Source: http://docplayer.org/1822406-Beschluss-in-dem-verwaltungsverfahren.html
Timestamp: 2017-04-24 11:52:29
Document Index: 331871798

Matched Legal Cases: ['Art 101', 'Art. 9', 'Art. 9', 'Art. 101', 'Art. 101', 'Art. 101', 'Art. 101', 'Art. 11', 'Art. 11', 'Art. 1', 'Art. 9', 'BGH']

1 Für die Veröffentlichung bestimmt 6. Beschlussabteilung Aktenzeichen: B6-94/10 Beschluss In dem Verwaltungsverfahren 1. ProSiebenSat.1 Media AG, Unterföhring 2. RTL interactive GmbH, Köln - Beteiligte -, Verfahrensbevollmächtigte der Beteiligten zu 1 und 2: Dr. Ulrich Denzel Dr. Moritz Holm-Hadulla Gleiss Lutz Maybachstraße Stuttgart 3. Kabel Baden-Württemberg GmbH & Co. KG, Heidelberg Verfahrensbevollmächtigte: SALANS Dr. Jörg Karenfort Markgrafenstraße Berlin 4. Deutsche Telekom AG, Bonn Verfahrensbevollmächtigte: Wilmer Hale Dr. Stefan Ohlhoff Dr. Oliver Fleischmann Friedrichstraße Berlin 5. Netlantic GmbH, Unterföhring - Beigeladene zu Beigeladene zu Beigeladene zu 3 -2 - 2 - Verfahrensbevollmächtigte: CMS Hasche Sigle Dr. Pietro Graf Fringuelli Dr. Harald Kahlenberg Kranhaus 1/ Im Zollhafen Köln 6. Save.TV Ltd., Hamburg Verfahrensbevollmächtigte: HERTIN RA Christlieb Klages Kurfürstendamm 54/ Berlin 7. Kabel Deutschland GmbH Betastraße Unterföhring 8. Westdeutscher Rundfunk, Köln Verfahrensbevollmächtigte: Haver & Mailänder Prof. Dr. K. Peter Mailänder Lenzhalde Stuttgart 9. Zweites Deutsches Fernsehen, Mainz Verfahrensbevollmächtigte: Haver & Mailänder Prof. Dr. K. Peter Mailänder Lenzhalde Stuttgart 10. Sky Deutschland AG Medienallee Unterföhring - Beigeladene zu Beigeladene zu Beigeladene zu Beigeladene zu Beigeladene zu3 - 3 - zur Prüfung eines Zusammenschlusses nach 35 ff. GWB und 1, 2 GWB, Art 101 AEUV hat die 6. Beschlussabteilung des Bundeskartellamtes am 17. März 2011 beschlossen: 1. Die auf der Grundlage des Memorandum of Understanding vom 7. Februar beabsichtigte Gründung eines paritätischen Gemeinschaftsunternehmens zwischen den Beteiligten wird untersagt. 2. Die Gebühr für diese Entscheidung wird unter Anrechnung der gesondert festgesetzten Gebühr in Höhe von [...] Euro für die an die Stelle der Anmeldung tretenden Verweisung des Zusammenschlussvorhabens auf [...] Euro (in Worten: [...] Euro) festgesetzt und den Beteiligten zu 1 und 2 als Gesamtschuldnern auferlegt. Gründe A. Sachverhalt 1 Die ProSiebenSat.1 Media AG, Unterföhring (Beteiligte zu 1), und die RTL interactive GmbH, Köln (Beteiligte zu 2), beabsichtigen, ein Gemeinschaftsunternehmen zu gründen, das im Bereich Video on Demand via Internet tätig werden und zu diesem Zweck eine Plattform (nachfolgend auch: die Zielplattform) betreiben soll. I. Zusammenschlussbeteiligte 1. ProSiebenSat.1 Media AG, Unterföhring 2 Die ProSiebenSat.1 Media AG (im Folgenden: P7S1) wird über mehrere Zwischenholdings von der Permira Holdings und der Kohlberg Kravis Roberts & Co ( KKR ) gemeinsam kontrolliert. 1 [...] - 4 -4 - 4 - Die Mutter-Unternehmen sind Private-Equity-Gesellschaften. Permira erzielte im Jahr 2009 Umsätze von weltweit mehr als 5 Mrd., europaweit mehr als 250 Mio. und in Deutschland mehr als 25 Mio. EUR.. Dies trifft auch auf KKR zu. P7S1 fungiert als Holdinggesellschaft der Senderfamilie der privaten Fernsehprogramme Sat.1, ProSieben, Kabel 1, Sixx und 9Live. P7S1 ist jeweils Alleingesellschafterin der Veranstalter dieser Programme. Der ursprünglich ebenfalls zu P7S1 gehörende Nachrichtensender N24 ist im Juni 2010 an die neugegründete N24 Media GmbH verkauft worden. 2 Zu P7S1 gehört auch die Gesellschaft SevenSenses GmbH, die die Pay-TV-Kanäle Sat.1. Comedy und kabel eins classics und über die maxdome GmbH & Co. KG das Video-On-Demand-Portal via Internet maxdome betreibt. Maxdome bietet in erster Linie eine große Online Videothek mit über Titeln, darunter eine Vielzahl an Spielfilmen, Serien, Comedy, Musik und Cartoons, im Wege des Pay-Per-Views und damit kostenpflichtig an. Darüber hinaus betreibt P7S1 auf den Websites ProSieben.de, Sat1.de/videocenter und Kabeleins.de/videos Video-Portale, auf denen ein Großteil der in den Fernsehsendern ProSieben und Kabel1 bereits ausgestrahlten Sendungen kostenfrei nicht-linear abrufbar angeboten werden. 3 3 Die Vermarktung von Werbezeiten der Sender Sat.1, ProSieben, Kabel 1 und 9Live sowie die Vermarktung der digitalen Plattformen von P7S1 (Pay-TV, Video-On-Demand, Online, Teletext und Mobile) erfolgt durch die SevenOne Media GmbH, bei der es sich ebenfalls um eine 100%- ige Tochter von P7S1 handelt. Das Kerngeschäft liegt im Verkauf von klassischen Fernsehwerbespots und Sonderwerbeformen (z.b. Sponsoring) sowie in der Entwicklung von integrierten und konvergenten Werbekonzepten. Das Spektrum der Vermarktung umfasst die gesamte Wertschöpfungskette der P7S1-Gruppe. 2. RTL interactive GmbH, Köln 4 RTL interactive gehört über die RTL Television GmbH und die UFA Film und Fernseh GmbH sowie die RTL Group Deutschland ( Mediengruppe RTL Deutschland ) zur RTL Group Germany, eine 100%ige Tochtergesellschaft der CLT-UFA S.A., Luxemburg, die ihrerseits eine Toch- 2 Die Gesellschafter sind die Geschäftsführer Torsten Rossmann, der ehemalige Spiegel-Chefredakteur Stefan Aust, Frank Meißner und Karsten Wiest sowie der ehemalige Spiegel-TV-Manager Thorsten Pollfuß und die MAZ&MORE-Geschäftsführerin Maria von Borcke. 3 Als nicht-lineares Fernsehen wird auch zeitversetztes Fernsehen bezeichnet. Wenn Zuschauer TV- Sendungen nicht dann sehen, wenn sie ausgestrahlt werden, spricht man von nichtlinearem Fernsehen. Typische Beispiele sind die Mediatheken der verschiedenen Programmveranstalter und diverse Angebote für Abruf-Fernsehen (Video on Demand). Siehe unter Glossar / Nicht-lineares Fernsehen5 - 5 - tergesellschaft der von der Bertelsmann AG, Gütersloh beherrschten RTL Group S.A., Luxemburg ist. Der weltweite Umsatz der Bertelsmann AG betrug im Jahr ,3 Mrd., der EUweite Umsatz belief sich auf mehr als 250 Mio., in Deutschland erzielte die Bertelsmann mehr als 25 Mio.. 5 RTL interactive ist innerhalb der Mediengruppe RTL Deutschland für die Entwicklung neuartiger Produkte aus den Bereichen Online, Mobile, Teletext, IPTV, Media Services, Licensing und Games Publishing verantwortlich. Das Unternehmen betreibt u.a. die Video-On-Demand-Portale RTLNow.de und VoxNow.de. Dabei handelt es sich um die Marken von RTL und Vox für nicht-lineares Fernsehen. Angeboten wird ein Großteil der in den Fernsehsendern RTL und Vox bereits ausgestrahlten Sendungen. Darüber hinaus bieten die Portale bei ausgewählten Formaten Sendungen vor der deutschen Erstausstrahlung gegen Bezahlung an. 6 Die Geschäftstätigkeit der Mediengruppe RTL Deutschland umfasst im Übrigen die Ausstrahlung von Fernseh- und Radiosendungen sowie die Programmproduktion und den Handel mit Ausstrahlungsrechten. Im Bereich der Ausstrahlung von Fernsehprogrammen gehören zur RTL- Group u.a. die Free-TV-Senderfamilie um die RTL Television GmbH in Deutschland (RTL Television, Vox, SuperRTL und n-tv 4 ). An RTL 2 Fernsehen GmbH & Co. KG, die den Free-TV- Sender RTL II betreibt, ist die RTL-Gruppe mit knapp 36 % beteiligt 5. Die RTL Television GmbH veranstaltet darüber hinaus die Pay-TV-Spartenkanäle RTL Living und RTL Crime. Das Pay-TV-Programm Passion wird von der (mittelbaren) RTL-Television GmbH-Tochter Passion GmbH veranstaltet. 7 Die Werbezeiten der Sender RTL, VOX, Super RTL und n-tv werden von der IP Deutschland GmbH, Köln (IP), einer 100%igen Tochtergesellschaft der RTL Television GmbH, vermarktet. Dieses umfasst u.a. den Verkauf klassischer Werbespots oder vernetzter Werbeangebote (TV, Online) bzw. Crossmedia-Kooperationen. RTL II wird nicht von IP vermarktet, sondern von der El Cartel Media GmbH & Co. KG, einer 100%igen Tochter der RTL2 Fernsehen GmbH & Co. KG. 4 Die RTL Group Deutschland hält Beteiligungen an RTL Television GmbH (100 % UFA Film und Fernseh GmbH, Köln, eine 100%ige Tochter von RTL), n-tv (100 % RTL Television GmbH), VOX (99,7 % RTL Television GmbH über Vox Holding GmbH); SuperRTL wird von der RTL Disney Fernsehen GmbH & Co. KG betrieben, an der CLT-UFA S.A. 50 % hält. Die übrigen 50 % liegen bei Buena Vista International (BVI) Television Investments Inc (Disney). 5 27,3 % liegen bei der CLT UFA S.A. und 8,6 % bei der UFA Film und Fernseh GmbH. Die übrigen Anteile halten die KG Heinrich Bauer Verlag (31,5 %), Tele-München Fernseh-GmbH & Co Medienbeteiligung KG (31,5 %) und der Burda GmbH (1,1 %)6 - 6 - II. Das Vorhaben 8 Auf der Grundlage eines zwischen den Beteiligten vereinbarten Memorandum of Understanding (nachfolgend: MoU) soll ein Gemeinschaftsunternehmen (im Folgenden: GU) gegründet werden, an dem die Beteiligten jeweils 50 % der Anteile halten und die gemeinsame Kontrolle ausüben sollen. Das GU soll im Bereich Video-on-Demand via Internet tätig werden und zu diesem Zweck auf einer Internet-Website eine Plattform betreiben. 9 Video-on-Demand beschreibt in technischer Hinsicht die Möglichkeit, digitales Videomaterial auf Anfrage über eine Datenverbindung, (z. B. eine Internetverbindung) von einem Anbieter oder Dienst herunterzuladen (Download) oder über einen Video-Stream direkt mit einer geeigneten Software über die Verbindung anzusehen. Bei letzterem werden die Daten gleichzeitig heruntergeladen und wiedergegeben. Der Anbieter benötigt dazu einen Streaming Server, und der Anwender eine spezielle Software, mit der der Videostream wiedergegeben werden kann (Player). Dies kann ein sogenanntes Plug-in sein, das z. B. in den Web-Browser auf dem zur Widergabe verwendeten Gerät integriert ist, oder auch ein eigenständiges Wiedergabeprogramm. 10 Das geplante GU soll für die Video on Demand-Plattform vor allem Leistungen der Kategorien Storage/Hosting 6, Streaming/Content Delivery 7, Shop-Template 8 -Erstellung, Qualitätskontrolle der Webseite und technischer Betrieb erbringen. Darüber hinaus werden nach dem MoU folgende Regelungen angestrebt: 11 Über die von dem GU neu zu schaffende Plattform sollen ausschließlich professionell erstellte Inhalte verbreitet werden, die bereits zuvor im TV gesendet wurden. Zielkunden sind nach diesen Angaben neben den Parteien die deutschen und österreichischen Inhaber von TV-Inhalten. Zielgebiete sind nach dem Vortrag der Beteiligten Deutschland und Österreich. 12 Die Plattform soll in verschiedene Auftraggeberbereiche unterteilt werden. Jeder Auftraggeberbereich soll ausschließlich von dem jeweiligen Auftraggeber redaktionell betreut werden. Auch 6 Hosting beschreibt die Unterbringung von Internet-Angeboten auf den benötigten Webservern. 7 Content Delivery meint die Auslieferung der meist sehr großen Mediendateien. Häufig erfolgt sie über ein Content Delivery Network. Dies ist ein Verbund netzgeografisch verteilter und über das Internet verbundener Server, mit dem die Inhalte möglichst effizient ausgeliefert werden sollen. 8 Ein Template dient der Erstellung von Dokumenten oder Dokumentteilen. Es stellt eine Art Gerüst dar, die einen Teil des Inhaltes oder der Gestaltung des Dokumentes vorgibt. Shop-Templates sind Vorlagen für Online-Erwerbsvorgänge7 - 7 - anderen Unternehmen als den Muttergesellschaften sollen Auftraggeberbereiche angeboten werden. 13 Die Beteiligten sollen sich verpflichten, in ihren jeweiligen Auftraggeberbereichen jeweils mindestens die Content-Einzelformate unentgeltlich zugänglich zu machen, die sie auch auf ihren Internetseiten dem Verbraucher entgeltfrei zugänglich machen. Bei schon vorhandener Lizenzware gilt dies nur, soweit das lizenzrechtlich möglich ist. Bei zukünftig zu erwerbender Lizenzware soll dies im Lizenzvertrag sichergestellt werden. 14 Das GU darf die Inhalte nicht vor deren TV-Ausstrahlung zum Abruf bereitstellen und darf dies nach der Ausstrahlung längstens für 7 Tage tun (sogenanntes 7-Tage-catchup-Angebot ). 15 Über die Plattform sollen die Inhalte für den Betrachter kostenfrei (d. h. werbefinanziert) zugänglich gemacht werden. Zu einer späteren entgeltlichen Vermarktung von Inhalten erklärten die Beteiligten, dass gegenwärtig dies nicht vorgesehen sei. Eine Aussage dazu, ob künftig Anreize bestünden, dass Geschäftsmodell hin zu einem für den Nutzer entgeltlichen Angebot zu ändern, sei den Beteiligten nicht möglich. 16 Die einzelnen Auftraggeberbereiche sollen über einheitliche Standardfunktionen verfügen, insbesondere einen einheitlichen Videoplayer, nutzergetriebene Empfehlungs- und Weiterleitungsfunktionen und Community Features. 17 Zusätzlich soll es jedoch einen übergreifenden Eingangsbereich der Plattform geben (Einzelheiten unter dem Vorbehalt einer noch durchzuführenden Marktrecherche). Dieser soll über eine Reihe von gemeinsam genutzten Funktionen verfügen, wie etwa eine plattformübergreifende Suche nach Formaten. 18 Die Vermarktung des in seinem Auftraggeberbereich zur Verfügung gestellten Contents, d. h. jedenfalls derzeit die Vermarktung der Werbeflächen, soll durch den jeweiligen Auftraggeber selbst im eigenen Namen und für eigene Rechnung erfolgen. Das GU soll weder den Content, noch den gemeinsamen Eingangsbereich noch die Auftraggeberbereiche vermarkten. Hinsichtlich der Werbeflächen sind primär Video-Werbespots vor, während und nach der Anzeige der bereitgestellten Video-Inhalte vorgesehen. In den einzelnen Auftraggeberbereichen soll ferner auch herkömmliche Display-Werbung (Werbebanner) platziert werden können. 19 Die Abgeltung der Leistungen des GU soll durch eine einmalige Setup-Gebühr für die Integration in den Eingangsbereich, eine monatliche Pauschale für die Betreuung und den technischen Betrieb der Plattform sowie variable Vergütungen auf der Basis der für Storage, Streaming und Hosting entstehenden Kosten zzgl. einer festzulegenden Gewinnmarge erfolgen8 - 8 - III. Gang des Verfahrens 20 Das Vorhaben ist mit Form CO vom 5. August 2010 zunächst bei der Europäischen Kommission (im Folgenden: Kommission) angemeldet worden. Auf den Verweisungsantrag des Bundeskartellamtes im Einvernehmen mit dem Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie vom 24. August 2010 hat die Kommission mit Entscheidung vom 24. September , eingegangen im Bundeskartellamt am selben Tag, das angemeldete Zusammenschlussvorhaben nach Art. 9 der Fusionskontrollverordnung (FKVO) hinsichtlich der die Märkte in Deutschland betreffenden Aspekte an das Bundeskartellamt verwiesen. 21 Das Bundeskartellamt hat den Beteiligten mit vom 27. September 2010 den Zeitpunkt des Eingangs der Verweisungsentscheidung gemäß 39 Abs. 4 Satz 2 GWB mitgeteilt. Die Beteiligten haben sich mit Schreiben vom 25. Oktober 2010 mit der Verwendung der sie betreffenden Unterlagen aus dem Kommissions-Verfahren M.5881 einverstanden erklärt. Die Beschlussabteilung hat die Beteiligten darauf hingewiesen, dass den Unterlagen nicht alle nach 39 Abs. 3 GWB erforderlichen Angaben zu entnehmen sind, da nicht alle verbundenen Unternehmen einschließlich deren Sitz angegeben waren. 10 Die Beteiligten haben die Angaben bisher nicht vervollständigt. 22 Die Beschlussabteilung hat das Hauptprüfverfahren mit Schreiben vom 21. Oktober 2010, den Beteiligten am gleichen Tag zugegangen, gemäß 40 Abs. 1 Satz 1 GWB eingeleitet. Mit Schreiben vom 25. November 2010, den Beteiligten am gleichen Tag zugegangen, hat die Beschlussabteilung den Beteiligten gemäß Art. 9 Abs. 6 FKVO das Ergebnis einer vorläufigen wettbewerbsrechtlichen Prüfung und gegebenenfalls von der Beschlussabteilung beabsichtigte Maßnahmen hinsichtlich des angemeldeten Zusammenschlussvorhabens mitgeteilt. 23 Parallel hat die Beschlussabteilung mit Schreiben vom 3. Dezember 2010 ein Verfahren nach 1 GWB und Art. 101 AEUV i.v.m. 32 GWB zunächst gesondert eingeleitet (B6-115/10). In demselben Schreiben sind den Beteiligten gemäß 32 b Abs. 1 GWB die nach vorläufiger Beurteilung bestehenden Bedenken der Beschlussabteilung mitgeteilt worden. 24 Das Verfahren ist mit Verfügung vom 27. Januar 2010 mit dem Fusionsverfahren formal verbunden worden und führt seither dasselbe Aktenzeichen. Dieses ist den Verfahrensbeteiligten mit Schreiben vom 9. Februar 2011 mitgeteilt worden. Das Verfahren ist bezogen auf die 9 Kommission, Entscheidung vom , Az. COMP/M.5881 ProSiebenSat.1/RTL interactive /JV. 10 Telefonat vom 27. September 2010 ([...]), persönliches Gespräch mit RA Dr. Denzel im Bundeskartellamt am 6.Oktober 2010 ([...]), vom 12. Oktober 2010 ([...])9 - 9 - Prüfung auf der Grundlage von Art. 101 AEUV mit Mitteilung vom 9. Februar 2011 im European Competition Network (ECN) notifiziert worden. 25 Mit Schreiben vom 21. Dezember 2010 bzw. vom 22. Dezember 2010 haben sich die Beteiligten und die Beschlussabteilung einvernehmlich auf den 21. März 2011 als Fristende im Fusionskontrollverfahren (Hauptprüfverfahren) verständigt. Die Fristvereinbarung erstreckte sich nicht auf die Prüfung nach 1 GWB, Art. 101 AEUV. 26 Mit verschiedenen Schriftsätzen hatten die Beteiligten Vorschläge für eventuelle Nebenbestimmungen eingereicht. Darüber hinaus hatten die Beteiligten den Inhalt der Nebenbestimmungen im Rahmen des Verfahrens nach 1 GWB, Art. 101 AEUV ivm 32 GWB als Verpflichtungszusagen angeboten, um die mitgeteilten Bedenken der Beschlussabteilung auszuräumen. Die Beschlussabteilung hat zu den Vorschlägen Stellung genommen mit Schreiben vom 26. Januar 2011 und die Anforderungen an die Nebenbestimmungen zur Ausräumung der wettbewerblichen Bedenken dargelegt. Die Verhandlungen über die Nebenbestimmungen bzw. Verpflichtungszusagen sind im Ergebnis gescheitert. Wegen des letzten Stands der Vorschläge wird auf -schreiben der Beteiligten vom 11. Februar 2011 und vom 22. Februar 2011 sowie auf -schreiben der Beschlussabteilung vom 21. Februar 2011 und 22. Februar 2011 verwiesen. 27 Mit Schreiben vom 23. Februar 2011 bzw. im Falle der erst später hinzugekommenen Beigeladenen zu 8 mit Schreiben vom 28. Februar 2011 hat die Beschlussabteilung den Verfahrensbeteiligten mitgeteilt, dass sie nach dem bis dahin erreichten Stand die mit dem obigen Tenor tatsächlich ausgesprochene Untersagung beabsichtigte. Zugleich hat die Beschlussabteilung den Verfahrensbeteiligten die tatsächlichen und rechtlichen Gründe für die in Aussicht genommene Entscheidung mitgeteilt und ihnen die Möglichkeit zur Stellungnahme bis zum 10. März 2011 eingeräumt. Ebenfalls mit Schreiben vom 23. Februar 2011 hat die Beschlussabteilung den Landeskartellbehörden Nordrhein-Westfalens und Bayerns die in Aussicht genommene Entscheidung und die Gründe hierfür mitgeteilt sowie die Möglichkeit zur Stellungnahme bis zum 10. März 2011 gewährt. Von der Möglichkeit zur Stellungnahme haben die Beteiligten zu 1 und 2 mit Schreiben vom 10. März 2011 sowie die Beigeladene zu 2 mit Schreiben vom 10. März 2011 Gebrauch gemacht. 28 Am 23. Februar 2011 hat das Bundeskartellamt das Schreiben von diesem Tag nach Art. 11 Abs. 4 VO 1/2003 an die Europäische Kommission übermittelt. Am 16. März 2011 hat die Europäische Kommission mitgeteilt, dass das Verfahren nach Art. 11 Abs. 4 VO 1/2003 für sie abgeschlossen ist10 IV. Beigeladene 29 Mit Beschluss vom 6. Januar 2011 bzw. mit Beschluss vom 28. Februar 2011 hat die Beschlussabteilung folgende Unternehmen beigeladen: 1. Kabel Baden-Württemberg GmbH & Co. KG, Heidelberg 30 Die Beigeladene zu 1 betreibt das ehemalige Breitbandkabelnetz der DTAG in Baden- Württemberg. Neben dem Betrieb von Breitbandkabelnetzen der Netzebenen 3 und 4 in Baden- Württemberg umfasst ihre Tätigkeit die Übertragung und Vermarktung analoger und digitaler Rundfunksignale. Zudem erbringt die Kabel BW technische Dienstleistungen für Programmanbieter und bietet Endkunden Breitbandinternet und -telefoniedienste über ihr Kabelnetz an. 2. Deutsche Telekom AG, Bonn 31 Die Beigeladene zu 2 ist die Obergesellschaft der Deutsche Telekom-Gruppe (im Folgenden: DTAG). Die DTAG betreibt u. a. Festnetze, mit denen sie Telefoniedienstleistungen und breitbandigen Internet-Zugang für Endkunden anbietet. Ferner betreibt die DTAG das Video on Demand-Portal videoload und ist auch über ihr IPTV-Angebot Entertain im Video on Demand- Bereich tätig. An dem weiteren Video on Demand-Portal sevenload war sie bislang mit einer Minderheitsbeteiligung beteiligt Netlantic GmbH, Unterföhring 32 Die Beigeladene zu 3 bietet seit dem 10. März 2005 auf der Internetseite unter der Bezeichnung shift.tv einen internetbasierten Videorecorder (PVR Personal Video Recorder) zur Aufzeichnung von Fernsehsendungen an. Sie empfängt dazu über Satelliten-Antennen die in Deutschland frei empfangbaren Sendesignale mehrerer Fernsehsendeanstalten, darunter die Programme der Beteiligten. Ein bei der Beigeladenen zu 3 registrierter Kunde kann aus diesen Programmen über eine elektronische Programmzeitschrift Sendungen auswählen und diese auf seinem persönlichen Videorecorder, welchem Speicherplatz auf dem Festplattenverbund der Beigeladenen zu 3 zugewiesen wird, abspeichern. Der Kunde kann die auf dem PVR aufgezeichneten Sendungen über das Internet überall und jederzeit beliebig oft ansehen. 11 Der Erwerb dieser Beteiligung durch eine Konzerngesellschaft des Burda-Verlags wurde kürzlich zur Fusionskontrolle angemeldet und freigegeben (Az. B6-10/11)11 Save.TV Ltd., Hamburg 33 Die Beigeladene zu 4 Save.TV bietet auf der Internetseite unter der Bezeichnung Save.TV seit dem Jahr 2005 ebenfalls einen internetbasierten Videorecorder (PVR) zur Aufzeichnung von Fernsehsendungen an. Das Geschäftsmodell gleicht demjenigen der Beigeladenen zu Kabel Deutschland GmbH, Unterföhring 34 Die Beigeladene zu 5 betreibt das ehemalige Breitbandkabelnetz der Deutschen Telekom AG in allen Bundesländern außer Baden-Württemberg, Hessen und Nordrhein-Westfalen. Sie bietet die Übertragung und Vermarktung von analogen und digitalen Rundfunksignalen, Pay-TV- Dienste sowie Telefonie- und Internet-Dienste an. 6. Westdeutscher Rundfunk, Köln 35 Die Beigeladene zu 6 veranstaltet das regionale Fernsehprogramm WDR Fernsehen. Darüber hinaus ist sie zusammen mit den übrigen Landesrundfunkanstalten an der Arbeitsgemeinschaft der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten der Bundesrepublik Deutschland (im Folgenden: ARD) beteiligt. Über die ARD werden die Fernsehprogramme Das Erste, EinsExtra, EinsFestival, EinsPlus veranstaltet. In Zusammenarbeit mit weiteren Kooperationspartnern veranstaltet die ARD zudem die Programme Phoenix und KiKa (in Kooperation mit dem ZDF), 3Sat (in Kooperation mit ZDF, ORF und SF) und mittelbar ARTE. Der WDR nimmt als Beigeladene zugleich stellvertretend die Interessen der übrigen Landesrundfunkanstalten wahr (während der nächsten zwei Jahre führe der WDR als geschäftsführende Anstalt den Vorsitz in der ARD). Der WDR strahlt seine Programme sowohl terrestrisch (digital) als auch über Satellit (analog und digital) und über Breitbandkabel- und DSL-Netze aus und lässt diese auch über das Internet zugänglich werden. Zusätzlich unterhält der WDR eine Mediathek mit Video on Demand-Angeboten. 7. Zweites Deutsches Fernsehen, Mainz 36 Die Beigeladene zu 7 ist eine Anstalt des öffentlichen Rechts und Veranstalterin des Fernsehprogramms ZDF. Darüber hinaus bietet sie die digitalen Programme ZDFneo, ZDFinfokanal und ZDFtheaterkanal an, ist an den oben genannten Kooperationsprojekten mit der ARD beteiligt und ebenfalls mittelbar an ARTE beteiligt. Die Beigeladene zu 7 strahlt ihre Programme sowohl terrestrisch (digital) als auch über Satellit (analog und digital) und über Breitbandkabel12 und DSL-Netze aus und lässt diese auch über das Internet zugänglich werden. Zusätzlich unterhält sie eine Mediathek mit Video on Demand-Angeboten. 8. Sky Deutschland AG, Unterföhring 37 Die Beigeladene zu 8 ist eine Konzerngesellschaft der News Corporation, New York/USA und der größte Pay-TV-Anbieter in Deutschland. Kerngeschäft des Unternehmens ist der Rechteerwerb, die Veranstaltung von Pay-TV-Programmen soweit die Vermarktung dritter Programmangebote. Die Programme von Sky werden bundesweit ausschließlich digital über Breitbandkabel, Satellit und in geringem Umfang im Wege des IPTV über xdsl übertragen. Sky unterhält mit Sky Select Internet TV auch ein Video-On-Demand-Portal, auf dem Inhalte nicht-linear gegen Entgelt angeboten werden, ohne dass ein Abonnement abgeschlossen werden muss13 B. Fusionsprüfung I. Formelle (fusionsrechtliche) Untersagungsvoraussetzungen 1. Zusammenschlusstatbestand 38 Die geplante Gründung eines von den Beteiligten gemeinsam kontrollierten Gemeinschaftsunternehmens erfüllt die Zusammenschlusstatbestände des Kontrollerwerbs ( 37 Abs. 1 Nr. 2 GWB) und des Anteilserwerbs ( 37 Abs. 1 Nr. 3a GWB und 37 Abs. 1 Nr. 3 Satz 3 GWB). 2. Überschreiten der Umsatzschwellen 39 Der Zusammenschluss ist kontrollpflichtig, da die beteiligten Unternehmen einschließlich der mit ihnen gemäß 36 Abs. 2 GWB verbundenen Unternehmen die Umsatzschwellen des 35 Abs. 1 GWB überschreiten. Allein die Bertelsmann AG hat unter Einbeziehung der mit ihr verbundenen Unternehmen im Jahr 2009 einen konsolidierten Gesamtumsatz von rd. 15,3 Mrd. und damit mehr als 500 Mio. Umsatz erzielt. Die de-minimis-klausel des 35 Abs. 2 Nr. 1 GWB ist nicht erfüllt, ebenso wenig liegt ein Bagatellmarkt im Sinne des 35 Abs. 2 Nr. 2 GWB vor. 40 Ebenso sind die Inlandsumsatzschwellen des 35 Abs. 1 Nr. 2 GWB erfüllt. Denn im vorliegenden Fall hat mindestens ein beteiligtes Unternehmen im Inland Umsatzerlöse von mehr als 25 Millionen Euro und ein anderes beteiligtes Unternehmen Umsatzerlöse von mehr als 5 Millionen Euro erzielt. 3. Gemeinschaftsweite Bedeutung 41 Das Zusammenschlussvorhaben hat grundsätzlich gemeinschaftsweite Bedeutung, weil die Schwellenwerte des Art. 1 Abs. 2 FKVO überschritten werden. Die Kommission hat den Zusammenschluss gemäß Art. 9 Abs. 1 FKVO an das Bundeskartellamt verwiesen, so dass die formellen Vorschriften des GWB gelten ( 35 Abs. 3 GWB)14 II. Materielle Untersagungsvoraussetzungen 42 Das Zusammenschlussvorhaben ist gemäß 36 GWB zu untersagen, weil es zur Verstärkung der marktbeherrschenden Stellung der Beteiligten auf dem bundesweiten Fernsehwerbemarkt führt. 1. Bestehende duopolistische Marktbeherrschung von RTL und P7S1 43 RTL und P7S1 bilden auf dem bundesweiten Markt für Fernsehwerbung ein marktbeherrschendes Duopol. a. Marktabgrenzung 44 Der Zusammenschluss hat Auswirkungen auf den Markt für bundesweite Fernsehwerbung. aa. Sachliche Marktabgrenzung 45 Veranstalter von Fernsehprogrammen wie insbesondere die Parteien des vorliegenden Zusammenschlusses stellen Werbezeiten in ihren Programmen für Dritte bereit. Weit überwiegend wird diese Zeit für die Ausstrahlung von Werbespots genutzt, zu einem geringeren Teil auch für andere Werbeformen wie z. B. das Sponsoring von Sendungen. 46 In Übereinstimmung mit der ständigen Entscheidungspraxis der deutschen Gerichte 12 und des Bundeskartellamts 13 ist diese Leistung (nachfolgend TV-Werbung) einem eigenen sachlich relevanten Markt zuzuordnen. Es existiert hingegen kein allgemeiner, alle Medien umfassender Werbemarkt. Anbieter auf dem Fernsehwerbemarkt sind mindestens die Veranstalter werbefinanzierter Fernsehprogramme (Free-TV). Als Anbieter in Betracht kommen auch Pay-TV- Sender bzw. deren Vermarktungsgesellschaften soweit sie Werbezeiten anbieten. Die Free-TV- Programme umfassen das werbefinanzierte privaten Fernsehen einerseits und das aus Gebühren und Werbeeinnahmen finanzierte öffentlich-rechtliche Fernsehen andererseits. Pay-TV- Sender finanzieren sich größtenteils aus den Entgelten, die ihre Abonnenten zu entrichten haben, bieten darüber hinaus auch allerdings in geringem Umfang Werbezeiten an. Ob Pay-TV 12 Vgl. OLG Düsseldorf, Beschluss vom 3. Dezember 2008, Az. VI Kart 7/06 (V) Springer/Pro7, Bl. 9 der BA, verfügbar über 13 Vgl. BKartA, Beschluss vom 19. Januar 2006, Az. B6-103/05 Springer/Pro7, Bl. 25 der BA, verfügbar über15 als Werbeträger in den Markt einzubeziehen ist, kann wegen des geringen Umfangs letztlich offenbleiben. 14 Nachfrager auf diesem Markt ist die werbungtreibende Industrie, die sich ganz überwiegend von Media-Agenturen betreuen lässt, welche die Buchung der Werbezeiten bei den Fernsehveranstaltern für sie vornehmen. Beurteilung von Radio-, Kino-, Print- und herkömmlicher Online-Werbung 47 Diesem Fernsehwerbemarkt gehören jedenfalls die bis vor kurzem bekannten anderen Werbeträger (Print, Radio, Plakate, Kino) nicht an. 15 Diese haben andere Eigenschaften und sind aus Sicht der Werbekunden daher nicht mit TV-Werbung austauschbar. Die verschiedenen Werbeträger unterscheiden sich beispielsweise in den erzielbaren Reichweiten in den Zielgruppen und dem notwendigen Zeitaufwand für die Erzielung einer bestimmten Reichweite sowie in den Möglichkeiten zur Darstellung und Wahrnehmung der Werbung durch den Konsumenten. Dies beeinflusst ihre Eignung für die Übermittlung bestimmter Formen von Werbebotschaften. Sie stellen daher sich gegenseitig ergänzende Wege dar, die Werbebotschaft an die jeweils relevante Zielgruppe heranzutragen (Komplementarität). Dabei ist insbesondere zu berücksichtigen, dass die Abnehmer der Werbebotschaft (d.h. die Zuschauer, Zuhörer oder Leser) im Hinblick auf die verschiedenen Plattformen in der Regel ein so genanntes multihoming betreiben, d.h. verschiedene Medien komplementär zur Deckung ihrer Informations- oder Unterhaltungsbedürfnisse nutzen. Aus Sicht der werbenden Wirtschaft kann daher ebenfalls vor allem ein Mediamix (d.h. die Nutzung mehrerer unterschiedlicher Medien als Werbeträger) eine möglichst effektive Vermittlung der Werbebotschaft gewährleisten. 48 Dies gilt auch für herkömmliche Online-Werbung, d. h. für solche Online-Werbung, die im Kern aus der Einblendung von Texten und/oder Bildern in einen Kontext wie z. B. eine Webseite, ein Computerspiel o. ä. besteht. 16 Die Marktuntersuchung der Beschlussabteilung hat dies im vorliegenden Fall erneut bestätigt. So haben die befragten Wettbewerber der Zusammenschlussbeteiligten (TV-Sender) die Austauschbarkeit dieser Werbeform mit Fernsehwerbung auf einer fünfstufigen Skala von gar nicht austauschbar (hier gleich 1 gesetzt) bis vollständig aus- 14 Für Einbeziehung BKartA aao; insoweit jedoch anders OLG Düsseldorf aao, was in der Rechtsbeschwerde nicht beanstandet wurde, vgl. BGH, Beschluss vom 8. Juni 2010 KVR 4/09 Springer/ProSieben II, Seite 7 der BA. 15 BKartA aao; OLG Düsseldorf aao 16 vgl. auch Kommission, Entscheidung vom 11. März 2008, Az. COMP/M.4731 Google/DoubleClick, Tz. 45ff16 tauschbar (hier 5) für den gegenwärtigen Zeitpunkt im Durchschnitt mit ca. 1,5 bewertet. 17 Für einen Zeitpunkt in drei Jahren sehen sie die Austauschbarkeit im Durchschnitt bei ca. 2,2. Ähnlich haben die befragten Kunden für Fernsehwerbung (werbende Unternehmen und Mediaagenturen) geurteilt, der Durchschnittswert der Antworten liegt hier bei ca. 1,7 (heute) bzw. ca. 2,1 (in drei Jahren). Warum dies so ist, wird auch deutlich, wenn man die Antworten der Befragten auf die Frage nach den Besonderheiten von Fernsehwerbung betrachtet. Audiovisuell angelegte und übertragene Werbung eignet sich nach den Angaben vieler befragter Nachfrager besonders gut zur emotionalen Ansprache, zur Imagebildung und zum Transport komplexerer Botschaften. Bei herkömmlicher Online-Werbung ist diese Form der Emotionalisierung nur schwer vorstellbar, zudem lassen sich in einem herkömmlichen Werbebanner nur schlecht komplexere Botschaften unterbringen. Beurteilung von Video-Online-Werbung 49 Relativ neu sind die Werbeformen der online verbreiteten Video-Werbung. Erst seit kurzer Zeit sind hinreichend schnelle Internet-Zugänge in der Bevölkerung so weit verbreitet, dass das Ausspielen von online verbreiteter Video-Werbung, die eine vergleichsweise hohe Datenübertragungsrate im jeweiligen Übertragungsnetz benötigt, 18 in einem größeren Umfang technisch möglich ist und als Basis für tragfähige Geschäftsmodelle betrachtet wird. Bei der Online-Video- Werbung ist das Werbemittel ein Video, z. B. ein Werbespot ähnlich wie bei der Fernsehwerbung. Typischerweise wird dieses Werbemittel entweder mit einem ebenfalls online verbreiteten Video verbunden, dem das eigentliche Interesse des Online-Nutzers gilt (nachfolgend: In- Stream-Video-Werbung) oder es wird wie eine herkömmliche Online-Werbeform an einer Stelle auf einer Webseite eingebunden (nachfolgend: In-Page-Video-Werbung) In ersterem Fall wird teilweise weiter unterschieden zwischen Werbevideos, die vor dem eigentlichen Inhalt gezeigt werden (pre-roll), solchen, die den eigentlich interessierenden Inhalt unterbrechen (mid-roll), und solchen, die nach dem eigentlich interessierenden Inhalt abgespielt werden (post-roll). Die technischen Umfelder können dabei durchaus verschieden sein. Gängig sind Webseiten, welche die eigentlich interessierenden Inhalte zum Download oder zum Strea- 17 Die Antworten der Beteiligten (1 bzw. 2) bewegen sich im selben Bereich ([...]). 18 So benötigt beispielsweise ein Audio/Video-Stream in herkömmlicher TV-Auflösung (SD) bei vergleichbarer Qualität mit dem heute typischen Kompressionsverfahren H.264/AVC eine Datenübertragungsrate von mindestens 1 2 Mbit/sek. 19 Dies entspricht einer im Markt gängigen Grundklassifizierung, vgl17 ming 20 anbieten, wie es beispielsweise die Angebote der Parteien unter oder tun. Es eignen sich aber auch Angebote wie Zattoo, welches über das Übertragungsmedium Internet herkömmliche TV-Kanäle im Streaming-Verfahren überträgt und beim Umschalten der Kanäle Werbespots einblendet. Allen diesen Ansätzen ist gemeinsam, dass sie das Internet als neuen Übertragungsweg nutzen können, um die Werbevideos und (meist auch) die eigentlich interessierenden Inhalte zu den Zuschauern zu transportieren. In-Stream-Video-Werbung ist nächstes Substitut zu Fernsehwerbung 51 Im Hinblick auf die Werbeform der In-Stream-Video-Werbung wie sie im Fokus der Parteien für den Aufbau des Gemeinschaftsunternehmens steht, sprechen sowohl bestimmte Eigenschaften dieser Werbeform als auch bereits derzeit erkennbare Entwicklungen im Mediennutzungsverhalten und in der Endgerätetechnik dafür, dass sie aus Nachfragersicht das nächste Substitut zu Fernsehwerbung darstellt, wenn sie nicht sogar zumindest perspektivisch dem Fernsehwerbemarkt zuzurechnen ist. Die weiteren Ergebnisse der Marktuntersuchung der Beschlussabteilung bestätigen dies ebenfalls Schon von zentralen Eigenschaften her betrachtet steht sie herkömmlicher TV-Werbung sehr nahe. Sie verwendet die gleiche Form das Video als Werbemittel, das den Rezipienten mit Bild und Ton auf zwei Sinneskanälen zugleich anspricht. Dieser Form wird eine besondere Eignung zur emotionalen Ansprache und zur Imagebildung zugeschrieben. 22 In der Gestalt der In- Stream-Video-Werbung verwendet sie darüber hinaus auch ein sehr ähnliches Umfeld (wiederum Video). Sie teilt dabei mit TV-Werbung den aus der Sicht der Werbetreibenden bestehenden Vorzug, dass der Zuschauer, der primär den sie einrahmenden Inhalt konsumieren möchte, am Fortgang des Inhalts interessiert ist ( bald geht s weiter ) und damit jedenfalls zu erheblichen Teilen zu motivieren ist, auch den Werbespot anzusehen. So betrachtet erscheint ein Vi- 20 Streaming bedeutet zunächst, dass die Audio-/Video-Daten bereits wiedergegeben werden, noch während die Datei zum Zielrechner übertragen wird, ggf. sogar in Echtzeit. D. h. der Nutzer muss nicht erst die Übertragung der gesamten Datei abwarten. Aus Anbietersicht kann Streaming zudem den Vorteil haben, dass sich damit das Mitschneiden der Daten zumindest erschweren lässt. 21 In Ihrem Schreiben vom 10. März 2011 (Seite 4) wenden die Beteiligten sich ohne nähere Begründung gegen diesen Befund. An anderer Stelle hingegen wirbt beispielsweise die Beteiligte zu 2 mit Aussagen, die eben den angezweifelten Ermittlungsergebnissen entsprechen. So führt sie etwa in der Werbebroschüre Bilder bewegen Menschen im Internet und mobil / Werbewirkung von Bewegtbild (verfügbar über aus: [...] können Sie von Bewegtbild-Werbung prinzipiell die gleichen Wirkungsmechanismen erwarten, wie sie von klassischer TV-Werbung bekannt sind (Seite 7); Die Schaltung von In-Stream-Bewegtbild- Spots entspricht der bekannten Mechanik vom linearen Fernsehen (Seite 14); Bewegtbild-Werbung im Inrternet verfügt über die gleichen Stärken wie TV-Werbung (Seite 20). 22 vgl. die Antworten auf die Nachfragerbefragung (1. Phase) des Bundeskartellamtes ([...])18 deo on Demand-Portal wie das von den Parteien beabsichtigte vor allem als neuer Übertragungsweg für audiovisuelle Werbespots. Auch ansonsten wird aber im Fernsehwerbemarkt nicht zwischen Übertragungswegen unterschieden. Dementsprechend weisen, wie eine Durchsicht zeigt, die auf den verschiedenen Video on Demand-Portalen geschalteten In-Stream- Video-Werbespots von Ihrer Anmutung her große Ähnlichkeiten zu herkömmlichen Fernsehwerbespots auf. 53 Dieses Ergebnis bestätigen auch die Ermittlungen der Beschlussabteilung zur Ausprägung einzelner Eigenschaften bei unterschiedlichen Werbeformen. Auch hier zeigte sich, dass die Nähe zwischen Fernsehwerbung und In-Stream-Video-Werbung gerade hinsichtlich der beiden häufig genannten zentralen Eigenschaften der Fernsehwerbung deutlich größer ist als zwischen Fernsehwerbung und den übrigen Online-Werbeformen: Eignung zur emotionalen Ansprache und Eignung für Imagewerbung. 23 Bei beiden Faktoren erreicht Fernsehwerbung (in der Grafik jeweils links) bei der skalenorientierten Abfrage die höchsten Durchschnittswerte für die Ausprägung der Eigenschaft, eng gefolgt von In-Stream-Video-Werbung (jeweils mittig): 54 Gewisse Unterschiede zwischen Fernsehwerbung einerseits und In-Stream-Video-Werbung andererseits bestehen gegenwärtig insbesondere noch hinsichtlich der Reichweite, da In- Stream-Video-Werbung nach Einschätzung der Befragten derzeit noch weniger gut zur Erzielung einer hohen Reichweite geeignet ist als Fernsehwerbung. Nach Angaben vieler Befragter 23 Auch diesen Befund macht sich die Beteiligte zu 2 in der oben genannten Broschüre (Fußnote 21) werblich zu eigen: Durch den Einsatz von Bewegtbild-Spots müssen Sie bei Ihren Online-Kampagnen nicht mehr auf die Stärken von TV-Werbung, nämlich die Schlagkraft der audiovisuellen Ansprache und die Möglichkeit, Ihre Marke emotional zu inszenieren, verzichten (Seite 16, vgl. auch Seite 20)19 dürfte In-Stream-Werbung jedoch aufgrund eines geänderten Mediennutzungsverhalten zukünftig an Reichweite gewinnen, so dass die Unterschiede zur Fernsehwerbung noch geringer werden. Zudem ist bei In-Stream-Video-Werbung eine Entwicklung zu beobachten, welche die (noch) bestehenden geringeren Reichweiten jeweils der einzelnen Online-Angebote im Vergleich zu Fernsehwerbung relativieren kann. Es entstehen hier ähnlich wie schon bei herkömmlicher Online-Werbung Werbenetzwerke, welche die Reichweiten einer Vielzahl einzelner Webangebote bündeln und den Werbekunde die Schaltung entsprechender Werbung über eine Vielzahl der gebündelten Seiten aus einer Hand anbieten. Zu den entsprechenden Anbietern zählen Unternehmen wie Smartclip und Tremor Media. Der noch bestehende Nachteil der geringeren absoluten Reichweiten wird zudem zumindest teilweise durch eine andere Eigenschaft von In-Stream-Video-Werbung kompensiert. Mit dem bei dieser Werbeform möglichen Targeting 24 wird es für enger gefasste Zielgruppen machbar, eine Vielzahl von Schaltungen bei verschiedenen Online-Angeboten so zu kombinieren, dass auch in dieser Zielgruppe hohe Reichweiten erzielt werden. 55 Das Näheverhältnis von In-Stream-Video-Werbung zu Fernsehwerbung befördern ferner aktuelle Entwicklungen im Mediennutzungsverhalten sowie in der Endgerätetechnologie. 56 Bereits heute nimmt insbesondere bei jüngeren Zielgruppen der Konsum audiovisueller Inhalte über das Internet zu einem vom Konsumenten selbst bestimmten Zeitpunkt (Video on Demand über das Internet) deutlich zu. 25 Die Entwicklung zeigt sich auch den sich entwickelnden Angeboten, von Portalen wie YouTube über die eigenen Video on Demand-Angebote der Beteiligten und praktisch aller anderen Fernsehsender bis hin zu den Mediatheken der öffentlichrechtlichen Rundfunksender, die von den Privatsendern heftig bekämpft werden, gerade weil 24 Unter targeting ist das zielgruppenorientierte Einblenden von Werbung auf einer Webseite zu verstehen. Es dient insbesondere der Verringerung von Streuverlusten. Online-Werbung bietet besonders umfangreiche Möglichkeiten einzugrenzen, welche Eigenschaften und Interessen der Aufrufer einer Webseite aufweist, d. h., zu welcher Zielgruppe er gehört. So lässt sich über die von ihm verwendete Internet-Adresse zusammen mit entsprechenden Datenbanken mit hoher Sicherheit feststellen, wo sich der Aufrufer befindet. Über sogenannte Cookies kleine Informationsschnipsel, die auf Anforderung eines Webservers auf dem Computer des Aufrufers gespeichert werden und der individuelle Wiederkennung eines Rechners dienen können lässt sich bei sehr vielen Websurfern gut nachvollziehen, welche Seiten sie zuvor angesteuert haben, was wiederum etwas über ihre Interessen und ggf. über ihre Demografie (Alter, Geschlecht) aussagt. Auch die Internet-Adresse lässt sich eingeschränkt für die Verfolgung des Surfverhaltens verwenden. Vom Surfer verwendete Suchbegriffe geben ebenfalls Aufschluss über seine Interessen. 25 Siehe Ergebnisse der ARD/ZDF-Onlinestudie 2010: Bewegtbild im Web Multioptional im digitalen Zeitalter, Media Perspektiven 7-8/2010, Seite 350f. ([...])20 sie darin Nachteile für ihre Geschäfte sehen. 26 Diese Entwicklung wird sich fortsetzen mit dem Nachwachsen weiterer junger Generationen. Der voranschreitende Ausbau breitbandiger Internet-Anschlüsse 27 wird die Entwicklung stützen und befördern. Das bedeutet nicht, dass herkömmliches lineares Fernsehen, das über die traditionellen Verbreitungswege terrestrische Sendung, Satellitensendung und Kabelweitersendung zu den Zuschauern gelangt, in absehbarer Zeit vollständig ersetzt wird. Noch sind die Kostenvorteile des herkömmlichen Modells in all den Fällen zu groß, in denen vergleichsweise viele Menschen sich zeitgleich für einen bestimmten Inhalt interessieren oder interessieren lassen. Zudem ist eine völlige Verschiebung der Mediennutzungsgewohnheiten nicht zu erwarten. Das gilt insbesondere für die Nutzung des Fernsehens als Medium für den rein passiven Konsum. Aber seine Bedeutung wird, soviel erscheint bereits heute sicher, abnehmen. Auch für Werbebotschaften werden damit mehr und mehr Menschen und Zielgruppen besser über das Internet als über das Fernsehen erreichbar sein. Fernsehen wird für diese Menschen tendenziell ein Dienst im Netz werden. Es ist zu erwarten, dass es interaktiver wird und sehr viel näher an Video on Demand heranrückt. Die Fernsehwerbung wird sich daher notwendigerweise ebenfalls in Richtung auf audiovisuelle Werbung in solchen Video on Demand-Angeboten wandeln. Das entspricht auch der Erwartung der von der Beschlussabteilung befragten Unternehmen zu der Marktentwicklung bei beiden Werbeformen: Bei Fernsehwerbung erwarten diese eine Stagnation, bei In-Stream-Video-Werbung jedoch ein deutliches Wachstum. 57 Parallel zu dieser Entwicklung läuft eine heute schon deutlich erkennbare Integration bei den Endgeräten. Hersteller von TV-Geräten wie Sony, Samsung, Panasonic und Philips statten ihre Produkte zunehmend mit Zugangsmöglichkeiten zum Internet aus. Entsprechende Geräte werden immer häufiger gekauft, so geht beispielsweise der IT-Branchenverband BITKOM davon aus, dass 41% der im Dezember 2010 abgesetzten Fernsehgeräte internetfähig sind. 28 Teilweise handelt es sich dabei um mehr oder weniger vollwertige WWW-Zugänge (durch Integration eines Web-Browsers), teilweise werden nur vom Hersteller ausgewählte Internetangebote zugänglich gemacht (darunter häufig YouTube oder die Angebote einzelner Fernsehsender). Die 26 vgl. die Äußerungen des Verbandes der privaten Fernsehsender VPRT zu den sogenannten Telemedienkonzeption der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten, und 27 Vgl. BNetzA, Jahresbericht 2009, Seite 80 ff.: Im Jahr 2009 existierten 25 Mio. Breitbandanschlüsse in Deutschland; 09Id18409pdf.pdf 28 c't magazin für computertechnik, Heft 26/2010, Seite Mehr anzeigen
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