Source: https://www.rechtslupe.de/zivilrecht/abtretung-der-erstattungansprueche-von-mietwagenkosten-nach-einem-verkehrsunfall-328736
Timestamp: 2020-06-03 12:00:14
Document Index: 1239628

Matched Legal Cases: ['§ 134', '§ 1', '§ 1', '§ 3', '§ 5', '§ 1', '§ 5', '§ 2', '§ 2', '§ 2', '§ 2', 'Art. 1', '§ 1', '§ 2', '§ 5', '§ 249', '§ 2', 'Art. 1', '§ 1', '§ 17', '§ 5', '§ 5', '§ 5', '§ 5', '§ 5', '§ 5', '§ 5', '§ 5', '§ 5', '§ 5', '§ 5', '§ 5', '§ 5', '§ 249', '§ 249', '§ 249', '§ 134', 'BGH', 'BGH', 'BGH']

Abtretung der Erstattungansprüche von Mietwagenkosten nach einem Verkehrsunfall | Rechtslupe
Abtretung der Erstattungansprüche von Mietwagenkosten nach einem Verkehrsunfall
Die Abtre­tung von Ansprü­chen auf Erstat­tung von Miet­wa­gen­kos­ten an das Miet­wa­gen­un­ter­neh­men nach einem Ver­kehrs­un­fall ist nach Ansicht des Land­ge­richts Stutt­gart gemäß § 134 BGB wegen eines Ver­sto­ßes gegen §§ 1, 2, 3 und 5 RDG nich­tig [1].
Das Rechts­dienst­leis­tungs­ge­setz, so das Land­ge­richt Stutt­gart, dient dazu, die Recht­su­chen­den, den Rechts­ver­kehr und die Rechts­ord­nung vor unqua­li­fi­zier­ten Rechts­dienst­leis­tun­gen zu schüt­zen, § 1 Abs.1 Satz 2 RDG. Des­halb sind Rechts­dienst­leis­tun­gen nur in dem Umfang zuläs­sig, wie sie aus­drück­lich erlaubt sind, § 3 RDG. Der Auf­fas­sung, dass es der kla­re Wil­le des Gesetz­ge­bers sei, dass Miet­wa­gen­un­ter­neh­men künf­tig abge­tre­te­ne Ersatz­an­sprü­che nach Ver­kehrs­un­fäl­len als Rechts­dienst­leis­tun­gen für ihre Kun­den in eige­nem Namen gel­tend machen kön­nen, ist, so das Land­ge­richt in sei­nen Urteils­grün­den wei­ter, jeden­falls für den kon­kre­ten Fall nicht zuzu­stim­men.
Rich­tig ist, dass in der Geset­zes­be­grün­dung zum ursprüng­li­chen Geset­zes­ent­wurf der Bun­des­re­gie­rung [2] die Unfall­re­gu­lie­rung durch Miet­wa­gen­un­ter­neh­men in bestimm­ten Kon­stel­la­tio­nen aus­drück­lich als erlaub­te Rechts­dienst­leis­tung erwähnt ist, näm­lich bei der Fra­ge des Erfor­der­nis­ses einer "beson­de­ren recht­li­chen Prü­fung" [3] und bei der Erläu­te­rung des § 5 Abs. 1 RDG [4]. Der aus einer Begrün­dung zu einem Geset­zes­ent­wurf erkenn­ba­re Wil­le des Gesetz­ge­bers – im kon­kre­ten Fall genau­er gesagt: der erkenn­ba­re Wil­le der Bun­des­re­gie­rung, wel­che den ursprüng­li­chen Gesetz­ent­wurf ein­ge­bracht hat – ist aller­dings nur ein Anknüp­fungs­punkt für die Geset­zes­aus­le­gung. Der gesetz­ge­be­ri­sche Wil­le muss sich auch im Wort­laut des Geset­zes nie­der­ge­schla­gen haben und mit dem – im kon­kre­ten Fall in § 1 RDG ver­an­ker­ten – Zweck des RDG über­ein­stim­men. Außer­dem ist die Ent­ste­hungs­ge­schich­te des Geset­zes zu berück­sich­ti­gen. Der Geset­zes­ent­wurf, wel­cher der ursprüng­li­chen Geset­zes­be­grün­dung zugrun­de­lag, ist nicht Gesetz gewor­den: der vor­ge­schla­ge­ne Halb­satz in § 5 Abs. 1 RDG „oder zur voll­stän­di­gen Erfül­lung der mit der Haupt­tä­tig­keit ver­bun­de­nen gesetz­li­chen oder ver­trag­li­chen Pflich­ten“ ist im Gesetz­ge­bungs­ver­fah­ren eben­so weg­ge­fal­len, wie das Erfor­der­nis einer beson­de­ren recht­li­chen Prü­fung des Ein­zel­falls in § 2 Abs. 1 RDG [5].
Die Abtre­tung ist auf eine Tätig­keit der Klä­ge­rin gerich­tet, die eine Recht­dienst­leis­tung im Sin­ne von § 2 Abs. 1 RDG dar­stellt. Rechts­dienst­leis­tung ist nach der Legal­de­fi­ni­ti­on in § 2 Abs. 1 RDG jede Tätig­keit in kon­kre­ten frem­den Ange­le­gen­hei­ten, sobald sie eine recht­li­che Prü­fung des Ein­zel­falls erfor­dert.
Die Klä­ge­rin übt vor­lie­gend mit der Ver­fol­gung der Scha­dens­er­satz­an­sprü­che ihres Miet­wa­gen­kun­den gegen­über der Beklag­ten eine sol­che frem­de Rechts­an­ge­le­gen­heit im Sin­ne des § 2 RDG aus.
Nach stän­di­ger Recht­spre­chung zu der Vor­gän­ger­vor­schrift Art. 1 § 1 RBerG bedurf­te der Inha­ber eines Miet­wa­gen­un­ter­neh­mens, das es geschäfts­mä­ßig über­nahm, für unfall­ge­schä­dig­te Kun­den die Scha­dens­re­gu­lie­rung durch­zu­füh­ren, der Erlaub­nis, und zwar auch dann, wenn es sich die Scha­dens­er­satz­for­de­rung erfül­lungs­hal­ber abtre­ten ließ und die ein­ge­zo­ge­nen Beträ­ge auf sei­ne For­de­run­gen gegen die Kun­den ver­rech­ne­te. Wenn näm­lich nach der Geschäfts­pra­xis des Miet­wa­gen­un­ter­neh­mens die Scha­dens­er­satz­for­de­run­gen der unfall­ge­schä­dig­ten Kun­den ein­ge­zo­gen wer­den, bevor die­se selbst auf Zah­lung in Anspruch genom­men wer­den, wer­den den Geschä­dig­ten Rechts­an­ge­le­gen­hei­ten abge­nom­men, um die sie sich eigent­lich selbst zu küm­mern hät­ten [6].
An den Grund­sät­zen zur Unter­schei­dung von eige­nen und frem­den Ange­le­gen­hei­ten ist auch nach der Neu­re­ge­lung des § 2 RDG fest­zu­hal­ten, weil das Merk­mal der "frem­den Ange­le­gen­heit" durch die neue Rechts­la­ge kei­ne Ände­rung erfah­ren hat [7]. Soweit durch die Neu­re­ge­lung die Befug­nis zur Erbrin­gung außer­ge­richt­li­cher Rechts­dienst­leis­tun­gen erleich­tert wer­den soll, soll dies ins­be­son­de­re durch das Erfor­der­nis einer recht­li­chen Prü­fung des Ein­zel­falls sowie durch die Erlaub­nis­frei­heit bestimm­ter Neben­leis­tun­gen erfol­gen. Dem­entspre­chend fin­den sich die Aus­füh­run­gen zu Miet­wa­gen­fir­men in der Geset­zes­be­grün­dung aus­schließ­lich in den Erläu­te­run­gen zur Fra­ge des Erfor­der­nis­ses einer "beson­de­ren recht­li­chen Prü­fung" [8] und bei der Erläu­te­rung des § 5 Abs. 1 RDG [9].
Im kon­kre­ten Fall spricht ent­schei­dend für die Erbrin­gung einer frem­den Ange­le­gen­heit die Tat­sa­che, dass die For­de­rung ledig­lich "erfül­lungs­hal­ber" abge­tre­ten wor­den ist. Dar­aus ergibt sich näm­lich auch wei­ter­hin die Pflicht des Miet­wa­gen­un­ter­neh­mens, vor Inan­spruch­nah­me des geschä­dig­ten Kun­den zunächst den Schä­di­ger in Anspruch zu neh­men. Dem steht nicht ent­ge­gen, dass die Klä­ge­rin zeit­gleich ihrer Kun­din das Ori­gi­nal der Rech­nung und der Beklag­ten eine Kopie der Rech­nung über­sandt hat. Dar­in kann nicht das Bemü­hen der Klä­ge­rin gese­hen wer­den, die For­de­rung zunächst gegen ihre Kun­din gel­tend zu machen. Viel­mehr war es schon in der Abtre­tungs­er­klä­rung ange­legt, dass sich die Klä­ge­rin pri­mär an den Schä­di­ger hal­ten soll­te, wie es dann in der Fol­ge auch tat­säch­lich gesche­hen ist. Die Abtre­tung ist bereits am Tag der Anmie­tung erfolgt. Nach der erfolg­ten Abtre­tung konn­te die Zeden­tin davon aus­ge­hen, dass sich die Klä­ge­rin zunächst mit der Beklag­ten aus­ein­an­der­set­zen wür­de. Letzt­lich wur­den der geschä­dig­ten Kun­din Rechts­an­ge­le­gen­hei­ten abge­nom­men, um die sich die­se eigent­lich selbst zu küm­mern hat­te.
Die Tätig­keit setzt auch eine recht­li­che Prü­fung des Ein­zel­falls vor­aus. Die Fra­ge der Erstat­tungs­fä­hig­keit von Miet­wa­gen­kos­ten, der Umfang des Erstat­tungs­an­spru­ches sowie die Grund­la­ge einer etwai­gen Scha­dens­schät­zung durch den Rich­ter gehört zu den hoch umstrit­te­nen Rechts­fra­gen im Rah­men der Unfall­scha­dens­ab­wick­lung und erfor­dert fun­dier­te Rechts­kennt­nis­se. Dabei ist die kon­kre­te Abtre­tungs­er­klä­rung ihrem Wort­laut nach kei­nes­wegs auf Fäl­le beschränkt, in denen die Haf­tung des Unfall­ver­ur­sa­chers dem Grun­de nach unstrei­tig ist. Zudem geht es selbst bei unstrei­ti­ger Haf­tungs­quo­te in Pro­zes­sen zwi­schen Miet­wa­gen­un­ter­neh­men und Haft­pflicht­ver­si­che­run­gen nicht aus­schließ­lich um den Streit, auf Grund­la­ge wel­cher Miet­wa­gen-Preis­spie­gel („Schwa­cke“ oder „Fraun­ho­fer“) abge­rech­net wer­den kann, son­dern um die Erfor­der­lich­keit der kon­kre­ten Miet­wa­gen­kos­ten im Ein­zel­fall, also etwa auch um die kon­kre­te Anmiet­si­tua­ti­on, die erfor­der­li­che Dau­er der Anmie­tung und die Erstat­tungs­fä­hig­keit unfall­be­ding­ten Mehr­auf­wan­des.
So heißt es auch in der Geset­zes­be­grün­dung zum ursprüng­li­chem Geset­zes­ent­wurf [3]: "Soweit ein Kfz-Repa­ra­tur­be­trieb, ein Miet­wa­gen­un­ter­neh­men oder ein Kraft­fahr­zeugsach­ver­stän­di­ger dem Unfall­ge­schä­dig­ten dage­gen Hin­wei­se zur Erstat­tungs­fä­hig­keit der durch sei­ne Beauf­tra­gung ent­stan­de­nen Kos­ten ertei­len, han­delt es sich um eine nach § 249 BGB zu beur­tei­len­de recht­li­che Fra­ge, deren Beant­wor­tung – jeden­falls in den Fäl­len, in denen hier­über Streit ent­ste­hen kann – regel­mä­ßig eine beson­de­re recht­li­che Prü­fung im Sinn des § 2 Abs. 1 erfor­dert."
Im kon­kre­ten Fall hat sich die Klä­ge­rin die Ersatz­an­sprü­che ihrer Kun­den bereits in einem Zeit­punkt abtre­ten las­sen, in wel­chem noch nicht abseh­bar war, ob bzw. inwie­weit die Ansprü­che des Kun­den dem Grun­de nach bzw. zumin­dest der Höhe nach unstrei­tig blei­ben wür­den. Ins­be­son­de­re die erfor­der­li­che Dau­er der Miet­wa­gen­be­nut­zung konn­te zum Zeit­punkt der Abtre­tung – näm­lich am ers­ten Tag nach dem Unfall – noch nicht fest­ste­hen. Hin­zu kommt, dass – im Unter­schied zum ursprüng­li­chem Geset­zes­ent­wurf – die end­gül­ti­ge Geset­zes­fas­sung inso­weit ver­schärft wur­de, als eine „beson­de­re“ Prü­fung des Ein­zel­falls nicht erfor­der­lich ist. Mit der Strei­chung des Wor­tes „beson­de­re“ soll­te ver­mie­den wer­den, dass an das Erfor­der­nis der recht­li­chen Prü­fung zu hohe Maß­stä­be ange­legt wer­den; es sol­len nicht nur beson­ders schwie­ri­ge oder umfas­sen­de recht­li­che Prü­fun­gen erfasst wer­den, son­dern alle Fäl­le, in denen über die Rechts­an­wen­dung hin­aus eine juris­ti­sche Rechts­prü­fung erfor­der­lich ist [10].
Dabei han­del­te die Klä­ge­rin auch geschäfts­mä­ßig. Es ergibt sich näm­lich aus dem ver­wen­de­ten, von der Klä­ge­rin vor­for­mu­lier­ten Abtre­tungs­for­mu­lar, dass die Klä­ge­rin sich regel­mä­ßig For­de­run­gen von Geschä­dig­ten gegen die Unfall­geg­ner abtre­ten lässt, um die­se in eige­nem Namen gel­tend zu machen. Es ist im Übri­gen auch gerichts­be­kannt, dass die Klä­ge­rin in ver­schie­de­nen Ein­zel­fäl­len Pro­zes­se gegen Haft­pflicht­ver­si­che­run­gen führt, um eine grund­sätz­li­che Klä­rung des Umfangs von Scha­dens­er­satz­an­sprü­chen nach Ver­kehrs­un­fäl­len im Hin­blick auf die Höhe von Miet­wa­gen­kos­ten her­bei­zu­füh­ren.
Dabei ist das Merk­mal der „Geschäfts­mä­ßig­keit“, wel­ches in Art. 1 § 1 RBerG noch ent­hal­ten war, dem Wort­laut der Neu­re­ge­lung nicht mehr zu ent­neh­men. Viel­mehr ist jeder Ein­zel­fall geson­dert zu betrach­ten. Die Tat­sa­che, dass sich die Klä­ge­rin aber bereits am Tag der Anmie­tung for­mu­lar­mä­ßig die Ersatz­an­sprü­che abtre­ten lässt, bevor über­haupt fest­steht, ob der Anspruch des Kun­den dem Grun­de und der Höhe nach unbe­strit­ten blei­ben wird, zeigt indes­sen, dass es zum Schutz des Rechts­su­chen­den erfor­der­lich ist, zu die­sem Zeit­punkt vom typi­schen Fall aus­zu­ge­hen: nach dem Gesetz (§ 17 StVG) ist näm­lich bei einem Unfall, an dem meh­re­re Kraft­fahr­zeu­ge betei­ligt sind, zur Haf­tung dem Grun­de nach eine Abwä­gung im Ein­zel­fall not­wen­dig.
Die­se Besor­gung frem­der Rechts­an­ge­le­gen­hei­ten durch die Klä­ge­rin ist im vor­lie­gen­den Fall jedoch nicht gemäß § 5 Abs. 1 RDG erlaubt. Zuläs­sig sind nach § 5 Abs.1 nur Rechts­dienst­leis­tun­gen, die im Zusam­men­hang mit einer ande­ren Tätig­keit erbracht wer­den, sofern sie als Neben­leis­tung zum Berufs- oder Tätig­keits­bild gehö­ren (§ 5 Abs.1 Satz 1 RDG). Ob eine Neben­leis­tung vor­liegt, ist nach dem Leis­tungs­in­halt, dem Umfang und dem sach­li­chen Zusam­men­hang mit der Haupt­tä­tig­keit unter Berück­sich­ti­gung der für die Aus­übung der Haupt­tä­tig­keit erfor­der­li­chen Rechts­kennt­nis­se zu beur­tei­len (§ 5 Abs.1 Satz 2 RDG).
Die Erlaub­nis­frei­heit von Neben­leis­tun­gen trägt dem Umstand Rech­nung, dass vie­le gewerb­li­che Tätig­kei­ten, deren Schwer­punkt im wirt­schaft­li­chen Bereich liegt, not­wen­dig auch mit rechts­be­sor­gen­der Tätig­keit ver­bun­den sind [11] und soll den ver­fas­sungs­recht­li­chen Vor­ga­ben ent­spre­chend den Weg für eine wei­te Aus­le­gung der zuläs­si­gen Neben­tä­tig­kei­ten eröff­nen [12]. Die­se Vor­aus­set­zun­gen des § 5 Abs. 1 RDG erfüllt jeden­falls die vor­lie­gen­de Abtre­tung nicht.
Auch liegt kein ein­deu­ti­ger Wil­le des his­to­ri­schen Gesetz­ge­bers zur gene­rel­len Zuläs­sig­keit der Inkas­so­tä­tig­keit von Miet­wa­gen­un­ter­neh­men vor. Die gegen­tei­li­ge Auf­fas­sung bezieht sich Urteil auf fol­gen­den Teil der Begrün­dung zum ursprüng­li­chem Geset­zes­ent­wurf [13]: "Gera­de die im Streit­fall erfor­der­li­che Recht­fer­ti­gung der eige­nen Leis­tung oder Abrech­nung durch den Unter­neh­mer belegt die in § 5 Abs. 1 gefor­der­te Zuge­hö­rig­keit zu des­sen eigent­li­cher Haupt­leis­tung. Soweit die Recht­spre­chung unter Gel­tung des Arti­kel 1 § 5 RBerG bis heu­te ganz über­wie­gend dar­an fest­hält, dass die Ein­zie­hung abge­tre­te­ner Kun­den­for­de­run­gen durch den gewerb­li­chen Unter­neh­mer nur dann zuläs­sig ist, wenn es die­sem wesent­lich dar­um geht, die ihm durch die Abtre­tung ein­ge­räum­te Sicher­heit zu ver­wirk­li­chen [14], soll dies künf­tig nicht mehr gel­ten. (…) In der Tat ist es nicht nur für die Kun­den und den Unter­neh­mer, son­dern auch für die Anspruchs­geg­ner durch­weg vor­teil­haft, wenn der Streit über die Berech­ti­gung einer Rech­nungs­po­si­ti­on unmit­tel­bar zwi­schen dem Unter­neh­mer und der letzt­lich zah­lungs­pflich­ti­gen Per­son aus­ge­tra­gen wird. Der Kun­de wird von der für ihn läs­ti­gen Scha­dens­ab­wick­lung ent­las­tet, ohne nach­tei­li­ge Aus­wir­kun­gen fürch­ten zu müs­sen: Setzt der Unter­neh­mer den Erstat­tungs­an­spruch erfolg­reich durch, wird der Kun­de durch die Leis­tung des Drit­ten von sei­ner Ver­bind­lich­keit gegen­über dem Unter­neh­men befreit; bestrei­tet der Drit­te sei­ne Ein­tritts­pflicht erfolg­reich, wird das Unter­neh­men sei­ne For­de­rung auch gegen­über dem Kun­den nicht durch­set­zen kön­nen. Der Unter­neh­mer kann sei­ne Leis­tung unmit­tel­bar gegen­über dem wirt­schaft­lich Ein­stands­pflich­ti­gen recht­fer­ti­gen und braucht sei­nen Kun­den nicht in Anspruch zu neh­men. Der Drit­te schließ­lich wird in die Lage ver­setzt, sich über die von ihm erho­be­nen Ein­wen­dun­gen gegen die Abrech­nung des Unter­neh­mers unmit­tel­bar mit die­sem aus­ein­an­der­set­zen zu kön­nen.… "
Der Gesetz­ge­ber hat aller­dings bewusst die Inkas­so­tä­tig­keit von Miet­wa­gen­un­ter­neh­men nicht in den Kata­log der aus­drück­lich erlaub­ten, kon­kret bezeich­ne­ten Neben­leis­tun­gen des § 5 Abs. 2 RDG auf­ge­nom­men. Auch ist schon im ursprüng­li­chen Geset­zes­ent­wurf dar­auf hin­ge­wie­sen, dass die Regu­lie­rung dem Grun­de nach strei­ti­ger Scha­dens­fäl­le nie­mals eine nach § 5 Abs. 1 RDG zuläs­si­ge Neben­leis­tung der Ver­mie­tung eines Ersatz­fahr­zeu­ges sein kann [15]. Dies bedeu­tet, dass die Inkas­so­tä­tig­keit von Miet­wa­gen­un­ter­neh­men nicht gene­rell erlaubt ist, son­dern die Berech­ti­gung im Ein­zel­fall zu prü­fen ist.
Zudem ist der im ursprüng­li­chen Ent­wurf vor­ge­schla­ge­ne Halb­satz („oder zur voll­stän­di­gen Erfül­lung der mit der Haupt­tä­tig­keit ver­bun­de­nen gesetz­li­chen oder ver­trag­li­chen Pflich­ten“) im Gesetz­ge­bungs­ver­fah­ren weg­ge­fal­len: der Rechts­aus­schuss hielt die im Regie­rungs­ent­wurf ent­hal­te­ne Ein­be­zie­hung gesetz­li­cher oder mit der Haupt­tä­tig­keit ver­bun­de­ner ver­trag­li­cher Pflich­ten für ent­behr­lich, da – sofern im Zusam­men­hang mit einer Haupt­tä­tig­keit gesetz­li­che Rechts­dienst­leis­tungs­pflich­ten bestehen, die­se stets auch Teil des jewei­li­gen Berufs oder Tätig­keits­bil­des sind; zugleich soll­te durch die die Strei­chung die­ser ent­behr­li­chen Tat­be­stands­ele­men­te einer aus­ufern­den Aus­le­gung der Vor­schrift, wonach rechts­dienst­leis­ten­de Neben­pflich­ten von den Ver­trags­par­tei­en will­kür­lich und ohne Zusam­men­hang mit der eigent­li­chen Haupt­tä­tig­keit ver­ein­bart wer­den könn­ten, aus­ge­schlos­sen wer­den [16]. Der Geset­zes­ent­wurf, auf wel­chen sich die Geset­zes­be­grün­dung bezieht, ist mit­hin gera­de nicht Gesetz gewor­den, viel­mehr wur­den durch Ände­run­gen des Geset­zes­wort­lauts die Anfor­de­run­gen an erlaub­nis­freie Rechts­dienst­leis­tun­gen ver­schärft.
Weder nach dem Wort­laut noch nach dem Zweck des Geset­zes liegt eine Neben­leis­tung im Sin­ne des § 5 Abs. 1 RDG vor. Dabei mag zwar ein Zusam­men­hang mit der Haupt­leis­tung eines Miet­wa­gen­un­ter­neh­mens inso­weit bestehen, als das Miet­wa­gen­un­ter­neh­men den Rech­nungs­be­trag gegen­über dem Kun­den recht­fer­ti­gen muss. Dies stellt aber noch kei­ne recht­li­che Bera­tung dar. Es besteht kei­ne Neben­leis­tungs­pflicht des Miet­wa­gen­un­ter­neh­mens, eine strei­ti­ge Scha­dens­er­satz­for­de­rung des Kun­den in eige­nem Namen gel­tend zu machen. Dabei ist der Streit um die Erstat­tungs­fä­hig­keit von Miet­wa­gen­kos­ten in der Geschäfts­pra­xis der Klä­ge­rin bereits ange­legt: sie berech­net dem unfall­ge­schä­dig­ten Kun­den näm­lich nicht die in der kon­kre­ten Nie­der­las­sung übli­chen – mög­li­cher­wei­se preis­güns­ti­ge­ren – Miet­wa­gen­kos­ten, son­dern einen fik­ti­ven Unfall­ersatz­ta­rif nach der Schwa­cke-Lis­te, deren Berech­ti­gung gerichts­be­kannt von Haft­pflicht­ver­si­che­run­gen unter Ver­weis auf die Fraun­ho­fer-Lis­te regel­mä­ßig ange­grif­fen wird. Eine Abtre­tung der Scha­dens­er­satz­for­de­rung geht zudem über eine blo­ße Mit­wir­kung bei der Scha­dens­ab­wick­lung weit hin­aus.
Die zum Zweck der Durch­set­zung gegen­über der Haft­pflicht­ver­si­che­rung erfol­gen­de Abtre­tung ist jeden­falls schon des­halb kei­ne Neben­leis­tung im Sin­ne des § 5 RDG, weil die Befas­sung mit höchst strei­ti­gen Ein­zel­fra­gen des Scha­dens­er­satz­rechts erkenn­bar nicht zum „Berufs- und Tätig­keits­bild“ eines Auto­ver­mie­ters gehört, und weil sie wegen der Kom­ple­xi­tät und Schwie­rig­keit der damit in Zusam­men­hang ste­hen­den Rechts­fra­gen ein durch­schnitt­li­cher Auto­ver­mie­ter auch man­gels aus­rei­chen­der juris­ti­scher Kennt­nis­se gar nicht selbst, son­dern nur mit Unter­stüt­zung eines Rechts­an­walts leis­ten kann. Dass die Klä­ge­rin über sol­che fun­dier­ten Rechts­kennt­nis­se ver­fügt, hat sie nicht behaup­tet, son­dern viel­mehr selbst dar­ge­legt, das Geschäfts­feld der Klä­ge­rin bestehe in der Ver­mie­tung von Fahr­zeu­gen und nicht etwa in der Durch­füh­rung von Scha­dens­re­gu­lie­run­gen. Die Klä­ge­rin unter­hal­te auch kei­ne eige­ne Rechts­ab­tei­lung für die Bei­trei­bung von For­de­run­gen wie der vor­lie­gen­den, des­halb sei auch bereits außer­ge­richt­lich ein Rechts­an­walt ein­ge­schal­tet wor­den. Jeden­falls die Klä­ge­rin selbst kann – wie sie selbst vor­trägt – ihre Kun­den recht­lich nicht bera­ten, somit wür­de jeden­falls die Inkas­so­tä­tig­keit der Klä­ge­rin nicht zu deren "Berufs- und Tätig­keits­bild" im Sin­ne des §§ 5 Abs. 1 RDG zäh­len.
Vor­lie­gend fehlt es schließ­lich an einem nach­voll­zieh­ba­ren Bedürf­nis für eine wei­te Aus­le­gung des § 5 Abs. 1 RDG: Als Miet­wa­gen­un­ter­neh­me­rin schließt die Klä­ge­rin – frei­wil­lig – mit ihrem Kun­den Ver­trä­ge, wonach die­ser das ver­ein­bar­te Ent­gelt zu zah­len hat. War­um sie dann, wenn eine Haft­pflicht­ver­si­che­rung ihren Tarif für über­höht hält und nicht zahlt, anstatt sich an den Kun­den zu hal­ten, auf eige­nes Risi­ko und Kos­ten aus abge­tre­te­nem Recht mit den Beschrän­kun­gen des Scha­den­er­sat­zes (§ 249 BGB) gegen die Ver­si­che­rung sogar gericht­lich vor­geht, und zwar ohne dass sie dafür von die­sem Kun­den eine Gegen­leis­tung erhiel­te, ist nicht ohne wei­te­res ver­ständ­lich. Eben­so wenig ist ein Vor­teil für den Kun­den ersicht­lich, weil die­ser nur einen Ersatz­wa­gen will, und zwar zu dem Tarif, auf den er einen Scha­dens­er­satz­an­spruch hat, und mög­lichst nicht in eine gericht­li­che Aus­ein­an­der­set­zung hin­ge­zo­gen wer­den will, in wel­cher er z.B. Anga­ben zu sei­ner Anmiet­si­tua­ti­on machen müss­te. Viel­mehr kann die Dienst­leis­tung der Klä­ge­rin – dies wird erst­in­stanz­li­chem Urteil eben­so über­se­hen wie in der Geset­zes­be­grün­dung – gege­be­nen­falls sogar zu einem Nach­teil für den Zeden­ten füh­ren, weil die­ser je nach Qua­li­tät der Pro­zess­füh­rung der Zes­sio­na­rin dem Risi­ko aus­ge­setzt ist, sei­nen Erstat­tungs­an­spruch gegen die geg­ne­ri­sche Haft­pflicht­ver­si­che­rung im schlimms­ten Fall ganz zu ver­lie­ren und den­noch die Anmiet­kos­ten zah­len zu müs­sen.
Die Erwä­gung, es gehe bei der­ar­ti­gen Pro­zes­sen gerichts­be­kannt nicht um Indi­vi­dual­in­ter­es­sen des Geschä­dig­ten, son­dern um eine grund­sätz­li­che Streit­fra­ge zwi­schen zwei Wirt­schafts­zwei­gen, näm­lich den Auto­ver­mie­tern einer­seits und der Ver­si­che­rungs­wirt­schafts­wirt­schaft ande­rer­seits, ändert dar­an nichts. Zwar drängt sich in der Tat der Ein­druck auf, dass es der Klä­ge­rin – die ja im Ver­hält­nis zum Anmiet­kun­den pro­blem­los ihren ver­trag­lich ver­ein­bar­ten Miet­preis durch­set­zen könn­te – gar nicht dar­um geht, den kon­kre­ten Zah­lungs­an­spruch durch­zu­set­zen, son­dern sie die Klä­rung von Rechts­fra­gen bezüg­lich der Höhe des von Unfall­kun­den zu zah­len­den Miet­prei­ses erstrebt. Dar­aus ergibt sich aber kein schutz­wür­di­ges Bedürf­nis, die Inkas­so­tä­tig­keit von Miet­wa­gen­un­ter­neh­men zulas­ten des Rechts­su­chen­den gene­rell zuzu­las­sen.
Denn es geht in der­ar­ti­gen Rechts­strei­tig­kei­ten nicht um abs­trak­te Rechts­fra­gen, son­dern um indi­vi­du­el­le Ansprü­che eines Unfall­ge­schä­dig­ten im einem kon­kre­ten Ein­zel­fall. Gem. § 249 Abs. 2 BGB ist näm­lich der zur Besei­ti­gung des kon­kre­ten Scha­dens erfor­der­li­che Geld­be­trag zu erstat­ten, d.h. die Auf­wen­dun­gen, die ein ver­stän­di­ger, wirt­schaft­lich den­ken­der Mensch in der Lage des Geschä­dig­ten für zweck­mä­ßig und not­wen­dig hal­ten durf­te. Auf wel­cher Grund­la­ge die erfor­der­li­chen Miet­wa­gen­kos­ten zu ermit­teln sind, ist dabei eine Fra­ge des Ein­zel­falls. Ins­be­son­de­re kann der aus § 249 Abs. 2 BGB fol­gen­de Grund­satz, wel­cher den Geschä­dig­ten gegen­über dem Schä­di­ger pri­vi­le­giert, kei­ne unein­ge­schränk­te Gel­tung in den Fäl­len bean­spru­chen, in denen sich ein beson­de­rer Tarif für Ersatz­miet­wa­gen nach Unfäl­len ent­wi­ckelt hat, der nicht mehr maß­geb­lich von Ange­bot und Nach­fra­ge bestimmt wird. Inso­weit kann aus scha­dens­recht­li­cher Sicht der zur Her­stel­lung erfor­der­li­che Geld­be­trag nicht ohne wei­te­res mit einem sol­chen "Unfall­ersatz­ta­rif" gleich­ge­setzt wer­den [17].
Im Übri­gen reißt eine Abtre­tung von Scha­dens­er­satz­for­de­run­gen auf Erstat­tung von Miet­wa­gen­kos­ten (oder auch Repa­ra­tur­kos­ten) schon kurz nach dem Unfall einen ein­heit­li­chen Lebens­vor­gang aus­ein­an­der: Abge­se­hen davon, dass zu die­sem Zeit­punkt die Allein­haf­tung des Unfall­geg­ners – wenn die­ser nicht gera­de schon an der Unfall­stel­le sei­ne Allein­haf­tung aner­kannt hat – regel­mä­ßig noch nicht fest­steht, kann zu die­sem Zeit­punkt auch die Erstat­tungs­fä­hig­keit des Sach­scha­dens (wegen etwai­ger Vor­schä­den) sowie die erfor­der­li­che Dau­er der Anmie­tung des Ersatz­fahr­zeu­ges noch nicht unstrei­tig sein. Kon­se­quenz wäre, dass dann ent­we­der meh­re­re Pro­zes­se wegen des­sel­ben Unfalls geführt wer­den müss­ten – z.B. müss­te das Miet­wa­gen­un­ter­neh­men auf Erstat­tung der Miet­wa­gen­kos­ten, die Werk­statt auf Erstat­tung der Repa­ra­tur­kos­ten und der Geschä­dig­te auf Zah­lung von Schmer­zens­geld kla­gen – oder sich der Geschä­dig­te die Ansprü­che wie­der rück­ab­tre­ten las­sen müss­te.
Land­ge­richt Stutt­gart, Urteil vom 13. April 2011 – 4 S 278/​10
für ver­gleich­ba­re Fäl­le im Ergeb­nis eben­so: Palandt/​Ellenberger, 69. Aufl., § 134 BGB, Rdnr. 21b; AG Frank­furt, Urteil vom 22.08.2008 – 32 C 357/​08; AG Syke, Urteil vom 02.12.2009 – 24 C 1228/​09; LG Stutt­gart, Urteil vom 20.01.2010 – 5 S 208/​05; AG Mann­heim, Urteil vom 25.08.2010 – 9 C 208/​10; a.A: LG Köln, Urteil vom 29.12.2010 – 9 S 252/​10, Beck­RS 2011, 00355[↩]
BR-Drs. 623/​06 vom 01.09.06, S.107ff.; BT-Drs.16/3655, vom 30.11.2006, S.53ff.[↩]
BR-Drs. 623/​06, S. 95 ff.[↩][↩]
BR-Drs. 623/​06, S. 110 ff.[↩]
vgl. dazu Beschluss­emp­feh­lung des Rechts­aus­schus­ses, BT-Drs. 16/​6634 vom 10.10.2007[↩]
vgl. zum Gan­zen BGH, NJW 2005, 135 = VersR 2005, 241; NJW-RR 2005, 1371 = VersR 2005, 1256; NJW 2005, 3570 = VersR 2005, 1700[↩]
eben­so LG Mön­chen­glad­bach, Urteil vom 20.01.2009 – 5 S 110/​08; sie­he auch BR-Drs. 623/​06, S. 98, wonach das Merk­mal der frem­den Ange­le­gen­heit der höchst­rich­ter­li­chen Recht­spre­chung zum Anwen­dungs­be­reich des RBerG ent­nom­men sei[↩]
BR-Dr. 623/​06, S. 95 ff.[↩]
BR-Drs. 623/​06, S. 110ff.[↩]
vgl. die Beschluss­emp­feh­lung des Rechts­aus­schus­ses vom 10.10.2007, BT-Drs. 16/​6634, S. 51[↩]
OLG Karls­ru­he, Urteil vom 08.10.2009 – 4 U 113/​09[↩]
BT-Drs. 16/​3655, S.53[↩]
BR-Dr. 623/​06, S. 110 f[↩]
vgl. zuletzt BGH, Ent­schei­dun­gen vom 15.11.2005 – VI ZR 268/​04, VersR 2006, 283; vom 20.09.2005 – VI ZR 251/​04, NJW 2005, 3570; vom 05.07.2004 – VI ZR 173/​04, NJW-RR 2005, 1371; und vom 26.10.2004 – VI ZR 300/​03, NJW 2005, 135[↩]
BR-Drs. 623/​06, vom 1.9.06 S. 95 f.[↩]
vgl. dazu Beschluss­emp­feh­lung des Rechts­aus­schus­ses, BT-Drs. 16/​6634, S. 51[↩]
vgl. BGH NJW 2005, 1041ff.[↩]
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