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Timestamp: 2016-05-01 13:47:21
Document Index: 60317301

Matched Legal Cases: ['§960', '§958', '§99', '§833', 'BGH', 'BGH', '§ 833', '§ 833']

Schäden durch Freigängerkatze - wer haftet ? - Tierrecht - JuraForum.de
Schäden durch Freigängerkatze - wer haftet ?
Dieses Thema "Schäden durch Freigängerkatze - wer haftet ? - Tierrecht" im Forum "Tierrecht" wurde erstellt von Smilie65, 11. August 2012.
Smilie65
11.08.2012, 21:01
ich hoffe, ich habe das richtige Unterforum ausgesucht. Falls nicht, dann bitte verschieben. So, jetzt zum Thema. Normalerweise kommt ja die private Haftpflichtversicherung des Katzenbesitzers für Schäden auf, die von seiner Katze verursacht wurden.
Was aber, wenn der Katzenbesitzer sagt, er hätte gar keine Katze ???
Letztes Jahr bekam die Katze von Nachbar A ein Junges im Schuppen von Nachbar B.
Nachbar B fütterte beide Katzen, auch die Mutterkatze ging nicht wieder zu Nachbar A zurück.
Irgendwann wurde sie dann überfahren.
Das inzwischen einige Monate alte Jungtier blieb bei Nachbar B, der es auch weiterhin fütterte.
Es wurde jedoch nie geimpft oder entwurmt, natürlich auch nicht kastriert. Darauf angesprochen, sagte Nachbar B, dass er mit einer Kastration nichts zu tun habe, da es ja gar nicht seine Katze wäre ...
Es kam, wie es kommen musste: Dieses Jahr bekam die Katze 6 oder 7 Junge. Natürlich wurde auch davon keines der Katzenbabies geimpft oder entwurmt, und da auch keins davon kastriert werden wird, ist es nur eine Frage der Zeit, bis auch die weiblichen Babies Junge kriegen werden. Ok, soweit zur Vorgeschichte, nun zum eigentlichen Problem:
Der inzwischen 3 oder 4 Monate alte Nachwuchs hat sich u.A. das Auto von Nachbar C als Spielplatz auserkoren. Nun passiert vllt. beim normalen Drübertapsen einer einzelnen Katze nichts, jedoch wenn da mehrere Jungkatzen auf einmal 'rumrandalieren', befürchtet Nachbar C doch Lackschäden.
Er hat Nachbar B darauf angesprochen, jedoch antwortete der wieder nur lapidar: Was habe ich damit zu tun ??? Es sind doch nicht meine Katzen !
Tja, wie sieht das nun aus ? Die 'Oma' der jetzigen Katzenbabies, die ja Nachbar A gehörte, lebt nicht mehr. Mit dem damaligen Jungtier sowie mit den jetzigen Jungen hat A folglich also gar nichts mehr zu tun.
Nachbar B füttert und macht und tut, bestreitet aber, der Besitzer der Katzenbande zu sein.
Hat jemand schon ähnliches erlebt ?
AW: Schäden durch Freigängerkatze - wer haftet ?
die frage kann ich leider nicht beantworten. vielleicht aber etwas zur schadenbegrenzung beitragen: in vielen städten/gemeinden gibt es bei tierheimen oder anderen tierschutzorganisationen die möglichkeit katzen kostenlos kastrieren zu lassen.
Zunächst war A Eigentümer der Katzen und damit für den Schaden verantwortlich. A hat aber das Eigentum nach §§960, 959 BGB verloren.
B hat an der alten Katze nach §958 BGB das Eigentum erworben. Damit auch an den Katzenjungen nach §§99-101 BGB.
Somit ist B nach §833 BGB für die Schäden verantwortlich, die seine Katzen anrichten.
12.08.2012, 16:46
Zu Lackschäden an Kraftfahrzeugen durch Katzen gibt es hier einige Threads; die Suchfunktion könnte hilfreich sein.
siehe: http://www.juraforum.de/forum/nachb...bei-wisch-undkratzspuren-an-einem-auto-170061
http://www.juraforum.de/forum/tierrecht/katzen-zerkratzen-auto-318824
Abgesehen von der Klärung der Halterfrage wird der Anspruchsteller auch noch den Nachweis führen dürfen das ein Schaden explizit von diesen Katzen verursacht wurde ... viel Spaß
Der BGH hat sich wohl auch schon mit der Halterfrage beim "Anfüttern" beschäftigt. Ich finde nur eine Zusammenfassung, dort auf Seite 6:
http://www.kanzlei-mwh.de/vortraege/haftung_tierhalter.pdf
Demnach wäre B doch Halter der Katzenbande, dadurch dass er sie füttert und ihnen Unterkunft gewährt.
Super - vielen Dank für eure Antworten. Smilie65
auf dem o.g link steht
Nach ständiger Rechtsprechung des Bundesgerichtshofes (BGH) gilt als „Tierhalter“ derjenige, der:
für mich stellt sich die frage: müssen alle punkte a-d zutreffen, oder darf man sich willkürlich einen rauspicken ?
unter b) steht "futter UND pflege"; an der pflege scheint es unseren fiktiven katzen zu mangeln ?
und gehen können die katzen sowieso dorthin, wohin sie wollen (a) ?
... unter b) steht "futter UND pflege"; an der pflege scheint es unseren fiktiven katzen zu mangeln ?Klicken Sie in dieses Feld, um es in vollständiger Größe anzuzeigen.
Naja - kommt drauf an, was man nun alles unter Pflege versteht. Auf alle Fälle gibts dort einen Korb mit Decke drin, der trocken unterm Carport steht - und gefüttert wird auch regelmäßig jeden Tag.
Die Halterfrage dürfte sekundär sein, da aus meiner Sicht der (vermeintlich) Geschädigte den Nachweis nicht wird führen können welche frei streunende Katze - davon soll es viele geben - welchen Schaden verursacht haben soll.
13.08.2012, 12:35
Das dürfte vermutlich kein allzu großes Problem sein, da es sich nicht um Nacht- und Nebelaktionen handelt, sondern die Katzenbande auch bei Tage auf dem Auto von Nachbar C rumläuft ...
müssen alle punkte a-d zutreffen, oder darf man sich willkürlich einen rauspicken ?Klicken Sie in dieses Feld, um es in vollständiger Größe anzuzeigen.
Ich halte das für einen Kriterienkatalog, um zu beurteilen, ob ein Tier als "Haustier" (Luxustier) gehalten wird. Tut der Halter das, ist er der Halter. Würde er sein Tier aussetzen, würden a-d flach fallen. Wäre er nicht mehr der Halter? Sicherlich doch zunächst. Die Abgrenzung zum Wildtier wäre ein Wildtier unter Artenschutz, wie der Igel. Da wäre ein Fütterer und Kistensteller sicher kein Halter.
Für mich sieht es so aus, als würde die Katzenbande zum Plaisire gehalten - das mag aber juristisch anfechtbar sein.
14.08.2012, 23:46
Zitat von Smilie65:
Der inzwischen 3 oder 4 Monate alte Nachwuchs hat sich u.A. das Auto von Nachbar C als Spielplatz auserkoren.Klicken Sie in dieses Feld, um es in vollständiger Größe anzuzeigen.
Ertappt! Eine der Katzen wurde dabei gefilmt:
http://www.youtube.com/watch?v=3seDAeLrU7E&NR=1
Nun passiert vllt. beim normalen Drübertapsen einer einzelnen Katze nichts, jedoch wenn da mehrere Jungkatzen auf einmal 'rumrandalieren', befürchtet Nachbar C doch Lackschäden.Klicken Sie in dieses Feld, um es in vollständiger Größe anzuzeigen.
Bei etwaigen Kratzern im Lack muß der Katzenhalter dennoch nicht haften. In einer Expertise stellten Kfz-Lack-Gutachter fest, daß Katzenkrallen nicht von einer Konsistenz sind, die eine Autooberfläche beschädigen könne. Ein verklagter Katzenbesitzer wurde daraufhin freigesprochen.
Amtsgericht Oberhausen, AZ 34 C 157/93.
Der Eigentümer eines Porsche verklagte seinen Nachbarn, Halter einer Katze, auf Schadensersatz, weil diese Katze auf seinem Fahrzeug herumgelaufen sei und dabei Verkratzungen auf dem Lack versucht habe. Seine Klage auf Zahlung von Schadensersatz in Höhe von DM 3.939,47 wurde abgewiesen. Der vom Gericht bestellte Sachverständige hielt es nämlich für unwahrscheinlich, dass eine Katze solche Lackschäden verursachen könne. Er führt dazu aus, es sei unplausibel, dass sich die Tiere mit ausgefahrenen Krallen über glatte Oberflächen bewegen, da zwischen den weichen Ballen und der glatten Lackierung eine Haftung erfolgen kann, aufgrund ausgefahrener Krallen diese Haftung aber verloren ginge. Lediglich leichte Lackverschrammungen seien daher durch eine Katze möglich. Diese Lackverschrammungen rührten aus anhaftenden Sandkörnern zwischen Ballen und Pfotenbehaarung her.
(Amtsgericht Celle, Az.: 16 C 187/97 )
Katzenkrallen gegen Autoscheiben
http://www.youtube.com/watch?v=aqini0B7hIQ
Katzenkrallen gegen Autolack
http://www.youtube.com/watch?v=omumunklRfA
Autolackzerkratzende Katze vertreiben
http://www.youtube.com/watch?v=4qexEy55hQI
Zwar war die Katze dem Beklagten nur zugelaufen, dennoch ist er Halter der Katze und daher gem. § 833 BGB zum Schadensersatz verpflichtet. Für die Tierhaltereigenschaft i.S.d. § 833 BGB kommt es nicht darauf an, wer Eigentümer des Tieres ist, sondern maßgebend ist, wer sich um seine Betreuung kümmert. Der Beklagte hat die Katze regelmäßig gefüttert. Er hat das Tier auch mit einem Flohhalsband versehen und es darüber hinaus nach dem Unfall zum Tierarzt gebracht. Er war somit Halter der Katze.
Landgericht Paderborn, 5 S 35 / 95
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