Source: https://www.energie-experten.org/erneuerbare-energien/photovoltaik/direktvermarktung.html
Timestamp: 2019-04-26 07:56:44
Document Index: 69859864

Matched Legal Cases: ['§ 39', '§ 33', '§ 97', '§ 51', '§ 51', '§ 17', '§ 33', '§ 39', '§ 51']

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Wie funktioniert die direkte Vermarktung von Solarstrom? Wie regelt das aktuelle EEG die Direktvermarktung? Wieviel bekomme ich für meinen Strom bei direktem Verkauf?
PV-Anlagenbetreiber können wählen, ob sie die gesetzlich garantierte Einspeisevergütung gemäß EEG in Anspruch nehmen oder sie ihre Stromerzeugung direkt vermarkten, also direkt an einen Käufer liefern. Die Direktvermarktung von PV-Strom ist jedoch an gewisse Regelungen gebunden, die vom EEG vorgegeben werden.
Eigenverbrauch, Vor-Ort-Vermarktung und Eigenvermarktung
Bei einer sogenannten Eigenvermarktung über das öffentliche Netz wird der Strom entweder an einen Stromhändler oder an wiederum an einen in der Nähe gelegenen Abnehmer geliefert. Dabei entfällt jedoch die Netzentgeltbefreiung und die Anlagenbetreiber müssen Pflichten zur Wetterprognose einhalten, damit der Netzbetreiber das Netz stabil halten kann. Aus energierechtlicher Sicht wird der PV-Anlagenbetreiber zudem zu einem EVU im Sinne des Energiewirtschaftsgesetzes (EnWG) und muss auf jede verkaufte Kilowattstunde selbst die EEG-Umlage erheben und abführen und die Netzentgelte an die Netzbetreiber bzw. die Konzessionsabgabe an die Kommune abführen. Daher wird die Eigenvermarktung in aller Regel von spezialisierten Dienstleister (Direktvermarktern) übernommen, die neben der Stromvermarktung auch den damit verbundenen Verwaltungsaufwand übernehmen.
Tabelle 1: Energiemengen in GWh in der geförderten und sonstigen Direktvermarktung von 2014 bis 2017 (Quellen: Fraunhofer IEE, Fraunhofer ISI 2018)
Wasser	 3.214	 2.903	 3.280	 3.700
Deponie/Klär/Grubengas	 1.022	 906	 1.038	 1.200
Biomasse	 25.499	 29.475	 31.197	 31.500
Geothermie	 45	 53	 157	 180
Wind an Land	 48.978	 64.242	 62.045	 80.400
Wind auf See	 1.299	 8.140	 12.092	 17.400
Solarenergie	 5.453	 6.560	 7.791	 8.300
Gesamt	 85.510	 112.279	 117.600	 142.680
Möglichkeiten des EEG zur Direktvermarktung von PV-Strom
Mit der EEG-Novelle 2012 wurde für PV- und andere EEG-Anlagenbetreiber die Möglichkeit zur sogenannten Direktvermarktung ihres Ökostroms eingeräumt. Zur direkten Vermarktung des in der Solaranlage erzeugten Stroms stehen dem PV-Betreiber grundsätzlich drei verschiedene Möglichkeiten zur Verfügung:
Verringerung der EEG-Umlage durch Grünstromprivileg nach § 39 EEG
Sonstige Direktvermarktung an Dritte ohne EEG-Förderung
Aus diesen Direktvermarktungsmöglichkeiten kann der Solaranlagenbetreiber je nach Risikobereitschaft die für ihn günstigste Form der Direktvermarktung wählen oder aber weiterhin seine Anlagen im Rahmen der gesetzlich garantierten Einspeisevergütung betreiben.
Zudem kann der Anlagenbetreiber die Option der Direktvermarktung monatsweise wählen, d. h. ein Wechsel zwischen verschiedenen Direktvermarktungsoptionen oder die Rückkehr in das risikoärmere System der garantierten Einspeisevergütung ist jeweils zu Beginn eines Monats unter Einhaltung einer Ankündigungsfrist von mindestens einem Monat gegenüber dem Netzbetreiber möglich.
Vertriebssystematik bei der direkten EEG-Vermarktung
Erzeuger von Photovoltaikstrom wählten bisher aber fast ausschließlich die Möglichkeit der Direktvermarktung über die Marktprämie. 2013 belief sich deren Anteil auf nahezu 14% am Anteil an der gesamten EEG-förderfähigen installierten Leistung. Im Bereich der Direktvermarktung über das Grünstromprivileg oder der sonstigen Vermarktung waren es nahezu 0% Anteil.
Direkte Vermarktung des PV-Stroms nach Marktprämienmodell (Grafik: energie-experten.org)
Vorteile der Direktvermarktung für die Energiewende
Durch die Direktvermarktungsmöglichkeiten des EEG haben sich viele Vermarkter entwickelt, die den Wettbewerb auf dem immer noch oligopolistisch geprägten Strommarkt verstärken. Das Modell der Direktvermarktung nimmt daher eine wichtige Brückenfunktion hin zu einem wettbewerbsfähigen Markt für Erneuerbare Energien ein.
Darüber hinaus fördert die Direktvermarktung die Optimierung von Systemen, die eine Regelbarkeit volatiler Energien ermöglichen, und somit zu einer Marktfähigkeit der Anlagen sowie zu einer besseren Kommunikation zwischen Händlern, Dienstleistern, Netzbetreibern und Anlagenbetreibern beitragen. So konnten z. B. die Prognosen für die schwankende Erzeugung durch Einspeisemanagement aus Wind- und Solaranlagen verbessert und die damit verbundenen Prognosekosten gesenkt werden.
Auch wenn u.a. Photovoltaikanlagen weiterhin bei der Direktvermarktung eine Förderung über die Marktprämie erhalten, so bietet dieses Vermarktungsmodell Anbietern die Möglichkeit, Markterfahrungen zu sammeln, ein marktgerechtes Verhalten auszubilden und eine höhere Rendite als durch die Einspeisevergütung zu erzielen. Zudem ergeben sich bei der direkten Vermarktung mit zunehmender Leistung und Flexibilität der Anlagenbetriebsführung weitere Chancen im Rahmen des Portfoliomanagements zum Nutzen des Anlagenbetreibers.
EEG-Regelungen zur Direktvermarktung im Überblick
Die grundlegenden Regelungen einer direkten Vermarktung von PV-Strom entstammen der EEG-Novelle aus dem Jahr 2012. Hier erhielten Anlagenbetreiber das erste Mal die Möglichkeit, ihren Solarstrom nicht mehr nur per Einspeisevergütung "zu vertreiben", sondern den Strom an Stromhändler direkt zu verkaufen oder Lieferverträge mit direkten Abnehmern abzuschließen (§ 33a - i EEG 2012).
Da allerdings die alleinige Direktvermarktung keine Rentabilität der PV-Anlage sicherstellt, wurde im EEG 2012 eine "gleitende Marktprämie" eingeführt. Diese Prämie entspricht der Höhe der Differenz zwischen dem Marktwert des Stroms aus der Photovoltaikanlage und der jeweilig geltenden EEG-Einspeisevergütung.
Zudem regelte das EEG 2012, dass der Anlagenbetreiber jeden Monat zwischen den Vermarktungsformen wählen kann. Für die Zeit der Direktvermarktung und dem daraus resultierenden Mehraufwand bekommt der PV-Besitzer außerdem die sogenannte Managementprämie, die jedes Jahr reduziert wird, sodass gegenüber der festen Einspeisevergütung zusätzliche Mehrerlöse erzielt werden können.
Eine bedarfsgerechte Einspeisung, d.h. wenn der Stromverbrauch hoch ist und die Einspeisung aus Windenergie- und Solarstromanlagen niedrig ist, kann die zusätzlichen Erlöse weiter steigern. Dadurch sollen die Anlagenbetreiber einen Anreiz erhalten, in die Direktvermarktung zu wechseln.
Direktvermarktung nach EEG 2014
Mit Inkrafttreten der EEG-Novelle zum 01. August 2014 wurde die zunächst optionale Direktvermarktung verpflichtend für PV-Anlagen ab einer Leistung von 500 kW eingeführt. Diese Verpflichtung zur Direktvermarktung gilt ab 1. Januar 2016 auch für Neuanlagen ab einer Leistung von 100 kW.
Zukünftig müssen die Betreiber von PV-Anlagen dieser Leistungsgröße den erzeugten Solarstrom grundsätzlich entweder selbst oder über einen Dienstleister direkt vermarkten. Eine Einspeisevergütung wird nicht mehr gezahlt. Bei Bestandsanlagen verändern sich die bisherigen Regelungen zur Direktvermarktung nicht.
Neben dem wie bisher bei der optionalen Direktvermarktung erzielten Erlös aus dem Verkaufspreis des Stroms wird zusätzlich eine Förderung in Form der gleitenden Marktprämie als Aufschlag auf den durchschnittlichen Börsenpreis gezahlt, sofern die Solaranlage über eine Fernsteuerbarkeit verfügt. Die bisherige Managementprämie entfällt dafür. Die gleitende Marktprämie soll den Mehraufwand der Direktvermarktung kompensieren und beträgt 0,4 Cent pro Kilowattstunde.
Laut Erfahrungsbericht nach § 97 EEG (EEG-Erfahrungsbericht) kommt die Stromproduktion aus Solarenergie im Jahr 2017 auf einen Direktvermarktungsanteil von über 20 Prozent. Dieser Anteil setzt sich weit überwiegend aus Solaranlagen mit einer Leistung über 1.000 kW zusammen. Ca. 5.700 MW installierter Solaranlagen-Leistung in der Direktvermarktung können dem Anlagensegment 2 bis 10 MW zugeordnet werden, das entspricht einem Anteil von knapp 60 Prozent; das Anlagensegment kleiner 1 MW trägt mit rund 1.400 MW bzw. zu knapp 15 Prozent installierter Leistung zur direkt vermarkteten Solaranlagen-Leistung bei. Das Anlagensegment 100 bis 500 kW nimmt nur mit einem geringen Anteil teil und wurde in den Jahren 2015 und 2016 auch deutlich weniger zugebaut, wobei sich der Zubau 2017 wieder erholt hat.
§ 51 EEG 2017 regelt negative Preise von zusammengefassten Anlagen mit Inbetriebnahmedatum ab 1. Januar 2016 ab 500 kW. Treten an mindestens sechs aufeinanderfolgenden Stunden negative Börsenstrompreise auf, entfällt nach § 51 EEG 2017 der EEG-Zahlungsanspruch für diese Anlagen.
Tabelle 2: EEG-Regelungen zur Direktvermarktung im Überblick
EEG 2000 / 2004
Keine expliziten Regelungen zur Direktvermarktung
Stundenweise Direktvermarktung des Ökosroms zu Hochpreiszeiten zulässig
Erstmals Konkretisierung von Regeln zur Direktvermarktung (§ 17 EEG)
Keine direkte Förderung, jedoch hohe Attraktivität des Grünstromprivilegs
Regeln zur Direktvermarktung (§ 33a - 33i) und § 39 (Grünstromprivileg)
Anlagen 4 und 5 zum EEG (Berechnung Prämien) und Einführung Managementprämienverordnung
Verpflichtende Direktvermarktung für PV-Anlagen ab 500 kW (ab 2016 ab 100 kW)
Einführung einer gleitenden Marktprämie und Wegfall der Managementprämie
Zahlungsausfall nach § 51 EEG 2017 bei negativen Preisen bei Anlagen ab 500 kW und Inbetriebnahme ab 01.01.2016
"Direktvermarktung von Solarstrom" wurde am 10.07.2018 das letzte Mal aktualisiert.