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Timestamp: 2020-01-22 17:38:48
Document Index: 306086474

Matched Legal Cases: ['§ 58', '§ 174', '§ 118', '§ 1', '§ 8', '§ 8', '§ 8', '§ 4', '§ 6', '§ 6', '§ 13', '§ 6', '§ 9', '§ 8', '§ 8', '§ 8', '§ 8', '§ 8', '§ 20', '§ 29', '§ 29', '§ 8', '§ 8', '§ 58', '§ 8', '§ 8', '§ 8', '§ 8', '§ 8', '§ 8', '§ 8', '§ 8']

Der Gegen­stand ein­er Sachauss­chüt­tung ein­er Kap­i­talge­sellschaft ist mit dem gemeinen Wert zu bew­erten. Auf den Wer­tansatz im Gewin­nver­wen­dungs­beschluss kommt es nicht an.
Offene Gewin­nauss­chüt­tun­gen ein­er GmbH beruhen auf einem han­del­srechtlichen Gewin­nver­wen­dungs­beschluss der Gesellschafter1. Durch diesen entste­ht der konkrete Gewin­nauszahlungsanspruch des Gesellschafters2, den die GmbH mit der Auss­chüt­tung erfüllt. § 58 Abs. 5 des Aktienge­set­zes (AktG) sieht seit dem Gesetz zur weit­eren Reform des Aktien- und Bilanzrechts, zu Trans­parenz und Pub­liz­ität (Trans­parenz- und Pub­liz­itäts­ge­setz) vom 19.07.20023 aus­drück­lich vor, dass die Hauptver­samm­lung ein­er Aktienge­sellschaft auch eine Sachauss­chüt­tung beschließen kann, sofern die Satzung dies vor­sieht. In dem Gewin­nver­wen­dungs­beschluss ist nach § 174 Abs. 2 Nr. 2 AktG der auszuschüt­tende Sach­w­ert anzugeben. Für die GmbH sind zwar keine aus­drück­lichen geset­zlichen Regelun­gen zu Sachauss­chüt­tun­gen getrof­fen wor­den, die für Aktienge­sellschaften gel­tenden Regelun­gen sind jedoch sin­ngemäß anzuwen­den4. Die im Stre­it­fall von der Gesellschaft beschlossene Sachauss­chüt­tung des Aktien­paketes an die Stiftung beruhte nach den insoweit binden­den Fest­stel­lun­gen des Finanzgericht (§ 118 Abs. 2 FGO) auf einem (ord­nungs­gemäßen) Gewin­nver­wen­dungs­beschluss und führte zu ein­er offe­nen Gewin­nauss­chüt­tung5. Auch dann, wenn im Gewin­nver­wen­dungs­beschluss der auszuschüt­tende Sach­w­ert mit dem Buch­w­ert angegeben wird und damit han­del­srechtlich die sog. Buch­w­ert­meth­ode zur Anwen­dung kommt6, ver­bi­etet sich die Annahme, dass die Sachauss­chüt­tung steuer­rechtlich in Höhe des Buch­w­erts als offene Gewin­nauss­chüt­tung und in Höhe des Dif­ferenz­be­trags gegenüber dem gemeinen Wert als vGA zu qual­i­fizieren sei7. Mit anderen Worten: die han­del­srechtliche Bew­er­tung ver­mag das Vor­liegen ein­er auf einem (ord­nungs­gemäßen) Gewin­nver­wen­dungs­beschluss basieren­den offe­nen Gewin­nauss­chüt­tung nicht in Frage zu stellen.
Eine aus­drück­liche Vorschrift über die Bew­er­tung offen­er Gewin­nauss­chüt­tun­gen fehlt im Kör­per­schaft­s­teuer­recht. Daher ist nach §§ 1, 9 BewG der gemeine Wert zu Grunde zu leg­en8.
Der Bun­des­fi­nanzhof hat dies bere­its für die Ermit­tlung der Höhe ein­er vGA entsch­ieden9. Nichts anderes kann für die Bew­er­tung ein­er offe­nen Gewin­nauss­chüt­tung (hier in Form ein­er Sach­div­i­dende) gel­ten, da nach § 8 Abs. 3 Satz 1 KStG die Verteilung des Einkom­mens die Ermit­tlung des Einkom­mens nicht berühren darf und diese Rechts­folge gemäß § 8 Abs. 3 Satz 2 KStG “auch” für vGA zu beacht­en ist. Die Zusam­men­schau bei­der Regelun­gen lässt dem­nach nur den Schluss zu, dass offene und verdeck­te Gewin­nauss­chüt­tun­gen den näm­lichen Bew­er­tungs­grund­sätzen unter­wor­fen sind10.
Der Ein­wand, dass auf­grund des Ver­weis­es in § 8 Abs. 1 KStG auf die Gewin­ner­mit­tlungsvorschriften des EStG auch im Rah­men der kör­per­schaft­s­teuer­lichen Einkom­menser­mit­tlung die §§ 4 Abs. 1, 5 EStG und damit ins­beson­dere die Vorschriften über Ent­nah­men und Ein­la­gen sowie deren Bew­er­tung (§§ 6 ff. EStG) anzuwen­den seien, ist unbe­grün­det. Diese Ansicht lässt außer Acht, dass die Regelun­gen zur vGA nach ständi­ger Recht­sprechung des Bun­des­fi­nanzhofs den Bes­tim­mungen des Einkom­men­steuerge­set­zes über die Ent­nahme vorge­hen11. Der Bun­des­fi­nanzhof sieht keinen Anlass, von dieser Recht­sprechung abzuwe­ichen; sie ist auf­grund der aufgezeigten geset­zlichen Regelungszusam­men­hänge auch für offene Gewin­nauss­chüt­tun­gen zu beacht­en12.
Dementsprechend ist auch der weit­eren Fol­gerung der Gesellschaft, bei orig­inären Ent­nah­metatbestän­den den Gewinn nach dem Buch­w­ert­priv­i­leg des § 6 Abs. 1 Nr. 4 EStG zu kor­rigieren, nicht beizupflicht­en. Sollte die Gesellschaft darüber hin­aus aus dem § 13 Abs. 4 KStG, § 6 Abs. 1 Nr. 4 Satz 4 EStG und § 9 Abs. 2 Satz 3 KStG ein all­ge­meines Recht­sprinzip des Inhalts ableit­en wollen, dass die Über­las­sung von Wirtschafts­gütern an gemein­nützige Kör­per­schaften nicht durch die steuerpflichtige Aufdeck­ung stiller Reser­ven erschw­ert wer­den solle, kann der Bun­des­fi­nanzhof dem gle­ich­falls nicht fol­gen. Die genan­nten Bes­tim­mungen enthal­ten lediglich Regelun­gen zu einzel­nen Sachver­hal­ten, ein all­ge­meines Recht­sprinzip lässt sich den Vorschriften nicht ent­nehmen.
Soweit sich das Einkom­men durch die Rück­über­tra­gung des Aktien­paketes im Wege ein­er offe­nen Gewin­nauss­chüt­tung erhöht hat, ist dieser Betrag nach § 8b Abs. 2 KStG steuer­frei. Der Bun­des­fi­nanzhof hat für die vGA angenom­men, dass es Sinn und Zweck des § 8 Abs. 3 Satz 2 KStG ist, für Besteuerungszwecke von einem angemesse­nen Veräußerungser­lös auszuge­hen, wenn Gegen­stand ein­er vGA die Veräußerung der Beteili­gung an ein­er ‑im Urteils­fall aus­ländis­chen- Kap­i­talge­sellschaft zu einem unangemessen niedri­gen Preis ist13. Dementsprechend hat der Bun­des­fi­nanzhof es als fol­gerichtig ange­se­hen, § 8b Abs. 2 KStG nicht nur auf den vere­in­barten, son­dern auch auf den aus steuer­lichen Grün­den kor­rigierten Veräußerungs­gewinn anzuwen­den. Nicht anders ist für die Gewin­nre­al­i­sa­tion im Stre­it­fall nach § 8 Abs. 3 Satz 1 KStG zu entschei­den.
Auss­chüt­tung aus ein­er Kap­i­tal­rück­lage — ohne…
vgl. Frotsch­er in Frotscher/Drüen, KStG/GewStG/UmwStG, § 8 KStG Rz 327, 329; Schmidt/Levedag, EStG, 37. Aufl., § 20 Rz 33 [↩]
vgl. Fas­trich in Baumbach/Hueck, Gmb­HG, 21. Aufl., § 29 Rz 42; Wicke, Gmb­HG, 3. Aufl., § 29 Rz 8 [↩]
vgl. z.B. Frotsch­er in Frotscher/Drüen, a.a.O., § 8 KStG Rz 335; Klinge­biel in Dötsch/Pung/Möhlenbrock, Die Kör­per­schaft­s­teuer, Anhang zu § 8 Abs. 3 KStG, Stich­wort “Sach­div­i­dende” [↩]
eben­so all­ge­mein Bareis, Betriebs-Berater ‑BB- 2008, 479; Menner/Broer, Der Betrieb 2003, 1075 [↩]
z.B. Bay­er in MünchKom­mAk­tG, § 58 Rz 129 f. [↩]
eben­so Frotsch­er in Frotscher/Drüen, a.a.O., § 8 KStG Rz 339; a.A. Gosch, KStG, 3. Aufl., § 8 Rz 147; der­selbe, eben­da, § 8b Rz 193; Schulte in Erle/Sauter, KStG, 3. Aufl., § 8 KStG Rz 239; Streck/Schwedhelm, KStG, 9. Aufl., § 8 Rz 137; Schwedhelm/Olbing/Binnewies, GmbH-Rund­schau 2002, 1157 [↩]
eben­so BMF, Schreiben vom 28.04.2003, BSt­Bl I 2003, 292, Rz 22 [↩]
BFH, Urteil vom 27.11.1974 — I R 250/72, BFHE 114, 236, BSt­Bl II 1975, 306 [↩]
vgl. Frotsch­er in Frotscher/Drüen, a.a.O., § 8 KStG Rz 339 [↩]
BFH, Beschluss vom 26.10.1987 — GrS 2/86, BFHE 151, 523, BSt­Bl II 1988, 348; Frotsch­er in Frotscher/Drüen, a.a.O., Anhang zu § 8 KStG Rz 10b; Neu­mann in Rödder/Herlinghaus/Neumann, KStG, § 8 Rz 153 [↩]
BFH, Beschluss vom 06.07.2000 — I B 34/00, BFHE 192, 307, BSt­Bl II 2002, 490 [↩]