Source: https://www.steuerberater-center.de/42598.htm
Timestamp: 2019-02-16 07:51:04
Document Index: 31000464

Matched Legal Cases: ['§ 63', '§ 32', '§ 62', '§ 63', '§ 32', '§ 32']

BFH 3.9.2015, VI R 9/15
Ein Masterstudium stellt jedenfalls dann Teil einer einheitlichen Erstausbildung dar, wenn es zeitlich und inhaltlich auf den vorangegangenen Bachelorstudiengang abgestimmt ist (sog. konsekutives Masterstudium). Damit besteht unter diesen Voraussetzungen auch nach Abschluss eines Bachelorstudienganges ein Anspruch auf Kindergeld.
Der Sohn der KlÃ¤gerin hatte im April 2013 den Studiengang Wirtschaftsmathematik an einer UniversitÃ¤t mit dem Bachelor-Abschluss beendet. FÃ¼r das Wintersemester 2012/2013 schrieb er sich dort fÃ¼r den Masterstudiengang ebenfalls im Bereich Wirtschaftsmathematik ein und fÃ¼hrte den Studiengang nach Erlangung des Bachelor-Abschlusses fort. Daneben war er 21,5 Stunden wÃ¶chentlich als studentische Hilfskraft und als Nachhilfelehrer tÃ¤tig.
Die Familienkasse hob die zugunsten der KlÃ¤gerin erfolgte Kindergeldfestsetzung ab dem Erreichen des Bachelor-Abschlusses auf. Sie war der Ansicht, dass die Erstausbildung des Sohnes mit dem Bachelor-Abschluss beendet war. Eine grundsÃ¤tzlich mÃ¶gliche WeitergewÃ¤hrung bis zum Abschluss des Masterstudiums sei zudem nicht mÃ¶glich, da das Kind wÃ¤hrend des Studiums mehr als 20 Stunden pro Woche gearbeitet habe.
Der Sohn der KlÃ¤gerin hatte im Streitzeitraum eine erstmalige Berufsausbildung noch nicht abgeschlossen. Damit kam es auf die Frage der ErwerbstÃ¤tigkeit nicht an. FÃ¼r Kindergeldzwecke war der Sohn als Kind nach Â§ 63 Abs. 1 S. 2 i.V.m. Â§ 32 Abs. 4 S. 1 Nr. 2a EStG zu berÃ¼cksichtigen. Demnach hat die KlÃ¤gerin gem. Â§ 62 Abs. 1 Nr. 1 i.V.m. Â§ 63 Abs. 1 S. 1 Nr. 1 i.V.m. Â§ 32 Abs. 4 S. 1 Nr. 2a EStG im Streitzeitraum einen Anspruch auf Kindergeld fÃ¼r ihren Sohn.
Zwar ist nach der ab 2012 geltenden Fassung des Â§ 32 Abs. 4 S. 2 EStG Kindergeld auch weiterhin fÃ¼r ein in Ausbildung befindliches Kind zu gewÃ¤hren, solange das Kind nicht das 25. Lebensjahr vollendet hat. Es kommt dabei grundsÃ¤tzlich nicht darauf an, ob es sich um eine Erst-, Zweit- oder Drittausbildung handelt. Allerdings entfÃ¤llt der Kindergeldanspruch, wenn das Kind nach seiner Erstausbildung neben einer weiteren Ausbildung regelmÃ¤ÃŸig mehr als 20 Stunden pro Woche arbeitet.
Das Masterstudium war noch als Teil einer einheitlichen Erstausbildung zu werten. Bachelor- und Masterstudium stehen in einem engen sachlichen und zeitlichen Zusammenhang (sog. konsekutives Masterstudium) und sind daher als integrative Teile einer einheitlichen Erstausbildung zu betrachten. Da die Erstausbildung im vorliegenden Fall mit der Erlangung des Bachelor-Abschlusses noch nicht beendet war, kam es nicht darauf an, dass der Sohn der KlÃ¤gerin bis zur Erlangung des Masterabschlusses mehr als 20 Stunden pro Woche gearbeitet hatte.
Verlag Dr. Otto Schmidt vom 18.11.2015 14:40
Quelle: BFH PM Nr. 78 vom 18.11.2015