Source: http://www.hensche.de/Strukturausgleich_Ausglegung_TVoeD_Ueberleitung_Bund_Merkmal_Ohne_Aufstieg_BAG_6AZR962-08_u.html
Timestamp: 2018-03-21 14:55:53
Document Index: 232782210

Matched Legal Cases: ['§ 12', '§ 8', '§ 256', '§ 12', '§ 12', '§ 12', '§ 12', '§ 293', '§ 12', '§ 12']

hat der Sechs­te Se­nat des Bun­des­ar­beits­ge­richts auf­grund der Be­ra­tung vom 22. April 2010 durch den Vor­sit­zen­den Rich­ter am Bun­des­ar­beits­ge­richt
Dr. Fi­scher­mei­er, den Rich­ter am Bun­des­ar­beits­ge­richt Dr. Brühler, die Rich­te-rin am Bun­des­ar­beits­ge­richt Spel­ge so­wie die eh­ren­amt­li­chen Rich­ter Knauß und Ma­ti­as­ke für Recht er­kannt:
Die 1966 ge­bo­re­ne Kläge­rin ist seit dem 15. März 1989 in ei­ner For­schungs­an­stalt der Be­klag­ten als Che­mie­la­bo­ran­tin in der Funk­ti­on ei­ner Che­misch-Tech­ni­schen As­sis­ten­tin beschäftigt. Auf das Ar­beits­verhält­nis fand der Bun­des-An­ge­stell­ten­ta­rif­ver­trag (BAT) An­wen­dung. Seit dem 1. Ok­to­ber 2005 rich­tet sich das Ar­beits­verhält­nis auf­grund bei­der­sei­ti­ger Ta­rif­bin­dung nach dem TVöD und dem TVÜ-Bund. Die Kläge­rin war zunächst in der Vergütungs­grup­pe VI b, Fall­grup­pe 1, Teil II, Ab­schn. L, Un­ter­ab­schn. II der An¬la­ge 1a zum BAT ein­grup­piert. Im We­ge ei­nes Zeit­auf­stiegs wur­de sie zum 1. Ja­nu­ar 1997 in die Vergütungs­grup­pe V c, Fall­grup­pe 2, Teil II, Ab­schn. L, Un­ter­ab­schn. II der An­la­ge 1a zum BAT höher­grup­piert. Sie er­hielt vor der Über­lei­tung des Ar­beits­verhält­nis­ses in den TVöD zu­letzt Grund­ge­halt die­ser Vergütungs­grup­pe nach Le­bens­al­ters­stu­fe 39. Im Rah­men der Über­lei­tung des Ar­beits­verhält­nis­ses in den TVöD wur­de die Kläge­rin der Ent­gelt­grup­pe E 8
TVöD und ei­ner ih­rem Ver­gleichs­ent­gelt ent­spre­chen­den in­di­vi­du­el­len End­stu­fe zu­ge­ord­net, weil das Ver­gleichs­ent­gelt über der höchs­ten Stu­fe 6 der Ent­gelt-grup­pe E 8 TVöD lag.
Pro­to­kollerklärung zu Ab­satz 4:
Bei späte­ren Verände­run­gen der in­di­vi­du­el­len re­gelmäßigen wöchent­li­chen Ar­beits­zeit der/des Beschäftig­ten
ändert sich der Struk­tur­aus­gleich ent­spre­chend.
An­la­ge 3 TVÜ-Bund
Struk­tur­aus­glei­che für An­ge­stell­te (Bund)
IX b nach
2 Jah­ren
OZ 2 23 40 Eu­ro
8 V c oh­ne OZ 2 39 40 Eu­ro dau­er­haft
2. 1Die Ta­rif­ver­trags­par­tei­en er­ken­nen un­be­scha­det der Nie­der­schrifts­erklärung Nr. 1 an, dass die Struk­tur-aus­glei­che in ei­nem Zu­sam­men­hang mit der zukünf­ti­gen Ent­gel­t­ord­nung ste­hen. 2Die Ta­rif­ver­trags­par­tei­en wer­den nach ei­ner Ver­ein­ba­rung der Ent­gel­t­ord­nung zum TVöD, recht­zei­tig vor Ab­lauf des 30. Sep­tem­ber 2007 prüfen, ob und in wel­chem Um­fang sie ne­ben den be­reits ver­bind­lich ver­ein­bar­ten Fällen, in de­nen Struk­tur­aus­gleichs­beträge fest­ge­legt sind, für ei­nen Zeit­raum bis längs­tens En­de 2014 in wei­te­ren Fällen Re­ge­lun­gen, die auch in der Be­gren­zung der Zuwächse aus Struk­tur­aus-
glei­chen be­ste­hen können, vor­neh­men müssen. 3Sollten zusätz­li­che Struk­tur­aus­glei­che ver­ein­bart wer­den, sind die sich dar­aus er­ge­ben­den Kos­ten­wir­kun­gen in der Ent­gelt­run­de 2008 zu berück-sich­ti­gen.“
Die Be­klag­te hat zu ih­rem Kla­ge­ab­wei­sungs­an­trag die An­sicht ver­tre­ten, für den An­spruch auf Struk­tur­aus­gleich nach § 12 TVÜ-Bund iVm. der Struk­tur­aus­gleich­s­ta­bel­le sei nicht auf die am Stich­tag tatsächlich er­reich­te, son­dern die ori­ginäre Vergütungs­grup­pe ab­zu­stel­len. Die Spal­ten 2 und 3 der Ta­bel­le sei­en nur verständ­lich, wenn sie als Ein­heit ver­stan­den würden. Die Ta­rif­ver­trags­par­tei­en hätten die Auf­stiegsmöglich­kei­ten der Beschäftig­ten in der Struk­tur­aus­gleich­s­ta­bel­le nach­ge­zeich­net. So sei in Spal­te 3 stets ei­ne höhe­re Vergütungs­grup­pe als in Spal­te 2 der Ta­bel­le aus­ge­wie­sen. An­ders als in der
An­la­ge 2 TVÜ-Bund hätten die Ta­rif­ver­trags­par­tei­en in der Struk­tur­aus­gleich­s­ta­bel­le nicht zwi­schen vor­han­de­nem, voll­zo­ge­nem und noch aus­ste­hen­dem Auf­stieg dif­fe­ren­ziert. Die Fall­va­ri­an­te „nach Auf­stieg“ ent­hal­te die­se Ta­bel­le nicht. Dies zei­ge, dass es für den An­spruch auf den Struk­tur­aus­gleich auf die ori­ginäre Vergütungs­grup­pe an­kom­me. Die Fall­grup­pe der ori­ginären Vergütungs­grup­pe oh­ne wei­te­re Auf­stiegsmöglich­keit könne nicht mit der nach er­folg­tem Auf­stieg er­reich­ten Vergütungs­grup­pe gleich­ge­stellt wer­den. Für die­ses Aus­le­gungs­er­geb­nis spre­che auch, dass die nach dem Über­lei­tungs­stich­tag voll­zo­ge­nen Auf­stie­ge gemäß § 8 Abs. 2 Satz 3 TVÜ-Bund zum Weg-fall des Struk­tur­aus­gleichs führ­ten.
1. Der auf die Ver­pflich­tung der Be­klag­ten zur Zah­lung von Struk­tur­aus­gleich ge­rich­te­te Fest­stel­lungs­an­trag hat ei­ne Leis­tungs­ver­pflich­tung aus dem
Ar­beits­verhält­nis zum Ge­gen­stand (vgl. BAG 29. Sep­tem­ber 2004 - 5 AZR 528/03 - BA­GE 112, 112, 115). Für die­sen An­trag liegt das nach § 256 Abs. 1 ZPO er­for­der­li­che Fest­stel­lungs­in­ter­es­se vor. Das an­ge­streb­te Fest­stel­lungs-ur­teil ist ge­eig­net, den Kon­flikt der Par­tei­en endgültig bei­zu­le­gen und wei­te­re Pro­zes­se zwi­schen ih­nen zu ver­mei­den. Es kann er­war­tet wer­den, dass die Be­klag­te ei­nem ge­gen sie er­gan­ge­nen Fest­stel­lungs­ur­teil nach­kom­men und die sich dar­aus er­ge­ben­den Leis­tungs­ansprüche erfüllen wird. Die Kläge­rin muss­te den be­an­spruch­ten Aus­gleichs­be­trag auch nicht be­zif­fern, nach­dem die­ser Be­trag bei Teil­zeit­beschäfti­gung an­tei­lig zu zah­len ist (§ 12 Abs. 4 Satz 1 TVÜ-Bund) und die Höhe des Struk­tur­aus­gleichs da­mit vom je­wei­li­gen zeit­li­chen Um­fang der Beschäfti­gung der Kläge­rin abhängt.
1. Die Ta­rif­ver­trags­par­tei­en ha­ben in der Struk­tur­aus­gleich­s­ta­bel­le den An­spruch auf den Aus­gleichs­be­trag an fünf Vor­aus­set­zun­gen ge­knüpft. Sie ha­ben zu je­der „Vergütungs­grup­pe bei In-Kraft-Tre­ten TVÜ“ für be­stimm­te Le­bens­al­ters­stu­fen und Stu­fen des Orts­zu­schlags je­weils die Höhe des Aus-
gleichs­be­trags und die Dau­er der Zah­lung des Struk­tur­aus­gleichs fest­ge­legt. Die Kläge­rin hat am 1. Ok­to­ber 2005 und da­mit am gemäß § 12 Abs. 1 Satz 2 TVÜ-Bund maßgeb­li­chen Stich­tag die an­spruchs­be­gründen­den Vor­aus­set­zun­gen für ei­nen dau­er­haft zu zah­len­den Struk­tur­aus­gleich in Höhe von mo­nat­lich 40,00 Eu­ro bei Voll­zeit­beschäfti­gung nur dann erfüllt, wenn es für das Merk­mal „Auf­stieg - oh­ne“ aus­reicht, dass am Stich­tag 1. Ok­to­ber 2005 kein (wei­te­rer) Auf­stieg mehr möglich war. Sie wur­de im Rah­men der Über­lei­tung in den TVöD der Ent­gelt­grup­pe E 8 zu­ge­ord­net. Seit dem 1. Ja­nu­ar 1997 und da­mit bei In­kraft­tre­ten des TVÜ-Bund am 1. Ok­to­ber 2005 war sie in der Vergütungs­grup­pe V c, Fall­grup­pe 2, Teil II, Ab­schn. L, Un­ter­ab­schn. II der An­la­ge 1a zum BAT ein­grup­piert. Darüber, dass der Kläge­rin bei In­kraft­tre­ten des TVÜ-Bund Orts­zu­schlag der Stu­fe 2 zu­stand, sie zu die­sem Zeit­punkt die Le­bens­al­ters­stu­fe 39 er­reicht hat­te und im We­ge ei­nes Bewährungs-, Fall­grup­pen- oder Tätig­keits­auf­stiegs nicht mehr höher­grup­piert wer­den konn­te, be­steht kein Streit.
3. Nach ständi­ger Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts (vgl. 19. Sep­tem­ber 2007 - 4 AZR 670/06 - Rn. 30, BA­GE 124, 110; 7. Ju­li 2004
TVöD maßgeb­li­che Vergütungs­grup­pe nicht mit ei­nem frühe­ren oder zukünf­ti­gen Auf­stieg ver­bun­den sein darf.
b) Wenn die Struk­tur­aus­gleich­s­ta­bel­le bei den ge­nann­ten Vergütungs­grup­pen mit Auf­stieg nur Vergütungs­grup­pen mit ei­nem am Stich­tag noch nicht er­folg­ten, al­so ei­nem zukünf­ti­gen Auf­stieg be­zeich­net, liegt die An­nah­me na­he, auch das Wort „oh­ne“ er­fas­se nur ei­nen zukünf­ti­gen Auf­stieg. Al­ler­dings lässt sich die­ser Aus­le­gung ent­ge­gen­hal­ten, dass in den Fällen mit Auf­stieg die
a) Mit dem Struk­tur­aus­gleich woll­ten die Ta­rif­ver­trags­par­tei­en Er­war­tun­gen auf zukünf­ti­ge Ent­gelt­stei­ge­run­gen nach dem bis­he­ri­gen Ta­rif­sys­tem Rech­nung tra­gen. Bei der Er­mitt­lung der begüns­tig­ten Per­so­nen­grup­pen war ent­schei­dend, wel­che Ein­kom­mens­ent­wick­lung bei der bis­her er­reich­ten Vergütungs­grup­pe und Le­bens­al­ters­stu­fe so­wie dem je­wei­li­gen Fa­mi­li­en­stand
(Orts­zu­schlag Stu­fe 1 oder Stu­fe 2) noch möglich ge­we­sen wäre. Dies erklärt, war­um die Struk­tur­aus­gleichs­beträge in­ner­halb ei­ner Vergütungs­grup­pe bei ver­schie­de­nen Le­bens­al­ters­stu­fen nicht stets gleich hoch sind (Cle­mens/Scheu­ring/St­ein­gen/Wie­se TVöD Stand De­zem­ber 2009 Teil IV/3 TVÜ-Bund/TVÜ-VKA Rn. 150). Im In­ter­es­se ei­ner für ei­ne Viel­zahl von Fall­ge­stal­tun­gen an­ge­streb­ten Ab­mil­de­rung von Ex­spek­t­anz­ver­lus­ten ha­ben die Ta­rif­ver­trags­par­tei­en Ver­wer­fun­gen in Ein­z­elfällen aus­drück­lich hin­ge­nom­men (Nr. 1 Satz 2 der Nie­der­schrifts­erklärun­gen zu § 12 TVÜ-Bund). Mit den Spal­ten 2 und 3 der Struk­tur­aus­gleich­s­ta­bel­le ha­ben sie zwar auch mögli­che Kar­rie­re­ent­wick­lun­gen der An­ge­stell­ten nach dem BAT/BAT-O ab­ge­bil­det, so­weit sie den An­spruch auf Struk­tur­aus­gleich in der Spal­te 3 an den Auf­stieg in ei­ne höhe­re Vergütungs­grup­pe ge­knüpft ha­ben. Al­ler­dings ha­ben die Ta­rif­ver­trags­par­tei­en mit dem Struk­tur­aus­gleich nicht aus­sch­ließlich nach dem bis­he­ri­gen Ta­rif­sys­tem be­ste­hen­den Ex­spek­t­an­zen im Hin­blick auf ei­ne Höher­grup­pie­rung Rech­nung ge­tra­gen. Sie ha­ben viel­mehr auch Ex­spek­t­anz­ver­lus­te auf­grund der Be­sei­ti­gung des Auf­stiegs nach dem Le­bens­al­ter ab­mil­dern wol­len. In Spal­te 5 der Struk­tur­aus­gleich­s­ta­bel­le ha­ben sie des­halb auf die Le­bens­al­ters­stu­fe des An­ge­stell­ten bei In­kraft­tre­ten des TVÜ-Bund ab­ge­stellt (vgl. Ha­nau ZTR 2009, 403, 408).
b) Die­ses Ab­mil­de­rungs­ziel spricht zwar für das Verständ­nis, dass das Merk­mal „Auf­stieg - oh­ne“ be­reits erfüllt ist, wenn am Stich­tag 1. Ok­to­ber 2005 kein (wei­te­rer) Auf­stieg mehr möglich war. Ent­gelt­stei­ge­run­gen auf­grund des Er­rei­chens ei­ner höhe­ren Le­bens­al­ters­stu­fe wären nach bis­he­ri­gem Ta­rif­recht un­abhängig da­von ein­ge­tre­ten, ob die ak­tu­el­le Ein­grup­pie­rung noch ei­nen Bewährungs- oder Tätig­keits­auf­stieg zu­ge­las­sen hätte oder ein sol­cher Auf­stieg be­reits vor dem In­kraft­tre­ten des TVÜ-Bund er­folgt war. Der Ver­lust der Al­ter­s­ex­spek­tanz trifft al­le Beschäftig­te ei­ner Vergütungs­grup­pe gleich, un­abhängig da­von, ob sie in die­se ori­ginär ein­grup­piert wa­ren oder durch Auf­stieg ge­langt sind (Ha­nau ZTR 2009, 403, 407). Ei­ne Bin­dung des An­spruchs auf Struk­tur­aus­gleich an ei­ne ori­ginäre Vergütungs­grup­pe könn­te des­halb dem Wil­len der Ta­rif­ver­trags­par­tei­en, auch mit der Ab­schaf­fung der Le­bens­al­ters­stu­fen ver-
bun­de­ne Ex­spek­t­anz­ver­lus­te aus­zu­glei­chen (vgl. Dan­nen­berg PersR 2009, 193, 195), wi­der­spre­chen.
8. Ob es nach § 12 des Ta­rif­ver­trags zur Über­lei­tung der Beschäftig­ten der Länder in den TV-L und zur Re­ge­lung des Über­g­angs­rechts (TVÜ-Länder) vom 12. Ok­to­ber 2006 für den An­spruch auf Struk­tur­aus­gleich dar­auf an­kommt, dass die für die Über­lei­tung maßgeb­li­che Vergütungs­grup­pe oh­ne Auf­stieg er­reicht wor­den ist, ist für die Aus­le­gung des Merk­mals „Auf­stieg - oh­ne“ in der An­la­ge 3 TVÜ-Bund nicht ent­schei­dend. Selbst wenn die Ta­rif­ver­trags­par­tei­en des TVÜ-Länder auf die ori­ginäre Vergütungs­grup­pe ab­ge­stellt ha­ben soll­ten, könn­te dar­aus kein ent­spre­chen­der Re­ge­lungs­wil­le der Ta­rif­ver­trags­par­tei­en
des TVÜ-Bund ab­ge­lei­tet wer­den, die die­sen Ta­rif­ver­trag be­reits am 13. Sep­tem­ber 2005 ver­ein­bart hat­ten.
Das Lan­des­ar­beits­ge­richt hat auf­grund sei­ner An­nah­me, be­reits die Sys­te­ma­tik der ta­rif­li­chen Re­ge­lung spre­che ent­schei­dend dafür, dass es zur
Erfüllung des Merk­mals „Auf­stieg - oh­ne“ auf die ori­ginäre Vergütungs­grup­pe an­kom­me, nicht ge­prüft, ob die Be­haup­tung der Be­klag­ten zu­trifft, dass die Ta­rif­ver­trags­par­tei­en des TVÜ-Bund in den Ta­rif­ver­hand­lun­gen die Struk­tur­aus­gleichs­beträge auf der Ba­sis der ori­ginären Vergütungs­grup­pen mit und oh­ne Auf­stiegsmöglich­keit fest­ge­legt ha­ben und sich ei­nig ge­we­sen sind, dass das Merk­mal „Auf­stieg - oh­ne“ nur dann erfüllt ist, wenn die für die Über­lei­tung maßgeb­li­che Vergütungs­grup­pe nicht im We­ge ei­nes Auf­stiegs er­reicht wor­den ist. Die­se Prüfung hat es nach­zu­ho­len. Da­zu hat es bei­den Par­tei­en zunächst Ge­le­gen­heit zu ge­ben, ih­ren je­wei­li­gen Sach­vor­trag zur Ent­ste­hungs­ge­schich­te der Re­ge­lung des Struk­tur­aus­gleichs zu ergänzen und wei­ter zu sub­stan­ti­ie­ren. So­dann wird das Lan­des­ar­beits­ge­richt fest­zu­stel­len ha­ben, ob die Ta­rif­ver­trags­par­tei­en sich ei­nig ge­we­sen sind, dass die ori­ginäre Vergütungs­grup­pe maßgeb­lich ist. Da Wort­laut, sys­te­ma­ti­scher Zu­sam­men­hang und sons­ti­ge Aus­le­gungs­ge­sichts­punk­te nicht zu ei­ner zwei­fels­frei­en Aus­le­gung führen, kann auch Ver­an­las­sung zur Ein­ho­lung ei­ner Ta­rif­aus­kunft be­ste­hen (vgl. BAG 17. Mai 1994 - 1 ABR 57/93 -). Gemäß § 293 ZPO können so Mit­tel der Rechts­an­wen­dung und die da­zu er­for­der­li­chen Er­kennt­nis­quel­len ge­won­nen wer­den, in­dem zB Auskünf­te der Ta­rif­ver­trags­par­tei­en darüber ein­ge­holt wer­den, ob es zu der Re­ge­lung des Struk­tur­aus­gleichs Pro­to­koll­no­ti­zen oder ver­gleich­ba­re Un­ter­la­gen gibt, aus de­nen ein übe­rein­stim­men­der Re­ge­lungs­wil­le der Ta­rif­ver­trags­par­tei­en er­sicht­lich ist (vgl. BAG 16. Ok­to­ber 1985 - 4 AZR 149/84 - BA­GE 50, 9, 21).
11. Kann ei­ne sol­che Ei­nig­keit der Ta­rif­ver­trags­par­tei­en nicht fest­ge­stellt wer­den, wäre das Merk­mal „Auf­stieg - oh­ne“ so aus­zu­le­gen, dass es aus­reicht, dass am Stich­tag 1. Ok­to­ber 2005 kein (wei­te­rer) Auf­stieg mehr möglich war. Für die­se Aus­le­gung strei­tet dann ent­schei­dend der Ge­sichts­punkt der Nor­men­klar­heit. Wenn die Ta­rif­ver­trags­par­tei­en in den ers­ten fünf Spal­ten der Struk­tur­aus­gleich­s­ta­bel­le sämt­li­che An­spruchs­vor­aus­set­zun­gen für den Struk­tur­aus­gleich und in den Spal­ten 6 und 7 der Ta­bel­le die Höhe des je­wei­li­gen Aus­gleichs­be­trags bzw. die Be­zugs­dau­er auf­ge­lis­tet ha­ben, spricht dies dafür, dass sie den Struk­tur­aus­gleich möglichst trans­pa­rent re­geln woll­ten. Müss­te
erst er­mit­telt wer­den, ob der Beschäftig­te in die in der Spal­te 2 der Ta­bel­le be­zeich­ne­te Vergütungs­grup­pe im We­ge des Auf­stiegs ge­langt ist oder nicht, wäre die Re­ge­lung we­ni­ger durch­schau­bar. Für Nor­madres­sa­ten, die sich al­lein an­hand des Wort­lauts von § 12 TVÜ-Bund und der Struk­tur­aus­gleich­s­ta­bel­le Ge­wiss­heit über Ansprüche auf Struk­tur­aus­gleich ver­schaf­fen wol­len, ist dies ent­schei­dend. Auch die Bun­des­for­schungs­an­stalt für Ernährung und Le­bens­mit­tel hat die ta­rif­li­che Re­ge­lung zunächst so ver­stan­den, dass es für den An­spruch auf Struk­tur­aus­gleich auf die „ge­genwärti­ge Ein­grup­pie­rung bei In­kraft­tre­ten des TVÜ-Bund“ an­kommt. Sie hat der Kläge­rin des­halb in ei­nem Schrei­ben vom 10. Ok­to­ber 2005 mit­ge­teilt, dass die­se Struk­tur­aus­gleich erhält, und die­se Mit­tei­lung erst nach Kennt­nis der Hin­wei­se des Bun­des­mi­nis­te­ri­ums des In­nern zur An­wen­dung der Re­ge­lun­gen über Struk­tur­aus­glei­che gemäß § 12 TVÜ-Bund kor­ri­giert. Bei ei­nem un­be­fan­ge­nen Durch­le­sen der ta­rif­ver­trag­li­chen An­spruchs­vor­aus­set­zun­gen liegt die In­ter­pre­ta­ti­on, ent­schei­dend sei die bei der Über­lei­tung maßgeb­li­che Vergütungs­grup­pe des BAT oh­ne Rück­sicht auf ei­nen vor­an­ge­gan­ge­nen Auf­stieg, deut­lich näher als die von der Be­klag­ten befürwor­te­te Aus­le­gung. Wenn al­le an­de­ren Aus­le­gungs­ge­sichts­punk­te zu kei­nem ein­deu­ti­gen Er­geb­nis führen, muss dies den Aus­schlag ge­ben, weil von den Nor­madres­sa­ten ty­pi­scher­wei­se nicht zu er­war­ten ist, dass sie sich zur Klärung der An­spruchs­vor­aus­set­zun­gen sämt­li­cher Aus­le­gungs­me­tho­den be­die­nen und al­le in Be­tracht kom­men­den Aus­le­gungs­ge­sichts­punk­te her­an­zie­hen.
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