Source: https://www.rechtslupe.de/sozialrecht/der-zweite-rollstuhl-fuer-die-schule-339626
Timestamp: 2020-01-23 19:43:25
Document Index: 328690398

Matched Legal Cases: ['§ 33', '§ 14', '§ 14', '§ 7', '§ 33', '§ 33', '§ 2', '§ 12', '§ 33', '§ 34', '§ 34', '§ 33', '§ 33', '§ 1', '§ 6', '§ 5', '§ 5', '§ 5', '§ 91', '§ 92', '§ 91', '§ 91', '§ 33', '§ 33', '§ 33', '§ 6', '§ 33', '§ 139', '§ 6', '§ 162', '§ 92', '§ 94', '§ 133', '§ 97', '§ 11', '§ 20', '§ 21', '§ 22', '§ 97', '§ 21', '§ 97', '§ 1', '§ 5', '§ 12', '§ 3', '§ 4', '§ 12', '§ 13', '§ 16', '§ 15', '§ 12', '§ 12', '§ 15', '§ 1', '§ 12', '§ 15', 'Art 3', 'Art 1', '§ 33', '§ 36', '§ 33', '§ 33', '§ 33', '§ 33', '§ 33', '§ 33', '§ 33', '§ 33', '§ 33', '§ 33', '§ 33', '§ 33', '§ 33', '§ 33', '§ 182', '§ 182', '§ 182', '§ 33', '§ 33', '§ 33', '§ 33', '§ 33', '§ 33', '§ 33', '§ 33', '§ 182']

Der zwei­te Roll­stuhl für die Schu­le | Rechtslupe
Der zweite Rollstuhl für die Schule
Der zwei­te Roll­stuhl für die Schu­le
Eine Kran­ken­ver­si­che­rung ist für die Aus­stat­tung eines geh­un­fä­hi­gen Schü­lers mit einem zwei­tem Aktiv­roll­stuhl für den Schul­be­such nicht leis­tungs­pflich­tig, wenn das Hilfs­mit­tel unter den gege­be­nen Umstän­den des Ein­zel­falls nicht erfor­der­lich (§ 33 Abs 1 Satz 1 SGB V) und des­halb auch kran­ken­ver­si­che­rungs­recht­lich nicht wirt­schaft­lich ist.
So die Ent­schei­dung des Bun­des­so­zi­al­ge­richts in dem hier vor­lie­gen­den Fall, in dem der über­ört­li­che Sozi­al­hil­fe­trä­gers gegen die Kran­ken­kas­se geklagt hat, damit die­se einen Teil der Kos­ten für den Aktiv­roll­stuhl nebst Zube­hör als Zweit­ver­sor­gung zwecks Besuchs einer För­der­schu­le erstat­tet. Der ver­si­cher­te Schü­ler ist auf­grund erheb­li­cher Funk­ti­ons­ein­schrän­kun­gen wegen einer spas­ti­schen Diple­gie dau­er­haft auf einen Roll­stuhl ange­wie­sen. Die Beklag­te ver­sorg­te ihn zuletzt im Jah­re 2002 mit einer Sitz­scha­le nach Maß nebst Zim­mer­un­ter­ge­stell für den häus­li­chen Bereich und im Jah­re 2005 mit einem Aktiv­roll­stuhl (Modell Brix 1.123). Am 6. Mai 2005 bean­trag­te er bei der beklag­ten Kran­ken­kas­se unter Vor­la­ge einer ver­trags­ärzt­li­chen Ver­ord­nung und eines Kos­ten­vor­anschlags die Zweit­ver­sor­gung mit einem falt­ba­ren Aktiv­roll­stuhl zur Ermög­li­chung des Besuchs der Städ­ti­schen För­der­schu­le für kör­per­li­che und moto­ri­sche Ent­wick­lung in Ols­berg, die er an jedem Schul­tag von sei­nem Wohn­ort Schmal­len­berg aus auf­sucht. Die­ser Roll­stuhl soll­te in der Schu­le depo­niert wer­den, weil das mit dem Schü­ler­spe­zi­al­ver­kehr beauf­trag­te Unter­neh­men den vor­han­de­nen Roll­stuhl mit dem ein­ge­setz­ten Fahr­zeug nicht trans­por­tie­ren konn­te. Die Kran­ken­kas­se lei­te­te den Leis­tungs­an­trag am 9.5.2005 an den nach ihrer Auf­fas­sung leis­tungs­recht­lich zustän­di­gen Reha­bi­li­ta­ti­ons­trä­ger wei­ter. Die­ser gewähr­te dem Schü­ler im Wege der Lei­he das begehr­te Hilfs­mit­tel unter Hin­weis auf sei­ne nach­ran­gi­ge Leis­tungs­ver­pflich­tung als zweit­an­ge­gan­ge­ner Reha­bi­li­ta­ti­ons­trä­ger gemäß § 14 SGB IX und ver­lang­te von der Kran­ken­kas­se die Erstat­tung der dafür auf­ge­wen­de­ten Kos­ten in Höhe von 2.119,42 €. Der von der Kran­ken­kas­se zur Ver­fü­gung gestell­te Roll­stuhl ver­blieb in der Schu­le, wäh­rend der gelie­fer­te zwei­te Roll­stuhl (Modell Juni­or 2) in der Woh­nung des Schü­lers ver­wen­det wur­de.
Die nach Ableh­nung der Erstat­tung erho­be­ne Zah­lungs­kla­ge hat das erst­in­stanz­lich hier­mit befass­te Sozi­al­ge­richt Müns­ter abge­wie­sen 1. Hier­ge­gen wur­de vor dem Lan­des­so­zi­al­ge­richt Nord­rhein-West­fa­len in Essen Beru­fung ein­ge­legt. Der ver­si­cher­te Schü­ler wird seit Schul­jah­res­be­ginn 2007/​2008 im Roll­stuhl sit­zend zur Schu­le hin und zurück trans­por­tiert. Da seit die­sem Zeit­punkt der zwei­te Roll­stuhl ent­behr­lich ist, aber eine Rück­for­de­rung die­ses Hilfs­mit­tels aus Sicht des Reha­bi­li­ta­ti­ons­trä­gers nicht mehr in Betracht kam, wur­de der Erstat­tungs­an­spruch wäh­rend des Beru­fungs­ver­fah­rens mit Rück­sicht auf die zwei­jäh­ri­ge Nut­zungs­dau­er auf 700 € beschränkt. Vom Lan­des­so­zi­al­ge­richt Nord­rhein-West­fa­len ist daher das erst­in­stanz­li­che Urteil geän­dert und die Kran­ken­kas­se zur Zah­lung von 700 € ver­ur­teilt 2 wor­den. Dage­gen hat nun­mehr die Kran­ken­kas­se Revi­si­on zum Bun­des­so­zi­al­ge­richt ein­ge­legt und erhielt Recht:
Nach Auf­fas­sung des Bun­des­so­zi­al­ge­richts sind die Tat­be­stands­vor­aus­set­zun­gen des Erstat­tungs­an­spruchs nach § 14 Abs 4 Satz 1 SGB IX hier nicht erfüllt, weil der Ver­si­cher­te die begehr­te Leis­tung von der Kran­ken­kas­se nach den Vor­schrif­ten des SGB V als dem für den Bereich der GKV ein­schlä­gi­gen mate­ri­el­len Recht (§ 7 Satz 2 SGB IX) nicht bean­spru­chen konn­te (§ 33 Abs 1 SGB V). Die Kran­ken­kas­se war für die Zweit­ver­sor­gung des Bei­gela­de­nen mit dem wei­te­ren Aktiv­roll­stuhl nicht leis­tungs­pflich­tig, weil das Hilfs­mit­tel unter den gege­be­nen Umstän­den die­ses Fal­les nicht erfor­der­lich (§ 33 Abs 1 Satz 1 SGB V) und des­halb auch kran­ken­ver­si­che­rungs­recht­lich nicht wirt­schaft­lich war (§ 2 Abs 1 Satz 1, § 12 Abs 1 SGB V). Die Aus­stat­tung des Schü­lers durch die Kra­ken­kas­se mit dem ers­ten Aktiv­roll­stuhl war hier zum mit­tel­ba­ren Behin­de­rungs­aus­gleich im Bereich der Mobi­li­tät aus­rei­chend.
Nach § 33 Abs 1 Satz 1 SGB V3 haben Ver­si­cher­te Anspruch auf Ver­sor­gung mit Hör­hil­fen, Kör­per­er­satz­stü­cken, ortho­pä­di­schen und ande­ren Hilfs­mit­teln, die im Ein­zel­fall erfor­der­lich sind, um den Erfolg der Kran­ken­be­hand­lung zu sichern (1. Vari­an­te), einer dro­hen­den Behin­de­rung vor­zu­beu­gen (2. Vari­an­te) oder eine Behin­de­rung aus­zu­glei­chen (3. Vari­an­te), soweit die Hilfs­mit­tel nicht als all­ge­mei­ne Gebrauchs­ge­gen­stän­de des täg­li­chen Lebens anzu­se­hen oder nach § 34 Abs 4 SGB V (Rechts­ver­ord­nung zu Heil- und Hilfs­mit­teln von gerin­gem oder umstrit­te­nem the­ra­peu­ti­schen Nut­zen oder gerin­gem Abga­be­preis) aus­ge­schlos­sen sind. Die begehr­te Zweit­ver­sor­gung mit einem wei­te­ren Roll­stuhl dien­te hier ersicht­lich nicht der Siche­rung des Erfolgs der Kran­ken­be­hand­lung und auch nicht der Vor­beu­gung gegen eine dro­hen­de Behin­de­rung, son­dern allein dem Aus­gleich der Fol­gen der seit Geburt vor­han­de­nen Behin­de­run­gen des Bei­gela­de­nen (3. Vari­an­te). Der Roll­stuhl ist als spe­zi­ell für das Mobi­li­täts­be­dürf­nis geh­be­hin­der­ter Men­schen ent­wi­ckel­tes und her­ge­stell­tes Hilfs­mit­tel kein all­ge­mei­ner Gebrauchs­ge­gen­stand des täg­li­chen Lebens und auch nicht durch die Rechts­ver­ord­nung nach § 34 Abs 4 SGB V von der Leis­tungs­pflicht der gesetz­li­chen Kran­ken­ver­si­che­rung aus­ge­schlos­sen. Die Beklag­te hat ihre Leis­tungs­pflicht nach § 33 Abs 1 SGB V jedoch schon mit der Bereit­stel­lung des ers­ten Roll­stuhls voll­stän­dig erfüllt.
Grund­sätz­lich bemisst sich die Leis­tungs­pflicht der gesetz­li­chen Kran­ken­ver­si­che­rung nach § 33 Abs 1 SGB V gemäß stän­di­ger Recht­spre­chung des Bun­des­so­zi­al­ge­richts danach, ob ein Hilfs­mit­tel zum unmit­tel­ba­ren oder zum mit­tel­ba­ren Behin­de­rungs­aus­gleich bean­sprucht wird. Im Vor­der­grund steht zumeist der Aus­gleich der aus­ge­fal­le­nen oder beein­träch­tig­ten Kör­per­funk­ti­on selbst, wie es zB bei Pro­the­sen, Hör­ge­rä­ten und Seh­hil­fen der Fall ist. Bei die­sem sog unmit­tel­ba­ren Behin­de­rungs­aus­gleich gilt das Gebot eines mög­lichst weit­ge­hen­den Aus­gleichs des Funk­ti­ons­de­fi­zits, und zwar unter Berück­sich­ti­gung des aktu­el­len Stands des medi­zi­ni­schen und tech­ni­schen Fort­schritts. Daher kann die Ver­sor­gung mit einem fort­schritt­li­chen, tech­nisch wei­ter­ent­wi­ckel­ten Hilfs­mit­tel nicht mit der Begrün­dung abge­lehnt wer­den, der bis­her erreich­te Ver­sor­gungs­stan­dard sei aus­rei­chend, solan­ge ein Aus­gleich der Behin­de­rung nicht voll­stän­dig im Sin­ne des Gleich­zie­hens mit einem nicht behin­der­ten Men­schen erreicht ist 4.
Dane­ben kön­nen Hilfs­mit­tel den Zweck haben, die direk­ten und indi­rek­ten Fol­gen der Behin­de­rung aus­zu­glei­chen (sog mit­tel­ba­rer Behin­de­rungs­aus­gleich). In die­sem Fall hat die gesetz­li­chen Kran­ken­ver­si­che­rung nur für den Basis­aus­gleich ein­zu­ste­hen; es geht dabei nicht um einen Aus­gleich im Sin­ne des voll­stän­di­gen Gleich­zie­hens mit den letzt­lich unbe­grenz­ten Mög­lich­kei­ten eines nicht behin­der­ten Men­schen. Denn Auf­ga­be der gesetz­li­chen Kran­ken­ver­si­che­rung ist in allen Fäl­len allein die medi­zi­ni­sche Reha­bi­li­ta­ti­on (vgl § 1 SGB V sowie § 6 Abs 1 Nr 1 iVm § 5 Nr 1 und 3 SGB IX), also die mög­lichst weit­ge­hen­de Wie­der­her­stel­lung der Gesund­heit und der Organ­funk­tio­nen ein­schließ­lich der Siche­rung des Behand­lungs­er­folgs, um ein selbst­stän­di­ges Leben füh­ren und die Anfor­de­run­gen des All­tags meis­tern zu kön­nen. Eine dar­über hin­aus­ge­hen­de beruf­li­che oder sozia­le Reha­bi­li­ta­ti­on ist hin­ge­gen Auf­ga­be ande­rer Sozi­al­leis­tungs­sys­te­me (vgl zB § 5 Nr 2 SGB IX: Leis­tun­gen zur Teil­ha­be am Arbeits­le­ben oder § 5 Nr 4 SGB IX: Leis­tun­gen zur Teil­ha­be am Leben in der Gemein­schaft). Ein Hilfs­mit­tel zum mit­tel­ba­ren Behin­de­rungs­aus­gleich ist von der gesetz­li­chen Kran­ken­ver­si­che­rung daher nur zu gewäh­ren, wenn es die Aus­wir­kun­gen der Behin­de­rung im gesam­ten täg­li­chen Leben besei­tigt oder mil­dert und damit ein all­ge­mei­nes Grund­be­dürf­nis des täg­li­chen Lebens betrifft 5. Zu den Grund­be­dürf­nis­sen eines jeden Men­schen gehö­ren die kör­per­li­chen Grund­funk­tio­nen (zB Gehen, Ste­hen, Sit­zen, Grei­fen, Sehen, Hören, Nah­rungs­auf­nah­me, Aus­schei­dung) sowie die ele­men­ta­re Kör­per­pfle­ge, das selbst­stän­di­ge Woh­nen und die Erschlie­ßung eines gewis­sen kör­per­li­chen und geis­ti­gen Frei­raums, wozu auch die Auf­nah­me von Infor­ma­tio­nen und die Kom­mu­ni­ka­ti­on mit ande­ren zur Ver­mei­dung von Ver­ein­sa­mung zählt 6.
Als sol­ches all­ge­mei­nes Grund­be­dürf­nis des täg­li­chen Lebens ist in Bezug auf die Mobi­li­tät nur die Erschlie­ßung des Nah­be­reichs um die Woh­nung eines Ver­si­cher­ten aner­kannt, nicht aber das dar­über hin­aus­rei­chen­de Inter­es­se an sport­li­cher Fort­be­we­gung oder an der Erwei­te­rung des Akti­ons­raums 7. Maß­ge­bend für den von der gesetz­li­chen Kran­ken­ver­si­che­rung inso­weit zu gewähr­leis­ten­den Basis­aus­gleich ist der Bewe­gungs­ra­di­us, den ein Nicht­be­hin­der­ter übli­cher­wei­se noch zu Fuß erreicht 8. Dazu haben die Kran­ken­kas­sen die Ver­si­cher­ten so aus­zu­stat­ten, dass sie sich nach Mög­lich­keit in der eige­nen Woh­nung bewe­gen und die Woh­nung ver­las­sen kön­nen, um bei einem kur­zen Spa­zier­gang "an die fri­sche Luft zu kom­men" oder um die – übli­cher­wei­se im Nah­be­reich der Woh­nung lie­gen­den – Stel­len zu errei­chen, an denen All­tags­ge­schäf­te zu erle­di­gen sind 9. Dage­gen kön­nen die Ver­si­cher­ten – von beson­de­ren zusätz­li­chen qua­li­ta­ti­ven Momen­ten abge­se­hen – grund­sätz­lich nicht bean­spru­chen, den Radi­us der selbst­stän­di­gen Fort­be­we­gung in Kom­bi­na­ti­on von Auto und Roll­stuhl (erheb­lich) zu erwei­tern, auch wenn im Ein­zel­fall die Stel­len der All­tags­ge­schäf­te nicht im Nah­be­reich lie­gen, dafür also län­ge­re Stre­cken zurück­zu­le­gen sind, wel­che die Kräf­te eines Roll­stuhl­fah­rers mög­li­cher­wei­se über­stei­gen 10. Eben­so wenig rech­net die sport­li­che Betä­ti­gung stän­di­ger Recht­spre­chung des Senats zufol­ge zu den Grund­be­dürf­nis­sen, für die die gesetz­li­che Kran­ken­ver­si­che­rung ihre Ver­si­cher­ten mit Hilfs­mit­teln zum Behin­de­rungs­aus­gleich aus­zu­stat­ten hat 11.
Die Ein­stands­pflicht der Kran­ken­kas­sen für Mobi­li­täts­hil­fen zum mit­tel­ba­ren Behin­de­rungs­aus­gleich reicht bei Kin­dern und Jugend­li­chen aller­dings wei­ter, wenn dies ent­we­der zum Schul­be­such im Rah­men der Schul­pflicht oder zur Inte­gra­ti­on in der kind­li­chen und jugend­li­chen Ent­wick­lungs­pha­se erfor­der­lich ist; dar­auf hat auch das Lan­des­so­zi­al­ge­richt zutref­fend abge­stellt. So kön­nen die Kran­ken­kas­sen bei Kin­dern und Jugend­li­chen zwar grund­sätz­lich über die sonst gel­ten­den Gren­zen hin­aus zur Gewäh­rung von Hilfs­mit­teln ver­pflich­tet sein, soweit es zur Her­stel­lung oder Siche­rung der Schul­fä­hig­keit eines Schü­lers bzw dem Erwerb einer ele­men­ta­ren Schul­aus­bil­dung oder zur För­de­rung ihrer Inte­gra­ti­on in den Kreis gleich­alt­ri­ger Kin­der und Jugend­li­cher erfor­der­lich ist. Das hat das Bun­des­so­zi­al­ge­richt bereits früh für den Schul­weg 12 und den Schul­sport 13 ent­schie­den und spä­ter auf alle säch­li­chen Mit­tel erstreckt, die einem behin­der­ten Kind oder Jugend­li­chen die Teil­nah­me am gesetz­lich vor­ge­schrie­be­nen all­ge­mein­bil­den­den Unter­richt ermög­li­chen 14. Mit glei­cher Ziel­rich­tung hat das Bun­des­so­zi­al­ge­richt dies spä­ter auf die­je­ni­gen Hilfs­mit­tel erstreckt, die eine Teil­nah­me an den all­ge­mein übli­chen Frei­zeit­be­tä­ti­gun­gen Gleich­alt­ri­ger ermög­li­chen sol­len 15. Als nicht aus­rei­chend ange­se­hen wur­de aber auch bei Kin­dern oder Jugend­li­chen einer­seits die sport­li­che Betä­ti­gung im Fami­li­en­kreis 16 und zum ande­ren das Bedürf­nis nach sport­li­cher Betä­ti­gung an sich 17.
Nach die­sen Grund­sät­zen, die vom Bun­des­so­zi­al­ge­richt in sei­nem Urteil vom 18. Mai 2011 18 noch­mals zusam­men­ge­fasst hat, hät­te der Schü­ler die Zweit­ver­sor­gung mit dem wei­te­ren Roll­stuhl nur dann auf Kos­ten der gesetz­li­chen Kran­ken­ver­si­che­rung ver­lan­gen kön­nen, wenn der bereits vor­han­de­ne Roll­stuhl nicht oder nur unter einem unzu­mut­ba­ren Auf­wand an jedem Schul­tag von der Woh­nung zu der För­der­schu­le in Ols­berg und zurück hät­te trans­por­tiert wer­den kön­nen und des­halb das all­ge­mei­ne Grund­be­dürf­nis des Schü­lers auf Siche­rung sei­ner Schul­fä­hig­keit und Ermög­li­chung der Teil­nah­me am Unter­richt im Zuge der Schul­pflicht hier nicht gewähr­leis­tet gewe­sen wäre. Nur unter sol­chen wid­ri­gen Umstän­den wäre die Zweit­ver­sor­gung "im Ein­zel­fall erfor­der­lich" gewe­sen. Das war hier nicht der Fall.
Aller­dings ergibt sich der Aus­schluss der Zweit­ver­sor­gung auf Kos­ten der gesetz­li­chen Kran­ken­ver­si­che­rung nicht bereits aus der durch den Bun­des­aus­schuss der Ärz­te und Kran­ken­kas­sen (§ 91 SGB V, ab 1.1.2004: Gemein­sa­mer Bun­des­aus­schuss) nach § 92 Abs 1 Satz 2 Nr 6 SGB V erlas­se­nen Richt­li­nie über die Ver­ord­nung von Hilfs­mit­teln in der ver­trags­ärzt­li­chen Ver­sor­gung 19, die nach § 91 Abs 9 SGB V in der bis zum 30.6.2008 gül­ti­gen – und hier maß­geb­li­chen – Fas­sung des GKV-Moder­ni­sie­rungs­ge­set­zes und eben­so nach § 91 Abs 6 SGB V in der ab 1.7.2008 gül­ti­gen Fas­sung des GKV-Wett­be­werbs­stär­kungs­ge­set­zes 20 für die Ver­si­cher­ten, die Kran­ken­kas­sen und die Leis­tungs­er­brin­ger unmit­tel­bar ver­bind­lich ist. Die Zweit­ver­sor­gung wäre im vor­lie­gen­den Fall durch die HilfsM-RL nicht gene­rell aus­ge­schlos­sen, sodass ein zur Rechts­wid­rig­keit einer Rege­lung der HilfsM-RL füh­ren­der Ver­stoß gegen höher­ran­gi­ges Recht von vorn­her­ein aus­schei­det, der vor­lie­gen wür­de, wenn ein nach § 33 SGB V begrün­de­ter Anspruch auf Ver­sor­gung mit einem Hilfs­mit­tel durch eine sol­che Rege­lung der HilfsM-RL aus­ge­schlos­sen wäre. Des­halb bedurf­te es an die­ser Stel­le kei­ner abschlie­ßen­den Ent­schei­dung zu der Fra­ge, ob und ggf unter wel­chen Vor­aus­set­zun­gen Leis­tungs­be­gren­zun­gen im Bereich der Ver­sor­gung mit Hilfs­mit­teln (§ 33 SGB V) in der HilfsM-RL über­haupt ange­ord­net wer­den dür­fen. Nach Abschnitt A III Nr 21 der HilfsM-RL vom 17.6.1992 21, die nach Maß­ga­be spä­te­rer Ände­run­gen bis zum 6.2.2009 gül­tig war und hier ein­schlä­gig ist 22, konn­te eine Mehr­fach­ver­sor­gung mit funk­ti­ons­glei­chen Hilfs­mit­teln an sich nur dann ver­ord­net wer­den, wenn dies aus hygie­ni­schen Grün­den not­wen­dig oder auf­grund beson­de­rer Bean­spru­chung durch den Ver­si­cher­ten zweck­mä­ßig und wirt­schaft­lich ist. Bei­des ist hier nicht der Fall.
Die­se Bestim­mung war jedoch nicht als abschlie­ßend zu ver­ste­hen, weil sie ersicht­lich lücken­haft ist und der sich aus § 33 SGB V erge­ben­den Rechts­la­ge nur unvoll­kom­men ent­spricht, bei rein wört­li­cher Aus­le­gung also rechts­wid­rig und damit unwirk­sam wäre. Eine Mehr­fach­ver­sor­gung mit einem Hilfs­mit­tel kann im Ein­zel­fall zB auch wegen feh­len­der oder unzu­mut­ba­rer Trans­por­tier­bar­keit eines Hilfs­mit­tels sowie aus sons­ti­gen medi­zi­ni­schen oder tech­ni­schen Grün­den in Betracht kom­men. Die Lücken­haf­tig­keit der Rege­lung hat auch der Gemein­sa­me Bun­des­aus­schuss erkannt und des­halb mit Wir­kung ab 7.2.2009 unter Abschnitt A § 6 Abs 7 fol­gen­de Vor­schrift in die HilfsM-RL nF vom 16.10.2008 auf­ge­nom­men:
"Eine Mehr­fach­aus­stat­tung mit Hilfs­mit­teln kann nur dann ver­ord­net wer­den, wenn dies aus medi­zi­ni­schen, hygie­ni­schen oder sicher­heits­tech­ni­schen Grün­den not­wen­dig oder auf­grund der beson­de­ren Bean­spru­chung durch den Ver­si­cher­ten zweck­mä­ßig und wirt­schaft­lich ist. Als Mehr­fach­aus­stat­tung sind funk­ti­ons­glei­che Hilfs­mit­tel anzu­se­hen. Hin­wei­se hier­zu erge­ben sich aus dem Hilfs­mit­tel­ver­zeich­nis."
Die­se Vor­schrift stellt ledig­lich eine Klar­stel­lung der nach § 33 SGB V ohne­hin bestehen­den Rechts­la­ge dar, ist also nicht als kon­sti­tu­ti­ve Rege­lung zu ver­ste­hen. Dem­ge­mäß ist die­se Vor­schrift in ent­spre­chen­der Wei­se auch auf die HilfsM-RL vom 17.6.1992 und deren lücken­haf­te Rege­lung in Abschnitt A III Nr 21 anzu­wen­den. Dies gilt im vor­lie­gen­den Zusam­men­hang umso mehr, als sich die grund­sätz­li­che Mög­lich­keit der Zweit­ver­sor­gung zur Siche­rung der Schul­fä­hig­keit eines Schü­lers auch aus dem Hilfs­mit­tel­ver­zeich­nis (§ 139 SGB V) ergibt, das zur Kon­kre­ti­sie­rung der Ver­ord­nungs­fä­hig­keit von Hilfs­mit­teln stets her­an­zu­zie­hen ist, wie sich nun­mehr auch aus Abschnitt A § 6 Abs 7 Satz 3 HilfsM-RL nF aus­drück­lich ergibt. So fin­det sich im Hilfs­mit­tel­ver­zeich­nis, auf das auch schon die HilfsM-RL vom 17.6.1992 mehr­fach Bezug genom­men hat (vgl Abschnitt A II Nr 8 und 8.2), in der Pro­dukt­grup­pe 18 unter Zif­fer 3.1 eine Son­der­re­ge­lung, wonach bei Kin­dern und Jugend­li­chen neben dem für den stän­di­gen Gebrauch zu Hau­se zu gewäh­ren­den Kran­ken- oder Behin­der­ten­fahr­zeug im Bedarfs­fall ein wei­te­res für den außer­häus­li­chen Gebrauch zur Ver­fü­gung gestellt wer­den kann, um die Fort­be­we­gung im Schul­be­reich sicher­zu­stel­len. Die Begrif­fe "Bedarfs­fall" und "Erfor­der­lich­keit im Ein­zel­fall" sind inhalts­gleich.
Die Mög­lich­keit der Zweit­ver­sor­gung zu Las­ten der gesetz­li­chen Kran­ken­ver­si­che­rung schei­det hier jedoch aus, weil ein "Bedarfs­fall" nicht vor­liegt. Der Aus­schluss der Zweit­ver­sor­gung auf Kos­ten der gesetz­li­chen Kran­ken­ver­si­che­rung ergibt sich aus der jeder­zei­ti­gen Trans­por­tier­bar­keit des Roll­stuhls unter für den Bei­gela­de­nen zumut­ba­ren Bedin­gun­gen. Zwar ent­hält das Beru­fungs­ur­teil kei­ne aus­drück­li­chen Fest­stel­lun­gen des Lan­des­so­zi­al­ge­richts zu der Fra­ge, ob der im Jah­re 2005 bereit­ge­stell­te Aktiv­roll­stuhl des Fabri­kats "Brix 1.123" für die stän­di­ge Mit­nah­me zu Ein­satz­or­ten außer­halb der Woh­nung kon­zi­piert ist. Aller­dings ergibt sich aus dem Umstand, dass der Schü­ler seit dem Schul­jah­res­be­ginn 2007/​2008 in die­sem Roll­stuhl sit­zend zur Schu­le und zurück trans­por­tiert wird und der vom Klä­ger gewähr­te zwei­te Roll­stuhl seit die­sem Zeit­punkt prak­tisch nicht mehr benö­tigt wur­de, dass die Erst­aus­stat­tung jeder­zeit zum Trans­port geeig­net war. Dass der Ver­si­cher­te hier­für Hil­fe benö­tigt (zB durch die Eltern, den Schul­bus­fah­rer, den Schul­bus­be­glei­ter oder Mit­ar­bei­ter der Schu­le), ist uner­heb­lich, weil er auch für das Umset­zen vom Roll­stuhl in das Fahr­zeug und vom Fahr­zeug in den zwei­ten Roll­stuhl die Hil­fe Drit­ter benö­tig­te, er durch die Zweit­ver­sor­gung also nicht von frem­der Hil­fe unab­hän­gig gewor­den wäre.
Nicht aus­schlag­ge­bend ist hin­ge­gen der Umstand, dass der Roll­stuhl des Schü­lers sei­ner­zeit mit dem vom Schul­trä­ger orga­ni­sier­ten Schü­ler­spe­zi­al­ver­kehr tat­säch­lich nicht trans­por­tiert wor­den ist und man­gels aus­rei­chen­der Lade­ka­pa­zi­tät der ein­ge­setz­ten Fahr­zeu­ge auch nicht hät­te mit­ge­nom­men wer­den kön­nen. Wäre der Schü­ler­spe­zi­al­ver­kehr mit Fahr­zeu­gen orga­ni­siert wor­den, die über eine aus­rei­chen­de Lade­ka­pa­zi­tät ver­fü­gen, wie es im Bereich des Land­schafts­ver­bands Rhein­land seit jeher der Fall ist, hät­te es der Zweit­ver­sor­gung nicht bedurft. Der vom Schul­trä­ger zu ver­ant­wor­ten­de "Man­gel" des Schü­ler­spe­zi­al­ver­kehrs führt nicht zu einem Anspruch des Schüü­lers gegen die gesetz­li­che Kran­ken­ver­si­che­rung auf Zweit­ver­sor­gung, sodass der gel­tend gemach­te Erstat­tungs­an­spruch des Reha­bi­li­ta­ti­ons­trä­gers als über­ört­li­cher Sozi­al­hil­fe­trä­ger nicht begrün­det ist.
Der täg­li­che Trans­port des Roll­stuhls wäre auch unter für den Schü­ler zumut­ba­ren Bedin­gun­gen mög­lich gewe­sen. Ein Schul­trä­ger in Nord­rhein-West­fa­len hat grund­sätz­lich auch die aus der Mit­nah­me für den Schul­be­such erfor­der­li­cher Hilfs­mit­tel resul­tie­ren­den Mehr­kos­ten zu tra­gen. Einer geson­der­ten Vor­schrift über die Berech­ti­gung geh­un­fä­hi­ger Schü­ler, auf Kos­ten des Schul­trä­gers den erfor­der­li­chen Roll­stuhl täg­lich vom Wohn­ort zur Schu­le und zurück trans­por­tie­ren zu las­sen, bedurf­te es nicht. Die dem ent­ge­gen­ste­hen­de Aus­le­gung des Lan­des­rechts von Nord­rhein-West­fa­len durch das Lan­des­so­zi­al­ge­richt ist für das Bun­des­so­zi­al­ge­richt nicht ver­bind­lich (§ 162 SGG), weil sie auf der Ver­let­zung von Bun­des­recht beruht. Das Bun­des­so­zi­al­ge­richt ist daher an der eigen­stän­di­gen Aus­le­gung des ein­schlä­gi­gen Lan­des­rechts nicht gehin­dert.
Nach § 92 Abs 1 Satz 1 iVm § 94 Abs 1 SchulG NRW 23, das am 1.8.2005 in Kraft getre­ten ist (§ 133 Abs 1 Satz 1 SchulG), gehö­ren zu dem vom Schul­trä­ger zu tra­gen­den Sach­kos­ten auch die Schü­ler­fahr­kos­ten. Gemäß § 97 Abs 1 Satz 1 SchulG wer­den Schü­le­rin­nen und Schü­ler der all­ge­mein bil­den­den Schu­len (§§ 11, 14 bis 18 SchulG), der För­der­schu­len (§ 20 SchulG), der Schu­le für Kran­ke (§ 21 SchulG) und des Berufs­kol­legs in Voll­zeit­form (§ 22 SchulG), die ihren Wohn­sitz in Nord­rhein-West­fa­len haben, die Kos­ten erstat­tet, die für ihre wirt­schaft­lichs­te Beför­de­rung zur Schu­le und zurück not­wen­dig ent­ste­hen. Die Anfor­de­run­gen an die wirt­schaft­lichs­te Beför­de­rung, die Ent­fer­nun­gen und die sons­ti­gen Umstän­de, bei denen Fahr­kos­ten not­wen­dig ent­ste­hen, Vor­aus­set­zun­gen und Höchst­be­trag für die Erstat­tung und für den zumut­ba­ren Eigen­an­teil sowie Aus­nah­men für schwer­be­hin­der­te Schü­le­rin­nen und Schü­ler und für Schü­le­rin­nen und Schü­ler mit son­der­päd­ago­gi­schem För­der­be­darf sind in der nach § 97 Abs 4 SchulG zu erlas­sen­den Rechts­ver­ord­nung zu regeln. Zur Aus­füh­rung die­ser Ver­ord­nungs­er­mäch­ti­gung hat das zustän­di­ge Minis­te­ri­um für Schu­le und Wei­ter­bil­dung des Lan­des Nord­rhein-West­fa­len die Schü­ler­fahr­kos­ten­ver­ord­nung (SchfkVO) 24 erlas­sen, die eben­falls am 1.8.2005 in Kraft getre­ten ist (§ 21 Abs 1 Satz 1 SchfkVO). Danach sind Schü­ler­fahr­kos­ten die Kos­ten, die für die wirt­schaft­lichs­te, der Schü­le­rin oder dem Schü­ler zumut­ba­re Art der Beför­de­rung zu den Schu­len im Sin­ne von § 97 SchulG und zurück not­wen­dig ent­ste­hen (§ 1 SchfkVO, inhalt­lich wie­der­holt in § 5 Abs 1 und § 12 Abs 1 und 4 SchfkVO). Dabei ent­schei­det der Schul­trä­ger über die Art und den Umfang der Schü­ler­be­för­de­rung; eine Pflicht zur Beför­de­rung obliegt ihm jedoch nicht (§ 3 SchfkVO). Der Schul­trä­ger der besuch­ten Schu­le über­nimmt die Schü­ler­fahr­kos­ten auf Antrag unab­hän­gig vom Wohn­sitz oder gewöhn­li­chen Auf­ent­halt der Schü­le­rin oder des Schü­lers (Schul­trä­ger­prin­zip), wobei er auch über das zweck­mä­ßigs­te Ver­fah­ren zu ent­schei­den hat (§ 4 Abs 1 SchfkVO). Dabei kom­men nach § 12 Abs 2 SchfkVO drei Vari­an­ten für die wirt­schaft­lichs­te Beför­de­rung in Betracht: Öffent­li­che Ver­kehrs­mit­tel, durch den Schul­trä­ger ange­mie­te­te geeig­ne­te Kraft­fahr­zeu­ge eines zuver­läs­si­gen Beför­de­rungs­un­ter­neh­mers bzw geeig­ne­te Kraft­fahr­zeu­ge des Schul­trä­gers (Schü­ler­spe­zi­al­ver­kehr) oder von den Eltern oder der Schü­le­rin oder dem Schü­ler gestell­te bzw ange­mie­te­te Fahr­zeu­ge (Pri­vat­fahr­zeu­ge). Ist die Beför­de­rung mit öffent­li­chen Ver­kehrs­mit­teln oder mit Schü­ler­spe­zi­al­ver­keh­ren nicht mög­lich oder ist die Benut­zung die­ser Ver­kehrs­mit­tel nicht zumut­bar (§ 13 Abs 2 bis 4 SchfkVO), so hat der Schul­trä­ger die Kos­ten einer Beför­de­rung mit Pri­vat­fahr­zeu­gen (ein­schließ­lich Taxen und Miet­wa­gen) nach § 16 SchfkVO zu tra­gen, sofern nur durch die­se Art der Beför­de­rung der regel­mä­ßi­ge Schul­be­such gewähr­leis­tet ist (§ 15 Abs 1 SchfkVO). Dabei ent­schei­det der Schul­trä­ger jeweils im Ein­zel­fall über die wirt­schaft­lichs­te Form der Beför­de­rung (§ 12 Abs 3 SchfkVO).
Soweit hier­nach der Schul­trä­ger beim Schü­ler­spe­zi­al­ver­kehr die Mit­nah­me von Roll­stüh­len tat­säch­lich nicht vor­ge­se­hen oder eine zu gerin­ge Lade­ka­pa­zi­tät bereit­ge­stellt hat, sind der Schü­ler bzw sei­ne Eltern berech­tigt, die Fahr­ten in Pri­vat­fahr­zeu­gen zu orga­ni­sie­ren (§ 12 Abs 2 Nr 3 SchfkVO), bei denen der Roll­stuhl mit­ge­nom­men wer­den kann. Hier­zu gehö­ren auch Fahr­ten mit für den Roll­stuhl­trans­port geeig­ne­ten Taxen und Miet­fahr­zeu­gen, wie sich aus § 15 Abs 1 SchfkVO ergibt. Nur die Mög­lich­keit der jeder­zei­ti­gen Mit­nah­me des Roll­stuhls erfüllt die Kri­te­ri­en einer wirt­schaft­li­chen Beför­de­rung geh­un­fä­hi­ger Schü­ler "unter zumut­ba­ren Bedin­gun­gen" (§ 1, § 12 Abs 4, § 15 Abs 1 SchfkVO). Des­halb ist auch der Ein­wand unbe­grün­det, in der SchfkVO fin­de sich kei­ne geson­der­te Rege­lung über die Mit­nah­me von für den Schul­be­such erfor­der­li­chen medi­zi­ni­schen Hilfs­mit­teln. Eine sol­che Rege­lung hät­te zudem nur dekla­ra­to­ri­schen Cha­rak­ter, zumal sich die Trans­port­pflicht mit­tel­bar auch schon aus dem Ver­bot der Benach­tei­li­gung behin­der­ter Men­schen (Art 3 Abs 3 Satz 2 GG) ergibt.
Mit die­ser Ent­schei­dung setzt sich das Bun­des­so­zi­al­ge­richt nach eige­nem Bekun­den auch nicht in Wider­spruch zu sei­nem Urteil vom 2. August 1979 25, der in einem ähn­lich gela­ger­ten Fall den Anspruch eines Schü­lers auf Ver­sor­gung mit einem zwei­ten Roll­stuhl für den Schul­be­such bejaht hat­te, weil nach den Gege­ben­hei­ten des dama­li­gen Fal­les die täg­li­che Trans­por­tier­bar­keit des vor­han­de­nen Roll­stuhls unter für den Ver­si­cher­ten zumut­ba­ren Bedin­gun­gen ver­neint wor­den war.
Bun­des­so­zi­al­ge­richt, Urteil vom 3. Novem­ber 2011 – B 3 KR 4/​11 R
Der zwei­te Roll­stuhl für die Schu­le Eine Kran­ken­ver­si­che­rung ist für die Aus­stat­tung eines geh­un­fä­hi­gen Schü­lers mit einem zwei­tem Aktiv­roll­stuhl für den Schul­be­such nicht leis­tungs­pflich­tig, wenn das Hilfs­mit­tel unter den gege­be­nen Umstän­den…
SG Müns­ter, Urteil vom 20.01.2009 – S 16 KR 65/​06[↩]
LSG Nord­rhein-West­fa­len, Urteil vom 13.01.2011 – L 5 KR 22/​09[↩]
in der im – für den Erstat­tungs­an­spruch maß­geb­li­chen – Zeit­punkt der Leis­tungs­er­brin­gung durch den Klä­ger gel­ten­den Fas­sung des Art 1 Nr 20 Buchst a aa des Geset­zes zur Moder­ni­sie­rung der gesetz­li­chen Kran­ken­ver­si­che­rung (GKV-Moder­ni­sie­rungs­ge­setz – GMG) vom 14.11.2003, BGBl I 2190[↩]
vgl BSGE 93, 183 = SozR 4 – 2500 § 33 Nr 8, RdNr 4 – C‑Leg II[↩]
stRspr, vgl zuletzt etwa BSGE 105, 170 = SozR 4 – 2500 § 36 Nr 2, RdNr 14 ff – Hör­ge­rä­te­fest­be­trag; BSG, Urteil vom 07.10.2010 – B 3 KR 13/​09 R, BSGE 107, 44 = SozR 4 – 2500 § 33 Nr 31, RdNr 16 f – Trep­pen­steig­hil­fe; BSG, Urteil vom 07.10.2010 – B 3 KR 5/​10 R, SozR 4 – 2500 § 33 Nr 32, RdNr 13 – The­ra­pie­drei­rad II; jeweils mwN[↩]
BSG SozR 4 – 2500 § 33 Nr 6 RdNr 12 – Note­book-PC für blin­den Schü­ler[↩]
stRspr, vgl zuletzt BSG, Urteil vom 18.05.2011 – B 3 KR 10/​10 R, SozR 4 – 2500 § 33 Nr 35 – Spor­t­roll­stuhl[↩]
BSG SozR 3 – 2500 § 33 Nr 29, 31 und 32 sowie BSG SozR 3 – 1200 § 33 Nr 1; stRspr[↩]
BSG SozR 3 – 2500 § 33 Nr 31 – Roll­stuhl-Bike II[↩]
BSGE 91, 60 RdNr 15 = SozR 4 – 2500 § 33 Nr 3 RdNr 16 – Roll­stuhl-Lade­boy; eben­so BSG SozR 3 – 2500 § 33 Nr 29 – schwenk­ba­rer Auto­sitz und BSGE 98, 213 = SozR 4 – 2500 § 33 Nr 15, RdNr 14 – behin­de­rungs­ge­rech­ter PKW-Umbau; BSG SozR 3 – 2500 § 33 Nr 31 S 187 – Roll­stuhl-Bike II[↩]
vgl etwa BSG SozR 4 – 2500 § 33 Nr 2 – The­ra­pie-Tan­dem bei über­stei­ger­tem Bewe­gungs­drang; zuletzt noch­mals bekräf­tigt mit BSG, Urteil vom 07.10.2010 – B 3 KR 5/​10 R, SozR 4 – 2500 § 33 Nr 32 – The­ra­pie­drei­rad II sowie BSG, Urteil vom 18.05.2011 – B 3 KR 10/​10 R, SozR 4 – 2500 § 33 Nr 35 – Spor­t­roll­stuhl[↩]
BSG, Urteil vom 02.08.1979, SozR 2200 § 182b Nr 13 – Falt­roll­stuhl[↩]
BSG, Urteil vom 22.07.1981, SozR 2200 § 182 Nr 73 – Sport­bril­le[↩]
BSG, Urteil vom 26.05.1983, SozR 2200 § 182b Nr 28 – Mikro­port­an­la­ge; Urteil vom 06.02.1997, SozR 3 – 2500 § 33 Nr 22 – behin­de­rungs­ge­recht aus­ge­stat­te­ter PC; Urteil vom 30.01.2001, SozR 3 – 2500 § 33 Nr 40 – kein Note­book für Jura­stu­di­um; Urteil vom 22.07.2004, SozR 4 – 2500 § 33 Nr 6 – Note­book-PC für blin­den Schü­ler[↩]
BSG, Urteil vom 16.04.1998, SozR 3 – 2500 § 33 Nr 27 – Roll­stuhl-Bike I; Urteil vom 23.07.2002, SozR 3 – 2500 § 33 Nr 46 – behin­der­ten­ge­rech­tes Drei­rad[↩]
vgl zuletzt BSG, Urteil vom 12.08.2009, SozR 4 – 2500 § 33 Nr 25 – Roll­fiets[↩]
vgl etwa BSG, Urteil vom 26.03.2003, SozR 4 – 2500 § 33 Nr 2 – The­ra­pie-Tan­dem bei über­stei­ger­tem Bewe­gungs­drang[↩]
BSG, Urteil vom 18.05.2011 – B 3 KR 10/​10 R – SozR 4 – 2500 § 33 Nr 35[↩]
HilfsM-RL in der hier maß­geb­li­chen Fas­sung vom 19.10.2004, BAnz Nr 2 vom 05.01.2005, S 89[↩]
BGBl I 378 vom 26.03.2007[↩]
BAnz Nr 183 b vom 29.09.1992[↩]
ab 07.02.2009 gilt die Richt­li­nie des Gemein­sa­men Bun­des­aus­schus­ses über die Ver­ord­nung von Hilfs­mit­teln in der ver­trags­ärzt­li­chen Ver­sor­gung (hilfsm ‑RL nF) vom 16.10.2008, BAnz Nr 61 vom 06.02.2009, S 462[↩]
Schul­ge­setz für das Land Nord­rhein-West­fa­len (SchulG) vom 15.2.2005, GV NRW 2005, 102[↩]
SchfkVO vom 16.04.2005, GV NRW 2005, 420[↩]
BSG, Urteil vom 02.08.1979 – 11 RK 7/​78, SozR 2200 § 182b Nr 13[↩]
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