Source: https://www.iww.de/wvm/steuergestaltung/versicherungen-versicherungen-von-a-bis-z-so-werden-praemien-und-leistungen-derzeit-steuerlich-behandelt-f14110
Timestamp: 2019-06-16 17:41:11
Document Index: 49224965

Matched Legal Cases: ['§ 20', '§ 20', '§ 10', '§ 55', '§ 3', '§ 22', '§ 40', '§ 22', '§ 22', '§ 22', '§ 20', '§ 22']

11.08.2011 ·Fachbeitrag ·Versicherungen
| Die steuerliche Behandlung von Prämien und Leistungen bei Versicherungsverträgen hat sich in den vergangenen Jahren mehrfach geändert. Anlass genug, die aktuellen Grundsätze zu erläutern und diese in einer Checkliste sortiert nach Personen- und Sachversicherungen übersichtlich darzustellen - nicht zuletzt für die Gespräche mit Ihren Kunden. |
Hängen die abgesicherten Risiken mit dem Beruf oder der Erzielung von steuerpflichtigen Einnahmen zusammen, können sie als Werbungskosten abgezogen werden. So können Arbeitnehmer Beiträge zur Berufshaftpflicht-, Rechtsschutz- oder Unfallversicherung als Werbungskosten geltend machen, soweit berufliche Risiken abgedeckt werden. Bei Verträgen, die auch private Risiken absichern, sollten sich Arbeitnehmer den beruflichen Anteil der Prämie bestätigen lassen; ohne Nachweis werden in der Regel 50 Prozent akzeptiert.
Die auf das heimische Arbeitszimmer entfallenden Beiträge zur Hausrat-, Feuer- oder Wohngebäudeversicherung sind bei der jeweiligen Einkunftsart anteilig als Betriebsausgaben oder Werbungskosten absetzbar, wenn das heimische Büro steuerlich anerkannt ist (Mittelpunkt der Berufstätigkeit/es steht kein anderer Arbeitsplatz zur Verfügung).
Beiträge für Policen, die Betriebsrisiken abdecken, sind Betriebsausgaben. Dazu gehören die Berufshaftpflicht für Freiberufler, die Versicherung des Firmen-Pkw, Sachversicherungen gegen Feuer, Hagel und Diebstahl sowie Rechtsschutzversicherungen. Auch Beiträge des Arbeitgebers zur Absicherung der Arbeitnehmer und zu deren Altersversorgung sind Betriebsausgaben.
Begünstigt sind die Aufwendungen auch, wenn die Berufsunfähigkeit, die verminderte Erwerbsfähigkeit sowie Hinterbliebene (Ehegatte, Kinder) abgesichert werden. Bedingung: Diese Ansprüche werden im Rahmen einer begünstigten Vorsorge zusätzlich gewährt, und es werden hierfür maximal 50 Prozent der Beiträge verwendet.
Der maximal ansetzbare Gesamtbetrag ist 20.000 Euro, bei gemeinsam veranlagten Verheirateten 40.000 Euro. Davon sind im Jahr 2011 72 Prozent steuerlich ansetzbar. Bis 2025 steigt dieser Anteil jährlich um 2 Prozentpunkte auf 100 Prozent.
Kranken- und Pflegeversicherungen: Die Beiträge für gesetzlich und privat Kranken- und Pflege-Pflichtversicherte werden seit 2010 in voller Höhe berücksichtigt, soweit diese ein Leistungsniveau absichern, das im Wesentlichen der gesetzlichen Krankenversicherung entspricht. Die Ermittlung des nicht abziehbaren Teils der Krankenkassenbeiträge erfolgt durch einheitliche prozentuale Abschläge auf die gezahlte Prämie, es sei denn der nicht abziehbare Beitragsanteil ist bereits gesondert ausgewiesen.
Sonstige Sonderausgaben: Die übrigen Vorsorgeaufwendungen werden gesondert ermittelt. Darunter fallen die Arbeitslosen-, Haftpflicht-, Unfall-, Lebens-, Erwerbsunfähigkeits- und Berufsunfähigkeitsversicherung sowie die Anteile der Kranken- und Pflegeversicherung, soweit diese generell nicht berücksichtigt werden (Mehrleistungen/Wahltarife/Krankengeld). Handelt es sich um eine Kapitallebensversicherung, sind nur Zahlungen für vor 2005 abgeschlossene Policen begünstigt, und diese auch nur mit 88 Prozent. Für die sonstigen Aufwendungen führt das Finanzamt eine Günstigerprüfung durch. Danach werden auch die Aufwendungen bis zu einer Höchstsumme aller Versicherungsleistungen von maximal 1.900 bzw. bei Selbstständigen von 2.800 Euro hinzugerechnet. Werden diese Schwellenwerte bereits mit der Kranken- und Pflegeversicherung überschritten, lassen sie sich nicht mehr als Sonderausgaben geltend machen.
WICHTIG | Bei zusammen veranlagten Ehegatten wird zunächst für jeden Partner der ihm zustehende Höchstbetrag bestimmt. Die Summe ergibt den gemeinsamen Höchstbetrag. Übersteigen die von den Ehegatten geleisteten Beiträge für die Basisabsicherung zusammen den gemeinsamen Höchstbetrag, sind die Beiträge für die Basisabsicherung als Sonderausgaben zu berücksichtigen. Ein zusätzlicher Abzug von sonstigen Vorsorgebeiträgen ist daneben allerdings nicht möglich.
Zahlt der Versicherer aufgrund eines versicherten Schadens, ist dies im Privatbereich nicht zu versteuern.
Die Leistung mindert aber die Werbungskosten/Betriebsausgaben, wenn der Schaden im beruflichen/betrieblichen Bereich entstanden ist, etwa bei einem Unfall auf einer Dienstfahrt.
Fließen Gelder aus betrieblichen Policen, sind sie als Betriebseinnahmen zu verbuchen.
Wird die Mietausfallversicherung in Anspruch genommen, handelt es sich um steuerpflichtige Einnahmen bei den Vermietungseinkünften.
Erstattet die Versicherung Handwerkerleistungen, mindert das die geförderten Aufwendungen im Rahmen von haushaltsnahen Dienstleistungen.
Bei Lebensversicherungen sind die bis 2004 und die ab 2005 geschlossenen Verträge steuerlich zu unterscheiden. Für fondsgebundene Versicherungen gelten die gleichen Regeln wie für herkömmliche Lebensversicherungen.
Altpolicen (Abschluss bis 2004) sind unter den alten Bedingungen weiter steuerfrei (§ 20 Abs. 1 Nr. 6 EStG alter Fassung). Bei schädlicher Verwendung unterliegen die (außer-)rechnungsmäßigen Zinsen bei Kündigung, Verkauf oder Fälligkeit der Abgeltungsteuer.
Neupolicen (Abschluss ab 2005) unterliegen bei Fälligkeit, Verkauf oder Kündigung mit der Differenz zwischen Auszahlung und Summe der Prämien dem Abgeltungsatz von 25 Prozent, unabhängig von der eigenen Progression und der Höhe der Kapitaleinnahmen. Kommt es hingegen - etwa bei vorzeitiger Kündigung - zu einem Verlust, ist dieser nur im Rahmen des § 20 EStG mit positiven Kapitaleinnahmen verrechenbar. Alternativ unterliegt die positive Differenz zwischen Auszahlung und Prämiensumme mit 50 Prozent dem individuellen Einkommensteuersatz, sofern bei Kündigung oder Fälligkeit die Kriterien Mindestlaufzeit 12 Jahre und Alter ab 60 (Vertragsschluss ab 2012: Alter 62) eingehalten werden.
Besonderheiten bei Leibrenten und „Rürup-Policen“
Für Leibrenten und für „Rürup-Policen“ gelten zwei Besonderheiten:
Checklisten Personen- und Sachversicherungen
In der folgenden Übersicht haben wir die steuerlichen Auswirkungen bei den verschiedenen Versicherungsarten für Sie aufgelistet - sortiert nach Personen- und Sachversicherung.
Steuerliche Auswirkungen der wichtigsten Personenversicherungen
Sonderausgaben (begünstigte):
2011: 14.400 Euro (72 % x 20.000 Euro)
2012: 14.800 Euro (74 % x 20.000 Euro)
ab 2025 maximal 20.000 Euro (§ 10 Abs. 3 EStG)
Voraussetzung: Beiträge zugunsten eines zertifizierten Vertrags geleistet; Einwilligung des Sparers in Datenübermittlung gegenüber Anbieter
Steuerpflichtig, und zwar beim Erstbezug
im Jahr 2005 zu 50 %,
im Jahr 2011 zu 62 %,
im Jahr 2012 zu 64 %,
im Jahr 2020 zu 80 %,
im Jahr 2030 zu 90 %,
ab dem Jahr 2040 zu 100 %.
Sonderausgaben (sonstige):
Berücksichtigung zusammen mit den anderen sonstigen Versicherungsleistungen bis zur Höchstsumme von 1.900 Euro bzw. bei Selbstständigen 2.800 Euro.
Kein Abzug, wenn der Höchstbetrag bereits mit der Kranken- und Pflegeversicherung überschritten wird.
Begünstigte Sonderausgabe, falls mit Vorsorgevertrag kombiniert.
Rentenzahlungen: Steuerpflichtig mit Ertragsanteil, der sich nach der Laufzeit bemisst (§ 55 Einkommensteuer-Durchführungsverordnung).
Kapitalauszahlungen: Bei vor 2005 abgeschlossenen Versicherungen steuerfrei, ansonsten steuerpflichtig in Höhe des Unterschiedsbetrags zwischen der Versicherungsleistung und der Summe der auf sie entrichteten Beiträge.
Betriebsausgabe beim Arbeitgeber, steuerfrei beim Arbeitnehmer (§ 3 Nr. 63 EStG) in Höhe von 4 % der jährlichen Beitragsbemessungsgrenze (BBG) der Rentenversicherung + 1.800 Euro (Zusatzbeitrag Sozialversicherungspflicht).
Nachgelagerte Besteuerung der Renten in voller Höhe. Bei Option Kapitalauszahlung volle Besteuerung, § 22 Nr. 5 EStG.
Bei Zusagen vor 2005: Bei damals gestelltem Antrag Pauschalversteuerung bis 1.752/2.148 Euro (§ 40b EStG).
Rentenzahlung beim Arbeitnehmer mit dem Ertragsanteil steuerpflichtig (§ 22 Nr. 1 EStG); Kapitalzahlung steuerfrei.
Volle Steuerpflicht beim Arbeitnehmer, dafür Sonderausgabenabzug oder Zulagenförderung.
Nachgelagerte Besteuerung der Rentenzahlung (§ 22 Nr. 5 EStG).
Sonderausgabe (sonstige), wenn nicht bereits der Höchstbetrag von 1.900 Euro (Arbeitnehmer) und 2.800 Euro (Selbstständige) mit den Beiträgen zur Basiskranken- und Pflegeversicherung überschritten wird.
Für die Erben bei der Erbschaftsteuer steuerfrei.
Sonderausgabe in voller Höhe, soweit die Beiträge auf eine existenznotwendige Krankenbasisversorgung durch die gesetzliche Krankenversicherung beruhen.
Zahlungen der gesetzlichen und privaten Krankenversicherungen sind steuerfrei.
Kranken- und Mutterschaftsgeld sind ebenfalls steuerfrei, aber Progressionsvorbehalt.
Beitragserstattungen sind im Jahr des Zuflusses mit gezahlten Beiträgen zu verrechnen.
Bonuszahlungen für gesundheitsbewusstes Verhalten sind Beitragsrückerstattungen, die den Abzug der Sonderausgaben mindern.
(Zusatzleistungen)
Beiträge für Mehrleistungen, Wahltarife, Krankengeld als Sonderausgabe (sonstige), wenn nicht bereits der Höchstbetrag von 1.900 Euro (Arbeitnehmer) und 2.800 Euro (Selbstständige) mit den Beiträgen zur Basiskranken- und Pflegeversicherung überschritten wird.
tagegeld-
Keine Betriebsausgabe, auch wenn zur Einnahmen-Absicherung oder bei Gründung einer Freiberuflerpraxis abgeschlossen wurde.
Es liegen keine Betriebseinnahmen vor.
LV mit Kapitalwahlrecht
Vertragsschluss bis 2004
Sonderausgabe (sonstige): 88 % der Beiträge, wenn nicht bereits der Höchstbetrag von 1.900 Euro (Arbeitnehmer) und 2.800 Euro (Selbstständige) mit den Beiträgen zur Basiskranken- und Pflegeversicherung überschritten wird.
Steuerfrei, sofern gesetzliche Voraussetzungen (zum Beispiel Laufzeit 12 Jahre, keine Kreditabsicherung) erfüllt sind.
Vertragsschluss ab 2005
Nicht abzugsfähig.
Steuerpflichtige Einnahmen (Unterschiedsbetrag Kapitalauszahlung ./. Prämiensumme)
bei Auszahlung oder vorzeitiger Kündigung vollständig; Abgeltungsteuer bzw.
zur Hälfte (bei Endalter mindestens 60 Jahre ab 2012: 62 Jahre + Laufzeit 12 Jahre) mit individuellem Einkommensteuersatz - unabhängig vom Auszahlungstermin.
jährliche Besteuerung der erzielten Erträge bei vermögensverwaltender LV.
Kapitaleinnahme; unterliegt Abgeltungsteuer.
Wie bei Kapital-LV, maßgebend ist das Jahr des Vertragsschlusses.
Sonderausgabe in voller Höhe, soweit die Beiträge auf einer existenznotwendigen Basisabsicherung beruhen.
Sonderausgaben (sonstige) in voller Höhe bei Abschluss vor 2005, wenn
ohne Kapitalwahlrecht oder mit Kapitalwahlrecht, wenn das nicht vor Ablauf von 12 Jahren ausgeübt werden kann.
nicht bereits der Höchstbetrag von 1.900 Euro (Arbeitnehmer) und 2.800 Euro (Selbstständige) mit den Beiträgen zur Basiskranken- und Pflegeversicherung überschritten wird.
Rentenzahlung: Steuerpflichtig mit dem Ertragsanteil (§ 22 Nr. 1 Doppelbuchst. bb EStG) - abhängig vom Alter bei Bezugsbeginn.
Keine Rentenzahlung vereinbart: Steuerpflichtig als Kapitaleinnahme in Höhe des Unterschiedsbetrags zwischen der Versicherungsleistung und der Summe der auf sie entrichteten Beiträge (§ 20 Abs. 1 Nr. 6 EStG),
Siehe Basisrente.
„Riester-Vertrag“
Sonderausgabe, wenn
Steuerersparnis im Jahr höher als Anspruch auf Zulage.
dem Anbieter gegenüber schriftlich eingewilligt wurde, dass dieser die Höhe der Sparrate unter Angabe der Steuer-Identifikationsnummer an Finanzverwaltung übermitteln darf.
Nachgelagerte Besteuerung (§ 22 Nr. 5 EStG); keine Abgeltungsteuer.
Werbungskosten, wenn erhöhtes berufliches Unfallrisiko abgedeckt wird.
Keine Betriebsausgabe.
Betriebsausgabe, wenn erhöhtes berufliches Risiko abgedeckt wird.
Steuerfrei, unabhängig vom Jahr des Vertragsschlusses.
Minderung der Werbungskosten.
Keine Betriebseinnahme.
Beiträge zur gesetzlichen Unfallversicherung (Berufsgenossenschaften) sind Betriebsausgaben oder Werbungskosten.
Beiträge zur privaten Unfallversicherung sind zur Absicherung ausschließlich beruflicher Risiken Betriebsausgaben oder Werbungskosten.
Bei Versicherung sowohl beruflicher als auch privater Risiken erfolgt in der Regel eine Aufteilung der Beiträge je zur Hälfte.
Steuerfrei - auch aus einer ausländischen gesetzlichen Unfallversicherung.
Wiederkehrende Leistungen aus einer privaten Unfallversicherung sind Leibrenten, die mit dem Ertragsanteil besteuert werden.
Steuerliche Auswirkungen der wichtigsten Sachversicherungen
Werbungskosten in Bezug auf Vermietung.
Werbungskosten oder Betriebsausgaben.
Minderung der Werbungskosten oder Betriebseinnahmen.
Werbungskosten bei Bezug zu Einkünften (wie Vermietung) oder Betriebsausgaben, wenn Gebäude im Betriebsvermögen.
Kein Abzug im privaten Bereich.
Werbungskosten bei Bezug zu einer Einkunftsart (Berufs-, Bauherrenhaftpflicht etc.).
Betriebsausgaben, sofern betriebliche Risiken abgedeckt, sonst Sonderausgabe.
Betriebseinnahmen oder steuerfrei.
Haftpflicht (Kfz)
Betriebsausgabe, wenn Pkw im Betriebsvermögen.
Haus- und Grundbesitzer, Bauherren-Haftpflicht als Werbungskosten bei den Mieteinkünften.
Wenn die zugrunde liegenden Schadensaufwendungen
privat waren (Sonderausgeben, nicht abzugsfähig): nicht steuerbarer Vermögenszufluss.
Betriebsausgaben waren: Betriebseinnahme
Werbungskosten: Minderung der Werbungskosten.
Kosten der privaten Lebensführung sind, handelt es sich bei der Versicherungsleistung um eine steuerfreie Einnahme.
Hausrat- (mit Einbruchdiebstahl-) versicherung
Werbungskosten bei Bezug zu Einkünften (wie Vermietung).
Betriebsausgabe bei Betriebsvermögen, sofern betriebliche Risiken abgedeckt werden.
Mietausfall-
Werbungskosten, da Bezug zu Vermietung.
Keine Betriebsausgaben, soweit Gefahr einer krankheits- oder unfallbedingten Arbeitsunfähigkeit versichert wird.
Betriebsausgaben, soweit Risiko der Quarantäne versichert.
Werbungskosten bei Bezug zu einer Einkunftsart (wenn berufliche Risiken abgedeckt).
Betriebsausgaben, sofern betriebliche Risiken abgedeckt werden.
Minderung der Betriebseinnahmen.
Werbungskosten, sofern berufliche Gegenstände oder Dienstreisen abgedeckt werden.
Minderung der Werbungskosten oder außergewöhnlichen Belastung.
Quelle: Ausgabe 10 / 2011 | Seite 11 | ID 28632150
17.08.2012 · Betriebseinnahmen
Steuerpflicht von Provisionen für Zeichnung eigener Fondsanteile