Source: https://www.arbeitsschutzgesetz.org/gefstoffv/
Timestamp: 2019-10-21 05:20:45
Document Index: 350165166

Matched Legal Cases: ['§ 6', '§ 6', '§ 6', '§ 8', '§ 9', '§ 10', '§ 14', '§ 14', '§ 14', '§ 22', '§ 22']

Gefahrstoffverordnung (GefStoffV) - Arbeitsschutzgesetz
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Arbeitsschutz beim Umgang mit gefährlichen Stoffen
Die Gefahrstoffverordnung regelt die Arbeit mit lebensgefährlichen Substanzen.
Innerhalb der Berufswelt existieren Arbeitsplätze, an denen die Beschäftigten besonderen Gefahren ausgesetzt sind. Oft leitet sich das Gefahrenpotential aus der Arbeit mit besonders gefährlichen Stoffen ab. Viele Berufsfelder beinhalten die Arbeit mit Gefahrstoffen.
So kann es beispielsweise sein, dass der Bauarbeiter mit Asbest oder zumindest mit asbesthaltigem Material in Kontakt kommt.
Arbeiter in der Druck- und Papierverarbeitung haben hingegen mit starken Lösungsmitteln zu tun. Und im Chemielabor ist das Vorhandensein von gefährlichen Stoffen eine Grundvoraus­setzung.
Damit Beschäftigte im Hinblick auf das Arbeitsschutzgesetz beim Umgang mit Gefahrenstoffen geschützt werden, hat die Gesetzgebung die Gefahrstoffverordnung (abgekürzt: GefStoffV) ins Leben gerufen, deren Anwendungsbereich ein breites Spektrum umfasst. Dieser Ratgeber wirft einen detaillierten Blick auf die Verordnung und beleuchtet die Pflichten des Arbeitgebers, die Gefährdungsbeurteilung, Schutzmaßnahmen und aktuelle Entwicklungen zum Thema.
Das Ziel der GefStoffV
Was sind Gefährlichkeitsmerkmale?
Gefährdungsbeurteilung der Gefahrstoffe
Die Umsetzung der Schutzmaßnahmen
Allgemeine Schutzmaßnahmen am Beispiel Chemielabor
Zusätzliche Schutzmaßnahmen am Beispiel Krankenhauslabor
Besondere Schutzmaßnahmen bei hohen Gefährdungsgraden
Durchführung der Betriebsanweisung nach Gefahrstoffverordnung
Aktuelle Probleme mit der Verordnung
Die Gefahrstoffverordnung (umgangssprachlich auch Gefahrenstoffverordnung bezeichnet, korrekt ist aber die kürzere Bezeichnung) und ihre Zielsetzung lässt sich grob in drei Teilbereiche einteilen.
Regelungen: Gefahrenstoffe und deren Zubereitung müssen eingestuft, gekennzeichnet und verpackt werden.
Maßnahmen: Damit Gefahrenquellen reduziert werden, müssen Schutzmaßnahmen getroffen werden, von denen Beschäftigte und andere Personen profitieren.
Beschränkungen: Die Verwendung vorher festgelegter Substanzen, deren Zubereitung und Erzeugnisse sind im Sinne des Arbeitsschutzes zu beschränken.
Schon das Inverkehrbringen von gefährlichen Substanzen wird durch einzelne Vorgaben innerhalb der Gefahrstoffverordnung bestimmt. Es wird also geregelt, wann und unter welchen Umständen beispielsweise im Chemielabor Gefahr bringende Chemikalien eingeführt oder eigenständig erschaffen werden dürfen. Lebensmittel oder Futtermittel werden von der GefStoffV jedoch nicht beeinflusst. Das Lebensmittel-, Bedarfsgegenstände- und Futtermittelgesetzbuch ist dafür zuständig.
GefStoffV: Besteht Explosionsgefahr am Arbeitsplatz, gibt diese Regeln vor.
Um im Sinne der GefStoffV einen Gefahrenstoff überhaupt erst zu definieren, muss sich jeder zunächst darüber bewusst werden, was die Merkmale für Gefährlichkeit eigentlich genau ausmacht.
Der Begriff der Gefahr besitzt zunächst eine recht allgemeine Bedeutung. Jedoch muss ein Stoff eine oder mehrere der folgenden Eigenschaften besitzen, um als gefährlich zu gelten:
Explosionsgefahr: Eine Substanz gilt als explosionsgefährlich, wenn sie ohne die Einwirkung von Luftsauerstoff explodieren kann. Dieser Begriff wird für Stoffe in
festem, flüssigem, aber auch pastenförmigem oder gelatineartigem Zustand verwendet. Eine Detonation ist in diesem Fall durch Erhitzen und durch Druckeinwirkung möglich.
Brandgefahr: Damit ein Gemisch als brandfördernd gilt, muss es laut Gefahrstoffverordnung nicht unbedingt selbst brennbar sein. Es reicht schon, wenn es beim Kontakt mit anderen brennbaren Verbindungen oder Zubereitungen, hauptsächlich durch Sauerstoffabgabe, die Gefahr eines Brandes oder die Stärke eines bereits vorhandenen Feuers erhöht.
Giftwirkung: Die Gefahrstoffverordnung bezeichnet ein Material als giftig, wenn dieses schon in geringen Mengen aktue oder chronische Gesundheitsschäden auslösen kann. Die Einnahme ist dabei durch Verschlucken, Einatmen oder Hautkontakt möglich.
Ätz- oder Reizwirkung: Ätzende Gemische können durch Kontakt lebendes Gewebe (beispielsweise Haut) zerstören. Ein reizender Stoff hingegen sorgt dafür, dass bei wiederholtem oder andauerndem Kontakt mit der Haut oder den Schleimhäuten eine Entzündung ausgelöst wird.
Krebsauslöser: Besteht die Möglichkeit, dass eine Substanz beim Verschlucken, Einatmen oder Hautkontakt Krebs verursacht oder die Wahrscheinlichkeit für diese Krankheit erhöht, wird diese laut Gefahrstoffverordnung als krebserzeugender Gefahrstoff bezeichnet.
Erbgutveränderung und Fortpflanzungsgefährdung: Gefahrstoffe werden auch als solche klassifiziert, wenn sie genetische Schäden verursachen oder die Fruchtbarkeit einschränken können.
Umweltgefahr: Ein Gemisch, das durch sich selbst oder seine Nebenprodukte die Umwelt schädigen kann, gilt als umweltgefährlich.
Entzündlichkeit: Bei diesem Gefährlichkeitsmerkmal unterscheidet die GefStoffV deutlich zwischen entzündlich, leicht entzündlich und hochentzündlich.
Entzündliche Stoffe besitzen einen Flammpunkt von 21 bis 55 °C (der Flammpunkt ist bei einer brennbaren Flüssigkeit die niedrigste Temperatur, bei der sich Dämpfe entwickeln, die durch Fremdentzündung eine Entzündungsgefahr hervorrufen). Ein Beispiel dafür ist n-Butanol (in Reinigungsmitteln und Lacken zu finden).
Leichtentzündliche Verbindungen können sich in der Luft selbst erhitzen und entzünden und besitzen einen Flammpunkt unter 21 °C (dadurch herrscht dauerhafte Entzündungs- bzw. Explosionsgefahr an Orten mit Raumtemperatur). Bei Berührung mit Wasser oder auch feuchter Luft entwickeln sich hier hochentzündliche Gase in großen Mengen. Beispiele hierfür sind Ethanol (in Kraftstoff, Parfum und Frostschutzmitteln) und Aceton (in Nagellackentferner und auch Plastikkleber).
Hochentzündliche Gemische haben ihren Flammpunkt unter 0 °C und sind am gefährlichsten. Propan (in Kältemittel und Flüssiggas) und Acetylen (ist in Gas zum Schweißen und Beleuchtungseinrichtungen vorhanden) sind typische Vertreter.
Der Arbeitgeber hat der Gefahrstoffverordnung folgend eine Menge Pflichten zu erfüllen. Die wohl wichtigste Vorgabe der Verordnung zum Schutz vor Gefahrenstoffen ist die Gefährdungsbeurteilung nach GefStoffV § 6.
§ 6 GefStoffV: Die Gefährdungsbeurteilung der Gefahrstoffe am Arbeitsplatz ist danach Pflicht.
Kurz und knapp formuliert bedeutet diese: Der Unternehmensleiter muss Gefahren, die beim Umgang mit Gefahrstoffen im Betrieb drohen, erkennen und durch Schutzmaßnahmen bekämpfen.
Die Gefährdungsbeurteilung nach der Gefahrstoffverordnung ist jedoch ein sehr komplexer Vorgang. So hat sich jeder Arbeitgeber schon vor der Einrichtung seines Betriebs die Frage zu stellen:
„Gibt es gefährliche Substanzen, die im Arbeitsablauf vorhanden sind?“ Die Unternehmensleitung muss sich dabei den Gefährlichkeitsmerkmalen (wie oben besprochen) genau bewusst sein, um das Gefahrenpotential auch richtig einschätzen zu können. Hilfreich sind dabei die Informationen der Hersteller und oft mitgelieferte Sicherheitsdatenblätter.
Um Gefahrstoffe innerhalb der Gefährdungsbeurteilung angemessen einschätzen zu können, müssen weitere Gesichtspunkte miteinbezogen werden:
Substitution: Ist es möglich, gefahrlose Ersatzstoffe zu verwenden und so unnötige Gefahrenquellen von Anfang an auszumerzen (beispielsweise der Tausch eines hochentzündlichen Gases gegen eines mit höherem Flammpunkt)?
Gefahrenstoffmengen: Ist die Menge an Gefahrenstoffen, die bei bestimmten Arbeitsverfahren verwendet wird, wirklich notwendig oder kann diese verringert werden?
Wirksamkeit der angesetzten Schutzmaßnahmen: Sind die festgelegten Maßnahmen (zum Beispiel Schutzkleidung) ausreichend oder müssen zusätzliche getroffen werden?
Die Gefährdungsbeurteilung, die die Gefahrstoffverordnung in § 6 vorgibt, ist im Vergleich zu den Beurteilungen der anderen Arbeitsschutzverordnungen besonders komplex. Die dafür verantwortliche Person oder Personengruppe muss umfangreiches Wissen über die gefährlichen Stoffverbindungen und ihre Wechselwirkungen untereinander haben.
Die Verordnung zum Schutz vor Gefahrstoffen gilt auch für strahlenbelastete Arbeitsplätze.
Kann das Zusammentreffen von zwei oder mehr Chemikalien ein explosionsfähiges Gemisch ergeben, muss ausreichende Kenntnis darüber bestehen. Nur so können wirkungsvolle Sicherheitsmaßnahmen ergriffen werden.
Die Beurteilung der Gefahren muss in jedem Fall vom Unternehmensleiter dokumentiert werden. Die Gefahrstoffverordnung gibt die Punkte vor, die darin enthalten sein müssen. Dazu gehören:
Die Tätigkeiten, bei denen Gefährdungen durch Kontakt mit Gefahrstoffen drohen
Das Ergebnis der Prüfung auf weniger gefährliche Ersatzstoffe (wird auf Ersatzsubstanzen verzichtet, muss bei besonders gefährlichen Arbeitsstoffen auch eine Begründung dafür vorliegen)
Die Schutzmaßnahmen, die im Sinne der GefStoffV durchgeführt werden (inklusive der Tätigkeiten, welche die Arbeit unter gefährlichen Grenzwerten oder mit krebserzeugenden Gefahrstoffen sicherer machen sollen)
Das Ermittlungsergebnis der Beurteilung
In Bezug auf die Gefahr durch besonders explosionsfähige Gemische muss in der Gefährdungsbeurteilung das sogenannte Explosionsschutzdokument zum Einsatz kommen. Darin werden speziell die Gefahrenstoffe festgehalten, die unter bestimmten Voraussetzungen Explosionen verursachen können.
In Ausnahmefällen, wie bei Unternehmen mit niedrigem Gefährdungspotential, kann laut Gefahrstoffverordnung auf die ausführliche Dokumentation der Beurteilung verzichtet werden. Es gilt jedoch generell die Vorgabe: Die Gefahreneinschätzung durch die Unternehmensleitung muss regelmäßig wiederholt werden.
Neben der Gefährdungsbeurteilung ist die Umsetzung der Schutzmaßnahmen die wichtigste Pflicht, die dem Arbeitgeber von der GefStoffV vorgegeben wird. Je nach Stärke der Gefährdungsmerkmale müssen diese Maßnahmen umfangreicher sein. Bis 2010 galt ein sogenanntes Modell der Schutzstufen in der Gefahrstoffverordnung. Dieses ermöglichte eine Kopplung an die bis dahin gültigen Gefahrensymbole.
Die Gefahrstoffverordnung sollte eigentlich neu aufgelegt werden. Der Prozess verzögert sich aktuell aber.
Die neue Gefahrstoffverordnung verzichtet auf dieses Modell, baut stattdessen die schützenden Maßnahmen aufeinander auf und ermöglicht den Unternehmen so mehr Flexibilität.
Dadurch können nun auch besondere Gefahrstoffe, die mit einem Totenkopfsymbol gekennzeichnet sind, unter dem Aspekt der „geringen Gefährdung“ eingestuft werden. Um den aktuellen Aufbau besser zu verstehen, werden die Schutzparagraphen im Folgenden an konkreten Arbeitsplatzbeispielen erklärt.
Um die allgemeinen Schutzmaßnahmen aus § 8 GefStoffV zu verdeutlichen, hält das Chemielabor als Beispiel her. Die Unternehmensleitung muss in diesem Fall die folgenden Vorgaben erfüllen.
Geeignete Gestaltung von Arbeitsplatz und die Arbeitsorganisation: Das Chemielabor ist so gestaltet, dass Chemikalien angemessen verwendet und entsorgt werden können. Der Arbeitsablauf ist auf eine Weise organisiert, dass alle Mitarbeiter den Sicherheitsregeln folgen können.
Bereitstellung von Arbeitsmitteln für gefährliche Tätigkeiten: Laborkittel, Schutzhandschuhe und Schutzbrille schützen die Beschäftigten vor Verletzungen.
Begrenzung der Expositionsdauer und des Mitarbeiterkreises, der mit Gefahrstoffen arbeiten muss: Nur befugte Personen haben Zugang zum Labor und zum Chemikalienschrank. Dabei muss die Arbeit mit besonders gefährlichen Gemischen auf das nötige Minimum beschränkt werden.
Angemessene Hygienemaßnahmen und Reinigung: Genug Wascheinrichtungen ermöglichen sowohl das regelmäßige Händewaschen als auch das Abspülen von Chemikalien auf der Haut, in den Augen usw. Das Labor und die Schutzkleidung erfahren eine planmäßig sich wiederholende Reinigung, um die Hygienestandards einzuhalten und ungewollte Wechselwirkungen zwischen Chemikalien auszuschließen.
Geeignete Verwendung, Lagerung und Beförderung: Chemische Substanzen werden auf eine Weise verwendet, die dem aktuellen wissenschaftlichen Wissensstand und der vorhandenen Technik entspricht. Auch gibt die Gefahrstoffverordnung vor, dass Lagerung und Beförderung der Gemische entsprechend durchgeführt werden.
Die Verordnung legt bei allgemeinen Präventionsmaßnahmen auch die Kennzeichnung der Gefahrenstoffe fest. Für die Chemikalien im Labor gilt also: Sie müssen eindeutig identifizierbar und ihr Gefährdungspotential erkennbar sein. Der Gefahrstoffverordnung folgend können Symbole, Etiketten oder ähnliches dafür verwendet werden. Geltende EU-Richtlinien sind dabei einzuhalten. Auch Rohrleitungen und Apparaturen, die zur Behandlung von Chemikalien verwendet werden, bedürfen einer Kennzeichnung.
Weiterhin dürfen im Arbeitsbereich des Chemielabors keine Nahrungs- oder Genussmittel verzehrt werden. Chemikalien müssen auch auf eine Weise aufbewahrt werden, dass sie nicht beispielsweise mit Lebensmitteln verwechselt werden können.
Die aktuelle Gefahrstoffverordnung: Symbole zu Gefahren können laut dieser flexibel eingestuft werden.
Diese allgemeinen Schutzvorgaben der GefStoffV gelten aber nicht nur für die Arbeit im chemischen Labor. Alle Arbeitsplätze, die den Umgang mit Gefahrenstoffen erfordern, müssen diese Vorgaben erfüllen.
Reichen diese jedoch nicht aus, um die Sicherheit und die Gesundheit der Beschäftigten vollumfänglich vor Gefahren zu schützen, kommen die zusätzlichen Schutzmaßnahmen zum Tragen, welche im Folgenden beleuchtet werden.
Beschäftigte, die in einem Krankenhauslabor mit besonders gefährlichen Erregern (Viren, Bakterien oder ähnliches) in Kontakt kommen, bedürfen eventuell zusätzlicher schützender Maßnahmen (siehe § 9 Gefahrstoffverordnung) und einer besonders intensiv durchgeführten Gefährdungsbeurteilung. Dies gilt unter anderem dann, wenn biologische Grenzwerte überschritten werden. In diesem Fall besteht ein erhöhtes Gesundheitsrisiko.
Zum einen können die Stoffe meistens nicht gegen ungefährlichere Ersatzstoffe ausgetauscht werden. Zur Entwicklung von Impfstoffen bzw. dem Erkennen eines expliziten Krankheitsverlaufs muss mit diesen hochgefährlichen, biologischen Materialien gearbeitet werden. Zum anderen besteht eine erhöhte Gesundheitsgefahr durch das Einatmen (Inhalation) der Erreger. Entsprechend muss der Krankenhausleiter dafür sorgen, dass die biologischen Gefahrenstoffe in einem geschlossenen System verwendet werden.
Reichen die technischen und organisatorischen Maßnahmen nicht aus, muss den Laborarbeitern gesonderte Schutzausrüstung bereitgestellt werden. Diese den Gefahrstoffen ausgesetzte Ausrüstung muss in regelmäßigen Abständen gereinigt und von der Straßenkleidung getrennt aufbewahrt werden können.
In §§ 10 und 11 GefStoffV werden Maßnahmen gegen explizite Gefährdungsfaktoren behandelt. Präventionsmaßnahmen gegen krebserzeugende, fruchtbarkeitsgefährdende und erbgutverändernde Faktoren werden hier genannt.
Betriebsanweisung: In § 14 Gefahrstoffverordnung (GefStoffV) steht, dass alle Mitarbeiter Zugang dazu haben müssen.
Auch physikalisch-chemische Einwirkungen wie Brand- und Explosionsgefährdungen kommen zur Sprache.
Arbeiten Sie beispielsweise täglich mit radioaktiven Stoffen oder in strahlenbelasteter Atmosphäre (wie es in einem Atomkraftwerk der Fall ist), muss Ihre Unternehmensleitung laut GefStoffV dafür Sorge tragen, dass nicht nur die allgemeinen und zusätzlichen, sondern auch die besonderen Schutzmaßnahmen Anwendung finden.
Die Exposition (die Aussetzung der schädlichen Einflüsse) muss in diesem Fall auf ein absolutes Minimum begrenzt und ausreichend Warnschilder angebracht werden. Eine Schutzausrüstung ist in diesem Fall wichtiger denn je.
Die Gefahrstoffverordnung legt bei Gefährdungsfaktoren dieser Art auch einen besonderen Wert auf die Belüftung des Arbeitsplatzes. Dabei gilt, dass abgesaugte Luft nicht in die Arbeitsräume zurückgeführt wird, es sei denn, diese wurde vorher unter anerkannten Verfahren angemessen von den Gefahrenstoffen bereinigt.
Jeder Arbeitgeber ist verpflichtet eine allgemeine Betriebsanweisung für den Umgang mit Gefahrstoffen zu erstellen und allen Beschäftigten zukommen zu lassen. Alle Vorgaben dieser Betriebsanweisung der Gefahrstoffe regelt § 14 GefStoffV.
So muss die Unternehmensleitung die Anweisung den Mitarbeitern in schriftlicher Form vorlegen und dabei garantieren, dass das Ergebnis der Gefährdungsbeurteilung sich in dieser widerspiegelt. Die Beschäftigen sollen auf diese Weise über jeden bekannten Gefährdungsfaktor aufgeklärt werden.
Auch Vorsichtsmaßregeln und Präventionsmaßnahmen müssen in der betrieblichen Anweisung enthalten sein. Dazu zählen:
Informationen zu Maßnahmen, die zur Verhütung einer schädlichen Exposition nötig sind
Informationen zu Schutzausrüstung und -kleidung (richtige Verwendung)
Hygienevorschriften (regelmäßiges Händewaschen, Schutzkleidung in die Reinigung geben usw.)
Anweisungen zum Verhalten bei Unfällen und Betriebsstörungen
Die Betriebsanweisung muss gemäß GefStoffV § 14 aktuell gehalten werden. Kommt es zu „maßgeblichen Veränderungen der Arbeitsbedingungen“, muss die Aktualisierung durchgeführt werden. Weiterhin muss es allen Beschäftigten möglich sein, an alle wichtigen Informationen bezüglich der Gefahrstoffe zu kommen, die dem Betrieb vorliegen. Herstellerinformationen und Sicherheitsdatenblätter müssen also einsehbar sein.
Die mündliche Unterweisung
Die allgemeine Betriebsanweisung für den Umgang mit Gefahrstoffen muss von einer mündlichen Unterweisung ergänzt werden.
Neben der schriftlichen Betriebsanweisung schreibt die Gefahrstoffverordnung auch eine mündliche Unterweisung aller Beschäftigten vor. Neben der sprachlichen Umsetzung der schriftlichen Anweisung gehört zur Unterweisung in jedem Fall auch eine arbeitsmedizinisch-toxikologische Beratung.
Dabei erhalten die Mitarbeiter Informationen über ihren Anspruch auf Vorsorgeuntersuchungen, die ihnen nach der Verordnung zur arbeitsmedizinischen Vorsorge zustehen.
Sollte es erforderlich sein, muss bei dieser Unterweisung auch ein Arzt oder eine Ärztin anwesend sein. Die Durchführung muss erfolgen, bevor die Beschäftigen erstmalig ihre Arbeit aufnehmen. Weiterhin muss sie arbeitsplatzbezogen mindestens jährlich wiederholt werden. Ein schriftliches Protokoll muss auch hierbei geführt werden.
Stehen Tätigkeiten mit krebserzeugenden, fruchtbarkeitsgefährdenden oder ergbutverändernden Substanzen in Verbindung, müssen die Mitarbeiter eines Betriebes außerdem jederzeit nachprüfen können, ob die Vorgaben der Gefahrstoffverordnung eingehalten werden. Weiterhin muss Buch über die Beschäftigten geführt werden, die den Gefahrstoffen ausgesetzt sind. Wie hoch ist die Gefahrenstoffbelastung? Wie lange sind die einzelnen Mitarbeiter dieser ausgesetzt? Die GefStoffV fordert hier eine kontinuierliche Dokumentation.
Die GefStoffV schreibt den Arbeitgebern die Zusammenarbeit mit den verantwortlichen Behörden vor. Entsprechend müssen diese es bei den offiziellen Stellen anzeigen, wenn Gefahrstoffe zu einer Betriebsstörung, einem Unfall oder zu Krankheits- und Todesfällen führen. Auf Verlangen der Behörden müssen folgende Informationen vom Arbeitgeber vorgelegt werden:
Die Resultate der Gefährdungsbeurteilung (dazu zählt die Dokumentation dieser)
Eine Auflistung der Tätigkeiten, bei denen Gefahrstoffe definitiv eine Rolle spielen oder auch nur wahrscheinlich Einfluss ausgeübt haben
Die Anzahl der Beschäftigten im Betrieb
Die Daten der für den Arbeitsschutz im Betrieb verantwortlichen Personen
Die Schutz- und Versorgungsmaßnahmen, die für die Sicherheit der Beschäftigten getroffen wurden
Die Gefahrstoffverordnung sieht im 20. Paragraphen vor, dass das Bundesministerium für Arbeit und Soziales einen Ausschuss für Gefahrstoffe bildet. Personen aus den Kreisen der Arbeitgeber, der Landesbehörden, der Gewerkschaften, der gesetzlichen Unfallversicherung der Wissenschaft bilden für diesen die Grundlage. Die Aufgaben der Vereinigung liegen u. a. darin, Empfehlungen anhand des aktuellen Standes der Wissenschaft auszusprechen, Präventionsmaßnahmen zu entwickeln und Grenzwerte zu ermitteln.
Ist die Gefahrstoffverordnung beim Thema Asbest zu ungenau? Bauarbeiter sehen sich in ernster Gefahr.
Eigentlich sollte die Gefahrstoffverordnung neu aufgelegt werden und das bereits im Juni 2015.
Diese Neuauflage ist notwendig, damit die in der Verordnung festgelegten Vorschriften dem aktuellen Stand der EU-Vorgaben angepasst werden.
Dabei hakt es neben den Anpassungen an den aktuellen EU-Standard auch am Thema Asbest und den Regelungen, die damit verknüpfte Tätigkeiten betreffen.
Mittlerweile ist bekannt, dass viel mehr Bauprodukte Asbest enthalten, als es früher vermutet wurde. Versteckt in Putz und Innen- sowie Außenverkleidungen bedroht der Gefahrenstoff das Leben von Bauarbeitern, Malern, Elektrikern und anderen Personen, die sich in deren Nähe aufhalten.
Die aktuelle GefStoffV verbietet in solchen Fällen eigentlich den Arbeitnehmern die Aufnahme ihrer Tätigkeit. So scheint es im Moment, dass zusätzliche Kosten und ein möglicher Widerstand der Betroffenen eine zeitige Entscheidung des Ministeriums erschweren. Aktuell sieht es so aus, dass nicht vor Mitte 2017 die neue Fassung der Gefahrstoffverordnung das Licht der Arbeitswelt erblicken wird. Bis dahin bleiben Fragen dieser Art ungeklärt bestehen.
ein 16 jähriger Schüler hat evtl Interesse am Wochende medizintechnische Geräte zu reinigen. Jedes erste Wochenende ca 3,5 -4 Stunden und jedes zweite Wochenende 7-8 Stunden. Die Pausenregelung kann er für sich selber einteilen, da es sich um eine selbständige Tätigkeit, nach einer Ein und Unterweisung handelt.Wahrscheinlich kann er sich auch die Tage am Wochenende aussuchen von Freitagnachmittag bis Sonntag Abend. Es handel sich um einen Minijob da er die Schule weiterhin besucht. Allerding kommt er hier mit Gefahrenstoffen wie Wasserstoffperoxid und Puristeril, einem Desinfektionmittel in Berührung. Darf er das Grundsätzlich machen und wenn ja was ist besonders zu beachten?
6. November 2017 at 9:40
gemäß § 22 Jugendarbeitsschutzgesetz (JArbSchG) dürfen Jugendliche in der Regel nicht mit gefährlichen Arbeiten beschäftigt werden. Hierunter fallen nach Absatz § 22 1 Nr. 6 JArbSchG “Arbeiten, bei denen sie schädlichen Einwirkungen von Gefahrstoffen im Sinne der Gefahrstoffverordnung ausgesetzt sind.”
Weitergehende Informationen zu Ihrem konkreten Fall können Sie bei der zuständigen Berufsgenossenschaft oder einem Anwalt erfragen. Wir sind zu einer Rechtsberatung nicht befugt.
U. Spreng says
29. November 2018 at 17:10
Bei uns soll mit Cisplatin gearbeitet werden, nicht im Labor, sondern im Op. Welche Sicherheitsmaßnahmen sind einzuhalten? Wer ist der Ansprechpartner? Wie kann ich als Schwerbehinderte erreichen, dass ich mit dieser hochgiftigen Substant in Berührung komme?
3. Juni 2018 at 13:23
In unserem Unternehmen wird unter starker Hitze Kaltumgeformt. Bei diesem System wird Oel verbrannt. Wie kann ich heraus finden ob diese Oele Krebserregen ?
19. Juni 2018 at 11:20
sprechen Sie mit Ihrem Arbeitgeber darüber. Dieser ist verpflichtet, Sie von jeglichen Schadstoffen fernzuhalten bzw. Maßnahmen zu Wahrung des Gesundheitsschutzes zu treffen.
14. Juni 2018 at 10:51
ich betanke Flugzeuge und arbeite mit Gefahrstoff (Kerosin).
Meine Kollegen und ich kommen damit auch in Berührung weil wir bei jeder Betankung eine Probe nehmen müssen. Arbeitskleidung und Handschuhe werden vom Arbeitgeber gestellt und gereinigt.
Wir haben aber nur einen Spind pro Person somit riecht deine Privatkleidung nach Kerosin. Gibt es da eine Regelung das jeder einen Spind für Privatkleidung und Arbeitskleidung haben muss.
Da wir in Berührung mit Kerosin kommen ist das Essen und Trinken während der Arbeit verboten und nur in den Pausen erlaubt nach gründlicher Reinigung der Hände. Stimmt das ??
Während der Betankung haben wir bei dieser Witterung teilweise Temperaturen bis über 40°.
Das Flugzeug lässt seine Klimaanlage laufen, sehr heiße Luft wird dabei unten ausgeblasen. Man steht hier praktisch wie im Heißluftföhn. Zu diesen Belastungen kommen noch Abgase vom Triebwerken und Auto, Bremsenstaub der Flieger. Gibt es hier eine Verordnung wie lange man da einem Stück arbeiten darf und dann Pause machen muss.
PS. Sollten Sie noch nähere Auskünfte benötigen, stehe ich Ihnen gerne zur Verfügung.
Ihr Arbeitgeber ist verpflichtet, Sie vor Gesundheitsgefahren zu bewahren. Vorschriften wie diese, welche das Essen am direkten Arbeitsplatz verbieten, sollten Sie deshalb befolgen. In Bezug auf die Kleidungstrennung sollten Sie prüfen, ob es eine Hygienevorschrift gibt, die in Ihrem Bereich Anwendung findet. Gibt Ihr Arbeitgeber Ihnen keine Auskunft darüber, wenden Sie sich direkt an die zuständige Berufsgenossenschaft. Hohe Temperaturen müssen durch Schmutzmaßnahmen kompensiert werden. Normalerweise gelten Räumlichkeiten ab +36C° als nicht mehr benutzbar. In Ihrem Fall könnten jedoch Ausnahmeregelungen vorliegen. Auch hier kann Sie Ihre Berufsgenossenschaft beraten.
1. September 2018 at 0:00
kann ich das jetzt so verstehen dass Spirituosen als Lebens- bzw. Genussmittel nicht den Vorschriften der Gefahrenstoffverordnung unterliegen und damit unbegrenzt gelagert werden können ?
3. September 2018 at 7:57
bitte wenden Sie sich mit dieser Frage an die zuständige Berufsgenossenschaft.
sind SDB zuerstellen für Mischungen, die intern weiter verarbeitet werden?
27. September 2018 at 14:38
eine gesetzliche Regelung diesbezüglich ist uns nicht bekannt. Ggf. kann Ihnen hier die zuständige Arbeitsschutzbehörde weiterhelfen.
Sörine K. says
30. November 2018 at 8:42
Warum muss ein Gefahrstoff, der mit H314 ausgewiesen ist, kein Gefahrstoffsymbol tragen?
13. Dezember 2018 at 8:46
Bin ich verpflichtet als Verwalter diverser Reinigungsmittel ( Desinfektion, Reinigung, ) eines Unternehmens, dem Objektleiter über die genauen Gefahrenstoffe zu informieren?
Nur ich habe Kenntnisse über die Menge , die Art der Reiniger, den Lagerort und die Verwendung der Mittel.
30. März 2019 at 7:57
Entfetten mit Ethanol und Seevenax-Verdünner / Thinner 73
in einem Handbecken ca. 40 cm x 35 cm x 8 cm, befüllt mit ca. 5l Ethanol 99% und 1l Verdünnung. Dieses Gemisch wurde über Tage immer wieder aufgefüllt, kam auf die Aufträge an. Mit diesem Gemisch wurden
Aluteile sowie gelegentlich Stahlteile in verschiedenen Größen und Längen und Gewicht entfettet.
Wie ist das Gesundheitsrisiko ein zu ordnen?
Person trägt bei dieser Arbeit nur Schutzbrille und Gehörschutz.
2. April 2019 at 17:26
die Gefährdungsbeurteilung obliegt dem Arbeitgeber. Alternativ kann dieser dafür einen Sachverständigen beauftragen.
14. Mai 2019 at 8:55
Ich arbeite seit kurzen als Lackierer mit Acryllacken (Sprühpistole) . Eine Spritzkabiene ist vorhanden doch als Atemschutz haben wir nur Staubschutzmasken und eine Art Arbeitsschutzbrille.
Muss mein Arbeitgeber hier nach bessern ?
17. Mai 2019 at 12:59
ob Ihr Arbeitgeber verpflichtet ist, weitere Arbeitsschutzmaßnahmen zu treffen, kann die Gewerbeaufsicht beurteilen.
Ch. Sch. says
wir arbeiten im Weiterbildungsbereich. Seit August 2017 wird unser Gebäude aus den 70 er Jahren, saniert. Zuerst die unteren Stockwerke 0-2, seit Januar 2019 die oberen Stockwerke 3-5. Wir die Angestellten, wurden zuerst mit täglichem Lärm, extremer Staubentwicklung und Asbestvorkommen konfrontiert. Seit dem Umzug kommt noch ein starker, penetranter Geruch vom frisch verlegtem PVC Boden, starke Staubentwicklung von den Treppenhäuser und zusätzlicher Lärm durch Bohren und Hämmern.
Eine Raumluft-Messung ergab allerdings so gut wie keine Werte. Auffällig eingestuft wurden: Cyclohexan, Methylcyclopentan, Styrol. Styrol: 59 ug/m³, Cyclohexan: 152 ug/m³, Methylcyclopentan: 37 ug/m³, Ethanol: 340 ug/m³.
Anscheinend sind diese Werte für Arbeitsplätze gültig, an denen mit Gefahrenstoffen gearbeitet wird. Aber was ist mit den Arbeitsplätzen die nicht mit Gefahrenstoffen arbeiten. Wir sind eine Schule!
Was können wir machen, da die meisten Mitarbeiter und auch Schüler unter starken Kopfschmerzen, Augenbrennen und unter verstärkte Anfälligkeit auf Krankheiten leiden?
29. Mai 2019 at 10:31
Hallo Ch. Sch.,
wir empfehlen Ihnen, sich an das zuständige Schulamt zu wenden.
29. Mai 2019 at 17:26
Zählen Flächendesinfektionsmittel ebenfalls zu den Gefahrenstoffen (I.d.R. leicht entzündlich, bei Augenkontakt reizend, löst bei Missachtung der Anwendungshinweise Benommenheit aus)?
Dürfen Minderjährige mit Flächendesinfektion umgehen (z.B. FSJ, Auszubildende)?
25. September 2019 at 13:23
bei Reparatur-Arbeiten an Tanks/Leitungen o.ä. mit Gefahrstoffen, hier konkret 96%ige Schwefelsäure- ist der Arbeitgeber nicht etwa verpflichtet, für diese Arbeiten ein Fachbetrieb nach HWG zu beauftragen?
Oder darf er einfach seine Mitarbeiter damit beauftragen?