Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Gericht=BGH&Datum=21.02.1990&Aktenzeichen=VIII%20ZR%20216/89
Timestamp: 2020-08-14 11:56:25
Document Index: 24718105

Matched Legal Cases: ['BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 3', '§ 194', 'BGH', '§ 13', '§ 13', '§ 194', '§ 13', '§ 13', '§ 11', 'BGH', '§ 13', 'BGH', '§ 11', 'BGH', '§ 11', '§ 11', '§ 11', '§ 11', '§ 94', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 13', '§ 13', 'BGH', 'BGH', '§ 13']

BGH, 21.02.1990 - VIII ZR 216/89 - dejure.org
https://dejure.org/1990,634
BGH, 21.02.1990 - VIII ZR 216/89 (https://dejure.org/1990,634)
BGH, Entscheidung vom 21.02.1990 - VIII ZR 216/89 (https://dejure.org/1990,634)
BGH, Entscheidung vom 21. Februar 1990 - VIII ZR 216/89 (https://dejure.org/1990,634)
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Mängelbehebung - Herabsetzung der Vergütung - Rückgängigmachung des Vertrages - Nachbesserung - Gewährleistungsansprüche - Ersatzlieferung - Darlegungslast - Beweislast - Leistungsklage
Keine Verwirkung der Klagebefugnis eines Verbraucherschutzvereins bei Unterlassungsklage gegen eine auf seine Veranlassung zuvor geänderte AGB-Klausel
NJW-RR 1990, 886
ZIP 1990, 511
MDR 1990, 814
WM 1990, 886
BB 1990, 950
DB 1990, 1081
Unbeschadet der Besonderheit, dass diese Ansprüche nur speziellen anspruchsberechtigten Stellen gemäß § 3 Abs. 1 UKlaG zustehen, handelt es sich um materiellrechtliche Ansprüche im Sinne des § 194 Abs. 1 BGB (vgl. BGH, Urteil vom 21. Februar 1990 - VIII ZR 216/89, NJW-RR 1990, 886, 887).
a) Zur Frage der Klagebefugnis eines Verbandes nach § 13 AGBG hat der erkennende Senat entschieden (Urteil vom 21. Februar 1990 - VIII ZR 216/89 = WM 1990, 886 unter II 1 b), daß diese bei zivilprozessualen Leistungsklagen, denen ein materielles Recht zugrundeliege, grundsätzlich nicht verwirkbar ist.
Der auf Unterlassung der Verwendung unwirksamer Allgemeiner Geschäftsbedingungen gerichtete Anspruch aus § 13 Abs. 1 AGBG ist materiell-rechtlicher Natur im Sinne des § 194 Abs. 1 BGB (Senatsurteil vom 21. Februar 1990 aaO. m.w.Nachw.).
Für die Klage nach § 13 AGBG, mit der ein materiell-rechtlicher Unterlassungsanspruch geltend gemacht wird (Senatsurteil vom 21. Februar 1990 - VIII ZR 216/89 = WM 1990, 886 unter II 1 b bb m.Nachw.), trifft nichts anderes zu.
Mit seiner gegenteiligen Annahme überspannt das Berufungsgericht die Transparenzanforderungen an den Verwender, was letztlich die Gefahr der Intransparenz mit sich bringen muß (dazu auch Senatsurteil vom 21. Dezember 1990 - VIII ZR 216/89 = WM 1990, 886 unter II 2 b bb).
Jedenfalls in ihrem Zusammenhang, der sie als einheitliche Regelung der Gewährleistung in den Geschäftsbedingungen der Beklagten erscheinen läßt, sind die Klauseln nach dem Grundsatz der sogenannten kundenfeindlichsten Auslegung (vgl. Senatsurteil vom 21. Februar 1990 - VIII ZR 216/89, ZIP 1990, 511, 513 unter II 2 b;… Hensen aaO, § 13 Rdnr. 10) als Beschränkung des Kunden auf ein Nachbesserungsrecht zu verstehen.
Ergibt die Auslegung - wie hier - die Beschränkung der Gewährleistungsansprüche auf Nachbesserung, dann sind die Klauseln gemäß § 11 Nr. 10 b AGBG unwirksam, weil es an dem dort verlangten ausdrücklichen Vorbehalt fehlt (vgl. BGHZ 79, 117, 122; siehe auch Senatsurteil vom 21. Februar 1990 aaO).
Soweit die Revision Zweifel am Rechtsschutzinteresse für die Klage äußert, verkennt sie, daß das allgemeine Rechtsschutzinteresse für eine Klage nach § 13 AGBG regelmäßig ohne weiteres vorliegt (Senatsurteil vom 21. Februar 1990 - VIII ZR 216/89, ZIP 1990, 511, 512 unter II 1 a).
Dem ist genügt, wenn mit den Worten des Gesetzes das Wiederaufleben von Minderung und Wandelung schlicht an das "Fehlschlagen der Nachbesserung" geknüpft ist (vgl. Senatsurteil vom 21. Februar 1990 - VIII ZR 216/89 = WM 1990, 886, 889 unter II 2 b bb).
Die wesentlichen Erscheinungsformen des Fehlschlagens sind die objektive oder subjektive Unmöglichkeit, die Unzulänglichkeit, die unberechtigte Verweigerung, die ungebührliche Verzögerung und der mißlungene Versuch der Nachbesserung (Senatsurteil vom 21. Februar 1990 a.a.O.).
Entscheidend sind die Umstände des Einzelfalles unter Berücksichtigung des Gebots von Treu und Glauben (Senatsurteil vom 21. Februar 1990 - VIII ZR 216/89 = BGHR AGBG § 11 Nr. 10 b Kaufvertrag 1 = WM 1990, 886 unter II 2 b bb).
Maßgebend sind insbesondere die Art des Kaufgegenstandes und des Mangels, die Gründe für das Scheitern eines vorangegangenen Nachbesserungsversuches sowie die für den Kunden mit weiteren Versuchen verbundenen Nachteile; alle möglichen Fallgestaltungen in der Klausel zu erfassen, ist weder zweckmäßig noch erforderlich (Senatsurteil vom 21. Februar 1990 aaO;… M.Wolf aaO Rdnr. 25;… a.A. - im Interesse der Klarheit für beide Seiten -: Hensen aaO Rdnr. 42).
Das kann durch Verwendung des gesetzlichen Oberbegriffs des "Fehlschlagens " der Nachbesserung (Senatsurteil vom 21. Februar 1990 - VIII ZR 216/89 - WM 1990, 886 unter II 2 b bb) oder durch Aufzählung aller Falle eines Fehlschlagens erfolgen (…BGHZ 93, 29, 62, Senatsurteil vom 2. Februar 1994 - VIII ZR 262/92 = WM 1994, 703 unter II 1 a, zustimmend z.B. Palandt/Heinrichs, BGB, 55. Aufl., § 11 AGBG Rdnr. 58, MünchKomm-Basedow aaO. § 11 Nr. 10 AGBG Rdnr. 155, etwas großzügiger, aber ohne unterschiedliches Ergebnis im konkreten Fall Wolf in: Wolf/Horn/Lindacher, AGB-Gesetz, 3. Aufl., § 11 Nr. 10 b Rdnr. 33 und Hensen in: Ulmer/Brandner/Hensen, AGB-Gesetz, 7. Aufl., § 11 Nr. 10 b Rdnr. 35, wonach die "wesentlichen Gründe" des Fehlschlagens aufgeführt sein müssen).
Denn nach heute nahezu einhelliger Ansicht ist dieser Anspruch materiell-rechtlicher Natur i.S. des § 94 Abs. 1 BGB (BGH NJW-RR 1990, 886, 887 m.w.N.; bestätigt in BGH NJW 1995, 1488).
Die in BGH NJW-RR 1990, 886 offen gebliebene Frage, ob das vorprozessuale Verhalten eines Verbandes eine Verwirkung des Unterlassungsanspruchs, einen Anspruchsverzicht oder die allgemeine Einrede des Rechtsmissbrauchsbegründen kann, hat der Bundesgerichtshof in seiner späteren Entscheidung ebenfalls verneint.
Denn eine derartige Genehmigung würde, selbst wenn sie dem Kläger zuzurechnen wäre, weder zum Wegfall des Rechtsschutzbedürfnisses noch zur Verwirkung der Klagebefugnis führen (BGH NJW-RR 1990, 886, 887).
Die Möglichkeit der Verwirkung des Unterlassungsanspruchs aus § 13 AGBG ist nach Auffassung des Senates grundsätzlich abzulehnen, da der klagebefugte Verband mit dessen Verfolgung Belange der Allgemeinheit wahrnimmt (…Ulmer/Brandner/Hensen a.a.O. § 13 Rdn. 33; Lindacher ZZP 1990, 397, 410; offengelassen von BGH NJW-RR 1990, 886, 887; in diesem Sinne jedoch zu wettbewerbsrechtlichen Ansprüchen: BGH GRUR 1985, 930, 931;… a. A. jedoch ohne nähere Begründung: Palandt/Heinrichs a.a.O. § 13 AGBG Rdn. 22).
LAG Baden-Württemberg, 20.07.1994 - 3 Sa 44/94
ArbG Regensburg, 30.03.2001 - 6 Ca 15/01
Verwirkung des Anspruchs eines Arbeitnehmers auf Feststellung der Unwirksamkeit …