Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Gericht=BFH&Datum=27.08.2014&Aktenzeichen=VIII%20R%206%2F12
Timestamp: 2019-03-22 23:51:08
Document Index: 164653178

Matched Legal Cases: ['§ 15', '§ 18', '§ 4', '§ 15', '§ 18', '§ 164', '§ 11', '§ 126', '§ 18', '§ 18', '§ 21', '§ 313', '§ 56', '§ 118', '§ 15', '§ 35', '§ 2', '§ 15', '§ 18', '§ 11', '§ 15', '§ 18', '§ 15', '§ 11', '§ 2', '§ 18', '§ 15', '§ 18', '§ 11', '§ 15', '§ 15', '§ 15', '§ 15', '§ 15', '§ 18', '§ 15', '§ 15', '§ 15']

BFH, 27.08.2014 - VIII R 6/12 - dejure.org
Bagatellgrenze für die Nichtanwendung der Abfärberegelung in § 15 Abs. 3 Nr. 1 EStG - Leitende und eigenverantwortliche Berufsausübung i. S. des § 18 Abs. 1 Nr. 1 Satz 3 EStG
§ 4 Abs. 3 des Einkommensteuergesetzes (EStG), § ... 18 EStG, § 15 Abs. 3 Nr. 1 EStG, § 18 Abs. 1 Nr. 3 EStG, § 164 Abs. 2 der Abgabenordnung, § 11 Abs. 1 Satz 3 Nr. 1 des Gewerbesteuergesetzes (GewStG), § 126 Abs. 2 der Finanzgerichtsordnung, § 18 Abs. 1 Nr. 1 EStG, § 18 Abs. 1 Nr. 1 Satz 3 EStG, § 21 Abs. 2 Satz 1 Nr. 1 der Insolvenzordnung (InsO), § 313 InsO, § 56 InsO, § 118 Abs. 2 FGO, § 15 Abs. 2 Satz 1 EStG, § 35 EStG, § 2 Abs. 1 Satz 2 GewStG, § 15 Abs. 1 Nr. 1 EStG, § 18 Abs. 1 Nr. 1 und Nr. 3 EStG, § 11 Abs. 1 Satz 3 Nr. 1 GewStG, § 15 EStG
§ 18 Abs 1 Nr 1 EStG 2002, § 15 Abs 3 Nr 1 EStG 2002, § 11 Abs 1 S 3 Nr 1 GewStG 2002, § 2 Abs 1 GewStG 2002, § 18 Abs 1 Nr 3 EStG 2002
Bagatellgrenze für "Abfärbewirkung" bei teilgewerblicher Rechtsanwalts-GbR, hier: wegen Durchführung von Insolvenzverfahren durch angestellten Anwalt
Einkünfte aus selbständiger Tätigkeit: Bagatellgrenze für die Abfärbewirkung von geringfügigen gewerblichen Einkünften - Geld & Recht
Äußerst geringfügige Einkünfte einer Rechtsanwalts-GbR sind nicht zu gewerblichen Einkünften umzuqualifizieren
Einkünfte aus selbständiger Tätigkeit - Bagatellgrenze für die Abfärbewirkung von geringfügigen gewerblichen Einkünften
Gute Nachricht für Personengesellschaften: Abfärberegelung entschärft
Bei Freiberuflersozietät, bei der einzelne Partner zusätzlich Einkünfte aus gewerblicher Tätigkeit erzielen
EStG § 15 Abs. 3 Nr. 1, § 18 Abs. 1 Nr. 3; GewStG § 11
Ertragsteuerliche Behandlung der Limited (& Co. KG) in Deutschland - Besteuerung der Limited & Co. KG
Laufende Einkünfte der Limited & Co. KG
Kurznachricht zu "Keine Abfärbewirkung geringfügiger gewerblicher Einnahmen freiberuflicher Personengesellschaften" von StB Klaus Korn, original erschienen in: NWB 2015, 1042 - 1051.
Erbringen die Gesellschafter einer Personengesellschaft ihre Leistungen teilweise freiberuflich und teilweise --mangels Eigenverantwortlichkeit-- gewerblich, so ist ihre Tätigkeit nach § 15 Abs. 3 Nr. 1 EStG insgesamt als gewerblich zu qualifizieren (z.B. Senatsurteile in BFHE 247, 513, BStBl II 2015, 1002;… in BFH/NV 2008, 53).
Die aus der Tätigkeit der Dr. N auf der Ebene der Klägerin erzielten Einkünfte waren nicht von lediglich untergeordneter Bedeutung (vgl. zur Bagatellgrenze für die Nichtanwendung der Abfärberegelung in § 15 Abs. 3 Nr. 1 EStG das Senatsurteil in BFHE 247, 513, BStBl II 2015, 1002).
Die Gesellschafter müssen an der Bearbeitung der erteilten Aufträge zumindest in der Weise mitwirken, dass die Berufsträger die mit einem übernommenen Auftrag verbundenen Aufgaben untereinander aufteilen und jeder den ihm zugewiesenen Aufgabenbereich aufgrund seiner Sachkenntnis eigenverantwortlich leitet (vgl. BFH-Urteile vom 27. August 2014 VIII R 6/12, BStBl II 2015, 1002; vom 10. Oktober 2012 VIII R 42/10, BStBl II 2013, 79).
Diese Würdigung ist jeweils nach den tatsächlichen Verhältnissen des Einzelfalls und den Besonderheiten des jeweiligen Berufes vorzunehmen (BFH-Urteil vom 27. August 2014 VIII R 6/12, BStBl II 2015, 1002).
Auch in diesem Fall ist zu prüfen, ob die Gesellschafter einer Personengesellschaft bezogen auf diese Verfahren nach den genannten Kriterien eigenverantwortlich tätig geworden sind (vgl. BFH-Urteil vom 27. August 2014 VIII R 6/12, BStBl II 2015, 1002).
Die Umqualifizierung der gesamten Einkünfte der Klägerin in solche aus Gewerbebetrieb gemäß § 15 Abs. 3 Nr. 1 EStG entfällt auch nicht dadurch, dass nach Maßgabe einer zum Teil in der Literatur vertretenen Auffassung (Wacker in Schmidt, EStG, 37. Aufl. 2018, § 15 Rn. 188, wohl offengelassen in BFH-Urteil vom 27. August 2014 VIII, R 6/12, BStBl II 2015, 1002; BFH-Urteile vom 25. Juni 1996 VIII R 28/96, BStBl II 1997, 202; vom 18. Mai 1995 IV R 31/94, BStBl II 1995, 718), die Klägerin hinsichtlich der gewerblichen Einkünfte ohne Gewinnerzielungsabsicht gehandelt haben könnte.
War zwischen BFH und den Instanzgerichten bisher nicht eindeutig geklärt, ab welcher Höhe von einem äußerst geringen Ausmaß und damit der Unschädlichkeit der gewerblichen Einkünfte auszugehen war (vgl. dazu BFH-Urteil vom 27. August 2014 VIII R 6/12, BStBl II 2015, 1002), hat der BFH dies mit drei Entscheidungen vom 27. August 2014 im Rahmen einer typisierenden Betrachtung konkretisiert.
Die Berücksichtigung des Freibetrags als Umsatzgrenze vermeidet derartige Schwierigkeiten (BFH-Urteile vom 27. August 2014 VIII R 6/12, BStBl II 2015, 1002).
Fortentwickelt wurde diese Rechtsprechung durch Urteile des VIII. Senats des BFH, wonach freiberufliche Einkünfte einer GbR nicht insgesamt nach § 15 Abs. 3 Nr. 1 EStG zu solchen aus Gewerbebetrieb umqualifiziert werden, wenn die daneben erzielten Nettoumsatzerlöse aus der gewerblichen Tätigkeit 3 % der Gesamtnettoumsatzerlöse der Gesellschaft und den Betrag von 24.500 EUR im Veranlagungszeitraum nicht übersteigen (BFH-Urteile vom 27. August 2014 VIII R 6/12, BFHE 247, 513, BStBl II 2015, 1002, Rz 53 ff., und VIII R 41/11, BFHE 247, 506, BStBl II 2015, 999, Rz 25 ff.).
a) Eine Personengesellschaft entfaltet nur dann eine Tätigkeit, die die Ausübung eines freien Berufes i.S.d. § 18 EStG darstellt, wenn sämtliche Gesellschafter die Merkmale eines freien Berufes erfüllen, da die tatbestandlichen Voraussetzungen der Freiberuflichkeit nicht von der Personengesellschaft selbst, sondern nur von den an der Gesellschaft beteiligten natürlichen Personen erfüllt werden können (…BFH-Urteile vom 16. April 2009 VIII R 216/08, BFH/NV 2009, 1264 ; vom 10. Oktober 2012 VIII R 42/10, BStBl II 2013, 79 ; vom 27. August 2014 VIII R 6/12, BFH/NV 2015, 1133 ).
Die Gesellschafter müssen an der Bearbeitung der erteilten Aufträge zumindest in der Weise mitwirken, dass die Berufsträger die mit einem übernommenen Auftrag verbundenen Aufgaben untereinander aufteilen und jeder den ihm zugewiesenen Aufgabenbereich aufgrund seiner Sachkenntnis eigenverantwortlich leitet (BFH-Urteile vom 28. Oktober 2008 VIII R 69/06, BStBl II 2009, 642 ;… vom 16. April 2009 VIII R 216/08, BFH/NV 2009, 1264 ; vom 27. August 2014 VIII R 6/12, BFH/NV 2015, 1133 ).
Eine Bagatellgrenze für die Nichtanwendung der Abfärberegelung des § 15 Abs. 3 Nr. 1 EStG besteht in diesen Fällen nicht (BFH-Urteile vom 28. Oktober 2008 VIII R 69/06, BStBl II 2009, 642 , unter II.4.e; vom 27. August 2014 VIII R 6/12, BFH/NV 2015, 1133 Rz. 50).
Erfüllt nur eine der beteiligten Personen diese Voraussetzungen nicht, so sind im Hinblick auf die so genannte Abfärberegelung des § 15 Abs. 3 Satz 1 Nr. 1 EStG die gemeinschaftlichen Einkünfte grundsätzlich insgesamt in vollem Umfang als gewerblich zu qualifizieren (…ständige Rechtsprechung, zuletzt Bundesfinanzhof - BFH -, Urteile vom 10.08.2010 VIII R 44/07, BFH/NV 2011, 20; vom 27.08.2014 VIII R 6/12, BFHE 247, 513, BFH/NV 2015, 597;… vom 27.08.2014 VIII R 16/11, BFHE 247, 499, BFH/NV 2015, 469;… vom 27.08.2014 VIII R 41/11, BFHE 247, 506, BFH/NV 2015, 595).
Mit Urteil vom 27.08.2014 VIII R 6/12 (BFH/NV 2015, 597) hat der 8. Senat des BFH entschieden, dass eine aus Rechtsanwälten bestehende GbR gemäß § 15 Abs. 3 Nr. 1 EStG gewerblich tätig ist, wenn ein bei ihr angestellter Rechtsanwalt selbst zum Gutachter, Insolvenzverwalter oder Treuhänder bestellt wird und er in diesen Verfahren Aufgaben leitend und eigenverantwortlich tätig ist.