Source: https://www.anwalt24.de/lexikon/stoerung_der_geschaeftsgrundlage
Timestamp: 2019-05-21 20:38:03
Document Index: 300180308

Matched Legal Cases: ['§ 313', '§ 313', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 280', 'BGH', 'BGH', '§ 2', '§ 313', '§ 313', '§ 275', '§ 313']

Störung der Geschäftsgrundlage | anwalt24.de
Mit dem Rechtsinstitut der Störung der Geschäftsgrundlage können bestehende Verträge an seit dem Vertragsschluss veränderte Umstände angepasst oder - in Ausnahmefällen - auch aufgehoben werden. Rechtsgrundlage ist § 313 BGB.
Seit dem 01.01.2002 ist das vormals als Wegfall der Geschäftsgrundlage (WGG) bezeichnete Rechtsinstitut in § 313 BGB eingefügt und wird jetzt als "Störung der Geschäftsgrundlage" bezeichnet. Inhaltlich sind die Anforderungen nicht verändert worden.
Geschäftsgrundlagen sind die bei Vertragsschluss bestehenden gemeinsamen Vorstellungen beider Parteien oder die dem anderen Teil erkennbar gewordenen und nicht beanstandeten Vorstellungen der einen Vertragspartei von dem Vorhandensein oder dem künftigen Eintritt gewisser Umstände, die so selbstverständlich sind, dass sie nicht ausdrücklich Gegenstand der Vereinbarung geworden sind.
Die Geschäftsgrundlage ist abzugrenzen von dem Motiv und dem Vertragsinhalt.
Die Anwendung der Regeln der Störung der Geschäftsgrundlage ist nach dem Urteil BGH 30.09.2011 - V ZR 17/11 ausgeschlossen,
wenn eine Sachmängelhaftung in Betracht kommt - jedoch nur insoweit, als der maßgebliche Umstand überhaupt geeignet ist, Sachmängelansprüche auszulösen.
wenn die Störung der Geschäftsgrundlage ein Risiko verwirklicht, das nach den vertraglichen Vereinbarungen in den Risikobereich einer der Parteien fällt, z.B. die Voraussetzungen einer Mängelhaftung im Einzelfall aufgrund eines wirksamen Haftungsausschlusses nicht vorliegen.
wenn eine Preisgestaltung bei Massenüberschreitungen bei einem VOB-Vertrag vorliegt (BGH 23.03.2011 - VII ZR 216/08).
4. Folge der Störung der Geschäftsgrundlage
Nach der Entscheidung BGH 30.09.2011 - V ZR 17/11 handelt es sich bei der Anpassung "um eine vertragliche Mitwirkungspflicht, deren Verletzung Schadensersatzansprüche nach § 280 BGB (Positive Vertragsverletzung) auslösen kann".
BGH 14.11.2012 - IV ZR 219/12 (Wechselseitig eingeräumtes Bezugsrecht aus einer verbundenen Risikolebensversicherung bei Scheitern der nichtehelichen Lebensgemeinschaft)
BGH 30.09.2004 - VII ZR 456/01 (Vertragliche Regelung des Wegfalls der Geschäftsgrundlage)
Bolz: Das Verhältnis von § 2 Abs. 7 Nr. 1 S. 2 VOB/B zu den allgemeinen Grundsätzen über die Störung der Geschäftsgrundlage gem. § 313 Abs. 1 BGB; Zeitschrift für deutsches und internationales Bau- und Vergaberecht - ZfBR 2010, 731
Dauner-Lieb/Dötsch: Prozessuale Fragen rund um § 313 BGB; NJW 2003, 921
Kuhsel: Steuerliche Änderungen und Wegfall der Geschäftsgrundlage; Der Steuerberater - StB 2000, 2
Loyal: Vertragsaufhebung wegen Störung der Geschäftsgrundlage; Neue Juristische Wochenschrift 2013, 417
Milatz/Herbst: Die eheliche Lebensgemeinschaft: (k)eine Wirtschaftsgemeinschaft? Lebzeitiger Zugewinnausgleich und Störung der Geschäftsgrundlage als Gestaltungsmittel bei eingetretener Schenkungsteuerpflicht; Deutsches Steuerrecht - DStR 2011, 706
Rinck: Wegfall der Geschäftsgrundlage beim Hofübergabevertrag; Agrarrecht - AgrarR 1995, 234
Stürner: Faktische Unmöglichkeit (§ 275 Abs. 2 BGB) und Störung der Geschäftsgrundlage (§ 313 BGB) - unmöglich abzugrenzen?; Jura 2010, 721