Source: https://www.rechtslupe.de/wirtschaftsrecht/verjaehrung-von-rueckzahlungsanspruechen-wegen-gaspreisueberzahlungen-343240
Timestamp: 2020-01-22 04:34:29
Document Index: 99784316

Matched Legal Cases: ['§ 195', '§ 199', '§ 27', '§ 199', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 25', '§ 25', 'BGH']

Ver­jäh­rung bei Gas­preis­über­zah­lung | Rechtslupe
Die Ver­jäh­rung von Rück­zah­lungs­an­sprü­chen wegen Gas­preis­über­zah­lun­gen beginnt nicht bereits mit den jeweils geleis­te­ten Abschlags­zah­lun­gen, son­dern erst mit der anschlie­ßen­den Ertei­lung der Jah­res­ab­rech­nung zu lau­fen.
Der Rück­zah­lungs­an­spruch unter­liegt der regel­mä­ßi­gen Ver­jäh­rungs­frist von drei Jah­ren (§ 195 BGB). Die­se beginnt gemäß § 199 Abs. 1 BGB grund­sätz­lich mit dem Schluss des Jah­res, in dem der Anspruch ent­stan­den ist und der Gläu­bi­ger von den den Anspruch begrün­den­den Umstän­den und der Per­son des Schuld­ners Kennt­nis erlangt oder ohne gro­be Fahr­läs­sig­keit erlan­gen müss­te. Die letzt­ge­nann­te Vor­aus­set­zung hat das Beru­fungs­ge­richt mit Blick auf den von der Beklag­ten unter dem 25.09.2004 erho­be­nen Wider­spruch gegen die sei­ner­zeit anste­hen­de Gas­preis­er­hö­hung unan­ge­grif­fen fest­ge­stellt. Zu Unrecht hat es dage­gen ange­nom­men, dass ein Rück­zah­lungs­an­spruch der Beklag­ten bereits zum Zeit­punkt der ein­zel­nen im Jah­re 2005 geleis­te­ten Abschlags­zah­lun­gen und nicht erst im Zuge der anschlie­ßen­den Jah­res­ab­rech­nung vom 02.06.2006 ent­stan­den ist.
Abschlags­zah­lun­gen sind dadurch gekenn­zeich­net, dass sie nur vor­läu­fig bis zu einer im Wege der Abrech­nung fest­zu­stel­len­den end­gül­ti­gen Ver­gü­tung zu leis­ten sind, und bil­den inso­weit ledig­lich (unselbst­stän­di­ge) Rech­nungs­pos­ten der abzu­rech­nen­den Gesamt­leis­tung, ohne dass sie auf ein­zel­ne Teil­leis­tun­gen bezo­gen wer­den kön­nen 1. Dem­entspre­chend haben Abschlags­zah­lun­gen ihren Rechts­grund in der ihnen zu Grun­de lie­gen­den ver­trag­li­chen Abre­de, die zugleich dahin geht, dass sie, wenn sie geleis­tet sind, unge­ach­tet ihrer jewei­li­gen sach­li­chen Berech­ti­gung in die End­ab­rech­nung ein­zu­stel­len und mit dem end­gül­ti­gen Ver­gü­tungs­an­spruch, wie er sich danach unter Berück­sich­ti­gung der hier­ge­gen erho­be­nen sach­li­chen Ein­wän­de ergibt, zu ver­rech­nen sind. Ein Anspruch auf Rück­zah­lung kommt erst dann in Betracht, wenn die geleis­te­ten Abschlags­zah­lun­gen nach dem Ergeb­nis der ver­ein­bar­ten End­ab­rech­nung einen ent­spre­chen­den Über­schuss an Abschlags­be­trä­gen erge­ben 2 oder wenn der Gläu­bi­ger es in von ihm zu ver­tre­ten­der Wei­se ver­ab­säumt, die geschul­de­te Abrech­nung nach Fäl­lig­keit der Abrech­nungs­pflicht inner­halb ange­mes­se­ner Frist vor­zu­neh­men 3. Da ein sol­cher Anspruch auf Rück­zah­lung unver­brauch­ter Abschlags­zah­lun­gen erst zu die­sem Zeit­punkt fäl­lig wird 4, beginnt für ihn die Ver­jäh­rungs­frist erst mit Ertei­lung der Abrech­nung 5.
So ver­hält es sich hier. Bei den von der Beklag­ten geleis­te­ten Abschlags­zah­lun­gen han­delt es sich ledig­lich um vor­läu­fi­ge Zah­lun­gen auf den nach Ablauf des Abrech­nungs­zeit­raums end­gül­tig abzu­rech­nen­den Ver­brauch. Sie stel­len des­halb kei­ne von der Ver­brauchs­for­de­rung los­ge­lös­te Ver­gü­tun­gen für einen Ver­brauchs­an­teil oder abschnitt mit einem von der Ver­brauchs­for­de­rung unab­hän­gi­gen recht­li­chen Schick­sal, son­dern Leis­tun­gen auf die erst mit der Abrech­nung nach § 27 Abs. 1 AVB­GasV fäl­lig wer­den­de künf­ti­ge Zah­lungs­pflicht für den gemes­se­nen und abge­le­se­nen Ver­brauch dar 6. Für einen bereits unmit­tel­bar an die jewei­li­ge Über­zah­lung anknüp­fen­den Rück­erstat­tungs­an­spruch hat es des­halb – was das Beru­fungs­ge­richt nicht beach­tet hat und die Revi­si­on mit Recht rügt – an dem dazu nach § 199 Abs. 1 Nr. 1 BGB für einen Ver­jäh­rungs­be­ginn schon im Jah­re 2005 fäl­lig gewor­de­nen Rück­zah­lungs­an­spruch der Beklag­ten gefehlt. Aus dem BGH-Urteil vom 26. April 1989 7 ergibt sich nicht ande­res.
Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 23. Mai 2012 – VIII ZR 210/​11
BGH, Urtei­le vom 19.03.2002 – X ZR 125/​00, WM 2002, 2257 unter II 3 a; vom 15.04.2004 – VII ZR 471/​01, NJW-RR 2004, 957 unter II 1 a und b; Beschluss vom 07.12.2010 – KZR 41/​09, ZNER 2011, 314 Rn. 3[↩]
BGH, Urtei­le vom 19.03.2002 – X ZR 125/​00, aaO unter II 3 a, b; vom 02.05.2002 – VII ZR 249/​00, NJW-RR 2002, 1097 unter II 1; Beschluss vom 07.12.2010 – KZR 41/​09, aaO[↩]
vgl. BGH, Urteil vom 09.03.2005 – VIII ZR 57/​04, WuM 2005, 337 unter II 3 c[↩]
BGH, Urteil vom 09.03.2005 – VIII ZR 57/​04, aaO[↩]
vgl. BGH, Beschluss vom 19.12.1990 – VIII ARZ 5/​90, BGHZ 113, 188, 196 f.[↩]
Hempel/​Franke, Recht der Ener­gie- und Was­ser­ver­sor­gung, Stand Dezem­ber 2003, § 25 AVBEltV Rn. 5; Schütte/​Horstkotte in Hempel/​Franke, aaO, Stand Novem­ber 2010, § 25 AVB­Was­serV Rn. 4[↩]
BGH, Urteil vom 26.04.1989 – VIII ZR 12/​88, WM 1989, 1023 unter B II 5 a bb[↩]
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