Source: https://www.reiserechtslupe.de/reiserecht/reisemaengel/radarausfall-generalstreik-und-keine-ausgleichszahlung-fuer-die-flugpassagiere-6087
Timestamp: 2019-06-16 18:52:00
Document Index: 94606198

Matched Legal Cases: ['Art. 5', 'EuG', 'BGH', 'EuG', 'BGH', 'BGH', 'EuG', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'EuG', 'EuG', 'EuG', 'BGH', 'EuG', 'BGH', 'EuG', 'EuG', 'EuG', 'EuG', 'BGH', 'BGH']

Radarausfall, Generalstreik – und keine Ausgleichszahlung für die Flugpassagiere | Reiserechtslupe
Dieses Normverständnis wird durch Erwägungsgrund 15 der Verordnung gestützt. Danach soll von außergewöhnlichen Umständen ausgegangen werden, wenn eine Entscheidung des “Flugverkehrsmanagements” zu einem einzelnen Flugzeug an einem bestimmten Tag zur Folge hat, dass es bei einem oder mehreren Flügen des betreffenden Flugzeugs zu einer großen Verspätung, einer Verspätung bis zum nächsten Tag oder zu einer Annullierung kommt. Danach legt auch der Verordnungsgeber zugrunde, dass ein Flugzeug üblicherweise an einem Tag bei mehreren Flügen eingesetzt wird und dass sich außergewöhnliche Umstände in einem solchen Fall auch auf Folgeflüge auswirken können.
Die Fluggesellschaft war nicht gehalten, die Flüge von München nach Korfu und von Korfu nach Stuttgart zu annullieren, um in Stuttgart rechtzeitig starten zu können. In diesem Fall hätte die Fluggesellschaft eine Beförderung der Passagiere der Vorflüge am 28.06.2011 nicht sicherstellen können und damit die durch die Verspätung entstehenden Unannehmlichkeiten nicht vermieden, sondern nur in Form der Folgen einer Annullierung auf andere Flugpassagiere verlagert. Dazu war sie nicht verpflichtet. Der Bundesgerichtshof hat bereits ausgesprochen, dass die Nichtdurchführung eines einzelnen Flugs aufgrund außergewöhnlicher Umstände in der Regel nicht allein deshalb als vermeidbar angesehen werden kann, weil statt dessen ein anderer Flug hätte annulliert werden können21. Für die Konstellation des Streitfalls gilt nichts anderes. Wenn die Fluggesellschaft sich dafür entschieden hat, im Interesse aller Fluggäste, die sie an diesem Tag zu befördern hatte, sämtliche Flüge wenn auch verspätet durchzuführen und somit allen Reisenden ein Ankommen am Zielort zu ermöglichen, so bewegt sich diese Organisationsentscheidung innerhalb des dem Luftverkehrsunternehmen zuzubilligenden Spielraums und ist bedenkenfrei.
Daraus ergibt sich, dass die Möglichkeit, einzelne oder alle Fluggäste auf einen anderen Flug umzubuchen, kein Kriterium dafür ist, ob sich eine Annullierung oder eine große Verspätung eines Flugs mit zumutbaren Maßnahmen hätten vermeiden lassen. Flug im Sinne der Verordnung ist, wie der Bundesgerichtshof in Übereinstimmung mit der Rechtsprechung des Gerichtshofs der Europäischen Union schon mehrfach entschieden hat, nicht die Beförderung eines einzelnen Fluggasts auf einer bestimmten Route, sondern ein Beförderungsvorgang, der von einen bestimmten Luftverkehrsunternehmen auf einer bestimmten Route ausgeführt wird und mit dem eine Gesamtheit von Fluggästen von einem Flughafen zu einem anderen befördert wird22. Im Zusammenhang mit Art. 5 Abs. 3 FluggastrechteVO sind deshalb nur Umstände zu berücksichtigen, mit denen die Annullierung oder große Verspätung dieses Beförderungsvorgangs hätte vermieden werden können. Die individuelle Umbuchung einzelner Fluggäste ist ein davon zu unterscheidender Vorgang, der nur einzelne Fluggäste betrifft.
AG Hannover, Urteil vom 17.12 2012 – 447 C 3825/12 [↩]
LG Hannover, Urteil vom 02.09.2013 – 1 S 3/13 [↩]
Verordnung (EG) Nr. 261/2004 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 11.02.2004 über eine gemeinsame Regelung für Ausgleichs- und Unterstützungsleistungen für Fluggäste im Fall der Nichtbeförderung und bei Annullierung oder großer Verspätung von Flügen [↩]
EuGH, Urteil vom 19.11.2009 – C-402/07, Slg. 2009, I10923 = NJW 2010, 43 = RRa 2009, 282 Sturgeon/Condor; Urteil vom 23.10.2012 – C-581/10, NJW 2013, 671 = RRa 2012, 272 Nelson/Lufthansa; BGH, Urteil vom 18.02.2010 – Xa ZR 95/06, NJW 2010, 2281 = RRa 2010, 93; Urteil vom 07.05.2013 – X ZR 127/11, RRa 2013, 237 = NJW-RR 2013, 1065 [↩]
EuGH, Urteil vom 22.12 2008 – C-549/09, NJW 2009, 347 = RRa 2009, 35 Rn. 23 Wallentin-Hermann/Alitalia; Urteil Sturgeon/Condor, aaO; Urteil vom 31.01.2013 – C-12/11, NJW 2013, 921 = RRa 2013, 81 McDonagh/Ryanair [↩]
BGH, Urteil vom 12.11.2009 – X ZR 76/07, NJW 2010, 1070 = RRa 2010, 34 Rn. 23; Urteil vom 21.08.2012 – X ZR 138/11, BGHZ 194, 258 Rn. 16; Urteil vom 24.09.2013 – X ZR 160/12, NJW 2014, 861 = RRa 2014, 25 Rn. 10 [↩]
EuGH, Wallentin-Hermann/Alitalia, aaO Rn. 27 [↩]
BGHZ 194, 258 Rn. 17; BGH, NJW 2014, 861 Rn. 11 [↩]
zur Ankündigung eines Pilotenstreiks als Ursache außergewöhnlicher Umstände vgl. BGHZ 194, 258 Rn. 17 [↩]
vgl. grundsätzlich zu den Auswirkungen eines Streiks BGHZ 194, 258 Rn.19, 20 [↩]
EuGH, Urteil vom 04.10.2012 – C-22/11, NJW 2013, 361 = RRa 2012, 281 Abs. 37 – Finnair/Lassooy [↩]
EuGH, a.a.O., Rn. 34 [↩]
EuGH, Wallentin-Hermann/Alitalia, aaO Rn. 22; BGHZ 194, 258 Rn. 11 [↩]
EuGH, Wallentin-Hermann/Alitalia, aaO Rn. 40, 42; Urteil vom 12.05.2011 – C-294/10, NJW 2011, 2865 = RRa 2011, 125 Egltis und Ratnieks/Air Baltic Rn. 30 [↩]
BGH, NJW 2014, 861 = RRa 2014, 25 Rn.20, 21 [↩]
EuGH, Egltis und Ratnieks/Air Baltic, aaO Rn. 28 [↩]
EuGH, Wallentin-Hermann/Alitalia, aaO Rn. 40, 42; Egl?tis und Ratnieks/Air Baltic, aaO Rn. 29 [↩]
EuGH, Egltis und Ratnieks/Air Baltic, aaO Rn. 31 [↩]
EuGH, Wallentin-Hermann/Alitalia, aaO Rn. 40, 42; Egltis und Ratnieks/Air Baltic, aaO Rn. 29 [↩]
BGHZ 194, 258 Rn. 33 [↩]
BGH, Urteil vom 28.05.2009 – Xa ZR 113/08, NJW 2009, 2743 = RRa 2009, 242 Rn. 8; Urteil vom 13.11.2012 – X ZR 12/12, NJW 2013, 682 = RRa 2013, 19 Rn. 13 [↩]