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Timestamp: 2019-11-14 11:24:33
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Matched Legal Cases: ['Art. 1', 'Art. 1', '§2', 'Art. 2', '§2', 'Art. 1']

Weihnachtsansprachen Papst Franziskus' – Kathpedia
am 21. Dezember 2013 im Clementina-Saal; Die deutsche Fassunge auf der Vatikanseite
am 22. Dezember 2014 im Clementina-Saal Die deutsche Fassung auf der Vatikanseite
„Du thronst über den Cherubim – der Du den elenden Zustand der Welt verwandelt hast, als Du uns gleich geworden bist.“ (hl. Athanasius) Liebe Brüder,
↑ Er sagt, dass die Kirche, da sie mysticum Corpus Christi ist, »auch eine Vielzahl von Gliedern erfordert, die so miteinander verbunden sein müssen, dass sie sich gegenseitig helfen. Und wie in unserem sterblichen Organismus, wenn ein Glied leidet, die anderen seinen Schmerz empfinden und ihm zu Hilfe kommen, so leben in der Kirche die einzelnen Glieder nicht jedes für sich, sondern helfen auch den anderen, indem sie zusammenarbeiten, sowohl zur gegenseitigen Stärkung, als auch für eine immer bessere Entfaltung des gesamten Leibes … ein Leib, der nicht aus irgendeiner Anhäufung von Gliedern besteht. Er muss vielmehr mit Organen bzw. Gliedern ausgestattet sein, die nicht alle dieselbe Aufgabe haben, sondern gebührend aufeinander abgestimmt sind. Speziell aus diesem Grund muss die Kirche Leib genannt werden, denn sie entsteht aus einer rechten Anordnung und einem kohärenten Zusammenschluss untereinander verschiedener Glieder« (Enzyklika Mystici Corporis Erster Teil: AAS 35 [1943], 200).
↑ Serm., CXXXVII, 1: PL, XXXVIII, 754.
am 21. Dezember 2013 im lementina-Saal; Die deutsche Fassung auf der Vatikanseite
Die Vernünftigkeit dient dazu, übermäßige Gefühlsbetontheit zu vermeiden, und die Liebenswürdigkeit dazu, Übertreibungen in der Bürokratie sowie beim Erstellen von Programmen und Plänen zu vermeiden. Es sind Gaben, die für die Ausgeglichenheit der Persönlichkeit erforderlich sind: »Der Feind« – und ich zitiere noch einmal den heiligen Ignatius; entschuldigt mich! – »achtet sehr darauf, ob eine Seele grobschlächtig oder feinfühlig ist, und ist sie feinfühlig, dann bemüht er sich, sie übertrieben feinfühlig zu machen, um sie dann noch mehr zu ängstigen und zu verwirren«.[6] Jede Übertreibung ist ein Zeichen irgendeiner Unausgeglichenheit, sowohl die Übertreibung der Vernünftigkeit als auch die der Liebenswürdigkeit.
Die Nüchternheit – die letzte Tugend in dieser Aufstellung, nicht aber die letzte im Sinn ihrer Bedeutung – ist die Fähigkeit, auf Überflüssiges zu verzichten und der herrschenden Konsum-Mentalität zu widerstehen. Nüchternheit bedeutet Klugheit, Schlichtheit, Wesentlichkeit, Ausgeglichenheit und Mäßigung. Nüchternheit bedeutet, die Welt mit den Augen Gottes zu betrachten – mit dem Blick der Armen und auf der Seite der Armen. Die Nüchternheit ist ein Lebensstil,[8] der auf die Vorrangstellung des anderen als hierarchisches Prinzip hinweist und das Leben als Fürsorglichkeit und Dienst gegenüber den anderen zum Ausdruck bringt. Der nüchterne Mensch ist in allem kohärent und wesentlich, weil er versteht zu beschränken, nutzbar zu machen, zu recyceln, zu reparieren und mit einem Sinn für das Maß zu leben.
↑ Exerzitien, 315.
↑ Serm. 207, 1: PL 38, 1042. - * Es handelt sich um ein Buchstabenspiel, das leider in der Übersetzung nicht nachvollziehbar ist; wir versuchen jedoch, es zumindest der Form nach sichtbar zu machen (Anm. d. Übers.)
↑ »Die missionarische Dimension ist nicht nur eine Frage geographischer Gebiete, sondern eine Frage der Völker und Kulturen und der einzelnen Menschen, gerade weil die „Grenzen“ des Glaubens nicht nur durch menschliche Orte und Traditionen verlaufen, sondern durch das Herz jedes Menschen. Das Zweite Vatikanische Konzil hat auf besondere Weise hervorgehoben, dass der missionarische Auftrag, der Auftrag, die Grenzen des Glaubens zu erweitern, jeden Getauften und alle christlichen Gemeinschaften betrifft« (Botschaft zum Weltmissionssonntag 2013, 2).
↑ Missale Romanum, Editio typica tertia 2002.
↑ Ansprache an die Römische Kurie (21. September 1963): AAS 55 (1963), 793-800.
↑ Ignatius von Loyola, Exerzitien, 349.
↑ »Die Liebe in der Wahrheit, die Jesus Christus mit seinem irdischen Leben und vor allem mit seinem Tod und seiner Auferstehung bezeugt hat, ist der hauptsächliche Antrieb für die wirkliche Entwicklung eines jeden Menschen und der gesamten Menschheit […] Es ist eine Kraft, die ihren Ursprung in Gott hat, der die ewige Liebe und die absolute Wahrheit ist« (Benedikt XVI., Enzyklika Caritas in veritate [29. Juni 2009], 1: AAS 101 [2009], 641). »Daher ist es notwendig, die Liebe und die Wahrheit nicht nur in der vom heiligen Paulus angegebenen Richtung der »veritas in caritate« (Eph 4, 15) miteinander zu verbinden, sondern auch in der entgegengesetzten und komplementären von »caritas in veritate«. Die Wahrheit muss in der »Ökonomie« der Liebe gesucht, gefunden und ausgedrückt werden, aber die Liebe muss ihrerseits im Licht der Wahrheit verstanden, bestätigt und praktiziert werden« (Ebd., 2).
↑ Ein von Nüchternheit geprägter Lebensstil führt den Menschen zurück zu »jener uneigennützigen, selbstlosen, ästhetischen Haltung, die aus dem Staunen über das Sein und über die Schönheit entsteht, das in den sichtbaren Dingen die Botschaft des unsichtbaren Schöpfergottes erkennen lässt« (Johannes Paul II., Enzyklika Centesimus annus [1. Mai 1991], 37: AAS 83 [1991], 840); vgl. Versch. Autoren, Nuovi stili di vita nel tempo della globalizzazione, Fondaz. Apostolicam actuositatem, Rom 2002.
↑ »Der Ausdruck “Herz Jesu” lässt sofort an die Menschheit Christi denken und unterstreicht den Reichtum seiner Gefühle, das Mitleid mit den Kranken; die Vorliebe für die Armen; die Barmherzigkeit gegenüber den Sündern; die Zärtlichkeit gegenüber den Kindern; die Stärke in der Anprangerung von Heuchelei, Stolz und Gewalt; die Sanftmut gegenüber seinen Gegnern; den Eifer für die Ehre des Vaters und den Jubel über seine geheimnisvollen, vorsorglichen Pläne der Gnade… Er erinnert außerdem an die Traurigkeit Christi über der Verrat durch Judas, an die Trostlosigkeit aufgrund der Einsamkeit, an die Angst im Angesicht des Todes, an die kindliche und gehorsame Hingabe in die Hände des Vaters. Und er drückt vor allem die Liebe aus, die unaufhaltsam aus seinem Innern hervorströmt: unendliche Liebe zum Vater und grenzenlose Liebe zum Menschen« (Johannes Paul II., Ansprache zum Angelus-Gebet vom 9. Juli 1989: Insegnamenti XII, 2 [1989], 60).
am 2. Dezember 2013 in der Sala Clementina; [ Die deutsche Fassung auf der Vatikanseite]
Tatsächlich hat Gott gewählt, klein geboren zu werden,[5] weil er geliebt werden wollte.[6] Auf diese Weise ist die Logik von Weihnachten die Umkehrung der weltlichen Logik, der Logik der Macht und des Kommandos, der pharisäischen, der kausalistischen oder der deterministischen Logik.
Zweifellos kann in der Kurie die Bedeutung der Reform zweifach sein: Zunächst ist es eine Anpassung an die Frohe Botschaft, die froh und mutig allen verkündet werden muss, besonders den Armen, den Geringsten und den Ausgeschlossenen; und eine Anpassung an die Zeichen unserer Zeit und an alles, was der Mensch an Gutem erreicht hat, damit wir den Bedürfnissen der Menschen, denen wir zu Diensten stehen sollen, besser genügen.[7] Zugleich geht es darum, die Kurie besser ihrem Zweck anzupassen, der darin besteht, am speziellen Dienst des Nachfolgers Petri mitzuarbeiten[8] (» cum Ipso consociatam operam prosequuntur «, sagt das Motu proprio Humanam progressionem), also den Römischen Pontifex zu unterstützen in der Ausübung seiner einzigartigen, allgemeinen vollen, höchsten, unmittelbaren und universalen Macht.[9]
Die Reform der Römischen Kurie ist folglich – ebenso wie der Dienst des Bischofs von Rom[10]– ekklesiologisch orientiert in bonum e in servitium, entsprechend einer bedeutsamen Aussage des heiligen Papstes Gregor des Großen, die im dritten Kapitel der Konstitution Pastor aeternus des Ersten Vatikanischen Konzils aufgegriffen wird: » Meine Ehre ist die der ganzen Kirche. Meine Ehre ist die ungeschwächte Autorität meiner Brüder. Ich werde also wirklich geehrt, wenn keinem von ihnen die gebührende Ehre versagt wird. «[11]
Das Hauptziel jedes kirchlichen Dienstes ist das, die Frohe Botschaft bis an alle Enden der Erde zu bringen,[22] wie uns die Konzilslehre erinnert, denn » es gibt kirchliche Strukturen, die eine Dynamik der Evangelisierung beeinträchtigen können; gleicherweise können die guten Strukturen nützlich sein, wenn ein Leben da ist, das sie beseelt, sie unterstützt und sie beurteilt. Ohne neues Leben und echten, vom Evangelium inspirierten Geist, ohne Treue der Kirche gegenüber ihrer eigenen Berufung wird jegliche neue Struktur in kurzer Zeit verderben. «[23]
Aufgrund des Prinzips, dass alle Dikasterien rechtlich gleichgestellt sind, erwies sich eine Rationalisierung der Organismen der Römischen Kurie als notwendig,[24] um zu verdeutlichen, dass jedes Dikasterium eigene Kompetenzen besitzt. Diese Zuständigkeiten müssen respektiert, aber auch rationell, wirksam und effizient verteilt werden. Kein Dikasterium kann also die Zuständigkeit eines anderen Dikasteriums für sich in Anspruch nehmen, entsprechend der rechtlichen Festlegung, und andererseits stehen alle Dikasterien in direktem Bezug zum Papst.
- Mit dem Motu proprio vom 15. November 2013 wurde die Finanzaufsichtsbehörde (AIF)[36] konsolidiert, die von Benedikt XVI. mit dem Motu proprio vom 30. Dezember 2010 zur Verhütung und Bekämpfung illegaler Aktivitäten im Finanz- und Geldbereich errichtet wurde.[37]
- Mit dem Motu proprio vom 24. Februar 2014 (Fidelis dispensator et prudens) wurden das Wirtschaftssekretariat und der Wirtschaftsrat,[38] der den Rat der 15 Kardinäle ersetzt, errichtet mit der Aufgabe, die Kontrollstrategien bezüglich der wirtschaftlichen Verwaltung des Heiligen Stuhls und der Vatikanstadt aufeinander abzustimmen.
↑ Serm.187,1: PL 38,1001: » Magnus dies angelorum, parvus in die hominum […] magnus in forma Dei, brevis in forma servi «.y
↑ Hom. IV,9: PG 34,480.
↑ Der Herr, Würzburg 1951, S. 386-387.
↑ Homilie, 25. Dezember 1971.
↑ Vgl. Petrus Chrysologus, Serm. 118: PL 52, 617.
↑ Die heilige Theresia vom Kinde Jesu – verliebt in die Kleinheit Jesu – schrieb in ihrem letzten Brief (vom 25. August 1897, an einen Priester, der ihr als „geistlicher Bruder“ anvertraut worden war): » Ich kann einen Gott, der sich für mich so klein gemacht hat, nicht fürchten… Ich liebe ihn! […] Er ist nämlich nichts anderes als Liebe und Barmherzigkeit! « (LT 266. Œuvres complètes – Paris 1996, S. 624).
↑ Vgl. Apostolisches Schreiben in Form eines Motu proprio, mit dem das Dikasterium für den Dienst zugunsten der ganzheitlichen Entwicklung des Menschen eingerichtet wird (17. August 2016)
↑ Die Römische Kurie hat die Funktion, dem Papst in seiner täglichen Leitung der Kirche zu helfen, das heißt in seinen besonderen Aufgaben, nämlich: a) alle Gläubigen » im Band eines Glaubens und einer Liebe vereint « und auch » in der Einheit des Glaubens und der Gemeinschaft « zu bewahren; b) » den Episkopat selbst in voller Einigkeit zusammenzuhalten « (Erstes Vatikanisches Konzil, Dogm. Konst. Pastor aeternus, Einleitung). » Diese Heilige Synode setzt den Weg des ersten Vatikanischen Konzils fort und lehrt und erklärt feierlich mit ihm, dass der ewige Hirt Jesus Christus die heilige Kirche gebaut hat, indem er die Apostel sandte, wie er selbst gesandt war vom Vater (vgl. Joh 20,21). Er wollte, dass deren Nachfolger, das heißt die Bischöfe, in seiner Kirche bis zur Vollendung der Weltzeit Hirten sein sollten. Damit aber der Episkopat selbst einer und ungeteilt sei, hat er den heiligen Petrus an die Spitze der übrigen Apostel gestellt und in ihm ein immerwährendes und sichtbares Prinzip und Fundament der Glaubenseinheit und der Gemeinschaft eingesetzt « (Zweites Vatikanisches Konzil, Dogm. Konst. Lumen gentium, 18).
↑ Das Zweite Vatikanische Konzil erklärt nämlich in Bezug auf die Römische Kurie: » Bei der Ausübung der höchsten, vollen und unmittelbaren Gewalt über die Gesamtkirche bedient sich der Papst der Behörden der römischen Kurie. Diese versehen folglich ihr Amt in seinem Namen und mit seiner Vollmacht zum Wohle der Kirchen und als Dienst, den sie den geweihten Hirten leisten « (Dekret Christus Dominus, 9). So erinnert es uns vor allem daran, dass die Kurie ein Hilfs-Organismus für den Papst ist, und stellt zugleich klar, dass der Dienst der Organismen der Römischen Kurie immer nomine et auctoritate des Papstes ausgeübt wird. Aus diesem Grund wird die Tätigkeit der Kurie in bonum Ecclesiarum et in servitium Sacrorum Pastorum ausgeführt, d.h. auf das Wohl der Teilkirchen wie auch auf die Unterstützung ihrer Bischöfe hin ausgerichtet. Die Teilkirchen sind » nach dem Bild der Gesamtkirche gestaltet […] In ihnen und aus ihnen besteht die eine und einzige katholische Kirche « (Lumen gentium, 23).
↑ Vgl. Paul VI., Ansprache an die Römische Kurie (21. September 1963): » Eine solche Übereinstimmung zwischen dem Papst und seiner Kurie ist im Übrigen eine ständige Norm. Nicht nur in den bedeutenden Augenblicken der Geschichte zeigt sie ihr Bestehen und ihre Kraft, sondern sie gilt immer, an jedem Tag, in jeder Handlung des päpstlichen Dienstes, wie es sich für das Organ gehört, das mit dem Papst unmittelbar und in absolutem Gehorsam verbunden ist und dessen er sich bedient, um seine universale Aufgabe zu erfüllen. Und diese wesentliche Beziehung der Römischen Kurie zur Ausübung der apostolischen Aktivität des Papstes ist die Rechtfertigung, ja der Ruhm der Kurie selbst. Denn aus ebendieser Beziehung ergibt sich ihre Notwendigkeit, ihre Nützlichkeit, ihre Würde und ihre Autorität. Die Römische Kurie ist ja das Werkzeug, das der Papst braucht und dessen er sich bedient, um seinen göttlichen Auftrag zu erfüllen. Ein äußerst würdiges Werkzeug, und es nimmt nicht Wunder, wenn alle – und Wir an erster Stelle – viel von ihm erwarten und hohe Anforderungen stellen! Die Tätigkeit der Kurie verlangt größte Fähigkeit und höchste Tugend, weil eben ihr Amt von höchstem Rang ist. Eine sehr heikle Aufgabe ist es, Hüter oder Widerhall der göttlichen Wahrheiten zu sein und sie in Worte zu fassen, um in Dialog zu treten mit den Formen rein menschlichen Denkens; es ist eine unermesslich weitreichende Aufgabe, deren Grenzen der Kreis des Universums sind; eine sehr edle Aufgabe ist es, die Stimme des Papstes zu hören und zu interpretieren und zugleich dafür zu sorgen, dass es ihm nicht an nützlicher und objektiver Information sowie an respektvollem und sorgsam erwogenem Rat fehlt. «
↑ p. ad Eulog. Alexandrin., epist. 30: PL 77, 933. Die Römische Kurie leitet » vom Hirten der Universalkirche ihre Existenz und ihre Zuständigkeit her[…]. Diese nämlich besteht und wirkt nur insofern, als sie sich auf das Petrusamt bezieht und in ihm gründet « (Johannes Paul II., Pastor Bonus, Einleitung, 7; vgl. Art. 1)
↑ Die Geschichte bestätigt, dass die Römische Kurie – zumindest in den letzten hundert Jahren – in einem Zustand ständiger “Reform“ war. » Tatsächlich kommt jene am 13. April 2013 mit einem Kommuniqué des Staatssekretariats angekündigte als vierte hinzu – angefangen mit der, die der heilige Pius X. mit der Konstitution Sapienti Consilio von 1908 durchführte. Diese Reform wurde natürlich dringend im Hinblick auf die neue Rechtsordnung, die bereits in Vorbereitung war; sie erwies sich jedoch noch notwendiger wegen des Endes der weltlichen Macht. Ihr folgte die Reform, die der selige Paul VI. im Anschluss an das Zweite Vatikanische Konzil mit der Apostolischen Konstitution Regiminis Ecclesiae Universae (1967) durchführte. Der Papst selbst hatte eine Überarbeitung des Textes im Licht einer ersten Erprobungsphase vorgesehen. Im Jahr 1988 kam dann die Konstitution Pastor Bonus des heiligen Johannes Paul II. die in der generellen Anlage dem Schema Montinis folgt, aber eine andere Aufgliederung der verschiedenen Organismen und ihrer Kompetenzen in Übereinstimmung mit dem CIC von 1983 einfügt. Innerhalb dieser grundlegenden Übergänge sind weitere wichtige Eingriffe zu verzeichnen. So schuf Benedikt XV. zum Beispiel die Kongregation für die Seminare (bis zu dem Zeitpunkt eine Sektion innerhalb der Konsistorial-Kongregation) und die Universitäten (1915) und die Kongregation für die Ostkirchen (1917: zuvor errichtet als Sektion in der S. Congregatio de Propaganda Fide) und reihte sie unter die anderen römischen Kongregationen ein. Johannes Paul II. führte auch nach Pastor Bonus noch Änderungen in der kurialen Organisation durch, und nach ihm nahm auch Benedikt XVI. bedeutsame Eingriffe vor: Man denke an die Einsetzung des Päpstlichen Rates zur Förderung der Neuevangelisierung (2010), an die Verlegung der Zuständigkeit für die Seminare von der Kongregation für das katholische Bildungswesen an die Kongregation für den Klerus und die Verlegung der Zuständigkeit für die Katechese von Letzterer an den Päpstlichen Rat zur Förderung der Neuevangelisierung (2013). Dazu kommen die anderen vereinfachenden Eingriffe durch die Vereinigung mehrerer Dikasterien unter einem einzigen Vorsitz – Eingriffe, die im Laufe der Jahre durchgeführt wurden und von denen einige bis heute gelten « (Marcello Semeraro, La riforma di Papa Francesco: Il Regno, Jahrg. LXI, Nr. 1240 [15. Juli 2016] S. 433-441).
↑ In diesem Sinn sagte Paul VI. am 21. September 1963 über die Römische Kurie: » Es ist erklärlich, dass diese Ordnung durch ihr eigenes ehrwürdiges Alter beschwert ist, dass sie die Verschiedenheit ihrer Organe und ihrer Praxis im Vergleich zu den Bedürfnissen und den Bräuchen der neuen Zeit spürt; dass sie zugleich das Bedürfnis empfindet, sich zu vereinfachen und zu dezentralisieren wie auch sich auszudehnen und für neue Aufgaben zu qualifizieren. «
↑ Paul VI. sagte am 22. Februar 1975 anlässlich des Jubiläums der Römischen Kurie: » Wir sind die Römische Kurie […] Dieses Bewusstsein, das wir haben und von dem wir wollen, dass es nicht nur in seiner kanonischen Definition, sondern auch in seinem moralischen und spirituellen Inhalt ganz klar sei, erlegt jedem von uns einen Bußakt auf, der der besonderen Disziplin des Jubiläums angemessen ist – einen Akt, den wir als einen Schritt der Selbstkritik bezeichnen können, um im Innern unseres Herzens zu prüfen, ob unser Verhalten dem Dienst entspricht, der uns anvertraut ist. Zu dieser inneren Gegenüberstellung drängt uns vor allem die Kohärenz unseres kirchlichen Lebens und dann die kritische Auswertung, die sowohl die Kirche als auch die Gesellschaft uns gegenüber machen. Deren Anforderungen sind oft nicht objektiv und umso strenger, je repräsentativer unsere Stellung ist, die immer durch ihre ideale Vorbildlichkeit leuchten müsste […] Zwei geistliche Grundhaltungen werden daher unserer Jubiläumsfeier Sinn und Wert verleihen: eine Gesinnung aufrichtiger Demut, d.h. dass wir die Wahrheit über uns selbst anerkennen und erklären, dass wir als Erste das Erbarmen Gottes nötig haben« (Insegnamenti di Paolo VI, XIII [1975], S. 172-176).
↑ In diesem Sinn gehört das Aufeinanderfolgen der Generationen zum Leben, und weh uns, wenn wir diese Wahrheit aus unserem Denken oder Leben ausklammern. Der Wechsel der Personen ist also normal, notwendig und wünschenswert.
↑ Benedikt XVI. erwähnte in seiner Ansprache an die Kurie am 20. Dezember 2010 in Anknüpfung an eine Vision der heiligen Hildegard von Bingen, dass das Antlitz der Kirche leider » mit Staub bestreut « und ihr Gewand » zerrissen « sein kann. Und darum habe ich meinerseits daran erinnert, dass die Heilung » auch Frucht des Wissens um die Krankheit sowie des persönlichen und gemeinschaftlichen Entschlusses [ist], sich behandeln zu lassen und dabei mit Geduld und Ausdauer die Behandlung zu ertragen « (Ansprache an die Römische Kurie, 22. Dezember 2014).
↑ Es geht darum, die Reform als eine Verwandlung, bzw. einen vorwärts gerichteten Wechsel, eine Verbesserung zu verstehen: wechseln/umwandeln in melius.
↑ Vgl. Homilie (Domus Sanctae Marthae, 1. Dezember 2016).
↑ Homilie anlässlich des Jubiläums der Römischen Kurie (22. Februar 2016); vgl. Ansprache zur Eröffnung der Arbeiten des Konsistoriums (12. Februar 2015).
↑ Ansprache an die Römische Kurie (21. September 1963).
↑ » Die Aufgabe, allen Menschen die Frohbotschaft zu verkündigen, [ist] die wesentliche Sendung der Kirche […], eine Aufgabe und Sendung, die die umfassenden und tiefgreifenden Veränderungen der augenblicklichen Gesellschaft nur noch dringender machen. Evangelisieren ist in der Tat die Gnade und eigentliche Berufung der Kirche, ihre tiefste Identität. Sie ist da, um zu evangelisieren […] Die Gemeinschaft der Christen ist niemals in sich selbst abgeschlossen. In ihr hat das eigentliche Leben – Leben des Gebetes, Hören auf das Wort und die Unterweisung der Apostel, gelebte brüderliche Liebe, Austeilen des Brotes – nur seinen vollen Sinn, wenn es zum Zeugnis wird, die Aufmerksamkeit auf sich zieht und zur Umkehr führt, zur Predigt wird und die Frohbotschaft verkündet. So ist es die ganze Kirche, die die Sendung zur Evangelisierung empfängt, und die Mitwirkung jedes einzelnen ist für das Ganze von Wichtigkeit« (Paul VI., Apostolisches Schreiben Evangelii nuntiandi, 14-15). » Wir können nicht passiv abwartend in unseren Kirchenräumen sitzen bleiben «; es ist notwendig, » von einer rein bewahrenden Pastoral zu einer entschieden missionarischen Pastoral überzugehen « (Apostolisches Schreiben Evangelii gaudium, 15).
↑ Es darf die Kraft für die Verkündigung an diejenigen, die noch fern von Christus sind, nicht verlorengehen, denn das ist die erste Aufgabe der Kirche (vgl. Johannes Paul II., Enzyklika Redemptoris missio, 34).
↑ Apostolisches Schreiben Evangelii gaudium, 26. » Ich träume von einer missionarischen Entscheidung [paradigmatische Mission], die fähig ist, alles zu verwandeln, damit die Gewohnheiten, die Stile, die Zeitpläne, der Sprachgebrauch und jede kirchliche Struktur [programmatische Mission] ein Kanal werden, der mehr der Evangelisierung der heutigen Welt als der Selbstbewahrung dient « (ebd., 27). In diesem Sinne ist das, » was veraltete Strukturen fallen lässt, was dazu führt, die Herzen der Christen zu verändern, […] eben gerade der missionarische Charakter «, denn » die programmatische Mission besteht, wie der Name sagt, in der Verwirklichung von Unternehmungen missionarischer Art. Die paradigmatische Dimension schließt hingegen ein, die gewöhnlichen Aktivitäten der Teilkirchen unter missionarischem Aspekt anzugehen « (Ansprache an die Bischöfe des Koordinations-Komitees des CELAM, Rio de Janeiro, 28. Juli 2013).
↑ Vgl. Paul VI., Apost. Konst. Regimini Ecclesiae universae, Art. 1 §2; Johannes Paul II., Apost. Konst. Pastor Bonus, Art. 2 §2.
↑ » Von Rom geht heute die Einladung zum „Aggiornamento“ aus […], das heißt zur Vervollkommnung aller inneren und äußeren Aspekte der Kirche. Das päpstliche Rom ist heute etwas ganz Anderes und dank der Gnade Gottes sehr viel würdiger, weiser und heiliger. Sie ist sich viel deutlicher ihrer auf das Evangelium gegründeten Berufung bewusst, ist sehr viel engagierter in ihrer christlichen Mission und darum hat sie ein viel stärkeres Verlangen nach fortwährender Erneuerung und ist dafür offen « (Paul VI., Ansprache an die Römische Kurie, 21. September 1963).
↑ Motu proprio Sedula Mater, 15. August 2016.
↑ Dekret Christus Dominus, 9.
↑ Zu den Hauptaufgaben des Staatssekretärs als des ersten Mitarbeiters des Papstes in dessen Ausübung seiner höchsten Mission und als des Vollstreckers der Entscheidungen, die der Papst mit Hilfe der Beratungsorgane fällt, müssten die regelmäßigen und häufigen Versammlungen mit den Leitern der Dikasterien gehören. In jedem Fall sind die Koordinierung und die Zusammenarbeit der Dikasterien untereinander und mit den anderen Büros von erstrangiger Bedeutung.
↑ Vgl. Johannes Paul II., Apost. Konst. Pastor Bonus, 22.
↑ Eine Synodale Kirche ist eine hörende Kirche (vgl. Ansprache zur Fünfzig-Jahr-Feier der Errichtung der Bischofssynode, 17. Oktober 2015; Apostolisches Schreiben Evangelii gaudium, 171). Etappen solchen Hörens für die Reform der Kurie waren: 1. Meinungsumfrage im Sommer 2013 (bei den Dikasterien-Leitern und anderen; bei den Mitgliedern des Kardinalsrats; bei einzelnen Bischöfen und den Bischofskonferenzen von deren Herkunftsländern); 2. Versammlung der Dikasterien-Leiter vom 10. September 2013 und vom 24. November 2014; 3. Konsistorium vom 12.-13. Februar 2015; 4. Brief vom Kardinalsrat an die Dikasterien-Leiter vom 17. September 2014 wegen eventueller „Dezentralisierungen“; 5. Beiträge einzelner Dikasterien-Leiter, die aufgefordert waren, in den Versammlungen des Kardinalsrates Vorschläge und Meinungen in Bezug auf die Reform ihres Dikasteriums vorzubringen (vgl. Marcello Semeraro, La riforma di Papa Francesco, Il Regno, Jahrg. LXI, Nr. 1240 [15. Juli 2016] S. 433-441).
↑ Zur Vertiefung der vollzogenen Schritte, der Gründe und der Zwecke des Reformprozesses wird empfohlen, insbesondere auf die drei in Form eines Motu proprio erlassenen Apostolischen Schreiben Bezug zu nehmen, mit denen bis heute die Maßnahmen zur Errichtung, Änderung oder Aufhebung einiger Dikasterien der Römischen Kurie vorgenommen wurden.
↑ Der Ablauf der Arbeit sieht vor, dass die Mitglieder des Rates vormittags und nachmittags zusammenkommen; bis heute waren es insgesamt 93 Besprechungen.
↑ Bisher waren es mehr als sechzehn Sitzungsperioden für die Arbeit des Rates (im Schnitt findet alle zwei Monate eine statt); zeitlich waren sie wie folgt verteilt: I.‎ Session: 1.-3. Okt. 2013‎; II.‎ Session: 3.-5. Dez. 2013‎; III. Session: 17.-19. Feb. 2014‎; IV.‎ Session: 28.-30. Apr. 2014‎; V.‎ Session: 1.-4. Juli 2014‎; VI.‎ Session: 15.-17. Sept. 2014‎; VII.‎ Session: 9.-11. Dez. 2014‎; VIII. Session: 9.-11. Feb. 2015‎; IX.‎ Session 13.-15. März 2015‎; X.‎ Session: 8.-10. Juni 2015‎; XI.‎ Session: 14.-16. Sept. 2015‎; XII.‎ Session: 10.-12. Dez. 2015‎; XIII.‎ Session: 8.-9. Feb. 2016‎; XIV.‎ Session: 11.-13. Apr.2016‎; XV.‎ Session: ‎6.-8. Juni 2016‎; XVI.‎Session: ‎12.-14. Sept. 2016‎; XVII. Session: 12.-14. Dez. 2016.‎
↑ Die Kommission wurde am 18. Juli 2013 errichtet und am 22. Mai 2014 aufgehoben. Sie hatte die Aufgabe, technische Unterstützung und Fachberatung anzubieten und strategische Verbesserungslösungen zu erarbeiten, die geeignet sind, den Aufwand wirtschaftlicher Ressourcen zu vermeiden, die Transparenz beim Erwerb von Gütern und Dienstleistungen zu fördern, die Verwaltung des beweglichen und unbeweglichen Vermögens zu verbessern, mit immer größerer Umsicht im finanziellen Bereich zu operieren, eine korrekte Anwendung der Buchungsprinzipien zu gewährleisten und das Gesundheitswesen und die Sozialversicherung für alle Anspruchsberechtigte sicherzustellen: » zu einer Vereinfachung und Rationalisierung der bestehenden Organe und zu einer gewissenhafteren Planung der wirtschaftlichen Aktivitäten aller vatikanischer Verwaltungen « (Chirograph vom 18. Juli 2013).
↑ Zum Beispiel die von der internationalen Arbeitsgruppe „Finanzielle Maßnahmen“ (FATF) erarbeiteten Empfehlungen. Heute erweist sich die Aktivität des IOR völlig konform den im Staat der Vatikanstadt geltenden Bestimmungen auf dem Gebiet der Bekämpfung der Geldwäsche und der Terrorismus-Finanzierung.
↑ Die Finanzaufsichtsbehörde AIF ist » eine mit dem Heiligen Stuhl verbundene Einrichtung «, die » völlig selbständig und unabhängig folgende Funktionen ausübt: a) Aufsicht und Vorsichtsregelung der Einrichtungen, die professionell eine Aktivität finanzieller Natur ausüben; b) Aufsicht und Regelung zur Verhütung und Bekämpfung der Geldwäsche und der Terrorismus-Finanzierung; c) finanzielle Information « (Statut der AIF, Titel 1, Art. 1 und 2); unter anderem hat sie die Aufgabe, die Einhaltung der auf dem Gebiet der Verhütung und der Bekämpfung der Geldwäsche und der Terrorismus-Finanzierung festgesetzten Verpflichtungen zu beaufsichtigen sowie Bestimmungen zur Umsetzung und Anwendung von Instruktionen und Maßnahmen besonderen Inhalts gegenüber den Personen, die unter diesen Verpflichtungen stehen, zu erlassen.
↑ Die Finanzaufsichtsbehörde AIF wurde auch errichtet, um die Verpflichtung des Heiligen Stuhls, die Prinzipien und die von der internationalen Gemeinschaft entwickelten Rechtsmittel anzuwenden, zu erneuern und dabei die institutionelle Ordnung in Hinsicht auf die Verhütung und Bekämpfung der Geldwäsche, der Terrorismus-Finanzierung und der Verbreitung von Massenvernichtungswaffen weiter anzupassen.
↑ Der Wirtschaftsrat hat die » Aufgabe, die Durchführung der wirtschaftlichen Angelegenheiten aufmerksam zu verfolgen und über die Strukturen und die administrativen und finanziellen Aktivitäten der Dikasterien der Römischen Kurie, der mit dem Heiligen Stuhl verbundenen Einrichtungen und des Staates der Vatikanstadt zu wachen « (Motu Proprio Fidelis dispensator et prudens, 1).
↑ Das Amt des Generalrevisors arbeitet völlig selbständig und unabhängig in Übereinstimmung mit der geltenden Gesetzgebung und mit dem eigenen Statut und berichtet direkt dem Papst. Er legt dem Wirtschaftsrat ein jährliches Revisionsprogramm sowie einen Jahresbericht über die eigenen Aktivitäten vor. Das Ziel des Revisionsprogramms besteht darin, die wichtigsten Geschäfts- und Organisationsbereiche, die potenziell risikogefährdet sind, auszumachen. Das Amt des Generalrevisors ist die Behörde, welche die Bücherrevision der Dikasterien der Römischen Kurie, der mit dem Heiligen Stuhl verbundenen Einrichtungen sowie des Staates der Vatikanstadt durchführt. Die Tätigkeit des Amtes des Generalrevisors verfolgt das Ziel, unabhängige Fachmeinungen beizubringen, nämlich in Bezug auf die Angemessenheit der Buchungs- und Verwaltungsvorgänge (System interner Kontrolle) und ihre effektive Anwendung (compliance audit) sowie hinsichtlich der Zuverlässigkeit der Bilanzen der einzelnen Dikasterien und der konsolidierten Haushalte (financial audit) und der ordnungsmäßigen Verwendung der finanziellen und materiellen Ressourcen (value for maney audit).
↑ » Der aktuelle Kommunikationskontext, der von der Präsenz und der Entwicklung der digitalen Medien sowie von den Faktoren der Konvergenz und Interaktivität gekennzeichnet ist, erfordert ein Überdenken des Informationssystems des Heiligen Stuhls und verpflichtet zu einer Neuorganisation. Unter Hervorhebung dessen, was sich im Laufe der Geschichte innerhalb des Kommunikationsbereiches des Apostolischen Stuhls entwickelt hat, wird diese Neuorganisation entschieden zu einer Integration und einheitliche Führung voranschreiten « (Statut des Sekretariats für die Kommunikation, Präambel).
↑ Mit dem Motu proprio vom 31. Mai 2016 De concordia inter Codices wurden einige Normen des Codex des kanonischen Rechtes abgeändert.‎
↑ » Dieses Dikasterium wird besonders für die Fragen zuständig sein, welche die Migrationen, die Bedürftigen, die Kranken und die Ausgeschlossenen, die Ausgegrenzten und die Opfer bewaffneter Konflikte und von Naturkatastrophen, die Gefangenen, die Arbeitslosen und die Opfer jeder Form von Sklaverei und Folter betreffen. «
↑ L’umanità di Dio, Qiqajon, Magnano 2015, 183-184.
am 21. Dezember 2013 im Clementina-Saal; [ Die deutsche Fassung auf der Vatikanseite]
Wenn ich von der Reform spreche, kommt mir die sympathische und bezeichnende Äußerung von Erzbischof Frédéric-François-Xavier De Mérode in den Sinn: »In Rom Reformen durchzuführen heißt gleichsam die Sphinx von Ägypten mit einer Zahnbürste zu putzen«.[1] Dies unterstreicht, wie viel Geduld, Hingabe und Feingefühl nötig sind, um dieses Ziel zu erreichen, insofern die Kurie eine alte, komplexe, ehrwürdige Institution ist, die sich aus Menschen verschiedener Kulturen, Sprachen und Mentalitäten zusammensetzt und die von ihrer Struktur her immer schon an die Primatialaufgabe des Bischofs von Rom in der Kirche gebunden ist, das heißt an das „heilige“ Amt, das Christus der Herr selbst zum Wohl des ganzen Leibes der Kirche wollte (ad bonum totius corporis).[2]
Diakonaler Primat gilt „bezüglich des Papstes“;[5] und ebenso diakonal muss folglich die Arbeit sein, die an der Römischen Kurie ad intra im Inneren und ad extra nach Außen geleistet wird. Dieses Thema der dienstamtlichen und kurialen Diakonie bringt mich auf einen alten Text, der sich in der Didascalia Apostolorum findet. Dort heißt es: Der »Diakon sei das Ohr und der Mund des Bischofs, sein Herz und seine Seele«,[6] denn an diese Eintracht ist die Gemeinschaft gebunden, die Harmonie und der Frieden in der Kirche, insofern der Diakon der Hüter des Dienstes in der Kirche ist.[7] Ich denke, dass es kein Zufall ist, dass das Ohr das Hör-, sondern auch das Gleichgewichtsorgan ist; und der Mund das Organ zum Schmecken und Sprechen.
Ein anderer alter Text fügt hinzu, dass die Diakone dazu berufen sind, gleichsam die Augen des Bischofs zu sein.[8]Das Auge schaut, um die Bilder dann an den Geist zu übertragen und ihm so zu helfen, Entscheidungen zu treffen und den ganzen Leib zu seinem Wohle zu steuern.
So gesehen verhilft der Verweis auf die Sinne des menschlichen Organismus zu einer inneren Haltung der Hinwendung nach Außen, zur Aufmerksamkeit gegenüber dem, was außerhalb ist. Im menschlichen Organismus sind die Sinne in der Tat unsere erste Verbindung zur Welt ad extra, sie sind wie eine Brücke zu ihr; sie sind unsere Möglichkeit, um in Beziehung zu treten. Die Sinne helfen uns, die Wirklichkeit aufzunehmen und ebenso unseren Platz in der Wirklichkeit einzunehmen. Nicht zufällig kam der heilige Ignatius von Loyola bei seiner Betrachtung der Geheimnisse des Lebens Christi und der Wahrheit auf die Sinne zu sprechen.[9]
Es ist also entscheidend, um zum Bild des Leibes zurückzukehren, dass diese „institutionellen Sinne“, mit denen man in gewisser Weise die Dikasterien der Römischen Kurie vergleichen kann, ihrer Natur und ihrer Zielsetzung entsprechend handeln: im Namen und mit der Autorität des Papstes und immer zum Wohle und im Dienste der Kirchen.[10] Sie sind dazu berufen, in der Kirche so etwas wie treue sensible Antennen zu sein: Sendeantennen und Empfangsantennen.
Das Bild der Antenne verweist dann aber auch auf die andere, entgegengesetzte Bewegung des Empfangens. Es geht darum, die Gesuche, Fragen, Anträge, Hilferufe, Freuden und Tränen der Kirchen und der Welt entgegenzunehmen, um sie dem Bischof von Rom zu übermitteln, damit er seine Aufgabe und seine Sendung als »immerwährendes und sichtbares Prinzip und Fundament der Glaubenseinheit und der Gemeinschaft«[13] immer fruchtbarer erfüllen kann. Mit diesem Empfangsvermögen, das noch wichtiger ist als der andere Aspekt, Vorschriften zu erlassen, sind die Dikasterien der Römischen Kurie stark eingebunden in jenen Prozess des Zuhörens und der Synodalität, von dem ich schon gesprochen habe.[14]
ich habe den Ausdruck „diakonaler Primat“ sowie die Bilder des Leibes, der Sinne und der Antenne verwendet, um zu zeigen, dass es sich zum Erreichen der Räume, wo der Geist zu den Kirchen spricht (das heißt die Geschichte), und zum Erreichen des Ziels allen Tuns (die salus animarum) eben als notwendig, ja unumgänglich erweist, die Unterscheidung der Zeichen der Zeit,[15] die Gemeinschaft im Dienst, die Liebe in der Wahrheit, die Fügsamkeit gegenüber dem Geist und den vertrauensvollen Gehorsam den Oberen gegenüber zu praktizieren.
↑ Vgl. Giuseppe Dalla Torre, Sopra una storia della Gendarmeria Pontificia, 19. Oktober 2017.
↑ »Um Gottes Volk zu weiden und immerfort zu mehren, hat Christus der Herr in seiner Kirche verschiedene Dienstämter eingesetzt, die auf das Wohl des ganzen Leibes ausgerichtet sind« (Zweites Vatikanisches Konzil, Dogmatische Konstitution Lumen Gentium, 18).
↑ Vgl. Grußworte an die Patriarchen und Großerzbischöfe, 9. Oktober 2017.
↑ Katechese bei der Generalaudienz am 4. Juni 2008.
↑ Vgl. Johannes Paul II., Ansprache an die Vollversammlung des heiligen Kardinalskollegiums, 21. November 1985, 4.
↑ 2, 44: Funk, 138 -166; vgl. W. Rordorf, Liturgie et eschatologie, in Augustinianum 18 (1978), 153-161; ders., Que savons-nous des lieux de culte chrétiens de l'époque préconstantinienne? in L'Orient Syrien 9 (1964), 39-60.
↑ Vgl. Begegnung mit den Priestern und Gottgeweihten, Mailänder Dom, 25. März 2017.
↑ »Was die Diakone der Kirche betrifft, so seien sie wie die Augen des Bischofs, die alles rings herum im Blick haben und das Handeln aller in der Kirche untersuchen, für den Fall, dass jemand gerade dabei ist, eine Sünde zu begehen. Auf diese Weise wird er durch die frühzeitige Benachrichtigung des Vorstehers sein sündiges Tun vielleicht nicht zu Ende bringen« (Brief des Clemens an Jakobus, 12: Rehm 14-15, in I Ministeri nella Chiesa Antica. Testi patristici dei primi tre secoli, a cura di Enrico Cattaneo, Edizione Paoline, 1997, S. 696).
↑ Vgl. Die Exerzitien, Nr. 121: »Die fünfte Betrachtung wird die Anwendung der fünf Sinne auf die erste und die zweite Betrachtung sein«.
↑ Im Matthäuskommentar des heiligen Hieronymus findet sich ein kurioser Vergleich zwischen den fünf Sinnen des menschlichen Organismus und den Jungfrauen aus dem Gleichnis im Evangelium, die töricht werden, wenn sie nicht mehr dem ihnen aufgegebenen Ziel entsprechend handeln. (vgl. Comm. in Mt XXV: PL 26,184).
↑ Der Begriff der Treue erweist sich als sehr anspruchsvoll und aussagekräftig, weil er auch die zeitliche Dauer des übernommenen Dienstes hervorhebt und auf eine Tugend verweist, die, wie Benedikt XVI. einmal sagte: »gut die ganz besondere Verbindung zum Ausdruck bringt, die sich zwischen dem Papst und seinen unmittelbaren Mitarbeitern bildet, sowohl in der Römischen Kurie als auch in den Päpstlichen Vertretungen« (Ansprache an die Päpstliche Diplomatenakademie, 11. Juni 2012).
↑ Zweites Vatikanisches Konzil, Dogmatische Konstitution Lumen gentium, 18.
↑ »Eine synodale Kirche ist eine Kirche des Zuhörens, in dem Bewusstsein, dass das Zuhören „mehr ist als Hören“. Es ist ein wechselseitiges Anhören, bei dem jeder etwas zu lernen hat: das gläubige Volk, das Bischofskollegium, der Bischof von Rom – jeder im Hinhören auf die anderen und alle im Hinhören auf den Heiligen Geist, den „Geist der Wahrheit“ (Joh 14,17), um zu erkennen, was er „den Kirchen sagt“ (vgl. Offb 2,7)« (Ansprache zum 50-Jahr-Jubiläum der Bischofssynode, 17. Oktober 2015).
↑ Vgl. Lk 12,54-59; Mt 16,1-4; Zweites Vatikanisches Konzil, Pastoralkonstitution Gaudium et spes, 11: »Im Glauben daran, dass es vom Geist des Herrn geführt wird, der den Erdkreis erfüllt, bemüht sich das Volk Gottes, in den Ereignissen, Bedürfnissen und Wünschen, die es zusammen mit den übrigen Menschen unserer Zeit teilt, zu unterscheiden, was darin wahre Zeichen der Gegenwart oder der Absicht Gottes sind. Der Glaube erhellt nämlich alles mit einem neuen Licht, enthüllt den göttlichen Ratschluss hinsichtlich der integralen Berufung des Menschen und orientiert daher den Geist auf wirklich humane Lösungen hin.«
↑ Vgl. Päpstliches Schreiben, 18. Oktober 2017; Mitteilung des Staatssekretariats, 21. November 2017.
↑ Vgl. Christus Dominus, 9.
↑ Vgl. Ansprache an die Römische Kurie beim Weihnachtsempfang, 21. Dezember 2013; vgl. Paul VI., Predigt anlässlich seines 80. Geburtstags, 16. Oktober 1977: »Ja, ich habe Rom geliebt und ich war und bin auch heute noch leidenschaftlich darum bemüht, das Geheimnis zu bedenken und zu begreifen, das sich nur schwer verstehen und leben lässt, wie und warum „Christus ein Römer“ ist (vgl. Dante, Göttliche Komödie, Purgatorium, XXXII, 102). […] Euer „Rombewusstsein“, ob ihr nun gebürtige Römer seid oder euch nur für einige Zeit hier aufhaltet und Gastfreundschaft genießt. Das „Rombewusstsein“ hat die Kraft, in allen, die es sich aneignen, den Sinn für einen universalen Humanismus zu wecken, der nicht einfach Ausfluss klassischer Überlieferung ist, sondern noch mehr christlicher und katholischer Lebenskraft.« (Insegnamenti di Paolo VI, XV 1977, 1957; L’Osservatore Romano [dt.], Jg. 7, Nr. 43 [28. Oktober 1977], S. 2).
↑ XV. Ordentliche Generalversammlung der Bischofssynode: Die Jugendlichen, der Glaube und die Berufungsentscheidung, Einleitung.
↑ Einerseits findet die Einheit, die der Gabe des Heiligen Geistes entspricht, ihren natürlichen und vollen Ausdruck in der »unverbrüchliche[n] Einheit mit dem Bischof von Rom« (Benedikt XVI., Nachsynodales Apostolisches Schreiben Ecclesia in Medio Oriente, 40). In die Gemeinschaft des ganzen Leibes Christi eingegliedert zu sein, macht uns andererseits die Pflicht bewusst, die Einheit und Solidarität innerhalb der verschiedenen Patriarchalsynoden zu stärken und dabei »im Hinblick auf ein kollegiales und einheitliches Handeln in Fragen von großer Wichtigkeit für die Kirche stets vorrangig das Einvernehmen [zu] suchen« (ebd.).
↑ Grußworte an die Patriarchen und Großerzbischöfe der Ostkirchen, 21. November 2013.
↑ Gemeinsam mit den Oberhäuptern und Vätern, den Erzbischöfen und Bischöfen der Ostkirchen, in Gemeinschaft mit dem Papst, der Kurie und untereinander, sind wir alle aufgerufen, »immer nach Gerechtigkeit, Frömmigkeit, Glauben, Liebe, Standhaftigkeit und Sanftmut zu streben (vgl. 1 Tim 6,11); [...] zu einem einfachen Lebensstil nach dem Vorbild Christi, der arm wurde, um uns durch seine Armut reich zu machen (vgl. 2 Kor 8,9); [...] [zu einer] Transparenz in der Verwaltung der Kirchengüter und Fürsorge bei jeder Schwäche und Not« (Grußworte an die Patriarchen und Großerzbischöfe der Ostkirchen, 21. November 2013).
↑ Wir »sehen, wie viele unserer christlichen Brüder und Schwestern der orientalischen Kirchen dramatische Verfolgungen und eine immer beunruhigendere Diaspora erfahren (Homelie beim Gottesdienst zum 100. Gründungsjubiläum der Kongregation für die Orientalischen Kirchen und des Päpstlichen Orientalischen Instituts, Basilika S. Maria Maggiore, 12. Oktober 2017). »Vor diesen Situationen darf niemand die Augen verschließen« (Botschaft zum 100. Gründungsjubiläum des Päpstlichen Orientalischen Instituts, 12. Oktober 2017).
↑ Ansprache an die Vollversammlung der Päpstlichen Rates zur Förderung der Einheit der Christen, 10. November 2016.
↑ Ansprache an die Teilnehmer der internationalen Friedenskonferenz, Al-Azhar Conference Centre, Kairo, 28. April 2017.
↑ Andertes Buch, Nr. 53. (Kritische Ausgabe, hg. von Louise Gnädinger, Reclam, Stuttgart, 2000).
am 21. Dezember 2013 im Clementina-Saal; Die deutsche Fassung auf der Vatikanseite
»Die Nacht ist vorgerückt, der Tag ist nahe. Darum lasst uns ablegen die Werke der Finsternis und anlegen die Waffen des Lichts« (Röm 13,12) Liebe Brüder und Schwestern,
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