Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Gericht=OLG%20Hamm&Datum=29.04.2010&Aktenzeichen=22%20U%20127/09
Timestamp: 2019-10-23 09:14:04
Document Index: 344042993

Matched Legal Cases: ['§ 434', '§ 249', '§ 249', '§ 16', '§ 652', '§ 434', '§ 249', '§ 434', '§ 434', '§ 434', 'BGH', '§ 4', '§ 434', '§ 434', '§ 281', 'BGH', '§ 434', 'BGH', 'BGH', 'BGH']

OLG Hamm, 29.04.2010 - I-22 U 127/09 - dejure.org
OLG Hamm, 29.04.2010 - I-22 U 127/09
https://dejure.org/2010,2599
OLG Hamm, 29.04.2010 - I-22 U 127/09 (https://dejure.org/2010,2599)
OLG Hamm, Entscheidung vom 29.04.2010 - I-22 U 127/09 (https://dejure.org/2010,2599)
OLG Hamm, Entscheidung vom 29. April 2010 - I-22 U 127/09 (https://dejure.org/2010,2599)
Tipp: Um den Kurzlink (hier: https://dejure.org/2010,2599) schnell in die Zwischenablage zu kopieren, können Sie die Tastenkombination Alt + R verwenden - auch ohne diesen Bereich zu öffnen.
§ 434 Abs. 1 S. 2 Nr. 2, S. 3 BGB, §§ 249 BGB, 16 Abs. 2 Nr. 2, 3 GrErwStG
BGB §§ 249, 434; GrErwStG § 16
Unrichtige, vom Verkäufer "ins Blaue hinein" abgegebene und im Maklerexposé veröffentlichte Angaben; Haftung trotz Gewährleistungsausschluss
Hausverkauf - Baujahrangabe in Maklerexpose
BGB § 652; BGB § 434 Abs. 1 S. 2 Nr. 2; BGB § 249
Falsche Angaben im Exposé: Haftung trotz Gewährleistungsauschlusses
Verkäufer haftet wegen Arglist für falsches Baujahr im Exposé, wenn die Angabe ins Blaue hinein erfolgte
Falsche Angaben im Exposé: Haftung trotz Gewährleistungsauschlusses! (IMR 2010, 392)
LG Detmold, 02.11.2009 - 9 O 350/08
NJW-RR 2010, 1643
MDR 2010, 1174
NZM 2011, 83
Anderer Ansicht sind die Oberlandesgerichte Brandenburg (NZM 2010, 712, 714), Bremen (NJW-RR 2014, 791), Hamm (Urteil vom 18. Juni 2009- I-22 U 136/08, juris Rn. 24 und NJW-RR 2010, 1643) und Saarbrücken (MDR 2013, 1390).
b) Das Baujahr eines Gebäudes gehört zu den Eigenschaften eines bebauten Grundstücks, da es dessen Wert in aller Regel beeinflusst (vgl. OLG Hamm, NJW-RR 2010, 1643 f.;… Staudinger/Matusche-Beckmann, BGB [2014], § 434 Rn. 170;… Palandt/Weidenkaff, BGB, 75. Aufl., § 434 Rn. 63).
Allerdings führt die Beschreibung von Eigenschaften eines Grundstücks oder Gebäudes durch den Verkäufer vor Vertragsschluss, die in der notariellen Urkunde keinen Niederschlag findet, in aller Regel nicht zu einer Beschaffenheitsvereinbarung nach § 434 Abs. 1 Satz 1 BGB; Informationen über Eigenschaften der Kaufsache sind vielmehr auch nach neuem Kaufrecht von den beurkundungsbedürftigen Vereinbarungen der Parteien zu unterscheiden (vgl. BGH, Urteil vom 6.11.2015 - V ZR 78/14 - NJW 2016, 1815; ebenso bereits Senat, Urteil vom 29. April 2010 - 22 U 127/09 - NJW-RR 2010, 1643; Brandenburgisches Oberlandesgericht, Urteil vom 28. Januar 2010 - 5 U 48/09 - NJW-RR 2010, 1169; Hanseatisches Oberlandesgericht in Bremen, Urteil vom 21. November 2013 - 3 U 23/13 - NJW-RR 2014, 791).
Die Angabe des Baujahrs 1997 in § 4 des notariellen Kaufvertrages stellt eine Beschaffenheitsvereinbarung im Sinne des § 434 Abs. 1 S. 1 BGB dar (vgl. Senat, Urteil vom 29.04.2010, 22 U 127/09, juris;… Palandt/Weidenkaff, BGB, 75. Aufl. 2016, § 434 Rn 63).
Eine Pflichtverletzung ist regelmäßig nicht unerheblich im Sinne des § 281 Abs. 1 S. 3 BGB, wenn der Verkäufer über das Vorhandensein eines Mangels arglistig getäuscht hat (BGH, Urteil vom 24.03.2006, V ZR 173/05, juris; Senat, Urteil vom 29. April 2010, 22 U 127/09, juris).
Der bedingte Erstattungsanspruch gegen das Finanzamt ist ein auszugleichender Vorteil, der dem Verkäufer im Wege der Abtretung herausgegeben werden muss (Anschluss an OLG Hamm, Urt. v. 29.04.2010 - 22 U 127/09, Rn. 36 zitiert nach juris).
Der bedingte Erstattungsanspruch gegen das Finanzamt ist ein auszugleichender Vorteil, der dem Beklagten im Wege der Abtretung herausgegeben werden muss (vgl. OLG Hamm, Urt. v. 29.04.2010 - 22 U 127/09, Rn. 36 zitiert nach juris).
Zwar können unrichtige Angaben in einem veröffentlichten Maklerexposé unter dem Gesichtspunkt der Beschaffenheitsvereinbarung nach der genannten Vorschrift einen Sachmangel begründen (vgl. OLG Hamm, Urteil vom 29.04.2010, 22 U 127/09, NJW-RR 2010, 1643).
Zwar können unrichtige Angaben in einem im Internet veröffentlichen Maklerexposé - unterstellt sie sind dem Veräußerer zurechenbar - zur Annahme einer konkludenten Beschaffenheitsvereinbarung führen oder als "Beschaffenheitserwartung", § 434 Abs. 1 Satz 2 Nr. 2, Satz 3 BGB, gegebenenfalls einen Sachmangel begründen (vgl. BGH, Urteil vom 16. März 2012 - V ZR 18/11 -, juris, Absatz-Nr. 16; OLG Hamm, Urteil vom 29. April 2010 - 22 U 127/09 -, NJW-RR 2010, S. 1643, 1644).
LG Bielefeld, 03.06.2016 - 8 O 209/14
Voraussetzungen eines Anspruchs auf Rückabwicklung eines Grundstückskaufvertrags …
Das ist dann der Fall, wenn er die Angabe "ins Blaue hinein" gemacht hat, d.h. ohne eine Tatsachengrundlage für sie zu haben (OLG Hamm, NJW-RR 2010, 1643, BGH NJW 1998, 302).
Zwar sind die Kläger nach allgemeinen Beweisregeln für die Arglist beim Vater der Beklagten und damit auch für das Fehlen einer Tatsachengrundlage darlegungs- und beweispflichtig; da es sich aber um ein negatives und außerhalb ihrer eigenen Wahrnehmungssphäre liegendes Tatbestandsmerkmal handelt, hätte die Beklagte zuerst im Sinne einer sogenannten sekundären Darlegungslast das Vorhandensein einer konkreten Tatsachengrundlage behaupten müssen, welches die Kläger sodann hätten widerlegen müssen (vgl. (OLG Hamm, NJW-RR 2010, 1643).
Eine solche öffentliche Äußerung kann dem Grunde nach in einem Maklerexposé vorliegen (BGH, NZM 2012, 469; OLG Hamm, NJOZ 2009, 1588; OLG Hamm, NJW-RR 2010, 1643; OLG Bremen, NJW-RR 2014, 791).
Arglist im Rechtssinne liegt vor, wenn der Verkäufer die Unrichtigkeit der von ihm gemachten Angaben im Sinne eines bedingten Vorsatzes billigend in Kauf nimmt, was bereits dann der Fall ist, wenn er Angaben ins Blaue hinein macht (OLG Hamm, NJW-RR 2010, 1643).
Aus der Entscheidung des OLG Hamm (NJW-RR 2010, 1643) vermögen die Beklagten zu ihren Gunsten nichts abzuleiten.