Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Gericht=BGH&Datum=19.01.1979&Aktenzeichen=I%20ZR%20172/76
Timestamp: 2020-01-29 18:24:53
Document Index: 293528520

Matched Legal Cases: ['BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 313', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 242', 'BGH', '§ 313', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 313', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH']

BGH, 19.01.1979 - I ZR 172/76 - dejure.org
https://dejure.org/1979,1624
BGH, 19.01.1979 - I ZR 172/76 (https://dejure.org/1979,1624)
BGH, Entscheidung vom 19.01.1979 - I ZR 172/76 (https://dejure.org/1979,1624)
BGH, Entscheidung vom 19. Januar 1979 - I ZR 172/76 (https://dejure.org/1979,1624)
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Fabrikübernahme mit beweglichem und unbeweglichem Anlagevermögen - Geschäftsgrundlage bei Teilregelungen eines Rechtsgeschäftes im Vorvertrag - Formbedürftigkeit eines Teilgeschäfts im Zusammenhang mit beurkundungspflichtiger Fabrikübernahme - Formbedürftigkeit bei ...
NJW 1979, 915 (Ls.)
MDR 1979, 469
DNotZ 1979, 332
WM 1979, 458
DB 1979, 741
c) Dem Vorspiegeln einer tatsächlich nicht vorhandenen Bereitschaft, einen Vertrag zu bestimmten Bedingungen, insbesondere zu einem bestimmten Preis, abzuschließen, ist nach Treu und Glauben der Fall gleichzustellen, daß ein Verhandlungspartner zwar zunächst eine solche, von ihm geäußerte, Verkaufsbereitschaft tatsächlich gehabt hat, im Verlaufe der Verhandlungen aber innerlich von ihr abgerückt ist, ohne dies zu offenbaren (vgl. BGH, Urt. v. 19. Januar 1979, I ZR 172/76, LM BGB § 313 Nr. 80, Bl. 5/6;… Soergel/Wiedemann, aaO., Rdn. 135 f;… Reinicke/Tiedtke, aaO., S. 1096).
Auch in einem solchen Verhalten aber erblickt das Berufungsgericht einen wegen Verschuldens bei Vertragsschluß zum Ersatz des Vertrauensschadens verpflichtenden Tatbestand, und zwar unter ausdrücklicher Ablehnung des Urteils des erkennenden Senats vom 18. Oktober 1974, V ZR 17/73, NJW 1975, 43 sowie des BGH-Urteils vom 19. Januar 1979, I ZR 172/76, WM 1979, 458, 462, unter Berufung jedoch auf die BGH-Urteile vom 6. Februar 1969, II ZR 86/67, WM 1969, 595; vom 12. Juni 1975, X ZR 25/73, WM 1975, 923 und vom 7. Februar 1980, III ZR 23/78, NJW 1980, 1683 (= BGHZ 76, 343) sowie auf das frühere Urteil des erkennenden Senats vom 10. Juli 1970, V ZR 159/67, WM 1970, 1110.
Dem hat sich der I. Zivilsenat in seinem Urteil vom 19. Januar 1979, WM 1979, 458, 462 unter III. angeschlossen.
aa) Ein solches Verschulden kann einmal darin bestehen, daß der eine Teil schuldhaft - etwa dadurch, daß er eine in Wirklichkeit fehlende Entschlossenheit zum Vertragsschluß zum Ausdruck bringt oder gegen Aufklärungspflichten verstößt - im anderen Teil das Vertrauen auf das bevorstehende Zustandekommen eines später nicht abgeschlossenen Vertrages erweckt und ihn dadurch zu Aufwendungen veranlaßt (BGHZ 71, 386, 395 f; BGH, Urteile vom 18. Oktober 1974 - V ZR 17/93 = WM 1974, 1223 unter III und vom 19. Januar 1979 - I ZR 172/76 = WM 1979, 458 unter III 2 b).
Konnte er aber nicht auf die Gültigkeit der Vereinbarung vertrauen, so ist § 242 BGB grundsätzlich nicht anwendbar und der Gegenseite deshalb die Berufung auf die Formnichtigkeit nicht verwehrt (…vgl. BGH Urteile vom 21. März 1969 a.a.O. S. 1170, vom 4. Juni 1975 - IV ZR 190/73 - LM § 313 BGB Nr. 68 und vom 19. Januar 1979 a.a.O. DNotZ S. 335).
Eine andere Beurteilung wäre allerdings dann gerechtfertigt, wenn die Klägerin den Formmangel verursacht und bereits beim Abschluß der Vereinbarung die Absicht gehabt hätte, ihn dazu zu benutzen, sich durch die Abmachung zunächst einen ihr verbleienden Vorteil zu verschaffen, sich dann jedoch davon zu lösen (vgl. BGHZ 29, 6, 12; BGH Urteil vom 19. Januar 1979 a.a.O. DNotZ S. 335).
Der Anspruch der Klägerin gegen die Beklagten scheitert auch nicht daran, dass der Anteilskaufvertrag hätte beurkundet werden müssen, weil er mit der Grundstücksübertragung durch die Beklagte zu 3. ein einheitliches Rechtsgeschäft gewesen sei (vgl. hierzu BGH DNotZ 1979, 332 [BGH 19.01.1979 - I ZR 172/76] ), wovon zu Gunsten der Beklagten ausgegangen werden kann.
In Anbetracht der Schutzfunktion des § 313 BGB, die durch eine Verpflichtung zum Ersatz des Vertrauensschadens und einen damit unter Umständen verbundenen indirekten Zwang zur Erfüllung des Grundstücksgeschäfts unterlaufen werden könnte, ist Voraussetzung für eine Haftung bei formbedürftigen Verträgen ein der endlichen Verweigerung des Vertragsabschlusses vorangehendes Verschulden (vgl. BGH NJW 70, 1840; BGH NJW 75, 43; BGH WM 79, 458; BGH DNotZ 83, 621 = WM 82, 1436; OLG Köln, NJW-RR 87, 801; OLG Hamm NJW-RR 91, 1043; OLG Stuttgart DB 89, 1817).