Source: https://www.jusmeum.de/urteil/olg_celle/3ec6f6fdbb823fa9b136cade57f4c6d6b780559960cab004e0e958b73082d41c
Timestamp: 2019-01-22 18:45:54
Document Index: 81399706

Matched Legal Cases: ['§ 121', '§ 112', '§ 112', '§ 116', '§ 121', '§ 55']

OLG Celle, 32 HEs 1/01: OLG Celle: ablauf des verfahrens, untersuchungshaft, anklageschrift, zustellung, polizei, schwurgericht, arbeitskraft, strafrecht, ermittlungsverfahren, fortdauer
Urteil des OLG Celle vom 14.03.2017, 32 HEs 1/01
32 HEs 1/01
OLG Celle: ablauf des verfahrens, untersuchungshaft, anklageschrift, zustellung, polizei, schwurgericht, arbeitskraft, strafrecht, ermittlungsverfahren, fortdauer
Ablauf des verfahrens, Untersuchungshaft, Anklageschrift, Zustellung, Polizei, Schwurgericht, Arbeitskraft, Strafrecht, Ermittlungsverfahren, Fortdauer
Typ, AZ: Beschluss, 32 HEs 1/01
Datum: 17.02.1967
Leitsatz: 1. Durch eine zügigere Terminierung muß eine große Strafkammer in Haftsachen nach Kräften versuchen, bereits zuvor eingetretene nicht unerheblichen Verzögerungen im Rahmen des Ermittlungsverfahrens aufzufangen.
2. Dabei sind alle freien Sitzungstage zu nutzen und auch Sondersitzungstage einzurichten.
32 HEs 1/01 2 Js 26071/00 StA #######
gegen 1. den Staplerfahrer #######, geboren am 17. Februar 1967 in #######/Türkei, zurzeit #######, #######,
2. den Arbeiter #######, geboren am 30. April 1966 in #######/Türkei, zurzeit #######, #######,
wegen gemeinschaftlichen versuchten Mordes u. a.
hat der 2. Strafsenat des Oberlandesgerichts Celle im Haftprüfungsverfahren nach §§ 121, 122 StPO nach Anhörung der Generalstaatsanwaltschaft, der Angeklagten und der Verteidiger durch den Vorsitzenden Richter am Oberlandesgericht #######, die Richterin am Oberlandesgericht ####### und den Richter am Oberlandesgericht ####### am 23. März 2001 beschlossen:
Die Haftbefehle des Amtsgerichts ####### vom 18. September 2000 (4 Gs 1193/00 bzgl. ####### und 4 Gs 1194/00 bzgl. #######) werden aufgehoben.
Die Angeklagten wurden am 17. September 2000 vorläufig festgenommen und befinden sich seit dem 18. September 2000 auf Grund der Haftbefehle des Amtsgerichts ####### vom selben Tage (4 Gs 1193/00 bezüglich ####### und 4 Gs 1194/00 bezüglich #######) ununterbrochen in Untersuchungshaft.
Zwar liegen die allgemeinen Voraussetzungen der Untersuchungshaft gemäß § 112 StPO vor. Der dringende Tatverdacht gegen die Angeklagten ergibt sich aus den im in der Anklageschrift der Staatsanwaltschaft ####### vom 23. Januar 2001 zutreffend wiedergegebenen Ermittlungsergebnis. Es bestehen auch die Haftgründe des § 112 Abs. 2 Nr. 2 und Abs. 3 StPO. Schließlich kann der Zweck der Untersuchungshaft mit weniger einschneidenden Maßnahmen (§ 116 StPO) nicht erreicht werden. Auch der Grundsatz der Verhältnismäßigkeit ist gegenwärtig nicht in Frage gestellt.
Die besonderen Voraussetzungen für die Fortdauer der Untersuchungshaft nach § 121 Abs. 1 StPO über 6 Monate hinaus sind indessen nicht gegeben. Denn wichtige Gründe, die ein Urteil noch nicht zugelassen hätten, liegen nicht
vor. Das Verfahren weist vermeidbare Verzögerungen auf, die die weitere Untersuchungshaft nicht zulassen.
Zunächst ist das Ermittlungsverfahren von Seiten der Staatsanwaltschaft und Polizei mit der gebotenen und nortwendigen Beschleunigung betrieben worden. Es sind zahlreiche Zeugen vernommen und erforderliche Gutachten eingeholt worden. Diese Ermittlungen waren allerdings bereits Ende November 2000 weitgehend abgeschlossen, nachdem der Geschädigte ####### am 28. November 2000 über seinen Rechtsanwalt hatte mitteilen lassen, dass er im Hinblick auf § 55 StPO keine Angaben zur Sache machen werde. Bereits zu diesem Zeitpunkt hätten die Akten der Staatsanwaltschaft zur Entscheidung über die Anklageerhebung vorgelegt werden können, weil weitere, noch offene Ermittlungsergebnisse nur den Randbereich des Tatgeschehens betrafen, so etwa das waffentechnische Gutachten vom 27. Dezember 2000 oder das Gutachten des Landeskriminalamtes vom 4. Januar 2001 über Schmauchanhaftungen im Pkw des Mitangeklagten #######. Auch die weiteren Zeugenvernehmungen beschäftigten sich überwiegend mit dem Umfeld des Mitangeklagten ####### und waren für eine Entscheidung der Staatsanwaltschaft über die Erhebung der Anklage nicht erforderlich.
Erst am 22. Dezember 2000 wurden die Akten allerdings der Staatsanwaltschaft übersandt, die einen weiteren Monat zur Fertigung der 15seitigen Anklageschrift vom 23. Januar 2001 benötigte, wobei im Januar 2001 keinerlei nennenswerte Ermittlungstätigkeit mehr ersichtlich ist, die den Zeitablauf rechtfertigen könnte.