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Timestamp: 2020-02-26 10:09:34
Document Index: 22737264

Matched Legal Cases: ['§15', '§ 3', '§ 3', '§ 30', '§ 21', '§ 6', '§ 5']

Die prognostizierten Veränderungen in der Niederschlagsverteilung (siehe Kapitel 2.1.3: Klima und Klimawandel im Hauptteil) bewirken Änderungen in der klimatischen Wasserbilanz, die sich insbesondere auf nasse und feuchte Ökosysteme, aber auch auf Ökosysteme der trockenen Standorte wie Dünen und Magerwiesen auswirken werden.
Tabelle 16: Pflanzengesellschaften und ihre Reaktion auf den Klimawandel
Gesellschaft Nature 2000-Code Gefährdung durch den Klimawandel Veränderung durch den Klimawandel
Lemnetea minoris (Wasserlinsen-Decken) 1150, 3150 Der Temperaturanstieg in Kleingewässern kann die Ausbreitung von Azolla filiculoides, Lemna turionifera und Wolffia arrhiza auslösen. Wesentliche strukturelle Änderungen des Artenbestandes sind aber schwer vorstellbar. o
Charetea fragilis	(Armleuchteralgen) 1130, 3140,3110,1160, 1150, 3140 Die Mehrzahl der höherwertigen Arten kommt in kalten Klarwasserseen vor. Eine Gefährdung durch Temperaturanstieg ist daher nicht auszuschließen. -
Zosteretea marinae	(Seegraswiesen) 1110, 1160 Seegras ist durch Eindeichung und dem Anstieg des Meeresspiegels gefährdet, nicht direkt durch Klimaveränderungen. o
Potamogetonetea	(Wasserpflanzenges. der Still- und Fließgewässer) 1110, 1160, 3150, 3260 Für empfindliche Arten kann eine Erwärmung des Wasserkörpers zum Problem werden. -
Utricularietea intermedio-minoris	(Wasserschlauch-Ges.) 3160, 7140, 7210 Die standörtlich sehr stenöke Art ist durch Eutrophierung gefährdet. o
Littorelletea uniflorae	(Strandlings-Ges.) 2190, 3110, 3130 Die standörtlich sehr stenöke Art ist durch Eutrophierung und Versauerung gefährdet. o
Bidentetea tripartitae	(Zweizahn-Spülsaum) 3270 Diese Art wird von wechselnden Wasserständen profitieren. +
Isoeto-Nanojuncetea	(Zwergbinsen-Ges.) 2190, 3132 Eine empfindliche Reaktion auf sinkende Grundwasser-Stände in den Dünentälern und Heidesenken ist zu erwarten. Eine Ausbreitung ist nur im Bereich von See- und Flussufern bei verstärkten Wasserstandsschwankungen denkbar. -
Polygono-Poetea annuae	(Hemerophile Trittflur-Ges.) - Die auf stark verdichteten und belasteten Böden weit verbreitete Gesellschaft unterliegt keiner Gefährdung. o
Stellarietea mediae	(Acker-Wildkrautfluren) - Aufgrund der intensiven landwirtschaftlichen Nutzung ist die Artendichte sehr gering. Wärmere Sommer könnten die Artendichte erhöhen, sofern keine betriebswirtschaftlichen Maßnahmen dagegen stehen. o
Phragmiti-Magnocaricetea	(Schilf-Röhrichte, Großseggen-Rieder) 1130, 2190, 3150, 3260 Als Schlüsselarten haben sie ein weites Areal und dürften sich nicht nennenswert verändern, aber durch stärkere Wasserstandsschwankungen könnten konkurrenz-schwache Arten durch Feuchtgrünlandarten verdrängt werden. Bei fallenden sommerlichen Wasserständen käme es zunehmend zum Trockenfallen von Niedermoortorfen, Torferden und Mudden und machen die CO2-Senke zu einer CO2-Quelle. -
Scheuchzerio-Cricetea nigrae	(Niedermoor-Ges., Hochmoor-Schlenkenges.) 2190, 7140, 7150, 7210, 7230 Sinkt der Wasserspiegel, verschiebt sich das Artenspektrum zugunsten ubiquitärer Sippen. Die Abtrocknung der oberen Torfschichten führt zur Freisetzung von Nährstoffen und CO2. -
Thero-Salicornietea	(Queller-Bestände) 1310 Hier besteht kein Einfluss durch den Klimawandel. Ein Anstieg des Meeresspiegels bringt die Verlagerung der Zonierung. o
Spartinetea	(Schlickgras-Bestände) 1320 Der Klimawandel bringt den Beständen Vorteile. +
Cakiletea maritemae	(Meersenf-Spülsäume) 1210 Die vorkommenden Arten sind Arten mit Schwerpunkt im Mediterranbereich und werden von steigenden Temperaturen im Sommer profitieren. +
Ammophiletea	(Vordünen und Dünenges.) 2110, 2120 Trockenere und wärmere Sommer werden die azonalen Vegetationstypen eher begünstigen. +
Honchenyo-Elymetea	(Strandroggen-Ges.) 1220, 2110 Wärmere und trockenere Sommer werden von Vorteil sein. +
Juncetea maritimi	(Salzmarschen-Ges.) 1330, 1340, 1130, 1230, 2190 Hydrologie, Salzgehalte und Nutzung steuern die Vegetationszusammensetzung. Durch den Meeresspiegelanstieg wird es zu Verschiebungen kommen. o
Molinio-Arrhenatheretea	(Wirtschaftsgrünland) 1130, 2190, 6410 Wärmere und trockenere Vegetationsperioden werden im Feuchtgrünland künftig die Wasserversorgung absinken lassen. Bei organogenen Böden dürften sich Kohlenstoff- und Nährstofffreisetzung aus den Torflagern beschleunigen. -
Koelerio-Corynephoretea	(Sandtrockenrasen, Graudünen) 2130, 2330, 6120 Die Gefährdung durch Eutrophierung ist größer als durch einen Temperaturanstieg. o
Festuco-Brometea	(Trespen-Halbtrockenrasen) 1230, 6210 Eine Gefährdung liegt eher durch Eutrophierung vor als durch Temperaturanstieg. Mit einer Ausbreitung ist nicht zu rechnen. o
Agropyretea repentis	(Nitrophytische, ruderale Trockenrasen) - Diese Art wird unter nährstoffreichen und sommertrockenen Verhältnissen noch konkurrenzstärker. +
Nardo-Callunetea	(Borstgras-Rasen und Strauchheiden) 2140, 2150, 2310, 2320, 4030, 6230 Bereits jetzt ist ein schleichender Artenwandel durch Nährstoffeinträge zu beobachten. Sommertrockene Verhältnisse können zusätzlichen Stress verursachen und zu Extinktion der gefährdeten Population führen. -
Oxycocco-Sphagnetea	(Feuchtheide- und Hochmoorbulten-Ges.) 2190, 4010, 7110, 7120 Schleswig-Holstein befindet sich mit an der Südgrenze des Hochmoor-Ökoareals. Als Folge des Klimawandels könnte sich diese Grenze nach Norden verschieben. Sichtbar wird das durch zunehmende Bestockung mit Gehölzen. Es besteht die Gefahr der Abtrocknung, Mineralisation und Wandel von CO2-Senke zur -Quelle. -
Artemisietea vulgaris	(Ruderale Säume und Uferstaudenfluren) 6430, 6440, 6510 Diese Arten befinden sich an nährstoffreichen Offenstandorten mit Generalisten und einem weiten hydrologischen Gradienten. Es ist eher mit einer Ausbreitung zu rechnen. +
Trifolio-Geranietea sanguinei	(Meso- und thermophile Saumges.) 6210 Kleinräumige Gesellschaften, die zwar wärmeliebend sind, aber faktisch von nitrophilen Stauden verdrängt werden. o
Epilobietea angustifolii	(Schlagflur-Ges.) - Es sind keine Veränderungen durch den Klimawandel zu erwarten. o
Rhamno-Prunetea	(Gebüsch- und Vorwaldges.) 2160, 2170 Es sind kaum noch Waldarten vorhanden, sondern Nitrophyten. Durch sommerliche Trockenphasen wird dieser Trend eher fortgesetzt (Einwehen von Dünger). o
Salicetea purpurea	(Weidengebüsche und –wälder der Weichholzaue) 91EO, 91FO Eine Zerstörung erfolgt hier nutzungs- und nicht klimabedingt. o
Alnetea glutenosae	(Erlen- und Weidenbruchwälder) - Auch Bruchwälder sind größtenteils entwässert, nur 15 Prozent sind oligohemerob. Durch die Entwässerung mineralisieren die Torfe und geben CO2 frei. Durch den Klimawandel wird dieses verstärkt. -
Vaccinio-Piceetea	(Koniferenforsten- und Birkenbruchwälder) 91DO Die Sommertrockenheit wird Birkenbruchwälder auf entwässerten Hochmooren fördern. Die Transpiration der Baumschicht wird die Torfzehrung fördern. Die CO2-Senken-Funtion ist aber noch gegeben. o
Tabelle 16: Pflanzengesellschaften und ihre Reaktion auf den Klimawandel stellt beispielhaft einige vom Klimawandel betroffene Pflanzengesellschaften und LRT sowie deren Gefährdungspotenzial dar. Daraus wird deutlich, dass vor allem Ökosysteme, die auf Gewässer oder bestimmte Grundwasserstände angewiesen sind, sich negativ entwickeln können. Abnehmende Bodenfeuchte der obersten Bodenschicht und sinkende Grundwasserstände aufgrund verminderter Niederschläge im Sommer können dazu führen, dass einzelne Ökosysteme periodisch trocken fallen, dies betrifft vor allem Täler und Tieflagen. Trocknen einzelne Gewässer im Sommer komplett aus, werden sie meist nicht wieder besiedelt.
Auwälder im Überflutungsbereich von Fließgewässern könnten beispielsweise von den zunehmenden Wassermengen im Winter profitieren, im Sommer dagegen vermehrt austrocknen. Tabelle 17: Klimaänderungen und ihre Auswirkungen auf die natürlichen Ressourcen Wasser, Boden, Vegetation und Artenzusammensetzung stellen die Wirkungsketten für einige Klimaveränderungen dar. Dabei werden auch die potenziell gefährdeten Ökosystemfunktionen, die den natürlichen Ressourcen zur Verfügung stellen sollen, benannt.
Tabelle 17: Klimaänderungen und ihre Auswirkungen auf die natürlichen Ressourcen Wasser, Boden, Vegetation und Artenzusammensetzung
Klimaänderung Ressource Auswirkungen Klimafolgen Gefährdete Ökosystemdienst-leistung
Zunahme der Temperatur Wasser Verringerte Infiltrations- und Abflussrate, geringere Grundwasserneubildung, geringerer O2-Gehalt Abnehmende Gewässerqualität Klimaregulierung, Primärproduktion, Nährstoffkreislauf, Schadstoffregulierung
Boden Erhöhte Evapotranspiration
Vegetation steigende Wachstumsrate, Verlängerung der Vegetationsperiode
Artenzusammensetzung Vermehrtes Algenwachstum in Gewässern
Hitze- und Trockenperioden Wasser Periodisches Trockenfallen von Gewässern Verstärkung der THG-Freisetzung, besonders aus entwässerten hydromorphen Böden C-Speicherung, Wasserneubildung
Boden periodisches Trockenfallen von grundwasserabhängigen Böden und Tälern
Vegetation Ansiedlung wärme- und trockenheitsliebender Flora
Artenzusammen-setzung Oftmals keine Besiedlung des Ökosystemes mehr
Intensivierung der Niederschläge und Verschiebung der Niederschläge vom Sommer zum Winter Wasser Höhere Infiltration und Sättigung, erhöhte Abflussrate, Grundwasseranreicherung, Sturmfluten Erosionsgefahr vor allem auf Flächen mit geringem Bodenbedeckungsgrad, Überflutungsereignisse Schutz vor Naturgefahren
Boden Nährstoffauswaschung und Akkumulation in den Vorflutern
Artenzusammen-setzung
Meeresspiegelanstieg Wasser Salzwasserintrusion Biodiversität
Vegetation Ausbreitung der Watten und Tideröhrichtbereiche
Artenzusammen-setzung Einwanderung von Arten
Im Folgenden werden diejenigen Ökosysteme Schleswig-Holsteins dargestellt, denen zum einen eine Bedeutung zur Minderung der Treibhausgas-Emissionen als Klimaschutzfaktor zukommt sowie Ökosysteme, die unter dem Einfluss des Klimawandels einer großen Veränderung unterliegen können bzw. bei denen bereits Degradationen festzustellen sind.
Kohlenstoffreiche Böden
Als eine der größten Kohlenstoff-Senken (nach den Ozeanen) fungiert der Boden, indem er in Form von organischer Substanz in den obersten 0,3 Metern Bodenschicht ungefähr doppelt so viel Kohlenstoff speichert, wie sich in der Atmosphäre befindet. Der Gehalt an organischer Substanz ist somit eine entscheidende Klimaschutz-Größe. Nach den Kriterien des IPCC und der deutschen bodenkundlichen Klassifikation umfassen die kohlenstoffreichen Böden Nieder- und Hochmoore, Moor- und Anmoorgleye sowie Anmoorpseudogleye. Diese Böden entstanden unter (Stau-) Wassereinfluss und bauen – bei Grundwasserabsenkung – vermehrt Humus ab, da durch die Belüftung Zersetzungsprozesse eingeleitet werden. Es wird geschätzt, dass weltweit inMoorböden 450 bis 500 Gt Kohlenstoff in Form von Torf (Bodenmaterial mit mehr als 30 Prozent organischer Substanz) gespeichert sind – dies entspricht etwa einem Drittel der gesamten, in Böden gebundenen, Kohlenstoffvorräte. Vergrößert sich die aerobe Zone der Torfkörper, oxidieren die über lange Zeit akkumulierten Kohlenstoffverbindungen schnell und der Moorboden wird zu einer Quelle für Treibhausgasemissionen. Besonders auf entwässerten und landwirtschaftlich genutzten Mooren läuft dieser Prozess verstärkt ab. Die Moorböden Schleswig-Holsteins emittieren pro Jahr insgesamt 2,4 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente8, der größte Anteil davon stammt aus entwässerten Mooren (2,3 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente). Dies entspricht einem Anteil von 9,3 Prozent der Gesamtemissionen Schleswig-Holsteins (ohne Emissionen aus Landnutzung und Landnutzungsänderung). Tabelle 18: Treibhausgas-Emissionswerte auf Moorböden fasst die Ergebnisse der Bilanzierung der Klimawirkung von Moorböden in Schleswig-Holstein zusammen. Den größten Anteil an den Emissionen aus Moorböden haben die intensiv landwirtschaftlich als Grünland genutzten Niedermoorböden mit 890.712 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente.
Tabelle 18: Treibhausgas-Emissionswerte auf Moorböden (JENSEN ET AL., 2010)
Einheiten Biotopkartierung Wasserstufe[footnoteRef:9] [9: Wasserstufen: 6+ entspr. geflutet, 5+ entspr. nass, 4+ entspr. halbnass/sehr feucht, 3+ entspr. feucht, 2+ entspr. mäßig feucht] Torfart Fläche in Hektar Tonnen CO2-Äquivalente pro Jahr
Nasse, hochwertige Systeme 17.483 114.289
Bult-Schlenken-Stadium 4+/5+ Hochmoor 141 705
Bruchwald 5+ Niedermoor 4.763 4.763
Ehemaliger Torfstich 5+ Hochmoor 1.176 3.528
Übergangs-/ Schwingmoorflächen, naturnah 4+/5+ Hochmoor 402 1.206
Röhricht 4+ Niedermoor 7.314 80.454
Großseggenried 5+ Niedermoor 1.088 5.440
Niedermoor/ Sumpf 5+ Niedermoor 2.599 18.193
Entwässerte hochwertige Flächen 20.754 263.912
Heidekraut-Stadium 4+ Hochmoor 851 8.085
Pfeifengras-Stadium 4+ Hochmoor 3.756 35.682
Birken-Stadium 4+ Hochmoor 4.025 38.237
Feuchtgebüsch (Weiden) 4+ Niedermoor 2.305 0
Hochstaudenflur 2+ Niedermoor 2.657 63.768
Talniederung 3+ Niedermoor 1.743 28.760
Feuchtgrünland 3+ Niedermoor 5.417 89.380
Entwässerte geringwertige Flächen 107.297 2.081.172
Grünland extensiv 3+ Hochmoor 14.884 223.260
Grünland extensiv 3+ Niedermoor 40.000 600.000
Grünland intensiv 2+ Hochmoor 5.000 120.000
Grünland intensiv 2+ Niedermoor 37.113 890.712
Acker 2+ Hochmoor 300 7.200
Acker 2+ Niedermoor 10.000 240.000
Gesamtsumme für Schleswig-Holstein 145.534 2.459.373
Grünland als CO2-Senke
In Deutschland sind für die, durch Landnutzungsänderung verursachten Treibhausgasemissionen vor allem die landwirtschaftliche Nutzung entwässerter Moore und die Umwandlung von Grünland zu Ackerflächen verantwortlich. Eine CO2-Senkenfunktion hat das Grünland so lange, bis es sein spezifisches Kohlenstoffgleichgewicht erreicht hat. Die meisten Grünlandflächen können noch eine CO2-Senke darstellen, da dieser Sättigungszustand erst nach mehr als 100 Jahren erreicht wird. Bodentyp und Wasserstand spielen dabei eine große Rolle, denn hydromorphe Böden haben eine höhere Kohlenstoffspeicherkapazität. Für Niedermoorböden mit jeweils unterschiedlichen Nutzungen wurden folgende Treibhausgasemissionen festgestellt (siehe Tabelle 19: Treibhausgas-Emissionen auf Niedermoorböden in Abhängigkeit der Nutzung und des Wasserstandes).
Tabelle 19: Treibhausgas-Emissionen auf Niedermoorböden in Abhängigkeit der Nutzung und des Wasserstandes (DRÖSLER ET AL., 2011)
Nutzung Mittlerer Wasserstand ab Geländeoberkante Treibhausgasemissionen (CO2, CH4, N2O) in t/ha*a CO2-Äquivalente
Naturnahes Moor, renaturiert -10 cm 3,3
Grünland extensiv -11 cm 10,3
Grünland extensiv (mäßig drainiert) -29 cm 22,5
Grünland intensiv (tief drainiert) -49 cm 30,9
Acker (tief drainiert) -70 cm 33,8
Teil des im Boden enthaltenen Kohlenstoffs wird im ersten Jahr nach dem Umbruch als CO2 freigesetzt. . Dagegen wird bei einer Neuanlage von Grünland Kohlenstoff im Boden gebunden, allerdings ist die Festsetzungsrate pro Jahr nur halb so hoch wie die Freisetzungsrate nach dem Umbruch.
Grünland in Überflutungsgebieten, insbesondere in Auenlandschaften, trägt wesentlich zum Wasserrückhalt bei, indem es mehr Wasser im Boden zurückhalten kann. Im Gegensatz zu Ackerland weist Boden unter Grünland ein größeres Gesamtporenvolumen und eine bessere Wasserinfiltration auf, da es nicht gepflügt und mit weniger schweren Geräten bearbeitet wird. Aufgrund der dauerhaften Durchwurzelung des Bodens trägt Grünland auch wesentlich zur Erosionsminderung in Überschwemmungsgebieten bei. Im Hinblick auf die Biodiversität kommen über ein Drittel aller heimischen Farn- und Blütenpflanzen hauptsächlich im Grünland vor; daneben bietet es Lebensraum für Wirbeltiere, Vögel, Amphibien und Insekten. Es bestehen hier sehr enge Wechselbeziehungen zwischen Flora und Fauna, daher spielt der Erhalt von Grünland bei der Erreichung von Biodiversitätszielen eine wesentliche Rolle. Nach dem HNV-Farmland-Indikator betrug der Anteil der Flächen mit hohem Naturwert im Jahr 2010 3,3 Prozent der landwirtschaftlichen Nutzfläche. Im Jahr 2013 waren es 2,9 Prozent, somit ist ein Trend von 12,1 Prozent Verlust zu verzeichnen. Die zunehmende Intensivierung führt zu einer erheblichen Abnahme von ökologisch wertvollen Flächen und Strukturen im Grünland.
Der Waldboden als natürliche CO2-Senke, lagert rund 70 Prozent des Kohlenstoffvorrats im Mineralboden und 30 Prozent im Auflagehumus an. Der mittlere C-Vorrat der Laub- und Nadelwälder Schleswig-Holsteins in den obersten 90 Zentimeter Bodenschicht der Mineralböden sowie der organischen Auflage der Wälder und Moore liegt aufgrund der zweiten Bodenzustandserhebung (BZE) bei rund 32 Millionen Tonnen C bzw. 188 Tonnen C/Hektar (Wördehoff et al. 2012), was einer Menge von 695 Tonnen CO2-Äquvalenten entspricht9. Im Mittel entfallen rund 55 Prozent der Kohlenstoffvorräte des gesamten Waldes auf den Waldboden. Auch die lebende ober- und unterirdische Baumbiomasse spielt für die langfristige Kohlenstoff-Speicherung eine wesentliche Rolle bei der Vermeidung weiterer klimatischer Veränderungen. Zur dritten Bundeswaldinventur 2012 wurde für die schleswig-holsteinischen Wälder ein Kohlenstoffvorrat von insgesamt 18 Millionen Tonnen in der lebenden Baumbiomasse dokumentiert. Dies entspricht 66,6 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente. Tabelle 20: Kohlenstoffvorräte der Wälder Schleswig-Holsteins nach Speichern zeigt eine Übersicht der Kohlenstoffvorräte aller Speicher des Waldes in Schleswig-Holstein für das Jahr 2012.
Tabelle 20: Kohlenstoffvorräte der Wälder Schleswig-Holsteins nach Speichern (WÖRDEHOFF ET al., 2012)
Speicher Fläche in Hektar, gerundet Vorrat in Kubikmeter C-Vorrat in Tonnen
Lebende Baumbiomasse (gesamte oberirdische Biomasse, lebende Grobwurzeln) 160.000 47.000.000 12.000.000
Tote Baumbiomasse (totes Derbholz ab sieben Zentimeter Durchmesser) 160.000 1.500.000 190.000
Auflagehumus (ohne Moorböden) 35 Tonnen/Hektar
Mineralboden (bis 90 Zentimeter Tiefe, ohne Moorböden)[footnoteRef:11] [11: Datengrundlage: Zweite bundesweite Bodenzustandserhebung (BZE II, 2007)] 130 Tonnen/Hektar
Im Zusammenhang mit steigenden Kohlenstoffvorräten eines Waldes, also einer Senkenfunktion, ist ein hohes Durchschnittsalter der Bäume von großer Bedeutung. Dies bedeutet, möglichst naturnahe Waldbestände mit starken Einzelbäumen und Totholzmengen zuzulassen. Die Wälder der nördlichen Hemisphäre sind laut der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg (2006) eine bedeutende Netto-Senke. „Die größtenteils nachhaltig bewirtschafteten Wälder Europas (geographische Einheit bis Ural) binden CO2 in einer Größenordnung von rund 20 Prozent der jährlichen Emissionen durch Verbrennung fossiler Brennstoffe im gleichen Gebiet“ (Pistorius, 2006). Die Senkenfunktion wird aber nur sichergestellt, wenn sich der Wald im Wachstum befindet. Daher ist die Waldmehrung und nachhaltige Bewirtschaftung von Wäldern ein Garant für die Kohlenstoffbindung. Im „Fahrplan Anpassung an den Klimawandel“ des MELUR (2011) wird nicht nur der Walderhaltung sondern auch der langfristig angestrebten Neuwaldbildung eine hohe Bedeutung im Klimaschutz beigemessen.
Artenreiche, naturnahe Laubholz-Mischwälder haben eine hohe natürliche Anpassungsfähigkeit aufgrund ihrer großen strukturellen und genetischen Vielfalt. Sie tragen damit zum Erhalt der biologischen Vielfalt sowie zum Feuchte- und Temperaturausgleich bei. Wälder besitzen ein hohes Absorptionsvermögen für Strahlung (niedrige Albedo von fünf bis 18 Prozent), tragen mit ihrer insgesamt großen Blattoberfläche zur Verdunstung bei und regulieren damit auch den hydrologischen Kreislauf. Durch den hohen Bewuchs der Bodenoberfläche wird die Wasser- und Nährstoffaufnahme gefördert, wodurch dem Wald ebenso die Ökosystemfunktionen Hochwasserschutz und Nährstoffrückhalt zugeschrieben werden können.
Böden der trockenen Standorte
Die Zunahme von extremen jahreszeitlichen Unterschieden in der Niederschlagsverteilung betrifft nicht nur feuchte kohlenstoffreiche Systeme, sondern auch trockene Standorte. Von sommerlichen Wasserbilanzdefiziten sind besonders Böden mit nur geringem Wasserspeichervermögen betroffen (beispielsweise Sandböden mit hohem Anteilen an Grob- und Mittelsand). Während der Vegetationsperiode wird auf sandigen Standorten die nutzbare Feldkapazität schneller erschöpft sein, hinzukommen geringe kapillare Aufstiegsraten, was insgesamt zu Trockenstress für die Pflanzen führen kann. Infolge erhöhter Verdunstungsraten im Sommer spielt der Grundwasserflurabstand eine große Rolle für die Wasserverfügbarkeit der Pflanzen. Die grundwasserfernen sandig ausgebildeten Böden der Hohen Geest und der Vorgeest zählen hierzu, ebenso wie die sandigen Endmoränen und Binnensanderflächen des Östlichen Hügellandes. Im Winter dagegen können höhere Sickerwasserraten vor allem auf den sandigen und damit stark durchlässigen Geest-Standorten erwartet werden, so dass hier mit einer hohen Grundwasserneubildung gerechnet werden kann.
Höhere Temperaturen können sich generell auch positiv auf einige Gesellschaften dieser Standorte auswirken, im Hinblick auf die Biodiversität kommt es dabei aber zur Verschiebung der Artenzusammensetzung, da, an Trockenheit weniger gut angepasste Arten verdrängt werden.
Gemäß Dierssen et al. (2007) dürfte die Produktivität der grundwasserfernen Grünlandflächen auf wechselfeuchten bis trockenen Standorten in wärmeren und trockeneren Vegetationsperioden geringfügig bis mäßig abfallen, vor allem auf ohnehin ertragsschwachen, sandigen Böden. Für die zukünftige Bewirtschaftung solcher Flächen sei zu berücksichtigen, dass bei längerer landwirtschaftlicher Vornutzung mit entsprechend intensiver Düngung die Eignung solcher Standorte als „Ausgleichsflächen“ im Sinne des §15 BNatSchG stark eingeschränkt ist, weil sich der spontan einstellende Artenpool in erster Linie aus ausbreitungsfreudigen Ubiquisten zusammensetzen dürfte. Alternativ sei die Überführung solcher Standorte in Forstflächen zu erwägen.
Strategie Wattenmeer 2100
Die Strategie ist im Rahmen eines zweijährigen Projektes von Fachleuten sowohl aus der Küstenschutz- und Nationalparkverwaltung des Landes Schleswig-Holstein als auch aus nichtstaatlichen Organisationen – Insel- und Halligkonferenz, Schutzstation Wattenmeer und WWF – erstellt worden. In dem Bericht werden strategische Überlegungen zur Erhaltung der natürlichen Lebensräume und Lebensbedingungen im Wattenmeer und zur Gewährleistung der Sicherheit der Küstenbewohner bei einem beschleunigten Meeresspiegelanstieg angestellt. Obwohl der Fokus somit auf Naturschutz und Küstenschutz liegt, werden auch sozio-ökonomische Aspekte berücksichtigt.
Ziel des Landes ist es, das Wattenmeer in seiner Einzigartigkeit und seiner charakteristischen Dynamik entsprechend der Nationalpark-Zielsetzung, der Weltnaturerbeanerkennung und in seiner Funktion für den Schutz der Küste als auch für den Menschen zu erhalten. Zur Erfüllung dieser Verantwortung verwirklichen Naturschutz und Küstenschutz gemeinsam folgende langfristige Entwicklungsziele:
Die Schutzfunktion des Wattenmeeres als Energie-Umwandlungszone zur Gewährleistung der Sicherheit der Insel-, Hallig- und Festlandsküsten bleibt erhalten.
Die Inseln und Halligen werden als wesentliche Strukturen des Wattenmeeres sowie als Kulturraum der Menschen erhalten.
Die dynamischen Entwicklungsmöglichkeiten der charakteristischen Wattenmeer-Strukturen und Lebensräume mit ihren charakteristischen Arten werden zur Wiederherstellung oder Wahrung eines günstigen Erhaltungszustands gewährleistet.
Die ökologischen Funktionen des Wattenmeeres werden erhalten.
In der gesamten Wattenmeer-Region, die auch die an das Wattenmeer angrenzenden Festlands-, Meeres- und Ästuargebiete einschließt, wird eine nachhaltige Entwicklung erreicht, die im Einklang mit den Schutzzielen des eigentlichen Wattenmeeres über das Jahr 2100 hinaus den Schutz, die Lebensqualität und die Gestaltungsmöglichkeiten der Menschen sichert. Nur wenn es gelingt, die Ziele von Umweltschutz., Naturschutz und Küstenschutz zur Erhaltung des Wattenmeeres weitest möglich miteinander in Einklang zu bringen, besteht die Chance, den negativen Veränderungen und Risiken durch einen beschleunigten Meeresspiegelanstieg erfolgreich zu begegnen.
Kommunale und regionale Aktionspläne zur Anpassung an den Klimawandel
Den kommunalen und regionalen Aktionsplänen zur Anpassung an den Klimawandel kommt bei der Umsetzung dieser Ziele eine besondere Bedeutung zu. Im Planungsraum ist dabei auf folgende kommunale Aktivitäten hinzuweisen:
Klimaschutz In Schleswig-Holstein bestehen vielfältige kommunale Aktivitäten auf dem Feld des Klimaschutzes. Einen guten Überblick über die vielfältigen Aktivitäten bieten folgende Instrumente und Netzwerke:
1. Energie- und Klimaschutzinitiative Schleswig-Holstein (EKI)
Mit der Energie- und Klimaschutzinitiative Schleswig-Holstein (EKI) bietet das Land Schleswig-Holstein Städten und Gemeinden Unterstützung bei der Umsetzung der Energiewende „vor Ort“ an. Zu den Angeboten zählen unter anderem eine kostenfreie Initialberatung durch die IB.SH Energieagentur, Informationsmaterialien und Tools, Unterstützung bei der Beratung von Fördermitteln bei der EU, des Bundes und des Landes und zielgruppenspezifische Fachveranstaltungen. Kommunale Akteure wie Kommunalverwaltungen, kommunale Energieversorger oder Wohnungsbaugesellschaften sollen im Rahmen von EKI mit Informationen und Beratungen ermutigt und unterstützt werden, Klimaschutz- und Energiewendemaßnahmen eigenständig umzusetzen. Im Fokus steht dabei die Energiewende im Wärmesektor – die so genannte „Wärmewende“. EKI soll zudem dabei unterstützen, dass Fördermittel des Bundes für die Themenfelder Energiewende und Klimaschutz optimal in Schleswig-Holstein eingesetzt werden.
2. Projektdatenbank der Energieolympiade Eine umfangreiche und aktuelle Übersicht von kommunalen Aktivitäten im Bereich Klimaschutz und Energieeinsparung bietet die Projektdatenbank der Energieolympiade. Die umfangreiche Suchfunktion erlaubt eine gezielte Suche u.a. nach Thema und Region innerhalb des Landes.
Die Gesellschaft für Energie und Klimaschutz Schleswig-Holstein (EKSH) veranstaltet gemeinsam mit ihren Partnern, den Kommunalen Landesverbänden, der Landesregierung, der Investitionsbank/Energieagentur sowie dem Klima-Bündnis regelmäßig die EnergieOlympiade, bei der sich Kommunen in vier Disziplinen mit ihren Projekten und Konzepten bewerben können. Im Rahmen dieses kommunalen Wettbewerbs werden vorbildliche Projekte prämiert, die auf kommunaler Ebene zur Energieeinsparung und damit auch zum Klimaschutz beitragen. Die Disziplin „EnergieProjekt“ mit kleinen, großen und Verhaltensprojekten ist die Standarddisziplin. Ferner wird ein Themenpreis ausgelobt, der als dynamisches Element bei jeder Wettbewerbsrunde wechseln kann. Überdies gibt es die Disziplin „EnergieHeld“ für besonderes ehrenamtliches Engagement. Unter der Disziplin „EnergieKonzept“ passt alles an Ideen, die noch in der Planungs- bzw. Umsetzungsphase stecken und die idealerweise einen übergreifenden Ansatz haben.
Teilnahmeberechtigt sind Städte, Gemeinden, Kreise und Zweckverbände. Jede Kommune kann sich in allen vier Disziplinen mit mehreren Wettbewerbsbeiträgen beteiligen.
3. Klimabündnis Das Klima-Bündnis ist ein bundesweit wichtiger Ansprechpartner für Kommunen zu Fragen der Treibhausgasreduktion. Das Bündnis unterstützt die kommunale Vernetzung und stellt den Mitgliedskommunen einer Reihe von Methoden, Instrumenten und ein CO2-Bilanzierungsinstrument zur Verfügung. Die Mitglieder des Klima-Bündnis verpflichten sich zu einer freiwilligen, kontinuierliche Minderung der Treibhausgasemissionen (alle fünf Jahre um 10 Prozent, bis zum Jahr 2030 eine Verminderung auf ein Niveau von 2,5 Tonnen CO2-Äquivalent pro Einwohner und Jahr). Das Land Schleswig-Holstein unterstützt die Ziele und Aktivitäten des Klima-Bündnisses und ist seit 2003 Mitglied im Klima-Bündnis.
Zu den Aktivitäten des Klima-Bündnisses gehören neben den genannten Instrumenten unter anderem eine jährliche nationale Klimakonferenz, regionale Arbeitstreffen und Kampagnen.
Derzeit sind 22 Kommunen aus Schleswig-Holstein Mitglied im Klima-Bündnis und können damit als Vorreiter zu Fragen des kommunalen Klimaschutzes im Land angesehen werden.
Klimafolgenanpassung:
1. Hansestadt Lübeck
Die Hansestadt Lübeck übernimmt Verantwortung für den lokalen Klimaschutz und passt sich an den Klimawandel an. So werden unter anderem in der thematischen Fortschreibung des Gesamtlandschaftsplanes geeignete flächenbezogene Maßnahmen entwickelt, um Überschwemmungen von Siedlungsgebieten zu minimieren, Feuchtgebiete zu erhalten, Wälder und andere Frischluftgebiete als wichtige Klimaausgleichsflächen zu fördern und dem wegen der erwarteten sommerlichen Hitzeperioden ansteigenden Tourismus angemessen zu begegnen.
Der 2008 beschlossene Gesamtlandschaftsplan der Hansestadt Lübeck wird thematisch zum Thema „Klimawandel in Lübeck“ fortgeschrieben.
2. Das Klimaschutzteilkonzept „Klimaanpassung“ des Kreises Bad Segeberg
Der Kreis hat die Erstellung eines Handlungsleitfadens zur Anpassung an den Klimawandel in Auftrag gegeben. Die Umsetzung des Klimaschutzteilkonzeptes zur Anpassung an den Klimawandel „Klimaanpassung“ für den Kreis Segeberg war am 22. Mai 2014 vom Kreistag beschlossen worden.
3. Das „Integrierte Klimaschutzkonzept“ des Kreises Ostholstein
Der Kreis Ostholstein hat seit März 2016 ein „Integriertes Klimaschutzkonzept“, in welchem auch verschiedene Handlungsfelder aufgeführt sind.
Landschaftswandel bedeutet die Veränderung der uns umgebenden Landschaft. Er vollzieht sich bildlich, das heißt visuell aufgrund räumlicher, nutzungsbedingter Veränderungen. Diese Veränderungen haben Auswirkungen auf unser Naturerleben, aber auch auf den Zustand der Natur, auf Boden, Wasser und Luft.
Landschaftswandel und Landschaftsveränderungen sind Teil unserer Geschichte, sie sind Ausdruck unseres Handels, unserer Kultur. Die heutigen Veränderungen verlaufen in einem hohen Tempo. Die sich gegenwärtig (ab 1990) vollziehenden Landschaftsveränderungen sind durch die Energiewende (Windenergie, Photovoltaik und Biomasse) sowie durch zunehmende Infrastrukturen (Verkehrswege und Leitungsbau) bestimmt. Hinzu kommt die Inanspruchnahme von Flächen für Siedlungs-, Industrie- und Gewerbegebiete (siehe Hauptteil, Kapitel 2.2.1: Siedlung und Verkehr, unzerschnittene verkehrsarme Räume). Sie verändern die Schleswig-Holstein prägende, reich strukturierte und den Naturraum widerspiegelnde Agrarlandschaft.
Natur und Landschaft stehen unter dem Schutz des BNatSchG. Die Inanspruchnahme von Flächen und die damit verbundenen Auswirkungen auf die Natur, den Naturhaushalt, seine ökologischen Funktionen sowie die Vielfalt, Eigenart und Schönheit der Landschaft sind daher zu betrachten und zu bewerten. Legt man das Ziel der Nationalen Nachhaltigkeitsstrategie sowie die Nationale Strategie zur Biologischen Vielfalt von 30 Hektar neu überbauter Fläche pro Tag zugrunde, würde dieses eine Neuinanspruchnahme von 1,3 Hektar pro Tag für Schleswig-Holstein bedeuten. Im Zeitraum von 2012 bis 2015 betrug die Flächenneuinanspruchnahme in Schleswig-Holstein 2,7 Hektar pro Tag.
Ziel der Bundesregierung im Interesse des Klimaschutzes ist es, bis 2050 den Anteil des aus Erneuerbaren Energien gewonnen Stroms bundesweit auf 50 Prozent am Bruttostromverbrauch zu erhöhen. Langfristig ist es das Ziel, den Energieverbrauch für Strom, Wärme und Verkehr zu 100 Prozent über Erneuerbare Energien zu decken. Die Ziele der Landesregierung gehen – bezogen auf Schleswig-Holstein – darüber hinaus. Bis zum Jahr 2025 sollen rund 37 Terrawattstunden (TWh) aus erneuerbaren Energieträgern in Schleswig-Holstein erzeugt werden (siehe § 3 Absatz 3 EWKG).
Der sich in den letzten Jahren vollzogene Landschaftswandel ist infolge dessen vor allem durch die Veränderungen der Landschaft durch Windenergieanlagen, Biogasanlagen mit vermehrtem Maisanbau, Photovoltaikanlagen sowie durch zunehmende Siedlungs- und Verkehrsflächen einschließlich Strommasten geprägt. Diese Entwicklung hält an und hat die aus der Naturräumlichkeit des Landes heraus entstandene traditionelle Agrarlandschaft in eine Agrarlandschaft gewandelt, die zunehmend von Strukturen zur Erzeugung Erneuerbarer Energien geprägt und dominiert wird.
1990 gab es in Schleswig-Holstein landesweit erst 17 Windenergieanlagen mit einer Leistung von insgesamt 2.280 Kilowatt. 2013 waren es bereits 2.905 Anlagen mit einer Gesamtleistung von 3.873.919 Kilowatt. 1997 gab es in Schleswig-Holstein lediglich zwei Biogasanlagen mit einer Gesamtleistung von 624 Kilowatt. 2013 waren es 914 Anlagen mit insgesamt 379009 Kilowatt. Parallel hat in den letzten Jahren der Maisanbau in Schleswig-Holstein von 1991 (51.794 Hektar) bis 2014/ 2015 auf rund 194.000 Hektar zugenommen. 50 Prozent des Maisanbaus geht in die Energieproduktion. 1990 gab es in Schleswig-Holstein nur eine Photovoltaikanlage mit einer Leistung von 140 Kilowatt. 2013 waren es 40.792 Anlagen mit einer Gesamtleistung von 1.438.104 Kilowatt. Damit wird in Schleswig-Holstein zurzeit nach der Windenergie der meiste Strom aus Erneuerbaren Energien aus der Photovoltaik gewonnen (Wind 3.873.819 Kilowatt, Biomasse 379.009 Kilowatt).
Strom aus Erneuerbaren Energien wird dezentral erzeugt. Schleswig-Holstein hat sich in seiner Energiewende- und Klimaschutzpolitik zum Ziel gesetzt, einen Anteil an Erneuerbaren Energien am Bruttostromverbrauch von rund 37 Terrawattstunden (TWh) bis 2025 (siehe § 3 Absatz 3 EWKG) zu erreichen. Für die weitere Umstellung auf flukturierende erneuerbare Energien besteht sowohl in Schleswig-Holstein als auch bundesweit Bedarf für zusätzliche Leitungstrassen auf Höchstspannungsebene. Windkraftanlagen, Freiflächenphotovoltaikanlagen wie auch die Mastfüße der Stromleitungen gehören nicht zu den statistisch erfassten Flächen für Siedlung und Verkehr. Aber auch sie entziehen Flächen ihre bisherige ökologische Funktion.
Gleichzeitig schreitet die Versiegelung der Landschaft durch Siedlungs- und Verkehrswegebau weiter voran. Dabei wachsen sowohl die (größeren) Städte sowie die Metropolregion Hamburg als auch die kleineren Orte im ländlichen Raum. Neben Neubaugebieten entstehen Industrie- und Gewerbegebiete – insbesondere im ländlichen Raum an den großen Verkehrsadern – sowie neue Verkehrswege (siehe Hauptteil, Kapitel 2.2.1: Siedlung und Verkehr, unzerschnittene verkehrsarme Räume (UZVR)).
1992 betrug der Anteil der Siedlungs- und Verkehrsflächen an der Bodenfläche Schleswig-Holsteins rund zehn Prozent, 2015 fast 13 Prozent, dieses sind in 2015 rund 204.206 Hektar. Diese Flächen sind zu etwa 45 Prozent versiegelt. In den letzten 25 Jahren wurden rund 39.000 Hektar (1992 - 2015) zu Siedlungs- und Verkehrszwecken umgewandelt (siehe Hauptteil, Kapitel 2.2.1: Siedlung und Verkehr, unzerschnittene verkehrsarme Räume (UZVR)).
Große Teile der Landesfläche sind somit von einem massiven Landschaftswandel (mittlere bis hohe Zunahme der Parameter Siedlungs- und Verkehrsflächen, Windenergieanlagen, Biogasanlagen, Maisanbau, Photovoltaik) geprägt. Im Planungsraum zeigt sich der Wandel regional besonders deutlich. Teilweise lassen sich die Unterschiede zu den anderen Planungsräumen mit den unterschiedlichen Naturräumen Schleswig-Holsteins erklären. So fällt auf, dass der Wandel durch den Ausbau Erneuerbarer Energien und die Versiegelung im Östlichen Hügelland geringer ist als auf der Geest oder in der Marsch.
Der Planungsraum umfasst die drei für Schleswig-Holstein typischen Naturräume Marsch, Geest und Östliches Hügelland (siehe Hauptteil, Kapitel 1.5: Naturräumliche Gliederung). Hinzu kommen die Niederung der Unterelbe sowie kleine Bereiche der Mecklenburgischen Seenplatte und der Elbtalniederung sowie des südwestlichen Vorlandes der Mecklenburgischen Seenplatte. Die Marschen zeichnen sich durch ihre Weite aus. Die Eigenart dieser Landschaft wird in weiten Teilen durch ein engmaschiges Gewässernetz, Streubebauung sowie eine Grünlandnutzung bestimmt. Das extensiv genutzte Marschengrünland, die Dauerweiden mit Grüppen- und Beetstrukturen sowie Kleingewässern sind Teil der historischen Kulturlandschaft dieses Landes (siehe Hauptteil, Kapitel 2.1.8.1: Historische Kulturlandschaften). Die Geest und das Hügelland sind hingegen landschaftlich kleinräumiger gegliedert – einerseits durch ihr Relief und andererseits durch das landschaftsprägende Knicknetz, durch Kratts und Heidelandschaften als Ausdruck der historischen Kulturlandschaft. Hier finden sich auch größere Niederungsbereiche sowie im Bereich des Büchener Sanders naturschutzfachlich wertvolle Magerrasen. Der Ratzeburger See sowie der Schaalsee prägen die Region im Südosten des Planungsraums, in deren Umfeld es gut erhaltene Moore wie das Salemer Moor gibt. Der Küstenraum der Ostsee ist vielseitig gestaltet mit sowohl flachen, sandigen Küstenabschnitten als auch Steilküsten. Zum Planungsraum gehört auch die Hochseeinsel Helgoland.
Im Planungsraum hat sich der Landschaftswandel insbesondere in der Marsch und auf der Geest deutlich vollzogen. Dies liegt in der Marsch vor allem an der Zunahme der Windenergie, aber auch an der Zunahme der Photovoltaikanlagen. Auf der Geest zeigt sich der Wandel in erster Linie durch die Zunahme des Maisanbaus sowie der Biogasanlagen. Parallel vollzog sich eine Zunahme der Siedlungs- und Verkehrsflächen entlang der Siedlungsachsen im Hamburger Umland sowie im Raum Lübeck.
Landschaftswandel durch Siedlungsflächen
Im Planungsraum werden zudem neue Gewerbegebiete und Neubaugebiete sowohl in Stadtnähe als auch auf dem Land ausgewiesen. Schwerpunkte liegen im Hamburger Randbereich sowie in der Siedlungsachse Hamburg – Lübeck. Im Planungsraum nahm die Versiegelung im Zeitraum von 1992 bis 2013 von 10,1 Prozent auf 12,6 Prozent zu. Insbesondere in den Regionen um Hamburg und entlang der Siedlungsachse Hamburg –Lübeck nahm die Versieglung deutlich zu (siehe Abbildung 18: Landschaftswandel Siedlungs- und Verkehrsflächen im Zeitraum von 1990 bis 2006 (nach GFN 2015)). Ein zusätzlicher Flächenverbrauch erfolgt durch die Errichtung von Windenergie- und Freiflächenphotovoltaikanlagen, der in den oben genannten Zahlen nicht enthalten ist. Mit dem Verlust naturnaher Flächen gehen auch die ökologischen Funktionen dieser Flächen verloren sowie ihre Eignung für die Erholung.
Landschaftswandel durch Windenergieanlagen
Im Planungsraum gab es 1990 insgesamt fünf Windenergieanlagen mit einer Gesamtleistung von 380 Kilowatt. 2013 waren es 1.567 Anlagen mit einer Leistung von insgesamt 2.170.398 Kilowatt (siehe Abbildung 19: Landschaftswandel Windenergie im Zeitraum von 1990 bis 2013 (nach GFN 2015)).
Die meisten dieser Anlagen stehen an den Küsten der Nord- und Ostsee, vor allem aber an der Westküste in Dithmarschen sowie im östlichen Teil des Planungsraums auf der Insel Fehmarn. Im Planungsraum befinden sich rund 52 Prozent der Windenergieanlagen und der hiermit installierten Leistung landesweit. In der Umgebung um Hamburg sowie im Bereich der ehemaligen innerdeutschen Grenze liegen weite Teile ohne Windenergieanlagen, so dass vor allem in Küstennähe der Landschaftswandel durch Windenergieanlagen geprägt ist. Die immer größer werdenden Anlagen wirken weit in die Landschaft hinein. Insbesondere in der natürlichen Weite der Marsch- und Küstenlandschaft verändern sie die Landschaft visuell. Zudem können sie negative Auswirkungen auf die Avifauna haben (siehe Hauptteil, Kapitel 4.1.4: Gebiete mit besonderer Bedeutung für die Avifauna).
Landschaftswandel durch Biogasanlagen
Wurde Futtermais bisher hauptsächlich auf den ärmeren Böden der Geest angebaut, werden heute zunehmend auch sehr ertragreiche Böden für den Maisanbau genutzt. Die Anbaugebiete haben sich darüber hinaus in die Marsch und in das Hügelland ausgedehnt. Auf der Geest wurde der Anbau zudem intensiviert (siehe Abbildung 20: Landschaftswandel Mais im Zeitraum von 1990 bis 2010 (nach GFN 2015)).
Im Planungsraum gab es 1997 nur zwei Biogasanlagen, 2005 waren es 21 Anlagen mit einer Leistung von 7.734 Kilowatt. 2013 waren es 375 Anlagen mit einer Gesamtleistung von 159.606 Kilowatt. Rund 35 Prozent der Biogasanlagen mit einer installierten Leistung von ebenfalls 35 Prozent bezogen auf Schleswig-Holstein befinden sich im Planungsraum. Insgesamt ist der Landschaftswandel durch den Maisanbau nicht so deutlich wie in anderen Regionen Schleswig-Holsteins. Ausnahmen bilden einzelne Regionen, die teilweise komplett durch diesen überprägt wurden (siehe Abbildung 21: Landschaftswandel Biogasanlagen im Zeitraum von 1990 bis 2013 (nach GFN 2015)).
Mit dem Maisanbau liegen Flächen für einen längeren Zeitraum im Jahr brach. In der anderen Zeit verstellen die hoch aufgewachsenen Pflanzen den Horizont. Durch den Maisanbau entsteht in einer bislang reich strukturierten Landschaft eine zunehmende Monotonie. Es gibt nur noch wenige Gemeinden im Land, die hiervon frei sind (siehe Hauptteil, Kapitel 2.2.2: Landwirtschaft). Das Landschaftsbild reduziert sich. Mit dem Maisanbau ist zudem eine Verarmung der Biozönose landwirtschaftlich genutzter Flächen (unter anderem Verlust an artenreichen Grünlandflächen), ein erhöhter Eintrag von Pflanzenschutz- und Düngemittel in die Gewässer sowie die Gefahr der Bodenerosion verbunden (siehe Hauptteil, Kapitel 2.1.1.2: Oberflächengewässer).
Landschaftswandel durch Photovoltaikanlagen
Neben der Installation von Anlagen auf oder an Wohnhäusern, Wirtschaftsgebäuden oder Lärmschutzwänden werden auch vermehrt große Freilandphotovoltaikanlagen errichtet. Durch Farbe und Spiegeleffekte ergeben sich veränderte Dachlandschaften von Siedlungen und Höfen. Freiflächenphotovoltaikanlagen haben zum Teil beträchtliche Ausdehnung und können mit ihren spiegelnden Oberflächen das Landschaftsbild wesentlich verändern. Auswirkungen auf den Naturhaushalt ergeben sich aus dem Entzug dieser Flächen für die Durchgängigkeit von Lebensräumen, da diese in der Regel eingezäunt sind, und aus der Beschattung der Flächen.
Im Planungsraum gab es 1990 erst eine Photovoltaikanlage mit einer Leistung von 140 Kilowatt; 2005 gab es 1.084 Anlagen mit einer Leistung von insgesamt 8.576 Kilowatt. 2013 waren es jedoch bereits 21.641 Anlagen mit einer Gesamtleistung von 685.356 Kilowatt (siehe Abbildung 22: Landschaftswandel Solarenergie im Zeitraum von 1990 bis 2013 (nach GFN 2015)).
Der Planungsraum hat somit mit rund 46 Prozent der Anlagen und rund 42 Prozent der installierten Leistung den größten Anteil an Solarenergie im Land. Besondere Zunahme sowohl von Anlagen als auch von installierter Leistung zeigt sich (erneut) an der Westküste des Planungsraumes.
Anmerkung: Datengrundlage und Darstellung der gezeigten Abbildungen10
Für die verschiedenen untersuchten Aspekte des Landschaftswandels lagen die genutzten Daten in unterschiedlicher Form vor. Der Aspekt Siedlung/ Verkehrsfläche wurde über die Corine Land Cover-Daten (1990/ 2000/ 2006) bearbeitet. Diese Flächen wurden als Anteile an der Gemeindefläche dargestellt. Die Daten weisen eine größere Anzahl nicht stimmiger Daten auf, die wohl auf Veränderungen von Gemeindegrenzen zurückzuführen sind. Die genannten Werte sowie die Darstellungen verdeutlichen aber den vorhandenen Trend der Versiegelung.
Daten zur Wind- und Solarenergie sowie zu Biogasanlagen stammen von den Energieversorgern 50Hertz, Amprion, TransnetBW und TenneT, die diese auf der Homepage www.netztransparenz.de zur Verfügung stellen. Sie waren auf Grundlage der Postleitzahlbereiche dargestellt.
Die Daten zum Maisanbau stammen vom Statistischen Amt für Hamburg und Schleswig-Holstein und sind auf die Gemeinden bezogen.
Bei den Karten zu den einzelnen Aspekten (Windkraft, Solar, Biogasanlagen, Mais) wurde jeweils der Ist-Zustand zu einem bestimmten Zeitpunkt gezeigt (1990, 1997, 2005 und 2014). Für die Karten zum Landschaftswandel (Siedlung und Verkehrsfläche/ Wandel der Landschaften) wurden jeweils die Änderungen von 1990 bis 2014/ 2015 berechnet und jeweils anhand des Mittelwertes dargestellt. Für die Einteilung der Klassen wurden in einer ersten Variante alle Werte unter dem Mittelwert als keine oder nur geringe (unterdurchschnittliche) Zunahme dargestellt. Die darüber liegenden Werte wurden noch einmal zu gleichen Anzahlen unterteilt und als starke bzw. sehr starke Änderung dargestellt. Eine Abnahme konnte nur für den Maisanbau in Schleswig-Holstein für einige Gemeinden festgestellt werden, alle anderen Aspekte verzeichneten nur Zunahmen oder blieben gleich.
In der Gesamtkarte (Wandel der Landschaften) wurden die Karten der einzelnen Aspekte (Windkraft, Maisanbau, Biogasanlagen, Siedlung/ Verkehr und Solarenergie) übereinander gelegt und es wurde die stärkste Änderung eines Aspektes übernommen, wobei nicht unterschieden wurde, ob eine starke Änderung nur bei einem oder gar bei mehreren Aspekten auftrat.
In welchem Zustand sich Natur und Landschaft befinden bzw. wie er sich langfristig entwickelt, lässt sich nur über langfristige Monitoringprogramme ermitteln. Die erhobenen Daten liefern Informationen zur Unterstützung von (Arten-) Hilfsprogrammen, Planungen in Schutzgebieten oder der Förderung naturverträglicher Landnutzungen. Das Biodiversitätsmonitoring erfolgt in Schleswig-Holstein über vier Bausteine: Biotope (Biotopkartierung), LRT (Biotopmonitoring), Landschaften (HNV plus) und Arten (Artenmonitoring) (siehe Abbildung 23: Übersicht über das aktuelle Biodiversitätsmonitoring).
Im Rahmen der landesweiten Biotopkartierung werden derzeit in Schleswig-Holstein Biotoptypen, gesetzlich geschützte Biotope sowie LRT kartiert und deren Zustand mittels Karten und Sachdaten dokumentiert. Hierfür wurden eine neue Kartieranleitung und ein Biotoptypenschlüssel entwickelt (http://bit.ly/28VyzQt11). Ein erster landesweiter Kartierdurchgang erfolgte in den Jahren 1978 bis 1993. Der aktuell seit 2014 durchgeführte Kartierdurchgang wird voraussichtlich 2019 abgeschlossen sein. Das neu entwickelte Kartierverfahren unterscheidet sich vom ersten Kartierdurchgang unter anderem durch den Kartiermaßstab, der mit 1:5.000 zu vormals 1:25.000 eine differenziertere Darstellung der im Fokus stehenden Biotope ermöglicht. Auch Biotope mit kleinen Flächenausdehnungen können im Gegensatz zum ersten Kartierdurchgang flächenhaft dargestellt werden. Im aktuellen Kartierdurchgang werden die LRT erstmals auch außerhalb von FFH-Gebieten sowie neue gesetzlich geschützte Biotope, wie das arten- und strukturreiches Dauergrünland und artenreiche Steilhänge landesweit erfasst. Im Rahmen der Kartierungen werden alle gesetzlich geschützten Biotope nach § 30 BNatSchG in Verbindung mit § 21 LNatSchG sowie alle LRT nach Anhang I der FFH-Richtlinie erfasst. Die Kartierung erfolgt zeitgleich in allen Kreisen, mit dem Ziel jeweils 20 Prozent der Kartierkulisse pro Jahr zu erfassen. In den FFH-Gebieten läuft mit der aktuellen Biotopkartierung ein dritter Kartierdurchgang. Die Vogelschutzgebiete werden erstmalig flächendeckend kartiert. Da in anderen Fachbereichen auf Grund anderer Fachanforderungen ebenfalls Daten erhoben werden (beispielsweise Seenmonitoring im Kontext der WRRL oder Kartierung der Salzwiesen durch die Nationalparkverwaltung; Kartierung auch im Rahmen vom TMAP-Programm) setzt sich der Gesamtdatensatz der Biotopkartierung aus unterschiedlichen Bausteinen zusammen (siehe Abbildung 24: Übersicht über die Bausteine I bis III der landesweiten Biotopkartierung) die erst in ihrer Gesamtheit die Wertbiotope des Landes widerspiegeln. Aus Gründen der Kosteneinsparung werden über dies Kleingewässer aus dem landwirtschaftlichen Flächenkataster entnommen und Knicks über Luftbilder und digitalem Höhenmodell erfasst. Die Kartierergebnisse werden als Geodaten in Karten und die Sachdaten in einer Datenbank dokumentiert, die unter www.schleswig-holstein.de/biotope einzusehen ist. Über eine schriftliche Anfrage beim LLUR können die Daten angefordert werden.
Monitoring Erhaltungszustand von FFH-Lebensraumtypen
Das Biotopmonitoring dient der Erfüllung der FFH-Berichtspflichten zur Feststellung des Erhaltungszustandes der Lebensraumtypen auf Bundesebene auf Basis der Datenbestände der Länder. Für jeden LRT werden bundesweit vom BfN aus der jeweiligen Grundgesamtheit der LRT-Vorkommen 63 Stichproben pro biogeografische Region ausgewählt und dauerhaft als gebundene Stichprobe festgelegt. Bei LRT mit bundesweit weniger als 63 Vorkommen werden alle Vorkommen im Land erfasst und der Erhaltungszustand bewertet („Totalzensus“). Nach der Verteilung der Stichproben auf die Bundesländer entfallen auf Schleswig-Holstein rund 470 Stichproben, die innerhalb von sechs Jahren anhand detaillierter Kartierbögen kartiert werden. Zukünftig ist vorgesehen, Stichproben für gesetzlich geschützte Biotope, beispielsweise Knicks oder Alleen, in das Biotopmonitoring aufzunehmen. Das Biotopmonitoring bekommt zukünftig eine größere Bedeutung, da keine erneute Komplettkartierung der FFH-Gebiete geplant ist. Die Entwicklung der FFH-Gebiete und der in ihnen befindlichen LRT wird dann über die Kartierung und Bewertung der Stichprobenflächen dokumentiert.
HNVplus/ Ökologische Flächenstichprobe (ÖFS)
Der High Nature Value Farmland-Indikator (HNV) ist einer von 35 europäischen Agrarumweltindikatoren, die zur Erfassung der ökologischen Qualität von landwirtschaftlichen Flächen und zur Überwachung der Integration von Umweltbelangen in die Gemeinsame Agrarpolitik (GAP) entwickelt wurde. Der HNV-Indikator ist ein sogenannter Pflichtindikator, der zudem Teil der nationalen Strategie zur Förderung der Entwicklung des ländlichen Raumes (ELER) und der nationalen Strategie zur biologischen Vielfalt ist. Deutschlandweit wird der HNV-Indikator durch die Erfassung und Bewertung der ökologischen Qualität von landwirtschaftlich genutzten Offenlandbereichen in repräsentativen Probeflächen erhoben. In Schleswig-Holstein wurde erstmals 2010 auf 48 Stichprobeflächen der HNV-Indikator durch Kartierungen bestimmt. Bereits seit 2011 wird auf einer erweiterten Kulisse von 120 repräsentativen Stichprobeflächen mit einer Flächengröße von jeweils einem km² in der Normallandschaft Erhebungen durchgeführt. Die Erfassung erfolgt auf Grundlage der Erfassungsanleitung für den HNV-Indikator (https://www.bfn.de/fileadmin/BfN/monitoring/Dokumente/Erfassungsanleitung_HNV_2016_barrfrei_.pdf) und wird jährlich auf einem Viertel der Stichproben durchgeführt, so dass alle vier Jahre eine Komplettkartierung vorliegt. Zusätzlich erfolgen eine flächendeckende Biotoptypenkartierung sowie die Erfassung der gesetzlich geschützten Biotope und der LRT nach FFH-Richtlinie. Zudem wird auf vielen dieser Flächen die jährliche Erfassung aller Brutvögel im Rahmen des von der Ornithologischen Arbeitsgemeinschaft für Schleswig-Holstein und Hamburg (OAG) im Auftrag des Landes durchgeführten Projektes „Monitoring in der Normallandschaft - Bestandsentwicklung häufiger Brutvögel in Schleswig-Holstein“ durchgeführt. Deutschland erfüllt damit das Beobachtungsgebot gemäß nationalem und europäischem Recht. Außerdem hat sich Deutschland auf der Weltkonferenz der Vereinten Nationen für Umwelt und Entwicklung (UNCED) 1992 zur Erhaltung und Überwachung der biologischen Vielfalt sowie zur nachhaltigen Nutzung ihrer Bestandteile verpflichtet. Die regelmäßige Beobachtung der Brutbestände und Bewertung der Erhaltungszustände von Vogelarten dient der Entwicklung von Schutzmaßnahmen und geeigneten Nutzungskonzepten. Die Datenerhebung und Übermittlung an das BfN erfolgt durch den Dachverband Deutscher Avifaunisten (DDA). Zukünftig wird eine weitere Vertiefung der Untersuchungen angestrebt, beispielsweise durch Beprobungen zur Feststellung von gentechnisch veränderten Organismen (GVO), Dokumentation leicht zu erkennender Tiergruppen oder die Erfassung von (Rote Liste-) Pflanzenarten. Weitere Fragestellungen können flexibel in die Kulisse integriert werden, um eine umfassende ökologische Flächenstichprobe zu etablieren. Die HNVplus-Daten werden aktuell schon als Referenzdaten genutzt wie beispielsweise für statistisch abgesicherte Hochrechnungen zur Ermittlung der Knicklängen. Die Daten werden als Shape-Datei mit ausführlicher Attribuierung jährlich an das BfN weitergegeben. Dieses berichtet seinerseits den HNV-Indikator als Pflichtindikator im Rahmen von LIKI (Länderinitiative Kernindikatoren) alle vier Jahre. Im zweijährigen Rhythmus wird der sogenannte gleitende Mittelwert ermittelt, um zwischenzeitliche Tendenzen der Entwicklung darstellen zu können.
Mit der Vogelschutzrichtlinie und der FFH-Richtlinie haben sich die Mitgliedstaaten der Europäischen Union einstimmig verpflichtet, auf der EU-Ebene die rechtlichen Grundlagen für einen umfassenden und nachhaltigen Schutz der Natur zu schaffen. Neben der Ausweisung von Schutzgebieten durch die einzelnen Bundesländer hängt die Schutzeffektivität entscheidend von einer regelmäßigen Überwachung und Überprüfung (Monitoring) des angestrebten Schutzerfolges ab. Durch die oben genannten Richtlinien sind die Mitgliedstatten verpflichtet alle sechs Jahre (FFH-Richtlinie) bzw. alle sieben Jahre (Vogelschutzrichtlinie) einen Monitoringbericht an die Kommission abzugeben. Das Monitoring, bspw. über das Stichprobenmonitoring, ist daher ein zentraler Bestandteil des Schutzkonzeptes. Artikel 17 der FFH-Richtlinie verpflichtet die Mitgliedstaaten, in sechsjährigen Abständen über Schutzmaßnahmen und deren Auswirkungen auf die LRT des Anhanges I und die Arten des Anhanges II sowie die Hauptergebnisse des Monitoring gemäß Artikel 11 zu berichten. Artikel 11 besagt, dass die Mitgliedstaaten den Erhaltungszustand der in Artikel 2 genannten Arten und Lebensräume überwachen. Dies sind die „natürlichen Lebensräume und wildlebenden Tier- und Pflanzenarten von gemeinschaftlichem Interesse“, die wiederum in den Anhängen I, II, IV und V der FFH-Richtlinie aufgeführt sind. Neben der direkten Verpflichtung zum Monitoring der LRT aus Anhang I und der Arten aus Anhang II ergeben sich indirekte Verpflichtungen hierzu aus der Tatsache, dass für Arten des Anhanges IV ein strenges Schutzsystem zu erstellen ist. Dessen Ergebnisse sind fortlaufend zu überwachen und es sind Maßnahmen einzuleiten, die einen ausreichenden landesweiten Schutz der Arten sicherstellen. Auf Ebene von Bund-Länder-Arbeitskreisen und der LANA finden weitergehende inhaltliche Abstimmungen/ Konkretisierungen hierzu und die Festlegung von bundesweit geltenden Mindeststandards für das LRT- und Arten-Monitoring statt. Für Arten des Anhanges V („deren Entnahme aus der Natur und Nutzung Gegenstand von Verwaltungsmaßnahmen sein können“) werden die Zusammenhänge so verstanden, dass ein Monitoring jedenfalls derjenigen Arten durchgeführt werden muss, für die eine Nutzung zugelassen wird. Analog dazu leitet sich aus der Verpflichtung der Vogelschutzrichtlinie, die Populationen der wildlebenden Vogelarten und insbesondere der Anhang I Arten dieser Richtlinie sowie der wandernden Arten zu sichern, eine Überwachungsverpflichtung ab. Die Umsetzung in deutsches Recht erfolgte mit dem § 6 BNatSchG. Die Arten der Anhänge II und IV der FFH-Richtlinie werden erfasst und in einem Fundpunktkataster (WINART) dokumentiert. Die im Rahmen der Brutvogelkartierungen in den Europäischen Vogelschutzgebieten erfassten Brutreviere wurden bis 2012 ebenfalls in WINART eingegeben – seit 2015 erfolgt die Eingabe als geschützte Daten in das Internetportal www.ornitho.de.
Je nachdem, um welche Arten es sich handelt, werden beim FFH-Monitoring unterschiedliche Methoden in der Berichtsperiode 2013 bis 2018 angewendet. Empfohlen wird, für jede Art unterschiedliche Untersuchungsjahre vorzusehen, sodass innerhalb des Berichtszeitraumes nicht in jedem Jahr untersucht werden muss. In Ermangelung etablierter, bewährter Methoden hatte deshalb das MELUR während der ersten Berichtsperiode (2001 bis 2006) Werkverträge zur Entwicklung von Methoden in Auftrag gegeben, die für ein Arten-Monitoring in Schleswig-Holstein geeignet sind. In begründeten Fällen können jährliche Untersuchungen sinnvoll sein, zum Beispiel für den Kriechenden Scheiberich und das Schwimmende Froschkraut. Bei diesen Arten sind jährliche Erfassungen erforderlich, da ihre Bestände in Abhängigkeit vom jährlichen Witterungsverlauf stark schwanken können. Neben dem Monitoring der bekannten Bestände und der näheren Erkundung noch nicht ausreichend untersuchter Vorkommen einer Art, ist auch die Untersuchung abiotischer Parameter durchzuführen. Ziel ist es, aus der Kombination von Monitoring-Ergebnissen und Daten über abiotische Parameter Abhängigkeiten abzuleiten, die es erlauben, Möglichkeiten zur gezielten Verbesserung der Lebensbedingungen der Arten zu entwickeln. Das FFH-Monitoring wird für die einzelnen Arten größtenteils über Werkverträge bzw. über Kooperationsverträge mit spezialisierten Fachverbänden wie die Faunistisch-Ökologische Arbeitsgemeinschaft (FÖAG), der AK wassergebundene Säugetiere oder die AG Fledermausschutz durchgeführt. Für den Heldbock erfolgt die Beobachtung durch die Forstbehörde und die Untere Naturschutzbehörde der Hansestadt Lübeck. Das Monitoring der Meeressäuger erfolgt arbeitsteilig durch die Nationalparkverwaltung (NPV) und das Bundesamt für Naturschutz (BfN) und das der Fische im Rahmen der WRRL-Probennahme durch die Berufsfischer oder gesondert durch beauftragte Gutachter.
Im Rahmen des Monitorings gemäß Vogelschutzrichtlinie erfolgt in den meisten terrestrischen Vogelschutzgebieten alle sechs Jahre die Erfassung der Brutreviere aller Anhang I Vogelarten und der Vogelarten der Kategorien 1 bis 3 der Roten Listen (Knief et al, 1995 und 2010). Die Erfassungen in den Vogelschutzgebieten werden in fast allen Gebieten von Biologenbüros im Auftrag des Landes durchgeführt. Zusätzlich werden für weit verbreitete Arten des Anhangs I alle sechs Jahre die landesweit verfügbaren Daten (insbesondere die Beobachtungen der ehrenamtlichen Ornithologen) von der Ornithologischen Arbeitsgemeinschaft für Schleswig-Holstein und Hamburg (OAG) im Auftrag des MELUND zusammengefasst. Für einzelne Vogelarten und Artengruppen gibt es Kooperationsverträge mit den entsprechenden Fachverbänden wie der Projektgruppe Seeadlerschutz (Seeadler und weitere Großvögel im Wald, insbesondere Schwarzstorch), dem Landesverband Eulenschutz, dem NABU/ Michael-Otto-Institut im Bergenhusen (Weißstorch, Wiesenlimikolen) und dem Landesjagdverband/ Wildtierkataster (Wiesenweihe). In einigen Fällen führen auch Einzelpersonen Artenschutzprojekte und Monitoringuntersuchungen im Auftrag des Landes durch, zum Beispiel beim Kormoran, beim Trauerschnäpper und bei der Trauerseeschwalbe. Die genannten Verbände und Personen engagieren sich nicht nur für den Schutz der Arten (zum Beispiel durch das Ausbringen von Nisthilfen), sondern erstellen auch alljährlich Berichte zur Verbreitung und Bestandentwicklung. Von der Staatlichen Vogelschutzwarte im LLUR selbst wird mit Unterstützung durch zahlreiche Ornithologen der OAG alljährlich der Graureiher- und alle drei Jahre der Saatkrähenbrutbestand erfasst. Die auf der Ostsee küstennah und auf den Flachgründen rastenden Meeresenten werden im Auftrag des Landes im Rahmen von Zählungen aus dem Flugzeug einmal jährlich erfasst. Im Vogelschutzgebiet „Unterelbe“ werden alle Rastvögel von einem Schiff aus monatlich zwischen Brokdorf und Mühlenberger Loch durch die Integrierte Station Unterelbe gezählt. Ein besonders intensives Monitoring der Brut- und Rastvögel gibt es im Nationalpark Wattenmeer, der Teil des Vogelschutzgebietes „Ramsargebiet Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer und angrenzende Küstengebiete“ ist. Im Rahmen des die Wattenmeer-Anrainer umfassenden TMAP-Programms (Trilateral Monitoring and Assessment Programme) werden der Brutvogelbestand, der Bruterfolg und die Entwicklung des Rastvogelbestandes unter Koordination der NPV und unter Beteiligung zahlreicher Naturschutzverbände erfasst. Weitere Brut- und Rastvogelzählungen werden bei Bedarf vom Land beauftragt, wenn beispielsweise bestimmte Fragestellungen geklärt werden sollen. Aktuell sind dies unter anderem eine Untersuchung zur Bestandentwicklung des Mäusebussards im Landesteil Schleswig und die Erfassung von rastenden Gänsen und Schwänen in bestimmten Gebieten an der Westküste für die Ausweisung einer Gänse-Rastplatz-Kulisse im Rahmen des Vertragsnaturschutzes.
Weitere gebietsspezifische Erhebungen erfolgen in verschiedenen Schutz- und Entwicklungsflächen, zum Beispiel
Vegetations- und Artenmonitoring im NSG Bockholmwik:
Hier werden alle zwei Jahre die Vegetationsentwicklung sowie ausgewählte Arten zur Effizienzkontrolle von Management und Maßnahmen erfasst und in einem Jahresbericht dokumentiert.
Vegetations- und Neophytenkartierung im NSG „Tal der Langballigau“.
Abbildung 23: Übersicht über das aktuelle Biodiversitätsmonitoring (Dethmann, LLUR, 2013)
Abbildung 24: Übersicht über die Bausteine I bis III der landesweiten Biotopkartierung (Dethmann, LLUR, 2013)
Die Bewertung des Grundwassers erfolgt gemäß WRRL nach folgenden Gesichtspunkten:
Grundwassermenge (mengenmäßiger Zustand) und
Grundwasserbeschaffenheit (chemischer Zustand).
Die chemische Beurteilung des Grundwasserzustands beruht auf den hydrochemischen Untersuchungen der Grundwassermessstellen der repräsentativen Messnetze zur überblicksweisen und operativen Überwachung des Grundwassers.
Zur überblicksweisen Überwachung des Grundwassers werden in Schleswig-Holstein bis zu 300 Grundwassermessstellen unterhalten. 75 Prozent dieser dienen der Überwachung des Hauptgrundwasserleiters und 25 Prozent überwachen die tiefen Grundwasserleiter. Die überblicksweise Überwachung der Grundwasserkörper des Hauptgrundwasserleiters erfolgt zweimal pro Bewirtschaftungszeitraum gemäß WRRL, also alle drei Jahre. Der Untersuchungsumfang umfasst die Hauptinhaltsstoffe sowie eine Auswahl an leichtflüchtigen halogenierten Kohlenwasserstoffen (LHKW), Schwermetallen und Pflanzenschutzmitteln (PSM). In den tiefen Grundwasserkörpern ist das Überwachungsintervall, aufgrund der in dieser Tiefe stark verlangsamt ablaufenden Veränderungsprozesse auf eine Untersuchung pro Bewirtschaftungszeitraum ausgedehnt, also alle sechs Jahre. Die operative Überwachung des chemischen Zustandes wird in denjenigen Grundwasserkörpern durchgeführt, bei denen das fristgerechte Erreichen der Umweltziele entsprechend Artikel 4 der WRRL ungewiss oder unwahrscheinlich ist. Wenn ein Grundwasserkörper diese Ziele nicht erreicht, so ist dieser als „schlecht“ einzustufen.
Ziel und Aufgabe der operativen Überwachung ist es, über die Ziele der überblicksweisen Überwachung hinaus das Verhalten der für die Gefährdung maßgeblichen Schadstoffe im Grundwasser zu beobachten, die Beurteilung der zeitlichen Entwicklung von Schadstoffen (Trenduntersuchung) zu ermöglichen sowie Grundlagen für die Festlegung von Maßnahmen zu schaffen und die Wirksamkeit der Maßnahmenprogramme nachzuweisen.
Das operative Messprogramm sieht vor, die Messstellen mindestens einmal jährlich zu untersuchen. Der Untersuchungsumfang der operativen Überwachung orientiert sich an den Belastungen des Grundwasserkörpers, beinhaltet aber zumindest die Hauptinhaltsstoffe. Etwa 60 Prozent der Messstellen zur überblicksweisen Überwachung dienen auch der operativen Überwachung, die ausschließlich in den gefährdeten Grundwasserkörpern im Hauptgrundwasserleiter erfolgt.
Das Bewertungsverfahren für den Zustand des Grundwassers wurde gem. Vorgaben der WRRL abgeleitet. Seit November 2010 wird das Bewertungsverfahren durch die Grundwasserverordnung geregelt.
Die Beurteilung des Zustands der Grundwasserkörper beruht auf den hydrochemischen Analysen aus den Grundwassermessstellen. Die Überschreitungen von Qualitätsnormen und/ oder Schwellenwerten sind ausschlaggebend für die Zustandsbeurteilung.
Abbildung 25: Hydrologische Vertikalgliederung des Untergrundes im Hinblick auf das nutzbare Grundwasserdargebot (MUNF, 1998)
Die Bewertung der Fließgewässer gemäß WWRL erfolgt nach folgenden Gesichtspunkten:
Der ökologische und chemische Zustand der Fließgewässer wird mit Hilfe unterschiedlicher Bewertungsmaßstäbe beurteilt. Dabei werden für die einzelnen biologischen Qualitätskomponenten bundesweit abgestimmt und europaweit interkalibrierte Verfahren verwendet. Im einzeln sind dieses:
Makrophyten, Diatomeen und übriges Phytobenthos: „PHYLIB“,
Phytoplankton: „PhytoFluss“,
Makrozoobenthos: „PERLODES“,
Fische: „FIBS“.
Der morphologische Zustand der Fließgewässer wird in Schleswig-Holstein mit der an die LAWA-Methode angelehnten Methode zur Strukturkartierung erfasst. Die erstmalige Kartierung lief in zwei Schritten ab. Zunächst wurden in 2005 und 2006 die Fernerkundungsdaten aller berichtspflichtigen Fließgewässer mit einem Einzugsgebiet größer zehn km² (etwa 6.600 Kilometer) erfasst. Im Anschluss wurden 4.700 Kilometer auch vor Ort kartiert. An großen Unterläufen, künstlichen Gewässern und Marschgewässern wurden keine Vor-Ort-Kartierungen vorgenommen, weil der Erkenntnisgewinn durch eine Vor-Ort-Kartierung bei diesen Gewässertypen gering ist und derzeit auch keine valide Bewertungsverfahren vorliegen. Die Ergebnisse der Strukturkartierung werden für Wasserkörper als längengewichteter Mittelwert der einzelnen Gewässerabschnitte in fünf Bewertungsklassen zusammengefasst. Die Bewertungen werden zur Ermittlung der Defizite des Lebensraumes „Fließgewässer“, für die Festlegung von repräsentativen biologischen Messstellen für das WRRL-Monitoring und das Wiederbesiedlungspotenzial, die Maßnahmenplanung, Erfolgskontrollen von Maßnahmen und die EU-Berichtspflichten genutzt.
Die Nährstoffverhältnisse werden nach Vorgaben der Oberflächengewässerverordnung 2016 bewertet. Dabei wird zwischen Hintergrund- und Orientierungswerten unterschieden. Werden die Orientierungswerte überschritten, ist dies ein deutlicher Hinweis auf eine Belastung in dem Wasserkörper, die die Zielerreichung gefährdet. Die Gewässerstruktur wird im Rahmen der Strukturkartierung erfasst und bewertet.
Für erheblich veränderte und künstliche Gewässer wird das ökologische Potenzial ermittelt, dabei wird berücksichtigt, welche Maßnahmen in einem Wasserkörper zurzeit umsetzbar sind und wie diese sich auf den Zustand der empfindlichsten Komponente auswirken (MELUR, 2012).
Die Bewertung der Fließgewässer ist im Detail im Bewirtschaftungsplan der jeweiligen Flussgebietseinheit beschrieben.
Der ökologische und chemische Zustand der Seen in Schleswig-Holstein wird – auch hier nach Gesichtspunkten gemäß WRRL – mit Hilfe unterschiedlicher Bewertungsmaßstäbe beurteilt. Dabei werden für die einzelnen biologischen Qualitätskomponenten bundesweit abgestimmte und europaweit interkalibrierte Verfahren angestrebt. Im einzeln sind dies:
Makrophyten: „PHYLIB“
Phytoplankton: „PHYTOSEE“
Diatomeen: „PHYLIB“
Makrozoobenthos: „AESHNA“
Fische: „SITE“-Verfahren
Die Nährstoffverhältnisse werden nach Vorgaben der Oberflächengewässerverordnung 2016 klassifiziert, dabei wird zwischen Hintergrundwerten für den sehr guten ökologischen Zustand und Orientierungswerten für den guten ökologischen Zustand unterschieden. Werden die Orientierungswerte überschritten, ist dieses ein deutlicher Hinweis auf eine Belastung in dem Wasserkörper, die die Zielerreichung gefährdet.
Für die Bewertung des Seen-Zustandes anhand der Hydrologie und der Morphologie werden derzeit bundesweite Bewertungsmethoden entwickelt, so dass diese derzeit nur nach Experteneinschätzung beurteilt werden können.
Für die künstlichen stehenden Gewässer an der Westküste Schleswig-Holsteins wird das ökologische Potenzial ermittelt. Diese Seen sind jedoch nicht ohne weiteres einem vergleichbaren natürlichen Seetyp zuzuordnen. Grund dafür ist der sehr nährstoffreiche Wattboden in den relativ jung eingedeichten Gebieten und der Einfluss des Nordseewassers. Salzwassereinfluss und ein hoher natürlicher Nährstoffgehalt ist bei keinem der bisher definierten Seetypen charakteristisch. Es ist daher für diese Seen eine eigene Vorgehensweise, basierend auf der Trophie, entwickelt worden.
Die Bewertung der Seen ist im Detail im Bewirtschaftungsplan der jeweiligen Flussgebietseinheit beschrieben (www.wrrl.schleswig-holstein.de).
Zur Erfassung und Dokumentation von ungünstigen Veränderungen des Bodens im Zeitablauf bestehen seit Ende der achtziger Jahre bundesweit abgestimmt Boden-Dauerbeobachtungsflächen. 1989 wurden so in Schleswig-Holstein insgesamt 37 Boden-Dauerbeobachtungsflächen eingerichtet. Die landesweite Erfassung und Bewertung raumbezogener Daten über Bodenentwicklung und –veränderung, insbesondere von Boden-Dauerbeobachtungsflächen, ist in § 5 Absatz 2 Nummer 1 Buchstabe c) des Landesbodenschutz- und Altlastengesetzes (LBodSchG) vom 14.03.2002 (GVOBl. Schl.-H. Seite 60) vorgesehen.
Die wesentlichen Ziele der Boden-Dauerbeobachtung sind
die Beschreibung des aktuellen Zustandes,
die langfristige Überwachung der Veränderung und
die Ableitung von Prognosen für die zukünftige Entwicklung des Bodens.
Über diese Zielsetzungen hinaus soll die Boden-Dauerbeobachtung Informationsgrundlagen unter anderem für die Dokumentation von Wirkungen des Klimawandels, des Anbaus nachwachsender Rohstoffe und anderer aktueller Einflüsse und Nutzungen auf den Boden liefern. Das Kennwertspektrum muss sowohl die kurzfristig als auch die erst langfristig und träge reagierenden Bodenparameter umfassen.
Zweck der Boden-Dauerbeobachtung in Schleswig-Holstein ist die landesweite standortbezogene Erfassung von Veränderungen des Bodens an repräsentativen Untersuchungsflächen. Da wesentliche Veränderungen im Boden nur sehr langsam ablaufen, ist für ihre Erfassung und Dokumentation ein langfristiges Untersuchungsprogramm erforderlich, in dessen Rahmen über viele Jahrzehnte hinweg kontinuierlich Beobachtungen durchgeführt werden. Dies erfordert eine festgelegte, durchgehende Methodik, um über einen sehr langen Zeitraum vergleichbare Daten in auswertbaren Zeitreihen zu erhalten.
Da viele Bodenveränderungen schleichend erfolgen, sind langjährige Zeitreihen unabdingbar, um statistisch absicherbare Veränderungen oder aber auch die Stabilität von Bodenkennwerten zu belegen.