Source: https://www.rechtslupe.de/steuerrecht/verbrauchssteuern/der-streit-um-die-spielvergnuegungsteuer-und-der-streitwert-3139186
Timestamp: 2019-09-21 21:35:24
Document Index: 96404124

Matched Legal Cases: ['§ 71', '§ 71', '§ 52', '§ 52', '§ 52', '§ 52', '§ 52', '§ 52', '§ 52']

Der Streit­wert bestimmt sich nach Maß­ga­be des Gerichts­kos­ten­ge­set­zes in der Fas­sung des Zwei­ten Geset­zes zur Moder­ni­sie­rung des Kos­ten­rechts (2. KostRMoG) vom 23.07.20131, in Kraft seit dem 1.08.2013. Nach § 71 Abs. 1 Satz 1 GKG wer­den in Rechts­strei­tig­kei­ten, die vor dem Inkraft­tre­ten einer Geset­zes­än­de­rung anhän­gig gewor­den sind, die Kos­ten nach bis­he­ri­gem Recht erho­ben. Nach § 71 Abs. 1 Satz 2 GKG gilt dies jedoch nicht im Ver­fah­ren über ein Rechts­mit­tel, das nach dem Inkraft­tre­ten einer Geset­zes­än­de­rung ein­ge­legt wor­den ist.
Bereits vor Ein­fü­gung des § 52 Abs. 3 Satz 2 GKG durch das 2. KostRMoG ent­sprach es stän­di­ger Recht­spre­chung des BFH zu § 52 Abs. 3 Satz 1 GKG, dass für die Bemes­sung des Streit­werts nicht das gesam­te geld­wer­te Inter­es­se maß­ge­bend war, das ein Steu­er­pflich­ti­ger an der Durch­füh­rung des Ver­fah­rens hat­te, son­dern ledig­lich der Steu­er­be­trag, um den unmit­tel­bar gestrit­ten wur­de, und zwar zuguns­ten wie zu Las­ten des jewei­li­gen Kos­ten­schuld­ners2. Vor die­sem Hin­ter­grund ist § 52 Abs. 3 Satz 2 GKG als Aus­nah­me­vor­schrift zu ver­ste­hen, die ledig­lich unter den dort bestimm­ten Vor­aus­set­zun­gen die Berück­sich­ti­gung wei­te­rer wirt­schaft­li­cher Fol­gen erlaubt. Im Umkehr­schluss ver­stie­ße eine Aus­deh­nung über den Rege­lungs­be­reich die­ser Vor­schrift hin­aus gegen das gesetz­li­che Kon­zept3.
§ 52 Abs. 3 Satz 2 GKG dien­te schon bei sei­ner Ein­füh­rung nicht einer all­ge­mei­nen Erwei­te­rung der Streit­wert­be­stim­mung, son­dern dem punk­tu­el­len Zweck, der ins­be­son­de­re in finanz­ge­richt­li­chen Ver­fah­ren beob­ach­te­ten sys­te­ma­ti­schen Unter­be­wer­tung von Streit­wer­ten im Ver­hält­nis zu ihrer tat­säch­li­chen wirt­schaft­li­chen Bedeu­tung für den Klä­ger ent­ge­gen­zu­wir­ken4. Dies betrifft jah­res­be­zo­ge­ne Mus­ter­pro­zes­se mit jah­res­über­grei­fen­der Bedeu­tung. Die in § 52 Abs. 3 Satz 2 GKG ent­hal­te­ne Beschrän­kung auf die Anhe­bung von Streit­wer­ten spie­gelt die­se begrenz­te Funk­ti­on exakt wider. Es wäre daher ein Ein­griff in die gesetz­li­che Sys­te­ma­tik, den nach § 52 Abs. 3 Satz 1 GKG bestimm­ten Streit­wert jen­seits des § 52 Abs. 3 Satz 2 GKG durch Ein­be­zie­hung von Fol­ge­wir­kun­gen zu ändern.
vgl. im Ein­zel­nen BFH, Beschluss vom 16.12 2015 – X E 20/​15, BFH/​NV 2016, 573, Rz 11 bis 14, m.w.N. [↩]
so wohl auch BFH, Beschluss in BFH/​NV 2016, 573, Rz 20; vgl. etwa auch Beschluss des Finanz­ge­richts des Lan­des Sach­sen-Anhalt vom 15.09.2015 3 KO 962/​15, Ent­schei­dun­gen der Finanz­ge­rich­te 2015, 2108, Rz 55 [↩]
vgl. die Geset­zes­be­grün­dung in BT-Drs. 17/​11471, S. 245 [↩]