Source: http://www.hensche.de/Verstoss_Gleichbehandlungsgrundsatz_kein_Verstoss_gegen_Gleichbehandlungsgrundsatz_wenn_Arbeitgeber_vertragliche_Pflichten_erfuellt_BAG_5AZR520-10-u.html
Timestamp: 2018-03-20 21:24:24
Document Index: 327137287

Matched Legal Cases: ['§ 612', '§ 253', '§ 256', '§ 256', '§ 256', '§ 253', '§ 308', '§ 322', '§ 253', '§ 253', '§ 242', '§ 242', '§ 242', '§ 4', '§ 4', '§ 1', '§ 3', '§ 1', '§ 3', '§ 612', '§ 612', '§ 611', '§ 612', '§ 242', '§ 242', '§ 97', '§ 100']

BAG, Urteil vom 21.09.2011, 5 AZR 520/10 - HENSCHE Arbeitsrecht
BAG, Ur­teil vom 21.09.2011, 5 AZR 520/10
Aktenzeichen: 5 AZR 520/10
Entscheidungsdatum: 21.09.2011
Leitsätze: Der arbeitsrechtliche Gleichbehandlungsgrundsatz kommt nicht zur Anwendung, wenn der Arbeitgeber ausschließlich normative oder vertragliche Verpflichtungen erfüllt.
Vorinstanzen: Arbeitsgericht Mönchengladbach, Urteil vom 10.12.2009, 4 Ca 2420/09
Landesarbeitsgericht Düsseldorf, Urteil vom 9.06.2010, 7 Sa 195/10
5 AZR 520/10
7 Sa 195/10
Kläge­rin, Be­ru­fungs­be­klag­te und Re­vi­si­onskläge­rin zu 16.,
hat der Fünf­te Se­nat des Bun­des­ar­beits­ge­richts auf­grund der münd­li­chen Ver­hand­lung vom 21. Sep­tem­ber 2011 durch den Vi­ze­präsi­den­ten des Bun­des­ar­beits­ge­richts Dr. Müller-Glöge, die Rich­te­rin am Bun­des­ar­beits­ge­richt Dr. Laux, den Rich­ter am Bun­des­ar­beits­ge­richt Dr. Biebl so­wie die eh­ren­amt­li­che Rich­te­rin Zorn und den eh­ren­amt­li­chen Rich­ter Bürger für Recht er­kannt:
1. Die Re­vi­si­on der Kläger ge­gen das Ur­teil des Lan­des­ar­beits­ge­richts Düssel­dorf vom 9. Ju­ni 2010 - 7 Sa 195/10 - wird mit der Maßga­be zurück­ge­wie­sen, dass die Kläger die Kos­ten des Rechts­streits ers­ter und zwei­ter In­stanz zu glei­chen Tei­len zu tra­gen ha­ben.
2. Die Kläger ha­ben die Kos­ten der Re­vi­si­on zu glei­chen Tei­len zu tra­gen.
Die Par­tei­en strei­ten über Ansprüche auf Loh­nerhöhung und Ein­mal­zah­lung.
Die Kläge­rin zu 16. und die Kläger zu 1. bis 15. und 17. bis 21. (im Fol­gen­den: Kläger) sind Mit­glie­der der Ge­werk­schaft ver.di und vor dem 1. Ja­nu­ar 2002 bei ei­ner an die Ta­rif­verträge für die Pa­pier und Pap­pe ver­ar­bei­ten­de In­dus­trie ge­bun­de­nen Rechts­vorgänge­rin der Be­klag­ten in ein Ar­beits­verhält­nis ge­tre­ten. Am 1. Ok­to­ber 2007 über­nahm die zum da­ma­li­gen Zeit­punkt nicht ta­rif­ge­bun­de­ne Be­klag­te den Be­trieb in Neuss, in dem ca. 460 Ar­beit­neh­mer beschäftigt sind. Rück­wir­kend zum 1. Mai 2008 erhöhte sie ent­spre­chend ei­nem Ta­rif­ab­schluss in der Pa­pier und Pap­pe ver­ar­bei­ten­den In­dus­trie die Ent­gel­te um 3,9 %. In ei­nem in­ner­be­trieb­li­chen Aus­hang hier­zu heißt es:
Da das Werk der­zeit oh­ne Ta­rif­bin­dung ist, ha­ben Be­triebs­rat und Werk­lei­tung lan­ge über die­se Erhöhung ver­han­delt. Nach lang­wie­ri­gen Gesprächen hat die Werk-
lei­tung die Erhöhung be­schlos­sen und wird sie ent­spre­chend mit der Ju­ni-Ab­rech­nung rück­wir­kend um­set­zen.
Die Erhöhung der Löhne, Gehälter und Aus­bil­dungs­vergütun­gen er­folgt frei­wil­lig, wird oh­ne An­er­ken­nung ei­ner Rechts­pflicht gewährt und ist an kei­nen Ta­rif ge­bun­den. Auch wie­der­hol­te Gewährung frei aus­ge­han­del­ter Ent­gel­terhöhun­gen mit dem Be­triebs­rat be­gründen kei­nen Rechts­an­spruch für die Zu­kunft.“
Ent­spre­chend ei­ner im De­zem­ber 2008 mit dem Be­triebs­rat ge­schlos­se­nen „An­pas­sungs­be­triebs­ver­ein­ba­rung“, in der die Be­triebs­part­ner das ge­mein­sa­me Ziel be­kun­de­ten, ei­ne ein­heit­li­che kol­lek­tiv­recht­li­che Gel­tung der Ar­beits­be­din­gun­gen auf der Grund­la­ge der Ta­rif­verträge für die Ar­beit­neh­mer der pa­pier­er­zeu­gen­den In­dus­trie her­bei­zuführen, bot die Be­klag­te al­len Ar­beit­neh­mern En­de Fe­bru­ar/An­fang März 2009 ei­ne Ergänzung ih­rer Ar­beits­verträge an. Da­nach soll­ten mit dem In­kraft­tre­ten ei­nes mit der Ge­werk­schaft BCE noch ab­zu­sch­ließen­den Haus­ta­rif­ver­trags des­sen Be­stim­mun­gen und mit Wirk­sam­wer­den ei­ner von der Be­klag­ten lang­fris­tig an­ge­streb­ten Voll­mit­glied­schaft im Ar­beit­ge­ber­ver­band der rhei­nisch-westfäli­schen pa­pier­er­zeu­gen­den In­dus­trie die Ta­rif­verträge für die­se Bran­che An­wen­dung fin­den. Für die Über­g­angs­zeit und - falls es aus ir­gend­ei­nem Grund we­der zum Ab­schluss ei­nes Haus­ta­rif­ver­trags noch zu ei­ner Voll­mit­glied­schaft der Be­klag­ten im Ar­beit­ge­ber­ver­band kom­men soll­te - ggf. dau­er­haft, sah das Ände­rungs­an­ge­bot die dy­na­mi­sche Gel­tung der Ta­rif­verträge für die pa­pier­er­zeu­gen­de In­dus­trie vor, flan­kiert durch ergänzen­de Re­ge­lun­gen zur Be­sitz­stands­wah­rung. Bei Un­ter­zeich­nung der Ergänzung des Ar­beits­ver­trags vor dem 1. April 2009 soll­te sich das bis­her be­zo­ge­ne Mo­nats­ent­gelt ent­spre­chend ei­nem Ta­rif­ab­schluss für die Beschäftig­ten der pa­pier­er­zeu­gen­den In­dus­trie im Ta­rif­be­zirk Nord­rhein rück­wir­kend ab dem 1. Ja­nu­ar 2009, bei späte­rer Un­ter­zeich­nung ab dem Mo­nat der Un­ter­schrift erhöhen. Al­len Ar­beit­neh­mern, die das Ände­rungs­an­ge­bot vor dem 1. April 2009 an­nah­men, gewähr­te die Be­klag­te ent­spre­chend dem Ta­rif­ab­schluss ei­ne pro­zen­tua­le Ent­gel­terhöhung um 2,1 % und ei­ne Ein­mal­zah­lung iHv. 200,00 Eu­ro brut­to.
Die Kläger nah­men das Ände­rungs­an­ge­bot nicht an.
Mit ih­rer Kla­ge ha­ben sie die ih­nen vor­ent­hal­te­ne pro­zen­tua­le Ent­gel­terhöhung und Ein­mal­zah­lung ver­langt und gel­tend ge­macht, die Ab­leh­nung des Ände­rungs­an­ge­bots dürfe ih­nen we­gen § 612a BGB nicht zum Nach­teil ge­rei­chen, sie genüge auch nicht zur Recht­fer­ti­gung ei­ner Dif­fe­ren­zie­rung bei der Ent­gel­terhöhung. Die Ergänzungs­ver­ein­ba­run­gen sei­en un­wirk­sam. Sie ziel­ten auf ei­nen un­rechtmäßigen Ta­rif­wech­sel und ver­letz­ten die Ar­beit­neh­mer in ih­rer in­di­vi­du­el­len Ko­ali­ti­ons­frei­heit.
Die Kläger ha­ben zu­letzt in der Re­vi­si­ons­in­stanz un­ter teil­wei­ser Kla­gerück­nah­me sinn­gemäß be­an­tragt
1. fest­zu­stel­len, dass die Be­klag­te ver­pflich­tet ist, den Klägern be­gin­nend ab dem 1. Ja­nu­ar 2009 ei­ne Loh­nerhöhung iHv. 2,1 % zu zah­len;
2. die Be­klag­te zu ver­ur­tei­len, an die Kläger je­weils ei­ne Ein­mal­zah­lung iHv. 200,00 Eu­ro brut­to nebst Zin­sen in Höhe von fünf Pro­zent­punk­ten über dem Ba­sis­zins­satz seit dem 24. Ju­li 2009 zu zah­len.
Die Be­klag­te hat Kla­ge­ab­wei­sung be­an­tragt und gel­tend ge­macht, sie ha­be al­len Ar­beit­neh­mern ei­ne Ergänzung des Ar­beits­ver­trags an­ge­bo­ten und mit der pro­zen­tua­len Ent­gel­terhöhung so­wie der Ein­mal­zah­lung nur ver­trag­li­che Ansprüche erfüllt.
Das Ar­beits­ge­richt hat der Kla­ge mit dem bei ihm ge­stell­ten Leis­tungs­an­trag auf Loh­nerhöhung und Ein­mal­zah­lung statt­ge­ge­ben. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt hat auf die Be­ru­fung der Be­klag­ten die Kla­ge ab­ge­wie­sen. Mit der vom Lan­des­ar­beits­ge­richt zu­ge­las­se­nen Re­vi­si­on ver­fol­gen die Kläger ih­re Ansprüche mit den wie­der­ge­ge­be­nen Anträgen wei­ter.
Die Re­vi­si­on der Kläger ist un­be­gründet. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt hat die Kla­ge im Er­geb­nis zu Recht ab­ge­wie­sen.
I. Die Kla­ge ist un­zulässig, so­weit die Kläger ei­ne pro­zen­tua­le Loh­nerhöhung ver­lan­gen.
1. Der in den Vor­in­stan­zen auf Zah­lung ei­ner Loh­nerhöhung von 2,1 % ge­rich­te­te An­trag war als Leis­tungs­an­trag nicht hin­rei­chend be­stimmt iSv. § 253 Abs. 2 Nr. 2 ZPO. Er war un­be­zif­fert und da­mit nicht voll­stre­ckungsfähig.
2. Auch der zu­letzt in der Re­vi­si­ons­in­stanz ge­stell­te Fest­stel­lungs­an­trag ist un­zulässig.
Da­bei kann der Se­nat of­fen las­sen, ob für den auf die Fest­stel­lung ei­nes An­spruchs ge­rich­te­ten An­trag ein Fest­stel­lungs­in­ter­es­se nach § 256 Abs. 1 ZPO be­steht (zu dem Fest­stel­lungs­in­ter­es­se bei ei­ner sog. Ele­men­ten­fest­stel­lungs­kla­ge, vgl. BAG 21. April 2010 - 4 AZR 755/08 - Rn. 21 mwN, AP ZPO 1977 § 256 Nr. 101 = EzA ZPO 2002 § 256 Nr. 9; 6. Ju­li 2011 - 4 AZR 424/09 -). Dem Fest­stel­lungs­an­trag man­gelt es schon an der hin­rei­chen­den Be­stimmt­heit.
a) Nach § 253 Abs. 2 Nr. 2 ZPO muss die Kla­ge­schrift die be­stimm­te An­ga­be des Ge­gen­stands und des Grun­des des er­ho­be­nen An­spruchs so­wie ei­nen be­stimm­ten An­trag ent­hal­ten. Der Kläger muss ein­deu­tig fest­le­gen, wel­che Ent­schei­dung er be­gehrt. Er hat den Streit­ge­gen­stand so ge­nau zu be­zeich­nen, dass der Rah­men der ge­richt­li­chen Ent­schei­dungs­be­fug­nis (§ 308 ZPO) kei­nem Zwei­fel un­ter­liegt und die ei­gent­li­che Streit­fra­ge mit Rechts­kraft­wir­kung zwi­schen den Par­tei­en ent­schie­den wer­den kann (§ 322 ZPO). Bei ei­ner Fest­stel­lungs­kla­ge sind grundsätz­lich kei­ne ge­rin­ge­ren An­for­de­run­gen an die Be­stimmt­heit zu stel­len als bei ei­ner Leis­tungs­kla­ge. Auch wenn das Be­ste­hen oder der Um­fang ei­nes Rechts­verhält­nis­ses oder ei­nes An­spruchs zur ge­richt­li­chen Ent­schei­dung ge­stellt wird, muss zu­verlässig er­kenn­bar sein, worüber das Ge­richt ei­ne Sach­ent­schei­dung tref­fen soll (BAG 18. Mai 2011 - 5 AZR 181/10 - Rn. 10, PflR 2011, 403; 11. No­vem­ber 2009 - 7 AZR 387/08 - Rn. 11 mwN, AP ZPO § 253 Nr. 50 = EzA ZPO 2002 § 253 Nr. 3).
b) Die­sen An­for­de­run­gen genügt der Fest­stel­lungs­an­trag nicht. Die Fest­stel­lung ei­ner Ver­pflich­tung der Be­klag­ten zur Zah­lung ei­ner Loh­nerhöhung iHv.
2,1 % lässt nicht er­ken­nen, worüber die Sach­ent­schei­dung kon­kret er­ge­hen soll. We­der aus dem An­trag noch dem Sach­vor­trag der Kläger er­gibt sich, was un­ter dem Be­griff „Lohn“ zu ver­ste­hen sein soll. Es bleibt un­erläutert, ob nur der St­un­den­lohn der Kläger oder auch an­de­re Vergütungs­be­stand­tei­le wie Zu­la­gen, Zu­schläge, Ein­mal­zah­lun­gen, Mehr­ar­beits­vergütun­gen und ähn­li­che Leis­tun­gen er­fasst wer­den. Des Wei­te­ren las­sen die Kläger den Aus­gangs­wert für die Loh­nerhöhung of­fen und stel­len nicht klar, ob Ba­sis der Loh­nerhöhung der von ih­nen bis zum 31. De­zem­ber 2008 in je­weils wel­cher Höhe tatsächlich be­zo­ge­ne oder ein nicht näher be­stimm­ter Ta­rif­lohn sein soll.
II. Die Kla­ge auf Ein­mal­zah­lung ist nicht be­gründet. Es fehlt an ei­ner An­spruchs­grund­la­ge.
1. Die Kläger können den An­spruch nicht aus dem ar­beits­recht­li­chen Gleich­be­hand­lungs­grund­satz her­lei­ten.
a) Der Gleich­be­hand­lungs­grund­satz ge­bie­tet dem Ar­beit­ge­ber, sei­ne Ar­beit­neh­mer oder Grup­pen von Ar­beit­neh­mern, die sich in ver­gleich­ba­rer La­ge be­fin­den, bei An­wen­dung ei­ner selbst ge­setz­ten Re­gel gleich­zu­be­han­deln. Da­mit ver­bie­tet der Gleich­be­hand­lungs­grund­satz ei­ne sach­frem­de Grup­pen­bil­dung und die willkürli­che Schlech­ter­stel­lung ein­zel­ner Ar­beit­neh­mer in­ner­halb ei­ner Grup­pe. Im Be­reich der Ar­beits­vergütung ist er trotz des Vor­rangs der Ver­trags­frei­heit an­wend­bar, wenn Ar­beits­ent­gel­te durch ei­ne be­trieb­li­che Ein­heits­re­ge­lung ge­ne­rell an­ge­ho­ben wer­den und der Ar­beit­ge­ber die Leis­tun­gen nach ei­nem be­stimm­ten er­kenn­ba­ren und ge­ne­ra­li­sie­ren­den Prin­zip gewährt, in­dem der Ar­beit­ge­ber be­stimm­te Vor­aus­set­zun­gen oder Zwe­cke fest­legt (BAG 17. März 2010 - 5 AZR 168/09 - Rn. 14 mwN, AP BGB § 242 Gleich­be­hand­lung Nr. 211 = EzA BGB 2002 § 242 Gleich­be­hand­lung Nr. 22).
b) Den An­for­de­run­gen des Gleich­be­hand­lungs­grund­sat­zes hat die Be­klag­te genügt. Bei der Leis­tung der streit­be­fan­ge­nen Ein­mal­zah­lung hat sie we­der ei­ne Grup­pen­bil­dung vor­ge­nom­men noch ei­ne ver­tei­len­de Ent­schei­dung ge­trof­fen.
aa) Die Be­klag­te hat al­len Ar­beit­neh­mern (auch den Klägern), de­ren ar­beits­ver­trag­li­che Be­zug­nah­me auf die Ta­rif­verträge für die Pa­pier und Pap­pe ver­ar­bei­ten­de In­dus­trie in­fol­ge des Über­gangs ih­rer Ar­beits­verhält­nis­se auf die nicht an die­se Ta­rif­verträge ge­bun­de­ne Be­klag­te sta­tisch ge­wor­den war (vgl. da­zu BAG 18. No­vem­ber 2009 - 4 AZR 514/08 - Rn. 17 f., BA­GE 132, 261; 14. De­zem­ber 2005 - 4 AZR 536/04 - Rn. 13, BA­GE 116, 326), ei­ne Ergänzung ih­rer Ar­beits­verträge um ei­ne tem­poräre, ggf. dau­er­haf­te dy­na­mi­sche Be­zug­nah­me auf die Ta­rif­verträge für die pa­pier­er­zeu­gen­de In­dus­trie an­ge­bo­ten. Die Tei­lung der Be­leg­schaft in ei­ne Grup­pe, die das An­ge­bot der Be­klag­ten an-nahm und in ei­ne sol­che, die es ab­lehn­te, er­folg­te un­abhängig vom Wil­len der Be­klag­ten durch die Ent­schei­dung je­des ein­zel­nen Ar­beit­neh­mers für oder ge­gen die Ergänzung des Ar­beits­ver­trags.
bb) Der Gewährung der Ein­mal­zah­lung nur an die Ar­beit­neh­mer, die das Ergänzungs­an­ge­bot an­ge­nom­men hat­ten, lag kei­ne ver­tei­len­de Ent­schei­dung der Be­klag­ten zu­grun­de. Die Be­klag­te ist le­dig­lich ih­ren ver­trag­li­chen Ver­pflich­tun­gen aus den geänder­ten Ar­beits­verträgen nach­ge­kom­men. Wie der bloße Nor­men­voll­zug (vgl. da­zu BAG 31. Au­gust 2005 - 5 AZR 517/04 - Rn. 17, BA­GE 115, 367) enthält auch die bloße Ver­trags­erfüllung kei­ne ver­tei­len­de Ent­schei­dung des Ar­beit­ge­bers. Ei­ne sol­che trifft der Ar­beit­ge­ber erst dann, wenn er frei­wil­lig, dh. oh­ne recht­li­che Ver­pflich­tung über die Ver­trags­erfüllung hin­aus Leis­tun­gen gewährt (zu ei­ner sol­chen Fall­ge­stal­tung, vgl. zB BAG 23. Fe­bru­ar 2011 - 5 AZR 84/10 - EzA BGB 2002 § 242 Gleich­be­hand­lung Nr. 24; 14. März 2007 - 5 AZR 420/06 - BA­GE 122, 1 - je­weils mwN).
cc) Ob die ei­ne ver­tei­len­de Ent­schei­dung aus­sch­ließen­de Ver­trags­erfüllung auch dann an­zu­neh­men ist, wenn der Ar­beits­ver­trag ob­jek­tiv an Wirk­sam­keitsmängeln lei­det, die Ver­trags­par­tei­en aber übe­rein­stim­mend von sei­ner Wirk­sam­keit aus­ge­hen und ihn erfüllen, braucht der Se­nat nicht zu ent­schei­den. Das Vor­brin­gen der Kläger bie­tet kei­ne An­halts­punk­te für Zwei­fel an der Wirk­sam­keit der auch ih­nen an­ge­bo­te­nen Ergänzungs­ver­ein­ba­run­gen.
(1) Ent­ge­gen der Auf­fas­sung der Kläger ist der nicht ta­rif­ge­bun­de­ne Ar­beit­ge­ber nicht ge­hal­ten, ar­beits­ver­trag­lich die Gel­tung nur sol­cher Ta­rif­ver-
träge zu ver­ein­ba­ren, die von der für den Be­trieb ta­rif­zuständi­gen Ge­werk­schaft ab­ge­schlos­sen wur­den. Für ei­ne der­ar­ti­ge Ver­pflich­tung be­steht kei­ne Rechts­grund­la­ge. Ar­beit­ge­ber und Ar­beit­neh­mer steht es im Rah­men ih­rer pri­vat­au­to­no­men Ge­stal­tungs­macht frei, für ihr Ar­beits­verhält­nis die Gel­tung je­des be­lie­bi­gen Ta­rif­ver­trags zu ver­ein­ba­ren. Kommt es fürder­hin zur bei­der­sei­ti­gen Ta­rif­ge­bun­den­heit, setzt sich der nor­ma­tiv gel­ten­de ge­genüber dem nur in­di­vi­du­al­ver­trag­lich in Be­zug ge­nom­me­nen Ta­rif­ver­trag durch, § 4 Abs. 1 TVG, es sei denn, letz­te­rer ent­hiel­te für den Ar­beit­neh­mer güns­ti­ge­re Re­ge­lun­gen, § 4 Abs. 3 TVG (vgl. BAG 22. Ok­to­ber 2008 - 4 AZR 784/07 - Rn. 34, BA­GE 128, 165; 29. Au­gust 2007 - 4 AZR 767/06 - Rn. 20, BA­GE 124, 34 - je­weils mwN).
(2) Die Ko­ali­ti­ons­frei­heit der Kläger und der wei­te­ren Beschäftig­ten des Werks N ist durch die an­ge­bo­te­nen Ergänzungs­ver­ein­ba­run­gen nicht berührt wor­den. Ih­nen ist we­der un­mit­tel­bar noch mit­tel­bar die Be­gründung oder Ände­rung der Ge­werk­schafts­zu­gehörig­keit an­ge­son­nen wor­den. Die Gel­tung der Ta­rif­verträge der pa­pier­er­zeu­gen­den In­dus­trie soll­te al­lein auf­grund ar­beits­ver­trag­li­cher Ver­ein­ba­rung un­abhängig von der Ge­werk­schafts­zu­gehörig­keit der Ar­beit­neh­mer ein­tre­ten. Die in­di­vi­du­al­recht­li­che In­be­zug­nah­me ei­nes Ta­rif­ver­trags führt nicht zu des­sen ta­rif­recht­li­cher Gel­tung (BAG 22. Ok­to­ber 2008 - 4 AZR 784/07 - Rn. 34, BA­GE 128, 165) und be­ein­träch­tigt da­mit we­der Rech­te der für den Be­trieb ta­rif­zuständi­gen Ge­werk­schaft noch ih­rer Mit­glie­der. Nur wenn es um die von ar­beits­ver­trag­li­chen Ver­ein­ba­run­gen un­abhängi­ge kol­lek­tiv­recht­li­che Wir­kungs­wei­se von Ta­rif­nor­men geht, lässt sich die Ver­bind­lich­keit von Rech­ten und Pflich­ten mit der Wahr­neh­mung von ne­ga­ti­ver oder po­si­ti­ver Ko­ali­ti­ons­frei­heit be­gründen (vgl. BAG 24. Fe­bru­ar 2010 - 4 AZR 691/08 - Rn. 47 ff., AP TVG § 1 Be­zug­nah­me auf Ta­rif­ver­trag Nr. 75 = EzA TVG § 3 Be­zug­nah­me auf Ta­rif­ver­trag Nr. 47; 10. No­vem­ber 2010 - 5 AZR 633/09 - Rn. 22, ZTR 2011, 150).
dd) Die streit­ge­genständ­li­che Ein­mal­zah­lung ist nicht ei­ne über die bloße Ver­trags­erfüllung hin­aus­ge­hen­de zusätz­li­che frei­wil­li­ge Leis­tung der Be­klag­ten, son­dern Be­stand­teil ih­rer Ver­pflich­tun­gen aus den vor dem 1. April 2009 ab­ge­schlos­se­nen Ergänzungs­ver­ein­ba­run­gen. Nach dem Ta­rif­ab­schluss für die
Beschäftig­ten in der pa­pier­er­zeu­gen­den In­dus­trie war die Ein­mal­zah­lung (vgl. zum Be­griff et­wa, BAG 16. De­zem­ber 2009 - 5 AZR 888/08 - Rn. 31 mwN, AP TVG § 1 Be­zug­nah­me auf Ta­rif­ver­trag Nr. 73 = EzA TVG § 3 Be­zug­nah­me auf Ta­rif­ver­trag Nr. 44) ei­ne pau­scha­le Loh­nerhöhung für Ar­beit­neh­mer, die sich am 25. No­vem­ber 2008 in ei­nem un­gekündig­tem Ar­beits­verhält­nis be­fan­den, und spätes­tens am 31. Ja­nu­ar 2009 fällig. Die Zu­sa­ge der Be­klag­ten, bei An­nah­me des An­ge­bots zur Ände­rungs­ver­ein­ba­rung vor dem 1. April 2009 die Ent­gel­te rück­wir­kend zum 1. Ja­nu­ar 2009 ent­spre­chend dem Ta­rif­ab­schluss zu erhöhen, durf­ten die Ar­beit­neh­mer übe­rein­stim­mend mit der In­ten­ti­on der Be­klag­ten als die Ein­mal­zah­lung ein­sch­ließend ver­ste­hen. Da­von ist auch das Lan­des­ar­beits­ge­richt aus­ge­gan­gen.
2. Die Be­klag­te hat un­abhängig da­von, ob es sich über­haupt um ei­ne An­spruchs­grund­la­ge han­delt, das Maßre­ge­lungs­ver­bot des § 612a BGB nicht ver­letzt.
a) Gemäß § 612a BGB darf der Ar­beit­ge­ber ei­nen Ar­beit­neh­mer bei ei­ner Ver­ein­ba­rung oder ei­ner Maßnah­me nicht be­nach­tei­li­gen, weil der Ar­beit­neh­mer in zulässi­ger Wei­se sei­ne Rech­te ausübt. Ei­ne Be­nach­tei­li­gung liegt nicht nur vor, wenn der Ar­beit­neh­mer ei­ne Ein­buße er­lei­det, son­dern auch dann, wenn ihm Vor­tei­le vor­ent­hal­ten wer­den, die der Ar­beit­ge­ber Ar­beit­neh­mern gewährt, falls die­se Rech­te nicht ausüben (BAG 14. März 2007 - 5 AZR 420/06 - Rn. 34 mwN, BA­GE 122, 1). Die Tat­be­stand­vor­aus­set­zung „Be­nach­tei­li­gung” ist je­doch nur erfüllt, wenn der Ar­beit­ge­ber zwi­schen ver­schie­de­nen Maßnah­men hat wählen können. Hat er sein Ver­hal­ten an der Rechts­ord­nung ori­en­tiert, liegt kei­ne Be­nach­tei­li­gung des Ar­beit­neh­mers vor (BAG 14. Fe­bru­ar 2007 - 7 AZR 95/06 - BA­GE 121, 247). Knüpft ei­ne Re­ge­lung an das (er­laub­te) Ver­hal­ten des Ar­beit­neh­mers ei­ne die­sem nach­tei­li­ge Rechts­fol­ge, ist der Ar­beit­ge­ber nicht zum Aus­gleich der dem Ar­beit­neh­mer er­wach­sen­den Nach­tei­le ver­pflich­tet (BAG 15. Sep­tem­ber 2009 - 9 AZR 685/08 - AP BGB § 611 Leh­rer, Do­zen­ten Nr. 186). Dem­ent­spre­chend ist der Voll­zug ei­ner kol­lek­tiv­recht­li­chen Re­ge­lung oder ei­ner ver­trag­li­chen Ver­ein­ba­rung kei­ne Be­nach­tei­li­gung iSv. § 612a BGB. Das Maßre­ge­lungs­ver­bot setzt darüber hin­aus vor­aus,
dass zwi­schen der Be­nach­tei­li­gung und der Rechts­ausübung ein un­mit­tel­ba­rer Zu­sam­men­hang be­steht. Die zulässi­ge Rechts­ausübung muss der tra­gen­de Grund, dh. das we­sent­li­che Mo­tiv für die be­nach­tei­li­gen­de Maßnah­me sein. Es reicht nicht aus, dass die Rechts­ausübung nur den äußeren An­lass für die Maßnah­me bil­det (BAG 17. März 2010 - 5 AZR 168/09 - Rn. 28 mwN, AP BGB § 242 Gleich­be­hand­lung Nr. 211 = EzA BGB 2002 § 242 Gleich­be­hand­lung Nr. 22).
b) Nach die­sen Grundsätzen liegt im Streit­fall kein Ver­s­toß ge­gen das Maßre­ge­lungs­ver­bot vor. Die von den Klägern als be­nach­tei­li­gend emp­fun­de­ne Maßnah­me der Be­klag­ten hat­te ih­ren Grund nicht in der zulässi­gen Ab­leh­nung ei­ner Ergänzungs­ver­ein­ba­rung durch die Kläger, son­dern in der Erfüllung der Ar­beits­verträge mit den Ar­beit­neh­mern, die das Ände­rungs­an­ge­bot der Be­klag­ten an­ge­nom­men hat­ten.
III. Die Kläger ha­ben gemäß § 97 Abs. 1, § 100 Abs. 1 ZPO die Kos­ten zu glei­chen Tei­len zu tra­gen.
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