Source: https://www.rechtslupe.de/wirtschaftsrecht/kapitalanlagerecht/schuldverschreibungen-und-die-verjaehrung-der-laufzeitzinsen-3109137
Timestamp: 2020-07-03 21:15:06
Document Index: 368346262

Matched Legal Cases: ['§ 801', '§ 195', '§ 801', '§ 195', '§ 801', '§ 803', '§ 801', '§ 801', '§ 801', '§ 797', '§ 797', '§ 801', '§ 155', '§ 195', '§ 801', '§ 197', '§ 195', '§ 801', '§ 197', '§ 801', '§ 197', '§ 197', '§ 801', '§ 801', '§ 195', 'BGH', '§ 803', '§ 803', '§ 801', 'BGH', 'BGH', '§ 803', '§ 803', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 197', '§ 197', '§ 803', '§ 197', '§ 197', '§ 803', '§ 803', '§ 803']

Schuldverschreibungen - und die Verjährung der Laufzeitzinsen | Rechtslupe
Wer­den für eine Schuld­ver­schrei­bung auf den Inha­ber kei­ne Zins­schei­ne aus­ge­ge­ben, ver­jäh­ren die Zins­an­sprü­che nicht nach § 801 Abs. 1 Satz 2 BGB, son­dern nach den Vor­schrif­ten über die regel­mä­ßi­ge Ver­jäh­rungs­frist der §§ 195, 199 BGB.
Für die Ver­jäh­rung von Lauf­zeit­zin­sen einer glo­bal­ver­brief­ten Inha­ber­schuld­ver­schrei­bung ohne sepa­ra­te Zins­schei­ne gilt damit nicht § 801 Abs. 1 BGB. Viel­mehr sind die all­ge­mei­nen Ver­jäh­rungs­vor­schrif­ten der §§ 195, 199 BGB anwend­bar.
§ 801 BGB ent­hält eine beson­de­re Rege­lung zum Erlö­schen und zur Ver­jäh­rung der in einer Schuld­ver­schrei­bung ver­brief­ten Haupt­for­de­rung (Abs. 1) und der in einem Zins­schein ver­brief­ten Zins­for­de­rung (Abs. 2). Die Vor­schrift regelt dage­gen nicht die Ver­jäh­rung von Zins­an­sprü­chen, die ent­we­der in der Glo­bal­ur­kun­de ver­brieft oder gar nicht ver­brieft sind. Inso­weit bleibt es was der Bun­des­ge­richts­hof bereits mit Beschluss vom 14.05.2013 [1] ent­schie­den hat bei der Anwend­bar­keit der all­ge­mei­nen Ver­jäh­rungs­vor­schrif­ten.
Soweit der Anspruch aus einer Schuld­ver­schrei­bung ver­zins­lich ist, kann die Ver­pflich­tung zur Zins­zah­lung gemäß § 803 BGB in Zins­schei­nen oder aber neben der in der Regel abs­trak­ten Haupt­for­de­rung in der Schuld­ver­schrei­bung selbst ver­brieft sein [2]. Die bei­den Fall­ge­stal­tun­gen unter­schei­den sich vor allem dar­in, dass im Fal­le der Aus­ga­be von Zins­schei­nen die Gel­tend­ma­chung des Zins­an­spruchs nur durch Vor­le­gung des Kupons mög­lich ist, wäh­rend die Hauptur­kun­de nicht mit vor­ge­legt zu wer­den braucht und grund­sätz­lich auch nicht zum Emp­fang der Zins­leis­tung berech­tigt [3]. Des­wei­te­ren bestehen unter­schied­li­che Rege­lun­gen zu Vor­la­ge- und Ver­jäh­rungs­fris­ten. Für Zins­schei­ne gilt inso­weit die spe­zi­el­le Rege­lung des § 801 BGB, wonach die Vor­la­ge­frist vier Jah­re beträgt (Abs. 2 Satz 1) und der Anspruch in zwei Jah­ren von dem Ende der Vor­la­ge­frist an ver­jährt (Abs. 1 Satz 2). Für die in der Hauptur­kun­de mit­ver­brief­te Zins­for­de­rung ist die­se Vor­schrift dage­gen nicht auch nicht ent­spre­chend anwend­bar.
Man­gels Aus­ga­be von Zins­schei­nen schei­det eine Anwen­dung des § 801 Abs. 2 BGB von vorn­her­ein aus. Ent­ge­gen der Auf­fas­sung des Beru­fungs­ge­richts ist aber auch § 801 Abs. 1 BGB nicht ein­schlä­gig. Die­se Vor­schrift erfasst nur die in der Schuld­ver­schrei­bung ver­brief­te Haupt­for­de­rung [4].
Dies ergibt sich aus dem sys­te­ma­ti­schen Rege­lungs­zu­sam­men­hang der Vor­schrif­ten, ins­be­son­de­re zu § 797 BGB, wonach die Leis­tungs­pflicht nur gegen Aus­hän­di­gung der Urkun­de besteht. Eine sol­che Aus­hän­di­gung der Urkun­de kommt jedoch bei einer nur in der Glo­bal­ur­kun­de ver­brief­ten Zins­for­de­rung nicht in Betracht, wenn­gleich die Zins­zah­lung regel­mä­ßig nur an den Inha­ber der Hauptur­kun­de erfolgt. Der Inha­ber der Urkun­de muss die­se dem Aus­stel­ler gemäß § 797 Satz 1 BGB erst bei Fäl­lig­keit und Zah­lung der Haupt­for­de­rung aus­hän­di­gen.
Die­se Aus­le­gung wird durch die Gesetz­ge­bungs­ma­te­ria­li­en bestä­tigt. Danach soll die Prä­k­lu­si­on nach § 801 BGB einen ein­fa­chen und kla­ren Aus­schluss­tat­be­stand für die Gel­tend­ma­chung von ver­brief­ten For­de­run­gen schaf­fen und ins­be­son­de­re die andern­falls anwend­ba­ren Vor­schrif­ten über die Hem­mung oder Unter­bre­chung der Ver­jäh­rung inso­weit aus­schlie­ßen [5]. Die Län­ge und der Beginn der Prä­k­lu­si­ons­fris­ten wur­den in glei­cher Wei­se wie bei der Ver­jäh­rung fest­ge­setzt. Die inso­weit in den Moti­ven genann­ten Vor­schrif­ten der §§ 155, 157, 158, 159 ent­spra­chen den §§ 195, 197, 201 BGB in der bis zum 31.12 2001 gel­ten­den Fas­sung (im Fol­gen­den: aF).
Von der Son­der­re­ge­lung in § 801 Abs. 2 i.V.m. Abs. 1 Satz 2 BGB abge­se­hen soll­ten für Zins­for­de­run­gen die all­ge­mei­nen Ver­jäh­rungs­vor­schrif­ten gel­ten. Der his­to­ri­sche Gesetz­ge­ber woll­te dem Zins­an­spruch selbst bei der Aus­ga­be von Zins­schei­nen nicht den Cha­rak­ter einer abs­trak­ten Obli­ga­ti­on bei­le­gen [6]. Viel­mehr soll­te die Zins­for­de­rung erst recht im Fal­le einer Mit­ver­brie­fung in der Hauptur­kun­de oder gar einer feh­len­den Ver­brie­fung mate­ri­el­le Zins­schuld, d.h. Neben­for­de­rung der betref­fen­den Haupt­ob­li­ga­ti­on [7], blei­ben; für die Fra­gen, ob Zin­sen von Zin­sen zu zah­len sind oder wel­che Ver­jäh­rungs­frist gilt, soll­ten soweit das Gesetz kei­ne abwei­chen­de Rege­lun­gen vor­sieht die all­ge­mei­nen Vor­schrif­ten anwend­bar sein [8].
Auf­grund des­sen ist der his­to­ri­sche Gesetz­ge­ber außer bei in Zins­schei­nen ver­brief­ten Zins­for­de­run­gen von der Anwend­bar­keit der all­ge­mei­nen Ver­jäh­rungs­vor­schrif­ten und damit der spe­zi­el­len Bestim­mun­gen über die vier­jäh­ri­ge Ver­jäh­rung von Zins­an­sprü­chen gemäß §§ 197, 201 BGB aF aus­ge­gan­gen. Dar­an hat die Reform des Ver­jäh­rungs­rechts durch das Schuld­rechts­mo­der­ni­sie­rungs­ge­setz nur inso­weit etwas geän­dert, als die kur­zen Ver­jäh­rungs­fris­ten durch die all­ge­mei­ne drei­jäh­ri­ge kennt­nis­ab­hän­gi­ge Ver­jäh­rungs­frist der §§ 195, 199 BGB ersetzt wor­den sind.
Die Anwend­bar­keit des § 801 Abs. 1 BGB nur auf die ver­brief­te Haupt­for­de­rung, nicht dage­gen auf den in der Hauptur­kun­de mit­ver­brief­ten Zins­an­spruch, ent­spricht schließ­lich auch dem Sinn und Zweck die­ser Vor­schrift wie auch der frü­he­ren für Zins­for­de­run­gen gel­ten­den kur­zen Ver­jäh­rungs­vor­schrift des § 197 BGB aF.
§ 801 Abs. 1 BGB soll für das in der Regel abs­trak­te Schuld­ver­spre­chen eine all­ge­mein gel­ten­de Rege­lung zum Erlö­schen und zur Ver­jäh­rung tref­fen, wäh­rend die Vor­schrift die Anwend­bar­keit der all­ge­mei­nen Ver­jäh­rungs­re­geln auf den Zins­an­spruch unbe­rührt lässt. Eine Anwen­dung die­ser Rege­lung auf den in der Hauptur­kun­de mit­ver­brief­ten Zins­an­spruch hät­te zur Fol­ge, dass für die Zins­for­de­rung eine 30jährige Vor­la­ge­frist und eine anschlie­ßen­de 2jährige Ver­jäh­rungs­frist gel­ten wür­den. Dies wür­de indes dem Zweck des § 197 BGB aF, ein über­mä­ßi­ges Anwach­sen von Schul­den zu ver­hin­dern [9], wider­spre­chen. Auf­grund des­sen bestand auch im Schrift­tum zu §§ 197, 201 BGB aF Einig­keit, dass die­se Vor­schrif­ten nur im Fal­le der Aus­ga­be von Zins­schei­nen durch § 801 BGB ver­drängt wür­den [10]. An die­sem Ergeb­nis hat sich wie bereits aus­ge­führt durch die Reform des Ver­jäh­rungs­rechts durch das Schuld­rechts­mo­der­ni­sie­rungs­ge­setz nichts geän­dert [11].
Man­gels Rege­lungs­lü­cke kommt auch eine ent­spre­chen­de Anwen­dung des § 801 Abs. 1 oder 2 BGB nicht in Betracht.
Nach die­sen Maß­ga­ben sind im hier ent­schie­de­nen Fall die jeweils unter­jäh­rig am 7.09.2004, 7.09.2005 und 7.09.2006 fäl­lig gewor­de­nen Zins­an­sprü­che gemäß §§ 195, 199 BGB mit Ablauf der Jah­re 2007, 2008 und 2009 ver­jährt.
Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 15. März 2016 – XI ZR 336/​15
BGH, Beschluss vom 14.05.2013 – XI ZR 333/​12[↩]
vgl. RGZ 14, 154, 157; RG, JW 1926, 2675; RGRK/​Steffen, BGB, 12. Aufl., § 803 Rn. 3[↩]
vgl. RGZ 14, 154, 160 ff.; Staudinger/​Marburger, BGB, Neu­be­ar­bei­tung 2015, § 803 Rn. 3[↩]
vgl. RGRK/​Steffen, BGB, 12. Aufl., § 801 Rn. 9[↩]
Moti­ve II, S. 704 = Mug­dan, Die gesam­ten Mate­ria­li­en zum Bür­ger­li­chen Gesetz­buch für das Deut­sche Reich, II. Band, S. 393; vgl. auch BGH, Urteil vom 25.10.2005 – XI ZR 353/​04, BGHZ 164, 361, 367 f.[↩]
vgl. Moti­ve II, S. 702 = Mug­dan, Bd. II, S. 392[↩]
vgl. RGZ 5, 254, 256[↩]
vgl. Moti­ve, aaO; i.E. eben­so Münch­Komm-BGB/Ha­ber­sack, 6. Aufl., § 803 Rn. 2; Staudinger/​Marburger, BGB, Neu­be­ar­bei­tung 2015, § 803 Rn. 4[↩]
vgl. nur BGH, Urteil vom 27.01.1988 IVb ZR 12/​87, BGHZ 103, 160, 169; BGH, Urtei­le vom 12.06.2001 – XI ZR 283/​00, BGHZ 148, 90, 93 f.; vom 27.05.2008 – XI ZR 409/​06, WM 2008, 1258 Rn. 12; und vom 15.07.2014 – XI ZR 418/​13, WM 2014, 1670 Rn. 40[↩]
vgl. Erman/​Hefermehl, BGB, 10. Aufl., § 197 Rn. 2; Palandt/​Heinrichs, BGB, 61. Aufl., § 197 Rn. 5; Münch­Komm-BGB/Hüffer, 4. Aufl., § 803 Rn. 2; Soergel/​Niedenführ, BGB, 13. Aufl., § 197 Rn. 7; Staudinger/​Peters, BGB, Neu­be­ar­bei­tung 2001, § 197 Rn. 17; Palandt/​Sprau, aaO, § 803 Rn. 1[↩]
vgl. Münch-KommBGB/Ha­ber­sack, 6. Aufl., § 803 Rn. 2; Staudinger/​Marburger, BGB, Neu­be­ar­bei­tung 2015, § 803 Rn. 4[↩]
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