Source: https://studylibde.com/doc/3374423/erl%C3%A4uterungen--pdf-99-8-kb-
Timestamp: 2019-05-26 06:04:36
Document Index: 130342540

Matched Legal Cases: ['§ 4', '§ 4', 'Art. 7', 'Art. 7', 'Art. 16', 'Art. 18']

Erläuterungen (PDF 99,8 kB)
GESETZLICHE BEGRENZUNG VON ABWASSEREMISSIONEN
AUS DER HERSTELLUNG UND VERARBEITUNG VON
KUNSTSTOFFEN, GUMMI UND KAUTSCHUK
(BGBl. II Nr. 8/1999)
Unter Kunststoffen versteht man Materialien, deren wesentliche Bestandteile aus
makromolekularen organischen Verbindungen bestehen, die entweder synthetisch hergestellt oder durch Abwandlung von Naturprodukten gewonnen werden. Umgangssprachlich
werden Gegenstände aus Kunststoff häufig als Plastik bezeichnet; vereinzelt trifft man
auch in der Literatur die Bezeichnung Plaste an.
Als Überbegriff für Kunststoffe findet sich auch die Bezeichnung Polymere oder Polymerwerkstoffe. Man versteht darunter Produkte, die aus einem Kollektiv chemisch einheitlicher, sich in der Regel aber hinsichtlich Verbindungsgrad, Molmasse und Kettenlänge
unterscheidender Makromoleküle (Polymermoleküle) bestehen.
Die Einteilung der Kunststoffe ist nach den verschiedensten Gesichtspunkten möglich.
Folgende Unterscheidungen sind gebräuchlich:
nach der Herkunft (natürlich oder synthetisch)
nach den bei der Herstellung ablaufenden chemischen Hauptreaktionen
(Polymerisate, Polykondensate, Polyaddukte)
nach dem Herstellungsverfahren (z.B. Emulsions-, Suspensionspolymerisation)
nach den charakteristischen Gruppen der Polymerketten (z.B. Polyester,
Polyether, Polyamide etc.)
nach den Basismonomeren (z.B. Polyethylen, Polyacrylate, Polyvinylacetat etc.)
nach seitenständigen funktionellen Gruppen (z.B. Polyamine, Polyalkohole etc.)
nach ihren technischen Eigenschaften (z.B. Elastomere, Thermodure etc.)
AEV KUNSTSTOFFE
nach ihrer Verwendung (z.B. Massenkunststoffe wie PE, PVC, Klebstoffe, Lacke,
Die Entwicklung von Polymersynthesen, die Untersuchung der Reaktionsmechanismen
und der Strukturen sowie der Beständigkeit und Gebrauchseigenschaften (z.B. Licht-,
Wärme- und Bestrahlungsbeständigkeit) sind Arbeitsgebiete der Makromolekularchemie.
Die für die Beurteilung von Abwasserfragen wesentlichste Einteilung im Zusammenhang
mit den Kunststoffen ist jene nach den bei der Herstellung und Verarbeitung angewandten
Verfahren und Stoffen. Die gebräuchlichste chemische Einteilung erfolgt nach den für die
Synthesen eingesetzten Polyreaktionen. Man unterscheidet:
Polymerisation: aus Monomeren, die reaktive Mehrfachbindungen oder Ringe
enthalten, werden in einer stufenlosen Reaktion Polymere (Polymerisate) gebildet.
Die Polymerisation wird ausgelöst durch Initiatoren (radikalische ionische oder
Metallkomplex-Initiatoren),
ionisierende Strahlung oder Licht
(Photopolymerisation). Bei der Polymerisation treten weder Abspaltungen noch
Wanderungen oder Umlagerungen von Molekülbestandteilen während der
Wachstumsphase auf. Die Polymerisation wird durch Abbruchreaktionen
(Disproportionierung, Rekombination u.ä.) beendet.
Ausgangsstoffe für Polymerisationen sind Ethylen, Propylen, 1-Buten, Methylpenten, Vinylchlorid, Vinylidenchlorid, Methylmetacrylat, Acrylnitril, Styrol, Vinylalkohol, Vinylacetat. Die Polymerisation kann mit nur einer Monomerenart erfolgen
(Homopolymerisation), aber auch mit zwei oder mehreren Monomerenarten
durchgeführt werden. Die entstehenden Produkte sind die klassischen thermoplastischen Massenkunststoffe.
Polykondensation: in Stufen ablaufende Polyreaktion, bei welcher Kondensationen zwischen bi- oder höherfunktionellen Monomeren stattfindet. Die Verknüpfung
der Monomeren erfolgt unter Abspaltung kleiner Molekülarten (Wasser, Alkohol,
Halogenwasserstoffe), die aus den miteinander reagierenden funktionellen
Gruppen stammen. Als Zwischenprodukte treten Oligomere auf, die die gleichen
Endgruppen wie die Ausgangsstoffe besitzen.
Die Polykondensationen lassen sich in zwei Typen unterteilen. Unipolykondensationen finden zwischen Molekülen eines einzigen Monomerentypes oder
zwischen lediglich zwei verschiedenen Monomerentypen statt; Copolykondensationen dagegen finden unter Beteiligung von mehr als 2 chemisch verschiedenen Monomerentypen statt. Die während der Polykondensation entstehenden
niedermolekularen Reaktionsprodukte müssen laufend aus dem Reaktor entfernt
werden. Produkte aus Polykondensationen sind die thermoplastischen Kunststoffe
Polyamid, Polycarbonat, Polyester, Polyphenylenoxid, Polysulfon, Polyvinylacetat.
Durch Polykondensation werden auch eine Vielzahl von Thermoduren hergestellt
Phenolharze,
Harnstoffharze,
Thioharnstoffharze,
Melaminharze,
Polyesterharze, Alkydharze u.ä.).
-3c)
Polyaddition: Durch vielfach wiederholte Addition von bi- oder polyfunktionellen
Edukten (Monomeren) in unabhängigen Einzelreaktionen (Stufenreaktionen) über
die Bildung von reaktiven Oligomeren erfolgt die Bildung des Polymeres. Die
Additionen verlaufen ohne Abspaltung von niedermolekularen Verbindungen
häufig unter Verschiebung von Wasserstoffatomen. Je nach der Anzahl der beteiligten Monomeren differenziert man zwischen Unipolyaddition (ausgehend von 2
Monomerentypen wie z.B. einem Diol und einem Diisocyanat) und der Copolyaddition (mehr als 2 unterschiedliche Monomerentypen). Produkte der Polyaddition sind die linearen Polyurethane und die chlorierten Polyether (als Thermoplaste) sowie die Epoxidharze und die vernetzten Polyurethane (als Thermodure).
Zu den Kunststoffen zählt man auch chemisch abgewandelte Naturstoffe wie z.B. CaseinKunststoffe (als Thermodure) oder Cellulosederivate (als Thermoplaste).
Der Ausdruck Kautschuk ist eine Sammelbezeichnung für unvernetzte aber vernetzbare
Polymere mit hochelastischen Eigenschaften bei Raumtemperatur. Kautschuke können
daher den Thermoplasten zugeordnet werden. Unter dem Einfluß deformierender Kräfte
zeigt Kautschuk viskoses Fließverhalten. Kautschuke werden systematisch in Naturkautschuk und Synthesekautschuk unterteilt.
Naturkautschuke (engl. natural rubber, NR) wird fast ausschließlich aus dem Latex
gewonnen, der beim Anritzen der Sekundärrinde der Stämme von Kautschukbäumen
(Wolfsmilchgewächse z. B. Hevea brasiliensis) ausfließt. Latex ist eine Emulsion von NRTröpfchen (Teilchengröße 0,5 bis 1 µm) in Wasser; Eiweißstoffe dienen als Schutzkolloide. NR ist ein ungesättigtes nicht vernetztes Polymer, der als Grundeinheit Isopren
(2-Methyl-1,3-butadien) enthält.
Synthesekautschuk dagegen (engl. synthetic rubber SR) ist Kautschuk, der durch organisch - chemische Synthesen aus ungesättigten Monomeren überwiegend durch Homooder Copolymerisation hergestellt wird. Wichtige Basismonomere für die SR-Herstellung
sind Butadien und seine Homologen (Isopren, 2-3-Dimethyl-1,3-butadien) sowie Substitutionsprodukte (z.B. Chloropren, Styrol, Acrylnitril und Methacrylsäure).
Gummi ist ein Elastomer, welches durch chemische Vernetzung aus Kautschuk hergestellt
wird. Als chemische Vernetzung (Vulkanisation) bezeichnet man die Öffnung der
Doppelbindungen in den ungesättigten Kettenmolekülen und die Ausbildung von
chemischen Brücken. Dadurch entsteht aus dem Thermoplasten Kautschuk ein Elastomer. Die Vulkanisation kann durch energiereiche Strahlung sowie durch den Einsatz von
Chemikalien (Peroxide, Schwefel oder Schwefelverbindungen) bewirkt werden. Bei der
Vulkanisation von Naturkautschuk als erstem großtechnisch eingesetztem Verfahren
(Goodyear 1890) wurde Schwefel und Hitze angewandt.
Eigenschaften der Kunststoffe
Die technischen Kunststoffe bestehen überwiegend (zu mehr als 90 Masseprozent) aus
den synthetischen oder durch Umwandlung von Naturstoffen gewonnenen organischen
Polymeren des Kap. 1.1. Sie entstehen durch Polymerisation, Polykondensation oder
-4Polyaddition aus einfachen Molekülen (Monomere wie Ethylen, Propylen, Styrol, Vinylchlorid, Caprolactam, Isocyanate etc.). Die molaren Massen liegen im allgemeinen zwischen 10 000 und 1 000 000 g/mol. Je nachdem, ob die gleichartigen oder unterschiedlichen Makromoleküle aus gleichartigen oder unterschiedlichen Struktureinheiten bestehen, spricht man von Homopolymeren oder Copolymeren.
Bei ausreichend hoher Temperatur sind die Molekülketten der Polywerkstoffe beweglich
und streben eine Knäuelform an. Die Stoffe sind dann knautschelastisch bis plastisch.
Beim Abkühlen vermindert sich die Kettenbeweglichkeit und damit die Verformbarkeit der
Polywerkstoffe. Unterhalb der Glastemperatur (Einfriertemperatur) geht der Kunststoff in
einen glasig harten Zustand über. Die Molekülketten bleiben dabei ungeordnet, d.h. der
Kunststoff ist amorph. Durch sperrige Seitengruppen und polare Bindungen (z.B. C-Cl)
und die daraus resultierenden Anziehungskräfte wird die Kettenbeweglichkeit herabgesetzt und die Glastemperatur erhöht. Starre ringförmige Kettenglieder behindern die
Beweglichkeit besonders stark und ergeben hochtemperaturbeständige Kunststoffe mit
sehr hohen Glastemperaturen (z.B. Polysulfone, Polyimide). Bei regelmäßiger Anordnung
der Strukturelemente in der Molekülkette können Polymere kristallisieren (z.B. isotaktisches Polypropylen). Die regelmäßige Anordnung der Molekülkettten wird allerdings
durch ihre geringe Beweglichkeit behindert, sodaß meist amorphe Teilbereiche in Form
von Schleifen und Windungen zwischen den geordneten Bereichen bestehen. Der Kunststoff ist dann teilkristallin. Flüssigkeitskristalline Kunststoffe bestehen aus starren Molekülketten, die in der Schmelze oder in Lösung parallel zueinander angeordnet sind. Wenn
bei der Verarbeitung die parallele Ausrichtung der Molekülketten erhalten bleibt, entstehen
Kunststoffe mit extrem hoher Formbeständigkeit und Festigkeit.
Die technische Klassifizierung der Kunststoffe erfolgt meist aufgrund des Verhaltens in der
Thermoplaste sind amorphe oder teilkristalline Kunststoffe, deren Moleküle nicht
untereinander vernetzt sind. Dadurch können oberhalb der Glastemperatur ganze
Kettenmoleküle ihren Platz tauschen, d.h. Thermoplaste sind in der Wärme plastisch verformbar, schmelzbar und schweißbar. Sie sind außerdem in geeigneten Lösungsmitteln
quellbar und mehr oder weniger gut löslich. Zu den Thermoplasten gehören die Massenkunststoffe PE, PP, Polystyrol (PS) und PVC, aber auch wichtige technische Kunststoffe
(Polyamide, Polycarbonate).
Elastomere (Elaste) sind vorwiegend amorphe Polymere mit Glastemperaturen unter der
Raumtemperatur, deren Moleküle weitmaschig miteinander vernetzt sind. Durch die
lediglich geringe Vernetzung wird zwar der Platzwechsel der Moleküle und damit die
plastische Verformbarkeit verhindert, die Beweglichkeit der Kettensegmente bleibt aber
erhalten, sodaß elastische Formveränderungen möglich sind. Elastomere sind bei
Gebrauchstemperatur gummielastisch, sie schmelzen nicht und sind unlöslich aber quellbar.
Thermoplastische Elastomere sind gummielastisch, können aber bei hohen Temperaturen wie Thermoplaste verarbeitet werden. Ihre Molekülketten bestehen aus Segmenten mit niedriger Glastemperatur (z.B. Polybutadien) und Segmenten, die kristal-
-5lisieren oder die eine hohe Glastemperatur haben (z.B. Polystyrol). Diese „harten Blöcke“
wirken bei Gebrauchstemperatur vernetzend, brechen aber bei hoher Temperatur auf.
Thermodure, auch Duroplaste oder Duromere genannt, bestehen aus engmaschig
vernetzten Molekülen, sodaß nur geringfügige Abstandsänderungen innerhalb der
dreidimensionalen Molekülstruktur möglich sind. Duroplaste sind nicht plastisch verformbar, unschmelzbar, nicht schweißbar und unlöslich. Zu ihnen gehören die Kunstharze
(Phenolharze, Aminoplastharze, Epoxidharze) und vernetzte Polyurethane.
Polymerlegierungen, auch Polymerblends genannt, sind mehrphasige Polymermischungen. Besondere Bedeutung haben schlagzähe Polymerlegierungen, bei denen in einer
kompakten Polystyrol- oder Polyamid-Hartphase ein weiches Elastomer (z.B. Polybutadien) fein verteilt ist. Kunststoffe dieser Art neigen unter Stoßbelastung nicht zum Bruch,
was besonders im Automobilbau (ABS-Polymerisate) von Bedeutung ist.
Herstellung von Kunststoffen, Gummi und Kautschuk
Die Bildungsmechanismen bei der Herstellung einer linearen Molekülkette aus einer
Vielzahl von Struktureinheiten vollziehen sich immer durch Addition von bifunktionellen
Monomeren, die sich nach der Reaktion als Struktureinheit der Kette wiederfinden. Die
verschiedenen Arten der Polyreaktionen unterscheiden sich durch die Art und Weise, wie
der bifunktionelle Charakter im Monomerenmolekül enthalten ist und den dadurch
vorgegebenen Ablauf der Reaktionen. Man unterscheidet zwei Gruppen von Monomeren.
Bei der einen Gruppe ist der bifunktionelle Charakter nur latent vorhanden und muß durch
einen Initiator geweckt werden (z.B. bei der Polymerisation); bei der anderen Gruppe liegt
die bifunktionelle Eigenschaft der Monomeren (z.B. durch funktionelle Gruppen) offen vor
wie z.B. bei Polykondensationen.
Man unterscheidet radikalische, ionische und Metallkomplex - Polymerisation. Die weitaus
meisten der für die Erzeugung von Kunststoffen hergestellten Monomeren polymerisieren
radikalisch (z.B. Ethylen, Butadien, Styrol, Vinylchlorid, Acrylnitril). Manche dieser
Monomeren können auch ionisch polymerisiert werden. Als Initiatoren für den Start der
Polymerisation dienen zerfallenden Monomere (hervorgerufen z.B. durch Wärme oder
Bestrahlung) oder zerfallende Initiatoren (z.B. Peroxide). Bei der ionischen Polymerisation
wird durch Anionen (z.B. alkaliorganische Verbindungen) oder Kationen (z.B. Metallchloride wie AlCl3, SnCl4 u.ä.) die Reaktion gestartet. Manche Monomere wie z.B. Propylen
oder Cyclopenten lassen sich nur über Metallkomplexe polymerisieren (Aluminium- und
Titanverbindungen, Ziegler-Natta-Katalysatoren).
Verfahrenstechnisch kann die Polymerisation auf mehrere Arten durchgeführt werden:
Block- oder Substanzpolymerisation: das (die) Monomere(n) wird (werden)
unverdünnt durch Erhitzen, Bestrahlen oder Initiatorzugabe polymerisiert. Verfahrenstechnisch schwierig kann die Abfuhr der Reaktionswärme sein. Styrol und
Ethylen sind Beispiele, bei denen die Blockpolymerisation angewendet wird. Das
-6entstehende Polymer löst sich im Monomeren, sodaß sich die Viskosität des
Reaktionsgemisches mit fortschreitender Polymerisation stark erhöht.
Lösungspolymerisation: Polymerisation, die in Gegenwart eines nicht polymerisierenden Lösungsmittels durchgeführt wird (z.B. Ethylbenzol bei Polystyrol, Wasser bei Polyacrylsäure). Die Reaktionswärme kann über das Verdampfen des
Lösungsmittels beherrscht werden. Nach Abschluß der Polymerisation muß das
Lösungsmittel entfernt werden, soferne das Polymerisat nicht als Lösung weiter
verwendet wird. Als Lösungsmittel kann Wasser oder ein organisches Lösungsmittel verwendet werden.
Suspensions- oder Perlpolymerisation: Das(die) Monomere(n) wird(werden) in der
mehrfachen Menge an Wasser suspendiert. Der Initiator ist im Monomer löslich,
sodaß die Polymerisation im Inneren der Monomertröpfchen stattfindet. Zur Verhinderung von Koagulation muß ein Schutzkolloid zugegeben werden (Alginate,
Carboxymethylcellulose etc.).
Emulsionspolymerisation: gleiches Wirkungsprinzip wie lit. c. Das Monomer wird
unter Zugabe eines Emulgators (z.B. Natriumpalmitat oder C12-C14 - Sulfonat) eingebracht. Der Initiator ist wasserlöslich. Die Polymerisation findet nicht in den
Monomertröpfchen sondern in der Lösung statt. Das Polymer (z.B. Styrol - Butadien - Kautschuk) fällt als fein verteilte Dispersion an (Latex).
Polykondensation, Polyaddition
Die für Polykondensationen und Polyadditionen verwendeten Monomeren besitzen die
Fähigkeit, lange Ketten zu bilden, bereits von sich aus und müssen nicht erst durch ein
Radikal, ein Ion oder einen Metallkomplex von außen dazu veranlaßt werden. Man
unterscheidet zwischen Monomeren, die 2 gleiche funktionelle Gruppen im Molekül haben
(z.B. 2 OH-Gruppen wie Ethylenglykol oder Butandiol, 2 NH2-Gruppen bei Hexamethylendiamin oder Phenylendiamin) und Monomeren, die 2 verschiedene funktionelle Gruppen
im gleichen Molekül aufweisen (z. B ω-Aminocarbonsäuren). Die erste Gruppe benötigt in
der Regel zur Polyaddition einen Reaktionspartner, der auch 2 funktionelle Gruppen im
Monomermolekül aufweist. Es gibt eine große Anzahl von bifunktionellen Monomeren, die
miteinander kombiniert werden können und damit die große Vielfalt der technischen
Kunststoffe ermöglichten. (Polyamide, Polyimide, Polyester, Polycarbonate, Polyphenylether, Polyurethane). Verfahrenstechnisch wird zwischen 3 Arten unterschieden:
Schmelzkondensation: Die Art der Durchführung entspricht jener der
Blockpolymerisation. Die Monomeren werden ohne Zusatz von Verdünnungsmitteln auf Temperaturen zwischen 200 und 300 0C erwärmt. Die Reaktion wird
mehrstufig geführt, wobei in der 1. Stufe häufig höherer Druck angewandt wird um
das Entweichen eines Monomeres mit hohem Dampfdruck zu verhindern. Die
Reaktionsprodukte, insbesonders Wasser, müssen laufend entfernt werden. Zur
Vermeidung von unerwünschten Verfärbungen kann zusätzlich Inertgas eingesetzt
-7b)
Lösungskondensation: Die Polyreaktion kann bei niedrigen Temperaturen, allenfalls unter Einsatz eines Katalysators, durchgeführt werden. Das eingesetzte
Lösungsmittel (z.B. Benzol oder Toluol) wird mittels Inertgas kontinuierlich verdampft, kondensiert und getrocknet und erneut dem Reaktor zugeführt. Dadurch
kann Reaktionswasser azeotrop entfernt werden und der Wassergehalt des
Ansatzes gering gehalten werden.
Grenzflächenkondensation: Die Monomeren werden in 2 miteinander nicht
mischbaren Lösungsmitteln gelöst, z.B. das eine Monomer in Wasser, das andere
in Methylenchlorid. Die Polykondensation findet an den Grenzflächen der beiden
Lösungsmittel statt. Die Konzentration der Monomeren in den verschiedenen
Lösungsmitteln werden entsprechend dem Monomerenverbrauch durch die
Grenzflächenreaktionen eingestellt. Bevorzugt wird dieses Verfahren zur
Polykondensation von Dicarbonsäurechloriden mit Diaminen oder Diolen (z.B.
Herstellung von Polycarbonat aus Bisphenol A und Phosgen). In der wäßrigen
Phase muß bei Anfall von Halogenwasserstoffen als Kondensationsprodukt ein
alkalisches Neutralisationsmittel zugesetzt werden.
Es ist nicht möglich, im Rahmen dieser Erläuterung auf alle angewandten Verfahren zur
Kunststoffherstellung und alle hergestellten Kunststoffe im Detail einzugehen. An Hand
von ausgewählten Beispielen soll daher der Verfahrensgang erläutert werden.
Propen läßt sich radikalisch und anionisch kaum und kationisch nur in geringem Umfang
polymerisieren. Durch Einsatz von Metallkomplex-Katalysatoren (Ziegler – Natta – Katalysatoren) kann hochmolekulares Polypropylen erzeugt werden. Propen wird großtechnisch
durch Steamcracken von der Petrochemie bereitgestellt (sh. AEV Petrochemie). Als Rohstoff für die Polymerisation muß das Propen in hochreiner Form vorliegen, da die Aktivität
der Metallkomplexkatalysatoren durch Nebenprodukte des Steamcrackens wie Sauerstoff,
Wasser, Schwefelverbindungen oder Acetylene stark beeinträchtigt wird. Über Molekularsiebe wird daher die notwendige Reinheit des Propens erreicht.
PP läßt sich durch Block-, Gasphasen-, Lösungs- und Suspensionspolymerisatioin herstellen. Bei den letztgenannten Verfahren werden gesättigte Kohlenwasserstoffe mit 6 bis
11 C-Atomen als Verdünnungs- und Lösungsmittel eingesetzt, an deren Reinheit ähnlich
hohe Anforderungen gestellt werden wie an die des Propens. Als Katalysatoren werden
Titanchloride und Dialkylaluminiumchloride eingesetzt (Ziegler – Natta - Katalysatoren).
Gegenwärtig ist das hauptsächlich angewandte Verfahren jenes, bei welchem kontinuier0
lich unter Temperaturen zwischen 30 - 80 C und unter niedrigem Druck (1 bis 5 bar)
durch stereospezifische Polymerisation überwiegend isotaktisches PP (alle Seitengruppen
auf der gleichen Seite des Kettenmoleküles) gebildet wird, welches sich durch hohe
Festigkeit und einen hohen Erweichungspunkt auszeichnet.
-8Die PP-Herstellung erfolgt in den Stufen Polymerisation, Zersetzung, Trocknung und
Granulierung. In der Zersetzungsstufe wird der Katalysator desaktiviert und abgetrennt. In
der Trocknungsstufe werden Lösungs- und Verdünnungsmittel abgetrennt. Das gereinigte
und getrocknete PP wird in der Granulierstufe mit Stabilisatoren und anderen Zusatzstoffen vermischt und granuliert.
SBR kann durch Lösungs- oder Emulsionspolymerisation hergestellt werden. Das
überwiegend angewandte Verfahren ist die Emulsionspolymerisation. Das Verfahren hat
den Vorteil, daß das Polymerisationsprodukt in wäßriger Lösung als feinverteilte Dispersion anfällt (Latex) und ohne zusätzlichen Verfahrenschritt Ausgangsprodukt für
konzentrierte Latices oder Kautschuk-Masterbatches ist. Die Emulsionspolymerisation
erfordert eine Vielzahl von Polymerisationshilfsmitteln.
Die Emulsionspolymerisation wird überwiegend im Kaltverfahren durchgeführt. Dabei
werden die Ausgangskohlenwasserstoffe mit Wasser im Massenverhältnis 1:2 gemischt;
als Emulgatoren dienen Alkaliseifen von Harz- und Fettsäuren. Initiert wird die Polymerisation durch Radikale, die aus der Umsetzung von Eisen(II)-Salzen mit organischen
Peroxiden entstehen. Zusätzlich müssen Aktivatoren (z.B. Chelatkomplexbildner wie
EDTA) zugegeben werden. Zur Einstellung der Molekularmasse werden Reglersubstanzen zugesetzt (z.B. Dodecylmercaptan). Die Polymerisationsreaktion wird durch Zugabe von Stoppern (z.B. Dithionit, Dialkyldithiocarbonate u.ä.) bei Erreichen des
gewünschten Polymerisierungsgrades abgebrochen. Die nicht umgesetzten Kohlenwasserstoffe werden destilliativ von dem milchig weißen Kautschuk-Latex abgetrennt. Durch
Zugabe von Schwefelsäure und einem Koagulierungshilfsmittel kann aus dem Latex der
Kautschuk gewonnen werden; als Koagulationsmittel werden anorganische Salze (NaCl)
oder organische Produkte wie Leim oder Polyamine zugesetzt.
Zusätze (Konfektionierung)
Die in den Herstellungsanlagen gewonnenen Kunststoffe verfügen in der Regel nicht über
jene Eigenschaften, die für ihren langzeitigen Gebrauch erforderlich sind. Daher wird im
Anschluß an den eigentlichen Herstellungsprozeß durch Zugabe einer Vielzahl von
Zusätzen und durch mechanische Bearbeitung die gewünschten Gebrauchseigenschaften
eingestellt. Folgende Gruppen von Zusätzen können genannt werden:
Stabilisatoren gegen die Einwirkung von Licht, Wärme und Oxidation
-9g)
Die Zugabe von Stabilisatoren soll den Kunststoff vor dem oxidativen Angriff des
Luftsauerstoffes, vor der Depolymerisation, vor Abspaltung von Substituenten der
Hauptkette etc. schützen. Spezifisch für den jeweiligen Kunststoff muß dabei aus einer
großen Anzahl von zur Verfügung stehenden Chemikalien ausgewählt werden. Hauptgruppen von Stabilisatoren sind sterisch gehinderte Phenole, Peroxid-Zersetzer, MetallDesaktivatoren, UV-Absorber, sterisch gehinderte Amine etc. Beispielsweise werden für
PVC als Stabilisatoren eingesetzt: Metallseifen des Blei, Cadmium, Zink, Calcium oder
Strontium (und deren Gemische), Organozinn-Verbindungen und organische Basen.
Gleitmittel sollen bei allen Arten von Kunststoffen die Verarbeitung erleichtern. Bei der
schmelzenden Weiterverarbeitung bewirken die Gleitmittel die Ausbildung einer
homogenen fließfähigen Masse und verhindern das Verkleben der Schmelze mit den
Verarbeitungsmaschinen. Als Gleitmittel werden bevorzugt Kohlenwasserstoffe, Fettalkohole und Fettsäuren, Metallseifen, Ester und Säureamide eingesetzt.
Trennmittel dienen der Herabsetzung der Adhäsion zwischen Kunststoffoberflächen und
den Wänden der Verarbeitungswerkzeuge (Formtrennmittel) oder den Oberflächen anderer Kunststoffe (Antiblockmittel). Als Trennmittel werden Fettsäureamide, Organosiliciumverbindungen, Polyethylenglykole etc. angewandt.
Antistatika sollen elektrostatische Aufladungen von Kunststoffoberflächen vermindern.
Man unterscheidet innere und äußere Antistatika. Innere Antistatika sind Bestandteil der
Kunststoffrezeptur und werden homogen in der Kunststoffmasse verteilt. Sie diffundieren
mit der Zeit an die Kunststoffoberfläche und bilden dort einen antistatisch wirksamen
Film. Äußere Antistatika dagegen werden aus einer (meist wäßrigen Lösung) im Tauchoder Sprühverfahren auf die Oberfläche aufgebracht. Als Antistatika kommen Ruß,
mehrwertige Alkohole und Ether, Fettsäureester, Amine und Säureamide sowie
quarternäre Ammoniumverbindungen und anionenaktive Paraffinsulfonate oder phosphate zum Einsatz.
Zahlreiche Kunststoffe sind, wenn sie keine flammfest machenden Zusätze enthalten,
brennbar (z.B. Polyolefine, Polystyrol, Polyacetale, Polymethacrylate, PVC etc.). Die
Haupteinsatzgebiete für Flammschutzmittel sind Kunststoffe, die als Schaumstoffe,
Bauelemente, Möbelteile, Textilinneneinrichtungen, Automobilzubehör etc. verwendet
werden. Flammschutzmittel bestehen meist aus anorganischen Stoffen (z.B. Antimontrioxid bei PVC, Aluminiumoxidhydrat bei Polystyrol, Polyolefinen, Epoxiden), halogenierten organischen Verbindungen (bio - inerte Aromaten, chlorierte Paraffine), organische
Phosphorverbindungen oder halogenierten organischen Phosphorverbindungen.
Weichmacher sind flüssige oder feste chemisch indifferente organische Substanzen mit
geringem Dampfdruck, die ohne chemische Reaktion durch ihr Löse- oder Quellvermögen
mit hochpolymeren Stoffen in physikalische Wechselwirkung treten und ein homogenes
physikalisches System mit diesem bilden. Weichmacher verleihen den ihnen zugesetzten
- 10 Kunststoffen bestimmte angestrebte Eigenschaften wie z. B. erniedrigte Glastemperatur,
höheres Verformungsvermögen, verbesserte elastische Eigenschaften, verringerte Härte
oder gesteigertes Haftvermögen. An erster Stelle bei den Weichmachern stehen die
Phtalsäureester, welche fast 2/3 des gesamten Weichmacherbedarfes decken. Danach
kommen die Phosphorsäureester sowie die Ester aliphatischer oder aromatischer Mono-,
Di- oder Tricarbonsäuren. Auch Ketone, Acetale, Kohlenwasserstoffe oder Sulfonsäureamide spielen eine gewisse Rolle.
Farbmittel werden Kunststoffen beigegeben, um die bei den Gebrauchsartikeln
gewünschten Färbungen zu erzielen. Die Färbung wird in der Regel durch Pigmentbeigabe erreicht. Bevorzugt sind Titanoxid-, Zinksulfid-, Eisenoxid-/Chrom-oxidpigmente in
Verwendung, aber auch Mischphasenpigmente (Ni/Sb/Cr, Cr/Sb/Ti), Cadmiumpigmente
und organische Pigmente.
Kautschukchemikalien: Sowohl natürlich wie auch synthetisch hergestellte Kautschuke
lassen sich durch Zusatz von Chemikalien weitestgehend modifizieren. Durch inaktive
Füllstoffe wie Kreide, Kaolin oder Ruß etc. läßt sich die Härte, Festigkeit und Elastizität
verändern. Zur besseren Verteilung dieser Füllstoffe werden Mineralöle, Stearinsäure,
Lanolin etc. eingesetzt. Wärmebeständigkeit wird durch Zusatz von sekundären
aromatischen Aminen und Merkaptobenzimidazol erreicht. Für die Vulkanisation kommt
eine Vielzahl von Stoffen zum Einsatz. Primär werden Schwefel und Organoschwefelverbindungen eingesetzt. Als Beschleuniger dienen Organozinkverbindungen, Thiocarbamate und Triazine; als Vernetzungsmittel für Kautschuk ohne Doppelbindung werden
Peroxide eingesetzt.
Abwasseranfall bei der Kunststoffherstellung
Abwasser fällt bei der Herstellung von Kunststoffen als Reaktionswasser (bei Polykondensationen), als Lösungs- oder Verdünnungsmittel bei Lösungs-, Emulsions- oder
Suspensionsverfahren, bei der Produktreinigung, als Kondensat aus Destillationen, als
Waschwasser aus der Abluftreinigung und der Anlagenreinigung sowie aus Spritz- und
sonstigen Verlusten an.
Verarbeitung von Kunststoffen, Gummi und Kautschuk
Die gemäß Kap. 1.3 hergestellten Kunststoffe werden zu einer großen Anzahl von
Halbzeugen und Fertigprodukten weiterverarbeitet.
Bei den Verarbeitungsverfahren für Thermoplaste unterscheidet man zwischen druckloser
Verarbeitung und Verarbeitung unter Druck. Zu den drucklosen Verfahren zählen Gießen,
Tauchen, Streichen, Sintern und Schäumen. Ausgangsmaterialen sind Thermoplaste, die
ohne zusätzlichen Kraftaufwand unter Einwirkung der Schwerkraft fließfähig und
ausformbar sind. Bei den Verfahren mit Druckanwendung wird zuerst durch Wärmeeinwirkung eine Schmelze hergestellt, die anschließend unter Druckaufwand verformt und
durch Abkühlung fixiert wird. Der Druckaufwand ist bedingt durch die hohe Viskosität des
Schmelzgußes. Zu den Druckverfahren zählen das Pressen, Walzen, Kalandrieren,
Walzenschmelzen, Extrudieren, Hohlkörperblasen und Spritzgießen.
- 11 Umformverfahren (Recken, Thermoformen etc.) dienen der Festigkeitssteigerung von
Kunststoffen durch Einwirken von äußeren Kräften oder von Wärme.
Bei Natur- und Synthesekautschuken ist der eigentlichen Verarbeitung die Mastikation,
Vulkanisation und (allenfalls) chemische Modifizierung vorgeschaltet. Dabei werden unter
Anwendung von mechanischer Energie und Beigabe von Chemikalien (Mastikation) oder
durch chemische Umwandlung (Vulkanisation, Chlorierung, Hydrochlorierung, Cyclisierung mit Schwefelsäure etc.). die gewünschten Gebrauchseigenschaften herbeigeführt.
Zahlreiche Verfahren der Kunststoffverarbeitung können heute trocken ausgeführt
werden, sodaß aus dem Verarbeitungsprozeß selbst kein Abwasser anfällt. Abwasser
stammt primär aus der nassen Abluftreinigung und in geringem Umfang aus der
Anlagenreinigung. Prozeßabwasser fällt bei der Kunststoffverarbeitung jedenfalls bei der
Folienproduktion an, wo Kunststofflösungen, Dispersionen oder Schmelzen auf ein
Trägermaterial (Papier, Textil, Metalltrommeln, umlaufende Bänder) in ein Fällbad
gegossen werden. Das Lösungsmittel wird verdampft und rückgewonnen; bei dieser
Aufarbeitung und bei der Abluftreinigung fällt Abwasser an.
Häufig fällt Kühlwasser an, welches zur Abfuhr überschüssiger Prozeßwärme benötigt
wird. Dieses Kühlwasser kommt mit dem zu verarbeitenden Produkt nicht in Berührung
und gilt daher nicht als Prozeßabwasser.
Die Herstellung und Verarbeitung von Kunststoffen, Gummi und Kautschuk ist ein überaus
weit verzweigtes Arbeitsgebiet. Es ist nicht möglich, dieses Gesamtgebiet mit der AEV
Kunststoffe abzudecken. Bei der Abgrenzung des Geltungsbereiches der Verordnung
wurde auf die gegenwärtig in Österreich stattfindenden Produktionen und die
vorhersehbaren Entwicklungen abgestellt. Dementsprechend gilt die AEV Kunststoffe für
folgende Tätigkeiten:
Herstellen einschließlich Konfektionieren von Kunststoffen durch
Homo- oder Copolymerisation von Alkenen (Ethen, Propen, Buten,
Isobuten)
Homopolymerisation von Vinylchlorid oder Vinylidenchlorid
Homo- oder Copolymerisation von Styrol, Methylstyrol, Acrylnitril, Methacrylsäuremethylester
Copolymerisation von Monomeren der lit. a bis c
Polykondensation von Dicarbonsäuren und mehrwertigen Alkoholen
- 12 f)
Polykondensation von Dicarbonsäuren und Diaminen, Aminocarbonsäuren oder deren Säureamiden (Polyamide)
Polyaddition von mehrwertigen Alkoholen und mehrwertigen Isocyanaten
(lineare Polyurethane)
Herstellen von Synthesekautschuk (einschließlich Latex) durch Homo- oder
Copolymersation von Isobuten, Butadien, Isopren oder Chloropren oder durch
deren Copolymersation mit Vinylverbindungen (Styrol, Acrylnitril, Methacrylsäure)
einschließlich des Konfektionierens
Chemisches Modifizieren (Halogenieren, Sulfonieren, Sulfohalogenieren) von
Synthesekautschuk gemäß Z 2 oder von Naturkautschuk
Herstellen von Gummi durch chemisches Vernetzen (Vulkanisieren) von Naturoder Synthesekautschuk
Verarbeiten von gemäß Z 1 bis 4 hergestellten Stoffen zu Folien, Platten,
Hohlkörpern, Tauch-, Gieß-, Extrusions- oder Formartikeln, Schäumen etc.
Reinigen von Abluft und wäßrigen Kondensaten aus Tätigkeiten der Z 1 bis 5
unter Einsatz wäßriger Medien.
Abluftreinigungsanlagen sind meist in die Produktions- und Verarbeitungsanlagen bzw.
deren Entsorgungssysteme integriert; das Abluftwaschwasser aus den Waschsystemen
wird gemeinsam mit sonstigem Abwasser behandelt. Da die Reinigung des Abluftwaschwassers am Teilstrom ein nicht gerechtfertigter Aufwand ist, wird auf die diesbezügliche
Teilstromanforderung des § 4 Abs. 7 AAEV verzichtet.
In Kunststoffherstellungs- und Verarbeitungsbetrieben können folgende Abwässer anfallen, die nicht vom Geltungsbereich der AEV Kunststoffe abgedeckt sind:
Abwasser aus Kühlsystemen und Dampferzeugern
Abwasser aus der Wasseraufbereitung
Abwasser aus der Herstellung jener Monomeren, welche für die Kunststoffherstellung als Vorprodukte dienen
Kunstharzen, Klebstoffen, Druckfarben, Farben und Lacken sowie
Holzschutz- und Bautenschutzmitteln
Chemiefasern, für welche die unter Z 1 bis 4 genannten Kunststoffe als
Faserrohstoffe dienen
Abwasser aus der Kunststoffgalvanisierung
häusliches Abwasser.
Für die genannten Abwässer gelten jeweils eigene Abwasseremissionsverordnungen. Auf
Mischungen dieser Abwässer mit Abwasser aus der Kunststoffherstellung sind die Mischungs- und Teilstrombehandlungsregeln des § 4 Abs. 5 bis 7 AAEV anzuwenden.
Gegenwärtige Entsorgungssituation
In Österreich existieren gegenwärtig an 5 Standorten Anlagen zur Herstellung von Kunststoffen in großtechnischem Umfang, davon ist eine gegenwärtig stillgelegt (PVC-Anlage
Hallein). Die Zahl der Kunststoffverarbeiter wird auf rund 400 geschätzt. Obwohl gesamtwasserwirtschaftlich betrachtet das Abwasser aus der Kunststoffherstellung zu keinen
gravierenden Problemen in Gewässern und öffentlichen Kanalisationen führt, können im
Einzelfall lokal Beeinträchtigungen beobachtet werden. Die behördlichen Anordnungen an
die einzelnen Einleiter der Sparte sind örtlich stark unterschiedlich. Die AEV Kunststoffe
wird zur Vereinheitlichung der Anforderungen, zur Nachführung bestehender Anlagen an
den Stand der Technik und in Einzelfällen zu einer Reduktion der Gewässerbelastungen
Nachstehend genannte Maßnahmen des Standes der Technik können eingesetzt werden,
um die Grenzwerte der Anlage A der Verordnung zu erreichen:
Bei der Auswahl der Herstellungsverfahren sowie der Roh-, Arbeits- und
Hilfsstoffe sind jene zu bevorzugen, die eine stoffliche Verwertung der im
Abwasser enthaltenen Roh-, Arbeits- und Hilfsstoffe sowie der Produktionsrückstände ermöglichen (Katalysatoren, Lösungsmittel, Restmonomere).
Bei Einsatz optimierter Herstellungsverfahren und Katalysatoren kann die
Ausbeute der Vernetzungsreaktionen derart gesteuert werden, daß Isomerengemische, die abwasserintensive Trennprozesse verursachen, nur in geringem Umfang entstehen.
Hochkonzentrierte wäßrige Rückstände und Abwässer, die keiner stofflichen Verwertung zugänglich sind, sind bevorzugt thermisch zu verwerten.
Schwachbelastete Spül- und Reinigungswässer können einer Kreislaufführung
und Mehrfachverwendung zugeführt werden, erforderlichenfalls unter Einsatz von
Zwischenreinigungsstufen. Bei der Produktreinigung oder der Anlagenreinigung
können wassersparende Verfahren angewandt werden (z.B. Gegenstromwäsche,
Hochdruckreinigung).
- 14 5.
Die Auswahl der eingesetzten Roh-, Arbeits- und Hilfsstoffe soll unter Beachtung
der ökotoxikologischen Angaben in deren Sicherheitsdatenblättern erfolgen.
Bevorzugt einzusetzen sind Stoffe, die selbst keine gefährlichen Eigenschaften
aufweisen, bei denen möglichst keine gefährlichen Reaktionsprodukte aus den
Synthesen zu erwarten sind und welche sich bevorzugt durch biologische
Abwasserreinigungsverfahren entfernen lassen. Auf den Einsatz von metallorganischen Verbindungen oder Cadmiumverbindungen als Stabilisatoren, Weichmacher oder Antioxidantien und von halogenierten organischen Verbindungen als
Flammschutzmittel sollte nach Möglichkeit verzichtet werden.
Zur Vakuumerzeugung sollten nach Möglichkeit wasserfreie Verfahren verwendet
werden (Verzicht auf Wasserringpumpen, Dampfkondensatoren u.ä.).
Abluftreinigungsverfahren, bei denen die Gefahr des Kontaktes zwischen dem
Waschwasser und wassergefährdenden Abluftinhaltsstoffen besteht, sollten vermieden werden.
Spitzen von Abwassermengen und Schmutzfrachten können durch den Einsatz
von Misch- oder Ausgleichsbecken abgefangen werden.
Mittels der gängigen physikalisch-chemischen Abwasserreinigungsverfahren
(Neutralisation, Sedimentation, Fällung/Flockung, Filtration, Oxidation etc.) können durch Behandlung von Teilströmen oder des Gesamtabwassers die Grenzwerte nach dem Stand der Technik bei der Einbindung in eine öffentliche
Kanalisation zuverlässig unterschritten werden; bei Direkteinleitern wird in der
Regel zusätzlich die biologische Abwasserreinigung anzuwenden sein.
Die bei der Produktion und bei der Abwasserreinigung anfallenden Rückstände
sind gesondert zu erfassen und zu verwerten oder extern als Abfall zu entsorgen.
Parameterauswahl und Emissionsbegrenzungen
Das Abwasser aus der Kunststoffherstellung enthält eine unüberblickbare Anzahl von
chemischen Einzelverbindungen, die aus dem Einsatz von Roh-, Arbeits- und Hilfsstoffen
sowie aus den Reaktions- und Reaktionsnebenprodukten stammen. Die Stoffe sind
überwiegend organischer Natur und können im Einzelnen nicht überwacht werden. Daher
kommen toxikologische und chemische Summenparameter zur Anwendung.
Von den allgemeinen Parametern kommt der Toxizität besondere Bedeutung zu. Die
unüberschaubare Vielfalt der Einzelstoffe im Abwasser kann ausschließlich durch Einsatz
summarisch anzeigender biologischen Wirkgrößen überwacht werden. In Abhängigkeit
von der jeweiligen Produktionssituation entfalten die Abwasserinhaltsstoffe auf die
Organismen verschiedener trophischer Niveaus unterschiedliche toxische Wirkungen. Für
die Überwachung ist bei der wasserrechtlichen Bewilligung daher jener Test auszuwählen,
bei welchem die Testorganismen am empfindlichsten auf die Wasserinhaltsstoffe
reagieren. Bei Einleitung in eine öffentliche Kanalisation ist die Hemmwirkung der
- 15 Abwasserinhaltsstoffe auf die Biozönose der öffentlichen Abwasserreinigungsanlage mit
den in Anlage A der AAEV genannten Methoden zu überwachen.
Schwermetalle und Aluminium werden als Katalysatoren bei der Kunststoffherstellung,
aber auch als Zusatzstoffe bei der Kunststoffkonfektionierung eingesetzt. Cadmiumverbindungen (erfaßt als Cd) werden vereinzelt als Stabilisatoren (z.B. bei der PVCHerstellung) eingesetzt und müssen aus Gründen der Umsetzung des EU-Rechtes eine
Begrenzung in der AEV Kunststoffe enthalten, obwohl ihr Einsatz in Folge der Bestimmungen des Chemikalienrechtes weitgehend untersagt ist (sh. BGB. Nr. 855/1993). Bei
der Auswahl der Metalle wurden nur jene berücksichtigt, die häufig angewandt werden.
Dazu zählen Aluminium und Zinn als Katalysatoren; Zinn wird in Form zinnorganischer
Verbindungen auch als Stabilisator und Weichmacher verwendet. Zink findet auch bei der
Herstellung von Gummi Anwendung. Chlorverbindungen stammen aus dem Einsatz
chlorhaltiger Oxidationsmittel zur Cyanidoxidation. Ammonium stammt aus dem Einsatz
von N-haltigen Rohstoffen (Amine, Lactame, Urethane), aber auch aus Arbeits- und
Hilfsstoffen (z.B. Ammoniumsulfat aus der Latexherstellung). Chlorid stammt aus dem
Einsatz von Chlorwasserstoffsäure, aber auch aus Polykondensationen. Cyanid kann im
Abwasser bei Einsatz von nitrilhaltigen Rohstoffen auftreten (z.B. Acrylnitril, Acetonitril).
Phosphor stammt aus dem Einsatz von Hilfsstoffen für Kondensationsreaktionen, aber
auch aus Zusatzstoffen. Sulfat stammt aus dem Schwefelsäureeinsatz als Lösungsmittel,
Starter oder Sulfonierungsmittel.
Die organischen Inhaltsstoffe des Abwassers werden summarisch durch die Parameter
TOC, CSB und BSB5 erfaßt. Bei der Kunststoffherstellung kommen halogenierte
organische Verbindungen in großer Menge und Vielfalt als Starter, Lösungs-, Reinigungsund Quellmittel zum Einsatz; Reaktionen in chloridhaltigen Lösungsmitteln führen
ebenfalls zur Bildung von halogenorganischen Verbindungen. Diese halogenorganischen
Verbindungen werden durch die Parameter AOX und POX erfaßt. Schwerflüchtige lipophile Stoffe stammen aus dem Einsatz von Fetten und Ölen bei der Kunststoffherstellung
und -verarbeitung. Kohlenwasserstoffe sind Roh- und Arbeitsstoffe für die Kunststoffherstellung, werden aber auch bei Konfektionierung und Verarbeitung in großem Umfang
verwendet. Phenole stammen primär aus den eingesetzten Rohstoffen, aber auch aus
Kunststoffzusätzen und der Anwendung phenolischer Lösungsmittel. Große Bedeutung
haben bei der Kunststoffherstellung die Aromaten (Benzol, Styrol, Divinylbenzol etc.) als
Rohstoffe, Verdünnungs- und Lösungsmittel und als Zusatzstoffe.
Die Anforderungen der Anlage A beziehen sich auf die Beschaffenheit des
Gesamtabwassers vor Einleitung in ein Fließgewässer oder eine öffentliche Kanalisation;
Teilstromanforderungen werden nicht gestellt.
Umsetzung wasserbezogener EU-Richtlinien
Richtlinie 76/464/EWG
Gemäß Richtlinie 76/464/EWG legt die EU Programme zur Vermeidung oder Verminderung der Gewässerbelastung durch Stoffe der Liste I (Schwarze Liste) fest. Für Stoffe
- 16 der Liste II (Graue Liste) legen die Mitgliedstaaten Programme zur Vermeidung der Gewässerbelastung fest; weiters legen sie für jene Stoffe der Liste I, die seitens der EU noch
nicht geregelt sind, interimistisch autonome Regelungen fest.
Für folgende Stoffe der Liste I hat die EU Einzelregelungen erlassen, die bei Abwasser
aus der Herstellung von Kunststoffen von Bedeutung sein können:
RL 83/514/EWG
Ableitung von Cadmium, sofern es in Stabilisatoren
RL 88/347/EWG
Ableitung von Hexachlorbenzol (HCB) aus der
Kautschukverarbeitung (erfaßt als AOX)
Ableitung von Hexachlorbutadien (HCBD) aus der
Kunststoff- und Gummiherstellung (erfaßt als AOX).
Für nachstehend genannte Stoffe der Listen I und II, die für Abwasser aus der Herstellung
von Kunststoffen, Gummi und Kautschuk von Bedeutung sind, haben die Mitgliedstaaten
eigenständige Regelungen gemäß Art. 7 zu treffen:
Blei, Chrom-Gesamt, Quecksilber, Zink, Zinn, Gesamtchlor, Ammonium, Cyanid leicht
freisetzbar, Halogenierte organische Verbindungen (als AOX und POX), Summe der
Kohlenwasserstoffe, Phenolindex und Aromaten (als BTXE).
Die AEV Kunststoffe, Gummi und Kautschuk stellt die Umsetzung des von der EU geforderten nationalen Aktionsprogrammes (Art. 7 der RL) zur Verminderung der Abwasseremissionen der genannten Stoffe dar.
RL 96/61/EG
Am 24. September 1996 veröffentlichte die EU eine Richtlinie über die integrierte Vermeidung und Verminderung der Umweltverschmutzung (IPPC). In Anhang der Richtlinie werden unter Z 4.1 folgende Anlagen genannt, für welche ein derartiges integriertes
Verfahren durchzuführen ist:
lit h:
Herstellung von Polymeren (Basiskunststoffen)
lit i:
Herstellung von synthetischen Kautschuken.
Bei der integrierten Bewilligung sind für alle Umweltmedien, also auch für die Gewässer,
Schutzmaßnahmen auf dem Niveau des Standes der Technik (BAT) vorzusehen.
Die EU organisiert einen Informationsaustausch betreffend die von den Mitgliedstaaten
angewandten Verfahren nach dem Stand der Technik (Art. 16). Auf der Basis der
Ergebnisse diese Informationsaustausches können erforderlichenfalls gemeinschaftseinheitliche Emissionsgrenzwerte erlassen werden (Art. 18). Derartige Emissionsgrenzwerte können für den Abwasserbereich in der AEV Kunststoffe in nationales Recht umgesetzt werden.
Die AEV Kunststoffe wurde am 12. Jänner 1999 kundgemacht. Sie tritt ein Jahr nach der
Kundmachung in Kraft. Am Tag des Inkrafttretens rechtmäßig bestehende Abwassereinleitungen müssen innerhalb von 5 Jahren den Anforderungen der AEV entsprechen.
Unterrichtseinheiten im Fach Chemie mit exemplarisch
gesetzliche begrenzung von abwasseremissionen aus der
Kunststoffe - chemistry8o
Marktinformation: Kunststoffe
Chemieunterricht in der Kursstufe des Gymnasiums von
2_0_Die Zustandsformen von Kunststoffen
DOC - bei EQIOOKI ••• eqiooki.de
Infrarot-Wärme verschweißt Kunststoffe
Kriterienkatalog für die umweltfreundliche Beschaffung
9_Die elektrischen Eigenschaften von Kunststoffen
doc - Plastic
Inhalt - ChidS
Antrag - Ennepe-Ruhr
Grünbuch zu einer europäischen Strategie für