Source: http://bravors.brandenburg.de/verordnungen/nsgkrielowersee
Timestamp: 2019-08-19 02:19:04
Document Index: 12428408

Matched Legal Cases: ['§ 2', '§ 10', '§ 10', '§ 7', '§ 7', '§ 7', '§ 1', '§ 4', '§ 2', '§ 1', '§ 5']

(GVBl.II/04, [Nr. 29], S.763)
geändert durch Artikel 16 der Verordnung vom 19. August 2015
Die in § 2 näher bezeichnete Fläche im Landkreis Potsdam-Mittelmark wird als Naturschutzgebiet festgesetzt. Das Naturschutzgebiet trägt die Bezeichnung „Krielower See“.
Groß Kreutz (Havel) Krielow 2;
Groß Kreutz (Havel) Schmergow 5;
Stadt Werder (Havel) Kemnitz 1;
Stadt Werder (Havel) Phöben 3, 4.
(2) Die Grenze des Naturschutzgebietes ist in einer „Topografischen Karte zur Verordnung über das Naturschutzgebiet ‚Krielower See ‘“ im Maßstab 1 : 10 000 und in der „Flurkarte zur Verordnung über das Naturschutzgebiet ,Krielower See ‘“ (Blatt 1 bis 5) mit ununterbrochener roter Linie eingezeichnet; als Grenze gilt der innere Rand dieser Linie. Maßgeblich ist die Einzeichnung in den Flurkarten. Die Karten sind mit dem Dienstsiegel des Ministeriums für Landwirtschaft, Umweltschutz und Raumordnung (Siegelnummer 53) versehen und vom Siegelverwahrer am 23. August 2004 unterschrieben worden.
(1) Schutzzweck des Naturschutzgebietes als Teil einer Moorrinne mit verlandendem See zwischen dem Großen Plessower See und der Havel ist
die Erhaltung und Entwicklung als Lebensraum wild lebender Pflanzengesellschaften, insbesondere von Armleuchteralgengesellschaften in Torfstichen, Flutrasen, Röhrichtgesellschaften, Großseggenrieden, Feuchtwiesen, feuchten Hochstaudenfluren, Weidengebüschen und Erlenbrüchen;
die Erhaltung und Entwicklung der Lebensräume wild lebender Pflanzenarten, darunter zahlreicher nach § 10 Abs. 2 Nr. 10 des Bundesnaturschutzgesetzes besonders geschützter Arten, beispielweise Wasserfeder (Hottonia palustris), Schachblume (Fritillaria meleagris), Pracht-Nelke (Dianthus superbus), Zungen-Hahnenfuß (Ranunculus lingua) und Lungen-Enzian (Gentiana pneumonanthe);
die Erhaltung und Entwicklung des Gebietes als Lebens- beziehungsweise Rückzugsraum und potenzielles Wiederausbreitungszentrum wild lebender Tierarten, insbesondere der Brut- und Rastvögel, Amphibien, Reptilien und Fische, darunter nach § 10 Abs. 2 Nr. 10 und 11 des Bundesnaturschutzgesetzes besonders und streng geschützter Arten, beispielsweise Kranich (Grus grus), Tüpfelralle (Porzana porzana), Wachtelkönig (Crex crex), Bekassine (Gallinago gallinago), Knäkente (Anas querquedula), Ringelnatter (Natrix natrix), Knoblauchkröte (Pelobates fuscus) und Moorfrosch (Rana arvalis);
die Erhaltung des Gebietes wegen seiner besonderen Eigenart als naturnaher Moor- und Niederungsbereich mit großer Artenvielfalt und hoher Strukturdiversität;
die Erhaltung und Entwicklung des Gebietes als wesentlicher Teil des regionalen Biotopverbundes zwischen dem Kleinen Plessower See und der Havel.
(2) Die Unterschutzstellung dient der Erhaltung und Entwicklung des Gebietes von gemeinschaftlicher Bedeutung „Krielower See“ (§ 7 Absatz 1 Nummer 6 des Bundesnaturschutzgesetzes) mit seinen Vorkommen von
Natürlichen eutrophen Seen mit einer Vegetation des Magnopotamions oder Hydrocharitions, Pfeifengraswiesen auf kalkreichem Boden, torfigen und tonig-schluffigen Böden (Molinion caeruleae) und Feuchten Hochstaudenfluren der planaren und montanen bis alpinen Stufe als natürliche Lebensraumtypen von gemeinschaftlichem Interesse im Sinne von § 7 Absatz 1 Nummer 4 des Bundesnaturschutzgesetzes;
Fischotter (Lutra lutra), Zierlicher Tellerschnecke (Anisus vorticulus), Bauchiger Windelschnecke (Vertigo moulinsiana) und Schmaler Windelschnecke (Vertigo angustior) als Arten von gemeinschaftlichem Interesse im Sinne von § 7 Absatz 2 Nummer 10 des Bundesnaturschutzgesetzes, einschließlich ihrer für Fortpflanzung, Ernährung, Wanderung und Überwinterung wichtigen Lebensräume.
die den in § 1b Abs. 4 des Brandenburgischen Naturschutzgesetzes genannten Anforderungen und Grundsätzen sowie den Regeln der guten fachlichen Praxis entsprechende landwirtschaftliche Bodennutzung auf den bisher rechtmäßig dafür genutzten Flächen mit der Maßgabe, dass
Grünland als Wiese oder Weide genutzt wird und die jährliche Zufuhr an Pflanzennährstoffen über Düngemittel inklusive der Exkremente von Weidetieren je Hektar Grünland die Menge nicht überschreitet, die dem Nährstoffäquivalent des Dunganfalls von 1,4 Groß-vieheinheiten (GVE) entspricht, ohne chemisch-synthetische Stickstoffdüngemittel, Gülle oder Sekundärrohstoffdünger (zum Beispiel Abwasser und Klärschlamm) einzusetzen,
bei der Grünlandnutzung § 4 Abs. 2 Nr. 23 und 24 gilt, wobei die Nachsaat zulässig bleibt,
das Walzen und Schleppen von Grünland in der Zeit vom 1. März eines jeden Jahres bis zur ersten Nutzung unzulässig ist. Mit Zustimmung der unteren Naturschutzbehörde ist im Einzelfall ein Termin nach dem 1. März eines jeden Jahres möglich, sofern es dem Schutzzweck nicht entgegensteht,
auf der in den Karten nach § 2 Abs. 2 eingezeichneten Fläche (Pfeifengraswiese) im südlichen Bereich der Flurstücke 52 und 83 der Gemarkung Krielow, Flur 2, über die Maßgaben der Buchstaben a bis c hinaus
aa) der Einsatz von Düngern aller Art unzulässig ist,
bb) Grünland nicht nachgesät werden darf,
bei der Nutzung der Ackerflächen auf den Flurstücken 26, 27, 28, 31/14 und 79 der Gemarkung Krielow, Flur 2, der Einsatz von chemisch-synthetischen Düngemitteln und Gülle unzulässig ist;
die Bewirtschaftung vom 1. März bis zum 1. Oktober eines jeden Jahres unzulässig ist und in den Erlenbeständen nur bei gefrorenem Boden erfolgt,
in den Erlenbeständen eine Nutzung ausschließlich einzelstamm- bis horstweise unter kontinuierlicher Sicherung eines Altholzanteils von zehn vom Hundert erfolgt,
erforderliche Hegemaßnahmen gemäß § 1 der Fischereiordnung des Landes Brandenburg im Sinne eines Monitorings mit Zustimmung der unteren Naturschutzbehörde. Die Zustimmung ist zu erteilen, wenn der Schutzzweck nicht beeinträchtigt wird; für den Bereich der Jagd:
aa) in der Zeit vom 1. März bis zum 30. Juni eines jeden Jahres die Jagd ausschließlich vom Ansitz erfolgt,
bb) die Jagd auf Federwild nur vom 1. November eines jeden Jahres bis zum 15. Januar des Folgejahres zulässig ist,
cc) im Abstand von 100 Metern zum Ufer des Torfgrabens, des Westgrabens, des Grenzgrabens und des Krielower Sees keine Bau- und Fallenjagd zulässig ist und die Fallenjagd ansonsten ausschließlich unter Verwendung von Lebendfallen erfolgt,
Im Übrigen bleiben die Anlage von Fütterungen in Notzeiten und Ablenkfütterungen sowie Ansaatwildwiesen und Wildäckern unzulässig;
die Feuchtwiesen-Brachen sollen durch regelmäßige Mahd mit Beräumung des Mähgutes offen gehalten werden. Dabei soll zur Verbesserung der Lebensbedingungen für bodenbrütende Vogelarten ein Mahdtermin ab dem 1. Juli eines jeden Jahres angestrebt werden;
die Pfeifengraswiesen sollen kontinuierlich gepflegt werden. Dabei wird ein Mahdtermin nach dem 15. September eines jeden Jahres angestrebt, eine Beweidung soll vermieden werden;
die Ackerflächen sollen in Extensivgrünland umgewandelt werden;
die Pappelforsten sollen schrittweise zu einem naturnahen, strukturreichen Wald umgebaut werden;
die Entwicklung der Wiesen im Westen des Gebietes zu reichen Feuchtwiesen beziehungsweise Großseggenrieden soll durch möglichst hohe, am Schutzzweck orientierte Wasserstände in den Gräben unterstützt werden;
die Erhaltung und Regenerierung des Moorkörpers soll ganzjährig durch ausreichende Wasserzufuhr gesichert werden.
§ 5 Abs. 1 Nr. 1 Buchstabe a, b, d und e dieser Verordnung tritt am 1. Juli 2005 in Kraft. Im Übrigen tritt diese Verordnung am Tage nach der Verkündung in Kraft.
Flurstücksliste zur Verordnung über das Naturschutzgebiet „Krielower See“ vom 31. August 2004
Das Naturschutzgebiet hat eine Größe von rund 155 Hektar. Es umfasst folgende Flächen im Landkreis Potsdam-Mittelmark:
Groß Kreutz (Havel) Krielow 2 15 teilweise, 16 teilweise, 17 bis19, 20/1, 20/2, 21, 22, 23 teilweise, 24 teilweise, 25 bis 30, 31/1, 31/3, 31/4, 31/5, 31/6, 31/7, 31/9, 31/10, 31/12, 31/13, 31/14, 32, 52 bis 66, 78 teilweise, 79 bis 84, 173 teilweise, 177 teilweise, 182 teilweise, 184 teilweise, 185 teilweise;
Stadt Werder (Havel) Kemnitz 1 56 teilweise, 58, 59, 60 teilweise, 61 teilweise, 64 teilweise, 65 teilweise, 82 teilweise;
Stadt Werder (Havel) Phöben 3 49/1 teilweise, 63 teilweise, 64/2, 64/3 teilweise, 65 bis 67;
Stadt Werder (Havel) Phöben 4 1 bis 12, 13/1, 13/2, 14/1, 14/2, 15 bis 24, 25/4, 41, 44, 60 teilweise;
Groß Kreutz (Havel) Schmergow 5 43 teilweise, 79 teilweise, 81 teilweise, 82 teilweise, 83 teilweise, 95 teilweise.