Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Text=WM%201993,%20738
Timestamp: 2019-12-15 14:04:16
Document Index: 383408745

Matched Legal Cases: ['BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 137', '§ 139', '§ 31', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 31', 'BGH', '§ 31', 'BGH', 'BGH', '§ 138', 'BGH', 'BGH', '§ 138', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 134', 'BGH', '§ 133', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 133', '§ 143', '§ 31', 'BGH']

BGH, 18.02.1993 - IX ZR 129/92 - dejure.org
https://dejure.org/1993,486
BGH, 18.02.1993 - IX ZR 129/92 (https://dejure.org/1993,486)
BGH, Entscheidung vom 18.02.1993 - IX ZR 129/92 (https://dejure.org/1993,486)
BGH, Entscheidung vom 18. Februar 1993 - IX ZR 129/92 (https://dejure.org/1993,486)
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Zahlungseinstellung - Sicherungsabtretung - Anfechtung - Abtretung - Vertragliche Beschränkung - Verfügungsbefugnis
Anfechtbarkeit einer durch Zahlungseinstellung der Sicherungsgeberin bedingten Abtretung
BGB § 137, § 139; KO § 31 Nr. 1
NJW 1993, 1640
ZIP 1993, 521
MDR 1993, 437
WM 1993, 738
BB 1993, 1688
ZfBR 1993, 218
Wer bei Vornahme der Rechtshandlung die Benachteiligung der anderen Gläubiger im allgemeinen als Erfolg seiner Rechtshandlung will oder als mutmaßliche Folge erkennt und billigt, handelt mit Benachteiligungsvorsatz (BGHZ 124, 76, 81 f; 131, 189, 195; 155, 75, 84; BGH, Urt. v. 18. Februar 1993 - IX ZR 129/92, WM 1993, 738, 739).
In dieser Weise verhält es sich, sofern eine besondere Sicherung aufschiebend bedingt gerade für den Fall der Insolvenz des Schuldners vereinbart wird (BGH, Urteil vom 18. Februar 1993 - IX ZR 129/92, ZIP 1993, 521, 522), um bei Insolvenzreife dem Sicherungsnehmer Sicherungsgut zu verschaffen und damit den übrigen Gläubigern zu entziehen (BGH, Urteil vom 2. April 1998 - IX ZR 232/96, WM 1998, 1037, 1042).
Die Benachteiligungsabsicht im Sinne von § 31 KO erfordert wenigstens, daß die Benachteiligung der Gläubiger im allgemeinen als Erfolg der Rechtshandlung mit gewollt ist (…vgl. BGH, Urt. v. 18. April 1991 - IX ZR 149/90, WM 1991, 1273, 1275; v. 18. Februar 1993 - IX ZR 129/92, WM 1993, 738, 739;… Kilger/K. Schmidt, KO 16. Aufl. § 31 Anm. 4).
Vielmehr ist die Benachteiligungsabsicht bei kongruenten Deckungsgeschäften nur gegeben, wenn es dem Schuldner - in dem maßgeblichen Zeitpunkt - nicht so sehr auf die Erfüllung seiner Vertragspflicht als auf die Vereitelung der Ansprüche anderer Gläubiger angekommen ist (vgl. BGHZ 12, 232, 238; BGH, Urt. v. 18. Februar 1993 - IX ZR 129/92, NJW 1993, 1640, 1641 m.w.N.).
Aber im Verhältnis zu den Insolvenzgläubigern ist die Insolvenzanfechtung gegenüber § 138 Abs. 1 BGB vorrangig (BGH, Urt. v. 18. Februar 1993 - IX ZR 129/92, WM 1993, 738, 739 f.; v. 11. November 1993 - IX ZR 257/92, WM 1994, 171, 174, insoweit in BGHZ 124, 76 nicht abgedruckt).
Im Verhältnis zu den Konkursgläubigern gehen andererseits die Anfechtungstatbestände der Konkursordnung vor (vgl. Senatsurt. v. 18. Februar 1993 - IX ZR 129/92, ZIP 1993, 521, 522 m.w.N.), weil darüber hinausgehende besondere, erschwerende Umstände, die für eine Sittenwidrigkeit sprechen könnten (§ 138 Abs. 1 BGB), hier nicht gegeben sind.
Es genügt, daß der Schuldner die Benachteiligung der Gläubiger als Erfolg seines Handelns gewollt oder als mutmaßliche Folge seines Handelns erkannt und gebilligt hat (BGH, Urt. v. 18. Februar 1993 - IX ZR 129/92, ZIP 1993, 521, 522 m.w.N.).
Nach den Ausführungen des Berufungsgerichts können die Muster, soweit sie T. bereits übergeben waren, bereits mit Abschluß der Änderungsvereinbarung oder, soweit sie erst danach geschaffen wurden, spätestens gleichzeitig mit der Übergabe an T. auf Frau H. übertragen worden sein (vgl. BGH, Urt. v. 18. Februar 1993 - IX ZR 129/92, WM 1993, 738, 739).
Es wird davon auszugehen sein, daß die Vertragschließenden - jedenfalls auch (vgl. BGHZ 130, 314, 319;… BGH, Urt. v. 9. Januar 1997 - IX ZR 47/96, WM 1997, 436, 439) - zu dem Zweck zusammengewirkt haben, bei Konkursreife das Sicherungsgut der Sicherungsnehmerin zu verschaffen und damit den übrigen Gläubigern zu entziehen (vgl. BGH, Urt. v. 18. Februar 1993 aaO; v. 10. Oktober 1996 - IX ZR 333/95, WM 1996, 2194, 2196).
Im Verhältnis zu den Gläubigern gehen die besonderen Bestimmungen der Insolvenz- bzw. Gläubigeranfechtung den Nichtigkeitsbestimmungen der §§ 134, 138 BGB grundsätzlich vor (BGH 18. Februar 1993 - IX ZR 129/92 - ZIP 1993, 521).
Dann könnte die Insolvenzklausel insoweit wegen objektiver Gläubigerbenachteiligung gemäß § 133 Abs. 1 InsO anfechtbar sein, weil die speziell für den Insolvenzfall auferlegten Vermögensnachteile über die gesetzlichen Folgen hinausgehen und nicht zur Erreichung des Vertragszwecks geboten sind (Teilanfechtung, vgl. BGH 11. November 1993 - IX ZR 257/92 - BGHZ 124, 76 für den Fall einer Insolvenzklausel, nach der eine Breitbandverteilanlage für Ton- und Fernseh-Rundfunkversorgung im Falle der Insolvenz "entschädigungslos" in das Eigentum des Vertragspartners des späteren Insolvenzschuldners übergehen sollte; BGH 18. Februar 1993 - IX ZR 129/92 - ZIP 1993, 521 betreffend Anfechtbarkeit einer Sicherungsabtretung mit vereinbartem Verfügungsrecht des Zessionars (nur) im Falle der Zahlungseinstellung durch den Sicherungsgeber;… FK-InsO/Dauernheim 4. Aufl. § 133 Rn. 15;… MünchKommInsO-Kirchhof § 143 Rn. 18).
Das Berufungsgericht hätte ausgehend von seinem Standpunkt, es liege ein entgeltliches Geschäft vor, prüfen müssen, ob der Hilfsantrag wegen Absichtsanfechtung gemäß § 31 Nr. 1 KO gerechtfertigt ist (vgl. dazu BGH, Urt. v. 18. Februar 1993 - IX ZR 129/92, ZIP 1993, 521, 522).