Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Gericht=OVG%20Hamburg&Datum=24.08.1994&Aktenzeichen=Bs%20III%20326/93
Timestamp: 2019-06-24 22:42:33
Document Index: 11575867

Matched Legal Cases: ['Art. 2', '§ 1004', '§ 14', 'Art. 4', '§ 43', '§ 1004', 'Art. 20', '§ 1004', 'Art. 137', 'Art. 4', 'Art. 137', 'Art. 4', 'Art. 4', 'Art. 140', 'Art. 137']

OVG Hamburg, 24.08.1994 - Bs III 326/93 - dejure.org
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OVG Hamburg, 24.08.1994 - Bs III 326/93 (https://dejure.org/1994,1786)
OVG Hamburg, Entscheidung vom 24.08.1994 - Bs III 326/93 (https://dejure.org/1994,1786)
OVG Hamburg, Entscheidung vom 24. August 1994 - Bs III 326/93 (https://dejure.org/1994,1786)
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GG Art. 2 I, II, 5 I; BGB § 1004
Kompetenz; Landesregierung; Warnung vor Weltanschauungsgemeinschaften; Öffentlich-rechtlicher Beseitigungsanspruch; Grundrechte; Sekte; Wirtschaftliche Betätigung; Scientology-Kirche
Speziell mit der "Scientology Kirche Hamburg e.V." haben sich ferner befaßt: BVerwG (Beschluß - 1 B 205.93 - 16.1.1995, NVwZ 1995, 473 [Vorinstanz: OVG Hamburg, DVBl 1994, 413 = NVwZ 1994, 192]) - Pflicht zur Gewerbeanmeldung gem. § 14 GewO; OVG Hamburg (Beschluß - Bs III 326/93 - 24.8.1994, NVwZ 1995, 498) - Schutz aus Art. 4 GG/einstw. Rechtsschutz gegenüber Äußerungen in der von offiziellen Stellen verteilten Schrift "Scientology - Irrgarten der Illusionen"; VG Hamburg (Urteil - 12 VG 3068/94 - 8.11.1995, NJW 1996, 3363) - Entziehung der Rechtsfähigkeit als eingetragener Verein gem. § 43 Abs. 2 BGB.
Denn diese Presseerklärung ist ausweislich des E-Mail-Verteilers von der Umweltdezernentin der Antragsgegnerin in amtlicher Eigenschaft abgegeben worden (vgl. BVerwG, Urteil vom 14.04.1988 - 3 C 65.85 -, NJW 1989, 412; Hamburg. OVG, Beschluss vom 24.08.1994 - Bs III 326/93 -, NVwZ 1995, 498; VG Arnsberg, Beschluss vom 16.09.2008 - 12 L 597/08 -).
Anspruchsgrundlage ist mithin mangels spezieller öffentlich-rechtlicher Bestimmungen § 1004 Abs. 1 Satz 2 BGB in analoger Anwendung (vgl. VGH Baden-Württemberg, Urteil vom 17.05.1979 - X 639/78 - Hamburg. OVG, Beschluss vom 24.08.1994 - Bs III 326/93 -, NVwZ 1995, 498; VG Stuttgart, Beschluss vom 17.05.2002 - 1 K 1418/02 -).
Das öffentliche Recht gewährt Abwehransprüche und Beseitigungsansprüche, die in dem jeweils angegriffenen Rechtsgut und seinem öffentlich-rechtlichen Schutz ihre Grundlage finden (vgl. BVerwG, Urteil vom 21.09.1984, NJW 1985, 1481; Hamburg. OVG, Beschluss vom 24.08.1994 - Bs III 326/93 -, NVwZ 1995, 498).
Das ist nicht nur ein Ziel individuellen Rechtsschutzes, sondern eine für die öffentliche Hand bestehende objektive Verpflichtung, wie etwa Art. 20 Abs. 3 GG verdeutlicht (vgl. Hamburg. OVG, Beschluss vom 24.08.1994 - Bs III 326/93 -, NVwZ 1995, 498, unter Hinweis auf BVerwG, Urteil vom 26.08.1993 - 4 C 24.91 -, BVerwGE 94, 100; Urteil vom 21.09.1984 - 4 C 51.80 -, NJW 1985, 1481).
(OVG Hamburg, U. v. 06.07.1993, Bf - VI 12/91 -, Umdr. S. 38 = NVwZ 94, 192 ff.; OVG Hamburg, B. v. 24.08.1994, NVwZ 95, 498; Nds. OVG, U. v. 13.11.1995 - 12 L 2241/93 -, Umdr. S. 12; OVG NW, B. v. 31.05.1996 - 5 B 993/95 -, Umdr. S. 5; VGH BW, U. v. 02.08.1995 - GewA 96, 200 (203)).
Diese wird von etlichen Religionswissenschaftlern als Religion qualifiziert (s. die im Tatbestand aufgelisteten Gutachten, weitere Nachweise in OVG Hamburg, B. v. 24.08.1994, NVwZ 95, 498 (500)).
Es wird ergänzt durch die bei Scientology-Organisationen üblichen Provisionen für Außendienstmitarbeiter, die Scientology-Leistungen "verkaufen" (…s.dazu BAG, B. v. 22.03.1995, a.a.O., Umdr. S. 37 m. Abdruck der entsprechenden Hubbard-Anweisung; s. ferner OVG Hamburg, B. v. 24.08.1994, OVG Bb. III 326/93, Umdr. S. 9 u. 19, insoweit nicht vollständig in NVwZ 95, 498).
Für solche Fälle, in denen ein Grundrechtsträger bei der Wahrnehmung seines Grundrechts in rechtswidriger Weise durch die öffentliche Hand "gestört" oder behindert wird, gibt es einen öffentlich-rechtlichen Beseitigungs- und Unterlassungsanspruch, der an den zivilrechtlichen Beseitigungs- und Unterlassungsanspruch gegen Eigentumsstörungen etc. gemäß § 1004 BGB angelehnt wird (vgl. OVG Hamburg, Beschl. v. 4.8.1994, NVwZ 1995, 498, juris Rn. 32 ff.).
b) Unabhängig davon sind die diesbezüglichen Behauptungen, mit denen letztlich geltend gemacht wird, die Scientology-Lehre werde von der Organisation nur als Vorwand für eine ausschließlich wirtschaftliche Zielsetzung benutzt, nicht zur Überzeugung des Senats erwiesen (zum Meinungsstand vgl. zum einen BAG, Beschluss vom 22.3.1995, NJW 1996, 143, 147 ff.; OLG Düsseldorf, Beschluss vom 12.8.1983, NJW 1983, 2574, 2575 f.; Dostmann, DÖV 1999, 993, 997; Schmidt, NJW 1988, 2574, 2577; Schatzschneider, BayVBl. 1985, 321, 322; zum anderen OVG Hamburg, Beschluss vom 24.8.1994, NVwZ 1995, 498 ff., 500; VG Berlin, Urteil vom 12.10.1988, NJW 1989, 2559 f.; LG Hamburg, Beschluss vom 17.2.1988, NJW 1988, 2617 f.; Guber, NVwZ 1990, 40, 41 f.; Kopp, NJW 1989, 2497, 2502).
Wenn es sich bei dem Kl. um eine Religions- oder Weltanschauungsgemeinschaft handeln sollte (verneinend BAG, Beschl. v. 22.3.1995 - 5 AZB 21/94, bejahend OVG Hamburg, NVwZ 1995, 498), was der Senat bei der Entscheidung dieses Rechtsstreits unterstellt (und damit als nicht entscheidungserheblich offenläßt), steht dem Kl. darüber hinaus der Schutz der An. 4 und An. 140 GG i.V. mit Art. 137 WRV zu, auch wenn er sich wirtschaftlich betätigt (solange er nicht ausschließlich wirtschaftliche Interessen verfolgt, die mit ideellen Zielen nur verbrämt werden (BVerwGE 90, 112 [116, 118] = NJW 1992, 2496 = NVwZ 1992, 1186 L).
Nicht entscheidungserheblich ist auch die Frage, ob es sich bei der Scientology Kirche Deutschland e.V. bzw. der Scientology Kirche Bayern e.V. um Religions- und Weltanschauungsgemeinschaften i. S. der Art. 4, 140 GG i.V.m. Art. 137 WRV handelt (verneinend etwa BAG vom 22.3.1995 NJW 1996, 143; bejahend etwa OVG Hamburg vom 24.8.1994 NVwZ 1995, 498: offengelassen etwa BVerwG vom 15.12.2005 NJW 2006, 1303; BayVGH vom 2.11.2005 Az. 4 B 99.2582;… OVG Münster vom 12.2.2008 a.a.O.).
Dabei berücksichtigt der Senat, daß es im Hinblick auf die höchstrichterliche Rechtsprechung (vgl BAG, Beschl v 22.03.1995 - 5 AZB 21/94 -, NJW 1996, 143; aA zB Hamburg. OVG, Beschl v 24.08.1994 - Bs III 326/93 -, NVwZ 1995, 498) sehr zweifelhaft ist, ob der Antragsteller überhaupt eine Religionsgemeinschaft oder Weltanschauungsgemeinschaft ist.
Damit kann die Zulassung der Revision nicht erreicht werden; denn selbst wenn der Kläger eine Religions- oder Weltanschauungsgemeinschaft im Sinne von Art. 4 Abs. 1 GG wäre - was das Berufungsgericht unter Hinweis auf unterschiedliche Rechtsprechung (verneinend: Beschluß des Bundesarbeitsgerichts vom 22. März 1995, NJW 1996, 143; bejahend: OVG Hamburg NVwZ 1995, 498) ausdrücklich offengelassen hat -, läßt sich die gestellte Frage aufgrund der bisherigen Rechtsprechung ohne weiteres Revisionsverfahren beantworten:.
Wenn es sich bei dem Kl. um eine Religions- oder Weltanschauungsgemeinschaft handeln sollte (verneinend BAG Beschl. v. 22.3.1995 - 5 AZB 21/94, bejahend OVG Hamburg NVwZ 1995, 498), was der Senat bei der Entscheidung dieses Rechtsstreits unterstellt (und damit offenläßt), steht dem Kl. darüber hinaus der Schutz des Art. 4 und des Art. 140 GG i.V. mit Art. 137 WRV zu, auch wenn er sich wirtschaftlich betätigt, solange er nicht ausschließlich wirtschaftliche Interessen verfolgt, die mit ideellen Zielen nur verbrämt werden, (BVerwGE 90, 112 [116, 118] = NJW 1992, 2496 = NVwZ 1992, 1186 L).