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Timestamp: 2020-07-09 01:38:07
Document Index: 151688794

Matched Legal Cases: ['Art. 86', 'Art. 86', 'Art. 94', 'Art. 106', 'Art. 107', 'Art. 108', 'Art. 110', 'Art. 65', 'Art. 69', 'Art. 87', 'Art. 89', 'Art. 92', 'Art. 97', 'Art. 98', 'Art. 141', 'Art. 144', 'Art. 177', 'Art. 93', 'Art. 160', 'Art. 139', 'Art. 139', 'Art. 114', 'Art. 61', 'Art. 86', 'Art. 115', 'Art. 108', 'Art. 110', 'Art. 44', 'Art. 29', 'Art. 30', 'Art. 60', 'Art. 86', 'Art. 36', 'Art. 37', 'Art. 122', 'Art. 149', 'Art. 150', 'Art. 37', 'Art. 37', 'Art. 56', 'Art. 115', 'Art. 116', 'Art. 117', 'Art. 119', 'Art. 121', 'Art. 128', 'Art. 130', 'Art. 131', 'Art. 132', 'Art. 134', 'Art. 135', 'Art. 137', 'Art. 137', 'Art. 139', 'Art. 131', 'Art. 152', 'Art. 151', 'Art. 151', 'Art. 151', 'Art. 153', 'Art. 154', 'Art. 155', 'Art. 156', 'Art. 160', 'Art. 161', 'Art. 162', 'Art. 163', 'Art. 164', 'Art. 165', 'Art. 166', 'Art. 167', 'Art. 169', 'Art. 169', 'Art. 170', 'Art. 171', 'Art. 108', 'Art. 109', 'Art. 111', 'Art. 112', 'Art. 16', 'Art. 17', 'Art. 121', 'Art. 153', 'Art. 154', 'Art. 155', 'Art. 157', 'Art. 159', 'Art. 159', 'Art. 156', 'Art. 153', 'Art. 154', 'Art. 155', 'Art. 157', 'Art. 159', 'Art. 159', 'Art. 153', 'Art. 154', 'Art. 155', 'Art. 123', 'Art. 123', 'Art. 123', 'Art. 123', 'Art. 123', 'Art. 123', 'Art. 123', 'Art. 123', 'Art. 59', 'Art. 123', 'Art. 123', 'Art. 123', 'Art. 123', 'Art. 50', 'Art. 50', 'Art. 260', 'Art. 156', 'Art. 156', 'Art. 108', 'Art. 109', 'Art. 111', 'Art. 153', 'Art. 154', 'Art. 155', 'Art. 156', 'Art. 157', 'Art. 36', 'Art. 49', 'Art. 59', 'Art. 59', 'Art. 50', 'Art. 50', 'Art. 50', 'Art. 121', 'Art. 60', 'Art. 63', 'Art. 831', 'Art. 86', 'Art. 81', 'Art. 42']

Lawbrary | MStG - Militärstrafgesetz
Geltungsbereich (1 - 11)
Die Strafbarkeit (12 - 27)
Geldstrafe, Freiheitsstrafe, Degradation (28 - 35)
Bedingte und teilbedingte Strafen (36 - 40)
Strafzumessung (41 - 44)
Strafbefreiung und Einstellung des Verfahrens (45 - 46)
Massnahmen (47 - 48)
Andere Massnahmen (49 - 53)
Bewährungshilfe, Weisungen und freiwillige soziale Betreuung (54 - 54)
Die Verjährung (55 - 59)
Verantwortlichkeit des Unternehmens (59 - 59)
Übertretungen (60 - 60)
Von den einzelnen Verbrechen oder Vergehen
Verletzung der Pflicht der militärischen Unterordnung (61 - 65)
Missbrauch der Dienstgewalt (66 - 71)
Dienstverletzungen (72 - 80)
Verletzung der Pflicht zur Dienstleistung (81 - 85)
Verbrechen oder Vergehen gegen die Landesverteidigung und gegen die Wehrkraft des Landes (86 - 107)
Völkermord und Verbrechen gegen die Menschlichkeit (108 - 109)
Kriegsverbrechen (110 - 114)
Gemeinsame Bestimmungen für den sechsten Abschnitt und den sechsten Abschnitt (114 - 114)
Verbrechen oder Vergehen gegen Leib und Leben (115 - 128)
Verbrechen oder Vergehen gegen das Vermögen (129 - 140)
Bestechung und ungetreue Geschäftsführung (141 - 144)
Ehrverletzungen (145 - 148)
Verbrechen oder Vergehen gegen die Freiheit (149 - 152)
Strafbare Handlungen gegen die sexuelle Integrität (153 - 159)
Gemeingefährliche Verbrechen oder Vergehen (160 - 171)
Urkundenfälschung (172 - 175)
Verbrechen oder Vergehen gegen die Rechtspflege (176 - 179)
Allgemeine Bestimmungen (180 - 185)
Disziplinarstrafen (186 - 194)
Zuständigkeit und Strafbefugnisse (195 - 199)
Disziplinarstrafverfahren (200 - 205)
Rechtsmittel (206 - 213)
Ausführungsbestimmungen (214 - 214)
Einführung und Anwendung des Gesetzes
Verhältnis dieses Gesetzes zum bisherigen Recht (215 - 217)
Gerichtsbarkeit (218 - 223)
Verfahren (224 - 224)
Urteilsvollzug (225 - 225)
Strafregister (226 - 227)
Rehabilitationsverfahren (228 - 228)
Begnadigung und Amnestie (232 - 232)
Ergänzende Bestimmungen und Schlussbestimmungen (233 - 237)
Schlussbestimmungen der Änderung vom 23. März 1979
Schlussbestimmungen der Änderung vom 21. März 2003
Übergangsbestimmung zur Änderung vom 19. Juni 2015
vom 13. Juni 1927 (Stand am 1. Januar 2019)
gestützt auf die Artikel 60 Absatz 1 und 123 Absätze 1 und 3 der Bundesverfassung1,2 nach Einsicht in die Botschaft des Bundesrates vom 26. November 19183,
Erstes Buch: Militärstrafrecht
1. Kei­ne Sank­ti­on oh­ne Ge­setz
Ei­ne Stra­fe oder Mass­nah­me darf nur we­gen ei­ner Tat ver­hängt wer­den, die das Ge­setz aus­drück­lich un­ter Stra­fe stellt.
1Nach die­sem Ge­set­ze wird be­ur­teilt, wer nach des­sen In­kraft­tre­ten ein Ver­bre­chen oder Ver­ge­hen be­geht.
2Hat der Tä­ter ein Ver­bre­chen oder Ver­ge­hen vor In­kraft­tre­ten die­ses Ge­set­zes be­gan­gen, er­folgt die Be­ur­tei­lung aber erst nach­her, so ist das­je­ni­ge Ge­setz an­zu­wen­den, das für ihn das mil­de­re ist.
3. Per­sön­li­cher Gel­tungs­be­reich
1Dem Mi­li­tär­straf­recht un­ter­ste­hen:
Dienst­pflich­ti­ge wäh­rend ih­res Mi­li­tär­diens­tes, aus­ge­nom­men Ur­lau­ber für straf­ba­re Hand­lun­gen nach den Ar­ti­keln 115-137b und 145-179, die kei­nen Zu­sam­men­hang mit dem Dienst der Trup­pe ha­ben;
die Be­am­ten, An­ge­stell­ten und Ar­bei­ter der Mi­li­tär­ver­wal­tung des Bun­des und der Kan­to­ne für Hand­lun­gen, die die Lan­des­ver­tei­di­gung be­tref­fen, eben­so wenn sie in Uni­form auf­tre­ten;
Dienst­pflich­ti­ge, die aus­ser­halb des Diens­tes in Uni­form auf­tre­ten, für straf­ba­re Hand­lun­gen nach den Ar­ti­keln 61-114 und 138-144;
Dienst­pflich­ti­ge aus­ser­halb des Diens­tes in Be­zug auf ih­re mi­li­tä­ri­sche Stel­lung und ih­re dienst­li­chen Pflich­ten so­wie ehe­ma­li­ge Dienst­pflich­ti­ge, so­weit ih­re dienst­li­chen Pflich­ten nicht er­füllt sind.
Stel­lungs­pflich­ti­ge mit Be­zug auf ih­re Stel­lungs­pflicht so­wie wäh­rend des Ori­en­tie­rungs­tags und wäh­rend der Dau­er der Re­kru­tie­rungs­ta­ge;
Be­rufs- und Zeit­mi­li­tärs, die An­ge­hö­ri­gen des Grenzwacht­korps so­wie Per­so­nen, die nach Ar­ti­kel 66 des Mi­li­tär­ge­set­zes vom 3. Fe­bru­ar 19953 Frie­dens­för­de­rungs­dienst leis­ten, wäh­rend der Aus­übung des Diens­tes, aus­ser­halb des Diens­tes mit Be­zug auf ih­re dienst­li­chen Pflich­ten und ih­re dienst­li­che Stel­lung oder wenn sie die Uni­form tra­gen;
Zi­vil­per­so­nen oder aus­län­di­sche Mi­li­tär­per­so­nen, die sich schul­dig ma­chen der lan­des­ver­rä­te­rischen Ver­let­zung mi­li­tä­ri­scher Ge­heim­nis­se (Art. 86), der Sa­bo­ta­ge (Art. 86a), der Schwä­chung der Wehr­kraft (Art. 94-96), der Ver­let­zung mi­li­tä­ri­scher Ge­heim­nis­se (Art. 106) oder des Un­ge­hor­sams ge­gen mi­li­tä­ri­sche und be­hörd­li­che Mass­nah­men, die der Vor­be­rei­tung oder Durch­füh­rung der Mo­bil­ma­chung der Ar­mee oder der Wah­rung des mi­li­tä­ri­schen Ge­heim­nis­ses die­nen (Art. 107);
Zi­vil­per­so­nen oder aus­län­di­sche Mi­li­tär­per­so­nen für Ta­ten nach den Ar­ti­keln 115-179, die sie als An­ge­stell­te oder Be­auf­trag­te der Ar­mee oder der Mi­li­tär­ver­wal­tung im Zu­sam­men­wir­ken mit der Trup­pe be­ge­hen;
Zi­vil­per­so­nen und aus­län­di­sche Mi­li­tär­per­so­nen, die im Aus­land ge­gen einen An­ge­hö­ri­gen der Schwei­zer Ar­mee ei­ne Tat nach dem sechs­ten Ab­schnitt (Art. 108 und 109) oder dem sechs­ten Ab­schnittbis (Art. 110-114) des zwei­ten Teils oder nach Ar­ti­kel 114a be­ge­hen
2Die Per­so­nen nach Ab­satz 1 Zif­fern 1, 2, 6 und 8 un­ter­ste­hen für die gan­ze Dau­er ih­res Aus­land­ein­sat­zes dem Mi­li­tär­straf­recht, wenn sie im Aus­land ei­ne nach die­sem Ge­setz straf­ba­re Hand­lung be­ge­hen.
1 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. IV Bst. a des BG vom 3. Okt. 2003 (Re­vi­si­on der Dis­zi­pli­nar­stra­f­ord­nung), in Kraft seit 1. März 2004 (AS 2004 921; BBl 2002 7859).
2 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I des BG vom 3. Okt. 2008 (Kor­rek­tu­ren in­fol­ge der Re­vi­si­on des AT MStG und wei­te­re An­pas­sun­gen), in Kraft seit 1. März 2009 (AS2009701; BBl20078353).
3 SR510.10
4 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I des BG vom 3. Okt. 2008 (Kor­rek­tu­ren in­fol­ge der Re­vi­si­on des AT MStG und wei­te­re An­pas­sun­gen), in Kraft seit 1. März 2009 (AS2009701; BBl20078353).
5 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I 2 des BG vom 18. Ju­ni 2010 über die Än­de­rung von Bun­des­ge-set­zen zur Um­set­zung des Rö­mer Sta­tuts des In­ter­na­tio­na­len Straf­ge­richts­hofs, in Kraft seit 1. Jan. 2011 (AS20104963; BBl20083863).
Er­wei­ter­te Gel­tung im Fall ak­ti­ven Diens­tes
Im Fal­le ak­ti­ven Diens­tes un­ter­ste­hen dem Mi­li­tär­straf­recht über­dies, wenn und so­weit der Bun­des­rat die Un­ter­stel­lung be­schliesst:
Zi­vil­per­so­nen, die sich schul­dig ma­chen:
ei­nes Ver­bre­chens oder Ver­ge­hens ge­gen ei­ne Wa­che (Art. 65),
der Be­fehl­san­mas­sung (Art. 69),
des mi­li­tä­ri­schen Lan­des­ver­rats (Art. 87) oder der lan­des­ver­rä­te­rischen Nach­rich­ten­ver­brei­tung (Art. 89),
ei­ner feind­li­chen Un­ter­neh­mung ge­gen einen Krieg­füh­ren­den oder ge­gen frem­de Trup­pen (Art. 92),
der Ver­let­zung von ver­trag­li­chen Leis­tungs­pflich­ten (Art. 97),
ei­ner Stö­rung der mi­li­tä­ri­schen Si­cher­heit (Art. 98-105, 107),
der Be­ste­chung (Art. 141),
der un­ge­treu­en Ge­schäfts­füh­rung (Art. 144),
der Be­frei­ung von Ge­fan­ge­nen (Art. 177);
Zi­vil­per­so­nen, die sich der in den Ar­ti­keln 73, 78, 115-118, 121-123, 128, 129-131, 134-136, 149-151c, 160, 161-165 und 167-169 ge­nann­ten Hand­lun­gen schul­dig ma­chen, wenn sich die­se ge­gen An­ge­hö­ri­ge der Ar­mee1 und mi­li­tä­ri­sche Stel­len rich­ten oder der Ar­mee die­nen­de Sa­chen zum Ge­gen­stand ha­ben;
Zi­vil­per­so­nen, die vor­sätz­lich die in den Ar­ti­keln 166, 169a, 170 und 171 ge­nann­ten Hand­lun­gen be­ge­hen;
in­ter­nier­te An­ge­hö­ri­ge der Ar­mee aus krieg­füh­ren­den Staa­ten, die ih­ren be­waff­ne­ten Streit­kräf­ten, ih­ren Mi­li­zen und Frei­wil­li­gen­korps ein­sch­liess­lich or­ga­ni­sier­ter Wi­der­stands­be­we­gun­gen an­ge­hö­ren, in­ter­nier­te Zi­vil­per­so­nen so­wie mi­li­tä­risch be­treu­te Flücht­lin­ge;
die Be­am­ten, An­ge­stell­ten oder Ar­bei­ter:
der Mi­li­tär­ver­wal­tung des Bun­des und der Kan­to­ne mit Ein­schluss der Mi­li­tär­an­stal­ten und Mi­li­tär­werk­stät­ten,
von le­bens­wich­ti­gen Ein­rich­tun­gen und Be­trie­ben, ins­be­son­de­re von Was­ser­ver­sor­gun­gen, Was­ser­wer­ken, Elek­tri­zi­täts­wer­ken, Gas­wer­ken und Spi­tä­lern.
1 Aus­druck ge­mä­ss Ziff. I des BG vom 3. Okt. 2003, in Kraft seit 1. März 2004 (AS2004921; BBl20027859). Die­se Änd. ist im gan­zen Er­lass be­rück­sich­tigt.
Er­wei­ter­te Gel­tung in Kriegs­zei­ten
1In Kriegs­zei­ten un­ter­ste­hen dem Mi­li­tär­straf­recht aus­ser den in den Ar­ti­keln 3 und 4 ge­nann­ten Per­so­nen:
der Ver­rä­te­rei nach den Ar­ti­keln 88, 90 und 91,
des Nach­rich­ten­diens­tes ge­gen frem­de Staa­ten (Art. 93),
der Brand­stif­tung, der Ver­ur­sa­chung ei­ner Ex­plo­si­on, der Ge­fähr­dung durch Spreng­stof­fe, der Ver­ur­sa­chung ei­ner Über­schwem­mung oder ei­nes Ein­stur­zes, so­fern der Tä­ter da­bei der Ar­mee die­nen­de Sa­chen zer­stört (Art. 160 Abs. 2, 160a, 161 Ziff. 1 Abs. 3 und Ziff. 2, 162 Abs. 3, 165 Ziff. 1 Abs. 3 und Ziff. 2),
des Völ­ker­mords oder ei­nes Ver­bre­chens ge­gen die Mensch­lich­keit (sechs­ter Ab­schnitt des zwei­ten Teils), ei­nes Kriegs­ver­bre­chens (sechs­ter Ab­schnittbis des zwei­ten Teils so­wie Art. 139);
Kriegs­ge­fan­ge­ne, auch für sol­che straf­ba­re Hand­lun­gen, die sie im In- oder Aus­lan­de wäh­rend des Krie­ges und vor ih­rer Ge­fan­gen­nah­me ge­gen­über dem schwei­ze­ri­schen Staat, der schwei­ze­ri­schen Ar­mee oder An­ge­hö­ri­gen der schwei­ze­ri­schen Ar­mee be­gan­gen ha­ben;
feind­li­che Par­la­men­tä­re und ih­re Be­glei­ter, die ih­re Stel­lung zur Be­ge­hung ei­ner straf­ba­ren Hand­lung miss­brau­chen;
in Kriegs­ge­bie­ten oder in be­setz­ten Ge­bie­ten in­ter­nier­te Zi­vil­per­so­nen.
aus­län­di­sche Mi­li­tär­per­so­nen, die sich des Völ­ker­mords, ei­nes Ver­bre­chens ge­gen die Mensch­lich­keit (sechs­ter Ab­schnitt des zwei­ten Teils) oder ei­nes Kriegs­ver­bre­chens (sechs­ter Ab­schnittbis des zwei­ten Teils so­wie Art. 139) schul­dig ma­chen.
2Auf die Be­stim­mun­gen nach Ab­satz 1 Zif­fer 1 Buch­sta­be d so­wie Zif­fer 5 sind die Be­stim­mun­gen über die Straf­bar­keit des Vor­ge­setz­ten (Art. 114a) an­wend­bar.3
1 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I 2 des BG vom 18. Ju­ni 2010 über die Än­de­rung von Bun­des­ge-set­zen zur Um­set­zung des Rö­mer Sta­tuts des In­ter­na­tio­na­len Straf­ge­richts­hofs, in Kraft seit 1. Jan. 2011 (AS20104963; BBl20083863).
2 Ein­ge­fügt durch Ziff. I 2 des BG vom 18. Ju­ni 2010 über die Än­de­rung von Bun­des­ge-set­zen zur Um­set­zung des Rö­mer Sta­tuts des In­ter­na­tio­na­len Straf­ge­richts­hofs, in Kraft seit 1. Jan. 2011 (AS20104963; BBl20083863).
3 Ein­ge­fügt durch Ziff. I 2 des BG vom 18. Ju­ni 2010 über die Än­de­rung von Bun­des­ge-set­zen zur Um­set­zung des Rö­mer Sta­tuts des In­ter­na­tio­na­len Straf­ge­richts­hofs, in Kraft seit 1. Jan. 2011 (AS20104963; BBl20083863).
Kriegs­zei­ten
1Die für Kriegs­zei­ten vor­ge­se­he­nen Be­stim­mun­gen gel­ten nicht nur, wenn die Schweiz sich im Krie­ge be­fin­det, son­dern auch, wenn der Bun­des­rat bei un­mit­tel­bar dro­hen­der Kriegs­ge­fahr ih­re An­wen­dung be­schliesst.
2Der Bun­des­rats­be­schluss ist so­fort voll­zieh­bar. Er ist so­bald als mög­lich der Bun­des­ver­samm­lung vor­zu­le­gen; sie ent­schei­det über die Auf­recht­er­hal­tung.
Be­tei­li­gung von Zi­vil­per­so­nen
1Sind an ei­nem rein mi­li­tä­ri­schen Ver­bre­chen oder Ver­ge­hen (Art. 61-85) oder an ei­nem Ver­bre­chen oder Ver­ge­hen ge­gen die Lan­des­ver­tei­di­gung oder ge­gen die Wehr­kraft des Lan­des (Art. 86-107) ne­ben Per­so­nen, die dem Mi­li­tär­straf­recht un­ter­ste­hen, an­de­re Per­so­nen be­tei­ligt, so sind die­se gleich­falls nach die­sem Ge­setz straf­bar.
2Sind an ei­nem ge­mei­nen Ver­bre­chen oder Ver­ge­hen (Art. 115-179), an Völ­ker­mord, Ver­bre­chen ge­gen die Mensch­lich­keit (Art. 108, 109 und 114a) oder an Kriegs­ver­bre­chen (Art. 110-114a und 139) ne­ben Per­so­nen, die dem Mi­li­tär­straf­recht un­ter­ste­hen, an­de­re Per­so­nen be­tei­ligt, so blei­ben die­se dem zi­vi­len Straf­recht un­ter­wor­fen. Vor­be­hal­ten bleibt Ar­ti­kel 221a.
Gel­tung des bür­ger­li­chen Straf­rechts
Die dem Mi­li­tär­straf­recht un­ter­ste­hen­den Per­so­nen blei­ben für straf­ba­re Hand­lun­gen, die in die­sem Ge­setz nicht vor­ge­se­hen sind, dem zi­vi­len Straf­recht un­ter­wor­fen.
a. Ju­gend­straf­recht
Für Per­so­nen, wel­che zum Zeit­punkt der Tat das 18. Al­ters­jahr noch nicht vollen­det ha­ben, blei­ben die Vor­schrif­ten des Ju­gend­straf­ge­set­zes vom 20. Ju­ni 20032 (JStG) vor­be­hal­ten. Sind gleich­zei­tig ei­ne vor und ei­ne nach der Vollen­dung des 18. Al­ters­jah­res be­gan­ge­ne Tat zu be­ur­tei­len, so ist Ar­ti­kel 3 Ab­satz 2 JStG an­wend­bar. Zu­stän­dig sind die zi­vi­len Be­hör­den.
1 Fas­sung ge­mä­ss Art. 44 Ziff. 3 des Ju­gend­straf­ge­set­zes vom 20. Ju­ni 2003, in Kraft seit 1. Jan. 2007 (AS20063545; BBl19991979).
2 SR311.1
b. Jun­ge Er­wach­se­ne
1Hat der Tä­ter zur Zeit der Tat das 18., aber noch nicht das 25. Al­ters­jahr zu­rück­ge­legt, so gel­ten die all­ge­mei­nen Be­stim­mun­gen die­ses Ge­set­zes.
2Ar­ti­kel 61 des Straf­ge­setz­bu­ches1 ist eben­falls an­wend­bar. Zu­stän­dig ist die Be­hör­de des Voll­zugs­kan­tons.
1 SR311.0
1Im Rah­men des per­sön­li­chen Gel­tungs­be­rei­ches fin­det die­ses Ge­setz so­wohl auf die in der Schweiz wie auch auf die im Aus­land be­gan­ge­ne Tat An­wen­dung.
1bisPer­so­nen nach Ar­ti­kel 5 Zif­fern 1 Buch­sta­be d und 5, die im Aus­land ei­ne Tat nach dem sechs­ten Ab­schnitt oder dem sechs­ten Ab­schnittbis des zwei­ten Teils oder nach Ar­ti­kel 114a be­gan­gen ha­ben, wer­den nach die­sem Ge­setz be­ur­teilt, wenn sie sich in der Schweiz be­fin­den und nicht an einen an­de­ren Staat aus­ge­lie­fert oder an ein in­ter­na­tio­na­les Straf­ge­richt, des­sen Zu­stän­dig­keit die Schweiz an­er­kennt, über­stellt wer­den.1
1terWur­de die Aus­land­stat nicht ge­gen einen Schwei­zer be­gan­gen und ist der Tä­ter nicht Schwei­zer, so kann, un­ter Vor­be­halt von Mass­nah­men zur Si­che­rung von Be­wei­sen, die Straf­ver­fol­gung ein­ge­stellt oder von ei­ner sol­chen ab­ge­se­hen wer­den, wenn:
ei­ne aus­län­di­sche Be­hör­de oder ein in­ter­na­tio­na­les Straf­ge­richt, des­sen Zu­stän­dig­keit die Schweiz an­er­kennt, die Straf­tat ver­folgt und der Tä­ter aus­ge­lie­fert oder über­stellt wird;
der Tä­ter sich nicht mehr in der Schweiz be­fin­det und sei­ne Rück­kehr nicht zu er­war­ten ist; oder
die er­for­der­li­chen Be­weis­mit­tel nicht er­ho­ben wer­den kön­nen.2
1qua­terPer­so­nen, wel­che im Aus­land ge­gen einen An­ge­hö­ri­gen der Schwei­zer Ar­mee ei­ne Tat nach dem sechs­ten Ab­schnitt oder dem sechs­ten Ab­schnittbis des zwei­ten Teils oder nach Ar­ti­kel 114a be­gan­gen ha­ben, wer­den nach die­sem Ge­setz be­ur­teilt, wenn sie sich in der Schweiz be­fin­den oder we­gen die­ser Tat an die Schweiz aus­ge­lie­fert wer­den und wenn sie nicht an einen an­de­ren Staat aus­ge­lie­fert oder an ein in­ter­na­tio­na­les Straf­ge­richt, des­sen Zu­stän­dig­keit die Schweiz an­er­kennt, über­stellt wer­den.3
2Ist der Tä­ter we­gen der Tat im Aus­land ver­ur­teilt wor­den und wur­de die Stra­fe im Aus­land ganz oder teil­wei­se voll­zo­gen, so rech­net ihm das Ge­richt die voll­zo­ge­ne Stra­fe auf die aus­zu­spre­chen­de Stra­fe an.
3Ist ein Tä­ter auf Er­su­chen der schwei­ze­ri­schen Be­hör­de im Aus­land ver­folgt wor­den, so wird er, un­ter Vor­be­halt ei­nes kras­sen Ver­stos­ses ge­gen die Grund­sät­ze der Bun­des­ver­fas­sung und der Kon­ven­ti­on vom 4. No­vem­ber 19504 zum Schut­ze der Men­schen­rech­te und Grund­frei­hei­ten (EMRK), in der Schweiz we­gen der Tat nicht mehr ver­folgt, wenn:
das aus­län­di­sche Ge­richt ihn end­gül­tig frei­ge­spro­chen hat;
die Sank­ti­on, zu der er im Aus­land ver­ur­teilt wur­de, voll­zo­gen, er­las­sen oder ver­jährt ist.
4Das Ge­richt ent­schei­det, ob ei­ne im Aus­land nicht oder nur teil­wei­se voll­zo­ge­ne Mass­nah­me in der Schweiz durch­zu­füh­ren oder fort­zu­set­zen ist.
1 Ein­ge­fügt durch Ziff. II des BG vom 19. Dez. 2003 (AS20042691; BBl2003767). Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I 2 des BG vom 18. Ju­ni 2010 über die Än­de­rung von Bun­des­ge-set­zen zur Um­set­zung des Rö­mer Sta­tuts des In­ter­na­tio­na­len Straf­ge­richts­hofs, in Kraft seit 1. Jan. 2011 (AS20104963; BBl20083863).
4 SR0.101
Be­ge­hungs­ort
1Ein Ver­bre­chen oder Ver­ge­hen gilt als da be­gan­gen, wo der Tä­ter es aus­führt oder pflicht­wid­rig un­tä­tig bleibt, und da, wo der Er­folg ein­ge­tre­ten ist.
2Der Ver­such gilt als da be­gan­gen, wo der Tä­ter ihn aus­führt, und da, wo nach sei­ner Vor­stel­lung der Er­folg hät­te ein­tre­ten sol­len.
Zweiter Titel: Die Strafbarkeit
1. Ver­bre­chen und Ver­ge­hen.
1Die­ses Ge­setz un­ter­schei­det die Ver­bre­chen von den Ver­ge­hen nach der Schwe­re der Stra­fen, mit der die Ta­ten be­droht sind.
2Ver­bre­chen sind Ta­ten, die mit Frei­heits­s­tra­fe von mehr als drei Jah­ren be­droht sind.
3Ver­ge­hen sind Ta­ten, die mit Frei­heits­s­tra­fe bis zu drei Jah­ren oder mit Geld­stra­fe be­droht sind.
Be­ge­hen durch Un­ter­las­sen
1Ein Ver­bre­chen oder Ver­ge­hen kann auch durch pflicht­wid­ri­ges Un­tä­tig­blei­ben be­gan­gen wer­den.
2Pflicht­wid­rig un­tä­tig bleibt, wer die Ge­fähr­dung oder Ver­let­zung ei­nes straf­recht­lich ge­schütz­ten Rechts­gu­tes nicht ver­hin­dert, ob­wohl er auf Grund sei­ner Recht­stel­lung da­zu ver­pflich­tet ist, na­ment­lich auf Grund:
des Ge­set­zes;
ei­nes Ver­tra­ges;
ei­ner frei­wil­lig ein­ge­gan­ge­nen Ge­fah­ren­ge­mein­schaft; oder
der Schaf­fung ei­ner Ge­fahr.
3Wer pflicht­wid­rig un­tä­tig bleibt, ist ge­stützt auf den ent­spre­chen­den Tat­be­stand nur dann straf­bar, wenn ihm nach den Um­stän­den der Tat der­sel­be Vor­wurf ge­macht wer­den kann, wie wenn er die Tat durch ein ak­ti­ves Tun be­gan­gen hät­te.
4Das Ge­richt kann die Stra­fe mil­dern.
2. Vor­satz und Fahr­läs­sig­keit.
1Be­stimmt es das Ge­setz nicht aus­drück­lich an­ders, so ist nur straf­bar, wer ein Ver­bre­chen oder Ver­ge­hen vor­sätz­lich be­geht.
2Vor­sätz­lich be­geht ein Ver­bre­chen oder Ver­ge­hen, wer die Tat mit Wis­sen und Wil­len aus­führt. Vor­sätz­lich han­delt be­reits, wer die Ver­wirk­li­chung der Tat für mög­lich hält und in Kauf nimmt.
3Fahr­läs­sig be­geht ein Ver­bre­chen oder Ver­ge­hen, wer die Fol­ge sei­nes Ver­hal­tens aus pflicht­wid­ri­ger Un­vor­sich­tig­keit nicht be­denkt oder dar­auf nicht Rück­sicht nimmt. Pflicht­wid­rig ist die Un­vor­sich­tig­keit, wenn der Tä­ter die Vor­sicht nicht be­ach­tet, zu der er nach den Um­stän­den und nach sei­nen per­sön­li­chen Ver­hält­nis­sen ver­pflich­tet ist.
Sach­ver­halt­sirr­tum
1Han­delt der Tä­ter in ei­ner ir­ri­gen Vor­stel­lung über den Sach­ver­halt, so be­ur­teilt das Ge­richt die Tat zu Guns­ten des Tä­ters nach dem Sach­ver­halt, den sich der Tä­ter vor­ge­stellt hat.
2Hät­te der Tä­ter den Irr­tum bei pflicht­ge­mäs­ser Vor­sicht ver­mei­den kön­nen, so ist er we­gen Fahr­läs­sig­keit straf­bar, wenn die fahr­läs­si­ge Be­ge­hung der Tat mit Stra­fe be­droht ist.
3. Recht­mäs­si­ge Hand­lun­gen und Schuld.
Ge­setz­lich er­laub­te Hand­lung
Wer han­delt, wie es das Ge­setz ge­bie­tet oder er­laubt, ver­hält sich recht­mäs­sig, auch wenn die Tat nach die­sem oder ei­nem an­dern Ge­setz mit Stra­fe be­droht ist.
Recht­fer­ti­gen­de Not­wehr
Wird je­mand oh­ne Recht an­ge­grif­fen oder un­mit­tel­bar mit ei­nem An­griff be­droht, so ist der An­ge­grif­fe­ne und je­der an­de­re be­rech­tigt, den An­griff in ei­ner den Um­stän­den an­ge­mes­se­nen Wei­se ab­zu­weh­ren.
Ent­schuld­ba­re Not­wehr
1Über­schrei­tet der Ab­weh­ren­de die Gren­zen der Not­wehr nach Ar­ti­kel 16, so mil­dert das Ge­richt die Stra­fe.
2Über­schrei­tet der Ab­weh­ren­de die Gren­zen der Not­wehr in ent­schuld­ba­rer Auf­re­gung oder Be­stür­zung über den An­griff, so han­delt er nicht schuld­haft.
1Wer ei­ne mit Stra­fe be­droh­te Tat be­geht, um ein ei­ge­nes oder das Rechts­gut ei­ner an­de­ren Per­son aus ei­ner un­mit­tel­ba­ren, nicht an­ders ab­wend­ba­ren Ge­fahr zu ret­ten, han­delt recht­mäs­sig, wenn er da­durch hö­her­wer­ti­ge In­ter­es­sen wahrt.
2Wer wäh­rend Kriegs­zei­ten ei­ne mit Stra­fe be­droh­te Tat be­geht, han­delt recht­mäs­sig, wenn die Tat im In­ter­es­se der Lan­des­ver­tei­di­gung ge­bo­ten ist und der Tä­ter da­durch hö­her­wer­ti­ge In­ter­es­sen wahrt.
Ent­schuld­ba­rer Not­stand
1Wer ei­ne mit Stra­fe be­droh­te Tat be­geht, um sich oder ei­ne an­de­re Per­son aus ei­ner un­mit­tel­ba­ren, nicht an­ders ab­wend­ba­ren Ge­fahr für Leib, Le­ben, Frei­heit, Eh­re, Ver­mö­gen oder an­de­re hoch­wer­ti­ge Gü­ter zu ret­ten, wird mil­der be­straft, wenn ihm zu­zu­mu­ten war, das ge­fähr­de­te Gut preis­zu­ge­ben.
2War dem Tä­ter nicht zu­zu­mu­ten, das ge­fähr­de­te Gut preis­zu­ge­ben, so han­delt er nicht schuld­haft.
Schul­d­un­fä­hig­keit und ver­min­der­te Schuld­fä­hig­keit
1War der Tä­ter zur Zeit der Tat nicht fä­hig, das Un­recht sei­ner Tat ein­zu­se­hen oder ge­mä­ss die­ser Ein­sicht zu han­deln, so ist er nicht straf­bar.
2War der Tä­ter zur Zeit der Tat nur teil­wei­se fä­hig, das Un­recht sei­ner Tat ein­zu­se­hen oder ge­mä­ss die­ser Ein­sicht zu han­deln, so mil­dert das Ge­richt die Stra­fe.
3Vor­be­hal­ten sind die Mass­nah­men die­ses Ge­set­zes und die Mass­nah­men nach den Ar­ti­keln 59-61, 63 und 64 des Straf­ge­setz­bu­ches1.
4Konn­te der Tä­ter die Schul­d­un­fä­hig­keit oder die Ver­min­de­rung der Schuld­fä­hig­keit ver­mei­den und da­bei die in die­sem Zu­stand be­gan­ge­ne Tat vor­aus­se­hen, so sind die Ab­sät­ze 1-3 nicht an­wend­bar.
Zwei­fel­haf­te Schuld­fä­hig­keit
Be­steht ernst­haf­ter An­lass, an der Schuld­fä­hig­keit des Tä­ters zu zwei­feln, so ord­net die Un­ter­su­chungs­be­hör­de oder das Ge­richt die sach­ver­stän­di­ge Be­gut­ach­tung an.
Irr­tum über die Rechts­wid­rig­keit
Wer bei Be­ge­hung der Tat nicht weiss und nicht wis­sen kann, dass er sich rechts­wid­rig ver­hält, han­delt nicht schuld­haft. War der Irr­tum ver­meid­bar, so mil­dert das Ge­richt die Stra­fe.
Straf­bar­keit des Vor­ge­setz­ten und Han­deln auf Be­fehl oder An­ord­nung1
1Wird ei­ne straf­ba­re Hand­lung auf dienst­li­chen Be­fehl be­gan­gen, so ist der Vor­ge­setz­te oder der Hö­her­ran­gi­ge, der den Be­fehl er­teilt hat, als Tä­ter straf­bar.
2Auch der Un­ter­ge­be­ne, der auf Be­fehl ei­nes Vor­ge­setz­ten oder auf An­ord­nung von ver­gleich­ba­rer Bin­dungs­wir­kung ei­ne Tat be­geht, ist straf­bar, wenn er sich der Straf­bar­keit der Hand­lung zur Zeit der Tat be­wusst war. Das Ge­richt kann die Stra­fe mil­dern.2
2 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I 2 des BG vom 18. Ju­ni 2010 über die Än­de­rung von Bun­des­ge-set­zen zur Um­set­zung des Rö­mer Sta­tuts des In­ter­na­tio­na­len Straf­ge­richts­hofs, in Kraft seit 1. Jan. 2011 (AS20104963; BBl20083863).
4. Ver­such.
Straf­bar­keit des Ver­suchs
1Führt der Tä­ter, nach­dem er mit der Aus­füh­rung ei­nes Ver­bre­chens oder Ver­ge­hens be­gon­nen hat, die straf­ba­re Tä­tig­keit nicht zu En­de oder tritt der zur Vollen­dung der Tat ge­hö­ren­de Er­folg nicht ein oder kann die­ser nicht ein­tre­ten, so kann das Ge­richt die Stra­fe mil­dern.
2Ver­kennt der Tä­ter aus gro­bem Un­ver­stand, dass die Tat nach der Art des Ge­gen­stan­des oder des Mit­tels, an oder mit dem er sie aus­füh­ren will, über­haupt nicht zur Vollen­dung ge­lan­gen kann, so bleibt er straf­los.
Rück­tritt und tä­ti­ge Reue
1Führt der Tä­ter aus ei­ge­nem An­trieb die straf­ba­re Tä­tig­keit nicht zu En­de oder trägt er da­zu bei, die Vollen­dung der Tat zu ver­hin­dern, so kann das Ge­richt die Stra­fe mil­dern oder von ei­ner Be­stra­fung ab­se­hen.
2Sind an ei­ner Tat meh­re­re Tä­ter oder Teil­neh­mer be­tei­ligt, so kann das Ge­richt die Stra­fe des­sen mil­dern oder von der Be­stra­fung des­sen ab­se­hen, der aus ei­ge­nem An­trieb da­zu bei­trägt, die Vollen­dung der Tat zu ver­hin­dern.
3Das Ge­richt kann die Stra­fe auch mil­dern oder von der Be­stra­fung ab­se­hen, wenn der Rück­tritt des Tä­ters oder des Teil­neh­mers die Vollen­dung der Tat ver­hin­dert hät­te, die­se aber aus an­de­ren Grün­den aus­bleibt.
4Be­müht sich ei­ner von meh­re­ren Tä­tern oder Teil­neh­mern aus ei­ge­nem An­trieb ernst­haft, die Vollen­dung der Tat zu ver­hin­dern, so kann das Ge­richt sei­ne Stra­fe mil­dern oder von sei­ner Be­stra­fung ab­se­hen, wenn die Tat un­ab­hän­gig von sei­nem Tat­bei­trag be­gan­gen wird.
5. Teil­nah­me.
An­stif­tung
1Wer je­man­den vor­sätz­lich zu dem von die­sem be­gan­ge­nen Ver­bre­chen oder Ver­ge­hen be­stimmt hat, wird nach der Straf­an­dro­hung, die auf den Tä­ter An­wen­dung fin­det, be­straft.
2Wer je­man­den zu ei­nem Ver­bre­chen zu be­stim­men ver­sucht, wird we­gen Ver­suchs die­ses Ver­bre­chens be­straft.
Ge­hil­fen­schaft
Wer zu ei­nem Ver­bre­chen oder Ver­ge­hen vor­sätz­lich Hil­fe leis­tet, wird mil­der be­straft.
Teil­nah­me am Son­der­de­likt
Wird die Straf­bar­keit durch ei­ne be­son­de­re Pflicht des Tä­ters be­grün­det oder er­höht, so wird der Teil­neh­mer, dem die­se Pflicht nicht ob­liegt, mil­der be­straft.
Per­sön­li­che Ver­hält­nis­se
Be­son­de­re per­sön­li­che Ver­hält­nis­se, Ei­gen­schaf­ten und Um­stän­de, wel­che die Straf­bar­keit er­hö­hen, ver­min­dern oder aus­sch­lies­sen, wer­den bei dem Tä­ter oder Teil­neh­mer be­rück­sich­tigt, bei dem sie vor­lie­gen.
6. Straf­bar­keit der Me­di­en
1Wird ei­ne straf­ba­re Hand­lung durch Ver­öf­fent­li­chung in ei­nem Me­di­um be­gan­gen und er­schöpft sie sich in die­ser Ver­öf­fent­li­chung, so ist, un­ter Vor­be­halt der nach­fol­gen­den Be­stim­mun­gen, der Au­tor al­lein straf­bar.
2Kann der Au­tor nicht er­mit­telt oder in der Schweiz nicht vor Ge­richt ge­stellt wer­den, so ist der ver­ant­wort­li­che Re­dak­tor nach Ar­ti­kel 322bis des Straf­ge­setz­bu­ches1 straf­bar. Fehlt ein ver­ant­wort­li­cher Re­dak­tor, so ist je­ne Per­son nach Ar­ti­kel 322bis des Straf­ge­setz­bu­ches straf­bar, die für die Ver­öf­fent­li­chung ver­ant­wort­lich ist.
3Hat die Ver­öf­fent­li­chung oh­ne Wis­sen oder ge­gen den Wil­len des Au­tors statt­ge­fun­den, so ist der Re­dak­tor oder wenn ein sol­cher fehlt, die für die Ver­öf­fent­li­chung ver­ant­wort­li­che Per­son als Tä­ter straf­bar.
4Die wahr­heits­ge­treue Be­richt­er­stat­tung über öf­fent­li­che Ver­hand­lun­gen und amt­li­che Mit­tei­lun­gen ei­ner Be­hör­de ist straf­los.
Quel­len­schutz
1Ver­wei­gern Per­so­nen, die sich be­ruf­lich mit der Ver­öf­fent­li­chung von In­for­ma­tio­nen im re­dak­tio­nel­len Teil ei­nes pe­ri­odisch er­schei­nen­den Me­di­ums be­fas­sen, oder ih­re Hilfs­per­so­nen das Zeug­nis über die Iden­ti­tät des Au­tors oder über In­halt und Quel­len ih­rer In­for­ma­tio­nen, so dür­fen we­der Stra­fen noch pro­zes­sua­le Zwangs­mass­nah­men ge­gen sie ver­hängt wer­den.
2Ab­satz 1 gilt nicht, wenn das Ge­richt fest­stellt, dass:
das Zeug­nis er­for­der­lich ist, um ei­ne Per­son aus ei­ner un­mit­tel­ba­ren Ge­fahr für Leib und Le­ben zu ret­ten; oder
oh­ne das Zeug­nis ein Tö­tungs­de­likt im Sin­ne der Ar­ti­kel 115-117 des vor­lie­gen­den Ge­set­zes oder ein an­de­res Ver­bre­chen, das mit ei­ner Min­dest­stra­fe von drei Jah­ren Frei­heits­s­tra­fe be­droht ist, oder ei­ne Straf­tat nach den Ar­ti­keln 141-143a und 153-156 die­ses Ge­set­zes, nach den Ar­ti­keln 197 Zif­fer 3, 260ter, 305bis, 305ter und 322sep­ties des Straf­ge­setz­bu­ches1 so­wie nach Ar­ti­kel 19 Zif­fer 2 des Be­täu­bungs­mit­tel­ge­set­zes vom 3. Ok­to­ber 19512 nicht auf­ge­klärt wer­den oder der ei­ner sol­chen Tat Be­schul­dig­te nicht er­grif­fen wer­den kann.
2 SR812.121
Erstes Kapitel: Geldstrafe, Freiheitsstrafe, Degradation
1. Geld­stra­fe.
Be­mes­sung
1Be­stimmt es das Ge­setz nicht an­ders, so be­trägt die Geld­stra­fe min­des­tens drei und höchs­tens 180 Ta­ges­sät­ze.1 Das Ge­richt be­stimmt de­ren Zahl nach dem Ver­schul­den des Tä­ters.
2Ein Ta­ges­satz be­trägt in der Re­gel min­des­tens 30 und höchs­tens 3000 Fran­ken. Aus­nahms­wei­se, wenn die per­sön­li­chen und wirt­schaft­li­chen Ver­hält­nis­se des Tä­ters dies ge­bie­ten, kann der Ta­ges­satz bis auf 10 Fran­ken ge­senkt wer­den. Das Ge­richt be­stimmt die Hö­he des Ta­ges­sat­zes nach den per­sön­li­chen und wirt­schaft­li­chen Ver­hält­nis­sen des Tä­ters im Zeit­punkt des Ur­teils, na­ment­lich nach Ein­kom­men und Ver­mö­gen, Le­bens­auf­wand, all­fäl­li­gen Fa­mi­li­en- und Un­ter­stüt­zungs­pflich­ten so­wie nach dem Exis­tenz­mi­ni­mum.2
3Die Be­hör­den des Bun­des, der Kan­to­ne und der Ge­mein­den ge­ben die für die Be­stim­mung des Ta­ges­sat­zes er­for­der­li­chen Aus­künf­te.
4Zahl und Hö­he der Ta­ges­sät­ze sind im Ur­teil fest­zu­hal­ten.3
1 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I 2 des BG vom 19. Ju­ni 2015 (Än­de­run­gen des Sank­tio­nen­rechts), in Kraft seit 1. Jan. 2018 (AS 2016 1249; BBl 2012 4721).
2 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I 2 des BG vom 19. Ju­ni 2015 (Än­de­run­gen des Sank­tio­nen­rechts), in Kraft seit 1. Jan. 2018 (AS 2016 1249; BBl 2012 4721).
3 Ein­ge­fügt durch Ziff. I des BG vom 3. Okt. 2008 (Kor­rek­tu­ren in­fol­ge der Re­vi­si­on des AT MStG und wei­te­re An­pas­sun­gen), in Kraft seit 1. März 2009 (AS2009701; BBl20078353).
1Die Voll­zugs­be­hör­de be­stimmt dem Ver­ur­teil­ten ei­ne Zah­lungs­frist von ei­nem bis zu sechs Mo­na­ten.1 Sie kann Ra­ten­zah­lung an­ord­nen und auf Ge­such die Fris­ten ver­län­gern.
2Be­steht der be­grün­de­te Ver­dacht, dass der Ver­ur­teil­te sich der Voll­stre­ckung der Geld­stra­fe ent­zie­hen wird, so kann die Voll­zugs­be­hör­de die so­for­ti­ge Be­zah­lung oder ei­ne Si­cher­heits­leis­tung ver­lan­gen.
3Be­zahlt der Ver­ur­teil­te die Geld­stra­fe nicht frist­ge­mä­ss, so ord­net die Voll­zugs­be­hör­de die Be­trei­bung an, wenn da­von ein Er­geb­nis zu er­war­ten ist.
4Für den Voll­zug der Geld­stra­fe in Form von ge­mein­nüt­zi­ger Ar­beit ist Ar­ti­kel 79a des Straf­ge­setz­buchs2 an­wend­bar.3
3 Ein­ge­fügt durch Ziff. I 2 des BG vom 19. Ju­ni 2015 (Än­de­run­gen des Sank­tio­nen­rechts), in Kraft seit 1. Jan. 2018 (AS 2016 1249; BBl 2012 4721).
Er­satz­frei­heits­s­tra­fe
1So­weit der Ver­ur­teil­te die Geld­stra­fe nicht be­zahlt und sie auf dem Be­trei­bungs­weg (Art. 29 Abs. 3) un­ein­bring­lich ist, tritt an die Stel­le der Geld­stra­fe ei­ne Frei­heits­s­tra­fe. Ein Ta­ges­satz ent­spricht ei­nem Tag Frei­heits­s­tra­fe. Die Er­satz­frei­heits­s­tra­fe ent­fällt, so­weit die Geld­stra­fe nach­träg­lich be­zahlt wird.
2Wur­de die Geld­stra­fe durch ei­ne Ver­wal­tungs­be­hör­de ver­hängt, so ent­schei­det das Ge­richt über die Er­satz­frei­heits­s­tra­fe.
1 Auf­ge­ho­ben durch Ziff. I 2 des BG vom 19. Ju­ni 2015 (Än­de­run­gen des Sank­tio­nen­rechts), mit Wir­kung seit 1. Jan. 2018 (AS 2016 1249; BBl 2012 4721).
3. Frei­heits­s­tra­fe.
1Die Min­dest­dau­er der Frei­heits­s­tra­fe be­trägt drei Ta­ge; vor­be­hal­ten bleibt ei­ne kür­ze­re Frei­heits­s­tra­fe an­stel­le ei­ner nicht be­zahl­ten Geld­stra­fe (Art. 30) oder Bus­se (Art. 60c).
2Die Höchst­dau­er der Frei­heits­s­tra­fe be­trägt 20 Jah­re. Wo es das Ge­setz aus­drück­lich be­stimmt, dau­ert die Frei­heits­s­tra­fe le­bens­läng­lich.
Frei­heits­s­tra­fe an­stel­le von Geld­stra­fe
1Das Ge­richt kann statt auf ei­ne Geld­stra­fe auf ei­ne Frei­heits­s­tra­fe er­ken­nen, wenn:
ei­ne sol­che ge­bo­ten er­scheint, um den Tä­ter von der Be­ge­hung wei­te­rer Ver­bre­chen oder Ver­ge­hen ab­zu­hal­ten; oder
ei­ne Geld­stra­fe vor­aus­sicht­lich nicht voll­zo­gen wer­den kann.
2Es hat die Wahl der Frei­heits­s­tra­fe nä­her zu be­grün­den.
3Vor­be­hal­ten blei­ben die Ar­ti­kel 30 und 81 Ab­satz 1bis.
1Frei­heits­s­tra­fen wer­den nach den Be­stim­mun­gen des Straf­ge­setz­bu­ches1 voll­zo­gen.
2Im Fall ak­ti­ven Diens­tes kann der Bun­des­rat den mi­li­tä­ri­schen Voll­zug der Frei­heits­s­tra­fe ein­füh­ren. Er re­gelt die Ein­zel­hei­ten.
4. Ne­ben­stra­fe De­gra­da­ti­on
1Hat sich ein An­ge­hö­ri­ger der Ar­mee durch ein Ver­bre­chen oder Ver­ge­hen sei­nes Gra­des un­wür­dig ge­macht, so de­gra­diert ihn das Ge­richt.
2Der Füh­rungs­stab der Ar­mee ent­schei­det, ob der de­gra­dier­te An­ge­hö­ri­ge der Ar­mee wei­ter zu Mi­li­tär­dienst­leis­tun­gen auf­ge­bo­ten wird.
3Die Fol­gen der De­gra­da­ti­on tre­ten mit der Rechts­kraft des Ur­teils ein.
1 Fas­sung ge­mä­ss An­hang Ziff. 3 des BG vom 19. März 2010, in Kraft seit 1. Jan. 2011 (AS20106015; BBl20095917).
Zweites Kapitel: Bedingte und teilbedingte Strafen
1. Be­ding­te Stra­fen
1Das Ge­richt schiebt den Voll­zug ei­ner Geld­stra­fe oder ei­ner Frei­heits­s­tra­fe von höchs­tens zwei Jah­ren in der Re­gel auf, wenn ei­ne un­be­ding­te Stra­fe nicht not­wen­dig er­scheint, um den Tä­ter von der Be­ge­hung wei­te­rer Ver­bre­chen oder Ver­ge­hen ab­zu­hal­ten.1
2Wur­de der Tä­ter in­ner­halb der letz­ten fünf Jah­re vor der Tat zu ei­ner be­ding­ten oder un­be­ding­ten Frei­heits­s­tra­fe von mehr als sechs Mo­na­ten ver­ur­teilt, so ist der Auf­schub nur zu­läs­sig, wenn be­son­ders güns­ti­ge Um­stän­de vor­lie­gen.2
3Die Ge­wäh­rung des be­ding­ten Straf­voll­zu­ges kann auch ver­wei­gert wer­den, wenn der Tä­ter ei­ne zu­mut­ba­re Scha­den­be­he­bung un­ter­las­sen hat.
4Ei­ne be­ding­te Stra­fe kann mit ei­ner Bus­se nach Ar­ti­kel 60c ver­bun­den wer­den.3
3 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I 2 des BG vom 19. Ju­ni 2015 (Än­de­run­gen des Sank­tio­nen­rechts), in Kraft seit 1. Jan. 2018 (AS 2016 1249; BBl 2012 4721).
2. Teil­be­ding­te Frei­heits­s­tra­fen1
1Das Ge­richt kann den Voll­zug ei­ner Frei­heits­s­tra­fe von min­des­tens ei­nem Jahr und höchs­tens drei Jah­ren teil­wei­se auf­schie­ben, wenn dies not­wen­dig ist, um dem Ver­schul­den des Tä­ters ge­nü­gend Rech­nung zu tra­gen.2
2Der un­be­dingt voll­zieh­ba­re Teil darf die Hälf­te der Stra­fe nicht über­stei­gen.
3So­wohl der auf­ge­scho­be­ne wie auch der zu voll­zie­hen­de Teil müs­sen min­des­tens sechs Mo­na­te be­tra­gen.3 Die Be­stim­mun­gen über die Ge­wäh­rung der be­ding­ten Ent­las­sung (Art. 86 des Straf­ge­setz­bu­ches4) sind auf den un­be­dingt zu voll­zie­hen­den Teil nicht an­wend­bar.
4 SR311.0
3. Ge­mein­sa­me Be­stim­mun­gen.
a. Pro­be­zeit
1Schiebt das Ge­richt den Voll­zug ei­ner Stra­fe ganz oder teil­wei­se auf, so be­stimmt es dem Ver­ur­teil­ten ei­ne Pro­be­zeit von 2-5 Jah­ren.
2Für die Dau­er der Pro­be­zeit kann das Ge­richt Be­wäh­rungs­hil­fe an­ord­nen und Wei­sun­gen er­tei­len.
3Das Ge­richt er­klärt dem Ver­ur­teil­ten die Be­deu­tung und die Fol­gen der be­ding­ten und der teil­be­ding­ten Stra­fe.
b. Be­wäh­rung
Hat sich der Ver­ur­teil­te bis zum Ab­lauf der Pro­be­zeit be­währt, so wird die auf­ge­scho­be­ne Stra­fe nicht mehr voll­zo­gen.
c. Nicht­be­wäh­rung
1Be­geht der Ver­ur­teil­te wäh­rend der Pro­be­zeit ein Ver­bre­chen oder Ver­ge­hen und ist des­halb zu er­war­ten, dass er wei­te­re Straf­ta­ten be­ge­hen wird, so wi­der­ruft das Ge­richt die be­ding­te Stra­fe oder den be­ding­ten Teil der Stra­fe. Sind die wi­der­ru­fe­ne und die neue Stra­fe glei­cher Art, so bil­det es in sinn­ge­mäs­ser An­wen­dung von Ar­ti­kel 43 ei­ne Ge­samt­stra­fe.1
2Ist nicht zu er­war­ten, dass der Ver­ur­teil­te wei­te­re Straf­ta­ten be­ge­hen wird, so ver­zich­tet das Ge­richt auf einen Wi­der­ruf. Es kann den Ver­ur­teil­ten ver­war­nen oder die Pro­be­zeit um höchs­tens die Hälf­te der im Ur­teil fest­ge­setz­ten Dau­er ver­län­gern. Für die Dau­er der ver­län­ger­ten Pro­be­zeit kann das Ge­richt Be­wäh­rungs­hil­fe an­ord­nen und Wei­sun­gen er­tei­len. Er­folgt die Ver­län­ge­rung erst nach Ab­lauf der Pro­be­zeit, so be­ginnt sie am Tag der An­ord­nung.
3Das zur Be­ur­tei­lung des neu­en Ver­bre­chens oder Ver­ge­hens zu­stän­di­ge Ge­richt ent­schei­det auch über den Wi­der­ruf.
4Der Wi­der­ruf darf nicht mehr an­ge­ord­net wer­den, wenn seit dem Ab­lauf der Pro­be­zeit drei Jah­re ver­gan­gen sind.
Drittes Kapitel: Strafzumessung
1Das Ge­richt misst die Stra­fe nach dem Ver­schul­den des Tä­ters zu. Es be­rück­sich­tigt das Vor­le­ben und die per­sön­li­chen Ver­hält­nis­se und die mi­li­tä­ri­sche Füh­rung so­wie die Wir­kung der Stra­fe auf das Le­ben des Tä­ters.
2Das Ver­schul­den wird nach der Schwe­re der Ver­let­zung oder Ge­fähr­dung des be­trof­fe­nen Rechts­guts, nach der Ver­werf­lich­keit des Han­delns, den Be­weg­grün­den und Zie­len des Tä­ters, so­wie da­nach be­stimmt, wie weit der Tä­ter nach den in­ne­ren und äus­se­ren Um­stän­den in der La­ge war, die Ge­fähr­dung oder Ver­let­zung zu ver­mei­den.
2. Straf­mil­de­rung.
Das Ge­richt mil­dert die Stra­fe, wenn:
der Tä­ter ge­han­delt hat:
aus ach­tens­wer­ten Be­weg­grün­den,
in schwe­rer Be­dräng­nis,
un­ter dem Ein­druck ei­ner schwe­ren Dro­hung,
auf Ver­an­las­sung ei­ner Per­son, der er Ge­hor­sam schul­det oder von der er ab­hän­gig ist;
der Tä­ter durch das Ver­hal­ten der ver­letz­ten Per­son ernst­haft in Ver­su­chung ge­führt wor­den ist;
der Tä­ter in ei­ner nach den Um­stän­den ent­schuld­ba­ren hef­ti­gen Ge­müts­be­we­gung un­ter gros­ser see­li­scher Be­las­tung ge­han­delt hat;
der Tä­ter auf­rich­ti­ge Reue be­tä­tigt, na­ment­lich den Scha­den, so­weit es ihm zu­zu­mu­ten war, er­setzt hat;
das Straf­be­dürf­nis in An­be­tracht der seit der Tat ver­stri­che­nen Zeit deut­lich ver­min­dert ist und der Tä­ter sich in die­ser Zeit wohl ver­hal­ten hat.
1Mil­dert das Ge­richt die Stra­fe, so ist es nicht an die an­ge­droh­te Min­dest­stra­fe ge­bun­den.
2Das Ge­richt kann auf ei­ne an­de­re als die an­ge­droh­te Straf­art er­ken­nen, ist aber an das ge­setz­li­che Höchst- und Min­dest­mass der Straf­art ge­bun­den.
3. Kon­kur­renz
1Hat der Tä­ter durch ei­ne oder meh­re­re Hand­lun­gen die Vor­aus­set­zun­gen für meh­re­re gleich­ar­ti­ge Stra­fen er­füllt, so ver­ur­teilt ihn das Ge­richt zu der Stra­fe der schwers­ten Straf­tat und er­höht sie an­ge­mes­sen. Es darf je­doch das Höchst­mass der an­ge­droh­ten Stra­fe nicht um mehr als die Hälf­te er­hö­hen. Da­bei ist es an das ge­setz­li­che Höchst­mass der Straf­art ge­bun­den.
1bisHat das Ge­richt ne­ben ei­nem Ver­bre­chen, Ver­ge­hen oder ei­ner Über­tre­tung einen oder meh­re­re Dis­zi­pli­nar­feh­ler im Sin­ne von Ar­ti­kel 180 zu be­ur­tei­len, so ist die ge­mä­ss Ab­satz 1 aus­ge­spro­che­ne Stra­fe an­ge­mes­sen zu er­hö­hen.1
2Hat das Ge­richt ei­ne Tat zu be­ur­tei­len, die der Tä­ter be­gan­gen hat, be­vor er we­gen ei­ner an­dern Tat ver­ur­teilt wor­den ist, so be­stimmt es die Zu­satz­stra­fe in der Wei­se, dass der Tä­ter nicht schwe­rer be­straft wird, als wenn die straf­ba­ren Hand­lun­gen gleich­zei­tig be­ur­teilt wor­den wä­ren.
3Hat der Tä­ter ei­ne oder meh­re­re Ta­ten vor Vollen­dung des 18. Al­ters­jah­res be­gan­gen, so dür­fen die­se bei der Bil­dung der Ge­samt­stra­fe nach den Ab­sät­zen 1 und 2 nicht stär­ker ins Ge­wicht fal­len, als wenn sie für sich al­lein be­ur­teilt wor­den wä­ren.
1 Ein­ge­fügt durch Ziff. I des BG vom 3. Okt. 2008 (Kor­rek­tu­ren in­fol­ge der Re­vi­si­on des AT MStG und wei­te­re An­pas­sun­gen), in Kraft seit 1. März 2009 (AS2009701; BBl20078353).
4. An­rech­nung der Un­ter­su­chungs­haft
Das Ge­richt rech­net die Un­ter­su­chungs­haft, die der Tä­ter wäh­rend die­ses oder ei­nes an­de­ren Ver­fah­rens aus­ge­stan­den hat, auf die Stra­fe an.
Ein Tag Haft ent­spricht ei­nem Ta­ges­satz Geld­stra­fe.1
Viertes Kapitel: Strafbefreiung und Einstellung des Verfahrens
1. Grün­de für die Straf­be­frei­ung.
Wie­der­gut­ma­chung1
Hat der Tä­ter den Scha­den ge­deckt oder al­le zu­mut­ba­ren An­stren­gun­gen un­ter­nom­men, um das von ihm be­wirk­te Un­recht aus­zu­glei­chen, so sieht die zu­stän­di­ge Be­hör­de von ei­ner Straf­ver­fol­gung, ei­ner Über­wei­sung an das Ge­richt oder ei­ner Be­stra­fung ab, wenn:
die Vor­aus­set­zun­gen für die be­ding­te Stra­fe (Art. 36) er­füllt sind; und
das In­ter­es­se der Öf­fent­lich­keit und des Ge­schä­dig­ten an der Straf­ver­fol­gung ge­ring ist.
1 Fas­sung ge­mä­ss An­hang Art. 37 Ziff. 2 des Part­ner­schafts­ge­set­zes vom 18. Ju­ni 2004, in Kraft seit 1. Jan. 2007 (AS20055685; BBl20031288).
Be­trof­fen­heit des Tä­ters durch sei­ne Tat
Ist der Tä­ter durch die un­mit­tel­ba­ren Fol­gen sei­ner Tat so schwer be­trof­fen, dass ei­ne Stra­fe un­an­ge­mes­sen wä­re, so sieht die zu­stän­di­ge Be­hör­de von ei­ner Straf­ver­fol­gung, ei­ner Über­wei­sung an das Ge­richt oder ei­ner Be­stra­fung ab.
2. Ge­mein­sa­me Be­stim­mung
Das Ge­richt sieht bei der be­ding­ten Stra­fe vom Wi­der­ruf und bei der be­ding­ten Ent­las­sung von der Rück­ver­set­zung ab, wenn die Vor­aus­set­zun­gen der Straf­be­frei­ung ge­ge­ben sind.
3. Ein­stel­lung des Ver­fah­rens.
Ehe­gat­te, ein­ge­tra­ge­ne Part­ne­rin, ein­ge­tra­ge­ner Part­ner oder Le­ben­s­part­ner als Op­fer2
1Bei ein­fa­cher Kör­per­ver­let­zung und Tät­lich­kei­ten (Art. 122), Dro­hung (Art. 149) und Nö­ti­gung (Art. 150) kann der Au­di­tor oder das Mi­li­tär­ge­richt das Ver­fah­ren pro­vi­so­risch ein­stel­len, wenn:
das Op­fer:
der Ehe­gat­te des Tä­ters ist und die Tat wäh­rend der Ehe oder in­ner­halb ei­nes Jah­res nach de­ren Schei­dung be­gan­gen wur­de, oder
die ein­ge­tra­ge­ne Part­ne­rin oder der ein­ge­tra­ge­ne Part­ner des Tä­ters ist und die Tat wäh­rend der ein­ge­tra­ge­nen Part­ner­schaft oder in­ner­halb ei­nes Jah­res nach de­ren Auf­lö­sung be­gan­gen wur­de, oder
der he­te­ro- oder ho­mo­se­xu­el­le Le­ben­s­part­ner des Tä­ters ist, so­fern sie auf un­be­stimm­te Zeit einen ge­mein­sa­men Haus­halt füh­ren und die Tat wäh­rend die­ser Zeit oder in­ner­halb ei­nes Jah­res nach der Tren­nung be­gan­gen wur­de; und
das Op­fer oder, falls die­ses nicht hand­lungs­fä­hig ist, sein ge­setz­li­cher Ver­tre­ter dar­um er­sucht oder ei­nem ent­spre­chen­den An­trag des Un­ter­su­chungs­rich­ters, des Au­di­tors oder des Mi­li­tär­ge­richts zu­stimmt.
2Das Ver­fah­ren wird wie­der auf­ge­nom­men, wenn das Op­fer oder falls die­ses nicht hand­lungs­fä­hig ist, sein ge­setz­li­cher Ver­tre­ter sei­ne Zu­stim­mung in­ner­halb von sechs Mo­na­ten seit der pro­vi­so­ri­schen Ein­stel­lung des Ver­fah­rens schrift­lich oder münd­lich wi­der­ruft.
3Wird die Zu­stim­mung nicht wi­der­ru­fen, ver­fügt der Au­di­tor oder das Mi­li­tär­ge­richt die de­fi­ni­ti­ve Ein­stel­lung.
4Ge­gen die de­fi­ni­ti­ve Ein­stel­lungs­ver­fü­gung kann Re­kurs nach Ar­ti­kel 118 be­zie­hungs­wei­se Ar­ti­kel 195 des Mi­li­tär­straf­pro­zes­ses vom 23. März 19794 er­ho­ben wer­den. Das Op­fer ist in je­dem Fall le­gi­ti­miert.
5Die Durch­füh­rung ei­nes Dis­zi­pli­nar­straf­ver­fah­rens ist aus­ge­schlos­sen.
1 Ein­ge­fügt durch Ziff. II des BG vom 3. Okt. 2003 (Straf­ver­fol­gung in der Ehe und in der Part­ner­schaft), in Kraft seit 1. April 2004 (AS20041403; BBl2003 1909 1937).
2 Fas­sung ge­mä­ss An­hang Art. 37 Ziff. 2 des Part­ner­schafts­ge­set­zes vom 18. Ju­ni 2004, in Kraft seit 1. Jan. 2007 (AS20055685; BBl20031288).
3 Fas­sung ge­mä­ss An­hang Art. 37 Ziff. 2 des Part­ner­schafts­ge­set­zes vom 18. Ju­ni 2004, in Kraft seit 1. Jan. 2007 (AS20055685; BBl20031288).
4 SR322.1
Fünftes Kapitel: Massnahmen
The­ra­peu­ti­sche Mass­nah­men und Ver­wah­rung
1Die Be­stim­mun­gen des Straf­ge­setz­bu­ches1 über die the­ra­peu­ti­schen Mass­nah­men und die Ver­wah­rung (Art. 56-65) sind an­wend­bar.
2Zu­stän­dig ist die Be­hör­de des Voll­zugs­kan­tons.
3Die Mass­nah­men wer­den nach dem Straf­ge­setz­buch voll­zo­gen.
Aus­schluss aus der Ar­mee als si­chern­de Mass­nah­me
1Wird der Tä­ter we­gen Schul­d­un­fä­hig­keit frei­ge­spro­chen oder un­ter An­nah­me ver­min­der­ter Schuld­fä­hig­keit ver­ur­teilt, so kann das Ge­richt den Aus­schluss aus der Ar­mee an­ord­nen.
2Der Aus­schluss kann vom Eid­ge­nös­si­schen De­par­te­ment für Ver­tei­di­gung, Be­völ­ke­rungs­schutz und Sport (VBS) auf­ge­ho­ben wer­den, wenn die Vor­aus­set­zun­gen weg­ge­fal­len sind.
Sechstes Kapitel: Andere Massnahmen
1. Aus­schluss aus der Ar­mee
1Wird der Tä­ter zu ei­ner Frei­heits­s­tra­fe von mehr als drei Jah­ren ver­ur­teilt oder nach Ar­ti­kel 64 des Straf­ge­setz­bu­ches1 ver­wahrt, so ord­net das Ge­richt den Aus­schluss aus der Ar­mee an.
2Wird der Tä­ter zu ei­ner an­de­ren Stra­fe ver­ur­teilt, so kann das Ge­richt den Aus­schluss aus der Ar­mee an­ord­nen.
1a. Lan­des­ver­wei­sung.
a. Ob­li­ga­to­ri­sche Lan­des­ver­wei­sung
1Das Ge­richt ver­weist den Aus­län­der, der we­gen ei­ner der fol­gen­den straf­ba­ren Hand­lun­gen ver­ur­teilt wird, un­ab­hän­gig von der Hö­he der Stra­fe für 5-15 Jah­re aus der Schweiz:
vor­sätz­li­che Tö­tung (Art. 115), Mord (Art. 116), Tot­schlag (Art. 117), Ver­lei­tung und Bei­hil­fe zum Selbst­mord (Art. 119);
schwe­re Kör­per­ver­let­zung (Art. 121), An­griff (Art. 128a);
qua­li­fi­zier­te Ver­un­treu­ung (Art. 130 Ziff. 2), qua­li­fi­zier­ter Dieb­stahl (Art. 131 Ziff. 3 und 4), Raub (Art. 132), Sach­be­schä­di­gung mit gros­sem Scha­den (Art. 134 Abs. 3), ge­werbs­mäs­si­ger Be­trug (Art. 135 Abs. 4), qua­li­fi­zier­te Er­pres­sung (Art. 137a Ziff. 2-4), ge­werbs­mäs­si­ge Heh­le­rei (Art. 137b Ziff. 2), qua­li­fi­zier­te Plün­de­rung (Art. 139 Abs. 2);
Dieb­stahl (Art. 131) in Ver­bin­dung mit Haus­frie­dens­bruch (Art. 152);
Frei­heits­be­rau­bung und Ent­füh­rung (Art. 151a), qua­li­fi­zier­te Frei­heits­be­rau­bung und Ent­füh­rung (Art. 151b), Gei­sel­nah­me (Art. 151c);
se­xu­el­le Nö­ti­gung (Art. 153), Ver­ge­wal­ti­gung (Art. 154), Schän­dung (Art. 155), se­xu­el­le Hand­lun­gen mit Kin­dern (Art. 156 Ziff. 1);
Brand­stif­tung (Art. 160 Abs. 1 und 2), vor­sätz­li­che Ver­ur­sa­chung ei­ner Ex­plo­si­on (Art. 161 Ziff. 1 Abs. 1 und 3), Ge­fähr­dung durch Spreng­stof­fe und gif­ti­ge Ga­se in ver­bre­che­ri­scher Ab­sicht (Art. 162 Abs. 1 und 3), vor­sätz­li­che Ge­fähr­dung oh­ne ver­bre­che­ri­sche Ab­sicht (Art. 163 Abs. 1), Her­stel­len, Ver­ber­gen, Weiter­schaf­fen von Spreng­stof­fen und gif­ti­gen Ga­sen (Art. 164), vor­sätz­li­ches Ver­ur­sa­chen ei­ner Über­schwem­mung oder ei­nes Ein­stur­zes (Art. 165 Ziff. 1 Abs. 1 und 3), vor­sätz­li­che Be­schä­di­gung von elek­tri­schen An­la­gen, Was­ser­bau­ten und Schutz­vor­rich­tun­gen (Art. 166 Ziff. 1 Abs. 1), vor­sätz­li­ches Ver­brei­ten mensch­li­cher Krank­hei­ten (Art. 167 Ziff. 1), vor­sätz­li­che Trink­was­ser­ver­un­rei­ni­gung (Art. 169 Abs. 1), qua­li­fi­zier­te Stö­rung des öf­fent­li­chen Ver­kehrs (Art. 169a Ziff. 2), vor­sätz­li­che Stö­rung des Ei­sen­bahn­ver­kehrs (Art. 170 Abs. 1), straf­ba­re Vor­be­rei­tungs­hand­lun­gen (Art. 171b);
Völ­ker­mord (Art. 108), Ver­bre­chen ge­gen die Mensch­lich­keit (Art. 109), schwe­re Ver­let­zun­gen der Gen­fer Kon­ven­tio­nen vom 12. Au­gust 19492 (Art. 111), an­de­re Kriegs­ver­bre­chen (Art. 112-112d).
2Das Ge­richt kann aus­nahms­wei­se von ei­ner Lan­des­ver­wei­sung ab­se­hen, wenn die­se für den Aus­län­der einen schwe­ren per­sön­li­chen Här­te­fall be­wir­ken wür­de und die öf­fent­li­chen In­ter­es­sen an der Lan­des­ver­wei­sung ge­gen­über den pri­va­ten In­ter­es­sen des Aus­län­ders am Ver­bleib in der Schweiz nicht über­wie­gen. Da­bei ist der be­son­de­ren Si­tua­ti­on von Aus­län­dern Rech­nung zu tra­gen, die in der Schweiz ge­bo­ren oder auf­ge­wach­sen sind.
3Von ei­ner Lan­des­ver­wei­sung kann fer­ner ab­ge­se­hen wer­den, wenn die Tat in ent­schuld­ba­rer Not­wehr (Art. 16a Abs. 1) oder in ent­schuld­ba­rem Not­stand (Art. 17a Abs. 1) be­gan­gen wur­de.
1 Ein­ge­fügt durch Ziff. I 2 des BG vom 20. März 2015 (Um­set­zung von Art. 121 Abs. 3-6 BV über die Aus­schaf­fung kri­mi­nel­ler Aus­län­de­rin­nen und Aus­län­der), in Kraft seit 1. Okt. 2016 (AS20162329; BBl20135975).
2 SR0.518.12, 0.518.23, 0.518.42, 0.518.51
b. Nicht ob­li­ga­to­ri­sche Lan­des-ver­wei­sung
Das Ge­richt kann einen Aus­län­der für 3-15 Jah­re des Lan­des ver­wei­sen, wenn er we­gen ei­nes Ver­bre­chens oder Ver­ge­hens, das nicht von Ar­ti­kel 49a er­fasst wird, zu ei­ner Stra­fe ver­ur­teilt oder ge­gen ihn ei­ne Mass­nah­me nach den Ar­ti­keln 59-61 oder 64 des Straf­ge­setz­bu­ches2 an­ge­ord­net wird.
2 SR311.0
c. Ge­mein­sa­me Be­stim­mun­gen. Wie­der­ho­lungs­fall
1Be­geht je­mand, nach­dem ge­gen ihn ei­ne Lan­des­ver­wei­sung an­ge­ord­net wor­den ist, ei­ne neue Straf­tat, wel­che die Vor­aus­set­zun­gen für ei­ne Lan­des­ver­wei­sung nach Ar­ti­kel 49a er­füllt, so ist die neue Lan­des­ver­wei­sung auf 20 Jah­re aus­zu­spre­chen.
2Die Lan­des­ver­wei­sung kann auf Le­bens­zeit aus­ge­spro­chen wer­den, wenn der Ver­ur­teil­te die neue Tat be­geht, so­lan­ge die für die frü­he­re Tat aus­ge­spro­che­ne Lan­des­ver­wei­sung noch wirk­sam ist.
d. Voll­zug
Der Voll­zug rich­tet sich nach den Ar­ti­keln 66c und 66d des Straf­ge­setz­buchs2.
2. Tä­tig­keits­ver­bot, Kon­takt- und Ray­on­ver­bot.
a. Tä­tig­keits­ver­bot, Vor­aus­set­zun­gen
1Hat je­mand in Aus­übung ei­ner be­ruf­li­chen oder ei­ner or­ga­ni­sier­ten aus­ser­be­ruf­li­chen Tä­tig­keit ein Ver­bre­chen oder Ver­ge­hen be­gan­gen, für das er zu ei­ner Frei­heits­s­tra­fe von über sechs Mo­na­ten ver­ur­teilt wor­den ist, und be­steht die Ge­fahr, dass er sei­ne Tä­tig­keit zur Be­ge­hung wei­te­rer Ver­bre­chen oder Ver­ge­hen miss­brau­chen wird, so kann ihm das Ge­richt die be­tref­fen­de oder ver­gleich­ba­re Tä­tig­kei­ten für sechs Mo­na­te bis zu fünf Jah­ren ganz oder teil­wei­se ver­bie­ten.2
2Hat je­mand ge­gen einen Min­der­jäh­ri­gen oder ei­ne an­de­re be­son­ders schutz­be­dürf­ti­ge Per­son ein Ver­bre­chen oder Ver­ge­hen be­gan­gen und be­steht die Ge­fahr, dass er in Aus­übung ei­ner be­ruf­li­chen oder ei­ner or­ga­ni­sier­ten aus­ser­be­ruf­li­chen Tä­tig­keit, die einen re­gel­mäs­si­gen Kon­takt mit Min­der­jäh­ri­gen oder mit an­de­ren be­son­ders schutz­be­dürf­ti­gen Per­so­nen um­fasst, wei­te­re Straf­ta­ten die­ser Art be­geht, so kann ihm das Ge­richt die be­tref­fen­de Tä­tig­keit für ein Jahr bis zehn Jah­re ver­bie­ten.
2bisDas Ge­richt kann das Ver­bot nach Ab­satz 2 le­bens­läng­lich ver­hän­gen, wenn zu er­war­ten ist, dass die Dau­er von zehn Jah­ren nicht aus­reicht, da­mit vom Tä­ter kei­ne Ge­fahr mehr aus­geht. Es kann ein zeit­lich be­fris­te­tes Ver­bot nach Ab­satz 2 auf An­trag der Voll­zugs­be­hör­de je­weils um höchs­tens fünf Jah­re ver­län­gern, wenn dies not­wen­dig ist, um den Tä­ter von wei­te­ren sol­chen Ver­bre­chen und Ver­ge­hen, wie sie An­lass für das Ver­bot wa­ren, ab­zu­hal­ten.3
3Wird je­mand we­gen ei­ner der nach­fol­gen­den Straf­ta­ten zu ei­ner Stra­fe ver­ur­teilt oder wird des­we­gen ge­gen ihn ei­ne Mass­nah­me nach den Ar­ti­keln 59-61, 63 oder 64 des Straf­ge­setz­buchs4 an­ge­ord­net, so ver­bie­tet ihm das Ge­richt le­bens­läng­lich je­de be­ruf­li­che und je­de or­ga­ni­sier­te aus­ser­be­ruf­li­che Tä­tig­keit, die einen re­gel­mäs­si­gen Kon­takt zu Min­der­jäh­ri­gen um­fasst:
se­xu­el­le Nö­ti­gung (Art. 153), Ver­ge­wal­ti­gung (Art. 154), Schän­dung (Art. 155), Aus­nüt­zung der mi­li­tä­ri­schen Stel­lung (Art. 157), Ex­hi­bi­tio­nis­mus (Art. 159), se­xu­el­le Be­läs­ti­gun­gen (Art. 159a), so­fern er die Straf­tat an oder vor ei­nem min­der­jäh­ri­gen Op­fer be­gan­gen hat;
se­xu­el­le Hand­lun­gen mit Kin­dern (Art. 156).5
4Wird je­mand we­gen ei­ner der nach­fol­gen­den Straf­ta­ten zu ei­ner Stra­fe ver­ur­teilt oder wird des­we­gen ge­gen ihn ei­ne Mass­nah­me nach den Ar­ti­keln 59-61, 63 oder 64 des Straf­ge­setz­buchs an­ge­ord­net, so ver­bie­tet ihm das Ge­richt le­bens­läng­lich je­de be­ruf­li­che und je­de or­ga­ni­sier­te aus­ser­be­ruf­li­che Tä­tig­keit, die einen re­gel­mäs­si­gen Kon­takt zu voll­jäh­ri­gen be­son­ders schutz­be­dürf­ti­gen Per­so­nen um­fasst, so­wie je­de be­ruf­li­che und je­de or­ga­ni­sier­te aus­ser­be­ruf­li­che Tä­tig­keit im Ge­sund­heits­be­reich mit di­rek­tem Pa­ti­en­ten­kon­takt: se­xu­el­le Nö­ti­gung (Art. 153), Ver­ge­wal­ti­gung (Art. 154), Schän­dung (Art. 155), Aus­nüt­zung der mi­li­tä­ri­schen Stel­lung (Art. 157), Ex­hi­bi­tio­nis­mus (Art. 159), se­xu­el­le Be­läs­ti­gun­gen (Art. 159a), so­fern er die Straf­tat be­gan­gen hat an oder vor:
ei­nem voll­jäh­ri­gen, be­son­ders schutz­be­dürf­ti­gen Op­fer; oder
ei­nem voll­jäh­ri­gen nicht be­son­ders schutz­be­dürf­ti­gen Op­fer, das zum Wi­der­stand un­fä­hig oder ur­teil­s­un­fä­hig war oder sich auf­grund ei­ner kör­per­li­chen oder psy­chi­schen Ab­hän­gig­keit nicht zu Wehr set­zen konn­te.6
4bisDas Ge­richt kann in be­son­ders leich­ten Fäl­len aus­nahms­wei­se von der An­ord­nung ei­nes Tä­tig­keits­ver­bo­tes nach Ab­satz 3 oder 4 ab­se­hen, wenn ein sol­ches Ver­bot nicht not­wen­dig er­scheint, um den Tä­ter von der Be­ge­hung wei­te­rer Straf­ta­ten ab­zu­hal­ten, wie sie An­lass für das Ver­bot sind. Von der An­ord­nung ei­nes Tä­tig­keits­ver­bo­tes darf je­doch nicht ab­ge­se­hen wer­den, wenn der Tä­ter:
ver­ur­teilt wor­den ist we­gen se­xu­el­ler Nö­ti­gung (Art. 153), Ver­ge­wal­ti­gung (Art. 154) oder Schän­dung (Art. 155); oder
ge­mä­ss den in­ter­na­tio­nal an­er­kann­ten Klas­si­fi­ka­ti­ons­kri­te­ri­en pä­do­phil ist.7
5Wird der Tä­ter im sel­ben Ver­fah­ren we­gen meh­re­rer Straf­ta­ten zu ei­ner Stra­fe ver­ur­teilt oder wird ge­gen ihn des­we­gen ei­ne Mass­nah­me an­ge­ord­net, so legt das Ge­richt fest, wel­cher An­teil der Stra­fe oder wel­che Mass­nah­me auf ei­ne Straf­tat ent­fällt, die ein Tä­tig­keits­ver­bot nach sich zieht. Die­ser Straf­an­teil, die Mass­nah­me so­wie die Straf­tat sind mass­ge­bend da­für, ob ein Tä­tig­keits­ver­bot nach Ab­satz 1, 2, 2bis, 3 oder 4 ver­hängt wird. Die Straf­an­tei­le für meh­re­re ein­schlä­gi­ge Straf­ta­ten wer­den ad­diert. Es kön­nen meh­re­re Tä­tig­keits­ver­bo­te ver­hängt wer­den.8
6Das Ge­richt kann für die Dau­er der Ver­bo­te Be­wäh­rungs­hil­fe an­ord­nen.9
1 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I 2 des BG vom 13. Dez. 2013 über das Tä­tig­keits­ver­bot und das Kon­takt- und Ray­on­ver­bot, in Kraft seit 1. Jan. 2015 (AS20142055; BBl2012 8819).
3 Ein­ge­fügt durch Ziff. I 2 des BG vom 16. März 2018 (Um­set­zung von Art. 123c BV), in Kraft seit 1. Jan. 2019 (AS 2018 3803; BBl 2016 6115).
5 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I 2 des BG vom 16. März 2018 (Um­set­zung von Art. 123c BV), in Kraft seit 1. Jan. 2019 (AS 2018 3803; BBl 2016 6115).
6 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I 2 des BG vom 16. März 2018 (Um­set­zung von Art. 123c BV), in Kraft seit 1. Jan. 2019 (AS 2018 3803; BBl 2016 6115).
7 Ein­ge­fügt durch Ziff. I 2 des BG vom 16. März 2018 (Um­set­zung von Art. 123c BV), in Kraft seit 1. Jan. 2019 (AS 2018 3803; BBl 2016 6115).
8 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I 2 des BG vom 16. März 2018 (Um­set­zung von Art. 123c BV), in Kraft seit 1. Jan. 2019 (AS 2018 3803; BBl 2016 6115).
9 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I 2 des BG vom 16. März 2018 (Um­set­zung von Art. 123c BV), in Kraft seit 1. Jan. 2019 (AS 2018 3803; BBl 2016 6115).
10 Auf­ge­ho­ben durch Ziff. I 2 des BG vom 16. März 2018 (Um­set­zung von Art. 123c BV), mit Wir­kung seit 1. Jan. 2019 (AS 2018 3803; BBl 2016 6115).
In­halt und Um­fang
1Als be­ruf­li­che Tä­tig­kei­ten im Sin­ne von Ar­ti­kel 50 gel­ten Tä­tig­kei­ten in Aus­übung ei­nes Haupt- oder Ne­ben­be­rufs oder -ge­wer­bes oder ei­nes Han­dels­ge­schäfts. Als or­ga­ni­sier­te aus­ser­be­ruf­li­che Tä­tig­kei­ten gel­ten Tä­tig­kei­ten, die nicht oder nicht pri­mär zu Er­werbs­zwe­cken und die im Rah­men ei­nes Ver­eins oder ei­ner an­de­ren Or­ga­ni­sa­ti­on aus­ge­übt wer­den.
2Das Tä­tig­keits­ver­bot nach Ar­ti­kel 50 um­fasst die Tä­tig­kei­ten, die der Tä­ter selbst­stän­dig, als Or­gan ei­ner ju­ris­ti­schen Per­son oder Han­dels­ge­sell­schaft, als Be­auf­trag­ter oder als Ver­tre­ter ei­ner an­de­ren Per­son aus­übt oder durch ei­ne von sei­nen Wei­sun­gen ab­hän­gi­ge Per­son aus­üben lässt.
3Be­steht die Ge­fahr, dass der Tä­ter sei­ne Tä­tig­keit auch zur Be­ge­hung von Straf­ta­ten miss­braucht, wenn er sie nach Wei­sung und un­ter Kon­trol­le ei­nes Vor­ge­setz­ten oder ei­ner Auf­sichts­per­son aus­übt, so ist ihm die Tä­tig­keit ganz zu un­ter­sa­gen.
4Die Ver­bo­te nach Ar­ti­kel 50 Ab­sät­ze 3 und 4 um­fas­sen im­mer die gan­ze Tä­tig­keit.
5Als Tä­tig­kei­ten mit re­gel­mäs­si­gem Kon­takt zu Min­der­jäh­ri­gen oder zu an­de­ren be­son­ders schutz­be­dürf­ti­gen Per­so­nen gel­ten:
Tä­tig­kei­ten, die di­rekt und spe­zi­fisch ge­gen­über Min­der­jäh­ri­gen oder an­de­ren be­son­ders schutz­be­dürf­ti­gen Per­so­nen aus­ge­übt wer­den, na­ment­lich:
Leh­ren oder Un­ter­rich­ten,
Er­zie­hung oder Be­ra­tung,
Be­treu­ung oder Auf­sicht,
Pfle­ge,
kör­per­li­che Un­ter­su­chung oder Be­hand­lung,
psy­cho­lo­gi­sche Un­ter­su­chung oder Be­hand­lung,
di­rek­ter Ver­kauf oder Ver­leih oder di­rek­te Ver­mitt­lung von spe­zi­fisch für die Be­dürf­nis­se von Min­der­jäh­ri­gen oder an­de­ren be­son­ders schutz­be­dürf­ti­gen Per­so­nen be­stimm­ten Ob­jek­ten, so­fern dies die Haupt­tä­tig­keit der be­tref­fen­den Per­son dar­stellt;
an­de­re Tä­tig­kei­ten, die vor al­lem oder wie­der­holt in Ein­rich­tun­gen aus­ge­übt wer­den, die Dienst­leis­tun­gen nach Buch­sta­be a an­bie­ten; aus­ge­nom­men sind Tä­tig­kei­ten, bei de­nen ört­lich oder zeit­lich si­cher­ge­stellt ist, dass kein Kon­takt zu Min­der­jäh­ri­gen oder an­de­ren be­son­ders schutz­be­dürf­ten Per­so­nen statt­fin­den kann.2
6Als be­son­ders schutz­be­dürf­tig gel­ten Per­so­nen, die auf­grund ih­res Al­ters, ei­ner Krank­heit oder ei­ner lang­fris­ti­gen kör­per­li­chen, geis­ti­gen oder psy­chi­schen Be­ein­träch­ti­gung bei all­täg­li­chen Ver­rich­tun­gen oder ih­rer Le­bens­füh­rung auf frem­de Hil­fe an­ge­wie­sen sind.3
2 Ein­ge­fügt durch Ziff. I 2 des BG vom 16. März 2018 (Um­set­zung von Art. 123c BV), in Kraft seit 1. Jan. 2019 (AS 2018 3803; BBl 2016 6115).
b. Kon­takt- und Ray­on­ver­bot
1Hat je­mand ein Ver­bre­chen oder Ver­ge­hen ge­gen ei­ne oder meh­re­re be­stimm­te Per­so­nen oder ge­gen Per­so­nen ei­ner be­stimm­ten Grup­pe be­gan­gen und be­steht die Ge­fahr, dass er bei ei­nem Kon­takt zu die­sen Per­so­nen wei­te­re Ver­bre­chen oder Ver­ge­hen be­ge­hen wird, so kann das Ge­richt für ei­ne Dau­er bis zu fünf Jah­ren ein Kon­takt- und Ray­on­ver­bot ver­hän­gen.
2Mit dem Kon­takt- und Ray­on­ver­bot kann das Ge­richt dem Tä­ter ver­bie­ten:
mit ei­ner oder meh­re­ren be­stimm­ten Per­so­nen oder mit Per­so­nen ei­ner be­stimm­ten Grup­pe di­rekt oder über Dritt­per­so­nen Kon­takt auf­zu­neh­men, na­ment­lich auf te­le­fo­ni­schem, schrift­li­chem oder elek­tro­ni­schem Weg, sie zu be­schäf­ti­gen, zu be­her­ber­gen, aus­zu­bil­den, zu be­auf­sich­ti­gen, zu pfle­gen oder in an­de­rer Wei­se mit ih­nen zu ver­keh­ren;
sich ei­ner be­stimm­ten Per­son zu nä­hern oder sich in ei­nem be­stimm­ten Um­kreis ih­rer Woh­nung auf­zu­hal­ten;
sich an be­stimm­ten Or­ten, na­ment­lich be­stimm­ten Stras­sen, Plät­zen oder Quar­tie­ren, auf­zu­hal­ten.
3Für den Voll­zug des Ver­bots kann die zu­stän­di­ge Be­hör­de tech­ni­sche Ge­rä­te ein­set­zen, die mit dem Tä­ter fest ver­bun­den sind. Die­se kön­nen ins­be­son­de­re der Fest­stel­lung des Stand­ortes des Tä­ters die­nen.
4Das Ge­richt kann für die Dau­er des Ver­bots Be­wäh­rungs­hil­fe an­ord­nen.
5Es kann das Ver­bot auf An­trag der Voll­zugs­be­hör­den je­weils um höchs­tens fünf Jah­re ver­län­gern, wenn dies not­wen­dig ist, um den Tä­ter von wei­te­ren Ver­bre­chen und Ver­ge­hen ge­gen Min­der­jäh­ri­ge oder an­de­re be­son­ders schutz­be­dürf­ti­ge Per­so­nen ab­zu­hal­ten.
c. Ge­mein­sa­me Be­stim­mun­gen.
Voll­zug der Ver­bo­te
1Das Ver­bot wird am Tag wirk­sam, an dem das Ur­teil rechts­kräf­tig wird.
2Die Dau­er des Voll­zugs ei­ner Frei­heits­s­tra­fe oder ei­ner frei­heits­ent­zie­hen­den Mass­nah­me (Art. 59-61 und 64 des Straf­ge­setz­buchs2) wird auf die Dau­er des Ver­bots nicht an­ge­rech­net.
3Hat der Tä­ter die ihm auf­er­leg­te Pro­be­zeit nicht be­stan­den und wird die be­ding­te Frei­heits­s­tra­fe voll­zo­gen oder die Rück­ver­set­zung in den Straf- oder Mass­nah­men­voll­zug an­ge­ord­net, so wird die Dau­er des Ver­bots erst von dem Ta­ge an ge­rech­net, an dem der Tä­ter be­dingt oder end­gül­tig ent­las­sen wird oder an dem die Sank­ti­on auf­ge­ho­ben oder er­las­sen wird.
4Hat der Tä­ter die ihm auf­er­leg­te Pro­be­zeit be­stan­den, so ent­schei­det die zu­stän­di­ge Be­hör­de über ei­ne in­halt­li­che oder zeit­li­che Ein­schrän­kung oder über die Auf­he­bung des Ver­bots nach Ar­ti­kel 50 Ab­satz 1 oder nach Ar­ti­kel 50b.
5Der Tä­ter kann bei der zu­stän­di­gen Be­hör­de um ei­ne in­halt­li­che oder zeit­li­che Ein­schrän­kung oder um die Auf­he­bung des Ver­bots er­su­chen:
bei ei­nem Ver­bot nach Ar­ti­kel 50 Ab­satz 1 oder nach Ar­ti­kel 50b: nach zwei Jah­ren des Voll­zugs;
bei ei­nem be­fris­te­ten Ver­bot nach Ar­ti­kel 50 Ab­satz 2: nach der Hälf­te der Ver­bots­dau­er, je­doch frü­he­s­tens nach drei Jah­ren des Voll­zugs;
bei ei­nem le­bens­läng­li­chen Ver­bot nach Ar­ti­kel 50 Ab­satz 2bis: nach zehn Jah­ren des Voll­zugs.
6Ist nicht mehr zu be­fürch­ten, dass der Tä­ter ei­ne Tä­tig­keit zur Be­ge­hung wei­te­rer Ver­bre­chen oder Ver­ge­hen miss­braucht oder bei ei­nem Kon­takt zu be­stimm­ten Per­so­nen oder Per­so­nen ei­ner be­stimm­ten Grup­pe wei­te­re Ver­bre­chen oder Ver­ge­hen be­geht, und hat er den von ihm ver­ur­sach­ten Scha­den so­weit zu­mut­bar er­setzt, so hebt die zu­stän­di­ge Be­hör­de das Ver­bot in den Fäl­len nach Ab­satz 4 oder 5 auf.
6bisVer­bo­te nach Ar­ti­kel 50 Ab­satz 3 oder 4 kön­nen nicht auf­ge­ho­ben wer­den.5
7Miss­ach­tet der Ver­ur­teil­te ein Tä­tig­keits­ver­bot oder ein Kon­takt- und Ray­on­ver­bot oder ent­zieht er sich der da­mit ver­bun­de­nen Be­wäh­rungs­hil­fe oder ist die­se nicht durch­führ­bar oder nicht mehr er­for­der­lich, so er­stat­tet die zu­stän­di­ge Be­hör­de dem Ge­richt oder den Voll­zugs­be­hör­den Be­richt. Das Ge­richt oder die Voll­zugs­be­hör­de kön­nen die Be­wäh­rungs­hil­fe auf­he­ben oder neu an­ord­nen.
7bisDie Voll­zugs­be­hör­de kann für die ge­sam­te Dau­er des Tä­tig­keits­ver­bo­tes oder des Kon­takt- und Ray­on­ver­bo­tes Be­wäh­rungs­hil­fe an­ord­nen.6
8Ent­zieht sich der Ver­ur­teil­te der Be­wäh­rungs­hil­fe wäh­rend der Dau­er ei­ner Pro­be­zeit, so ist Ar­ti­kel 95 Ab­sät­ze 4 und 5 des Straf­ge­setz­buchs an­wend­bar.
9Miss­ach­tet der Ver­ur­teil­te wäh­rend der Dau­er ei­ner Pro­be­zeit ein Tä­tig­keits­ver­bot oder ein Kon­takt- und Ray­on­ver­bot, so sind Ar­ti­kel 294 des Straf­ge­setz­bu­ches und die Be­stim­mun­gen des Straf­ge­setz­buchs über den Wi­der­ruf ei­ner be­ding­ten Stra­fe oder des be­ding­ten Teils ei­ner Stra­fe so­wie über die Rück­ver­set­zung in den Straf- und Mass­nah­men­voll­zug an­wend­bar.
1 Ein­ge­fügt durch Ziff. I 2 des BG vom 13. Dez. 2013 über das Tä­tig­keits­ver­bot und das Kon­takt- und Ray­on­ver­bot, in Kraft seit 1. Jan. 2015 (AS20142055; BBl2012 8819).
3 Auf­ge­ho­ben durch Ziff. I 2 des BG vom 16. März 2018 (Um­set­zung von Art. 123c BV), mit Wir­kung seit 1. Jan. 2019 (AS 2018 3803; BBl 2016 6115).
4 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I 2 des BG vom 16. März 2018 (Um­set­zung von Art. 123c BV), in Kraft seit 1. Jan. 2019 (AS 2018 3803; BBl 2016 6115).
5 Ein­ge­fügt durch Ziff. I 2 des BG vom 16. März 2018 (Um­set­zung von Art. 123c BV), in Kraft seit 1. Jan. 2019 (AS 2018 3803; BBl 2016 6115).
6 Ein­ge­fügt durch Ziff. I 2 des BG vom 16. März 2018 (Um­set­zung von Art. 123c BV), in Kraft seit 1. Jan. 2019 (AS 2018 3803; BBl 2016 6115).
Än­de­rung ei­nes Ver­bots oder nach­träg­li­che An­ord­nung ei­nes Ver­bots
1Stellt sich wäh­rend des Voll­zugs ei­nes Tä­tig­keits­ver­bots oder ei­nes Kon­takt- und Ray­on­ver­bots her­aus, dass beim Tä­ter die Vor­aus­set­zun­gen für ei­ne Er­wei­te­rung des Ver­bots oder für ein zu­sätz­li­ches sol­ches Ver­bot ge­ge­ben sind, so kann das Ge­richt auf An­trag der Voll­zugs­be­hör­den nach­träg­lich das Ver­bot er­wei­tern oder ein zu­sätz­li­ches Ver­bot an­ord­nen.
2Stellt sich wäh­rend des Voll­zugs ei­ner Frei­heits­s­tra­fe oder ei­ner frei­heits­ent­zie­hen­den Mass­nah­me her­aus, dass beim Tä­ter die Vor­aus­set­zun­gen für ein Ver­bot nach Ar­ti­kel 50 Ab­satz 1 oder 2 oder nach Ar­ti­kel 50b ge­ge­ben sind, so kann das Ge­richt die­ses Ver­bot auf An­trag der Voll­zugs­be­hör­de nach­träg­lich an­ord­nen.
3. Fahr­ver­bot
Hat der Tä­ter ein Mo­tor­fahr­zeug zur Be­ge­hung ei­nes Ver­bre­chens oder Ver­ge­hens ver­wen­det und be­steht Wie­der­ho­lungs­ge­fahr, so kann das Ge­richt ne­ben ei­ner Stra­fe oder ei­ner Mass­nah­me nach den Ar­ti­keln 59-64 des Straf­ge­setz­bu­ches2 den Ent­zug des Lern­fahr- oder Füh­rer­aus­wei­ses für die Dau­er von ei­nem Mo­nat bis zu fünf Jah­ren an­ord­nen.
1 Ur­sprüng­lich Art. 50abis.
4. Ver­öf­fent­li­chung des Ur­teils
1Ist die Ver­öf­fent­li­chung ei­nes Stra­f­ur­teils im öf­fent­li­chen In­ter­es­se oder im In­ter­es­se des Ver­letz­ten oder des An­trags­be­rech­tig­ten ge­bo­ten, so ord­net sie das Ge­richt auf Kos­ten des Ver­ur­teil­ten an.
2Ist die Ver­öf­fent­li­chung ei­nes frei­spre­chen­den Ur­teils oder ei­ner Ein­stel­lungs­ver­fü­gung der Straf­ver­fol­gungs­be­hör­de im öf­fent­li­chen In­ter­es­se oder im In­ter­es­se des Frei­ge­spro­che­nen oder Ent­las­te­ten ge­bo­ten, so ord­net sie das Ge­richt auf Staats­kos­ten oder auf Kos­ten des An­zei­gers an.
3Die Ver­öf­fent­li­chung im In­ter­es­se des Ver­letz­ten, An­trags­be­rech­tig­ten, Frei­ge­spro­che­nen oder Ent­las­te­ten er­folgt nur auf de­ren An­trag.
4Das Ge­richt be­stimmt Art und Um­fang der Ver­öf­fent­li­chung.
1 Ur­sprüng­lich Art. 50b.
5. Ein­zie­hung.
a. Si­che­rungs­ein­zie­hung
1Das Ge­richt ver­fügt oh­ne Rück­sicht auf die Straf­bar­keit ei­ner be­stimm­ten Per­son die Ein­zie­hung von Ge­gen­stän­den, die zur Be­ge­hung ei­ner straf­ba­ren Hand­lung ge­dient ha­ben oder be­stimmt wa­ren oder die durch ei­ne straf­ba­re Hand­lung her­vor­ge­bracht wor­den sind, wenn die­se Ge­gen­stän­de die Si­cher­heit von Men­schen, die Sitt­lich­keit oder die öf­fent­li­che Ord­nung ge­fähr­den.
2Das Ge­richt kann an­ord­nen, dass die ein­ge­zo­ge­nen Ge­gen­stän­de un­brauch­bar ge­macht oder ver­nich­tet wer­den.
b. Ein­zie­hung von Ver­mö­gens­wer­ten.
1Das Ge­richt ver­fügt die Ein­zie­hung von Ver­mö­gens­wer­ten, die durch ei­ne straf­ba­re Hand­lung er­langt wor­den sind oder da­zu be­stimmt wa­ren, ei­ne straf­ba­re Hand­lung zu ver­an­las­sen oder zu be­loh­nen, so­fern sie nicht dem Ver­letz­ten zur Wie­der­her­stel­lung des recht­mäs­si­gen Zu­stan­des aus­ge­hän­digt wer­den.
2Die Ein­zie­hung ist aus­ge­schlos­sen, wenn ein Drit­ter die Ver­mö­gens­wer­te in Un­kennt­nis der Ein­zie­hungs­grün­de er­wor­ben hat und so­weit er für sie ei­ne gleich­wer­ti­ge Ge­gen­leis­tung er­bracht hat oder die Ein­zie­hung ihm ge­gen­über sonst ei­ne un­ver­hält­nis­mäs­si­ge Här­te dar­stel­len wür­de.
3Das Recht zur Ein­zie­hung ver­jährt nach sie­ben Jah­ren; ist je­doch die Ver­fol­gung der straf­ba­ren Hand­lun­gen ei­ner län­ge­ren Ver­jäh­rungs­frist un­ter­wor­fen, so fin­det die­se Frist auch auf die Ein­zie­hung An­wen­dung.
4Die Ein­zie­hung ist amt­lich be­kanntz­u­ma­chen. Die An­sprü­che Ver­letz­ter oder Drit­ter er­lö­schen fünf Jah­re nach der amt­li­chen Be­kannt­ma­chung.
5Lässt sich der Um­fang der ein­zu­zie­hen­den Ver­mö­gens­wer­te nicht oder nur mit un­ver­hält­nis­mäs­si­gem Auf­wand er­mit­teln, so kann das Ge­richt ihn schät­zen.
Er­satz­for­de­run­gen
1Sind die der Ein­zie­hung un­ter­lie­gen­den Ver­mö­gens­wer­te nicht mehr vor­han­den, so er­kennt das Ge­richt auf ei­ne Er­satz­for­de­rung des Staa­tes in glei­cher Hö­he, ge­gen­über ei­nem Drit­ten je­doch nur, so­weit dies nicht nach Ar­ti­kel 51a Ab­satz 2 aus­ge­schlos­sen ist.
2Das Ge­richt kann von ei­ner Er­satz­for­de­rung ganz oder teil­wei­se ab­se­hen, wenn die­se vor­aus­sicht­lich un­ein­bring­lich wä­re oder die Wie­der­ein­glie­de­rung des Be­trof­fe­nen ernst­lich be­hin­dern wür­de.
3Die Un­ter­su­chungs­be­hör­de kann im Hin­blick auf die Durch­set­zung der Er­satz­for­de­rung Ver­mö­gens­wer­te des Be­trof­fe­nen mit Be­schlag be­le­gen. Die Be­schlag­nah­me be­grün­det bei der Zwangs­voll­stre­ckung der Er­satz­for­de­rung kein Vor­zugs­recht zu Guns­ten des Staa­tes.
Ein­zie­hung von Ver­mö­gens­wer­ten ei­ner kri­mi­nel­len Or­ga­ni­sa­ti­on
Das Ge­richt ver­fügt die Ein­zie­hung al­ler Ver­mö­gens­wer­te, wel­che der Ver­fü­gungs­macht ei­ner kri­mi­nel­len Or­ga­ni­sa­ti­on un­ter­lie­gen. Bei Ver­mö­gens­wer­ten ei­ner Per­son, die sich an ei­ner kri­mi­nel­len Or­ga­ni­sa­ti­on be­tei­ligt oder sie un­ter­stützt hat (Art. 260ter des Straf­ge­setz­bu­ches1), wird die Ver­fü­gungs­macht der Or­ga­ni­sa­ti­on bis zum Be­weis des Ge­gen­teils ver­mu­tet.
6. Ver­wen­dung zu Guns­ten des Ge­schä­dig­ten
1Er­lei­det je­mand durch ein Ver­bre­chen oder ein Ver­ge­hen einen Scha­den, der nicht durch ei­ne Ver­si­che­rung ge­deckt ist, und ist an­zu­neh­men, dass der Tä­ter den Scha­den nicht er­set­zen oder ei­ne Ge­nug­tu­ung nicht leis­ten wird, so spricht das Ge­richt dem Ge­schä­dig­ten auf des­sen Ver­lan­gen bis zur Hö­he des Scha­den­er­sat­zes be­zie­hungs­wei­se der Ge­nug­tu­ung, die ge­richt­lich oder durch Ver­gleich fest­ge­setzt wor­den sind, zu:
die vom Ver­ur­teil­ten be­zahl­te Geld­stra­fe oder Bus­se;
ein­ge­zo­ge­ne Ge­gen­stän­de und Ver­mö­gens­wer­te oder de­ren Ver­wer­tungs­er­lös un­ter Ab­zug der Ver­wer­tungs­kos­ten;
Er­satz­for­de­run­gen.
2Das Ge­richt kann die Ver­wen­dung zu Guns­ten des Ge­schä­dig­ten je­doch nur an­ord­nen, wenn der Ge­schä­dig­te den ent­spre­chen­den Teil sei­ner For­de­rung an den Staat ab­tritt.
3Die Kan­to­ne se­hen für den Fall, dass die Zu­spre­chung nicht schon im Stra­f­ur­teil mög­lich ist, ein ein­fa­ches und ra­sches Ver­fah­ren vor.
Vierter Titel: Bewährungshilfe, Weisungen und freiwillige soziale Betreuung
An­wend­bar­keit des Straf­ge­setz­bu­ches
Die Ar­ti­kel 93-96 des Straf­ge­setz­bu­ches1 sind an­wend­bar.
Fünfter Titel: Die Verjährung
1. Ver­fol­gungs­ver­jäh­rung.
1Die Straf­ver­fol­gung ver­jährt, wenn die für die Tat an­ge­droh­te Höchst­stra­fe::
le­bens­läng­li­che Frei­heits­s­tra­fe ist: in 30 Jah­ren;
ei­ne Frei­heits­s­tra­fe von mehr als drei Jah­ren ist: in 15 Jah­ren;
ei­ne Frei­heits­s­tra­fe von drei Jah­ren ist: in 10 Jah­ren;
ei­ne an­de­re Stra­fe ist: in 7 Jah­ren.1
2Bei se­xu­el­len Hand­lun­gen mit Kin­dern (Art. 156) so­wie bei Straf­ta­ten nach den Ar­ti­keln 115, 117, 121 und 153-155, die sich ge­gen ein Kind un­ter 16 Jah­ren rich­ten, dau­ert die Ver­fol­gungs­ver­jäh­rung in je­dem Fall min­des­tens bis zum vollen­de­ten 25. Le­bens­jahr des Op­fers.
3Ist vor Ab­lauf der Ver­jäh­rungs­frist ein ers­tin­stanz­li­ches Ur­teil er­gan­gen, so tritt die Ver­jäh­rung nicht mehr ein.
4Die Ver­jäh­rung der Straf­ver­fol­gung von se­xu­el­len Hand­lun­gen mit Kin­dern (Art. 156) so­wie von Straf­ta­ten nach den Ar­ti­keln 115-117, 121 und 153-155, die sich ge­gen ein Kind un­ter 16 Jah­ren rich­ten, be­misst sich nach den Ab­sät­zen 1-3, wenn die Straf­tat vor dem In­kraft­tre­ten der Än­de­rung vom 5. Ok­to­ber 20012 be­gan­gen wor­den ist und die Ver­fol­gungs­ver­jäh­rung zu die­sem Zeit­punkt noch nicht ein­ge­tre­ten ist.
1 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I 2 des BG vom 21. Ju­ni 2013 (Ver­län­ge­rung der Ver­fol­gungs-ver­jäh­rung), in Kraft seit 1. Jan. 2014 (AS2013 4417; BBl20129253).
2 AS20022993 3146
Die Ver­jäh­rung be­ginnt:
mit dem Tag, an dem der Tä­ter die straf­ba­re Tä­tig­keit aus­führt;
wenn der Tä­ter die straf­ba­re Tä­tig­keit zu ver­schie­de­nen Zei­ten aus­führt, mit dem Tag, an dem er die letz­te Tä­tig­keit aus­führt;
wenn das straf­ba­re Ver­hal­ten dau­ert, mit dem Tag, an dem die­ses Ver­hal­ten auf­hört.
2. Voll­stre­ckungs­ver­jäh­rung.
30 Jah­ren, wenn ei­ne le­bens­läng­li­che Frei­heits­s­tra­fe aus­ge­spro­chen wur­de;
25 Jah­ren, wenn ei­ne Frei­heits­s­tra­fe von zehn oder mehr Jah­ren aus­ge­spro­chen wur­de;
20 Jah­ren, wenn ei­ne Frei­heits­s­tra­fe von min­des­tens fünf und we­ni­ger als zehn Jah­ren aus­ge­spro­chen wur­de;
15 Jah­ren, wenn ei­ne Frei­heits­s­tra­fe von mehr als ein und we­ni­ger als fünf Jah­ren aus­ge­spro­chen wur­de;
fünf Jah­ren, wenn ei­ne an­de­re Stra­fe aus­ge­spro­chen wur­de.
2Die Ver­jäh­rungs­frist ei­ner Frei­heits­s­tra­fe ver­län­gert sich:
um die Zeit, wäh­rend der sich der Tä­ter im un­un­ter­bro­che­nen Voll­zug die­ser oder ei­ner an­de­ren Frei­heits­s­tra­fe oder Mass­nah­me, die un­mit­tel­bar vor­aus­ge­hend voll­zo­gen wird, be­fin­det;
um die Dau­er der Pro­be­zeit bei be­ding­ter Ent­las­sung.
3Die Ne­ben­stra­fe der De­gra­da­ti­on ist un­ver­jähr­bar.
Die Ver­jäh­rung be­ginnt mit dem Tag, an dem das Ur­teil recht­lich voll­streck­bar wird. Bei der be­ding­ten Stra­fe oder beim vor­aus­ge­hen­den Voll­zug ei­ner Mass­nah­me be­ginnt sie mit dem Tag, an dem der Voll­zug der Stra­fe an­ge­ord­net wird.
3. Un­ver­jähr­bar­keit
1Kei­ne Ver­jäh­rung tritt ein für:
Völ­ker­mord (Art. 108);
Ver­bre­chen ge­gen die Mensch­lich­keit (Art. 109 Abs. 1 und 2);
Kriegs­ver­bre­chen (Art. 111 Abs. 1-3, 112 Abs. 1 und 2, 112a Abs. 1 und 2, 112b, 112cAbs. 1 und 2 und 112d);
Ver­bre­chen, die als Mit­tel zu Er­pres­sung oder Nö­ti­gung Leib und Le­ben vie­ler Men­schen in Ge­fahr brach­ten oder zu brin­gen droh­ten, na­ment­lich un­ter Ver­wen­dung von Mas­sen­ver­nich­tungs­mit­teln, durch Aus­lö­sen von Ka­ta­stro­phen oder durch Gei­sel­nah­me;
se­xu­el­le Nö­ti­gung (Art. 153), Ver­ge­wal­ti­gung (Art. 154), Schän­dung (Art. 155), se­xu­el­le Hand­lun­gen mit Kin­dern (Art. 156 Ziff. 1) und Aus­nüt­zung der mi­li­tä­ri­schen Stel­lung (Art. 157), wenn sie an Kin­dern un­ter 12 Jah­ren be­gan­gen wur­den.2
2Wä­re die Straf­ver­fol­gung bei An­wen­dung der Ar­ti­kel 55 und 56 ver­jährt, so kann das Ge­richt die Stra­fe mil­dern.
3Die Ab­sät­ze 1 Buch­sta­ben a, c und d so­wie 2 gel­ten, wenn die Straf­ver­fol­gung oder die Stra­fe am 1. Ja­nu­ar 1983 nach dem bis zu je­nem Zeit­punkt gel­ten­den Recht noch nicht ver­jährt war. Ab­satz 1 Buch­sta­be b gilt, wenn die Straf­ver­fol­gung oder die Stra­fe beim In­kraft­tre­ten der Än­de­rung vom 18. Ju­ni 2010 die­ses Ge­set­zes nach bis­he­ri­gem Recht noch nicht ver­jährt war. Ab­satz 1 Buch­sta­be e gilt, wenn die Straf­ver­fol­gung oder die Stra­fe am 30. No­vem­ber 2008 nach dem bis zu je­nem Zeit­punkt gel­ten­den Recht noch nicht ver­jährt war.34
1 Ein­ge­fügt durch Ziff. I 3 des BG vom 15. Ju­ni 2012 (Un­ver­jähr­bar­keit se­xu­el­ler und por­no­gra­fi­scher Straf­ta­ten an Kin­dern vor der Pu­ber­tät), in Kraft seit 1. Jan. 2013 (AS20125951; BBl20115977).
3 Drit­ter Satz ein­ge­fügt durch Ziff. I 3 des BG vom 15. Ju­ni 2012 (Un­ver­jähr­bar­keit se­xu­el­ler und por­no­gra­fi­scher Straf­ta­ten an Kin­dern vor der Pu­ber­tät), in Kraft seit 1. Jan. 2013 (AS20125951; BBl20115977).
4 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I 2 des BG vom 18. Ju­ni 2010 über die Än­de­rung von Bun­des­ge-set­zen zur Um­set­zung des Rö­mer Sta­tuts des In­ter­na­tio­na­len Straf­ge­richts­hofs, in Kraft seit 1. Jan. 2011 (AS20104963; BBl20083863).
Sechster Titel: Verantwortlichkeit des Unternehmens
Straf­bar­keit
1Wird in ei­nem Un­ter­neh­men in Aus­übung ge­schäft­li­cher Ver­rich­tung im Rah­men des Un­ter­neh­mens­zwecks ein Ver­bre­chen oder Ver­ge­hen be­gan­gen und kann die­se Tat we­gen man­gel­haf­ter Or­ga­ni­sa­ti­on des Un­ter­neh­mens kei­ner be­stimm­ten na­tür­li­chen Per­son zu­ge­rech­net wer­den, so wird das Ver­bre­chen oder Ver­ge­hen dem Un­ter­neh­men zu­ge­rech­net. In die­sem Fall wird das Un­ter­neh­men mit Bus­se bis zu 5 Mil­lio­nen Fran­ken be­straft.
2Han­delt es sich da­bei um ei­ne Straf­tat nach den Ar­ti­keln 141 oder 141a, so wird das Un­ter­neh­men un­ab­hän­gig von der Straf­bar­keit na­tür­li­cher Per­so­nen be­straft, wenn dem Un­ter­neh­men vor­zu­wer­fen ist, dass es nicht al­le er­for­der­li­chen und zu­mut­ba­ren or­ga­ni­sa­to­ri­schen Vor­keh­ren ge­trof­fen hat, um ei­ne sol­che Straf­tat zu ver­hin­dern.
3Das Ge­richt be­misst die Bus­se ins­be­son­de­re nach der Schwe­re der Tat und der Schwe­re des Or­ga­ni­sa­ti­ons­man­gels und des an­ge­rich­te­ten Scha­dens so­wie nach der wirt­schaft­li­chen Leis­tungs­fä­hig­keit des Un­ter­neh­mens.
4Als Un­ter­neh­men im Sin­ne die­ses Ti­tels gel­ten:
ju­ris­ti­sche Per­so­nen des Pri­vat­rechts;
ju­ris­ti­sche Per­so­nen des öf­fent­li­chen Rechts mit Aus­nah­me der Ge­biets­kör­per­schaf­ten;
Ge­sell­schaf­ten;
Ein­zel­fir­men.
Straf­ver­fah­ren
1In ei­nem Straf­ver­fah­ren ge­gen das Un­ter­neh­men wird die­ses von ei­ner ein­zi­gen Per­son ver­tre­ten, die un­ein­ge­schränkt zur Ver­tre­tung des Un­ter­neh­mens in zi­vil­recht­li­chen An­ge­le­gen­hei­ten be­fugt ist. Be­stellt das Un­ter­neh­men nicht in­nert an­ge­mes­se­ner Frist einen der­ar­ti­gen Ver­tre­ter, so be­stimmt die Un­ter­su­chungs­be­hör­de oder das Ge­richt, wer von den zur zi­vil­recht­li­chen Ver­tre­tung be­fug­ten Per­so­nen das Un­ter­neh­men im Straf­ver­fah­ren ver­tritt.
2Der Per­son, die das Un­ter­neh­men im Straf­ver­fah­ren ver­tritt, kom­men die glei­chen Rech­te und Pflich­ten wie ei­nem Be­schul­dig­ten zu. Die an­dern Per­so­nen nach Ab­satz 1 sind im Straf­ver­fah­ren ge­gen das Un­ter­neh­men nicht zur Aus­sa­ge ver­pflich­tet.
3Wird ge­gen die Per­son, die das Un­ter­neh­men im Straf­ver­fah­ren ver­tritt, we­gen des glei­chen oder ei­nes da­mit zu­sam­men­hän­gen­den Sach­ver­halts ei­ne Stra­fun­ter­su­chung er­öff­net, so ist vom Un­ter­neh­men ein an­de­rer Ver­tre­ter zu be­zeich­nen. Nö­ti­gen­falls be­stimmt die Un­ter­su­chungs­be­hör­de oder das Ge­richt zur Ver­tre­tung ei­ne an­de­re Per­son nach Ab­satz 1 oder, so­fern ei­ne sol­che nicht zur Ver­fü­gung steht, ei­ne ge­eig­ne­te Dritt­per­son.
Siebter Titel: Übertretungen
Über­tre­tun­gen sind Ta­ten, die mit Bus­se be­droht sind.
An­wend­bar­keit der Be­stim­mun­gen des Ers­ten Teils
Die Be­stim­mun­gen des Ers­ten Teils gel­ten mit den nach­fol­gen­den Än­de­run­gen auch für die Über­tre­tun­gen.
Kei­ne oder be­ding­te An­wend­bar­keit
1Die Be­stim­mun­gen über die be­ding­ten und die teil­be­ding­ten Stra­fen (Art. 36 und 37), über die Lan­des­ver­wei­sung (Art. 49a-49c) so­wie über die Ver­ant­wort­lich­keit des Un­ter­neh­mens (Art. 59a und 59b) sind bei Über­tre­tun­gen nicht an­wend­bar.1
2Ver­such und Ge­hil­fen­schaft wer­den nur in den vom Ge­setz aus­drück­lich be­stimm­ten Fäl­len be­straft.
3Frei­heits­ent­zie­hen­de Mass­nah­men (Art. 59-61 und 64 des Straf­ge­setz­buchs2), das Tä­tig­keits­ver­bot (Art. 50), das Kon­takt- und Ray­on­ver­bot (Art. 50b) so­wie die Ver­öf­fent­li­chung des Ur­teils (Art. 50f) sind nur in den vom Ge­setz aus­drück­lich be­stimm­ten Fäl­len zu­läs­sig.3
1 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I 2 des BG vom 20. März 2015 (Um­set­zung von Art. 121 Abs. 3-6 BV über die Aus­schaf­fung kri­mi­nel­ler Aus­län­de­rin­nen und Aus­län­der), in Kraft seit 1. Okt. 2016 (AS20162329; BBl20135975).
3 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I 2 des BG vom 13. Dez. 2013 über das Tä­tig­keits­ver­bot und das Kon­takt- und Ray­on­ver­bot, in Kraft seit 1. Jan. 2015 (AS20142055; BBl2012 8819).
Art. 60c Busse
1Be­stimmt es das Ge­setz nicht an­ders, so ist der Höchst­be­trag der Bus­se 10 000 Fran­ken.
2Der Rich­ter spricht im Ur­teil für den Fall, dass die Bus­se schuld­haft nicht be­zahlt wird, ei­ne Er­satz­frei­heits­s­tra­fe von min­des­tens ei­nem Tag und höchs­tens drei Mo­na­ten aus.
3Das Ge­richt be­misst Bus­se und Er­satz­frei­heits­s­tra­fe je nach den Ver­hält­nis­sen des Tä­ters so, dass die­ser die Stra­fe er­lei­det, die sei­nem Ver­schul­den an­ge­mes­sen ist.
4Die Er­satz­frei­heits­s­tra­fe ent­fällt, so­weit die Bus­se nach­träg­lich be­zahlt wird.
5Auf den Voll­zug und die Um­wand­lung sind die Ar­ti­kel 29 und 30 Ab­sät­ze 2-5 sinn­ge­mä­ss an­wend­bar.
Die Straf­ver­fol­gung und die Stra­fe ver­jäh­ren in drei Jah­ren.
Zweiter Teil: Von den einzelnen Verbrechen oder Vergehen
Erster Abschnitt: Verletzung der Pflicht der militärischen Unterordnung
Un­ge­hor­sam
1Wer vor­sätz­lich ei­nem an ihn oder an sei­ne Trup­pe ge­rich­te­ten Be­fehl in Dienst­sa­chen nicht ge­horcht, wird mit Frei­heits­s­tra­fe bis zu drei Jah­ren oder Geld­stra­fe be­straft.
2Han­delt der Tä­ter fahr­läs­sig, so kann auf Bus­se er­kannt wer­den.
3In leich­ten Fäl­len er­folgt dis­zi­pli­na­ri­sche Be­stra­fung.
4In Kriegs­zei­ten kann auf Frei­heits­s­tra­fe er­kannt wer­den. Er­folgt der Un­ge­hor­sam vor dem Feind, so kann auf le­bens­läng­li­che Frei­heits­s­tra­fe er­kannt wer­den.
1 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. IV Bst. b des BG vom 3. Okt. 2003 (Re­vi­si­on der Dis­zi­pli­nar­stra­f­ord­nung), in Kraft seit 1. März 2004 (AS2004921; BBl20027859).
Tät­lich­kei­ten, Dro­hung
1Wer einen Vor­ge­setz­ten oder einen Hö­he­ren be­droht oder tät­lich an­greift, wird mit Frei­heits­s­tra­fe bis zu drei Jah­ren oder Geld­stra­fe1 be­straft.2
2In leich­ten Fäl­len er­folgt dis­zi­pli­na­ri­sche Be­stra­fung.
3In Kriegs­zei­ten kann auf Frei­heits­s­tra­fe3 bis zu fünf Jah­ren er­kannt wer­den.4
1 Aus­druck ge­mä­ss Ziff. II 1 Abs. 2 des BG vom 21. März 2003, in Kraft seit 1. Jan. 2007 (AS20063389; BBl19991979). Die­se Änd. wur­de im gan­zen zwei­ten Teil des ers­ten Bu­ches be­rück­sich­tigt.
2 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I 2 des BG vom 23. März 1979, in Kraft seit 1. Jan. 1980 (AS19791037; BBl1977II 1).
3 Aus­druck ge­mä­ss Ziff. II 1 Abs. 1 des BG vom 21. März 2003, in Kraft seit 1. Jan. 2007 (AS20063389; BBl19991979). Die­se Änd. wur­de im gan­zen zwei­ten Teil des ers­ten Bu­ches be­rück­sich­tigt.
4 Ein­ge­fügt durch Ziff. I 2 des BG vom 23. März 1979, in Kraft seit 1. Jan. 1980 (AS19791037; BBl1977II 1).
Meu­te­rei
1. Wenn meh­re­re in ge­mein­sa­mem Vor­ge­hen durch Zu­sam­men­rot­tung oder in an­de­rer Wei­se sich an Ge­hor­sams­ver­wei­ge­rung oder an Dro­hun­gen oder Tät­lich­kei­ten ge­gen Vor­ge­setz­te oder Hö­he­re be­tei­li­gen, so wird je­der Teil­neh­mer mit Frei­heits­s­tra­fe oder Geld­stra­fe1 be­straft.
In leich­ten Fäl­len er­folgt dis­zi­pli­na­ri­sche Be­stra­fung.
Die Rä­dels­füh­rer wer­den schwe­rer be­straft, eben­so Of­fi­zie­re und Un­ter­of­fi­zie­re, die an der Meu­te­rei teil­ge­nom­men ha­ben.
2. Wird die Meu­te­rei vor dem Fein­de be­gan­gen, so kann auf le­bens­läng­li­che Frei­heits­s­tra­fe er­kannt wer­den.2
1 Aus­druck ge­mä­ss Ziff. II 1 Abs. 15 des BG vom 21. März 2003, in Kraft seit 1. Jan. 2007 (AS20063389; BBl19991979). Die­se Änd. wur­de im gan­zen zwei­ten Teil des ers­ten Bu­ches be­rück­sich­tigt.
2 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I des BG vom 20. März 1992, in Kraft seit 1. Sept. 1992 (AS19921679; BBl1991II 1462, IV 184).
Vor­be­rei­tung der Meu­te­rei
1. Wenn meh­re­re sich ver­ei­ni­gen oder ver­ab­re­den, um ei­ne Meu­te­rei vor­zu­be­rei­ten, so wird je­der Teil­neh­mer mit Frei­heits­s­tra­fe bis zu drei Jah­ren oder Geld­stra­fe be­straft.
2. In Kriegs­zei­ten kann auf Frei­heits­s­tra­fe er­kannt wer­den.
Ver­bre­chen oder Ver­ge­hen ge­gen ei­ne Wa­che
Un­ge­hor­sam, Tät­lich­kei­ten, Dro­hun­gen, Meu­te­rei oder Vor­be­rei­tung ei­ner Meu­te­rei, die sich ge­gen ei­ne mi­li­tä­ri­sche Wa­che rich­ten, wer­den gleich be­straft, wie wenn die Hand­lung ge­gen­über ei­nem Vor­ge­setz­ten oder ei­nem Hö­hern be­gan­gen wor­den wä­re.
Zweiter Abschnitt: Missbrauch der Dienstgewalt
Miss­brauch der Be­fehls­ge­walt
1Wer die ihm zu­ste­hen­de Be­fehls­ge­walt über einen Un­ter­ge­be­nen zu Be­feh­len oder zu Be­geh­ren miss­braucht, die in kei­ner Be­zie­hung zum Diens­te ste­hen, wird mit Frei­heits­s­tra­fe bis zu drei Jah­ren oder Geld­stra­fe be­straft.
Über­schrei­tung der Straf­ge­walt
1Wer die ihm zu­ste­hen­de Dis­zi­pli­nar­straf­ge­walt über­schrei­tet, wird mit Frei­heits­s­tra­fe bis zu drei Jah­ren oder Geld­stra­fe be­straft.
Un­ter­drückung ei­ner Be­schwer­de
1. Wer ei­ne von ei­nem Un­ter­ge­be­nen ein­ge­reich­te Be­schwer­de oder ei­ne Straf­an­zei­ge, in der Ab­sicht, sie zu un­ter­drücken, zu­rück­be­hält oder ganz oder teil­wei­se be­sei­tigt,
wer über ei­ne Be­schwer­de oder ei­ne Straf­an­zei­ge wis­sent­lich einen un­wah­ren Be­richt er­stat­tet,
wird mit Frei­heits­s­tra­fe bis zu drei Jah­ren oder Geld­stra­fe be­straft.
2. In leich­ten Fäl­len er­folgt dis­zi­pli­na­ri­sche Be­stra­fung.
Be­fehl­san­mas­sung
1Wer, oh­ne Be­fehls- oder Straf­ge­walt zu be­sit­zen, sich ei­ne sol­che Ge­walt an­masst, wird mit Frei­heits­s­tra­fe bis zu drei Jah­ren oder Geld­stra­fe be­straft.
Ge­fähr­dung ei­nes Un­ter­ge­be­nen
1Wer oh­ne ge­nü­gen­de dienst­li­che Ver­an­las­sung das Le­ben oder die Ge­sund­heit ei­nes Un­ter­ge­be­nen ernst­lich ge­fähr­det, wird mit Frei­heits­s­tra­fe bis zu drei Jah­ren oder Geld­stra­fe be­straft.
1Wer einen Un­ter­ge­be­nen oder einen im Ran­ge Nach­ste­hen­den tät­lich an­greift oder be­droht, wird mit Frei­heits­s­tra­fe bis zu drei Jah­ren oder Geld­stra­fe be­straft.
Dritter Abschnitt: Dienstverletzungen
Nicht­be­fol­gung von Dienst­vor­schrif­ten
1Wer vor­sätz­lich ein Re­gle­ment oder ei­ne an­de­re Dienst­vor­schrift nicht be­folgt, wird mit Geld­stra­fe be­straft.2
4In Kriegs­zei­ten kann auf Frei­heits­s­tra­fe oder auf Geld­stra­fe er­kannt wer­den.
2 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. II 2 des BG vom 19. Ju­ni 2015 (Än­de­run­gen des Sank­tio­nen­rechts), in Kraft seit 1. Jan. 2018 (AS 2016 1249; BBl 2012 4721).
Miss­brauch und Ver­schleu­de­rung von Ma­te­ri­al
1. Wer Waf­fen, Mu­ni­ti­on, Aus­rüs­tungs­ge­gen­stän­de, Pfer­de, Fahr­zeu­ge oder an­de­re ihm dienst­lich an­ver­trau­te oder über­las­se­ne Sa­chen miss­bräuch­lich ver­wen­det, ver­äus­sert, ver­pfän­det, bei­sei­te schafft, im Sti­che lässt, vor­sätz­lich oder fahr­läs­sig be­schä­digt, Scha­den neh­men oder zu­grun­de ge­hen lässt,
wer sol­che ihm zu­gäng­li­che Sa­chen miss­bräuch­lich ver­wen­det,
wird, so­fern kei­ne an­de­re Straf­be­stim­mung zu­trifft, mit Frei­heits­s­tra­fe bis zu drei Jah­ren oder Geld­stra­fe be­straft.
3. In Kriegs­zei­ten kann auf Frei­heits­s­tra­fe er­kannt wer­den.
Feig­heit
Wer vor dem Fein­de aus Feig­heit sich ver­steckt hält, flieht oder ei­gen­mäch­tig sei­nen Pos­ten ver­lässt, wird mit le­bens­läng­li­cher Frei­heits­s­tra­fe oder mit Frei­heits­s­tra­fe2 be­straft.
1 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I des BG vom 20. März 1992, in Kraft seit 1. Sept. 1992 (AS19921679; BBl1991II 1462, IV 184).
2 Aus­druck ge­mä­ss Ziff. II 1 Abs. 16 des BG vom 21. März 2003, in Kraft seit 1. Jan. 2007 (AS20063389; BBl19991979). Die­se Änd. wur­de im gan­zen zwei­ten Teil des ers­ten Bu­ches be­rück­sich­tigt.
Ka­pi­tu­la­ti­on
Der Kom­man­dant ei­ner Fes­tung oder ei­nes an­dern be­fes­tig­ten Plat­zes, der ka­pi­tu­liert, oh­ne zu­vor al­le Ver­tei­di­gungs­mit­tel er­schöpft zu ha­ben,
der Kom­man­dant ei­ner Trup­pe, der im Kampf sei­nen Pos­ten ver­lässt oder sich mit sei­ner Trup­pe er­gibt, oh­ne zu­vor al­les ge­tan zu ha­ben, was die Er­fül­lung sei­ner Dienst­pflicht von ihm er­for­der­te,
wird mit le­bens­läng­li­cher Frei­heits­s­tra­fe oder mit Frei­heits­s­tra­fe be­straft.
Wacht­ver­bre­chen oder -ver­ge­hen
1. Wer sich vor­sätz­lich oder fahr­läs­sig aus­ser­stand setzt, sei­ne Dienst­pflich­ten als Wa­che zu er­fül­len,
wer ei­gen­mäch­tig sei­nen Wacht­pos­ten ver­lässt oder sonst den Vor­schrif­ten über den Wacht­dienst zu­wi­der­han­delt,
3. In Kriegs­zei­ten kann auf Frei­heits­s­tra­fe er­kannt wer­den. Auf le­bens­läng­li­che Frei­heits­s­tra­fe kann er­kannt wer­den, wenn die Tat vor­sätz­lich vor dem Feind er­folgt.1
1. Wer ein Ge­heim­nis of­fen­bart, das ihm in dienst­li­cher oder amt­li­cher Ei­gen­schaft an­ver­traut wird, oder das er in sei­ner dienst­li­chen oder amt­li­chen Stel­lung wahr­nimmt, wird mit Frei­heits­s­tra­fe bis zu drei Jah­ren oder Geld­stra­fe be­straft.
2. Die Ver­let­zung des Dienst- oder Amts­ge­heim­nis­ses ist auch nach Be­en­di­gung des dienst­li­chen oder amt­li­chen Ver­hält­nis­ses straf­bar.
1 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I des BG vom 13. Ju­ni 1941, in Kraft seit 1. Jan. 1942 (AS571269; BBl1940997).
Fäl­schung dienst­li­cher Ak­ten­stücke
1. Wer ein Ak­ten­stück, das dienst­li­che Be­deu­tung hat, fälscht oder ver­fälscht, die ech­te Un­ter­schrift oder das ech­te Hand­zei­chen ei­nes an­dern zur Her­stel­lung ei­ner sol­chen un­wah­ren Ur­kun­de be­nützt oder ei­ne recht­lich er­heb­li­che Tat­sa­che un­rich­tig be­ur­kun­det oder be­ur­kun­den lässt,
wer ei­ne von ei­nem Drit­ten her­ge­stell­te Ur­kun­de die­ser Art zur Täu­schung ge­braucht,
wer ein Ak­ten­stück, das dienst­li­che Be­deu­tung hat, un­be­fugt un­ter­drückt oder be­sei­tigt,
Nich­t­an­zei­ge von Ver­bre­chen oder Ver­ge­hen
1Wer von dem Vor­ha­ben ei­ner Meu­te­rei (Art. 63), ei­nes Aus­reis­sens (Art. 831) oder ei­ner Ver­rä­te­rei (Art. 86-91) Kennt­nis er­hält und die Er­stat­tung ei­ner An­zei­ge un­ter­lässt, wird, wenn die Tat aus­ge­führt oder ver­sucht wur­de, mit Frei­heits­s­tra­fe bis zu drei Jah­ren oder Geld­stra­fe be­straft.
3Steht der Tä­ter in so na­hen Be­zie­hun­gen zu dem Be­güns­tig­ten, dass sein Ver­hal­ten ent­schuld­bar ist, so bleibt er straf­los.
1 Heu­te: Art. 81.
Trun­ken­heit
1. Wer in ei­nem Zu­stand der Trun­ken­heit öf­fent­li­ches Är­ger­nis er­regt, wird mit Geld­stra­fe bis zu 90 Ta­ges­sät­zen1 be­straft.
2. Wer in­fol­ge selbst­ver­schul­de­ter Trun­ken­heit oder Be­täu­bung un­zu­rech­nungs­fä­hig ist und in die­sem Zu­stand ei­ne als Ver­bre­chen oder Ver­ge­hen be­droh­te Tat ver­übt, wird mit Geld­stra­fe be­straft.2
Hat der Tä­ter in die­sem selbst­ver­schul­de­ten Zu­stand ei­ne mit Frei­heits­s­tra­fe als ein­zi­ger Stra­fe be­droh­te Tat ver­übt, so ist die Stra­fe Frei­heits­s­tra­fe bis zu drei Jah­ren oder Geld­stra­fe.3
3. In leich­ten Fäl­len er­folgt dis­zi­pli­na­ri­sche Be­stra­fung.
1 Aus­druck ge­mä­ss Ziff. II 1 Abs. 11 des BG vom 21. März 2003, in Kraft seit 1. Jan. 2007 (AS20063389; BBl19991979). Die­se Änd. wur­de im gan­zen zwei­ten Teil des ers­ten Bu­ches be­rück­sich­tigt.
3 Fas­sung des zwei­ten Abs. ge­mä­ss Ziff. I des BG vom 20. März 1992, in Kraft seit 1. Sept. 1992 (AS19921679; BBl1991II 1462 IV 184).
Vierter Abschnitt: Verletzung der Pflicht zur Dienstleistung
Mi­li­tär­dienst­ver­wei­ge­rung und De­ser­ti­on
1Mit Frei­heits­s­tra­fe bis zu 18 Mo­na­ten oder Geld­stra­fe wird be­straft, wer in der Ab­sicht, den Mi­li­tär­dienst zu ver­wei­gern:
nicht am Ori­en­tie­rungs­tag oder an der Re­kru­tie­rung teil­nimmt;
ei­ne Mi­li­tär­dienst­leis­tung, zu der er auf­ge­bo­ten ist, nicht an­tritt;
sei­ne Trup­pe oder Dienst­stel­le oh­ne Er­laub­nis ver­lässt;
nach ei­ner recht­mäs­si­gen Ab­we­sen­heit nicht zu­rück­kehrt; oder
nach An­tritt der Mi­li­tär­dienst­leis­tung ei­nem an ihn ge­rich­te­ten Be­fehl in Dienst­sa­chen nicht ge­horcht.2
1bisFür ei­ne straf­ba­re Hand­lung nach Ab­satz 1 ist ei­ne Geld­stra­fe oder der Voll­zug in Form ge­mein­nüt­zi­ger Ar­beit bei gleich­zei­ti­gem Aus­schluss aus der Ar­mee nach Ar­ti­kel 49 aus­ge­schlos­sen.3
2Im Ak­tiv­dienst ist die Stra­fe Frei­heits­s­tra­fe oder Geld­stra­fe.
3Wer als An­ge­hö­ri­ger ei­ner re­li­gi­ösen Ge­mein­schaft aus re­li­gi­ösen Grün­den den Mi­li­tär­dienst ver­wei­gert und kein Ge­such um Zu­las­sung zum Zi­vil­dienst stellt, wird schul­dig er­klärt und zu ei­ner Ar­beits­leis­tung im öf­fent­li­chen In­ter­es­se ver­pflich­tet, de­ren Dau­er sich in der Re­gel nach Ar­ti­kel 8 des Zi­vil­dienst­ge­set­zes vom 6. Ok­to­ber 19954 rich­tet. Die Ar­beits­leis­tung wird im Rah­men und nach den Vor­schrif­ten des Zi­vil­diens­tes voll­zo­gen. Der Rich­ter kann den Tä­ter aus der Ar­mee aus­sch­lies­sen.
4Wer glaub­haft dar­legt, dass er den Aus­bil­dungs­dienst für einen hö­he­ren Grad mit sei­nem Ge­wis­sen nicht ver­ein­ba­ren kann, aber be­reit ist, im bis­he­ri­gen Grad Mi­li­tär­dienst zu leis­ten, wird zu ei­ner Ar­beits­leis­tung im öf­fent­li­chen In­ter­es­se ver­pflich­tet. Sie dau­ert in der Re­gel 1,1-mal so lan­ge wie der ver­wei­ger­te Aus­bil­dungs­dienst zur Er­rei­chung des hö­he­ren Gra­des und wird im Rah­men und nach den Vor­schrif­ten des Zi­vil­diens­tes voll­zo­gen.
5Der Bun­des­rat er­lässt die für den Voll­zug der Ar­beits­leis­tung nach den Ab­sät­zen 3 und 4 er­for­der­li­chen er­gän­zen­den Be­stim­mun­gen.
6Ar­ti­kel 84 bleibt vor­be­hal­ten.5
1 Fas­sung ge­mä­ss An­hang Ziff. 5 des Zi­vil­dienst­ge­set­zes vom 6. Okt. 1995, in Kraft seit 1. Okt. 1996 (AS19961445; BBl1994III 1609).
2 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. IV Bst. b des BG vom 3. Okt. 2003 (Re­vi­si­on der Dis­zi­pli­nar­stra­f­ord­nung), in Kraft seit 1. März 2004 (AS2004921; BBl20027859).
3 Ein­ge­fügt durch Ziff. IV Bst. b des BG vom 3. Okt. 2003 (Re­vi­si­on der Dis­zi­pli­nar­stra­f­ord­nung) (AS2004921; BBl20027859). Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I 2 des BG vom 19. Ju­ni 2015 (Än­de­run­gen des Sank­tio­nen­rechts), in Kraft seit 1. Jan. 2018 (AS 2016 1249; BBl 2012 4721).
4 SR824.0
5 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. II 2 des BG vom 25. Sept. 2015, in Kraft seit 1. Ju­li 2016 (AS20161883; BBl20146741).
Mi­li­tär­dienst­ver­säum­nis und un­er­laub­te Ent­fer­nung
1Mit Geld­stra­fe wird be­straft, wer oh­ne Ab­sicht, den Mi­li­tär­dienst zu ver­wei­gern:2
nach ei­ner recht­mäs­si­gen Ab­we­sen­heit nicht zu­rück­kehrt.3
3Im Ak­tiv­dienst ist die Stra­fe Frei­heits­s­tra­fe bis zu drei Jah­ren oder Geld­stra­fe.
4Stellt sich der Tä­ter nach­träg­lich aus ei­ge­nem An­trieb zum Dienst, so kann der Rich­ter die Stra­fe mil­dern (Art. 42a).4
5Ar­ti­kel 84 bleibt vor­be­hal­ten.5
3 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I des BG vom 3. Okt. 2003 (Re­vi­si­on der Dis­zi­pli­nar­stra­f­ord­nung), in Kraft seit 1. März 2004 (AS2004921; BBl20027859).
4 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. II 2 des BG vom 21. März 2003, in Kraft seit 1. Jan. 2007 (AS20063389; BBl19991979).
Fahr­läs­si­ges Mi­li­tär­dienst­ver­säum­nis
1Mit Bus­se2 wird be­straft, wer fahr­läs­sig:
3Im Ak­tiv­dienst kann der Rich­ter ei­ne Geld­stra­fe bis zu 90 Ta­ges­sät­zen ver­hän­gen.
4Ar­ti­kel 84 bleibt vor­be­hal­ten.4
2 Aus­druck ge­mä­ss Ziff. II 1 Abs. 5 des BG vom 21. März 2003, in Kraft seit 1. Jan. 2007 (AS20063389; BBl19991979). Die­se Änd. wur­de im gan­zen zwei­ten Teil des ers­ten Bu­ches be­rück­sich­tigt.
4 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. II 2 des BG vom 25. Sept. 2015, in Kraft seit 1. Ju­li 2016 (AS20161883; BBl20146741).
Ver­let­zung der Pflicht zur Dienst­leis­tung bei Zu­las­sung zum Zi­vil­dienst, Zu­wei­sung zum waf­fen­lo­sen Dienst und Dienst­un­taug­lich­keit
1Mit Bus­se wird be­straft, wer ein De­likt nach den Ar­ti­keln 81-83 be­geht, wenn er:
zum Zi­vil­dienst zu­ge­las­sen wird;
dem waf­fen­lo­sen Dienst zu­ge­wie­sen wird;
dienst­un­taug­lich er­klärt wird und die Dienst­un­taug­lich­keit be­reits im Zeit­punkt der Tat be­stan­den hat.
3Straf­los bleibt, wer im Zeit­punkt der Tat nicht ein­rückungs­fä­hig ge­we­sen ist.
1 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. II 2 des BG vom 25. Sept. 2015, in Kraft seit 1. Ju­li 2016 (AS20161883; BBl20146741).
Un­er­laub­tes Weg­blei­ben
Wer es in Kriegs­zei­ten un­ter­lässt, sich der Trup­pe, von wel­cher er ab­ge­kom­men ist, oder der nächs­ten Trup­pe wie­der an­zu­sch­lies­sen,
wer es wäh­rend der Dau­er der Kriegs­zeit un­ter­lässt, nach be­en­dig­ter Kriegs­ge­fan­gen­schaft sich un­ver­züg­lich bei ei­nem Trup­pen­tei­le oder bei ei­ner mi­li­tä­ri­schen Stel­le zu mel­den,
Fünfter Abschnitt: Verbrechen oder Vergehen gegen die Landesverteidigung und gegen die Wehrkraft des Landes
1. Ver­rat.
Spio­na­ge und lan­des­ver­rä­te­rische Ver­let­zung mi­li­tä­ri­scher Ge­heim­nis­se1
1. Wer Tat­sa­chen, Vor­keh­ren, Ver­fah­ren oder Ge­gen­stän­de, die mit Rück­sicht auf die Lan­des­ver­tei­di­gung ge­heim zu hal­ten sind, weil de­ren Auf­de­ckung die Auf­trags­er­fül­lung von we­sent­li­chen Tei­len der Ar­mee ge­fähr­den wür­de, aus­späht, um sie ei­nem frem­den Staa­te oder des­sen Agen­ten be­kannt oder zu­gäng­lich zu ma­chen,
wer vor­sätz­lich Tat­sa­chen, Vor­keh­ren, Ver­fah­ren oder Ge­gen­stän­de, die mit Rück­sicht auf die Lan­des­ver­tei­di­gung ge­heim zu hal­ten sind, weil de­ren Auf­de­ckung die Auf­trags­er­fül­lung von we­sent­li­chen Tei­len der Ar­mee ge­fähr­den wür­de, ei­nem frem­den Staa­te oder des­sen Agen­ten be­kannt oder zu­gäng­lich macht,
wird mit Frei­heits­s­tra­fe be­straft.2
2. Wer­den die­se Hand­lun­gen in ei­ner Zeit ver­übt, da Trup­pen zum ak­ti­ven Dienst auf­ge­bo­ten sind, so ist die Stra­fe Frei­heits­s­tra­fe nicht un­ter drei Jah­ren. Stört oder ge­fähr­det der Tä­ter durch die­se Hand­lun­gen die Un­ter­neh­mun­gen der schwei­ze­ri­schen Ar­mee, so kann auf le­bens­läng­li­che Frei­heits­s­tra­fe er­kannt wer­den.3
3. Han­delt der Tä­ter fahr­läs­sig, so ist die Stra­fe Frei­heits­s­tra­fe bis zu drei Jah­ren oder Geld­stra­fe.
1 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. II des BG vom 10. Okt. 1997, in Kraft seit 1. April 1998 (AS1998852 856; BBl1996IV 525).
2 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. II des BG vom 10. Okt. 1997, in Kraft seit 1. April 1998 (AS1998852 856; BBl1996IV 525).
3 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I des BG vom 20. März 1992, in Kraft seit 1. Sept. 1992 (AS19921679; BBl1991II 1462, IV 184).
Sa­bo­ta­ge
Wer der Ar­mee die­nen­de An­la­gen oder Sa­chen ver­nich­tet, be­schä­digt oder in ih­rer Ver­wen­dung ge­fähr­det,
wer ver­trag­lich über­nom­me­ne Leis­tun­gen für die Ar­mee nicht oder nicht ge­hö­rig er­füllt,
wer die Tä­tig­keit ei­ner Be­hör­de oder ei­nes Be­am­ten hin­dert, stört oder ge­fähr­det,
wer Be­klei­dungs- oder Aus­rüs­tungs­ge­gen­stän­de oder Ab­zei­chen der schwei­ze­ri­schen Ar­mee oder ih­rer Hilfs­or­ga­ni­sa­tio­nen her­stellt, sich ver­schafft, auf­be­wahrt, ver­wen­det oder ei­nem an­dern über­gibt
und da­durch wis­sent­lich die Lan­des­ver­tei­di­gung be­ein­träch­tigt oder ge­fähr­det,
wird mit Frei­heits­s­tra­fe bis zu drei Jah­ren oder Geld­stra­fe, in schwe­ren Fäl­len mit Frei­heits­s­tra­fe nicht un­ter ei­nem Jahr2 be­straft.
1 Ein­ge­fügt durch Ziff. I des BG vom 13. Ju­ni 1941 (AS571269; BBl1940997). Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I des BG vom 21. Dez. 1950, in Kraft seit 1. Ju­li 1951 (AS1951437; BBl1949II 137).
2 Aus­druck ge­mä­ss Ziff. II 1 Abs. 17 des BG vom 21. März 2003, in Kraft seit 1. Jan. 2007 (AS20063389; BBl19991979). Die­se Änd. wur­de im gan­zen zwei­ten Teil des ers­ten Bu­ches be­rück­sich­tigt.
Mi­li­tä­ri­scher Lan­des­ver­rat
1. Wer vor­sätz­lich in ei­ner Zeit, da Trup­pen zum ak­ti­ven Diens­te auf­ge­bo­ten sind, die Un­ter­neh­mun­gen der schwei­ze­ri­schen Ar­mee un­mit­tel­bar stört oder ge­fähr­det, wer ins­be­son­de­re der Ar­mee die­nen­de Ver­kehrs- oder Nach­rich­ten­mit­tel, An­la­gen oder Sa­chen be­schä­digt oder ver­nich­tet, oder den Be­trieb von An­stal­ten, die der Ar­mee die­nen, hin­dert oder stört, wird mit Frei­heits­s­tra­fe nicht un­ter drei Jah­ren be­straft.
2. Wer vor­sätz­lich in ei­ner Zeit, da Trup­pen zum ak­ti­ven Diens­te auf­ge­bo­ten sind, die Un­ter­neh­mun­gen der schwei­ze­ri­schen Ar­mee mit­tel­bar stört oder ge­fähr­det, wer ins­be­son­de­re die öf­fent­li­che Ord­nung stört oder Be­trie­be, die für die All­ge­mein­heit oder die Ar­mee­ver­wal­tung wich­tig sind, hin­dert oder stört, wird mit Frei­heits­s­tra­fe nicht un­ter sechs Mo­na­ten be­straft.1
3. In schwe­ren Fäl­len kann auf le­bens­läng­li­che Frei­heits­s­tra­fe er­kannt wer­den.2
4. Han­delt der Tä­ter fahr­läs­sig, so ist die Stra­fe Frei­heits­s­tra­fe bis zu drei Jah­ren oder Geld­stra­fe.
1 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. II 2 des BG vom 19. Ju­ni 2015 (Än­de­run­gen des Sank­tio­nen­rechts), in Kraft seit 1. Jan. 2018 (AS 2016 1249; BBl 2012 4721).
Frank­ti­reur
Wer in Kriegs­zei­ten Feind­se­lig­kei­ten ge­gen die schwei­ze­ri­sche Ar­mee un­ter­nimmt, oh­ne zu der von der Schweiz an­er­kann­ten be­waff­ne­ten Macht des Geg­ners zu ge­hö­ren, wird mit le­bens­läng­li­cher Frei­heits­s­tra­fe oder mit Frei­heits­s­tra­fe nicht un­ter drei Jah­ren be­straft.
Nach­rich­ten­ver­brei­tung
1Wer vor­sätz­lich in ei­ner Zeit, da Trup­pen zum ak­ti­ven Diens­te auf­ge­bo­ten sind, die Un­ter­neh­mun­gen der schwei­ze­ri­schen Ar­mee durch Ver­brei­tung un­wah­rer Nach­rich­ten stört oder ge­fähr­det, wird mit Frei­heits­s­tra­fe oder Geld­stra­fe nicht un­ter 60 Ta­ges­sät­zen1 be­straft.
2Han­delt der Tä­ter fahr­läs­sig, so ist die Stra­fe Frei­heits­s­tra­fe bis zu drei Jah­ren oder Geld­stra­fe.
1 Aus­druck ge­mä­ss Ziff. II 1 Abs. 19 des BG vom 21. März 2003, in Kraft seit 1. Jan. 2007 (AS 2006 3389; BBl 1999 1979). Die­se Änd. wur­de im gan­zen zwei­ten Teil des ers­ten Bu­ches be­rück­sich­tigt.
Waf­fen­hil­fe
1Der Schwei­zer, der, oh­ne da­zu ge­zwun­gen zu sein, in ei­nem Krieg die Waf­fen ge­gen die Eid­ge­nos­sen­schaft trägt oder in ei­ne feind­li­che Ar­mee ein­tritt, wird mit Frei­heits­s­tra­fe be­straft.
2In schwe­ren Fäl­len kann auf le­bens­läng­li­che Frei­heits­s­tra­fe er­kannt wer­den.
1 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. II 1 Abs. 25 des BG vom 21. März 2003, in Kraft seit 1. Jan. 2007 (AS20063389; BBl19991979).
Be­güns­ti­gung des Fein­des
1. Wer Ge­gen­stän­de, die der Lan­des­ver­tei­di­gung die­nen, dem Fein­de über­lie­fert,
wer durch Dienst­leis­tun­gen oder Lie­fe­run­gen den Feind be­güns­tigt,
wer bei ei­ner An­lei­he ei­nes mit der Schweiz im Krie­ge be­find­li­chen Staa­tes mit­wirkt oder auf sie zeich­net,
wird mit Frei­heits­s­tra­fe nicht un­ter sechs Mo­na­ten be­straft.1
2. In schwe­ren Fäl­len kann auf le­bens­läng­li­che Frei­heits­s­tra­fe er­kannt wer­den.2
2. Neu­tra­li­täts­ver­let­zun­gen.
Feind­se­lig­kei­ten ge­gen einen Krieg­füh­ren­den oder frem­de Trup­pen
Wer vom neu­tra­len Ge­biet der Schweiz aus Feind­se­lig­kei­ten ge­gen einen Krieg­füh­ren­den un­ter­nimmt oder un­ter­stützt,
wer Feind­se­lig­kei­ten ge­gen in die Schweiz zu­ge­las­se­ne frem­de Trup­pen un­ter­nimmt,
wird mit Frei­heits­s­tra­fe oder Geld­stra­fe be­straft.
Nach­rich­ten­dienst ge­gen frem­de Staa­ten
1. Wer im Ge­biet der Schweiz für einen frem­den Staat zum Nach­teil ei­nes an­dern frem­den Staa­tes mi­li­tä­ri­schen Nach­rich­ten­dienst be­treibt oder einen sol­chen Dienst ein­rich­tet,
wer für sol­che Diens­te an­wirbt oder ih­nen Vor­schub leis­tet,
wird mit Frei­heits­s­tra­fe bis zu drei Jah­ren oder Geld­stra­fe be­straft.1
2. In schwe­ren Fäl­len kann auf Frei­heits­s­tra­fe er­kannt wer­den.
3. Die Kor­re­spon­denz und das Ma­te­ri­al wer­den ein­ge­zo­gen.
3. Schwä­chung der Wehr­kraft.
Frem­der Mi­li­tär­dienst
1Der Schwei­zer, der oh­ne Er­laub­nis des Bun­des­ra­tes in frem­den Mi­li­tär­dienst ein­tritt, wird mit Frei­heits­s­tra­fe bis zu drei Jah­ren oder Geld­stra­fe be­straft.
2Der Schwei­zer, der noch ei­ne an­de­re Staats­zu­ge­hö­rig­keit be­sitzt, im an­dern Staa­te nie­der­ge­las­sen ist und dort Mi­li­tär­dienst leis­tet, bleibt straf­los.
3Wer einen Schwei­zer für frem­den Mi­li­tär­dienst an­wirbt oder der An­wer­bung Vor­schub leis­tet, wird mit Frei­heits­s­tra­fe bis zu drei Jah­ren oder mit Geld­stra­fe nicht un­ter 30 Ta­ges­sät­zen be­straft. Mit der Frei­heits­s­tra­fe ist Geld­stra­fe zu ver­bin­den2.
4In Kriegs­zei­ten kann auf Frei­heits­s­tra­fe er­kannt wer­den.
1 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I des BG vom 21. Dez. 1950, in Kraft seit 1. Ju­li 1951 (AS1951437; BBl1949II 137).
2 Aus­druck ge­mä­ss Ziff. II 1 Abs. 20 des BG vom 21. März 2003, in Kraft seit 1. Jan. 2007 (AS20063389; BBl19991979).
Ver­stüm­me­lung
1. Wer sich durch Ver­stüm­me­lung oder auf an­de­re Wei­se zur Er­fül­lung der Mi­li­tär­dienst­pflicht blei­bend oder zeit­wei­se, ganz oder zum Teil, un­taug­lich macht oder un­taug­lich ma­chen lässt,
wer einen an­dern, mit des­sen Ein­wil­li­gung, durch Ver­stüm­me­lung oder auf an­de­re Wei­se zur Er­fül­lung der Mi­li­tär­dienst­pflicht blei­bend oder zeit­wei­se, ganz oder zum Teil, un­taug­lich macht,
Dienst­pflicht­be­trug
1Wer in der Ab­sicht, sich oder einen an­dern der Er­fül­lung der Mi­li­tär­dienst­pflicht blei­bend oder zeit­wei­se zu ent­zie­hen, ge­gen­über den zu­stän­di­gen mi­li­tä­ri­schen oder bür­ger­li­chen Be­hör­den oder Stel­len auf Täu­schung be­rech­ne­te Mit­tel an­wen­det, wird mit Frei­heits­s­tra­fe bis zu drei Jah­ren oder Geld­stra­fe be­straft.
Ver­let­zung ver­trag­li­cher Leis­tungs­pflich­ten
1. Wer vor­sätz­lich in ei­ner Zeit, da Trup­pen zum Ak­tiv­diens­te auf­ge­bo­ten sind, ver­trag­lich über­nom­me­ne Leis­tun­gen für die Ar­mee nicht oder nicht ge­hö­rig er­füllt, wird mit Frei­heits­s­tra­fe bis zu fünf Jah­ren oder Geld­stra­fe2 be­straft.
Liegt der Nicht­er­fül­lung Fahr­läs­sig­keit zu­grun­de, so ist die Stra­fe Frei­heits­s­tra­fe bis zu drei Jah­ren oder Geld­stra­fe.
2. Die­sel­ben Stra­fen tref­fen Un­ter­lie­fe­ran­ten, Ver­mitt­ler oder An­ge­stell­te, die die Ver­let­zung des Ver­tra­ges ver­schul­den.
1 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I des BG vom 21. Dez. 1950, in Kraft seit 1. Ju­li 1951 (AS 1951 437; BBl 1949 II 137).
2 Aus­druck ge­mä­ss Ziff. II 1 Abs. 3 des BG vom 21. März 2003, in Kraft seit 1. Jan. 2007 (AS 2006 3389; BBl 1999 1979). Die­se Änd. wur­de im gan­zen zwei­ten Teil des ers­ten Bu­ches be­rück­sich­tigt.
4. Stö­rung der mi­li­tä­ri­schen Si­cher­heit.
Auf­for­de­rung und Ver­lei­tung zur Ver­let­zung mi­li­tä­ri­scher Dienst­pflich­ten
1. Wer öf­fent­lich zum Un­ge­hor­sam ge­gen mi­li­tä­ri­sche Be­feh­le, zu Dienst­ver­let­zung, zu Dienst­ver­wei­ge­rung oder zum Aus­reis­sen auf­for­dert,
wer einen Dienst­pflich­ti­gen zu ei­ner sol­chen Tat ver­lei­tet,
2. Geht die Auf­for­de­rung auf Aus­reis­sen im Ak­tiv­dienst, auf Meu­te­rei oder auf Vor­be­rei­tung ei­ner Meu­te­rei, oder wird zum Aus­reis­sen im Ak­tiv­dienst, zur Meu­te­rei oder zur Vor­be­rei­tung ei­ner Meu­te­rei ver­lei­tet, so ist die Stra­fe Frei­heits­s­tra­fe oder Geld­stra­fe.
3. Er­folgt die Auf­for­de­rung oder die Ver­lei­tung vor dem Fein­de, so wird der Tä­ter mit Frei­heits­s­tra­fe be­straft.
Un­ter­gra­bung der mi­li­tä­ri­schen Dis­zi­plin
Wer ei­ne Ver­ei­ni­gung grün­det, die bezweckt oder de­ren Tä­tig­keit dar­auf ge­rich­tet ist, die mi­li­tä­ri­sche Dis­zi­plin zu un­ter­gra­ben, ins­be­son­de­re Dienst­pflich­ti­ge zum Un­ge­hor­sam ge­gen mi­li­tä­ri­sche Be­feh­le, zur Dienst­ver­let­zung, zur Dienst­ver­wei­ge­rung oder zum Aus­reis­sen zu be­we­gen oder zu ver­lei­ten,
wer ei­ner sol­chen Ver­ei­ni­gung bei­tritt oder sich an ih­ren Be­stre­bun­gen be­tei­ligt,
wer zur Bil­dung sol­cher Ver­ei­ni­gun­gen auf­for­dert oder de­ren Wei­sun­gen be­folgt,
Stö­rung des Mi­li­tär­diens­tes
1Wer einen An­ge­hö­ri­gen der Ar­mee in der Aus­übung des Diens­tes hin­dert oder stört, wird mit Geld­stra­fe be­straft.2
2Im ak­ti­ven Dienst ist die Stra­fe Frei­heits­s­tra­fe bis zu drei Jah­ren oder Geld­stra­fe.
1 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I 2 des BG vom 23. März 1979, in Kraft seit 1. Jan. 1980 (AS19791037; BBl1977II 1).
Be­schimp­fung ei­nes An­ge­hö­ri­gen der Ar­mee
1Wer einen An­ge­hö­ri­gen der Ar­mee, die im ak­ti­ven Dienst steht, öf­fent­lich be­schimpft, wird mit Frei­heits­s­tra­fe bis zu drei Jah­ren oder Geld­stra­fe be­straft.
3Hat der Be­schimpf­te durch sein un­ge­bühr­li­ches Ver­hal­ten zu der Be­schimp­fung un­mit­tel­bar An­lass ge­ge­ben, so kann der Rich­ter den Tä­ter von Stra­fe be­frei­en.
Ver­brei­ten un­wah­rer Nach­rich­ten
Wer in ei­ner Zeit, da Trup­pen zum ak­ti­ven Diens­te auf­ge­bo­ten sind, wi­der bes­se­res Wis­sen un­wah­re Nach­rich­ten ver­brei­tet, in der Ab­sicht, die An­ord­nun­gen von Be­hör­den oder Trup­pen­kom­man­dan­ten zu stö­ren oder zu durch­kreu­zen, die Trup­pe zur Ver­wei­ge­rung des Ge­hor­sams zu ver­lei­ten oder bei der Be­völ­ke­rung Angst und Schre­cken zu ver­brei­ten, wird mit Frei­heits­s­tra­fe oder Geld­stra­fe be­straft.
Fäl­schung von Auf­ge­bo­ten oder Wei­sun­gen
1. Wer vor­sätz­lich ein mi­li­tä­ri­sches Auf­ge­bot oder ei­ne für Dienst­pflich­ti­ge be­stimm­te Wei­sung fälscht, ver­fälscht, un­ter­drückt oder be­sei­tigt,
wer ein ge­fälsch­tes oder ver­fälsch­tes Auf­ge­bot oder ei­ne sol­che Wei­sung ge­braucht,
2. Han­delt der Tä­ter fahr­läs­sig, so ist die Stra­fe Frei­heits­s­tra­fe bis zu drei Jah­ren oder Geld­stra­fe.
Ver­lei­tung von In­ter­nier­ten und Kriegs­ge­fan­ge­nen zur Ge­hor­sams­ver­wei­ge­rung
1Wer einen In­ter­nier­ten oder einen Kriegs­ge­fan­ge­nen zum Un­ge­hor­sam ge­gen mi­li­tä­ri­sche Be­feh­le oder zu ei­ner Dienst­ver­let­zung ver­lei­tet, wird mit Frei­heits­s­tra­fe bis zu drei Jah­ren oder Geld­stra­fe be­straft.
2Wer einen In­ter­nier­ten oder einen Kriegs­ge­fan­ge­nen zu Meu­te­rei oder zur Vor­be­rei­tung ei­ner Meu­te­rei ver­lei­tet, wird mit Frei­heits­s­tra­fe oder Geld­stra­fe be­straft.
Be­frei­ung von In­ter­nier­ten und Kriegs­ge­fan­ge­nen
1. Wer mit Ge­walt, Dro­hung oder List einen In­ter­nier­ten oder einen Kriegs­ge­fan­ge­nen be­freit oder ihm zur Flucht be­hilf­lich ist, wird mit Frei­heits­s­tra­fe bis zu drei Jah­ren oder Geld­stra­fe be­straft.
2. Wird die Tat von ei­nem zu­sam­men­ge­rot­te­ten Hau­fen be­gan­gen, so wird je­der, der an der Zu­sam­men­rot­tung teil­nimmt, mit Frei­heits­s­tra­fe bis zu drei Jah­ren oder Geld­stra­fe be­straft.
Der Teil­neh­mer, der Ge­walt an Per­so­nen oder Sa­chen ver­übt, wird mit Frei­heits­s­tra­fe bis zu drei Jah­ren oder Geld­stra­fe nicht un­ter 30 Ta­ges­sät­zen1 be­straft.
1 Aus­druck ge­mä­ss Ziff. II 1 Abs. 21 des BG vom 21. März 2003, in Kraft seit 1. Jan. 2007 (AS20063389; BBl19991979). Die­se Änd. wur­de im gan­zen zwei­ten Teil des ers­ten Bu­ches be­rück­sich­tigt.
Ver­let­zung mi­li­tä­ri­scher Ge­heim­nis­se
1Wer vor­sätz­lich Ak­ten oder Ge­gen­stän­de, Vor­keh­ren, Ver­fah­ren oder Tat­sa­chen, die mit Rück­sicht auf die Lan­des­ver­tei­di­gung oder auf­grund ver­trag­li­cher Ab­ma­chun­gen ge­heim zu hal­ten sind, weil de­ren Auf­de­ckung die Auf­trags­er­fül­lung von we­sent­li­chen Tei­len der Ar­mee ge­fähr­den wür­de, ver­öf­fent­licht oder auf an­de­re Wei­se Un­be­fug­ten be­kannt oder zu­gäng­lich macht, sol­che Ak­ten oder Ge­gen­stän­de wi­der­recht­lich an sich nimmt, ab­bil­det oder ver­viel­fäl­tigt, wird mit Frei­heits­s­tra­fe bis zu fünf Jah­ren oder Geld­stra­fe be­straft.2
2Im Fall ak­ti­ven Diens­tes ist die Stra­fe Frei­heits­s­tra­fe.
3Han­delt der Tä­ter fahr­läs­sig, so ist die Stra­fe Frei­heits­s­tra­fe bis zu drei Jah­ren oder Geld­stra­fe.
4In leich­ten Fäl­len er­folgt dis­zi­pli­na­ri­sche Be­stra­fung.3
1 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I des BG vom 5. Okt. 1967, in Kraft seit 1. März 1968 (AS1968212; BBl1967I 581).
2 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. II des BG vom 10. Okt. 1997, in Kraft seit 1. April 1998 (AS 1998 852 856; BBl 1996 IV 525).
3 Ein­ge­fügt durch Ziff. I 2 des BG vom 23. März 1979, in Kraft seit 1. Jan. 1980 (AS19791037; BBl1977II 1).
Un­ge­hor­sam ge­gen mi­li­tä­ri­sche und be­hörd­li­che Mass­nah­men
Wer vom Bun­des­ra­te, kan­to­na­len Re­gie­run­gen oder an­dern bür­ger­li­chen oder mi­li­tä­ri­schen zu­stän­di­gen Stel­len zur Wah­rung der mi­li­tä­ri­schen In­ter­es­sen oder der Neu­tra­li­tät oder in Aus­übung der Po­li­zei­ge­walt er­las­se­nen all­ge­mei­nen Be­feh­len oder be­kannt ge­mach­ten Ver­ord­nun­gen vor­sätz­lich oder fahr­läs­sig zu­wi­der­han­delt,
wer vor­sätz­lich be­son­dern An­ord­nun­gen oder Wei­sun­gen zu­wi­der­han­delt, die von ei­ner mi­li­tä­ri­schen Stel­le, ei­nem An­ge­hö­ri­gen der Ar­mee oder ei­ner bür­ger­li­chen Stel­le zur Wah­rung der mi­li­tä­ri­schen In­ter­es­sen er­las­sen sind,
wird, so­fern kei­ne an­de­re Straf­be­stim­mung zu­trifft, mit Frei­heits­s­tra­fe bis zu drei Jah­ren oder Geld­stra­fe, in leich­ten Fäl­len dis­zi­pli­na­risch be­straft.
Sechster Abschnitt: Völkermord und Verbrechen gegen die Menschlichkeit
Völ­ker­mord
Mit le­bens­läng­li­cher Frei­heits­s­tra­fe oder mit Frei­heits­s­tra­fe nicht un­ter zehn Jah­ren wird be­straft, wer, in der Ab­sicht, ei­ne durch ih­re Staats­an­ge­hö­rig­keit, Ras­se, Re­li­gi­on oder eth­ni­sche, so­zia­le oder po­li­ti­sche Zu­ge­hö­rig­keit ge­kenn­zeich­ne­te Grup­pe als sol­che ganz oder teil­wei­se zu ver­nich­ten:
Mit­glie­der die­ser Grup­pe tö­tet oder auf schwer­wie­gen­de Wei­se in ih­rer kör­per­li­chen oder geis­ti­gen Un­ver­sehrt­heit schä­digt;
Mit­glie­der der Grup­pe Le­bens­be­din­gun­gen un­ter­wirft, die ge­eig­net sind, die Grup­pe ganz oder teil­wei­se zu ver­nich­ten;
Mass­nah­men an­ord­net oder trifft, die auf die Ge­bur­ten­ver­hin­de­rung in­ner­halb der Grup­pe ge­rich­tet sind;
Kin­der der Grup­pe ge­walt­sam in ei­ne an­de­re Grup­pe über­führt oder über­füh­ren lässt.
Ver­bre­chen ge­gen die Mensch­lich­keit
j. An­de­re un­mensch­li­che Hand­lun­gen
1Mit Frei­heits­s­tra­fe nicht un­ter fünf Jah­ren, wird be­straft, wer im Rah­men ei­nes aus­ge­dehn­ten oder sys­te­ma­ti­schen An­griffs ge­gen die Zi­vil­be­völ­ke­rung:
a. Vor­sätz­li­che Tö­tung
einen Men­schen vor­sätz­lich tö­tet;
b. Aus­rot­tung
vie­le Men­schen vor­sätz­lich tö­tet oder der Be­völ­ke­rung in der Ab­sicht, sie ganz oder teil­wei­se zu ver­nich­ten, Le­bens­be­din­gun­gen auf­er­legt, die ge­eig­net sind, de­ren Ver­nich­tung her­bei­zu­füh­ren;
c. Ver­skla­vung
sich ein Ei­gen­tums­recht über einen Men­schen an­masst und über ihn ver­fügt, na­ment­lich in Form von Men­schen­han­del, se­xu­el­ler Aus­beu­tung oder Zwangs­ar­beit;
d. Frei­heits­be­rau­bung
ei­nem Men­schen un­ter Ver­sto­ss ge­gen die Grund­re­geln des Völ­ker­rechts in schwer­wie­gen­der Wei­se die Frei­heit ent­zieht;
e. Ver­schwin­den­las­sen von Per­so­nen
in der Ab­sicht, ei­ne Per­son für län­ge­re Zeit dem Schutz des Ge­set­zes zu ent­zie­hen:
im Auf­trag oder mit Bil­li­gung ei­nes Staa­tes oder ei­ner po­li­ti­schen Or­ga­ni­sa­ti­on der Per­son die Frei­heit ent­zieht, wo­bei in der Fol­ge die Aus­kunft über ihr Schick­sal oder ih­ren Ver­bleib ver­wei­gert wird, oder
im Auf­trag ei­nes Staa­tes oder ei­ner po­li­ti­schen Or­ga­ni­sa­ti­on oder ent­ge­gen ei­ner Rechts­pflicht die Aus­kunft über das Schick­sal oder den Ver­bleib die­ser Per­son ver­wei­gert;
f. Fol­ter
ei­nem un­ter sei­nem Ge­wahr­sam oder sei­ner Kon­trol­le ste­hen­den Men­schen gros­se Lei­den oder ei­ne schwe­re Schä­di­gung des Kör­pers oder der phy­si­schen oder psy­chi­schen Ge­sund­heit zu­fügt;
g. Ver­let­zung der se­xu­el­len Selbst­be­stim­mung
ei­ne Per­son weib­li­chen Ge­schlechts ver­ge­wal­tigt oder, nach­dem sie ge­gen ih­ren Wil­len ge­schwän­gert wur­de, ge­fan­gen hält in der Ab­sicht, die eth­ni­sche Zu­sam­men­set­zung ei­ner Be­völ­ke­rung zu be­ein­flus­sen, ei­ne Per­son zur Dul­dung ei­ner se­xu­el­len Hand­lung von ver­gleich­ba­rer Schwe­re oder zur Pro­sti­tu­ti­on nö­tigt oder sie zwangs­wei­se ste­ri­li­siert;
h. Ver­trei­bung oder zwangs­wei­se Über­füh­rung
Men­schen aus dem Ge­biet, in dem sie sich recht­mäs­sig auf­hal­ten, ver­treibt oder zwangs­wei­se an einen an­dern Ort über­führt;
i. Ver­fol­gung und Apart­heid
ei­ner Grup­pe von Men­schen aus po­li­ti­schen, ras­si­schen, eth­ni­schen, re­li­gi­ösen, so­zia­len oder an­de­ren völ­ker­rechts­wid­ri­gen Grün­den, im Zu­sam­men­hang mit ei­ner Tat nach dem sechs­ten Ab­schnitt oder dem sechs­ten Ab­schnittbis oder zwecks sys­te­ma­ti­scher Un­ter­drückung oder Be­herr­schung ei­ner ras­si­schen Grup­pe, in schwer­wie­gen­der Wei­se Grund­rech­te vor­ent­hält oder ent­zieht;
ei­ne an­de­re un­mensch­li­che Hand­lung von ver­gleich­ba­rer Schwe­re wie die in die­sem Ab­satz ge­nann­ten Ver­bre­chen ver­übt und da­durch ei­nem Men­schen gros­se Lei­den oder ei­ne schwe­re Schä­di­gung des Kör­pers oder der phy­si­schen oder psy­chi­schen Ge­sund­heit zu­fügt.
2In be­son­ders schwe­ren Fäl­len, na­ment­lich wenn die Tat vie­le Men­schen be­trifft oder der Tä­ter grau­sam han­delt, kann auf le­bens­läng­li­che Frei­heits­s­tra­fe er­kannt wer­den.
3In we­ni­ger schwe­ren Fäl­len nach Ab­satz 1 Buch­sta­ben c-j kann auf Frei­heits­s­tra­fe nicht un­ter ei­nem Jahr er­kannt wer­den.
Sechster Abschnitt : Kriegsverbrechen
Die Ar­ti­kel 112-114 fin­den An­wen­dung im Zu­sam­men­hang mit in­ter­na­tio­na­len be­waff­ne­ten Kon­flik­ten ein­sch­liess­lich Be­set­zun­gen so­wie, so­weit aus der Na­tur der Straf­ta­ten nichts an­de­res her­vor­geht, im Zu­sam­men­hang mit nicht in­ter­na­tio­na­len be­waff­ne­ten Kon­flik­ten.
2. Schwe­re Ver­let­zun­gen der Gen­fer Kon­ven­tio­nen
1Mit Frei­heits­s­tra­fe nicht un­ter fünf Jah­ren wird be­straft, wer im Zu­sam­men­hang mit ei­nem in­ter­na­tio­na­len be­waff­ne­ten Kon­flikt ei­ne schwe­re Ver­let­zung der Gen­fer Kon­ven­tio­nen vom 12. Au­gust 19492 durch ei­ne der fol­gen­den Hand­lun­gen ge­gen die nach die­sen Kon­ven­tio­nen ge­schütz­ten Per­so­nen oder Gü­ter be­geht:
Vor­sätz­li­che Tö­tung;
Gei­sel­nah­me;
Ver­ur­sa­chung gros­ser Lei­den oder schwe­re Schä­di­gung des Kör­pers oder der phy­si­schen oder psy­chi­schen Ge­sund­heit, na­ment­lich durch Fol­ter, un­mensch­li­che Be­hand­lung oder bio­lo­gi­sche Ver­su­che;
durch mi­li­tä­ri­sche Er­for­der­nis­se nicht ge­recht­fer­tig­te Zer­stö­rung oder An­eig­nung von Gut in gros­sem Aus­mass;
Nö­ti­gung zur Dienst­leis­tung in den Streit­kräf­ten ei­ner feind­li­chen Macht;
rechts­wid­ri­ge Ver­trei­bung, Über­füh­rung oder Ge­fan­gen­hal­tung;
Ver­wei­ge­rung des Rechts auf ein un­par­tei­isches or­dent­li­ches Ge­richts­ver­fah­ren vor Ver­hän­gung oder Voll­stre­ckung ei­ner schwe­ren Stra­fe.
2Hand­lun­gen nach Ab­satz 1, die im Zu­sam­men­hang mit ei­nem nicht in­ter­na­tio­na­len be­waff­ne­ten Kon­flikt be­gan­gen wer­den, sind den schwe­ren Ver­let­zun­gen des hu­ma­ni­tär­en Völ­ker­rechts gleich­ge­stellt, wenn sie ge­gen ei­ne nach dem hu­ma­ni­tär­en Völ­ker­recht ge­schütz­te Per­son oder ge­gen ein ge­schütz­tes Gut ge­rich­tet sind.
3In be­son­ders schwe­ren Fäl­len, na­ment­lich wenn die Tat vie­le Men­schen be­trifft oder der Tä­ter grau­sam han­delt, kann auf le­bens­läng­li­che Frei­heits­s­tra­fe er­kannt wer­den.
4In we­ni­ger schwe­ren Fäl­len nach Ab­satz 1 Buch­sta­ben c-g kann auf Frei­heits­s­tra­fe nicht un­ter ei­nem Jahr er­kannt wer­den.
2 Gen­fer Abk. vom 12. Aug. 1949 zur Ver­bes­se­rung des Lo­ses der Ver­wun­de­ten und Kran-ken der be­waff­ne­ten Kräf­te im Fel­de (GA I), SR0.518.12; Gen­fer Abk. vom 12. Aug. 1949 zur Ver­bes­se­rung des Lo­ses der Ver­wun­de­ten, Kran­ken und Schiff­brü­chi­gen der be­waff­ne­ten Kräf­te zur See (GA II), SR0.518.23; Gen­fer Abk. vom 12. Aug. 1949 über die Be­hand­lung der Kriegs­ge­fan­ge­nen (GA III), SR0.518.42; Gen­fer Abk. vom 12. Aug. 1949 über den Schutz von Zi­vil­per­so­nen in Kriegs­zei­ten (GA IV), SR 0.518.51.
3. An­de­re Kriegs­ver­bre­chen
a. An­grif­fe ge­gen zi­vi­le Per­so­nen und Ob­jek­te
1Mit Frei­heits­s­tra­fe nicht un­ter drei Jah­ren wird be­straft, wer im Zu­sam­men­hang mit ei­nem be­waff­ne­ten Kon­flikt einen An­griff rich­tet:
ge­gen die Zi­vil­be­völ­ke­rung als sol­che oder ge­gen Zi­vil­per­so­nen, die an den Feind­se­lig­kei­ten nicht un­mit­tel­bar teil­neh­men;
ge­gen Per­so­nen, Ein­rich­tun­gen, Ma­te­ri­al oder Fahr­zeu­ge, die Teil ei­ner hu­ma­ni­tär­en Hilfs­mis­si­on oder ei­ner frie­den­ser­hal­ten­den Missi­on in Über­ein­stim­mung mit der Char­ta der Ver­ein­ten Na­tio­nen vom 26. Ju­ni 19452 sind, so­lan­ge sie vom hu­ma­ni­tär­en Völ­ker­recht ge­schützt sind;
ge­gen zi­vi­le Ob­jek­te, un­ver­tei­dig­te Sied­lun­gen oder Ge­bäu­de oder ge­gen ent­mi­li­ta­ri­sier­te Zo­nen, die kein mi­li­tä­ri­sches Ziel dar­stel­len;
ge­gen Sa­ni­täts­ein­hei­ten, Ge­bäu­de, Ma­te­ri­al oder Fahr­zeu­ge, die ein Schutz­zei­chen des hu­ma­ni­tär­en Völ­ker­rechts ver­wen­den oder de­ren ge­schütz­ter Cha­rak­ter auch oh­ne Schutz­zei­chen er­kenn­bar ist, Kran­ken­häu­ser oder Sam­mel­plät­ze für Kran­ke und Ver­wun­de­te;
ge­gen Kul­tur­gut oder mit sei­nem Schutz be­trau­te Per­so­nen oder sei­nem Trans­port die­nen­de Fahr­zeu­ge, ge­gen Ge­bäu­de, die re­li­gi­ösen Hand­lun­gen, der Kunst, Er­zie­hung, Wis­sen­schaft oder Wohl­tä­tig­keit die­nen, so­lan­ge sie vom hu­ma­ni­tär­en Völ­ker­recht ge­schützt sind.
2In be­son­ders schwe­ren Fäl­len von An­grif­fen ge­gen Per­so­nen kann auf le­bens­läng­li­che Frei­heits­s­tra­fe er­kannt wer­den.
3In we­ni­ger schwe­ren Fäl­len kann auf Frei­heits­s­tra­fe nicht un­ter ei­nem Jahr er­kannt wer­den.
2 SR0.120
b. Un­ge­recht­fer­tig­te me­di­zi­ni­sche Be­hand­lung, Ver­let­zun­gen der se­xu­el­len Selbst­be­stim­mung und der Men­schen­wür­de
1Mit Frei­heits­s­tra­fe nicht un­ter drei Jah­ren wird be­straft, wer im Zu­sam­men­hang mit ei­nem be­waff­ne­ten Kon­flikt:
ei­ne vom hu­ma­ni­tär­en Völ­ker­recht ge­schütz­te Per­son kör­per­lich schwer schä­digt oder in ih­rer phy­si­schen oder psy­chi­schen Ge­sund­heit schwer ver­letzt oder ge­fähr­det, in­dem er sie ei­nem me­di­zi­ni­schen Ver­fah­ren un­ter­zieht, das nicht durch ih­ren Ge­sund­heits­zu­stand ge­bo­ten ist und das nicht mit all­ge­mein an­er­kann­ten me­di­zi­ni­schen Grund­sät­zen im Ein­klang steht;
ei­ne vom hu­ma­ni­tär­en Völ­ker­recht ge­schütz­te Per­son weib­li­chen Ge­schlechts ver­ge­wal­tigt oder, nach­dem sie ge­gen ih­ren Wil­len ge­schwän­gert wur­de, ge­fan­gen hält in der Ab­sicht, die eth­ni­sche Zu­sam­men­set­zung ei­ner Be­völ­ke­rung zu be­ein­flus­sen, ei­ne vom hu­ma­ni­tär­en Völ­ker­recht ge­schütz­te Per­son zur Dul­dung ei­ner se­xu­el­len Hand­lung von ver­gleich­ba­rer Schwe­re oder zur Pro­sti­tu­ti­on nö­tigt oder sie zwangs­wei­se ste­ri­li­siert;
ei­ne vom hu­ma­ni­tär­en Völ­ker­recht ge­schütz­te Per­son in schwer­wie­gen­der Wei­se ent­wür­di­gend oder er­nied­ri­gend be­han­delt.
1 Ein­ge­fügt durch Ziff. I 2 des BG vom 18. Ju­ni 2010 über die Än­de­rung von Bun­des­ge-set­zen zur Um­set­zung des Rö­mer Sta­tuts des In­ter­na­tio­na­len Straf­ge­richts­hofs, in Kraft seit 1. Jan. 2011 (AS20104963; BBl20083863).
c. Re­kru­tie­rung und Ver­wen­dung von Kin­der­sol­da­ten
1Mit Frei­heits­s­tra­fe nicht un­ter drei Jah­ren wird be­straft, wer ein Kind un­ter fünf­zehn Jah­ren in Streit­kräf­te oder be­waff­ne­te Grup­pen ein­glie­dert, zu die­sem Zweck re­kru­tiert oder zur Teil­nah­me an be­waff­ne­ten Kon­flik­ten ver­wen­det.
2In be­son­ders schwe­ren Fäl­len, na­ment­lich wenn die Tat vie­le Kin­der be­trifft oder der Tä­ter grau­sam han­delt, kann auf le­bens­läng­li­che Frei­heits­s­tra­fe er­kannt wer­den.
d. Ver­bo­te­ne Me­tho­den der Krieg­füh­rung
einen An­griff führt, ob­wohl er weiss oder an­neh­men muss, dass die­ser den Tod oder die Ver­wun­dung von Zi­vil­per­so­nen, die Be­schä­di­gung zi­vi­ler Ob­jek­te oder die weit­rei­chen­de, lang­fris­ti­ge und schwe­re Schä­di­gung der na­tür­li­chen Um­welt ver­ur­sa­chen wird, die in kei­nem Ver­hält­nis zum er­war­te­ten kon­kre­ten und un­mit­tel­ba­ren mi­li­tä­ri­schen Vor­teil ste­hen;
ei­ne vom hu­ma­ni­tär­en Völ­ker­recht ge­schütz­te Per­son als Schild be­nutzt, um Kampf­hand­lun­gen zu be­ein­flus­sen;
als Me­tho­de der Krieg­füh­rung plün­dert, sich auf an­de­re Wei­se un­recht­mäs­sig Gut an­eig­net oder in ei­nem durch die Er­for­der­nis­se des Krie­ges nicht zwin­gend ge­bo­te­nen Aus­mass feind­li­ches Gut zer­stört oder be­schlag­nahmt, Zi­vil­per­so­nen le­bens­not­wen­di­ge Gü­ter vor­ent­hält oder Hilfs­lie­fe­run­gen be­hin­dert;
einen geg­ne­ri­schen Kom­bat­tan­ten auf heim­tücki­sche Wei­se, oder nach­dem die­ser sich aus­ser Ge­fecht be­fin­det, tö­tet oder ver­wun­det;
einen to­ten geg­ne­ri­schen Kom­bat­tan­ten ver­stüm­melt;
als Be­fehls­ha­ber an­ord­net oder dem Geg­ner an­droht, nie­man­den am Le­ben zu las­sen;
die Par­la­men­tär­flag­ge, die Flag­ge, Uni­form oder mi­li­tä­ri­sche Ab­zei­chen des Fein­des, der Ver­ein­ten Na­tio­nen oder Schutz­zei­chen des hu­ma­ni­tär­en Völ­ker­rechts miss­braucht;
als An­ge­hö­ri­ger ei­ner Be­set­zungs­macht einen Teil ih­rer Zi­vil­be­völ­ke­rung in das von ihr be­setz­te Ge­biet über­führt oder die Be­völ­ke­rung des be­setz­ten Ge­bie­tes ganz oder teil­wei­se in­ner­halb oder aus­ser­halb des­sel­ben um­sie­delt.
e. Ein­satz ver­bo­te­ner Waf­fen
Gift oder ver­gif­te­te Waf­fen ver­wen­det;
bio­lo­gi­sche oder che­mi­sche Waf­fen, ein­sch­liess­lich gif­ti­ger oder er­sti­cken­der Ga­se, Stof­fe und Flüs­sig­kei­ten, ver­wen­det;
Ge­schos­se ver­wen­det, die sich im Kör­per des Men­schen leicht aus­deh­nen oder flach­drücken oder im Kör­per des Men­schen ex­plo­die­ren;
Waf­fen ver­wen­det, wel­che als Haupt­wir­kung Ver­let­zun­gen durch Split­ter her­vor­ru­fen, die mit­tels Rönt­gen­strah­len nicht ent­deckt wer­den kön­nen;
La­ser­waf­fen ver­wen­det, die als Haupt­wir­kung die dau­er­haf­te Er­blin­dung von Men­schen her­bei­füh­ren.
2In be­son­ders schwe­ren Fäl­len kann auf le­bens­läng­li­che Frei­heits­s­tra­fe er­kannt wer­den.
4. Bruch ei­nes Waf­fen­still­stan­des oder des Frie­dens. Ver­ge­hen ge­gen einen Par­la­men­tär. Ver­zö­ger­te Heim­schaf­fung von Kriegs­ge­fan­ge­nen.
Mit Frei­heits­s­tra­fe bis zu drei Jah­ren oder Geld­stra­fe wird be­straft, wer:
die Kampf­hand­lun­gen fort­setzt, nach­dem er amt­lich oder dienst­lich Kennt­nis vom Ab­schluss ei­nes Waf­fen­still­stan­des oder des Frie­dens er­hal­ten hat, oder die Be­din­gun­gen des Waf­fen­still­stan­des auf an­de­re Wei­se ver­letzt;
einen geg­ne­ri­schen Par­la­men­tär oder ei­ne sei­ner Be­gleit­per­so­nen miss­han­delt, be­schimpft oder oh­ne Grund zu­rück­hält;
die Heim­schaf­fung von Kriegs­ge­fan­ge­nen nach Be­en­di­gung der Kampf­hand­lun­gen un­ge­recht­fer­tigt ver­zö­gert.
5. An­de­re Ver­stös­se ge­gen das hu­ma­ni­täre Völ­ker­recht
1Mit Frei­heits­s­tra­fe bis zu drei Jah­ren oder Geld­stra­fe wird be­straft, wer im Zu­sam­men­hang mit ei­nem be­waff­ne­ten Kon­flikt auf an­de­re Wei­se als nach den Ar­ti­keln 111-113 ei­ne Vor­schrift des hu­ma­ni­tär­en Völ­ker­rechts ver­letzt, de­ren Ver­let­zung durch das Völ­ker­ge­wohn­heits­recht oder ein in­ter­na­tio­na­les, von der Schweiz als ver­bind­lich an­er­kann­tes Über­ein­kom­men als straf­bar er­klärt wird.
Sechster Abschnitt : Gemeinsame Bestimmungen für den sechsten Abschnitt und den sechsten Abschnitt
Straf­bar­keit des Vor­ge­setz­ten
1Der Vor­ge­setz­te, der weiss, dass ei­ne ihm un­ter­stell­te Per­son ei­ne Tat nach dem sechs­ten Ab­schnitt oder dem sechs­ten Ab­schnittbis be­geht oder be­ge­hen wird, und der nicht an­ge­mes­se­ne Mass­nah­men er­greift, um die­se Tat zu ver­hin­dern, wird nach der glei­chen Straf­an­dro­hung wie der Tä­ter be­straft. Ver­hin­dert der Vor­ge­setz­te die Tat fahr­läs­sig nicht, so ist die Stra­fe Frei­heits­s­tra­fe bis zu drei Jah­ren oder Geld­stra­fe.
2Der Vor­ge­setz­te, der weiss, dass ei­ne ihm un­ter­stell­te Per­son ei­ne Tat nach dem sechs­ten Ab­schnitt oder dem sechs­ten Ab­schnittbis be­gan­gen hat, und der nicht an­ge­mes­se­ne Mass­nah­men er­greift, um die Be­stra­fung des Tä­ters si­cher­zu­stel­len, wird mit Frei­heits­s­tra­fe bis zu drei Jah­ren oder Geld­stra­fe be­straft.
Aus­schluss der re­la­ti­ven Im­mu­ni­tät
Die Ver­fol­gung von Ta­ten nach dem sechs­ten Ab­schnitt oder dem sechs­ten Ab­schnittbis und nach Ar­ti­kel 114a be­darf kei­ner Er­mäch­ti­gung nach ei­ner der fol­gen­den Be­stim­mun­gen:
Ar­ti­kel 14 und 15 des Ver­ant­wort­lich­keits­ge­set­zes vom 14. März 19581;
Ar­ti­kel 17 des Par­la­ments­ge­set­zes vom 13. De­zem­ber 20022;
Ar­ti­kel 61a des Re­gie­rungs- und Ver­wal­tungs­or­ga­ni­sa­ti­ons­ge­set­zes vom 21. März 19973;
Ar­ti­kel 11 des Bun­des­ge­richts­ge­set­zes vom 17. Ju­ni 20054;
Ar­ti­kel 12 des Ver­wal­tungs­ge­richts­ge­set­zes vom 17. Ju­ni 20055;
Ar­ti­kel 16 des Pa­tent­ge­richts­ge­set­zes vom 20. März 20096;
Ar­ti­kel 50 des Straf­be­hör­den­or­ga­ni­sa­ti­ons­ge­set­zes vom 19. März 20107.
1 SR170.32
2 SR171.10
3 SR172.010
4 SR173.110
5 SR173.32
6 SR173.41
7 SR173.71
Siebenter Abschnitt: Verbrechen oder Vergehen gegen Leib und Leben
1. Tö­tung.
Vor­sätz­li­che Tö­tung
Wer vor­sätz­lich einen Men­schen tö­tet, oh­ne dass ei­ne der be­son­dern Vor­aus­set­zun­gen der nach­fol­gen­den Ar­ti­kel zu­trifft, wird mit Frei­heits­s­tra­fe nicht un­ter fünf Jah­ren be­straft.
1Han­delt der Tä­ter be­son­ders skru­pel­los, sind na­ment­lich sein Be­weg­grund, der Zweck der Tat oder die Art der Aus­füh­rung be­son­ders ver­werf­lich, so ist die Stra­fe le­bens­läng­li­che Frei­heits­s­tra­fe oder Frei­heits­s­tra­fe nicht un­ter zehn Jah­ren.1
1 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. II des BG vom 23. Ju­ni 1989, in Kraft seit 1. Jan. 1990 (AS19892449; BBl1985II 1009).
2 Auf­ge­ho­ben durch Ziff. I des BG vom 20. März 1992, mit Wir­kung seit 1. Sept. 1992 (AS19921679; BBl1991II 1462, IV 184).
Tot­schlag
Han­delt der Tä­ter in ei­ner nach den Um­stän­den ent­schuld­ba­ren hef­ti­gen Ge­müts­be­we­gung oder un­ter gros­ser see­li­scher Be­las­tung, so ist die Stra­fe Frei­heits­s­tra­fe von ei­nem bis zu zehn Jah­ren2.
2 Aus­druck ge­mä­ss Ziff. II 1 Abs. 22 des BG vom 21. März 2003, in Kraft seit 1. Jan. 2007 (AS20063389; BBl19991979).
Tö­tung auf Ver­lan­gen
Wer aus ach­tens­wer­ten Be­weg­grün­den, na­ment­lich aus Mit­leid, einen Men­schen auf des­sen ernst­haf­tes und ein­dring­li­ches Ver­lan­gen tö­tet, wird mit Frei­heits­s­tra­fe bis zu drei Jah­ren oder Geld­stra­fe be­straft.
Ver­lei­tung und Bei­hil­fe zu Selbst­mord
Wer aus selbst­süch­ti­gen Be­weg­grün­den je­man­den zum Selbst­mord ver­lei­tet oder ihm da­zu Hil­fe leis­tet, wird, wenn der Selbst­mord aus­ge­führt oder ver­sucht wur­de, mit Frei­heits­s­tra­fe bis zu fünf Jah­ren oder Geld­stra­fe be­straft.
Fahr­läs­si­ge Tö­tung
Wer fahr­läs­sig den Tod ei­nes Men­schen ver­ur­sacht, wird mit Frei­heits­s­tra­fe bis zu drei Jah­ren oder Geld­stra­fe be­straft.
2. Kör­per­ver­let­zung.
Schwe­re Kör­per­ver­let­zung
Wer vor­sätz­lich einen Men­schen le­bens­ge­fähr­lich ver­letzt,
wer vor­sätz­lich den Kör­per, ein wich­ti­ges Or­gan oder Glied ei­nes Men­schen ver­stüm­melt oder ein wich­ti­ges Or­gan oder Glied un­brauch­bar macht, einen Men­schen blei­bend ar­beits­un­fä­hig, ge­brech­lich oder geis­tes­krank macht, das Ge­sicht ei­nes Men­schen arg und blei­bend ent­stellt,
wer vor­sätz­lich ei­ne an­de­re schwe­re Schä­di­gung des Kör­pers oder der kör­per­li­chen oder geis­ti­gen Ge­sund­heit ei­nes Men­schen ver­ur­sacht,
wird mit Frei­heits­s­tra­fe von sechs Mo­na­ten bis zu zehn Jah­ren be­straft.2
Ein­fa­che Kör­per­ver­let­zung. Tät­lich­kei­ten
1. Wer vor­sätz­lich einen Men­schen in an­de­rer Wei­se an Kör­per oder Ge­sund­heit schä­digt oder ge­gen ihn tät­lich wird, wird mit Frei­heits­s­tra­fe bis zu drei Jah­ren oder Geld­stra­fe be­straft.
2. und 3. …1
1 Auf­ge­ho­ben durch Ziff. II des BG vom 23. Ju­ni 1989, mit Wir­kung seit 1. Jan. 1990 (AS19892449; BBl1985II 1009).
Fahr­läs­si­ge Kör­per­ver­let­zung
1. Wer fahr­läs­sig einen Men­schen an Kör­per oder Ge­sund­heit schä­digt, wird mit Frei­heits­s­tra­fe bis zu drei Jah­ren oder Geld­stra­fe be­straft.
1 Auf­ge­ho­ben durch Ziff. I des BG vom 5. Okt. 1967, mit Wir­kung seit 1. März 1968 (AS1968212; BBl1967I 581).
3. Ge­fähr­dung von Leib und Le­ben.
Rauf­han­del
1Wer sich an ei­nem Rauf­han­del be­tei­ligt, der den Tod oder die Kör­per­ver­let­zung ei­nes Men­schen zur Fol­ge hat, wird mit Frei­heits­s­tra­fe bis zu drei Jah­ren oder Geld­stra­fe be­straft.
2Nicht straf­bar ist, wer aus­sch­liess­lich ab­wehrt oder die Strei­ten­den schei­det.
1Wer sich an ei­nem An­griff auf einen oder meh­re­re Men­schen be­tei­ligt, der den Tod oder die Kör­per­ver­let­zung ei­nes An­ge­grif­fe­nen oder
ei­nes Drit­ten zur Fol­ge hat, wird mit Frei­heits­s­tra­fe bis zu fünf Jah­ren oder Geld­stra­fe2 be­straft.
1 Ein­ge­fügt durch Ziff. II des BG vom 23. Ju­ni 1989, in Kraft seit 1. Jan. 1990 (AS19892449; BBl 1985II 1009).
2 Aus­druck ge­mä­ss Ziff. II 1 Abs. 6 des BG vom 21. März 2003, in Kraft seit 1. Jan. 2007 (AS20063389; BBl19991979). Die­se Änd. wur­de im gan­zen zwei­ten Teil des ers­ten Bu­ches be­rück­sich­tigt.