Source: https://www.buhl.de/steuernsparen/haushaltsnahe-dienstleistungen/
Timestamp: 2020-01-21 00:28:27
Document Index: 134334761

Matched Legal Cases: ['§ 35', '§ 35', '§ 35', '§ 33', '§ 35', '§ 35', '§ 35', '§ 35', '§ 35', '§ 35']

Haushaltsnahe Dienstleistungen von der Steuer absetzen >
.	 Veröffentlicht am 7. Februar 2014 . 0
Handwerkerleistungen immer begünstigt – außer bei Neubauten
Dichtheitsprüfung nicht begünstigt
Schornsteinfeger nicht mehr vollständig begünstigt
Kleine Verbesserung bei behinderten Kindern
Doppelter Höchstbetrag für junge Paare
Ein neues Anwendungsschreiben zu haushaltsnahen Dienst- und Handwerkerleistungen klärt viele Streitigkeiten – auch rückwirkend. Wir zeigen was Sie absetzen können:
Das letzte Schreiben zu haushaltsnahen Dienst- und Handwerkerleistungen liegt fast vier Jahre zurück. In der Zwischenzeit musste das höchste Finanzgericht so manche der zahlreichen Streitfälle zwischen Fiskus und Steuerzahler entscheiden.
Kurzum: Ein neues Anwendungsschreiben wurde von allen Seiten händeringend erwartet. Wir verraten Ihnen, was sich bei Ihrer nächsten Steuererklärung ändert.
§ 35a EStG ist einer der meistgenutzten Möglichkeiten zum Steuernsparen- denn praktisch jeder kann ihn nutzen. In der Vorschrift sind nämlich die sogenannten haushaltsnahen Dienst- und Handwerkerleistungen geregelt. Und darum geht’s im Detail:
Wenn Sie jemanden im Minijob einstellen, der Ihnen bei Tätigkeiten im Haushalt helfen sollen, können Sie 20 Prozent des Arbeitslohns (zzgl. Sozialversicherungsabgaben) von Ihrer Steuer abziehen. Der Abzug ist allerdings auf 510 € pro Kalenderjahr begrenzt.
Stellen Sie jemanden regulär ein oder beauftragen Sie eine Firma mit diesen Tätigkeiten, können Sie ebenfalls 20 Prozent des Entgelts, jedoch maximal 4.000 €, von Ihrer Steuer abziehen. Wenn Sie eine Firma beauftragen, kann die Begünstigung nur auf das Entgelt für die Arbeitsleistung und Fahrtkosten zzgl. Umsatzsteuer beantragt werden.
Die letzte, und streitanfälligste, Begünstigung gibt es für Handwerkerleistungen. Auch hier können Sie 20 Prozent des Entgelts für Arbeitsleistung und Fahrtkosten zzgl. Umsatzsteuer bei Ihrer Einkommensteuererklärung abziehen. Hier Beträgt der Höchstbetrag jedoch nur 1.200 €.
Diese Fundstelle sollen Sie sich unbedingt merken! Ob es bei der Handwerkerleistung um Herstellungskosten handelt oder nicht sollte bereits vor dem neuen Anwendungsschreiben für die Frage der Steuerermäßigung unbeachtlich sein. Dort wurde in Randnummer 20 des Schreibens festgelegt, dass nun auch die Aufwendungen für eine Wohnraumerweiterung steuerbegünstigt sein können. Das wurde bisher ausdrücklich ausgeschlossen.
Mit anderen Worten: Haben Sie einen Wintergarten an Ihr Haus anbringen lassen oder Ihr Dach ausgebaut, kann der Lohnanteil nun als Handwerkerleistung geltend gemacht werden.
Und noch eine gute Nachricht an dieser Stelle: Das gilt für alle noch offenen Fälle ab dem Jahr 2006. Das heißt, wenn Sie im letzten Jahr einen Wintergarten ausgebaut haben, können Sie die Lohnkosten in Ihrer Steuererklärung für 2013 angeben.
Bei Neubauten können nach wie vor keine Handwerkerleistungen geltend gemacht werden.
Tipp: Sie haben Ihre Steuererklärung 2013 bereits abgegeben, aber die Kosten für einen Wohnraumausbau nicht erklärt? Dann reichen Sie einfach eine Steuererklärung ein, in der Sie die Kosten geltend machen. Bevor Sie keinen Steuerbescheid erhalten haben, können Sie Ihre Steuererklärung zu jeder Zeit ändern.
Haben Sie Ihren Steuerbescheid schon? Dann haben Sie einen Monat Zeit Ihrem Finanzamt Ihre Änderungswünsche mit zu teilen. Wenn Sie sich auf das Schreiben vom 06.02.2014 berufen, muss das Finanzamt Ihrem Antrag folgen und einen neuen Bescheid erlassen.
An einem anderen Punkt fährt die Finanzverwaltung mit dem neuen Schreiben eine härtere Linie. In vielen Bundesländern müssen Grundstückeigentümer die Abwasserleitungen auf Dichtheit überprüfen lassen. Strittig war bisher, ob es sich dabei um eine Leistung handelt, die nach § 35a EStG begünstigt ist.
Hier schiebt die Finanzverwaltung nun einen Riegel vor. In dem neuen Schreiben ist geregelt, dass sämtliche Gutachtertätigkeiten weder haushaltsnahe Dienstleistungen noch Handwerkerleistungen sind. Sie sind somit nicht mehr nach § 35a EStG begünstigt. Das gleiche gilt auch für eine Legionellenprüfung.
Diese Änderung betrifft auch den Klassiker unter den Handwerkerleistungen: den Schornsteinfeger. Bis einschließlich 2013 konnte der vollständige Rechnungsbetrag für die jährliche Wartung und Feuerstättenschau als Handwerkerleistung geltend gemacht werden.
Ab 2014 kann nur noch das Entgelt für die Reparatur- und Wartungsarbeiten als Handwerkerleistung geltend gemacht werden. Mess- und Überprüfungsarbeiten sowie die Feuerstättenschau dürfen nicht mehr abgezogen werden.
Achten Sie ab diesem Jahr darauf, dass Ihr Schornsteinfeger die Beträge auf der Rechnung aufteilt. Die Finanzverwaltung akzeptiert die Aufwendungen für Reparatur- und Wartungsarbeiten nur, wenn Sie gesondert ausgewiesen werden.
Haben Sie bereits eine Rechnung für 2014 erhalten, bitten Sie Ihren Schonsteinfeger um eine korrigierte Rechnung.
Für die Eltern behinderter Kinder stellt das neue Anwendungsschreiben eine kleine Verbesserung dar. Pflegeaufwendungen für Menschen mit Behinderung können mit 20 Prozent des Entgelts von der Einkommensteuer abgezogen werden. Dieser Abzug scheidet jedoch aus, wenn der Steuerpflichtige selbst die Pflegeleistung in Anspruch nimmt und auf Grund seiner Behinderung einen Pflege-Pauschbetrag nach § 33b EStG beantragt. Hieran hat sich leider nichts geändert.
Etwas anderes gilt ab 2014 in den Fällen, in denen der Pflege-Pauschbetrag auf die Eltern eines behinderten Kindes übertragen wird. In diesen Fällen können die Eltern, den Pauschbetrag und die Begünstigung des § 35a EStG in Anspruch nehmen.
Die erste gemeinsame Wohnung stellt viele Paare vor große Probleme – und bei § 35a EStG auch den Gesetzgeber. Und zwar, weil Höchstbeträge pro Haushalt gelten. Das heißt: Lebt ein Paar zusamm und gibt zwei getrennte Steuererklärungen ab, dürfen die Höchstbeträge insgesamt nur einmal genutzt werden.
Etwas anderes gilt in dem Jahr, in dem ein Paar zusammenzieht. In diesem Fall dürfen beide Partner den jeweils ganzen Höchstbetrag ausnutzen. Das gilt allerdings nur für Aufwendungen, die jeder Partner auch selbst getragen hat.
Tina und Michael begründeten im Jahr 2013 einen gemeinsamen Haushalt. Beide hatten vorher einen eigenen Haushalt. In 2013 sind folgende Handwerkerleistungen im Sinn des § 35a Abs. 3EStG angefallen:
Einzelhaushalt Tina: Arbeitskosten durch den Umzug und Renovierung der alten Wohnung in Höhe von 6.000 €. Tina hat die Aufwendungen alleine getragen.
Einzelhaushalt Michael: Arbeitskosten durch den Umzug und Renovierung der alten Wohnung in Höhe von 1.000 €. Michael hat die Aufwendungen alleine getragen.
Gemeinsamer Haushalt: Tina und Michael haben für den Umzug ein Umzugsunternehmen in Anspruch genommen. Dabei sind Arbeitskosten in Höhe von 800 € angefallen.
Die Steuerermäßigung nach § 35a Abs. 3EStG ermitteln sich für Tina und Michael wie folgt:
20 % von 6.000 € 1.200 €
20 % von ½ von 800 € 80 €
= Steuerermäßigung nach § 35a Abs. 3 EStG 1.280 €
Tina kann in ihrer Steuererklärung 1.200 € Steuerermäßigung geltend machen. Die übersteigenden 80 € können nicht auf Michael übertragen werden.
20 % von 1.000 € 200 €
= Steuerermäßigung nach § 35a Abs. 3 EStG 280 €
Michael kann in seiner Steuererklärung 280 € Steuerermäßigung geltend machen.
Ergebnis: Die beiden profitieren von einer Steuerermäßigung von insgesamt 1.560 €.
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