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Timestamp: 2020-07-07 10:32:34
Document Index: 243548700

Matched Legal Cases: ['Art. 14', 'Art. 14', 'Art 14', '§ 32', '§ 11', 'Art. 14', 'BGH']

BVerfG, Beschluss v. 18.01.2006 - 2 BvR 2194/99 - NWB Urteile
BVerfG v. 18.01.2006 - 2 BvR 2194/99
BVerfG Beschluss v. 18.01.2006 - 2 BvR 2194/99
"Halbteilungsgrundsatz” keine absolute Obergrenze für Steuerbelastung mit Einkommen- und Gewerbesteuer
1. Zu der Frage, ob Art. 14 Abs. 1 Satz 1 und Abs. 2 Satz 2 GG eine absolute Obergrenze in der Nähe einer hälftigen Teilung („Halbteilungsgrundsatz”) für die Belastung mit Einkommen- und Gewerbesteuer bestimmt.
2. Die Belastung mit Steuern bietet den im Verhältnismäßigkeitsprinzip enthaltenen Geboten der Eignung und der Erforderlichkeit kaum greifbare Ansatzpunkte für eine Begrenzung. Jenseits „erdrosselnder”, die Steuerquelle selbst vernichtender Belastung, die schon begrifflich kaum noch als Steuer qualifiziert werden kann, werden Steuern mit dem Zweck, Einnahmen zur Deckung des staatlichen Finanzbedarfs zu erzielen, gemessen an diesem Zweck grundsätzlich immer geeignet und erforderlich sein. Allein aus der Verhältnismäßigkeit im engeren Sinne, im Rahmen einer Gesamtabwägung zur Angemessenheit und Zumutbarkeit der Steuerbelastung, können sich Obergrenzen für eine Steuerbelastung ergeben.
3. Die zu bewertende Intensität der Steuerbelastung insbesondere bei der Einkommensteuer wird nicht allein durch die Höhe des Steuersatzes bestimmt, sondern erst durch die Relation zwischen Steuersatz und Bemessungsgrundlage. Je breiter die Bemessungsgrundlage ausgestaltet ist, etwa durch Abschaffung steuerlicher Verschonungssubventionen oder Kürzung von Abzügen wegen beruflich oder privat veranlasster Aufwendungen, desto belastender wirkt sich derselbe Steuersatz für die Steuerpflichtigen aus. Entsprechend wirkt derselbe Steuersatz desto weniger belastend, je schmaler die Bemessungsgrundlage ausfällt, in je geringerem Umfang also die - durch großzügige Abzugstatbestände geminderten - Einnahmen in der Bemessungsgrundlage berücksichtigt werden.
4. Wählt der Gesetzgeber einen progressiven Tarifverlauf, ist es grundsätzlich nicht zu beanstanden, hohe Einkommen auch hoch zu belasten, soweit beim betroffenen Steuerpflichtigen nach Abzug der Steuerbelastung ein - absolut und im Vergleich zu anderen Einkommensgruppen betrachtet - hohes, frei verfügbares Einkommen bleibt, das die Privatnützigkeit des Einkommens sichtbar macht. Ist letzteres gewährleistet, liegt es weitgehend im Entscheidungsspielraum des Gesetzgebers, die Angemessenheit im Sinne vertikaler Steuergerechtigkeit selbst zu bestimmen. Auch wenn dem Übermaßverbot keine zahlenmäßig zu konkretisierende allgemeine Obergrenze der Besteuerung entnommen werden kann, darf allerdings die steuerliche Belastung auch höherer Einkommen für den Regelfall nicht so weit gehen, dass der wirtschaftliche Erfolg grundlegend beeinträchtigt wird und damit nicht mehr angemessen zum Ausdruck kommt.
(Leitsätze 2, 3, 4 nicht amtlich)
Gesetze: GG Art. 14 Abs. 1 Satz 1GG Art 14 Abs. 2 Satz 2EStG § 32aGewStG § 11
Instanzenzug: BFH Beschluss vom 11.08.1999 – XI R 77/97 BVerfG 2 BvR 2194/99 (Verfahrensverlauf)
Diese Gewährleistung ist nicht nur dann betroffen, wenn etwa - wie im Gefahrenabwehrrecht - dem Bürger aufgrund seiner Eigentümerstellung die Kosten einer Sanierungsmaßnahme auferlegt werden (vgl. BVerfGE 102, 1 <14 f.>), sondern jedenfalls auch dann, wenn Steuerpflichten - wie im Einkommen- und Gewerbesteuerrecht - an den Hinzuerwerb von Eigentum anknüpfen. Staatliche Polizeigewalt und Finanzgewalt gehören gleichermaßen zu den Materien des klassischen Eingriffsrechts (vgl. O. Mayer, Deutsches Verwaltungsrecht I, 1895, S. 245 ff., 378 ff., 388) und bildeten bereits den Hintergrund für die so genannte klassische Formel vom Eingriff in Freiheit und Eigentum als Gegenstand des Vorbehalts des Gesetzes (vgl. BVerfGE 40, 237 <249>; 47, 46 <78 f.); Krebs, Vorbehalt des Gesetzes und Grundrechte, 1975, S. 1, 17 ff.; Eckhoff, Der Grundrechtseingriff, 1992, S. 48 ff.). Ist es der Sinn der Eigentumsgarantie, das private Innehaben und Nutzen vermögenswerter Rechtspositionen zu schützen, greift auch ein Steuergesetz als rechtfertigungsbedürftige Inhalts- und Schrankenbestimmung (Art. 14 Abs. 1 Satz 2 GG) in den Schutzbereich der Eigentumsgarantie ein, wenn der Steuerzugriff tatbestandlich an das Innehaben von vermögenswerten Rechtspositionen anknüpft und so den privaten Nutzen der erworbenen Rechtspositionen zugunsten der Allgemeinheit einschränkt.
BVerwG 23.1.2019 - 9 C 2/18
BVerwG 23.1.2019 - 9 C 3/18
BVerwG 21.6.2018 - 9 C 2/17
FG Bremen 11.4.2012 - 2 K 2/12 (1)
FG Baden-Württemberg 11.1.2012 - 11 V 4024/11
FG Baden-Württemberg 11.1.2012 - 11 V 2661/11
BSG 17.3.2010 - B 12 KR 5/09 R
FG Düsseldorf 10.3.2010 - 4 K 3000/09 Erb
BGH 18.2.2010 - 4 ARs 16/09
BFH 26.11.2008 - III B 194/07
BFH 26.11.2008 - III B 197/07
BFH 14.3.2008 - II B 51/07
BFH 14.3.2008 - II B 50/07
BSG 7.3.2007 - B 12 KR 33/06 R
FG Köln 28.2.2007 - 13 K 4826/03
BFH 24.10.2006 - X B 39/04
FG München 20.9.2006 - 5 K 4604/06
BSG 13.9.2006 - B 12 KR 17/06 R
BSG 13.9.2006 - B 12 KR 1/06 R
BSG 13.9.2006 - B 12 KR 5/06 R
BSG 10.5.2006 - B 12 KR 6/05 R
BFH 3.8.2005 - I E 3/05
FG Münster 21.2.2002 - 3 K 8159/98 VSt
BFH/NV-Beilage 2006 S. 368 Nr. 3
DB 2006 S. 756 Nr. 14
DStR 2006 S. 555 Nr. 13
DStZ 2006 S. 245 Nr. 8
DStZ 2006 S. 269 Nr. 8
FR 2006 S. 635 Nr. 14
GStB 2006 S. 152 Nr. 5
HFR 2006 S. 507 Nr. 5
KÖSDI 2006 S. 15035 Nr. 4
NJW 2006 S. 1191 Nr. 17
NWB-Eilnachricht Nr. 13/2006 S. 1001
SJ 2006 S. 4 Nr. 8
StBW 2006 S. 1 Nr. 6
StuB-Bilanzreport Nr. 7/2006 S. 281
DAAAB-80025
Hutter, Kein Halbteilungsgrundsatz als Belastungsobergrenze bei der Einkommen- und Gewerbesteuer, NWB 24/2006 S. 2009