Source: http://www.bergische-historiker.de/informationen/grabungserlaubnis-13-dschg-nrw
Timestamp: 2018-11-18 01:35:41
Document Index: 110037155

Matched Legal Cases: ['§ 13', '§ 13', '§ 22', '§ 13', '§ 13', '§ 13', '§ 13']

Aktuelle Seite: Startseite Informationen Grabungserlaubnis § 13 DSchG NRW
Die nachfolgenden Informationen stellen keine Rechtsberatung sondern lediglich eine persönliche Einschätzung / Interpretation (= Meinung) des Autors zur bestehenden Rechtslage dar. Obgleich die Informationen sorgfältig zusammengestellt wurden, basieren sie dennoch nur auf autodidaktisch erarbeiteten / recherchierten rechtlichen Kenntnissen und können eine professionelle Rechtsberatung daher nicht ersetzen. Die nachfolgenden Informationen erheben somit keinen Anspruch auf Richtigkeit, Vollständigkeit und Aktualität und sind ohne Gewähr. Wir empfehlen bei rechtlichen Fragen sich an die zuständigen Denkmalbehörde(n) oder einen (Fach-) Anwalt zu wenden.
Wer mit einem Metalldetektor in Nordrhein-Westfalen nach sog. Bodendenkmälern suchen möchte benötigt eine Grabungserlaubnis gem. § 13 DSchG NRW und muss bestimmte Auflagen einhalten. Ehrenamtliche Mitarbeiter des LVR-Amtes für Bodendenkmalpflege (LVR-ABR) fallen hingegen als eine ausführende Kraft i.A. und unter Weisung des LVR-ABR unter den § 22 des DSchG NRW und benötigen daher keine Erlaubnis gem. des § 13 DSchG NRW der oberen Denkmalbehörde um ihre Metallsonde einzusetzen.
Zu den Auflagen der Grabungserlaubnis gem. § 13 DSchG NRW gehören:
Keine Prospektionen auf natürlichen Böden (Wälder, Wiesen [gilt auch für den eigenen Garten]), sondern lediglich auf "umgebrochenen" oder künstlich angelegten Flächen (Acker, Ufer von "sich bewegenden" Gewässern, Spielplatzsandkästen, ect.).
Grabungen (Schürfungen) nicht tiefer als Pflugsohle (Humusschicht).
Ordnungsgemäße Funddokumentation (Mindestens Foto + ungefähre Position) sofern ein Bodendenkmal erkannt / vermutet wurde sowie unverzügliche Meldung an zuständige Behörden, sofern ein wichtiges Objekt vermutet wird.
Unverzügliche Meldung an zuständige Behörde(n), wenn mehrere ungewöhnliche Funde konzentriert gemacht werden.
Ordnungsgemäße Abgabe aller dokumentierten Funde bei der zuständigen Behörde.
Die obere Denkmalbehörde kann weitere Auflagen jederzeit individuell hinzufügen.
Anbei noch ein paar typische Fragen mit Antworten dazu
Warum keine natürlichen Böden (Wald / Wiese?)
Warum dann Ackerflächen und Ufer von "sich bewegenden" Gewässern?
Wie eine Grabungserlaubnis gem. § 13 DSchG NRW beantragen?
Warum keine natürliche Böden (Wald / Wiese)?
Zunächst muss man sich bewusst machen, dass eine Ausgrabung in den allermeisten Fällen auch eine Zerstörung bedeutet. So kann die Ausgrabung einer Pfeilspitze ggf. dazu führen, dass nicht mehr klar ist, in welche Richtung diese lag. Ebenso kann es möglich sein, dass der Spaten versehentlich auf das Fundstück trifft und dieses zerbricht oder aber der Fund mit anderen -nicht metallischen- umliegenden Objekten in Zusammenhang stand. Selbst die lokale, d.h. um das Objekt herum befindliche, Bodenbeschaffenheit kann interessante Aufschlüsse geben, die durch eine Ausgrabung und damit Vermischung verloren gehen können. Immer wenn Funde einen Zusammenhang herstellen, reden wir von einem "Befund" - und an diesem hat die Archäologie größtes Interesse.
Solcherlei möglichen Befunde gehören nicht in die Hände von Laien, sondern sollten von professionellen Archäologen untersucht werden. In der Archäologie gilt aber: Es wird nicht alles gegraben, was sich graben lässt. Eine Grabung wird stets nur dann durchgeführt, wenn ein aktuelles berechtigtes Interesse an den möglichen Erkenntnissen besteht oder aber der Fund / Befund gefährdet ist in naher Zukunft zerstört zu werden. In diesem Fall nimmt man lieber die geringere Zerstörung durch eine professionelle Notgrabung in Kauf, statt die mögliche vollständige Zerstörung des Befundes, beispielsweise durch Baumaßnahmen.
Prinzipiell wartet die Archäologie bei den meisten möglichen Funden / Befunden auf bessere technische Methoden, bevor diese gegraben werden. Archäologie bedarf oftmals Geduld und die sonst gemachten Funde / Befunde reichen an Erkenntnissen / Beschäftigung vollkommen aus, bzw. bringen die Archäologie bereits jetzt an die Leistungsgrenzen. So lange können die Funde / Befunde in geschützten Böden, wie im Wald und auf Wiesen verbleiben.
Das Argument, welches oftmals von Kritikern des DSchG NRW gebracht wird, "Man würde diese ohne Sondengänger doch sonst niemals finden / ausgraben", stimmt daher nicht.
Aus der o.g. Erklärung ergibt sich die Schlussfolgerung, dass zwar auf Ackerflächen und an Ufern von "sich bewegenden" Gewässern, d.h. Gewässer, welche fließen oder dem Kreislauf von Ebbe und Flut unterliegen, Funde gemacht werden können, Befunde jedoch eher unwahrscheinlich oder nur in kleinerem Rahmen möglich sind. Grund hierfür ist, dass die Flächen einem ständigen "Umbruch", beispielsweise durch das Umpflügen oder aber durch das natürliche Umbrechen durch Wasserfluss, unterliegen. Des Weiteren sind landwirtschaftlich genutzte Flächen oftmals chemischen Belastungen ausgesetzt durch Düngemittel, Pestizide, etc.. Diese wirken auf Dauer durch den Boden auch auf die darunter befindlichen Materialien, welche dadurch als gefährdet gelten. Sollten jemals Befunde an diesen Stellen existiert haben, sind diese daher bereits zu großen Teilen zerstört. Das bedeutet allerdings nicht, dass die Archäologie die Funde nicht schätzen würde. Die Funde können ein Hinweis auf einen tiefer liegenden Befund sein, insbesondere auf Ackerflächen, wenn der Pflug Teile des Befundes von unten nach oben herauf wühlt und sich eine höhere Konzentration an Funden feststellen lässt. Das ist der Grund, warum die Tiefe der Pflugsohle (ca. 30 cm) oder im Speziellen die Dicke der Humusschicht des Erdbodens als Parameter für die erlaubte Grabungstiefe dient. Die Humusschicht ist auch i.d.R. mindestens 30 cm dick. Größere Tiefen als 30 cm sind eher als kritisch zu betrachten und sollten nur unter Absprache leicht vertieft werden.
Wir haben hierzu ein einfaches Erklärungsvideo erstellt, welches Sie sich hier: (Klick mich) ansehen können. Grob zusammengefasst: Wenden Sie sich einfach an das zuständige Amt für Bodendenkmalpflege für Ihren Bereich. Sollten Sie nicht wissen, welches Amt oder welche Außenstelle für Sie zuständig ist hilft man Ihnen bei der unteren Denkmalbehörde Ihrer Stadt sicher gerne weiter. Sie werden anschließend zu einem Beratungstermin eingeladen in dem man Sie über die Sachverhalte und Auflagen nochmals genau aufklärt und Ihnen Fragen beantworten kann. Vor Ort können Sie Ihren Antrag auch direkt ausfüllen und anschließend die gewünschten Flächen dem Amt übermitteln. Das Amt kommuniziert dann alles Weitere an die obere und untere Denkmalbehörde. Sie erhalten anschließend von der oberen Denkmalbehörde eine Grabungserlaubnis für die beantragten Felder (sofern es hier keine Beanstandungen gab) und einen Gebührenbescheid. Die Gebühr beträgt i.d.R. 75,00€ / Gemeinde / Antrag auf Grabungserlaubnis gem. § 13 DSchG NRW. Wer beispielsweise für Felder in Wuppertal eine Genehmigung wünscht, kommt mit 75,00 € prima aus.
Die Grabungserlaubnis hat man stets bei jedem Sondengang bei sich zu führen! Diese ist zunächst auf ein Jahr befristet, in NRW ist es möglich diese nach dem ersten Jahr in Absprache auf 2 Jahre Befristung zu verlängern.
Gesetzestext des DSchG NRW
Allgemeine Informationen zur Grabungsgenehmigung auf Wikipedia