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Timestamp: 2016-10-26 15:33:52
Document Index: 167366404

Matched Legal Cases: ['Art. 6', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'Art. 99', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'Art. 65', 'Art. 66', 'Art. 64', 'BGE', 'Art. 64']

8C_404/2011 (15.09.2011)
Beschwerde gegen den Entscheid des Sozialversicherungsgerichts des Kantons Z�rich vom 23. M�rz 2011.
Die 1976 geborene R.________ war als Praktikantin in einem 80%-Pensum bei der Stiftung X.________ angestellt und bei der Schweizerischen Unfallversicherungsanstalt (SUVA) gegen die Folgen von Unf�llen versichert, als sie am 28. Juli 2003 als Beifahrerin mit dem Auto mehrmals gegen die Leitplanke der Autobahn prallte und schliesslich auf der Fahrbahn stehen blieb. Die SUVA erbrachte die gesetzlichen Leistungen f�r die geklagten Beschwerden (cervicocephales und thoracovertebrales Syndrom). Nach kontinuierlicher Steigerung der Arbeitsf�higkeit war R.________ bei noch vorhandenen Beschwerden ab 15. September 2003 wieder voll arbeitsf�hig. Sie arbeitete inzwischen bei der Stiftung Y.________ zu 70 % als Betreuerin, als sie am 16. Juli 2007 von einem von der Wand fallenden Bild getroffen wurde. Mit Verf�gung vom 20. M�rz 2009 und Einspracheentscheid vom 27. August 2009 stellte die SUVA die Leistungen per 30. April 2009 ein, da die �ber dieses Datum hinaus anhaltend geklagten Beschwerden nicht ad�quat kausal durch Unfallereignisse verursacht worden seien.
Die hiegegen eingereichte Beschwerde wies das Sozialversicherungsgericht des Kantons Z�rich mit Entscheid vom 23. M�rz 2011 ab.
Mit Beschwerde l�sst R.________ die Aufhebung des vorinstanzlichen Entscheides, die Ausrichtung von Versicherungsleistungen ab 1. Mai 2009 und die R�ckweisung der Sache an die SUVA zur Abkl�rung des medizinischen Sachverhalts und zur Pr�fung der Rentenfrage beantragen. Eventualiter sei die Sache zur Einholung eines neuen polydisziplin�ren Gutachtens an die SUVA zur�ckzuweisen. Ferner wird um unentgeltliche Verbeist�ndung ersucht.
Die Zusprechung von Leistungen der obligatorischen Unfallversicherung setzt grunds�tzlich das Vorliegen eines Berufsunfalles, eines Nichtberufsunfalles oder einer Berufskrankheit voraus (Art. 6 Abs. 1 UVG). Der Unfallversicherer haftet jedoch f�r einen Gesundheitsschaden nur insoweit, als dieser nicht nur in einem nat�rlichen, sondern auch in einem ad�quaten Kausalzusammenhang zum versicherten Ereignis steht (BGE 129 V 177 E. 3 S. 181). Dabei spielt die Ad�quanz als rechtliche Eingrenzung der sich aus dem nat�rlichen Kausalzusammenhang ergebenden Haftung des Unfallversicherers im Bereich organisch objektiv ausgewiesener Unfallfolgen praktisch keine Rolle, da sich hier die ad�quate weitgehend mit der nat�rlichen Kausalit�t deckt (BGE 134 V 109 E. 2 S. 111 f.; 127 V 102 E. 5b/bb S. 103). Sind die geklagten Beschwerden nat�rlich unfallkausal, nicht aber objektiv ausgewiesen, so ist bei der Beurteilung der Ad�quanz vom augenf�lligen Geschehensablauf auszugehen, und es sind gegebenenfalls weitere unfallbezogene Kriterien einzubeziehen (BGE 134 V 109 E. 2.1 S. 111 f.). Hat die versicherte Person einen Unfall erlitten, welcher die Anwendung der Schleudertrauma-Rechtsprechung rechtfertigt, sind hierbei die durch BGE 134 V 109 E. 10 S. 126 ff. pr�zisierten Kriterien massgebend. Ist diese Rechtsprechung nicht anwendbar, sind grunds�tzlich die Ad�quanzkriterien, welche f�r psychische Fehlentwicklungen nach einem Unfall entwickelt wurden (BGE 115 V 133 E. 6c/aa S. 140), anzuwenden (BGE 134 V 109 E. 2.1 S. 111 f.).
Streitig ist, ob �ber den 30. April 2009 hinaus Anspruch auf Leistungen der obligatorischen Unfallversicherung besteht. Zu pr�fen ist dabei, ob die in diesem Zeitpunkt noch vorhanden Beschwerden Folge eines Unfallereignisses sind.
3.1 Nach dem Verkehrsunfall der Beschwerdef�hrerin vom 28. Juli 2003 wurde ein Trauma der Halswirbels�ule (HWS) und Brustwirbels�ule (BWS) diagnostiziert. Sie litt in der Folge unter einem cervicocephalen und thoracovertebralen Syndrom. Nach schrittweiser Steigerung der Arbeitsf�higkeit war sie ab 15. September 2003 bei noch vorhandenen Beschwerden wieder voll arbeitsf�hig. Am 16. Juli 2007 zog sich die Beschwerdef�hrerin Kontusionen und Sch�rfungen an der linken Schulter, der oberen und mittleren Brustwirbels�ule und am linken Unterarm zu, als ein Bild von der Wand fiel und sie traf.
Inwiefern weitere Ereignisse wie ein Sturz im Badezimmer am 25. Mai 2009, oder die erstmals vor dem kantonalen Gericht behauptete sexuelle N�tigung w�hrend einer Zugfahrt am 26. August 2009 sowie ein Suizidversuch am 10. Juli 2009 durch Medikamenteinnahme zu ber�cksichtigen sind, braucht nicht abschliessend beurteilt zu werden. Einerseits erfolgte die abschliessende massgebliche medizinische Beurteilung durch das Institut Z.________ vom 13. April 2010 nach diesen Ereignissen, womit diese keine nachtr�gliche �nderung des rechtlich relevanten Sachverhalts darstellen. Andererseits handelt es sich hierbei um Ereignisse, zu welchen die Beschwerdegegnerin noch nicht verbindlich verf�gungsweise Stellung genommen hat, weshalb diese nicht Streitgegenstand bilden. Auf die Beschwerde ist in diesem Punkt daher nicht einzutreten ist (BGE 131 V 164 E. 2.1; Urteil 8C_532/2007 vom 9. Juni 2008 E. 2 mit Hinweisen).
3.2 Die Vorinstanz st�tzt sich bei ihrer Beurteilung im Wesentlichen auf das von der IV-Stelle eingeholte polydisziplin�re Gutachten des Instituts Z.________ vom 13. April 2010. Die Gutachter kamen aus psychiatrischer Sicht zum Schluss, bei der Beschwerdef�hrerin liege eine langj�hrige schwere Pers�nlichkeitsst�rung vor (emotional instabile Pers�nlichkeitsst�rung vom Borderline-Typ [ICD-10 F60.3]; zus�tzliche psychiatrische Diagnosen: posttraumatische Belastungsst�rung [ICD-10 F43.1] und rezidivierende depressive St�rung, derzeit mittelgradige Episode [ICD-10 F33.1]). Das Berufsleben sei ebenso durch Abbr�che gekennzeichnet wie das private Beziehungsleben. Durch ihre schweren psychopathologischen Funktionsst�rungen sei sie nicht in der Lage, entsprechende Ausdauer und Konstanz an einem Arbeitsplatz zu zeigen. Es sei aufgrund der Funktionsbeeintr�chtigung im psychischen Bereich derzeit keine Einsetzbarkeit auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt gegeben. Die Versicherte sei aufgrund des psychischen Leidens seit Juli 2007 zu 100 % arbeitsunf�hig. Im neurologischen Fachbereich haben die Gutachter eine rechtskonvexe thorakale Torsionsskoliose festgestellt. Weder im Neurostatus noch im Bereich der HWS h�tten klinisch relevante, pathologische Befunde erhoben werden k�nnen. Die angegeben Beschwerden k�nnten mit objektiven somatischen Befunden nicht erkl�rt werden. Aus neurologischer Sicht sei die Versicherte f�r eine k�rperlich leichte bis mittelschwere T�tigkeit ohne Leitungseinschr�nkung ganztags arbeitsf�hig. Konstitutionell bedingt seien ihr k�rperlich schwere und andauernd mittelschwere T�tigkeiten nicht zumutbar. Internistisch und aus anderweitiger somatischer Sicht h�tten keine weiteren Befunde erhoben werden k�nnen, welche einen Einfluss auf die Arbeitsf�higkeit haben.
Dieser Beurteilung kann gefolgt werden. Sie steht in Bezug auf die fehlenden organisch objektivierbaren Unfallbefunde in �bereinstimmung mit den �brigen medizinischen Akten, insbesondere mit den Beurteilungen des Kreisarztes Dr. med. W.________ vom 3. Februar 2009 und vom 10. M�rz 2009. Den Berichten des Neurologen Dr. med. B.________ vom 31. Oktober 2006 und 1. September 2008 kann ebenfalls nichts anderes entnommen werden. Dieser berichtete, es gebe keine Hinweise, dass beim Unfallereignis vom 28. Juli 2003 das Gehirn, das Halsmark oder die zervikalen Nervenwurzeln Schaden genommen h�tten. Die Konzentrationsst�rungen seien nicht organisch-strukturell bedingt. Soweit er schmerzhafte Druckpunkte und eine weichteilrheumatische Problematik im Sinne eines myofaszialen Syndroms erw�hnte, handelt es sich hierbei nach konstanter Rechtsprechung nicht um organisch hinreichend nachweisbare Unfallfolgen (vgl. statt vieler: SVR 2008 UV Nr. 2 S. 3, U 328/06 E. 5.2; SVR 2007 UV Nr. 26 S. 86, U 339/06 E. 4.1). Nichts anderes l�sst sich dem erstmals vor Bundesgericht eingereichten Bericht des Dr. med. B.________ vom 11. Februar 2011 entnehmen, der im �brigen als Novum im Sinn von Art. 99 Abs. 1 BGG unbeachtlich ist. Aus den medizinischen Unterlagen ergibt sich somit, dass keine organisch objektivierbaren unfallkausalen Befunde vorliegen. Entsprechend hat eine separate Beurteilung der Ad�quanz zu erfolgen hat (vgl. E. 2 hievor).
3.3 Der Sachverhalt ist hinreichend abgekl�rt. Entgegen der Auffassung der Beschwerdef�hrerin wird die Beurteilung des nat�rlichen Kausalzusammenhang zwischen Unfallereignis und den geklagten Beschwerden praxisgem�ss offen gelassen, wenn der Kausalzusammenhang nicht ad�quat und damit nicht rechtsgen�glich ist. Lediglich �ber f�r den Ausgang des Verfahrens erhebliche Tatsachen ist Beweis zu f�hren. Steht aber aufgrund einer speziellen Ad�quanzpr�fung fest, dass ein allf�llig bestehender nat�rlicher Kausalzusammenhang nicht ad�quat und damit nicht rechtsgen�glich w�re, ist die Frage, ob der nat�rliche Kausalzusammenhang tats�chlich besteht, nicht entscheidrelevant (BGE 135 V 465 E. 5.1 S. 472). Dies ist vorliegend der Fall. Auf die Einholung eines weiteren polydisziplin�ren Gutachtens durfte die Vorinstanz damit zu Recht verzichten.
4.1 Massgebend f�r die Beurteilung der Unfallschwere im Rahmen der Ad�quanzpr�fung ist der augenf�llige Geschehensablauf mit den sich dabei entwickelnden Kr�ften (BGE 134 V 109 E. 10.1 S. 126; SVR 2008 UV Nr. 8 S. 26, U 2/07). Beim Verkehrsunfall vom 28. Juli 2003 prallte das Auto, in welchem die Versicherte mitfuhr, ohne Beteiligung eines weiteren Fahrzeugs auf der Autobahn mehrmals gegen die Leitplanke, schleuderte und kam schliesslich auf der Fahrbahn zu stehen. Das Fahrzeug �berschlug sich nicht und kam auch nicht von der Fahrbahn ab. In der biomechanischen Kurzbeurteilung vom 13. Oktober 2005 wurde auf grosse Unsicherheiten in Bezug auf die technische Bewertung des Unfallereignisses hingewiesen. Die genaue Qualifikation desselben erweist sich daher als schwierig. Allerdings ist es aufgrund des Geschehensablaufs jedenfalls nicht schwerer als ein mittelschweres Ereignis im mittleren Bereich einzustufen. Bei der Pr�fung der Ad�quanzkriterien gem�ss BGE 134 V 109 E. 10 S. 126 ff. kann einzig das Kriterium der erheblichen Beschwerden bejaht werden. Die �brigen Kriterien sind klarerweise nicht erf�llt. Die Beschwerdef�hrerin war vom 28. Juli bis 17. August 2003 zu 100 %, bis 14. September 2003 zu 50 % und ab 15. September 2003 wieder voll arbeitsf�hig. In diesem Zeitpunkt hat auch die Ad�quanzpr�fung zu erfolgen. Obwohl die Behandlung am 15. September 2003 noch nicht abgeschlossen war, war eine namhafte Besserung im Sinne der Rechtsprechung ab dann grunds�tzlich nicht mehr zu erwarten (vgl. BGE 134 V 109 E. 4.3 S. 115).
4.2 Das zweite Unfallereignis vom 16. Juli 2007, bei dem ein Bild von der Wand fiel und die Beschwerdef�hrerin traf, hat die Vorinstanz zu Recht als banales Ereignis qualifiziert und damit den ad�quaten Kausalzusammenhang ohne Weiteres verneint (BGE 115 V 133 E. 6a S. 139). Die Frage des nat�rlichen Kausalzusammenhangs kann auch hier wegen der fehlenden organischen Unfallfolgen offen gelassen werden. Die Beurteilung der Ad�quanz ist rechtlicher Natur, welche das Gericht und nicht ein medizinischer Gutachter zu beantworten hat. Aufgrund des fehlenden ad�quaten Kausalzusammenhangs entf�llt ab dem 1. Mai 2009 damit zu Recht eine Leistungspflicht der Unfallversicherung. Die Beschwerde ist demgem�ss abzuweisen.
Das Verfahren ist kostenpflichtig (Art. 65 Abs. 1 und Abs. 4 lit. a BGG). Die Gerichtskosten werden der unterliegenden Beschwerdef�hrerin auferlegt (Art. 66 Abs. 1 BGG). Dem Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege (im Sinne der unentgeltlichen Rechtsvertretung) kann entsprochen werden, da die entsprechenden Voraussetzungen erf�llt sind (Art. 64 Abs. 1 und 2 BGG; BGE 125 V 201 E. 4a S. 202). Es wird indessen ausdr�cklich auf Art. 64 Abs. 4 BGG aufmerksam gemacht, wonach die beg�nstigte Partei der Gerichtskasse Ersatz zu leisten haben wird, wenn sie sp�ter dazu in der Lage ist.
Der Beschwerdef�hrerin wird die unentgeltliche Rechtspflege im Sinne der unentgeltlichen Verbeist�ndung gew�hrt.
Rechtsanwalt Massimo Aliotta, Winterthur, wird als unentgeltlicher Anwalt der Beschwerdef�hrerin bestellt, und es wird ihm f�r das bundesgerichtliche Verfahren aus der Gerichtskasse eine Entsch�digung von Fr. 2800.- ausgerichtet.