Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Gericht=BVerwG&Datum=18.07.2011&Aktenzeichen=7%20B%2014.11
Timestamp: 2020-07-12 07:24:45
Document Index: 327863335

Matched Legal Cases: ['§ 3', '§ 4', 'Art 5', '§ 4', 'Art. 5', '§ 4', '§ 3', '§ 4', '§ 4']

BVerwG, 18.07.2011 - 7 B 14.11 - dejure.org
https://dejure.org/2011,6487
BVerwG, 18.07.2011 - 7 B 14.11 (https://dejure.org/2011,6487)
BVerwG, Entscheidung vom 18.07.2011 - 7 B 14.11 (https://dejure.org/2011,6487)
BVerwG, Entscheidung vom 18. Juli 2011 - 7 B 14.11 (https://dejure.org/2011,6487)
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Informationszugang; Beratung; Vertraulichkeit.
§ 3 Nr 3 Buchst b IFG, § 4 Abs 1 S 1 IFG, Art 5 Abs 1 S 1 GG
Informationszugang; Vertraulichkeit der Beratungen von Behörden über das laufende Verfahren hinaus
Informationsfreiheit und die Vertraulichkeit
NVwZ 2011, 1072
DVBl 2011, 1412
Der mit § 4 Abs. 1 Satz 1 IFG bezweckte Schutz des behördlichen Entscheidungsprozesses ist zeitlich begrenzt und endet spätestens mit dem Abschluss des Verfahrens (Beschluss vom 18. Juli 2011 - BVerwG 7 B 14.11 - NVwZ 2011, 1072 Rn. 5).
Der Schutz der Vertraulichkeit behördlicher Beratungen und das daraus folgende Verbot der Offenlegung von Beratungsinterna kann dabei über den Abschluss des laufenden Verfahrens hinausreichen (vgl. BVerwG, Beschluss vom 18. Juli 2011 - BVerwG 7 B 14.11 - NVwZ 2011, 1072 Rn. 5).
Das ist, wie das Oberverwaltungsgericht zutreffend ausgeführt hat, in der Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts geklärt (BVerfG, Urteil vom 24. Januar 2001 - 1 BvR 2623/95, 622/99 - BVerfGE 103, 44 ; Beschluss vom 19. Dezember 2007 - 1 BvR 620/07 - BVerfGE 119, 309 ; siehe auch BVerwG, Beschluss vom 18. Juli 2011 - 7 B 14.11 - Buchholz 400 IFG Nr. 5 Rn. 9).
Wenn das Oberverwaltungsgericht die konkrete Möglichkeit nachteiliger Auswirkungen verlangt, liegt darin jedenfalls implizit der Verweis auf den allgemeinen ordnungsrechtlichen Wahrscheinlichkeitsmaßstab der hinreichenden Wahrscheinlichkeit eines Schadenseintritts, die sich wiederum nach dem Gewicht des Schutzguts richtet (Beschluss vom 18. Juli 2011 - BVerwG 7 B 14.11 - Buchholz 400 IFG Nr. 5 Rn. 11).
Der Abschluss des laufenden Verfahrens bildet dabei keine unüberwindbare zeitliche Grenze (vgl. Beschluss vom 18. Juli 2011 - BVerwG 7 B 14.11 - NVwZ 2011, 1072 Rn. 5).
Es gilt der allgemeine ordnungsrechtliche Wahrscheinlichkeitsmaßstab der hinreichenden Wahrscheinlichkeit eines Schadenseintritts, der sich wiederum nach dem Gewicht des Schutzguts richtet (…Urteil vom 15. November 2012 a.a.O. Rn. 40 und Beschluss vom 18. Juli 2011 - BVerwG 7 B 14.11 - Buchholz 400 IFG Nr. 5 Rn. 11).
Vielmehr ist von der Möglichkeit auszugehen, dass die geschützten innerbehördlichen Beratungen wegen des Wissens um eine - auch nach Abschluss des jeweiligen Verfahrens erfolgende - Offenlegung etwa der einzelnen Beiträge und Meinungsbekundungen im Beratungsprozess beeinträchtigt werden können (…Urteil vom 3. November 2011 - BVerwG 7 C 4.11 - NVwZ 2012, 251 Rn. 31 f. und Beschluss vom 18. Juli 2011 - BVerwG 7 B 14.11 - Buchholz 400 IFG Nr. 5 Rn. 5 sowie Vorinstanz, OVG Münster, Urteil vom 2. November 2010 - 8 A 475/10 - ZUR 2011, 113 ).
a) (1) Zweck dieser Regelung ist, die "notwendige Vertraulichkeit" behördlicher Beratungen zu wahren (vgl. BVerwG…, Urteil vom 3. November 2011 - 7 C 4.11 - Buchholz 400 IFG Nr. 7 = NVwZ 2012, 251 Rn. 31; Beschluss vom 18. Juli 2011 - 7 B 14.11 - NVwZ 2011, 1072 Rn. 5; BT-Drs. 15/4493 S. 10).
Die Dauer dieses Aufschubs bestimmt sich danach, ob der Schutz der Vertraulichkeit nach den konkreten Verhältnissen des jeweiligen Sachbereichs weiterhin eine Offenlegung der Beratungsinterna verbietet (vgl. BVerwG, Beschluss vom 18. Juli 2011 - 7 B 14.11 - NVwZ 2011, 1072 Rn. 7).
Im Wege einer Prognose ist zu ermitteln, ob das (nachträgliche) Bekanntwerden der Information (zukünftig) mit hinreichender Wahrscheinlichkeit zu einer ernsthaften und konkreten Gefährdung des behördlichen Beratungsprozesses führt (vgl. BVerwG, Beschluss vom 18. Juli 2011 - 7 B 14.11 - NVwZ 2011, 1072 Rn. 11).
Ein verfassungsunmittelbarer Informationszugangsanspruch auf der Grundlage des Art. 5 Abs. 1 Satz 1 GG steht dem Kläger nicht zu (BVerfG, Urteil vom 24. Januar 2001 - 1 BvR 2623/95, 622/99 - BVerfGE 103, 44 ; Beschluss vom 19. Dezember 2007 - 1 BvR 620/07 - BVerfGE 119, 309 ; siehe auch BVerwG, Beschluss vom 18. Juli 2011- 7 B 14.11 - Buchholz 400 IFG Nr. 5 Rn. 9).
vgl. BVerwG, Urteil vom 3. November 2011 - 7 C 4.11 -, juris Rn. 31, Beschluss vom 18. Juli 2011 - 7 B 14.11 -, juris Rn. 5, unter Hinweis auf …
§ 4 Abs. 1 Satz 1 IFG, der wie § 3 Nr. 3 b) IFG dem Schutz des behördlichen Entscheidungsprozesses dient, vgl. insoweit BVerwG, Beschluss vom 18. Juli 2011 - 7 B 14.11 -, juris Rn. 5; Schoch, IFG, 2. Aufl. 2016, § 4 Rn. 3, bringt die gesetzgeberische Grundwertung zum Ausdruck, dass prinzipiell ein geschützter Raum ungestörter behördlicher Entscheidungsfindung anzuerkennen ist, der auch vor den Transparenzgeboten des Informationsfreiheitsgesetzes Bestand hat.
vgl. BVerwG, Beschluss vom 18. Juli 2011- 7 B 14.11 -, juris Rn. 5; Schoch, IFG, 2. Aufl. 2016, § 4 Rn. 25.