Source: https://www.rechtslupe.de/wirtschaftsrecht/versicherungsrecht/die-moegliche-brandstiftung-des-sohnes-und-die-auskunftspflicht-gegenueber-der-wohngebaeudeversicherung-3108977
Timestamp: 2020-05-31 04:46:14
Document Index: 225185370

Matched Legal Cases: ['§ 26', '§ 81', 'BGH', '§ 20', 'BGH', 'BGH', 'BGH']

Die mögliche Brandstiftung des Sohnes - und die Auskunftsobliegenheit gegenüber der Wohngebäudeversicherung | Rechtslupe
Die mögliche Brandstiftung des Sohnes - und die Auskunftsobliegenheit gegenüber der Wohngebäudeversicherung
Nach § 26 Nr. 2 Buchst. a) hh) AVB hat der Ver­si­che­rungs­neh­mer soweit mög­lich dem Ver­si­che­rer unver­züg­lich jede Aus­kunft zu ertei­len, die zur Fest­stel­lung des Ver­si­che­rungs­fal­les oder des Umfangs der Leis­tungs­pflicht des Ver­si­che­rers erfor­der­lich ist, sowie jede Unter­su­chung über Ursa­che und Höhe des Scha­dens zu gestat­ten.
Nach stän­di­ger Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs ist eine sol­che Auf­klä­rungs- und Aus­kunfts­ob­lie­gen­heit weit gefasst. Ihr Zweck besteht – für den durch­schnitt­li­chen Ver­si­che­rungs­neh­mer erkenn­bar – dar­in, den Ver­si­che­rer in die Lage zu ver­set­zen, die Vor­aus­set­zun­gen sei­ner Ein­tritts­pflicht sach­ge­recht zu prü­fen, indem er Ursa­che und Umfang des Scha­dens ermit­telt. Das schließt die Fest­stel­lung sol­cher mit dem Scha­dens­er­eig­nis zusam­men­hän­gen­den Tat­sa­chen ein, aus denen sich – etwa nach § 81 VVG – sei­ne Leis­tungs­frei­heit gegen­über dem Ver­si­che­rungs­neh­mer erge­ben kann 1. Der Ver­si­che­rungs­neh­mer hat daher auf ent­spre­chen­des Ver­lan­gen sol­che Tat­sa­chen wahr­heits­ge­mäß und voll­stän­dig zu offen­ba­ren, selbst wenn die Erfül­lung der Aus­kunfts­ob­lie­gen­heit eige­nen Inter­es­sen wider­strei­tet, weil sie dem Ver­si­che­rer erst ermög­licht, sich auf Leis­tungs­frei­heit zu beru­fen 2.
Nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs 3 ist es grund­sätz­lich Sache des Ver­si­che­rers, wel­che Anga­ben er zur Ermitt­lung des Sach­ver­halts für erfor­der­lich hält, um sei­ne Ent­schei­dung über die Leis­tungs­pflicht auf aus­rei­chen­der und gesi­cher­ter Tat­sa­chen­grund­la­ge tref­fen zu kön­nen. Dazu kön­nen auch Fra­gen nach den Ver­mö­gens­ver­hält­nis­sen des Ver­si­che­rungs­neh­mers oder hier: sei­ner Ange­hö­ri­gen – gehö­ren, weil sich dar­aus für den Ver­si­che­rer Anhalts­punk­te erge­ben kön­nen, der Ein­tritt des Ver­si­che­rungs­fal­les und die damit ver­bun­de­ne Ent­schä­di­gungs­leis­tung ent­spre­che der finan­zi­el­len Inter­es­sen­la­ge des Ver­si­che­rungs­neh­mers. In die­sem Zusam­men­hang genügt es, dass die vom Ver­si­che­rungs­neh­mer gefor­der­ten Anga­ben zur Ein­schät­zung des sub­jek­ti­ven Risi­kos über­haupt dien­lich sein kön­nen, nicht hin­ge­gen kommt es dar­auf an, ob sich die Anga­ben nach dem Ergeb­nis der Prü­fung als für die Fra­ge der Leis­tungs­pflicht tat­säch­lich wesent­lich erwei­sen 4.
Im Streit­fall hat­te die Ver­si­che­rungs­ge­sell­schaft Anlass, das sub­jek­ti­ve Risi­ko beson­ders zu prü­fen, weil die Über­tra­gung des Hau­ses auf den Ver­si­che­rungs­neh­mer im Juli 2008 einen Anfangs­ver­dacht dahin­ge­hend begrün­de­te, der frü­he­re Eigen­tü­mer und Sohn des Ver­si­che­rungs­neh­mers habe die wirt­schaft­li­che Last des Hau­ses nicht mehr tra­gen kön­nen. Es erscheint des­halb sach­ge­recht, wenn die Ver­si­che­rungs­ge­sell­schaft ver­such­te, die Moti­ve für die Über­tra­gung des Hau­ses zu ermit­teln.
Bei der Prü­fung der Fra­ge, ob die Anga­be des Ver­si­che­rungs­neh­mers, er habe kei­ner­lei Kennt­nis über irgend­wel­che finan­zi­el­le Pro­ble­me oder irgend­wel­che anders gela­ger­ten Pro­ble­me sei­ner Kin­der, der Wahr­heit ent­sprach, hat das Beru­fungs­ge­richt den Beweis­an­tritt der Ver­si­che­rung auf
Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 13. April 2016 – IV ZR 152/​14
vgl. BGH, Urtei­le vom 16.11.2005 – IV ZR 307/​04, r+s 2006, 185 unter – II 1 a zu § 20 Nr. 1 d VGB 88; vom 12.11.1997 – IV ZR 338/​96 – VersR 1998, 228 unter – II 1 b; vom 12.11.1975 – IV ZR 5/​74 – VersR 1976, 84 unter 1 a a.E.[↩]
vgl. BGH, Urteil vom 01.12 1999 – IV ZR 71/​99, VersR 2000, 222 unter – II 3[↩]
vgl. BGH, Urtei­le vom 22.10.2014 – IV ZR 242/​13, VersR 2015, 45 Rn. 18; vom 16.11.2005 aaO unter – II 1 b m.w.N.[↩]
vgl. BGH, Urtei­le vom 22.10.2014 aaO; und vom 01.12 1999 aaO unter – II 2[↩]