Source: https://www.rechtslupe.de/verwaltungsrecht/das-fragerecht-des-abgeordneten-390905
Timestamp: 2019-11-17 08:33:13
Document Index: 298067466

Matched Legal Cases: ['Art. 45', 'Art. 45', 'Art. 84', '§ 14', '§ 36', '§ 14', 'Art. 38', 'Art. 45', '§ 36', '§ 14', 'Art. 3', 'Art. 55', '§ 36', '§ 14', '§ 37', 'Art. 45', 'Art. 45', 'Art. 45', 'Art. 45', '§ 50', 'Art. 45', 'Art. 45', 'Art. 45', '§ 50', 'Art. 45', 'Art. 24', '§ 100']

Das Fra­ge­recht des Abge­ord­ne­ten | Rechtslupe
Das Fra­ge­recht des Abge­ord­ne­ten
Vor dem Ver­fas­sungs­ge­richts­hof des Lan­des Ber­lin war jetzt der Antrag des Abge­ord­ne­ten Mar­tin Deli­us im Organ­streit­ver­fah­ren gegen den Ber­li­ner Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt wegen Ver­let­zung des Fra­ge­rechts über­wie­gend erfolg­reich. Der Ver­fas­sungs­ge­richts­hof des Lan­des Ber­lin hat dem Antrag des Mit­glieds des Abge­ord­ne­ten­hau­ses Mar­tin Deli­us auf Fest­stel­lung der Ver­let­zung sei­nes par­la­men­ta­ri­schen Fra­ge­rechts aus Art. 45 Abs. 1 der Ver­fas­sung von Ber­lin – VvB – durch den Senat von Ber­lin über­wie­gend statt­ge­ge­ben.
Die Ent­schei­dung im Über­blick
Zuläs­sig­keit des Organ­streit­ver­fah­rens
Fra­ge­recht der (Ber­li­ner) Abge­ord­ne­ten
Die streit­ge­gen­ständ­li­chen Fra­gen zum Flug­ha­fen BER
Die Ent­schei­dung im Über­blick[↑]
Der Antrag­stel­ler bean­stan­de­te die erst im ver­fas­sungs­ge­richt­li­chen Ver­fah­ren erfolg­te Beant­wor­tung von zwei Fra­gen, die Gegen­stand einer schrift­li­chen Anfra­ge zum The­men­kom­plex Flug­ha­fen BER waren. Seit Juni 2012 hat­te er hier­zu ins­ge­samt über 100 par­la­men­ta­ri­sche Anfra­gen an das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt gerich­tet.
Der Ver­fas­sungs­ge­richts­hof hat den Antrag für zuläs­sig gehal­ten. Das Rechts­schutz­be­dürf­nis des Abge­ord­ne­ten ent­fällt nicht durch das Nach­ho­len einer zuvor unter­blie­be­nen Aus­kunfts­er­tei­lung, wenn nicht das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt zugleich die Ver­pflich­tung aus Art. 45 Abs. 1 VvB vor­be­halt­los aner­kennt. Das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt hat­te die Ver­let­zung des Fra­ge­rechts des Abge­ord­ne­ten Deli­us bestrit­ten.
Dem ver­fas­sungs­recht­lich ver­bürg­ten Fra­ge­recht des Abge­ord­ne­ten ent­spricht eine grund­sätz­li­che Ant­wort­pflicht des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts. Der Infor­ma­ti­ons­an­spruch des Abge­ord­ne­ten wird ledig­lich durch das Gewal­ten­tei­lungs­prin­zip, das Staats­wohl, Grund­rech­te Drit­ter, den Schutz der Funk­ti­ons- und Arbeits­fä­hig­keit der Regie­rung sowie durch eine Miss­brauchs­gren­ze begrenzt. Will das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt von sei­ner grund­sätz­li­chen ver­fas­sungs­recht­li­chen Pflicht abwei­chen, Infor­ma­ti­ons­an­sprü­che der Abge­ord­ne­ten zu erfül­len, muss er inner­halb der in der Ver­fas­sung von Ber­lin bestimm­ten drei­wö­chi­gen Ant­wort­frist die Grün­de dafür dar­le­gen. Dem Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt ist hin­sicht­lich des Umfangs sei­ner Ant­wort auf beant­wor­tungs­be­dürf­ti­ge schrift­li­che Anfra­gen ein Spiel­raum ein­ge­räumt, der durch die Pflicht zur voll­stän­di­gen und zutref­fen-den Ant­wort begrenzt wird.
Das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt hat in dem vom Ver­fas­sungs­ge­richts­hof ent­schie­de­nen Ver­fah­ren gegen das Fra­ge­recht des Abge­ord­ne­ten Deli­us ver­sto­ßen, indem er in sei­ner Ant­wort nicht aus­ge­führt hat­te, wel­che von der schrift­li­chen Anfra­ge erfass­ten Sit­zungs­pro­to­kol­le ihm vom Bun­des­mi­nis­te­ri­um für Ver­kehr, Bau und Stadt­ent­wick­lung über­mit­telt wor­den sind. Dar­über hin­aus hat­te er zunächst nicht beant­wor­tet, ob er mit Sicher­heit aus­schlie­ßen kön­ne, dass ihn Pro-tokol­le auf ande­rem Wege erreicht haben. Die wei­te­re Teil­fra­ge des Antrag­stel­lers, ob das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt mit Sicher­heit aus­schlie­ßen kön­ne, dass ihm sämt­li­che Pro­to­kol­le in aller Voll­stän­dig­keit vor­lie­gen, hat­te der Antrags­geg­ner dage­gen aus­rei­chend beant­wor­tet.
Zuläs­sig­keit des Organ­streit­ver­fah­rens[↑]
Der Antrag ist zuläs­sig.
Der Antrag ist nach Art. 84 Abs. 2 Nr. 1 der Ver­fas­sung von Ber­lin – VvB, § 14 Nr. 1 VerfGHG statt­haft. Im Wege des Organ­streits kön­nen Ver­let­zun­gen oder Gefähr­dun­gen der durch die Ver­fas­sung von Ber­lin über­tra­ge­nen Rech­te und Pflich­ten durch Maß­nah­men oder Unter­las­sun­gen der in § 36 VerfGHG i. V. m. § 14 Nr. 1 VerfGHG bezeich­ne­ten Orga­ne gel­tend gemacht wer­den. Inso­fern kommt es nicht dar­auf an, ob es sich bei den gerüg­ten Ant­wor­ten des Antrags­geg­ners jeweils um eine Maß­nah­me in Form der Ver­wei­ge­rung einer hin­rei­chen­den Ant­wort oder um ein Unter­las­sen in Form einer pflicht­wid­ri­gen Nicht­be­ant­wor­tung oder einer nicht hin­rei­chen­den Beant­wor­tung der jewei­li­gen Anfra­ge han­delt 1.
Der Antrag­stel­ler wird als Abge­ord­ne­ter durch Art. 38 Abs. 4 und Art. 45 VvB sowie durch die Geschäfts­ord­nung des Abge­ord­ne­ten­hau­ses mit eige­nen Rech­ten aus­ge­stat­tet und ist damit gemäß § 36 VerfGHG i. V. m. § 14 Nr. 1 VerfGHG par­tei­fä­hig. Die Par­tei­fä­hig­keit des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts als obers­tem Lan­des­or­gan (Art. 3 Abs. 1 Satz 1 i. V. m. Art. 55 Abs. 1 VvB) folgt eben­falls aus § 36 i. V. m. § 14 Nr. 1 VerfGHG.
Der Antrag ist auch inner­halb der Sechs­mo­nats­frist des § 37 Abs. 3 VerfGHG gestellt wor­den.
Das Rechts­schutz­be­dürf­nis des Antrag­stel­lers an der Klä­rung der von ihm auf­ge­wor­fe­nen ver­fas­sungs­recht­li­chen Fra­ge besteht fort. Die­ses ist ins­be­son­de­re nicht dadurch nach­träg­lich ent­fal­len, dass der Antrags­geg­ner dem Antrag­stel­ler die mit der schrift­li­chen Anfra­ge begehr­ten Infor­ma­tio­nen im Lau­fe des Organ­streit­ver­fah­rens hat zukom­men las­sen. Das Rechts­schutz­be­dürf­nis ent­fällt grund­sätz­lich nicht durch das Nach­ho­len einer zuvor unter­blie­be­nen Aus­kunfts­er­tei­lung 2. Im Organ­streit­ver­fah­ren geht es nicht nur um die Durch­set­zung bestimm­ter Aus­kunfts­rech­te des Antrag­stel­lers, son­dern um die objek­ti­ve Klä­rung der zwi­schen den betei­lig­ten Orga­nen strei­ti­gen ver­fas­sungs­recht­li­chen Fra­gen. Durch die Ent­schei­dung soll in die­sem Bereich Rechts­frie­den auch für die Zukunft her­ge­stellt wer­den 3. Etwas ande­res gilt, wenn das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt nicht nur die Fra­ge beant­wor­tet, son­dern auch die vom Abge­ord­ne­ten behaup­te­te Ver­pflich­tung aus Art. 45 Abs. 1 VvB vor­be­halt­los aner­kennt 4. Ein sol­cher Fall liegt hier jedoch nicht vor. Der Antrags­geg­ner bestrei­tet wei­ter­hin eine Ver­let­zung des par­la­men­ta­ri­schen Fra­ge­rechts des Antrag­stel­lers.
Fra­ge­recht der (Ber­li­ner) Abge­ord­ne­ten[↑]
Abs. 1 Satz 1 VvB schützt das Recht jedes Abge­ord­ne­ten, sich im Abge­ord­ne­ten­haus und in den Aus­schüs­sen durch Rede, Anfra­gen und Anträ­ge an der Wil­lens­bil­dung und Ent­schei­dungs­fin­dung zu betei­li­gen. Die Rech­te der ein­zel­nen Abge­ord­ne­ten kön­nen nur inso­weit beschränkt wer­den, wie es für die gemein­schaft­li­che Aus­übung der Mit­glied­schaft im Par­la­ment not­wen­dig ist (Art. 45 Abs. 1 Satz 2 VvB). Das Fra­ge­recht wird nach Art. 45 Abs. 1 Satz 3 VvB durch schrift­li­che Anfra­gen und spon­ta­ne Fra­gen aus­ge­übt. Schrift­li­che Anfra­gen sind vom Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt grund­sätz­lich inner­halb von drei Wochen schrift­lich zu beant­wor­ten. Sie dür­fen nicht allein wegen ihres Umfangs zurück­ge­wie­sen wer­den, Art. 45 Abs. 1 Satz 4 VvB, § 50 Abs. 1 Sät­ze 2 bis 4 der Geschäfts­ord­nung des Abge­ord­ne­ten­hau­ses – GOAbgh -.
Das ver­fas­sungs­recht­lich ver­bürg­te Fra­ge­recht des Abge­ord­ne­ten, dem eine grund­sätz­li­che Ant­wort­pflicht des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts ent­spricht 5, dient als Min­der­hei­ten­recht in ers­ter Linie dazu, Infor­ma­tio­nen zur Kon­trol­le der Regie­rung zu gewin­nen. Es erstreckt sich daher nur auf Berei­che, für die die Regie­rung ver­ant­wort­lich ist 6. Begrenzt wird der Infor­ma­ti­ons­an­spruch des Abge­ord­ne­ten fer­ner durch das Gewal­ten­tei­lungs­prin­zip, das den Kern­be­reich exe­ku­ti­ver Eigen­ver­ant­wor­tung schützt 7, das Staats­wohl 8, Grund­rech­te Drit­ter 9 sowie den aus dem Ver­fas­sungs­ge­bot zu gegen­sei­ti­ger Rück­sicht­nah­me der Ver­fas­sungs­or­ga­ne fol­gen­den Schutz der Funk­ti­ons- und Arbeits­fä­hig­keit der Regie­rung 10. Das Fra­ge­recht wird auch durch eine Miss­brauchs­gren­ze beschränkt 11.
Will das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt von sei­ner grund­sätz­li­chen ver­fas­sungs­recht­li­chen Pflicht abwei­chen, Infor­ma­ti­ons­an­sprü­che der Abge­ord­ne­ten zu erfül­len, muss er die Grün­de dar­le­gen, aus denen er die erbe­te­nen Aus­künf­te ver­wei­gert. Der Abge­ord­ne­te kann sei­ne Auf­ga­be der par­la­men­ta­ri­schen Kon­trol­le des Regie­rungs­han­delns nur dann effek­tiv wahr­neh­men, wenn er anhand einer der jewei­li­gen Pro­blem­la­ge ange­mes­sen aus­führ­li­chen Begrün­dung beur­tei­len und ent­schei­den kann, ob er die Ver­wei­ge­rung der Ant­wort akzep­tiert oder ob er um ver­fas­sungs­ge­richt­li­chen Recht­schutz nach­sucht. Eine Begrün­dung der Ant­wort­ver­wei­ge­rung ist daher nur dann ent­behr­lich, wenn sie evi­dent ist 12. Die Erfül­lung der ver­fas­sungs­recht­li­chen Pflicht zur Benen­nung der Ableh­nungs­grün­de kann nicht in ein sich anschlie­ßen­des Organ­streit­ver­fah­ren ver­la­gert wer­den. Die­ses dient allein der Nach­prü­fung, ob ein bestimm­ter – abge­schlos­se­ner – Vor­gang den Abge­ord­ne­ten in sei­nen ver­fas­sungs­mä­ßi­gen Rech­ten ver­letzt. In der Antrags­er­wi­de­rung oder sonst im Ver­lauf des Organ­streit­ver­fah­rens erst­mals genann­te, d. h. nach­ge­scho­be­ne Grün­de kön­nen mit­hin eine bereits erfolg­te Ableh­nung der Beant­wor­tung einer Fra­ge nicht recht­fer­ti­gen 13.
Aller­dings ist dem Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt hin­sicht­lich des Umfangs sei­ner Ant­wort auf grund­sätz­lich beant­wor­tungs­be­dürf­ti­ge schrift­li­che Anfra­gen ein Spiel­raum ein­ge­räumt. Er darf unter ande­rem ent­schei­den, wie er sei­ne Ant­wort abfasst, in wel­chem Umfang er auf Ein­zel­hei­ten ein­geht und ob er sogleich oder erst nach gründ­li­cher Aus­ein­an­der­set­zung mit der Fra­ge ant­wor­tet. Zuläs­sig ist es danach auch, wenn ledig­lich zusam­men­fas­sen­de, sich auf den Kern der Fra­ge kon­zen­trie­ren­de Ant­wor­ten gege­ben wer­den 14. Begrenzt wird die­ser Ant­wort­spiel­raum jeweils durch die Pflicht des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts zur voll­stän­di­gen und zutref­fen­den Ant­wort 15.
Die streit­ge­gen­ständ­li­chen Fra­gen zum Flug­ha­fen BER[↑]
Der vor­lie­gen­de Antrag ist über­wie­gend begrün­det. Die Ant­wort des Regie­ren­den Bür­ger­meis­ters vom 24.03.2014 ver­letzt das Recht des Antrag­stel­lers aus Art. 45 Abs. 1 VvB in dem aus dem Tenor ersicht­li­chen Umfang.
Nach die­sen Maß­ga­ben ver­letzt die unter­blie­be­ne Beant­wor­tung der Fra­ge 1 und Fra­ge 2 (2. Teil) der schrift­li­chen Anfra­ge vom 03.03.2014 durch die Ant­wort des Antrags­geg­ners vom 24.03.2014 den Antrag­stel­ler in sei­nem Fra­ge­recht aus Art. 45 Abs. 1 VvB. Hin­sicht­lich der Fra­ge 2 (1. Teil) liegt dage­gen kein Ver­fas­sungs­ver­stoß vor.
Der Antrags­geg­ner hat in sei­ner Ant­wort vom 24.03.2014 weder aus­ge­führt, wel­che Pro­to­kol­le der Sit­zun­gen der "Soko BER" ihm vom Bun­des­mi­nis­te­ri­um für Ver­kehr, Bau und Stadt­ent­wick­lung über­mit­telt wor­den sind (Fra­ge 1), noch, ob er mit Sicher­heit aus­schlie­ßen kann, dass ihn Pro­to­kol­le auf ande­rem Wege erreicht haben (Fra­ge 2 – 2. Teil).
Das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt war dem Grun­de nach aber ver­pflich­tet, dem Antrag­stel­ler die genann­ten Infor­ma­tio­nen mit­zu­tei­len. Eine Aus­le­gung der schrift­li­chen Anfra­ge vom 03.03.2014 anhand der all­ge­mei­nen Aus­le­gungs­grund­sät­ze 16 dahin­ge­hend, dass es dem Antrag­stel­ler nicht im Wesent­li­chen um die kon­kre­te Benen­nung der vom Bun­des­mi­nis­te­ri­um für Ver­kehr, Bau und Stadt­ent­wick­lung über­mit­tel­ten Pro­to­kol­le der Sit­zun­gen der "Soko BER" (Fra­ge 1) bzw. der Über­mitt­lung von Pro­to­kol­len auf ande­ren Wegen als durch das Bun­des­mi­nis­te­ri­um für Ver­kehr, Bau und Stadt­ent­wick­lung (Fra­ge 2 – 2. Teil) ging, ist ange­sichts des ein­deu­ti­gen Wort­lauts der Fra­gen nicht mög­lich.
Eine aus­nahms­wei­se Befrei­ung des Antrags­geg­ners von sei­ner grund­sätz­li­chen Ant­wort­ver­pflich­tung ist nicht ersicht­lich. Soweit die Antrags­er­wi­de­rung unter Hin­weis auf eine gro­ße Zahl par­la­men­ta­ri­scher Anfra­gen zum The­men­kom­plex BER seit Juni 2012 erst­ma­lig eine mög­li­che Beein­träch­ti­gung der Funk­ti­ons- und Arbeits­fä­hig­keit des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts andeu­tet, ist die­se Begrün­dung für das Unter­blei­ben der Infor­ma­ti­ons­er­tei­lung bereits nicht recht­zei­tig mit der Infor­ma­ti­ons­ver­wei­ge­rung erfolgt.
Dar­über hin­aus hat der Antrags­geg­ner auch nicht dar­ge­tan, dass die kon­kre­te Beant­wor­tung der Fra­gen 1 und 2 (2. Teil) inner­halb der Drei­wo­chen­frist aus Art. 45 Abs. 1 Satz 4 VvB, § 50 Abs. 1 Satz 3 GOAbgh nicht mög­lich gewe­sen wäre. Hier­für ist ange­sichts des Umfangs der in der Antrags­er­wi­de­rung ent­hal­te­nen Infor­ma­tio­nen auch sonst nichts ersicht­lich.
Ohne Erfolg wen­det der Antrags­geg­ner schließ­lich ein, er habe sich ange­sichts erkenn­ba­ren Infor­ma­ti­ons­in­ter­es­ses hin­sicht­lich der Zahl und des Datums der erhal­te­nen Pro­to­kol­le sowie der Art und Wei­se der Erlan­gung bei sei­ner Ant­wort zuläs­si­ger­wei­se auf den Kern der Fra­gen 1 und 2 (2. Teil) kon­zen­triert. Der Antrags­geg­ner kann sich inso­weit nicht auf sei­ne Ein­schät­zungs­prä­ro­ga­ti­ve beim Umfang der von ihm geschul­de­ten Ant­wor­ten beru­fen. Führt die zusam­men­fas­sen­de Beant­wor­tung von in einer schrift­li­chen Anfra­ge ent­hal­te­nen Teil­fra­gen dazu, dass die­se voll­stän­dig unbe­ant­wor­tet blei­ben, betrifft dies die grund­sätz­lich bestehen­de Ant­wort­pflicht des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts (das "Ob"), wäh­rend ein Ein­schät­zungs­spiel­raum nur hin­sicht­lich der Art und Wei­se der Beant­wor­tung (des "Wie") anzu­neh­men sein kann. In die­sem Zusam­men­hang steht es dem Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt nicht zu, die Ziel­rich­tung der Fra­gen von Abge­ord­ne­ten zu beur­tei­len; viel­mehr müs­sen die­se selbst dar­über befin­den kön­nen, wel­cher Infor­ma­tio­nen sie für eine ver­ant­wort­li­che Erfül­lung ihrer Auf­ga­ben bedür­fen 17.
Für die Beur­tei­lung, ob die Beant­wor­tung einer schrift­li­chen Anfra­ge das Fra­ge­recht des Abge­ord­ne­ten aus Art. 45 Abs. 1 VvB ver­letzt, ist schließ­lich uner­heb­lich, ob eine wil­lent­li­che Aus­kunfts­ver­wei­ge­rung oder eine Ver­hül­lungs­ab­sicht des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts vor­ge­le­gen hat. Ver­schul­dens­as­pek­te spie­len inso­weit kei­ne Rol­le.
Die Fra­ge des Antrag­stel­lers, ob das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt mit Sicher­heit aus­schlie­ßen kön­ne, dass ihm sämt­li­che Pro­to­kol­le der "Soko BER" in aller Voll­stän­dig­keit vor­lie­gen (Fra­ge 2 – 1. Teil), hat der Antrags­geg­ner dage­gen aus­rei­chend beant­wor­tet. Die gewähl­te Art der Abfas­sung der Ant­wort hält sich inner­halb sei­nes Ein­schät­zungs­spiel­raums. Der Antrags­geg­ner hat in sei­ner Ant­wort vom 24.03.2014 aus­ge­führt, es han­de­le sich um kei­ne gemein­sa­me Arbeits­grup­pe der drei Gesell­schaf­ter, son­dern um eine ver­wal­tungs­in­ter­ne Arbeits­ein­heit des Bun­des, die zur Mei­nungs­bil­dung eines Gesell­schaf­ters ein­ge­rich­tet wor­den sei. Es sei daher nach­voll­zieh­bar, dass deren Unter­la­gen nicht durch­gän­gig wei­ter­ge­ge­ben wor­den sei­en. Hier­aus wird hin­rei­chend deut­lich, dass dem Antrags­geg­ner nicht sämt­li­che Sit­zungs­pro­to­kol­le vor­la­gen.
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vgl. BVerfG, Urteil vom 21.10.2014 – 2 BvE 5/​11 106[↩]
vgl. Nie­der­säch­si­scher Staats­ge­richts­hof, Urteil vom 17.08.2012 – 1/​12, StGH 1/​12 50; VerfG Bran­den­burg, Beschlüs­se vom 28.03.2001 – 46/​00 34; und vom 16.11.2000 – 31/​00 47[↩]
vgl. Baye­ri­scher VerfGH, Ent­schei­dung vom 22.05.2014 – Vf. 53-IVa-13 25 m. w. N.[↩]
vgl. VerfGH Sach­sen, Beschluss vom 18.03.2004 – Vf. 62-I-03[↩]
vgl. BVerfG, Urteil vom 21.10.2014, a. a. O. 130 m. w. N.[↩]
vgl. BVerfG, Urteil vom 21.10.2014, a. a. O. 135; Baye­ri­scher VerfGH, Ent­schei­dung vom 22.05.2014, a. a. O. 33, jeweils m. w. N.[↩]
vgl. BVerfG, Urteil vom 21.10.2014, a. a. O. 136; VerfGH Sach­sen, Urteil vom 30.09.2014 – Vf. 69-I-13 24[↩]
vgl. BVerfG, Urteil vom 21.10.2014, a. a. O. 150; Ham­bur­gi­sches VerfG, Urteil vom 06.11.2013 – HVerfG 6/​12 55[↩]
vgl. BVerfG, Urteil vom 21.10.2014, a. a. O. 154[↩]
vgl. VerfG Meck­len­burg-Vor­pom­mern, Urteil vom 23.01.2014 – LVerfG 8/​13 22; Ham­bur­gi­sches VerfG, Urteil vom 06.11.2013, a. a. O.[↩]
Ham­bur­gi­sches VerfG, Urteil vom 06.11.2013, a. a. O. 56 m. w. N.[↩]
vgl. BVerfG, Urteil vom 21.10.2014, a. a. O. 157[↩]
vgl. VerfGH Sach­sen, Urteil vom 30.09.2014, a. a. O. 26; Baye­ri­scher VerfGH, Ent­schei­dung vom 11.09.2014, a. a. O. 40, jeweils m. w. N.[↩]
vgl. Baye­ri­scher VerfGH, Ent­schei­dung vom 06.06.2011, a. a. O. 102[↩]
vgl. VerfGH NRW, Urteil vom 19.08.2008 – 7/​07 249[↩]
vgl. Nie­der­säch­si­scher Staats­ge­richts­hof, Urteil vom 17.08.2012 – StGH 1/​12 56[↩]
vgl. VerfG Meck­len­burg-Vor­pom­mern, Urteil vom 23.01.2014, a. a. O. 21 m. w. N.[↩]
LandtagParlamentarische Anfrage