Source: https://www.rechtslupe.de/steuerrecht/erbst/geschenkte-gesellschaftsanteile-321638
Timestamp: 2020-02-25 18:48:53
Document Index: 348405260

Matched Legal Cases: ['§ 1', '§ 7', '§ 516', '§ 10', '§ 11', '§ 9', '§ 12', '§ 398', '§ 9', '§ 11', '§ 9', '§ 9', '§ 7', '§ 7']

Geschenk­te Gesell­schafts­an­tei­le | Rechtslupe
Wur­den wäh­rend lau­fen­der Ver­kaufs­ver­hand­lun­gen schenk­wei­se erwor­be­ne Antei­le an einer Kapi­tal­ge­sell­schaft kurz nach dem Zeit­punkt der Aus­füh­rung der frei­ge­bi­gen Zuwen­dung ver­äu­ßert, ist nach dem vor dem Jahr 2009 gel­ten­den Recht ein zu die­sem Zeit­punkt bereits ver­ein­bar­ter Min­dest­kauf­preis und nicht der nach dem Stutt­gar­ter Ver­fah­ren ermit­tel­te Anteils­wert der Bemes­sung der Schen­kungsteu­er zugrun­de zu legen.
Der Schen­kungsteu­er unter­liegt als Schen­kung unter Leben­den (§ 1 Abs. 1 Nr. 2 ErbStG in der vor dem Jahr 2009 gel­ten­den Fas­sung) jede frei­ge­bi­ge Zuwen­dung unter Leben­den, soweit der Bedach­te durch sie auf Kos­ten des Zuwen­den­den berei­chert wird (§ 7 Abs. 1 Nr. 1 ErbStG; vgl. auch § 516 Abs. 1 BGB). Die Besteue­rung rich­tet sich danach, wie sich die Ver­mö­gens­meh­rung im Zeit­punkt der Zuwen­dung beim Beschenk­ten dar­stellt 1. Dem­entspre­chend bestimmt sich der steu­er­pflich­ti­ge Erwerb gemäß § 10 Abs. 1 Satz 1 ErbStG nach der Berei­che­rung des Erwer­bers und knüpft die Wert­ermitt­lung (§ 11 ErbStG) über § 9 Abs. 1 Nr. 2, § 12 Abs. 1 bis 6 ErbStG an den Gegen­stand an, über den der Beschenk­te end­gül­tig ver­fü­gen kann 2.
Es ist nicht erfor­der­lich, dass der Gegen­stand, um den der Beschenk­te berei­chert wird, sich vor­her in der­sel­ben Gestalt im Ver­mö­gen des Schen­kers befun­den hat und wesens­gleich über­geht, "Ent­rei­che­rungs­ge­gen­stand" und "Berei­che­rungs­ge­gen­stand" brau­chen nicht iden­tisch zu sein 3. Danach kann in der Hin­ga­be von Ver­mö­gens­ge­gen­stän­den mit­tel­bar die Schen­kung eines ande­ren Ver­mö­gens­ge­gen­stan­des gese­hen wer­den. Dies setzt vor­aus, dass der Beschenk­te im Ver­hält­nis zum Schen­ker über das ihm unmit­tel­bar Zuge­wen­de­te nicht, son­dern (erst) über das Sur­ro­gat des­sel­ben, z.B. über den Ver­kaufs­er­lös ver­fü­gen kann; denn in die­sem Fall ist der Beschenk­te nicht um das unmit­tel­bar Hin­ge­ge­be­ne, son­dern erst um den Ver­kaufs­er­lös berei­chert. Dies gilt nicht nur für die Fäl­le der mit­tel­ba­ren Grund­stücks­schen­kung 4, son­dern gene­rell bei mit­tel­ba­rer Schen­kung aller als Zuwen­dungs­ob­jekt in Betracht kom­men­den Gegen­stän­de oder Rech­te 5.
Maß­geb­li­cher Bewer­tungs­stich­tag für die Anteils­schen­kung ist der Zeit­punkt der Ent­ste­hung der Steu­er, das ist der Tag, an dem die Zuwen­dung durch Abtre­tung der Antei­le nach §§ 398, 413 BGB aus­ge­führt wur­de (§ 9 Abs. 1 Nr. 2 ErbStG).
Der gemei­ne Wert von Antei­len an Kapi­tal­ge­sell­schaf­ten, für die ein Bör­sen­kurs nicht besteht, ist in ers­ter Linie aus Ver­käu­fen abzu­lei­ten, die weni­ger als ein Jahr vor dem maß­ge­ben­den Bewer­tungs­stich­tag lie­gen. Es genügt auch der Ver­kauf eines ein­zi­gen Anteils, wenn Gegen­stand die­ses Ver­kaufs nicht nur ein Zwerg­an­teil ist, des­sen Ver­kaufs­preis für den gemei­nen Wert der übri­gen Antei­le nur einen begrenz­ten Aus­sa­ge­wert hat 6.
Vor­aus­set­zung für die Ermitt­lung des gemei­nen Werts aus Ver­käu­fen ist, dass es sich nicht um einen Ver­kauf han­delt, der erst nach dem maß­ge­ben­den Bewer­tungs­stich­tag zustan­de gekom­men ist. Nur aus­nahms­wei­se kann der gemei­ne Wert aus einem Ver­kaufs­ab­schluss kurz nach dem Bewer­tungs­stich­tag abge­lei­tet wer­den, wenn die Eini­gung über den Kauf­preis schon am Bewer­tungs­stich­tag her­bei­ge­führt war 7. Wur­de die Eini­gung über den Kauf­preis zwar erst kurz nach dem Fest­stel­lungs­zeit­punkt im Rah­men des Abschlus­ses des Kauf­ver­tra­ges erzielt, stand zum Fest­stel­lungs­zeit­punkt aber bereits ein Min­dest­kauf­preis fest, ist der Bewer­tung die­ser und nicht mehr der nach dem Stutt­gar­ter Ver­fah­ren ermit­tel­te nied­ri­ge­re Anteils­wert zugrun­de zu legen; denn der Min­dest­kauf­preis spie­gelt den gemei­nen Wert, der nach § 11 Abs. 2 BewG Maß­stab und Ziel der Bewer­tung von Antei­len an Kapi­tal­ge­sell­schaf­ten ist, weit bes­ser wider als der nach dem Stutt­gar­ter Ver­fah­ren ermit­tel­te Anteils­wert. Der gemei­ne Wert, der nach § 9 Abs. 1 BewG im Regel­fall der Bewer­tung zugrun­de zu legen ist, wird gemäß § 9 Abs. 2 Satz 1 BewG durch den Preis bestimmt, der im gewöhn­li­chen Geschäfts­ver­kehr nach der Beschaf­fen­heit des Wirt­schafts­gu­tes bei einer Ver­äu­ße­rung zu erzie­len wäre 8.
Die Eini­gung über den Min­dest­kauf­preis muss dabei am Stich­tag nicht rechts­ver­bind­lich sein, um Grund­la­ge für die Ablei­tung des gemei­nen Werts der Antei­le sein zu kön­nen. Es reicht viel­mehr aus, wenn auf­grund von Ver­kaufs­ver­hand­lun­gen vor dem Stich­tag eine Ver­stän­di­gung über den Min­dest­kauf­preis her­bei­ge­führt wur­de, die­ser beim Ver­kauf der Antei­le kur­ze Zeit nach dem Stich­tag nicht unter­schrit­ten wur­de und als im gewöhn­li­chen Geschäfts­ver­kehr aus­ge­han­delt ange­se­hen wer­den kann 9.
Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 22. Juni 2010 – II R 40/​08
Ver­bil­lig­te Über­las­sung von GmbH-Antei­­len als Arbeits­lohn Der ver­bil­lig­te Erwerb einer GmbH-Betei­li­gung durch einen lei­ten­den Arbeit­neh­mer des Arbeit­ge­bers kann auch dann zu Arbeits­lohn füh­ren, wenn nicht der Arbeit­ge­ber selbst, son­dern ein Gesell­schaf­ter…
Geschenk­te Gesell­schafts­an­tei­le Wur­den wäh­rend lau­fen­der Ver­kaufs­ver­hand­lun­gen schenk­wei­se erwor­be­ne Antei­le an einer Kapi­tal­ge­sell­schaft kurz nach dem Zeit­punkt der Aus­füh­rung der frei­ge­bi­gen Zuwen­dung ver­äu­ßert, ist nach dem vor dem…
BFH, Urteil vom 09.11.1994 – II R 87/​92, BFHE 176, 53, BSt­Bl II 1995, 83[↩]
BFH, Urtei­le in BFHE 176, 53, BSt­Bl II 1995, 83; vom 26.09.1990 – II R 50/​88, BFHE 162, 139, BSt­Bl II 1991, 32; vom 06.03.1985 – II R 114/​82, BFHE 143, 287, BSt­Bl II 1985, 380; und vom 30.01.1968 – II 49/​64, BFHE 91, 431, BSt­Bl II 1968, 371[↩]
vgl. BFH, Urteil vom 13.03.1996 – II R 51/​95, BFHE 180, 174, BSt­Bl II 1996, 548, mit wei­te­ren Hin­wei­sen[↩]
vgl. BFH, Urteil in BFHE 180, 174, BSt­Bl II 1996, 548, sowie BFH, Urtei­le vom 12.12.1979 – II R 157/​78, BFHE 129, 507, BSt­Bl II 1980, 260; vom 03.08.1988 – II R 39/​86, BFHE 154, 383, BSt­Bl II 1988, 1025[↩]
vgl. zum Gesell­schafts­an­teil als Zuwen­dungs­ob­jekt: Meincke, Erb­schaft­steu­er­ge­setz, 15. Aufl., § 7 Rz 18; Moench/​Weinmann, Erb­schaft­steu­er­ge­setz, § 7 Rz 24[↩]
BFH, Urtei­le vom 02.11.1988 – II R 52/​85, BFHE 155, 121, BSt­Bl II 1989, 80; und vom 05.03.1986 – II R 232/​82, BFHE 146, 460, BSt­Bl II 1986, 591[↩]
BFH, Urteil vom 30.01.1976 – III R 74/​74, BFHE 118, 234, BSt­Bl II 1976, 280[↩]
vgl. auch BFH, Urteil in BFHE 155, 121, BSt­Bl II 1989, 80; BFH, Beschluss vom 23.06.1999 – X B 103/​98, BFH/​NV 2000, 30[↩]
BFH, Urteil vom 11.11.1998 – II R 59/​96, BFH/​NV 1999, 908[↩]
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