Source: http://gs-hirschberg.musin.de/html/team_klassen_lrs.html
Timestamp: 2018-01-19 22:51:19
Document Index: 289748740

Matched Legal Cases: ['Art. 3', 'Art. 52', '§ 32', '§ 36', '§ 37', '§ 37', '§ 40']

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Als Lese-Rechtschreibstörung werden massive Probleme beim Lesen und Rechtschreiben bezeichnet. Zu Grunde liegen genetische Gegebenheiten, die die neurophysiologische Verarbeitung auditiver bzw. visueller Reize beeinflussen.
Durch individuelle Unterstützung, Nachteilsausgleich und Notenschutz sollen Kinder mit dieser Beeinträchtigung so gefördert werden, dass sie die ihnen mögliche Leistung trotzdem erbringen können. Das gelingt durch die Zusammenarbeit von Lehrkräften, Schulleitungen, Beratungslehrkräften, Schulpsychologen, Eltern und der betroffenen Schüler.
Hierunter versteht man pädagogische, didaktisch-methodische und schulorganisatorische Maßnahmen, die im Unterricht eingesetzt werden, um das Kind zu unterstützen. Die Maßnahmen richten sich nach den individuellen Gegebenheiten.
Schülerinnen und Schüler mit LRS sollen die gleichen Chancen haben, ihr vorhandenes Leistungsvermögen zu zeigen, wie Kinder ohne eine Beeinträchtigung. Darum werden entsprechende äußere Rahmenbedingungen geschaffen, die eine Chancengleichheit gewährleisten. Diese Maßnahmen werden nicht im Zeugnis vermerkt.
Beim Notenschutz verzichtet man unter Bezugnahme auf Art. 3 Abs. 3 Satz 2 des Grundgesetzes auf die Bewertung der Rechtschreibleistung. Die Anwendungsbereiche erläutert das BayEUG in Art. 52 Abs. 5 Satz 2. Die unter Notenschutz erreichte Ziffernnote in Deutsch bleibt vollwertig und ist ohne Einschränkung auch in Hinblick auf einen Abschluss oder als Übertrittsnote gültig. Der Notenschutz wird mit einer Bemerkung im Zeugnis vermerkt.
Bei der Beobachtung von Auffälligkeiten im Bereich des Lesens und der Rechtschreibung kommt es zu dem im Folgenden aufgeführten Ablauf:
Beobachtung →
Maßnahmen der individuellen Unterstützung →
Nachweis einer Lese-Rechtschreib-Störung →
Beantragung von Nachteilsausgleich und Notenschutz →
Entscheidung über das weitere Vorgehen →
Überprüfung →
Beobachtung von Auffälligkeiten beim Lesen und Rechtschreiben
Zunächst kommt es zu einem Gespräch zwischen den Lehrkräften und den Eltern. Die Lehrkraft informiert dabei über die Formen der individuellen Unterstützung sowie die Rahmenbedingungen von Nachteilsausgleich bzw. Notenschutz. Gegebenenfalls werden Schulpsychologen oder Fachärzte für Kinder- und Jugendpsychiatrie hinzugezogen.
§ 32 BaySchO beschreibt Möglichkeiten der individuellen Unterstützung und Förderung im Unterricht innerhalb des schulischen Rahmens. Sie beinhaltet pädagogische, didaktisch-methodische und schulorganisatorische Maßnahmen, dazu kommen Anregungen zu häuslichen Übungs- und Fördermöglichkeiten.
Nachweis einer Lese-Rechtschreib-Störung
Gemäß § 36 Abs. 2 Sätze 1 und 4 BaySchO gibt es zwei Möglichkeiten, eine Lese-Rechtschreib-Störung nachzuweisen:
Ein Schulpsycholge erstellt eine schulpsychologische Stellungnahme. Diese beinhaltet Informationen über Art, Umfang und ggf. Dauer der Störung.
Das fachärztliche Zeugnis wird durch einen Facharzt für Kinder- und Jugendpsychiatrie, ein Sozialpädiatrisches Zentrum oder eine andere entsprechend aus- und weitergebildete Fachkraft erstellt. Hier ist ergänzend die Vorlage einer schulpsychologischen Stellungnahme erforderlich.
Die Diagnose umfasst unter anderem folgende Punkte:
Erfassung der Lesekompetenzen (Wortlesegeschwindigkeit, Lesegenauigkeit und Leseverständnis) und der Rechtschreibkompetenzen unter Verwendung standardisierter und aktuell normierter Testverfahren
Einsicht in Hefte
Einschätzungen der unterrichtenden Lehrkräfte
Abklärung einer Seh- oder Hörbeeinträchtigung
Voraussetzung für ein positives Testergebnis sind erwartungswidrig schwache Leistungen in den Bereichen Lesen und Rechtschreiben im Vergleich zum Gesamt-IQ.
Beantragung von Nachteilsausgleich und Notenschutz
Die Eltern wenden sich bezüglich Nachteilsausgleich bzw. Notenschutz an die Schule. Der Antrag auf Nachteilsausgleich oder Notenschutz wird bei der Klassenleitung abgegeben, diese leitet den Antrag mit den eingereichten oder vorliegenden Unterlagen an die Schulleitung weiter. Die Schule unterstützt die Eltern beim erforderlichen schriftlichen Antrag auf Nachteilsausgleich bzw. Notenschutz.
Entscheidung über Nachteilsausgleich und/oder Notenschutz
Bei einer attestierten Lese-Rechtschreib-Störung liegt die Entscheidung nicht im Ermessen der Schulleitung, der Nachteilsausgleich bzw. der Notenschutz muss gewährt werden. Unter den Möglichkeiten des Nachteilsausgleichs bzw. des Notenschutzes werden die für die Schülerin bzw. den Schüler individuell geeigneten Maßnahmen ausgewählt.
Die Schulleitung informiert die unterrichtenden Lehrkräfte über die gewährten Maßnahmen der Förderung, des Nachteilsausgleichs bzw. des Notenschutzes. Die Maßnahmen des Nachteilsausgleichs bzw. Notenschutzes werden in den Schullaufbahnbogen eingetragen. Bei Notenschutz weist eine Zeugnisbemerkung auf die Gewährung des Notenschutzes hin, Maßnahmen des Nachteilsausgleichs und der individuellen Unterstützung erscheinen nicht im Zeugnis.
Die Gewährung des Nachteilsausgleichs tritt ab Bekanntgabe der Entscheidung in Kraft. Unter besonderen Voraussetzungen kann der Notenschutz rückwirkend ab dem Zeitpunkt der Beantragung gewährt werden, ein Anspruch darauf besteht allerdings nicht.
Durch eine schriftliche Beantwortung des Antrags stimmen die Eltern den Maßnahmen zu oder sie nehmen ihr Recht wahr, Einspruch einzulegen.
Der Abdruck des Bescheids (Genehmigungsschreiben oder ablehnende Antwort) wird im Schülerakt aufbewahrt (§ 37 Satz 2 Nr. 1 Buchst. i BaySchO), ebenso der Antrag der Eltern mit Anlagen und den der Entscheidung zugrundeliegenden sonstigen Unterlagen. Außerschulische Dokumente und fachärztliche Atteste verbleiben beim Schulpsychologen (§ 37 Satz 3 BaySchO).
Verlässt die Schülerin oder der Schüler die Schule, verbleiben die Unterlagen noch ein weiteres Jahr an der abgebenden Schule (§ 40 Satz 2, Nr.2 BaySchO).
Gemeinsam reflektieren die Schülerin bzw. der Schüler, die Erziehungsberechtigten und die Lehrkräfte, inwieweit die getroffenen Maßnahmen hilfreich und wirksam sind. Gegebenenfalls kommt es zur Weiterführung oder zur Modifikation der getroffenen Maßnahmen des Nachteilsausgleiches bzw. des Notenschutzes. Bei einer Änderung wird der bestehende Bescheid aufgehoben, an seine Stelle tritt eine Neuregelung.
Des Weiteren besteht die Möglichkeit des Verzichts. Durch einen Antrag bei der Schulleitung kann die Aufhebung des bewilligten Nachteilsausgleichs bzw. Notenschutzes beantragt werden. Dies ist nur innerhalb der ersten Woche nach Unterrichtsbeginns möglich.
Diesem Artikel liegen die Informationen des Bayerischen Staatsministeriums für Bildung und Kultus, Wissenschaft und Kunst im Handbuch "Individuelle Unterstützung, Nachteilsausgleich, Notenschutz" unter www.km.bayern.de/ministerium/schule-und-ausbildung/inklusion/materialien-und-praxistipps.html zugrunde.