Source: https://m.bpb.de/nachschlagen/lexika/recht-a-z/23108/vergewaltigung
Timestamp: 2020-04-08 10:04:02
Document Index: 37590632

Matched Legal Cases: ['§ 177', '§ 177', '§ 177', '§ 177', '§ 178', '§ 177', '§ 177', '§ 177', '§ 171', '§ 68', '§ 58']

Vergewaltigung | bpb
die Nötigung zum Beischlaf oder zu ähnlichen sexuellen Handlungen, die das Opfer besonders erniedrigen, wobei diese mit Gewalt, durch Drohung mit gegenwärtiger Gefahr für Leib oder Leben oder unter Ausnutzung einer Lage, in der das Opfer dem Täter schutzlos ausgeliefert ist, erfolgen kann (§ 177 Abs. 1 in Verbindung mit Abs. 2 Nr. 1 StGB). Eine Strafbarkeit wegen V. ist also bei echtem Einverständnis des Opfers nicht gegeben.
§ 177 StGB sieht für V. eine Freiheitsstrafe von zwei bis 15 Jahren vor. In schweren Fällen der V. ist nach § 177 Abs. 3 grundsätzlich auf Freiheitsstrafe von drei bis 15 Jahren (etwa wenn der Täter bei der Tat eine Waffe bei sich führt) bzw. nach § 177 Abs. 4 auf Freiheitsstrafe von fünf bis 15 Jahren (wenn der Täter bei der Tat eine Waffe verwendet, wenn er das Opfer bei der Tat schwer misshandelt oder wenn er es durch die Tat in die Gefahr des Todes bringt) zu erkennen. Verursacht der Täter durch die V. wenigstens leichtfertig den Tod des Opfers, so ist die Strafe nach § 178 StGB sogar lebenslange Freiheitsstrafe oder Freiheitsstrafe nicht unter zehn Jahren.
§ 177 StGB baut die Regelung der V. (§ 177 Abs. 2 Nr. 1) auf dem Straftatbestand der sexuellen Nötigung auf (§ 177 Abs. 1, das rechtswidrige Bestimmen einer Person mit Gewalt, durch Drohung mit gegenwärtiger Gefahr für Leib oder Leben oder unter Ausnutzung einer Lage, in der das Opfer dem Täter schutzlos ausgeliefert ist, sexuelle Handlungen des Täters oder eines Dritten an sich zu dulden oder an dem Täter oder einem Dritten vorzunehmen; Strafdrohung: Freiheitsstrafe nicht unter einem Jahr).
Tatopfer der V. kann jetzt auch ein Mann sein, da die Vorschrift durchgehend geschlechtsneutral formuliert ist. Des Weiteren ist der erzwungene Beischlaf (V. im eigentlichen Sinne) nur noch ein Regelbeispiel eines schweren Falles sexueller Nötigung, dem ähnliche, das Opfer besonders erniedrigende und bisher nur als sexuelle Nötigung erfassbare Handlungen gleichgestellt sind (V. i. w. S.; besonders Handlungen, die mit einem Eindringen in den Körper verbunden sind, wie etwa anale oder orale Penetration). Darüber hinaus wurde neben Gewalt und Drohung als weiteres Tatmittel der V. die Nötigung unter Ausnutzung einer Lage hinzugefügt, in der das Opfer der Einwirkung des Täters schutzlos ausgeliefert ist; damit sollen auch Fälle erfasst werden, in denen das Vorliegen von Gewalt und Drohung zweifelhaft war, etwa, wenn das Opfer aus Angst vor der Gewalt die sexuelle Handlung des Täters einfach über sich ergehen lässt. Schließlich erfasst die Regelung auch die Strafbarkeit der ehelichen V., die nunmehr der gleichen strafrechtlichen Sanktion unterliegt.
Prozessrechtliches: Dem Schutz von Vergewaltigungsopfern vor einer zweiten Viktimisierung (Schädigung) durch die Hauptverhandlung dienen z. B. § 171 b Gerichtsverfassungsgesetz (Ausschluss der Öffentlichkeit in der Hauptverhandlung zum Schutz der Privatsphäre), § 68 f. StPO (Beschränkung von Angaben bei der Vernehmung zur Person) und das am 1. 12. 1998 in Kraft getretene Zeugenschutzgesetz, das es ermöglicht, per Videoaufzeichnung und -übertragung die Vernehmung gefährdeter Zeugen schonender zu gestalten (§§ 58 a, 168 e, 247 a, 255 a StPO).