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Timestamp: 2017-06-29 15:47:41
Document Index: 102721886

Matched Legal Cases: ['§7', '§ 13', '§ 14', '§15', '§ 47', '§ 17']

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Im Gesundheitswesen sind neben Ärzten, Technischen Assistenten und
Pflegepersonal auch spezialisierte Naturwissenschaftler als Fachwissenschaftler
tätig. Diese Fachwissenschaftler sind eine sehr heterogene Berufsgruppe, was sich
an den unterschiedlichen Spezialisierungen deutlich erkennen lässt. Nach mehrjährigen Weiterbildungen können Fachtitel wie Klinischer Chemiker,
Fachhumangenetiker, Reproduktionsbiologe, Medizinphysiker, u.a. erworben werden.
Die Weiterbildungen erfolgen nach Abschluss eines natur­wissenschaftlichen Studiums (Diplom, M. Sc.). Tätigkeitsfelder der Fachwissenschaftler sind beispielsweise klinisch-chemische, humangenetische, onko-pathologische oder auch
reproduktionsbiologische Laboratorien im Krankenhaus oder niedergelassener
Spezialpraxis sowie in radioonkologischen, nuklearmedizinischen oder radiologisch-diagnostischen Abteilungen. Dem medizinnahen Fachgebiet entsprechend werden nach der Spezialisierung auch Aufgaben in leitender Funktion
übernommen. Voraussetzung hierfür sind neben hoher Fachkompetenz selbstständiges,
eigenverantwortliches Arbeiten, Personalführung sowie Sicherstellung der Qualität dieser Arbeiten. In diesem Zusammenhang erscheint es unverständlich, dass es bis heute nur
wenige konkrete berufsrechtliche Richtlinien und / oder Gesetze gibt, die die
Berufsausübung des Fachwissenschaftlers legitimieren. Vielmehr bestehen
Einschränkungen in der Berufsausübung und führen zur beruflichen Diskriminierung.
Aufgrund der zunehmenden fachlichen Anforderungen, die an die
Gesundheitsversorgung gestellt werden, ist eine Aufgabenteilung zwischen ärztlichen Leistungen und Laborleistungen notwendig. Dabei sind Indikation,
Diagnosestellung und Therapieentscheidung ärztliche Tätigkeiten, wohin gegen
Laborleistungen durch Fach­wissenschaftler eigenverantwortlich durchgeführt
werden können. Eine Laborleistung ist keine medizinische sondern eine naturwissenschaftlich-technische Untersuchung. Beispielsweise basiert die
Sicherstellung eines Messwertes in der klinisch-chemischen oder humangenetischen
Labordiagnostik auf Methoden, deren korrekte Anwendung und Interpretation ein
naturwissenschaftliches Fachwissen und entsprechende Weiterbildung voraussetzt.
Für diesen labordiagnostischen Teil innerhalb der Gesamtversorgung eines Patienten muss der Fachwissenschaftler eigene Verantwortung übernehmen. Demnach ist der Arzt nicht mehr allein verantwortlich für die Behandlung und
Gesundheit des Patienten, sondern Fachwissenschaftler und Arzt übernehmen gemeinsam Verantwortung für den Patienten. Fachwissenschaftler werden als Experten an der Seite des Arztes benötigt, um mit ihm auf gleicher Augenhöhe die hohen Qualitäts- und Sicherheitsstandards
in der modernen Gesundheitsversorgung auch in Zukunft gewährleisten zu können. Von den naturwissenschaftlich-medizinischen Fachgesellschaften wurden in den zurückliegenden Jahrzehnten Curricula für die Weiterbildung von Naturwissenschaftlern erfolgreich etabliert. Eine gesetzliche Regelung für die Anerkennung der daraus hervorgehenden qualifizierenden Abschlüsse ist zu fordern.
Es stellt sich die Frage, ob Tätigkeiten, die Fachwissenschaftler ausüben, dem Arztvorbehalt unterliegen müssen. Nur in Einzelfällen hat der Gesetzgeber
festgeschrieben, welche konkreten Leistungen dem Arztvorbehalt zuzuordnen sind.
Zur persönlichen Leistungserbringung schreiben Bundesärztekammer und Bundesärztliche Kassenvereinigung (Stand 29.08.2008) „Ob eine bestimmte
Leistung unter Arztvorbehalt steht, hängt in diesen Fällen nach der Rechtsprechung davon ab, ob das Erbringen einer bestimmten Leistung oder die
notwendige Beherrschung gesundheitlicher Gefährdungen ärztliche Fachkenntnisse
und damit das Tätigwerden eines Arztes erfordert.“ Dennoch ist in neuesten
Gesetzesvorlagen, Richtlinien etc. der Arztvorbehalt nach wie vor festgeschrieben. Forderungen und Ziele
Eine Umverteilung von Aufgaben an Nicht-Ärzte darf dabei nicht nur zu einer
Ausweitung der Delegation führen, wie es beispielsweise erst vor kurzem im Gendiagnostikgesetz (§7 Abs.2) geschehen ist. Die demografische sowie die damit
auch verbundene ökonomische Entwicklung im Gesundheitswesen macht eine Reorganisation der Aufgabenverteilung notwendig. Gefordert wird eine Substitution beispielsweise zur verantwortlichen Durchführung der Labordiagnostik, die bisher ausschließlich zum ärztlichen Aufgabengebiet zählt, inklusive der damit verbundenen Übernahme aller haftungsrechtlichen Konsequenzen für Fachwissenschaftler im Gesundheitswesen,
denn es gibt keine gesetzliche Aufgabenabgrenzung in der Zusammenarbeit Arzt –
Naturwissenschaftler. Beispiele für derartige gesetzliche Verankerungen existieren
bereits (§ 13 Abs. 1 Transfusionsgesetz (TFG) inkl. Begründung; § 14, §15 Arzneimittelgesetz (AMG); § 47 Abs. 2 Infektionsschutzgesetz (IfSG); § 17 Abs. 4
Gendiagnostikgesetz (GenDG)).
Es wird angestrebt, zur Sicherung eines hohen Qualitätsstandards in der Gesundheitsversorgung, die unterschiedlichen Weiterbildungsordnungen für Naturwissenschaftler der einzelnen wissenschaftlichen Fachgesellschaften und Berufsvereinigungen zu vereinheitlichen. Weiterbildungszeiten, Weiterbildungsinhalte und die daraus resultierenden Abschlüsse sind einer gesetzlichen Regelung zuzuführen und sollten in eine Postgraduierten-Weiterbildung münden.
Ziel ist die gesetzliche Anerkennung der in der Medizin tätigen
Fachwissenschaftler sowohl auf nationaler wie auf EU-Ebene (europäische Berufsanerkennungsrichtlinie 2005/36/EG) Zur Realisierung dieser Forderungen und Ziele wurde ein Netzwerk der im Gesundheitswesen tätigen Fachwissenschaftler gegründet. Prof. Dr. rer. nat. Michael Hummel
hummel(at)nfm-ev.de
Prof. Dr .rer. nat. Jürgen Kunz
Humangenetik Telefon 0160 - 903 341 41
kunz(at)nfm-ev.de
Prof. Dr. rer. nat. Ralf Lichtinghagen,
Telefon 0176 - 216 358 75
lichtinghagen(at)nfm-ev.de
Dr. rer. nat. Gisela Raabe-Meyer
Telefon 0157 - 806 151 39
raabe-meyer(at)nfm-ev.de
Humane Reproduktionsbiologie
Telefon 0172 - 167 04 74
Durch Ihre Mitgliedschaft unterstützen Sie die Durchsetzung der Ziele des Netzwerks wie beispielsweise Vereinheitlichung der unterschiedlichen Weiterbildungs-ordnungen,
gesetzliche Anerkennung zur Berufsausübung einer der unterschiedlichen Spezialisierungen.
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