigung geschlechtlicher Vorg�nge ist kein Freibrief f�r unsittliche Angriffe.