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Timestamp: 2020-07-04 07:02:11
Document Index: 348217890

Matched Legal Cases: ['BGH', 'BGH', '§ 1', '§ 1', '§ 5', '§ 1', '§ 5']

Urteil > 2 StR 580/10 | BGH - BGH: Anwendung der Synergetik-Methode ohne Heilpraktikererlaubnis strafbar < kostenlose-urteile.de
Bundesgerichtshof, Urteil vom 22.06.2011
- 2 StR 580/10 -
Die Anwendung der so genannten Synergetik-Methode stellt eine erlaubnispflichtige Ausübung der Heilkunde gemäß § 1 Abs. 1 HeilprG dar. Sofern keine Heilpraktikererlaubnis vorliegt und die angewandte Therapieform geeignet ist, die Gesundheit des Patienten nennenswert zu schädigen, stellt dies eine strafbare Handlung dar. Dies entschied der Bundesgerichtshof.
Im zugrunde liegenden Fall hatte das Landgericht Frankfurt am Main die angeklagte Frau wegen unerlaubter Ausübung der Heilkunde in elf Fällen zu einer Gesamtgeldstrafe von 120 Tagessätzen verurteilt und in weiteren 20 Fällen freigesprochen.
Nach den Feststellungen des Landgerichts führte die Angeklagte in ihrer Wohnung Behandlungen nach der so genannten Synergetik-Methode durch. Nach der dieser Behandlungsmethode zugrunde liegenden Lehre lassen sich bei den Klienten in Tiefenentspannung innere Bilder bearbeiten. Hierdurch sollen unverarbeitete Erlebnisse und Konflikte aufgearbeitet und eine Selbstheilung von Krankheiten ermöglicht werden. Um Kunden zu werben, wandte sich die Angeklagte mit einer eigenen Internetseite und mit Flyern u.a. an Menschen mit Ängsten, Depressionen, Traumata und anderen psychischen Problemen. Bei den Therapiesitzungen gelangten die Klienten in einen Zustand hypnoid verminderten Bewusstseins, und sie erlebten Gedächtnisbilder, die sie der Angeklagten mit den damit zusammenhängenden Gefühlen beschrieben. Während der mitunter von Affektzuständen begleiteten Behandlung wurden die Klienten teilweise mit belastenden Erinnerungen konfrontiert. Eine Besprechung zwischen der Angeklagten und ihren Klienten über das zuvor Erlebte fand im Einzelnen nicht statt. Für ihre Behandlungen, die sie auch zu Heilzwecken ausüben wollte und, besaß die Angeklagte keine Erlaubnis nach dem Heilpraktikergesetz (§ 1 HeilprG*). Hierauf wies sie ihre Klienten, auch durch in ihren Räumlichkeiten aufgehängte schriftliche Hinweise, ausdrücklich hin. Sie wies auch darauf hin, dass die "Synergetik"-Methode kein anerkanntes Heilverfahren sei und dass Klienten mit ernsthaften Erkrankungen sich – zusätzlich – in ärztliche Behandlung begeben sollten.
Landgericht hält Gefahr der Gesundheitsschädigung für wahrscheinlich
Möglichkeit der Gesundheitsschädigung durch angewandte Therapieform für Erfüllung Strafvorschrift des § 5 HeilprG ausreichend
Unmittelbare Gesundheitsgefährdung in allen zugrunde liegenden Fällen hinlänglich wahrscheinlich
* - § 1 HeilprG
** - § 5 HeilprG
Landgericht Frankfurt am Main, Urteil vom 15.06.2010
[Aktenzeichen: 5/26 KLs 8910 Js 206769/08]
Bundesgerichtshof, Entscheidung vom 22.06.2011 [Aktenzeichen: 2 StR 580/10]
Urteile zu den Schlagwörtern: Erlaubnis | Gesundheitsgefährdung | Heilbehandlung | Heilpraktiker | Heilpraktikererlaubnis | Krankheit | Erkrankung | strafbare Handlungen | Straftaten | Therapeut
Dokument-Nr. 12366
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