Source: https://steuerrecht-anwalt.berlin/teileinkuenfteverfahren-im-steuerrecht/
Timestamp: 2020-04-09 11:44:30
Document Index: 246334535

Matched Legal Cases: ['§ 20', '§ 32', '§ 3', '§ 2', '§ 32', '§ 20', '§ 20', '§ 8', '§ 3']

Teileinkünfteverfahren im Steuerrecht? - Anwaltskanzlei Wudtke Berlin
Teileinkünfteverfahren im Steuerrecht?
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Die steuerliche Behandlung von Einnahmen aus der Beteiligung an einer Kapitalgesellschaft hat in Deutschland bis heute zahlreiche Veränderung durchlaufen. So galt zunächst das Anrechnungsverfahren, dann das Halbeinkünfteverfahren und ab 01.01.2009 gelten die Abgeltungssteuer und das Teileinkünfteverfahren. Die Einkommensteuer (Abgeltungssteuer) für Einkünfte aus Kapitalvermögen, die nicht unter § 20 Absatz 8 EStG fallen, beträgt 25 Prozent gemäß § 32 d Absatz 1 Satz 1 EStG. Die Steuer beim Teileinkünfteverfahren ergibt sich aus § 3 Nr.40 Satz 1a EStG. Danach unterliegen 60 % der Einkünfte der Besteuerung und 40 % sind steuerfrei. Die Inanspruchnahme des Teileinkünfteverfahrens verlangt jedoch eine besondere Beteiligung.
Was heißt besondere Beteiligung?
Bis 31.12.2008 konnten alle natürlichen Personen als Anteilseigner an einer Kapitalgesellschaft ihre Verluste aus der Beteiligung mit positiven Einkünften aus den anderen Einkunftsarten des § 2 EStG verrechnen. Diese Praxis hat mit Einführung der Abgeltungssteuer grundsätzlich ein Ende gefunden. Seit dem können nur noch natürliche Personen mit einer besonderen Beteiligung diese Möglichkeit in Anspruch nehmen. Gemäß § 32 d Absatz 2 Nr.3 EStG gilt die Abgeltungssteuer nicht für denjenigen, der einen Antrag beim Finanzamt stellt und unmittelbar oder mittelbar zu mindestens 25 % an der Kapitalgesellschaft beteiligt ist oder zu mindestens 1 % an der Kapitalgesellschaft beteiligt ist und zudem für diese beruflich tätig ist. In diesem Fall gilt also nicht die Abgeltungssteuer, sondern das Teileinkünfteverfahren. Dies führt zum einen dazu, dass Verluste aus Kapitalvermögen entgegen § 20 Absatz 6 EStG doch mit Einkünften aus anderen Einkunftsarten ausgeglichen werden dürfen und führt zum anderen dazu, dass Werbungskosten entgegen § 20 Absatz 9 EStG nicht nur mit dem Sparer-Pauschbetrag geltend gemacht werden können, sondern mit 60 % der tatsächlichen Kosten. Der Antrag kann jedoch nicht jedes Jahr erneut gestellt werden, sondern unterliegt strengen Voraussetzungen.
Für juristische Personen, also für Körperschaften des privaten oder öffentlichen Rechts, gilt nicht das Teileinkünfteverfahren und auch nicht die Abgeltungssteuer, sondern § 8 b KStG. Danach bleiben bei der Ermittlung des Einkommens Bezüge und Veräußerungsgewinne grundsätzlich außer Ansatz, sog. Beteiligungsprivileg. Absatz 3 und 5 der Vorschrift machen jedoch noch eine Einschränkung. Von den Bezügen, die bei der Ermittlung des Einkommens außer Acht bleiben, gelten 5 % als Ausgaben, die nicht als Betriebsausgaben abgezogen werden dürfen. Dies gilt auch bzgl. eines Veräußerungsgewinns. In beiden Fällen ist auch § 3 c Absatz 1 EStG nicht anwendbar. Daneben sind Gewinnminderungen, die im Zusammenhang mit dem Veräußerungsanteil entstehen, bei der Ermittlung des Einkommens nicht zu berücksichtigen.