Source: https://www.flugrechte.eu/5397/umgebucht-versp%C3%A4tung-stunden-british-airways-entsch%C3%A4digung
Timestamp: 2019-01-20 05:39:43
Document Index: 168005168

Matched Legal Cases: ['EuG', 'BGH', 'BGH', 'Art. 3', 'EuG', 'EuG', 'Art. 6', 'Art. 7', 'Art. 7']

BA983 umgebucht auf BA183 und Verspätung von 5 Stunden, muss British Airways Entschädigung zahlen? - FLUGGASTRECHTE
Eigentlich sollten wir mit British Airways so fliegen
BA 983 TXL - LHR Berlin Tegel nach London Heathrow, dann umsteigen in
BA 115 LHR - JFK London Heathrow nach New York John F. Kennedy.
Der Abflug von British Airways BA0983 in Berlin Tegel hatte aber etwas Verspätung (ich schätze es waren so 50 Minuten), daher landeten wir auch mit Verspätung in London Heathrow. Dort checkte man uns nicht mehr auf den gebuchten Flug BA 115, sondern auf den späteren Flug BA 183. Jetzt weiß ich auch, warum man uns in Berlin Tegel keine Bordkarten ausgegeben hat. Angeblich würde das System spinnen und daher sollten wir nach Aussage der British Airways Mitarbeiter am Flughafen Tegel in London die Bordkarten für Flug BA983 bekommen. Offensichtlich wusste die British Airways aber schon von der Verspätung oder der Flug BA 115 war voll oder überbucht und man wollte uns gezielt auf einen anderen Flug setzen.
Wir sind mit einer Verspätung von mehr als 5 Stunden in JFK gelandet.
British Airways will die Entschädigung nicht zahlen. Der Flug BA 983 wäre nur um eine halbe Stunde verspätet gewesen und die weitere Verspätung durch das Verpassen des Anschlussfluges BA115 hätte man nicht zu vertreten, da der Flug BA115 ja pünktlich geflogen wäre. Das finde ich nicht richtig, denn es kann uns ja nicht angelastet werden, dass wir den Flug BA 115 nicht erreichten. Denn wenn British Airways pünktlich geflogen wäre, hätten wir auch den Anschlussflug BA 115 erreicht.
Muss British Airways uns dafür eine Entschädigung von 2400 € (wir waren insgesamt 4 Personen) zahlen?
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Gefragt 30, Dez 2015 in Europäische Fluggastrechte von Anonym
Ihr erster Flug von Berlin Tegel nach London hatte Verspätung. Aus diesem Grund haben Sie Ihren Anschlussflug von London nach New York verpasst.
Der Europäische Gerichtshof in Brüssel (EuGH) hat am 26. Febuar 2013 in einem Urteil die Passagierrechte deutlich gestärkt. Demnach haben Reisende nun auch ein Recht auf Entschädigungszahlungen durch die Fluggesellschaft, wenn sie wegen eines nur leicht verspäteten Zubringerfluges ihren Anschlussflug verpasst haben. Laut Urteil ist für den Anspruch auf eine Ausgleichszahlung allein die Verspätung am Endziel entscheidend. Bisher war die Rechtsprechung davon ausgegangen, dass im Fall mehrteiliger Flüge (also z.B. Zubringerflug von Berlin nach Frankfurt und nachfolgende Langstrecke von Frankfurt nach New York) eine getrennte Betrachtung jeder einzelnen Flugstrecke erfolgen muss. Dies galt bisher auch, wenn beide Flüge in Verbindung gebucht wurden. Im Fall einer Verspätung des Zubringerfluges unter einer Verspätungszeit von drei Stunden konnten Fluggäste bis zu dem Urteil vom 26. Februar 2013 keine Rechte geltend machen – auch wenn die Verspätung am Endziel wegen des verpassten Anschlussfluges erheblich war, sprich mehr als drei Stunden. Die verspätete Landung am Endziel war also nicht relevant für einen Entschädigungsanspruch.
Im vorliegenden Fall hatte Ihr Zubringerflug nach Ihrer Schätzung ca. 50 Minuten Verspätung. British Airways meinte es wäre eine halbe Stunde Verspätung. Somit liegt durchaus eine nur leichte Verspätung durch das Zubringerflugzeug vor. Alleine die Verspätung am Endziel ist entscheidend. Sie sind in New York mit einer Verspätung von über 5 Stunden gelandet. Damit steht Ihnen im vorliegenden Fall ein Anspruch auf Ausgleichszahlungen zu. Dazu auch das folgende Urteil:
Es ist davon auszugehen, dass ein verpasster Anschlussflug und eine entsprechende Verspätung von mindestens 3 Stunden am Endziel grundsätzlich einen Ausgleichsanspruch auslöst – auch dann, wenn der Umsteigeflughafen außerhalb der EU liegt oder der Zubringer- und Anschlussflug von verschiedenen Fluggesellschaften durchgeführt wurden.
British Airways muss somit die Ausgleichszahlungen leisten.
Beantwortet 31, Dez 2015 von AGeo (4,780 Punkte)
Nach der neueren Rechtsprechung und auch höchstrichterlichen Rechtsprechung kommt es nicht mehr auf die einzelnen Flüge an, sondern auf die gesamte Flugreise (vgl. BGH, Urt. v. 07.05.2013, X ZR 127/11, einfach mal bei Google eingeben "X ZR 127/11 Reise-Recht-Wiki.de").
Möglicherweise haben Sie einen Anspruch auf Ausgleichszahlungen gemäß der Fluggastrechteverordnung 261/2004. Diese sollte hier gelten, da der Flug aus einem EU-Land, nämlich Deutschland gestartet ist. Zudem trat die Verschiebung des Fluges ja auch in Deutschland ein. Ob bei Ihnen diese aufgrund der Verspätung anwendbar ist, gilt im Folgenden zu klären:
Die Abflugverspätung ist keine Voraussetzung für einen Anspruch auf Ausgleichszahlung. Maßgeblich für die Berechnung von Ausgleichszahlungen ist immer die tatsächliche Verspätung am Endziel. Ausschlaggebend ist also der endgültige Zeitverlust an Ihrem endgültigen Reiseziel! Dies werden Sie aufgrund der Schilderungen ja mit Sicherheit mit einer Verspätung über 4 Stunden erreicht. Dies gilt auch, wenn die verspätete Ankunft am Endziel darauf beruht, dass infolge der Flugverspätung ein selbst nicht in den Anwendungsbereich der Verordnung fallender oder selbst nicht verspäteter Anschlussflug verpasst wird (vgl. BGH, Urt. v. 07.05.2013, X ZR 127/11).
Wichtig ist allerdings, dass die Flüge als Einheit gebucht wurden, die lediglich in Teilstrecken untergliedert wurden. Denn bei einem einheitlich gebuchten Flug schuldet das Luftfahrtunternehmen bei einer Umsteigeverbindung auch die Weiterbeförderung mit dem Anschlussflug.
Insgesamt haben Sie einen Anspruch auf Ausgleichszahlungen aufgrund einer Nichtbeförderung, da der Anschlussflug wegen Verspätung des Zubringerfluges nicht erreicht werden konnte. (vgl. AG Frankfurt am Main, Urt. v. 13.12.2011, 29 C 655/12 (11)). Allein die Strecke von Berlin nach New York ist größer 3.500 km. Dies bedeutet, dass Ausgleichszahlungen in Höhe von 600,00 € je Fluggast gezahlt werden müssten.
Beantwortet 8, Jan 2016 von Cockpit1 (20,980 Punkte)
In dem von Ihnen geschilderten Fall haben Sie Ihren Anschlussflug in London nur verpasst, weil Ihr Flug dorthin mit einer Verspätung von ca 50 Minuten ebgeflogen ist. Überhaupt geht es bei einer Verspätung nicht um die Verspätung beim Abflug, sondern um die Verspätung am Zielort. Dazu das folgende Urteil:
Sie sind mit einer Verspätung von über 5 Stunden an Ihrem Zielflughafen in New York gelandet. Sie könnten demnach einen Anspruch auf Ausgleichszahlungen haben. Fraglich ist, inwieferen British Airways für die Verspätung haften muss, da der erste Flug nur 50 min Verspätung hatte und dieses an sich zu einem Anspruch auf Ausgleichszahlung nicht berechtigen würde.
Ihr erster Flug hatte 50 min Verspätung, weshalb Sie Ihren Anschlussflug verpasst haben. Damit steht Ihnen ein Anspruch auf Ausgleichszahlungen zu.
Die Entfernung zwischen Berlin Tegel und New York City beträgt 6. 385 km. Ihnen stehen Ausgleichszahlungen in Höhe von 600 EUR pro Fluggast zu.
Ihr Flug mit British Airways von Berlin nach London hatte eine knappe Stunde Verspätung. Ob dieser Verspätung verpassten Sie Ihren Weiterflug nach New York, und kamen im Ergebnis mit einer Verspätung von 5 Stunden an Ihren Ziel an.
Ihre Frage bezieht sich auf die Ihnen möglicherweise zustehenden Entschädigungen. Ihnen könnten Ausgleichszahlungen gemäß der Fluggastrechteverordnung 261/2004 zustehen.
Ihr möglichen Ausgleichsleistungen stellen sich dann wie folgt dar:
Von diesem Anspruch auf Ausgleichsleistung kann sich die Fluggesellschaft allerdings befreien. Und zwar wenn sich die Fluggesellschaft beispielsweise auf außergewöhnliche Umstände beruft. Diesbezüglich konnte ich Ihrer Nachricht aber keine eindeutigen Informationen entnehmen.
Sie könnten also einen Anspruch auf Ausgleichszahlungen in Höhe von 600 Euro (pro Fluggast) haben. Weigert sich die Fluggesellschaft British Airways weiterhin eine Entschädigung zu zahlen, dann ist Ihnen anzuraten sich an einen Rechtsanwalt zu wenden.
Beantwortet 29, Jan 2016 von KatjaG (10,240 Punkte)
Aufgrund der Verspätung von Berlin nach London, verpassten Sie Ihren Anschlussflug, sodass sie erst mit dem nächsten Flieger an ihrem Zielort New York eintrafen. Dies führte insgesamt zu einer Verzögerung von 5 Stunden. British Airways verweigert die Zahlung einer Entschädigung mit der Begründung, dass der Flug BA 983 nur um eine halbe Stunde verspätet gewesen sei und die weitere Verspätung durch das Verpassen des Anschlussfluges BA115 nicht von ihnen zu vertreten sei, da der Flug BA115 ja pünktlich geflogen wäre. Sie fragen sich nun, ob British Airways Ihnen eine Entschädigung von 2400 € (wir waren insgesamt 4 Personen) zahlen muss.
British Airways muss die Entschädigungsleistung erbringen, wenn Sie einen Anspruch darauf haben. Eine passende Anspruchsgrundlage könnte sich aus der Fluggastrechte Verordnung ergeben. Die Fluggastrechte Verordnung (EG) Nr. 261/2004 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 11. Februar 2004 ist eine gemeinsame Regelung, welche dem Schutz der Fluggäste dienen soll. Niedergeschrieben sind Regelungen für Ausgleichs- und Unterstützungsleistungen für Fluggäste im Fall der Nichtbeförderung und bei Annullierung oder großer Verspätung von Flügen.
I. Anwendbarkeit der Flugastrechte Verordnung
Art. 3 Anwendungsbereich.
Die Anwendbarkeit der Fluggastrechte Verordnung könnte für die „große Verspätung“ in New York ausgeschlossen sein, da die Verspätung nicht in einem Mitgliedstaat stattfand. Hier ist jedoch das Urteil vom 26.07.2013 des LG Frankfurt beachtenswert. (Aktenzeichen: 2-24 S 47/12) Dieses hat folgendes entschieden: Da die Flugverspätung, die der Grund für die verzögerte Ankunft der Kläger am Zielflughafen war, sich noch auf dem Gebiet der Europäischen Union ereignete, sei es nicht von Belang, dass das Endziel außerhalb des Geltungsbereichs der anspruchsbegründenden Norm lag.
In Ihrem Fall ist der Anwendungsbereich somit eröffnet.
II. Maßgeblicher Zeitpunkt für die genaue Berechnung der Verspätung
Zudem ist noch einmal auf die Berechnung der Verspätung einzugehen. Fraglich könnte sein, ob bei der Berechnung der Verspätung auf die Ankunft in London oder die Ankunft in den USA abzustellen ist.
Folgendes Urteil hilft in Ihrem Fall weiter:
EuGH, Urteil vom 26.02.2013, Az: C-11/11 (ganz einfach zu finden, wenn Du bei Google eingibst “ EuGH C 11/11 reise-recht-wiki.de“)
Mithin ist auf den Zeitpunkt abzustellen, zu welchem Sie an Ihrem Zielflughafen eingetroffen sind. Sie trafen mit 5 Stunden Verzögerung in den USA ein, sodass eine Verspätung zu bejahen ist.
III. Anspruchsgrundlage
Abzustellen ist hier zunächst auf die verspätete Ankunft, sodass sich die Anspruchsgrundlage aus Art. 6 Abs. 1 VO i.V.m. Art. 7 VO analog ergibt.
IV. Höhe der Ausgleichszahlung
Näheres zur Berechnung der Ausgleichszahlung finden Sie in folgendem Urteil:
Sie kamen mit einer Verspätung von 5 Stunden am Flughafen JFK an, sodass meiner Meinung nach ein Anspruch auf Ausgleichszahlung in Höhe von 2400 Euro gemäß Art. 7 Abs. 1 VO besteht.
Beantwortet 31, Mär 2016 von SiMeGa (5,780 Punkte)
Bearbeitet 30, Mär 2016 von SiMeGa