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Timestamp: 2020-07-03 20:11:57
Document Index: 380578075

Matched Legal Cases: ['§ 11', '§ 12', '§ 11', '§ 11', '§ 11', '§ 12']

Verwendung von FSK 16 Material in der Schule - frag-einen-anwalt.de
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| 12.11.2010 21:25 |
meiner Tochter - die ganze Klasse - hat in einer Englischklausur vom Lehrer ein FSK 16 eingestuftes Musik-Video zur "Analyse" vorgespielt bekommen.
Meine Tochter ist erst 15, sowie viele weiter Schüler der Klasse auch, der jüngste Schüler ist noch 14.
Ist dies als ordnungwidrig einzustufen?
Oder hätte zumindest die Schule / der Lehrer in jedem Fall vorher eine Einverständnis der Eltern einholen müssen?
Gibt es ausdrückliche Ausnahmeregelungen für die Schule nicht an die Altereinstufung gebunden zu sein?
Schule Schule Eltern vorher Lehrer
12.11.2010 | 23:03
Meiner Einschätzung nach dürfte in diesem Fall keine Ordnungswidrigkeit vorliegen.
Zwar gilt zunächst, dass bei einer Aufführung von Filmen, die eine Alterskennzeichnung der FSK beinhalten, § 11 und § 12 JuSchG (Jugendschutzgesetz) zu beachten sind.
Wenn Filme in der Schule im Rahmen einer Ausstellung oder einer Aufführung oder Veranstaltung gezeigt werden, handelt es sich im Regelfall um eine so genannte öffentliche Vorführung gemäß § 11 Absatz 4 JuSchG. Die entsprechenden Alterskennzeichnungen der FSK wären dabei gemäß § 11 zu beachten.
Wenn ein Film aber nun wie in Ihrem Fall im Unterricht gezeigt wird, handelt es sich in der Regel aber nicht um eine öffentliche Vorführung gemäß § 11 Absatz 4 JuSchG. Demzufolge handelt es sich also auch nicht um ein Zugänglichmachen in der Öffentlichkeit gemäß § 12 Absatz 1 JuSchG.
Allgemein gilt dennoch, dass die entsprechenden Altersfreigaben der FSK auch in der Unterrichtspraxis verbindlich sind. In Einzelfällen- und dies ist für Sie bedeutsam - kann jedoch davon abgewichen werden.
Lehrer können sich darauf berufen, dass die Vorführung eines Films in einem pädagogischen Kontext auch unter Abweichung von der Altersfreigabe rechtmäßig ist- die Betonung muss hier auf dem pädagogischen Kontext, also der Einbindung in die Lerninhalte des Unterrichts, liegen.
Eine Einverständniserklärung der Eltern ist im Regelfall nur dann notwendig, wenn es sich um größere Projekte handelt oder die Abweichungen von der entsprechenden Altersfreigabe sehr groß sind. Davon ist in Ihrem Fall meines Erachtens nach nicht auszugehen.
Voraussetzung für eine Abweichung von der Altersfreigabe ist wie gesagt, dass das entsprechende Medium, hier also ein Film, nur in diesem Klassenverband eingesetzt wird, es sich also nicht um eine öffentliche Vorführung im Sinne des Jugendschutzgesetzes handelt und dass das Medium pädagogisch bearbeitet wird.
Letztendlich handelt es sich natürlich immer um Einzelfallentscheidungen, wenn es darum geht, ob hier eine Ordnungswidrigkeit vorliegt. Sollte der Ihrer Tochter gezeigte Film zum Beispiel sehr extreme Darstellungen von Gewalt, Sexualität usw. enthalten oder sollte der Film völlig losgelöst von den Inhalten der Unterrichtsreihe sein, könnte es sich durchaus um eine Ordnungswidrigkeit handeln.
Im Regelfall steht der Inhalt einer Klausur aber immer in einem pädagogischen Kontext. Zudem ist hier nicht von einer extremen Abweichung von der Altersfreigabe auszugehen. Auf diese beiden Punkte wird ein Lehrer sich berufen können.
Meiner Einschätzung nach werden Sie hier also auf rechtlichem Wege vermutlich nichts erreichen können. Dies sollte Sie natürlich trotzdem nicht davon abhalten, das Gespräch mit der betreffenden Lehrperson zu suchen und Ihre grundsätzlichen Bedenken, die ja auch gerechtfertigt sind, zu äußern.
Abschließend weise ich Sie darauf hin, dass im Rahmen dieser Plattform nur eine erste rechtliche Einschätzung des Sachverhalts, basierend auf Ihren Angaben, möglich ist. Sollten hier Informationen hinzugefügt, weggelassen oder unklar dargestellt worden sein, kann die rechtliche Beurteilung völlig anders aussehen.
Ich wünsche Ihnen noch einen schönen Abend und alles Gute!
Bewertung des Fragestellers 14.11.2010 | 17:20