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Timestamp: 2016-10-26 23:13:43
Document Index: 316887090

Matched Legal Cases: ['BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'Art. 6', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE']

U 436/05 (02.03.2006)
S.________, geboren 1979, war als Praktikant in der Bank X.________ angestellt und bei der Schweizerischen National-Versicherungs-Gesellschaft (National) gegen die Folgen von Berufs- und Nichtberufsunf�llen versichert. Am 23. August 2001 erlitt er infolge eines Auffahrunfalles auf der Autobahn A1 ein Schleudertrauma der Halswirbels�ule (HWS). Der Hausarzt Dr. med. J.________, Facharzt FMH f�r Innere Medizin, attestierte zun�chst bis 5. September 2001 eine volle und anschliessend eine 50-prozentige Arbeitsunf�higkeit bis 16. September 2001. Ab 17. September 2001 wurde eine volle Arbeitsf�higkeit bescheinigt. Die National erbrachte die gesetzlichen Leistungen (Heilbehandlung und Taggeld). Auf Grund chronischer Nacken- und Schulterschmerzen attestierte Dr. med. J.________ S.________ ab 30. April 2002 erneut eine 50-prozentige und ab 5. Juni 2002 eine unfallbedingt vollst�ndige Arbeitsunf�higkeit. Das Arbeitsverh�ltnis mit der Bank X.________ wurde per 31. Oktober 2002 aufgel�st. Mit Verf�gung vom 30. April 2004 und Einspracheentscheid vom 29. November 2004 lehnte die National eine �ber den 19. September 2001 hinaus gehende Leistungspflicht ab, da am Vorliegen des nat�rlichen Kausalzusammenhanges zu zweifeln und die Ad�quanz zu verneinen sei.
Die von S.________ beim Kantonsgericht Basel-Landschaft gegen den Einspracheentscheid erhobene Beschwerde hiess dieses mit Entscheid vom 24. Juni 2005 gut. Es wies die National an, dem Versicherten die gesetzlichen Leistungen �ber den 19. September 2001 hinaus auszurichten.
Die National f�hrt Verwaltungsgerichtsbeschwerde und beantragt Aufhebung des vorinstanzlichen Entscheides und Best�tigung des Einspracheentscheides vom 29. November 2004.
S.________ l�sst Abweisung der Verwaltungsgerichtsbeschwerde beantragen. Vorinstanz und Bundesamt f�r Gesundheit verzichten auf Vernehmlassung.
Das kantonale Gericht hat die Rechtsprechung zu dem f�r die Leistungspflicht des Unfallversicherers vorausgesetzten nat�rlichen Kausalzusammenhang im Allgemeinen (BGE 119 V 337 Erw. 1) und bei Schleudertraumen der HWS oder �quivalenten Verletzungsmechanismen im Besonderen (BGE 119 V 340 Erw. 2b/aa; RKUV 2000 Nr. U 359 S. 29) zutreffend dargelegt. Darauf wird verwiesen. Entsprechendes gilt f�r die von der Judikatur entwickelten Grunds�tze zum Erfordernis des ad�quaten Kausalzusammenhanges im Allgemeinen (vgl. auch BGE 125 V 461 Erw. 5a mit Hinweisen) sowie insbesondere bei psychischen Unfallfolgen (BGE 115 V 133) und bei den Folgen eines Unfalles mit Schleudertrauma der HWS oder �quivalenten Verletzungen ohne organisch nachweisbare Funktionsausf�lle (BGE 117 V 359 ff.). Richtig ist auch, dass am 1. Januar 2003 das Bundesgesetz �ber den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts vom 6. Oktober 2000 (ATSG) in Kraft getreten ist, mit dem u.a. auch im Unfallversicherungsrecht verschiedene materiellrechtliche Bestimmungen ge�ndert worden sind, und dass �bergangsrechtlich Leistungsanspr�che in zeitlicher Hinsicht nach denjenigen Rechtss�tzen zu beurteilen sind, die bei der Verwirklichung des zu Rechtsfolgen f�hrenden Sachverhaltes in Kraft waren (BGE 130 V 446 f. Erw. 1.2.1 mit Hinweisen), somit f�r die Zeit bis 31. Dezember 2002 nach den bis dahin g�ltigen und ab diesem Zeitpunkt nach den neuen Normen des ATSG. Da Art. 6 Abs. 1 UVG mit dem In-Kraft-Treten des ATSG keine �nderung erfahren hat (Urteil C. vom 5. November 2004, U 106/04, Erw. 2 mit Hinweisen), kommt den dargelegten intertemporalrechtlichen �berlegungen insofern nur beschr�nkte Tragweite zu.
Bei der Beurteilung der Ad�quanz von organisch nicht (hinreichend) nachweisbaren Unfallfolgesch�den ist rechtsprechungsgem�ss (BGE 127 V 103 Erw. 5b/bb mit Hinweisen) wie folgt zu differenzieren: Es ist zun�chst abzukl�ren, ob die versicherte Person beim Unfall ein Schleudertrauma der Halswirbels�ule, eine dem Schleudertrauma �quivalente Verletzung (SVR 1995 UV Nr. 23 S. 67 Erw. 2) oder ein Sch�del-Hirntrauma erlitten hat. Ist dies nicht der Fall, gelangt die Rechtsprechung gem�ss BGE 115 V 140 Erw. 6c/aa zur Anwendung. Ergeben die Abkl�rungen, dass die versicherte Person eine der soeben erw�hnten Verletzungen erlitten hat, muss beurteilt werden, ob die zum typischen Beschwerdebild einer solchen Verletzung geh�renden Beeintr�chtigungen (vgl. dazu: BGE 119 V 337 Erw. 1, 117 V 360 Erw. 4b) zwar teilweise vorliegen, im Vergleich zur psychischen Problematik aber ganz in den Hintergrund treten. Trifft dies zu, sind f�r die Ad�quanzbeurteilung ebenfalls die in BGE 115 V 140 Erw. 6c/aa f�r Unf�lle mit psychischen Folgesch�den aufgestellten Grunds�tze massgebend; andernfalls erfolgt die Beurteilung der Ad�quanz gem�ss den in BGE 117 V 366 Erw. 6a und 382 Erw. 4b festgelegten Kriterien (BGE 123 V 99 Erw. 2a mit Hinweisen). Gleiches gilt, wenn die im Anschluss an den Unfall auftretenden psychischen St�rungen nicht zum typischen Beschwerdebild eines HWS-Traumas geh�ren. Erforderlichenfalls ist vorg�ngig der Ad�quanzbeurteilung zu pr�fen, ob es sich bei den im Anschluss an den Unfall geklagten psychischen Beeintr�chtigungen um blosse Symptome des erlittenen Traumas oder aber um eine selbstst�ndige (sekund�re) Gesundheitssch�digung handelt, wobei f�r die Abgrenzung insbesondere Art und Pathogenese der St�rung, das Vorliegen konkreter unfallfremder Faktoren oder der Zeitablauf von Bedeutung sind (RKUV 2001 Nr. U 412 S. 80 [Urteil B. vom 12. Oktober 2000 U 96/00]). Wie das Eidgen�ssische Versicherungsgericht in dem in RKUV 2002 Nr. U 465 [Urteil W. vom 19. Juni 2002 U 164/01] S. 437 publizierten Urteil schliesslich dargelegt hat, ist die Ad�quanz des Kausalzusammenhangs nur dann im Sinne von BGE 123 V 99 Erw. 2a unter dem Gesichtspunkt einer psychischen Fehlentwicklung nach Unfall zu beurteilen, wenn die psychische Problematik bereits unmittelbar nach dem Unfall eindeutige Dominanz aufweist. Wird die Rechtsprechung gem�ss BGE 123 V 99 Erw. 2a in einem sp�teren Zeitpunkt angewendet, ist zu pr�fen, ob im Verlaufe der ganzen Entwicklung vom Unfall bis zum Beurteilungszeitpunkt die physischen Beschwerden gesamthaft nur eine sehr untergeordnete Rolle gespielt haben und damit ganz in den Hintergrund getreten sind. Nur wenn dies zutrifft, ist die Ad�quanz nach der Rechtsprechung zu den psychischen Unfallfolgen (BGE 115 V 133) zu beurteilen.
Streitig und zu pr�fen ist der Anspruch des Beschwerdegegners auf Leistungen der Unfallversicherung nach dem 19. September 2001.
3.1 F�r die Vorinstanz ist unbestritten, dass der Beschwerdegegner bei dem Unfall vom 23. August 2001 ein Schleudertrauma der HWS erlitt und daraufhin das bekannte Beschwerdebild aufwies. Die Arztberichte sowie die Ausf�hrungen des Arbeitgebers und der Eltern des Beschwerdegegners zeigten den Krankheitsverlauf vom Unfallereignis bis in die Gegenwart nahtlos auf. Zum einen w�rden in allen Arztberichten die persistierenden Kopf-, Nacken- und Schulterbeschwerden aufgef�hrt und als Unfallfolgen nie in Frage gestellt. Zum anderen seien deutliche kognitive Einschr�nkungen festgestellt worden. Im Verlaufe der mehrj�hrigen Behandlungsdauer h�tten sich auch psychische Leiden entwickelt, welche vermehrt an Bedeutung gewonnen h�tten. Die k�rperlichen Symptome seien jedoch gesamthaft nicht in den Hintergrund getreten, weshalb der ad�quate Kausalzusammenhang nach der Rechtsprechung zum Schleudertrauma (BGE 117 V 359) zu beurteilen sei. Die Pr�fung der einzelnen Ad�quanzkriterien f�hre zur Bejahung des ad�quaten Kausalzusammenhanges.
3.2 Demgegen�ber ist f�r die Beschwerdef�hrerin ein Schleudertrauma der HWS nicht erwiesen. Sie bezweifelt nach wie vor, dass der Unfall vom 23. August 2001 �berwiegend wahrscheinlich Teilursache f�r den ab April 2002 auftretenden massiven Gesundheitsschaden des Beschwerdegegners sei. Selbst wenn von einem Schleudertrauma der HWS auszugehen sei, so stehe die physische Komponente des Leidens mittlerweile im Hintergrund. Dominant seien zwischenzeitlich die psychischen Leiden. Nach der Rechtsprechung (BGE 123 V 99 Erw. 2a und seitherige Rechtsprechung) sei daher die Frage des ad�quaten Kausalzusammenhanges nach der Praxis f�r psychische Unfallfolgen (BGE 115 V 140 Erw. 6c) zu beurteilen. Diese Pr�fung f�hre hier zur Verneinung der Ad�quanz.
4.1 Es ist erstellt, dass der Beschwerdegegner bei der Auffahrkollision vom 23. August 2001 ein Schleudertrauma der HWS erlitten hat. Er wies unmittelbar im Nachgang zum Unfall die zum typischen Beschwerdebild einer solchen Verletzung geh�renden Beeintr�chtigungen auf. Daf�r spricht auch der Unfallablauf, bei dem gem�ss Bericht der Kantonspolizei Aargau vom 9. September 2001 mehrere Fahrzeuge ineinander prallten. Nach diesem Bericht klagte der Beschwerdegegner unmittelbar nach dem Unfall bereits �ber Nackenschmerzen.
4.2 Zu pr�fen bleibt somit, ob die zum typischen Beschwerdebild des Schleudertraumas geh�renden Beeintr�chtigungen im Vergleich zur psychischen Problematik ganz in den Hintergrund getreten sind. Auf die umfangreichen medizinischen Berichte kann abgestellt werden, sie bieten in ihrer Gesamtheit ein vollst�ndiges Bild der k�rperlichen und psychischen Leiden des Beschwerdegegners. Es ist daraus ersichtlich, dass zun�chst somatische Beschwerden im Vordergrund standen. Psychisch auff�llig wurde der Beschwerdegegner im Sommer 2002, als er im Rahmen eines f�rsorgerischen Freiheitsentzuges wegen Verdachts auf eine psychotische Dekompensation mit aggressiven Durchbr�chen in die Kantonale Psychiatrische Klinik (KPK) eingewiesen und vom 16. bis 24. Juni hospitalisiert wurde. Eine eindeutige psychiatrische Diagnose konnte nicht gestellt werden, doch wurde der Verdacht auf eine narzisstische St�rung ge�ussert (Bericht der KPK vom 3. Oktober 2002). Es folgten weitere Aufenthalte in der KPK vom 3. Juli bis 21. September 2003 und vom 29. M�rz bis 26. Juli 2004. Wurden beim zweiten Aufenthalt weiterhin ausgepr�gte Konzentrationsschwierigkeiten und Ged�chtnisst�rungen, rasche Erm�dbarkeit sowie Nacken- und Kopfschmerzen beschrieben (Bericht der KPK vom 27. Oktober 2003), so f�hrten zur dritten Einweisung psychotische und wahnhafte Symptome. Man ging von einer posttraumatischen Belastungsst�rung aus, wobei nach wie vor somatische Beschwerden vorhanden seien (Bericht der KPK vom 11. November 2004). Mit der Vorinstanz ist daher festzustellen, dass die psychische Komponente immer mehr an Bedeutung gewann. Indessen kann nicht gesagt werden, die k�rperlichen Leiden seien dabei v�llig in den Hintergrund getreten. Vielmehr klagte der Versicherte noch Jahre nach dem Unfall �ber Nacken- und Kopfschmerzen. Zudem wurden Konzentrationsst�rungen und kognitive Einschr�nkungen, welche sich eindeutig auf den Unfall zur�ckf�hren lassen, diagnostiziert (Bericht Dr. med. T.________, Spezialarzt FMH f�r Neurologie, vom 11. Februar 2004). Auch aus den Berichten von Dr. med. W.________, Spezialarzt FMH f�r Psychiatrie und Psychotherapie, vom 12. Januar 2004 sowie der KPK vom 27. Oktober 2003 geht hervor, dass der Beschwerdegegner zu einer Zeit nicht mehr unmittelbar nach dem Unfall weiterhin k�rperliche Symptome aufwies.
Unter diesen Umst�nden hat die Vorinstanz die Frage des ad�quaten Kausalzusammenhanges zu Recht nach der sogenannten Schleudertraumapraxis beurteilt. Die von ihr dabei gezogenen Folgerungen sind nicht zu beanstanden. Angesichts dessen, dass Dauerbeschwerden ausgewiesen sind, der Heilungsverlauf als schwierig zu bezeichnen ist und Grad und Dauer der Arbeitsunf�higkeit erheblich ins Gewicht fallen, ist sie auf Grund einer Gesamtw�rdigung zu Recht zum Schluss gekommen, dass dem Unfall vom 23. August 2001 eine massgebende Bedeutung f�r die Entstehung der anhaltenden Beschwerden und der damit verbundenen Arbeits- und Erwerbsunf�higkeit zukommt, weshalb die Ad�quanz des Kausalzusammenhanges zu bejahten ist und der Beschwerdegegner gegen�ber der Beschwerdef�hrerin �ber den 19. September 2001 hinaus Anspruch auf die gesetzlichen Leistungen hat.