Source: https://www.rechtslupe.de/steuerrecht/ust/innergemeinschaftliche-lieferungen-und-die-nicht-erfuellten-nachweispflichten-398323
Timestamp: 2019-10-18 09:14:38
Document Index: 109351129

Matched Legal Cases: ['§ 6', '§ 17', '§ 4', '§ 6', '§ 6', '§ 6', '§ 6', '§ 17', '§ 6', '§ 6', '§ 17', 'Art. 131', '§ 17', '§ 17', '§ 17', '§ 118', '§ 6', '§ 6', '§ 6', '§ 17', '§ 6', 'EuG']

Inner­ge­mein­schaft­li­che Lie­fe­run­gen – und die nicht erfüll­ten Nach­weis­pflich­ten | Rechtslupe
Kommt der Unter­neh­mer sei­nen Nach­weis­pflich­ten gemäß § 6a Abs. 3 UStG, §§ 17a, 17c USt­DV nicht nach, ist grund­sätz­lich davon aus­zu­ge­hen, dass die Vor­aus­set­zun­gen einer inner­ge­mein­schaft­li­chen Lie­fe­rung nicht erfüllt sind. Etwas ande­res gilt aus­nahms­wei­se dann, wenn zwei­fels­frei fest­steht, dass die Vor­aus­set­zun­gen der Steu­er­frei­heit erfüllt sind.
Gemäß § 4 Nr. 1 Buchst. b UStG sind die inner­ge­mein­schaft­li­chen Lie­fe­run­gen (§ 6a) steu­er­frei. Eine steu­er­freie inner­ge­mein­schaft­li­che Lie­fe­rung setzt gemäß § 6a Abs. 1 UStG u.a. vor­aus, dass der Unter­neh­mer oder der Abneh­mer den Gegen­stand der Lie­fe­rung in das übri­ge Gemein­schafts­ge­biet beför­dert oder ver­sen­det hat. Dabei hat der Unter­neh­mer die Vor­aus­set­zun­gen des § 6a Abs. 1 und 2 UStG gemäß § 6a Abs. 3 UStG i.V.m. §§ 17a ff. der Umsatz­steu­er-Durch­füh­rungs­ver­ord­nung (USt­DV) beleg- und buch­mä­ßig nach­zu­wei­sen 1.
Der Unter­neh­mer hat die Vor­aus­set­zun­gen des § 6a Abs. 1 UStG gemäß § 6a Abs. 3 UStG i.V.m. §§ 17a ff. USt­DV unter Berück­sich­ti­gung der von den Mit­glied­staa­ten nach dem Ein­lei­tungs­satz in Art. 131 MwSt­Sys­tRL fest­ge­leg­ten Bedin­gun­gen nach­zu­wei­sen 2.
Der Unter­neh­mer soll gemäß § 17a Abs. 2 USt­DV in den Fäl­len, in denen er oder der Abneh­mer den Gegen­stand der Lie­fe­rung in das übri­ge Gemein­schafts­ge­biet beför­dert, den Nach­weis füh­ren:
Im hier vom Bun­des­fi­nanz­hof ent­schie­de­nen Streit­fall hat die Unter­neh­me­rin den Beleg­nach­weis nicht erbracht. Zwar kann sich die gemäß § 17a Abs. 2 Nr. 2, § 17c Abs. 2 Nr. 9 USt­DV erfor­der­li­che Anga­be des Bestim­mungs­orts unter Berück­sich­ti­gung aller Umstän­de im Ein­zel­fall aus der Rech­nungs­an­schrift des Abneh­mers erge­ben 3. Das gilt jedoch im Grund­satz nur, wenn davon aus­zu­ge­hen ist, dass der Gegen­stand der Lie­fe­rung auch zum Unter­neh­mens­sitz des Abneh­mers ver­sen­det oder beför­dert wird 4. Das ist hier nicht der Fall. Denn nach den, den Bun­des­fi­nanz­hof bin­den­den Fest­stel­lun­gen des Finanz­ge­richt (§ 118 Abs. 2 FGO) ist der Ver­bleib der streit­ge­gen­ständ­li­chen Fahr­zeu­ge "völ­lig unklar".
Die betref­fen­den Lie­fe­run­gen sind auch nicht nach § 6a Abs. 4 Satz 1 UStG steu­er­frei. Die Fra­ge des Gut­glau­bens­schut­zes stellt sich erst dann, wenn der Unter­neh­mer sei­nen Nach­weis­pflich­ten nach­ge­kom­men ist. Maß­geb­lich ist hier­für die for­mel­le Voll­stän­dig­keit, nicht aber die inhalt­li­che Rich­tig­keit der Beleg- und Buch­an­ga­ben, da § 6a Abs. 4 Satz 1 UStG das Ver­trau­en auf unrich­ti­ge Abneh­mer­an­ga­ben schützt 5. Im Streit­fall fehlt es aber an einem beleg­mä­ßi­gen Nach­weis des Bestim­mungs­orts, weil die­ser nicht ohne wei­te­res mit der Unter­neh­mens­an­schrift des B gleich­ge­setzt wer­den kann.
Kommt der Unter­neh­mer ‑wie hier- sei­nen Nach­weis­pflich­ten gemäß § 6a Abs. 3 UStG, §§ 17a, 17c USt­DV nicht nach, ist grund­sätz­lich davon aus­zu­ge­hen, dass die Vor­aus­set­zun­gen einer inner­ge­mein­schaft­li­chen Lie­fe­rung nicht erfüllt sind. Etwas ande­res gilt aus­nahms­wei­se dann, wenn zwei­fels­frei fest­steht, dass die Vor­aus­set­zun­gen der Steu­er­frei­heit erfüllt sind 6. Das ist vor­lie­gend schon des­halb nicht der Fall, weil ‑wie bereits dar­ge­legt- der Ver­bleib der streit­ge­gen­ständ­li­chen Fahr­zeu­ge "völ­lig unklar" ist.
Inner­ge­mein­schaft­li­che Lie­fe­rung – und der feh­len­de… Eine steu­er­freie inner­ge­mein­schaft­li­che Lie­fe­rung gem. § 6 a Abs. 1 UStG schei­det grds. aus, wenn der Beleg­nach­weis nicht voll­stän­dig erbracht ist und objek­tiv nicht fest­steht,…
vgl. EuGH, Urtei­le VSTR vom 27.09.2012 – C‑587/​10, EU:C:2012:592, Rz 42 f. und 47; Mec­sek-Gabo­na vom 06.09.2012 – C‑273/​11, EU:C:2012:547, Rz 36 und 38; R vom 07.12 2010 – C‑285/​09, EU:C:2010:742, Rz 43 und 46; BFH, Urteil vom 14.11.2012 – XI R 8/​11, BFH/​NV 2013, 596[↩]
vgl. dazu BFH, Urtei­le vom 14.11.2012 – XI R 17/​12, BFHE 239, 516, BSt­Bl II 2013, 407; vom 07.12 2006 – V R 52/​03, BFHE 216, 367, BSt­Bl II 2007, 420[↩]
vgl. BFH, Urtei­le vom 17.02.2011 – V R 28/​10, BFHE 233, 331; in BFHE 239, 516, BSt­Bl II 2013, 407[↩]
z.B. BFH, Urtei­le vom 21.05.2014 – V R 34/​13, BFHE 246, 232, BSt­Bl II 2014, 914; in BFHE 239, 516, BSt­Bl II 2013, 407, jeweils m.w.N.[↩]