Source: https://www.rechtslupe.de/wirtschaftsrecht/jugendmedienschutz-und-der-richtige-adressat-bei-einem-internetportal-376105
Timestamp: 2020-01-21 11:18:48
Document Index: 123189703

Matched Legal Cases: ['§ 20', '§ 20', '§ 20', '§ 59', '§ 7', '§ 59']

Jugend­me­di­en­schutz – und der rich­ti­ge Adres­sat bei einem Inter­net­por­tal | Rechtslupe
Jugendmedienschutz - und der richtige Adressat bei einem Internetportal
Mit der Fra­ge der Anbie­t­er­ei­gen­schaft im Sin­ne des Jugend­me­di­en­schutz­staats­ver­trags bei einem Inter­net­an­ge­bot hat­te sich aktu­ell das Ver­wal­tungs­ge­richt Ham­burg zu befas­sen:
Gemäß § 20 Abs. 1 JMStV trifft die nach § 20 Abs. 6 JMStV zustän­di­ge Lan­des­me­di­en­an­stalt die erfor­der­li­chen Maß­nah­men gegen­über dem Anbie­ter, wenn sie fest­stellt, dass die­ser gegen die Bestim­mun­gen des Jugend­me­di­en­schutz­staats­ver­tra­ges ver­sto­ßen hat. Für Anbie­ter von Tele­me­di­en trifft nach § 20 Abs. 4 JMStV die zustän­di­ge Lan­des­me­di­en­an­stalt durch die KJM ent­spre­chend § 59 Absatz 2 bis 4 des Rund­funk­staats­ver­tra­ges unter Beach­tung der Rege­lun­gen zur Ver­ant­wort­lich­keit nach den §§ 7 bis 10 des Tele­me­di­en­ge­set­zes (TMG) vom 26.02.2007 1, die jewei­li­ge Ent­schei­dung. Gemäß § 59 Abs. 3 RStV trifft sie die zur Besei­ti­gung des Ver­sto­ßes erfor­der­li­chen Maß­nah­men gegen­über dem Anbie­ter.
Eine Defi­ni­ti­on von "Anbie­tern von Tele­me­di­en" ent­hält der Jugend­me­di­en­schutz­staats­ver­trag nicht 2. Um den Zweck des Jugend­me­di­en­schutz­staats­ver­trags zu errei­chen, Kin­der und Jugend­li­che vor jugend­ge­fähr­den­den Ange­bo­ten in elek­tro­ni­schen Infor­ma­ti­ons- und Kom­mu­ni­ka­ti­ons­me­di­en wirk­sam zu schüt­zen, ist der Anbie­ter­be­griff weit aus­zu­le­gen 3. Ent­schei­dend für die Annah­me der Anbie­t­er­ei­gen­schaft ist, ob der Betrof­fe­ne Ein­fluss auf Ein­zel­hei­ten der inhalt­li­chen Gestal­tung der Inter­net­sei­te hat 4. Dabei genügt die Mög­lich­keit zur Ein­fluss­nah­me auf den Inhalt des Ange­bots; nicht erfor­der­lich ist dage­gen, dass sämt­li­che Tei­le des Ange­bots vom Anbie­ter auch selbst gestal­tet sein müs­sen 2.
Unter die­sen wei­ten Anbie­ter­be­griff fal­len zum einen die Domain­in­ha­ber. Denn ein Domain­in­ha­ber hat sowohl eine recht­li­che als auch eine tat­säch­li­che Mög­lich­keit der Ein­fluss­nah­me auf die inhalt­li­che Gestal­tung des unter sei­ner Domain betrie­be­nen Inter­net­an­ge­bots 5.
BGBl. I S. 179, zuletzt geän­dert am 31.05.2010, BGBl. I S. 692[↩]
VG Ham­burg, Urteil vom 4.01.2012, 4 K 262/​11 53[↩][↩]
VG Karls­ru­he, Urteil vom 25.07.2012, 5 K 3496/​10[↩]
vgl. VG Ham­burg, Urteil vom 29.02.2012, 9 K 138/​09, juris; VG Düs­sel­dorf, Urteil vom 20.03.2012, 27 K 6228/​10, juris; VG Karls­ru­he, Urteil vom 25.07.2012, 5 K 3496/​10[↩]
vgl. VG Karls­ru­he, Urteil vom 25.07.2012, 5 K 3496/​10[↩]