Source: http://www.anwalt24.de/urteile/bgh/2011-09-20/4-str-434_11
Timestamp: 2017-02-28 17:34:30
Document Index: 359892913

Matched Legal Cases: ['BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 15', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 64', '§ 246', '§ 246', '§ 64', '§ 64', '§ 349', '§ 246', '§ 349', '§ 64', '§ 64', '§ 246', '§ 246', '§ 454', '§ 64', '§ 246', '§ 246', '§ 64', '§ 246', '§ 246', '§ 64', '§ 246', '§ 246', '§ 246', '§ 246', '§ 64', '§ 64', '§ 64', '§ 246', '§ 64', 'BGH', 'BGH']

BGH, 20.09.2011 - 4 StR 434/11 - Anordnung der Unterbringung in einer Entziehungsanstalt bei fehlenden ergiebigen Erkenntnissen über die Trinkgewohnheiten des Angeklagten | Urteile auf anwalt24.de
BGH, 30.09.2011 - V ZR 17/11 - Verpflichtung der anderen Partei zur Mitwirkung a...…BGH, 20.09.2011 - 4 StR 434/11 - Anordnung der Unterbringung in einer Entziehung...BGH, 20.09.2011 - IX ZB 241/11 - Auswirkung der Einlegung einer Rechtsbeschwerde...BGH, 20.09.2011 - 4 StR 129/11 - Kriterien zur Deutung des objektiven Sinns von ...BGH, 20.09.2011 - II ZR 11/10 - Verpflichtung des Vertragspartners eines Anleger...BGH, 20.09.2011 - II ZR 39/10 - Verpflichtung des Vertragspartners eines Anleger...BGH, 20.09.2011 - II ZR 277/09 - Verpflichtung des Vertragspartners eines Kapita...BGH, 20.09.2011 - II ZR 4/10 - Anforderungen an einen gerichtlichen Verstoß gege...BGH, 20.09.2011 - VI ZR 337/10 - Umfang einer Verzichtsvereinbarung bei der Prüf...BGH, 20.09.2011 - II ZR 234/09 - Gleichstehen eines Verzichts auf den Anspruch a...BGH, 20.09.2011 - VI ZR 282/10 - Verpflichtung des aus einem Grundstück auf die ...BGH, 20.09.2011 - VIII ZB 72/10 - Anwendbarkeit des § 15a RVG auch auf noch nich...BGH, 20.09.2011 - VI ZB 5/11 - Gewährleistung einer rechtzeitigen Herstellung un...BGH, 20.09.2011 - II ZB 17/10 - Erwerb eines aufschiebend bedingt abgetretenen G...BGH, 20.09.2011 - VI ZB 23/11 - Ausschluss des einer Partei zuzurechnenden Versc...BGH, 20.09.2011 - XI ZR 434/10 - Erhebung einer Zahlungsklage bei unterbliebener...BGH, 20.09.2011 - 1 StR 120/11 - Annahme von Tötungsvorsatz bei einem wuchtigen ...BGH, 20.09.2011 - XI ZR 435/10 - Anspruch auf Zahlung einer Entschädigung nach d...BGH, 20.09.2011 - XI ZR 436/10 - Anspruch auf Zahlung einer Entschädigung nach d...BGH, 20.09.2011 - XI ZR 17/11 - Verletzung der vertraglichen Pflichten durch ein...BGH, 20.09.2011 - IV ZR 255/10 - Anforderungen an eine rentenversicherungsrechtl...BGH, 19.09.2011 - V ZB 212/11 - Zulässigkeit der Anordnung von Abschiebungshaft ...…BGH, 01.09.2011 - 5 AR (VS) 46/11 - Beschwerde gegen versagte Feststellung der R...
BGH, 20.09.2011 - 4 StR 434/11 - Anordnung der Unterbringung in einer Entziehungsanstalt bei fehlenden ergiebigen Erkenntnissen über die Trinkgewohnheiten des Angeklagten
BundesgerichtshofBeschl. v. 20.09.2011, Az.: 4 StR 434/11Gericht: BGHEntscheidungsform: BeschlussDatum: 20.09.2011Referenz: JurionRS 2011, 25715Aktenzeichen: 4 StR 434/11 Verfahrensgang:vorgehend:LG Frankenthal . 25.05.2011Rechtsgrundlagen:§ 64 S. 1 StGB§ 246a S. 2 StPOFundstelle:NStZ 2012, 463-464Verfahrensgegenstand:Versuchter schwerer Raub u.a. Redaktioneller Leitsatz:1.Nach § 246a StPO ist der Tatrichter grundsätzlich verpflichtet, einen Sachverständigen anzuhören, wenn nach den Umständen des Einzelfalls eine Unterbringung des Angeklagten in einer Entziehungsanstalt in Betracht kommt und deshalb eine Anordnung dieser Maßregel konkret zu erwägen ist.2.Von dieser Verpflichtung ist er allerdings dann befreit, wenn er die Maßregelanordnung nach § 64 StGB allein in Ausübung seines Ermessens nicht treffen will und diese Entscheidung von sachverständigen Feststellungen unabhängig ist.3.Der Senat lässt offen, ob darüber hinaus von einer Begutachtung auch dann abgesehen werden darf, wenn eine grundsätzlich in Betracht kommende Maßregelanordnung nach § 64 StGB nicht in Erwägung gezogen wird, weil nach den Umständen des Einzelfalls das Fehlen einer hinreichenden Erfolgsaussicht auf der Hand liegt.Der 4. Strafsenat des Bundesgerichtshofs hat nach Anhörung des Generalbundesanwalts und auf Antrag des Beschwerdeführers am 20. September 2011 gemäß § 349 Abs. 2 und 4 StPO einstimmig beschlossen: Tenor:1.Auf die Revision des Angeklagten wird das Urteil des Landgerichts Frankenthal vom 25. Mai 2011 mit den zugehörigen Feststellungen aufgehoben, soweit von der Anordnung einer Unterbringung des Angeklagten in einer Entziehungsanstalt abgesehen worden ist. 2.Die weiter gehende Revision wird als unbegründet verworfen. 3.Die Sache wird im Umfang der Aufhebung zu erneuter Verhandlung und Entscheidung, auch über die Kosten des Rechtsmittels, an eine andere Kammer des Landgerichts Frankenthal zurückverwiesen. Gründe1 Das Landgericht hat den Angeklagten wegen gefährlicher Körperverletzung in zwei tateinheitlichen Fällen, in weiterer Tateinheit mit versuchtem schweren Raub, zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und neun Monaten verurteilt. Von der Anordnung seiner Unterbringung in einer Entziehungsanstalt hat es abgesehen. Mit seiner hiergegen eingelegten Revision macht der Angeklagte einen Verstoß gegen § 246a StPO geltend und rügt die Verletzung materiellen Rechts. Die Nachprüfung des Schuld-, und Strafausspruchs hat keinen durchgreifenden Rechtsfehler zum Nachteil des Angeklagten ergeben (§ 349 Abs. 2 StPO). Die Nichtanordnung einer Maßregel gemäß § 64 StGB hält dagegen rechtlicher Nachprüfung nicht stand. I. 2 Die Voraussetzungen für eine Unterbringung in einer Entziehungsanstalt hat das Landgericht ohne sachverständige Hilfe verneint, weil es das Vorliegen eines Hanges im Sinne von § 64 Satz 1 StGB nicht festzustellen vermochte. Zur Begründung hat das Landgericht ausgeführt, dass es an hinreichenden Erkenntnissen über die Trinkgewohnheiten des Angeklagten fehle. Zwar habe der Angeklagte schon Straftaten in alkoholisiertem Zustand begangen, doch spreche vieles dafür, dass der Angeklagte lediglich bei gelegentlichen Alkoholeskapaden zu aggressiven Übergriffen neige. Auch seine berufliche und familiäre Integration stünden der Annahme eines Hanges entgegen. II. 3 Die Erwägungen, mit denen das Landgericht die Unterbringung des Angeklagten in einer Entziehungsanstalt abgelehnt hat, begegnen schon deshalb durchgreifenden rechtlichen Bedenken, weil -wie die Revision zu Recht rügt -entgegen § 246a Satz 2 StPO kein Sachverständiger hinzugezogen wurde. 4 Nach § 246a Satz 2 StPO ist ein Sachverständiger über den Zustand des Angeklagten und seine Behandlungsaussichten zu vernehmen, wenn das Gericht eine Unterbringung des Angeklagten in einer Entziehungsanstalt erwägt. Diese durch das Gesetz zur Sicherung der Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus und in einer Entziehungsanstalt vom 16. Juli 2007 (BGBl. I. S. 1327) neu geschaffene Vorschrift ist § 454 Abs. 2 Satz 1 StPO nachgebildet und trägt nach dem Willen des Gesetzgebers in erster Linie der zugleich vorgenommenen Umwandlung von § 64 StGB in eine Soll-Vorschrift Rechnung (BT-Drucks. 16/1344, S. 17; 16/5137 S. 11; 16/1110, S. 25). Danach ist der Tatrichter auch weiterhin grundsätzlich verpflichtet, einen Sachverständigen anzuhören, wenn nach den Umständen des Einzelfalls eine Unterbringung des Angeklagten in einer Entziehungsanstalt in Betracht kommt und deshalb eine Anordnung dieser Maßregel konkret zu erwägen ist (Löwe/Rosenberg-Becker, StPO, 26. Aufl., § 246a, Rn. 8; Berg in BeckOK, StPO, § 246a, Rn. 2). Von dieser Verpflichtung ist er allerdings dann befreit, wenn er die Maßregelanordnung nach § 64 StGB allein in Ausübung seines Ermessens nicht treffen will und diese Entscheidung von sachverständigen Feststellungen unabhängig ist (BT-Drucks. 16/1344, S. 17; 16/5137 S. 11; Löwe/Rosenberg-Becker, StPO, 26. Aufl., § 246a, Rn. 8; KK-Fischer, 6. Aufl., § 246a, Rn. 2). Ob darüber hinaus von einer Begutachtung auch dann abgesehen werden darf, wenn eine grundsätzlich in Betracht kommende Maßregelanordnung nach § 64 StGB nicht in Erwägung gezogen wird, weil nach den Umständen des Einzelfalls das Fehlen einer hinreichenden Erfolgsaussicht auf der Hand liegt (vgl. BT-Drucks. 16/1110, S. 25; BT-Drucks. 16/1344, S. 17; SK-StPO/Frister, § 246a, Rn. 6; Meyer-Goßner, StPO, 54. Aufl., § 246a, Rn. 3; a.A. BT-Drucks. 16/5137, S. 11; Löwe/ Rosenberg-Becker, StPO, 26. Aufl., § 246a, Rn. 8; Berg in BeckOK, StPO, § 246a, Rn. 2; Schneider NStZ 2008, 68, 70), braucht der Senat nicht zu entscheiden. 5 Das Landgericht hat die Anordnung einer Maßregel nach § 64 StGB im Einzelnen erörtert und damit konkret in Erwägung gezogen. Dabei hat es die Annahme eines Hanges unter anderem mit der Begründung verneint, dass keine ergiebigen Erkenntnisse über die Trinkgewohnheiten des Angeklagten gewonnen werden konnten. Seine Negativentscheidung beruht damit weder auf einem sicheren Ausschluss einer hinreichenden Erfolgsaussicht kraft eigener Sachkunde, noch auf einer Ausübung des durch § 64 StGB eingeräumten Ermessens. Kann über das Vorliegen der Voraussetzungen für eine im Raum stehende Maßregelanordnung nach § 64 StGB keine Klarheit gewonnen werden, weil die Erkenntnismöglichkeiten des Tatrichters zur Beurteilung des Zustands des Angeklagten nicht ausreichen, ist die Beiziehung eines Sachverständigen nach § 246a Satz 2 StPO geboten. Dabei gehört es auch zu den Aufgaben des Sachverständigen, durch eine entsprechende Befragung des Angeklagten im Rahmen der Exploration und die Auswertung - gegebenenfalls noch herbeizuschaffenden - Aktenmaterials Defizite des Gerichts bei der Tatsachenfeststellung auszugleichen (vgl. Rössner in Kröber/Dölling/Leygraf/Sass, Handbuch der Forensischen Psychiatrie, Bd. 1, S. 410 f.). 6 Der Senat kann nicht ausschließen, dass die Nichtanordnung einer Maßregel nach § 64 StGB auf diesem Rechtsfehler beruht. Ernemann Cierniak Franke Bender Quentin Hinweis: Das Dokument wurde redaktionell aufgearbeitet und unterliegt in dieser Form einem besonderen urheberrechtlichen Schutz. Eine Nutzung über die Vertragsbedingungen der Nutzungsvereinbarung hinaus - insbesondere eine gewerbliche Weiterverarbeitung außerhalb der Grenzen der Vertragsbedingungen - ist nicht gestattet.
Zitierungen dieses DokumentsUrteileBGH, 17.07.2013 - 2 StR 255/13 - Ermöglichung der Verarbeitung früherer Gutachten durch einen hinzugezogenen Sachverständigen zur Klärung der Frage der Erforderlichkeit der Unterbringung des…BGH, 22.09.2015 - 4 StR 152/15 - Gewalt als Entfaltung von Körperkraft des Täters durch Ausüben des unmittelbaren Zwangs auf den Körper eines Geschädigten i.R.d. Erpressung
28.02.2017 - 61 mal gelesen.Autor: Rechtsanwalt Andreas Wisuschil aus MünchenYücel, Pirincci & Volksverhetzung – ein überideologischer SystemvergleichGegenwärtige schlägt eine Kontroverse über die Inhaftierung des regimekritischen Journalisten Yücel in der Türkei hierzulande hohe Wellen. Der Verfasser unterzieht diesen Fall einem überideologischen… mehr