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Timestamp: 2017-08-20 19:38:30
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RECHTSPRECHUNGSÜBERSICHT - PDF
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1 RECHTSPRECHUNGSÜBERSICHT IN LEITSÄTZEN EINGLIEDERUNGSHILFE FÜR SEELISCH BEHINDERTE NACH 35A SGB VIII SOWIE ANGRENZENDER VORSCHRIFTEN Herausgegeben: Jugend- und Sozialamt der Stadt Frankfurt am Main Fachbereich Jugend, Eschersheimer Landstr Frankfurt am Main Tel. 069/ Stand: Juni
2 Inhaltsverzeichnis Seite 1. Seelische Behinderung/Teilhabebeeinträchtigung/Ziel der Eingliederungshilfe 3 2. Schulrecht, sonderpädagogischer Förderbedarf, Schulbegleiter, Privatschule, 7 Internat vs. Jugendhilfe/Sozialhilfe (siehe auch Integrationshelfer) 3. Internat und Eingliederungshilfe Legasthenie/Dyskalkulie Integrationshelfer/Schulbegleiter als Leistung der Jugendhilfe/Sozialhilfe (siehe 21 auch Schulrecht, Autismus) 6. Autismus (siehe auch Sozialhilfe vs. Jugendhilfe, Schulrecht, Schulbegleiter) Geistige Behinderung Mehrfachbehinderung (siehe auch Sozialhilfe vs. Jugendhilfe) Sozialhilfe vs. Jugendhilfe (siehe auch Autismus, siehe auch Mehrfachbehinderung, 28 Kostenerstattung) 10. Sozialversicherungsträger/Krankenversicherungsträger vs. Jugendhilfe Berufliche Eingliederung Hilfen im Ausland Antragsbefugnis Wunsch- und Wahlrecht Selbstbeschaffte Jugendhilfe (siehe auch Legasthenie/Dyskalkulie) Hilfe für junge Volljährige Jugendhilfe Persönliches Budget Vorläufige Leistungsgewährung Zuständigkeitsstreitigkeiten Kostenerstattung 41 2
3 1. Seelische Behinderung/Teilhabebeeinträchtigung/Ziel der Eingliederungshilfe BVerwG, Urteil vom C 38.97, FEVS 49 (1999), S. 487 = NDV-RD 1999, S. 71 = DVBl. 1999, S Seelische Störungen (allein) genügen noch nicht für die Annahme einer seelischen Behinderung; hinzukommen muss, dass die seelische Störungen nach Breite, Tiefe und Dauer so intensiv sind, dass sie die Fähigkeit zur Eingliederung in die Gesellschaft beeinträchtigen ( 35a Abs. 1 Nr. 3 SGB VIII, 3 EinglhVO). 2. Danach ist es rechtlich nicht zu beanstanden, wenn einerseits bei bloßen Schulproblemen (in Form des ADS) und auch bei Schulängsten, die andere Kinder teilen, eine seelische Behinderung verneint und andererseits beispielhaft als behinderungsrelevante seelische Störungen auf die Versagensängsten beruhende Schulphobie, die totale Schul- und Lernverweigerung, der Rückzug aus jedem sozialen Kontakt und die Vereinzelung in der Schule angeführt werden. 3. Von einer seelischen Behinderung bedroht sind Kinder und Jugendliche, bei denen eine seelische Behinderung noch nicht vorliegt, der Eintritt der seelischen Behinderung aber nach allgemeiner ärztlicher oder sonstiger fachlicher Erkenntnis mit hoher Wahrscheinlichkeit, d.h. mit einer Wahrscheinlichkeit von mehr als 50 % zu erwarten ist ( 35a Abs. 2 Nr. 3 SGB VIII, 5 EinglhVO). 4. Für diese Prognoseentscheidung ist, nach Sinn und Zweck der Eingliederungshilfe, der Beginn der Bedrohung so früh, aber auch nicht früher anzusetzen, dass noch Erfolg versprechende Eingliederungshilfemaßnahmen gegen den Eintritt der Behinderung eingesetzt werden können. OVG Lüneburg, Beschluss vom /04, EuG 59 (2005), S. 508 = ZfE 2006, S. 92 (LS) Einem jungen Volljährigen i.s. von 41 SGB VIII ist trotz möglicherweise vorliegender seelischen Behinderung Eingliederungshilfe nach 35a Abs. 1 SGB VIII nicht zu gewähren, wenn die Voraussetzungen von 35a Abs. 1 Nr. 2 SGB VIII nicht erfüllt sind. VGH Baden-Württemberg, Beschluss vom S 1887/05, JAmt 2006, S. 202 Bei der Beurteilung der Frage, ob bei Kindern oder Jugendlichen eine Beeinträchtigung ihrer Teilhabe am Leben der Gesellschaft mit hoher Wahrscheinlichkeit zu erwarten und deshalb von einer drohenden seelischen Behinderung auszugehen ist, muss auf eine fachliche Erkenntnis abgestellt werden. Einem fachärztlichen Gutachten kommt dabei ein größeres Gewicht zu als der eigenen Beurteilung des Trägers der öffentlichen Jugendhilfe. VG Aachen, Urteil vom K 2838/00, EuG 59 (2005), S. 424 = ZfF 2006, S. 92 (LS) Die von 35a SGB VIII umfassten Maßnahmen, die auch wie Abs. 2 der Vorschrift zeigt ärztliche Behandlungen umfassen können, müssen sich jeweils an dem gesetzgeberischen Ziel, nämlich einer Wiedereingliederung des Betroffenen in die Gesellschaft zu ermöglichen, messen lassen. Dementsprechend ist für den Fall einer Erkrankung, die vor allem auf psychisch oder psychosoziale Probleme gründet, die Behandlung dieser Grunderkrankung soweit die auf die Eingliederung des Betroffenen in die Gesellschaft gerichtet ist, Ziel der Eingliederungshilfe. OVG Münster, Beschluss vom B 2051/05, 1. Die Feststellungen hinsichtlich der Abweichung der seelischen Gesundheit sind maßgeblich aufgrund entsprechender gutachterlichen Stellungnahmen zu treffen und sind nicht Aufgabe einer eigenen Einschätzung des Jugendamtes a Abs. 1a SGB VIII n.f. soll im Interesse des Hilfesuchenden auch vor einer Selbstüberschätzung der Kompetenz der Jugendämter in psychologischen und medizinischen Fragen schützen. VGH München, Beschluss vom ZB , JURIS 1. Die altersuntypische Abweichung in der seelischen Gesundheit führt nicht automatisch zu einem Integrationsrisiko. 2. Ob als Folge der altersuntypischen Abweichungen der seelischen Gesundheit auch ein Integrationsrisiko i.s. des 35a Abs. 1 Nr. 2 SGB VIII besteht oder zu erwarten ist, entscheidet nicht der Arzt, sondern der Jugendhilfeträger im Rahmen ein kooperativen pädagogischen Entscheidungsprozesses, wobei diese Entscheidung nicht den Anspruch objektiver Richtigkeit erhebt, sondern eine angemessene Lösung für die festgestellte Belastungssituation zu enthalten hat, die fachlich vertretbar und nachvollziehbar sein muss. OVG Münster, Beschluss vom A 2041/05, Von einer drohenden seelischen Behinderung im Sinne des 35a SGB VIII kann bereits dann ausgegangen werden, wenn Demotivation, eindeutig psychosomatische Beschwerden und Schulverweigerung als drohende Ausprägung der Beeinträchtigung des Selbstwertgefühls festgestellt wurden. Die Befunde sind dabei dem Sachverständigenbeweis zugängliche (medizinische) Tatsachen, so dass die Entscheidung des Gerichts insoweit allein auf die gutachterlichen Feststellungen gestützt werden kann. Eine über die Prüfung der Verwertbarkeit des Gutachtens hinausgehende "eigene" Prüfung des Gerichts ist insoweit nicht erforderlich. 3
4 OVG Lüneburg, Beschluss vom LA 128/07, NVwZ-RR 2008, S. 705 = FEVS 60 (2009), S. 25 = EuG 63 (2009), S. 441 Die Prüfung, ob die Voraussetzungen des 35 a Abs. 1 Satz 1 SGB VIII für die Gewährung einer Eingliederungshilfe dem Grunde nach vorliegen, setzt die Aufstellung eines Hilfeplans nicht voraus. OVG Lüneburg, Beschluss vom ME 184/08, NVwZ-RR 2008, S. 792 = EuG 62 (2008), S. 500 = FEVS 60 (2009), S. 28 = NDV-RD 2009, S Die Feststellung, ob eine Beeinträchtigung der Teilhabe des Kindes oder Jugendlichen am Leben in der Gesellschaft als Voraussetzung für die Gewährung von Eingliederungshilfe nach 35 a Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 SGB VIII vorliegt, ist ebenso wie die Entscheidung nach 35 a Abs. 2 SGB VIII, ob eine bestimmte Hilfe zur Deckung des Bedarfs im Einzelfall geeignet und erforderlich ist, vom Jugendamt aufgrund seiner eigenen Fachkompetenz zu treffen, ohne dass insoweit eine fachärztliche oder psychotherapeutische Stellungnahme erforderlich ist. 2. Der nach 35 a Abs. 1 a SGB VIII zur Feststellung der Beeinträchtigung der seelischen Gesundheit ( 35 a Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 SGB VIII) einzuholenden fachärztlichen Stellungnahme kann jedoch auch für die Beurteilung dieser Fragen eine sowohl vom Jugendamt als auch vom Verwaltungsgericht bei seiner Entscheidung zu berücksichtigende beachtliche Aussagekraft zukommen. VGH München, Beschluss vom C , JAmt 2009, S. 317 = NDV- RD 2009, 129 = FEVS 61 (2010), S. 46 = BayVBl 2010, S. 412 = ZFSH/SGB 2010, S. 578 (LS) Zur Notwendigkeit der Feststellung einer Teilhabebeeinträchtigung im Sinne des 35a Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 SGB VIII als Voraussetzung für die Eingliederungshilfe. VG München, Urteil vom M 18 K , ZFSH/SGB 2010, S. 578 (LS) Die Teilhabebeeinträchtigung nach 35a Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 SGB VIII haben die in 35a Abs. 1a Nr. 1-3 SGB VIII genannten Fachkräfte nicht zu beurteilen. Vielmehr haben die pädagogischen Fachkräfte des Jugendamtes die unterschiedlichen Informationen aus Elternhaus, Schule, von Ärzten und dgl. Zusammenzuführen und auszuwerten und so eine nachvollziehbare Einschätzung der Teilhabebeeinträchtigung vorzunehmen. VG München, Urteil vom M 18 E , ZFSH/SGB 2010, S. 578 (LS) Welche die notwendige und geeignete Hilfe i.s.d. 35a SGB VIII ist, entscheidet das Jugendamt im Rahmen eines Beurteilungsspielraumes. Ein Anspruch auf eine bestimmte Maßnahme besteht nur dann, wenn allein diese als geeignet und notwendig erscheint. Hierüber entscheiden auch Sachverständige (Psychiater oder Psychotherapeuten) nicht abschließend und verbindlich. OVG Thüringen, Beschluss vom EO 136/09, ZFSH/SGB 2010, S. 578 (LS) 1. Zur (drohenden) Teilhabebeeinträchtigung als Voraussetzung des Anspruchs auf Gewährung von Leistungen jugendhilferechtlicher Eingliederungshilfe. 2. Für die Teilhabebeeinträchtigung ist es ausreichend, dass nur in einem einzigen der Lebensbereiche Familie, Schule/Ausbildung und Freizeit eine Beeinträchtigung vorliegt. VGH München, Beschluss vom B , ZFSH/SGB 2010, S. 577 (LS) Die Teilhabebeeinträchtigung ist nicht bloß positiv festzustellen, sondern es sind im Rahmen eines fachlichen Zusammenwirkens von ärztlichen und sozialpädagogischen Fachkräften unter Federführung des Jugendamtes nachvollziehbare und gerichtlich überprüfbare Aussagen darüber zu treffen, in welchem Ausmaße eine solche Teilhabebeeinträchtigung vorliegt, insbesondere welche Lebensbereiche und welches soziale Umfeld von dieser Teilhabebeeinträchtigung betroffen ist. Erst auf dieser Grundlage kann der Jugendhilfeträger über den Hilfebedarf entscheiden. Diese Entscheidung muss fachlich vertretbar und nachvollziehbar sein, erhebt jedoch keinen Anspruch auf objektive Richtigkeit. Sie ist gerichtlich nur eingeschränkt dahin zu überprüfen, ob allgemeingültige fachliche Maßstäbe beachtet worden sind, ob keine sachfremden Erwägungen eingeflossen und die Leistungsadressaten in angemessener Weise beteiligt worden sind. VG Augsburg, Urteil vom Au 3 E , ZFSH/SGB 2010, S. 577 (LS) Die Teilhabebeeinträchtigung ist ein unbestimmter Rechtsbegriff, der der vollen verwaltungsgerichtlichen Kontrolle unterliegt. Die prognostische Einschätzung des Gutachters, eine Teilhabebeeinträchtigung sei mit hoher Wahrscheinlichkeit zu erwarten, kann ohne Begründung nicht nachvollzogen werden. VG Augsburg, Urteil vom Au 3 E , ZFSH/SGB 2010, S. 577 (LS) Welche Maßnahme die notwendige und geeignete Hilfe i.s.d. 35a Abs. 2 SGB VIII ist, ist von den Fachkräften des Jugendamtes zu entscheiden. Diese Entscheidung kann nicht durch eine gerichtliche Bewertung auch mithilfe von Sachverständigen ersetzt werden. Die Entscheidung kann aber daraufhin überprüft werden, ob Erkenntnisquellen nicht berücksichtigt oder sachfremde Erwägungen eingeflossen sind oder der pädagogische Entscheidungsprozess ohne Mitwirkung des Antragstellers und mehrer Fachkräfte verlaufen ist. Ein Anspruch auf eine bestimmte Maßnahme besteht nur dann, wenn allein diese als geeignet und notwendig erscheint. 4
5 OVG Münster, Beschluss vom B 1273/09 1. Zwar kann sich eine seelische Erkrankung auch in untypischen Symptomen äußern und nicht allen Verhaltensauffälligkeiten eines an ADHS oder ADS Erkrankten muss diese Erkrankung zugrunde liegen. Aber für den Teilhabeanspruch des Erkrankten am Leben in der Gesellschaft ist es schon ausreichend, wenn ihm gerade aufgrund der hinreichend diagnostizierten hyperkinetischen Störung des Sozialverhaltens eine Beeinträchtigung an der Teilhabe am Leben in der Gesellschaft droht. 2. Soweit die Teilhabebeeinträchtigung neben ihrer Hauptursache auch von Verhaltensauffälligkeiten beeinflusst wird, die nicht auf die seelische Erkrankung zurückzuführen sind, stellt sich allenfalls das Problem, ob das ins Auge gefasste Mittel der Eingliederungshilfe - hier der Besuch einer bestimmten, auf Problemfälle spezialisierten Schule - verhältnismäßig und geeignet ist, der Teilhabebeeinträchtigung entgegen zu wirken. VG Hamburg, Urteil vom K 4032/07, ZFSH/SGB 2010, S. 577 (LS) 1. Bei der Frage der (drohenden) Teilhabebeeinträchtigung i.s.v. 35a Abs. 1 S. 1 Nr. 2 SGB VIII handelt es sich um einen unbestimmten Rechtsbegriff, über den anders als bei der Frage der Abweichung von der seelischen Gesundheit i.s.v. 35a Abs. 1a S. 1 Nr. 1 SGB VIII, keine Stellungnahme eines Arztes oder Psychologen einzuholen ist, sondern die Behörde selbst zu entscheiden hat. 2. Teilhabe bedeutet die aktive und selbstbestimmte Gestaltung des gesellschaftlichen Lebens. Der insoweit mit 2 SGB IX identische Behindertenbegriff löst sich von tatsächlichen oder vermeintlichen Defiziten, sondern orientiert sich daran, ob die betroffene Person noch an der Gesellschaft partizipieren kann.) 3. Die seelische Störung muss nach Breite, Tiefe und Dauer so intensiv sein, dass sie die Fähigkeit zur Eingliederung in die Gesellschaft beeinträchtigt. VGH München, Beschluss vom CE , ZFSH/SGB 2010, S. 576 (LS) In welchem Ausmaß eine Teilhabebeeinträchtigung vorliegt, sind im Rahmen eines fachlichen Zusammenwirkens von ärztlichen und sozialpädagogischen Kräften unter Federführung des Jugendamtes nachvollziehbare und gerichtlich überprüfbare Aussagen zu treffen. Erst auf dieser Grundlage kann der Jugendhilfeträger den tatsächlich aktuellen Hilfebedarf des Betroffenen wiederum durch Fachkräfte feststellen und hieraus insoweit gerichtlich nur eingeschränkt überprüfbar auf die notwendigen und geeigneten Hilfemaßnahmen schließen. Allein die Stellungnahmen in einem gerichtlichen Verfahren ersetzen eine solche von Fachkräften getragene Entscheidung nicht. OVG Münster, Beschluss vom B 1655/09, ZFSH/SGB 2010, S Eine Abweichung von der seelischen Gesundheit i:s. von 35a Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 SGB VIII ist bei einer diagnostizierten hyperkinetischen Störung von Aktivität und Aufmerksamkeit (ICD-10: F90.0) ADHS nur dann zu bejahen, wenn es als Sekundärfolge von ADHS zu einer seelischen Störung kommt, sodass deshalb die seelische Gesundheit des Kindes oder Jugendlichen länger als sechs Monate von dem für sein Alter typischen Zustand abweicht. 2. Bei Vorliegen einer ausreichenden seelischen Störung kann ein Anspruch auf Eingliederungshilfe nach 35a SGB VIII nur dann bestehen, wenn infolge der sekundären seelischen Störungen die Teilhabe des Kindes oder Jugendlichen am Leben in der Gesellschaft beeinträchtigt ist oder eine solche Beeinträchtigung zu erwarten ist. 3. Das bloße Bestehen einer im Zusammenhang mit einer ADHS stehenden sekundären seelischen Störung allein genügt nicht, sondern es kommt für die Frage, ob ein Kind oder Jugendlichen seelisch behinderte ist, auf das Ausmaß, den Grad der seelischen Störung an, wobei entscheidend ist, ob die seelische Störung nach Breite, Tiefe und Dauer so intensiv ist, dass sie die Fähigkeit zur Eingliederung in die Gesellschaft beeinträchtigt oder eine solche Beeinträchtigung zu erwarten lässt (zu bejahen etwa bei einer auf Versagensängsten beruhenden Schulphobie, bei einer totalen Schul- und Lernverweigerung, bei einem Rückzug aus jedem sozialen Kontakt oder bei einer Vereinzelung in der Schule; zu verneinen bei Schulproblemen und Schulängsten, die der Betreffende mit anderen Kindern oder Jugendlichen teilt). OVG Lüneburg, Beschluss vom LA 43/09, JAmt 2010, S. 378 = NVwZ- RR 2010, S. 527 (LS) = DVBl 2010, 668 (LS) = DÖV 2010, 572 (LS) = NdsRpfl 2010, 260 (LS) Das Verwaltungsgericht ist durch einen Hilfeplan des Jugendamtes, in dem eine Teilhabebeeinträchtigung verneint wird, nicht gehindert, sich im Rahmen der ihm obliegenden Aufklärung des Sachverhalts nach 86 Abs. 1 Satz 1 VwGO ein eigenes, von dem Hilfeplan abweichendes Bild über das Vorliegen einer Beeinträchtigung der Teilhabe des Jugendlichen am Leben in der Gesellschaft zu verschaffen und auf dieser Grundlage eine Teilhabebeeinträchtigung als weitere Voraussetzung für die Gewährung von Eingliederungshilfe nach 35 a Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 SGB VIII zu bejahen. BVerwG, Urteil vom B 43.10, JAmt 2011, S. 274 Ansprüche nach 35a SGB VIII bestehen nicht fort, wenn im Verlauf eines Schulbesuchs im Internat die Teilhabebeeinträchtigung entfällt und sie auch bei erneutem Wechsel auf eine öffentliche Schule nicht sicher droht. OVG Münster, Beschluss vom A 2650/09 1. Eine seelische Behinderung liegt nur vor bzw. droht, wenn eine Beeinträchtigung der Teilhabe am gesellschaftlichen Leben besteht oder mit hoher Wahrscheinlichkeit zu erwarten ist. 5
6 2. Nur daraus, dass eine Fachkraft den "Ist-Zustand" der Teilhabe vor Therapiebeginn zu Beginn des dritten Schuljahres ohne genaue Erkenntnisse zum Vorliegen von 35a Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 SGB VIII betrachtete, ergibt sich noch nicht, dass von diesem Zeitpunkt aus eine künftige Entwicklung der Teilhabe ohne Therapie prognostiziert wurde. VG Stuttgart, Urteil vom K 4112/09, JAmt 2012, S Das Jugendamt hat aufgrund eigener "sozialpädagogischer Fachlichkeit" eine eigenständige, von der fachlichen Stellungnahme nach 35a Abs. 1 a SGB VIII abgrenzbare Einschätzung vorzunehmen, ob aufgrund der festgestellten seelischen Störung eine Teilhabebeeinträchtigung i. S. d. 35a Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 SGB VIII vorliegt oder mit hoher Wahrscheinlichkeit (wesentlich mehr als 50 % ) zu erwarten ist. 2. Die im Rahmen einer Diagnose nach 35a Abs. 1 a SGB VIII getroffenen Feststellungen zu Achse 5 (abnorme psychosoziale Umstände) und insbesondere Achse 6 (Globalbeurteilung der psychosozialen Anpassung - GAS -) des Multiaxialen Klassifikationsschemas psychischer Störungen im Kindes- und Jugendalter liefern Beiträge zur Beurteilung der sozialen Beeinträchtigung und der Teilhabe eines jungen Menschen am Leben in der Gesellschaft. Die in beiden Achsen verschlüsselten Aspekte bedürfen der Überprüfung und abschließenden Beurteilung durch das Jugendamt. 3. Zur Übernahme der Schulkosten für ein privates Gymnasium bei Vorliegen eines Aufmerksamkeitsdefizitsyndroms. 4. Zur Zulässigkeit der Selbstbeschaffung gemäß 36a SGB VIII. OVG Münster, Beschluss vom A 1168/11 1. Die Feststellung der Beeinträchtigung nach 35 Abs. 1 S. 1 Nr. 2 SGB VIII ist nicht Ziel der Stellungnahme nach 35a Abs. 1a SGB VIII. 2. Während die Beurteilung, ob die seelische Gesundheit im Sinne von 35a Abs. 1 S. 1 Nr. 1 SGB VIII von dem für das Lebensalter typischen Zustand abweicht, regelmäßig Aufgabe von Ärzten oder Psychotherapeuten ist, fällt die Einschätzung, ob die Teilhabe des jungen Menschen am Leben in der Gesellschaft beeinträchtigt ist bzw. eine solche Beeinträchtigung droht, in die Kompetenz sozialpädagogischer Fachlichkeit und somit in den Aufgabenbereich des Trägers der öffentlichen Jugendhilfe. OVG Münster, Beschluss vom B 1040/11 Bei einer bloßen hyperkinetischen Störung von Aktivität und Aufmerksamkeit (F 90.0 ICD-10) ist die Abweichung von dem für das Lebensalter typischen Zustand der seelischen Gesundheit nur zu bejahen, wenn es als Sekundärfolge von ADHS zu einer weitergehenden seelischen Störung kommt, aufgrund derer die seelische Gesundheit des Kindes oder Jugendlichen länger als 6 Monate von dem für sein Alter typischen Zustand abweicht. OVG Berlin-Brandenburg, Beschluss vom N 65-09, JAmt 2012, S. 552 Typische Störungsverläufe (hier: Dyskalkulie) können Anhaltspunkte für die Abschätzung eines Behinderungsrisikos ergeben. Wenn ausgeprägte Teilleistungsstörungen schon zu einer seelischen Störung geführt haben, sind die Gefährdung einer angemessenen Schulausbildung und eine Beeinträchtigung der selbstbewussten sozialen Kooperation im schulischen Alltag regelmäßig wahrscheinlich. OVG Münster, Beschluss vom A 659/11, JAmt 2012, S Die Teilhabe des Betroffenen am Leben in der Gesellschaft ist isd 35a Abs. 1 S. 1 Nr. 2 und S. 2 SGB VIII beeinträchtigt oder eine solche Beeinträchtigung ist zu erwarten, wenn die seelische Störung nach Breite, Tiefe und Dauer so intensiv ist, dass sie die Fähigkeit des Betroffenen zur Eingliederung in die Gesellschaft beeinträchtigen oder eine solche Beeinträchtigung erwarten lässt. 2. Während die Beurteilung, ob die seelische Gesundheit isv 35a Abs. 1 S. 1 Nr. 1 SGB VIII von dem für das Lebensalter typischen Zustand abweicht, regelmäßig Aufgabe von Ärzten oder Psychotherapeuten ist, fällt die Einschätzung, ob die Teilhabe des jungen Menschen am Leben in der Gesellschaft beeinträchtigt ist bzw. eine solche Beeinträchtigung droht, in die Kompetenz sozialpädagogischer Fachlichkeit und somit zunächst in den Aufgabenbereich des Trägers der öffentlichen Jugendhilfe. OVG Sachsen-Anhalt, Beschluss vom L 1/13 1. Es bleibt offen, ob entgegen der herrschenden Rechtsprechung schon Dyskalkulie selbst als seelische Störung i.s.d. 35a Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 SGB VIII einzustufen ist. 2. In Übereinstimmung mit der höchstrichterlichen Rechtsprechung und der ständigen Rechtsprechung des bisher zuständigen Senats ist eine Teilhabebeeinträchtigung i.s.d. 35a Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 SGB VIII (nur) dann gegeben, wenn die seelische Störung nach Breite, Tiefe und Dauer so intensiv ist, dass sie die Fähigkeit des Betroffenen zur Eingliederung in die Gesellschaft beeinträchtigt oder eine solche Beeinträchtigung erwarten lässt. Dabei ist eine derartige Teilhabebeeinträchtigung beispielsweise anzunehmen bei einer auf Versagensängsten beruhenden Schulphobie, bei einer totalen Schul- und Lernverweigerung, bei einem Rückzug aus jedem sozialen Kontakt oder bei einer Vereinzelung in der Schule, nicht aber bereits bei bloßen Schulproblemen oder Schulängsten, die andere Kinder oder Jugendliche teilen. 6
7 2. Schulrecht, sonderpädagogischer Förderbedarf, Schulbegleiter, Privatschule, Internat vs. Jugendhilfe/Sozialhilfe (siehe auch Integrationshelfer) OVG Münster, Beschluss vom B 122/96, FEVS 47 (1997), S Beansprucht ein schulpflichtiges Kind vom Sozialhilfeträger Leistungen, die ihrer Art nach das Bestehen eines sonderpädagogischen Förderbedarfs nahe legen, der nach Maßgabe der schulrechtlichen Vorschriften von Dritten erbracht werden kann, so gebietet es der Nachranggrundsatz des 2 BSHG, unverzüglich ein Verfahren zur Klärung des Förderbedarfs durch die Erziehungsberechtigten der Hilfesuchenden einzuleiten. 2. Solange die zuständige Schulbehörde nicht entschieden hat, dass der Hilfesuchende Schulpflichtige zum Besuch einer seiner Behinderung entsprechenden Sonderschule verpflichtet ist, kann ihn der Sozialhilfeträger nicht darauf verweisen, eine Sonderschule zu besuchen, um die Gewährung von Eingliederungshilfe überflüssig zu machen. VGH Baden-Württemberg, Beschluss vom S 9/97, FEVS 48 (1998), S. 228 Es kann grundsätzlich nicht Sache des Sozialhilfeträgers sein, das für sonderpädagogische Förderung von schulpflichtigen Kindern erforderliche fachlich qualifizierte Personal zu stellen bzw. die Kosten hierfür zu tragen. OVG Münster, Urteil vom A 3108/99, FEVS 52 (2001), S. 513 = NDV- RD 2000, S Hat die Schulaufsichtsbehörde eine Grundschule zum Förderort für die sonderpädagogische Förderung eines behinderten Kindes bestimmt, kann das Sozialamt gegenüber dem Kind die Übernahme der Kosten für den betreuenden Zivildienstleistenden im Wege der Eingliederungshilfe nicht unter Berufung auf den Nachranggrundsatz des 2 Abs. 1 BSHG mit der Begründung ablehnen, es können anstelle des integrativen Unterrichts eine Sonderschule besuchen. 2. Ein eventueller Anspruch des Kindes gegen den Schulträger ist nur dann vorrangig, wenn er rechtzeitig durchgesetzt werden kann. VGH München, Urteil vom B , FEVS 53 (2002), S. 361 = SjE D VI 3, S. 601 Die Gewährung von Eingliederungshilfe zu einer angemessenen Schulbildung im Rahmen der allgemeinen Schulpflicht (hier für eine pädagogische Hilfskraft an einer Ersatzregelschule) kommt nicht in Betracht, wenn nach den schulrechtlichen Vorschriften eine angemessene Schulbildung auch ohne die begehrte Hilfe gewährleistet ist (hier durch den Besuch einer Förderschule für Behinderte). VGH Mannheim, Beschluss vom S 2268/02, NDR-RD 2003, S. 64 = NVwZ-RR 2003, S. 435 = FEVS 54 (2003), S. 218 = ZFSH/SGB 2003, S Ob der Besuch einer allgemeinen Schule dem behinderten Kind eine angemessene Schulbildung vermittelt, hat nicht der Träger der Jugend- oder der Sozialhilfe zu entscheiden. Dies richtet sich vielmehr allein nach Schulrecht. 2. Gegenstand der Entscheidung der Schulaufsichtsbehörde ist auch, ob eine und sei es probeweise Umschulung eines sonderschulpflichtigen Schülers in eine allgemeine Schule ohne weiteres möglich ist oder zusätzliche Maßnahmen etwa den Einsatz eines Schulbegleiters erfordert. Das gilt auch dann, wenn die besondere Maßnahme als solche außerhalb des Aufgabenbereichs der Schulverwaltung liegt und auch nicht vom Schulträger bereitgestellt werden muss. 3. Der Sozial- oder Jugendhilfeträger kann die Bereitstellung der besonderen Maßnahme im Wege der Eingliederungshilfe ablehnen, wenn das behinderte Kind eine angemessene Schulbildung gleichermaßen in einer Sonderschule erhalten kann. Ist nur die allgemeine Schule zur Vermittlung einer angemessenen Schulbildung geeignet, so muss bei Vorliegen der gesetzlichen Voraussetzungen im Übrigen Eingliederungshilfe gewährt werden. Dem Sozial- oder Jugendhilfeträger bleibt unbenommen, für die Kosten der Maßnahme beim Träger der Schulverwaltung oder beim Schulträger gegebenenfalls mit der Behauptung Rückgriff zu nehmen, diese hätten ihre Einstandspflicht zu Unrecht verneint. VG Karlsruhe, Beschluss vom K 2700/03, JAmt 2004, S. 35 Ohne vorherige Feststellung der Schulaufsichtsbehörde, dass ein (pädagogischer) Förderbedarf für einen autistischen Schüler gegeben ist, der von einer Sonderschule im Rahmen ihres pädagogischen Auftrags nicht zu decken ist, besteht kein Anspruch auf Leistungen nach 35a SGB VIII gegenüber einem Träger der öffentlichen Jugendhilfe auf Bestellung eines Schulbegleiters. OVG Münster, Beschluss vom B 2392/03, FEVS 55 (2004), S. 469 = JAmt 2004, S. 203 = NDV-RD 2004, S.106 = ZfJ 2004, S. 346 = NVwZ-RR 2004, S Zur Zulässigkeit der Selbstbeschaffung eines Internatsplatzes für ein Kind mit ADHS trotz fehlender Feststellung der Schulbehörde über den sonderpädagogischen Förderbedarf. 2. Zum Stellenwert des Verfahrens auf Feststellung des sonderpädagogischen Förderbedarfs in einem jugendhilferechtlichen Verfahren wegen des Hilfebedarfs bei drohender seelischer Behinderung. 7
8 OVG Münster, Beschluss vom B 1338/04, NVwZ-RR 2005, S. 257 = FEVS 56 (2005). S. 104 = JAmt 2004, S. 437 = ZfJ 2004, S. 463 = ZFSH/SGB 2004, S. 752 = NWVBl 2005, S. 35 = KommJur 2005, S. 32 Kann ein behinderter Schüler eine bedarfsdeckende Hilfe zu einer angemessenen Schulausbildung nach den konkreten Umständen voraussichtlich durch eine öffentliche Schule erhalten, ist er hierauf vor Inanspruchnahme von Jugendhilfe zur Ermöglichung des Besuches einer Privatschule zu verweisen. VG Aachen, Urteil vom L 577/04, EuG 59 (2005), S. 301 = ZfF 2005, S. 282 (LS) = ZfJ 2005, S. 328 Auch unter Berücksichtigung des nicht in Zweifel zu ziehenden Vorrangs der Schule vor der Jugendhilfe ist jedoch der Jugendhilfeträger bereits auf Grund seines Auftrages nach 1 SGB VIII gehalten, solange das Schulsystem Kinder mit psychologischen oder erzieherischen Besonderheiten nicht aufzufangen vermag, diesen Kindern die ihren Möglichkeiten angemessene Bildung zu verschaffen, um somit durch einen Einstieg in eine Berufsausbildung und spätere Berufstätigkeit die Teilhabe am Leben in der Gesellschaft sicherzustellen. VGH München, Beschluss vom CE , FEVS 56 (2005), S. 562 = ZFSH/SGB 2005, S Die Vermittlung einer angemessenen Schulbildung ist eine Angelegenheit des allgemeinen Schulsystems und deshalb haben den schulrechtlichen Anforderungen entsprechende Maßnahmen Vorrang. 2. Ist der Hilfesuchende nach schulischer Beurteilung für den Besuch der gymnasialen Oberstufe nicht geeignet, stellt für ihn ein Schulinternatsbesuch mit dem Ziel des Erwerbs der allgemeinen Hochschulreife keine angemessene Schulbildung nach 35a SGB VIII i.v. m. 54 Abs. 1 Satz 1 SGB XII dar. VGH München, Beschluss vom BV , FEVS 57 (2006), S. 125 = ZfSH/SGB 2006, S. 26 = SsE IV/E 9 S. 158p (LS) 1. Ob der Besuch einer allgemeinen Schule dem behinderten Kind eine angemessene Schulbildung ( 40 Abs. 1 S. 1 Nr. 4 BSHG) vermittelt, hat nicht der Träger der Sozialhilfe zu entscheiden, vielmehr richtet sich dies allein nach dem Schulrecht. 2. Kann der sonderpädagogische Förderbedarf an der allgemeinen Schule mit Unterstützung eines Schulhelfers hinreichend erfüllt werden, besteht keine Verpflichtung zum Besuch einer Förderschule. VGH München, Urteil vom B , NDV-RD 2006, S. 23 = ZfSH/SGB 2005, S. 607 = FEVS 57 (2006), S. 138 = SsE IV/E 9, S. 158p (LS) Nach bayerischem Landesrecht haben behinderte Kinder keinen Anspruch gegen die Schulverwaltung auf die Bereitstellung eines Integrationshelfers für den Besuch einer Förderschule. Ein Erstattungsanspruch des Sozialhilfeträgers, der diese Kosten im Rahmen der Eingliederungshilfe übernommen hat, scheidet daher aus. OVG Lüneburg, Urteil vom ME 354/05, FEVS 2007, S. 33 = SjE E I 12, S. 269n Zur Frage, ob Eingliederungshilfe nach 35a SGB VIII Hilfe zu einer angemessenen Schulbildung i.s. von 54 I Nr. 1 SGB XII i.v. mit 12 Nr. 1 EinglVO umfasst. OVG Bautzen, Beschluss vom B 131/05, EuG 60 (2006), S. 357 = DVBl. 2006, S. 856 = ZfF 2007, 20 (LS) aufgehoben durch BVerwG vom , 5 C Ein Sozialhilfeträger braucht die Kosten eines Integrationshelfers, die einem behinderten Schüler durch den Besuch einer Privatschule entstehen, im Rahmen des Mehrkostenvorbehalts nach 3 Abs. 2 Satz 3 BSHG grundsätzlich nicht zu tragen. 2. Eine Ausnahme zu diesem Grundsatz kommt nur in Betracht, wenn der Besuch einer öffentlichen Schule aus objektiven Gründen oder aus schwerwiegenden persönlichen Gründen unmöglich oder unzumutbar ist. VG Karlsruhe, Beschluss vom K 2416/05, ZFSH/SGB 2006, S. 354 = DÖV 2006, 703 (LS) 1. Entscheidungen der Schulverwaltung über die Zuweisung eines schulpflichtigen behinderten Kindes an eine bestimmte Schule (Schulart) binden den öffentlichen Hilfeträger derart, dass er die Hilfe nicht wegen fehlender Angemessenheit der mit der Zuweisung in Einklang stehenden Schulbildung ablehnen darf. 2. Da hiernach eine Sonderbeschulung als rechtlich erhebliche Alternative zur Regelbeschulung entfällt, darf der öffentliche Hilfeträger seine Hilfeleistung auch nicht wegen des das Wunsch- und Wahlrecht (hier: 5 Abs. 2 S. 1 SGB VIII) einschränkenden Mehrkostenvorbehalts oder wegen Vorrangs der Selbsthilfe versagen. VG Aachen, Urteil vom /04, juris 1. Ein Antrag auf Eingliederungshilfe nach 35a SGB VIII ist rechtzeitig vor der Maßnahme zu stellen und hat die notwendigen Unterlagen vorzulegen. 2. Die öffentlichen Beschulungsmöglichkeiten gehen Maßnahmen der Jugendhilfe vor. 8
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