Source: http://flugrechte.eu/13520/verlorenes-besch%C3%A4digtes-gep%C3%A4ckst%C3%BCck-r%C3%BCckflug-frankfurt
Timestamp: 2018-11-14 20:04:14
Document Index: 187149993

Matched Legal Cases: ['BGH', 'Art.17', 'BGH', 'Art. 22', 'Art. 23', 'Art. 17', 'Art. 22']

Verlorenes oder Beschädigtes Gepäckstück bei Rückflug von Shenzhen nach Frankfurt mit Air China - FLUGGASTRECHTE
Habe ich ein Recht auf mir entstandene Kosten bei Koffer verspätung
auf meiner Reise nach China mit Air China in der Economy Klasse möchte ich einen Reiskocher mitbringen. Dieser ist 8,4 kg schwer. Ich habe zwei Koffer mit à 23kg und ein Handgepäck mit 5kg inklusive. Da der Reiskocher nicht in den Koffer passt, werde ich wahrscheinlich ein 3. Gepäckstück dazu buchen müssen oder kann man den Reiskocher als Sondergepäckstück befördern lassen?
Was passiert, wenn der Reiskocher (Wert: 300€) auf dem Weg verloren oder kaputt geht? Bekommt man dann eine Entschädigung?
Vielen Dank für Euer Tipp.
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Gefragt 5 Sep in Gepäckschaden von rachelcheung
Ihre Frage betrifft eine mögliche Gepäckbeschädigung bzw. einen möglichen Gepäckverlust.
(1) Defintion
Dazu ist es unabdinglich zunächst zu klären, was genau unter der Beschädigung von Gepäck zu vestehen ist.
BGH, Urteil vom 24.05.2000, Az.: I ZR 84/98 - (bei Google einfach suchen unter: „Az.: I ZR 84/98 Reise-Recht-Wiki“)
Danach wird eine Gepäckbeschädigung angenommen, wenn eine körperliche Verschlechterung und wertmindernde Einwirkung durch Substanzverletzung des aufgegebenen Reisegepäcks vorliegt. Wenn der Fluggast sein aufgegebenes Gepäck durch Brüche, Kratzer, Schrammen, Verbiegungen, Verschmutzungen oder sonst in erheblich beeinträchtigtem Zustand zurückerhält, dann liegt ein Gepäckschaden vor. Nach der Rechtsprechung des Bundesgerichtshofes reicht sogar bereits der reine Schadensverdacht aus, dass das Reisegepäckstück eventuell im Wert vermindert sein könnte
(2) Anspruchsgrundlage
Dabei stehen Ihnen Ansprüche aus dem Montrealer Übereinkommen (MÜ) zu.
Nach dem Art.17 MÜ hat der Luftfrachtführer den Schaden zu ersetzen, der durch Zerstörung, Verlust oder Beschädigung von aufgegebenem Reisegepäck entsteht, jedoch nur, wenn das Ereignis, durch das die Zerstörung, der Verlust oder die Beschädigung verursacht wurde, an Bord des Luftfahrzeugs oder während eines Zeitraums eingetreten ist, in dem sich das aufgegebene Reisegepäck in der Obhut des Luftfrachtführers befand.
Der Luftfrachtführer haftet jedoch nicht, wenn und soweit der Schaden auf die Eigenart des Reisegepäcks oder einen ihm innewohnenden Mangel zurückzuführen ist.
BGH, Urteil vom 05.12.2006, Az.: X ZR 165/03- (bei Google einfach suchen unter: „Az.: X ZR 165/03 Reise-Recht-Wiki“)
Eine Beweiserleichterung erfährt der Fluggast zudem durch die Regeln des Artikel 18 Ziffer 4 Satz 2 MÜ, nach denen „bis zum Beweis des Gegenteils“ durch die Fluggesellschaft zu Gunsten des Fluggastes „vermutet“ wird, „dass der Schaden durch ein während“ des Fluges eingetretenes Ereignis verursacht worden ist, welches die Fluggesellschaft zu vertreten hat. Fluggesellschaften dürfen die günstigen Fluggastrechte bezüglich der Gepäckhaftung nicht durch AGB einschränken.
In welcher Höhe der Schaden ersetzt wird, wird durch Art. 22 Abs. 2 MÜ festgelegt. Danach haftet der Luftfrachtführer unter anderem bei Beschädigung vom Reisegepäck bis zu einem Betrag von 1.000 Sonderziehungsrechten je Reisenden. Die Art der Umrechnung dieser Beträge ist dem Art. 23 Abs. 1 MÜ zu entnehmen. Die Sonderziehungsrechte werden in einem gerichtlichen Verfahren in die jeweilige Landeswährung umgerechnet.
Die Rechte bei einem Gepäckverlust ergeben sich bei einer Individualreise primär aus Art. 17 Abs. 2 Montrealer Übereinkommen. Nach diesem haftet der Luftfrachtführer, also die Fluggesellschaft für alle durch den Verlust von Reisegepäck entstandenen Schäden. Der Schadensbegriff des Montrealer Übereinkommens umfasst zwar keine immateriellen Schände (entgangene Urlaubsfreude, Stress, etc.) wie sie das deutsche BGB kennt, doch ist er darüber hinaus nicht auf spezielle Schadensarten begrenzt. Das bedeutet: Ersatzfähig sing grundsätzlich infolge des Gepäckverlustes kausal entstandene Schäden.
Darunter zählt zum einen das Gepäck selbst und dessen Inhalt (eben alles, was der Betroffene als Verlust zu bemängeln hat), zum anderen aber auch die Ausgaben, welche der Passagier für Noteinkäufe und Ersatzgepäck tätigen musste.
Insgesamt sind die Schadensersatzansprüche nach Art. 22 Abs. 2 Montrealer Übereinkommen auf 1.131 Sonderziehungsrechte je betroffenen Reisenden beschränkt. Bestimmte Tagessätze oder Ersatzquoten bestehen nicht.
Falls Ihr Reiskocher auf dem Flug also beschädigt wird oder gar verloren geht, haben Sie meines Erachtens einen Anspruch auf eine Erstattung des Geräts.
Falls es wirklich so weit kommen sollte, kann es immer sinnvoll sein, zusätzlich einen Anwalt für Reiserecht um Rat zu fragen.