Source: https://www.rechtslupe.de/steuerrecht/verbrauchssteuern/kraftfahrzeugsteuerbefreiung-fuer-strassenreinigungsfahrzeuge-348163
Timestamp: 2020-02-23 23:12:56
Document Index: 395603181

Matched Legal Cases: ['§ 3', '§ 3', '§ 3', '§ 3', 'Art. 1', 'Art. 15', 'Art. 11', '§ 3', '§ 3', 'Art. 2', '§ 1', '§ 15', '§ 3', '§ 3', '§ 3', '§ 2', '§ 3', '§ 3', '§ 5', '§ 3', '§ 3', '§ 3', '§ 3', '§ 3', '§ 3', '§ 3', '§ 2']

Kraft­fahr­zeug­steu­er­be­frei­ung für Stra­ßen­rei­ni­gungs­fahr­zeu­ge | Rechtslupe
Auch ein Fahr­zeug, das tat­säch­lich ver­wen­det wird zum Auf­sam­meln und Abtrans­port des im Stra­ßen­raum anfal­len­den Abfalls, erfüllt die Merk­ma­le eines Fahr­zeugs zur Rei­ni­gung von Stra­ßen.
Durch § 3 Nr. 4 Kraft­StG ist nach der Recht­spre­chung des Bun­des­fi­nanz­hofs 1 das Hal­ten von Fahr­zeu­gen begüns­tigt, durch die Stra­ßen "in Ord­nung gehal­ten wer­den". Dabei ist unter Berück­sich­ti­gung von Wort­laut, Sinn­zu­sam­men­hang und Zweck des § 3 Nr. 4 Kraft­StG kei­ne enge Aus­le­gung die­ser Begüns­ti­gungs­vor­schrift gebo­ten 2.
Eine Ände­rung des mit § 3 Nr. 4 Kraft­StG ver­folg­ten Begüns­ti­gungs­zwecks ist nicht dadurch ein­ge­tre­ten, dass der Gesetz­ge­ber den vor­ma­li­gen, u.a. die Rei­ni­gung von Stra­ßen betref­fen­den Befrei­ungs­tat­be­stand des § 3 Nr. 4 Kraft­StG 1979 in der bis ein­schließ­lich 1990 gel­ten­den Fas­sung zunächst mit Wir­kung ab 01.01.1991 (Art. 1 Nr. 1 Buchst. a, Art. 15 Abs. 2 HBe­gleitG 1989) auf­ge­ho­ben hat­te. Rück­wir­kend zum 1.01.1991 wur­de die Steu­er­be­frei­ung –beschränkt auf die Ver­wen­dung zur Rei­ni­gung von Stra­ßen– wie­der ein­ge­führt (Art. 11 des Umsatz­steu­er-Bin­nen­markt­ge­set­zes 3), nach­dem fest­ge­stellt wor­den war, dass die Abschaf­fung die­ser Steu­er­be­güns­ti­gung nicht gerecht­fer­tigt war 4. Damit ist die Steu­er­be­güns­ti­gung für die Ver­wen­dung von Fahr­zeu­gen zur Stra­ßen­rei­ni­gung in vol­lem Umfang wie­der her­ge­stellt wor­den 5.
Der in § 3 Nr. 4 Kraft­StG gefor­der­te und gesetz­lich nicht defi­nier­te Ver­wen­dungs­zweck des Fahr­zeugs für die "Rei­ni­gung von Stra­ßen" ist im ver­wal­tungs­tech­ni­schen Sinn zu ver­ste­hen 6. Davon umfasst ist sowohl die ver­kehrs­mä­ßi­ge als auch die sog. poli­zei­mä­ßi­ge Stra­ßen­rei­ni­gung 7.
Die "Rei­ni­gung" der Stra­ße umfasst das Keh­ren der Stra­ße, das Auf­sam­meln und Ent­sor­gen von kör­per­li­chem Unrat sowie die Besei­ti­gung ver­kehrs­ge­fähr­den­der, z.B. durch Glas­split­ter oder aus­lau­fen­des Öl her­vor­ge­ru­fe­ne Ver­un­rei­ni­gun­gen der Stra­ße 8. Dabei begüns­tigt § 3 Nr. 4 Kraft­StG das Rei­ni­gen aller Tei­le, die zur Stra­ße gehö­ren 9. Für den Begriff der "Stra­ße" kann inso­weit auf das ein­schlä­gi­ge Stra­ßen­recht des Bun­des und der Län­der und die dor­ti­gen Defi­ni­tio­nen des Stra­ßen­be­griffs abge­stellt wer­den 10. Nach dem Stra­ßen­recht der Län­der (z.B. Art. 2 des Baye­ri­schen Stra­ßen– und Wege­ge­set­zes) gehö­ren zur Stra­ße neben den Fahr­bah­nen u.a. die Geh- und Rad­we­ge, Grä­ben und Ent­wäs­se­rungs­an­la­gen. Zu den Bun­des­fern­stra­ßen gehö­ren u.a. auch die Neben­be­trie­be, so z.B. Tank­stel­len, bedach­te Park­plät­ze, Rast­stät­ten (§ 1 Abs. 4 und § 15 Abs. 1 FStrG).
Die von § 3 Nr. 4 Kraft­StG vor­aus­ge­setz­te Ver­wen­dung des Fahr­zeugs zur Stra­ßen­rei­ni­gung setzt nicht vor­aus, dass das Fahr­zeug durch beson­de­re tech­ni­sche Ein­rich­tun­gen und/​oder eine beson­de­re Bau­art nur für die­sen Zweck ver­wend­bar ist 11. Dies folgt schon dar­aus, dass § 3 Nr. 4 Kraft­StG –im Gegen­satz zu den kraft­fahr­zeug­steu­er­recht­li­chen Befrei­ungs­re­ge­lun­gen des § 3 Nr. 5 Satz 2 und Nr. 7 Satz 2 Kraft­StG– nicht vor­aus­setzt, dass das Fahr­zeug nach Bau­art und Ein­rich­tung den jeweils bezeich­ne­ten Ver­wen­dungs­zwe­cken ange­passt bzw. für die bezeich­ne­ten Ver­wen­dungs­zwe­cke geeig­net und bestimmt ist. Zwar ent­hielt § 2 Nr. 3a Kraft­StG in der ab 1.01.1963 gel­ten­den Fas­sung des Ände­rungs­ge­set­zes vom 17.03.1964 12 eine ent­spre­chen­de Ein­schrän­kung für Fahr­zeu­ge, die nicht für eine der dort näher bezeich­ne­ten Gebiets­kör­per­schaf­ten zuge­las­sen waren. Für die­se Fahr­zeu­ge setz­te die Steu­er­be­frei­ung vor­aus, "dass sie nach ihrer Bau­art und ihren beson­de­ren, mit ihnen fest ver­bun­de­nen Ein­rich­tun­gen nur für die bezeich­ne­ten Ver­wen­dungs­zwe­cke geeig­net und bestimmt sind". Auf die­se gesetz­li­che Ein­schrän­kung hat der Gesetz­ge­ber aber in der ab 1.01.1991 gel­ten­den Neu­fas­sung des § 3 Nr. 4 Kraft­StG ver­zich­tet.
Dem­ge­mäß ist nicht nur das Hal­ten von Spe­zi­al­fahr­zeu­gen zur maschi­nel­len Stra­ßen­rei­ni­gung begüns­tigt, son­dern eben­so das Hal­ten sol­cher Fahr­zeu­ge, die etwa zum Trans­port (klei­ne­rer) Kehr­ma­schi­nen oder auch im Zusam­men­hang mit einer manu­ell durch­ge­führ­ten Stra­ßen­rei­ni­gung ein­ge­setzt wer­den.
Die "Rei­ni­gung von Stra­ßen" i.S. von § 3 Nr. 4 Kraft­StG umfasst bei der gebo­te­nen funk­tio­nel­len Betrach­tung nicht nur die Fahr­zeug­nut­zung zur unmit­tel­ba­ren Auf­nah­me des Abfalls aus dem Stra­ßen­be­reich, son­dern auch des­sen Abtrans­port mit dem Ziel einer geord­ne­ten Ent­sor­gung. Soweit die Stra­ßen­bau­ver­wal­tung auf den Stra­ßen vor­ge­fun­de­nen Abfall ein­sam­melt, wächst ihr auch die Ver­ant­wort­lich­keit für ihre geord­ne­te Besei­ti­gung zu (vgl. auch § 5 Abs. 9 des Abfall­ge­set­zes für das Land Nord­rhein-West­fa­len) 13. Der Abtrans­port des anfal­len­den Abfalls ist dem­ge­mäß kraft­fahr­zeug­steu­er­recht­lich noch als "ver­voll­stän­di­gen­der Beför­de­rungs­vor­gang" der Stra­ßen­rei­ni­gung i.S. des § 3 Nr. 4 Kraft­StG zuzu­rech­nen 14. Dies muss eben­so dann gel­ten, wenn Hal­ter des hier­für ver­wen­de­ten Fahr­zeugs ein von der Stra­ßen­bau­ver­wal­tung mit der Stra­ßen­rei­ni­gung beauf­trag­ter pri­va­ter Drit­ter ist.
Das in § 3 Nr. 4 Kraft­StG auf­ge­stell­te Erfor­der­nis einer "aus­schließ­li­chen" Ver­wen­dung des Fahr­zeugs zur Rei­ni­gung von Stra­ßen ver­langt, dass das Fahr­zeug tat­säch­lich nur zu dem begüns­tig­ten Zweck ver­wen­det wird 15 und auch kei­ne ander­wei­ti­ge "Mit­be­nut­zung" vor­liegt 16.
Fer­ner ist nach § 3 Nr. 4 Kraft­StG nur das Hal­ten eines Fahr­zeugs befreit, das "zur" Rei­ni­gung von Stra­ßen ver­wen­det wird. Die­se selb­stän­dig neben dem Aus­schließ­lich­keits­er­for­der­nis ste­hen­de Vor­aus­set­zung ist nur erfüllt, wenn zwi­schen der Ver­wen­dung des Fahr­zeugs und der Art des begüns­tig­ten Zwecks ein unmit­tel­ba­rer sach­be­zo­ge­ner Zusam­men­hang besteht, d.h. der begüns­tig­te Zweck sei­ner Art nach durch die Ver­wen­dung eines bestimm­ten Fahr­zeugs unmit­tel­bar wahr­ge­nom­men und erfüllt wird 17.
Im Hin­blick dar­auf ist der Fahr­zeug­hal­ter ver­pflich­tet, den lücken­lo­sen Nach­weis dafür zu erbrin­gen, dass das Fahr­zeug tat­säch­lich in einer den Anfor­de­run­gen des § 3 Nr. 4 Kraft­StG ent­spre­chen­den Wei­se aus­schließ­lich zur Stra­ßen­rei­ni­gung ver­wen­det wur­de. Dazu wer­den dem Fahr­zeug­hal­ter durch das Kraft­StG zwar kei­ne bestimm­ten Förm­lich­kei­ten –z.B. die Füh­rung eines Fahr­ten­bu­ches– auf­er­legt. Die vor­zu­le­gen­den Unter­la­gen müs­sen jedoch hin­rei­chend geeig­net sein, dem Finanz­ge­richt nach den gesam­ten Umstän­den die Über­zeu­gung zu ver­mit­teln, dass kei­ne zweck­frem­de Fahr­zeug­nut­zung erfolgt war 18.
Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 12. Juni 2012 – II R 41/​11
BFH, Beschluss vom 28.10.1997 – VII R 7/​97, BFHE 184, 124, BSt­Bl II 1998, 35[↩]
BFH, Ent­schei­dun­gen vom 12.05.1965 – II 59/​62 U, BFHE 82, 492, BSt­Bl III 1965, 425; und in BFHE 184, 124, BSt­Bl II 1998, 35[↩]
vom 25.08.1992, BGBl I 1992, 1548[↩]
vgl. BT-Drucks 12/​2691, 2 f.[↩]
BFH, Beschluss in BFHE 184, 124, BSt­Bl II 1998, 35[↩]
BFH, Urteil vom 26.01.1966 – II 135/​63, BFHE 85, 508, BSt­Bl III 1966, 435; vgl. bereits RFH, Urteil vom 08.03.1932 – II A 569/​31, RFHE 30, 191[↩]
BFH, Beschluss in BFHE 184, 124, BSt­Bl II 1998, 35; BFH, Urteil vom 02.08.1972 – II R 43/​71, BFHE 106, 565, BSt­Bl II 1972, 867[↩]
vgl. näher Bau­er in Kodal, Stra­ßen­recht, 7. Aufl., Kap. 43 Rz 1 ff.; Wend­rich, NZV 1990, 89[↩]
Strodthoff, Kraft­fahr­zeug­steu­er, § 3 Rz 36[↩]
BFH, Urteil in BFHE 82, 492, BSt­Bl III 1965, 425; Strodthoff, a.a.O., § 3 Rz 36[↩]
vgl. auch BFH, Urteil in BFHE 82, 492, BSt­Bl III 1965, 425, zu Fahr­zeu­gen zum Wege­bau i.S. des § 3 Nr. 3 Kraft­StG[↩]
BGBl I 1964, 145[↩]
Bau­er in: Kodal, a.a.O., Kap. 43 Rz 24.4 f.[↩]
vgl. auch BFH, Urteil in BFHE 85, 508, BSt­Bl III 1966, 435, zu § 2 Nr. 3 Kraft­StG a.F.[↩]
BFH, Urtei­le in BFHE 106, 565, BSt­Bl II 1972, 867, und in BFHE 82, 492, BSt­Bl III 1965, 425[↩]
BFH, Urteil vom 23.05.1989 – VII R 110/​86, BFHE 157, 451, BSt­Bl II 1989, 907[↩]
BFH, Urteil in BFHE 106, 565, BSt­Bl II 1972, 867[↩]
vgl. auch BFH, Urteil vom 01.03.2001 – VII R 79/​99, BFHE 194, 473, BSt­Bl II 2001, 424[↩]
Kfz-SteuerStraßenreinigung