Source: https://www.bghm.de/arbeitsschuetzer/fachinformationen/hautschutz/uv-schutzmittel/
Timestamp: 2020-01-18 18:24:46
Document Index: 351828437

Matched Legal Cases: ['BGH', '§ 4', '§ 3', '§ 2', '§ 3', '§ 3']

BGHM: UV-Schutzmittel
Bei Arbeiten im Freien ist die Sonnenstrahlung in der Gefährdungsermittlung zu berücksichtigen, geeignete Schutzmaßnahmen abzuleiten und umzusetzen. Weiterhin ist eine Unterweisung durchzuführen.
Laut § 4 Arbeitsschutzgesetz ist ein Arbeitgeber oder eine Arbeitgeberin verpflichtet, die Arbeit so zu gestalten, dass eine Gefährdung für das Leben und die Gesundheit möglichst vermieden und die verbleibende Gefährdung möglichst geringgehalten wird.
Anhand der Gefährdungsbeurteilung hat der Arbeitgeber oder die Arbeitgeberin zu ermitteln, welche Maßnahmen erforderlich sind (§ 3 ArbSchG).
Die Arbeitsstättenverordnung sieht für Arbeitsplätze im Freien einen Schutz vor Witterungseinflüssen sowie die Bereitstellung von geeigneten persönlichen Schutzausrüstungen vor (ArbStättV Anhang 5.1).
Beschäftigte im Freien sollten auf Folgendes hingewiesen werden:
Akute Auswirkungen von Sonnenstrahlung:
Sonnenbrand, Hornhautentzündung des Auges, Blendung sowie Belastung des Herz-Kreislauf-Systems und des Wasser- und Elektrolythaushalts durch Hitze.
Hautkrebs, vorzeitige Hautalterung
Gleichzeitige Einnahme von Medikamenten:
Sonnenstrahlung und die gleichzeitige Einnahme von bestimmten Medikamenten kann u.U. zu einer erhöhten Lichtempfindlichkeit führen. Hier ist ärztlicher Sachverstand einzubeziehen.
Bei Arbeiten unter der Sonne sind gemäß Gefährdungsbeurteilung technische, organisatorische und persönliche Schutzmaßnahmen zu ergreifen. Gemäß der Hierarchie haben technische und organisatorische Schutzmaßnahmen immer Vorrang vor persönlichen Schutzmaßnahmen.
Schutzmaßnahmen bei Tätigkeiten im Freien
Die Schutzmaßnahmen werden nach der Hierarchie des TOP-Prinzips angewendet.
Abschattung, z.B. durch Unterstellmöglichkeiten (auch für Pausen) oder Schaffung von Arbeitsbereichen mit ausreichend großen Sonnenschirmen, Sonnensegeln, Sonnenplanen und Überdachungen.
Arbeiten möglichst vermeiden, wenn die Sonne intensiv scheint (April bis September, in der Zeit von ca. 10 bis 15 Uhr)
Art und Umfang der Pausen (Schatten) an die Tageszeit anpassen.
Körperlich anstrengende Arbeiten möglichst früh morgens oder spät nachmittags ausführen lassen. Auf den Tätigkeitswechsel (z. B. Schichtarbeit mit Arbeitsbeginn in den frühen Morgenstunden) zwischen den Beschäftigten achten.
Körperbedeckende Bekleidung (lange Hose, langärmeliges Hemd/Shirt)
Kopfbedeckung, z.B. Helm, Hut oder Tücher jeweils mit Nacken- und Ohrenschutz zu achten. In Arbeitsbereichen, in denen Schutzhelme getragen werden müssen, kann der Nacken- und Ohrenschutz durch ein zusätzliches Tuch (z. B. einknöpfbarer Nackenschutz) erreicht werden.
Sonnenbrille tragen (siehe DGUV Regel 112-192 und 112-992 „Benutzung von Augen- und Gesichtsschutz“). Hinweis: Zu stark getönte Gläser sind nicht für den Straßenverkehr geeignet.
UV-Schutzmittel für die von der Kleidung nicht bedeckten Körperteile (z. B. Gesicht, Hände) benutzen.
UV-Schutzmittel verringern das Eindringen schädlicher UV-Strahlen in die Haut und damit das Risiko, dass die Erbinformation in den Zellen beschädigt wird. Einen vollständigen Schutz vor Hautkrebs geben sie aber nicht.
UV-Schutzmittel sind als ergänzende Maßnahme zur Minimierung der Gefährdungen durch UV-Strahlung zu betrachten. Sie sind daher nach § 2 Unfallverhütungsvorschrift "Grundsätze der Prävention" (DGUV Vorschrift 1) in Verbindung mit § 3 Arbeitsschutzgesetz vom Arbeitgeber für die betroffenen Beschäftigten zur Verfügung zu stellen. Die Kosten für Maßnahmen nach § 3 Abs. 3 Arbeitsschutzgesetz dürfen den Beschäftigten nicht auferlegt werden. UV-Schutzmittel müssen daher von dem Unternehmer grundsätzlich kostenlos zur Verfügung gestellt werden.
Hoher Lichtschutzfaktor:
Mindestens Schutzkategorie „hoch“ (LSF ≥ 30), besser „sehr hoch“ (LSF 50+).
UVA-Kennzeichnung:
Ein ausreichender Schutz vor UVA-Strahlung wird mit dem Symbol „UVA“ erreicht.
Abb. 1: UVA-Signet (EU) für ausgewogenen UV-Schutz
Wasser- und Schweißfestigkeit:
Bei Wasserkontakt oder Schwitzen bleibt die Schutzwirkung länger erhalten.
Je flüssiger ein UV-Schutzmittel ist, desto geringer ist gewöhnlich auch die aufgetragene Schichtdicke. Mit Sprays werden im Allgemeinen die geringsten Auftragungsmengen erreicht. Zudem kann mit Sprays oft keine gleichmäßige Auftragung erreicht werden, so dass Schutzlücken entstehen. Bei der Auswahl von UV-Schutzmittel sollten daher Lotionen oder Cremes favorisiert werden.
Abhängig von der Zusammensetzung, der Zubereitungsform und der Art der UV-Filter wird die maximale Schutzwirkung der Produkte unterschiedlich erreicht. Einige Produkte müssen beispielsweise 20-30 Minuten vor der Sonneneinwirkung angewendet werden, während andere ihre Schutzwirkung sofort erreichen. Die Anwendungshinweise der Hersteller sollten daher immer vor der Benutzung gelesen und beachtet werden.
Anwendung von UV-Schutzmitteln
UV-Schutzmittel müssen gleichmäßig und großzügig auf die saubere, trockene Haut aufgetragen werden.
UV-Schutzmittel müssen mehrmals täglich angewendet werden, um den Schutz aufrecht zu erhalten. Wichtig: Nachcremen erhöht nicht die maximale Schutzzeit!
Die „Sonnenterrassen“ im Gesicht - Stirn, Wangen, Nase und Ohren – sollten besonders sorgfältig eingecremt werden.
Sofern der Hersteller des UV-Schutzmittels nichts Anderes angibt, sollte der unmittelbare Augenbereich ausgespart werden, weil das Produkt in die Augen fließen und zu einem Brennen führen kann. Für den Schutz des Augenbereiches eignen sich am besten Sonnenbrillen.
UV-Schutzmittel sollten ebenfalls nicht auf die Augenbrauen oder in das Kopfhaar gelangen, da es nicht in Haare einziehen kann. Bei anschließendem Schwitzen kann es mit dem Schweiß in die Augen fließen und zu Augenbrennen führen.
Bei der parallelen Anwendung anderer Hautcremes, bzw. Kosmetika sollte das UV-Schutzmittel zuerst aufgetragen werden.
In der jüngsten Überarbeitung der ArbMedVV wurde in Anhang Teil 3 Absatz 2 folgende Nummer 5 angefügt:
5. Tätigkeiten im Freien mit intensiver Belastung durch natürliche UV-Strahlung von regelmäßig einer Stunde oder mehr je Tag. Der Arbeitgeber hat Maßnahmen des Arbeitsschutzes zu treffen, durch die die Belastung durch natürliche UV-Strahlung möglichst geringgehalten wird.
Bei Tätigkeiten im Freien mit intensiver Belastung durch natürliche UV-Strahlung von regelmäßig einer Stunde oder mehr je Tag ist die arbeitsmedizinische Vorsorge anzubieten.
ArbSchG: Gesetz über die Durchführung von Maßnahmen des Arbeitsschutzes zur Verbesserung der Sicherheit und des Gesundheitsschutzes der Beschäftigten bei der Arbeit (Link: Gesetze-im-Internet)
DGUV Information 203-085 „Arbeiten unter der Sonne“ (Link: DGUV)
DGUV Fachbereich Persönliche Schutzausrüstungen (Link: DGUV)
DGUV Fachbereich Persönliche Schutzausrüstungen, Sachgebiet Schutzkleidung (Link: DGUV)
DGUV Fachbereich Persönliche Schutzausrüstungen, Sachgebiet Hautschutz (Link: DGUV)
DGUV: „Sonnenschutz“ (Link: DGUV)
Arbeiten unter der Sonne (Link: DGUV)
Sonnenschutz bei Arbeiten im Freien (Link: DGUV)
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