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Timestamp: 2020-08-12 18:33:25
Document Index: 335952631

Matched Legal Cases: ['§ 675', 'Art. 59', '§ 675', '§ 675', '§ 675', '§ 675', '§ 675', '§ 675', '§ 675', '§ 675', '§ 675', 'Art. 59', '§ 675', '§ 675', '§ 55', '§ 675', '§ 675', '§ 675', '§ 675', '§ 675', '§ 55', '§ 675', '§ 675', '§ 675', '§ 675', '§ 675', '§ 55', '§ 675', '§ 675', '§ 675', '§ 675', '§ 675', '§ 55']

Mißbrauch beim Online-Banking - und der Anscheinsbeweis | BankenBote
Mißbrauch beim Online-Banking - und der Anscheinsbeweis
20. April 2016 VerbraucherBote Konto & Karte
In Recht­spre­chung und Lite­ra­tur ist strei­tig, ob die Beweis­re­geln in § 675w Satz 3 BGB, mit dem Art. 59 Abs. 2 der Richt­li­nie 2007/​64/​EG über Zah­lungs­diens­te im Bin­nen­markt (Zah­lungs­diens­te­richt­li­nie) umge­setzt wor­den ist, einer Anwen­dung der Grund­sät­ze des Anscheins­be­wei­ses zuguns­ten des Zah­lungs­dienst­leis­ters gestützt auf die Auf­zeich­nung der Nut­zung eines Zah­lungs­au­then­ti­fi­zie­rungs­in­stru­ments ent­ge­gen­ste­hen.
Eine Mei­nung in der Lite­ra­tur 2, der sich ver­ein­zelt Gerich­te ange­schlos­sen haben 3, geht davon aus, § 675w Satz 3 BGB ver­bie­te im Zah­lungs­diens­t­e­recht bei Ein­satz eines Authen­ti­fi­zie­rungs­in­stru­ments die Anwen­dung des Anscheins­be­wei­ses, da das dadurch ent­ste­hen­de Regel-Aus­nah­me-Ver­hält­nis Sinn und Zweck des § 675w Satz 3 BGB wider­spre­che.
Dem­ge­gen­über nimmt die h.M. an, § 675w Satz 3 BGB hin­de­re eine Anwen­dung des Anscheins­be­wei­ses im Zah­lungs­diens­t­e­recht grund­sätz­lich nicht 4. Der Wort­laut des § 675w Satz 3 BGB ver­bie­te mit der For­mu­lie­rung „allein nicht not­wen­di­ger­wei­se” ledig­lich zwin­gen­de Beweis­re­geln, nicht aber wider­leg­ba­re Beweis­erleich­te­run­gen wie den Anscheins­be­weis.
Dies wird durch die Ent­ste­hungs­ge­schich­te der Vor­schrift gestützt. Der Zusatz „nicht not­wen­di­ger­wei­se” ist in den Ent­wurf der Zah­lungs­diens­te­richt­li­nie erst spä­ter ein­ge­fügt wor­den 7, um klar­zu­stel­len, dass eine umfas­sen­de Beweis­wür­di­gung nach den Grund­sät­zen des natio­na­len Pro­zess­rechts mög­lich blei­ben soll 8. Des­we­gen geht auch die Regie­rungs­be­grün­dung zum Ent­wurf des § 675w Satz 3 BGB davon aus, dass die natio­na­len Beweis­grund­sät­ze und damit auch die­je­ni­gen über den Anscheins­be­weis wei­ter­hin zuläs­sig blei­ben 9.
Der in § 675w Satz 3 BGB fest­ge­leg­ten Beweis­re­gel ist aber auch bei Anwen­dung des Anscheins­be­wei­ses prak­ti­sche Gel­tung zu ver­schaf­fen. § 675w Satz 3 BGB begrenzt den Beweis­wert einer schlich­ten Doku­men­ta­ti­on des tech­ni­schen Authen­ti­fi­zie­rungs­vor­gangs, um den Zah­lungs­dienst­nut­zer, der weder den Authen­ti­fi­zie­rungs­vor­gang tech­nisch gestal­ten noch des­sen kor­rek­te Funk­ti­on im Ein­zel­fall über­bli­cken kann, nicht über § 675v Abs. 1 BGB hin­aus mit den Risi­ken eines Miss­brauchs tech­ni­scher Authen­ti­fi­zie­rungs­in­stru­men­te zu belas­ten. Des­we­gen dür­fen im Zah­lungs­diens­t­e­recht beim Ein­satz tech­ni­scher Authen­ti­fi­zie­rungs­in­stru­men­te die Grund­sät­ze des Anscheins­be­wei­ses nicht so gehand­habt wer­den, dass sie bei Vor­lie­gen allein der in § 675w Satz 3 BGB genann­ten tech­ni­schen Merk­ma­le aus prak­ti­scher Sicht einer Beweis­last­um­kehr gleich­kom­men 10.
Für eine Anwen­dung der Grund­sät­ze des Anscheins­be­wei­ses im Zah­lungs­diens­t­e­recht bei dem Nach­weis einer Auto­ri­sie­rung durch ein ver­ein­bar­tes Zah­lungs­au­then­ti­fi­zie­rungs­in­stru­ment reicht danach allein die kor­rek­te Auf­zeich­nung der Nut­zung die­ses Zah­lungs­au­then­ti­fi­zie­rungs­in­stru­ments nicht aus. Viel­mehr müs­sen des­sen all­ge­mei­ne prak­ti­sche Sicher­heit und die Ein­hal­tung des Sicher­heits­ver­fah­rens im kon­kre­ten Ein­zel­fall fest­ste­hen. Zudem bedarf die Erschüt­te­rung des Anscheins­be­wei­ses nicht zwin­gend der Behaup­tung und ggf. des Nach­wei­ses tech­ni­scher Feh­ler des doku­men­tier­ten Authen­ti­fi­zie­rungs­ver­fah­rens.
Inso­weit ist die Annah­me rechts­feh­ler­haft, bereits die kor­rek­te Auf­zeich­nung im Trans­ak­ti­ons­pro­to­koll begrün­de den „Anschein einer ord­nungs­ge­mä­ßen Nut­zung des Online-Ban­king”.
Sie hat behaup­tet und unter Beweis gestellt, dass der Geschäfts­füh­rer der Bank­kun­din den Über­wei­sungs­emp­fän­ger nicht ken­ne und er die­sem auch kei­ne schrift­li­che Zah­lungs­an­wei­sung erteilt habe. Sofern eine sol­che mit sei­ner Unter­schrift vor­lie­gen soll­te, sei die Unter­schrift gefälscht. Wei­ter sei er zum Zeit­punkt der Über­wei­sung in Urlaub gewe­sen und habe kei­ne Mög­lich­keit gehabt, Buchun­gen im Wege des Online-Ban­kings vor­zu­neh­men. Das Mobil­te­le­fon, in dem sich die SIM-Kar­te zu der bei der Bank für das smsTAN-Ver­fah­ren hin­ter­leg­ten Tele­fon­num­mer befun­den habe, habe sich im Gewahr­sam eines Mit­ar­bei­ters befun­den, der eben­falls kei­nen Über­wei­sungs­auf­trag erteilt habe. Die TAN sei zwar über SMS auf dem Mobil­te­le­fon ein­ge­gan­gen, der Mit­ar­bei­ter habe die­se SMS aber für Spam gehal­ten und „weg­ge­drückt” sowie die TAN nicht ver­wen­det.
Einer Vor­la­ge an den Euro­päi­schen Gerichts­hof zur Klä­rung der Fra­ge, ob eine Anwen­dung der Regeln des Anscheins­be­wei­ses bei Ein­satz eines Zah­lungs­au­then­ti­fi­zie­rungs­in­stru­ments mit der Zah­lungs­diens­te­richt­li­nie zu ver­ein­ba­ren ist, bedarf es nicht, da nach den oben dar­ge­stell­ten Grund­sät­zen der Anscheins­be­weis im Online-Ban­king in Über­ein­stim­mung mit Art. 59 Abs. 2 der Zah­lungs­diens­te­richt­li­nie nicht aus­schließ­lich an die genann­te Doku­men­ta­ti­on der Nut­zung des Authen­ti­fi­zie­rungs­ver­fah­rens anknüpft und zudem kei­ne zwin­gen­de Beweis­re­gel zur Fol­ge hat. Im Übri­gen obliegt die Beweis­wür­di­gung, zu der auch die Grund­sät­ze des Anscheins­be­wei­ses gehö­ren, nach Erwä­gungs­grund 33 der Zah­lungs­diens­te­richt­li­nie den Gerich­ten nach natio­na­lem Recht.
Palandt/​Sprau, BGB, 75. Aufl., § 675w Rn. 2; Münch­Komm-BGB/­Casper, 6. Aufl., § 675w Rn. 4; Mai­hold in Schimansky/​Bunte/​Lwowski, Bank­rechts-Hand­buch, 4. Aufl., § 55 Rn. 72 f.; Staudinger/​Omlor, BGB, Neubearb.2012, § 675w Rn. 4 f.; Nob­be in Ellenberger/​Findeisen/​Nobbe, Kom­men­tar zum Zah­lungs­ver­kehrs­recht, 2. Aufl., § 675w BGB Rn. 16[↩]
OLG Düs­sel­dorf, ZIP 2012, 2244, 2245; OLG Dres­den, ZIP 2014, 766, 768; Beesch in Dau­ner-Lie­b/Lan­gen, BGB, 2. Aufl., § 675w Rn. 37; Bee­sch/­Wil­lers­hau­sen­PR-BKR 9/​2012 Anm. 1; Bun­te, ABG-Ban­ken und Son­der­be­din­gun­gen, 4. Aufl., 4. Teil Rn. 31; Münch­Komm-BGB/­Casper, 6. Aufl., § 675w Rn. 13; Her­res­thal in Langenbucher/​Bliesener/​Spindler, Bank­rechts-Kom­men­tar, 2013, § 675w Rn. 13; Hof­mann, BKR 2014, 105, 112; Lohmann/​Koch, WM 2008, 57, 63; Mai­hold in Schimansky/​Bunte/​Lwowski, Bank­rechts­Hand­buch, 4. Aufl., § 55 Rn. 80; Meckel, juris­PR-BKR 2/​2010 Anm. 1; Nob­be, WM 2011, 961, 968; ders. in Ellenberger/​Findeisen/​Nobbe, Kom­men­tar zum Zah­lungs­ver­kehrs­recht, 2. Aufl., § 675w Rn. 27; Staudinger/​Omlor, BGB, Neubearb.2012, § 675w Rn. 7; Schma­len­bach in Bamberger/​Roth, BGB, 3. Aufl., § 675w Rn. 12; Palandt/​Sprau, BGB, 75. Aufl., § 675w Rn. 4; Wer­ner in Kümpel/​Wittig, Bank- und Kapi­tal­markt­recht, 4. Aufl., Rn.07.774[↩]
Münch­Komm-BGB/­Casper, 6. Aufl., § 675w Rn. 12; Mai­hold in Schimansky/​Bunte/​Lwowski, Bank­rechts-Hand­buch, 4. Aufl., § 55 Rn. 80; sie­he auch Bur­gard, WM 2006, 2065, 2069[↩]
Erwä­gungs­grund 33 der Zah­lungs­diens­te­richt­li­nie[↩]
einen Anscheins­be­weis wohl gene­rell ver­nei­nend: Casper/​Pfeiffle, WM 2009, 2343, 2348; Kind/​Werner, CR 2006, 353, 359; Erman/​Graf von West­pha­len, BGB, 14. Aufl., § 675w Rn. 21; Wies­gickl, WM 2000, 1039, 1047; einen Anscheins­be­weis bei Nut­zung des ein­fa­chen PIN/­TAN-Ver­fah­rens ableh­nend: AG Wies­loch, WM 2008, 1648, 1650; AG Kre­feld, MMR 2013, 164, 165; Bun­te, ABG-Ban­ken und Son­der­be­din­gun­gen, 4. Aufl., 4. Teil Rn. 26; Dienstbach/​Mühlenbrock, K&R 2008, 151, 154; Erfurth, WM 2006, 2198, 2205; Nob­be in Ellenberger/​Findeisen/​Nobbe, Kom­men­tar zum Zah­lungs­ver­kehrs­recht, 2. Aufl., § 675w Rn. 51; Spind­ler in Fest­schrift Nob­be, 2009, S. 215, 232; auch für das iTAN-Ver­fah­ren zwei­felnd Münch­Komm-BGB/­Casper, 6. Aufl., § 675w Rn.20; Staudinger/​Omlor, BGB, Neubearb.2012, § 675w Rn. 10; einen Anscheins­be­weis bei Nut­zung des mTAN(=smsTAN)Verfahrens beja­hend: LG Köln, WM 2014, 2372 f.; Bor­ges in Derleder/​Knops/​Bamberger, Hand­buch zum deut­schen und euro­päi­schen Bank­recht, 2. Aufl., Rn. 157; ders., BKR 2009, 85; Münch­Komm-BGB/­Casper, 6. Aufl., § 675w Rn.20; einen Anscheins­be­weis bei Ver­wen­dung des ein­fa­chen PIN/TAN- oder iTAN-Ver­fah­rens ableh­nend, jedoch für das mTAN, Sm@rtTAN plus- und Sm@rtTAN optic-Ver­fah­ren beja­hend: Köb­rich, VuR 2015, 9, 12; einen Anscheins­be­weis nur für opti­mier­te eTAN bzw. chip­TAN-Ver­fah­ren anneh­mend Hoeren/​Kairies, ZBB 2015, 35, 37; Mai­hold in Schimansky/​Bunte/​Lwowski, Bank­rechts-Hand­buch, 4. Aufl., § 55 Rn. 85, 87; gene­rell für das Ein­grei­fen eines Anscheins­be­wei­ses bei Nut­zung der rich­ti­gen PIN und TAN unab­hän­gig vom kon­kret ver­wen­de­ten Sys­tem: Bock in Neumann/​Bock, Zah­lungs­ver­kehr im Inter­net, 2004, Rn. 180; Bor­ges, NJW 2005, 3313, 3317; van Gel­der in Fest­schrift Nob­be, 2009, S. 55, 67; Gößmann/​Bredenkamp in Fest­schrift Nob­be, 2009, S. 93, 111; Kar­per, DuD 2006, 215, 218; Weber, Recht des Zah­lungs­ver­kehrs, 4. Aufl., S. 304; Wer­ner, MMR 1998, 232, 235; Wer­ner in Kümpel/​Wittig, Bank- und Kapi­tal­markt­recht, 4. Aufl., Rn.07.774[↩]