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Document Index: 331779426

Matched Legal Cases: ['Art. 25', 'Art. 37', 'Art. 37', 'Art. 28', 'Art. 37', 'Art. 37']

vom Donnerstag, 16. November PDF
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1 Unfalluntersuchungsstelle Bahnen und Schiffe UUS Service d enquête sur les accidents des transports publics SEA Servizio d inchiesta sugli infortuni dei trasporti pubblici SII Erwin Noser 22. Februar 2007 Reg. Nr.: Schlussbericht der Unfalluntersuchungsstelle Bahnen und Schiffe über die Kollision zwischen Zug 212 der Forchbahn und einem LKW vom Donnerstag, 16. November 2006 in Esslingen (ZH) Erwin Noser Utikonerstr Schlieren Tel , Mobile Fax
2 Dieser Bericht wurde ausschliesslich zum Zweck der Verhütung von Unfällen beim Betrieb von Eisenbahnen, Seilbahnen und Schiffen erstellt. Die rechtliche Würdigung der Umstände und Ursachen von Unfällen ist nicht Gegenstand der vorliegenden Untersuchung gemäss Art. 25 der Verordnung über die Meldung und Untersuchung von Unfällen und schweren Vorfällen beim Betrieb öffentlicher Verkehrsmittel (VUU, SR ). 0. ALLGEMEINES 0.1 Kurzdarstellung Am Donnerstag, 16. November 2006 um ca Uhr kam es auf dem unbewachten Bahnübergang Oberlandstrasse in Esslingen (Gemeinde Egg ZH) zu einer Kollision zwischen einem, mit Beton beladenen vierachsigen Lastwagen (LKW) und dem fahrplanmässig verkehrenden Zug 212 der Forchbahn. Dabei wurde niemand verletzt. Am Rollmaterial der Bahn und am LKW entstand Sachschaden. Bahnübergang Oberlandstrasse 0.2 Bahnhof Esslingen FB Untersuchung Die Unfalluntersuchungsstelle UUS wurde um Uhr durch die Meldestelle REGA über das Ereignis informiert. Der Untersuchungsleiter Jean Gross rückte unverzüglich an den Unfallort aus. Dort traf er eine unveränderte Unfallsituation an. Der Untersuchungsbericht der UUS fasst die Ergebnisse der durchgeführten Untersuchungen zusammen. 1. FESTGESTELLTE TATSACHEN 1.1 Vorgeschichte Beim Bahnübergang Oberlandstrasse in Esslingen handelt es sich um einen unbewachten Bahnübergang, welcher mit einem Andreaskreuz gekennzeichnet ist. 1.2 Verlauf der Fahrt Vom Bahnhof Esslingen Richtung Egg verläuft das Bahntrassee unmittelbar rechts der Forchstrasse. Am Dorfausgang in Esslingen zweigt die Oberlandstrasse in einem rechten Winkel von der Forchstrasse ab. Im Bereich des Bahnüberganges verlaufen das Gleis der Forchbahn und die Forchstrasse parallel, wobei sie durch einen Randstein voneinander getrennt sind. 2/11
3 Zug 212 der Forchbahn fuhr nach erfolgter Bremsprobe fahrplanmässig im Bahnhof Esslingen Richtung Egg ab. Die Stirnbeleuchtung des Zuges war eingeschaltet. Zur gleichen Zeit fuhr ein vierachsiger, mit Beton beladener LKW auf der Forchstrasse, vor Zug 212, ebenfalls Richtung Egg. Vor dem Bahnübergang Oberlandstrasse stellte der LKW-Fahrer den Richtungsblinker rechts. Dies bemerkte der Lokführer von Zug 212 und gab dadurch zwei Warnsignale ab. Der LKW bog trotz der beiden Warnsignale rechts ab. Der Lokführer konnte trotz eingeleiteter Schnellbremsung die Kollision mit dem hinteren Teil des LKW (mit der Betonmulde ) nicht mehr verhindern. Beim Zusammenstoss entgleisten die beiden Drehgestelle des ersten Fahrzeuges. Bild 1 Unfallsituation Bild Personenschäden Beim Ereignis wurden keine Personen verletzt. 3/11
4 1.4 Sachschäden am Rollmaterial und an der Infrastruktur des Bahnunternehmens Infrastrukturanlagen: An den Infrastrukturanlagen der Forchbahn entstand ein Schaden in der Höhe von ca. Fr Rollmaterial: Am Rollmaterial der Forchbahn entstanden Schäden in der Höhe von ca. Fr. 50' Sachschäden Dritter Der Lastwagen der Marke Scania wurde im Bereich der Hinterachsen stark beschädigt. 1.6 Beteiligte Personen Lokpersonal Lokführer der FB. Zugbegleiter Zug 212 der Forchbahn verkehrte ohne Zugpersonal. Dritte Lenker des Lastwagens Zeuge (Abgabe Warnsignal) 1.7 Schienenfahrzeuge Eigentümer: Zugskomposition: Bremsverhältnis: 140 % Ausgeschaltete Bremsapparate: keine 1.8 Strassenfahrzeuge FB Forchbahn AG Kaltensteinstrasse 32, 8127 Forch Pendelzugskomposition Be 8/8 und Steuerwagen bestehend aus den Fahrzeugen Nr. 31, 32 und Bt 204 Folgendes Strassenfahrzeug waren am Ereignis beteiligt: Fahrzeugtyp: Scania, Vierachser, Farbe blau und gelb 1. Inverkehrssetzung: im Jahr 2000 Halter: Bosshard Transport AG 1.9 Wetter, Schienenzustand Tag / Sonne. Schienen trocken. 4/11
5 1.10 Bahnsicherungssysteme Die Strecken und Schienenfahrzeuge der Forchbahn sind mit dem Zugsicherungssystem ZSL 90 und Streckenblockeinrichtungen ausgerüstet. Die Bahnsicherungssysteme haben normal funktioniert. Sie sind für den Verlauf des Ereignisses nicht relevant Zug- und Rangierfunk Das Triebfahrzeug ist mit dem Zugfunk der Forchbahn ausgerüstet. Die Funkgespräche werden aufgezeichnet. Die Funkgespräche sind für den Unfallablauf nicht relevant Bahnanlagen Der Bahnübergang Oberlandstrasse am Dorfrand von Esslingen ist durch ein Andreaskreuz gesichert. Pfeiftafeln gemäss FDV 300.2, Bild 208 sind bei der FB keine vorhanden. Bild 3 Sicht des Lokführers von Zug 212 auf den Bahnübergang Oberlandstrasse mit der parallel zum Bahnrassee verlaufenden Forchstrasse. Der Bahnübergang ist für alle Verkehrsteilnehmer übersichtlich Fahrdatenschreiber Der Triebwagen ist mit einer elektronischen Geschwindigkeitsmessanlage Teloc 2200 ausgerüstet. Die Fahrdaten werden elektronisch aufgezeichnet. Sie wurden durch die Verkehrsunternehmung ausgelesen und durch die Verkehrsunternehmung zusammen mit der UUS ausgewertet. 5/11
6 Die Auswertung der Fahrdaten (Anlage 2) ergab, dass der Lokführer - unmittelbar vor dem Ereignis mit seinem Zug mit einer Geschwindigkeit von ca. 39 km/h gefahren ist und somit die vorgeschriebene max. Geschwindigkeit von 50 km/h für diesen Streckenabschnitt nicht überschritten hat - korrekt eine Schnellbremsung eingeleitet hat. Der Bremsweg bis zur Kollisionsstelle betrug 21,5 m. Auf den Teloc-Fahrdaten des Fahrzeuges Nr. 31 fehlt die Aufzeichnung, dass Warnsignale durch den Lokführer abgegeben wurden. Die Nachforschungen durch die Forchbahn ergaben, dass seit dem Samstagnachmittag, den um 12:15 Uhr, die Warnsignale auf diesem Fahrzeug nicht mehr aufgezeichnet wurden. Ursache dafür war die Zeitumstellung auf Winterzeit. In der Zwischenzeit wurde der Aufzeichnungsfehler durch die Forchbahn behoben Befunde an den Bahnfahrzeugen Die visuelle Kontrolle der am Ereignis beteiligten Schienenfahrzeuge durch den Untersuchungsleiter ergab keine Beanstandungen Befunde an Strassenfahrzeugen Der LKW war mit einer Linkssteuerung ausgerüstet. Die Mulde war mit Frischbeton gefüllt Medizinische Feststellungen In Bezug auf medizinische Beschwerden der am Unfall beteiligten Personen ist nichts bekannt Feuer Beim Ereignis trat kein Feuer auf Informationen über Organisation und Verfahren Bei Zug 212 handelt es sich um einen regelmässig verkehrenden, im amtlichen Kursbuch aufgeführten, Reisezug von Esslingen (ab 13.19) nach Zürich Stadelhofen (an 13.55) Besondere Untersuchungen Die gesetzlichen Anforderungen an die Arbeitszeiten des Lokführers von Zug 212 wurden eingehalten 2. BEURTEILUNG 2.1 Technisches - Die visuelle Kontrolle der am Ereignis beteiligten Schienenfahrzeuge durch den Untersuchungsleiter ergab keine Beanstandungen. - Der Bahnübergang ist gemäss Eisenbahnverordnung EBV und den Ausführungsbestimmungen zur Eisenbahnverordnung (Art. 37) gesichert und signalisiert. - Durch die Schnellbremsung des Zuges wird automatisch das Warnsignal aktiviert. 6/11
7 2.2 Betriebliches - Der Lokführer von Zug 212 hat die maximal zulässige Geschwindigkeit von 50 km/h für diesen Streckenabschnitt nicht überschritten. - Beim Erkennen der Gefahr hat der Lokführer Warnsignale abgegeben und unverzüglich eine Schnellbremsung eingeleitet. Er konnte aber eine Kollision mit dem Lastwagen nicht mehr verhindern. - Die Abgabe zweier Warnsignale des Zuges vor dessen Schnellbremsung, wird von einem Anwohner (Zeuge) bestätigt. 2.3 Strassenseitig - Der Bahnübergang Oberlandstrasse ist für die Strassenbenützer gut gekennzeichnet und überblickbar. Er ist mit einem Andreaskreuz ausgerüstet (Signalisationsverordnung SSV, , Bild 3.24). 3. SCHLUSSFOLGERUNGEN 3.1 Befunde - Die visuelle Kontrolle der am Ereignis beteiligten Schienenfahrzeuge ergab keine Beanstandungen. - Die Bahnsicherungsanlagen funktionierten einwandfrei. - Der Bahnübergang ist zudem mit einfachem Andreaskreuz gemäss SSV gekennzeichnet. Die Signalisation des Bahnüberganges entspricht der Verordnung über Bau und Betrieb der Eisenbahnen, Art. 37c, 3c (SR ; Anlage 3). - Der Lokführer von Zug 212 hat beim Erkennen der Gefahrensituation ein Warnsignal abgegeben. Als vom Fahrzeuglenker darauf keine entsprechende Reaktion kam, leitete er unverzüglich eine Schnellbremsung ein. 3.2 Ursache Die Kollision zwischen Zug 212 und dem Lastwagen auf dem unbewachten Bahnübergang Oberlandstrasse wurde durch den Lenker des Lastwagens verursacht. Er hat das Vortrittsrecht von Zug 212 missachtet (SVG SR , Art. 28). 4. SICHERHEITSEMPFEHLUNGEN Keine Die FB hat ein Projekt zur Ueberprüfung und Sanierung der unbewachten Bahnübergänge auf ihrem Streckennetz eingeleitet. Die Untersuchung wurde von Jean Gross und Erwin Noser geführt. Schlieren, 22. Februar 2007 Unfalluntersuchungsstelle Bahnen und Schiffe Jean Gross Untersuchungsleiter Erwin Noser nebenamtlicher Untersuchungsleiter Fotos: Nr. 1, 2 UUS/grj Nr. 3 2 Forchbahn 7/11
8 Anlage 1 Planausschnitt Bahnübergang Oberlandstrasse, Bahnkilometer /11
9 Anlage 2 Fahrdatenauswertung von Zug 212 am 16. November /11
10 Anlage 3 Verordnung über Bau und Betrieb der Eisenbahnen (EBV, SR ) 6. Abschnitt Sicherung und Signalisation von Bahnübergängen Art. 37c Signale und Anlagen 1 An Bahnübergängen sind Schranken- oder Halbschrankenanlagen zu erstellen. Ausgenommen sind Bahnübergänge nach Absatz 5. 2 An Bahnübergängen mit Halbschrankenanlagen sind die Trottoirs mit Schlagbäumen auszurüsten. 3 Folgende Ausnahmen von Absatz 1 sind möglich: a. An Bahnübergängen, wo das Anbringen von Schranken- oder Halbschrankenanlagen unverhältnismässige Aufwendungen bedingt, können an deren Stelle auf der einen Seite des Bahntrassees Blinklichtsignale und auf der anderen Seite eine Halbschrankenanlage aufgestellt werden. Wo auch dies unverhältnismässige Aufwendungen bedingt, können Blinklichtsignalanlagen aufgestellt werden. b. An Bahnübergängen mit schwachem Strassenverkehr kann eine Blinklichtsignalanlage mit akustischen Signalen oder eine Bedarfsschrankenanlage erstellt werden. c. An Bahnübergängen können, falls die Sichtverhältnisse genügend sind oder die Eisenbahnfahrzeuge bei zeitweise ungenügenden Sichtverhältnissen zweckdienliche Achtungssignale abgeben, Andreaskreuze als einziges Signal angebracht werden, sofern: 1. die Strasse oder der Weg nur für den Fussgängerverkehr geöffnet und dieser schwach ist, 2. der Strassenverkehr schwach und der Schienenverkehr langsam ist, oder 3. die Strasse oder der Weg nur der landwirtschaftlichen Bewirtschaftung dient (Feldweg), keine bewohnte Liegenschaft erschliesst und auf Grund der Signalisation nur einem beschränkten Personenkreis offen steht; die Infrastrukturbetreiberin hat diesen Personenkreis zu instruieren. 4 Blinklichtsignale können durch Lichtsignale ersetzt werden, sofern der Bahnübergang in einer durch Lichtsignale geregelten Verzweigung liegt oder beidseits des Bahntrassees mit einer Schranken- oder Bedarfsschrankenanlage versehen ist. An Bahnübergängen mit Halbschrankenanlagen dürfen die Blinklichtsignale nicht durch Lichtsignale ersetzt werden; sie dürfen jedoch durch solche ergänzt werden, sofern der Bahnübergang in einer durch Lichtsignale geregelten Verzweigung liegt. 5 An Bahnübergängen, die ausschliesslich für Rangierbewegungen benützt oder nach den Bestimmungen über den Strassenbahnbetrieb der Schweizerischen Fahrdienstvorschriften vom 2. Juni befahren werden, ist das Signal «Strassenbahn» nach Artikel 10 Absatz 4 der Signalisationsverordnung vom 5. September (SSV) anzubringen und wenn nötig mit Lichtsignalanlagen zu ergänzen. 6 Die für die Gewährleistung der Sicherheit am Bahnübergang erforderlichen strassenseitigen Vorsignale und Markierungen werden nach der SSV angebracht. 10/11
11 Art. 37f Sanierung bestehender Bahnübergänge 1 Bahnübergänge, die dieser Verordnung nicht entsprechen, sind aufzuheben oder bis spätestens 31. Dezember 2014 anzupassen. 2 Bei der Aufhebung eines Bahnüberganges ist zu prüfen, ob dadurch ein Teil des in den kantonalen Plänen enthaltenen Fuss- und Wanderwegnetzes nicht mehr frei begehbar ist. Gegebenenfalls richtet sich der Ersatz nach Artikel 7 des Bundesgesetzes vom 4. Oktober über Fuss- und Wanderwege (FWG). 11/11