Source: https://www.ra-lauck.de/erbrecht/erbschaftsteuer/
Timestamp: 2020-06-03 00:33:48
Document Index: 381588096

Matched Legal Cases: ['§ 30', '§ 30', '§ 31', '§ 14', '§ 13', '§ 13', '§ 13', '§ 13', '§ 13']

Was muss man als Erbe oder Vermächtnisnehmer beachten?
Welche Freibeträge gibt es bei der Erbschaft- und Schenkungsteuer?
Was ist bei der Besteuerung von Immobilien zu beachten?
In der Regel ist der steuerpflichtige Erwerb vom Erwerber (d.h. Erbe oder Vermächtnisnehmer bzw. bei Schenkungen der Beschenkte und der Schenker!) innerhalt von 3 Monaten nach Kenntnis des Erwerbs schriftlich beim zuständigen Finanzamt anzuzeigen (§ 30 ErbStG). In Sachsen ist dies das Finanzamt Bautzen.
Die Anzeige ist ausnahmsweise nicht erforderlich, wenn der Erwerb auf einer Verfügung von Todes wegen beruht, die von einem deutschen Gericht / Notar / Konsul eröffnet worden ist und sich aus dieser das Verhältnis des Erblassers zum Erwerber zweifelsfrei ergibt.
Doch Achtung: Eine Anzeige ist trotzdem erforderlich, wenn sich im Nachlass z.B. Immobilien, Betriebs- und Auslandsvermögen oder Anteile an Kapitalgesellschaften befinden.
Tipp: Immer wenn gesetzliche Erbfolge eintritt, also kein Testament vorhanden ist, oder wenn Immobilien, Betriebs-, Auslandsvermögen oder Anteile an Kapitalgesellschaften im Nachlass vorhanden sind, ist der Erwerb dem Finanzamt anzuzeigen.
Die Anzeige soll nach § 30 Abs. 4 ErbStG folgende Angaben enthalten:
Nach § 31 ErbStG kann das Finanzamt von jedem Begünstigten - unabhängig davon, ob er im Ergebnis selbst steuerpflichtig ist - die Abgabe einer Erbschaftsteuererklärung verlangen.
Das Finanzamt wird also von selbst tätig und Sie zur Abgabe der Erbschaftsteuererklärung auffordern. Es wird in diesem Zusammenhang eine Frist setzen, welche mindestens einen Monat zu betragen hat.
Mehrere Erben können die Erbschaftsteuererklärung gemeinsam abgeben. Tun sie dies, muss die Steuererklärung von allen Miterben unterzeichnet werden. Auch Vermächtnisnehmer können dabei mit einbezogen werden.
Wurde Testamentsvollstreckung angeordnet, so ist der Testamentsvollstrecker grundsätzlich verpflichtet, die Erbschaftsteuererklärung für die Erben abzugeben.
Neben dem normalen Steuerfreibetrag gewährt das ErbStG den besonderen Versorgungsfreibetrag. Dieser wird um nicht der Erbschaftsteuer unterliegende Versorgungsbezüge (z.B. Witwenrente oder Zahlungen aus einer Rentenversicherung des Erblassers) gekürzt. Der jeweilige Betrag der Versorgungsbezüge wird nach § 14 Bewertungsgesetz kapitalisiert.
Verwandtschaftsverhältnis (Erwerber zu Erblasser)
Ehegatten und eingetragene Lebenspartner 256.000 €
Kinder bei einem Alter bis zu 5 Jahren 52.000 €
Kinder bei einem Alter von 5 bis 10 Jahren 41.000 €
Kinder bei einem Alter von 10 bis 15 Jahren 30.700 €
Kinder bei einem Alter von 15 bis 20 Jahren 20.500 €
Kinder bei einem Alter von 20 Jahren bis zur Vollendung des 27. Lebensjahres 10.300 €
Der Versorgungsfreibetrag der Ehefrau wird um den Wert ihrer Witwenrente vermindert (256.000 - 100.000 = 156.000 €). Der gekürzte Versorgungsfreibetrag erhöht nun den zur Verfügung stehenden "normalen" Freibetrag. Die Ehefrau kann daher von ihrem Ehemann 500.000 € (Freibetrag) + 156.000 € (gekürzter Versorgungsfreibetrag) erhalten. Lediglich die darüber hinausgehenden 44.000 € muss die Ehefrau nun mit einem Steuersatz von 7 % versteuern.
Wie kann man die Erbschaftsteuer durch Schenkungen verringern?
Die Erbschaft- bzw. Schenkungsteuer sind identisch. Es bestehen die gleichen Steuerfreibeträge und Steuersätze. Ob ein Grundstück daher zu Lebzeiten übertragen oder von Todes wegen geerbt wird, ändert an der Steuer grundsätzlich nichts. Jedoch stehen diese Freibeträge den Betroffenen alle 10 Jahre erneut zur Verfügung. Wird also rechtzeitig vor dem Tod schon Vermögen z.B. an die Kinder übertragen, so können diesen im Todesfall erneut die gleichen Freibeträge zur Verfügung stehen.
Achtung Fristen: Bei der Berechnung des zur Verfügung stehenden Freibetrages werden die Zuwendungen der letzten 10 Jahre zusammengerechnet. Hat ein Kind von seinem Vater daher vor 5 Jahren schon 200.000 € erhalten, so kann der Vater lediglich Vermögen bis zu 200.000 € an das Kind übertragen bis seit der ersten Zuwendung mehr als 10 Jahre verstrichen sind.
Beispiel - Steueroptimierung durch Schenkungen:
Der alleinstehende Erblasser hat zwei Töchter. Sein Vermögen setzt sich zusammen aus einem vermieteten Mehrfamilienhausgrundstück (Wert ca. 800.000 €) sowie einem Aktiendepot (Wert aktuell ca. 400.000 €). Ein Testament hat er nicht errichtet.
Stirbt der Erblasser, so werden seine Töchter seine gesetzlichen Erben zu je ½. Jeder Tochter fällt damit Vermögen in Höhe von 600.000 € zu. Der Freibetrag von 400.000 € wird daher jeweils um ca. 200.000 € überschritten. Diese sind mit 11 % zu versteuern. Jede Tochter müsste in diesem Fall also ca. 22.000 € Erbschaftsteuer zahlen.
Schenkt der Erblassers sowohl das Hausgrundstück also auch sein Aktiendepot insgesamt zu Lebzeiten an seine Töchter, ändert sich daran nichts. Entschließt er sich aber z.B. lediglich das Mehrfamilienhausgrundstück (ggf. unter Vorbehalt eines Nießbrauchrechts sowie weiterer wertmindernder Maßnahmen im Wege der vorweggenommenen Erbfolge) an seine Töchter zu übertragen, so erhalten dieses beide Töchter steuerfrei, da deren Freibetrag von jeweils 400.000 € nicht überschritten wird. Überlebt der Erblasser die Grundstücksübertragung um 10 Jahre, so steht beiden Töchtern erneut der Steuerfreibetrag zur Verfügung. Die erhalten dann das Aktiendepot erbschaftsteuerfrei.
Kann die Steuer durch ein geschicktes Testament vermindert werden?
Ja! Dies gilt insbesondere für Ehegattentestamente. Denn Kinder haben nach jedem Ehepartner einen entsprechenden Steuerfreibetrag. Erben die Kinder – wie bei einem Berliner Testament – im ersten Erbfall nichts, so verfällt dieser ungenutzt.
Tipp: Zur Verringerung der Steuer kann es in einer solchen Situation sinnvoll sein, wenn das Kind seinen Pflichtteilsanspruch geltend macht. Denn dieser vermindert den Erwerb des Ehepartners und damit ggf. seine Steuerlast. Doch Achtung: enthält des Testament eine Pflichtteilsstrafklausel, kann dies unerwünschte Folgen haben. Solche Maßnahmen sollten daher nur nach anwaltlicher Beratung eingeleitet werden.
Beispiel – Verringerung der Steuer durch ein maßgeschneidertes Testament:
Die Eheleute haben einen gemeinsamen Sohn. Sie sind Eigentümer zweier Immobilien mit einem Gesamtwert von 800.000 €. Sie haben ein klassisches Berliner Testament errichtet. Nach dem Tod der Ehefrau wird daher der Ehemann alleiniger Eigentümer der beiden Immobilien. Er erhält den Immobilienanteil der Ehefrau steuerfrei, da sein Freibetrag von 500.000 € nicht überschritten wird. Stirbt jedoch der Ehemann, wird der gemeinsame Sohn alleiniger Erbe. Er erbt Vermögen in Höhe von 800.000 €. Sein Freibetrag von 400.000 € wird dabei um 400.000 € überschritten. Er muss daher Erbschaftsteuer in Höhe von 60.000 € zahlen.
Das Ehepaar kann hier nicht nur durch lebzeitige Schenkungen an den Sohn (mindestens 10 Jahre vor dem Tod) die Erbschaftsteuer verringern. Auch durch eine passgenaue Gestaltung des Testaments kann die Steuer minimiert werden. Denn bei einem Berliner Testament geht der Freibetrag des Sohnes nach dem erstversterbenden Elternteil verloren. Erhält er jedoch schon im ersten Erbfall Vermögen, z.B. weil der Erstversterbende ein entsprechendes Vermächtnis anordnet, so kann auch hier schon Vermögen steuerfrei übertragen werden.
Das Supervermächtnis und die hohe Kunst der Steueroptimierung
Häufig ist im Zeitpunkt der Testamentserrichtung noch nicht absehbar, wie sich die Vermögenssituation des Überlebenden zum Zeitpunkt des Todes des Erstversterbenden gestaltet. Daher sollten Regelungen zur Steuervermeidung genau durchdacht werden. Zur flexibleren Handhabung kann ein sog. Supervermächtnis angeordnet werden. Dieses ermöglicht es dem Überlebenden noch flexibel nach dem Tod des Erstversterbenden zu entscheiden, welche Vermögensgegenstände zur Steueroptimierung übertragen werden können.
Tipp: Diese Regelungen sind sehr komplex und sollten nur nach vorheriger Beratung mit einem Fachanwalt für Erbrecht angeordnet werden.
Das Gleiche gilt im Übrigen auch für Vermögensübertragungen zu Lebzeiten: diese sollten genau durchdacht und ausreichend Sicherungsvorkehrungen für die Übergeber vorgesehen werden.
Gibt es Besonderheiten bei der Besteuerung des Familienheims?
Bei der Vererbung oder Schenkung von Eigentumswohnungen, Häusern und sonstigen Grundstücken gibt es zahlreiche Besonderheiten.
Die bekannteste Besonderheit betrifft die Übertragung oder Vererbung des Familienheimes. Eine lebzeitige Übertragung des Familienheimes an den Ehepartner ist nach § 13 Abs. 1 Nr. 4a ErbStG grundsätzlich vollständig steuerfrei. Erbt der Ehepartner das Familienheim, so ist dieser Erwerb steuerfrei, wenn er dieses unverzüglich und für die nächsten 10 Jahre selbst zu eigenen Wohnzwecken nutzt (§ 13 Abs. 1 Nr. 4b). Das Gleiche gilt für Kinder oder Waisenenkel, sofern die Wohnfläche des Familienheims 200 m² nicht übersteigt (§ 13 Abs. 1 Nr. 4c).
Zieht der Ehepartner oder das Kind nach dem Erbfall innerhalb von 10 Jahren aus dem Familienheim aus, so entfällt die Steuerbefreiung rückwirkend.
Wie werden Wohngrundstücke besteuert?
Nach § 13d ErbStG gilt bei der Schenkung oder Vererbung von zu Wohnzwecken vermieteten Grundstücken zudem eine Steuervergünstigung von 10 %. Die Immobilie ist dann also nicht mit dem vollen Verkehrswert, sondern nur 90 % anzusetzen.
Zur Berechnung der Erbschaft- bzw. Schenkungsteuer bewertet das Finanzamt die Immobilien nach dem Bewertungsgesetz. Je nach Immobilienart erfolgt dies im Ertrags-, Sach- oder Vergleichswertverfahren. Dies kann dazu führen, dass der vom Finanzamt ermittelte Wert vom tatsächlichen Verkehrswert der Immobilie abweicht. Damit das Finanzamt keinen höheren als den tatsächlichen Verkehrswert ansetzen kann, kann der Betroffene z.B. ein Gutachten des örtlich zuständigen Gutachterausschusses vorlegen. Das Finanzamt ist dann an ein solches Gutachten bei der Berechnung der Steuer gebunden.
Was ist erbschaftsteuerfrei?
Das Familienheim, wenn dieses mindestens 10 Jahre selbst als Familienheim genutzt wird, es unverzüglich nach dem Tod bezogen wird (und bei Kindern: die Wohnfläche 200 m²nicht übersteigt) (§ 13 Abs. 1 Nr. 4b, c)