Source: http://www.jensweinreich.de/2010/11/10/fall-pechstein-urteil-des-bundesgerichts-zum-revisionsantrag-im-wortlaut/
Timestamp: 2014-08-01 22:28:11
Document Index: 165478185

Matched Legal Cases: ['Art. 137', 'Art. 140', 'BGE', 'Art. 123', 'Art. 137', 'BGE', 'BGE', 'Art. 123', 'Art. 123', 'Art. 123', 'Art. 137', 'EGMR', 'EGMR', 'Art. 123', 'Art. 12']

Fall Pechstein: Urteil des Bundesgerichts zum Revisionsantrag im Wortlaut • sport and politics
Jens Weinreich • 10.11.2010 • 549 Comments
Am 16. September 2009 beantragte die Gesuchstellerin, es sei ihr zu gestatten, schriftlich zur Berufungsantwort der Gesuchsgegnerin Stellung zu nehmen. Diese sprach sich gegen einen weiteren Schriftenwechsel aus. Mit Schreiben vom 23. September 2009 teilte das TAS den Parteien mit, dass es in Anwendung von Artikel R56 des TAS- Code einen weiteren Schriftenwechsel nicht zulasse. Es gewährte der Athletin jedoch ausnahmsweise die Möglichkeit, bis spätestens acht Tage vor dem auf den 22./23. Oktober 2009 angesetzten Hearing unter anderem neue Beweise aus medizinischen Untersuchungen an ihrer Person sowie entsprechende Bemerkungen dazu einzureichen (“to present any new evidence deriving from medical investigations performed on her, with comments thereto”).
Die Gesuchstellerin macht geltend, nach dem Urteil des TAS vom 25. November 2009 habe Dr. Lutz, der Arzt des deutschen National- verbands, am 27. November 2009 “von Kollegen den Hinweis erhalten, dass es gegebenenfalls neue, bislang unbekannte Möglichkeiten der Spezialdiagnostik gebe, mit denen das Blutbild der Gesuchstellerin untersucht werden könnte”. Dr. Lutz habe unverzüglich mit Dr. Andreas Weimann vom CharitéCentrum für diagnostische und präventive Labormedizin Kontakt aufgenommen, der dies habe bestätigen können. Es handle sich genau genommen um erst im Jahre 2009 von einem belgischen Doktoranden entwickelte und bislang zum Teil noch nicht publizierte Auswertungs-Algorithmen zur Erfassung abortiv-milder bis schwerer Formen von Kugelzellen-Anämie. Dr. Weimann sei auf den Sphärozytose- Quotienten erstmals auf einem Fachkongress in Istanbul im Mai 2009 aufmerksam geworden. Er sei an dieser bislang nur mündlich in Fachkreisen publizierten Methodik hoch interessiert gewesen und habe ab November 2009 über die Verfasser der dann eingereichten (aber noch nicht publizierten) Studie die Möglichkeit erhalten, den Quotienten für eigene Forschungszwecke zu erproben.
Dr. Weimann habe Anfang Dezember 2009 mittels der neuen Methodik an fünf Tagen sechs Blutproben der Gesuchstellerin analysiert. Zusätzlich sei die Familie der Gesuchstellerin mit der neuen Mess- methode untersucht worden. Die Ergebnisse der durchgeführten Untersuchungen seien der Gesuchstellerin zum ersten Mal am 7. Dezember 2009 übermittelt worden. Dr. Weimann halte zusammenfassend fest, dass sich die “Diagnose einer hereditären Membranopathie in Form einer abortiv-milden Form von hereditärer Sphärozytose” ergebe. Diese Konstellation könne “dauerhaft oder intermittierend – also bisweilen auftretend – mit auch deutlich erhöhten Retikulozyten-Werten einhergehen, was durch die erhöhten MCHC-Werte bestätigt” werde.
Nach Erhalt der Diagnose habe sich die Gesuchstellerin am 15. Dezember 2009 entschlossen, die in Hamar gemessenen Blutwerte auf ihrer Internetseite zu veröffentlichen. Hierauf hätten sich zahlreiche Gutachter bei ihr gemeldet, so unter anderem Prof. Winfried Gassmann, Chefarzt der Klinik für Hämatologie und internistische Onkolo- gie am St. Marienkrankenhaus, Siegen, und Mitglied der Arbeitsgemeinschaft Labor in der Deutschen Gesellschaft für Hämatologie und Onkologie.
2.1 2.1.1 Unter der Verfahrensordnung des OG konnten sich die Parteien auf die in Art. 137 OG vorgesehenen Revisionsgründe berufen, und auf das Verfahren fanden die Art. 140 – 143 OG sinngemäss Anwendung (BGE 118 II 199 E. 4 S. 204; Urteil 4P.120/2002 vom 3. September 2002 E. 1.1, publ. in Pra 2002 Nr. 199 S. 1041 ff.). Dies gilt grund- sätzlich weiterhin für die geltende Regelung des BGG, namentlich für den Revisionsgrund gemäss Art. 123 Abs. 2 lit. a BGG, der demjenigen von Art. 137 lit. b OG entspricht (BGE 134 III 45 E. 2.1 S. 47, 286 E. 2.1 S. 287).
Wird die Revision eines internationalen Schiedsgerichtsurteils beantragt, hat das Bundesgericht gestützt auf die in diesem Urteil aufgeführten Entscheidgründe zu beurteilen, ob die Tatsache erheblich ist und – wäre sie bewiesen worden – wahrscheinlich zu einem anderen Entscheid geführt hätte (Urteile 4A_42/2008 vom 14. März 2008 E. 4.1, nicht publ. in BGE 134 III 286 ff.; 4P.102/2006 vom 29. August 2006 E. 2.1).
2.2 Die Gesuchstellerin reicht dem Bundesgericht zur Begründung ihres Revisionsgesuchs verschiedene neue Gutachten ein, so unter anderem von Dr. Weimann, Prof. Dr. Heimpel, Prof. Dr. Schrezenmeier, Prof. Dr. Winfried Gassmann, Prof. Dr. Anjo Veerman sowie Prof. Dr. André Tichelli, die zwischen Februar und März 2010 erstellt wurden. Ob die nunmehr vorliegenden, allesamt erst nach dem Schiedsspruch des TAS vom 25. November 2009 ausgefertigten medizinischen Gutachten als nachträglich aufgefundene Beweismittel im Sinne von Art. 123 Abs. 2 lit. a BGG zu betrachten sind, erscheint im Hinblick auf den klaren Gesetzeswortlaut (vgl. letzter Teilsatz) als fraglich (vgl. ELISABETH ESCHER, in: Basler Kommentar, Bundesgerichtsgesetz, 2008, N. 6 f. zu Art. 123 BGG; YVES DONZALLAZ, Loi sur le Tribunal fédéral, 2008, Rz. 4710; PIERRE FERRARI, in: Bernard Corboz et al. [Hrsg.], Com- mentaire de la LTF, 2009, N. 22 zu Art. 123 BGG). Dies gilt auch, wenn davon ausgegangen wird, wie dies die Gesuchstellerin vorbringt, dass der nunmehr ins Feld geführte Algorithmus grundsätzlich bereits seit Mai 2009 zur Verfügung gestanden habe, zumal der Algorithmus für sich allein kaum als Beweismittel geeignet wäre, sondern nach Darstellung der Gesuchstellerin auch Dr. Weimann erst “ab November 2009″ die Möglichkeit erhalten habe, “den Quotienten für eigene Forschungszwecke zu erproben” und eine angebliche Diagnose erst Anfang Dezember 2009 mit Hilfe zahlreicher erneut entnommener Blutproben gestellt werden konnte. Die Frage braucht jedoch nicht abschliessend geprüft zu werden, da das Revisionsgesuch aus anderen Gründen abzuweisen ist.
2.3 Die Gesuchstellerin bringt in ihrem Revisionsgesuch keine neu entdeckten Tatsachen vor, sondern beruft sich vielmehr auf angeblich neu entdeckte Beweismittel zum Beleg ihres bereits im Schiedsverfahren vorgebrachten Einwands, sie leide unter einer Blutanomalie. Wie die Gesuchstellerin selber vorbringt, versuchte sie sowohl vor der Disziplinarkommission als auch vor dem angerufenen Schiedsgericht vergeblich, ihre Behauptung, die erhöhten Retikulozytenwerte seien auf eine Blutabnormalität zurückzuführen, durch medizinische Gutachten zu erhärten. Der Gesuchstellerin wurde im Schiedsverfahren die Möglichkeit eingeräumt, bis acht Tage vor dem am 22./23. Oktober 2009 stattfindenden Hearing neue medizinische Erkenntnisse vorzulegen. Die Frage, ob bei der Gesuchstellerin eine hereditäre Sphärozytose vorliege, die allenfalls die in Hamar festgestellten abnormalen Blutwerte erklären könnte, wurde anlässlich des Verhandlungstermins auch nach der Darstellung im Revisionsgesuch intensiv diskutiert, und sie wurde vom TAS auf Grundlage der verschiedenen von den Parteien eingereichten Gutachten sowie der Anhörung zahlreicher Experten anlässlich des Hearings vom 22./23. Oktober 2009 eingehend geprüft. Das Schiedsgericht hat den Einwand der Gesuchstellerin verworfen und hat es aufgrund des durchgeführten Beweisverfahrens für erwiesen erachtet, dass die abnormalen Blutwerte der Gesuchstellerin vom 6. und 7. Februar 2009 sowie der am 18. Februar 2009 festgestellte starke Rückgang des Retikulozytenwerts nicht durch eine angeborene oder erworbene Anomalie erklärt werden könnten, sondern auf eine Blutmanipulation zurückzuführen seien.
Die Gesuchstellerin bringt lediglich vor, sie habe erst am 27. November 2009 – mithin zwei Tage nach dem Urteil des Schiedsgerichts – Kenntnis davon erhalten, dass seit Mai 2009 ein neuer Algorithmus zur Verfügung stehe, der “eine genauere Diagnose als bisher ermöglichen könnte”. Darauf will sie von Dr. Lutz, dem Arzt des Nationalverbands, aufmerksam gemacht worden sein, der seinerseits “von Kollegen” einen entsprechenden Hinweis erhalten haben soll. Mit diesen vagen Behauptungen legt die Gesuchstellerin nicht hinreichend dar, weshalb es ihr nicht bereits während des Schiedsverfahrens möglich gewesen wäre, sich auf die angeblich neu entdeckte Diagnosemöglichkeit zu berufen, genauer bis Mitte Oktober 2009, als die Gesuchstellerin dem Schiedsgericht noch neue medizinische Erkenntnisse hätte vorlegen können. Die Erklärung der Gesuchstellerin dafür, dass sie zwei Tage nach Abweisung ihrer Berufung durch das TAS durch blossen Hinweis des Verbandsarztes eine bisher unbekannte Methode entdeckt haben will, auf die sie sich nur wenige Wochen früher vor dem TAS bei sorgfältiger Beweisführung unmöglich hätte berufen können, erscheint nicht plausibel.
Es kann nicht angehen, sich in einem Schiedsverfahren zunächst auf wissenschaftlich anerkannte Methoden zu verlassen und entsprechende medizinische Gutachten und Experten zum Beweis anzubieten, um sich nach einem negativ ausgefallenen Schiedsurteil im Rahmen des Revisionsverfahrens nunmehr auf unpublizierte und wissenschaftlich noch wenig erhärtete Methoden zu berufen. Hätte sich die Gesuchstellerin zur Untermauerung ihres Prozessstandpunkts auf weitere denkbare Diagnosemöglichkeiten stützen wollen, wären ihr entsprechende Bemühungen zur Beibringung solcher Beweismittel zumutbar gewesen. Sie zeigt in ihrem Revisionsgesuch jedoch nicht auf, welche konkreten Schritte sie in diese Richtung unternommen hätte (vgl. Urteil 4P.213/1998 vom 11. Mai 1999 E. 3b/aa; JEAN-FRANÇOIS POUDRET, Commentaire de la loi fédérale d’organisation judiciaire, Bd. V, 1992, N. 2.2.5 zu Art. 137 OG, S. 30; ANTONIO RIGOZZI/MICHAEL SCHÖLL, Die Revision von Schiedssprüchen nach dem 12. Kapitel des IPRG, 2002, S. 44 und 46). Auch wäre es der Gesuchstellerin unbenommen gewesen, ihre in Hamar gemessenen Blutwerte bereits während des Schiedsverfahrens weiteren Sachverständigen zugänglich zu machen oder etwa auf ihrer Internetseite zu veröffentlichen, wie sie dies nach eigenen Angaben nach erfolgtem Schiedsentscheid tat, worauf sich zahlreiche Gutachter bei ihr gemeldet hätten. Es wäre ihr während des Schiedsverfahrens sodann freigestanden, Blutanalysen bei Familienmitgliedern zu veranlassen, wie sie dies nur wenige Tage nach dem Schiedsspruch des TAS getan hat.
2.4 Schliesslich erscheint auch fraglich, ob die nunmehr im Revisionsverfahren vorgebrachten Beweismittel angesichts der im Schiedsspruch des TAS vom 25. November 2009 aufgeführten Entscheidgründe als erheblich zu erachten wären. Das TAS hat gestützt auf die Aussage von Prof. d’Onofrio nämlich erwogen, dass selbst die (unwahrscheinliche) Diagnose einer hereditären Sphärozytose die bei der Gesuchstellerin festgestellten Schwankungen in Form von abnormal hohen Werten während der Weltmeisterschaft vom 6./7. Februar 2009 sowie dem anschliessend starken Abfall nicht erklären könnten. Die von der Gesuchstellerin im Rahmen des Revisionsverfahrens angeblich auf einen neu entdeckten Algorithmus gestützte Diagnose einer hereditären Sphärozytose könnte daher lediglich die schiedsgerichtliche Feststellung in Frage stellen, wonach eine solche vererbte Blutanomalie bei der Gesuchstellerin nicht habe nachgewiesen werden können. Vom angeblich neuen Beweismittel unberührt bliebe jedoch die für den Entscheid wesentliche Erwägung des TAS, selbst eine solche Diagnose vermöge die konkreten Schwankungen der Blutwerte nicht zu erklären.
Die Gesuchstellerin behauptet nun zwar, auch dieser Einwand des TAS sei durch die Gutachten von Dr. Weimann, Prof. Gassmann und Prof. Schrezenmeier aus dem Weg geräumt. Die von ihr angeführten Experten bestätigen auch, dass die nunmehr angeblich erfolgte Diagnose mit erhöhten Retikulozytenwerten einhergehen könne. Dass die festgestellten Schwankungen der Blutwerte durch eine Sphärozytose erklärbar seien, wurde allerdings von den von der Gesuchstellerin bezeichneten Gutachtern bereits im Schiedsverfahren vertreten, vom TAS jedoch aufgrund seiner Beweiswürdigung abweichend beurteilt. Die Gesuchstellerin zeigt in ihrem Revisionsgesuch nicht auf, inwiefern die angeblich neu entdeckte Methode über die Diagnose einer Blutanomalie hinaus auch – bisher unbekannte – Rückschlüsse hinsichtlich der festgestellten Schwankungen zulassen soll. Wenn die angeführten Gutachter erklärten, die anhand neuer Blutproben angeblich diagnostizierte Sphärozytose könne zu erhöhten Retikulozytenwerten führen, so ist damit noch keineswegs dargelegt, welche neuen Schlüsse die angeblich neue Methode hinsichtlich der konkret festgestellten Schwankungen im Zusammenhang mit der Weltmeisterschaft in Hamar zulassen soll. In dieser Hinsicht zielen die Vorbringen der Gesuchstellerin bloss auf eine erneute Sachverhaltswürdigung ab. Ein Revisionsgrund ist jedoch nicht schon dann gegeben, wenn das Schiedsgericht bereits im Hauptverfahren bekannte Tatsachen unrichtig gewürdigt haben sollte. Ob die Erwägung des Schiedsgerichts, selbst eine hereditäre Sphärozytose könne die konkreten Schwankungen der Blutwerte nicht erklären, zutrifft oder nicht, kann das Bundesgericht auf Grundlage der Vorbringen der Gesuchstellerin von vornherein nicht überprüfen. Damit erscheinen die nunmehr vorgebrachten Beweismittel unter revisionsrechtlichen Gesichtspunkten als nicht erheblich.
Die Gesuchstellerin hat die Gesuchsgegnerin für das bundesgerichtliche Verfahren mit Fr. 6’000.– zu entschädigen.
posted on: 10.11.2010 at 12:16 • updated on: 29.09.2012 at 13:49
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said on 10. November 2010 at 14:25
Danke schön, Herr Weinreich!
Welche juristische Fachkraft kann uns das für Normalsterbliche übersetzen?
Mein Verständnis: CP hat nichts Neues zur Revision mitgebracht, die TAS hat die Bedenken in der Schiedsgerichtsverhandlung bereits gehört, aber sich durch die Deutung überzeugen lassen, die Krankheit erkläre die Blutwerte nicht allein, Doping daher wahrscheinlich . CP hat sich schon für das Schiedsgericht nicht gut genug vorbereitet, ob wohl das möglich gewesen wäre. Interessant ist für mich immer wieder, daß Urteil und die Urteilsbegründung der TAS von Juristen nicht weiter angefasst und als in Stein gemeißelt hingenommen werden, obgleich jeder halbwegs wissenschaftlich vorgebildete Mensch nur den Kopf schüttelt. Das auch schon, bevor die Hintergründe (Sottas Fernbleiben) am Schiedsgerichtstag bekannt wurden.
Noch interessanter wird jedoch, auf welchem Wege CP und Konsorten doch noch zum nächsten Olympia kommen wollen, jetzt dürfen sie ja nicht. Alles durch das Eurogericht?
said on 10. November 2010 at 16:07
Die Wahrscheinlichkeit, dass Frau Pechstein während der nächsten 10 Lottoziehungen jeweils 6 Richtige treffen würde ist höher anzusiedeln, als dass der EGMR ihr Recht geben wird.
Man braucht sich dazu nur die Verfahrensstatistik bei Wikipedia anzuschauen. Die Schweiz ist im Zeitraum von 1999 bis 2006 insgesamt 26 mal verurteilt worden, davon 9 mal im hier relevantenBereich der Nichtgewährung eines fairen Verfahrens. Und das bei ca. 40.000 Fällen, die der EGMR jährlich hat.
said on 10. November 2010 at 16:16
@ berolin: Das liest sich doch ganz gut, finde ich. Mann muss die Argumentation nicht in jedem Punkt teilen, doch gibt es verworrenere Juristentexte – auch vom Bundesgericht, wie wir seit fast einem Jahr merken.
said on 10. November 2010 at 16:23
@berolin:
Interessant ist für mich immer wieder, daß Urteil und die Urteilsbegründung der TAS von Juristen nicht weiter angefasst und als in Stein gemeißelt hingenommen werden, obgleich jeder halbwegs wissenschaftlich vorgebildete Mensch nur den Kopf schüttelt.
Nun, in eine ähnliche Richtung geht auch mein Unverständnis bei dieser Passage des Urteils:
Ein Revisionsgrund ist nicht schon dann gegeben, wenn das Gericht bereits im Hauptverfahren bekannte Tatsachen unrichtig gewürdigt hat. Notwendig ist vielmehr, dass die unrichtige Würdigung erfolgte, weil für den Entscheid wesentliche Tatsachen unbewiesen geblieben sind
Also wenn ein Prozeßbeteiligter alle notwendigen Beweismittel vorlegt, aber ein Gericht einfach gesagt schlicht zu bescheuert ist, diese richtig zu werten, kann das Urteil nicht angefochten werden? Selbst wenn erwiesenermaßen und mehr oder weniger unstrittig eine unrichtige Würdigung der Beweismittel erfolgte? Ich denke, da benötigt man unbedingt noch eine zusätzliche Tatsacheninstanz!
Zumal meiner Meinung nach das Bundesgericht schon die Urteilsbegründung des CAS offensichtlich nicht verstanden hat und es anders interpretiert, als es dort geschrieben wurde. Denn der der Wegfall einer natürlichen Erklärungsmöglichkeit erfolgte ja nur in der irrigen Annahme durch das CAS, man könne eine Anomalie bei Pechstein ausschließen. Insofern stellt zum einen eine neue Diagnostik sehr wohl ein relevantes neues Beweismittel dar (das Bundesgericht hätte sich also mit der Zulässigkeit dieses auseinandersetzen müssen, was es jetzt vermieden hat). Und zum anderen argumentiert damit auch hier wieder die Begründung eines Gerichtes mal wieder an den von den Vorinstanzen geschaffenen Tatsachen vorbei. Schon traurig, wenn man das so liest. Die Juristerei scheint wirklich nicht immer ihre besten Köpfe in die höchsten Positionen zu bringen.
said on 10. November 2010 at 16:39
So, nun reichts, Herr Weinreich! Ich halte jetzt so lange die Luft an, bisich endlich Recht kriege Sie ihr Versprechen einhalten, keinen neuen CP-Rechtsstreit-Eintrag mehr zu verfassen.
said on 10. November 2010 at 17:46
Ist das etwa eine verdeckte Medienkritik von Ihnen ? Die Rollen waren doch bislang hier anders verteilt. ;)
said on 10. November 2010 at 18:04
@Herbert, meinen sie das wirklich? Ist das etwa eine verdeckte Medienkritik von Ihnen ? Die Rollen waren doch bislang hier anders verteilt. ;)
ich empfehle mal dieses zu versuchen: Journalismus(Medien)
said on 10. November 2010 at 18:50
Insgesamt kann einen ja Angst und Bange werden, wenn man die Begründung der Revisionsabweisung vom Bundesgericht liest. Mit einer Leichtigkeit ( oder auch Unverfrorenheit- darf gelöscht werden) werden hier Fakten ge- und entwürdigt, dass der Leser froh ist, “lediglich” ein Urteil zur Sportgerichtsbarkeit lesen zu dürfen. Im Strafrecht sind die Richter ja glücklicherweise für den Angeklagten nicht in der strict liability befangen und müssen sich schon sorgfältig mit Beweisentwicklungen befassen. Hier wird simpel abgeschmettert.
Populistisch formuliert, bekommt man von Anbeginn an den Eindruck, die Ablehnung stand von vornherein schon fest. Wierum es auch kommt, immer zu ungunsten der Antragstellerin.
blockquote>Während die Gesuchsgegnerin einen Retikulozytenwert zwischen 0.4 % und 2.4 % für normal erachtet, ergaben die Resultate der Blutuntersuchungen bei der Gesuchstellerin Retikulozytenwerte, die weit über 2.4 % lagen und danach jeweils stark abfielen.
Diese Würdigung würde ich zumindest als tendenziös betrachten, wenn nicht sogar als parteiisch. Das TAS hat auf eine Stellungnahme verzichtet.
Warum auch ? That´s it.
Ein Revisionsgrund ist nicht schon dann gegeben, wenn das Gericht bereits im Hauptverfahren bekannte Tatsachen unrichtig gewürdigt hat. Notwendig ist vielmehr, dass die unrichtige Würdigung erfolgte, weil für den Entscheid wesentliche Tatsachen unbewiesen geblieben sind Ich sehe es so wie Gipsel und empfinde diese Formulierung nicht plausibel und jenseits juristischer Verantwortung. Ob die nunmehr vorliegenden, allesamt erst nach dem Schiedsspruch des TAS vom 25. November 2009 ausgefertigten medizinischen Gutachten als nachträglich aufgefundene Beweismittel im Sinne von Art. 123 Abs. 2 lit. a BGG zu betrachten sind, erscheint im Hinblick auf den klaren Gesetzeswortlaut (vgl. letzter Teilsatz) als fraglich. … Dies gilt auch, wenn davon ausgegangen wird, wie dies die Gesuchstellerin vorbringt, dass der nunmehr ins Feld geführte Algorithmus grundsätzlich bereits seit Mai 2009 zur Verfügung gestanden habe, zumal der Algorithmus für sich allein kaum als Beweismittel geeignet wäre, sondern nach Darstellung der Gesuchstellerin auch Dr. Weimann erst “ab November 2009″ die Möglichkeit erhalten habe, “den Quotienten für eigene Forschungszwecke zu erproben�? und eine angebliche Diagnose erst Anfang Dezember 2009 mit Hilfe zahlreicher erneut entnommener Blutproben gestellt werden konnte. Die Frage braucht jedoch nicht abschliessend geprüft zu werden, da das Revisionsgesuch aus anderen Gründen abzuweisen ist.
Weshalb damit beschäftigen, wenn man es eh nicht verstehen will (kann) ?
Beweise scheinen nur dann relevant, wenn sie ins Ablehnungsschema passen. Ob die Erwägung des Schiedsgerichts, selbst eine hereditäre Sphärozytose könne die konkreten Schwankungen der Blutwerte nicht erklären, zutrifft oder nicht, kann das Bundesgericht auf Grundlage der Vorbringen der Gesuchstellerin von vornherein nicht überprüfen. Damit erscheinen die nunmehr vorgebrachten Beweismittel unter revisionsrechtlichen Gesichtspunkten als nicht erheblich.
Die Gesuchstellerin hätte sich wohl vor ihrem Antrag über die Möglichkeiten des Gerichts, Beweise prüfen und verstehen zu können, informieren sollen ? Man fasst es kaum.
Ich dachte immer, Justizia trägt eine Binde vor den Augen, damit sie ihr Urteil unabhängig fällen kann. Vielleicht will sie sich aber nur selbst schützen und nicht wahr haben, was sie mit ihrem Schwert alles so blind anrichten kann.
Zum Glück bin ich nur Laie und laufe nicht (mehr) Eis.
said on 10. November 2010 at 22:04
@ berolin: Für die Frage, warum der TAS-Spruch als in Stein gemeißelt gesehen wird, der kleine Hinweis: Lässt das Bundesgericht jetzt zu, dass nicht mehr die Erkenntnis der Richter zu einem bestimmten Zeitpunkt maßgebend ist, sondern neue medizinische Erkenntnisse vom Bundesgericht irgendwie zu berücksichtigen sind, dann hat das Bundesgericht eine größere Anzahl Sport- und anderer Fälle mehr zu entscheiden. Und vielleicht hat das BG irgendwie auch recht — der Umstand, dass die Sportgerichtsbarkeit keine Wiederaufnahme kennt bei neuen medizinischen Erkenntnissen ist eigentlich nicht das Problem des BG.
Und ansonsten werden Sprüche von Juristen deshalb als in Stein gemeißelt gesehen, weil es sich um einen Rechtsstaat handelt. Wenn es mal einen demokratischen Naturwissenschaftlerstaat gibt, wird die relevante Wahrheit auch anders ermittelt ;-). Im übrigen kommt diese Kritik meist nur, wenn Juristen die Ansicht des Schreibenden nicht teilen. Sie wäre aber wertvoller, wenn der Schreibende die Ansicht des Juristen teilt und trotzdem etwas grundsätzlich kritikwürdiges findet.
said on 10. November 2010 at 23:16
Das Bundesgericht ist keine Instanz der Sportgerichtsbarkeit. Denen ist das schnurzegal ob ein privates Sportgericht richtig oder falsch entscheidet, es sei denn, es wurde dabei gegen schweizer Recht verstossen. Den Bundesrichtern darum alles moegliche zu unterstellen ist daher eher fehl am Platz. Das scheint der eine oder andere aber ein bisschen zu vergessen.
Das CAS war die letzte Instanz in Sachen Sport und das Ding ist gelaufen, denn da gibts keine Moeglichkeit einer Wiederaufnahme des Falles. Und jeder der sich in Sportrecht ein bisschen auskennt der hat das schon vorher gewusst. Mir ist es darum noch immer schleierhaft, warum Pechstein + Co. die Zeit von Februar bis zur ersten Anhoerung ungenutzt verstreichen lassen, das Angebot der ISU eines Untersuchs auf Blutanomalien ausgeschlagen und stattdessen die Oeffentlichkeit mit Luegen eingedeckt haben. Dass solches Verhalten einen nicht unverdaechtiger macht, darauf haett man ja mal zumindest kommen koennen.
said on 11. November 2010 at 09:33
Leider sind die Bürger nicht alles Juristen. Das wäre ja auch für die Lebensqualität der Juristen höchst unangenehm. Wenn man als durchschnittlich Gebildeter und mit normalen Menschenverstand das juristische Tun zur Absicherung des Konstrukts Rechtsstatt nur zunehmend schwieriger nachvollziehen kann, wäre ein möglicher Weg, das Rechtsverständnis der Bürger zu verbessern bzw. die Rechtssprechung verständlicher zu gestalten. Man könnte auch entsprechende kostenpflichtige Bürgerseminare organisieren. ;) ;)
Standes d e n k e n hat dagegen in einem Gemeinwesen ( da hat übrigens schon das Römische Reich schlechte Erfahrungen gemacht) noch nie geholfen. Das Brot vom Bäcker muss man essen können. Erklärungen im nachhinein helfen dem verdorbenen Magen nicht mehr.
Manchmal wünscht man sich ergänzend zum Rechststaat einen Moralstaat. Das Problem liegt allerdings auf der Hand: Uns ist die Moral abhanden gekommen.
said on 11. November 2010 at 10:33
Mein Verständnis: CP hat nichts Neues zur Revision mitgebracht, die TAS hat die Bedenken in der Schiedsgerichtsverhandlung bereits gehört, aber sich durch die Deutung überzeugen lassen, die Krankheit erkläre die Blutwerte nicht allein, Doping daher wahrscheinlich .
That might very well summarize why the defense strategy has failed so far.
The blood disease may explain the generally elevated profile (2% instead of the ‘normal’ 1%), but that’s irrelevant for the case. The profile has been accepted by TAS. What TAS did not accept were the ‘abnormal’ values found at Hamar (which were even ‘abnormal’ compared with her own profile), followed by the sharp drop.
I don’t think that Mrs. Pechstein has addressed the crucial issue, which is a statistical one. Therefore, I’m not too optimistic about the outcome of the next round either.
said on 11. November 2010 at 10:51
Mir ist es darum noch immer schleierhaft, warum Pechstein + Co. die Zeit von Februar bis zur ersten Anhoerung ungenutzt verstreichen lassen, das Angebot der ISU eines Untersuchs auf Blutanomalien ausgeschlagen und stattdessen die Oeffentlichkeit mit Luegen eingedeckt haben.
Try this one: she owed the ISU nothing.
The ISU should have done the proper calculation in Hamar. Instead, they sent the data to Lausanne because they had no idea how to assess the value of this so-called evidence.
said on 11. November 2010 at 11:03
Ich denke nicht, daß CP keine leistungsfördernde Maßnahmen an der Grenze der Legalität durchführte. Ich halte sie nur für nicht nachgewiesen. Außer der von Hartmann vorgeschlagenen Epo + Eisen- und Wachstumshormon-Varianten stehen wir doch ohne sinnvolles mögliches Dopingmittel dar, und diese Ideen kamen nicht mal von der ISU! Wie kann da ein Gericht sagen, ein Dopingmittel ist nicht nachgewiesen, eine mögliche Krankheit allein reiche nicht, da nehme wir mal den Epo-Vorwurf, obwohl physiologisch gesehen die Epo-Gabe, die diese Wirkung auf die Retis zeigt, keinerlei Leistungsförderung beim, sondern erst Tage nach dem Wettkampf hervorrufen kann?!? Diese hanebüchende Begründung gegen die überwiegende Mehrheit der Dopingexperten aufrechtzuerhalten, sogar noch dann nicht von selbst eine Revision anzustreben, wenn die ISU in ihren späteren Begründungen weder den Wechsel ihrer Argumentationsstrategie noch dilletantisches Zitieren von Zeitungsinterviews im selben Atemzug mit Expertengutachten scheut, dürften auch Juristen schwer im Magen liegen, denen an einer neutralen Sportgerichtsbarkeit liegt.
Ich finde es auch sehr verwunderlich, weshalb CP sich nicht sofort für Untersuchungen zur Verfügung stellte. Olympiavorbereitung hin oder her, bei der Wahl zwischen drohender Sperre oder mehreren verlorenen Wochen wüßte ich, was ich machen würde. Trotz des Zwangs zur Beweislastumkehr.
[Verschwörungstheorienmodun an] Nimmte man Kuipers Äußerung, man hätte CP seit langem auf der Liste, und sieht man die Lösungsvorschläge und Argumentations- bzw. Rückzugslinien der ISU-Expertenimitate, kommt man nicht umhin, hierin eine gezielte Aktion zur Verhinderung der erfolgreichen Olympiateilnahme zu erkennen. [Verschwörungstheorienmodus aus]
Andererseits sollten wir nicht vergessen, daß die ISU bereits vor dem ersten Urteil von einem Fettnäppfchen ins nächste tappte und bereits zu diesem Zeitpunkt führende Experten den Blutwerten Anomalität, aber für Doping untypische und eher kontraproduktive Anomalität an die Medien berichteten. Von lückenloser Indizienkette konnte schon damals keine Rede gewesen sein. Wer hätte eine derart parteiische Auslegung der vorgebrachten Äußerungen (mir widerstrebt der Begriff Expertenmeinungen angesichts des offensichtlichen Unsinns, der in der Begründung auftaucht) von Seiten des Gerichts annehmen können?
Am Ende bleibt: CP hat sich dermaßen schlecht beraten lassen, dass ISU und CAS mit einer Dopingverurteilung ohne ausreichend sichere Indizien durchkommen. Alle Beteiligten haben finanziellen, materielle und Ansehenseinbußen. triple-loose-situation
said on 11. November 2010 at 11:21
Doch, eine Erklaerung ihrer erhoeten Werte. Die Grenzwerte waren ja klar. Oder wie bitte soll denn irgendein Verband auf dieser Welt eine Ausnahmegenemigung erteilen? Das laeuft bei Athleten mit angeborenem, erhohetem Haematokritwerten genauso. Die koennen auch nicht daherkommen und was von falschen Messungen und nicht qualifiziertem Kontrolleuren erzaehlen und kriegen dann die erforderliche Bewilligung.
said on 11. November 2010 at 11:34
@ berolin: Sie hatten ja eine Frage aufgeworfen, und ich habe versucht, etwas dazu beigetragen. Zu dem, was sie jetzt schreiben: Ich hatte auch mal die Vorstellung, Jura ließe sich abseits des Umstandes betreiben, dass jemand Macht ausüben möchte. Meine Vorstellung ist, naja, Vergangenheit. Ich finde deshalb sympathisch, was sie schreiben, bis auf die Schlussfolgerung der Schlechtberatung, habe aber Schwierigkeiten, da mitzuargumentieren.
M.E. stellen Sie die falschen Fragen. Warum hat ein Quasi-Monopolverband es nötig, das Verfahren in der eigenen Gerichtsbarkeit zu halten? Warum nicht die erste Überprüfung einer Dopingsperre durch das Amts/Landgericht, mit Instanzenzug? Dann entscheiden zwar weiterhin Juristen, aber der Einfluss auf diese Juristen ist geringer. Warum gibt s keine Möglichkeit der Wiederaufnahme bei wissenschaftlichem Fortschritt in diesem Berufsverbotsverfahren? Wenn Sie für viele der Fragen keine rationalen Antworten finden, finden Sie vielleicht andere.
@ herbert: Einen Moralstaat wünsche ich mir nicht, aber einfache/re Systeme. Dann ist jura auch leichter verständlich
said on 11. November 2010 at 11:53
Am Ende bleibt: CP hat sich dermaßen schlecht beraten lassen, dass ISU und CAS mit einer Dopingverurteilung ohne ausreichend sichere Indizien durchkommen.
Das ist doch genau der Punkt! Monatelanges Luegen, falsche Anschuldingen und Prozessdrohungen gegen Arie Visser erhoehen halt die Glaubwuerdigkeit nicht wirklich. Und jeder bei der ISU hat doch gewusst, dass das ganze Pechsteinumfeld, inklusive ihr selbst, noch bis am Tag vor der Anhoerung Schmarren erzaehlt. Man kann ja nicht ernsthaft annehmen, die wuerden keine Zeitungen lesen. Da muesst sie dann aber verdammt gute Argumente gehabt haben um den selbstvermittelten Eindruck wieder auszubuegeln.
said on 11. November 2010 at 12:27
@ Carmen: völlig richtig, was Sie da sagen. Glaubwürdigkeit erhöhe ich, indem ich kooperiere. Beide Seiten habe ihre Standpunkte jedoch nicht verlassen.
Weder war die ISU bereit, ein Training weiterhin zu ermöglichen, noch CP, einen Weg zu finden, dann eben auf überwachbare Trainingseinheiten auszuweichen. Mit Gewalt an irgendwelche Laborwerte kommen zu wollen, so dusselig kann doch niemand sein, oder? Vielleicht kann aber jemand verzweifelt genug sein, erstmal irgendetwas Handfestes bekommen zu wollen, um es dann Experten vorzulegen. Ganz will ich die These der zu unrecht verfolgten und deshalb verzweifelt-überhastet-unüberlegt agierenden Unschuld nicht aufgeben, solange uns nicht jemand von der ISU klarmachen kann, worauf sich ihre Verdächtigungen vor Hamar bezogen haben. Die Retis allein glaube ich nicht mehr, seit bekannt wurde, daß es mehrere vergleichbare Fälle gab.
said on 11. November 2010 at 13:27
Ja Herr Berolin, wer kann denn hier wen verurteilen und sperren? In wessen Interesse waers wohl eher gelegen, sich kooperativ zu zeigen und Erklaerungen zu suchen? Und zwar eben nicht mit einem “Pechstein’s Boyfriend” in Hamar, mit Verhaftung etc. Aber wer so ein Angebot der ISU ausschlaegt, aber dafuer anfaengt ueber die Presse zu sticheln, was ja noch vornehm ausgedrueckt ist, der darf sich ja nun nicht wirklich wundern, wenn nachher keiner der Geschmaehten mehr Lust mehr auf Entgegenkommen hat. Wundern tut mich das jedenfalls nicht.
said on 11. November 2010 at 13:48
Doch, eine Erklaerung ihrer erhoeten Werte.
Try to understand that the conclusion ‘erhoeten Werte’ should have been underpinned using a statistical calculation. That should have been done as soon as the number was measured. Thousands of production plants do it on a daily basis: check the data for ‘abnormality’ in real time to keep the production process in control. It takes no more than milliseconds.
As soon as an ‘abnormal’ value is measured (fault detection), an analyst will check what is wrong (fault identification) and a technician is send out to correct it – to save the product.
In the Pechstein case, there was no fault detection, just some gut feeling (Bauchgefühl), and fault identification was left to Mrs. Pechstein. The world upside down.
In conclusion: she owed them nothing.
said on 11. November 2010 at 14:39
The profile has been accepted by TAS. What TAS did not accept were the ‘abnormal’ values found at Hamar (which were even ‘abnormal’ compared with her own profile), followed by the sharp drop.
The problem with that is that the ISU hasn’t really demonstrated such fluctuations like in Hamar couldn’t be just the result of the normal fluctuations. The Hamar values were ~65% above Pechstein’s average value in the considered period of the 14 months before Hamar. The ISU also published some values of an unsuspicious anonymous skater having an average of 1.2%RET with peaks up to 2.0%, which is virtually the same relative difference between peak and average as in case of Pechstein. The ISU simply failed to answer the crucial question why the same relative fluctuations are abnormal in one athlete but unsuspicious in another one.
The explanation brought forward by the Pechstein side, namely that not only the real physiological changes but also analytical problems contribute greatly to the observed fluctuation, especially when comparing values of different laboratories, is very convincing. And it is backed up by a lot of data from several ring studies showing that especially Advia machines show large deviations between measurements of the same sample in different labs. And as said, the data of the anonymous skater also fits very well to this explanation. On the other side, the criterion for abnormal fluctuations used by the ISU simply does not hold any water, not when checking the background of the criterion and also not when applying it to that unsuspicious anonymous athlete. I would bet a years salary, that the majority of all athletes with more than 10 retics values in the ISU database measured in different labs would show abnormal fluctuations according to the employed criterion in the Pechstein case. If that shows anything, than that the criterion is utter crap. And that would be the scientific name for it ;).
said on 11. November 2010 at 14:55
Doch, eine Erklaerung ihrer erhoeten Werte. Die Grenzwerte waren ja klar.
Du unterliegst einem Irrtum. Es gibt keine Grenzwerte für Retis. Das müssen somit immer Einzelfallentscheidungen sein, die nach ausfürhlicher Beratung mit Experten nach Ansicht der Blutparameter und deren Profile, also dem Verlauf der einzelnen Werte, getroffen werden.
Schau mal in die WADA-Regeln! Da sind die Beweisregeln für Dopingverstöße niedergeschrieben. Und daraus ergibt sich nun einmal, daß die Anklage (die ISU) zeigen muß, daß diese Werte (ob erhöht oder nicht ist da sekundär) mit überwiegender Wahrscheinlichkeit durch Doping verursacht wurden. Wenn dies erfolgt ist, geht die Beweislast auf den Athleten über, der dann eine natürliche Erklärung beweisen muß. Nur gibt es von der ISU bis heute kein einziges Gutachten, welches diesen Beweis führt. Man hat nur versucht, die “Abnormalität” des Blutprofils zu zeigen (und ist sogar damit teilweise gescheitert, wenn man naturwissenschftliche Maßstäbe anlegt), nicht das diese Abnormalität vom Doping kommt.
Als Ergänzung zum zweiten Punkt kann man noch anführen, daß es auf der anderen Seite inzwischen sogar mehrere Gutachten von Dopingexperten gibt, in denen steht, daß die Werte von Pechstein gerade nicht zu Dopingpraktiken/Substanzen passen und mithin die Erklärung durch Doping unwahrscheinlich ist. Ergo hat die ISU den eigentlich von ihr geforderten Beweis nicht geführt und ist immer noch in der Pflicht.
said on 11. November 2010 at 17:51
Es gibt zwei Probleme, die häufig nicht auseinander gehalten werden.
Das erste Problem: Die Sportgerichtsbarkeit ist Zivilrecht und kein Strafrecht. Das ist ein großer Unterschied. Ein Staatsanwalt muss von Amts wegen unabhängig ermitteln und dafür sorgen, dass die Anklage nicht an begründeten Zweifeln zerbricht. Ein Beschuldigter in einem Strafverfahren muss nicht kooperieren – dieses Verfahren schadet in einem Zivilverfahren.
In einem Zivilverfahren reicht es, eine schlüssige Version vorzulegen. Es ist Aufgabe des Beklagten, dieses zu widerlegen, schon während des laufenden Verfahrens – daher ist die Schlussfolgerung von Klaas Faber In conclusion: she owed them nothing. nicht haltbar. Aus dem Grund war die Weigerung von CP, das ISU-Angebot (Juni 2009 [1]) anzunehmen ein Fehler, genauso war es ein Fehler von CP, erst nach dem CAS-Urteil die weiteren Untersuchungen durchzuführen, deren Ergebnisse das Bundesgericht jetzt als nicht ausreichend für eine Revision bewertet hat. Der zweite Problem war, sich auf das Schweizer Bundesgericht zu verlassen. Es hätte CP von Anfang an klar sein müssen, dass das CAS die letzte Instanz ist, die Tatsachen bewertet und das nur die Tatsachen bewertet werden die zum Zeitpunkt des Hearings vorliegen.
Das Schweizer Bundesgericht wiederholt als Tatsachen-Instanz zu “instrumentalisieren” war keine kluge Strategie. Das Bundesgericht hat keine Kompetenz, Tatsachen neu zu bewerten und will diese auch gar nicht. Ebenso hätte CP klar sein müssen, das nach Anhörung und Urteilsspruch des CAS nur noch eine sehr geringe Möglichkeit besteht, neue Beweise einzubringen die eine Wiederaufnahme des Verfahrens rechtfertigen. @berolin
[1] Ja, die ISU war bereit, CP in dem Zeitraum, in dem die notwendigen Unteruchungen zur Feststellung einer Blutanomalie durchzuführen sind, nicht zu sperren. (ISU-DC Urteil vom 01.07.2009, Abs. 37)
Ich denke, da benötigt man unbedingt noch eine zusätzliche Tatsacheninstanz!
Es gibt jetzt praktisch immer zwei Instanzen, die erste, verbandsinterne Instanz und das TAS als Berufungsinstanz.
Auch wenn man an der Unabhängigkeit und Qualifikation der ersten Instanz durchaus zweifeln darf. Es steht über allem immer noch die ordentliche Gerichtsbarkeit, die auch im Fall CP tätig wurde. CP hatte bekanntermaßen die möglichkeit, sich sportlich für Olympia zu qualifizieren.
Was wäre der Vorteil einer weiteren Tatsacheninstanz. Der einzige Vorteil wäre, man könnte das schriftliche Urteil nehmen, und sich aus dem Urteil einen neue Argumentation basteln. Mit der Sichtweise kann man aber auch vier oder sieben Tatsacheninstanzen vorhalten.
Speziell im Fall CP sehe ich nicht, dass es mit einer dritten Tatsacheninstanz anders verlaufen wäre. Als CP am 23.11.09 beim CAS den Antrag stellte, das Verfahren wieder zu eröffnen, wurde nur mit der Meinung von Sottas argumentiert. Erst eine Woche später wurde CP zufälligerweise eine neue Analysemethode zugänglich gemacht. Unabhängig davon halte ich es für grenzwertig, dass das Blutprofil als indirekter Beweis genutzt wird und sportrechtlich mit Blutdoping gleichgesetzt wird. Die Konsequenz daraus ist, dass die Ankläger nicht Vorsatz nachweisen müssen und es somit einfacher haben eine schlüssige Anklage aufzustellen. Wenn man das Blutprofil mit all seinen -offensichtlichen- Problemen (Schwankungen bei den Messwerten, geringere Teststandards) als Beweis nehmen will, sollte man das maximal als versuchtes Doping behandeln können und dem Ankläger die Pflicht aufbürden, Vorsatz nachweisen zu müssen.
said on 11. November 2010 at 19:26
In einem Zivilverfahren reicht es, eine schlüssige Version vorzulegen.
The experts for the ISU committed prosecutor’s fallacy. That’s not allowed, whether one handles a case under civil or criminal law. The standard of proof (‘certainty’) may vary, but not the logic.
You can read more about in Chapter 6 of a report to be downloaded from:
Specifically, on p.117:
Cases have permitted expert testimony to enter the reasoning process as an opinion as to likelihood of guilt which:
• usurps the role of the decision maker;
• ignores the pertinent issues regarding the standard of proof; and
• fails to consider whether the Passport addresses or answers questions which unambiguously go to the question of doping.
This is old stuff. I am just rehashing it (Deutsch: aufwärmen?).
said on 11. November 2010 at 19:34
A small addition. I follow your basic reasoning. It is entirely correct.
However, the defense should have recognized at an early stage that the proof was essentially flawed. Then, (only then) my conclusion comes into sight: she owed the ISU nothing.
said on 11. November 2010 at 20:46
Dank an die Juristen. Also doch offensichtlich sportrechtliche Nullen, auf die sich CP da verließ.
Es ist wirklich bedauernswert, daß der versprochene Mitttschnitt der Verhandlung nicht der Öffentlichkeit vorliegt. Ich habe nach wie vor das Gefühl, dass sich die Experten dort ihrer Argumentationen um die Ohren schlugen und ausnahmsweise mal auf Seiten von CP Leute saßen, die sachlich und wissenschaftlich argumentierten. Es fehlt uns, was da an Gegenargument von Seiten der ISU und an Diskussion stattfand. In der Sitzung könnte eventuell, erinnere ich die ersten Reaktionen richtig, zumindest eine Patt-Situationsstimmung entstanden sein, die für eine Verurteilung nicht ausreichte. Daher auch die Teilwahrheiten und falschen Expertenzitate in der Begründung. Anders ist Jelkmanns spätere Erregung ja kaum zu erklären. Warum nimmt den nicht einmal ein Journalist in die Zange, um mehr über den Verlauf des Prozesstags zu erfahren? Vielleicht liest Herr Jelkmann ja mit und lüftet dieses Geheimnis? Ob die Argumentationen der Anwälte dann bei der Urteilsbildung ausschlaggebend waren? Das spräche dann aber eindeutig gegen CP…
said on 12. November 2010 at 00:32
@duesseldorfer:
In einem Zivilverfahren reicht es, eine schlüssige Version vorzulegen. Es ist Aufgabe des Beklagten, dieses zu widerlegen, schon während des laufenden Verfahrens – daher ist die Schlussfolgerung von Klaas Faber In conclusion: she owed them nothing. nicht haltbar.
Und wofür sind die im WADA-Code definierten Beweislastregeln gut? Dort ist festgelegt, daß die ISU Doping mit überwiegender Wahrscheinlichkeit beweisen muß. Solange sie das nicht tut (was sie objektiv nicht getan hat), hat Klaas Faber vollkommen recht. Denn erst nach dieser Beweisführung geht laut WADA-Code die Beweislast auf Pechstein über.
Der zweite Problem war, sich auf das Schweizer Bundesgericht zu verlassen. Es hätte CP von Anfang an klar sein müssen, dass das CAS die letzte Instanz ist, die Tatsachen bewertet und das nur die Tatsachen bewertet werden die zum Zeitpunkt des Hearings vorliegen.
Na wenn das CAS (oder auch das ISU-Panel) unter Beachtung des WADA-Codes auf Grundlage der Tatsachen entschieden hätte, die vorlagen, wäre ja auch alles gut gewesen. Hat es aber nicht.
Es gibt jetzt praktisch immer zwei Instanzen, die erste, verbandsinterne Instanz und das TAS als Berufungsinstanz. Auch wenn man an der Unabhängigkeit und Qualifikation der ersten Instanz durchaus zweifeln darf.
Also gibt es nur eine unabhängige Instanz.
Es steht über allem immer noch die ordentliche Gerichtsbarkeit, die auch im Fall CP tätig wurde.
Die aber, wie Du selber schreibst, keine Tatsacheninstanz ist und auch gar nicht sein will.
CP hatte bekanntermaßen die möglichkeit, sich sportlich für Olympia zu qualifizieren.
Nicht wirklich. Sie hat die Möglichkeit gehabt, die Olympianorm zu erfüllen. Eine Qualifikation wäre daraus erst nach einem Urteil zu ihren Gunsten geworden. Da dies nicht erfolgt ist, bestand in der Nachbetrachtung keine Möglichkeit zur Qualifikation.
Man verringert die Wahrscheinlichkeit (offensichtlicher) Fehlurteile. Warum gibt es denn überhaupt normalerweise mehr als eine einzige Instanz?
Speziell im Fall CP sehe ich nicht, dass es mit einer dritten Tatsacheninstanz anders verlaufen wäre.
Nun, vielleicht wäre man auf Richter gestoßen, die das logische Denken nicht im Angesicht komplizierter sachlicher Zusammenhänge einstellen?
Es bleibt doch festzuhalten, daß selbst ohne wirkliches Verständnis dieser Zusammenhänge schon beim aufmerksamen Lesen des ISU- oder auch CAS-Urteils klar werden sollte, daß die Argumentation dort noch nicht einmal ernsthaft versucht Doping nachzuweisen. Und ohne eine solche Beweisführung für den Vorwurf jemanden dessen schuldig zu sprechen ist schon irgendwie seltsam, meinst Du nicht?
Unabhängig davon halte ich es für grenzwertig, dass das Blutprofil als indirekter Beweis genutzt wird und sportrechtlich mit Blutdoping gleichgesetzt wird. Die Konsequenz daraus ist, dass die Ankläger nicht Vorsatz nachweisen müssen und es somit einfacher haben eine schlüssige Anklage aufzustellen.
Vorsatz war noch nie für die Feststellung eines Doping-Verstoßes notwendig. Fahrlässigkeit oder auch erwiesenes Nichtverschulden kann höchstens die Strafe mindern.
Wenn man das Blutprofil mit all seinen -offensichtlichen- Problemen (Schwankungen bei den Messwerten, geringere Teststandards) als Beweis nehmen will, sollte man das maximal als versuchtes Doping behandeln können und dem Ankläger die Pflicht aufbürden, Vorsatz nachweisen zu müssen.
Da bin ich anderer Meinung. Es stellt lediglich höhere Anforderungen an die Beweisführung, womit zumindest die ISU und auch die damit betrauten (Schieds-)Gerichte offensichtlich im Pechsteinfall schlicht überfordert waren. Das heißt aber nicht, daß man einen so erfolgten Nachweis, sollte er denn wirklich erfolgt sein, nicht genau so behandeln sollte wie einen eindeutig positiven Test.
said on 12. November 2010 at 00:39
Also doch offensichtlich sportrechtliche Nullen, auf die sich CP da verließ.
Ja, ist schon schlimm, wenn man sich darauf verläßt, daß das CAS aufgrund des WADA-Codes und einer ordentlichen Bewertung der vorliegenden Beweismittel entscheiden würde.
said on 12. November 2010 at 00:46
Du unterliegst einem Irrtum. Es gibt keine Grenzwerte für Retis. …..
Schau mal in die WADA-Regeln! Da sind die Beweisregeln für Dopingverstöße niedergeschrieben. …..
Wird doch alles in Punkt 118 bis 126 des CAS Urteils abgehandelt. Auch das mit der Beweislastumkehr. Ich versteh daher die Aufregung nicht.
Ganz interessant ist aber auch Punkt 205 und vorallem 206
Prof. Max Gassmann declared at the hearing that on the basis of the new evidence deriving from Prof. Schrenzenmeier’s medical examination and tests, he was now persuaded that the only reasonable explanation of the athlete’s high %retics was blood manipulation.
und 207 Schrenzenmeier states with the utmost clarity: ” Overall the diagnosis gives no indication of a hereditary spherocytosis”.
Wohlgemerkt, das waren zwei auch von Pechstein auf den Plan gerufene Experten und Stand der Kenntnis waehrend dem Prozess. Ja was haette denn nun das CAS fuer einen Entscheid faellen sollen? Und ebenfalls erstaunlich, dass das Gutachten Ehninger kurz nach dem Prozess vor der letzten Instanz, genau jenes Ergebnis zutage bringt, welches die Profs Onofrio und Gassmann als Experten der ISU beim Hearing als Pechstein entlastend angesehen haetten. In Punkt 199 wird sogar noch deren Weg wie sie dazu gekommen waeren beschrieben, wenn den die Athletin kooperativ gewesen waere. Da koennt man ja u.a. glatt den Eindruck gewinnen, dass es vielleicht gar nicht so falsch gewesen waere, die von der ISU vorgeschlagenen Tests mit deren Experten zu machen, noch vor dem letzten Schlagabtausch wissenschaftlicher Art. Koennt ja immerhin sein, dass die ja auch ein bisschen eine Ahnung haben wovon sie sprechen. Aber es soll doch jeder selber nochmal nachlesen, wie das Tribunal zu seiner Entscheidung kam, welche Argumentationen da so in den Raum geworfen wurden und wie die Gegenseite darauf reagierte. Wurde doch alles wunderbar protokolliert, von beiden Seiten abgesegnet und ist oeffentlich zugaenglich. Das gurkt mich nun wirklich an, alles nochmal zu zitieren.
said on 12. November 2010 at 02:21
Das wurde alles schon praktisch vor Jahresfrist durchgekaut, daher hier nur eine kurze Antwort:
Die Aufregung kommt daher, daß das CAS zwar anfangs korrekterweise sagt, die ISU müsse Doping nachweisen, aber nachher auch ohne einen solchen Nachweis einen Schuldspruch fällt. Und zur “Beweislastumkehr” steht in den von Dir erwähnten Punkten schon mal gleich gar nichts.
und 207 Schrenzenmeier states with the utmost clarity: �? Overall the diagnosis gives no indication of a hereditary spherocytosis�?.
Dazu gibt es immer zu beachten, daß man streng zwischen der Interpretation des CAS und dem, was die Gutachter wirklich geschrieben haben, unterscheiden muß. Dazu kommen teilweise auch noch Übersetzungsfeinheiten (oder auch platte Fehler wie Leber statt Milz in der englischen Übersetzung eines Zitats aus dem Schrezenmeier-Gutachtens). So schreibt Schrezenmeier im deutschen Original wohl: “In der Gesamtheit ergeben diese Befunde keinen Nachweis einer hereditären Sphärozytose”, was schon irgendwie etwas anders klingt als das “indication” im englischsprachigen Urteil.
Und da wir schon dabei sind, lies Dir mal den Punkt 205 genau durch. Was sagt das Zitat aus dem Heimpel-Gutachten wirklich aus? Über dieses “Up to now, no definite dagnosis of the type of the [..] abnormality could be made” gab es hier ellenlange Diskussionen. Mal ganz davon abgesehen, daß Schrezenmeiers Schreiben nur eine vorläufige Einschätzung war (Heimpel hat die Endauswertung gemacht) und er sogar gegen die Interpretation durch das CAS protestiert haben soll, ändert, egal wie man das interpretieren würde, das aber gar nichts daran, daß die ISU wie in den Punkte 118ff. festgehalten den Dopingverstoß nachweisen muß, sprich überzeugend (oder überhaupt erstmal) darlegen, daß die beobachteten Blutwerte durch Doping verursacht wurden (bzw. dann so aussehen würden, wie beobachtet).
Es reicht aber prinzipiell nie aus, daß einem Gutachter nur der nötige Einfallsreichtum für eine alternative Erklärung fehlt (zumal Gassmann auch kein wirklicher Experte für Dopingfragen ist). Ansonsten verklage ich wohl auch jemanden auf Schadensersatz, nur weil mir gerade kein anderer einfällt, der mich geschädigt haben könnte? Wohl kaum.
Was der ISU vollständig gefehlt hat, war genau das: ein Dopingexperte, der einfach feststellt, daß die bei Pechstein beobachteten Werte typisch für irgendeine Dopingpraxis (also irgendeine Substanzklasse oder Methode) ist. Dummerweise hat die ISU so einen aber nicht auftreiben können. Vielmehr wissen wir heute, daß praktisch alle renommierten Dopingexperten sich genau entgegengesetzt geäußert haben, Doping erscheint anhand der Blutwerte gerade nicht überzeugend. In Anbetracht der fehlenden Feststellung der Plausibilität von Doping (die hat das CAS stillschweigend vorausgesetzt, was einfach ein grober handwerklicher Fehler ist), ist der fehlende definitive Nachweis einer Anomalität bei Pechstein deswegen unerheblich, vor allem da das Blutbild ansonsten dem einer leichten Anomalie (Sphäro- oder Xerozytose, vollkommen egal, die sind in der Beziehung ununterscheidbar) entspricht und auch wie schon vor dem CAS dargelegt bei einigen Fällen gar kein definitiver Nachweis mit den verfügbaren Methoden möglich ist (Studien sprechen von ~20% aller Fälle, bei leichten Fällen sogar von ~30%). Unter solchen Rahmenbedingungen ist die Aussage von d’Onofrio (ISU-Gutachter) des Ausschlusses einer Anomalität zu 99% einfach als hanebüchen zu bezeichnen.
Sei es wie es sei, die entscheidende Abwägung, nämlich ob die Blutwerte eher durch Doping (Nachweispflicht bei der ISU, primäre Anforderung für einen Schuldspruch) oder eher durch eine Anomalität (Nachweispflicht bei Pechstein, mehr oder weniger optional) verursacht wurden, hat schlicht nicht wirklich stattgefunden. Und es ist einfach wie schon oft dargelegt ein logischer Fehlschluß, aus einer eventuell niedrigen Wahrscheinlicheit einer Anomalität automatisch eine hohe Wahrscheinlichkeit für Doping zu folgern (die kann trotzdem auch niedrig sein).
In Punkt 199 wird sogar noch deren Weg wie sie dazu gekommen waeren beschrieben, wenn den die Athletin kooperativ gewesen waere. Da koennt man ja u.a. glatt den Eindruck gewinnen, dass es vielleicht gar nicht so falsch gewesen waere, die von der ISU vorgeschlagenen Tests mit deren Experten zu machen, noch vor dem letzten Schlagabtausch wissenschaftlicher Art.
Na dann lies mal ein wenig weiter bei Punkt 203! Da steht:
Prof. d’Onofrio [..] was pleased to see that all the tests he advised the athlete to undertake had been performed.
Hmm, irgendwie ist Dir gerade Dein Argument abhanden gekommen.
Und Pechstein hat ja sogar noch mehr machen lassen (zusätzliche Laboruntersuchungen, die Hinweise auf die Ursache für die gemessenen Werte liefern; Gutachten von Dopingexperten, die die Wahrscheinlichkeit von Doping untersucht haben [ähm, hätte das nicht die Stoßrichtung der ISU sein sollen?]), was das CAS sich aber zum Großteil nicht ansehen wollte.
said on 12. November 2010 at 08:47
My position is simple and clear: an assessment of the value of the evidence should have taken place in Hamar. That amounts to performing a very simple calculation that takes less than milliseconds.
They could have used WADA’s operating guidelines that were approved virtually unchanged a week after the CAS verdict, during a party in Stockholm – with royalty.
Typically, they should have looked at a choice of parameters dating back to a study published in 2003, see p.10 of:
A profile in which the Adaptive Model has identified the Hb or Off-hr score abnormal with a 99.9% probability or more shall be reviewed by a panel of three experts. However, individual Anti-Doping Organizations may choose a lower probability score to identify Samples for further results management.
Instead, they only looked at reticulocytes. That’s known as selection bias. A clear example of tunnel vision: having high reticulocytes at an event is anything but proof of doping.
Harm Kuipers later expressed his ‘surprise’ in the press as follows:
That’s a statistical statement. Being a scientist, he should have substantiated.
said on 12. November 2010 at 19:19
Man darf auch an der Qualifikation der zweiten Instanz zweifeln. Wer die Fachliteratur kennt, für den ist es nur noch peinlich, wie sich der CAS von dem Siemens-Techniker hat einlullen lassen, wie hochpräzise ADVIA doch misst. Dass einige andere, die das Ding selbst benutzen, das bestätigt haben, ist gleichsam nicht überraschend: Wer gibt gerne zu, nicht state-of-the-art ausgerüstet zu sein?
Der CAS hat hier schlicht gravierende Interessenskonflikte nicht berücksichtigt. Im Übrigen ist die Argumentation des Bundesgerichts hochgradig bedenklich. Denn es heisst nicht mehr und nicht weniger genau das, was ich an anderer Stelle bereits kritisiert habe: Juristen dürfen sich die Welt so zusammenerfinden, wie sie wollen. Ich erwarte, dass die Juristen vom CAS und vom BG gemeinsam auf das Dach des Justizpalastes steigen und mit den Worten “Wir erklären die Schwerkraft für nichtig” in den Abendhimmel davonschweben… Hier hat jemand den Kontakt zur Realität ziemlich verloren. Dass das BG nicht die Tatsachenentscheidung selbst fällen will ist richtig. Richtig wäre aber auch gewesen, die Schlussfolgerung zu ziehen, dass die Möglichkeit eines medizinischen Problems wohl doch nicht so abwegig war wie vom CAS ursprünglich gedacht und als solches hätten Mittel und Wege gesucht werden müssen, diesen zu einer Neuauflage zu instruieren. Alles andere ist in Anbetracht der Folgen schlicht pervers und bedeutet nicht mehr und nicht weniger, dass ein paar Juristen sich selbst herausnehmen, aus purer Willkür die Existenzen von Sportlern zu vernichten, die ihnen selbst auch noch ausgeliefert sind, da sie gar keine Alternativen haben. Sportverbände sind schließlich regelrechte Monopolisten – entweder ich unterwerfe mich der ISU oder ich mache keinen Hochleistungseissport. Und aus eben jenem Grund sollte man entsprechend rigorose Ansprüche an Entscheidungen stellen. Dass der CAS Fehler machen kann ist ihm unbenommen. Dass das BG jetzt sagt “Wenn die Juristen vom CAS mal entschieden haben, der Mond ist aus Käse, dann hilft es auch nicht, wenn jetzt jemand mit Mondproben kommt, die das Gegenteil beweisen” ist aber mehr als Kollegialität als als Seriosität zu bewerten.
said on 13. November 2010 at 00:12
I understand the concept of prosecutor’s fallacy but I do not know if the concept is established under civil-law in general and in private-law in particular. As far as I understand it is established in common-law systems as a ground for appeal, so it should be part of the CAS Regulations.
The Court of Appellations (Schweizer Bundesgericht) for the CAS is a civil-law court. Further more the proceedings of CAS-Appeals are under private-law rules.
So there is at least in my opinion no coherent legal framework for CAS cases. That may work in easier cases (direct evidence of EPO) but in more complex cases -as Pechstein v ISU- it will not work.
As the CP defense preferred the shotgun as defense-strategy, the chance to establish the prosecutor’s fallacy for CAS cases is gone for now. @gipsel
Es gibt in den Doping Codes einen Unterschied zwischen Doping (Der Beklagte muss eine plausible erklärung finden, wieso der Befund kein Doping ist und versuchtem Doping (Kläger muss Vorsatz nachweisen). Und den indirekten Beweis als Doping zu klassifzieren ist nur möglich, wenn für andere Formen des Dopings die selben Beweisstandards gelten. Es kann nicht innerhalb einer Kategorie unterschiedliche Beweisstandards geben, damit wäre einer der wesentlichen Grundsätze des Rechtsstaats verletzt.
Wer hatte den die Aufgabe, die genauigkeit der ADVIA-Geräte in Frage zu stellen? Wer hatte die Aufgabe auf Interessenskonflikte aufmerksam zu machen? In beiden Fällen CP. Richtig wäre aber auch gewesen, die Schlussfolgerung zu ziehen, dass die Möglichkeit eines medizinischen Problems wohl doch nicht so abwegig war wie vom CAS ursprünglich gedacht und als solches hätten Mittel und Wege gesucht werden müssen, diesen zu einer Neuauflage zu instruieren.
Schlussfolgerungen wie diese aus den vorlegten Beweisen zu ziehen, wäre aber eine Tatsachenentscheidung gewesen. Das Bundesgericht will und darf das nicht. Im übrigen trift kein Revisionsgericht auf der Welt Tatsachenentscheidungen, es geht immer nur um die korrekte Anwendung der Gesetze. Die einzige Frage war hier, sind die von CP vorgelegten Beweise “Beweise, die bisher nicht vorbringbar waren”, wenn das Gericht das so gesehen hätte, hätte es die Revision dann zugelassen, wenn es der Ansicht gewesen wäre, das es keine neuen Beweise sind. Es hat vollkommen zu Recht die Beweise inhaltlich nicht bewertet.
Das Bundesgericht konnte kein Präzedenzfall schaffen, dass in Zukunft bei jedem zivilrechtlichen Streit man die Möglichkeit hat, zufälligerweise zwei Tage nach Urteilsfindung/Urteilszustellung ganz neue Beweise beizubringen oder Beweise vorzubringen, die man bisher nicht vorbringen konnte oder vorbringen wollte. Die Frage der klassifzierung der Beweise als Revisionsgrund ist schon hinreichend in der Schweizer Literatur beschrieben.
Das Bundesgericht musste für den Fall Pechstein v ISU genau die selben Standards anwenden, wie in Verfahren zwischen zwei Unternehmern, zwischen Unternehmern und Privatleuten oder zwischen zwei Privatleuten.
said on 13. November 2010 at 09:47
Prosecutor’s fallacy is hardly recognized in courts of law because scientific expert testimonies are a problem an sich. Good reading is the article ‘Conviction by numbers’, published in Nature in 2007. You can download it from my web site:
http://www.chemometry.com/Index/Anti-doping/Literature/Forensic%20science/Buchanan,%20Nature,%20445%20(2007)%20254-255.pdf
Judicial Center, an organization created by Congress to improve federal courts, has published a reference manual on the use of scientific evidence, with one chapter devoted to statistics. “But education is only palliative,�? says Kaye, who helped to write the statistics chapter. “I don’t think there is any single way to ensure that statistics and other scientific evidence gets used accurately.
Further mandatory reading is:
http://www.chemometry.com/Index/Anti-doping/Literature/Forensic%20science/Evett,%20Science%20&%20Justice,%2040%20(2000)%20233-239.pdf
Finally, you’re correct when saying that “Es hat vollkommen zu Recht die Beweise inhaltlich nicht bewertet.”
The defense lawyers followed a rather weak strategy – indeed, the shotgun – from the beginning, as has been decribed to some detail in a chapter (“Longitudinal Profiling, Sports Arbitration and The Woman Who Had Nothing to Lose. Some Thoughts on Pechstein v International Skating Union”):
http://www.chemometry.com/Index/Anti-doping/Cases/Pechstein/David%20McArdle%20final.doc
said on 13. November 2010 at 11:04
Prosecutor’s fallacy is hardly recognized in courts of law because scientific expert testimonies are a problem an sich.
Here it comes. If expert testemonies do not provide a commonly recognized instrument to get as much as possible close to the truth and thus providing the basis for finding a just verdict, aren´t we in a trap ? Being aware of subjectively possible mistakes as fallacies following the testemonies, the gap to just findings can´t be excluded.
But otherwise this can´t lead to a situation where accused are punished by unsufficient proof. Either testemonies have to be more balanced and carefully drawn up taking into account more than one scientific approach or justice, in our case sports justice, is obviously not meeting their own demands, namely to speak justice.
It becomes a contradiction as such if even more sophisticated methods and instruments of finding defrauders as the application of correct statistics are introduced but juristiction is not obligded to take them even into account.
Maybe I´m exaggerating but respective doubts remain especially observing the Pechstein-case from the very beginning.
To justify verdicts by the stretch of law is not at all an argument. Common sense has to prevail.
said on 13. November 2010 at 14:15
I know that e.g. judges and prosecutors can follow introductory courses in statistics in the Netherlands. It’s really a matter of education. Mathematically, it’s trivial.
said on 13. November 2010 at 18:38
Wer hatte den die Aufgabe, die genauigkeit der ADVIA-Geräte in Frage zu stellen? Wer hatte die Aufgabe auf Interessenskonflikte aufmerksam zu machen? In beiden Fällen CP.
Sorry, aber das ist Unfug. Es ist Aufgabe des CAS, das zu tun. Die Beweiswürdigung ist ureigenste Aufgabe eines jeden Gerichtes, auch eines Schiedsgerichtes, und dazu gehört zwingenderweise, dass man sich darüber Gedanken macht, wie zuverlässig eine bestimmte Aussage ist.
Schlussfolgerungen wie diese aus den vorlegten Beweisen zu ziehen, wäre aber eine Tatsachenentscheidung gewesen. Das Bundesgericht will und darf das nicht. Im übrigen trift kein Revisionsgericht auf der Welt Tatsachenentscheidungen, es geht immer nur um die korrekte Anwendung der Gesetze.
Es wäre eben keine Tatsachenentscheidung IN DER SACHE gewesen. Das Gericht hätte NICHT entschieden, ob sie gedopt hat oder nicht, sondern einzig und allein, dass eine bestimmte Frage nochmal neu überdacht werden muss.
Die einzige Frage war hier, sind die von CP vorgelegten Beweise “Beweise, die bisher nicht vorbringbar waren�?, wenn das Gericht das so gesehen hätte, hätte es die Revision dann zugelassen, wenn es der Ansicht gewesen wäre, das es keine neuen Beweise sind. Es hat vollkommen zu Recht die Beweise inhaltlich nicht bewertet.
Muss es ja auch nicht. Die Tatsache, dass es empfindlichere Nachweismethoden gibt, sollte prinzipiell ausreichen. Das Bundesgericht konnte kein Präzedenzfall schaffen, dass in Zukunft bei jedem zivilrechtlichen Streit man die Möglichkeit hat, zufälligerweise zwei Tage nach Urteilsfindung/Urteilszustellung ganz neue Beweise beizubringen oder Beweise vorzubringen, die man bisher nicht vorbringen konnte oder vorbringen wollte. Die Frage der klassifzierung der Beweise als Revisionsgrund ist schon hinreichend in der Schweizer Literatur beschrieben.
Das Bundesgericht kann nicht im Alleingang wissenschaftlichen Fortschritt verbieten, um weniger Arbeit zu haben. Das hat nichts mit Rechtsprechung zu tun sondern mit Faulheit.
Nein, muss es nicht, denn die Situation stellt sich eben gänzlich anders da. Genauso wie bei uns z.B. an Berufsverbände andere Maßstäbe angelegt werden als an den Skatverein um die Ecke. Wer aus dem Berufsverband rausfliegt, der darf seinen Beruf ggf. nicht mehr ausüben. Wer aus dem Skatclub rausfliegt tritt in den im Nachbarviertel ein. Deswegen werden an Strafmaßnahmen, die existenzbedrohende wirtschaftliche Nachteile mit sich bringen wesentlich strengere Maßstäbe angelegt. Wenn der Skatverein jemanden rauswirft und der klagt ist das den Gerichten eher lästig und in der Regel wird im Zug der Vereinsautonomie die Klage abgewiesen. Bei existenzbedrohenden Nachteilen erwartet man aber schon eine triftige Begründung, warum die Mitgliedschaft dem Verband nicht mehr zuzumuten ist.
Die ISU ist eben KEIN Allerweltsverein sondern hat wie andere Sportverbände auch eine monopolartige Position. Um so wichtiger ist es, dass auf die Einhaltung des Willkürverbots geachtet wird.
said on 14. November 2010 at 21:32
Die Beweiswürdigung ist ureigenste Aufgabe eines jeden Gerichtes, auch eines Schiedsgerichtes, und dazu gehört zwingenderweise, dass man sich darüber Gedanken macht, wie zuverlässig eine bestimmte Aussage ist.
Ja, wenn das Verfahren gemäß deutscher Strafprozessordnung durchgeführt wird. Pechstein v ISUist aber gemäß CAS-Regelwerk durchgeführt worden. Andere Gerichte haben andere Statuten und damit andere Beweisführungs- und Ermittlungspflichten.
Genauso wie [..] an Berufsverbände andere Maßstäbe angelegt werden
Auch richtig, aber es gibt in Deutschland für die jeweiligen Berufsgruppen Gesetze, die die Pflichten der Berufsverbände regeln. Es gibt aber kein Gesetz über die Sportgerichtsbarkeit. Gesetze die es nicht gibt, kann man nicht anwenden, und man kann nicht imaginäre Vorschriften und Standards erfinden. Das wäre Willkür. Also muss das Gericht allgemeine Rechtsgrundsätze anwenden. Daher:
Es gibt auch noch einen anderen Aspekt, warum soll das höchste Schweizer Gericht zulassen, dass eine Person mit überdurchschnittlichen Ressourcen besser gestellt wird als der Durchschnittsbürger. Es geht auch nicht um Fortschrittsverweigerung, sondern darum Verfahrensstandards zu halten, die allen Personen die selben Rechte und Möglichkeiten gewähren.
said on 15. November 2010 at 02:43
Was soll mir das denn jetzt sagen? Daß das Verfahren nicht nach rechtsstaatlichen Grundsätzen abgelaufen ist, oder was?
Festzuhalten bleibt, daß Pechstein wegen Dopings verurteilt wurde, nicht wegen des Versuchs dazu. Die ISU muß also keinen Vorsatz nachweisen, sondern einfach nur daß Doping vorlag. Laut WADA-Code kann das entweder aufgrund eines positiven Tests geschehen (dann hat der Beklagte die von Dir beschriebene Möglichkeit, allgemein “Beweislastumkehr” genannt). Es kann aber Doping auch mit jedem anderen verfügbaren Beweismittel darlegen, hier also durch den sogenannten indirekten Beweis.
Das prinzipielle Problem beim Pechstein-Fall ist nun aber der, daß sowohl das ISU-Panel als auch das CAS einen Schuldspruch gefällt haben, obwohl die ISU nie Doping nachgewiesen hat, nicht nur nicht zu überwiegender Wahrscheinlichkeit sondern schlicht überhaupt nicht. Lies Dir einfach mal Punkt 210 des CAS-Urteils durch! Dort steht schlicht und ergreifend, daß Pechstein eines abnormalen Blutprofils schuldig ist (der “Nachweis” dafür ist übrigens zum übergroßen Teil wissenschaftlich nicht haltbar, aber egal). Nur weil das CAS befand, daß eine Blutanomalie unwahrscheinlich sei (ebenfalls sehr einfach wissenschaftlich angreifbar), wird durch einen logischen Fehlschluß eine hohe Wahrscheinlichkeit für Doping konstruiert, die aber durch kein Beweismittel irgendwie fundiert ist. Im Gegenteil, dem CAS haben mehrere Gutachten vorgelegen (z.B. Damsgaard, Schmidt), die dieser Sicht widersprechen. In dem Urteil kommen so viele Fehler zusammen, das ist schon nicht mehr feierlich.
Wer hatte den die Aufgabe, die genauigkeit der ADVIA-Geräte in Frage zu stellen? Wer hatte die Aufgabe auf Interessenskonflikte aufmerksam zu machen? In beiden Fällen CP. Nun, hat CP ja gemacht. Lies mal im CAS-Urteil nach, wie die Einwände vom Chef vom Referenzinstitut für Bioanalytik (die beschäftigen sich genau mit der Genauigkeit und Vergleichbarkeit von verschiedenen Meßgeräten über Laborgrenzen hinweg) einfach weggewischt wurden und die Meßergebnisse praktisch als exakt deklariert wurden. Wirklich jeder, der sich mit so was auch nur ansatzweise auskennt, weiß, daß der gute Mann vollkommen Recht hatte, als er anscheinend beinahe verzweifelt die CAS-Richter anrief, daß man Meßunsicherheiten nie wegdefinieren kann. Allein, er wurde vom CAS ignoriert (aber immerhin wurde sein Einwand im Urteil erwähnt).
Das CAS hat sich blenden lassen und die Leute von Siemens und der ISU waren unehrlich genug, um das CAS zu täuschen. Ja richtig, die entsprechenden Leute wissen es besser, sie müssen es besser wissen, sonst wären sie vollkommen fehl am Platze. Es ist irgendwie schon ein starkes Stück, wenn man dem CAS vorspiegelt, die eigenen Geräte messen exakt, wenn sogar die frei zugänglichen Spezifikationen der Advia eine relative Meßunsicherheit von +-25% ausweisen (bei 2% Reti-Wert). Das RfB findet sogar beim Vergleich im Laboralltag eher +-45% Abweichungen zwischen verschiedenen Laboren. Alles natürlich nach erfolgter ordnungsgemäßer Kalibration, die vor dem CAS als Begründung angeführt wurde, warum die Werte angeblich exakt seien.
Nun kann man den Richtern nicht vorwerfen, nicht alle Zusammenhänge zu kennen. Aber ein wenig Nachdenken über die Argumente der Gegenseite wäre vielleicht schon angebracht gewesen anstatt die Sichtweise der ISU einfach durchzuwinken. Denn die Gegenargumente (und die sind auf jeden Fall stichhaltiger, als das was die ISU/Siemens dem CAS vorgemacht haben) gab es durchaus und wurden von der Pechsteinseite mitsamt Gutachtern auch vorgetragen.
said on 15. November 2010 at 08:09
Ich bin verblüfft, wie leicht sich die Realität beiseitewischen lässt. Das Bundesgericht konnte kein Präzedenzfall schaffen, dass in Zukunft bei jedem zivilrechtlichen Streit man die Möglichkeit hat, zufälligerweise zwei Tage nach Urteilsfindung/Urteilszustellung ganz neue Beweise beizubringen oder Beweise vorzubringen, die man bisher nicht vorbringen konnte oder vorbringen wollte. Die Frage der klassifzierung der Beweise als Revisionsgrund ist schon hinreichend in der Schweizer Literatur beschrieben.
Natürlich kann Wissenschaft zwei Tage nach der Rechtskraft eines Urteils zu einer gegenteiligen wissenschaftlichen Erkenntnis kommen. Und natürlich ist das Recht verpflichtet, diesen Teil der Realität abzubilden, auch wenn in der Wissenschaft Moden immer mal zu bestimmten Übertribungen führen. Natürlich war Asbest 1970 ungefährlich, wenn man es einatmete, jedenfalls für Gerichte (auch für Baubehörden übigens), und natürlich ist es jetzt gefährlich – unabhängig von weiteren Kausalproblemen in derartigen Rechtsstreitigkeiten.
Lesen Sie mal die sogenannten Wissenschaftsseiten in Zeitungen; dort steht der (aktuelle) Fortschritt. der kann 2 Jahre, aber auch zwei Tage nach Rechtskraft des Urteils bekanntwerden, und ist so zufällig wie die Antwort auf die Frage, ob das Sportgericht ein Urteil spricht oder den Urteilsspruch verschiebt. Die Frage, wie man die befriedende Wirkung, die Urteile haben sollen, mit der wissenschaftlichen Realität, die in einer Art “dynamischer Wahrheit” besteht, in Einklang bringt, sollte man ernsthaft diskutieren, bevor man Berufsverbote ausspricht.
Aber mal das Judiz gefagt: Kommt Ihnen das nicht im Ergebnis auch falsch vor, wenn über ein (im übrigen noch nicht einmal gesetzlich geregeltes) Berufsverbot einer deutschen Sportlerin, das Trainings- und Startverbote in Deutschland einschließt, kein deutscher Richter entscheidet? So wegen Art. 12 und 101 GG. Kann ich das Recht, mich mit einem Berufsverbot zu belegen, wirklich per AGB in ein anderes Land delegieren?
said on 15. November 2010 at 09:07
Wie hier schon mal gefragt: Inwieweit wurde ein Berufsausübungsverbot verhängt?
Claudia Pechsteins Beruf ist Polizeivollzugsbeamtin. Und die Bundespolizeiakademie hat das Disziplinarverfahren eingestellt.
said on 15. November 2010 at 09:24
@ Joern: Hatte ich nicht gelesen, sorry. Man kann mehrere Berufe haben. Ich wusste nicht, dass in Zweifel gezogen wird, dass Eisschnellauf Teil ihres beruflichen Daseins ist. Sponsoreneinnahmen, Preisgelder aus (Olympia)siegen, natürlich alles zu versteuern.
Im übrigen ist sie ja deshalb Bundespolizistin, weil sie erfolgreiche Sportlerin ist/war. Der Umstand, dass ihr finanzielles Dasein gesichert ist oder sie einen weiteren Beruf hat, ist mit Blick auf die Grundrechte unabhängig davon, ob sie dem Beruf der Sportlerin/Eisschnelläuferin nachgehen will. Und das kann sie derzeit faktisch nicht. (Ihre Argumentation war in den Grundzügen auch jene, warum die DDR keine Berufssportler hatte – die hatten ja alle einen richtigen Beruf, anders als im Westen. Ihre Frage ist natürlich legitim, aber mich amüsiert gerade, wie Gedanken, die jahrelang nicht gehört wurden, plötzlich auftauchen – OT off)
said on 16. November 2010 at 14:43
Auch die amtierende Geschäftsführerin der Nationalen Anti-Doping- Agentur (NADA), Anja Berninger, kritisierte die anonyme Erwähnung. «Wir legen ja schon seit längerem Blutprofile an, von circa 800 Athleten im Top-Bereich – da wird ja eine Olympiasiegerin dazugehören.» In diesem Fall könnte die NADA ein indirektes Testverfahren durchführen. Wenn solche Hinweise nicht anonym erfolgen würden, «könnten wir schneller reagieren», sagte Berninger.
Kritik an Pechstein: «Ross und Reiter nennen»
Auch für Anja Berninger wäre es wohl besser, einfach nichts zu sagen?
Eben hat sie noch dem Schwimmverband bescheinigt, die Wada Regeln besser umzusetzen und schon zeigt sie, vom biologischen Pass der WADA hat sie keine Ahnung.
Ich sage ihr mal, wie es die WADA möchte.Die Blutprofile werden ständig anonym ausgewertet. Wenn drei WADA Experten ( das sind die , die sagen ,Frau Pechstein könne bei diesen Werten kein Doping nachgewiesen werden;-) ) eine Manipulation erkennen, melden sie dies dem Verband, der seinen Athleten erst anhört und dann ein Verfahren eröffnet.
Unsere NADA handhabt es anders? Sie sammeln schon über 800 Profile, um auf nichtanonyme Anzeigen zu hoffen, um diese auszuwerten?
Kennen weder Frau Freitag noch Frau Berninger die Hintergründe der Dopingpraxis?
Herr Damsgaard ( sagt Frau Pechstein kann Doping mit diesen Werten nicht nachgewiesen werden) sagte nicht nur , es gäbe noch einen Athleten mit den gleichartigen Werten wie Frau Pechstein. Er sagte auch 2008, es gibt sogar 5 Athleten, deren Urinprofil gar kein natürliches EPO mehr aufweist, Die WADA sagte damals, ist nicht justiziabel.
Auch die ISU hat 13 Skater in ihren Datenbänken mit Werten über 3%, wartet die auch auf Anzeigen, wo man Roß und Reiter nennt?
said on 16. November 2010 at 14:58
darf ich dich mal an unseren Sportrichter Martens erinnern?
Bei einem indirekten Dopingnachweis liegt die volle Beweislast bei den zuständigen Verbänden. Der Cas hat in seinem Urteil betätigt, dass der Beweis von der ISU korrekt geführt worden ist. Das stellte Sportrichter Martens für die Abgeordneten noch einmal dar. So weit dazu.
http://www.taz.de/1/sport/artikel/1/immer-noch-verehrt/
Ist schon ein Jahr her, aber er hat noch nicht das Gegenteil behauptet;-)
Doch die neuen Verfahrensregeln sind nicht bindend. Im Wada-Kodex steht, dass ein einziges Beweismittel reicht, um einen Athleten des Dopings zu überführen. Das war bei Pechstein der erhöhte Anteil der Retikoluzyten, einer Vorstufe der roten Blutkörperchen. Auch unter Berücksichtigung der neuen Richtlinien “wäre das Urteil genauso gesprochen worden”, meint Cas-Richter Martens. Wieder so eine Glaubensfrage. Er muß ein Witzbold sein? Jedenfalls haben so ziemlich alle Experten der neuen Richtlinien der WADA gegen die Verurteilung gesprochen. Wo will er dann drei Expertenmeinungen herholen?
said on 16. November 2010 at 15:08
CP ist derzeit in psychologischer Behandlung , aber wirklich anderes Neues außer der genauen Brücke erfährt man nicht. Sie ist entschieden authentischer als ihr beratungsgeprüfter Medienauftritt. Die x-malige Wiederholung kann man aber dennoch raushören.
Schade, daß der Interviewer sich nicht über den derzeitigen Entwicklungsstand bezüglich Gerichtsverfahren informierte.
said on 16. November 2010 at 18:25
Nun, Martens hat ja insofern recht, daß der CAS die Beweisführung der ISU laut Beschluß tatsächlich als überzeugend bewertet hat. Die Crux ist aber, daß irgendwas nicht zur Wahrheit wird, nur weil ein paar Richter das so beschließen. Hier geht es ja nicht um irgendeine Regelauslegung, also juristische Feinheiten auf dem originären Gebiet der Jusristen sondern um die vorgeblich wissenschaftliche Festellung einer Tatsache. Nur wenn man das so beschließt, dann sollte das Ganze natürlich zumindest einer oberflächlichen Prüfung standhalten. Das tut es aber nicht. Vom wissenschaftlichen Standpunkt her ist das Urteil auf allen Ebenen (angefangen von der inkorrekten Auswertung der Meßwerte bis zu den letztendlich daraus gezogenen logischen Fehlschlüssen) schlicht Käse, um mal ein Zitat zu bemühen.
said on 18. November 2010 at 04:16
@ Gipsel: Sicher wird nicht das Wahrheit, was Juristen als solche “festlegen”, wenn sie Recht sprechen. Allerdings erlangt des Juristen Ergebnis Geltung, wie man sieht. Wir leben ja im demokratischen Rechtsstaat und nicht im demokratischen Naturwissenschaftlerstaat.
Ansonsten — hat jede Wissenschaftler- und Nichtwissenschaftlersparte Methoden entwickelt, wie sie für sich die Wahrheit feststellt, also, welche Axiome werden gesetzt, was schlussfolgert man daraus, und wie nimmt man selbstreferentiell darauf Bezug, damit das Gedankengebäude nicht einstürzt. Was gelegentlich fehlt, ist das Verständnis dafür, dass die anderen Methoden der anderen Wissenschaften und Nichtwissenschaften auch dann was bringen können, wenn sie meine Vorstellung nicht treffen. Dass die Juristen hier ausschließlich den dringenden Wunsch nach Handlungsbedarf wachrufen ist allerdings zugegebenermaßen — unschön.
said on 18. November 2010 at 10:13
Lieber Nocheinjurist!
Was Sie schreiben, ist primär nachvollziehbar. Sie gehen von einem Gericht aus, dass wie Justitia mit verbundenen Augen sich die Sachverhalte vortragen lässt und sie würdigt. Leider bestehen für die CAS-Verhandlung gegen Frau Pechstein diesbezüglich erhebliche Zweifel, wenn man sich das schriftlich vorliegende Urteil durchliest. Ich habe dazu in einer Stellungnahme mit dem Titel “CAS-Urteil – problematisches Verhalten des Gerichts” Stellung genommen und einige der vielen Punkte aufegführt, in denen manipulatives Verhalten des Gerichts deutlich wird. Sie findet sich auf der Website des Marienkrankenhauses Siegen irgendwo unter der Rubrik “Pressemitteilungen”. Drei Punkte möchte hier hier exemplarisch erwähnen: Das Nicht-Erwähnen der Retikulozytenwerte 6 bzw. 7 Tage vor Hamar 2009, die manipulative Feststellung Nr 187 mit “doping-verdächtigen Hämoglobinanstiegen” und die Feststellung, man habe im Januar 2009 bei der Sportlerin keine unangemeldeten Trainingskontrollen durchführen können, weil sie ihren Aufenthaltsort so oft gewechselt habe.
Für einen juristischen Laien stellt sich hier die Frage, wie solches Verhalten eines Gerichts unter strafrechtlichem Aspekt zu beurteilen ist.
said on 18. November 2010 at 11:50
für mich ist das Urteil nur mit Schmerzen nachvollziehbar. Obwohl ich diesen Ausgang schon vor einem Jahr ahnte.
Haben Sie die Diskussion mit Klaas Faber mitbekommen? Er erhielt eine e-mail von Rabin ,sience director WADA.Dort wurde ihm mitgeteilt, dass es sich hier um den longitudinal Pass der ISU handelt und nicht um den Athlete Pass der WADA- verschiedene science and rules ;-)
Es scheint tatsächlich zwei Wissenschaften zu geben, oder wie Ihnen immer unsinnigerweise vorgeworfen wurde, Parteigutachten. Wo Wissen aufhört fängt der Glaube an und Glaube kann Berge versetzen;-)
Im Moment überlege ich, ob es auch verschiedene Thermometer und mathematische Programme für die Weltdurchschnittstemperatur gibt. Die einen sagen es wird seit 10 Jahre wärmer und die anderen sagen kälter.
Und heute die Krönung, auch wenn es kälter wird, wird es eigentlich wärmer.
Da weiß ich auch nicht mehr , was ich glauben soll;-)
said on 18. November 2010 at 15:02
Mag ja alles sein, aber der grundlegende Unterschied ist es, daß die Naturwissenschaften den Anspruch erheben, Beobachtungen/Messungen/die Natur/unser Universum an sich nicht nur zu beschreiben sondern auch zu verstehen (natürlich innerhalb gewisser Grenzen, Modellbildung usw., das sollte hier aber nicht das Thema sein). Dabei lernt man grundlegende Prinzipien, die universell anwendbar sind und mit deren Hilfe man verschiedene Thesen zur Erklärung bestimmter beobachteter/gemessener Phänomene beurteilen und gegebenenfalls verwerfen kann. Dabei geht es nie darum sicherzustellen, daß das eigene “Gedankengebäude nicht einstürzt”, wie von Ihnen ausgedrückt. Das mag ja bei den Juristen so sein (was ziemlich übel wäre), aber die wissenschaftliche Methodik ist gerade darauf aufgebaut, daß auch bestehende Hypothesen und Theorien stetig neu überprüft und bei einem Widerspruch schlußendlich angepaßt oder auch schlichtweg verworfen werden. Gerade das ist die Stärke dieser Methodik, da alles andere zu Stillstand und unüberbrückbaren Widersprüchen zwischen Realität und Dogma führt.
Und wie von mir schon mal geschrieben, das ISU- und CAS-Urteil erhebt den Anspruch der Festellung einer Tatsache (nämlich des Vorliegens von Dopings). Deswegen muß diese Feststellung zwingend auf der Basis eines wissenschaftlichen Vorgehens erfolgen, ansonsten passiert nämlich genau das was ich gerade schrieb, das Urteil wird gewissermaßen zum Dogma, eine unfundierte Meinung wird als unumstößlich festgesetzt, auch wenn die Realität anders aussieht.
Im vorliegenden Fall muß man aber noch nicht einmal so weit gehen. Das CAS hat sowohl die vorliegenden Fakten und Beweismittel offenbar nicht wirklich unvoreingenommen gegeneinander abgewogen und bewertet und zum anderen war das Gericht scheinbar nicht des logischen Denkens mächtig. Denn die im Urteil anzutreffenden Fehlschlüsse kannten schon die alten Griechen, das sollte einem Richter eigentlich nicht passieren, das sind sozusagen grobe Fehler.
said on 18. November 2010 at 15:14
@Prof. Gassmann:
Drei Punkte möchte hier hier exemplarisch erwähnen: Das Nicht-Erwähnen der Retikulozytenwerte 6 bzw. 7 Tage vor Hamar 2009, die manipulative Feststellung Nr 187 mit “doping-verdächtigen Hämoglobinanstiegen�? und die Feststellung, man habe im Januar 2009 bei der Sportlerin keine unangemeldeten Trainingskontrollen durchführen können, weil sie ihren Aufenthaltsort so oft gewechselt habe.
Bei den ersten beiden Punkten gebe ich Ihnen vollkommen Recht. Den dritten kann man aber so nicht stehen lassen, denke ich. Im CAS-Urteil taucht das nur in einer Aufzählung der von der ISU vorgebrachten Punkte auf, das CAS selber bezieht sich später nicht mehr auf diesen Punkt. Es zeigt also nur, mit welch’ unsinnigen Argumenten die ISU angekommen ist, dem CAS würde ich zumindest das nicht explizit vorwerfen wollen. Da gibt es genug andere Sachen.
said on 19. November 2010 at 07:56
Last September, I took part in a panel discussion devoted to the biological passport at a conference preceding the world championships of cycling. At that occasion a really excellent report was presented. It can be downloaded from:
For a thorough discussion of the (potential) legality of this indirect evidence, see Chapter 6.
I was not allowed to bring in the Pechstein case because it was not considered as a biological passport case. Indeed, different science.
They forgot one thing: the same experts are still providing testimony. How credible is that?
Anyway, Winfried Gassmann has already convincingly demonstrated that the CAS award is “Käse”.
said on 19. November 2010 at 10:02
@ Klaas Faber
Although being aware that there might be – for sure – users who aren´t eager to get acquainted with the paper I have to state a German saying : Repetition is the mother of wisdom.
I just had a glance on the paper and found this:
“Dr. Sottas explains that the statistical method of the biological passport or
the values arising from it do not show the probability of doping; they only
show that there are abnormal values, which cannot be a result of the natural
physiological fluctuations. Dr. Sottas states that only an external cause (health
condition, altitude exposure, if not considered) can explain such fluctuations.
That stated means that both parties need to prove the cause of abnormal
value of blood profile the… But I have to continue reading and thinking. ;)
said on 19. November 2010 at 10:50
What confuses matters substantially is, that scientific publications on the athlete biological passport present something else than currently implemented in WADA’s operating guidelines.
Originally, the passport was intended to work according to the principles of Bayesian statistics. That turned out to be too ambitious. One needs more information than just a blood profile with one or two ‘abnormalities’.
WADA has subsequently replaced the term ‘Bayesian’ by ‘adaptive’ in relevant documents. Unfortunately, they forgot to communicate with the UCI, and other parties.
The best example of misinforming the public is the site of the Lausanne lab:
http://www.doping.chuv.ch/en/lad_home/lad-prestations-laboratoire/lad-prestations-laboratoire-passeport.htm
That’s all nice theory which is not realized in practice.
said on 19. November 2010 at 14:21
Du hättest mal die nächste Zeile des Zitates aus dem Urteil im Valjavec-Fall auch noch mit hinschreiben sollen, denn genau das ist es auch, was die ISU bei Pechstein versäumt hat:
Dr. Sottas states that only an external cause (health condition, altitude exposure, if not considered) can explain such fluctuations. That stated means that both parties need to prove the cause of abnormal value of blood profile (whereby the UCI bears the burden of proof). The UCI has not done so.
Genau das hätte das CAS auch bei Pechstein feststellen müssen. Denn mir ist selbst nach rund einem Jahr vollkommen unerklärlich, wie man jemanden des Dopings verurteilen kann, wenn man Doping nicht nachweist (und es noch nicht einmal versucht), sondern nur einen Beweis für die Abnormalität von ein paar Blutwerten führt (und sogar das noch versaut hat, wenn man mal genauer hinschaut). Doping ist sanktionierbar, abnormale Blutwerte sind es im Allgemeinen nicht.
said on 19. November 2010 at 14:51
An ABP program makes sense only if it is piloted by knowledgeable and qualified persons.
gab es wenigstens intern unter den Wissenschaftlern(z.B. mit M.Ashenden) Diskussionen zur Pechstein Sache?
Hat die WADA einen Test für Kompetenz und Qualifikation ihrer Mitarbeiter?;-)
said on 19. November 2010 at 15:04
Auch ganz lustig, ist der Screenshot von Sottas’ ABP-Software (Seite 117), die kenne ich ja nicht. Die Werte sind alle im grünen Bereich dort, der Sportler ist also erstmal vollkommen unverdächtig. Interessant sind aber die individuellen Grenzen, die die Software da zum Beispiel für die Retis ausspuckt. Mal ganz einfach auf die Pechstein-Werte skaliert (nicht perfekt, ich weiß), kommt man da für Pechstein auf individuelle Grenzwerte von 1,09% und 3,35%. Ich weiß jetzt nicht, ob das 95% oder 99%-Grenzen sein sollen, aber von der Farbgebung und Teilung der Farbskale würde ich ja fast auf nur 95% tippen. Aber egal, zieht man jetzt nur noch die sehr gut dokumentierte schlechtere Reproduzierbarkeit der auf Advia gemessenen Werte im Vergleich zu Sysmex in Betracht, landet Pechstein ziemlich sicher mit jeder einzelnen jemals bei ihr genommenen Blutprobe innerhalb ihrer individuellen Grenzen. Ich vermute mal, das könnte schon der Grund sein, warum Sottas noch nie jemandem seine Berechnungen und Werte für Pechstein gezeigt hat, wie Klaas Faber schon mehrfach beklagt hat.
said on 19. November 2010 at 15:57
Does an abnormal outcome of the ABP means doping?
No, for two reasons. Firstly, because the decision rule as described above is not based on a true probability of doping, but rather on “how the profile differs from what is expected in clean athletes�?. This conceptual difference is well known in forensics for the evaluation of scientific evidence: to sentence an athlete solely from a high level of specificity would be a fallacy of statistical reasoning that results from misunderstanding the idea of multiple testing. A high number of anti-doping tests simply elevates the likelihood of finding a positive by pure chance alone.
Secondly, doping is not the only possible cause to explain a detected abnormality. A pathological condition must be excluded first. In haematology for example, the prevalence of blood disorders may be high in certain populations – typically a few percents – in function of factors such as age and ethnic origin. That information in mind, it is not necessary to increase the specificity higher than 99% since the proportion of athletes presenting a medical condition may be significantly higher than 1% and can be remained undetected with a too permissive threshold. In comparison, in health-related fields, a reference range for a particular test or biological marker is usually defined as the values that 95% – or 2 standard deviations – fall into. Gipsel,
das verstehe ich trotz Google Übersetzer nicht?
said on 19. November 2010 at 17:30
Also, es gibt zwei Gründe, warum ein abnormaler ABP-Wert (oder irgendein Blutwert) nicht gleichbedeutend mit Doping ist.
Schon vom Konzept her kann man mit einem Blutprofil (und dem daraus errechneten ABP-Score) nur feststellen, ob es signifkant von dem abweicht, was man bei einem ungedopten (und gesundem) Menschen normalerweise erwartet. Die Umkehrung gilt aber nicht direkt, sprich, wenn die Werte mal abweichen, heißt das nicht unbedingt Doping. Allein schon dadurch, daß man über die Zeitdauer sehr viele Werte sammelt, wird das Vorkommen eines Ausreißers wahrscheinlicher.
Doping ist eben nicht die einzige Erklärung für das Auftreten abnormaler Blutwerte. Es kommen eben auch Krankheiten (akute oder chronische) bzw. Anomalien in Betracht. Die Häufigkeit von Blutbildungsstörungen kann in bestimmten Personengruppen in Abhängigkeit von der Herkunft, dem Alter usw. recht hoch sein, typischerweise bis zu ein paar Prozent.
Wenn man das betrachtet, macht es demzufolge also auch gar keinen Sinn, die Spezifität (Anteil der erkannten, die wirklich gedopt haben, also nicht falsch positiv sind) großartig über 99% zu steigern, da sich diese Zahl ja nur auf die gesunden “Normalos” bezieht (und mit erhöhter Spezifität normalerweise die Sensitivität sinkt, das heißt es können Gedopte durchrutschen). Sprich bei 99% Spezifität und 1% Anteil von Leuten mit einer Krankheit/Anomalie werden im Prinzip 2% falsch positiv erkannt, wovon die Hälfte eine Anomalie aufweist. Bei höheren Spezifitäten wird das dann vollends durch die Anomalien dominiert, während die Erkennungsrate von wirklich Gedopten sinkt.
Eine Anmerkung noch von mir im Allgemeinen zu der Problematik. Häufig wird sich darauf versteift, mögliche Alternativerklärungen für abnormale Werte auszuschließen. Das ist sicherlich eine Aufgabe der Anklage. Allerdings liest man meist Formulierungen wie “no other plausible explanation”, was impliziert, daß auch Doping überhaupt erstmal eine plausible Erklärung sein muß. Die Beweislast dafür liegt auch auf Seiten der Anklage, wie die Disziplinarkommision im Valjavec-Fall ganz richtig festgestellt (der CAS bei Pechstein aber ignoriert) hat.
Es darf nicht reichen, die Abnormalität festzustellen und alle Alternativerklärungen, die einem gerade einfielen (war man denn einfallsreich genug?) mit einer gewissen, meinetwegen auch hohen Wahrscheinlichkeit auszuschließen. Wenn die Werte zwar abnormal sind, keine bekannte Krankheit übermäßig plausibel erscheint, Doping aber auch nicht wirklich zu den Werten paßt, kann man meiner Meinung nach niemanden verurteilen. Wenn Gutachter ausführen, daß bei Annahme von Dopingmethode X oder Y, sich mit recht hoher Wahrscheinlichkeit nicht die gemessenen Werte ergeben würden und auch keine andere Methode plausibel erscheint, die das tut, kann man von der Anomalität der Werte nicht auf Doping schließen. Andersherum muß die Verteidigung den Beweis einer Anomalie führen, wenn die Anklage genau das dargelegt hat, nämlich das Dopingmethode X mit hoher Wahrscheinlichkeit Werte wie gemessen hervorrufen würde. Deswegen ist dies ein Beweismittel, welches die Anklage einfach liefern muß.
said on 19. November 2010 at 20:16
The answer is: no. This is not a biological passport case. Different science. End of discussion.
Some people appear to overlook that they are easier to replace than Claudia Pechstein. I mean all of them together.
said on 20. November 2010 at 09:13
Mal ganz einfach auf die Pechstein-Werte skaliert (nicht perfekt, ich weiß), kommt man da für Pechstein auf individuelle Grenzwerte von 1,09% und 3,35%.
N.B. Percentages are not Gaussian distributed. The true distribution is skewed to high values. Since we’re talking about small percentages, a log or square root transform will do. A square root is used in the off-score.
Trying to reproduce what the ABP-software might have output, is of course one of the things I immediately did when I first saw the data. One can also simply do a t-test (while ignoring the distribution being non-Gaussian).
Technically speaking, the resulting ‘normal’ ranges are confidence intervals. They secure a coverage of the points already measured. N.B. These normal ranges do not secure coverage of future points. If the model is used only once, a prediction interval is correct. Predicting only once is not very practical, hence prediction intervals mainly have theoretical interest. For multiple re-use of the model, one requires so-called tolerance intervals. I reiterate: new, incoming data should be compared with tolerance intervals, whereas old data is covered by confidence intervals.
However, multiple re-use is not considered in the ABP-software (!) As a result, the ‘normal’ ranges are too narrow and, obviously, the risk of false-positives is systematically underestimated. This is just one of many flaws built in the methodology. This one stands out in particular because that’s really cookbook statistics, see e.g. the following manual:
Polhemus NW (2001) Statistical analysis using STATGRAPHICS Plus, vol 1, Basic statistical methods. Statpoint, Englewood Cliffs.
In conclusion, I have good reasons to believe that Mrs. Pechstein should have passed with her passport. To be clear: she should have passed in Hamar, not after days, weeks or months.
said on 22. November 2010 at 17:04
vor einem Jahr sagte Werner Franke, die WADA arbeitet auf unterem biochemischen Level, nun könnte man sagen, sie arbeiten auch auf untersten statistischen Levels… nur, es scheint keinen zu stören…
Im Februar will Frau Pechstein wieder starten, mal sehen, wie sich ihre Blutwerte entwickelt haben ;-)
said on 22. November 2010 at 18:43
Je länger man über den Fall Pechstein nachdenkt- du als Spezialist, andere wie ich als Generalist – desto freier von Zweifeln wird der Schluß: Verdammte Flickschusterei in diesem Fall und in manch anderen nicht minder. Wenn Ignoranz und Arroganz Kompetenz ersetzen, bekommt man nur noch einen dicken Hals. Allerdings deutet das ebenfalls auf eine dem ggw. Antidopingsystem inne wohnende offensichtliche Schwäche hin: Regelverletzungen werden nicht nur immer öfters von Dopingsündern, sondern offensichtlich – allerdings ohne jegliche Sanktion – auch von deren Jägern begangen. Was ja wiederum nur menschlich ist, wenn sich letztere nicht allzu oft als das unfehlbare Jüngste Gericht begreifen würden. Je komplizierter der Fall, desto überforderter erscheint das System. Die letzten Meldungen von wachsenden Zweifeln am Blutpass bestätigen das nur.
Ich hatte mal hier vor längerer Zeit auf einen vermuteten Deal der Beteiligten in der Causa Jan Ullrich hingewiesen. Da war ich aber schnell zum Deppen erklärt worden. Auch in diesem Kontext wurde eine Maschinerie, ähnlich wie bei CP, in Position gebracht und jegliche andere Denke als die des Mainstreams bereits im Ansatz ad absurdum geführt.
Beide Fälle liegen anders. Die Art und Weise, wie mit ihnen in den meisten Medien umgangen wird, ähneln sich dagegen sehr.
Die Unfähigkeit zur klaren Beweisführung wird meist – auch im Fall Pechstein – durch die Argumentum ad hominem kaschiert.
Dazu kommt, dass ab einer gewissen Instanz Logik und Wisssenschaftlichkeit nichts mehr zählen. Da braucht man sich des schwindenden Vertrauens in einen lauteren Antidopingkampf nicht mehr zu wundern.
said on 22. November 2010 at 19:02
Originally, the passport was intended to work according to the principles of Bayesian statistics. That turned out to be too ambitious. One needs more information than just a blood profile with one or two ‘abnormalities’
Bayesian theories were too complicated to serve WADA´s intent of chasing more effectively doping sinners ? But instead of simultanously to introduce the word “adapted” can´t be seriously enough. It smells too much like pracmatism where scientific meticoulness is demanded.
said on 23. November 2010 at 08:45
I see the current methodology merely as a temporary (indeed: pragmatic) endpoint in a somewhat erratic historical development. It is arbitrary and therefore ill-defined in many respects. There is no way of telling what the false-positive and false-negative rates will be in practice.
[Never forget the key issue: how effective is it? It can be evaded, that's for sure from the very nature of indirect proof. Floyd Landis is a recent illustration and we're just witnessing the beginning.]
Initially, the passport was intended to monitor the athlete’s health. Only quite recently (i.e. around 2007), one realized that it could be used to sanction. At that point in time, I guess that the machinery was started to get it included in the World Anti-Doping Code.
One could have waited until it was thoroughly tested and accepted by the scientific community. With ‘accepted’ I mean something else than just a few articles being accepted by a journal, after peer review. N.B. The current methodology is NOT what has been published in the scientific literature. So, how can it be accepted by peers?
The obvious discrepancy between the scientific literature and WADA’s operating guidelines leads me to believe that there was more technology pushing (by the scientists) than pulling (by the authorities).
However, perhaps even more annoying is the neglect of quality aspects, as detailed by Gipsel. The quality of the labs is the major justification of the ‘strict liability’ of athletes.
said on 24. November 2010 at 10:29
Due to the enormous investment and otherwise raising gain-output in sports the sharpening of competition became in the 90´s tremendous and began to be led by ever more sophistacted performance enhancing means. Before the 90´s Doping was partly used as political means between the two social systems and became afterwards more economicly oriented but not losing its political aspect.
Instead of scrutinising the philosophy of sports in our times sports had to stand these developments by the old means and even worse, Sports had to provide societies with the image of moral, ethic, fairness and soberness. Thus the IOC and Co. and the national federations had to carry out a task similar of mission impossible, in order to satisfy the acting policy.
Therefore the pressure went that high, that even the IOC being aware of the difficult enterprise and thus obviously very hesistant, approved the establishment of a permanet and institutionalized body for “restrict” control within a so-called transperant and fixed frameword – the WADA.
And – at least I believe – a child was unfurtunately born handicaped. Since the mission gets not possible and the official pressure was even increasing things are not organized in a prober patiently scientific but rather actionist way. Since the mistakes of the on-going antidoping policy don´t visibly strike back on their causes but sacrifice the targets of the doing, the sportswomen and – men, the persons to look after, nobody responsible seems to be disturbed.
The congenital defects of the latest antidoping system, the “strict liability
” or illustrated actually through the biological passport, cause increasing trouble for the persons under control. Instead of repairing the vehicle the damages are just camouflaged.
False philosophy, bad tools and maybe partly unserious methods and even co-workers will lead to unsatisfied results and ugly image. It´s in my understandung only a matter of time on how long the system can stand it.
Everything or at least decisive things have to be changed. Why not to start immediately with a better science ? The next to ammend could be the justice of sports.
said on 25. November 2010 at 08:22
Setting up WADA was a good and timely initiative. It was really needed. However, much on the doping list is politically motivated. Pressure from the IOC and certain countries like the USA. Take party drugs. These are responsible for about 50% of the convictions in my country. That’s ludicrous. We only had a single epo-type case for the last three years! If you want to handle party drugs, arrange that within law. Give people a fine, but don’t ban them for two years.
Even ‘blood hounds’ like Rasmus Damsgaard have pointed out that the list is not practical. As a result, there’s no focus on what is really perceived as the problem with doping in sports. Clean athletes suffer from unneccessary false-positives as well unneccesary false-negatives, as well as whereabouts and other duties.
It is difficult to believe that these concerns are not shared within WADA. How to change? How to improve? Rational alternatives have been proposed by people from the alpha sciences. Currently, the discussion is dominated by people from the beta sciences. Beta scientists are typically impressed by their own high-level tools in the lab, but lack the overview to recognize fundamental flaws of an intrinsically rigid system.
said on 27. November 2010 at 09:21
Beta scientists are typically impressed by their own high-level tools in the lab, but lack the overview to recognize fundamental flaws of an intrinsically rigid system.
Since when the dealing with science minimizes complex thinking or even fosters narrow-mindedness ?
said on 29. November 2010 at 13:50
I don’t claim to have all the answers. Please consider the following link:
said on 20. Dezember 2010 at 13:56
Falls es nicht hier rein gehört bitte verschieben.
Gerhard Treutlein im Radio Interview:
Der gefährliche Weg zum obersten TreppchenProf. Gerhard Treutlein
Doping-Bekämpfer
Prof. Gerhard Treutlein kämpft seit Jahrzehnten gegen Doping. Er hat dabei nicht nur Unterstützung erfahren und musste sich stattdessen “Nestbeschmutzer�? und “Moralapostel�? nennen lassen. Er leitet das Zentrum für Dopingprävention an der Pädagogischen Hochschule in Heidelberg. Für sein Engagement wurde ihm das Bundesverdienstkreuz verliehen. Treutlein hat Sport studiert und gelehrt, er hat Leistungssport betrieben und als Trainer gearbeitet.
said on 14. Januar 2011 at 16:17
SpOn: Bundestrainer empfängt Pechstein mit offenen Armen
said on 14. Januar 2011 at 18:33
Für die Pechstein-Fans im blog hier die gute Nachricht:
Bundestrainer Markus Eicher traut Pechstein einiges zu. “Ich habe sie heute gesehen, sie ist gut drauf. Ich bin optimistisch, dass sie zum WM-Team gehören kann”, sagte er, “wir betreiben Leistungssport, und wer Leistung bringt, ist dabei.”
Bei Formtests in Berlin hatte Pechstein jüngst auf mehreren Strecken die Normzeiten des Weltverbandes Isu unterboten. Am ehesten kommt die fünfmalige Olympiasiegerin für die Teamverfolgung in Frage, es sind aber auch Einzelstarts über 1500 und 3000 Meter möglich. Pechstein bereitet sich mit ihrem Coach Joachim Franke auf ihr Comeback vor.
Für alle diese Nachricht, die sicher wieder überdurchschnittlich die Gemüter bewegen wird:
Derzeit bereiten Pechsteins Anwälte eine Klage vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte in Straßburg vor. Sie wollen nachträglich die Unrechtmäßigkeit ihrer Sperre feststellen lassen.
said on 24. Januar 2011 at 09:20
Sebastian Krause für den Deutschlandfunk: Comeback-Versuch mit Hindernissen – Bekommt Claudia Pechstein eine medizinische Ausnahmegenehmigung
said on 27. Januar 2011 at 16:43
Bin gespannt, wie die ISU bei einer erneuten Erhöhung der Werte sich erklärt.
said on 27. Januar 2011 at 17:44
Wenn Claudia Pechstein eine Ausnahmegenehmigung wegen zu hoher Retiwerte von der ISU erhält, dann stehen mE ihre Sperre und das Urteil des CAS im nachhinein wieder zur Disposition.
Verweigert die ISU ihr das grüne Licht, dann begeht sie eine zweifelsfreie sportpolitische Diskrimierung.
Die ISU wird die möglichen Szenarien durchspielen und sich für das sportrechtlich und finanziell günstigere entscheiden. Nun darf sie aber keinen Fehler machen. Das könnte sehr teuer werden.
Auf jeden Fall erleben wir ein Novum . Es darf spekuliert werden. Pechstein hatte kürzlich zugegeben, dass bei ihr erneut schwankende Retikulozytenwerte gemessen worden seien. Deshalb habe sie bei der ISU einen Antrag auf eine Ausnahmeregelung gestellt. Übrigens, nette Diktion.
said on 27. Januar 2011 at 23:51
Kann jeder draus lesen, was er will. Wenn wieder erhöhte Werte auftreten, sagen die einen “Siehste? Es war nie was”, die anderen “Sie nimmt das Zeug immernoch, ohne dass man es nachweisen kann.” Interessant wirds erst, wenn keine erhöhten Werte auftreten.
said on 28. Januar 2011 at 13:23
@ stefan: Genau falsch. Treten keine erhöhten Werte auf, wissen fast alle, dass die Sperre okay war. Dann kann jeder selbst daraus schließen, wie er CPs Aussagen bewerten würde ( ich lass das hier mal). Spannend wirds erst, wenn die Werte schwanken. Das könnte den Schluss nahelegen, dass das Urteil materiell falsch war. Mit schwankenden Werten gibts viel mehr Diskussionsstoff – wie sie zustande kommen, wie man sie bewertet, wenn sie natürlich zustande kommen, und was das für Schadenersatzprozesse bedeuten könnte.
said on 28. Januar 2011 at 17:47
wirklich eine nette Diktion, die alten Feindbilder sind noch ok;-)
“erneut schwankende Retikulozyten” reine Propaganda, sie haben vergessen, dass sie immer schwankten, während des gesamten Prozesses;-)
Da muß ich gleich erinnern, dass sie sogar weniger schwankten als die des anonymen Skaters der ISU:-(
said on 28. Januar 2011 at 18:28
Ja, Walter, hallo. Aber wem soll das schon auffallen. Außer dir natürlich.
Das Landgericht Hamburg hat das geplante Urteil in der juristischen Auseinandersetzung zwischen Eisschnelllauf-Olympiasiegerin Claudia Pechstein und dem Nürnberger Anti-Doping-Experten Fritz Sörgel verschoben.
http://www.news.de/sport/855118376/gericht-verschiebt-urteil-im-fall-soergel-pechstein/1/
said on 28. Januar 2011 at 18:49
@nocheinjurist Treten keine erhöhten Werte auf, wissen fast alle, dass die Sperre okay war.
OK, “fast alle” sind halt die, die am lautesten schreien (qed). Der Rest weiß es eh schon.
Ich meinte den Rest von “fast”.
said on 4. Februar 2011 at 12:36
bundestag.de: Claudia Pechstein beschäftigt den Sportausschuss
said on 4. Februar 2011 at 21:27
Ist ja lustig, am 9.Februar 2011, genau einen Tag nach Ablauf der Sperre von Pechstein, beschäftigt sich der Sportausschuß des Bundestags mit dem Thema.
Hat sich dieser Ausschuß eigentlich schon früher mit einzelnen Fällen auseinandergesetzt oder wird da eine Extrawurst für Pechstein gebraten? Was wollen die da überhaupt bereden? Sollte sich der Ausschuß nicht mit den breiteren Problemen auseinandersetzen und nicht mit einzelnen Athleten bzw. ihren Fällen (die Mitglieder besitzen wahrscheinlich für Letzteres sowieso nicht die nötigen umfassenden Informationen/Kenntnisse)? Was soll der Blödsinn?
said on 5. Februar 2011 at 08:59
Der Disput zwischen Dagmar Freitag und Claudia Pechstein, der per Email ausgetragen wurde und – wie anders zu erwarten- in einer Kontraverse endete, soll jetzt wahrscheinlich durch einen parlamentarischem Wahrspruch aufgelöst werden. Dagmar Feitag hatte erklärt, dass “das Doping-Verfahren gegen Claudia Pechstein … als abgeschlossen (gilt) “, sich über telefonische Belästigungen durch das Pechstein-Management beim BMI beschwert und ansonsten die Email-Kommunikation einseitig als beendet erklärt. ( http://www.claudia-pechstein.de/doping/do59.htm9 ) So weit. Jetzt wird die Causa nach eigentlichem Ablauf ihrer Relevanz vor dem Sportausschuss gehievt, damit dessen Vorsitzende über deren Sachlage berichten kann. Da muss selbst die Arbeit der NADA in den Hintergrund treten.
Na gut, der Reichstag hat schon schlimmeres erlebt. Man nutzt halt nur seine Möglichkeiten. ;) Ein Schelm, der Arges dabei denkt.
said on 5. Februar 2011 at 16:20
Mir kommt es so vor, als wenn sich Frau Freitag irgendwie persönlich angegriffen fühlt [GELÖSCHT] … falls der vulgäre Ausdruck gestattet ist. Der Aufhänger soll ihr Beamtenverhältnis sein. Die Sitzung des Sportausschusses dient dazu, zusätzlichen Druck gegenüber dem Innenministerium aufzubauen, um zu erreichen, daß Pechstein nicht wieder in die Sportförderung aufgenommen wird sondern den normalen Dienst antreten soll bzw. wenn möglich aus dem Beamtenverhältnis entlassen wird (im Notfall “auf eigenen Wunsch” Pechsteins).
Ich halte von solchen Einmischungen von Ausschüssen oder auch Ministern in Einzelfälle überhaupt nichts. Es gibt Regel und ein festgelegtes Procedere, was das alles regelt. Warum überläßt man es nicht den mehr oder weniger bewährten Strukturen? So bekommt das den sehr starken Beigeschmack der billigen persönliche Vergeltung. Zumal sich Freitag (bzw. auch der Innenminister) wirklich nicht übermäßig qualifiziert zu dem Thema geäußert hat. Da kann man Pechstein schon zustimmen. Es wurde von den zuständigen Stellen geprüft, ob sich Pechstein beamtenrechtlich in Fragen Doping was zu Schulden kommen lassen hat. Dieses Verfahren wurde meines Wissens eingestellt. Bei praktisch jedem anderen Polizeibeamten in der Position würden Minister oder irgendein Ausschuß einen Teufel tun bevor sie sich in sowas einmischen. Haben die keine dringenderen Probleme?
said on 5. Februar 2011 at 18:18
Nein, Gipsel, ist nicht gestattet.
Ich habe weder Lust, über die Qualität der gelöschten Passage und eventuelle juristische Komplikationen zu debattieren, noch über die sportpolitischen Leistungen der erwähnten MdB, die ich gewiss nicht hoch einschätze, sondern als Paradebeispiel für die Verquickungen, Probleme und Begrenztheiten des sportpolitischen Kartells in Deutschland bewerte.
said on 6. Februar 2011 at 14:25
Der Aufhänger soll ihr Beamtenverhältnis sein. Die Sitzung des Sportausschusses dient dazu, zusätzlichen Druck gegenüber dem Innenministerium aufzubauen, um zu erreichen, daß Pechstein nicht wieder in die Sportförderung aufgenommen wird sondern den normalen Dienst antreten soll bzw. wenn möglich aus dem Beamtenverhältnis entlassen wird (im Notfall “auf eigenen Wunsch�? Pechsteins).
Falls CPs Entlassung aus dem aktiven Beamtenverhältniss so aussehen sollte, wie die von Frau Freitags Parteifreund Speer, dann hätte sie ja ausgesorgt und bräuchte auch keine Sportförderung mehr.
Wie so oft ist alles eine Frage der Verhältnismässigkeit. Der eine wird wegen eines Leergutbons fristlos gefeuert, der andere bekommt wegen einem Milliardenschaden an Staat, Firma und Kunden oder wegen dem Missbrauch des öffentlichen Amtes zum eigenen wirtschaftlichen Vorteil eine Millionen schwere Abfindung bzw. die vergoldete frühzeitige Versetzung in den Ruhestand. Schon deswegen interessiert mich, wie es der Arbeitgeber BMI mit seiner nicht subordinierenden, renitenten Beamtin Claudia Pechstein halten wird. Ich bin ja echt mal gespannt, wer so alles die Sitzung aus der außerparlemantarischen Gruppe live vor Ort beobachten wird. ;)
said on 6. Februar 2011 at 23:03
Astrid Rawohl für den Deutschlandfunk: Vor Claudia Pechsteins Comeback – Interview mit ARD-Dopingexperte Seppelt
Sendezeit: 06.02.2011 19:55
said on 7. Februar 2011 at 03:04
@ Gipsel: Warum sollte sich der Ausschuss denn während der Sperre mit dem Thema beschäftigen? Da hat doch dank seiner Autonomie der Sport ein Ergebnis produziert. Am 9. Februar aber stehen die rechtsstaatlichen Malträtierungswerkzeuge für Widerspenstige (gefoltert wird nicht!) zur Ansicht, multipliziert durch die medialen Multiplikatoren. Es werden auch zwei bis drei Kleinst-Informationen erwartet, bei denen man hinterher denken soll “Oh, diese Claudia, wie undankbar/listig/undurchsichtig/arbeitsscheu sie doch ist”. Hoffentlich bleiben Medien auch noch länger und berichten, es geht um NADA-Strukturen. Aber ich fürchte, sie entscheiden sich wie im Falle von “Gorch Fock” vs. “geöffneter Soldatenpost” für die personalisierbare Meldung. Herbert
said on 7. Februar 2011 at 08:57
Aber ich fürchte, sie entscheiden sich wie im Falle von “Gorch Fock�? vs. “geöffneter Soldatenpost�? für die personalisierbare Meldung.
Da versteht ja dann der Konsument das Problem auch entschieden besser als es anhand von Zusammenhängen und Hintergründen nachvollziehen zu müssen. ;)
said on 7. Februar 2011 at 18:28
Nostradamus sagte einst: Einen Unschuldigen muß man mit aller Härte verfolgen.
Vor was hat man eigentlich Angst? Das Pechstein eventuell unter den Top 5 läuft, daß das ganze Verfahren sich als Witz herausstellt? Eigentlich habe ich so etwas erwartet.
Sie hat sich nicht “stillbildend verhalten”. Wer hat sich den “vorbildlich” verhalten?
Wahrscheinlich nur jene die zu allem Ja und Amen sagen.
Ich kann mich auch nicht daran errinnern, daß C.P. durch besondere Spezialeinsätze
in der Polizei aufgefallen wäre, höchsten als Werbe Ikone. Wozu also dieser Stress?
said on 7. Februar 2011 at 18:36
Und eine Einmischung in sportliche Angelegenheiten stellt das folgende nicht dar. ;) Von besonderer Ahnung zu und über sportliche Leistungen zeugt diese offizielle Verlautbarung nun aber auch nicht.
Oder hat man sich gar diesbezüglich mit ansonsten ungeliebten Amtsvorgänger konsultiert ? Auf jeden Fall ist es souverän vom BMI, wie es seine politische Macht gebraucht. Chapeau, meine Herren.
…muss die Eisschnellläuferin Claudia Pechstein wieder normal Dienst leisten. Zudem verliert sie nach Ablauf ihrer Zweijahressperre am Dienstag die Unterstützung durch die Sportfördergruppe der Bundespolizei.
Die 38-Jährige habe keine Chance mehr auf eine Teilnahme an Olympischen Spielenund die Plätze in der Fördergruppe seien jüngeren Athleten vorbehalten, teilte das BMI mit.
http://www.spiegel.de/sport/wintersport/0,1518,744007,00.html
Der Beitrag in der ZDF-Sportreportage vom Sonntag hat das BMI wohl veranlasst, die nationale unsportliche Karte zu ziehen ? David Howmann tut sich sichtbar schwer, als er dem ZDF erklärt, dass das Urteil gegen Pechstein Sinn macht. Aus juristischer Sicht sei er zufrieden. Wieso nur aus dieser Sicht ?
Dem ZDF liegen die Sitzungsprotokolle des WADA-Vorstandes in Stockholm 2010 vor, wonach “der Fall Pechstein einer der wichtigsten im Kampf gegen Doping sei “. “Wenn dieser vom CAS verworfen würde, könnte die WADA in den nächsten 10 Jahren nicht noch einmal mit einem ähnlichen Fall kommen.” so der Vorstand vor dem Entscheid des CAS. (Vllt. kann Wikileaks mit der Veröffentlichung der Originale helfen.) Das letzte Kapitel sei im Fall Pechstein noch nicht geschrieben, so der abschließende ZDF-Kommentar. David Howmann kann allerdings erst einmal weiter zufrieden sein. Dank des BMI wird die Zufriedenheit jetzt auch noch sportlich.
said on 7. Februar 2011 at 20:37
Nach der ISU und dem CAs bekleckert sich auch das BMI nicht gerade mit Ruhm.
Sollte CP jetzt mit nachgewiesenen schwankenden Werten ein oder zwei Blumentöpfe gewinnen, ist die Werbeikone einsame Rächerin der Entrechteten perfekt.
Dieser Forscher, der meint, CP könnte dennoch gedopt haben (Epo- Forscher Franz), hat