Source: https://www.paedagogikundrecht.de/ziele
Timestamp: 2018-05-28 09:43:31
Document Index: 306830311

Matched Legal Cases: ['Art 3', '§1631', '§ 8', '§ 8', '§ 1', '§ 1666', '§ 1631']

Ziele - • • • • PROJEKT PÄDAGOGIK UND RECHT © • • • •
Pädagogik und Recht als Einheit
Wichtige Projektideen im Schnelldurchlauf→ 7.Station „Kindeswohl“
Für den deutschsprachigen Raum: Projekt kompakt zum ausdrucken
I. BOTSCHAFT „BRÜCKE PÄDAGOGIK – RECHT“
Pädagogische Qualität wird in der „Brücke Pädagogik – Recht“ symbolisiert.
Pädagogische Qualität setzt voraus, dass sich PädagogInnen und mittelbar Verantwortliche (z.B. Behörden) daran orientieren, ob ihr Verhalten/ Entscheiden fachlich verantwortbar und rechtlich zulässig ist, symbolisch verdeutlicht in einer Brücke.
BRÜCKE PÄDAGOGIK-RECHT im neuen Denkansatz integriert fachlich- rechtliche Sicht
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Das elementare Projektsymbol BRÜCKE PÄDAGOGIK - RECHT
Es ist qualitätshemmend, ohne primäre pädagogische Sicht und in Absicherungsdenken verhaftet auf die rechtlichen Anforderungen fixiert zu sein, d.h. auf die andere Brückenseite.
Ebenso ist es problematisch, nach dem Prinzip „der Zweck heiligt die Mittel“ ausschließlich fachlich- pädagogische Aspekte zu beachten und die gegenüber liegende Brückenseite der Legalität zu übersehen, insbesondere aufgrund der Gefahr für die Kindesrechte.
Empfohlen wird stattdessem eine integriert fachlich- rechtliche Sicht. Danach sollte das zunächst in eigener Haltung für richtig erachtete Verhalten/ Entscheiden in folgender Reihenfolge reflektiert werden: im Rahmen fachlicher Begründbarkeit (Legitimität), anschließend im Kontext rechtlicher Erfordernisse (Legalität). Die Reihenfolge ist i.S. von Kreativität Voraussetzung für pädagogische Qualität. Zum Schutz unserer Kinder/ Jugendlichen und damit auch zur Verbesserung der Handlungssi- cherheit Verantwortlicher sind die fachliche und die rechtliche Erziehungsgrenze zu beachten, d.h. die Grenze der Legitimität und die darauf aufbauende Grenze der Legalität. Die Legitimität ist also Vorstufe der Legalität: fachlich verantwortbares Verhal- ten/ Entscheiden ist legal, es sei denn, es verletzt Rechtsnormen, insbesondere ein Kindesrecht; fachlich unverantwortbares Verhalten/ Entscheiden ist illegal, es sei denn, es begegnet einer akuten Eigen- oder Fremdgefährdung des Kindes/ Jugendlichen.
Der Kindesschutz und die im Spannungsfeld Pädagogik – Recht notwendige Handlungssicherheit Verantwortlicher erfordern legitimes (fachlich verantwortbares) und legales (rechtlich zulässiges) Verhalten: eine integriert fachlich- rechtliche Sicht im Rahmen der bestmöglichen Wirksamkeit. „Fachlich verantwortbar“ beinhaltet, dass nachvollziehbar pädagogische Ziele verfolgt werden. Im Ergebnis setzt pädagogische Qualität Legitimität und Legalität voraus, verbunden mit bestmöglicher Wirksamkeit (prognostische Wahrscheinlichkeit des Erreichens pädagogischer Ziele): auf Seiten unmittelbar verantwortlicher PädagogInnen und mittelbar verantwortlicher Leitungen, Träger, Behörden (z.B. Jugend-/ Landesjugendämter und Schulaufsicht).
Pädagogische Qualität basiert auf angewandter Erziehungsethik, beinhaltend fachlich- pädagog. Orientierung. Zunehmende Ökonomisierung und Zwang in der Pädagogik (z.B. steigende Platzzahl “geschlossene Unterbringung”) belegen die Notwendigkeit, zu ausformulierter Erziehungsethik zu gelangen! Die Herausforderung der Pädagogik lautet: Wie wird angesichts solcher Entwicklung das vorrangig zu beachtende „Kindeswohl“ (Art 3 UN Kinderrechtskonvention) gesichert? Antwort: durch ausformulierte Erziehungsethik, d.h. durch „Leitlinien pädagogischer Kunst„, eine Aufgabe bundesweit aktiver Fachverbände!
Angewandte Erziehungsethik ist bereichsspezifische Ethik:
Grundlage ist die allgemeine Ethik
verbunden mit den Erkenntnissen des Fachgebiets Pädagogik
Auf der Grundlage ausformulierter Erziehungsethik („Leitlinien päd. Kunst„) – auch bereits jetzt – sollte die „Brücke Pädagogik – Recht“ im integrativen fachlich- rechtlichen Ansatz begangen werden (s. oben). Allzuoft werden derzeit die Bereiche der „fachlichen Verantwortbarkeit“ und der Rechtmäßigkeit parallel betrachtet. So finden sich zum selben Thema getrennte fachliche und rechtliche Bewertungen. Oder: es wird das Bundeskinderschutzgesetz ohne Praxisbezug rechtlich kommentiert. Oder: Fachkräfte werden durch Staatsanwälte mit Strafrecht konfrontiert: könnte nicht eine in schwierigen Alltagssituationen praktizierte integriert fachlich- rechtliche Betrachtung entge- gen wirken? Oder: die Begriffe „Gewalt“, „Kindeswohl / – gefährdung“ sind in juristischem Gestal- tungsmonopol festgelegt: besser wäre es doch, diese Begriffe in Handlungsleitlinien fachlich zu konkretisieren, einen Beurteilungsrahmen für die juristische Auslegung bereitzustellen
In der Pädagogik ist verantwortbare Macht von Machtmissbrauch abzugrenzen, die fachliche und die rechtliche Erziehungsgrenze beachtend: Grenze verantwortbare Macht – Machtmissbrauch
Die Abgrenzung „verantwortbare Macht“ – „Machtmissbrauch“ gilt auch für Behörden: Willkürverbot in der Verwaltung Gefahr behördlicher Willkür
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Projektziel: Kindesschutz durch gleiches Kindeswohlverständnis:
Anbieterintern: Kindesschutz durch Handlungssicherheit, auf der Basis einer „Agenda pädagogische Grundhaltung“ (fachliche Handlungsleitlinien)
Gleiches Kindeswohlverständnis von Anbietern und Behörden: Kindesschutz durch Qualitätsdialog auf der Basis einer „Agenda pädagogische Grundhaltung“ des Anbieters. Durch Beratung der Behörde (Landesjugendamt, Schulaufsicht) kann die „Agenda“ angepasst werden. Ein insoweit gleiches Kindeswohlverständnis dient dem Kindesschutz mehr als behördliche Festlegungen, welche die eigene pädagogische Haltung wiedergeben. Nicht erst durch Gericht sollte eine gemeinsame Sicht hergestellt werden: damit verbundene Wartezeit kann in aktuellen Problemen nur bedingt dem Kindesschutz dienen.
Pädagogen und mittelbar verantwortliche Behörden entscheiden über das Wohl von Kindern und Jugendlichen (Kindeswohl). Sie sollten dies im Kontext objektivierender Strukturen nachvollziehbar tun: neben der Rechtsordnung auch fachlich- rechtliche Strukturen reflektieren, z. B. des Projekts Pädagogik und Recht. Natürlich liegt jeder für das Kindeswohl relevanten Entscheidung die subjektive Bewertung einzelner Situationen zugrunde. Dies beinhaltet aber kein Ermessen, vielmehr ist der unbestimmte Rechtsbegriff „Kindeswohl“ in einem Beurteilungsrahmen zu sehen, was vor allem für weisungsbefugte Behörden wie Jugend- / Landesjugendämter von Bedeutung ist. Aufgabe der institutionellen Erziehung ist es, diesen Orientierungsrahmen selbstbindend in Handlungsleitlinien zu beschreiben.
II. PROJEKT – LEITSÄTZE
Die Projektideen sind von folgenden Leitsätzen getragen:
Wir gestalten eine Brücke zwischen Pädagogik und Recht.
Wir stärken den Kindesschutz: durch verbesserte Handlungssicherheit der PädagogInnen – u.a. in grenzwertigen Situationen des pädagogischen Alltags – und durch nachvollziehbare behördliche Entscheidungen (Jugend-/ Landesjugendamt, Schulaufsicht).
Pädagogische Qualität bedeutet fachlich verantwortbares Verhalten (Legitimität) im Rahmen der Rechtsordnung (Legalität), verbunden mit bestmöglicher Wirksamkeit (prognostische Wahrscheinlichkeit des Erreichens eines pädagogischen Ziels): auf Seiten unmittelbar verantwortlicher PädagogInnen sowie mittelbar verantwortlicher Leitungen, Träger und Behörden.
PädagogInnen und Behörden reflektieren ihre Entscheidungen i.S. fachlicher Verantwortbarkeit und rechtlicher Zulässigkeit: was zunächst für richtig erachtet wird, ist dementsprechend zu überdenken (Franziskus I.: “Ich misstraue immer der ersten Sache, die zu tun mir in den Sinn kommt”).
Verhalten in schwierigen Situationen des pädagogischen Alltags und pädagogische Regeln sind zunächst im Sinne ihrer fachlichen Verantwortbarkeit einzelfallspezifisch zu reflektieren, erst danach hinsichtlich ihrer rechtlichen Zuässigkeit.
Das Wohl von Kindern/ Jugendlichen (Kindeswohl) beinhaltet in der Erziehung nachvollziehbare Persönlichkeitsentwicklung, d.h. Verhalten, das aus Sicht einer fiktiven neutralen, fachlich geschulten Person geeignet ist, ein pädagogisches Ziel zu verfolgen (“fachliche Verantwortbarkeit”), darüber hinaus die Kindesrechte.
Voraussetzung des Kindesschutzes ist ein gleiches Kindeswohlverständnis: in Kooperation der Anbieter mit den verantwortlichen Behörden.
Verantwortbare Macht ist von Machtmissbrauch abzugrenzen. Dabei sind die fachliche und die rechtliche Erziehungsgrenze zu beachten!
Pädagogische Qualität = Pädagogik auf der Basis “fachlicher Verantwortbarkeit” (Legitimität) und rechtlicher Zulässigkeit (Legalität), verbunden mit bestmöglicher Wirksamkeit (prognostische Wahrscheinlichkeit des Erreichens eines pädagogischen Ziels, messbar z.B. durch WIMES, Messung der Wirkung von Hilfen zur Erziehung.
„Fachliche Verantwortbarkeit“ kann durch Aussagen der Erziehungswissenschaft ebensowenig ersetzt werden wie durch allgemeine Fachstandards, die den Rahmen pädagogischer Prozesse beschreiben, zu deren Inhalt jedoch keine Aussagen treffen.
Integriert fachlich- rechtliche Sicht
Zugrunde liegende Überlegungen:
Wir sind der Überzeugung, dass pädagogische und rechtliche Anforderungen in ihrer Gesamtheit zu betrachten, d.h. für schwierige Situationen des pädagogischen Alltags dementsprechend integrative Lösungen zu finden sind.
Der Kindesschutz erfordert Handlungssicherheit unmittelbar verantwortlicher PädagogInnen und mittelbar verantwortlicher Jugend- / Landesjugendämter im Rahmen einheitlichen Kindeswohlverständnisses.
Vor allem der Kindesschutz in familienanaloger Erziehung und in Einrichtungen bedarf neben der Rechtsordnung Orientierungshilfe bietender Strukturen.
Solche Strukturen sollten im Vorfeld der Legalität „fachliche Verantwortbarkeit“ umfassen.
Die „fachliche Verantwortbarkeit“ sollte in Handlungsleitlinien von Anbietern, Behörden und Fachverbänden formuliert werden.
Die Handlungsmaxime „fachliche Verantwortbarkeit“ entspricht „pädagogischer Kunst“.
III. Ziel „gemeinsames Kindeswohlverständnis“ bei Anbietern, Jugend-/ Landesjugendamt
Es geht um die Stärkung der Handlungssicherheit von PädagogInnen in schwierigen Situationen der Pädagogik, insbesondere der stationären Erziehungshilfe: auf der Grundlage eines gemeinsam mit Jugend- und Landesjugendämtern verantworteten Systems ganzheitlich fachlich- rechtlicher Bewertung. Ein dementsprechend formuliertes und zur Orientierung umgesetztes Bewertungs- system soll helfen, verantwortbare „Macht“ von „Machtmissbrauch“ abzugrenzen, insoweit durch Konkretisierung des „Kindeswohls“ und der „Kindeswohlgefährdung“ zu einem gemeinsamen Verständnis zu gelangen.
IV. BEISPIELE AUS DER PRAXIS
Beispiele, die Macht und Ohnmacht im Rahmen des Gewaltverbots der Erziehung verdeutlichen bzw. fragwürdige Entscheidungen von Behörden:
Der Pädagoge nimmt das Handy des 13jährigen an sich, weil er gewaltverherrlichende Darstellungen vermutet.
Ein Jugendamt kürzt das Erziehungshilfebudget linar um 15%.
Eine so bisher nicht in Erscheinung getretene Pädagogin gibt der 9jährigen eine Ohrfeige, um sie zu beruhigen. Das Jugendamt geht von Kindeswohlgefährdung aus.
V. HANDLUNGSLEITLINIEN:WENIGER SUBJEKTIVITÄT IM ENTSCHEIDEN
Diese Website beinhaltet Strukturvorschläge, welche die subjektiven Anteile der Pädagogik- Entscheidungen reduzieren. Der unbestimmte Rechtsbegriff wird objektivierend konkretisiert, damit ausschließlich subjektiver Auslegung entgegengewirkt. Pädagogisch nicht begründbarem Verhalten von PädagogInnen bzw. möglichen beliebigen Entscheidungen von Jugend-/ Landesjugendämtern wird begegnet.
So wichtig die pädagogische Haltung von PädagogInnen und MitarbeiterInnen in Jugend- bzw. Landesjugendämtern ist, so haben sie doch genüber den Kindern/Jugendlichen die Verantwortung, die jeweilige Auslegung des Kindeswohls anhand objektivierender Strukturen („fachliche Verantwortbarkeit“ und Kindesrechte) zu reflektieren. Die im Rahmen der „fachlichen Verantwortbarkeit“ relevante
pädagogische Schlüssigkeit sollte dabei in Handlungsleitlinien beschrieben werden: in „fachlichen Handlungsleitlinien“ der Anbieter und in „allgemeine Handlungsleitlinien“ mittelbar verantwortlicher Behörden. Damit sind sodann solche internen Handlungsleitlinien der Frage vorgeschaltet, ob Gesetze/ Kindesrechte beachtet sind.
Es geht um Kindesschutz und Handlungssicherheit, ausgehend von der Grundlagenidee Pädagogik und Zwang in folgenden Bereichen:
Kliniken der Kinder- und Jugendpsychiatrie
Kindeswohl objektivierende Strukturen sind z.B. aufgrund der Erfahrungen mit der Nachkriegsheimgeschichte von hoher Bedeutung (Hinweis: analoges Anwenden auf Eltern/ Sorgeberechtigte ist angezeigt).
Warum beklagt sich die pädagogische Fachwelt über das Gestaltungsmonopol der Juristen- Prof. Sünker/ Wuppertal 7.11.12 – , wenn dem nichts entgegen gesetzt wird, z.B. fachliche Leitlinien, die den unbestimmten Rechtsbegriff Kindeswohl konkretisieren?
Der Autor vertritt die Position, die Pädagogik habe im Vorfeld der Rechtsnormen – im Ergebnis diese beachtend – eigene Handlungsleitlininien zu beschreiben. Warum akzeptieren wir das „Gewalt“verbot in der Erziehung, ohne eine fachliche Antwort darauf zu geben, was im Kontext des natürlichen Machtüberhangs der Erziehung verantwortbares Verhalten ist, also keine unzulässige „Gewalt“ i. S. des Bürgerlichen Gesetzbuchs (§1631II BGB)? Haben wir aus der Nachkriegsheimgeschichte gelernt, die angesichts des s. g. „Züchtigungsrechts“ Schlagen als „Erziehung“ begriff? Ist das rechtlich zulässige Verhalten automatisch als fachlich verantwortbar zu übernehmen? Gibt es neben der Legalität nicht so etwas wie fachliche Legitimität? Existiert nicht ein gesellschaftlicher Auftrag, i. R. von Erziehungsethik die fachliche Legitimität zu beschreiben, d.h. den unbestimmte Rechtsbegriff Kindeswohl zu konkretisieren? Sünker: „Es ist Aufgabe der Jugendhilfe, disziplinär und professionell begründete Kriterien zur Fassung unbestimmter Rechtsbebegriffe zu formulieren“.
Fangen wir also an, den Begriff Kindeswohl in Form von Orientierungshilfe leistenden Handlungsleitlinien zu erklären:
Anbieter in „fachlichen Handlungsleitlinien“ als transparente, selbstbindende pädagogische Grundhaltung (§ 8b II SGB VIII)
Jugendämter/ Landes- in „allgemeinen Handlgsleitlinien2 als transparente Bindung in der Aufgabenwahrnehmung
Fachverbände in „Leitlinien pädagogischer Kunst“ als ausformulierte Erziehungsethik.
Übrigens: der Gesetzgeber geht davon aus, dass nicht nur Jugendhilfe- Einrichtungen „fachliche Handlungsleitlinien zur Sicherung des Kindeswohls und zum Schutz vor Gewalt“ beschreiben (§ 8b II Nr.1 SGB VIII), vielmehr alle „Träger von Einrichtungen, in denen sich Kinder oder Jugendliche ganztägig oder für einen Teil des Tages aufhalten oder in denen sie Unterkunft erhalten“, d.h. auch Träger stationärer Behindertenhilfe, von Schulen/ Internaten und kinder-/ jugendpsychiatrischer Kliniken.
Hier ein Überblick zu den Inhalten „fachlicher Handlungsleitlinien“ (Bemerkung: „fachliche Verantwortbarkeit“/ Legitimität bedeutet – wie bereits beschrieben – , dass eine neutrale Person das Verfolgen eines pädagogischen Ziels erkennen kann; die pädagogischen Ziele lassen sich auf den grundlegenden Ansatz „Eigenverantwortlichkeit – Gemeinschaftsfähigkeit“ zurückführen/ § 1 I SGB VIII).:
Fachliche Handlungsleitlinien
Es sollten also Handlungsleitlinien i.S. fachlich- pädagogischer Verantwortbarkeit den von der Rechtsordnung Kindeswohl zugeordneten Beurteilgsrahmen ausfüllen, insoweit den Kindesrechten vorgeschaltet sein, ansonsten ist die Auslegung des unbestimmten Rechtsbegriffs Kindeswohl Juristen (Familienrichtern, Staatsanwälten) überlassen, in erheblichem Zeitabstand zur Praxis, nur bedingt in der Lage, dem Kindesschutz zu dienen.
Hinweis: es ist nicht hilfreich, wenn von Landesjugendämtern die Position vertreten wird, Kindeswohlauslegung sei immer subjektiv, in Streitfällen mögen letztendlich Gerichte über Konflikte entscheiden. Letzeres ist nicht praktikabel und führt zu monatelangen Warteschleifen wegen unterschiedlicher Haltung. Und: welcher belegungs- und betriebserlaubnisabhängige Anbieter zieht vor Gericht?
Im Übrigen: selbstverständlich liegt immer subjektives Bewerten zugrunde, die neue Idee lautet jedoch: einen fachlichen Beurteilungsrahmen beschreiben und selbstbindend neben der Rechtsordnung beachten. Ermessen ist unzulässig.
So elementar die pädagogische Haltung ist, so ist es doch auch erforderlich, dementsprechende Überzeugung anhand objektivierender Kriterien zu reflektieren: im Vorfeld der Rechtsordnung/ Kindesrechte i.R. „fachlicher Verantwortbarkeit“, d.h. auf der Grundlage entsprechend formulierter Handlungsleitlinien.
So werden subjektive Anteile der Kindeswohlinterpretation reduziert, auch wenn es nach wie vor um Bewertungen geht.
Wichtig ist, durch ausschließlichen Haltungsbezug bedingter Beliebigkeitsgefahr zu begegnen. Wird ohne Reflexion fachlicher Verantwortbarkeit entschieden, kann dies kindeswohlwidrig sein:
→ für PädagogInnen im pädagogischen Alltag
→ für Jugendämter im Leistungsauftrag
→ für Landesjugendämter in der Einrichtungsaufsicht (Betriebserlaubnis).
VI. DOPPELAUFTRAG PÄDAGOGIK – AUFSICHT
Was bedeutet Pädagogik und Aufsicht?
Die Begriffe stehen für den gesellschaftlichen Doppelauftrag Erziehender: den Auftrag Persönlichkeitsentwicklung (Pädagogik) und den Aufsichtsauftrag, auf die Abwehr von Eigen- oder Fremdgefährdung des Kindes/ Jugendlichen ausgerichtet. Da die unterschiedlichen Ziele mit Konflikten verbunden sind, stellt dieser zweifache Auftrag eine besondere Herausforderung dar, der sich diese Website mit Strukturvorschlägen stellt. Dies zugrunde legend sind die Strukturvorschläge auf den natürlichen Machtüberhang der Erziehung ausgerichtet, der sich in einem Spannungsfeld Pädagogik und Recht manifestiert. In diesem Zusammenhang sind z.B. die nachfolgenden, berechtigten Fragen zu stellen:
Was bewirken Rechtekataloge, wenn Kindern und Jugendlichen das Eigentumsrecht zugesichert wird, aus Erziehungsgründen aber ein Handyverbot gilt oder das Handy im R. der Aufsichtspflicht weggenommen wird?
Wem nutzen neutrale Beschwerdestellen, z.B. Ombudspersonen, wenn ungeklärt bleibt, wie dem zwischen Erziehungsauftrag (Machtüberhang der Erziehung) und Kindesrechten bestehendem natürlichem Spannungsfeld begegnet wird?
Muss nicht das Instrument der neutralen Beschwerdestelle mit Aussagen zur „fachlichen Verantwortbarkeit“ ergänzt werden, damit mögliche unsachgemäße Entscheidungen vermieden werden? Kann der ausschließliche Kindesrechtebezug ausreichen?
Im Ergebnis sind im Alltag der Betreuung von Kindern und Jugendlichen folgende Bewertungen des Verhaltens von PädagogInnen möglich:
Verhalten ist fachlich und rechtlich schlüssig begründbar.
Beispiel: pädagogische Grenzsetzung bei Aggressivität eines Kindes.
Verhalten ist zwar rechtlich schlüssig begründbar, jedoch nicht fachlich. Es liegt rechtlich zulässige Aufsicht vor, keine Pädagogik.
Beispiel: Inanspruchnahme eines „Beruhigungsraums“ bei Fremdgefährdung / Aggressivität gegenüber Mitbewohnern / Personal
Verhalten ist zwar fachlich schlüssig begründbar, nicht jedoch rechtlich. Es muss unterbleiben, weil rechtlich unzulässig/ illegal u. daher auch fachlich nicht verantwortbar (illegitim).
Beispiel: Rechtwidriger Einbehalt des Taschengeldes
Verhalten ist fachlich und rechtlich nicht schlüssig begründbar. Es muss unterbleiben.
Beispiel: ein Kind wird geschlagen
VII. FACHLICH- RECHTLICHE SICHT → 2 KINDESWOHL- KOMPONENTEN
Für Kinder und Jugendliche das „Richtige zu wollen“, ist ein wichtiger Aspekt – entscheidend aber ist es, dem Kindeswohl zu entsprechen. Das Kindeswohl ist geprägt von zwei Komponenten, § 1666 BGB („körperliches, geistiges, seelisches Wohl“ und „Vermögen“) wie folgt konkretisierend und dem Prinzip der fachlich- rechtlichen Problemlösung entsprechend:
Objektiv nachvollziehbares Verfolgen eines pädagogischen Ziels („fachliche Verantwortbarkeit“/ Legitimität)
Rechte von Kindern und Jugendlichen → Kindesrechte (Legalität)
Legitimität und Legalität
Im Zusammenhang mit der fachlich- rechtlichen Betrachtung folgender Vergleich:
Der Eidotter stellt den Kern der pädagogischen Haltung Entscheidungsverantwortlicher dar,
das Eiweiß die „fachliche Verantwortbarkeit“ (Legitimität).
Die Schale ist gleich zu setzen mit der Legalität (Gesetze), insbesondere mit den Kindesrechten.
Dabei ist erkennbar, das es primär darum geht, eine fachliche Bewertung durchzuführen, erst anschließend die rechtliche. Nur so kann pädagogische Kreativität und Spontanität gewährleistet werden.
Fachliche Grenze → Legitimität/ „Fachliche Verantwortbarkeit“
Rechtliche Grenze → Legalität/ Verhalten im Rahmen der Rechtsordnung (Gesetze, Kindesrechte)
Legitimität → bedingt Legalität, wenn der Rechtsordnung entsprochen wird; Beispiel: pädagogische Grenzsetzung wie Verbot eines gewaltverherrlichenden Films
Illegitimität → bedingt Illegalität, wenn nicht Eigen-/ Fremdgefährdung des Kindes/ Jugendlichen begegnet wird; Beispiel: Kind auf den Boden drücken, ohne dass Selbst- oder Fremdgefährdung vorliegt
Legalität → bedingt nicht automatisch Legitimität; Beispiel Schlagen in der Nachkriegsheimgeschichte
Illegalität → bedingt nicht automatisch Illegitimität Beispiel: Taschengeld- Einbehalt ohne Zustimmung des Kindes/ Jugendlichen
Schwierige Situationen des Erziehungsalltags sind nicht isoliert zu betrachten, vielmehr im Kontext pädagogischer Grundhaltung der/s ErzieherIn und einer spezifischen Vorgeschichte. Im Vorfeld können Zuwendung und verbales Grenzensetzen erfolglos geblieben sein, z.B. aufgrund von Konflikten in der Beziehung zum Kind/ Jugendlichen. Ursache hierfür kann wiederum der Doppelauftrag „Pädagogik und Aufsicht“ sein: die gesellschaftliche Erwartung, Kinder/ Jugendliche einerseits in ihrer individuellen und sozialen Entwicklung zu fördern, mit den Zielen der eigenverantwortlichen, gemeinschaftsfähigen Persönlichkeit (Pädagogik), andererseits sie zu beaufsichtigen (Aufsichtspflicht), d. h. sie vor sich selbst und vor Anderen ebenso zu schützen wie vor Gefährdungen für Andere. Das Projekt bezweckt einen Brückenschlag zwischen der „fachlichen Verantwortbarkeit“ und den normativ- rechtlichen Anforderungen. Auf diese Weise lassen sich Alltagsprobleme der Erziehung und pädagogische Grundsatzfragen leichter lösen bzw. beantworten.
Erziehung beinhaltet Machtüberhang. In der institutionellen Erziehung bestehen aber z.T. Unsicherheiten, welche Machtausübung zulässig ist, trotz oder gerade wegen des Gesetzes zur Ächtung von Gewalt in der Erziehung (§ 1631 II BGB) aus dem Jahr 2001. Dies erfordert, die Handlungssicherheit in der Pädagogik Verantwortlicher durch einen Orientierungsrahmen zu stützen, der Entscheidungen objektivieren hilft.
In der elementaren Frage, welche Entscheidung/ welches Verhalten fachlich verantwortbar (legitim) und rechtlich zulässig (legal) ist, können Beispiele herangezogen werden, die Kinder und Jugendliche der Evangelischen Jugendhilfe Schweicheln benannt haben, z.B. :
Unerwünschter Körperkontakt
An die eigenen Sachen gehen
Eine Frage lautet auch, welche Strafen legitim sind.
In diesem Zusammenhang sei der Hinweis erlaubt, dass es in der Beantwortung der Frage nach „fachlicher Verantwortbarkeit“ um objektive pädagogische Schlüssigkeit geht, d.h. darum, ob eine neutrale Person das Verfolgen eines pädagogischen Ziels erkennen kann. Es ist hingegen nicht entscheidend, die pädagogische Haltung Anderer durch die eigene Haltung zu ersetzen. Wichtig ist daher für in der Pädagogik Entscheidungsverantwortliche, subjektiv für im Kindeswohl richtig erachtete Überlegungen mittels objektivierender Strukturen zu reflektieren, insbesondere i.S. deren fachlich- ethischer Verantwortbarkeit (Legitimität) und rechtlicher Zulässigkeit (Legalität). Die Pädagogikidee fachlich- rechtliches Problemlösen kann mittels der Prüfschemata zulässige Macht gelebt werden:
bei Entscheidungen mittelbar verantwortlicher Leitungen / Träger, Jugend- / Landesjugendämter; Schulaufsicht.
VIII. QUALITÄTSENTWICKLUNG → DAUERHAFTER QUALITÄTSZYKLUS
In Angeboten sollte folgender Prozess der Qualitätsentwicklung stattfinden, vom Projekt Pädagogik und Recht begleitet:
QM- Prozess, beginnend in den Teams
Selbstreflexion und Reflexion im Team: Teammitglieder benennen in den Teambesprechungen Situationen und pädagogische Regeln, die es gilt im Kontext der Herausforderungen des pädagogischen Alltags fachlich- rechtlich zu bewerten. Die notwendige Offenheit innerhalb des Teams sollte dadurch gewährleistet sein, dass die Leitung auf disziplinarische Schritte verzichtet – ausgenommen Straftaten – und im weiteren QM- Verfahren gegenüber der Leitung und dem Träger Anonymität gewährleistet ist.
Fachlich- rechtliche Bewertung entsprechend dem Prüfschema zulässige Macht
Meinungsbildung im Fachbereich i.S. gemeinsamer pädagogischer Grundhaltung
Entwickeln und Fortschreiben „fachlicher Handlungsleitlinien“
Ziel: pädagogische Qualität durch Reflexion und Kommunikation
Grundlage intern: offene Diskussionskultur und Bereitschaft, den Weg zu gehen (MitarbeiterInnen, Leitung)
Grundlage extern: Qualitätsdialog mit Jugend-/ Landesjugendamt
QM- Prozess In klaren Strukturen: fachliche Handlungsleitlinien, Teambesprechungen, Fachlicher Austausch im Fachbereich
Vor einem „QM- Prozess Handlungssicherheit“ wird i.d.R. ein Inhouseseminar durchgeführt. Wird auf dieser Grundlage Qualitätsentwicklung gewünscht, kann eine weitergehende Begleitung durch das Projekt sicher gestellt werden
QM- Prozess
Qualitätszyklus der Pädagogik
IX. PARADIGMA REFLEXION
Paradigma institutioneller Erziehung in der Verantwortung von PädagogInnen, Leitung/ Trägern, Behörden ist die „Fachlich- rechtliche Reflexion von Entscheidungen“: Voraussetzung für Handlungssicherheit und Kindesschutz ist die Fähigkeit, Entscheidungen mit Hilfe objektivierender Strukturen zu reflektieren, d.h. die persönliche Erkenntnis, was für ein Kind / Jugendliche das Richtige ist, dementsprechend evtl. anzupassen.
Paradigma Selbstreflexion