Source: https://www.scheidung.org/scheidungsanwalt/
Timestamp: 2017-08-21 21:30:45
Document Index: 194721459

Matched Legal Cases: ['§ 114', '§ 114', '§ 137', '§ 137', '§ 12', '§ 43']

Ist ein Scheidungsanwalt immer nötig?
Scheidungsanwalt – Objektiver Vermittler und Rechtsbeistand
Kommt es zu Trennung und Scheidung, stellt sich auch schnell die Frage, ob ein Rechtsanwalt benötigt wird und falls ja, welcher Anwalt „der Richtige“ ist. Dabei kommt für jeden Ehegatten die Hinzuziehung eines eigenen Scheidungsanwalts für eine (erste) Beratung bis hin zur vollständigen Interessenvertretung bei der Scheidung und den Folgesachen in Betracht. Auf der anderen Seite kann es bei einer einvernehmlichen Scheidung insbesondere aus Kostengründen zweckmäßig sein, nur einen Anwalt zu beauftragen, um die Scheidungskosten so gering wie möglich zu halten. Was letztendlich sinnvoll ist, richtet sich nach dem Einzelfall.
Warum Sie einen Anwalt vor Gericht benötigen
Bei einer Scheidung ist ein Anwalt Pflicht.
Möchte ein Ehegatte die Scheidung einreichen, muss er dazu einen Rechtsanwalt bzw. Fachanwalt für Familienrecht beauftragen. Denn für die Einreichung des Scheidungsantrags beim Familiengericht besteht Anwaltszwang, § 114 Abs. 1 Gesetz über das Verfahren in Familiensachen und in den Angelegenheiten der freiwilligen Gerichtsbarkeit (FamG). Aufgrund der Anwaltspflicht bei Scheidung können Anträge also nur durch einen Anwalt gestellt werden. Eine Scheidung ohne einen Scheidungsanwalt ist daher nicht möglich.
Der andere Ehegatte braucht allerdings keinen eigenen Scheidungsanwalt zu beauftragen, wenn er der Scheidung nur zustimmen möchte, § 114 Abs. 3 Nr. 3 FamG. Eigene Anträge stellen darf dieser Ehepartner dann allerdings nicht, weil dies ausschließlich den Anwälten vorbehalten ist. Ebenso kann der anwaltlich nicht vertretene Ehegatte nach der Scheidung keinen Rechtsmittelverzicht erklären. Das hat zur Folge, dass die Scheidung nicht – wie bei einem von einem Anwalt geäußerten Rechtsmittelverzicht – sofort, sondern erst nach Ablauf der Rechtsmittelfrist von einem Monat rechtskräftig ist.
Ist dagegen die Scheidung streitig, sodass der andere Ehegatte ebenfalls Anträge stellen möchte, braucht er dazu einen eigenen von ihm beauftragten Rechtsanwalt. Streitig ist die Scheidung immer dann, wenn
nach Ablauf des Trennungsjahres über Folgesachen Meinungsverschiedenheiten bestehen oder
nach Ansicht eines Ehepartners das einjährige Trennungsjahr noch nicht abgelaufen und die dreijährige Trennungszeit noch nicht erreicht ist (wobei hier zusätzlich ebenfalls über Folgesachen Meinungsverschiedenheiten bestehen können)
Folgesachen sind nach § 137 Abs. 2 FamG:
Kindschaftssachen wie Sorgerecht, Umgang und Herausgabe des Kindes an den anderen Ehegatten
Über die Folgesachen soll das Familiengericht im Scheidungsverfahren zusammen mit der Scheidung verhandeln und entscheiden (sogenannter Verbund), § 137 Abs. 1 FamG. Dabei hat der Versorgungsausgleich (also die während der Ehe erworbenen Anwartschaften auf Rente wegen Alters oder verminderter Erwerbsfähigkeit, die zwischen den Ehegatten ausgeglichen werden) eine Art Sonderstellung. Denn der Versorgungsausgleich wird vom Familiengericht von Amts wegen durchgeführt, wenn die Ehe länger als drei Jahre gedauert und keine notarielle Verzichtserklärung über den Ausgleich beigebracht wird. Über alle anderen Folgesachen entscheidet das Familiengericht nur auf Antrag, sodass ein Ehegatte zwangsläufig einen Anwalt benötigt, sofern ein Antrag gestellt werden soll.
1 Ist eine Scheidung ohne Anwalt möglich?
1.1 Warum Sie einen Anwalt vor Gericht benötigen
1.2 Einvernehmliche Scheidung: Gemeinsamer Anwalt (sog. „Einspänner“) möglich
1.3 Die Vorteile einer einvernehmlichen Scheidung liegen in Folgendem:
1.4 Wann jeder Ehegatte seinen eigenen Scheidungsanwalt haben sollte
1.5 Beratung vom Scheidungsanwalt: Wissen, was auf einen zukommt
1.6 Ehevertrag und Scheidungsfolgenvereinbarung: Regelung für den Ernstfall
2 Die Aufgaben des Scheidungsanwalts: Was alles zu erledigen ist
2.1 Service vom Anwalt für Scheidung: Das gibt es häufig kostenlos
2.2 Wie sich der passende Scheidungsanwalt finden lässt
2.2.1 Fachanwalt für Familienrecht
2.2.2 Internet-Recherche
2.2.3 Kontaktaufnahme
2.2.5 Auftreten
2.2.6 Erfahrung
2.2.7 Vertrauen
2.2.8 Kanzleisitz
2.2.9 Kosten
3 Kann ein Ehegatte auch mehrere Anwälte beauftragen?
3.1 Mehrere Anwälte einer Kanzlei
3.2 Anwälte aus verschiedenen Kanzleien im Scheidungsverbund
3.3 Anwälte aus verschiedenen Kanzleien für Scheidung und isolierte Folgesachen
3.4 Anwaltswechsel bei eigener Zahlung
3.5 Anwaltswechsel bei Verfahrenskostenhilfe
Einvernehmliche Scheidung: Gemeinsamer Anwalt (sog. „Einspänner“) möglich
Sind sich die Ehegatten über die Scheidung einig, ist ein gemeinsamer Anwalt möglich. Das bedeutet, dass einer der Ehepartner einen Scheidungsanwalt beauftragt. Dieser reicht den Scheidungsantrag beim Familiengericht ein, während der anwaltlich nicht vertretene Ehepartner der Scheidung zustimmt. Anschließend teilen sich die Ehegatten die Kosten für den Anwalt.
Die einvernehmliche Scheidung setzt voraus, dass die Ehegatten seit mindestens einem Jahr getrennt leben (was auch innerhalb der gemeinsamen Wohnung möglich ist) und die folgenden Punkte einvernehmlich geregelt haben:
Ggf. Kindesunterhalt
Trennungs- und Nachehelichenunterhalt
Übernahme der Ehewohnung durch einen Ehepartner, soweit dies nicht bei der (einvernehmlichen) Trennung geschehen ist
Aufteilung des Hausrats, soweit dies nicht bei der (einvernehmlichen) Trennung geschehen ist
Hinweis: Auch wenn Sie sich gemeinsam von einem Anwalt beraten lassen, kann der Anwalt letztendlich nur einen Ehegatten vertreten.
Die Vorteile einer einvernehmlichen Scheidung liegen in Folgendem:
Die Gebühren für den Scheidungsanwalt werden um die Hälfte günstiger, wenn sich die Ehegatten diese Kosten teilen, was zuvor schriftlich vereinbart werden sollte. Erhält einer der Ehepartner ratenfreie Verfahrenskostenhilfe und beauftragt einen Anwalt für Familienrecht mit der Scheidung, der der andere Ehepartner zustimmt, sind von beiden Ehegatten gar keine Anwaltsgebühren zu zahlen
Der Ablauf ist erheblich schneller als bei einer streitigen Scheidung. Während sich diese sogar über mehrere Jahre hinziehen kann, kann die einvernehmliche Scheidung im günstigsten Fall bereits nach drei bis vier Monaten abgeschlossen sein
Der Nachteil besteht darin, dass der Rechtsanwalt zwar mit beiden Ehegatten Gespräche führen kann, aber nur die Interessen desjenigen wahrnehmen darf, der ihn beauftragt hat. Streiten sich die Ehepartner im Verlauf der Scheidung, ist der anwaltlich nicht vertretene Ehepartner erheblich im Nachteil und hat zudem keine Möglichkeit, eigene Anträge zu stellen. In diesem Fall kommt der betreffende Ehegatte nicht umhin, doch noch einen eigenen Anwalt hinzuzuziehen.
Weitere Einzelheiten zur Scheidung mit einem gemeinsamen Anwalt erfahren Sie in unserem Ratgeber über die einvernehmliche Scheidung.
Wann jeder Ehegatte seinen eigenen Scheidungsanwalt haben sollte
Bei streitiger Scheidung ist ein eigener Scheidungsanwalt sinnvoll.
Neben den Fällen, in denen eine Scheidung streitig ist oder jeder Ehegatte selber den Scheidungsantrag stellen möchte, sollte jeder Ehepartner einen eigenen Anwalt beauftragt haben, wenn
umfangreiche Vermögenswerte und/oder Immobilien vorhanden sind oder
einer der Ehepartner geschäftlich unerfahren ist, etwa weil er sich ausschließlich um den Haushalt und die Kinder gekümmert hat
Ohne eigenen Anwalt besteht hier die Gefahr, dass der betreffende Ehepartner benachteiligt wird. Das Familiengericht darf in solchen Fällen keine Hinweise geben, da dies im Scheidungsrecht nicht vorgesehen ist.
Beratung vom Scheidungsanwalt: Wissen, was auf einen zukommt
Damit die Ehegatten bei Trennung und Scheidung darüber informiert sind, was auf sie zukommt, kann für jeden eine eigene (Erst-)Beratung bei einem Fachanwalt für Familienrecht sinnvoll sein. Die Palette der anwaltlichen Beratung reicht dabei von Verhaltensmaßnahmen bei Trennung bis hin zu Vorgehensweisen bei Trennungs- und Geschiedenenunterhalt, Durchführung des Versorgungsausgleichs, Zugewinnausgleich und Kindschaftssachen (Kindesunterhalt, Sorgerecht und Umgangsrecht). Speziell ein vorschneller Auszug aus der gemeinsamen Ehewohnung, insbesondere bei Eigentum an der bewohnten Immobilie, kann zu erheblichen Nachteilen führen.
Wofür eine Beratung im Einzelnen sinnvoll ist, können Sie unter Scheidungsberatung nachlesen.
Ehevertrag und Scheidungsfolgenvereinbarung: Regelung für den Ernstfall
Soll ein Ehevertrag oder eine Trennungs- und Scheidungsvereinbarung geschlossen werden, ist ein Fachanwalt für Familienrecht ein guter Ansprechpartner. In den meisten Fällen bedarf das Vertragswerk aber noch der notariellen Beglaubigung.
Einzelheiten zum Ehevertrag sowie zur Trennungs- und Scheidungsvereinbarung können Sie unter den Ratgebern zum Ehevertrag und zur Scheidungsfolgenvereinbarung in Erfahrung bringen.
Die Aufgaben des Scheidungsanwalts: Was alles zu erledigen ist
Ein Scheidungsanwalt hat vielfältige Aufgaben
Erhält ein Rechtsanwalt ein Scheidungsmandat, hängen seine Aufgaben davon ab, welchen Umfang die Scheidung hat, also ob diese einvernehmlich oder streitig ist bzw. welche Folgesachen geregelt werden sollen.
Generell hat der Anwalt allerdings nicht nur die Aufgabe, sondern auch die Pflicht, seine Mandanten umfassend zu beraten und deren Rechtspositionen zu sichern. Verstößt der Anwalt gegen diese Pflicht und erleidet sein Mandant dadurch Nachteile, macht sich der Anwalt schadensersatzpflichtig. Um mögliche Schadensersatzforderungen begleichen zu können, muss er eine Berufshaftpflichtversicherung abschließen. Andernfalls erhält er keine Zulassung zur Rechtsanwaltschaft, vgl. §§ 12 Abs. 2, 51 Bundesrechtsanwaltsordnung (BRAO). Neben der Pflicht zur umfassenden Beratung gehört auch die Verschwiegenheitspflicht des Rechtsanwalts zu seinen Grundpflichten, § 43a Abs. 2 BRAO.
Bei der Beauftragung eines Rechtsanwaltes ist der Mandant also doppelt abgesichert: Zum einen haftet der Anwalt für Fehler bei der Interessenwahrnehmung für seinen Mandanten. Zum anderen ist der Anwalt über alles, was er im Zusammenhang mit dem Mandat erfährt und was nicht offenkundig ist, zur Verschwiegenheit verpflichtet.
Zu den generellen Aufgaben eines Anwaltes gehört weiterhin, seinen Mandaten über sämtliche Korrespondenz unverzüglich zu informieren, also dem Mandanten eine Abschrift bzw. Kopie der Schriftstücke des Gerichts, der Gegenseite und der eigenen Anwaltsschreiben zu übermitteln, sowie für den Mandanten vereinnahmte Gelder (etwa erstattete Gerichtskosten) an diesen zügig weiterzuleiten.
Auch hinsichtlich seiner Gebühren muss der Rechtsanwalt die Interessen seines Mandanten wahren: Hat der Mandant Anspruch auf Verfahrenskostenhilfe, muss ihn der Anwalt darauf hinweisen.
Ansonsten gehört zu den Aufgaben des Scheidungsanwalts im Wesentlichen Folgendes:
Außergerichtliches „Ausloten“, ob eine einvernehmliche oder streitige Scheidung in Betracht kommt
Stellen des Scheidungsantrags und des Antrags auf Durchführung des Versorgungsausgleichs, sofern dieser von Amts wegen durchzuführen ist, was der Anwalt zuvor überprüft
Bei Durchführung des Versorgungsausgleiches summarische Überprüfung der vom Gericht ermittelten Rentenanwartschaften, wobei die genaue Überprüfung jedoch nur durch einen Rentenberater erfolgen kann
Unterhaltsansprüche (Trennungs- und Geschiedenenunterhalt sowie Kindesunterhalt)
Außergerichtliche Geltendmachung des Auskunftsanspruches über das Einkommen des Unterhaltspflichtigen, sofern der Unterhaltsberechtigte vertreten wird
Berechnung und außergerichtliche Geltendmachung des Unterhaltsanspruchs gegenüber dem Unterhaltspflichtigen, sofern der Unterhaltsberechtigte vertreten wird
Gerichtliche Geltendmachung des Unterhaltsanspruchs gegenüber dem Unterhaltspflichtigen, sofern der Unterhaltsberechtigte vertreten wird
Abwehr von überzogenen Unterhaltsansprüchen (unter Berechnung des tatsächlichen Unterhaltsanspruchs) des Unterhaltsberechtigten, sofern der Unterhaltspflichtige vertreten wird
Hinweis auf steuerliche Nachteile im Zusammenhang mit der Leistung von Unterhaltszahlungen bzw. dem Erhalt von Unterhalt
Bei der Scheidung kann ein Anwalt auch bei der Aufteilung des Hausrats helfen
Je nach Beauftragung: Außergerichtliche und gerichtliche Geltendmachung auf Zuweisung der Ehewohnung bzw. Abwehr der Zuweisung
Außergerichtliche und gerichtliche Geltendmachung von Herausgabeansprüchen, wenn einer der Ehegatten das Eigentum des anderen aus der Ehewohnung mitgenommen hat
Mitwirkung bei der Verteilung des Hausrats, wenn sich die Ehegatten nicht selber einigen können
Je nach Beauftragung: Außergerichtliche und gerichtliche Geltendmachung des Zugewinns bzw. Abwehr des Zugewinns, wobei sich der Zugewinn nach dem Güterstand richtet, in dem die Ehegatten leben
Je nach Beauftragung: Außergerichtliche und gerichtliche Geltendmachung von Vermögensansprüchen bzw. Abwehr von Vermögensansprüchen, insbesondere bei der Aufteilung von gemeinsamem Vermögen wie etwa Wertpapieren, Immobilien oder Gesellschaftsanteilen (ggf. unter Hinzuziehung eines Gutachters und/oder Steuerberaters)
Je nach Beauftragung: Außergerichtliche und gerichtliche Beantragung des alleinigen Sorgerechts für die gemeinsamen Kinder, sofern die Voraussetzungen dafür vorliegen, bzw. Abwehr eines solchen Verlangens
Je nach Beauftragung: Außergerichtliche und gerichtliche Beantragung des alleinigen Aufenthaltsbestimmungsrechts für die gemeinsamen Kinder bzw. Abwehr und eigene Beantragung des alleinigen Aufenthaltsbestimmungsrechts
Je nach Beauftragung: Außergerichtliche und gerichtliche Geltendmachung des Umgangsrechts für die gemeinsamen Kinder bzw. teilweise oder vollständige Abwehr des Umgangsrechts
Zu den damit im Zusammenhang aufstehenden Aufgaben des Scheidungsnwalts gehört weiterhin, den Mandaten über die Möglichkeit von der Beantragung der Verhängung von Ordnungsgeldern oder die Durchführung von Zwangsvollstreckungsmaßnahmen gegen die Gegenseite zu beraten, wenn diese ihren Pflichten nicht nachkommt, und in Absprache mit dem Mandanten diese Maßnahmen zu beantragen. Ebenso ist mit dem Mandanten zu beraten, inwieweit gegen Gerichtsbeschlüsse mit unerwünschten Ergebnissen Rechtsmittel einzulegen sind.
Service vom Anwalt für Scheidung: Das gibt es häufig kostenlos
Viele Scheidungsanwälte bieten im Zusammenhang mit dem Mandat kostenlose Zusatzleistungen. Zu diesem Service gehören etwa:
Überlassung von Formularen (etwa für den Antrag auf Verfahrenskostenhilfe oder die Durchführung des Versorgungsausgleichs)
Speziell im Zusammenhang mit Unterhaltsansprüchen: Anschreiben an den Mandanten über Änderungen in der Düsseldorfer Tabelle, soweit diese auf den zu zahlenden oder erhaltenen Unterhalt Auswirkungen haben
Wie sich der passende Scheidungsanwalt finden lässt
Wird für eine streitige Scheidung bzw. vom Gericht zu entscheidende Folgesachen der „richtige“ Scheidungsanwalt gesucht, stellt sich regelmäßig das Problem, wie sich dieser finden lässt. Folgende Kriterien bieten dabei eine Entscheidungshilfe:
Zunächst sollte generell ein Fachanwalt für Familienrecht beauftragt werden. Denn gerade bei den mit einer Scheidung verbundenen vermögensrechtlichen Auseinandersetzungen ist zum einen die genaue Kenntnis der sich häufig ändernden Rechtsprechung unerlässlich. Zum anderen sind bestimmte Strategien anzuwenden, um für den Mandanten die bestmöglichen Positionen zu sichern. Allgemeinanwälte verfügen in aller Regel nicht über diese speziellen Kenntnisse. Demgegenüber muss der Fachanwalt für Familienrecht nicht nur – neben bestandenen Prüfungen – mindestens 120 persönlich und weisungsfrei bearbeitete Fälle im Familienrecht (davon mindestens 60 Gerichtsverfahren) nachweisen, um die Bezeichnung „Fachanwalt“ führen zu dürfen. Sondern er ist auch verpflichtet, sich ständig im Familienrecht fortzubilden.
Bei der Suche nach einem passenden Fachanwalt für Familienrecht bieten sich Empfehlungen von Freunden und Bekannten, die Benennung eines Scheidungsanwalts durch den örtlichen Anwaltsverein und Internet-Recherchen an. Dabei bietet die Recherche im Internet den Vorteil, dass anhand des betreffenden Webauftritts ein erster Eindruck von der Anwaltskanzlei möglich ist. Denn ist der Auftritt nachlässig gehalten und enthält kaum Informationen, ist zu befürchten, dass die Arbeitsweise des Anwalts nicht anders ist. Ist die Seite dagegen professionell gestaltet und mit prägnanten Informationen versehen, lässt dies positive Rückschlüsse auf die Arbeit des Anwalts zu. Darüber hinaus bieten Vergleichsportale, in denen die anwaltliche Tätigkeit bewertet wurde, weitere Möglichkeiten, sich von der Qualität eines Anwalts ein Bild zu machen.
Ist der Scheidungsanwalt nur schwierig zu erreichen, ist das für den Mandanten meistens unbefriedigend. Daher sollte der Kontakt zum Anwalt einfach herzustellen sein bzw. er sich nach einer (unverbindlichen) Anfrage zeitnah zurückmelden. Auch die ersten Informationen sollten hilfreich sein.
Im ersten Beratungsgespräch kann sich der Mandant einen Eindruck davon verschaffen, wie sehr der Rechtsanwalt auf ihn eingeht. Dazu gehört auch, wie sehr der Anwalt für Familienrecht auf einzelne Fragen eingeht, wie umfassend das Beratungsgespräch ist und wie verständlich die juristischen Sachverhalte erklärt werden. Umgekehrt können in einem ersten Gespräch allerdings keine tiefgehenden Ausführungen oder Unterhaltsberechnungen erwartet werden.
Auch über das Auftreten des Scheidungsanwalts kann sich der Mandant im ersten Beratungsgespräch ein Bild machen. Wichtig ist ein sachliches und selbstbewusstes Auftreten, damit sichergestellt ist, dass sich der Rechtsanwalt im mündlichen Termin nicht vom Gegenanwalt oder vom Gericht „unterkriegen“ lässt.
Auch die Erfahrung und Kompetenz des Rechtsanwaltes ist von Bedeutung. Wenn der Mandant Fragen zur Berufserfahrung und dem Wissen des Anwaltes zu bestimmten Bereichen hat, sollte diese Fragen gestellt werden. Ein überzeugender Anwalt für Familienrecht wird darauf gerne antworten.
Gerade eine Scheidung ist eine überaus persönliche Angelegenheit. Der Mandant muss hier mit „offenen Karten“ spielen und häufig auch ihm unangenehme Dinge offenlegen, damit der Scheidungsanwalt in der Lage ist, eine individuelle und auf die Scheidung nebst Folgesachen zugeschnittene Beratung zu erteilen. Ein vertrauensvolles Verhältnis zwischen Anwalt und Mandant, bei dem der von der Scheidung Betroffene keine Hemmungen, Sorgen oder Ängste hat, „was der Anwalt von ihm denken mag“, ist daher äußerst wichtig.
Bei Folgesachen sind oft mehrere Gespräche mit dem Rechtsanwalt erforderlich. Der Anwalt sollte daher gut zu erreichen sein. Andererseits können für einen kompetenten, vertrauenswürdigen und „passenden“ Anwalt aber auch längere Wege in Kauf genommen werden.
Kosten für die Scheidung vom Scheidungsanwalt erklären lassen.
Besonders wichtig für den Mandanten sind die Kosten, die auf ihn zukommen. Gerade dieser Punkt sollte beim ersten Gespräch deutlich und offen angesprochen werden, damit der Mandant zumindest ungefähre Vorstellungen über die Anwaltsgebühren und Gerichtskosten hat. Außerdem wird der Mandant nur so in die Lage versetzt, die Preise verschiedener Anwälte miteinander zu vergleichen. Dabei sind zwar die endgültigen Kosten auch für den Anwalt nicht genau vorhersehbar, da diese davon abhängen, welche Angelegenheiten während des Scheidungsverfahrens im Einzelnen geregelt werden und welche Streitwerte dafür anzusetzen sind. Zumindest eine ungefähre Einschätzung sollte dem Anwalt jedoch möglich sein.
Im Übrigen sind die zu zahlenden Gebühren für einen Fachanwalt für Familienrecht genau so hoch wie bei einem insoweit nicht auf das Scheidungsrecht spezialisierten Rechtsanwalt, sodass also die Beauftragung eines Fachanwalts nicht teurer ist.
Viele Kanzleien und Anwälte verlangen für das erste Beratungsgespräch bei Trennung und Scheidung keine Gebühren. Der Mandant sollte bereits bei der telefonischen Terminvereinbarung abklären, wie dies vom betreffenden Scheidungsanwalt gehandhabt wird.
Bei der Suche nach dem „richtigen“ Rechtsanwalt können Sie sich an der folgenden Checkliste orientieren:
Checkliste Scheidungsanwalt: Das sind die entscheidenden Kriterien
Handelt es sich um einen Rechts- oder Fachanwalt für Familienrecht? (nicht der Titel, sondern der Schwerpunkt ist von Bedeutung) ❏ ❏
Verfügt der Scheidungsanwalt über einen professionellen und informativen Internet-Auftritt? ❏ ❏
Erfolgt die erste Kontaktaufnahme zügig und unkompliziert sowie unter Vermittlung von hilfreichen Informationen? ❏ ❏
Ist der Anwalt im ersten Beratungsgespräch auf Fragen eingegangen und wurden die rechtlichen Sachverhalte verständlich sowie umfassend erklärt? ❏ ❏
Tritt der Anwalt sachlich und selbstbewusst auf? ❏ ❏
Ist der Anwalt berufserfahren und beantwortet Fragen zu seinem Wissen? ❏ ❏
Passt der Anwalt in menschlicher Hinsicht, weil zu ihm Sympathie und Vertrauen bestehen? ❏ ❏
Kann die Kanzlei des Anwalts gut erreicht werden bzw. lohnt sich auch ein etwas weiterer Weg? ❏ ❏
Werden die voraussichtlichen Kosten klar und transparent angesprochen? ❏ ❏
Fazit: Können alle Fragen mit Ja beantwortet werden, war die Suche nach dem „richtigen“ Rechtsanwalt erfolgreich. Wurde nur bei ein oder zwei Fragen Nein angekreuzt und sonst überall Ja, sollte – ggf. im nochmaligen kurzen Gespräch mit dem Scheidungsanwalt – überlegt werden, ob er nicht doch der geeignete Anwalt ist. Lauten dagegen die Antworten überwiegend Nein, empfiehlt sich die weitere Suche nach einem passenden Anwalt.
↷ Checkliste als PDF herunterladen!
Bei der einvernehmlichen Scheidung bietet es sich häufig an, einen Online-Anwalt zu beauftragen. Wie Sie einen „guten“ Online-Anwalt finden, können Sie der Checkliste auf unserer Seite zur Online-Scheidung entnehmen.
Kann ein Ehegatte auch mehrere Anwälte beauftragen?
Sind mehrere Scheidungsanwälte sinnvoll?
Gelegentlich wird die Frage gestellt, ob ein Ehegatte bei einer Scheidung auch mehrere Anwälte beauftragen kann. Dabei sind zunächst die Fälle möglich, in denen mehrere Anwälte gleichzeitig beauftragt werden:
Mehrere Anwälte einer Kanzlei
Ein Ehepartner beauftragt mehrere Anwälte einer Kanzlei. Dies ist zwar möglich, aber nicht zu empfehlen. Denn das Scheidungsverfahren kann auch von einem Anwalt erledigt werden und die Hinzuziehung eines zweiten Anwalts verursacht nur unnötige zusätzliche Kosten.
Wird Verfahrenskostenhilfe gewährt, deckt diese generell nur die Kosten für einen Anwalt für Familienrecht ab.
Anwälte aus verschiedenen Kanzleien im Scheidungsverbund
Zwar ist es möglich, für die verschiedenen Angelegenheiten im Scheidungsverbund Anwälte aus verschiedenen Kanzleien zu beauftragen, also etwa eine Kanzlei für die Scheidung und eine andere Kanzlei für die Folgesachen. In der Praxis ist dies jedoch unüblich und kaum praktikabel. Zum einen müssen die Anwälte sich abstimmen. Zum anderen ist der Anwalt, der etwa eine aufwändige Verteilung des Hausrats für eine verhältnismäßig geringe Gebühr bearbeitet, verärgert, weil der andere Anwalt für die geringe Arbeit bei der eigentlichen Scheidung eine ungleich höhere Gebühr erhält. Und schließlich ist hier die Beauftragung von Anwälten aus verschiedenen Kanzleien für den Mandanten aufgrund der Besonderheiten des Gebührenrechts teurer als die Beauftragung eines Anwalts aus einer Kanzlei.
Speziell aus den Kostengründen wird Verfahrenskostenhilfe beim Scheidungsverbund auch nur für einen Anwalt aus einer Kanzlei gewährt.
Anwälte aus verschiedenen Kanzleien für Scheidung und isolierte Folgesachen
Folgesachen müssen nicht immer zwingend im Verbund, sondern können auch gesondert (isoliert) geltend gemacht werden. Auch hier ist es zwar möglich, für die Scheidung bzw. den Verbund und die betreffende isolierte Folgesache verschiedene Anwälte aus verschiedenen Kanzleien zu beauftragen. Aufgrund des Zusammenhangs sollte davon aber abgesehen werden.
Vorsicht ist stets bei der Gewährung von Verfahrenskostenhilfe geboten: Wird eine Folgesache nicht im Verbund, sondern isoliert geltend gemacht, kann die Gewährung von Verfahrenskostenhilfe wegen Mutwilligkeit versagt werden.
Von der gleichzeitigen Beauftragung mehrerer Anwälte ist der Wechsel eines Anwalts zu unterscheiden, etwa weil der Mandant mit seinem Anwalt unzufrieden ist. Hier bestehen folgende Probleme:
Anwaltswechsel bei eigener Zahlung
Möchte ein Mandant seinen Anwalt wechseln, zahlt er regelmäßig doppelt. Denn aufgrund der Besonderheiten des anwaltlichen Gebührenrechts erhält der zweite Anwalt nochmals die Gebühren, die der erste Anwalt beanspruchen kann. Lediglich dann, wenn der erste Anwalt gar nicht tätig geworden ist oder auf sonstige Weise gegen seine Pflichten verstoßen hat, kann dieser keine Gebühren verlangen bzw. muss den erhaltenen Kostenvorschuss zurückerstatten.
Bei der Gewährung von Verfahrenskostenhilfe muss der Mandant den zweiten Anwalt regelmäßig „aus eigener Tasche“ bezahlen, sofern der Gebührenanspruch des ersten Anwalts durch die Verfahrenskostenhilfe bezahlt wird und der erste Anwalt wegen Untätigkeit oder Pflichtverstößen seinen Gebührenanspruch nicht verloren hat. Hinzu kommt, dass der erste Anwalt vom Familiengericht beigeordnet wurde und daher vom Gericht erst entpflichtet werden muss, bevor der zweite Anwalt tätig werden kann.
27. Juni 2016 at 23:53
nach Streiterei in erheblicher Lautstärke mit m e i n e r Anwältin habe ich jetzt, 10 Monate nach Trennung, endlich Einsicht in die Gehaltsunterlagen meines Mannes erhalten. Dabei musste i c h feststellen, dass Nebeneinkommen nicht berücksichtigt wurden, obwohl ich meine Anwältin mehrfach danach gefragt habe. Die Anwältin hat dies einfach übersehen. Dadurch ist mir einiges an Trennungsunterhalt verloren gegangen. Kann das jetzt noch nachgefordert werden? Oder kann ich meine Anwältin dafür haftbar machen? Sollte ich jetzt noch den Anwalt wechseln?
Scheidung.org says:
4. Juli 2016 at 9:35
Sie können die Anpassung des Trennungsunterhalts beantragen. Inwieweit Sie Ihre Anwältin in Haftung für mögliche Versäumnisse nehmen können, kann hier nicht gesagt werden. Wenden Sie sich hierzu ggf. an einen anderen Rechtsanwalt.
JuliusK says:
Danke genau nach so etwas habe ich gesucht. Es ist übertrifft sogar meine Erwartungen, was in der heutigen Zeit nicht mehr so einfach ist. Wie auch immer, meine Frau und ich möchten uns scheiden, da unsere Beziehung nicht mehr tragbar ist. Wir haben ein Kind und haben, des Kindes Wegen immer wieder versucht es zum „Laufen“ zu bringen bzw. gerade zu biegen. Es ist aussichtslos. Es geht einfach nicht. Wir waren uns unsicher ob wir uns an einen/einer Rechtsanwalt/Rechtsanwältin für Familienrecht wenden sollen. Aber der Artikel hat es uns jetzt doch zu diesem Entschluss gebracht.
9. März 2017 at 16:13
Nach ewigen Diskussionen, wollen meine Frau und ich uns scheiden lassen. Brauchen wir beide einen Anwalt für Scheidungsrecht, wenn es um unser gemeinsames Kapital geht. Oder reicht es, wenn ich schlicht und einfach der Scheidung zustimme?
vor dem Familiengericht besteht für alle Antragsteller Anwaltszwang. Ist der Antragsgegner mit dem Scheidungsantrag einverstanden und will keine eigenen Anträge einbringen, genügt auch die Zustimmung. Aber: Grundsätzlich ist stets eine anwaltliche Beratung anzuraten, um sich über sämtliche Scheidungsfolgen genauestens informieren zu lassen. Dieses Feld ist für Laien kaum zu überblicken.
Eine Frage zum Punkt VERTRAUEN.
Ich befinde mich gerade im Trennungsjahr und habe erfahren, dass meine Frau in einem örtlichen Rotary Club geladen war, um über ihre Tätigkeit im Literaturbetrieb zu erklären und Fragen zu beantworten. Anwesend bei der angekündigten Veranstaltung war auch meine Anwältin als Mitglied des Rotary Clubs. Dass es sich um meine Frau und deren Tätigkeit handelte, musste meiner Anwältin aus Namensgleichheit und dem Berufsbild „Literatur-Übersetzerin“ klar sein.
Meine Anwältin hat mich bisher nicht über diesen Kontakt informiert.
Zählt das auch zum Thema Vertrauen?
3. April 2017 at 9:31
grundsätzlich besteht für beauftragte Anwälte kein Kontaktverbot zur Gegenseite. Lediglich die Kommunikation über Fallinterna unterliegt der Schweigepflicht. Wenn Sie jedoch persönlich einen Interessenskonflikt wahrnehmen, sollten Sie sich mit Ihrer Anwältin hierzu beraten.
3. April 2017 at 15:47
Vielen Dank für Ihre Antwort. Wird wohl das Beste sein, sie darauf anzusprechen.
10. April 2017 at 16:11
meine frau und ich wollen uns scheiden lassen.ursprünglich sollte dies in friedlicher und problemloser art passieren.nun sieht es aber so aus das ich hintegangen werde.es werden hinter meinem rücken Sachen verkauft.wir hwben bis dato zusammen gewirtschaftet.ich hatte da völliges vertrauen zu meiner frau.sie hat beide kontokarten(meine und ihre)durch meine langfristige Krankschreibung bin ich zeitweilig ohne arbeit und bekomme Lohnfortzahlung von der krankenkasse in höhe von 880 euro,da unterhalt von meinem sohn davon abgeht.sie bekommt durch schwere Erkrankung rente in höhe von 700 euro.wie sollte ich mich am besten verhalten?für ihr mühewalten bedanke ich mich vorab.mit freundlichen grüssen. u.k.
18. April 2017 at 9:00
wenden Sie sich an einen Anwalt, der Sie beraten und vertreten kann. Ggf. kann sich dieser auch mit Ihrer Frau in Verbindung setzen, sodass eine einvernehmliche Scheidung möglich ist.