Source: https://www.frag-einen-anwalt.de/Wesentliche-wirtschaftliche-Interessen-als-Auswanderer-Steuerpflicht-Welteinkommen--f315020.html
Timestamp: 2018-09-19 07:53:48
Document Index: 257415372

Matched Legal Cases: ['§ 2', '§ 2', '§ 34', '§ 2', '§ 34', '§ 2', '§ 34', '§ 2', '§ 2', '§ 49', '§ 34', '§ 2', '§ 2', '§ 2', '§ 49', '§ 34', '§ 34', '§ 2', '§ 2', '§ 2', '§ 34', '§ 2', '§ 34']

Wesentliche wirtschaftliche Interessen als Auswanderer Steuerpflicht Welteinkommen?
18.08.2018 23:00 |
Ich benötige eine Beratung zum AStG, insbesondere § 2 Einkommensteuer.
Ich bin seit 2017 vollständig in Deutschland abgemeldet. Abmeldebestätigung vom Einwohnermeldeamt sowie Gewerbeabmeldung liegt vor. Und ich habe in Deutschland auch keinerlei Wohnungen, Schlüssel, Mitgliedschaften, Konten usw. Besuche in Deutschland sind unter 2 Wochen mit längeren Pausen von mehr als 3 Monaten. Daher können wir sicher annehmen, dass meine unbeschränkte Steuerpflicht in Deutschland 2017 geendet hat.
Seit 2018 habe ich eine Auslandsfirma ohne Substanz (Briefkastenfirma) im Drittland gegründet, welche nicht steuerpflichtig ist, solange keine Umsätze im Drittland erbracht werden müssen. Ich erbringe keine Umsätze im Drittland.
Ich wohne in einem Land, in dem Einkommen aus dem Ausland nicht versteuert werden müssen. Mein Einkommen kommt exklusiv aus Drittländern.
Zu diesem Themen habe ich mich bereits in allen betroffenen Ländern steuerlich beraten lassen und mir dies bestätigen lassen. Daher lebe ich aktuell komplett - legal - steuerfrei. Die persönliche moralische Bewertung bitte ich auszulassen.
Aktuell habe ich keine deutschen Kunden. Ich überlege jedoch, für einen deutschen Kunden zu arbeiten. Entweder in Form:
- X) von einem Vertrag zwischen meiner Auslandsfirma und der (g)GmBH des Kunden,
- Y) oder zwischen mir als Angestellten und der (g)GmbH des Kunden.
1) Die Art X) vs Y) ist irrelevant?
https://www.gesetze-im-internet.de/astg/BJNR117130972.html
> 1. in einem ausländischen Gebiet ansässig ist, in dem sie mit ihrem Einkommen nur einer niedrigen Besteuerung unterliegt, oder in keinem ausländischen Gebiet ansässig ist und
Gehen wir davon aus, dass dies zutrifft.
Gehen wir aus von:
- a) Ich wohne in einem Land, in dem Einkommen aus dem Ausland nicht versteuert werden müssen.
- oder b) Ich bin in keinem Land steuerpflichtig, da ich mich in keinem Land lang genug aufhalte um steuerpflichtig zu werden. (Perpetual Traveler / Dauerreisender)
2) Macht a) vs b) einen Unterschied?
> 2. wesentliche wirtschaftliche Interessen im Geltungsbereich dieses Gesetzes hat
Gehen wir jedoch davon aus, dass wesentliche wirtschaftliche Interessen im Geltungsbereich zutreffen.
https://www.pplaw.com/sites/default/files/publications/2009/03/je-2009-wegzugsbesteuerung.pdf
> Die Einkünfte aus inländischen Quellen betragen im Veranlagungszeitraum
mehr als 30 % der insgesamt bezogenen Einkünfte oder übersteigen den Betrag
von € 62.000,- (Einkünftebezogene Interessen, § 2 Abs. 3 Nr. 2 AStG
> Satz 1 findet nur Anwendung für Veranlagungszeiträume, in denen die hiernach insgesamt beschränkt steuerpflichtigen Einkünfte mehr als 16 500 Euro betragen.
Gehen wir von mehr als 16500 Eur aus.
> (3) Eine Person hat im Sinne des Absatzes 1 Nr. 2 wesentliche wirtschaftliche Interessen im Geltungsbereich dieses Gesetzes, wenn
> ihre Einkünfte, die bei unbeschränkter Einkommensteuerpflicht nicht ausländische Einkünfte im Sinne des § 34d des Einkommensteuergesetzes sind, im Veranlagungszeitraum mehr als 30 Prozent ihrer sämtlichen Einkünfte betragen oder 62 000 Euro übersteigen oder
3) Sämtliche Einkünfte heißt bezogen auf Welteinkommen?
> ist bis zum Ablauf von zehn Jahren nach Ende des Jahres, in dem ihre unbeschränkte Steuerpflicht geendet hat, über die beschränkte Steuerpflicht im Sinne des Einkommensteuergesetzes hinaus beschränkt einkommensteuerpflichtig mit allen Einkünften im Sinne des § 2 Abs. 1 Satz 1 erster Halbsatz des Einkommensteuergesetzes, die bei unbeschränkter Einkommensteuerpflicht nicht ausländische Einkünfte im Sinne des § 34d des Einkommensteuergesetzes sind.
4) Können Sie bitte den Satz "beschränkt einkommensteuerpflichtig mit allen Einkünften im Sinne des § 2 Abs. 1 Satz 1 erster Halbsatz des Einkommensteuergesetzes, die bei unbeschränkter Einkommensteuerpflicht nicht ausländische Einkünfte im Sinne des § 34d des Einkommensteuergesetzes sind." leicht verständlich übersetzen und mit einem Beispiel erklären?
> Für Einkünfte der natürlichen Person, die weder durch deren ausländische Betriebsstätte noch durch deren in einem ausländischen Staat tätigen ständigen Vertreter erzielt werden, ist für die Anwendung dieser Vorschrift das Bestehen einer inländischen Geschäftsleitungsbetriebsstätte der natürlichen Person anzunehmen, der solche Einkünfte zuzuordnen sind. Satz 1 findet nur Anwendung für Veranlagungszeiträume, in denen die hiernach insgesamt beschränkt steuerpflichtigen Einkünfte mehr als 16 500 Euro betragen.
5) Können Sie dies bitte leicht verständlich übersetzen und mit einem Beispiel erklären?
6) Als "ausländische Betriebsstätte" zählen hier:
- 6a) nur nicht-deutsche Firmen mit Substanz?
- 6b) nur nicht-deutsche Firmen ohne Substanz?
- 6c) wäre mein Wohnsitz im Ausland eine Betriebsstätte?
- 6d) Wo wäre die Betriebsstätte als Perpetual Traveler / Dauerreisender? Jeweils am aktuellen Aufenthaltsort?
Gehen wir weiterhin, abgesehen von meiner Situation (Abmeldung Deutschland, Auslandsbriefkastenfirma, Auslandswohnsitz), bitte "vom Schlimsten" aus, sollte ich etwas übersehen haben.
7) Ist es erheblich ob es sich bei meiner Auslandsbriefkastenfirma um eine Kapitalgesellschaft oder Personengesellschaft handelt?
Meine komfortable steuerliche Situation möchte ich gerne behalten. Einkommen aus Deutschland muss natürlich normal versteuert werden.
8) Ich möchte jedoch gerne vermeiden, dass mein Welteinkommen, welches keinen Bezug in Deutschland hat, nicht in Deutschland steuerpflichtig wird. Mit keinem Bezug zu Deutschland meine ich,
- wenn ich mit meiner Auslandsfirma im Drittland für ein anderes EU Land Dienstleistungen erbringe, dass diese Einkünfte nicht in Deutschland buchhaltungs und steuerpflichtig werden
- wenn ich mit meiner Auslandsfirma im Drittland Spekulationsgewinne mache, dass diese Einkünfte nicht in Deutschland buchhaltungs und steuerpflichtig werden
- wenn ich durch selbstständige Arbeit für Arbeitgeber außerhalb von Deutschland oder durch Spekulation an nicht-deutschen Börsen nicht in Deutschland buchhaltungs und steuerpflichtig werden
Um zu vermeiden, dass mein Welteinkommen, welches keinen Bezug in Deutschland hat, nicht in Deutschland steuerpflichtig wird, muss ich auf Einkommen aus Deutschland höher als 16500 EUR oder mehr als 30% des Welteinkommen verzichten?
9) Lösen jegliche, egal wie gering, Einkommen aus Deutschland eine Buchführungpflicht auf das Welteinkommen aus? D.h. muss anhand von Buchführung und Steuererklärung bewiesen werden, ob es sich um mehr oder weniger als 30% des Welteinkommen handelt?
10) WIe kann vermieden werden, dass Buchführung und Steuererklärung in Deutschland gemacht werden müssen? Nur indem die Einnahmen in Deutschlann null sind?
11) Welche rechtlichen Ratschläge würden Sie sonst noch für meine Situation erteilen?
19.08.2018 | 01:03
Beide Vertragsgestaltungen stehen sich hier gleichberechtigt gegenüber, da sowohl Sie als auch die Firma in einem Drittland ansässig sind.
Dies kommt darauf an, unter a) wären immerhin noch die inländischen Einkünfte zu versteuern, unter b) überhaupt keine Einkünfte. Gibt es keine inländischen Einkünfte im Drittland, macht dies keinen Unterschied.
Das ist korrekt. Hier stehen sich drei Alternativen gegenüber, die zweite Alternative meint sämtliche Einkünfte nach dem Welteinkommensprinzip.
Gemeint sind hier die sieben Einkommensarten des § 2 Abs. 1 EStG. Greift der § 2 AStG, so sind Sie über 10 Jahre mit allen deutschen Einkünften i.S.d. § 49 EStG weiterhin beschränkt steuerpflichtig. Diese erweiterte beschränkte Steuerpflicht erstreckt sich also auch auf alle deutschen Einkünfte und alle Einkünfte, für die Deutschland aus § 34d EStG ein unbeschränktes Steuerrecht hätte, wenn Sie dort weiterhin einen Wohnsitz inne hätten.
Haben Sie also weiterhin Einkünfte aus Deutschland. wären diese für bis zu 10 Jahre nach dem Wegzug steuerbar.
Haben Sie Einkünfte aus Gewerbebetrieb oder selbstständiger Arbeit in Deutschland, so kann eine so genannte fiktive Geschäftsleitungsbetriebsstätte in Deutschland angenommen werden. Hierzu muss aber im Ausland keine Betriebsstätte bestehen.
Haben Sie also kein Büro im Ausland, sind aber im Ausland Einkünfte in Deutschland, so kann über § 2 Abs. 1 S. 2 AStG eine Zurechnung nach Deutschland stattfinden, da die Betriebsstätte im Ausland fehlt. Dies dürfte aber nur selben der Fall sein.
- 6a) nur nicht-deutsche Firmen mit Substanz? Ja, auf jeden Fall
- 6b) nur nicht-deutsche Firmen ohne Substanz? Auch hier wäre eine Betriebbstätte konstruuierbar, wenn Sie im Ausland tätig sind.
- 6c) wäre mein Wohnsitz im Ausland eine Betriebsstätte? Auch gut zu vertreten.
- 6d) Wo wäre die Betriebsstätte als Perpetual Traveler / Dauerreisender? Jeweils am aktuellen Aufenthaltsort? Ganz genau, hier wäre die Betriebsstätte der Ort, an dem Sie Ihre Leistung erbringen.
Erst einmal nicht, Personengesellschaften werden bei den Gesellschaftern besteuert, Kapitalgesellschaften bei der Gesellschaft selbst, hier wäre also mehr Raum um Sie als Privatperson abzuschirmen.
So werden Sie die Steuerpflicht auf jeden Fall vermeiden.
Nein, hier unterliegt die Firma den Buchhaltungspflichten des Landes, in dem sie gegründet wurde.
So auch jeden Fall. Buchführung kommt wegen der ausländischen Rechtsform nicht in Frage, Steuern dann auf jeden Fall nicht, wenn es keine deutschen Einkünfte gibt.
Sie sollten auf jeden Fall eine Betriebsstätte in Deutschland vermeiden.
Nachfrage vom Fragesteller	19.08.2018 | 20:23
Sehr geehrter Rechtsanwalt Alexander Park, LL.B.,
> hier wäre die Betriebsstätte der Ort, an dem Sie Ihre Leistung erbringen.
1) Leistung erbringen heißt an meinem Aufenthaltsort oder am Ort an dem die Leistung genutzt wird (Kundenland)?
>> Gemeint sind hier die sieben Einkommensarten des § 2 Abs. 1 EStG. Greift der § 2 AStG, so sind Sie über 10 Jahre mit allen deutschen Einkünften i.S.d. § 49 EStG weiterhin beschränkt steuerpflichtig. Diese erweiterte beschränkte Steuerpflicht erstreckt sich also auch auf alle deutschen Einkünfte und alle Einkünfte, für die Deutschland aus § 34d EStG ein unbeschränktes Steuerrecht hätte, wenn Sie dort weiterhin einen Wohnsitz inne hätten.
EStG § 34d behandlet "Ausländische Einkünfte". Daher meine nächste Frage...
>> Um zu vermeiden, dass mein Welteinkommen, welches keinen Bezug in Deutschland hat, nicht in Deutschland steuerpflichtig wird, muss ich auf Einkommen aus Deutschland höher als 16500 EUR oder mehr als 30% des Welteinkommen verzichten?
> So werden Sie die Steuerpflicht auf jeden Fall vermeiden.
2) Im Umkehrschluss... Sollte mein Einkommen aus Deutschland höher als 16500 EUR sein oder mehr als 30% meines Welteinkommen betragen, könnte es sein, dass ich trotz meiner Situation (Abmeldung Deutschland, Auslandsbriefkastenfirma, Auslandswohnsitz) mit meinem gesamten Welteinkommen, auch mit Welteinkommen, welches keinerlei Bezug in Deutschland hat, in Deutschland steuerpflichtig werde?
>> 9) Lösen jegliche, egal wie gering, Einkommen aus Deutschland eine Buchführungpflicht auf das Welteinkommen aus? D.h. muss anhand von Buchführung und Steuererklärung bewiesen werden, ob es sich um mehr oder weniger als 30% des Welteinkommen handelt?
> Nein, hier unterliegt die Firma den Buchhaltungspflichten des Landes, in dem sie gegründet wurde.
3) Was würde mich das deutsche Finanzamt fragen um zu prüfen, wie hoch mein gesamtes Welteinkommen ist und welchen Anteil der deutsche Anteil meines Welteinkommen ausmacht?
4) Für meine Auslandsbriefkastenfirma im Drittland ist es nicht möglich beim Finanzamt des Drittlandes eine Steuererklärung einzureichen und damit auch nicht möglich einen Steuerbescheid vom Drittland zu erhalten. Dies liegt daran, dass diese als offshore company im Drittland nicht zur Besteuerung vorgesehen ist. Also will das Finanzamt die Buchführung der Auslandsbriefkastenfirma dennoch nicht sehen?
5) Für Personen, welche in Deutschland unbeschränkt steuerpflichtig sind gilt, dass Auslandsbriefkastenfirma (ohne Substanz) im Steuerrecht wie inländisch deutsche Firmen besteuert werden. Gilt dies auch für Personen, dessen unbeschränkt Steuerpflicht geendet?
> Sie sollten auf jeden Fall eine Betriebsstätte in Deutschland vermeiden.
7) Könnten kurze Aufenthalte in Deutschland (unter 2 Wochen mit längeren Pausen von mehr als 3 Monaten) wie z.B. Messestand oder arbeiten am Notebook in Deutschland eine Betriebsstätte in Deutschland auslösen?
8) Könnten kurze Treffen mit deutschen Steuerberatern oder deutschen Kunden eine Betriebsstätte in Deutschland auslösen?
>> Aktuell habe ich keine deutschen Kunden. Ich überlege jedoch, für einen deutschen Kunden zu arbeiten. Entweder in Form:
>> 1) Die Art X) vs Y) ist irrelevant?
> Beide Vertragsgestaltungen stehen sich hier gleichberechtigt gegenüber, da sowohl Sie als auch die Firma in einem Drittland ansässig sind.
9) Gelten bei Personen, desssen unbeschränkte Steuerpflicht geendet hat noch Regelungen zu Scheinselbständigkeit?
10) Bei (X) einem Vertrag zwischen meiner Auslandsfirma und der (g)GmBH des Kunden, wie müssten meine Einnahmen versteuert werden?
11a) Im Fall von wesentliche wirtschaftliche Interessen zutreffend / § 2 AStG zutrefffend?
12b) Im Fall von wesentliche wirtschaftliche Interessen nicht zutreffend / § 2 AStG nicht zutreffend?
Antwort auf die Nachfrage vom Anwalt 19.08.2018 | 22:45
Das ist eine Frage für die Umsatzsteuer. Hier mag es sein, dass bei Verwertung im Inland deutsche Umsatzsteuer anfällt. Als Betriebsstätte gilt ihr Sitz im Ausland, wenn Sie nur dort arbeiten.
Es würde dann die erweiterte beschränkte Steuerpflicht des § 2 AStG eintreten und Sie wären für die Einkünfte, die nicht unter § 34d EStG fallen, in Deutschland steuerpflichtig.
Denkbar wäre hier eine Offenlegung der Buchführung nach ausländischen Standards, lassen sich die deutschen Einkünfte nicht sicher ermitteln, wird das Finanzamt diese schätzen, basierend aus Werten aus der Vergangenheit.
Da eine Besteuerung im Drittland nicht erfolgt, kann ich mir nicht vorstellen, welchen Nutzen sich das deutsche Finanzamt davon verspricht.
Nein, außer unter den Voraussetzungen des § 2 AStG und § 34d EStG.
Notebook kann dann Betriebsstätte sein, wenn Sie auch im Ausland nicht mehr nutzen. Messestände sind schwierig, hier wäre das DBA mit dem Land zu prüfen, in dem Sie sich befinden. Da Messestände aber feste Geschäftseinrichtigung darstellen, sollten Sie in den meisten Fällen keine Probleme haben.
Dies ist auf alle anwendbar. bei der Scheinselbstständigkeit geht es ja um die Frage der Sozialabgaben, die vom Arbeitgeber in Deutschland nachbezahlt werden müssten.
Diese wären im Ausland bei der ausländischen Firma zu versteuern.
Hier weiß ich nicht, was Sie meinen. Schicken Sie mir doch eine Mail, ich werde dann weiter auf diese Frage eingehen.
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