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Timestamp: 2020-01-25 18:35:46
Document Index: 263648752

Matched Legal Cases: ['§ 16', '§ 16', '§ 16', '§ 16', '§ 16', '§ 16', '§ 34', '§ 34', '§ 34', '§ 13']

Betriebsveräußerung: steuerliche Behandlung & Begünstigung
Veröffentlicht am 12. Januar 2016 von B. Klack
Unternehmer, die sich beruflich neu orientieren möchten oder schlichtweg aus Altersgründen ihr Unternehmen veräußern wollen, sollten über steuerliche Auswirkungen des Verkaufs informiert sein. Bei der Beendigung werden nämlich häufig hohe stille Reserven (z.B. in Grundstücken) aufgedeckt. Die Einkünfte, das zu versteuernde Einkommen und der individuelle Steuersatz des Steuerpflichtigen steigen an.
Steuerliche Vergünstigungen sollten daher bei Beendigung der unternehmerischen Tätigkeit unbedingt ausgenutzt werden.
Der § 16 EStG unterscheidet zunächst die Betriebsveräußerung und die Betriebsaufgabe. Eine Betriebsveräußerung im Ganzen liegt vor, wenn alle wesentlichen Betriebsgrundlagen gegen Entgelt auf einen Bewerber übertragen werden. Eine Betriebsaufgabe im Ganzen hingegen setzt voraus, dass alle wesentlichen Betriebsgrundlagen auf verschiedene Erwerber übertragen oder ins Privatvermögen überführt werden. Es stellt sich hier die Frage, ob das jeweilige Wirtschaftsgut eine wesentliche Betriebsgrundlage darstellt.
Ob das der Fall ist, klärt man anhand einer sogenannten funktional-quantitativen Betrachtungsweise:
funktionale Betrachtung: Wirtschaftsgüter, die nach ihrer Funktion zur Erreichung des Betriebszwecks erforderlich sind und ein besonderes wirtschaftliches Gewicht für die Betriebsführung besitzen
quantitative Betrachtung: Wirtschaftsgüter, in denen erhebliche stille Reserven ruhen
Beispiel: Bei einer Betriebsveräußerung gingen bis auf ein Grundstück in Berlin am Potsdamer Platz (gemeiner Wert 1.000.000 €; wurde ins Privatvermögen überführt) alle Vermögensgegenstände und Schulden auf den Erwerber über. Das Grundstück lag brach. Funktional betrachtet, diente es also nicht dem Betriebszweck. Durch den hohen gemeinen Wert des Grundstücks kann man allerdings von erheblichen stillen Reserven ausgehen. Das Grundstück stellt damit eine wesentliche Betriebsgrundlage dar. Damit scheidet eine Betriebsveräußerung im Ganzen nach § 16 Abs. 1 EStG aus. Vielmehr kommt eine Betriebsaufgabe im Ganzen nach § 16 Abs. 3 EStG in Betracht.
Wie sich der Veräußerungsgewinn berechnet, wird im § 16 Abs. 2 EStG normiert. Danach wird zum Veräußerungspreis der gemeine Wert, der nicht mit veräußerten in das Privatvermögen überführten Wirtschaftsgüter hinzugerechnet (z.B. der gemeine Wert eines PKW, der ins Privatvermögen überführt wird). Davon werden Veräußerungskosten und der Wert des Betriebsvermögens (Eigenkapital) abgezogen.
Spannender wird es, wenn man sich den Freibetrag im § 16 Abs. 4 EStG ansieht. Mit dem Freibetrag möchte der Gesetzgeber insbesondere die „Lebensleistung“ von Unternehmern würdigen, die sich zur Ruhe setzen wollen. Daher ist der Freibetrag auch an einige Voraussetzungen geknüpft. So muss der Steuerpflichtige das 55. Lebensjahr vollendet haben oder dauernde Berufsunfähigkeit nachweisen. Der Freibetrag wird zudem nur auf Antrag und auch nur einmal im Leben (personal- und objektbezogen) gewährt.
Die Höhe des Freibetrags beträgt 45.000 €. Der Freibetrag ermäßigt sich allerdings um den Betrag, um den der Veräußerungs-/Aufgabegewinn 136.000 € übersteigt (Ermäßigungsbetrag).
Beispiel: Der Veräußerungsgewinn beträgt 160.000 €, übersteigt damit 136.000 € um 24.000 €. Zieht man die 24.000 € vom grundsätzlichen Freibetrag in Höhe von 45.000 € ab, steht dem Steuerpflichtigen letztlich ein Freibetrag in Höhe von 21.000 € zu.
Eine weitere Besonderheit bei dem Veräußerungstatbestand des § 16 Abs. 1 oder Abs. 3 EStG ist die Tarifbegünstigung gem. § 34 EStG, wonach sich die zu zahlende Einkommensteuer vermindert. Steuerpflichtigen stehen 2 Möglichkeiten der Tarifbegünstigung zur Auswahl – die Fünftelmethode oder der ermäßigte Steuersatz. Wie sich die Einkommensteuer bei beiden Methoden berechnet, ist für Laien aus dem Gesetzestext kaum abzuleiten. Deswegen können sie auch schwer einschätzen, welche Methode für ihren individuellen Fall sinnvoll ist. Der Rat eines Fachanwalts für Steuerrecht ist an dieser Stelle oftmals besonders wertvoll.
Fünftelmethode gem. § 34 Abs. 1 EStG in 4 Schritten erklärt
tarifliche Einkommensteuer auf das zu versteuernde Einkommen ermitteln, das die außerordentlichen Einkünfte nicht enthält
tarifliche Einkommensteuer auf das zu versteuernde Einkommen + ein Fünftel der außerordentlichen Einkünfte ermitteln
den Unterschiedsbetrag der beiden Steuerbeträgen aus 1. und 2. mit 5 multiplizieren
Einkommensteuer aus 1. und 3. addieren
Ermäßigter Steuersatz gem. § 34 Abs. 3 EStG in 5 Schritten erklärt
Um den ermäßigten Steuersatz anwenden zu können, müssen besondere Voraussetzungen erfüllt sein. Der Steuerpflichtige muss das 55. Lebensjahr vollendet haben oder dauernde Berufsunfähigkeit nachweisen. Der ermäßigte Steuersatz kann zudem nur einmalig auf Antrag für Gewinne bis 5 Mio. € angewendet werden.
Einkommensteuerschuld auf das gesamte zu versteuernde Einkommen ermitteln
durchschnittlichen Steuersatz ermitteln
durchschnittlichen Steuersatz mit 0,56 multiplizieren und auf Veräußerungsgewinn anwenden (mindestens 14 %)
Einkommensteuer auf das restliche zu versteuernde Einkommen ermitteln
Einkommen aus 3. und 4. addieren
Gewinnrealisierung bei unterschiedlichen Zahlungsarten
Grundsätzlich wird der Gewinn mit Veräußerung bzw. Aufgabe des Betriebs realisiert. Kompliziert wird es allerdings, wenn Verkaufspreis vom Erwerber in Raten oder Renten gezahlt wird.
Gewinnbesteuerung bei Ratenzahlung
Der Veräußerungsgewinn bei einer Ratenzahlung berechnet sich aus dem Barwert des Veräußerungspreises abzüglich Eigenkapital und dem Freibetrag.
Beispiel: Ein Steuerpflichtiger verkauft sein Unternehmen für 300.000 € (150.000 € Eigenkapital; 45.000 € Freibetrag). Der Erwerber zahlt den Kaufpreis in 5 Jahresraten. Der Barwert des Veräußerungspreises beträgt 263.280 € und berechnet sich aus der Höhe einer Rate multipliziert mit dem Vervielfältiger 4,388 für 5 Jahre gem. Anlage 9a zu § 13 BewG. Abzüglich des Eigenkapitals und des Freibetrags entsteht so also ein steuerpflichtiger Veräußerungsgewinn in Höhe von 68.280 €.
Letztlich erhält der Steuerpflichtige neben dem Veräußerungsgewinn auf Basis des Barwerts aber auch noch einen Zinsanteil der Raten, die als Einkünfte aus Kapitalvermögen ebenso zu versteuern sind.
Gewinnbesteuerung bei Rentenzahlung
Es besteht ebenso die Möglichkeit, dass der Steuerpflichtige Rentenzahlungen für die Betriebsveräußerung erhält. Hier hat der Steuerpflichtige ein Wahlrecht. Er kann die Renten sofort tarifbegünstigt besteuern (häufigster Praxisfall) oder er kann die Rentenzahlungen als nachträgliche, laufende gewerbliche Einkünfte über die Zuflussbesteuerung versteuern.
Persönlicher Unternehmensanwalt für Ihre Betriebsveräußerung
Eine Betriebsveräußerung wirft neben steuerrechtlichen Problemen oftmals auch gesellschaftsrechtliche und arbeitsrechtliche Fragestellungen auf. Um umfassend beraten zu sein, empfiehlt es sich, die Hilfe eines kompetenten Unternehmensanwalts in Anspruch zu nehmen.
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Nachfolgeregelung2
Vielen Dank für die vielen Hinweise, die beim Unternehmensverkauf zu beachten sind!
Antworten	 3. März 2016 um 22:42
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