Source: http://www2.lubw.baden-wuerttemberg.de/public/abt2/dokablage/oac_12/vo/4/4097.htm
Timestamp: 2018-12-11 19:10:17
Document Index: 326339343

Matched Legal Cases: ['§ 21', '§ 58', '§ 22', '§ 2', '§ 4', '§ 64', '§ 4', '§ 5', '§ 33', '§ 4', '§ 5']

4.097 Taufach- und Fetzachmoos mit Urseen
Verordnung des Regierungspräsidiums Tübingen als höhere Naturschutz- und obere Jagdbehörde über das Naturschutzgebiet »Taufach‑ und Fetzachmoos mit Urseen« vom 23. Juni 1982 (GBl. v. 30.09.1982, S. 432).
Auf Grund von § 21 und § 58 Abs. 2 des Gesetzes zum Schutz der Natur, zur Pflege der Landschaft und über die Erholungsvorsorge in der freien Landschaft (Naturschutzgesetz -NatSchG) vom 21. Oktober 1975 (GBI. S. 654) und von § 22 Abs. 2 Landesjagdgesetz in der Fassung vom 20. Dezember 1978 (GB1. 1979 S. 12) wird verordnet:
Die in § 2 näher bezeichneten Flächen auf dem Gebiet der Stadt Isny im Allgäu und der Großen Kreisstadt Leutkirch im Allgäu, Landkreis Ravensburg, werden zum Naturschutzgebiet erklärt. Das Naturschutzgebiet führt die Bezeichnung »Taufach und Fetzachmoos mit Urseen«.
(1) Das Naturschutzgebiet hat eine Größe von 314,7994 ha. Es umfaßt:
1. auf Gemarkung Beuren die Fläche
a) östlich der im Schutzgebiet liegenden Flurstücke und Flurstücksteile 111/1, 106/1, 104/2 und /3, 81 (nordöstlicher Teil), 110/3 und östlich des Feldwegs 18 ohne das Flurstück Gebäude Nr. 5;
b) nördlich des Feldwegs 20, 21 und 22 ohne die Flurstücke 92 und 93 und ohne den südlich der Nutzungsgrenze liegenden Teil des Flurstücks 161, nördlich der im Schutzgebiet liegenden Flurstücke 161/1, 158, 157, 124/5, östlich des Feldwegs 23 und nördlich der im Schutzgebiet liegenden Flurstücke 127/1, 128/2, /3 und /4 sowie der nördliche Teil von 129;
2. auf Gemarkung Friesenhofen die Flurstücke 121/1 (westlicher Teil), 123/1, /2 und /3 und 124 (westlicher Teil);
3. auf Gemarkung Herlazhofen mit Ausnahme der Flurstücke Gebäude 62 und 64 die Fläche
a) westlich des im Schutzgebiet liegenden östlichen Parallelgrabens zum Fetzachgraben und den Kanal 1 westlich der Brücke zwischen Feldweg 52 und 59,
b) südlich der im Schutzgebiet liegender Flurstücke 130/1, /2, /4 und /5, 224/3, /2 und /1,
c) östlich und südlich der Feldwege 45 und 42 sowie die im Schutzgebiet liegenden Flurstücke 287 bis 293 und 251/1 (südlicher Teil).
(2) Die Grenzen des Naturschutzgebietes sind in einer Übersichtskarte des Regierungspräsidiums Tübingen vom 16. April 1982 im Maßstab 1:25000, bzw. in 6 Flurkarten im Maßstab 1:2500, gekennzeichnet und rot angelegt. Die Verordnung mit Karte wird beim Regierungspräsidium Tübingen als höhere Naturschutzbehörde in Tübingen verwahrt; eine Ausfertigung befindet sich beim Landratsamt Ravensburg als untere Naturschutzbehörde in Ravensburg. Die Verordnung mit Karte kann während der Dienststunden eingesehen werden.
Wesentlicher Schutzzweck ist die Erhaltung der von den Eiszeiten geprägten sehr urtümlichen Landschaft mit den offenen Wasserflächen der beiden Urseen, den Toteislöchern in der Erdmoräne und den offenen und bewaldeten Hochmoorflächen sowie den vielen verschiedenen Übergangsstufen vom Niedermoor zum Hochmoor. Dieser weitgehend intakte Lebensraum ist von hohem ökologischen Wert, in dem zahlreiche seltene Pflanzen‑ und Tierarten überleben konnten.
(1) In dem Naturschutzgebiet sind alle Handlungen verboten, die zu einer Zerstörung, Beschädigung oder Veränderung des Schutzgebietes oder zu einer Beeinträchtigung der wissenschaftlichen Forschung führen können.
(2) Es ist verboten, auf den Flurstücken 130/4 und /5, 228/2 und /3, 224/1, /2, /3 und /4, 225, 226, 227, 229, 230 und 233 die Bodengestalt der Toteislöcher zu verändern. Die Flächen sind auf den Flurkarten SO 7364, 7365 und 7465 schraffiert dargestellt.
(3) Auf den nicht in Absatz 2 genannten Flächen ist insbesondere verboten:
8. Tiere einzubringen, wildlebenden Tieren nachzustellen, sie mutwillig zu beunruhigen, sie zu fangen, zu verletzen oder zu töten oder Puppen, Larven, Eier oder Nester oder sonstige Brut‑, Wohn‑ oder Zufluchtsstätten dieser Tiere freizulegen, zu entfernen, zu beschädigen oder zu stören;
13. zu baden;
14. die Wasserfläche mit Booten, auch ohne eigene Triebkraft, mit Flößen, Luftmatratzen und dergleichen zu befahren;
(1) § 4 Abs. 1 und 3 gelten nicht:
3. für die ordnungsgemäße ortsübliche landwirtschaftliche Grünlandnutzung nach dem jeweiligen Stand der Technik in dem in Absatz 2 aufgeführten Rahmen;
4. für die ordnungsgemäße Torfentnahme zur Deckung des eigenen Streu‑ und Brenntorfbedarfs der Grundstückseigentümer;
5. für die ordnungsgemäße forstwirtschaftliche Nutzung in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang;
6. für Benutzung als Rückhaltebecken in einem zur Hochwassersicherung erforderlichen Umfang und die damit verbundenen Unterhaltungsmaßnahmen;
8. für Pflegemaßnahmen, die von der höheren Naturschutzbehörde oder der von ihr beauftragten Stelle ‑ im Wald im Einvernehmen mit der zuständigen Forstverwaltung, auf landwirtschaftlicher Nutzfläche im Einvernehmen mit dem zuständigen Landwirtschaftsamt ‑ veranlaßt werden;
1. Zur ordnungsgemäßen landwirtschaftlichen Nutzung im Sinne von Absatz 1 Nr. 3 gehört die von Hand oder maschinell vorgenommene Pflege und Unterhaltung der Vorfluter und offenen Gräben und die Unterhaltung der vorhandenen Dränagen sowie das Erstellen von Weidezäunen;
2. Als ordnungsgemäße Bewirtschaftung des Wirtschaftsgrünlandes im Sinne von Absatz 1 Nr. 3 ist zulässig:
a) die mineralische Düngung und das Düngen mit Fest‑ und Flüssigmist von höchstens 100kg N (Stickstoff), 100kg P2O5(Phosphat) und 120 kg K2O (Kali) je Hektar und Jahr, wobei das Ausbringen von Flüssigmist nur auf den Flurstücken 130/1 und /2 (Flurkarte SO 7365),auf den Flurstücken 59, 60, 62, 64/2, 116/6, 161, 167, 168/1 und /2, 172, 173 und 175 (Flurkarte S07464, 7564 und 7565) unter Einhaltung eines Mindestabstandes von 15 m zum Großen Ursee sowie auf den Mineralböden der Flurstücke 110/3, 111/2, 112/1 und 124/6 (Flurkarte S0 7464, 7466 und 7565) jeweils in der Zeit von Vegetationsbeginn (Krokusblüte) bis 31. Juli in einer Gesamtmenge von höchstens 30 m3 je Hektar und Jahr (in auf 15 m3 begrenzten Einzelgaben) zulässig ist;
b) die auf ein Mindestmaß beschränkte Bekämpfung einzelner Unkräuter, wie Ampfer und Taubnessel.
(1) Ordnungswidrig im Sinne des § 64 Abs. 1 Nr. 2 NatSchG handelt, wer in dem Naturschutzgebiet vorsätzlich oder fahrlässig eine der nach § 4 und § 5 Abs. 1 Nr. 2 bis 6 und Abs. 2 dieser Verordnung verbotenen Handlungen vornimmt.
(2) Ordnungswidrig im Sinne des § 33 Abs. 2 Nr. 4 des Landesjagdgesetzes handelt, wer in dem Naturschutzgebiet vorsätzlich oder fahrlässig entgegen § 4 und § 5 Abs. 1 Nr. 1 dieser Verordnung die Jagd ausübt.
TÜBINGEN, den 23. Juni 1982