Source: https://www.rechtslupe.de/familienrecht/rechtsmittel-in-familiensachen-in-uebergangsfaellen-346518
Timestamp: 2020-01-27 21:20:20
Document Index: 81165607

Matched Legal Cases: ['Art. 111', '§ 69', 'Art. 111', 'Art. 111', 'Art. 111', 'Art. 111', 'Art. 111', 'Art. 111', 'Art. 111', '§ 58', '§ 69', '§ 70', '§ 70', 'BGH', 'Art. 111', 'Art. 111', 'BGH', 'BGH', 'Art. 111', 'BGH', 'BGH']

Rechts­mit­tel in Fami­li­en­sa­chen in Über­gangs­fäl­len | Rechtslupe
Art. 111 Abs. 5 FGG-RG gilt auch für das Rechts­mit­tel­ver­fah­ren, wenn die ange­foch­te­ne Ent­schei­dung (hier Teil­ur­teil) noch vor dem 1. Sep­tem­ber 2010 nach altem Ver­fah­rens­recht ergan­gen ist; des­halb ist über das Rechts­mit­tel gemäß § 69 FamFG durch Beschluss zu ent­schei­den. Hat das Rechts­mit­tel­ge­richt fälsch­li­cher­wei­se durch Beru­fungs­ur­teil ent­schie­den und die Revi­si­on zuge­las­sen, ist die ein­ge­leg­te Revi­si­on im Sin­ne der Meist­be­güns­ti­gung als Rechts­be­schwer­de zu behan­deln und hier­über im Beschluss­we­ge zu ent­schei­den 1.
Das Schei­dungs­ver­fah­ren ist im hier vom Bun­des­ge­richts­hof ent­schie­de­nen Fall bereits vor dem Inkraft­tre­ten des Geset­zes über das Ver­fah­ren in Fami­li­en­sa­chen und in den Ange­le­gen­hei­ten der frei­wil­li­gen Gerichts­bar­keit anhän­gig gemacht wor­den, so dass gemäß Art. 111 Abs. 1 Satz 1 FGG-RG altes Ver­fah­rens­recht anzu­wen­den wäre, wor­an sich auch dadurch nichts ändert, dass die hier zur Über­prü­fung ste­hen­de Fol­ge­sa­che Zuge­winn­aus­gleich erst im Janu­ar 2010 anhän­gig gemacht wor­den ist 2. Abwei­chend von Art. 111 Abs. 1 Satz 1 FGG-RG sind jedoch gemäß Art. 111 Abs. 5 FGG-RG auf Ver­fah­ren über den Ver­sor­gungs­aus­gleich, in denen – wie hier – am 31.08.2010 im ers­ten Rechts­zug noch kei­ne End­ent­schei­dung erlas­sen wur­de, sowie auf die mit sol­chen Ver­fah­ren im Ver­bund ste­hen­den Schei­dungs- und Fol­ge­sa­chen ab dem 1. Sep­tem­ber 2010 die nach Inkraft­tre­ten des Geset­zes zur Reform des Ver­fah­rens in Fami­li­en­sa­chen und in den Ange­le­gen­hei­ten der frei­wil­li­gen Gerichts­bar­keit (FamFG) gel­ten­den Vor­schrif­ten anzu­wen­den.
Zwar hat das Amts­ge­richt das hier ange­foch­te­ne Teil­ur­teil im Juli 2010, also vor dem in Art. 111 Abs. 5 FGG-RG genann­ten Stich­tag und damit zutref­fend auf der Grund­la­ge alten Ver­fah­rens­rechts ver­kün­det. Art. 111 Abs. 5 FGG-RG fin­det jedoch auch auf das Rechts­mit­tel­ver­fah­ren Anwen­dung, wenn die ange­foch­te­ne Ent­schei­dung noch vor dem 1. Sep­tem­ber 2010 nach altem Ver­fah­rens­recht ergan­gen ist 3. Dass Art. 111 Abs. 5 FGG-RG das Rechts­mit­tel­ver­fah­ren ein­be­zieht, ergibt sich nicht nur aus des­sen Wort­laut, son­dern auch aus der Gesamt­re­ge­lung des Art. 111 FGG-RG selbst. Das Ver­fah­ren im Sin­ne die­ser Norm erfasst die gesam­te, bei Ein­le­gung ent­spre­chen­der Rechts­mit­tel auch meh­re­re Instan­zen umfas­sen­de gericht­li­che Tätig­keit in einer Sache 4.
Das Kam­mer­ge­richt hät­te des­we­gen nach Ein­tritt des Stich­ta­ges (1. Sep­tem­ber 2010) die Beru­fung als Beschwer­de i.S.d. § 58 FamFG behan­deln und hier­über statt durch Urteil durch Beschluss gemäß § 69 FamFG ent­schei­den müs­sen, obgleich Anfech­tungs­ge­gen­stand das Teil­ur­teil des Amts­ge­richts war.
Das von der Antrags­geg­ne­rin zum Bun­des­ge­richts­hof ein­ge­leg­te Rechts­mit­tel ist nach den Grund­sät­zen der Meist­be­güns­ti­gung zuläs­sig. Der Grund­satz der Meist­be­güns­ti­gung fin­det auch Anwen­dung, wenn – wie hier – das Gericht nach dem von ihm ange­wand­ten Ver­fah­rens­recht die Ent­schei­dungs­form zwar zutref­fend gewählt hat, der Feh­ler jedoch auf der Anwen­dung fal­schen Ver­fah­rens­rechts beruht 5. Die Statt­haf­tig­keit des Rechts­mit­tels führt auch nicht zu einer Erwei­te­rung des Instan­zen­zu­ges 6, weil das Kam­mer­ge­richt auch nach neu­em Recht ein Rechts­mit­tel zum Bun­des­ge­richts­hof hät­te zulas­sen kön­nen (§ 70 Abs. 1 und 2 FamFG).
Aller­dings hat der Bun­des­ge­richts­hof das Ver­fah­ren so wei­ter zu betrei­ben, wie dies im Fal­le einer for­mell rich­ti­gen Ent­schei­dung durch die Vor­in­stanz und dem danach gege­be­nen Rechts­mit­tel gesche­hen wäre 7, hier also in Form des Rechts­be­schwer­de­ver­fah­rens nach §§ 70 ff. FamFG.
im Anschluss an BGH, Beschlüs­se vom 13.06.2012 – XII ZR 77/​10, Fam­RZ 2012, 1293; vom 29.02.2012 – XII ZB 198/​11, Fam­RZ 2012, 783; und vom 06.04.2011 – XII ZB 553/​10, Fam­RZ 2011, 966[↩]
vgl. etwa Schul­te-Bun­er­t/Wein­reich/­Schür­mann 3. Aufl. Art. 111 FGG-RG Rn. 12[↩]
vgl. OLG Saar­brü­cken Fam­RZ 2011, 1890, 1891; Keidel/​Engelhardt FamFG 17. Aufl. Art. 111 FGG-RG Rn. 11; Büte FF 2010, 279, 281 f.; Vogel FF 2011, 51, 55; Kem­per FPR 2010, 69, 74[↩]
vgl. BGH, Beschluss vom 03.11.2010 – XII ZB 197/​10, Fam­RZ 2011, 100 Rn. 10 mwN[↩]
BGH, Beschlüs­se vom 13.06.2012 – XII ZR 77/​10, Fam­RZ 2012, 1293 Rn. 17; vom 29.02.2012 – XII ZB 198/​11, Fam­RZ 2012, 783 Rn. 13 und vom 06.04.2011 – XII ZB 553/​10, Fam­RZ 2011, 966 Rn. 13; zu Art. 111 Abs. 5 FGG-RG: OLG Saar­brü­cken Fam­RZ 2011, 1890, 1891[↩]
vgl. hier­zu BGH, Beschluss vom 13.06.2012 – XII ZR 77/​10, Fam­RZ 2012, 1293 Rn. 18[↩]
BGH, Beschlüs­se vom 13.06.2012 – XII ZR 77/​10, Fam­RZ 2012, 1293 Rn. 13 mwN[↩]
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