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Timestamp: 2018-12-16 03:20:11
Document Index: 367359814

Matched Legal Cases: ['EuG', 'EuG', 'EuG', 'EuG', 'EuG', 'EuG', 'EuG', '§ 50', '§ 50', 'EuG', '§ 50']

EuGH: Ausschließliche Besteuerung der an gebietsfremde OGAW ausgeschütteten Dividenden inländischer Herkunft unzulässig - Ebner Stolz
EuGH: Ausschließliche Besteuerung der an gebietsfremde OGAW ausgeschütteten Dividenden inländischer Herkunft unzulässig
Urteiel des EuGH vom 10.5.2012 - C-338/11 u.a.
Das EU-Recht steht französischen Rechtsvorschriften entgegen, die für Dividenden inländischer Herkunft, die von gebietsansässigen und gebietsfremden Organismen für gemeinsame Anlagen in Wertpapieren (OGAW) bezogen werden, eine unterschiedliche steuerliche Regelung eingeführt haben. Diese Beschränkung ist auch nicht nach den Bestimmungen über den freien Kapitalverkehr gerechtfertigt.
Das EU-Recht ver­bie­tet alle Beschrän­kun­gen des Kapi­tal­ver­kehrs zwi­schen den Mit­g­lied­staa­ten sowie zwi­schen den Mit­g­lied­staa­ten und drit­ten Län­dern. Die­ses Ver­bot berührt nicht das Recht der Mit­g­lied­staa­ten, die ein­schlä­g­i­gen Vor­schrif­ten ihres Steu­er­rechts anzu­wen­den, die Steu­erpf­lich­tige mit unter­schied­li­chem Wohn­ort oder Kapi­tal­an­la­ge­ort unter­schied­lich behan­deln. Diese Vor­schrif­ten dür­fen jedoch weder ein Mit­tel zur will­kür­li­chen Dis­kri­mi­nie­rung noch eine ver­sch­lei­erte Beschrän­kung des freien Kapi­tal- und Zah­lungs­ver­kehrs dar­s­tel­len.
Den ver­bun­de­nen Rechts­sa­chen lie­gen Strei­tig­kei­ten über die fran­zö­si­sche steu­er­li­che Rege­lung für Divi­den­den zugrunde, die von einer in Fran­k­reich ansäs­si­gen Gesell­schaft an Orga­nis­men für gemein­same Anla­gen in Wert­pa­pie­ren (OGAW), die nicht in die­sem Staat ansäs­sig sind, aus­ge­schüt­tet wer­den.
Die OGAW (Invest­ment­fonds, die von einer Ver­wal­tungs- oder Invest­ment­ge­sell­schaft ver­wal­tet wer­den) erlau­ben einem Anle­ger (Anteils­in­ha­ber), die Ver­wal­tung sei­nes Kapi­tals einem Fach­mann anzu­ver­trauen, der sich um die Inves­ti­tion sei­nes Kapi­tals auf einem oder meh­re­ren bestimm­ten Finanz­märk­ten küm­mert. Nach der fran­zö­si­schen Steu­er­re­ge­lung unter­lie­gen die Divi­den­den, die an nicht in Fran­k­reich ansäs­sige OGAW aus­ge­schüt­tet wer­den, einer Quel­len­steuer von 25 Pro­zent, wäh­rend sol­che Divi­den­den nicht besteu­ert wer­den, wenn sie an einen gebiets­an­säs­si­gen OGAW aus­ge­schüt­tet wer­den.
Zehn bel­gi­sche, deut­sche, spa­ni­sche und US ame­ri­ka­ni­sche OGAW, die ins­bes. in Aktien fran­zö­si­scher Gesell­schaf­ten inves­tie­ren und aus die­sen Inves­ti­tio­nen Divi­den­den bezie­hen, die der Quel­len­steuer unter­lie­gen, foch­ten die fran­zö­si­sche Rege­lung an. Sie machen eine Dis­kri­mi­nie­rung im Hin­blick auf die vom Uni­ons­recht gewähr­leis­tete Kapi­tal­ver­kehrs­f­rei­heit gel­tend.
Das mit die­sen Kla­gen befasste Gericht in Fran­k­reich hat sich mit der Frage an den EuGH gewen­det, ob das Recht der Union der fran­zö­si­schen Rege­lung ent­ge­gen­steht, die die Divi­den­den inlän­di­scher Her­kunft, die an OGAW aus­ge­schüt­tet wer­den, je nach dem Ort, an dem der die Divi­den­den bezie­hende Orga­nis­mus ansäs­sig ist, steu­er­lich unter­schied­lich behan­delt.
Das Uni­ons­recht steht der fran­zö­si­schen Rege­lung ent­ge­gen, die die Divi­den­den inlän­di­scher Her­kunft einer Quel­len­steuer unter­wirft, wenn sie von in einem ande­ren Staat ansäs­si­gen OGAW bezo­gen wer­den, wäh­rend sol­che Divi­den­den, die von im ers­ten Staat ansäs­si­gen OGAW bezo­gen wer­den, von der Steuer bef­reit sind.
Zu den Maß­nah­men, die nach dem Recht der Union als Beschrän­kun­gen des Kapi­tal­ver­kehrs ver­bo­ten sind, gehö­ren sol­che, die geeig­net sind, Gebiets­f­remde von Inves­ti­tio­nen in ande­ren Staa­ten abzu­hal­ten. Eine unter­schied­li­che steu­er­li­che Behand­lung der Divi­den­den, je nach­dem, wo der OGAW sei­nen Sitz hat, ist geeig­net, gebiets­f­remde OGAW von Inves­ti­tio­nen in Gesell­schaf­ten, die in Fran­k­reich ansäs­sig sind, und in Fran­k­reich ansäs­sige Anle­ger vom Erwerb von Antei­len an gebiets­f­rem­den OGAW abzu­hal­ten. Die fran­zö­si­sche Rege­lung stellt daher eine nach dem Recht der Union grund­sätz­lich ver­bo­tene Beschrän­kung des freien Kapi­tal­ver­kehrs dar.
Diese Beschrän­kung ist auch nicht nach den Bestim­mun­gen über den freien Kapi­tal­ver­kehr gerecht­fer­tigt. Eine Ung­leich­be­hand­lung kann nur dann als mit dem EU-Recht ver­ein­bar ange­se­hen wer­den, wenn sie Situa­tio­nen betrifft, die nicht objek­tiv mit­ein­an­der ver­g­leich­bar sind, oder durch einen zwin­gen­den Grund des All­ge­mein­in­ter­es­ses gerecht­fer­tigt ist. Hin­sicht­lich der Ver­g­leich­bar­keit der Situa­tion stellt sich die Frage, ob die Situa­tion der Anteils­in­ha­ber zusam­men mit der­je­ni­gen der OGAW zu berück­sich­ti­gen ist. Dies hat der EuGH vor­lie­gend vern­eint. Ent­schei­dend ist inso­weit die Ein­füh­rung eines maß­geb­li­chen Unter­schei­dungs­kri­te­ri­ums, das auf den Ort des Sit­zes des OGAW abs­tellt. Somit kann die unter­schied­li­che Behand­lung der gebiets­an­säs­si­gen OGAW und der gebiets­f­rem­den OGAW nicht durch einen erheb­li­chen in der Situa­tion begrün­de­ten Unter­schied gerecht­fer­tigt wer­den.
Die unter­schied­li­che Behand­lung ist auch nicht aus zwin­gen­den Grün­den des All­ge­mein­in­ter­es­ses gerecht­fer­tigt. Eine Ung­leich­be­hand­lung kann zwar zuläs­sig sein, wenn mit der natio­na­len Rege­lung Ver­hal­tens­wei­sen ver­hin­dert wer­den sol­len, die geeig­net sind, das Recht des Mit­g­lied­staats auf Aus­übung sei­ner Steu­er­ho­heit für die in sei­nem Hoheits­ge­biet durch­ge­führ­ten Tätig­kei­ten zu gefähr­den. Hat sich jedoch ein Mit­g­lied­staat dafür ent­schie­den, die gebiets­an­säs­si­gen OGAW, die Divi­den­den inlän­di­scher Her­kunft bezie­hen, nicht zu besteu­ern, kann er sich nicht auf die Not­wen­dig­keit einer aus­ge­wo­gene Auf­tei­lung der Steu­er­ho­heit zwi­schen den Mit­g­lied­staa­ten beru­fen, um die Besteue­rung der gebiets­f­rem­den OGAW, die der­ar­tige Ein­künfte haben, zu recht­fer­ti­gen.
Ebenso kann die fran­zö­si­sche Rege­lung nicht mit der Not­wen­dig­keit gerecht­fer­tigt wer­den, die Wirk­sam­keit der steu­er­li­chen Kon­trolle zu gewähr­leis­ten, da die Besteue­rung nur und spe­zi­fisch Gebiets­f­remde trifft. Und sch­ließ­lich kann die durch die fran­zö­si­sche Rege­lung ein­ge­führte unter­schied­li­che Behand­lung auch nicht durch die Not­wen­dig­keit der Wah­rung der Kohä­renz der Steu­er­re­ge­lung gerecht­fer­tigt wer­den, da zwi­schen der Bef­rei­ung der von einem gebiets­an­säs­si­gen OGAW bezo­ge­nen Divi­den­den inlän­di­scher Her­kunft von der Quel­len­steuer und der Besteue­rung die­ser Divi­den­den als Ein­künfte der Anteils­in­ha­ber die­ses OGAW kein unmit­tel­ba­rer Zusam­men­hang besteht.
Für die auf den Web­sei­ten des EuGH ver­öf­f­ent­lichte PM zu die­ser Ent­schei­dung kli­cken Sie bitte hier.
EuGH-Vor­lage wegen Zwei­feln an der Ver­ein­bar­keit des § 50d Abs. 3 EStG mit EU-Recht
Das FG Köln hat Zwei­fel daran, ob § 50d Abs. 3 EStG mit der euro­päi­schen Nie­der­las­sungs­f­rei­heit und mit der Mut­ter-Toch­ter-Richt­li­nie ver­ein­bar ist, und des­halb diese Frage dem EuGH zur Ent­schei­dung vor­ge­legt. Die Vor­lage betrifft § 50d Abs. 3 EStG in der Fas­sung des JStG 2007 (EStG 2007); zwi­schen­zeit­lich wurde die Rege­lung mit Wir­kung zum 1.1.2012 etwas ent­schärft. ...lesen Sie mehr