Source: https://m.grin.com/document/298296
Timestamp: 2019-10-19 18:05:17
Document Index: 252284156

Matched Legal Cases: ['§ 39', '§ 42', '§ 40', '§ 43', '§ 50', '§ 50', '§ 21', '§ 22', '§ 21', '§ 21', '§ 21', 'Art. 9', 'BGH', '§ 1032', '§ 1055', 'Art.9', '§ 1025', '§ 38', '§ 39', '§ 39', '§ 42', '§ 40', '§ 39', '§ 24', '§ 24', '§ 31', '§ 21', '§ 21', '§ 22', 'BGH', '§ 1059', '§ 1059', '§ 1060', '§ 39', '§ 38', '§ 39', '§ 38', '§ 39', '§ 42', '§ 17', '§ 42', '§ 38', '§ 40', '§ 40', '§ 40', '§ 40', '§ 43', '§ 43', '§ 43', '§ 43', '§ 43']

Überprüfung von Tatsachenentscheidungen und Regelverstößen durch ...
Überprüfung von Tatsachenentscheidungen und Regelverstößen durch Verbandsgerichte im Fußball
von Jakob Förtsch (Autor)
II. Vereins- und Verbandsgerichtsbarkeit
1) Idealverein und wirtschaftlicher Verein
2) Sportverein
2) Organisationsstruktur (Ein-Verbands- oder Ein-Platz-Prinzip)
2. Vereins- und Verbandsgerichtsbarkeit
1) Vereins- oder Verbandsautonomie
2) Verbandsgerichtsbarkeit im Allgemeinen
3) Unterschied zu (echten) Schiedsgerichten
4) Überprüfbarkeit durch ordentliche Gerichte
b) Ausgestaltung der Verbandsgerichtsbarkeit des DFB
1) Sportgericht
(1) Zusammensetzung (§ 39 DFB-Satzung)
(2) Zuständigkeit (§ 42 DFB-Satzung)
2) Bundesgericht
(1) Zusammensetzung (§ 40 DFB-Satzung)
(2) Zuständigkeit (§ 43 DFB-Satzung)
3) Kontrollausschuss (§ 50 Satzung des DFB)
(2) Zuständigkeit (§ 50 DFB-Satzung)
4) Schiedsgerichte
III. Überprüfung von Tatsachenentscheidungen und Regelverstößen
1. Tatsachenentscheidungen des Schiedsrichters (Fußballregel Nr.5)
b) Arten der Tatsachenentscheidung
1) Differenzierung bezüglich der Spielwirkung
(1) Tatsachenentscheidungen mit Wirkung auf das Spiel und das Spielergebnis
(2) Tatsachenentscheidungen mit Wirkung über das Spiel hin- aus
2) Positive und negative Tatsachenentscheidungen
(1) Positive Tatsachenentscheidungen
(2) Negative Tatsachenentscheidungen
c) Unterscheidung nach der Auffassung von Vieweg
1) Tatsachenentscheidungen im eigentlichen Sinne
2) Tatsachenentscheidungen nach Abstimmung bzw. technischer Ent- scheidungsunterstützung
3) Tatsachenentscheidung mit der Möglichkeit abschließender ver- bandsinterner Überprüfung und ggf. Korrektur während des Wett- kampfes
4) Tatsachenentscheidungen, die erst nach Ende des Wettkampfes er- folgen (können)
2. Regelverstoß des Schiedsrichters
3. Ergebnis und Rechtsfolge der Unterscheidung
a) Tatsachenentscheidungen
1) Ausnahme bei offensichtlich fehlerhaften Tatsachenentscheidun- gen
2) Ausnahme bei bewussten Spielmanipulationen durch den Schieds- richter
b) Regelverstöße
4. Unterschied: FIFA - DFB
5. Bekannte Fälle innerhalb der DFB-Sportgerichtsbarkeit
a) Das „Phantom-Tor“ von Neunkirchen - „Kobel“
2) Urteil
b) Das „Phantom-Tor“ von München - „Helmer“
c) Das „Phantom-Tor“ von Sinsheim - „Kießling“
Überprüfung von sog. Tatsachenentscheidungen und Regelverstößen durch Verbands- gerichte
Schiedsrichterentscheidungen - egal, ob richtig oder falsch - sind seit jeher Zündstoff bren- nender Diskussionen in der Sportgemeinschaft. Während es in der Anfangszeit möglicher- weise ausschließlich um den Gedanken der Fairness ging, rückt in der neueren Zeit vor allem auch ein gewisser wirtschaftlicher Gedanke in den Vordergrund. Allein der Gesamterlös der 1. Fußballbundesliga hat sich zwischen den Spielzeiten 2003/2004 und 2012/13 mit einem Anstieg auf ca. 2,17 Milliarden Euro nahezu verdoppelt.1 Dabei wurde mit einem operativen Gewinn von 383,5 Mio. Euro eine neue Bestmarke erreicht.2
Entscheidungen der Unparteiischen können in Zeiten steigender wirtschaftlicher Bedeutung des Leistungssports somit auch weitreichende finanzielle Folgen für die Beteiligten mit sich bringen, denn natürlich sind mit einem bestimmten Tabellenrang teilweise Einnahmen in Mil- lionenhöhe verbunden. Professionelle Fußballvereine generieren Einnahmen z.B. durch zah- lungskräftige Sponsoren. Diese sind natürlich eher bereit einen höheren Betrag zu zahlen, wenn der Verein durch Meisterschaften oder internationale Auftritte auf sich aufmerksam macht. In einer schlechten Verhandlungsposition befinden sich dagegen Vereine, welche bei- spielsweise Abstiegsplätze besetzen.
Aufgrund der möglichen finanziellen Folgen ist es daher plausibel, derart wichtige Entschei- dungen der Schiedsrichter im Nachhinein kontrollieren zu wollen und möglicherweise rück- gängig zu machen. Die Möglichkeit der Feststellungen von Fehlentscheidungen ist dabei - zumindest in Profiligen - durch die nahezu perfektionierte Kameratechnik der Fernsehsender grundsätzlich gegeben.
Die folgende Arbeit soll daher darstellen, inwieweit die Möglichkeit einer Überprüfung von Schiedsrichterentscheidungen durch Verbandsgerichte gegeben ist. Dazu werden zunächst einige Grundlagen zur Verbandsgerichtsbarkeit erläutert. Darauf folgend werden die Unter- schiede von Tatsachenentscheidungen und Regelverstößen des Schiedsrichters dargestellt. Dabei wird insbesondere auf die unterschiedliche Überprüfbarkeit vor Verbandsgerichten eingegangen. Anschließend wird die Differenzierung durch einige bekannt gewordene Fälle vertieft. Zuletzt werden die wichtigsten Erkenntnisse zusammengefasst und ein abschließender Ausblick soll die Arbeit vervollständigen.
Zwar unterscheiden sich die Rechtspraktiken in den unterschiedlichen Sportarten, allerdings möchte ich mich dennoch ausschließlich auf den Deutschen Fußballbund beschränken, da dies sonst den Rahmen dieser Arbeit überziehen würde.
Für das grundlegende Verständnis der folgenden Arbeit ist die Kenntnis einiger Grundlagen notwendig, deshalb folgen zunächst Bestimmungen der Begriffe „Verein“ und „Verband“, sowie ein genereller Überblick über Vereins- bzw. Verbandsgerichtsbarkeit.
Unter einem Verein im bürgerlich-rechtlichen Sinne versteht man den auf Dauer angelegten, körperschaftlich organisierten Zusammenschluss mehrerer Personen zur Verfolgung eines gemeinsamen Zwecks, der unter einem Gesamtnamen geführt wird und von der Person seiner Mitglieder unabhängig ist.3
Das BGB unterscheidet nach dem Zweck des Vereins zwischen nicht wirtschaftlichem (§ 21) und wirtschaftlichem Verein (§ 22). Ein nicht wirtschaftlicher Verein (sog. Idealverein) ist gegeben, wenn dessen Zweck nicht auf einen wirtschaftlichen Geschäftsbetrieb gerichtet ist. Wirtschaftlich ist der Verein hingegen dann, wenn dessen Zweck auf einen wirtschaftlichen Geschäftsbetrieb gerichtet ist.4 Soweit der Geschäftsbetrieb lediglich einer ideellen Zielset- zung des Vereins untergeordnet ist bzw. lediglich der Förderung und Unterstützung dieses Hauptziels dient, kann der Verein allerdings als nicht wirtschaftlicher Verein i.S.d. § 21 BGB in das Vereinsregister eingetragen werden (sog. Nebenzweck- oder Nebentätigkeitsprivileg).5
Ein Sportverein ist ein Verein, der zum Zwecke der Ausübung und Förderung einer oder meh- rerer Sportarten gegründet wird und somit einen Idealverein i.S.d § 21 BGB darstellt.6 Dazu zählen auch die Vertragsspielerabteilungen der Bundesligavereine und anderer Sportvereine, solange diese noch nicht in Kapitalgesellschaften ausgegliedert wurden.7
Auch ein Verband stellt eine Vereinigung von Personen zur Erreichung eines gemeinsamen Ziels dar, welcher in Vereinsform organisiert ist.8 Man unterscheidet:
- den Verein mit einer größeren Anzahl von Mitgliedern (Großverein oder Massenorga- nisation) und
- den Zusammenschluss mehrerer selbständiger Vereine oder anderer Körperschaften des privaten oder öffentlichen Rechts zu einem Vereinsverband.9
Ein Sportverband ist ein solcher Vereinsverband mehrerer Sportvereine oder mehrerer untergeordneter (Vereins-)Verbände zur Förderung des Sports.10
Typisches Beispiel für einen Sportverband ist der Deutsche Fußball Bund (DFB), welcher sich momentan aus 5 Regionalverbänden, 21 Landesverbänden, 25.456 Vereinen und 6.822.233 Mitgliedern zusammensetzt.11
Organisiert werden Sportverbände in der Regel12 nach dem sog. Ein-Verbands- oder Ein- Platz-Prinzip. Nach diesem nimmt jeder internationale Verband (z.B. FIFA) einer Sportart nur einen nationalen (z.B. DFB) und jeder nationale Verband maximal einen regionalen (BFV) Verband auf, was eine einheitliche Anwendung und Durchsetzung der Sportregeln zur Folge hat. Folge dieses Ein-Verbands-Prinzips ist ein pyramidenförmiger Aufbau mit den verschie- denen Vereinen auf der untersten und den internationalen Fachverbänden auf der obersten Ebene.13
Wie bereits aus der Einleitung hervorgeht, kann es im Vereins- und Verbandswesen zu Mei- nungsverschiedenheiten, z.B. zwischen Mitgliedern, kommen. Zur Schlichtung oder Lösung dieser verbandsinternen Streitigkeiten kommen grundsätzlich drei Möglichkeiten in Betracht: Staatliche Gerichtsbarkeit, Schiedsgerichtsbarkeit oder vereins- bzw. verbandsinterne Ge- richtsbarkeit.
Verbände streben grundsätzlich danach, ihre verbandsinternen Auseinandersetzungen unabhängig von staatlichen Gerichten zu regeln. Gründe dafür gibt es einige. Neben der Möglichkeit der Entscheidung von Rechtsstreiten auf dem Gebiet des Sports durch Fachkräfte spielen dabei vor allem Zeit- und Kostenersparnis eine Rolle.14
Die Befugnis zur verbandsinternen Rechtsprechung lässt sich aus dem Prinzip der Vereins- oder Verbandsautonomie ableiten. Vereins- oder Verbandsautonomie ist „das Recht der Ver- bände und Vereine zur selbständigen Regelung ihrer inneren Angelegenheiten.“15 Ihre Rechtsgrundlage befindet sich in §§ 21 ff. BGB und in Art. 9 I GG (Vereinigungsfreiheit). Inhaltlich sind davon sowohl das Recht zur eigenen Rechtsetzung als auch das Recht zur Selbstverwaltung im Einzelfall umfasst.16 Der Grund für die Gewährung der Verbandsauto- nomie liegt in der Annahme, dass ein Missbrauch der Verbandsmacht durch Selbstregulie- rungsmechanismen (insbesondere durch die Freiwilligkeit der Mitgliedschaft) ausgeschlossen sei.17
Verbänden ist somit nach der Verbandsautonomie die Möglichkeit gegeben, Verbandsgerichte einzusetzen und deren Zuständigkeit für verbandsinterne Auseinandersetzungen festzulegen.18 Verbandsgerichte sind - genau wie die Mitgliederversammlung und der Vorstand auch - Or- gane des (Vereins-)Verbands und müssen daher eine Verankerung sowie eine Umschreibung ihrer Zuständigkeit in der Satzung aufweisen.19 Unterschiede gibt es dabei bei der Benennung dieser Gerichte.20
Genau wie bei Verbandsgerichten sind auch Verfahren echter Schiedsgerichte mit geringeren Kosten und weniger Zeitaufwand verbunden, als es bei ordentlichen Gerichten der Fall ist.21 Dennoch gibt es Unterschiede zwischen Verbands- und echten Schiedsgerichten. Während Verbandsgerichte - wie bereits erwähnt - Organe des Verbands sind, stellen echte Schiedsgerichte Einrichtungen außerhalb des Vereins dar.22 Diese sind private Gerichte, welche über zivilrechtliche Streitigkeiten entscheiden und von den Parteien entweder vertraglich oder - wie im Bereich des Sports üblich - satzungsgemäß vereinbart werden.23
Nach dem BGH werden Verbands- und (echte) Schiedsgerichte im Rahmen einer „sog. Ge- samtschau“ unterschieden. Satzungsmäßig berufene Schiedsgerichte sind danach nur dann als echte Schiedsgerichte anzuerkennen, wenn „Rechtstreitigkeiten unter Ausschluss des or- dentlichen Rechtsweges der Entscheidung durch eine unabhängige und unparteiliche Instanz unterworfen werden.“24
Bedeutung erlangt dieser Unterschied in der Behandlung durch ordentliche Gerichte.
Echte Schiedsgerichte stehen an Stelle von staatlichen Gerichten und stellen materielle Recht- sprechung dar. Daraus folgt, dass eine wirksam vereinbarte Schiedsgerichtsabrede in einem Prozess vor einem staatlichen Gericht die Möglichkeit zur Erhebung der Einrede des Schieds- vertrages gem. § 1032 Abs. 1 ZPO gibt und ein angerufenes ordentliches Gericht deshalb ver- pflichtet ist, die vor ihm erhobene Klage abzuweisen, wenn sich eine der Parteien auf diese Einrede beruft. Die sachliche Überprüfung eines Schiedsspruchs durch staatliche Gerichte ist mithin grundsätzlich ausgeschlossen25, da ein solcher die Wirkung eines rechtskräftigen ge- richtlichen Urteils hat (§ 1055 ZPO) und an die Stelle einer Entscheidung eines staatlichen Gerichts tritt.26
Entscheidungen der Verbandsgerichte dagegen sind durch staatliche Gerichte überprüfbar, wenngleich dies auch nur eingeschränkt der Fall ist, da sie als Entscheidungen der Verbände gelten und daher unter den Schutz von Art.9 GG fallen.27
Wie viele andere Sportverbände auch hat der Deutsche Fußball-Bund (DFB) von der Möglichkeit, eine eigene Gerichtsbarkeit zu organisieren, Gebrauch gemacht. Dabei wählte er einen zweistufigen Aufbau, wobei die Entscheidung eines Spruchkörpers immer der vollen Nachprüfbarkeit des nachfolgenden Spruchkörpers unterliegt. Die letztinstanzliche Entscheidung der Sportgerichtsbarkeit unterliegt wiederum der Kontrolle der vom DFB eingerichteten Schiedsgerichte. Diese stellen (echte) Schiedsgerichte iSd §§ 1025 ff. ZPO dar, weshalb ihre Entscheidungen grundsätzlich endgültigen Charakter haben.28
Die DFB-Sportgerichtsbarkeit orientiert sich dabei zunehmend an rechtsstaatlichen Grundsätzen, welche beim DFB im Wesentlichen in der eigenen Rechts- und Verfahrensordnung (RuVO) festgehalten sind.29 Dazu zählen unter anderem:
- Unparteilichkeit und Unabhängigkeit der Richter,
- rechtliches Gehör,
- Nachweis von Tatbestand, Rechtswidrigkeit und Verschulden und
- Zulassung von Vertretern, insbesondere Rechtsanwälten.30
Zu den Instrumenten der DFB-Sportgerichtsbarkeit zählen das Sportgericht, das Bundesgericht und der Kontrol lausschuss.
Das Sportgericht ist eines der beiden von der DFB-Satzung in § 38 als solches bezeichneten Rechtsorgane.
Es besteht aus einem Vorsitzenden, dessen Stellvertreter und insgesamt 29 Beisitzern.31 Der Vorsitzende und der stellvertretende Vorsitzende, welche beide die Befähigung zum Richteramt haben „müssen“32, werden vom DFB-Bundestag gewählt.33
Die Beisitzer hingegen „sollen“ die Befähigung zum Richteramt aufweisen.34 Die Liste der Beisitzer besteht aus sechs DFB-Beisitzern, fünf Ligaverbands-Beisitzern, jeweils drei Beisitzern für die 3.Liga, den Frauen- und Mädchenfußball und die Schiedsrichter. Außerdem gibt es noch fünf Jugend-Beisitzer und vier Fußball-Lehrer-Beisitzer.35
Gemäß § 39 Nr.3 und 4 kommt für die Entscheidung in mündlicher Verhandlung immer ein Dreiergespann zum Einsatz. Dieses setzt sich dann aus dem Vorsitzendem, einem der DFBBeisitzer und einem der Fachbeisitzer zusammen.
Benötigt werden diese zahlreichen Beisitzer jedoch selten, da die meisten Verfahren durch Einzelrichterentscheidungen des Vorsitzenden (bzw. seines Stellvertreters) oder nach § 39 Nr.5 durch einen der DFB-Beisitzer erledigt werden.36
Vorausgesetzt die erstinstanzliche Zuständigkeit des Bundesgerichts ist nicht begründet, entscheidet das Sportgericht in erster Instanz.37
§ 42 Nr. 2 a-g DFB-Satzung enthält eine Auflistung der Aufgaben des Sportgerichts. Dazu zählen insbesondere die Entscheidungen über Einsprüche gegen die Wertung von Bundesspie- len38 und die Rechtsprechung bei sportlichem Vergehen in und im Zusammenhang mit Bun- desspielen.39
Wie bereits erwähnt, orientiert sich die DFB-Sportgerichtsbarkeit zunehmend an rechtsstaatlichen Grundsätzen. Das Sportgericht des DFB ähnelt daher auch in seiner Struktur und Organisation den staatlichen Gerichten und richtet sich in seinen Verfahren nach der vom DFB erlassenen Rechts- und Verfahrensordnung (RuVO).40
Das Bundesgericht ist das zweite Rechtsorgan des DFB.41
Es besteht - ähnlich wie das Sportgericht - aus einem Vorsitzenden, dessen Stellvertreter und 28 Beisitzern.42 Gem. § 40 Nr.2 werden der Vorsitzende und der stellvertretende Vorsitzende vom Bundestag gewählt. Die Wahl bzw. Berufung der 28 Beisitzer richtet sich nach § 39 Nr.2.43 Mit Ausnahme von Fällen besonderer Bedeutung44 entscheidet auch das Bundesgericht in einer Dreierbesetzung.45
Zuständig ist das Bundesgericht in der Regel als Rechtsmittelinstanz insbesondere gegen Ent- scheidungen des Sportgerichts46 und gegen Entscheidungen der obersten Rechtsorgane der Mitgliedsverbände, soweit deren Entscheidungen für nachprüfbar erklärt worden sind und eine Verletzung von DFB-Recht behauptet wird.47 Außerdem entscheidet es teilweise in erster und letzter Instanz, insbesondere über die Rechtmäßigkeit der Entscheidungen eines Verwal- tungsorgans des DFB48 und über die Zuständigkeit eines DFB-Organs in Zweifelsfällen.49
Darüber hinaus entscheidet das Bundesgericht auch im Falle des Einspruchs des DFBKontrollausschusses gegen Entscheidungen eines Rechtsorgans der Mitgliedsverbände.50
Auch das Verfahren des Bundesgerichts richtet sich nach der RuVO und entspricht weitgehend dem Verfahren vor dem Sportgericht des DFB.
Besonderheiten des Verfahrens vor dem Bundesgericht sind in §§ 24-31 RuVO enthalten. Dazu zählen das Berufungs- (§§ 24 ff. RuVO) und das Beschwerdeverfahren (§§ 31-32 RuVO).
Der Kontrollausschuss ist anders - als das Sport- und das Bundesgericht - kein weisungsunabhängiges Rechtsorgan, sondern ein Verwaltungsorgan des DFB.51
1 Siehe hierzu: Bundesliga Report 2014, S. 3; unter: https://www.bundesliga.de/media/native/dokument/dt_DFL_BL_Wirtschaftssituation_2014_72dpi.pdf (zuletzt abgerufen am 14.4.2014).
2 http://www.bundesliga.de/de/liga/news/2013/dfl-praesentiert-bundesliga-report-2014-neunte-umsatzsteigerung- in-folge-auf-2-17-mrd--euro.php (zuletzt abgerufen am 14.4.2014)
3 MüKo-Reuter, §§ 21, 22 Rn. 1; Reichert, Rn. 1 ff.; Stöber, Rn. 7.
4 Reichert, Rn. 35 f.
5 Stöber, Rn. 69; Palandt-Ellenberger, § 21 Rn. 7.
6 Sögüt, S. 7.
7 Stöber, Rn. 71; Brete/Thomsen, SpuRt 2008, S. 11 (12); a.A. Reuter in MüKo, § 22 Rn. 44.
8 Reichert, Rn. 15; Stöber, Rn. 9.
9 Stöber, Rn. 15; Reichert, Rn. 45 f.
10 Sögüt, S. 8.
11 (Stand 2013): http://www.dfb.de/index.php?id=11015 (zuletzt abgerufen am 14.4.2014).
12 Eine Ausnahme hierzu stellt die Organisation in der Sportart Boxen dar. Hier gibt es keine zentrale Organisation, stattdessen gibt es eine große Anzahl von Verbänden, welche sich etwas missverständlich „Weltboxverbände“ nennen und jeweils eigene Weltmeistertitel vergeben. Im Laufe der Zeit haben sich vier Verbände als besonders einflussreich herausgestellt. Diese sind: WBA, WBC, IBF, WBO; vgl. dazu http://de.wikipedia.org/wiki/Boxen#Verb.C3.A4nde_.28Profiboxen.29 (zuletzt abgerufen am 14.4.2014).
13 Gack, S. 51 f.
14 Hilpert, Sportrechtsprechung, Teil 2 Kapitel 7 Rn. 134; PHBSportR-Pfister/Summerer, Teil 2 Rn. 280.
15 Vieweg, JuS 1983, 825 (826).
16 Sögüt, S. 8; PHBSportR-Summerer, Teil 2 Rn. 3.
17 Vieweg, JuS 1983, 825 (826); Gack, S. 55 f.
18 Sögüt, S. 14; Reichert, Rn. 3014 f.
19 Reichert, Rn. 3015 f.
20 PHBSportR-Pfister/Summerer, Teil 2 Rn. 276; Sögüt, S. 14; Reichert, Rn. 3016.
21 PHBSportR-Pfister/Summerer, Teil 2 Rn. 280.
22 Reichert, Rn. 3016.
23 Sögüt, S. 64.
24 BGH, NJW 2004, 2226 (2227)
25 Ausnahmsweise kann ein staatliches Gericht einen Schiedsspruch nach § 1059 Abs. 1ZPO dennoch aufheben, wenn die Voraussetzungen der §§ 1059 Abs. 2, 3 ZPO gegeben sind. Staatliche Gerichte können auf Antrag (§ 1060 ZPO) den Schiedsspruch auch für nicht vollstreckbar erklären.
26 Buchberger, S. 186; Reichert, Rn. 3450.
27 Monheim, S. 328.
28 Sögüt, S. 16.
29 Handbuch Fußball-Recht-Koch, S. 956 Rn. 64.
30 Hilpert, Sportrechtsprechung, Teil 2, Rn. 23 ff.; Handbuch Fußball-Recht-Koch, S. 956 Rn. 65 f.
31 § 39 Nr.1 DFB-Satzung.
32 § 38 Nr.2, S.2 DFB-Satzung.
33 § 39 Nr.2 Abs.1 DFB-Satzung.
34 § 38 Nr.2, S.3 DFB-Satzung.
35 Siehe § 39 Nr.3 Abs.2-8 DFB-Satzung, auch zum Auswahlverfahren.
36 Handbuch Fußball-Recht-Koch, S. 949 Rn. 51.
37 § 42 Nr.1 DFB-Satzung.
38 Das Sportgericht entscheidet über einen Einspruch gegen die Spielwertung in erster Instanz (§ 17 Nr.3 RuVO).
39 § 42 Nr.2 b) und c) DFB-Satzung.
40 Sögüt, S. 19
41 § 38 Nr.1 DFB-Satzung.
42 § 40 Nr.1 DFB-Satzung.
43 § 40 Nr.2 DFB-Satzung.
44 § 40 Nr.5 DFB-Satzung; in einem solchen besonderen Fall entscheidet das Bundesgericht mit einem Vorsitzenden und zwei DFB-Beisitzern und zwei Ligaverbands-Beisitzern.
45 § 40 Nr.3 und Nr.4 DFB-Satzung.
46 § 43 Nr.1 a) DFB-Satzung.
47 § 43 Nr.1 b) DFB-Satzung.
48 § 43 Nr.4 b) DFB-Satzung.
49 § 43 Nr.4 c) DFB-Satzung.
50 § 43 Nr. 2 DFB-Satzung.
51 Handbuch Fußball-Recht-Koch, S. 948 Rn. 49; Sögüt, S. 25.
9783656944713
9783656944720
v298296
überprüfung tatsachenentscheidungen regelverstößen verbandsgerichte fußball
Jakob Förtsch (Autor)
Fußball im Nationalsozialismus - Neuorganisation des Sports in der NS-Zeit und ihre Bedeutung für den DFB