Source: https://www.rechtslupe.de/steuerrecht/erbst/der-bruder-gmbh-3129929?pk_campaign=feed&pk_kwd=der-bruder-gmbh
Timestamp: 2020-04-06 00:48:22
Document Index: 50882610

Matched Legal Cases: ['§ 516', '§ 7', '§ 7', '§ 15', '§ 7', '§ 15', '§ 118', '§ 7', '§ 7', '§ 362', '§ 185', '§ 362']

Der Bru­der des GmbH-Gesell­schaf­ters – und das gezahl­te über­höh­te Ent­gelt | Rechtslupe
Der Bruder des GmbH-Gesellschafters - und das gezahlte überhöhte Entgelt
Ist ein Gesell­schaf­ter über eine Mut­ter­ge­sell­schaft an der GmbH betei­ligt, gel­ten die Rechts­grund­sät­ze ent­spre­chend, wenn er an dem Ver­trags­ab­schluss zwi­schen der GmbH und der ihm nahe­ste­hen­den Per­son mit­ge­wirkt hat.
Eine Schen­kung i.S. der §§ 516 ff. BGB muss jedoch nicht vor­lie­gen 3.
Zahlt die GmbH über­höh­te ver­trag­li­che Ent­gel­te nicht an den Gesell­schaf­ter selbst, son­dern unter Mit­wir­kung des Gesell­schaf­ters an eine die­sem nahe­ste­hen­de Per­son, liegt in Höhe des nicht ange­mes­se­nen Teils der Ent­gel­te ‑wie bei der Zah­lung über­höh­ter Ent­gel­te der GmbH an den Gesell­schaf­ter- eine ohne förm­li­chen Aus­schüt­tungs­be­schluss erfolg­te Vor­ab­aus­schüt­tung an den Gesell­schaf­ter oder eine Ent­nah­me des Gesell­schaf­ters vor. Sowohl die Vor­ab­aus­schüt­tung als auch die Ent­nah­me beru­hen auf dem Gesell­schafts­ver­hält­nis.
Die Mit­wir­kung des Gesell­schaf­ters an dem Ver­trag zwi­schen GmbH und nahe­ste­hen­der Per­son kann dar­in bestehen, dass er den Ver­trag als Gesell­schaf­ter-Geschäfts­füh­rer abschließt, als Gesell­schaf­ter mit unter­zeich­net, dem Geschäfts­füh­rer eine Anwei­sung zum Ver­trags­ab­schluss erteilt, in sons­ti­ger Wei­se auf den Ver­trags­ab­schluss hin­wirkt oder die­sem zustimmt.
Durch die Mit­wir­kung des Gesell­schaf­ters bei dem zwi­schen GmbH und nahe­ste­hen­der Per­son abge­schlos­se­nen Ver­trag ver­schafft er der ihm nahe­ste­hen­den Per­son einen Ver­mö­gens­vor­teil und ver­fügt damit ‑abge­se­hen von wider­recht­li­chen Hand­lun­gen- über sei­nen künf­ti­gen Gewinn­aus­schüt­tungs­an­spruch oder übt sein aus der Sat­zung oder einem ent­spre­chen­den Gesell­schaf­ter­be­schluss fol­gen­des Ent­nah­me­recht gegen­über der GmbH aus. Dadurch min­dert sich in Höhe des Aus­schüt­tungs­be­trags bzw. in Höhe des Ent­nah­me­werts das künf­ti­ge Gewinn­aus­schüt­tungs­vo­lu­men der GmbH zu sei­nen Las­ten. Zugleich ermäch­tigt der Gesell­schaf­ter die GmbH, an die nahe­ste­hen­de Per­son mit befrei­en­der Wir­kung zu leis­ten (sog. abge­kürz­ter Zah­lungs­weg 19).
Das "Nahe­ste­hen" einer Per­son kann auf fami­li­en­recht­li­chen, gesell­schafts­recht­li­chen, schuld­recht­li­chen oder auch rein tat­säch­li­chen Bezie­hun­gen beru­hen 20.
In einem sol­chen Fall liegt in Höhe des über­höh­ten Ent­gelt­an­teils eine Vor­ab­aus­schüt­tung der GmbH an die Mut­ter­ge­sell­schaft bzw. eine Ent­nah­me der Mut­ter­ge­sell­schaft vor. Sowohl die Vor­ab­aus­schüt­tung als auch die Ent­nah­me beru­hen auf dem Gesell­schafts­ver­hält­nis zwi­schen der GmbH und der Mut­ter­ge­sell­schaft. Dadurch min­dert sich in Höhe des Aus­schüt­tungs­be­trags bzw. in Höhe des Ent­nah­me­werts das künf­ti­ge Gewinn­aus­schüt­tungs­vo­lu­men der GmbH zu Las­ten der Mut­ter­ge­sell­schaft. Zugleich liegt in Höhe des über­höh­ten Ent­gelt­an­teils eine Vor­ab­aus­schüt­tung der Mut­ter­ge­sell­schaft an den Gesell­schaf­ter bzw. eine Ent­nah­me des Gesell­schaf­ters vor. Die­se beru­hen auf dem Gesell­schafts­ver­hält­nis zwi­schen der Mut­ter­ge­sell­schaft und dem Gesell­schaf­ter. Dadurch min­dert sich in Höhe des Aus­schüt­tungs­be­trags bzw. in Höhe des Ent­nah­me­werts das künf­ti­ge Gewinn­aus­schüt­tungs­vo­lu­men der Mut­ter­ge­sell­schaft zu Las­ten des Gesell­schaf­ters. Vor­ab­aus­schüt­tung bzw. Ent­nah­me erfol­gen daher in zwei Stu­fen, näm­lich zunächst von der GmbH an die Mut­ter­ge­sell­schaft und anschlie­ßend von der Mut­ter­ge­sell­schaft an den Gesell­schaf­ter. Der Gesell­schaf­ter der Mut­ter­ge­sell­schaft par­ti­zi­piert dadurch am Aus­schüt­tungs­vo­lu­men der GmbH.
Auch in der Lite­ra­tur wird im Gegen­satz zur Finanz­ver­wal­tung 21 zum Teil die Mei­nung ver­tre­ten, dass die Zah­lung eines über­höh­ten ver­trag­li­chen Ent­gelts an eine dem Gesell­schaf­ter nahe­ste­hen­de Per­son kei­ne gemisch­te frei­ge­bi­ge Zuwen­dung der GmbH i.S. des § 7 Abs. 1 Nr. 1 ErbStG ist 22.
Zahlt die GmbH unter Mit­wir­kung ihres Gesell­schaf­ters oder des Gesell­schaf­ters einer Mut­ter­ge­sell­schaft über­höh­te Ent­gel­te an eine die­sem nahe­ste­hen­de Per­son auf gesell­schafts­recht­li­cher Grund­la­ge, ist sie man­gels frei­ge­bi­ger Zuwen­dung auch nicht Schen­ke­rin i.S. des § 7 Abs. 1 Nr. 1 ErbStG. Denn sie leis­tet die Zah­lung, die im abge­kürz­ten Zah­lungs­weg an die nahe­ste­hen­de Per­son erfolgt, im Hin­blick auf die gesell­schafts­ver­trag­li­chen Rech­te des Gesell­schaf­ters.
Uner­heb­lich ist, dass die Zuwen­dung des Ver­mö­gens­vor­teils auf einer ver­trag­li­chen Ver­ein­ba­rung zwi­schen der GmbH und der dem Gesell­schaf­ter nahe­ste­hen­den Per­son oder zwi­schen der GmbH und der dem Gesell­schaf­ter einer Mut­ter­ge­sell­schaft nahe­ste­hen­den Per­son beruht und damit in die­sem Ver­hält­nis auch eine ver­trag­li­che Leis­tungs­be­zie­hung besteht. Denn die Mit­wir­kung des Gesell­schaf­ters ist gera­de dar­auf gerich­tet, der nahe­ste­hen­den Per­son den Ver­mö­gens­vor­teil im Rah­men einer ver­trag­li­chen Ver­ein­ba­rung zukom­men zu las­sen. Mit dem Ver­trags­ab­schluss und der Zah­lung der über­höh­ten Ent­gel­te an die dem Gesell­schaf­ter nahe­ste­hen­de Per­son kommt die GmbH dem Begeh­ren ihres Gesell­schaf­ters oder des Gesell­schaf­ters der Mut­ter­ge­sell­schaft nach und erfüllt ‑ggf. über meh­re­re Stu­fen- des­sen Rech­te aus dem Gesell­schafts­ver­hält­nis auf Vor­ab­aus­schüt­tung oder Ent­nah­me. Sie erbringt inso­weit neben dem ver­trag­li­chen Ent­gelt an die nahe­ste­hen­de Per­son zugleich eine Leis­tung an den Gesell­schaf­ter.
Die durch das Bei­trei­bungs­richt­li­nie-Umset­zungs­ge­setz vom 07.12 2011 23 in Reak­ti­on auf das BFH, Urteil in BFHE 218, 414, BSt­Bl II 2008, 258 neu ein­ge­führ­te Rege­lung des § 15 Abs. 4 ErbStG 24 recht­fer­tigt es nicht, eine GmbH, die über­höh­te Ent­gel­te an eine dem Gesell­schaf­ter nahe­ste­hen­de Per­son oder an eine dem Gesell­schaf­ter einer Mut­ter­ge­sell­schaft nahe­ste­hen­de Per­son auf gesell­schafts­recht­li­cher Grund­la­ge zahlt, als Schen­ke­rin i.S. des § 7 Abs. 1 Nr. 1 ErbStG anzu­se­hen.
Nach § 15 Abs. 4 Satz 1 ErbStG ist bei einer Schen­kung durch eine Kapi­tal­ge­sell­schaft oder Genos­sen­schaft der Besteue­rung das per­sön­li­che Ver­hält­nis des Erwer­bers zu der­je­ni­gen unmit­tel­bar oder mit­tel­bar betei­lig­ten natür­li­chen Per­son oder Stif­tung zugrun­de zu legen, durch die sie ver­an­lasst ist. Durch Ein­füh­rung die­ser Vor­schrift sol­len Här­ten aus­ge­räumt wer­den, die sich aus der unmit­tel­ba­ren zivil­recht­li­chen Betrach­tung einer Zuwen­dung durch eine Kapi­tal­ge­sell­schaft erge­ben kön­nen 24. Die­se Ziel­set­zung gebie­tet es nicht, eine GmbH abwei­chend von der zivil­recht­li­chen Betrach­tung als Schen­ke­rin anzu­se­hen.
Nach die­sen Grund­sät­zen hat das Finanz­ge­richt Düs­sel­dorf im vor­lie­gen­den Fall in der Vor­in­stanz zu Unrecht ent­schie­den, dass die Kauf­preis­zah­lung der B‑GmbH an den Bru­der in Höhe des unan­ge­mes­se­nen Teils eine frei­ge­bi­ge Zuwen­dung der B‑GmbH an den Bru­der ist 25. Bei dem Ver­trags­ab­schluss hat A mit­ge­wirkt. Nach den Fest­stel­lun­gen des Finanz­ge­richt, an die der BFH nach § 118 Abs. 2 FGO gebun­den ist, hat A die Höhe des von der B‑GmbH zu zah­len­den Kauf­prei­ses bestimmt. Die Kauf­preis­zah­lung stellt in Höhe des unan­ge­mes­se­nen Teils eine Leis­tung der B‑GmbH an die A‑GmbH und eine Leis­tung der A‑GmbH an A dar. Die Leis­tun­gen beru­hen auf dem jewei­li­gen Gesell­schafts­ver­hält­nis. Inso­weit liegt jeweils eine Ent­nah­me bzw. eine Vor­ab­zah­lung auf den künf­ti­gen Gewinn­aus­schüt­tungs­an­spruch vor, wobei die Zah­lung ver­ein­ba­rungs­ge­mäß nicht an die A‑GmbH oder an A, son­dern direkt an den Bru­der geleis­tet wur­de. Da sowohl eine Vor­ab­aus­schüt­tung als auch eine Ent­nah­me auf dem jewei­li­gen Gesell­schafts­ver­hält­nis beruht, kann letzt­lich dahin­ste­hen, auf wel­chem der bei­den gesell­schafts­recht­li­chen Vor­gän­ge im Streit­fall die Ver­schaf­fung des Ver­mö­gens­vor­teils zuguns­ten des Bru­ders beruht.
Da bei einer auf dem Gesell­schafts­ver­hält­nis beru­hen­den Zah­lung über­höh­ter Ent­gel­te an eine dem Gesell­schaf­ter nahe­ste­hen­de Per­son oder an eine dem Gesell­schaf­ter einer Mut­ter­ge­sell­schaft nahe­ste­hen­de Per­son kei­ne gemisch­te frei­ge­bi­ge Zuwen­dung der GmbH an die nahe­ste­hen­de Per­son vor­liegt, sieht sich der Bun­des­fi­nanz­hof im Hin­blick auf das BFH, Urteil in BFHE 218, 414, BSt­Bl II 2008, 258 zu dem Hin­weis ver­an­lasst, dass in die­sen Fäl­len der Gesell­schaf­ter selbst Schen­ker i.S. des § 7 Abs. 1 Nr. 1 ErbStG sein kann 26. Ent­ge­gen dem vor­ge­nann­ten BFH, Urteil kommt abhän­gig von der Aus­ge­stal­tung der Rechts­be­zie­hung zwi­schen dem Gesell­schaf­ter und der nahe­ste­hen­den Per­son in die­sem Ver­hält­nis eine frei­ge­bi­ge Zuwen­dung i.S. des § 7 Abs. 1 Nr. 1 ErbStG in Betracht.
Der BFH ging bis­her davon aus, dass bei der Zah­lung eines über­höh­ten Ent­gelts an eine dem Gesell­schaf­ter nahe­ste­hen­de Per­son in Höhe des unan­ge­mes­se­nen Teils des Ent­gelts, der ertrag­steu­er­recht­lich beim Gesell­schaf­ter eine vGA dar­stellt, kei­ne frei­ge­bi­ge Zuwen­dung des Gesell­schaf­ters an die nahe­ste­hen­de Per­son vor­lie­ge. In einem sol­chen Fall feh­le es an der für eine frei­ge­bi­ge Zuwen­dung erfor­der­li­chen Ver­mö­gens­ver­schie­bung zwi­schen dem Gesell­schaf­ter und der nahe­ste­hen­den Per­son 27.
Da im Streit­fall eine frei­ge­bi­ge Zuwen­dung der B‑GmbH an den Bru­der besteu­ert wur­de, ist nicht zu ent­schei­den, ob eine frei­ge­bi­ge Zuwen­dung des A an den Bru­der vor­liegt.
Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 13. Sep­tem­ber 2017 – II R 42/​16
vgl. BFH, Urteil in BFHE 240, 178, BSt­Bl II 2013, 930, Rz 12[↩]
vgl. § 362 Abs. 2, § 185 BGB; Palandt/​Grüneberg, Bür­ger­li­ches Gesetz­buch, 76. Aufl., § 362 Rz 5; Dara­gan, DStR 2011, 2079[↩]
FG Düs­sel­dorf, Urteil vom 30.11.2016 – 4 K 1680/​15 Erb[↩]