Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Text=6%20K%2043/15
Timestamp: 2019-07-21 16:07:35
Document Index: 33276451

Matched Legal Cases: ['§ 4', '§ 8', '§ 4', '§ 4', 'Art. 4', '§ 4']

VG Saarlouis, 23.12.2015 - 6 K 43/15 - dejure.org
https://dejure.org/2015,40924
VG Saarlouis, 23.12.2015 - 6 K 43/15 (https://dejure.org/2015,40924)
VG Saarlouis, Entscheidung vom 23.12.2015 - 6 K 43/15 (https://dejure.org/2015,40924)
VG Saarlouis, Entscheidung vom 23. Dezember 2015 - 6 K 43/15 (https://dejure.org/2015,40924)
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Zur Frage, ob die Erhebung von Rundfunkbeiträgen gegen die Glaubens- und Gewissensfreiheit verstößt bzw. religiöse und Gewissensgründe eine Befreiung von der Rundfunkbeitragspflicht erfordern (hier: Katholik)
urteilsbesprechungen.de (Kurzinformation)
Keine Heilung bei Zustellungsverstoß
So sollen absolute körperliche Rezeptionshindernisse beim Wohnungsinhaber (z.B. aufgrund schwerer Demenzerkrankung) oder besondere örtliche Gegebenheiten (Funkloch) qualifizierte Gründe für eine Beitragsbefreiung darstellen können (vgl. VG des Saarlandes, Urteil vom 23. Dezember 2015, 6 K 43/15, juris, Rn. 92 f, m.w.N.).
Dementsprechend kann auch im Rundfunkbeitragsrecht ein Anspruch auf Beitragsbefreiung wegen eines besonderen Härtefalls im Sinne von § 4 Abs. 6 Satz 1 RBStV nicht mit der Ablehnung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks unter Berufung auf die Gewissens- bzw. Religionsfreiheit begründet werden (vgl. VG des Saarlandes, Urteil vom 23. Dezember 2015, a.a.O., Rn 72).
Urteil der Kammer vom 23.12.2015, 6 K 43/15; VG München, Urteil vom 10.04.2012, M 6b K 11.1831, juris, Rz. 25 ff.; VG Augsburg, Urteil vom 30.08.2013, AU 7 K 13.824, juris, Rz. 31; vgl. auch Sadler, in: Sadler, VwVG/VwZG, 9. Aufl. 2014, § 8 VwZG Rz. 3.
Urteile der Kammer vom 23.12.2015, 6 K 43/15, und 28.01.2015, 6 K 1235/14; vgl. auch OVG Rheinland-Pfalz, Beschluss vom 16.11.2015, 7 A 10455/15, juris, Rz. 19.
ausführlich Urteil vom 23.12.2015, 6 K 43/15, m.z.w.N. (str.).
16 Hiervon ausgehend sind Härtefälle i S. v. § 4 Abs. 6 RBStV solche, bei denen die Befreiungsvoraussetzungen aus sozialen Gründen nach § 4 Abs. 1 RBStV nicht bescheinigt worden sind, aber eine diesen Gründen vergleichbare Situation vorliegt, sowie sonstige offenkundig atypische Fälle wie etwa absolute körperliche Rezeptionshindernisse z. B. bei Wachkomapatienten oder einer schweren Demenzerkrankung; in Betracht kommen mögen auch der Fall eines nachgewiesenen längeren Auslandsaufenthalts (vgl. VG Saarland, Urt. v. 23. Dezember 2014 - 6 K 43/15 -, juris Rn. 92) sowie Fälle der technischen - objektiven - Unmöglichkeit des Rundfunkempfangs (vgl. dazu die Beispiele in der Begründung zum sächsischen Zustimmungsgesetzes zum Fünfzehnten Rundfunkänderungsstaatsvertrag, Drs. 5/5570 S. 16).
So sollen absolute körperliche Rezeptionshindernisse beim Wohnungsinhaber (z.B. aufgrund schwerer Demenzerkrankung) oder besondere örtliche Gegebenheiten (Funkloch) qualifizierte Gründe für eine Beitragsbefreiung darstellen können (vgl. VG des Saarlandes, U.v. 23.12.2015 - 6 K 43/15 - juris Rn. 92 f, m.w.N.).
Eine Gewissensentscheidung im Sinne des Art. 4 Abs. 1 GG ist nach der Definition des Bundesverfassungsgerichts eine ernste, sittliche, d.h. an den Kriterien von "Gut" und "Böse" orientierte Entscheidung, die der Einzelne in einer bestimmten Lage als für sich bindend und unbedingt verpflichtend erfährt, so dass er gegen sie nicht ohne ernste Gewissensnot handeln könnte (vgl. BVerfG, B.v. 20.12.1960 - 1 BvL 21/60 - juris; U.v. 13.4.1978 - 2 BvF 1/77, 2/77, 4/77, 5/77 - juris; VG des Saarlandes, U.v. 23.12.2015 - 6 K 43/15 - juris, Rn. 62).
Von daher ist es auch nicht Aufgabe der Gerichte, qualitative Einschätzungen über öffentlich-rechtliche Programminhalte in die Entscheidung rundfunkbeitragsrechtlicher Rechtsfragen einzubringen." vgl. Oberverwaltungsgericht Nordrhein-Westfalen, Urteil vom 28. Mai 2015 - 2 A 95/15 - juris, Rn. 88 ff.; vgl. auch Oberverwaltungsgericht Rheinland-Pfalz, Beschluss vom 16. November 2015 - 7 A 10455/15 - juris, Rn. 9. ff. und Verwaltungsgericht des Saarlandes, Urteil vom 23. Dezember 2015 - 6 K 43/15 - juris, Rn. 39.
Es ist nicht Aufgabe der Gerichte, qualitative Einschätzungen über öffentlich-rechtliche Programminhalte in die Entscheidung rundfunkbeitragsrechtlicher Rechtsfragen einzubringen, vgl. Oberverwaltungsgericht Rheinland-Pfalz, Beschluss vom 16. November 2015 - 7 A 10455/15 - juris, Rn. 21; Oberverwaltungsgericht Nordrhein-Westfalen, Urteil vom 12. März 2015 - 2 A 2423/14 -, juris, Rn. 71; Verwaltungsgericht des Saarlandes, Urteil vom 23. Dezember 2015 - 6 K 43/15 - juris, Rn. 43.
Vor dem Hintergrund dieses gefestigten verfassungsrechtlichen Befunds vermag auch eine unter Berufung auf religiöse oder Gewissensgründe erklärte Ablehnung der Rundfunkbeitragspflicht die Annahme eines besonderen Härtefalls im Sinne von § 4 Abs. 6 Satz 1 RBStV nicht zu rechtfertigen (vgl. Verwaltungsgericht des Saarlandes, Urt. v. 23.12.2015 - 6 K 43/15 - juris).