Source: http://www.repclub.at/der-club/
Timestamp: 2019-08-26 07:10:59
Document Index: 332692858

Matched Legal Cases: ['Art 1', 'Art 7', 'Art 7', 'Art 9', 'Art 9', 'Art 9', 'Art 7', 'Art 21']

Republikanischer Club – neues Österreich » Der Club
Der Vorstand des Republikanischen Clubs – Neues Österreich
Sprecher_innen: Sibylle SUMMER, Doron RABINOVICI, Jacqueline CSUSS
Kassiere: Michael KOLLMER
Schriftführer_innen: Eva DITÉ, Barbara ROSENBERG, Alexander EMANUELY
Beisitz: Thomas WALLERBERGER
Rechnungsprüfung: Peter BETTELHEIM, Friedrun HUEMER
ZVR-Zahl: 169411526
ERKLÄRUNG DES RC ZUR EINHALTUNG DER NEUEN DATENSCHUTZBESTIMMUNGEN:
Die neuen Datenschutzbestimmungen sehen vor, dass für die Verarbeitung von personenbezogenen Daten von natürlichen Personen (vgl. Art 1 DSGVO) ein Nachweis der Einwilligung der betroffenen Personen vorliegt (vgl. Art 7 DSGVO)
Grundsätzlich wird dabei in Art 7 DSGVO zwischen einer konkludenten Zustimmung (dh schlüssigen, sich aus den Umständen ergebenden Zustimmung) für nicht-sensible Daten (alte Terminologie) und einer ausdrücklichen Zustimmung für die Verarbeitung von "besonderen Kategorien von Daten" gem. Art 9 DSGVO unterschieden. Zu den "besonderen Kategorien von Daten" gem. Art 9 DSGVO d.h. sensiblen Daten (alte Terminologie) zählen etwa Daten zu religiösen oder weltanschaulichen Überzeugungen, Gewerkschaftszugehörigkeit, Gesundheitsdaten, sexuelle Orientierung, etc.
Die Adressdateien des Republikanischen Clubs – Neues Österreich (kurz RC) enthalten ausschließlich nur Namen und Post- oder Emailadressen und keinerlei sensible Daten, bzw. keinerlei "besondere Kategorien von Daten" gem. Art 9 DSGVO.
Der RC hat zu keinem Zeitpunkt fremde Adressdateien gekauft, getauscht oder übernommen. Der RC hat auch zu keinem Zeitpunkt seine Adressdateien weitergegeben.
Die Post- und Emailadressen des RC für die regelmäßige Zusendung des Veranstaltungsprogrammes wurden und werden seit Jahren und Jahrzehnten in mühsamer Kleinarbeit gesammelt. Bei jeder Veranstaltung wurde und wird eine Liste durchgegeben, auf der jeder, der möchte, freiwillig und ausdrücklich seinen Namen und Emailadresse bzw. Postanschrift eintragen kann, falls er/sie die Programmankündigungen des RC regelmäßig zugesandt haben möchte. Seit geraumer Zeit archivieren wir diese Listen mit den wissentlich eingetragenen Emailadressen für die regelmäßige Zusendung der Programmankündigungen des RC.
Diese Listen belegen sohin die Einwilligung der eingetragenen Personen für den Erhalt der regelmäßigen Programmzusendung, je nach Wunsch an die Email- oder Postadresse.
Eine zumindest konkludente Zustimmung gem. Art 7 DSGVO liegt daher in der Regel vor.
Selbstverständlich kann gem. Art 21 DSGVO die Einwilligung jederzeit zurückgezogen werden oder widersprochen werden. Wer den Newsletter nicht mehr zugesandt haben will, bitte Email an office@repclub.at.
Sollte dennoch irgendwer der Ansicht sein, er/sie erhält den Newsletter mit der Programmankündigung, ohne seine/ihre Einwilligung dafür erteilt zu haben, weil er/sie seine/ihre Emailadresse dem RC nicht wissentlich für die Programmaussendung bekannt gegeben hat, den/die ersuchen wir, jedenfalls eine Email an office@repclub.at zu senden, um entweder die Zustimmung zu erteilen, oder die Zusendung abzubestellen.
Bitte informiert uns auch darüber, wenn sich Emailadressen ändern.
Der Newsletter kann jederzeit abbestellt werden und die Daten (Name und Email/Postadresse) werden gelöscht. Bitte kurzes Email an office@repclub.at
Grundsätzlich sei nochmals betont, dass der RC nur an jene Personen (Mitglieder und Interessierte) die Programmaussendung senden möchte, die ein tatsächliches Interesse an den Veranstaltungen des RC haben und darüber auch informiert sein wollen. Der RC hat keinerlei Interesse daran, sein Veranstaltungsprogramm an Personen zu senden, die dem RC und den eingeladenen Gästen gegenüber kein Interesse und/oder keine Wertschätzung haben. Die Veranstaltungen sind grundsätzlich kostenlos zugänglich und werden vom Vorstand des RC in der Regel ehrenamtlich organisiert.
Wollen Sie die Programmzusendung (Newsletter) regelmäßig per E-Mail zugesandt haben, schreiben Sie bitte eine E-Mail an office@repclub.at mit ihrer Email- bzw. Postadresse und ihrem Namen. Dies gilt als Einwilligung gemäß den neuen Datenschutzbestimmungen.
Die Einwilligung kann jederzeit widerrufen werden. Die Daten werden dann gelöscht. Bitte Email an office@repclub.at
History of Republikanischer Club – Neues Österreich
Brigitte LEHMANN, Doron RABINOVICI, Sibylle SUMMER (Hg.),
Von der Kunst der Nestbeschmutzung Dokumente gegen Ressentiment und Rassismus seit 1986
ISBN 978-3-85409-496-8, 2009
Die Auseinandersetzung rund um Kurt Waldheim markierte einen Wendepunkt in Österreich. Was vor mehr als zwanzig Jahren das Land umtrieb, wirkt bis heute weiter. Über den damaligen Wahlkampf, über die antisemitischen Töne, über die verschiedenen Anschuldigungen, über den einstigen Bundespräsidenten mag immer noch kein Konsens erzielt worden sein, aber unstrittig ist die Bedeutung jenes Jahres 1986 als Zäsur. Der Mythos, Österreich sei nichts als das erste Opfer Hitlers gewesen, wurde obsolet. Die österreichische Beteiligung am Nationalsozialismus und seinen Verbrechen wurde erörtert. Mit Jörg Haider trat ein neuer chauvinistischer Populismus zutage, der die politische Kultur nachhaltig verändert hat. Wenn entblößt wird, dass H.C. Strache an rechtsextremen Wehrsportübungen beteiligt war, dann handelt es sich hierbei nicht um Überholtes. Die entzweite Republik wurde zum Ursprung zivilgesellschaftlicher Bewegung. Dieser Sammelband zeichnet jene Kämpfe nach, die immer noch nicht ausgefochten sind. Ins Zentrum des Blicks gerät dabei der Republikanische Club – Neues Österreich, der da-mals entstanden ist und zu einem Fokus für neue zivilgesellschaftliche Bewegungen wurde. Dabei kommen neue, teils unbekannte Aspekte zum Vorschein. Das Themenspektrum des Engagements – sowie der hier präsentierten Beiträge – reicht weit über die Betrachtung und Einschätzung der vergangenen, zeithistorischen Geschehnisse hinaus.
Mit Beiträgen von Brigitte Bailer-Galanda, Di-Tutu Bukasa, Isolde Charim, Eva Dité, Johanna Dohnal, Alexander Emanuely, Hagen Fleischer, Elfriede Jelinek, Udo Jesionek, Robert Knight, Kuno Knöbl, Peter Kreisky, Ferdinand Lacina, Silvio Lehmann, Sophie Lillie, Ariel Muzicant, Doron Rabinovici, Kurt Rothschild, Heide Schmidt, Renata Schmidtkunz, Mary Steinhauser, Sibylle Summer, Heidemarie Uhl, Andreas Wabl, Martin Wassermair.
Beitrag im Profil über den Republikanischen Club – Neues Österreich von Christa ZÖCHLING, erschienen am 31. Oktober 2016:
http://www.profil.at/oesterreich/republikanischer-club-waldheim-fpoe-hofer-7667056
Doron RABINOVICI in Aktion. Foto: Wladimir FRIED
Presseaussendung am 19.4.2012 aus Anlass der Umbenennung des Dr. Karl-Lueger Ringes
Titel: "Langjährige Forderung nach Umbenennung des Dr. Karl-Lueger Ringes erfüllt"
Wien (OTS) – "Eine 20-jährige Forderung des Republikanischen Clubs – Neues Österreich wurde erfüllt. Es ist eine große Freude, dass Wien sich der Erinnerung stellt und ein Zeichen gegen rassistischen Populismus und Antisemitismus setzt." Doron RABINOVICI
Flugblatt des Republikanischen Clubs aus dem Jahre 1989 mit Lueger Zitaten und einem Aufruf, den Dr. Karl Lueger Ring in Dr. Sigmund Freud Ring umzubenennen
Lionel JOSPIN, ehemaliger franz. Premierminister war am 16.4.2012 zu Gast im Republikanischen Club – Neues Österreich auf Einladung der sozialdemokratischen Auslandsfranzosen
Lionel JOSPIN zu Gast in den Clubräumen des RC mit Sibylle SUMMER und Alexander EMANUELY
Pressemitteilung des Republikanischen Clubs vom 12.7.2011
Stellungnahme des Republikanischen Clubs – Neues Österreich zu den Trauerfeierlichkeiten für Dr. Otto Habsburg Private Beisetzung oder Staatsbegräbnis?
Bei allem Respekt vor der Trauer der Familie und dem Verständnis für deren Wunsch, die Beisetzung Otto Habsburgs so feierlich wie möglich zu gestalten, muss es doch verwundern, wenn höchste Amtsträger der Republik öffentlich erklären, nicht als Privatpersonen, sondern in ihren öffentlichen Funktionen an der Beisetzung teilnehmen und dabei die Republik vertreten zu wollen, zumal der Verstorbene in der Republik Österreich keine öffentlichen Ämter und Funktionen ausgeübt hat. Dadurch und vor allem auch durch die offiziell verfügte Präsenz der Garde des Bundesheers entsteht der Eindruck, dass es sich dabei um ein Staatsbegräbnis handeln könnte. Für ein solches kann jedoch der Grad der Prominenz des Verstorbenen kein Maßstab sein.
Alexander EMANUELY, Sibylle SUMMER, u.a. für den Vorstand des Republikanischen Clubs
Rede von Doron RABINOVICI anlässlich der Trauerfeier für Peter KREISKY am 18. Jänner 2011
Was uns heute zusammenführt, schnürt einen zu. Es ist noch unbegreiflich und tut so weh, auszusprechen, dass unser Peter Kreisky nicht mehr sein soll. Er fehlte doch nie, wenn es darum ging, füreinander einzustehen und miteinander aufzutreten. Mir ist, als müsste zwischen uns noch der Eine sein, als müsste er, so, wie es seine Art war, das Antlitz voller Feingefühl und Aufmerksamkeit, die Augenbrauen hochgezogen, die Stirn in Falten, hier irgendwo zu finden sein. Er würde sich nicht nehmen lassen, wenn nötig, die eine oder andere Beifügung zu machen, um anzumerken, was allzu gern verschwiegen wird. Er fügte sich der Kirchhofstille nie. Peter wusste, dass wahre Harmonie bloß dort aufkommen kann, wo Dissonanz nicht unterdrückt wird. Er war einfach unverzichtbar, wenn es galt, Erstarrung aufzuweichen, Missstände zu benennen und Protest zu erheben. Wie schmerzhaft, nicht mit ihm gemeinsam das Jubiläum von Bruno Kreisky zu feiern. Ich kann mir gar nicht vorstellen, in diesem Frühling den ersten Mai zu begehen, ohne Peter mit seinem Fahrrad entgegenkommen zu sehen, ohne ein Flugblatt aus seinem Rucksack zu erhalten oder einen Artikel von ihm zu bekommen über Entwicklungen, Nöte oder Initiativen, ob in Wien, Madrid oder Montevideo. Peter war die Personifikation einer österreichischen Art der Neuen Linken, die gegen die alte Sozialdemokratie zwar aufbegehrte, doch nie mit ihr brach. Er blieb der Partei treu, ohne sich ihr zu unterwerfen. Die Parole der Achtundsechziger, alles Private sei politisch und alles Politische privat, bestimmte sein Denken und sein Dasein. Für ihn war jedes Problem mit allen anderen verknüpft. Er mistraute jener Ausschließlichkeit, die nur von einer einzigen Hauptfrage wissen will. Peter glaubte nie, mit einem Schlag könnte alles Heil der Welt erreicht werden. Er spielte das Große und Ganze nicht gegen das Kleine und Gebrochene aus. Letztlich war das wohl auch der Grund, weshalb er sich kaum je kurz zu fassen wusste, schon gar nicht, wenn er gedrängt wurde, endlich zum Punkt zu kommen, denn sein Punkt war ja, uns zu verdeutlichen, dass es diesen einen und einzigen Punkt, auf den alle Probleme gebracht werden sollen, gar nicht gibt. Die These von der gesellschaftlichen Komplexität war der rote Faden seiner Überzeugung. Er führte neue Vokabel in die österreichische Diskussion ein. Von ihm konnten Begriffe gelernt werden, die in anderen Ländern erst vor kurzem aufgekommen waren. Er sprach von Radikaldemokratie, von Streitkultur oder von Vernetzung, und zwar lange, bevor diese Wörter abgenutzt waren. Peter Kreiskys Blick reichte weit über den Horizont dieses Landes hinaus. Ich sah ihn das erste Mal in den Siebzigern. Wir, einige Mitglieder einer jüdisch linken Jugendbewegung, besuchten eine sozialistische Veranstaltung, und vor uns saß Peter Kreisky. Zu meinem Erstaunen kannte er nicht bloß unsere Gruppe, sondern die verschiedenen Strömungen der israelischen Linken. Sein Wissen schien mir unendlich. Nicht wenige von uns stritten mit unseren Eltern über die Gegenwart, als entschieden sie oder wir die Regierungszusammensetzung oder die Steuerpolitik, aber Peter disputierte am Mittagstisch tatsächlich mit dem Bundeskanzler. Bei ihm war alles Private wirklich politisch. Viele Kinder solcher Persönlichkeiten ziehen aus ihrer Herkunft den falschen Schluss, bloß in Mächtigen gleichwertige Gesprächspartner und Menschen zu sehen, doch bei Peter war es genau umgekehrt. Er sah in jedem Menschen einen Gesprächspartner, und er redete mit dem Einzelnen, als wäre dieser Eine entscheidend. Vielleicht beweist diese Eigenschaft seine Verbundenheit mit dem Vater, denn die Freude am egalitären Dialog zeichnete auch Bruno Kreisky aus, und beiden war gemein, nicht im Namen der Menschheit den Menschen zu vergessen. Während aber Bruno Kreisky aus seinen Erfahrungen mit dem Faschismus gelernt hatte, wie wichtig es war, die Demokratie von oben zu sichern, ging es Peter als Achtundsechziger darum, diese Demokratie mit Leben zu füllen, und er wollte an einer Demokratie von unten wirken. Er sah sie nicht allein als bloße Staatsform, sondern als Prozess permanenter Ausweitung. Zugleich vergaß er nie, was sein Vater durchgemacht hatte, und ihm war klar: sie Freiheit zu schützen, heißt, sie gegen den Rechtsextremismus und gegen Rassismus zu verteidigen. Ich möchte in einem Punkt manchen der vielen Nachrufe der letzten Tage widersprechen, denn im Unterschied zu anderen glaube ich nicht, dass es richtig ist, zu sagen, Peter sei zeit seines Lebens im Schatten seines Vaters gestanden. Viel eher meine ich, beide waren sie vom selben Licht erfüllt, von der Aufklärung und von der Hoffnung auf eine gerechtere Gesellschaft. Sie beide standen auf ihre besondere Weise für jeweils eine Generation der heimischen Linken und repräsentierten verschiedene Aspekte ein und derselben Vision. Peter Kreisky sprach bei aller Kritik immer voller Liebe von seinem Vater, doch längst hatte er zu eigenständigen Wegen gefunden, war selbst Vater eines jungen Mannes und eine eigene, unabhängige Persönlichkeit. Er ließ sich nicht verbiegen, um Karriere zu machen. Er nahm sich und sein Engagement zwar ernst, aber nicht zu wichtig, und deshalb erinnern sich viele, wie er Flugblätter verteilte. Er war sich nie zu gut dafür. Er selbst wusste durchaus über seine Eigenheiten zu schmunzeln. Es wäre dennoch nicht in seinem Sinne, einen wunden Punkt hier zu verschweigen: Viele hatten mit den Jahren verlernt, Peter Kreisky gebührend zu schätzen. Der Grund dafür liegt auf der Hand. Mit seinem Engagement erinnerte er viele an jene frühen Träume der Sozialdemokratie, die von nicht Wenigen nur allzu gerne ausgeblendet werden. Er war das wandelnde und radelnde Mahnmal ihres schlechten Gewissens. Mit seiner Beharrlichkeit störte er sie auf, denn er konnte ja auf alle zugehen, ob sie auf der Tribüne standen oder im Spalier. Er war nie auf Ehrungen aus, aber es hätte ihm gut getan, manche der ihm jetzt erteilten Anerkennungen noch vor seinem Tod zu hören. Und er hätte es verdient. Peter Kreisky war ein Bindeglied zwischen dem sogenannten Fußvolk und dem vermeintlichen Kopf der Bewegung. Ihn konnte jeder ansprechen. Ich muss daran denken, wie er am 1. Mai von irgendeinem Fremden gefragt wurde, ob es denn seinem alten Vaters gut gehe oder welche Chance er für die Linke sehe. Auf jeden ging er ein. Er stellte sich allen Fragen, ließ sich aber nie einschüchtern, sobald er überzeugt war, Stellung beziehen zu müssen. Peter Kreisky war die kürzeste Verbindung zwischen Eigensinn und Sanftheit. Er konnte zornig werden, wenn er Ungerechtigkeit vermutete, aber dann überraschte er uns gleich wieder mit seiner Versöhnlichkeit. Selbst wenn ihn einer attackierte, versuchte er, sich in den Anderen einzufühlen. Er wird uns nicht nur als Mitstreiter fehlen. Wir haben einen so liebevollen und so liebenswerten Menschen verloren, einen Freund, der mutig und großmütig zugleich war. Wo Peter Kreisky auftrat, da war Bewegung, und eben deshalb ist es so unvorstellbar, dass er nicht mehr ist. Aber wäre jetzt nicht einer jener Momente, in denen Peter sich zu Wort melden würde, um zu widersprechen? Würde er denn nicht auch hier und heute von neuen Ungerechtigkeiten berichten? Würde er nicht, so, wie er es immer tat, von der Notwendigkeit des Engagements reden? Doch das hätte er wohl getan, weil Peter überall dort, wo Bewegung für mehr Demokratie entsteht, nicht ganz fehlen wird. Peter Kreisky wird da sein, sobald wir in seinem Sinn wieder einmal zusammenfinden. Und wir werden nicht anders können, Peter, als dabei Dich mit und mit Dir zu denken, werden an Dich denken, an unseren Peter, und wir werden Dich, mein Lieber, so sehr vermissen.
Anbei ein Text von Peter KREISKY, eine zeitgeschichtliche Reflexion, erschienen 2009 im Sammelband „Von der Kunst der Nestbeschmutzung“ (Hg. Brigitte Lehmann, Doron Rabinovici, Sibylle Summer; Löcker Verlag)
Text von Peter Kreisky
am Stephansplatz vom 19.2.2000
Liebe, sozialschmarotzende Notstandshilfebezieherinnen und künftige Zwangsarbeiterinnen, verantwortungslose berufstätige Mütter, pensionsgekürzte Frühpensionistinnen Liebe, hormonprivilegierte Frauen ohne österreichischen Paß, staatskeimzellenzerstörende Alleinerzieherinnen und weit unter den Männerlöhnen verdienende, unanständige und faule Frauen! Liebe instrumentalisierte Schülerinnen, und im Faulbett der Subventionen liegende Künstlerinnen! Das ist die Sprache, die in einem Land gesprochen wird, in dem Regierungsmitglieder durch unterirdische Gänge zur Angelobung gingen! Das ist die Sprache in einem Land, in dem die regressive und negative Haltung gegenüber den Fortschritten der Frauenbewegung sichtbar wird. Neuerdings wird diese Sprache geändert. Die Wut auf die wachsende Unabhängigkeit von Frauen wird hinter dem Banner der "Familienrechte" und "Familienfreundlichkeit" versteckt. Die loyalen Trümmerfrauen, die aggressiven Feministinnen und die verbitterten Emanzen, sind sich einig im Engagement für eine Welt, in der es kein oben oder unten, kein hochwertig oder minderwertig, kein abhängig oder unabhängig, keinen Sexismus als eine Abart des Rassismus gibt. Wir wissen, daß die gesetzlichen Garantien für Bürgerinnenrechte solange nicht wirksam werden, wie rassistisches und sexistisches Gedankengut grassiert. Lieber Herr Bürgermeister! Ja, diese Bundesregierung regiert gegen den kleinen Mann! Mittlerweile fühle ICH mich schon wie ein mieselsüchtiger Koffer, weil ich schon wieder darauf hinweisen muß, daß Du die Frauen vergessen hast – ob klein oder groß. Sehr geehrter Herr Bundespräsident! Ja, es gibt Erklärungsbedarf! Sie sprechen von "heiligen Werten" und Sie sagten, Sie seien froh darüber, daß Sie über eine gute Gesprächsbasis mit verantwortlichen Personen in diesem Europa und darüber hinaus verfügen. Aber bitte erklären Sie nicht, daß die Täuschung von Wählerinnen und Wählern ein demokratisches Recht ist. Wir sind Demokratinnen genug um zur Kenntnis zu nehmen, daß über eine Million Österreicherinnen und Österreicher eine Wahlentscheidung getroffen haben, derer wir uns zwar schämen, aber die wir nicht entschuldigt haben wollen. Demokratie ist Demokratie, ist Demokratie. Daher: Wir hören, wir sehen, wir lesen, wir spüren, wir wissen! Wir wollen keine wiederholte Geschichte derer, die sagten "wir wußten es nicht". Wir Wissen! Wir wissen in Verantwortung für unsere Kinder und Enkelkinder! Wir wissen, im Gedenken an jene , die in diesem Land schon einmal wußten und dafür mit dem Verlust ihrer Heimat und ihrem Leben bezahlt haben. Sehr geehrter Herr Bundespräsident! Ich hörte Sie gestern sagen, "ich bin nicht das andere Österreich, ich bin Österreich". Das ist gut. Wir sind nicht das andere Österreich. Wir sind Österreich. Eminenz, sehr geehrter Kardinal! Ich höre Sie schweigen. Ich höre Sie schweigen zu den ungeheuerlichen Äußerungen Ihres Mitbruders, Weihbischof Laun aus Salzburg, von dem ich erst kürzlich lesen mußte, daß er das Recht auf straffreien Schwangerschaftsabbruch mit Auschwitz gleichsetzt, daß er es umsichtig und klug findet, wenn er frägt ob Haider nicht doch mit den gesetzlichen Selbstheilungskräften des Landes beizukommen sei, daß er die Existenz von Ausländerfeindlichkeit mit der Existenz der Aktion Nachbar in Not bestreitet, daß er den Mitgliedstaaten der EU vorwirft, sie hätten Österreich schon einmal alleine gelassen, als es um den Anschluß an Hitlerdeutschland ging. Der Herr Bundespräsident verlangte vor der Regierungsangelobung eine Unterschrift von den Parteiobmännern von ÖVP und FPÖ, Schüssel und Haider, unter ein Bekenntnis für Demokratie, Toleranz und Menschenrechte. Mitglieder dieser Bundesregierung verkünden seit sie im Amt sind regelmäßig ihre Bereitschaft, die Verfassungsmäßigen Grundrechte, wie das Recht auf freie Meinungsäußerung und das Versammlungsrecht zu respektieren. Danke schön, sehr lieb! Herr Bundeskanzler, Frau Vizekanzlerin! Unabhängig davon, daß Ihnen dies alles offensichtlich nicht einmal peinlich ist, möchten wir Sie doch darauf aufmerksam machen, daß die Österreichische Zivilgesellschaft weder im Koma liegt noch an Gedächtnisschwund leidet. Das Regierungsübereinkommen wurde von einem Mann unterschrieben, dessen eigen widerliche Äußerungen, und jene, die er deckt, unentschuldbar sind, weil Menschenverachtung nicht verjährt! Das Regierungsübereinkommen wurde von einem anderen Mann unterschrieben, der vorher die Wähler täuschte und nachher die Kritik beleidigt als vorgefaßte Meinung zurückweist. Die Glaubwürdigkeit Ihrer Versprechungen und Ihrer Bekenntnisse unterliegt keiner Vorverurteilung. Wir sollen Sie an Ihren Taten messen? Nehmen Sie zu Kenntnis: wir tun dies bereits. Ich gehöre mit meinen 61 Jahren einer Generation an, die an den Ursachen, die zum Faschismus führten, nichts verändern konnte – weil noch nicht geboren – aber die Auswirkungen erleben mußte. Ich bin stolz auf die jungen Menschen von heute, die die Verantwortung für Ihre Zukunft nicht delegieren, sondern auf die Straße gehen. Und all jene, die permanent versuchen, diesen jungen Menschen Gewaltbereitschaft zu unterstellen, deklarieren damit, wes Geistes Kind sie selber sind. Solange diese Regierung im Amt ist, werden mir die Zeilen von Virginia Woolf nicht aus dem Kopf gehen, als sie schrieb: "Als Frau hab ich kein Land als Frau brauch' ich kein Land als Frau ist mein Land die ganze weite Welt"