Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Gericht=BGH&Datum=05.04.2006&Aktenzeichen=IV%20ZR%20139/05
Timestamp: 2019-04-19 17:48:00
Document Index: 103628652

Matched Legal Cases: ['BGH', '§ 2039', '§ 767', '§ 2039', '§ 194', '§ 2039', 'BGH', 'BGH', '§ 2039', 'BGH', 'BGH', '§ 249', '§ 2039', '§ 2039', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 767', '§ 2039', 'BGH', 'BGH', '§ 767', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 2039', '§ 2039', '§ 194', 'BGH', '§ 2039', 'BGH', 'BGH', '§ 2039', 'BGH', 'BGH', '§ 2039', '§ 56']

BGH, 05.04.2006 - IV ZR 139/05 - dejure.org
BGB § 2039 S. 1; ZPO § 767
Prozessführungsbefugnis eines Miterben für zum Nachlass gehörende Ansprüche gilt auch für Vollstreckungsgegenklage
Prozessführungsbefugnis einzelner Miterben im Rahmen einer Vollstreckungsgegenklage gegen die Zwangsvollstreckung in ein zum Nachlass gehörendes Nachlassgrundstück; Ausschließliche Einordnung von Nachlassansprüchen im Sinne des § 2039 S. 1 BGB als solche im Sinne des § 194 BGB
Zur Prozessführungsbefugnis eines einzelnen Miterben für eine Vollstreckungsgegenklage gegen die Zwangsvollstreckung in ein Nachlassgrundstück
Prozeßführungsbefugnis eines Miterben nach § 2039 BGB zur Vollstreckungsgegenklage bei Vollstreckung in ein Nachlaßgrundstück wegen Nachlaßerbenschulden; (subjektive) Reichweite der materiellen Rechtskraft
Prozessführungsbefugnis eines einzelnen Miterben bei Zwangsvollstreckung in ein Nachlassgrundstück
Erbrecht - Miterbe für Vollstreckungsgegenklage prozessführungsbefugt?
Prozessrecht - Prozessführungsbefugnis eines Miterben bezüglich einer Vollstreckungsgegenklage
Kurznachricht zu "Anmerkung zum Urteil des BGH vom 05.04.2006, Az.: IV ZR 139/05 (Prozessführungsbefugnis eines Miterben für eine Vollstreckungsgegenklage)" von Prof. Dr. Olaf Werner, original erschienen in: ZEV 2006, 357 - 358.
LG München I, 21.09.2004 - 28 O 18325/99
OLG München, 28.04.2005 - 19 U 5594/04
OLG München, 19.05.2005 - 19 U 5594/04
BGHZ 167, 150
NJW 2006, 1969
FamRZ 2006, 941
WM 2006, 1412
Aus § 2039 Satz 1 BGB folgt die Berechtigung des einzelnen Miterben, eine zum Nachlass gehörende Forderung als gesetzlicher Prozessstandschafter für die Erbengemeinschaft (BGHZ 167, 150 = NJW 2006, 1969 Rn. 7) auch gegen einen Miterben geltend zu machen (BGH Urteile vom 1. Oktober 1975 - IV ZR 161/73 - WM 1975, 1179, 1181 und vom 19. Juni 1952 - III ZR 217/50 - LM Nr. 3 zu § 249 [Fa] BGB;… MünchKommBGB/Gergen 6. Aufl. § 2039 Rn. 32;… Staudinger/Löhnig BGB [2016] § 2039 Rn. 20, 25; Stöber MDR 2007, 757, 759).
Eine gewillkürte Prozessstandschaft findet nicht statt (anders bei gesetzlicher Prozessstandschaft; vgl. BGH, Urteil vom 5. April 2006 - IV ZR 139/05, BGHZ 167, 150 Rn. 7 ff.).
Im Übrigen ist eine gewillkürte Prozessstandschaft bei einer Vollstreckungsabwehrklage grundsätzlich nicht statthaft (vgl. BGH…, Urteil vom 10. Dezember 2013 - XI ZR 508/12, ZIP 2014, 118 Rn. 12;… Preuß in BeckOK ZPO, § 767 Rn. 34a; anderes gilt für die gesetzliche Prozessstandschaft des Miterben, der im Wege der Vollstreckungsgegenklage Nachlassansprüche gemäß § 2039 Satz 1 BGB geltend macht - BGH, Urteil vom 5. April 2006 - IV ZR 139/05, BGHZ 167, 150 Rn. 7 ff.).
Dementsprechend präkludiert § 767 Abs. 3 ZPO Einwendungen für spätere - wiederholte - Vollstreckungsabwehrklagen (BGH 5. April 2006 - IV ZR 139/05 - Rn. 9, BGHZ 167, 150) .
Der klagende Miterbe handelt in gesetzlicher Prozessstandschaft, nicht als Vertreter der übrigen Erben (Urteil des Bundesgerichtshofs --BGH-- vom 5. April 2006 IV ZR 139/05, BGHZ 167, 150).
Auf diese Weise soll gewährleistet werden, dass jeder Miterbe die durch Untätigkeit einzelner Miterben drohenden Nachteile abwenden kann, ohne selbst einen unberechtigten Sondervorteil zu haben und ohne erst auf Zustimmung der Übrigen klagen zu müssen (BGHZ 167, 150 Rn. 8;… MüKo/Gergen § 2039 Rn. 1).
Nachlassansprüche gemäß § 2039 Satz 1 BGB sind nur Ansprüche im Sinne des § 194 Abs. 1 BGB, die der Erbengemeinschaft als solcher zustehen (BGHZ 23, 207/212; 167, 150 Rn. 12 und 14).
Die Regelung des § 2039 Satz 1 BGB berechtigt jeden Miterben, zum Nachlass gehörende Ansprüche in gesetzlicher Prozessstandschaft und damit im eigenem Namen für die Erbengemeinschaft klageweise geltend zu machen (BGH NJW 1966, 773 und BGHZ 167, 150 = NJW 2006, 1969) , also nicht etwa in Vertretung der übrigen Miterben und auch ohne deren Mitwirkung; diesem Recht steht sogar ein Widerspruch der übrigen Miterben nicht entgegen (…Palandt/Weidlich, BGB, 74. Aufl 2015, § 2039 RdNr 6) .
Die Vorschrift gewährleistet also, dass jeder Miterbe Nachteile abwenden kann, die der Erbengemeinschaft durch Nachlässigkeit oder Untätigkeit einzelner Miterben drohen, ohne selbst einen unberechtigten Sondervorteil zu haben und ohne erst umständlich auf Zustimmung der übrigen Miterben klagen zu müssen (RGZ 149, 193; BGHZ 167, 150 = NJW 2006, 1969;… Palandt/Weidlich, aaO, RdNr 1).
Es handelt sich um eine gesetzliche Prozessstandschaft (vgl. BGH, NJW 1966, 773; 2006, 1969), nicht etwa um eine Vertretung der übrigen Miterben und ist auch ohne deren Mitwirkung, sogar gegen deren Widerspruch möglich (…vgl. Palandt/Edenhofer, BGB, 68. Aufl. 2009, § 2039 Rn. 6).
LSG Bayern, 30.10.2008 - L 10 AL 26/07
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