Source: http://komnet.nrw.de/ccnxtg/frame/ccnxtg/danz?lid=DE&did=6493
Timestamp: 2016-07-25 17:50:05
Document Index: 335668165

Matched Legal Cases: ['§ 3', '§ 4', '§ 3', '§ 3', '§ 4', '§ 13', '§ 19', '§ 21', '§ 35', '§ 37', '§ 31', '§ 31']

KomNet Dialog 6493 : Ist der Arbeitgeber verpflichtet, jedem exponierten Mitarbeiter eine Röntgenschutzbrille zur Verfügung zu stellen? Wissensdatenbank
Stichworte: Ist der Arbeitgeber verpflichtet, jedem exponierten Mitarbeiter eine Röntgenschutzbrille zur Verfügung zu stellen? Frage: Ist der Arbeitgeber verpflichtet, jedem Mitarbeiter, der gegenüber Röntgenstrahlen exponiert ist, eine Röntgenschutzbrille zur Verfügung zu Stellen ("Minimierungsgebot")? Im konkreten Fall handelt es sich um einen Mitarbeiter, der bei der Durchführung von ERCP anwesend ist. Im Rahmen dieser Untersuchung sind kurzzeitige Durchleuchtungen erforderlich.
Antwort : Der Betrieb einer Röntgeneinrichtung wird durch die gesetzlichen Vorgaben der Verordnung über den Schutz vor Schäden durch Röntgenstrahlung [Röntgenverordnung (RöV)] in der Fassung vom 30.04.2003 geregelt. Im Abschnitt 1a wurden die Strahlenschutzgrundsätze aufgeführt, nach denen die Ziele der Verordnung aufgebaut sind. Hierzu zählt auch das Ziel der Vermeidung unnötiger Strahlenexposition und die Dosisreduzierung. Eine Röntgeneinrichtung darf nur mit Zustimmung (Genehmigung nach § 3 RöV oder Bestätigung der Anzeige nach § 4 RöV) der zuständigen Behörde betrieben werden. Neben der Forderung zur Bestellung fachkundiger Strahlenschutzbeauftragter (§§ 3 und 4 RöV) sind auch Nachweise (§ 3 Absatz 2 RöV) über die nach dem Stand der Technik erforderliche Ausrüstung und getroffenen Maßnahmen, damit die Schutzvorschriften eingehalten werden, vorzulegen.
Vor der Inbetriebnahme der Röntgeneinrichtung ist eine Prüfung durch einen anerkannten Sachverständigen (§ 4a RöV) durchführen zu lassen. Der Sachverständige prüft den baulichen und anlagenbezogenen Strahlenschutz und die Ausrüstung. Hierzu zählt auch der personenbezogene Strahlenschutz, z. B. Schutzschürzen, Schutzbrillen. Der fachkundige Strahlenschutzbeauftragte (§ 13 RöV) leitet und beaufsichtigt den Betrieb der Röntgeneinrichtung. Er regelt die betrieblichen Abläufe, belehrt die Beschäftigten und stellt sicher, dass die notwendige Schutzkleidung vorhanden ist und getragen wird. Aufgrund der Feststellungen des Sachverständigen und der Festlegungen beim Betrieb der Röntgeneinrichtungen sind Strahlenschutzbereiche einzurichten. Je nach Höhe der Strahlenexposition wird zwischen Überwachungsbereichen und Kontrollbereichen unterschieden (§ 19 RöV): Überwachungsbereiche sind nicht zum Kontrollbereich gehörende betriebliche Bereiche, in denen Personen im Kalenderjahr eine effektive Dosis von mehr als 1 mSv oder höhere Organdosen als 15 mSv für die Augenlinse oder 50 mSv für die Haut, die Hände, die Unterarme, die Füße und Knöchel erhalten können. Kontrollbereiche sind Bereiche, in denen Personen im Kalenderjahr eine effektive Dosis von mehr als 6 mSv oder höhere Organdosen als 45 mSv für die Augenlinse oder 150 mSv für die Haut, die Hände, die Unterarme, die Füße und Knöchel erhalten können. Der Schutz beruflich strahlenexponierter Personen vor Strahlung ist vorrangig durch bauliche und technische Vorrichtungen oder durch geeignete Arbeitsverfahren sicherzustellen (§ 21 RöV). Bei Personen, die sich im Kontrollbereich aufhalten, ist sicherzustellen, dass sie die erforderliche Schutzkleidung tragen. Personen, die einer beruflichen Strahlenexposition durch Tätigkeiten nach der Röntgenverordnung ausgesetzt sind, sind zum Zwecke der Kontrolle (Ermittlung der Körperdosis nach § 35 RöV) und zur Vorsorge (Erfordernis der arbeitsmedizinischen Vorsorge nach § 37 RöV) folgenden Kategorien zugeordnet (§ 31 RöV): Kategorie A: Personen, die einer beruflichen Strahlenexposition ausgesetzt sind, die im Kalenderjahr zu einer effektiven Dosis von mehr als 6 mSv oder einer höheren Organdosis als 45 mSv für die Augenlinse oder 150 mSv für die Haut, die Hände, die Unterarme, die Füße und Knöchel führen kann. Kategorie B: Personen, die einer beruflichen Strahlenexposition ausgesetzt sind, die im Kalenderjahr zu einer effektiven Dosis von mehr als 1 mSv oder einer höheren Organdosis als 15 mSv für die Augenlinse oder 50 mSv für die Haut, die Hände, die Unterarme, die Füße und Knöchel führen kann, ohne in die Kategorie A zu fallen. Für beruflich strahlenexponierte Personen darf die Organdosis für die Augenlinse den Grenzwert von 150 mSv, für die Haut, die Hände 500 mSv und die effektive Dosis 20 mSv im Kalenderjahr nicht überschreiten (§ 31a RöV). Der Fachliteratur wurde die durchschnittliche Strahlenexposition des Personals bei ERCP’s im Hinblick auf die Einhaltung der Grenzwerte entnommen. Die Messungen der Dosis erfolgten bei einer durchschnittlichen Durchleuchtungszeit von 6 – 7 Minuten. An der Hand der Person, die das Mundstück am Patienten hält, wurde die höchste Dosis von 0,12 mSv pro Untersuchung gemessen. Die gemessene Dosis des weiteren Personals an Brust und Gonaden unterhalb einer Bleischürze sowie an Augen, Schilddrüsen und Händen betrug 0,021 mSv pro Untersuchung. Wird zusätzlich die mögliche Anzahl der Untersuchungen im Jahr berücksichtigt, so würde der Grenzwert von 20 mSv (Körperdosis) bei ca. 950 Untersuchungen erreicht. Der Grenzwert für die Hand (500 mSv) würde bei ca. 415 Untersuchungen und der Grenzwert für die Augenlinse (150 mSv) würde nach ca. 7000 Untersuchungen erreicht. Aus dem Ergebnis der Sachverständigenprüfung, der vom Personal ermittelten Dosiswerten und ermittelten Durchleuchtungszeiten können für das von Ihnen medizinisch überwachte Personal die Dosisbelastungen ermittelt und entsprechend verglichen werden. Entsprechend sind auch der Strahlenschutzverantwortliche und der Strahlenschutzbeauftragte bei der Festlegung von Schutzmaßnahmen zu beteiligen bzw. zur Ermittlung und Umsetzung gefordert. Sollten bei den Ermittlungen höhere Personendosen oder eine höhere Anzahl an Untersuchungen festgestellt werden, so werden zusätzliche Schutzmaßnahmen notwendig sein. Bevor neue Schutzbrillen oder Schutzhandschuhe angeschafft werden, muss die Möglichkeit zur Anpassung der Röntgeneinrichtung durch zusätzliche Strahlenschutzmaßnahmen, z. B. Bleilamellen, Bleiglasscheiben, Schutzwände, geprüft werden.
Schutzmaßnahmen, die eine Minimierung der Strahlenbelastung ergeben, sind auszuführen, damit eine sichere Unterschreitung der Grenzwerte gewährleistet wird. Neben der Verantwortung für die Gesundheit der Mitarbeiter können auch durch zusätzliche Maßnahmen zur Minimierung der Strahlung Kosten eingespart werden, weil persönliche Schutzkleidung, Vorsorgeuntersuchungen und Dosisermittlungen nicht mehr oder in geringerem Umfang erforderlich werden.
Dialognummer: 6493