Source: http://www.rechtslupe.de/arbeitsrecht/das-krankenhaus-chefarzt-3112705?pk_campaign=feed&pk_kwd=missbrauch-berufsbezeichnungen-nazi
Timestamp: 2016-09-27 10:24:37
Document Index: 125240873

Matched Legal Cases: ['§ 9', 'Art. 4', 'Art. 5', 'Art. 5', 'Art. 267', 'Art. 4']

Das katholische Krankenhaus – und der wiederverheiratete Chefarzt | Rechtslupe
Rechtslupe » Arbeitsrecht » Das katholische Krankenhaus – und der wiederverheiratete Chefarzt
Das katholische Krankenhaus – und der wiederverheiratete Chefarzt	29. Juli 2016 | ArbeitsrechtGeschätzte Lesezeit: 3 Minuten	Das Bundesarbeitsgericht hat ein Verfahren wegen der Kündigung des Chefarztes eines katholischen Krankenhauses wegen Wiederverheiratung im zweiten Durchgang – nachdem das Bundesverfassungsgericht ein erstes Urteil des Bundesarbeitsgerichts auf die Verfassungsbeschwerde der katholischen Arbeitgeberin aufgehoben hat – ausgesetzt, um dem Gerichtshof der Europäischen Union Rechtsfragen zur EU-Gleichbehandlungsrichtlinie zur Vorabentscheidung vorzulegen.
Muss eine Bestimmung des nationalen Rechts, wie hier § 9 Abs. 2 AGG, wonach eine solche Ungleichbehandlung aufgrund der Konfessionszugehörigkeit der Arbeitnehmer entsprechend dem jeweiligen Selbstverständnis der Kirche gerechtfertigt ist, im vorliegenden Rechtsstreit unangewendet bleiben?
Welche Anforderungen gelten gemäß Art. 4 Abs. 2 Unterabs. 2 der RL 2000/78/EG für ein an die Arbeitnehmer einer Kirche oder einer der dort genannten anderen Organisationen gerichtetes Verlangen nach einem loyalen und aufrichtigen Verhalten im Sinne des Ethos der Organisation?
Die Arbeitgeberin ist Trägerin mehrerer Krankenhäuser und institutionell mit der römisch-katholischen Kirche verbunden. Der katholische Arbeitnehmer war bei ihr seit dem Jahr 2000 als Chefarzt beschäftigt. Den Dienstvertrag schlossen die Parteien unter Zugrundelegung der vom Erzbischof von Köln erlassenen Grundordnung des kirchlichen Dienstes im Rahmen kirchlicher Arbeitsverhältnisse vom 23. September 1993 (GrO 1993). Nach deren Art. 5 Abs. 2 handelte es sich beim Abschluss einer nach dem Glaubensverständnis und der Rechtsordnung der Kirche ungültigen Ehe um einen schwerwiegenden Loyalitätsverstoß, der eine Kündigung rechtfertigen konnte. Die Weiterbeschäftigung war grundsätzlich ausgeschlossen, wenn der Loyalitätsverstoß von einem leitenden Mitarbeiter begangen wurde (Art. 5 Abs. 3 GrO 1993)*. Zu diesen zählen nach kirchlichem Recht auch Chefärzte.
Der Arbeitnehmer heiratete nach der Scheidung von seiner ersten Ehefrau im Jahr 2008 ein zweites Mal standesamtlich. Nachdem die Arbeitgeberin hiervon Kenntnis erlangt hatte, kündigte sie das Arbeitsverhältnis mit Schreiben vom 30. März 2009 ordentlich zum 30. September 2009. Hiergegen hat sich der Arbeitnehmer mit der vorliegenden Kündigungsschutzklage gewandt. Er hat gemeint, seine erneute Eheschließung vermöge die Kündigung nicht zu rechtfertigen. Bei evangelischen Chefärzten bleibe eine Wiederheirat nach der GrO 1993 ohne arbeitsrechtliche Folgen.
In den Vorinstanzen haben Arbeitsgericht sowie Landesarbeitsgericht Düsseldorf1 der Kündidgungsschutzklage stattgegeben. Das die Revision der Arbeitgeberin zurückweisende Urteil des Bundesarbeitsgerichts2 hat das Bundesverfassungsgericht auf die Verfassungsbeschwerde der katholischen Krankenhausträgerin aufgehoben und die Sache an das Bundesarbeitsgericht zurückverwiesen3.
Das Bundesarbeitsgericht hat nun entschieden, den Gerichtshof der Europäischen Union nach Art. 267 AEUV um die Beantwortung von Fragen zur Auslegung von Art. 4 Abs. 2 Unterabs. 2 der Richtlinie 2000/78/EG des Rates vom 27. November 2000 zur Festlegung eines allgemeinen Rahmens für die Verwirklichung der Gleichbehandlung in Beschäftigung und Beruf4 zu ersuchen. Für den Senat ist erheblich, ob die Kirchen nach dem Unionsrecht bei einem an Arbeitnehmer in leitender Stellung gerichteten Verlangen nach loyalem und aufrichtigem Verhalten unterscheiden dürfen zwischen Arbeitnehmern, die der Kirche angehören, und solchen, die einer anderen oder keiner Kirche angehören.
Bundesarbeitsgericht, Beschluss vom 28. Juli 2016 – 2 AZR 746/14 (A)
LAG Düsseldorf, Urteil vom 01.07.2010 – 5 Sa 996/09↩
BAG, Urteil vom 8. September 2011 – 2 AZR 543/10↩
BVerfG, Beschluss vom 22. Oktober 2014 – 2 BvR 661/12↩
ABl. EG Nr. L 303 S. 16↩
Weitere Informationen:Berücksichtigung der Konfession bei der EinstellungIst das krank? Kein Kopftuch im evangelisches KrankenhausGestaffelte Kündigungsfristen sind keine…Eine konfessionslose Bewerbung für eine Stelle bei der…Besonderes Kirchgeld in glaubensverschiedenen EhenKirchensteuerbezogener Informationsaustausch	Weiterlesen auf der Rechtslupe:
Themenseiten zu diesem Artikel: AGG, Diskriminierung, Kirchliches Arbeitsrecht, Krankenhaus, Religion, Wiederheirat	Weitere Beiträge aus diesem Rechtsgebiet: Arbeitsrecht