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Timestamp: 2018-10-22 10:05:30
Document Index: 339327128

Matched Legal Cases: ['§ 16', '§ 119', '§ 16', '§ 16', '§ 13', '§ 16', '§ 20', '§ 20', '§ 16', '§ 20', '§ 17', '§ 16']

NLP-Practitionerkurs als Fortbildungs-, Ausbildungs- oder Umschulungsmaßnahme? - Findok Internet
Berufungsentscheidung - Steuer (Referent) des UFSL vom 05.03.2007, RV/0734-L/06
NLP-Practitionerkurs als Fortbildungs-, Ausbildungs- oder Umschulungsmaßnahme?
RV/0734-L/06-RS1 Permalink
Auch bei einer möglichen umfassenden Umschulung zum Lebens- und Sozialberater sind die Aufwendungen für den Besuch eines NLP-Practitionerkurses nicht abzugsfähige Werbungskosten.
Werbungskosten, Abzugsfähigkeit, Persönlichkeitsentwicklung, Lebensführung, umfassend, Umschulung, Ausbildung, Fortbildung
Der unabhängige Finanzsenat hat über die Berufung der Berufungswerberin, Angestellte einer Wirtschaftstreuhandkanzlei, vom 13. Juni 2006 gegen den Bescheid des Finanzamtes_A vom 11. Mai 2006 betreffend Einkommensteuer (Arbeitnehmerveranlagung) 2005 entschieden:
Die Berufungswerberin hat entsprechend der Eintragung im Zentralen Melderegister am 5. Juli 2005 ihren Wohnsitz von A nach B. Nach der Aktenlage hat das Finanzamt_B von diesem Umstand bisher keine Kenntnis erlangt.
Aufgrund einer elektronischen Zufallsauswahl wurde die Berufungswerberin vom Finanzamt_A mit Schreiben datiert vom 25. April 2006 ersucht, alle Rechnungen und Belege zu ihrer elektronisch eingebrachten Erklärung zur Arbeitnehmerveranlagung vom 20. April 2006 vorzulegen. Im Rahmen dieser Abgabenerklärung hatte die Berufungswerberin unter anderem € 2.044,00 an Werbungskosten für Aus- und Fortbildung angegeben.
Mit dem Schreiben eingelangt am 9. Mai 2006 legte die Berufungswerberin ein Urkundenkonvolut vor, welches sie mit den Worten begleitete, dass sie nunmehr die Unterlagen für die Arbeitnehmerveranlagung 2005 vorlege. Sie habe in der Zwischenzeit noch weitere Ausgaben gefunden, welche sie vorher "vor Stress" vergessen habe, geltend zu machen und ersuchte diese ebenfalls zu berücksichtigen.
In der beigelegten Aufstellung ihrer Werbungskosten führte die Berufungswerberin unter dem Punkt Fortbildung- und abzugsfähige Ausbildungskosten, Umschulung unter anderem € 2.100,00 für "NLP erste Teilbereiche 2005" an. Sie werde im Jahr 2006 dafür Förderungen erhalten, die sie bei der ursprünglichen Abgabenerklärung irrtümlich bereits abgezogen habe. Beigelegt waren weiter zwei Rechnungen von Frau C vom 14. Juni und 24. November 2005 für eine Kurs "NLP Practitioner, DVNLP" vom 21. Juli 2005 bis 14. Mai 2006 über je € 1.050,00 und ein Schreiben der Wirtschaftstreuhandkanzlei, bei welcher die Berufungswerberin seit 14. September 2005 beschäftigt ist.
In diesem Schreiben datiert vom 26. August 2005 erklärt der arbeitgebende Wirtschaftstreuhänder, dass die Entscheidung für die ausgeschriebene Stelle einer Bilanziererin in seiner Kanzlei unter den folgenden Bedingungen auf die Berufungswerberin entfalle. Die Berufungswerberin habe bei ihrem Vorstellungsgespräch mündlich versichert, dass sie eine NLP-Ausbildung in Betracht ziehe. Da die Berufungswerberin in der Wirtschaftstreuhänderkanzlei ihres Arbeitgebers mit Abschlüssen der Buchhaltungen betraut sein, Klientenkontakt haben und mit den Bilanzbuchhaltern eng zusammenarbeiten werde, erachte es der arbeitgebende Wirtschaftstreuhänder für sehr positiv, dass eine seiner Mitarbeiterinnen mit Stressmanagementmethoden, erfolgreicher Kommunikation, sowie zielorientiertem Denken und Handeln vertraut sei. Die Berufungswerberin erhalte die freie Stelle, sofern sie die Ausbildung wirklich beginne. Für die Kanzlei des arbeitgebenden Wirtschaftstreuhänders würden dadurch die Ziel der Krisen- und Konfliktbewältigung, Stressmanagement, Führungskompetenz, Verbesserung der Kommunikation, das Gewinnen und das Weiterentwickeln von Ressourcen verwirklicht, was sich positiv auf die Belegschaft und den Klientenkontakt auswirken werde. Die Qualifikation zur Führungskraft, die Mitarbeitermotivation und die Erhöhung der Kommunikationsfähigkeit erachte der arbeitgebende Wirtschaftreuhänder als Bereicherung für seine Kanzlei.
Weiter legte die Berufungswerberin auch eine Aufstellung ihrer Reisekosten und Diäten vor, die zehn Fahrten zu NLP-Seminaren enthielt.
Mit dem Einkommensteuerbescheid 2005 datiert vom 11. Mai 2006, welcher ohne Zustellnachweis versendet wurde, setzte das Finanzamt_A € 1.347,99 Werbungskosten, die der Arbeitgeber nicht berücksichtigen konnte, bei den Einkünften aus nichtselbständiger Arbeit an, welche jedoch die € 2.100,00 für den oben beschriebenen NLP-Kurs und die damit zusammenhängenden Reisekosten und Diäten nicht enthielten. Dies wurde damit begründet, dass es sich bei den Aufwendungen für die Ausbildung zum NLP-Practitioner und dem NLP-Master Practitioner um keine Umschulungs- oder Weiterbildungskosten handle.
Mit dem Schreiben datiert vom 3. Juni 2006 zur Post gegeben am 13. Juni 2006 behauptete die Berufungswerberin, den Einkommensteuerbescheid 2005 datiert vom 11. Mai 2006 am 23. Mai 2006 erhalten zu haben und erhob gegen diesen Berufung. Sie ersuchte um Berichtigung der Werbungskosten für Arbeitsmittel und Berücksichtigung des NLP-Kurses. Dies begründete sie damit, dass sie bei der Anschaffung des Laptops bereits 50% für die private Nutzung abgezogen und diesen für den Zweck der Abschreibung auf drei Jahre aktiviert habe . Sie stimme zu, dass 2005 dafür nur eine Absetzung für Abnutzung (Afa) für ein halbes Jahr geltend machen könne. Sie ersuche die Summe der Werbungskosten für Arbeitsmittel daher von der beantragten Summe von € 388,49 um die Halbjahresafa von € 75,25 auf € 313,25 zu kürzen. Unter "Punkt 2 Neuorientierung (zweites Standbein)" erklärte die Berufungswerberin, dass ihr Beruf als Bilanzierer sehr gut aber auch sehr trocken sei. Da sie früher im Gastgewerbe gearbeitet habe (Umschulung wegen Krankheit), sie den Umgang mit Menschen liebe und ihr dieser Kontakt in ihrem jetzigen Beruf fehle, gehe sie mit der NLP-Ausbildung wieder einen Schritt in die Richtung mit Menschen zu arbeiten. Es sei noch ein langer Weg, aber sie freue sich schon darauf mit Familien und Kindern zu arbeiten. Es würden ihr mit dieser Ausbildung einige Türen geöffnet. Sie könne einen Einzeltermin anbieten, Kurse abhalten oder unterrichten, ob nun in einem weiteren Dienstverhältnis oder selbständig. Der NLP Practitioner und der NLP Master seien auf dem zweiten Berufsweg Grundlagen für den Lebens- und Sozialberater (LSB). Beide Kurse seien Ausbildungsteile des Lebens- und Sozialberaters und daher Teile einer Umschulungsmaßnahme ("gemäß § 16 abzugsfähig. Mit Verweis auf LStR aus 2002 Randzahl 358a"). Sie ersuche daher den NLP-Practitioner als Umschulungsmaßnahme anzuerkennen.
Mit der Berufungsvorentscheidung datiert vom 22. Juni 2006 wies das Finanzamt Gmunden Vöcklabruck das Begehren der Berufungswerberin ab und begründete dies hinsichtlich der Arbeitsmittel damit, dass die Summe der Arbeitsmittel bereits im Erstbescheid mit € 313,00 berücksichtigt worden sei. Es sei lediglich eine unpassende Begründung verfasst worden. Die Aufwendungen für den NLP-Practitioner und den NLP-Master Practitioner seien keine Umschulungskosten, weil sie auch bei nicht berufstätigen Personen von allgemeinem Interesse und nicht derart umfassend seien, dass einen Einstieg in eine neue berufliche Tätigkeit ermöglichen würden.
Im als Berufung bezeichneten Antrag auf Vorlage der Berufung an die Abgabenbehörde zweiter Instanz vom 18. Juli 2006 schränkte die Berufungswerberin ihr Begehren insofern ein, als sie nur noch das Anerkennen der Aufwendungen für "Umschulungskosten des NLP-Praktitioners in Höhe von € 2.100,00 und Nebenkosten in Höhe von € 517,16" sowie die Werbungskosten in Höhe von € 3.964,65 laut "Einkommensteuererklärung" beantragte. Dies begründete sie damit, dass sie mit den "NLP-Practitioners" eine umfassende Umschulungsmaßnahme zum Lebens- und Sozialberater begonnen hätte. Die Ausbildung zum systemischen Lebens- und Sozialberater sei länger und ermögliche ihr ein zweites Standbein, eine zweite Einkommensquelle, aufzubauen. Sie habe eine Beschreibung des Ausbildungsweges, welchen sie beschreiten werde, beigelegt. Nach Vollendung ihrer mehrjährigen Ausbildung beabsichtige sie auch in diesem Bereich tätig zu werden. Dadurch würden die geltend gemachten Aufwendungen vorweggenommene Werbungskosten darstellen, welche nach der Rz. 366 der "EStRil" mit anderen Einkünften ausgleichsfähig wären. Die heutige Wirtschaftlage erlaube es nicht mehr, nach dem Erlernen eines Berufes "auf der faulen Haut zu liegen". Es bestehe ein Zwang zur Weiterbildung und spreche einiges dafür sich mehrere Einkunftsquellen zu erarbeiten. Da immer mehr Menschen bereit wären für ein glücklicheres, harmonischeres Leben Geld auszugeben und sich dafür an Dritte zu wenden, habe sie diese Ausbildungsrichtung eingeschlagen. Ein weiterer Aspekt sei die Möglichkeit, mit Menschen zu arbeiten. Als ausgebildete Lebens- und Sozialberaterin würden ihr Erziehungs-, pädagogische und Persönlichkeitsberatung und vieles mehr offen stehen. Für die Arbeitnehmerveranlagung 2006 werde sie den dritten Teil des NLP-Practitioners (€ 1.050,00 und Nebenkosten) als Werbungskosten geltend machen. Davon werde sie die Landesförderung abziehen, welche ihr bereits zugesagt worden sei. Im Jahr 2006 habe sie auch die Supervisionsstunden, welche sie für den Lebens- und Sozialberater benötige bei Frau D begonnen. Diese arbeite auch als selbständige Lebens- und Sozialberaterin und leite den systemischen Teil der Ausbildung im Institut von Frau C. Danach werde sie sich für den Kurs zum NLP-Master Practitioner anmelden, ein 220-stündiges Training, Supervisionen und Peer-Group absolvieren. Als Letztes komme das Upgrading. Danach könne sie an einem Institut als Coach oder Berater zu arbeiten beginnen oder ein Gewerbe anmelden und Beratungsstunden anbieten. Als Alleinerzieherin werde dieser Ausbildungsweg "natürlich" länger dauern. Auch in ihrem Hauptberuf habe sie laufend Schulungen zu besuchen, welche sie voraussichtlich selbst bezahlen werde müssen. Dies sei auch mit der Möglichkeit diese als Werbungskosten abzusetzen, eine fast nicht mehr tragbare finanzielle Belastung.
Beigelegt waren eine kurze Darstellung des Zieles einer NLP-Master Persönlichkeitsentwicklung mit systemischen NLP und ein an das Finanzamt_B gerichtetes Schreiben von Frau C vom 11. Juli 2006, in welchem sie erklärt, dass es mehrere Möglichkeiten gebe, um einen Gewerbeschein als Lebens- und Sozialberater zu erhalten. Die erste sei es, die dreijährige Ausbildung zum Lebens- und Sozialberater zu absolvieren, die zweite den NLP-Practitioner, den NLP-Master und das Upgrading zum Lebens- und Sozialberater zu machen. Die zweite Variante werde von ihr angeboten. Die Genehmigung dazu habe sie am 18. Februar 2004 von der WKO erhalten. Auszubildende Lebens- und Sozialberater im dritten Ausbildungsjahr dürften selbst Lebens- und Sozialberatung mit der Bezeichnung in Ausbildung anbieten. Beigelegt war diesem Schreiben die eine Genehmigung der Zertifizierungsstelle beim allgemeinen Fachverband des Gewerbes gemäß § 119 Abs. 5 GewO 1994 in der Fassung der Gewerberechtsnovelle 2002, BGBl. I 111/2002 den Lehrgang Lebens- und Sozialberatung mit der Lehrgangsnummer E abzuhalten. In einem weiteren Schreiben erläutert C den Ausbildungslehrgang für Lebens- und Sozialberatung für NLP-Master.
Darin erklärt sie, dass die Lebens- und Sozialberatung neben der medizinischen, der psychotherapeutischen und psychologischen Tätigkeit eine Säule der Gesundheitsvorsorge in Österreich sei. Ihr Ziel sei es, Menschen jeden Lebensalters in ihren Lebens- und Berufsfragen ressourcenorientiert in den verschiedensten Problem- und Entscheidungssituationen zu ihren eigenen Lösungen zu begleiten. Ihr Schwerpunkt und Ziel sei es systemisches NLP in einem prozessorientierten Beratungsverlauf zu integrieren. Durch ihre langjährige Erfahrung wisse sie, wie hilfreich systemisches NLP in Verbindung mit einer zutiefst menschlichen inneren Haltung und einer für die Beratungssituation angemessenen Beratungsstruktur bei der Beratungsarbeit sei.
Die Arbeitsbereiche der Lebens- und Sozialberatung seien die Persönlichkeitsberatung, die Berufs- und Karriereberatung, Coaching, Ehe-, Partnerschafts- und Familienberatung, Sexualberatung, Erziehungs- und pädagogische Beratung, Kommunikationsberatung, Konfliktberatung, Mediation, Gruppenberatung und Supervision.
Sie versuche die berufliche Qualifikation als Lebens- und Sozialberater in Verbindung mit einer professionellen NLP-Ausbildung zu vermitteln. Ein großer Teil der methodischen Ausbildung und Selbsterfahrung sei im NLP-Practitioner-Training und im NLP-Master-Practitioner-Training integriert. Außerdem könne ein Teil der gesetzlich geforderten fachlichen Tätigkeit, nämlich Peer-Groups, Gruppenselbsterfahrung, Gruppensupervision) aus den NLP-Ausbildung unter Einbeziehen der beruflichen Vorbildung für das Erwerben des Lebens- und Sozialberaterdiploms angerechnet werden. Durch das NLP-Practitioner-Training und das NLP-Master-Practitioner-Training würden 240 Stunden Methodik der Lebens- und Sozialberatung, 120 Stunden Selbsterfahrung, 100 Stunden Peer-Group-Arbeit und 32 Stunden Gruppensupervision abgedeckt.
In der erweiterten Lebens- und Sozialberaterausbildung, dem dritten Abschnitt, würden die Lehr- und Lernbereiche, Einführung in die Lebens- und Sozialberatung, Grundlagen der Lebens- und Sozialberatung in den angrenzenden sozialwissenschaftlichen, psychologischen, psychotherapeutischen, pädagogischen und medizinischen Fachbereichen, Krisenintervention, Sexualberatung, rechtliche Fragen in Zusammenhang mit Lebens- und Sozialberatung, betriebswirtschaftliche Grundlagen, Berufsethik und Berufsidentität vermittelt.
Zusätzlich zu dem von ihr angebotenen Kursinhalt habe man für den Abschluss der Ausbildung zum Lebens- und Sozialberater berufliche Tätigkeit im Ausmaß von 750 Stunden und davon mindestens 100 protokollierte Beratungseinheiten, 30 Stunden Einzel-Selbsterfahrung und 100 Stunden Supervision und davon 10 Stunden Einzelsupervision (die Gruppensupervision der NLP-Ausbildungen würden dafür anerkannt werden) nachzuweisen. Peergroups, Assistenz bei themenspezifischen Seminaren und Begleitungs- und Betreuungstätigkeit könnten individuell angerechnet werden.
A) Kosten der Seminars für den NLP-Practitioner
Diese Grenze gilt auch dort, wo im § 16 Abs. 1 Werbungskosten einzeln angeführt werden, wie etwa dem § 16 Abs. 1 Z 10 EStG 1988 in der für das Berufungsjahr geltenden Fassung BGBl. I Nr. 115/2005 ("Aufwendungen für Aus- und Fortbildungsmaßnahmen im Zusammenhang mit der vom Steuerpflichtigen ausgeübten oder einer damit verwandten beruflichen Tätigkeit und Aufwendungen für umfassende Umschulungsmaßnahmen, die auf eine tatsächliche Ausübung eines anderen Berufes abzielen. Aufwendungen für Nächtigungen sind jedoch höchstens im Ausmaß des den Bundesbediensteten zustehenden Nächtigungsgeldes der Höchststufe bei Anwendung des § 13 Abs. 7 der Reisegebührenvorschrift zu berücksichtigen."). Nichts ändert diese Regelung des § 16 Abs. 1 Z 10 EStG 1988 jedoch an der notwendigen Abgrenzung der beruflichen beziehungsweise betrieblichen Aus- oder Fortbildung zur der privaten Lebensführung zuzuordnenden Wissensvermittlung, welche auf Persönlichkeitsbildung abzielt.
Wendet man diesen Gedanken auf die Situation der Berufungswerberin an, gelangt man zum Schluss, dass er auch für eine Buchhalterin gilt, den die berufspezifische Fortbildung einer solchen liegt im Bereich der Buchhaltung, des Rechnungswesens und des (Steuer-)Rechts. Dies wird auch von der Berufungswerberin so gesehen, wie ihr Vorbringen im Vorlageantrag zeigt, wo sie den Besuch des NLP-Seminars, von der beruflichen Fortbildung im Bereich der Buchhaltung ausdrücklich trennt.
Die Abzugsfähigkeit von Fort- oder Ausbildungskosten ist nur dann gegeben, wenn nach der Verkehrsauffassung ein Zusammenhang zur konkret ausgeübten oder einer damit verwandten Tätigkeit vorliegt. Ein solcher liegt vor, wenn die erworbenen Kenntnisse in einem wesentlichen Umfang im Rahmen der ausgeübten Tätigkeit verwertet werden können. Im Fall der Berufungswerberin können diese zwar möglicherweise ein friktionsfreieres Arbeiten mit Kollegen und Klienten ermöglichen und können die erlernten Fähigkeiten vielleicht in Ansätzen auch an die Belegschaft der Wirtschaftstreuhänderkanzlei weitergegeben werden, jedoch kann macht dies wohl nur einen geringen Teil der Aufgaben Buchhalterin aus. Der wesentliche Teil ist das laufende Führen der Buchhaltung eines Klienten, das Erstellen von Jahresabschlüssen und allenfalls dessen (steuerlich-)rechtliche Betreuung. Auch sind die von C abgehaltenen Kurse an einen unbestimmten Personenkreis ohne irgendeine Einschränkung der beruflichen Ausbildung gerichtet, wie ein Blick auf ihre Homepage zeigt (F).
Ist also diesen Gedanken und der Judikatur des Verwaltungsgerichtshofs folgend klar, dass es sich beim Besuch der NLP-Practitionerseminare in Hinblick auf § 20 Abs.1 lit. a EStG 1988 um Kosten der privaten Lebensführung handelt, welche die bisherige berufliche Sphäre der Berufungswerberin nur am Rand berühren, stellt sich die Frage, ob diese nicht dadurch zu Werbungskosten werden, weil der arbeitgebende Wirtschaftstreuhänder den Besuch dieser Kurse zur Bedingung der Aufnahme des Arbeitsverhältnisses gemacht hat (siehe das oben dargestellte Schreiben vom 26. August 2005).
Diese Bedingung stellt sicherlich einen Zusammenhang zwischen den Aufwendungen für den Besuch des NLP-Kurses und den Werbungskosten der Berufungswerberin her. Man könnte sogar sagen, dass das Absolvieren dieses Kurses ursächlich für die tatsächlichen Einkünfte der Berufungswerberin bei der arbeitgegebenden Wirtschaftstreuhandkanzlei gewesen ist.
Wie aber schon mehrmals dargelegt, sieht auch § 20 Abs. 1 Z 2 lit. a EStG 1988 ("wenn sie die wirtschaftliche oder gesellschaftliche Stellung des Steuerpflichtigen mit sich bringt und sie zur Förderung des Berufes oder der Tätigkeit des Steuerpflichtigen erfolgen") diesen Zusammenhang. Trotz dieses im konkreten Fall engen Zusammenhanges sind solche Aufwendungen dann nicht abzugsfähig, wenn es sich in typisierender Betrachtungsweise um Kosten der Lebensführung handelt.
Dass genau dies beim Besuch von NLP-Seminaren der Fall ist hat, der Verwaltungsgerichtshof in mehreren Erkenntnissen ausgesprochen (VwGH 29.1.2004, 2000/15/0009, VwGH 17.12.2003, 2001/13/0123, VwGH 27.6.2000, 2000/14/0096, VwGH 17.9.1996, 92/14/0173) und spiegelt sich auch in der zahlreichen Judikatur des Unabhängigen Finanzsenates (etwa 60 abweisende Entscheidungen) wieder. Es besteht im konkreten Fall kein Grund von dieser Ansicht abzuweichen.
Letztlich ist aber zu fragen, ob die von der Berufungswerberin geltend gemachten Aufwendungen für das teilweise Absolvieren des NLP-Practitionerkurses im Berufungsjahr als vorweggenommene Werbungskosten für eine umfassende Umschulungsmaßnahme zum Lebens- und Sozialberater im Sinne des § 16 Abs. 1 Z 10 EStG 1988 angesehen werden kann.
Die Berufungswerberin hat durch ihr Vorbringen und die mitübermittelten Unterlagen glaubhaft dargelegt, dass ein Ausbildungsweg vom NLP-Practitioner über den NLP-Practitioner-Master und über die erweiterte Lebens- und Sozialberaterausbildung bei Frau C möglich ist.
Auch im Fall der Berufungswerberin ist der von ihr absolvierte Kurs nicht allein auf Zuhörer abgestimmt, welche Lebens- und Sozialberater werden wollen, sondern steht jedermann offen. Auch kann man, wie auch die Frau C richtig bemerkt hat (siehe oben) ohne Ausbildung im NLP Lebens- und Sozialberater werden. Dies ist sogar der Regelfall. Die NLP-Ausbildung ist auch im von Frau C aufgezeichneten Weg eine zusätzliche Qualifikation, welche für das Ausüben des Berufes des Lebens- und Sozialberaters vielleicht nützlich sein mag (siehe aber die oben zitierten Zweifel an der Wissenschaftlichkeit und Wirksamkeit dieser Methodensammlung), aber keinesfalls notwendig.
Fehlt es aber an der Notwendigkeit einer Ausbildung zum NLP-Practitioner für das Erlernen des Berufes des Lebens- und Sozialberaters und ist die Ausbildung zum NLP-Practitioner im allgemeinen als Weg der Persönlichkeitsbildung; ob nun im Privatleben oder im Beruf als Buchhalterin, genauso nützlich wie beim Beruf der Lebens- und Sozialberaterin liegt ein Fall von Aufwendungen vor, welche bei typisierender Betrachtungsweise als gemischt zwischen Kosten der Lebensführung und beruflicher Nutzung angesehen werden müssen, auch wenn man sie in Zusammenhang mit einer möglichen umfassende Umschulung sieht. Sie sind daher auch in diesem Fall gemäß § 20 Abs. 1 Z 2 lit. a EStG 1988 nicht abzugsfähig und war die Berufung in diesem Punkt abzuweisen.
B) Aufwendungen für das Arbeitsmittel Notebook
Wie schon in der Berufungsvorentscheidung datiert vom 22. Juni 2006 dargelegt, entspricht der von der Berufungswerberin angefochtene Einkommensteuerbescheid 2005 ihrem Berufungsantrag.
C) Pauschale Aufwendungen für Telefon und Arbeitsmittel
Wie schon oben dargestellt wurde die Berufungswerberin mit dem Schreiben vom 25. April 2006 alle Belege und Rechnungen zu den in der Erklärung zur Arbeitnehmerveranlagung 2005 geltend gemachten Aufwendungen vorzulegen.
In der von ihr übermittelten Aufstellung der Werbungskosten für Arbeitsmittel finden sich die Posten Telefonpauschale € 75,00, Arbeitsmittelpauschale € 100,00. Anders als beim Notebook hat die Berufungswerberin für diese beiden Posten weder Rechnungen (etwa Telefonrechnungen, Einkaufsbelege für die von ihr gemeinten Arbeitsmittel) vorgelegt noch erklärt, welcher Privatanteil an den Aufwendungen (etwa für das Telefon) angefallen ist.
Wird nicht eine pauschalierte Ermittlung im Sinne des § 17 Abs. 6 EStG 1988 gewählt, kennt das österreichische Abgabenrecht im Rahmen der Ermittlung der Einkünfte aus nichtselbständiger Arbeit abgesehen vom Werbungskostenpauschale gemäß § 16 Abs. 3 EStG 1988, welches die Berufungswerberin aber im Berufungsjahr deutlich überschritten hat, keine pauschalen Werbungskosten.
Werbungskosten sind konkret geltend zu machen und nachzuweisen oder glaubhaft zu machen. Dies hat die Berufungswerberin trotz Aufforderung unterlassen.
Es kann daher nicht angenommen werden, dass ihr berufliche Telefonaufwendungen in der Höhe von € 100,00 und Kosten für nicht näher spezifizierte Arbeitsmittel in Höhe von € 75,00 entstanden sind. Dementsprechend waren die Werbungskosten bei den nichtselbständigen Einkünften der Berufungswerberin um weitere € 175,00 zu kürzen und der angefochtene Einkommensteuerbescheid 2005 abzuändern.
SWK 13/2007, K 6
Findok-Nr: 27071.1, aufgenommen am: 16.04.2007 13:15:31, zuletzt geändert am: 16.04.2009, Dokument-ID: 65ee0ce8-04a2-401d-a01f-6ed3b32b102d, Segment-ID: db86e4ee-6d74-45be-a51f-72a534140b59