Source: https://dr-effertz.de/sonderauspragungen-im-deutschen-apothekenwesen/
Timestamp: 2020-05-28 17:31:47
Document Index: 381779153

Matched Legal Cases: ['§ 14', '§ 1', '§ 15', '§ 16', '§ 17', '§ 11', '§ 12']

Sonderausprägungen im deutschen Apothekenwesen - Dr. Effertz
Date Januar 23, 2019
Der Lern­text “Son­der­aus­prä­gun­gen im deut­schen Apo­the­ken­we­sen” befasst sich mit zuläs­si­gen Son­der­for­men abseits der “klas­si­schen” öffent­li­che Apo­the­ke. Sol­che Son­der­for­men der Arz­nei­mit­tel­ver­sor­gung wer­den ins­be­son­de­re dann zuge­las­sen, wenn ein Ver­sor­gungs­not­stand besteht.
Für Kran­ken­haus­apo­the­ken gel­ten auf­grund des beson­de­ren Ver­sor­gungs­be­darfs Son­der­be­stim­mun­gen. Die­se sor­gen für Abwei­chun­gen in Bezug den Fremd­be­sitz.
Not­ver­sor­gung durch beson­de­re Apo­the­ken­for­men
Son­der­aus­prä­gun­gen wie Zweig- und Notapo­the­ken unter­lie­gen nied­ri­ge­ren Anfor­de­run­gen, da sie einen Ver­sor­gungs­not­stand behe­ben sol­len.
Ver­sand­han­del durch Apo­the­ken
Der Ver­sand­han­del mit Arz­nei­mit­teln ist erlaub­nis­pflich­tig. Eine Erlaub­nis kann nur nur erhal­ten, wer den Ver­sand­han­del par­al­lel zum übli­chen Apo­the­ken­be­trieb anbie­tet.
Wer als Apo­the­ke ein Alten- bzw. Pfle­ge­heim ver­sor­gen will, benö­tigt einen geneh­mi­gungs­pflich­ti­gen Ver­sor­gungs­ver­trag mit dem Trä­ger des Hei­mes. Neben der Lie­fe­rung von Arz­nei­mit­teln wer­den der Apo­the­ke wei­te­re Auf­ga­ben ins­be­son­de­re in Bezug auf Kon­troll­pflich­ten und Schu­lun­gen auf­er­legt.
Son­der­for­men der Apo­the­ken
Son­der­aus­prä­gun­gen des Apo­the­ken­we­sens als Abwei­chung von den zuvor gelern­ten Leit­ge­dan­ken der inha­ber­ge­führ­ten Apo­the­ke sind nur in dem Rah­men zuläs­sig, den der Gesetz­ge­ber defi­niert (vgl. Lern­text “Leit­ge­dan­ken des deut­schen Apo­the­ken­we­sens”). Dies tut er zumeist auf­grund beson­de­rer Ver­sor­gungs­be­dar­fe.
Fol­gend wer­den die im Apo­the­ken­ge­setz gere­gel­ten Son­der­for­men der Apo­the­ken kurz erläu­tert.
Kran­ken­haus­apo­the­ken unter­lie­gen auf­grund ihre­res beson­de­ren Ver­sor­gungs­auf­tra­ges eige­nen gesetz­li­chen Bestim­mun­gen. Dies gilt sowohl für den Rege­lungs­be­reich des ApoG als auch für die ApBe­trO. Aus die­sem Grund wird dem The­ma ein eige­ner Lern­text gewid­met. Du fin­dest ihn hier:
Lern­text “Kran­ken­haus­apo­the­ken”
An die­ser Stel­le sei nur so viel gesagt, dass der Gesetz­ge­ber auf­grund des Ver­sor­gungs­um­fangs und der Schwe­re der Erkran­kun­gen von sta­tio­när auf­ge­nom­me­nen Pati­en­ten höhe­re Anfor­de­run­gen in Bezug auf Lager­flä­che, Labor und unmit­tel­ba­re Ver­füg­bar­keit von Arz­nei­mit­teln und Infor­ma­tio­nen stellt.
kran­ken­haus­ver­sor­gen­de Apo­the­ken
Kran­ken­haus­ver­sor­gen­de Apo­the­ken sind öffent­li­che Apo­the­ken, die par­al­lel zum übli­chen Apo­the­ken­be­trieb ein Kran­ken­haus mit Arz­nei­mit­teln ver­sor­gen. Hier­zu ist nach § 14 Abs. 4 ApoG ein schrift­li­cher Ver­sor­gungs­ver­trag erfor­der­lich.
Wich­tig zu wis­sen ist, dass auf eine strik­te Lager­tren­nung in der Apo­the­ke zu ach­ten ist. Denn nach § 1 Abs. 3 der Arz­nei­mit­tel­preis­ver­ord­nung (AMPreisV) gel­ten die gesetz­li­chen Preis­vor­schrif­ten für die Kran­ken­haus­ver­sor­gung nicht. Hier sind die Ein­kaufs­kon­di­tio­nen mit dem phar­ma­zeu­ti­schen Unter­neh­mer frei ver­han­del­bar. Wür­den bei­de Lager­be­stän­de und Ver­sor­gungs­we­ge durch­mischt, könn­ten sich kran­ken­haus­ver­sor­gen­de Apo­the­ken einen unzu­läs­si­gen Wett­be­werbs­vor­teil in der ambu­lan­ten Ver­sor­gung ver­schaf­fen und sich der Umge­hung der Preis­bin­dung für Arz­nei­mit­tel straf­bar machen.
Wei­te­re Infor­ma­tio­nen zu kran­ken­haus­ver­sor­gen­den Apo­the­ken fin­dest Du im Lern­text “For­men der Arz­nei­mit­tel­ver­sor­gung im Kran­ken­haus”.
Bun­des­wehr­apo­the­ken
Gemäß § 15 ApoG obliegt die Rege­lung der Abläu­fe in Bun­des­wehr­apo­the­ken dem Bun­des­mi­nis­te­ri­um für Ver­tei­di­gung. Außer dem Wis­sen um die Exis­tenz die­ser Apo­the­ken ver­schlie­ßen sich somit die Detail­re­ge­lun­gen und die mili­tär-inter­nen Abläu­fe dem Zivi­lis­ten.
Not­ver­sor­gung
Son­der­aus­prä­gun­gen im deut­schen Apo­the­ken­we­sen sind auch des­halb inter­es­sant, da sie eine Abwei­chung vom Dog­ma der “Voll­apo­the­ke” dar­stel­len. Berufs­po­li­tisch wur­de sich auch im Zuge der Libe­ra­li­sie­rung durch die Zulas­sung von Fili­al­apo­the­ken stets gegen “die Apo­the­ke light” gestellt. Jede Apo­the­ke soll jeder­zeit alles tun kön­nen, um eine ord­nungs­ge­mä­ße Arz­nei­mit­tel­ver­sor­gung gewähr­leis­ten zu kön­nen.
Zwei­gapo­the­ken
Zwei­gapo­the­ken kön­nen nach § 16 ApoG dann ein­ge­rich­tet wer­den, wenn ein Not­stand in der Arz­nei­mit­tel­ver­sor­gung vor­liegt. Dies kann bei­spiels­wei­se dann der Fall sein, wenn eine Apo­the­ke in einem länd­li­chen Gebiet kei­nen Nach­fol­ger fin­det.
Erleich­te­run­gen wer­den dem Inha­ber der nahe­ge­le­ge­nen “Stamm-Apo­the­ke” dahin­ge­hend ein­ge­räumt, dass die Zwei­gapo­the­ke kein Labor und kei­ne Min­dest­grö­ße haben muss. Die­ser muss jedoch einen Apo­the­ker anstel­len, der als sog. Ver­wal­ter agiert.
Notapo­the­ken
Eine Notapo­the­ke nach § 17 ApoG ist als wei­te­re Mög­lich­keit zu sehen die Arz­nei­mit­tel­ver­sor­gung sicher­zu­stel­len, wenn der Not­stand dau­er­haft nicht beho­ben wer­den konn­te. Sofern die betrof­fe­ne Gemein­de mind. 6 Mona­te ver­sucht hat einen Apo­the­ker für eine öffent­li­che oder Zwei­gapo­the­ke zu gewin­nen, kann sie selbst eine Apo­the­ke betrei­ben. Dazu muss sie einen Apo­the­ker anstel­len.
Dog­ma­tisch betrach­tet han­delt es sich bei Notapo­the­ken somit um einen ech­ten Fremd­be­sitz als Abwei­chung vom Grund­satz des Fremd­be­sitz­ver­bo­tes. Der Not­stand macht’s mög­lich.
Ver­sand­han­del — eine Son­der­aus­prä­gung im deut­schen Apo­the­ken­we­sen
Gemäß § 11a ApoG ist der Ver­sand­han­del erlaub­nis­pflich­tig und par­al­lel zum übli­chen Apo­the­ken­be­trieb anzu­bie­ten. Auf­grund des Umfangs des The­mas fin­dest Du hier­zu einen eige­nen Lern­text:
Lern­text: “Ver­sand­han­del mit Arz­nei­mit­teln”
Heim­ver­sor­gung als zusätz­li­cher Ver­sor­gungs­auf­trag
Nicht direkt eine Son­der­aus­prä­gun­gen im deut­schen Apo­the­ken­we­sen, aber den­noch eine beson­de­re Ver­sor­gungs­form ist die Heim­ver­sor­gung durch Apo­the­ken. § 12a ApoG ist die gesetz­li­che Grund­la­ge für die­sen spe­zi­el­len (frei­wil­li­gen) Ver­sor­gungs­auf­trag durch öffent­li­che Apo­the­ken. Die rele­van­ten Aspek­te sind:
geneh­mi­gungs­pflich­ti­ger Ver­sor­gungs­ver­trag mit dem Trä­ger
Regio­nal­prin­zip um zeit­ge­mä­ße Ver­sor­gung gewähr­leis­ten zu kön­nen
kei­ne Auschließ­lich­keits­klau­sel, die die freie Apo­the­ken­wahl des ein­zel­nen Bewoh­ners ein­schränkt
Pflicht zu regel­mä­ßi­gen Sta­ti­ons­be­ge­hun­gen und Infor­ma­ti­on des Pfle­ge­per­so­nals zu den Arz­nei­mit­teln
bei Belie­fe­rung durch meh­re­re Apo­the­ken: kla­re Rege­lung der Zustän­dig­kei­ten.
Tag:Bundeswehrapotheke, Heimversorgung, Krankenhausapotheke, Notapotheke, Versandhandel, Zweigapotheke
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