Source: https://www.rechtslupe.de/zivilrecht/31767-331767
Timestamp: 2020-08-07 21:38:49
Document Index: 120492025

Matched Legal Cases: ['§ 280', '§ 311', '§ 241', '§ 278', 'BGH', '§ 278', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH']

Händleraussagen und die Gewährleistung as dem Leasingvertrag | Rechtslupe
Händleraussagen und die Gewährleistung as dem Leasingvertrag
Händ­ler­aus­sa­gen und die Gewähr­leis­tung as dem Lea­sing­ver­trag
Unter wel­chen Vor­aus­set­zun­gen kön­nen Aus­sa­gen des Ver­käu­fers (Lie­fe­ran­ten) im Rah­men von Ver­trags­ver­hand­lun­gen, die auch die Anbah­nung eines Lea­sing­ver­tra­ges zum Gegen­stand haben, dem spä­te­ren, auf Wunsch des Käu­fers von dem Lie­fe­ran­ten ver­mit­tel­ten Lea­sing­ge­ber zuge­rech­net wer­den?
Die vom Lie­fe­ran­ten unter­las­se­ne Auf­klä­rung des Käufers/​Leasingnehmers über die recht­li­che Selb­stän­dig­keit von Kauf­ver­trag und Lea­sing­ver­trag kann eine schuld­haf­te Ver­let­zung vor­ver­trag­li­cher Pflich­ten bei Anbah­nung des Lea­sing­ver­trags nach § 280 Abs. 1, § 311 Abs. 2, § 241 Abs. 2 BGB dar­stel­len [1].
Nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs haf­tet der Lea­sing­ge­ber nach § 278 BGB, wenn der Verkäufer/​Lie­fe­rant der Lea­sing­sache schuld­haft (jeden­falls auch) den Lea­sing­ver­trag betref­fen­de Auf­klä­rungs- oder Hin­weis­pflich­ten gegen­über dem Lea­sing­neh­mer ver­letzt, sofern der Verkäufer/​Lieferant mit Wis­sen und Wil­len des Lea­sing­ge­bers Vor­ver­hand­lun­gen mit dem Lea­sing­neh­mer über den Abschluss eines Lea­sing­ver­tra­ges führt. Grund für die Haf­tung ist es, dass der Lea­sing­ge­ber im Inter­es­se der Ver­ein­fa­chung der Ver­trags­an­bah­nung und Ver­trags­ab­wick­lung einen Drit­ten – den Verkäufer/​Lieferanten – mit Auf­ga­ben betraut, die in sei­nem Ver­ant­wor­tungs­be­reich lie­gen. Dabei hängt die Zurech­nung der Pflicht­ver­let­zung nicht von einer stän­di­gen Geschäfts­ver­bin­dung von Lieferant/​Verkäufer und Lea­sing­ge­ber ab, son­dern von der Tat­sa­che, dass sich der Lea­sing­ge­ber zum Abschluss des Lea­sing­ver­trags der Hil­fe des Verkäufers/​Lieferanten bedient [2]. Ob die Umstän­de des Ein­zel­falls in ihrer Gesamt­heit die Wer­tung zulas­sen, dass die auch den Lea­sing­ver­trag betref­fen­den Vor­ge­sprä­che anläss­lich der Kauf­ver­trags­ver­hand­lun­gen mit Wis­sen und Wil­len des Lea­sing­ge­bers erfolg­ten, unter­liegt der tatrich­ter­li­chen Wür­di­gung im jewei­li­gen Ein­zel­fall. So kann zum Bei­spiel die Über­las­sung von Lea­sing­ver­trags­for­mu­la­ren und der für die Bemes­sung der Lea­sing­ra­ten not­wen­di­gen Daten und Unter­la­gen sowie die wider­spruchs­lo­se Ent­ge­gen­nah­me des aus­ge­füll­ten und von dem Verkäufer/​Lieferanten über­sand­ten Lea­sing­an­trags den Schluss recht­fer­ti­gen, dass der Lieferant/​Verkäufer die vor­be­rei­ten­den Gesprä­che und Ver­hand­lun­gen über den Abschluss eines Lea­sing­ver­tra­ges mit Wis­sen und Wil­len des Lea­sing­ge­bers führt [3].
Die Annah­me jedoch, auch die Vor­be­rei­tung eines Lea­sing­ver­trags betref­fen­de Ver­hand­lungs­tä­tig­keit des Lie­fe­ran­ten sei allein des­halb als mit Wis­sen und Wil­len der Lea­sing­ge­be­rin erfolgt anzu­se­hen, weil die­se sich eige­ne Ver­hand­lun­gen erspart, das vom Lie­fe­ran­ten erziel­te Ver­hand­lungs­er­geb­nis hin­ge­nom­men und sich zu Eigen gemacht habe, steht indes mit der vor­ste­hend zitier­ten BGH-Recht­spre­chung nicht mehr im Ein­klang.
Im hier vom Bun­des­ge­richts­hof ent­schie­de­nen Fall war die Lea­sing­ge­be­rin bei Anbah­nung des Kauf­ver­tra­ges nicht nur nicht am Gesche­hen betei­ligt, sie ist zu die­sem Zeit­punkt auch in kei­ner Wei­se gegen­über der Beklag­ten als poten­zi­el­le Lea­sing­ge­be­rin in Erschei­nung getre­ten. Da die Lea­sing­ge­be­rin erst nach Abschluss des Kauf­ver­tra­ges mit der Anfra­ge, den Kauf durch einen Lea­sing­ver­trag zu finan­zie­ren, kon­fron­tiert wur­de, fehlt es an einer trag­fä­hi­gen tat­säch­li­chen Grund­la­ge für die Annah­me, dass sie sich zur Anbah­nung des Lea­sing­ver­tra­ges mit der Beklag­ten der Hil­fe des Lie­fe­ran­ten bedient hät­te. Allein die von einem Verkäufer/​Lieferanten bei dem Käu­fer erzeug­te Bereit­schaft, den Kauf durch einen Lea­sing­ver­trag mit einem noch aus­zu­wäh­len­den Lea­sing­ge­ber finan­zie­ren zu las­sen, sowie die nach Abschluss des Kauf­ver­trags erfolg­te Ver­mitt­lung eines Kon­takts des Käu­fers zu dem spä­te­ren Lea­sing­ge­ber durch den Verkäufer/​Lieferanten führt ohne das Hin­zu­tre­ten wei­te­rer Umstän­de nicht gemäß § 278 BGB zur Haf­tung des Lea­sing­ge­bers für schuld­haf­te Auf­klä­rungs­pflicht­ver­let­zun­gen des Verkäufers/​Lieferanten.
Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 15. Juni 2011 – VIII ZR 279/​10
vgl. BGH, Urteil vom 03.07.1985 – VIII ZR 102/​84, BGHZ 95, 170, 179 f.[↩]
BGH, Urtei­le vom 03.07.1985 – VIII ZR 102/​84, aaO; vom 04.11.1987 – VIII ZR 313/​86, NJWRR 1988, 241 unter II 2 c aa[↩]
BGH, Urteil vom 03.06.1985 – VIII ZR 102/​84, aaO, S. 181[↩]
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