Source: https://www.rechtslupe.de/steuerrecht/ust/keine-entgeltminderung-fuer-vermittler-377898
Timestamp: 2019-12-15 12:37:22
Document Index: 164645956

Matched Legal Cases: ['§ 17', '§ 17', '§ 10', '§ 10', '§ 17', 'Art. 11', 'Art. 90', '§ 10', 'Art. 11', 'Art. 73', 'EuG', 'EuG', 'EuG', 'EuG', 'EuG']

Kei­ne Ent­gelt­min­de­rung für Ver­mitt­ler | Rechtslupe
Auf­grund des "Ibe­ro Tours", Urteils des Gerichts­hofs der Euro­päi­schen Uni­on 1 hält der Bun­des­fi­nanz­hof nicht dar­an fest, dass ein Ver­mitt­ler das Ent­gelt für sei­ne Ver­mitt­lungs­leis­tung min­dern kann, wenn er dem Kun­den der von ihm ver­mit­tel­ten Leis­tung einen Preis­nach­lass gewährt.
Ändert sich die Bemes­sungs­grund­la­ge für einen steu­er­pflich­ti­gen Umsatz, hat der Unter­neh­mer, der den Umsatz aus­ge­führt hat, gemäß § 17 Abs. 1 Satz 1 UStG den dafür geschul­de­ten Steu­er­be­trag zu berich­ti­gen. Bei der Bemes­sungs­grund­la­ge, deren Ände­rung nach § 17 Abs. 1 Satz 1 UStG zur Berich­ti­gung führt, han­delt es sich um das Ent­gelt i.S. von § 10 Abs. 1 UStG 2. Ent­gelt ist alles, was der Leis­tungs­emp­fän­ger auf­wen­det, um die Leis­tung zu erhal­ten, jedoch abzüg­lich der Umsatz­steu­er (§ 10 Abs. 1 Satz 2 UStG).
Uni­ons­recht­li­che Grund­la­ge für § 17 Abs. 1 Satz 1 UStG ist in den Streit­jah­ren (2002 bis 2005) Art. 11 Teil C Abs. 1 Unter­abs. 1 der Richt­li­nie 77/​388/​EWG (ent­spricht Art. 90 Abs. 1 MwSt­Sys­tRL). Danach wird im Fal­le der Annul­lie­rung, der Rück­gän­gig­ma­chung, der Auf­lö­sung, der voll­stän­di­gen oder teil­wei­sen Nicht­be­zah­lung oder des Preis­nach­las­ses nach der Bewir­kung des Umsat­zes die Besteue­rungs­grund­la­ge (Steu­er­be­mes­sungs­grund­la­ge) unter von den Mit­glied­staa­ten fest­ge­leg­ten Bedin­gun­gen ent­spre­chend ver­min­dert. § 10 Abs. 1 Satz 1 UStG beruht uni­ons­recht­lich auf Art. 11 Teil A Abs. 1 Buchst. a der Richt­li­nie 77/​388/​EWG (jetzt Art. 73 MwSt­Sys­tRL). Danach umfasst die Steu­er­be­mes­sungs­grund­la­ge bei der Lie­fe­rung von Gegen­stän­den und Dienst­leis­tun­gen alles, was den Wert der Gegen­leis­tung bil­det, die der Lie­fe­rer oder Dienst­leis­ten­de für die­se Umsät­ze vom Abneh­mer (Erwer­ber) oder Dienst­leis­tungs­emp­fän­ger oder von einem Drit­ten erhält oder erhal­ten soll, ein­schließ­lich der unmit­tel­bar mit dem Preis die­ser Umsät­ze zusam­men­hän­gen­den Sub­ven­tio­nen.
Der Bun­des­fi­nanz­hof hat in sei­ner bis­he­ri­gen Recht­spre­chung eine Ent­gelt­min­de­rung bejaht.
Der Uni­ons­ge­richts­hof hat mit Urteil "Ibe­ro Tours" 3 ent­schie­den, dass sich aus sei­nem Urteil "Eli­da Gibbs" 4 kei­ne Ent­gelt­min­de­rung für den Fall ergibt, dass "ein Rei­se­bü­ro als Ver­mitt­ler dem End­ver­brau­cher aus eige­nem Antrieb und auf eige­ne Kos­ten einen Nach­lass auf den Preis der ver­mit­tel­ten Leis­tung gewährt, die von dem Rei­se­ver­an­stal­ter erbracht wird."
Danach wirkt sich der Preis­nach­lass nicht auf das Ent­gelt der vom Ver­mitt­ler an den Rei­se­ver­an­stal­ter erbrach­ten Dienst­leis­tun­gen aus, da der Ver­mitt­ler kei­nen Nach­lass für die im Rah­men der Ver­mitt­lungs­tä­tig­keit an den Rei­se­ver­an­stal­ter erbrach­ten Dienst­leis­tun­gen gewährt 5. Auf­grund die­ses Urteils hält der Bun­des­fi­nanz­hof nicht mehr an sei­ner bis­he­ri­gen Recht­spre­chung 6 fest, dass ein Ver­mitt­ler das Ent­gelt für sei­ne Ver­mitt­lungs­leis­tung min­dern kann, wenn er dem Kun­den der von ihm ver­mit­tel­ten Leis­tung einen Preis­nach­lass gewährt.
Der V. Senat des Bun­des­fi­nanz­hofs weicht damit nicht von der Recht­spre­chung des XI. Senats des Bun­des­fi­nanz­hofs ab. Denn das BFH-Urteil vom 15. Febru­ar 2012 7 betrifft eine anders gela­ger­te Fall­ge­stal­tung, bei der dem EuGH-Urteil "Eli­da Gibbs" 8 ent­spre­chend eine Lie­fer­ket­te über einen Zwi­schen­händ­ler vor­liegt.
Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 27. Febru­ar 2014 – V R 18/​11
Null­be­scheid – und die trotz­dem zuläs­si­ge Kla­ge Nach der Neu­kon­zep­ti­on des Ver­hält­nis­ses zwi­schen Steu­er­fest­set­zung und Ver­lust­fest­stel­lung durch das Jah­res­steu­er­ge­setz 2010 kann der Steu­er­pflich­ti­ge gege­be­nen­falls auch gegen die Fest­set­zung der Kör­per­schaft­steu­er auf 0…
Die Ein­kaufs­ge­nos­sen­schaft, ihr Zen­tral­re­gu­lie­rer – und… Preis­nach­läs­se, die ein Zen­tral­re­gu­lie­rer sei­nen Anschluss­kun­den für den Bezug von Waren von bestimm­ten Lie­fe­ran­ten gewährt, min­dern nicht die Bemes­sungs­grund­la­ge für die Leis­tun­gen, die der Zen­tral­re­gu­lie­rer…
Her­stel­ler­ra­bat­te und die Vor­steu­er­be­rich­ti­gung in einer… Erstat­tet der ers­te Unter­neh­mer in einer Lie­fer­ket­te dem letz­ten Abneh­mer einen Teil des von die­sem gezahl­ten Leis­tungs­ent­gelts durch nach­träg­lich aus­ge­zahl­te Gut­schrif­ten, ist des­sen Vor­steu­er­ab­zug nicht…
EuGH, Urteil "Ibe­ro Tours" in DStR 2014, 139, Leit­satz[↩]
EuGH, Urteil "Eli­da Gibbs" in Slg. 1996, I‑5339[↩]
EuGH, Urteil "Ibe­ro Tours" in DStR 2014, 139, Rdnr. 27[↩]
BFH, Urtei­le vom 12.01.2006 – V R 3/​04, BFHE 213, 69, BSt­Bl II 2006, 479, unter II. 2. mit Berech­nungs­bei­spiel; vom 13.07.2006 – V R 46/​05, BFHE 214, 463, BSt­Bl II 2007, 186[↩]
BFH, Urteil vom 15.02.2012 – XI R 24/​09, BFHE 236, 267, BSt­Bl II 2013, 712[↩]
EuGH, Urteil "Eli­da Gibbs", in Slg. 1996, I‑5339[↩]
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