Source: https://www.rechtslupe.de/sozialrecht/aufhebung-der-prozesskostenhilfe-und-die-anwaltsvollmacht-327780
Timestamp: 2020-01-24 07:31:13
Document Index: 238199617

Matched Legal Cases: ['§ 172', '§ 124', '§ 120', '§ 120', '§ 124', '§ 120', '§ 172', '§ 172', '§ 172', '§ 173', '§ 73', '§ 81', '§ 73', '§ 73', '§ 120', '§ 73', '§ 124', '§ 120', '§ 120', '§ 120', '§ 120', '§ 124', '§ 120', '§ 20', '§ 81', 'BGH', '§ 120']

Auf­he­bung der Pro­zess­kos­ten­hil­fe – und die Anwalts­voll­macht | Rechtslupe
Aufhebung der Prozesskostenhilfe - und die Anwaltsvollmacht
§ 172 Abs. 3 Nr. 2 SGG erfasst schon von sei­nem Wort­laut her nicht Beschwer­den gegen einen die Bewil­li­gung von PKH auf­he­ben­den Beschluss nach § 124 Nr. 2 ZPO.
Eine im Ver­fah­ren erteil­te Pro­zess­voll­macht erstreckt sich jeden­falls dann auch auf das Über­prü­fungs­ver­fah­ren nach § 120 Abs. 4 Satz 2 ZPO, wenn aus der Voll­machts­ur­kun­de deut­lich wird, dass die Bevoll­mäch­ti­gung nicht mit dem Haupt­sa­che­ver­fah­ren endet und der Bevoll­mäch­tig­te auch das PKH-Ver­fah­ren durch­ge­führt hat. Ist die Pro­zess­voll­macht auch im Über­prü­fungs­ver­fah­ren zu beach­ten, sind die Auf­for­de­rung zur Erklä­rung nach § 120 Abs. 4 Satz 2 ZPO und auch ein Beschluss nach § 124 Nr. 2 ZPO an den Pro­zess­be­voll­mäch­tig­ten zu rich­ten. Die im Über­prü­fungs­ver­fah­ren vor dem Sozi­al­ge­richt unter­blie­be­ne Erklä­rung nach § 120 Abs. 4 Satz 2 ZPO kann im Beschwer­de­ver­fah­ren nach­ge­holt wer­den 1.
Statt­haf­tig­keit der Beschwer­de
Die Beschwer­de gegen den die bewil­lig­te Pro­zess­kos­ten­hil­fe wie­der auf­he­ben­den Beschluss des Sozi­al­ge­richts ist statt­haft; ein gesetz­li­cher Aus­schluss­tat­be­stand greift nicht ein. Ins­be­son­de­re fin­det § 172 Abs. 3 Nr. 2 SGG 2, wonach die Beschwer­de gegen die Ableh­nung von Pro­zess­kos­ten­hil­fe aus­ge­schlos­sen ist, wenn das Gericht aus­schließ­lich die per­sön­li­chen oder wirt­schaft­li­chen Vor­aus­set­zun­gen für die PKH ver­neint, kei­ne Anwen­dung; Beschwer­den gegen die Auf­he­bung von PKH wer­den schon vom Wort­laut des § 172 Abs. 3 Nr. 2 SGG nicht erfasst 3.
Zustel­lung des Auf­he­bungs­be­schlus­ses
Die Beschwer­de ist auch form- und frist­ge­recht ein­ge­legt (§§ 172 Abs. 1 und 173 SGG). Ledig­lich ergän­zend weist der Senat dar­auf hin, dass die sich aus § 173 Satz 1 SGG erge­ben­de Monats­frist vor­lie­gend schon nicht zu lau­fen begon­nen hat­te, da der Beschluss vom 11. Novem­ber 2010 nicht ord­nungs­ge­mäß zuge­stellt wor­den war. Denn der Beschluss vom 11. Novem­ber 2010 hät­te gemäß § 73 Abs. 6 Satz 5 SGG dem Bevoll­mäch­tig­ten des Antrag­stel­lers zuge­stellt wer­den müs­sen. Aus­weis­lich der im Haupt­sa­che­ver­fah­ren vor­ge­leg­ten Voll­machts­ur­kun­de erstreck­te sich die vom Antrag­stel­ler erteil­te Voll­macht auf die Pro­zess­ver­tre­tung (u.a. gem. §§ 81 ff. ZPO und § 73 SGG), die Emp­fang­nah­me und Frei­ga­be von Geld u.a. und der u.a. von der Jus­tiz­kas­se zu erstat­ten­den Kos­ten und Auf­wen­dun­gen (Nr. 4 der Voll­machts­ur­kun­de), die Ver­tre­tung vor Sozi­al­ge­rich­ten (Nr. 9 der Voll­machts­ur­kun­de) sowie auf alle Neben­ver­fah­ren (Nr. 12 der Voll­machts­ur­kun­de). Hier­aus wird deut­lich, dass die Bevoll­mäch­ti­gung sowohl die Kos­ten­er­stat­tung im PKH-Ver­fah­ren umfasst und auch nicht mit der Erle­di­gung des Haupt­sa­che­ver­fah­rens (hier durch Rück­nah­me der Kla­ge am 23. Mai 2007) enden soll­te. Dar­über hin­aus hat­te der Bevoll­mäch­tig­te auch den Antrag auf PKH für den Antrag­stel­ler gestellt und das Bewil­li­gungs­ver­fah­ren für die­sen betrie­ben. In einer sol­chen Kon­stel­la­ti­on erstreckt sich die nach § 73 SGG erteil­te Pro­zess­voll­macht auch auf das Ver­fah­ren der nach­träg­li­chen Über­prü­fung der per­sön­li­chen und wirt­schaft­li­chen Ver­hält­nis­se nach § 120 Abs. 4 ZPO 4.
Nach­ho­lung der Mit­wir­kung
Die Beschwer­de ist auch begrün­det, denn der Antrag­stel­ler hat im Beschwer­de­ver­fah­ren die vom Sozi­al­ge­richt gefor­der­ten Unter­la­gen vor­ge­legt. Eine Nach­ho­lung der Mit­wir­kung ist auch noch im Beschwer­de­ver­fah­ren zuläs­sig 5, wes­halb schon aus die­sem Grund der Beschluss des Sozi­al­ge­richts auf­zu­he­ben war.
Mit­wir­kung des Rechts­an­walts im Über­prü­fungs­ver­fah­ren
Im Übri­gen lagen auch schon von Anfang an die Vor­aus­set­zun­gen für die Auf­he­bung des dem Klä­ger PKH für das Kla­ge­ver­fah­ren S 16 AL 8104/​05 bewil­li­gen­den Beschlus­ses vom 26. Janu­ar 2007 nicht vor. Zu Unrecht ist das Sozi­al­ge­richt davon aus­ge­gan­gen, die Bewil­li­gung von PKH sei nach § 73a Abs. 1 Satz 1 SGG in Ver­bin­dung mit § 124 Nr. 2, 2. Alt. ZPO auf­zu­he­ben. Hier­nach kann das Gericht die Ent­schei­dung über die Bewil­li­gung von PKH dann auf­he­ben, wenn die Par­tei (hier: der Antrag­stel­ler) eine Erklä­rung nach § 120 Abs. 4 Satz 2 ZPO nicht abge­ge­ben hat. Nach­dem, wie oben dar­ge­legt, die für das (erle­dig­te) Haupt­sa­che- und das PKH-Bewil­li­gungs­ver­fah­ren erteil­te Pro­zess­voll­macht auch im PKH-Über­prü­fungs­ver­fah­ren zu beach­ten war, fehlt es vor­lie­gend bereits an einer ord­nungs­ge­mä­ßen Auf­for­de­rung zur Abga­be einer Erklä­rung im Sin­ne des § 120 Abs. 4 Satz 2 ZPO durch das Gericht. Da das Sozi­al­ge­richt sei­ne Schrei­ben aus­schließ­lich an den Antrag­stel­ler und nicht an des­sen Pro­zess­be­voll­mäch­tig­ten gerich­tet hat, ist eine rechts­wirk­sa­me Ver­pflich­tung des Antrag­stel­lers zur Abga­be einer Erklä­rung dar­über, ob sich die für die PKH maß­geb­li­chen per­sön­li­chen oder wirt­schaft­li­chen Ver­hält­nis­se wesent­lich geän­dert haben, nicht begrün­det wor­den. Für die Auf­he­bung der PKH fehlt dem­entspre­chend die tat­be­stand­lich vor­aus­ge­setz­te Grund­la­ge.
Kei­ne voll­stän­di­ge Neu­über­prü­fung
In die­sem Zusam­men­hang weist das Lan­des­so­zi­al­ge­richt Baden-Würt­tem­berg auch noch ein­mal dar­auf hin 6, dass im Rah­men des Ver­fah­rens nach § 120 Abs. 4 Satz 2 ZPO die Vor­la­ge einer Erklä­rung über die per­sön­li­chen und wirt­schaft­li­chen Ver­hält­nis­se nach über­wie­gen­der Auf­fas­sung in Recht­spre­chung und Lite­ra­tur 7 nicht ver­langt wer­den kann; denn der Betei­lig­te ist nur zur Mit­tei­lung wesent­li­cher Ände­run­gen, nicht aber zur (erneu­ten) umfas­sen­den Dar­le­gung sei­ner Ein­kom­mens- und Ver­mö­gens­ver­hält­nis­se ver­pflich­tet.
Nicht zu ent­schei­den war inso­weit auch die Fra­ge, ob das Sozi­al­ge­richt über­haupt berech­tigt war, eine Auf­for­de­rung nach § 120 Abs. 4 Satz 2 ZPO ohne jeden kon­kre­ten Anlass im Rah­men einer rein rou­ti­ne­mä­ßi­gen Über­prü­fung an den Antrag­stel­ler zu rich­ten 8. Auch muss­te nicht ent­schie­den wer­den, ob der hier tätig gewor­de­ne Kos­ten­be­am­te bzw. Ver­wal­tungs­lei­ter für das der Beschluss­fas­sung nach § 124 Nr. 2, 2. Alt. ZPO vor­aus­ge­hen­de Über­prü­fungs­ver­fah­ren nach § 120 Abs. 4 ZPO (trotz Feh­lens einer dem § 20 Nr. 4 Buchst. c) RPflG ent­spre­chen­den Kom­pe­tenz­norm) funk­tio­nell über­haupt zustän­dig gewe­sen war 9.
Lan­des­so­zi­al­ge­richt Baden-Würt­tem­berg, Beschluss vom 8. Febru­ar 2011, L 13 AS 2819/​10 B; und Beschluss vom 21. Febru­ar 2011 – L 13 AL 5384/​10 B
Unter­halts­vor­schuss bei anony­mer Samen­spen­de Kin­der, die im Wege der he­te­ro­lo­gen In­se­mi­na­ti­on durch das Sper­ma eines an­ony­men Spen­ders ge­zeugt wur­den, haben kei­nen An­spruch auf Un­ter­halts­leis­tun­gen nach dem Un­ter­halts­vor­schuss­ge­setz, wenn die…
Pro­zess­kos­ten­hil­fe und die Erle­di­gung der Haupt­sa­che Die Bewil­li­gung von Pro­zess­kos­ten­hil­fe kommt, so das Nie­der­säch­si­sches Ober­ver­wal­tungs­ge­richt in einer aktu­el­len Ent­schei­dung, grund­sätz­lich nicht mehr in Betracht, wenn das Ver­fah­ren vor der Ent­schei­dung über…
Anschluss u.a. an LAG Rhein­land-Pfalz, Beschluss vom 09.09.2010 – 1 Ta 149/​10[↩]
in der Fas­sung des Geset­zes zur Ände­rung des SGG und des Arbeits­ge­richts­ge­set­zes vom 26.03.2008, BGBl. I S. 444[↩]
vgl. LSG Baden-Würt­tem­berg, Beschluss vom 08.02.2011 – L 13 AS 2819/​10 B – m.w.N.[↩]
so für den Fall der Pro­zess­voll­macht nach § 81 ZPO zuletzt BGH, Beschluss vom 28.12.2010 – XII ZB 38/​09, m.w..N.; BAG, Beschluss vom 19.07.2006 – 3 AZB 18/​06; LAG Rhein­land-Pfalz, Beschluss vom 05.07.2010 – 1 Ta 121/​10; a. A. Thü­rin­ger LSG, Beschluss vom 08.05.2006 – L 6 B 10/​06 SF m.w.N.[↩]
LAG Rhein­land-Pfalz, Beschluss vom 09.09.2010 – 1 Ta 149/​10; LAG Rhein­land-Pfalz, Beschluss vom 17.01.2008 – 9 Ta 276/​07; OLG Koblenz, Beschluss vom 03.11.2005 – 7 WF 942/​05[↩]
vgl. schon LSG Bad.-Württ., Beschluss vom 08.02.2011 – L 13 AS 2819/​10 B[↩]
vgl. z. B. LAG Rhein­land-Pfalz, Beschluss vom 02.09.2010 – 1 Ta 16510; LAG Hamm, Beschluss vom 12.04.2010 – 14 Ta 657/​09; OLG Karls­ru­he, Beschluss vom 12.10.2005 – 1 W 60/​05; Kalthoe­n­er/Bütt­ner/W­ro­bel-Sachs, Pro­zess- und Ver­fah­rens­kos­ten­hil­fe, Bera­tungs­hil­fe, Rdnr.842[↩]
offen gelas­sen in LSG Bad.-Württ., Beschluss vom 08.02.2011 – L 13 AS 2819/​10 B; ver­nei­nend Hes­si­scher VGH, Beschluss vom 16.08.2005 – 10 TP 1538/​05, unter Hin­weis auf Bork in Stein/​Jonas, ZPO, 22. Aufl. 2004, § 120 Rdnr. 34 und die Amt­li­che Begrün­dung BT-Drucks. 10/​3054 S. 18[↩]
eben­so offen gelas­sen in LSG Bad.-Württ., Beschluss vom 08.02.2011 – L 13 AS 2819/​10 B[↩]
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