Source: https://vdvc.de/blog/2016/10/14/rocket-beans-tv-foermliche-beanstandung-durch-medienaufsicht/
Timestamp: 2017-04-24 17:08:29
Document Index: 4686020

Matched Legal Cases: ['§ 131', '§ 131', '§ 131', '§ 15', '§ 5', '§ 4', '§ 131', '§ 52', '§ 20', '§ 15', '§ 24', '§131', 'EuG']

Rocket Beans TV: Förmliche Beanstandung durch Medienaufsicht | VDVC
Rocket Beans TV: Förmliche Beanstandung durch Medienaufsicht
Veröffentlicht am 14. Oktober 2016 von Redaktion	Das Angebot Rocket Beans TV ist nach dem Ende von Game One im Jahr 2014 der Kanal, bei dem die GIGA-Veteranen um Budi, Simon und, Etienne und Nils täglich ein 24-stündiges Programm rund ums Gaming bieten. Hierzu gehören neben News und diversen weiteren Formaten auch Let’s Plays, bei denen die Zuschauer die Moderatoren – teilweise live – beim Zocken begleiten. Eines dieser Let’s Plays hat nun die Medienaufsicht auf den Plan gerufen.
Der Inhalt […] ist als Gewalt verherrlichend anzusehen
Am 24. November 2015 lief bei Rocket Beans TV ein Stream mit einem „Left 4 Dead 2“-Let’s Play. Beinahe eine Stunde kämpften Gunnar und Wolf mit Zombies sowie – als originäre Konsolenspieler – mit Maus und Tastatur. Dabei wurden Aufnahmen der unzensierten Fassung von „Left 4 Dead 2“ gezeigt, für die bundesweit die allgemeine Beschlagnahme angeordnet ist: Das Amtsgericht Tiergarten stellte mit Beschluss vom 15. Februar 2010 fest, dass „der Inhalt des PC Spiels „Left 4 Dead 2″ […] als Gewalt verherrlichend anzusehen [ist] und […] damit den Tatbestand des § 131 StGB [verletzt]“. Problematisch ist hier weniger das Verbot des § 131 StGB, sondern die spätestens mit der Beschlagnahme einhergehende Eintragung des Titels in den Listenteil B der Liste der jugendgefährdenden Medien. Denn während der § 131 StGB nur denjenigen bestraft, der Spielinhalte in „Telemedien einer Person unter achtzehn Jahren oder der Öffentlichkeit zugänglich macht“, dürfen nach § 15 Abs. 1 Nr. 2 JuSchG indizierte Titel nicht an „einem Ort, der Kindern oder Jugendlichen zugänglich ist […] vorgeführt […] werden“. Weiter wäre es möglich, dass das das Let’s Play aufgrund des Inhalts seinerseits „als Video“ jugendgefährdend und das Angebot damit unzulässig ist.
Während des Let’s Plays, das – so macht es zumindest den Eindruck – recht spontan zustande gekommen ist, hatten die Moderatoren dies offenbar nicht bedacht. Dass etwas nicht stimmte merkte die Community, als Rocket Beans TV die zum dauerhaften Abruf bereitgestellten Videos direkt nach dem Upload wieder aus dem Onlineangebot entfernte. Bei reddit.com, wo über die Gründe gemutmaßt wurde, merkte schließlich auch ein Nutzer an, dass „die Vorführung strafbar“ gewesen sein dürfte und auch die Videos nicht im Netz belassen werden dürften. Die Ausstrahlung war unzulässig
Hierbei es jedoch nicht geblieben. Der Vorfall rief auch die Medienanstalt Hamburg/Schleswig-Holstein auf den Plan, die dafür zuständig ist, bei Hamburger Anbietern – wie der Rocket Beans Entertainment GmbH – die Einhaltung des Medienstaatsvertrag HSH zu überwachen. Dieser bestimmt in § 5, dass für unzulässige Angebote „die Bestimmungen des Jugendmedienschutz-Staatsvertrages“ gelten, der wiederum in § 4 Abs. 1 Nr. 5 Inhalte nach § 131 StGB zu den unzulässigen Angeboten zählt. Neben einer Strafbestimmung nach § 52 des Medienstaatsvertrags HSH ist die Medienanstalt als Aufsicht auch zu weiteren Maßnahmen berechtigt:
„Der Medienrat kann feststellen, dass […] durch Inhalte von Telemedien […] gegen […] den Jugendmedienschutz-Staatsvertrag […] verstoßen wird […].“
Eine solche „förmliche Beanstandung“ wurde durch die Medienanstalt Hamburg/Schleswig-Holstein ausgesprochen. Die Rocket Beans Entertainment GmbH habe den „Verstoß eingeräumt und Maßnahmen ergriffen, um ähnliche Vorkommnisse für die Zukunft auszuschließen“. Auf Nachfrage wurde dies von der Rocket Beans Entertainment GmbH bestätigt:
„[…] Wir [haben] Maßnahmen [ergriffen] um genau solche Fehler nicht wieder entstehen zu lassen. Dazu gehört, dass unsere Redakteure entsprechend geschult wurden und wir mittlerweile auch Mitglied der USK sind, die bei uns alle Jugendschutzaktivität übernommen hat.“
USK.online-Mitglieder haben den Vorteil, dass Verstöße zunächst nicht der kjm, sondern der USK gemeldet und dort in einem Verfahren geprüft werden. Weiter sind gem. § 20 Abs. 3 JMStV Maßnahmen gegen Anbieter, die sich an die Vorgaben der USK halten, nur in Sonderfällen möglich.
Als Begründung für die Entscheidung soll durch die Medienanstalt Hamburg/Schleswig-Holstein auf eine Prüfung durch die kjm verwiesen worden sein:
„Im Wesentlichen inhaltsgleich“
Hierbei wirkt es auf den ersten Blick als wenig überzeugend, dass die förmliche Beanstandung darauf gestützt wird, dass die Sendung „im Wesentlichen inhaltsgleich“ mit dem Spiel „Left 4 Dead 2“ sei.
Zum Ersten – Interaktivität:
Das Alleinstellungsmerkmal von Videospielen gegenüber den „klassischen“ Medien ist die Interaktivität bzw. Konfigurierbarkeit der Spielwelt: Der Spieler ist nicht bloß der gaffende Voyeur, der sich mehr oder weniger frei von Verantwortung einem Film aussetzen kann, sondern der verantwortlich handelnde Akteur, der die Aktionen als seine wahrnehmen und deren Folgen rechtfertigen muss. Dies kommt auch in den „Leitkriterien der USK für die jugendschutzrechtliche Bewertung von Computer-und Videospielen“ zum Ausdruck. Dort heißt es:
„Im Hinblick auf die Jugendschutzrelevanz von Inhalten und Darstellungen müssen bei Computerspielen stets die Spezifika dieses Mediums berücksichtigt werden. Insbesondere Interaktivität und Selbstwirksamkeitserleben Stellen im Vergleich zu anderen medialen Herausforderungen wie beispielsweise Film wichtige Unterschiede dar.“
Die BPjM pflichtet dagegen der kjm bei und betont, dass das Medium – zumindest bei der Bewertung der Inhaltsgleichheit – nicht entscheidend sei:
Zum Zweiten – Kommentierung:
Bei Videospielen wird bei der Bewertung seit jeher berücksichtigt, ob und wie das Geschehen kommentiert wird. Seinerzeit wurden die Sprüche von „Duke Nukem“ als Mitbegründung für die Indizierung des Spiels angeführt. Wenn derartige Kommentare nun im Spiel nicht enthalten sind, aber durch den das Let’s Play präsentierenden Moderator gebracht werden, handelt es sich um eine neue Ebene, weshalb es als fragwürdig erscheint davon zu sprechen, dass Spiel und Let‘s Play „im Wesentlichen inhaltsgleich“ seien.
Eine Stellungnahme der BPjM zu dieser Frage zeigt, dass diese weniger auf eine Inhaltsgleichheit, sondern vielmehr auf eine Wirkungsgleichheit abstellt. Während bedenkliche Kommentare zu einem (bereits indizierten) Videospiel ohne Belang sein sollen, könne das Let’s Play eines indizierten Spiels unter Umständen dann als unproblematisch bewertet werden, wenn sich der Spieler im Rahmen seiner Kommentierung differenziert mit den Inhalten auseinandersetzt. Zum Dritten – Kontext:
Der Gesetzgeber sah sich im Jahr 1997 damit konfrontiert (BT-Drs. 13/7934, S. 42.), dass „vielfältige technische Möglichkeiten [bestanden], indizierte Medien mit geringfügig verändertem Inhalt in schneller zeitlicher Abfolge wieder auf den Markt zu bringen und dadurch die Folgen einer Indizierung zu unterlaufen“, weshalb er angesichts einer „Flut von Publikationen in allen relevanten Sparten“ eine (weitere) Prüfung für verzichtbar hielt, wenn Medien „im Wesentlichen inhaltsgleich“ mit bereits indizierten waren. Die Gretchenfrage ist hierbei, wann eine Änderung wesentlich ist. Unbestritten werden solche Änderungen als unwesentlich bewertet, die den Inhalt nicht tangieren. Von daher ist „das Abändern von Titel, Untertitel, Verpackung, die Auswechslung des Autoren- bzw. Verlegernamens, Veränderungen in der Reihenfolge oder das bloße Hinzufügen oder Weglassen einzelner für die Beurteilung der sozialethischen Desorientierung nicht relevanter Text- oder Bildpassagen […] [in der Regel] unerheblich“ (Liesching, in: Erbs/Kohlhaas, Strafrechtliche Nebengesetze, JuSchG, Kommentar, 208. EL (Mai 2016), § 15 Rn. 45.).
Darüber hinaus soll aber eine Identität des Inhalts nicht erforderlich sein, da das (Fort-) Bestehen eines jugendgefährdenden Gesamtcharakters genügen würde (Liesching, a. a. O.):
„Entscheidend für die Inhaltsgleichheit eines Trägermediums mit einem bereits indizierten ist allein dessen zur Jugendgefährdung geeigneter Inhalt. […] Dementsprechend ist stets ohne Belang, ob im Inhalt des Trägermediums, in der Auswahl oder in der Reihenfolge der Texte oder Abbildungen lediglich Änderungen vorgenommen worden sind, die den jugendgefährdenden Gesamtcharakter des Trägermediums unberührt lassen.“
Es stellt sich die Frage, ob ein so weitgehendes Verständnis, bei dem nicht mehr auf den Inhalt, sondern lediglich auf die Wirkung abgestellt wird, bei Let’s Plays noch sachgerecht ist. Selbst wenn die kjm die hier vorzunehmende Prüfung noch leisten können sollte, dürften die betroffenen Internetnutzer eine strafrechtliche Relevanz ihres Handelns nicht mehr abschätzen können. So dürfte bei der Feststellung des „jugendgefährdenden Gesamtcharakters“ eines Videospiels konsequenterweise nicht „allein dessen zur Jugendgefährdung geeigneter Inhalt“ berücksichtigt werden, sondern es müssten alle Inhalte berücksichtigt werden, die mit diesen im Zusammenhang stehen. Schließlich ist ein Videospiel mehr als die bloße Aneinanderreihung von Szenen: Folgen der Handlungen können sich erst im weiteren Verlauf abzeichnen, wie auch die fortschreitende Handlung Anstöße dazu liefern kann, Entscheidungen einzuordnen und zu reflektieren. Von daher müsste bei Darstellungen von einzelnen Teilen eines Werks – wie z. B. bei einem Trailer oder einem Let‘s Play – nicht nur geprüft werden, ob einzelne „Gewaltspitzen“ auch hier vorhanden sind, sondern auch, auf welche Art und Weise sie durch die weiteren Inhalte ggf. relativiert werden. Im Fall eines Let’s Plays, das nur einen von vielen der möglichen Spielverläufen zeigen kann, kommt erschwerend hinzu, dass der Vergleichsmaßstab ein rein fiktiver ist. Während ein Film immer unverändert linear verläuft und dieselben Bilder zeigt, können Spielverläufe in einem Videospiel höchst unterschiedlich ausfallen. Im Fall eines Let’s Plays wäre demnach zu bewerten, ob sich der konkrete Spielverlauf innerhalb des bei der Prüfung durch die BPjM zu Grunde gelegten und als jugendgefährdend bewerteten Handlungskorridors bewegt oder ob mit dem konkreten Spielverlauf eine vergleichbare Jugendgefährdung einhergeht. Zu erwarten, dass Internetnutzer dies leisten könnten, erscheint mehr als gewagt. Wer als Anbieter vorsätzlich oder fahrlässig …
Dass bei der Beurteilung, ob ein Medium „im Wesentlichen inhaltsgleich“ ist, nicht auf die auch für den Laien halbwegs erkennbaren Identität des Inhalts, sondern auf eine vergleichbare Gefährdung abgestellt wird, ist problematisch, weil die Bestimmungen des JMStV hier nicht zwischen kommerziellen Anbietern wie der Rocket Beans Entertainment GmbH und Privatpersonen unterscheiden. Für die Inhalte, die jemand über Twitter, Facebook, Youtube oder seinen Blog zugänglich macht, gilt dasselbe wie für das Angebot von „Rocket Beans TV“. Wer Ausschnitte von Filmen oder Videospielen – beispielsweise Trailer oder Let’s Plays – einbindet, könnte von jugendschutz.net und der kjm belangt werden. Besonders perfide: Der §§ 24 Abs. 1 Nr. 3, 4 Abs. 2 Nr. 2 JMStV greift nicht nur bei vorsätzlichem, sondern auch bei fahrlässigen Handeln, so dass auch derjenige eine Ordnungswidrigkeit verwirklicht, der von der wesentlichen Inhaltsgleichheit nichts wusste, diese aber hätte erkennen müssen. Links:
Dieser Eintrag wurde veröffentlicht in Stigma Videospiele und verschlagwortet mit Indizierung, Let's Play von Redaktion. Permanenter Link zum Eintrag.	12 Gedanken zu “Rocket Beans TV: Förmliche Beanstandung durch Medienaufsicht”	Jürgen Mayer sagte am 14. Oktober 2016 um 18:10 :
Vielleicht sollte doch noch ergänzt werden, dass es sich hier schon um ein „Angebot“ auf Twitch und YouTube handelt, und etwa keinen traditionellen Fernsehsender. Mich als alten Hasen hat das alles jetzt sehr irritiert: existieren denn überhaupt Fälle, wo YouTube/Twitch-Inhalte schonmal dermaßen beanstandet worden wären?
Darüber hinaus: „differenziert mit den Inhalten auseinandersetzt“ ist hier eindeutig Neusprech für „die Meinung der BPjM übernimmt“ – und noch dazu typisch für jene diesbezüglich geforderte, euphemistisch als „Kritik“ bezeichnete, ablehnende Haltung gegenüber unliebsamen oder unerwünschten Inhalten.
Kommentiere ↓	Rey sagte am 14. Oktober 2016 um 19:23 :
Ganz so eindeutig ist das nicht – irgendwie hat Rocket Beans TV eine Senderlizenz aufgedrückt bekommen. Ich weiß selbst nicht, ob die jetzt rechtlich mehr Fernsehen oder mehr Telemedien sind. Beanstandungen von Twitch/Youtube-Inhalten kenne ich keine konkreten, würde aber annehmen, dass es da dutzende Fälle gibt. Auch die „echten“ Sender bekommen ja manchmal Probleme: Hier bei Schnittberichte eine Meldung:
– http://www.schnittberichte.com/news.php?ID=9423
Kommentiere ↓	skully sagte am 15. Oktober 2016 um 06:48 :
Tja selber Schuld, Raketenbohnen, wer von den öffentlich rechtlichen Sendern Geld nimmt braucht sich nicht wundern wenn er nach deren Pfeife tanzen muss. Besser wäre es wenn die Raketenbohnen ihre Zusammenarbeit mit den grauen bürokratischen Zensurdeppen beenden würden. Das ganze Indizierungssystem und die Öffentlich Rechtlichen Sendern gehören zusammengestrichen und abgeschafft, sie sind inkompatibel mit einer voll emanzipierten demokratischen Gesellschaft, freier Kunst, der Zukunft und dienen nur ein paar korrupten Berufspolitikern und Beamtengünstlingen als Selbstdarstellungsplattform.
Kommentiere ↓	Rey sagte am 15. Oktober 2016 um 11:55 :
Ich finde deinen Kommentar wenig konstruktiv.
Diese Regelungen gelten – wie es aus dem Beitrag auch hervorgehen sollte – für alle, die im Internet Inhalte anbieten. Dem kann man sich nicht dadurch entziehen, dass man mit irgendjemanden die Zusammenarbeit beendet. Weiter weiß ich auch nicht, auf welche Zusammenarbeit du anspielst: Verantwortlich für die Beanstandung dürfte die Medienaufsicht bzw. kjm sein und mit denen kann man sich keine Zusammenarbeit aussuchen – diese melden sich bei einem. Weiter halte ich es für ziemlich schräg, dass der JMStV an dieser Stelle nicht zwischen Privatpersonen und kommerziellen Anbietern unterscheidet, doch da jetzt mit Plattitüden um sich zu schmeißen wirkt nicht sonderlich beeindruckend. Man kann es auch einfach bei der Feststellung belassen, dass einem die Regelungen nicht gefallen. So wirkt dein Beitrag schlicht etwas verbittert (was stimmen mag) und nicht gerade geeignet, um irgendwelche Sympathien für dein Anliegen zu wecken.
Kommentiere ↓	skully sagte am 15. Oktober 2016 um 15:21 :
Na gut Rey, vielleicht sollten wir das Ganze mit ein paar Fakten füllen. Wir haben den Moloch Öffentlich Rechtliches Fernsehen der vom Deutschen Volk jedes Jahr mit 7 Milliarden Euro gefüttert wird, und wir bekommen keine einzige Minute richtige Unterhaltung oder brauchbares Wissen und Information. Dafür bekommen wir politisch eingefärbtes von den Parteien bestimmtes Programm, es gibt inzwischen 14 Urteile des Bundesverfassungsgerichts das die politische Färbung des TV Programms beanstanden. Die ÖR Rundfunksender sind dazu verpflichtet Bildung und Kultur zu zeigen und unabhängige Informationen und Presse zu garantieren, tun sie aber nicht oder nur unzureichend. Dann haben wir noch die deutschen Jugendschutzbehörden die ständig nach mehr Zensur schreien, wie zum Beispiel Netzfilter, auch wenn diese bereits als EU Verfassungsbruch angesehen werden, vom Obersten EU Gerichtshof. Darüber hinaus haben wir in Deutschland derzeit in etwa 1,9 Millionen Kinder die in Hartz 4 Zuständen leben müssen. Das ist den Jugendschützern und der Regierung völlig egal, von den schlechten Zuständen und der Unterfinanzierung vom Schulsystem ganz zu schweigen. Meiner Meinung nach kann man die Sendelizenzen der Öffentlich Rechtlichen Sender (inkl. aller Landesanstalten) verkaufen, das Volk durch Abschaffung der Zwangsgebühren und dem Einstampfen von der BPJM und aller Anhängsel sowie dem Ersatzlosen Streichen des §131 mehr dienen, da man die die dadurch frei gewordenen Mittel dazu verwenden kann eben diese sozialen Missstände abzustellen. Ein Kanal für Deutschland als Kultur und Informationsquelle reicht völlig aus. Von daher sollten die Raketenbohnen ihre Zusammenarbeit mit den öffentlich rechtlichen Sendern beenden.
http://www.heise.de/newsticker/meldung/Jugendschuetzer-rufen-nach-Pornofiltern-in-Browsern-und-Betriebssystemen-3331229.html?wt_mc=rss.ho.beitrag.rdf
http://www.zeit.de/gesellschaft/2016-09/kinderarmut-deutschland-hartz-iv
Kommentiere ↓	Rey sagte am 15. Oktober 2016 um 16:55 :
Art und Weise, Umfang der Finanzierung des Öffentlich-Rechtlichen Rundfunks sowie dessen Qualität sind Themen für sich und haben nichts damit zu tun, welche Inhalte in Deutschland auf der Straße und im Internet nicht, oder nur unter bestimmten Voraussetzungen verbreitet werden dürfen. Ob es nun verfassungsfeindliche Symbole, Beleidigungen, Volksverhetzung oder sonst was sind. Auch entscheiden nicht die Gremien der Rundfunkanstalten, sondern die Bundestags- und Landtagsabgeordneten über die deutschen Gesetze. Die inhaltliche Verknüpfung zwischen der Reaktion auf einen Verstoß gegen solche Vorschriften und eine Zusammenarbeit mit dem Öffentlich-Rechtlichen Rundfunk kann ich daher absolut nicht nachvollziehen. Bisher kann ich deinen Beitrag nur so verstehen, dass du aus Verärgerung über den Zustand des Öffentlich-Rechtlichen Rundfunk forderst, diesen zu boykottieren. Einen Zusammenhang mit den Verstoß vermag ich anders als von dir dargestellt nicht zu erkennen. Und im Fall von Rocket Beans TV kritisierst du hier offenbar, dass die auch Inhalte für ARD/ZDF produzieren. Allgemeine Aufsichtsinstanzen für den Rundfunk und Telemedien mit der vermeintlichen Klüngelei bei Gremien der Öffentlich-Rechtliches in Verbindung zu bringen, finde ich dabei auch etwas schräg, da – wie bereits ausgeführt – die in diesem VDVC-Beitrag dargestellte förmliche Beanstandung auf Gesetzen des Bundes- und Landtagsabgeordneten zurückgeht. Kosequenterweise müsstest du also Rocket Beans TV auch vorwerfen, dass sie (wahrscheinlich) Steuern zahlen, da sie damit den Staat und die Politik unterstützen, die für die (Jugendschutz-) Gesetze verantwortlich sind. Soweit ich dich jetzt verstehe hast du schlicht geschrieben, dass du nicht gerade unglücklich über die Beanstandung von Rocket Beans TV bist, weil dir diese – da sie Inhalte für den von dir verhassten Öffentlich-Rechtlichen Rundfunk produzieren – sowieso nicht sympathisch sind. Kurz – deine Schimpftriade im Ursprungspost lässt sich auf einen Auspruch von Nelson Muntz reduzieren: „HA HA!“.
Ich sage damit nicht, dass deine Meinung zur Finanzierung und Qualität des Öffentlich-Rechtlichen Rundfunks falsch wäre – es hat nur im Grunde nichts mit dem Thema zu tun.
Auch die Idee zu sagen, dass man das Geld woanders besser verwenden könne, ist etwas beliebig: Du bewegst dich hier auf demselben rhetorischen Niveau wie Helmut Preller, der 2011 den Nutzern von Ego-Shootern vorwarf, dass man mit ihren Ausgaben für „Killerspiele“ jährlich fast eine halbe Millionen Kinder vor dem Hungertod bewahren könnte:
„2 Euro pro Tag pro Kind = 493.150 Kinder ein Jahr lang ernähren. Und das von einem Tag – EGO-shooter kaufen. Das ist die Realität der virtuellen Kriegs-Spaß-Haber ca. 6-7 Mio Gamer haben am ersten Tag gekauft. Das wäre ein Fasten, das dem Himmel Freude machte einmal an PC/Gamekonsole verzichten und an den „Nächsten“ weitergeben. Und dies betriftt nur einen von vielen Ego-Shootern. Es sind Millarden jedes Jahr im „Spiel“.“
– https://vdvc.de/blog/2011/01/13/preller-legt-nach-hungernde-kinder/
Die einzige EuGH-Entscheidung, die ich zu dem Thema „Netzfilter“ gefunden habe, betraf Netzsperren zum Schutz des Urheberrechts. Das hat absolut nichts damit zu tun, was die kjm im verlangt fordert. Die wollen, dass auf neuen internetfähigen Geräten eine Filtersoftware installiert ist, die – je nach Einstellung – gelabelte Webseiten sperren kann. Die fordern nicht einmal, dass diese „ab Werk“ eingeschaltet ist. Es würde dann die Entscheidung bei den jeweiligen Eltern liegen, ob sie bei den Geräten ihrer Kinder die Software aktivieren oder nicht. Das ist noch viel weniger weitgehend als in Großbritannien, wo es – meines Wissens auch nicht europarechtswidrig – normal ist, dass die Internet-Accessprovider „ab Werk“ einen eingeschaltenen Jugendschutzfilter den Internetanschlüssen vorschalten. Die jeweiligen Anschlussinhaber können die jederzeit bei den Providern deaktivieren lassen, wovon auch Gebrauch gemacht wird.
Kommentiere ↓	Vicarocha sagte am 15. Oktober 2016 um 20:27 :
Danke für den umfangreichen Artikel, der hat auch so ziemlich alles abgedeckt, was ich normalerweise noch ergänzen würde… ich könnte höchstens – ceterum censo incoming – anmerken, dass ich den ursprgl. Beschl. zur Beschlagnahme von „Left 4 Dead2“ für rechtswidrig halte, s. die Seiten 182f. und 188f.meiner Diss.
Kommentiere ↓	Jürgen Mayer sagte am 15. Oktober 2016 um 21:57 :
Der ursprüngliche Kommentar von skully ist leider auch falsch, da sie afaik lediglich eine Kooperation mit RTL II haben, und das ist alles andere als ein öffentlich-rechtlicher Sender. Warum sie selbst allerdings (auch) eine Senderlizenz (erfolgreich beantragt) haben kann ich immer noch nicht nachvollziehen: Inhalte lizenzieren lassen tun auch andere (Internetseiten). Die einzige Möglichkeit die ich da sehe ist, dass sie für die Zukunft etwa einen Astraplatz (Satellit) einplanen, oder dass ihr Programm in irgendein Pay TV-(Kabel-)Netz eingespeist wird – gefunden habe ich diesbezüglich aber eben nichts.
Kommentiere ↓	Rigolax sagte am 15. Oktober 2016 um 23:12 :
So weit ich weiß, benötigt man in Deutschland auch eine Sendelizenz, wenn man online Inhalte streamt, sobald der Cotent von über 500 Leuten empfangen wird oder werden kann. Deswegen war es auf YouTube lange nicht in DE verfügbar und RBTV musste die beantragen.
http://www.heise.de/newsticker/meldung/YouTube-Verwirrung-um-Live-Streaming-in-Deutschland-3046587.html
RBTV ist Teil von FUNK, das „Junge Angebot“ der Öffentlich-Rechtlichen.
Kommentiere ↓	Rey sagte am 16. Oktober 2016 um 00:42 :
Entschuldige bitte, für meinen unfreundlichen Ton – ich finde es nur schade, wenn man viel Arbeit in einen Artikel investiert und dann ein Kommentar kommt, der die Seite der Gamer in die Nähe von Stammtischparolen rückt. Ich habe nichts gegen Kritik an der Qualität und Finanzierung des Öffentlich-Rechtlichen Rundfunks, doch das bitte zum richtigen Zeitpunkt und am richtigen Ort (und in einem vernünftigen Ton). Für mich war das hier keines von beiden. Du hast das offenbar anders gesehen. Noch ein Punkt, über den man sich mehr aufregen könnte: Die Aufsicht für Fernsehsender (und Internet) sind (normalerweise) die Landesmedienanstalten (Es kann da von Land zu Land unterschiede geben, aber darum geht es mir nicht). Die Öffentlich-Rechtlichen Sender sind dagegen nicht der Kontrolle der Landesmedienanstalten unterworfen, sondern kontrollieren sich „selbst“. Also während die Medienaufsicht Hamburg/Schleswig-Holstein Rocket Bean TV kontrolliert, ist der ebenfalls in Hamburg ansässige NDR nicht deren Kontrolle unterworfen, sondern Verstöße werden im NDR-eigenen „Rundfunkrat“ geprüft. Beim ZDF ist es der ZDF-„Fernsehrat“, beim WDR wieder der WDR-„Rundfunkrat“ etc.
Kommentiere ↓	skully sagte am 16. Oktober 2016 um 03:36 :
@Rey Danke ich fühle mich nun verstanden und nehme deine Entschuldigung an. Ich dachte auch das die Teilnahme der Raketenbohnen an FUNK allgemein bekannt war.
Nur noch soviel zum Thema, Gamer die es durch alle Bevölkerungsschichten gehen und die Konzerne, Kreativen Köpfe, Vertriebswege und alle Firmen in der Wertschöpfungskette stehen zahlen Steuern, sie tragen durch den Konsum von Games dazu bei das der nominelle Reichtum der BRD zunimmt der durch Soziale Sicherungssysteme um verteilt werden kann, die BPJM, der Öffentlich Rechtliche Rundfunk sind NEHMER von diesem Reichtum ohne das sie eine für mich erkennbare und für die Gesellschaft als ganzes brauchbare und nützliche Leistung erbringen, von daher (*Schlägt mit der Mitternachtshand von Abadon dem Zerstörer auf den Knochentisch in der Kneipe des Chaos zum Wirbelnden Nether.*) gehört das System weg als Ganzes und die primitive niveaulose Unterhaltung den Privatsendern überlassen, die Zensurbehörden die in deren Fahrwasser Propaganda machen gehören mit abgeschafft. Ich kann es von einen ethischen Standpunkt nicht ertragen das wir für die öffentlich rechtlichen Sender und die BPJM Geld aus dem Fenster werfen wenn auf der anderen Seite Kinder in schlechten sozialen Verhältnissen aufwachsen und keine faire Chance in der Gesellschaft bekommen, wie viele Einsteins, Heisenbergs und Oppenheimer gehen uns dadurch verloren?
Kommentiere ↓	Jürgen Mayer sagte am 18. Oktober 2016 um 18:50 :
Ok, danke. Zum „Jungen Angebot“: ich hatte dazu diesen Artikel gefunden http://www.dwdl.de/nachrichten/55799/junges_angebot_mit_rocketbeans_und_foerderprogramm/ Und das auch nicht verstanden: meinen Recherchen zufolge arbeitete die Produktionsfirma früher (ursprünglich?) für MTV. Dort produzierten sie scheinbar eigene Sendungen auf die dann ihr aktuelles „Rocket Beans TV“ gewissermaßen aufbaute. Ist das jetzt für dieses „Angebot“ nicht auch so, das heißt dass da unabhängig von diesem „TV“-Programm eigene Inhalte produziert werden – darauf wollte ich nämlich hinaus.