Source: https://www.rechtslupe.de/steuerrecht/einkommensteuer/einkommensteuer-privat/kindergeldfestsetzung-und-ihre-aufhebung-zum-25-geburtstag-390037
Timestamp: 2020-08-15 00:24:29
Document Index: 134018301

Matched Legal Cases: ['§ 70', '§ 70', '§ 63', '§ 32', '§ 32', '§ 70', '§ 70', '§ 70', '§ 70', '§ 37', '§ 31', '§ 37', '§ 37', '§ 70', '§ 70', '§ 70', '§ 70', '§ 70', '§ 70', '§ 70', '§ 70', '§ 70', '§ 70']

Kindergeldfestsetzung - und ihre Aufhebung zum 25. Geburtstag | Rechtslupe
Kindergeldfestsetzung - und ihre Aufhebung zum 25. Geburtstag
Voll­endet das Kind das 25. Lebens­jahr und erreicht damit eine den Anspruch auf Kin­der­geld aus­schlie­ßen­de Alters­gren­ze, stellt dies eine die Auf­he­bung der Fest­set­zung von Kin­der­geld recht­fer­ti­gen­de Ände­rung der Ver­hält­nis­se i.S. des § 70 Abs. 2 EStG dar.
Nach § 70 Abs. 2 Satz 1 EStG ist, soweit in den Ver­hält­nis­sen, die für den Anspruch auf Kin­der­geld erheb­lich sind, Ände­run­gen ein­tre­ten, die Fest­set­zung des Kin­der­gel­des mit Wir­kung vom Zeit­punkt der Ände­rung der Ver­hält­nis­se auf­zu­he­ben oder zu ändern. Die Vor­aus­set­zun­gen hier­für sind im Streit­fall erfüllt.
Die Rege­lung betrifft den Fall, dass eine ursprüng­lich recht­mä­ßi­ge Fest­set­zung durch Ände­rung der für den Bestand des Kin­der­geld­an­spruchs maß­geb­li­chen Ver­hält­nis­se des Anspruchs­be­rech­tig­ten oder des Kin­des nach­träg­lich unrich­tig wird [1].
Mit Ablauf des Monats Juni 2008, in dem der Sohn sein 25. Lebens­jahr voll­ende­te, ist die Kin­der­geld­fest­set­zung vom 08.11.2007 nach­träg­lich unrich­tig gewor­den. Denn der Sohn war gemäß § 63 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 i.V.m. § 32 Abs. 4 Satz 1 Nr. 2 Buchst. a EStG fort­an nicht mehr als Kind zu berück­sich­ti­gen. Die Fami­li­en­kas­se hät­te unter den nun­mehr objek­tiv vor­lie­gen­den Ver­hält­nis­sen Kin­der­geld nicht mehr wie gesche­hen fest­set­zen dür­fen [2].
Danach stellt auch das Über­schrei­ten der Alters­gren­ze ‑im Streit­fall Voll­endung des 25. Lebens­jah­res (§ 32 Abs. 4 Satz 1 Nr. 2 Buchst. a EStG)- eine Ände­rung der Ver­hält­nis­se, die i.S. des § 70 Abs. 2 EStG für den Anspruch auf Kin­der­geld erheb­lich sind, dar [3].
Der Auf­fas­sung, das Errei­chen einer bestimm­ten Alters­gren­ze sei kei­ne Ände­rung der tat­säch­li­chen oder recht­li­chen Ver­hält­nis­se i.S. des § 70 Abs. 2 EStG, folgt der Bun­des­fi­nanz­hof nicht. Es trifft zwar zu, dass auf­grund des Geburts­da­tums eines Kin­des das Errei­chen einer bestimm­ten Alters­gren­ze (hier: der Zeit­punkt der Voll­endung des 25. Lebens­jah­res) von vorn­her­ein fest­steht und der Behör­de bei Erlass der ursprüng­li­chen Beschei­de bekannt ist. Dies ändert aber nichts dar­an, dass mit dem spä­te­ren tat­säch­li­chen Ein­tritt die­ses Ereig­nis­ses eine Ände­rung der für den Kin­der­geld­an­spruch maß­geb­li­chen Ver­hält­nis­se i.S. des § 70 Abs. 2 EStG ein­tritt [4].
ei einer für den Kin­der­geld­an­spruch wesent­li­chen Ände­rung der Ver­hält­nis­se ‑hier das Über­schrei­ten der Alters­gren­ze- ist die Fest­set­zung des Kin­der­gel­des nach § 70 Abs. 2 EStG vom Zeit­punkt der Ände­rung der Ver­hält­nis­se an auf­zu­he­ben. Die Fami­li­en­kas­se hat inso­weit kei­nen Ermes­sens­spiel­raum. Auf das Ver­schul­den des Kin­der­geld­be­rech­tig­ten kommt es eben­so wenig an wie auf eine etwai­ge Ver­let­zung der Amts­er­mitt­lungs­pflicht durch die Fami­li­en­kas­se [5].
Der Sohn ist gemäß § 37 Abs. 2 AO ver­pflich­tet, das an ihn für die Zeit nach sei­nem Geburts­tag aus­be­zahl­te Kin­der­geld zu erstat­ten.
Ist eine Steu­er­ver­gü­tung wie das Kin­der­geld (§ 31 Satz 3 EStG) ohne recht­li­chen Grund gezahlt wor­den, so hat der­je­ni­ge, auf des­sen Rech­nung die Zah­lung bewirkt wor­den ist, nach § 37 Abs. 2 AO gegen­über dem Leis­tungs­emp­fän­ger einen Anspruch auf Erstat­tung des gezahl­ten Betra­ges. Die­se Rechts­fol­ge tritt auch dann ein, wenn der recht­li­che Grund für die Zah­lung spä­ter weg­fällt (§ 37 Abs. 2 Satz 2 AO). Durch die Auf­he­bung der Kin­der­geld­fest­set­zung ist der recht­li­che Grund für die Zah­lung des Kin­der­gel­des an den Sohn ab sei­nem 25. Geburts­tag weg­ge­fal­len.
Der Rück­for­de­rung steht die blo­ße Wei­ter­zah­lung des Kin­der­gel­des nicht ent­ge­gen [6].
Dem Ver­hal­ten der Fami­li­en­kas­se ist kei­ne (kon­klu­den­te) Zusa­ge zu ent­neh­men, dass der Sohn mit einer Rück­for­de­rung des Kin­der­gel­des nicht zu rech­nen brauch­te [7]. Bei der Bewilligungsverfügung/​Kassenanordnung, mit der die Zah­lung bis ein­schließ­lich Juni 2010 befris­tet wur­de, han­delt es sich um ein Ver­wal­tungs­in­ter­num ohne Außen­wir­kung.
z.B. BFH, Urtei­le vom 20.11.2008 – III R 53/​05, BFH/​NV 2009, 564, unter II. 1.a; vom 03.03.2011 – III R 11/​08, BFHE 233, 41, BStBl II 2011, 722, Rz 10; Blümich/​Trei­ber, § 70 EStG Rz 23; Dürr in Frot­scher, EStG, Frei­burg 2011, § 70 Rz 8; Wendl in Herrmann/​Heuer/​Raupach, § 70 EStG Rz 13; Grei­te in Korn, § 70 EStG Rz 15[↩]
vgl. Felix, in: Kirchhof/​Söhn/​Mellinghoff, EStG, § 70 Rz C 9; Pust in Littmann/​Bitz/​Pust, Das Ein­kom­men­steu­er­recht, Kom­men­tar, § 70 Rz 110; Seewald/​Felix, Kin­der­geld­recht, EStG § 70 Rz 43[↩]
FG Düs­sel­dorf, Urteil vom 10.01.2013 – 16 K 1255/​12 Kg, EFG 2013, 461, rkr., mit zustim­men­der Anm. Sie­gers; Reuß, EFG 2012, 1481; Bergkem­per, Auf­he­bung oder Ände­rung einer Kin­der­geld­fest­set­zung, Finanz-Rund­schau 2000, 136, unter II.; Tied­chen, Die Ände­rung von bestands­kräf­ti­gen Kin­der­geld­be­schei­den, DStZ 2000, 237, unter II. 1.b.aa; Reuß in Bordewin/​Brandt, § 70 EStG Rz 53a; Helm­ke in Helmke/​Bauer, Fami­li­en­leis­tungs­aus­gleich, Kom­men­tar, Fach A, I. Kom­men­tie­rung, § 70 Rz 13; a.A. Schmid­t/­We­ber-Grel­let, EStG, 33. Aufl., § 70 Rz 5[↩]
zutref­fend Reuß, EFG 2012, 1481, 1482[↩]
vgl. BFH, Urteil in BFH/​NV 2009, 564, unter II. 3.[↩]
vgl. z.B. BFH, Urteil in BFHE 233, 41, BStBl II 2011, 722, Rz 15, m.w.N.[↩]
vgl. dazu z.B. BFH, Beschlüs­se vom 28.01.2010 – III B 37/​09, BFH/​NV 2010, 837, Rz 3, m.w.N.; vom 06.02.2012 – VI B 147/​11, Zeit­schrift für Steu­ern und Recht 2012, R486, Rz 3, m.w.N.[↩]
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