Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Text=BStBl%20II%201993,%20765
Timestamp: 2019-11-18 07:10:19
Document Index: 374562750

Matched Legal Cases: ['§ 3', '§ 3', '§ 3', '§ 1', '§ 3', '§ 3', '§ 3', '§ 305', 'OGH', 'OGH']

BFH, 21.07.1993 - II R 118/90 - dejure.org
BFH, 21.07.1993 - II R 118/90
https://dejure.org/1993,1366
BFH, 21.07.1993 - II R 118/90 (https://dejure.org/1993,1366)
BFH, Entscheidung vom 21.07.1993 - II R 118/90 (https://dejure.org/1993,1366)
BFH, Entscheidung vom 21. Juli 1993 - II R 118/90 (https://dejure.org/1993,1366)
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GrEStG 1983 § 3 Nr. 2
Erwerb eines Grundstücks aus Nachlass unter Verkehrswert aufgrund Vermächtnisses
Grunderwerbsteuer - Vermächtnis - Grundstück
GrEStG (1983) § Nr. 2
§ 3 Nr. 2 GrEStG 1983
Grunderwerbsteuer; vermächtnisweise Einräumung eines Auskunftsrechts
BFHE 172, 118
NJW-RR 1994, 465
BB 1993, 2078
DB 1993, 2215
BStBl II 1993, 765
a) Der erkennende Senat hat durch Urteil vom 21. Juli 1993 II R 118/90 (BFHE 172, 118, BStBl II 1993, 765) entschieden, dass nicht nur der Grundstückserwerb durch ein reines Sachvermächtnis, sondern auch derjenige aufgrund eines Kaufrechtsvermächtnisses von der Grunderwerbsteuer befreit ist, und dabei lediglich offen gelassen, ob dies auch dann gilt, wenn der Vermächtnisnehmer das Grundstück zum Verkehrswert erwerben musste.
Damit erweist sich die zur Grunderwerbsteuer ergangene Entscheidung des Bundesfinanzhofs (BFH) in BFHE 172, 118, BStBl II 1993, 765 umso mehr als zutreffend, als nunmehr keine Unterschiede zwischen dem erbschaftsteuerrechtlichen und dem grunderwerbsteuerrechtlichen Erwerb(-svorgang) mehr bestehen (…vgl. zu den bisherigen Unterschieden: Sack in Boruttau, Grunderwerbsteuergesetz, Kommentar, 16. Aufl. 2007, § 3 Rz 32).
Erst durch die Auflassung wird --wie bei einem Grundstücksvermächtnis-- der dem Grunde nach der Grunderwerbsteuer unterliegende Rechtsvorgang (§ 1 Abs. 1 Nr. 2 GrEStG) verwirklicht (vgl. BFH-Urteil vom 21. Juli 1993 II R 118/90, BFHE 172, 118, BStBl II 1993, 765, unter II.2.).
Der Bundesfinanzhof (BFH) habe mit Urteil vom 21. Juli 1993 II R 118/90 (BFHE 172, 118; BStBl II 1993, 765) entschieden, dass das Recht, ein Nachlassgrundstück zu einem unter dem Verkehrswert liegenden Preis zu erwerben, insgesamt als grunderwerbsteuerbefreiten Vorgang anzusehen sei.
Der nicht unmittelbar durch den Vermächtnisanfall entstehende Anspruch auf Übereignung des Grundstücks ist auch bei dem durch den BFH mit Urteil vom 21. Juli 1993 II R 118/90 (BFHE 172, 118; BStBl II 1993, 765) entschiedenen Fall eines Kaufrechtsvermächtnisses gegeben, bei dem durch Vermächtnis das Recht eingeräumt wurde, ein zum Nachlass gehörendes Grundstück zu einem unter dem Verkehrswert liegenden Preis zu erwerben (Ankaufsvermächtnis).
Der Streitfall ist damit am ehesten mit dem vom BFH in seinem Urteil vom 21. Juli 1993 II R 118/90 (BFHE 172, 118; BStBl II 1993, 765) ausdrücklich offen gelassenen Fall eines Kaufrechtsvermächtnisses zu vergleichen, bei dem der Vermächtnisnehmer das Nachlassgrundstück lediglich zum Verkehrswert erwerben kann.
Allein diese zivilrechtliche Unterscheidung rechtfertige es aber nicht, das Kaufrechtsvermächtnis von der Steuerbefreiung auszunehmen (Urteil des Bundesfinanzhofs - BFH - vom 21.07.1993 II R 118/90, BStBl II 1993, 765).
Der BFH habe in seinem Urteil vom 21.07.1993 in BStBl II 1993, 765, entschieden, dass derjenige, der aufgrund eines Kaufrechtsvermächtnisses erwerbe, von der Grunderwerbsteuer befreit sei.
Der Grundstückserwerb durch Kaufrechtsvermächtnis ist grundsätzlich nach § 3 Abs. 1 Nr. 1 ErbStG i.V.m. § 3 Nr. 2 GrEStG von der Grunderwerbsteuer befreit (BFH-Urteile vom 21.07.1993 II R 118/90, BStBl II 1993, 765 und vom 08.10.2008 II R 15/07, BStBl II 2009, 245).
Richtet sich aber der durch Vermächtnis begründete Anspruch nicht bereits unmittelbar auf die Übereignung einer bestimmten Sache (Sachleistungsanspruch), sondern auf den Abschluss eines diesen Übereignungsanspruch erst zur Entstehung bringenden (Kauf-)Vertrags, ist Gegenstand des Erwerbs und mithin der Erbschaftsbesteuerung ein reines Forderungsrecht (FG Nürnberg, Urteil vom 19. November 1999 IV 300/97, EFG 2000, 576 , und FG Nürnberg in DStRE 2000, 1042, 1043, FG Baden-Württemberg, Urteil vom 20. Oktober 1999 13 K 130/94, EFG 2000, 23, 24, sowie FG Düsseldorf, Urteil vom 17. Februar 1999 4 K 4498/95, EFG 1999, 569,570, jeweils m.w.N., vgl. auch BFH-Urteil vom 21. Juli 1993 II R 118/90, BStBl. II 1993, 765 zu § 3 Nr. 2 Grunderwerbsteuergesetz 1983).
Erst durch Abschluss des Kaufvertrags wird der Anspruch des Vermächtnisnehmers auf Eigentumsübertragung begründet (BFH BStBl. II 1993, 765, BFH-Beschluss vom 13. April 1994 II B 173/93, BFH/NV 1994, 794, und FG Nürnberg in DStRE 2000, 1042, 1043).
Daher liegt auch kein Vertrag besonderer Art. i. S.v. § 305 BGB vor (Boehmer, MDR 1949, 287; Urteil des Obersten Gerichtshof für die Britische Zone in Zivilsachen -OGHZ- vom 22. September 1948 II ZS 3/48, OGHZE 1, 161; BFH-Urteil vom 21. Juli 1993 II R 118/90, BStBl II 1993, 765 ; anderer Auffassung wohl: BFH-Urteil vom 21. Juni 1995 II R 62/93, BStBl II 1995, 783 zu II.1.).