Source: https://www.diakonisches-bildungszentrum.de/rueckblick/staatlich-anerkannter-erzieherin-berufsbegleitend-praxisintegriert.html
Timestamp: 2019-02-17 20:01:11
Document Index: 54536149

Matched Legal Cases: ['§ 11', '§ 12', '§ 11', '§ 12', '§ 16', '§ 16', '§ 2']

Staatlich anerkannte/r Erzieher/in (berufsbegleitend, praxisintegriert) - Diakonisches Bildungszentrum
Modellprojekt an der Evangelischen Fachschule für Sozialpädagogik Schwerin
Ein Projekt soll im Folgenden exemplarisch dargestellt werden, das ein Alleinstellungsmerkmal in unserem Bundesland genießt und von 2013 – 2016 in Kooperation mit der genannten Arbeitsgruppe durchgeführt wurde.
Folgende Vertreter/-innen gehören dieser Arbeitsgruppe an:
Spitzenverbände der Liga (AWO, DRK und Diakonie),
Ministerium für Gleichstellung, Arbeit und Soziales,
kommunale Spitzenverbände wie Städte- und Gemeindetag
Dieses Projekt zeigt modellhaft für das Land Mecklenburg-Vorpommern auf, dass es arbeitslosen „Seiteneinsteigern“ gemäß Fachschulverordnung (FSVOSoz M-V) vom 11. Dezember 2012 im Leistungsbezug des SGB II und SGB III möglich war, berufsbegleitend die anspruchsvolle Ausbildung zum/zur Staatlich anerkannten Erzieher/-in erfolgreich zu absolvieren.
Die intensive Bindung an einen Träger förderte während der gesamten Ausbildungszeit die Identifizierung mit dem jeweiligen Arbeitsort. Diese Auszubildenden hatten daher große Aussichten nach der Ausbildung übernommen zu werden und einen sozialversicherungspflichtigen Arbeitsvertrag zu erhalten.
Des Weiteren sollte angemerkt werden, dass dieses Projekt bedeutsam zeigt, dass die Träger der Jugendhilfe ihre Verantwortung über die Betreuung von herkömmlichen Praktikanten hinaus wahrnehmen. Die Vertragsbindung ab dem dritten Ausbildungsjahr geht über den Praktikantenstatus hinaus und fördert bzw. fordert die Auszubildenden als gleichwertige Angestellte.
(1) Modellcharakter im Vergleich zum Vorhaben der „berufsbegleitenden Ausbildung“ unter Federführung des Ministeriums für Bildung, Wissenschaft und Kultur
Dieses Projekt basiert auf einem Modell zur berufsbegleitenden („dualen“) Ausbildung, welche derzeit im Land M-V unter Federführung des BM arbeitende Arbeitsgruppe erarbeitet und geplant wurde. Es unterscheidet sich allerdings dadurch, dass es sich hier um ein Modell zur berufsbegleitenden Ausbildung für Arbeitslose im Leistungsbezug des SGB II/III handelt.
(2) Standortwahl und Träger der Durchführung
Trägerin dieses Modellprojektes ist die Diakonisches BildungsZentrum Mecklenburg- Vorpommern gGmbH, die seit 2008 eine staatlich anerkannte Ersatzschule „Evangelische Fachschule für Sozialpädagogik Schwerin“ betreibt.
Die Diakonisches BildungsZentrum Mecklenburg- Vorpommern gGmbH kann eine entsprechende Träger- und Maßnahme-Zertifizierung nach AZAV nachweisen, welche u.a. eine Voraussetzung für die Umsetzung des Projektes ist.
Die praktischen Unterweisungen werden in den Praktikumsstellen der einzelnen Teilnehmenden durchgeführt. Eine entsprechende Vor- und Nachbereitung sowie die Praktikumsbegleitung werden gemäß Fachschulverordnung sichergestellt.
(3) Zugangsvoraussetzungen
Gemäß der Fachschulverordnung (FSVOSoz M-V) vom 11.Dezember 2012 kann in die Fachschule für Sozialwesen aufgenommen werden, wer
die Voraussetzungen gemäß dieser FSVOSoz M-V erfüllt und
einen Berechtigungsschein der Bundesagentur für Arbeit » Bildungsgutschein erhält.
Zwischen Schüler und Ausbildungsträger wird vor Beginn der Ausbildung ein Ausbildungsvertrag eingegangen. Darüber bedarf es der Zulassung durch die Fachschule.
Der Ausbildungsvertrag beinhaltet im 3. Ausbildungsjahr eine Ausbildungsvergütung (nicht weniger als 750,00 € und nicht mehr als 850,00 € – in Anlehnung an die Ausbildungsvergütung der/des Verwaltungsfachangestellten). Es besteht damit im dritten Ausbildungsjahr eine Sozialversicherungspflicht.
Urlaubsregelungen: Die Schüler/innen erhalten einen jährlichen Urlaubsanspruch nach den geltenden gesetzlichen oder ggf. tarifvertraglichen Regelungen. Dieser wird in den Praxisphasen abgegolten.
Eine Kooperationsvereinbarung zwischen Schule und Träger der Einrichtung ist Voraussetzung und regelt wesentliche Punkte der Zusammenarbeit.
Gem. § 11 Abs. 7 SOAHBFSVO M-V vom 11.12.2012 und § 12 Abs. 7 FSVOSoz M-V ist die Praxisbegleitung durch die Schule sicher zu stellen. Diese spiegelt sich in den folgenden Stundentafeln wieder und wird mit 0,5 h/ Praktikumswoche/ Auszubildende/r berechnet.
Gem. § 11 Abs. 5 SOAHBFSVO M-V vom 11.12.2012 und § 12 Abs. 5 FSVOSoz M-V ist die Praxisanleitung durch den Träger, bei dem der Auszubildende seine praktische Ausbildung ablegt, sicher zu stellen.
Auszubildende, die sich nach dem erfolgreichen Ablegen der Sozialassistentenprüfung in diesem Ausbildungsgang befinden, sind im dritten Ausbildungsjahr wie Assistenzkräfte nach dem KiföG M-V in den Vereinbarungen nach § 16 zu berücksichtigen.¹
Die Refinanzierung der Bildungsmaßnahme wird wie folgt sichergestellt:
Erster Ausbildungsabschnitt 24 Monate:
Vorbereitungsjahr und erste Phase der Erzieher/-innenausbildung
Förderung der Bildungsmaßnahme und die Sicherung des Lebensunterhaltes durch die Bundesagentur für Arbeit über einen Bildungsgutschein (AZAV)
Zweite Phase der Erzieher/-innenausbildung
Förderung der Lehrgangskosten durch den Europäischen Sozialfonds
Sicherung des Lebensunterhaltes durch einen sozialversicherungs-pflichtigen Ausbildungs- oder Arbeitsvertrag mit einem geeigneten Träger der Kinder- und Jugendhilfe
Teilnehmende, die sich in diesem Ausbildungsgang befinden, sind wie Assistenzkräfte nach dem KiföG M-V in den Vereinbarungen nach § 16 zu berücksichtigen
Die Voraussetzungen dazu sind erfüllt, wenn im ersten Ausbildungs-abschnitt die Prüfung zur/ zum staatlich geprüfte/r Sozialassistent/in gemäß Fachschulverordnung (FSVOSoz M-V) vom 11.Dezember 2012 erfolgreich abgelegt wird.
(4) Dauer und Struktur
Maßnahmebeginn: 01.09.2013 — Maßnahmeende: 31.08.2016
Für das erste Jahr gelten die Stundentafel und der Rahmenlehrplan der Höheren Berufsfachschule für Sozialassistenz. Es ist ein Vorbereitungsjahr auf die unmittelbar folgende zweijährige Fachschule für Sozialpädagogik. Nach 12 Monaten erfolgt die Prüfung zum/zur staatlich geprüfte/n Sozialassistenten/in als Teil der Erzieherausbildung gemäß § 2 der FachschulVO.
Um die Verpflichtungen zum Umfang der Ausbildung zur Staatlich anerkannten Erzieherin und zum Staatlich anerkannten Erzieher gemäß Rahmenvereinbarung über Fachschulen, Beschluss der Kultusministerkonferenz vom 7. November 2002 als Grundlage für die bundesweite Anerkennung des Abschlusses zu erfüllen, ist die dreijährige Ausbildung als ein Bildungsgang zu betrachten und nicht verkürzbar. So erfolgt nach weiteren 24 Monaten die Prüfung zum/zur staatlich anerkannten Erzieher/in.
Theorie und Praxis wechseln sich im Turnus von 3-5 Wochen ab. Die Praxisphasen über mehrere Wochen ermöglichen den Aufbau pädagogischer Beziehungen in der Praxiseinrichtung und sichern deren Kontinuität.²
(5) Nachhaltigkeit
Ein mögliches Gelingen dieses Projekt könnte dazu beitragen, dass das unter Federführung des Ministeriums für Bildung, Wissenschaft und Kultur Mecklenburg-Vorpommern vorbereitete Projekt insofern davon profitiert, dass die dokumentierten Erfahrungen der einzelnen Beteiligten in eine solche berufsbegleitende oder praxisorientierte Ausbildung einfließen.
Schwerin, den 26.07.2014
¹ Diese Erläuterungen lehnen sich an die aktuellen Erarbeitungen der Arbeitsgruppe zum Entwurf einer berufsbeglei-tenden Ausbildung von Staatlich anerkannten Erzieher/-innen gemäß Koalitionsvertrag im Land M-V an. In der Arbeitsgruppe sind die Spitzenverbände der Liga (AWO, DRK und Diakonie) vertreten sowie Vertreter/-innen des Ministeriums für Gleichstellung, Arbeit und Soziales sowie des Ministeriums für Bildung, Wissenschaft und Kultur.
² Diese Erläuterungen lehnen sich an die aktuellen Erarbeitungen der Arbeitsgruppe zum Entwurf einer berufsbegleitenden Ausbildung von Staatlich anerkannten Erzieher/-innen gemäß Koalitionsvertrag im Land M-V an. In der Arbeitsgruppe sind die Spitzenverbände der Liga (AWO, DRK und Diakonie) vertreten sowie Vertreter/-innen des Ministeriums für Gleichstellung, Arbeit und Soziales sowie des Ministeriums für Bildung, Wissenschaft und Kultur.