Source: https://www.aussenwirtschaftslupe.de/verkauf-und-ausfuhr-von-embargoguetern-und-das-strafrecht-6364
Timestamp: 2019-08-23 01:52:49
Document Index: 313337972

Matched Legal Cases: ['§ 74', '§ 52', '§ 17', '§ 34', '§ 34', '§ 17', '§ 17', '§ 38', 'BGH', '§ 34', 'BGH', 'BGH', '§ 52', '§ 4', 'BGH', '§ 18', 'BGH', '§ 18', 'BGH']

Verkauf und Ausfuhr von Embargogütern — und das Strafrecht | Außenwirtschaftslupe
Der Ver­stoß gegen das Ver­kaufs- und der­je­ni­ge gegen das Aus­fuhr­ver­bot ste­hen zuein­an­der im Ver­hält­nis der Ide­al­kon­kur­renz. Mit dem Ver­kauf von Gütern, die in der natio­na­len Waf­fen­lis­te geführt wer­den, ver­stößt der Täter gegen eine eigen­stän­di­ge Ver­bots­norm nach § 74 Abs. 1 Nr. 9 AWV nF. Der Gesetz­ge­ber hat durch die Auf­he­bung der Sub­si­dia­ri­täts­klau­sel die Bedeu­tung die­ses Ver­bo­tes unter­stri­chen und einen Ver­stoß dage­gen einem sol­chen gegen das Aus­fuhr­ver­bot gleich­ge­stellt. Ange­sichts des­sen spricht schon die Klar­stel­lungs­funk­ti­on des § 52 Abs. 1 StGB dafür, den Ver­stoß gegen das Ver­kaufs­ver­bot als in Ide­al­kon­kur­renz zu dem Aus­fuhr­de­likt ste­hend in die Urteils­for­mel auf­zu­neh­men5. Es ist auch ansons­ten kein Grund dafür ersicht­lich, von Geset­zes­kon­kur­renz aus­zu­ge­hen. So ergibt sich etwa kein all­ge­mei­ner Vor­rang der Aus­fuhr­de­lik­te. Soweit in der außen­wirt­schafts­recht­li­chen Lite­ra­tur zum alten Recht die Auf­fas­sung ver­tre­ten wur­de, beim Zusam­men­tref­fen eines Han­dels­ge­schäfts mit einer Aus­fuhr kämen wegen des Vor­rangs der Aus­fuhr­ge­neh­mi­gungs­pflicht die Rege­lun­gen über Han­dels- und Ver­mitt­lungs­ge­schäf­te­nicht zur Anwen­dung6, kann dem schon auf­grund des zitier­ten, in der Begrün­dung der Neu­re­ge­lung zum Aus­druck gebrach­ten Wil­lens des Gesetz­ge­bers jeden­falls für die straf­recht­li­che Beur­tei­lung nicht gefolgt wer­den. Es liegt in dem vor­an­ge­gan­ge­nen Ver­kauf auch kein Fall der mit­be­straf­ten Vor­tat zu der nach­fol­gen­den Aus­fuhr. Eine straf­lo­se mit­be­straf­te Vor­tat liegt nur vor, wenn die­se das not­wen­di­ge oder regel­mä­ßi­ge Mit­tel zur Haupt­tat ist7. Davon kann im Ver­hält­nis zwi­schen Ver­kauf und spä­te­rer Aus­fuhr indes nicht aus­ge­gan­gen wer­den, denn eine ver­bo­te­ne Aus­fuhr von Gütern kann auch der Täter bege­hen, der sie vor­her nicht an den Emp­fän­ger ver­kauft hat; umge­kehrt ist es kei­ne not­wen­di­ge Fol­ge eines Ver­kaufs, dass der Täter die Güter anschlie­ßend aus­führt. Der Ver­kauf stellt im Ver­hält­nis zur Aus­fuhr mit­hin zusätz­li­ches Unrecht dar.
Die Anwen­dung des neu­en Rechts führt damit zwar zu einer Ver­schär­fung des Schuld­spruchs; da der Ange­klag­te nach den Fest­stel­lun­gen der Straf­kam­mer aber auch gewerbs­mä­ßig han­del­te, fal­len sei­ne Taten unter den Qua­li­fi­ka­ti­ons­tat­be­stand des § 17 Abs. 2 Nr. 2 AWG nF. Es ist mit­hin die­ser Straf­rah­men mit dem des § 34 Abs. 6 AWG aF zu ver­glei­chen. Gegen­über § 34 Abs. 6 AWG aF, der eine Min­dest­stra­fe von zwei Jah­ren Frei­heits­stra­fe vor­sah, erweist sich die Vor­schrift des § 17 Abs. 2 AWG nF als mil­de­res Gesetz, weil sie im Ver­hält­nis zum Grund­tat­be­stand des § 17 Abs. 1 AWG nF nur die Ober­gren­ze des Straf­rah­mens erhöht, so dass sie bei glei­cher Straf­ober­gren­ze (Frei­heits­stra­fe von 15 Jah­ren, vgl. § 38 Abs. 2 StGB) eine Min­dest­stra­fe von (nur) einem Jahr Frei­heits­stra­fe vor­sieht9.
vgl. BGH, Beschluss vom 28.03.2007 — 5 StR 225⁄06, NJW 2007, 1893, 1895; Mor­wei­ser in Wolffgang/​Simonsen, AWR-Kom­men­tar, 32. Erg.-Lfg., § 34 Abs. 1 AWG Rn. 11 mwN — die in Teil — I Abschnitt A Posi­ti­on 0003 der Aus­fuhr­lis­te ((Anla­ge AL zur Außen­wirt­schafts­ver­ord­nung aF↩
BT-Drs. 17⁄11127, S. 26↩
st. Rspr.; s. zuletzt BGH, Beschluss vom 15.10.2013 — StB 16⁄13 24 mwN↩
BGH, Urteil vom 27.11.1996 — 3 StR 508⁄96, NJW 1997, 951↩
vgl. Münch­Komm-StG­B/­von Heint­schel-Hein­egg, 2. Aufl. vor §§ 52 ff. Rn. 26 f.↩↩
Tervooren/​Mrozek in Wolffgang/​Simonsen, aaO, 22. Erg.-Lfg., § 4c AWV Rn. 26↩↩
st. Rspr.; s. zuletzt BGH, Urteil vom 20.02.2014 — 3 StR 178⁄13 16↩↩
vgl. zur ver­gleich­ba­ren Kon­stel­la­ti­on bei Straf­ta­ten nach § 18 AWG nF: BGH, Beschluss vom 15.10.2013 — StB 16⁄13, aaO↩
vgl. zur ver­gleich­ba­ren Kon­stel­la­ti­on bei Straf­ta­ten nach § 18 AWG nF BGH, Beschluss vom 15.10.2013 — StB 16⁄13, aaO↩