Source: https://www.rechtslupe.de/wirtschaftsrecht/urheberrechtsverguetung-und-die-verwertungs-gbr-344958
Timestamp: 2019-08-25 11:18:31
Document Index: 37619997

Matched Legal Cases: ['§ 8', '§ 65', '§ 183', '§ 8', '§ 705', '§ 32', '§ 32', '§ 32', '§ 32', '§ 32', '§ 32', '§ 32', '§ 32', '§ 32', '§ 32', '§ 32', '§ 105', '§ 32', '§ 32', '§ 8', '§ 8', '§ 8', '§ 8', '§ 705', 'BGH', '§ 8', '§ 8', 'BGH', '§ 8', '§ 8', 'BGH', 'BGH', '§ 32', '§ 2', '§ 32', '§ 32', 'BGH', 'BGH']

Mit­ur­he­bern steht das Recht zur Ver­wer­tung des Wer­kes gemäß § 8 Abs. 2 Satz 1 Halb­satz 1 Fall 2 UrhG zur gesam­ten Hand zu. Sie bil­den, soweit es um die Ver­wer­tung des Wer­kes geht, eine Gesamt­hands­ge­mein­schaft. Die­se ent­steht kraft Geset­zes durch den Realakt der gemein­sa­men Schöp­fung des Wer­kes und endet kraft Geset­zes mit dem Ablauf der Schutz­frist, die gemäß § 65 Abs. 1 UrhG nach dem Tode des längst­le­ben­den Mit­ur­he­bers berech­net wird1. Aus der gesamt­hän­de­ri­schen Bin­dung der Mit­ur­he­ber folgt, dass die Ver­wer­tung des Wer­kes die Ein­wil­li­gung – also die vor­he­ri­ge Zustim­mung (§ 183 Satz 1 BGB) – aller Mit­ur­he­ber erfor­dert (vgl. § 8 Abs. 2 Satz 2 UrhG2).
Der Abschluss eines Ver­tra­ges, durch den sich die Betei­lig­ten gegen­sei­tig ver­pflich­ten, die Errei­chung eines gemein­sa­men Zwecks in der durch den Ver­trag bestimm­ten Wei­se zu för­dern (§ 705 BGB), lässt eine Gesell­schaft bür­ger­li­chen Rechts ent­ste­hen, wenn der Zusam­men­schluss kei­nen kör­per­schaft­li­chen Cha­rak­ter hat und die wei­te­ren Vor­aus­set­zun­gen für eine ande­re Form der Per­so­nen­ge­sell­schaft feh­len3. Ver­ein­ba­ren Mit­ur­he­ber eine gemein­sa­me Ver­wer­tung ihrer Wer­ke, bil­den sie daher – sofern sie kei­ne ande­re Rechts­form wäh­len – eine Gesell­schaft bür­ger­li­chen Rechts4.
Die kraft Geset­zes mit der gemein­sa­men Werk­schöp­fung ent­ste­hen­de Mit­ur­he­ber­ge­mein­schaft ist von der auf ver­trag­li­cher Ver­ein­ba­rung beru­hen­den Mit­ur­he­ber­ge­sell­schaft zu unter­schei­den5. Die Mit­ur­he­ber­ge­sell­schaft ist gegen­über der Mit­ur­he­ber­ge­mein­schaft jeden­falls im Ver­hält­nis zu Drit­ten recht­lich eigen­stän­dig. Die Gesell­schaft bür­ger­li­chen Rechts besitzt – anders als die Gesamt­hands­ge­mein­schaft der Mit­ur­he­ber – nach außen (beschränk­te) Rechts­sub­jek­ti­vi­tät. Sie kann durch Teil­nah­me am Rechts­ver­kehr als Außen­ge­sell­schaft grund­sätz­lich eige­ne Rech­te und Pflich­ten begrün­den6. Eine Mit­ur­he­ber­ge­sell­schaft hat daher – wie das Beru­fungs­ge­richt zutref­fend ange­nom­men hat – die Rechts­fä­hig­keit zum Abschluss von Ver­trä­gen mit Drit­ten über die Ein­räu­mung von Nut­zungs­rech­ten an Wer­ken der Mit­ur­he­ber. Sol­che Ver­trä­ge einer Mit­ur­he­ber­ge­sell­schaft sind auch dann nicht zugleich Ver­trä­ge der Mit­ur­he­ber­ge­mein­schaft, wenn die Mit­ur­he­ber die allei­ni­gen Gesell­schaf­ter der Gesell­schaft sind und damit eine per­so­nel­le Iden­ti­tät besteht.
Urhe­ber, die ihre Wer­ke durch eine Gesell­schaft bür­ger­li­chen Rechts ver­wer­ten, deren allei­ni­ge Gesell­schaf­ter sie sind, kön­nen jedoch in ent­spre­chen­der Anwen­dung des § 32 Abs. 1 Satz 3 UrhG von dem Ver­trags­part­ner der Gesell­schaft die Ein­wil­li­gung in die Ände­rung des Ver­tra­ges ver­lan­gen, durch die der Gesell­schaft die ange­mes­se­ne Ver­gü­tung für die Ein­räu­mung von Nut­zungs­rech­ten und die Erlaub­nis zur Werk­nut­zung gewährt wird, soweit die ver­ein­bar­te Ver­gü­tung nicht ange­mes­sen ist7. Die Vor­aus­set­zun­gen für eine ent­spre­chen­de Anwen­dung die­ser Vor­schrift – das Bestehen einer plan­wid­ri­gen Rege­lungs­lü­cke und einer ver­gleich­ba­ren Inter­es­sen­la­ge – sind bei sol­chen Fall­ge­stal­tun­gen erfüllt.
Es besteht inso­weit eine Rege­lungs­lü­cke, als Urhe­ber, die ihre Wer­ke durch eine Gesell­schaft bür­ger­li­chen Rechts ver­wer­ten, deren Gesell­schaf­ter sie sind, nach der Rege­lung des § 32 Abs. 1 Satz 3 UrhG kei­nen Anspruch auf Ver­trags­an­pas­sung haben, wenn die für die Ein­räu­mung von Nut­zungs­rech­ten und die Erlaub­nis zur Werk­nut­zung ver­trag­lich ver­ein­bar­te Ver­gü­tung nicht ange­mes­sen ist. Ein Anspruch der Urhe­ber gegen die Ver­trags­part­ner der Gesell­schaft kommt nicht in Betracht, weil die­se – wie unter II 5 a aus­ge­führt – nicht zugleich Ver­trags­part­ner der Urhe­ber sind. Ein Anspruch der Gesell­schaft gegen ihre Ver­trags­part­ner ist aus­ge­schlos­sen, weil die Gesell­schaft nicht Urhe­ber der Wer­ke ist. Es besteht aber auch kein Anspruch der Urhe­ber gegen die Gesell­schaft: Urhe­ber, die ihre Wer­ke durch eine Gesell­schaft bür­ger­li­chen Rechts ver­wer­ten, deren Gesell­schaf­ter sie sind, ver­pflich­ten sich zwar durch den Gesell­schafts­ver­trag regel­mä­ßig, die Nut­zungs­rech­te an von ihnen bereits geschaf­fe­nen oder noch zu schaf­fen­den Wer­ken in das Gesell­schafts­ver­mö­gen zu über­füh­ren. Ein sol­cher Gesell­schafts­ver­trag ist jedoch nicht auf den Aus­tausch von Leis­tun­gen (die Ein­räu­mung von Nut­zungs­rech­ten gegen Ent­gelt), son­dern auf die Errei­chung eines gemein­sa­men Zwecks (die gemein­sa­me Ver­wer­tung der Wer­ke) gerich­tet. Gegen eine ver­trag­lich ver­ein­bar­te Ver­gü­tung wer­den Nut­zungs­rech­te erst­mals durch die Ver­trä­ge der Gesell­schaft mit Drit­ten ein­ge­räumt. Beim Abschluss des Gesell­schafts­ver­tra­ges fehlt es daher an dem von § 32 UrhG vor­aus­ge­setz­ten Inter­es­sen­kon­flikt. Gesell­schafts­ver­trä­ge kön­nen daher nicht Gegen­stand eines Anspruchs auf Ver­trags­än­de­rung nach § 32 Abs. 1 Satz 3 UrhG sein8.
Die­se Rege­lungs­lü­cke ist plan­wid­rig, weil sie den Zie­len des Geset­zes wider­spricht. Die Bestim­mung des § 32 UrhG ist durch das Gesetz zur Stär­kung der ver­trag­li­chen Stel­lung von Urhe­bern und aus­üben­den Künst­lern vom 22.03.20029 geschaf­fen wor­den. Ziel die­ses Geset­zes ist es, die durch das wirt­schaft­li­che Ungleich­ge­wicht der Ver­trags­par­tei­en gestör­te Ver­trags­pa­ri­tät zwi­schen Urhe­bern und Ver­wer­tern her­zu­stel­len10 bzw. – mit ande­ren Wor­ten – die struk­tu­rell beding­te wirt­schaft­li­che und orga­ni­sa­to­ri­sche Unter­le­gen­heit der Krea­ti­ven gegen­über den Pri­mär­ver­wer­tern ihrer Wer­ke und Leis­tun­gen zu kor­ri­gie­ren11. Die­ser Ziel­set­zung wider­spricht es, wenn die ver­trag­li­che Stel­lung von Urhe­bern, die ihre Wer­ke gemein­sam ver­wer­ten, nicht grund­sätz­lich in glei­cher Wei­se gestärkt wird, wie die ver­trag­li­che Stel­lung von Urhe­bern, die ihre Wer­ke allein ver­wer­ten. Dabei ist zu berück­sich­ti­gen, dass die Bedeu­tung von Urhe­ber­ge­mein­schaf­ten nach dem unwi­der­spro­che­nen Vor­brin­gen der Klä­ger in der gesam­ten Krea­tiv­wirt­schaft zunimmt und sich Urhe­ber nicht nur im Bereich der neu­en Medi­en und Tech­no­lo­gi­en, son­dern auch in Berei­chen des klas­si­schen Werk­schaf­fens ver­stärkt zusam­men­schlie­ßen. Es kann nicht ange­nom­men wer­den, der Gesetz­ge­ber habe die­se Urhe­ber vom Anspruch auf Ver­trags­an­pas­sung nach § 32 Abs. 1 Satz 3 UrhG aus­schlie­ßen wol­len.
Ein Anspruch aus § 32 Abs. 1 Satz 3 UrhG ist nicht aus­ge­schlos­sen, wenn mit dem Ver­trag, des­sen Ände­rung begehrt wird, nicht aus­schließ­lich Nut­zungs­rech­te an eige­nen Wer­ken ein­ge­räumt wor­den sind. Ein Anspruch des Urhe­bers oder der Urhe­ber auf Ände­rung des Ver­tra­ges besteht dann aller­dings nur hin­sicht­lich der Ver­gü­tung, die für die Ein­räu­mung von Nut­zungs­rech­ten an eige­nen Wer­ken ver­ein­bart ist12. Die Klä­ger haben im Übri­gen wie­der­holt klar­ge­stellt, dass sie für frem­de Wer­ke kei­ne Nach­ver­gü­tung bean­spru­chen.
Die­se Befürch­tung des Beru­fungs­ge­richts ist unbe­grün­det. Wer mit einer Gesell­schaft bür­ger­li­chen Rechts einen Ver­trag über die Ein­räu­mung von Nut­zungs­rech­ten schließt, muss ledig­lich damit rech­nen, von Urhe­bern, die bei Abschluss des Ver­trags bereits Gesell­schaf­ter waren, wegen der Ein­räu­mung von Nut­zungs­rech­ten an ihren Wer­ken aus § 32 Abs. 1 Satz 3 UrhG in Anspruch genom­men zu wer­den13. Die­se Vor­aus­set­zung ist im Streit­fall erfüllt.
Es bedarf im Streit­fall kei­ner abschlie­ßen­den Ent­schei­dung, ob § 32 UrhG auch dann anwend­bar ist, wenn Urhe­ber ihre Wer­ke in einer ande­ren Gesell­schafts­form als der Gesell­schaft bür­ger­li­chen Rechts oder durch eine Gesell­schaft bür­ger­li­chen Rechts ver­wer­ten, der auch ande­re Gesell­schaf­ter ange­hö­ren. Der Bun­des­ge­richts­hof neigt aller­dings zu der Annah­me, dass eine ent­spre­chen­de Anwen­dung des § 32 UrhG jeden­falls nur bei Per­so­nen­ge­sell­schaf­ten und nicht etwa bei Kapi­tal­ge­sell­schaf­ten in Betracht kommt. Die Bestim­mung des § 32 UrhG dürf­te ent­spre­chend anwend­bar sein, wenn Mit­ur­he­ber ihr Werk durch eine offe­ne Han­dels­ge­sell­schaft ver­wer­ten, deren allei­ni­ge Gesell­schaf­ter sie sind. Eine Gesell­schaft bür­ger­li­chen Rechts wird von Geset­zes wegen (§ 105 Abs. 1 HGB) zur offe­nen Han­dels­ge­sell­schaft, wenn sie ein Gewer­be betreibt und das Unter­neh­men nach Art und Umfang einen in kauf­män­ni­scher Wei­se ein­ge­rich­te­ten Geschäfts­be­trieb erfor­dert14. Für die Anwend­bar­keit des § 32 UrhG kommt es, anders als das Beru­fungs­ge­richt meint, nicht dar­auf an, ob die Gesell­schaft einer gewerb­li­chen Tätig­keit nach­geht.
Urhe­ber­rechts­ver­gü­tung und die Ver­­wer­­tungs-GbR Urhe­ber, die ihre Wer­ke durch eine Gesell­schaft bür­ger­li­chen Rechts ver­wer­ten, deren allei­ni­ge Gesell­schaf­ter sie sind, kön­nen falls die ver­ein­bar­te Ver­gü­tung nicht ange­mes­sen ist in ent­spre­chen­der Anwen­dung des § 32 Abs.…
Loewen­heim in Schricker/​Loewenheim, Urhe­ber­recht, 4. Aufl., § 8 UrhG Rn. 12; Thum in Wandtke/​Bullinger, Urhe­ber­recht, 3. Aufl., § 8 UrhG Rn. 22↩
Loewen­heim in Schricker/​Loewenheim aaO § 8 UrhG Rn. 14; Schul­ze in Dreier/​Schulze, UrhG, 3. Aufl., § 8 Rn. 12; Ulmer, Urhe­ber- und Ver­lags­recht, 3. Aufl., S.191↩
vgl. Palandt/​Sprau, BGB, 71. Aufl., § 705 Rn. 1↩
vgl. BGH, Urteil vom 05.03.1998 – I ZR 250/​95, GRUR 1998, 673, 675 – Pop­mu­sik­pro­du­zen­ten; Loewen­heim in Schricker/​Loewenheim aaO § 8 UrhG Rn. 13; Drey­er in Dreyer/​Kotthoff/​Meckel, Urhe­ber­recht, 2. Aufl., § 8 UrhG Rn. 30, vgl. zu Urhe­bern ver­bun­de­ner Wer­ke BGH, Urteil vom 01.12.1972 – I ZR 81/​70 und I ZR 18/​71, GRUR 1973, 328, 329 – Musik­ver­le­ger II, mwN↩
vgl. Loewen­heim in Schricker/​Loewenheim aaO § 8 Rn. 13; Thum in Wandtke/​Bullinger aaO § 8 Rn. 52; Schack, Urhe­ber- und Urhe­ber­ver­trags­recht, 5. Aufl., Rn. 323↩
BGH, Urteil vom 29.01.2001 – II ZR 331/​00, BGHZ 146, 341, 343 ff.↩
im Ergeb­nis eben­so LG Stutt­gart, ZUM 2008, 163, 166; vgl. auch Czy­chow­ski in Fromm/​Nordemann, Urhe­ber­recht, 10. Aufl., § 32 UrhG Rn. 142↩
vgl. Ber­ger in Berger/​Wündisch, Hand­buch des Urhe­ber­ver­trags­rechts, § 2 Rn. 46; Schricker/​Haedicke in Schricker/​Loewenheim aaO § 32 UrhG Rn. 5↩
BGBl. I S. 1155↩
vgl. BT-Drucks. 14/​6433, S. 2 f.↩
vgl. BT-Drucks. 14/​6433, S. 9 f.↩
vgl. Schricker/​Haedicke in Schricker/​Loewenheim aaO § 32 Rn. 5↩
vgl. auch BGH, Urteil vom 27.06.2007 – VIII ZR 271/​06, NJW 2007, 2845, 2846↩
BGHZ 146, 341, 346↩