Source: https://m.grin.com/document/181333
Timestamp: 2017-10-23 18:58:55
Document Index: 151876884

Matched Legal Cases: ['§ 142', '§ 140', '§ 76', '§ 140', '§ 140', '§ 80']

Rechtliche Voraussetzungen und Grundlagen eines Mutter-Kind ...
1. Rechtliche Grundlagen für eine Aufnahme und Unterbringung im Mutter- Kind Vollzug
1.1 Rechtliche Besonderheiten zur Aufnahme
1.2 Voraussetzungen zur Unterbringung
1.3 Unterbringungsbedingungen
1.3.1 Tagesablauf
1.3.2 personelle Bedingungen der Einrichtung
1.3.3 Finanzierung der Unterbringung von Mutter und Kind
2. Der Vollzug der Haftstrafe innerhalb der Mutter-Kind Einrichtung
2.1 Problemlagen und biographischer Hintergrund inhaftierter Frauen
2.2 Entwicklung und Bedürfnisse der Kinder
3. Alternative Unterbringungsmöglichkeiten
In der vorliegenden Hausarbeit werden die rechtlichen Voraussetzungen und Grundlagen eines Mutter-Kind Vollzuges in einer Justizvollzugsanstalt formuliert. Zudem wird in der Arbeit auf den Verlauf der Haftstrafe eingegangen, was unter anderem die Beschreibung der Problemlagen und die Lebenslage inhaftierter Frauen beinhaltet, ebenso wie die Darstellung der finanziellen und personellen Rahmenbedingungen der Einrichtung. Im Abschluss dieser Arbeit werden die alternativen Unterbringungsmöglichkeiten vorgestellt. Zu den Aufgaben von Sozialarbeitern gehört unter anderem die Betreuung und Aufsicht von Klienten, die Hilfe und Unterstützung bei ihrer Lebensführung benötigen. Im Fokus stehen Kinder, Jugendliche aber auch Personen mit einer Behinderung oder Straffälliggewordene, denen diese Unterstützung angeboten wird, um wieder am gesellschaftlichen Leben teilhaben zu können.
Wenn Frauen straffällig werden stellt sich die Frage was mit der Betreuung ihrer Kinder passiert. Können sie vom Vater betreut werden? Gibt es andere Angehörige, die die Erziehung für den Zeitraum der Haft übernehmen? Oder ist eine andere Unterbringungsmöglichkeit die beste Variante während der Inhaftierung? Abgesehen von einer gemeinsamen Unterbringung wird also, wenn es Familienangehörige oder Bezugssysteme gibt, in denen das Kind leben kann oder die entsprechenden Vorrausetzungen nicht erfüllt werden können. Im Jahre 1986 gab es in der gesamten Bundesrepublik sieben Mutter-Kind Einrichtungen, in denen verurteilte Mütter ihre Haftstrafe gemeinsam mit ihren Kindern antreten konnten. Die Anzahl der Einrichtungen ist bis heute nicht erweitert worden. In den sieben Einrichtungen sind maximal 90 Haftplätze für Mütter vorhanden. Darüber hinaus können bis zu 75 Kinder aufgenommen werden (vgl. Kiffmeier, 2010). Die meisten Plätze befinden sich im offenen Vollzug, aber auch eine Unterbringung im geschlossenen Vollzug ist möglich, wie beispielsweise in Vechta, Frankfurt und Aibach. In den vergangenen Jahren verdoppelte sich die Anzahl der weiblichen Inhaftierten in den bayrischen Vollzugsanstalten, was jedoch keine Kapazitätsprobleme darstellte (http://www.br-online.de). Die Gefängnisse müssen sich dennoch umstellen, nicht nur die Baustruktur muss verändert werden, auch eine Veränderung der Sozialstruktur ist gefordert, um die Frauen wie im Gesetz vorgeschrieben unterzubringen (vgl. § 142 StVollzG).
Am Stichtag des 30. Novembers 2010 wiesen die Vollzugsanstalten in der Bundesrepublik Deutschland eine Belegungsfähigkeit von 77994 Plätzen auf, davon 4496 für Frauen (vgl. Statistisches Bundesamt, 2011: 5). Da der Anteil der Frauen in Europa in der Gesamtpopulation des Strafvollzuges unter 5% liegt, werden straffällig gewordene Frauen meistens in getrennten Abteilungen von Männergefängnissen untergebracht. Daher gestaltet sich die Umsetzung der Inhalte der genannten geschlechtsspezifischen Paragraphen in der Praxis häufig als schwierig. Es gibt in der gesamten Bundesrepublik nur fünf eigenständige Haftanstalten für Frauen, diese befinden sich in Baden-Württemberg, Berlin, Hessen, Niedersachen und Nordrhein-Westfalen. Eine geringe Anzahl an straffälligen Frauen führt in naher Zukunft dazu, dass es keinen weiteren Ausbau von Strafanstalten für Frauen geben wird (vgl. Junker, 2011:90).
In wenigen Paragraphen des Strafvollzugsgesetzes ist der Vollzug der Freiheitsstrafe von Frauen geregelt, was zur Folge hat, dass in der Praxis die Bestimmungen des StVollzG auch für Frauen angewendet werden. Innerhalb der Extraregelungen sind Art und Form des Vollzuges (§§ 140, 142 StVollzG) festgehalten, aber auch die unterschiedlichen gesetzlichen Bestimmungen die die Frauen individuell betreffen (§ 76-80 StVollzG), wie Schwangerschaft, Geburt und die Zeit nach der Entbindung eines Kindes (vgl. Junker, 2011: 67). Laut des so genannten Trennungsgrundsatzes (vgl. § 140 Abs. 2 StVollzG) sollten Frauen, wie im Strafvollzugsgesetz standardisiert, in getrennten Frauenanstalten untergebracht werden. In Absatz 1 des § 140 StVollzG ist die Haftart normiert, in dem die Trennung des Vollzuges von Freiheitsstrafe und Sicherheitsverwahrung beschrieben wird. Während in Absatz 2 lediglich der Trennungsgrundsatz nach Geschlecht festgehalten ist. In einer Mutter-Kind Einrichtung können inhaftierte Frauen mit ihren nicht schulpflichtigen Kindern untergebracht werden, wenn sie die bestimmten Vorrausetzungen dafür erfüllen. Die Unterbringung sowie der Aufenthalt bei einer Altersgrenzenüberschreitung, spätestens mit der Schulpflicht des Kindes, ist nicht möglich (vgl. § 80 StVollzG).
9783656046707
9783656046752
v181333
Mutter- Kind Vollzug Bindung Unterbringung Gefängnis Haftstrafe Problemlagen und biographischer Hintergrund inhaftierter Frauen