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Timestamp: 2020-07-07 15:52:28
Document Index: 83780448

Matched Legal Cases: ['BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 14', '§ 7', '§ 574', '§14', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 144', '§ 145', '§ 164', '§ 214', '§ 14', '§ 14', '§ 204', '§ 325', '§ 148', 'BGH', 'BGH']

Überprüfung der vom Schuldner erhobenen Verjährungseinrede im Insolvenzeröffnungsverfahren - Rechtsportal
BGH - Entscheidung vom 29.03.2007
IX ZB 141/06
BGHReport 2007, 841
DZWIR 2007, 351
MDR 2007, 1100
NZI 2007, 408
WM 2007, 1132
ZIP 2007, 1226
ZInsO 2007, 604
ZVI 2007, 302
Überprüfung der vom Schuldner erhobenen Verjährungseinrede im Insolvenzeröffnungsverfahren
BGH, Beschluß vom 29.03.2007 - Aktenzeichen IX ZB 141/06
DRsp Nr. 2007/9438
»Soll der Insolvenzgrund allein aus der Forderung des antragstellenden Gläubigers hergeleitet werden, kann die Berechtigung einer vom Schuldner erhobenen Verjährungseinrede grundsätzlich nur im Prozesswege überprüft werden.«
InsO § 14 ;
I. Am 4. Dezember 1996 wurde das Konkursverfahren über das Vermögen des Schuldners eröffnet. Der weitere Beteiligte (fortan: Gläubiger) meldete eine Forderung von 1.667.200 DM an, die zur Tabelle festgestellt, vom Schuldner aber bestritten wurde. Am 13. September 2000 wurde das Konkursverfahren aufgehoben.
II. Die Rechtsbeschwerde ist nach §§ 7 , 6 , 34 Abs. 1 InsO statthaft. Sie ist jedoch unzulässig. Die Rechtssache hat keine grundsätzliche Bedeutung, und weder die Fortbildung des Rechts noch die Sicherung einer einheitlichen Rechtsprechung erfordert eine Entscheidung des Rechtsbeschwerdegerichts (§ 574 Abs. 2 ZPO ).
a) Nach §14 InsO ist der Antrag eines Gläubigers zulässig, wenn der Gläubiger ein rechtliches Interesse an der Eröffnung des Insolvenzverfahrens hat und seine Forderung und den Eröffnungsgrund glaubhaft macht. Soll der Insolvenzgrund allein aus der Forderung des Gläubigers hergeleitet werden, reicht die Glaubhaftmachung nicht aus. Das Insolvenzverfahren wird nur dann eröffnet, wenn die Forderung zur Überzeugung des Insolvenzgerichts feststeht (BGH, Beschl. v. 14. Dezember 2005 - IX ZB 207/04, WM 2006, 492 , 493 mit Nachweisen der früheren Rechtsprechung; v. 29. Juni 2006 - IX ZB 245/05, WM 2006, 1632 , 1633). Der Beweis kann durch Vorlage eines Titels über die Forderung geführt werden. In diesem Falle obliegt es dem Schuldner, etwaige Einwände gegen die Forderung in dem dafür vorgesehenen Verfahren überprüfen zu lassen. Es ist nicht Aufgabe des Insolvenzgerichts, rechtlich oder tatsächlich zweifelhaften Einwänden gegen eine titulierte Forderung nachzugehen (BGH, Beschl. v. 29. Juni 2006, aaO.; v. 27. Juli 2006 - IX ZB 12/06, ZVI 2006, 564 , 565). Ist die Forderung dagegen nicht tituliert, gehen Zweifel zu Lasten des antragstellenden Gläubigers. Fällt die tatsächliche oder rechtliche Beurteilung nicht eindeutig aus, ist der Gläubiger schon mit seiner Glaubhaftmachung gescheitert und auf den Prozessweg zu verweisen (BGH, Beschl. v. 14. Dezember 2005, aaO.). Ob der Schuldner Anspruchsvoraussetzungen bestreitet oder aber Gegenrechte geltend macht, ist dabei nicht von Bedeutung (vgl. BGH, Beschl. v. 1. Februar 2007 - IX ZB 79/06).
b) Die Forderung des weiteren Beteiligten ist nicht tituliert. Sie ist zwar im vorangegangenen Konkursverfahren über das Vermögen des Schuldners angemeldet und vom Konkursverwalter festgestellt worden (§ 144 Abs. 1 KO ). Die Wirkung eines rechtskräftigen Urteils hatte diese Feststellung jedoch nur gegenüber den anderen Konkursgläubigern (§ 145 Abs. 2 KO ), nicht gegenüber dem Schuldner (dem damaligen Gemeinschuldner), der sie im Prüfungstermin bestritten hatte. Die Zwangsvollstreckung aus dem Tabellenauszug kann ein Gläubiger nur aus einer auch vom Gemeinschuldner nicht bestrittenen Forderung betreiben (§ 164 Abs. 2 KO ). Zweifel daran, ob die den Eröffnungsgrund bildende Forderung des Gläubigers (noch) besteht, gehen deshalb zu Lasten des Gläubigers.
aa) Die Verjährungseinrede des Schuldners ist schon im Eröffnungsverfahren erheblich. Nach Eintritt der Verjährung ist der Schuldner berechtigt, die Leistung zu verweigern (§ 214 Abs. 1 BGB ). Ist die Forderung verjährt und hat sich der Schuldner - wie im vorliegenden Fall - in rechtserheblicher Weise darauf berufen, ist der Insolvenzantrag folglich abzuweisen (Jaeger/Gerhardt, InsO § 14 Rn. 12; Häsemeyer, Insolvenzrecht 3. Aufl. Rn. 7.14; vgl. auch MünchKomm-InsO/Schmahl, § 14 Rn. 47).
bb) Der Gläubiger hat die Berechtigung der Einrede allerdings in Zweifel gezogen. Er meint, die Erhebung der Klage habe die Verjährung rechtzeitig gehemmt (§ 204 Abs. 1 Nr. 1 BGB ). Ob eine Verjährungseinrede zu Recht erhoben wird, hat jedoch in der Regel - wenn die Einrede nicht ersichtlich unbegründet ist und außer Acht gelassen werden kann - nicht das Insolvenzgericht zu entscheiden, sondern das Prozessgericht. Das gilt insbesondere dann, wenn bereits eine Klage anhängig gemacht und in erster Instanz wegen Verjährung abgewiesen worden ist. Nur diese Aufgabenverteilung ist sinnvoll. Das Urteil des Prozessgerichts erwächst in Rechtskraft zwischen den Parteien (§ 325 Abs. 1 ZPO ). Es ist damit auch im Eröffnungsverfahren bei der Beurteilung der Frage, ob ein Insolvenzgrund vorliegt, zu beachten. Deshalb kann ein lediglich auf eine einzige Forderung gestützter Antrag nicht zur Eröffnung des Insolvenzverfahrens führen, solange die diesen Anspruch betreffenden offenen Rechts- und Tatsachenfragen nicht im Prozesswege geklärt sind.
c) Eine Aussetzung des Eröffnungsverfahrens für die Dauer des vorgreiflichen Zivilprozesses kommt nicht in Betracht. Die Vorschrift des § 148 ZPO ist im Insolvenzverfahren wegen dessen Eilbedürftigkeit nicht anwendbar (BGH, Beschl. v. 27. Juli 2006 - IX ZB 15/06, NZI 2006, 642 ).
Vorinstanz: LG Münster, vom 05.07.2006 - Vorinstanzaktenzeichen 5 T 540/06
Vorinstanz: AG Münster, vom 28.04.2006 - Vorinstanzaktenzeichen 84 IN 1/05
Zitieren: BGH - Beschluß vom 29.03.2007 (IX ZB 141/06) - DRsp Nr. 2007/9438