Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Text=5%20AZR%20690/97
Timestamp: 2019-01-23 06:34:39
Document Index: 271876853

Matched Legal Cases: ['§ 10', '§ 9', '§ 111', '§ 10', '§ 10', '§ 10', '§ 10', '§ 10', '§ 315', '§ 8', '§ 611', '§ 611', '§ 611', '§ 611', '§ 10', '§ 10', '§ 10', '§ 10', '§ 10', '§ 10', '§ 10', '§ 10', '§ 17', '§ 17', '§ 17']

BAG, 30.09.1998 - 5 AZR 690/97 - dejure.org
Angemessene Ausbildungsvergütung - ordnungsgemäße Rechtsmittelbelehrung
BBiG § 10 Abs. 1; ArbGG § 9 Abs. 5, § 111 Abs. 2
Berufsausbildungsrecht; angemessene Ausbildungsvergütung
ArbG Düsseldorf, 06.02.1997 - 11 Ca 5822/96
LAG Düsseldorf, 15.08.1997 - 9 Sa 532/97
NJW 1999, 1205
NZA 1999, 265
BB 1999, 162
DB 1999, 292
DB 1999, 338
Insoweit kommt dem Revisionsgericht ein unbeschränktes Überprüfungsrecht zu (BAG 30. September 1998 - 5 AZR 690/97 - AP BBiG § 10 Nr. 8 = EzA BBiG § 10 Nr. 4, zu II 2 der Gründe; 11. Oktober 1995 - 5 AZR 258/94 - BAGE 81, 139, zu II 2 der Gründe).
Sie soll zum einen dem Auszubildenden bzw. seinen Eltern zur Durchführung der Berufsausbildung eine finanzielle Hilfe sein, zum anderen die Heranbildung eines ausreichenden Nachwuchses an qualifizierten Fachkräften gewährleisten und schließlich eine Entlohnung darstellen (schriftlicher Bericht des Ausschusses für Arbeit, BT-Drucks. V/4260 S 9; BAG 8. Dezember 1982 - 5 AZR 474/80 - BAGE 41, 142, zu II 6 a der Gründe; 11. Oktober 1995 - 5 AZR 258/94 - BAGE 81, 139, zu II 1 der Gründe; 30. September 1998 - 5 AZR 690/97 - AP BBiG § 10 Nr. 8 = EzA BBiG § 10 Nr. 4, zu II 1 der Gründe; 15. November 2000 - 5 AZR 296/99 - BAGE 96, 237, zu IV 3 a der Gründe).
Danach ist eine Vergütung angemessen, wenn sie hilft, die Lebenshaltungskosten zu bestreiten und zugleich eine Mindestentlohnung für die in dem jeweiligen Gewerbezweig bestimmbare Leistung des Auszubildenden darstellt (BAG 30. September 1998 - 5 AZR 690/97 - aaO, zu II 1 der Gründe;… 8. Dezember 1982 - 5 AZR 474/80 - aaO, zu II 6 a der Gründe; BVerwG 26. März 1981 - 5 C 50/80 - BVerwGE 62, 117; 20. Mai 1986 - 1 C 12/86 - EzB BBiG § 10 Abs. 1 Nr. 48).
Daraus folgt, daß sich die Überprüfung nur darauf erstreckt, ob die vereinbarte Vergütung die Mindesthöhe erreicht, die noch als angemessen anzusehen ist (BAG 10. April 1991 - 5 AZR 226/90 - BAGE 68, 10, zu II 2 und 3 der Gründe; 11. Oktober 1995 - 5 AZR 258/94 - aaO, zu II 1 der Gründe und 30. September 1998 - 5 AZR 690/97 - aaO, zu II 2 der Gründe).
Dabei kommt dem Revisionsgericht - ebenso wie bei § 315 BGB (BAG 26. Juli 2001 - 6 AZR 434/99 - EZBAT BAT § 8 Direktionsrecht Nr. 50, zu IV 1 der Gründe; 7. Dezember 2000 - 6 AZR 444/99 - AP BGB § 611 Direktionsrecht Nr. 61 = EzA BGB § 611 Direktionsrecht Nr. 23, zu IV 1 der Gründe; 29. August 1991 - 6 AZR 593/88 - AP BGB § 611 Direktionsrecht Nr. 38 = EzA BGB § 611 Direktionsrecht Nr. 6, zu III 1 a der Gründe) - ein unbeschränktes Überprüfungsrecht zu (BAG 30. September 1998 - 5 AZR 690/97 - aaO, zu II 2 der Gründe).
Nach ständiger Rechtsprechung des Bundesarbeitsgerichts ist eine Ausbildungsvergütung, die sich an einem entsprechenden Tarifvertrag ausrichtet, stets als angemessen anzusehen (18. Juni 1980 - 4 AZR 545/78 - BAGE 33, 213, 219;… 8. Dezember 1982 - 5 AZR 474/80 - aaO, zu II 6 a der Gründe;… 11. Oktober 1995 - 5 AZR 258/94 - aaO, zu II 3 der Gründe; 30. September 1998 - 5 AZR 690/97 - aaO, zu II 3 der Gründe).
Allerdings kann die angemessene Vergütung im Einzelfall auch darunter - oder insbesondere bei lange Zeit nicht geänderten Empfehlungen - auch darüber liegen (BAG 30. September 1998 - 5 AZR 690/97 - aaO, zu II 3 der Gründe; 25. April 1984 - 5 AZR 540/82 - EzB BBiG § 10 Abs. 1 Nr. 45, zu II 1 der Gründe).
Bei Dauerschuldverhältnissen, wie dem Berufsausbildungsverhältnis, kann sich die Prüfung der Angemessenheit sinnvollerweise nur auf die jeweiligen Zeitabschnitte und nicht auf den Zeitpunkt des Vertragsschlusses beziehen (BAG 30. September 1998 - 5 AZR 690/97 - aaO, zu II 4 der Gründe).
Zu einem substantiierten Bestreiten des Ausbildenden gehört auch die Darlegung, warum im Einzelfall ein von den geschilderten Grundsätzen abweichender Maßstab gelten soll (BAG 30. September 1998 - 5 AZR 690/97 - aaO, zu II 5 und 6 der Gründe).
Schließlich stellt sie eine Entlohnung der Leistung des Auszubildenden dar (BAG 30. September 1998 - 5 AZR 690/97 - AP BBiG § 10 Nr. 8 = EzA BBiG § 10 Nr. 4 mwN).
Neben einer für geleistete Dienste zu gewährenden Entlohnung stellt die Ausbildungsvergütung auch eine finanzielle Hilfe zur Durchführung der Berufsausbildung dar und dient der Gewährleistung der Heranbildung eines ausreichenden Nachwuchses (BAG 11. Oktober 1995 - 5 AZR 258/94 - BAGE 81, 139 und 30. September 1998 - 5 AZR 690/97 - AP BBiG § 10 Nr. 8 = EzA BBiG § 10 Nr. 4).
Dieser genügt er jedoch schon damit, daß er auf einschlägige tarifliche Vergütungssätze verweist und geltend macht, die erhaltene Vergütung liege um mehr als 20 vH unter diesen Sätzen (BAG 30. September 1998 - 5 AZR 690/97 - aaO, zu II 5 der Gründe).
Er hat vielmehr die Vermutung einer den Anforderungen des § 10 Abs. 1 BBiG nicht mehr genügenden Vereinbarung unter Angabe des entsprechenden Maßstabes zu widerlegen (BAG 30. September 1998 - 5 AZR 690/97 - aaO, zu II 5 der Gründe).
Ein Rückgriff auf die Ausbildungsvergütung eines Tarifvertrags, dessen räumlicher, zeitlicher und fachlicher Geltungsbereich die Parteien nicht erfassen könnte, kommt nur in Betracht, wenn einschlägige tarifliche Regelungen nicht bestehen (…BAG 24. Oktober 2002 - 6 AZR 626/00 - aaO, zu II 1 der Gründe; 25. Juli 2002 - 6 AZR 311/00 -, zu I 5 der Gründe; 30. September 1998 - 5 AZR 690/97 - aaO, zu II 3 der Gründe).
Nach der Rechtsprechung (vgl. BAG 11. Oktober 1995 - 5 AZR 258/94 - BAGE 81, 139 und 30. September 1998 - 5 AZR 690/97 - AP BBiG § 10 Nr. 8 = EzA BBiG § 10 Nr. 4) beinhaltet die Ausbildungsvergütung nicht nur eine Entlohnung.
Nach den in der Rechtsprechung des Bundesarbeitsgerichts entwickelten Grundsätzen, deren Richtigkeit die Beteiligten nicht Abrede gestellt haben und denen sich die Kammer als auch nach ihrer Überzeugung zutreffend anschließt, ist die hier in Rede stehende (Un-)Angemessenheit der Ausbildungsvergütung rechtlich ausgestaltet als gerichtlich uneingeschränkt überprüfbarer (unbestimmter) Rechtsbegriff, vgl. Bundesarbeitsgericht (BAG), Urteil vom 30. September 1998, 5 AZR 690/97, juris, Rdnr. 18, und Urteil vom 22. Januar 2008, 9 AZR 999/06, juris Rdnr. 33; Herkert / Töltl, a. a. O., zu § 17 BBiG Rdnr. 8, der die Höhe der Ausbildungsvergütung allerdings nicht normativ vorschreibt.
vgl. BAG Urteil vom 30. September 1998, 5 AZR 690/97, juris, Rdnr. 18 und Urteil vom 26. März 2013, 3 AZR 89/11, juris Rdnr. 10.
vgl. zu der 20 %-Grenze etwa: BAG, Urteil vom 26. März 2013, 3 AZR 89/11, juris Rdnr. 15 Urteil vom 22. Januar 2008, 9 AZR 999/06, juris Rdnr. 34, und Urteil vom 30. September 1998, 5 AZR 690/97, juris Rdnr. 19; Herkert / Töltl, a. a. O., zu § 17 BBiG Rdnr. 8.
vgl. BAG, Urteil vom 30. September 1998, 5 AZR 690/97, a. a. O., Rdnr. 21; Herkert / Töltl, a. a. O., zu § 17 BBiG Rdnr. 8; so wohl auch BVerwG, Urteil vom 26. März 1981, 5 C 50/80, juris Rdnr. 17.
Das Arbeitsgericht könne sich, wie die Klägerin meint, nicht auf die Entscheidung des Bundesarbeitsgerichts vom 30.9.1998 (5 AZR 690/97) berufen, wenn es nur 80 % der empfohlenen Vergütung zuspreche, da in der fraglichen Entscheidung nur 80 % eingeklagt gewesen seien.
Maßgebend ist die Angemessenheit bei Fälligkeit der Vergütung, nicht bei Vertragsschluss (BAG v. 30.9. 1998 - 5 AZR 690/97, NZA 1999, 265).
Eine vertraglich vereinbarte Ausbildungsvergütung, welche nicht mehr als 20 % unter den Empfehlungen liegt, ist nach der von der Kammer geteilten Ansicht des Bundesarbeitsgerichts (Urt. v. 30.9. 1998, a.a.O.; was allerdings auch nicht ausnahmslos gilt und sogar eine weitergehende Unterschreitung im Einzelfall eröffnen kann, vgl. BAG v. 19.2. 2008 - 9 AZR 1091/06, NZA 2008, 828) als angemessen zu vermuten.
Schon das Bundesarbeitsgericht hatte mit Urt. v. 30.9.1998 (a.a.O.) einen gewissen Verhandlungsspielraum von 20 % unter der Empfehlung als möglich und keine Unangemessenheit begründend angesehen.
LAG Berlin, 30.05.2003 - 3 Ta 926/03
Erteilung einer vollstreckbaren Ausfertigung im Falle eines Widerrufsvergleichs
LAG Berlin, 18.06.2002 - 2 Ta 945/02
Fristbeginn für eine sofortige Beschwerde gegen einen Arbeitsgerichtsbeschluss; …