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Timestamp: 2019-01-18 06:25:35
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Kindesunterhalt - Auswirkungen des Wechselmodells
Wenn Kinder zwischen Elternteilen pendeln...
Das Wechselmodell findet in den letzten Jahren immer mehr Anhänger. War es bis vor fünf Jahren noch die absolute Ausnahme, dass beide Eltern ihre Kinder nach der Trennung paritätisch oder nahezu paritätisch betreuen, so wird das Wechselmodell jetzt immer häufiger.
Deshalb war auch die Rechtsprechung gezwungen, Regeln für die Zahlung von Unterhalt beim Wechselmodell zu finden.
Wechselmodell - Was ist das?
Nach der Rechtsprechung des BGH, vergleiche NJW 2006, 2258 liegt dann ein Wechselmodell vor, wenn es bei keinem Elternteil mehr einen deutlichen Betreuungs-Schwerpunkt gibt. In dem damals zu entscheidenden Fall hielt sich das Kind an 13 Tagen im Monat beim Vater auf, während der übrigen Zeit bei der Mutter. Bei dieser Aufteilung sah der BGH noch einen deutlichen Betreuungs-Schwerpunkt bei der Mutter. Bei einer solchen Betreuungs-Aufteilung kann also von einem Wechselmodell noch nicht gesprochen werden. Der BGH hat vielmehr gefordert, dass sich die Eltern die Betreuung etwa hälftig aufteilen müssen.
Wechselmodell - Auswirkungen auf den Kindesunterhalt
Ist das der Fall, haften die Eltern anteilig nach ihren Einkommensverhältnissen für den Barunterhalt des Kindes, wobei die jeweils erbrachten Naturalleistungen mitberücksichtigt werden. Stellt einer der beiden Elternteile beispielsweise die gesamte Startausrüstung für das kommende Schuljahr, dann sind diese Kosten entsprechend anzurechnen.
In einem solchen Fall wird es für das Kind übrigens schwierig, gerichtlich einen höheren Unterhalt durchzusetzen. Normalerweise können für Unterhaltsforderungen minderjähriger Kinder vor Gericht die Elternteile auftreten, bei denen das Kind lebt. Lebt das Kind aber etwa hälftig bei beiden Elternteilen, braucht es für einen Prozess um Unterhalt einen zusätzlichen Prozesspfleger.
Praxis-Tipp: Auf die Interessen des Kindes schauen!
Das Wechselmodell stellt nach Ansicht vieler Sozialpädagogen und Jugendamts-Mitarbeiter den Idealfall der Kinderbetreuung nach der Trennung dar - nicht zu Unrecht, denn dann sind beide Eltern für die Kinder gleich intensiv da, und damit fällt es den Kindern weniger schwer, mit der neuen Situation und dem Auseinanderbrechen der Familie fertig zu werden.
Überlegen Sie es sich trotzdem sehr gut, ob Sie das Wechselmodell wirklich wagen wollen. Es setzt eine Kooperationsbereitschaft voraus, die angesichts offensichtlich zwischen den Elternteilen bestehender Differenzen ( warum gehen sie sonst auseinander?) nicht leicht zu erbringen ist.
Keinesfalls eignet sich das Wechselmodell als "Unterhalts-Sparmodell" zahlungsunwilliger Väter, die trotz Fulltime-Job und intensiver Freizeitaktivitäten trotzdem die halbe Woche ihr Kind zu sich nehmen, um es dann aus Zeitmangel bei den eigenen Eltern zu "parken". Das ist für die Kinder häufig schädlicher als ein nur gelegentlicher Umgang mit dem Vater. Kinder, vor allem solche im Vor-Kindergarten-Alter, die immer wieder abgeschoben werden, leiden oft unter Orientierungslosigkeit und Konzentrationsmangel und neigen zu Entwicklungsverzögerungen. Bitte denken Sie hier an das Wohl des Kindes, dem mit einer solchen Regelung sicher nicht geholfen wäre.
Kein Wechselmodell, wenn nicht beide Eltern einverstanden sind
Schon der BGH hat in der zitierten Entscheidung aus dem Jahre 2006 festgestellt, dass ein Wechselmodell nur praktikabel ist, wenn beide Eltern es mittragen. In jüngerer Zeit sind aber einige Gerichte dazu übergegangen, ein Wechselmodell auch gegen den Willen eines Elternteils anzuorden. Dagegen hat sich jetzt (im Januar 2014) der Vorstand des Deutschen Familiengerichtstags in einer Presseerklärung noch einmal ausdrücklich gewandt und nochmnals festgehalten, dass ein Wechselmodell nicht ohne Konsens der Eltern angeordnet werden sollte. Die Details finden Sie hier.
BGH NJW 2006,2258
BGH NJW 2007, 1882, - Pressemeldung zu diesem Urteil
Zusammenfassend zum Wechselmodel Elden, NJW-Spezial 2009, 596
Veröffentlichungen der Kanzlei Kaßing zum Thema Wechselmodell: