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Timestamp: 2020-06-02 21:32:24
Document Index: 98468155

Matched Legal Cases: ['BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'EuG']

BGH setzt Grenzwert der nicht geringen Menge für einige synthetische Cannabinoide fest - beck-online
becklink 1036597
Kräutermischungen im Internet verkauft
Das Landgericht Landshut hat im zugrundeliegenden Verfahren den Angeklagten unter anderem wegen mehrerer Betäubungsmitteldelikte zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von zwei Jahren verurteilt und deren Vollstreckung zur Bewährung ausgesetzt. Nach den Feststellungen des LG vertrieb der Angeklagte über einen Internethandel im In- und Ausland angekaufte Kräutermischungen, die synthetische Cannabinoide, namentlich die Wirkstoffe JWH-018, JWH-073, CP 47,497 und CP 47,497-C8-Homologes, enthielten. Dem Angeklagten war bekannt, dass die Kräutermischungen zum Konsum durch Rauchen bestimmt waren und eine bewusstseinsverändernde Wirkung haben, sofern sie synthetische Cannabinoide enthielten. In mehreren Fällen der Einfuhr lag die Gesamtwirkstoffmenge an JWH-018 jeweils erheblich über dem vom sachverständig beratenen LG als Grenzwert der nicht geringen Menge angenommen Wert von 1,75 Gramm.
BGH legt Grenzwerte der «nicht geringen Menge» fest
Der BGH hat im Verfahren über die Revisionen des Angeklagten und der Staatsanwaltschaft nach Anhörung von zwei Sachverständigen nunmehr den Grenzwert der nicht geringen Menge für die synthetischen Cannabinoide JWH-018 und CP 47,497-C8-Homologes auf eine Wirkstoffmenge von 2 Gramm festgesetzt. Für die Wirkstoffe JWH-073 und CP 47,497 hält er den Grenzwert der nicht geringen Menge jedenfalls bei einer Wirkstoffmenge von sechs Gramm für erreicht. Diese Festsetzung wird den derzeitigen wissenschaftlichen Erkenntnissen zum Gefährdungspotential der Wirkstoffe im Vergleich zu Cannabis, für das der Grenzwert der nicht geringen Menge von der Rechtsprechung bei 7,5 Gramm THC angenommen wird, gerecht.
Revision des Angeklagten teilweise erfolgreich
Auf Grundlage der rechtsfehlerfrei festgestellten Wirkstoffmenge JWH-018 hat der BGH die Schuldsprüche wegen unerlaubter Einfuhr von Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge in Tateinheit mit unerlaubtem Handeltreiben mit Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge bestätigt, auf die Revision des Angeklagten jedoch im Hinblick auf die vom LG vorgenommene abweichende Festsetzung der nicht geringen Menge den Ausspruch über die jeweiligen Einzelstrafen und die Gesamtstrafe aufgehoben. Auf die Revision der Staatsanwaltschaft hat der BGH teilweise die Schuldsprüche wegen (versuchten) unerlaubten Handeltreibens mit Betäubungsmitteln aufgehoben, da das LG keine Feststellungen zur Menge des in den Kräutermischungen enthaltenen Wirkstoffs CP 47,497-C8-Homologes getroffen habe.
Winkler, Verbrechen und Vergehen gegen das Betäubungsmittelgesetz, NStZ 2014, 562
Schmidt, Die Entwicklung des Betäubungsmittelstrafrechts bis Mitte 2014, NJW 2014, 2995
EuGH, Synthetische Cannabinoide keine Arzneimittel, EuZW 2014, 742
Gesetzliche Neuregelungen zum 01.01.2015, Meldung der beck-aktuell-Redaktion vom 23.12.2014, becklink 1036452
beck-aktuell-Redaktion, Verlag C.H. Beck, 14. Januar 2015.