Source: https://findok.bmf.gv.at/findok?stammNr=42111
Timestamp: 2018-05-26 00:42:42
Document Index: 239612222

Matched Legal Cases: ['§ 33', '§ 16', '§ 289', '§ 16', '§ 289', '§ 115', '§ 289', '§ 16', '§ 16', '§ 16']

Der Unabhängige Finanzsenat hat über die Berufung des Bw., Gde B, G-Weg 28/78, vertreten durch die RTG Dr. Rümmele Treuhand GmbH, Wirtschaftsprüfungs- und Steuerberatungsgesellschaft, 6850 Dornbirn, Marktstraße 30, vom 1. April 2009 gegen den Bescheid des Finanzamtes Feldkirch vom 4. März 2009 betreffend Einkommensteuer für das Jahr 2007 entschieden:
1.041,58 € 32.165,31 €
41.450,10 € - 8.711,47 € - 132,00 €
- 101,32 € - 240,00 € - 100,00 €
Die Einkommensteuer gem. § 33 Abs. 1 EStG 1988 beträgt: (32.165,31 - 25.000,00) x 11.335,00 / 26.000,00 + 5.750,00
Der Berufungswerber (in der Folge kurz: Bw.) bezog im Berufungsjahr nichtselbständige Einkünfte als Grenzgänger nach der S. Er war dort ganzjährig bei der A AG in Gd M, P-Straße 12, beschäftigt. Sein Wohnsitz befand sich im Berufungsjahr in Gde B, G-Weg 28/78.
Mit seiner Einkommensteuererklärung für das Jahr 2007 vom 27. Februar 2009 samt Beilagen begehrte der Bw. ua. unter dem Titel "Pendlerpauschale" die Berücksichtigung von 1.957,50 € [jährlicher Pauschbetrag (sog. großes Pendlerpauschale) gemäß § 16 Abs. 1 Z 6 lit. c EStG 1988 für eine einfache Fahrtstrecke ab 40 km] als Werbungskosten.
Das Finanzamt erließ in der Folge den angefochtenen Einkommensteuerbescheid 2007 vom 4. März 2009. Dabei berücksichtigte es das sog. kleine Pendlerpauschale für eine einfache Fahrtstrecke ab 40 km mit einem jährlichen Pauschbetrag von 1.030,50 € als Werbungskosten und begründete dies damit, dass dem Bw. an der überwiegenden Zahl der Arbeitstage bei bestmöglicher Kombination von Massenbeförderungs- und Individualverkehrsmittel ("Park an Ride") die Benützung eines öffentlichen Verkehrsmittels zugemutet werden könne.
Mit Schriftsatz vom 1. April 2009 erhob der Bw. dagegen Berufung, beantragte, den angefochtenen Bescheid gemäß § 289 Abs. 2 BAO dahingehend abzuändern, dass dem Bw. das große Pendlerpauschale nach § 16 Abs. 1 Z 6 lit. c EStG 1988 zuerkannt wird, sowie in eventu den angefochtenen Bescheid nach § 289 Abs. 1 BAO im Umfang der Anfechtung aufzuheben und die Sache zur neuerlichen Entscheidung an die Abgabenbehörde I. Instanz zurückzuverweisen, und führte dazu Folgendes begründend aus: ""1. Der angefochtene Bescheid ist mit einem Begründungsmangel behaftet. Bei der von der Abgabenbehörde I. Instanz verwendeten Begründung handelt es sich um einen formelhaften Standardtext, welcher sich so oder ähnlich in unzähligen Bescheiden wiederfindet. Bezeichnenderweise nimmt die Formulierung, wonach dem Abgabenpflichtigen "an der überwiegenden Zahl der Arbeitstage bei bestmöglicher Kombination von Massenbeförderungs- und Individualverkehrsmittel ("Park and Ride") die Benützung eines öffentlichen Verkehrsmittels zugemutet werden" könne, keinerlei Bezug auf die persönliche Situation des Abgabenpflichtigen und mangelt es dem hier angefochtenen Bescheid sohin an der notwendigen Auseinandersetzung mit den entscheidungswesentlichen Tatsachen sowie an einer Darlegung jener Feststellungen, aus welchen ersichtlich wäre, wie die Abgabenbehörde überhaupt zu dieser Auffassung gelangt sein will. Dieser Umstand ist offenbar in einer groben Verletzung der Ermittlungspflicht nach § 115 Abs 1 BAO begründet, sodass der gegenständliche Bescheid im Anfechtungsumfang nach § 289 Abs 1 BAO aufzuheben ist. 2. Bei ordnungsgemäßer Würdigung aller relevanten Umstände hätte die Abgabebehörde zum Schluss gelangen müssen, dass dem Abgabenpflichtigen für dessen Fahrten zwischen Wohnung und Arbeitsstätte die Benützung eines Massenbeförderungsmittels nicht zumutbar ist, folglich diesem antragsgemäß das sogenannte große Pendlerpauschale nach § 16 Abs 1 Z 6 lit c EStG zuzusprechen ist. Der Abgabenpflichtige ist als Akademiker in einem internationalen Konzern mit Sitz in der S beschäftigt, wo dieser aufgrund der ihm übertragenen Aufgaben und anderer nicht von ihm zu vertretender Umstände nicht in den Genuss von fixen Arbeitszeiten gelangt. Vielmehr ist der Abgabenpflichtige aufgrund seiner Treuepflicht als Arbeitnehmer ständig auch zur Leistung von Überstunden verpflichtet, sodass er im Vorhinein die Dauer seines jeweiligen Arbeitstages nicht planen kann und überwiegend erst sehr spät seine Arbeitsstelle in CH-GdM, P-Straße 12, verlässt. Um dann zurück nach A-Gde B, G-weg 28, zu gelangen, müsste der Abgabenpflichtige zu Fuß über die Staatsgrenze nach Österreich laufen um dort noch Anschluss an ein Massenbeförderungsmittel zu erhalten; beispielsweise bei einem Verlassen der Arbeitsstelle nach 21:00 Uhr müsste der Abgabenpflichtige zu Fuß in die Gemeinde H gehen, dort auf einen Bus warten, welcher diesen nach Br bringt, von dort einen Regionalzug nach B nehmen und schließlich zu Fuß mitten in der Nacht ans Ber Ortsende gelangen. Sohin würde bei diesem Beispiel der Abgabenpflichtige über 3 Stunden allein für seinen Nachhauseweg benötigen und steht dem eine Fahrtzeit mit dem Automobil von nicht einmal 40 Minuten gegenüber, sodass der Abgabenpflichtige einerseits bereits um 21:40 Uhr und andererseits erst etwa um Mitternacht seine Wohnstätte erreicht. Diesfalls müsste aber der Abgabepflichtige schon nach wenigen Stunden Heimaufenthalt bereits wieder zu Fuß in Richtung Bahnhof B aufbrechen um einigermaßen pünktlich bei der Arbeit zu erscheinen. In diesem Zusammenhang stellt sich die Frage, ob der Gesetzgeber es noch als zumutbar erachten wollte, wenn ein Angestellter, welcher überdies zum Wohle des Landes Devisen erwirtschaftet, täglich mehr Zeit in Massenverkehrsmitteln verbringen muss als ihm zu Hause verbleibt. Aus den hier dargestellten Gegebenheiten ist also die Unzumutbarkeit wegen langer Fahrtzeit jedenfalls belegt. Ebenso liegt im Falle von teilweise längeren Arbeitseinsätzen auch eine tatsächliche Unmöglichkeit der Heimfahrt mit einem Massenbeförderungsmittel vor, sodass der Abgabenpflichtige diesfalls auf kostspielige Taxidienste angewiesen wäre. Auch dieses Ergebnis kann dem ursprünglichen Ansinnen des Gesetzgebers nicht unterstellt werden. Über das Kriterium der Zumutbarkeit ist nämlich nicht nach starren Formeln, sondern jeweils im Einzelfall auch unter dem Aspekt der Gesundheit des Arbeitnehmers (konstanter Schlafmangel infolge langer Fahrtzeiten) und vor dem Hintergrund der notwendigen Erhaltung der Arbeitsfähigkeit abzusprechen. Ergänzend ist hier noch auszuführen, dass - mit Blick auf die von der Abgabenbehörde I. Instanz angesprochene Kombination von öffentlichen und privaten Verkehrsmitteln - weder in B, noch in M eine "Park & Ride"-Möglichkeit dergestalt gegeben ist, dass man an diesen Orten sein Fahrzeug ganztägig abstellen könnte. Dass der Abgabenpflichtige einen dortigen Fahrzeug-Abstellplatz käuflich erwirbt oder anmietet, kann jedoch nicht verlangt werden.""
Im Rahmen eines Vorhalteverfahrens (vgl. das Ergänzungsersuchen des Finanzamtes vom 13. Mai 2009, wonach der Bw. ersucht wurde, die Arbeitszeiten (Arbeitsbeginn, Arbeitsende) bekannt zugeben und an Hand geeigneter Unterlagen (Stempeluhraufzeichnungen, Arbeitsvertrag, Bestätigung des Arbeitgebers über seine persönlichen Arbeitszeiten und über die allgemeinen Arbeitszeiten der Angestellten in Führungsposition) nachzureichen, und darauf aufmerksam gemacht wurde, dass bei Nichtnachreichung sämtlicher abverlangter Unterlagen die Berufung als unbegründet abgewiesen wird) legte der Bw. mit Begleitschreiben vom 26. Mai 2009 ein Schreiben seiner Arbeitgeberin vor; danach erklärt diese Folgendes: "Die generelle Kernarbeitszeit für die Mitarbeiter der A AG läuft von 08.00 -17.00 Uhr inkl. einer Stunde Mittagspause. Pro Woche haben die Mitarbeiter 42 Sollstunden zu leisten. Herr MS bekleidet in unserem Unternehmen die Funktion eines konzernalen Projektleiters. Von einem solchen Mitarbeiter erwartet sich das Unternehmen nehmen überdurchschnittlichem Einsatz auch ein Höchstmaß an zeitlicher Flexibilität. Dies wurde Herrn MS bereits beim Eintritt ins Unternehmen zur Bedingung gemacht. Durch Herrn MSt projektspezifische Tätigkeit kann ein kontinuierliches Arbeitsende an der überwiegenden Anzahl der Arbeitstage um 17.00 keinesfalls gewährleistet werden. Herr MSt wurde in seinem Arbeitsvertrag ausdrücklich auf die nach den Erfordernissen entsprechende Notwendigkeit des Erbringens von Überstunden hingewiesen. Das Erbringen von Überstunden richtet sich nach den wirtschaftlichen und projektspezifischen Notwendigkeiten."
Mittels elektronisch eingereichtem Anbringen vom 5. Juli 2009 (Finanzonline) beantragte der Bw., die gegenständliche Berufung der Abgabenbehörde zweiter Instanz zur Entscheidung vorzulegen; dadurch galt die Berufung wiederum als unerledigt. In diesem Vorlageantrag brachte der Bw. in Erwiderung auf die obgenannte Berufungsvorentscheidung noch vor, dass der angefochtene Bescheid allein schon auf Grund der aufgezeigten Begründungsmängel aufzuheben sei; weiters sei der bloße Verweis auf eine Web-Seite in der Berufungsvorentscheidung nicht geeignet, um als inhaltlich ausreichende Begründung gelten zu können.
Unter Zugrundelegung dieser Überlegungen ist im gegenständlichen Fall für die Zurücklegung der Wegstrecke zwischen der Wohnung des Bw. in B (G-Weg 28/78) und dem Bahnhof B eine Fahrt mit dem Privat-Pkw (vom Routenplaner "ViaMichelin" empfohlene Strecke: Entfernung: 2 km, Zeit: 5 Minuten; vgl. auch den Ber Stadtplan unter http://www.citymap-24.com/Oesterreich/Stadtplan/show.php/29146_B.html), eine Zugfahrt vom Bahnhof B über Br bzw. Br R nach Bahnhof M (74 bzw. 68 Tarif km; je nach Zuggattung zwischen 1 Stunde 15 Minuten und 1 Stunde 29 Minuten) und ein Fußweg vom Bahnhof M zur Arbeitsstätte (250 m bzw. 3 Minuten nach Routenplaner "ViaMichelin"; vgl. auch Ortsplan M unter http://map.search.ch/) zu unterstellen. Alternativ kann für die Zurücklegung des Arbeitsweges zwischen dem Bahnhof B und dem Bahnhof M auch eine Zug- bzw. Busfahrt über F und Bs (78 Tarif km; je nach Zuggattung zwischen 1 Stunde 1 Minuten und 1 Stunde 20 Minuten) angenommen werden. Bezogen auf die vom Bw. angegebenen Dienstzeiten [entsprechend der vom Bw. vorgelegten Bestätigung seiner Arbeitgeberin war gegenständlich von einer generellen Kernarbeitszeit des Bw. von 8.00 Uhr - 17.00 Uhr (inkl. einer Stunde Mittagspause) und von 42 Sollstunden pro Woche auszugehen; nachdem der Bw. trotz entsprechender Vorhaltung (vgl. Ergänzungsersuchen des Finanzamtes vom 13. Mai 2009) seine genauen Arbeitszeiten (Arbeitsbeginn, Arbeitsende) für das Berufungsjahr nicht bekannt gegeben hat, ging der Unabhängige Finanzsenat daher von einer überwiegenden Arbeitszeit (an mehr als der Hälfte der Arbeitstage im Lohnzahlungszeitraum) von 8.00 Uhr - 17.00 Uhr aus; im Übrigen kommt auch den Feststellungen des Finanzamtes in der Berufungsvorentscheidung - wie der Verwaltungsgerichtshof schon mehrfach betont hat - Vorhaltswirkung zu; es wäre damit Aufgabe des Bw. gewesen, die Feststellungen des Finanzamtes in der Berufungsvorentscheidung entsprechend zu entkräften] war im Berufungsjahr daher von folgendem Arbeitsweg des Bw. (Wohnung-Arbeitsstätte-Wohnung) bzw. von folgenden Abfahrts- und Ankunftszeiten (unter Einschluss von Wartezeiten während der Fahrt) auszugehen [vgl. die Kursbücher des Verkehrsverbundes Vorarlberg, Fahrplan 06/07 (gültig vom 10. Dezember 2006 bis 8. Dezember 2007) sowie Fahrplan 07/08 (gültig vom 9. Dezember 2007 bis 13. Dezember 2008); HaCon Fahrplanauskunft, Fahrpläne: ÖBB 2007 sowie ÖBB 2007/2008]:
Mit den Ausführungen der Arbeitgeberin des Bw. in der obgenannten Bestätigung, dass auf Grund der projektspezifischen Tätigkeit des Bw. ein kontinuierliches Arbeitsende an der überwiegenden Anzahl der Arbeitstage um 17.00 Uhr keinesfalls gewährleistet werden könne, ist nach Ansicht des Unabhängigen Finanzsenates nichts gewonnen, zumal vom Bw. damit - ohne Angabe der konkreten Arbeitszeiten - nicht entsprechend nachgewiesen werden konnte, dass ihm überwiegend die Benützung des öffentlichen Verkehrsmittels bei der Heimfahrt unmöglich gewesen wäre. Notwendig wäre die Feststellung gewesen, dass an mehr als der Hälfte seiner Arbeitstage tatsächlich die Arbeitszeit so geartet war, dass die Benützung des Massenbeförderungsmittels zumindest hinsichtlich der halben Fahrtstrecke nicht möglich, somit nicht zumutbar war. In diesem Zusammenhang war zu berücksichtigen, dass dem Bw. im Berufungsjahr sehr wohl täglich auch nach 17.00 Uhr Verbindungen mit öffentlichen Verkehrsmitteln zur Verfügung standen; so zB - Fußweg (ca. 3 Minuten) von der Arbeitsstätte ab ca. 17.25 Uhr zum Bahnhof M, Wartezeit, Regionalexpress Bahnhof M ab 17.31 Uhr/Bahnhof Bs SG an 17.59 Uhr, Umsteigen und Weiterfahrt mit dem ÖBB-Regionalzug Bahnhof Bs SG ab 18.03 Uhr/Bahnhof F an 18.25 Uhr, Umsteigen und Weiterfahrt mit dem ÖBB-Regionalzug Bahnhof F ab 18.33 Uhr/Bahnhof B an 18.53 Uhr, Umsteigezeit auf Pkw ca. 5 Minuten, Privat-Pkw Bahnhof B ab 18.58 Uhr/Wohnung des Bw. in B an 19.03 Uhr; - Fußweg (ca. 3 Minuten) von der Arbeitsstätte ab ca. 17.45 Uhr zum Bahnhof M, Wartezeit, ÖBB-Rex Bahnhof M ab 17.54 Uhr/Bahnhaltestelle BrR an 18.05 Uhr, Umsteigen und Weiterfahrt mit dem ÖBB-Regionalzug BrR ab 18.19 Uhr/Bahnhof B an 19.23 Uhr, Umsteigezeit auf Pkw ca. 5 Minuten, Privat-Pkw Bahnhof B ab 19.28 Uhr/Wohnung des Bw. in B an 19.33 Uhr; - Fußweg (ca. 3 Minuten) von der Arbeitsstätte ab ca. 18.25 Uhr zum Bahnhof M, Wartezeit, Regionalexpress Bahnhof M ab 18.31 Uhr/Bahnhof Bs SG an 18.59 Uhr, Umsteigen und Weiterfahrt mit dem ÖBB-EC Bahnhof Bs SG ab 19.02 Uhr/Bahnhof B an 19.32 Uhr, Umsteigezeit auf Pkw ca. 5 Minuten, Privat-Pkw Bahnhof B ab 19.37 Uhr/Wohnung des Bw. in B an 19.42 Uhr; - Fußweg (ca. 3 Minuten) von der Arbeitsstätte ab ca. 18.25 Uhr zum Bahnhof M, Wartezeit, ÖBB-Rex Bahnhof M ab 18.33 Uhr/Bahnhaltestelle BrR an 18.44 Uhr, Umsteigen und Weiterfahrt mit dem ÖBB-Rex BrR ab 18.46 Uhr/Bahnhof F an 19.14 Uhr, Umsteigen und Weiterfahrt mit dem ÖBB-Rex Bahnhof F ab 19.14 Uhr/B an 19.32 Uhr, Umsteigezeit auf Pkw ca. 5 Minuten, Privat-Pkw Bahnhof B ab 19.37 Uhr/Wohnung des Bw. in B an 19.42 Uhr; - Fußweg (ca. 3 Minuten) von der Arbeitsstätte ab ca. 19.35 Uhr zum Bahnhof M, Wartezeit, EC Bahnhof M ab 19.42 Uhr/Bahnhof Br an 19.53 Uhr, Umsteigen und Weiterfahrt mit dem ÖBB-Rex Bahnhof Br ab 20.12 Uhr/Bahnhof B an 20.59 Uhr, Umsteigezeit auf Pkw ca. 5 Minuten, Privat-Pkw Bahnhof B ab 21.04 Uhr/Wohnung des Bw. in B an 21.09 Uhr; - Fußweg (ca. 3 Minuten) von der Arbeitsstätte ab ca. 20.25 Uhr zum Bahnhof M, Wartezeit, ÖBB-Rex Bahnhof M ab 20.33 Uhr/Bahnhof Br an 20.47 Uhr, Umsteigen und Weiterfahrt mit dem ÖBB-EC Bahnhof Br ab 20.55 Uhr/Bahnhof B an 21.32 Uhr, Umsteigezeit auf Pkw ca. 5 Minuten, Privat-Pkw Bahnhof B ab 21.37 Uhr/Wohnung des Bw. in B an 21.42 Uhr; - Fußweg (ca. 3 Minuten) von der Arbeitsstätte ab ca. 21.25 Uhr zum Bahnhof M, Wartezeit, Regionalexpress Bahnhof M ab 21.31 Uhr/Bahnhof Bs SG an 21.59 Uhr, Umsteigen und Weiterfahrt mit dem L-Bus (Linie xx) Bahnhof Bs SG ab 22.13 Uhr/F Bahnhof an 22.54 Uhr, Umsteigen und Weiterfahrt mit dem ÖBB-Regionalzug Bahnhof F ab 23.03 Uhr/Bahnhof B an 23.23 Uhr, Umsteigezeit auf Pkw ca. 5 Minuten, Privat-Pkw Bahnhof B ab 23.28 Uhr/Wohnung des Bw. in B an 23.33 Uhr; - Fußweg (ca. 3 Minuten) von der Arbeitsstätte ab ca. 22.50 Uhr zum Bahnhof M, Wartezeit, ÖBB-Regionalzug Bahnhof M ab 22.56 Uhr/Bahnhaltestelle BrR an 23.09 Uhr, Umsteigen und Weiterfahrt mit dem ÖBB-Regionalzug BrR ab 23.19 Uhr/Bahnhof B an 0.25 Uhr, Umsteigezeit auf Pkw ca. 5 Minuten, Privat-Pkw Bahnhof B ab 0.30 Uhr/Wohnung des Bw. in B an 0.35 Uhr.
Die Gewährung des sog. großen Pendlerpauschales ist ausschließlich nach objektiven Kriterien der Benützungsmöglichkeit des öffentlichen Verkehrsmittels zu beurteilen. Etwaigen gesundheitlichen oder wirtschaftlichen Gesichtspunkten, wie etwa das Anfallen von Taxikosten bzw. Parkplatzkosten, oder dem Umstand, ob ein entsprechendes "Park & Ride" - System zur Verfügung steht oder nicht, kommt in diesem Zusammenhang keine Bedeutung zu; eine auf derartige Umstände gestützte Auslegung des Begriffes der Unzumutbarkeit kann dem Gesetz nicht entnommen werden. Zum Vorbringen, wonach es in B keine ganztägigen Pkw-Abstellplätze gäbe, ist im Übrigen noch zu sagen, dass die Parkdauer in Ber Kurzparkzonen keiner zeitlichen Begrenzung unterliegt (vgl. dazu auch unter http://www.auto.at/contator/auto/kpz.asp?plz=Gde).
Davon ausgehend, dass gegenständlich die oben dargestellte einfache Wegstrecke (bei Benützung von öffentlichen Verkehrsmitteln bzw. bei kombinierter Benutzung öffentlicher und privater Verkehrsmittel) - nach Aufrundung der einzelnen Wegstrecken (vgl. Sailer/Bernold/Mertens, a.a.O., Frage 16/22 zu § 16 EStG 1988) - 77 Kilometer (über Br) bzw. 81 Kilometer (über Bs) beträgt, dann stünde dem Bw. nach der oben dargestellten, der einheitlichen Verwaltungsübung dienenden Verwaltungspraxis für deren Zurücklegung zweieinhalb Stunden zur Verfügung.
Bezogen auf diese Verwaltungspraxis kann entsprechend der obigen Darstellung des Arbeitsweges des Bw. (Wohnung-Arbeitsstätte-Wohnung) bzw. der Abfahrts- und Ankunftszeiten, wonach sich für die Hinfahrt eine einfache Fahrtzeit von 95 bzw. 86 Minuten und für die Rückfahrt von 97 Minuten ergibt, nicht davon gesprochen werden, dass die Benützung des öffentlichen Verkehrsmittels im fraglichen Zeitraum überwiegend bzw. an mehr als der Hälfte der Arbeitstage unzumutbar gewesen wäre. Die Wegzeit liegt gegenständlich jedenfalls unter zweieinhalb Stunden.
Wenn der Bw. im Berufungsschriftsatz beispielhaft beim Verlassen der Arbeitsstelle nach 21.00 Uhr auf ein entsprechendes Missverhältnis zwischen der Fahrzeit mit dem öffentlichen Verkehrsmittel und jener mit dem Pkw hinweist, so wird in diesem Zusammenhang einerseits auf die oben aufgezeigten Verbindungen mit öffentlichen Verkehrsmitteln sowie andererseits auf den Überwiegensgrundsatz verwiesen. Im Übrigen ist dazu noch Folgendes zu sagen:
Hinsichtlich der Fahrtdauer mit dem Pkw auf der als kürzesten Straßenverbindung anzusehenden Strecke wurde - bei der Streckenauswahl sind nach höchstrichterlicher Rechtsprechung (VwGH 16.7.1996, 96/17/0002, 0003) öffentliche Interessen, wie die Sicherheit und Flüssigkeit des Verkehrs sowie die Vermeidung von Lärm und Abgasen in Wohngebieten, Bedacht zu nehmen - im berufungsgegenständlichen Fall als maßgebliche Vergleichsgröße die Fahrtdauer unter Benützung der österreichischen und Ser Autobahn herangezogen und wurde damit mittels Routenplaner "ViaMichelin" (empfohlene Strecke) als maßgebliche Vergleichsgröße die Fahrtdauer von 36 Minuten (auch der Bw. geht im Berufungsschriftsatz von einer Fahrtzeit mit dem Pkw von "nicht einmal 40 Minuten" aus) bei einer Entfernung von 53 km ermittelt. Damit ermittelt sich im vorliegenden Berufungsfall ein nach den in den Gesetzesmaterialien festgehaltenen Grundsätzen zumutbarer Zeitrahmen von 108 Minuten.
Da im vorliegenden Fall die Gesamtwegzeit (unter Einschluss von Wartezeiten während der Fahrt) bei Benützung öffentlicher Verkehrsmittel für die einfache Strecke max. 97 Minuten beträgt, kann, zumal diese nicht mehr als drei Mal so lang ist wie jene mit dem Pkw, von einer auf Grund langer Wegzeiten verwirklichten "Unzumutbarkeit" der Benützung öffentlicher Verkehrsmittel auch dann nicht ausgegangen werden, wenn die oben zitierten amtlichen Erläuterungen zur Beurteilung des gegenständlichen Berufungsfalles herangezogen werden.
Angesichts dieser Ausführungen kann im Berufungsfall von der Erfüllung des Tatbestandes "Unzumutbarkeit", den der Gesetzgeber für die Zuerkennung des "großen" Pendlerpauschales voraussetzt, keine Rede sein und war daher dem diesbezüglichen Berufungsbegehren ein Erfolg zu versagen. Gleichzeitig war jedoch der angefochtene Einkommensteuerbescheid vom 4. März 2009 insofern zu Gunsten des Bw. abzuändern, als richtigerweise das sog. kleine Pendlerpauschale gemäß § 16 Abs. 1 Z 6 lit. b EStG 1988 für eine einfache Fahrtstrecke ab 60 km (die Wegstrecke bemisst sich im Falle der Zumutbarkeit der Benützung eines Massenbeförderungsmittels nach den Tarifkilometern zuzüglich Anfahrts- oder Gehwege zu den jeweiligen Ein- und Ausstiegsstellen; die so ermittelte einfache Wegstrecke beträgt im konkreten Fall - wie oben bereits dargelegt - 77 bzw. 81 km) mit einem jährlichen Pauschbetrag von 1.540,50 € anzusetzen war.