Source: https://www.hausarbeiten.de/document/275126
Timestamp: 2020-02-20 17:34:20
Document Index: 200201757

Matched Legal Cases: ['§ 2', '§ 11', '§ 10', '§ 2', '§ 11', '§ 10', '§ 25', '§ 25', '§ 11', '§ 25']

Die neuen Liquiditätsregelungen nach Basel III. Darstellung und ... | Hausarbeiten publizieren
2.1 Liquiditätsrisiko
2.1.1 Definition des Liquiditätsrisikos
2.1.2 Einordnung des Liquiditätsrisikos
2.1.3 Begründung der Regulierung des Liquiditätsrisikos
2.2 Regulierung des Liquiditätsrisikos vor Basel III
2.2.2 Quantitative und Qualitative Normen
2.2.3 Liquiditätsverordnung und MaRisk als Umsetzungsinstrumente
2.3 Der Weg von Basel I zu Basel III
2.3.1 Der Baseler Ausschuss für Bankenaufsicht
2.3.2 Basel I
2.3.3 Basel II
2.3.4 Basel III
2.4 Rechtliche Umsetzung
3. Die neuen Liquiditätsregelungen für Banken nach Basel III
3.1 Darstellung der neuen Liquiditätsregelungen
3.1.1 Liquidity Coverage Ratio (Mindestliquiditätsquote)
3.1.2 Net Stable Funding Ratio (Strukturelle Liquiditätsquote)
3.1.3 Überwachungsinstrumente
3.2.1 Auswirkungen für Kunden
3.2.2 Auswirkungen für Banken
3.2.3 Auswirkungen auf die Volkswirtschaft
Am 14. September 2013 jährte sich die Insolvenz der US-Investmentbank Lehman Brothers zum fünften Mal. Diese Insolvenz gilt u.a. als Auslöser der schwersten Finanz- und Wirtschaftskrise der Nachkriegszeit und führte zu einem schwerwiegenden Vertrauensverlust, infolge dessen sich Banken untereinander kein Geld mehr liehen.[1] Aufgrund der aggressiven Refinanzierung und den daraus resultierenden Liquiditätsproblemen im stockenden Interbankenmarkt geriet u.a. auch die deutsche Hypo Real Estate in Schieflage. Der Autor schrieb in diesem Zusammenhang im Jahr 2009 im Rahmen des Leistungskurses Wirtschaft und Recht am Clavius-Gymnasium-Bamberg eine Facharbeit zum Thema „Banken im Strudel der internationalen Finanzkrise – Beispiel Hypo Real Estate“. Deswegen war es für den Autor sehr spannend zu untersuchen, was in der Zwischenzeit aus aufsichtsrechtlicher Sicht unternommen wurde, um künftige Krisen zu vermeiden. Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich daher mit der Darstellung und kritischen Würdigung der neuen Liquiditätsregelungen nach Basel III.
Nach der Einleitung werden zunächst im zweiten Kapitel die Grundlagen erläutert. Hier wird das Liquiditätsrisiko in Kreditinstituten definiert, in das bankbetriebliche Zielsystem eingeordnet und begründet, weshalb eine Regulierung des Liquiditätsrisikos notwendig ist. Danach wird die Regulierung des Liquiditätsrisikos vor Basel III dargestellt und auf die aktuelle Regulierung durch die LiqV und die MaRisk anhand quantitativer und qualitativer Normen eingegangen. Anschließend wird der Weg von Basel I zu Basel III beschrieben sowie die rechtliche Umsetzung von Basel III erklärt. Das dritte Kapitel widmet sich ausführlich den neuen Liquiditätsregelungen nach Basel III. Im Kapitel 3.1 werden die neuen Regelungen, Liquidity Coverage Ratio, Net Stable Funding Ratio sowie die Beobachtungskennzahlen dargestellt. Die Auswirkungen der neuen Liquiditätsregeln im Hinblick auf Kunden, Banken und die Volkswirtschaft werden im Kapitel 3.2 kritisch gewürdigt, woraus sich im letzten Kapitel das Fazit erschließt.
Spannend und zugleich herausfordernd für den Autor war beim Erstellen dieser Projektarbeit v.a. die Dynamik des Themas. Aufgrund dessen basieren die Kapitel zur rechtlichen Umsetzung sowie zur Darstellung und kritischen Würdigung der neuen Liquiditätsregelungen nach Basel III auf dem Stand des 01. August 2013.
Das Liquiditätsrisiko differenziert sich in Kreditinstituten im Wesentlichen in das Liquiditätsrisiko im engeren Sinne, das Refinanzierungsrisiko, das Terminrisiko, das Abrufrisiko und das Marktliquiditätsrisiko. Das Liquiditätsrisiko im engeren Sinne, welches auch als Zahlungsunfähigkeitsrisiko bezeichnet wird, beschreibt die Gefahr, dass die Bank ihren gegenwärtigen und zukünftigen Zahlungsverpflichtungen nicht mehr vollständig oder nicht fristgerecht nachkommen kann. Als Refinanzierungsrisiko definiert man die Gefahr, zusätzliche Refinanzierungsmittel nur zu erhöhten Marktzinsen beschaffen zu können.[2] Das Terminrisiko beschreibt die Gefahr einer ungeplanten Verlängerung der Kapitalbindungsdauer von Forderungen, sodass Kapitaldienstleistungen verspätet erfolgen.[3] Das Abrufrisiko beschreibt die Gefahr einer unerwarteten Inanspruchnahme von Kreditzusagen (aktivisch) bzw. von unplanmäßigen Verfügungen von Gläubigern über ihre Einlagen (passivisch).[4] Das Marktliquiditätsrisiko stellt die Gefahr in den Vordergrund, dass bedingt durch außergewöhnliche Begebenheiten Vermögenswerte nur mit Abschlägen am Markt liquidiert werden können. Jenes Marktliquiditätsrisiko wird aber fast durchgehend dem Marktrisiko- und nicht dem Liquiditätsrisikomanagement zugeordnet.[5] Je nach Abhängigkeit der für das Liquiditätsrisiko ursächlichen Position, lassen sich die zuvor erklärten Arten auch nach aktivischen und passivischen Liquiditätsrisiken unterscheiden.[6] Eine grafische Übersicht der Liquiditätsrisiken findet sich in Anhang 1.
Die in der Vergangenheit stattgefundenen Turbulenzen auf den Geld- und Kapitalmärkten haben die Bedeutung eines effizienten Liquiditätsrisikomanagements für die Stabilität einzelner Kreditinstitute sowie des gesamten Finanzsystems in das Bewusstsein einer breiteren Öffentlichkeit gerückt.[7] Daher ist es von großer Bedeutung, die Liquiditätssituation und das Management des Liquiditätsrisikos in die Ziele einer Bank zu integrieren. Hauptziel jeder gewinnorientierten Bank ist es, eine angemessene Rentabilität des eingesetzten Kapitals zu erreichen. Dabei sind aber ebenfalls die Ziele Liquidität und Sicherheit als streng einzuhaltende Nebenbedingungen zu beachten. Folglich sieht sich eine Bank durch Wahrnehmung ihrer Geschäftstätigkeit mit einer Art Zieldreieck, in welchem Zielkonflikte bestehen, mit den drei Eckpunkten Rentabilität, Liquidität und Sicherheit konfrontiert.[8]
Kreditinstitute besitzen in einer modernen, arbeitsteiligen Volkswirtschaft eine zentrale Stellung, da sie den auf Geldeinheiten basierenden Leistungsaustausch der Wirtschaftssubjekte koordinieren. Darüber hinaus übernehmen sie als Finanzintermediäre eine Mittlerrolle zwischen Kapitalanbietern und Kapitalnachfragern und eine Vielzahl von Transformationsfunktionen, wie der Losgrößentransformation, der Fristentransformation und der Risikotransformation. Diese Transformationsfunktionen - insbesondere die Fristentransformation - weisen im Bankenbereich aufgrund des besonderen Geschäftsschwerpunkts auf das Einlagen- und Kreditgeschäft einen herausragenden Stellenwert auf. Hierdurch ergeben sich Risiken, die im Bankenwesen von großer Bedeutung sind.[9] Aus diesem Grund gehört der Bankensektor weithin zu den am stärksten regulierten Wirtschaftsbereichen einer Volkswirtschaft.[10] Im Mittelpunkt der aktuellen Regulierungstendenzen steht die Forderung einer makroprudenziellen Orientierung, die die Systemstabilität als primäres Ziel formuliert und von zahlreichen Reformmaßnahmen begleitet wird. Den Grundstein der regulatorischen Veränderungen bilden insbesondere die Erfahrungen der Subprime-Krise.[11] Die Regulierung des Bankensektors dient im Allgemeinen dem Schutz der Gläubiger (Individualschutz) sowie der Sicherung der Funktionsfähigkeit des Bankensystems (Funktionsschutz).[12] Im Speziellen dient die Regulierung der Liquidität von Banken dazu, die Existenz eines Instituts unmittelbar zu sichern, da diese gefährdet ist, wenn eine Bank nicht in der Lage ist, die zwingenden Zahlungsverpflichtungen bei Fälligkeit zu erfüllen.[13]
In Deutschland werden seit 1962 Anforderungen an die Mindestliquidität von Banken gestellt.[14] Parallel zu der Entwicklung der Eigenmittelgrundsätze wurde anfangs auch für die Angemessenheit der Liquidität von einer gesetzlichen Fixierung fester Relationen abgesehen. Die aufgestellten Grundsätze zur Liquidität sahen eine Begrenzung der kurz-und mittelfristigen Anlagen sowie der langfristigen Anlagen auf einen bestimmten Prozentsatz der Finanzierungsmittel mit entsprechender Fälligkeit vor. Der Nachteil dieser Liquiditätsgrundsätze lag in der Berücksichtigung der jeweiligen Bilanzposition zu ihren ursprünglich vereinbarten Laufzeiten oder Kündigungsfristen. Für die Beurteilung der Liquiditätsausstattung eines Kreditinstituts sind aber vielmehr die Restlaufzeiten bedeutsam. Im Jahr 2000 wurde dieser Schwachpunkt durch die Neufassung der bisherigen Grundsätze zum neuen Grundsatz II behoben.[15]
Jener Grundsatz II sah die Erfassung der Liquiditätslage eines Instituts für die nächsten zwölf Monate vor. Dabei wurden die zur Verfügung stehenden liquiden Aktiva den tatsächlichen und potentiellen Liquiditätsabflüssen in vier Fristen-Bändern gegenübergestellt. Die Zahlungsbereitschaft eines Instituts wurde im Regelfall als ausreichend angesehen, wenn die liquiden Aktiva die voraussichtlichen Abflüsse überstiegen.[16] Zusammenfallend mit der Ablösung des Grundsatzes I durch die Solvabilitätsverordnung (SolvV) wurde 2007 der Grundsatz II von der Liquiditätsverordnung (LiqV) abgelöst, die im Kapitel 2.2.3 näher erklärt wird.[17]
Wie in Kapitel 2.1.2 erwähnt, hat das institutsspezifische Liquiditätsrisikomanagement neben der Sicherstellung der Solvenz auch ertragsorientierte Überlegungen zu berücksichtigen. Hingegen ist das primäre Ziel bankaufsichtlicher Liquiditätsnormen, wie in Kapitel 2.1.3 erklärt, die Sicherstellung der jederzeitigen Zahlungsbereitschaft der einzelnen Institute und somit der Gläubiger- und Systemschutz.[18] Denn bei Illiquidität ist die Existenz und Solidität von Kreditinstituten gefährdet.[19] Die aufsichtsrechtlichen Bestimmungen können in quantitative und qualitative Normen differenziert werden. Quantitative Normen sind formale Regelungen in Form von Kennziffern, wie z.B. der Liquiditätskennzahl gem. § 2 LiqV oder der in Kapitel 3.1 erläuterten LCR und NSFR. Diese gelten als eingehalten, wenn die Kennziffer eine bestimmte vorgegebene Größe erreicht. Qualitative Regelungen, wie z.B. die MaRisk, geben einen Rahmen für Ansätze, Methoden und Verfahren vor, welcher individuell und risikoadäquat von jedem Institut auszugestalten ist. Hierdurch können die individuellen Verhältnisse der Institute, v.a. Größe sowie Art, Umfang und Risikogehalt der betriebenen Geschäfte berücksichtigt werden.[20]
Die klassische quantitative Aufsichtsnorm ist, wie in Kapitel 2.2.2 angeklungen, die Liquiditätsvorschrift des § 11 KWG.[21] „Die Institute müssen ihre Mittel so anlegen, dass jederzeit eine ausreichende Zahlungsbereitschaft (Liquidität) gewährleistet ist.“[22] Diese Liquiditätsnorm wird durch die Verordnung über die Liquidität der Institute (LiqV) konkretisiert. Wie in Kapitel 2.2.1 erwähn ist sie am 01.01.2007 in Kraft getreten und ersetzt den bisherigen Grundsatz II.[23] Die Liquiditätsverordnung gliedert sich in einen so genannten Standardansatz, der im Wesentlichen identisch mit dem zuvor geltenden Grundsatz II ist, und in die sogenannte Öffnungsklausel des § 10 LiqV.[24] Zur Ermittlung der Kennzahlen im Rahmen des Standardansatzes werden je nach Laufzeit gem. § 2 LiqV vier Laufzeitbänder betrachtet.[25] Nachdem die liquiditätsrelevanten Aktiva und Passiva in die vier Laufzeitbänder eingeteilt sind, wird für jedes Laufzeitband das Verhältnis der Zahlungsmittel zu den Zahlungsverpflichtungen berechnet. Die Liquiditätskennzahl bezieht sich auf das erste Laufzeitband (täglich fällig bis ein Monat). Sie steht im Fokus des Interesses der Bankenaufsicht und ist gem. § 11(1) LiqV monatlich der Deutschen Bundesbank zu melden. Hierbei wird die Liquidität dann als ausreichend angesehen, wenn die Liquiditätskennzahl (Verhältnis von Zahlungsmitteln zu Zahlungsverpflichtungen) den Wert Eins nicht unterschreitet. Für die Beobachtungskennzahlen, die für das zweite bis vierte Laufzeitband berechnet werden, bestehen keine Mindestanforderungen. Sie besitzen lediglich nachrichtlichen Charakter.[26] Die Öffnungsklausel erlaubt es den Instituten jedoch unter bestimmten Voraussetzungen, anstelle des Standardansatzes institutsinterne Liquiditätsrisikomess- und steuerungsverfahren für aufsichtsrechtliche Zwecke zu nutzen. Die BaFin überprüft in Zusammenarbeit mit der Bundesbank in der Regel durch Vor-Ort-Prüfungen bei den Instituten, ob die Voraussetzungen hierfür gegeben sind.[27] Die im Folgenden erläuterten liquiditätsbezogenen Anforderungen der MaRisk weisen eine große Schnittmenge zu den Anforderungen der Öffnungsklausel nach § 10 LiqV auf. Die Verwendung dieser Verfahren ist insofern mit erheblichen Synergiepotentialen für die Institute verbunden.[28]
Neben der Einhaltung eines quantitativen Liquiditätsstandards müssen die Institute auch qualitative Anforderungen an ihr Liquiditätsmanagement erfüllen.[29] Der § 25a KWG stellt die zentrale deutsche Gesetzesnorm für die qualitative Bankenaufsicht dar.[30] Jedes Institut muss über eine ordnungsgemäße Geschäftsorganisation verfügen, die insbesondere ein angemessenes Risikomanagement umfasst.[31] Die MaRisk konkretisieren den § 25a KWG und beziehen sich auf das Management der für das Kreditinstitut wesentlichen Risiken und den damit verbundenen Risikokonzentrationen.[32] Im allgemeinen Teil der MaRisk (AT 2.2) ist erfasst, dass Liquiditätsrisiken zu den von der Geschäftsleitung zu berücksichtigenden wesentlichen Risiken zählen.[33] Im besonderen Teil (BTR 3.1) werden allgemeine Anforderungen, die von allen Instituten einzuhalten sind, beschrieben. Dazu gehört u.a., eine Liquiditätsübersicht zu erstellen, geeignete Stresstests durchzuführen, Notfallpläne zu erstellen und Liquiditätskosten- und nutzenerwägungen bei der Steuerung der Geschäftsaktivitäten zu berücksichtigen. Darüber hinaus müssen kapitalmarktorientierte Institute nach Abschnitt BTR 3.2 u.a. zusätzlich eine ausreichende Liquiditätsreserve vorhalten, um die Zahlungsfähigkeit mit hochliquiden Vermögensgegenständen für mindestens eine Woche und mit anderen Vermögensgegenständen für mindestens einen Monat aufrechtzuerhalten.[34]
Im Gegensatz zu diesen im zweiten Absatz des Kapitels erklärten qualitativen Vorgaben zu den Liquiditätsrisiken gibt es derzeit weder international noch in der EU einheitliche quantitative Vorgaben. Hier wird mit den neuen einheitlichen Standards nach Basel III, wie z.B. der LCR oder NSFR, Neuland betreten.[35] In europäisches Recht umgesetzt werden die Standards im Rahmen der EU-Richtlinie Capital Requirements Directive (CRD IV) sowie der unmittelbar geltenden EU-Verordnung Capital Requirements Regulation (CRR).[36] Der rechtliche Umsetzungsprozess wird in Kapitel 2.4 erläutert. Die im ersten Absatz dieses Kapitels erläuterte LiqV gilt voraussichtlich noch so lange, bis die Liquiditätskennziffern nach Basel III erstmalig einzuhalten und nicht nur zu berichtigen sind.[37] Auf die Liquiditätskennziffern nach Basel III wird in Kapitel 3.1 genauer eingegangen. Im folgenden Kapitel werden zunächst der Weg von Basel I zu Basel III und die neuen Regelungen nach Basel III im Überblick dargestellt.
Angesiedelt ist der Baseler Ausschuss für Bankenaufsicht (BCBS) bei der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ). Er wurde 1974, kurz nach dem Zusammenbruch des Bankhauses Herstatt, von den Zentralbanken der G10-Staaten gegründet.[38] Der BCBS ist die wichtigste normgebende Instanz für die Bankenregulierung weltweit. Darüber hinaus dient er als Forum für die Zusammenarbeit in Fragen der Bankenaufsicht. Sein Mandat besteht darin, die Bankenaufsicht mit Blick auf die Regelungen, Verfahren und Bankpraktiken weltweit zu stärken und dadurch die Finanzstabilität zu fördern.[39] Dem Ausschuss gehören Mitglieder aus 27 Ländern an, darunter Repräsentanten der Zentralbanken und der Aufsichtsbehörden der Mitgliedsstaaten. Dabei handelt es sich zwar um unverbindliche Regelungen, dennoch wurden die Baseler Empfehlungen aus Basel I von weit mehr als den im Ausschuss vertretenen Staaten übernommen.[40]
Anfang der 1980er Jahre wurde zunehmend deutlich, dass es dringend einer Harmonisierung der durch erhebliche Unterschiede gekennzeichneten Aufsichtsnormen zumindest in den bedeutenden Wirtschaftsnationen bedurfte. Eine Vereinheitlichung der Aufsichtsnormen sollte Regulierungsarbitragen, d.h. Geschäfte werden dort abgewickelt, wo sie den schwächsten Kontrollvorschriften unterliegen, eindämmen.[41] Darüber hinaus bestand bei den Zentralbankpräsidenten der G10-Staaten die Besorgnis, dass nach der Krise des Kölner Bankhauses Herstatt das Eigenkapital bedeutsamer Banken weltweit auf ein unzureichendes Niveau gefallen sein könnte. Deshalb mündeten die Verhandlungen des Baseler Ausschusses 1988 darin, umfangreiche Anforderungen an die Eigenkapitalausstattung von Kreditinstituten (Basel I) zu empfehlen. Jenen Empfehlungen folgte auch die EU weitgehend, sodass die Regelungen durch den „Grundsatz I über die Eigenmittel der Institute“ auch in Deutschland eingeführt wurden. Hiernach müssen die Kreditinstitute im Verhältnis zu ihren gewichteten Risikoaktiva 8% haftendes Eigenkapital zur Abdeckung von Ausfallrisiken vorhalten.[42]
Der Baseler Ausschuss veröffentlichte im Juni 1999 ein erstes Konsultationspapier über eine neue Regelung der Eigenmittelanforderungen. Weitere Verhandlungen, denen ein zweites und ein drittes Konsultationspapier folgten, mündeten im Juni 2004 in die Verabschiedung des neuen Akkords und folglich mit Basel II. Dem neuen Regelwerk vorausgegangen waren drei quantitative Auswirkungsstudien (Quantitative Impact Studies - QIS), weitere folgten in den Jahren nach der Einigung auf die Baseler Rahmenvereinbarung.[43]
Das wesentliche Ziel von Basel II ist, die Eigenkapitalanforderungen risikogerechter als bisher zu gestalten. Hintergrund ist der Hauptkritikpunkt aus Basel I, das keine risikogerechte Ausgestaltung bankenaufsichtlicher Regelungen vorsah.[44] Die aufsichtsrechtliche Berechnung des notwendigen haftenden Eigenkapitals basierte auf einem pauschalisierten Ansatz und unterschied lediglich zwischen drei echten Bonitätsfaktoren: Staaten, Banken und sonstigen Kreditnehmern.[45] Die weiteren Ziele sind die Schaffung von Grundprinzipien für eine qualitative Bankenaufsicht sowie Vorgaben für die Offenlegung zur Stärkung der Marktdisziplin.[46] Jenen Zielen folgend basiert Basel II auf drei Säulen. Während in Säule I Regelungen für die Ermittlung der Eigenkapitalanforderungen formuliert sind und der bankaufsichtliche Eigenkapitalbegriff festgelegt ist, regelt Säule II das bankaufsichtliche Überprüfungsverfahren. In Säule III sind Offenlegungsanforderungen enthalten.[47]
Bislang wurde das Liquiditätsrisiko als ein von der Bonität des Kreditinstituts abgeleitetes Risiko betrachtet und spielte daher eine untergeordnete Rolle. Jedoch zeigten in der Finanzkrise 2007 die Interdependenzen zwischen Liquiditätsengpässen auch gut kapitalisierter Banken und der Systemstabilität insgesamt, dass es sich nicht nur um ein Sekundärrisiko handelt. Banken vertrauten sich untereinander nicht mehr und verliehen daher kein Geld an andere Banken.[48] Die Finanzkrise zeigte, dass die bestehenden Regeln für Banken unzureichend sind und wie in Kapitel 2.1.3 erwähnt eine strenge Regulierung notwendig ist. Durch Basel III wollen die Aufsichtsbehörden die Wahrscheinlichkeit neuer Krisen verringern und deren negative Effekte minimieren.[49] Hierzu werden erstmalig, wie in Kapitel 2.2.3 angeklungen, international einheitliche Liquiditätsregeln (LCR und NSFR) eingeführt, mit denen die Abhängigkeit der Bankenrefinanzierung vom Interbankenmarkt verringert werden soll. Die Institute sollen zukünftig auch in Stresssituationen über ausreichende Liquidität verfügen, um ohne externe Refinanzierung über einen bestimmten Zeitraum zahlungsfähig zu sein.[50]
Aufgrund der geschilderten Entwicklung veröffentlichte der Baseler Ausschuss für Bankenaufsicht am 16.12.2010 unter dem Namen Basel III ein neues Rahmenwerk mit geänderten Eigenkapital- und Liquiditätsvorschriften. Zudem sind u.a. die Einführung einer Leverage Ratio (Verschuldungsmaß) und Maßnahmen zur Eindämmung prozyklischer Effekte der risikosensitiven Eigenkapitalanforderungen Bestandteil des Pakets.[51] Eine detaillierte Darstellung aller Reformen durch Basel III würde den Rahmen dieser Arbeit übersteigen. Der Fokus der Arbeit liegt auf der Darstellung der neuen Liquiditätsregelungen, die im Kapitel 3.1 näher beschrieben werden. In Anhang 2 findet sich ein Überblick der Reformen des BCBS in Zusammenhang mit Basel III.
Während die Empfehlungen nach Basel II in EU-Richtlinien, die wiederum erst durch die Umsetzung in nationales Recht bindende Wirkung erlangten, überführt wurden, werden die neuen Regeln nach Basel III, wie bereits in Kapitel 2.2.3 erläutert, nur teilweise in eine EU-Richtlinie (CRD IV) und teilweise in eine unmittelbar geltende EU-Verordnung (CRR) überführt. Bei der Umsetzung der Empfehlungen nach Basel II von EU-Richtlinie in nationales Recht konnten durch die Umsetzung ins KWG Gestaltungsspielräume ausgenutzt werden, um eine bestmögliche Anpassung an das deutsche Bankensystem zu erreichen. Eine solche Anpassung an das deutsche Bankensystem ist bei der Umsetzung von Basel III nur begrenzt möglich, da die neuen Eigenkapital- und Liquiditätsvorschriften in der unmittelbar geltenden EU-Verordnung geregelt sind.[52]
[1] Vgl. Frankfurter Allgemeine Zeitung: Mein Lehman
[2] Vgl. Deutsche Bundesbank, BaFin: Praxis des Liquiditätsrisikomanagements in ausgewählten deutschen Kreditinstituten, S. 5
[3] Vgl. Springer Gabler Verlag: Gabler Wirtschaftslexikon, Stichwort Terminrisiko
[4] Vgl. Springer Gabler Verlag: Gabler Wirtschaftslexikon, Stichwort Abrufrisiko
[5] Vgl. Deutsche Bundesbank, BaFin: Praxis des Liquiditätsrisikomanagements in ausgewählten deutschen Kreditinstituten, S. 5
[6] Vgl. Treasuryworld: Liquiditätsrisiko
[7] Vgl. Deutsche Bundesbank, BaFin: Praxis des Liquiditätsrisikomanagements in ausgewählten deutschen Kreditinstituten, S. 2
[8] Vgl. Wachs, A. (2010), S. 3
[9] Vgl. Sopp, G. (2009), S. 11-13
[10] Vgl. Rupprecht, M. (2010), S. 33
[11] Vgl. Seufert, R. (2012), S. 9
[12] Vgl. Haas, P. (2009), S. 83
[13] Vgl. ebenda, S. 88
[14] Vgl. Zeitler, F. (2011), S.9
[15] Vgl. Lessenich, P. (2013), S. 33
[16] Vgl. ebenda, S. 33-34
[17] Vgl. ebenda, S. 34
[18] Vgl. Wachs, A. (2010), S. 11
[19] Vgl. Geiersbach, K. (2013), S. 361
[20] Vgl. Wachs, A. (2010), S. 11
[22] Vgl. § 11(1) S. 1 KWG
[23] Vgl. Wachs, A. (2010), S. 18
[24] Vgl. Deutsche Bundesbank, BaFin: Praxis des Liquiditätsrisikomanagements in ausgewählten deutschen Kreditinstituten, S. 3
[25] Vgl. Melis, A. (2012), S. 10
[26] Vgl. Wachs, A. (2010), S. 19
[27] Vgl. Deutsche Bundesbank, BaFin: Praxis des Liquiditätsrisikomanagements in ausgewählten deutschen Kreditinstituten, S. 3
[28] Vgl. Lessenich, P. (2013), S. 34
[29] Vgl. BaFin: Mindestanforderungen an das Risikomanagement - MaRisk
[30] Vgl. Wachs, A. (2010), S. 16
[31] Vgl. § 25a KWG
[32] Vgl. Wachs, A. (2010), S. 16
[33] Vgl. BaFin: Rundschreiben 10/2012 (BA) vom 14.12.2012, S. 5
[34] Vgl. ebenda, S. 32-34
[35] Vgl. Zeitler, F. (2011), S.9
[36] Vgl. BaFin: Liquiditätsanforderungen
[37] Vgl. Stoklossa, H. (2013), S. 81
[38] Vgl. BaFin: Basel III / CRD IV
[39] Vgl. BCBS: Charta des Baseler Ausschusses für Bankenaufsicht, S. 1
[40] Vgl. BaFin: Basel III / CRD IV
[41] Vgl. Paul, S. (2011), S. 12
[45] Vgl. Ehrmann, H. (2012), S. 52
[46] Vgl. BaFin: Basel III / CRD IV
[48] Vgl. Buschmeier, A. (2013), S. 18
[49] Vgl. ebenda, S. 13
[50] Vgl. ebenda, S. 18-19
[51] Vgl. BaFin: Basel III / CRD IV
[52] Vgl. Lessenich, P. (2013), S. 68
V275126
9783656679912
9783656679929
Basel III Liquidität LCR NSFR Bankenaufsicht
Johannes Steger (Autor), 2013, Die neuen Liquiditätsregelungen nach Basel III. Darstellung und kritische Würdigung, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/275126