Source: https://www.sifa-sibe.de/fachbeitraege/die-grundlagen-beim-ersatz-von-gefahrstoffen/
Timestamp: 2020-07-11 17:01:54
Document Index: 349507058

Matched Legal Cases: ['§ 6', '§ 7', '§ 10', '§ 10', '§ 9', '§ 9', '§ 10', '§ 8', '§ 18', '§ 10', '§ 9', '§ 10', '§ 10', '§ 9', '§ 7', '§ 7', '§ 7']

Die Grundlagen beim Ersatz von Gefahrstoffen. Substitution Teil 2 -
Die Grund­la­gen beim Ersatz von Gefahr­stof­fen
Der erste Teil dieser Arti­kel­reihe zu Substi­tu­tion in Ausgabe 07/2015 des Sicher­heits­in­ge­nieurs befasste sich mit recht­li­chen Aspek­ten und allge­mei­nen Infor­ma­tio­nen zum Thema. Der vorlie­gende zweite Teil geht auf die Grund­la­gen der Substi­tu­tion ein. Wann sollte eine Substi­tu­ti­ons­prü­fung durch­ge­führt werden? Wie doku­men­tiert man diese? Wer sollte an einer Substi­tu­ti­ons­prü­fung betei­ligt werden? Wann ist eine Substi­tu­tion möglich, wann eher nicht? Welche erhöh­ten Anfor­de­run­gen sind z.B. bei der Substi­tu­tion krebs­er­zeu­gen­der Stoffe zu beach­ten?“
Die Substi­tu­tion von Stof­fen oder Verfah­ren ist ein sehr komple­xer Prozess. Im folgen­den Abschnitt wird beschrie­ben, welche Aspekte bei einer Substi­tu­tion zu beach­ten sind.
Substi­tu­tion – Substi­tu­ti­ons­prü­fung
Oft werden die Begriffe
„Substi­tu­tion“ und
„Substi­tu­ti­ons­prü­fung“
mitein­an­der verwech­selt.
Die Gefahr­stoff­ver­ord­nung fordert im Rahmen der Gefähr­dungs­be­ur­tei­lung „zunächst“ eine Substi­tu­ti­ons­prü­fung – also eine Prüfung auf Möglich­kei­ten einer Substi­tu­tion:
GefStoffV: § 6 Infor­ma­ti­ons­er­mitt­lung und Gefähr­dungs­be­ur­tei­lung
(8) Der Arbeit­ge­ber hat die Gefähr­dungs­be­ur­tei­lung (…) zu doku­men­tie­ren; dabei sind anzu­ge­ben (…)
das Ergeb­nis der Prüfung auf Möglich­kei­ten einer Substi­tu­tion (…)
Die Durch­füh­rung, also die Substi­tu­tion selbst, gilt als vorran­gige Maßnahme, um Gesund­heit und Sicher­heit der Beschäf­tig­ten sicher­zu­stel­len:
GefStoffV: § 7 Grund­pflich­ten
(3) Der Arbeit­ge­ber hat auf der Grund­lage des Ergeb­nis­ses der Substi­tu­ti­ons­prü­fung (…) vorran­gig eine Substi­tu­tion durch­zu­füh­ren. (…)
Es geht zunächst darum, die Möglich­kei­ten einer Substi­tu­tion zu prüfen. Eine Substi­tu­ti­ons­prü­fung kann auch zu dem Ergeb­nis führen, dass eine Substi­tu­tion nicht möglich ist.
Prüfung vor Aufnahme der Tätig­keit
Eine Substi­tu­ti­ons­prü­fung muss immer vor Aufnahme der Tätig­keit durch­ge­führt und doku­men­tiert werden.
(8) Der Arbeit­ge­ber hat die Gefähr­dungs­be­ur­tei­lung (…) erst­mals vor Aufnahme der Tätig­keit zu doku­men­tie­ren (…)
Prüfung am Beginn der Produkt­ent­wick­lung
Bereits bei „klein­vo­lu­mi­gen“ Labor­men­gen („Milli­li­ter“) sollte im Rahmen der Produkt­ent­wick­lung eine Substi­tu­tion berück­sich­tigt werden.
Darauf wird z.B. in der DGUV Infor­ma­tion 213–850 hinge­wie­sen:
DGUV Infor­ma­tion 213–850:
3.6 Substi­tu­tion von Gefahr­stof­fen
Produkt­ent­wick­lung
Bei der Produkt­ent­wick­lung sollte bereits im Labor berück­sich­tigt werden, ob nicht Gefahr­stoffe einge­setzt werden, die in späte­ren Stadien der Entwick­lung, Produk­tion oder Vermark-tung proble­ma­tisch sein können.
Werden dann in der Produk­tion größere Mengen („Kubik­me­ter“) herge­stellt oder verwen­det, ist es wesent­lich aufwen­di­ger, diese Stoffe zu erset­zen.
Prüfung je nach Menge
Die Verpflich­tung zur Substi­tu­ti­ons­prü­fung gilt für ALLE (!) Mengen­be­rei­che, auch für geringe Mengen (Einsatz von nur „weni­gen“ Milli­li­tern oder Gramm im Labor).
Eine Substi­tu­ti­ons­prü­fung muss doku­men­tiert werden.
(8) Der Arbeit­ge­ber hat die Gefähr­dungs­be­ur­tei­lung (…) zu doku­men­tie­ren (…)
Genaue Vorga­ben, wie eine Doku­men­ta­tion ausse­hen kann, sind weder in der Gefahr­stoff­ver­ord­nung noch in der TRGS 600 näher beschrie­ben. Die TRGS 600 verweist jedoch auf die Möglich­keit, die Substi­tu­ti­ons­prü­fung in ein erwei­ter­tes Gefahr­stoff­ver­zeich­nis aufzu­neh­men. Bei der Frage, wie das Ergeb­nis einer Substi­tu­tion formu­liert werden kann, gibt die TRGS zudem Hilfe­stel­lun­gen in Form von Stan­dard­sät­zen.
TRGS 600: 6 Doku­men­ta­tion
(2) Die Doku­men­ta­tion des Ergeb­nis­ses der Prüfung auf Möglich­kei­ten zur Substi­tu­tion erfolgt sinn­vol­ler­weise im Zusam­men­hang mit der Doku­men­ta­tion der ande­ren Teile der Gefähr­dungs­be­ur­tei­lung (siehe TRGS 400). Eine Form ist nicht vorge­schrie­ben. Als eine Möglich­keit kann zum Beispiel das Gefahr­stoff­ver­zeich­nis um weitere Spalten/Felder ergänzt werden, aus denen der Zeit­punkt der Über­prü­fung, das Ergeb­nis und die Fund­stelle ergän­zen­der Doku­mente hervor­ge­hen. Die Ergeb­nisse der Substi­tu­ti­ons­prü­fung können durch Stan­dard­sätze beschrie­ben werden, z.B.:
Möglich­kei­ten einer Substi­tu­tion sind …
Keine Möglich­kei­ten einer Substi­tu­tion.
Lösung ist bereits Ersatz­lö­sung
Bei krebs­er­zeu­gen­den, erbgutverändern-den und frucht­bar­keits­ge­fähr­den­den Gefahr­stof­fen der Kate­go­rien 1 oder 2 (CLP-Verordnung: 1A oder 1B) – zusätz­lich gere­gelt in § 10 der Gefahr­stoff­ver­ord­nung – müssen über­dies die Gründe an-geführt werden, warum eine mögli­che Substi­tu­tion nicht umge­setzt wird. Auch für die Begrün­dung können wieder Stan­dard­sätze aus der TRGS 600 verwen­det werden.
(3) Ergibt die Substi­tu­ti­ons­prü­fung bei Tätig­kei­ten, für die ergän­zende Schutz­maß­nah­men nach § 10 GefStoffV zu tref­fen sind, Möglich­kei­ten einer Substi­tu­tion, ohne dass diese umge­setzt werden, so sind die Gründe zu doku­men­tie­ren. Dies kann in Form von Stan­dard­sät­zen gesche­hen, z.B.
Ersatz­lö­sung tech­nisch nicht geeig­net, weil …
Ersatz­lö­sung verrin­gert Gefähr­dung nicht ausrei­chend, weil …
Ersatz­lö­sung betrieb­lich nicht geeig­net, weil …
Ersatz­lö­sung einge­lei­tet, erneute Prüfung bis …
Bereits bei der Aufnahme von neuen Stof­fen oder Gemi­schen in das Gefahr­stoff­ver­zeich­nis sollte über­prüft werden, ob eine Substi­tu­tion möglich ist.
Die regel­mä­ßige Aktua­li­sie­rung des Gefahr­stoff­ver­zeich­nis­ses hilft, die Stoffe oder Gemi­sche zu erken­nen, die bevor­zugt substi­tu­iert werden soll­ten (z.B. Kenn­zeich­nung als krebs­er­zeu­gend oder erbgut­ver­än­dernd: H350(i) oder H340).
Betei­li­gung von Fach­leu­ten
Eine Substi­tu­ti­ons­prü­fung kann ein komple­xer Prozess sein, bei dem viele Aspekte beach­tet werden müssen. Auch sind Kennt­nisse aus unter­schied­li­chen Berei-chen notwen­dig.
Auf der einen Seite sind Exper­ten, z.B.
Toxi­ko­lo­gen,
Sicher­heits­fach­kräfte oder
Betriebs­ärzte
in die Substi­tu­ti­ons­prü­fung einzu­bin­den.
Diese Exper­ten müssen ausrei­chende Kennt­nisse und Erfah­run­gen zu folgen­den Aspek­ten haben:
Gefähr­dun­gen, die von den Stof­fen und Gemi­schen ausge­hen,
Schutz­maß­nah­men, die je nach Gefähr­dung notwen­dig und ausrei­chend wirk­sam sind.
Aber auch Verant­wort­li­che des Betrie­bes
sind in die Substi­tu­ti­ons­prü­fung mit einzu­be­zie­hen, z.B.
Labor­lei­ter oder
Betriebs­lei­ter.
Nur sie kennen sich genau mit der bereits im Betrieb vorhan­de­nen Verfahrens- und Sicher­heits­tech­nik und den vorhan­de­nen Schutz­maß­nah­men aus.
Die an der Substi­tu­ti­ons­prü­fung zu betei­li­gen­den Exper­ten und Verant­wort­li­chen werden in der TRGS 600 als Fach­leute bezeich­net
TRGS 600: 3 Betei­li­gung von Fach­leu­ten
(1) Für die Analyse und Bear­bei­tung unter­schied­li­cher Aspekte ist es gege­be­nen­falls nötig, Fach­leute mit ausrei­chen­den Kennt­nis­sen zu unter­schied­li­chen Aspek­ten der Substi­tu­ti­ons­prü­fung und bei der Erar­bei­tung der Substi­tu­ti­ons­lö­sun­gen zu betei­li­gen. Rele­vante Quali­fi­ka­tio­nen sind zum Beispiel Kennt­nisse über
Gefähr­dung durch Stoffe – gesund­heit­li­che, sicher­heits­tech­ni­sche und umwelt­be­zo­gene Eigenschaf-ten,
Verfah­rens­tech­nik und prak­ti­sche Produk­ti­ons­er­fah­rung,
Gefähr­dungs­be­ur­tei­lung und Aufwand für Schutz­maß­nah­men,
Auswir­kun­gen der Substi­tu­tion auf die Wert­schöp­fungs­kette (z.B. Kunden­ak­zep­tanz) und
Kennt­nisse im Regel­werk.
(2) Zusätz­lich soll­ten Infor­ma­tio­nen, die in der gesam­ten Prozess­kette (z.B. Herstel­ler von Maschi­nen, Abneh­mer der Produkte, Vorlie­fe­ran­ten) vorhan­den sind, genutzt werden.
Aufwand zu Beginn
Aufgrund des zusätz­li­chen Aufwands ist die Anfangs­phase einer Substi­tu­tion oft mit vielen Hemm­nis­sen verbun­den.
Der Erfolg einer Substi­tu­tion sollte nie kurz­fris­tig, sondern immer mittel- bis lang­fris­tig betrach­tet werden.
TRGS 600: Anlage 4 Vorge­hens­weise bei der Erar­bei­tung von Substi­tu­ti­ons­emp­feh­lun­gen für Gefahr­stoffe, Tätig­kei­ten oder Verfah­ren
Problem­de­fi­ni­tion – Abwä­gung von Chan­cen und Risi­ken von Substi­tu­ti­ons­mög­lich­kei­ten
(5) Hemm­nisse in der Anfangs­phase der Einfüh­rung von Substi­tu­ti­ons­lö­sun­gen können auch ein höhe­rer Preis und der Aufwand für betrieb-liche Anpas­sun­gen sein. Die Betrach-tung der mittel­fris­ti­gen Gesamt­kos­ten für das betrof­fene Produkt oder den betrof­fe­nen Prozess ist aber oft geeig­net, dieses Problem zu rela­ti­vie­ren.
Oft wird eine Substi­tu­tion mit der Begrün­dung abge­lehnt, dass die höhe­ren Kosten nicht zu vertre­ten seien.
Aber: Für die Ableh­nung einer Substi­tu­tion reicht z.B. bei Stof­fen mit hoher Gefähr­dung das Argu­ment „höhere Kosten“ nicht immer aus.
TRGS 600: Anlage 3 Krite­rien für die Reali­sie­rung der Substi­tu­tion: Abwä-gungsgründe für den betrieb­li­chen Einsatz von Ersatz­lö­sun­gen und zur erwei­ter­ten Bewer­tung
Abwä­gungs­gründe für den betrieb­li­chen Einsatz von Ersatz­lö­sun­gen
(11) Es ist jedoch hervor­zu­he­ben, dass höhere Kosten einer Ersatz­lö­sung nicht auto­ma­tisch zur Beur­tei­lung „nicht anzu­wen­den“ führen können. Insbe­son­dere wenn die zu erset­zen­den Stoffe eine hohe Gefähr­dung auslö­sen, ist der Verrin­ge­rung der Gefähr­dung ein hohes Gewicht beizu­mes­sen.
Woher weiß man, dass von dem zu erset­zen­den Stoff eine hohe Gefähr­dung ausgeht?
Hier hilft das Spal­ten­mo­dell weiter, mit dem z.B. erkannt werden kann, dass krebs­er­zeu­gende oder erbgut­ver­än­dernde Stoffe der Gefah­ren­stufe „sehr hoch“ zuge­ord­net werden.
Redu­zie­rung von Schutz­maß­nah­men
Eine Substi­tu­tion ermög­licht in vielen Fällen eine Redu­zie­rung der weite­ren Schutz­maß­nah­men.
(2) Der große Vorteil der Substi­tu­tion liegt in der Möglich­keit, das Gesamt­ge­fähr­dungs­po­ten­zial von chemi­schen Stof­fen oder Verfah­ren grund­le­gend zu redu­zie­ren. Dies kann gege­be­nen­falls den Aufwand zur Einhal­tung einer Viel­zahl gesetz­lich vorgeschrie-bener und kosten­auf­wen­di­ger Schutz­maß­nah­men verrin­gern, die ansons­ten die Tätig­kei­ten mit gefähr­li­chen Stof­fen regeln.
Über­schrei­tung von Arbeits­platz­grenz­wer­ten
Was ist der Nutzen einer Substi­tu­tion, wenn trotz­dem weiter­hin Arbeits­platz­grenz­werte über­schrit­ten werden?
Die Gefahr­stoff­ver­ord­nung schreibt bei einer Über­schrei­tung von Arbeits­platz­grenz­wer­ten die Bereit­stel­lung und Verwen­dung persön­li­cher Schutz­aus­rüs­tung für den Fall vor, dass die Grenz­wert­über­schrei­tung nicht durch tech­ni­sche und orga­ni­sa­to­ri­sche Maßnah­men verhin­dert werden kann.
Bei persön­li­cher Schutz­aus­rüs­tung wie z.B. Atem­schutz gibt es aber viele verschie­dene Arten. Wenn durch die Redu­zie­rung der Konzen­tra­tion eine gerin­gere Klasse mit gerin­ge­rem Schutz­fak­tor ausreicht, ist damit oft auch eine gerin­gere Belas­tung für die Beschäf­tig­ten (z.B. durch gerin­ge­ren Atem­wi­der­stand) verbun­den.
Außer­dem ist zu beach­ten, dass bei Über­schrei­tung von Arbeits­platz­grenz­wer­ten – zusätz­lich gere­gelt in § 9 der Gefahr­stoff­ver­ord­nung – ein Verzicht auf eine tech­nisch mögli­che Substi­tu­tion begrün­det werden muss.
.eine Begrün­dung für einen Verzicht auf eine tech­nisch mögli­che Substi­tu­tion, sofern Schutz­maß­nah­men nach § 9 oder § 10 zu ergrei­fen sind.
Arzneimittel/Pharmawirkstoffe/Medikamente
Es gibt einige Beispiele, die zeigen, dass eine Substi­tu­tion nicht immer möglich bzw. sinn­voll ist. Eines davon ist die Herstel­lung und Verar­bei­tung von Phar­ma­wirk­stof­fen für Arznei­mit­tel und ihre Verab­rei­chung an Pati­en­ten als Medi­ka­ment.
Inhalts­stoffe mit spezi­fi­schen Wirkun­gen
Auch bei Stof­fen, die ganz beson­dere Wirkun­gen oder ganz spezi­fi­sche Einsatz­ge­biete haben, wird eine Substi­tu­tion oft auf Schwie­rig­kei­ten stoßen:
Als Beispiel wäre hier die Herstel­lung von – als Rein­stoff „gifti­gem“ – Natri­um­fluo­rid zu nennen, das als Inhalts­stoff in vielen Zahn­pas­ten vorkommt. Fluo­rid härtet die oberste Schmelz­schicht der Zähne und hemmt das Bakte­ri­en­wachs­tum, wodurch auch Karies vorge­beugt wird (GZFA). Bislang wurde kein ande­rer Stoff gefun­den, der diese spezi­elle Wirkung in glei­chem Maße erzielt, daher ist der Ersatz dieses Stof­fes nicht möglich.
Die Konzen­tra­tion des „gifti­gen“ Inhalts­stof­fes Natri­um­fluo­rid (NaF) im Produkt „Zahn­pasta“ ist mit nur noch 1 450 ppm (ca. 0,15 %) so gering, dass die Zahn­pasta natür­lich NICHT mehr giftig „bei Verschlu­cken“ ist!
Hinzu kommt, dass Zahn­pasta in der Regel von Erwach­se­nen nicht verschluckt wird. Da das Verschlu­cken von Zahn-pasta bei Kindern aber durch­aus vorkom­men kann, ist der Fluo­rid­ge­halt in Kinder­zahn­pasta noch einmal gerin­ger als in Zahn­pasta für Erwach­sene – ca. 500 ppm (0,05 %).
Funktion/Verwendungszweck: Einsatz­stoff oder Löse­mit­tel
Einsatz- oder Ausgangs­stoffe in chemi­schen Reak­tio­nen oder Prozes­sen sind in der Regel schwer zu erset­zen, da sich diese bei den chemi­schen Reak­tio­nen verän­dern.
Löse­mit­tel sind dage­gen leich­ter zu erset­zen, da sie sich chemisch nicht verän­dern.
In der TRGS 600 wird in diesem Zusam­men­hang von der „Funk­tion“ eines Stof­fes gespro­chen: Auch hier gilt, dass Hilfs­stoffe meist leich­ter substi­tu­iert werden können als unver­zicht­bare Bestand­teile eines Produkts:
TRGS 600: 5.1 Krite­rien für die tech­ni­sche Eignung
die Funk­tion des Stof­fes (Hilfs­stoff im Produk­ti­ons­pro­zess oder unver­zicht­bare Kompo­nente des Produkts/Verfahrens oder Rohstoff des Herstel­lungs­ver­fah­rens bzw. unver­zicht­ba­rer Bestand­teil des Produkts), (…)
Tech­ni­sche Eignung/Substitution tech­nisch möglich
Bei der Reali­sie­rung einer Substi­tu­tion wird beschrie­ben, dass Alter­na­ti­ven auch „tech­nisch möglich“ bzw. „tech­nisch geeig­net“ sein müssen. Ein Aspekt, die Funk­tion oder der Verwen­dungs­zweck des Stof­fes, wurde bereits im vorher­ge­hen­den Abschnitt erläu­tert.
Weitere Krite­rien zum Thema „tech­ni­sche Eignung“ finden sich in der TRGS 600:
(2) In ande­ren Fällen ist die tech­ni­sche Eignung einer Substi­tu­ti­ons­mög­lich­keit (…) zu beur­tei­len. Hier­bei ist unter ande­rem Folgen­des zu berück­sich­ti­gen: (…)
die tech­ni­schen Konse­quen­zen der Substi­tu­tion auf das eigene Produk­ti­ons­ver­fah­ren und die Produkt­qua­li­tät,
die daraus resul­tie­ren­den, tech­ni­schen Konse­quen­zen für die nach­ge­la­gerte Verarbeitung/Anwendung des Produkts in der Wert­schöp­fungs­kette und
die Auswir­kun­gen der Substi­tu­tion auf die Produk­t­ei­gen­schaf­ten und die Produkt­qua­li­tät des Endpro­dukts (u.a. Verbrau­cher­ak­zep­tanz, Konfor­mi­tät mit Normen, Verlust von Zulas­sun­gen).
Forschungs­be­rei­che
Werden Gefahr­stoffe z.B. bei immer wieder­keh­ren­den Routi­ne­tä­tig­kei­ten verwen­det, können sie leich­ter ersetzt werden als bei stän­dig wech­seln­den Tätig­kei­ten in Forschungs­be­rei­chen.
Im Gegen­satz zu Tätig­kei­ten mit häufig wech­seln­den Aufga­ben, wie beispiels­weise im Forschungs­be­reich, ist eine Substi­tu­tion bei Routinetä-tigkeiten einfa­cher möglich und hat bevor­zugt zu erfol­gen.
Analy­tik­stan­dards
Das Glei­che gilt für die Verwen­dung von Stof­fen in analy­ti­schen Stan­dards.
Nicht substi­tu­ier­bare Stoffe und Verfah­ren
Dienen Gefahr­stoffe als Einsatz­stoffe in chemi­schen Reak­tio­nen oder Prozes­sen, können diese in der Regel nicht ersetzt werden. Dies gilt auch für analy­ti­sche Stan­dards zur Bestim­mung von Gefahr­stof­fen.
Einhal­tung von Arbeitsplatz-grenzwerten
Oft wird argu­men­tiert, dass eine Substi­tu­tion nicht notwen­dig sei, wenn z.B. Arbeits­platz­grenz­werte einge­hal­ten werden. Die Erfah­rung zeigt aber, dass Grenz­werte im Laufe der Jahre oft abge­senkt oder sogar ausge­setzt werden, wenn sie neuen – stren­ge­ren Anfor­de­run­gen – nicht mehr stand­hal­ten können.
Abbil­dung 1 auf der nächs­ten Seite zeigt die Absen­kung von eini­gen Grenz­wer­ten aus der TRGS 900 als Säulen­gra­fi­ken.
Die meis­ten Grenz­werte sind „nicht für die Ewig­keit“ gemacht, sondern verän­dern sich – meis­tens zu noch gerin­ge­ren Werten – sobald neue Daten zu dem Stoff eine weitere Absen­kung für notwen­dig erschei­nen lassen.
Geringe Gefähr­dung – keine Substi­tu­tion
Bei einer soge­nann­ten „gerin­gen“ Gefähr­dung werden keine Substi­tu­ti­ons­prü­fung und keine Substi­tu­tion verlangt:
TRGS 600: 1 Anwen­dungs­be­reich
(2) Hat der Arbeit­ge­ber im Rahmen der Gefähr­dungs­be­ur­tei­lung festge-stellt, dass eine geringe Gefähr­dung (…) vorliegt, verlangt die Gefahr­stoff­ver­ord­nung keine Substi­tu­ti­ons­prü­fung und keine Substi­tu­tion.
Die geringe Gefähr­dung hat also den Vorteil, dass keine weite­ren Maßnah­men des Abschnitts 4 der GefStoffV, d.h. Schutz­maß­nah­men, ergrif­fen werden müssen.
Was aber heißt „geringe“ Gefähr­dung? Die Gefahr­stoff­ver­ord­nung gibt hierzu folgende Auskunft:
(11) Ergibt sich aus der Gefähr­dungs­be­ur­tei­lung für bestimmte Tätig­kei­ten auf Grund
der dem Gefahr­stoff zuge­ord­ne­ten Gefähr­lich­keits­merk­male,
einer gerin­gen verwen­de­ten Stoff­menge,
einer nach Höhe und Dauer nied­ri­gen Expo­si­tion und
der Arbeits­be­din­gun­gen
insge­samt eine nur geringe Gefähr­dung der Beschäf­tig­ten und reichen die nach § 8 zu ergrei­fen­den Maßnah­men zum Schutz der Beschäf­tig­ten aus, so müssen keine weite­ren Maßnah­men des Abschnitts 4 ergrif­fen werden.
Was in den Ausfüh­run­gen der Gefahr­stoff­ver­ord­nung erst einmal sehr klar und eindeu­tig klingt, zieht bei nähe­rer Betrach­tung aller­dings weitere Fragen nach sich: Was sind Gefähr­lich­keits­merk­male mit gerin­ger Gefähr­dung? Was ist eine „geringe“ Stoff­menge, was eine „nied­rige“ Expo­si­tion? Und: Welche Arbeits­be­din­gun­gen müssen vorherr­schen?
Bei den Gefähr­lich­keits­merk­ma­len hilft das Spal­ten­mo­dell weiter: Tabelle 1 fasst alle Gefähr­lich­keits­merk­male zusam­men, die im Spal­ten­mo­dell einer gerin­gen Gefahr zuzu­ord­nen sind. Bezüg­lich nied­ri­ger Expo­si­tion wird man in der TRGS 400 fündig: es wird auf emis­si­ons­arme Verwen­dungs­for­men hinge­wie­sen:
TRGS 400: 6.2 Tätig­kei­ten mit gerin­ger Gefähr­dung
(…). Eine nied­rige inha­la­tive Ex-position kann z.B. bei Feststof-fen unter Einsatz emis­si­ons­ar­mer Verwen­dungs­for­men wie Pasten, Wachse, Granu­late, Pellets oder Master­bat­ches vorlie­gen.
In der TRGS 400 werden auch Bei-spiele für Tätig­kei­ten mit gerin­ger Gefähr­dung genannt. Inter­es­sant dabei ist, dass sogar bei Tätig­kei­ten mit Gemi­schen, die krebs­er­zeu­gende und erbgut­ver­än­dernde Stoffe enthal­ten – siehe das Beispiel Kali­um­chro­mat­lö­sung – Tätig­kei­ten mit gerin­ger Gefähr­dung nicht auszu­schlie­ßen sind.
(4) Beispiele für Tätig­kei­ten mit gerin­ger Gefähr­dung sind:
Verwen­dung von Gefahr­stof­fen, die für den priva­ten Endver­brau­cher im Einzel­han­del in Selbst­be­die­nung erhält­lich sind („Haus­halts­pro­dukte“), wenn sie unter für Haus­halte übli­chen Bedin­gun­gen (geringe Menge und kurze Expo­si­ti­ons­dauer) verwen­det werden,
Ausbes­se­rung klei­ner Lack­schä­den mit Lack­stif­ten oder
Verwen­dung und Aufbe­wah­rung haus­halts­üb­li­cher Mengen von Kleb­stof­fen,
Titra­tion mit Kali­um­chro­mat­lö­sung.
Beson­dere Anfor­de­run­gen bei CMR(F)-Gefahrstoffen
Bei Tätig­kei­ten mit CMR(F)-Gefahrstoffen der Kate­go­rien 1 oder 2 (CLP-Verordnung: 1A oder 1B) können die Behör­den verlan­gen, über die durch­ge­führ­ten Substi­tu­tio­nen und das Ergeb­nis der Substi­tu­ti­ons­prü­fung infor­miert zu werden.
GefStoffV: § 18 Unter­rich­tung der Behörde
(3) Der Arbeit­ge­ber hat der zustän­di­gen Behörde bei Tätig­kei­ten mit krebs­er­zeu­gen­den, erbgutverändern-den oder frucht­bar­keits­ge­fähr­den­den Gefahr­stof­fen der Kate­go­rie 1 oder 2 zusätz­lich auf Verlan­gen Folgen­des mitzu­tei­len:
das Ergeb­nis der Substi­tu­ti­ons­prü­fung,
Infor­ma­tio­nen über (…)
durch­ge­führte Substi­tu­tio­nen
Können bei CMR(F)-Gefahrstoffen der Kate­go­rien 1 oder 2 (CLP-Verordnung: 1A oder 1B) keine Möglich­kei­ten einer Substi­tu­tion iden­ti­fi­ziert werden, sind in der Begrün­dung die Quel­len zu benen­nen.
(5) Wurden bei der Prüfung auf Möglich­kei­ten zur Substi­tu­tion für Tätig­kei­ten, für die Schutzmaßnah-men nach § 10 GefStoffV zu tref­fen sind, keine Möglich­kei­ten einer Substi­tu­tion iden­ti­fi­ziert, so sind die Quel­len, in denen recher­chiert wurde, kurz zu benen­nen.
Bei CMR(F)-Gefahrstoffen der Kate­go­rien 1 oder 2 (CLP-Verordnung: 1A oder 1B) muss ein Verzicht auf eine tech­nisch mögli­che Substi­tu­tion begrün­det werden.
eine Begrün­dung für einen Verzicht auf eine tech­nisch mögli­che Substi­tu­tion, sofern Schutz­maß­nah­men nach § 9 oder § 10 zu ergrei­fen sind.
In der TRGS 600 finden sich keine klar defi­nier­ten Gren­zen, ab welcher Gefähr­dungs­stufe oder ab welchem Wirk­fak­tor eine Substi­tu­ti­ons­pflicht besteht.
Es wird z.B. beim Spal­ten­mo­dell davon gespro­chen, dass „bei Unter­schie­den von zwei oder mehr Gefähr­dungs­stu­fen, wich­tige Gründe vorlie­gen müssen, den Ersatz­stoff nicht einzu­set­zen“. Beim Wirkfaktoren-Modell wird beschrie­ben, dass „der Einsatz eines Ersatz­stof­fes umso dring­li­cher zu prüfen ist, je größer der Quoti­ent aus den Wirk­fak­to­ren des einge­setz­ten Stof­fes und des Ersatz­stof­fes ist“.
Zu CMR(F)-Gefahrstoffen der Kate­go­rien 1 oder 2 (CLP-Verordnung: 1A oder 1B) und sehr gifti­gen und gifti­gen Gefahr­stof­fen findet man jedoch eine sehr eindeu­tige Aussage zur Substi­tu­ti­ons­pflicht:
TRGS 600: 5.3 Entschei­dung über die Reali­sie­rung der Substi­tu­tion
(2) Bei Tätig­kei­ten mit gifti­gen, sehr gifti­gen, krebs­er­zeu­gen­den, erbgut­ver­än­dern­den oder frucht­bar­keits­ge­fähr­den­den (Kate­go­rie 1 und 2) Gefahr­stof­fen muss eine Substi­tu­tion immer erfol­gen, wenn Alter­na­ti­ven tech­nisch möglich sind und zu einer insge­samt gerin­ge­ren Gefähr­dung der Beschäf­tig­ten führen.
TRGS 910 – Krebs­er­zeu­gende Gefahr­stoffe
Für krebs­er­zeu­gende Stoffe finden sich in der TRGS 910 weitere Hinweise zum Thema Substi­tu­tion:
Die TRGS 910 „Risi­ko­be­zo­ge­nes Maßnah­men­kon­zept für Tätig­kei­ten mit krebs­er­zeu­gen­den Gefahr­stof­fen“ defi-niert für diese Stoffe drei verschie­dene Risi­ko­be­rei­che, die durch die soge­nann­ten Akzeptanz- und Tole­ranz­kon­zen­tra­tio­nen vonein­an­der getrennt werden.
TRGS 910: 5 Risi­ko­be­zo­ge­nes Maßnah­men­kon­zept gemäß § 10 Absatz 1 GefStoffV
(1) Im Risi­ko­kon­zept resul­tie­ren aus Akzeptanz- und Tole­ranz­ri­siko drei Risi­ko­be­rei­che: (weiter nächste Seite)
Bereich nied­ri­gen Risi­kos (die Expo­si­tio­nen liegen unter­halb der Akzep­tanz­kon­zen­tra­tion)
Bereich mitt­le­ren Risi­kos (die Expo­si­tio­nen liegen zwischen Akzeptanz- und Tole­ranz­kon­zen­tra­tion) und der
Bereich hohen Risi­kos (die Expo-sitionen liegen ober­halb der Tole­ranz­kon­zen­tra­tion).
Diese drei Risi­ko­be­rei­che und die zwei Konzen­tra­tio­nen werden in Abbil­dung 2 in Form eines Ampel­mo­dells darge­stellt.
Akzeptanz- und Tole­ranz­kon­zen­tra­tio­nen sind stoff­spe­zi­fi­sche Luft­kon­zen­tra­ti­ons­werte, die in der Tabelle 1 der TRGS 910 gelis­tet werden.
Abhän­gig vom Risi­ko­be­reich werden unter­schied­lich strenge Anfor­de­run­gen an die Substi­tu­tion formu­liert. Aber auch hier muss wieder klar unter­schie­den werden zwischen
Substi­tu­ti­ons­prü­fung und
Substi­tu­ti­ons­durch­füh­rung.
Tabelle 2 zeigt, dass für alle drei Risi­ko­be­rei­che eine Prüfung der Möglich­kei­ten einer Substi­tu­tion verpflich­tend ist und das Ergeb­nis dieser Prüfung zu doku­men­tie­ren ist.
Unter­schiede werden in der Forde­rung nach der Substi­tu­ti­ons­durch­füh­rung deut­lich, je nach­dem in welchem Risi­ko­be­reich die Expo­si­tion mit dem krebs­er­zeu­gen­den Gefahr­stoff liegt:
Im Risi­ko­be­reich „nied­ri­ges“ Risiko ist die Umset­zung der Substi­tu­tion von der Verhält­nis­mä­ßig­keit abhän­gig.
Im Risi­ko­be­reich „mitt­le­res“ Risiko ist die Umset­zung der Substi­tu­tion zwar schon verpflich­tend, aber unter Berück­sich­ti­gung der Verhält­nis­mä­ßig­keit und sogar der Zumut­bar­keit durch­zu­füh­ren.
Im Risi­ko­be­reich „hohes“ Risiko“ ist die Umset­zung der Substi­tu­tion natür­lich auch verpflich­tend, wird aber allein vom Ergeb­nis der Substi­tu­ti­ons­prü­fung abhän­gig gemacht. Verhält­nis­mä­ßig­keit und Zumut­bar­keit spie­len keine Rolle mehr. Selbst­ver­ständ­lich kann dies auch bedeu­ten, dass abhän­gig vom Ergeb­nis keine Substi­tu­tion erfolgt
Schutz­maß­nah­men – wenn Substi­tu­tion nicht möglich ist
Tech­ni­sche Schutz­maß­nah­men wie z.B. geschlos­sene Systeme (soge­nannte Glove-Boxen) sind dann von beson­de­rer Bedeu­tung, wenn eine Substi­tu­tion tech­nisch nicht möglich ist.
GefStoffV: § 9 Zusätz­li­che Schutz­maß­nah­men
(2) Der Arbeit­ge­ber hat sicher­zu­stel­len, dass Gefahr­stoffe in einem geschlos­se­nen System herge­stellt und verwen­det werden, wenn
die Substi­tu­tion (…), tech­nisch nicht möglich ist (…)
Sind geschlos­sene Systeme nicht reali­sier­bar, ist bei der Auswahl von weite­ren Schutz­maß­nah­men eine bestimmte Rang­folge einzu­hal­ten:
(2) (…) Ist die Anwen­dung eines geschlos­se­nen Systems tech­nisch nicht möglich, so hat der Arbeit­ge­ber dafür zu sorgen, dass die Expo­si­tion der Beschäf­tig­ten nach dem Stand der Tech­nik und unter Beach­tung von § 7 Absatz 4 so weit wie möglich verrin­gert wird.
Diese STOP-Rangfolge wird in § 7 Absatz 3 bezie­hungs­weise 4 der Gefahr­stoff­ver­ord­nung näher beschrie­ben:
(4) (…) Dabei hat er folgende Rang­folge zu beach­ten:
Gestal­tung geeig­ne­ter Verfah­ren und tech­ni­scher Steuerungsein-richtungen von Verfah­ren, den Einsatz emis­si­ons­freier oder emis­si­ons­ar­mer Verwen­dungs­for­men sowie Verwen­dung geeig­ne­ter Arbeits­mit­tel und Mate­ria­lien nach dem Stand der Tech­nik,
Anwen­dung kollek­ti­ver Schutz­maß­nah­men tech­ni­scher Art an der Gefah­ren­quelle, wie angemes-sene Be- und Entlüf­tung, und Anwen­dung geeig­ne­ter orga­ni­sa­to­ri­scher Maßnah­men,
sofern eine Gefähr­dung nicht durch Maßnah­men nach den Nummern 1 und 2 verhü­tet werden kann, Anwen­dung von indi-viduellen Schutz­maß­nah­men, die auch die Bereit­stel­lung und Verwen­dung von persön­li­cher Schutz­aus­rüs­tung umfas­sen.
Diese Rang­folge der Schutz­maß­nah­men wird oft auch als „STOP-Rangfolge“, „STOP-Prinzip“ oder „STOP-Hierarchie“ bezeich­net.
Die Buch­sta­ben­folge „S – T – O – P“ beschreibt die Rang­folge der Schutzmaß-nahmen wie sie z.B. auch die Gefahrstoff-verordnung in § 7 Absatz 3 bzw. 4 vorgibt. „TOP“ bezeich­net die Rang­folge der Schutz­maß­nah­men ohne die Substi­tu­tion.
Schutz­maß­nah­men können aber auch anhand der soge­nann­ten „Willensabhän-gigkeit“ unter­schie­den werden, wie in Tabelle 3 aufge­zeigt wird.
In der TRGS 460 „Hand­lungs­emp­feh­lung zur Ermitt­lung des Stan­des der Tech­nik“ werden Beispiele für willens­ab­hän­gige und willens­un­ab­hän­gige tech­ni­sche Schutz­maß­nah­men genannt und gleich­zei­tig betont, dass willens­un­ab­hän­gige Maßnah­men zu bevor­zu­gen sind:
TRGS 460: Anlage 2 Wissenschaft-liches Hinter­grund­pa­pier
5 Entscheidungshilfen/-strategien und Abwä­gungs­pro­zesse
5.2 Fachlich-inhaltliche Ebene
(…) Dabei ist zudem einer willensun-abhängigen tech­ni­schen Schutz­maß­nahme (z.B. inte­grierte Absau­gung, Form­schlüs­sig­keit) Prio­ri­tät gegen­über einer willens­ab­hän­gi­gen tech­ni­schen Schutz­maß­nahme (z.B. flexi­ble Absau-gung) einzu­räu­men.
Orga­ni­sa­to­ri­sche Schutz­maß­nah­men sind immer willens­ab­hän­gig, denn jemand muss „die Schutz­maß­nahme, zum Beispiel eine Unter­wei­sung, orga­ni­sie­ren“. Auch perso­nen­be­zo­gene Schutz­maß­nah­men sind immer willens­ab­hän­gig, denn der Beschäf­tigte muss es „wollen, den Atem­schutz oder die Hand­schuhe“ anzu­zie­hen. Was heißt dies nun für die in Tabelle 9 aufge­führ­ten Beispiele „beweg­li­che Quel­len­ab­sau­gung“ und „inte­grierte Absau­gung“?
Abbil­dung 3 zeigt, dass die rich­tige Posi­tio­nie­rung der beweg­li­chen Quel­len­ab­sau­gung an der Emis­si­ons­quelle nicht auto­ma­tisch gewähr­leis­tet ist. Inso­fern bietet sie gerin­ge­ren Schutz als eine inte­grierte Absau­gung.
Im drit­ten Teil dieser Serie wird es um die Krite­rien der Gefah­ren­ab­schät­zung gehen. Außer­dem werden einige Beispiele zur Substi­tu­tion vorge­stellt.
Dieser Beitrag ist ein Auszug aus dem Buch „Substi­tu­tion von Gefahr­stof­fen“ von B. Stöff­ler, erschie­nen bei ecomed Sicher­heit, ISBN 978–3–609–69181–7, 194 Seiten: www.ecomed-storck.de
TagsSubstitution Substitutionsprüfung Trgs
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