Source: https://www.foruncut.com/2016/10/jmstv-und-steam-chancen-und-grenzen/
Timestamp: 2018-01-19 17:36:10
Document Index: 332106821

Matched Legal Cases: ['§ 7', '§ 4', '§ 4', '§ 18', '§ 4', '§ 4', '§ 4', '§ 4', '§ 86', '§ 86', '§ 86', '§ 86', '§ 86', '§ 4', '§ 131', '§ 131', '§ 4', '§ 18', '§ 4', '§ 4', '§ 4']

JMStV und Steam – Chancen und Grenzen | for UNCUT!
Eine neue Version des Jugendmedienschutz-Staatsvertrags (JMStV) ist zum ersten Oktober in Kraft getreten. Im JMStV regeln die Bundesländer, unter welchen Bedingungen bestimmte Inhalte online zugänglich gemacht werden dürfen.
Der neue Vertrag gibt der USK rechtlich auch offiziell die Möglichkeit, reine Onlineinhalte auf Antrag zu kennzeichnen. An der hohen Anzahl an ungeprüften Titeln im (deutschen) Steam-Angebot wird dies vermutlich nichts ändern. Im Statut der USK für den Bereich der Telemedien (USK.online) wurde die Kennzeichnung dieser Inhalte bereits seit 2011 eingeordnet.
Zudem wird das Labeln von entwicklungsbeeinträchtigenden Angeboten nun explizit als Alternative aufgeführt. Viele Anbieter nutzen diese Möglichkeit bereits, um rechtssicher USK 16 (seit Februar 2012) und USK KJ bzw. auch ungeprüfte Titel (seit Juni 2013) ohne weitere Maßnahmen wie Uhrzeitbegrenzungen anbieten zu können. Valve gehört seit spätestens August 2015 dazu: age-de.xml.
Weitere Details könnt ihr in der entsprechenden Meldung des Verbands für Deutschlands Video- und Computerspieler[/url] einsehen.
Steam-Angebot – absolut und relativ unzulässig
Um zu zeigen, was der JMStV auf Steam erlaubt, und was nicht, haben wir zu dieser Gelegenheit einige Listen erstellt. So fanden wir über 60 indizierte Titel, die Valve durch Implementierung einer geschlossenen Nutzergruppe via Altersverifikationssystem vollkommen rechtssicher und ungeschnitten auch für verifizierte, deutsche Kunden anbieten könnte.
Leider wären mindestens 20 weitere Titel auch trotzdem noch unzulässig, zum Teil da der JMStV strengere Maßstäbe als das JuSchG, welches „offline“ gilt, setzt. Dies gilt insbesondere für Liste B indizierte Titel.
Es ist anzumerken, dass Valve als amerikanisches Unternehmen ohne Sitz in Deutschland vermutlich keinen Jugendschutzbeauftragten hat, der bei der Umsetzung helfen könnte (und für einen deutschen Anbieter dieser Größe verpflichtend wäre, § 7 Abs. 2 JMStV). Valve ist, anders als z.B. GOG, auch nicht Mitglied der USK.Online.
Für die Listen in diesem Artikel wurden nur Spiele betrachtet, welche im deutschen Store-Angebot fehlen oder in einer geschnittenen Version angeboten werden. Eine handvoll Titel wird weiterhin im deutschen Store trotz bestehender Indizierung angeboten.
Ein * am Titel bedeuet, dass eine angepasste deutsche Version angeboten wird. Die Angabe bezieht sich daher auf die internationale Steam-Version.
Relativverbote nach § 4 Abs. 2 JMStV
Die Zugänglichmachung dieser Spiele ist unzulässig, außer wenn durch „positiv bewertete Konzepte für geschlossene Benutzergruppen“ sichergestellt ist, dass der Nutzer volljährig ist. Dies gilt auch für die Werbung. Siehe auch unsere Umfrage von 2013 zu diesem Themenfeld.
§ 4 Abs. 2 Nr. 2: „in den Teilen A und C der Liste nach § 18 des Jugendschutzgesetzes aufgenommen sind […]“:
Aliens versus Predator Classic, Blake Stone: Aliens of Gold, Blood II: The Chosen + Expansion, Blood: One Unit Whole Blood, BloodRayne, BloodRayne 2, Brothers in Arms: Hell’s Highway, Bulletstorm*,
Call of Duty: Black Ops*, Call of Duty 4: Modern Warfare*, Call of Duty: Modern Warfare 2*, Call of Duty: World at War*, Carmageddon 2: Carpocalypse Now, Carmageddon Max Pack, Cold Fear, Conflict: Denied Ops*,
Dark Sector, Doom 3: Resurrection of Evil, F.E.A.R., F.E.A.R.: Extraction Point, F.E.A.R.: Perseus Mandate, F.E.A.R. 2: Project Origin*, F.E.A.R. 3*,
GUN, Harvester, Heretic: Shadow of the Serpent Riders, Kane & Lynch 2: Dog Days*, Kingpin — Life of Crime,
Lucius, NAM, Painkiller – Overdose, Painkiller Hell and Damnation, Postal 2, Postal 3, Prototype, Prototype 2*, Quake 2, Quake 3 Arena, Quake 4,
Red Faction, Red Faction 2, Return to Castle Wolfenstein, Rise of the Triad: Dark War, Rogue Warrior, Rune Classic,
Saints Row: The Third*, Shadow Dancer, SiN, SiN Episodes Emergence, Sleeping Dogs, Star Wars – Dark Forces,
The Chaos Engine, The Club, The Darkness II*, The Typing of the Dead: Overkill, Timeshift,
UberSoldier II, Unreal Tournament 2004, Unreal Tournament 3: Black Edition, Unreal Tournament: Game of the Year Edition, Wolfenstein 3D: Spear of Destiny.
Insgesamt 60 Titel. Alle stehen auf Listenteil A. Es ist uns kein Titel auf Steam bekannt, der auf Teil C steht. Call of Duty: Black Ops, Call of Duty: World at War und Wolfenstein 3D: Spear of Destiny fallen ggf. unter § 4 Abs. 1 Nr. 2. (siehe weiter unten).
§ 4 Abs. 2 Nr. 2 cont’d: „[…] oder mit einem in dieser Liste aufgenommenen Werk ganz oder im Wesentlichen inhaltsgleich sind.“:
Call of Duty: Modern Warfare Remastered*, Dead Island Definitive Edition, Dead Island Riptide Definitive Edition, Dying Light: The Following – Enhanced Edition, Shadow Warrior Classic Redux, Sleeping Dogs: Definitive Edition.
Insgesamt 6 Titel. Über die Anwendbarkeit von „im Wesentlichen inhaltsgleich“ bei aufwändigen Remasters oder Remakes lässt sich streiten; diese Liste kann auch Zweifelsfälle enthalten.
Absolutverbote nach § 4 Abs. 1 JMStV
Die Zugänglichmachung dieser Spiele ist immer unzulässig. Dies gilt auch für die Werbung.
§ 4 Abs. 1 Nr. 2: „Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen im Sinne des § 86 a des Strafgesetzbuches verwenden. [Es gilt § 86 Abs. 3 StGB.]“:
Commandos: Behind Enemy Lines, Wolfenstein 3D.
Insgesamt 2 Titel. Nach § 86a StGB von einem Gericht in einer Version beschlagnahmt, wodurch der Tatbestand bestätigt wurde. Diese Titel müssen nicht indiziert sein. Verbote nach § 86a StGB können auch unabhängig von einer Beschlagnahme gültig sein, wenn nicht die Sozialadäquanzklausel nach § 86 Abs. 3 StGB greift. Beide Spiele stehen in diesem Fall zudem auf Listenteil A.
§ 4 Abs. 1 Nr. 5: „grausame oder sonst unmenschliche Gewalttätigkeiten gegen Menschen in einer Art schildern, die eine Verherrlichung oder Verharmlosung solcher Gewalttätigkeiten ausdrückt oder die das Grausame oder Unmenschliche des Vorgangs in einer die Menschenwürde verletzenden Weise darstellt; dies gilt auch bei virtuellen Darstellungen“:
Condemned: Criminal Origins, Dead Rising 2, Left 4 Dead 2*, Manhunt, Mortal Kombat Komplete Edition, Silent Hill: Homecoming.
Insgesamt 7 Titel. Nach § 131 StGB von einem Gericht in einer Version beschlagnahmt, wodurch der Tatbestand bestätigt wurde, und stehen folglich auch auf Listenteil B/D. Verbote nach § 131 StGB sind auch prinzipiell unabhängig von einer Beschlagnahme gültig.
§ 4 Abs. 1 Nr. 11: „in den Teilen B und D der Liste nach § 18 des Jugendschutzgesetzes aufgenommen sind […]“:
Aliens vs. Predator, Dead Rising 2: Off the Record, Dead Rising 3 Apocalypse Edition, Hatred, Killing Floor, Left 4 Dead*, NecroVision, Painkiller: Black Edition, Painkiller: Resurrection*, Postal, Resident Evil: Operation Raccoon City*, Saints Row 2*.
Insgesamt 12 Titel. Hatred steht auf Listenteil D, der Rest auf B.
§ 4 Abs. 1 Nr. 11 cont’d: „[…] oder mit einem in dieser Liste aufgenommenen Werk ganz oder im Wesentlichen inhaltsgleich sind.“:
Dead Rising, Postal Redux.
Insgesamt 2 Titel. Über die Anwendbarkeit von „im Wesentlichen inhaltsgleich“ bei aufwändigen Remasters oder Remakes lässt sich streiten; diese Liste kann auch Zweifelsfälle enthalten.
Achtung: Der Vollständigkeit halber sei erwähnt, dass uns keine anderen Titel auf Steam bekannt sind, die die restlichen Tatbestände erfüllen könnten. Die BPjM führt zudem keine Listen von explizit schwer jugendgefährdenden Titeln. Insbesondere § 4 Abs. 1 Nr. 7: „den Krieg verherrlichen“ (vgl. ggf. Command & Conquer: Generals) und § 4 Abs. 1 Nr. 9: „Kinder oder Jugendliche in unnatürlich geschlechtsbetonter Körperhaltung darstellen; dies gilt auch bei virtuellen Darstellungen“ (vgl. ggf. Criminal Girls 2) könnten aber in der Praxis relevant sein. Es obliegt dem Anbieter bzw. dessen Jugendschutzbeauftragten dies zu prüfen. Die beiden genannten Tatbestände machen das Angebot zudem unabhängig von einer Indizierung auf Listenteil A oder C absolut unzulässig.
Hinweis: Stand für Oktober 2016.