Source: http://m.hensche.de/Arbeitsrecht_Urteile_Betriebsrente_Altersdiskriminierung_Betriebsrente_Altersdiskriminierung_BAG_3AZR69-12.html
Timestamp: 2017-02-20 23:02:08
Document Index: 33963315

Matched Legal Cases: ['§ 7', '§ 16', '§ 2', '§ 8', '§ 5', '§ 16', '§ 1', '§ 3', '§ 8', '§ 16', '§ 2', 'Art. 4', '§ 3', '§ 16', 'Art. 6', '§ 10', '§ 10', 'Art. 6', 'Art. 6', '§ 10', 'Art. 6', '§ 1', '§ 10', 'EuG', '§ 10', '§ 2', '§ 10', '§ 2', '§ 2', '§ 1', '§ 10', '§ 2', 'Art. 267', 'EuG', 'EuG', 'EuG', 'Art. 6', 'Art. 6', '§ 2', 'Art. 6', 'EuG', '§ 2', '§ 5', '§ 14', '§ 235', '§ 14', '§ 308', '§ 97']

HENSCHE Arbeitsrecht: 3 AZR 69/12
Ei­ne Be­stim­mung in ei­ner Ver­sor­gungs­ord­nung, nach der ein An­spruch auf ei­ne be­trieb­li­che Al­ters­ren­te nicht be­steht, wenn der Ar­beit­neh­mer bei Erfüllung der nach der Ver­sor­gungs­ord­nung vor­ge­se­he­nen zehnjähri­gen War­te­zeit das 55. Le­bens­jahr voll­endet hat, verstößt ge­gen das Ver­bot der Dis­kri­mi­nie­rung we­gen des Al­ters und ist des­halb nach § 7 Abs. 2 AGG un­wirk­sam.
Arbeitsgericht Stuttgart, Urteil vom 19.5.011 - 1 Ca 5468/10Landesarbeitsgericht Baden-Württemberg, Urteil vom 23.11.2011 - 2 Sa 77/11
3 AZR 69/12 2 Sa 77/11Lan­des­ar­beits­ge­richt Ba­den-Würt­tem­berg Im Na­men des Vol­kes!
hat der Drit­te Se­nat des Bun­des­ar­beits­ge­richts auf­grund der münd­li­chen Ver­hand­lung vom 18. März 2014 durch die Vor­sit­zen­de Rich­te­rin am Bun­des­ar­beits­ge­richt Gräfl, die Rich­te­rin­nen am Bun­des­ar­beits­ge­richt Dr. Schlewing und Dr. Ah­rendt so­wie die eh­ren­amt­li­chen Rich­ter Wi­sch­nath und Brun­ke für Recht er­kannt: - 2 -
(1) Die Neu­ord­nung der be­trieb­li­chen Al­ters­ver­sor­gung er­faßt drei un­ter­schied­li­che Per­so­nen­krei­se:...
(4) Für Mit­ar­bei­ter, die nach dem In­kraft­tre­ten der Ver­sor­gungs­ord­nung am 1.9.1991 neu in die Diens­te der V P eG ein­tre­ten oder im Rah­men ei­ner Ver­schmel­zung/Fu­si­on i.S. des § 16 in de­ren Diens­te über­nom­men wer­den (= 3. Per­so­nen­kreis) gel­ten die Vor­schrif­ten die­ser Ver­sor­gungs­ord­nung mit Aus­nah­me sämt­li­cher sich auf die Hin­ter­blie­be­nen­ver­sor­gung be­zie­hen­der Re­ge­lun­gen (...). Es wird kei­ner­lei Hin­ter­blie­be­nen­leis­tung zu­ge­sagt. - 3 - § 2 Kreis der Ver­sor­gungs­be­rech­tig­ten (1) Von der Ver­sor­gungs­ord­nung wer­den al­le fest an­ge­stell­ten Mit­ar­bei­ter - mit Aus­nah­me der Vor­stands­mit­glie­der und der ge­ringfügig Teil­zeit­beschäftig­ten im Sin­ne des § 8 SGB IV so­wie aus­ge­schie­de­ner Mit­ar­bei­ter im Vor­ru­he­stand - der Bank, er­faßt, die
c) zum Zeit­punkt der Erfüllung der War­te­zeit das 55. Le­bens­jahr noch nicht voll­endet ha­ben....
(2) Die War­te­zeit be­ginnt mit dem Tag des Dienst­an­tritts, frühes­tens am Tag nach Voll­endung des 20. Le­bens­jah­res....
(1) Als an­rech­nungsfähi­ge Dienst­zeit gilt die Zeit, die der Mit­ar­bei­ter nach dem voll­ende­ten 20. Le­bens­jahr un­un­ter­bro­chen mit ei­nem un­be­fris­te­ten Ar­beits­ver­trag bei der Bank ver­bracht hat. ......
§ 5 Ar­ten der Ver­sor­gungs­leis­tun­gen (1) Gewährt wer­den
a) Al­ters­ren­te an Mit­ar­bei­ter nach der Voll­endung des 65. Le­bens­jah­res ......
(2) Die Ver­sor­gungs­bezüge wer­den mo­nat­lich, nachschüssig (am Mo­nats­en­de) und zwölf­mal jähr­lich, erst­ma­lig am En­de des Mo­nats ge­zahlt, der dem Ver­sor­gungs­fall folgt. ......
§ 16 Ver­schmel­zung/Fu­si­on Im Fal­le ei­ner Ver­schmel­zung/Fu­si­on von über­tra­gen­den Ban­ken mit der V P als auf­neh­men­de Bank sind die über­nom­me­nen Mit­ar­bei­ter der über­tra­gen-den Ban­ken ab dem Ver­schmel­zungs­zeit­punkt ver­sor­gungs­be­rech­tigt (vgl. da­zu § 1 Abs. 4). Es wer-den die ab dem Ver­schmel­zungs­zeit­punkt in den Diens­ten der V P er­brach­ten Dienst­zei­ten für die an­rech­nungsfähi­ge War­te­zeit nach § 3 und die An­spruchshöhe berück­sich­tigt.“
Die Kläge­rin hat zu­letzt be­an­tragt, die Be­klag­te zu ver­ur­tei­len, an sie be­gin­nend ab 1. Ju­li 2010 ei­ne mo­nat­li­che Be­triebs­ren­te iHv. 113,66 Eu­ro brut­to zu be­zah­len, zahl­bar je­weils am Mo­nats­en­de des Fol­ge­mo­nats.
Die Be­klag­te hat Kla­ge­ab­wei­sung be­an­tragt und die An­sicht ver­tre­ten, die Kläge­rin ha­be kei­nen An­spruch auf Gewährung ei­ner Be­triebs­ren­te, da sie zum Zeit­punkt der Erfüllung der War­te­zeit das 55. Le­bens­jahr be­reits voll­endet - 5 -
- 6 - schäftig­ten im Sin­ne des § 8 SGB IV und der aus­ge­schie­de­nen Mit­ar­bei­ter im Vor­ru­he­stand, die das 20. Le­bens­jahr voll­endet ha­ben (Buchst. a), ei­ne min­des­tens zehnjähri­ge an­rech­nungsfähi­ge Dienst­zeit (War­te­zeit) nach­wei­sen können (Buchst. b) so­wie zum Zeit­punkt der Erfüllung der War­te­zeit das 55. Le­bens­jahr noch nicht voll­endet ha­ben (Buchst. c), von der Ver­sor­gungs­ord­nung er­fasst. Ist der Mit­ar­bei­ter in­fol­ge ei­ner Ver­schmel­zung von der Be­klag­ten über­nom­men wor­den, wer­den nach § 16 Satz 2 der Ver­sor­gungs­ord­nung die ab der Ver­schmel­zung in den Diens­ten der Be­klag­ten er­brach­ten Dienst­zei­ten für die an­rech­nungsfähi­ge War­te­zeit berück­sich­tigt.
aa) Das All­ge­mei­ne Gleich­be­hand­lungs­ge­setz gilt trotz der in § 2 Abs. 2 Satz 2 AGG ent­hal­te­nen Ver­wei­sung auf das Be­triebs­ren­ten­ge­setz auch für die be­trieb­li­che Al­ters­ver­sor­gung, so­weit das Be­triebs­ren­ten­recht nicht vor­ran­gi­ge Son­der­re­ge­lun­gen enthält (BAG 12. No­vem­ber 2013 - 3 AZR 356/12 - Rn. 16; 11. De­zem­ber 2007 - 3 AZR 249/06 - Rn. 22 ff., BA­GE 125, 133). Letz­te­res ist vor­lie­gend nicht der Fall. - 7 - bb) Das All­ge­mei­ne Gleich­be­hand­lungs­ge­setz ist auch in zeit­li­cher Hin­sicht an­wend­bar. Nach Art. 4 des Ge­set­zes zur Um­set­zung eu­ropäischer Richt­li­ni­en zur Ver­wirk­li­chung des Grund­sat­zes der Gleich­be­hand­lung vom 14. Au­gust 2006 (BGBl. I S. 1897), das am 17. Au­gust 2006 verkündet wur­de, trat das All­ge­mei­ne Gleich­be­hand­lungs­ge­setz am 18. Au­gust 2006 in Kraft. Zu die­sem Zeit­punkt stand die Kläge­rin noch in ei­nem Ar­beits­verhält­nis mit der Be­klag­ten.
- 8 - Be­ginn des Ar­beits­verhält­nis­ses mit der Be­klag­ten (vgl. § 3 Abs. 2, § 16 Satz 2 der Ver­sor­gungs­ord­nung) das 45. Le­bens­jahr voll­endet ha­ben, von den Leis­tun­gen der be­trieb­li­chen Al­ters­ver­sor­gung nach der Ver­sor­gungs­ord­nung aus­ge­schlos­sen sind. Da­mit er­fah­ren Mit­ar­bei­ter, die - wie die Kläge­rin - bei Be­ginn ih­res Ar­beits­verhält­nis­ses mit der Be­klag­ten das 45. Le­bens­jahr be­reits voll­endet ha­ben, we­gen ih­res Al­ters ei­ne ungüns­ti­ge­re Be­hand­lung als Mit­ar­bei­ter, die zu die­sem Zeit­punkt das 45. Le­bens­jahr noch nicht voll­endet ha­ben.
- 10 - Be­zug von Al­ters­ren­te be­stimm­ten Al­ters­gren­ze er­for­dert (vgl. Schluss­anträge der Ge­ne­ral­anwältin Ko­kott vom 7. Fe­bru­ar 2013 in der Rechts­sa­che - C-476/11 - [HK Dan­mark]). Soll­te dies der Fall sein, hätte der na­tio­na­le Ge­setz­ge­ber Art. 6 Abs. 2 der Richt­li­nie 2000/78/EG na­he­zu un­verändert in das na­tio­na­le Recht über­nom­men. Soll­te dies nicht der Fall sein, wäre der Ge­setz­ge­ber, in­dem er die Nr. 4 in die Recht­fer­ti­gungs­gründe des § 10 Satz 3 AGG ein­ge­ord­net und so­mit § 10 Satz 1 und Satz 2 AGG für an­wend­bar erklärt hat, so­gar über die An­for­de­run­gen des Art. 6 Abs. 2 der Richt­li­nie 2000/78/EG hin­aus­ge­gan­gen. Zwar fin­det sich im Ge­set­zes­text die in Art. 6 Abs. 2 der Richt­li­nie 2000/78/EG ent­hal­te­ne Ein­schränkung „so­lan­ge dies nicht zu Dis­kri­mi­nie­run­gen we­gen des Ge­schlechts führt“, nicht wie­der. Das be­deu­tet aber nicht, dass § 10 Satz 3 Nr. 4 AGG hin­ter Art. 6 Abs. 2 der Richt­li­nie 2000/78/EG zurück­blie­be. Aus­weis­lich der Ent­ste­hungs­ge­schich­te der Vor­schrift darf nach dem Wil­len des na­tio­na­len Ge­setz­ge­bers die Fest­set­zung von Al­ters­gren­zen nicht zu ei­ner Be­nach­tei­li­gung we­gen des Ge­schlechts oder we­gen ei­nes an­de­ren in § 1 AGG ge­nann­ten Grun­des führen (BT-Drucks. 16/1780 S. 36). Dies er­gibt sich auch dar­aus, dass ei­ne Re­ge­lung, die zu ei­ner Dis­kri­mi­nie­rung we­gen des Ge­schlechts führt, nicht iSv. § 10 Satz 2 AGG an­ge­mes­sen sein kann. Es ist auch nicht zu be­an­stan­den, dass der na­tio­na­le Ge­setz­ge­ber da­von ab­ge­se­hen hat, kon­kre­te Al­ters­gren­zen für die Teil­nah­me an ei­ner be­trieb­li­chen Al­ters­ver­sor­gung oder die Auf­nah­me in ein Ver­sor­gungs­werk selbst zu be­stim­men. Der Ge­setz­ge­ber muss die we­gen ei­nes so­zi­al­po­li­ti­schen Ziels für ge­bo­ten er­ach­te­te Un­gleich­be­hand­lung nicht im De­tail selbst re­geln, son­dern kann Ge­stal­tungs- und Be­ur­tei­lungs­spielräume einräum­en (vgl. EuGH 16. Ok­to­ber 2007 - C-411/05 - [Pa­la­ci­os de la Vil­la] Rn. 68, 74, Slg. 2007, I-8531; BAG 12. No­vem­ber 2013 - 3 AZR 356/12 - Rn. 25 mwN).
- 11 - auch der ein­zel­ne Ar­beit­ge­ber bei der Schaf­fung von Ver­sor­gungs­re­ge­lun­gen Ge­brauch ma­chen. Al­ler­dings muss die kon­kret fest­ge­leg­te Al­ters­gren­ze nach § 10 Satz 2 AGG an­ge­mes­sen sein (vgl. et­wa BAG 12. No­vem­ber 2013 - 3 AZR 356/12 - Rn. 26).
- 12 - (b) Da­nach ist der durch § 2 Abs. 1 Buchst. c der Ver­sor­gungs­ord­nung be­wirk­te Aus­schluss von Mit­ar­bei­tern, die bei Erfüllung der zehnjähri­gen War­te­zeit das 55. Le­bens­jahr voll­endet ha­ben, von den Leis­tun­gen der be­trieb­li­chen Al­ters­ver­sor­gung nicht an­ge­mes­sen iSd. § 10 Satz 2 AGG. Die Re­ge­lung berück­sich­tigt die be­rech­tig­ten Be­lan­ge der be­trof­fe­nen Ar­beit­neh­mer nur un­zu­rei­chend. Sie führt da­zu, dass Ar­beit­neh­mer, die bei Be­ginn ih­res Ar­beits­verhält­nis­ses mit der Be­klag­ten be­reits das 45. Le­bens­jahr voll­endet ha­ben, kei­ne Ver­sor­gungs­an­wart­schaf­ten mehr er­wer­ben können. Das hat ty­pi­scher­wei­se zur Fol­ge, dass die­se Ar­beit­neh­mer nur bis zur Voll­endung des 45. Le­bens­jahrs Zeit ha­ben, Be­triebs­ren­ten­an­wart­schaf­ten bei an­de­ren Ar­beit­ge­bern zu er­die­nen. Da ein Er­werbs­le­ben bei ty­pi­sie­ren­der Be­trach­tung min­des­tens 40 Jah­re um­fasst und der Zeit­raum von der Voll­endung des 45. Le­bens­jahrs bis zum Er­rei­chen der Re­gel­al­ters­gren­ze min­des­tens 20 Jah­re beträgt, führt die Re­ge­lung in § 2 Abs. 1 Buchst. c der Ver­sor­gungs­ord­nung da­zu, dass während ei­nes beträcht­li­chen Teils ei­nes ty­pi­schen Er­werbs­le­bens kei­ne Ver­sor­gungs­an­wart­schaf­ten mehr er­wor­ben wer­den können. Dies kann auch un­ter Berück­sich­ti­gung des In­ter­es­ses des Ar­beit­ge­bers, nur den­je­ni­gen Ar­beit­neh­mern Ver­sor­gungs­leis­tun­gen zu­zu­sa­gen, die noch ei­ne länger­fris­ti­ge Be­triebs­treue er­brin­gen können, nicht als an­ge­mes­sen an­ge­se­hen wer­den. Die­ses In­ter­es­se des Ar­beit­ge­bers recht­fer­tigt es nicht, Ar­beit­neh­mern, die dem Be­trieb während der Hälf­te ei­nes ty­pi­schen Er­werbs­le­bens an­gehören, Leis­tun­gen der be­trieb­li­chen Al­ters­ver­sor­gung vor­zu­ent­hal­ten. Ent­ge­gen der Auf­fas­sung der Be­klag­ten ist der Aus­schluss von Mit­ar­bei­tern, die bei Be­ginn des Ar­beits­verhält­nis­ses das 45. Le­bens­jahr voll­endet ha­ben, von den Leis­tun­gen der be­trieb­li­chen Al­ters­ver­sor­gung auch we­der ein ge­eig­ne­tes noch ein er­for­der­li­ches Mit­tel, um auf ei­ne aus­ge­wo­ge­ne Al­ters­struk­tur im Un­ter­neh­men hin­zu­wir­ken. Es er­sch­ließt sich nicht, wes­halb es ein An­reiz für jünge­re Ar­beit­neh­mer sein soll, ein Ar­beits­verhält­nis mit der Be­klag­ten zu be­gründen, weil älte­re Ar­beit­neh­mer von den be­trieb­li­chen Al­ters­ver­sor­gungs­leis­tun­gen aus­ge­nom­men wer­den. Ei­ne Be­stim­mung, die be­wirkt, dass Ar­beit­neh­mer, die noch min­des­tens 20 Jah­re be­triebs­treu sein können, von Leis­tun­gen der be­trieb­li­chen Al­ters­ver­sor­gung aus­ge­schlos­sen wer­den, ist da­her auch un­ter Berück­sich­ti­gung des zu re­spek- - 13 - tie­ren­den Ge­stal­tungs- und Er­mes­sens­spiel­rau­mes des Ar­beit­ge­bers nicht mehr hin­nehm­bar. So­weit die Be­klag­te sich dar­auf be­ru­fen hat, dass § 2 Abs. 1 Buchst. c der Ver­sor­gungs­ord­nung das Ver­sor­gungs­ri­si­ko bei der In­va­li­ditäts-und Hin­ter­blie­be­nen­ver­sor­gung ein­gren­zen soll, ver­mag dies je­den­falls ei­nen Aus­schluss von den Leis­tun­gen der Al­ters­ver­sor­gung nicht zu recht­fer­ti­gen. Im Übri­gen sind für den Per­so­nen­kreis, dem die Kläge­rin an­gehört, Leis­tun­gen der Hin­ter­blie­be­nen­ver­sor­gung oh­ne­hin nach § 1 Abs. 4 Satz 2 der Ver­sor­gungs­ord­nung aus­ge­schlos­sen.
- 14 - d) Der Se­nat kann über die Ver­ein­bar­keit von § 10 Satz 3 Nr. 4 AGG so­wie § 2 Abs. 1 Buchst. c der Ver­sor­gungs­ord­nung mit Uni­ons­recht selbst ent­schei­den. Ein Vor­ab­ent­schei­dungs­er­su­chen nach Art. 267 Abs. 3 AEUV ist nicht ge­bo­ten. Die Aus­le­gung des den Vor­schrif­ten des All­ge­mei­nen Gleich­be­hand­lungs­ge­set­zes zu­grun­de lie­gen­den uni­ons­recht­li­chen Grund­sat­zes des Ver­bots der Dis­kri­mi­nie­rung we­gen des Al­ters ein­sch­ließlich des Rück­griffs auf die Richt­li­nie 2000/78/EG zu des­sen Kon­kre­ti­sie­rung ist durch die Ent­schei­dun­gen des Ge­richts­hofs der Eu­ropäischen Uni­on in der Rechts­sa­che „Kücükde­ve­ci“ (EuGH 19. Ja­nu­ar 2010 - C-555/07 - Slg. 2010, I-365) und in der Rechts­sa­che „Prig­ge ua.“ (EuGH 13. Sep­tem­ber 2011 - C-447/09 - Slg. 2011, I-8003) geklärt, so dass ei­ne Vor­la­ge­pflicht entfällt (vgl. EuGH 6. Ok­to­ber 1982 - C-283/81 - [C.I.L.F.I.T.] Slg. 1982, 3415). Ei­ner Vor­ab­ent­schei­dung zur Aus­le­gung von Art. 6 Abs. 2 der Richt­li­nie 2000/78/EG be­darf es eben­falls nicht. Es kann da­hin­ste­hen, ob ei­ne für die Mit­glied­schaft in ei­nem Sys­tem der be­trieb­li­chen Al­ters­ver­sor­gung oder den Be­zug von Al­ters­ren­te be­stimm­te Al­ters­gren­ze nach den Vor­ga­ben in Art. 6 Abs. 2 der Richt­li­nie 2000/78/EG ei­ner Verhält­nismäßig­keitsprüfung stand­hal­ten muss oder ob es ei­ner sol­chen Prüfung nicht be­darf (vgl. Schluss­anträge der Ge­ne­ral­anwältin Ko­kott vom 7. Fe­bru­ar 2013 in der Rechts­sa­che - C-476/11 - [HK Dan­mark]); denn die Re­ge­lung in § 2 Abs. 1 Buchst. c der Ver­sor­gungs­ord­nung ist nicht an­ge­mes­sen und da­mit nicht verhält­nismäßig. Ob ei­ne Dis­kri­mi­nie­rung we­gen des Al­ters iSd. Art. 6 der Richt­li­nie 2000/78/EG sach­lich ge­recht­fer­tigt ist, ist von den na­tio­na­len Ge­rich­ten zu prüfen (vgl. EuGH 5. März 2009 - C-388/07 - [Age Con­cern Eng­land] Rn. 47, Slg. 2009, I-1569).
3. Der von der Be­klag­ten erst­mals in der Re­vi­si­on er­ho­be­ne Ein­wand, das Al­ters­ver­sor­gungs­werk wäre oh­ne die Zu­gangs­be­schränkung nach § 2 Abs. 1 Buchst. c der Ver­sor­gungs­ord­nung aus fi­nan­zi­el­len Gründen vor­zei­tig ge­schlos­sen wor­den, führt nicht zu ei­nem an­de­ren Er­geb­nis. Zum ei­nen han­delt es sich um neu­en Sach­vor­trag, der in der Re­vi­si­on grundsätz­lich un­zulässig ist. Ei­ne Ver­let­zung der Hin­weis­pflicht sei­tens des Lan­des­ar­beits­ge­richts, auf die sich die Be­klag­te in der münd­li­chen Ver­hand­lung vor dem Se­nat be­ru­fen hat, hätte in­ner­halb der Frist zur Be­gründung der Re­vi­si­on gerügt wer­den müssen. - 15 - Zum an­de­ren wäre das Vor­brin­gen der Be­klag­ten - un­ge­ach­tet der Fra­ge, ob es über­haupt hin­rei­chend sub­stan­ti­iert ist - un­be­acht­lich. Zwar kann nach ständi­ger Recht­spre­chung des Se­nats ei­ne Be­fug­nis zur An­pas­sung ei­nes Ver­sor­gungs­werks we­gen Störung der Geschäfts­grund­la­ge be­ste­hen, wenn sich die zu­grun­de ge­leg­te Rechts­la­ge nach Schaf­fung des Ver­sor­gungs­werks we­sent­lich und un­er­war­tet geändert und dies beim Ar­beit­ge­ber zu er­heb­li­chen Mehr­be­las­tun­gen geführt hat (Äqui­va­lenzstörung) (vgl. et­wa BAG 19. Fe­bru­ar 2008 - 3 AZR 290/06 - Rn. 18, BA­GE 126, 1). Ei­ne Störung der Geschäfts­grund­la­ge be­gründet je­doch le­dig­lich ein nach bil­li­gem Er­mes­sen aus­zuüben­des ein­sei­ti­ges Leis­tungs­be­stim­mungs­recht des Ar­beit­ge­bers, durch das das Ver­sor­gungs­werk ins­ge­samt an die geänder­ten Grund­la­gen an­ge­passt wer­den kann (vgl. BAG 22. Ok­to­ber 2002 - 3 AZR 496/01 - zu I 1 d dd der Gründe). Ei­ne et­wai­ge An­pas­sung der Ver­sor­gungs­ord­nung we­gen ei­ner we­sent­li­chen Über­schrei­tung des ursprüng­lich zu­grun­de ge­leg­ten Do­tie­rungs­rah­mens könn­te da­her nicht zur Fol­ge ha­ben, dass die ge­gen das Ver­bot der Dis­kri­mi­nie­rung we­gen des Al­ters ver­s­toßen­de Re­ge­lung wei­ter­gilt. Viel­mehr wäre ei­ne mit dem gel­ten­den Recht ver­ein­ba­re, die fi­nan­zi­el­len Be­lan­ge der Be­klag­ten berück­sich­ti­gen­de Neu­re­ge­lung zu tref­fen.
4. Der Kläge­rin steht da­mit nach § 5 Abs. 1 Buchst. a iVm. § 14 Abs. 1 der Ver­sor­gungs­ord­nung ab dem 1. Ju­li 2010 ein An­spruch auf Zah­lung ei­ner be­trieb­li­chen Al­ters­ren­te in un­strei­ti­ger Höhe von 113,66 Eu­ro brut­to mo­nat­lich zu. Sie hat am 19. Ju­ni 2010 das für sie nach § 235 Abs. 2 Satz 1 SGB VI als Re­gel­al­ters­gren­ze maßgeb­li­che 65. Le­bens­jahr voll­endet und ist am 30. Ju­ni 2010 aus dem Ar­beits­verhält­nis mit der Be­klag­ten aus­ge­schie­den. Nach § 14 Abs. 2 Satz 1 der Ver­sor­gungs­ord­nung ist die Be­triebs­ren­te am je­wei­li­gen Mo­nats­en­de zahl­bar. Die Kläge­rin hat die Zah­lung der be­trieb­li­chen Al­ters­ren­te al­ler­dings erst zum je­wei­li­gen Mo­nats­en­de des Fol­ge­mo­nats be­an­tragt. Hier­an ist der Se­nat gemäß § 308 Abs. 1 ZPO ge­bun­den. - 16 -
III. Die Kos­ten­ent­schei­dung be­ruht auf § 97 Abs. 1 ZPO. Gräfl Schlewing A
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