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Timestamp: 2016-10-26 09:43:26
Document Index: 306135045

Matched Legal Cases: ['BGE', 'Art. 97', 'Art. 95', 'BGE', 'BGE', 'Art. 66', 'Art. 68']

A.a Der 1966 geborene Y.________ war als Schweisser der X.________ AG bei der Schweizerischen Unfallversicherungsanstalt (SUVA) gegen die Folgen von Unf�llen versichert, als er am 28. Juli 2006 mit seinem Auto in der T�rkei auf der Autobahn einen Selbstunfall verursachte. Er beklagte in der Folge unter anderem Beschwerden im Bereich der Halswirbels�ule. Die SUVA erbrachte Heilbehandlung und Taggeld. Mit Verf�gung vom 9. Oktober 2007 und Einspracheentscheid vom 11. M�rz 2008 stellte sie die Leistungen per 30. November 2007 ein, da die �ber dieses Datum hinaus anhaltend geklagten Beschwerden nicht ad�quat unfallkausal seien. Dies best�tigte das Verwaltungsgericht des Kantons Zug mit Entscheid vom 20. August 2009. Die Beschwerde des Versicherten hiess das Bundesgericht in dem Sinne gut, dass es diesen Entscheid und den Einspracheentscheid der SUVA aufhob und die Sache an diese zur�ckwies, damit sie, nach erfolgter Abkl�rung im Sinne der Erw�gungen, �ber den Leistungsanspruch neu verf�ge (Urteil 8C_817/2009 vom 26. M�rz 2010).
A.b Mit Verf�gung vom 12. August 2010 er�ffnete die SUVA dem Versicherten, es h�tten keine organischen Unfallfolgen im Sinne struktureller Verletzungen hinreichend nachgewiesen werden k�nnen. Im Vordergrund stehe eine psychische St�rung. Die ad�quate Unfallkausalit�t der gesundheitlichen Beschwerden sei zu verneinen. Die Versicherungsleistungen blieben per 30. November 2007 eingestellt. Die dagegen erhobene Einsprache wies sie mit Entscheid vom 8. Oktober 2010 ab.
Die hiegegen eingereichte Beschwerde wies das kantonale Gericht nach Durchf�hrung einer �ffentlichen Verhandlung vom 19. Juni 2012 ab (Entscheid vom 23. August 2012).
Die Vorinstanz hat die f�r die Beurteilung des Anspruchs massgebenden Rechtsgrundlagen richtig dargelegt. Darauf wird verwiesen.
Im R�ckweisungsurteil 8C_817/2009 verneinte das Bundesgericht organisch hinreichend nachweisbare Befunde f�r die �ber den 30. November 2007 hinaus anhaltend geklagten Beschwerden des Versicherten, weshalb die Ad�quanz des Kausalzusammenhangs zu pr�fen sei. Die Vorinstanz beurteilte diese nach der Rechsprechung f�r psychische Unfallfolgen (BGE 115 V 133). Dies ist unbestritten und nicht zu beanstanden.
Das Bundesgericht qualifizierte den Unfall vom 28. Juli 2006 als mittelschwer im Grenzbereich zu den schweren Unf�llen und f�hrte aus, somit gen�ge die Erf�llung eines Ad�quanzkriteriums f�r die Bejahung der ad�quaten Unfallkausalit�t der Beschwerden.
4.1 Streitig und zu pr�fen ist einzig noch das Kriterium der besonders dramatischen Begleitumst�nde oder besonderen Eindr�cklichkeit des Unfalls. Hierzu legte das Bundesgericht im Urteil 8C_817/2009 dar, der Versicherte habe am 19. Oktober 2006 erstmals angegeben, seine 3�-j�hrige Tochter sei aus dem Auto geschleudert worden, habe in der Dunkelheit erst lange gesucht werden m�ssen und sei in der Folge mit einer schweren Oberschenkelverletzung mehrere Tage im Spital im Koma gelegen. Sollten diese Begleitumst�nde so stattgefunden haben, k�nnte das Kriterium der besonders dramatischen Begleitumst�nde oder besonderen Eindr�cklichkeit des Unfalls nicht verneint werden. Zwar sei in einem kurzen t�rkischen Arztbericht am 1. August 2006 angegeben worden, eine Tochter des Versicherten sei schwer verletzt und ins �rtliche Krankenhaus eingewiesen worden. Sollte sie jedoch tats�chlich lebensgef�hrlich verletzt worden sein und mehrere Tage im Koma gelegen haben, m�ssten Unterlagen des t�rkischen Spitals �ber deren Aufenthalt und Rechnungen f�r die Behandlung vorhanden sein. Spitalrechnungen der Tochter bef�nden sich nicht in den Akten. In der Schweiz m�ssten weitere Nachbehandlungen der Tochter stattgefunden haben und medizinische Unterlagen oder Arztberichte vorhanden sein, welche Hinweise �ber die Art der Verletzungen enthielten. Die Vorinstanz habe in diesem Zusammenhang zu Recht Zweifel an den Angaben des Versicherten ge�ussert. Diese Zweifel liessen sich allerdings mit weiteren Abkl�rungen ausr�umen. Sollten diese ergeben, dass sich die Umst�nde des Unfalls mit den Verletzungen der Tochter in etwa so zugetragen haben, wie sie der Versicherte schildere, w�re die Ad�quanz zu bejahen.
4.2 Zur Abkl�rung der Verh�ltnisse zog die SUVA die Akten betreffend die unfallbedingte �rztliche Behandlung der beiden Kinder des Versicherten - Tochter A.________ und Sohn E.________ - in der T�rkei und in der Schweiz bei. Beide fuhren im Unfallzeitpunkt im Auto des Versicherten mit.
Die Vorinstanz erwog im Wesentlichen, aufgrund der t�rkischen medizinischen Akten habe sich der Unfall vom 28. Juli 2006 nachts ereignet. Die beiden Kinder seien um 02.50 Uhr ins Spital in G.________ (T�rkei) eingeliefert worden. Dass sie aus dem Auto geschleudert worden seien, habe der Versicherte erstmals Anfang September 2006 einem SUVA-Mitarbeitenden erkl�rt. Diese Aussage untermauernde Beweismittel wie ein Polizeirapport, medizinische Akten oder Fotos der Unfallstelle l�gen nicht vor. Mithin stehe der Bericht des Krankenhauses in Z.________ (T�rkei), wohin die Tochter ca. um 03.57 Uhr verlegt worden sei, sogar im Widerspruch zur Aussage des Versicherten, wonach die Tochter im Fahrzeuginnenraum sitzend einen Verkehrsunfall erlitten habe. Auch sei es bei einem mit mehr als 120 km/h sich �berschlagenden Fahrzeug nicht ausgeschlossen, dass sich ein Fahrzeuginsasse - wie die Tochter des Versicherten - einen Oberschenkelbruch zuziehe. Zudem habe sie aufgrund der medizinischen Akten keine schweren Prellungen, H�matome oder Hautverletzungen erlitten, was beim behaupteten Herausschleudern aus dem fahrenden Auto doch sehr erstaune. Weiter habe der Versicherte angegeben, er habe seine Kinder im Dunkeln gesucht, wobei auch die Suchdauer nicht ganz klar ausgewiesen sei; anderseits habe er an der �ffentlichen Verhandlung ausgef�hrt, er sei zwar kurz nach dem Unfall bei Bewusstsein gewesen, jedoch dann in einem Spital an einer Infusion h�ngend aufgewacht. Alles in allem sei es h�chstens m�glich, nicht aber �berwiegend wahrscheinlich, dass die beiden Kinder aus dem Auto geschleudert worden seien und die Tochter w�hrend l�ngerer Zeit im Dunkeln habe gesucht werden m�ssen. Diese sei laut den medizinischen Akten direkt nach dem Unfall offenbar bewusstlos gewesen. Bei Einlieferung ins Krankenhaus in G.________ sei ihr eine Bewusstseinstr�bung attestiert worden. Im Krankenhaus in Z.________ sei sie bei Bewusstsein gewesen. Aus den Akten ergebe sich, dass sie nach dem Unfall viel geschlafen habe, sich durch Ansprechen nicht habe wecken lassen, gezielt auf Schmerzreize reagiert habe, zwischendurch wach gewesen sei und f�r kurze Zeit ihre Eltern erkannt habe. Ebenfalls geschlafen habe sie bei der Einlieferung ins Kinderspital W.________ am 31. Juli 2006. W�hrend der ersten Tage in diesem Spital habe sie an einer Amnesie f�r den Unfallzeitpunkt gelitten und Verhaltensauff�lligkeiten gezeigt, wie etwa ihre Mutter nicht erkannt oder nicht ad�quat auf Ansprache reagiert. Diese Vigilanzst�rung habe sich jedoch spontan gebessert und sei als psychogen nach Trauma qualifiziert worden. Hieraus ergebe sich, dass die Tochter nur kurz nach dem Unfall bewusstlos gewesen sei, jedoch nicht mehrere Tage im Koma - in einer Bewusstlosigkeit im Sinne tiefster, durch �ussere Reize nicht zu unterbrechender Bewusstseinsst�rung - gelegen habe. Bei Eintritt ins Kinderspital W.________ seien bei ihr eine Commotio cerebri und eine dislozierte Femurfraktur links diagnostiziert worden. Letztere sei keine schwere Oberschenkelverletzung. In der T�rkei sei der Oberschenkel nur mittels Gipsverband behandelt worden. Nach dem Transport sei die Tochter am 31. Juli 2006 im Kinderspital W.________ am Oberschenkel operiert worden, habe es aber bereits nach sieben Tagen wieder verlassen k�nnen. Lebensgefahr aufgrund der Oberschenkelverletzung habe nie bestanden. Aufgrund des guten Heilverlaufs habe sie sich nach wenigen Monaten wieder uneingeschr�nkt fortbewegen k�nnen. �ber schwere Verletzungen des Sohnes des Versicherten k�nne den medizinischen Akten gar nichts entnommen werden. Zusammenfassend sei das Kriterium der besonders dramatischen Begleitumst�nde oder besonderen Eindr�cklichkeit des Unfalls nicht erf�llt.
4.3 Der Vorinstanz ist beizupflichten. Der Versicherte erhebt keine R�gen, die ihre Sachverhaltsfeststellungen als unrichtig oder unvollst�ndig (Art. 97 Abs. 2 BGG) oder den angefochtenen Entscheid als rechtsfehlerhaft nach Art. 95 BGG erscheinen lassen. Von weiteren Abkl�rungen ist abzusehen, da hievon keine neuen Erkenntnisse zu erwarten sind (antizipierte Beweisw�rdigung; BGE 136 I 229 E. 5.3 S. 236). Festzuhalten ist insbesondere Folgendes:
4.3.1 Umstritten ist, ob die beiden Kinder des Versicherten beim Unfall aus dem Auto geschleudert wurden. Nach dem im Sozialversicherungsprozess geltenden Beweismass der �berwiegenden Wahrscheinlichkeit ist ein bestimmter Sachverhalt nicht bereits dann bewiesen, wenn er bloss m�glich ist. Hingegen gen�gt es, wenn das Gericht aufgrund der W�rdigung aller relevanten Sachumst�nde, mithin nach objektiven Gesichtspunkten, zur �berzeugung gelangt, dass er der wahrscheinlichste aller in Betracht fallenden Geschehensabl�ufe - bei zwei m�glichen Sachverhaltsvarianten: die wahrscheinlichere - ist und zudem begr�ndeterweise angenommen werden darf, dass weitere Beweismassnahmen an diesem feststehenden Ergebnis nichts mehr �ndern (SVR 2012 BVG Nr. 22 S. 89 E. 5.1 [9C_541/2011]). In diesem Lichte hat die Vorinstanz ein Herausschleudern der Kinder aus dem Auto zu Recht verneint, zumal f�r die gegenteilige Annahme keine Beweismittel vorliegen. Der Versicherte r�umt selber ein, es sei erstaunlich, dass die Tochter keine schweren Prellungen, H�matome oder Hautverletzungen erlitten habe. Unbehelflich ist sein gleichzeitiges Vorbringen, grunds�tzlich w�ren solche Verletzungen angesichts der Unfallschwere auch beim Verbleib in der Fahrzeugzelle zu erwarten gewesen, weshalb nicht geschlossen werden k�nne, der Verbleib im Auto sei wahrscheinlicher. Nichts zu seinen Gunsten ableiten kann der Versicherte aus dem von ihm ins Feld gef�hrten Kreisarztbericht vom 8. September 2006; denn darin wurde einzig zu seinem Gesundheitszustand und nicht zu demjenigen seiner Tochter Stellung genommen.
4.3.2 Hinsichtlich der Verletzungen seiner Tochter ist unbestritten, dass diese direkt nach dem Unfall bewusstlos war und bei der Einlieferung ins Spital in G.________ um 02.50 Uhr eine Bewusstseinstr�bung aufwies.
Umstritten ist, ob sie bei der Aufnahme ins Spital in Z.________ um 03.57 Uhr (ca. 2,5 Stunden nach dem Unfall) bei Bewusstsein war, was die Vorinstanz bejaht hat, der Versicherte aber bestreitet. Diesbez�glich ist festzuhalten, dass im Notaufnahmebericht dieses Spitals "Bewusstsein" festgehalten wurde. Im Bericht �ber die gleichentags erfolgte Entlassung (Verlegung der Tochter auf Wunsch der Eltern in das Deutsche Krankenhaus in Istanbul) wurde unter anderem Folgendes festgehalten: Augenbewegungen seien unauff�llig, alle vier Extremit�ten seien gleich beweglich, linksseitig Fraktur, leichtes Kopftrauma. In diesem Lichte ist es nicht �berwiegend wahrscheinlich, dass die Tochter des Versicherten im Spital in Z.________ bewusstlos war. Die Einw�nde des Versicherten verm�gen hieran nichts zu �ndern.
4.3.3 Das Kriterium der besonders dramatischen Begleitumst�nde oder besonderen Eindr�cklichkeit des Unfalls wird objektiv und nicht aufgrund des subjektiven Empfindens bzw. Angstgef�hls des Versicherten beurteilt (nicht publ. E. 3.5.1 des Urteils BGE 137 V 199). Der Beschwerdef�hrer macht geltend, werde durch eine medizinische Fachperson ein tats�chlich nicht existierender, lebensbedrohlicher Gesundheitszustand beschrieben, so sei diese Information objektiv gesehen dennoch geeignet, auf eine durchschnittliche Person besonders eindr�cklich zu wirken. Die Tatsache, dass eine Verletzung im Nachhinein betrachtet objektiv nicht lebensgef�hrlich gewesen sei, bedeute nicht, dass sie nicht besonders eindr�cklich sei.
Es trifft zwar zu, dass im Spital G.________, wohin die Tochter des Versicherten unmittelbar nach dem Unfall eingeliefert wurde, von einer bestehenden Lebensgefahr ausgegangen wurde. Indessen wurden im zweitbehandelnden Spital Z.________ rund 2,5 Stunden nach dem Unfall ein leichtes Kopftrauma und eine Oberschenkelfraktur links festgestellt. Von einer lebensbedrohenden Situation wurde mithin nicht mehr gesprochen. Nachfolgende lebensbedrohliche Komplikationen des Gesundheitszustandes sind nicht erstellt und werden auch nicht behauptet. Der Vorinstanz ist beizupflichten, dass die sofort nach dem Unfall abgegebene Qualifikation der Verletzungen der Tochter als lebensbedrohend, welche 2,5 Stunden sp�ter wieder revidiert wurde, keine ad�quate Kausalit�t f�r eine sp�ter auftretende psychische Beeintr�chtigung des Versicherten begr�ndet. Gleiches gilt f�r die Oberschenkelfraktur der Tochter.
Der unterliegende Beschwerdef�hrer tr�gt die Verfahrenkosten (Art. 66 Abs. 1, Art. 68 Abs. 2 BGG).