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Timestamp: 2020-08-09 17:58:38
Document Index: 306013869

Matched Legal Cases: ['§ 37', '§ 39', '§ 44', '§ 44', '§ 44', '§ 44', '§ 44']

Der Schutz seltener und gefährdeter Arten ist ein wichtiges Handlungsfeld des Naturschutzes (Kapitel 5 im BNatSchG und LNatSchG) mit zum Teil großer Öffentlichkeitswirksamkeit. Der Artenschutz verfolgt dabei einen flächenbezogenen Ansatz: Arten werden dort geschützt, wo sie vorkommen, also nicht nur in speziellen Schutzgebieten. Der Artenschutz umfasst dabei gemäß § 37 Absatz 1 BNatSchG
Der allgemeine Schutz wild lebender Tiere und Pflanzen ist in § 39 BNatSchG festgelegt und umfasst dabei allgemeine Regelungen zum Schutz von Arten und ihren Lebensstätten (beispielsweise Verbot, Tiere mutwillig zu beunruhigen oder zu töten) und speziellere Regelungen wie Fristen für den Gehölzschnitt und die Mahd von Röhrichten.
Für die „besonders“ und die „streng“ geschützten Arten26 sind in § 44 BNatSchG mit den so genannten „Zugriffsverboten“ hohe Schutzstandards formuliert, die auch in spezieller Form (§ 44 Absatz 5 BNatSchG) bei Planungen und Vorhaben zu beachten sind. So sind hier in der Regel artenschutzrechtliche Prüfungen durchzuführen. Damit ist sicherzustellen, dass – gegebenenfalls durch Anpassung der Planung, durch Vermeidungsmaßnahmen und durch vorgezogene Ausgleichsmaßnahmen –Verstöße gegen die Zugriffsverbote unterbleiben.
Besondere Anforderungen ergeben sich aus den artenschutzrechtlichen Regelungen der Vogelschutzrichtlinie und der FFH-Richtlinie, die über §§ 44 ff BNatSchG umgesetzt sind. Diese Vorschriften schützen alle heimischen Vogelarten und die Arten des Anhanges IV der FFH-Richtlinie. Zum Vorkommen der Anhang IV-Arten im Planungsraum siehe Kapitel 2.1.6: Lebensräume und in den Erläuterungen, Kapitel 1.1: Lebensräume.
Die Zugriffsverbote für besonders oder streng geschützte Arten sind grundsätzlich anzuwenden, so dass viele Handlungen den Vorgaben angepasst werden müssen.
Ein Beispiel hierfür ist die Gewässerunterhaltung, bei der eine Vielzahl von besonders oder streng geschützten Arten betroffen sein kann wie beispielsweise Neunaugen, Fischarten wie Steinbeißer, Groppe oder Schlammpeitzger sowie Muscheln wie die vom Aussterben bedrohte Kleine Bachmuschel.
Das MELUND hat daher zusammen mit den WBV praktikable Vorgaben entwickelt, wie die öffentlich-rechtliche Verpflichtung der Gewässerunterhaltung artenschutzrechtskonform durchgeführt werden kann. Das Land stellt beispielsweise im Internet Hinweise zu Vorkommen relevanter Arten zur Verfügung und empfiehlt die Erstellung von Gewässerpflegeplänen, auch außerhalb von NSG, wo sie vielfach bereits verpflichtend zu erstellen sind. Außerdem wurde eine Broschüre mit „Empfehlungen für eine schonende und naturschutzgerechte Gewässerunterhaltung“ erstellt (MELUR, 2013). Beispiele für schonende Gewässerunterhaltung sind das nur abschnittsweise Krauten der Gewässer, die Stromstrichmahd oder die Schonung der Unterwasserböschung bei der Grundräumung. Im Rahmen einer Zielvereinbarung „Schonende Gewässerunterhaltung“ werden von den WBV das jeweilige Verbandsgebiet Unterhaltungskonzepte aufgestellt und für die naturschutzrelevanten Abschnitte bezüglich der schonenden Unterhaltung auch mit den Unteren Naturschutzbehörden abgestimmt.
Gemäß § 44 Absatz 4 BNatSchG gelten die Zugriffsverbote für die der guten fachlichen Praxis entsprechende land-, forst- und fischereiwirtschaftliche Bodennutzung nicht. Wenn jedoch in Anhang IV der FFH-Richtlinie aufgeführte Arten oder europäische Vogelarten betroffen sind, sind diese Wirtschaftszweige nur freigestellt, soweit sich der Erhaltungszustand der lokalen Population dieser Arten durch die Bewirtschaftung nicht verschlechtert. Wenn jedoch bei einer Verschlechterung Schutzmaßnahmen wie beispielsweise Gebietsschutz, Artenschutzprogramme oder vertragliche Vereinbarungen nicht ausreichen um negative Folgen zu verhindern, müssen gegebenenfalls Bewirtschaftungsvorgaben für die verursachenden Land-, Forst- oder Fischwirte erlassen werden. Um diese Wirtschaftszweige bei der Einhaltung dieser Vorschrift zu unterstützen und Bewirtschaftungsvorgaben im Sinne des § 44 Absatz 4 BNatSchG zu vermeiden, hat das Land unter anderem im Rahmen des Artenhilfsprogrammes einen Schwerpunkt auf Maßnahmen zum Schutz und zur Entwicklung der Vorkommen von europäischen Arten gelegt, deren Vorkommen sich in Schleswig-Holstein in einem schlechten Vom Land werden auch Maßnahmen gefördert, die speziell der Erhaltung und Wiedereinbürgerung ihren Beständen bedrohter Tier- und Pflanzenarten dienen, die in ihren Beständen gefährdet sind gefördert. Zur Umsetzung der Artenschutzverpflichtungen aus der FFH- und Vogelschutzrichtlinie werden Maßnahmen zum Schutz und zur Entwicklung gemeinschaftsrechtlich zu schützender Arten und ihre Lebensgrundlagen finanziert. Dieses gilt darüber hinaus für Arten, für die Schleswig-Holstein bundesweit eine besondere Verantwortung hat, auch wenn diese nicht unmittelbar gemeinschaftsrechtlich geschützt sind.
Für folgende Arten oder Artengruppen werden zurzeit in Schleswig-Holstein Artenhilfsprogramme durchgeführt:
Seehund und Kegelrobbe,
Die Aufgabe des Artenschutzes umfasst auch aktive Maßnahmen zur Erhaltung oder Verbesserung des Zustandes von Artvorkommen. Insbesondere für die europäischen Arten besteht die Verpflichtung aus der FFH- bzw. der Vogelschutzrichtlinie, einen günstigen Erhaltungszustand für die dort genannten Arten zu erreichen. Wie in Kapitel 2.1.6: Lebensräume und in den Erläuterungen Kapitel 1.1: Lebensräume dargestellt, sind für zahlreiche Arten noch erhebliche Schutzanstrengungen erforderlich.
Neben dem Lebensraumschutz - beispielsweise in Schutzgebieten oder durch den Vertragsnaturschutz - benötigen viele Arten zusätzliche, teils artspezifische Schutzmaßnahmen wie beispielsweise Schutz vor Prädatoren, Vermeidung von Störungen, Maßnahmen zum Lebensraumverbund (zum Beispiel Grünbrücken) oder Wiederansiedlungsmaßnahmen für ausbreitungsschwache Arten. Nicht für alle gefährdeten Arten ist die Dringlichkeit, Maßnahmen zu ergreifen, gleich hoch. Das „Artenhilfsprogramm Schleswig-Holstein“ (AHP – MLUR, 2008) führt auf, für welche Arten (-gruppen) die höchste Priorität besteht und welche Instrumente zum Schutz eingesetzt werden können. Neben dem Gefährdungsgrad spielt auch die Verantwortlichkeit Schleswig-Holsteins für die Erhaltung der jeweiligen Art in Deutschland oder Europa eine herausragende Rolle (Verantwortungsarten27).
Besondere Aufmerksamkeit ist bei Projekten des Landes (auch mit Hilfe der Artenagentur Schleswig-Holstein) oder Dritter auf die Arten des Anhanges IV der FFH-Richtlinie und Vogelarten, deren Bestände sich in einem ungünstigen Erhaltungszustand befinden, zu legen.
Das AHP richtet sich auch gezielt an Kooperationspartner, vor allem aus dem ehrenamtlichen Naturschutz. Es können vom Land im Rahmen des Artenschutzes zum Beispiel
Maßnahmen zur Erhaltung und Entwicklung vorhandener sowie zur Neuschaffung von Lebensräumen wildlebender Tier- und Pflanzenarten,
Ankauf von Maschinen und Geräten zur Durchführung von Maßnahmen und
Werkverträge zur Datenerfassung und organisatorischen Begleitung von Schutzmaßnahmen
Um besonders dringliche Artenschutzmaßnahmen voranzubringen, wurde im Jahr 2009 die vom Land Schleswig-Holstein finanzierte Artenagentur Schleswig-Holstein beim Deutschen Verband für Landschaftspflege (DVL) eingerichtet. Im Vordergrund steht die Initiierung und Unterstützung von Maßnahmen für Arten des Anhanges IV der FFH-Richtlinie oder für Vogelarten, deren Erhaltungszustand ungünstig ist, und die mit weniger als 50 Prozent ihres reproduktiven Vorkommens auf Flächen des Naturschutzes, vorkommen. Zudem werden mit hoher Priorität Maßnahmen für Verantwortungsarten initiiert, auch wenn diese nicht zu den europäischen Arten gehören, aber dennoch einen ungünstigen Erhaltungszustand aufweisen.
Positive Entwicklungen im Artenschutz
Bei zahlreichen Arten hat sich durch verschiedene Maßnahmen des Arten- und Lebensraumschutzes die Situation in den letzten Jahren deutlich verbessert.
Bei Kranich und Seeadler konnten sich die Bestände in den letzten Jahrzehnten durch Maßnahmen zum Lebensraumschutz sowie spezielle Artenschutzmaßnahmen wie beispielsweise die Einrichtung von Horstschutzzonen und Horstbewachung deutlich vergrößern. Während in den 1970er Jahren nur noch
wenige Brutpaare im südöstlichen Landesteil vorkamen, sind beide Arten inzwischen landesweit verbreitet und weisen stabile Bestände auf und werden nun nicht mehr in den Roten Listen Schleswig-Holsteins geführt.
Der Uhu, der in Schleswig-Holstein zwischenzeitlich ausgerottet war, wurde durch Auswilderungen in den Jahren 1981 bis 2002 wieder angesiedelt. Inzwischen hat sich im gesamten Land eine stabile Population dieser Art etabliert, deren Entwicklung durch regelmäßiges Monitoring dokumentiert wird. Der Uhu profitiert dabei offensichtlich sehr von der Kombination aus kleineren Wäldern und Feldgehölzen mit umliegendem Grünland und Gewässern, die ihm ausreichend Nahrung bieten. Ob sich der Landschaftswandel, hier insbesondere die Zunahme von Maisanbauflächen, auf den Bestand des Uhus negativ auswirkt, bleibt zu beobachten.
Der Schutz von Amphibien steht seit langem im Fokus des Artenschutzes, wobei ab dem Jahr 2000 die Maßnahmen zum Amphibienschutz stärker auf Schwerpunkträume seltener Arten und auf großflächigere Maßnahmen (beispielsweise Weidelandschaften) fokussiert sind. Bei allen Amphibienarten des Anhanges IV der FFH-Richtlinie konnte eine Stabilisierung der Bestände (zum Teil aber auf geringem Niveau) oder eine Ausweitung der Vorkommensgebiete und Bestände erreicht werden. Besonders positiv hat sich - im Gegensatz zum Bundestrend - der Laubfroschbestand entwickelt, der bei einer Neufassung der Roten Liste vermutlich nicht mehr als gefährdet eingestuft werden muss.
Der Löffler, der zu den Reihern zählt, ist ein „Neubürger“ in Schleswig-Holstein. Im Jahr 2002 kam es im Planungsraum zur ersten Brut auf Trischen. Mittlerweile hat sich ein stabiler Bestand etabliert. Der Löffler brütet hier in den Salzwiesen und sucht vor allem im Watt nach Nahrung. Die Besiedlung steht im Zusammenhang mit der starken Zunahme des Bestandes in den Niederlanden, von wo aus sich die Art über Niedersachsen nach Schleswig-Holstein ausbreitete. Neben der Störungsarmut ist der Schutz vor Prädatoren wichtig. Hierfür bietet Trischen günstige Voraussetzungen.
Trotz der genannten Erfolge besteht auch weiterhin großer Handlungsbedarf im Artenschutz, da sich weiterhin Bestände vieler Arten in einem ungünstigen Erhaltungszustand befinden. Von den in Schleswig-Holstein vorkommenden Arten des Anhanges IV FFH-Richtlinie befanden sich 2013 zahlreiche Arten in einem unzureichenden oder gar schlechten Erhaltungszustand (siehe Kapitel 2.1.6: Lebensräume, Kapitel 2.1.7: Schutzgebiete und -objekte sowie in den Erläuterungen, Kapitel 1.1: Lebensräume).
Die Roten Listen der Tier- und Pflanzenarten zeigen darüber hinaus auf, dass insbesondere Arten nährstoffarmer Lebensräume (sowohl der trockenen Lebensräume wie Heiden, als auch der feuchten Lebensräume wie Moore) gefährdet sind. Eine starke Gefährdung weisen auch viele Arten alter Wälder sowie naturnaher Küstenlebensräume auf. Für Letztere hat Schleswig-Holstein als Land zwischen den Meeren eine besondere Verantwortung.
Aus dieser Gefährdungsanalyse leiten sich zukünftige Schwerpunkte für den Arten- und Lebensraumschutz ab, die auch im AHP aufgegriffen werden sollen.
Beispiele für Artenschutzprojekte
In den letzten Jahren wurde eine Vielzahl von Projekten auf der Grundlage des AHP durch verschiedenste Akteure umgesetzt.
Um die verschiedenen Ansätze und das Spektrum der Maßnahmen zu dokumentieren, werden im Folgenden für den Planungsraum einige Beispiele dargestellt:
Ein Schwerpunkt im westlichen Teil des Planungsraumes stellen Maßnahmen zum Schutz von Wiesen- und Küstenvögeln dar. Zum Schutz der im Brutbestand stark rückläufigen Uferschnepfe, aber auch der Restvorkommen von Alpenstrandläufer und Kampfläufer wird seit 2012 durch die Stiftung Naturschutz mit verschiedenen Projektpartnern das Projekt LIFE-Limosa durchgeführt (siehe Kapitel 4.2.1: Projekte, Programme und Kooperationen). Projektgebiete im Planungsraum sind das Eiderästuar und die Speicherköge Nord und Süd an der Meldorfer Bucht. Die Projektflächen liegen überwiegend in Europäischen Vogelschutzgebieten und befinden sich im Eigentum der öffentlichen Hand. Geplant und umgesetzt werden Maßnahmen zur Verbesserung der Lebensräume der Zielarten, aber auch spezielle Maßnahmen zur Erhöhung des Bruterfolges. Neben den genannten Zielarten sollen weitere Wiesenvogelarten wie Kiebitz und Rotschenkel von den ergriffenen Maßnahmen profitieren.
Lachseeschwalbenprojekt
Eine Art, für die Schleswig-Holstein in Mitteleuropa eine besondere Verantwortung hat, ist die Lachseeschwalbe. Mit rund 30 Brutpaaren im Jahr 2013)befindet sich ihr einziges größeres Brutvorkommen im Neufelder Koog im Kreis Dithmarschen. Durch Prädation, Hochwasserereignisse und Störungen war der Bruterfolg jedoch zuletzt nur noch gering und die Population drohte zu erlöschen. Daher wurde ein Projekt zum Schutz der Lachseeschwalbe ins Leben gerufen, für das die Lokale Aktion Dithmarschen die Federführung übernahm. Wesentliche Elemente des Schutzprojektes sind:
Überwachung der Kolonie während der Brutzeit von Anfang Mai bis Anfang August, Besucherinformation und Besucherlenkung durch permanent anwesende Betreuer,
Vorbereitung von Rettungsmaßnahmen von Küken und Gelegen bei drohenden Überflutungen,
Monitoring der Kolonie,
Überwachen des Brutfortschritts und der Prädation,
Durchführung von Schutzmaßnahmen (zum Beispiel Anlage von Elektrozäunen),
Bruterfolgskontrolle, Beringung und Farbmarkierung der Jungvögel, Sammeln von Daten zur Populationsbiologie und
Sammeln von Daten zur Ernährungssituation und Nahrungsökologie, um gegebenenfalls habitatverbessernde Maßnahmen zu entwickeln.
Erste Erfolge des Projektes waren bereits 2014 auf Grund eines erhöhten Reproduktionserfolges erkennbar.
Die Rotbauchunke ist eine in Schleswig-Holstein vom Aussterben bedrohte Amphibienart und in den Anhängen II und IV der FFH-Richtlinie gelistet. Zur Erhaltung der verinselten Restbestände, zur (Wieder-) Besiedlung weiterer Bereiche und zur Verbindung der Teilpopulationen wurde durch die Stiftung Naturschutz das LIFE-Projekt „LIFE-Bombina“ durchgeführt (siehe Kapitel 4.2.1: Projekte, Programme und Kooperationen).
In einem ersten Schritt wurde der Verwandtschaftsgrad der Restvorkommen durch genetische Untersuchungen analysiert, um daraus Schlüsse über die Metapopulationsstruktur zu erhalten. Aus vorhandenen Populationen wurde Laich entnommen. Daraus wurden Rotbauchunken aufgezogen und in geeignete bisher unbesiedelte oder eigens hierfür hergestellte Gewässer eingebracht. Wesentlicher Bestandteil des Projektes, das in Zusammenarbeit mit anderen Ostseeanrainerstaaten durchgeführt wurde, waren Maßnahmen zur Optimierung der Gesamtlebensräume, die Schaffung geeigneter Habitatausstattungen und die Sicherstellung einer geeigneten Pflege der Lebensräume.
Projektgebiete im Planungsraum sind Fehmarn, Barkauer See (beide im Kreis Ostholstein) sowie Salemer Moor und Lankower Seeufer (beide im Kreis Herzogtum-Lauenburg).
Die Bestände der Rotbauchunke haben sich durch dieses Projekt im Planungsraum so deutlich erhöht, dass ein akutes Aussterberisiko derzeit nicht mehr gegeben ist. Von dem Projekt haben darüber hinaus auch andere (Amphibien-) Arten profitiert.
Beispiele zum Pflanzenartenschutz
In Schleswig-Holstein kommen nur wenige Pflanzenarten des Anhangs IV der FFH-Richtlinie vor. Für drei dieser Arten (Froschkraut, Kriechender Scheiberich und Schierlings-Wasserfenchel) wurden bzw. werden zurzeit durch die Artenagentur in Zusammenarbeit mit verschiedenen Partnern Maßnahmen zur Wiederansiedlung in geeigneten Gebieten geplant und umgesetzt und es wird ein Monitoring durchgeführt. Die wesentlichen Projektgebiete im Planungsraum sind
für den Kriechenden Scheiberich (Apium repens) die Eichholzniederung bei Heiligenhafen, Blomnath in der Gemeinde Seedorf, Harksheide und Barnitz,
für das Froschkraut (Luronium natans) in Itzstedt, Harksheide, Daldorf, Schmalfelder Au, Barnitz und Alt Mölln und
für den Schierlings-Wasserfenchel (Oenanthe conioides) gibt es eine Testpflanzung in Hohenhorst an der Elbe.
Weitere Wiederansiedlungsflächen werden zurzeit festgelegt.
Durch die Maßnahmen haben sich die Bestände der Pflanzenarten an verschiedenen Standorten etabliert. Die Begleituntersuchungen identifizierten verschiedene Faktoren für die erfolgreiche Wiederansiedlung, die auch die Realisierungschancen für weitere Wiederansiedlungen erhöhen.
Hauptinhalte des von der Lokalen Aktion „Bündnis Naturschutz in Dithmarschen“ durchgeführten Projektes sind die Optimierung des Habitatmanagements sowie die Verbesserung des Biotopverbundes für Schlingnatter und Zauneidechse entlang der Bahntrasse Hamburg – Westerland/ Sylt im Kreis Dithmarschen. Das Projekt wurde in zwei (Jahres-) Schritten durchgeführt. Im Sommer/ Herbst 2009 wurde in ausgewählten Gebieten eine Erfassung der Reptilien durchgeführt, da Vorkommen der Schlingnatter sowie der Zauneidechse auf Grund der Habitateigenschaften sowie der lokalen Verbreitung der Arten vermutet wurden, jedoch noch nicht bekannt waren. In einem zweiten Projektschritt konnten auf Basis der Untersuchungsergebnisse im Frühjahr 2011 in zwei ausgewählten Gebieten Schutzmaßnahmen umgesetzt werden.
Die Artenhilfsmaßnahmen schaffen im Hinblick auf die Lebensraumansprüche der Zielarten ein Mosaik aus unterschiedlichen Vegetationsbeständen und kleineren Offenbodenstellen (unter anderem Eiablageplätze für die Zauneidechse). In Abhängigkeit der Beschaffenheit der Gebiete (Geländeoberfläche, Gehölzaufkommen, Vergrasung, noch vorhandene Heidebestände) sind jeweils unterschiedliche Einzelmaßnahmen vorgesehen.
Grüne Mosaikjungfer, Projekt der Lokalen Aktion „Bündnis Naturschutz in Dithmarschen“ mit der Stiftung Naturschutz
Die im Anhang IV der FFH-Richtlinie gelistete Grüne Mosaikjungfer (Aeshna viridis) ist in Schleswig-Holstein stark gefährdet. Ihre Eier legen die Weibchen fast ausschließlich an der Krebsschere (Stratiotes aloides), einer Wasserpflanze, ab. Die anhaltend negative Bestandsentwicklung der Libellenart ist eng mit dem massiven Rückgang der Krebsschere verbunden. In den rund 50 der früher bekannten Standorten in Gewässern im Niederungsbereich der Miele, der Frestedter Au und der Holstenau, die im Rahmen des Artenhilfsprojektes überprüft wurden, konnte die Krebsschere nur noch in einem Gewässerkomplex der Stiftung Naturschutz, nördlich von Odderade, festgestellt werden. Dort hat die Krebsschere in zwei Gewässern mit jeweils rund 1000 Exemplaren eine nahezu geschlossene Pflanzendecke gebildet. Anderenorts sind die Bedingungen für die Krebsschere durch ein Nährstoffüberangebot und häufige Grundräumung der Gewässer schlecht. Zudem wird sie gerne von Bisamratten gefressen, deren Bestände in den letzten Jahrzehnten stark zugenommen haben.
Auf Flächen der Stiftung Naturschutz konnten drei weitere geeignete Gewässer zur Wiederbesiedlung ausgemacht werden. Im Herbst, noch bevor die Rosetten der Pflanze auf den Gewässergrund sinken, um mit ihrer Winterknospe auf das Frühjahr zu warten, wurden rund 120 Pflanzen auf Stiftungsflächen im Fieler Moor, Frestedter Moor und in der Windbergener Niederung umgesetzt. Fachlich begleitet wird das Projekt vom DVL und der Faunistisch-Ökologischen Arbeitsgemeinschaft (FÖAG). Die Mittel stellt das MELUND aus dem Artenhilfsprogramm bereit.
Die Landschaft des Planungsraumes zeichnet sich durch unterschiedliche und vielfältig ausgestattete Naturräume aus. Typische Elemente sind die großen Laubwaldbereiche im Osten des Planungsraumes, die zahlreichen Seen im Ostholsteinischen Hügelland oder die bewegten Landschaftsformen um den Bungsberg. Die weiten, mit Gräben durchzogenen Marschlandschaften, die Eichenmischwälder auf den sandigen Böden der Geest, das UNESCO-Weltnaturerbe Wattenmeer sowie die Förden und Küsten der Ostsee stellen herausragende Erlebnis- und Erholungsräume für den Menschen dar.
Naturerleben ist grundsätzlich überall möglich - im eigenen Garten, im öffentlichen Park, auf einer brachliegenden Fläche am Ortsrand, bei Spaziergängen durch die Landschaft oder am Strand. Besondere Naturerlebnisse bieten der Nationalpark Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer, die Biosphärenreservate Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer und Halligen sowie die Flusslandschaft Elbe, die sechs Naturparke sowie die zahlreichen NSG. Hinzu kommen Flächen der Stiftung Naturschutz, die ausdrücklich zum Naturerleben einladen.
Im Folgenden soll nicht auf einzelne Schutzgebiete eingegangen werden, in denen Naturerleben möglich ist. Vielmehr werden Orte des Naturerlebens vorgestellt, die sich durch besondere Infrastruktur und dauerhafte Angebote auszeichnen und explizit darauf ausgerichtet sind, ihren Besuchern besondere Naturerlebnisse zu ermöglichen.
So haben sich die sechs Naturparke Schleswig-Holsteins
Lauenburgische Seen (rund 240 km2),
Holsteinische Schweiz (rund 750 km2),
Westensee (rund 250 km²),
Aukrug (rund 380 km²),
Hüttener Berge (rund 220 km2) sowie
Schlei (rund 500 km2)
als zentrales Ziel die Verbindung vom Schutz und der Nutzung von Natur und Landschaft gesetzt. Sie schützen, erhalten und pflegen wertvolle Lebensräume, treten als Vermittler zwischen Naturschutz und Landnutzern auf und setzen sich insbesondere auch für einen naturverträglichen Tourismus ein. Sie sind somit ein ideales Instrument für die Umsetzung der auf europäischer und nationaler Ebene geforderten integrierten und nachhaltigen Entwicklung des ländlichen Raums. Naturparke leisten als großflächige Erholungsgebiete einen wichtigen Beitrag zur Identität, zum Erhalt und zur Entwicklung der Region. Alle sechs Naturparke besitzen nicht nur umfangreiche Wander-, Fahrrad-, Reit- und Wasserwanderwege sondern bieten spezielle Naturerlebnisangebote. Grundlage eines jeden Naturparkes ist der dazugehörige Naturparkplan. Die Naturparkpläne enthalten Informationen über die Größe, Lage und Ausstattung sowie geplante Maßnahmen, Ziele und Leitbilder. Im Planungsraum befinden sich die Naturparke „Lauenburgische Seen“ und „Holsteinische Schweiz“ und Teile des Naturparks Aukrug.
Ziel des Naturparkes ist es, die Landschaft so zu schützen, zu pflegen und zu entwickeln, dass sie sowohl den Anforderungen der landschaftsgebundenen Erholung als auch den Belangen des Naturschutzes sowie dem Erhalt der Kulturlandschaft gerecht wird.
Mit seiner hervorragenden Naturausstattung und landschaftlichen Schönheit eignet sich der Naturpark Lauenburgische Seen in besonderer Weise für den nachhaltigen Tourismus. Der Naturpark zeichnet sich durch ein hervorragendes Naturraumpotenzial aus. Wälder und ausgedehnte Waldwiesen, extensiv genutzte Niederungen, naturnahe Gewässer, wie die Westseite des Schaalsees und idyllische ländliche Siedlungen bieten viel Raum für die Erholung. Besonders die Übergangsstellen zwischen den verschiedenen Biotoptypen stellen wichtige, reizvolle Zonen für naturbezogene Aktivitäten dar. Sie bieten Blickbezüge in die Umgebung, Windschutz, Besonnung und kleinräumig unterschiedliche Naturraumerlebnisse.
Das Naturparkzentrum Uhlenkolk in Mölln ist die zertifizierte Bildungseinrichtung des Naturparks Lauenburgische Seen. Hier werden Naturerlebnis, Naturbildung bzw. Bildung für nachhaltige Entwicklung und Naturschutz unter einem Dach vereint. Zum Naturparkzentrum gehören als feste Installationen der Wildpark und der Naturerlebnisraum Waldlandschaft Möllner Seen mit seinem Naturerlebnispfad. Auch die Integrierte Station Lauenburgische Landschaften befindet sich in unmittelbarer räumlicher Nähe.
Auf über 20 Hektar können heimische Wildtierarten beobachtet und die Natur der Lauenburgischen Seenlandschaft hautnah erlebt werden. So erfahren Besucherinnen und Besucher auf dem ausgebauten Naturerlebnispfad beispielsweise, warum Totholz eine herausragende ökologische Bedeutung hat oder wie der Wald den Boden prägt.
Das Naturparkzentrum bietet eine interaktive Ausstellung für verschiedene Alters- und Interessengruppen. Daneben stehen ein moderner Seminarraum, eine Köhlerhütte und der Rundling mit seinen Holzhütten für verschiedene Aktionen zur Verfügung.
Das Naturparkzentrum bietet außerdem eine Vielzahl von Aktivitäten, von interaktiven Workshops und spannenden Vorträgen über lehrreiche Wanderungen bis hin zu abenteuerliche Exkursionen an. Zahlreiche Aktionen, wie beispielsweise Walddetektivtage, der Naturerlebnistag, die Fledermausnacht, Pilzwanderungen und -seminare, Erzählernachmittage in der Köhlerhütte sowie ganze Programmgestaltungen von „Wildnisklassenfahrten“ und „Outdoorferiencamps“, runden das Angebot des Naturparkzentrums ab.
Der Naturpark Holsteinische Schweiz hebt sich durch seine charakteristische Kulturlandschaft, die vielfältige Flora und Fauna, die reizvollen Naturerlebnisangebote sowie die umfangreiche Erholungsinfrastruktur von anderen Regionen ab. Das Vorkommen so genannter „Flaggschiffarten“ wie beispielsweise Seeadler, Kranich, Eisvogel, Moorfrosch und Fischotter macht den Aufenthalt schnell zu einem unvergesslichen Erlebnis. Vielfältige, von naturnahen Gewässern, sanften Hügeln und ehemaligen Gutshöfen geprägte Kulturlandschaften definieren den Naturpark.
In enger Zusammenarbeit mit Partnern aus der Region verbindet der Naturpark den Schutz dieser charakteristischen Landschaft mit einer naturverträglichen und zugleich wirtschaftlich tragfähigen Nutzung für Tourismus und Erholung und demnach einer nachhaltigen Entwicklung der gesamten Region.
Im Mittelpunkt der Arbeit steht die Entwicklung einer touristischen Infrastruktur, die die natürlichen, landschaftlichen und kulturellen Besonderheiten der Holsteinischen Schweiz auf verträgliche Art und Weise erlebbar macht. Ein umfangreiches Wanderwegenetz, ausgeschilderte Radwege sowie abwechslungsreiche Angebote, die Gewässer im Rahmen von Kanu-, Boots- oder Segeltouren zu erkunden, bieten vielfältige Möglichkeiten, die Natur zu erleben.
Neben dieser touristischen Infrastruktur betreibt der Naturpark Holsteinische Schweiz ganzjährig eine Informationsstelle, das Naturparkhaus „Uhrenhaus“ in Plön mit einer interaktiven Ausstellung zu Natur, Kultur und Landschaft in der Region. Des Weiteren sind, insbesondere an den größeren Seen mehrere Natur- und Erlebnis-Lehrpfade errichtet worden, die über Tiere, Pflanzen und Lebensräume informieren. Der Naturparkverein Holsteinische Schweiz ernennt jedes Jahr ein Naturparktier des Jahres. Ausgewählt werden Tiere, die in der von Wäldern, Seen und Hügeln geprägten Landschaft des Naturparks heimisch sind.
Der rund 380 km² umfassende Naturpark Aukrug bietet dem Besucher mit seiner eiszeitlich geprägten Landschaft ein besonders abwechslungsreiches Landschaftsbild aus sanften Hügeln, weiten Talräumen und naturnahen Wäldern.
Diese Landschaft entstand bereits vor rund 130.000 Jahren in der vorletzten Eiszeit. Die vielen Auen, welche die sanft hügelige mittelholsteinische Landschaft durchziehen sind namensgebend für den Naturpark. In enger Zusammenarbeit mit der Lokalen Aktion Naturschutzring Aukrug e.V. sollen schwerpunktmäßig Natur- und Artenschutzmaßnahmen umgesetzt werden. Zahlreiche Erholungseinrichtungen wie Wanderwege, Schutzhütten, Spielplätze und Radwege sowie Reit- und Fahrwege bieten vielfältige Möglichkeiten zur naturverträglichen Erholung. Der Naturpark ist zudem Vorreiter in der Nutzung moderner Medien zur Besucherinformation und zum Naturerlebnis. So wurde 2016 eine Smartphone-App veröffentlicht, die die Besucherinnen und Besucher durch den Naturpark führt und mit umfangreichen Informationen versorgt. Die Angebote im Bereich Naturerlebnis und Umweltbildung sollen auch zukünftig verstärkt ausgebaut werden.
Der Boxberg (im Planungsraum II) ist einer der Besuchermagnete im Naturpark. Hier finden sich neben einem Ausflugsrestaurant und dem beeindruckenden Ausblick vom Boxberg, eine Vielzahl weiterer Naturerlebnisattraktionen, insbesondere für Familien mit Kindern. Ein Walderlebnispfad vermittelt Kindern spielerisch Wissenswertes zu den Themen Wald und heimische Wildtiere. Zudem bietet der in den Jahren 2016/ 2017 neu gestaltete Naturerlebnisspielraum am Fuße des Boxberges eine vielseitige Erlebniswelt für Kinder aller Altersstufen. Informationstafeln vermitteln Besucherinnen und Besuchern den besonderen Wert der Heideflächen des Boxberges sowie der angrenzenden Waldflächen als Lebensraum für seltene und gefährdete Pflanzen- und Tierarten. Vom Boxberg aus starten mehrere Wanderungen durch den Naturpark Aukrug, die mit der Naturpark-Aukrug-App auf eigene Faust erkundet und erlebt werden können.
Naturerlebnisräume sollen den Besucherinnen und Besuchern ermöglichen, Natur, Naturzusammenhänge und den unmittelbaren Einfluss des Menschen auf die Natur zu erfahren. Die zahlreichen Naturerlebnisräume, die sich auf das ganze Land verteilen, bieten die Gelegenheit, Besucherinnen und Besuchern Wissen über Natur und Umwelt zu vermitteln und dieses mit bleibenden Naturerlebnissen zu verbinden. Die derzeit 66 Naturerlebnisräume Schleswig-Holsteins sind neben den Naturparken die wichtigsten Anlaufstellen für alle Belange rund um das Naturerleben. Eine Übersicht über die Naturerlebnisräume der jeweiligen Planungsräume ist den Erläuterungen, Kapitel 1.9: Naturerlebnisräume zu entnehmen.
Naturerleben im UNESCO-Weltnaturerbe und Nationalpark Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer
Seit Jahrzehnten setzen sich Naturschutzorganisationen für den Schutz des Wattenmeeres ein. Sie unterstützen die Nationalparkverwaltung durch Schutzgebietsbetreuung vor Ort und durch Lobbyarbeit als Naturschutzverband. Zahlreiche Stationen an der Westküste von Schleswig-Holstein bieten ganzjährig ein breites Spektrum an Naturerlebnisveranstaltungen wie Wattwanderungen, Vogelführungen, Strand- und Dünenexkursionen oder Seetierfangfahrten.
Die hohen Gästezahlen und zahlreichen Zugangsmöglichkeiten des Nationalparks Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer erfordern einen hohen Informations- und Lenkungsaufwand in der Fläche. Seit 1996 wird in enger Abstimmung mit den Gemeinden an der Westküste flächendeckend ein Besucherinformationssystem (BIS) umgesetzt. An vielen „Eingangstoren“ zum Nationalpark informieren Infotafeln und Naturpfade die Gäste über die Naturschönheiten des Nationalparkes.
Im Planungsraum wurden des Weiteren Informationseinrichtungen an touristischen Schwerpunktbereichen, beispielsweise in Büsum, Meldorf, oder Friedrichskoog eingerichtet. Etwa eine Million Besucherinnen und Besucher nutzen diese Informationsangebote im Jahr.
Weitere Schwerpunkträume und -einrichtungen des Naturerlebens im Planungsraum
Im Planungsraum ist darüber hinaus eine Vielzahl weiterer Angebote zum Naturerleben zu finden. An dieser Stelle werden stellvertretend ausgewählte Naturerlebnisangebote des Planungsraumes vorgestellt.
Haus der Wilden Weiden Höltigbaum
Im Haus der Wilden Weiden Höltigbaum werden Naturschutz und Umweltbildung unter einem Dach vereint. Trägerin ist die Stiftung Natur im Norden. Die Einrichtung bietet eine interaktive Ausstellung zu der Natur vor Ort. Zudem können Weidetiere in einem fünf Hektar großen Schaugehege erlebt werden. Dort übernehmen Bentheimer Landschafe zusammen mit Schottischen Hochlandrindern und Galloway-Rindern die Weidepflege. Rund um das Haus der Wilden Weiden erstreckt sich ein ehemaliger Truppenübungsplatz, der auf Wanderwegen erforscht werden kann. Das weitläufige Gelände lädt zu Naturbeobachtung und -erleben ein. Das Haus der Wilden Weiden zeichnet sich insbesondere durch ein umfangreiches Veranstaltungsprogramm zu den Themen Naturerleben sowie Natur- und Umweltbildung aus. Zehn qualifizierte Naturpädagogen bieten ein spannendes Programm für Schulklassen, Kindergärten und Erwachsene.
Als außerschulische „Bildungseinrichtung für Nachhaltigkeit“ biete das Umwelthaus vorwiegend auf Grundschulklassen ausgerichtete Programme an, die das kindliche Interesse für die Besonderheiten der heimischen Flora und Fauna, aber auch die Schutzwürdigkeit der Umwelt wecken sollen. Während der Sommermonate finden auch für andere Besucher abwechslungsreiche Aktivitäten in der Natur statt, um bei Touristen und Einheimischen Kenntnisse und Erlebnisse zu Arten und Lebensräumen der näheren Umgebung zu vermitteln. Weiterhin wird hier über das EU-Projekt „UNDINE“ die Entwicklung naturverträglicher touristischer Produkte auf Grundlage der schützenswerten Unterwasserwelt der Ostsee gefördert.
Der Erlebniswald Trappenkamp bildet das pädagogische Wald-Zentrum des Landes Schleswig-Holstein. Auf dem über 200 Hektar großen Gelände der Schleswig-Holsteinischen Landesforsten laden Naturspielräume zum Entdecken und Erleben der Natur ein. Ausgedehnte Waldwege erschließen das Gelände. Verschiedene Erlebniswelten wie das Wildtiergehege, die Wald-Wasser-Welt, der Bodenerlebnispfad und der Schmetterlingsgarten bieten abwechslungsreiche Attraktionen. Mit einem umfangreichen Veranstaltungsprogramm - von Waldfesten, Wildschweinfütterung bis hin zu speziellen waldpädagogischen Angeboten - kann man hier ganzjährig den Gleichklang von Ökologie, Ökonomie und Sozialem erleben.
Der privat geführte Wildtierpark am Nordrand des Segeberger Forstes umfasst eine Fläche von 67 Hektar, auf der über 100 verschieden Tierarten zu beobachten sind. Der Park liegt am Nordrand des Segeberger Forstes zwischen Bad Bramstedt und Bad Segeberg. Der Wildpark Eekholt zeigt Wildtiere in ihrer natürlichen Umgebung. Die Tiere werden in großzügigen Gehegen gehalten, die sich in die Landschaft einfügen, so dass das Gefühl aufkommt, in der freien Natur zu stehen.
Seit seiner Gründung im Jahre 1970 wurde der Wildpark kontinuierlich zu einer Naturerlebnis- und Bildungsstätte weiterentwickelt. Diese hat sich zur Aufgabe gemacht, mit Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen die Schönheit und Vielfalt der Natur zu entdecken und sie auf diesem Wege nachhaltig für die Umwelt zu sensibilisieren. Die Landesregierung Schleswig-Holstein hat die geleistete Arbeit 1999 mit der Anerkennung als "Regionales Pädagogisches Umweltzentrum" gewürdigt. Im August 2007 wurde die Naturerlebnisstätte Wildpark Eekholt dann als „Bildungspartner für Nachhaltigkeit“ anerkannt. Sie zeichnet sich insbesondere durch ein besonders umfangreiches Veranstaltungsprogramm zu den Themenreichen Naturerleben sowie Natur- und Umweltbildung aus. Zudem ist der Wildpark Eekholt als Wolfsinformationszentrum des Landes Schleswig-Holstein zentraler Ansprechpartner bei Fragen rund um den Wolf.
In dem rund 40 Hektar großen Freigelände des Steinzeitparks Dithmarschen in Albersdorf können Besucherinnen und Besucher das Leben der Menschen vor 3.000 Jahren hautnah nachempfinden. In dem zum Archäologisch-Ökologisches Zentrum Albersdorf gehörenden Park wurde die urgeschichtliche Kulturlandschaft im Allgemeinen aber auch ein „Steinzeitdorf“ rekonstruiert. Hier können sich die Besucherinnen und Besucher im Flintschlagen, Bogenschießen und Feuermachen versuchen. Ein Übernachtungsplatz des Wilden Schleswig-Holsteins befindet sich in unmittelbarer Nähe. Der Steinzeitpark bietet eine Vielzahl an Veranstaltungen zu kulturhistorischen und naturpädagogischen Themen.
Ziel des Wasservogelreservates Wallnau ist es, ökologische, gesellschaftliche und wirtschaftliche Zusammenhänge am Beispiel des Vogelschutzes zu vermitteln. Durch Schutz, Pflege und Entwicklung verschiedener Lebensräume sichert der NABU die Vielfalt der Pflanzen- und Tierarten des Reservates. Im Rahmen einer Erlebnisausstellung und eines Naturpfades wird den Besucherinnen und Besuchern ein ganzheitliches Naturerlebnis vermittelt. Insbesondere der Vogelzug kann im Südwesten der Insel Fehmarn beobachtet werden. Das NABU Wasservogelreservat Wallnau bietet zu diesem Zweck Beobachtungsverstecke, die so genannten „Hides“ an, von denen aus seltene und gefährdete Vogelarten in ihrem natürlichen Lebensraum beobachtet werden können. Zudem gibt es eine Kormoran-Webcam, mit deren Aufnahmen Besucherinnen und Besucher in das Leben dieser Art eintauchen können. Als zertifizierter Bildungspartner des Aktionsprogrammes „Bildung für nachhaltige Entwicklung“ bietet das NABU Wasservogelreservat Wallnau ein umfangreiches Veranstaltungsprogramm, beispielsweise für Schulklassen oder aber auch private Geburtstagsfeiern.
Naturschutzstation Dummersdorfer Ufer und Naturwerkstatt Priwall
Der Schutz und die Entwicklung des NSG „Dummersdorfer Ufer" sowie die Wiederherstellung des Seevogelschutzgebietes auf dem Priwall sind die Kernanliegen der Arbeit des Landschaftspflegevereines Dummersdorfer Ufer e.V.. Um dieses Ziel zu erreichen, wurde eine mehrgleisige Strategie entwickelt, welche neben dem wissenschaftlichem Monitoring und der Schutzgebietsbetreuung insbesondere Öffentlichkeitsarbeit und Umweltbildung umfasst. Die Naturschutzstation ist nicht nur Standort zweier Mutterschafherden mit insgesamt rund 1000 Tieren, die die Trockenrasen am Dummersdorfer Ufer, in der Grönauer Heide sowie in den Graudünen bei Barendorf offenhalten - in unmittelbarer Nähe befindet sich auch der Naturerlebnisraum „Schafberg Dummersdorf" als Stützpunkt des Naturkindergartens und Standort der Ökopädagogik.
Die Naturschutzstation bietet insbesondere Familien und Kindergarten- oder Grundschulklassen vielfältige Möglichkeiten, Natur zu erleben. Im Bereich der Umweltbildung steht den Besucherinnen und Besuchern ein breites Angebot zur Verfügung. So kann man beispielsweise Brot im Lehmbackofen backen und dabei den Weg vom Korn zum Brot nacherleben oder in den Biotopen die spannende Welt der Wasserbewohner mit dem Kescher erkunden.
Die Naturwerkstatt Priwall bietet Möglichkeiten zum aktiven, ökologischen Engagement. Ziel ist es, dass der Priwall als eines der ältesten Vogelschutzgebiete an der deutschen Ostseeküste wieder zu einem Küstenvogelrefugium wird. Neben dem aktiven Naturschutz eröffnet die Naturwerkstatt Besucherinnen und Besuchern Einblicke in die faszinierende Welt der natürlichen Übergangsbereiche zwischen Land und Meer. Dazu werden Naturerlebnisführungen im NSG und den Priwalldünen sowie Bootsexkursionen zur Seeschwalbeninsel in der Pötenitzer Wiek angeboten. In den nächsten Jahren wird eine interaktive Ausstellung aufgebaut und das Umwelt- und Naturbildungsangebot soll ausgebaut werden.
Bis 1990 teilte die innerdeutsche Grenze die Landschaft um den namengebenden Schaalsee. Da der See sowohl in Schleswig-Holstein als auch in Mecklenburg-Vorpommern liegt, profitierte die Natur jahrzehntelang von der besonderen innerdeutschen Grenzsituation und konnte sich nahezu unberührt entwickeln.
Die Westseite des Schaalsees in Schleswig-Holstein wurde bereits 1960 als Naturpark „Lauenburgische Seen“ ausgewiesen. Das heutige Biosphärenreservat Schaalsee in Mecklenburg-Vorpommern wurde im Jahr 2000 durch die UNESCO als internationales UNESCO-Biosphärenreservat anerkannt. Das abwechslungsreiche Ufer und die vielfältige Landschaft der Umgebung mit einem ausgeprägten Geländerelief geben dem Schaalseegebiet seine besondere ökologische Bedeutung.
Das Schaalseegebiet wurde 1992 durch das BMUB in das nationale Förderprogramm „Errichtung und Sicherung schutzwürdiger Teile von Natur und Landschaft mit gesamtstaatlich repräsentativer Bedeutung“ aufgenommen. Das Projekt gehört innerhalb der vom BMUB geförderten Naturschutzgroßprojekte mit einer Fläche von 335 km² und einem Kerngebiet von 147 km² zu den fünf größten Projekten dieser Art in Deutschland. Der zweite Förderzeitraum endete 2009. Der Zweckverband „Schaalsee-Landschaft“, dem die Landkreise Ludwigslust und Nordwestmecklenburg in Mecklenburg-Vorpommern, der Kreis Herzogtum Lauenburg in Schleswig-Holstein sowie die Umweltstiftung WWF Deutschland angehören, hat die Trägerschaft für dieses Naturschutzgroßprojekt des Bundes übernommen.
Das Pahlhuus ist das Informationszentrum und gleichzeitig der Sitz des Biosphärenreservatsamtes „Schaalsee-Elbe“ in Mecklenburg-Vorpommern. In dem modernen Infozentrum können sich Besucherinnen und Besucher über die Naturausstattung der grenzüberschreitenden Schaalsee-Landschaft und über touristische Angebote in diesem Gebiet informieren. Highlights der Natur- und Erlebnisausstellung sind der „Tunnel des Lebens“, ein digitales Bilderbuch und ein visueller Tauchgang im Schaalsee. Das Pahlhuus bietet ein umfangreiches Umweltbildungsangebot sowie interessante Wanderungen und bezieht auch den schleswig-holsteinischen Teil des Gebietes mit ein. Von vielen Besuchern der Region wird die Schaalsee-Landschaft als Einheit empfunden und die Lage zum Beispiel des Schaalsses in zwei unterschiedlichen Bundesländern nicht wahrgenommen.
In der Abbildung 46: Natur erleben sind die im Planungsraum liegenden Naturparke, Naturerlebnisräume, Integrierte Stationen sowie besondere Informationszentren des Naturschutzes dargestellt (siehe Kapitel 4.2.1: Projekte, Programme und Kooperationen).
Leitlinie des Bodenschutzes ist eine nachhaltige, umweltverträgliche Bodennutzung. Hierbei sollen die mit den Nutzungen verbundenen Belastungen des Bodens nicht zu einer dauerhaften Einschränkung der Grundfunktionen der Böden führen und spätere Nutzungsänderungen möglich bleiben.
Böden mit besonderer Bedeutung für den Natur- und Wasserhaushalt sowie für die landwirtschaftliche Nutzung sollen möglichst nicht in Anspruch genommen werden. Zur Einstufung der Böden ist die Bodenfunktionsbewertung heranzuziehen. So geben die im Erläuterungsband unter Kapitel 2.2.1: Bodenfunktionen dargelegten Ausführungen zu den einzelnen Bewertungskarten geben Auskunft über die Bedeutung des bewerteten Kriteriums im Hinblick auf die jeweilige Bodenteilfunktion und erläutern regionale Ausprägungen der Böden.
Die Bewirtschaftung im Bereich der durch Winderosion gefährdeten Böden (siehe auch Abbildung 3: Winderosionsgefährdung im Erläuterungsband), der ackerbaulich genutzten Moorstandorte sowie der durch Wassererosion gefährdeten Standorte (siehe auch Abbildung 4: Wassererosionsgefährdung im Erläuterungsband), die vor allem in der Jungmoränenlandschaft vorkommen, soll entsprechend angepasst erfolgen. Nähere Ausführungen zum Prozess der Bodenerosion, zur Verbreitung wind- und wassererosionsgefährdeter Böden und zu Maßnahmen zur Vermeidung von Bodenerosion bei der landwirtschaftlichen Bodennutzung sind Kapitel 2.1.1 und Kapitel 2.1 im Erläuterungsband sowie in den Kapiteln zur landwirtschaftlichen Bodennutzung enthalten.
Abbildung 47: Verdichtungsempfindlichkeit der Böden zeigt im Planungsraum Gebiete mit (sehr) stark verdichtungsempfindlichen Böden. In dieser Karte wird deutlich, dass neben der Bodenart auch die Bodenfeuchte, die sowohl von den Niederschlägen, als auch von der Bodennutzung abhängt, eine herausragende Rolle bei der Empfindlichkeit von Böden gegenüber Verdichtungen spielt. Im Allgemeinen ist die Verdichtungsempfindlichkeit im Sommer eine Stufe geringer als im Winter. In der Übergangszeit, das heißt im zeitigen Frühjahr und im späten Herbst ist in der Regel von einer den Winterverhältnissen ähnlichen Verdichtungsempfindlichkeit auszugehen. Zusätzlich fallen im Norden Schleswig-Holsteins tendenziell höhere Niederschläge als im Süden, so dass die Verdichtungsempfindlichkeit in vergleichbaren Landschaften im Norden etwas höher ist als im Süden. Insbesondere bei Infrastrukturmaßnahmen im Außenbereich - wie beispielsweise der Errichtung von Stromleitungstrassen aber auch bei der Ernte von späträumenden Früchten mit schweren Maschinen - kann es zu Bodenschäden durch das Befahren mit schweren Maschinen oder Fahrzeugen kommen. Die dadurch erzeugten Bodenverdichtungen sind oft nur schwer oder gar nicht zu beheben. Zur Verminderung derartiger Bodenbelastungen sind insbesondere auf empfindlichen Böden geeignete Maßnahmen, wie das Auslegen von Lastverteilungsplatten oder die Anlage von Baustraßen zu ergreifen.
Weitere Erläuterungen zur Bodenverdichtung bzw. zu den verdichtungsgefährdeten Böden sind dem Kapitel 2.1.1: Böden zu entnehmen. Kapitel 5.3: Landwirtschaft geht auf die Verdichtung des Bodens durch landwirtschaftliche Maschinen ein. In den Erläuterungen, Kapitel 6: Monitoring werden Angaben zur Boden-Dauerbeobachtung gemacht. Hinweise gibt außerdem der „Leitfaden Bodenschutz auf Linienbaustellen‟ der unter https://www.schleswig-holstein.de/DE/Fachinhalte/B/boden/Downloads/Leitfaden.pdf?__blob=publicationFile&v=1 abrufbar ist.
Altlasten oder altlastverdächtigen Flächen müssen in Planungsprozessen frühzeitig berücksichtigt werden, einerseits, um die allgemeinen Anforderungen an gesunde Wohn- und Arbeitsverhältnisse und die öffentliche Sicherheit zu gewährleisten, andererseits um mögliche Planungshindernisse zu erkennen und zu vermeiden. Durch die Erfassung, Untersuchung und Sanierung altlastverdächtiger Flächen und Altlasten sollen Gefahren für Mensch und Umwelt abgewehrt und die Flächen möglichst schnell wieder dem Wirtschafts- und Naturkreislauf zur Verfügung gestellt werden. Weitere Erläuterungen zum Thema Altlasten und Angaben zum Vorkommen von Altstandorten und Altablagerungen in den Gebietskörperschaften des Planungsraumes sind in Kapitel 2.2.10: Altlasten enthalten. Förderprogramme des Landes für die Altlastenbearbeitung sind unter http://www.schleswig-holstein.de/DE/Fachinhalte/A/altlasten/foerderprogrammeAltlastenbearbeitung.html abrufbar.