Source: https://crps-netzwerk.org/cms/forum/thema/medizinische-rehabilitation/
Timestamp: 2019-08-25 05:33:57
Document Index: 359248642

Matched Legal Cases: ['§ 26', '§ 11', '§ 5', '§ 6', '§ 21', '§ 20']

Medizinische Rehabilitation | CRPS Netzwerk gemeinsam stark. Administrator vor 4 Jahre, 5 Monate.
27. Februar 2015 um 19:45 #1134
Die medizinische Rehabilitation stellt eine besondere Form der Rehabilitation dar. Leistungen der medizinischen Rehabilitation erfolgen durch Ärzte, nachrangig können sie auch durch Zahnärzte und Angehörige anderer Heilberufe (Krankenschwestern, Physiotherapeuten, Ergotherapeuten, psychologische Psychotherapeuten) erfolgen, soweit deren Leistungen unter ärztlicher Aufsicht oder auf ärztliche Anordnung ausgeführt werden (§ 26 SGB IX). Erst wenn ambulante Maßnahmen nicht mehr ausreichen, ist eine stationäre Rehabilitation indiziert. Auch in der Veterinärmedizin werden Rehabilitationsverfahren angewendet.
Medizinische Rehabilitation findet in Reha-Kliniken (früher: Kurkliniken) oder ambulanten Rehaeinrichtungen statt. Eine weitere Form der medizinischen Rehabilitation ist die mobile geriatrische Rehabilitation. Diese ist sinnvoll für geriatrische Patienten, die z.B. aus gesundheitlichen Gründen für eine stationäre oder ambulante Rehabilitationsmaßnahme nicht geeignet sind. Sie ist aber in Deutschland noch nicht flächendeckend verfügbar.
Die Gesetzliche Krankenversicherung finanziert Rehabilitationsleistungen, um Behinderung oder Pflegebedürftigkeit abzuwenden, zu beseitigen, zu mindern, auszugleichen oder ihre Verschlimmerung zu verhüten (§ 11 Abs. 2 SGB V). Hier gilt das Schlagwort: „Reha vor Pflege”. Die gesetzliche Krankenversicherung erbringt Leistungen zur medizinischen Rehabilitation, sowie unterhaltssichernde und andere ergänzende Leistungen (§ 5 und § 6 SGB IX). Sie ist oftmals Ansprechpartner, wenn kein anderer Leistungsträger vorrangig zuständig ist oder wenn Vorsorgeleistungen notwendig sind, z. B. um einer drohenden Behinderung oder Pflegebedürftigkeit vorzubeugen. Die Gesetzliche Krankenversicherung ist vor allem für Kinder und Jugendliche, nicht berufstätige Erwachsene und Rentner der zuständige Leistungsträger. Die Krankenkasse entscheidet über den Antrag unter Inanspruchnahme des Medizinischen Dienstes der Krankenversicherung. Maßgebliche Kriterien für die Entscheidung sind die Rehabilitations-Richtlinien[1] des Gemeinsamen Bundesausschusses der Ärzte und Krankenkassen und die Begutachtungs-Richtlinie „Vorsorge und Rehabilitation”[2]. Darüber hinaus können die Gesetzliche Unfallversicherung, die Kriegsopferfürsorge, die Kinder- und Jugendhilfe oder die Sozialhilfe Leistungsträger sein. Ohne Leistungszuordnung enthält auch das Pflegeversicherungsgesetz den Grundsatz: Rehabilitation geht vor Pflege.
Die DRV-Bund (Deutsche Rentenversicherung Bund, früher BfA) beschäftigt laut „kompetenten eigenen“ Aussagen auf einer Reha-Tagung in Berlin im Mai 2006 ca. 6000 Mitarbeiter nur im Bereich Rehabilitation. Die Ausgaben für Rehabilitation beliefen sich für die Rentenversicherung im Jahr 2008 auf 2,1 % der Gesamtausgaben. Der Aufwand für Erwerbsminderungsrenten betrug für den gleichen Zeitraum 5,9 %.[3] Wissenschaftliche Untersuchungen zeigen, dass sich eine durchschnittliche medizinische Rehabilitationsmaßnahme durch Hinausschieben des Bezugs einer Erwerbsminderungsrente um nur vier Monate amortisiert.[4] Die ökonomische Sinnhaftigkeit der Rehabilitation wird auch durch eine im September 2009 vorgestellte Prognos-Studie bestätigt, wonach „für jeden in die medizinischen Rehabilitation investierten Euro … die Gesellschaft schon heute fünf Euro“ zurückgewinnt.
Berufsgruppen in der medizinischen Rehabilitation[Bearbeiten]
Da es hierbei um eine Begutachtung unter Berücksichtigung der aus allen körperlichen und psychischen Erkrankungen eines Patienten resultierenden Leistungseinschränkungen und die Frage der Arbeits- und Erwerbsunfähigkeitsbescheinigung geht, darf diese nur durch Ärzte erfolgen[5]. Eine Leistungsbeurteilung durch andere Berufsgruppen wie bspw. Psychologische Psychotherapeuten (siehe Befugnisbeschränkung im wikipedia-Artikel Psychologischer Psychotherapeut) ist dementsprechend nicht rechtsmäßig.
Einrichtungen der stationären medizinischen Rehabilitation müssen gemäß § 21(3) SGB IX über ein zertifiziertes QMS verfügen, damit sie von Sozialleistungsträgern belegt werden dürfen. § 20 SGB IX sieht vor, dass die unterschiedlichen QM-Verfahren von der Bundesarbeitsgemeinschaft für Rehabilitation e.V. (BAR) akkreditiert sein müssen. Bereits seit 2000 wird in den Leistungsbereichen der medizinischen Rehabilitation eine Qualitätssicherung durchgeführt. Seit dem Jahr 2010 sind die personellen Mindestanforderungen für den Bereich der von der Rentenversicherung federführend belegten stationären Reha-Einrichtungen verbindlich festgelegt. [6] Alle 1.600 ambulanten und stationären Rehabilitations- und Vorsorgeeinrichtungen in Deutschland nehmen seit dem Jahr 2012 an dem QS-Reha-Verfahren des BQS-Instituts teil, sofern sie nicht an einem gleichwertigen Qualitätsmanagement-Programm der Rentenversicherung teilnehmen. Das BQS-Institut für Qualität und Patientensicherheit wurde vom GKV-Spitzenverband beauftragt, eine unabhängige Prüfung der Qualität durchzuführen. Nach der Einführung des QS-Reha-Verfahrens durch die Spitzenverbände der Krankenkassen wurde das Verfahren nicht flächendeckend umgesetzt und dies soll nun durch das BQS-Institut realisiert werden. Am Anfang des Jahres 2012 bekamen die Einrichtungen Informationen zum Verfahren zugesandt, ab Februar werden die Koordinatoren der Einrichtungen geschult, im Frühjahr 2012 wurden Daten zur Struktur-, Prozess- und Ergebnisqualität mit Hilfe eines Fragebogens erhoben und außerdem wurden noch circa sieben Prozent der Einrichtungen wahlweise von Prüfern besucht. Im Sommer 2012 wurden den Einrichtungen und Kassen dann erstmals Qualitätsberichte ausgehändigt.[7] Durch das Klassifikationssystem ICF wird die Integration des kontextuellen Hintergrundes und der individuellen Einflussfaktoren des zu Rehabilitierenden als Wirkungsmerkmal auf die jeweilige Störung der Gesundheit in der angedachten Therapie und vorheriger Diagnose ermöglicht.[8]
Bei einer medizinischen Rehabilitation sind Ärzte aus inhaltlichen wie juristischen Gründen zentral in der Versorgung der Patienten (ärztliche Behandlung, ärztlich-sozialmedizinische Leistungsbeurteilung und – begutachtung, differentierte Verordnung und Verantwortung für weitere Behandlungsmaßnahmen).
Einzelnachweise und Quelle:
Hochspringen ↑ Richtlinie des Gemeinsamen Bundesausschusses über Leistungen zur medizinischen Rehabilitation (Rehabilitations-Richtlinie). 19. Juni 2009, abgerufen am 1. Oktober 2009 (PDF; 59 kB).
Hochspringen ↑ Begutachtungs-Richtlinie Begutachtungs-Richtlinie Vorsorge und Rehabilitation. Februar 2005, abgerufen am 14. April 2013 (PDF).
Hochspringen ↑ Reha-Bericht 2010, Hrsg: Deutsche Rentenversicherung, S. 67 f. online (5,6 MB – zuletzt abgerufen am 28. Oktober 2010; PDF)
Hochspringen ↑ Schneider M.: Die Kosten-Wirksamkeit der Rehabilitation von Herzinfarktpatienten. In: Deutsche Rentenversicherung 8-9/1989, S. 487-493
Hochspringen ↑ https://www.reha-kompetenz.de/fileadmin/user_upload/MBO/Herbold-Vortrag-Reha-KC_KH.pdf
Hochspringen ↑ Strukturqualität von Reha-Einrichtungen – Anforderungen der Deutschen Rentenversicherung, Hrsg: Deutsche Rentenversicherung, Stand Mai 2010 – zuletzt abgerufen am 25. August 2012; PDF)
Hochspringen ↑ Qualitätsprüfung von Rehabilitationseinrichtungen
Hochspringen ↑ Ruthard Stachowske Die ICF in der medizinischen Rehabilitation von Abhängigkeitserkrankung. Webseite https://www.wissenschafts-forum-kinder-familie-sucht.de/. Abgerufen am 17. Mai 2014.