Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Text=WM%201996,%2071
Timestamp: 2019-05-25 10:24:11
Document Index: 144743228

Matched Legal Cases: ['BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 19', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 287', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH']

BGH, 09.11.1995 - IX ZR 161/94 - dejure.org
https://dejure.org/1995,897
BGH, 09.11.1995 - IX ZR 161/94 (https://dejure.org/1995,897)
BGH, Entscheidung vom 09.11.1995 - IX ZR 161/94 (https://dejure.org/1995,897)
BGH, Entscheidung vom 09. November 1995 - IX ZR 161/94 (https://dejure.org/1995,897)
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Steuerberater - Verhandlungen des Mandanten - Vertrag zu Steuersparzwecken - Erläuterungspflicht des Steuerberaters
Beratungspflichten des Steuerberaters bei Verhandlungen über den Abschluß eines Vertrages
Aufklärungspflichten des hinzugezogenen StB bei Abschluß eines Lebensversicherungsvertrages
Rechtsstreit mit Steuerberater
Steuerberatung; Beratungspflicht bei Abschluß eines Lebensversicherungsvertrags
NJW 1996, 312
VersR 1996, 236
WM 1996, 71
BB 1995, 2609
Ergab sich für sie die Möglichkeit, durch eine zulässige rechtliche Gestaltung die Gewerbesteuerpflicht zu vermeiden, ohne daß deshalb andere finanzielle Nachteile in gleicher Höhe drohten, so hatte der Beklagte ihnen in dieser Hinsicht die Rechtslage zu erläutern und den geeigneten Gestaltungsvorschlag zu unterbreiten (…vgl. BGH, Urt. v. 7. Mai 1992 - IX ZR 151/91, NJW-RR 1992, 1110, 1111; v. 9. November 1995 - IX ZR 161/94, NJW 1996, 312, 313).
Sollte das Berufungsgericht zu dem Ergebnis gelangen, daß die Kläger eine unzureichende Beratung des Beklagten zur Gewerbesteuerproblematik im Zusammenhang mit der Gründung der Gemeinschaftspraxis im Jahre 1988 bewiesen haben, wird zu prüfen sein, ob der Anscheinsbeweis dafür spricht, daß sie bei vertragsgerechter Beratung eine zweite Gesellschaft gegründet hätten (vgl. BGHZ 123, 311, 315 ff;… BGH, Urt. v. 11. Mai 1995 - IX ZR 140/94, NJW 1995, 2108, 2111; v. 9. November 1995 - IX ZR 161/94, NJW 1996, 312, 314).
Dies ergibt sich aus der Vermutung, daß der Mandant bei pflichtgemäßer Beratung dem Rat gefolgt wäre, sofern für ihn bei vernünftiger Betrachtungsweise aus damaliger Sicht nur diese Entscheidung nahegelegen hätte (BGHZ 123, 311, 315; BGH, Urt. v. 9. November 1995 - IX ZR 161/94, WM 1996, 71, 73; v. 18. November 1999 - IX ZR 402/97, WM 2000, 35, 38; v. 4. Mai 2000 - IX ZR 142/99, WM 2000, 1591, 1594).
Schuldet der Notar, wie hier, einen bestimmten Rat, Hinweis oder eine bestimmte Warnung, so spricht der erste Anschein dafür, dass die Beteiligten dem gefolgt wären (BGH, Urteile vom 19. Dezember 1991 - IX ZR 8/91 - WM 1992, 527, 528; vom 27. Oktober 1994 - IX ZR 12/94 - NJW 1995, 330, 332; vom 9. November 1995 - IX ZR 161/94 - WM 1996, 71, 73;… vom 2. Juli 1996, aaO, sowie vom 4. Mai 2000 - IX ZR 142/99 - NJW-RR 2001, 201, 203 - vgl. für Verträge mit rechtlichen Beratern: BGH, Urteil vom 20. März 2008 - IX ZR 104/05 - WM 2008, 1042, 1043;… Schramm, in: Schippel/Bracker, BNotO, 8. Aufl. 2006, § 19 Rn. 172).
Das Berufungsgericht hat gemeint, die Vermutung aufklärungsrichtigen Verhaltens (vgl. BGHZ 123, 311, 315; BGH, Urt. v. 9. November 1995 - IX ZR 161/94, WM 1996, 71, 73) werde im vorliegenden Fall nicht dadurch entkräftet, daß die Klägerin dem von Dr. F. Mitte September erteilten Hinweis auf die Notwendigkeit einer notariellen Beurkundung noch in diesem Jahr nicht gefolgt sei.
Ein Anscheinsbeweis für ein beratungsgemäßes Verhalten kommt aber nur dann in Betracht, wenn ein bestimmter Rat geschuldet war und es in der gegebenen Situation unvernünftig gewesen wäre, diesen Rat nicht zu befolgen (BGHZ 123, 311, 314 f; BGH, Urt. v. 9. November 1995 - IX ZR 161/94, WM 1996, 71, 73).
Die erforderliche Feststellung dieses Ursachenzusammenhangs gehört zur haftungsausfüllenden Kausalität, so daß dem Geschädigten die Beweiserleichterung des § 287 Abs. 1 ZPO zugute kommt (…BGH, Urt. v. 14. März 1985 - IX ZR 26/84, NJW 1986, 1329, 1331; v. 14. Mai 1992 - IX ZR 262/91, WM 1992, 1533, 1538; v. 9. November 1995 - IX ZR 161/94, WM 1996, 71, 73).
e) Hätten die Beklagten die Klägerin beizeiten - sei es in der Besprechung vom 4. Juli 1989, sei es später vor Beginn der Bauarbeiten - in der gebotenen Weise aufgeklärt, so kann der Beweis des ersten Anscheins (vgl. BGHZ 123, 311, 315; BGH, Urt. v. 9. November 1995 - IX ZR 161/94, WM 1996, 71, 73; v. 10. Dezember 1998 - IX ZR 358/97, WM 1999, 645, 646; v. 18. November 1999 - IX ZR 402/97, WM 2000, 35, 38; v. 18. November 1999 - IX ZR 153/98, WM 2000, 193, 196) dafür sprechen, daß die Klägerin sich beratungsgerecht verhalten und erst nach Übertragung des Wohnungseigentums mit dem Bau begonnen hätte.
Der insoweit darlegungs- und beweispflichtige Beklagte hat keinerlei Umstände vorgetragen, die sein Verschulden an der objektiven Pflichtverletzung ausräumen könnten (vergl. BGHZ 129, 386, 399 = NJW 1995, 2108, 2111; BGH NJW 1995, 2106, 2107; NJW 1996, 312, 313; NJW 2001, 518, 519).
Besteht - wie hier - für den Mandanten nur eine einzige sinnvolle Entschlussmöglichkeit, durch die der ihm entstandene steuerliche Nachteil vermieden worden wäre, so ergibt sich aus dem Anscheinsbeweis eine tatsächliche Vermutung dafür, dass er die gebotenen Hinweise des steuerlichen oder rechtlichen Beraters auch beachtet und sich in diesem Sinne "beratungsrichtig" verhalten hätte (BGHZ 123, 311, 314 ff. = NJW 1993, 3259; BGHZ 126, 217, 222 = NJW 1994, 3295, 3298; BGH NJW 1995, 449, 451; 1996, 312, 314; NJW 1998, 749, 750; NJW-RR 2001, 201, 203).