Source: https://www.rechtslupe.de/steuerrecht/einkommensteuer/gewerbesteuer/leasing-und-die-gewerbesteuerliche-hinzurechnung-3142689?pk_campaign=feed&pk_kwd=leasing-und-die-gewerbesteuerliche-hinzurechnung
Timestamp: 2019-08-20 08:34:39
Document Index: 269056456

Matched Legal Cases: ['§ 8', '§ 8', '§ 8', '§ 19', '§ 35', '§ 8', 'Art. 80', '§ 19', '§ 35', '§ 19', '§ 19', '§ 36', '§ 8', '§ 35', '§ 19', '§ 35', '§ 8', '§ 8', '§ 19', '§ 35', '§ 171', '§ 175', '§ 351', '§ 42', '§ 36']

Lea­sing­ra­ten sind nach dem Unter­neh­men­steu­er­re­form­ge­setz 2008 (UntS­tRefG 2008) vom 14.08.20071 aus­drück­lich in die Hin­zu­rech­nung in § 8 Nr. 1 Buchst. d GewStG bei der Ermitt­lung des Gewer­be­er­trags ein­be­zo­gen wor­den. Sie sind nach dem Wort­laut der Norm dann hin­zu­zu­rech­nen, wenn das Wirt­schafts­gut, für das die Lea­sing­ra­ten gezahlt wer­den, im Eigen­tum eines Drit­ten steht. In die­sen Fäl­len ist das Lea­sing mit der Pacht oder Mie­te ver­gleich­bar.
Dar­über hin­aus liegt eine „Benut­zung” der geleas­ten Wirt­schafts­gü­ter des Anla­ge­ver­mö­gens auch dann vor, wenn die­se Wirt­schafts­gü­ter zur Erzie­lung von Ein­künf­ten an eine wei­te­re Per­son ver­least oder ver­mie­tet wer­den2. Ent­ge­gen der Auf­fas­sung der Klä­ge­rin las­sen sich dem Gesetz kei­ne Anhalts­punk­te dafür ent­neh­men, bei Lea­sing im sog. Dop­pel­stock­mo­dell Aus­nah­men zu machen. Der Wort­laut ist ein­deu­tig. Hät­te der Gesetz­ge­ber auch für „durch­ge­lei­te­te” Lea­sing­gü­ter eine Aus­nah­me von der Hin­zu­rech­nung nach § 8 Nr. 1 Buchst. d GewStG machen wol­len, hät­te es nahe­ge­le­gen, sie in der Geset­zes­be­grün­dung mit auf­zu­zäh­len und die­se Aus­nah­me aus­drück­lich in den Geset­zes­wort­laut auf­zu­neh­men, wie er es in der mit § 8 Nr. 1 Buchst. f Satz 1 GewStG gleich­zei­tig geschaf­fe­nen Aus­nah­me­re­ge­lung für Lizen­zen, die aus­schließ­lich dazu berech­ti­gen, dar­aus abge­lei­te­te Rech­te Drit­ten zu über­las­sen, getan hat. Danach ist auf das Lea­sing und die Benut­zung beim ers­ten Lea­sing­neh­mer abzu­stel­len, das wei­te­re Schick­sal der geleas­ten Sache ist nicht von Bedeu­tung3.
Die Aus­le­gung eines Geset­zes ori­en­tiert sich an dem in ihm zum Aus­druck kom­men­den objek­ti­vier­ten Wil­len des Gesetz­ge­bers, wie er sich aus dem Wort­laut der Bestim­mung und dem Sinn­zu­sam­men­hang ergibt, in den die­se hin­ein­ge­stellt ist4. Gegen sei­nen Wort­laut ist die Aus­le­gung eines Geset­zes dage­gen nur aus­nahms­wei­se mög­lich, wenn näm­lich die wort­ge­treue Aus­le­gung zu einem sinn­wid­ri­gen Ergeb­nis führt, das vom Gesetz­ge­ber nicht beab­sich­tigt sein kann5. Die für die Aus­le­gung von Geset­zen gel­ten­den Maß­stä­be fin­den für die Aus­le­gung einer Rechts­ver­ord­nung ent­spre­chen­de Anwen­dung, aller­dings mit dem Unter­schied, dass die Ver­ord­nung vor­ran­gig unter Berück­sich­ti­gung von Inhalt, Zweck und Umfang der gesetz­li­chen Ermäch­ti­gungs­grund­la­ge aus­zu­le­gen ist6.
§ 19 Abs. 4 GewSt­DV beruht auf der Ver­ord­nungs­er­mäch­ti­gung des § 35c Nr. 2 Buchst. f GewStG7. Danach wird die Bun­des­re­gie­rung nur ermäch­tigt, durch Rechts­ver­ord­nung eine Vor­schrift über die Beschrän­kung der „Hin­zu­rech­nung von Ent­gel­ten für Schul­den und ihnen gleich­ge­stell­te Beträ­ge (§ 8 Nr. 1 Buch­sta­be a)” bei bestimm­ten Finanz­dienst­leis­tungs­in­sti­tu­ten zu erlas­sen. Der Ver­ord­nungs­ge­ber ist an die ihm durch Art. 80 Abs. 1 Satz 2 des Grund­ge­set­zes gezo­ge­nen Gren­zen gebun­den. Er darf nur in den Gren­zen der ihm erteil­ten Ermäch­ti­gung han­deln.
Bei kre­dit­fi­nan­zier­ten Inves­ti­tio­nen unter­blieb hin­ge­gen eine der­ar­ti­ge Dop­pel­be­las­tung durch die Frei­stel­lung des Kre­dit­ge­bers nach § 19 GewSt­DV. Der Gesetz­ge­ber hat mit dem Jah­res­steu­er­ge­setz 2009 in BGBl I 2008, 2794, BSt­Bl I 2009, 74, § 35c Abs. 1 Nr. 2 Buchst. e und Buchst. f GewStG und § 19 GewSt­DV geän­dert. Mit dem Gesetz zur Umset­zung steu­er­li­cher EU-Vor­ga­ben sowie zur Ände­rung steu­er­li­cher Vor­schrif­ten (StEU­VUmsG) vom 08.04.20108 wur­de in § 19 GewSt­DV ein neu­er Absatz 4 ange­fügt, der hin­sicht­lich sei­nes Sat­zes 1 erst­mals für den Erhe­bungs­zeit­raum 2008 anzu­wen­den war (§ 36 Abs. 3 Satz 2 GewSt­DV i.d.F. des StEU­VUmsG). Obwohl der Gesetz­ge­ber mit dem UntS­tRefG 2008 die Hin­zu­rech­nung von Lea­sing­ra­ten in § 8 Nr. 1 Buchst. d GewStG aus­drück­lich auf­ge­nom­men hat­te, unter­blieb in den nach­fol­gen­den Rege­lun­gen in § 35c Abs. 1 Nr. 2 Buchst. f GewStG und § 19 Abs. 4 GewSt­DV eine Aus­deh­nung des Ban­ken­pri­vi­legs auf Lea­sing­ra­ten. Die gewer­be­steu­er­li­che Erleich­te­rung war ‑so der Geset­zes­wort­laut in § 35c Abs. 1 Nr. 2 Buchst. f GewStG- beschränkt auf den Aus­schluss der „Hin­zu­rech­nung von Ent­gel­ten für Schul­den und ihnen gleich­ge­stell­te Beträ­ge (§ 8 Num­mer 1 Buch­sta­be a) bei Finanz­dienst­leis­tungs­in­sti­tu­ten”. Damit soll­ten Lea­sing­ge­ber bei ihrer Refi­nan­zie­rung nicht schlech­ter gestellt wer­den als Kre­dit­in­sti­tu­te. Bei Kre­dit­in­sti­tu­ten ist aber eine Hin­zu­rech­nung nur hin­sicht­lich der Ent­gel­te für Schul­den und ihnen gleich­ge­stell­ter Beträ­ge nach § 8 Nr. 1 Buchst. a GewStG aus­ge­schlos­sen. Eine dar­über hin­aus­ge­hen­de Begüns­ti­gung ist weder den Geset­zes­ma­te­ria­li­en noch dem Geset­zes­wort­laut zu ent­neh­men. Da sich die Ver­ord­nung in den Gren­zen ihrer Ermäch­ti­gungs­norm hal­ten muss, ist auch eine erwei­tern­de Aus­le­gung des § 19 Abs. 4 GewSt­DV nicht mög­lich.
Nach § 35b Abs. 2 Satz 2 GewStG i.d.F. des Jah­res­steu­er­ge­set­zes 2010 sind bei der Fest­stel­lung des vor­trags­fä­hi­gen Gewer­be­ver­lus­tes die Besteue­rungs­grund­la­gen so zu berück­sich­ti­gen, wie sie der Fest­set­zung des Steu­er­mess­be­trags für den Erhe­bungs­zeit­raum, auf des­sen Schluss der vor­trags­fä­hi­ge Gewer­be­ver­lust fest­ge­stellt wird, zugrun­de gelegt wor­den sind; § 171 Abs. 10, § 175 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 und § 351 Abs. 2 AO sowie § 42 FGO gel­ten ent­spre­chend. Die Vor­schrift gilt erst­mals für Ver­lus­te, für die nach dem 13.12 2010 eine Erklä­rung zur Ver­lust­fest­stel­lung abge­ge­ben wur­de (§ 36 Abs. 10 Satz 1 GewStG a.F.), im Streit­fall somit für die Ver­lust­fest­stel­lun­gen auf den 31.12 2010 und 31.12 2011. Damit ist der (nega­ti­ve) Gewer­be­er­trag für die Fest­stel­lung des vor­trags­fä­hi­gen Gewer­be­ver­lus­tes auf den Schluss des Erhe­bungs­zeit­raums (hier: auf den 31.12 2010 und 31.12 2011) im Sin­ne einer „inhalt­li­chen Bin­dung” maß­ge­bend9, so dass im Fest­stel­lungs­ver­fah­ren der Gewinn/​Ver­lust aus Gewer­be­be­trieb nicht eigen­stän­dig zu ermit­teln ist10.
Cash-Poo­­ling – und die gewer­be­steu­er­recht­li­che… Die Grund­sät­ze einer aus­nahms­wei­se zuläs­si­gen Sal­die­rung von Zins­auf­wen­dun­gen bei wech­sel­sei­tig gewähr­ten Dar­le­hen gel­ten bei der Ermitt­lung des Gewer­be­steu­er­mess­be­tra­ges auch für Dar­le­hen inner­halb eines Cash-Pools. Die viel­fäl­ti­gen wech­sel­sei­ti­gen Schuld­ver­hält­nis­se inner­halb eines…
BGBl I 2007, 1912, BSt­Bl I 2007, 630↩
vgl. zur Zwi­schen­ver­mie­tung BFH, Urteil vom 08.12 2016 – IV R 55/​10, BFHE 256, 519, BSt­Bl II 2017, 722, Rz 19↩
vgl. zur Zwi­schen­ver­mie­tung BFH, Urteil vom 04.06.2014 – I R 70/​12, BFHE 246, 67, BSt­Bl II 2015, 289, Rz 12↩
stän­di­ge Recht­spre­chung, zuletzt BFH, Urteil vom 11.07.2018 – XI R 33/​16, BFHE 262, 114, Rz 42, m.w.N.↩
BFH, Urteil vom 28.01.2015 – VIII R 13/​13, BFHE 249, 125, BSt­Bl II 2015, 393, Rz 24↩
BFH, Urteil vom 29.03.2001 – IV R 49/​99, BFHE 195, 257, BSt­Bl II 2001, 437↩
Buchst. f ein­ge­fügt durch das Jah­res­steu­er­ge­setz ‑JStG- 2009 vom 19.12 2008, BGBl I 2008, 2794, BSt­Bl I 2009, 74↩
BFH, Urteil vom 06.12 2016 – I R 79/​15, BFHE 256, 199, Rz 9↩
BFH, Urteil vom 16.05.2018 – XI R 50/​17, BFHE 261, 342, BSt­Bl II 2018, 752, Rz 20↩
Cash-Poo­ling – und die gewer­be­steu­er­recht­li­che Hin­zu­rech­nung der Schuld­zin­sen