Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Text=202%20ObOWi%201955/19
Timestamp: 2020-01-19 22:53:39
Document Index: 278809870

Matched Legal Cases: ['Art. 2', 'Art. 3', 'Art. 6', '§ 244', '§ 338', '§ 344', '§ 349', '§ 62', '§ 77', '§ 79', '§ 80', '§ 25', '§ 39', '§ 4', 'BGH', 'BGH', 'BGH']

BayObLG, 09.12.2019 - 202 ObOWi 1955/19 - dejure.org
https://dejure.org/2019,42762
BayObLG, 09.12.2019 - 202 ObOWi 1955/19 (https://dejure.org/2019,42762)
BayObLG, Entscheidung vom 09.12.2019 - 202 ObOWi 1955/19 (https://dejure.org/2019,42762)
BayObLG, Entscheidung vom 09. Dezember 2019 - 202 ObOWi 1955/19 (https://dejure.org/2019,42762)
Tipp: Um den Kurzlink (hier: https://dejure.org/2019,42762) schnell in die Zwischenablage zu kopieren, können Sie die Tastenkombination Alt + R verwenden - auch ohne diesen Bereich zu öffnen.
Einsicht, Messunterlagen Rohmessdaten, faires Verfahren, Verwertungsverbot, standardisierte Messung ohne Rohmessdatenspeicherung
GG Art. 2 Abs. 1, Art. 3 Abs. 1, Art... . 20 Abs. 3; EMRK Art. 6 Abs. 3; StPO § 244 Abs. 2; StPO § 338 Nr. 8, § 344 Abs. 2 S. 2, § 349 Abs. 2; OWiG § 62, § 77 Abs. 1, § 79 Abs. 1 S. 1 Nr. 2 u. Abs. 3 S. 1, § 80a Abs. 1; StVG § 25; MessEG § 39; BKatV § 4 Abs. 2 S. 2
Kein Verstoß gegen faires Verfahren oder Verwertungsverbot wegen standardisierter Messung ohne Rohmessdatenspeicherung
Standardisierte Messung ohne Rohmessdatenspeicherung
Über diese grundlegende verfassungsgerichtliche und höchstrichterliche Rechtsprechung setzt sich der Verfassungsgerichtshof des Saarlandes hinweg, ohne sie auch nur zu erwähnen (ausf. OLG Bamberg, Beschluss vom 13. Juni 2018, 3 Ss OWi 626/18, NStZ 2018, 724 f.; BayObLG, Beschluss vom 9. Dezember 2019, 202 ObOWi 1955/19, zit. nach juris, dort Rn. 4).
Werden von einer Messgerätsoftware keine so genannten Rohmessdaten für den konkreten Messvorgang aufgezeichnet, abgespeichert, vorgehalten oder sonst nach Abschluss der Geschwindigkeitsmessung zur nachträglichen Befundsprüfung bereitgehalten, führt dies nicht zu einem Verstoß gegen das Prozessgrundrecht auf ein faires rechtsstaatliches Verfahren, auch nicht in seiner Ausprägung auf eine wirksame Verteidigung, mit der Folge der Annahme eines Verwertungsverbotes (ebenso u.a.: OLG Schleswig, Beschluss vom 20. Dezember 2019, II OLG 65/19; BayObLG, Beschluss vom 9. Dezember 2019, 202 ObOWi 1955/19; OLG Karlsruhe, Beschluss vom 6. November 2019; 2 RB 35 Ss 808/19; OLG Köln Beschluss vom 27. September 2019, 1 RBs 339/19; OLG Stuttgart, Beschluss vom 19. September 2019, 1 Rb 28 Ss 300/19; OLG Oldenburg, Beschluss vom 9. September 2019, 2 Ss (OWi) 233/19, jeweils zit. nach juris; ausf.
Entgegen der vom Verfassungsgerichtshof des Saarlandes vertretenen Auffassung muss daher eine Überprüfung des Messergebnisses im Einzelfall weder generell möglich sein noch vorgenommen werden, es sei denn, es bestehen konkrete Anhaltspunkte für einen solchen Ausnahmefall (siehe auch: OLG Schleswig, Beschluss vom 20. Dezember 2019, II OLG 65/19; BayObLG, Beschluss vom 9. Dezember 2019, 202 ObOWi 1955/19; OLG Karlsruhe, Beschluss vom 6. November 2019; 2 RB 35 Ss 808/19; OLG Köln Beschluss vom 27. September 2019, 1 RBs 339/19; OLG Stuttgart, Beschluss vom 19. September 2019, 1 Rb 28 Ss 300/19; OLG Oldenburg, Beschluss vom 9. September 2019, 2 Ss (OWi) 233/19, jeweils zit. nach juris; ausf.
Denn - was der Verfassungsgerichtshof des Saarlandes auf der Grundlage im Verfahren gehörter technischer Sachverständiger in seiner Entscheidung im Ansatz durchaus zutreffend dargelegt hat - lassen auch die Rohmessdaten nur eine Überprüfung des (Gesamt-) Messergebnisses auf Plausibilität zu (siehe hierzu BayObLG, Beschluss vom 9. Dezember 2019, 202 ObOWi 1955/19, zit. n. juris, dort Rn. 13).
cc) Die Prämisse des Verfassungsgerichtshofs des Saarlandes (…aaO.), die "bundesrechtlichen und bundesgerichtlichen Grundsätze" zum standardisierten Messverfahren seien durchweg - "soweit ersichtlich" - für Fälle entwickelt worden, in denen Rohmessdaten für den konkreten Messvorgang zur Verfügung standen), ist - wie der Blick in die Grundsatzentscheidung des Bundesgerichtshofs aus dem Jahre 1997 für das dort verfahrensgegenständliche, nicht einmal über eine fotografische Dokumentationsmöglichkeit des Geschwindigkeitsverstoßes verfügende Laserhandmessgerät "LTI 20/20 TS/KM" belegt (BGH…, Beschluss vom 30. Oktober 1997, 4 StR 24/97, aaO.) - unzutreffend (BayObLG, Beschluss vom 9. Dezember 2019, 202 ObOWi 1955/19, zit. n. juris, dort Rn. 6; OLG Oldenburg, Beschluss vom 9. September 2019, 2 Ss (OWi) 233/19, zit. n. juris, dort Rn. 26).
cc) Die Annahme des Betroffenen in der Rechtsbeschwerdebegründung vom 29. Oktober 2019, dass die Rechtsfigur des "standardisierten Messverfahrens" für Fälle entwickelt worden sei, bei denen die Rohmessdaten auch noch nach der Messung zur Verfügung stünden (…so auch die Prämisse des VerfGH des Saarlandes (aaO.), die "bundesrechtlichen und bundesgerichtlichen Grundsätze" zum standardisierten Messverfahren seien durchweg - "soweit ersichtlich" - für Fälle entwickelt worden, in denen Rohmessdaten für den konkreten Messvorgang zur Verfügung standen), ist - wie der Blick in die Grundsatzentscheidung des Bundesgerichtshofs aus dem Jahre 1997 für das dort verfahrensgegenständliche, nicht einmal über eine fotografische Dokumentationsmöglichkeit des Geschwindigkeitsverstoßes verfügende Laserhandmessgerät "LTI 20/20 TS/KM" belegt (BGH…, Beschluss vom 30. Oktober 1997, 4 StR 24/97, aaO.) - unzutreffend (BayObLG, Beschluss vom 9. Dezember 2019, 202 ObOWi 1955/19, zit. n. juris, dort Rn. 6; OLG Oldenburg, Beschluss vom 9. September 2019, 2 Ss (OWi) 233/19, zit. n. juris, dort Rn. 26).
Zum anderen stehen dem Gericht nicht beigezogene Unterlagen eben nicht zur Verfügung, so dass sich die vom Verfassungsgerichtshof erwähnte Problematik einer "Wissensparität" nicht stellt (siehe hierzu BayObLG, Beschluss vom 9. Dezember 2019, 202 ObOWi 1955/19, zit. n. juris, dort Rn. 11; OLG Bamberg, Beschluss vom 13. Juni 2018, 3 Ss OWi 626/18, NStZ 2018, 724 ff.).
cc) Die Prämisse des Verfassungsgerichtshofs des Saarlandes (…aaO.), die "bundesrechtlichen und bundesgerichtlichen Grundsätze" zum standardisierten Messverfahren seien durchweg - "soweit ersichtlich" - für Fälle entwickelt worden, in denen Rohmessdaten für den konkreten Messvorgang zur Verfügung standen), ist - wie der Blick in die Grundsatzentscheidung des Bundesgerichtshofs aus dem Jahre 1997 für das dort verfahrensgegenständliche, nicht einmal über eine fotografische Dokumentationsmöglichkeit des Geschwindigkeitsverstoßes verfügende Laserhandmessgerät 'LTI 20/20 TS/KM' belegt (BGH…, Beschluss vom 30. Oktober 1997, 4 StR 24/97, aaO.) - unzutreffend (BayObLG, Beschluss vom 9. Dezember 2019, 202 ObOWi 1955/19, zit. n. juris, dort Rn. 6; OLG Oldenburg, Beschluss vom 9. September 2019, 2 Ss (OWi) 233/19, zit. n. juris, dort Rn. 26).
Denn letztlich stellt eine derartige Sicht - wie es das OLG Oldenburg (Beschluss vom 23. Juli 2018 - 2 Ss (OWi) 187/18 -, bei juris), der I. Senat für Bußgeldsachen des Schleswig-Holsteinischen Oberlandesgerichts (Beschluss vom 5. Juni 2019 - I OLG 123/19, SchlHA 2019, 279 f., bei juris) und jetzt das Bayerische Oberste Landesgericht (Beschluss vom 9. Dezember 2019 - 202 ObOWi 1955/19, BeckRS 2019, 31165) zutreffend formuliert haben - die Figur des standardisierten Messverfahrens grundlegend in Frage.