Source: https://www.dr-recker.com/service/information/immobilien-aktuell/nachtraegliche-vertragsaenderung/nachtraegliche-vertragsaenderung-2/
Timestamp: 2020-07-03 17:38:00
Document Index: 60811267

Matched Legal Cases: ['§ 631', '§ 651', 'Art. 267', 'BGH', '§ 371', '§ 371', '§ 371', 'Art. 5', '§ 475', '§ 309']

﻿ Bundesgerichtshof 07.03.2013 - VII ZR 162/12 | Dr. Recker
2. Das Beru­fungs­ge­richt qua­li­fi­ziert den zwi­schen den Par­tei­en geschlos­se­nen Ver­trag über die Lie­fe­rung und den Ein­bau der hier geschul­de­ten Ein­bau­kü­che als Werk­ver­trag (§ 631 BGB) und nicht als Kauf­ver­trag im Sin­ne von § 651 BGB. Der Senat neigt dazu, die­ser Bewer­tung zuzu­stim­men, da es das Ziel des Ver­tra­ges war, auf der Grund­la­ge der hand­werk­li­chen Fach­kennt­nis­se der Beklag­ten durch Ein­bau und Ein­pas­sung in das Haus der Klä­ge­rin und des Dritt­wi­der­be­klag­ten einen funk­tio­na­len Küchen­raum zu schaf­fen und die dazu not­wen­di­gen Mon­ta­ge- und Bau­leis­tun­gen dem Ver­trag die maß­geb­li­che Prä­gung geben (vgl. auch Rudolph, BauR 2012, 557, 568). Das kann aber dahin­ge­stellt blei­ben. Sowohl bei der Anwen­dung von Werk­ver­trags- als auch Kauf­recht steht der Klä­ge­rin der gel­tend gemach­te Anspruch zu und ist die Wider­kla­ge unbe­grün­det. Der Senat hat des­halb davon abge­se­hen, die Fra­ge der recht­li­chen Ein­ord­nung des Ver­tra­ges unter Beach­tung der Richt­li­nie 99/44/EG zu bestimm­ten Aspek­ten des Ver­brauchs­gü­ter­kaufs und der Garan­tien für Ver­brauchs­gü­ter (AblEG Nr. L 171 vom 7. Juli 1999, Sei­te 12, abge­druckt in NJW 1999, 2421) gemäß Art. 267 AEUV dem Gerichts­hof der Euro­päi­schen Uni­on vor­zu­le­gen.
aa) Das Beru­fungs­ge­richt hat sei­ne Fest­stel­lun­gen in ver­fah­rens­recht­lich ord­nungs­ge­mä­ßer Wei­se auf der Grund­la­ge der vor­ge­leg­ten Licht­bil­der getrof­fen. Soweit die Beklag­te bereits erst­in­stanz­lich bean­tragt hat, hin­sicht­lich der Sicht­bar­keit der Män­gel ein Sach­ver­stän­di­gen­gut­ach­ten ein­zu­ho­len und die Küche in Augen­schein zu neh­men, muss­te das Beru­fungs­ge­richt dem nach Vor­la­ge der aus­sa­ge­kräf­ti­gen Licht­bil­der nicht nach­ge­hen. Die Revi­si­on legt nicht dar, wel­che zusätz­li­chen Erkennt­nis­se sich durch eine Inau­gen­sch­ein­nah­me vor Ort zuguns­ten der Beklag­ten erge­ben hät­ten (vgl. BGH, Urteil vom 23. Juni 1987 — VI ZR 296/86, MDR 1988, 42; MünchKommZPO/Zimmermann, 4. Aufl., § 371 Rn. 2; Musielak/Huber, ZPO, 9. Aufl., § 371 Rn. 3; Hk-ZPO/Ei­che­le, 5. Aufl., § 371 Rn. 5).
cc) Der Schief­stand der Küche ist nicht nach Ziff. XII Abs. 5 Nr. 2 der All­ge­mei­nen Geschäfts­be­din­gun­gen unbe­acht­lich. Nach die­ser Klau­sel erlö­schen Gewähr­leis­tungs­an­sprü­che wegen offen­sicht­li­cher Män­gel, wenn sie nicht bin­nen zwei Wochen nach Über­ga­be gerügt wer­den. Das Beru­fungs­ge­richt hat die­se Klau­sel in nicht zu bean­stan­den­der Wei­se dahin­ge­hend aus gelegt, dass die­se sich nur auf die Lie­fe­rung der Ein­zel­tei­le und nicht auf die Mon­ta­ge- und Anpas­sungs­leis­tung bezie­hen. Dabei ist auf die Rege­lung unter Ziff. II Abs. 2 der All­ge­mei­nen Geschäfts­be­din­gun­gen hin­zu­wei­sen, wonach Mon­ta­ge­ar­bei­ten zusätz­lich in Rech­nung gestellt wer­den, sofern nicht kos­ten­lo­se Aus­füh­rung aus­drück­lich ver­ein­bart wur­de. Das legt nahe, dass die Bedin­gun­gen unter Ziff. XII Abs. 5 Nr. 2 nur den Fall im Auge haben, dass ledig­lich die Lie­fe­rung ver­ein­bart ist. Es kann daher dahin ste­hen, ob eine gegen­über einem Ver­brau­cher ver­wen­de­te Klau­sel wirk­sam ist, mit der der Ver­lust des Gewähr­leis­tungs­an­spruchs bewirkt wer­den soll, wenn offen­sicht­li­che Män­gel nicht bin­nen zwei Wochen seit Über­ga­be gerügt wer­den. Dage­gen könn­ten Beden­ken bestehen, weil nach Art. 5 Abs. 2 der Richt­li­nie 99/44/EG zu bestimm­ten Aspek­ten des Ver­brauchs­gü­ter­kaufs und der Garan­tien für Ver­brauchs­gü­ter die Mit­glied­staa­ten ledig­lich vor­se­hen kön­nen, dass der Ver­brau­cher den Ver­käu­fer zur Inan­spruch­nah­me sei­ner Rech­te über die Ver­trags­wid­rig­keit bin­nen zwei Mona­ten nach dem Zeit­punkt, zu dem er die Ver­trags­wid­rig­keit fest­ge­stellt hat, unter­rich­ten muss. Eine Frist von zwei Wochen dürf­te mit der Richt­li­nie nicht in Über­ein­stim­mung zu brin­gen sein (vgl. von West­pha­len, ZGS 2005, 173). Im Übri­gen dürf­te eine der­ar­ti­ge Rege­lung auch nicht mit § 475 Abs. 1 und 2 BGB in Ein­klang ste­hen (Erman/Roloff, BGB, 13. Aufl., § 309 Rn. 115).
Kart­z­ke Jur­ge­leit