Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Gericht=BFH&Datum=24.11.1988&Aktenzeichen=V%20R%20123/83
Timestamp: 2020-02-26 06:55:57
Document Index: 296616215

Matched Legal Cases: ['§ 124', '§ 124', '§ 124', '§ 1', '§ 122', '§ 122']

BFH, 24.11.1988 - V R 123/83 - dejure.org
https://dejure.org/1988,1167
BFH, 24.11.1988 - V R 123/83 (https://dejure.org/1988,1167)
BFH, Entscheidung vom 24.11.1988 - V R 123/83 (https://dejure.org/1988,1167)
BFH, Entscheidung vom 24. November 1988 - V R 123/83 (https://dejure.org/1988,1167)
Tipp: Um den Kurzlink (hier: https://dejure.org/1988,1167) schnell in die Zwischenablage zu kopieren, können Sie die Tastenkombination Alt + R verwenden - auch ohne diesen Bereich zu öffnen.
Abgabenordnung; Bekanntgabe eines Steuerbescheids
BFHE 154, 466
BFHE 155, 466
NJW 1990, 936 (Ls.)
NVwZ 1990, 104
DB 1989, 964
BStBl II 1989, 344
Hat die Behörde ihren Bekanntgabewillen allerdings zu dem Zeitpunkt, an dem der Bescheid ihren Herrschaftsbereich verlässt, aufgegeben und dies hinreichend in ihren Akten dokumentiert, wird der Bescheid trotz des Bekanntgabeakts nicht gemäß § 124 Abs. 1 AO 1977 wirksam (BFH-Urteile vom 27. Juni 1986 VI R 23/83, BFHE 147, 205, BStBl II 1986, 832; vom 24. November 1988 V R 123/83, BFHE 155, 466, BStBl II 1989, 344; vom 12. August 1996 VI R 18/94, BFHE 180, 538, BStBl II 1996, 627; Beschluss des Senats vom 14. Juni 2000 X B 123/99, nicht veröffentlicht --NV--).
Dabei kann dahinstehen, ob die Aufgabe des Bekanntgabewillens nur durch den Sachgebietsleiter, nicht aber durch die Sachbearbeiterin hätte erfolgen dürfen (vgl. BFH-Urteile vom 29. Januar 1981 V R 47/77, BFHE 132, 219, BStBl II 1981, 404; in BFHE 147, 205, BStBl II 1986, 832; in BFHE 155, 466, BStBl II 1989, 344).
Ein ohne Bekanntgabewillen zur Kenntnis gebrachter Verwaltungsakt erlangt daher keine Wirksamkeit (BFH-Urteile vom 27. Juni 1986 VI R 23/83, BFHE 147, 205, BStBl II 1986, 832; vom 24. November 1988 V R 123/83, BFHE 155, 466, BStBl II 1989, 344;… zum Sonderfall einer vollständigen Bescheidkopie zur Heilung einer früheren fehlerhaften Bekanntgabe vgl. BFH-Beschluss vom 7. November 2008 X B 55/08, BFH/NV 2009, 195; Seer in Tipke/Kruse, Abgabenordnung, Finanzgerichtsordnung, § 124 AO Rz 8 ff.; Güroff in Beermann/Gosch, AO § 124 Rz 7).
Die Zustellung (…vgl. Tipke/Kruse, a. a. O., 14. Aufl., vor § 1 VwZG Tz. 3; Urteil des BVerwG vom 19. Juni 1963 V C 198/62, BVerwGE 16, 165) und die Bekanntgabe (BFH-Urteile vom 24. November 1988 V R 123/83, BFHE 155, 466, BStBl II 1989, 344, 345; vom 27. Juni 1986 VI R 23/83, BFHE 147, 205, BStBl II 1986, 832) sind nicht bloß Realakte, sondern hoheitliche Rechtshandlungen.
Eine wirksame Bekanntgabe setzt voraus, dass der zum Erlass befugte Beamte diese veranlasst und dass er mit dem Willen handelt, den Bescheid bekanntzugeben (Urteil des Bundesfinanzhofs --BFH-- vom 24. November 1988 V R 123/83, BFHE 155, 466, BStBl II 1989, 344; Frotscher in Schwarz, AO, § 122 Rz 11).
Demgegenüber hat die Rechtsprechung bei einem Bescheid, der mit Bekanntgabewillen so auf den Weg gebracht wurde, daß er nach dem üblichen Verwaltungsablauf auch versendet werden sollte, für den Fall der Aufgabe des ursprünglichen Bekanntgabewillens aus Gründen der Rechtssicherheit gefordert, daß sich die Aufgabe in der ausdrücklichen Aufhebung des Verwaltungsaktes niederschlägt und dies klar und eindeutig, z. B. durch einen Vermerk in den Akten, dokumentiert wird (BFH-Urteil vom 24. November 1988 V R 123/83, BFHE 155, 466, BStBl II 1989, 344 unter Fortführung des Senatsurteils vom 27. Juni 1986 VI R 23/83, BFHE 147, 205, BStBl II 1986, 832).
Ein ohne Bekanntgabewillen zur Kenntnis gebrachter Verwaltungsakt erlangt daher keine Wirksamkeit (BFH-Urteile vom 27. Juni 1986 VI R 23/83, BFHE 147, 205, BStBl II 1986, 832; vom 24. November 1988 V R 123/83, BFHE 155, 466, BStBl II 1989, 344).
Es ist vielmehr ausreichen, wenn der Bekanntgabewille von einem Bediensteten gebildet wird, der nach seiner Stellung abstrakt zum Erlass von Verwaltungsakten befugt ist, wie dies beim Sachbearbeiter, Sachgebietsleiter und dem Vorsteher eines Finanzamts der Fall ist (BFH-Urteile vom 29. Januar 1981 V R 47/77, BStBl II 1981, 404; vom 24. November 1988 V R 123/83, BStBl II 1989, 344;… Müller-Franken in Hübschmann/Hepp/Spitaler, Abgabenordnung, § 122 Rz. 44).
Der Bekanntgabewille wird im Rahmen der konventionellen schriftlichen Aktenführung im Inneren des zuständigen Amtswalters zu dem Zeitpunkt gebildet, zu dem er entweder den Bescheid abzeichnet und die Ausfertigung des Bescheids der Poststelle des Finanzamts zur Absendung zuleitet oder - wenn die Bescheiderstellung im maschinellen Verfahren erfolgt - er die Aktenverfügung abzeichnet und dadurch die Bescheiderstellung mit nachfolgender zentralen Versendung in die Wege geleitet wird (BFH-Urteile vom 24. November 1988 V R 123/83, BStBl II 1989, 344; vom 28. Mai 2009 III R 84/06, BStBl II 2009, 1017).
FG Niedersachsen, 19.09.2006 - 13 K 40/06
Widerruf eines schriftlichen Verwaltungsakts bis zur Bekanntgabe schriftlich …
Der Bekanntgabewille wird indes bei der abschließenden Zeichnung der Aktenverfügung durch den zuständigen Amtsträger gebildet und durch Abzeichnung sowie anschließende Abgabe des Verwaltungsaktes in den Geschäftsgang dokumentiert (BFH- Urteil vom 24.11.1988 - V R 123/83, BStBl. II 1989, 344).
BFH, 14.04.2000 - X B 123/99
Nach dieser Rechtsprechung ist ein Bescheid trotz Bekanntgabe jedenfalls dann unwirksam, wenn die Behörde ihren Bekanntgabewillen aufgegeben und die Aufhebung dieses Bescheids in den Akten verfügt hat, bevor dieser ihren Herrschaftsbereich verlassen hat (BFH-Urteil vom 12. August 1996 VI R 18/94, BFHE 180, 538, BStBl II 1996, 627, unter Bezugnahme auf die BFH-Urteile vom 27. Juni 1986 VI R 23/83, BFHE 147, 205, BStBl II 1986, 832; vom 24. November 1988 V R 123/83, BFHE 155, 466, BStBl II 1989, 344).
FG Schleswig-Holstein, 21.03.1995 - III 551/92