Source: https://datenbank.nwb.de/Dokument/Anzeigen/760803/
Timestamp: 2019-01-17 05:50:04
Document Index: 340080217

Matched Legal Cases: ['§ 55', '§ 13', '§ 17', '§ 13', '§ 17', '§ 55', '§ 17', '§ 17', 'Art. 90', 'EuG', '§ 17', 'EuG', '§ 17']

Umsatzsteuer/Insolvenzrecht | Forderungsvereinnahmung bei Eigenverwaltung (BFH) - NWB Datenbank
Online-Nachricht - Mittwoch, 07.11.2018 14:04
Umsatzsteuer/Insolvenzrecht | Forderungsvereinnahmung bei Eigenverwaltung (BFH)
Vereinnahmt der Insolvenzschuldner im Rahmen der Eigenverwaltung das Entgelt für eine vor der Eröffnung des Insolvenzverfahrens ausgeführte Leistung, begründet dies eine Masseverbindlichkeit i.S. von § 55 Abs. 1 Nr. 1 InsO ( BFH, Urteil v. 27.09.2018 - V R 45/16 ; veröffentlicht am 07.11.2018 ).
Sachverhalt und Prozessverlauf: Kläger ist Insolvenzverwalter in einem zweiten Insolvenzverfahren einer GmbH, die ihre Umsätze nach vereinbarten Entgelten gemäß § 13 Abs. 1 Nr. 1 Buchst. a UStG versteuerte. Im eröffneten Insolvenzverfahren vereinnahmte die GmbH Entgelte für Leistungen, die sie bereits zuvor erbracht hatte. Sie ging davon aus, dass die Steuer für diese Leistungen bei der Berechnung der sich für dieses Jahr ergebenden Insolvenzforderung zu berücksichtigen sei. FA ging hingegen davon aus, dass die Steuer für die Leistungen, die die GmbH bereits vor Insolvenzeröffnung erbracht hatte, für die die GmbH die Entgelte aber erst nach Insolvenzeröffnung im Verfahren vereinnahmt hatte, nach dem BFH-Urteil v. 09.12.2010 - V R 22/10 zur sog. Berichtigungssequenz entsprechend § 17 UStG bei der Berechnung der sich für das Streitjahr ergebenden Masseverbindlichkeit zu berücksichtigen sei. Die Klage zum Finanzgericht hatte keinen Erfolg.
Der BFH wies die Revision des Klägers zurück:
Hat ein Unternehmer, der der Besteuerung nach vereinbarten Entgelten als sog. Sollbesteuerung unterliegt (§ 13 Abs. 1 Nr. 1 Buchst. a UStG), eine Leistung vor der Eröffnung des Insolvenzverfahrens erbracht, für die erst der Insolvenzverwalter die Gegenleistung vereinnahmt, führt die Vereinnahmung durch den Insolvenzverwalter zu einer Berichtigung nach § 17 Abs. 2 Nr. 1 Satz 2 und Abs. 1 Satz 1 UStG.
Dies begründet insolvenzrechtlich eine Masseverbindlichkeit i.S. von § 55 Abs. 1 Nr. 1 InsO. Die zuvor für Leistungserbringung vorgenommene Besteuerung für das Jahr der Insolvenzeröffnung ist zu berichtigen (§ 17 Abs. 2 Nr. 1 und Abs. 1 Satz 1 UStG) und bei der Berechnung der sich für dieses Jahr ergebenden Umsatzsteuerjahresinsolvenzforderung zu berücksichtigen.
Unionsrechtliche Zweifel hieran bestehen nicht. Für die dieser Rechtsprechung zugrunde liegende Berichtigungsvorschrift des § 17 Abs. 2 Nr. 1 UStG besteht mit Art. 90 MwStSystRL eine eindeutige Grundlage. Der EuGH hat dabei auch die gesetzliche Anordnung einer zweiten Berichtigung, wie sie sich aus § 17 Abs. 2 Nr. 1 Satz 2 und Abs. 1 Satz 1 UStG ergibt, ausdrücklich gebilligt ( EuGH-Urteil v. 23.11.2017 - C 246/16 - Di Maura).
Quelle: BFH, Urteil v. 27.09.2018 - V R 45/16 (Ls)
[UAAAG-98910]
Janz/Radloff, Die Umsatzsteuer im Insolvenzverfahren, USt direkt digital S. 11
Hundt-Eßwein in Küffner/Stöcker/Zugmaier, USt, § 17 UStG
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