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Timestamp: 2019-07-16 07:07:11
Document Index: 14214037

Matched Legal Cases: ['§ 6', '§ 6', '§ 15', '§ 18', '§ 7', '§ 7']

Unternehmerwissen24: Thema der Woche 42. KW
Thema der Woche 42. KW
Geringwertige Wirtschaftsgüter und Sammelposten ab 2010
von Dipl.-Finanzwirt (FH) Christian Ollick
Gewerbetreibende und Selbstständige werden ab 2010 mit neuen Abschreibungsregelungen konfrontiert. Nachdem die Grenze für geringwertige Wirtschaftsgüter ab 2008 von 410 auf 150 EUR absank und eine zwingende Poolabschreibung vorzunehmen war, hat der Gesetzgeber die Regelungen ab 2010 wieder gelockert. Die Neuerungen bieten Ihnen mehr Gestaltungspotenzial.
Gewerbetreibende und Selbstständige müssen sich auf neue Abschreibungsregelungen für bewegliche Wirtschaftsgüter des Anlagevermögens einstellen: Zur Bekämpfung der Wirtschaftskrise hat der Gesetzgeber die Regelungen für geringwertige Wirtschaftsgüter (§ 6 Abs. 2 EStG) und den sog. Sammelposten (§ 6 Abs. 2a EStG) überarbeitet.
Die Neuregelungen gelten nur für die sogenannten Gewinneinkünfte. Hierunter fallen unter anderem die Einkünfte aus Gewerbebetrieb (§ 15 EStG) und selbstständiger Tätigkeit (§ 18 EStG).
Welche Abschreibungsvariante für ein Wirtschaftsgut in Betracht kommt, hängt nach wie vor von dessen Anschaffungs- oder Herstellungskosten ab. Dabei ist stets auf die Nettokosten ohne die Umsatzsteuer abzustellen.
Abschreibungen bis 2009
Noch bis zum Jahr 2009 mussten geringwertige Wirtschaftsgüter sofort im Jahr der Anschaffung abgeschrieben werden, wenn deren Anschaffungskosten bis zu 150 EUR betrugen. Lagen die Anschaffungskosten zwischen 150,01 EUR und 1.000 EUR , waren die Wirtschaftsgüter in einen sog. Sammelposten einzustellen. Unabhängig von der Nutzungsdauer der Wirtschaftsgüter wurden die dort gesammelten Aufwendungen einheitlich über 5 Jahre abgeschrieben. Diese sogenannte Poolabschreibung war zwingend vorzunehmen. Alle Wirtschaftsgüter mit Anschaffungskosten über 1.000 EUR mussten zudem über ihre betriebsgewöhnliche Nutzungsdauer abgeschrieben werden (z.B. Büromöbel über 13 Jahre, Notebooks über 3 Jahre).
Abschreibungen ab 2010
Durch das Wachstumsbeschleunigungsgesetz vom 22.12.2009 (BGBl. I 2009, S. 3950) haben sich die Abschreibungsregelungen ab 2010 geändert. Für alle Wirtschaftsgüter, die nach dem 31.12.2009 angeschafft werden, besteht nun ein neues Wahlrecht:
Der Unternehmer kann geringwertige Wirtschaftsgüter bis maximal 410 EUR entweder sofort abschreiben oder für alle Wirtschaftsgüter zwischen 150,01 EUR und 1.000 EUR die Poolabschreibung anwenden.
Das Bundesfinanzministerium hat zu der Thematik mit Schreiben vom 30.09.2010 Stellung bezogen (BMF-Schreiben, Az. IV C 6 – S 2180/09/10001). Nunmehr sind Wirtschaftsgüter in mehrere Fallgruppen zu unterteilen:
Anschaffungskosten bis 150 EUR: Die Wirtschaftsgüter sind entweder über ihre betriebsgewöhnliche Nutzungsdauer oder sofort in voller Höhe abzuschreiben. Diese Entscheidung kann für jedes Wirtschaftsgut individuell getroffen werden.
Anschaffungskosten von 150,01 Euro bis 410 EUR: Auch diese Wirtschaftsgüter können entweder über ihre betriebsgewöhnliche Nutzungsdauer oder sofort in voller Höhe abgeschrieben werden. Alternativ ist die Einstellung in einen Sammelposten (mit 5-jähriger Abschreibung) zulässig.
Anschaffungskosten von 410,01 Euro bis 1.000 EUR: Diese Wirtschaftsgüter können entweder über die betriebsgewöhnliche Nutzungsdauer oder über den Sammelposten abgeschrieben werden. Eine Sofortabschreibung ist in dieser Fallgruppe nicht möglich.
Anschaffungskosten über 1.000 EUR: Die Wirtschaftsgüter können nur über ihre betriebsgewöhnliche Nutzungsdauer abgeschrieben werden.
Sammelposten nur für alle Wirtschaftsgüter
Der Sammelposten darf nur einheitlich für alle Wirtschaftsgüter eines Wirtschaftsjahres gebildet werden, deren Anschaffungs- und Herstellungskosten zwischen 150,01 EUR und 1.000 EUR liegen. Ob der Sammelposten günstiger ist, hängt insbesondere von der betriebsgewöhnlichen Nutzungsdauer der angeschafften Wirtschaftsgüter ab.
Anschaffungskosten gezielt steuern
Die Höhe der Anschaffungskosten kann der Unternehmer durch die Bildung eines Investitionsabzugsbetrags (§ 7g EStG) beeinflussen. Bildet er für die künftige Anschaffung eines Wirtschaftsgut einen Investitionsabzugsbetrag, kann er die Anschaffungskosten des Wirtschaftsguts sofort um maximal 40 % mindern (§ 7g Abs. 2 S. 2 EStG). Die konkrete Wirkungsweise wird in den folgenden Beispielen deutlich:
Beispiel 1: Versicherungsunternehmer A möchte im Jahr 2011 ein Bücherregal für 600 EUR anschaffen. Lösung: Als Wirtschaftsgut zwischen 410,01 EUR und 1.000 EUR kann das Büroregal entweder über die betriebsgewöhnliche Nutzungsdauer von 13 Jahren oder über 5 Jahre im Sammelposten abgeschrieben werden. Bildet A im Jahr 2010 jedoch einen Investitionsabzugsbetrag für das Regal, mindern sich dessen Anschaffungskosten in 2011 um 40 % (= 240 EUR ), sodass das Regal als geringwertiges Wirtschaftsgut sofort abgeschrieben werden kann.
Faustregel: Wirtschaftsgütern mit Anschaffungskosten von maximal 683,33 Euro können durch diesen Trick unter die Grenze für geringwertige Wirtschaftsgüter gebracht werden.
Beispiel 2: Versicherungsunternehmer A möchte im Jahr 2011 ein Bücherregal für 1.200 Euro anschaffen. Lösung: Das Bücherregal ist als Wirtschaftsgut mit Anschaffungskosten über 1.000 EUR zwingend über die Nutzungsdauer von 13 Jahren abzuschreiben. Bildet A jedoch einen Investitionsabzugsbetrag, mindern sich die Anschaffungskosten um 40 % (= 480 EUR) auf nur noch 720 EUR. Somit kann das Bücherregal noch in den Sammelposten eingestellt und über 5 Jahre abgeschrieben werden.
Faustregel: Wirtschaftsgütern mit Anschaffungskosten bis maximal 1.666 EUR können durch diesen Trick in den Sammelposten "gezogen" werden. Dies lohnt sich besonders bei einer betriebsgewöhnlichen Nutzungsdauer des Wirtschaftsguts von mehr als 5 Jahren.
Die neuen Wahlrechte eröffnen dem Unternehmer eine flexiblere Abschreibungsstrategie. Durch eine Vergleichsberechnung sollte geklärt werden, ob ein Sammelposten günstiger ist oder stattdessen die Sofortabschreibung bis 410 EUR in Verbindung mit der Abschreibung über die betriebsgewöhnliche Nutzungsdauer.