Source: https://www.rechtslupe.de/sozialrecht/erziehungsgeld-je-nach-auslaenderstatus-315008
Timestamp: 2020-02-27 11:22:46
Document Index: 33221311

Matched Legal Cases: ['§ 1', 'Art 3', '§ 23', '§ 23', '§ 24', '§ 25', '§ 60']

Erzie­hungs­geld je nach Aus­län­der­sta­tus? | Rechtslupe
Das Bun­des­so­zi­al­ge­richt hält § 1 Abs 6 Nr 2 Buch­sta­be c in Ver­bin­dung mit Nr 3 Buch­sta­be b Bun­des­er­zie­hungs­geld­ge­setz in der Fas­sung vom 13. Dezem­ber 2006 für verfassungs­widrig. Er holt des­halb eine Ent­schei­dung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts zu der Fra­ge ein, ob es mit dem Gleich­be­hand­lungs­ge­bot des Art 3 Abs 1 Grund­ge­setz ver­ein­bar ist, dass Aus­län­dern, denen eine Auf­ent­halts­er­laub­nis wegen eines Krie­ges in ihrem Hei­mat­land (§ 23 Abs 1 Auf­ent­halts­ge­setz), wegen eines Här­te­falls (§ 23a Auf­ent­halts­ge­setz), zur Gewäh­rung vor­über­ge­hen­den Schut­zes (§ 24 Auf­ent­halts­ge­setz) oder aus huma­ni­tä­ren Grün­den (§ 25 Abs 3 bis 5 Auf­ent­halts­ge­setz) erteilt wor­den ist, ein Anspruch auf Bun­des­er­zie­hungs­geld nur dann zusteht, wenn sie in Deutsch­land berech­tigt erwerbs­tä­tig sind, lau­fen­de Geld­leis­tun­gen nach dem Drit­ten Buch Sozialgesetz­buch bezie­hen oder Eltern­zeit in Anspruch neh­men.
Der Leis­tungs­aus­schluss von Aus­län­dern, die nur eine Dul­dung im Sin­ne von § 60a Auf­ent­halts­ge­setz besit­zen, ist dage­gen nach Auf­fas­sung des Bun­des­so­zi­al­ge­richts im Rah­men des Bun­des­er­zie­hungs­geld­ge­set­zes ver­fas­sungs­ge­mäß.
Auf die Anwen­dung der dem Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt vor­ge­leg­ten Vor­schrift, die bis zum 31. Dezem­ber 2008 gegol­ten hat, kommt es in drei beim Bun­des­so­zi­al­ge­richt anhän­gi­gen Revi­si­ons­ver­fah­ren an.
Das Bun­des­so­zi­al­ge­richt ist von der Ver­fas­sungs­wid­rig­keit der hier ein­schlä­gi­gen Vor­schrift des Bundes­erzie­hungsgeldgesetzes über­zeugt. Zwar darf der Gesetz­ge­ber die Gewäh­rung von Bundes­erziehungsgeld an nicht frei­zü­gig­keits­be­rech­tig­te Aus­län­der davon abhän­gig machen, dass sich die­se vor­aus­sicht­lich auf Dau­er in Deutsch­land auf­hal­ten. Auch kann eine Inte­gra­ti­on in den inlän­di­schen Arbeits­markt eine sol­che Pro­gno­se begrün­den. Der Gesetz­ge­ber hat jedoch jeden­falls inso­weit sach­widrige Kri­te­ri­en auf­ge­stellt, als er einen aktu­el­len, eng umschrie­be­nen Arbeits­markt­be­zug wäh­rend der Erzie­hungs­zeit for­dert und zudem nur auf den­je­ni­gen abstellt, der Erzie­hungs­geld be­ansprucht, also z.B. nicht eine ent­spre­chen­de Inte­gra­ti­on sei­nes Ehe­gat­ten aus­rei­chen lässt.
Bun­des­so­zi­al­ge­richt, Beschlüs­se vom 3. Dezem­ber 2009 – B 10 EG 5/​08 R, B 10 EG 6/​08 R und B 10 EG 7/​08
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