Source: http://www.uni-protokolle.de/foren/viewt/198224,0.html
Timestamp: 2019-09-19 09:58:59
Document Index: 390364486

Matched Legal Cases: ['§16', '§216', '§28', '§212', '§212', '§16', '§27', '§ 216', 'BGH', '§ 216', '§ 212', '§ 16', '§ 216', '§15', '§222', '§212']

Foren-Übersicht -> Jura-Forum -> Giftspritze
Verfasst am: 04 Aug 2008 - 03:34:32 Titel: Giftspritze
A hält sich irrtümlich für todkrank, fragt B
nach einer tödlichen Spritze. B besorgt A die Spritze.
B hält A für todkrank, ist zugleich Alleinerbe des A, würde so schneller an dessen Vermögen kommen, denkt sich B.
B ist Medizinstudent im klinischen Semester.
C, ein Assistenzarzt besorgt B die Spritze.
C glaubt, dass B den A nur wegen der Erbschaft töten möchte und nicht auf Verlangen des A.
B verabreicht dem A mit seiner Einwilligung die Spritze.
A verstirbt darauf hin.
Wie sind B und C zu bestrafen
Würde den Fall durchgehen.
Beginnt man mit Mord oder Tötung auf Verlangen ( B ) ?
Im zweiten Teil die Prüfung von C
Verfasst am: 04 Aug 2008 - 05:11:19 Titel:
immer mit dem schwereren delikt beginnen, tötung auf verlangen oder fahrlässige tötung sind im verhältnis zu Mord & totschlag auffangdelikte.
Starbarkeit des B wegen Mord bzw Totschlag scheitert hier imho am Tatbestandsirrtum, ausnahmsweise nicht nach §16 I, sondern 16 II, weil er hier durch den Irrtum Tatumstände annimmt, die bei ihrem tatsächlichen vorliegen eine Tötung auf verlangen darstellen würden.
Davon unberührt bleibt eine mögliche fahrlässige tötung nach §216. Hier kannst du ne schöne diskussion führen, ob ein mediziner im klinischen semester hätte erkennen müssen, dass A nicht todkrank war. Im ergebnis lässt sich wohl beides vertreten.
Dann kommst du zur tötung auf verlangen, bei der ich ansprechen würde, dass B den A nicht nur um ihm zu helfen töten wollte, sondern es ihm auch recht gelegen kam dadurch früher zu erben. Insgesamt gab es also ein sog. Motivbündel, aber solange zu Erben nicht das überwiegende Motiv für die Tötung war, hindert es die verurteilung wegen Tötung auf verlangen (und die damit verbundene Priviligierung gegenüber dem Mord) nicht.
Insgesamt daher Tötung auf verlangen (+) und je nachdem wie du entscheidest möglicherweise in Tateinheit mit fahrlässiger Tötung.
Bei C schwanke ich jetzt ein bisschen.
Wenn man Tötung auf verlangen als abstufung von Totschlag bzw Mord sieht, bei der der Grund für die Priviligierung im Strafmaß ein persönliches Merkmal i.s.v. §28 II ist (Der Wille dem betroffenen zu helfen), würde ich sagen Strafbarkeit des C wegen beihilfe zum Totschlag nach §§212 I, 27 I, 28 II , da ihm das persönliche Merkmal fehlt. Kein Mord da die Habgier, die er B unterstellt ist ein persönliches Merkmal ist welches der C zwar kennt, aber nicht teilt.
Wenn man Tötung auf verlangen dagegen als eigenständige straftat sieht, ist hier wegen der akzessorietät zur haupttat keine beihilfe zum Totschlag möglich, da es an einem Totschlag als Haupttat fehlt. Daher im ergebnis nur versuchte beihilfe zum Totschlag, §§212 I, 27 I, 22, 23 I, 12 I (kein Mord mit dem selben argument wie oben).
Jetzt kann man noch kurz beihilfe zur tötung auf verlangen sowie beihilfe zur fahrlässigen tötung bei C prüfen, erstere fliegt allerdings an einem Tatbestandsirrtum nach §16 I raus, und letztere weil beihilfe nach §27 I nur zu vorsätzlichen Straftaten möglich ist.
Hoffe ich konnte dir weiterhelfen, aber insbesondere beim C kann ich mich auch gut verzettelt haben, daher alle angaben ohne gewähr Würde mich freuen wenn andere dazu was sagen.
Verfasst am: 09 Aug 2008 - 17:22:01 Titel:
Wieso möchtest du denn wegen § 216 bestrafen, da liegt doch kein ernsthaftes Verlangen (Irrtum liegt vor) vor...ich meine, man müsste 216 verneinen!
Verfasst am: 09 Aug 2008 - 17:48:46 Titel:
Warum soll kein ernsthaftes Verlangen vorliegen? Natürlich kann das vorliegen. Der Irrtum bezieht sich doch nur auf die Krankheit, nicht auf das Merkmal "Verlangen".
Verfasst am: 09 Aug 2008 - 19:57:40 Titel:
weil das verlangen auf einen irrtum beruht, so siehts der BGH soweit ich weiß. wer schön wenn jemand klarheit bringen könnte.
Verfasst am: 09 Aug 2008 - 20:04:15 Titel:
Also, im Rengier steht dazu nichts. Müsste man mal im Kommentar nachschauen. Hab leider keinen hier.
Verfasst am: 17 Aug 2008 - 18:05:31 Titel:
Also, zwar beruht das Bestimmen nicht auf einer freien Willensentscheidung, das stimmt, so dass mann zunächst im obj. TB den § 216 aufgrund des Irrtums verneinen muss, allerdings kann man dann in der Prüfung des § 212 auf den § 16 II kommen.
Nimmt man bei Begehen der Tat irrig Umstände an, die den TB eines milderen Gesetzes verwirklichen würden, kann wegen vorsätzlicher Begehung nur nach dem milderen Gesetz bestraft werden.
Damit landet man dann doch wieder bei einer Strafbarkeit nach § 216!
Na, wie bin ich ;=)
Verfasst am: 25 Aug 2008 - 22:29:20 Titel:
Hmmm, ich möchte zu Gregsens Gedanken folgendes anmerken (keine gewähr bzgl. richtigkeit ):
1. einen "fahrlässigen 216" gibt es nicht (siehe §15); fahrlässigkeit ließe sich höchstens über 222 ansprechen
2. eine fahrlässige tötung iSd §222 zu prüfen halte ich für falsch, denn B hatte die feste absicht, A zu töten. anknüpfungspunkt ist doch das spritzen des tödlichen mittels, was bewusst mit dem ziel der tötung geschah. fahrlässig war höchstens, dass B den befund des A nicht überprüft hat - die tötung war bewusst und gewollt.
3. bei B würde ich auch direkt mit §§212 I 216 anfangen, zunächst den oTB des 212 bejahen, daran die privilegierung des 216 anknüpfen und diese wegen des fehlenden ernsthaften verlangens ablehnen. somit landest du wieder bei 212 und kannst dann dort im sTB den Irrtum des S ansprechen (denn der 16 II bezieht sich ja schließlich auf den vorsatz). im endeffekt bejahst du schließlich die strafbarkeit gem 216.
4. warum mit 212 I "solo" beginnen? das verlangen des A ist doch so eindeutig, dass die vorwegenommene prüfung des 212 wenig effizient ist. überdies wird in der kombination von 212, 216 im obersatz bereits deutlich, dass du 216 als privilegierung verstehst und nicht als eigenen tatbestand.
Verfasst am: 26 Aug 2008 - 09:28:25 Titel:
Ich schreibe auch diese HA und frage mich, wie das mit dem Merkmal der Habgier ist. Damit es ein Mord ist, müsste es nach der herrschenden Lehre bewusstseinsdominant und handlungsentscheidend sein. Hier ist es jedoch der fall, dass die Täterin aufgrund der Bitte handelt und die Habgier nebenmotiv ist. Unser Professor vertritt die Auffassung, es muss nicht handlungsleitend sein. Jedoch fehlen mir dazu Literaturquellen. Hat jemand diese Meinung schon mal wo gelesen??