Source: http://www.steuerschroeder.de/steuerlexikon/154676/Innergemeinschaftliche%20G%C3%BCterbef%C3%B6rderung
Timestamp: 2018-03-21 22:12:35
Document Index: 359949871

Matched Legal Cases: ['§ 1', '§ 13', 'Art. 220', 'Art. 236', '§ 4', '§ 6', '§ 5', 'Art. 236', 'Art. 236', 'Art. 4', 'Art. 236', '§ 1', '§ 5', '§ 17', '§ 5', '§ 17', '§ 10', '§ 17', '§ 17', '§ 10', '§ 17', '§ 17', '§ 6', '§ 17', '§ 6', '§ 17', '§ 4', '§ 6', '§ 4', '§ 6', '§ 6', '§ 3', '§ 6']

Steuerlexikon von A-Z Innergemeinschaftliche Güterbeförderung
Für die Beförderung von Gütern und der damit in Zusammenhang stehenden Leistungen wurden ab dem 01.01.1993 für den EU-Binnenmarkt Sonderregelungen geschaffen, die zu einer abweichenden Besteuerung führen.
Innergemeinschaftliche Güterbeförderungen liegen vor, wenn
Gegenstände befördert werden und
die Beförderung in einem EU-Mitgliedstaat beginnt und
die Beförderung in einem anderen EU-Mitgliedstaat endet.
Die Beförderung kann durch einen oder mehrere EU-Mitgliedstaaten oder aber auch durch das Drittlandsgebiet führen. Maßgeblich ist lediglich, dass Beginn und Ende der Beförderung in zwei unterschiedlichen EU-Mitgliedstaaten liegen.
Der Spediteur S befördert im Auftrag des Lieferers K in Köln eine Ladung Eichenmöbel zum Abnehmer A in Italien. S holt die Waren bei K ab und fährt zunächst nach Frankreich und danach durch die Schweiz zu A nach Italien.
S bewirkt eine innergemeinschaftliche Güterbeförderung, da Beginn und Ende der Beförderung in zwei verschiedenen EU-Mitgliedstaaten liegen. Die Ware darf jedoch nur im Transit durch die Schweiz befördert werden. S muss diese Beförderungsleistung in dem EU-Mitgliedstaat versteuern, in dem die Beförderung beginnt (sog. Abgangsland).
Der Sitzort des Beförderungsunternehmers ist für die Beurteilung der innergemeinschaftlichen Güterbeförderung unmaßgeblich, er ist jedoch für die Durchführung der Besteuerung zu beachten. Unmaßgeblich ist auch, wo die Fahrt des Transportunternehmers beginnt oder endet. Entscheidend ist der Ort, an dem die Beförderung der Ware beginnt und endet. Keinen Einfluss auf die umsatzsteuerliche Beurteilung der Leistung hat die Art der Beförderung (Luftfahrzeug, Landfahrzeug oder Wasserfahrzeug).
Der Transportunternehmer M aus Münster hat den Auftrag für den Kunden K aus Köln Waren vom Herstellerwerk in Gent (Belgien) abzuholen und zum Abnehmer A nach Amsterdam (Niederlande) zu befördern. M beginnt die Fahrt mit einem leeren LKW in Paris und holt die Ware in Belgien ab. K verwendet bei diesem Auftrag keine USt-IdNr.
Ort der Beförderungsleistung ist Gent (Belgien), da dies der Abgangsort ist. Die Leerfahrt von Paris nach Gent führt zu keiner anderen Beurteilung der Leistung.
Die deutschen Freihäfen gehören gemeinschaftsrechtlich zum Gebiet der Bundesrepublik Deutschland. Deshalb ist eine innergemeinschaftliche Güterbeförderung auch dann gegeben, wenn die Beförderung in einem deutschen Freihafen beginnt und in einem anderen EU-Mitgliedstaat endet oder umgekehrt. Weil Freihäfen aber nicht zum umsatzsteuerlichen Inland gehören (§ 1 Abs. 2 Satz 1 UStG), ist eine innergemeinschaftliche Güterbeförderung, die in einem deutschen Freihafen beginnt, grundsätzlich nicht steuerbar. Solche Beförderungsleistungen werden nur dann als im Inland ausgeführter Umsatz behandelt, wenn die Leistung nicht für das Unternehmen des Leistungsempfängers ausgeführt wird (z.B. Beförderung von Möbeln für die Privatwohnung des Unternehmers).
Gleichgestellte Leistungen
Einer innergemeinschaftlichen Güterbeförderung gleichgestellt ist die Beförderung eines Gegenstandes, die in ein und demselben EU-Mitgliedstaat beginnt und endet, wenn diese unmittelbar mit einer innergemeinschaftlichen Güterbeförderung in Zusammenhang steht (Gebrochene innergemein. Güterbeförderung). Diese werden als sog. Vor- und Nachläufe bezeichnet.
(Innergem. Güterbeförderung - Nebenleistungen)
Eine innergemeinschaftliche Güterbeförderung gilt grundsätzlich als dort ausgeführt, wo die Beförderung beginnt (Abgangsort). Sie unterliegt daher insgesamt in diesem EU-Mitgliedstaat (Abgangsland) der Umsatzbesteuerung. Eine Aufteilung der Leistung in einen inländischen und einen ausländischen Teil ist - im Gegensatz zu den grenzüberschreitenden Güterbeförderungen in das bzw. aus dem Drittlandsgebiet - nicht vorzunehmen.
Wenn der Leistungsempfänger (der Auftraggeber des Beförderungsunternehmers) ein Unternehmer ist, der eine von einem anderen als dem Abgangsland erteilte USt-IdNr. bei dieser Beförderungsleistung verwendet, ist die innergemeinschaftliche Güterbeförderung nicht im Abgangsland, sondern in dem EU-Mitgliedstaat zu versteuern, der diese USt-IdNr. erteilt hat.
Der deutsche Unternehmer M in München beauftragt unter Verwendung seiner deutschen USt-IdNr. den in Österreich ansässigen Transportunternehmer ÖT eine LKW-Ladung Büromöbel in Italien abzuholen und an seinen Kunden P in Paris zu befördern.
Da der Leistungsempfänger (M) seine deutsche und nicht die USt-IdNr. des Abgangslandes (Italien) verwendet, ist die innergemeinschaftliche Güterbeförderung durch ÖT in Deutschland zu versteuern.
Da ÖT nicht in Deutschland ansässig ist, muss der Leistungsempfänger (M) beachten, dass sich die Steuerschuldnerschaft nach § 13b UStG auf ihn verlagert. Das bedeutet, dass M die in der Rechnung des ÖT offen ausgewiesene Umsatzsteuer einbehalten und an sein Finanzamt abführen muss.
Die Verwendung der USt-IdNr. ist grundsätzlich vor Ausführung der Leistung dem mit der Güterbeförderung beauftragten Unternehmer mitzuteilen. Dies kann beispielsweise im Speditionsauftrag erfolgen. Hat der Auftraggeber mehrere USt-IdNr., die ihm von verschiedenen EU-Mitgliedstaaten erteilt wurden, kann er wählen, welche er verwendet. Er hat damit die Möglichkeit zu bestimmen, in welchem EU-Mitgliedstaat die innergemeinschaftliche Güterbeförderung zu versteuern ist.
Mit Urteil vom 14. November 2017 (Az. 11 K 1102/15) hat der 11. Senat des Finanzgerichts entschieden, dass bestandskräftig festgesetzte Einfuhrumsatzsteuer zu erlassen ist, wenn und soweit der Steuerpflichtige nachweist, dass er nach Deutschland eingeführte Waren im unmittelbarem Anschluss für eine innergemeinschaftliche Lieferung verwendet hat. Gegen das Urteil wurde Revision beim Bundesfinan...
Mit Urteil vom 14. November 2017 (Az. 11 K 1102/15) hat der 11. Senat des Finanzgerichts entschieden, dass bestandskräftig festgesetzte Einfuhrumsatzsteuer zu erlassen ist, wenn und soweit der Steuerpflichtige nachweist, dass er nach Deutschland eingeführte Waren im unmittelbarem Anschluss für eine innergemeinschaftliche Lieferung verwendet hat. Gegen das Urteil wurde Revision beim Bundesfinanzhof eingelegt (Az. VII R 4/18). Die Klägerin ist ein Schweizer Bauunternehmen, das im Streitjahr 2009 an der Errichtung einer Wohn- und Geschäftsimmobilie in London beteiligt war. In diesem Zusammenhang meldete sie beim deutschen Zoll mehrfach Waren zur Überführung in den zollrechtlich freien Verkehr mit unmittelbar anschließender innergemeinschaftlicher Lieferung an (Verfahren 4200). Bei den Waren handelte es sich um vorgefertigte Konstruktionen, die von der Schweiz über Deutschland an die Baustelle in London transportiert und dort von der Klägerin montiert werden sollten. Das Zollamt gab die Waren zunächst ohne Erhebung von Einfuhrabgaben frei. Nachdem das Hauptzollamt (HZA) Fehler in den Zollanmeldungen festgestellt hatte, erließ es einen Einfuhrabgabenbescheid. Darin wurden für 85 Zollanmeldungen aus dem Jahr 2009 Einfuhrumsatzsteuer in Höhe von insgesamt 649.167,64 Euro gem. Art. 220 Abs. 1 der Verordnung (EWG) Nr. 2913/92 des Rates vom 12. Oktober 1992 zur Festlegung des Zollkodex der Gemeinschaften (ZK) nacherhoben. Der Nacherhebungsbescheid wurde bestandskräftig. Unter Vorlage von Frachtbriefen und anderer Unterlagen stellte die Klägerin einen Erlassantrag nach Art. 236 ZK, den das HZA ablehnte. Die hiergegen erhobene Klage hatte teilweise Erfolg. Das Finanzgericht verpflichtete das HZA die festgesetzte Einfuhrumsatzsteuer in Höhe von 227.899,98 Euro zu erlassen. In diesem Umfang habe die Klägerin nachgewiesen, dass sie die Einfuhren unmittelbar zur Ausführung von innergemeinschaftlichen Lieferungen nach § 4 Nr. 1 Buchst. b, § 6a des Umsatzsteuergesetzes (UStG) verwendet habe. Das führe nach § 5 Abs. 1 Nr. 3 UStG zur Steuerfreiheit dieser Einfuhren und begründe einen Erlassanspruch. Zwar schließe Art. 236 ZK die Erstattung bzw. den Erlass der Einfuhrumsatzsteuer (unmittelbar) nicht ein, da es sich bei ihr nicht um eine Einfuhrabgabe im Sinne des Art. 236 i. V. m. Art. 4 Nr. 10 ZK handele. Art. 236 ZK sei aber sinngemäß anzuwenden, wenn eine Einfuhr im Sinne des § 1 Abs. 1 Nr. 4 UStG im Inland vorliege. Das sei hier der Fall, weil die streitgegenständlichen Waren aus der Schweiz über den Landweg mit dem LKW nach Deutschland eingeführt worden seien. Dass die eingeführten Bauteile letztlich nicht in den inländischen Wirtschaftskreislauf, sondern in den Großbritanniens eingegangen sind, ändere nichts an der Steuerbarkeit der Einfuhr im Inland. Für den Tatbestand der Einfuhr sei es ausreichend, dass die Gegenstände in den Wirtschaftskreislauf der Union gelangten. Davon zu unterscheiden sei die Frage, in welchem Mitgliedstaat die Einfuhr erfolgt sei. Das sei Deutschland gewesen, weil hier die Waren in den zollrechtlich freien Verkehr überführt worden seien. Die von der Klägerin geschuldete Einfuhrumsatzsteuer sei nur steuerfrei, soweit der eingeführte Gegenstand im Anschluss an die Einfuhr unmittelbar zur Ausführung einer innergemeinschaftlichen Lieferung verwendet werde. Wie und in welcher Form der Nachweis einer an die Einfuhr anschließenden innergemeinschaftlichen Lieferung gegenüber der Zollstelle zu erbringen sei, regele § 5 Abs. 1 Nr. 3 UStG erst in seiner ab 1. Januar 2011 gültigen Neufassung. Für das Streitjahr 2009 sei der Nachweis daher durch die in §§ 17a Abs. 2 bis 4 der Umsatzsteuerdurchführungsverordnung (UStDV) genannten, leicht nachprüfbaren Belege (Rechnung, Lieferschein usw.) zu führen, sofern diese im Zeitpunkt der Einfuhrabfertigung bereits zur Verfügung stünden. Diese Nachweispflichten habe die Klägerin nur teilweise erfüllt. Die Steuerbefreiung sei trotz Nichterfüllung formeller Nachweispflichten auch zu gewähren, wenn aufgrund der objektiven Beweislage feststehe, dass die Voraussetzungen einer innergemeinschaftlichen Lieferung vorliegen. Dieser Grundsatz sei auch auf die Beurteilung der Steuerfreiheit bei der Einfuhr nach § 5 Abs. 1 Nr. 3 UStG übertragbar. Eine Erstattung oder ein Erlass der Einfuhrumsatzsteuer dürfe nicht unter Hinweis auf formale Verstöße zum Zeitpunkt der Einfuhr abgelehnt werden, wenn (nachträglich) der Nachweis einer im Anschluss durchgeführten innergemeinschaftlichen Lieferung erbracht werde Das Finanzgericht war auf Grundlage der ihm vorliegenden Unterlagen jedoch nur hinsichtlich eines Teils der Einfuhren davon überzeugt, dass die betreffenden Waren im Anschluss an die Einfuhr tatsächlich nach Großbritannien versendet waren.
Quelle: FG Baden-Württemberg, Mitteilung vom 28.02.2018 zum Urteil 11 K 1102/15 vom 14.11.2017 (nrkr - BFH-Az.: VII R 4/18)
Leitsatz Ein CMR-Frachtbrief ist Frachtbrief i. S. von § 17a Abs. 4 Satz 1 Nr. 2, § 10 Abs. 1 Nr. 1 UStDV a. F. (§ 17a Abs. 3 Satz 1 Nr. 1 Buchst. a Doppelbuchst. aa UStDV n. F.), wenn er die Vertragsparteien des Beförderungsvertrages angibt, d. h. den Frachtführer sowie denjenigen, der den Vertrag mit dem Frachtführer geschlossen hat. Soll der Unternehmer bei der innergemeinschaftlichen L...
Ein CMR-Frachtbrief ist Frachtbrief i. S. von § 17a Abs. 4 Satz 1 Nr. 2, § 10 Abs. 1 Nr. 1 UStDV a. F. (§ 17a Abs. 3 Satz 1 Nr. 1 Buchst. a Doppelbuchst. aa UStDV n. F.), wenn er die Vertragsparteien des Beförderungsvertrages angibt, d. h. den Frachtführer sowie denjenigen, der den Vertrag mit dem Frachtführer geschlossen hat.
Soll der Unternehmer bei der innergemeinschaftlichen Lieferung den Nachweis der Lieferung in das übrige Gemeinschaftsgebiet gemäß § 17a Abs. 2 Nr. 2 UStDV a. F. u. a. durch einen handelsüblichen Beleg führen, aus dem sich der Bestimmungsort ergibt, so reichen hierfür allgemeine Angaben, wie die Bestätigung, den Liefergegenstand ordnungsgemäß aus Deutschland oder in ein im Einzelnen bezeichnetes Bestimmungsland auszuführen, nicht aus.
Quelle: BFH, Urteil V R 38/14 vom 22.07.2015
Leitsatz Der Unternehmer darf den ihm obliegenden sicheren Nachweis der materiellen Tatbestandsmerkmale einer innergemeinschaftlichen Lieferung auch jenseits der formellen Voraussetzungen gemäß § 6a Abs. 3 UStG i. V. m. §§ 17a ff. UStDV nicht in anderer Weise als durch Belege und Aufzeichnungen führen. Quelle: BFH, Urteil V R 14/14 vom 19.03.2015 ...
Der Unternehmer darf den ihm obliegenden sicheren Nachweis der materiellen Tatbestandsmerkmale einer innergemeinschaftlichen Lieferung auch jenseits der formellen Voraussetzungen gemäß § 6a Abs. 3 UStG i. V. m. §§ 17a ff. UStDV nicht in anderer Weise als durch Belege und Aufzeichnungen führen.
Quelle: BFH, Urteil V R 14/14 vom 19.03.2015
Umsatzsteuerfreie innergemeinschaftliche Lieferung im Rahmen eines Reihengeschäfts - Vertrauensschutz
Der XI. Senat des Bundesfinanzhofs (BFH) hat mit Urteil vom 25. Februar 2015 XI R 15/14 entschieden, dass bei sog. Reihengeschäften die Prüfung, welche von mehreren Lieferungen über ein und denselben Gegenstand in einen anderen Mitgliedstaat nach § 4 Nr. 1 Buchst. b i. V. m. § 6a Abs. 1 des Umsatzsteuergesetzes (UStG) steuerfrei ist, anhand der objektiven Umstände und nicht anhand der Erklärungen ...
Der XI. Senat des Bundesfinanzhofs (BFH) hat mit Urteil vom 25. Februar 2015 XI R 15/14 entschieden, dass bei sog. Reihengeschäften die Prüfung, welche von mehreren Lieferungen über ein und denselben Gegenstand in einen anderen Mitgliedstaat nach § 4 Nr. 1 Buchst. b i. V. m. § 6a Abs. 1 des Umsatzsteuergesetzes (UStG) steuerfrei ist, anhand der objektiven Umstände und nicht anhand der Erklärungen der Beteiligten vorzunehmen ist; Erklärungen des Erwerbers können allerdings im Rahmen der Prüfung des Vertrauensschutzes (§ 6a Abs. 4 UStG) von Bedeutung sein.
Eine umsatzsteuerfreie innergemeinschaftliche Lieferung setzt u.a. voraus, dass der gelieferte Gegenstand in einen anderen Mitgliedstaat der Europäischen Union (EU) befördert oder versendet wird. Dies festzustellen bereitet insbesondere bei sog. Reihengeschäften immer wieder Schwierigkeiten: Liefert ein Unternehmer (A) Waren an einen anderen Unternehmer (B), der diese an einen dritten Unternehmer (C) weiterliefert, kann nur diejenige Lieferung umsatzsteuerfrei sein, der der Warentransport in den anderen Mitgliedstaat zuzuordnen ist. Im Verfahren XI R 15/14 verkaufte eine deutsche GmbH (A) im Jahr 1998 zwei Maschinen an ein US-amerikanisches Unternehmen (B). B teilte A auf Anfrage lediglich die Umsatzsteuer-Identifikationsnummer eines finnischen Unternehmens (C) mit, an die es die Maschinen weiterverkauft habe. Die Maschinen wurden von einer von B beauftragten Spedition bei A abgeholt und zu C nach Finnland verschifft. Das Finanzamt (FA) behandelte die Lieferung der A nicht als steuerfrei, weil B keine Umsatzsteuer-Identifikationsnummer eines Mitgliedstaats der EU verwendet habe. Nach Ansicht des zuvor auf Vorlage des BFH mit dem Streitfall befassten Gerichtshof der Europäischen Union ist bei sog. Reihengeschäften regelmäßig die Lieferung von A an B umsatzsteuerfrei; anders ist es jedoch, wenn B der C bereits Verfügungsmacht an der Ware verschafft hat, bevor die Ware das Inland verlassen hat. Dies ist anhand aller objektiven Umstände des Einzelfalls und nicht lediglich anhand der Erklärungen des B zu prüfen. A, das FA und das Finanzgericht (FG) konnten im Nachhinein nicht mehr ermitteln, wann B die Verfügungsmacht an den Waren der C verschafft hatte. Das FG gab deshalb der Klage statt. Der BFH bestätigte dieses Ergebnis. § 3 Abs. 6 Satz 6 Halbsatz 1 UStG enthalte die gesetzliche Vermutung, dass im Zweifel die erste Lieferung (von A an B) steuerfrei sei. Diese greife im Streitfall. Trotz der bestehenden praktischen Schwierigkeiten sei nach derzeitiger Rechtslage an den genannten Rechtsgrundsätzen festzuhalten. Eventuelle Rechtsänderungen vorzunehmen sei Aufgabe des Gesetz- oder Richtliniengebers. Im Rahmen seines Urteils zeigte der BFH außerdem eine für die Unternehmer bestehende Absicherungsmöglichkeit auf: Nach Auffassung des BFH kann sich z. B. A von B versichern lassen, dass B die Befugnis, über den Gegenstand der Lieferung wie ein Eigentümer zu verfügen (Verfügungsmacht), nicht auf einen Dritten übertragen wird, bevor der Gegenstand der Lieferung das Inland verlassen hat. Verstößt B gegen diese Versicherung, kommt die Gewährung von Vertrauensschutz für A in Betracht und B schuldet ggf. die deutsche Umsatzsteuer (§ 6a Abs. 4 UStG). In einem zweiten Urteil vom selben Tag (XI R 30/13), ebenfalls zur umsatzsteuerrechtlichen Behandlung von Reihengeschäften, stellte der XI. Senat des BFH klar, dass auch dann, wenn der zweite Erwerber (C) eine Spedition mit der Abholung von Waren beim Unternehmer (A) beauftragt, eine Steuerbefreiung der Lieferung des A an B möglich ist, wenn C die Verfügungsmacht an den Waren erst erhalten hat, nachdem diese das Inland verlassen haben. Dies sei bei einer Beförderung durch eine von C beauftragte Spedition zwar eher unwahrscheinlich, aber nicht ausgeschlossen.
Quelle: BFH, Pressemitteilung Nr. 25/15 vom 08.04.2015 zu den Urteilen Urteil XI R 15/14 und XI R 30/13 vom 25.02.2015
Nachweis innergemeinschaftlicher Lieferungen mittels CMR-Frachtbrief
Nachweis innergemeinschaftlicher Lieferungen mittels CMR-Frachtbrief Einführung Innergemeinschaftliche Lieferungen sind steuerfrei. Allerdings muss der liefernde Unternehmer nachweisen, dass die Voraussetzungen hierfür vorliegen. Scheitert dies, so ergeben sich für die Lieferanten regelmäßig hohe Nachzahlungen. Sachverhalt Der Kläger verkaufte in den Jahren 2001 bis 2004 Haushaltswaren (Kochto...
Einführung Innergemeinschaftliche Lieferungen sind steuerfrei. Allerdings muss der liefernde Unternehmer nachweisen, dass die Voraussetzungen hierfür vorliegen. Scheitert dies, so ergeben sich für die Lieferanten regelmäßig hohe Nachzahlungen.
Sachverhalt Der Kläger verkaufte in den Jahren 2001 bis 2004 Haushaltswaren (Kochtopfsets, Messerblöcke etc.) für ca. 6,7 Millionen EUR steuerfrei nach Italien. Die Steuerfahndung warf ihm dagegen vor, "Billigartikel aus China importiert und über Straßenhändler international unter Vorspiegelung falscher Standards" verkauft zu haben. Die angeblichen Lieferungen nach Italien hätten nur der Verschleierung des unversteuerten Verkaufs gedient. Der Kläger wehrte sich hiergegen, in dem er versuchte die Lieferungen unter anderem über CMR-Frachtbriefe, Mautgebühren sowie Bestätigungen des Kunden nachzuweisen, da er die gesetzlich geforderten Belege nicht vorlegen konnte.
Entscheidung Das Finanzgericht (FG) Düsseldorf lehnte die Klage ab, da der Kläger seinen Nachweispflichten nicht nachgekommen ist. Die Anerkennung der CMR-Frachtbriefe scheitere unter anderem daran, dass diese keinen Spediteur als Transporteur auswiesen, sondern den italienischen Empfänger. Ferner fehle es an erforderlichen Ortsangaben. Das FG sah sich darüber hinaus nicht verpflichtet, durch Vernehmung von Zeugen etc., selbst zur weiteren Aufklärung des Sachverhaltes beizutragen.
Konsequenzen Der Fall betrifft zwar die Rechtslage vor Einführung der Gelangensbestätigung, ist aber auch aktuell von Bedeutung. So kann zum einen durch CMR-Frachtbriefe auch derzeit noch in bestimmten Fällen der Nachweis innergemeinschaftlicher Lieferungen erbracht werden. Zum anderen bezieht das FG zu der Frage Stellung, inwieweit eine Steuerbefreiung aufgrund "objektiver Beweismittel" in Frage kommt, wenn die gesetzlich geforderten Nachweise nicht vollständig erbracht werden. Das FG vertritt hierbei die restriktive Ansicht, dass hierbei nur die bereits vorhandenen "objektiven Beweismittel" zu berücksichtigen sind. Zusätzliche Ermittlungen, z. B. durch Befragung von Zeugen, lehnte das FG dagegen ab. Um diesbezüglich auch eine höchstrichterliche Klärung herbeizuführen, hat das FG die Revision zugelassen. Es bleibt zu hoffen, dass der Bundesfinanzhof nicht der Ansicht des FG folgt. Unabhängig vom Ausgang des Verfahrens sollte es in der Praxis natürlich erst gar nicht so weit kommen. Unternehmen sollten daher prüfen, ob die Umstellung auf die neuen, spätestens zum 1.1.2014 geltenden Nachweispflichten für innergemeinschaftliche Lieferungen gelungen ist.