Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Gericht=BGH&Datum=19.09.2013&Aktenzeichen=IX%20ZR%20322/12
Timestamp: 2020-02-26 10:46:25
Document Index: 211869939

Matched Legal Cases: ['BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 43', '§ 134', '§ 242', '§ 280', '§ 311', '§ 675', '§ 43', 'BGH', 'BGH', '§ 43', '§ 134', '§ 2', '§ 43', '§ 43', '§ 3', '§ 43', '§ 3', '§ 134', '§ 134', '§ 43', '§ 12', '§ 43', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 43', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 43', '§ 134', '§ 670', '§ 812', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 812', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH']

BGH, 19.09.2013 - IX ZR 322/12 - dejure.org
https://dejure.org/2013,28953
BGH, 19.09.2013 - IX ZR 322/12 (https://dejure.org/2013,28953)
BGH, Entscheidung vom 19.09.2013 - IX ZR 322/12 (https://dejure.org/2013,28953)
BGH, Entscheidung vom 19. September 2013 - IX ZR 322/12 (https://dejure.org/2013,28953)
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§ 43a Abs 4 BRAO, § 134 BGB, § 242 BGB, § 280 Abs 1 BGB, § 311 Abs 2 BGB
Anwaltsvertrag: Aufklärungspflicht bei Beratung von Eheleuten in Scheidungsangelegenheit
Hinweispflicht des Rechtsanwalts über Kosten bei gemeinsamer Beratung
Hinweis eines Anwaltes auf gebührenrechtliche und vertretungsrechtliche Folgen einer gemeinsamen Beratung von Eheleuten
Zur Pflicht des Rechtsanwalts, der in einer Scheidungsangelegenheit von beiden Eheleuten gemeinsam aufgesucht wird, vor Beginn der Beratung auf die gebühren- und vertretungsrechtlichen Folgen einer solchen Beratung hinzuweisen
Berufsrechte und -pflichten: Pflicht bei gemeinsamer Beratung von Eheleuten
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§ 675 BGB, § 43a BRAO
Scheidungsberatung: Wer beiden Eheleuten hilft, sollte die Folgen bedenken
Gemeinsamer Rechtsanwalt bei Trennung und Scheidung
Fehlender Hinweis auf Interessenkollision bei gemeinsamer Beratung scheidungswilliger Eheleute kann Honoraranspruch entfallen lassen
Honorarklage: Zur anwaltlichen Hinweispflicht bei gemeinsamer Beratung in einer Scheidungssache
Eingabe in der Suchmaske auf der nächsten Seite: Jahrgang 2014, Seite 21
Zu den Hinweispflichten eines Scheidungsanwalts vor der Beratung beider Eheleute
Anwaltliche Aufklärungsplficht bei Scheidungsangelegenheiten
Gemeinsamer Rechtsanwalt bei Trennung und Scheidung?
Einvernehmliche Scheidung - Hinweispflicht des Scheidungsanwalts
Hinweispflichten des Anwalts bei gemeinsamer Beratung von Ehegatten
Kurznachricht zu "Anmerkung zum Urteil des BGH vom 19.09.2013, Az.: IX ZR 322/12 (Pflicht des Anwalts zum Hinweis auf Gebührenfolgen bei "einvernehmlicher Scheidung")" von RA Dr. Barbara Schramm, original erschienen in: NJW 2013, 3725 - 3728.
Kurznachricht zu "Anmerkung zum Urteil des BGH vom 19.09.2013, Az.: IX ZR 322/12 ("Scheidungsanwalt" muss vor Beginn der Beratung auf die gebühren- und vertretungsrechtlichen Folgen einer Beratung hinweisen)" von RAin/FAinFamR Ulrike Börger, original erschienen in: FamRZ 2014 Heft ...
Kurznachricht zu "Aufklärungspflichten bei möglichen Interessenkollisionen" von RA Christian Dahns, original erschienen in: NJW Spezial 2013, 766 - 767.
AG Gummersbach, 06.02.2012 - 19 C 76/11
NJW 2013, 3725
FamRZ 2014, 35
VersR 2014, 336
WM 2014, 87
AnwBl 2013, 933
AnwBl Online 2013, 414
a) Ob § 43a Abs. 4 BRAO ein Verbotsgesetz im Sinne von § 134 BGB ist, ein Verstoß also zur Nichtigkeit des jeweiligen Vertrages führt, ist in der instanzgerichtlichen Rechtsprechung und in der Literatur umstritten (ein Verbotsgesetz nehmen an OLG Karlsruhe NJW 2001, 3197, 3199; KG NJW 2008, 1458;… Vill in G. Fischer/Vill/D. Fischer/Rinkler/Chab, Handbuch der Anwaltshaftung, 4. Aufl., § 2 Rn. 353;… Henssler in Henssler/Prütting, BRAO, 4. Aufl., § 43a Rn. 210;… Zuck in Gaier/Wolf/Göcken, Anwaltliches Berufsrecht, 2. Aufl., § 43a BRAO/§ 3 BORA Rn. 36;… Kleine-Cosack, BRAO, 7. Aufl., § 43a Rn. 202;… Vollkommer/Greger/Heinemann, Anwaltshaftungsrecht, 4. Aufl., § 3 Rn. 18;… Deckenbrock, Strafrechtlicher Parteiverrat und berufsrechtliches Verbot der Vertretung widerstreitender Interessen, 2009, Rn. 785 ff, 791;… MünchKomm-BGB/Armbrüster, 7. Aufl., § 134 Rn. 100;… Staudinger/Sack/Seibl, BGB, 2011, § 134 Rn. 220 zu § 43a Abs. 4 BRAO;… aA etwa Borgmann/Jungk/Schwaiger, Anwaltshaftung, 5. Aufl., § 12 Rn. 56; Knöfel, AP BRAO § 43a Nr. 1 unter II. 2.; Kilian, RdA 2006, 120, 123) und höchstrichterlich noch nicht entschieden (vgl. etwa BGH…, Urteil vom 14. Mai 2009 - IX ZR 60/08, WM 2009, 1296 Rn. 7 mwN; vom 19. September 2013 - IX ZR 322/12, WM 2014, 87 Rn. 7).
Der verbotswidrig geschlossene Vertrag ist nichtig und begründet auch dann keine Vergütungsansprüche des Rechtsanwalts, wenn sich die Beratung nicht im Nachhinein als wertlos erweist und gebührenpflichtig von einem neuen Anwalt wiederholt werden muss (vgl. hierzu BGH, Urteil vom 19. September 2013 - IX ZR 322/12, WM 2014, 87 Rn. 9 ff).
Schon bisher war weithin anerkannt, dass auf der Grundlage eines gemeinsamen Auftrags eine gemeinsame Beratung von Ehegatten durch einen Anwalt mit dem Ziel einer einvernehmlichen Scheidung im Grundsatz zulässig ist (vgl. BGH, Urteil vom 19. September 2013 - IX ZR 322/12, WM 2014, 87 Rn. 8;… Henssler in Henssler/Prütting, BRAO, 4. Aufl., § 43a Rn. 203).
Scheitert die Mediation, darf allerdings der Anwalt keinen der Ehegatten weiter vertreten (vgl. BGH, Urteil vom 19. September 2013, aaO Rn. 10).
Das Urteil des Bundesgerichtshofs vom 12. Mai 2016 (IX ZR 241/14, NJW 2016, 2561) zur Nichtigkeit des Anwaltsvertrags bei Vertretung widerstreitender Interessen änderte keine anderslautende Rechtsprechung, sondern entschied erstmals eine bis dahin offen gelassene Frage (vgl. BGH, Urteil vom 23. Oktober 2003 - IX ZR 270/02, NJW 2004, 1169, 1171;… vom 23. April 2009 - IX ZR 167/07, NJW 2009, 3297 Rn. 31;… vom 14. Mai 2009 - IX ZR 60/08, WM 2009, 1296 Rn. 7;… vom 14. Mai 2009 - IX ZR 60/08, WM 2009, 1296 Rn. 7; vom 19. September 2013 - IX ZR 322/12, NJW 2013, 3725 Rn. 7).
Für konkurrierende Interessen Dritter gilt insoweit nichts anderes als für die gegenläufigen Interessen des Gegners des Mandanten (vgl. hierzu BGH…, Urteil vom 8. November 2007, aaO; vom 19. September 2013 - IX ZR 322/12, WM 2014, 87 Rn. 11).
Dies ergebe sich aus dem Urteil des BGH vom 19.09.2013, Az. IX ZR 322/12 (NJW 2013, 3725) (As. 147).
Nur wenn die Beklagte im hiesigen Fall gegen § 43a Abs. 4 BRAO verstoßen hätte, wäre der Anwaltsvertrag gemäß § 134 BGB nichtig mit der Folge, dass die Beklagte bzw. die Streithelferin dann auch keinen Honoraranspruch hätte gegen die T..., auch nicht aus Geschäftsführung ohne Auftrag gemäß §§ 670, 677, 683 BGB oder aus ungerechtfertigter Bereicherung gemäß § 812 Abs. 1 BGB (BGH, Urteil vom 19.09.2013, Az. IX ZR 322/12, Rn. 14).
Der Anwalt, hier die Klägerin, hätte jedoch seinen Mandanten vor den Gefahren der Vertretung widerstreitender Interessen, die sich aus dem Vertrag ergeben, warnen müssen (vgl. BGH Urteil vom 23.04.2012 AnwZ 5/06 m.w.N.), da der Rechtssuchende einen Rechtsanwalt erwarten kann, der nur seinen Interessen verpflichtetet ist, allein seine Interessen ohne Rücksicht auf gegenläufige Interessen vertritt und das Beste für ihn herausholt (vgl. BGH NJW 2013, 3725).
Aus den gleichen Gründen scheiden auch bereicherungsrechtliche Ansprüche aus (vgl. BGH NJW 2013, 3725), § 812 Abs. 1 S. 1 BGB.
So liegen bei der nachehezeitlich auf Antrag erfolgten Entlassung aus dem Beamtenverhältnis (BGH FamRZ 1989, 1058) oder beim nachehezeitlichen vorzeitigen Versorgungsbezug wegen Dienstunfähigkeit (BGH FamRZ 1991, 1415; OLG Brandenburg FamRZ 2014, 35) individuelle nacheheliche Umstände vor, die zu berücksichtigen sind.
Allgemein schuldet er seinem Mandanten Belehrungen über solche Umstände, die zu zusätzlichen Kosten für den Mandanten führen können (BGH, Urteil vom 19. September 2013 - IX ZR 322/12, NJW 2013, 3725).
So lägen bei der nachehezeitlich auf Antrag erfolgten Entlassung aus dem Beamtenverhältnis (BGH FamRZ 1989, 1058) oder beim nachehezeitlichem vorzeitigen Versorgungsbezug wegen Dienstunfähigkeit (BGH FamRZ 1991, 1415; OLG Brandenburg FamRZ 2014, 35; anders für die vorgezogene Altersrente unter Inkaufnahme eines Versorgungsabschlags BGH FamRZ 2012, 769; FamRZ 2012, 851, 852 - hier fehlt es am Bezug zur Ehezeit) individuelle nacheheliche Umstände vor, die aber gleichwohl nach Auffassung des Bundesgerichtshofs zu berücksichtigen waren.