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Timestamp: 2019-10-18 04:41:49
Document Index: 211232868

Matched Legal Cases: ['§ 29', '§ 28', '§ 28', '§ 211', '§ 212', '§ 28', '§ 28', '§ 28', '§ 28', '§ 28', '§ 28', '§ 28']

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Verfasst am: 29 Apr 2006 - 17:23:21 Titel: Akzessorietät
habe mir jetzt noch und noch nöcher die in den lehrbüchern ausgeführten erklärungen über die Akzessorietät bei der Beteiligung durchgelesen. Leider bekomme ich das nicht in meine Birne. Kann mir hier vielleicht jemand einen durchsichtigen und verständlichen Erklärungsentwurf geben?
Fritz Flachberger
Anmeldungsdatum: 25.03.2006
Verfasst am: 29 Apr 2006 - 18:10:15 Titel:
also der Grundsatz der Akzessorietät besagt, dass die Strafbarkeit von Teilnehmern (Anstifter und Gehilfen) grundsätzlich an die Strafbarkeit des Täters bzw. die für den Täter geltende Strafdrohung angelehnt ist (akzessorisch ist). Hat also der Täter einen Diebstahl begangen, so ist der Anstifter wegen Anstiftung zum Diebstahl zu bestrafen.
Allerdings ist diese Akzessorietät limitiert, denn die akzessorische Strafbarkeit der Teilnehmer erfordert lediglich eine tatbestandsmäßige und rechtswidrige Haupttat. Die Tat muss also nicht auch schuldhaft begangen worden sein (vgl. § 29 StGB, wonach jeder nach seiner eigenen Schuld bestraft wird).
Überdies ist die Akzessorietät in bestimmten Fällen gem. § 28 StGB gelockert. Das bedeutet, dass der Teilnehmer danach anders bestraft werden kann, als der Täter. Dieses Thema wird besonders spannend bei den sog. gekreuzten Mordmerkmalen. Das solltest Du Dir mal irgendwo genau durchlesen. Ich habe es mir das Thema mit dem Strafrecht BT I von Rolf Schmidt erschlossen.
Jedenfalls kann es nach § 28 II StGB zu dem Ergebnis führen, dass der Mörder nach § 211 StGB bestraft wird, während der Anstifter, der selbst kein Mordmerkmal aufwies und auch keine Kenntnis vom Mordmerkmal des Töters hatte, nur wegen Anstiftung zum Totschlag nach §§ 212, 26 StGB bestraft wird.
Verfasst am: 29 Apr 2006 - 18:39:21 Titel:
Danke dir, endlich mal etwas plausibel. Ärgere mich die ganze Zeit mit dem Kindhäuser rum.
Verfasst am: 29 Apr 2006 - 18:47:48 Titel:
Also ich hab auch nie richtig ein Buch gefunden, wo das anständig erklärt ist. aber was sich lohnt, ist der braunschneider, strafrecht at. man mag sonst von ihm halten, was man will, aber der echt nen superkleinschrittiges schema, anhand dessen man die prüfung nachvollziehen kann....theoretisch zumindest
weil laut aussage unserer ag-leiters ist es dogmatisch nicht korrekt, den 28 I und 28 II in einem anlauf zu prüfen, weil der absatz II eigentlich wiederum in die schuld gehört und man im prinzip die gleiche tatbestandsverscheibung mit dem streit um 212 und 211 zweimal prüfen müsste... das friemelt dann allerdings wirklich kein lehrbuch mehr auseinander (zumindest keins, was ich in unserer bibo finde) ich habs nur anhand unserer ag-unterlagen gelernt. aber ich denke, dass du mit der normalen prüfweise von 28 I und 28 II zusammengematscht auch durch die klausur kommen solltest und verständlich isses im braunschneider
Verfasst am: 29 Apr 2006 - 19:08:17 Titel:
@ Milka
Natürlich kann man § 28 I und § 28 II nicht hintereinander weg prüfen. Vielmehr ist es so, dass § 28 I auf der Ebene der Strafzumessung (also erst nach der Schuld) zu prüfen ist, während § 28 II als Tatbestandsverschiebung vor der Rechtswidrigkeit (also nach objektivem und subjektivem Tatbestand) zu prüfen ist.
Grundsätzlich gilt also folgendes Schema:
I. Objektiver Tatbestand
II. Subjektiver Tatbestand
III. Ggf. Tatbestandsverschiebung nach § 28 II StGB
bei strafverschärfenden, -mildernden oder -ausschließenden besonderen persönlichen Merkmalen
V. Schuld
VI. Ggf. Strafmilderung nach § 28 I StGB
bei strafbegründenden besonderen persönlichen Merkmalen
Sollte mich wundern, wenn der braunschneider das anders gemacht hätte. Jedenfalls liegst Du falsch, wenn Du den § 28 II nach oder sogar in der Schuld prüfst.
Verfasst am: 29 Apr 2006 - 19:28:40 Titel:
das war wohl ein typischer fall von ein blick ins gesetz erleichtert die rechtsfindung
hab aus versehen absatz eins und zwei vertauscht, weil ich zu faul war, ins gesetz zu gucken.
nein, ich kenne es genauso wie du, wollte aber sagen, dass du es so mit trennung der zwei absätze auf unterschiedliche pürfungspunkte selten erklärt findest, weil die meisten unterlagen einfach an irgendeiner stelle zwischen tatbestand und schuld anfangen zu prüfen und dann gleich beide absätze abkaspern.
sorry noch mal für meine unqualifizierte aussage
Verfasst am: 29 Apr 2006 - 19:30:51 Titel:
Ist diese Prüfungsreihenfolge,nämlich die der Strafzumessung für 2 Semester nicht eher unrelevant?
Verfasst am: 29 Apr 2006 - 19:40:11 Titel:
Also ich würde sagen: Je eher Du es drauf hast, desto besser...
Lies Dir das einfach mal irgendwo durch, dann wird's garantiert deutlicher.
Verfasst am: 29 Apr 2006 - 19:42:41 Titel:
Ich überlege mir jedoch 2mal ob ich dafür (Akzessorietät) nochmal den Kindhäuser zu Rate ziehen. Man merkt schon stark die Bonner Schule in dem Buch
Verfasst am: 29 Apr 2006 - 19:54:27 Titel:
Wie gesagt, ich persönlich kann / konnte mit den Büchern von Rolf Schmidt ganz gut arbeiten, aber das muss sich wohl jeder selbst ausprobieren, so unterschiedlich wie die Präferenzen bei der Auswahl der jeweiligen Literatur offenbar sind.