Source: http://www.cr-online.de/58747.htm
Timestamp: 2019-06-17 11:14:48
Document Index: 7448304

Matched Legal Cases: ['§ 4', '§ 41', '§ 41', '§ 41', '§ 41', '§ 41']

Energieversorger muss bei Angebot eines Tarifs im Internet genügend Zahlungsmöglichkeiten zur Verfügung stellen
Der Kläger ist ein in die Liste qualifizierter Einrichtungen nach § 4 UKlaG eingetragener Verbraucherschutzverein. Die Beklagte ist ein Energieversorgungsunternehmen. Sie bietet insbesondere den streitgegenständlichen Tarif im Internet an, bei dessen Bestellung ein Kunde ausschließlich die Zahlung per Bankeinzug wählen kann. Ohne Eintragung der Kontodaten in die dafür vorgesehenen Felder kann der Bestellvorgang nicht fortgeführt werden. Der Kläger nahm die Beklagte darauf in Anspruch, es zu unterlassen, im Rahmen geschäftlicher Handlungen gegenüber Verbrauchern die Bestellung eines Stromlieferungsvertrages von der Bedingung abhängig zu machen, dass die Verbraucher ihre Kontodaten eingeben und einer Zahlung per Bankeinzug zustimmen.
Die Beklagte hat es zu unterlassen, die Bestellung des streitgegenständlichen Tarifs von der Zahlung per Bankeinzug abhängig zu machen. Das Internetangebot der Beklagten verstößt gegen § 41 Abs. 2 Satz 1 EnWG.
Durch die verbraucherschützende Vorschrift des § 41 Abs. 2 Satz 1 EnWG soll sichergestellt werden, dass dem Haushaltskunden der Grundversorgung vor Vertragsschluss verschiedene Zahlungsmöglichkeiten offeriert werden. Das Angebot weiterer Zahlungsmöglichkeiten erst nach Abgabe der Bestellung, wie von der Beklagten behauptet, entspricht nicht § 41 Abs. 2 Satz 1 EnWG. Ausreichend ist insoweit, dem Kunden zumindest drei verschiedene Zahlungswege zur Verfügung zu stellen.
Die verschiedenen Zahlungsmöglichkeiten sind dem Kunden vor Vertragsschluss anzubieten. Zwar stellt die Bestellung durch den Kunden noch nicht den Vertragsschluss dar. Der Grundgedanke des § 41 Abs. 2 Satz 1 EnWG wird allerdings unterlaufen, wenn der Energieversorger für einen bestimmten Tarif ein standardisiertes Angebotsmuster mit einer einzigen, verpflichtend zu wählenden Zahlungsmöglichkeit vorgibt, um überhaupt eine Bestellung abgeben zu können. Der Kunde wird zudem regelmäßig erwarten, dass der Stromlieferungsvertrag alsbald nach Bestellung durch eine Bestätigung des Angebots seitens der Beklagten zustande kommt, ohne dass zuvor noch weiterer Schriftverkehr erfolgt oder dem Kunden noch eine Möglichkeit eingeräumt wird, von der bereits erklärten Einwilligung zur Lastschriftzahlung wieder abzurücken.
Für den Bereich der Versorgung mit Strom im Rahmen von Sonderkundenverträgen mit Verbrauchern gelten die genannten Grundsätze in gleicher Weise. Die Vorschrift des § 41 Abs. 2 Satz 1 EnWG findet auf sämtliche Energielieferungsverträge mit Haushaltskunden außerhalb der Grundversorgung Anwendung.
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