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Timestamp: 2017-11-20 17:03:19
Document Index: 6615407

Matched Legal Cases: ['Art. 1', 'Art. 2', 'Art. 3', 'Art. 4', 'Art. 6', 'Art. 3']

Friedrich Engels - Bericht über die Allianz der sozialistischen Demokratie, vorgelegt dem Haager Kongreß im Namen des Generalrats
Seitenzahlen verweisen auf: Karl Marx/Friedrich Engels - Werke. (Karl) Dietz Verlag, Berlin. Band 18, 5. Auflage 1973, unveränderter Nachdruck der 1. Auflage 1962, Berlin/DDR. S. 138-148.
Bericht über die Allianz der sozialistischen Demokratie, vorgelegt dem Haager Kongreß im Namen des Generalrats
Geschrieben Ende August 1872.
|138| Die Allianz der sozialistischen Demokratie wurde gegen Ende des Jahres 1868 von M. Bakunin gegründet. Das war eine internationale Gesellschaft, die den Anspruch erhob, zu gleicher Zeit außerhalb und innerhalb der Internationalen Arbeiterassoziation zu fungieren. Während sie sich aus Mitgliedern der letzteren zusammensetzte, die das Recht forderten, an allen Zusammenkünften der Internationale teilzunehmen, wollte sie sich jedoch das Recht vorbehalten, ihre lokalen Gruppen, ihre nationalen Föderationen, ihre besonderen Kongresse neben denen der Internationale zu haben. Die Allianz beanspruchte also gleich von ihrem Beginn an, eine Art Aristokratie inmitten unserer Assoziation zu bilden, einen Elitekörper mit einem Programm für sich und mit besonderen Privilegien.
Die Korrespondenz, die damals zwischen dem Zentralkomitee der Allianz und unserem Generalrat geführt wurde, ist in dem Zirkular "Die angeblichen Spaltungen in der Internationale", Seite 7 bis 9, abgedruckt (Belegstück Nr. 1). Der Generalrat lehnte es ab, die Allianz zuzulassen, solange sie ihren abgesonderten internationalen Charakter beibehielte; er versprach nur, sie unter der Bedingung zuzulassen, daß sie ihre spezielle internationale Organisation auflöst, daß sich ihre Sektionen in einfache Sektionen unserer Assoziation verwandeln und daß der Rat vom Ort und von der zahlenmäßigen Stärke jeder neuen Sektion unterrichtet wird.
Hier folgt, was am 22. Juni 1869 das Zentralkomitee der Allianz, die {1} in ihren Beziehungen zum Generalrat fortan den Namen "Sektion der Allianz der sozialistischen Demokratie in Genf" führte, auf diese Forderungen antwortete:
"Entsprechend den Vereinbarungen zwischen Ihrem Rat und dem Zentralkomitee der Allianz der sozialistischen Demokratie haben wir den verschiedenen Gruppen der |139| Allianz die Frage ihrer Auflosung als eine von der Internationalen Arbeiterassoziation gesonderte Organisation unterbreitet ... Wir haben das Vergnügen, Ihnen mitzuteilen, daß die große Mehrheit der Gruppen die Ansicht des Zentralkomitees geteilt hat, die darauf hinausläuft, die Auflösung der Internationalen Allianz der sozialistischen Demokratie zu beschließen. Heute ist diese Auflösung beschlossen worden. Wir haben diesen Beschluß den verschiedenen Gruppen der Allianz mitgeteilt und sie eingeladen, sich nach unserem Beispiel als Sektionen der Internationalen Arbeiterassoziation zu konstituieren und sich als solche von Ihnen oder vom Föderalrat dieser Assoziation in ihren bezüglichen Ländern anerkennen zu lassen. Als Bestätigung des Briefes, den Sie an das ehemalige Zentralkomitee der Allianz gerichtet haben, bitten wir Sie heute, indem wir Ihnen die Statuten unserer Sektion unterbreiten, uns offiziell als Zweig der Internationalen Arbeiterassoziation anzuerkennen ..." (gez.) Der provisorische Sekretär Ch. Perron (Belegstück Nr. 2).
Dieses Exemplar der Statuten der Allianz befindet sich unter den Belegstücken als Nr. 3.
Die Genfer Sektion blieb die einzige, die um ihre Aufnahme nachgesucht hat. Von den anderen angeblichen Sektionen der Allianz hörte man nichts mehr. Indessen mußte man glauben, trotz der fortwährenden Intrigen der Allianzisten, die bestrebt waren, ihr spezielles Programm der ganzen Internationale aufzuzwingen und sich der Leitung unserer Assoziation zu bemächtigen, daß die Allianz ihr Wort gehalten und sich aufgelöst hätte. Aber {2} dann erhielt der Generalrat ziemlich präzise Hinweise, aus denen er schließen mußte, daß die Allianz sich niemals aufgelöst hatte, daß sie trotz ihres feierlich gegebenen Wortes immer in Form einer Geheimgesellschaft existiert hatte und existierte und daß sie diese verborgene Organisation benutzte, um ihr ursprüngliches Herrschaftsziel weiterzuverfolgen. Besonders in Spanien wurde ihr Vorhandensein immer offensichtlicher infolge von Spaltungen im Schoße der Allianz selbst, deren Geschichte wir weiter unten bringen werden. Hier genügt es zu sagen, daß erst ein Zirkular der Mitglieder des alten Föderalrats dieses Landes, die gleichzeitig Mitglieder des Zentralkomitees der Allianz in Spanien sind (siehe "Emancipacion" Nr. 61, Seite 3, 2. Spalte, Belegstück Nr. 4) deren Existenz enthüllte.{3} Dieses Zirkular {4} ist mit dem 2. Juni 1872 datiert. Es kündigt allen Sektionen der Allianz in Spanien an, daß die Unterzeichner sich als Sektion der Allianz soeben aufgelöst hätten und die |140| anderen auffordern, ihrem Beispiel zu folgen. Es wurde in der "Emancipacion" veröffentlicht (Nr. 59, Belegstück Nr. 5). Diese Veröffentlichung zwang die Zeitung der Allianz, die "Federacion" von Barcelona (Nr. 155 vom 4. August 1872), ihrerseits die Statuten der Allianz zu veröffentlichen (Belegstück Nr. 6). Die Existenz dieser Gesellschaft ist also völlig erwiesen.
Wenn man diese Statuten der geheimen Gesellschaft mit den Statuten vergleicht, die die Genfer Allianz dem Generalrat unterbreitet hat, finden wir zunächst, daß die programmatische Einleitung der ersteren identisch ist mit der der anderen. Es sind nur einige redaktionelle Veränderungen erfolgt, und zwar derart, daß in den Geheimstatuten das spezielle Programm Bakunins deutlicher zum Ausdruck kommt. Hier die genaue Übersicht:
Der Genfer Art. 1 stimmt
mit dem Geheimartikel 5 überein.
Der Genfer Art. 2 stimmt
mit dem Geheimartikel 1 überein.
Der Genfer Art. 3 stimmt
mit dem Geheimartikel 2 überein.
Die Genfer Art. 4 & 5 stimmen
mit dem Geheimartikel 3 überein.
Der Genfer Art. 6 stimmt
mit dem Geheimartikel 4 überein.
Die Geheimstatuten selbst basieren auf denen von Genf. So entspricht der Geheimartikel 4 wörtlich dem Artikel 3 von Genf; die Genfer Artikel 8 und 9 finden sich gekürzt im Geheimartikel 10 wie die Genfer Artikel 15 bis 20 im Geheimartikel 3. Der Genfer Artikel 7 predigt im Gegensatz zu der jetzigen Praxis der Allianzisten "die starke Organisation" der Internationale und verpflichtet alle Mitglieder der Allianz, "die Resolutionen der Kongresse und die Macht des Generalrats aufrechtzuerhalten". Dieser Artikel findet sich in den Geheimstatuten nicht, aber daß er anfangs vorhanden war, wird dadurch bewiesen, daß er im Reglement der Madrider sección de oficios varios |Sektion verschiedener Berufe|, Artikel 15, fast wörtlich wiederkehrt (Belegstück Nr. 7), wo sich auch das Programm der Allianz findet.
Es ist also offensichtlich, daß wir es nicht mit zwei verschiedenen Gesellschaften, sondern mit ein und derselben Gesellschaft zu tun haben. Während das Genfer Zentralkomitee dem Generalrat die Auflösung der Allianz zusicherte und, im Glauben an diese Erklärung, als Sektion der Internationale aufgenommen wurde, verstärkten die Anführer dieses Zentralkomitees, mit M. Bakunin an ihrer Spitze, die Organisation dieser selben |141| Allianz, indem sie sie in eine Geheimgesellschaft umwandelten und ihr den internationalen Charakter wahrten, den man versprochen hatte aufzugeben. Das Vertrauen des Generalrats und der ganzen Internationale, der die Korrespondenz vorgelegt worden war, wurde schändlich mißbraucht. Nachdem sie mit einer solchen Lüge begonnen hatten, hatten diese Männer keine Veranlassung mehr, sich in ihren Machenschaften zu genieren, um die Internationale entweder zu unterwerfen oder, wenn das nicht glücken sollte, sie zu desorganisieren.
Es folgen jetzt die hauptsächlichen Artikel der Geheimstatuten:
"1. Die Allianz der sozialistischen Demokratie setzt sich aus Mitgliedern der internationalen Arbeiterassoziation zusammen und hat die Propaganda und Entfaltung der Prinzipien des Programms der Internationale zum Ziele sowie das Studium aller Mittel, die geeignet sind, die direkte und sofortige Befreiung der Arbeiterklasse voranzutreiben.
2. Um die bestmöglichen Resultate zu erlangen und den Gang der sozialen Organisation nicht bloßzustellen, hat die Allianz höchst geheim zu sein.
4. Niemand kann als Mitglied aufgenommen werden, ohne daß er vorher vollständig und aufrichtig die Prinzipien des Programms akzeptiert hätte etc.
5. Die Allianz übt, soweit sie das kann, im Schoße der lokalen Arbeiterföderation ihren Einfluß aus, damit diese nicht eine reaktionäre oder antirevolutionäre Entwicklung nimmt.
9. Die Majorität der Assoziierten kann jedes ihrer Mitglieder ohne Angabe des Grundes aus der Allianz ausschließen."
Die Allianz ist also eine Geheimgesellschaft, die direkt im Schoße der Internationale gebildet wurde, mit einem speziellen Programm, das keineswegs das der Internationale ist, und die die Propaganda dieses Programms zum Ziele hat, das sie als das einzig revolutionäre betrachtet. Sie erlegt ihren Mitgliedern die Pflicht auf, im Schoße ihrer lokalen Föderation der Internationale dahin zu wirken, daß diese nicht eine reaktionäre oder antirevolutionäre Entwicklung nimmt, d.h. daß sie sich in keiner Weise vom Programm der Allianz entfernt. Das heißt, daß die Allianz bezweckt, vermittels ihrer geheimen Organisation ihr sektiererisches Programm der ganzen Internationale aufzuzwingen. Das wirksamste Mittel, dahin zu gelangen, ist, sich der lokalen und föderalen Räte und des Generalrats zu bemächtigen, indem man unter Ausnutzung der durch die geheime Organisation gegebenen Macht Mitglieder der Allianz in sie hineinwählen läßt. Das ist genau das, was die Allianz dort gemacht hat, wo sie glaubte, Erfolgsaussichten zu haben; wir werden das später sehen.
Es ist klar, daß niemand den Allianzisten zürnen würde, wenn sie Propaganda für ihr Programm betrieben hätten. Die Internationale setzt sich |142| aus Sozialisten verschiedenster Schattierungen zusammen. Ihr Programm ist ziemlich breit, um sie alle zu umfassen; die bakunistische Sekte ist unter denselben Bedingungen wie alle anderen in sie aufgenommen worden. Was man ihr vorwirft, ist gerade, daß sie diese Bedingungen verletzt hat.
Was den geheimen Charakter der Allianz angeht, so ist das schon etwas ganz anderes. Die Internationale weiß sehr wohl, daß in sehr vielen Ländern geheime Gesellschaften bestehen, in Polen, in Frankreich, in Irland -, ein legitimes Verteidigungsmittel gegen den Terrorismus der Regierungen. Aber sie hat auf der Londoner Konferenz erklärt, daß sie sich von diesen Gesellschaften völlig fernhalten will und sie folglich nicht als Sektionen anerkennen wird. Doch was die Hauptsache ist, hier sehen wir uns einer Geheimgesellschaft gegenüber, die geschaffen worden ist, nicht um die Regierungen zu bekämpfen, sondern die Internationale selber.
Die Organisation einer solchen Geheimgesellschaft ist eine flagrante Verletzung nicht nur der Verpflichtung, die gegenüber der Internationale übernommen worden ist, sondern auch des Buchstaben und des Geistes unserer Allgemeinen Statuten. Unsere Statuten kennen nur eine Art von Mitgliedern der Internationale mit gleichen Rechten und Pflichten; die Allianz teilt sie in zwei Kasten, in Eingeweihte und Laien, Aristokraten und Plebejer, wobei die letzteren bestimmt sind, von den ersteren mittels einer Organisation geführt zu werden, von deren Existenz sie nicht einmal etwas wissen. Die Internationale fordert von ihren Anhängern, als Grundlage ihres Verhaltens die Wahrheit, die Gerechtigkeit und die Moral anzuerkennen; die Allianz erlegt ihren Adepten als erste Pflicht die Lüge auf, die Verstellung und den Betrug, indem sie ihnen vorschreibt, die Laien unter den Internationalen über die Existenz der verborgenen Organisation, über die Beweggründe und selbst über den Zweck ihrer Worte und ihrer Handlungen zu täuschen. Die Gründer der Allianz wußten ganz genau, daß die große Masse der Laien unter den Internationalen sich niemals wissentlich einer Organisation wie der ihrigen unterwerfen würde, sobald sie von deren Existenz Kenntnis erhalten hätte. Deshalb machten sie sie "höchst geheim". Denn man muß wohl beachten, daß der geheime Charakter dieser Allianz nicht zum Ziele hat, die Wachsamkeit der Regierungen zu täuschen, andernfalls hatte man sich gar nicht erst als öffentliche Gesellschaft konstituiert; dieser geheime Charakter {5} war einzig und allein dazu bestimmt, die profane Internationale zu täuschen, wie dies der unwürdige Betrug beweist, den die Allianz gegenüber dem Generalrat angewandt hat. Es handelt sich |143| um eine richtige Verschwörung gegen die Internationale. Zum erstenmal in der Geschichte der Kämpfe der Arbeiterklasse stoßen wir auf eine geheime Verschwörung, die angezettelt worden ist inmitten dieser Klasse selbst und dazu bestimmt ist, nicht das bestehende Ausbeuterregime zu unterminieren, sondern gerade die Assoziation, die es aufs energischste bekämpft.
Übrigens wäre es lächerlich zu behaupten, daß sich eine Gesellschaft zu einer geheimen gemacht habe, um sich gegen die Verfolgungen der jetzigen Regierungen zu schützen, wenn diese Gesellschaft überall die zermürbende Doktrin von der absoluten Abstention in Sachen der Politik predigt und wenn sie in ihrem Programm (Art. 3, Einführung der Geheimstatuten) erklärt, daß sie
"jede revolutionäre Aktion ablehnt, die nicht zum sofortigen und direkten Ziel den Triumph der Sache der Arbeiter gegen das Kapital habe".
Wie sah nun die Tätigkeit dieser geheimen Gesellschaft in der Internationale aus?
Die Antwort auf diese Frage findet sich teilweise schon im vertraulichen Zirkular des Generalrats über "Die angeblichen Spaltungen" etc. Aber da der Generalrat damals noch nicht die Ausdehnung der geheimen Organisation kannte und da seither manch wichtiges Ereignis eingetreten ist, konnte diese Antwort nur sehr unvollständig sein.
Stellen wir zunächst fest, daß es in der Tätigkeit der Allianz zwei deutlich unterscheidbare Phasen gibt. In der ersten glaubte sie, sich des Generalrats bemächtigen zu können und dadurch der obersten Leitung unserer Assoziation. Gerade damals forderte sie von ihren Anhängern, die "starke Organisation" der Internationale und "in erster Linie die Macht des Generalrats ebenso wie die des Föderalrats und des Zentralkomitees" zu unterstützen; gerade damals haben die Männer der Allianz auf dem Baseler Kongreß alle diese ausgedehnten Vollmachten für den Generalrat verlangt, die sie später mit soviel Abscheu als autoritär abgelehnt haben.
Der Baseler Kongreß machte zumindest für einige Zeit die Hoffnungen der Allianz zunichte {6}. Danach zettelte sie die Anschläge an, von denen in den "Spaltungen" die Rede ist; im Jura, in Italien und in Spanien hörte sie nicht auf, ihr spezielles Programm an die Stelle des Programms der Inter- |144| nationale zu setzen. Die Londoner Konferenz mit ihren Resolutionen über die Politik der Arbeiterklasse und über die sektiererischen Sektionen machte diesem qui pro quo in der Internationale ein Ende. Sofort regte sich die Allianz von neuem. Die Jurassische Föderation, die die Macht der Allianz in der Schweiz begründete, erließ ihr Zirkular von Sonvillier gegen den Generalrat, worin die starke Organisation, die Macht des Generalrats, die Baseler Resolutionen, die von den Unterzeichnern dieses selben Zirkulars vorgeschlagen worden waren und für die sie gestimmt hatten, als autoritär verurteilt wurden, eine Bezeichnung, die anscheinend hinreicht, um sie summarisch zu verdammen; worin man von "dem Krieg, dem offen ausgebrochenen Krieg in unseren Reihen" sprach; worin man für die Internationale eine Organisation forderte, die nicht den Bedürfnissen des gegenwärtigen Kampfes angepaßt wäre, sondern einem, wir wissen nicht welchem, Ideal der künftigen Gesellschaft etc. Von diesem Augenblick an wechselte man die Taktik. Die Losung war gegeben. Überall, wo die Allianz ihre Verzweigungen hatte, in Italien und besonders in Spanien, wurden die autoritären Resolutionen von Basel und der Londoner Konferenz sowie der Autoritarismus des Generalrats heftig angegriffen. Man sprach nur noch von der Autonomie der Sektionen, von frei föderierten Gruppen, von Anarchie etc. Das alles ist leicht zu verstehen. Die Macht der Geheimgesellschaft im Schoße der Internationale mußte natürlich im gleichen Maße wachsen, wie sich die öffentliche Organisation der Internationale lockerte und schwächte. Das große Hindernis, auf das man stieß, war der Generalrat, und ihn griff man in erster Linie an; aber wir werden sogleich sehen, daß man die Föderalräte dort, wo man die Gelegenheit dazu für geeignet hielt, in gleicher Weise behandelte.
Das Jura-Zirkular hatte keinerlei Wirkung außer in den Ländern, wo die Internationale mehr oder weniger unter dem Einfluß der Allianz stand, in Italien und in Spanien. Im letzteren Land waren die Allianz und die Internationale zu gleicher Zeit gegründet worden, unmittelbar nach dem Baseler Kongreß. Die ergebensten Internationalen Spaniens ließ man glauben, daß das Programm der Allianz mit dem der Internationale identisch sei, daß die geheime Organisation überall existiere und daß es beinahe eine Pflicht sei, in sie einzutreten. Diese Illusion wurde zerstört durch die Londoner Konferenz, wo sich der spanische Delegierte |Anselmo Lorenzo|, selber Mitglied des Zentralkomitees der Allianz seines Landes, vom Gegenteil überzeugen konnte, und durch dasselbe Jura-Zirkular, dessen wütende Angriffe und |145| Verleumdungen gegen diese Konferenz und gegen den Generalrat sofort von allen Organen der Allianz übernommen worden waren. Die erste Folge des Jura-Zirkulars in Spanien war, daß im Schoße der spanischen Allianz selbst eine Spaltung geschaffen wurde zwischen denjenigen, die vor allem Internationale waren, und denjenigen, die nur insofern die Internationale wünschten, als sie von der Allianz beherrscht würde. Der anfangs nur schwelende Kampf brach bald in den Versammlungen der Internationale aus. Da der von der Konferenz von Valencia (September 1871) gewählte Föderalrat durch seine Handlungen bewiesen hatte, daß er die Internationale der Allianz vorzog, wurde die Mehrheit seiner Mitglieder aus der lokalen Föderation von Madrid, die von der Allianz beherrscht wurde, ausgestoßen. Sie wurden durch den Kongreß von Saragossa rehabilitiert, und zwei {7} von ihnen, Mora und Lorenzo, wurden in den neuen Föderalrat wiedergewählt, obwohl alle Mitglieder des alten Rats vorher erklärt hatten, sie nicht akzeptieren zu wollen.{8}
Der Kongreß von Saragossa ließ die Anführer der Allianz befürchten, daß Spanien ihren Händen zu entgleiten beginne. Sofort richtete sie daher gegen die Vollmachten des Spanischen Föderalrats dieselben Angriffe wie sie das Jura-Zirkular gegen die sogenannten autoritären Befugnisse des Generalrats gerichtet hatte. In Spanien wurde von dem Kongreß von Barcelona und der Konferenz von Valencia eine völlig demokratische und gleichzeitig äußerst vollständige Organisation geschaffen. Sie zeitigte auch dank der Tätigkeit des in Valencia gewählten Föderalrats (eine Tätigkeit, die durch eine besondere Abstimmung des Kongresses anerkannt wurde) die glänzenden Resultate, von denen im allgemeinen Bericht die Rede gewesen ist. In Saragossa erklärte Morago, die Seele der Allianz in Spanien, daß die in dieser Organisation dem Föderalrat gewährten Befugnisse autoritär wären, man müsse sie einschränken und ihm das Recht nehmen, neue Sektionen zuzulassen oder abzulehnen, das Recht, festzustellen, ob ihre Statuten mit denen der Föderation übereinstimmen, man müsse ihn schließlich auf die Rolle eines einfachen Büros für Korrespondenz und Statistik beschränken. Der Kongreß, der die Vorschläge Moragos zurückwies, beschloß, die bestehende autoritäre Organisation beizubehalten. (Siehe |146| "Estracto de las actas del segundo congreso obrero" etc., S. 109 und 110. Belegstück Nr. 8. - Zu diesem Punkt wird das Zeugnis des Bürgers Lafargue, eines Delegierten zum Kongreß von Saragossa, wichtig sein.)
Um den neuen Föderalrat von den in Madrid entstandenen Zwistigkeiten fernzuhalten, verlegte ihn der Kongreß nach Valencia. Aber die Ursache dieser Zwistigkeiten, der Antagonismus, der sich zwischen der Allianz und der Internationale zu entwickeln begann, war nicht von lokalem Charakter. Der Kongreß, der nicht einmal von der Existenz der Allianz wußte, hatte den neuen Rat ausschließlich aus Mitgliedern dieser Gesellschaft gewählt; zwei unter ihnen, Mora und Lorenzo, waren deren Widersacher geworden, und Mora nahm die Wahl nicht an. Das Zirkular des Generalrats über "Die angeblichen Spaltungen", als Antwort auf das Jura-Zirkular, nötigte alle Internationalen, sich entweder für die Internationale oder für die Allianz zu erklären. Die Polemik zwischen der "Emancipacion" einerseits und der "Federacion" von Barcelona und der "Razon" von Sevilla, allianzistischen Zeitungen, andererseits verschärfte sich immer mehr. Endlich, am 2. Juni, beschlossen die Mitglieder des alten Föderalrats, Redakteure der "Emancipacion" und Mitglieder des spanischen Zentralkomitees der Allianz, an alle spanischen Sektionen der Allianz ein Zirkular zu richten, worin sie ihre Auflösung als Sektion der geheimen Gesellschaft erklärten und die anderen Sektionen einluden, ihrem Beispiel zu folgen. Die Rache ließ nicht auf sich warten. Sie wurden sofort und unter flagranter Verletzung der geltenden Verwaltungsverordnungen von neuem aus der lokalen Föderation von Madrid ausgestoßen. Sie konstituierten sich dann als Neue Madrider Föderation und baten den Föderalrat um ihre Anerkennung.
Aber unterdessen gelang es dem allianzistischen Element im Rat, das sich durch Kooptionen verstärkt hatte, diesen vollständig unter seine Herrschaft zu bringen, so daß Lorenzo sich aus ihm zurückzog. Die Bitte der Neuen Madrider Föderation wurde vom Föderalrat, der sich damals schon damit beschäftigte, die Wahl von Kandidaten der Allianz als Delegierte zum Haager Kongreß zu sichern, rundweg abgelehnt. Zu diesem Zweck richtete er an die lokalen Föderationen ein vertrauliches Zirkular, datiert vom 7. Juli, worin er, nachdem er die Verleumdungen der "Federacion" gegen den Generalrat wiederholt hat, den Föderationen vorschlägt, eine für ganz Spanien gemeinsame Delegation zum Kongreß zu schicken, gewählt mit der Mehrheit aller Stimmen, deren Auszählung vom Rat selbst vorgenommen werden sollte. (Belegstück Nr. 9.) Für alle diejenigen, die die Geheimorganisation im Schoße der spanischen Internationale kennen, ist es klar, daß dies hieße, die Herren der Allianz zu wählen, um sie mit dem Geld der Inter- |147| nationalen zum Kongreß zu schicken. Sowie der Generalrat, dem dieses Zirkular nicht übersandt worden war, von diesen Tatsachen Kenntnis erhielt {9}, richtete er am 24. Juli an den Spanischen Föderalrat das den Belegstücken (Nr. 10) beigefügte Schreiben. Der Föderalrat {10} antwortete am 1 .August, daß er Zeit brauche, um unseren französisch geschriebenen Brief zu übersetzen, und am 3. August schrieb er an den Generalrat die in der "Federacion" (Belegstück Nr. 11) veröffentlichte ausweichende Antwort. In dieser Antwort ergriff er für die Allianz Partei. Der Generalrat hatte gleich nach Empfang des Briefes vom 1. August diese Korrespondenz in der "Emancipacion" veröffentlichen lassen.
Fügen wir hinzu, daß man, gleich nachdem die geheime Organisation aufgedeckt worden war, behauptete, die Allianz wäre bereits auf dem Kongreß von Saragossa aufgelöst worden. Das Zentralkomitee wurde indessen nicht davon benachrichtigt (Belegstück Nr. 4){11}.
Die Neue Madrider Föderation bestreitet diese Sache, und sie mußte es doch wissen. Übrigens ist es lächerlich zu behaupten, daß der spanische Zweig solch einer internationalen Gesellschaft wie die Allianz sich auflösen könnte, ohne die anderen nationalen Zweige zu konsultieren.
Unmittelbar danach versuchte die Allianz ihren coup d'état. Als sie merkte, daß es ihr nicht möglich sein wird, sich auf dem Haager Kongreß durch Wiederholung der Manöver von Basel und von La Chaux-de-Fonds eine künstliche Mehrheit zu sichern, benutzte sie die in Rimini durch die sogenannte italienische Föderation abgehaltene Konferenz, um eine offene Spaltung durchzuführen. Die dort versammelten Delegierten stimmten dem einmütig zu (siehe Belegstück Nr. 12). Da haben wir also den Kongreß der Allianz gegen den der Internationale. Indessen wurde man bald gewahr, daß dieser Plan keinen Erfolg versprach. Man beschloß daher, nach Den Haag zu gehen, und so sehen wir, daß die gleichen italienischen Sektionen, von deren einundzwanzig eine einzige unserer Assoziation angehört, nachdem sie den Haager Kongreß verschmäht haben, nun die Stirn haben, ihre Delegierten nach Den Haag zu schicken!{12}
|148| In Erwägung:
1. daß die Allianz, von M. Bakunin gegründet und geleitet, eine der Internationale feindliche Gesellschaft ist, weil sie es versucht, entweder die Internationale zu beherrschen oder sie zu desorganisieren;
2. daß infolgedessen die Internationale und die Allianz unvereinbar sind, beschließt der Kongreß:
1. M. Bakunin und alle gegenwärtigen Mitglieder der Allianz der sozialistischen Demokratie sind aus der Internationalen Arbeiterassoziation ausgeschlossen . Sie können in sie erst wieder eintreten, nachdem sie von jeder Gemeinschaft mit dieser Geheimgesellschaft öffentlich abgerückt sind.
2. Die Jurassische Föderation als solche ist aus der Internationale ausgeschlossen,
{1} In der Handschritt folgt durchgestrichen: aus diesem Anlaß ihren Namen änderte <=
{2} In der Handschrift folgt durchgestrichen: im Mai dieses Jahres <=
{3} In der Handschrift folgt durchgestrichen: Da es ihnen jedoch nicht möglich war, ihre Pflichten gegenüber der Internationale mit ihrer Stellung als Mitglieder einer in deren Innern bestehenden Geheimgesellschaft zu vereinbaren, wandten sie sich am 2. Juni <=
{4} Bezieht sich auf den durchgestrichenen Satz <=
{5} In der Handschrift folgt durchgestrichen: die Tatsachen haben es bewiesen <=
{6} In der Handschrift folgt durchgestrichen: indem er sie den lokalen Intrigen überließ. Sie hielt sich ziemlich ruhig, bis die Londoner Konferenz durch ihre Resolutionen über die Politik der Arbeiterklasse und über die sektiererischen Sektionen das ursprüngliche Programm der Internationale gegenüber dem Programm der Allianz wiederherstellte. <=
{7} In der Handschrift folgt durchgestrichen: seiner aktivsten Mitglieder <=
{8} In der Handschrift folgt durchgestrichen: Der Kongreß wählte den Sitz des Föderalrats in Valencia in der Hoffnung, daß dies neutraler Boden sein würde und daß sich diese Zwistigkeiten nicht mehr wiederholen würden. Doch waren von den fünf Mitgliedern des neuen Rats drei Anhänger der Allianz, deren Zahl später durch Kooption auf mindestens fünf anwuchs. <=
{9} In der Handschrift folgt durchgestrichen: was gerade zu jener Zeit geschah, als er die ersten unwiderlegbaren Beweise für die Existenz der Geheimorganisation erlangte <=
{10} In der Handschrift folgt durchgestrichen: versuchte zunächst Zeit zu gewinnen, indem er vorgab <=
{11} In der Handschrift folgt durchgestrichen: und welchen Glauben kann man einer solchen Versicherung schenken, nachdem man die Erfahrung von 1869 gemacht hat? Sie wird von keinerlei Beweisen bekräftigt. Im Gegenteil, die Tatsachen zeigen eher, daß die geheime Organisation immer noch besteht <=
{12} In der Handschrift fügt Engels hiernach folgenden deutschsprachigen Vermerk ein: Dann d[er] B[rie]f v[on] Bak[unin] und die Statuten wenn nötig. <=