Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Gericht=BVerfG&Datum=10.11.1981&Aktenzeichen=1%20BvR%20894/78
Timestamp: 2019-12-16 04:24:09
Document Index: 284686226

Matched Legal Cases: ['Art. 3', 'Art. 6', '§ 1', 'Art. 6', 'Art. 6', 'Art. 6', 'Art. 6', 'Art. 6', 'Art. 6', 'Art. 6']

BVerfG, 10.11.1981 - 1 BvR 894/78 - dejure.org
https://dejure.org/1981,508
BVerfG, 10.11.1981 - 1 BvR 894/78 (https://dejure.org/1981,508)
BVerfG, Entscheidung vom 10.11.1981 - 1 BvR 894/78 (https://dejure.org/1981,508)
BVerfG, Entscheidung vom 10. November 1981 - 1 BvR 894/78 (https://dejure.org/1981,508)
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Zur Frage der Jugendwohlfahrtshilfe für Pflegegroßeltern
GG Art. 3 Abs. 1, Art. 6 Abs. 1; JWG § 1 Abs. 3
OVG Nordrhein-Westfalen, 20.12.1977 - VIII A 794/76
BVerfGE 59, 52
NVwZ 1982, 187
DVBl 1982, 255
Der Begriff der Familie i.S. des Art. 6 Abs. 1 GG umfasst nach der Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts die Gemeinschaft zwischen Eltern und Kindern (BVerfG, Beschlüsse vom 10. November 1981 1 BvR 894/78, BVerfGE 59, 52, 63 sowie vom 18. April 1989 2 BvR 1169/84, BVerfGE 80, 81, 90).
Dies gilt auch und gerade für die Beurteilung gesetzlicher Differenzierungen bei der Regelung von Sachverhalten; hier endet der Spielraum des Gesetzgebers erst dort, wo die ungleiche Behandlung der geregelten Sachverhalte nicht mehr mit einer am Gerechtigkeitsgedanken orientierten Betrachtungsweise vereinbar ist, wo also ein sachlich vertretbarer Grund für die gesetzliche Differenzierung fehlt (vgl. BVerfGE 55, 72 ; 59, 52 ; 65, 141 ; 83, 1 ).
Als Schutzobjekt im Sinne von Art. 6 GG hat die Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts dabei nur die in der Hausgemeinschaft geeinte engere Familie zwischen Eltern und Kindern verstanden (vgl. BVerfG, Beschluss vom 10. November 1981 - 1 BvR 894/78 -, BVerfGE 59, 52, 63; Beschluss vom 31. Mai 1978 - 1 BvR 683/77-, BVerfGE 48, 327, 329), der jedoch nicht den Schutz der Generationen-/Großfamilie umfasst.
Dies gilt nicht nur, wenn der Gesetzgeber mehrere Personengruppen ohne sachlichen Grund verschieden behandelt, sondern auch dann, wenn die Gerichte im Wege der Auslegung gesetzlicher Vorschriften zu einer solchen, dem Gesetzgeber verwehrten Differenzierung gelangen (BVerfGE 58, 369 [374]; 59, 52 [59]).
Der Schutz der Familie nach Art. 6 Abs. 1 GG bezieht sich nur auf das Verhältnis zwischen den Eltern und ihren Kindern (BVerfGE 48, 327 [339]; Beschluß vom 10. November 1931 - 1 BvR 894/78 - NVwZ 1982, 187 [188]).
Aus der Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts folge jedoch, dass ein solcher weitergehender Familienbegriff nicht vom Schutzbereich des Art. 6 Abs. 1 GG umfasst werde (vgl. Beschluss vom 10.11.1981, 1 BvR 894/78, BVerfGE 59, 52).
Art. 6 Abs. 1 GG steht einer solchen Erweiterung zwar nicht entgegen (…siehe Jarass-Pieroth a.a.O. m.w.N.); ein solcher weitergehender privatrechtlicher Familienbegriff unterfällt jedoch nicht mehr dem Schutzbereich der Vorschrift (siehe BVerfG, Beschluss vom 10.11.1981 - 1 BvR 894/78 -, E 59, 63).
Familie im Sinne der genannten Vorschrift ist nämlich nur die Gemeinschaft zwischen Eltern und Kindern (vgl. BVerfGE 59, 52, 63 = NVwZ 1982, 187; BVerfGE 80, 81, 90 = NJW 1989, 2195); ein weiter gehender Familienbegriff wird hingegen in weiten Teilen der Literatur vertreten, vgl. Uhle in BeckOK, GG, Stand 1.7.2012, Art. 6, Rdnr. 14 mit zahlreichen weiteren Nachweisen).
Die Begrenzung des Schutzbereichs des Art. 6 Abs. 1 GG auf die Gemeinschaft zwischen Eltern und Kindern hindert den Gesetzgeber allerdings nicht, den Familienbegriff in anderen Zusammenhängen zu erweitern und daraus Folgerungen herzuleiten (vgl. BVerfGE 59, 62, 63 = NVwZ 1982, 187).