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Timestamp: 2019-05-24 06:59:34
Document Index: 228406699

Matched Legal Cases: ['Art. 6', '§ 288', '§ 288', '§ 611', '§ 288', '§ 12', '§ 61', '§ 12', '§ 12', '§ 61', '§ 61', '§ 12', 'BGH', 'BGH']

BAG > 2018 > BAG, 25.09.2018 - 8 AZR 26/18 - Konditionale Verknüpfung zwischen Leistung des G...
Urt. v. 25.09.2018, Az.: 8 AZR 26/18
Die 40 Euro-Pauschale für "Säumige" gilt nicht für "Arbeitnehmer kontra Arbeitgeber"
Wer gegen jemanden eine Geldforderung hat, der kann (als "Gläubiger") neben der eigentlichen Summe eine Pauschale in Höhe von 40 Euro fordern - es sei denn, es würde sich um einen Verbraucher handeln. Dies sieht das BGB ausdrücklich vor - und gilt auch dann, wenn es sich bei der Entgeltforderung um eine Abschlagszahlung oder eine sonstige Ratenzahlung handelt. Die Regel ist aber nicht anzuwenden, wenn ein Arbeitnehmer gegen seinen Arbeitgeber eine Forderung hat. Das ergibt sich aus der Spezialregelung des Arbeitsgerichtsgesetzes, wie das Bundesarbeitsgericht entschieden hat.
Referenz: JurionRS 2018, 48637
ArbG Oberhausen - 09.03.2017 - AZ: 4 Ca 1280/16
LAG Düsseldorf - 10.10.2017 - AZ: 8 Sa 284/17
Richtlinie 2011/7/EU Art. 6
AP-Newsletter 2018, 240 (Pressemitteilung)
ArbRB 2018, 289-290 (Pressemitteilung)
AuR 2018, 538-539 (Pressemitteilung)
BB 2018, 2419 (Pressemitteilung)
BB 2019, 954-959
DB 2019, 252-256
DStR 2018, 2484-2485
EzA-SD 21/2018, 9-10 (Pressemitteilung)
EzA-SD 2/2019, 3
EzA-SD 2/2019, 12-15
NJW-Spezial 2019, 83-84
NZA 2019, 121-127
RdW 2019, 87 (Pressemitteilung)
StuB 2018, 836 (Pressemitteilung)
WzS 2018, 342 (Pressemitteilung)
ZAP EN-Nr. 130/2019
ZIP 2019, 135-142
ZMV 2018, 334-335 (Pressemitteilung)
2. Eine Entgeltforderung iSv. § 288 Abs. 2 BGB und damit iSv. § 288 Abs. 5 Satz 1 BGB liegt vor, wenn die Forderung auf die Zahlung eines Entgelts als Gegenleistung für eine vom Gläubiger erbrachte oder zu erbringende Leistung gerichtet ist, die in der Lieferung von Gütern oder der Erbringung von Dienstleistungen besteht. Dabei bestimmt sich der Begriff ,,Dienstleistung" allerdings nicht nach § 611 BGB, sondern ist weiter gefasst. Eine synallagmatische Verknüpfung zwischen der Leistung des Gläubigers und der Zahlung durch den Schuldner ist nicht erforderlich, es reicht vielmehr eine konditionale Verknüpfung in dem Sinne aus, dass die Leistung des einen Teils Bedingung für die Entstehung der Verpflichtung des anderen Teils ist (Rn. 12).
4. Bei dem Anspruch nach § 288 Abs. 5 Satz 1 BGB handelt es sich nicht um einen Anspruch ,,sui generis", der als spezialgesetzliche Bestimmung der in § 12a Abs. 1 Satz 1 ArbGG getroffenen Regelung vorginge (Rn. 44 ff.).
hat der Achte Senat des Bundesarbeitsgerichts aufgrund der mündlichen Verhandlung vom 25. September 2018 durch die Vorsitzende Richterin am Bundesarbeitsgericht Prof. Dr. Schlewing, die Richter am Bundesarbeitsgericht Dr. Vogelsang und Dr. Roloff sowie die ehrenamtlichen Richter von Schuckmann und Reiners für Recht erkannt:
2. Diese Bestimmung ist - ebenso wie die ihr vorangegangene Regelung in § 61 Abs. 1 Satz 2 ArbGG 1953 - nach ständiger Rechtsprechung des Bundesarbeitsgerichts dahin auszulegen, dass sie nicht nur einen prozessualen Kostenerstattungsanspruch, sondern auch einen materiell-rechtlichen Kostenerstattungsanspruch unabhängig von seiner Anspruchsgrundlage, und damit auch einen Anspruch auf Erstattung vor- bzw. außergerichtlicher Kosten ausschließt (vgl. etwa BAG 11. März 2008 - 3 AZN 1311/07 - Rn. 6; 2. Oktober 2007 - 1 ABR 59/06 - Rn. 22, BAGE 124, 175; 27. Oktober 2005 - 8 AZR 546/03 - zu B II 4 b der Gründe; 27. Juli 1994 - 7 ABR 10/93 - zu B II 2 a aa und bb (2) der Gründe, BAGE 77, 273 [BAG 27.07.1994 - 7 ABR 10/93]; 30. Juni 1993 - 7 ABR 45/92 - zu B II 2 der Gründe, BAGE 73, 314; 30. April 1992 - 8 AZR 288/91 - BAGE 70, 191; 16. Mai 1990 - 4 AZR 56/90 - BAGE 65, 139; zur Vorgängerregelung: vgl. BAG 14. Dezember 1977 - 5 AZR 711/76 - zu 1 der Gründe, BAGE 29, 426; 18. Dezember 1972 - 5 AZR 248/72 - BAGE 24, 486; 30. April 1968 - 5 AZR 190/67 - BAGE 21, 1 [BAG 02.05.1968 - 5 AZR 190/67]; 23. September 1960 - 5 AZR 258/59 - zu 3 b der Gründe, BAGE 10, 39 [BAG 23.09.1960 - 5 AZR 258/59]). An dieser Rechtsprechung hält der Senat fest. Die vom Bundesarbeitsgericht für die von ihm vorgenommene Auslegung von § 12a Abs. 1 Satz 1 ArbGG gegebene Begründung überzeugt nach wie vor.
Das Bundesverfassungsgericht hat die Vorgängerregelung des § 12a Abs. 1 Satz 1 ArbGG mit Beschluss vom 20. Juli 1971 (- 1 BvR 231/69 - BVerfGE 31, 306 [BVerfG 20.07.1971 - 1 BvR 231/69]) ausdrücklich als sachlich gerechtfertigte, weil dem Schutz des Arbeitnehmers als dem sozial Schwachen dienende Bestimmung gebilligt. Insoweit hat es darauf hingewiesen, dass das soziale Argument seit dem Erlass des Gesetzes im Jahre 1953 zwar schwächer geworden sein möge, allerdings habe es für die Masse der Arbeitnehmer weiterhin seine Berechtigung. Dass sich die in § 61 Abs. 1 Satz 2 ArbGG 1953 getroffene Bestimmung unter Umständen auch zum Nachteil der Arbeitnehmer auswirken könne, sei nicht von Belang, da es nichts daran ändere, dass das Kostenrisiko durch § 61 Abs. 1 Satz 2 ArbGG überschaubarer werde, weil jede Partei von vornherein wisse, dass sie an außergerichtlichen Kosten immer und äußerstenfalls nur das zu tragen habe, was sie selbst aufwendet (BVerfG 20. Juli 1971 - 1 BvR 231/69 - zu II 2 c der Gründe, aaO). Diese Rechtsprechung hat das Bundesverfassungsgericht zuletzt mit Beschluss vom 31. Januar 2008 (- 1 BvR 1806/02 - Rn. 58, BVerfGK 13, 262), wiederum unter Hinweis auf den durch § 12a Abs. 1 Satz 1 ArbGG bewirkten Schutz des Arbeitnehmers als des typischerweise sozial schwächeren Prozessbeteiligten bestätigt.
Zu OS 2.: Vgl. BGH 12. April 2018 - IX ZR 88/17 -; 20. Juli 2017 - III ZR 545/16 -; 6. November 2013 - KZR 58/11 - BGHZ 199, 1; 16. Juni 2010 - VIII ZR 259/09 -; 21. April 2010 - XII ZR 10/08 -
Zu OS 3.: Festhalten an BAG 2. Oktober 2007 - 1 ABR 59/06 - BAGE 124, 175; 27. Oktober 2005 - 8 AZR 546/03 -; 27. Juli 1994 - 7 ABR 10/93 - BAGE 77, 273; 30. Juni 1993 - 7 ABR 45/92 - BAGE 73, 314; 30. April 1992 - 8 AZR 288/91 - BAGE 70, 191
BAG, 17.10.2018 - 5 AZR 553...