Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Gericht=VGH%20Bayern&Datum=24.02.2010&Aktenzeichen=1%20ZB%2008.3231
Timestamp: 2019-01-20 01:53:13
Document Index: 217613060

Matched Legal Cases: ['§ 25', '§ 1', '§ 25', '§ 140', '§ 1', '§ 25', '§ 25', '§ 25', '§ 25', '§ 25', '§ 25', 'Art. 26', 'Art. 20', 'Art. 3', 'Art. 26']

VGH Bayern, 24.02.2010 - 1 ZB 08.3231 - dejure.org
Zu den Anforderungen an eine ein Bahngelände erfassende Vorkaufsrechtssatzung gemäß § 25 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 BauGB.Berufungszulassung (abgelehnt); gemeindliches Vorkaufsrecht für ein Bahnhofsgelände; Rechtmäßigkeit der Vorkaufsrechtssatzung; Ausfertigungsmangel (verneint); Begriff der "stÃ
BauGB § 1 Abs. 6; BauGB § 25 Abs. 1 S. 1 Nr. 2
Anforderungen an eine ein Bahngelände erfassende Vorkaufsrechtssatzung; Inbetrachtziehung von städtebaulichen Maßnahmen bei der Entwicklung von städtebaulichen Überlegungen getragenen Planvorstellungen durch eine Gemeinde; Anforderungen an die Notwendigkeit des Erlasses einer Vorkaufsrechtssatzung zur Sicherung einer geordneten städtebaulichen Entwicklung
Vorkaufsrecht der Gemeinde für ein Bahnhofsgelände
DVBl 2010, 861
BauR 2010, 1734
Dazu gehören etwa Rahmenplanungen (vgl. § 140 Nr. 4 BauGB), Entwicklungsplanungen und -konzepte sowie alle sonstigen von der Gemeinde beschlossenen städtebaulichen Planungen im Sinn von § 1 Abs. 6 Nr. 11 BauGB (vgl. BT-Drs. 10/4630, S. 83; BayVGH, B.v. 24.2.2010 - 1 ZB 08.3231 - juris Rn. 29;… OVG NRW, U.v. 19.4.2010 - 7 A 1041/08 - BRS 76 Nr. 117 = juris Rn. 84;… VG Aachen, U.v. 19.12.2013 - 5 K 1285/11 - juris Rn. 38, 39;… Reidt a.a.O. Rn. 7;… Paetow in Berliner Kommentar zum BauGB, Stand: Juni 2018, § 25 Rn. 4;… a.A. / enger Stock in Ernst/Zinkahn/Bielenberg/Krautzberger, BauGB, Stand: Mai 2018, § 25 Rn. 15a - 17).
Wie konkret die in Betracht zu ziehenden städtebaulichen Maßnahmen bezeichnet werden müssen, hängt von den Umständen des jeweiligen Einzelfalles ab (…BVerwG, B.v. 8.9.2009 - 4 BN 38.09 - BauR 2010, 81 = juris Rn. 4; BayVGH, B.v. 24.2.2010 - 1 ZB 08.3231 - juris Rn. 31;… B.v. 6.4.2011 -15 ZB 09.2047 - juris Rn. 16).
In eine auf § 25 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 BauGB gestützte Vorkaufssatzung dürfen mithin nur Flächen einbezogen werden, deren Erwerb der Verwirklichung der beabsichtigten städtebaulichen Maßnahmen dienlich ist (…vgl. BVerwG, B.v. 15.2.2000 a.a.O.; BayVGH, B.v. 24.2.2010 - 1 ZB 08.3231 - juris Rn. 34;… BayVGH, B.v. 6.4.2011 - 15 ZB 09.2047 - juris Rn. 15;… vgl. auch Stock in Ernst/Zinkahn/Bielenberg/Krautzberger, BauGB, Stand: Mai 2018, § 25 Rn. 22).
Der Geltungsbereich der Vorkaufsrechtssatzung muss sich daher grundsätzlich auf den Bereich konzentrieren, auf den sich die in Aussicht genommene Maßnahme erstreckt (BayVGH, B.v. 24.2.2010 a.a.O. Rn. 34;… OVG Rh-Pf, B.v. 4.3.2003 - 8 A 10154/03 - juris Rn. 4, 5).
Im Ergebnis kommt es am Maßstab des Grundsatzes der Verhältnismäßigkeit darauf an, ob die räumliche Abgrenzung der Satzung im Lichte der zu sichernden Maßnahme als vernünftig und sachgerecht angesehen werden kann (BayVGH, B.v. 24.2.2010 a.a.O. Rn. 34;… Stock in Ernst/Zinkahn/Bielenberg/Krautzberger, BauGB, Stand: Mai 2018, § 25 Rn. 20;… Roos in Brügelmann, BauGB, Stand: Januar 2018, § 25 Rn. 21).
Zwar kann das notwendige Minimum an zu sichernder gemeindlicher Planungsvorstellung ggf. auch im Informationsmaterial, das dem beschließenden kommunalen Gremium im Zeitpunkt des Satzungsbeschlusses als Basis der Entscheidung diente, schriftlich festgelegt sein (zum Rekurs auf die Satzungsbegründung vgl. etwa BayVGH, B.v. 24.2.2010 - 1 ZB 08.3231 - juris Rn. 32).
Dieser Bebauungsplan ist wegen Verstoßes gegen die Ausfertigungsvorschrift des Art. 26 Abs. 2 Satz 1 GO, die letztlich eine Ausprägung des in Art. 20 Abs. 3 GG und Art. 3 Abs. 1 BV verankerten Rechtsstaatsprinzips darstellt, offensichtlich unwirksam, weil die Bekanntmachung der Satzung (2.10.1979) vor ihrer Ausfertigung (27.11.1979) erfolgt ist (vgl. BVerwG vom 9.5.1996 NVwZ-RR 1996, 630; vom 27.1.1999 NVwZ 1999, 878; BayVGH vom 19.4.2005 BayVBl 2006, 403; vom 14.7.2006 BayVBl 2007, 334; vom 24.2.2010 BauR 2010, 1734).
Soweit die Antragstellerin ausführt, nach längerer Zeit könne die "Legalität" nicht mehr beurteilt werden, ist einzuschränken, dass die Legalitätsfunktion, also die förmliche Bestätigung der Legalität des Verfahrens, weder vom bayerischen Landesrecht gefordert wird (Art. 26 Abs. 2 Satz 1 GO; BayVGH vom 24.2.2010 Az. 1 ZB 08.3231 m. w. N.) noch zum Mindeststandard des bundesverfassungsrechtlichen Rechtsstaatsgebots gehört (BVerwG 16.5.1991 Az. 4 NB 26/90 NVwZ 1992, 371; BVerwG vom 16.12.1993 Az. 4 C 22/92 NVwZ 1994, 1010; BVerwG vom 27.1.1998 Az. 4 NB 3/97 BayVBl 1998, 503).
Wenn eine Satzung aus mehreren Teilen, namentlich einen Textteil und einer Planzeichnung, besteht und diese nicht körperlich untrennbar verbunden sind, ist nach der obergerichtlichen Rechtsprechung eine gesonderte Ausfertigung aller Teile nötig (BayVGH BayVBl. 2004, 22 [23]; BayVGH Beschluss vom 5.2.2009 Az. 1 N 07.2713 - juris, m.w.N.; sowie unlängst BayVGH Beschluss vom 24.2.2010 Az. 1 ZB 08.3231 - juris).