Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Text=WM%201986,%206
Timestamp: 2020-03-29 03:38:54
Document Index: 145431407

Matched Legal Cases: ['BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 44', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 134', 'BGH', 'BGH']

BGH, 10.10.1985 - III ZR 92/84 - dejure.org
https://dejure.org/1985,4491
BGH, 10.10.1985 - III ZR 92/84 (https://dejure.org/1985,4491)
BGH, Entscheidung vom 10.10.1985 - III ZR 92/84 (https://dejure.org/1985,4491)
BGH, Entscheidung vom 10. Januar 1985 - III ZR 92/84 (https://dejure.org/1985,4491)
Tipp: Um den Kurzlink (hier: https://dejure.org/1985,4491) schnell in die Zwischenablage zu kopieren, können Sie die Tastenkombination Alt + R verwenden - auch ohne diesen Bereich zu öffnen.
Kreditfinanzierter Beitritt zu einer Abschreibungsgesellschaft - Im Reisegewerbe vermittelter Darlehensvertrag - Nichtigkeit wegen Verstoß gegen Gewerbeverordnung - Verlust des Anlagebetrages - Einwendungsdurchgriff - Wissensvorsprung der Bank
WM 1986, 6
In der Rechtsprechung ist anerkannt, dass die Bank (bzw. Bausparkasse) eine erweiterte Aufklärungspflicht trifft, wenn sie einen zu den allgemeinen wirtschaftlichen Risiken hinzutretenden besonderen Gefährdungstatbestand für den Kunden schafft oder dessen Entstehen begünstigt (…vgl. Siol a.a.O., § 44 Rn. 33/34; BGH WM 1986, 6, 7; BGH NJW-RR 1990, 876, 877; BGH, Urteil vom 24.03.1992 XI ZR 133/91, S. 5 ff.; BGH, NJW 1999, 2032, 2033; BGH, NJW 2001, 962, 963).
Dem Senat ist keine Entscheidung des Bundesgerichtshofs bekannt, in welcher das Sicherungsinteresse der Bank eine Rolle gespielt hätte bei der Frage, ob ein besonderer Gefährdungstatbestand gegeben ist (vgl. beispielsweise BGH, WM 1986, 6, 7; BGH, NJW-RR 1990, 876, 877; BGH, Urteil vom 24.03.1992, XI ZR 133/91, S. 5 ff.; BGH, NJW 1992, 2146 (2147); BGH, NJW 1999, 2032 (2033); BGH NJW 2001, 962, 963).
Wenn der Beklagte nur die Angaben in den Werbeunterlagen kannte, der Filialleiter der Klägerin aber genau wußte, daß diese Angaben falsch waren, liegt objektiv ein konkreter Wissensvorsprung über spezielle Risiken des zu finanzierenden Projekts vor, der nach der ständigen Rechtsprechung des erkennenden Senats die Bank zur Aufklärung und Warnung verpflichtete (vgl.Senatsurteil vom 10. Oktober 1985 - III ZR 92/84 = WM 1986, 6, 7/8).
Nach ständiger Rechtsprechung des erkennenden Senats ist es grundsätzlich allerdings nicht Aufgabe eines Kreditinstituts, den Darlehensnehmer über die Gefahren des zu finanzierenden Geschäfts aufzuklären; insbesondere bei einer Darlehensgewährung im Rahmen eines steuersparenden Bauherrenmodells fehlt in der Regel ein Aufklärungs- und Schutzbedürfnis, das die Pflicht der Bank begründen könnte, ihren Kunden vor den allgemeinen zivil- und steuerrechtlichen Risiken einer solchen Geldanlage zu warnen (…Senatsurteile vom 17. Januar 1985 a.a.O. und vom 10. Oktober 1985 - III ZR 92/84 = WM 1986, 6).
Etwas anderes kann sich allerdings im Einzelfall aus Treu und Glauben ergeben, wenn die Bank - für sie selbst erkennbar - einen konkreten Wissensvorsprung über die speziellen Risiken eines bestimmten Projekts hat oder gar einen besonderen Gefährdungstatbestand für den Anleger selbst schafft oder seine Entstehung begünstigt (vgl. Senatsurteile vom 25. April 1985 - III ZR 27/84 = ZIP 1985, 667 und vom 10. Oktober 1985 aaO).
(vgl. BGH, Urteil vom 13. November 1980 - III ZR 96/79;… Karlsruhe - a.a.O.; Urteil vom 10. Oktober 1985 - III ZR 92/84; Köln - WM 1986, S. 6;… Urteil vom 9. Oktober 1986 - III ZR 127/85, Stuttgart - a.a.O.;… Urteil vom 18. April 1988 - II ZR 251/87, Köln - WM 1988, S. 895;… Urteil vom 24. April 1990 - XI ZR 236/89, Köln - WM 1990, S. 921;… Urteil vom 7. April 1992 - XI ZR 200/91, KG - NJW 1992, S. 1820;… Urteil vom 28. April 1992 - XI ZR 165/91, München - ZIP 1992, S. 990;… Urteil vom 5. Mai 1992 - XI ZR 242/91, Koblenz - a.a.O.;… Urteil vom 21. Oktober 1997 - XI ZR 25/97, Hamm - NJW 1998, S. 305;… Urteil vom 19. Mai 2000 - V RZ 322/98, Köln - a.a.O.; OLG Stuttgart…, Urteil vom 7. Februar 1989 - 12 U 317/87 - WM 1989, S. 775;… Urteil vom 16 Juni 1999 - 9 U 6/99 - a.a.O.;… Urteil vom 12. Januar 2000 2 U 155/99 - a.a.O.; OLG Hamm…, Urteil vom 12. Januar 1998 - 31 U 168/97 - a.a.O.; OLG Braunschweig…, Urteil vom 13. Februar 1997 - 2 U 117/97 - a.a.O.; OLG Köln…, Urteil vom 27. Oktober 1993 - 13 U 91/93 - a.a.O.; OLG Karlsruhe…, Urteil vom 27. August 1998 - 9 U 25/98 - ZIP 1998, S. 1711; OLG Koblenz…, Urteil vom 7. Februar 2002, 5 U 662/00 - ZIP 2000, S. 702).
Das hat der Senat - nach Erlaß der angefochtenen Entscheidung - in mehreren Urteilen ausgeführt (BGHZ 93, 264; Urteile vom 17. Januar 1985 - III ZR 167/83 -, vom 25. April 1985 - III ZR 27/84 = ZIP 1985, 667, vom 10. Oktober 1985 - III ZR 92/84 = WM 1986, 6, vom 7. November 1985 - III ZR 128/84 = WM 1986, 8 und vom 20. Februar 1986 - III ZR 223/84 -).
Wie bereits Knauth (WM 1987, 517, 518) zutreffend festgestellt hat, zeigen jedoch die jüngsten Entscheidungen eine gewisse Veränderung der Spruchpraxis des BGH, der in bestimmten Fällen die zeitlich unbegrenzte Sanktion des § 134 BGB nicht mehr angewendet hat, weil der Darlehensnehmer entweder selbst über hinreichende wirtschaftliche Erfahrung verfügte oder doch die finanzielle Möglichkeit besaß, sich zu seinem Schutz der Hilfe von Fachberatern zu bedienen (BGH, WM 1986, 6, 7, 995; s. a. BGHZ 93, 264, 269 ff.).