Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Text=BGHZ%2098,%20135
Timestamp: 2019-04-20 19:42:27
Document Index: 4454804

Matched Legal Cases: ['BGH', '§ 827', '§ 823', '§ 823', '§ 827', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 827', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 827', 'BGH', '§ 827', 'BGH', 'BGH']

BGH, 01.07.1986 - VI ZR 294/85 - dejure.org
Bewußtloser Autofahrer
§ 827 BGB, Beweislast, Verhältnis zum Handlungsbegriff des § 823 BGB;
Handlungsbegriff im Deliktsrecht, Beweislast für das Nichtvorliegen einer Handlung wg. Bewußtlosigkeit ("Herzinfarkt am Steuer")
Deliktshaftung - Bewußlosigkeit - Beweislast
Haftpflichtrecht: Vermeidbarkeit und Vorhersehbarkeit
Zur Beweislage hinsichtlich der Bewußtlosigkeit des Schädigers
BGB § 823 Abs. 1, § 827 S. 1
NJW 1987, 121
NJW-RR 1987, 89 (Ls.)
MDR 1986, 1013
VersR 1986, 1241
Folgerichtig wurde der Haftpflichtversicherung die Darlegungs- und Beweislast dafür auferlegt, dass ihr Versicherungsnehmer im Zeitpunkt der Schädigung bewusstlos war (BGHZ 98, 135).
Einer der Ausnahmefälle, in denen der Verletzungsvorgang unter physischem Zwang oder als unwillkürlicher Reflex durch fremde Einwirkung ausgelöst worden sein soll (vgl. hierzu BGHZ 98, 135, 137), liegt hier nicht vor.
Kann sich der Tatrichter, wie hier der Senat, nicht davon überzeugen, dass ein selbsttätiges Handeln des angeblichen Schädigers, hier des Beklagten zu 1), vorgelegen hat, so muss dass zum Nachteil des Geschädigten, hier der Kläger, ausfallen, weil diese die Beweislast für das Vorhandensein der Voraussetzungen tragen, an die das Gesetz die von den Klägern geltend gemachte Rechtsfolge einer Schadenshaftung der Beklagten knüpft (vgl. auch BGHZ 39, 103 ff; BGHZ 98, 135 ff.).
26 Nach der Rechtsprechung hat in Fallgestaltungen, bei denen der Verletzungsvorgang - wie hier die o.g. Lenkbewegung des Beklagten zu 1) - nach seinem äußeren Erscheinungsbild unter physischem Zwang gegen den Verletzer oder als Reflex des Verletzers auf eine äußere Einwirkung ausgelöst wird, der Verletzte - hier der Kläger - den Nachweis für eine vom Willen getragene Handlung des "Schädigers" zu führen (vgl. BGH, Urteil v. 12. Februar 1963, VI ZR 70/62 - BGHZ 39, 103 Wurf nach einem Schlag in die Magengegend ; bekräftigt in BGH, Urteil v. 1. Juli 1986, VI ZR 294/85 - BGHZ 98, 135; ebenso OLG Naumburg, Urteil v. 27. Januar 2003, 1 U 101/02 - VersR 2004, 212 Kollision mit einem Reh ).
In Abgrenzung hierzu wird in Fällen, in denen eine der Willenslenkung unterliegende Handlung allein und ausschließlich aufgrund innerer Vorgänge fraglich erscheint, ein Entlastungsbeweis des Schädigers in entsprechender Anwendung des § 827 Satz 1 BGB verlangt (vgl. BGH, Urteil v. 1. Juli 1986, a.a.O. Bewusstlosigkeit ; BGH, Urteil v. 25. November 1987, IVa ZR 160/85 - BGHZ 102, 227 Unzurechnungsfähigkeit ).
Diese Rechtsprechung hat der BGH in dem Urteil BGHZ 98, 135 = NJW 1987, 121 f bestätigt, aber zugleich ausgeführt, anderes gelte für Fälle, in denen eine der Willenslenkung unterliegende Handlung des Schädigers aufgrund innerer Vorgänge fraglich erscheint.
(2) Nach § 827 BGB trifft den Täter die Beweislast dafür, dass er bei Begehung der Tat in einem Zustand war, der seine Schuldfähigkeit ausschloss (BGHZ 98, 135 = NJW 1987, 121;… Palandt/Sprau, BGB, 67. Aufl. 2008, § 827 RdNr. 3).
Eine Ausnahme von der Beweislast des Geschädigten hat der Bundesgerichtshof allerdings für den Fall der Bewusstlosigkeit gemacht ( vgl. BGH, Urteil vom 01.07.1986, Az. VI ZR 294/85 = BGHZ 98, 135 ff, Tz. 7 ff, zitiert nach juris).