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Timestamp: 2020-08-10 11:48:56
Document Index: 395459451

Matched Legal Cases: ['§ 8', '§ 2', '§ 107', '§ 44', '§ 52', '§ 53', '§ 28', '§ 44', '§ 13', '§ 44', '§ 52', '§ 44']

Creative Commons Lizenzen - Chancen und Risiken für das Management von Non-Governmental Organisations | 2Creative Commons Lizenzen - Chancen und Risiken f?r das Management von Non-Governmental Organisations by: Nicole Ebber
Creative Commons Lizenzen - Chancen und Risiken für das Management von Non-Governmental Organisations
2Creative Commons Lizenzen - Chancen und Risiken f?r das Management von Non-Governmental Organisations
3Creative Commons Lizenzen - Chancen und Risiken f?r das Management von Non-Governmental Organisations
4Creative Commons Lizenzen - Chancen und Risiken f?r das Management von Non-Governmental Organisations
Diese Arbeit wird unter den Bedingungen der ?Creative Commons Attribution-Noncommercial-Share Alike 2.0 Germany License veröffentlicht. Der Inhalt dieser Arbeit darf unter Namensnennung der Autorin zu nicht-kommerziellen Zwecken beliebig vervielfältigt und verbreitet werden. Bearbeitungen dürfen unter der Bedingung angefertigt werden, dass sie ebenfalls unter den genannten Lizenzbestimmungen verbreitet werden. Der ausführliche Lizenztext ist einzusehen unter http://creativecommons.0rg/licenses/by-nc-sa/2.O/de/.
Nicole Ebber Fachhochschule Köln 04. Dezember 2006
In dieser Diplomarbeit werden die Chancen und Risiken der Creative Commons Lizenzen (CCL) für das Management von Non-Governmental Organisations (NGOs) aufgezeigt und untersucht. Das Konzept der Creative Commons Lizenzen wird zunächst in das Spannungsfeld zwischen ?geistigem Eigentum und ?digitaler Allmende eingeordnet und ausführlich vorgestellt. In der Betrachtung des NGO-Managements werden die Stakeholder der Organisationen spezifiziert. Die theoretischen Erkenntnisse der Arbeit geben zusammen mit den Ergebnissen einer Befragung von vier NGO-Verantwortlichen Hinweise, wie eine NGO die Chancen der CCL nutzen und deren Risiken vermeiden kann. Die vorliegende Arbeit liefert neun Hypothesen über dieses weitgehend unerforschte Untersuchungsgebiet, die sich aus Theorie und Empirie ableiten und hiermit als vorläufig verifiziert betrachtet werden. Zusammenfassend gelangt die Untersuchung zu dem Ergebnis, dass die Chancen der CCL gegenüber den Risiken überwiegen. Sie stellt aber auch fest, dass eine abschließende Bewertung dieser Faktoren nie losgelöst vom Dialog zwischen der NGO und ihren Stakeholdern erfolgen darf. Deren individuelle Einstellung zu einer freien Lizenzierung digitaler Informationsgüter muss die NGO bei der Einführung der CCL stets berücksichtigen. Ferner soll diese Arbeit NGOs und informationswissenschaftlich Interessierten Anregungen für den erfolgreichen Umgang mit Informationsgütern und den Einsatz freier Lizenzen geben.
Schlagworte: Creative Commons, Non-Governmental Organisations, NGOs, Stakeholder, Informationsgüter, freie Lizenzen
1.2 Kontext und wissenschaftliche Relevanz der Arbeit 2
1.3 Thema und Ziel der Arbeit 3
1.4 Aufbau der Arbeit 3
2 Non-Governmental Organisations 4
2.1 Bestimmung, Eingrenzung und Definition des NGO-Begriffs 4
2.2 Geschichte und Gegenwart von NGOs 6
2.3 Management von NGOs 10
2.3.1 Managementfunktion Politik 11
2.3.1.1 Stakeholder 11
2.3.1.2 Ziele 14
2.3.2 Managementfunktion Planung 15
2.3.2.1 Finanzplanung 16
2.3.2.2 Marketingplanung 17
2.3.3 Managementfunktion Organisation 21
2.3.4 Managementfunktion Personal 23
2.4 Zusammenfassung der Darstellung von NGOs 24
3 Creative Commons 25
3.1 Grundzüge der Entwicklung von Copyright und Urheberrecht 25
3.2 Creative Commons: Der Terminus 32
3.3 Creative Commons: Die Organisation 33
3.4 Creative Commons: Die Lizenzen 35
3.4.1 Portierung der Lizenzen in die deutsche Jurisdiktion 36
3.4.2 Elemente der Lizenzen 37
3.4.3 Drei Ausführungen des Lizenzvertrages 40
3.4.4 Einsatz und Vorteile der CC-Lizenzen 42
3.4.5 Kritik an den CC-Lizenzen 45
3.5 Aktuelle Rechtsprechung zu Creative Commons 46
4 Creative Commons Lizenzen in Non-Governmental Organisations 49
4.1 Anwendungsbeispiele der CCL in NGOs 50
4.1.1 Attribution (BY) 50
4.1.2 Attribution - Share Alike (BY-SA) 50
4.1.3 Attribution - No Derivative Works (BY-ND) 51
4.1.4 Attribution - Non-Commercial (BY-NC) 51
4.1.5 Attribution - Non-Commercial - Share Alike (BY-NC-SA) 52
4.1.6 Attribution - Non-Commercial - No Derivative Works (BY-NC-ND) 53
4.2 Chancen und Risiken der CCL für das Management von NGOs 54
4.2.1 CCL im Dialog mit den Managern 56
4.2.2 CCL im Dialog mit den Gegenspielern 58
4.2.3 CCL im Dialog mit den Konkurrenten 59
4.2.4 CCL im Dialog mit den Kapitalgebern 60
4.2.5 CCL im Dialog mit den Medien 61
4.2.6 CCL im Dialog mit der Öffentlichkeit 64
4.2.7 CCL im Dialog mit dem Staat 71
4.2.8 CCL im Dialog mit den Lieferanten 72
4.2.9 CCL im Dialog mit den Kooperationspartnern 75
4.2.10 CCL im Dialog mit den Mitarbeitern 76
4.3 Zusammenfassung der Chancen und Risiken 78
5 Untersuchungsmethode, Durchführung und Vorstellung der Ergebnisse 79
5.1 Gegenstand und Ziel der Untersuchung 79
5.2 Darstellung der angewandten Untersuchungsmethode 79
5.3 Sondierung und Vorstellung der Untersuchungsobjekte 80
5.3.1 Netzwerk Neue Medien - Markus Beckedahl - Berlin 81
5.3.2 Attac - Oliver Moldenhauer - Berlin 82
5.3.3 EarthTrends - Daniel Prager-Washington, USA 83
5.3.4 Heinrich-Böll-Stiftung - Wolfgang Pohl - Berlin 84
5.5 Vorstellung der Befragungsergebnisse 87
5.5.1 Befragung zur ?Manager-Hypothese 88
5.5.2 Befragung zur ?Gegenspieler-Hypothese 89
5.5.3 Befragung zur ?Konkurrenten-Hypothese 90
5.5.4 Befragung zur ?Kapitalgeber-Hypothese 90
5.5.5 Befragung zur ?Medien-Hypothese 91
5.5.6 Befragung zur ?Öffentlichkeits-Hypothese 92
5.5.7 Befragung zur ?Lieferanten-Hypothese 93
5.5.8 Befragung zur ?Kooperationspartner-Hypothese 93
5.5.9 Befragung zur ?Mitarbeiter-Hypothese 95
5.6 Zusammenfassung der Befragungsergebnisse 95
6 Abschlussdiskussion und Ergebnisse der Untersuchung 97
6.1 Abschlussdiskussion 97
:ion der ?Manager-Hypothese 97
:ion der ?Gegenspieler-Hypothese 98
:ion der ?Konkurrenten-Hypothese 98
:ion der ?Kapitalgeber-Hypothese 99
:ion der ?Medien-Hypothese 100
:ion der ?Öffentlichkeits-Hypothese 101
:ion der ?Lieferanten-Hypothese 102
:ion der ?Kooperationspartner-Hypothese 103
:ion der ?Mitarbeiter-Hypothese 104
6.2 Abschließende Zusammenfassung und Bewertung der Untersuchungsergebnisse 105
7 Fazit und Ausblick 109
Abb. 1: NGOs mit Konsultativstatus beim ECOSOC 8
Abb. 2: Internationale NGOs nach Betätigungsfeld 1990/2000 9
Abb. 3: Stakeholder-Netzwerk einer NGO 13
Abb. 4: CC-Lizenzbaukasten 37
Abb. 5: Verteilung der Lizenzkombinationen 39
Abb. 6: Some-Rights-Reserved-Button 41
Abb. 7: Positive Selbstverstärkungseffekte bei Netzwerkgütern 44
Abb. 8: Bottom-up Prozess des kollektiven Publizierens 63
Abb. 9: NGO-eigene Inhalte nach Nutzerbeteiligung 65
Abb. 10: Suchmaske für CC-lizenzierte Inhalte 70
Abb. 11: Innovationsprozess zur Einführung der CCL 106
Tab. 1: Gegenüberstellung von US-Copyright und deutschem Urheberrecht 29
Tab. 2: Überprüfung der Hypothesen anhand der Befragungsergebnisse 96
Attac - Association pour une Taxation des Transactions financieres pour lAide aux Citoyens
Blog - Weblog (Web + Logbuch)
CCL - Creative Commons Lizenz(en)
CTEA - (Sonny Bono) Copyright Term Extension Act
DC - Dublin Core Metadata Element Set
DRM - Digital Rights/Restriction Management
EUCD - European Union Copyright Directive
MIT - Massachusetts Institute of Technology (Cambridge, USA)
ND - No Derivative Works
NNM - Netzwerk Neue Medien
NPO - Nonprofit-Organisation
o.S. - ohne Seitenangabe
TV - Television, Fernsehen
UN - United Nations, dt. Vereinte Nationen
UrhG - Urhebergesetz (Gesetz über Urheberrecht und verwandte Schutzrechte)
WPPT - WIPO Performances and Phonograms Treaty
WSIS - World Summiton the Information Society
Die vorliegende Arbeit untersucht ?Creative Commons Lizenzen (CCL) und deren Chancen und Risiken für das Management von ?Non-Governmental Organisations (NGOs). Einleitend werden die Problemstellung, der Kontext und die wissenschaftliche Relevanz der Thematik vorgestellt. Das Thema und das Ziel der Arbeit werden erörtert und abschließend wird ein Überblick über den Aufbau der Arbeit gegeben.
Die Verbreitung und Bedeutung des Internets sind in den letzten Jahren enorm angestiegen. Zunächst diente das ?Netz der Netze der akademischen Community zum freien Austausch von Informationen. Mit der Entstehung des World Wide Web in den 1990er Jahren entwickelte es sich zum Massenmedium mit überwiegend kommerziellen Angeboten. Im Zuge der steigender Nutzerzahlen und der zunehmenden Digitalisierung ist es immer einfacher geworden, Daten, Information und damit auch Wissen in Echtzeit und weltweit weiterzugeben. Neue Technologien, Online-Applikationen oder Content-Plattformen gestatten es auch Laien ohne Programmierkenntnisse im Internet zu publizieren und zu partizipieren. Nach dem ersten ?Dotcom-Hype findet das Internet heute sozusagen zurück zu seinen demokratischen Wurzeln, indem der Mensch und die soziale Interaktion weiter in den Mittelpunkt rücken. Der viel zitierte und diskutierte Begriff der Wissensgesellschaft versucht, diesen Aspekten gerecht zu werden. Er hebt sich durch die Ausweitung des Fokus auf soziale und gesellschaftliche Faktoren vom eher technisch-ökonomisch geprägten Begriff der Informationsgesellschaft ab. In Form von Aufklärung, Offenheit, Kooperation und dem intelligenten Umgang mit der Ressource Wissen soll ein Bewusstsein für die Herausforderungen der Wissensgesellschaft geschaffen werden.
Da Information als immaterielles Gut die Besonderheit aufweist, sich durch mehrfache Verwendung quasi nicht abzunutzen und darüber hinaus ohne Qualitätsverluste vervielfältigt werden kann, kommt ihr in der digitalen Welt eine besondere Bedeutung zu. Diese Vorzüge ermöglichen theoretisch eine kostenneutrale und freie Informationsversorgung, welcher heute jedoch mit verschiedenen technischen und rechtlichen Restriktionen entgegengewirkt wird. Als Maßnahmen zum Schutz des ?geistigen Eigentums sollen sie der unerlaubten oder unkontrollierten Nutzung von Informationsgütern Einhalt gebieten.
Der aktuelle Diskurs um ?geistiges Eigentum bewegt sich im Spannungsfeld zwischen dem wirtschaftlichen Interesse der Urheberinnen oder Verwerter 1 und dem öffentlichen Interesse an der ?freien Informationsversorgung. Gesetzesänderungen und bisher ungeahnte Möglichkeiten der Publikation und Kollaboration sorgen für Unsicherheit im Hinblick auf die Nutzung urheberrechtlich geschützter Materialien. Es gilt demzufolge, die neuen Potentiale zu erkennen und sie in einem rechtlich abgesicherten Rahmen zu nutzen. Freie Lizenzmodelle sollen die Balance zwischen den Interessen wieder herstellen und somit einen Ausweg aus diesem Dilemma bieten.
1.2 Kontext und wissenschaftliche Relevanz der Arbeit
In der vorliegenden Arbeit sollen die Lizenzen der Creative Commons Organisation als innovatives Beispiel einer flexiblen Rechtevergabe vorgestellt werden. Creative Commons (CC) setzen sich für die freie Informationsverbreitung über das Internet bei gleichzeitiger Stärkung der Urheberrechte ein. Um diese Mission zu verwirklichen, hat die Organisation freie Lizenzmodelle geschaffen. Die Einsatzgebiete dieser Lizenzen sind vielfältig, sie können bspw. in der Wissenschaft, im Journalismus oder in der Musik-und Informationswirtschaft Verwendung finden. In der vorliegenden Arbeit wird der Fokus auf ihre Chancen und Risiken für das Management von NGOs gelegt.
Das Internet bietet diesen zivilgesellschaftlichen Akteuren die Möglichkeit, ihr Wissen zu vermitteln, mit anderen Akteuren zu kommunizieren und zu kooperieren sowie die Öffentlichkeit zu mobilisieren. In dieser Arbeit soll überprüft werden, welchen Beitrag die CCL leisten können, um diese Potentiale aufzudecken und zu nutzen. Der Einsatz von freien Lizenzen bietet sich für NGOs schon deshalb an, weil sie ihrer Umwelt u.a. lebensnotwendige oder gesellschaftlich relevante Informationen zur Verfügung stellen. Bei der Frage nach dem Zugang zu diesen Informationen müssen NGOs stets abwägen, welches Verhalten mit ihren Werten konsistent ist und wie sie sich den Herausforderungen der Wissensgesellschaft entgegenstellen wollen (vgl. Lessig 2006b).
In der wissenschaftlichen (deutschen) Literatur finden sich bislang nur rudimentäre oder sehr fachspezifische Beschreibungen der CCL. Eine ausführliche Darstellung und die Diskussion ihrer Anwendungsmöglichkeiten begründen somit die wissenschaftliche Relevanz dieser Arbeit. Die wachsende und einflussreiche Beteiligung von NGOs am wirtschaftlichen, gesellschaftlichen und politischen Weltgeschehen bildet die zweite Säule der wissenschaftlichen Relevanz. Ob eine flexible Rechtevergabe Einfluss auf den Sta-keholderdialog von NGOs haben kann, ist bisher nur unzureichend erforscht.
1 Im Text werden sowohl die weibliche als auch die männliche Schreibform verwendet. Soweit nicht anders erwähnt, sollen damit selbstverständlich beide Geschlechter angesprochen werden.
1.3 Thema und Ziel der Arbeit
Die besonderen Merkmale des NGO-Managements und die intensive Auseinandersetzung mit dem Konzept der CCL bilden die theoretische Basis für die vorliegende Arbeit. Darauf aufbauend wird untersucht, in welchem Maße NGOs diese freien Lizenzmodelle im Dialog mit ihrer Umwelt nutzen können.
Ziel dieser Arbeit ist, darzustellen und zu erörtern, in welchen Bereichen Anwendungsmöglichkeiten, Chancen und Risiken der Creative Commons Lizenzen für das Management von Non-Governmental Organisations liegen.
Aus den theoretischen Erkenntnissen werden erste Hypothesen abgeleitet, deren praktische Relevanz und Validität empirisch anhand einer Befragung von NGO-Verantwortlichen überprüft werden. Darüber hinaus dient die ausführliche Beschreibung der CCL als Hilfestellung für deren Verwendung und die Untersuchungsergebnisse sollen Anregungen für den erfolgreichen Einsatz der Lizenzen in NGOs liefern.
Nach der Einleitung wird in Kapitel 2 der Untersuchungsgegenstand NGO dargestellt. Für das Management von NGOs werden die verschiedenen Stakeholder und deren netzwerkartige Austauschbeziehungen mit der Organisation hervorgehoben. Kapitel 3 beschreibt mit dem Konzept der CCL den zweiten Untersuchungsgegenstand. Überdies werden die Creative Commons Organisation und verschiedene Einsatzmöglichkeiten der Lizenzen vorgestellt.
Kapitel 4 führt die beiden Untersuchungsgegenstände zusammen. Eingangs werden Anwendungsbeispiele der CCL in NGOs dargestellt. Darauf aufbauend wird erörtert, welche Chancen und Risiken die CCL für das Management von NGOs bieten. Die Darstellung orientiert sich am Dialog mit den verschiedenen Stakeholdern und wird jeweils mit dem Entwurf einer Hypothese abgeschlossen.
Die weitere Erkundung dieser Hypothesen findet anhand einer Befragung von NGO-Verantwortlichen statt. Kapitel 5 stellt die eingesetzte Untersuchungsmethode, deren Durchführung und die Befragungsergebnisse vor.
In Kapitel 6 werden die theoretischen Erkenntnisse den Ergebnissen der Befragung gegenübergestellt und die Hypothesen werden vorläufig verifiziert.
Das Fazit in Kapitel 7 bildet den Abschluss dieser Arbeit und gibt im Ausblick Anregungen und Hinweise für einen effizienten Einsatz der CCL.
2 Non-Governmental Organisations
Als ein zentraler Untersuchungsgegenstand dieser Arbeit werden zunächst Non-Governmental Organisations als besondere Gruppe der Nonprofit-Organisationen vorgestellt. Im Laufe der vergangenen 40 Jahre hat der Nonprofit-Sektor im Verhältnis zu seiner Größe sowohl den privatwirtschaftlichen als auch den öffentlichen Sektor in der Schaffung neuer Arbeitsplätze überholt (vgl. Anheier/Seibel/Priller et al. 2002: 32ff.). Während in den Medien immer wieder von Entlassungswellen in Unternehmen berichtet wird (Volkswagen, Siemens, Allianz, BenQ etc.), steigt die Zahl der Arbeitsplätze in Nonprofit-Organisationen (NPOs) stetig. 2 In Deutschland waren 1990 umgerechnet rund 1 Millionen Vollzeitarbeitskräfte im Nonprofit-Sektor angestellt, im Jahr 1999 war ihre Zahl bereits auf 1,44 Millionen gestiegen (vgl. Zimmer/Priller 2004: 55ff.). 3 Im Jahr 1995 tätigte der Sektor Ausgaben in Höhe von knapp 70 Mrd. Euro, was einem Anteil vom 3,9% am Bruttoinlandsprodukt entspricht (vgl. Anheier/Seibel/Priller et al. 2002: 27f.) Insgesamt hat neben der ökonomischen Bedeutung des Nonprofit-Sektors auch dessen Akzeptanz in der Bevölkerung und Weltpolitik zugenommen (vgl. Curbach 2003: 20f.).
2.1 Bestimmung, Eingrenzung und Definition des NGO-Begriffs
In der einschlägigen wissenschaftlichen Literatur finden sich verschiedene Definitionsansätze, bisher jedoch keine einheitliche Begriffsbestimmung für ?Non-Governmental Organisation. Der englischsprachige Begriff wird im Deutschen mit ?Nichtregierungsorganisation oder präziser mit ?nichtstaatliche Organisation übersetzt. Nachfolgend wird einheitlich der englische Begriff bzw. die Abkürzung NGO verwendet, da diese sich auch im deutschen Sprachgebrauch durchgesetzt haben (vgl. Brunnengräber/Klein/Walk 2005: 10). Die NichtStaatlichkeit als einziges Kriterium ist indes für eine wissenschaftliche Untersuchung wenig tauglich (vgl. Schrader 2000: 27). Dieser Argumentation folgend werden nachfolgend die für die vorliegende Arbeit relevanten Kriterien und Definitionen des NGO-Begriffs vorgestellt und gewichtet.
Zunächst wird eine Unterteilung aller Organisationen in die drei Sektoren Staat, Markt und ?Zivilgesellschaft 4 vorgenommen. Der Staat (Erster Sektor) umfasst Regierung,
Eine umfassende Datenbasis zum Nonprofit-Sektor liefert das ,Center for Civil Society Studies an der Johns Hopkins Universität: ,The Comparative Nonprofit Sector Project (http://www.jhu.edu/~cnp/) Die Anzahl der Beschäftigten wird anhand von ?Vollzeitäquivalenten angegeben. Bei diesem Verfahren werden die Teilzeitkräfte hochgerechnet auf Vollzeitbeschäftigte. Die unbezahlten Arbeitskräfte sind in diesen Angaben nicht berücksichtigt. Würde man die Ehrenamtlichen zu den Angaben von 1995 hinzuzählen, so müsste man 1,26 Mio. Vollzeitäquivalente dazu addieren (vgl. Anheier/Seibel/Priller et al. 2002: 29f.).
Der Brockhaus (2004) definiert Zivilgesellschaft als ?polit. Begriff, der die Gesellschaft als Assoziation selbstständiger, politisch und sozial engagierter Bürger begreift und damit die Eigenständigkeit des ge-sellschaftl. Handelns einerseits gegenüber Politik und Staat, andererseits gegenüber Wirtschaft und individuellem Interessenegoismus betont.
Parlament, Parteien und Behörden sowie weitere staatliche und öffentliche Institutionen. Dem Markt (Zweiter Sektor) werden privatwirtschaftliche Akteure wie Kaufleute, Unternehmen oder Konzerne zugeordnet, die primär einen Erwerbszweck verfolgen. Der Dritte Sektor erfasst das Feld der Nonprofit-Organisationen und wird synonym oder als Oberbegriff von Zivilgesellschaft verwendet. In diesem intermediären Sektor zwischen Staat und Markt geht es weder um hoheitliche Verwaltung noch um kommerzielle Interessen. Die hier einzuordnenden Zusammenschlüsse greifen von den anderen Sektoren unterrepräsentierte Themen auf oder möchten durch Proteste und Aufklärung eine kritische Gegenöffentlichkeit erzeugen (vgl. Schrader 2000: 38ff. und Kreutz: 2003: 9f.). NGOs lassen sich anhand dieses Ansatzes dem Dritten Sektor zuordnen.
Neben den Attributen ?nicht staatlich und ?nicht gewinnorientiert ordnen Brunnengräber, Klein und Walk (2005:15) einer NGO die folgenden Merkmale zu:
o zivilgesellschaftlicher Akteur, o Orientierung an Menschenrechten,
o Vertretung öffentlicher Interessen mit Einfluss auf politische und unternehmerische Entscheidungen und o organisatorische Strukturierung.
Angelehnt an die NGO-Definition des .Department of Public Information (DPI) der United Nations (UN) sollen weitere Abgrenzungen die Klärung des NGO-Begriffs herbeiführen (vgl. United Nations o.J.: o.S.):
o lokaler, nationaler oder internationaler Handlungsrahmen,
o freiwillige Arbeit als Basis,
o Ausrichtung auf ein gemeinsames Ziel,
o Leistungserbringung, Information oder humanitäre Funktion,
o beobachtende Rolle (Frühwarnmechanismus) sowie
o Vermittlung zwischen Bürgern und Regierungen.
Das Spektrum der NGOs reicht diesen Definitionsversuchen zufolge von kleineren ?Graswurzel-Projekten über humanitäre Initiativen bis hin zu internationalen Dachverbänden (vgl. Schrader 2000: 27). Populäre und international agierende NGOs sind bspw. ,Amnesty International im Bereich der Menschenrechte, ,Oxfam als Nothilfe- und Entwicklungsorganisation, .Greenpeace und ,WWF im Umwelt- oder Artenschutz sowie ,Attac als globalisierungskritisches Netzwerk.
Zwei weitere Aspekte, die die Ausführungen über NGOs abrunden sollen, sind deren Kategorisierung anhand verschiedener Merkmale und ihre demokratische Legitimation. Charakteristisch ist die Kategorisierung nach Tätigkeitsfeldern in politische und techni-
sehe NGOs. Politische NGOs agieren mit Mitteln wie Öffentlichkeitsarbeit, Kampagnen, Aktionen des zivilen Ungehorsams oder durch Lobbyarbeit, um Einfluss auf die politische Willensbildung und staatliche Entscheidungsfindung zu nehmen. Die technischen NGOs erbringen handfeste Dienstleistungen wie das Räumen von Minenfeldern oder aktive Hilfe für Flutopfer (vgl. Brunnengräber/Klein/Walk 2005: 15). Im Legitimationsdiskurs geht es zum einen um die Frage, ob NGOs von der Gesellschaft als legitim angesehen werden, obwohl es ihnen an der klassischen demokratischen Legitimation durch Wahlen mangelt. Zum anderen wird die innerorganisatorischen Legitimation hinterfragt, welche sich durch demokratische Mitbestimmungsmöglichkeiten aller Mitglieder ergeben würde. Dieser Diskurs konnte bisher keine einheitlichen Antworten hervorbringen. Vereine, Genossenschaften oder Stiftungen sind jedoch zumindest aufgrund ihrer Rechtsform vom staatlichen Recht als juristische Personen anerkannt (vgl. dazu ausführlicher Schrader 2000: 59ff., Gremmelspacher 2005:105ff. oder Leggewie 2002).
Das NGO-Verständnis dieser Arbeit orientiert sich an den vorgestellten Eigenschaften. Die Merkmale ?nicht staatlich und ?nicht gewinnorientiert werden zwingend vorausgesetzt. Im Fokus der Betrachtungen stehen politische NGOs, die durch Information, Aufklärung und Protestaktionen Einfluss auf politische, gesellschaftliche oder wirtschaftliche Entscheidungen ausüben wollen.
2.2 Geschichte und Gegenwart von NGOs
In der einschlägigen Fachliteratur findet sich keine Einigung darüber, welche die ?erste echte NGO war. Nichtstaatliche Organisationen im weiteren Sinne sind lange vor den modernen Nationalstaaten entstanden, zu nennen wären hier bspw. religiöse Orden oder verschiedene wohltätige Stiftungen (vgl. Schrader 2000: 11). Für die Einordnung des NGO-Terrains in das Untersuchungsgebiet wird im Folgenden ein kurzer Überblick der NGO-Geschichte ab Ende des letzten Jahrhunderts gegeben. 5
In den 1960er und 1970er Jahren wurden einhergehend mit Internationalisierung, Modernisierung und Aufrüstung sowohl auf nationaler als auch auf globaler Ebene Forderungen nach weitergehenden demokratischen Partizipations- und Entfaltungsmöglichkeiten der Bevölkerung laut. Mit dem Ziel, den sozialen Wandel durch Protest herbeizuführen, entstanden bspw. Bürger- und Menschenrechtsbewegungen sowie Netzwerke mit emanzipatorischem, pazifistischem oder ökologischem Hintergrund. Zusammenfassend wurden sie als ?neue soziale Bewegungen bezeichnet und bildeten das Fundament für die Gründung vieler NGOs (vgl. ebd.: 16ff.).
5 Auf einen umfangreichen historischen Rückblick soll an dieser Stelle verzichtet werden. Eine gute Übersicht liefert bspw. Schrader 2000.
Einen enormen Bedeutungszuwachs erfuhren diese Akteure in den 1990er Jahren. Klein (2002: 5) spricht hier gar vom ?Jahrzehnt der NGOs. Als Meilensteine der NGO-Geschichte sind in dieser Zeit die großen UN-Weltkonferenzen, allen voran die Rio-Konferenz im Jahr 1992 (?Erdgipfel) und die globalisierungskritischen Proteste von Seattle (1999) oder Genua (2000) zu nennen. Die vermehrte Präsenz, aktive Teilnahme und Kritik der NGOs an diesen Konferenzen führte Staatsvertretern und Weltöffentlichkeit vor Augen, dass mit dieser internationalen Bewegung eine nicht zu unterschätzende Kraft herangewachsen war, die nun Ansprüche auf eine Mitgestaltung der internationalen Ordnung erheben konnte (vgl. Schrader 2000: 21 f. und Kreutz 2003: 57ff.).
Auch im neuen Jahrtausend setzt sich diese Entwicklung fort: Als negative Folgen der Globalisierung werden u.a. die Umweltzerstörung, Privatisierung, Prekarisierung 6 sowie die Kommerzialisierung von öffentlichen Gütern und Wissen kritisiert. 7 Die Lösungskompetenzen von Wirtschaft und Politik stoßen an geographische und machtpolitische Grenzen. Resultierend aus der öffentlichen Unzufriedenheit über diese Entwicklung stieg die Anzahl der NGOs weiter an (vgl. Simsa 2002: 132f.). Heutzutage engagieren sich NGOs im globalen politischen Handlungsraum und sind über Landesgrenzen hinweg miteinander vernetzt. Mit dem jährlich stattfindenden ?Weltsozialforum hat sich in der Bewegung der NGOs und der alternativen Globalisierer eine Gegenveranstaltung zu den Weltwirtschaftsgipfeln und -foren etabliert, die der internationalen kritischen Gegenöffentlichkeit eine Plattform bieten und Gehör verschaffen möchte (vgl. Cassen 2005: 44f. und Kreutz 2003: 12ff.). Mit dem ,World Summit on the Information Society (WSIS) in den Jahren 2003 und 2005 wurden erstmalig die Themen Information und Kommunikation in den Fokus eines UN-Gipfels gestellt. Ziel dieses Gipfels war, ein gemeinsames Verständnis für die Informationsgesellschaft zu schaffen. Viele NGOs beteiligten sich an der Erarbeitung der Aktionspläne für das globale Kommunikationszeitalter. Behandelt wurden Themen wie die ?Digital Divide 8 , Informationsfreiheit und -gerechtigkeit, Partizipation und interaktive Kommunikation sowie der Diskurs zwischen privatwirtschaftlichem und öffentlichem Interesse an Informationsgütern. 9
Der Begriff Prekarisierung beschreibt die zunehmend unsicheren Arbeits- und Lebensbedingungen, denen der Mensch im Zeitalter des flexiblen Kapitalismus ausgesetzt ist.
Für eine eingehende Betrachtung des Prozesses der Globalisierung und ihrer Folgen sei stellvertretend für viele auf den ,Atlas der Globalisierung der ,Le Monde diplomatique (2003) und auf Gremmelspacher 2005: 18f. verwiesen.
Dieser Begriff bezeichnet die digitale Kluft, die die ungleichen Chancen auf den Zugang zu modernen, digitalen Informationstechnologien thematisiert. Menschen in Entwicklungsregionen oder sozial Benachteiligte werden von diesen Technologien bspw. aufgrund fehlender Infrastruktur und fehlender Gelder ausgegrenzt (dazu ausführlich Kuhlen 2004: 136-148). Vgl. http://www.itu.int/wsis/
Die Summe aller NGOs ist aufgrund der heterogenen Definitionsansätze schwer bzw. gar nicht zu beziffern. 10 Der ECOSOC (.Economic and Social Council der UN) kategori-siert jedoch einen Teil der NGOs anhand der Konsultativbeziehungen 11 zwischen der UN und den nichtstaatlichen Organisationen (vgl. United Nations 1996). Der allgemeine Konsultativstatus sieht weitestgehende Partizipationsrechte für internationale NGOs beim ECOSOC und UN-Konferenzen vor und betrifft zum Großteil die internationalen Dachorganisationen. Den besonderen Konsultativstatus erhalten NGOs, die nur in einem oder wenigen Teilbereichen des ECOSOC besondere Kompetenz besitzen. Unter den ?Rosterstatus 12 fallen die übrigen NGOs, die zwar keinen Konsultativstatus besitzen, aber im Einzelfall dennoch zu Beratungen hinzugezogen werden (vgl. United Nations 2006a: o.S.). Die folgende Abbildung (Abb. 1) verdeutlicht den stetigen Anstieg der Zahl von NGOs von wenigen hundert zu Anfang der 1990er Jahre auf mehr als 2.700 im Jahr 2005:
NGOs mit Konsultativstatus beim ECOSOC
D allgemeiner Status ? besonderer Status o Rosterstatus
1948 1968 1992 1993 1994 1995 1996 1997 1998 1999 2000 2001 2002 2003 2004 2005
Abb. 1: NGOs mit Konsultativstatus beim ECOSOC
Einen weiteren Anhaltspunkt im Hinblick auf Anzahl und Wachstum sowie vor allem auf die mannigfaltigen Betätigungsfelder von NGOs soll Abb. 2 liefern. Diese Abbildung basiert auf Daten des ,Human Development Reports der UN (2002), welcher sich wiederum auf die bei der ,Union of International Associations (UIA) registrierten inter-
Allein in Deutschland gab es um die Jahrtausendwende bspw. über 400.000 eingetragenen Vereine
sowie rund 10.000 Stiftungen (vgl. Anheier, Seibel, Priller et al. 2002: 34f.)
Konsultativ = beratend
Roster: engl, für Liste, Verzeichnis
Quelle: United Nations 2006b
nationalen NGOs bezieht. 14 Die Einteilung der Betätigungsfelder orientiert sich an der .International Classification of Nonprofit Organisations (vgl. Anheier/Salamon 1996: 7).
Wirtschafltiche Entwicklung
Internationale NGOs nach Betätigungsfeld 1990/2000
12000 ]1990
Abb. 2: Internationale NGOs nach Betätigungsfeld 1990/2000
Insgesamt ist die Anzahl der internationalen NGOs in den Vergleichsjahren 1990 und 2000 von ca. 31.000 auf über 37.000 gestiegen, von denen sich ungefähr die Hälfte dem Feld der wirtschaftlichen Entwicklung und der Forschung widmet. Auffallend ist ebenfalls der Anstieg in den Bereichen Recht, Soziales und Gesundheit, der sich auf die Einschnitte im Sozialwesen und Gesundheitsbereich im Zuge von Globalisierung und Neo-liberalisierung sowie auf die verstärkte Verfolgung von Menschenrechtsverletzungen zurückführen lässt (vgl. Le Monde diplomatique 2003: passim).
Die angeführten Zahlen lassen auf einen großen Bedeutungszuwachs der NGOs schließen. Es darf jedoch nicht außer Acht gelassen werden, dass die Anzahl aller internationalen Akteure im Lauf der letzten 60 Jahre konstant gestiegen ist (vgl. Hummer 2000: 50f.). Die Bedeutung der NGOs ?im Konzert der global players 16 wird demzufolge ein wenig relativiert. Zum gleichberechtigten ?Mitspielen mangelt es ihnen an staatlichen Machtmitteln und wirtschaftlichen Ressourcen. Viele dieser Nachteile können sie jedoch
Aufgabe der UIA ist die Erfassung und Dokumentation international operierender Organisationen, u.a.
der internationalen NGOs (vgl. Brunnengräber/Klein/Walk 2005: 14).
Quelle: United Nations 2002: 103
Als ?global players werden in diesem Kontext nicht nur internationale Konzerne, sondern auch große
Nationalstaaten und internationale staatliche Organisationen bezeichnet.
über verschiedene weiche Ressourcen wie Sachkompetenz, unbürokratisches und kosteneffizientes Vorgehen, Flexibilität, hohe Motivation und Engagement, große Akzeptanz bei ihrer Zielgruppe, selbstlosen Idealismus, moralische Integrität oder Unverbrauchtheit ausgleichen (vgl. ebd.: 52f.). Es gilt demzufolge, diese weichen Ressourcen in Kombination mit den finanziellen und personellen Kräften optimal zu organisieren und effizient einzusetzen. Im Folgenden soll daher das Management von NGOs und dessen Spezifika vorgestellt werden.
2.3 Management von NGOs
Den Begriff ?Management definieren Ulrich und Fluri (1995: 13) als ?die Leitung sozio-technischer Systeme in sach- und personenbezogener Hinsicht mit Hilfe von professionellen Methoden. Die sachbezogene Dimension umfasst die Bewältigung der Aufgaben, die sich aus den primären Zielen des Systems 17 ableiten. In der personenbezogenen Dimension geht es um den richtigen Umgang mit allen Individuen oder Gruppen, auf deren Kooperation das Management zur Aufgabenerfüllung angewiesen ist. Im institutionellen Sinn steht Management für alle Unternehmensinstanzen, die über Entscheidungsund Weisungsbefugnis verfügen und schließt damit die Träger der Managementtätigkeiten, die ?Manager 18 oder Geschäftsführer, ein. Als Funktion umfasst der Begriff alle zur Bestimmung und Verwirklichung der Ziele notwendigen Aufgaben, die nicht von ausführender Art sind (vgl. Ulrich/Fluri 1995: 13f.).
Während das Management für Wirtschaftsunternehmen als überlebenswichtig angesehen wird, bestehen in Literatur und Praxis Meinungsverschiedenheiten über die Notwendigkeit von Management in NPOs bzw. NGOs. 19 Diese Arbeit schließt sich der Argumentation von Peter Schwarz an, die dem Grundsatz ?Nonprofit but Management folgt und die Notwendigkeit von Management von NPOs - und damit auch von NGOs -als gegeben betrachtet (vgl. Schwarz 2001: 59ff.). 2ü Die klassische Managementlehre lässt sich selbstverständlich nicht 1:1 auf NGOs übertragen. Wenn sie jedoch an die speziellen Gegebenheiten angepasst wird, kann das Management diesen Organisationen dabei helfen, ihren Zweck und ihre Ziele mit den verfügbaren Ressourcen zu errei-
Als System können Formen staatlicher, wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Organisationen bezeichnet werden. In einem soziotechnischen System wickeln Menschen (die soziale Komponente) mit Hilfe von technischen Mitteln aller Art arbeitsteilige Prozesse ab (vgl. Ulrich/Fluri 1995: 31). Der Begriff ?Manager kann im NGO-Zusammenhang als unangemessen verstanden werden. Der Konsistenz und Einfachheit halber soll er jedoch im Rahmen dieser Arbeit verwendet und synonym zu Begriffen wie NGO-Verantwortliche, Entscheidungsträger, Führungskräfte oder auch Geschäftsführer bzw. Vorstand verstanden werden.
In der einschlägigen wissenschaftlichen Fachliteratur finden sich hauptsächlich Publikationen über das Management von NPOs. Dessen Eigenschaften und Besonderheiten lassen sich jedoch größtenteils auf das Management von NGOs übertragen.
Für die Diskussion über die mit der Einführung eines Managements einhergehenden ?Entradikalisierung sowie dem Verlust der einstigen Flexibilität sei auf Curbach 2003: 53f., 90ff. oder Gremmelspacher 2005: 220ff. verwiesen.
chen und die Erwartungen ihrer Anspruchsgruppen zu erfüllen (vgl. Schwarz 2001: 59ff.). 21
Um einen Zugang zur Konzeption des NGO-Managements herzustellen, kann z.B. eine klare Systematik der verschiedenen Leistungsfunktionen Anwendung finden. In der wissenschaftlichen Fachliteratur besteht indes keine Einigkeit über die genaue Anzahl, Gliederung und Abgrenzung der einzelnen Funktionen. Die Vielfalt der Management-Aktivitäten lässt eine strenge Zuordnung in detaillierte Funktionskataloge kaum zu. Das Management-Verständnis dieser Arbeit orientiert sich an der u.a. von Ulrich und Fluri vorgenommenen gröberen Einteilung in Politik, Planung, Organisation und Personal. Diese vier umfassenden, abstrakten Grundfunktionen des Managements werden im Hinblick auf die NGO-relevanten Spezifika in diesem Kapitel vorgestellt (vgl. Ulrich/Fluri 1995: 15ff.). 22
2.3.1 Managementfunktion Politik
Ulrich und Fluri bezeichnen jede Handlung als politisch, die die Ordnung des gesellschaftlichen Zusammenlebens betrifft. Sie bezeichnen Unternehmenspolitik als die Auseinandersetzung mit den Interessen, Bedürfnissen und Wertvorstellungen aller internen und externen Anspruchsgruppen. Der politische Prozess einer Organisation versucht, einen Mittelweg zwischen den vielfältigen Ansprüchen dieser ?Stakeholder 23 und den Zielen der Organisation zu finden. Darüber hinaus dient er der Koordination der unterschiedlichen Machtverhältnisse und formuliert Zweck, Ziele und Verhaltensgrundsätze der Organisation (in Anlehnung an Ulrich/Fluri 1995: 77ff.). Im Folgenden werden die relevanten Managementherausforderungen der NGO-Politik näher erläutert.
2.3.1.1 Stakeholder
Freeman (1984: 25) definiert Stakeholder als: ?any group or individual who can affect or is affected by the achievement of the firms objectives. In gewinnorientierten Unternehmen besteht der Kern dieser Anspruchsgruppen aus dem institutionellen Management, den Eigentümern und den Mitarbeitern. Diese internen Stakeholder werden noch um einige externe Gruppen wie Fremdkapitalgeber, Kunden und Lieferanten ergänzt. Im
Auch wenn häufig von einem Managementdefizit von NPOs ausgegangen wird (vgl. Horak/Heimerl 2002: 182), gibt es Anzeichen für gegenteilige Effekte. Phänomene wie die Vernetzung mit den Stake-holdern oder die Aufwertung der informellen Strukturen werden für den Großteil der gewinnorientierten Unternehmen als Neuland angesehen, sind für NPOs hingegen längst vertrautes Terrain (vgl. Mayrho-fer/Scheuch 2002: 100f.).
Ulrich und Fluri (1995: 17) rechnen der Funktion ?Organisation die Funktion ?Führung zu und bezeichnen die vierte Funktion als ?Führungskräfteentwicklung. Der Eindeutigkeit halber werden in dieser Arbeit die Personal- und Führungsangelegenheiten in der Funktion ?Personal zusammengefasst. Das englische ?to have a stake kann mit ?interessiert sein, Anteil haben übersetzet werden (vgl. Ho-rak/Matul/Scheuch 2002: 218). Synonym zum Begriff Stakeholder wird in dieser Arbeit der Begriff Anspruchsgruppen verwendet.
Vergleich dazu bezeichnet man Aktionäre (Eigenkapitalgeber) als Shareholder oder Stockholder (vgl. Ulrich/Fluri 1995: 77ff.).
In der NGO-Betrachtung wird den Stakeholdern eine sehr große Bedeutung beigemessen. Diese Organisationen verfügen über ein komplexes Beziehungsgeflecht (Netzwerk 24 ) mit ihren Anspruchsgruppen. Diese wollen je nach Machtposition Einfluss auf Politik und Ziele der NGO nehmen und ferner eine individuelle Bedürfnisbefriedigung erreichen. Theuvsen (2001: 1) legt dar, ?daß die Beziehungen zwischen verschiedenen Stakeholdern wie auch zwischen Stakeholdern und Organisation sowohl kooperativer, unterstützender als auch konfliktärer, durch Interessengegensätze geprägter Natur sein können. Eine Herausforderung des Stakeholdermanagements ist daher, den heterogenen Ansprüchen so gut es geht gerecht zu werden und eine Ausgewogenheit herzustellen (vgl. Bruhn 2005: 43f.).
Nachdem eine NGO die relevanten Stakeholder identifiziert hat, sind die verschiedenen Managementaktivitäten den individuellen Chancen und Risiken dieser Beziehungen entsprechend zu optimieren. Von der Organisationsleitung, d.h. von den Managern wird erwartet, dass sie die Ansprüche von Stakeholdern und Organisation ausbalancieren (vgl. Theuvsen 2001: 3). Abb. 3 zeigt exemplarisch das Stakeholder-Netzwerk einer NGO, an dem sich die weiteren Ausführungen dieser Arbeit orientieren. 25 Die Netzwerkstrukturen bestehen aus einer Vielzahl von Knoten - der NGO und ihren zehn exemplarischen Stakeholdern - deren Verbindungen sich durch persönlichen Kontakt, Kooperation, Kommunikation und Interaktion über Online- und Offline-Kanäle ergeben. Primär untersucht diese Arbeit das sternförmige Netzwerk mit der NGO als Mittelpunkt. Das angedeutete ?vermaschte Netz soll die Interaktion bzw. Machtausübung der anderen Stakeholder untereinander visualisieren (vgl. z.B. Kreutz 2003: 31 ff.).
Für eine detaillierte Betrachtung der Netzwerkstrukturen von NGOs siehe Altvater/Brunnengräber/ Haa-keetal. (Hg.) 2000.
In diesem Zusammenhang ist deutlich hervorzuheben, dass es keine idealtypischen Stakeholder gibt, sondern dass jede NGO individuell für sich herausstellen muss, welches ihre relevanten Anspruchsgruppen sind und in welchen Bereichen die jeweiligen Gruppen ihre Interessen geltend machen möchten (vgl. Theuvsen 2001: 3).
Abb. 3: Stakeholder-Netzwerk einer NGO
Die Grenzen zwischen diesen zehn Stakeholdergruppen sind fließend, eine exakte Zuordnung wird durch verschiedene Überschneidungen erschwert. So können bspw. auch externe Kräfte (Öffentlichkeit, Spender) in interne Arbeitsprozesse oder Protestaktionen (Mitarbeiter) eingebunden werden und Konkurrenten werden im nächsten Kooperationsprojekt zu Partnern. Der Staat nimmt die Rolle des Kapitalgebers, Kooperationspartners oder Gegenspielers ein. Der Eindeutigkeit halber sollen die Gruppen in dieser Arbeit klar abgegrenzt und die Überschneidungen außer Acht gelassen werden. Eine Konkretisierung der Stakeholderbeziehungen wird in den nächsten Kapiteln vorgenommen.
In Anlehnung an Horak, Matul und Scheuch (2002: 218f.) werden den Stakeholdern abschließend drei charakterisierende Eigenschaften zugeordnet: Stakeholder sind:
o beeinflussend: Sie üben auf ihr Umfeld und auf die NGO sowie auf deren
Zielerreichung unterschiedlich starken Einfluss aus. o dynamisch: Ihre Ziele, Einstellungen und Ansprüche können sich rasch und
Quelle: eigene Darstellung (in Anlehnung an Freeman 1984: 25, Theuvsen 2001: 4)
o vernetzt: Sie dürfen in ihrer Beziehung zu der NGO nicht isoliert betrachtet werden sondern stehen in einem dichten, wiederum dynamischen Beziehungsgeflecht mit anderen Anspruchsgruppen.
2.3.1.2 Ziele
In NGOs spricht man anstelle der Unternehmenspolitik eher vom Leitbild oder der Mission einer Organisation. Formuliert wird dieses häufig in Form eines ?Mission Statement. 27 Im Gegensatz zu Wirtschafsunternehmen steht hier nicht die langfristige Gewinnmaximierung (vgl. Wöhe 1996: 124f.) im Fokus allen Engagements, sondern ein mehrdimensionales und komplexeres Zielsystem: Ziele bedarfswirtschaftlicher oder gesellschaftlicher, ergo qualitativer Art bestimmen das Management von NGOs (vgl. Bruhn 2005: 33). Angemerkt sei hier, dass Managementprozesse in einer Organisation nur im Hinblick auf konkret vereinbarte Ziele ablaufen können. Ohne die Definition von opera-tionalen, vollständigen und systematischen Zielen ist weder die sinnvolle Führung noch die Steuerung einer NGO möglich (vgl. Horak/Matul/Scheuch 2002:198ff.).
NGOs im sozialen Bereich haben bspw. das Oberziel, den Hunger in der Welt zu stillen 28 oder die Versorgung HlV-Infizierter mit bezahlbaren Medikamenten 29 zu sichern. Politisch motivierte NGOs verfolgen Ziele, die die Durchsetzung bestimmter Interessen und Wertvorstellungen in den Vordergrund stellen. Beispielhaft sei hier die Eindämmung der Beschränkung von Bürgerrechten 30 oder des fortschreitenden ?Sozialdumpings 31 genannt. NGOs aus dem ökologischen Spektrum machen auf Umweltzerstörung 32 oder die Gefahren der Atomenergie 33 aufmerksam und haben zum Ziel, diese Missstände zu minimieren. Messbare Ziele wären zum Beispiel die Erhöhung der Lebenserwartung von HIV-Erkrankten um 20% oder die Umsetzung einer geforderten Gesetzesänderung.
Aus diesen Zielformulierungen lassen sich die Adressaten des NGO-Protestes ableiten. ?Gegenspieler 34 wie Konzerne, Wirtschaftslobbys, Parteien und Regierungen, aber auch Akteure des Dritten Sektors beeinflussen den Aktivismus und die Politik einer NGO. Zum einen richten NGOs Kritik an diese Gegenspieler und wollen direkt oder indirekt Einfluss auf deren Handeln ausüben. Zum anderen müssen die gegensätzlichen Interessen der Gegenspieler im Rahmen der verschiedenen NGO-Managementaktivitäten be-
Bei einem Verein entspricht dies z.B. der Satzung. Z.B. CARE International Deutschland e.V. (http://www.care.de/) Z.B. Ärzte ohne Grenzen (http://www.aerzte-ohne-grenzen.de/) Z.B. Netzwerk Neue Medien (http://www.nnm-ev.de/) Z.B. Attac Deutschland (http://www.attac.de/) Z.B: WWF International (http://www.panda.org/) Z.B. EarthTrends (http://earthtrends.wri.org/index.php)
Der Begriff ?Gegenspieler wird in Anlehnung an Heins 2005 und Deutscher Bundestag 2002 verwendet. Der Begriff soll sowohl die Kontrahenten der NGO als auch die Adressaten ihrer Protestaktionen umfassen.
rücksichtigt werden. So richten sich Proteste der globalisierungskritischen Bewegung gegen transnationale privatwirtschaftliche Akteure wie Kleidungsfabrikanten, Energiever-sorger oder Biotech-Unternehmen aber auch gegen die ,World Trade Organization (WTO) und deren Abkommen (TRIPS, GATS etc.). Bürgerrechtsorganisationen engagieren sich gegen die vermehrte Überwachung des öffentlichen Raumes oder des Datenverkehrs im Internet sowie gegen die Beschneidung von Verbraucherrechten und zielen mit ihren Aktionen auch gegen staatliche Organe (vgl. Heins 2005:172ff.).
Neben den Machtverhältnissen innerhalb dieser konfrontativen Beziehungen haben auch die Konkurrenten Einfluss auf die Politik einer NGO. Als Konkurrenten werden Wettbewerber der NGO bezeichnet, die ähnliche Ziele verfolgen und demnach auch eine ähnliche Zielgruppe ansprechen. Der NGO-Markt wird - parallel zur Situation im Profit-Markt -vom Konkurrenzkampf um Spenden, Mitglieder oder Medienaufmerksamkeit beherrscht (vgl. Curbach 2003:131 f.).
Die konkrete Bestimmung der Politik einer Organisation, die wie beschrieben vor allem durch die spezielle Ziel- und Stakeholdersituation geprägt ist, stellt die verbindliche Grundlage für die im Folgenden zu beschreibende Planungsfunktion dar.
2.3.2 Managementfunktion Planung
Damit das Management die organisationspolitischen Ziele konkretisieren kann, bedarf es einer Planung des Betriebsprozesses. Wöhe (1996:140) definiert Planung als:
?... die gedankliche Vorwegnahme zukünftigen Handelns durch Abwägen verschiedener Handlungsalternativen und Entscheidung für den günstigsten Weg. Planung bedeutet also das Treffen von Entscheidungen, die in die Zukunft gerichtet sind und durch die der betriebliche Prozessablauf als Ganzes und in allen seinen Teilen festgelegt wird.
Zu beachten ist stets, dass die Planung nicht isoliert betrachtet und nicht allein an den obersten Organisationszielen ausgerichtet sein sollte. Ebenso wie die anderen Managementfunktionen erfordert sie eine Berücksichtigung der Interessen und Ansprüche der Organisationsumwelt. Die Heterogenität der Stakeholder spielt demzufolge auch hier eine nicht zu unterschätzende Rolle (vgl. Horak/Matul/Scheuch 2002: 206ff.). Abgerundet wird der Planungsprozess durch das Controlling, welches durchzuführende Maßnahmen und anzuwendende Instrumente steuern und deren Effektivität und Effizienz überprüfen soll.
Die abstrakte Managementfunktion der Planung lässt sich auf verschiedene konkrete Managementfunktionen anwenden. So teilen Ulrich und Fluri (1995: 134) die operative Planung in die Planung der Gesamtunternehmung, der Forschung und Entwicklung, der
Beschaffung und Produktion sowie des Weiteren in Finanz-, Absatz- und Personalplanung ein. Diese Bereiche lassen sich größtenteils auf NGOs übertragen. Im Folgenden sollen ausschließlich die Aspekte der Finanzierung und des Marketings von NGOs beschrieben werden. Auch hier ist der Einfluss der besonderen Stakeholder-Situation besonders bedeutend.
Aufgabe der Finanzplanung ist die Beschaffung, Verwaltung und Verwendung der finanziellen Ressourcen einer Organisation (vgl. dazu ausführlich Littich 2002: 361 ff.). Um eine effiziente Finanzplanung durchführen zu können, muss die besondere Finanzierungssituation der NGOs berücksichtigt werden. NGOs erwirtschaften im Gegensatz zu Wirtschaftsunternehmen nicht primär monetäre Gewinne, sondern sind auf die finanzielle Unterstützung externer Kapitalgeber angewiesen. Zu einem Großteil erhalten sie diese Gelder indirekt - und häufig in Höhe und Frequenz schwer kalkulierbar - über private Spenden, Mitgliedsbeiträge, Sponsoring 35 sowie ggf. staatliche Fördergelder. Formen der Mittelakquise reichen von gezielter Sponsoren- oder Mitgliederansprache über Kampagnen 36 und Fundraising 37 bis hin zu saisonalen oder ereignisabhängigen, groß angelegten Spendenaufrufen (z.B. die Spenden für die Betroffenen des Tsunamis im Jahr 2004/2005). Manche NGOs erzielen direkte Einnahmen durch den Verkauf von Dienstleistungen oder Produkten wie Fairtrade-Erzeugnissen, Büchern, T-Shirts und DVDs. Diese Gelder werden in die NGO-Arbeit reinvestiert und beeinträchtigen somit nicht ihren Nonprofit-Status (vgl. Zimmer/Priller 2004: 80ff. und Anheier/Seibel/Priller et al. 2002: 36).
Von Bedeutung sind im Weiteren die besondere Situation der indirekten Finanzierung sowie die starke Abhängigkeit von den kapitalgebenden Stakeholdern und der Öffentlichkeit. Eine Abgrenzung zwischen diesen Gruppen lässt sich nicht immer eindeutig vornehmen. Dies resultiert u.a. aus der Übertragung der Managementtheorien von Wirtschaftsunternehmen auf NGOs. Die unternehmensspezifische Austauschbeziehung zwischen Unternehmen und Kunde - Ware gegen Geld - wird in NGOs um eine dritte Partei, die Kapitalgeber, erweitert (vgl. Schwarz 2001: 83). Um die Voraussetzung für eine finanzielle Unterstützung zu schaffen, muss eine NGO ihre Marketingaktivitäten an die individuellen Interessen der Zielgruppen anpassen.
Bei dieser Art von finanzieller Unterstützung gewährt die NGO eine Gegenleistung in Form von Platzierung des Namens oder Logos des Sponsors in der Öffentlichkeit (vgl. Gabler Wirtschaftslexikon 1998). Gemeinschaftliche, groß angelegte, aber zeitlich begrenzte Aktion, Aktivität in Bezug auf jemanden oder etwas (vgl. Duden 2005).
Das Beschaffen von Spenden (oder das Akquirieren von Sponsoren) für wohltätige Zwecke (vgl. Duden 2005).
2.3.2.2 Marketingplanung
Der Durchführung von Marketingaktivitäten geht eine sorgfältige Marketingplanung voraus, die auf die Managementspezifika einer NGO abgestimmt werden muss. Nach der klassischen Definition von Meffert (2005: 8) bedeutet Marketing ?die Planung, Koordination und Kontrolle aller auf die aktuellen und potentiellen Märkte ausgerichteten Unternehmensaktivitäten und hat einerseits die dauerhafte Befriedigung der Kundenbedürfnisse und andererseits die Erfüllung der Unternehmensziele zur Aufgabe. Dieser ganzheitliche Ansatz betont die marktorientierte Ausrichtung des gesamten Unternehmens auf eine Balance mit den Kundenbedürfnissen. Die Definition der American Marketing Association (2004) fokussiert ebenfalls die Kundenbeziehungen, legt darüber hinaus aber Wert auf die Bedürfnisbefriedigung der verschiedenen Stakeholder: Marketing is an organizational function and a set of processes for creating, communicating, and delivering value to customers and for managing customer relationships in ways that benefit the Organization and its stakeholders. Das Marketingverständnis dieser Arbeit schließt sich dieser modernen Definition an, ordnet die hier zu betrachtenden Marketingaktivitäten jedoch der Planungsfunktion zu.
NGOs betreiben kein Marketing 38 im Sinne einer Verkäufer-Käufer-Beziehung. Die Kunden der Wirtschaftsunternehmen werden hier ersetzt durch die Anspruchsgruppen Kapitalgeber, Medien, Öffentlichkeit und Staat. Diese Gruppen sollen animiert werden, finanzielle, personelle oder ideologische Ressourcen für soziale, politische oder gemeinnützige Zwecke zur Verfügung zu stellen, ohne eine direkte Gegenleistung zu erwarten (vgl. Bruhn 2005: 37). Neben Zielen der Akquisition und Bindung von Unterstützern verfolgen NGOs mit ihren Marketingaktivitäten hauptsächlich image- oder informationsbe-zogene Ziele. Potentielle Unterstützer sollen von der Intention, der Glaubwürdigkeit und dem positiven Image der NGO überzeugt werden (vgl. Hohn 2001: 29f.). Curbach (2003: 45) fasst diese immateriellen Ressourcen zusammen als:
?[...] das Vertrauen von Bevölkerungen darauf, dass NGOs in ihren Zielen, Strategien und Werten die Ideale von Aufrichtigkeit und Gemeinwohlorientierung so gut wie möglich erfüllen. Schon kleine Änderungen in der öffentlichen Wahrnehmung können sich dementsprechend negativ auf die akquirierbare Spendenmenge und die Einflussmöglichkeiten von NGOs auswirken.
Häufig wird deckungsgleich mit dem Begriff des Marketings für NPOs oder NGOs der Ausdruck ?Social Marketing verwendet. Mit diesem wird allerdings in der wissenschaftlichen Literatur kein einheitlicher Bedeutungsinhalt verbunden (vgl. z.B. Bruhn/Tilmes 1994: 21 ff.). Aufgrund dieser Definitionsdivergenz wird im weiteren Verlauf dieser Arbeit der eindeutigere Begriff ?Marketing verwendet.
Der konventionellen Einteilung des Marketings in vier Instrumente bzw. Teilbereiche (4Ps, ?Marketing-Mix) folgend lässt sich auch das NGO-Marketing gliedern in (vgl. Bruhn/Tilmes1994: 106ff.):
o Product (Produkt- oder Leistungspolitik, Planung des Angebotes),
o Promotion (Kommunikationspolitik, Kommunizieren der Botschaft),
o Place (Distributionspolitik, Vertriebswege der Werbung) und
o Price (Preispolitik, Gestaltung des Preises oder der Gegenleistungen).
Auf eine detaillierte Betrachtung der Planung von Marketingaktivitäten wird in dieser Arbeit verzichtet. Der Marketing-Fokus wird auf die Kommunikations- und Distributionspolitik als Instrumente des Stakeholder-Dialogs gelegt. Deren ausführlichere Darstellung soll verdeutlichen, dass die Ansprache der Öffentlichkeit zu den wichtigsten Aufgaben der NGO gehört. Von einem ?guten Marketing hängt der Management-Erfolg einer NGO in entscheidendem Maße ab (vlg. Schwarz 2001: 78ff.) Im Folgenden wird ein Anriss der Interaktion von NGOs mit den klassischen Medien 39 sowie den Online-Medien oder Netzpublikationen gegeben. Anschließend wird das Augenmerk auf die Distribution der NGO-Botschaft und ihrer Inhalte über die NGO-eigenen digitalen Kanäle gelegt.
Klassische Medien wie Rundfunk, Fernsehen und Presse sind an Skandalen, Enthüllungen und Missständen interessiert, um ihre Einschaltquoten bzw. Auflagen zu erhöhen. NGOs hingegen nutzen die Präsenz in diesen Medien als Instrumente ihrer Öffentlichkeitsarbeit in Form von Werbung 40 oder Public Relations 41 , zur internationalen Kommunikation, zur Platzierung von Themen, um sich Gehör zu verschaffen und ein Image zu entwickeln bzw. zu erhalten. Die Kommunikation dieser Medien mit ihren Rezipienten lässt sich als unidirektionale ?one-to-many-Kommunikation bezeichnen: Ein Sender sendet Informationen an viele Empfänger, wobei diesen Empfängern - abgesehen von der sehr zeitverzögerten Option des Leserbriefes - keine Möglichkeit des Feedbacks gegeben wird (vgl. Hohn 2001: 96).
Unter den Begriff ?Medien sollen in diesem Kontext alle der NGO nicht zugehörigen medialen Organe gefasst werden. Die NGO-eigene Website oder andere Veröffentlichungen unter Urheberschaft der NGO werden gesondert betrachtet.
?Die Werbung übernimmt die Aufgabe, eine zielgruppenbezogene Bekanntmachung nichtkommerzieller Aktionsprogramme [...] sowie eine Handlungsauslösung und eine Nachfragesteuerung zu bewirken. Das Charakteristikum der Werbung ist, daß sie alle nichtpersonalen Kommunikationsformen umfaßt, die von bezahlten Medien unter Offenlegung der Kommunikationsqueile übermittelt werden. (Bruhn/Tilmes 1994:141)
Die Öffentlichkeitsarbeit (Public Relations, PR) steht für die Darstellung und Vertrauenswerbung der Organisation in der Gesellschaft, mit dem Ziel, eine positive Einstellung ggü. der Organisation zu erzeugen und zu festigen. Im Vergleich zur klassischen Werbung scheint es bei der PR so zu sein, dass der Sender kein Eigeninteresse an den sich aus der Botschaft erkennbaren Verhaltensweisen hat (vgl. Bruhn/Tilmes 1994: 141).
Ein wichtiges Instrument der Kommunikation mit den Medien sind Pressemitteilungen, welche ausgewählten Organen zur Verfügung gestellt werden. Gerade die Massenmedien wie Tageszeitungen und TV setzen Schwerpunkte und lenken die öffentliche Aufmerksamkeit auf brisante Themen. Sie sind auf gut vermittelbare Inhalte sowie ggf. auch auf Einnahmen aus dem Anzeigengeschäft angewiesen. Zwischen NGO und Medienschaffenden entsteht somit eine gegenseitige Abhängigkeit (vgl. Gremmelspacher 2005: 102f.).
Diese Abhängigkeit lässt sich ebenso auf die Interaktion mit den Online-Medien übertragen. Mittlerweile sind die meisten klassischen Medien auch mit einer mehr oder weniger vollständigen Online-Ausgabe im Internet vertreten. Des Weiteren haben NGOs die Möglichkeit, ihre Pressemitteilungen, Dokumentationen oder Berichte auf Websites, Weblogs, Wikis oder in Netzpublikationen anderer Organisationen, Unternehmen und Privatpersonen zu verbreiten. Diese können die Inhalte entweder komplett übernehmen oder aber in ihre eigene Berichterstattung einfließen lassen. Darüber hinaus bergen diese neuen Medien Potentiale der Kollaboration und des Dialoges mit der Öffentlichkeit. 42
NGO-eigene Online-Kanäle
Neben dem Austausch mit den externen Online-Medien bietet das Internet NGOs weitere Möglichkeiten, ihre Kommunikationsstrategien neu zu organisieren oder zu erweitern (vgl. Hohn 2001: 97). Der Anteil der ?Onliner ist in Deutschland von 37% im Jahr 2001 auf 58% in 2006 gestiegen und fast die Hälfte der Nutzer wählt sich per Breitbandan-schluss in das Internet ein (vgl. TNS Infratest 2006: 10 und 64). Neben dem Wachstum der Nutzerzahlen wird die Ansprache einer breiten Öffentlichkeit durch verschiedene digitale Kommunikationsmöglichkeiten vereinfacht. 43 Als wichtige Anwendungen des Internets sind das World Wide Web, E-Mail, Mailinglisten und Newsletter sowie Chatforen, Diskussionsgruppen, Instant Messaging, Usenet, Weblogs, Podcasts, Newsfeeds, Wikis und Peer-to-Peer-Netzwerke zu nennen. 44 Diese zeichnen sich gegenüber den traditionellen Medien neben ihrer Vielfalt auch durch eine veränderte Beziehung zwischen den Teilnehmenden aus. Sie ermöglichen in Ergänzung zur klassischen ?one-to-many-Kommunikation eine interaktive ?many-to-many-Kommunikation mit mehreren Sendern und mehreren Empfängern. Ein weiterer Vorteil liegt in der Bidirektionalität der
Auf die Diskussion, ob Weblogs und andere Netzpublikationen dem Journalismus gleichzusetzen sind, soll hier nicht näher eingegangen werden. In der vorliegenden Arbeit werden diese in die Betrachtung der Medien einbezogen.
Hingewiesen sei in diesem Kontext auf die Problematik der ?Digital Divide. Zum einen arbeiten viele NGOs daran mit, diese digitale Kluft zu überwinden, zum anderen muss sie bei der Planung ihrer Marketingaktivitäten berücksichtigt werden. So darf die Kommunikation über das Internet nicht gleichgesetzt werden mit dem Erreichen der gesamten Bevölkerung.
Eine ausführliche und aktuelle Beschreibung dieser Technologien liefert die Online-Enzyklopädie Wiki-pedia unter http://de.wikipedia.org/.
Kommunikation. Die Rollen von Sender und Empfänger sind eher fließend und die Öffentlichkeit wird per Kommentarfunktion oder kollektiven Publikationsprozessen vom bloßen Informationskonsumenten zum Informationsproduzenten (vgl. z.B. Hohn 2001: 96 oder Grunwald/Banse/Coenen et al. 2006: 34ff.).
Neben Websites mit reinen Informationsangeboten haben sich in NGOs verschiedene Formen des Online-Aktivismus und der Mobilisierung herausgebildet: Kampagnen und Fundraising werden online durchgeführt, Petitionen und Protestschreiben per E-Mail initiiert, Informations- und Boykottseiten eingerichtet sowie Plattformen für den Informationsaustausch und soziale Interaktion geschaffen. 45 Insgesamt bewertet Kreutz (2003: 48f.) die Situation der NGOs dahingehend, dass deren Internetpräsenz weiter verstärkt und an neue informationstechnologische Entwicklungen angepasst wird. Hervorzuheben ist der wechselseitige Austausch von Informationen: NGOs fungieren nicht nur als Aufklärer oder Informanten, sie sind auch auf die Partizipation und die Rückkopplung mit der Öffentlichkeit und den anderen Anspruchsgruppen angewiesen (vgl. ebd.: 55).
Der Bericht .Internet und Demokratie nimmt eine differenziertere Betrachtung vor und legt nahe, dass gerade das basisdemokratische Selbstverständnis sowie die netzwerkartigen Strukturen der meisten NGOs einen Nährboden für eine erfolgreiche internetgestützte Kommunikation bieten. Allerdings weisen die empirischen Untersuchungen tendenziell darauf hin, dass diese Potentiale oft noch nicht ausgeschöpft werden. Die meisten Websites von NGOs sind nach wie vor einfach gehalten und Angebote zur ma-ny-to-many-Kommunikation eher die Ausnahme (vgl. Deutscher Bundestag 2005: 87, passim). Ebenso ist die Nutzung der Online-Instrumente in NGOs noch nicht so etabliert und professionalisiert wie in den meisten Wirtschaftsunternehmen. Verschiedene Formen der interaktiven Kommunikation finden zwar Anwendung, können aber noch lange nicht als Standard angesehen werden (vgl. ebd.: 104). Vielen NGOs mangelt es darüber hinaus an Professionalität oder Innovationsfreude. Gerade diese Defizite verdeutlichen, dass auf Presse- und Öffentlichkeitsarbeit in Funk-, Print- und TV-Medien nicht gänzlich verzichtet werden sollte, da die Reichweite des Internets nicht deckungsgleich mit der Reichweite dieser traditionellen Kanäle ist. So ist das Internet eher als Ergänzung, nicht aber als Ersatz zu den klassischen Medien, zu Face-to-Face-Kontakten oder direkten Aktionen in der Öffentlichkeit zu sehen (vgl. Schönberger 2005). 46
Siehe z.B. http://www.deportation-class.com/lh/, http://de.indymedia.org/ oder
http://www.mcspotlight.org/.
Für eine ausführlichere Darstellung und Diskussion des Internets als Raum politischer Information und
Kommunikation und der Nutzung des Internets durch NGOs siehe Deutscher Bundestag 2005.
NGOs und der Staat
Der Staat hat für NGOs verschiedene Bedeutungen. Einige NGOs werden teilweise über staatliche Fördergelder finanziert, wobei umstritten ist, ob und in welchem Maße diese Gelder ein Abhängigkeitsverhältnis der NGO zum Staat schaffen. In umgekehrter Richtung sind die Regierungen z.B. in humanitären Hilfsprogrammen vom Einsatz und Know-how der NGOs abhängig (vgl. Gremmelspacher 2005: 70ff.). NGOs sehen sich in dem Dilemma, einerseits kritische Gegenspieler des Staates zu sein und daraus einen großen Teil ihrer Legitimation zu beziehen aber andererseits mit staatlichen Stellen zusammenzuarbeiten und innerhalb des vorgegebenen Rechts zu agieren (vgl. Gremmelspacher 2005: 84). Leggewie (2002: 9) beschreibt das Verhältnis zwischen Staat und NGO wie folgt:
?Der Staat kann in diesem Szenario die gesellschaftlichen Akteure weniger zu einem bestimmten Verhalten zwingen, denn als primus inter pares und Moderator oder Supervisor Kompromisse initiieren. [...] Die Vorgehensweise des kooperativen Staates zeigt sich, wenn seine Organe in zunehmend mehr Aufgabenbereichen und Konfliktsituationen nicht mehr qua Hoheitsakt (Gesetze) handeln, sondern mit den gesellschaftlichen Akteuren Entscheidungen aushandeln. Ministerien und Interessenverbände wirken zusammen, entweder, um eine wirksame und nachhaltige Gesetzgebung einzuleiten, oder auch, um praktikable Regelungen unterhalb der Gesetzesebene zu finden.
Für das Management von NGOs ist es demnach unverzichtbar, die eigene Position gegenüber dem Staat zu analysieren und zu behaupten, eine Balance zwischen Gegenmacht und Korrektiv zu erzielen und sich nicht in die kompromisslose Abhängigkeit von staatlichen Mitteln zu begeben (vgl. Schrader 2000: 35ff.).
In diesem Kapitel wurden in Anlehnung an die Funktionen der Planung die für diese Arbeit relevanten Aspekte der Finanzierung und des Marketing dargestellt. Am Ende eines Planungsprozesses steht die Umsetzung der Pläne. Die Schaffung entsprechender Rahmenbedingungen für eine erfolgreiche Umsetzung erfolgt im Kontext der nachfolgend beschriebenen Organisationsfunktion.
2.3.3 Managementfunktion Organisation
Organisation als Managementfunktion steht für die Verwirklichung der in Politik und Planung gesetzten Ziele. Eine effiziente und flexible Organisation richtet den Einsatz der personellen und finanziellen Kräfte sowie der Sachmittel auf die Prioritäten eines sozio-technischen Systems aus. Hier gilt es, zweckmäßige strukturelle Regelungen und eine tragfähige Organisationskultur zu entwickeln, in denen Mitarbeiterinnen und Führungskräfte ihre Potentiale entfalten und wirkungsvoll einsetzen können (in Anlehnung an Ulrich/Huri 1995:18).
Nach Schwarz (2001: 42) bedeutet Organisation die Gesamtheit von Regelungen, die durch bewusste Entscheide von zuständigen Organen festgelegt werden und beinhaltet die Schaffung von Strukturen durch
o Bildung von Organisationseinheiten (Stellen, Organen, Gruppen),
o Verteilung von Aufgaben und Kompetenzen (inkl. Verantwortlichkeiten),
o Herstellung von Hierarchie-, Kommunikations- und Kooperationsbeziehungen
sowie die Gestaltung von Prozessen der
o Willensbildung,
o Information und Kommunikation sowie des
o Arbeitsablaufs.
Die Schaffung von Strukturen beinhaltet die Option auf mögliche Kooperationsbeziehungen mit anderen Akteuren aus dem NGO-Bereich bzw. Institutionen des Ersten oder Zweiten Sektors. Wenn eine Organisation ihren Ressourcenbedarf nicht mit internen Kräften zu decken vermag, besteht die Möglichkeit, diesen im Austausch mit externen Kooperationspartnern zu decken (vgl. Curbach 2003: 36). Demnach muss eine NGO entscheiden, ob sie die Synergieeffekte 47 (Economies of Scope) eines temporären oder projektspezifischen Zusammenschlusses für einzelne Projekte nutzen möchte, oder sich eines Themas lieber eigenständig annimmt. Die Vernetzung mit anderen Akteuren reicht vom gelegentlichen Informationsaustausch bis hin zu enger Kooperation und gemeinsamen Projekten, auch über Landesgrenzen hinweg. Guretzky (2001: o.S.) beschreibt diesen Aspekt des Informations- und Wissensaustausches und legt dar, dass NGOs in der besonderen Position sind,
?neben materiellen Gütern und Dienstleistungen auch Informationen und Wissen zu verbreiten und mit vergleichbaren Aufgaben befaßte Gruppen miteinander zu vernetzen. Sie übernehmen damit die Aufgabe von Verbreitung und Übertragung [sie] von Wissen an Wissenssuchende, sind damit Makler und Distributionsorgane und ermöglichen es jenen, die nach Problemlösungen suchen, mit anderen, die zur Lösung ähnlicher Probleme Erfahrungen gesammelt haben [...], in Kontakt zu treten. Dabei muss die betreffende Organisation nicht unbedingt selbst über das benötigte Wissen verfügen, sie kann - der Rolle als Makler gerecht werdend - auf andere verweisen.
Die Verteilung von Kompetenzen durch Beauftragung externer Experten wie Fotografen, Wissenschaftler, Journalisten oder anderer ?Lieferanten wird ebenfalls der Funktion Organisation zugeordnet. Diese Lieferanten stellen der NGO ihr Know-how und ihre
47 ?Positive Wirkung, die sich aus dem Zusammenschluss od. der Zusammenarbeit zweier Unternehmen o.Ä. ergibt (Duden 2005)
Leistungen entweder gegen Entgelt oder kostenlos zur Verfügung (vgl. Curbach 2003: 63ff.).
Für die anschließenden Darstellungen ist ein grober Einblick in die NGO-typischen Strukturen hilfreich. Die oft flachen Hierarchien innerhalb NGO ermöglichen eine basisdemokratische und partizipatorische Mitbestimmung, -gestaltung und Willensbildung der Mitarbeiter und Mitglieder in diesen Organisationen (vgl. dazu z.B. Enquete-Kommission 2002: 115 oder Schwarz 2001: 63ff.). 48 Des Weiteren unterscheidet Schwarz (1996: 94) die Intensität der Mitwirkung und gemeinsamen Entscheidungsfindung wie folgt:
o Information: Die übergeordnete Instanz baut ihr Informationsmonopol ab und lässtdie unteren Instanzen an wichtigen Führungsinformationen teilhaben. 49
o Mitsprache: Diese kann entweder die Ausprägung der Anhörung oder der Meinungsbildung annehmen. Bei einer Anhörung unterbreitet die höhere Instanz einen Vorschlag oder ein Konzept und legt ihn den nachgeordneten Einheiten zur Begutachtung oder Stellungnahme vor. Die Meinungsbildung beschreibt die gemeinsame ?Problemlösungserarbeitung, wobei der Entscheid selber beim Gruppenleiter verbleibt.
o Mitentscheidung: Bei dieser intensivsten Partizipationsform wird sozusagen die Hierarchie aufgehoben, alle Beteiligten werden zu Mitverantwortlichen und entscheiden kooperativ.
Welche Partizipationsform von einer NGO gewählt wird, lässt sich einerseits auf die oberen Grundsätze der Organisationspolitik sowie auf ihre Größe und die Komplexität ihrer Aufgaben zurückführen. Anheier und Themudo (2002: 322) führen an, dass demokratische Strukturen zwar nicht die effizienteste Gestaltung von Willensbildungs- und Ent-scheidungsprozessen erlauben, doch wenn Demokratie zentraler Wert und Ziel einer NGO ist, Abstriche bei der Effizienz in Kauf genommen werden müssen. Darüber hinaus hat diese Wahl direkte Auswirkungen auf die Charakteristika des Personalmanagements, welches im Folgenden skizziert wird.
2.3.4 Managementfunktion Personal
Die Hauptaufgabe des Personalmanagements 50 besteht darin, die Verfügbarkeit von Personal zu sichern und für die konstante Arbeitsleistung der Beschäftigten in einer er-
ln einigen NGOs (z.B. Greenpeace) begrenzt sich die Zahl der Entscheidungsträger auf wenige Personen, um eine schnelle Reaktionsfähigkeit zu gewährleisten (vgl. Bode 1995).
Schwarz fasst diese Informationsöffnung gar als wesentlichen ?Grundpfeiler von Redemokratisierung in mitgliedschaftlichen Organisationen auf, da der Zugriff zu und die Verfügbarkeit von Informationen entscheidende Voraussetzungen für Mitwirkung und Kontrolle auf Seiten der Mitglieder und internen Stakeholder sind.
Der Begriff ?Personalmanagement wird in dieser Arbeit synonym zur ?Managementfunktion Personal verwendet.
wünschten Qualität zu angemessenen Kosten zu sorgen. Diese Beschreibung lässt sich auf erwerbswirtschaftliche Unternehmen ebenso wie auf NGOs anwenden. NGOs stellen mit ihrer Mission nicht-ökonomische Werte in den Vordergrund, welche sich zwingend auch in der Strategie und Umsetzung des Personalmanagements niederschlagen müssen. Will eine NGO ihre interne und externe Glaubwürdigkeit nicht verlieren, muss sie ihre gesellschaftlichen oder politischen Visionen auch den Beschäftigten gegenüber leben (vgl. Eckardstein 2002: 309f.).
Neben Fragen der Rekrutierung, der Personaleinsatzplanung oder der Entgeltgestaltung stehen in NGOs die Personalstruktur und die Mitarbeiterführung im Vordergrund der Managementaktivitäten. Im Vergleich zu erwerbswirtschaftlich tätigen Unternehmen, die größtenteils Menschen gegen Entgelt beschäftigen, sind in NGOs neben den bezahlten Festangestellten auch viele unbezahlte, freiwillige oder ehrenamtliche Mitarbeiter tätig. Diese Mitarbeiter stellen einerseits ihre Arbeitskraft, Kompetenzen und Ideen zur Verfügung, wollen aber andererseits auch ihre individuellen Interessen und Bedürfnisse befriedigt wissen sowie in EntScheidungsprozesse eingebunden werden. Ihre Motivation liegt häufig in ihrer Begeisterung für die Ziele der NGO und es gilt, diese altruistische Motivation ohne monetäre Anreize aufrecht zu erhalten, (vgl. Theuvsen 2001: 3ff.)
2.4 Zusammenfassung der Darstellung von NGOs
Die Beschreibung des NGO-Begriffes und der Entwicklungen im NGO-Terrain haben gezeigt, welche Bedeutung diese Organisationen für Gesellschaft, Politik und Wirtschaft haben. Diese Darstellung war notwendig, da in der einschlägigen Fachliteratur kein eindeutiger Konsens über die Definition und die Bedeutung von NGOs herrscht. Aus der ausführlichen Auseinandersetzung mit dem NGO-Management ging hervor, wie sehr die spezielle Stakeholdersituation die Arbeit von NGOs beeinflusst. Insgesamt wurden zehn Stakeholdergruppen sondiert, deren Interessen und Ansprüche innerhalb der verschiedenen Managementfunktionen zu berücksichtigen sind. Der Dialog zwischen der NGO und diesen Stakeholdern bildet zusammen mit der nun folgenden Darstellung der Creative Commons Lizenzen die Basis für die Untersuchung in dieser Arbeit.
?Anything thats copyrighted you need to get permission to use, right? Right. But anything licensed under Creative Commons licenses means, youve already gotpermission... 5 ^
Urheberinnen von kreativen Werken und Immaterialgütern genießen einen gesetzlichen Schutz durch das US-Copyright (engl., Kopierrecht) bzw. das deutsche Urheberrecht. Das Konzept der Creative Commons Lizenzen setzt dort an, wo die gesetzlichen Regelungen an ihre Grenzen stoßen. Die Debatte um diese Schutzrechte bewegt sich im Spannungsfeld zwischen Wissen als Ware und Wissen als öffentlichem Gut. Um diesen Kontext inhaltlich und rechtlich zu veranschaulichen, wird nachfolgend ein kurzer Überblick über Copyright und deutsches Urheberrecht gegeben und die signifikantesten Unterschiede werden skizziert. Die umfassende Vorstellung der Organisation Creative Commons (CC) und deren Lizenzen (CCL), der Einsatzmöglichkeiten sowie die Herstellung eines aktuellen Bezugs bilden die theoretische Grundlage für eine eingehende Auseinandersetzung mit dieser Thematik. Diese ausführliche Darstellung ist für die anschließenden Teile der Arbeit notwenig, da sie in der wissenschaftlichen (deutschen) Literatur aufgrund ihrer noch jungen Geschichte bisher nur rudimentär oder unter ganz speziellen Gesichtspunkten beschrieben wurden. Die Angaben zur CC-Organisation und den CC-Lizenzen basieren auf den Inhalten der CC-Webseiten und deren FAQ. 52 Ergänzend wurden weitere Quellen hinzugezogen, die an entsprechender Stelle in den Literaturhinweisen vermerkt sind.
3.1 Grundzüge der Entwicklung von Copyright und Urheberrecht
Das Copyright 53 sowie das Urheberrecht 54 dienen dem Schutz der Urheberinnen und sprechen diesen bestimmte Rechte an ihren Werken zu. Danach kann die Urheberin jeden Dritten für eine zeitlich begrenzte Schutzdauer von der Nutzung ihrer Werke ausschließen. Sie kann eine Nutzung aber auch gestatten, entweder gegen eine Lizenzgebühr oder kostenlos. Beide Rechtssysteme verfolgen die Grundintention, eine Balance
Zitat aus der ,CC Mayer and Bettle Animation, einem Animationsfilm der CC Australia (Foley 2005). http://creativecommons.org/, http://creativecommons.org/about/, http://creativecommons.org/worldwide/de/, http://creativecommons.org/license/, http://creativecommons.org/faq, http://de.creativecommons.org/faq.html (Abruf: 27.11.06) Gesetzestexte und weiterführende Informationen finden sich unter http://www.copyright.gov/. Gesetzestexte finden sich bspw. unter http://www.gesetze-im-internet.de/.
zwischen den Interessen der Urheberinnen bzw. Rechtsinhaberinnen 55 und dem Interesse der Öffentlichkeit an einer weitgehenden Informationsfreiheit herzustellen (vgl. Euler 2006: 148ff.). Diese Intention spiegelt sich sogar in der .Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte der United Nations (1948: Artikel 27) wider:
Die US-Verfassung von 1790 als Basis des US-amerikanischen Copyrights ermächtigt das Parlament to promote the Progress of Science and useful Arts, by securing for limited times to Authors and Inventors the exclusive Right to their respective Writings and Discoveries (U.S. Const., Art. I, § 8, cl. 8). Die Schutzgegenstände in Form von Musik, Kunst oder Wissenschaft, die originär von der Urheberin geschaffen und in ihrer Form sinnlich wahrnehmbar sein müssen, werden mit dem Oberbegriff ?Werk 56 betitelt. Für diese Werke wurde im ersten .Copyright Act (1790) eine Schutzfrist von 14 Jahren festgelegt und optional eine Verlängerung um weitere 14 Jahre gestattet. Im Lauf der Jahre wurden Anpassungen und Revisionen der Gesetze vorgenommen, die der medientechnologischen Entwicklung und ihren Auswirkungen auf die Kopierbarkeit von Werken gerecht werden sollten. Im Zuge dieser Anpassungen wurde bspw. die Schutzfrist stetig erhöht: 1976 auf 50 Jahre und zuletzt 1998 im ,Sonny Bono Copyright Term Extension Act (CTMA) auf 70 Jahre nach dem Tod der Urheberin. Im selben Jahr wurde auch der .Digital Millennium Copyright Act (DMCA) erlassen, welcher den unautorisierten Zugang zu Werken durch das Umgehen von technischen Schutzmaßnahmen (Digital Rights Management 57 (DRM), Trusted Computing) sowie das Herstellen von Werkzeugen zur Umgehung dieser Schutzmaßnahmen unter Strafe stellt. Die aktuellen Copyright-Gesetze orientieren sich in Teilen an den Vorgaben der .World Intellectual Property Organization (WIPO) 58 und dem Abkommen über .Trade Related Aspects of Intellectual Property Rights (TRIPS) der WTO (vgl. Grassmuck 2004: 53ff.).
Mit dem Begriff ?Urheberin wird die Person bezeichnet, die das entsprechende Werk geschaffen hat. ?Autorin, ?Kreative, ?Schöpferin, und ?Produzentin fallen ebenfalls in dieses Begriffsspektrum. ?Rechtsinhaberin kann zum einen die Urheberin selber sein, zum anderen aber auch die Inhaberin der Nut-zungs- oder Verwertungsrechte (u.a. Verlage, Verwertungsgesellschaften), engl.: work
Kritiker dieser Technologien sprechen häufig auch vom ?Digital Restrictions Management und bemängeln, dass diese Maßnahmen bspw. den Datenschutz gefährden und die Rechte der Nutzerinnen beschneiden (vgl. u.a. http://www.defectivebydesign.org/).
Die WIPO verabschiedete im Jahr 1996 zwei Richtlinien zu Autorenrechten in digitalen Medien, den WIPO Copyright Treaty (WCT) und den WIPO Performances and Phonograms Treaty (WPPT).
Das deutsche Urheberrecht basiert auf der kontinentaleuropäischen Droit dauteur-Tradition (frz., Recht des Autors) und orientiert sich an der Vorstellung des ?geistigen Eigentums 59 der Urheberin am Ausdruck ihrer Ideen. Zunächst diente es der Durchsetzung von Verlegerrechten an den von ihnen hergestellten Büchern, rückte jedoch bald die Person der Urheberin ins Zentrum des Schutzinteresses. 1965 wurde das .Gesetz über Urheberrecht und verwandte Schutzrechte (UrhG) erlassen, welches 2003 zuletzt aktualisiert wurde und noch heute Gültigkeit besitzt (vgl. Grassmuck 2004: 59). Schutzfähige Werke sind laut § 2 UrhG nur solche, denen eine ?persönliche geistige Schöpfung vorausgeht.
In der aktuellen deutschen Urheberrechtsdebatte ist die Novellierung des UrhG im sog. ?zweiten Korb 60 zu nennen, die Ende des Jahres 2006 in Kraft tritt. Neben verschiedenen Anpassungen an die Veränderungen der digitalen Umwelt sieht sie bspw. vor, das Umgehen von DRM-Maßnahmen auch für die Anfertigung von Privatkopien unter Strafe zu stellen. Des Weiteren wurde die umstrittene ?Bagatellklausel, nach der rechtswidrige Vervielfältigungen in geringem Umfang grundsätzlich straffrei bleiben sollten, nicht in den Gesetzentwurf aufgenommen. Die Urheberrechtsnovelle orientiert sich zum Teil an den Vorgaben der,EU-Richtlinie zur Harmonisierung bestimmter Aspekte des Urheberrechts und der verwandten Schutzrechte in der Informationsgesellschaft (.European Union Copyright Directive, EUCD).
Das US-amerikanische Copyright und das deutsche Urheberrechtsgesetz gewähren Urheberinnen die exklusiven Rechte, ihre Schutzgegenstände zu veröffentlichen, zu verbreiten, zu vervielfältigen, auszustellen und in unkörperlicher Form öffentlich wiederzugeben sowie anderen Personen Nutzungsrechte einzuräumen und den wirtschaftlichen Vorteil aus diesen Werken zu ziehen. In beiden Systemen beginnt dieser Schutz mit der Entstehung des Werkes und endet 70 Jahre nach dem Tod der Urheberin bzw. 95 Jahre danach bei Werken, deren Urheberrechte bei Unternehmen liegen. Nach Ablauf dieser Schutzfrist gehen die Werke in die Gemeinfreiheit (?Public Domain) über, sie können folglich von Dritten zustimmungs- und vergütungsfrei auf die sonst der Urheberin vorbehaltene Weise genutzt werden (vgl. Dreier/Schulze 2004: 820ff.).
Copyright und Urheberrecht versuchen, die Urheberinnen über Ausschließlichkeitsrechte und die daraus resultierenden monetären Anreize zu Kreativität und Schaffung neuer
59 ?Von einem intellektuellen Eigentum zu sprechen, ist zwar gängige, auch internationale Rechtspraxis (Intellectual Property Rights), scheint uns aber problematisch zu sein, da die exklusive Verfügung immer nur befristet vergeben wird. Vom Prinzip her ist Wissen und daraus abgeleitete Information im Besitz der public domain, nicht persönliches Eigentum. (Kuhlen/Brüning 2004: Fußnote 4)
.Entwurf eines Zweiten Gesetzes zur Regelung des Urheberrechts in der Informationsgesellschaft. Siehe Bundesregierung 2006 sowie http://www.kopien-brauchen-originale.de.
Werke zu motivieren. Diese Anreize sollen vor allem dazu dienen, dass die Urheberinnen ihre Werke für die Allgemeinheit öffentlich zugänglich machen und damit der Erkenntnis Rechnung tragen, dass Kreativität auf vorhandenem gemeinfreiem Wissen oder vorhandener Kultur aufbaut (vgl. Grassmuck 2004: 66 und Hoeren 2006: 30). In diesem Spannungsverhältnis zwischen Allgemeinwohl und den Interessen der Urheberrinnen ist im US-Recht die Fair Use-Doktrin (§ 107ff., US-Copyrightlaw) anzusiedeln: Sie erlaubt bestimmte nicht-autorisierte Nutzungen von geschützten Werken, sofern diese der öffentlichen Bildung und Anregung geistiger Schöpfung zu nicht-gewerblichen Zwecken dienen, folglich also fair gebraucht werden. 61 Im deutschen Urheberrecht entsprechen diesen Regelungen in etwa die ?Schranken des Urheberrechts (§§ 44a-63 UrhG): Sie erlauben bspw. die öffentliche Zugänglichmachung für Unterricht und Forschung (§ 52a UrhG) oder die Vervielfältigung zum eigenen Gebrauch (Privatkopie, § 53 UrhG) (vgl. Grassmuck 2004: 411). Eine Rechtsverletzung liegt in beiden Systemen vor, wenn eine Nutzerin die Werke unzulässig verwertet, d.h. wenn sich der unautorisierte Gebrauch außerhalb der Lizenzbestimmungen oder der gesetzlichen Schrankenregelungen bewegt.
Ein grundlegender Unterschied zwischen dem Copyright und dem Urheberrecht lässt sich bereits aus deren Bezeichnungen ableiten. Das Copyright entstand als ein ?Kopierrecht der Verlage und regelt heute die Verwertungsrechte an einem Werk. Es gestattet, diese Rechte vollständig aufzugeben und entweder an einen Verwerter (Verlag, Verwertungsgesellschaft oder Rechteindustrie) oder an die Public Domain zu übertragen. Das Urheberrecht spricht der Urheberin neben den Verwertungsrechten auch Persönlichkeitsrechte zu, die nicht übertragen werden können. Grassmuck (2004: 59f.) fasst die Stellung der Urheberin im Droit dauteur wie folgt zusammen:
?In den Ländern des Autorenrechts bleibt auch nach weitestgehendem Verkauf der Nutzungsrechte ein unzertrennliches Band zwischen Urheber und Werk bestehen. Das Urheberrecht unterscheidet die Rechte des Urhebers an seiner geistigen Schöpfung und die abgeleiteten Rechte der Verwerter und Mittler des Werkes, die diese vom Urheber erhalten können. Das Urheberrecht selbst ist nicht übertragbar. Die einzige Ausnahme bildet sein Übergang auf die Erben mit dem Tod des Urhebers (§ 28 u. 29 UrhG). Dritten werden allein die Nutzungsrechte eingeräumt.
Für eine Ressourcensammlung zum Thema Copyright und Fair Use siehe http://fairuse.stanford.edu/.
In Tab. 1 werden die Gemeinsamkeiten und Unterschiede der beiden Systeme zusammenfassend und vergleichend dargestellt.
Tab. 1: Gegenüberstellung von US-Copyright und deutschem Urheberrecht 6
Das Dilemma dieser Rechtsvorschriften, eine Balance der Interessen herstellen zu wollen, spitzt sich mit dem digitale Zeitalter der Wissensgesellschaft weiter zu (vgl. Euler 2006: 151). Um diese Thematik weiter vertiefen zu können, werden im Folgenden einige grundlegende Begriffe und Zusammenhänge erläutert. Das dieser Arbeit zugrunde liegende Verständnis von Daten, Information und Wissen orientiert sich an der von North (2005: 32f.) vorgenommenen Abgrenzung. Er definiert Daten als Symbole in Form von Zahlen, Sprache oder Bildern, die erst durch Einbindung in einen Bedeutungskontext zu Informationen werden. Diese wiederum werden durch die Einbettung in einen vernetzten Erfahrungskontext zu Wissen. Weiter weist North (ebd.) darauf hin, dass Wissen von
individuellen Erfahrungen geprägt, kontextspezifisch und an Personen gebunden ist. Werke im rechtlichen Sinne sind Ausprägungen des menschlichen Geistes. Copyright und Urheberrecht regeln die Handhabung dieses ?geistigen Eigentums und fallen damit unter das Immaterialgüterrecht (vgl. Euler 2006: 148).
Im Blickfeld der Creative Commons stehen Informationsgüter 63 , denen neben der Imma-terialität noch weitere Charakteristika zuzuschreiben sind. Zunächst findet - wie bei materiellen Gütern - eine Unterscheidung in Verbrauchs- und Gebrauchsgüter statt. Informationen können zwar nicht im klassischen Sinne verbraucht werden, viele unterliegen jedoch einer hohen Veränderungsrate und verlieren nach einmaliger Nutzung ihren originären Wert für den Verbraucher. Primärer Zweck dieser Verbrauchsgüter ist die Wissensvermehrung des Informationskonsumenten indem erden Informationsinhalt (z.B. Marktinformationen) aufnimmt. Eine wiederholte Nutzung ein und desselben Inhalts geht selbstverständlich nicht mit einer weiteren Wissensvermehrung einher. Wissen lässt sich z.B. nicht durch das erneute Lesen eines bekannten Zeitungsartikels steigern. Auch Musik, Filme oder Literatur gelten als Verbrauchsgüter, da sie in der Regel nur ein oder wenige Male konsumiert werden. Gebrauchsgüter wie Betriebssysteme oder Anwendungssoftware werden wiederholt und dauerhaft verwendet und stellen somit einen konstanten Wert dar (vgl. Linde 2005: 9ff.).
Generell können Informationsgüter durch viele Personen genutzt werden, ohne dadurch abgenutzt oder ?weniger zu werden. Eine Rivalität im Konsum liegt also zunächst nicht vor. 64 Wenn der Wert der Information allerdings gerade darin liegt, dass sie nur einzelnen Personen exklusiv zur Verfügung steht, können durch unerlaubte Verwendung Abnutzungseffekte entstehen (vgl. Linde 14f.). Bei Informationsgütern ist es im Gegensatz zu materiellen Gütern ungleich schwieriger, Dritte von ihrer Nutzung auszuschließen. Für die Urheberinnen, die auf zahlungswillige Nutzer angewiesen sind, erfordert diese Eigenschaft der Non-Exklusivität demnach Instrumente, die zahlungsunwillige Nutzer ausschließen. Damit die Informationsgüter nicht gänzlich von privaten zu öffentlichen Gütern werden, werden neben gesetzlichen Regelungen wie Patent- und Urheberrechten auch technische Kopierschutzmaßnahmen (DRM) eingesetzt. Somit soll der Urheberin eine monopolartige Wertschöpfung ermöglicht werden. Diese monopolistische Form des Angebots von Informationsgütern zeichnet sich allerdings neben einem überhöhten Preis
?Ein Informationsgut ist eine inhaltlich definierbare Menge an Daten, die von Wirtschaftssubjekten als nützlich vermutet wird. (Linde 2005: 7) Damit heben sich Informationsgüter von der rechtlichen Definition des ?Werks ab, denen zwingend eine persönliche geistige Schöpfung vorausgeht. Im Kontext der Creative Commons Lizenzen ist der Begriff Werk demnach zu eng gefasst und wird im Weiteren durch die Begriffe ?Inhalt bzw. ?Content ersetzt.
Materielle Güter (Lebensmittel, Kleidung etc.) sind indes rivalisierend. Ein Apfel kann z.B. nur von einer Person konsumiert werden.
dadurch aus, dass die Verbreitung des Informationsgutes deutlich unter der gesellschaftlich wünschenswerten Menge liegt (vgl. Euler 2006: 148 und Linde 2005: 80). Folglich wird die Balance der öffentlichen und kommerziellen Interessen in ein Ungleichgewicht gebracht.
Informationsgüter weisen eine weitere ökonomische Besonderheit auf: Bei ihrer Erstellung, z.B. bei der Anfertigung eines wissenschaftlichen Gutachtens, fallen sehr hohe Produktionskosten an. Die Grenz- und Transaktionskosten für die Anfertigung digitaler Kopien und die Übertragung über das Internet belaufen sich hingegen meist nur noch auf wenige Cent (vgl. Linde 2005: 14f.). Somit schaffen das Internet und die digitalen Medien neue Möglichkeiten und Chancen der Informationserstellung, -Vervielfältigung und -Verbreitung. Der leichte Zugang zu Information und Wissen fördert die Meinungsbildung und -äußerung, stärkt somit die Demokratie und gilt als eine Voraussetzung für Innovationen. Dies schlägt sich auch auf wissensbezogene Dienstleistungen nieder, wie dieses abschließende Zitat erklärt (Drossou/Krempl/Poltermann 2006: 5):
?Hier gilt: Wer auf den Schultern von Riesen steht, kann am weitesten sehen. Bei den meisten Innovationen handelt es sich um schrittweise kleine, aber beständige Verbesserungen von Produkten oder Prozessen. Keineswegs wird immer das Rad neu erfunden. Vielmehr greifen sich findige Innovatoren in der Regel längst vorhandene Ideen und münzen sie in kommerziell verwertbare Produkte um. Innovation beruht so meist darauf, dass ein kluger Kopf vorhandenes Wissen zusammensucht, auswählt und zu etwas Neuem montiert oder alte Verfahren veredelt.
Kritik an der Entwicklung des Urheberrechts
Der Trend in beiden Rechtssystemen geht dahin, Nutzungsmöglichkeiten für die Allgemeinheit weiter einzuschränken. Beispielhaft hierfür sind im US-amerikanischen System DMCA und CTEA und im deutschen die Debatte um die Novellierung des Urheberrechtes im sog. ?zweiten Korb. Diese Entwicklung wird zum einen von der Unterhaltungsoder Contentindustrie und den Verwertungsgesellschaften befürwortet, zum anderen aber heftig von Verbraucherschützern und Verfechtern der Informationsfreiheit kritisiert. 65 Es werden Gegenstimmen laut, die den Produzenten und Urheberinnen ihr Anrecht auf die flexible Vergabe von Rechten gewähren bzw. zurückgeben möchten. Kritiker argumentieren bspw., dass die Umschlags- und Verfallsgeschwindigkeit des Wissens in elektronischen Umgebungen erheblich zugenommen hat und aus diesem Grund eigentlich eine Verkürzung der Schutzfristen zu erwarten wäre (vgl. Grassmuck 2004: 71, Kuhlen 2004: 451). Auch Dreier und Schulze merken an, dass sich die Verlän-
65 Für eine intensivere Darstellung dieser Copyright- und Urheberrechtsproblematik siehe v.a. Grassmuck 2004 oder Kuhlen/Brüning 2004.
gerungen der Schutzfristen weitgehend zugunsten der Werkverwerter auswirken und ihnen lediglich wirtschaftliche Interessen zugrunde liegen (Dreier/Schulze 2004: 823). In einem Interview kommentiert Varian die Verlängerung der Schutzfristen wie folgt (vgl. Ihlenfeld 2006: o.S.):
?Aber was zählt, sind doch die Anreize zu dem Zeitpunkt, zu dem ein Werk entsteht. Künstler wie Elvis oder die Beatles wussten doch damals nicht, wie viel Geld man mit ihrer Musik verdienen kann. Sie hatten damals aber ganz offenbar genug Anreize, Musik zu machen. Es ist nicht sinnvoll, diese Anreize im Nachhinein zu erhöhen.
Hoeren (2006: 30) geht sogar soweit, eine Abschaffung des Urheberrechtsgesetzes zu fordern. Er argumentiert, dass es schon lange nicht mehr der Lebenswirklichkeit entspräche und ebenso wenig den Vorgaben der modernen Industriegesellschaft genüge. All diese Ansätze kritisieren, dass sich die Balance in Richtung der Verwerterinteressen verschiebt, während die Schrankenregelungen nicht an das digitale Zeitalter angepasst wurden. Unter den Bedingungen des digitalen Urheberrechts wird jede Nutzung zu einer Kopie und gilt damit prinzipiell als technisch oder rechtlich regulierbar. Dadurch geht eine Vielzahl von Nutzungsarten (?share, remix, build upon 66 ) verloren: Inhalte werden automatisch - und einer Urheberin ohne Kenntnisse über das aktuelle Recht ggf. sogar un-bewusst - mehr und mehr privatisiert und stehen der Allgemeinheit immer weniger zur Verfügung. Eine der Initiativen, die diesen Missständen mit einer Stärkung der Urheberrechte und einem Gleichgewicht zwischen Public Domain und strengem Copyright entgegen wirken möchte, ist die Creative-Commons-Initiative, deren Konzept im Folgenden ausführlich vorgestellt werden soll.
3.2 Creative Commons: Der Terminus
Das Adjektiv creative (engl., kreativ) deutet einerseits auf Informationsgüter und Inhalte wie Filme, Bilder, Musik oder Texte hin, welche in kreativen Prozessen geschaffen werden sowie andererseits auf deren kreative Schöpfer, die die Zielgruppe der CC-Bewegung darstellen. Als deutsches Äquivalent für Commons kann das Wort Allmende begriffen werden. 67 Allmende steht laut Duden (2005) für ?gemeinsam genutztes Gemeindegut oder laut dem Gabler-Wirtschaftslexikon (1998) für ?Allgemeineigentum und bezeichnete im Mittelalter bspw. eine Wiese oder ein Gewässer, welche allen Bürgern einer Gemeinde uneingeschränkt zur Verfügung standen und von deren Nutzung niemand ausgeschlossen werden konnte (vgl. Bödeker/Moldenhauer/Rubbel 2005: 10). Der Mikrobiologe und Umweltschutzexperte Garrett Hardin schreibt 1968 in seinem Science-
Vgl. http://creativecommons.org/
67 So wird z.B. der Titel des Artikels ,The Tragedy of the Commons (Hardin 1968) in der Literatur fast durchgängig mit ,Die Tragik der Allmende übersetzt. Ebenso verwendet Lutterbeck das Wort Allmende als Übersetzung für Commons (vgl. bspw. Lutterbeck 2006).
Artikel ,The Tragedy of the Commons, dass diese Allgemeineigentümer der großen Gefahr einer Übernutzung und Ausbeutung ausgesetzt sind. Jeder Nutzer sei nur darauf bedacht, seinen maximalen Vorteil aus ihrer Nutzung zu ziehen. Mit seiner provokanten These ?Freedom in a commons brings ruin to all spielt Hardin auf das rasante Bevölkerungswachstum und die Umweltverschmutzung an. Eine endliche Welt könne auch nur eine endliche Bevölkerung unterhalten und kompensieren. Eine Lösung dieser Allmen-deproblematik sieht Hardin in ihrer Regulierung durch privaten Besitz oder staatliche Kontrolle, welche die öffentlichen Güter per Ausschlussprinzip vor einer Übernutzung schützen sollen (vgl. Hardin 1968).
Einen weiterführenden und weniger dramatisierenden Ansatz stellt die Politikwissen-schaftlerin Elinor Ostrom in ihrem Buch .Governing the Commons im Jahr 1990 vor. Ostrom untersucht und beschreibt funktionierende Allmenden und legt dar, dass weder Markt noch Staat stets ein Garant für nachhaltige und produktive Nutzung von Naturressourcen sein müssen. Sie richtet den Fokus auf soziale Normen, selbst aufgestellte Nutzungsregeln und -kontrollen sowie die Kommunikation zwischen den Allmende-Mitgliedern. Mit ihrem Werk veranschaulicht sie, dass die Verwaltung knapper Ressourcen effizienter funktionieren kann, wenn sie nicht durch staatliche oder private Eigentumsordnungen reguliert wird (vgl. Ostrom 1999 [dt. Ausgabe]).
Zuletzt sei noch der Artikel ,The Tragedy of the Anticommons von Rechtsprofessor Michael A. Heller erwähnt. Er beschreibt die Problematik der ?Unternutzung der Allmende, wenn durch zu starke Regulierung und hohe Transaktionskosten nur einer sehr kleinen Nutzergruppe der Zugang zu den Ressourcen gewährt wird (vgl. Heller 1998: 624). 68 Auf ein Patentrezept zum Umgang mit Allmenden und eine einheitliche Definition des Begriffes konnten sich die verschiedenen Wissenschaftsdisziplinen bisher nicht einigen. Im Falle der Creative Commons handelt es sich bei den ?modernen Allmenderessourcen der Wissensgesellschaft nicht um materielle sondern immaterielle, digitale Informationsgüter (vgl. Dreier/Euler 2004: 159ff.). Diese Arbeit schließt sich der Auffassung von Kuhlen und Brüning (2004: 451) an, welche den Unterschied zwischen materiellen und immateriellen Ressourcen wie folgt begreifen: ?Wissen und Information wirken, anders als die natürlichen Ressourcen, die zum Schutz knapp gehalten werden müssen, nachhaltig, wenn sie so frei wie irgend möglich zugänglich und verbreitet werden können.
3.3 Creative Commons: Die Organisation
In Massachusetts wurde im Jahr 2001 die Nonprofit-Organisation Creative Commons von den Internet- und Urheberrechtsexperten James Boyle, Michael Carroll, Eric Saltz-
Eine Zusammenfassung und Diskussionsgrundlage über die traditionellen und neuen digitalen Commons liefert Hess 2000.
man und Lawrence Lessig sowie dem MIT 69 -Computerwissenschaftler Hai Abelson und dem Verleger Eric Eldred gegründet. Unter Mitwirkung von Studenten und Wissenschaftlerinnen des ,Berkman Center for Internet & Society at Harvard Law School wurde CC realisiert und ausgebaut. Die finanzielle Unterstützung des ,Center for the Public Domain und der ,MacArthur Foundation sowie zahlreiche Geld- und Sachspenden von Privatpersonen, Firmen oder diversen Stiftungen ermöglichten den Projektstart und sichern seither den Fortbestand und die Expansion der Organisation.
Mission der Organisation ist es, den freien 70 Zugang zu kreativen Werken zu vereinfachen und den Erhalt des Internets als Medium zur freien Verbreitung dieser Inhalte zu gewährleisten. Um diese Mission zu realisieren, stellt die Organisation dem ihrer Ansicht nach restriktiven Copyright flexible Lizenzen entgegen. Diese sollen die neuen Möglichkeiten der digitalen Publikation, Verwendung und Weitergabe von Inhalten auf eine angemessene Weise unterstützen und vereinfachen. Creative Commons möchte die Balance zwischen der strengen Kontrolle des Copyrights und der Freiheit der Public Domain herstellen, steht dabei jedoch nicht im Wettbewerb zum Copyright, sondern baut auf diesem auf und ergänzt es. Sehr treffend lässt sich dieser Kontext und die Intention der CC mit den Worten von Niva Elkin-Koren (2006: 2) resümieren:
1) Creativity relies on access to and use of preexisting works;
2) Copyright law creates new barriers to accessing works and becomes an obstacle for sharing and reusing creative works;
3) The high costs associated with the Copyright regime affect individuals in particular, limiting their ability to access and reuse creative works; and
4) Copyrights could be exercised in a way that would promote sharing and reuse.
Der Vorsitzende der Organisation, Lawrence ?Larry Lessig, gilt als einer der Protagonisten der Free Culture- und Free and Open Software-Bewegung und engagiert sich darüber hinaus bei der ,Free Software Foundation (FSF), der .Electronic Frontier Foundation (EFF) sowie der .Public Library of Science (PLoS). Er ist Juraprofessor an der .Stanford Law School und hat durch seine Publikationen 71 , Vorträge und seine Be-
Der Begriff ?frei soll hier nicht ausschließlich im Sinne von gratis oder kostenlos gebraucht werden, sondern auch im Sinne von ?freier Rede oder ?freier Meinungsäußerung. Diese Begriffsbestimmung wird angelehnt an R. Stallman und seine Definition von freier Software: Free Software is a matter of li-berty, not price. To understand the concept, you should think of free as in free speech, not as in free beer (Stallman/Gay 2002: 41). Übertragen auf Informationsgüter liegt der Fokus nicht allein auf dem kostenlosen Zugang sondern auf den Möglichkeiten der öffentlichen Zugänglichkeit und der grenzenlosen Verbreitung von Information.
Seine Trilogie ,Code and Other Laws of Cyberspace (1999), ,The Future of Ideas (2001) und ,Free Culture (2004) sind auch als deutsche Ausgaben verfügbar und werden neben der Hardcopy-Version auch zum kostenlosen Download angeboten. Sie gelten als ideologische Fundamente bzw. ?Manifeste für die Creative Commons-Bewegung.
teiligung an Urheberrechtsprozessen 72 einen hohen Bekanntheitsgrad in der CC-affinen Community erlangt. Mittlerweile wird Lessig auch in konventionellen Medien immer öfter zitiert oder interviewt. 73
Strukturell steht heute die gemeinnützige ,Creative Commons Corporation mit Hauptsitz in San Francisco an der Spitze eines weltweiten Netzwerks von nationalen CC-Initiativen. Drei Spin-offs sind mittlerweile aus ihr hervorgegangen:
o ,Creative Commons International arbeitet von Berlin aus und koordiniert die weltweite Verbreitung und Portierung der Lizenzen in die jeweiligen Jurisdiktionen. 74
o ,Science Commons setzt sich für den Einsatz der Creative Commons Lizenzen in der Wissenschaft ein und ist ansässig im MIT in Cambridge, USA. 75 Executive Director John Wilbanks fasst das Ziel dieses Projekts wie folgt zusammen (Open Access Now 2004: o.S.): Our hope is to support Open Access by creating choices in licensing that are free and modular and open source.
o icommons hat die Vision, eine globale Einheit aus allen Open Content-, Open Access- und Free Culture-Communities zu schaffen und möchte eine Plattform für den Austausch und die Kollaboration der ?globalen digitalen Commons bieten. Der Sitz dieser Organisation befindet sich in London, UK. 76
3.4 Creative Commons: Die Lizenzen
Im Dezember 2002 wurden die Creative Commons Lizenzen in den USA lanciert. Mit diesen Lizenzen möchte CC dem standardmäßigen ?All Rights Reserved des amerikanischen Copyrights ein flexibleres ?Some Rights Reserved entgegen stellen, welches Urheberinnen und Kreativen eine differenzierte aber unbürokratische Regelung ihrer Nutzungsrechte erlaubt. Basierend auf dem Copyright sollen die Lizenzen Rechtssicherheit für die Nutzer der lizenzierten Fotos, Filme, Texte oder Musikstücke bieten. Ebenso sollen sie die Verbreitung kreativer Werke fördern. So liegt allen CCL das Prinzip
Exemplarisch sei hier der Fall Eldred vs. Ashcroft (537 U.S. 186) aus dem Jahr 2002/2003 genannt. Lessig vertrat den Kläger Eric Eldred, welcher gegen den .Sonny Bono Copyright Term Extension Act (CTEA) und die darin festgeschriebene Verlängerung des Copyrights klagen und den CTEA für verfassungswidrig erklären wollte. Die Begründung lautete, ?dass die Verlängerung bestehender Fristen gegen die in der Verfassung verankerte Forderung einer .beschränkten Zeit verstoße, und [...] dass die Verlängerung der Fristen um weitere 20 Jahre gegen den Ersten Verfassungszusatz verstoße. Lessig wollte die Richter überzeugen, dass ein immer restriktiveres Copyright durch die Einschränkung des - vor allem im Internet möglichen - freien Informationsflusses ein Hemmnis für Kreativität und Innovationen darstellt. Die Klage wurde mit 7 zu 2 Stimmen abgewiesen (vgl. Lessig 2006a: 213ff.). Bspw. FAZ 27.05.05, Guardian 1 6.01.06, Die Zeit 09.11.06 Vgl. http://creativecommons.org/worldwide/ Vgl. http://sciencecommons.org/ Vgl. http://icommons.org/
zugrunde, dass die CC-lizenzierten Informationsgüter den Nutzern kostenlos zur Verfügung gestellt werden.
Inspiriert wurden die CCL von der Free Software-Bewegung und Richard Stallman, dem Gründer der FSF, welche dieses Problembewusstsein schon früher im Bereich der Software entwickelten. Deren GNU GPL (Gnus Not Unix - General Public License) beruht auf dem Copyleft-Prinzip 77 und dient der Lizenzierung freier Software. Die Motivation der FSF bestand darin, einen Gegenpol zur dominierenden proprietären Software zu bilden. 78 Creative Commons beabsichtigt, anderen freien Lizenzen mit ähnlichem ideologischem Hintergrund eine Ergänzung zu bieten und nicht in Konkurrenz zu diesen Projekten zu stehen.
3.4.1 Portierung der Lizenzen in die deutsche Jurisdiktion
Um die Anwendbarkeit und Rechtssicherheit der CCL auf globaler Ebene zu gewährleisten und dadurch auch ihre weltweite Akzeptanz zu fördern, werden die US-Lizenzen in die jeweiligen Landessprachen übersetzt. Sie werden an die nationalen Gesetze ange-passt, bleiben aber dennoch untereinander kompatibel. Die Anpassung an das deutsche Urheberrecht war notwendig, um zu verhindern, dass die auf das amerikanische Recht zugeschnittenen Klauseln unter deutschem Recht ungültig werden. So mussten z.B. die Schrankenbestimmungen des deutschen Urhebergesetzes (§§ 44a-63 UrhG) in den Lizenztext eingebunden werden. Weiterhin war bei der Adaption zu beachten, ?dass im deutschen Recht weder das Urheberrecht als solches übertragen, noch auf urheberpersönlichkeitsrechtliche Befugnisse wirksam in vollem Umfang verzichtet werden kann (Dreier 2005: 289). Deutschland war nach Finnland, Brasilien und Japan das vierte Land, in dem die CCL in nationales Recht überführt wurden. An der Portierung waren das .Institut für Informationsrecht der Universität Karlsruhe sowie das .Institut für Rechtsfragen der freien und Open Source Software in München beteiligt. Am 12.06.2004 konnte Lawrence Lessig die deutschen CC Lizenzen auf der Konferenz .Wizards of OS 3 79 in Berlin vorstellen (vgl. ebd.: 288ff.).
Copyleft ist ein Lizenzierungsverfahren für freie Software oder andere freie Werke und fordert, deren modifizierte und erweiterte Versionen ebenfalls ?frei zu geben, um die Verwandlung in proprietäre Software zu vermeiden. Für weiterführende Informationen zum Copyleft-Prinzip siehe u.a. http://www.gnu.org/copyleft/ (Abruf: 27.11.06).
Neben der Softwarelizenz existiert auch die ,GNU Free Documentation License (GNU FDL), die ursprünglich für die Dokumentation freier Software entwickelt wurde und bspw. von der Wikipedia eingesetzt wird. Zu weiterführenden Informationen über Richard Stallman und die FSF siehe u.a. Stallman/Gay 2002, http://www.fsf.org/ oder http://www.stallman.org/.
Der volle Titel der Konferenz lautete: ?Wizards of Open Source 3 - The Future of the Digital Commons. Diese Konferenz findet alle zwei Jahre in Berlin statt und beschäftigt sich mit der Wissensordnung digitaler Medien (http://www.wizards-of-os.org/).
3.4.2 Elemente der Lizenzen
Auf der Homepage der Creative Commons steht der Urheberin ein ?Lizenzbaukasten (Abb. 4) kostenlos zur Verfügung, mit dem sie ihren Vorstellungen entsprechende Lizenzelemente schrittweise auswählen und so den Lizenzvertrag individuell zusammenstellen kann. An dieser Stelle trifft sie die Entscheidung, welche Rechte sie den Nutzern gewähren und welche sie exklusiv behalten möchte, ergo wie restriktiv bzw. frei der Vertrag gestaltet werden soll. Ebenso müssen nationale Jurisdiktion und Format des Inhaltes (Audio, Video, Bild, Text, Interaktiv oder Sonstiges) festgelegt werden. Für die Metadatenauszeichnung können überdies Angaben zur Urheberin und Rechtsinhaberin, zum Entstehungsjahr und zur ursprünglichen Quelle des Inhalts gemacht werden.
Mit einer Creative Commons-Lizenz können andere Ihren Inhalt vervielfältigen und verbreiten - vorausgesetzt, 5ie werden als Rechjsjjnhaber genannt . Unter welchen ausschließlichen Bedingungen andere Ihren Inhalt darüber hinaus nutzen können sollen p legen Sie selber hier fest. Wollen Sie:
Kommerzielle Verwertung erlauben? (Info QJ)
Bearbeitung Ihres Inhalts zulassen? flnfo Q}
: -*.: Ja f solange andere die gleichen Lizenzbedingungen verwenden [ Info S)
Ö Mein
Rechtsordnung, unter die Ihr Lizenzvertrag fällt { Weitere Informationen S) | Deutschland
Welches Format hat Ihr Inhalt? |Text
Hide these fields IAIL fields are optional!
Titel des Inhalts (CCL in NGOs
Diplomarbeit, im Studiengang Info-nnationawirtachaft:
Creetive Coniinon.3 Lizenzen: Chancen und Risiken für das Management von NGOs
Urheber [Nicole Ebber
Name des Re c ht sin habe rs pJicole Ebber
Ehstehunes-Jahr J5JD6
Abb. 4: CC-Lizenzbaukasten 80
80 Quelle: http://creativecommons.org/license/ (Abruf: 27.11.06)
Die vier wesentlichen Elemente der Lizenzen lauten wie folgt und werden jeweils durch die nebenstehenden Piktogramme visualisiert:
o Attribution (BY - Namensnennung) erlaubt den Lizenznehmern, den Inhalt und daraus abgeleitete Werke zu vervielfältigen, zu verbreiten, öffentlich aufzuführen und kommerziell zu nutzen. Einzige Bedingung ist die Nennung des Namens der Rechtsinhaberin 81 (?to give her credit) bei jeglicher Weiterverwendung sowie die Verlinkung auf den Originalinhalt. Dieses Element ist obligatorisch bei der Zusammenstellung, wobei nach dem deutschen Urheberrecht die Namensnennung ohnehin erfolgen muss (vgl. § 13 UrhG).
o Non-Commercial (NC - nicht-kommerzielle Nutzung) erlaubt die Vervielfältigung, Verbreitung und öffentliche Aufführung des Inhalts sowie eine Ableitung in neue Werke. Eine Verwendung darf jedoch ausschließlich für nichtkommerzielle Zwecke stattfinden.
o No Derivative Works (ND - keine Bearbeitungen) erteilt den Lizenznehmern
©die Erlaubnis, den Inhalt zu vervielfältigen, zu verbreiten und öffentlich aufzuführen. Der Inhalt darf allerdings nicht bearbeitet, übersetzt oder in anderer Weise verändert werden. o Share Mike (SA - Weitergabe unter gleichen Bedingungen) gestattet, den
©Inhalt zu vervielfältigen, zu verbreiten und öffentlich aufzuführen, Bearbeitungen anzufertigen und den Inhalt kommerziell zu nutzen. Wenn der Lizenznehmer diesen Inhalt bearbeitet oder in anderer Weise umgestaltet, verändert oder als Grundlage für einen anderen Inhalt verwendet, darf er das neu entstandene Werk nur unter Verwendung identischer Lizenzbedingungen weitergeben. Mit dieser Bedingung kann die Urheberin sicherstellen, dass auch Derivate des Ursprungswerkes allein unter den von ihr gewählten Rechten weiterverbreitet werden. Share Alike ähnelt inhaltlich dem Copyleft-Prinzip.
Die Kombination dieser Lizenzelemente ergibt folgende sechs Lizenzen, deren deutsche Fassungen momentan mit der Versionsnummer 2.0 82 versehen sind: 83
o Attribution (BY)
o Attribution - Share Alike (BY-SA)
o Attribution - No Derivative Works (BY-ND)
o Attribution - Non-Commercial (BY-NC)
?In der aktuellen Version der CC-Lizenzen kann anstelle des Urhebers oder zusätzlich dazu eine (Förder-) Institution oder ein (Gemeinschafts-)Projekt angegeben werden. (Kuhlen/Brüning 2005: 5) Die US-amerikanische Version ist momentan die 2.5, die Version 3.0 ist jedoch bereits in Arbeit. Geordnet nach dem Grad der Restriktivität: beginnend mit der kulantesten Lizenzkombination und endend mit der restriktivsten.
o Attribution - Non-Commercial - Share Mike (BY-NC-SA)
o Attribution - Non-Commercial - No Derivative Works (BY-NC-ND)
Bei der Zusammenstellung ist zu beachten, dass sich die Elemente ,No Derivative Works und ,Share Alike gegenseitig inhaltlich ausschließen und somit nicht kombinierbar sind. Share Alike bezieht sich auf die Bearbeitung von Inhalten, während diese von No Derivative Works explizit untersagt wird. Die nachstehende Grafik (Abb. 5) zeigt deren Verteilung im Verhältnis zur Gesamtzahl aller weltweit CC-lizenzierten Werke, die anhand ihrer Metadaten über die Suchmaschine Google zu finden sind.
Verteilung der Lizenzkombinationen
? BY-SA D BY-ND
? BY-NC
? BY-NC-SA D BY-NC-ND
Abb. 5: Verteilung der Lizenzkombinationen
Die Kombination BY-NC-SA ist die am häufigsten verwendete, gefolgt von der BY-NC-ND- und der BY-NC-Lizenz. Die am wenigsten eingesetzte Lizenz ist die BY-ND-Lizenz. Sonstige Lizenzen setzen sich zusammen aus einigen älteren Versionen, die heute nicht mehr zur Verwendung angeboten werden.
Die in den Lizenzverträgen festgelegten Bedingungen können nach schriftlicher Einwilligung der Rechtsinhaberin in individueller Absprache zugunsten weitergehender Rechte aufgehoben werden. So schließt bspw. ,Non-Commercial die kommerzielle Nutzung nicht unwiderruflich aus, sondern verlangt eine explizite Erlaubnis der Rechtsinhaberin. Ebenso darf diese ihre Inhalte kommerziell vermarkten, solange gleichzeitig eine kostenlose Überlassung gewährleistet bleibt. Es wäre z.B. denkbar, dass sie ein Buch im Internet unter einer CCL zum kostenlosen Download anbietet, parallel dazu aber auch eine Hardcopy verkauft (vgl. Klatt 2005: 62f.).
Quelle: in Anlehnung an Linksvayer 2006: o.S.
Hingewiesen sei an dieser Stelle auf den Aspekt, dass die Befugnisse der gesetzlichen Schranken des Urheberrechts (§§ 44a ff. UrhG), vor allem der Beschränkung der Ausschließlichkeitsrechte (§§ 52 f. UrhG), von den Lizenzverträgen unberührt bleiben. Dies soll verdeutlichen, dass die Verträge in keinem Fall eine restriktivere Bestimmung als die des Urheberrechts vorsehen. Das Werk darf mit keinerlei technischen Schutzmaßnahmen versehen werden, die den Zugang oder den Gebrauch des Werkes in einer Weise kontrollieren, die mit den Bedingungen dieser Lizenz im Widerspruch stehen. Ebenso können einmal per Lizenz abgetretene Rechte nachträglich nicht mehr geltend gemacht werden, die Lizenzierung ist unwiderruflich. Die Urheberin kann den Zugang zu ihrem Werk zwar im Nachhinein sperren. Alle Kopien, die bis dahin im Umlauf sind, dürfen aber weiterhin CC-konform verwendet werden (vgl. Kuhlen/Brüning 2005: 5).
Neben den oben vorgestellten Standard-Lizenzen bietet CC einige speziellere Lizenzen an, die auf dem US-Copyright aufbauen und hier der Vollständigkeit halber genannt werden sollen: Public Domain, Developing Nations, Recombo, Founders Copyright, CC-GNU GPL, CC-GNU LGPL, Wiki und Music Sharing.
3.4.3 Drei Ausführungen des Lizenzvertrages
Nach der Auswahl der Lizenz wird der Lizenzvertrag dem Werk in dreifacher Ausführung zugeordnet: 85
o Der , Legal Code ist die ausführliche juristische Ausführung des Vertrages, die im Rechtsverkehr des jeweiligen Landes Gültigkeit hat bzw. haben soll. Angepasst an die nationale Jurisdiktion stellt sie das juristische Fundament der Lizenz dar und muss ggf. an veränderte Rechtsgrundlagen angepasst werden. 86
o Der, Commons Deed ist die allgemeinverständliche Ausführung, die den Lizenzvertrag auch für Nicht-Juristen verständlich darstellt. Verschiedene Piktogramme und Kurzbeschreibungen bringen zum Ausdruck, welche Rechte die Rechtsinhaberin behalten bzw. freigeben möchte. Vorteil dieser Ausführung ist der Verzicht auf juristische Verklausulierungen und die weltweit einheitliche Darstellung. Der Commons Deed ist nur in Kombination mit dem entsprechenden Legal Code rechtsgültig.
Beispiele für die Ausführungen der Lizenzverträge befinden sich im Anhang (1 .-7.] Aus dieser Anpassung resultieren auch die Versionsnummern.
o Der .Digital Code ist die maschinenlesbare, international identische Ausführung des Lizenzvertrages. Dem digitalen Werk können Metadaten 87 wie z.B. der Titel, der Name der Rechtsinhaberin und vor allem die Nutzungsbedingungen hinzugefügt werden. Diese ermöglichen bspw. P2P-Applikationen oder den Crawlern von Suchmaschinen, nach CC-lizenzierten Werken zu suchen und diese zu indexieren. Dadurch wird potentiellen Nachnutzern die spezialisierte Recherche nach freien Inhalten erleichtert. Verschiedene Suchmaschinen 88 bieten bereits eine Suche nach freien bzw. explizit nach CC-Lizenzen an (vgl. Klatt 2005: 62f.).
Auf der Webseite, die die lizenzierten Inhalte bereitstellt, werden der Some-Rights-Reserved-Button (Abb. 6), ein Hyperlink zum Commons Deed und entsprechende Metadaten implementiert.
SQME RIGHTS RESERVED
Abb. 6: Some-Rights-Reserved-Button
Mithilfe dieses Buttons wird der Rechtsinhaberin ermöglicht, die Vorgabe des Lizenzvertrages nach der Übermittlung der Lizenzbedingungen an Nachnutzer oder interessierte ?Co-Autoren zu erfüllen. Die CCL wird somit zum integralen Bestandteil des Werks, ohne dass der Lizenztext selber darin enthalten ist (vgl. Kuhlen/Brüning 2005: 5f.). Mit diesem Ansatz unterstützt Creative Commons die Vision des Semantic Web 90 : Lediglich die Lizenzbedingungen werden zentral abgelegt, wohingegen die CC-lizenzierten Filme, Fotos oder Texte dezentral gespeichert werden (vgl. Dreier 2005: 287).
Die CCL gelten überdies nicht nur für digitale Werke, auch wenn sie hier die größte Verbreitung finden. Möchte eine Urheberin bspw. ein Buch oder ein anderes analoges Werk unter eine CCL stellen, kann sie dieses mit dem Some-Rights-Reserved-Logo und einem entsprechenden Lizenzvermerk bedrucken.
Das Format der Metadaten richtet sich nach dem Format des zu lizenzierenden Werkes. So werden
viele Online-Dokumente bspw. mit RDF, PDF-Dokumente mit XMP oder Audio-/Video-Files über die
Schnittstelle http://ccmixter.org mit Metadaten ausgezeichnet.
Z.B. Yahoo (http://search.yahoo.com/cc), Creative Commons (http://search.creativecommons.org/),
Common Content (http://www.commoncontent. org/), Flickr (http://flickr.com/search/advanced),
Google (http://www.google.com/advanced_search).
Quelle: http://creativecommons.org/presskit
Der Begriff ?Semantic Web wurde von Tim Berners-Lee geprägt und bezeichnet eine Weiterentwicklung
des WWW um maschinenlesbare Daten, welche die Semantik der Inhalte formal festlegen. Ein weiteres
Merkmal ist die Dezentralität der Datenbasis (vgl. Berners-Lee et al. 2001).
3.4.4 Einsatz und Vorteile der CC-Lizenzen
Prinzipiell können die CCL auf alle medialen Werke und Inhalte, die in kreativen Prozessen entstehen, angewendet werden. Neben Text-Dokumenten wie wissenschaftlichen oder journalistischen Artikeln und Büchern lassen sich bspw. Fotos, Bilder, Audio- und Videodateien, multimediale Inhalte, Websites und Blogs sowie sonstige Werbe- und Informationsmaterialien unter einer CCL lizenzieren. Euler (2006: 154f.) beschreibt die Vorteile der CCL für Informationsgüter wie folgt: ?Indem der Urheberrechtsschutz an den Werken bestehen bleibt, werden die Nachteile der Nicht-Exklusivität behoben, zugleich werden durch die Einräumung unentgeltlicher einfacher Nutzungsrechte an die Allgemeinheit die Vorteile Nicht-Rivalität anerkannt. Die international einheitliche Verwendung der Lizenz-Symbole fördert darüber hinaus den Wiedererkennungswert und vereinfacht den globalen Austausch von Inhalten. Mittlerweile sind die Lizenzen an die Rechtssysteme von 34 Ländern angepasst und für 20 weitere Länder werden entsprechende Lizenzverträge aktuell ausgearbeitet. 91
Exakte Angaben über die Anzahl der Musikstücke, Filme, Bilder oder Texte, die mit einer CCL versehen sind, können nicht ermittelt werden, da die Werke nicht zentral archiviert und dokumentiert werden. 92 Über die Suchfunktion der CC-fähigen Suchmaschinen ist jedoch zumindest eine Angabe von Näherungswerten möglich. In einem ,Guardian-Interview berichtet Lessig, dass die Anzahl der Werke von zunächst 1 Million im Jahr 2003 über 4 Millionen im Jahr 2004 auf 45 Millionen im Dezember 2005 angestiegen sei (vgl. Sutherland 2006). Im Juni 2006 wurden im CC-Weblog neue Zahlen vorgestellt: 140 Mio. Seiten sollen mittlerweile CC-lizenziert sein. Es wird jedoch darauf hingewiesen, dass dieser enorme Anstieg nicht allein dem Erfolg der CCL zuzuschreiben ist, sondern auch mit dem allgemeinen Wachstum des Google-Indexes einhergeht, auf dessen Grundlage diese Berechnungen angestellt wurden (vgl. Linksvayer 2006). Beispielhaft sollen hier die Bestände dreier Tausch-Plattformen genannt werden: So waren im April 2006 bei ,Flickr 93 10,8 Millionen CC-lizenzierte Bilder gespeichert, bei ,Soundklick 94 220.000 Musikstücke und bei ,Revver 95 19.000 Videos (Creative Commons 2006: o.S.).
Das Internet bietet seinen Nutzern immer neue Chancen und Wege, digitale Inhalte zu erschaffen, zu präsentieren und zu teilen. Technologien und Anwendungen wie RSS-Newsfeeds, Wikis, Weblogs, Video- und Foto-Plattformen oder Peer-to-Peer-
91 Stand vom 14.11.06, Aktuelle Angaben zum Status quo finden sich unter http://creativecommons.org/ worldwide/.
Creative Commons bietet aber bspw. eine Liste mit Providern CC-lizenzierter Inhalte an unter http://wiki.creativecommons.org/Content_Curators.
93 http://flickr.com/
94 http://www.soundclick.com/
95 http://revver.com
Communities forcieren überdies, dass Nutzer von bloßen Informationskonsumenten zu aktiven Informationsproduzenten und -anbietern werden. 96 Hier können Laien auch ohne viel technisches Know-how mit eigenen Inhalten einen Beitrag zur digitalen Allmende leisten (vgl. OReilly 2005). Das Konzept der CCL basiert darauf, dass eine Vielzahl von Urhebern ihre Werke der Allgemeinheit unentgeltlich zur Verfügung stellen, sei es aus altruistischen Gründen oder zur Steigerung ihres Bekanntheitsgrades. Die CC-Philosophie geht davon aus, dass viele Urheber den automatischen Schutz ihrer Werke zwar hinnehmen, ihn aber von sich aus nicht durchsetzen würden oder registrieren ließen. Somit beschränkten die geltenden Rechtsvorschriften den Pool an gemeinfreien Inhalten. Für das Bedürfnis nach einer digitalen Allmende möchten die CCL rechtlich gesicherte Rahmenbedingungen bieten. Sie erleichtern den Urhebern, ihre Einwilligung zur Verbreitung oder Bearbeitung der Inhalte zu kommunizieren und diese individuell zu gestalten. Gleichzeitig können sie dadurch die Grenzen der Verwendung betonen.
Die Nutzer sind häufig unsicher im Hinblick auf die Möglichkeiten und Restriktionen der Verwendung von Inhalten: ?Darf ich das Foto von der Homepage einer Organisation auch auf meiner Site publizieren? Darf ich einen Online-Text ergänzen und an anderer Stelle wieder veröffentlichen? Darf ich das gekaufte Musikstück kopieren und auch im Auto hören oder an eine Kollegin weitergeben? Soweit keine anderen Angaben gemacht werden, greifen hier die rechtlichen Bestimmungen und der Nutzer muss sich zunächst über die geltenden Gesetze informieren. Meist bedarf die Verbreitung oder Veränderung der expliziten Erlaubnis der Rechtsinhaberin. 97 Möchte ein Nutzer ein Dokument aus dem Internet auch offline lesen, bedarf dies der Erstellung einer Kopie dieses Dokumentes. Auch diese einfache Form der Verwendung kann beim Nutzer Unsicherheit über die Rechtsbestimmungen hervorrufen. Möchte er nicht das Risiko einer illegalen Nutzung eingehen, muss er vorweg herausfinden, wer die Urheberin ist und wie er mit ihr in Kontakt treten kann. Als nächstes muss er die Anfrage stellen und warten, ob die Urheberin einer Nutzung zustimmt oder dieser widerspricht, um dann ggf. sein Vorhaben zu verwerfen. Durch die differenzierte Artikulation der Rechte und Pflichten in Form der CC-Lizenzierung wird nutzerseitig eine Rechtssicherheit geschaffen. Ferner werden die Transaktionskosten der Informationsbeschaffung, der Kontaktaufnahme sowie eines eventuellen Rechtsstreits für beide Seiten minimiert bzw. eliminiert.
Ein wichtiger Erfolgsfaktor der Creative Commons Lizenzen ist deren Bekanntheits- und Verbreitungsgrad. Je mehr Organisationen und Individuen sich dem weltweiten CC-
96 Diese Technologien und die entsprechenden Web-Applikationen werden aktuell unter dem Buzzword ?Web 2.0 zusammengefasst. Im ?Web 2.0 surft der User nicht mehr nur durch das Web, er nimmt auch aktiv an dessen Gestaltung teil (vgl. dazu ausführlich z.B. OReilly 2005). Eine Ausnahme bilden die Schrankenregelungen (§§ 44a-63 UrhG).
Netzwerk anschließen, desto mehr Verbindungen und Knoten werden geschaffen. Mit jeder neuen Teilnehmerin wird die Marke ,Creative Commons weiter ausgebaut. Der kollektive Wert des Netzwerkes steigt und stellt wiederum Anreize zur Verwendung der Lizenzen für neue Teilnehmerinnen dar. Ein Netzwerk definieren Dietl und Royer (2000: 324ff.) im informationsökonomischen Kontext als die Zusammenfassung von Nutzern eines bestimmten Gutes oder kompatibler Technologien. Die CCL sollen in diesem Zusammenhang als Netzwerkgut betrachtet werden, deren Nutzerinnen nicht über ein physisches, sondern über ein virtuelles Netzwerk miteinander verbunden sind. Die Wertsteigerung des Netzwerkgutes durch die zunehmende Anzahl der Nutzerinnen wird als Netzwerkeffekt bezeichnet (vgl. dazu ausführlich Dietl/Royer 2000: 324ff und Linde 2005: 43ff., 113ff.). Die folgende Abbildung (Abb. 7) soll diesen Effekt der Selbstverstärkung verdeutlichen.
Abb. 7: Positive Selbstverstärkungseffekte bei Netzwerkgütern
Ein wichtiger Schritt zur Verbreitung der CCL lässt sich z.B. in der Implementierung eines CC-Lizenzierungstools für .Microsoft Office erkennen. Dieses Add-in erlaubt Office-Nutzern, einem Dokument CC-Metadaten direkt beim Speichervorgang hinzuzufügen. Die ?400 Millionen User der Office-Produkte können somit eine Multiplikatorenfunktion bei der Verbreitung der CCL einnehmen (vgl. Microsoft 2006: o.S). Ebenso tragen Content-Plattformen wie ,Flickr, ,Soundklick oder ,Revver durch die Option der CC-Lizenzierung dazu bei, das CC-Logo bekannter zu machen.
98 Quelle: Linde 2005: 119
3.4.5 Kritik an den CC-Lizenzen
Neben Berichten über die Vorteile und Einsatzmöglichkeiten der CCL melden sich ebenso kritische Stimmen und machen auf die Schwachstellen der Lizenzen aufmerksam. Der Journalist und Informatiker Erik Möller setzt sich bspw. im ,Open Source Jahrbuch 2006 kritisch mit der Non-Commercial (NC) Lizenz und deren Konsequenzen für die weitere Verwertung der Inhalte auseinander (vgl. Möller 2006). Zunächst kritisiert er die Inkompatibilität der NC-Lizenz gegenüber anderen freien bzw. Copyleft-Lizenzen, die eine kommerzielle Nutzung gestatten. Die Kombination von Inhalten, deren kommerzielle Nutzung erlaubt ist, mit solchen, die nicht kommerziell genutzt werden dürfen, ist auf Grund der fehlenden Interoperabilität der Lizenzen nahezu unmöglich. Das Copyleft bzw. Share Alike-Prinzip bietet in seinen Augen ausreichenden Schutz vor kommerzieller Ausbeutung, da Derivate stets unter einer freien Lizenz weitergegeben werden müssen (vgl. Möller 2006: 273ff.). In diesem Punkt teilt Möller die Ansicht von Richard Stallman und der Free Software-Bewegung, die in ihrer Philosophie die Freiheit der Verwendung auch auf die kommerzielle Nutzung ausweiten und aus deren Reihen ebenfalls Kritik laut geworden ist (vgl. Stallman 2005).
Einen weiteren Kritikpunkt sieht Möller in der Einschränkung der grundlegenden Nutzungsarten der Inhalte durch die NC-Klausel des Legal Code. 100 Von der CC-Organisation fehlt bisher jegliche juristisch einwandfreie Definition der kommerziellen Verwertung. Die Frage, ob die Publikation eines Textes in einem Blog mit Werbeanzeigen schon mit ?kommerziell zu titulieren wäre, kann demzufolge nicht mit absoluter Sicherheit beantwortet werden; verkompliziert würde der Fall noch durch die Unterscheidung des Website-Betreibers in eine Profit- bzw. Nonprofit-Organisation (vgl. Möller 2006: 273ff.).
Dreier und Euler (2004) untersuchen die CCL im Hinblick auf die Allmendeproblematiken (Nachhaltigkeit, Vermüllung, Trittbrettfahrer, Verwilderung, siehe Hardin 1968) und kommen zu dem Ergebnis, dass sowohl die Vermüllungs- als auch die Nachhaltigkeits-problematik für die CCL als relativ hoch einzuschätzen sind. Die Gefahr der Vermüllung beschreiben sie wie folgt (Dreier/Euler 2004:163f.):
?Die einfache und kostenlose Art Inhalte zu verbreiten, wie sie Creative Commons ermöglicht, vorbei an traditionellen Wegen über einen (abhängig vom Inhalt) Verleger oder Herausgeber, der eine erste Qualitätsauswahl trifft, führt dazu, dass sich auch solche Inhalte im Pool finden, die keiner brauchen kann.
Möller nennt als Beispiel die Wikipedia und ihre Partnerprojekte, welche mit Nutzung der NC-Lizenz nicht zu realisieren wäre.
?Sie dürfen die in Ziffer 3 gewährten Nutzungsrechte in keiner Weise verwenden, die hauptsächlich auf einen geschäftlichen Vorteil oder eine vertraglich geschuldete geldwerte Vergütung abzielt oder darauf gerichtet ist.
Sie sprechen sogar von ?geistigem Müll und ?Trash-Inhalten, mit denen sich allerdings das Internet als Ganzes konfrontiert sieht. Darüber hinaus vermuten sie, dass viele Autoren lukrative Inhalte eher ohne CC-Lizenz veröffentlichen und nicht dem Creative Commons Pool zur Verfügung stellen (vgl. ebd.).
Die Nachhaltigkeitsproblematik trifft insofern auf CC zu, als dass Lizenzverträge generell einer stetigen Anpassung an Gesetzesänderungen unterliegen. Da diese Aktualisierung nicht automatisch erfolgt, kann der User nie völlig sicher sein, ob die vorliegenden Verträge den nationalen Gesetzen entsprechend angeglichen wurden. Im Nachhaltigkeits-zusammenhang nennen die beiden Autoren auch die Langzeitarchivierung, die ein großes Problem in der Welt der digitalen Güter darstellt. Die Lebensdauer der Trägermedien ist auf wenige Jahrzehnte begrenzt und Hard- und Softwaresysteme unterliegen einer ständigen Modifikation. Archivierung und Verfügbarkeit werden somit gefährdet. Diese technische Seite der Allmendeproblematik trifft also auch auf CC zu (vgl. ebd.: 164f.). 101
Zuletzt sei an dieser Stelle auf einen weiteren kritischen Faktor hingewiesen: Auch wenn die Anzahl der CC-lizenzierten Werke weiter steigt, mangelt es der breiten Öffentlichkeit noch an einem entsprechenden Problembewusstsein. Für den Erfolg der CCL ist es indes unabdingbar, dass ihr Bekanntheitsgrad gesteigert und die Verbreitung gefördert wird. Positive Netzwerkeffekte kommen erst zum Tragen, wenn eine kritische Masse an Nutzern und Inhalten erreicht wurde (vgl. Linde 2005:113).
3.5 Aktuelle Rechtsprechung zu Creative Commons
Die CC-Lizenzverträge bauen auf den geltenden nationalen Gesetzen auf und der Legal Code ist rechtlich soweit einwandfrei formuliert, dass er vor Gericht bestehen soll. Eine Rechtsverbindlichkeit ist demnach theoretisch gegeben. Solange es jedoch keine entsprechende Rechtsprechung gibt, ist nicht gesichert, ob die Lizenzverträge auf Basis des geltenden Rechts Bestand haben. Zwei solche Fälle sollen hier kurz skizziert werden, um die praktische Relevanz zu verdeutlichen:
Der Podcaster Adam Curry stellte Familienfotos in seinem Flickr-Account unter einer Attribution-Non-Commercial-ShareAlike Lizenz zur Verfügung. Das niederländische Magazin .Weekend verwendete diese Fotos für eine Story über Currys Familie und wurde darauf hin von Curry verklagt. Da es sich in diesem Fall eindeutig um eine kommerzielle Verwendung handelt, reagierte das Gericht mit einer Unterlassungsaufforderung, bei deren Nichteinhaltung ein Betrag von 1.000 Euro pro Bild fällig sei. Das Urteil be-
101 Für weitere Kritik an den CCL siehe bspw. Töth 2005 und die Reaktion von CC: Garlick 2005.
gründet sich hier zwar nicht allein auf der Gültigkeit der CCL (auch die ?natürlichen Urheberrechte werden durch diese Verwendung verletzt), jedoch wurden die Lizenzen von den Richtern immerhin indirekt bestätigt (vgl. Garlick 2006a: o.S.).
In Spanien versuchte die spanische Verwertungsgesellschaft ,Sociedad General de Au-tores y Editores (SGAE, spanisches Äquivalent zur deutschen GEMA) die pauschalen Lizenzgebühren für die Nutzung SGAE-verwalteter Musik von einem Barbetreiber einzuklagen. Dieser argumentierte dagegen, in seiner Bar werde ausschließlich CC-lizenzierte Musik gespielt. Er unterliege deshalb nicht der Gebührenpflicht. Das Gericht wies die Klage der SGAE im Februar 2006 ab, da der Angeklagte beweisen konnte, nur CC-lizenzierte Werke gespielt zu haben. Somit erkannte es die CCL als rechtskräftige Alternative zu den von den Verwertungsgesellschaften verwalteten Lizenzen an. 102 Mia Garlick (2006b: o.S.), CC-Justiziarin, spricht in einer Pressemitteilung von einem Präzedenzfall, da die Gerichte bisher stets für die Verwertungsgesellschaften entschieden hätten und davon ausgingen, dass diese praktisch alle Urheberinnen und Autoren verträten. Dieses Urteil zeigt in ihren Augen that there is more music that can be en-joyed and played publicly than that which is managed by the collecting societies.
3.6 Zusammenfassung der Darstellung der Creative Commons
Die vorangegangene Darstellung liefert einen Einblick in die Intention der Creative Commons Organisation und deren Auseinandersetzung mit den Möglichkeiten und Grenzen der Rechtegewährung im digitalen Zeitalter. Abschließend bleibt festzuhalten, dass die Intention der CC nicht in der kompromisslos kostenlosen Verfügbarkeit aller kreativen Werke liegt. Lessig fasst dies wie folgt zusammen (Sennhausen 2006: o.S.):
?Das Copyright stärken, wo es nötig ist und Nutzen bringt, indem es für die Schöpfer einen materiellen Wert garantiert und damit die Schaffung von Kultur fördert; gleichzeitig sollte es aber überall dort entfernt werden, wo es unnötig ist, wo es keinen Nutzen bringt, wo es nur noch verhindert, dass andere auf Kultur aufbauen oder Geschichte bewahren und erforschen.
Darüber hinaus betont er, dass die CCL in Ergänzung zu kommerziellen Geschäftsmodellen eingesetzt werden können, indem sie die Balance zwischen Profit und Gemeinnutzen wiederherzustellen versuchen (vgl. edb.).
Damit die CC-Organisation ihrer Mission Nachdruck verleihen kann, muss der Be-kanntheits- und Verbreitungsgrad der Lizenzen weiter steigen. Ihr Ziel sollte es sein, eine kritische Masse an Nutzern und Inhalten zu erreichen und bestenfalls zum Standard für
102 Hingewiesen sei in diesem Zusammenhang darauf, dass Künstler, die von der GEMA vertreten werden, (bisher) keine Werke unter einer freien/CC-Lizenz veröffentlichen dürfen (vgl. GEMA 2006).
freie Lizenzierungsmodelle zu werden (vgl. Linde 2005: 118f.). An welchem Punkt allerdings die kritische Masse erreicht ist und die Netzwerkeffekte sich in hohem Maße verstärken, kann an dieser Stelle nicht weiter untersucht werden. Wird im weiteren Verlauf der Arbeit von CC gesprochen, so ist die Organisation als übergeordnete Einheit gemeint. Ist im Weiteren von CCL die Rede und wird nichts Abweichendes vermerkt, um-fasst dies stets die Lizenzen als gesamtes Konstrukt.
4 Creative Commons Lizenzen in Non-Governmental Organisations
Aufbauend auf Kapitel 2 und 3 sollen in diesem Teil der Arbeit die Untersuchungsgegenstände NGO und CCL zusammengeführt werden. Die CCL sind geschaffen worden, um das Internet als Medium zur freien Verbreitung von Inhalten zu erhalten. Einleitend werden die Vorzüge des Internets für NGOs skizziert. Daran anschließend (4.1) sollen Anwendungsbeispiele der CCL in NGOs ihre praktische Relevanz verdeutlichen. Diese Angaben dienen als Basis für die nachfolgende Erörterung der Chancen und Risiken, die sich aus der Anwendung der CCL für das Management von NGOs ergeben können (4.2). Deren Darstellung mündet jeweils in der Formulierung erster Hypothesen, welche die Chancen und Risiken konkretisieren und somit in den empirischen Teil überleiten.
Das Internet als Plattform für Interaktion und Dialog mit den Stakeholdern bietet NGOs verschiedene Potentiale, da es (vgl. Kreutz 2003: 45):
o den Zugang und das Teilen von gemeinsamen Informationsressourcen in einem asynchronen 103 Austausch erleichtert,
o ein unerschöpfliches Potential an länderübergreifenden Kontakten birgt,
o die Publikation verschiedenster Informationen ohne geographische Gebundenheit ermöglicht,
o Gegenöffentlichkeiten herausbildet und die traditionellen Medien (und damit die Gatekeeper oder Intermediaries 104 ) umgeht und
o neue Formen der Partizipation und Mitarbeit erlaubt.
Hinzuzufügen sind die Vorteile der vergleichsweise geringen Kosten, des geringen technischen Aufwandes sowie der erhebliche Gewinn an Aktualität und Reichweite (vgl. Grunwald/Banse/Coenen etal. 2006: 183).
NGOs können bei der gezielten Ansprache der Öffentlichkeit sowie der Verbreitung ihrer Botschaft erheblich vom Einsatz der neuen Medien profitieren. Die Fülle dieser Interakti-ons- und Kommunikationsmöglichkeiten sowie die Auflösung der Raum-Zeit-Gebundenheit erschließt den NGOs neue Wege des Marketings und der Koordination ihrer personellen Ressourcen. Virtuelle Gemeinschaften (Communities) entstehen und der weltweite Publikationskanal Internet ermöglicht jeder Person mit Zugang zu diesem
Nicht gleichzeitige aber wechselseitige Kommunikation zwischen Sender und Empfänger, z.B. E-Mail, Blog. Synchron steht in diesem Kontext für gleichzeitige und wechselseitige Kommunikation wie z.B. Instant Messaging, Chat.
Gatekeeper (engl., Pförtner, Wächter) bieten bzw. kontrollieren den Zugang zu den traditionellen Medien und als Intermediaries (engl., Zwischenhändler) werden Verlage oder Verwertungsgesellschaften bezeichnet.
Medium die Rezeption, Veröffentlichung und Weitergabe von Informationen. So können sich auch ressourcenschwache Organisationen bei der Weltöffentlichkeit Gehör verschaffen und diese informieren und mobilisieren (vgl. Kreutz 2003: 41 ff.).
4.1 Anwendungsbeispiele der CCL in NGOs
Im Prinzip lassen sich alle Inhalte oder Werke, denen eine geistige Schöpfung vorausgegangen ist, unter einer CCL lizenzieren. Unter der Prämisse, dass NGOs einen Großteil ihrer Informationsmaterialien kostenlos zur Verfügung stellen, bietet sich eine freie Lizenzierung besonders an. Beschließt eine NGO, ihre Inhalte unter einer CCL zu veröffentlichen, muss im nächsten Schritt entschieden werden, welche Rechte sie den Nutzern gewähren und welche sie exklusiv behalten möchte. Die gewünschten Restriktionen schlagen sich in der Auswahl der entsprechenden Lizenzelemente und -kombinationen nieder. Anhand praktischer Beispiele werden nun einige Anwendungsmöglichkeiten der CCL-Kombinationen in NGOs bzw. NPOs skizziert.
4.1.1 Attribution (BY)
Die Namensnennungslizenz findet in NGOs bspw. dann Anwendung, wenn externe Dokumente wie wissenschaftliche Artikel auf der Website angeboten werden, um das Programm der NGO mit Expertise zu untermauern. Zu diesem Zweck verwendet die englische Organisation ,BirdLife International Artikel aus dem Open Access-Angebot der .Public Library of Science. 105 Als populäres Beispiel aus der Nonprofit-Welt ist des Weiteren das internationale Wikimedia-Nachrichtenprojekt ,Wikinews zu nennen. Alle Inhalte, die hier im Stil des Citizen Journalism 106 erstellt werden, stehen unter einer CC-Attribution-Lizenz. 107
4.1.2 Attribution - Share Alike (BY-SA)
Die BY-SA-Lizenz findet bspw. bei der Organisation ,Attac Anwendung. Die deutschen Arbeitsgruppen .Privatisierung und ,Wissensallmende sowie die Ortsgruppe Marburg veröffentlichen die Texte ihrer Websites unter dieser Lizenz. Einzige Bedingung neben der obligatorischen Namensnennung ist, dass alle Modifikationen der Inhalte erneut unter den vorgegebenen Lizenzbestimmungen bereitgestellt werden. Anzumerken ist hier allerdings, dass lediglich die Inhalte einzelner Projekte und Gruppen unter einer CC-Lizenz freigegeben werden. Im Impressum von Attac Deutschland heißt es zwar ?Insofern es nicht anders vermerkt wurde, stehen die unveränderten Texte unter Angabe ihrer
105 Siehe z.B. http://www.birdlife.org/action/science/indicators/pdfs/butchart_plos.pdf (Abruf: 27.11.06)
106 Citizen Journalism wird auch als partizipativer Journalismus bezeichnet und wie folgt definiert: The act of a Citizen, or group of Citizens, playing an active role in the process of collecting, reporting, analyzing and disseminating news and information. The intent of this participation is to provide independent, reli-able, accurate, wide-ranging and relevant information that a democracy requires. (Bowman, Willis 2003:
107 Vgl. http://de.wikinews.Org/wiki/Wikinews:Lizenzbestimmungen (Abruf: 27.11.06)
Quellen zu Verfügung 108 , auf eine durchgängige Verwendung der CCL wird allerdings verzichtet. Bilder bleiben von der Lizenzierung ausgeschlossen, da deren Verwendung zunächst eine individuelle Absprache erfordert. Allein Attac Marburg erlaubt neben der Weiterverwendung von Texten auch die von Bildern unter der BY-SA-Lizenz. Hervorzuheben ist hier auch der Hinweis auf die zulässige Nutzung der Inhalte auf kommerziellen Seiten. Damit behält sich Attac die Chance einer weitergehenden Verbreitung auch über Websites von Profit-Organisationen offen, sichert aber dennoch die kontinuierlich freie Zugänglichkeit der Inhalte.
Jndymedia Deutschland ist eine nicht-kommerzielle Internet-Plattform, die es alternativen Medienmachern, Gruppen oder Einzelpersonen erlaubt, offene Beiträge zu aktuellen sozialen und politischen Themen zu veröffentlichen. Die deutsche Website verzeichnet täglich ca. 5-10.000 Besuche und gehört dem internationalen Kollektiv Indymedia an. Durch die Form des ?Open Postings 109 bricht dieses virtuelle Netzwerk die Grenze zwischen Konsumentin und Produzentin auf. Auch diese Organisation schlägt den Autorinnen vor, ihre Texte und Bilder nach dem Copyleft-Prinzip unter einer CCL zu publizieren. Indymedia weist auf die Optionen einer Weiterverwertung wie folgt hin: ?Sofern Du das durch einen Zusatz nicht selbst anders regelst, unterliegen alle Beiträge bei de.indymedia.org der Creative Commons Attribution-ShareAlike 2.0 Germany-Lizenz. [...] Im Rahmen dieser Lizenz ist das Weiterverwertern [sie] ausdrücklich erlaubt. 110
4.1.3 Attribution - No Derivative Works (BY-ND)
Die Tatsache, dass diese Lizenzkombination die am wenigsten eingesetzte (3,5%, vgl. Kapitel 3.4.2) ist, spiegelt sich auch im NGO-Terrain wider. Hier lassen sich keine adäquaten Websites oder digitalen Inhalte unter einer BY-ND-Lizenzierung finden. Somit wird an dieser Stelle auf ein Beispiel verzichtet.
4.1.4 Attribution - Non-Commercial (BY-NC)
Die BY-NC-Lizenz verbietet die kommerzielle Verwendung der Inhalte und wird z.B. vom deutschen ,FairSharing-Netzwerk verwendet. Dieses Netzwerk ist ein Zusammen-schluss aus verschiedenen Nonprofit-Organisationen und setzt sich für die Legalisierung von Filesharing bei gleichzeitiger Einführung einer ?Kulturflatrate 111 ein. Alle Texte auf der Website können beliebig verwendet und weiterverbreitet werden, solange dies keinem kommerziellen Zweck dient. 112 Ebenso findet ein Bannerwettbewerb statt. Interes-
108 http://www.attac.de/impressum.php (Abruf: 27.11.06)
109 D.h. jede kann über ein Formular Beiträge direkt online stellen. http://de.indymedia.org/static/postingtipps.shtml (Abruf: 27.11.06)
111 Das Konzept der Kulturflatrate sieht vor, das Filesharing über P2P-Netzwerke gegen eine Pauschalgebühr (5 Euro/Monat) zu legalisieren.
112 Vgl. http://www.fairsharing.de/impressum.php (Abruf: 27.11.06)
sierte oder Sympathisanten werden dazu animiert, das vom Netzwerk vorgegebene Logo und den Schriftzug zu eigenen kreativen Bannern zusammenzustellen. Die Ergebnisse werden dann auf der FairSharing-Website zum Abruf bereitgestellt. 113
Der .Custard Melt-Weblog ist eine Kampagneninitiative unter der Schirmherrschaft von .Greenpeace International und thematisiert den Klimawandel. Ein Impressum ist nicht vorhanden, aber das CC-Symbol auf der Seite weist darauf hin, dass alle Inhalte unter der BY-NC lizenziert sind. Ziel des Projektes ist, am Klimawandel interessierte Menschen zusammenzuführen und ihnen eine Plattform für Partizipation, Organisation, Diskussion und Aktion zu bieten. Das Blog versteht sich als offenes Projekt, an dem die Initiatoren lediglich eine teilnehmende Rolle einnehmen wollen. Das finale System soll ein Geschenk an die Community sein und zu Konversation und Engagement anregen. 1 14
4.1.5 Attribution - Non-Commercial - Share Alike (BY-NC-SA)
Die am häufigsten eingesetzte Lizenz ist die BY-NC-SA. Dies spiegelt sich auch darin wider, dass die meisten CC-affinen NGOs diese Kombination einsetzen und auch ein Statement dazu veröffentlichen. ,EarthTrends, eine US-Initiative des ,World Resources Institute, bietet eine Sammlung von Informationen, die ökologische, ökonomische und soziale Trendthemen behandeln, zum freien Gebrauch an. Seit April 2006 werden die meisten Inhalte wie Karten, Länderprofile und Texte unter einer CCL bereitgestellt. In der Pressemitteilung zur CC-Lizenzierung wird hervorgehoben, dass die Anregung zur freien Verbreitung und Modifikation der Inhalte mithilfe der CCL expliziter ausgedrückt werden kann (vgl. EarthTrends 2006: o.S.).
Eine andere Organisation, die die CCL verwendet und dies auch in ihrem Impressum kommentiert, ist der ,World Wide Fund For Nature International (WWF). Auf der Website panda.org sind alle Texte unter der BY-NC-SA lizenziert. Die Intention wird vom WWF wie folgt dargelegt: WWF would like to actively encourage the re-use of text from this Site. [...] If you wish to use content from this Site please do so. Die Lizenz findet allerdings nur Anwendung auf Texte, für Fotos gilt das gesetzliche Copyright. Dies impliziert keinen generellen Ausschluss der Verwendung, sondern lediglich die vorherige Erlaubnis der Organisation. Ebenfalls ausgeschlossen von der Lizenz sind das WWF-Logo und der Schriftzug. Die Verbreitung von Bannern und Buttons ist wiederum ausdrücklich erwünscht. 115
113 Vgl. http://www.fairsharing.de/mitmachen/material/banner.php (Abruf: 27.11.06)
114 Vgl. http://weblog.greenpeace.org/melt/ (Abruf: 27.11.06)
115 Vgl. http://www.panda.org/using_site_content/ (Abruf: 27.11.06)
Das ,Open Knowledge Network, das vom internationalen zivilgesellschaftlichen Netzwerk ,OneWorld koordiniert wird, agiert auf der südlichen Hemisphäre und unterstützt die Erstellung und den Austausch von Inhalten auf lokaler Basis. Auch hier werden alle Inhalte und Texte unter der BY-NC-SA-Lizenz veröffentlicht. 116
4.1.6 Attribution - Non-Commercial - No Derivative Works (BY-NC-ND)
Bei .Greenpeace International findet neben der BY-NC auch die BY-NC-ND-Lizenz Verwendung. Im ,art4oceans-Projekt wird das Publikum animiert, digitale Kunstwerke wie Zeichnungen, Fotos oder Aufnahmen von Skulpturen etc. zu erstellen und diese an Greenpeace zu senden. In einer Art Wettbewerb werden ausgewählte Werke auf den Greenpeace Webseiten und auf der Foto-Plattform ,Flickr präsentiert. Nähere Hinweise auf die Bedeutung der Lizenz oder eine Begründung dieser Wahl entfallen auch hier. Allein der Link auf den Lizenztext bietet Interessierten die Möglichkeit, sich über deren Bedeutung zu informieren. 117
Die US-amerikanische Plattform ,TechSoup.org ist ein ?technology place for Nonprofits und lizenziert einen Großteil ihrer Artikel unter einer CCL. Ziel von TechSoup ist es, Nonprofit-Organisationen technologische Ressourcen inklusive kostenloser Informationen und Support aus einer Hand anzubieten. Diese Organisation gibt ein klares Statement dazu ab, warum sie sich für die CCL entschieden hat (Asaravala 2006: o.S.):
Whatever you do, take pride in knowing that youre participating in something that wasnt possible just a decade ago. Betöre Creative Commons, the options for openty licensing content were limited and difficult to use. And in most cases, ifyou were to reprint another organizations article withoutpaying for it or asking for permission, youd likely get slapped with a lawsuit alleging Copyright theft. Creative Commons marks an incredible shift from those days - one that especially benefits nonprofits - and TechSoup is glad to be working with the Community to help support the movement. - Now go steal our content. Its for a good cause.
TechSoup argumentiert zudem, dass der gegenseitige Austausch unter Nonprofits eine Anreicherung der eigenen Website mit professionellen Informationsmaterialien ermöglicht. Gleichzeitig dienen die Links und die Namensnennung der TechSoup.org dazu, ihre Inhalte über Multiplikatoren zu verbreiten und damit auch ihren eigenen Bekanntheits-grad zu steigern (vgl. ebd.).
Anzumerken bleibt, dass die CCL per se keine Einschränkung der Nutzung auf bestimmte Personengruppen oder Organisationseinheiten erlauben. Sie verfolgen die Intention,
116 Vgl. http://www.openknowledge.net/
117 Vgl. http://oceans.greenpeace.org/en/fun-stuff/art4oceans/send-us-your-artwork (Abruf: 27.11.06)
den Pool an freien Inhalten im Internet zu vergrößern und ihn ausnahmslos für alle Menschen zugänglich zu machen. Interne Dokumente wie Strategiepapiere, sensible Informationen über Geschäftskontakte, Gesprächsprotokolle, aber auch Inhalte von Dokumentenmanagementsystemen dürfen nicht in unbefugte Hände gelangen und deswegen auch nicht für eine unbeschränkte Verbreitung freigegeben werden. Dies schließt eine Anwendbarkeit der CCL auf interne oder ?geheime Dokumente grundsätzlich aus.
4.2 Chancen und Risiken der CCL für das Management von NGOs
In Kapitel 2.3 wurden die Spezifika des Managements von NGOs ausführlich dargelegt. Herausgearbeitet wurde, dass die Managementtätigkeiten in den vier abstrakten Funktionen stark vom Dialog mit den Stakeholdern beeinflusst werden. Dieses Kapitel löst sich nun von der Einteilung in Managementfunktionen und betrachtet gesondert die zehn untergeordneten Stakeholderbeziehungen im Hinblick auf den Einsatz der CCL. 118 Dieses Vorgehen erscheint sinnvoll, da somit eine klare und weniger abstrakte Abgrenzung der einzelnen Herausforderungen für das NGO-Management geschaffen wird. Ebenso wird der Austausch von Inhalten, die unter einer CCL lizenziert sind im jeweiligen Dialog mit der Stakeholdergruppe praktisch nachvollziehbar dargestellt.
Im Rahmen dieser Untersuchung sei darauf hingewiesen, dass die folgenden Ausführungen einen generalisierenden Charakter haben und auf NGOs im Allgemeinen anwendbar sind. Individuelle Ausprägungen von Zielen, Größe, Mitgliederstruktur, Art der Förderung etc. werden nicht näher beleuchtet. Des Weiteren ist zu beachten, dass die Auswirkungen der jeweiligen Chancen und Risiken nur schwer bis gar nicht quantifizierbar sind. Im Gegensatz zu Wirtschaftsunternehmen steht den NGOs nicht der monetäre Gewinn als Erfolgsindikator zur Verfügung, sondern verschiedene andere Größen wie Glaubwürdigkeit, Image, Akzeptanz oder Vertrauen (vgl. Schwarz 2001: 70ff.). Neben diesen qualitativen Größen gelten auch das Spendenaufkommen, die Mitgliederanzahl, die Reichweite von Protestaktionen, der Website-Traffic 119 sowie die Durchsetzung bestimmter Forderungen als Indikatoren für den Erfolg von NGOs (vgl. ebd.).