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Timestamp: 2019-06-17 11:35:15
Document Index: 274992270

Matched Legal Cases: ['§ 492', 'Art 247', '§ 6', 'Art 247', '§ 6', 'BGH', '§ 492', 'Art 247', '§ 3', 'BGH', '§ 492', '§ 492', 'Art 247', '§ 6', '§ 492', 'Art 247', '§ 6', '§ 491', '§ 312', 'Art 246', 'BGH', 'BGH', 'BGH']

Widerrufsbelehrungen der ING DiBa im Spotlight des Widerrufs
Widerrufsbelehrungen der ING DiBa vom 11.06.2010 — 20.03.2016
Bei Immo­bi­li­en­dar­le­hens­ver­trä­ge, die zwi­schen dem 11.06.2010 und dem 20.03.2016 bei der ING-DiBa geschlos­sen wur­den, kann auch heu­te noch ein soge­nann­tes „ewi­ges Wider­rufs­recht“ bestehen.
Die­ses ermög­licht es den Dar­le­hens­neh­mern Jah­re nach Ver­trags­schluss den Ver­trag zu wider­ru­fen. Der Dar­le­hens­neh­mer ist bei einem erfolg­rei­chen Wider­ruf u.a. nicht ver­pflich­tet eine Vor­fäl­lig­keits­ent­schä­di­gung an die Bank zu ent­rich­ten.
Das Wider­rufs­recht besteht dann fort, wenn sich in den soge­nann­ten Pflicht­in­for­ma­tio­nen des Dar­le­hens­ver­tra­ges nach § 492 Abs. 2 BGB i.V.m. Art 247 §§ 6 — 13 EGBGB in der jewei­li­gen Fas­sung (a.F.) Feh­ler befin­den. Zu die­sen Pflicht­in­for­ma­tio­nen gehö­ren u.a. auch die Wider­rufs­in­for­ma­tio­nen nach Art 247 § 6 Abs. 2 EGBGB a.F..
Die Kanz­lei hün­lein rechts­an­wäl­te hat inzwi­schen vie­le Immo­bi­li­en­dar­le­hens­ver­trä­ge der ING-DiBa aus dem Zeit­raum vom 11.06.2010 bis zum 20.03.2016 prü­fen kön­nen.
Je nach Zeit­raum und Ver­trag gibt es in den Immo­bi­li­en­dar­le­hens­ver­trä­gen der ING-DiBa eini­ge Auf­fäl­lig­kei­ten.
Auf­sichts­be­hör­de
In eini­gen Ver­trä­gen wur­de in den Wider­rufs­in­for­ma­tio­nen auf „die Anga­be der für den Dar­le­hens­neh­mer zustän­di­gen Auf­sichts­be­hör­de“ ver­wie­sen. Die­se Anga­be der Auf­sichts­be­hör­de fin­det sich i.d.R. jedoch nicht im Dar­le­hens­ver­trag.
Der BGH hat in einem ver­gleich­ba­ren Fall mit Urteil vom 22.11.2016, Az.: XI ZR 434/15 ent­schie­den, dass in die­sem Fall das Wider­rufs­recht der Dar­le­hens­neh­mer nicht zu lau­fen beginnt. Eine Nen­nung der Auf­sichts­be­hör­de in vor­ver­trag­li­chen Infor­ma­ti­ons­blät­tern, wie etwa dem stan­dar­di­sier­ten euro­päi­schen Merk­blatt dürf­te nicht aus­rei­chend sein. Eben­falls ist kei­ne nach­träg­li­che Nen­nung mög­lich, wenn nicht gleich­zei­tig auf den Beginn der Wider­rufs­frist von einem Monat hin­ge­wie­sen wird.
Wobei im Fall der ING-DiBa es schon schwer sein dürf­te, die zustän­di­ge Auf­sichts­be­hör­de für den Dar­le­hens­neh­mer über­haupt zu bestim­men.
Lauf­zeit / Raten­an­zahl
Die ING-DiBa hat zudem bei vie­len Immo­bi­li­en­dar­le­hens­ver­trä­gen im Dar­le­hens­ver­trag eine unbe­stimm­te Lauf­zeit ange­ge­ben. Die Anzahl der Raten wur­de im Ver­trag sodann jedoch auf die jewei­li­ge Zins­bin­dungs­frist berech­net und ange­ge­ben (z.B. 120 oder 180 Raten). Eine Anga­be der ins­ge­samt zu zah­len­den Raten auf die pro­gnos­ti­zier­te Ver­trags­lauf­zeit und eine Gesamt­lauf­zeit­an­ga­be fehl­te indes.
Im Rah­men der Pflicht­an­ga­ben muss der Dar­le­hens­ge­ber nach § 492 Abs. 2 BGB a.F. i.V.m. Art 247 § 3 Abs. 1 Nr. 6 & 7 die Ver­trags­lauf­zeit, sowie Betrag, Zahl und Fäl­lig­keit der ein­zel­nen Teil­zah­lun­gen ange­ben.
Die­se Anga­be basiert auf einer Hoch­rech­nung auf­grund der ver­ein­bar­ten Kon­di­tio­nen. Wie lan­ge wür­de es dau­ern, bis das Dar­le­hen mit die­sen Kon­di­tio­nen voll­stän­dig getilgt ist.
Hier müss­te sowohl die Lauf­zeit im Ver­trag als auch die Gesamt­zahl der Raten ange­ge­ben sein. In vie­len geprüf­ten Immo­bi­li­en­dar­le­hens­ver­trä­gen bei der ING-DiBa wur­de im Dar­le­hens­ver­trag jedoch nur eine unbe­stimm­te Zeit als Lauf­zeit und eine Raten­zahl bis zum Ende der aktu­el­len Zins­bin­dung ange­ge­ben.
Dies ist im Lich­te der Pflicht­in­for­ma­tio­nen eine feh­ler­haf­te Anga­be. Im Rah­men des BGH-Urteils vom 22.11.2016, Az.: XI ZR 434/15 reicht eine Nen­nung der Infor­ma­tio­nen im stan­dar­di­sier­ten euro­päi­schen Merk­blatt nicht aus. Die ver­trag­li­chen Pflicht­in­for­ma­tio­nen müs­sen sich im Ver­trag befin­den.
Abwei­chen­de Wider­rufs­in­for­ma­tio­nen im Merk­blatt
In eini­gen Dar­le­hens­ver­trä­gen der ING-DiBa wei­chen die Wider­rufs­in­for­ma­tio­nen im Dar­le­hens­ver­trag und im stan­dar­di­sier­ten euro­päi­schen Merk­blatt von­ein­an­der ab.
Im Dar­le­hens­ver­trag fin­det sich in den Wider­ruf­in­for­ma­tio­nen ein Hin­weis dar­auf, dass das Wider­rufs­recht nicht beginnt, bevor nicht alle Pflicht­an­ga­ben nach § 492 Abs. 2 BGB a.F. über­mit­telt wur­den. Im Merk­blatt fin­det sich in den wei­te­ren Hin­wei­sen zur Aus­übung des Wider­rufs­rechts kein Hin­weis mehr auf die Pflicht­in­for­ma­tio­nen nach § 492 Abs. 2 BGB a.F.. Hier wird viel­mehr auf das allei­ni­ge Vor­lie­gen der Pflicht­in­for­ma­tio­nen nach Art 247 § 6 Abs. 2 EGBGB a.F. ver­wie­sen. Dies ist nur ein Teil der Pflicht­in­for­ma­tio­nen nach § 492 Abs. 2 BGB a.F. i.V.m. Art 247 §§ 6- 13 EGBGB a.F. und daher nicht voll­stän­dig. Es ent­steht ein Wider­spruch zu den ver­trag­li­chen Wider­rufs­in­for­ma­tio­nen.
Meh­re­re Dar­le­hens­ver­trä­ge und nur eine Wider­rufs­be­leh­rung
In eini­gen Dar­le­hens­ver­trä­gen hat die ING-DiBa meh­re­re Dar­le­hens­ver­trä­ge mit unter­schied­li­chen Sum­men und Kon­di­tio­nen in einem Ver­trags­do­ku­ment zusam­men­ge­fasst. Es erfolg­te jedoch nur eine Wider­rufs­be­leh­rung.
Hier wird sodann in den Wider­rufs­in­for­ma­tio­nen unter den Wider­rufs­fol­gen jeweils der Tages­zins­satz für jedes Dar­le­hens­kon­to ein­zeln auf­ge­führt. Unklar bleibt bei die­ser Vari­an­te, ob es sich um meh­re ein­zel­ne Dar­le­hens­ver­trä­ge han­delt und ob die­se nur gemein­sam wider­ru­fen wer­den kön­nen oder ob der Dar­le­hens­neh­mer ein Wider­rufs­recht für jeden ein­zel­nen Unter­ver­trag hat. Es bleibt eben­so offen, was im Fal­le des Wider­rufs nur eines der Ver­trä­ge mit dem jeweils ande­ren pas­siert.
Dem Gesetz nach steht jedem ein­zel­nen Dar­le­hens­neh­mer für jeden ein­zel­nen Dar­le­hens­ver­trag ein eige­nes Wider­rufs­recht zu. Dar­über muss der Dar­le­hens­neh­mer in geset­zes­kon­for­mer Art und Wei­se infor­miert wer­den.
KfW-Dar­le­hen bei der ING-DiBa
Neben den regu­lä­ren Immo­bi­li­en­dar­le­hens­ver­trä­gen kön­nen unter Umstän­den noch KfW-Dar­le­hen der ING-DiBa wider­ru­fen wer­den. Zwar gilt für KfW geför­der­te Dar­le­hens­ver­trä­ge seit dem 11.06.2010 das Ver­brau­cher­dar­le­hens­wi­der­ru­fecht nach § 491 Abs. 2 Nr. 5, 495 BGB a.F. nicht mehr, aber wenn die­se Ver­trä­ge im Rah­men des Fern­ab­sat­zes geschlos­sen wur­den, kann ein Wider­ruf nach dem Ver­brau­cher­fern­ab­satz­recht mög­lich sein. Hier rich­tet sich das Wider­rufs­recht aller­dings nach §§ 312c, 312d BGB a.F. und den Pflicht­in­for­ma­tio­nen nach Art 246 EGBGB a.F.. Die Wider­rufs­be­leh­rung muss die­sen Umstand kor­rekt wider­ge­ben, nur dann wird bei die­sen Ver­trä­gen die Wider­rufs­frist in Gang gesetzt.
Indi­vi­du­el­le Feh­ler
Neben den hier auf­ge­führ­ten Ansatz­punk­ten kön­nen jeweils wei­te­re indi­vi­du­el­le Feh­ler im Dar­le­hens­ver­trag vor­lie­gen, die ggf. zum Wider­ruf berech­tig­ten kön­nen. Die Pflicht­in­for­ma­tio­nen, sind soweit sie nicht kom­plet­te feh­len, inhalt­lich dyna­misch und rich­ten sich nach dem jeweils kon­kret geschlos­se­nen Dar­le­hens­ver­trag.
Mehr zum The­ma „Feh­ler bei neue­ren Immo­bi­li­en­dar­le­hens­ver­trä­gen“.
Aus­sa­ge­kräf­ti­ge Prä­ze­denz­fäl­le gegen die ING-DiBa hin­sicht­lich des neue­ren Wider­rufs­rechts zuguns­ten der Dar­le­hens­neh­mer exis­tie­ren kei­ne dies­seits bekann­ten. Die Ver­gleichs­quo­te der ING-DiBa war in der Ver­gan­gen­heit sehr hoch und damit wur­de bis­her erfolg­reich posi­ti­ve Urteil zuguns­ten der Dar­le­hens­neh­mer ver­hin­dert.
E-Mail: rae@huenlein.de
Dieser Beitrag wurde am 28. März 2017 von Rechtsanwalt Dirk Dametz in Fehlerhafte Pflichtinformationen, ING DIBa veröffentlicht. Schlagworte: Ausichtsbehörde, ING DiBa, Pflichtinformationen, Widerruf.
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