Source: http://www.internetpfarre.de/blog/archives/252-VATIKAN-MISSBRAUCH-UPDATE-NORMAE-DE-GRAVIORIBUS-DELICTIS-UND-SACRAMENTORUM-SANCTITATIS-TUTELA.html
Timestamp: 2017-03-25 23:41:54
Document Index: 47663159

Matched Legal Cases: ['Art. 1', '§ 1', '§ 2', '§ 1', '§ 3', '§ 2', '§ 1', '§ 3', '§ 3', '§ 1', '§ 1', '§ 1', '§ 2', '§ 1', '§ 1', '§ 2', '§ 2', '§ 2', '§ 2', 'Art. 4', '§ 1', '§ 1', '§ 2', '§ 1', 'Art. 5', 'Art. 6', '§ 2', '§ 3', '§ 1', 'Art. 52', '§ 1', '§ 2', '§ 2', 'Art. 1', 'Art. 27']

VATIKAN MISSBRAUCH UPDATE: NORMAE DE GRAVIORIBUS DELICTIS UND SACRAMENTORUM SANCTITATIS TUTELA - Internetpfarrei im Sinne von Padre Alex - Mag. Mag. Dr. Alexander Pytlik
VATIKAN MISSBRAUCH UPDATE: NORMAE DE GRAVIORIBUS DELICTIS UND SACRAMENTORUM ...
in Katholische Lehre, Kirchenrecht, News Kommentare Kommentar (1)
Sämtliche der folgenden Texte übernehme ich von den heute publizierten Mitteilungen des Heiligen Stuhles. Soferne keine deutsche Übersetzung vorliegt, nehme ich sie selbst vor, wobei das eigentliche kirchenrechtliche Dokument vom 21. Mai 2010 erfreulicherweise bereits in deutscher Sprache abrufbar ist, sodaß ich in diesem Blogeintrag (= Update des II. Punktes meines diesbezüglichen früheren Blogeintrags) beim jeweiligen Abschnitt nach dem offiziellen deutschen Text den amtlichen lateinischen Text zum direkten Sprachenvergleich gemeinsam übernehmen kann (vgl. den IV. Punkt in diesem Blogeintrag). Die sehr gelungene und alle Mißverständnisse rund um "Crimen sollicitationis" (vgl. auch das Interview mit Kirchenanwalt [Promotor iustitiae] Monsignore Charles J. Scicluna und den Artikel von J. P. Beal) nochmals behebende rechtsgeschichtliche Hinführung beweist im übrigen auch die Richtigkeit meiner bisherigen Argumentationen gegen ungerechte Geheimhaltungsvorwürfe und auch gegen die unsachgemäße Preisverleihung einer "verschlossenen Auster" in Deutschland sowie insbesondere die Richtigkeit meines Kommentars zum exemplarischen päpstlichen Hirtenbrief an die Iren: der Papst hat tatsächlich das Kirchenrecht für die Opfer gerettet. I. RECHTSGESCHICHTLICHE HINFÜHRUNG ZU DEN NORMEN DES MOTU PROPRIO "SACRAMENTORUM SANCTITATIS TUTELA" (2001), ERSCHIENEN AM 15. JULI 2010 AUF DER VATIKANSEITE (EIGENE EXKLUSIVÜBERSETZUNG):
Die Instruktion "Crimen sollicitationis" hat daher nie beabsichtigt, alle Verfahrensweisen der Katholischen Kirche bei ungehörigen sexuellen Verhaltensformen von Seiten des Klerus darzulegen, sondern eine Vorgehensweise festzulegen, die erlaubte, auf jene absolut einzigartige und besonders delikate Situation einzugehen, welche die Beichte darstellt, bei welcher die völlige Offenheit der Intimität der Seele von Seiten des Pönitenten nach göttlichem Recht mit der Pflicht zur absoluten Verschlossenheit von Seiten des Priesters einhergeht. Nur in weiterer Folge und in Analogie wurde die Instruktion auf einige Fälle unmoralischen Verhaltens von Priestern ausgedehnt. Die Idee, daß eine organische Gesetzgebung zum sexuellen Verhalten von Personen mit Erziehungsverantwortung notwendig sei, ist derart neu, daß es folglich einen schwerwiegenden Anachronismus darstellt, aus diesem Blickwinkel die kirchenrechtlichen Gesetzestexte - zu einem guten Teil aus dem letzten Jahrhundert - beurteilen zu wollen. Die Instruktion des Jahres 1922 wurde den Bischöfen zugesandt, welche die Notwendigkeit hatten, besondere Fälle zu behandeln, die also die Sollizitation, die Homosexualität eines Klerikers, den sexuellen Mißbrauch von Kindern und die Sodomie betrafen. Im Jahr 1962 autorisierte Papst Johannes XXIII. einen Neudruck der Instruktion des Jahres 1922, mit einer kurzen Ergänzung über die Verwaltungsmaßnahmen in den Fällen, die Ordenskleriker betrafen. Die Kopien des Neudruckes 1962 hätten an die beim II. Vatikanischen Konzil (1962 - 1965) versammelten Bischöfe ausgeteilt werden sollen. Einige Kopien des Neudruckes wurden den Bischöfen überreicht, die in der Zwischenzeit Fälle zu behandeln hatten, welche dem Heiligen Offizium vorbehalten waren; aber der Großteil der Kopien wurde nie verteilt. Die vom II. Vatikanischen Konzil vorgeschlagenen Reformen beinhalteten auch eine Reform des Codex des kanonischen Rechtes aus dem Jahre 1917 und der Römischen Kurie. Der Zeitraum zwischen 1965 und 1983 (dem Jahr, in dem der neue Codex des kanonischen Rechtes für die lateinische Kirche veröffentlicht wurde) war von verschiedenen Strömungen unter den Kirchenrechtsexperten gekennzeichnet, was die Zwecke des kirchlichen Strafrechtes und die Notwendigkeit einer dezentralisierten Herangehensweise an die Fälle betraf, indem die Autorität und das Beurteilungsvermögen der Ortsbischöfe als aufgewertet betrachtet wurde. Gegenüber unangemessenen Verhaltensweisen wurde eine "pastorale Herangehensweise" bevorzugt; die kirchenrechtlichen Prozesse wurden von einigen als anachronistisch angesehen. Sehr oft überwog das "therapeutische Modell" in der Behandlung der Fälle ungebührenden Verhaltens der Kleriker. Man erwartete sich, daß der Bischof in der Lage wäre, mehr zu "heilen" als zu "strafen". Eine all zu optimistische Einschätzung der Wohltaten der psychologischen Therapien leitete viele Entscheidungen, welche das Personal der Diözesen und der Institute geweihten Lebens betrafen, bisweilen ohne die Möglichkeit einer Rückfälligkeit angemessen zu berücksichtigen.
Allerdings blieben Fälle, die die Würde des Bußsakramentes betrafen, nach dem Konzil bei der Kongregation für die Glaubenslehre (vormals Heiliges Offizium; der Name wurde im Jahr 1965 geändert), und die Instruktion "Crimen sollicitationis" wurde weiterhin für diese Fälle verwendet, bis zu den neuen vom Motu proprio "Sacramentorum sanctitatis tutela" des Jahres 2001 fixierten Normen. Im Zeitraum nach dem II. Vatikanischen Konzil wurden der Kongregation für die Glaubenslehre wenige Fälle vorgelegt, die ungehörige sexuelle Verhaltensweisen des Klerus in bezug auf Minderjährige betrafen: einige dieser Fälle waren verbunden mit dem Mißbrauch des Bußsakramentes; einige andere können unter die Bitten um Dispens von den Verpflichtungen der Priesterweihe und des Zölibates eingeordnet werden (eine manchmal als "Laisierung" bezeichnete Praxis), die bis zum Jahr 1989 von der Kongregation für die Glaubenslehre abgehandelt worden waren (von 1989 bis 2005 ging die Kompetenz für solche Dispensen an die Kongregation für den Gottesdienst und die Sakramentenordnung über; von 2005 bis heute wurden dieselben Fälle von der Kongregation für den Klerus behandelt).
- an den bei den Ordinarien bzw. Hierarchen errichteten Gerichtshöfen könnten für diese Fälle gültig nur Priester die Ämter des Richters, des Kirchenanwaltes, des Notars und des Anwalts ausüben. Und sobald eine Instanz vor Gericht wie auch immer beendet sei, seien die gesamten Akten des Falles von Amts wegen möglichst bald an die Kongregation für die Glaubenslehre zu übermitteln; Außerdem wurde festgelegt, daß alle Gerichte der lateinischen Kirche und der katholischen Ostkirchen verpflichtet seien, die Canones ihres jeweiligen Gesetzbuches zu den Straftaten und Strafen sowie zum Strafverfahren einzuhalten, gemeinsam mit den von der Kongregation für die Glaubenslehre übermittelten Spezialbestimmungen.
IV. DOKUMENT "NORMAE DE GRAVIORIBUS DELICTIS CONGREGATIONI PRO DOCTRINA FIDEI RESERVATIS", ALSO DIE NUNMEHR GELTENDEN KONKRETEN NORMEN BEZÜGLICH DER SCHWERWIEGENDEREN STRAFTATEN, DIE DER KONGREGATION FÜR DIE GLAUBENSLEHRE VORBEHALTEN SIND (WAREN ERSTMALS AM 30. APRIL 2001 ERLASSEN WORDEN - HIER ALSO DAS UMFASSENDE UND ERSTMALS VOM VATIKAN SELBST OFFIZIELL PUBLIZIERTE UND ÜBERSETZTE DOKUMENT ALS UPDATE VOM 21. MAI 2010) - der amtliche lateinische Text folgt jeweils in kleiner Schrift nach der vatikanischen Internet-Deutschübersetzung: Erster Teil / Pars Prima Substantielle Normen / NORMAE SUBSTANTIALES Art. 1
§ 1. Congregatio pro Doctrina Fidei, ad normam art. 52 Constitutionis Apostolicae Pastor bonus[1], cognoscit delicta contra fidem et delicta graviora, tum contra mores tum in sacramentorum celebratione commissa atque, ubi opus fuerit, ad canonicas sanctiones declarandas aut irrogandas ad normam iuris, sive communis sive proprii, procedit, salva competentia Paenitentiariae Apostolicae[2] et firma manente Agendi ratione in doctrinarum examine.[3] § 2. Bei den in § 1 genannten Straftaten hat die Kongregation für die Glaubenslehre das Recht, im Auftrag des Papstes die Kardinäle, die Patriarchen, die Gesandten des Apostolischen Stuhls, die Bischöfe und andere natürliche Personen zu richten, die in can. 1405 § 3 des Codex des kanonischen Rechts[4] und in can. 1061 des Codex der Canones der orientalischen Kirchen[5] genannt werden.
§ 2. In delictis de quibus in § 1 Congregationi pro Doctrina Fidei ius est, de mandato Romani Pontificis, iudicandi Patres Cardinales, Patriarchas, Legatos Sedis Apostolicae, Episcopos, necnon alias personas physicas de quibus in can. 1405 § 3 Codicis Iuris Canonici[4] et in can. 1061 Codicis Canonum Ecclesiarum Orientalium[5]. § 3. Die Kongregation für die Glaubenslehre behandelt die ihr nach § 1 vorbehaltenen Straftaten gemäß den folgenden Artikeln.
§ 1. Delicta contra fidem, de quibus in art. 1, sunt haeresis, apostasia atque schisma, ad normam cann. 751[6] et 1364[7] Codicis Iuris Canonici et cann. 1436 § 1[8] et 1437[9] Codicis Canonum Ecclesiarum Orientalium. § 2. In den Fällen, die in § 1 erwähnt sind, steht es dem Ordinarius bzw. dem Hierarchen zu, nach Maßgabe des Rechts die als Tatstrafe eingetretene Exkommunikation gegebenenfalls aufzuheben oder einen Strafprozeß in erster Instanz oder per Dekret auf dem Verwaltungsweg durchzuführen, unbeschadet des Rechts, an die Kongregation für die Glaubenslehre zu appellieren bzw. zu rekurrieren.
§ 1. Delicta graviora contra sanctitatem augustissimi Eucharistiae Sacrificii et sacramenti, Congregationi pro Doctrina Fidei cognoscendo reservata, sunt: 1° Das Entwenden oder Zurückbehalten in sakrilegischer Absicht oder das Wegwerfen der konsekrierten Gestalten[10] nach can. 1367 des Codex des kanonischen Rechts[11] und can. 1442 des Codex der Kanones der orientalischen Kirchen[12].
1° abductio vel retentio in sacrilegum finem, aut abiectio consecratarum specierum[10], de quibus in can. 1367 Codicis Iuris Canonici[11] et in can. 1442 Codicis Canonum Ecclesiarum Orientalium[12]; 2° Der Versuch, das Eucharistische Opfer zu feiern gemäß can. 1378 § 2 n. 1 des Codex des kanonischen Rechts[13].
2° attentatio liturgicae eucharistici Sacrificii actionis, de qua in can. 1378 § 2 n. 1 Codicis Iuris Canonici[13]; 3° Das Vortäuschen der Feier des Eucharistischen Opfers nach can. 1379 des Codex des kanonischen Rechts[14] und can. 1443 des Codex der Canones der orientalischen Kirchen[15].
4° vetita in can. 908 Codicis Iuris Canonici[16] et in can. 702 Codicis Canonum Ecclesiarum Orientalium[17] eucharistici Sacrificii concelebratio, de qua in can. 1365 Codicis Iuris Canonici[18] et in can. 1440 Codicis Canonum Ecclesiarum Orientalium[19], una cum ministris communitatum ecclesialium, qui successionem apostolicam non habent nec agnoscunt ordinationis sacerdotalis sacramentalem dignitatem. § 2. Der Kongregation für die Glaubenslehre ist auch die Straftat vorbehalten, die in der in sakrilegischer Absicht erfolgten Konsekration einer oder beider Gestalten innerhalb oder außerhalb der Eucharistiefeier besteht[20]. Wer diese Straftat begeht, soll je nach Schwere des Verbrechens bestraft werden, die Entlassung oder Absetzung nicht ausgeschlossen.
§ 2. Congregationi pro Doctrina Fidei reservatur quoque delictum quod consistit in consecratione in sacrilegum finem unius materiae vel utriusque in eucharistica celebratione, aut extra eam[20]. Qui hoc delictum patraverit, pro gravitate criminis puniatur, non exclusa dimissione vel depositione. Art. 4
§ 1. Delicta graviora contra sanctitatem sacramenti Paenitentiae, Congregationi pro Doctrina Fidei cognoscendo reservata, sunt: 1° Die Lossprechung des Mitschuldigen an einer Sünde gegen das sechste Gebot nach can. 1378 § 1 des Codex des kanonischen Rechts[21] und can. 1457 des Codex der Canones der orientalischen Kirchen[22].
§ 2. Firmo praescripto § 1 n. 5, Congregationi pro Doctrina Fidei reservatur quoque delictum gravius quod consistit in captione quovis technico instrumento facta aut in evulgatione communicationis socialis mediis malitiose peracta rerum quae in sacramentali confessione, vera vel ficta, a confessario vel a paenitente dicuntur. Qui hoc delictum patraverit, pro gravitate criminis puniatur, non exclusa, si clericus est, dimissione vel depositione[30]. Art. 5
3° si vero reus sit clericus dimissione vel depositione puniri poterit[31]. Art. 6
2. Praescriptio decurrit ad normam can. 1362 § 2 Codicis Iuris Canonici[32] et can. 1152 § 3 Codicis Canonum Ecclesiarum Orientalium[33]. In delicto autem, de quo in art. 6 § 1 n. 1, praescriptio decurrere incipit a die quo minor duodevicesimum aetatis annum explevit. Zweiter Teil / Pars Altera
2° causas ab eodem Supremo Tribunali Apostolico in prima instantia definitas Titel II / Titulus II
[17] Codex Canonum Ecclesiarum Orientalium, can. 702 - Sacerdotes catholici vetiti sunt una cum sacerdotibus vel ministris acatholicis Divinam Liturgiam concelebrare. [18] Codex des kanonischen Rechts, can. 1365: "Wer sich verbotener Gottesdienstgemeinschaft schuldig macht, soll mit einer gerechten Strafe belegt werden".
[40] Johannes Paul II., Apostolische Konstitution Pastor Bonus über die Römische Kurie (28. Juni 1988), Art. 52: AAS 80 (1988) 891: "§ 1. Darüber hinaus entscheidet es [das Oberste Gericht der Apostolischen Signatur] über Beschwerden, die innerhalb der Nutzfrist von dreißig Tagen eingelegt worden sind und die sich gegen einzelne Verwaltungsakte richten, die entweder von Dikasterien der Römischen Kurie gesetzt oder von diesen gebilligt wurden, und zwar jedesmal dann, wenn fraglich ist, ob der beanstandete Akt, als er gesetzt oder ausgeführt wurde, irgendein Gesetz verletzt hat. § 2. In diesen Fällen kann es auch, neben dem Urteil über die Unrechtmäßigkeit, sofern der Beschwerdeführer das verlangt, über die Wiedergutmachung von Schäden entscheiden, die durch den unrechtmäßigen Akt entstanden sind.
[41] Secretaria Status, Rescriptum ex Audientia SS.mi Il 4 febbraio, quo Ordinatio generalis Romanae Curiae foras datur, 30 aprilis 1999, Regolamento generale della Curia Romana, 30 aprile 1999, art. 36 § 2, in AAS 91 (1999) 646: «Con particolare cura sarà osservato il segreto pontificio, a norma dell'Istruzione Secreta continere del 4 febbraio 1974». Secretaria Status seu Papalis, Rescriptum ex Audientia, instructio Secreta continere, De secreto pontificio, 4 februarii 1974, in AAS 66 (1974) 89 - 92: «Art. 1.- Secreto pontificio comprehenduntur: … 4) Denuntiationes extra iudicium acceptae circa delicta contra fidem et contra mores, et circa delicta contra Paenitentiae sacramentum patrata, nec non processus et decisio, quae ad hasce denuntiationes pertinent, salvo semper iure eius, qui ad auctoritatem delatus est, cognoscendae denuntiationis, si id necessarium ad propriam defensionem fuerit. Denuntiantis autem nomen tunc tantum patefieri licebit, cum auctoritati opportunum videatur ut denuntiatus et is, qui eum denuntiaverit, simul compareant; …» (p. 90).
Konkret heißt das, daß alle delicta-graviora-Fälle, bei denen Anschuldigungen nicht von vorneherein als völlig unbegründet erscheinen, der römischen Glaubenskongregation vorgelegt werden müssen, sofern diese Fälle nach dem 30. April 2001 bekannt geworden bzw. zur Anzeige gebracht worden sind, selbst dann, wenn sie sich vor diesem Datum ereignet haben sollen. Bei Fällen, die vor dem 30. April 2001 schon bekannt geworden sind, muß die Kongregation für die Glaubenslehre nur dann eingeschaltet werden, wenn jetzt diesbezüglich neue Entscheidungen zu treffen sind. Niemals müssen jedoch Fälle, bei denen der Beschuldigte bereits verstorben ist, der Glaubenskongregation vorgelegt werden. Auf der Basis der vom zuständigen katholischen Ordinarius durchgeführten investigation praevia entscheidet die Kongregation jeweils über das Vorliegen eines Delikts und das weitere Vorgehen. Die Zuständigkeit der Kongregation bezieht sich nämlich ratione materiae auf den gesamten Bereich des sexuellen Mißbrauchs Minderjähriger durch Kleriker. Nru bei zum Zeitpunkt der Tat mit kanonischen Strafen belegten Vergehen kann die Kongregation dann auch von der Verjährung derogieren und die Durchführung eines Strafprozesses anordnen. In Fällen, bei denen der Mißbrauch zur Tatzeit nicht strafbewehrt war, schließt allerdings die Praxis der Glaubenskongregaton die Verhängung von Disziplinarmaßnahmen zum Schutz des Gemeinwohls nicht aus, wenn die Schwere des Falles und das Ärgernis bei den Christgläubigen dies erfordern. Vom Heiligen Stuhl werden somit immer leitende Grundsätze beachtet, die da sind: angepaßte Strenge (vgl. Papst Pius XII., Ansprache an die Sacra Rota Romana, 6. Oktober 1946), Achtung des Gemeinwohls und notwendige Garantien (Widerspruchsrecht des Beschuldigten, unbeschränktes Verteidigungsrecht, volle Objektivität und Gewissenhaftigkeit der Richter). An dieser Stelle ist nochmals von der Glaubenskongregation her zu betonen: das secretum pontificium verhindert oder behindert weder die legitime Wahrnehmung von Rechten noch steht es einer etwaigen Anzeigepflciht von Straftaten gegenüber staatlichen Behörden entgegen, wie sie in einige Ländern besteht. Ein viel diskutierter Punkt, der von den geltenden kanonischen Normen für schwerwiegendere Straftaten zwar nicht direkt berührt wird, war und ist also die Zusammenarbeit mit den zivilen Behörden. Die nunmehr vollständig veröffentlichten Normen sind Teil des kirchlichen Strafrechtes und naturgemäß von jeglichem nationalen Strafrecht unabhängig. In diesem Zusammenhang verweist Pater Lombardi für den Heiligen Stuhl somit nochmals auf den bereits publizierten vatikanischen Leitfaden gegen sexuellen Mißbrauch: "Die staatlichen Gesetze hinsichtlich der Anzeige von Straftaten bei den zuständigen Behörden sind immer zu befolgen." (Soferne ein Bischof betroffen wäre, entscheiden über eine amtliche Anzeige beim Staat jedoch nicht untergebene Mitarbeiter desselben Bischofs, sondern es entscheidet einzig und allein der Heilige Stuhl, unabhängig davon, ob in einem Land durch die Bischofskonferenz Leitlinien beschlossen und in den einzelnen Diözesen erlassen worden wären.) Wörtlich gab P. Lombardi die bereits bekannte Position des Heiligen Stuhles diesmal so wieder (in meiner Übersetzung aus dem Italienischen): "Das bedeutet, daß es nach der von der Kongregation für die Glaubenslehre vorgesehenen Praxis nötig ist, frühzeitig den Anordnungen der in den verschiedenen Ländern geltenden Gesetze zu genügen und nicht erst im Verlaufe des kirchenrechtlichen Verfahrens oder erst nach diesem." Wie schon bisher darf daher nicht von der weiterhin zum Schutz der Würde aller beteiligten Personen vorgeschriebenen vertraulichen Diskretion der kirchenrechtlichen Prozesse irrtümlich auf eine angebliche Nicht-Zusammenarbeit der Kirche mit staatlichen Strafverfolgungsbehörden geschlossen werden.
ACHTUNG: UPDATE DURCH DEN VATIKAN SELBST - DIE VOLLSTÄNDIG PUBLIZIERTEN UND AKTUALISIERTEN NORMEN ZUM SCHUTZ DER HEILIGEN SAKRAMENTE UND GEGEN SEXUELLEN MISSBRAUCH HABE ICH IN DIESEM BLOGEINTRAG VERFÜGBAR GEMACHT! In den letzten Wochen sind angesichts Weblog: www.internetpfarre.de/blog/ - Padre Alex - Mag. Mag. Dr. Alexander Pytlik
Aufgenommen: Jul 15, 14:27
bembel via Twitter
@padrealex das #Abendmahl von Kath. mit Ev. ist ebenso "schwerwiegende Straftat" wie #Missbrauch an Minderjährigen? http://bit.ly/cVLE3m
Weblog: bembel
Aufgenommen: Jul 15, 22:47
Aufgenommen: Jul 16, 08:31
derdino via Twitter
Weihe von Frauen in der #katholischen #Kirche jetzt eine schwere Straftat, auf einer Stufe mit Mißbrauch http://bit.ly/aPC76w #fail
Weblog: derdino
Aufgenommen: Jul 16, 13:41
Leitlinien für den Umgang mit sexuellem Mißbrauch Minderjähriger durch Kleriker, Ordensangehörige und andere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Bereich der Deutschen Bischofskonferenz EINFÜHRUNG Grundsätzliches 1. In ihrer Verantwortung für den Weblog: www.internetpfarre.de/blog/ - Padre Alex - Mag. Mag. Dr. Alexander Pytlik
Aufgenommen: Aug 31, 22:38
Aufgenommen: Dez 28, 23:44
Zusammenfassende Note des Pressesaales des Heiligen Stuhles zum heute publizierten Rundscheiben der Kongregation für die Glaubenslehre (Pater Federico Lombardi SJ; Übersetzung aus dem Italienischen) Die Kongregation für die Glaubenslehre bittet alle B
Aufgenommen: Mai 16, 17:19
Aufgenommen: Jul 18, 10:13
Aufgenommen: Sep 06, 14:29
Aufgenommen: Feb 18, 22:35
Seit 11. November 2014 ist ein allgemeines Ausführungsdekret in Kraft, welches das oben referierte Gesetz (insbesondere Art. 27 SST) näher erläutert:
http://www.vatican.va/roman_curia/secretariat_state/parolin/2014/documents/rc_seg-st_20141103_rescriptum-congregazione-dottrina-fede_it.html
Dieses wurde durch Audienz des hochwürdigsten Herrn Kardinalstaatssekretärs Pietro Parolin bei Seiner Heiligkeit Papst Franziskus am 3. November 2014 (Prot.-Nr. 62.411) erwirkt. Meine deutsche Übersetzung des italienischen Textes entnehme ich dem Blogeintrag
http://www.internetpfarre.de/blog/archives/344-DIE-VON-PAPST-FRANZISKUS-GESCHAFFENE-PAEPSTLICHE-KOMMISSION-FUER-DEN-SCHUTZ-DER-MINDERJAEHRIGEN-ARBEITET.html
[BEGINN MEINER ÜBERSETZUNG:]
"RESCRIPTUM EX AUDIENTIA SS.MI" ÜBER DIE EINRICHTUNG EINES KOLLEGIUMS INNERHALB DER KONGREGATION FÜR DIE GLAUBENSLEHRE ZUR ÜBERPRÜFUNG DER [AN DIE ORDENTLICHE VERSAMMLUNG GERICHTETEN] REKURSE VON GEISTLICHEN BETREFFEND DIE DELICTA GRAVIORA [SCHWERWIEGENDEREN STRAFTATEN]
[ENDE MEINER ÜBERSETZUNG DES RESKRIPTES.]
[ Ursprung ]#1: Padre Alex / Dr. Alexander Pytlik am 18.02.2015 22:26