Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Text=VIII%20R%2028/79
Timestamp: 2019-07-18 20:33:52
Document Index: 105305432

Matched Legal Cases: ['§ 155', '§ 162', '§ 180', '§ 180', '§ 74', '§ 177', '§ 155', '§ 2', '§ 155', '§ 74', '§ 155', '§ 155', '§ 162', '§ 74', '§ 74', '§ 155', '§ 74', '§ 18', '§ 180', '§ 74', '§ 74']

BFH, 26.07.1983 - VIII R 28/79 - dejure.org
https://dejure.org/1983,254
BFH, 26.07.1983 - VIII R 28/79 (https://dejure.org/1983,254)
BFH, Entscheidung vom 26.07.1983 - VIII R 28/79 (https://dejure.org/1983,254)
BFH, Entscheidung vom 26. Juli 1983 - VIII R 28/79 (https://dejure.org/1983,254)
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AO 1977 § 155 Abs. 2, § 162 Abs. 3, § 180 Abs. 1 Nr. 2a, § 180 Abs. 3, zweite Alternative; FGO § 74
Zuständigkeit des FA - Feststellungsverfahren - Aussetzung des Verfahrens - Rechtmäßigkeit eines Steuerbescheids
BFHE 139, 335
BB 1984, 260
BStBl II 1984, 290
Über diese Frage ist, wenn hierüber Streit herrscht, im Rahmen des Feststellungsverfahrens zu entscheiden (BFH-Urteil vom 26. Juli 1983 VIII R 28/79, BFHE 139, 335, 340, BStBl II 1984, 290, 292).
Sollte hingegen die Beurteilung der Beteiligungseinkünfte dem Einkommensteuerverfahren entzogen sein, so muss auch im Zusammenhang mit § 177 Abs. 2 AO 1977 derjenige Ansatz als "richtig" angesehen werden, den das FA --im Rahmen einer nach § 155 Abs. 2 AO 1977 zulässigen Schätzung (BFH-Urteil in BFHE 139, 339 f., BStBl II 1984, 290, 292)-- in den bis zum Erlass des Feststellungsbescheids bestehenden Einkommensteuerbescheiden berücksichtigt hat.
Zu den gesondert festzustellenden Besteuerungsgrundlagen scheint nach dem Wortlaut dieser Vorschrift die Frage zu gehören, ob es sich bei Grundstückseinkünften um solche aus Gewerbebetrieb oder aus Vermietung und Verpachtung oder aus Spekulationsgeschäften (sonstige Einkünfte) handelt (…vgl. BFH-Urteile vom 1. Februar 1989 VIII R 49/84, BFH/NV 1990, 6;… vom 8. Oktober 1986 I R 58/83, BFH/NV 1987, 767, und vom 26. Juli 1983 VIII R 28/79, BFHE 139, 335, BStBl II 1984, 290), zumal, wie erwähnt, die Einkünftefeststellung im allgemeinen die Einkünftequalifizierung nach Maßgabe des § 2 Abs. 1 EStG logisch voraussetzt.
Ein Bescheid nach § 155 Abs. 2 AO 1977 darf jedoch nur ergehen, wenn sich der Erlaß des Grundlagenbescheids zwar verzögert, seine Erteilung aber beabsichtigt ist (BFH-Urteil in BFHE 139, 335, 339, BStBl II 1984, 290).
BFH, 12.11.1985 - IX R 85/82
Gesonderte und einheitliche Feststellung - Erforderlichkeit - Vorliegen von …
Er ist auch ohne entsprechende Verfahrensrüge zu beachten (Urteile des Bundesfinanzhofs - BFH - vom 14. Februar 1984 VIII R 126/82, BFHE 141, 124, BStBl II 1984, 580, und vom 26. Juli 1983 VIII R 28/79, BFHE 139, 335, BStBl II 1984, 290).
Nach der Rechtsprechung des BFH sind Änderungen auf dem Gebiet des Verwaltungsverfahrensrechts auch in einem rechtshängigen Gerichtsverfahren zu berücksichtigen (Urteile vom 8. Februar 1977 VIII R 50/74, BFHE 121, 379, BStBl II 1977, 516, und in BFHE 139, 335, BStBl II 1984, 290).
Auch in diesem Fall muß das FG das Klageverfahren gemäß § 74 FGO aussetzen, um den Ausgang des Verfahrens der gesonderten Feststellung abzuwarten (Urteil in BFHE 139, 335, BStBl II 1984, 290, 292, m. w. N.).
Ein Fall geringerer Bedeutung ist anzunehmen, wenn es sich um einen leicht überschaubaren Sachverhalt handelt, die Ermittlung der Einkünfte hinsichtlich Höhe und Zurechnung verhältnismäßig einfach und die Gefahr widersprüchlicher Entscheidungen nahezu ausgeschlossen ist (Urteil in BFHE 139, 335, BStBl II 1984, 290).
Hieraus sowie aus dem Wortlaut des § 155 Abs. 2 AO 1977 folgt, daß die Erteilung des angefochtenen Zinsbescheides und die Schätzung der einheitlich und gesondert festzustellenden Festsetzungsgrundlagen nur als vorläufige Maßnahme unter der Voraussetzung zulässig ist, daß sich der Erlaß des Grundlagenbescheids zwar verzögerte, seine Erteilung aber beabsichtigt war (BFH-Urteil vom 26. Juli 1983 VIII R 28/79, BFHE 139, 335, 339, BStBl II 1984, 290).
Hat das Wohnsitz-FA nicht im Verfahren nach § 155 Abs. 2 AO 1977 einen (Zins-)Bescheid mit nach § 162 Abs. 3 AO 1977 geschätzten Festsetzungsgrundlagen erlassen, sondern beim Erlaß dieses Bescheides seine Zuständigkeit zur endgültigen Entscheidung zu Unrecht in Anspruch genommen, so muß das Gericht das Verfahren gemäß § 74 FGO aussetzen, um den Ausgang eines Verfahrens der gesonderten Feststellung abzuwarten (Urteil in BFHE 139, 335, 340, BStBl II 1984, 290;… seither ständige Rechtsprechung des BFH, z.B. Urteile vom 5. März 1985 IX R 11/85, BFH/NV 1987, 341;… vom 29. April 1987 I R 167/83, BFH/NV 1987, 629).
Das Klageverfahren muß deswegen vom FG gemäß § 74 FGO ausgesetzt werden, um den Ausgang eines Verfahrens über die vorgreifliche Feststellung abzuwarten (vgl. BFH-Urteile vom 26. Juli 1983 VIII R 28/79, BFHE 139, 335, BStBl II 1984, 290; vom 9. Mai 1984 I R 25/81, BFHE 141, 252, BStBl II 1984, 726).
Ein ohne Rüge zu beachtender Verfahrensmangel wäre dann zu bejahen, wenn das FG unter Mißachtung der Vorgreiflichkeit des Feststellungsverfahrens endgültig über Fragen entschieden hätte, deren Prüfung dem Verfahren der einheitlichen und gesonderten Feststellung des Gewinns vorbehalten ist (vgl. Urteil des Bundesfinanzhofs - BFH - vom 26. Juli 1983 VIII R 28/79, BFHE 139, 335, BStBl II 1984, 290).
Anders als im Urteilsfall in BFHE 139, 335, BStBl II 1984, 290 waren hier bereits Feststellungsbescheide ergangen.
Die Regelung des § 155 Abs. 2 AO 1977 eröffnet nach ihrem Wortlaut und Sinn allerdings nur die Befugnis zu einer vorläufigen Maßnahme (BFH-Entscheidungen vom 26. Juli 1983 VIII R 28/79, BFHE 139, 335, BStBl II 1984, 290, 291; vom 15. April 1988 III R 26/85, BFHE 153, 98, BStBl II 1988, 660;… vom 19. April 1989 X R 3/86, BFHE 156, 383, BStBl II 1989, 596 sowie in BFH/NV 1987, 629).
Doch selbst wenn das FA im Streitfall seine Kompetenz verletzt und eine (dem äußeren Anschein nach) endgültige Entscheidung getroffen haben sollte, hätte das FG das Klageverfahren nicht in entsprechender Anwendung des § 74 FGO aussetzen und den Ausgang des bei ihm noch anhängigen Verfahrens gegen die Feststellungsbescheide abwarten müssen (vgl. dazu BFHE 139, 335, BStBl II 1984, 290, 291, und BFH-Urteil vom 9. Mai 1984 I R 25/81, BFHE 141, 252, BStBl II 1984, 726, 728; vgl. auch BFH-Urteil vom 2. September 1987 I R 162/84, BFHE 151, 104, BStBl II 1988, 142, 143).
Denn die Verletzung der §§ 18, 19 AO in der gemäß § 180 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 Buchst. b AO getroffenen Zuordnung ist ein nicht heilbarer Rechtsfehler (vgl. BFH-Urteil vom 11. Dezember 1987 III R 228/84, BFHE 152, 27, BStBl II 1988, 230), weil die Beachtung der Vorgreiflichkeit des Feststellungsverfahrens im Einkommensteuerveranlagungsverfahren hinsichtlich der gesondert festzustellenden Besteuerungsgrundlagen zu der auch im Revisionsverfahren von Amts wegen zu wahrenden Grundordnung des Verfahrens gehört (vgl. BFH-Urteile vom 26. Juli 1983 VIII R 28/79, BFHE 139, 335, BStBl II 1984, 290; vom 14. Februar 1984 VIII R 126/82, BFHE 141, 124, BStBl II 1984, 580, …und vom 19. Juli 1990 IV R 11/89, BFH/NV 1991, 649, sowie --zur gesonderten und einheitlichen Feststellung-- BFH-Urteile vom 14. Februar 2008 IV R 44/05, BFH/NV 2008, 1156;… vom 16. Dezember 2009 IV R 18/07, BFH/NV 2010, 1419).
Dieses muss das Verfahren mit Blick auf die nachzuholende Feststellung durch das für die Tätigkeit in S zuständige Finanzamt nach § 74 FGO aussetzen (vgl. BFH-Urteil in BFHE 139, 335, BStBl II 1984, 290; BFH-Beschlüsse vom 3. August 2000 III B 179/96, BFHE 192, 255, BStBl II 2001, 33;… vom 13. Dezember 2011 X B 127/11, BFH/NV 2012, 601).
Dieses muss das Verfahren mit Blick auf die nachzuholende Feststellung nach § 74 FGO aussetzen (vgl. BFH-Urteil vom 26. Juli 1983 VIII R 28/79, BFHE 139, 335, BStBl II 1984, 290; BFH-Beschlüsse vom 3. August 2000 III B 179/96, BFHE 192, 255, BStBl II 2001, 33;… vom 13. Dezember 2011 X B 127/11, BFH/NV 2012, 601).
Die Beachtung der Vorgreiflichkeit des Feststellungsverfahrens im Einkommensteuerveranlagungsverfahren hinsichtlich der gesondert festzustellenden Besteuerungsgrundlagen gehört zu der auch im Revisionsverfahren von Amts wegen zu wahrenden Grundordnung des Verfahrens (vgl. BFH-Urteile in BFHE 139, 335, BStBl II 1984, 290; vom 14. Februar 1984 VIII R 126/82, BFHE 141, 124, BStBl II 1984, 580, …und vom 19. Juli 1990 IV R 11/89, BFH/NV 1991, 649, sowie --zur gesonderten und einheitlichen Feststellung-- BFH-Urteile vom 14. Februar 2008 IV R 44/05, BFH/NV 2008, 1156;… vom 16. Dezember 2009 IV R 18/07, BFH/NV 2010, 1419).
Ob dem FA eine genauere Feststellung der Besteuerungsgrundlagen, die von Rechts wegen nur vorläufig sein kann, verwehrt ist (so Entscheidung in BFHE 139, 335, BStBl II 1984, 290), braucht an dieser Stelle nicht entschieden zu werden.
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