Source: https://www.haufe.de/steuern/finanzverwaltung/details-zum-hoechstbetrag-fuer-altersvorsorgebeitraege_164_416916.html?page=4
Timestamp: 2020-08-06 19:56:08
Document Index: 23175618

Matched Legal Cases: ['§ 10', '§ 10', '§ 10', '§ 10', '§ 10', '§ 3']

Details zum Höchstbetrag für Altersvorsorgebeiträge | Steuern | Haufe
Serie 29.06.2017 Vorsorgeaufwendungen aus Sicht der Finanzverwaltung
Bild: MEV-Verlag, Germany Der Sonderausgabenabzug von Altersvorsorgeaufwendungen wurde von der Finanzverwaltung in einem Schreiben thematisiert.
Altersvorsorgeaufwendungen der Basisversorgung (§ 10 Abs. 1 Nr. 2 EStG), wie beispielsweise Beiträge zu den gesetzlichen Rentenversicherungen und berufsständischen Versorgungseinrichtungen, sind nicht unbegrenzt als Sonderausgaben abziehbar. Vielmehr wird der Abzug durch den Höchstbetrag des § 10 Abs. 3 EStG begrenzt. Demnach dürfen die Aufwendungen maximal bis zum Höchstbeitrag zur knappschaftlichen Rentenversicherung West (aufgerundet auf einen vollen Eurobetrag) abgezogen werden.
Hinweis: Der (einfache) Höchstbetrag liegt für den Veranlagungszeitraum 2015 bei 22.172 EUR, für 2016 bei 22.767 EUR.
Bei zusammenveranlagten Ehegatten bzw. eingetragenen Lebenspartnern verdoppelt sich dieser Betrag (§ 10 Abs. 3 S. 2 EStG). Unerheblich ist dabei, wer von den Ehegatten bzw. Lebenspartnern die begünstigten Beiträge gezahlt hat.
Kürzung des Höchstbetrags
Bei bestimmten Personen, die ohne eigene Aufwendungen und ohne Anspruch auf steuerfreie Arbeitgeberbeiträge ganz oder teilweise Anspruch auf eine Altersversorgung erlangen, muss der Höchstbetrag gekürzt werden (§ 10 Abs. 3 S. 3 EStG). Erfasst werden hiervon
rentenversicherungsbefreite Arbeitnehmer (z.B. Beamte, Richter, Berufssoldaten),
sonstige nicht rentenversicherungspflichtige Arbeitnehmer (z.B. beherrschende Gesellschafter-Geschäftsführer einer GmbH, Vorstandsmitglieder einer Aktiengesellschaft) und
Mandatsträger (z.B. Bundestags-, Landtags, Europaabgeordnete, nicht jedoch ehrenamtliche Mitglieder kommunaler Vertretungen oder kommunale Wahlbeamte wie Landräte und Bürgermeister).
Der Höchstbetrag vermindert sich in diesen Fällen um den Betrag, der dem (fiktiven) Gesamtbeitrag zur allgemeinen Rentenversicherung entspricht (Arbeitgeber- und Arbeitnehmeranteil).
Hinweis: Dieser Gesamtbeitrag muss anhand der erzielten steuerpflichtigen Einnahmen aus der Tätigkeit ermittelt werden, die eine Zugehörigkeit zu den vorgenannten Personenkreisen begründen.
Das BMF weist darauf hin, dass bei dieser Berechnung zu Gunsten des Steuerpflichtigen höchstens die Beitragsbemessungsgrenze Ost in der allgemeinen Rentenversicherung herangezogen werden muss. Es ist zudem der Beitragssatz der allgemeinen Rentenversicherung maßgebend, der zu Beginn des jeweiligen Kalenderjahres galt.
Prozentuale Berücksichtigung
Nach Anwendung des (ggf. gekürzten) Höchstbetrags ist die Höhe des Sonderausgabenabzugs noch nicht abschließend ermittelt. Vielmehr darf von den (gekappten) Aufwendungen nur ein bestimmter Prozentsatz berücksichtigt werden, der sich in Anlehnung an die schrittweise Rentenvollbesteuerung wie folgt jahresweise erhöht (§ 10 Abs. 3 S. 4 und 6 EStG):
Weitere Kürzung
Bei Arbeitnehmern, die steuerfreie Arbeitgeberleistungen (nach § 3 Nr. 62 EStG) oder gleichgestellte steuerfreie Arbeitgeberzuschüsse erhalten haben, muss der (ggf. gekappte und prozentual angesetzte) Betrag der Altersvorsorgeaufwendung noch um diese Leistungen gekürzt werden, bevor sich schließlich der als Sonderausgaben abzugsfähige Betrag ergibt.
Beispiele des BMF
Die komplexe schrittweise Ermittlung des Sonderausgabenabzugs verdeutlicht das BMF anhand von mehreren Beispielen, wovon zwei an dieser Stelle dargestellt werden:
Beispiel 1 (Arbeitnehmer):
Ein lediger Arbeitnehmer zahlt im Jahr 2016 einen Arbeitnehmeranteil zur allgemeinen Rentenversicherung von 4.000 EUR; zusätzlich wird ein steuerfreier Arbeitgeberanteil in gleicher Höhe gezahlt. Daneben hat der Arbeitnehmer noch Beiträge von 3.000 EUR in einen Basisrentenvertrag eingezahlt.
Folgende Altersvorsorgeaufwendungen können als Sonderausgaben abgezogen werden:
22.767 EUR
82 Prozent des geringeren Betrags
abzgl. steuerfreier Arbeitgeberanteil
Gemeinsam mit dem steuerfreien Arbeitgeberbeitrag werden also Altersvorsorgeaufwendungen von insgesamt 9.020 EUR von der Besteuerung freigestellt; dies entspricht 82 Prozent der geleisteten Beiträge.
Beispiel 2 (Beamter):
Ein lediger Beamter zahlt im Jahr 2016 insgesamt 3.000 EUR in einen begünstigten Basisrentenvertrag ein, um zusätzlich zu seinem Pensionsanspruch eine Altersversorgung zu erwerben. Seine Einnahmen aus dem Beamtenverhältnis betragen 42.781 EUR.
Beitrag zum Basisrentenvertrag
abzgl. fiktiver Gesamtbeitrag Rentenvers. (42.781 Euro × 18,7 Prozent)
14.767 EUR
Damit werden 82 Prozent der Beiträge von der Besteuerung freigestellt.
Schlagworte zum Thema: Sonderausgaben, Altersvorsorge, BMF-Schreiben, Aufwendungen
Praxis-Tipp: Rentenversicherungsbeiträge im Rahmen eines Minijobs als Sonderausgaben
Die Arbeitgeberanteile zur gesetzlichen Rentenversicherung im Rahmen eines Minijobs vermindern den als Vorsorgeaufwendungen abziehbaren Betrag nur, wenn der Steuerpflichtige die Hinzurechnung der Beiträge (Arbeitgeber- und ggf. Arbeitnehmeranteil) zu den tatsächlichen Vorsorgeaufwendungen beantragt hat.
Praxis-Tipp: Rentenabschläge ausgleichen und Steuervorteile nutzen
Wer früher in Rente geht, muss Abschläge in Kauf nehmen. Durch Ausgleichszahlungen an die Deutsche Rentenversicherung können diese Abschläge vermieden werden. Dies kann auch aus steuerlicher Sicht interessant sein, da sie als Sonderausgaben abzugsfähig sind.
Jahreswechsel 2019/2020: Midijob: Auswirkungen der ALV-Beitragssatzsenkung
Aufgrund der Reduzierung des Beitragssatzes in der Arbeitslosenversicherung sind ab 1. Januar 2020 weniger Abgaben zu zahlen. Die Beitragsentlastung für Midijobber fällt im Verhältnis aber geringer aus, weil sie sich am Faktor F orientiert. Was bei dieser besonderen Beitragsberechnung zu beachten ist.