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Timestamp: 2018-01-22 10:38:15
Document Index: 293846715

Matched Legal Cases: ['§ 72', '§ 4', '§ 11', '§ 11', '§ 4', '§ 19', '§ 20', '§ 13', '§ 3', '§ 3', '§ 7', '§ 3', '§ 34', '§ 3', '§ 34', '§ 11', '§ 16', 'Art. 11', '§ 3', '§ 20', '§ 11']

BMVBW-34-0003-A002
BMVBW-34-0003-A002.htm
Anhang II der Verwaltungsrichtlinie vom 01.01.2003 zur Wahmehmung der behördlichen Aufsicht gemäß § 72 Infektionsschutzgesetz
von metallischen und nichtmetallischen
Trinkwasserverteilungs- und Trinkwasserspeichersystemen
in Schienenfahrzeugen und ortsfesten Trinkwasserfüllanlagen
Gemäß § 4 Abs. 1 der Trinkwasserverordnung muss Trinkwasser frei sein von Krankheitserregern. Auf dem Wege vom Verteilungsnetz der Eisenbahnen zum Verbraucher (Reisenden) darf das Trinkwasser nicht zusätzlich mit Krankheitserregern oder mit chemisch Stoffen sowie anderen Verunreinigungen kontaminiert werden. Darum müssen die Trinkwasserverteilungsnetze, die Trinkwasserbehälter und die Armaturen unter hygienischen Gesichtspunkten geplant, gebaut und betrieben werden. In diesem Zusammenhang ist die ordnungsgemäße Durchführung von Reinigung und Desinfektion besonders wichtig.
Dieser Anhang wurde durch das Eisenbahn-Bundesamt (EBA) herausgegeben, um im Bereich der Eisenbahnen des Bundes den reinigenden und desinfizierenden Unternehmensbereichen diesbezüglich ein geeignetes Anleitungsmaterial zur Verfügung zu stellen und um eine bundesweit einheitliche Verfahrensweise zu gewährleisten.
Definition des Begriffes Trinkwassers
Vorbeugende Maßnahmen zur Verhinderung von Kontaminationen des Trinkwassers
Schutz vor Verunreinigungen bei Bau und Reparatur von Anlagen
Reinigung, allgemein
Bewährte Desinfektionschemikalien
Natriumhypochlorit, NaOCI
Calciumhypochlorit, Ca(OCI)2
Chlordioxid, CIO2
Wasserstoffperoxid, H202
Kaliumpermanganat, KMn04
Bestimmung der Desinfektionsmittel- Konzentration
Bedarfsermittlung des benötigten Desinfektionsmittels bei Dosiergeräten
Arbeitsgeräte für den Einsatz von Desinfektionsmitteln
Anlagentypen für die Desinfektion von Trinkwasserfüllschläuchen und -behältern
stationäre Anlage zur Desinfektion von Trinkwasserfüllschläuchen
mobile Desinfektionsdosieranlage auf Herlisil-Basis für Trinkwasserfüllschläuche und -behälter
sonstige Dosiergeräte
Reinigung und Desinfektion von Trinkwasserbehältern in Schienenfahrzeugen
allgemeine Maßnahme vor Beginn der Reinigung
Reinigung und Desinfektion von Trinkwasserleitungen in ortsfesten Trinkwasserfüllanlagen und in Schienenfahrzeugen
Spülen mit Trinkwasser
Spülen mit Luft/Wasser-Gemisch
Molchverfahren
Statisches Desinfektionsverfahren
Thermisches Desinfektionsverfahren in Schienenfahrzeugen
Reinigung und Desinfektion von Einbauteilen
Inbetriebnahme von Leitungen und Behältern
Beseitigung von reinigungs- und desinfektionsmittelhaltigen Wässern
Wasserrechtliche Gesichtspunkte
Einleitung in ein öffentliches Kanalnetz
Versickerung im Erdreich
Desinfektion des Trinkwassers selbst (Trinkwasseraufbereitung)
Dosieranlagen für Desinfektions- bzw. Oxidationsmittel
UV-Bestrahlungsanlagen in Schienenfahrzeugen
Rechtsvorschriften, UVV, Normen, Technische Regeln und sonstige Unterlagen
Technische Regeln der Deutschen Vereinigung des Gas- und Wasserfaches (DVGW)
1. Definition des Trinkwassers
Das Trinkwasser ist ein verderbliches Lebensmittel, auf dem aber kein Verfallsdatum steht. Es unterliegt organoleptischen, mikrobiologischen und chemischen Veränderungen und ist daher nicht unbegrenzt haltbar.
Wie andere Lebensmittel, so ist auch das Trinkwasser nicht steril, d.h., es kann eine Vielzahl von Mikroorganismen enthalten, ohne dass dadurch seine Eignung für den menschlichen Genuss eingeschränkt ist. Dies ist erst dann besorgniserregend, wenn es sich bei diesen Mikroorganismen um Krankheitserreger handelt.
Fakultativ pathogene Krankheitserreger, die in der Umwelt nur in geringen Konzentrationen vorkommen, können sich im Trinkwasser unter bestimmten Bedingungen bis hin zu infektionsrelevanten Konzentrationen vermehren.
Trinkwasser muss deshalb besonderen Anforderungen genügen, damit keine gesundheitlichen Beeinträchtigungen beim Verbraucher verursacht werden. Die zur Überwachung erforderlichen Untersuchungsparameter sind in der Trinkwasserverordnung1 festgelegt. Eine der möglichen Ursachen für Veränderungen des Trinkwassers auf dem Transportweg sind Verunreinigungen im Verteilungssystem.
Verunreinigungen können vor allem beim Neubau und bei der Reparatur von Anlagen in das System gelangen. Dabei stellt die Kontamination mit Krankheitserregern die größte Gefahr dar. Um derartige Veränderungen des Trinkwassers auszuschließen, ist es notwendig, Verunreinigungen zu entfernen und gegebenenfalls die Mikroorganismen durch eine begleitende Desinfektion abzutöten. Der erste Schritt zur Beseitigung einer Kontamination sollte in jedem Fall die Reinigung sein. Die Desinfektion ist als zusätzliche Sicherheitsmaßnahme vorzusehen.
Die Sorge für die Trinkwasserhygiene beginnt nicht erst mit der Reinigung und Desinfektion von Trinkwasserversorgungsanlagen2, sondern bereits bei der Planung, Verlegung bzw. beim Einbau. Beim Neubau und bei der Reparatur von Anlagen stellt die Kontamination mit Mikroorganismen, einschließlich Krankheitserregern und Fäkalindikatoren die größte Gefahr dar. Sedimentierter Schmutz führt zur wochen- oder monatelangen Vermehrung von Mikroorganismen (Koloniezahlerhöhungen, Wachstum von coliformen Mikroorganismen und von Pseudomonas aeruginosa). Durch gezielte Maßnahmen muss verhindert werden, dass Verunreinigungen und vor allem Mikroorganismen in die Armaturen, Rohrleitungen und Behälter eingetragen werden:
□ Die für die Trinkwasserinstallation angelieferten Rohre, Schläuche und Behälter müssen mit den herstellerseitig angebrachten Schutzkappen an allen Öffnungen verschlossen sein. Diese Kappen dürfen erst kurz vor der Montage entfernt werden.
□ Verunreinigungen sind durch Auswaschen bzw. Abwaschen mit Reinigungs- und Desinfektionsmitteln zu entfernen.
□ In Trinkwasserinstallationen dürfen nur saubere Rohre, Formstücke und Armaturen eingebaut werden. Die Rohrleitungen sind während des Baus ständig reinzuhalten. Offene Rohre im Rohrgraben sind auch bei kurzen Arbeitsunterbrechungen, vor allem aber nachts mit Stopfen oder Presskolben sicher zu verschließen. Es ist nicht ausreichend, ein Brett vor die Rohröffnung zu stellen oder mit Kunststofffolien abzudecken, weil auch das Eindringen von Oberflächenwasser sicher verhindert werden muss.
□ Auf jeder Baustelle sind geeignete Rohrbürsten dauernd bereitzuhalten. Jedes einzelne Rohr ist vor dem Einbau mittels Rohrbürste von losem Schmutz und sonstigen Fremdkörpern zu reinigen.
Da trotz aller Vorsorgemaßnahmen ein Eintrag von Mikroorganismen nicht mit absoluter Sicherheit ausgeschlossen werden kann, ist es darüber hinaus erforderlich, Maßnahmen zu ergreifen, die eine Vermehrung dieser Organismen verhindern oder zumindest erschweren:
□ Die in der Installation eingesetzten Bau- und Rohrleitungswerkstoffe, Dichtungsmaterialien, Gleitmittel, Gewindeschneidöle, Anstriche, Beschichtungen usw., die mit dem Trinkwasser in Berührung kommen, sind entsprechend der DIN 19883 bzw. der DIN EN 17174, den KTW-Empfehlungen5 und den Technischen Regeln W 2706 und W 3477 des DVGW sorgfältig auszuwählen und dürfen bezüglich ihrer Werkstoff-Zusammensetzung ein Wachstum von Mikroorganismen nicht fördern, das Trinkwasser durch chemische Substanzen nicht verunreinigen und müssen gesundheitlich unbedenklich sein.
□ Die Trinkwasserversorgungsanlage muss baulich so ausgeführt werden, dass sie hinsichtlich der eingesetzten Materialien und den Einrichtungen zum Schutz des Trinkwassers bzw. der Erhaltung der Trinkwassergüte der DIN 1988 bzw. der DIN EN 1717 entspricht.
□ Bei Kunststoff-Trinkwasserbehältern in Schienenfahrzeugen ist zu beachten, dass diese, trotz Befüllung mit Trinkwasser unterschiedlicher Wasserqualitäten, eine Schleimbildung bzw. die Bildung von ablösbaren Ablagerungen (z.B. Kalk) nicht mehr als bei vergleichbaren Behältern aus metallischen Werkstoffen verursachen dürfen.
Zusätzlich ist zu gewährleisten, dass es während der gesamten Nutzungszeit des Behälters, als Folge auslaugender Vorgänge, zu keinem Fremdstoff- und/oder Geruchsaustrag aus dem Material des Behälters in das Trinkwasser bzw. in die Umwelt kommt.
Die KTW-Empfehlungen und die Technische Regel DVGW W 270 sind zu berücksichtigen.
□ In mit Kohlenwasserstoff belasteten Böden dürfen keine Kunststoffrohre ohne besonderen Schutz für Trinkwasserinstallationen verwendet werden. Damit soll verhindert werden, dass aromatische Kohlenwasserstoffe durch die Kunststoffrohre diffundieren und in das Trinkwasser gelangen können.
3.2. Vermeidung von Ablagerungen
Eine weitere Ursache für Beeinträchtigungen des Trinkwassers sind Ablagerungen, die sich aufgrund der Herkunft und Beschaffenheit des Wassers über einen längeren Nutzungszeitraum, z.B. in Rohrleitungen oder Trinkwasserbehältern, bilden können. Ablagerungen sind auch die Folge von geringen Fließgeschwindigkeiten (Stagnation). Diese Ablagerungen müssen in regelmäßigen Abständen entfernt werden, da es ansonsten u.a. zu mikrobiologischen und chemischen Beeinträchtigungen des Trinkwassers kommen kann.
Desinfektionsmaßnahmen führen als Ursachenbekämpfung in der Regel nicht zum Ziel. Entscheidend ist, dass das Material, das von den Mikroorganismen als Nährsubstrat genutzt werden kann, aus dem System entfernt wird. Außerdem können die Ablagerungen bei einer Änderung der Fließverhältnisse mobilisiert werden und zu erheblichen Beeinträchtigungen der Trinkwasserqualität in Form von Trübungen und Verfärbungen führen. Auch deswegen sollten die Ablagerungen entfernt werden.
4. Reinigung, allgemein
4.1. Ziel der Reinigung
Die Reinigung von Anlagen und Einrichtungen, die mit Trinkwasser in Berührung kommen, liefert einen wesentlichen Beitrag zur Sicherung einer einwandfreien Trinkwasserqualität. Dies gilt nicht nur für die Beseitigung von Verunreinigungen, die zu einer Belastung des Trinkwassers in chemischer Hinsicht führen, sondern auch bei einer Kontamination des Wassers mit Mikroorganismen, einschließlich Krankheitserregern und Fäkalindikatoren. Durch die Reinigung werden auch die Substanzen ausgetragen, die langfristig zu einer Vermehrung der Mikroorganismen auf benetzten Oberflächen und damit zu Koloniezahlerhöhungen im Trinkwasser oder zu einer Kontamination dieses Wassers mit spezifischen Bakterien führen können.
Bei der Reinigung sind alle lockeren und auch im späteren Betrieb mobilisierbare Ablagerungen zu entfernen. Optisch auffällige und fest anhaftende anorganische Beläge, wie sie z.B. durch Eisen, Mangan und Carbonate gebildet werden, stellen keine hygienische Beeinträchtigung dar.
Festanhaftende organische Verunreinigungen, die zu einer Beeinträchtigung des Trinkwassers führen können, sind Substanzen, die beim Bau oder bei der Reparatur auf die später von Trinkwasser benetzten Flächen gelangen (z.B. Schalöl). Sie führen zur Vermehrung der Mikroorganismen und damit zu Koloniezahlerhöhungen im Trinkwasser bzw. zu Geruchs- und Geschmacksbeeinträchtigungen und müssen daher entfernt werden. In ungünstigen Fällen müssen die verunreinigten Flächen gesandstrahlt werden.
4.2. Reinigungsverfahren und -mittel
Bei der Reinigung lassen sich grundsätzlich zwei unterschiedliche Verfahren unterscheiden:
4.2.1. Mechanische Reinigung
Bei der mechanischen Reinigung bietet der Einsatz von Trinkwasser sowie bei Rohrleitungen und Füllschläuchen von Trinkwasser/Luft-Gemischen primär die besten Voraussetzungen. Dabei kann der gewünschte Reinigungseffekt aber nur durch eine ausreichend hohe Fließgeschwindigkeit des Trinkwassers erreicht werden, mit der die Verunreinigungen von der Oberfläche abgetragen werden. Durch den Einsatz der Hochdruckreinigung kann der Reinigungseffekt deutlich verbessert werden. Eine weitere Steigerung kann durch die Verwendung von warmem Trinkwasser erzielt werden.
4.2.2. Chemische Reinigung
Bei der chemischen Reinigung kann der Reinigungseffekt durch Verwendung von chemischen Reinigungsmitteln verbessert werden. Dabei ist es aber notwendig, dass die Art der Ablagerungen oder Verunreinigungen bekannt ist und dass diese auch durch die Reinigungsmittel entfernt werden können, ohne dass es zu einer Beschädigung der zu reinigenden Oberfläche kommt. So sind Reinigungsmittel auf der Basis anorganischer oder organischer Säuren besonders gut zur Entfernung von Eisen- und Manganoxiden und von Calciumcarbonat geeignet, während für organische Beläge meistens oxidierende Stoffe (z.B. Wasserstoffperoxid, Peroxyessigsäure, Natriumperborat) in Betracht kommen. Chemische Reinigungsmittel werden fast ausschließlich bei der Reinigung von Trinkwasserbehältern verwendet.
Reinigungsmittel können, sofern sie organische Komponenten enthalten, zu einer Vermehrung von Mikroorganismen und infolgedessen auch zu Koloniezahlerhöhungen im Trinkwasser führen. Daher sollten nur nach der Technischen Regel W 3198 des DVGW zugelassene Reinigungsmittel verwendet werden.
Die Entfernung von Verunreinigungen mit Trinkwasser, Trinkwasser/Luft-Gemischen und mechanischen Hilfsmitteln ist der Reinigung mit Reinigungsmitteln grundsätzlich vorzuziehen.
Die Desinfektion ist eine technische Maßnahme, um Krankheitserreger sowie unspezifische (nicht pathogene) Mikroorganismen abzutöten bzw. zu inaktivieren. Die Desinfektion von Trinkwasser richtet sich gegen alle Erreger von Infektionen, die durch das Trinkwasser übertragen werden können sowie gegen einen hohen bzw. schwankenden Gehalt an apathogenen Keimen. Im Zusammenhang mit der Trinkwasserversorgung sind im Zuständigkeitsbereich des EBA im Bereich der Eisenbahnen des Bundes zu unterscheiden:
□ die Desinfektion der Trinkwasserversorgungsanlagen und
□ die Desinfektion des Trinkwassers selbst (s. Abschnitt 13).
Die Anwendung von Aufbereitungsstoffen bzw. von Desinfektionsverfahren für das Trinkwassers selbst sind im § 11 der Trinkwasserverordnung gesetzlich geregelt. Auf der Grundlage des § 11 ist vom Umweltbundesamt eine entsprechende Liste9 erarbeitet worden. Ein wesentliches Ziel der Trinkwasserverordnung ist, die Infektion übertragbarer Krankheiten mit dem Trinkwasser zu verhindern. Aus diesem Grunde fordert der § 4 Abs. 1 der Trinkwasserverordnung, dass Trinkwasser frei sein muss von Krankheitserregern. Zur Erreichung dieses Zieles ist die Desinfektion des Trinkwassers nicht zwingend vorgeschrieben. Nur wenn die Kontamination des Trinkwassers mit Mikroorganismen nicht durch andere Maßnahmen beseitigt werden kann, ist die Desinfektion des Trinkwassers selbst erforderlich.
Anders als bei der Desinfektion des Trinkwassers selbst (Trinkwasserdesinfektion) ist die Anwendung von Stoffen und Verfahren für die Desinfektion von Teilen der Trinkwasserversorgungsanlagen nicht gesetzlich geregelt. Außerdem können die Erfahrungen mit der Trinkwasserdesinfektion nur bedingt auf die Anlagendesinfektion übertragen werden. Beispielsweise würden Desinfektionsmittelkonzentrationen, wie sie die Liste des Umweltbundesamtes für das Trinkwasser selbst festlegt, nicht für eine erfolgreiche Desinfektion von Teilen der Trinkwasserversorgungsanlagen ausreichen. Grundsätzlich sind für die Anlagendesinfektion auch eine größere Anzahl von Desinfektionsmitteln zugelassen. Derartige Unterschiede und die Einsicht in die Bedeutung der Anlagendesinfektion führten zur Formulierung entsprechender Technischer Regeln, z.B. W 29110 des DVGW.
5.1. Auswahl der Desinfektionsmittel
Wenn mit Reinigungsverfahren keine einwandfreie mikrobiologische Trinkwasserbeschaffenheit erzielt werden kann, können Desinfektionsmittel hilfreich sein. Die Auswahl des anzuwendenden Mittels muss nach den erforderlichen Gegebenheiten, wie
□ Handhabung und Wirksamkeit des Desinfektionsmittels,
□ Werkstoffe der zu desinfizierenden Anlagenteile,
□ Beseitigung bzw. Entsorgung des Desinfektionsmittels und
□ vor allem entsprechend dem Gefährdungspotenzial für Mensch und Umwelt erfolgen.
Ein Mittel, welches zur Desinfektion von Trinkwasserversorgungsanlagen eingesetzt werden soll, muss verschiedenen Forderungen gerecht werden:
□ sichere Entkeimung,
□ weitestgehender Schutz des Installationsmaterials,
□ deutliche Reduzierung der Oberflächenspannung,
□ geringstmöglicher Neutralisationsaufwand gegenüber pH-aktiven und chemisch aktiven Stoffen,
□ maximale Arbeitssicherheit,
□ geringstmögliche Umweltbelastung,
□ lagerstabil; das heißt, seine Wirkstoffkonzentration soll während der Lagerung möglichst nicht abnehmen,
□ problemlos handhabbar, beispielsweise hinsichtlich des Transportes und beim Umfüllen,
□ günstiger Preis.
Diese Forderungen widersprechen sich zum Teil gegenseitig. So ist eine starke, zuverlässige Desinfektionswirkung nur schwer mit einer geringen Personengefährdung und mit einer problemlosen Entsorgung vereinbar. Ein treffendes Beispiel hierfür ist die Peressigsäure. Diese hat hervorragende mikrobizide Eigenschaften, das heißt, die Bakterien, Viren, Pilze, Sporen und andere Mikroorganismen werden zuverlässig abgetötet. Peressigsäure zeichnet sich gegenüber anderen Desinfektionsmitteln besonders durch ihre kurze Einwirkungszeit und ihre niedrigen Anwendungskonzentrationen aus. Trotz dieser hervorragenden Desinfektionswirkung hat sich die Peressigsäure in vielen Fällen, wie auch bei der Rohrleitungs- und Behälterdesinfektion, nicht bewährt. Gründe dafür sind ihre ungünstigen chemischen Eigenschaften, der stechenden Geruch, die Toxizität, die korrodierende Wirkung und die verhältnismäßig geringe Stabilität der Gebrauchslösung.
5.2. Arbeitssicherheit
Wenn die Substitution durch ungefährliche Mittel nicht möglich ist, ist der Umgang und die Verwendung so zu gestalten, dass die Freisetzung bzw. der Kontakt mit dem Mittel am Arbeitsplatz verhindert oder minimiert wird. Die Rangfolge der Schutzmaßnahmen gemäß § 19 Gefahrstoffverordnung11, ist dabei zu beachten.
Von Desinfektionsmitteln bzw. deren Zusatzstoffen dürfen bei sachgemäßem Umgang weder mittelbar noch unmittelbar gesundheitliche Gefahren für die Anwender ausgehen. Dies gilt für Transport, Lagern, Abfüllen, Umfüllen, Mischen und Anwenden. Für den Umgang mit Gefahrstoffen muss der Arbeitnehmer eine persönliche Schutzausrüstung verwenden, die vom Eisenbahn-Unternehmen zur Verfügung zu stellen ist:
□ Schutzbrille,
□ Schürze,
□ Handschuhe und
□ Stiefel.
Für jeden Gefahrstoff ist eine arbeitsbereich- und stoffbezogene Betriebsanweisung gemäß den Technischen Regeln für Gefahrstoffe (TRGS) 555, "Betriebsanweisung und Unterweisung nach § 20 GefStoffV" zu erstellen, in der auf die mit dem Umgang mit Gefahrstoffen verbundenen Gefahren für Mensch und Umwelt hingewiesen wird sowie die erforderlichen Schutzmaßnahmen und Verhaltensregeln festgelegt werden. Außerdem sind die Personen, die mit Gefahrstoffen umgehen, einmal jährlich zu unterweisen.
Besteht die Gefahr, dass gefährliche Stoffe am Arbeitsplatz frei werden, so ist zu ermitteln, ob die MAK-, TRK- und BAT-Werte eingehalten werden, gegebenenfalls müssen andere Mittel eingesetzt, das Arbeitsverfahren geändert und entsprechende Vorsorgeuntersuchungen durchgeführt werden.
Die Mittel sind in Gebinden mit entsprechender Kennzeichnung gemäß GefStoffV aufzubewahren. Bei Aufbewahrung in Originalgebinden entfällt eine besondere Kennzeichnung, da diese vom Hersteller vorgenommen wird. Desinfektionsmittel sind grundsätzlich unter Verschluss zu halten und sollten getrennt von anderen Stoffen in einem kühlen, gut belüfteten Raum gelagert werden.
5.3. Bewährte Desinfektionschemikalien
In der Tabelle 1 sind die im Bereich der Eisenbahnen des Bundes gebräuchlichsten Mittel für die Rohrleitungs-, Füllschlauch- und Behälterdesinfektion mit ihren unterschiedlichen Eigenschaften gegenübergestellt worden.
Tabelle 1: Chemikalien zur Anlagendesinfektion
Anwendungskonzentration*2)*
Behälter und Anlagenteile*4)*
Chlorbleichlauge Natriumhypochlorit NaOCI
wässrige Lösungen mit maximal 150 g/l Chlor
lichtgeschützt und kühl, verschlossen in Auffangwanne WGK 2*1)*
alkalisch, ätzend, giftig, Schutzausrüstung erforderlich
5 g Chlor /l
Calciumhypochlorit Ca (OCI)2
Granulat oder Tabletten mit ca. 70 % Ca (OCI)2
kühl, trocken, verschlossen WGK 2*1)**6)*
Lösung reagiert alkalisch, ätzend, giftig, Schutzausrüstung erforderlich
Chlordioxid CI02
Zwei Komponenten (Natriumchlorit, Natriumperoxodisulfat)
lichtgeschützt, kühl, verschlossen Natriumchlorit:
WGK 2*1)* Natriumperoxodisulfat:
WGK 1*1)*
wirkt oxidierend; Chlordioxidgas nicht einatmen; Schutzausrüstung erforderlich
6 mg CI02/l
0,5 g CI02/l
wässrige Lösungen 5 %, 15 %, 30%, 35% ...
lichtgeschützt, kühl, Verschmutzungen unbedingt vermeiden (Zersetzungsgefahr) WGK 1*1)**5)*
bei Lösungen> 5 % Schutzausrüstung erforderlich
max. 15 g H202/l
wässrige, schwach saure Lösung mit einem Anteil von 50% Wasserstoffperoxid
in dicht schließenden Behältern, lichtgeschützt, kühl, Verschmutzungen unbedingt vermeiden (Zersetzungsgefahr)
Lösung reagiert ätzend und brandfördernd, Schutzausrüstung erforderlich, WGK 1*1)*
Kaliumpermanganat KMn04
dunkelviolette bis graue, nadelförmige Kristalle
in gut verschlossenen Metallbehältern fast unbegrenzt haltbar WGK 2*1)*
wirkt oxidierend; konzentrierte Lösungen erfordern Hautschutz
15 mg KMn04/l
*1)* Wasser-Gefährdungs-Klasse (WGK) gemäß Verwaltungsvorschrift wassergefährdende Stoffe – VwVwS (1999)
*2)* vorgeschlagener Wert
*3)* aus ästhetischen Gründen nicht zu empfehlen
*4)* Konzentration der Sprühlösung
*5)* bei Lösungen > 20 % gilt TRGS 515
*6)* Umweltbundesamt, Auskunfts- und Dokumentationsstelle wassergefährdende Stoffe, Berlin
5.3.1. Natriumhypochlorit, NaOCI (auch als "Natronbleichlauge" oder "Chlorbleichlauge" bezeichnet)
Stark alkalische Lösung (pH – 12) mit ca. 12 % bzw. mindestens 150 g freiem Chlor/l
In Konzentrationen zwischen 5 und 10 % wirkt Natriumhypochlorit reizend auf Haut, Augen und Atmungsorgane. Konzentrationen über 10 % verursachen Verätzungen. Beim Kontakt mit sauer reagierenden Chemikalien (z.B. Säure) entwickelt sich giftiges Chlorgas. Die Anforderungen der Sicherheitsdatenblätter müssen eingehalten werden.
Natriumhypochlorit ist dunkel, kühl und gut verschlossen aufzubewahren, da Licht, Wärme und Verunreinigungen allmählich zur Zersetzung führen. Die Gebinde sind mit dem Lieferdatum zu versehen. Nach längerer Lagerung muss die Konzentration an NaOCI kontrolliert werden. So nimmt der Gehalt an Aktivchlor bei einer Lagertemperatur von bei 20°C innerhalb von 30 Tagen um etwa 30 g/l ab, bei 10°C dagegen nur um etwa 10 g/l. Bei hartem Wasser verursacht die stark alkalische Lösung Calciumcarbonat-Ausfällungen an Dosieranlage und Impfstelle.
Die Desinfektionswirkung lässt bei höherem pH-Wert stark nach, d. h. die Wandalkalität von Zementmörtelauskleidungen oder anderen zementgebundenen Werkstoffen ist zu berücksichtigen. Mit organischen Stoffen bzw. Verunreinigungen bilden sich sowohl bei der Anlagendesinfektion als auch insbesondere bei der Einleitung in die Kanalisation chlororganische Verbindungen (AOX).
Dosierlösung:
Wässrige Lösung mit 120 – 150 g NaOCI/I; sie wird dem Wasser zugesetzt, um die gewünschte Desinfektionsmittelkonzentration zu erreichen.
Rohrleitungen, Behälter-Zugabe über Injektor oder Dosierpumpe.
Bei mikrobiellen Beeinträchtigungen des Trinkwassers im Rohrnetz bzw. in Behältern erfolgt die Zugabe über eine Dosierpumpe.
Natriumhypochloritlösungen aus der Desinfektion von Anlagen sind grundsätzlich vor der Einleitung in Abwasser oder offene Vorfluter zu inaktivieren (siehe auch Abschnitt 12.3.).
5.3.2. Calciumhypochlorit, Ca(OCI)2
Calciumhypochlorit ist ein weißes Salz, z. B. in Form von Granulaten oder Tabletten mit 70 % aktivem Chlor.
Calciumhypochlorit ist brandfördernd und darf deshalb nicht zusammen mit leicht brennbaren Stoffen gelagert werden. Beim Kontakt mit sauer reagierenden Chemikalien (z.B. Säuren) entsteht giftiges Chlorgas. In festem Zustand (Granulat, Tabletten) ist Calciumhypochlorit ätzend, in wässrigen Lösungen wirkt es reizend auf Augen, Atmungsorgane und Haut. Die Anforderungen der Sicherheitsdatenblätter müssen eingehalten werden.
Calciumhypochlorit ist wasserlöslich (ca. 18 g/l bzw. 1,8 % bei 25 °C), enthält jedoch bis zu 7 % unlösliche Stoffe (z. B. Calciumcarbonat). Bei der Lagerung ist es stark korrosionsfördernd. Die Lösung ist alkalisch und verursacht bei hartem Wasser zusätzliche Calciumcarbonat-Ausfällungen. Dosieranlage und Impfstelle sind im Hinblick auf mögliche Verstopfungen zu überwachen.
Wie bei Natriumhypochlorit lässt die Desinfektionswirkung bei hohem pH-Wert stark nach. Mit organischen Stoffen bzw. Verunreinigungen bilden sich ebenfalls chlororganische Verbindungen (AOX).
Wässrige Lösung mit ca. 10 g/l freiem Chlor; sie wird dem Wasser zugesetzt, um die gewünschte Desinfektionsmittelkonzentration zu erreichen.
Rohrleitungen, Behälter – Zugabe über Injektor oder Dosierpumpe bzw. in fester (nicht aufgelöster) Form, z. B. Granulat oder Tabletten in entsprechender Menge.
Bei der Desinfektion von Wasserverteilungsanlagen ist vor der Einleitung von Calciumhypochlorit-Lösungen in die Kanalisation bzw. in offene Vorfluter eine Inaktivierung erforderlich (siehe auch Abschnitt 12.3.).
5.3.3. Chlordioxid, CIO2
Zweikomponentensystem zur Erzeugung von Chlordioxidlösungen bestehend aus
Komponente 1 – Natriumchloritlösung enthält 3 g CIO2*-*/l
Komponente 2 – Natriumperoxodisulfat, Salz mit > 50 % Na2S2O8
Komponente 1 nicht eintrocknen lassen, da festes Natriumchlorit brandfördernd wirkt.
Komponente 2 wirkt gesundheitsschädlich beim Verschlucken und kann zur Sensibilisierung bei Hautkontakt führen. Die Anforderungen der Sicherheitsdatenblätter sind einzuhalten.
Im Umgang mit der gebrauchsfertigen Lösung sind die Herstellerhinweise zu beachten. Der Behälter für die konzentrierte Chlordioxid-Dosierlösung (0,3 Gew.-%) muss so beschaffen sein, dass kein Chlordioxidgas austreten kann.
Die Einzelkomponenten für die Chlordioxiderzeugung sind in gut verschlossenen Gebinden nahezu unbegrenzt lagerstabil. Chlordioxid wird durch Zusammengeben von Komponente 1 und Komponente 2 entsprechend den Herstellungsvorschriften erzeugt.
Chlordioxid ist ein Gas, welches gut wasserlöslich ist. Die Behälter sind gut verschlossen zu halten, um Ausgasung zu vermeiden. Unter Licht- und Wärmeeinwirkung unterliegt Chlordioxid der Zersetzung in ionische Endprodukte. Das fertig angesetzte Produkt sollte daher dunkel und kühl gelagert werden. Unter diesen Bedingungen ist eine wässrige, 0,3 %ige und pH-neutrale Chlordioxidlösung bei 22 °C ca. 40 Tage haltbar.
Die Desinfektionswirkung ist weitgehend unabhängig vom pH-Wert.
Mit organischen Stoffen bzw. Verunreinigungen bildet sich Chlorit.
Wässrige Lösung mit 0,3 % bzw. 3 g/l CI02; sie wird dem Wasser zugesetzt, um die gewünschte Desinfektionsmittelkonzentration zu erreichen.
Rohrleitungen, Behälter – Die Zugabe erfolgt über Injektor oder Dosierpumpe.
Bei der Desinfektion von Wasserverteilungsanlagen ist vor Einleitung des überschüssigen Chlordioxids und Chlorits, eines seiner Reaktionsendprodukte, in die Kanalisation bzw. in offene Vorfluter eine Inaktivierung erforderlich. (z. B. mit Calciumsulfitfiltern oder Aktivkohlefiltern).
5.3.4. Wasserstoffperoxid H2O2
wässrige Lösungen 5 %, 15 %, 30 %, 35 % ...
Lösungen mit Konzentrationen über 20 % verursachen Verätzungen und sind brandfördernd. In Konzentrationen zwischen 5 und 20 % reizt Wasserstoffperoxid Haut und Augen. In Konzentrationen unter 5 % handelt es sich nicht um einen Gefahrstoff. Die Anforderungen der Sicherheitsdatenblätter müssen eingehalten werden.
Wasserstoffperoxid zerfällt zu Wasser und Sauerstoff. Bei dunkler und kühler Lagerung findet ein langsamer Zerfall statt. Licht, Wärme und Staub beschleunigen den Zerfall erheblich. Bei konzentrierten Lösungen kann es zu Explosionen kommen. Daher muss jede Verunreinigung sorgfältig vermieden werden. Lösungen mit Konzentrationen von 35 % und darüber dürfen nur mit deionisiertem oder destilliertem Wasser verdünnt werden.
Obwohl nicht brennbar, können Wasserstoffperoxid-Lösungen > 30% als starke Oxidationsmittel brennbare Materialien entzünden. Aus diesem Grund sollte beispielsweise verschüttetes Wasserstoffperoxid mit viel Wasser weggespült werden und nicht mit brennbaren Putzlappen aufgewischt werden.
Die Wirksamkeit ist bis zu pH-Werten von pH 8 weitgehend unabhängig von der Wasserstoff ionenkonzentration; sie lässt aber bei höheren pH-Werten schnell nach. Suspendierte Feststoffe, z. B. Eisenhydroxid, katalysieren den Selbstzerfall.
Wässrige Lösung mit 1,5 bis 5 % bzw. 15 bis 50 g/l; sie wird dem Wasser zugesetzt, um die gewünschte Desinfektionsmittelkonzentration zu erreichen.
Rohrleitungen, Behälter – Die Zugabe erfolgt über Injektor oder Dosierpumpe in das Zuflusswasser.
Wegen der raschen Zersetzung zu Wasser und Sauerstoff ist die Entsorgung über die Kanalisation (Abwasser) unproblematisch; in offenen Gewässern (Oberflächengewässer) sind Konzentrationen bis 10 mg/l unschädlich.
5.3.5. Kaliumpermanganat, KMnO4
Kaliumpermanganat darf nicht zusammen mit leicht brennbaren oder reduzierenden Stoffen gelagert werden, da es brandfördernd ist und sich explosionsartig zersetzen kann. Es ist gesundheitsschädlich beim Verschlucken, beim Kontakt mit Säuren können giftige Gase entstehen. In wässriger Lösung wirkt es reizend auf Haut und Augen. Die Anforderungen der Sicherheitsdatenblätter müssen eingehalten werden.
In gut verschlossenen Metallbehältern ist Kaliumpermanganat praktisch unbegrenzt haltbar und lagerfähig. In wässriger Lösung wird es schnell, insbesondere durch Licht- und Wärmeeinfluss, zu Mangandioxid (Braunstein) reduziert. Die Löslichkeit in Wasser ist stark temperaturabhängig (z. B. 44 g/l bei 10 °C, 65 g/l bei 20 °C, 91 g/l bei 30 °C).
In alkalischem Milieu ist die Desinfektionswirkung gering (niedrige Redoxspannung). Bei zementgebundenen Werkstoffen (Beton, zementmörtelausgekleidete Rohre, Faserzementrohre) sind jedoch oft bessere Desinfektionserfolge als mit chlorhaltigen Mitteln festzustellen.
Wässrige Lösung mit 15 g KMnO4/l; sie wird dem Wasser zugesetzt, um die gewünschte Desinfektionsmittelkonzentration zu erreichen.
Rohrleitungen – Zugabe über Injektor oder Dosierpumpe.
Bei der Einleitung der wässrigen Lösung in die Kanalisation entstehen keine Probleme, die Einleitung in Oberflächengewässer ist bis zu 25 mg/l schadlos.
5.4. Sonstige Desinfektionsmittel
Chlorgas und Ozon sind für die Anlagendesinfektion im Bereich der Eisenbahnen des Bundes weniger geeignet. Bei einer nachträglichen Desinfektion ist der Einsatz von Chlorgas nur unter Beachtung besonderer Maßnahmen entsprechend den Vorgaben der GefStoffV zu vertreten.
Ozon kann sich explosionsartig zersetzen und kann daher nicht transportiert bzw. gelagert werden. Der Einsatz ist deshalb allenfalls auf den unmittelbaren Wasserwerksbereich begrenzt.
5.5. Bestimmung der Desinfektionsmittel-Konzentration
DESINF.–
Erst Desinfektionsmittel ins Gefäß, danach Wasser auffüllen (ca. 20°C warm), anschließend gut durchmischen. Desinfektionsmittel und Wasser dürfen das vorgeschriebene Gesamtvolumen nicht überschreiten.
Gesamtvolumen (Wasser und Desinfektionsmittel)
laut Tabelle benötigtes Desinfektionsmittel bei 5 %
daraus ergibt sich die aufzufüllende Menge Wasser
= 285 l
Tabelle 2: Bestimmung der Desinfektionsmittel-Konzentration bei einer 100%igen Ausgangskonzentration
Für die einfache Bestimmung der Desinfektionsmittelkonzentration in Trinkwasserfüllanlagen und Schienenfahrzeugen sind kolorimetrische Messverfahren geeignet. Dabei werden der Trinkwasserprobe Reagenztabletten zugegeben, die genau aufeinander abgestimmte, korrekt ausgewogene Inhaltsstoffe, Puffer und Katalysatoren enthält. Je nach Desinfektionsmittelkonzentration verfärbt sich die Trinkwasserprobe mehr oder weniger intensiv. Durch Vergleich der gefärbten Trinkwasserprobe mit einer Farbskala in einem Kolorimeter (Bild 1) kann die Konzentration des Desinfektionsmittels ausreichend genau ermittelt werden.
Reagenzien in Tablettenform erlauben den Verzicht auf Dosiergeräte, wie beispielsweise Pipetten und Dispenser. Sie vereinen einfache Handhabung, exakte Dosierung, hohe Analysengenauigkeit, kein Sicherheitsrisiko, problemlosen Versand und lange Lagerfähigkeit in sich. Die Reagenztabletten werden entweder in Aluminiumfolie oder in Flaschen verpackt geliefert.
Bild 1: Kolorimeter zur Bestimmung der Desinfektionsmittelkonzentration
Die beschriebenen Kolorimeter eignen sich zur Bestimmung der Desinfektionsmittel-Konzentration sowohl in den Lagerbehältern, als auch – zu Beginn der Desinfektion – in der Rohrleitung bzw. in den Behältern.
Zur Kontrolle, ob nach abgeschlossener Desinfektion oder nach erfolgter Abschluss-Spülung noch Desinfektionsmittel nachweisbar ist, gibt es ein einfacheres Messverfahren mit sogenannten Teststäbchen. Diese Teststäbchen werden kurz in die zu untersuchende Lösung eingetaucht, so dass die Reaktionszone voll benetzt wird. In Abhängigkeit von der Desinfektionsmittelkonzentration wird sich diese Reaktionszone nach wenigen Sekunden mehr oder weniger intensiv verfärben. Derartige Teststäbchen sind weniger messgenau als die vorher beschriebenen Kolorimeter. Doch da nach abgeschlossener Desinfektion bzw. erfolgter Spülung nur nachgewiesen werden soll, ob überhaupt noch Desinfektionsmittel vorhanden ist, ist ihre Messgenauigkeit völlig ausreichend.
5.6. Bedarfsermittlung des benötigten Desinfektionsmittels bei Dosiergeräten
Die erforderliche Zugabemenge bei Natrium- und Calciumhypochlorit lässt sich beim Einsatz von Dosiergeräten gemäß nachstehender Formel rechnerisch bestimmen:
6. Arbeitsgeräte für den Einsatz von Desinfektionsmitteln
Geräte und sonstige Arbeitseinrichtungen müssen dem Gerätesicherheitsgesetz (GSG) bzw. den einschlägigen Unfallverhütungsvorschriften entsprechen und für die Verwendung von Desinfektionsmitteln besonders geeignet sein. Maschinen und Sicherheitsbauteile müssen eine CE-Kennzeichnung aufweisen.
Für die Desinfektion von Trinkwasserverteilungsanlagen haben sich mobile Anlagen bewährt. Diese Anlagen können unter Umständen auch bei mikrobiologischen Beeinträchtigungen von Rohrnetzabschnitten eingesetzt werden. Betreiber von Trinkwasserfüllanlagen im Bereich der Eisenbahnen des Bundes, die weder über das entsprechend ausgebildete Personal noch die erforderlichen Geräte verfügen, sollten mit benachbarten Wasserversorgungsunternehmen oder Spezialunternehmen vorsorglich Vereinbarungen über den Einsatz solcher Anlagen treffen.
6.2. Anlagentypen für die Desinfektion von Trinkwasserfüllschläuchen und -behältern
Im Bereich der Eisenbahnen des Bundes kommen hauptsächlich zwei verschiedene Anlagentypen zum Einsatz.
6.2.1. stationäre Anlage zur Desinfektion von Trinkwasserfüllschläuchen
Die Vorrichtung ist für eine flexible Aufstellung vorgesehen.
Vorraussetzung für die Wahl des Aufstellungsortes ist eine Einleitmöglichkeit in die Kanalisation.
Beispiel eines prinzipiellen Aufbaus:
□ Auffangwanne (1500x600x200) mit 4 Stützfüßen und Entleerungseinrichtung sowie 4 Aufhängegabeln für die Füllkupplungen
□ Rahmen mit belüftbarem Rohrverteiler mit 4 absperrbaren Anschlüssen für Füllschläuche(entsprechend der verwendeten Anschlusskupplungen an den Füllständern) und den Aufhängegabeln für die verwendeten Füllkupplungen und einer Aufnahmevorrichtung für den Plastikbehälter
□ Anschluss-Stutzen für die Trinkwasserleitung am Rohrverteiler mit Absperrorgan und Rückflußverhinderer
□ 50 l-Plastikbehälter mit Maßeinteilung zur Aufnahme der Desinfektionslösung mit Ablaufhahn und Anschluss am Rohrverteiler
Bild 2: Beispiel einer stationären Füllschlauch-Desinfektionsanlage
Der Betreiber einer Desinfektionsanlage für Füllschläuche hat unter Verwendung der vom Hersteller von mitgelieferten Betriebs- bzw. Gebrauchsanleitung eine Betriebsanweisung in verständlicher Form und Sprache aufzustellen. Sie muss insbesondere Angaben enthalten über:
□ die In- und Außerbetriebnahme,
□ die Bedienung und Wartung der Anlage und
□ das Verhalten bei Störfällen und Maßnahmen zur Abwehr von Gefahren.
Die Betriebsanweisung ist den Aufsichtspersonen auszuhändigen und im Bereich der Desinfektionsanlage oder an sonstiger geeigneter Stelle gut sichtbar auszuhängen bzw. auszulegen.
6.2.2. mobile Desinfektionsdosieranlage auf Herlisil-Basis für Trinkwasserfüllschläuche und – behälter
Nach dem Entleeren wird der Trinkwasserbehälter im Schienenfahrzeug bzw. der Trinkwasserfüllschlauch über die stromlose Herlisil-Dosieranlage gemäß Betriebsanleitung des Herstellers mit Herlisil befüllt. Diese gewährleistet, dass dem Befüllwasser wirklich nur die erforderliche Menge Desinfektionsmittel zugegeben wird. Die Anwendungskonzentration beträgt 200 mg Herlisil je Liter Frischwasser.
Der Behälter bzw. der Schlauch wird bis zum Überlauf gefüllt. Bei Behältern werden dann alle Entnahmestellen im Schienenfahrzeug geöffnet und mittels Messstreifen der Herlisil-Gehalt nachgewiesen.
Die Standzeit beträgt mindestens 90 Minuten ab Ende des Befüllvorganges. Danach wird das Befüllwasser abgelassen und der Behälter bzw. der Schlauch mit Frischwasser gespült, bis kein Herlisil mehr an den Entnahmestellen bzw. am Schlauchkupplungskopf nachweisbar ist.
Die vom Hersteller eingestellte Dosiermenge von 200 mg/l darf auf keinen Fall verstellt werden !
Fahrbare Herlisil Dosierstation, stromlos
verzinkt mit stromloser Dosierpumpe;
max. Förderleistung 2l/h bei 10 bar;
Dosiermenge: 0,025 – 0,40 l/m*3*;
Durchflussleistung: 0,1 – 5,0 l/m*3*;
Fußventil mit Sieb;
Rückschlagkugel und Keramikgewicht;
durchflussbegrenzter Rückflußverhinderer;
Kugelhahn mit Entleerung am Ein- und
Ausgang der Dosierstation;
Feinfilter mit Entlüftung.
Bild 3: Beispiel für eine mobile Desinfektionsdosieranlage (hier für Herlisil)
Da mobile Desinfektionsanlagen für verschiedene Aufgaben verwendet werden, ist der erforderliche Wasserdurchfluss unterschiedlich groß und hängt vom eingesetzten Desinfektionsmittel und der Bauart der Anlage ab.
Die Anlagen können so betrieben werden, dass entweder der gesamte Wasserdurchfluss oder nur ein Teilstrom mit Desinfektionsmittel behandelt wird (Bild 4).
Wird zur Erfüllung einer Desinfektionsaufgabe nur ein geringer Wasserdurchfluss benötigt, z. B. zur Desinfektion von Trinkwasserleitungen, so ist es zweckmäßig, den gesamten Wasserdurchfluss durch das Gerät zu führen. Auf diese Weise ist eine gleichmäßige Dosierung gewährleistet. Auch bei einer Nachdesinfektion des Trinkwassers sollte wegen der höheren Dosiergenauigkeit möglichst eine Impfung des Gesamtvolumenstromes vorgenommen werden. Bei kleinen Durchflüssen kann durch Einrichtung einer Dauerentnahme (am Endhydranten) ein relativ konstanter Durchfluss eingestellt und die Gefahr einer Über- bzw. Unterdosierung minimiert werden.
Bild 4: Mobile Desinfektionsanlage
6.3. sonstige Dosiergeräte
6.3.1. Injektoren
Steht Druckwasser zur Verfügung, kann das Einbringen des flüssigen Desinfektionsmittels in eine drucklose Leitung mit Hilfe von Injektoren vorgenommen werden (Bild 5). Injektoren lassen sich leicht handhaben und benötigen keine Stromversorgung. Der zur Verfügung stehende technische Spielraum für Durchsatz und Desinfektionsmittelkonzentration sowie die Dosiergenauigkeit sind jedoch gering. Außerdem verursacht die Injektordüse einen großen Druckabfall. Daher eignen sich Injektoren nur für die Anlagendesinfektion, nicht für die Desinfektion von Trinkwasser, das an Anschlussnehmer abgegeben werden soll. Hierfür sind Anlagen mit hoher Dosiergenauigkeit erforderlich, die nur geringe Druckverluste verursachen.
Bild 5: Darstellung eines Injektors (1) mit der Entnahme von Trinkwasser aus einer in Betrieb befindlichen Leitung
Einspeisung in die zu desinfizierende Trinkwasserleitung
6.3.2 Dosierpumpen
Im Gegensatz zu Injektoren dosieren die üblicherweise verwendeten Kolben- oder Membranpumpen (s. Bild 6) pulsierend, wenn sie nicht mit einer Pulsationsdämpfung ausgestattet sind. Trotzdem haben sie sich für den Einsatz von flüssigen Desinfektionsmitteln bewährt. Die Dosierpumpen werden im Allgemeinen von einem Elektromotor angetrieben bzw. ohne Fremdenergie durch das zu impfende Trinkwasser selbst oder arbeiten nach dem Prinzip der Magnetpumpe. Die mit den Desinfektionsmitteln in Berührung kommenden Pumpenteile müssen gegen diese Mittel beständig sein.
Bei der Wahl der Pumpe ist der maximal mögliche Gegendruck zu berücksichtigen. Da beim Einbringen kleiner Dosiervolumina in große Wassermengen die Vermischung ungenügend und eine anschließende Mischung im Allgemeinen nicht sichergestellt ist, sollte die Verwendung größerer Dosiervolumina und verdünnter Lösungen bei höherer Hubfrequenz bevorzugt werden.
Der Förderstrom sollte aus praktischen Gründen 10 -100 l/h betragen. Wesentlich ist, dass die Pumpen einen genügend großen Einstellbereich (10 -100 %) und eine hohe Hubfrequenz (1 – 2 Hübe pro sec) haben. Der Einsatzbereich der Pumpen kann durch Verdünnen der Desinfektionsmittellösung nach unten erweitert werden. Ein Verdünnen mit nicht enthärtetem Wasser kann bei alkalischen Desinfektionsmitteln (Natrium-, Calciumhypochlorit) wegen der pH-Wert-Erhöhung auf Dauer zu Kalkausscheidungen und Verkrustungen innerhalb der Pumpen bzw. der Impfstelle führen. Die Anlagen sind daher regelmäßig auf Verkrustungen zu kontrollieren und gegebenenfalls zu reinigen.
Bild 6: Mengenabhängige Membran- Dosierpumpe für Desinfektionsmittel
6.4. Betrieb und Wartung
Die Impflanze muss regelmäßig kontrolliert und gewartet werden (z. B. Entfernung von Calciumcarbonat). Um die Einsatzbereitschaft einer mobilen Desinfektionsanlage zu gewährleisten, ist das Betriebspersonal im Umgang mit der Anlage regelmäßig zu unterweisen sowie der Einsatz dieser Geräte zu üben.
Nach dem Einsatz einer mobilen Desinfektionsanlage sind die Geräte zu spülen bzw. zu reinigen, um Schäden und Störungen bei nachfolgenden Einsätzen zu vermeiden.
7. Reinigung und Desinfektion von Trinkwasserbehältern in Schienenfahrzeugen
Die Reinigung von Trinkwasserbehältern in Schienenfahrzeugen ist aufgrund der besonderen baulichen Gegebenheiten regelmäßig erforderlich. Durch die Reinigung werden auch Substanzen aus dem Behälter ausgetragen, die langfristig zu einer Vermehrung der Mikroorganismen auf den benetzten Oberflächen führen können. Gemeinsames Merkmal dieser Behälter ist die im Vergleich zum Rohrleitungsnetz in aller Regel wesentlich höhere Verweildauer des Wassers.
So kann es durch
□ Stagnation,
□ Zutritt von Luftsauerstoff
□ Eintrag von Verschmutzungen über den Luftpfad
zu Veränderungen bzw. zu Beeinträchtigungen der Trinkwasserbeschaffenheit (Sedimentation von Wasserinhaltsstoffen, Ausfällungen, Verkeimungen) kommen.
Behälter sind gemäß der Technischen Regel DVGW W 31812 mindestens einmal jährlich vorsorglich zu kontrollieren und erforderlichenfalls zu reinigen.
Ziel einer Reinigung von Trinkwasserbehältern ist es, mögliche negative Einflüsse der Wasserspeicherung auf die Trinkwasserbeschaffenheit zu minimieren.
Bei Schienenfahrzeugen, die länger als 72 Stunden abgestellt werden sollen, muss die Trinkwasserversorgungsanlage vor Abstellung vollständig entwässert werden. Vor erneuter Inbetriebnahme der Anlage ist diese zu reinigen (spülen) und das System mit Trinkwasser neu zu befüllen.
7.1. allgemeine Maßnahme vor Beginn der Reinigung
Neben der Begutachtung des baulichen Zustandes ist in hygienischer Hinsicht auf Geruchs-, Belags- und Bewuchsbildung auf den Behälterflächen sowie auf Art und Verteilung von Ablagerungen zu achten. Optisch auffällige und fest anhaftende anorganische Beläge wie sie z.B. durch Eisen, Mangan und Carbonate gebildet werden können, stellen keine hygienische Beeinträchtigung dar. Häufig haben sie als Deckschichten korrosionsschützende Eigenschaften. Diese fest anhaftenden anorganischen Schichten müssen daher aus hygienischer Sicht auch nicht entfernt werden, da sie im späteren Betrieb nicht zu Beeinträchtigungen des Trinkwassers führen. Eine Entfernung aus ästhetischen Gründen sollte wegen der Gefahr der Beschädigung der Oberflächen unterbleiben.
7.2. Reinigung
Die Reinigung wird entscheidend vereinfacht, wenn dafür Sorge getragen wird, dass die Verunreinigungen nicht antrocknen. Die Restentleerung der Fahrzeugbehälter sollte daher erst unmittelbar vor dem Beginn der Reinigung beendet sein. Die Wahl des Reinigungsverfahrens richtet sich nach der Art und dem Grad der zu entfernenden Verschmutzung.
Aus hygienischer und aus technischer Sicht ist mechanischen Reinigungsverfahren im Allgemeinen vor dem Einsatz chemischer Reinigungsmittel der Vorzug zu geben.
7.2.1. Mechanische Reinigung
Eine mechanische Behälterreinigung umfasst folgende Arbeitsgänge:
□ Abspritzen aller Behälterinnenflächen und Ableiten des Reinigungswassers
□ Säubern besonders verunreinigter Stellen, z. B. mit Hochdruckgeräten (mit warmem Trinkwasser)
□ Reinigen von Rohrleitungen und sonstigen Einbauteilen
□ Säubern der Be- und Entlüftungseinrichtungen (gegebenenfalls Filterwechsel).
Die Arbeiten sind unmittelbar nach der Begehung zu beginnen. Beim Einsatz von Hochdruckgeräten sind die "Richtlinien für Flüssigkeitsstrahler (Spritzgeräte, ZH 1 /406)" der Berufsgenossenschaft zu beachten.
7.2.2. Chemische Reinigung
Die im Handel erhältlichen Reinigungsmittel sind meist stark saure Produkte auf der Basis organischer oder anorganischer Säuren unter Zusatz von Inhibitoren und gegebenenfalls von mikrobiziden Substanzen. Da chemische Reinigungsmittel keine universelle Wirkung aufweisen, ist ihr Einsatz stets auf den spezifischen Verwendungszweck abzustellen.
Reinigungsmittel können, sofern sie organische Komponenten enthalten, zu einer Vermehrung der Mikroorganismen im Trinkwasser führen. Daher sollten vor dem Einsatz und bei der Verwendung von chemischen Reinigungsmitteln die Anforderungen des DVGW-Arbeitsblattes W 31913 beachtet werden.
7.3. Desinfektion
Als Abschluss einer Reinigungsmaßnahme ist ggf. eine Desinfektion des Behälters vorzusehen. Zum Desinfizieren kann 1,5%ige Wasserstoffperoxid- bzw. Natriumhypochloritlösung mit 5 g/l Chlor verwendet werden.
Für die Desinfektion wird die Desinfektionslösung in den leeren Trinkwasserbehälter des Schienenfahrzeuges eingefüllt. Der Behälter ist solange mit Desinfektionslösung zu befüllen, bis die Lösung aus den Überlaufleitungen des Trinkwasserbehälters wieder austritt. Nach der vorgeschriebenen Einwirkungszeit wird der Behälter entleert, mit Trinkwasser gespült und anschließend wieder mit Trinkwasser gefüllt. Ein Nachteil dieser Standmethode ist, dass Decken und obere Teile der Behälterwände nicht immer sicher mitdesinfiziert werden können.
Auf die einschlägigen Sicherheitshinweise und Unfallverhütungsvorschriften wird verwiesen.
8. Reinigung und Desinfektion von Trinkwasserleitungen in ortsfesten Trinkwasserfüllanlagen und in Schienenfahrzeugen
Die Reinigung und Desinfektion von Rohrleitungen kann mit verschiedenen Verfahren erfolgen.
Durch intensives Spülen der Rohrleitungen mit Wasser kann auf die Verwendung von Desinfektionsmitteln häufig verzichtet werden. Die Reinigungswirkung kann durch Zusatz von Luft bei der Wasserspülung oder durch mechanische Verfahren mit Hochdruckreinigern bzw. Spüllanzen verstärkt werden.
Falls erforderlich, ist die Rohrleitung in Abschnitte zu unterteilen. Der für die Reinigung bzw. Desinfektion vorgesehene Leitungsabschnitt ist von in Betrieb befindlichen Teilen des Trinkwasserversorgungssystems zu trennen, um sicherzustellen, dass kein Wasser von dem zu reinigenden bzw. zu desinfizierenden Leitungsabschnitt in das in Betrieb befindliche Trinkwasser-Rohrnetz eindringen kann.
Ausnahmen von der geforderten Leitungstrennung sind zulässig bei kurzen Leitungslängen und bei Anschlussleitungen < DN 80 und weniger als 100 m Länge, wenn durch besondere Maßnahmen ein Eindringen von Desinfektionswasser in das in Betrieb befindliche Trinkwasser-Rohrnetz verhindert wird. Das kann über jeweils zwei gesperrte, hintereinander liegende Absperrarmaturen mit einem dazwischen liegenden, drucklosen Rohrleitungsabschnitt oder mittels Steckscheiben erfolgen. Gesperrte Armaturen sind eindeutig zu kennzeichnen, um eine irrtümliche Betätigung zu vermeiden. Werden Standrohre eingesetzt, sind diese mit geeigneten Sicherungsarmaturen zu versehen.
Bei hartnäckigen Verkeimungen von Leitungen sind Mehrfachdesinfektionen im Wechsel mit Spülungen solange notwendig, bis einwandfreie mikrobiologische Befunde der Proben des nicht desinfizierten Wassers vorliegen. Die im folgenden Abschnitt beschriebenen Verfahren haben sich bewährt.
8.1. Spülverfahren
8.1.1. Spülen mit Trinkwasser
Bei Leitungen bis DN 150 ist das Spülen mit Trinkwasser das einfachste Reinigungsverfahren. Unter Umständen kann bereits damit auf eine zusätzliche Desinfektion mit chemischen Mitteln verzichtet werden.
Wenn die Rohrleitung nicht mittels Hochdruckgerät vorgereinigt ist, ist es für den Erfolg des Spülens wesentlich, dass eine ausreichende Fließgeschwindigkeit (2 bis 3 m/s) in der Leitung erreicht wird.
Benutzt man für die Zuleitung des Spülwassers Schläuche als Behelf, so dürfen diese nur für Trinkwasser verwendet werden (Kennzeichnung). Vor Gebrauch müssen sie gespült und möglichst auch desinfiziert werden. Das Gleiche gilt für Schnellkupplungsrohre.
Als Spülwassermenge sollte je nach Leitungsquerschnitt – der drei- bis fünffache Rohrinhalt verwendet werden.
8.1.2. Spülen mit Luft/Wasser-Gemisch
Lässt sich in einer Leitung allein durch Trinkwasser keine ausreichende Spülwirkung erreichen, so kann das Spülen durch gleichzeitiges Zugeben von Luft unterstützt werden. Bei diesem Verfahren wird in eine abgeschieberte Strecke unter gleichzeitigem geringen Öffnen des Absperrorgans am Anfang der Leitungsstrecke Druckluft durch einen Hydranten eingeblasen, während das entstehende und mit Ablagerungspartikeln angereicherte Luft/Wasser-Gemisch über einen geöffneten Hydranten frei ausfließen kann (Bild 7). Wie bei jedem Spülen muss sichergestellt sein, dass während des Spülens kein Wasser aus der Spülstrecke in das in Betrieb befindliche Trinkwasser-Rohrnetz und zu den Verbrauchern gelangen kann. Die Druckluft kann mit einem Kompressor erzeugt werden. Hierbei ist auf ölfreie sowie partikel- und keimarme Druckluft sowie auf ausreichenden Druck auf der Seite des Kompressors zu achten. Außerdem muss sichergestellt sein, dass mit der Luft keine sonstigen Verunreinigungen in das Rohrnetz eingetragen werden.
Nach dem Spülen mit Luft/Wasser muss auf einwandfreie Entlüftung der Rohrleitung geachtet werden. Die Spülung mit einem Luft/Wasser-Gemisch sollte nur durch erfahrene Fachkräfte ausgeführt werden.
Bild 7: Spülen der Rohrleitung mit Luft/Wasser-Gemisch ohne Leitungstrennung
8.1.3. Molchverfahren
Das Molchen wird für die Entfernung fest anhaftender Ablagerungen aus älteren Leitungen verwendet. Die Inkrustationen werden dabei mittels mehrteiligen Kratzern gelöst und durch Gummischeiben ausgetragen.
Das Molchverfahren ist aber auch für die Reinigung neu verlegter Trinkwasserleitungen und für Trinkwasserfüllschläuche geeignet. Da hier nur leicht anhaftende Verunreinigungen entfernt werden sollen, reichen weiche, fein- bis mittelporige Schwammgummibälle mit einer Dichte von ca. 0,16 g/cm*3* aus. Die Ergebnisse der Reinigung neu verlegter Leitungen durch das Molchverfahren zeigen, dass fast immer der erste Versuch zu mikrobiologisch einwandfreien Ergebnissen führt.
8.2. Desinfektion
Für den Fall, dass mit Spülverfahren nach Abschnitt 8.1 nicht die notwendige mikrobiologische Unbedenklichkeit für die Inbetriebnahme der Leitung erreicht werden kann, können Desinfektionsverfahren eingesetzt werden.
Beim Einsatz von Desinfektionsmitteln sind mögliche Umweltschäden zu vermeiden, die bei unvorhergesehenem Freisetzen der Desinfektionslösung entstehen können. Die gesamte für die Desinfektion verwendete Ausrüstung muss für den Einsatz in der Trinkwasserversorgung geeignet sein. Es dürfen nur erfahrene, im Umgang mit Desinfektionsmitteln geschulte Fachkräfte eingesetzt werden.
Trinkwasserfüllschläuche werden durch die Eisenbahnen des Bundes vorsorglich in Abständen von 6 Monaten desinfiziert. Über diese Desinfektion der Schläuche wird ein Nachweis geführt, um bei weiteren Parameterüberschreitungen die betreffenden Schläuche auch nachträglich ermitteln zu können.
Zur Desinfektion der Schläuche ist eine geeignete Vorrichtung zum Befüllen der Schläuche mit Desinfektionslösung und zum Aufhängen der Schläuche während der Einwirkungszeit des Mittels erforderlich. Die Desinfektionslösung wird in der vorgeschriebenen Konzentration in die betreffenden Schläuche eingefüllt und muss dort (je nach verwendetem Mittel) ca. 1,5 bis 5 Stunden einwirken.
Zwischen der stationären Füllschlauch-Desinfektionsanlage und dem damit fest verbundenen Trinkwasseranschluss ist gemäß DIN 1988 bzw. DIN EN 1717 eine geeignete Sicherungsarmatur einzubauen, um zu verhindern, dass bei Druckabfall im Trinkwassernetz desinfektionsmittelhaltige Wässer in die Trinkwasserleitung zurückgesaugt werden können.
Eine Möglichkeit der baulichen Ausführung einer stationären Desinfektionsanlage ist in Abschnitt 6.2.1. aufgezeigt. Abschnitt 6.2.2. zeigt ein Beispiel für eine mobile Desinfektionsanlage für den Einsatz von Herlisil.
8.2.1. Statisches Desinfektionsverfahren
Beim statischen Verfahren verbleibt die Desinfektionsmittellösung für mindestens 12 Stunden im vollständig gefüllten Leitungsabschnitt. Die Konzentration der Desinfektionsmittellösung und die Mindestkontaktzeit sind von der Zehrung des Wassers abhängig. Am Ende der Einwirkzeit soll das Desinfektionsmittel noch nachweisbar sein, d.h., ca. 30% der ursprünglich eingespülten Konzentration. Es werden die in Tabelle 1 aufgeführten Konzentrationen empfohlen.
Neuverlegte Rohrleitung werden mit Trinkwasser gefüllt, dem in konstantem Verhältnis in der Regel über einen Hydranten Desinfektionsmittel in Konzentration der Dosierlösung mit einer Dosierpumpe oder einem Injektor zugemischt wird. Die Zugabe darf erst beendet werden, wenn die gesamte Leitung mit Desinfektionslösung gefüllt ist. Diese Art der Erstbefüllung der neuverlegten Rohrleitung hat den großen Vorteil, dass auch die schwer zu erreichenden Toträume im Bereich von Muffenspalten, Überschiebern oder Armaturen sofort mit Desinfektionsmittel benetzt werden.
Beim Einspülen von Desinfektionslösung mit geringer Fließgeschwindigkeit und großen Leitungsquerschnitten in bereits gefüllte Wasserleitungen kann sich ein Stromfaden mit Desinfektionsmittel in der Mitte oder im Scheitel des Leitungsquerschnitts bilden. Dadurch kommt es nicht zu der gewünschten Wirkung an der Wandung bzw. Oberfläche.
Während der Standzeit müssen in dem behandelten Leitungsstück vorhandene Schieber, Hydranten usw. betätigt werden, um auch sie zu desinfizieren.
Bild 8: Desinfektion einer Rohrleitung bei Leitungstrennung
8.2.2. thermisches Desinfektionsverfahren
In zentralen oder dezentralen Warmwasser-Versorgungssystemen der Schienenfahrzeuge besteht bei entsprechenden technischen Voraussetzungen auch die Möglichkeit einer thermischen Desinfektion.
Dabei wird der gesamte Inhalt des Warmwasserleitungs- und -speichersystems durch den Trinkwassererwärmer auf > 70°C erhitzt. Jede Entnahmestelle ist bei geöffnetem Auslaß für mindestens 3 Minuten mit 70°C zu beaufschlagen. Temperatur und Zeitdauer sind dabei unbedingt einzuhalten.
8.3. Vorgehen bei Reparaturen
Reparaturarbeiten sind mit äußerster Sorgfalt und Sauberkeit auszuführen. Es ist unter allen Umständen zu verhindern, dass bei Reparaturen im Bereich von ortsfesten Trinkwasserbefüllungsanlagen Wasser aus der Baugrube in die Trinkwasserleitung gelangt. Dazu sind ausreichend starke Pumpen vorzuhalten. Außerdem ist für eine ausreichende Tiefe der Baugrube und, falls möglich, für eine nicht vollständige Absperrung des beschädigten Leitungsabschnittes zu sorgen, damit an der Schadenstelle immer ein geringer Wasseraustritt erfolgt. Einzubauende Teile sind mit sauberem Trinkwasser oder Desinfektionslösung vor Ort zu reinigen.
Falls nach einem Rohrschaden der Leitungsabschnitt desinfiziert werden soll (s.a. Bild 8), ist eine Einwirkzeit von mindestens 1 Stunde anzustreben. Eine höhere Konzentration an Desinfektionsmittel als in Tabelle 1 genannt, verbessert nicht zwangsläufig das Desinfektionsergebnis. Vielmehr ist sicherzustellen, dass das Desinfektionsmittel an alle zu desinfizierenden Anlagenteile gelangt. Das Eindringen von Desinfektionslösung in angeschlossene benachbarte Anlagenteile, die zum Zeitpunkt der Desinfektion weiter der Entnahme von Wasser für den menschlichen Gebrauch dienen, muss ausgeschlossen sein. Die Desinfektionslösung ist mit einer nachfolgenden Spülung sicher aus der Trinkwasserleitung hinauszuspülen.
Nach der Reparatur muss eine gründliche Reinigung (Spülung) solange durchgeführt werden, bis in dem von der Reparatur betroffenen Netzabschnitt zumindest optisch keine Trübung des Trinkwassers mehr festgestellt werden kann.
9. Reinigung und Desinfektion von Einbauteilen
Eine besondere Desinfektion von Einbauteilen, wie Pumpen, Armaturen, Rohrformstücke etc., wird nur selten erforderlich. Wegen der in der Regel glatten Innenflächen, die mit Trinkwasser in Berührung kommen, reicht der Spüleffekt durch reines Trinkwasser bei der Inbetriebnahme im Allgemeinen aus. Im übrigen kann eine Desinfektion auch zusammen mit der Desinfektion der Rohrleitung erfolgen, wobei in diesem Fall z. B. Schieber und Hydranten zu betätigen sind, damit die Desinfektionslösung auch in wenig durchflossene Hohlräume gelangt.
10. Kontrolluntersuchungen
10.1. Entnahme von Trinkwasserproben
Bei Rohrleitungen müssen nach beendeter Reinigung (Spülung) bzw. Desinfektion zumindest an ihrem Ende, bei Verzweigung gegebenenfalls auch an mehreren Enden und bei längeren Leitungen auch von Teilstücken, Trinkwasserproben entnommen werden.
Hierfür hat sich bewährt, Entnahmeventile an den Spülstandrohren anzubringen (s. Bild 9). Der Austausch von Spülstandrohren gegen Entnahmestandrohre bringt die Möglichkeit des Eindringens von Verunreinigungen mit sich, was zu falschen Ergebnissen bei der Untersuchung der Wasserproben führen kann. Auch bei Spülungen über Ausläufe oder Entleerungen muss eine Möglichkeit zur korrekten Entnahme von Trinkwasserproben (Entnahmearmaturen ohne Strahlregler, Gummi- bzw. Kunststoffdichtungen o.ä.) vorhanden sein.
Bei der Probenahme sind die in DIN 38411, Teil 1 "Deutsche Einheitsverfahren zur Wasser-, Abwasser- und Schlammuntersuchung; Mikrobiologische Verfahren (Gruppe K); Vorbereitung zur mikrobiologische Untersuchung von Wasserproben (K1)" angegebenen Maßnahmen (Ablaufenlassen, Reinigen und Abflammen der Entnahmeventile) zu berücksichtigen.
Vor der Probenahme für mikrobiologische Untersuchungen ist zu prüfen, ob das Wasser eventuell noch Desinfektionsmittel enthält. Beispielsweise darf der maximale freie Chlorgehalt des abgegebenen Trinkwassers nur bis 0,3 mg/l betragen.
Bild 9: Spülstandrohr mit Einrichtung zur Entnahme von Proben für bakteriologische Untersuchungen
10.2. Mikrobiologische Untersuchungen
Folgende Grenzwerte und Anforderungen für mikrobiologische Parameter der Trinkwasserverordnung müssen eingehalten werden:
□ keine Escherichia coli in 100 ml,
□ keine coliformen Bakterien in 100 ml,
□ keine Enterokokken in 100 ml,
□ Koloniezahlen bei 22° C ohne anormale Veränderung (bzw. bei Untersuchung nach altem Untersuchungsverfahren < 20 je 1 ml bei desinfiziertem Wasser und < 1000 je 1 ml in Trinkwasserfüllanlagen und Schienenfahrzeugen)
□ Koloniezahlen bei 36° C ohne anormale Veränderung (bzw. bei Untersuchung nach altem Untersuchungsverfahren < 100 je 1 ml in Trinkwasserfüllanlagen und Schienenfahrzeugen)
Nur wenn diese Grenzwerte und Anforderungen eingehalten sind, darf die Trinkwasserfüllanlage oder die Trinkwasserversorgungsanlage des Schienenfahrzeuges in Betrieb genommen werden. Bei Überschreitung von nur einem Parameter muss der gesamte Vorgang mit Spülung bzw. Desinfektion, Probenahme und mikrobiologischer Untersuchung wiederholt werden.
11. Inbetriebnahme von Trinkwasserleitungen und -behältern
Die Inbetriebnahme von neuen und länger außer Betrieb gewesenen Rohrleitungen oder Behältern für die Trinkwasserversorgung darf erst dann erfolgen, wenn die mikrobiologische Unbedenklichkeit auf Grund von entsprechenden Untersuchungsergebnissen nachgewiesen ist. Die Untersuchungsergebnisse sind mit Angabe von Ort und Zeitpunkt der Probeentnahme und des Ergebnisses der Chlorbestimmung festzuhalten. Diese Daten sind den Betriebsunterlagen des Betreibers beizufügen.
Gemäß § 13 Abs. 1 der Trinkwasserverordnung ist der Betreiber einer neuen Trinkwasserversorgungsanlage (WFA) verpflichtet, dem Eisenbahn-Bundesamt als zuständigem Gesundheitsamt die beabsichtigte Inbetriebnahme spätestens vier Wochen vorher anzuzeigen.
12. Beseitigung von reinigungs- und desinfektionsmittelhaltigen Wässern
Nach Beendigung der Reinigung bzw. Desinfektion von Wasserverteilungsanlagen, Behältern und Trinkwasserfüllschläuchen muss das verwendete Mittel bzw. seine wässrige Lösung beseitigt werden, ohne dass dadurch Schäden in der Umwelt entstehen.
Hierzu kann entweder die Konzentration des Mittels durch Verdünnung soweit abgesenkt werden, dass keine Schädigung mehr zu erwarten ist, oder das Mittel, das im Allgemeinen eine oxidierende Wirkung hat, durch die Einwirkung von Reduktionsmitteln unwirksam gemacht werden. Letzteres kann durch Zugabe von chemischen Reduktionsmitteln (siehe Abschnitt 12.3.) geschehen.
Für die Beseitigung von Wässern, die Reinigungs- bzw. Desinfektionsmittel enthalten, kommen im Wesentlichen drei Möglichkeiten in Betracht, wobei wasserrechtliche Gesichtspunkte zu beachten sind:
□ Einleitung in ein öffentliches Kanalnetz
□ direkte Einleitung in einen Vorfluter
□ Versickerung im Erdreich
Dabei ist zu berücksichtigen, dass neben den Reinigungs- bzw. Desinfektionsmitteln auch die bei der Reinigung anfallenden Schmutzstoffe im abzuleitenden Wasser enthalten sind.
12.1. Wasserrechtliche Gesichtspunkte
Für Einleitungen in die Kanalisation ist die jeweils geltende Entwässerungssatzung (Kanalsatzung, Abwassersatzung) maßgebend.
Die Einleitung von reinigungs- bzw. desinfektionsmittelhaltigen Wässern, Spülwässern usw. in ein oberirdisches Gewässer stellt eine Benutzung des Gewässers nach § 3 Wasserhaushaltsgesetz14 dar. Die Benutzung bzw. hier Einleitung von Stoffen im Sinne des § 3 Abs. 1 Nr. 4 WHG ist nur mit einer Erlaubnis gemäß § 7 WHG zulässig. Einleitungen in das Grundwasser stellen nach § 3 Abs. 1 Nr. 5 ebenfalls eine Benutzung dar, deren Zulassung nach § 34 Abs. 1 WHG Einschränkungen unterliegt. Die ergänzenden Bestimmungen der Wassergesetze der Länder sind zu beachten.
Die Beseitigung von reinigungs- und desinfektionsmittelhaltigen Wässern durch Verrieseln bzw. Versickern über freiem Gelände bedarf nur dann keiner wasserrechtlichen Erlaubnis, wenn sichergestellt ist, dass dabei keine Schadstoffe in das Grundwasser gelangen. Privatrechtliche Regelungen mit den beteiligten Grundstückseigentümern sind erforderlich.
12.2. Einleitung in ein öffentliches Kanalnetz
Die Einleitung reinigungs- bzw. desinfektionsmittelhaltiger Wässer in das öffentliche Kanalnetz hat entsprechend den Auflagen des Betreibers der Abwasserbeseitigung zu erfolgen. Fallen dabei größere Flüssigkeitsmengen an, ist eine Abstimmung mit dem Betreiber der Kanalisation und des Klärwerkes erforderlich.
12.3. Einleitung in einen Vorfluter
Bei der direkten Einleitung von reinigungs- bzw. desinfektionsmittelhaltigen Wässern in einen Vorfluter (oder über die Regenwasserkanalisation) sind die besonderen örtlichen Verhältnisse, insbesondere die jeweilige Wasserführung des Vorfluters sowie die abzuleitenden Wassermengen, zu berücksichtigen, um schädigende Wirkungen im Gewässer zu vermeiden.
Als sichere und für die Gewässerökologie unschädliche Methode hat sich bei desinfektionsmittelhaltigen Abwässern die chemische Umsetzung bewährt. Zur Behandlung von chlorhaltigen Desinfektionsmitteln wird im Allgemeinen eine etwa 10%ige Natriumthiosulfatlösung verwendet. Je Gramm Chlor ist in der Praxis ein Zusatz von ca. 3,5 g technischem (Na2S203 5 H20) bzw. 2,2 g wasserfreiem Natriumthiosulfat (Na2S203) erforderlich.
Natriumthiosulfat ist für Wasserorganismen unschädlich. Zu beachten ist jedoch die durch Natriumthiosulfat-Überschüsse hervorgerufene Sauerstoffzehrung im Gewässer. Natriumthiosulfat kann grundsätzlich auch zur Umsetzung von überschüssigem Kaliumpermanganat und Wasserstoffperoxid verwendet werden.
Bei der Behandlung mit Natriumthiosulfat ist dafür Sorge zu tragen, dass eine vollständige Durchmischung stattfindet, bevor die Einleitung in den Vorfluter erfolgt.
Zum Entchloren eignet sich auch Wasserstoffperoxid, wobei in gleicher Weise vorgegangen wird. Zur Reduktion von 1 g Chlor wird ca. 1 g H202 benötigt. Man verwendet einen geringen Überschuss von 5 bis 10 %, der in der Vorflut rasch abgebaut wird.
Die Inaktivierung von Chlor kann auch mit Aktivkohle vorgenommen werden. Für diesen Fall werden transportable Filter mit Aktivkohlefüllungen zwischen 1 und 2 m*3* empfohlen. Um eingeschwemmte Verunreinigungen entfernen zu können, müssen diese Filter rückspülbar sein.
12.4. Versickerung im Erdreich
Die Beseitigung chlorhaltiger Abwässer durch Verrieseln bzw. Versickern im Gleisbereich bzw. im freiem Gelände bedarf nur dann keiner wasserrechtlichen Erlaubnis, wenn sichergestellt ist, dass dabei nichts in das Grundwasser gelangt. Dieser Nachweis dürfte durch die Bahnunternehmen selbst nicht ohne weiteres zu erbringen sein, da die Untergrundverhältnisse bzw. Grundwasserströmungen in der Regel diesen Unternehmen nicht bekannt sind. Einleitungen in das Grundwasser stellen nach § 3 Wasserhaushaltsgesetz ebenfalls eine Benutzung dar, deren Zulassung nach § 34 Abs. 1 WHG Einschränkungen unterliegt.
Die Beseitigung von Herlisil-Lösung in der vorgeschriebenen Einsatzkonzentration bis max. 300 mg Herlisil/ l Frischwasser durch Verrieseln bzw. Versickern im Gleisbereich bzw. im freiem Gelände kann nach Aussage des Herstellers als unbedenklich angesehen werden, da das in dieser geringen Konzentration enthaltene H2O2 (Wasserstoffperoxid) in Verbindung mit den organischen Substanzen im Erdreich leicht in H2O (Wasser) und O2 (Sauerstoff) zerfällt.
13. Desinfektion von Trinkwasser selbst (Trinkwasseraufbereitung)
13.1. Anforderungen
Für die Desinfektion im Rahmen der Trinkwasseraufbereitung dürfen grundsätzlich nur die gemäß Trinkwasserverordnung zugelassenen Mittel und Verfahren zum Einsatz gelangen. Diese Mittel und Verfahren sind mit den entsprechenden Einsatzbedingungen in der "Liste der Aufbereitungsstoffe und Desinfektionsverfahren gemäß § 11 Trinkwasserverordnung 2001" vom Bundesministerium für Gesundheit und Soziale Sicherung im Bundesgesundheitsblatt veröffentlicht.
Die Anwendungsbereiche und zu beachtende Randbedingungen für den Einsatz dieser Desinfektionsmittel und -verfahren sind in Tabelle 3 aufgeführt.
Desinf.-mittel
Chlor und Chlorverbindungen CI2
– pH < 8
– Ammonium < 0,1
– DOC*2* £ 2,5 mg/l*3*
1,2 mg/l CI2
(0,6 mg/l CI2)*1*
max. 0,3 mg/l CI2
min. 0,1 mg/l CI2
Trihalogenmethane und andere chlororganische Verbindungen;
Chlordioxid CIO2
– gesamter pH-Bereich
0,4 mg/l CIO2
max. 0,2 mg/l CIO2
min. 0,05 mg/l CIO2
Chlorit*4*;
– nicht als letzte
10 mg/l O3
0,05 mg/l O3
erhöhte Bildung biologisch abbaubare Stoffe
Desinf.-verfahren
(240-290 nm)
– biologisch stabile
Abkochen*5*
– als Notfallmaßnahme
*1* zulässig, wenn die Desinfektion nicht anders gesichert werden kann, oder wenn die Desinfektion zeitweise durch Ammonium beeinträchtigt wird
*2* DOC = der gelöste organische Kohlenstoff (dissolved organic carbon)
*3* Orientierungswert bedingt durch Grenzwerte für Nebenprodukte
*4* der Wert für Chlorit gilt als eingehalten, wenn nicht mehr als 0,2 mg/l Chlordioxid zugegeben werden
*5* sprudelndes Kochen
13.2. Dosieranlagen für Desinfektions- bzw. Oxidationsmittel
Sind in Trinkwasserfüllanlagen Dosieranlagen für Desinfektions- bzw. Oxidationsmittel in Betrieb oder sollen solche zum Einsatz gelangen, sind die Betriebsanleitungen und die für den Bau, den Betrieb und die Wartung geltenden Vorschriften, Richtlinien und Normen zu beachten (siehe auch Abschnitt 14).
Gemäß der "Unfallverhütungsvorschrift GUV 8.15 Chlorung von Wasser" vom April 1979 i.d.F. vom Januar 1997 (am 30.01.1997 von der EUK beschlossen und öffentlich bekanntgemacht) und den dazu erlassenen "Durchführungsanweisungen" (am 06.09.1996 von der EUK beschlossen) in Verbindung mit der "Richtlinie 89/392/EWG des Rates vom 14.06.1989 zur Angleichung der Rechtsvorschriften der Mitgliedsstaaten für Maschinen" und der "Richtlinie 89/655/EWG des Rates vom 30.11.1989 über Mindestvorschriften für Sicherheit und Gesundheitsschutz bei Benutzung von Arbeitsmitteln durch Arbeitnehmer bei der Arbeit" gelten im Bereich der Eisenbahnen des Bundes für Chlorungsanlagen, die mit Natrium- und Calciumhypochlorit betrieben werden, folgende Festlegungen:
Aufstellungsräume:
□ Chlorungsanlagen müssen in verschließbaren, gut zu lüftbaren Räumen aufgestellt und die für die Chlorung bestimmten Chemikalien müssen in verschließbaren Räumen gelagert sein. Durch diese Forderungen sollen Chlorungsanlagen und Chemikalien gegen Witterungseinflüsse geschützt und dem Zugriff Unbefugter entzogen werden. Diese Räume sind gegen Zutritt Unbefugter zu sichern. Die Räume dürfen außerdem nicht für den ständigen Aufenthalt von Personen bestimmt sein. Ein "ständiger" Aufenthalt liegt vor, wenn sich Personen länger als 2 Stunden pro Tag in dem Raum aufhalten. Reparatur- und Wartungsarbeiten an der Chlorungsanlage sind hiervon ausgenommen.
□ Abweichend davon dürfen in Arbeitsräumen, in denen sich Personen ständig aufhalten, Chlorungsanlagen, die für einen dort stattfindenden Arbeitsprozess benötigt werden, aufgestellt sein, wenn
– nur die für den Fortgang der Arbeit erforderlichen Chemikalien vorhanden sind und
– die Chlorungsanlagen und Chemikalien gegen Zugriff Unbefugter gesichert werden können.
□ In Räumen, in denen Natriumhypochlorit, Natriumchlorit, deren Lösungen oder Salzsäure vorhanden sind, darf die Temperatur 0 °C nicht unterschreiten. Unter 0 °C können Lösungen auskristallisieren, evtl. gefrieren und möglicherweise Behälter beschädigen. Ein gefahrloses Beseitigen von Chemikalien muss möglich sein. Die Forderung kann z.B. durch einen Wasseranschluss und einen Bodenablauf erfüllt werden.
□ Ortsveränderliche Chlorungsanlagen dürfen abweichend auch außerhalb von Räumen aufgestellt sein, wenn sie gegen Zugriff Unbefugter gesichert sind. Die Bestimmung ist während des Betriebes erfüllt, wenn z.B. die Chlorungsanlage ständig beaufsichtigt wird.
□ Durch Anschläge ist auf die Gefahren beim Umgang mit Chlorungsanlagen und auf Vorsichtsmaßnahmen hinzuweisen. Diese Forderung ist z.B. erfüllt, wenn die Anschläge dem Anhang 3 der GUV 8.15 entsprechen.
□ Die Verschlüsse von Behältern für die zur Chlorung verwendeten Chemikalien müssen gegen unbeabsichtigtes Lösen gesichert sein und das Eindringen von Verunreinigungen wie auch das Austreten des Behälterinhaltes bei Transport und Lagerung verhindern.
□ Behälter für Chemikalien oder Chlor müssen dem Inhaltsstoff entsprechend gekennzeichnet sein.
□ Der Unternehmer hat unter Verwendung der von den Herstellern von Chlorungsanlagen bzw. Chemikalien mitgelieferten Betriebs- und Gebrauchsanleitungen eine Betriebsanweisung in verständlicher Form und Sprache aufzustellen. Sie muss insbesondere Angaben enthalten über:
– die In- und Außerbetriebnahme,
– die Bedienung und Wartung der Anlage und
– das Verhalten bei Störfällen und Maßnahmen zur Abwehr von Gefahren.
□ Die Betriebsanweisung ist den Aufsichtspersonen auszuhändigen und im Bereich der Chlorungsanlage oder an sonstiger geeigneter Stelle gut sichtbar auszuhängen bzw. auszulegen.
□ Mit der Bedienung und Wartung von Chlorungsanlagen sowie mit dem Umgang mit Chemikalien dürfen nur Personen beauftragt werden, die darin unterwiesen sind und von denen zu erwarten ist, dass sie ihre Aufgaben zuverlässig erfüllen.
□ Der Unternehmer hat folgende persönliche Schutzausrüstungen für Mitarbeiter, die Umgang mit Natrium- bzw. Calciumhypochlorit haben, zur Verfügung zu stellen:
Gesichtsschutz, Gummi- oder Kunststoffstiefel, Schutzhandschuhe und Schutzschürze.
□ Der Unternehmer hat dafür zu sorgen, dass die Beschäftigten mit der Benutzung der persönlichen Schutzausrüstung vertraut sind. Die Beschäftigten sind mit der Benutzung der persönlichen Schutzausrüstungen vertraut, wenn sie in die Benutzung eingewiesen bzw. für den Umgang mit ihnen ausgebildet worden sind und die persönlichen Schutzausrüstungen regelmäßig verwenden oder mind. halbjährlich Übungen durchführen.
□ Leere und gefüllte Behälter für die zur Chlorung verwendeten Chemikalien dürfen nur in Räumen bzw. an Orten aufbewahrt werden, die den Forderungen, die an die Aufstellungsräume (s.o.) gestellt werden, entsprechen.
Gefüllte und leere Chemikalienbehälter sind geschlossen zu halten.
□ Zur Vermeidung von Chlorgasbildung darf Natriumhypochlorit nicht mit Säure oder sauer reagierenden Chemikalien in Berührung kommen. Es darf z.B. Natriumhypochlorit nicht mit Salzsäure oder Aluminiumsulfat-Lösung zusammengeschüttet werden.
Natriumhypochlorit darf mit Säure oder sauer reagierenden Chemikalien nur dann in demselben Raum gelagert bzw. aufgestellt werden, wenn entweder Natriumhypochlorit oder Säure bzw. sauer reagierende Chemikalien in bruchsicheren Gefäßen aufbewahrt sind.
□ Chlorungsanlagen dürfen erst in Betrieb genommen werden, nachdem sie durch einen Sachkundigen auf ihren ordnungsgemäßen Zustand geprüft und dabei insbesondere gasführende Teile einer Dichtheitsprüfung unterzogen worden sind. Chlorungsanlagen sind regelmäßig, jedoch mindestens einmal jährlich und vor jeder Wiederinbetriebnahme durch einen Sachkundigen auf Sicherheit zu prüfen. Über Art und Ergebnis der Prüfungen ist ein schriftlicher Nachweis zu führen.
□ Sachkundige sind Personen, die aufgrund ihrer fachlichen Ausbildung und Erfahrung ausreichende Kenntnisse auf dem Gebiet von Chlorungsanlagen haben und mit den einschlägigen staatlichen Arbeitsschutzvorschriften, Richtlinien, Unfallverhütungsvorschriften und allgemein anerkannten Regeln der Technik (z.B. VDE-Bestimmungen, DIN-Normen) soweit vertraut sind, dass sie den arbeitssicheren Zustand von Chlorungsanlagen beurteilen können.
Für die Durchführung der vorgeschriebenen Prüfungen kann z.B. ein Wartungsvertrag mit dem Hersteller oder einer fachkundigen Firma abgeschlossen werden.
In Trinkwasser, das mit Chlor, mit Natrium- oder Calciumhypochlorit desinfiziert wird, muss gemäß der Liste der Aufbereitungsstoffe und Desinfektionsverfahren des Umweltbundesamtes, Teil I c, nach Abschluss der Aufbereitung ein Restgehalt von mindestens 0,1 mg freiem Chlor je Liter nachweisbar sein. Die festgelegte Höchstkonzentration von 0,3 mg freiem Chlor pro Liter darf nicht überschritten werden.
In Trinkwasser, das mit Chlordioxid desinfiziert wird, muss nach der o.g. Liste nach Abschluss der Aufbereitung ein Restgehalt von mindestens 0,05 mg Chlordioxid je Liter nachweisbar sein. Die festgelegte Höchstkonzentration von 0,2 mg Chlordioxid pro Liter darf nicht überschritten werden.
Sind keine kontinuierlich arbeitenden Messgeräte zur Chlorüberschuss-Messung (wie z.B. in Chlordosierungsanlagen) vorhanden, müssen die Betreiber der Anlagen gemäß der Tabelle 1 b der Liste der Aufbereitungsstoffe und Desinfektionsverfahren des Umweltbundesamtes und dem § 16 Abs. 4 TrinkwV wöchentlich folgende Kontrollen vornehmen:
Kontrolle der zugesetzten Menge des Einsatzproduktes (Verbrauch), Dokumentation in einem Betriebsbuch erforderlich;
Kontrolle der Konzentration des Wirkstoffes im aufbereiteten Trinkwasser, Dokumentation in einem Betriebsbuch und Nachweis von Analysenbefunden erforderlich.
Die Dokumentation der Kontrollen ist schriftlich oder auf Datenträgern zu erfassen.
13.3. UV- Bestrahlungsanlagen in Schienenfahrzeugen
Voraussetzung für eine zuverlässige UV-Desinfektion ist ein weitgehend partikelfreies Wasser (Trübung). Außerdem sollen zur Vermeidung störender Ablagerungen in der Bestrahlungskammer die Gehalte von gelöstem Eisen unter 0,03 mg/l sowie an Mangan unter 0,02 mg/l liegen.
Das von Quecksilber-Niederdruckstrahlern abgegebene ultraviolette Licht (UV) mit einer Wellenlänge von 254 nm bewirkt über die Zerstörung der Erbsubstanz der Mikroorganismen deren zuverlässiges Absterben. Um diesen Prozess wirkungsvoll zu unterstützen, erfolgt die Bestrahlung mit einer Intensität von mindestens 400 J/m*2*. Diese hohe Dosis führt bei Mikroorganismen zu den sicheren Inhibierungsraten von 4 bis 5 logarithmischen Stufen (10*4*-10*5*).
Unter allen Verfahren zur Desinfektion des Trinkwassers erfüllt die UV-Bestrahlung am ehesten die Forderung der DIN 2000 nach Abgabe von unbehandeltem Trinkwasser. Mit UV-Strahlen ist die Desinfektion des Wassers auch bei hoher bakteriologischer Belastung einfach und sicher durchführbar, ohne dass Stoffe in gesundheitsschädigenden Konzentrationen gebildet werden und der Geschmack des Trinkwassers verändert wird.
Das setzt jedoch voraus, dass diese UV-Bestrahlungsanlagen in den Schienenfahrzeugen entsprechend den Betriebsanweisungen der Hersteller regelmäßig gewartet werden (Strahlerwechsel, Reinigung des Quarzschutzrohres). Diese Wartung erfolgt im Zuge der regelmäßig durchzuführenden Fristarbeiten am Schienenfahrzeug.
Zusätzlich ist vom Betreiber des Schienenfahrzeuges darauf zu achten, dass die Anzeige der Strahlungsintensität je nach Typ der UV-Bestrahlungsanlage nicht unter 30% bzw. 40% abfällt. In diesem Fall muss dann auch außerhalb der Fahrzeug-Fristen eine Wartung der UV-Anlage erfolgen. Grundsätzlich müssen für die Trinkwasseraufbereitung in Schienenfahrzeugen zertifizierte UV-Anlagen eingesetzt werden.
13.4. Trinkwasserkonservierung
In bestimmten Ausnahmesituationen kann es erforderlich werden, dass in den Trinkwasserbehältern der Schienenfahrzeuge (z.B. in Rettungszügen) das vorhandene Wasser für den menschlichen Gebrauch für einen längeren Zeitraum haltbar gemacht werden muss. Dazu macht sich zur Verhinderung der Verkeimung des Trinkwassers die Zugabe eines Konservierungsmittels erforderlich.
Als Zusatzstoffe zur Konservierung sind gemäß Liste der Aufbereitungsstoffe und Desinfektionsverfahren des Umweltbundesamtes (Liste III a) Silbersalze (Silbernitrat, Silbersulfat, Silbercarbonat) zugelassen.
Die zulässige Zugabe für Silbersalze beträgt 0,1 mg Silber / l Trinkwasser; die Höchstkonzentration dieser Zusatzstoffe beträgt nach der Aufbereitung 0,08 mg Silber/ l Trinkwasser.
Die Anwendung ist befristet bis 01.01.2005 möglich und auch nur bei nichtsystematischem Gebrauch im Ausnahmefall.
Eine bei den Bahnen gebräuchliche Möglichkeit der Konservierung ist die Zugabe von 1 g "Micropur MP 100" auf 100 l Trinkwasser. Micropur ist ein chlorfreies Präparat zur Entkeimung und Konservierung von Trinkwasser. Es ist zu gewährleisten, dass in die Behälter der Sanitätsfahrzeuge nur klares, schwebstofffreies Trinkwasser eingefüllt wird, da dies eine Vorraussetzung für die wirksame Anwendung von Micropur ist.
14. Rechtsvorschriften, UVV, Normen, Technische Regeln und sonstige Unterlagen
14.1. Rechtsvorschriften
Gesetz zur Verhütung und Bekämpfung von Infektionskrankheiten beim Menschen (Infektionsschutzgesetz – IfSG), Artikel 1 des Gesetzes zur Neuordnung seuchenrechtlicher Vorschriften – (Seuchenrechtsneuordnungsgesetz) – vom 20.07.2000, zuletzt geändert durch Art. 11 § 3 des Gesetzes vom 06.08.2002 (BGBl. I S. 3082) mit Wirkung vom 01.11.2002.
Verordnung über die Qualität von Wasser für den menschlichen Gebrauch (Trinkwasserverordnung TrinkwV 2001) vom 21. Mai 2001 (BGBl I S. 959).
Gesetz über den Verkehr mit Lebensmitteln, Tabakerzeugnissen, kosmetischen Mitteln und sonstigen Bedarfsgegenständen (Lebensmittel- und Bedarfsgegenständegesetz -LMBG) in der Fassung der Bekanntmachung vom 09.09.1997 (BGBl I S. 2296) (BGBl III 2125-40-1-2) zuletzt geändert durch Gesetz zur Änderung futtermittelrechtlicher Vorschriften sowie zur Änderung sonstiger Gesetze vom 08.08.2002 (BGBl I S. 3116)
Gesetz zur Ordnung des Wasserhaushalts (Wasserhaushaltsgesetz- WHG) vom 27.07.1957 (BGBl I S. 1110, S. 1386) in der Fassung der Bekanntmachung vom 19.08.2002 (BGBl I S. 3245)
Allgemeine Verwaltungsvorschrift zum Wasserhaushaltsgesetz über die Einstufung wassergefährdender Stoffe in Wassergefährdungsklassen (Verwaltungsvorschrift wassergefährdende Stoffe VwVwS) vom 17. Mai 1999, Bundesanzeiger Jahrgang 51, Nr. 98a.
Verordnung über Allgemeine Bedingungen für die Versorgung mit Wasser – AVBWasserV – vom 20.06.1980 (BGBl I S. 750 S. 1067) (BGBl III 753-10) zuletzt geändert durch Verordnung zur Ersetzung von Zinssätzen vom 05.04.2002 (BGBl I S. 1250)
Verordnung über Ausnahmen von den Vorschriften über die Beförderung gefährlicher Güter (Gefahrgut-Ausnahmeverordnung – GGAV) vom 23. Juni 1993, BGBl I S. 994 (1993), zuletzt geändert durch die Zweite Verordnung zur Änderung gefahrgutrechtlicher Verordnungen vom 28. April 2003 (BGBl I S. 595, 601).
Verordnung über die innerstaatliche und grenzüberschreitende Beförderung gefährlicher Güter auf der Straße und mit Eisenbahnen – Gefahrgutverordnung Straße und Eisenbahn – GGVSE – vom 11.12.2001 (BGBl I S. 3529), zuletzt geändert durch die Zweite Verordnung zur Änderung gefahrgutrechtlicher Verordnungen vom 28. April 2003 (BGBl I S. 595, 601).
Verordnung zum Schutz vor gefährliche Stoffe (Gefahrstoffverordnung – GefStoffV), vom 16. Oktober 1993 i.d.F. der Bek. vom 15.11.1999 (BGBl I S. 2233, ber. S. 739), zuletzt geändert durch die Sechste Verordnung zur Änderung chemikalienrechtlicher Verordnungen vom 19.05.2003 (BGBl I S. 712, 713)
14.2. Unfallverhütungsvorschriften (UVV)
Technische Regeln für Gefahrstoffe (TRGS) 220, "Sicherheitsdatenblatt für gefährliche Stoffe und Zubereitungen".
Technische Regeln für Gefahrstoffe (TRGS) 555, "Betriebsanweisung und Unterweisung nach § 20 GefStoffV".
Unfallverhütungsvorschrift GUV 8.15 "Chlorung von Wasser" vom April 1979 i.d.F. vom Januar 1997 (am 30.01.1997 von der EUK beschlossen und öffentlich bekanntgemacht) und die dazu erlassenen Durchführungsanweisungen (am 06.09.1996 von der EUK beschlossen) in Verbindung mit der Richtlinie 89/392/EWG des Rates vom 14.06.1989 zur Angleichung der Rechtsvorschriften der Mitgliedsstaaten für Maschinen und der Richtlinie 89/655/EWG des Rates vom 30.11.1989 über Mindestvorschriften für Sicherheit und Gesundheitsschutz bei Benutzung von Arbeitsmitteln durch Arbeitnehmer bei der Arbeit
14.3. Normen
DIN 1988-2:
Technische Regeln für Trinkwasser-Installationen (TRWI); Planung und Ausführung; Bauteile, Apparate, Werkstoffe, Technische Regel des DVGW (1988-12).
DIN 1988-4:
Technische Regeln für Trinkwasser-Installationen (TRWI); Schutz des Trinkwassers, Erhaltung der Trinkwassergüte, Technische Regel des DVGW (1988-12).
DIN 1988-8:
Technische Regeln für Trinkwasser-Installationen (TRWI); Betrieb der Anlagen, Technische Regel des DVGW (1988-12).
Entwurf: Trinkwasserversorgung aus Kleinanlagen und aus nicht ortsfesten Anlagen; Leitsätze für Anforderungen an Trinkwasser; Planung, Bau, Betrieb und Instandhaltung der Anlagen.
DIN 27203-11:
Entwurf: Zustand der Eisenbahnfahrzeuge; Fahrgastraum; – Teil 11: Wasserversorgungsanlagen.
DIN EN 805:
Anforderungen an Wasserversorgungssysteme und deren Bauteile außerhalb von Gebäuden (2000-03).
DIN EN 806-1:
Technische Regeln für Trinkwasser-Installationen, Teil 1: Allgemeines (2001-04).
DIN EN 1508:
Entwurf: Wasserversorgung; Anforderung an Systeme und Bestandteile der Wasserspeicherung (Entwurf 1994-10)
Schutz des Trinkwassers vor Verunreinigungen in Trinkwasser-Installationen und allgemeine Anforderungen an Sicherheitseinrichtungen zur Verhütung von Trinkwasserverunreinigungen durch Rückfließen – Technische Regel des DVGW (2001-05)
DIN EN 900:
Produkte zur Aufbereitung von Wasser für den menschlichen Gebrauch – Calciumhypochlorit (2000-03).
DIN EN 901:
Produkte zur Aufbereitung von Wasser für den menschlichen Gebrauch – Natriumhypochlorit (2000-03).
DIN EN 902:
Produkte zur Aufbereitung von Wasser für den menschlichen Gebrauch – Wasserstoffperoxid (2000-04).
DIN EN 12671:
Produkte zur Aufbereitung von Wasser für den menschlichen Gebrauch – Chlordioxid (2000-11).
14.4. Technische Regeln der Deutschen Vereinigung des Gas- und Wasserfaches (DVGW)
DVGW – W 203:
Begriffe der Chlorung (1978-05).
DVGW – W 270:
Vermehrung von Mikroorganismen auf Materialien für den Trinkwasserbereich Prüfung und Bewertung (1999-11).
DVGW – W 271:
Tierische Organismen in Wasserversorgungsanlagen (1997-02)
sowie 1. Beiblatt (1997-02).
DVGW – W 290:
Entwurf: Trinkwasserdesinfektion – Einsatz- und Anforderungskriterien (2003-04).
DVGW – W 291:
Reinigung und Desinfektion von Wasserverteilungsanlagen (2000-03).
DVGW – W 293:
UV-Anlagen zur Desinfektion von Trinkwasser (1994-10).
DVGW – W 294:
UV-Anlagen Desinfektionsanlagen für die Trinkwasserversorgung; Anforderungen und Prüfung (1997-10).
DVGW – W 296:
Vermindern oder Vermeiden der Trihalogenmethanbildung bei der Wasseraufbereitung und Trinkwasserverteilung (2002-02).
DVGW – W 312:
Wasserbehälter – Maßnahmen zur Instandhaltung (1993-11).
DVGW – W 318:
Wasserbehälter, Kontrolle und Reinigung (1983-02).
DVGW – W 319:
Reinigungsmittel für Trinkwasserbehälter- Einsatz, Prüfung und Beurteilung (1990-05).
DVGW – W 331:
Auswahl, Einbau und Betrieb von Hydranten (2000-09).
DVGW – W 345:
Schutz des Trinkwassers in Wasserrohrnetzen vor Verunreinigungen (1962-01).
DVGW – W 346:
Guss- und Stahlrohrleitungsteile mit ZM- Auskleidung, Handhabung (2000-08).
DVGW – W 347:
Hygienische Anforderungen an zementgebundene Werkstoffe im Trinkwasserbereich; Prüfung und Bewertung (1999-10).
DVGW – W 551:
Trinkwassererwärmungs- und Leitungsanlagen; Technische Maßnahmen zur Verminderung des Legionellenwachstums (1993-03).
DVGW – W 552:
Trinkwassererwärmungs- und Leitungsanlagen; Technische Maßnahmen zur Verminderung des Legionellenwachstums; Sanierung und Betrieb (1996-04). in Überarbeitung
DVGW – W 623:
Dosieranlagen für Desinfektions- und Oxidationsmittel; Dosieranlagen für Chlor (1991-09).
14.5. Sonstige Unterlagen
Gesundheitliche Beurteilung von Kunststoffen und anderen nichtmetallischen Werkstoffen im Rahmen des Lebensmittel- und Bedarfsgegenständegesetzes für den Trinkwasserbereich (KTW):
Mitteilung: Bundesgesundheitsblatt 20 (1977) S. 10 – 13, 56 – 61
Mitteilung: Bundesgesundheitsblatt 20 (1977) S. 124 – 129
Mitteilung: Bundesgesundheitsblatt 22 (1979) S. 213 – 216
Mitteilung: Bundesgesundheitsblatt 22 (1979) S. 264 – 265
Mitteilung: Bundesgesundheitsblatt 28 (1985) S. 371 – 374
Mitteilung: Bundesgesundheitsblatt 30 (1987) S. 178.
Richtlinie 89/392/EWG des Rates vom 14.06.1989 zur Angleichung der Rechtsvorschriften der Mitgliedsstaaten für Maschinen.
Richtlinie 89/655/EWG des Rates vom 30.11.1989 über Mindestvorschriften für Sicherheit und Gesundheitsschutz bei Benutzung von Arbeitsmitteln durch Arbeitnehmer bei der Arbeit.
DVGW-Wasser-Information Nr. 22:
Wasserstoffperoxid zur Desinfektion von Anlagen der Wasserversorgung (1990-04).
DVGW-Wasser-Information Nr. 23:
Über den Umgang mit Hypochloritlösungen (1997-08).
DVGW-Wasser-Information Nr. 25:
"Wiederverkeimung von Trinkwasser" und "Nicht ausreichend durchflossene Trinkwasserleitungen" (1997-08).
DVGW-Wasser-Information Nr. 55:
Stagnation in der Trinkwasserinstallation (1998-08).
DVGW-Wasser-Information Nr. 62:
Entnahme von Trinkwasserproben in der Trinkwasserinstallation für die mikrobiologische Untersuchung (2000-03).
twin-Information des DVGW:
Werkstoffe in der Trinkwasserinstallation (2002-09).
Trinkwassererwärmungsanlagen (2002-10).
2 unter Trinkwasserversorgungsanlagen werden hier ausschließlich Rohrleitungen, Schläuche u.a. Installationen in ortsfesten Trinkwasserfüllanlagen (WFA) für Schienenfahrzeuge und unter Behältern Trinkwasserbehälter in Schienenfahrzeugen verstanden
3 DIN 1988 – "Technische Regeln für Trinkwasser- Installationen (TRWI)", Teil 1 bis 8
4 DIN EN 1717 – Schutz des Trinkwassers vor Verunreinigungen in Trinkwasser-Installationen und allgemeine Anforderungen an Sicherungseinrichtungen zur Verhütung von Trinkwasserverunreinigungen durch Rückfließen, Mai 2001
5 KTW-Empfehlung = Gesundheitliche Beurteilung von Kunststoffen und anderen nichtmetallischen Werkstoffen im Rahmen des Lebensmittel- und Bedarfsgegenständegesetzes für den Trinkwasserbereich; 1. Mitteilung (Jan. 1977) bis 6. Mitteilung (Mai 1987), veröffentlicht im Bundesgesundheitsblatt
6 DVGW-Technische Regel W 270 "Vermehrung von Mikroorganismen auf Materialien für den Trinkwasserbereich; Prüfung und Bewertung", Dezember 1990
7 DVGW-Technische Regel W 347 "Hygienische Anforderungen an zementgebundene Werkstoffe im Trinkwasserbereich – Prüfung und Bewertung", Oktober 1999
8 DVGW- Technische Regel W 319 "Reinigungsmittel für Trinkwasserbehälter; Einsatz, Prüfung und Beurteilung", Mai 1990
9 Liste der Aufbereitungsstoffe und Desinfektionsverfahren gemäß § 11 Trinkwasserverordnung 2001 (Bundesgesundheitsblatt 45 S. 827-845)
100 DVGW- Technische Regel W 291 "Reinigung und Desinfektion von Wasserverteilungsanlagen", März 2000
11 Verordnung zum Schutz vor gefährlichen Stoffen (Gefahrstoffverordnung – GefStoffV), vom 26. Oktober 1993, BGBl I S. 1782 i.d.F. der Bekanntmachung vom 15.11.1999; zuletzt geändert durch die Sechste Verordnung zur Änderung chemikalienrechtlicher Verordnungen vom 19.05.2003 (BGBl I S. 712, 713)
12 DVGW- Technische Regel W 318 "Wasserbehälter, Kontrolle und Reinigung", Februar 1983
13 DVGW- Technische Regel W 319 "Reinigungsmittel für Trinkwasserbehälter; Einsatz, Prüfung und Beurteilung", Mai 1990
14 Gesetz zur Ordnung des Wasserhaushalts – WHG – vom 27.07.1957 (BGBl I S. 1110, S. 1386) in der Fassung der Bekanntmachung vom 12.11.1996 (BGBl I S. 1695) (BGBl III 753-1) zuletzt geändert durch Siebtes Gesetz zur Änderung des Wasserhaushaltsgesetzes vom 18.06.2002 (Siebtes Gesetz zur Änderung des Wasserhaushaltsgesetzes)