Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Text=BVerfGE%2022,%20330
Timestamp: 2020-04-01 09:37:16
Document Index: 338357652

Matched Legal Cases: ['§ 9', 'Art. 3', 'Art. 3', 'Art. 3', 'Art. 80', 'Art. 80', 'Art. 80', 'Art. 80', 'Art. 80']

BVerfG, 15.11.1967 - 2 BvL 7/64, 2 BvL 20/64, 2 BvL 22/64 - dejure.org
BVerfG, 15.11.1967 - 2 BvL 7/64, 2 BvL 20/64, 2 BvL 22/64
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BVerfG, 15.11.1967 - 2 BvL 7/64, 2 BvL 20/64, 2 BvL 22/64 (https://dejure.org/1967,20)
BVerfG, Entscheidung vom 15.11.1967 - 2 BvL 7/64, 2 BvL 20/64, 2 BvL 22/64 (https://dejure.org/1967,20)
BVerfG, Entscheidung vom 15. November 1967 - 2 BvL 7/64, 2 BvL 20/64, 2 BvL 22/64 (https://dejure.org/1967,20)
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VG Gelsenkirchen, 22.10.1963 - 3 K 3653/63
VG Düsseldorf, 19.06.1964 - 3 K 2109/63
VG Düsseldorf, 19.06.1964 - 3 K 31/64
BVerfGE 22, 330
DÖV 1968, 173
b) Eine Verweisung muß hinreichend bestimmt sein; der Rechtsstaatlichkeit und der Rechtssicherheit wegen muß sie den Bürger klar erkennen lassen, welche Vorschriften im einzelnen maßgebend sein sollen (BVerfGE 5, 25 [31]; 22, 330 [346]).
Die Vorschriften über die Planfeststellung, auf die § 9 Abs. 1 verweist, kann der Bürger den Verkündungsblättern des Bundes und denen seines Landes entnehmen (vgl. BVerfGE 22, 330 [347]).
Dies kommt in Betracht, wenn die Betroffenen, bezogen auf den Zeitpunkt des (rückwirkenden) Inkrafttretens des Gesetzes, mit der Regelung rechnen mussten oder wenn das geltende Recht so unklar und verworren ist, dass die Betroffenen bei ihren Dispositionen darauf nicht vertrauen konnten (vgl. BVerfG, Urteil vom 19. Dezember 1961 - 2 BvL 6/59 - BVerfGE 13, 261 ;… Beschlüsse vom 25. Mai 1993 a.a.O. S. 404, vom 8. April 1998 - 1 BvR 1680/93 u.a. - BVerfGE 98, 17 …und vom 21. Juli 2010 a.a.O. Rn. 75 m.w.N.); ferner können sich die Betroffenen nicht immer auf den durch eine ungültige Norm erzeugten Rechtsschein verlassen, weshalb der Gesetzgeber unter Umständen eine nichtige Bestimmung rückwirkend durch eine rechtlich nicht zu beanstandende Norm ersetzen kann (vgl. BVerfG, Beschluss vom 15. November 1967 - 2 BvL 7/64 u.a. - BVerfGE 22, 330 ).
vgl. BVerfG, Urteil vom 15. November 1967 - 2 BvL 7/64 u.a. -, BVerfGE 22, 330; SaarlVerfGH, Urteil vom 17. Dezember 1996 - Lv 3/95 -, NVwZ-RR 1997, 449; Sendler, a.a.O.
vgl. hierzu BVerfG, Urteil vom 15. November 1967 - 2 BvL 7/64 u.a. -, a.a.O.; ferner Külpmann, Änderungen von Rechtsverordnungen durch den Gesetzgeber, NJW 2002, 3436 (3437 f.) m.w.N. zum Streitstand; zur Frage der Vorlagepflicht - bejahend - auch VG Gelsenkirchen, Aussetzungs- und Vorlagebeschluss vom 28. Juni 2002 - 3 K 1122/99 -, S. 23 ff. des amtl.
Dem steht auch nicht entgegen, dass das Bundesverfassungsgericht in einer anderen Entscheidung, Urteil vom 15. November 1967 - 2 BvL 7/64 u.a. -, a.a.O.
Nachdem das Bundesverfassungsgericht durch den Beschluß vom 15. November 1967 (BVerfGE 22, 330) entschieden hat, daß Art. 3 Abs. 2 Satz 1 des 3. MuFGÄndG mit dem Grundgesetz vereinbar war, ist in Verwaltungsstreitverfahren wegen des restlichen Ersparnisbetrages, der vom 1. Juli 1957 bis 30. September 1963 an die Ausgleichskasse abzuführen war, die Übereinstimmung der Regelungen der VO M Nr. 2/57 mit dem Grundgesetz nicht mehr zu überprüfen.
Da die bundesrechtliche Vorschrift mit Wirkung vom 1. Juli 1957 erlassen wurde und mit dem Grundgesetz vereinbar war (BVerfGE 22, 330), verstieß die Landesverordnung dadurch, daß sie mit Wirkung von demselben Tage in Kraft gesetzt wurde, ebenfalls nicht gegen das Grundgesetz.
Richtig ist allerdings, daß der Ersparnisbetrag nicht auf Grund der VO M Nr. 2/57 erhoben werden durfte, da diese Rechtsverordnung unwirksam war (BVerfGE 22, 330 [343]).
Hierdurch wurden die Regelungen der - bislang unwirksamen - VO M Nr. 2/57 in Gesetzesrang erhoben und in diesem Range mit Wirkung vom 1. Juli 1957 in Kraft gesetzt (BVerfGE 22, 330 [346]).
Nach dem Beschluß des Bundesverfassungsgerichts vom 15. November 1967 (BVerfGE 22, 330) war Art. 3 Abs. 2 Satz 1 des 3. MuFGÄndG mit dem Grundgesetz vereinbar.
Durch Art. 3 Abs. 2 Sitz 1 des 3. MuFGÄndG wurde somit nicht nur der Zeitpunkt des Inkrafttretens bestimmt, sondern auch - und dies insbesondere - die Errechnung, Auszahlung, Abführung und Verteilung des Ersparnisbetrages derjenigen Betriebe geregelt, die durch das Sechste Gesetz zur Änderung des Umsatzsteuergesetzes vom 8. März 1956 (BGBl. I S. 103) - 6. UStÄndG - von der Umsatzsteuer befreit worden waren (vgl. BVerfGE 22, 330 [332 ff.]).
Dazu hat aber bereits das Bundesverfassungsgericht (BVerfGE 22, 330 [347 f.]) festgestellt:.
Deswegen wird zum Teil auch angenommen, eine vom Gesetzgeber erlassene Norm sei stets Gesetz im formellen Sinne (BVerfG, Beschluss vom 15. November 1967 - 2 BvL 22/64 - BVerfGE 22, 330 ;… Brenner, in: von Mangoldt/Klein/Starck, GG, 6. Aufl. 2010, Art. 80 Abs. 1 Rn. 26;… Haratsch, in: Sodan, GG, 3. Aufl. 2015, Art. 80 Rn. 5 ff.;… Remmert, in: Maunz/Dürig, Stand Januar 2017, Art. 80 Rn. 88 ff.;… Sannwald, in: Schmidt-Bleibtreu/Hofmann/Henneke, GG, 13. Aufl. 2014, Art. 80 Rn. 13;… Uhle, in: Epping/Hillgruber, GG, 2. Aufl. 2013, Art. 80 Rn. 50 ff.).
Der "durch das Rechtsstaatsprinzip im Interesse der Rechtssicherheit gewährleistete Vertrauensschutz kommt ... vor allem dort nicht in Frage, wo es kein Vertrauen geben kann oder wo es sachlich nicht schutzwürdig wäre." Das Vertrauen ist dann nicht schutzwürdig, wenn der Bürger in dem Zeitpunkt, auf den der Eintritt der Rechtsfolge vom Gesetz zurückbezogen wird, mit dieser Regelung rechnen mußte (BVerfGE 22, 330 ).
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