Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Text=NJW%202006,%20609
Timestamp: 2019-05-26 18:40:17
Document Index: 174551421

Matched Legal Cases: ['BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 18', '§ 5', 'BGH', 'BGH', 'BGH']

BGH, 15.11.2005 - VI ZR 274/04 - dejure.org
https://dejure.org/2005,660
BGH, 15.11.2005 - VI ZR 274/04 (https://dejure.org/2005,660)
BGH, Entscheidung vom 15.11.2005 - VI ZR 274/04 (https://dejure.org/2005,660)
BGH, Entscheidung vom 15. November 2005 - VI ZR 274/04 (https://dejure.org/2005,660)
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Schädigung von Aktionären durch Fehlinfomationen vor und nach dem Börsengang; Anspruch auf Unterlassung einer Berichterstattung in der Illustrierten "stern"; Unterlassungsanspruch wegen objektiv unwahrer Wortberichterstattung; Wesentliche Abweichung von der Wahrheit; Verletzung im Persönlichkeitsrecht
Ansprüche bei objektiv unwahrer Wortberichterstattung
"dpa-Interview"
Unwahre Wortberichterstattung, allgemeines Persönlichkeitsrecht, Unterlassungsanspruch
Presserecht: Ein Betroffener kann mit seiner Forderung auf Unterlassung auch zu kleinlich sein.
Kein Unterlassungsanspruch gegen unwahre Wortberichterstattung bei fehlender Beeinträchtigung des sozialen Geltungsanspruchs des Betroffenen durch Abweichung von der Wahrheit ("Effecten-Spiegel")
Es stellt keine Verletzung des allgemeinen Persönlichkeitsrechts dar, wenn eine gegenüber einer Nachrichtenagentur getätigte "ußerung von einem Dritten inhaltlich zutreffend wiedergegeben, aber eine falsche Quelle benannt wird
NJW 2006, 609
MDR 2006, 632
VersR 2006, 273
K&R 2006, 90
ZUM 2006, 321
afp 2006, 60
Der grundrechtliche Schutz wirkt dabei nicht nur gegenüber Fehlzitaten, sondern auch gegenüber unrichtigen, verfälschten oder entstellten Wiedergaben einer Äußerung (vgl. Senatsurteile vom 1. Dezember 1981 - VI ZR 200/80, NJW 1982, 635 f.; vom 27. Januar 1998 - VI ZR 72/97, VersR 1998, 601, 603; vom 15. November 2005 - VI ZR 274/04, VersR 2006, 273 Rn. 15; BVerfGE 34, 269, 282 f. - Soraya; 54, 148, 154 f. - Eppler; 54, 208, 217 - Böll/Walden; BVerfG, NJW 1993, 2925, 2926 - BKA-Präsident;… AfP 2010, 562 Rn. 52 - Wortberichterstattung Prominentenkind).
Der Kritisierte wird sozusagen als Zeuge gegen sich selbst ins Feld geführt (vgl. Senatsurteile vom 27. Januar 1998 - VI ZR 72/97, VersR 1998, 601, 603; vom 15. November 2005 - VI ZR 274/04, VersR 2006, 273 Rn. 15; BVerfGE 54, 208, 217 f.; BVerfG, NJW 1993, 2925, 2926 - BKA-Präsident).
Maßgebend für die Feststellung der Frage, ob eine Äußerung zutreffend wiedergegeben wurde oder nicht, ist dabei nicht das vertretbare Verständnis eines Durchschnittslesers oder Durchschnittshörers, sondern das, was der Zitierte gemessen an seiner Wortwahl, dem Kontext seiner Gedankenführung und dem darin erkennbar gemachten Anliegen zum Ausdruck gebracht hat (vgl. Senatsurteile vom 1. Dezember 1981 - VI ZR 200/80, Rudimente der Fäulnis, VersR 1983, 1155, 1156 f.;… vom 27. Januar 1998 - VI ZR 72/97, aaO, S. 602 f.; vom 15. November 2005 - VI ZR 274/04, VersR 2006, 273 Rn. 15; BVerfGE 54, 208, 217).
aa) Auch wenn grundsätzlich keine unwahren Tatsachen verbreitet werden dürfen, kommt es für einen Unterlassungsanspruch darauf an, ob in der Äußerung inhaltlich eine Verletzung des allgemeinen Persönlichkeitsrechts des Klägers liegt (vgl. Senatsurteil vom 15. November 2005 - VI ZR 274/04 - VersR 2006, 273).
Maßgeblich ist dabei, ob gerade die Abweichung von der Wahrheit den Betroffenen in seinem - von ihm selbst definierten (vgl. BVerfGE 54, 148, 155 f.) - sozialen Geltungsanspruch beeinträchtigt (vgl. Senatsurteil vom 15. November 2005 - VI ZR 274/04 - aaO).
Maßgebend für die Frage, ob eine Äußerung zutreffend wiedergegeben wurde oder nicht, ist dabei nicht das vertretbare Verständnis eines durchschnittlichen Rezipienten, sondern das, was der Zitierte gemessen an seiner Wortwahl, dem Kontext seiner Gedankenführung und dem darin erkennbar gemachten Anliegen zum Ausdruck gebracht hat (vgl. BVerfG, Beschl. v. 3.6.1980 - 1 BvR 797/78, BVerfGE 54, 208;… BGH, Urt. v. 1.12.1981 - VI ZR 200/80, VersR 1983, 1155;… BGH, Urt. v. 27.1.1998 - VI ZR 72/97, VersR 1998, 601; Urt. v. 15.11.2005 - VI ZR 274/04, VersR 2006, 273).
Unter diesem Aspekt ist das Persönlichkeitsrecht bei solchen Darstellungen berührt, die von nicht ganz unerheblicher Bedeutung für die Persönlichkeitsentfaltung sind, während ein Ansprüche des Betroffenen auslösender Eingriff in das allgemeine Persönlichkeitsrecht nicht vorliegt, soweit es um Tatsachenbehauptungen geht, die sich nicht in nennenswerter Weise auf das Persönlichkeitsbild des Betroffenen auswirken können (BVerfG, ebenda, und NJW 1999, 1322, 1323; BGH NJW 2006, 609 Rnrn. 10 ff.;… Soehring/Hoene, a.a.O., § 18 Tz. 4 ff., insbes. Tz. 6;… Korte, a.a.O., § 5 Rnrn. 26 f.;… Damm/Rehbock, a.a.O., Rn. 621;… Vendt, in: Hamburger Kommentar Gesamtes Medienrecht, 3. Aufl., Kap. 33 Rn. 19).
Die Abweichung von der Wahrheit ist auch nicht unerheblich (vgl. hierzu Senat, Urteil vom 15. November 2005 - VI ZR 274/04 - VersR 2006, 273 ).
a) das Urteil des Bundesgerichtshofs vom 15. November 2005 - VI ZR 274/04 -,.
Demgegenüber steht der soziale Geltungsanspruch nicht in der ausschließlichen Konkretisierungs- und Verfügungsmacht des Betroffenen; selbst unwahre Tatsachenbehauptungen führen demnach nicht immer zu dessen Verletzung (vgl. BVerfG, Kammerbeschluss vom 15.08.1989 - 1 BvR 881/89 -, NJW 1989, 3269; BVerwG, Beschluss vom 19.01.2000 - 3 B 100.99 -, NVwZ-RR 2000, 598; siehe zuletzt etwa BGH, Urteil vom 15.11.2005 - VI ZR 274/04 -, NJW 2006, 609).
Auch wenn grundsätzlich keine unwahren Tatsachen verbreitet werden dürfen, kommt es für die Frage eines Unterlassungsanspruchs darauf an, ob in einer solchen Berichterstattung inhaltlich eine Verletzung des allgemeinen Persönlichkeitsrechts des Betroffenen liegt (vgl. BGH, Urteil vom 15.11.2005, VI ZR 274/04, NJW 2006, 609).
Der Schutz vor Unwahrheit reicht nämlich nicht soweit, dass der Betroffene einen Anspruch darauf hat, in der Öffentlichkeit nur so dargestellt zu werden, wie er sich selbst sieht oder von anderen gesehen werden möchte (BGH NJW 2006, 609).
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