Source: http://www.worldsummit2003.de/de/web/343.htm
Timestamp: 2018-01-19 13:30:12
Document Index: 142610489

Matched Legal Cases: ['§ 6', '§ 7', '§ 6', '§ 7', 'Art. 19', 'Art. 19']

Forum 6: Sicherung der kulturellen und medialen Vielfalt
§ 6. Sicherung der kulturellen Vielfalt
Kulturelle Vielfalt ist Bedingung für individuelle und nachhaltige gesellschaftliche Entwicklung.
Kultur verwirklicht sich in den menschlichen Artefakten (wie etwa Handwerk, Kunst, Technik), aber auch in den Sprachen, Verhaltensweisen, Normen und Lebensformen. Die Entwicklung der globalen Wissensgesellschaft darf nicht zu einer Homogenisierung der Kulturen führen. Vielmehr müssen die kreativen Potentiale der gegenwärtigen Informations- und Kommunikationstechnologien dafür genutzt werden, dass die Vielfalt der Kulturen und Sprachen als Bedingung individueller und gesellschaftlicher Entwicklung für Gegenwart und Zukunft bewahrt und befördert wird.
§ 7. Sicherung medialer Vielfalt und öffentlicher Meinung
Mediale Vielfalt und das Angebot von Information aus unabhängigen Quellen sind unerlässlich für den Erhalt einer aufgeklärten Öffentlichkeit.
Der konkreten Bedrohung, dass wenige globale Medienakteure unter Einsatz digitaler Techniken die Inhalte und damit die öffentliche Meinung bestimmen, muss entgegengesteuert werden.
Es liegt in der öffentlichen Verantwortung, die Potentiale der digitalen Medien für bestehende und neue Formen von Medienöffentlichkeit zu fördern, beispielsweise durch erweiterte Public-Service-Angebote sowie durch offene und direkte zivilgesellschaftliche Organisationsformen mit freier Beteiligung aller Bürger und Bürgerinnen. Meinungs- und Pressefreiheit sind durch allgemeine Kommunikationsfreiheitsrechte zu ergänzen.
Zu § 6. Sicherung der kulturellen Vielfalt
Das kulturelle Erbe kreativer Tätigkeit in welcher medialen Form auch immer darf nicht wie andere materiellen Güter als frei handelbare Güter angesehen und behandelt werden. Es müssen faire Konditionen bei den anstehenden WTO/GATS ausgehandelt werden, die der Besonderheit kultureller Güter und Dienstleistungen Rechnung tragen.
Kulturelle Güter müssen in ihrer Vielfalt erhalten bleiben und in ihrer Weiterentwicklung gefördert werden. Es muss entsprechend eine völkerrechtlich verbindlichen Konvention zum Erhalt und zur Förderung kultureller Vielfalt unterstützt werden.
Museen, Archive, Orchester und andere Einrichtungen für die Bereitstellung kultureller Güter dürfen nicht in die vollständige private Verfügung gestellt. Bei der Entwicklung von "Private-Public"-Finanzierungs- und Organisationsmodellen darf keine Verknappung des Zugriffs auf diese kulturellen Güter geschehen.
Unterschiedliche Arten von Kommunikation müssen beim Design und in der Anwendung von Kommunikationstechnologien berücksichtigt werden.
Die Einrichtung von Sprach - und Kulturportalen ist durch öffentliche Mittel zu unterstützen, ebenso die Verbreitung lokalen Contents.
Kulturelle Vielfalt muss in entsprechend vorgegebenen Kulturfenstern oder Sonderprogrammen ausreichend im Public Service vorkommen.
Auch private Rundfunkprogramme müssen kulturelle Vielfalt im Programmauftrag berücksichtigen.
Der Kommerzialisierung des öffentlichen Mediengeschehens in Rundfunk und Fernsehen muss weiterhin ein Gegengewicht von öffentlicher Information gegenübergesetzt werden.
Zu § 7 Sicherung medialer Vielfalt und öffentlicher Meinung
Die Meinungsfreiheit muss gemäß Art. 19 der UDHR ("Universal Declaration of Human Rights") global abgesichert werden.
Die Freiheit der Medien vor Beeinflussung durch staatliche oder wirtschaftliche Kräfte muss qua Gesetz im Rahmen einer durch Vielfalt gekennzeichneten Medienlandschaft gesichert sein.
Mediale Vielfalt bedeutet nicht nur eine größtmögliche Anzahl von Anbietern, sondern schließt die Vielfalt an unterschiedlichem Content, Meinungen, Mediensystemen, und Informationsquellen mit ein.
Eingriffe in diese Vielfalt, etwa durch Konzentration der Eigentumsverhältnisse, müssen ggf. von staatlichen und internationalen Stellen verhindert werden.
Interaktivität und Partizipation als Leitlinien: Zusätzlich zum Recht auf Meinungsfreiheit gemäß Art. 19 UDHR soll es ein Recht auf Partizipation von BürgerInnen und Zivilgesellschaft an der Produktion von Medieninhalten geben, etwa im Rahmen eines zu entwickelnden "Rechts auf Kommunikation".
Wir wollen die Anerkennung der Dreigliedrigkeit des Mediensektors: öffentlich-rechtlich, privat-kommerziell, Community- und nichtkommerzielle/Non-Profit-Medien.
Besondere Priorität muss die Entwicklung, Förderung und rechtliche Absicherung des 3. Sektors, der Community- und nicht-kommerzieller Medien haben.
Internetstandards müssen kulturelle und sprachliche Faktoren berücksichtigen.