Source: https://rsp-rae.de/gartenfest-mit-geschaeftsfreunden-steuerlich-absetzbar/
Timestamp: 2019-04-20 04:30:22
Document Index: 380645874

Matched Legal Cases: ['§ 4', '§ 4', '§ 4', '§ 4', '§ 9', '§ 4', '§ 4']

Gartenfest mit Geschäftsfreunden steuerlich absetzbar?
Grundsätzlich sind betrieblich veranlasste Bewirtungsaufwendungen – wenn auch auf 70 % beschränkt – als Betriebsausgaben bzw. Werbungskosten steuerlich abziehbar. Das kann auch für ein Gartenfest unter Geschäftsfreunden auf dem Wohngrundstück des Steuerpflichtigen gelten. Voraussetzung ist, dass das Abzugsverbot des § 4 Abs. 5 Nr. 4 Einkommensteuergesetz (EStG) nicht greift.
Abzugsverbot gemäß § 4 Abs. 5 Nr. 4 EStG
Nicht alle betrieblich veranlassten Aufwendungen, die dem Grunde nach Betriebsausgaben sind, dürfen den Gewinn bzw. das Einkommen mindern. § 4 Abs. 5 EStG enthält einen Katalog nicht abziehbarer Betriebsausgaben. Gemäß § 4 Abs. 5 Nr. 4 EStG sind „Aufwendungen für Jagd oder Fischerei, für Segel- oder Motorjachten sowie für ähnliche Zwecke und für die hiermit zusammenhängenden Bewirtungen“ nicht als Betriebsausgaben abziehbar. Das Gleiche gilt gemäß § 9 Abs. 5 EStG für Werbungskosten.
Gilt das auch für ein Gartenfest?
Über diese Frage befand der Bundesfinanzhof (BFH) in einer Entscheidung. In seinem Urteil vom 13. Juli 2016 – VIII R 26/14 stellte der BFH fest, dass ein Gartenfest einen ähnlichen Zweck im Sinne des § 4 Abs. 5 Nr. 4 EStG darstellen kann, wenn die Aufwendungen hierfür unüblich seien. Dieser Entscheidung lag ein Sachverhalt zugrunde, in dem ein Partner einer Rechtsanwaltskanzlei für ausgewählte Geschäftspartner in seinem Garten ein als „Herrenabend“ betiteltes Fest veranstaltete.
Der BFH stellte jedoch klar, dass es für die Annahme eines Abzugsverbots nicht ausreichend sei, wenn die Veranstaltung Eventcharakter und einen geschlossenen Teilnehmerkreis hat. Daran ändere auch nichts die Tatsache, dass die Gäste die Einladung als Bestätigung ihrer gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Stellung ansehen dürfen.
Abschließende Klärung steht noch aus
Vielmehr müsse nach Ansicht des BFH festgestellt werden, dass die Art und Weise der Durchführung eines „Herrenabends“ sich von einem gewöhnlichen Gartenfest dergestalt unterscheidet, dass die Veranstaltung mit einer Segelregatta oder einer Jagdgesellschaft im Sinne des § 4 Abs. 5 Nr. 4 EStG vergleichbar ist.
Da dies in der Vorinstanz nicht hinreichend festgestellt worden war, verwies der BFH die Sache zurück an das Finanzgericht Düsseldorf. Die überarbeitete Entscheidung des Finanzgerichts Düsseldorf steht noch aus.
Die vorgenannten Feststellungen des BFH sind für eine klare Abgrenzung eines steuerlich abzugsfähigen Gartenfestes unter Geschäftspartnern von einer zu einem Abzugsverbot führenden Veranstaltung kaum geeignet. Es bleibt abzuwarten, wie das Finanzgericht Düsseldorf in zweiter Auflage entscheidet. Wer heute schon sichergehen möchte, konsultiert vor der Einladung zu einem solchen Event seinen Rechtsanwalt oder Steuerberater.