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Timestamp: 2016-10-24 15:59:02
Document Index: 216213349

Matched Legal Cases: ['Art. 66', 'Art. 277', 'Art. 271', 'Art. 277', 'Art. 33', 'Art. 32', 'Art. 32', 'Art. 125', 'Art. 125', 'Art. 26', 'Art. 6', 'Art. 33', 'Art. 18', 'Art. 18', 'BGE', 'BGE', 'Art. 33', 'Art. 6', 'Art. 6', 'Art. 32', 'Art. 4', 'Art. 4', 'BGE', 'Art. 4', 'BGE', 'Art. 26', 'Art. 26', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'Art. 4', 'Art. 26', 'Art. 26', 'BGE', 'BGE', 'Art. 62', 'Art. 277']

X.________, Beschwerdef�hrerin, vertreten durch F�rsprecher Andreas Maurer, Kapellenstrasse 24, Bern,
Generalprokurator des Kantons B e r n ,Y.________, Beschwerdegegner, vertreten durch F�rsprecher Sven Sievi, Hotelgasse 1, Bern,
fahrl�ssige einfache K�rperverletzung; Schadenersatz und
Genugtuung; (eidgen�ssische Nichtigkeitsbeschwerde gegen das Urteil des Obergerichts des Kantons Bern, 2. Strafkammer, vom 11. September 2001), hat sich ergeben:
A.- Y.________ ging am 14.10.1999 um 12.05 Uhr zu Fuss in Gr�nen/BE von der Abzweigung Hofacker her kommend auf dem rechten Trottoir die Bahnhofstrasse abw�rts. Unvermittelt und ohne nach links zu blicken betrat er die Hauptstrasse Sumiswald-Gr�nen im Bereich des Fussg�ngerstreifens. Anzeichen f�r eine solche Absicht bestanden keine. Als er auf die Strasse trat, fuhr X.________ die Bahnhofstrasse mit einer Geschwindigkeit von 35-50 km/h hinunter und befand sich ungef�hr 10-22 m vor dem Fussg�ngerstreifen. Obwohl sie sofort die Vollbremsung einleitete, konnte sie eine Kollision mit Y.________ nicht mehr verhindern und kam mit den Hinterr�dern auf dem Fussg�ngerstreifen zum Stillstand.
X.________ hatte auf ihrer Fahrt den eilenden Y.________ erstmals ca. 46-74 m vor dem Fussg�ngerstreifen erblickt, als er sich etwa 2-3 m unterhalb der Querstrasse Hofackerstrasse befand, war aber weitergefahren, ohne ihre Geschwindigkeit zu reduzieren und besondere Bremsbereitschaft zu erstellen. Y.________ erlitt beim Zusammenstoss Verletzungen am R�cken, am linken Fuss und am rechten Sprunggelenk (angefochtenes Urteil, S. 6, 9).
B.- Der Gerichtspr�sident 1 des Gerichtskreises VI Signau-Trachselwald sprach Y.________ am 15. Mai 2001 des unvorsichtigen Betretens des Fussg�ngerstreifens schuldig, nahm aber gem�ss Art. 66bis StGB von einer Strafe Umgang.
Mit selbem Urteil verurteilte der Gerichtspr�sident X.________ wegen "einfacher fahrl�ssiger K�rperverletzung" zu einer Busse von 300 Franken. Das Gericht hiess ferner die Privatklage von Y.________ dem Grundsatze nach gut und stellte fest, dass dem Privatkl�ger unter Vorbehalt eines Mitverschuldens ein Entsch�digungsanspruch zustehe f�r eine Genugtuungssumme, "sowie allf�llige Erh�hung und zus�tzliche Geltendmachung von Schadenersatz bis zwei Jahre nach Urteil".
Das Obergericht des Kantons Bern, 2. Strafkammer, best�tigte das angefochtene Urteil am 11. September 2001 im Schuld-, Straf- und Zivilpunkt.
C.- X.________ f�hrt eidgen�ssische Nichtigkeitsbeschwerde mit dem Antrag, das Urteil des Obergerichts des Kantons Bern vom 11. September 2001 aufzuheben und die Sache zu ihrer Freisprechung und zur Abweisung der Zivilklage an die Vorinstanz zur�ckzuweisen.
1.- Die eidgen�ssische Nichtigkeitsbeschwerde in Strafsachen ist kassatorischer Natur (Art. 277ter Abs. 1 BStP).
Soweit die Beschwerdef�hrerin mehr als die Aufhebung des angefochtenen Urteils verlangt, ist auf die Beschwerde nicht einzutreten.
Die Beschwerdef�hrerin ficht das angefochtene Urteil sowohl im Straf- als auch im Zivilpunkt an. Die Nichtigkeitsbeschwerde im Zivilpunkt ist deshalb zul�ssig (Art. 271 Abs. 2 BStP). Auf sie ist einzutreten, da die Beschwerde im Strafpunkt gutzuheissen ist und die abweichende Beurteilung auch f�r die Entscheidung im Zivilpunkt Bedeutung haben kann (Art. 277quater Abs. 2 BStP).
2.- Die Beschwerdef�hrerin wendet sich gegen ihre Verurteilung wegen fahrl�ssiger einfacher K�rperverletzung. Sie bringt vor, die Vorinstanz habe durch falsche Anwendung von Bundesrecht, insbesondere von Bestimmungen aus dem Strassenverkehrsrecht, eine fahrl�ssige K�rperverletzung bejaht.
a) Die Vorinstanz f�hrt aus, es sei nicht strittig, dass die von Y.________ beim Verkehrsunfall erlittenen Verletzungen strafrechtlich als einfache K�rperverletzung zu qualifizieren seien. Der Verletzte habe auch rechtzeitig Strafantrag gestellt.
Mit der ersten Instanz sei davon auszugehen, dass X.________ das Vortrittsrecht des Fussg�ngers nicht missachtet habe. Denn Y.________ sei f�r sie v�llig �berraschend und ohne auf den von hinten kommenden Strassenverkehr zu achten auf die Fahrbahn im Bereich des Fussg�ngerstreifens getreten. Es sei X.________ in diesem Augenblick nicht mehr m�glich gewesen, vor dem Fussg�ngerstreifen anzuhalten, weshalb sie grunds�tzlich auch nicht mehr zur Gew�hrung des Vortritts verpflichtet gewesen sei.
Die Vorinstanz nimmt jedoch an, X.________ sei gleichwohl verpflichtet gewesen, ihre Geschwindigkeit rechtzeitig herabzusetzen und Bremsbereitschaft zu erstellen. Sie habe Y.________ 7-8 m vor dem Fussg�ngerstreifen, also w�hrend fast 4 s bevor er den Streifen erreicht habe, in schnellem Schritt auf dem Trottoir parallel zu ihrer Fahrtrichtung (ihrer Meinung nach) in Richtung Bahnhof eilen sehen. Es h�tten sich keine anderen Autos oder Fussg�nger in der N�he befunden. Auf der linken Strassenseite in der Verl�ngerung des Fussg�ngerstreifens f�hre ein Weg mit Treppen hinunter nach Gr�nen. Gem�ss den Angaben des Zeugen R.________ sei dies ein gef�hrlicher Ort. Als Autofahrer achte er deshalb immer darauf, dass nicht unerwartet Fussg�nger die Treppe hinauf auf den Fussg�ngerstreifen treten w�rden. Dies umso mehr, als dieser Weg oft von Sch�lern benutzt werde. Die Vorinstanz erw�gt dazu, die ortskundige Beschwerdef�hrerin habe diese Gefahrenmomente gekannt. Sie h�tte deshalb dem Umstand besonders Rechnung tragen m�ssen, dass von links auf dem Fussweg von Gr�nen sp�t sichtbar Fussg�nger auftauchen k�nnten, welche den Fussg�ngerstreifen �berqueren wollten, und nebst der Vermutung, Y.________ wolle zum Bahnhof, auch ein �berqueren der Strasse durch diesen beim nahen Fussg�ngerstreifen in Betracht ziehen sollen. Vor dem Fussg�ngerstreifen h�tte sie deshalb gem�ss Art. 33 Abs. 2 SVG besonders vorsichtig fahren m�ssen (angefochtenes Urteil, S. 12 f.).
Die Beschwerdef�hrerin habe nach eigenen Angaben trotz dem sich vor ihr befindenden Fussg�ngerstreifen und dem auf dem Trottoir in auff�lliger Eile - sie habe vermutet, er wolle noch einen Zug erreichen - nicht abgebremst und sei "normal" weitergefahren. "Gerade" der von ihr bemerkte auffallend schnelle Gang von Y.________ und der nahe Fussg�ngerstreifen mit dem daran anschliessenden un�bersichtlichen Beginn des Fussweges nach Gr�nen h�tte sie zu besonderer Vorsicht veranlassen m�ssen. Sie habe in diesem Zeitpunkt nicht annehmen d�rfen, der Fussg�nger werde den Fussg�ngerstreifen nicht ben�tzen wollen. Deshalb h�tte sie ihre Geschwindigkeit "m�ssigen" m�ssen, um Y.________, sollte er am Rand des Fussg�ngerstreifens anhalten, den Vortritt gew�hren zu k�nnen. Indem sie unver�ndert weitergefahren sei, habe sie die Geschwindigkeit nicht den Umst�nden angepasst und damit gegen Art. 32 Abs. 1 SVG verstossen.
Daran �ndere der Vertrauensgrundsatz nichts, da im beurteilten Fall "die die Sorgfaltspflicht konkret umschreibenden Art. 32 Abs. 1 und 33 Abs. 2 SVG anzuwenden" seien.
X.________ h�tte denn auch nicht eine "pr�ventive Vollbremsung durchf�hren sondern einzig vorsichtiger fahren m�ssen (Reduktion der Geschwindigkeit und Erstellen der Bremsbereitschaft)".
F�r X.________ sei nach dem gew�hnlichen Lauf der Dinge voraussehbar gewesen, "dass bei einem �berraschenden Fehlverhalten von Y.________ - d.h. sollte dieser �berraschend doch noch auf den Fussg�ngerstreifen treten - oder bei einem unverwarteten Auftauchen von Fussg�ngern vom Fussweg Richtung Gr�nen (links vom Fussg�ngerstreifen) nicht mehr rechtzeitig h�tte anhalten und eine Kollision vermeiden bzw. eine K�rperverletzung h�tte verursachen k�nnen". "Jedenfalls" lasse sich nicht sagen, das Betreten des Fussg�ngerstreifens durch Y.________ sei so aussergew�hnlich gewesen, dass damit schlechterdings nicht h�tte gerechnet werden k�nnen. Der eingetretene Erfolg h�tte zudem mit h�chster Wahrscheinlichkeit verhindert werden k�nnen, wenn die Beschwerdef�hrerin beim Erblicken des Fussg�ngers Bremsbereitschaft erstellt und ihre Geschwindigkeit auch nur leicht reduziert h�tte. Nach ihren Aussagen habe sie den Fussg�nger erstmals erblickt, als dieser 7 bis 8 Meter vom Streifen entfernt gewesen sei. Fest stehe, dass die fragliche Stelle aus der Fahrtrichtung der Beschwerdef�hrerin erst aus einer Entfernung von etwa 60 bis 70 m einsehbar sei. F�r eine Wegstrecke von 7-8 m ben�tige ein eilig gehender Fussg�nger ca. 4 s. In dieser Zeitspanne lege ein Personenwagen bei einer Geschwindigkeit von 35 km/h rund 38 m und bei 50 km/h rund 55 m zur�ck. Diese Zahlen w�rden eindeutig f�r eine "Ann�herungsgeschwindigkeit" der Beschwerdef�hrerin "im oberen Bereich der Annahme der Vorinstanz (35-50 km/h)" sprechen. Auch wenn sich die gefahrene Geschwindigkeit und die massgebenden Distanzen nicht genau feststellen liessen, sei angesichts des Unfallbildes anzunehmen, dass die Kollision bei einem 8 m k�rzeren Anhalteweg h�tte vermieden werden k�nnen. Dieser Bremsweg lasse sich rechnerisch bereits einsparen, wenn (unter Annahme einer Verz�gerung von 6 m/sec2) eine Vollbremsung statt aus 50 km/h ohne Bremsbereitschaft (Anhaltestrecke knapp 29 Meter) aus 45 km/h mit erstellter Bremsbereitschaft (Anhaltestrecke gut 20 m) erfolgt w�re (angefochtenes Urteil, S. 12-15).
Zusammenfassend nimmt die Vorinstanz an, X.________ habe den Tatbestand der fahrl�ssigen einfachen K�rperverletzung gem�ss Art. 125 Abs. 1 StGB sowohl subjektiv als auch objektiv erf�llt.
b) Die Beschwerdef�hrerin macht eine Verletzung der Art. 125 Abs. 1 und 18 Abs. 3 StGB, Art. 26 Abs. 2, 32 Abs. 1 und 33 Abs. 2 SVG sowie des Art. 6 VRV geltend. Sie wendet ein, die Vorinstanz habe festgestellt, dass sie mangels auch nur geringster Anzeichen nicht damit habe rechnen m�ssen, der Beschwerdegegner k�nnte unvermittelt auf den Fussg�ngerstreifen treten. Vielmehr habe sie angesichts der Tageszeit, des geringen Verkehrsaufkommens, der �bersichtlichen Strecke und der Tatsache, dass sich der erwachsene Fussg�nger parallel zur Fahrbahn fortbewegt habe, auf dessen verkehrsregelkonformes Verhalten vertrauen d�rfen. Die Auffassung der Vorinstanz bedeute nichts anderes, als dass im Bereich von Fussg�ngerstreifen ungeachtet der konkreten Verh�ltnisse immer mit klar regelwidrigen Verhalten selbst erwachsener Fussg�nger gerechnet werden m�sse und dort deshalb zwingend mit reduzierter Geschwindigkeit zu fahren sei. Die Pflicht zu besonders vorsichtiger Fahrweise gem�ss Art. 33 Abs. 2 SVG beziehe sich jedoch nicht auf jedes m�gliche Fehlverhalten eines Fussg�ngers, sondern einzig auf die Pflicht, n�tigenfalls anzuhalten, um den Fussg�ngern den Vortritt zu lassen, die sich schon auf dem Fussg�ngerstreifen bef�nden oder im Begriffe seien, ihn zu �berqueren. Wollte man der Auffassung der Vorinstanz folgen, w�rde der Vertrauensgrundsatz im Bereich von Fussg�ngerstreifen nicht mehr gelten. Die Vorinstanz habe zu Unrecht eine Verletzung der Verkehrsregeln und damit eine Sorgfaltspflichtverletzung bejaht (Beschwerde, S. 6-11).
3.- a) Fahrl�ssig begeht der T�ter ein Verbrechen oder Vergehen, wenn die Tat darauf zur�ckzuf�hren ist, dass er die Folgen seines Verhaltens aus pflichtwidriger Unvorsichtigkeit nicht bedacht oder darauf nicht R�cksicht genommen hat (Art. 18 Abs. 3 Satz 1 StGB). Ein Schuldspruch wegen eines Fahrl�ssigkeitsdelikts setzt somit voraus, dass der T�ter den Erfolg durch Verletzung einer Sorgfaltspflicht verursacht hat. Sorgfaltswidrig ist die Handlungsweise, wenn der T�ter zum Zeitpunkt der Tat auf Grund der Umst�nde sowie seiner Kenntnisse und F�higkeiten die damit bewirkte Gef�hrdung der Rechtsg�ter des Opfers h�tte erkennen k�nnen und m�ssen und wenn er zugleich die Grenzen des erlaubten Risikos �berschritten hat (Art. 18 Abs. 3 Satz 2 StGB). Wo besondere Normen ein bestimmtes Verhalten gebieten, bestimmt sich das Mass der dabei zu beachtenden Sorgfalt in erster Linie nach diesen Vorschriften. Fehlen solche, kann auf analoge Regeln privater oder halbprivater Vereinigungen abgestellt werden, sofern diese allgemein anerkannt sind.
Das schliesst nicht aus, dass der Vorwurf der Fahrl�ssigkeit auch auf allgemeine Rechtsgrunds�tze wie etwa den allgemeinen Gefahrensatz gest�tzt werden kann (BGE 127 IV 62 E. 2d S. 64 f. mit Verweisungen).
Erkennbar bzw. voraussehbar ist die Gefahr des Erfolgseintritts f�r den T�ter, wenn sein Verhalten geeignet ist, nach dem gew�hnlichen Lauf der Dinge und den Erfahrungen des Lebens einen Erfolg wie den eingetretenen herbeizuf�hren oder mindestens zu beg�nstigen. Dabei gen�gt es, wenn der T�ter in groben Z�gen den zum Erfolg f�hrenden Kausalverlauf als Folge seines pflichtwidrigen Verhaltens voraussehen konnte. Die Voraussehbarkeit ist zu verneinen, wenn ganz aussergew�hnliche Umst�nde, wie das Mitverschulden eines Dritten oder Material- und Konstruktionsfehler, als Mitursachen hinzutreten, mit denen schlechthin nicht gerechnet werden musste und die derart schwer wiegen, dass sie als wahrscheinlichste und unmittelbarste Ursache des Erfolges erscheinen und so alle anderen mitverursachenden Faktoren - namentlich das Verhalten des Angeschuldigten - in den Hintergrund dr�ngen. Damit der Eintritt des Erfolgs auf das pflichtwidrige Verhalten des T�ters zur�ckzuf�hren ist, muss neben der Voraussehbarkeit auch das Erfordernis der Vermeidbarkeit gegeben sein. Dabei ist zu pr�fen, ob der Erfolg bei pflichtgem�ssem Verhalten des T�ters mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit ausgeblieben w�re (BGE 121 IV 286 E. 3 mit Hinweisen).
b) Der Umfang der Sorgfalt, welche die Beschwerdef�hrerin zu beachten hatte, richtet sich nach den Bestimmungen des Strassenverkehrsgesetzes vom 19. Dezember 1958 (SVG; SR 741. 01) und der Verkehrsregelverordnung vom 13. November 1962 (VRV; SR 741. 11).
aa) Nach Art. 33 Abs. 1 und 2 SVG ist den Fussg�ngern das �berqueren der Fahrbahn in angemessener Weise zu erm�glichen und hat der Fahrzeugf�hrer vor Fussg�ngerstreifen besonders vorsichtig zu fahren und n�tigenfalls anzuhalten, um den Fussg�ngern den Vortritt zu lassen, die sich schon auf dem Streifen befinden oder im Begriffe sind, ihn zu betreten. Diese Regelung wird durch Art. 6 Abs. 1 VRV konkretisiert, wonach der Fahrzeugf�hrer vor Fussg�ngerstreifen ohne Verkehrsregelung jedem Fussg�nger den Vortritt gew�hren muss, der sich bereits auf dem Streifen befindet oder davor wartet und ersichtlich die Fahrbahn �berqueren will. Er muss die Geschwindigkeit rechtzeitig m�ssigen und n�tigenfalls anhalten, damit er dieser Pflicht nachkommen kann.
Art. 6 Abs. 1 VRV verweist damit auf die nach den Umst�nden angemessene Geschwindigkeit. Gem�ss Art. 32 Abs. 1 SVG ist die Geschwindigkeit stets den Umst�nden anzupassen, namentlich den Besonderheiten von Fahrzeug und Ladung, sowie den Strassen-, Verkehrs- und Sichtverh�ltnissen. Art. 4 Abs. 3 VRV verdeutlicht, dass der Fahrzeugf�hrer die Geschwindigkeit m�ssigen und n�tigenfalls halten muss, wenn Kinder im Strassenbereich nicht auf den Verkehr achten. Nach der Rechtsprechung darf die in Ortschaften zul�ssige allgemeine H�chstgeschwindigkeit (Art. 4a Abs. 1 VRV) nur bei g�nstigen Verh�ltnissen ausgefahren werden. Deshalb richtet in der Regel seine Geschwindigkeit nicht nach den Umst�nden, wer innerorts mit 50 km/h an einem nahe der Strasse gelegenen Kindergarten zu einer Zeit, wo sich dort Kinder befinden, vorbeif�hrt (BGE 121 IV 286 E. 4b; 121 II 127 E. 4a). Auf der anderen Seite darf der Fahrzeuglenker nicht ohne zwingende Gr�nde so langsam fahren, dass er einen gleichm�ssigen Verkehrsfluss hindert (Art. 4 Abs. 5 VRV).
bb) Das Mass der Sorgfalt, die vom Fahrzeuglenker verlangt wird, richtet sich nach den gesamten Umst�nden, namentlich der Verkehrsdichte, den �rtlichen Verh�ltnissen, der Zeit, der Sicht und den voraussehbaren Gefahrenquellen (BGE 122 IV 225 E. 2b S. 228). Nach dem aus der Grundregel von Art. 26 Abs. 1 SVG abgeleiteten Vertrauensgrundsatz darf jeder Strassenben�tzer darauf vertrauen, dass sich die anderen Verkehrsteilnehmer ordnungsgem�ss verhalten. Ein solches Vertrauen ist jedoch nicht gerechtfertigt, wenn Anzeichen daf�r bestehen, dass sich ein Strassenben�tzer nicht richtig verhalten wird oder wenn ein Fehlverhalten eines anderen Verkehrsteilnehmers auf Grund einer unklaren Verkehrssituation nach der allgemeinen Erfahrung unmittelbar in die N�he r�ckt. Das wird von Art. 26 Abs. 2 SVG dahingehend umschrieben, dass besondere Vorsicht geboten ist gegen�ber Kindern, Gebrechlichen und alten Leuten, sowie wenn Anzeichen daf�r bestehen, dass sich ein Strassenben�tzer nicht richtig verhalten wird (BGE 125 IV 83 E. 2b S. 87 f.; Urteil des Bundesgerichts 6S.120/1998 vom 3.4.1998 E. 2b, ver�ffentlicht in Pra, 1998 125 692). Die gegen�ber den erw�hnten Personen vorgeschriebene besondere Vorsicht bedeutet, dass eine Berufung auf das Vertrauensprinzip grunds�tzlich selbst dann versagt, wenn keine konkreten Anzeichen vorliegen, dass sich Kinder, Gebrechliche oder alte Personen unkorrekt verhalten w�rden (BGE 104 IV 28 E. 3c; Raphael von Werra, Du principe de la confiance dans le droit de la circulation routi�re ..., ZWR 4/1970, S. 200). Gegen�ber den im Gesetz aufgez�hlten Personen bedarf es umgekehrt besonderer Umst�nde, um ein allenfalls begrenztes Vertrauen in das ordnungsgem�sse Verhalten dieser Strassenben�tzer zu rechtfertigen (BGE 115 IV 239 mit Verweis auf Schaffhauser, Grundriss des Schweizerischen Strassenverkehrsrechts, Band I, S. 118, N 314). Die Pflicht zu besonderer Vorsicht auch ohne konkrete Anzeichen eines Fehlverhaltens geht nicht so weit, dass der F�hrer beispielsweise beim Anblick eines Kindes in jedem Fall seine Fahrt verlangsamen und Hupsignale geben m�sste; dies ist jedoch innerorts unter anderem geboten, wenn das Kind sich auf der Fahrbahn oder am Strassenrand befindet, nicht aber wo es auf dem Trottoir ruhig seines Weges geht (BGE 115 IV 239; 112 IV 87).
4.- a) Wie die Vorinstanz zutreffend erkennt, verletzte die Beschwerdef�hrerin das Vortrittsrecht des Beschwerdegegners als Fussg�nger nicht, da dieser den Streifen �berraschend und zu einem Zeitpunkt betrat, als es der Beschwerdef�hrerin bei der von ihr gefahrenen Geschwindigkeit nicht mehr m�glich war, ihr Fahrzeug rechtzeitig anzuhalten (rund 20 m vor Kollisionsstelle bei einer Geschwindigkeit von gegen 50 km/h). Es lagen zum Zeitpunkt, als die Beschwerdef�hrerin den Fussg�nger zum ersten Mal erblickte (46-74 m vor der Kollisionsstelle), auch keine konkreten Anzeichen oder zuverl�ssigen Anhaltspunkte f�r ein �berraschendes Betreten des Streifens, mithin f�r ein schweres Fehlverhalten des Beschwerdegegners vor (vgl. 118 IV 277 E. 4a; 115 II 283 E. 1b, 95 II 184 E. 4b); denn der Umstand, dass der Beschwerdegegner mit raschen Schritten parallel zur Fahrbahn die Bahnhofstrasse hinunterging, wies nicht auf seine Absicht hin, die Fahrbahn auf dem 7-8 m entfernten Fussg�ngerstreifen zu �berqueren. Die Beschwerdef�hrerin war daher nicht verpflichtet, bereits 46-74 m vor der Kollisionsstelle eine Vollbremsung einzuleiten oder ihre Geschwindigkeit deutlich zu reduzieren.
Zu pr�fen ist indes, ob die Beschwerdef�hrerin mit unangemessener Geschwindigkeit fuhr. Von der Beschwerdef�hrerin wird nicht in Frage gestellt, dass sie bei einer tieferen Geschwindigkeit von nicht mehr als 45 km/h und erstellter Bremsbereitschaft die Verletzung des Fussg�ngers h�tte vermeiden k�nnen. Darauf ist hier nicht mehr zur�ckzukommen.
b) Nach den tats�chlichen Feststellungen der Vorinstanz fuhr die Beschwerdef�hrerin mit einer Geschwindigkeit "im oberen Bereich der Annahme der Vorinstanz (35-50 km/h)", also mit gegen 50 km/h auf den Fussg�ngerstreifen zu. Diese Geschwindigkeit h�lt sich im Rahmen der in Ortschaften zul�ssigen allgemeinen H�chstgeschwindigkeit (Art. 4a Abs. 1 lit. a VRV). Fraglich ist damit nur, ob die Beschwerdef�hrerin diese H�chstgeschwindigkeit angesichts der konkreten Umst�nden ausfahren durfte. Das h�ngt insbesondere davon ab, ob das Fehlverhalten des Fussg�ngers f�r die Beschwerdef�hrerin vorhersehbar war.
Die Beschwerdef�hrerin erblickte Y.________ erstmals 7-8 m vor dem Fussg�ngerstreifen, also fast 4 s bevor er den Streifen erreicht hatte, eiligen Schrittes auf dem Trottoir parallel zu ihrer Fahrtrichtung (ihrer Meinung nach) in Richtung Bahnhof gehen. Wie die Vorinstanz weiter feststellt, trat Y.________ unversehens und ohne auf den von hinten kommenden Strassenverkehr zu achten auf die Fahrbahn im Bereich des Fussg�ngerstreifens. Anzeichen f�r seine Absicht, die Strasse zu �berqueren, bestanden keine. Der Fussg�nger verhielt sich damit klar verkehrsregelwidrig. Die Vorinstanz leitet die Pflicht der Beschwerdef�hrerin, ihre Geschwindigkeit auf 45 km/h oder weniger herabzusetzen und besondere Bremsbereitschaft zu erstellen aus dem Umstand, dass der Fussg�nger eilig voranschritt, keine anderen Autos oder Fussg�nger in der N�he waren und auf der linken Strassenseite in der Verl�ngerung des Fussg�ngerstreifens ein Weg mit Treppen hinunter nach Gr�nen f�hrte. Sie nimmt an, die Beschwerdef�hrerin h�tte deshalb nicht nur in Betracht ziehen m�ssen, dass der Fussg�nger die Strasse auf dem Fussg�ngerstreifen �berqueren wollte, sondern auch dem Umstand Rechnung tragen sollen, dass von links auf dem Fussweg von Gr�nen sp�t sichtbar Fussg�nger auftauchen k�nnten, welche den Fussg�ngerstreifen �berqueren wollten. Damit stellt die Vorinstanz teilweise auf unbeachtliche Faktoren ab und �berspannt im �brigen die zumutbaren Sorgfaltsanforderungen.
Der Unfall geschah mittags um 12.05 h bei guten Witterungs- und Sichtverh�ltnissen. Die Verkehrslage war ruhig. Es befanden sich ausser dem Beschwerdegegner keine weiteren Fussg�nger in Sichtweite. Beim Beschwerdegegner handelt es sich um einen erwachsenen Mann, dem gegen�ber keine besondere Vorsicht geboten war (vgl. Art. 26 Abs. 2 SVG). Es lagen ferner keine konkreten oder zuverl�ssigen Anzeichen f�r sein Fehlverhalten bzw. darauf hinweisende Umst�nde vor. Allein die Tatsache, dass der Fussg�nger eiligen Schrittes unterwegs war, h�tte die Beschwerdef�hrerin nicht dazu veranlassen m�ssen, sich vorausblickend in ihrem Fahrverhalten darauf einzustellen, dass er unvermittelt auf den Fussg�ngerstreifen treten k�nnte, bevor sie ihn passiert hatte. Die bloss entfernte M�glichkeit eines k�nftigen Fehlverhaltens rechtfertigt die Annahme eines konkreten Anzeichens gem�ss Art. 26 Abs. 2 SVG nicht (BGE 106 IV 393, 103 IV 259). Auf Grund der ausgesprochen ruhigen Verkehrslage durfte die Beschwerdef�hrerin vielmehr darauf vertrauen, dass der Fussg�nger ihr herannahendes Fahrzeug h�ren und sich entsprechend vorsehen w�rde. Das gilt umso mehr, als der Fussg�nger noch 7-8 m vom Fussg�ngerstreifen entfernt war, als die Beschwerdef�hrerin aus einer Distanz von 46-74 m herannahte. Wie es sich verhielte, wenn er zu jenem Zeitpunkt dem Fussg�ngerstreifen bereits nahe gewesen w�re, braucht hier nicht entschieden zu werden.
Schliesslich war die Situation mit dem von links einm�ndenden Fussweg nicht derart un�bersichtlich, dass sich bereits deshalb eine Tempoherabsetzung aufgedr�ngt h�tte (vgl. die Fotos bei den Akten, act. 129). Aus der Topographie des fraglichen Streckenabschnitts und dem ruhigen Verkehrsaufkommen k�nnen deshalb keine erh�hten Sorgfaltsgebote abgeleitet werden.
Die hier gegebenen Umst�nde unterscheiden sich damit ganz wesentlich von den in BGE 121 IV 286 beurteilten.
Sie erlaubten es der Beschwerdef�hrerin, ohne Verkehrsregeln zu verletzen mit unverminderter Geschwindigkeit und mit durchschnittlicher Bremsbereitschaft auf den Fussg�ngerstreifen zuzufahren. Sie musste nach dem erw�hnten Vertrauensgrundsatz nicht mit dem schweren Fehlverhalten des erwachsenen Fussg�ngers rechnen. Indem die Vorinstanz eine von der Beschwerdef�hrerin begangene Sorgfaltspflichtverletzung bejahte, hat sie Bundesrecht verletzt. Die Beschwerde ist begr�ndet.
Mit der Gutheissung der Beschwerde im Strafpunkt er�brigt es sich, auf die Vorbringen der Verletzung von Art. 62 Abs. 1 und 59 Abs. 1 SVG betreffend den Zivilpunkt einzugehen. Die Zivilsache ist mit der Strafsache zu neuer Entscheidung an die Vorinstanz zur�ckzuweisen (Art. 277quater Abs. 2 BStP).
5.- Die eidgen�ssische Nichtigkeitsbeschwerde ist deshalb gutzuheissen, soweit darauf einzutreten ist. Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind keine Kosten zu erheben und ist der Beschwerdef�hrerin eine Entsch�digung aus der Bundesgerichtskasse zuzusprechen.
Das Bundesgericht hat das Gesuch des Beschwerdegegners Y.________ um Bewilligung der unentgeltlichen Prozessf�hrung und Verbeist�ndung mit Beschluss vom 30. April 2002 gutgeheissen. Dem Vertreter des Beschwerdegegners, F�rsprecher Sven Svieri, wird f�r das bundesgerichtliche Verfahren eine Entsch�digung von Fr. 2'500.-- aus der Bundesgerichtskasse ausgerichtet.
1.- Die eidgen�ssische Nichtigkeitsbeschwerde wird gutgeheissen, soweit darauf einzutreten ist, das Urteil des Obergerichts des Kantons Bern, 2. Strafkammer, vom 11. September 2001 aufgehoben und die Sache zu neuer Entscheidung an die Vorinstanz zur�ckgewiesen.
3.- Der Beschwerdef�hrerin wird f�r das Verfahren der eidgen�ssischen Nichtigkeitsbeschwerde eine Entsch�digung von Fr. 2'500.-- aus der Bundesgerichtskasse zugesprochen.
4.- Dem Vertreter des Beschwerdegegners, F�rsprecher Sven Svieri, wird f�r das bundesgerichtliche Verfahren eine Entsch�digung von Fr. 2'500.-- aus der Bundesgerichtskasse ausgerichtet.