Source: https://www.rechtslupe.de/steuerrecht/einkommensteuer/einkommensteuer-privat/verluste-aus-stillhaltegeschaeften-393467
Timestamp: 2020-08-10 22:44:08
Document Index: 133835085

Matched Legal Cases: ['§ 22', '§ 22', '§ 22', '§ 22', '§ 22', '§ 23', '§ 22', 'de lege lata', '§ 22', '§ 22', 'Art. 3', '§ 22', 'Art. 3', '§ 23', '§ 2']

Verluste aus Stillhaltegeschäften | Rechtslupe
Gegen die nur ein­ge­schränk­te Berück­sich­ti­gungs­fä­hig­keit von Ver­lus­ten aus Still­hal­te­ge­schäf­ten gemäß § 22 Nr. 3 Sät­ze 3 und 4 EStG bestehen für den Bun­des­fi­nanz­hof kei­ne ver­fas­sungs­recht­li­chen Beden­ken.
Ein­künf­te aus Leis­tun­gen sind nach der stän­di­gen Recht­spre­chung des BFH Ent­gel­te, die der Still­hal­ter als Ent­schä­di­gung für die Bin­dung und die Risi­ken, die er durch das Bege­ben des Opti­ons­rechts ein­geht, unab­hän­gig vom Zustan­de­kom­men des Basis­ge­schäfts allein für das Still­hal­ten erhält [1].
Der BFH trennt zwi­schen Eröff­nungs, Basis- und Gegen­ge­schäft. Des­halb bil­den das die Prä­mie aus­lö­sen­de Bege­ben einer Opti­on und das nach­fol­gen­de Geschäft (z.B. Glatt­stel­lung) kein ein­heit­li­ches Ter­min­ge­schäft. Der Opti­ons­ge­ber erhält die Prä­mie als Gegen­leis­tung für eine wirt­schaft­lich und recht­lich selb­stän­di­ge Leis­tung, näm­lich für eine ver­trag­lich ein­ge­gan­ge­ne Bin­dung und das damit ver­bun­de­ne Risi­ko, in Anspruch genom­men zu wer­den. Er behält sie auch dann, wenn er aus der Opti­on nicht in Anspruch genom­men wird und ein Basis­ge­schäft nicht durch­füh­ren muss.
Wenn­gleich jedoch das Glatt­stel­lungs­ge­schäft vom Eröff­nungs­ge­schäft zu tren­nen ist, zahlt der Steu­er­pflich­ti­ge die Prä­mi­en im Rah­men einer Glatt­stel­lung aber vor allem, um damit sei­ne Ein­nah­men aus dem Still­hal­ter­ge­schäft zu sichern. Das aus­lö­sen­de Moment für die Aus­ga­ben ist dem steu­er­ba­ren Bereich zuzu­ord­nen, weil der Steu­er­pflich­ti­ge das Risi­ko, das er als Still­hal­ter ein­ge­gan­gen ist und das dar­in liegt, Ver­mö­gens­ein­bu­ßen durch ein Aus­füh­rungs­ge­schäft zu erlei­den, durch ein Glatt­stel­lungs­ge­schäft ver­min­dern will. Des­halb han­delt es sich bei den in einem Glatt­stel­lungs­ge­schäft gezahl­ten Prä­mi­en um Erwerbs­auf­wen­dun­gen bei den Ein­künf­ten des § 22 Nr. 3 EStG.
Der Bun­des­fi­nanz­hof lehnt ine Ver­rech­nung des ins­ge­samt aus Still­hal­ter­ge­schäf­ten i.S. des § 22 Nr. 3 EStG erziel­ten Ver­lusts mit den ande­ren posi­ti­ven Ein­künf­ten wegen der Ver­lust­aus­gleichs­be­schrän­kung des § 22 Nr. 3 Satz 3 EStG ab.Gegen die­se Ver­lust­aus­gleichs­be­schrän­kung bestehen kei­ne ver­fas­sungs­recht­li­chen Beden­ken [2].
Der Bun­des­fi­nanz­hof hat schon in sei­nem Urteil vom 01.06.2004 – IX R 35/​01 [3] die sys­te­ma­ti­sche und struk­tu­rel­le Ver­knüp­fung der Ver­lust­aus­gleichs­be­schrän­kun­gen in § 22 Nr. 3 Satz 3 EStG und in § 23 Abs. 3 Satz 8 EStG her­vor­ge­ho­ben. Über­dies ist der Gesetz­ge­ber nach dem Beschluss des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts in BVerfGE 99, 88 befugt, die Unschär­fe des § 22 Nr. 3 EStG typi­sie­rend ‑wie de lege lata gesche­hen- durch eine Begren­zung der Ver­lust­ver­rech­nung aus­zu­glei­chen [4].
Dem objek­ti­ven Net­to­prin­zip ist ‑unab­hän­gig von der Fra­ge sei­ner ver­fas­sungs­recht­li­chen Ver­an­ke­rung- dadurch hin­rei­chend Rech­nung getra­gen, dass nega­ti­ve Ein­künf­te gemäß § 22 Nr. 3 EStG über­haupt ver­rech­net wer­den kön­nen [5], wenn auch beschränkt auf die­se Ein­kunfts­art.
Der Bun­des­fi­nanz­hof hält an sei­ner in den Urtei­len in BFHE 219, 81, BStBl II 2008, 26 und in BFH/​NV 2014, 1025 ff. zum Aus­druck gekom­me­nen Recht­spre­chung fest [6].
Der Ein­wand, § 22 Nr. 3 Sät­ze 3, 4 EStG las­se unter Ver­stoß gegen das sub­jek­ti­ve Net­to­prin­zip ech­te ‑mit dem Ent­zug von Liqui­di­tät ver­bun­de­ne- nega­ti­ve Ein­künf­te einst­wei­len unbe­rück­sich­tigt, die höher sei­en als die posi­ti­ven Ein­künf­te aus ande­ren Ein­kunfts­ar­ten, ver­mag unter dem Gesichts­punkt des Art. 3 Abs. 1 GG allen­falls die Not­wen­dig­keit eines unein­ge­schränk­ten ver­ti­ka­len Ver­lust­aus­gleichs zwi­schen sich in ihrer Struk­tur ent­spre­chen­den Ein­kunfts­ar­ten zu begrün­den [7]. Hier­aus ergibt sich aber nicht die Not­wen­dig­keit einer Gleich­be­hand­lung mit Ver­lus­ten aus Leis­tun­gen nach § 22 Nr. 3 EStG, weil deren Beson­der­hei­ten ‑wie aus­ge­führt- nach Maß­ga­be des Art. 3 Abs. 1 GG eine von den ande­ren Ein­kunfts­ar­ten abwei­chen­de Son­der­re­ge­lung für den Ver­lust­aus­gleich recht­fer­ti­gen. Soweit sich der Klä­ger auf das sub­jek­ti­ve Net­to­prin­zip beruft, wäre dem im Bil­lig­keits­we­ge Rech­nung zu tra­gen. So hat das BVerfG eine Ver­fas­sungs­pflicht zum Bil­lig­keits­er­lass fest­ge­stellt, wenn die Anwen­dung eines nicht zu bean­stan­den­den Geset­zes in Ein­zel­fäl­len zu einem „unge­woll­ten Über­hang“ führt [8]. Die Erhe­bung einer durch das Zusam­men­wir­ken ver­schie­de­ner Rege­lun­gen ent­stan­de­nen Ein­kom­men­steu­er­schuld, der in Wirk­lich­keit kei­ner­lei Zuwachs an Leis­tungs­kraft zugrun­de liegt, ver­stößt gegen das für das gesam­te Steu­er­recht gel­ten­de Über­maß­ver­bot und gegen das beson­ders das Ein­kom­men­steu­er­recht beherr­schen­de Prin­zip der Besteue­rung nach der Leis­tungs­fä­hig­keit [9]. Dem ist durch einen in die­sem Ver­fah­ren nicht gegen­ständ­li­chen und daher nicht zu ent­schei­den­den Bil­lig­keits­er­lass zu begeg­nen.
Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 10. Febru­ar 2015 – IX R 8/​14
stän­di­ge Recht­spre­chung, zuletzt BFH, Urteil vom 11.02.2014 – IX R 46/​12, BFH/​NV 2014, 1025 Rz 19 ff., m.w.N.[↩]
vgl. BFH, Urteil in BFH/​NV 2014, 1025 ff. zu 32 ff., m.w.N.[↩]
BFHE 206, 273, BStBl II 2005, 26[↩]
so auch die BFH, Urtei­le in BFHE 206, 273, BStBl II 2005, 26, unter II. 2.b; und vom 18.09.2007 – IX R 42/​05, BFHE 219, 81, BStBl II 2008, 26[↩]
vgl. auch BFH, Urtei­le in BFHE 215, 202, BStBl II 2007, 259; vom 07.11.2006 – IX R 45/​04, BFH/​NV 2007, 1473[↩]
zur Bedeu­tung der Rechts­kon­ti­nui­tät vgl. BFH, Urteil vom 31.07.2002 – X R 39/​01, BFH/​NV 2002, 1575; Beschluss des Gro­ßen Bun­des­fi­nanz­hofs des BFH vom 25.06.1984 – GrS 4/​82, BFHE 141, 405, BStBl II 1984, 751; BFH, Beschluss vom 24.04.2012 – IX B 154/​10, BFHE 236, 557, BStBl II 2012, 454[↩]
vgl. BFH, Urteil in BFHE 215, 202, BStBl II 2007, 259 zu § 23 Nr. 3 Satz 8 EStG, sowie BFH, Beschlüs­se vom 06.03.2003 – XI B 76/​02, BFHE 202, 147, BStBl II 2003, 523, und – XI B 7/​02, BFHE 202, 141, BStBl II 2003, 516, zur Min­dest­be­steue­rung nach § 2 Abs. 3 EStG in der bis 31.12 2003 gel­ten­den Fas­sung; Lang/​Eng­lisch, Steu­er und Wirt­schaft 2005, 3; Kar­ren­b­rock, Der Betrieb 2004, 559; Kohl­haas, Deut­sches Steu­er­recht ‑DStR- 2002, 1250; Korez­kij, DStR 2005, 1111; Offer­haus, Brenn­punk­te des Steu­er­rechts, Fest­schrift für Wolf­gang Jakob, 2001, 187[↩]
vgl. z.B. BVerfG, Beschlüs­se vom 05.04.1978 1 BvR 117/​73, BVerfGE 48, 102, BStBl II 1978, 441, dort unter C.II. 3.; vom 10.11.1998 2 BvR 1852/​97, 2 BvR 1853/​97, BVerfGE 99, 273, BStBl II 1999, 194[↩]
vgl. BVerfG, Beschlüs­se vom 22.02.1984 1 BvL 10/​80, BVerfGE 66, 214, BStBl II 1984, 357, dort unter C.I. 2.; und vom 25.09.1992 2 BvL 5/​91, 8/​91 und 14/​91, BVerfGE 87, 153, BStBl II 1993, 413; BFH, Urteil vom 26.10.1994 – X R 104/​92, BFHE 176, 3, BStBl II 1995, 297[↩]
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