Source: https://expydoc.com/doc/9857446/vds-2357-%E2%80%93-richtlinien-zur-brandschadensanierung
Timestamp: 2020-08-04 11:38:58
Document Index: 329069669

Matched Legal Cases: ['§ 3', '§ 8', '§ 15', '§ 4', '§ 18', '§ 4', '§ 14', '§ 12', '§ 3', '§ 6', '§ 8', '§ 15', '§ 4', '§ 4', '§ 5', '§ 823', '§ 15', '§ 4', '§ 15', '§ 14', '§ 4', '§ 3', '§ 3', '§ 3', '§ 3', '§ 3', '§ 4', '§ 3']

VdS 2357 – Richtlinien zur Brandschadensanierung
Publikation zur Sach-Schadensanierung
Richtlinien zur
VdS 2357 : 2014-06 (06)
Die vorliegende Publikation ist unverbindlich. Die Versicherer können im Einzelfall auch andere Sicherheitsvorkehrungen oder Installateur- oder Wartungsunternehmen zu nach eigenem Ermessen festgelegten Konditionen
akzeptieren, die diesen technischen Spezifikationen oder Richtlinien nicht entsprechen.
Herausgeber: Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft e.V. (GDV)
Verlag: VdS Schadenverhütung GmbH
Telefon: (0221) 77 66 0; Fax: (0221) 77 66 341
Copyright by VdS Schadenverhütung GmbH. Alle Rechte vorbehalten.
Anwendungsbereich und Grundlagen der VdS 2357 ..................................... 5
Anwendungsbereich ............................................................................................ 5
Grundlagen .......................................................................................................... 6
Entstehung, stoffliche Zusammensetzung
und Verteilung der Brandfolgeprodukte.......................................................... 8
Brandablauf.......................................................................................................... 8
Heiße Brandphase ............................................................................................... 8
Kalte Brandstelle .................................................................................................. 9
Brandfolgeprodukte.............................................................................................. 9
Abfälle ................................................................................................................ 10
Maßnahmen nach dem Brand......................................................................... 10
Verantwortlichkeiten........................................................................................... 10
Fach- und Sachkunde ........................................................................................ 12
Schadenmeldung an den Versicherer ............................................................... 12
Sicherung der Schadenstelle ............................................................................. 14
Erstbegehung..................................................................................................... 14
Einteilung der Schadenstelle in Gefahrenbereiche ........................................... 14
Einteilung der Schadenstelle in Arbeitsbereiche ............................................... 15
Sofortmaßnahmen ............................................................................................. 15
Sanierungs- und Entsorgungskonzept............................................................... 15
Arbeits- und Sicherheitsplan (A+S-Plan) ........................................................... 16
Gefahrenbereiche ............................................................................................ 17
Ausdehnung des brandverschmutzten Bereiches ............................................. 19
Einfluss des Brandgutes .................................................................................... 19
Bewertung der Brandbedingungen .................................................................... 20
Brandverschmutzung ......................................................................................... 20
Definition der Gefahrenbereiche ........................................................................ 21
Zusätzliche Hinweise zur Einstufung der Gefahrenbereiche ............................. 22
Beauftragung von Sachverständigen................................................................. 22
Maßnahmen des Arbeitsschutzes .................................................................. 23
Unabhängig von der Einteilung in Gefahrenbereiche
durchzuführende Maßnahmen........................................................................... 23
Maßnahmen für die Erstbegehung .................................................................... 24
Maßnahmen bei Durchführung der schadenbedingten Sofortmaßnahmen ...... 25
Maßnahmen im Gefahrenbereich GB 0 ............................................................. 25
Maßnahmen im Gefahrenbereich GB 1 ............................................................. 25
Maßnahmen im Gefahrenbereich GB 2 ............................................................. 25
Maßnahmen im Gefahrenbereich GB 3 ............................................................. 26
Entsorgung ....................................................................................................... 26
Gesetzliche Vorgaben ....................................................................................... 26
Durchführung ..................................................................................................... 27
Literatur ............................................................................................................ 28
Anhänge ........................................................................................................................... 29
Typische Brandfolgeprodukte (gemäß Definition Abschnitt 2.4) ......................... 29
Probenahme und Schadstoffanalyse ................................................................. 38
Mindestanforderungen an das Schadstoff-Gutachten ....................................... 39
Umsetzung der Anforderungen des Regelwerks zum Arbeitsschutz
in der VdS 2357 ................................................................................................. 41
Koordinierungs- und Schutzpflichten des Auftraggebers .................................. 47
Arbeits- und Sicherheitsplan (A+S-Plan) ........................................................... 50
Besondere tätigkeitsbezogene Schutzmaßnahmen (PSA) ............................... 56
Fraktionierung der Brandrückstände gemäß Abfallschlüsselnummern ............. 57
Glossar: Abkürzungen und Begriffsbestimmungen ........................................... 60
Gesetze, Verordnungen, technische Regeln und weiterführende Literatur....... 66
í Leitfaden zur Gefahreneinschätzung durch Brandverschmutzungen
Erläuterungen zu den Bewertungskriterien zur Gefahreneinschätzung
í Ablaufschema mit Verantwortlichkeiten
Aufgaben des Koordinators nach BaustellV und BGR 128
í Persönliche Schutzausrüstung (PSA-Matrix)
Fraktionierung der Brandrückstände gemäß Abfallschlüsselnummern
Anwendungsbereich und Grundlagen
der VdS 2357
Diese Richtlinien gelten für alle Maßnahmen und Tätigkeiten der Brandschadensanierung. Für diesen Anwendungsfall konkretisieren sie Vorgaben des staatlichen
Arbeitsschutz- und Abfallrechts sowie der gesetzlichen Unfallversicherungsträger (UVT).
In Bezug auf den Arbeitsschutz basieren sie hauptsächlich auf der Baustellenverordnung,
der Gefahrstoff- und der Biostoffverordnung, dem zugehörigen technischen Regelwerk,
insbesondere der TRGS 524 „Schutzmaßnahmen für Tätigkeiten in kontaminierten
Bereichen“ sowie der BGR 128 „Kontaminierte Bereiche“ (s. Bild 1).
Die VdS 2357 ist als eine für die Brandschadensanierung anzuwendende allgemein anerkannte Regel der Technik anzusehen. Ihr liegen die Schaden- und Sanierungserfahrungen der Schadenversicherer ebenso zu Grunde wie die Erfahrungen der beratenden und beurteilenden Sachverständigen sowie der Sanierungsunternehmen. Über ihre
Anbindung an die TRGS 524 und die BGR 128 schafft sie bzw. ihre Anwendung Rechtsund damit auch Planungssicherheit in Bezug auf den auf der Schadenstelle anzuwendenden Arbeitsschutz. Die regelmäßige Anpassung der VdS 2357 an gesetzliche
Vorgaben und Technische Regelwerke erfolgt in Abstimmung und Zusammenarbeit
insbesondere mit Vertretern der Behörden, der Berufsgenossenschaften, der Sanierungsunternehmen, der Sachverständigen und der Versicherungswirtschaft.
Weitere Gefahren durch z. B. beeinträchtigte Statik, nicht tragfähige Untergründe, ggf.
entstandene Öffnungen und Absturzstellen sowie Elektrizität, werden in diesen Richtlinien nicht explizit behandelt.
Bild 1: Stellenwert und Einbindung der VdS 2357 im Gefüge der gesetzlichen und
berufsgenossenschaftlichen Regelungen zum Arbeitsschutz, insbesondere der
TRGS 524 und der BGR 128.
Unter Brandbedingungen kann aus unbedenklichen Stoffen, Waren, Einrichtungsgegenständen oder Bauteilen eine Vielfalt an Stoffen (Brandfolgeprodukte = Verbrennungsprodukte, Rückstände etc.) entstehen oder freigesetzt werden, deren Gefahrenpotenzial
schwer einzuschätzen ist. Den daraus erwachsenden Herausforderungen für den
Umweltschutz, für die Sicherheit und den Gesundheitsschutz derjenigen, die im Auftrag
des Geschädigten die Sanierungsarbeiten auf der erkalteten Brandstelle durchführen,
müssen sich alle Beteiligte gleichermaßen stellen:
Wer macht im Schadenfall was?
Zu den Beteiligten gehören u. a. Versicherungsnehmer, Versicherer, Behördenvertreter,
Planer, Sachverständige und Sanierungsunternehmen. Die jeweiligen Pflichten und Verantwortlichkeiten sind im Abschnitt 3.1 dargelegt.
Zur Unterstützung aller beteiligten Personen und Institutionen und unter der Zielsetzung
eines ganzheitliches Sanierungskonzeptes beschreiben die Richtlinien zur Brandschadensanierung (VdS 2357) eine systematische Vorgehensweise zur Planung und
zeitnahen Ausführung der erforderlichen Arbeiten (s. Bild 2):
Sie berücksichtigen die Vorgehensweisen und Schutzkonzepte der Gefahrstoff- und
Biostoffverordnung sowie der zugeordneten technischen Regeln zur Gefährdungsbeurteilung und Festlegung von Schutzmaßnahmen (s. Anhang A4).
Sie definieren für alle Beteiligten die Aufgaben und Verantwortlichkeiten im Planungsund Ausführungsprozess, die sich insbesondere aus der BauStellV, der TRGS 524 und
der BGR 128 für die Arbeiten der Brandschadensanierung ergeben (s. Anhang A5).
Der Begriff Brandschadensanierung umfasst alle Maßnahmen und Tätigkeiten auf kalten
Brandstellen. Gefahrstoffe, Biostoffe und andere, z. B. korrosiv wirkende Stoffe, werden
im Sinne dieser Richtlinien zusammenfassend als Schadstoffe bezeichnet.
Weitere Fachausdrücke werden im Glossar (Anhang A9) erläutert.
Bild 2: Planung der Brandschadensanierung nach VdS 2357
Tätigkeiten zur Brandschadensanierung sind nach BGR 128 bzw. TRGS 524 stets als
Tätigkeiten in kontaminierten Bereichen zu betrachten. Mit dieser Einstufung sind aber
noch keinerlei Festlegungen zu Schutzmaßnahmen getroffen, sondern ob und in welchem
Umfang Schutzmaßnahmen zu treffen sind, ist anhand der Gefährdungsbeurteilung zu
Ausgehend von der Schadenstelle, d. h.
den vorhandenen räumlichen und baulichen Gegebenheiten,
den physikalischen Beeinträchtigungen der Bausubstanz, insbesondere Statik, sowie
der Art und Konzentration der Brandfolgeprodukte und deren räumlichen Verteilung
(s. Gefahrenbereiche)
sind für jede anfallende Tätigkeit die Gefährdung zu beurteilen und entsprechende Maßnahmen festzulegen. Dazu sind die in den verschiedenen Arbeitsbereichen anzutreffenden Stoffe ("Brandfolgeprodukte") mit den dort anzuwendenden Arbeitsverfahren
und deren Potential, Gefahrstoffe z. B. als Staub zu mobilisieren, in Zusammenhang zu
bringen. Die entsprechende Methodik ist auf der Grundlage der BGR 128 und TRGS 524
in diesen Richtlinien beschrieben.
Die Dokumentation der Ermittlungen und Entscheidungsschritte der Gefährdungsbeurteilung sowie der Festlegungen zu den zu treffenden Maßnahmen erfolgt im sogenannten „Arbeits- und Sicherheitsplan“ (s. Anhang A6).
Zur ordnungsgemäßen Entsorgung des Brandschuttes und anderer durch das Brandereignis belasteter Materialien ist ein Entsorgungskonzept zu erarbeiten, das die grundsätzlichen Vorgaben aus dem Kreislaufwirtschaftsgesetz (KrWG), aber auch die bisweilen
örtlich unterschiedlichen Bedingungen und Vorgaben berücksichtigt (s. Abschnitt 6).
Das Sanierungs- und Entsorgungskonzept enthält die Planungsschritte und Festlegungen:
Wiederherstellung oder Rückbau der vom Brand betroffenen Anlagen und Gebäude;
Entsorgung der entsprechenden Abfälle;
Arbeitsschutzmaßnahmen, dokumentiert im Arbeits- und Sicherheitsplan.
und Verteilung der Brandfolgeprodukte
Brandablauf
Ein Verbrennungsvorgang ist die Reaktion eines brennbaren Materials mit Sauerstoff
(Oxidation) unter starker Wärmefreisetzung und Lichterscheinung. Die unter idealen Abbrandbedingungen entstehenden Verbrennungsprodukte bestehen hauptsächlich aus
Wasser und Kohlendioxid.
Der reale Verbrennungsvorgang bei einem Schadenfeuer ist hinsichtlich des Temperaturverlaufes und der Sauerstoffversorgung nicht als optimal zu betrachten (unvollständige
Verbrennung) und führt zu einer nicht überschaubaren Zahl von stofflich nur bedingt bekannten Umwandlungsprodukten. Unter diesen können sich u. a. toxische (insbesondere
krebserregende), ätzende, umwelt- und wassergefährdende Substanzen befinden.
Neben einer vollständigen Verbrennung im Sinne obiger Reaktion (Oxidationsreaktion)
treten bei einer unvollständigen Verbrennung auch thermische Zersetzungsprozesse
(Pyrolyse und Crackvorgänge) auf, wobei die Brandmaterialien zu niedermolekularen
Bruchstücken abgebaut werden. In geringerem Umfang findet dabei auch die Bildung
neuer Verbindungen (De-Novo-Synthese) statt. Zusätzlich ist eine Verdampfung von
Flüssigkeiten und Feststoffen mit anschließendem Niederschlag möglich.
Heiße Brandphase
Schadstoffentstehung und Verteilung
Die Stoffe, die sich beim Verbrennungsvorgang bilden, werden in der heißen Phase in
Form von Brandrauch ausgetragen. Die gesamte Substanzfracht ist damit zunächst mobil.
Die in dieser Phase in hoher Konzentration entstehenden giftigen bzw. reizenden Gase und
Dämpfe, wie z. B. Kohlenmonoxid (CO), Kohlendioxid (CO2), Chlorwasserstoff (HCl,
kondensiert: Salzsäure), Acrolein und Cyanwasserstoff (HCN, kondensiert: Blausäure)
stellen für die Rettungs- und Löschkräfte die potenzielle Gefahr dar. In den entsprechenden
Vorschriften dieser Organisationen wird speziell auf diese Gefahren hingewiesen.
Im Sinne dieser Richtlinien werden Gefahrstoffe, Biostoffe und andere, z. B. korrosiv
wirkende Stoffe, zusammenfassend als Schadstoffe bezeichnet.
Hauptverteilungsweg der Stoffe, die sich beim Verbrennungsvorgang befinden, ist der
Luftpfad, wobei die Verbrennungsprodukte gasförmig, flüssig oder fest aus der Brandstelle ausgetragen werden. Mit Abkühlung des Brandrauches findet eine Schadstoffabscheidung statt. Gasförmige Produkte kondensieren an kälteren Oberflächen. Durch
Abkühlung der Gaswolke kommt es zur Tröpfchenbildung von Wasser und Säuren, die
gasförmige Verbindungen und Feststoffe mitreißen. Rußpartikel und Ascherückstände
sinken aufgrund mangelnder Thermik ab, so dass es zu einem „Abregnen“ kommt.
Darüber hinaus erfolgt eine Abscheidung an umströmten Flächen und Gegenständen
(Impaktion). Typischerweise sind die einzelnen Prozesse eng miteinander verknüpft und
überlagern sich, so dass der niedergeschlagene Ruß als Träger für die gasförmigen und
flüssigen Schadstoffe dient. Ein Großteil des Rauches bleibt auf der Schadenstelle als
Ruß- und Rauchgaskondensat zurück und schlägt sich auf der Gebäudekonstruktion, den
Betriebseinrichtungen und Warenvorräten nieder.
Bei Großbränden können durch den brandbedingten Auftrieb (Thermik) und den Wind die
Rauchmassen samt ihrer Stofffracht weit in die Umgebung transportiert werden. Dies
betrifft nicht nur die Brandfolgeprodukte, sondern auch Teile von Baustoffen können in
die Umgebung verfrachtet werden, z. B. Bruchstücke von Asbestzementdächern oder
Isolierungen, die Asbest oder alte Mineralwolle enthalten. Dieser Tatbestand ist beim
Sanierungskonzept zu berücksichtigen.
Die meteorologischen Bedingungen zum Schadenzeitpunkt können entscheidenden
Einfluss auf die Kontamination des Umfeldes der Schadenstelle nehmen.
Boden- und Wasserpfad
Die an der Schadenstelle verbleibenden Rückstände enthalten noch eine Vielzahl von
Brandfolgeprodukten und Aschebestandteilen. Durch die Wirkung von Lösch- oder
Regenwasser kann ein Stofftransport möglich werden, so dass die vorhandenen
Substanzen in die Kanalisation eingetragen werden oder die löslichen Bestandteile auf
unbefestigtem Untergrund einfach versickern.
Auslaufende Betriebsmittel, Brennstoffe oder Chemikalien aus brandbedingt beschädigten Behältern oder Rohrleitungen stellen eine besondere Gefahr nicht nur für
Boden und Grundwasser, sondern insbesondere auch für die mit der Sanierung des
Brandschadens befassten Personen dar.
Kalte Brandstelle
Der Begriff „kalte Brandstelle“ bezeichnet die Situation nach Ablöschen des Schadenfeuers und Abkühlung des Brandgutes auf Umgebungstemperatur.
Auf der kalten Brandstelle sind vor allem schwerflüchtige organische Gefahrstoffe direkt
an Oberflächen und insbesondere an Rußpartikel adsorptiv gebunden. Die starke
adsorptive Bindung bewirkt eine deutliche Verringerung ihrer Mobilität. Die Beurteilung
der Mobilität der Brandfolgeprodukte ist ein wesentlicher Parameter der Gefährdungsbeurteilung bei der Brandschadensanierung (siehe Abschnitt 4.4).
Brandfolgeprodukte
Der Begriff "Brandfolgeprodukte" umfasst sowohl die Stoffe,
die bereits vor dem Brand vorhanden waren und durch den Brand oder die Löscharbeiten freigesetzt wurden, als auch die Stoffe,
die sich durch den Brand, den Kontakt mit Löschwasser bzw. Löschmitteln und
anderen Einwirkungen gebildet haben.
Dabei sind bzgl. der Gefährdungsbeurteilung im Sinne des Arbeitschutzes sowie der
Schadenminimierung und Sachwertrettung insbesondere zu berücksichtigen:
Gefahrstoffe als Lager-, Hilfs-, und Betriebsstoffe und andere Stoffe, die schon vor
dem Brand vorhanden waren;
Biostoffe, die entweder schon vor dem Brand vorhanden waren (z. B. in Krankenhäusern,
gentechnischen Anlagen, Müllbunkern, Schlachtereien) oder die schadenbedingt
entstehen können (z. B. Bakterien in ausgefallenen Kühlanlagen, Schimmelpilze);
Verbrennungs- bzw. Pyrolyseprodukte;
Löschmittel;
aus Baustoffen brandbedingt freigesetzte Gefahrstoffe (z. B. Asbest, alte Mineralwolle);
korrosiv wirkende Stoffe.
Entscheidend für Art und Menge der Verbrennungs- bzw. Pyrolyseprodukte sind die
stoffliche Zusammensetzung des Brandgutes und der Brandablauf.
Auf der kalten Brandstelle ist insbesondere mit mittel- bis schwerflüchtigen organischen
Stoffen zu rechnen, ferner mit freigesetzten Schwermetallen, z. B. aus Kurzschlüssen,
aus zerstörten Leuchtstoffröhren oder Energiesparlampen.
Im Anhang A1 werden stellvertretend für die Vielzahl an Brandfolgeprodukten einige
besonders toxische Substanzgruppen wie
Polyzyklische Aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK),
Polychlorierte Biphenyle (PCB),
Polyhalogenierte Dibenzo-p-dioxine (PHDD) und Dibenzofurane (PHDF),
Asbest und alte Mineralwolle
sowie auftretende metall- und baustoffaggressive Substanzen,
wie z. B. Chlorwasserstoff (HCl), Bromwasserstoff (HBr),
ihre Entstehung, ihre Wirkung und ihre Bewertungskriterien angesprochen.
Zu Schimmelpilzbefall kann es in seltenen Brandschadenfällen insbesondere dann
kommen, wenn nicht unmittelbar nach dem Brandereignis Trocknungsmaßnahmen
eingeleitet werden (weitere Hinweise hierzu s. BGI 858 und VdS 3151).
Bei einem Brandschaden fallen diverse Abfälle an, die sich aus den Brandrückständen
selbst, durch den Brand unbrauchbar gewordenen Einrichtungsgegenständen, Vorräten
und Baustoffen sowie den im Zuge der Sanierungsmaßnahmen entstehenden kontaminierten Betriebs- und Arbeitsmitteln zusammensetzen.
Die anfallenden Abfälle sind entsprechend dem geltenden Abfallrecht einzustufen und zu
entsorgen (s. Abschnitt 6 und Anhang A8).
Entsprechend dem Ablaufschema (Bild 3) werden in diesem Kapitel die zu einer sicheren
und raschen Abwicklung des Schadenfalles notwendigen Schritte erläutert. Vorangestellt ist
eine kurze Darstellung der Verantwortlichkeiten für die zu treffenden Maßnahmen.
Die Zuweisung der Verantwortung im Arbeitsschutz folgt der Entscheidungshoheit. Somit ist
für die in einem Unternehmen erforderlichen Maßnahmen des Arbeitsschutzes stets der
Arbeitgeber verantwortlich (§ 3 Abs. 2 Arbeitsschutzgesetz: „Der Arbeitgeber ist verpflichtet,
die erforderlichen Maßnahmen des Arbeitsschutzes unter Berücksichtigung der Umstände
zu treffen, die Sicherheit und Gesundheit der Beschäftigten bei der Arbeit beeinflussen“).
Werden die Arbeiten von mehreren Firmen ausgeführt, so müssen deren Arbeitgeber bei
der Durchführung der Sicherheits- und Gesundheitsschutzbestimmungen zusammenarbeiten (§ 8 ArbSchG).
Bei Tätigkeiten mit Gefahrstoffen wird diese Grundforderung im § 15 GefStoffV weiter
konkretisiert: Kann bei Tätigkeiten von Beschäftigten eines Arbeitgebers eine Gefährdung
von Beschäftigten anderer Arbeitgeber durch Gefahrstoffe nicht ausgeschlossen werden,
so haben alle betroffenen Arbeitgeber bei der Durchführung ihrer Gefährdungsbeurteilungen zusammenzuwirken und die Schutzmaßnahmen zu koordinieren. Dem zuständigen Koordinator sind von den beteiligten Arbeitgebern alle erforderlichen
sicherheitsrelevanten Informationen sowie Informationen zu den festgelegten Schutzmaßnahmen zur Verfügung zu stellen. Die Bestellung eines Koordinators entbindet die
Arbeitgeber nicht von ihrer Verantwortung.
Bei der Durchführung von Bauarbeiten werden jedoch wesentliche Entscheidungen über
die auszuführenden Tätigkeiten und über die Arbeitsbedingungen nicht mehr vom einzelnen Arbeitgeber getroffen, sondern vom Bauherrn. Daher weist die Baustellenverordnung dem Bauherrn besondere Arbeitsschutzpflichten zu, insbesondere:
Berücksichtigung der allgemeinen Grundsätze des Arbeitsschutzes (§ 4 ArbSchG)
bereits bei der Planung der Ausführung eines Bauvorhabens;
Bestellung eines Sicherheits- und Gesundheitsschutzkoordinators (SiGeKo);
Erstellung eines Sicherheits- und Gesundheitsschutzplanes (SiGePlan).
Die TRGS 524 und die BGR 128 folgen diesem Prinzip, indem die Bestellung eines fachbzw. sachkundigen und weisungsbefugten Koordinators verlangt wird, wenn mehr als ein
Unternehmen am Bauvorhaben beteiligt ist oder die Sanierungsarbeiten während des
laufenden Betriebes durchgeführt werden. Das Pendant zum SiGePlan der BaustellV ist
in der TRGS 524 und in der BGR 128 der Arbeits- und Sicherheitsplan (A+S-Plan).
Im Fall der Sanierung von Brandschäden ist der Geschädigte üblicherweise Bauherr bzw.
Auftraggeber im Sinne der o. g. Vorschriften und somit in der Umsetzungspflicht. Die
BGR 128 geht hier jedoch noch ein Stück weiter und bezieht auch diejenigen natürlichen
oder juristischen Personen mit ein, die als Eigentümer oder Besitzer eines kontaminierten
Bereiches oder als sonstige zur Sanierung eines kontaminierten Bereiches Verpflichtete
die zur Sanierung erforderlichen Arbeiten durchführen lassen und diese finanzieren.
Somit kann auch der Versicherer in die Rolle des für die sichere und gesundheitsgerechte Durchführung der Sanierungsarbeiten Verantwortlichen rücken, insbesondere
dann, wenn auf Grund der persönlichen Kompetenzen und Lebenssituation des Geschädigten nicht davon ausgegangen werden kann, dass er die ihm als nunmehr „Bauherr“ bzw. „Auftraggeber“ zukommenden Arbeitsschutzpflichten überblicken und umsetzen kann. Hier kommt dem Versicherer eine besondere Fürsorgepflicht seinem
Kunden gegenüber zu. Insbesondere eine pauschale Abgeltung des entstandenen
Schadens ab GB 1 ohne Hinweise auf mögliche Arbeitsschutzpflichten des Geschädigten
für den Fall, dass Firmen mit Reinigungs- und Sanierungsarbeiten beauftragt werden, ist
unter diesem Aspekt problematisch.
Weitere Verpflichtungen (Anzeigepflichten):
Auf der Grundlage von GefStoffV und BGR 128 sind die Arbeiten verschiedenen Stellen
anzuzeigen, umfangreiche Dokumentationen vorzunehmen bzw. vor und während der
Arbeiten bestimmte Nachweise vorzulegen.
Die an die ausführenden Unternehmen gerichteten Anzeigepflichten sind folgende:
nach Abschnitt 11.2 der BGR 128 an den für die Unternehmen jeweilig zuständigen
Träger der gesetzlichen Unfallversicherung;
nach § 18 GefStoffV an die staatlichen Arbeitsschutzbehörden unter den dort
genannten Bedingungen.
Die in der BGR 128 genannte Abgabefrist von 4 Wochen vor Baubeginn kann wegen des
ereignishaften Charakter eines Brandes nicht eingehalten werden. Daher wird empfohlen,
dass die ausführenden Unternehmen ihrer Anzeigepflicht zum frühestmöglichen Zeitpunkt unverzüglich nachkommen, z. B. direkt nach Auftragsvergabe.
Vor Beginn der Sanierungsarbeiten sind verschiedene Bewertungen vorzunehmen und
Entscheidungen zu treffen, für die der Betroffene in der Regel fachkundige Unterstützung
wie etwa durch den Versicherer, durch Sachverständige oder Sanierungsunternehmen
benötigt. Diese Bewertungen sind von Personen durchzuführen, die aufgrund ihrer Ausbildung und Erfahrung in der Lage sind, das Gefahrenpotential an der Schadenstelle zu
Die besonderen Fachkenntnisse, die zur sachgerechten Planung und Leitung von Arbeiten in kontaminierten Bereichen erforderlich sind, werden in der TRGS 524 als Fachkunde, in der BGR 128 als Sachkunde bezeichnet. Die nach der BGR 128 erworbene
Sachkunde für Sicherheit und Gesundheitsschutz bei der Arbeit in kontaminierten
Bereichen erfüllt dabei die Fachkundeanforderungen der TRGS 524. In dieser Richtlinie
wird deshalb im Weiteren nur noch von Fachkunde gesprochen.
Gemäß TRGS 524 können die betreffenden Kenntnisse im Rahmen der beruflichen Ausbildung oder durch Fort- bzw. Weiterbildung erworben werden und können als vorhanden
angesehen werden, wenn sie durch Zeugnisse nachgewiesen sind.
Um eine objektive und zuverlässige Ermittlung und Beurteilung der stoffbedingten Gefahren zu gewährleisten, muss die zu beauftragende Person zudem über eine ausreichende praktische Erfahrung in der Beurteilung von Brandstellen verfügen (z. B. hinsichtlich
Probenahme, Bewertung der Analyseergebnisse).
Bei Brandschäden im gewerblich-industriellen Bereich oder in öffentlichen Einrichtungen ist
es in der Regel angebracht, Regulierungsbeauftragte aller beteiligten Versicherungssparten
(Gebäude, Inhalt/Einrichtung/Vorräte, Technische Versicherung etc.) anzufordern.
Schadenmeldung an den Versicherer
Einer der wichtigsten Schritte ist die unverzügliche Meldung des Schadenfalles an den
Versicherer durch den Betroffenen gemäß seiner individuellen, im Versicherungsvertrag
vereinbarten Obliegenheiten. In der Regel versetzt nur die umgehende Meldung des
Schadenfalles den Versicherer in die Lage, rechtzeitig und richtig zu reagieren. Dadurch
kann u. a. sichergestellt werden, dass eine rasche und qualifizierte Beurteilung der
Schadensituation vor Ort durch den Versicherer veranlasst werden kann. Dies hat entscheidenden Einfluss auf die gesamte Schadenabwicklung, insbesondere für Brände mit
höherem Gefahrenpotential. Etwaige behördliche Meldepflichten sind zu beachten.
Bild 3: Ablaufschema mit Verantwortlichkeiten
Sicherung der Schadenstelle
Auf Grund der Allgemeinen Verkehrssicherungspflicht des Eigentümers bzw. Geschädigten zur Verhinderung der Gefährdung Dritter (z. B. durch Gefahren wie Gefahrstoffe, Einsturz etc.) ist die kalte Brandstelle gegen das Betreten durch unbefugte Dritte
abzugrenzen und deutlich sowie dauerhaft zu kennzeichnen. Eine diesbezügliche
Beratung bzw. bei umfangreicheren Maßnahmen eine organisatorische Unterstützung
des Geschädigten sollte durch den Versicherer erfolgen, z. B. im Zuge der Reaktion auf
die Schadenmeldung und dem daran anschließenden Schadenmanagement (s. hierzu
Ziel der Erstbegehung ist es,
den Schadenumfang abzuschätzen,
die von der Schadenstelle ausgehende Gefährdung vorläufig einzuschätzen,
darauf aufbauend eine vorläufige Einstufung in Gefahren- und Arbeitsbereiche vorzunehmen (s. Abschnitte 3.6 und 3.7) sowie
die notwendigen Sofortmaßnahmen festzulegen.
Damit sind die Ergebnisse der Erstbegehung grundlegender Bestandteil der in einem
weiteren Schritt durchzuführenden Gefahreneinschätzung.
Vor Betreten der Schadenstelle sind zum Schutz der daran beteiligten Personen alle
Informationen einzuholen, die zu einer vorläufigen Einstufung in die Gefahrenbereiche
(siehe Abschnitt 4) notwendig sind. Dazu gehören bei Bränden im gewerblich-industriellen
Bereich Informationen über Produkte, Roh-, Hilfs- oder Betriebsstoffe, insbesondere
Gefahrstoffe und Biostoffe, die im Gebäude- oder Anlagenbereich vorhanden waren.
Darüber hinaus kann
ein Übergabeprotokoll der Einsatzstelle
ausgefertigt von der Polizei oder der Feuerwehr weitere wichtige Informationen enthalten.
Die bei der Erstbegehung zu treffenden Schutzmaßnahmen sind mittels einer Gefahreneinschätzung auf der Grundlage der o.g. Informationen festzulegen (s. hierzu Abschnitt 5.2).
Einteilung der Schadenstelle in Gefahrenbereiche
Als ein Ergebnis der Erstbegehung erfolgt gemäß den in den Abschnitten 3 und 4 beschriebenen Kriterien die Unterteilung der Schadenstelle in die Gefahrenbereiche GB 0
bis 3. Die Einteilung in Gefahrenbereiche beschreibt den in den Brandrückständen zu erwartenden Stoffbestand sowie das Ausmaß und die räumliche Verteilung der Verschmutzung durch Rauchkondensate und ist unabhängig von der räumlichen Einteilung
des Schadenobjekts.
Die Ausdehnung eines Gefahrenbereiches kann mit einzelnen räumlichen Bereichen im
Schadenstelle übereinstimmen. Es kann sich auch ergeben, dass verschiedene räumliche Bereiche einem Gefahrenbereich zugeordnet werden müssen. In anderen Fällen
kann es sinnvoll sein, einen räumlichen Bereich in unterschiedliche Gefahrenbereiche
aufzuteilen, z. B. ein Treppenhaus mit nach oben zunehmender Brandverschmutzung,
oder eine große Fertigungshalle, in der verschiedene Arbeiten parallel durchgeführt
werden, u. U. durch Folienwände oder -decken gegenseitig abgeschottet.
In den Gefahrenbereichen GB 1 bis 3 kann es „möglich“ bis hin zu „zwingend
erforderlich“ sein, zur Überprüfung der z. B. vom Regulierungsbeauftragten
vorgenommenen vorläufigen Einstufung Sachverständige einzuschalten, die Art und
Umfang der stofflichen Gefahren umfassender bewerten können (s. Abschnitt 4.7).
Solange eine Einstufung in Gefahrenbereiche nicht erfolgt ist, sind die Arbeiten
gemäß den Anforderungen des GB 3 durchzuführen.
Einteilung der Schadenstelle in Arbeitsbereiche
Ein Arbeitsbereich ist ein räumlich oder organisatorisch begrenzter Teil der Schadenstelle, in dem Tätigkeiten zur Brandschadensanierung durchgeführt werden.
Die Einteilung in Arbeitsbereiche ist ein wesentlicher Teil der Gefährdungsbeurteilung
und dient der eindeutigen Beschreibung wo welche Tätigkeiten auszuführen sind. Sie
orientiert sich im Wesentlichen an der räumlichen Aufteilung der Schadenstelle.
Bei Wohnungsbränden ist die vorzufindende räumliche Aufteilung z. B. „Küche“,
„Treppenhaus“ und „Dachbereich“, im gewerblich-industriellen Bereich sind es eher verfahrensbezogene Gliederungen wie z. B. „Lackierhalle“, „Lösemittellager“ oder „Kühlhaus“. Bei der Planung und Arbeitsvorbereitung sind auch die Einteilungen zu berücksichtigen, die erst aufgrund der Sanierungsarbeiten entstehen, wie z. B. Bereitstellungsflächen für Brandschutt (gehören zum kontaminierten Bereich!) oder bereitgestellte Einrichtungen zur Reinigung von Anlagenteilen u. ä.
Im Hinblick auf eine Schadenbegrenzung müssen unter Berücksichtigung eventueller Zutrittsbeschränkungen, z. B. wegen Ursachenermittlung, Beweissicherung oder Einsturzgefahr, in
vielen Fällen möglichst kurzfristig sogenannte „Sofortmaßnahmen“ durchgeführt werden:
Sicherung der Schadenstelle gegen Zutritt Unbefugter (s. Abschnitt 3.8);
Korrosionsschutz von Maschinen und Anlagen;
Statische Sicherung der Bausubstanz;
Abschottungsmaßnahmen (einschl. Notbedachung);
Trocknungsmaßnahmen;
Maßnahmen zur Verhinderung einer Umweltgefährdung (z. B. bei wassergefährdenden
Flüssigkeiten);
Sicherung von Einrichtungsgegenständen und Waren.
Vor Durchführung der Sofortmaßnahmen ist eine Gefährdungsbeurteilung für die dabei
vorgesehenen Tätigkeiten durchzuführen.
Werden Sofortmaßnahmen von Unternehmen ausgeführt, so sind Mitarbeiter
einzusetzen, die die Sachkunde nach BGR 128 bzw. die Fachkunde nach TRGS 524
besitzen oder von einem entsprechend fach- bzw. sachkundigen Dritten begleitet werden.
Sanierungs- und Entsorgungskonzept
Unter Brandschadensanierung werden alle Maßnahmen und Tätigkeiten verstanden, die
zur Beseitigung der brandbedingten Belastungen im kontaminierten Bereich erforderlich
sind. Dazu zählen u. a.
Sofortmaßnahmen (s. Abschnitte 3.8 und 5.3),
Dekontamination, Reinigung,
Aufräumarbeiten,
Entschuttung der Schadenstelle,
Entsorgung des Brandschutts sowie weiterer Sanierungsabfälle.
Für die Durchführung dieser Arbeiten ist ein Sanierungs- und Entsorgungskonzept zu
erstellen, in dem festgelegt wird, in welchem Umfang und mit welchen Verfahren die
brandgeschädigte Substanz zu dekontaminieren ist und in welcher Weise eine Entsorgung bzw. Verwertung der brandbedingt anfallenden Abfallfraktionen zu erfolgen hat.
Das Sanierungs- und Entsorgungskonzept beinhaltet auch den nach TRGS 524 bzw.
BGR 128 zu erstellenden Arbeits- und Sicherheitsplan (s. Abschnitt 3.10; zu Anforderungen an Inhalte und Gliederungsmuster s. Anhang A6). Somit ist das Sanierungsund Entsorgungskonzept die Dokumentation aller Planungsschritte einschließlich der
hierfür notwendigen Ermittlungen und Bewertungen (s. Bilder 1 und 2).
Arbeits- und Sicherheitsplan (A+S-Plan)
Aufgabe des Arbeits- und Sicherheitsplanes ist es, die Ermittlungen bzgl. der Gefahrstoffe, die Einteilung in die Gefahrenbereiche (s. Abschnitt 3.6 in Verbindung mit Bild 4),
die Expositionsabschätzung bzw. Gefährdungsbeurteilung nachvollziehbar zu dokumentieren und auf der Grundlage des für die Schadenssituation gängigsten Arbeitsverfahrens
Schutzmaßnahmen festzulegen (zu Schutzmaßnahmen s. Anhang A7).
Ausgehend von der Einteilung in Arbeitsbereiche sind die für die Brandschadensanierung
dort auszuführenden Arbeitsverfahren und Tätigkeiten festzulegen. Auf der Grundlage
einer fachkundigen Ermittlung und Bewertung der mit den vorgesehenen Arbeiten verbundenen Gefährdungen sind tätigkeitsbezogene Arbeitsschutzmaßnahmen festzulegen.
Dabei ist zu berücksichtigen, dass die Anforderungen, die sich aus dem Entsorgungskonzept (z. B. Annahmekriterien der Entsorger) ergeben, Auswirkungen auf die Arbeitsschutzmaßnahmen haben können.
Insbesondere bei Bränden in Gewerbe- oder Industriebetrieben ist zu beachten, dass in den
vom Brand betroffenen Bereichen bereits für den Normalbetrieb besondere Arbeitsschutzvorschriften gelten, die auch bei der Brandschadensanierung zu berücksichtigen sind.
Der Arbeits- und Sicherheitsplan ist Grundlage für das Sanierungsunternehmen, seinen
Pflichten nach den verschiedenen Arbeitsschutzbestimmungen nachkommen zu können.
Deshalb ist er bei Auftragsvergabe über eine Leistungsbeschreibung bzw. ein
Ausschreibungsverfahren als fester Bestandteil in die Vergabebedingungen einzubinden.
Unabhängig von der Art des Vergabeverfahrens sind u. a. die Bedingungen der
VOB Teil C, DIN 18299, Abschnitt 4.2.5 zu beachten:
Besondere Schutzmaßnahmen, die für Arbeiten in kontaminierten Bereichen zu
treffen sind, stellen keine Nebenleistungen dar, sondern besondere Leistungen.
Diese sollten in qualifizierten Ausschreibungen, Angeboten und Abrechnungen
als solche ausgewiesen sein.
Die Sanierungs- und Entsorgungsarbeiten sind, ggf. unter der Kontrolle durch einen
Sachverständigen (s. Abschnitt 4.7 in Verbindung mit Anhang A3), auf der Grundlage
dieser Planungsunterlagen durchzuführen.
Auf der Grundlage der Ergebnisse der Erstbegehung erfolgt gemäß den in den Abschnitten 3.6 und 4 beschriebenen Kriterien die Unterteilung der Arbeitsbereiche in die
Gefahrenbereiche GB 0 bis 3 (s. Bild 4). Die Einteilung in Gefahrenbereiche bewertet
allein den in den Brandrückständen zu erwartenden Stoffbestand, sowie das Ausmaß
und die räumliche Verteilung der Verschmutzung durch Rauchkondensate und ist grundsätzlich unabhängig von der Einteilung in Arbeitsbereiche (s. Abschnitt 3.7).
Ein Gefahrenbereich ist ein räumlich abtrennbarer Bereich, der brandbedingt mit Schadstoffen kontaminiert ist. Mit steigender Belastung werden die vom Brand und dessen
Folgeprodukten (s. Abschnitt 2.4) betroffenen Bereiche in die Gefahrenbereiche GB 0 bis
GB 3 eingestuft. Grundlage sind dabei die aus dem Brand resultierenden Risiken. Diese
ergeben sich aus den Brandrückständen, dem Ausmaß und der räumlichen Verteilung
der Verschmutzung durch Brandkondensate und basieren auf folgenden Ermittlungen:
Ausdehnung des kontaminierten („brandverschmutzten“) Bereiches;
Art und Menge der beteiligten Materialien insbesondere von Gefahrstoffen (z. B.
Einfluss des Brandgutes);
Brandbedingungen;
im Schadenbereich anzutreffende Brandverschmutzung (Verschmutzungsgrad, Konsistenz, Mobilisierbarkeit).
Darüber hinaus sind auch weitere Informationen zu berücksichtigen. Dazu gehören u. a.
Hinweise der Feuerwehren (was hat wie und wo gebrannt?) oder des Betreibers (wo
wurde was gelagert/produziert?).
Die Einteilung in die Gefahrenbereiche GB 0 bis 3 beinhaltet die Gefahreneinschätzung
(s. Bild 4). Im Gefahrenbereich 3 sind besonders kritische Brandfolgeprodukte (Definition
s. Abschnitt 2.4; z. B. aus Lagerbeständen, Asbest) vorhanden oder Gesundheitsgefahren durch Biostoffe zu beachten.
Andere Gefahren, wie z. B. die Beeinträchtigung der Gebäudestatik durch Einfluss
korrosiv wirkender Brandfolgeprodukte, elektrische Gefährdungen (insbesondere bei
Photovoltaikanlagen), sind bei der Einteilung in die Gefahrenbereiche nicht
berücksichtigt. Die hiervon ausgehenden Risiken sind separat zu ermitteln und zu
bewerten. Sie sind bei der Erstellung des Arbeits- und Sicherheitsplans bzw. des
Sicherheits- und Gesundheitsschutzplans zu berücksichtigen.
Innerhalb einer Schadensstelle kann es verschiedene Gefahrenbereiche geben. Die
Ausdehnung eines Gefahrenbereiches kann mit dem einzelnen Arbeitsbereich übereinstimmen. Es kann sich auch ergeben, dass verschiedene Arbeitsbereiche einem Gefahrenbereich zugeordnet werden müssen. In anderen Fällen kann es sinnvoll sein, einen
Arbeitsbereich in unterschiedliche Gefahrenbereiche aufzuteilen, z. B.:
ein Treppenhaus mit nach oben zunehmender Brandverschmutzung, oder
eine große Fertigungshalle, in der verschiedene Arbeiten parallel durchgeführt
Ebenso kann die Einstufung von Gefahrenbereichen aufgrund neuer Erkenntnisse, z. B.
durch begleitende Untersuchungen, oder auch in Abhängigkeit vom Sanierungsfortschritt
Bild 4: Leitfaden zur Gefahreneinschätzung durch Brandverschmutzungen (zur Auswahl
des geeigneten Sachverständigen s. Abschnitt 3.2)
Ausdehnung des brandverschmutzten Bereiches
Einstieg für die Einstufung der Schadenstelle in Gefahrenbereiche ist die Betrachtung der
räumlichen Verteilung der durch den Brand entstandenen oder freigesetzten Gefahrstoffe, zunächst ohne Wertung ihrer jeweiligen Konzentration. Die räumliche Verteilung
lässt sich an der visuell sichtbaren Brandverschmutzung verfolgen.
Räumliche Ausdehnung des brandverschmutzten Bereiches
Räumlich eng begrenzte Ausdehnung (ca. 1 m²) des brandverschmutzten Bereichs (z. B. Brand eines Papierkorbs, Kerzengestecks oder einer Kochstelle).
Ausgedehnt:
Brandverschmutzter Bereich erstreckt sich z. B. über Gewerbe-, Fertigungs- und
Lagerhallen oder mehrere Räume/Etagen in Wohn- oder Bürogebäuden.
Einfluss des Brandgutes
Der Einfluss des Brandgutes ist ein wesentliches Kriterium zur Beurteilung der vorhandenen Schadstofffreisetzung. Vor allem bei großen Mengen an kunststoffhaltigen Materialien ist mit unvollständiger Verbrennung und folglich erhöhter Schadstoffkonzentrationen (insbesondere PAK) zu rechnen. Besonders zu beachten sind Materialien,
die Kunststoffe wie Polyvinylchlorid (PVC), Polyurethan (PU), Polystyrol (PS) oder
Melamin- und Phenolharze etc. enthalten. Diese können beispielsweise vorkommen in
Dämmstoffen, Bodenbelägen, Verpackungen, Elektro- und Elektronikgeräten,
Fensterrahmen, Deckenverkleidungen bzw. Holzverbundwerkstoffplatten (Spanplatten).
Von "geringen Mengen an kunststoffhaltigen Materialien" ist auszugehen,
wenn beispielsweise im Wohnungsbereich lediglich haushaltsübliche Mengen
der o. g. Materialien vorhanden und vom Brand betroffen sind. Das gleiche gilt
für Büro- und Verwaltungsbereiche mit einer üblichen Büroausstattung.
Von "großen Mengen an kunststoffhaltigen Materialien" spricht man, wenn
beispielsweise Produktions- und Lagerbereiche, umfangreichere Kabeltrassen,
sowie Rechenzentren, EDV-Zentralen, Messwarten, größere, mit entsprechenden
Materialien gedämmte Dachflächen und dergleichen vom Brand betroffen sind.
Bei der Beteiligung von halogenhaltigen Kunststoffen ist zusätzlich von der Bildung
stärker toxischer Brandfolgeprodukte insbesondere halogenierten aromatischen Verbindungen wie Penta-/Hexachlorbenzol sowie polyhalogenierten Dibenzodioxinen und
Dibenzofuranen (PXDD/PXDF) auszugehen. Typische Materialien sind insbesondere
PVC, Kunststoffe mit Polyvinylidenanteilen, Chloropren, chlorierte/bromierte Flammschutzmittel, die auch in flammenhemmend ausgestatteten Kunststoffen vorhanden sind,
PCB aus Farben, Fugendichtungsmassen, sowie mit pentachlorphenolhaltigen Holzschutzmitteln behandelte Hölzer.
Darüber hinaus sind andere Stoffe wie Gefahrstoffe und Biostoffe zu berücksichtigen, die als
Roh-, Hilfs-, Betriebs- oder Baustoffe (u. a. Asbest, alte Mineralwolle) bereits vor dem
Brand vorlagen und am Brandgeschehen beteiligt waren oder als Folge des Brandes
freigesetzt wurden. Es können schon allein von dem unverbrannten Produkt durch
Zerstörung des Vorratsgefäßes erhebliche Gefahren ausgehen (z. B. Pestizide,
Lösemittel, Kunstharze).
indirekte Folge des Brandes erst entstanden sind, z. B. Keime oder gefährliche
Reaktionsprodukte durch den Ausfall von Anlagen.
Für die Einteilung der Gefahrenbereiche sind von grundlegender Bedeutung:
Ermittlungen, Mess- und Untersuchungsergebnisse über mögliche bzw. vorhandene
Gefahrstoffe seitens der Feuerwehr, Aufsichtsbehörde und/oder eines fachbezogenen Sachverständigen,
die Auskunft des Auftraggebers, was gebrannt hat und welche Materialien oder gar
Gefahrstoffe/Biostoffe eventuell noch im unverbrannten, ggf. thermisch veränderten
Zustand vorliegen könnten.
Diese Informationen sind in aller Regel von den genannten Institutionen bzw. vom
Auftraggeber zur Verfügung zu stellen.
Bewertung der Brandbedingungen
Von entscheidender Bedeutung für die Bildung von Schadstoffen sind die Brandbedingungen. Je stärker ein Brand unter Sauerstoffmangel (Schwelbrand) abläuft, desto
unvollständiger ist die Verbrennung und folglich auch die Freisetzung von Ruß und
Stoffen insbesondere von PAK. So muss beispielsweise unter ungünstigen Brandbedingungen auch bei als „unkritisch“ einzustufenden Holzmaterialien mit einer erheblichen
Schadstofffreisetzung gerechnet werden.
Anzeichen für eine stärkere Schwelbrandsituation sind abgeschlossene Räumlichkeiten
sowie verstärkte allflächige Brandverschmutzungen der Gebäudebereiche.
Im Gegensatz dazu stellen ein helles Flammenbild während des Brandes oder die Zerstörung und damit Öffnung von Gebäudeteilen wie Dächern, Wänden; Fenstern mit
rascher Abführung des Brandrauches Hinweise auf eine weitgehend vollständige Verbrennung mit hohen Temperaturen und damit geringerer Schadstoffkontamination dar.
Vollbrandsituation mit geringem Schwelanteil:
Offener Brand mit heller Flammenbildung und -Rauchabzug über
Gebäudeöffnungen;
Unbehinderte Verteilung von Brandfolgeprodukten.
Ausgeprägter Schwelbrand:
Brandsituation unter Sauerstoffmangel, z. B.:
Abgeschottete Räumlichkeit;
Minimaler Abzug ins Freie;
Druckaufbau im Innenraum.
Brandverschmutzung
Neben der Art und Mobilität der Brandfolgeprodukte ist zur Abgrenzung unterschiedlich
stark betroffener Bereiche auch die Stärke der Brandverschmutzung zu berücksichtigen.
Die Erfahrungen zeigen, dass mit abnehmender Brandverschmutzung auch mit einer
abnehmenden stofflichen Belastung und somit geringerem Risiko zu rechnen ist.
Ein wesentliches Kriterium zur Einteilung in Gefahrenbereiche ist auch die Mobilität und
die Bioverfügbarkeit der vorhandenen Schadstoffe. Auf kalten Brandstellen sind Gefahrstoffe mit geringem Dampfdruck erfahrungsgemäß so stark an Ruß gebunden, dass die
Gefahr der Aufnahme dampfförmiger Stoffe über die Atemwege bzw. bei einer möglichen
Beschmutzung über die Haut erfahrungsgemäß als gering angesehen werden kann. Zur
Beurteilung der Aufnahmemöglichkeit über die Atemwege als Partikel ist die Konsistenz
und Mobilisierbarkeit des Rußes (flockiger bzw. klebriger Ruß) und im Hinblick der Auf-
nahme über die Haut das Vorhandensein hautresorptiver bzw. hautschädigender Brandfolgeprodukte zu beachten.
Brandverschmutzungen
Minimale Verschmutzung:
wenige Rußpartikel vorhanden (nicht flächendeckend);
dünner Rauchkondensatfilm, kaum erkennbar auf den beaufschlagten
Flächen, kann sich aber beim Überwischen mit einem weißen Tuch als
dunkle Verschmutzung zeigen.
Deutliche Verschmutzung
flächendeckender Belag durch Rußpartikel;
flächendeckender Rauchkondensatfilm mit deutlich wahrnehmbarer
Verfärbung der verschmutzten Oberflächen.
Sehr starke Verschmutzung
flächendeckende dicke Schicht an Rußpartikeln;
flächiger, starker Belag mit Rauchkondensatfilm mit intensiver
Schwärzung der Oberflächen.
Definition der Gefahrenbereiche
Gefahrenbereich 0 (GB 0):
räumlich eng begrenzte Ausdehnung (ca. 1 m²) des deutlich sichtbar bis stark brandverschmutzten Bereichs, z. B. Brand eines Papierkorbs, Kerzengestecks oder einer
größere Ausdehnung, jedoch mit minimaler Brandverschmutzung.
Gefahrenbereich 1 (GB 1):
Brände mit deutlich sichtbarer Brandverschmutzung und gegenüber GB 0 größerer Ausdehnung des kontaminierten Bereiches, bei denen haushaltsübliche Mengen an kunststoffhaltigen
Materialien verbrannt sind oder bei denen auf Grund der Brandbedingungen und des
Brandbildes keine gravierende Schadstoffkontamination auf der Brandstelle zu erwarten ist.
Gefahrenbereich 2 (GB 2):
Brände mit einer größeren Ausdehnung des kontaminierten Bereiches und sehr starker
Brandverschmutzung, an denen größere Mengen an kunststoffhaltigen Materialien, insbesondere chlor- oder bromorganische Stoffe wie PVC beteiligt waren (z. B. stark belegte
Kabeltrassen, Lagermaterialien) oder bei denen auf Grund des Brandbildes und des Brandablaufes eine gravierende Schadstoffkontamination auf der Brandstelle vorliegt. Typisch für
GB 2 sind Schwelbrandsituationen unter weitgehendem Bestand der Gebäudehülle, die zu
einer allflächigen Brandverschmutzung führen.
Gefahrenbereich 3 (GB 3):
Brände, bei denen neben dem Vorhandensein der Brandfolgeprodukte zusätzlich mit
größeren Mengen an Biostoffen bzw. an Gefahrstoffen oder gefahrstoffhaltigen Produkten
zu rechnen ist. Diese können als Roh-, Hilfs- oder Betriebsstoffe oder im Gebäude- und
Anlagenbereich vorhanden sein. So ist insbesondere die Beteiligung von Asbest und alter
Mineralwolle zu berücksichtigen. Zusätzlich können kritische Biostoffe entweder direkt freigesetzt werden (z. B. biologische Laboratorien der Schutzstufe 3) oder auch durch nachfolgende Prozesse (z. B. verwesende Tiere) entstehen.
Solange eine Einstufung in die Gefahrenbereiche nicht erfolgt ist, ist der Schadenbereich analog GB 3 zu behandeln.
Zusätzliche Hinweise zur Einstufung der Gefahrenbereiche
Es ist empfehlenswert, die Schadenstelle räumlich in verschiedene Gefahrenbereiche
aufzuteilen, wenn folgende Kriterien erfüllt sind:
Deutlich unterschiedliche Verschmutzungsstärken vorhanden.
Räumliche Abtrennung der einzelnen Gefahrenbereiche möglich.
Sofern weitere Erkenntnisse vorliegen kann sich die Zuordnung zu einem Gefahrenbereich
sowohl zu einer höheren als auch zu einer niedrigeren Einstufung ändern, wenn z. B.
im Zuge der Erstbegehung oder auch der Sanierungsarbeiten Brandgut und damit
auch evtl. Brandfolgeprodukte mit höherem Gefahrenpotenzial angetroffen werden,
die zuvor nicht bekannt oder erkannt wurden;
sich im zeitlichen Ablauf bzw. bei Verzögerung notwendiger Aufräumungs- und
Sanierungsarbeiten unkontrolliert biologische und/oder chemische Schadstoffe aus
dem Brandgut bilden;
eine analytisch nachgewiesene Schadstoffsituation eine Neubewertung erfordert;
sich im Laufe der Sanierungsarbeiten die Gefahrensituation durch die Beseitigung
von die Einstufung bestimmenden Gefahrenpunkten vermindert.
Unabhängig von der wirtschaftlichen Bewertung eines Schadensbildes kann es zur Bewertung der brandbedingten Gefahren auf der Schadenstelle notwendig sein, verschiedene sachverständige Beratung einzuholen. Die Auswahl der entsprechenden
Sachverständigen ist fallbezogen in Abhängigkeit von den vorhandenen Gefahren zu
treffen, z. B. Einsturz, chemische oder biologische Kontaminationen durch den Brand oder
Baustoffe (Asbest, Holzschutzmittel), Verunreinigungen von Boden oder Grundwasser.
Zur Bewertung der stofflichen Gefahren und der fallbezogenen Festlegung der Gefahrenbereiche kann es notwendig sein, einen auf die Brandschadenbeurteilung und sanierung spezialisierten Sachverständigen heranzuziehen. Dieser muss aufgrund seiner
Ausbildung und Erfahrung in der Lage sein, das durch Schadstoffe hervorgerufene
Gefahrenpotential als Grundlage für die Sanierungsplanung und den A+S-Plan zu
beurteilen. Diese Aufgabe kann z. B. von einem Chemiker, aber je nach Ausbildung und
Fachkenntnis auch von anderen Sachverständigen wahrgenommen werden. Die stoffliche Bewertung wird i. d. R. in einem Schadstoffgutachten festgehalten (s. Anhang A3).
Bei einer Zuordnung in den Gefahrenbereich 0 ist die Beauftragung eines Sachverständigen nicht erforderlich; das Gleiche gilt i. d. R. für den Gefahrenbereich GB 1.
Sollte das Brandereignis in einem “sensiblen“, im öffentlichen Interesse stehenden Bereich wie z. B. Kindergärten, Schulen, Museen und dergleichen stattgefunden haben,
wird auch bei Einstufung in GB 1 die Einschaltung eines Sachverständigen empfohlen.
Führen die Kriterien gemäß Abschnitt 4 dagegen zu einer Einstufung in den Gefahrenbereich GB 2, ist die Beauftragung eines Sachverständigen dringend zu empfehlen.
Bei Einstufung in den Gefahrenbereich GB 3 ist die Beauftragung eines Sachverständigen erforderlich (s. Bild 4).
Grundlage jeder Arbeits- und Gesundheitsschutzplanung ist der im § 4 ArbSchG genannte Grundsatz, eine Gefährdung möglichst zu verhindern oder möglichst gering zu
halten. Dabei steht in der Rangfolge der Maßnahmen die Auswahl des "geeigneten"
Arbeitsverfahrens an erster Stelle. Für Tätigkeiten mit Gefahrstoffen oder Biostoffen bedeutet dies, dass möglichst emissions- bzw. expositionsmindernde Arbeitsverfahren anzuwenden sind. Stehen solche Arbeitsverfahren nicht zur Verfügung oder reichen zur Expositionsminimierung nicht aus, haben technische und organisatorische Maßnahmen
Vorrang vor dem Tragen von persönlicher Schutzausrüstung (PSA).
Die Erfahrung zeigt, dass bei Arbeiten zur Brandschadensanierung trotz Ausschöpfung
technischer und organisatorischer Maßnahmen stets ein Restrisiko verbleibt, das durch
den Einsatz von persönlicher Schutzausrüstung weiter zu vermindern ist. Die Auswahl
der persönlichen Schutzausrüstung ist abhängig vom Gefahrenbereich und der tätigkeitsabhängigen Exposition der Beschäftigten gegenüber diesen Stoffen.
Für die in der Brandschadensanierung üblicherweise angewandten Verfahren und Arbeitsweisen wurde in Abhängigkeit von den Gefahrenbereichen GB 0 bis 3 exemplarisch
eine Gefährdungsabschätzung vorgenommen und darauf aufbauend Vorgaben zu stofflich bedingten Arbeitsschutzmaßnahmen erarbeitet. Diese stellen Mindestanforderungen
dar und sind von allen in den betroffenen Bereichen tätigen Personen einzuhalten. Sie
können jederzeit durch technisch höherwertige Ausstattung bei mindestens gleicher
Schutzfunktion ersetzt werden. Einen unter Berücksichtigung der Gefahrenbereiche und
den bei den üblichen Arbeitsverfahren anfallenden Tätigkeiten erarbeiteten Vorschlag zur
Auswahl der Persönlichen Schutzausrüstung enthält Anhang A7.
Im Verlauf der Sanierungstätigkeit ist ständig zu überprüfen, ob
die getroffene Auswahl an Maßnahmen noch der aktuell gegebenen Gefährdungssituation gerecht wird.
In Bezug auf den Arbeitsschutz sind auch verschiedene Sachverhalte zu dokumentieren.
Hinweise zu den verschiedenen Dokumentationsverpflichtungen enthält Anhang A5.
durchzuführende Maßnahmen
Die Schadensstelle ist gegen den Zutritt Unbefugter zu sichern und entsprechend den
Vorgaben für Arbeiten in kontaminierten Bereichen zu kennzeichnen (s. auch BGV A8
"Sicherheits- und Gesundheitsschutzkennzeichnung am Arbeitsplatz"). Über Art und Umfang der Sicherung, ob z. B. Flatterband als "Kennzeichnung" der Gefahrenstelle ausreicht, oder ob eine Absperrung mittels Zaunelement oder dergleichen vorzusehen ist, ist
im Rahmen der Erstbegehung (s. Abschnitt 3.5) zu entscheiden.
Die Gefahrenbereiche sind als solche zu kennzeichnen. Sind innerhalb eines Arbeitsbereiches verschiedene Gefahrenbereiche vorhanden, sollten sie zumindest optisch voneinander getrennt werden.
Von allen auf der Schadenstelle tätigen Unternehmen sind gemäß § 14 GefStoffV (sofern
Gefährdungen durch Biostoffe bestehen gemäß § 12 Bio-StoffV) tätigkeitsbezogene
Betriebsanweisungen zu erstellen und die Arbeitnehmer entsprechend zu unterweisen.
Es dürfen nur Beschäftigte eingesetzt werden, deren körperliche Eignung durch entsprechende arbeitsmedizinische Vorsorgeuntersuchungen nachgewiesen ist. Neben der
Gefährdung durch die Gefahrstoffe stellt auch die Verwendung von Atemschutz und
Schutzkleidung eine besondere körperliche Belastung dar, für die der Beschäftigte
geeignet sein muss. Zur Notwendigkeit der speziellen arbeitsmedizinischen Vorsorgeuntersuchungen hinsichtlich aller stoff- und tätigkeitsbedingten Gefahren, insbesondere
im Hinblick auf kanzerogene Stoffe, wird auf die Verordnung zur arbeitsmedizinischen
Vorsorge (ArbMedVV), den Leitfaden für Betriebsärzte zur arbeitsmedizinischen Betreuung bei Arbeiten in kontaminierte Bereichen der DGUV und die BGR 128 verwiesen.
Maßnahmen für die Erstbegehung
Auch für die Erstbegehung ist eine Gefährdungsbeurteilung durchzuführen. Neben den
stofflichen Gefahren sind insbesondere Gefährdungen durch eine beeinträchtigte Statik,
nicht tragfähige Untergründe sowie entstandene Öffnungen und Absturzstellen im betroffenen Gebäude zu berücksichtigen. Darüber hinaus können auch Gefahren durch
Elektrizität gegeben sein, z. B. durch Photovoltaikanlagen. Erst nach dieser „Eigensicherung“ wird entschieden, ob der betreffende Bereich begangen werden kann.
Im Hinblick auf die stofflichen Gefahren sollte zur Sicherheit aller Beteiligten immer solange von einem GB 3 (s. Abschnitt 4.5) ausgegangen werden, bis weitere Erkenntnisse
eine andere Gefahrenbereichseinstufung erlauben. Kritische Gefahrensituationen entsprechend GB 3 können vorliegen, wenn beispielsweise Behältnisse mit Gefahrstoffen
(u. a. Biozide wie z. B. Pflanzen- oder Holzschutzmittel, Lösemittel, Säuren) zerstört
worden sind, wenn asbesthaltige Materialien oder "alte Mineralwolle" gemäß TRGS 521
(frühere Bezeichnung KMF
künstliche Mineralfasern) vorhanden sind bzw. brandbedingt freigesetzt wurden. Gleiches gilt auch in Bereichen, wo mit Biostoffen zu rechnen
ist, z. B. hochinfektiöse Erreger in entsprechenden Labors oder Abteilungen von
Krankenhäusern, in Schlachtereien oder Einrichtungen zur Tierkörperbeseitigung, in
Bunkern mit Siedlungsabfällen oder dergleichen.
Bei einer kurzzeitigen Begehung der kalten Brandstelle besteht zwar nach den bislang
vorliegenden Erkenntnissen in den Gefahrenbereichen GB 0 bis GB 2 i. d. R. keine
Gesundheitsgefährdung durch Brandfolgeprodukte. Dennoch wird empfohlen, bei der
Erstbegehung oder anderen Untersuchungsmaßnahmen (z. B. Brandursachenermittlung)
ein Mindestmaß an persönlicher Schutzausrüstung vorzuhalten bzw. bei Bedarf zu tragen
(s. hierzu auch Anhang A7):
Schutzhelm, DIN EN 397;
Sicherheitsschuhe, mindestens S3 (Stahlkappe, Durchtrittsicherheit);
Schutzhandschuhe, mindestens EG-Kat II (gegen mechanische Gefährdungen,
flüssigkeitsdicht);
Atemschutz, mindestens Halbmaske mit Filterauswahl entsprechend der vermuteten
Stoffe;
Chemikalienschutzkleidung, EG Kat III, Typ 6 (partikeldicht).
Die obige Einschätzung mit Festlegung entsprechender Maßnahmen entbindet nicht von
der Pflicht zur Durchführung einer Gefährdungsbeurteilung (s. Anhang A4.1). Ist bei der
Erstbegehung mit einer höheren stofflich bedingten Gefährdung zu rechnen, sind die
Maßnahmen in Anlehnung an die Vorgaben aus Anhang A7 auszuwählen
Maßnahmen bei Durchführung der schadenbedingten
Die aus der Erstbegehung resultierenden Ergebnisse sind Grundlage des Arbeitsschutzes für die Durchführung der schadenbedingten Sofortmaßnahmen (s. Anhang A7).
Solange keine andere Gefahrenbereichseinstufung vorliegt, sollte zur Sicherheit aller
Beteiligten immer von GB 3 ausgegangen werden. Neben der stofflichen Gefahr sind
insbesondere bei der Durchführung der Sofortmaßnahmen Gefährdungen durch die
beeinträchtigte Statik, nicht tragfähige Untergründe sowie entstandene Öffnungen und
Absturzstellen im betroffenen Gebäude zu berücksichtigen. Darüber hinaus können auch
Gefahren durch Elektrizität gegeben sein, z. B. durch Photovoltaikanlagen.
Maßnahmen im Gefahrenbereich GB 0
Auf Grund der vorliegenden Erkenntnisse gehen unter Beachtung normaler Hygienestandards von diesem Gefahrenbereich keine signifikanten Risiken aus. Die erforderlichen Arbeiten können mit haushaltsüblichen Reinigungsmitteln (z. B. verdünnte Waschmittellösungen) somit auch von Laien durchgeführt werden, da die Schadstoffbelastung
zu vernachlässigen ist. Es empfiehlt sich, einfache geeignete Schutzausrüstungen zu
Einweg-Schutzanzug EU-Kategorie III, Typ 6,
wasserdichte Schutzhandschuhe gegen mechanische Gefährdungen (EU-Kategorie II)
ggf. filtrierende Atemschutzmaske P2.
Maßnahmen im Gefahrenbereich GB 1
Ab GB 1 ist die Schadenstelle als kontaminierter Bereich im Sinne der BGR 128 bzw.
TRGS 524 zu betrachten. Die Reinigungs- und Sanierungsarbeiten sollten von Fachfirmen, können im Einzelfall aber auch vom Brandgeschädigten selbst vorgenommen
werden. Zur sachgerechten Durchführung der Arbeiten sind grundsätzlich folgende Voraussetzungen zu schaffen:
Einsatz geeigneten Personals, insbesondere arbeitsmedizinische Betreuung;
Einsatz geeigneter Verfahren und Arbeitsmittel;
Sachkundige Begleitung (Sachkunde nach BGR 128) bzw. Fachkunde nach TRGS 524);
Absicherung und ggf. Abschottung des Sanierungsbereiches vom nicht betroffenen
Bereich (Trennung in Schwarz- und Weiß-Bereich);
Zutrittsverbote für Unbefugte;
persönliche Schutzausrüstung für Tätigkeiten im GB 1 (s. Anhang A7);
Schwarz-Weiß-Einrichtungen (Definition s. Anhang A9).
Schutzhandschuhe und Einwegschutzanzüge verbleiben im Schadenbereich. Nach Verlassen des Schadenbereiches ist eine gründliche Körperreinigung vorzunehmen.
Maßnahmen im Gefahrenbereich GB 2
Aufgrund des erhöhten Schadstoffpotential sind für die Arbeiten im Gefahrenbereich
GB 2 spezielle Brandschaden-Sanierungsfirmen heranzuziehen, die im Umgang mit
Schadstoffen vertraut sind, über geeignetes Personal sowie die notwendigen Fachkenntnisse und Geräte verfügen. Zusätzlich zu den Maßnahmen des GB 1 sind folgende
Maßnahmen vorzusehen:
Einsatz staubarmer Geräte;
persönliche Schutzausrüstung für Tätigkeiten im GB 2 (s. Anhang A7);
Schwarz-Weiß-Einrichtungen mit Dekontaminations- und Stiefelwaschanlage;
Ausstattung von Baumaschinen mit Anlagen zur Atemluftversorgung für den Geräteführer gemäß BGI 581. Werden Filteranlagen eingesetzt, ist die Festlegung der einzusetzenden Filter anhand des Gefahrstoffpotenzials in Anlehnung an die Regeln zur
Benutzung von Atemschutzgeräten (BGR 190) vorzunehmen.
Je nach Schadensituation und der Beurteilung durch den sachkundigen Koordinator oder
Sachverständigen können darüber hinaus besondere Maßnahmen festgelegt werden.
Maßnahmen im Gefahrenbereich GB 3
Je nach Schadensituation und der Beurteilung durch den Sachverständigen können über
die Maßnahmen des GB 2 hinaus besondere Arbeitsschutzmaßnahmen festzulegen und
besondere Anforderungen an das ausführende Personal zu stellen sein. Hierbei sind die
weitergehenden Gefährdungsmomente des GB 3 zu berücksichtigen, z. B. Sachkunde
nach TRGS 519 bei Vorhandensein von Asbest.
Nach den Grundsätzen und Grundpflichten des Kreislaufwirtschaftsgesetzes (KrWG) sind
Abfälle alle Stoffe und Gegenstände, deren sich ihr Besitzer entledigen will oder muss.
Man unterscheidet zwischen Abfällen zur Verwertung und Abfällen zur Beseitigung. Im
Sinne einer Ressourcenschonung ist folgende Reihenfolge (Abfallhierarchie) bei der
Abfallbewirtschaftung zu berücksichtigen:
Vermeidung;
Vorbereitung zur Wiederverwendung (Verwendung für denselben Zweck);
Recycling („stoffliches Recycling“, keine energetische Verwertung);
sonstige Verwertung, insbesondere energetische Verwertung und Verfüllung;
Ausgehend von der Abfallhierarchie sind Verfahren, die den Schutz von Mensch und
Umwelt am Besten gewährleisten, vorrangig auszuwählen. Abfälle, die nicht verwertet
werden, sind zu beseitigen. Durch die Vorbehandlung von Abfällen sind die Menge und
Schädlichkeit zu mindern. Im Zuge der Verwertung oder Beseitigung anfallende Energie
oder Abfälle sind möglichst hochwertig zu nutzen.
Gefährliche Abfälle sind nach Abfallverzeichnisverordnung (AVV § 3) Abfälle, die
aufgrund ihrer Zusammensetzung ein Gefahrenpotenzial entsprechend der in Anhang III
der Richtlinie 2008/98/EG skizzierten Kriterien H1 bis H15 aufweisen, oder durch länderoder bundesspezfische Rechtsverordnung als solche bestimmt worden sind. Nicht gefährlich sind im Sinne des KrWG alle übrigen Abfälle.
Abfälle zur Verwertung sind soweit getrennt zu erfassen und zu behandeln, dass eine
ordnungsgemäße und schadlose, sowie wirtschaftlich zumutbare Entsorgung ermöglicht
wird. Die Vermischung von gefährlichen Abfällen ist abgesehen von speziellen Ausnahmen unzulässig.
Die Abfallverzeichnisverordnung (AVV) legt für alle Abfälle branchenspezifisch sowie
abhängig vom Abfalltyp und ihrer Zusammensetzung 6-stellige Abfallnummern fest.
Gefährliche Abfälle werden durch Abfallschlüsselnummern mit einem Sternchen (*)
gekennzeichnet. An die Entsorgung und die Überwachung gefährlicher Abfälle sind
gemäß des KrWG besondere Anforderungen zu stellen, die zum Teil länderspezifisch
geregelt sind und einer besonderen Nachweisführung bedürfen (NachwV).
Entsprechend der Abfall-Einstufung nach AVV und der Abfalleigenschaften ist der
Entsorgungsweg festzulegen und der Abfall kann einer Verwertung oder Beseitigung
zugeführt werden. Bei nicht gefährlichen Abfällen aus privaten Haushaltungen sind die
kommunalen Überlassungspflichten zu berücksichtigen.
Eine rechtzeitige Abstimmung mit den zuständigen Stellen wird bereits bei der
Erstellung des Entsorgungskonzepts dringend empfohlen.
Bei Brandrückständen handelt es sich um zumeist verkohlte oder thermisch stark belastete Materialien wie z. B. angebrannte oder verkohlte Holz- und Kunststoffmaterialien
etc. Diese treten häufig vermischt mit brandverschmutzten Vorräten, Einrichtungsgegenständen und Baustoffen sowie zu bergenden Gefahrstoffen auf, die als Roh-, Hilfs- und
Betriebsstoffe sowie in Baustoffen eingesetzt wurden. Im Zuge der Sanierungsarbeiten
fallen beispielsweise kontaminierte Betriebs- und Arbeitsmittel wie Waschflüssigkeiten,
Strahlmittel, Schutzkleidung an.
Durch eine frühzeitige Separierung der anfallenden Abfälle wird erreicht, dass sich
wesentliche Anteile einer Verwertung zuführen lassen, sich die Entsorgung reibungsloser
und wirtschaftlicher gestaltet und sich die Menge der gefährlichen Abfälle reduziert.
Typische im Brandschadenfall auftretende Stoffgruppen sind im Anhang A8 aufgeführt.
Diesen Gruppen werden beispielhaft einige Abfallschlüssel (AS) gem. der Abfallverzeichnisverordnung (AVV) zugewiesen, die für eine Deklaration gegenüber den Betreibern der Entsorgungsanlagen und den Abfallwirtschaftsbehörden erforderlich sind.
Im Zuge von Aufräumungs- und Rückbauarbeiten sollten grundsätzlich alle anfallenden
Abfälle nach mineralischen und organischen Materialien getrennt werden. Der für die
Trennung der Abfälle erforderliche Aufwand ist im Wesentlichen abhängig von der
Zusammensetzung der Abfälle und den Einzelmengen der verschiedenen Fraktionen.
Bei kleineren Brandereignissen, wie z. B. Wohnungsbränden, ist eine detaillierte Separierung vielfach nicht verhältnismäßig, so dass der gesamte anfallende Abfall einer Hochstufung unterliegt. Einzelne Abfallkomponenten mit erhöhtem Schadstoffpotential sollten
jedoch nach Möglichkeit separiert und den kommunalen Sammelstellen zugeführt
Bei industriellen und gewerblichen Bränden bedarf es in der Regel einer Einzelfallbetrachtung. Hier wie auch bei einer besonderen Schadstoffproblematik muss bereits vor
Beginn der Sanierungsarbeiten ein Entsorgungskonzept erstellt werden. Bei Sanierungstätigkeiten in den Gefahrenbereichen GB 2 und GB 3 sollte dies im Zusammenwirken mit
einem geeigneten Sachverständigen geschehen und die Durchführung der Arbeiten ggf.
von diesem überwacht werden.
Je nach Zusammensetzung der anfallenden Abfälle können in den separierten Abfällen
hohe Schadstoffgehalte vorliegen. Zur Klärung des Entsorgungsweges sind die einzelnen
Abfallfraktionen sachverständigenseits zu beproben (Probenahmeprotokoll). Das Untersuchungsprogramm wird in Abstimmung mit den zuständigen Abfallbehörden und dem
Betreiber der Entsorgungsanlage festgelegt. Das Untersuchungsergebnis, insbesondere die
Deklarationsanalyse, ist Bestandteil des durchzuführenden Nachweisverfahrens (NachwV).
Die Richtlinien zur Brandschadensanierung (VdS 2357) bieten eine umfassende
Handlungsanleitung für alle an der Planung und Ausführung der erforderlichen Arbeiten
beteiligten Personen und Personenkreise. Das zum Teil sehr hohe und unter Umständen
nur schwer einzuschätzende Gefahrenpotential setzt die Kenntnis einer Vielzahl von gesetzlichen Vorgaben und Regeln voraus. Diese bilden die Grundlage der VdS 2357 (s.
hierzu Anhang A4) und sind zusammen mit weiterführender Literatur im Anhang A10
Im Einzelnen sind dort genannt:
Gesetze und Verordnungen aus den Bereichen Abfallrecht, Arbeitsschutzrecht und
Umweltrecht;
Technische Regeln für Arbeitsstätten, Betriebssicherheit, Gefahrstoffe, bzw. Biostoffe
sowie zum Arbeitsschutz auf Baustellen;
Vorschriften, Regeln und Informationen der Träger der gesetzlichen Unfallversicherung;
Publikationen des GDV;
Sonstige Normen, Vorschriften und Empfehlungen.
Die Aussagen der VdS 2357 berücksichtigen in der jeweiligen Auflage den zum Zeitpunkt
der Veröffentlichung gültigen Stand gesetzlicher Regelungen und Verordnungen.
Typische Brandfolgeprodukte (gemäß Definition Abschnitt 2.4)
Hinweis: Die massebezogenen Konzentrationsangaben in Anteil/kg beziehen sich auf
Feststoffe, die volumenbezogenen Angaben in Anteil/m³ beziehen sich auf Luft, die
flächenbezogenen Angaben in Anteil/m² beziehen sich auf beaufschlagte Oberflächen.
Chlorwasserstoff (HCl), Bromwasserstoff (HBr)
Pyrolyse bzw. Abbrand von halogenorganischen Verbindungen (z. B. PVC, Kunststoffe
mit halogenhaltigen flammhemmenden Zusätzen, Halogenkohlenwasserstoffe).
Halogenwasserstoffe und deren Niederschläge können je nach Werkstoff und relativer
Luftfeuchtigkeit auf metallischen Oberflächen zur Auslösung eines fortschreitend verlaufenden Korrosionsprozesses führen.
Eine zunehmende Reaktionsbeschleunigung erfolgt mit steigender relativer Luftfeuchtigkeit ab etwa 45 %.
Zement- und kalkgebundene Baustoffe reagieren mit Halogenwasserstoffsäure zum entsprechenden Calciumsalz (Kontaminationsphase). Baufolgeschäden sind nur dann
möglich, wenn Halogenide bis zur Stahlarmierung vordringen (Verteilungsphase), wenn
dort Feuchtigkeit (z. B. Luftfeuchtigkeit) vorliegt, die Alkalität des Betons abgesunken und
die unten aufgeführten Grenzwerte überschritten sind.
Chlorwasserstoff bzw. Bromwasserstoff sind die gasförmigen Verbindungen der Salzbzw. Bromwasserstoffsäure. Sie sind stark ätzend.
HCl- und HBr-Gase reizen Augen und Schleimhäute der Atemwege. Die Halogenwasserstoffniederschläge beinhalten nur ein geringes dermales Gefährdungspotenzial
(Hautreizungen).
Die typischen brandbedingten Flächenbelastungen (GB 1 und 2) bzw. Konzentrationen
stellen keine gesundheitlichen Gefahren dar. Im Falle einer Beteiligung entsprechender
Arbeitsstoffe sind derartige Gefahren zu berücksichtigen (GB 3).
Korrosiv kritische Flächenbelastung
bei Metallen (je nach Werkstoff)
Sanierungsziel:
Korrosiv kritischer Richtwert Stahlbeton
für schlaff bewehrten Stahlbeton:
ca. 5-10 μg Halogenid/cm²
<< 5 μg/cm2
0,06 % Cl, bezogen auf Beton
(nach Richartz, bei Zementanteil von 1:7)
0,40 % Cl, bezogen auf Zement
Unterschreiten dieser Grenzen
Polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK) sind eine Stoffgruppe mehrzyklischer aromatischer Verbindungen.
Entstehung/Freisetzung
PAK entstehen typischerweise bei der unvollständigen Verbrennung und Pyrolyse
(Sauerstoffmangel) jeglichen organischen Materials. Sie kommen auch in bitumenhaltigen Materialien und Teerölen vor, die früher in Gebäuden zur Isolierung eingesetzt
Ablagerung als/im Kondensat auf Oberflächen von Gebäuden und Inventar, wobei die
PAK in der Regel adsorptiv stark an Ruß- bzw. Brandrückstände gebunden sind. Die
Flüchtigkeit der Verbindungen ist gering.
Eine Vielzahl der PAK zählt zu den krebserzeugenden Verbindungen mit Benzo(a)pyren
(BaP) als Leitsubstanz. BaP ist als krebserzeugender, erbgutverändernder, die Fortpflanzungsfähigkeit beeinträchtigender und fruchtschädigender Stoff der Kategorie 2 der
Gefahrstoffverordnung (TRGS 905) eingestuft.
Bei der Bewertung ist zu berücksichtigen, dass die biologische Verfügbarkeit wegen der
starken adsorptiven Bindung an Ruß gering ist. Die Flüchtigkeit der meisten PAK ist gering.
Hinweis: Die durchschnittliche tägliche Aufnahme an BaP liegt beim Nichtraucher bei
7,6 ng/kg KG und Tag, wovon 90 % über die Nahrungsmittel aufgenommen werden. Der
Raucher hat etwa die doppelte Belastung zu erleiden.
Typische/häufig anzutreffende
Hintergrundwerte:
< 100 μg/m2
< 10 μg/m2
d Hintergrundwert
Typischerweise werden 16 Verbindungen nach EPA 610 analytisch erfasst (Norm).
Die Polychlorierten Biphenyle sind eine Stoffgruppe bestehend aus 209 Einzelstoffen
(Kongeneren) unterschiedlichen Chlorierungsgrades und unterschiedlicher Stellung der
Chloratome im Molekül.
Laut Chemikalienverbotsverordnung (ChemVerbotsV bzw. VO (EU) Nr. 1907/2006
(REACH-Verordnung)) dürfen tri- und höherchlorierte Biphenyle sowie Zubereitungen mit
einem Gehalt dieser Stoffe von mehr als 50 mg/kg nicht in den Verkehr gebracht werden.
Bis ca. 1975 wurden PCB-haltige Produkte in offenen Anwendungen eingesetzt. Seit
1983 werden PCB in der Bundesrepublik nicht mehr hergestellt. Im Schadenfall sind insbesondere PCB-haltige Baustoffe nach wie vor nicht auszuschließen.
Werden von Weichmachern aus dauerelastischen Dichtungsmassen, Beschichtungen
(Farbanstriche) und Deckenplatten freigesetzt. Wegen des PCB-Verbotes nur noch in
Ausnahmefällen Freisetzung oder Verdampfung von Isolierflüssigkeiten aus leckenden
Kondensatoren, Transformatoren und Hydraulikölen.
PCB können durch die Hitzeeinwirkung während der heißen Brandphase verdampft
werden und kondensieren zusammen mit den Rauchgasniederschlägen. Die PCBBildung aus chlorhaltigen Brandmaterialien ist vernachlässigbar.
Ablagerung als Kondensat auf Oberflächen von Gebäuden und Inventar oder als
hochviskose Flüssigkeitsansammlung. Trotz niedrigem Dampfdruck erfolgt kontinuierlich
eine geringfügige Verflüchtigung (Ausgasung) in die Raumluft.
PCB sind als krebserzeugend (K3) sowie umweltgefährdend eingestuft. PCB sollten als
fruchtschädigend (RE2) bzw. die Fortpflanzungsfähigkeit beeinträchtigend (RF2) angesehen werden.
Die akute Toxizität (Giftwirkung nach einmaliger oder kurzzeitiger Aufnahme) von reinem
PCB ist gering.
Als kritisch ist die chronische Belastung (dauerhafte Aufnahme von niedrigen Dosen über
einen längeren Zeitraum) durch PCB mit Auswirkungen auf die Leber anzusehen. Grund
hierfür ist das hohe Akkumulationsvermögen in Leber und Fettgewebe, die große
chemische Stabilität und die damit verbundene geringe biologische Abbaubarkeit der
PCB. Die durchschnittliche tägliche Aufnahme von PCB erfolgt zu 95 % über Nahrungsmittel und liegt beim Erwachsenen bei 60 ng/kg KG und Tag.
Gefahrenerhöhend können sich die herstellungs- und betriebsbedingten Belastungen von
PCB-Produkten durch Polychlorierte Dibenzofurane (PCDF) sowie Brände von PCBhaltigen Transformatoren durch Bildung relativ hoher Mengen an PCDF auswirken (siehe
auch Anhang A2.4).
Raumluftgrenzwert:
(PCB-Richtlinie NRW,
Anerkennung länderabhängig)
Sanierungsleitwert
(PCB-Richtlinie):
< 300 ng/m3
300 -3000 ng/m3
> 3000 ng/m3
mittelfristig zu beseitigen
<< 100 μg/m²
6 Kongenere nach LAGA Abfallschlüssel, PCB 28, 52, 101, 138, 153, 180; Nomenklatur
nach Ballschmiter; wenn möglich unter Einschluss von Penta- und Hexachlorbenzol.
Polyhalogenierte Dibenzo-p-dioxine (PHDD) und
Dibenzofurane (PHDF)
Polyhalogenierte Dibenzo-p-dioxine bestehen aus 75 und polyhalogenierte Dibenzofurane
aus 135 Einzelstoffen (Kongeneren). Die vereinfachend "Dioxine" genannte Stoffgruppe
kommt fast immer als Kongenerengemische in unterschiedlicher Zusammensetzung vor.
Nur die 17 Dibenzo-p-dioxine und Dibenzofurane sind toxikologisch von Bedeutung und
werden für die Bewertung der Toxizität (Giftwirkung) herangezogen, bei denen an den vier
Positionen 2,3,7,8 Halogenatome (Chlor oder Brom) gebunden (substituiert) sind. Nur die
polychlorierten (PCDD/PCDF) und in wesentlich geringerem Ausmaß die polybromierten
(PBDD/PBDF) sind von Bedeutung. Bei Verbrennungsprozessen können durch bromierte
Flammschutzmittel auch gemischt chlorierte/bromierte „Dioxine“ mit theoretisch 5020
Kongeneren entstehen
diese Stoffgruppe ist jedoch mengenmäßig von sehr untergeordneter Bedeutung.
Bei der unvollständigen Verbrennung und Pyrolyse chlor- und bromorganischer Stoffe
oder anorganischer Chloride oder Bromide in Kombination mit organischem Material (DeNovo-Synthese bei Verbrennungsprozessen), z. B. durch Abbrand von PVC.
Ablagerung als Kondensat auf Oberflächen von Gebäuden und Inventar. Die PHDD/F
sind in der Regel adsorptiv an Ruß- bzw. Brandrückstände gebunden.
PHDD/F kann sich durch die Anreicherung im Körperfett in Form von Überpigmentierungen, Leberparenchymschädigungen, Störungen des Fettstoffwechsels oder Auslösung von Krebs äußern.
Das hohe Akkumulationsvermögen in Leber und Fettgewebe, die große chemische
Stabilität und die damit verbundene geringe biologische Abbaubarkeit der PCDD/PCDF
und die krebserzeugende Wirkung sind die Ursache für die hohe Gesundheitsgefährdung
bei chronischer Einwirkung (dauerhafte Aufnahme von niedrigen Dosen über einen
längeren Zeitraum). Die durchschnittliche tägliche Aufnahme von PCDD/PCDF erfolgt zu
95 % über Nahrungsmittel und liegt beim Erwachsenen bei 0,7 pg/kg KG und Tag.
Bei Brandschäden ist zu berücksichtigen, dass die Verfügbarkeit bei der Aufnahme wegen
der hohen adsorptiven Bindung der PHDD/F an Ruß gering ist und daher die Resorption
sehr klein sein dürfte. Berufstypische Krankheitssymptome sind weder aus dem Bereich
der Feuerwehr noch aus dem Kreis der Brandschadensanierungsfirmen bekannt. Das
krebserzeugende Potenzial von PCDD/PCDF gegenüber dem PAK BaP wurde vom
Länderausschuss für Immissionsschutz (LAI) auf 20:1 geschätzt. In Brandrückständen liegt
das Mengenverhältnis PCDD/PCDF zu BaP jedoch im Bereich von > 1:100-1000. Die
Summe aller krebserzeugenden PAK dürfte etwa 10-100 fach über der von BaP liegen.
Damit liegt das krebserzeugende Gesundheitsrisiko bei Brandrückständen eindeutig auf
Seiten der PAK und das durch Dioxine ist dagegen als sehr niedrig einzustufen.
Die toxische Wirkung der bromierten Dioxine ist der der chlorierten sehr ähnlich, aber
Die akute und chronische Toxizität der Vielzahl an Einzelverbindungen, die meist
zusammenfassend als „Dioxine” bezeichnet werden, ist sehr unterschiedlich und kann bis
zu einem Faktor von 10 000 variieren. Zur Abschätzung der Toxizität von Kongenerengemischen polychlorierter Dibenzodioxine und -furane wurden Toxizitätsäquivalenzfaktoren (TEF) eingeführt, wobei dem 2,3,7,8-TCDD als Vertreter mit der höchsten
Giftigkeit ein TEF von 1 zugeordnet wurde. Für die toxikologisch wichtigsten Kongenere,
die mindestens in 2,3,7,8-Stellung mit Chlor substituiert sind, wurde die relative Wirkungsintensität im Vergleich zu 2,3,7,8-TCDD ermittelt und entsprechende TEF festgelegt. Die Toxizität eines Gemisches kann somit grob abgeschätzt werden, indem die
Konzentration der einzelnen Kongenere mit dem zugehörigen TEF multipliziert und der
Summenwert als Toxizitätsäquivalente ausgegeben wird. Das Ergebnis in Toxizitätsäquivalenten (TE) stellt dann angenähert das Risikopotenzial dar:
Aufgrund neuer Erkenntnisse zur Wirkung der Dioxine hat die WHO 2005 eine aktuelle
WHO-TEF-Liste herausgegeben, auf deren Basis heute humantoxikologische
Bewertungen erfolgen und die EU ihre Richt- bzw. Grenzwerte ableitet. Die älteren ITEFs gelten in Deutschland zwar noch im Rahmen einiger gesetzlicher Verordnungen
(BImSchV, KlärSV, BBodSchV); es ist jedoch damit zu rechnen dass sie früher oder
später im Wege der europäischen Harmonisierung durch die WHO-TEFs ersetzt werden,
weil gesundheitliche Risiken mit ihnen realitätsnäher bewertet werden können.
2,3,7,8-TCDD ist nach TRGS 905 als krebserzeugender Stoff (K1) eingestuft.
Die TRGS 557 (Dioxine) findet keine Anwendung auf Sanierungs- und Abbrucharbeiten
sowie unfallartige Ereignisse.
Die nachstehenden Orientierungswerte sind auf 2,3,7,8-TCDD bzw. die in 2,3,7,8Stellung chlorierten Kongeneren ausgerichtet.
Innenraumschwellenwert, Hessen
Staatsanzeiger für das Land Hessen,
Nr. 51, 2549 (1989).
Sanierungsziel bei kontaminierten Oberflächen:
In Räumen für gelegentlichen Aufenthalt:
10 ng ITE/m2
< 50 ng ITE/m²
< 100 ng ITE/m²
Unter Asbest (griechisch „asbestos“, „unvergänglich”) versteht man eine Gruppe natürlich
vorkommender, faserförmiger Mineralien auf Silikatbasis.
Asbest kommt in großen Lagerstätten in Russland, Südafrika und Nordamerika vor. Wegen
seiner Unbrennbarkeit, seiner hohen elektrischen und thermischen Isolierfähigkeit und
chemischen Beständigkeit wurde Asbest in einer großen Vielzahl von Produkten eingesetzt.
Asbest kann im Brandfall im Zuge der thermisch/mechanischen Belastungen freigelegt
bzw.-. freigesetzt werden. Entscheidend für die Gefahrenbereichseinteilung ist das
Auftreten an der Schadenstelle und die Gefahr einer Freisetzung von Fasern durch das
Brandgeschehen.
Zu berücksichtigen sind insbesondere
freigelegte Brandschutzmaterialien (Spritzasbest), Dichtschnüre an Feuerungsanlagen etc.,
zerstörte/zersplitterte Asbestzementplatten sowie
beim Rückbau zu entfernende asbesthaltige Produkte.
Klassifizierung der Asbestprodukte
Auf Basis der TRGS 519 sowie der Asbest-Richtlinie unterscheidet man Asbestprodukte
Schwach gebundene Asbestprodukte (Rohdichte unter 1000 kg m-3, Asbestanteil etwa
60 Gew. %);
Asbestzementprodukte (Rohdichte mind. 1400 kg m-3, Asbestanteil kleiner als
15 Gew. %);
sonstige Asbestprodukte (diese Produkte sind auf analytischem Weg zu bewerten).
Die in der DDR hergestellten asbesthaltigen Plattenarten mit den Bezeichnungen
„Baufatherm“, „Sokalit“ und „Neptunit“ werden ungeachtet ihrer Rohdichte als schwach
gebundene Asbestprodukte eingestuft.
Verbot von Spritzasbest in der Bundesrepublik;
Verbot von schwach gebundenen Asbestprodukten;
Verbot von Asbest in Speicherheizgeräten;
Generelles Herstellungs- und Verwendungsverbot für Asbest und asbesthaltige
Materialien. Vom Verbot ausgenommen sind lediglich Abbruch-, Sanierungsund Instandhaltungsarbeiten;
europaweites Verbot für Asbestprodukte.
Asbestfasern sind chemisch inert und besitzen keine akute Toxizität, zeichnen sich
jedoch durch eine schlechte Abbaubarkeit im Körper aus.
Die im Asbeststaub enthaltenen Fasern können aufgrund ihrer kritischen Fasergeometrie
(Faserlänge von mindestens 5 m und einem Durchmesser von maximal 3 m) bis in die
Alveolen der Lunge vordringen. Als gesundheitliche Risiken sind Asbestose,
Mesotheliome (Tumoren des Bauch- und Rippenfells) sowie Lungenkrebs bekannt.
Eine Bestimmung von lungengängigen Asbestfasern in der Luft in Arbeitsbereichen findet
gemäß BGI 505-46 statt. Hierdurch wird eine Bestimmung der Faserkonzentration und
eine Aussage zur chemischen Zusammensetzung der Partikel möglich. Materialproben
werden gemäß VDI 3866 untersucht.
Als Regelwerke für die Asbestsanierung sind die Chemikalienverbotsverordnung, die auf
dem Gefahrstoffrecht (GefStoffV) basierende Technische Regel für Gefahrstoffe TRGS
519 und die Asbest-Richtlinie (gilt nur für schwachgebundene Asbestprodukte) zu
nennen. Für die Entsorgung asbesthaltiger Abfälle ist die Mitteilung der Bund/LänderArbeitsgemeinschaft Abfall (LAGA) 23 heranzuziehen.
Alte Mineralwolle/künstliche Mineralfasern
Als künstliche Mineralfasern bezeichnet man anorganische Synthesefasern, die aus
mineralischen Schmelzen über unterschiedliche Düsen- oder Schleuderverfahren aus
Glasrohstoffen sowie vulkanischen Gesteinen und Kalkstein gewonnen wurden.
Künstliche Mineralfasern werden vor allem zur Wärme- und Schallisolation und zum
Brandschutz eingesetzt. Meist liegen sie als graue oder gelbliche „Stein- bzw. Glaswollen“ teilweise auch als Schlackewollen vor.
Als alte Mineralwolle bezeichnet man künstliche Mineralfasern, die bis zum Herstellungsund Verwendungsverbot 06/2000 (s. unten) hergestellt wurden. Die mit einer Übergangszeit ab 1996 hergestellten künstlichen Mineralfasern, die nicht die Freizeichnungskriterien
der damaligen Gefahrstoffverordnung erfüllen, werden als neue Mineralwolle bezeichnet.
Bei alter Mineralwolle liegt ein erhöhtes Verdachtsmoment hinsichtlich der Freisetzung
lungengängiger Fasern mit kanzerogenem Potenzial vor.
„Alte Mineralwollen“ treten vornehmlich aus zerstörten oder beschädigten Bauteilen auf, die
entsprechend ihres Einsatzortes durch das Brandereignis selbst aufgrund von Löscharbeiten
sowie im Zuge möglicher Sanierungs- und Rückbauarbeiten freigelegt werden können.
Künstliche Mineralfasern liegen zumeist in Form von weichen Wollmatten oder gepressten Faserplatten sowie als Zuschlag in Brandschutzputzen vor. Typische Einsatzbereiche sind z. B:
Wärmedämmung in Decken- und Dacheindeckungen;
Leichtbauwände bzw. hinter Vorsatzschalen;
abgehängte Decken;
Wärme- und Trittschalldämmung unter Fußboden-/Estrichbelägen;
Tür- und Fensterleibungen;
Wärmeisolierung von Rohren und Lüftungskanälen (meist unter Alu- oder PVC-Folie).
Eine Gefährdung liegt bei erhöhter Faserkonzentration in der Luft vor, wie sie bei Beschädigung oder Freilegung von „alter Mineralwolle“ im Zuge von Brandschäden bzw. bei
den erforderlichen Sanierungsmaßnahmen auftreten kann. Auch durch Hitzeeinwirkung
und Zerstörung der Bindemittel, kann sich die Freisetzung von Fasern deutlich erhöhen.
Ähnlich wie bei Asbest geht die Gefahr von feinen lungengängigen Fasern (sogenannten
WHO-Fasern) aus, die chemisch weitgehend inert sind. Aufgrund ihrer Biobeständigkeit
findet nur ein sehr langsamer Abbau der Faserstäube in den Lungenbereichen statt.
Gegenüber Asbest entwickeln künstliche Mineralfasern typischerweise weniger Feinstaub
und besitzen einen geringeren Anteil an lungengängigen Fasern bei zumeist etwas
geringerer Biobeständigkeit.
Alte Mineralwollen werden entsprechend als kanzerogen der Kategorie K2 bzw. K3 eingestuft. Die Einstufung erfolgt in Deutschland auf Basis des Vorliegens von kritischen
Fasern (WHO-Fasern) sowie dem Kanzerogenitätsindex (KI).
Eine akute Toxizität liegt nicht vor.
Definitionen und Einstufung:
WHO-Fasern: Faserstäube mit folgenden Maßen: Länge > 5 m, Durchmesser < 3 m
und ein Länge-zu-Durchmesser-Verhältnis von > 3:1.
Kanzerogenitätsindex KI (gilt nur in Deutschland):
Differenz zwischen der Summe der prozentualen Massengehalte (%.) der Oxide von Natrium,
Kalium, Bor, Calcium, Magnesium, Barium und dem doppelten Massengehalt (%.) von
Auf der Basis dieser Definitionen werden "alte Mineralwollen" wie folgt eingestuft:
a) Glasige WHO-Fasern mit einem Kanzerogenitätsindex KI
30 werden in die
Kategorie 2 für krebserzeugende Stoffe eingestuft (hinreichende Anhaltspunkte, dass
der Stoff beim Menschen Krebs erzeugen kann).
b) Glasige WHO-Fasern mit einem Kanzerogenitätsindex KI > 30 und < 40 werden in
die Kategorie 3 eingestuft (Verdacht auf krebserzeugende Wirkung, aber nicht
genügende Informationen für eine Einstufung als Kat. 2).
c) Für glasige WHO-Fasern erfolgt keine Einstufung als krebserzeugend, wenn deren
Kanzerogenitätsindex KI 40 beträgt.
Sonstige gesundheitliche Auswirkungen von alter Mineralwolle
Abgesehen von der potenziell krebserzeugenden Wirkung alter Mineralwolle können bedingt durch Faserstruktur und Zusatzstoffe (Bindemittel) eine Reihe weiterer gesundheitlicher Auswirkungen beim Umgang mit künstlichen Mineralfasern (auch neuer Mineralwolle) auftreten, insbesondere Reizungen von Haut und Schleimhäuten, aber auch der
oberen Atemwege und der Augen.
Im Jahr 1997 wurde die EU-Richtlinie 97/69 EG zur Einstufung künstlicher Mineralfasern
auf Grundlage der Biolöslichkeit verabschiedet.
Seit 01.06.2000 gilt in Deutschland ein Verbot des Herstellens, des Inverkehrbringens
und des Verwendens von Mineralwolle-Dämmstoffen, die nicht die Freizeichnungskriterien des Anhang IV Nr. 22 der Gefahrstoffverordnung erfüllen.
Das RAL-Gütezeichen wird für biolösliche Mineralfaserprodukte vergeben. Diese Produkte entsprechen den Regelungen der Gefahrstoff-Verordnung.
Bis etwa 1995 muss bei Mineralfaserdämmstoffen von der Herstellung und dem Einsatz
potentiell kritischer Fasern ausgegangen werden. In der Übergangszeit 1996-2000 waren
„alte und neue“ Mineralwollen im Verkehr.
Es gibt kein Sanierungsgebot für „alte Mineralwolle“, soweit das Material ordnungsgemäß
eingebaut ist und keine erhöhte Faserfreisetzung vorliegt.
BGI 505-31 Von den Berufsgenossenschaften anerkannte Analysenverfahren zur
Feststellung der Konzentrationen krebserzeugender Arbeitsstoffe in der Luft in
Arbeitsbereichen Verfahren zur Bestimmung von lungengängigen Fasern – Lichtmikroskopisches Verfahren.
BGI 505-46
Verfahren zur getrennten Bestimmung der Konzentrationen von anorganischen Fasern in Arbeitsbereichen Rasterelektronenmikroskopisches Verfahren.
WHO-Fasern: Rasterelektronenmikroskop (REM) mit gekoppelter energiedispersiver
Röntgenmikroanalyse (EDXA) zur Faseridentifizierung; gemäß VDI 3492.
Kanzerogenitätsindex: Röntgenfluoreszenzanalyse nach BIA 7488.
Als Regelwerke für die Sanierung sind die Gefahrstoffverordnung, die Chemikalienverbotsverordnung sowie die auf dem Gefahrstoffrecht (GefStoffV) basierenden
Technischen Regeln für Gefahrstoffe TRGS 521 und die TRGS 905 zu nennen.
Probenahme und Schadstoffanalyse
Eine Entnahme von Proben kann in den Gefahrenbereichen GB 2 und 3 sowohl zur Ermittlung einer Sachwertgefährdung als auch zur Gefahreneinschätzung sinnvoll bzw. notwendig werden. Die entnommenen Proben dienen neben einer genaueren
Gefahreneinschätzung der Schadenabgrenzung hinsichtlich Ausmaß und Intensität. Bei
dieser Ermittlung sind sowohl die Brandfolgeprodukte als auch evtl. noch vorhandene und
ggf. thermisch veränderte Gefahrstoffe aus Lagerbeständen oder Produktionsbereichen zu
Hinsichtlich der Brandfolgeprodukte erfolgt die typische Probennahme beim Inventar
flächenbezogen über Wischproben, an der Bausubstanz massebezogen durch Entnahme
von Baustoffproben.
Typische Parameter zur Untersuchung brandbedingter Schadstoffe sind:
der pH-Wert (z. B. Prüfung mit Stick);
die Flächenbelastung an Chlorid bzw. Bromid;
Polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK, Summe der 16 nachgewiesenen Kongenere nach EPA);
Penta- und Hexachlorbenzol;
Polychlorierte Biphenyle (PCB, 6 Kongenere nach LAGA Abfallschlüssel);
lipophile Pyrolysestoffe bzw. reine Pyrolysekohlenwasserstoffe.
Das Untersuchungsspektrum ist schadenbezogen anzupassen (z. B.: Schwermetalle,
weitere Gefahrstoffe, Biostoffe).
Die Halogenwasserstoff-Beaufschlagung steht hinsichtlich der korrosiven Sachwertbeeinträchtigung der technischen Einrichtung im Vordergrund.
In vielen Fällen kann die PAK-Flächenbelastung den Verteilungspfad von Schadstoffen
Bei brandverschmutzten Baukörperoberflächen, vor allem wenn es sich um kalk- und
zementgebundene Baustoffe handelt, findet sekundär ein Verteilungsprozess statt, der
insbesondere bei Chlorwasserstoff zur Einschleppung der Pyrolysestoffe führen kann.
Hier ist daher für armierte Bauteile eine dreidimensionale Probenentnahme notwendig,
die über einen schichtenweisen mechanischen Abtrag erfolgt. Die Untersuchung auf
niedergeschlagene Halogenide kann titrimetrisch, potenziometrisch oder mittels ionensensitiver Elektroden durchgeführt werden.
Normalerweise muss eine Untersuchung auf PHDD/PHDF nur dann erfolgen, wenn sich
erhöhte Verdachtsmomente aufgrund der beteiligten Brandmaterialien oder erhaltenen
Prüfergebnisse (z. B. auffällige Belastung an Hexa-, Pentachlorbenzol, PCB) ergeben.
Bei der chemischen Untersuchung im Hinblick auf ein Entsorgungskonzept ist im Vorfeld
mit den zuständigen Behörden abzuklären, nach welcher Methode die Probenahme zu
erfolgen hat, z. B. gemäß der LAGA-PN 98.
Das Ergebnis der Untersuchungen ist sachverständig zu bewerten und einschließlich
Probenahmeplan zu dokumentieren. Es ist Basis für die Festlegung des Sanierungs- und
Entsorgungskonzeptes einschließlich des zugehörigen Arbeits- und Gesundheitsschutzes. Es empfiehlt sich, den Erfolg der Sanierung durch den Sachverständigen feststellen zu lassen.
Mindestanforderungen an das Schadstoff-Gutachten
Schadstoff-Gutachten sollen dem Auftraggeber Planungssicherheit für die notwendigen
Maßnahmen nach Bränden liefern. An das Schadstoff-Gutachten sind folgende Anforderungen zu stellen:
Die Aufgabenstellung (z. B. Erstellung eines Sanierungskonzepts) sowie die jeweiligen Untersuchungsgegenstände (Gebäude, technische Einrichtung, kaufmännische
oder sonstige Einrichtungen/Hausrat oder Vorräte) müssen klar benannt werden.
Die Untersuchungsmethoden sowie die Probenahme müssen exakt dargelegt werden.
Die Schadstoff-Belastung beim jeweiligen Untersuchungsgegenstand ist in seiner
Ausdehnung und Höhe zu beschreiben und von den ggf. vorhandenen betriebsbedingten Beaufschlagungen bzw. unbelasteten Bereichen abzugrenzen. Die festgestellte Schadstoffbelastung begründet dabei i. d. R. die Sanierungsmaßnahmen.
Das Schadstoff-Gutachten soll die für den speziellen Fall geeigneten Sanierungsverfahren einschließlich der erforderlichen Arbeitsschutzmaßnahmen benennen.
Das Schadstoff-Gutachten enthält je nach Aufgabenstellung Vorschläge für die
Entsorgung der Brandstellenabfälle. Ggf. sind entsprechende Umweltschutzmaßnahmen festzulegen.
Das Schadstoff-Gutachten muss transparent, nachvollziehbar und für alle Beteiligten
Das Schadstoff-Gutachten muss gerichtsfest sein, darf aber keine juristische
Wertung enthalten.
Diese Zielsetzungen dienen dazu,
ein einheitliches Erscheinungsbild und
nachvollziehbare Qualitätskriterien
Die Gliederung des Schadstoff-Gutachtens soll nach folgendem Schema aufgebaut werden:
Enthält die wesentlichen Angaben zu Auftraggeber und Schadenereignis.
Gefährdungseinschätzung vor Ort gemäß VdS 2357
Enthält eine vorläufige Einteilung der Schadenstelle in Gefahrenbereiche.
Schadenfeststellungen
Enthält detaillierte Beschreibungen der Schadenfeststellungen zu den einzelnen betroffenen Bereichen, getrennt nach Gebäude, kaufmännischer und technischer
Betriebseinrichtung, Hausrat etc.
Bewertung der Prüfergebnisse und Beurteilung der Schadensituation im Hinblick auf
stoffliche Gefahren.
Sofortmaßnahmen und Sanierungsvorschläge
Enthält Beschreibungen zur Probenahme, den Messverfahren, Untersuchungsergebnisse, Lagepläne mit eingezeichneten Probeentnahmeorten und Abgrenzung der
Gefahrenbereiche, Tabelle zur Übersicht aller Ergebnisse.
Sofern das Gutachten nach diesem Muster erstellt wird, kann es gleichzeitig als Grundlage für eine Ausschreibung der notwendigen Sanierungs- und Schadenbeseitigungsarbeiten dienen.
Umsetzung der Anforderungen des Regelwerks zum
Arbeitsschutz in der VdS 2357
Zum Schutz gegenüber den (stofflichen) Gefahren sind bei der Brandschadensanierung
hauptsächlich die GefStoffV, die BiostoffV, die BaustellV mit den jeweils dazugehörigen
technischen Regeln, insbesondere die TRGS 524, sowie das Regelwerk der Unfallversicherungsträger, insbesondere die BGR 128, zu beachten. Im Folgenden wird dargestellt, in welcher Weise die aus diesen Regelwerken erwachsenen Anforderungen in
der VdS 2357 umgesetzt werden.
Bild 5: Rechtssystematik
Anforderungen der Gefahrstoffverordnung í GefStoffV í und der
Eine Gefährdungsbeurteilung für „Tätigkeiten mit Gefahrstoffen“ besteht grundsätzlich
aus der Ermittlung der Gefahrstoffe ("Welche sind vorhanden ?") und ihrer „gefährlichen“
Eigenschaften, der Bewertung von Art und Höhe der zu erwartenden physikalischen oder
chemischen Gefährdungen bzw. der Exposition gegenüber toxisch wirkenden Stoffen.
Wesentlicher Bestandteil der Gefährdungsbeurteilung ist die Bewertung der angewandten Arbeitsverfahren im Hinblick auf die dabei durchzuführenden „exponierten“
Tätigkeiten. Auch Einstufungen und Grenzwerte der Stoffe, arbeitsmedizinische Erkenntnisse sowie die Kontrolle der Wirksamkeit der getroffenen Maßnahmen sind einzubeziehen (s. § 6 GefStoffV).
Die Methodik der Gefährdungsbeurteilung, die bei Arbeiten in kontaminierten Bereichen,
also auch bei Arbeiten zur Sanierung von Brandschäden anzuwenden ist, beschreibt die
TRGS 524 "Schutzmaßnahmen für Tätigkeiten in kontaminierten Bereichen". Sie enthält
die Vorgaben für die notwendigen Ermittlungen zu den Gefahrstoffen (Art und Eigen41
schaften), den auszuführenden Tätigkeiten, den in den Arbeitsbereichen zu erwartenden
Randbedingungen und definiert Mindeststandards bzgl. der Schutzmaßnahmen und der
personellen Anforderungen ("Fachkunde").
Entsprechend der Zielrichtung der BaustellV weist auch die TRGS 524 mit der
Anforderung zur Erstellung des Arbeits- und Sicherheitsplanes und der Bestellung eines
fachkundigen Koordinators dem Auftraggeber Verantwortung bei Planung und Überwachung des Arbeitsschutzes zu.
Im Fall der Brandschadensanierung ist es i. d. R. der Geschädigte selbst, dem als
Auftraggeber diese Pflichten obliegen. Wenn aber auf Grund der persönlichen Kompetenzen und Lebenssituation des Geschädigten nicht davon ausgegangen werden kann,
dass er die ihm als nunmehr „Bauherr“ bzw. „Auftraggeber“ zukommenden Arbeitsschutzpflichten überblicken und umsetzen kann, kommt dem Versicherer eine besondere Fürsorgepflicht seinem Kunden gegenüber zu. Er hat dafür Sorge zu tragen, dass dem Geschädigten eine entsprechende fachkundige Beratung zuteil wird. Dies kann durch den
Schadenregulierer erfolgen, sofern er die Fachkunde nach TRGS 524 besitzt, oder durch
eine andere fachkundige Person.
Ermittlungen zu den Gefahrstoffen
Nach einem Brandereignis liegt ein Stoffgemisch vor, zusammengesetzt aus
den Verbrennungsprodukten (je nach stofflicher Zusammensetzung der verbrannten
Materialien und den beim Brand vorherrschenden Bedingungen sehr unterschiedliche
Stoffe mit sehr unterschiedlichem Gefahrenpotenzial),
Stoffen der Bausubstanz (Tapeten, Isoliermaterialien wie alte Mineralwolle, ggf. auch
Asbestprodukte) und aus
dem eingesetzten Löschmittel (Wasser, Schaum, Pulver etc.).
Hinzukommen können hauptsächlich im industriell-gewerblichen Bereich Gefahrstoffe
(Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffe aus Produktions- oder Lagerbeständen), die durch das
Brandereignis freigesetzt, evtl. auch thermisch verändert wurden (zu Brandfolgeprodukten und Entstehungsbedingungen s. Abschnitt 2.4 sowie Anhang A1).
Auf der Grundlage der vielfältigen Erfahrungen zu Brandschadensfällen und den zu erwartenden Gefahrstoffen führt die VdS 2357 in Bezug auf die entsprechend notwendigen
Ermittlungen das Konzept der sogenannten „Gefahrenbereiche“ ein: Anhand der Ermittlung der stofflichen Zusammensetzung des Brandgutes, der Verteilung der Brandfolgeprodukte sowie des Grades und der räumlichen Verteilung der Beaufschlagung mit
Rauchkondensaten ermöglicht das Konzept der Gefahrenbereiche sowohl eine Bewertung der stofflichen Gefahren, aber auch gleichzeitig eine räumliche Gliederung des
Schadensbereiches.
Dieses Konzept erfüllt die Vorgaben der GefStoffV und der TRGS 524 im Sinne einer
Beschreibung der zu erwartenden stofflichen Situation, einerseits als Grundlage einer
ersten Gefahreneinschätzung und andererseits als Grundlage der Gefährdungsbeurteilung in der Zusammenschau mit der Art der durchzuführenden Tätigkeiten (s.o.).
In diesem Zusammenhang ist auch der Begriff der sogenannten "Vermutungswirkung" zu
erwähnen bzw. zu erklären:
Die Gefahrstoffverordnung 2005 führte wie auch andere neu gefasste Verordnungen nach
dem Arbeitsschutzgesetz die sogenannte Vermutungswirkung ein (§ 8 Abs. 1 GefStoffV),
d. h, dass der Unternehmer, der die in den Technischen Regeln (hier insbesondere die
TRGS 524) beschriebenen Maßnahmen und Verfahrensweisen einhält, die Anforderungen der GefStoffV erfüllt. In diesem Fall gehen auch die Aufsichtsbehörde und andere
Beteiligte in der Regel davon aus, dass die in der Verordnung gestellten Anforderungen
eingehalten werden. Das Zusammenwirken zwischen VdS 2357 und TRGS 524 dokumentiert sich darin, dass im Kap. 4.2.3 dieser Technischen Regel für Gefahrstoffe direkt
auf die VdS 2357 verwiesen wird.
In Verbindung mit der TRGS 524 schafft somit die Anwendung der VdS 2357 als allgemein anerkannte Regel der Technik Rechtssicherheit für alle Beteiligten, insbesondere
für die Sanierungsunternehmen, aber auch für Bauherren bzw. Auftraggeber (s. o.).
Zur Umsetzung der in § 15 GefStoffV aufgestellten Anforderungen an die Zusammenarbeit verschiedener Unternehmen und die sich daraus ergebenden gegenseitigen
Koordinierungs- und Mitwirkungspflichten für Auftraggeber und Auftragnehmer siehe
auch Anhang A4.4 „Anforderungen der Berufsgenossenschaftlichen Regel „Kontaminierte
Bereiche“ í BGR 128“.
Anforderungen der Biostoffverordnung í BioStoffV
Die Biostoffverordnung ist anzuwenden bei Tätigkeiten mit biologischen Arbeitsstoffen
(„Biostoffen“), d. h. Mikroorganismen (insbesondere Bakterien, Viren, Protozoen und Pilze),
Endoparasiten (z. B. Spulwürmer), die den Menschen durch Infektionen, übertragbare
Krankheiten, Toxinbildung, sensibilisierende oder sonstige, die Gesundheit schädigende
Wirkungen, gefährden können. Dazu gehören auch Ektoparasiten, sofern sie beim Menschen eigenständige Erkrankungen verursachen oder die genannten Wirkungen hervorrufen können (z. B. Zecken). Infektiös wirkende Biostoffe werden in Risikogruppen eingeteilt, von „harmlos“ (Risikogruppe 1, z. B. Hefepilze) bis zu „höchst gefährlich“ (Risikogruppe 4, z. B. Ebolaviren). Die meisten anzutreffenden infektiösen Stoffe zählen zur
Risikogruppe 2, auch z. B. der Tetanus-Erreger. Für die toxischen und sensibilisierenden
Wirkungen gibt es keine Einteilung in Risikogruppen, aber sie sind bei der Gefährdungsbeurteilung zu berücksichtigen (z. B. die sensibilisierende Wirkung von Schimmelpilzen).
Bei der Gefährdungsbeurteilung unterscheidet die BiostoffV zwischen sogenannten „gezielten“ und „nicht gezielten“ Tätigkeiten: Arbeiten zur Brandschadensanierung zählen
stets zu den „nicht gezielten“ Tätigkeiten.
Bei der Brandschadensanierung können Gefährdungen durch Biostoffe beispielsweise
auftreten bei Arbeiten in Lebensmittelmärkten, bei denen infolge des Brandes die
Kühlung für Tiefkühlprodukte ausgefallen ist, bei Arbeiten in Schlachtereien oder Tierkörperverwertungsanlagen, in Lagerbunkern von Anlagen zur Verbrennung von Siedlungsabfällen, in Bereichen, die mit Schimmelpilzen oder Taubenkot belastet sind u. a. m.
Bei allen vorgenannten Tätigkeiten gem. BioStoffV sind die in Betracht kommenden
Schutzmaßnahmen auf Grundlage der Gefährdungsbeurteilung zu ermitteln und auszuwählen. Hierbei ist zusätzlich das sensibilisierende/toxische Potenzial der biologischen
Arbeitsstoffe zu berücksichtigen.
Anforderungen der Baustellenverordnung - BaustellV
Die wesentlichen Entscheidungen, die über einen sicherheitsgerechten Bauablauf entscheiden, werden bei der Planung der Ausführung getroffen. Dies sind beispielsweise
Vorgaben für die Ausschreibung, den Ablauf des Bauvorhabens, aber auch die Auswahl
der bauausführenden Firmen. Somit kommt dem Bauherren und den ihn beratenden
Fachleuten besondere Verantwortung zu auch für die Sicherheit und den Gesundheitsschutz der später im Rahmen des Bauvorhabens tätig werdenden Beschäftigten.
Dies wird durch die Verordnung über Sicherheit und Gesundheitsschutz auf Baustellen
(Baustellenverordnung
BaustellV) auch rechtlich verankert. Dabei gilt die Prämisse,
dass alle Bauarbeiten unter Beachtung der Bestimmungen des § 4 Arbeitsschutzgesetz
Gefährdungen sind zu vermeiden, wenn dies nicht möglich ist, weitestgehend zu
vermindern í zu planen und durchzuführen sind. Im Rahmen der Planung der Ausführung der Brandschadensanierungsarbeiten ist daher zu prüfen, ob die Tätigkeiten in
den Geltungsbereich der Baustellenverordnung fallen.
Ist dies der Fall, so ist in Abhängigkeit vom Umfang der Bauarbeiten, der Anzahl der
beteiligten Unternehmen (mehr als 1), und der Durchführung besonders gefährlicher
Arbeiten nach Anhang 2 der BaustellV vom Auftraggeber der Bauarbeiten bzw. dem Bauherrn ein sogenannter „Koordinator für Sicherheit und Gesundheitsschutz“ („SiGe-Koordinator“) zu bestellen und ein Sicherheits- und Gesundheitsschutzplan („SiGe-Plan“) zu
erarbeiten bzw. erarbeiten zu lassen. Darüber hinaus sind für Baustellen, bei der die voraussichtliche Dauer der Arbeiten mehr als 30 Arbeitstage beträgt und auf der mehr als 20
Beschäftigte gleichzeitig tätig werden, oder der Umfang der Arbeiten voraussichtlich 500
Personentage überschreitet, der zuständigen Behörde spätestens zwei Wochen vor
Einrichtung der Baustelle eine Vorankündigung zu übermitteln.
Beteiligte Unternehmen können entweder verschiedene Sanierungsunternehmen bzw.
deren Subunternehmen sein, oder es sind das Sanierungsunternehmen und Betriebsangehörige des Geschädigten, die z. B. während der Arbeiten zur Beseitigung des
Rauchkondensats an der Decke einer Fertigungshalle die Produktion wieder aufnehmen.
Um die in der BaustellV verankerten Anforderungen des Arbeitsschutzgesetzes umzusetzen (s. o.), ist für die Erstellung eines SiGe-Plans eine Gefährdungsbeurteilung
durchzuführen, entsprechend der Zielsetzung der BaustellV im Hinblick auf gegenseitige
Gefährdungen der beteiligten Unternehmen.
Anforderungen der Arbeitsstättenverordnung í ArbStättV
Die Arbeitsstättenverordnung ArbStättV zielt auf die Sicherheit und den Gesundheitsschutz der Beschäftigten beim Einrichten und Betreiben von Arbeitsstätten und definiert
Mindestvorschriften für die Sicherheit und den Gesundheitsschutz der Beschäftigten beim
Einrichten und Betreiben von Arbeitsstätten.
Der Begriff der Arbeitsstätte ist dabei weit gefasst und beinhaltet alle Orte in Gebäuden
oder im Freien, die sich auf dem Gelände eines Betriebes oder einer Baustelle befinden
und die zur Nutzung für Arbeitsplätze vorgesehen sind sowie andere Orte in Gebäuden
und zu denen Beschäftigte im Rahmen ihrer Arbeit Zugang haben.
Die ArbStättV enthält neun Paragraphen und einen in fünf Abschnitte unterteilten Anhang
mit Anforderungen an Arbeitsstätten. Die Verordnung enthält allgemeine Schutzziele und
räumt somit dem Arbeitgeber mehr Spielraum für seine Entscheidungen zur Gestaltung
und dem Betrieb der Arbeitsstätte ein.
Der Anhang konkretisiert die allgemeinen Vorgaben durch weitere Festlegungen hinsichtlich:
Allgemeine Anforderungen (z. B. Konstruktion und Festigkeit von Gebäuden, Abmessungen von Räumen, Luftraum, Sicherheits- und Gesundheitsschutzkennzeichnung, Fußböden, Wände, Decken, Dächer, Verkehrswege);
Maßnahmen zum Schutz vor besonderen Gefahren (z. B. Schutz vor Absturz und
herabfallenden Gegenständen, Betreten von Gefahrenbereichen, Maßnahmen gegen
Brände, Fluchtwege und Notausgänge);
Beleuchtung);
Sanitärräume, Pausen- und Bereitschaftsräume, Erste-Hilfe-Räume, Unterkünfte;
Bewegungsfläche,
Ergänzende Anforderungen an besondere Arbeitsstätten (u. a. für nicht allseits
umschlossene und im Freien liegende Arbeitsstätten und für Baustellen).
Konkretisiert werden diese Vorgaben durch die Technischen Regeln für Arbeitsstätten.
Anforderungen der Betriebssicherheitsverordnung - BetrSichV
Die Betriebssicherheitsverordnung (Verordnung über Sicherheit und Gesundheitsschutz
bei der Bereitstellung von Arbeitsmitteln und deren Benutzung bei der Arbeit, über
Sicherheit beim Betrieb überwachungsbedürftiger Anlagen und über die Organisation des
betrieblichen Arbeitsschutzes BetrSichV) enthält Mindestanforderungen für die Sicherheit und den Gesundheitsschutz der Beschäftigten bei der Benutzung von Arbeitsmitteln
und für den Betrieb überwachungsbedürftiger Anlagen.
Die Betriebssicherheitsverordnung stellt die Grundlage für ein umfassendes Schutzkonzept zur Abwehr aller von Arbeitsmitteln ausgehenden Gefährdungen dar. Ihr Kernpunkt ist dabei einmal mehr die Gefährdungsbeurteilung für Arbeitsmittel bzw. die
sicherheitstechnische Bewertung für den Betrieb überwachungsbedürftiger Anlagen. Die
BetrSichV stellt aber auch den Bezug auf den Stand der Technik als Maßstab für das
Sicherheitsniveau (und gleichermaßen dem Stand der Arbeitsmedizin und Hygiene sowie
der arbeitswissenschaftlichen Erkenntnisse) her; sie definiert den Rahmen für die betrieblichen Schutzmaßnahmen und Prüfungen von Arbeitsmitteln sowie für die Mindestanforderungen an die Beschaffenheit von Arbeitsmitteln.
Die Grundanforderung der BetrSichV lautet:
„Der Arbeitgeber hat die nach den allgemeinen Grundsätzen des § 4 des Arbeitsschutzgesetzes erforderlichen Maßnahmen zu treffen, damit den Beschäftigten nur Arbeitsmittel
bereitgestellt werden, die für die am Arbeitsplatz gegebenen Bedingungen geeignet sind
und bei deren bestimmungsgemäßer Benutzung Sicherheit und Gesundheitsschutz
gewährleistet sind. Ist es nicht möglich, demgemäß Sicherheit und Gesundheitsschutz
der Beschäftigten in vollem Umfang zu gewährleisten, hat der Arbeitgeber geeignete
Maßnahmen zu treffen, um eine Gefährdung so gering wie möglich zu halten.“
Grundlage dafür ist eine Gefährdungsbeurteilung, auf deren Grundlage auch Art, Umfang
und Fristen erforderlicher Prüfungen der Arbeitsmittel zu ermitteln sind. Diese Prüfungen
dürfen nur von hierzu befähigten Personen durchgeführt werden. Hinsichtlich der Unterrichtung und Unterweisung der Beschäftigten hat der Arbeitgeber die Beschäftigten angemessenen zu informieren, insbesondere über die sie betreffenden Gefahren, die sich aus
den in ihrer unmittelbaren Arbeitsumgebung vorhandenen Arbeitsmitteln ergeben (explizit
auch dann, wenn sie diese Arbeitsmittel nicht selbst benutzen). Soweit erforderlich sind
Betriebsanweisungen für die bei der Arbeit benutzten Arbeitsmittel zu erstellen.
Anforderungen der Lärm- und Vibrations-Arbeitsschutzverordnung í
Diese Verordnung gilt zum Schutz der Beschäftigten vor tatsächlichen oder möglichen
Gefährdungen ihrer Gesundheit und Sicherheit durch Lärm oder Vibrationen bei der
Arbeit. Sie enthält Grundvorschriften zum Schutz der Beschäftigten vor Lärm- und
Vibrationsbelastungen bei der Arbeit.
Ziel der Verordnung ist es, die Beschäftigten vor Gesundheitsschäden zu schützen und
die Sicherheit am Arbeitsplatz zu verbessern. Kernpunkt ist dabei abermals die Beurteilung der Arbeitsbedingungen nach § 5 des Arbeitsschutzgesetzes. Dabei hat der Arbeitgeber zunächst festzustellen, ob die Beschäftigten Lärm oder Vibrationen ausgesetzt
sind oder ausgesetzt sein können. Ist dies der Fall, hat er alle hiervon ausgehenden
Gefährdungen für die Gesundheit und Sicherheit der Beschäftigten zu beurteilen. Dazu
hat er die auftretenden Expositionen am Arbeitsplatz zu ermitteln und zu bewerten. Lässt
sich die Einhaltung der Auslöse- und Expositionsgrenzwerte nicht sicher ermitteln, hat er
den Umfang der Exposition durch Messungen festzustellen. Entsprechend dem Ergebnis
der Gefährdungsbeurteilung hat der Arbeitgeber Schutzmaßnahmen nach dem Stand der
Technik festzulegen.
Anforderungen der Berufsgenossenschaftlichen Regel
„Kontaminierte Bereiche“ í BGR 128
Ziel der Berufsgenossenschaftlichen Regel „Kontaminierte Bereiche“ BGR 128 ist es,
bei Arbeiten in kontaminierten Bereichen mit ihren gegenüber „normalen“ Baustellen besonderen Gefährdungen ein angemessenes Schutzniveau herzustellen und alle Beteiligte, Auftraggeber, Planer und ausführende Unternehmen auf ihre Verpflichtungen und
verschiedenen Verantwortungen hinzuweisen.
Die Verpflichtungen des Auftraggebers bzw. seines Planers bestehen bei Arbeiten in
kontaminierten Bereichen, also auch bei Arbeiten der Brandschadensanierung im
Wesentlichen in
der Weitergabe der Informationen zu den zu vermutenden bzw. mittels Analytik als
vorliegend festgestellten Stoffen und deren „Gefährlichkeit“,
der Festlegung der gegenüber den vorhandenen Gefahrstoffen bzw. Biostoffen zu
treffenden Schutzmaßnahmen auf der Grundlage einer arbeitsverfahrensbezogenen
Gefährdungsabschätzung im Hinblick auf eine für alle Seiten durchschaubare und
faire Preisbildung,
der Dokumentation seiner planerischen Überlegungen im sogenannten „Arbeits- und
Sicherheitsplan nach BGR 128“, sowie
der Bestellung eines nach BGR 128 sachkundigen Koordinators in Bezug auf die
Kontrolle und Koordinierung der Arbeiten zur Vermeidung von aus seinem
Verantwortungsbereich entspringenden Gefährdungen („Allgemeine Verkehrssicherungspflicht“).
In diesem Sinne sind die Anforderungen der TRGS 524 und der BGR 128 identisch.
Gegenüber der TRGS 524 enthält die BGR 128 jedoch 3 wesentliche Unterschiede:
Sie ist auch bei Kontaminationen durch Biostoffe anzuwenden.
Sie betrachtet auch denjenigen als Auftraggeber, der die auszuführenden Arbeiten
Sie verpflichtet alle Unternehmen, die an den Arbeiten zu einer Brandschadensanierung beteiligt sind, diese Arbeiten dem für sie jeweilig zuständigen Unfallversicherungsträger anzuzeigen.
Zu den Inhalten des Arbeits- und Sicherheitsplans nach BGR 128 und der Integration
bzw. Abgrenzung der sich aus verschiedenen Rechtsgrundlagen ergeben den Koordinierungspflichten siehe Anhänge A5 und A6.
Koordinierungs- und Schutzpflichten des Auftraggebers
Auf der Grundlage des Arbeitsschutzgesetzes bzw. der BGV A 1 „Grundsätze der
Prävention“ formulieren die Gefahrstoffverordnung, die TRGS 524, die Baustellenverordnung bzw. die BGR 128 „Kontaminierte Bereiche" Aufgaben und Pflichten an den Auftraggeber, die an bestimmte Voraussetzungen gebunden sind. Schutzpflichten des Auftraggebers ergeben sich aus dem Rechtsprinzip der sogenannten „Verkehrsicherungspflicht“: Wer Gefahrenquellen schafft oder für den Zustand einer Sache verantwortlich ist,
von dem Gefahren ausgehen, hat Maßnahmen zum Schutz Dritter zu treffen (s. Palandt,
Kommentar zu BGB § 823 „Schadenersatzpflicht“).
Im Falle der Brandschadensanierung ist der Auftraggeber in der Regel der Brandgeschädigte. Dieser ist jedoch in den seltensten Fällen fachlich dazu in Lage, die von ihm
nach den verschiedenen Rechtsgrundlagen geforderten Leistungen (s. u.) zu erbringen.
Daher ist es Aufgabe des Versicherers, den Geschädigten, d. h. den Versicherungsnehmer, entsprechend zu beraten und im Rahmen der Schadensabwicklung die notwendigen Maßnahmen zu koordinieren.
Beauftragt ein Arbeitgeber ein Fremdunternehmen damit, in seinem Betrieb Tätigkeiten
mit Gefahrstoffen auszuführen, fordert § 15 GefStoffV von ihm wie von einem Auftraggeber, dass
für diese Tätigkeiten nur Fachfirmen beauftragt werden dürfen, die über entsprechende Fachkenntnisse und Erfahrungen verfügen ("Fachkunde").
der Auftraggeber seinen Schutzpflichten nachkommt durch
Weitergabe von Informationen über betriebliche Gefahren an das Fremdunternehmen,
Einbindung des Fremdunternehmens in sein betriebliches Arbeitsschutzsystem,
Mitwirkung an der Gefährdungsbeurteilung des Fremdunternehmens bis hin zur
Festlegung von Schutzmaßnahmen, sowie
Bestellung eines Koordinators bei gegenseitigen Gefährdungen.
Kriterium zur Anwendung der Baustellenverordnung (BaustellV) ist die Definition einer
Baustelle als "der Ort, an dem ein Bauvorhaben ausgeführt wird. Ein Bauvorhaben ist das
Vorhaben, eine oder mehrere bauliche Anlagen zu errichten, zu ändern oder abzubrechen". Unter Änderung einer baulichen Anlage wird deren „nicht unerhebliche Umgestaltung“ verstanden, zum Beispiel:
Änderung des konstruktiven Gefüges;
Austausch wesentlicher Bauteile (z. B. Dach, Fassaden, Außenputzerneuerung,
Entkernung).
Dies sind Arbeiten, die auch im Rahmen einer Brandschadensanierung anfallen können.
In diesen Fällen sind die Bestimmungen der BaustellV durch den Bauherren einzuhalten:
Einhaltung der Grundsätze des § 4 ArbSchG (Gefährdungen vermeiden bzw. minimieren) schon bei der Planung; gilt ohne Einschränkung für jede Baustelle.
Vorankündigung des Bauvorhabens bei der zuständigen Arbeitsschutzbehörde
(wenn der Umfang der Arbeiten 500 Personentage übersteigt).
Bestellung eines nach den Anforderungen der RAB 30 „geeigneten“ Sicherheitsund Gesundheitsschutzkoordinators (SiGeKo), wenn mehr als ein Unternehmen
am Bauvorhaben beteiligt ist (gleichzeitig oder nacheinander).
Erstellung eines Sicherheits- und Gesundheitsschutzplanes (SiGePlan), wenn
mehr als ein Unternehmen am Bauvorhaben beteiligt ist (gleichzeitig oder
nacheinander) und wenn der Umfang der Arbeiten 500 Personentage übersteigt oder
besonders gefährliche Arbeiten im Sinne des Anhangs II der BaustellV (z. B. Umgang
mit krebserzeugenden oder sehr giftigen Stoffen, Absturzgefahr aus einer Höhe von
mehr als 7 Meter) durchgeführt werden müssen.
Erstellung einer Unterlage mit der erforderlichen, bei späteren Arbeiten an der baulichen Anlage zu berücksichtigenden Angaben zu Sicherheit und Gesundheitsschutz,
wenn mehr als ein Unternehmen am Bauvorhaben beteiligt ist.
TRGS 524 und BGR 128
Sowohl die TRGS 524 als auch die BGR 128 fordern vom Auftraggeber
die Bestellung eines fach-/sachkundigen Koordinators, wenn mehr als ein Unternehmen am Bauvorhaben beteiligt ist, oder die Sanierungsarbeiten während des
laufenden Betriebes eines Industrieunternehmens durchgeführt werden;
die Erstellung eines Arbeits- und Sicherheitsplanes (A+S-Plan; zu den Inhalten siehe
Anhang A6).
In der Anwendung bei Arbeiten zur Sanierung von Brandschäden sind diese Forderungen
ab einer Einstufung in den Gefahrenbereichen GB 1, 2 und 3 zu erfüllen.
Aufgabe des Koordinators ist es im Vorlauf zur Ausführung der Sanierungsarbeiten den
A+S-Plan anzufertigen und bei der Durchführung die Einhaltung der festgelegten Maßnahmen zu überwachen.
In diesem Sinne liegen die Funktionen des Koordinators ausschließlich im Bereich des
Arbeitsschutzes, er ist kein Schadenmanager! Diese Aufgabe ist von einer anderen Person wahrzunehmen, die in Abstimmung zwischen Versicherer und dem Brandgeschädigten zu bestimmen ist.
Schnittstellen zwischen GefStoffV, BaustellV, TRGS 524 und
Da gemäß dieser Richtlinien für die Durchführung von Arbeiten zur Brandschadensanierung in den Gefahrenbereichen 1 bis 3 ohnehin ausschließlich Unternehmen zu beauftragen sind, die nach BGR 128 sachkundige Mitarbeiter vorweisen können, ist damit
auch die Anforderung nach § 15 GefStoffV erfüllt. Den dort weiter formulierten Informations- und Mitwirkungspflichten kann der Auftraggeber einer Brandschadensanierung
im Wesentlichen dadurch nachkommen, indem er einen Arbeits- und Sicherheitsplan
(A+S-Plan) erarbeiten lässt sowie einen fachkundigen Koordinator bestellt.
Die Schnittstellen mit der BaustellV sind folgende:
1) Der Sicherheits- und Gesundheitsschutzplan (SiGe-Plan) nach BaustellV unterscheidet sich vom Arbeits- und Sicherheitsplan (A+S-Plan) dadurch, dass im SiGePlan sämtliche bei dem betreffenden Bauvorhaben auftretenden Gefährdungen (z. B.
Absturzgefährdung, Gefährdung durch herabfallende Gegenstände, Einsturz usw.),
inkl. der Gefährdungen durch vorhandene oder zu vermutende Gefahrstoffe/Biostoffe
zu betrachten sind. Daraus ergibt sich, dass der Arbeits- und Sicherheitsplan (A+SPlan) durch seine Fokussierung auf den stofflichen Arbeitsschutz als Bestandteil des
Sicherheits- und Gesundheitsschutzplanes (SiGe-Plan) nach BaustellV zu betrachten
ist und ihn nicht ersetzen kann.
2) Die Koordinatorfunktionen nach BaustellV, GefstoffV, TRGS 524 und BGR 128
können von einer Person ausgeübt werden, wenn diese Person sowohl nach RAB 30
als SiGeKo „geeignet“ ist, als auch die Fachkunde nachweisen kann. Diese Person
kann seitens des Auftraggebers/Bauherren, des ausführenden Unternehmens als
auch von dritter Seite gestellt werden.
Der Koordinator ist einschließlich seines Stellvertreters im SiGe-Plan bzw. A+S-Plan
namentlich zu benennen. Es wird empfohlen, die Verantwortlichkeiten und Eingreifbefugnisse des Koordinators in Bezug auf die ausführenden Unternehmen vertraglich
festzulegen und gegeneinander deutlich abzugrenzen.
Dem Auftraggeber dient der Arbeits- und Sicherheitsplan (A+S-Plan) zur Planung der
sicheren Durchführung der Arbeiten und zur Erstellung der Leistungsbeschreibung. Für
die ausführenden Unternehmen/Auftragnehmer ist der A+S-Plan notwendige Grundlage
für die eigene Sicherheitsplanung und zur Erstellung der Betriebsanweisungen bzw.
Durchführung der mündlichen Unterweisung nach § 14 GefStoffV. Beim Auftreten von
Biostoffen empfiehlt es sich, den A+S-Plan entsprechend zu ergänzen.
Somit ist der A+S-Plan im weitesten Sinne eine vom Auftraggeber "mitgelieferte
Gefährdungsbeurteilung", die vom Auftragnehmer nach Überprüfung auf Stimmigkeit im
Zusammenhang mit den vom Auftragnehmer angewandten Arbeitsverfahren übernommen werden kann.
Daher sind bei der Erstellung des A+S-Planes auch die allgemeinen Grundsätze des
Arbeitsschutzes nach § 4 ArbSchG zu berücksichtigen:
Bei den Maßnahmen sind der Stand von Technik, Arbeitsmedizin und Hygiene sowie
sonstige gesicherte arbeitswissenschaftliche Erkenntnisse zu berücksichtigen.
Gemäß der Methodik der TRGS 524 beruht die Gefährdungsbeurteilung auf den
folgenden Schritten, die somit gleichzeitig als die wesentlichsten Inhalte des A+S-Planes
zu betrachten sind:
1. Schadstoffermittlung (Art, Konzentration und Eigenschaften der Gefahrstoffe bzw.
Biostoffe);
2. Arbeitsplan d. h. der Ermittlung zu
den Arbeitsbereichen, in denen Tätigkeiten nach Nummer 2.1 ausgeführt
den verfügbaren Arbeitsverfahren und den daraus resultierenden Arbeitsabläufen, Arbeitsschritten und Einzeltätigkeiten, sowie
den arbeitsbereichs- und tätigkeitsbedingten Faktoren der Gefährdung.
3. Abschätzung der zu erwartenden Exposition und Gefährdung durch
inhalative, orale oder dermale Gefahrstoffaufnahme, und
Brand- und Explosionsgefahren für die verfügbaren Arbeitsverfahren und unter
Berücksichtigung der betreffenden arbeitsbereichs- und tätigkeitsbezogenen
4. Auswahl des Arbeitsverfahrens mit der geringsten Gefährdung;
5. Auswahl und Festlegung der Maßnahmen;
6. Kontrolle und Beurteilung der Maßnahmen bzgl. ihrer Wirksamkeit.
Somit ist der A+S-Plan im wesentlichen die Dokumentation der verschiedenen Schritte
zur Entscheidungsfindung bzgl. Gefährdungsbeurteilung und Festlegung von Schutzmaßnahmen.
Bild 6: Methodik der Gefährdungsbeurteilung und zur Festlegung von Schutzmaßnahmen für Tätigkeiten in kontaminierten Bereichen nach TRGS 524
Schadstoffermittlung
Gegenstand der Schadstoffermittlung (Gefahrstoffe/Biostoffe) ist bei der Brandschadensanierung die Ermittlung
der Stoffe, die gebrannt haben („Brandgut“),
der aus dem Brandgeschehen abzuleitenden Brandfolgeprodukte (PAK, HCl, Dioxine, Cyanide, Aromaten etc.), sowie
anderer beteiligter und bei der Gefährdungseinschätzung zu berücksichtigender
Gefahrstoffe oder biologischer Arbeitsstoffe, die als Roh-, Hilfs- oder Betriebsstoffe
vor dem Brand vorhanden waren und durch das Brandereignis freigesetzt wurden
bzw. aus dem Brandgut bei längerer Lagerung entstehen können.
In unklaren Fällen ist eine chemisch-analytische Bewertung notwendig.
In dem folgenden Schritt sind für die in Bezug auf Arbeits- und Umweltschutz relevanten
Stoffe die für die Gefährdungsbeurteilung benötigten Stoffdaten zusammenzustellen (s.
TRGS 524, Anlage 5).
Der Arbeitsplan als Zusammenstellung der Arbeitsvorgänge und Verfahren in ihrer
zeitlichen Abfolge besteht grundsätzlich aus folgenden Teilschritten:
a) Feststellung der Arbeitsbereiche und Einteilung in die Gefahrenbereiche 0 bis 3
Im Hinblick auf die eindeutige örtliche Angabe der vorzufindenden Stoffe und der entsprechend zu treffenden Schutzmaßnahmen ist der Schadensort zunächst in verschiedene Arbeitsbereiche einzuteilen (s. Bild 7). Diese Einteilung der vom Brand bzw.
von den Sanierungsarbeiten betroffenen Bereiche geschieht einerseits anhand den von
der Örtlichkeit vorgegebenen Gliederungen wie z. B. „Küche“, „Treppenhaus“ und
„Dachbereich“ bei Wohnungsbränden, oder „Lackierhalle“, „Lösemittellager“, oder
„Kühlhaus“ im gewerblich-industriellen Bereich. Andererseits sind auch verfahrensbedingte Einteilungen zu berücksichtigen wie z. B. Bereitstellungsflächen für Brandschutt (gehören zum kontaminierten Bereich!) oder bereitgestellte Einrichtungen zur
Reinigung von Anlagenteilen u. ä.
Die Ausdehnung eines Gefahrenbereiches kann mit dem einzelnen Arbeitsbereich
übereinstimmen. Es kann sich auch ergeben, dass verschiedene Arbeitsbereiche
einem Gefahrenbereich zugeordnet werden müssen. In anderen Fällen kann es
sinnvoll sein, einen Arbeitsbereich in unterschiedliche Gefahrenbereiche aufzuteilen,
z. B. ein Treppenhaus mit nach oben zunehmender Brandverschmutzung, oder eine
große Fertigungshalle, in der verschiedene Arbeiten parallel durchgeführt werden, u. U.
durch Folienwände oder -decken gegenseitig abzuschotten.
Bild 7: Örtliche Unterteilung des zu bearbeitenden Standortes zur Ermittlung der
Arbeitsbereiche mit potentieller Exposition
b) Feststellung der in den jeweiligen Arbeits- bzw. Gefahrenbereichen durchzuführenden Tätigkeiten
Die während der Sanierungsarbeiten durchzuführenden Arbeitsvorgänge bzw. anzuwendenden Arbeitsverfahren regeln sich fallbezogen nach dem spezifischen
Schadensbild und dem festgelegten Sanierungsziel. Hierunter fallen beispielsweise:
Umfang von Erstmaßnahmen, wie Grobräumung, Roststop;
Festlegung der Aufräumung/Beräumung kalter Brandstellen;
Definition von Dekontaminations- und Reinigungsmaßnahmen;
Festlegung von weiter gehenden Arbeitsverfahren zur Neutralisierung, Entkorrodierung, Passivierung und Konservierung;
Bestimmung der Arbeitsverfahren zur Demontage und Wiederherstellung;
Maßnahmen zur Entfernung/Wiederherrichtung beschädigter Teile im Gebäudebereich und von Einrichtungen;
Abstimmung/Regelung der Entsorgungsmaßnahmen.
Gemäß den Vorgaben von GefStoffV und TRGS 524 sind emissionsarme Arbeitsverfahren und Geräte anzuwenden (siehe auch www.gisbau.de "Staubarme Geräte").
Entsprechend den ausgewählten Arbeitsverfahren sind die zur Ausführung notwendigen Tätigkeiten zu ermitteln (s. Bild 8).
Bild 8: Ermittlung der in den einzelnen Arbeitsbereichen auszuführenden Arbeitsschritte, Arbeitsverfahren und Tätigkeiten. Ziel: Ermittlung der Tätigkeiten mit Exposition
Expositionsabschätzung, Gefährdungsbeurteilung und Festlegung
von Schutzmaßnahmen
Jede einzelne Tätigkeit ist nach folgenden Kriterien zu beurteilen:
Möglichkeit des Kontakts gegenüber den Gefahrstoffen;
Art, Ausmaß und Dauer des Kontaktes in Abhängigkeit von Art und Eigenschaften
der anzutreffenden Stoffe;
Häufigkeit, Dauer des Kontaktes.
Daraus ergibt sich für jede Tätigkeit eine Expositionsabschätzung, aus der im Zusammenhang mit den "gefährlichen" Eigenschaften der Gefahr- bzw. Biostoffe die
Gefährdungsbeurteilung abgeleitet werden kann. Auf dieser Grundlage sind, entsprechend der üblichen Rangfolge, die Schutzmaßnahmen festzulegen:
1) Technische Schutzmassnahmen, insbesondere
Auswahl emissionsarmer Arbeitsverfahren und Geräte;
Belüftung bzw. Unterdruckhaltung.
2) Organisatorische Maßnahmen, insbesondere
Baustelleneinrichtung incl. Schwarz-Weiß-Trennungen, Abschottungen, etc.;
arbeitsmedizinische Vorsorge;
Betriebsanweisung/Unterweisung.
3) Persönliche Schutzausrüstung.
Weitere Einzelheiten dazu siehe Anhänge A6.4 und A7.
Hinsichtlich einer übersichtlichen Darstellung von Arbeitsplan, Expositionsabschätzung,
Gefährdungsbeurteilung und den wesentlichsten Schutzmaßnahmen wird auf die
Anlage 10 der TRGS 524 verwiesen.
Muster für Gliederung und Inhalte des A+S-Planes für die
Adresse des betroffenen Arbeitsbereichs/Einsatzstellen;
Name und Telefon des Auftraggebers;
Name, Adresse und Telefon der beteiligten Behörden, der Dienststellen des Arbeitsschutzes, der Gutachter, des Koordinators nach BaustellV (SiGeKo)/Stellvertreter,
des Koordinators nach TRGS 524 bzw. BGR 128 ("BGR-Koordinator")/Stellvertreter
einschließlich Festlegung ihrer Weisungsbefugnisse;
Bezeichnung des vom Arbeits- und Sicherheitsplan betroffenen Personenkreises.
Festlegung der Arbeitsbereiche, der zeitlichen Reihenfolge der Arbeitsschritte und
einzelnen Tätigkeiten;
Entsorgungswege ermitteln und festlegen.
Ermittlung des Brandgutes, der Brandfolgeprodukte und anderen am Schadensereignis beteiligten Gefahrstoffe und biologischen Arbeitsstoffe;
Auflistung von Analyseergebnissen einschließlich Lageplan der Probenahmestellen (sofern Analysen notwendig sind, z. B. GB 3);
Zusammenstellung der Eigenschaften, Mobilität und Wirkungsweisen der Stoffe;
Festlegung der Gefahrenbereiche und Begründung;
Ermittlung der Tätigkeiten mit Exposition anhand Arbeitsplan;
Tätigkeitsbezogene Expositionsabschätzung und Gefährdungsbeurteilung.
Maßnahmen für Sicherheit und Gesundheitsschutz
Technische und organisatorische Schutzmaßnahmen:
Planung und Ausführung der Baustelleneinrichtung inkl. erforderlicher Einsatzstellenlogistik:
Einteilung der Einsatzstelle in Schwarz-Weiß-Bereiche;
Beschreibung der Zugangssituation, Flucht- und Rettungswege, Verkehrsflächen, Hygieneeinrichtungen und Sozialräume;
Herstellung ggf. notwendiger Abschottungen mit/ohne Unterdruckhaltung.
Allgemeine Verhaltensregeln;
Besondere Verhaltensregeln für den Gefahrenfall;
Beschreibung der hinsichtlich des Gesundheitsschutzes festgelegten Überwachungsmessungen (Gefahrstoffe, Temperatur im Arbeitsbereich);
Anforderungen an Maschinen und technische Arbeitsmittel (z. B. Staubsauger
Staubklasse H, Anlagen zur Atemluftversorgung, Transporteinrichtungen,
Gerüste, Lüftungstechnik).
Persönliche Schutzausrüstungen:
Festlegung der PSA;
Festlegung der Tragezeiten.
Arbeitsmedizinische Vorsorgeuntersuchung;
Notfallmaßnahmen, Erste Hilfe, Notfallausweis.
Dokumentation, Nachweise
Festlegungen der vom Auftraggeber bzw. dessen Koordinator vorzunehmenden
Arbeitsplan/Sicherheitsplan;
Koordinator/Weisungsbefugnis;
Evtl. Messungen zum Immissions-(Nachbarschafts-)schutz;
Vorankündigung der Bauarbeiten nach BaustellV.
Festlegungen der vom einzelnen Auftragnehmer vorzunehmenden Dokumentationen bzw. vorzulegenden Nachweise:
Anzeige der Arbeiten an den für das ausführende Unternehmen zuständigen
gesetzlichen Unfallversicherungsträger gemäß den Vorgaben der BGR 128;
Betriebsanweisung/Unterweisung;
Spezielle Arbeitsmedizinische Vorsorgeuntersuchungen;
Maßnahmen zur Rettung und Ersten Hilfe;
Notfallausweis;
Einsatzprotokolle für Atemschutz-Filter (Filterbuch);
Brandschutzordnung mit Alarmplan/Übung;
Bautagebuch;
Entsorgungsnachweise, Übernahmescheine, Transportgenehmigung;
Ggf. Ergebnisse der messtechnischen Überwachung der Gefahrstoffe in der
Luft am Arbeitsplatz (GB 3).
Besondere tätigkeitsbezogene Schutzmaßnahmen (PSA)
Fraktionierung der Brandrückstände gemäß
Gemäß der europäischen Abfallverzeichnis-Verordnung (AVV)1 sind alle Abfälle den im Abfallverzeichnis mit einem sechsstelligen Abfallschlüssel gekennzeichneten Abfallarten zuzuordnen. Die Zuordnung zu den Abfallarten erfolgt unter den im Abfallverzeichnis
vorgegebenen Kapiteln entsprechend der Herkunft (zweistellige Kapitelüberschrift) und
Stoff-Gruppen (vierstellige Kapitelüberschrift). Innerhalb einer Gruppe ist die speziellere vor
der allgemeineren Abfallart maßgebend. Gefährliche Abfälle sind entsprechend mit einem
Sternchen (*) gekennzeichnet. Nicht gefährlich im Sinne dieses Gesetzes sind alle übrigen
Abfälle. Im Brandschadenfall ist die Einstufung als nicht gefährlicher Abfall im Einzelfall
nachzuweisen. Bei unklarer Schadstoffbelastung ist von einem gefährlichen Abfall
auszugehen. Die Abfalleinstufung legt nicht zwangsläufig den Entsorgungsweg fest.
Die Deponieverordnung (DepV) begrenzt den organischen Anteil (bestimmt als Glühverlust) für die Ablagerung von Abfällen je nach Deponieklasse (DKl) auf 3, 5 bzw. 10
Massenprozent (DKI, II, III). Für Abfälle aus Schadensfällen lässt die DepV 2009 unter
Berücksichtigung eines nicht vertretbaren Trennaufwands Ausnahmen zu. Die
Vorgehensweise ist mit den örtlichen Behörden abzustimmen.
Die im Brandschadenfall anfallenden Abfallfraktionen lassen sich in den meisten Fällen einer
der nachstehend aufgeführten Stoffgruppen zuordnen. Diesen Gruppen werden beispielhaft
einige Abfallschlüssel (nach AVV) zugewiesen, die erfahrungsgemäß bei der Deklaration von
Brandschutt gegenüber den Betreibern der Entsorgungsanlagen und den Abfallwirtschaftsbehörden häufig Anwendung finden. Ein Anspruch auf Vollständigkeit ist nicht gegeben.
Abfallfraktionen nach anfallenden Stoffgruppen
Abfälle aus der Reinigung bzw. Sanierung (z. B. Waschflüssigkeiten, Chemikalien,
Phosphatierer, etc.)
Abfälle aus chemischer Oberflächenbearbeitung von
wässrige Spülflüssigkeiten mit Ausnahme derjenigen, die
unter 11 01 11 fallen
Vorräte wie Verpackungen (z. B. leere Gebinde, Pappe, Papier, Folien etc.)
Verpackungen (einschließlich getrennt gesammelter
kommunaler Verpackungsabfälle)
Verpackungen, die Rückstände gefährlicher Stoffe
enthalten oder durch gefährliche Stoffe verunreinigt sind
AVV = Verordnung über das Europäische Abfallverzeichnis (Abfallverzeichnis-Verordnung AVV)
Rückstände aus den Reinigungsmaßnahmen ( z. B. Schutzkleidung, Wischtücher)
Aufsaug- und Filtermaterialien, Wischtücher und
Aufsaug- und Filtermaterialien (einschließlich Ölfilter
a. n. g.), Wischtücher und Schutzkleidung, die durch
gefährliche Stoffe verunreinigt sind
Aufsaug- und Filtermaterialien, Wischtücher und Schutzkleidung mit Ausnahme derjenigen, die unter 15 02 02
Löschwasser mit Schadstoffbelastung aus Feuerschaden sowie aus Produktion
wässrige flüssige Abfälle mit Ausnahme derjenigen, die
unter 16 10 01 fallen
Beton, Ziegel, Fliesen, Keramik
Gemische aus Beton, Ziegeln, Fliesen und Keramik mit
Ausnahme derjenigen, die unter 17 01 06 fallen
Div. Materialien aus Gebäudekonstruktion sowie Innenausstattung
( z. B.: Leimbinder, Massivholzpaneele, Fenster, Mobiliar)
Bitumen-/Teerpappen, Schwarzanstriche bzw. Kleber, etc.
Bitumengemische, Kohlenteer und teerhaltige
Bitumengemische mit Ausnahme derjenigen, die unter 17
03 01 fallen
Metalle aus Konstruktion, Einrichtung, Vorräten
Bodenmaterial (Aushub von Standorten mit Verunreinigungen)
Boden (einschließlich Aushub von verunreinigten
Standorten), Steine und Baggergut
Boden und Steine mit Ausnahme derjenigen, die unter
17 05 03 fallen
Dämmstoffe (alte Mineralwolle), asbesthaltige Baustoffe (Faserzementplatten)
anderes Dämmmaterial, das aus gefährlichen Stoffen
besteht oder solche Stoffe enthält
Dämmmaterial mit Ausnahme desjenigen, das unter
17 06 01 und 17 06 03 fällt
Gipskartonplatten, Gipsputze, Anhydritestriche
Baustoffe auf Gipsbasis, die durch gefährliche Stoffe
verunreinigt sind
Baustoffe auf Gipsbasis mit Ausnahme derjenigen, die
unter 17 08 01 fallen
Brandrückstand, div. gemischte und verkohlte Abfälle
sonstige Bau- und Abbruchabfälle (einschließlich
gemischte Abfälle), die gefährliche Stoffe enthalten
Glossar: Abkürzungen und Begriffsbestimmungen
Adsorption/adsorptiv: Anreicherung eines Stoffes an der Oberfläche eines Festkörpers
durch Molekularkräfte (Adhäsion). Eine besonders starke Adsorptionswirkung zeigen fein
verteilte und poröse Stoffe, wie Ruß und Feinstaub, wegen ihrer großen inneren Oberfläche (z. B. Aktivkohle bis zu 500 m²/g).
AGW í Arbeitsplatzgrenzwerte: Nach der Gefahrstoffverordnung (GefStoffV) ist der Arbeitsplatzgrenzwert (AGW) der Grenzwert für die zeitlich gewichtete durchschnittliche
Konzentration eines Stoffes in der Luft am Arbeitsplatz in Bezug auf einen gegebenen
Referenzzeitraum. Er gibt an, bei welcher Konzentration eines Stoffes akute oder
chronische schädliche Auswirkungen auf die Gesundheit im Allgemeinen nicht zu erwarten sind (§ 3 Abs. 6 GefStoffV).
Arbeitsplatzgrenzwerte sind Schichtmittelwerte bei in der Regel täglich achtstündiger Exposition an 5 Tagen pro Woche während der Lebensarbeitszeit (entspricht Referenzzeitraum).
Akute und chronische Toxizität: Man unterscheidet bei der Toxizität (Giftigkeit eines
Stoffes) zwischen akuter Toxizität (Giftwirkung nach einmaliger oder kurzzeitiger Aufnahme)
und chronischer Toxizität (Giftwirkung nach wiederholter Aufnahme während längerer Zeit),
wobei auf der kalten Brandstelle die Bedeutung der chronischen Toxizität überwiegt.
Alte Mineralwolle: gemäß TRGS 521 (frühere Bezeichnung KMF
fasern).
künstliche Mineral-
Als alte Mineralwolle bezeichnet man eine große Gruppe von Fasern, die synthetisch hergestellt wurden. Sie wurden häufig als Isoliermaterial eingesetzt, aber auch für textile
Zwecke, für die Verstärkung von Kunststoffen oder für optische Zwecke (Lichtleitfasern)
Alte Mineralwolle besitzt ähnliche technische Eigenschaften wie Asbest und setzt wie
dieses auch die Fasern frei. Diese Fasern können je nach Material-Zusammensetzung
nicht oder unterschiedlich stark krebserzeugend sein.
Aromaten: Unter Aromaten wird die Klasse der aromatischen Verbindungen verstanden,
deren bekanntester Vertreter Benzol samt seinen Abkömmlingen und Kondensationsprodukten ist. Das gemeinsame Bauprinzip der Moleküle sind planare Ringsysteme mit
nicht lokalisierten Doppelbindungen.
Atemschutzgeräte und Filter: Bei Atemschutzgeräten wird zwischen von der Umgebungsluft unabhängigen (z. B. Pressluftatmer) und abhängigen Geräten (z. B. Filtergeräte) unterschieden. Für die Brandschadensanierung empfehlen sich im Wesentlichen
die Filtergeräte. Bei ihnen verhindern Atemanschlüsse den Kontakt der Atmungsorgane
bzw. Gesichtspartien zu der Umgebungsatmosphäre und dienen außerdem als Filteranschluss. Die Atemanschlüsse werden in Voll- bzw. Halbmasken und Filtrierende
Halbmasken, die Filter in Gas-, Partikel- und Kombinationsfilter unterschieden. Die
Filterklasse bezeichnet den Abscheidegrad (1 = klein, 2 = mittel, 3 = groß).
Gasfilter werden zum Schutz vor Gasen und Dämpfen benötigt, die entweder durch
physikalische Bindung (Adsorption) oder durch chemische Umsetzung am Filtermaterial
aus der Umgebungsluft entfernt werden. Die Gasfilter werden sowohl nach Typen (z. B.
Gasfiltertyp A, Kennfarbe braun, geeignet für organische Gase und Dämpfe) als auch
nach Klassen (s.o.) eingeteilt.
Partikelfilter dienen zum Schutz vor unerwünschten Feststoffteilchen (Stäube, Rauch).
Sie werden nach der Höhe ihres Rückhaltevermögens als Partikelfilterklassen (P1 bis P3)
Kombinationsfilter eignen sich zum Schutz gegen Gase, Dämpfe und Partikel. Sie bestehen aus einem Gasfilterteil und einem davor angeordneten Partikelfilterteil. Die Bezeichnung A2-P3 kennzeichnet beispielsweise einen Kombinationsfilter des Typs A
(organische Dämpfe) und der Gasfilterklasse 2 (entspricht einer maximalen
Schadstoffkonzentration von 0,5 Vol. %) mit einem integrierten Partikelfilter der Partikelfilterklasse P3 (Rückhaltevermögen groß).
BGA: ehemaliges Bundesgesundheitsamt (1994 in Nachfolgeinstitutionen aufgeteilt und
u. a. ins Umweltbundesamt integriert).
Biostoffe (ehem. Biologische Arbeitsstoffe í s. auch Schadstoffe): Im weitesten
Sinne handelt es sich dabei um Mikroorganismen, die Infektionen, sensibilisierende oder
toxische Wirkungen hervorrufen können. Der Begriff der biologischen Arbeitsstoffe ist
abschließend in der BioStoffV definiert.
Biologische Verfügbarkeit (Bioverfügbarkeit): Darunter wird die Verfügbarkeit von
Schadstoffen für den menschlichen Organismus über die Blutbahn verstanden. Damit
diese überhaupt eine Wirkung entfalten können, müssen die Schadstoffe entweder in
einer verfügbaren Form aufgenommen oder im Körper entsprechend freigesetzt werden.
Für Schadstoffe aus Brandschäden bedeutet dies, dass deren biologische Verfügbarkeit
wegen der starken adsorptiven Bindung an Ruß in der Regel gering ist.
BioStoffV: Verordnung über Sicherheit und Gesundheitsschutz bei Tätigkeiten mit
biologischen Arbeitstoffen (Biostoffverordnung BioStoffV).
Die BioStoffV gilt für Tätigkeiten mit Biostoffen einschließlich Tätigkeiten in deren Gefahrenbereich. Zweck der BioStoffV ist der Schutz der Beschäftigten vor der Gefährdung
ihrer Sicherheit und Gesundheit bei diesen Tätigkeiten.
Brandfolgeprodukte:
Brandrauch: Brandrauch besteht aus Gasen, Aerosolen/Dämpfen und Partikeln.
Während leichtflüchtige Stoffe an der Brandquelle im noch heißen Rauch gasförmig
vorliegen, jedoch durch die starke Vermischung mit der Umgebungsluft bei der weiteren
Ausbreitung und der damit verbundenen raschen Abkühlung der Rauchgase zu Aerosolen/Dämpfen kondensieren und zum Teil auch an Partikel adsorbieren, kondensieren
schwerer flüchtige Stoffe rascher bzw. liegen vorwiegend partikeladsorbiert vor. Die Ablagerung der Partikel und Aerosole ist abhängig von ihrer Größe bzw. Masse und die Abscheidung an Oberflächen ist von der Art der Oberfläche abhängig. Bereits in der heißen
Phase finden beim Kontakt mit Oberflächen Abscheidungen statt, die mit weiterer Abkühlung des Brandrauches sich verstärken und aus Kondensaten und Partikeln (vorwiegend
Ruß) bestehen.
De-Novo-Synthese: Reaktionen von in der Flammenhitze erzeugten Radikalen unter
Bildung neuer Verbindungen mit vorwiegend aromatischer Struktur.
Dioxine: s. PHDD/PHDF bzw. TCDD.
EOX: Eluierbares (herauslösbares, auswaschbares) organisches Halogen.
EPA: Environmental Protection Agency (amerikanische Umweltbehörde).
Extraktion: Herauslösen eines Stoffes aus einem Substanzgemenge durch ein Lösungsmittel (Extraktionsmittel).
Fachkunde nach TRGS 524 bzw. Sachkunde nach BGR 128:
Anforderung an besondere Kenntnisse zum Arbeitsschutz bei Arbeiten in kontaminierten
Bereichen nach TRGS 524, Anlagen 2a und 2b, bzw. nach BGR 128, Anhang 6A bzw. 6B.
Die nach der BG-Regel "Kontaminierte Bereiche BGR 128" erworbene Sachkunde für
Sicherheit und Gesundheitsschutz bei der Arbeit in kontaminierten Bereichen erfüllt die
Fachkundeanforderungen der TRGS 524.
Gefahrstoffe (s. auch Schadstoffe):
Gefahrstoffe sind gemäß § 3 GefStoffV folgende Stoffe, Zubereitungen und Erzeugnisse:
gefährliche Stoffe und Zubereitungen nach § 3a ChemG sowie Stoffe und Zubereitungen, die sonstige chronisch schädigende Eigenschaften besitzen;
Stoffe, Zubereitungen und Erzeugnisse, die explosionsfähig sind;
Stoffe, Zubereitungen und Erzeugnisse, aus denen bei der Herstellung oder Verwendung Stoffe oder Zubereitungen nach Nummer 1 oder 2 entstehen oder freigesetzt werden können;
sonstige gefährliche chemische Arbeitsstoffe im Sinne der Richtlinie 98/24/EG.
GefStoffV: Verordnung zum Schutz vor gefährlichen Stoffen (Gefahrstoffverordnung
GefStoffV)
Diese Verordnung gilt für das Inverkehrbringen von Stoffen, Zubereitungen und Erzeugnissen, zum Schutz der Beschäftigten und anderer Personen vor Gefährdungen ihrer
Gesundheit und Sicherheit durch Gefahrstoffe und zum Schutz der Umwelt vor stoffbedingten Schädigungen.
Halogene/halogenorganische Verbindungen: Als Halogene (griech.: Salzbildner) bezeichnet man die chemischen Elemente Fluor, Chlor, Brom, Iod und Astat. Folglich versteht
man unter halogenorganischen Verbindungen Kohlenstoffverbindungen, die neben
funktionellen Gruppen wie Alkohol-, Aldehyd- oder Ketongruppen auch Halogene wie z. B.
Chlor und Brom enthalten (z. B. Chlorkohlenwasserstoffe, Pentachlorphenol (PCP),
Brombenzol).
KMF í Künstliche Mineralfasern: siehe alte Mineralwolle.
Kongenere: Unter Kongeneren wird die Vielzahl von Einzelsubstanzen eines in Anzahl
und Stellung unterschiedlich substituierten Grundkörpers, z. B. des p-Dibenzodioxins
oder Dibenzofurans, verstanden. Bei gleicher Anzahl, aber verschiedener Stellung der
Substituenten handelt es sich um Isomere.
Kontamination: Kontaminierte Bereiche sind Standorte, bauliche Anlagen, Gegenstände, Boden, Wasser, Luft und dergleichen, die über gesundheitlich unbedenkliche
Grundbelastung hinaus mit Gefahrstoffen oder Biostoffen verunreinigt sind.
Konzentrationsangaben: Im Zusammenhang mit Brandschäden sind grundsätzlich drei
Arten von Konzentrationsangaben möglich. Die in einer entnommenen Probe enthaltene
Schadstoffmenge kann entweder auf
das Gewicht der Probenmenge,
die Fläche, von der sie abgewischt wurde, oder
das angesaugte Luftvolumen
1 ppm (part per million)
= 1 mg/kg
= 10-3 g/kg (m=milli)
1 ppb (part per billion)
= 1 μg/kg
= 10-6 g/kg (μ=mikro)
1 ppt (part per trillion)
= 1 ng/kg
= 10-9 g/kg (n=nano)
1 ppq (part per quadrillion) = 1 pg/kg
= 10-12 g/kg (p=piko)
Übliche oberflächenbezogene Konzentrationsangabe: ng/m²
Übliche volumenbezogene Konzentrationsangabe:
pg/m³ bzw. ng/m³
LCKW: Leichtflüchtige Chlorierte Kohlenwasserstoffe
Kreislaufwirtschafts- und Abfallgesetz: Nach den Grundsätzen und Grundpflichten des
Kreislaufwirtschaftsgesetzes- (KrWG) und Abfallgesetzes sind Abfälle alle Stoffe und
Gegenstände, deren sich ihr Besitzer entledigen will oder muss. Man unterscheidet
zwischen Abfällen zur Verwertung und Abfällen zur Beseitigung (s. Abschnitt 6.1 sowie
Anhang A8).
NATO/CCMS: North Atlantic Treaty Organization/Committee of the Challenges of Modern
Society (Nord-Atlantik-Pakt/Komitee „Herausforderungen der modernen Gesellschaft”).
PAK í Polycyclische Aromatische Kohlenwasserstoffe: Sie entstehen bei unvollständiger Verbrennung organischen Materials. Einige Substanzen dieser Stoffklasse gelten als krebserzeugende Schadstoffe, wobei das Benzo(a)pyren als Leitsubstanz dient.
PCB í Polychlorierte Biphenyle: PCB fanden auf Grund ihrer Eigenschaften (u. a. Unbrennbarkeit, thermische Stabilität, chemische Resistenz) früher einen breiten Anwendungsbereich, z. B. als Isolier- und Kühlmittel oder Hydraulikflüssigkeiten. Da PCB
herstellungsbedingt unterschiedlich hohe Mengen an PCDD/PCDF enthalten, wurde ihre
Herstellung eingestellt (Verordnung über Verbote und Beschränkungen des Inverkehrbringens gefährlicher Stoffe, Zubereitungen und Erzeugnisse nach dem Chemikaliengesetz, Chemikalien-Verbotsverordnung
ChemVerbotsV). Bei der thermischen Belastung von PCB im Temperaturbereich von 600 bis 900 °C können wie im Brandfall
zusätzlich Dioxine und Furane gebildet werden.
PHDD/PHDF í Polyhalogenierte Dibenzo-p-dioxine und Dibenzofurane: Der Begriff
„Dioxine” steht synonym für die 75 chlorierten p-Dibenzodioxine (PCDD) und im erweiterten Sinne auch für die 135 Dibenzofurane (PCDF); die gleiche Kongenerenanzahl
analoger Bromverbindungen (PBDD/PBDF) ist möglich. Unter Berücksichtigung aller
gemischthalogenierten Dioxine und Furane (PHDD/PHDF = PHDD/F) handelt es sich um
über fünftausend Einzelverbindungen. Die akute und chronische Toxizität der Vielzahl an
Einzelverbindungen, die meist zusammenfassend als „Dioxine” bezeichnet werden, ist
sehr unterschiedlich und kann bis zu einem Faktor von 10.000 variieren.
PCP í Pentachlorphenol: PCP wurde lange
setzt. Seit 1989 sind allerdings Herstellung,
ordnung über Verbote und Beschränkungen
Zubereitungen und Erzeugnisse nach dem
verordnung ChemVerbotsV).
Zeit als wirksames Holzschutzmittel eingeVertrieb und Verwendung verboten (Verdes Inverkehrbringens gefährlicher Stoffe,
Chemikaliengesetz, Chemikalien-Verbots-
Pyrolyse (und Crackvorgänge): Als Pyrolyse wird die thermische Zerlegung/Zerstörung
von Molekülverbindungen in organischen Stoffen unter Sauerstoffmangel verstanden.
Wird die Pyrolyse in einem technischen Verfahren gezielt durchgeführt (z. B. Benzinherstellung), so wird in der Regel von Crackprozessen gesprochen.
Sachkunde nach BGR 128: s. Fachkunde nach TRGS 524.
Schadstoffe: Schadstoffe im Sinne dieser Richtlinien sind neben Gefahrstoffen und Biostoffen auch Stoffe oder Stoffgemische (Reinstoff, Produkt, Erzeugnis, Rückstand, Reststoff, Abfall), die bei Eintrag in Ökosysteme oder Aufnahme durch lebende Organismen
oder an Sachgütern nachteilige Veränderungen hervorrufen können (z. B. korrosiv wirkende Stoffe).
Schwarz-Weiß-Einrichtung: Eine Schwarz-Weiß-Einrichtung dient dazu, die Verschleppung von Schadstoffen von belasteten ("schwarz") in unbelastete ("weiß") Bereiche zu
verhindern. Sie besteht in der Regel aus drei miteinander verbundenen Elementen:
Der dem unbelasteten Bereich zugewandte Teil dient als so genannter Weiß-Bereich
dem Ablegen, Aufbewahren und späteren Wiederanlegen der Straßenkleidung und gegebenenfalls auch als Aufenthaltsraum. Der anschließende Mittelteil enthält die sanitären
Einrichtungen, z. B. Waschbecken, Duschen, Toiletten. In Richtung des belasteten Bereiches schließt sich dem Sanitärbereich der so genannte Schwarz-Bereich an, der dem
Anlegen und späteren Ablegen der Schutzausrüstung dient.
Bei der Ausführung der SW-Einrichtung steht die Funktion im Vordergrund, d. h. die SWEinrichtung ist unter Berücksichtigung der räumlichen Gegebenheiten an die Erfordernisse der Gefährdungsbeurteilung anzupassen.
SGB VII: Siebtes Buch Sozialgesetzbuch Gesetzliche Unfallversicherung: Gesetzliche
Grundlage zum Handeln der Träger der gesetzlichen Unfallversicherung.
TCDD: Das 2,3,7,8-Tetrachlor-dibenzo-p-dioxin (2,3,7,8-TCDD) stellt den bekanntesten
und toxischsten Vertreter aus der Gruppe der PHDD/PHDF dar.
TDI: Der TDI-Wert (tolerable daily intake = duldbare tägliche Aufnahme) gibt für nicht
willentlich in die Umwelt eingebrachte Stoffe die tägliche Höchstdosis an, die auch bei
lebenslanger Aufnahme ohne gesundheitlichen Einfluss bleibt, während der ADI-Wert
(acceptable daily intake = annehmbare tägliche Aufnahme) nur auf bewusst in die
Umwelt eingebrachte Stoffe, z. B. Pflanzenschutzmittel, anwendbar ist.
TRBA: Die Technischen Regeln für biologische Arbeitsstoffe (TRBA) geben den Stand
der Technik, Arbeitsmedizin und Arbeitshygiene sowie sonstige gesicherte wissenschaftliche Erkenntnisse für Tätigkeiten mit Biostoffen wieder. Sie werden vom Ausschuss für Biologische Arbeitsstoffe (ABAS) aufgestellt und von ihm der Entwicklung entsprechend angepasst. Die TRBA werden vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales
(BMAS) im Ministerialblatt bekannt gegeben.
TRGS: Die Technischen Regeln für Gefahrstoffe (TRGS) geben den Stand der Technik,
Arbeitsmedizin und Arbeitshygiene sowie sonstige gesicherte wissenschaftliche Erkenntnisse für Tätigkeiten mit Gefahrstoffen, einschließlich deren Einstufung und Kennzeichnung, wieder. Sie werden vom Ausschuss für Gefahrstoffe (AGS) aufgestellt und
von ihm der Entwicklung entsprechend angepasst. Die TRGS werden vom Bundesminister für Arbeit und Soziales (BMAS) im Ministerialblatt bekannt gegeben.
WHO: World Health Organization (Weltgesundheitsorganisation).
Gesetze, Verordnungen, technische Regeln und
Hinweis: Bei nachfolgender Auflistung ist zu berücksichtigen, dass Gesetze und Verordnungen lediglich den Rahmen vorgeben, die konkrete Ausgestaltung jedoch vielfach
über länderspezifische Regelungen erfolgt.
KrWG – Kreislaufwirtschaftsgesetz Gesetz zur Förderung der Kreislaufwirtschaft
und Sicherung der umweltverträglichen Bewirtschaftung von Abfällen
AltholzV - Altholzverordnung
und Beseitigung von Altholz
von Abfällen auf Deponien über Tage
Beseitigungsnachweise
Anforderungen an die stoffliche Verwertung von mineralischen Reststoffen/Abfällen, Technische Regeln der Länderarbeitsgemeinschaft Abfall (LAGA)
Verordnung über das Europäische Abfall-
Verordnung über Anforderungen an die Verwertung
(NachwV)
Verordnung über die Verwertung
Arbeitsschutzrecht/Umweltrecht
Arbeitsschutzgesetz (ArbSchG) Gesetz über die Durchführung von Maßnahmen
des Arbeitsschutzes zur Verbesserung der Sicherheit und des Gesundheitsschutzes
der Beschäftigten bei der Arbeit
Bundes-Bodenschutzgesetz (BBodSchG) Gesetz zum Schutz vor schädlichen
Bodenveränderungen und zur Sanierung von Altlasten
Verordnung über Sicherheit und
Gesundheitsschutz bei der Bereitstellung von Arbeitsmitteln und deren Benutzung bei
der Arbeit, über Sicherheit beim Betrieb überwachungsbedürftiger Anlagen und über
Verordnung über Sicherheit und Gesundheits-
Lärm- und Vibrations-Arbeitsschutzverordnung (LärmVibrationsArbSchV) –
Verordnung zum Schutz der Beschäftigten vor Gefährdungen durch Lärm und
Bundesanzeiger Verlagsgesellschaft m.b.H.,
Internet: www.bundesanzeiger.de
ASR A1.8
Schutz vor Absturz und herabfallenden Gegenständen, Betreten von
ASR A4.2
ASR A4.3
ASR A4.4
RAB 01 Gegenstand, Zustandekommen, Aufbau, Anwendung und Wirksamwerden
der RAB
Begriffsbestimmungen (Konkretisierung von Begriffen der BaustellV)
Arbeiten in Druckluft (Konkretisierungen zur Druckluftverordnung)
RAB 30
Geeigneter Koordinator (Konkretisierung zu § 3 BaustellV)
Unterlage für spätere Arbeiten (Konkretisierung zu § 3 Abs. 2 Nr. 3 BaustellV)
Allgemeine Grundsätze nach § 4 des Arbeitsschutzgesetzes bei Anwendung der Baustellenverordnung
TRBS 1151 Gefährdungen an der Schnittstelle Mensch
mische und menschliche Faktoren
BekBS 2111
TRBS 2121
TRBS 2121 Teil 1 Gefährdungen von Personen durch Absturz
Bereitstellung und
TRBS 2121 Teil 2 Gefährdungen von Personen durch Absturz
Benutzung von Leitern
TRBS 2121 Teil 3 Gefährdungen von Personen durch Absturz Bereitstellung und
Benutzung von Zugangs- und Positionierungsverfahren unter Zuhilfenahme von Seilen
Arbeitsmittel, Ergono-
Gefährdung von Personen durch Absturz
TRBS 2121 Teil 4
Gefährdungen von Personen durch Absturz
Personen mit hierfür nicht vorgesehenen Arbeitsmitteln
Gefährliche explosionsfähige Atmosphäre
Explosionsgefährdung
Entzündung gefährlicher explosionsfähiger Atmosphäre
TRBS 2210
Heben von
Beurteilung der
Vermeidung oder Einschränkung gefährlicher explosionsfähiger
Gefährdungen durch Wechselwirkungen
Schutzmaßnahmen für Tätigkeiten in kontaminierten Bereichen
Ermittlung, Beurteilung, Maßnahmen
TRGS 905 Verzeichnis krebserzeugender, erbgutverändernder oder fortpflanzungsgefährdender Stoffe
TRGS 906 Verzeichnis krebserzeugender Tätigkeiten oder Verfahren nach § 3 Abs.
2 Nr. 3 GefStoffV
Ergänzung zur TRGS 905 und 906:
Verzeichnis krebserzeugender, erbgutverändernder oder fortpflanzungsgefährdender
Stoffe, Tätigkeiten und Verfahren nach Anhang I der Richtlinie 67/548/EWG, TRGS
905 und TRGS 906
Handlungsanleitung zur Gefährdungsbeurteilung bei Tätigkeiten mit
biologischen Arbeitsstoffen
TRBA 500
Allgemeine Hygienemaßnahmen: Mindestanforderungen
Vorschriften, Regeln und Informationen der Träger der gesetzlichen
Unfallversicherung (UVT)
Erläuterung zur Bezeichnung der Vorschriften, Regeln und Informationsschriften
Die Berufsgenossenschaften (BG) als branchenbezogene UVT für die gewerbliche Wirtschaft und die einzelnen Gemeindeunfallversicherungsverbände (GUVV) bzw. Unfallkassen (UK) als UVT für die Beschäftigten der öffentlichen Hand sind jeweils eigenständige Körperschaften, die für sich eigene Vorschriften etc. erlassen. Somit ist nicht
jede Vorschrift etc. der Berufsgenossenschaften gleichzeitig auch von den GUVV bzw.
UK erlassen worden, sondern nur diejenigen, die auch für den Arbeitsschutz der über die
GUVV bzw. UK Versicherten von Bedeutung sind. Daraus resultieren unterschiedliche
Vorschriften, Regeln und Informationsschriften, die nur von den Berufsgenossenschaften erlassen bzw. veröffentlicht worden sind, tragen die Bezeichnungen BGV
(Vorschriften), BGR (Regeln) oder BG (Informationsschriften).
Vorschriften, Regeln und Informationsschriften, die von den Berufsgenossenschaften
und den GUVV bzw. UK gemeinsam erlassen bzw. veröffentlicht worden sind, tragen
die Bezeichnungen BGV/GUV-V (Vorschriften), BGR/GUV-R (Regeln) und BGI/GUV-I
(Informationsschriften).
Mit der Fusion der beiden ehemaligen Dachverbände Hauptverband der gewerblichen
Berufsgenossenschaften (HVBG) und Bundesverband der Unfallkassen (BUK) wurde
ein gemeinsamer Dachverband geschaffen, bezeichnet als „Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung DGUV“. Mit dieser Fusion ist auch eine Revision und Zusammenführung
des jeweiligen Vorschriftenwerks verbunden:
Vorschriften, Regeln und Informationsschriften der BGen, GUVVen und UKen, die bereits
unter dem Dach der DGUV zusammengeführt wurden bzw. die zukünftig dort erstellt
werden, tragen die Bezeichnung DGUV-V, DGUV-R oder DGUV-I.
Vorschriften, Regeln und Informationen der Träger der gesetzlichen Unfallversicherung (UVT)
BGV/GUV-V A1
BGR/GUV-R A1
BGV C 22
BGR 189
BGR 192
Benutzung von Augen- und Gesichtsschutz
BGR 195
Benutzung von Schutzhandschuhen
BGR 208
BGR 209
Umgang mit Reinigungs- und Pflegemitteln
BGI 580
BGI 581
Merkblatt für Fahrerkabinen mit Anlagen zur Atemluftversorgung auf
Erdbaumaschinen und Spezialmaschinen des Tiefbaues
BGI 583
Gesundheitsgefährdungen durch biologische Arbeitsstoffe bei der
Gebäudesanierung Handlungsanleitung zur Gefährdungsbeurteilung nach Biostoffverordnung (BioStoffV)
BGI/GUV-I 868
BGI/GUV-I 8685 – Chemikalienschutzkleidung bei der Sanierung von Altlasten,
Deponien und Gebäuden
Leitfaden für Betriebsärzte zur arbeitsmedizinischen Betreuung bei Arbeiten in
kontaminierte Bereichen
Arbeitnehmer in Fremdbetrieben
Handlungsanleitung zur Gefährdungsbeurteilung nach Biostoffverordnung
GDV-/VdS-Publikationen
VdS 2217 – Umgang mit kalten Brandstellen – Muster eines Informationsblattes für
Wohnungsinhaber, Mieter, Hausverwalter sowie für Gewerbe- und Industriebetriebe
VdS 2557 – Planung und Einbau von Löschwasser-Rückhalteeinrichtungen, Leitlinien
zur Schadenverhütung der deutschen Versicherer (GDV)
VdS Schadenverhütung, Verlag,
Amsterdamer Straße 174
Internet: www.vds-industrial.de
Sonstige Normen, Vorschriften und Empfehlungen
DIN ATV 18299 – VOB Verdingungsordnung für Bauleistungen – Teil C: Allgemeine
Technische Vertragsbedingungen für Bauleistungen (ATV); Allgemeine Regelungen
für Bauarbeiten jeder Art
LAGA PN 98 – Richtlinie für das Vorgehen bei physikalischen, chemischen und biologischen Untersuchungen im Zusammenhang mit der Verwertung und Beseitigung
Beuth Verlag GmbH,
Empfehlungen zur Reinigung von Gebäuden nach Bränden, Bundesgesundheitsblatt 01/90, S.30, 1990
Postfach 33 00 22,
DI 1055-300 - Hamburger Stahltresor GmbH
MVS Schaltplan
Stellungnahme des vds Inklusion
Auftrag zur Prüfung und Bestätigung von Aussagen zur
Flugblatt zur Vorratsdatenspeicherung
Schaltplan MVS ohne VdS - Klasse B 0,2 MB, PDF
VdS Anerkennungszertifikat
Gefahren vorbeugen, Werte schützen.
Sicherheitsnebelsystem für kleinere Räume bei stationärem Einbau