Source: https://www.rechtslupe.de/zivilrecht/deckungsanspruch-haftpflichtversicherung-klageantrag-3110464
Timestamp: 2019-09-16 12:24:10
Document Index: 384027577

Matched Legal Cases: ['§ 106', '§ 87', '§ 110', '§ 157', '§ 1282', '§ 1277', '§ 139', '§ 86', '§ 157', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH']

Deckungs­an­spruch gegen die Haft­pflicht­ver­si­che­rung – und der Kla­ge­an­trag des Geschä­dig­ten | Rechtslupe
Kla­ge­an­trä­ge sind Pro­zess­erklä­run­gen. Ihre Aus­le­gung kann vom Revi­si­ons­ge­richt – anders als die­je­ni­ge von sons­ti­gen Wil­lens­er­klä­run­gen – unbe­schränkt über­prüft wer­den1. Die Aus­le­gung darf auch im Pro­zess­recht nicht am buch­stäb­li­chen Sinn des Aus­drucks haf­ten, son­dern hat den wirk­li­chen Wil­len der Par­tei zu erfor­schen. Bei der Aus­le­gung von Pro­zess­erklä­run­gen ist der Grund­satz zu beach­ten, dass im Zwei­fel das­je­ni­ge gewollt ist, was nach den Maß­stä­ben der Rechts­ord­nung ver­nünf­tig ist und der wohl­ver­stan­de­nen Inter­es­sen­la­ge ent­spricht2.
Im Recht der Haft­pflicht­ver­si­che­rung ist zwi­schen dem (Haft­pflicht)Anspruch des Geschä­dig­ten gegen den Schä­di­ger und dem im Deckungs­ver­hält­nis bestehen­den (Versicherungs)Anspruch des Schä­di­gers gegen den Ver­si­che­rer zu unter­schei­den. Ein Direkt­an­spruch des Geschä­dig­ten gegen den Ver­si­che­rer besteht grund­sätz­lich nicht. Die Fäl­lig­keit des Ver­si­che­rungs­an­spruchs setzt die Fest­stel­lung des Haft­pflicht­an­spruchs vor­aus (§ 106 VVG). Im Insol­venz­ver­fah­ren über das Ver­mö­gen des Schä­di­gers kann der Geschä­dig­te sei­nen Haft­pflicht­an­spruch nur durch Anmel­dung zur Tabel­le ver­fol­gen (§§ 87, 174 ff InsO). Weil aber die Ver­si­che­rungs­leis­tung ihm und nicht den übri­gen Gläu­bi­gern des Ver­si­che­rungs­neh­mers zugu­te­kom­men soll, räumt § 110 VVG (frü­her § 157 VVG) ihm das Recht zur abge­son­der­ten Befrie­di­gung aus dem Frei­stel­lungs­an­spruch des Schä­di­gers gegen den Ver­si­che­rer ein. Mate­ri­ell­recht­lich han­delt es sich nach stän­di­ger Recht­spre­chung um ein gesetz­li­ches Pfand­recht3. Zur Durch­set­zung sei­nes Abson­de­rungs­rechts kann der Geschä­dig­te gegen den Ver­wal­ter auf Zah­lung kla­gen, beschränkt auf die Leis­tung aus dem Ver­si­che­rungs­an­spruch, ohne dass es des Umwegs über das insol­venz­recht­li­che Anmel­dungs- und Prü­fungs­ver­fah­ren bedarf4. Gibt der Ver­wal­ter, wie im Streit­fall gesche­hen, die Ver­si­che­rungs­for­de­rung im Umfang des Abson­de­rungs­rechts frei, besteht das gesetz­li­che Pfand­recht des Geschä­dig­ten an die­ser For­de­rung fort5. Die Ver­wer­tung des Pfand­rechts erfolgt nach den für die­ses Recht gel­ten­den gesetz­li­chen Bestim­mun­gen. Pas­siv legi­ti­miert ist nun wegen der Frei­ga­be nicht mehr der Insol­venz­ver­wal­ter6. Der Geschä­dig­te kann das Pfand­recht gegen den Schuld­ner mit einer Kla­ge auf Dul­dung der Zwangs­voll­stre­ckung oder auf Gestat­tung der Befrie­di­gung aus dem Pfand­recht gel­tend machen (§ 1282 Abs. 2, § 1277 BGB)7. In die­sem Ver­fah­ren wird – wie bei der Gel­tend­ma­chung des Abson­de­rungs­rechts gegen­über dem Insol­venz­ver­wal­ter8 – das Bestehen des Haft­pflicht­an­spruchs mit Fest­stel­lungs­wir­kung gegen­über dem Ver­si­che­rer geklärt9.
Unter die­sen Umstän­den ent­sprach es dem Inter­es­se des Geschä­dig­ten, nach der Frei­ga­be des Deckungs­an­spruchs durch den Insol­venz­ver­wal­ter gegen die insol­ven­te Schä­di­ge­rin sein Pfand­recht an die­sem Anspruch gel­tend zu machen. Auf die Durch­set­zung die­ses Rechts war auch erkenn­bar sein Wil­le gerich­tet. So hat er bei der Auf­nah­me des unter­bro­che­nen Rechts­streits aus­ge­führt, er müs­se, um eine Fest­stel­lung des Ver­si­che­rungs­fal­les mit bin­den­der Wir­kung gegen­über der Ver­si­che­rung zu errei­chen und um sein Recht auf abge­son­der­te Befrie­di­gung aus sei­nem gesetz­li­chen Pfand­recht durch­zu­set­zen, den Rechts­streit nach Frei­ga­be im Ver­hält­nis zur Schuld­ne­rin wie­der auf­neh­men und die­se auf Zah­lung ver­kla­gen.
Ein hier­von abwei­chen­des, zur Unzu­läs­sig­keit der Kla­ge füh­ren­des Ver­ständ­nis des gegen die insol­ven­te Schä­di­ge­rin gerich­te­ten Kla­ge­an­trags durf­te das Beru­fungs­ge­richt sei­ner Ent­schei­dung jeden­falls nicht zugrun­de legen, ohne den Geschä­dig­ten zuvor hier­auf hin­zu­wei­sen. Nach § 139 Abs. 1 Satz 2 ZPO hat das Gericht dar­auf hin­zu­wir­ken, dass die Par­tei­en die sach­dien­li­chen Anträ­ge stel­len. Die­se ver­fah­rens­recht­li­che Pflicht hat das Beru­fungs­ge­richt hier ver­letzt. Zwar kann eine Hin­weis­pflicht des Gerichts ent­fal­len, wenn sie eine Fra­ge betrifft, die bereits ein zen­tra­ler Punkt in der Aus­ein­an­der­set­zung der Par­tei­en ist, und wenn das Gericht anneh­men darf, es bestehe kein wei­te­rer Auf­klä­rungs­be­darf10. So ver­hält es sich hier aber nicht. Die Par­tei­en haben über die Fra­ge gestrit­ten, ob der Rechts­streit nach der Frei­ga­be der Ver­si­che­rungs­for­de­rung mit einem Zah­lungs­an­trag gegen die insol­ven­te Schä­di­ge­rin fort­ge­setzt wer­den kann. Die rich­ti­ge Fas­sung eines Antrags, der geeig­net war, zu dem vom Klä­ger erkenn­bar ver­folg­ten Ziel zu füh­ren, kam jedoch in den Schrift­sät­zen der Par­tei­en nicht zur Spra­che.
Das Ver­säum­nis des Gerichts war nach Ansicht des Bun­des­ge­richts­hofs auch ursäch­lich für den miss­ver­ständ­li­chen Antrag des Schä­di­gers. Er hät­te; vom Gericht ent­spre­chend auf­ge­klärt, aus­drück­lich den Antrag gestellt, die Schä­di­ge­rin wegen des gel­tend gemach­ten Betrags zur Dul­dung der Zwangs­voll­stre­ckung in den ver­si­che­rungs­recht­li­chen Deckungs­an­spruch zu ver­ur­tei­len.
Der insol­ven­te Ver­si­che­rungs­neh­mer – und der… Die Rege­lung des § 86 Abs. 1 Nr. 2 InsO ist auf das Abson­de­rungs­recht des § 157 VVG aF anzu­wen­den. Nach die­ser Vor­schrift kann ein…
Deckungs­an­spruch gegen die Haft­pflicht­ver­si­che­rung – und der… Kla­ge­an­trä­ge sind Pro­zess­erklä­run­gen. Ihre Aus­le­gung kann vom Revi­si­ons­ge­richt – anders als die­je­ni­ge von sons­ti­gen Wil­lens­er­klä­run­gen – unbe­schränkt über­prüft wer­den ((BGH, Urteil vom 30.01.1979 – VI…
Ein Pro­dukt­kof­fer als Wer­be­ge­schenk Die Wert­gren­ze für Wer­be­ge­schen­ke, die der Bun­des­ge­richts­hof für Zuwen­dun­gen an den Ver­brau­cher defi­niert hat, gilt auch für Ange­hö­ri­ge der Fach­krei­se wie Ärz­te und Apo­the­ker. Mit…
BGH, Urteil vom 30.01.1979 – VI ZR 45/​78, VersR 1979, 373; vom 07.05.1998 – I ZR 85/​96, NJW 1998, 3350, 3352; vom 01.08.2013 – VII ZR 268/​11, NJW 2014, 155 Rn. 30; jeweils mwN [↩]
BGH, Beschluss vom 29.03.2011 – VIII ZB 25/​10, NJW 2011, 1455 Rn. 9; Urteil vom 01.08.2013, aaO [↩]
BGH, Beschluss vom 25.09.2014 – IX ZB 117/​12, WM 2014, 2057 Rn. 7 mwN [↩]
BGH, Urteil vom 18.07.2013 – IX ZR 311/​12, WM 2013, 1654 Rn. 10, 13 mwN [↩]
BGH, Urteil vom 02.04.2009 – IX ZR 23/​08, WM 2009, 960 Rn. 4 [↩]
vgl. Tho­le, NZI 2013, 665, 669 [↩]
vgl. BGH, Urteil vom 19.08.2010 – VII ZR 113/​09, NJW 2010, 3089 Rn. 18 mwN [↩]