Source: https://www.anwalt24.de/urteile/bgh/2010-11-17/xii-zr-124_09
Timestamp: 2017-09-22 04:51:44
Document Index: 317172966

Matched Legal Cases: ['BGH', '§ 556', 'BGH', '§ 556', '§ 556', '§ 556', '§ 556', '§ 556', '§ 556', '§ 556']

BGH, 17.11.2010 - XII ZR 124/09 - Abrechnungsfrist von Nebenkosten bei Mietverträgen über Geschäftsräume | anwalt24.de
Urt. v. 17.11.2010, Az.: XII ZR 124/09
Referenz: JurionRS 2010, 29582
LG Frankfurt am Main - 07.11.2008 - AZ: 2/27 O 151/08
OLG Frankfurt am Main - 18.06.2009 - AZ: 2 U 18/09
§ 556 Abs. 3 S. 2, 3 BGB
EBE/BGH 2011, 12-14
GuT 2010, 438-439
Info M 2011, 13
MDR 2011, 19-20
MietRB 2011, 40-41
MK 2011, 43
NJW 2011, 445-447 "Jahresfrist / Verwirkungsgrundsätze"
NJW-Spezial 2011, 98
NZM 2011, 121-122
RdW 2011, 317-318
WuM 2011, 220
ZfIR 2011, 69
ZGS 2011, 103-104
ZMR 2011, 365-366
BGB §§ 556 Abs. 3 Satz 2 und Satz 3 , 578, 242 Be, Cc
Zur Abrechnungsfrist von Nebenkosten bei Mietverträgen über Geschäftsräume (im Anschluss an das Senatsurteil vom 27. Januar 2010 - XII ZR 22/07 - NZM 2010, 240).
Entgegen der Ansicht der Revision ist das Berufungsgericht zu Recht davon ausgegangen, dass § 556 Abs. 3 Satz 3 BGB, der für die Wohnraummiete den Ausschluss von Betriebskostennachforderungen anordnet, die der Vermieter zwölf Monate nach Ablauf des Abrechnungszeitraumes verlangt, auf die Geschäftsraummiete nicht analog anwendbar ist. Dieser in Rechtsprechung und Literatur überwiegend vertretenen Meinung (OLG Düsseldorf ZMR 2008, 206 [OLG Düsseldorf 09.08.2007 - I-10 U 66/07]; Grundeigentum 2006, 847; KG ZMR 2007, 449; OLG Köln ZMR 2007, 115; LG Nürnberg-Fürth ZMR 2008, 800 [LG Nürnberg 21.12.2007 - 7 S 8274/07]; Blank/Börstinghaus Miete 3. Aufl. § 556 Rn. 1; Schmidt-Futterer/Langenberg Mietrecht 9. Aufl. § 556 BGB Rn. 6 und 458; Soergel/Heintzmann 13. Aufl. § 556 BGB Rn. 21; Staudinger/Weitemeyer [2006] § 556 BGB Rn. 106; aA MünchKomm/Schmid 5. Aufl. § 556 BGB Rn. 1) hat sich der Senat mit Urteil vom 27. Januar 2010 (XII ZR 22/07 - NZM 2010, 240 Rn. 18 ff.) angeschlossen.
Der Rechtsgedanke der Verwirkung, der auch im Miet- und Pachtrecht gilt, ist ein Unterfall der unzulässigen Rechtsausübung aufgrund widersprüchlichen Verhaltens. Danach ist ein Recht verwirkt, wenn der Berechtigte es längere Zeit hindurch nicht geltend gemacht und der Verpflichtete sich darauf eingerichtet hat und nach dem gesamten Verhalten des Berechtigten darauf einrichten durfte, dass dieser das Recht auch in Zukunft geltend machen werde. Die Annahme einer Verwirkung setzt somit neben dem Zeitablauf das Vorliegen besonderer ein solches Vertrauen des Verpflichteten begründender Umstände voraus (Senatsurteil vom 27. Januar 2010 - XII ZR 22/07 - NZM 2010, 240 Rn. 32 mwN). Ob eine Verwirkung vorliegt, richtet sich letztlich nach den vom Tatrichter festzustellenden und zu würdigenden Umständen des Einzelfalles.