Source: http://www.uuv24.eu/geringwertige-wirtschaftsguumlter.html
Timestamp: 2018-08-20 06:52:44
Document Index: 321543600

Matched Legal Cases: ['§ 6', '§ 13', '§ 5', '§ 254', '§ 5', '§ 6', '§ 9', '§ 9', '§ 6', '§ 7', '§ 6', '§ 6', '§ 9', '§ 6', '§ 6', '§ 6', '§ 4', '§ 6', '§ 6', '§ 6', '§ 6', '§ 6', '§ 6', '§ 6', '§ 6', '§ 7', '§ 6']

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Geringwertige Wirtschaftsgüter :
1. Voraussetzungen der Sofortabschreibung
Die Sofortabschreibung geringwertiger Wirtschaftsgüter setzt Folgendes voraus:
Einen Berechtigten mit Gewinn- oder Überschusseinkünften (s. Tz. 1.1),
abnutzbare bewegliche Wirtschaftsgüter des Anlagevermögens, die angeschafft, hergestellt, eingelegt oder dem Betrieb anlässlich seiner Eröffnung zugeführt werden (s. Tz. 1.2),
die selbstständige Nutzungsfähigkeit der Wirtschaftsgüter (s. Tz. 1.3),
Anschaffungs- oder Herstellungskosten, vermindert um einen darin enthaltenen Vorsteuerbetrag, oder Einlage- oder Betriebseröffnungswerte, die 410 EUR nicht übersteigen (s. Tz. 1.4) und
die Führung eines besonderen Verzeichnisses (bei Anschaffung, Herstellung oder Einlage nach dem 31.12.2009 nur, wenn die Anschaffungs- oder Herstellungskosten 150 EUR übersteigen; s. Tz. 1.5).
1.1. Berechtigte
Die Sofortabschreibung gilt gem. § 6 Abs. 2 EStG für Unternehmer mit Gewinneinkünften jeder Art. Ausgenommen davon sind Land- und Forstwirte mit Durchschnittssatzgewinnermittlung nach § 13a EStG.
Bei einem nach Handelsrecht buchführungspflichtigen oder freiwillig Bücher führenden Kaufmann war die Inanspruchnahme der Bewertungsfreiheit in der Vergangenheit davon abhängig, dass er das Wahlrecht in gleicher Weise auch in der Handelsbilanz ausübt (§ 5 Abs. 1 Satz 2 EStG i. V. m. §§ 254, 279 Abs. 2 HGB a. F.). Heute gilt diese Abhängigkeit von der Handelsbilanz nach § 5 Abs. 1 Satz 1 EStG nicht mehr.
Für Bezieher von Überschusseinkünften, z. B. Vermietung und Verpachtung oder nichtselbstständige Arbeit, gilt § 6 Abs. 2 EStG entsprechend (§ 9 Abs. 1 Satz 2 Nr. 7 EStG). Die Anwendung ist allerdings auf Anschaffung oder Herstellung von Arbeitsmitteln beschränkt.
Werden nach § 9 Abs. 1 Satz 2 Nr. 7 EStG abgeschriebene Arbeitsmittel in einen Betrieb eingelegt, können sie erneut abgeschrieben werden, wenn die Einlage mehr als 3 Jahre nach der Anschaffung oder Herstellung erfolgt. Innerhalb dieses 3-Jahreszeitraums ist die Einlage mit den fortgeführten Anschaffungs- oder Herstellungskosten und damit mit 0 EUR zu bewerten (§ 6 Abs. 1 Nr. 5 EStG).
Die erstmalige Verwendung eines Arbeitsmittels zur Erzielung außerbetrieblicher Einkünfte nach vorheriger privater Nutzung berechtigt dagegen nicht zur Sofortabschreibung, weil die Überschusseinkünfte keinen einer Einlage ins Betriebsvermögen vergleichbaren Tatbestand kennen.
1.2. Abnutzbare bewegliche Wirtschaftsgüter des Anlagevermögens
Der Begriff des beweglichen Wirtschaftsguts schränkt die Begünstigung auf körperliche Wirtschaftsgüter ein. Für unbewegliche Wirtschaftsgüter (Gebäudeteile) sowie immaterielle Wirtschaftsgüter, Forderungen, Wertpapiere und Beteiligungen ist die Sofortabschreibung nicht anwendbar.
Das Wirtschaftsgut muss bei betrieblichen Einkünften zu Anlagevermögen werden. Es darf nicht zum Umlaufvermögen gehören. Es muss überdies abnutzbar sein, also einem technischen oder wirtschaftlichen Verschleiß unterliegen (§ 7 EStG). Die Bewertungsfreiheit entfällt demnach z. B. für seltene antiquarische Ausstellungsstücke und Sammelobjekte, für die keine AfA vorgenommen werden darf. Dies ist unabhängig davon, ob die Anschaffungskosten den Grenzbetrag des § 6 Abs. 2 EStG übersteigen.
1.3. Selbstständige Nutzungsfähigkeit
Die Sofortabschreibung gilt nur für selbstständig nutzungsfähige Wirtschaftsgüter. § 6 Abs. 2 Sätze 2 und 3 EStG grenzt negativ ab, wann ein Wirtschaftsgut einer selbstständigen Nutzung nicht fähig ist. Dies ist der Fall, wenn
Das Wirtschaftsgut bleibt auch dann nicht selbstständig nutzungsfähig, wenn es aus dem bestehenden betrieblichen Nutzungszusammenhang gelöst und in einen anderen Nutzungszusammenhang eingefügt werden kann.
Danach sind mehrere Wirtschaftsgüter als Einheit anzusehen, wenn sie als einheitliches Ganzes nach außen in Erscheinung treten und dem Betrieb nur in dieser Verbindung nutzbar sind. Das der Sofortabschreibung entgegenstehende Merkmal des einheitlichen Ganzen ergibt sich vielfach aus der betrieblich bedingten Art und Dauer der Verbindung und der Abstimmung der verbundenen Wirtschaftsgüter aufeinander. Dabei können die Festigkeit der Verbindung, ihre technische Gestaltung und ihre Dauer von Bedeutung sein.
1.4. Betragsmäßige Grenze
Die Anschaffungs- oder Herstellungskosten sowie der Einlagewert dürfen für das einzelne Wirtschaftsgut 410 EUR nicht übersteigen. In den Jahren 2008 und 2009 betrug dieser Grenzbetrag 150 EUR. Beträgt der maßgebliche Wert genau 410 EUR, kann die Sofortabschreibung noch vorgenommen werden.
Für die Beurteilung, ob die betragsmäßige Grenze von 410 EUR überschritten ist oder nicht, ist immer von den Anschaffungs- oder Herstellungskosten abzüglich eines darin enthaltenen Vorsteuerbetrags auszugehen (Nettowarenwert). Dies gilt selbst dann, wenn die Vorsteuerbeträge nicht abziehbar sind und nach § 9b EStG zu den Anschaffungs- oder Herstellungskosten zählen.
1.5. Besonderes Verzeichnis
Wirtschaftsgüter, für welche die Bewertungsfreiheit nach § 6 Abs. 2 EStG in Anspruch genommen wird, sind bei Anschaffung, Herstellung oder Einlage nach dem 31.12.2009 in einem besonderen laufend zu führenden Verzeichnis festzuhalten, wenn die geforderten Angaben sich nicht bereits aus der Buchführung ergeben. Diese Regelungen zur Führung eines gesonderten Verzeichnisses gelten nur für solche Wirtschaftsgüter, deren Anschaffungs- oder Herstellungskosten oder Einlagewerte den Betrag von 150 EUR übersteigen (§ 6 Abs. 2 Satz 4 EStG). Bei Anschaffung, Herstellung oder Einlage nach dem 31.12.2007 und vor dem 1.1.2010 waren besondere Aufzeichnungen gesetzlich nicht vorgesehen.
Wichtig : Keine Aufführung im Verzeichnis
Die Anschaffungs- oder Herstellungskosten von Anlagegütern mit Anschaffungs- oder Herstellungskosten bis zu 150 EUR müssen nicht in dem Verzeichnis oder in der Buchführung aufgeführt werden.
1.6. Ausübung des Wahlrechts
Das für Anschaffung, Herstellung oder Einlage des Wirtschaftsguts nach dem 31.12.2009 geltende Wahlrecht muss im Jahr seiner Anschaffung, Herstellung, Einlage oder Betriebseröffnung ausgeübt werden. Wird von ihm Gebrauch gemacht, sind die Aufwendungen in diesem Jahr als Betriebsausgaben abzusetzen. Ein Bilanzansatz unterbleibt. Auch ein Erinnerungswert von 1 EUR muss nicht ausgewiesen werden.
Wird die Bewertungsfreiheit nicht in Anspruch genommen, ist ihre Nachholung in späteren Veranlagungszeiträumen unzulässig. Die Aufwendungen sind vielmehr zu aktivieren und auf die betriebsgewöhnliche Nutzungsdauer abzuschreiben, soweit ihre Anschaffungs- oder Herstellungskosten nicht dem Sammelposten nach § 6 Abs. 2a EStG zugeführt werden (vgl. Tz. 2.2). Das Wahlrecht zur Sofortabschreibung geringwertiger Wirtschaftsgüter muss grundsätzlich ausgeübt werden, solange eine Steuerfestsetzung noch nicht erfolgt ist. Anderenfalls kann das Wahlrecht jederzeit noch ausgeübt, geändert oder widerrufen werden, solange die Steuerfestsetzung verfahrensrechtlich noch änderbar ist und insoweit das Verbot der Bilanzänderung nach § 4 Abs. 2 EStG dem nicht entgegensteht.
Wurde das Wirtschaftsgut nach dem 31.12.2007 und vor dem 1.1.2010 angeschafft, hergestellt oder in das Betriebsvermögen eingelegt, hatte der Steuerpflichtige kein Wahlrecht, ob er die Sofortabschreibung nach § 6 Abs. 2 EStG in Anspruch nimmt oder nicht. Die Anschaffungs- oder Herstellungskosten bzw. der an deren Stelle tretende Wert waren bis zu einem Grenzwert von 150 EUR vielmehr zwingend im Jahr der Anschaffung, Herstellung, Einlage oder Betriebseröffnung als Betriebsausgaben anzusetzen, wenn das Wirtschaftsgut die Voraussetzungen des § 6 Abs. 2 EStG erfüllt.
2. Einstellung in einen Sammelposten
2.1. Regelung in den Jahren 2008 und 2009
Betrugen bei Anschaffung, Herstellung oder Einlage eines Wirtschaftsguts nach dem 31.12.2007 und vor dem 1.1.2010 die Anschaffungs- oder Herstellungskosten bzw. der Einlagewert netto mehr als 150 EUR, waren die Kosten bzw. der Einlagewert nicht sofort als Betriebsausgabe zu berücksichtigen. Grundsätzlich sind die ­Aufwendungen bei abnutzbaren Wirtschaftsgütern auf die Nutzungsdauer zu verteilen. Dies galt jedoch nicht für solche Wirtschaftsgüter, deren Anschaffungs- oder Herstellungskosten bzw. an deren Stelle tretende Einlagewerte zwar 150 EUR, nicht aber 1.000 EUR übersteigen.
Nach § 6 Abs. 2a EStG waren die Anschaffungs- oder Herstellungskosten bzw. Einlagewerte solcher Wirtschaftsgüter jährlich zwingend in einen Sammelposten einzustellen, der im Jahr der Anschaffung, Herstellung oder Einlage sowie in den 4 folgenden Wirtschaftsjahren mit jeweils 1/5 gewinnmindernd aufzulösen ist. Die tatsächliche Nutzungsdauer der dem Sammelposten zugeführten Wirtschaftsgüter war ohne Bedeutung. Ebenso war es für die Höhe und die Auflösung des Sammelpostens ohne Auswirkung, wenn ein Wirtschaftsgut vor Ablauf der 5 Jahre aus dem Betriebsvermögen ausschied.
2.2. Regelung ab 2010
Wirtschaftsgüter, deren Anschaffungs- oder Herstellungskosten oder Einlagewerte 150 EUR, nicht aber 410 EUR übersteigen, können bei entsprechender Wahlrechtsausübung als geringwertige Wirtschaftsgüter nach § 6 Abs. 2 EStG abgeschrieben werden. Alternativ können diese bis zu einem Grenzwert von 1.000 EUR wie in den Jahren 2008 und 2009 einem Sammelposten nach § 6 Abs. 2a EStG zugeführt werden, der über 5 Jahre gewinnmindernd aufzulösen ist.
Die Bildung des Sammelpostens gilt somit ab 2010 weiterhin für Wirtschaftsgüter mit Anschaffungs- oder Herstellungskosten oder Einlagewerten von mehr als 150 EUR bis einschließlich 1.000 EUR. Will der Unternehmer von seinem Wahlrecht zur Bildung eines Sammelpostens Gebrauch machen, gilt diese Wahlrechtsausübung einheitlich für alle im jeweiligen Wirtschaftsjahr angeschafften, hergestellten und eingelegten Wirtschaftsgüter mit Einstandskosten von mehr als 150 EUR und nicht mehr als 1.000 EUR. § 6 Abs. 2 EStG ist insoweit nicht anzuwenden. Auch dieses Wahlrecht kann ausgeübt oder geändert werden, solange noch keine bestandskräftige Steuerfestsetzung erfolgt ist. Für die Bildung und Auflösung des Sammelpostens gelten die unter Tz. 2.1 dargestellten Regelungen entsprechend.
Eine Sonderstellung nehmen Wirtschaftsgüter ein, deren Anschaffungs- oder Herstellungskosten oder Einlagewerte 150 EUR nicht übersteigen. Deren Einstandswerte können auf keinen Fall dem Sammelposten nach § 6 Abs. 2a EStG zugeführt werden. Für diese Wirtschaftsgüter bleibt nach § 6 Abs. 2a Satz 4 EStG das Wahlrecht bestehen, die Anschaffungs- oder Herstellungskosten bzw. den Einlagewert im Jahr der Anschaffung, Herstellung oder Einlage sofort als Betriebsausgabe zu berücksichtigen. Anderenfalls sind die Wirtschaftsgüter nach § 7 EStG über die betriebsgewöhnliche Nutzungsdauer abzuschreiben.
3. Nachträgliche Anschaffungs- oder Herstellungskosten
Dies bedeutet, dass ein Wirtschaftsgut auch dann weiterhin ein geringwertiges Wirtschaftsgut bleibt, wenn durch die nachträglichen Anschaffungs- oder Herstellungskosten der Grenzwert von 410 EUR überschritten wird. Die nachträglichen Anschaffungs- oder Herstellungskosten selbst sind im Jahr ihres Entstehens ebenfalls unabhängig von ihrer Höhe sofort abziehbare Betriebsausgaben oder Werbungskosten.
Wurden die Anschaffungs- oder Herstellungskosten des Wirtschaftsguts dem Sammelposten nach § 6 Abs. 2a EStG zugeführt, ergibt sich auch in diesem Fall durch nachträgliche Anschaffungs- oder Herstellungskosten keine Änderung. Der Sammelposten ist unverändert fortzuführen und aufzulösen. Dies gilt auch, wenn durch die nachträglichen Anschaffungs- oder Herstellungskosten der Grenzwert von 1.000 EUR überschritten wird. Die nachträglichen Anschaffungs- oder Herstellungskosten selbst sind im Jahr ihres Entstehens dem für dieses Wirtschaftsjahr zu bildenden Sammelposten zuzuführen und planmäßig über 5 Wirtschaftsjahre aufzulösen.
Anschaffungs- oder Herstellungskosten, Einlagewert
≤ 60 EUR
≥ 60 EUR,
≥ 150 EUR,
≥ 410 EUR,
sofort abziehbar,
ohne Verzeichnis
sofort abzuziehen,
Sammelposten zwingend, ohne Verzeichnis
sofort abziehbar
oder Sammelposten
Sammelposten optional,