Source: http://www.hensche.de/Arbeitsrecht_Urteile_Uebergangsversorgung_Kabinenpersonal_Altersbefristung_BAG_9AZR398_14.html
Timestamp: 2018-02-24 00:32:16
Document Index: 117879406

Matched Legal Cases: ['§ 4', '§ 1', '§ 17', '§ 17', '§ 7', '§ 242', '§ 242', '§ 242']

BAG, Urteil vom 23.02.2016, 9 AZR 398/14 - HENSCHE Arbeitsrecht
BAG, Ur­teil vom 23.02.2016, 9 AZR 398/14
Schlagworte: Übergangsversorgung, Altersbefristung
Aktenzeichen: 9 AZR 398/14
Vorinstanzen: Arbeitsgericht Berlin, Urteil vom 25.9.2013 - 41 Ca 6779/13
Landesarbeitsgericht Berlin-Brandenburg, Urteil vom 28.2.2014 - 8 Sa 1960/13
8 Sa 1960/13
23. Fe­bru­ar 2016
1. Auf die Re­vi­si­on der Kläge­rin wird das Ur­teil des Lan­des­ar­beits­ge­richts Ber­lin-Bran­den­burg vom 28. Fe­bru­ar 2014 - 8 Sa 1960/13 - auf­ge­ho­ben.
der ta­rif­ver­trag­li­chen Be­en­di­gung des Beschäfti­gungs­verhält­nis­ses mit voll­ende­tem 60. Le­bens­jahr bis zum Be­ginn der Al­ters­ren­te bzw. der vor­ge­zo­ge­nen Al­ters­ren­te aus der An­ge­stell­ten­ver­si­che­rung in Form ei­ner Ver­si­che­rung für den Er­le­bens­fall mit Bei­tragsrück­gewähr im To­des­fall ab­zu­sch­ließen.
Ver­si­che­rer/Ver­si­che­rungs­neh­mer
Ver­si­che­rungs­be­ginn und -dau­er
In dem zwi­schen der Be­klag­ten, der LTU Luft­trans­port-Un­ter­neh­men GmbH (Rechts­vorgänge­rin der Be­klag­ten) und der Ver­ein­ten Dienst­leis­tungs­ge­werk­schaft ver.di ge­schlos­se­nen „Ta­rif­ver­trag über die Fort­gel­tung be­ste­hen­der Re­ge­lun­gen für das Ka­bi­nen­per­so­nal der LTU im Rah­men ei­ner be­ab-
sich­tig­ten In­te­gra­ti­on in die Air Ber­lin PLC & Co. Luft­ver­kehrs KG“ vom 25. März 2011 (im Fol­gen­den TV-Fort­gel­tung) heißt es aus­zugs­wei­se:
Fort­gel­tung be­ste­hen­der kol­lek­tiv­recht­li­cher Re­ge­lun­gen
II. Der zu­letzt ge­stell­te Haupt­an­trag ist be­gründet.
1. Die Kläge­rin hat nach dem TV-ÜV An­spruch auf Ver­schaf­fung ei­ner Ver­si­che­rung im Rah­men des Grup­pen­ver­si­che­rungs­ver­trags.
60. Le­bens­jahr bis zum Be­ginn der Al­ters­ren­te bzw. der vor­ge­zo­ge­nen Al­ters­ren­te aus der An­ge­stell­ten­ver­si­che­rung in Form ei­ner Ver­si­che­rung für den Er-le­bens­fall mit Bei­tragsrück­gewähr im To­des­fall ab­zu­sch­ließen. Nach § 4 Nr. 1 Abs. 2 TV-ÜV be­steht das Recht zum Ab­schluss der Ver­si­che­rung bei Ein­tritt in das Beschäfti­gungs­verhält­nis, je­doch frühes­tens nach Voll­endung des 30. Le­bens­jah­res.
bb) Die­se Vor­aus­set­zun­gen sind erfüllt.
(1) Die Kläge­rin fällt als Flug­be­glei­te­rin in den persönli­chen Gel­tungs­be­reich des TV-ÜV (§ 1 TV-ÜV).
(2) Die Fort­set­zung des Ar­beits­verhält­nis­ses über die ta­rif­lich (un­wirk­sam) vor­ge­se­he­ne Be­fris­tung hin­aus lässt le­dig­lich nachträglich den Rechts­grund oder zu­min­dest den mit dem TV-ÜV ver­folg­ten Zweck, der Über­brückung ei­ner Ver­sor­gungslücke, die we­gen des an sich ta­rif­ver­trag­lich vor­ge­se­he­nen Aus­schei­dens ent­steht (BAG 12. De­zem­ber 2012 - 5 AZR 93/12 - Rn. 52), ent­fal­len. Dies kann al­len­falls be­rei­che­rungs­recht­li­che Ansprüche der Ar­beit­ge­be­rin be­gründen.
der ta­rif­li­chen Be­fris­tungs­re­ge­lung ent­ste­hen­den Ver­sor­gungslücke kann trotz der Un­wirk­sam­keit der Be­fris­tungs­re­ge­lung wei­ter­hin er­reicht wer­den. Denn die­se Be­fris­tungs­re­ge­lung führt trotz ih­rer Un­wirk­sam­keit zur Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses, wenn der Ar­beit­neh­mer nicht von sich aus ak­tiv wird und bin­nen der von § 17 Satz 1 Tz­B­fG vor­ge­ge­be­nen Frist Kla­ge beim Ar­beits­ge­richt auf Fest­stel­lung er­hebt, dass das Ar­beits­verhält­nis auf­grund der Be­fris­tung nicht be­en­det ist. Sonst gilt die Be­fris­tung als von An­fang an rechts­wirk­sam (§ 17 Satz 2 Tz­B­fG iVm. § 7 Halbs. 1 KSchG) und es kommt auf­grund der ta­rif­li­chen Be­fris­tungs­re­ge­lung zu ei­ner durch die Über­g­angs­ver­sor­gung zu schließen­den Ver­sor­gungslücke.
a) Der Grund­satz von Treu und Glau­ben (§ 242 BGB) bil­det ei­ne al­len Rech­ten im­ma­nen­te In­halts­be­gren­zung und ver­bie­tet ua. die miss­bräuch­li­che Ausübung von Rech­ten (vgl. BAG 16. April 2013 - 9 AZR 731/11 - Rn. 32, BA­GE 145, 8; Pa­landt/Grüne­berg 75. Aufl. § 242 BGB Rn. 38 ff.). Die Rechts­ausübung ist dann miss­bräuch­lich und da­mit un­zulässig, wenn der Be­rech­tig­te kein schutzwürdi­ges Ei­gen­in­ter­es­se ver­folgt oder über­wie­gen­de schutzwürdi­ge In­ter­es­sen der Ge­gen­par­tei ent­ge­gen­ste­hen und die Rechts­ausübung im Ein­zel­fall zu ei­nem grob un­bil­li­gen, mit der Ge­rech­tig­keit nicht mehr zu ver­ein­ba­ren­den Er­geb­nis führen würde (Jau­er­nig/Man­sel BGB 16. Aufl. § 242 Rn. 37; sh. auch Pa­landt/Grüne­berg aaO Rn. 50). Das ist zB dann der Fall, wenn der Gläubi­ger ver­pflich­tet ist, die ver­lang­te Leis­tung so­fort wie­der her­aus­zu­ge­ben. In die­sem Fall wäre das Er­he­ben ei­nes sol­chen An­spruchs nur ge­eig­net, dem Schuld­ner unnöti­ge Be­schwer­nis­se und zusätz­li­che In­sol­venz­ri­si­ken auf­zubü r-
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