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Timestamp: 2016-10-25 13:59:14
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Matched Legal Cases: ['BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE']

U 217/06 (23.06.2006)
U 217/06
Pr�sident Ursprung, Bundesrichterin Widmer und Bundesrichter Fr�sard; Gerichtsschreiber Fl�ckiger
G.________, 1959, Beschwerdef�hrer, vertreten
Der 1959 geborene G.________ war seit 2001 bei der Q.________ AG angestellt und damit bei der Schweizerischen Unfallversicherungsanstalt (SUVA) obligatorisch gegen die Folgen von Berufs- und Nichtberufsunf�llen versichert. Am 23. September 2003 war er von einem Verkehrsunfall betroffen, als ein anderer Personenwagen auf das Heck des von ihm gelenkten Autos auffuhr. Der gleichentags aufgesuchte Dr. med. K.________, Chirurgie FMH, diagnostizierte im Arztzeugnis UVG den Verdacht auf ein Schleudertrauma. Die SUVA holte Angaben �ber den Unfallhergang sowie Ausk�nfte des Versicherten vom 30. Oktober 2003 ein und liess durch die Arbeitsgruppe f�r Unfallmechanik am 29. Dezember 2003 eine biomechanische Kurzbeurteilung (Triage) vornehmen. Ausserdem zog sie unter anderem Berichte der Klinik X.________ vom 10. Oktober 2003 (zervikale Kernspintomographie und cranio-cerebrale Computertomographie vom 9. Oktober 2003), der Neurologin Dr. med. H.________ vom 21. Oktober und 17. Dezember 2003, des Dr. med. L.________, SUVA-Abteilung Unfallmedizin, vom 11. M�rz 2004 (neurootologische Untersuchung) und des Psychiatrischen Zentrums Y.________ vom 23. April 2004 bei. Anschliessend stellte sie mit Verf�gung vom 12. Mai 2004 ihre Leistungen auf den 15. Mai 2004 ein. Daran wurde mit Einspracheentscheid vom 11. Mai 2005 festgehalten. Im Verlauf des Einspracheverfahrens hatte der Versicherte Berichte von Dr. med. R.________, Physikalische Medizin und Rehabilitation, vom 15. Juni 2004 und Dr. med. K.________ vom 14. Juni und 7. September 2004 eingereicht.
Die dagegen erhobene Beschwerde wies das Verwaltungsgericht von Appenzell Ausserrhoden ab (Entscheid vom 18. Januar 2006).
G.________ l�sst Verwaltungsgerichtsbeschwerde f�hren mit dem Rechtsbegehren, es sei die SUVA zu verpflichten, �ber den 15. Mai 2004 hinaus weiterhin s�mtliche Leistungen gem�ss UVG zu erbringen. Eventuell sei der Fall zur rechtsgen�glichen Abkl�rung des Sachverhaltes und zur Neubeurteilung an die Beschwerdegegnerin zur�ckzuweisen.
1.3 F�r die Beurteilung der Ad�quanz des Kausalzusammenhangs zwischen einem Unfallereignis und einer psychischen Fehlentwicklung mit Krankheitswert hat die Rechtsprechung die allgemeine Ad�quanzformel dahingehend konkretisiert, dass eine Kategorisierung der Unf�lle vorzunehmen ist, wobei leichte, mittelschwere und schwere unterschieden werden. Massgebend f�r die Einstufung ist dabei nicht das subjektive Unfallerlebnis, sondern das objektiv erfassbare Unfallereignis (BGE 115 V 139 Erw. 6). Liegt ein schwerer Unfall vor, ist die Ad�quanz regelm�ssig zu bejahen (BGE 115 V 140 Erw. 6b). Bei einem leichten oder banalen Ereignis ist sie in der Regel ohne weitere Pr�fung zu verneinen, da ein derartiger Unfall nach allgemeiner Lebenserfahrung nicht geeignet ist, einen invalidisierenden psychischen Gesundheitsschaden zu verursachen (BGE 115 V 139 Erw. 6a). Handelt es sich um einen Unfall im mittleren Bereich, sind f�r die Ad�quanzbeurteilung weitere unfallbezogene Kriterien heranzuziehen. Bei der Beurteilung der Frage, ob diese Merkmale erf�llt sind, ist die psychisch bedingte Beeintr�chtigung auszuklammern und nur der somatische Anteil zu ber�cksichtigen (BGE 115 V 140 Erw. 6c/aa).
1.4 Die Ad�quanzpr�fung bei einem Unfall mit Schleudertrauma der HWS ohne organisch nachweisbare Funktionsausf�lle erfolgt, was das Vorgehen anbelangt, prinzipiell analog zur Rechtsprechung bez�glich der psychischen Unfallfolgen. Im Gegensatz zu den bei psychischen Fehlentwicklungen relevanten Kriterien gem�ss BGE 115 V 140 Erw. 6c/aa wird jedoch f�r die Beurteilung des ad�quaten Kausalzusammenhangs zwischen einem mittelschweren Unfall mit Schleudertrauma der HWS und in der Folge eingetretenen Beschwerden auf eine Differenzierung zwischen psychischen und physischen Komponenten verzichtet, weil diese Abgrenzung erhebliche Schwierigkeiten bereiten kann (BGE 117 V 364 Erw. 5d/aa) und letztlich nicht entscheidend ist, ob Beschwerden medizinisch eher als organischer oder psychischer Natur bezeichnet werden (BGE 117 V 367 Erw. 6a am Ende).
1.5 Auch bei Vorliegen eines Schleudertraumas der HWS oder einer gleichgestellten Verletzung ist die Ad�quanzpr�fung nicht nach der mit BGE 117 V 359 ff. begr�ndeten Rechtsprechung, sondern nach den f�r psychische Unfallfolgen geltenden Regeln (BGE 115 V 133 ff.) durchzuf�hren, wenn das f�r eine spezifische HWS-Verletzung typische "bunte" Beschwerdebild (BGE 119 V 338 Erw.1, 117 V 360 Erw.4b) zwar teilweise vorliegt, aber die physischen Symptome im Verlauf der Entwicklung vom Unfall bis zum Beurteilungszeitpunkt gegen�ber einer ausgepr�gten psychischen Komponente gesamthaft nur eine sehr untergeordnete Rolle gespielt haben (BGE 127 V 103 Erw.5b/bb mit Hinweisen, 123 V 99 Erw.2a; RKUV2002 Nr.U465 S.438 f. Erw.3a und b [= Urteil W. vom 18. Juni 2002, U164/01]).
Das kantonale Gericht ist auf Grund der medizinischen Akten mit Recht zum Ergebnis gelangt, es sei mit dem erforderlichen Beweisgrad der �berwiegenden Wahrscheinlichkeit (BGE 126 V 360 Erw. 5b, 125 V 195 Erw. 2, je mit Hinweisen; vgl. BGE 130 III 324 f. Erw. 3.2 und 3.3) erstellt, dass der Beschwerdef�hrer anl�sslich des Auffahrunfalls vom 23. September 2003 ein Schleudertrauma der HWS erlitten hat. Innerhalb eines kurzen Zeitraums nach diesem Ereignis sind gem�ss den Feststellungen des Dr. med. K.________ verschiedene Symptome aufgetreten, welche dem typischen Beschwerdebild zuzurechnen sind. Der nat�rliche Kausalzusammenhang ist unter diesen Umst�nden zu bejahen (BGE 119 V 338 Erw. 1 am Ende, 117 V 360 Erw. 4b am Ende).
3.1 Die f�r die Ad�quanzbeurteilung massgebliche Vorgehensweise h�ngt in der dargestellten Konstellation davon ab, ob die Elemente dieses Beschwerdebildes gegen�ber einer psychischen Symptomatik in den Hintergrund getreten sind und gesamthaft nur eine sehr untergeordnete Rolle gespielt haben. Diesbez�glich f�llt ins Gewicht, dass die Neurologin Dr. med. H.________ bereits in ihrem Bericht vom 21. Oktober 2003 auf den depressiven Eindruck hinwies, den der Patient vermittelte, und festhielt, nach ihrer Ansicht liege in erster Linie eine posttraumatische Belastungsst�rung vor, wobei diese Diagnose psychiatrischerseits weiter untermauert werden m�sste. Dementsprechend schlug sie den Beginn einer medikament�sen antidepressiven Behandlung vor. Am 17. Dezember 2003 erkl�rte Frau Dr. med. H.________, die gesamte Symptomatik habe sich deutlich verst�rkt. Klinisch-neurologisch habe nach wie vor kein objektivierbarer pathologischer Befund erhoben werden k�nnen. Aus ihrer Sicht liege eine posttraumatische Belastungsst�rung mit vermutlich auch somatoformer Schmerzverarbeitungsst�rung vor. Sie empfehle noch einmal dringend die Vorstellung bei einem psychiatrischen Fachkollegen. Aus neurootologischer Sicht (Bericht Dr. med. L.________ vom 11. M�rz 2004) liessen sich ebenfalls keine relevanten pathologischen Befunde feststellen. Die fach�rztlichen Abkl�rungen im Psychiatrischen Zentrum Y.________, in dessen Klinik der Beschwerdef�hrer am 13. April 2004 - nach vorg�ngigen ambulanten Untersuchungen - station�r eingetreten war, ergaben die Diagnose "sonstige depressive Episoden" (ICD-10: F32.8). Diese seien vorwiegend somatisiert in Form von M�digkeit, Kraftlosigkeit und Kopfschmerzen. Bereits zu Beginn der ambulanten Therapie sei deutlich geworden, dass bei dem chronifiziert komplexen Krankheitsbild eine ambulante psychiatrische Behandlung nicht ausreichen w�rde.
3.2 Nach dem Gesagten entstand bereits anl�sslich der ersten spezial�rztlichen Untersuchung durch die Neurologin Dr. med. H.________ der Eindruck, im Zentrum der Symptomatik stehe ein Krankheitsbild, welches dem psychiatrischen Bereich zuzuordnen sei. Dieser Verdacht wurde von fach�rztlicher Seite durch das Psychiatrische Zentrum Y.________ best�tigt. Damit ist hinreichend erstellt, dass eine ausgepr�gte psychische Fehlentwicklung praktisch von Anfang an deutlich im Vordergrund stand. Die weiteren �rztlichen Stellungnahmen sind nicht geeignet, diese Einsch�tzung in Frage zu stellen. So f�hrt Frau Dr. med. R.________ in ihrem Bericht vom 15. Juni 2004 die von ihr attestierte fortdauernde Arbeitsunf�higkeit in erster Linie auf ein psychisches Krankheitsbild zur�ck, indem sie erkl�rt, dem Patienten k�nne insbesondere auf Grund der schweren depressiven Entwicklung noch keine Arbeit zugemutet werden. Auch Dr. med. K.________ erw�hnt in der Stellungnahme vom 14. Juni 2004 in Konkretisierung seiner Aussage, der Versicherte habe wirklich Beschwerden, die psychiatrische Behandlung in Y.________, und diagnostiziert in seinem Schreiben vom 7. September 2004 neben einem HWS-Distorsionstrauma auch eine psychische Erkrankung. Bei dieser Aktenlage hat das kantonale Gericht, der SUVA folgend, zu Recht erkannt, die Ad�quanz sei nach der mit BGE 115 V 133 ff. eingeleiteten Rechtsprechung zu beurteilen. Zus�tzliche Abkl�rungen rechtfertigen sich nicht, weil davon keine weiteren relevanten Erkenntnisse erwartet werden k�nnen (antizipierte Beweisw�rdigung; BGE 131 I 157 Erw. 3, 124 V 94 Erw. 4b, 122 V 162 Erw. 1d; SVR 2005 MV Nr. 1 S. 2 Erw. 2.3 [= Urteil T. vom 17. Juni 2004, M 1/02] mit Hinweisen).
3.3 �ber den Hergang des Unfalls vom 23. September 2003 ist den Akten zu entnehmen, dass der Beschwerdef�hrer vor einer Bushaltestelle abbremste, um ein Postauto in den Verkehr einbiegen zu lassen. Der Lenker des nachfolgenden Personenwagens bemerkte dies zu sp�t und fuhr auf das Heck des vom Versicherten gelenkten Autos auf. Gem�ss der biomechanischen Kurzbeurteilung vom 29. Dezember 2003 d�rfte die durch die Kollision bedingte Geschwindigkeits�nderung (delta-v) des vom Beschwerdef�hrers gelenkten Fahrzeugs Suzuki "innerhalb oder oberhalb eines Bereiches von 10-15 km/h" gelegen haben. Im Rahmen der f�r die Belange der Ad�quanzbeurteilung vorzunehmenden Einteilung (BGE 115 V 139 Erw. 6) ist dieses Ereignis den mittelschweren Unf�llen im Grenzbereich zu den leichten zuzuordnen (vgl. zur Praxis in vergleichbaren F�llen statt vieler RKUV 2003 Nr. U 489 S. 360 Erw. 4.2 [= Urteil A. vom 24. Juni 2003, U 193/01]). Die Ad�quanz des Kausalzusammenhangs ist demzufolge zu bejahen, falls ein einzelnes der in die Beurteilung einzubeziehenden Merkmale (BGE 115 V 140 Erw. 6c/aa) in besonders ausgepr�gter Weise erf�llt ist oder die zu ber�cksichtigenden Kriterien insgesamt in geh�ufter oder auffallender Weise gegeben sind (BGE 115 V 140 Erw. 6c/bb). Dies trifft, wie die Vorinstanz zutreffend erkannt hat, nicht zu. Zu bejahen ist allenfalls das Merkmal der Dauerbeschwerden (wobei auch diesbez�glich, entgegen der Auffassung des kantonalen Gerichts, einzig auf die physischen Anteile abzustellen ist), dies jedoch nicht in einer Auspr�gung, welche f�r sich allein zur Bejahung der Ad�quanz ausreichen w�rde.
3.4 Nach dem Gesagten hat die SUVA mit dem vorinstanzlich best�tigten Einspracheentscheid vom 11. Mai 2005 ihre Leistungen mit Recht auf den 15. Mai 2004 eingestellt. Die Verwaltungsgerichtsbeschwerde ist deshalb abzuweisen.
Dieses Urteil wird den Parteien, dem Verwaltungsgericht von Appenzell Ausserrhoden und dem Bundesamt f�r Gesundheit zugestellt.