Source: http://www.studieren-ohne-abitur.de/web/laender/hamburg/
Timestamp: 2017-10-22 08:19:55
Document Index: 394366640

Matched Legal Cases: ['§ 3', '§ 37', '§ 37', '§ 38', '§ 38', '§ 38', '§ 38', '§ 38', '§ 39', '§ 57', '§ 39', '§ 40', '§ 40', '§ 38', '§ 5', '§ 3', '§ 3', '§ 3', '§ 5']

Jahrzehntelang nahm Hamburg beim Studium ohne allgemeine Hochschul- und Fachhochschulreife eine Vorreiterposition ein und das ist auch aktuell so. In der Hansestadt gibt es bereits seit den 1950er Jahren weitreichende Zugangsmöglichkeiten für beruflich Qualifizierte. 2014 hat Hamburg im Zuge einer Gesetzesnovelle weitere Anstrengungen auf diesem Sektor unternommen. Zentrale Aspekte der Reform sind: Die Einführung einer Vorabquote bei der Studienplatzvergabe in Höhe von drei Prozent für Studienbewerber(innen) ohne schulische Hochschulzugangsberechtigung sowie die Möglichkeit zur pauschalen Anrechnung beruflich erworbener Kompetenzen auf das Studium seitens der Hochschulen. Mit einer Quote von fast fünf Prozent beruflich qualifizierter Studienanfänger(inne)n nimmt der Stadtstaat weiterhin die Spitzenreiterposition im Bundesländervergleich ein. Gleichwohl gehen die Zahlen zurück. So ist der Anteil der Studienanfänger(innen) im Verhältnis zum Vorjahr um fast einen Prozentpunkt geschrumpft. Dennoch liegt dieser Wert immer noch weit über dem Bundesdurchschnitt. Gleiches gilt für die Anteile der Studierenden und Absolvent(inn)en ohne allgemeine Hochschul- und Fachhochschulreife. In beiden Kategorien steht Hamburg im Bundesländervergleich ebenfalls an erster Stelle.
Berufserfahrung (3 Jahre, in Ausnahmefällen 2 Jahre)
Neu und einzigartig im Vergleich mit den anderen Bundesländern ist die ausdrückliche Vorschrift im Hochschulgesetz, dass Hochschulen die Bedürfnisse beruflich Qualifizierter ohne schulische Hochschulzugangsberechtigung bei der Studiengangsplanung berücksichtigen und besondere Angebote für diese Personengruppe erarbeiten sollen. Zudem sollen Maßnahmen ergriffen werden, um den Studienerfolg dieser Personengruppe zu verbessern. (§ 3 Abs. 6 HmbHG)
Laut § 37 Abs. 1 HmbHG haben folgende Personen einen direkten Hochschulzugang: Meister(innen), Fachwirte und Fachwirtinnen sowie Inhaber(innen) anderer Fortbildungsabschlüsse im Sinne des Berufsbildungsgesetzes und der Handwerksordnung (Lehrgang muss mindestens 400 Stunden umfassen), Inhaber(innen) von Befähigungszeugnissen nach der Schiffsoffizier-Ausbildungsverordnung, von Fachschulabschlüssen und von Abschlüssen landesrechtlicher Fortbildungsregelungen für Berufe im Gesundheitswesen sowie im Bereich der sozialpflegerischen und sozialpädagogischen Berufe und von ausländischen Qualifikationen, welche den zuvor genannten gleichwertig sind.
Die Hochschulen sollen durch Satzung vorsehen, dass die oben genannten Bewerbergruppen die Teilnahme an einem von der Hochschule angebotenen Beratungsgespräch nachweisen müssen (§ 37 Abs. 2 HmbHG).
Laut § 38 Abs. 1 und 2 HmbHG sind Personen zu einem Studium berechtigt, wenn sie über eine abgeschlossene Berufsausbildung und daran anschließend über mindestens drei – in begründeten Ausnahmefällen zwei – Jahre Berufspraxis verfügen sowie ihre Studierfähigkeit für den gewählten Studiengang in einer Eingangsprüfung nachweisen. Das Nähere regeln die Hochschulen durch Satzung (§ 38 Abs. 6 HmbHG). Außerdem regelt § 38 Abs. 6 Satz 2 des HmbHG jedoch auch, dass in bestimmten Fällen der Erforderlichkeit einer Hochschule oder eines Faches davon abweichende Zulassungsvoraussetzungen festgelegt werden können. Die Bewerber(innen) können unabhängig von ihrer beruflichen Vorbildung prinzipiell jeden Studiengang wählen, sofern sie die jeweilige studiengangbezogene Eingangsprüfung bestehen.
§ 38 Abs. 2 HmbHG: „Zeiten einer Kindererziehung, einer Pflegetätigkeit oder eines Wehr-, Ersatz- oder Freiwilligendienstes können bis zur Dauer von zwei Jahren […] auf die Zeit der Berufstätigkeit angerechnet werden“. Wenn nur zwei Jahre Berufstätigkeit gefordert werden, dann können diese Zeiten bis zur Dauer von einem Jahr angerechnet werden.
§ 38 Abs. 3 HmbHG: Der Nachweis einer mindestens einjährigen erfolgreichen Teilnahme an einem Probestudium kann die Eingangsprüfung ersetzen.
§ 39 Abs. 3 HmbHG: Zum Studium in einem weiterbildenden Masterstudiengang ist auch berechtigt, wer eine Eingangsprüfung bestanden hat, in der eine fachliche Qualifikation nachgewiesen wird, die der eines abgeschlossenen grundständigen Studiums gleichwertig ist. Näheres regeln die Hochschulen durch Satzung.
§ 57 Abs. 2: „Zugangsvoraussetzung zu weiterbildenden Studien ist die für eine Teilnahme erforderliche Eignung, die durch berufspraktische Tätigkeit oder auf eine andere Weise erworben sein kann.“ Diese berufspraktische Tätigkeit sollte in der Regel nicht weniger als ein Jahr umfassen (§ 39 Abs. 1 HmbHG).
§ 40 Abs. 2 HmbHG: „Auf andere Weise als durch ein Studium erworbene Kenntnisse und Fähigkeiten, die jenen gleichwertig und für einen erfolgreichen Abschluss eines Studiengangs erforderlich sind, sind in einem Umfang von bis zur Hälfte auf die zu erbringenden Studien- und Prüfungsleistungen anzurechnen.“
§ 40 Abs. 3 HmbHG: „Die Hochschulen können die Anrechnung von Kenntnissen und Fähigkeiten nach Absatz 2, die durch bestimmte berufliche Aus- und Fortbildungen vermittelt werden, in allgemeiner Form regeln; sie veröffentlichen diese Regelungen. Für in der Hochschulpraxis häufig vorkommende Aus- und Fortbildungen soll dies erfolgen. Soweit es sich um eine berufliche Aus- oder Fortbildung nach dem Berufsbildungsgesetz handelt, ist die für die Berufsbildung zuständige Stelle (Kammer) vorher anzuhören.“
§ 38 Abs. 5 HmbHG: Nach erfolgreichem, mindestens einjährigem Studium an einer deutschen Hochschule kann im gleichen Studiengang oder in einem Studiengang derselben Fachrichtung an einer Hamburger Hochschule weiterstudiert werden.
Im Hochschulzulassungsgesetz ist eine Vorabquote von drei Prozent für Bewerber(innen) ohne schulische Hochschulzugangsberechtigung in grundständigen Studiengängen festgelegt, welche nach dem Ergebnis eines Auswahlverfahrens gemäß § 5 HZG vergeben wird (§ 3 Abs. 1 Satz 1 Nr. 4). Sofern Studienplätze sowohl in der Härtefall- als auch der Spitzensportlerquote frei bleiben sollten, werden diese für beruflich qualifizierte Bewerber(innen) ohne schulische Hochschulzugangsberechtigung bereitgehalten (§ 3 Abs. 3 Nr. 2 HZG). Sollten in der Quote für beruflich Qualifizierte Studienplätze nicht in Anspruch genommen werden, werden diese den Hauptquoten zugeteilt (§ 3 Abs. 3 Nr. 1 HZG).
Gemäß § 5 Abs. 4 Satz 1 HZG können die Hochschulen „für entsprechende Studiengänge durch die Gestaltung der Auswahlkriterien dafür Sorge tragen, dass Bewerberinnen und Bewerber ohne allgemeine Hochschulreife beziehungsweise Fachhochschulreife besondere Zulassungschancen erhalten.“ Weiterhin wird im zweiten Satz selbigen Paragraphes des HZG geregelt, dass im Bachelorstudiengang Sozialökonomie der Universität Hamburg sogar bis zu 40 Prozent der zu vergebenden Studienanfängerplätze für beruflich qualifizierte Bewerber(innen) „ohne Zeugnis der Hochschulreife" vorbehalten sind.
Seit dem Jahr 2012 belegt Hamburg mit seinen Anteilen an Studienanfänger(inne)n und Studierenden ohne schulische Hochschulzugangsberechtigung im bundesweiten Ländervergleich den 1. Platz. Den aktuellsten Daten zufolge weist Hamburg mit einem Verlust von 0,86 Prozentpunkten auf 4,74 Prozent einen starken Abstieg der Studienanfänger(innen)quote auf und fällt unterhalb des Niveaus aus dem Jahre 2013. Der Verlust hat jedoch keine Auswirkung auf Hamburgs Platzierung im bundesweiten Ländervergleich. Die Anteile der Studierenden ohne allgemeine Hochschul- und Fachhochschulreife fallen im Vergleich zum Vorjahr um 0,1 Prozentpunkte auf 5,22 Prozent, nachdem sie im Jahr 2014 erst um 0,11 gestiegen waren und liegen somit wieder ungefähr auf dem Niveau des Jahres 2013. Dessen ungeachtet erhält Hamburg seinen großen Vorsprung von 2,4 Prozentpunkten zum zweitplatzierten Land Berlin. Nachdem es der Stadtstaat durch einen rasanten Anstieg der Absolvent(inn)enquoten von 2,27 Prozentpunkten zwischen 2012 und 2013 von dem 5. auf den 1. Platz im Bundesländervergleich geschafft hat, verzeichnen die Zahlen seit 2014 nun wieder einen dezenten Negativtrend. Mit einer Absolvent(inn)enquote von 2,80 Prozent nimmt Hamburg aber auch in dieser Kategorie nach wie vor den 1. Platz ein.
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