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Timestamp: 2019-11-22 21:17:32
Document Index: 99172859

Matched Legal Cases: ['§ 19', '§ 19', '§ 9', '§ 18', '§ 9', '§ 18', '§ 1', '§ 19', '§ 20', '§ 19', '§ 18', '§ 18', '§ 1', '§ 49', '§ 207', '§ 207', '§ 49', '§ 209', '§ 49', '§ 209', '§ 49', '§ 49', '§ 49']

Rückzahlung des Zuschusses zum KBGG - Findok Internet
Berufungsentscheidung - Steuer (Referent) des UFSG vom 13.01.2011, RV/0817-G/09
Rückzahlung des Zuschusses zum KBGG
RV/0617-G/10
VfGH-Beschwerde zur Zl. B 130/11 eingebracht. Mit. Erk. vom 3.5.2011 wegen verfassungswidrigen Gesetzes aufgehoben.
Der unabhängige Finanzsenat hat über die Berufungen des Herrn X in XY, vom 21. September 2009 und 5. August 2010 gegen die Rückforderungsbescheide des Finanzamtes Judenburg Liezen vom 11. September 2009 und 3.8.2010 betreffend des Zuschusses zum Kinderbetreuungsgeld für den Zeitraum 2002 bis 2004 entschieden:
Der Berufungswerber ist Vater des im Jahr 2002 geborenen Sohnes F.
Mit der Kindesmutter lebte er weder im Rahmen einer Ehe noch im Rahmen einer Lebensgemeinschaft in einem gemeinsamen Haushalt.
Die Kindesmutter bezog Zuschüsse zum Kinderbetreuungsgeld (von 2002 bis 31.12.2004) in Höhe von 5.308,56 €.
Dem Berufungswerber wurden für die Jahre 2002 und 2003 im Oktober 2008 je ein Schreiben betreffend Rückzahlung des Zuschusses zum Kinderbetreuungsgeld und Erklärung des Einkommens für die betreffenden Jahre übermittelt. Für das Jahr 2004 wurde keine Erklärung abgegeben.
Aus dem unstrittig feststehenden Sachverhalt ergibt sich zweifelsfrei, dass der Berufungswerber in den Jahren 2002 bis 2004 die für das Entstehen einer Rückzahlungsverpflichtung maßgebliche Einkommensgrenze (§ 19 Abs. 1 KBGG) überschritten hat. Weder die Höhe des Einkommens (§ 19 Abs. 2 KBGG) noch die Höhe der festgesetzten Abgabe werden vom Berufungswerber angezweifelt.
Das Finanzamt erließ am 11. September 2009 Bescheide über die Rückzahlung ausbezahlter Zuschüsse zum Kinderbetreuungsgeld für die Jahre 2002 und 2003 und am 3. August 2010 für das Jahr 2004.
Der Berufungswerber legte mit Schreiben vom 21. September 2009 und 5. August 2010 die Rechtsmittel der Berufung ein und führte als Begründung aus, dass der Zuschuss ohne sein Wissen beantragt worden ist und verwies auf bereits vorbereitete Musterklagen an den VfGH.
Mit Berichten vom 9. Oktober 2009 und 6. September 2010 legte das Finanzamt Judenburg Liezen die Berufung aus verwaltungsökonomischen Gründen, ohne Erlassung einer Berufungsvorentscheidung, dem unabhängigen Finanzsenat zur Entscheidung vor.
Nach § 9 Abs. 1 Z 1 KBGG haben allein stehende Elternteile Anspruch auf einen Zuschuss zum Kinderbetreuungsgeld. Gemäß § 18 Abs. 1 Z 1 KBGG hat der Elternteil des Kindes eine Rückzahlung ausbezahlter Zuschüsse zum Kinderbetreuungsgeld zu leisten, wenn an den anderen Elterteil ein Zuschuss gemäß § 9 Abs. 1 Z 1 KBGG ausbezahlt wurde. Die Rückzahlung ist nach § 18 Abs. 3 KBGG eine Abgabe im Sinne des § 1 BAO. Die Höhe der Abgabe ist im § 19 KBGG geregelt und ist im Ausmaß des Zuschusses, der für den jeweiligen Anspruchsfall ausbezahlt wurde, zu erheben (§ 20 KBGG).
Das Finanzamt errechnete nach diesen Bestimmungen Rückzahlungsverpflichtungen für den Berufungswerber in Höhe von 878,70 Euro (für das Jahr 2002), 924,70 Euro (für das Jahr 2003) und 1.062,93 Euro (für das Jahr 2004).
Der Berufungswerber hat in den Jahren 2002 bis 2004 die Einkommensgrenze des § 19 KBGG überschritten. Damit war der Berufungswerber nach § 18 Abs. 1 Z 1 KBGG zur Rückzahlung des an die Kindesmutter ausbezahlten Zuschusses zum Kinderbetreuungsgeld verpflichtet und entstand der Abgabenanspruch mit Ablauf dieses Jahres. Da § 18 Abs. 3 KBGG die "Rückzahlung" als Abgabe im Sinne des § 1 BAO normiert, gelten für diese auch die Verjährungsfristen der Bundesabgabenordnung.
Wie bereits dargelegt, kann § 49 Abs. 17 KBGG im hier gegebenen Zusammenhang sinnvoll nur dahin verstanden werden, dass damit für das Jahr 2002 eine Abgabenfestsetzung auch noch im Jahr 2008 ermöglicht werden sollte, ohne dass es einer Verlängerungshandlung innerhalb des Fünfjahreszeitraumes des § 207 BAO bedurft hätte. Wollte man nun - so wie die belangte Behörde - für eine im Jahr 2009 erfolgte Festsetzung zwei Verlängerungshandlungen, davon eine innerhalb der Fünfjahresfrist des § 207 BAO, verlangen, würde dies eine weitere Reduktion des Anwendungsbereiches des § 49 Abs. 17 KBGG bedeuten, beruhte doch dieses - von der belangten Behörde geforderte - Ergebnis auf einer reinen Anwendung des § 209 Abs. 1 zweiter Satz BAO.
§ 49 Abs. 17 KBGG würde demnach in seinem Anwendungsbereich nur auf Fälle beschränkt sein, in denen - ohne vorherige Verlängerungshandlung im Sinne des § 209 Abs. 1 BAO innerhalb der Fünfjahresfrist - es zu einer Abgabenfestsetzung unmittelbar im Jahre 2008 gekommen wäre. Eine danach erfolgende Abgabenfestsetzung, die sich auf diese Bestimmung stützen wollte, wäre daher ausgeschlossen. Damit im Widerspruch steht aber die Verwendung des Wortes "frühestens" in § 49 Abs. 17 KBGG, die sinnvollerweise nur dahin verstanden werden kann, dass eine Abgabe auch nach dem Jahre 2008, gestützt auf die Verlängerungswirkung des § 49 Abs. 17 KBGG, erfolgen können soll.
Graz, am 13. Jänner 2011
§ 49 KBGG, Kinderbetreuungsgeldgesetz, BGBl. I Nr. 103/2001
Findok-Nr: 51278.1, aufgenommen am: 31.01.2011 11:09:29, zuletzt geändert am: 19.05.2011, Dokument-ID: b1b55ab4-7625-44fa-8e4e-bb0baf1f1590, Segment-ID: d0c27cac-0995-4c2c-b17e-0bac38f477bb