Source: https://www.omsels.info/die-verbote-oder-was-darf-ich-nicht/6-uwg-vergleichende-werbung/5-6-abs-2-uwg/dpauschale-abwertung
Timestamp: 2018-12-11 11:56:51
Document Index: 136149834

Matched Legal Cases: ['§ 6', 'BGH', '§ 6', '§ 6', 'BGH', 'BGH', 'EuG', 'BGH']

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§ 6 Abs. 2 Nr. 5 UWG
die Waren, Dienstleistungen, Tätigkeiten oder persönlichen oder geschäftlichen Verhältnisse eines Mitbewerbers herabsetzt oder verunglimpft
1. Sachliche Erörterung oder pauschale Abwertung
2. Gesamtzusammenhang entscheidend
2a. Preisvergleich
2b. Meinungsfreiheit
Sachliche Erörterung oder pauschale Abwertung
BGH, Urt.v.1.10.2009, I ZR 134/07, Tz. 16 ff – Gib mal Zeitung
Eine Herabsetzung im Sinne von § 6 Abs. 2 Nr. 5 UWG setzt mehr voraus als die einem kritischen Werbevergleich immanente Gegenüberstellung der Vorteile und Nachteile der verglichenen Produkte. Maßgeblich ist, ob die angegriffene Werbeaussage sich noch in den Grenzen einer sachlichen Erörterung hält oder bereits eine pauschale Abwertung der fremden Erzeugnisse darstellt. Herabsetzend im Sinne von § 6 Abs. 2 Nr. 5 UWG ist ein Vergleich daher nur, wenn zu den mit jedem Werbevergleich verbundenen (negativen) Wirkungen für die Konkurrenz besondere Umstände hinzutreten, die ihn als unangemessen abfällig, abwertend oder unsachlich erscheinen lassen. (Tz. 16)
Dabei ist auch zu berücksichtigen, dass Werbung zu einem nicht unerheblichen Teil von Humor und Ironie lebt und begleitet wird. Wo genau die Grenze zwischen leiser Ironie und nicht hinnehmbarer Herabsetzung verläuft, bedarf stets in jedem Einzelfall einer sorgfältigen Prüfung. Solange der Werbende mit ironischen Anklängen lediglich Aufmerksamkeit und Schmunzeln erzielt, mit ihnen aber - weil der Verkehr die Aussage nicht wörtlich und damit ernst nimmt - keine Abwertung des Mitbewerbers oder des konkurrierenden Angebots verbunden ist, liegt darin noch keine unzulässige Herabsetzung. (TZ. 17)
Für die Beurteilung der Zulässigkeit eines Werbevergleichs ist auf die mutmaßliche Wahrnehmung eines durchschnittlich informierten, aufmerksamen und verständigen Durchschnittsverbrauchers abzustellen. Dieser Durchschnittsverbraucher ist zunehmend an pointierte Aussagen in der Werbung gewöhnt und empfindet sie als Ausdruck lebhaften Wettbewerbs. Ein humorvoller oder ironischer Werbevergleich kann daher auch dann zulässig sein, wenn er sich nicht auf feinen Humor und leise Ironie beschränkt. Eine humorvolle oder ironische Anspielung auf einen Mitbewerber oder dessen Produkte in einem Werbevergleich stellt vielmehr erst dann eine unzulässige Herabsetzung dar, wenn sie den Mitbewerber dem Spott oder der Lächerlichkeit preisgibt oder von den Adressaten der Werbung wörtlich und damit ernst genommen und daher als Abwertung verstanden wird. (Tz. 20)
Ebenso OLG Frankfurt, Urt. v. 9.10.2014, 6 U 199/13, Tz. 30
BGH, Urt. v. 17.1.2002, I ZR 161/99, - Hormoneratztherapie
Die Gleichstellung von Herabsetzung und Verunglimpfung macht deutlich, dass eine Herabsetzung mehr voraussetzt als die einem kritischen Werbevergleich immanente Gegenüberstellung der Vorteile und Nachteile der verglichenen Produkte. Maßgeblich ist vielmehr, ob die angegriffene Werbeaussage sich noch in den Grenzen einer sachlich gebotenen Erörterung hält oder bereits eine pauschale Abwertung der fremden Erzeugnisse darstellt. Herabsetzend ist ein Vergleich daher nur, wenn zu den mit jedem Werbevergleich verbundenen (negativen) Wirkungen für die Konkurrenz besondere Umstände hinzutreten, die ihn als unangemessen abfällig, abwertend oder unsachlich erscheinen lassen.
Gesamtzusammenhang entscheidend
BGH, Urt. v. 20.9.2007, I ZR 171/04 – Saugeinlagen
EuGH, Urt. v. 8.4.2001, C-44/01, Tz. 80 – Pippig Augenoptik
Die Gegenüberstellung konkurrierender Angebote, insbesondere was die Preise anbelangt, ist der vergleichenden Werbung immanent. Folglich kann der Preisvergleich für sich genommen einen Bewerber, der höhere Preise verlangt, nicht im Sinne des Artikels 3a Absatz 1 Buchstabe e der Richtlinie 84/450 herabsetzen oder verunglimpfen.
OLG Köln, Urt. v. 28.1.2011 (= WRP 2011, 785)
Auch eine an sich gegen ein gesetzliches Werbeverbot verstoßende Werbung kann gerechtfertigt sein, wenn die wirksame Ausübung des Rechts auf freie Meinungsäußerung eine bestimmte Aussage oder Darstellungsweise erfordert (so für das HWG BGH GRUR 2009, 984, Tz. 19 ff - Sortis).