Source: https://www.mittelstands-anwaelte.de/BGH-zur-fristlosen-Kuendigung-des-Vermieters-im-Anschluss-an-einen-Streit-mit-dem-Mieter-06-2014/
Timestamp: 2019-11-18 18:24:18
Document Index: 330319257

Matched Legal Cases: ['BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 543', '§ 573', '§ 543', '§ 573']

BGH zur fristlosen Kündigung des Vermieters im Anschluss an einen Streit mit dem Mieter ( 06 / 2014 ) | DASV - Die Deutsche Anwalts- und Steuerberatervereinigung für die mittelständische Wirtschaft e.V.
BGH zur frist­lo­sen Kün­di­gung des Ver­mie­ters im Anschluss an einen Streit mit dem Mie­ter ( 06 / 2014 )
(Kiel) Der Bun­des­ge­richts­hof hat sich in einer Ent­schei­dung mit der Wirk­sam­keit einer frist­lo­sen Kün­di­gung des Ver­mie­ters im Anschluss an einen Streit mit dem Mie­ter befasst.
Dar­auf ver­weist der Kie­ler Rechts­an­walt Jens Klar­mann, Lan­des­re­gio­nal­lei­ter „Schles­wig-Hol­stein“ der DASV Deut­sche Anwalts- und Steu­er­be­ra­ter­ver­ei­ni­gung für die mit­tel­stän­di­sche Wirt­schaft e. V. mit Sitz in Kiel, unter Hin­weis auf die Mit­tei­lung des Bun­des­ge­richts­hofs (BGH) vom 4.06.2014 zu sei­nem Urteil vom sel­ben Tage, Az. VIII ZR 289/13.
Der Beklag­te ist seit Juli 2006 Mie­ter eines Hau­ses der Klä­ge­rin. Am 16. August 2012 such­te die Klä­ge­rin den Beklag­ten ver­ein­ba­rungs­ge­mäß auf, um zwi­schen­zeit­lich instal­lier­te Rauch­mel­der in Augen­schein zu neh­men. Bei die­ser Gele­gen­heit ver­such­te die Klä­ge­rin, das gesam­te Haus zu inspi­zie­ren und gegen den Wil­len des Beklag­ten auch Zim­mer zu betre­ten, die nicht mit Rauch­mel­dern ver­se­hen waren. Sie öff­ne­te dabei ein Fens­ter und nahm Gegen­stän­de von der Fens­ter­bank. Der Auf­for­de­rung des Beklag­ten, das Haus zu ver­las­sen, kam die Klä­ge­rin nicht nach. Dar­auf­hin umfass­te der Beklag­te die Klä­ge­rin mit den Armen und trug sie aus dem Haus. Wegen die­ses Vor­falls erklär­te die Klä­ge­rin mit Schrei­ben vom 29. August 2012 die frist­lo­se und hilfs­wei­se die ordent­li­che Kün­di­gung des Miet­ver­hält­nis­ses.
Die von der Klä­ge­rin erho­be­ne Räu­mungs­kla­ge ist vor dem Amts­ge­richt erfolg­los geblie­ben. Auf die Beru­fung der Klä­ge­rin hat das Land­ge­richt das amts­ge­richt­li­che Urteil auf­ge­ho­ben und dem Räu­mungs­an­trag statt­ge­ge­ben. Die vom Bun­des­ge­richts­hof zuge­las­se­ne Revi­si­on des Beklag­ten hat­te Erfolg und führ­te zur Wie­der­her­stel­lung des erst­in­stanz­li­chen Urteils.
Der unter ande­rem für das Wohn­raum­miet­recht zustän­di­ge VIII. Zivil­se­nat hat ent­schie­den, dass die von der Klä­ge­rin erklär­te Kün­di­gung weder als frist­lo­se Kün­di­gung (§ 543 Abs. 1 BGB) noch als ordent­li­che Kün­di­gung (§ 573 Abs. 2 Nr. 1 BGB) wirk­sam ist. Die Par­tei­en hat­ten ver­ab­re­det, dass die Klä­ge­rin (ledig­lich) die Räu­me mit den ange­brach­ten Rauch­mel­dern in Augen­schein neh­men soll­te. Zu einer wei­te­ren eigen­mäch­ti­gen Besich­ti­gung war die Klä­ge­rin nicht berech­tigt. Indem sie dies gleich­wohl – gegen den Wil­len des Beklag­ten – durch­zu­set­zen ver­such­te und sei­ner Auf­for­de­rung, das Haus zu ver­las­sen, nicht nach­kam, hat sie das Haus­recht des Beklag­ten ver­letzt. Sie trägt des­halb zumin­dest eine Mit­schuld an dem nach­fol­gen­den Gesche­hen, die das Beru­fungs­ge­richt bei sei­ner Abwä­gung rechts­feh­ler­haft nicht berück­sich­tigt hat. Da wei­te­re Fest­stel­lun­gen nicht zu erwar­ten waren, hat der Senat unter Auf­he­bung des Beru­fungs­ur­teils in der Sache selbst ent­schie­den und die Beru­fung der Klä­ge­rin gegen das Urteil des Amts­ge­richts zurück­ge­wie­sen.
Ange­sichts der Gesamt­um­stän­de, ins­be­son­de­re des vor­an­ge­gan­ge­nen pflicht­wid­ri­gen Ver­hal­tens der Klä­ge­rin, stellt das mit der Kün­di­gung bean­stan­de­te Ver­hal­ten des Beklag­ten — selbst wenn er damit, wie das Beru­fungs­ge­richt ange­nom­men hat, die Gren­zen erlaub­ter Not­wehr (gering­fü­gig) über­schrit­ten haben soll­te — jeden­falls kei­ne der­art gra­vie­ren­de Pflicht­ver­let­zung dar, dass der Klä­ge­rin des­halb die wei­te­re Fort­set­zung des Miet­ver­hält­nis nicht zuge­mu­tet wer­den könn­te (§ 543 Abs. 1 Satz 2 BGB). Auch von einer Ver­trags­ver­let­zung von einem Gewicht, das ein berech­tig­tes Inter­es­se der Klä­ge­rin an der Been­di­gung des Miet­ver­trags recht­fer­tigt (§ 573 Abs. 2 Nr. 1 BGB), kann unter die­sen Umstän­den nicht aus­ge­gan­gen wer­den.