Source: https://rd.springer.com/chapter/10.1007/978-3-642-52079-2_3
Timestamp: 2019-10-24 04:22:10
Document Index: 241144667

Matched Legal Cases: ['EuG', 'Art. 108', 'Art. 30', 'Art. 33', 'Art. 59', 'Art. 30', 'Art. 115', 'Art.8', 'Art. 4']

Effizienzkriterien für eine Währungsunion | Springer for Research & Development
Währungsdesintegration — Das Ende von Währungsunionen pp 11-98 | Cite as
Effizienzkriterien für eine Währungsunion
Der Wegfall von Transaktionskosten spielt bei der politischen Diskussion über die Einführung einer einheitlichen europäischen Währung eine überragende Rolle. Die Kommission der Europäischen Gemeinschaften legt in ihrem umstrittenen Gutachten “one market — one money” hier den Schwerpunkt ihrer Agitation für eine Gemeinschaftswährung20.
Vgl. Kommission der Europäischen Gemeinschaften (1990), One Market, one money, European Economy, No. 44.Google Scholar
Die zweifelhaften Rechenmethoden bei der Ermittlung der Transaktionskostenreduktion werden u.a. kritisiert von Haller, Andrew Hughes/ Minford, Patrick/ Rastogi, Anupam (1992), The Price of EMU Revisited, CEPR Discussion Paper, No. 656.Google Scholar
x bezeichne die Zahl der Güter.Google Scholar
Im Falle einer Wechselkursunion mit festen Wechselkursen könnten diese Kosten, je nach der Glaubwürdigkeit der Wechselkursbindung, vermindert werden.Google Scholar
Vgl. Yeager, Leland B. (1958, S. 437), Exchange Rates within a common market, in: Social Research, Vol. 25, S. 415–438.Google Scholar
Eine Beschäftigung mit den Ersparnissen durch eine einheitliche Währung findet sich bereits bei Trimborn, Wilhelm (1931, S. 5f), Der Weltwährungsgedanke, Jena.Google Scholar
Siehe hierzu auch Kapitel I.A.1.6 (Exkurs: Währungsunion und kompetitive Abwertung).Google Scholar
Vgl. hierzu schon die entsprechende Forderung in Artikel 13 Ziffer 2 des Entwurf eines “christlichen Fürstenbund zum Kampf gegen die Türken” von 1462 oder im 16. Jahrhundert Landgraf Phillip von Hessen: “Hätten wir alle einen Glauben, Gott, Gerechtigkeit vor Augen. Ein Gewicht Maß, Münz und Geld, Dann stünde es besser in der Welt”, zitiert nach Trimborn, Wilhelm (1931, S. 19), Der Weltwährungsgedanke, JenaGoogle Scholar
sowie bekannter Mill, John Stuart (1894, S. 176), Principles of Political Economy Vol. II, New York.Google Scholar
Abgesehen von den Kosten des Betreibens der Zentralnotenbank.Google Scholar
Einen umfassenden Überblick der Theorie der Network-Externalities gibt Thum, Marcel (1995), Netzwerkeffekte, Standardisierung und staatlicher Regulierungsbedarf, Tübingen.Google Scholar
Vgl. Dowd, Kevin/ Greenaway, David (1993, S. 1188), Currency Competition, Network Externalities and Switching Costs: Towards an Alternative View on Optimum Currency Areas, in: Economic Journal, Vol. 103, S. 1183–1189.CrossRefGoogle Scholar
Vgl. Fleming, John M (1971, S. 480), On Exchange Rate Unification, in: Economic Journal, Vol. 81, S. 467–488.Google Scholar
Der Briefkurs bezeichnet den Kurs zum Ankauf der Währung, der Geldkurs den Kurs zum Verkauf der Währung. Der Briefkurs liegt naturgemäß oberhalb des Geldkurses. Der Mittelkurs beschreibt das arithmetische Mittel beider Kurse.Google Scholar
Dies entspricht dem Argument von Fleming (1971).Google Scholar
Spricht man von geringeren Seigniorage-Einnahmen so muß man unterstellen, daß die Seigniorage innnerhalb der Währungsunion entsprechend dem umlaufenden Geldvolumen in den Regionen verteilt wurde. Für eine ausführliche Definition des Begriffs der Seigniorage sowohl aus geldtheoretischer Sicht (als Geldhaltungskosten des privaten Sektors) wie auch aus fiskalischer Sicht (als Einkünfte des staatlichen Sektors durch die Schaffung von Geld) siehe die Kapitel I.A.5.3.a und I.A.5.3.b. In den Kapiteln I.A.5.3.c und I.D.4 werden wir die Problematik der regionalen Verteilung der Seigniorage im Falle der Nichtmitgliedschaft und Mitgliedschaft in einer Währungsunion eingehender untersuchen.Google Scholar
Die Seigniorage Einnahmen sinken dabei außer aufgrund grund der geringeren Geldhaltung der mit dem Ausland handelnden inländischen Wirtschaftssubjekte aufgrund des allgemeinen Akzeptanzverlusts der Währung im Inland (siehe. hierzu das Argument von Mundell bzw. McKinnon gegen eine Balkanisierung von Währungen in Kapitel I.A.1.4). Zur Entwicklung der Attraktivität einer Währung als Reservewährung im Ausland siehe das folgende Kapitel I.A.1.1.d.Google Scholar
Wohlgemerkt ist dies nicht das einfache Transaktionskosten-Argument aus Kapitel I.A.1.1.a, wonach der Austritt aus einer Währungsunion die Transaktionskosten beim Handel zwischen den Mitgliedsländern erhöht, hier wird vielmehr gezeigt, daß durch den Austritt aus einer Währungsunion auch die Transaktionskosten beim Handel mit der RestWelt ansteigen.Google Scholar
Vgl. Kafka, Alexandre (1969), Regional Monetary Integration of the Developing Countries, in: Mundell, Robert A./ Swoboda, Alexander K [Hg.], Monetary Problems of the International Economy, Chicago, S. 135–143.Google Scholar
Für einen mathematischen Beweis der Ersparnisse dieses “Poolings” vgl. Mundell, Robert A. (1973b, S. 122ff), Uncommon Arguments for Common Currencies, in: Johnson, Harry G./ Swoboda, Alexander K [Hg.], The Economics of Common Currencies, Chicago, S. 114–132.Google Scholar
Vgl. Mundell, Robert A. (1973b, S. 127f), Uncommon Arguments for Common Currencies, in: Johnson, Harry G./ Swoboda, Alexander K [Hg.], The Economics of Common Currencies, Chicago, S. 114–132.Google Scholar
Vgl. Kafka, Alexandre (1969), Regional Monetary Integration of the Developing Countries, in: Mundell, Robert A./ Swoboda, Alexander K [Hg.], Monetary Problems of the International Economy, Chicago, S. 135–143Google Scholar
und Kafka, Alexandre (1973, S. 211), Optimum Currency Areas and Latin America, in: Johnson, Harry G./ Swoboda, Alexander K [Hg.], The Economics of Common Currencies, Chicago, S. 210–218.Google Scholar
Die Relevanz dieser Problematik zeigt sich etwa bei der Europäischen Währungsunion im Vergleich zwischen Deutscher Mark und Griechischer Drachme.Google Scholar
Vor der Bildung der Union ist aus beiden Gründen daher mit einem Rückfluß an Al-Währung nach A l mit der Folge dortiger inflationärer Tendenzen zu rechnen. Diese Gefahr würde sich noch zusätzlich erhöhen, wenn die neue Unionswährung über eine geringere Reputation verfügt als die AI-Währung. Die internationalen Anleger werden dann ihr Portfolio von A 1 Währungsbeständen nicht zu Gunsten der neuen Unionswährung, sondern zu Gunsten anderer Rest-Welt-Währungen umschichten. Vor Beginn einer Europäischen Währungsunion ist daher mit erheblichen Rückflüssen an D-Mark mit der Folge inflationärer Tendenzen in Deutschland und Seigniorage-Verlusten zu rechnen.Google Scholar
Sofern ihre Einsparungen den Verlust an Seigniorage-Einnahmen durch das Pooling der Rest-Welt übersteigen.Google Scholar
D.h. auf Rest-Welt-Währungen lautende Währungsreserven.Google Scholar
Abgesehen von den einschränkenden Bemerkungen für ein Reservewährungsland im vorigen Kapitel.Google Scholar
Vgl. Scitovsky, Tibor (1958, S. 96), Economic Theory and Western European Integration, 2. Aufl. 1962, London.Google Scholar
Vgl. Ingram, James C. (1962, S. 119f), Regional Payments Mechanism: The Case of Puerto Rico, Chapel Hill.Google Scholar
Vgl. Ishiyama, Yoshihide (1975, S. 356), The Theory of Optimum Currency Areas: A Survey, in: IMF Staff Papers, Vol. 22, S. 344–383Google Scholar
sowie ausführlicher Tower, Edward/ Willet, Thomas D. (1976, S. 27ff), The Theory of Optimum Currency Areas and Exchange Rate Flexibility, Special Studies in International Economics, No. 11, Princeton.Google Scholar
Vgl. hierzu und im folgenden Mundell, Robert A. (1961, S. 657), A Theory of Optimum Currency Areas, in: American Economic Review, Vol. 51, S. 657–665.Google Scholar
Für eine Zusammenfassung der Kritik am Ansatz von Mundell vgl. z.B. Ishiyama, Yoshihide (1975, S. 347ff), The Theory of Optimum Currency Areas: A Survey, in: IMF Staff Papers, Vol. 22, S. 344–383CrossRefGoogle Scholar
und Masson, Paul R./ Taylor, Mark P. (1992, S. 43f), Issues in the Operation of Monetary Unions and Common Currency Areas, in: IMF Ocassional Paper, No. 96, S. 37–72.Google Scholar
Vgl. Hochreiter, Eduard/ Winckler, Georg (1994, S. 23), Die Wechselkurspolitik der Österreichischen Nationalbank, in: Duwendag, Dieter [Hg.], Geld und Volkswirtschaft in kleinen offenen Volkswirtschaften: Österreich, Schweiz, Osteuropa, Schriften des Vereins für Socialpolitik N.F., Band 230, S. 17–41.Google Scholar
Mundell, Robert A. (1961, S. 663), A Theory of Optimum Currency Areas, in: American Economic Review, Vol. 51, S. 657–665.Google Scholar
Vgl. McKinnon, Ronald I. (1963), Optimum Currency Areas, in: American Economic Review, Vol. 53, S. 717–725.Google Scholar
Das Argument wird in der Literatur statt Mundell gem völlig McKinnon zugerechnet (vgl. etwa Ishiyama, Yoshihide (1975, S. 351), The Theory of Optimum Currency Areas: A Survey, in: IMF Staff Papers, Vol. 22, S. 344–383); McKinnons Verdienst liegt jedoch lediglich in der strukturierten Darstellung im Rahmen einer modelltheoretischen Untersuchung der Wirksamkeit des Wechselkursinstruments auf die Zahlungsbilanz in mehr oder weniger offenen Volkswirtschaften.Google Scholar
Vgl. McKinnon, Ronald I. (1963, S. 722), Optimum Currency Areas, in: American Economic Review, Vol. 53, S. 717–725.Google Scholar
In einer unterbeschäftigten Volkswirtschaft entfallen diese Wirkungen auf den Sektor der nicht-handelbaren Güter.Google Scholar
Wie diese Mitwirkungsrechte ausgestaltet werden müssen und welche Konsequenzen unterschiedliche Inflationsneigungen in den einzelnen Mitgliedsländern der Union haben, werden wir weiter unten in Kapitel I.A.5.2 behandeln.Google Scholar
Vgl. Kenen, Peter B. (1969), The Theory of Optimum Currency Areas — An Eclectic View, in: Mundell, Robert A./ Swoboda, Alexander K [Hg.], Monetary Problems of the International Economy, Chicago, S. 41–60.Google Scholar
Vgl. Kenen, Peter B. (1969, S. 54), The Theory of Optimum Currency Areas — An Eclectic View, in: Mundell, Robert A./ Swoboda, Alexander K [Hg.], Monetary Problems of the International Economy, Chicago, S. 41–60.Google Scholar
Siehe hierzu Kapitel I.A.1.1.d (Währungsunion und Einsparung von Devisenreserven).Google Scholar
Vgl. Hemmer, Hans-Rimbert (1988, S. 418), Wirtschaftsprobleme der Entwicklungsländer, München.Google Scholar
Die Ähnlichkeit der Produktpalette entspricht Mundells Forderung nach symmetrischen Schocks.Google Scholar
Zur modelltheoretischen Begründung der beschäftigungspolitischen Vorteile einer solchen Politik vgl. etwa Rose, Klaus/ Sauernheimer, Karlhans (1992, S. 270), Theorie der Außenwirtschaft, München.Google Scholar
Siehe hierzu insbesondere Kapitel I.A.3.3 (Staatsverschuldung in einer Währungsunion).Google Scholar
Salin (1977, S. 189) bezeichnet die Kriterien der Theorie der optimalen Währungsräume auch als “Interdependenzkriterien”. Vgl. Salin, Pascal (1977), Die Theorie der optimales Währungsgebiete, in: Claassen, Emil-Maria [Hg.], Kompendium der Währungstheorie München, S. 177–200.Google Scholar
Für eine kurze Beschreibung der Rolle von Geld, Währung und Zentralbank in einem planwirtschaftlichen System siehe Kapitel II.C.1 sowie die dort angegebene Literatur.Google Scholar
Für Großbritannien und Dänemark gelten bezüglich des Automatismus der EWU einige Sonderbestimmungen. Zu Großbritannien vgl. “Protokoll über einige Bestimmungen betreffend das Vereinigte Königreich Großbritannien und Nordirland” des EUV. Zu Dänemark vgl. Europäischer Rat in Edinburgh (1992, Teil B, Anlage 1, Abschnitt B), Tagung der Staats- und Regierungschefs der EG am 11./12. Dezember 1992, Schlußfolgerungen des Vorsitzes, abgedruckt in: Presse- und Informationsamt der Bundesregierung — Bulletin, Nr. 140/92, S. 1277–1302.Google Scholar
Vgl. Bundesverfassungsgericht (1993, Teil C, II, (5)e, S. 124f), Urteil des Zweiten Senats vom 12. Oktober 1993, 2 BvR 2134/ 92, 2 BvR 2159/ 92 — Vertrag von Maastricht über die Europäische Union verfassungsgemäß, in: Europäische Grundrechte (EuGRZ), 20. Jg. H.17, S. 429–446.Google Scholar
Zur ökonomischen Rationalität der Maastrichter Konvergenzkrtierien vgl. etwa Kenen, Peter B. (1992), EMU After Maastricht, Washington D.C.;Google Scholar
Klein, Martin (1993), Bieten die Konvergenzkriterien von Maastricht die Grundlage für eine stabile europäische Währung?, in: ifo-Studien, Vol. 39, S. 1–18;Google Scholar
Klein, Martin/ Neumann, Manfred J. M (1993), Fiskalpolitische Regeln und Beitrittsbedingungen für die Europäische Währungsunion: Eine Analyse der Beschlüsse von Maastricht, in: Duwendag, Dieter/ Siebke, Jürgen [Hg.], Europa vor dem Eintritt in die Wirtschafts- und Währungsunion, Schriften des Vereins für Socialpolitik N.F., Band 220, S. 195–226Google Scholar
oder Buiter, William/ Corsetti, Giancarlo/ Roubini, Nouriel (1993), Excessive deficits: sense and nonsense in the Treaty of Maastricht, in: Economic Policy, Vol. 16, S. 57–100.Google Scholar
Artikel 109j (1) Europäischer Unions Vertrag (EUV).Google Scholar
Gemäß Artikel 1 des “Protokolls über die Konvergenzkriterien nach Artikel 109j des Vertrags zur Gründung der Europäischen Gemeinschaft” muß in einem Mitgliedstaat “anhaltende Preisstabilität” herrschen. Außerdem darf die durchschnittliche Inflationsrate, gemessen durch einen vergleichbaren Verbraucherpreisindex, im letzten Jahr vor der Prüfung um nicht mehr als 1,5 Prozentpunkte über der Inflationsrate jener — höchstens drei — EU-Mitgliedstaaten liegen, welche die niedrigste Inflationsrate aufweisen.Google Scholar
Gemäß Artikel 2 des “Protokolls über die Konvergenzkriterien ..” darf zum Zeitpunkt der Prüfung keine Ratsentscheidung nach Artikel 104c Absatz 6 EUV über das Vorhandensein eines “übermäßigen Defizits” vorliegen. Ein solcher Beschluß kann vom Rat gefällt werden, wenn die Schuldenstandsquote (Verhältnis von öffentlichem Bruttoschuldenstand und Bruttoinlandsprodukt zu Marktpreisen) über 60 % liegt, und/oder die Defizitquote (Verhältnis von öffentlichem Finanzierungssaldo und Bruttoinlandsprodukt zu Marktpreisen) 3 % überschreitet (vgl. Artikel 104c EUV und “Protokoll über das Verfahren bei einem übermäßigen Defizit”).Google Scholar
Gemäß Artikel 3 des “Protokolls über die Konvergenzkriterien ..” muß die Währung eines Beitrittskandidaten die im Rahmen des Wechselkursmechanismus des Europäischen Währungssystems vorgesehenen normalen Bandbreiten (zum Zeitpunkt der Unterzeichnung des EUV waren dies 2,25 Prozent nach oben und unten, am 2. August 1993 wurden “zeitweilig” die Bandbreiten auf 15 Prozent nach oben und unten ausgedehnt, der Inhalt der damaligen Erklärung läßt jedoch Interpretationsspielraum, ob es sich um eine Veränderung der normalen Bandbreiten oder um die Schaffung zeitlich befristeter vergrößerter Bandbreiten handelt, vgl. Communique of the European Community (1993), Brussels, August 2, 1993, in: Deutsche Bundesbank [Hg.], Auszüge aus Presseartikeln Nr. 53/ 93, S. 1.) zumindest in den letzten zwei Jahren vor der Prüfung “ohne starke Spannungen” eingehalten haben. Insbesondere darf in dieser Zeit kein Mitgliedstaat seine Währung gegenüber der eines anderen Mitgliedstaats “von sich aus” durch Veränderung des bilateralen Leitkurses abgewertet haben.Google Scholar
Gemäß Artikel 4 des “Protokolls über die Konvergenzkriterien ..” darf der langfristige Nominalzinssatz, gemessen anhand langfristiger Staatsschuldverschreibungen oder vergleichbarer Wertpapiere, im Verlauf des Jahres vor der Prüfling um nicht mehr als zwei Prozentpunkte über dem entsprechenden Satz in jenen — höchstens drei — Mitgliedstaaten liegen, welche die niedrigste Inflationsrate aufweisen.Google Scholar
Anders sieht es hingegen aus, wenn mehrere Institutionen, u.U. für jede Region eine, das Recht zur Geldschöpfung haben. In diesem Falle kann es zu Unterschieden bei den regionalen Inflationsraten kommen, wenngleich diese bei völliger Homogenität und freier Transferierbarkeit des Geldes sowie nicht zu großer Abgrenzung der interregionalen Märkte schnell abgebaut werden dürften. Dennoch kann in diesem Fall die Erfiillung des Inflationskriteriums in allerdings stark eingeschränkter, jedoch mit steigendem Inflationsniveau zunehmender Weise auch in einer Währungsunion als Zeichen für die Disziplin der monetären Instanzen und den politischen Willen für eine Währungsunion dienen. Auf die Problematik einer Währungsunion mit weiter selbständigen regionalen Zentralbanken mit Geldschöpfungsbefugnis wird in Kapitel II.C.2.1.b eingegangen.Google Scholar
Vgl. Artikel 109e (5) i.V.m. Art. 108 EUV.Google Scholar
Artikel 109j (1) 2.Satz EUV.Google Scholar
Letztlich können die gesamten Maastrichter Konvergenzkriterien als Versuch interpretiert werden, die Europäische Zentralbank mit einem Glaubwürdigkeitsvorschuß auszustatten. So soll der institutionelle Wechsel von den schon bislang sehr glaubwürdigen Notenbanken (vor allem den Notenbanken des “D-Mark-Blocks”) mit einem möglichst geringen Verlust an Glaubwürdigkeit für die Geldpolitik von statten gehen. Ziel der Maastrichter Regelungen ist es den Anstieg der Inflationserwartungen und die damit verbundenen Wohlfahrtsverluste in den traditionellen Niedrig-Inflationsstaaten der EU (vor allem Deutschland und die Niederlande) möglichst gering zu halten.Google Scholar
Artikel 109j (1) 5. Satz EUV.Google Scholar
Den Begriff der Staatsverschuldung definieren wir dazu alleine als Verschuldung des Staatssektors beim privaten Sektor. Die Möglichkeit des Staatssektors sich direkt bei der Zentralbank zu verschulden, hat von ihren Wirkungen völlig andere Konsequenzen in Gestalt einer Auswirkung auf die Geldmenge und wird erst im Kapitel I.A.5.3 (Seigniorage und Währungsunion) behandelt. Für dieses Kapitel unterstellen wir also, analog den Regelungen im Europäischen-Unions-Vertrag, daß es der Unionszentralbank untersagt ist, die Defizite des Staatssektors direkt zu finanzieren. Zur indirekten Finanzierung siehe Kapitel I.A.3.3 .ad (Preiseffekte).Google Scholar
Vgl. Deutsche Bundesbank (1990, S. 43), Stellungnahme der Deutschen Bundesbank zur Errichtung einer Wirtschafts- und Währungsunion in Europa, in: Deutsche Bundesbank [Hg.], Monatsbericht Oktober 1990, Frankfurt a. M., S. 41–45; Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung (1989, Ziff. 415ff, S. 183), Jahresgutachten 1989/90, Stuttgart und Wissenschaftlicher Beirat beim Bundesministerium für Wirtschaft (1989, S. 22ff), Gutachten Europäische Währungsunion, BMWI-Schr/enReihe, Nr. 61, Bonn.Google Scholar
Vgl. Ausschuß zur Prüfung der Wirtschafts- und Währungsunion (1989, Art. 30, S. 22 und Art. 33, S. 27), Bericht zur Wirtschafts- und Währungsunion in der Europäischen Gemeinschaft (“Delors-Bericht”), Drucksache CSEMU/14/89, Bonn.Google Scholar
Vgl. Ausschuß zur Prüfung der Wirtschafts- und Währungsunion (1989, Art. 59, S. 43), Bericht zur Wirtschafts- und Währungsunion in der Europäischen Gemeinschaft (“DelorsBericht”), Drucksache CSEMU/14/89, Bonn.Google Scholar
Artikel 109e (3) i.V.m. Artikel 104c (2) EUV.Google Scholar
Verhältnis von öffentlichem Bruttoschuldenstand und Bruttoinlandsprodukt zu Marktpreisen.Google Scholar
Verhältnis von öffentlichem Finanzierungssaldo und Bruttoinlandsprodukt zu Marktpreisen.Google Scholar
Die vielen “kann” im Text sind Ausdruck der äußerst vagen und Interpretationsspielräume provozierenden Bestimmungen des EUV.Google Scholar
Als erste Sanktion kann der Rat das entsprechende Land verpflichten, bei der Emission von Staatsschuldverschreibungen “zusätzliche Angaben” zu veröffentlichen. Weiter kann er die Europäische Investitionsbank ersuchen, ihre Darlehenspolitik gegenüber dem Mitgliedsstaat zu überprüfen. Als dritte Sanktion kann der Rat die Hinterlegung einer unverzinslichen Einlage bis zur Behebung des übermäßigen Defizits verlangen. Ultima Ratio ist die Verhängung einer Geldbuße in angemessener Höhe. Alle Beschlüsse bedürfen einer qualifizierten Mehrheit im Ministerrat. Vgl. Artikel 104c (11) EUV.Google Scholar
Vgl. Bovenberg, A. Lans/ Kremers, Jeroen J. M./ Masson, Paul R (1991, S. 387), Economic and Monetary Union in Europe and Constraints on National Budgetary Policies, in: IMF Staff Papers, Vol. 38, S. 374–398.Google Scholar
Zur Wirkung einer expansiven Fiskalpoltik in einer Währungsunion vgl. Sauernheimer, Karlhans (1984, S. 145ff), “Fiscal Policy” in einer Währungsunion, in: Finanzarchiv, Vol. 42, S. 143–157;Google Scholar
Feuerstein, Switgard/Siebke, Jürgen (1990, S. 375), Wechselkursunion und Stabilitätspolitik, in: Zeitschrift für Wirtschafts- und Sozialwissenschaften, Vol. 110, S. 359–379Google Scholar
Ploeg, Frederick van der (1991, S. 146f), Macroeconomic policy issues during the various phases of economic and monetary integration in Europe, in: European Economy, The economics of EMU, Special Edition No. 1, Brüssel.Google Scholar
Für das Defizitland muß dies nicht unbedingt gelten. Voraussetzung dafür ist jedoch, daß die zusätzlichen Staatsausgaben dort zumindest teilweise für staatliche Investitionen verwandt werden.Google Scholar
Um der bail-out Gefahr zu begegnen, enthält der Maastricht-Vertrag daher in Artikel 104b EUV eine ausdrückliche non-bail-out clause. Die politische Durchsetzbarkeit dieser Bestimmung im Fall einer konkreten Zahlungsschwierigkeit eines Mitgliedstaats wird jedoch angezweifelt (vgl. z.B. Kenen, Peter B. (1992, S. 68ff), EMU After Maastricht, Washington D.C.;Google Scholar
Eichengreen, Barry/ von Hagen, Jürgen (1995, S. 21f), Fiscal policy and monetary union — federalism, fiscal restrictions and the no-bailout rule, CEPR Discussion Paper, No. 1247) handelt es sich doch um eine zeitinkonsistente Regelung.Google Scholar
Vgl. Ausschuß zur Prüfung der Wirtschafts- und Währungsunion (1989, Art. 30, S. 21), Bericht zur Wirtschafts- und Währungsunion in der Europäischen Gemeinschaft (“DelorsBericht”), Drucksache C SEMU/ 14/89, Bonn.Google Scholar
Ein direkter Erwerb von Staatsschuldpapieren durch die Unionszentralbank ist dabei nicht nötig, durch Offenmarktkäufe von privaten Papieren kann die Notenbank die staatlichen Defizite indirekt finanzieren. Die Annahme hierbei ist, daß die privaten Anleger nicht zwischen öffentlichen und privaten Anleihen unterscheiden. Für den privaten Anleger ist es dann nicht von Bedeutung, ob ihm die Unionszentralbank aus seinem Bestand Staatstitel oder private Wertpapiere aufkauft. Wichtig ist, sie schafft damit “Platz für die Aufnahme der Staatstitel” bei den privaten Anlegern, so daß der “Offenmarktkauf effektiv eine monetäre Alimentierung von Staatsdefiziten bedeuten” wird. Vgl. Frenkel, Michael/ Klein, Martin (1992, S. 75), Eine theoretische Analyse zur Kontroverse um Unabhängigkeit versus Koordination der Fiskalpolitik in einer Währungsunion, in: Jahrbuch für Sozialwissenschaft, Vol. 42, S. 65–84.Google Scholar
Vgl. Bovenberg, A. Lans/ Kremers, Jeroen J. M/ Masson, Paul R. (1991, S. 380), Economic and Monetary Union in Europe and Constraints on National Budgetary Policies, in: IMF Staff Papers, Vol. 38, S. 374–398.Google Scholar
Einige Autoren sehen darüber hinaus in der Verhinderung eines Zusammenbruchs der Finanzmärkte im Gefolge einer Schuldenkrise in einem Mitgliedsland ein weiteres Motiv für ein bail-out durch die Unionszentralbank, im Sinne ihrer Funktion als lender of last ressort, vgl. etwa Eichengreen, Barry/ von Hagen, Jürgen (1995, S. 19), Fiscal policy and monetary union — federalism, fiscal restrictions and the no-bailout rule, CEPR Discussion Paper, No. 1247.Google Scholar
Steuern gleich mehrere (große) Mitgliedstaaten einen expansiven Kurs in der Finanzpolitik, mit der Folge einer Aufblähung der Gesamtnachfrage, so kann es kurzfristig auch ohne Geldmengenausdehnung zu preissteigernden Tendenzen kommen. Langfristig kann es jedoch, gemäß Quantitätsgleichung, ohne Ausdehnung der Geldmenge über das Wachstum des Sozialprodukts hinaus zu keiner dauerhaften Preissteigerung kommen.Google Scholar
Eine vompolitischen Prozeß losgelöste Begründungg gründung für eine überhöhte Staatsverschuldung und mögliche Preiseffekte in einer Währungsunion liefert Huber (1995) in einem ZweiPerioden-Zeitinkonsistenz-Modell. Danach werden die nationalen Regierungen in einer Währungsunion aufgrund der nicht gegebenen Möglichkeit zur Selbstbindung in Periode 1 ein gegenüber dem Zustand der Währungsautonomie höheres Volumen an Staatsausgaben wählen, worauf die Unionszentralbank zur Finanzierung der Staatsverschuldung in Periode 2 eine suboptimal hohe Inflation (als lump-sum tax) erzeugen wird. Nur durch eine fiskalische Integration wird diese erhöhte Staatsverschuldung wieder begrenzt. Hubers Schlußfolgerung, daß auch Defizitgrenzen im Sinne der Maastrichter Bestimmungen dieses Zeitinkonsistenz-Problem lösen können, überzeugt jedoch nur bedingt, unterstellt sie doch, eine Selbstbindung der Haushaltspolitik sei glaubwürdig und möglich, während gleichzeitig eine Selbstbindung der Unionszentralbank (etwa mit dem Ziel der Inflationsminimierung) im Modell ausgeschlossen wurde. Vgl. Huber, Bernd (1995), The Role of Fiscal Integration in a Monetary Union, Münchener Wirtschaftswissenschaftliche Beiträge, Nr. 95/12.Google Scholar
Die Richtung der Wechselkursentwicklung bei expansiver Fiskalpolitik ändert sich mit dem Betrachtungszeitraum. Kommt es in Folge der hohen Defizite zu einer monetären Expansion und damit steigenden Inflationsraten, so führt dies langfristig zu einem Abwertungsdruck, der sich in entsprechenden Abwertungsprämien widerspiegelt. Vgl. Bovenberg, A. Lans/ Kremers, Jeroen I. M./ Masson, Paul R. (1991, S. 387), Economic and Monetary Union in Europe and Constraints on National Budgetary Policies, in: IMF Staff Papers, Vol. 38, S. 374–398.Google Scholar
Scheide, Joachim/ Trapp, Peter (1991, S. 6), Etatdisziplin vom Markt, auch in einer Währungsunion müssen die beteiligten Länder nicht auf eine nationale Finanzpolitik verzichten, in: Deutsche Bundesbank [Hg.], Auszüge aus Presseartikeln, Nr. 13/1991, Frankfurt a. M.Google Scholar
Vgl. Scheide, Joachim/ Trapp, Peter (1991,. S. 6), Etatdisziplin vom Markt, auch in einer Währungsunion müssen die beteiligten Länder nicht auf eine nationale Finanzpolitik verzichten, in: Deutsche Bundesbank [Hg.], Auszüge aus Presseartikeln, Nr. 13/1991, Frankfurt a. M.Google Scholar
Issing, obwohl 1989 im Anhang des Gutachtens als einer der Mitglieder des Wissenschaftlichen Beirats, der ja bekanntlich die Marktsanktionen favorisiert, aufgeführt, zählt zu den prominentesten Befürwortern von Defizitgrenzen und ist erklärter Gegner des “Vertrauens auf den Markt” zur Sanktionierung von überhöhten Defiziten in einer Währungsunion.Google Scholar
Vgl. Issing. Ottmar (1991, S. 4), Über die harte ECU zur künftigen Europawährung, in: Deutsche Bundesbank [Hg.], Auszüge aus Presseartikeln, Nr.67/1991, Frankfurt a. M.Google Scholar
Vgl. Artikel 1C4b EUV.Google Scholar
Issing, Ottmar (1991, S. 4), Über die harte ECU zur künftigen Europawährung, in: Deutsche Bundesbank [Hg.], Auszüge aus Presseartikeln, Nr.67/1991, Frankfurt a. M.Google Scholar
Vgl. Issing, Ottmar (1991, S. 3), Über die harte ECU zur künftigen Europawährung, in: Deutsche Bundesbank [Hg.], Auszüge aus Presseartikeln, Nr.67/1991, Frankfurt a. M.Google Scholar
Vgl. Frenkel, Jacob A./ Goldstein, Morris (1991, S. 370), Monetary Policy in an emerging European Monetary Union, in: IMF Staff Papers, Vol. 38, S. 348–373.Google Scholar
Auch eine unabhängige Notenbank kann von den staatlichen Instanzen als “Regelgeber in eigener Sache” jederzeit durch eine Änderung des Notenbankstatuts zu einer monetären Alimentierung der Staatsschuld gebracht werden. Allenfalls eine verfassungsrechtliche Bestimmung der Unabhängigkeit kann diese Gefahr vermindern, ist in diesem Fall für eineGoogle Scholar
Regeländerung doch eine, je nach Land, 2/3 oder 3/4 Mehrheit im Parlament notwenig. Vgl. Sievert, Olaf (1992), Geld, das man nicht herstellen kann, in: Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 26. September 1992, S. 13.Google Scholar
Siehe hierzu Kapitel I.A.3.3.cd. (Fehlende Berücksichtigung der Tragbarkeit von Staatsverschuldung — Staatsverschuldung als Lastverschiebung und Finanzierungsproblem).Google Scholar
Diesen Effekt kann die Regierung eines Defizitlandes jedoch durch die Bereitstellung besonderer Investitionsanreize, finanziert zu Lasten immobiler Wirtschaftssubjekte, versuchen überzukompensieren.Google Scholar
Allerdings wurde in Maastricht mit der Vereinbarung, daß bei Überschreitung der Defizitgrenzen die goldene Haushaltsregel angewandt werden soll, hier ein Ausweg gefunden. Danach ist eine über 3 % hinausgehende investive Verwendung der Staatsverschuldung zulässig. Die Klarheit der Defizitgrenzen wird damit jedoch geschwächt. Die Erfahrungen der Bundesrepublik mit der goldenen Haushaltsregel nach Art. 115 Grundgesetz zeigen die mangelnde Praktikabilität dieser Bestimmung und die Gefahr, daß aus ihr eine Hintertür für einen Anstieg der Defizitquote wird. Ihre Bedeutung liegt “weit mehr im politischen Vorfeld” als in der Möglichkeit der späteren Sanktionierung. Vgl. Gandenberger, Otto (1990, S. 49), Verfassungsgrenzen der Staatsverschuldung — Eine Auseinandersetzung mit dem Urteil des Bundesverfassungsgerichts vom 18. April 1989, in: Finanzarchiv, Vol. 48, S. 28–51.Google Scholar
Siehe Kapitel I.A.1.4.Google Scholar
Artikel 104c (2) EUV.Google Scholar
Vgl. Mückl, Wolfgang (1983), Öffentliche Verschuldung und intertemporale Steuerlastverteilung, in: WiSt, Heft 10/1983, S. 497–503.Google Scholar
Vgl. Blanchard, Olivier (1990), Suggestions for a new set of fiscal indicators, OECD Department of Economics Working Paper, No. 79.CrossRefGoogle Scholar
Vgl. Arzbach, Matthias (1991, S. 635f), Das “Primary Budget Gap”-Konzept als Indikator für übermäßige öffentliche Defizite, in: WiSt, Heft 12/1991, S. 632–636.Google Scholar
Vgl. z.B. Gandenberger, Otto (1983), Thesen zur Staatsverschuldung, in: Hansmeyer, Karl-Heinrich [Hg.], Staatsfinanzierung im Wandel, Schriften des Vereins für Socialpolitik N.F., Bd. 134, Berlin, S. 843–865.Google Scholar
Anders als der letztlich beschlossene Vertragstext, enthielt der im Februar 1991 von der Deutschen Delegation eingebrachte Vertragsentwurf in Artikel 8e (4) noch eine Anwendung der goldenen Haushaltsregel innerhalb der Defizitgrenzen. Erst im Verlauf der Verhandlungen von Maastricht wurde dieser Passus geändert. Nunmehr muß die goldene Haushaltsregel zur Rechtfertigung einer über die Defizitgrenzen hinausgehenden Verschuldung herhalten. Vgl. Deutsche Delegation bei der Konferenz der Regierungen der Mitgliedstaaten — Wirtschafts und Währungsunion (1991, Art.8f (1), S. 8), Vorschlag einer Änderung des EG-Vertrages im Hinblick auf die Errichtung einer Wirtschafts- und Währungsunion vom 26. Februar 1991, Drucksache SN/1535/91 (UEM 29), Brüssel.Google Scholar
Vgl. etwa Arlt, Ursula (1994), Zur Messung staatlicher Defizite — eine Untersuchung anhand des Bundeshaushalts der Bundesrepublik Deutschland, Frankfurt a.M. u.a.O.Google Scholar
Es geht hier also nicht um die Frage des Beitrittskriteriums. Für die Verwendung der Defizitgrenzen als Beitrittskriterium sprechen andere, plausiblere Gründe, so vor allem der Schutz der noch wenig glaubwürdigen Europäischen Zentralbank vor insolventen Mitgliedern. Zudem sollen die zukünftigen Mitgliedstaaten mit der Erfüllung der Konvergenzkriterien zeigen, daß sie eine solide und tragfähige Haushaltspolitik auch ohne Beeinflussung der Geldpolitik betreiben können. Gleichzeitig wird die Währungsunion so vor einer zu großen Zahl schon vorhandener Staatsschuldtitel bewahrt.Google Scholar
Vgl. hierzu kämpferisch Gandenberger, Otto (1995), Staatsverschuldung und Fairneß zwischen den Generationen, Münchener Wirtschaftswissenschaftliche Beiträge, Nr. 95–22.Google Scholar
Werte aus: Deutsche Bundesbank (1996, Tab.2, S. 49), Monatsbericht Mai 1996, Frankfurt a. M.Google Scholar
Die Bundesregierung hat mittlerweile die Mängel im politischen Sanktionsmechanismus des Maastricht-Vertrags erkannt und fordert unter dem Schlagwort eines “Stabilitätspakts” einen automatischen Sanktionsmechanismus, vgl. etwa Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung (1995, Ziff. 446ff), Jahresgutachten 1995/96, Stuttgart. Dieser könnte Teile der Bedenken aus der Unwägbarkeit des politischen Prozesses bei der Sanktionierung entkräften, die politische Unsicherheit bliebe jedoch im Bereich der Diagnose des Defizits erhalten.Google Scholar
Vgl. Klein, Martin (1993, S. 2), Bieten die Konvergenzkriterien von Maastricht die Grundlage für eine stabile europäische Währung?, in: ifo-Studien, Vol. 39, S. 1–18.Google Scholar
Vgl. Art. 4 des “Protokolls über die Konvergenzkriterien nach Artikel 109j des Vertrags zur Gründung der Europäischen Gemeinschaft”.Google Scholar
Ein gewisses Problem des Zinskriteriums könnte in der Berechnungsmethode des Referenzzinsatzes gesehen werden. Dieser wird als Zinssatz der solidesten Mitgliedstaaten gebildet. Verschulden sich nun alle Mitgliedstaaten gleichmäßig “übermäßig”, so würde das Zinskriterium dennoch kein “übermäßiges Defizit” anzeigen. Eine solche Argumentation ist jedoch nicht stichhaltig, denn dann wäre die überhöhte Staatsverschuldung in einem Mitgliedsland auch kein externer Effekt mehr und müßte auch nicht mehr politisch “bestraft” werden. Insofern ist der Einwand allenfalls vor dem Hintergrund gerechtfertigt, daß im EUV ein allgemeines Instrument zur Reduzierung der Staatsverschuldung in der EU gesehen wird. Ein solches Anliegen ist jedoch unabhängig von einem Währungsunionsvertrag und muß auch nicht unionsweit, sondern kann auch durch die einzelnen Mitglieder nationalstaatlich geregelt werden.Google Scholar
Vgl. Finanzausschuß des Deutschen Bundestages (1991, S. 13/115), Stenographisches Protokoll vom 18. September 1991 zu Tagesordnungspunkt 4, Öffentliche Anhörung zur Europäischen Wirtschafts- und Währungsunion, Bonn.Google Scholar
Vgl. Meade, James E. (1957, S. 385ff), The balance-of-payments problems of a European free-trade area, in: Economic Journal, Vol. 67, S. 379–396.CrossRefGoogle Scholar
Auch wenn Meade lediglich von “banking system” spricht, erscheint angesichts seiner weiteren Ausführungen, die sich lediglich auf die Notwendigkeit einer einheitlichen Währung beziehen, die Annahme gerechtfertigt, daß er damit nur ein einheitliches Zentralbankensystem meint. Für die Forderung nach einem einheitlichen Bankensystem bleibt er ansonsten jede Begründung schuldig.Google Scholar
Zu den Ansätzen von Mundell und McKinnon siehe Kapitel I.A.1.3 und I.A.1.4.Google Scholar
Für Meades Fragestellung, einem Vergleich eines Zahlungsbilanzdefizit in einem Teil einer Währungsunion (Wales) mit dem Zahlungsbilanzdefizit in einem Land mit Goldstandard (Frankreich), ist dieser Punkt natürlich von erheblicher Bedeutung. Wales kann ein Zahlungsbilanzdefizit gegenüber England mit heimischer Währung ausgleichen, Frankreich muß ein Zahlungsbilanzdefizit gegenüber Deutschland mit seinen Devisenoder Goldreserven bezahlen.Google Scholar
Die Konzentration der antizyklischen Fiskalpolitik auf eine Unionsinstanz kann auch durch die in Kapitel I.AJ.bc. angesprochenen gestiegenen Importquoten in einer Wirtschaftsund Währungsunion begründet werden. Bei steigender realer Integration in einer Währungsunion steigt der Ressourcenaufwand eines Nationalstaats zur Erzielung einer bestimmten Multiplikatorwirkung, d.h. der Anreiz zur Durchführung einer keynesianischen Politik geht zurück. Eine fiskalische Integration, welche die konjunkturpolitischen Aktivitäten der Nationalstaaten bündelt, kann so also die Anwendung keynesianischer Politik in einer Währungsunion sicherstellten. Dieses Argument findet sich ähnlich auch bei Scitovsky, Tibor (1958, S. 97), Economic Theory and Western European Integration, 2. Aufl. 1962, London.Google Scholar
Vgl. z.B. Nordhaus, William D. (1975), The Political Business Cycle, in: Review of Economic Studies, Vol. 42, S. 169–190.CrossRefGoogle Scholar
Bis zu einem gewissen Grad kann die Finanzierung der Strukturpolitik zwar durch eine Erhöhung der Staatsverschuldung erfolgen, sie stößt hier jedoch an die Interessen der übrigen Mitgliedstaaten. Siehe hierzu Kapitel I.A.3.3.Google Scholar
Vgl. auch Tower, Edward/ Willet, Thomas D. (1976, S. 47f), The Theory of Optimum Currency Areas and Exchange Rate Flexibility, Special Studies in International Economics, No. 11, Princeton.Google Scholar
Vgl. Goodhart, Charles A. E./ Smith, Stephen (1993), Stabilization, in: European Economy, No. 5/1993, S. 417–455,Google Scholar
Italiener, Alexander/ Vanheukelen, Marc (1993), Proposals for Community stabilization mechanisms — Some historical applications, in: European Economy, No. 5/1993, S. 493–510Google Scholar
sowie von Hagen, Jürgen/ Hammond, George W. (1995), Regional Insurance against asymmetric shocks. An empirical study for the european community, CEPR Discussion Paper, No. 1170. Wertvolle Anregungen für den folgenden Abschnitt stammen aus einem Vortrag von Jürgen von Hagen an der Universität München Anfang 1995 und aus der darauffolgenden Diskussion.Google Scholar
Der Vergleich hinkt jedoch, sind hier doch auch positive asymmetrische Schocks (negative Einbrüche) möglich, die versichert werden sollen.Google Scholar
Fraglich erscheint im übrigen auch die Wahl des Versicherungsnehmers. Grundlegendes Postulat der ökonomischen Wissenschaft ist der methodologische Individualismus. Ausgegangen wird vom einzelnen Individuum. Überlegt man sich eine Alternative zur Schockversicherung ganzer Volkswirtschaften, so sind zunächst die einzelnen Wirtschaftssubjekte zu versichern. In vielen Ländern besteht ohnehin schon die Verpflichtung zur Teilnahme an der Arbeitslosenversicherung. Hier müßte ein Vorschlag zu einer Schockversicherung ansetzen. Durch den Zusammenschluß der Arbeitslosenversicherungen der einzelnen Mitgliedstaaten zu einer Unionsversicherung würde analog der Möglichkeit der Zentralbanken, Risiken zu poolen, der Bedarf an Vorsichtskasse für mögliche asymmetrische Schocks einer einzelnen Arbeitslosenversicherung zurückgehen. Ressourcen die zur Risikoabsicherung als Kasse gehalten wurden, würden frei zur produktiven Verwendung. Dieser Zusammenschluß würde die einzelnen Wirtschaftssubjekte der Volkswirtschaft also ebenso vor den Risiken asymmetrischer Schocks schützen und zusätzlich noch Ressourcen einsparen.Google Scholar
Vgl. Salai Martin, Xavier/ Sachs, Jeffrey (1991, S. 216), Fiscal federalism and optimum Currency Areas: Evidence for Europe from the United States, in: Canzoneri, Matthew B./ Grilli, Vittorio/ Masson, Paul [Hg.], Establishing a Central Bank: Issues in Europe and Lessons from the US, Cambridge, S. 193–227.Google Scholar
Vgl. Kenen, Peter B. (1969, S. 47ff), The Theory of Optimum Currency Areas — An Eclectic View, in: Mundell, Robert A./ Swoboda, Alexander K [Hg.], Monetary Problems of the International Economy, Chicago, S. 41–60.Google Scholar
Vgl. Sinn, Hans-Werner (1990, S. 500), Tax harmonization and tax competition in Europe, in: European Economic Review, Vol. 34, S. 489–504CrossRefGoogle Scholar
sowie Sinn, Hans-Werner (1994, S. 174ff), Wieviel Brüssel braucht Europa? Subsidiarität, Zentralisierung und Fiskalwettbewerb im Lichte der ökonomischen Theorie, in: Staatswissenschaften und Staatspraxis, Heft 2/94, S. 155–186.Google Scholar
Vgl. Sinn, Hans-Werner (1990, S. 500), Tax harmonization and tax competition in Europe, in: European Economic Review, Vol. 34, S. 489–504.CrossRefGoogle Scholar
Vgl. ähnlich auch von Hagen, Jürgen/ Walz, Uwe (1995, S. 188ff), Social Security and Migration in an Ageing Europe, in: Eichengreen, Barry/ Frieden, Jeffry/ von Hagen, Jürgen [Hg.], Politics and Institutions in an Integrated Europe, Berlin u.a.O., S. 177–192.CrossRefGoogle Scholar
Zu den Auswirkungen einer Aufspaltung der Befugnis zur Geldschöpfung auf mehrere Zentralbanken in einer Währungsunion siehe Kapitel II.C.2.1.b.Google Scholar
Vgl. bereits Grubel, Herbert G.. (1970, S. 322), The Theory of Optimum Currency Areas, in: Canadian Journal of Economics, Vol. 3, S. 318–324.CrossRefGoogle Scholar
und Tower, Edward/ Willet, Thomas D. (1970, S. 411), The Concept of Optimum Currency Areas and the Choice between Fixed and Flexible Exchange Rates, in: Halm, George N. [Hg.], Approaches to Greater Flexibility of Exchange Rates — The Bürgenstock-Papers, Princeton, S. 407–415Google Scholar
sowie Fleming, John M (1971, S. 476ff), On Exchange Rate Unification, in: Economic Journal, Vol. 81, S. 467–488CrossRefGoogle Scholar
und Salin, Pascal (1977, S. 190ff), Die Theorie der optimalen Währungsgebiete, in: Claassen, Emil-Maria [Hg.], Kompendium der Währungstheorie, München, S. 177–200.Google Scholar
Vgl. Muth, John F. (1961), Rational Expectations and the Theory of Price Movements, in: Econometrica, Vol. 29, S. 315–335. Mit der Annahme rationaler Erwartungen zwingend verbunden ist die Annahme der Freiheit von Geldillusion, d.h. ψ)-1.Google Scholar
Zur Problematik der Verwendung gesellschaftlicher Nutzenbegriffe und Indifferenzkurven vgl. etwa Samuelson, Paul A. (1956, S. 11 ff), Social Indifference Curves, in: Quarterly Journal of Economics, Vol. 70, S. 1–22CrossRefGoogle Scholar
und (scharf ablehnend) Musgrave, Richard/ Musgrave, Peggy/ Kullmer, Lore (1975, S. 73), Die öffentlichen Finanzen in Theorie und Praxis, Bd. 1, Tübingen.Google Scholar
Auf die Principal-Agent Beziehungen zwischen der Volkswirtschaft und den handelnden Akteuren innerhalb der staatlichen Instanzen wird, wie eingangs erwähnt, erst in Kapitel I.0 (Einbeziehung des politischen Prozesses) eingegangen. Eine entsprechende Vorgehensweise versucht De Grauwe (1992) der, anders als diese Arbeit, die Präferenzen der Notenbank als Indifferenzkurven verwendet und zeigt, daß die Notenbank im Tangentialpunkt von langfristiger Phillipskurve und Indifferenzkurve stets den Anreiz und die Möglichkeit hat, die Wirtschaftssubjekte mit einer höheren Inflationsrate (Überraschungsinflation) zu täuschen. Da die Wirtschaftssubjekte diesen Anreiz für die Notenbank erkennen, werden sie jedoch gleich höhere Inflationserwartungen bilden. Ein (suboptimales) Nash-Gleichgewicht werde so auf der langfristigen Phillipskurve im Tangentialpunkt einer kurzfristigen Phillipskurve mit einer Indifferenzkurve (analog Punkt C) erreicht, vgl. De Grauwe, Paul (1992, S. 13–18 und S. 45–55) The Economics of Monetary Integration, Oxford. Unklar in seinem Modell bleibt, weshalb die kurzfristige Phillipskurve trotz dieser quasi-rationalen Erwartungsbildung der Wirtschaftssubjekte statt eines senkrechten weiter einen fallenden Verlauf hat.Google Scholar
Vgl. ähnlich Tower, Edward/ Willet, Thomas D. (1976, Fußnote 2, S. 16), The Theory of Optimum Currency Areas and Exchange Rate Flexibility, Special Studies in International Economics, No. 11, Princeton.Google Scholar
Vgl. auch Laidler, David (1996), Independence of a Central Bank, Vortrag gehalten im Kolloquium der Volkswirtschaftlichen Fakultät der Ludwig-Maximilians-Universität München, mimeo.Google Scholar
Vgl. von Hagen, Jürgen/ Süppel, Ralph (1994), Central Bank Constitutions for Monetary Unions, CEPR Discussion Paper, No. 919.Google Scholar
Als weitere Arbeiten zu Theorien zur Optimalen Zentralbankverfassung sind zu nennen: Casella, Alessandra/ Feinstein, Jonathan (1990), Management of a common currency, in: De Cecco, Marcello/ Giovannini, Alberto [Hg.], A European Central Bank, London, S. 131–156,Google Scholar
Casella, Alessandra (1992b), Participation in a Currency Union, in: American Economic Review, Vol. 82, S. 847–863Google Scholar
und Waller, Christopher (1992), The Choice of a Conservative Central Banker in a Multisector Economy, in: American Economic Review, Vol. 82, S. 1006–1012.Google Scholar
Vgl. von Hagen, Jürgen/ Süppel, Ralph (1994, S. 10), Central Bank Constitutions for Monetary Unions, CEPR Discussion Paper, No. 919.Google Scholar
von Hagen, Jürgen/ Süppel, Ralph (1994, S. 7), Central Bank Constitutions for Monetary Unions, CEPR Discussion Paper, No. 919 erwähnen zwar diesen Punkt, die von ihnen formulierte Zielfunktion der Ratsmitglieder berücksichtigt dies jedoch nicht.Google Scholar
Noch problematischer erscheinen in diesem Zusammenhang Arbeiten zur Europäischen Währungsunion, die aufgrund der vergangenen makroökonomischen Performance der potentiellen Mitgliedstaaten Simulationen der möglichen Politik eines Europäischen Zentralbankrats durchführen, vgl. Vaubel, Roland (1995), Europäische Währungsunion a la Maastricht: Simulationen aus der Sicht der Public-Choice-Theorie, Vortrag gehalten im Forschungsseminar der Volkswirtschaftlichen Fakultät der Ludwig-MaximiliansUniversität München, mimeo. Entsprechende Ansätze verkennen, daß die vergangene Politik wiederum nur Ausdruck der Präferenzen unter dem Sysstemzwang des vergangenen Sysstems (hier: Europäisches Währungssystem) ist. Die Geldmengensteigerung, die das Zentralbankratsmitglied eines Landes x unter anderen Systemvoraussetzungen (Europäische Währungsunion) präferieren wird, läßt sich mit diesen vergangenen und systembedingten Daten jedoch nicht ermitteln. Der Ansatz von Vaubel gleicht insofern dem trügerischen Versuch aus der Beobachtung der Nachfrage eines Konsumenten nach einem Gut x 1 bei einem Preis p 1 und einem Preis p 2 für ein anderes Gut x 2 sowie einem bestimmten Einkommen auf das Indifferenzkurvensystem dieses Haushalts zu schließen.Google Scholar
Vgl. Schlesinger, Helmut (1993, S. 13), Hoffen auf den Thomas-Beckett-Effekt, in: Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 27. März 1993, S. 13.Google Scholar
Siehe hierzu Fußnote 151.Google Scholar
Mit der Verwendung eines Nash-Bargainingspiels setzt sich der Ansatz von Casella (1992b) auch von der sehr simplifizierenden Annahme eines bloßen Abstimmungsgremiums ab. Vgl. Casella, Alessandra (1992b), Participation in a Currency Union, in: American Economic Review, Vol. 82, S. 847–863.Google Scholar
Im Modell von von Hagen/ Süppel (1994) war ja mal der eine und mal der andere Mitgliedstaat (je nach Verteilung der Schocks) mehr an Inflation interessiert.Google Scholar
Vgl. Siebert, Horst (1992, S. 44), Bedingungen für eine stabile europäische Währung, in: Die Weltwirtschaft, Heft 1/1992, S. 40–49.Google Scholar
Vgl. Black, S. (1987, S. 287), Seigniorage, in: Eatwell, John/ Millgate, Murray/ Newton, Peter [Hg.], The New Palgrave — A Dictionary of Economics, Vol. 4, S. 287.Google Scholar
Im deutschen hat sich keine einheitliche Übersetzung von Seigniorage herausgebildet, am verbreitetsten ist die Übersetzung mit Prägegewinn, die jedoch den Nachteil hat, daß sie suggeriert, es handele sich um ein Phänomen aus Zeiten einer Münzwährung. Zunehmend setzt sich daher die direkte Verwendung mit zahlreichen Variationen in der Aussprache (französisch oder englisch) durch, die auch hier gewählt und, gemäß ihres französischen Ursprungs la seigniorage, in femininer Form gebraucht wird.Google Scholar
Siehe hierzu das folgende Kapitel I.A.5.3.b (Messung von Seigniorage).Google Scholar
Daher der bis in die zwanziger Jahre dieses Jahrhunderts gebräuchliche Ausdruck der “Zettelbanken”.Google Scholar
Die Terme Papiergeldwährung bzw. Papiergeldstandard werden hier und im folgenden für die Verwendung sämtlicher Formen von Geld, welches über keinen eigenen Wert verfügt (also auch Münzen aus kostengünstigen Metalllegierungen), gebraucht.Google Scholar
Vgl. Hayek, Friedrich A. von (1977), Entnationalisierung des Geldes — Eine Analyse der Theorie und Praxis konkurrierender Umlaufmittel, Tübingen.Google Scholar
Siehe hierzu Kapitel I.A.l.1.b.Google Scholar
Für einen Überblick über die bestehende Literatur vgl. Giovannini, Alberto/ Turtelboom, Bart (1993), Currency Substitution, CEPR Discussion Paper, No. 759.Google Scholar
Vgl. Klein, Martin/ Neumann, Manfred J. M (1990, S. 207ff), Seigniorage: What Is It and Who Gets It, in: Weltwirtschaftliches Archiv, Vol. 126, S. 205–221. Im folgenden verzichten wir jedoch bei der Analyse der Bestimmung der Seigniorage über die Opportunitätskosten auf die von Klein/Neumann (1990, S. 209) gemachte Annahme der Irrelevanz der Sonstigen Aktiva und der Einnahmen aus den Sonstigen Aktiva.Google Scholar
Mit Aufhebung dieser Annahme erübrigt sich die zwischen Ew jk (1992) und Klein/Neumann (1992) ausgetragene Kontroverse um die angebliche Unterschätzung der fiskalischen Seigniorage durch Klein/Neumann (1990), vgl. Ewijk, Casper van (1992), The Distribution of Seigniorage: A Note on Klein and Neumann, in: Weltwirtschaftliches Archiv, Vol. 128, S. 347–351Google Scholar
und Klein, Martin/ Neumann, Manfred J. M. (1992), The Distribution of Seigniorage — Reply, in: Weltwirtschaftliches Archiv, Vol. 128, S. 352–356. Darüber hinaus fassen wir Kredite der Zentralbank an den staatlichen Sektor und Staatsanleihen in Besitz der Zentralbank zusammen.Google Scholar
Auch wenn in der öffentlichen Diskussion gelegentlich der Notenbankgewinn als Maß für den Geldschöpfungsgewinn des Staates bezeichnet wird, handelt es sich hierbei, wie im folgenden deutlich wird, nur um eine theoretisch wenig aussagekräftige Restgröße. Vgl. auch Lange (1995, S. 1), der seine Arbeit mit dem Satz beginnt: “Während der Zentralbankgewinn, besonders in Jahren hoher Gewinnausschüttungen, intensiv diskutiert wird, fällt dem Seigniorage in der wissenschaftlichen Diskussion eher eine Nebenrolle zu. Dabei ist es der Seigniorage, der den realen Geldschöpfungsgewinn des Staates bzw. seiner Zentralbank in voller Breite erfaßt”. Vgl. Lange, Carsten (1995, S. 1), Seigniorage — Eine theoretische und empirische Analyse des staatlichen Geldschöpfungsgewinnes, Berlin.Google Scholar
Hier und im folgenden werden unter dem Begriff des Staatssektors ausschließlich Gebietskörperschaften und die Zentralbank subsumiert. Auf eine weitergehende Definition des Begriffs des Staatssektors, etwa mit Einbeziehung öffentlicher Unternehmen und Sozialversicherungen etc., wird an dieser Stelle in Kenntnis der Problematik einer exakten Definition aus Gründen der modelltheoretischen Klarheit verzichtet. Die Aussagekraft des Modells bleibt von dieser Frage unberührt, die Modellergebnisse bei einer weitergehenden Definition von B, G und T unverändert.Google Scholar
Im Aufsatz von Klein/Neumann (1990, S. 208) ist hier ein Vorzeichenfehler enthalten.Google Scholar
Sieht man einmal von der staatlichen Möglichkeit einer Aufhebung des Eigentumsschutzes ab.Google Scholar
In der Bilanz des übrigen Staatssektors wirken sich diese Subventionen durch ein gegenüber dem Zustand ohne Subvention verringertes G aus.Google Scholar
Zur theoretischen Vereinbarkeit beider Konzepte vgl. etwa den Beweis bei Lange, Carsten (1995, S. 46ff), Seingniorage — Eine theoretische und emrirische Analyse des staatlichen Geldschöpfungsgewinnnes, Berlin.Google Scholar
Zur theoretischen Vereinbarkeit beider Konzepte vgl. etwa den Beweis bei Lange, Carsten (1995, S. 46ff), Seigniorage — Eine theoretische und empirische Analyse des staatlichen Geldschöpfungsgewinnes, Berlin.Google Scholar
Vgl. Gros, Daniel (1989, S. 2), Seigniorage in the EC: The Implications of the EMS and Financial Market Integration, IMF working-paper, No. 7Google Scholar
und Klein, Martin/ Neumann, Manfred J. M (1990, S. 213), Seigniorage: What Is It and Who Gets It, in: Weltwirtschaftliches Archiv, Vol. 126, S. 205–221.Google Scholar
Der Vollständigkeit halber sei erwähnt, daß es natürlich ebenso nicht zu einer Unterschätzung kommt, sofern die Zentralbank nur durch Kredite an den übrigen Staatssektor Geldschöpfung betreibt, d.h. also im Falle D=F=N M =N R =N=W=0. In diesem Fall ist eine Unter- oder Überschätzung ex definitione ausgeschlossen.Google Scholar
Die Untersuchung der Relevanz der Seigniorage als Einnahmeinstrument und deren Bedeutung in bezug auf die Schaffung einer Europäischen Währungsunion ist Gegenstand einer breiten wissenschaftlichen Diskussion. Grilli (1989, S. 60ff) untersucht die Bedeutung der Seigniorage-Einnahmen für die Mitglieder des Europäischen Währungssystems (EWS), und kommt zum Ergebnis, daß sie in einer Reihe von Ländern (Frankreich, Irland, Italien, Deutschland und Griechenland) eine erhebliche Bedeutung für die Finanzpolitik spielen. Cukierman/Edwards/Tabellini (1992, S. 538f) haben berechnet, daß der Anteil der Seigniorage-Einnahmen an den gesamten Staatseinnahmen in den Jahren 1971–1982 in Italien bei 12,4 %, in Spanien bei 9,1 % und in Portugal bei 16,6 % lag, während der selbe Wert in Deutschland bei 2,5 % und in den Niederlanden gar nur bei 1,1 % lag. Gros (1993a, S. 592) wiederum berechnet in einem Szenario eines Konvergenzprozesses bis zum Beitritt zu einer Europäischen Währungsunion bei Verwendung des Opportunitätskostenansatzes Seigniorageverluste für Griechenland von 3 %, sowie für Spanien und Portugal von 1,2 bis 1,3 % des Bruttoinlandsprodukts. Vgl. Grilli, Vittorio (1989), Seigniorage in Europe, in: De Cecco, Marcello/ Giovannini, Alberto [Hg.], A European Central Bank?, Cambridge, S. 53–88;CrossRefGoogle Scholar
Cukierman, Alex/ Edwards, Sebastian/ Tabellini, Guido (1992), Seigniorage and Political Instability, in: American Economic Review, Vol. 82, S. 537–555Google Scholar
und Gros, Daniel (1993a), Seigniorage and EMU — The fiscal implications of price stability and financial market integration, in: European Journal of Political Economy, Vol. 9, S. 581–601.CrossRefGoogle Scholar
Canzoneri/Rogers (1990) machen auf die Problematik der finanzpolitische Bedeutung der Seigniorage-Einnahmen aufmerksam. In einigen Staaten kann die Seigniorage als Instrument zur Besteuerung von Tätigkeiten, die durch sonstige Steuern nicht erfaßt werden können (Schattenwirtschaft) eingesetzt werden. Insofern kann also die Gleichheit der Effektivität der Steuersysteme, bzw. genauer der Grad der Notwendigkeit des Einsatzes von Seigniorage zur Finanzierung staatlicher Leistungen, zu einem Kriterium für die Vorteilhaftigkeit einer Währungsunion erklärt werden. Ein Land, dessen Regierung stark auf die Seigniorage-Erträge zur Finanzierung ihrer Leistungen angewiesen ist, könnte sich gezwungen sehen, zur Rückgewinnung dieses Einnahmeinstruments aus der Währungsunion auszuscheiden. Eine solche Sichtweise erscheint jedoch problematisch. Aus der Inflationstheorie wissen wir um die durch eine Inflation entstehenden Wohlfahtsverluste. Nur falls die excess-burden der Besteuerung (einschließlich Kosten der Steuererfassung) durch andere Steuerarten diese Wohlfahrtsverluste übersteigen, ist die Inflation als Steuer für die Volkswirtschaft als ganzes eine Alternative. Vgl. Canzoneri, Matthew B., Rogers, Carol A. (1990), Is the European Community an Optimal Currency Area?, in: American Economic Review, Vol. 80, S. 419–433.Google Scholar
Vgl. Sibert, Anne (1994), The allocation of Seigniorage in a common currency area, in: Journal of International Economics, Vol. 37, S. 111–122. Man beachte das zum Ansatz von Huber (1995) umgekehrte Ergebnis der Wirkung auf die Staatsausgaben. Siehe Fußnote 94.CrossRefGoogle Scholar
Vgl. Gros, Daniel (1993a, S. 600f), Seigniorage and EMU — The fiscal implications of price stability and financial market integration, in: European Journal of Political Economy, Vol. 9, S. 581–601.CrossRefGoogle Scholar
Vgl. Medhora, Rohinton (1992), Seigniorage Flows in the West African Monetary Union, 1976–89, in: Weltwirtschaftliches Archiv, Vol. 128, S. 513–526.Google Scholar
Wie am Anfang dieser Analyse erwähnt, abstrahieren wir hier von möglichen Effekten des Systemwechsels auf F und M wie sie in Kapitel I.A. l .1.d angesprochen wurden.Google Scholar
Gleichwohl könnten, wie im vorigen Kapitel gezeigt, Teile der Seigniorage als Subvention an das Ausland fließen.Google Scholar
Muth C. (1997) Effizienzkriterien für eine Währungsunion. In: Währungsdesintegration — Das Ende von Währungsunionen. Wirtschaftswissenschaftliche Beiträge, vol 151. Physica, Heidelberg
DOI https://doi.org/10.1007/978-3-642-52079-2_3