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Timestamp: 2016-10-23 03:24:03
Document Index: 355614919

Matched Legal Cases: ['Art. 397', 'BGE', 'Art. 10', 'Art. 8', 'Art. 7', 'Art. 10', 'Art. 8', 'Art. 7', 'BGE', 'Art. 36', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'Art. 397', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'Art. 36', 'BGE', 'BGE', 'Art. 36', 'Art. 12', 'Art. 41', 'Art. 7', 'BGE', 'Art. 36', 'BGE', 'Art. 36', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'Art. 427', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'Art. 10', 'Art. 7', 'Art. 36', 'Art. 41']

130 I 162. Auszug aus dem Urteil der I. �ffentlichrechtlichen Abteilung i.S. X. gegen Psychiatrische Klinik Oberwil und Verwaltungsgericht des Kantons Zug (staatsrechtliche Beschwerde)
Traitement m�dicamenteux forc� en clinique psychiatrique au cours de la privation de libert� � des fins d'assistance; art. 7, art. 10 al. 2 et art. 36 Cst., art. 8 CEDH. Un traitement m�dicamenteux forc� constitue une atteinte grave � la libert� personnelle et touche au coeur m�me de la dignit� humaine (consid. 3). Base l�gale dans le canton de Zoug (consid. 4). N�cessit� d'une pes�e globale et compl�te des int�r�ts en pr�sence: int�r�ts publics, caract�re indispensable du traitement, cons�quences d'une absence de traitement, examen des alternatives, appr�ciation de la mise en danger de soi et des tiers (consid. 5). Faits � partir de page 17
Gem�ss �rztlicher Beurteilung leidet Frau X., Jahrgang 1964, seit Jahren an einer paranoiden Schizophrenie und ist mehrmals hospitalisiert worden. Seit dem 19. Juni 2003 befindet sie sich in der Psychiatrischen Klinik Oberwil. Am 26. Juni 2003 ordnete der Stadtrat von Zug die f�rsorgerische Freiheitsentziehung im Sinne von Art. 397a ff. ZGB und die R�ckbehaltung in der Psychiatrischen Klinik Oberwil an.
Wegen aktuell schwerwiegender St�rung des Zusammenlebens wurde X. am 22. August 2003 zwangsmediziert. Die dagegen erhobenen Rechtsmittel blieben erfolglos. - Der Klinikarzt ordnete am 25. September 2003 eine erneute Zwangsmedikation auf den 29. September 2003 an. X. wandte sich wiederum mit Beschwerde an das Verwaltungsgericht des Kantons Zug und r�gte die Behandlung vor dem Hintergrund der �usserst negativen Nebenwirkungen und dem Fehlen einer Drittgef�hrdung als unn�tig und unangemessen. Die f�rsorgerechtliche Kammer des Verwaltungsgerichts wies die Beschwerde ab. Das Gericht erachtete die gesetzlichen Voraussetzungen f�r die Anordnung einer Zwangsmedikation als gegeben und bezeichnete diese als notwendig und angemessen, um einer unmittelbaren und schweren Gef�hrdung des Lebens oder der Gesundheit der Betroffenen oder Dritter beziehungsweise um einer akuten schwerwiegenden St�rung des Zusammenlebens zu begegnen.
Gegen diesen Entscheid hat X. beim Bundesgericht staatsrechtliche Beschwerde erhoben und die Aufhebung des Verwaltungsgerichtsurteils beantragt. Sie macht eine Verletzung der pers�nlichen BGE 130 I 16 S. 18
Freiheit nach Art. 10 Abs. 2 BV und Art. 8 EMRK sowie der Menschenw�rde gem�ss Art. 7 BV geltend und r�gt insbesondere die Unverh�ltnism�ssigkeit der Zwangsmassnahme.
3. Das Bundesgericht hat festgehalten, dass eine medikament�se Zwangsbehandlung einen schweren Eingriff in die pers�nliche Freiheit im Sinne der k�rperlichen und geistigen Integrit�t nach Art. 10 Abs. 2 BV und Art. 8 Ziff. 1 EMRK darstellt und die Menschenw�rde gem�ss Art. 7 BV zentral betrifft (BGE 127 I 6 E. 5 S. 10 mit Hinweisen). Als schwerer Eingriff in die genannten verfassungsm�ssigen Rechte bedarf eine medikament�se Zwangsbehandlung nach Art. 36 BV einer klaren und ausdr�cklichen Regelung in einem formellen Gesetz und muss durch ein �ffentliches Interesse oder durch den Schutz der Grundrechte Dritter gerechtfertigt sein und sich als verh�ltnism�ssig erweisen; schliesslich darf der Kerngehalt des Grundrechts nicht angetastet werden (BGE 127 I 6 E. 6 S. 18; BGE 126 I 112 E. 3c S. 116, mit Hinweisen; vgl. zu den Anforderungen an Einschr�nkungen von Grundrechten und zum Erfordernis hinreichend bestimmter gesetzlicher Grundlagen auch BGE 128 I 327 E. 4.1 und 4.2 mit Hinweisen). Angesichts der Schwere des Grundrechtseingriffs pr�ft das Bundesgericht das Vorliegen und die Anwendung des kantonalen Rechts mit freier Kognition (BGE 126 I 112 E. 3b S. 116).
4. 4.1 Die Beschwerdef�hrerin h�lt zu Recht fest, dass die bundesrechtlichen Bestimmungen �ber den f�rsorgerischen Freiheitsentzug gem�ss Art. 397a ff. ZGB nach der Praxis keine gesetzliche Grundlage f�r Zwangsmedikationen bilden (vgl. BGE 127 I 6 E. 7a S. 18; BGE 126 I 112 E. 3c S. 116; BGE 125 III 169 insbes. E. 3). Das Verwaltungsgericht hat die angefochtene Behandlung indessen nicht auf diese bundesrechtlichen Bestimmungen, sondern vielmehr auf das Gesetz �ber das Gesundheitswesen (Gesundheitsgesetz, GesG; Zuger Gesetzessammlung 821.1), insbes. � 37 Abs. 2 GesG, abgest�tzt. Dieses enth�lt seit der Revision vom 30. August 2001 neu den Titel "Zwangsmassnahmen" mit den Bestimmungen von � 37 ff. Es ist grunds�tzlich geeignet, eine gesetzliche Grundlage f�r Zwangsmassnahmen wie Medikationen entgegen dem Willen des BGE 130 I 16 S. 19Betroffenen abzugeben. Die Beschwerdef�hrerin macht nicht geltend, diese gesetzliche Grundlage als solche sei mit dem Verfassungsrecht nicht vereinbar.
4.2 Nach � 37 Abs. 2 GesG sind Zwangsmassnahmen bei Patienten zul�ssig, die urteilsunf�hig sind oder die gem�ss den Bestimmungen �ber den f�rsorgerischen Freiheitsentzug in eine Behandlungseinrichtung eingewiesen worden sind. Das Verwaltungsgericht hat beide Voraussetzungen als gegeben betrachtet. (...)
5. Nach Art. 36 BV m�ssen Einschr�nkungen von Grundrechten durch ein �ffentliches Interesse oder durch den Schutz von Grundrechten Dritter gerechtfertigt und �berdies verh�ltnism�ssig sein. Diesen verfassungsm�ssigen Anforderungen tr�gt das Gesundheitsgesetz insoweit Rechnung, als � 37 Abs. 3 GesG Zwangsmassnahmen nur als zul�ssig erkl�rt, wenn sie notwendig sind, um eine unmittelbare und schwere Gef�hrdung des Lebens oder der Gesundheit des Patienten oder Dritter abzuwenden beziehungsweise um eine akute schwerwiegende St�rung des Zusammenlebens zu beseitigen.
Die Beschwerdef�hrerin macht zur Hauptsache geltend, es liege kein �berwiegendes �ffentliches Interesse vor, welches den schweren Eingriff in die pers�nliche Freiheit zu rechtfertigen verm�chte. Gleichermassen halte die entgegen ihrem Willen durchgef�hrte Medikation als schwerer Grundrechtseingriff mit betr�chtlichen negativen Nebenfolgen vor dem Grundsatz der Verh�ltnism�ssigkeit nicht stand. Somit erweise sich der angefochtene Entscheid als verfassungswidrig.
5.1 Steht ein schwerer Eingriff in verfassungsm�ssige Rechte wie die im vorliegenden Fall gegen den Willen der betroffenen Person durchgef�hrte Medikation in Frage, ist eine umfassende Interessenabw�gung vorzunehmen, welche zahlreiche Elemente einschliessen und diese sorgf�ltig einander gegen�berstellen muss. Zur Rechtfertigung des Grundrechtseingriffs ist das �ffentliche Interesse oder das Interesse am Schutz von Grundrechtspositionen Dritter darzutun. In komplexen Sachlagen wie der vorliegenden ist mit der Pr�fung des �ffentlichen Interesses engstens die Frage der Verh�ltnism�ssigkeit verbunden (vgl. BGE 127 I 6 E. 8 S. 25). Deren Pr�fung erfordert eine Reihe von Abkl�rungen hinsichtlich unterschiedlichster Elemente: Es sind die Auswirkungen und Nebenfolgen der Medikation festzuhalten. Dem sind m�gliche Alternativen BGE 130 I 16 S. 20gegen�ber zu stellen. Insbesondere ist abzusch�tzen, welche Folgen das Absetzen der Medikation etwa hinsichtlich Gesundheitszustand, Drittgef�hrdung und Selbstgef�hrdung haben k�nnten. Gest�tzt auf diese Elemente ist der ger�gte Grundrechtseingriff in einer Gesamtw�rdigung an den Verfassungsgarantien zu messen.
Im Folgenden ist anhand dieser abstrakten �berlegungen konkret zu pr�fen, wie es sich mit der Verfassungsm�ssigkeit der angefochtenen Zwangsmassnahme verh�lt.
5.2 Zum �ffentlichen Interesse im Sinne von Art. 36 Abs. 2 BV an Zwangsmedikationen hat das Bundesgericht abstrakt ausgef�hrt, dass dem Gemeinwesen das Schicksal von kranken Personen nicht gleichg�ltig sein kann. Die pers�nliche Freiheit, die die elementaren Erscheinungen der Pers�nlichkeitsentfaltung sichern soll, kann f�r eine minimale Sorgepflicht ebenso herangezogen werden wie der Anspruch auf minimale Hilfe und Betreuung nach Art. 12 BV oder die Verpflichtung des Gemeinwesens zur Leistung der f�r die Gesundheit notwendigen Pflege gem�ss Art. 41 Abs. 1 lit. b BV. Diesen Ansatzpunkten liegt letztlich das Gebot der Achtung und des Schutzes der Menschenw�rde im Sinne von Art. 7 BV zugrunde. In abstrakter Weise kann daher ein den Eingriff in die pers�nliche Freiheit rechtfertigendes Interesse an einer zwangsweisen Behandlung kranker Menschen nicht grunds�tzlich verneint werden. Wie weit dieses konkret reicht und wo die Grenze zwischen Selbstbestimmung und staatlicher F�rsorge verl�uft, ist vor dem Hintergrund einer umfassenden Interessenabw�gung und in Anbetracht der Notwendigkeit der Behandlung zu beurteilen (vgl. BGE 127 I 6 E. 8 S. 25 f.) und kann sich im Einzelfall aus eben dieser gesamthaften G�terabw�gung ergeben.
�ber das �ffentliche Interesse hinaus vermag nach Art. 36 Abs. 2 BV auch der Schutz von Grundrechten Dritter Eingriffe in verfassungsm�ssige Rechte zu rechtfertigen. Soweit diese Rechtfertigung mit eigenst�ndiger Bedeutung �ber diejenige des Schutzes �ffentlicher Interessen aus polizeilichen Gr�nden hinausgeht (vgl. BGE 127 I 164 E. 3b S. 170; RAINER J. SCHWEIZER, St. Galler BV-Kommentar, Rz. 20 zu Art. 36 BV; BEATRICE WEBER-D�RLER, Grundrechtseingriffe, in: Die neue Bundesverfassung, Bern 1999, S. 131/140 f.), ist darzulegen, inwiefern tats�chlich Grundrechtspositionen Dritter beeintr�chtigt sind. Blosse Unannehmlichkeiten f�r Drittpersonen verm�gen Eingriffe in verfassungsm�ssige Rechte nicht zu rechtfertigen. In diesem Sinne schreibt � 37 Abs. 3 des BGE 130 I 16 S. 21Gesundheits gesetzes vor, dass Zwangsmassnahmen notwendig sein m�ssen, um eine unmittelbare und schwere Gef�hrdung des Lebens oder der Gesundheit Dritter abzuwenden beziehungsweise eine akute schwerwiegende St�rung des Zusammenlebens zu beseitigen. Dieser Aspekt ist im vorliegenden Fall insbesondere mit der vom Verwaltungsgericht angenommenen Drittgef�hrdung in Beziehung zu setzen.
5.3 Hinsichtlich der Notwendigkeit der Behandlung darf im vorliegenden Fall davon ausgegangen werden, dass die Beschwerdef�hrerin trotz ihrer mangelnden Krankheitseinsicht - welche sie allerdings nicht hinderte, im Sommer 2003 von sich aus in die Klinik einzutreten - seit Jahren an einer paranoiden Schizophrenie leidet und insoweit auf Hilfe angewiesen ist. Aufgrund der �rztlichen Berichte kann weiter davon ausgegangen werden, dass die Beschwerdef�hrerin tats�chlich gut auf die Medikation anspricht, dass sich ihr Zustand beruhigt hat und dass die Injektionen des Depotmedikaments zu l�ngeren Phasen der Stabilisierung gef�hrt haben. - Erschwerend f�llt umgekehrt ins Gewicht, dass es sich bei der umstrittenen Medikation nicht (mehr) um eine dringliche und unmittelbar unerl�ssliche Intervention handelt, um das Leben der Beschwerdef�hrerin zu erhalten oder eine unmittelbare Gefahr einer schweren Gesundheitssch�digung abzuwenden; die Medikation hat vielmehr die Bedeutung einer eigentlichen und auf eine gewisse Dauer angelegten Therapie und Heilbehandlung (vgl. BGE 127 I 6 E. 9a S. 26 und E. 9c S. 28). Diesfalls stellt sich in vermehrtem Masse die Frage, unter welchen Umst�nden von Seiten des Patienten aufgrund des verfassungsm�ssigen und gesetzlichen Selbstbestimmungsrechts auf eine solche Heilbehandlung verzichtet werden kann. �berdies bedarf es eines Therapieplans, der die Zwangsmassnahme im Rahmen einer Heilbehandlung umschreibt und eine umfassende G�terabw�gung �berhaupt erst erm�glicht. Das Verwaltungsgericht geht in seinem Urteil auf diese Aspekte nicht ein (vgl. � 36 GesG; BGE 127 I 6 E. 9a S. 26 f.; Art. 427 ff. des Vorentwurfs f�r eine Revision des Zivilgesetzbuches [Erwachsenenschutz, Personenrecht und Kindesrecht]). - Weiter sind m�gliche l�ngerfristige Nebenfolgen in die Interessenabw�gung einzubeziehen (vgl. zu m�glichen Nebenfolgen den BGE 127 IV 154 zugrunde liegenden Sachverhalt). Im vorliegenden Fall beschwert sich die Beschwerdef�hrerin �ber nachhaltige Nebenwirkungen der Neuroleptika-Behandlung wie insbesondere starkes Augenbrennen und Mundtrockenheit sowie wegen der Eingriffe in den BGE 130 I 16 S. 22Hormonhaushalt starkes Anschwellen der Br�ste und Milchsekretion. Zu diesen Nebenfolgen der Behandlung �ussert sich das angefochtene Urteil indessen kaum. Hinsichtlich der unmittelbaren Nebenwirkungen wird lediglich ausgef�hrt, dass sie unangenehm und schmerzhaft seien und ihnen mit weiteren Medikamenten begegnet werden k�nne. �ber Auswirkungen und allf�llig positive Resultate der entsprechenden Sekund�rmedikation spricht sich das Urteil indessen nicht aus. Gesamthaft l�sst sich ihm somit die konkrete Schwere der Zwangsmassnahme - �ber den jeder zwangsweisen Behandlung anhaftenden Eingriff hinaus - nicht hinreichend entnehmen.
Unter dem Gesichtswinkel der Verh�ltnism�ssigkeit ist weiter zu pr�fen, welche Auswirkungen eine Nicht-Behandlung h�tte, welche Ersatzmassnahmen diesfalls erforderlich w�ren und wie sich diese im Vergleich zur Schwere der Zwangsmedikation auf die pers�nliche Freiheit auswirken. In dieser Hinsicht wird im angefochtenen Entscheid ausgef�hrt, ein Unterbruch der Behandlung und das damit verbundene Absinken des Risperdal-Spiegels - etwa in Folge des unerlaubten Entfernens aus der Klinik - f�hrten zu akuten psychotischen Zust�nden, zu psychotischer Dekompensation, zur ganzen Palette von Verhaltensmustern bei paranoider Schizophrenie und zu einem psychotisch paranoid angetriebenen, beleidigenden, distanzlosen, parathymen, nicht-absprachef�higen sowie verwahrlosten Zustand. Solche von den �rzten festgehaltene Zust�nde d�rfen und sollen nicht verharmlost werden. Daran �ndert indessen der Umstand nichts, dass die Schilderungen der Folgen des Absetzens der Medikation durch das Verwaltungsgericht weitgehend im Abstrakten verbleiben. Es wird insbesondere kaum unterschieden zwischen erw�nschten Zust�nden - wie etwa der Vermeidung von angetriebenen, beleidigenden, distanzlosen oder verwahrlosten Phasen - und der Verhinderung von gravierend gesundheits- oder gar lebensgef�hrdenden Zust�nden. Es wird nicht konkret dargetan, dass im Falle des Absetzens der Medikation ernsthaft mit einer physischen Gesundheits- oder Lebensgef�hrdung zu rechnen w�re (vgl. demgegen�ber BGE 127 I 6 E. 7d S. 25 und E. 9c S. 28, wo eine m�gliche katatone Starre [Stupor] eine schwerwiegende Gesundheitsgef�hrdung oder gar den Tod des Betroffenen ernstlich bef�rchten liess). Nur vage wird anget�nt, dass eine Verschlechterung des momentanen Zustandes eine erfolgreiche Medikation m�glicherweise in der Zukunft erschweren oder gar verunm�glichen k�nnte. Die Begriffe des BGE 130 I 16 S. 23psychotischen Zustandes und der psychotischen Dekompensation bleiben hinsichtlich der Schwere der Folgen des Absetzens der Medikation im Vagen. Es wird kaum in Rechnung gestellt, dass die Beschwerdef�hrerin trotz ihres psychotischen Zustandes im Sommer 2003 freiwillig in die Klinik eingetreten und nach ihrer unerlaubten Entfernung aus der Klinik wieder aus eigenem Antrieb zur�ckgekehrt ist. Gesamthaft gesehen ist demnach eine konkrete Gewichtung der Schwere des Zustandes, in dem sich die Beschwerdef�hrerin befindet, sowie der ernsthaften Gesundheitsgef�hrdung im Falle des Absetzens der Medikation nicht m�glich.
Im Sinne des Grundsatzes der Verh�ltnism�ssigkeit von Grundrechtseingriffen ist die ger�gte Zwangsmedikation auch in Beziehung zu setzen mit Alternativen sowie deren Schwere und Auswirkungen auf die pers�nliche Freiheit (vgl. � 37 Abs. 3 GesG sowie die Regelung in � 22 Abs. 1 des Basler Psychiatriegesetzes, wonach eine Behandlung trotz des Widerstandes der betroffenen Person durchgef�hrt werden kann, wenn die pers�nliche Freiheit dadurch eindeutig weniger eingeschr�nkt wird als durch die sonst erforderlichen Ersatzmassnahmen [BGE 127 I 6 E. 9 S. 26]). In dieser Hinsicht weist die Beschwerdef�hrerin auf die vorerst freiwillige Einnahme der Medikamente hin und macht geltend, dass sie sich nicht gegen jegliche und insbesondere nicht gegen schw�chere Neuroleptika zur Wehr setzt, vielmehr lediglich die starken, ihr verabreichten Medikamente (mit den erw�hnten Nebenfolgen) ablehnt. Eine derartige alternative Behandlungsmethode wird im angefochtenen Entscheid nicht n�her gepr�ft. Sie f�llt nicht schon allein wegen des Umstandes ausser Betracht, dass die Beschwerdef�hrerin sich nicht zuverl�ssig einer oralen Medikation unterzieht, k�nnte sie doch in einer Klinik in bestimmtem Ausmasse dazu angehalten werden. Auch anderweitige Alternativen werden nicht diskutiert und in Betracht gezogen (vgl. BGE 127 IV 154, womit die Vollzugsbeh�rden unter den gegebenen Umst�nden hinsichtlich eines paranoid schizophrenen Versorgten zu Versuchen mit Alternativmedikamenten angehalten wurden [E. 4 S. 159 ff.]). Schliesslich k�nnen alternative Methoden mit sog. pflegerischen Zwangsmassnahmen kombiniert werden. � 37 Abs. 1 GesG nennt insbesondere Fixationen oder Isolierungen (vgl. BGE 127 I 6 E. 9c S. 28). - Wie es sich mit derartigen und allf�llig weiteren Alternativen verh�lt, wird im angefochtenen Entscheid nicht ausgef�hrt. Es wird lediglich erw�hnt, dass die Beschwerdef�hrerin BGE 130 I 16 S. 24bisweilen isoliert werden musste; dieser Umstand indessen vermag f�r sich allein die zwangsweise Medikation nicht zu rechtfertigen, sondern zeigt vielmehr, dass mit dieser pflegerischen Massnahme, die in psychiatrischen und f�r den Vollzug des f�rsorgerischen Freiheitsentzuges vorgesehenen Kliniken nichts Aussergew�hnliches darstellt, in der gegebenen Situation einem Erregungszustand der Beschwerdef�hrerin tats�chlich begegnet werden konnte.
Schliesslich wird im angefochtenen Entscheid ausgef�hrt, die umstrittene Medikation rechtfertige sich, um der Selbst- und Fremdgef�hrdung zu begegnen. Nach � 37 Abs. 3 GesG fallen Zwangsmassnahmen in Betracht, wenn sie notwendig sind, um eine unmittelbare und schwere Gef�hrdung des Lebens oder der Gesundheit des Patienten oder Dritter abzuwenden beziehungsweise um eine akute schwerwiegende St�rung des Zusammenlebens zu beseitigen. Bereits der Wortlaut dieser Bestimmung deutet darauf hin, dass eine unmittelbare und schwere Gef�hrdung erforderlich ist. Gleichermassen erfordern die zentral betroffenen Verfassungsrechte, dass die Selbst- und Fremdgef�hrdung nicht nur abstrakt m�glich sind, sondern gest�tzt auf die tats�chlichen Verh�ltnisse konkret in Betracht fallen und als wahrscheinlich erscheinen (vgl. die Rechtsprechung zum Vorliegen des speziellen Haftgrundes der Fluchtgefahr, wonach eine solche nicht nur abstrakt, sondern konkret nachgewiesen werden muss; BGE 125 I 60 E. 3a S. 62). - In dieser Hinsicht wird im Entscheid des Verwaltungsgerichts nicht dargetan, worin im vorliegenden Fall die konkrete Selbstgef�hrdung liegen soll; insbesondere wird nicht auf eine spezifische Anf�lligkeit der Beschwerdef�hrerin oder auf fr�here konkrete Vorkommnisse hingewiesen. Im Umstand, dass die Beschwerdef�hrerin unbefugterweise mehrmals das Antidepressivum Fluctine zu sich genommen hat und sich dieses Medikament mit der angeordneten Medikation nicht vertr�gt, kann keine unmittelbare und schwerwiegende Selbstgef�hrdung erblickt werden. �berdies d�rfte es in der Klinik m�glich sein, die Einnahme derartiger Medikamente in bestimmtem Masse zu unterbinden. Ebenso wenig wird im angefochtenen Urteil hinsichtlich der Drittgef�hrdung ausgef�hrt, dass eine solche konkret und ernstlich bef�rchtet werden m�sste. Das Gericht verweist hierzu auf ein fr�heres Verfahren; in seinem Urteil vom 16. September 2003 (Verfahren F 2003/28) ist allgemein dargelegt worden, dass die Beschwerdef�hrerin das Zusammenleben auf der Station akut und schwerwiegend st�re, durch BGE 130 I 16 S. 25forderndes, beschimpfendes Verhalten auffalle, sich gereizt, aufbrausend und provozierend verhalten habe und es zwischen ihr und Mitpatienten auch zu Handgreiflichkeiten und Zwistigkeiten gekommen sei. Diese Schilderungen sind indessen kaum geeignet, eine konkrete und unmittelbare Gef�hrdung Dritter oder eine schwerwiegende St�rung des Zusammenlebens zu belegen. Die in diesem Zusammenhang angeordneten Isolationen zeigen denn auch, dass die durch die Beschwerdef�hrerin hervorgerufene Unruhe mit milderen und in der Klinik nicht un�blichen pflegerischen Massnahmen bew�ltigt werden konnte.
5.4 Gesamthaft ergibt sich aus den vorstehenden Erw�gungen, dass einerseits der Sachverhalt sowie m�gliche Folgen (sowohl der Medikation als auch von Alternativen) unzureichend festgehalten worden sind. Zum andern zeigt sich, dass im angefochtenen Entscheid die Gr�nde f�r den Zwangseingriff in verschiedener Hinsicht nicht hinreichend dargetan und insbesondere die Selbst- und Drittgef�hrdung nicht konkret belegt worden sind. Damit hat das Verwaltungsgericht eine umfassende Interessen- und G�terabw�gung tats�chlich nicht vorgenommen und eine solche ist - etwa durch Substitution von Seiten des Bundesgerichts - zurzeit auch nicht m�glich. Das Verfassungsrecht mit seinen materiellen Garantien (Art. 10 Abs. 2 und Art. 7 BV) und seinen Anforderungen an Einschr�nkungen von Grundrechten (Art. 36 BV) erfordert indessen angesichts der Schwere des Grundrechtseingriffs und der Komplexit�t der sich stellenden Fragen eine vollst�ndige und umfassende Abw�gung der auf dem Spiele stehenden Interessen. Der angefochtene Entscheid nimmt diese umfassende Pr�fung - teils mangels entsprechender Grundlagen, teils mangels hinreichender Begr�ndung - nicht vor und vermag daher vor dem Verfassungsrecht nicht standzuhalten. In diesem Sinne erweist sich die staatsrechtliche Beschwerde und insbesondere die R�ge der Verletzung des Verh�ltnism�ssigkeitsgrundsatzes als begr�ndet.
Demnach ist der angefochtene Entscheid aufzuheben. Gest�tzt auf die vorstehenden Erw�gungen hat das Verwaltungsgericht eine umfassende Interessenabw�gung vorzunehmen und erneut zu pr�fen, ob sich die umstrittene Zwangsmedikation in Anbetracht der Garantie der pers�nlichen Freiheit und der Achtung der Menschenw�rde sowie unter Beachtung des Grundsatzes der Verh�ltnism�ssigkeit gesamthaft verfassungsrechtlich rechtfertigen l�sst.
art. 7, art. 10 al. 2 et art. 36 Cst.,
Art. 41 Abs. 1 lit. b BV