Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Gericht=BFH&Datum=02.04.2014&Aktenzeichen=I%20R%2068/12
Timestamp: 2019-09-17 05:33:34
Document Index: 375142348

Matched Legal Cases: ['§ 12', '§ 12', '§ 32', '§ 32', '§ 32', 'Art 4', '§ 12', '§ 2', '§ 12', '§ 2', '§ 12', '§ 12', '§ 12', '§ 12', '§ 12', '§ 12', 'Art. 5', '§ 12']

BFH, 02.04.2014 - I R 68/12 - dejure.org
https://dejure.org/2014,16112
BFH, 02.04.2014 - I R 68/12 (https://dejure.org/2014,16112)
BFH, Entscheidung vom 02.04.2014 - I R 68/12 (https://dejure.org/2014,16112)
BFH, Entscheidung vom 02. April 2014 - I R 68/12 (https://dejure.org/2014,16112)
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Landwirtschaftlich bewirtschaftetes Grundstück als Betriebsstätte i. S. von § 12 AO
§ 12 AO, § 32b Abs 1 S 1 Nr 3 EStG 2002 vom 19.12.2008, § 32b Abs 1 S 2 Nr 1 EStG 2002 vom 19.12.2008, § 32b Abs 1 S 3 EStG 2002 vom 19.12.2008, Art 4 DBA NLD 1959
Landwirtschaftlich bewirtschaftetes Grundstück als Betriebsstätte
Bewirtschaftete Grundstücksflächen als Betriebsstätte i.S. von § 12 AO
Progressionsvorbehalt für nach DBA steuerfreie Einkünfte
Kurznachricht zu "Grenzüberschreitende Einkünfte aus Land- und Forstwirtschaft: Anwendung von DBA, § 2a EStG und die Frage nach dem Progressionsvorbehalt" von Dipl.-Fw. Jörg Holthaus, original erschienen in: IStR 2014, 766 - 768.
Nach § 12 Satz 1 AO ist eine Betriebsstätte jede feste Geschäftseinrichtung oder Anlage, die der Tätigkeit eines Unternehmens dient (s. z.B. Senatsurteil vom 2. April 2014 I R 68/12, BFHE 245, 98, BStBl II 2014, 875).
Auch für einen solchen Betrieb ist insbesondere mit Blick auf die mit der Tätigkeit ausgelöste Gewerbesteuerpflicht (§ 2 Abs. 1 Satz 3 des Gewerbesteuergesetzes) eine räumliche Zuordnung der Einkünfte erforderlich (s. insoweit auch Senatsurteil in BFHE 245, 98, BStBl II 2014, 875; Musil in Hübschmann/Hepp/Spitaler, § 12 AO Rz 5).
Jedenfalls sind die allgemeinen Anforderungen --nämlich eine "feste" Geschäftseinrichtung mit einer festen Beziehung zu einem bestimmten Teil der Erdoberfläche, die von einer gewissen Dauer ist, der Tätigkeit des Unternehmens dient und über die der Steuerpflichtige eine nicht nur vorübergehende Verfügungsmacht hat (z.B. Senatsurteil in BFHE 245, 98, BStBl II 2014, 875, m.w.N.)-- vom FG ebenfalls rechtsfehlerfrei als erfüllt angesehen worden.
Darüber hinaus muss die Einrichtung dem Unternehmen dienen (vgl. BFH-Urteile vom 2. April 2014 I R 68/12, BFHE 245, 98, BStBl II 2014, 875;… vom 3. Februar 1993 I R 80-81/91, a.a.O.).
Geschäftseinrichtungen können insoweit auch in Gebäuden oder in einzelnen Räumen innerhalb eines Gebäudes bestehen, wenn sie nur geeignet sind, die Grundlage einer Unternehmenstätigkeit zu bilden (vgl. BFH-Urteile vom 2. April 2014 I R 68/12, a.a.O.; vom 17. September 2003 I R 12/02 BFHE 203, 400, BStBl II 2004, 396;… Drüen in Tipke/Kruse AO § 12 Rn. 4).
Dementsprechend werden von dem Begriff des Unternehmens nicht nur Gewerbebetriebe, sondern auch Freiberufler und Land- und Forstwirte umfasst (vgl. BFH-Urteil vom 2. April 2014 I R 68/12 BFHE 245, 98, BStBl XXII Tagen 14, 875).
a) Nach ständiger Rechtsprechung des BFH ist als Geschäftseinrichtung oder Anlage i.S.d. § 12 Satz 1 AO jeder körperliche Gegenstand bzw. jede Zusammenfassung körperlicher Gegenstände zu behandeln, der (die) geeignet ist (sind), Grundlage einer Unternehmenstätigkeit zu sein (BFH-Urteil vom 2.4.2014 I R 68/12, BFHE 245, 98, BStBl II 2014, 875, Rz. 16).
Da dem Betriebsstättenbegriff die Funktion zufällt, unternehmerische Tätigkeiten und damit auch die Besteuerungstatbestände örtlich zuzuordnen, setzt die Betriebsstätte (i.S.d. § 12 AO) eine "feste" Geschäftseinrichtung mit einer festen Beziehung zu einem bestimmten Teil der Erdoberfläche voraus, die von einer gewissen Dauer ist, der Tätigkeit des Unternehmens dient und über die der Steuerpflichtige eine nicht nur vorübergehende Verfügungsmacht hat (BFH-Urteile vom 2.4.2014 I R 68/12, BFHE 245, 98, BStBl II 2014, 875, Rz. 16; vom 30.10.1996 II R 12/92, BFHE 181, 356, BStBl II 1997, 12; vom 3.2.1993 I R 81/91, BFHE 170, 263, BStBl II 1993, 462).
Eine feste Einrichtung i.S.d. § 12 AO erfordert jedoch weder besondere Vorrichtungen noch für den Aufenthalt von Menschen geeignete Räume (BFH-Urteile vom 2.4.2014 I R 68/12, BFHE 245, 98, BStBl II 2014, 875, Rz. 16;… vom 8.3.1988 VIII R 270/81, BFH/NV 1988, 735; Buciek in Beermann/Gosch, AO § 12 Rz 7, m.w.N.).
Eine Betriebsstätte ist eine feste Geschäftseinrichtung, die von einer gewissen Dauer ist und über die der Steuerpflichtige eine nicht nur vorübergehende Verfügungsmacht hat (BFH, Urt. vom 02.04.2014 - I R 68/12, BStBl II 2014, 875;… Görl , in: Vogel/Lehner, DBA, Art. 5 Rdn. 12, 16).
Was zur Erfüllung dieser Voraussetzung erforderlich ist, richtet sich nach den Umständen des Einzelfalls (vgl. BFH-Urteile vom 16.01.2014 V R 28/13, BFHE 244, 126 [BFH 16.01.2014 - V R 28/13] , BStBl II 2014, 876 [BFH 02.04.2014 - I R 68/12] [BFH 02.04.2014 - I R 68/12] …und vom 15.05.2012 XI R 32/10, BFH/NV 2012, 1836;… BFH-Beschluss vom 29.03.2016 XI B 77/15, BFH/NV 2016, 1181 mit zahlreichen weiteren Rechtsprechungsnachweisen).
Bereits der Laptop und Orderblock eines Verkäufers im Außendienst und seine Mustermappe oder der Bauchladen eines reisenden Händlers kann eine Geschäftseinrichtung i. S. d. § 12 Satz 1 AO sein (…vgl. BFH-Urteil vom 17.09.2003 I R 12/02, BStBl II 2004, 396 Rz. 18; BFH-Urteil vom 02.04.2014 I R 68/12, BStBl II 2014, 875, Rz. 16).
In örtlicher und zeitlicher Hinsicht ist eine Geschäftseinrichtung fest im Sinne der Norm, wenn sie (1.) einen im Sinne der Mechanik festen Bezug zu einem bestimmten Teil der Erdoberfläche aufweist, (2.) von einer gewissen Dauer (= Beständigkeit), also nicht nur vorübergehend, ist und (3.) der Steuerpflichtige eine nicht nur vorübergehende Verfügungsmacht über sie hat (BFH-Urteil vom 17.09.2003 I R 12/02, BStBl II 2004, 396; BFH-Urteil vom 04.06.2008 I R 30/07, BStBl II 2008, 922 ; BFH-Urteil vom 02.04.2014 I R 68/12, BStBl II 2014, 875, Rz. 16 m.w.N.).
FG Rheinland-Pfalz, 22.06.2016 - 2 K 2412/14
Schätzung der auf Traktatländereien entfallenden Einkünfte aus Traubenanbau
Ab dem Veranlagungszeitraum 2008 sei gemäß der BFH-Rechtsprechung (Urteil vom 2. April 2014 I R 68/12) von einer landwirtschaftlichen Betriebsstätte in F auszugehen.
Bei den Traktatländereien handelt es sich um Betriebsstätten (BFH Urteil vom 2. April 2014 I R 68/12, Bundessteuerblatt II 2014, 875).
Eine feste Geschäftseinrichtung setzt eine feste Beziehung zu einem bestimmten Teil der Erdoberfläche voraus, die von einer gewissen Dauer ist, der Tätigkeit des Unternehmens dient und über die der Steuerpflichtige eine nicht nur vorübergehende Verfügungsmacht hat (vgl. mwN BFH-Urteil vom 2. April 2014 I R 68/12, BStBl. II 2014, S. 1248).