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Timestamp: 2020-01-19 05:22:02
Document Index: 342549368

Matched Legal Cases: ['§ 170', '§ 30', '§ 30', '§ 30', '§ 30', '§ 34', '§ 34', '§ 4', '§ 7', '§ 30', '§ 170', '§ 33', '§ 170', '§ 170', '§ 30', '§ 30', '§ 20', '§ 33', '§ 30', '§ 4', '§ 30']

Anzei­ge­pflicht bei Erb­fäl­len – und die Fest­set­zungs­ver­jäh­rung | Rechtslupe
Ist eine Steu­er­erklä­rung ein­zu­rei­chen oder eine Anzei­ge zu erstat­ten, beginnt die Fest­set­zungs­frist abwei­chend hier­von erst mit Ablauf des Kalen­der­jah­res, in dem die Steu­er­erklä­rung oder die Anzei­ge ein­ge­reicht wur­de, spä­tes­tens jedoch mit Ablauf des drit­ten Kalen­der­jah­res, das auf das Kalen­der­jahr folgt, in dem die Steu­er ent­stan­den ist (§ 170 Abs. 2 S. 1 Nr. 1 AO). Die Anlauf­hem­mung dient dem Siche­rungs­zweck, eine Ver­kür­zung der Bear­bei­tungs­zeit des Finanz­amts – ggf. gezielt ‑durch Ver­zö­ge­rung bei­spiels­wei­se einer Anzei­ge zu ver­mei­den 1.
Gemäß § 30 Abs. 1 ErbStG ist jeder der Erb­schaft­steu­er unter­lie­gen­de Erwerb vom Erwer­ber bin­nen einer Frist von drei Mona­ten nach erlang­ter Kennt­nis von dem Anfall dem für die Ver­wal­tung der Erb­schaft­steu­er zustän­di­gen Finanz­amt schrift­lich anzu­zei­gen. Bei meh­re­ren Erwer­bern ist grund­sätz­lich jeder Erwer­ber anzei­ge­pflich­tig 2. Der Inhalt der Anzei­ge ergibt sich aus § 30 Abs. 4 ErbStG.
Einer Anzei­ge bedarf es nach § 30 Abs. 3 S. 1 ErbStG i. d. F. bis 31.12.2008 nicht, wenn der Erwerb auf einer von einem deut­schen Gericht oder einem deut­schen Notar eröff­ne­ten Ver­fü­gung von Todes wegen beruht und sich aus der Ver­fü­gung das Ver­hält­nis des Erwer­bers zum Erb­las­ser unzwei­fel­haft ergibt. Bei gesetz­li­cher Erb­fol­ge obliegt dem Erwer­ber man­gels Vor­lie­gen einer Ver­fü­gung von Todes wegen stets eine Anzei­ge­pflicht nach § 30 Abs. 1 ErbStG 3.
Im Erb­schaft­steu­er­recht exis­tiert ein Sys­tem von Anzei­ge­pflich­ten, wel­ches in sei­ner Gesamt­heit dem Finanz­amt eine voll­stän­di­ge Erfas­sung der Steu­er­fäl­le ermög­li­chen und die steu­er­rele­van­ten aus den ange­zeig­ten Fäl­len her­aus­fil­tern soll 4. Im Streit­fall waren dies ins­be­son­de­re:
Gemäß § 34 Abs. 2 Nr. 1 ErbStG haben die Stan­des­äm­ter die Ster­be­fäl­le und gemäß § 34 Abs. 2 Nr. 2 ErbStG die Gerich­te und Nota­re u. a. die Ertei­lung von Erb­schei­nen dem für die Ver­wal­tung der Erb­schaft­steu­er zustän­di­gen Finanz­amt schrift­lich anzu­zei­gen. Die Ster­be­fall­mit­tei­lung hat bin­nen zehn Tagen nach Ablauf des Kalen­der­mo­nats zu erfol­gen (§ 4 Abs. 1 S. 1 ErbSt­DV), das Gericht hat die Ertei­lung eines Erb­scheins unver­züg­lich nach dem aus­lö­sen­den Ereig­nis dem zustän­di­gen Finanz­amt anzu­zei­gen (§§ 7 Abs. 1 S. 1 Nr. 2, S. 3 ErbSt­DV).
Anzei­ge­pflich­ten Drit­ter kön­nen im Hin­blick auf die Pflicht zur Anzei­ge des Erwerbs ledig­lich dazu füh­ren, dass die Anzei­ge­pflicht des Erwer­bers nach der Vor­schrift des § 30 Abs. 3S. 2 ErbStG ent­fällt 5. Das Sys­tem der Anzei­ge­pflich­ten soll eine mög­lichst voll­stän­di­ge Erfas­sung aller Erwer­be sicher­stel­len und dem Finanz­amt die Prü­fung erleich­tern, ob und wen es im Ein­zel­fall zur Abga­be einer Steu­er­erklä­rung auf­zu­for­dern hat 6.
Besteht eine Anzei­ge­pflicht, wird die Anlauf­hem­mung des § 170 Abs. 2 S. 1 Nr. 1 AO zuguns­ten des Steu­er­pflich­ti­gen grund­sätz­lich nur durch eine Anzei­ge des Steu­er­pflich­ti­gen selbst, eines Ver­tre­ters oder einer für ihn han­deln­den Per­son been­det und die Fest­set­zungs­frist aus­ge­löst 7. Anzei­gen nach §§ 33, 34 ErbStG haben kei­nen Ein­fluss auf den Anlauf der Fest­set­zungs­frist 8, denn der Wort­laut des § 170 Abs. 2 S.01. Nr. 1 AO sieht mit der Abga­be einer Steu­er­erklä­rung oder Steu­er­an­mel­dung bzw. der Erstat­tung einer Anzei­ge eine Hand­lungs­pflicht des Steu­er­pflich­ti­gen vor.
Ist ein Rechts­vor­gang durch einen von meh­re­ren Anzei­ge­pflich­ti­gen ord­nungs­ge­mäß ange­zeigt wor­den, wird der Beginn der Fest­set­zungs­frist nicht dadurch wei­ter hin­aus­ge­scho­ben, dass für den­sel­ben Rechts­vor­gang zur Anzei­ge Ver­pflich­te­te ihre Anzei­ge­pflicht nicht erfüllt haben 9. Sind dem Finanz­amt alle für die Prü­fung eines steu­er­ba­ren Vor­gangs und die Ein­lei­tung eines Besteue­rungs­ver­fah­rens erfor­der­li­chen Umstän­de z. B. durch die Steu­er­erklä­rung eines Allein­er­ben bekannt gewor­den, erfor­dert der Siche­rungs­zweck des § 170 Abs. 2 S. 1 Nr. 1 AO kein wei­te­res Hin­aus­schie­ben des Beginns der Fest­set­zungs­frist für ande­re Erwer­ber 10; aus­rei­chend ist die nament­li­che Bezeich­nung des Erb­las­sers und des ande­ren Erwer­bers sowie die Mit­tei­lung des Rechts­grun­des für des­sen Erwerb. Als Rechts­grund eines Erwerbs sieht § 30 Abs. 4 Nr. 4 ErbStG bei­spiels­wei­se gesetz­li­che Erb­fol­ge, Ver­mächt­nis oder Aus­stat­tung vor. Nach Erstat­tung einer Anzei­ge nach § 30 Abs. 1 ErbStG ist eine (wei­te­re) Anlauf­hem­mung gerecht­fer­tigt, wenn das Finanz­amt den Steu­er­pflich­ti­gen zur Ein­rei­chung einer Steu­er­erklä­rung auf­ge­for­dert hat; bei ord­nungs­ge­mä­ßer Erstat­tung der Anzei­ge führt erst die dem Finanz­amt nach­fol­gend durch die Ein­rei­chung der ange­for­der­ten Steu­er­erklä­rung ver­mit­tel­te Kennt­nis zur (end­gül­ti­gen) Been­di­gung der Anlauf­hem­mung 6.
Liegt eine unvoll­stän­di­ge Anzei­ge vor, ist ent­schei­den­des Kri­te­ri­um, ob die der Finanz­be­hör­de zur Ver­fü­gung ste­hen­de Bear­bei­tungs­zeit dadurch ver­kürzt wird oder nicht 11. So erfor­dert eine Anzei­ge zur Been­di­gung der Anlauf­hem­mung im Bereich des Grund­er­werb­steu­er­ge­set­zes die Bezeich­nung des Grund­stücks nach Grund­buch, Katas­ter, Stra­ße und Haus­num­mer (§ 20 Abs. 1 Nr. 2 GrEStG), eine Anzei­ge ohne die­se Anga­ben ver­kürzt die dem Finanz­amt zur Ver­fü­gung ste­hen­de Bear­bei­tungs­zeit 12.
Bei Gesamt­be­trach­tung aller beim Finanz­amt betref­fend den Erb­fall zunächst ein­ge­gan­ge­nen Anzei­gen nach § 33, 34 ErbStG gin­gen aus die­sen weder der Mit­er­be als Erwer­ber noch ein Rechts­grund für einen Erwerb her­vor: Die Ster­be­fall­mit­tei­lung des Stan­des­amts A‑Stadt ent­hält ledig­lich Namen und Anschrif­ten der Ehe­gat­tin und Kin­der des Erb­las­sers, wobei eine Bezeich­nung als "Kinder/​Abkömmlinge" nur das per­sön­li­che Ver­hält­nis des Mit­er­ben zum Erb­las­ser wie­der­gibt und nicht den Rechts­grund eines Erwerbs bil­det (vgl. § 30 Abs. 4 Nr. 5 ErbStG; BFH, Urteil vom 16.10.1996 – II R 43/​96, BSt­Bl II 1997, 73). Die Mit­tei­lung der zwi­schen einem Erwer­ber und dem Erb­las­ser bestehen­den per­sön­li­chen Ver­hält­nis­se lässt kei­nen zwin­gen­den Schluss dar­auf zu, ob ein steu­er­ba­rer Erwerbs­vor­gang vor­liegt oder nicht 13. Wür­de man dar­über hin­aus die inso­weit all­ge­mei­nen Anga­ben in den Ster­be­fall­mit­tei­lun­gen, wel­che nach § 4 ErbSt­DV für jeden Todes­fall an das Finanz­amt zu über­mit­teln sind, als aus­rei­chend in die­sem Sin­ne erach­ten, hät­te es einer Rege­lung wei­te­rer Anzei­ge­pflich­ten im ErbStG sowie der Anlauf­hem­mung in Bezug auf die Fest­set­zungs­frist der Erb­schaft­steu­er nicht bedurft. Auch aus den Mit­tei­lun­gen der Bank 1, der Bank A‑Stadt sowie der Bau­spar­kas­se geht kein Erwer­ber bzw. Rechts­grund für einen Erwerb her­vor, in der Anzei­ge der E Lebens­ver­si­che­rung a. G. ist auf die Bezugs­be­rech­ti­gung im Todes­fall abge­stellt.
Jüli­cher in Troll/​Gebel/​Jülicher, ErbStG, § 30 Rn. 3; BFH, Urteil vom 27.08.2008 – II R 36/​06, BSt­Bl II 2009, 232[↩]
BFH, Urteil vom 27.08.2008 – II R 36/​06, BSt­Bl II 2009, 232[↩][↩]
BFH, Urteil vom 26.10.2006 – II R 16/​05, BFH/​NV 2007, 852; BFH, Beschluss vom 07.12.1999 – II B 79/​99, BSt­Bl II 2000, 233[↩]
BFH, Urteil vom 26.10.2006 – II R 16/​05, BFH/​NV 2007, 852; BFH, Urteil vom 06.07.2005 – II R 9/​04, BSt­Bl II 2005, 780; BFH, Urteil vom 30.10.1996 – II R 70/​94, BSt­Bl II 1997, 11[↩]
BFH, Urteil vom 30.10.1996 – II R 70/​94, BSt­Bl II 1997, 11[↩]
BFH, Urteil vom 16.10.1996 – II R 43/​96, BSt­Bl II 1997, 73[↩]