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Timestamp: 2016-09-30 22:01:03
Document Index: 109061229

Matched Legal Cases: ['§ 87', '§ 670', '§ 87', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 5', '§ 5', '§ 5', '§ 5', '§ 5', '§ 5', '§ 5', '§ 5', '§ 247', '§ 266', '§ 266', '§ 266', '§ 5', '§ 5', '§ 5', '§ 5', '§ 247', '§ 247', '§ 5', '§ 87', '§ 675']

Aufwendungen eines Reisebüros – für noch nicht realisierte Provisionserlöse | Rechtslupe
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Aufwendungen eines Reisebüros – für noch nicht realisierte Provisionserlöse	6. Juli 2016 | Einkommensteuer (Betrieb)Geschätzte Lesezeit: 14 Minuten	Aufwendungen eines Reisebüros, die im wirtschaftlichen Zusammenhang mit am Stichtag noch nicht realisierten Provisionserlösen stehen, sind weder unter dem Gesichtspunkt eines schwebenden Geschäfts noch als unfertige Leistungen zu aktivieren.
Dies unterstreicht noch einmal die Bedenken, die der BFH in seinem Urteil vom 28.10.200915 zu der Aktivierung der Aufwendungen für einen noch nicht realisierten Provisionsanspruch geäußert hat. Die Aktivierung der anteiligen Aufwendungen für schwebende Geschäfte, ist, wenn noch keine Verselbständigung der Aufwendungen zu einem abgrenzbaren Wirtschaftsgut erfolgt ist, nur eine unzulässige Teilrealisierung der noch nicht realisierten Vermittlungsleistung.
Allerdings findet sich in der Rechtsprechung und Literatur immer wieder die Auffassung, dass Dienstleistungsunternehmen bei langfristigen Auftragsverhältnissen auch dann zur Aktivierung von “unfertigen Leistungen” verpflichtet sind, wenn die Aufwendungen wegen des Dienstleistungscharakters des zugrunde liegenden Auftrags nicht zu einem materiellen Vermögensgegenstand geführt haben25.
Dies gilt nach Auffassung des Niedersächsischen Finanzgerichts aber nur dann, wenn der Steuerpflichtige bei einer unterstellten Vertragsauflösung ohne sein Verschulden zivilrechtlich einen Anspruch auf Ersatz der bis zum Stichtag angefallenen Aufwendungen hätte26. In diesem Fall hat sich die Aufwandserbringung bis zum Stichtag – unabhängig davon, ob das schwebende Geschäft fortgeführt wird oder nicht – bereits zu einem eigenständigen wirtschaftlichen Vorteil konkretisiert, so dass es gerechtfertigt ist, die entstandenen Aufwendungen als eigenständiges Wirtschaftsgut zu aktivieren. Die Gesamtheit der auf die schwebenden Geschäfte erbrachten Aufwendungen stellt dann für sich genommen und unabhängig davon, ob das schwebende Geschäft im Folgejahr realisiert wird oder nicht, einen eigenen wirtschaftlichen Vorteil des Verpflichteten dar.
Die hier streitigen Aufwendungen stellen Aufwendungen dar, die “im regelmäßigen Geschäftsbetrieb” im Sinne des § 87d HGB entstanden sind27. Dem Finanzgericht ist auch kein Handelsbrauch bekannt, aufgrund dessen Reisevermittler – abweichend von der generellen Handhabung bei Handelsvertretern – einen Aufwendungsersatzanspruch innehaben könnten. Auch haben die Vertragsparteien ausweislich des Agenturvertrags vom YY. YY 2003 keinen Aufwendungsersatzanspruch vereinbart. Hierin unterscheidet sich die vorliegende Fallkonstellation von anderen langfristigen Geschäftsbesorgungsverträgen. So haben Rechtsanwälte, Steuerberater, Wirtschaftsprüfer und Baubetreuern regelmäßig einen Anspruch auf Ersatz der entstandenen Aufwendungen gemäß §§ 670, 675 BGB, soweit dieser nicht schon in dem Vergütungsanspruch enthalten ist28. Da dies bei Handelsvertreterleistungen nicht der Fall ist, können die von dem Handelsvertreter erbrachten Aufwendungen nicht als “unfertige Leistungen” zusammengefasst werden.
von Hovningen-Huene in Münchener Kommentar zum Handelsgesetzbuch, 2. Auflage, § 87a Rz. 7↩
zum Ganzen: BGH, Urteil vom 21.12 1989 – IX ZR 66/89, NJW 1990, 1665; BGH, Urteil vom 29.06.2004 – IX ZR 195/03, BGHZ 159, 388↩
z.B. BFH, Urteil vom 08.11.2000 – I R 10/98, BStBl II 2001, 349; BFH, Urteil vom 12.05.1993 – XI R 1/93, BStBl II 1993, 786↩
BFH, Urteil vom 03.08.2005 – I R 94/03, BStBl II 2006, 20; BFH, Urteil vom 17.03.2010 – X R 28/08, BFH/NV 2010, 2033; BFH, Beschluss vom 14.04.2011 – X B 104/10, BFH/NV 2011, 1343↩
BFH, Urteil vom 15.01.1963 – I 259/61 S, BStBl III 1963, 256; BFH, Urteil vom 17.01.1963 – IV 335/59 S, BStBl III 1963, 257; BFH, Urteil vom 03.05.1967 – I 111/64, BStBl III 1967, 464; BFH, Urteil vom 19.10.1972 – I R 50/70; BStBl II 1973, 212 (aus Sicht des Geschäftsherrn); BFH, Urteil vom 22.02.1973 – IV R 168/71, BStBl II 1973, 481 (aus Sicht des Geschäftsherrn); BFH, Urteil vom 20.01.1983 – IV R 168/81, BStBl II 1983, 375 (aus Sicht des Geschäftsherrn); BFH, Urteil vom 03.08.2005 – I R 94/03, BStBl II 2006, 20; BFH, Urteil vom 28.10.2009 – I R 28/08, BFH/NV 2010, 432; für Versicherungsvermittler außerdem: BFH, Urteil vom 21.10.1971 – IV 305/65, BStBl II 1972, 274; BFH, Urteil vom 14.10.1999 – IV R 12/99, BStBl II 2000, 25; BFH, Urteil vom 17.03.2010 – X R 28/08, BFH/NV 2010, 2033; BFH, Urteil vom 09.10.2013 – I R 15/12, BFH/NV 2014, 907; vgl. auch BMF, Schreiben vom 28.05.2002 – IV A 6-S 2132-10/02; ebenso: Frotscher in Frotscher, Einkommensteuergesetz, § 5 Rz. 104 und 107; unklar: Schulz in Herrmann/Heuer/Raupach, Einkommensteuergesetz, Körperschaftsteuergesetz, § 5 Rz. 1486; anderer Ansicht: Schiffers in Korn, Einkommensteuergesetz, § 5 Rz. 343ff.: Realisierung bereits mit Vertragsabschluss zwischen Geschäftsherrn und Dritten↩
siehe dazu: BFH, Urteil vom 17.03.2010 – X R 28/08, BFH/NV 2010, 2033↩
z.B. BFH, Urteil vom 03.02.1993 – I R 37/91, BStBl II 1993, 441; Beschluss des Großen Finanzgerichts des BFH vom 23.06.1997 – GrS 2/93, BStBl II 1997, 735↩
BFH, Urteil vom 09.06.2015 – X R 27/13, BFH/NV 2015, 1676; BFH, Urteil vom 27.02.2014 – III R 14/11, BStBl II 2014, 675; BFH, Urteil vom 12.12 2013 – X R 25/11, BStBl II 2014, 517; BFH, Beschluss vom 02.04.2008 – I B 197/07, BFH/NV 2008, 1355; Beschluss des Großen Finanzgerichts des BFH vom 23.06.1997 – GrS 2/93, BStBl II 1997, 735; Winnefeld, Bilanzhandbuch, 5. Auflage, Abschnitt D, Rz. 380↩
BFH, Urteil vom 14.10.1999 – IV R 12/99, BStBl II 2000, 25; BFH, Urteil vom 17.03.2010 – X R 28/08, BFH/NV 2010, 2033; Frotscher in Frotscher, Einkommensteuergesetz, § 5 Rz. 107b↩
BFH, Urteil vom 14.10.1999 – IV R 12/99, BStBl II 2000, 25↩
BFH, Urteil vo 25.08.1955 – IV 510/53 U, BStBl III 1955, 307↩
ebenso: BFH, Urteil vom 13.05.1958 – I 290/56 U, BStBl III 1958, 331; BFH, Urteil vom 22.05.1958 – IV 222/56 U, BStBl III 1958, 333; BFH, Urteil vom 03.12 1964 – IV 255/64 U, 256/64 U, BStBl III 1965, 93↩
zunächst vorsichtig: BFH, Urteil vom 19.12 1957 – IV 432/56 U, BStBl III 1958, 162; BFH, Urteil vom 23.09.1969 – I R 22/66, BStBl II 1970, 104; später ganz ablehnend: BFH, Urteil vom 29.10.1969 – I 93/64, BStBl II 1970, 178; BFH, Urteil vom 19.06.1973 – I R 206/71, BStBl II 1973, 774; BFH, Urteil vom 24.03.1976 – I R 139/73, BStBl II 1976, 450; BFH, Urteil vom 04.05.1977 – I R 27/74, BStBl II 1977, 802; BFH, Urteil vom 29.11.1990 – IV R 131/89, BStBl II 1992, 715; BFH, Urteil vom 07.07.1992 – VIII R 24/91, BFH/NV 1993, 461; vgl. auch BFH, Urteil vom 03.07.1980 – IV R 138/76, BStBl II 1980, 648↩
ebenso: Schulz in Herrmann/Heuer/Raupach, Einkommensteuergesetz, Körperschaftsteuergesetz, § 5 Rz. 1490; Schiffers in Korn, Einkommensteuergesetz, § 5 Rz. 349; Döllerer, BB 1974, 1541 (1542); Geschwendtner, DStZ 1995, 417 (420); anderer Ansicht dagegen Weber-Grellet, BB 2003, 37 (41); Schmidt/Weber-Grellet, Einkommensteuergesetz, 34. Auflage § 5, Rz. 270, Stichwort: “Unfertige Erzeugnisse”: Stornierung von Aufwand im Rahmen von schwebenden Geschäften; Krumm in Blümich, Einkommensteuer, Körperschaftsteuer, Gewerbesteuer, § 5 EStG, Rz. 740, Stichwort: “Unfertige Leistungen”; Urteil des Finanzgericht Münster vom 21.12 2011 – 9 K 3802/08 K, GG, F, Zerl, EFG 2012, 1286↩
BFH, Urteil vom 28.10.2009 – I R 28/08, BFH/NV 2010, 432↩↩
FG Rheinland-Pfalz, Urteil vom 17.01.2008 – 4 K 1347/03, EFG 2008, 680↩
Schubert/Roscher in Beck´scher Bilanz-Kommentar, 9. Auflage, § 247 Rz. 66 und § 266 Rz. 100; Adler/Düring/Schmalz, Rechnungslegung und Prüfung der Unternehmen, 6. Auflage, § 266, Rz. 98 und 109; Hoffmann/Lüdenbach, NWB Kommentar Bilanzierung, 2. Auflage, § 266 Rz. 56↩
BFH, Urteil vom 07.09.2005 – VIII R 1/03, BStBl II 2006, 298; BFH, Beschluss vom 22.09.2008 – I B 220/07; BFH, Urteil vom 25.11.2009 – X R 27/05, BFH/NV 2010, 1090; vgl. auch schon BFH, Urteil vom 17.05.1974 – III R 50/73, BStBl II 1974, 508: jeweils für halbfertige Bauten; außerdem: Frotscher in Frotscher, Einkommensteuergesetz, § 5 Rz. 221c↩
Döllerer, BB 1974, 1541, 1544ff.; Wehner, BB 1984, 1133, 1140 f.↩
vgl. BFH, Urteil vom 07.09.2005 – VIII R 1/03, BStBl II 2006, 298↩
vgl. nur BFH, Urteil vom 26.11.2014 – X R 20/12, BStBl II 2015, 325, BFH, Urteil vom 05.06.2008 – IV R 67/05, BStBl II 2008, 960; BFH, Urteil vom 08.04.1992 – XI R 34/88, BStBl II 1992, 893↩
BFH, Urteil vom 26.11.2014 – X R 20/12, BStBl II 2015, 325; BFH, Urteil vom 10.08.1989 – X R 176-177/87, BStBl II 1990, 15↩
BFH, Urteil vom 09.07.1986 – I R 218/82, BStBl II 1987, 14↩
Frotscher in Frotscher, Einkommensteuergesetz, § 5 Rz. 222; ähnlich: Schulz in Herrmann/Heuer/Raupach, Einkommensteuergesetz, Körperschaftsteuergesetz, § 5 Rz. 1490: bloße Gewinnaussichten; vgl. auch BFH, Urteil vom 18.06.1975 – I R 24/13, BStBl II 1975, 809: Redaktionskosten sind mangels Wirtschaftsguteigenschaft keine “unfertigen Erzeugnisse”; bestätigt in BFH, Urteil vom 02.06.1978 – III R 8/75, BStBl II 1979, 235↩
BFH, Urteil vom 07.09.2005 – VIII R 1/03, BStBl II 2006, 298 unter II. B.02. b aa; Schmidt/Weber-Grellet, Einkommensteuergesetz, 34. Auflage, § 5, Rz 270, Stichwort: “unfertige Leistungen”; Winnefeld, Bilanzhandbuch, 5. Auflage, Abschnitt F, Rz. 389; Schubert/Roscher in Beck´scher Bilanz-Kommentar, 9. Auflage, § 247 Rz. 66↩
ebenso Winnefeld, Bilanzhandbuch, 5. Auflage, Abschnitt F, Rz. 386; Schubert/Roscher in Beck´scher Bilanz-Kommentar, 9. Auflage, § 247 Rz. 66; Neumann-Tomm in Lademann, Einkommensteuergesetz Kommentar, § 5 Rz. 1056; Döllerer, BB 1974, 1541, 1547↩
vgl. von Hovningen-Huene in Münchener Kommentar zum Handelsgesetzbuch, 2. Auflage, § 87d, Rz. 12↩
vgl. Heermann in Münchener Kommentar zum Bürgerlichen Gesetzbuch, 5. Auflage, § 675 BGB, Rz.20↩
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