Source: http://www.anwalt24.de/rund-ums-recht/BVerfG_24_03_2011_1_BvR_2493_10_Stattgabe_eines_Antrags_auf_-d4384881.html
Timestamp: 2016-12-05 12:54:29
Document Index: 246340189

Matched Legal Cases: ['§ 93', 'Art. 3', 'Art. 3', '§ 93', 'Art. 3', 'Art. 20', '§ 114', '§ 121', '§ 73', '§ 121']

BVerfG, 24.03.2011 - 1 BvR 2493/10 - Stattgabe eines Antrags auf Wiedereinsetzung in den vorigen Stand bei Stellung eines Antrags auf Bewilligung von Prozesskostenhilfe und Beiordnung eines Rechtsanwalts innerhalb der Frist des § 93a Bundesverfassungsgerichtsgesetz (BVerfGG); Verletzung des Grundsatzes der Waffengleichheit zwischen Parteien als vornehmlicher Bewertungsmaßstab für die Frage der Beiordnung eines Rechtsanwalts | Urteile auf anwalt24.de
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BVerfG, 24.03.2011 - 1 BvR 2493/10 - Stattgabe eines Antrags auf Wiedereinsetzung in den vorigen Stand bei Stellung eines Antrags auf Bewilligung von Prozesskostenhilfe und Beiordnung eines Rechtsanwalts innerhalb der Frist des § 93a Bundesverfassungsgerichtsgesetz (BVerfGG); Verletzung des Grundsatzes der Waffengleichheit zwischen Parteien als vornehmlicher Bewertungsmaßstab für die Frage der Beiordnung eines Rechtsanwalts
BundesverfassungsgerichtBeschl. v. 24.03.2011, Az.: 1 BvR 2493/10Gericht: BVerfGEntscheidungsform: BeschlussDatum: 24.03.2011Referenz: JurionRS 2011, 14074Aktenzeichen: 1 BvR 2493/10 Verfahrensgang:vorgehend:SG Potsdam - 03.06.2008 - AZ: S 27 AS 3484/07LSG Berlin-Brandenburg - 11.01.2010 - AZ: L 10 B 1479/08Rechtsgrundlagen:Art. 3 Abs. 1 GGArt. 20 Abs. 3 GG§ 114 ZPO§ 121 Abs. 2 Alt. 1 ZPO§ 73a Abs. 1 SGGFundstellen:HRA 2011, 2-3info also 2011, 288NZS 2011, 775-776VuR 2011, 303-305WuM 2011, 352-355ZfSH/SGB 2011, 475-477Verfahrensgegenstand:Verfassungsbeschwerde des Herrn L...,a)den Beschluss des Landessozialgerichts Berlin-Brandenburg vom 11. Januar 2010 - L 10 B 1479/08 AS PKH -,b)den Beschluss des Sozialgerichts Potsdam vom 3. Juni 2008 - S 27 AS 3484/07 -und Antrag auf Wiedereinsetzung in den vorigen StandRedaktioneller Leitsatz:1.Die Erforderlichkeit im Sinne des § 121 Abs. 2 ZPO beurteilt sich nach dem Umfang und der Schwierigkeit der Sache sowie nach der Fähigkeit des Beteiligten, sich mündlich und schriftlich auszudrücken. Maßgeblich ist, ob ein Bemittelter in der Lage des Unbemittelten vernünftigerweise einen Rechtsanwalt mit der Wahrnehmung seiner Interessen beauftragt hätte. Davon ist regelmäßig dann auszugehen, wenn im Kenntnisstand und in den Fähigkeiten der Prozessparteien ein deutliches Ungleichgewicht besteht.2.In Grundsicherungsangelegenheiten stehen im Sozialgerichtsprozess dem PKH-Antragsteller regelmäßig rechtskundige und prozesserfahrene Vertreter einer Behörde gegenüber. In einem solchen Fall wird ein vernünftiger Rechtsuchender regelmäßig einen Rechtsanwalt einschalten. Die Frage, ob die Vertretung durch einen Rechtsanwalt erforderlich erscheint, kann nicht auf eine ausschließliche Beurteilung des Verhältnisses von Streitwert und Kostenrisiko reduziert werden.In dem Verfahren..hat die 3. Kammer des Ersten Senats des Bundesverfassungsgerichts durch den Vizepräsidenten Kirchhof,den Richter Schluckebier und die Richterin Baer am 24. März 2011 einstimmig beschlossen:Tenor:1Dem Antrag auf Wiedereinsetzung in den vorigen Stand wird stattgegeben.2Der Beschluss des Landessozialgerichts Berlin-Brandenburg vom 11. Januar 2010 - L 10 B 1479/08 AS PKH - und der Beschluss des Sozialgerichts Potsdam vom 3. Juni 2008 - S 27 AS 3484/07 - verletzen den Beschwerdeführer in seinem Anspruch auf Rechtsschutzgleichheit aus Artikel 3 Absatz 1 in Verbindung mit Artikel 20 Absatz 3 des Grundgesetzes und werden aufgehoben.3Die Sache wird zur Entscheidung an das Sozialgericht Potsdam zurückverwiesen.4Das Land Berlin und das Land Brandenburg haben dem Beschwerdeführer die notwendigen Auslagen je zur Hälfte zu erstatten.5Der Wert des Gegenstandes der anwaltlichen Tätigkeit wird auf 8.000 € (in Worten: achttausend Euro) festgesetzt.