Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Gericht=BGH&Datum=22.11.2007&Aktenzeichen=I%20ZR%2012/05
Timestamp: 2019-05-20 23:47:53
Document Index: 281553247

Matched Legal Cases: ['BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 91', 'BGH', '§ 542', '§ 542', '§ 542', 'BGH', 'BGH', '§ 256', 'BGH', 'BGH', '§ 91', 'BGH', '§ 253', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 31', 'BGH', 'BGH']

https://dejure.org/2007,1029
BGH, 22.11.2007 - I ZR 12/05 (https://dejure.org/2007,1029)
BGH, Entscheidung vom 22.11.2007 - I ZR 12/05 (https://dejure.org/2007,1029)
BGH, Entscheidung vom 22. November 2007 - I ZR 12/05 (https://dejure.org/2007,1029)
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Anforderungen an die Bestimmtheit der Klageanträge auf Auskunftserteilung, Rechnungslegung, Feststellung der Schadensersatzpflicht nach Urheberrechtsverletzung
Weitgehender Ausschluss einer Verwechselungsgefahr als Voraussetzung für eine hinreichende Bestimmtheit eines auf ein Computerprogramm bezogenen Klageantrages; Übereinstimmend verfolgter Vertragszweck als maßgebliches Kriterium zur Bestimmung des Umfangs eines von einem Urheber eingeräumten Nutzungsrechtes; Statthaftigkeit einer Revision gegen eine Hauptsacheentscheidung sowie gegen eine Kostenentscheidung nach übereinstimmender Erledigungserklärung; Möglichkeit der Verwendung eines auslegungsbedürftigen Begriffes in einem Klageantrag
Die Bezeichnung eines Computerprogramms in Klageanträgen
"Planfreigabesystem"; Anforderungen an die Bestimmtheit der Bezeichnung eines Computerprogramms im Rechtsstreit über die Urheberrechte
Notwendige Individualisierung eines Computerprogramms im Klageantrag
LG Nürnberg-Fürth, 03.12.2003 - 3 O 8290/01
OLG Nürnberg, 21.12.2004 - 3 U 4292/03
b) Die Gültigkeit der Richtlinie 2006/24/EG wird sowohl hinsichtlich ihrer Vereinbarkeit mit den Gemeinschaftsgrundrechten (…vgl. Klesczewski, in: Festschrift für Gerhard Fezer zum 70. Geburtstag, 2008, S. 19 ;… Klug/Reif, RDV 2008, S. 89 ;… Rusteberg, VBlBW 2007, S. 171 ;… Westphal, EuZW 2006, S. 555 ;… Zöller, GA 2007, S. 393 ;… Generalanwältin Kokott, Schlussanträge vom 18. Juli 2007 - Rs. C-275/06 -, Slg. 2008, I-271 , Rn. 82 - Promusicae -) als auch in Bezug auf die in Anspruch genommene Kompetenzgrundlage der Europäischen Gemeinschaft in Zweifel gezogen (…vgl. Gitter/Schnabel, MMR 2007, S. 411 ; Jenny, CR 2008, S. 282 ;… Klesczewski, in: Festschrift für Gerhard Fezer zum 70. Geburtstag, 2008, S. 19 ;… Klug/Reif, RDV 2008, S. 89 ;… Leutheusser-Schnarrenberger, ZRP 2007, S. 9 ;… Rusteberg, VBlBW 2007, S. 171 ;… Westphal, EuZW 2006, S. 555 ;… Zöller, GA 2007, S. 393 ).
Davon ist im Regelfall auszugehen, wenn über die Bedeutung des an sich auslegungsbedürftigen Begriffs zwischen den Parteien kein Streit besteht und objektive Maßstäbe zur Abgrenzung vorliegen oder wenn zum Verständnis des Begriffs auf die konkrete Verletzungshandlung und die gegebene Klagebegründung zurückgegriffen werden kann (…BGH, Urteile vom 26. Juni 2013 - IV ZR 39/10, VersR 2013, 1381 Rn. 20;… vom 4. November 2010 - I ZR 118/09, WM 2011, 1772 Rn. 13; vom 22. November 2007 - I ZR 12/05, MDR 2008, 525, 526).
Insoweit kann nur gerügt werden, dass das Berufungsgericht die Voraussetzungen des § 91a ZPO selbst verkannt hat (vgl. BGH, Urteile vom 13. Dezember 2001 - IX ZR 306/00, NJW 2002, 1500 unter I;… vom 21. Dezember 2006 - IX ZR 66/05, NJW 2007, 1591 Rn. 24; vom 22. November 2007 - I ZR 12/05, GRUR 2008, 357 Rn. 16;… vom 25. November 2009 - VIII ZR 322/08, NJW 2010, 2053 Rn. 9;… vom 6. August 2013 - X ZR 81/12, juris Rn. 6;… Musielak/Ball, ZPO, 11. Aufl., § 542 Rn. 6;… MünchKommZPO/Krüger, 4. Aufl., § 542 Rn. 16;… BeckOK-ZPO/Kessal-Wulf, Stand: 15. September 2014, § 542 Rn. 2.1; jeweils mwN).
Der "Gefällt mir"-Button von G1 und seine Funktionalität sind seit seiner Einführung im Jahr 2010 Gegenstand zahlreicher Erörterungen in Rechtsprechung und Literatur (vgl. Föhlisch/Pilou MMR 2015, 631 m.w.N.) Anders als in dem der Entscheidung BGH GRUR 2008, 357 zugrundeliegenden Sachverhalt existieren vorliegend auch nicht zwei gleichnamige Programme oder Plugins, so dass die Klageanträge auch nicht wegen Mehrdeutigkeit unbestimmt sind.
Die Verwendung auslegungsbedürftiger Begriffe ist deshalb hinnehmbar und im Interesse einer sachgerechten Verurteilung zweckmäßig, wenn über den Sinngehalt der verwendeten Begriffe kein Zweifel besteht, so dass die Reichweite von Antrag und Urteil feststeht (BGH 22. November 2007 - I ZR 12/05 - Rn. 22, GRUR 2008, 357) .
Bei der Feststellungsklage nach § 256 ZPO muss der Antrag das Rechtsverhältnis, dessen Bestehen oder Nichtbestehen festgestellt werden soll, so genau bezeichnen, dass über dessen Identität und somit über den Umfang der Rechtskraft der Feststellung keinerlei Ungewissheit bestehen kann (BGH, Urt. v. 22.11.2007 - I ZR 12/05, GRUR 2008, 357 Tz. 21 = WRP 2008, 499 - Planfreigabesystem, m.w.N.).
Er muss das Rechtsverhältnis, dessen Bestehen oder Nichtbestehen festgestellt werden soll, so genau bezeichnen, dass über dessen Identität und damit über den Umfang der Rechtskraft der Feststellung keine Ungewissheit bestehen kann (BGH, Urteil vom 22. November 2007 - I ZR 12/05, GRUR 2008, 357 Rn. 21 = WRP 2008, 499 - Planfreigabesystem;… Urteil vom 26. Juni 2008 - I ZR 190/05, GRUR 2008, 917 Rn. 31 = WRP 2008, 1319 - EROS).
Sie kann hinsichtlich des auf § 91a ZPO beruhenden Teils der Kostenentscheidung aber nur darauf gestützt werden, dass das Berufungsgericht die Voraussetzungen dieser Bestimmung verkannt hat (vgl. BGH, Urteil vom 22. November 2007 - I ZR 12/05, GRUR 2008, 357 Rn. 16 = WRP 2008, 499 - Planfreigabesystem;… Urteil vom 25. November 2009 - VIII ZR 323/08 Rn. 9, juris).
Ein Unterlassungsantrag muss nach § 253 Abs. 2 Nr. 2 ZPO so bestimmt gefasst sein, dass der Streitgegenstand und der Umfang der Prüfungs- und Entscheidungsbefugnis des Gerichts klar umrissen sind und der Unterlassungsbeklagte erkennen kann, wogegen er sich verteidigen soll und welche Unterlassungspflichten sich aus einer dem Unterlassungsantrag folgenden Verurteilung ergeben; die Entscheidung darüber, was dem Beklagten verboten ist, darf nicht im Ergebnis dem Vollstreckungsgericht überlassen werden (BGH, Urteil vom 22. November 2007 - I ZR 12/05 -, juris).
Ein auf Auskunftserteilung gerichteter Klageantrag muss unter Bezugnahme auf die konkrete Verletzungshandlung so bestimmt gefasst sein, dass er auch für das Vollstreckungsgericht hinreichend klar erkennen lässt, worüber der Beklagte Auskunft zu erteilen hat (BGH, Urteil vom 22. November 2007 - I ZR 12/05 -, juris).
Allerdings kann die Verwendung auslegungsbedürftiger Begriffe oder Bezeichnungen hinnehmbar oder im Interesse einer sachgerechten Verurteilung zweckmäßig oder sogar geboten sein, wenn über den Sinngehalt der verwendeten Begriffe oder Bezeichnungen kein Zweifel besteht, so dass die Reichweite von Antrag und Urteil feststeht (BGH, Urteil vom 22. November 2007 - I ZR 12/05 -, juris).
Die Rechtseinräumung ist von demjenigen darzulegen und zu beweisen, der sich auf sie beruft (BGH, Urteil vom 22. November 2007 - I ZR 12/05 -, juris), vorliegend also die Beklagte.
Denn nach dem Zweckübertragungsgedanken des § 31 Abs. 5 UrhG räumt der Urheber Nutzungsrechte im Zweifel (nur) in dem Umfang ein, den der Vertragszweck unbedingt erfordert (BGH, Urteil vom 22. November 2007 - I ZR 12/05 -, juris).
b) Mit der Benennung des Geschäftsmodells "UBER Black" und der Bezugnahme auf die Entgeltlichkeit ist der Antrag auch im Hinblick darauf hinreichend bestimmt, dass eindeutig feststeht, welche Applikation bzw. welche Version der Applikation gemeint ist (vgl. BGH GRUR 2008, 357 - Planfreigabesystem, Rn 24), nämlich UBER Black vor den Änderungen, die die Beklagte vorgenommen hat, um auf das behördliche Verbot vom 13. August 2014 zu reagieren.