Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Text=II%20ZR%20241/89
Timestamp: 2020-08-11 06:56:27
Document Index: 234711297

Matched Legal Cases: ['BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 138', '§ 139', '§ 112', 'BGH', 'BGH', '§ 22', '§ 138', '§ 139', '§ 138', 'BGH', '§ 138', 'BGH', 'BGH', '§ 138', '§ 88', '§ 138', '§ 35', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 139', 'BGH', '§ 2', 'BGH', '§ 138', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 140', 'BGH']

BGH, 29.10.1990 - II ZR 241/89 - dejure.org
https://dejure.org/1990,516
BGH, 29.10.1990 - II ZR 241/89 (https://dejure.org/1990,516)
BGH, Entscheidung vom 29.10.1990 - II ZR 241/89 (https://dejure.org/1990,516)
BGH, Entscheidung vom 29. Januar 1990 - II ZR 241/89 (https://dejure.org/1990,516)
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Wettbewerbsverbot - OHG
BGB § 138, § 139; HGB § 112
NJW 1991, 699
MDR 1991, 412
WM 1990, 2121
BB 1990, 2432
DB 1990, 2588
Der Senat hat allerdings in Anlehnung an die Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs zur überlangen Dauer von Bierbezugsverträgen (…vgl. BGH, Urt. v. 14. Juni 1972 - VIII ZR 14/71, NJW 1972, 14-59;… weitere Nachweise bei Paulusch, Höchstrichterliche Rechtsprechung zum Brauerei- und Gaststättenrecht, 9. Aufl. 1996, Rdnr. 143 ff.) wiederholt ausgesprochen (vgl. Sen. Urt. v. 29. Oktober 1990 - Il ZR 241/89, WM 1990, 2121, 2222 f.;… Sen.Urt. v. 29. Januar 1996 --II ZR 286 94, NJW-RR 1996, 741, 742;… vgl. ferner BGH Urt. v. 19. Oktober 1993-KZR 3/92, NJW 1994, 384, 386;… Staub/Hüffer, HGB 4. Aufl., Vor § 22 Rdnr. 35;… Staudinger/Sack, BGB [1996] § 138 Rdnr. 109 ff. 312 m.w.N.; Canaris, FS Steindorff S. 519 ff., 536 ff.; kritisch Lammel AcP 189 [1989], 244 ff. 259 f., 285 f.; Hirte ZHR 154 [1990] 443, 459 f.), eine zeitlich unbegrenzte Wettbewerbsbeschränkung könne im Wege der geltungserhaltenden Reduktion auf das noch zu billigende Maß zurückgeführt werden.
Dabei ist die Vorstellung bestimmend, die auf Dauer angelegte Beziehung sei derart in Teilabschnitte zu zerlegen, daß sie sich als Teil eines ganzen Vertrages i.S.d. § 139 BGB darstellen - mit der Folge, daß sie bei einem entsprechendem Parteiwillen mit einer kürzeren, nicht zu beanstandenden Laufzeit aufrechterhalten bleiben (vgl. Sen.Urt. v. 29. Oktober 1990 - II ZR 241/89, WM 1990, 2121, 2123 m.w.N.) Ähnlich wie bei der zeitlichen Überdehnung des Wettbewerbsverbots soll nach einer im Schrifttum vertretenen Ansicht (…vgl. Hirte ZHR-aaO S. 4-59 f.; Melullis WRP 1994, 686, 691 f.;… Traub WRP 1994, 8Q2, 806 bei der zu weit gehenden räumlichen Erstreckung der Beschränkung die lediglich quantitative Überschreitung in Teilabschnitte zerlegbar sein, so daß auch eine wegen Mißachtung der räumlichen Grenzen sittenwidrige Wettbewerbsbeschränkung nicht nichtig, sondern verkürzt auf das angemessene Maß aufrechterhalten werden kann.
In der bisherigen, eine nur quantitativ wirkende Nichtigkeit anerkennenden Rechtsprechung der verschiedenen Senate des Bundesgerichtshofs ist stets ausgesprochen worden, daß die genannte geltungserhaltende Reduktion ihre Grenze dort findet, wo die Sittenwidrigkeit einer wettbewerbsbeschränkenden Regelung nicht allein in der zeitlichen Ausdehnung liegt, sondern weitere zur Anwendbarkeit des § 138 BGB führende Gründe hinzutreten (vg1. z.B. Sen. Urt. v. 28. April 1986 -- II ZR 254/B5, NJW 1986, 2944, 2945; Sen.Urt. v. 29. Oktober 1990 --II ZR 241/89, WM 51990, 2121, 2123;… BGH Urt. v. 17. Oktober 1973 - VIII ZR 91/72 EM BGB § 138 (Bb-) Nr. 35;… ferner Paulusch aaO Rdnr. 148 ff. m.w.N.).
h) Eine geltungserhaltende Reduktion der einzelnen Regelungen auf ein vertretbares Maß kommt - abgesehen vom Ausnahmefall der Überschreitung der zeitlichen Beschränkung (hierzu BGH, Urteil vom 29.10.1990 - II ZR 241/89, WM 1990, 2121; Urteil vom 29.01.1996 - II ZR 286/94, NJW-RR 1996, 741; Urteil vom 08.05.2000 - II ZR 308/98, WM 2000, 1496; OLG Zweibrücken MDR 1990, 336) - bei umfassend sittenwidrigen, nicht allein wegen der unangemessenen Laufzeit gegen die guten Sitten verstoßenden Wettbewerbsverboten nicht in Betracht (BGH, Urteil vom 29.10.1990 - II ZR 241/89, WM 1990, 2121; Urteil vom 18.07.2005 11 ZR 159/03, WM 2005, 1752; OLG Düsseldorf ZIP 1999, 311;… Scholz/Uwe H. Schneider, GmbHG a.a.O. Rn. 184;… Münch-Komm-BGB/Armbrüster, 5. Aufl. § 138 Rn. 161;… vgl. MünchKomm-AktG/Spindler, 3. Aufl. § 88 Rn. 47;… Staudinger/Sack, BGB Neubearb. 2003 § 138 Rn. 109;… a.A: Zöllner/Noack in: Baumbach/ Hueck, GmbHG a.a.O. § 35 Rn. 201).
Diese Beurteilung entspricht der Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs in vergleichbaren Fällen (Sen.Urt. v. 29. Oktober 1990 - II ZR 241/89, WM 1990, 2121, 2122; v. 14. Juli 1997 - II ZR 283/96, WM 1997, 1707, 1708 f. jew. m.w.Nachw.;… BGH, Urt. v. 21. März 1990 - VIII ZR 49/89, WM 1990, 1392, 1393 f.;… s. auch Urt. v. 14. Juni 2006 - VIII ZR 257/04, juris Tz. 21 f.).
In dem Maße, wie dies dennoch der Fall ist, ist regelmäßig die Freiheit der Berufsausübung des Verpflichteten übermäßig eingeschränkt mit der Folge, dass das Wettbewerbsverbot sittenwidrig und damit nichtig ist (st. Rspr. des BGH; Urteil vom 08.05.2000 - II ZR 308/98, NJW 2000, 2584; vom 29.10.1990 - II ZR 241/89, NJW 1991, 699; vom 28.04.1986 - II ZR 254/85, NJW 1986, 2944; vom 26.03.1984 - II ZR 229/83, NJW 1994, 2366).
Vielmehr muss jede vertragliche Beschränkung der Berufsausübung durch ein anerkennenswertes Bedürfnis des Vertragspartners gerechtfertigt sein (BGH, Urteil vom 29.10.1990 - II ZR 241/89, NJW 1991, 699).
Da sich diese Beziehungen nach einer gewissen Zeit verflüchtigen, muss das Konkurrenzverbot zeitlich begrenzt sein (Urteil vom 08.05.2000 - II ZR 308/98, NJW 2000, 2584; vom 29.10.1990 - II ZR 241/89, NJW 1991, 699).
Dem liegt die Erwägung zugrunde, dass eine zu weit gehende zeitliche Erstreckung der Beschränkung derart in Teilabschnitte zu zerlegen ist, dass diese sich als Teile eines ganzen Vertrags im Sinne des § 139 BGB darstellen mit der Folge, dass sie bei einem entsprechenden Parteiwillen mit einer kürzeren, nicht zu beanstandenden Laufzeit aufrechterhalten bleiben (st. Rspr.; BGH Urteil vom 14.07.1997 - II ZR 238/96, NJW 1997, 3089; vom 29.10.1990 - II ZR 241/89, NJW 1991, 699).
Die einen derart weitgehenden Schutz bezweckende Regelung in § 2 Abs. 2 S. 3 und 4 des Gesellschaftsvertrags ist daher nichtig (vgl. hierzu auch BGH Urteil vom 29.10.1990 - II ZR 241/89, NJW 1991, 699, für den Fall eines Wettbewerbsverbots bei einer Steuerberaterkanzlei).
Dies überschreitet den den Gerichten eingeräumten Gestaltungsspielraum und widerspricht zudem dem mit § 138 BGB verfolgten Zweck, dem Betroffenen das Risiko der Sittenwidrigkeit eines Wettbewerbsverbots zuzuweisen (BGH, Urteil vom 14.07.1997 - II ZR 238/96, NJW 1997, 3089; vom 29.10.1990 - II ZR 241/89, NJW.1991, 699).
Nach seinem Ausscheiden aus der Gesellschaft ist der Verfügungsbeklagte nicht gehalten, durch eigene geschäftliche Zurückhaltung die Gesellschaft vor wirtschaftlichen Nachteilen zu bewahren (BGH, Urteil vom 29.10.1990 - II ZR 241/89, NJW 1981, 699).
Zwar nimmt der Bundesgerichtshof eine solche in ständiger Rechtsprechung bei Wettbewerbsverboten mit zu langer Bindung vor (vgl. BGH 29. Oktober 1990 - II ZR 241/89 - BB 1990, 2432 ff. mwN).
Es ist anerkannt, dass sittenwidrige Geschäfte grundsätzlich nicht rechtsgestaltend gemäß § 140 BGB umgedeutet werden können, weil andernfalls das sittenwidrige Rechtsgeschäft für denjenigen, den es begünstigt, das Risiko, mit dem es durch die vom Gesetz angedrohte Nichtigkeitsfolge behaftet sein soll, verlieren würde (BGHZ 68, 204ff; 107, 351ff; 146, 37ff; WM 1986, 1251; 1990, 2121).
Allerdings kann sie im Wege der geltungserhaltenden Reduktion auf das noch zu billigende zeitliche Maß zurückgeführt werden (vgl. Sen.Urt. v. 29. Oktober 1990 - II ZR 241/89, WM 1990, 2121, 2122 f. m.w.N.).
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