Source: https://www.rechtslupe.de/zivilrecht/beschwerde-gegen-ordnungsmittelbeschluesse-335627?pk_campaign=feed&pk_kwd=beschwerde-gegen-ordnungsmittelbeschluesse
Timestamp: 2020-06-02 17:41:04
Document Index: 166700891

Matched Legal Cases: ['§ 888', '§ 890', 'Art. 9', 'Art. 9', 'Art. 9', 'Art. 9', 'Art. 9', '§ 570', '§ 888', '§ 570', '§ 888', '§ 888', '§ 572', '§ 570', '§ 572', '§ 570', '§ 149', '§ 131', '§ 201', '§ 570', '§ 172', '§ 154', '§ 201', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 570', '§ 888', '§ 890', '§ 570', '§ 888', '§ 890', '§ 888', '§ 890', '§ 570', '§ 888', '§ 890', '§ 888', '§ 38', '§ 570', '§ 570', '§ 890', '§ 890', '§ 570', '§ 570', '§ 890', '§ 149', '§ 149']

Beschwerde gegen Ordnungsmittelbeschlüsse | Rechtslupe
Die Beschwer­de gegen die Fest­set­zung eines Zwangs- oder Ord­nungs­mit­tels hat auch bei Zwangs- oder Ord­nungs­mit­tel­be­schlüs­sen gemäß §§ 888, 890 ZPO auf­schie­ben­de Wir­kung.
Auf die Ord­nungs­mit­tel des § 890 ZPO ist die Rege­lung des Art. 9 EGStGB anzu­wen­den [1]. In Fäl­len, in denen wie vor­lie­gend das Pro­zess­ge­richt als Voll­stre­ckungs­ge­richt auf Antrag des Gläu­bi­gers ein Ord­nungs­mit­tel bereits fest­ge­setzt hat, kann daher kei­ne Ver­fol­gungs­ver­jäh­rung im Sin­ne des Art. 9 Abs. 1 EGStGB mehr ein­tre­ten [2]. Einer danach allein noch in Betracht kom­men­den Voll­stre­ckungs­ver­jäh­rung im Sin­ne des Art. 9 Abs. 2 EGStGB steht ent­ge­gen, dass die­se Ver­jäh­rung zwar mit der Voll­streck­bar­keit begon­nen (Art. 9 Abs. 2 Satz 3 EGStGB [3]), aber seit der Ein­le­gung der sofor­ti­gen Beschwer­de durch den Beklag­ten gemäß Art. 9 Abs. 2 Satz 4 Nr. 1 EGStGB geruht hat. Die auf­schie­ben­de Wir­kung, die eine Beschwer­de gegen die Fest­set­zung eines Ord­nungs­oder Zwangs­mit­tels gemäß § 570 Abs. 1 ZPO hat, tritt auch bei Zwangs- und Ord­nungs­mit­tel­be­schlüs­sen gemäß §§ 888, 890 ZPO ein.
Die genann­te, in der Recht­spre­chung wie auch im Schrift­tum umstrit­te­ne und vom Bun­des­ge­richts­hof [3] bis­lang noch nicht ent­schie­de­ne Fra­ge wird teil­wei­se mit der Begrün­dung ver­neint, die wei­te Fas­sung des § 570 Abs. 1 ZPO beru­he auf einem Redak­ti­ons­ver­se­hen, das dem Gesetz­ge­ber bei der Neu­fas­sung der Vor­schrif­ten über die Beschwer­de im Zuge der ZPO­Re­form 2002 unter­lau­fen und durch eine ein­schrän­ken­de Aus­le­gung die­ser Vor­schrift zu kor­ri­gie­ren sei [4]. Die­se Ansicht wird außer mit der voll­stre­ckungs­recht­li­chen Funk­ti­on der §§ 888, 890 ZPO und dem Umstand, dass in die­sen Bestim­mun­gen das Wort "Fest­set­zung" nicht ver­wen­det wird, vor allem damit begrün­det, dass der Gesetz­ge­ber nach der Begrün­dung zum Regie­rungs­ent­wurf des Geset­zes zur Reform des Zivil­pro­zes­ses nichts an der bis­her bestehen­den Rechts­la­ge habe ändern wol­len, nach der Beschwer­den gegen Beschlüs­se gemäß §§ 888, 890 ZPO kei­ne auf­schie­ben­de Wir­kung gehabt hät­ten. Sie nimmt dabei ins­be­son­de­re auf die For­mu­lie­rung in der Begrün­dung zum Regie­rungs­ent­wurf Bezug, wonach die an die Stel­le des Enu­me­ra­ti­ons­prin­zips in § 572 ZPO aF tre­ten­de Gene­ral­klau­sel des § 570 Abs. 1 ZPO die nach dem bis­he­ri­gen Recht unvoll­stän­di­ge Auf­zäh­lung ein­zel­ner Ord­nungsund Zwangs­mit­tel "ohne inhalt­li­che Ände­rung" obso­let mache [5].
Zur Begrün­dung der gegen­tei­li­gen, in der Recht­spre­chung und im Schrift­tum eben­falls ver­brei­te­ten Ansicht [6] ist dage­gen – nach Ansicht des Bun­des­ge­richts­hofs mit Recht – dar­auf hin­zu­wei­sen, dass die Äuße­rung des Reform­ge­setz­ge­bers an der bewuss­ten Stel­le kei­nes­wegs ein­deu­tig, son­dern im Gegen­teil in sich wider­sprüch­lich ist. So fin­det sich dort zwi­schen den Pas­sa­gen, auf die sich die von der Rechts­be­schwer­de befür­wor­te­te Ansicht stützt, die Wen­dung ein­ge­streut, die Beschwer­de habe "nun­mehr immer dann auf­schie­ben­de Wir­kung, wenn sie die Fest­set­zung eines Ord­nungs­oder Zwangs­mit­tels zum Gegen­stand" habe. Bei die­ser Sach­la­ge erscheint es allen­falls mög­lich, dass der Gesetz­ge­ber mit der Neu­re­ge­lung ledig­lich die zu § 572 ZPO aF über­wie­gend ver­tre­te­ne Ansicht bestä­ti­gen woll­te, dass die dort ent­hal­te­ne Auf­zäh­lung ein­zel­ner Bestim­mun­gen unvoll­stän­dig und die Rege­lung daher auf ent­spre­chend gela­ger­te ande­re Fäl­le zu erstre­cken sei. Wohl näher, zumin­dest aber eben­so nahe liegt die Annah­me, dass der Gesetz­ge­ber mit einer gene­rel­len Rege­lung im refor­mier­ten Gesetz sonst abseh­bar erneut dro­hen­den Abgren­zungs­schwie­rig­kei­ten bei der Behand­lung der ein­zel­nen Fäl­le ent­ge­gen­wir­ken woll­te. Bei die­sen Gege­ben­hei­ten ver­bie­tet sich eine Normaus­le­gung, die den für sich gese­hen durch­aus kla­ren Wort­laut des § 570 Abs. 1 ZPO im Hin­blick auf einen mög­li­cher­wei­se gegen­tei­li­gen Wil­len des Gesetz­ge­bers kor­ri­giert. Dies gilt umso mehr des­halb, weil wie das Beschwer­de­ge­richt eben­falls zutref­fend berück­sich­tigt hat nach den in § 149 Abs. 1 Satz 1 VwGO, § 131 Abs. 1 Satz 1 FGO und § 201 SGG ent­hal­te­nen Gene­ral­klau­seln, auf die sich der Reform­ge­setz­ge­ber zur Begrün­dung der in § 570 ZPO ent­hal­te­nen neu­en Rege­lung bezo­gen hat, Beschwer­den auf­schie­ben­de Wir­kung ins­be­son­de­re auch bei Zwangs­gel­dern gemäß § 172 VwGO, § 154 FGO und § 201 SGG haben, die Behör­den zur Erfül­lung ihnen gericht­lich auf­er­leg­ter Pflich­ten ver­an­las­sen sol­len [7].
Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 17. August 2011 – I ZB 20/​11
vgl. BGH, Beschluss vom 05.11.2004 IXa ZB 18/​04, BGHZ 161, 60, 63[↩]
BGHZ 161, 60, 64 bis 66[↩]
vgl. BGHZ 161, 60, 65[↩][↩]
vgl. OLG Köln, NJW-RR 2003, 716 f.; Münch­Komm-ZPO/­Lipp, 3. Aufl., § 570 Rn. 2; Stein/​Jonas/​Brehm, ZPO, 22. Aufl., § 888 Rn. 48 und § 890 Rn. 70; Zöller/​Heßler, ZPO, 28. Aufl., § 570 Rn. 2; Zöller/​Stöber aaO § 888 Rn. 15 und § 890 Rn.20; Olzen in Prütting/​Gehrlein, ZPO, 3. Aufl., § 888 Rn. 33 und § 890 Rn. 29; Reichold in Thomas/​Putzo, ZPO, 32. Aufl., § 570 Rn. 1; Sei­ler in Thomas/​Putzo aaO § 888 Rn. 18 und § 890 Rn. 40; Wal­ker in Schuschke/​Walker, Voll­stre­ckung und Vor­läu­fi­ger Rechts­schutz, 5. Aufl., § 888 Rn. 51; Gaul in Gaul/​Schilken/​BeckerEberhard, Zwangs­voll­stre­ckungs­recht, 12. Aufl., § 38 Rn. 21[↩]
vgl. OLG Köln, NJW-RR 2003, 715, 716 mit Hin­weis auf BT-Drucks. 14/​4722, S. 112[↩]
vgl. OLG Frank­furt a.M., Inst­GE 9, 301, 302; Beschluss vom 12.06.2009 6 W 81/​09; Wieczorek/​Schütze/​Jänich, ZPO, 3. Aufl., § 570 Rn. 3; Baumbach/​Hartmann, ZPO, 69. Aufl., § 570 Rn. 4 und § 890 Rn. 40; Stur­hahn in Schuschke/​Walker aaO § 890 Rn. 56; Loh­mann in Prütting/​Gehrlein aaO § 570 Rn. 2; Kay­ser in HkZPO, 4. Aufl., § 570 Rn. 3; Musielak/​Lackmann, ZPO, 8. Aufl., § 890 Rn.20[↩]
vgl. MeyerLadewig/​Rudise in Schoch/​SchmidtAßmann/​Pietzner, VwGO, 11. Lie­fe­rung Juli 2005, § 149 Rn. 3; Kauf­mann in Posser/​Wolff, VwGO, § 149 Rn. 1[↩]
aufschiebende WirkungBeschwerdeOrdnungsgeldZivilprozessZwangsgeld