Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Text=XI%20ZR%20288/96
Timestamp: 2019-04-23 21:10:46
Document Index: 37807941

Matched Legal Cases: ['BGH', '§ 9', '§ 1093', '§ 1210', '§ 767', 'BGH', '§ 9', 'BGH', '§ 3', '§ 1204', '§ 93', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 1191', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH']

BGH, 24.06.1997 - XI ZR 288/96 - dejure.org
Formularmäßige Erstreckung des Sicherungszwecks einer Grundschuld auf zukünftige Forderungen (Abgrenzung zur "Anlaß"-Rechtsprechung bei Bürgschaften)
Vollstreckung aus einer notariellen Grundschuldbestellungsurkunde wegen Kontokorrentforderungen - Wirksamkeit einer formularmäßigen Sicherungszweckerklärung - Formularmäßige Ausdehnung der dinglichen Haftung des Sicherungsgebers auf alle bestehenden und künftigen Verbindlichkeiten eines Dritten - Hinweis auf die Erweiterung der dinglichen Haftung
Wirksamkeit der formularmäßigen Grundschulderstreckung auf künftige Forderungen gegen nicht mit dem Sicherungsgeber identischen Kreditschuldner bei individueller Aufklärung
Unangemessene Zweckerklärung
Kreditwesen; Erstreckung des Sicherungszwecks einer Grundschuld auf alle künftigen Forderungen
WEITE SICHERUNGSZWECKERKLÄRUNG BEI DRITTGRUNDSCHULD VERSTÖßT NICHT GEGEN § 9 AGBG
NJW 1997, 2677
NJW-RR 1998, 631 (Ls.)
ZIP 1997, 1538
MDR 1997, 960
DNotZ 1998, 578
WM 1997, 1615
BB 1997, 1810
DB 1997, 1867
Denn dies würde zu einer sachenrechtlich unzulässigen Mischform mit dem Recht aus § 1093 BGB führen (vgl. OLG Düsseldorf MittBayNot 1997, 358; DNotI-Report 2002, 91).
Dabei kann hier offenbleiben, ob diese Klausel mit Rücksicht auf § 1210 Abs. 1 Satz 2 BGB ebenso wie entsprechende Klauseln in Bürgschaftsverträgen (vgl. § 767 Abs. 1 Satz 3 BGB; BGHZ 130, 19, 31 ff.; 143, 95, 96 f. m.w.N.) gegen § 9 AGBG a.F. verstieß (anders zum Pfandrecht BGH, Beschl. v. 4. Oktober 2001 - IX ZR 174/99, WM 2002, 919) oder jedenfalls gemäß § 3 AGBG a.F. nicht wirksam vereinbart wurde (…vgl. dazu Soergel/Habersack, BGB 13. Aufl. § 1204 Rdn. 22; Merkel in Schimansky u.a. aaO, § 93 Rdn. 209 sowie BGH, Urt. v. 24. Juni 1997 - XI ZR 280/96, ZIP 1997, 1538 m.w.N. zur Grundschuld) und der Sicherungszweck sich schon deshalb auf den ursprünglichen "Anlaßkredit" beschränkte (vgl. BGHZ 131, 55, 60; 137, 153, 156 f.; 142, 213, 219 f.; 143, 95, 97).
Eine Überraschung ist dagegen dann nicht gegeben, wenn der Sicherungsgeber auf die Erweiterung des Sicherungszwecks individuell und eindeutig hingewiesen wurde (vgl. BGH, NJW 1987, 946; WM 1995, 1663; WM 1997, 1615;… MünchKomm(BGB)-Eickmann, aaO., § 1191 BGB, Rdnr. 33).
Einen solchen individuellen Hinweis auf die unerwartete Regelung, der zur Beseitigung des Überraschungsmoments geeignet gewesen wäre (vgl. BGHZ 131, 55, 59; WM 1997, 1615 unter II.1) und für dessen Erteilung die Klägerin die Beweislast trägt (vgl. BGHZ 109, 197, 203; WM 1992, 563 unter III), hat der Beklagte nicht erhalten.
In anderem Zusammenhang wurde von ihm allerdings ausgesprochen, dass das Schutzbedürfnis desjenigen, der eine Grundschuld bestellt oder Vermögenswerte verpfändet, geringer ist als das eines Bürgen, weil der dingliche Sicherungsgeber regelmäßig nur einen Bruchteil seines gegenwärtigen Vermögens einsetzt und - vor allem - weil er niemals sein künftiges Vermögen verlieren kann (vgl. BGH, Urt. v. 24.06.1997 - XI ZR 288/96, WM 1997, 1615 = NJW 1997, 2677; Beschl. v. 04.10.2001 -IX ZR 174/99, WM 2002, 919 = WuB I F 2 Pfandrechte 2.03).
Selbst wenn gegen den formularmäßig weiten Sicherungszweck in Ziffer 2. der Verpfändungserklärung vom 19.8.1998 (K 1; Bl. 6 Bd. I d.A.) Bedenken bestünden (vgl. aber BGH WM 2002, 919 [Rn. 2 in juris] unter Verweis auf BGH ZIP 1997, 1538 [BGH 24.06.1997 - XI ZR 288/96] ), wären doch jedenfalls die Anlasskredite bindend besichert gewesen (…vgl. zur Bürgschaft BGH NJW 1999, 3708 [BGH 30.09.1999 - IX ZR 287/98] m.w.N. [Rn. 10 in juris]).