Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Gericht=BGH&Datum=28.03.2006&Aktenzeichen=XI%20ZR%20239/04
Timestamp: 2019-07-22 17:12:39
Document Index: 111235628

Matched Legal Cases: ['BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 172', 'Art. 1', '§ 1', '§ 171', 'Art. 1', '§ 1', '§ 794', 'Art. 1', '§ 1', '§ 134', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 1', '§ 171', 'BGH', '§ 172', '§ 242', '§ 242', 'BGH', 'BGH', '§ 242', '§ 172', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 134', 'BGH', 'BGH']

BGH, 28.03.2006 - XI ZR 239/04 - dejure.org
https://dejure.org/2006,483
BGH, 28.03.2006 - XI ZR 239/04 (https://dejure.org/2006,483)
BGH, Entscheidung vom 28.03.2006 - XI ZR 239/04 (https://dejure.org/2006,483)
BGH, Entscheidung vom 28. März 2006 - XI ZR 239/04 (https://dejure.org/2006,483)
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BGB § 172; RBerG Art. 1 § 1
BGB §§ 171, 172; RBerG Art. 1 § 1 ; ZPO § 794 Abs. 1 Nr. 5
Für Rechtsschein bei wegen Verstoß gegen Rechtsberatungsgesetz unwirksamer Vollmacht genügt Übersendung einer beglaubigten Abschrift mit notariellem Vermerk der Vorlage der Urschrift
Bindung an einen vom Bevollmächtigten geschlossenen Darlehensvertrag im Falle einer wegen Verstoßes gegen Art. 1 § 1 Rechtsberatungsgesetz i.V. mit § 134 BGB unwirksam erteilten notariellen Vollmacht; Zulässigkeit des Berufens auf die Nichtigkeit einer Vollstreckungsunterwerfung und Vereinbarkeit mit dem Grundsatz von Treu und Glauben; Beachtlichkeit der Situation des Vertreters bei Vertragsschluss für das Vorliegen einer Haustürsituation; Erlaubnisbedürftigkeit für eine ausschließlich oder hauptsächlich die rechtliche Abwicklung eines Grundstückserwerbs im Rahmen eines Steuersparmodells für den Erwerber besorgende Person
Zur Zulässigkeit einer Zwangsvollstreckung aus Grundschuldbestellungsurkunde trotz unwirksamer Vollmacht
Zur Frage der Bindung des Darlehensnehmers an eine wegen Verstoßes gegen das Rechtsberatungsgesetz unwirksame notarielle Vollmacht
Wirksamkeit von durch den unwirksam Bevollmächtigten geschlossenen Darlehensverträgen
Vollmacht nichtig bei Darlehensabschluss: Vertrag wirksam?
Zwangsvollstreckungsunterwerfung durch Treuhänder; Vertrauensschutz ohne Vollmachtsvorlage
Zusammenfassung von "Anmerkung zum Urteil des BGH vom 28.03.2006, Az.: XI ZR 239/04 (Vorliegen einer Haustürsituation)" von RA Dr. Henning von Sethe, original erschienen in: BKR 2006, 248 - 249.
LG Aachen, 25.09.2003 - 1 O 193/03
NJW 2006, 2118
ZIP 2006, 843
DNotZ 2006, 745
WM 2006, 853
DB 2006, 1053
Etwas anderes gilt nur dann, wenn eine verbraucherschützende Norm gerade an die Umstände des Vertragsschlusses anknüpft, also einen situativen Übereilungsschutz gewährleistet, den der Gesetzgeber aufgrund der mit der Verhandlungssituation verbundenen Gefahr einer unzulässigen oder unangemessenen Beeinflussung für erforderlich gehalten hat (BGH, Urteile vom 2. Mai 2000 - XI ZR 150/99, BGHZ 144, 223, 227 ff.; vom 28. März 2006 - XI ZR 239/04, NJW 2006, 2118 Rn. 18; [jeweils für das Widerrufsrecht gemäß § 1 HWiG aF];… Erman/Saenger, aaO;… BeckOK-BGB/Schmidt-Räntsch, aaO).
Zwar kann die Nichtigkeit der Vollmacht zur Abgabe einer Vollstreckungsunterwerfungserklärung wegen ihres prozessualen Charakters nicht mit Hilfe der §§ 171, 172 BGB überwunden werden (st.Rspr., siehe etwa BGHZ 154, 283, 287; Senatsurteile vom 21. Juni 2005 - XI ZR 88/04, WM 2005, 1520, 1521 m.w.Nachw. und vom 28. März 2006 - XI ZR 239/04, WM 2006, 853, 854).
Der für die Rechtsscheinhaftung im Sinne des § 172 Abs. 1 BGB maßgebende Anknüpfungspunkt besteht unter den zuletzt genannten Umständen in der beurkundeten Erklärung des Notars, dass ihm die notarielle Vollmachtsurkunde bei der Beurkundung entweder im Original oder in Ausfertigung vorgelegen habe (Senatsurteil vom 28. März 2006, aaO).
Allerdings entspricht es gefestigter Rechtsprechung des Bundesgerichtshofes, dass sich ein Darlehensnehmer, der nach dem Inhalt des Darlehensvertrages oder sonst schuldrechtlich verpflichtet ist, ein selbständiges Schuldversprechen mit einer Vollstreckungsunterwerfung abzugeben, sich gemäß § 242 BGB treuwidrig verhält, wenn er versucht, aus der bisherigen Nichterfüllung der Verpflichtung Vorteile zu ziehen (Senatsurteil vom 28. März 2006 - XI ZR 239/04, WM 2006, 853, 855 m.w.Nachw.).
Allerdings entspricht es gefestigter Rechtsprechung des Bundesgerichtshofes, dass sich ein Darlehensnehmer, der nach dem Inhalt des Darlehensvertrages oder sonst schuldrechtlich verpflichtet ist, ein selbständiges Schuldversprechen mit einer Vollstreckungsunterwerfung als die Grundschuld verstärkende Sicherheit abzugeben, gemäß § 242 BGB treuwidrig verhält, wenn er versucht, aus der bisherigen Nichterfüllung seiner Verpflichtungen Vorteile zu ziehen (Senatsurteil vom 28. März 2006 - XI ZR 239/04, WM 2006, 853, 855 m.w.Nachw.).
Die Vorschrift setzt voraus, dass der Beklagten spätestens bei Abschluss der Darlehensverträge eine Ausfertigung der die Geschäftsbesorgerin als Vertreterin der GbR ausweisenden notariellen Vollmachtsurkunde vorlag (st.Rspr., siehe z.B. BGHZ 102, 60, 63; Senat BGHZ 161, 15, 29 und Senatsurteil vom 28. März 2006 - XI ZR 239/04, aaO S. 855 m.w.Nachw.).
(1) Allerdings entspricht es gefestigter Rechtsprechung des Bundesgerichtshofes, dass ein Darlehensnehmer, der nach dem Inhalt des Darlehensvertrages oder sonst schuldrechtlich verpflichtet ist, ein selbständiges Schuldversprechen oder Schuldanerkenntnis mit einer Vollstreckungsunterwerfungserklärung als die Grundschuld verstärkende Sicherheit abzugeben, sich gemäß § 242 BGB treuwidrig verhält, wenn er versucht, aus der bisherigen Nichterfüllung seiner Verpflichtungen Vorteile zu ziehen (siehe etwa Senatsurteil vom 28. März 2006 - XI ZR 239/04, WM 2006, 853, 855 m.w.Nachw.).
Der danach anwendbare § 172 Abs. 1 BGB setzt voraus, dass der Beklagten spätestens bei Abschluss der Darlehensverträge eine Ausfertigung der die Geschäftsbesorgerin als Vertreterin der Kläger ausweisenden Vollmachtsurkunde vorlag (st.Rspr., vgl. nur Senat BGHZ 161, 15, 29 sowie Senat, Urteil vom 28. März 2006 - XI ZR 239/04, WM 2006, 853, 855 m.w.Nachw.).
Ist ein Darlehensnehmer nach dem Inhalt des Darlehensvertrages oder sonst schuldrechtlich verpflichtet, ein selbstständiges Schuldversprechen mit einer Vollstreckungsunterwerfungserklärung als die Grundschuld verstärkende Sicherheit abzugeben, verhält er sich treuwidrig, wenn er versucht, aus der bisherigen Nichterfüllung seiner Verpflichtungen Vorteile zu ziehen (st.Rspr., vgl. BGH, Urteile vom 22. Oktober 2003 - IV ZR 398/02, WM 2003, 2372, 2374 und vom 10. März 2004 - IV ZR 143/03, WM 2004, 922, 923; Senat, Urteile vom 27. September 2005 - XI ZR 79/04, BKR 2005, 501, 505, vom 28. März 2006 - XI ZR 239/04, WM 2006, 853, 855, vom 19. September 2006 - XI ZR 204/04, WM 2006, 2343, 2346, für BGHZ 169, 109 vorgesehen und vom 17. Oktober 2006 - XI ZR 185/05, WM 2007, 110, 113).
Der Geschäftsbesorgungsvertrag ist aufgrund der darin enthaltenen umfassenden Befugnisse wegen Verstoß gegen das RBerG gemäß § 134 BGB nichtig (vgl. BGH NJW 2006, 2118).
Ein ohne die Erlaubnis nach dem Rechtsberatungsgesetz geschlossener Rechtsbesorgungsvertrag, der - wie hier - so umfassende Befugnisse enthält, ist nichtig, wobei die Nichtigkeit neben der umfassenden Abschussvollmacht auch die zur Abgabe der Vollstreckungsunterwerfungserklärung erteilte Prozessvollmacht umfasst (BGH NJW 2006, 2118).