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Timestamp: 2020-08-06 13:33:21
Document Index: 369403159

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Fristwahrung per Telefax - und die Anforderungen an Kanzleiorganisation und Fristenkontrolle | Rechtslupe
Fris­t­wah­rung per Tele­fax – und die Anfor­de­run­gen an Kanz­lei­or­ga­ni­sa­ti­on und Fris­ten­kon­trol­le
Wel­che orga­ni­sa­to­ri­schen Vor­keh­run­gen ein Anwalt bei der Ver­sen­dung fris­t­wah­ren­der Schrift­sät­ze per Fax tref­fen muss, wird in der Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs nicht ein­heit­lich beur­teilt.
Im Grund­satz besteht Einig­keit dar­über, dass ein Rechts­an­walt sei­ner Pflicht zur wirk­sa­men Aus­gangs­kon­trol­le fris­t­wah­ren­der Schrift­sät­ze nur dann genügt, wenn er sei­ne Ange­stell­ten anweist, nach einer Über­mitt­lung per Tele­fax anhand des Sen­de­pro­to­kolls zu über­prü­fen, ob der Schrift­satz voll­stän­dig und an das rich­ti­ge Gericht über­mit­telt wor­den ist.
Dabei darf sich die Kon­trol­le des Sen­de­be­richts nicht dar­auf beschrän­ken, die auf die­sem aus­ge­druck­te Fax­num­mer mit der zuvor auf­ge­schrie­be­nen, z.B. bereits in den Schrift­satz ein­ge­füg­ten Num­mer zu ver­glei­chen. Viel­mehr muss der Abgleich anhand einer zuver­läs­si­gen Quel­le, etwa anhand eines geeig­ne­ten Ver­zeich­nis­ses vor­ge­nom­men wer­den, um auch Feh­ler bei der Ermitt­lung auf­de­cken zu kön­nen [1].
Dem Erfor­der­nis, durch orga­ni­sa­to­ri­sche Anwei­sun­gen nicht nur Feh­ler bei der Ein­ga­be, son­dern auch bei der Ermitt­lung der Fax­num­mer zu erfas­sen, kann aller­dings auch dann genügt wer­den, wenn die Anwei­sung besteht, die im Sen­de­be­richt aus­ge­druck­te Fax­num­mer mit der schrift­lich nie­der­ge­leg­ten zu ver­glei­chen, die ihrer­seits zuvor aus einer zuver­läs­si­gen Quel­le ermit­telt wor­den ist. Dies setzt jedoch vor­aus, dass dar­über hin­aus die gene­rel­le Anord­nung besteht, die ermit­tel­te Num­mer vor der Ver­sen­dung zu über­prü­fen. Der Sen­de­be­richt muss dann nicht mehr zusätz­lich mit der zuver­läs­si­gen Aus­gangs­quel­le ver­gli­chen wer­den [2]. Infol­ge des vor­an­ge­gan­ge­nen Abgleichs der auf den Schrift­satz über­tra­ge­nen Fax­num­mer mit der zuver­läs­si­gen Aus­gangs­quel­le ist die Num­mer auf dem Schrift­satz nach die­sem Abgleich bei wer­ten­der Betrach­tung selbst als aus­rei­chend zuver­läs­si­ge Quel­le anzu­se­hen. Auch auf die­se Wei­se ist sicher­ge­stellt, dass von den ange­ord­ne­ten Kon­troll­maß­nah­men sowohl Ermitt­lungs- als auch Ein­ga­be­feh­ler recht­zei­tig auf­ge­deckt wer­den kön­nen.
Ob die Anfor­de­run­gen, die an die Kanz­lei­or­ga­ni­sa­ti­on zur Auf­de­ckung von Ermitt­lungs­feh­lern zu stel­len sind, eine Abmil­de­rung erfah­ren, wenn die auf den Schrift­satz über­tra­ge­ne Fax­num­mer – wie hier – ent­spre­chend der orga­ni­sa­to­ri­schen Anwei­sung unmit­tel­bar einem in der Akte befind­li­chen Schrei­ben des Beru­fungs­ge­richts ent­nom­men wird, ist strei­tig. Nach der bis­he­ri­gen Auf­fas­sung des VI. Zivil­se­nats soll in sol­chen Fäl­len ein Abgleich mit der zuver­läs­si­gen Aus­gangs­quel­le ent­behr­lich sein, weil bei einer Ent­nah­me der Fax­num­mer aus einem Schrei­ben des Beru­fungs­ge­richts das beson­ders hohe Ver­wechs­lungs­ri­si­ko, das bei der Aus­wahl aus elek­tro­ni­schen oder buch­mä­ßig erfass­ten Datei­en bestehe, erheb­lich ver­rin­gert sei [3]. Dem­ge­gen­über hal­ten jeden­falls der V. und der IX. Zivil­se­nat auch in sol­chen Kon­stel­la­tio­nen an den all­ge­mei­nen Grund­sät­zen fest [4].
Ein Rechts­an­walt muss eine Aus­gangs­kon­trol­le schaf­fen, durch die zuver­läs­sig gewähr­leis­tet wird, dass fris­t­wah­ren­de Schrift­sät­ze recht­zei­tig an den rich­ti­gen Adres­sa­ten her­aus­ge­hen. Das setzt in allen Fäl­len den Abgleich mit einer zuver­läs­si­gen Quel­le vor­aus, weil nur so Ermitt­lungs- und Ein­ga­be­feh­lern wirk­sam begeg­net wer­den kann. Den danach gebo­te­nen Orga­ni­sa­ti­ons­an­for­de­run­gen genügt ein Abgleich des Sen­de­be­richts nur mit der Fax­num­mer, die ein Kanz­lei­mit­ar­bei­ter aus der Akte auf den zu ver­sen­den­den Schrift­satz über­tra­gen hat, nicht. Denn eine sol­che Hand­ha­bung führt in nicht akzep­ta­bler Wei­se dazu, dass – durch nur gering­fü­gi­gen Mehr­auf­wand ver­meid­ba­re – Über­tra­gungs­feh­ler unent­deckt blei­ben [5] und damit die Gefahr ent­steht, dass – wie schon die wie­der­hol­te Beschäf­ti­gung des Bun­des­ge­richts­hofs mit die­ser Fra­ge belegt – eine in der Pra­xis rela­tiv häu­fig auf­tre­ten­de Feh­ler­quel­le nicht beherrscht wird. Gemes­sen an der Bedeu­tung frist­ge­mä­ßer Ver­fah­rens­ab­läu­fe und dem gerin­gen Mehr­auf­wand des Abgleichs, der bei der Ermitt­lung der Fax­num­mer aus ande­ren Quel­len ohne­hin besteht, kann auch von einer Über­span­nung der Anfor­de­run­gen, die an die Kanz­lei­or­ga­ni­sa­ti­on eines Rechts­an­walts zu stel­len sind, kei­ne Rede sein. Der VI. Zivil­se­nat des Bun­des­ge­richts­hofs hat auf Anfra­ge mit­ge­teilt, dass an der mil­de­ren Auf­fas­sung nicht wei­ter fest­ge­hal­ten wird [6].
Die nur „tat­säch­lich und grund­sätz­lich“ bestehen­de Hand­ha­bung einer Nach­kon­trol­le bleibt hin­ter den Anfor­de­run­gen zurück, die an eine ord­nungs­ge­mä­ße Kanz­lei­or­ga­ni­sa­ti­on zu stel­len sind. Gebo­ten sind kla­re orga­ni­sa­to­ri­sche Anwei­sun­gen des Rechts­an­walts, deren Ver­bind­lich­keit für die Kanz­lei­mit­ar­bei­ter außer Fra­ge steht, weil nur so die Wich­tig­keit der ein­zu­hal­ten­den Schrit­te in der gebo­te­nen Deut­lich­keit her­vor­ge­ho­ben wird.
Ein Orga­ni­sa­ti­ons­ver­schul­den lässt sich nicht mit Blick auf die bis­lang unein­heit­li­che Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs ver­nei­nen. Bereits mit Beschluss vom 14. Okto­ber 2010 [7] hat jeden­falls der IX. Zivil­se­nat mit aller Deut­lich­keit dar­auf hin­ge­wie­sen, dass ein Pro­zess­be­voll­mäch­tig­ter künf­tig nur dann dem Gebot des sichers­ten Weges genügt, wenn er sich zumin­dest bis zu einer höchst­rich­ter­li­chen Klä­rung an der stren­ge­ren Auf­fas­sung aus­rich­tet.
Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 24. Okto­ber 2013 – V ZB 155/​12
vgl. nur BGH, Beschluss vom 07.11.2012 IV ZB 20/​12, NJW-RR 2013, 305, 306 Rn. 9; Beschluss vom 27.03.2012 VI ZB 49/​11, NJW-RR 2012, 744, 745 Rn. 7; Beschluss vom 12.05.2010 IV ZB 18/​08, NJW 2010, 2811, 2812 Rn. 11; Beschluss vom 04.02.2010 I ZB 3/​09, VersR 2011, 1543, 1544 Rn. 14[↩]
BGH, Beschluss vom 12.05.2010 IV ZB 18/​08, aaO, Rn. 14; Beschluss vom 04.02.2010 I ZB 3/​09, aaO, Rn. 18; wohl auch Beschluss vom 27.03.2012 VI ZB 49/​11, aaO[↩]
BGH, Beschlüs­se vom 13.02.2007 – VI ZB 70/​06, NJW 2007, 1690, 1691 Rn. 11; und vom 22.06.2004 VI ZB 14/​04, NJW 2004, 3491[↩]
BGH, Beschluss vom 30.09.2010 – V ZB 173/​10, inso­weit in MDR 2010, 1483 nicht abge­druckt; BGH, Beschluss vom 14.10.2010 – IX ZB 34/​10, NJW 2011, 312, 313 Rn. 8 ff.; vgl. auch BGH, Beschluss vom 10.05.2006 – XII ZB 267/​04, NJW 2006, 2412, 2413; ohne Stel­lung­nah­me zu der Kon­tro­ver­se BGH, Beschluss vom 23.05.2012 – VII ZB 58/​10[↩]
BGH, Beschluss vom 30.09.2010 – V ZB 173/​10[↩]
vgl. nun­mehr auch BGH, Beschluss vom 10.09.2013 – VI ZB 61/​12[↩]
BGH, Beschluss vom 14.10.2010 – IX ZB 34/​10, NJW 2011, 312, 314 Rn. 12[↩]
BerufungsfristFaxFristenkontrolleKanzleiorganisationWiedereinsetzung