Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Text=VI%20ZR%20181/63
Timestamp: 2019-06-20 02:31:35
Document Index: 343701226

Matched Legal Cases: ['BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'Art. 5', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 824', '§ 823', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'Art. 5', 'Art. 5', 'BGH', 'BGH', 'BGH']

BGH, 17.11.1964 - VI ZR 181/63 - dejure.org
BGH, 17.11.1964 - VI ZR 181/63
https://dejure.org/1964,691
BGH, 17.11.1964 - VI ZR 181/63 (https://dejure.org/1964,691)
BGH, Entscheidung vom 17.11.1964 - VI ZR 181/63 (https://dejure.org/1964,691)
BGH, Entscheidung vom 17. November 1964 - VI ZR 181/63 (https://dejure.org/1964,691)
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NJW 1965, 294
MDR 1965, 196
GRUR 1965, 206
VersR 1965, 182
DB 1965, 143
Auch die Einstufung eines Vorgangs als strafrechtlich relevanter Tatbestand ist prinzipiell keine Tatsachenbehauptung, sondern Werturteil (Senatsurteile vom 17. November 1964 - VI ZR 181/63 = NJW 1965, 294, 295; vom 4. Juni 1974 - VI ZR 68/73 = VersR 1974, 1080, 1081).
Denn niemand kann mit staatlichen Mitteln gezwungen werden, eine Überzeugung aufzugeben oder eine Würdigung zurückzunehmen (vgl. BGH…, Urteil vom 03. Mai 1988 - VI ZR 276/87 -, juris Rn. 9; Urteil vom 17. Februar 1987 - VI ZR 77/86 -, juris Rn.35;… Urteil vom 22. Juni 1982 - VI ZR 251/80 -, juris Rn. 12; Urteil vom 17. November 1964 - VI ZR 181/63 -, juris Rn. 16;… Urteil vom 17. Juni 1953 - VI ZR 51/52 -, juris Rn. 4; OLG Karlsruhe…, Beschluss vom 8. Januar 2001 - 3 W 106/00 -, juris Rn. 15).
Dies gilt ungeachtet dessen, dass sich Hoheitsträger nicht auf die Meinungsäußerungsfreiheit nach Art. 5 GG berufen können (…vgl. BVerfG, Nichtannahmebeschluss vom 7. Mai 1997 - 1 BvR 1805/92 -, juris Rn. 1; Nieders. OVG…, Beschluss vom 12. August 2010 - 10 LA 36/09 -, juris Rn. 24); und es gilt auch dann, wenn die vertretene Rechtsansicht völlig unhaltbar sein sollte (vgl. BGH, Urteil 7. März 1961 - VI ZR 113/60 -, juris 1.Ls.; Urteil vom 17. November 1964 - VI ZR 181/63 -, juris Rn. 16).
In der Regel bringt die Einstufung eines Vorgangs als strafrechtlich relevanten Tatbestand nicht anders als Rechtsmeinungen im außerstrafrechtlichen Bereich zunächst nur die ganz überwiegend auf Wertung beruhende subjektive Beurteilung zum Ausdruck, der zwar eine andere Auffassung entgegengehalten werden, die aber nicht schon aus diesem Grunde Widerrufsansprüche auslösen kann (vgl. Senatsurteile vom 17. November 1964 - VI ZR 181/63 = NJW 1965, 294, 295; vom 4. Juni 1974 - VI ZR 68/73 = VersR 1974, 1080, 1081 und vom 6. April 1976 - VI ZR 246/74 = GRUR 1976, 651 - insoweit nicht in BGHZ 66, 182 abgedruckt).
Eine Ausnahme gilt insoweit nur für sog. Formalbeleidigungen und Schmähkritik, d.h. für Äußerungen, die darauf gerichtet sind, die Persönlichkeit herabzusetzen und zu diffamieren, ohne dass ein sachlicher Kern der Auseinandersetzung erkennbar ist, vgl. BVerfG, Beschluss vom 11.11.1992 - 1 BvR 693/92 -, NJW 1993, S. 1845 f; Beschluss vom 09.10.1991 - 1 BvR 1555/88 -, NJW 1992, S. 1439, 1441; Beschluss vom 22.06.1982 - 1 BvR 1376/79 -, NJW 1983, S. 1415 ff; BGH, Urteil vom 07.12.1999 - VI ZR 51/99 -, NJW 2000, S. 1036, 1038 Urteil vom 17.11.1964 - VI ZR 181/63, NJW 1965, S. 294 f, Wenzel, Das Recht der Wort- und Bildberichterstattung, 5. Aufl., Kap. 6 Rn 8, 17 und 18.
Damit geht das Berufungsgericht zutreffend davon aus, daß der Widerrufsanspruch nicht nur bei Anlehnung an den insoweit eindeutigen Tatbestand des § 824 BGB, sondern auch bei Anknüpfung an § 823 BGB auf die Richtigstellung falscher Tatsachen behauptungen beschränkt ist (BGHZ 10, 104, 105 [BGH 17.06.1953 - VI ZR 51/52]; BGH Urteil vom 20. Juni 1961 - VI ZR 222/60 = LM GG Art. 5 Nr. 7 = NJW 1961, 1913;… Urteil vom 13. Oktober 1964 - VI ZR 167/63 = a.a.O.; Urteil vom 17. November 1964 - VI ZR 181/63 = LM GG Art. 5 Nr. 15 = NJW 1965, 294).
Allgemein gilt zwar, soweit Rechtsbegriffe zur Bezeichnung von Personen oder Sachen verwendet werden, dass diese in der Regel nicht als Tatsachenbehauptung, sondern als Meinungsäußerung zu verstehen sind (vgl. BGH NJW 1982, 2248, 2249) und ein Subsumtionsschluss ebenfalls eine Wertung ist (vgl. BGH NJW 1965, 294, 295).
Bei der Qualifizierung der Unterlassungsäußerung als Wertung folgt der Senat auch der Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts (NJW 83, 1415) und des BGH (NJW 62, 152; 65, 294; 65, 1476), wonach im Zweifel vom Meinungscharakter einer Äußerung auszugehen ist.