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Timestamp: 2016-10-27 03:01:49
Document Index: 131100542

Matched Legal Cases: ['Art. 8', 'Art. 4', 'Art. 4', 'Art. 4', 'Art. 15', 'Art. 16', 'Art. 5', 'BGE', 'BGE', 'Art. 134', 'Art. 159', 'Art. 135']

I 390/01 (19.06.2002)
P.________, Beschwerdegegner, vertreten durch den Rechtsdienst f�r Behinderte, B�rglistrasse 11, 8002 Z�rich,
A.- Der 1970 geborene P.________ begann nach vierj�hriger Primar-, zweij�hriger Hilfs- und zweij�hriger Realschule 1986 eine landwirtschaftliche Ausbildung, welche er nach sechs Wochen wieder abbrach. In den folgenden Jahren arbeitete er mit Unterbr�chen an verschiedenen Hilfsarbeiterstellen, etwa als Kuhhirte auf der Alp, als Hilfsmechaniker in einer Maschinenfabrik und in einer Autogarage, als Rollladenmonteur, als Hilfselektriker und als Eisenleger.
Ab 1996 ging er nurmehr w�hrend kurzen Perioden einer Erwerbst�tigkeit nach. Nachdem er schon als Dreizehn-, Vierzehnj�hriger begonnen hatte, Alkohol und Haschisch zu konsumieren, seit dem 17. Lebensjahr t�glich Heroin und mit 18 Jahren auch Kokain zu sich nahm, scheiterten ein 1990 begonnener station�rer Entzugsversuch sowie 1991 und 1996 aufgenommene Methadonprogramme. Nach zweimaliger Untersuchungshaft in den Jahren 1997 und 1998 folgten 1998 und 1999 drei weitere Versuche, einen Drogenentzug durchzuf�hren.
Letzteren, in der Entzugs- und �bergangsstation X.________ durchgef�hrt, konnte P.________ am 10. Mai 1999 erfolgreich beenden, woraufhin er direkt in die Klinik f�r Suchtkranke Y.________ �bertrat. Seit dem 11. Februar 2000 h�lt er sich in der sozialtherapeutischen Wohngemeinschaft f�r Suchtmittelabh�ngige Z.________, einem gesch�tzten Wohnplatz mit Abstinenzkontrollen, Tagesstruktur, Einzelbetreuung und Gruppenpsychologie, auf.
Am 10. November 1999 meldete sich P.________ mit dem Begehren um berufliche Eingliederungsmassnahmen bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an. Die IV-Stelle Schwyz holte einen Austrittsbericht des Dr. med. A.________ und des Psychotherapeuten B.________, Entzugs- und �bergangsstation X.________, vom 13. Mai 1999, Arztberichte des Dr. med. A.________ vom 2. Dezember 1999 und der Dres. med.
N.________ und phil. L.________, klin. Psych. FSP/SVKP, Klinik f�r Suchtkranke Y.________, vom 19. Januar 2000 sowie einen Zwischenbericht des Dr. med. C.________, �rztlicher Leiter, Klinik f�r Suchtkranke Y.________, vom 5. September 2000 ein und zog Berichte der IV-Berufsberaterin vom 3. Februar, 2. und 22. Mai, 28. Juni, 11. September und
31. Oktober 2000 bei. Gest�tzt darauf wies sie das Leistungsbegehren nach Durchf�hrung des Vorbescheidverfahrens mit der Begr�ndung ab, es liege keine Invalidit�t im Sinne des Gesetzes vor, da die Arbeitsunf�higkeit auf reinem Suchtgeschehen beruhe (Verf�gung vom 29. Dezember 2000).
B.- Die hiegegen erhobene Beschwerde, mit welcher P.________ um Aufhebung der angefochtenen Verf�gung sowie um Zusprechung beruflicher Massnahmen ersuchte, hiess das Verwaltungsgericht des Kantons Schwyz mit Entscheid vom 16. Mai 2001 gut. Es bejahte eine Invalidit�t im eingliederungsrechtlichen Sinne und wies die Sache zu neuer Verf�gung �ber Art und Umfang der zu gew�hrenden Massnahmen an die IV-Stelle zur�ck.
C.- Das Bundesamt f�r Sozialversicherung (BSV) f�hrt Verwaltungsgerichtsbeschwerde mit dem Rechtsbegehren, der vorinstanzliche Entscheid sei aufzuheben.
W�hrend das kantonale Gericht und P.________ auf Abweisung der Verwaltungsgerichtsbeschwerde schliessen, letztgenannter durch seine Rechtsvertreterin, beantragt die IV-Stelle deren Gutheissung.
1.- Im angefochtenen Entscheid werden die massgebenden gesetzlichen Bestimmungen �ber die beruflichen Eingliederungsmassnahmen der Invalidenversicherung (Art. 8 Abs. 1 und Abs. 3 lit. b IVG) zutreffend dargelegt, worauf verwiesen wird. Dasselbe gilt hinsichtlich des Invalidit�tsbegriffs (Art. 4 Abs. 1 IVG) und der nach der Rechtsprechung bei der Pr�fung geistiger Gesundheitssch�den auf ihren allf�lligen invalidisierenden Charakter hin zu beachtenden Grunds�tze (AHI 2001 S. 228 Erw. 2b [=SVR 2001 IV Nr. 3 S. 7 Erw. 2b], 1996 S. 302 f. Erw. 2a, S. 305 Erw. 1a, S. 308 f. Erw. 2a mit Hinweisen). Letztere finden u.a. auch bei Rauschgiftsucht Anwendung (AHI 2002 S. 29 Erw. 1 mit Hinweis). Wie die Vorinstanz im Hinblick auf die Drogensucht ferner richtig festgehalten hat, begr�ndet diese, f�r sich allein betrachtet, nach der Rechtsprechung keine Invalidit�t im Sinne des Gesetzes. Dagegen wird eine solche Sucht im Rahmen der Invalidenversicherung bedeutsam, wenn sie ihrerseits eine Krankheit oder einen Unfall bewirkt hat, in deren Folge ein k�rperlicher oder geistiger Gesundheitsschaden eingetreten ist, oder aber wenn sie selber Folge eines k�rperlichen oder geistigen Gesundheitsschadens ist, welchem Krankheitswert zukommt (AHI 2001 S. 228 f.
med. A.________ neben einer chronischen Hepatitis C und St�rungen durch Alkohol (ICD-10, F10), durch Opioide (ICD-10, F11. 2) sowie durch Kokain (ICD-10, F14. 2), die beiden letzteren mit Abh�ngigkeitssyndrom, eine abh�ngige Pers�nlichkeitsst�rung (ICD-10, F60. 7). Dr. med. N.________ und der Psychologe und Psychotherapeut Dr. phil. L.________ f�hrten in ihrem Bericht vom 19. Januar 2000 aus, der Versicherte leide an einer chronischen Hepatitis C, einer Polytoxikomanie (ICD-10, F19. 21) sowie einer schweren Entwicklungsst�rung der Pers�nlichkeit mit abh�ngigen, haltarmen, unreifen, impulsiven und dissozialen Z�gen (ICD-10, F60. 8). Als ungef�hren Entstehungszeitpunkt des Gesundheitsschadens gaben sie das Jahr 1985 an. Zur Stellungnahme aufgefordert best�tigte der �rztliche Leiter der Klinik f�r Suchtkranke Y.________, Dr. med. C.________, mit Zwischenbericht vom 5. September 2000 die vorg�ngig, namentlich im Bericht vom 19. Januar 2000, gestellten Diagnosen und pr�zisierte, dass eine Pers�nlichkeitsst�rung im beschriebenen Sinne vorliege, wobei die ICD-10-Codierung F60. 8 (sonstige spezifische Pers�nlichkeitsst�rungen) allenfalls in Konkurrenz mit F61. 0 (kombinierte Pers�nlichkeitsst�rung) zu setzen sei, da das Krankheitsbild Z�ge mehrerer der unter F60 enthaltenen Pers�nlichkeitsst�rungen aufweise.
b) Diese in ihren diagnostischen Kernaussagen �bereinstimmenden und widerspruchsfreien �rztlichen Angaben belegen zweifelsfrei, dass mit der Vorinstanz, deren Beurteilung auf einer einl�sslichen und sorgf�ltigen W�rdigung s�mtlicher medizinischer Unterlagen beruht, jedenfalls von einer, sich ab 1985 zusehends verst�rkenden psychischen Grundproblematik mit Krankheitswert auszugehen ist, welche sich nach �berzeugender Auffassung des Dr. med. C.________ einerseits pr�disponierend auf die Suchterkrankung, anderseits aber auch auf die allgemeine Lebensbew�hrung und besonders auf den schulischen sowie beruflichen Werdegang auswirkte. Es handelt sich - so derselbe Arzt weiter - um ein Zusammenwirken der pathologischen Grundvoraussetzungen mit den (ebenfalls pathologischen) Folgen des Suchtmittelkonsums.
Dieser Wechselwirkung zwischen Pers�nlichkeitsst�rung und Drogensucht ist, im Sinne einer gesamthaften W�rdigung des Ursachen- und Folgespektrums, geb�hrend Rechnung zu tragen, zumal es rechtsprechungsgem�ss zur Annahme einer Invalidit�t nach Art. 4 Abs. 1 IVG - bei bleibender oder l�ngerer Zeit dauernder Beeintr�chtigung der Erwerbsf�higkeit - gen�gt, dass die Sucht zumindest in teilkausaler Weise Folge der Pers�nlichkeitsst�rung ist (ZAK 1992 S. 169; Meyer-Blaser, Rechtsprechung des Bundesgerichts zum IVG, Z�rich 1997, S. 17 mit weiteren Hinweisen). Der in der Verwaltungsgerichtsbeschwerde vorgebrachte Einwand, der Annahme, dass der Beschwerdegegner teilweise auf Grund der Pers�nlichkeitsst�rung daran gehindert worden sei, die 1986 begonnene erstmalige Ausbildung zu absolvieren, komme lediglich der Stellenwert einer Hypothese zu, erweist sich nach dem Gesagten als nicht stichhaltig. Gem�ss den diesbez�glich einleuchtenden und nachvollziehbaren �rztlichen Aussagen ist vielmehr davon auszugehen, dass die beim Versicherten festgestellte schwere Entwicklungsst�rung der Pers�nlichkeit zumindest im Sinne eines wesentlichen Teilzusammenhangs an den schulischen Problemen (Besuch der Hilfsschule), der vorzeitigen Beendigung der landwirtschaftlichen Lehre wie auch der Drogenabh�ngigkeit beteiligt ist. Die Behauptung des BSV, es g�be keine bestimmten Pers�nlichkeitsstrukturen bzw. -st�rungen, welche zu Suchtverhalten pr�destinierten, wurde im �brigen u.a. bereits in ZAK 1992 S. 169 - damals im Hinblick auf eine schizotypische Pers�nlichkeitsstruktur - widerlegt und steht vorliegend im Widerspruch zur klaren �usserung des Dr. med.
C.________ in dessen Zwischenbericht vom 5. September 2000, wonach sich die psychische Grundproblematik pr�disponierend auf die Suchterkrankung ausgewirkt habe.
3.- Zu pr�fen ist im Weitern, ob der festgestellte Gesundheitsschaden mit Krankheitswert zu einer in eingliederungsrechtlicher Hinsicht massgeblichen Beeintr�chtigung der Erwerbsf�higkeit gef�hrt hat.
a) Nach Art. 4 Abs. 2 IVG gilt die Invalidit�t als eingetreten, sobald sie die f�r die Begr�ndung des Anspruchs auf die jeweilige Leistung erforderliche Art und Schwere erreicht hat. Das IVG beruht somit auf dem Konzept des leistungsspezifischen Invalidit�tsfalles. Dies bedeutet im Bereich der beruflichen Eingliederungsmassnahmen (Art. 15 ff. IVG) u.a., dass ein Anspruch auf Beitr�ge an die erstmalige berufliche Ausbildung besteht, wenn dem Versicherten aus Gr�nden eines bleibenden oder l�ngere Zeit dauernden Gesundheitsschadens, somit invalidit�tsbedingt, in wesentlichem Umfange zus�tzliche Kosten entstehen (Art. 16 Abs. 1 IVG in Verbindung mit Art. 5 Abs. 2 IVV; BGE 126 V 461 Erw. 1 mit Hinweis).
b)Mit Blick auf eine leistungsspezifische Invalidit�t ist vorliegend bedeutsam, ob der Beschwerdegegner aus Gr�nden, die in der diagnostizierten Pers�nlichkeitsst�rung liegen, seit Abbruch seiner landwirtschaftlichen Lehre im Jahre 1986 daran gehindert worden ist, im �blichen Rahmen die erstmalige berufliche Ausbildung zu absolvieren. Unerheblich ist demgegen�ber, ob der Versicherte - wie in der Verwaltungsgerichtsbeschwerde angef�hrt - "zum jetzigen Zeitpunkt", d.h. bei Erlass der Verwaltungsverf�gung vom 29. Dezember 2000, noch an einem invalidisierenden psychischen Gesundheitsschaden gelitten hat, kommt es invalidenversicherungsrechtlich doch nicht auf die Gleichzeitigkeit (Kontemporalit�t), sondern auf die Kausalit�t von Gesundheitsschaden und Erwerbsunf�higkeit an (BGE 126 V 462 Erw. 2 mit Hinweisen).
c) Wie das kantonale Gericht zutreffend dargelegt hat, konnte der Beschwerdegegner bis anhin keine seinen F�higkeiten entsprechende berufliche Ausbildung absolvieren, was - vgl. Erw. 2b hievor - zumindest teilweise auf die diagnostizierte Pers�nlichkeitsst�rung mit Krankheitswert zur�ckzuf�hren ist. Der Umstand, dass der Versicherte von 1988 bis 1996 mehr oder weniger regelm�ssig verschiedenen Hilfsarbeitert�tigkeiten nachgegangen ist und dabei ein bescheidenes Einkommen erzielt hat, stellt entgegen den Vorbringen des BSV kein Indiz f�r einen nicht invalidisierenden Gesundheitsschaden dar, sondern verdeutlicht vielmehr, dass die nach vorzeitiger Beendigung der Ausbildung get�tigten kurzfristigen Hilfsarbeitereins�tze - achtmaliger Stellenwechsel mit Phasen der wiederholten Arbeitslosigkeit - keine geeignete und auf die Dauer zumutbare Erwerbst�tigkeit darstellten. Damit ist der Tatbestand einer invalidit�tsbedingt verz�gerten erstmaligen Ausbildung erf�llt, den auch die Verwaltungspraxis anerkennt (vgl. Rz 3007 und 3011 des Kreisschreibens des BSV �ber die Eingliederungsmassnahmen beruflicher Art [KSBE]).
Der Beschwerdegegner hat demnach Anspruch auf berufliche Eingliederungsmassnahmen, deren Art und Umfang die IV-Stelle, an welche die Vorinstanz die Sache zur�ckgewiesen hat, festzulegen haben wird. Der vorinstanzliche Entscheid erweist sich damit als rechtens.
4.- Das Verfahren ist kostenlos (Art. 134 OG). Dem Prozessausgang entsprechend hat der durch eine Mitarbeiterin des Rechtsdienstes f�r Behinderte der Schweizerischen Arbeitsgemeinschaft zur Eingliederung Behinderter (SAEB) qualifiziert vertretene Beschwerdegegner Anspruch auf eine Parteientsch�digung (Art. 159 Abs. 2 in Verbindung mit Art. 135 OG; SVR 1997 IV Nr. 110 S. 341 Erw. 1).
III. Die IV-Stelle Schwyz hat dem Beschwerdegegner f�r das Verfahren vor dem Eidgen�ssischen Versicherungsgericht eine Parteientsch�digung von Fr. 1'000.- (einschliesslich