Source: http://recht.de/phpbb/viewtopic.php?f=37&p=1796749&sid=abc3d0ffd12fce2162f964c708515e4d
Timestamp: 2018-01-16 10:07:43
Document Index: 165122533

Matched Legal Cases: ['§ 203', 'BGH', 'Art. 6', '§ 203', 'Art 4', 'Art. 4', 'Art. 4', 'Art. 2', 'Art. 1', 'Art. 20', 'Art. 7', 'Art. 20', 'Art. 28', 'Art. 136', 'Art. 137', 'Art. 136', 'Art. 4', 'Art. 4', 'Art. 4']

recht.de • Thema anzeigen - Schweigen einer Lehrkraft bei Kenntnis einer Straftat
Aktuelle Zeit: 16.01.18, 11:07
Foren-Übersicht » Rechtsforen » Schul- und Prüfungsrecht
Schweigen einer Lehrkraft bei Kenntnis einer Straftat
Betreff des Beitrags: Re: Schweigen einer Lehrkraft bei Kenntnis einer Straftat
Verfasst: 11.01.18, 22:18
Was würde in der Praxis passieren, wenn die Lehrkraft/Vertrauenperson an die Eltern/das JA oder die Polizei wendet?
Das Mädchen wird schlicht und einfach aus Angst vor der Familie und den evtl. Problemen die sie bekommen könnte, leugnen etwas derartiges der Lehrkraft/Vertrauensperson erzählt zu haben.
Nach der Zeit wären auch keine nachweisenbaren Spuren zu finden.
Was dann? Dann ist dem Mädchen nicht geholfen, andere werden sich in ähnlichen Situationen erst gar nicht mehr offenbaren, weil sie zuviel Angst haben, dann uch noch die Vorwürfe anderer zu bekommen.
Nicht zu vergessen, dass viele (gerade junge Mädchen) sich zu sehr schämen, um dann auch noch von (geschulten) Personen bei Polizei und JA befragt zu werden. Ist es wirklich sinnvoll ein "Wiederleben der Tat" zu erzwingen ohne Rücksicht auf die damit verbundenen psychischen Folgen? Die eben im geschilderten Fall nicht von der Familie aufgefangen werden.
Verfasst: 11.01.18, 23:02
Hinweise oder Richtlinien von Hamburger oder Bayerischen Schulbehörden sind keine Gesetze, die die Schweigepflicht aus § 203 StGB aufheben könnten. Freemont sagt zwar ständig, die Lehrerin wäre selbstverständlich verpflichtet, die Information weiterzugeben, kann aber kein Gesetz nennen, in dem das erlaubt ist. Nur Meinungsäußerungen der Schulverwaltungen, die er so versteht.
Und dann wird auch noch behauptet, die Information wäre aus Sicht des Mädchens kein "Geheimnis". Im Sachverhalt steht das genaue Gegenteil. Aber die Meinung des Opfers scheint belanglos zu sein.
Selbstverständlich soll die Lehrerin versuchen, das Mädchen an eine kompetente Beratungsstelle zu vermitteln (die dann aber auch Schweigepflicht hat, sofern es nicht die Polizei ist). Lehrer selbst sind dafür nicht ausgebildet, auch Beratungslehrer und Schulleiter nicht. Selbstverständlich wäre mit Blick auf mögliche andere Opfer wünschenswert, dass der Täter hinter Gitter kommt, wenn der Vorwurf stimmt. Ich kenne persönlich den Fall einer damals 14jährigen, die sich eben aus diesem Grund zur Strafanzeige entschlossen hatte, mit dem Erfolg dass der Täter für 8 Jahre eingesperrt wurde (mit Bestätigung durch den BGH). Sie ist jetzt mit 40 noch froh darüber, dass sie das getan hat, obwohl ihr selbst keine Gefahr mehr drohte. Aber es war ihre eigene Entscheidung, und führte zu erheblichen persönlichen Problemen. Wenn ein Opfer sich anders entscheidet, ist das zu respektieren. Niemand käme auf die Idee, für volljährige Frauen eine gesetzliche Pflicht zur Strafanzeige nach einer Vergewaltigung zu fordern - auch wenn die Nichtanzeige womöglich andere Frauen in Gefahr bringt. (oder würden Sie das doch für richtig halten, freemont? Glaub ich aber fast nicht)
Juristisch ist für mich nur die Frage: wann genügt bei einer Minderjährigen ihre eigene Entscheidung, wann muss die der Eltern eingeholt werden und diese also auch gegen den ausdrücklichen Wunsch informiert werden? Bei einer 5jährigen würde ich sagen, jedenfalls über die Eltern, bei einer 16jährigen hätte ich erhebliche Zweifel. Das ist aber rein mein subjektives Gefühl. Deshalb ist dieser Absatz auch eine wirkliche Frage meinerseits: wann beginnt hier das Selbstbestimmungsrecht trotz Minderjährigkeit?
Verfasst: 11.01.18, 23:10
ich danke ausdrücklich allen Beteiligten für Ihre Beiträge.
Die Gesamtheit der Beiträge - ganz gleich, welche Position dort zum Ausdruck gekommen ist - zeigt, dass eine in einem solchen Fall betroffene Lehrkraft sich in der Tat in einer sehr schwierigen Situation befände, weil jede Entscheidung, ob rechtskonform oder moralisch vertretbar oder nicht im Grunde die Falsche sein könnte, aber je nach konkreter weiterer Ausgestaltung des Falles nicht zwingend sein müsste. FMs Beitrag würde hier für die Lehrkraft etwas an Erleichterung bringen, da der dort avisierte Weg über die Beratungsstellen von der Lehrkraft nun eingeschlagen wurde.
Ich könnte mir vorstellen, dass die Lehrkraft nicht untätig bleiben würde und werde gerne den Fall mit weiteren Annahmen versehen, sofern Interesse Ihrerseits besteht.
Verfasst: 11.01.18, 23:31
ratlose mama hat geschrieben:
Nicht zu vergessen, dass viele (gerade junge Mädchen) sich zu sehr schämen, um dann auch noch von (geschulten) Personen bei Polizei und JA befragt zu werden.
Was wäre die Alternative? Die Aufhebung aller gängigen rechtsstaatlich sowie grundgesetzlich etablieren Regelungen in Fällen, in denen junge Mädchen erzählen, sie seien vor anderthalb Jahren vergewaltigt worden?
Verfasst: 11.01.18, 23:58
Ich weise Sie erneut auf BVerfGE 59, 360 - Schülerberater - hin.
http://www.servat.unibe.ch/dfr/bv059360.html
Diese Entscheidung haben die BL mit den jeweiligen Handreichungen umgesetzt, die Sie als "Meinungsäusserungen" abtun. Für einen Amtsträger ist das verbindlich.
Das BVerfG hat in dem Urteil das Grundrecht des Art. 6 II 1 GG dahingehend ausgestaltet, dass die Eltern eines Mj. ein umfassendes Informationsrecht gegenüber der Schule haben. Eine bekannt gewordene Vergewaltigung ist für die individuelle Erziehung einer Minderjährigen von sehr großer Bedeutung. Das Informationsrecht erfasst alle erziehungsrelevanten Begebenheiten, die der Schule im Rahmen des Sonderrechtsverhältnis bekannt werden. Umgekehrt besteht eine sehr weitgehende Informationspflicht der Schule, von der nur unter sehr engen Voraussetzungen abgesehen werden darf:
... das Schweigerecht der Berater gegenüber den Erziehungsberechtigten [ist] auf die Ausnahmefälle begrenzt, in denen konkrete Tatsachen vorliegen, welche bei Information der Erziehungsberechtigten die unmittelbare und gegenwärtige Gefahr einer körperlichen oder seelischen Schädigung des Kindes wahrscheinlich machen
Sie erkennen die tatbestandlichen Voraussetzungen, die das BVerfG hier aufgestellt hat, "konkrete Tatsachen", "unmittelbare und gegenwärtige Gefahr". Beides liegt hier nicht vor:
Aufgrund ihres kulturellen Hintergrunds möchte die Schülerin die Tat weder zur Anzeige bringen noch sich ihren eigenen Eltern anvertrauen, da sie Angst vor Repressalien aufgrund eines mit der Religion der Schülerin zusammenhängenden Frauenbildes hat ("selbst Schuld", "Schande" etc.).
Das wäre vorurteilsbehaftet und Muslimen gegenüber rassistisch das anzunehmen. Würde man es dagegen als wahr ansehen, würden die Eltern ihrem Erziehungsauftrag nicht gerecht und es müsste das Jugendamt eingeschaltet werden.
Sie können hier selbstverständlich noch so menschenverachtende Rechtsauffassungen vertreten und Jugendliche oder gar Kinder opfern. Aber Amtsträger dürfen das nicht. Sie sind Recht und Gesetz unterworfen, sie dürfen die Ansichten des BVerfG nicht missachten.
Und, nein, § 203 StGB ist tatbestandlich nicht erfüllt. Es fehlt das "unbefugt". Die Schule ist sogar dazu verpflichtet.
Verfasst: 12.01.18, 00:32
Ich sehe in dem Hinweis der Schülerin durchaus die "konkreten Tatsachen". Denn ich würde grundsätzlich erst einmal davon ausgehen, daß eine 16jährige Ihre Eltern gut genug kennt, um die Wahrscheinlichkeit einer solcher "Reaktion" abschätzen zu können.
Die Tochter ist also rassistisch gegenüber Ihren Eltern eingestellt ? Merken Sie während dem Schreiben eigentlich selbst, was für einen Unfug Sie hier posten ? Und es müßte das Jugendamt eingeschaltet werden ... weil die Eltern muslimisch sind und darüber hinaus tief religiös ?
Also müßten Ihrer Meinung nach vom Jugendamt die Mehrheit aller Kinder aus wahabitischen in Obhut genommen werden ? Oder wie ?
Sie können hier selbstverständlich noch so menschenverachtende Rechtsauffassungen vertreten und Jugendliche oder gar Kinder opfern.
Es wäre für Ihre Position hilfreich, Ihre Beiträge nicht immer mit so völlig absurden Tiraten zu "verblöden".
Verfasst: 12.01.18, 00:48
Wäääääääääääääääääääääääähhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhh
Warum dreht sich *grrrrrrrrrrknurrrrrrrrrrrrrrr* in diesem Land grad alles um irgendwelche Religionen? Häääääääää??? Sind denn (fast) alle durchgeknallt?
Ich hatte schon einige Mädchen die sich mir anvertraut hatten und eben nicht wollten dass ich ihren Eltern davon erzähle. Kann euch sagen, da waren etliche blonde urarischteutsche und vielleicht sogar christliche Weibsbilder dabei! Das gibt es sogar bei uns, dass Mädchen sich schämen und dass sie Angst vor ihren Eltern haben.
freemont, Sie würden auch befürworten Mädchen/Junge welche nicht aussagen/Anzeige erstatten wollen der Folter zu unterzogen werden. Immerhin verhinderte sie ansonsten, dass es vielleicht weitere Opfer geben könnte. Mir scheint, Mitgefühl mit Opfern ist nicht so Ihre Stärke, sind halt nur Beweismittel.
Was wenn die Jugendliche sich aus Angst das Leben nimmt? Selbst schuld das dumme Blag?
Natürlich darf man eine Jugendliche damit nicht allein lassen. Es gibt gute Beratungsstellen die man auch telefonisch in Anspruch nehmen kann. Außerdem kann man in Gesprächen vielleicht Ängste abbauen und ermutigen sich selbst den Eltern anzuvertrauen ggf mit Unterstützung.
Es gibt auch BeraterInnen die sich gut damit auskennen mit den unterschiedlichsten Kulturen gut zu kommunizieren und die auch auf Grund der Schilderungen des Jugendlichen die Lage einschätzen können.
Verfasst: 12.01.18, 09:09
FelixSt hat geschrieben:
Trotzdem bleibt die Frage, ob man sich wirklich über den Willen eines Opfers so hinwegsetzen darf/kann.
Wenn man mal von Ärzten oder Psychologen ausgeht, dürfen die den Etlern ab 14 gegen den Willen des Teenagers keine Auskunft erteilen (wir gehen von einem normal entwickleten Kind aus). Auch wenn diese natürlich noch Erziehungberechtigt sind.
Und außer der Polizei ist mir nicht bekannt das ein anderer Personenkreis gegen den erklärten WIllen eine Vergewaltigung zur anzeigen müsste
Verfasst: 12.01.18, 10:18
Sie wollen also mit einem Freiheitsrecht, hier der Religionsfreiheit des Art 4 GG, rechtfertigen, dass Eltern ihre Kinder derart missachten, herabwürdigen, zum Mittäter machen und mit Schuldkomplexen beladen. As Opfer der eigenen Vergewaltigung.
Schule/Lehrer dürfen das als Vertreter eines den Menschenrechten verpflichteten demokratischen Rechtsstaats nicht achselzuckend hinnehmen.
"Tief religiös", ich weiss zwar nicht, woher Sie das nehmen, ich weiss nicht, weshalb Sie die Wahhabiten ansprechen, aber wenn Sie das glauben, das steht im SV:
Angst vor Repressalien aufgrund eines mit der Religion der Schülerin zusammenhängenden Frauenbildes hat ("selbst Schuld", "Schande" etc.)
Repressalien (?), Schuld, Schande. Was löst es bei einer traumatisierten Jugendlichen aus, die Opfer eines Schwerverbrechens geworden ist, die dann von den eigenen Eltern Repressalien unterworfen und zur Schuldigen erklärt wird. Das kann das Trauma erheblich, nachhaltig, irreparabel vertiefen. Von der "Seelenqual" die das auslöst gar nicht zu reden
Sie möchten das tolerieren und behaupten, das gebe die Religionsfreiheit her. Das sehen Sie völlig falsch, Sie sollten an Ihrem Grundrechtsverständnis arbeiten. Wenn man Jugendliche und Kinder vor den eigenen Eltern schützen muss, liegt etwas im Argen.
Ein Grundrecht, das wie Art. 4 keinen Gesetzesvorbehalt kennt, gilt keineswegs schrankenlos. Es unterliegt verfassungsimmanenten Schrenken. Aus übergeordneten Erwägungen ist es wichtig, das zu verinnerlichen. Es ist keineswegs so, dass unter Berufung auf die Religionsfreiheit die verfassungsmäßige Ordnung ausgehebelt werden kann.
Ich kopiere das von der Uni Trier, verfassungsimmanente Schranken der Glaubens- und Religionsfreiheit:
https://www.uni-trier.de/fileadmin/fb5/ ... 012.13.pdf
2. Religionsfreiheit als vorbehaltlos gewährleistetes Grundrecht (BVerfG u. h.L.)
Folge: Verfassungsimmanente Schranken des Art. 4 GG
II. Anforderungen an eine verfassungsmäßige Realisierung der verfassungsimmanenten
a) Vorliegen einer verfassungsimmanenten Schranke:
• Grundrechte Dritter oder
• ein sonstiges Gut mit Verfassungsrang
b) Ein förmliches Gesetz (Parlamentsgesetz)
als Ausformung der verfassungsimmanenten Schranke
b) Verfassungsmäßigkeit des förmlichen Gesetzes (insbes. Verhältnismäßigkeit)
c) Ggf. Verfassungskonforme Anwendung des Parlamentsgesetzes
→ insbes. Verhältnismäßigkeit
2. Beispiele für mögliche verfassungsimmanente Schranken der Religionsfreiheit
a) Grundrechte Dritter
• Recht auf Leben und körperliche Unversehrtheit, Art. 2 Abs. 2 GG (vgl. Beschnei-
dung)
• Menschenwürde, Art. 1 Abs. 1 GG etc.
b) Sonstige Verfassungsgüter
• Art. 20a GG: Tierschutz
• Art. 7 Abs. 1 GG: staatlicher Bildungsauftrag (ggf. Schulfrieden, vgl. dazu BVerwG,
Urteil vom 30.11.2011, Az. 6 C 20/10: Schulfrieden als Schranke des Rechts der
Schüler, in der Schule außerhalb der Unterrichtszeiten zu beten)
• Art. 20 Abs. 3; Art. 28 Abs. 1 GG: Rechtsstaatsprinzip: Funktionsfähigkeit der
• Art. 136 Abs. 3 S. 2 i.V.m. Art. 137 Abs. 6 WRV: Pflicht zur Mitteilung der Zugehö-
rigkeit zu einer Religionsgemeinschaft für Vermerk auf der Lohnsteuerkarte, um den
Einzug der Kirchensteuer zu ermöglichen
• Art. 136 Abs. 3 S. 2 WRV: Mitteilung der Religionszugehörigkeit für statistische Er-
Dabei ist für Amtsträger und ihren Dienstherren die Auffassung des BVerfG maßgeblich, seine Urt. habe z.T. Gesetzeskraft. Dem BVerfG ist als Verfassungsorgan die Aufgabe des Hüters der Verfassung zugewiesen. Man kann, darf das nicht als unverbindliche "Meinungsäusserungen" abtun. In einem Rechtsforum ist das ein total verpeiltes, schlicht dummes Argument.
Ich möchte Sie ganz besonders auf die Grundrechte Dritter und die Menschenwürde als immanente Schranke des Art. 4 hinweisen. Dem unterfallen auch die Kinder des Grundrechtsadressaten, Art. 4 rechtfertigt es nicht, aeine Kindern seelische und/oder körperliche Qualen zuzufügen. Ferner kann auch der staatliche Bildungsauftrag nach Auffassung des BVerfG den Art. 4 einschränken.
Sie glauben das wahrscheinlich nicht, aber diese unumstößliche Tatsache kann man nicht oft genug wiederholen. Dem sollte sich auch Politik und Presse annehmen. Der Irrglaube, dem Sie unterliegen ist weit verbreitet, dem muss entgegengewirkt werden.
Verfasst: 12.01.18, 10:56
Hat so etwas irgendjemand hier geschrieben? Ich denke nicht.
Verfasst: 12.01.18, 22:13
Richtig, aber das kapiert freemont deutlich sichtbar NICHT. Ich habe in meinem Leben ja schon viele Menschen gesehen, die in Foren in die Posts anderer gewaltigen Unsinn herein interpretieren. Aber was freemont hier macht, ist nicht doppelt so extrem oder 3 mal. Hier müßte man wohl eher 10er Potenzen ins Spiel bringen. Unfassbar !
Ich weiß nicht, welche Medikamente Sie nehmen. Aber ich würde empfehlen, davon weniger zu nehmen. Oder ggf. mehr ...
Verfasst: 15.01.18, 11:54
...Aber das Ganze muss immer mit Blick auf das Opfer passieren, und da kann es für einen Außenstehenden tatsächlich besser sein, niemanden zu informieren, als im Nachhinein ein Opfer zu haben, das ein Leben lang unter dem ganzen Rattenschwanz leidet, der entsteht, wenn die Information weitergegeben wird - und man möglicherweise sogar einen Täter bekommt, der freigesprochen werden muss, weil das Opfer zu diesem Zeitpunkt nicht aussagen will und die Beweise fehlen.
Dann ist das aber nicht das Problem der in Kenntnis gesetzten Lehrkraft, sondern das des Rechtsstaates. Sie glauben doch nicht im Ernst, dass das Ziel ein Verschweigen einer derartigen Straftat ist, nur weil religiöse Denkweisen mehrere Jahrhunderte im eigenen Saft schmoren?
Wie im Topic schon deutlich wurde, kann die Lehrerin ja gar nicht beurteilen, ob die Schülerin überhaupt vergewaltigt wurde. .... Aber ob eine solche Offenbarung von Lehrerseite aus bei einer 18 Monate zurückliegenden Tat das Beste für das Kindeswohl ist, darf man hoffentlich diskutieren.
Eben: die Lehrkraft kann es letztendlich nicht beurteilen. Deshalb kann man ihr auch nicht zumuten, diese Thematik allein zu bewältigen und alleinige Verantwortung für ihr Handeln zu übernehmen. Hier gilt: Melden macht frei!
Wenn man wie hier....:
...Das kann man auch ganz anders sehen. Das Opfer einer Straftat, insbesondere einer Vergewaltigung, hat ein Recht darauf, dass seine Wünsche und seine Gefühle respektiert werden, dass es selbst entscheiden kann, wem es sich offenbart und an wen welche Informationen weitergegeben werden. Einfach darüber hinwegzugehen im Interesse der Strafverfolgung, bedeutet genau dieses, eine Missachtung seiner Menschenwürde und eine Degradierung zum bloßen Objekt staatlichen Handelns
....Menschenwürde dann als missachtet betrachtet durch den falsch interpretierten eigenen Schutzinstinkt, kann man nicht mitdiskutieren. Nochmal: Melden macht frei, der Lehrkraft kann nicht zugemutet werden, die Lösung des Problems allein zu bearbeiten.
Der Hinweis auf
...Hier z.B. HH:
http://www.hamburg.de/contentblob/69586 ... iveWorker2
"Ausmaß und Grenzen der Schweige- und Offenbarungspflichten von Lehrkräften"
ist m.E. der einzig Richtige. Hier kann die Lehrkraft bei den dort genannten Stellen Unterstützung erwarten. Sie muss die Sache nicht allein stemmen.
Den Text hinter Ihrem selbst gesetzten Link haben Sie aber schon gelesen, oder? Falls nicht, zitiere ich hier gern noch einmal die passende Passage:
In besonders gelagerten Fällen kann eine Mitteilung an die Eltern Reaktionen auslösen, die im Interesse des Kindes nicht zu verantworten sind (z. B. Gefahr der Kindesmisshandlung). Wenn konkrete Tatsachen vorliegen, die bei Information der Eltern die unmittelbar und gegenwärtige Gefahr einer körperlichen und seelischen Schädigung des Kindes wahrscheinlich machen, ist der Berater von seiner Mitteilungspflicht befreit (vgl. Bundesverfassungsgericht v. 09. 02. 1982, das eine Vorschrift des Bremischen Schulverfassungsgesetzes, wonach die Schweigepflicht des Beraters bei Gefährdung von Gesundheit und Wohlergehen des Minderjährigen auch gegenüber den Erziehungsberechtigten gilt, in besagtem Sinne als verfassungskonform angesehen hat.)
Was verstehen Sie daran eigentlich nicht?
Ihre eigene Frage müssen Sie sich selbst stellen. In Ihrem zitierten Text steht deutlich "Schweigepflicht...gegenüber den Erziehungsberechtigten...." Gem. den vorgenannten Hinweisen zum "Ausmaß und Grenzen der Schweige- und Offenbarungspflichten von Lehrkräften" gibt es für diesen Fall genannte kompetente Stellen. Warum überlesen Sie das?
Kennt der Lehrer die Eltern eigentlich und kann einschätzen, wie realistisch die Befürchtungen des Opfers sind? Oder werden hier nur bestimmte Vorurteile auf die Eltern projiziert?
Das ist ein enormes Problem, da die Reaktionen von Restriktiv-Gläubigen nicht eigeschätzt werden können. Die minderjährige Schülerin, der Sie ja uneingeschränkte Verschwiegenheit zukommen lassen wollen, hat ja auf mögliche elterliche Repressalien hingewiesen. Das blenden Sie völlig aus. Ich sehe da keine Vorurteile.
Verfasst: 15.01.18, 12:02
Warum dreht sich *grrrrrrrrrrknurrrrrrrrrrrrrrr* in diesem Land grad alles um irgendwelche Religionen?
Weil in diesem Thread -Sie müssen dazu den Text des TEs lesen- genau diese religiöse Einstellung der Eltern ein erwschwertes Problem für die Schülerin ist.
...freemont, Sie würden auch befürworten Mädchen/Junge welche nicht aussagen/Anzeige erstatten wollen der Folter zu unterzogen werden. ...
Ich verstehe Ihre Reaktion nicht.
....Natürlich darf man eine Jugendliche damit nicht allein lassen. ...
Eine Seite zuvor gibt es praktische Hinweise, dem entgegenzuwirken.
Verfasst: 15.01.18, 12:03
der Lehrkraft kann nicht zugemutet werden, die Lösung des Problems allein zu bearbeiten.
Das hat auch niemand gesagt. Problem dürfte an der Sache nur sein, daß "melden" an andere Lehrer etc. die Gefahr stark erhöht, daß die Eltern davon erfahren.
In dem hier diskutierten Fall wurde ja schon darauf hingewiesen, daß man davon ausgeht, die Lehrerin habe sich an Stellen der Schule gewandt. Also alles gut.
Verfasst: 15.01.18, 12:05
Viel schlimmer finde ich, daß freemont hier seine Einstellung mit einem Zitat untermauert. Dieses Zitat nur leider genau die Einstellungen seiner "Kontrahenten" untermauert:
Lösung zu Fall 6:...
wenn man zurück in den Eingangspost guckt:
Im Fußball nennt man sowas "ein Eigentor schießen".
Sie lesen ja noch nicht einmal die Hälfte. Da steht was von " Einschalten kompetenter Stellen" Wo ist da ein Schadenfreude hervorrufendes Eigentor zu sehen?