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Timestamp: 2019-12-13 08:03:11
Document Index: 182484671

Matched Legal Cases: ['§34', '§33', '§32', '§32', '§32', '§32', '§34', '§33', '§33', '§223', '§21', '§1', '§3', '§17', '§18', '§10']

Foren-Übersicht -> Jura-Forum -> Schlägerei
Verfasst am: 08 März 2006 - 21:23:21 Titel: Schlägerei
hab mal ne Frage an die Jura Studenten uner euch.
Eine Freundin macht sich total Sorgen um ihren Freund und da ich leider keine Ahnung von Jura, Straf- oder Jugendrecht habe wende ich mich an euch.
Waren zusammen auf ner Party, da war nen Typ, total besoffen und der hat nen paar Mädels die ganze Zeit beleidigt, irgendwann wurde es dem Freund von der einen zu bunt und der ist ausgerastet. Hat den Beleidiger nen paar mal ins Gesicht geschlagen, dessen Brille ist kaputt, seine Lippe aufgeplatzt und nen Stück vom Zahn abgebrochen. Der "Täter" ist 16, das "Opfer" 19 Jahre alt.
Ich will nun wissen, was dem 16-jährigen passieren kann. Hoffe auf schnelle Antworten.
Verfasst am: 08 März 2006 - 21:58:22 Titel:
@Jura Studenten:
Ich hab mich schon immer gefragt, was mit §34 StGB (rechtfertigender Notstand) gemeint ist, wenn da steht Verteidigung der Ehre. Hat der Typ, jetzt legal gehandelt, oder war das eine Überschreitung der Notwehr nach §33 StGB? Fällt das überhaupt unter diese Sparte?
Verfasst am: 08 März 2006 - 23:02:53 Titel:
Mal vorerst §32 prüfen ...
Zunächst müßte ein gegenwärtiger, rechtswidriger Angriff vorliegen.
Die Ehre ist ein Rechtsgut das von §32 erfaßt wird.
Ich geh mal zugunsten des 16 jährigen davon aus, daß entsprechende Worte gefallen sind, der 19-jährige seinen Sprachfluß nicht bremsen konnte und weiterhin auf die Mädchen eingeredet hat.
Anhand der Darstellung denke ich, daß der 19-jährige selber nicht gerechtfertigt war.
Demnach liegt ein gegenwärtiger, rechtswidriger Angriff auf die Ehre des Mädchens vor.
Fraglich ist, ob die Handlung des 16-jährigen eine Verteidigung gegen diesen Angriff darstellt.
Ein Verteidigung bedeutet Abwehr des Angriffes (Tröndle Fischer - STGB Kommentar, §32 Rdnr.13). Der Faustschlag hat dazu gedient, daß die Verbalinjurien aufgehört haben. Man kann es also als Verteidigung ansehen.
Fraglich ist, ob diese erforderlich war.
Erforderlich ist eine Verteidigung immer dann, wenn es kein milderes, aber genauso wirksames Mittel gibt, den Angriff zu beenden.
Anhand der Darstellung erscheint es mir, daß der 19-jährige in einem erheblich alkoholisierten Zustand gewesen ist. Ich denke man hätte den Angriff auch beenden können indem man den 19-jährigen gepackt hätte und vor die Tür gestellt hätte, bzw. falls es außerhalb gewesen wäre, ihn mit anderen separiert hätte und ggfls von der Polizei abgeholt hätte.
Diese Art der Verteidigung war nicht erforderlich.
(Im übrigem müßte ihr nicht mich von dem Gegenteil überzeugen, sondern den Richter)
§32 scheidet als Rechtfertigungsgrund aus.
§34 würde ich auch ablehnen, weil meineserachtens die Gefahr auch anders abwendbar gewesen wäre. Aber auch bei der Frage, ob das geschütze Rechtsgut (Ehre) das beeinträchtige (Leib) wesentlich überwiegt, würde ich zu einer negativen Einordnung kommen.
Im Rahmen des §33, sei gesagt, daß sogenannte sthenische Affekte wie Wut, Zorn oder Kampfeseifer nicht durch §33 gedeckt werden.
Es erscheint mir daher eher so, als das die Tat auf Wut beruhrt und nicht auf Verwirrung basiert. Dafür spricht auch das mehrmalige Einschlagen auf den 19-jährigen.
Meineserachtens hat sich der 16-jährige zumindest aus §223 strafbar gemacht. Die einfache Körperverletzung wird mit Freihheitstrafe bis zu 5 Jahren oder mit Geldstrafe bestraft. (Jedoch muß ich vorbehaltlich dazu erklären, daß für Minderjährige das JGG besondere Vorschriften enthalten kann.)
Einer guten Chance der Milderung der Strafe gemäß §21 sehe ich als gegeben.
zum Jugengerichtsgesetz
Der 16-jährige ist Jugendlicher im Sinne des §1 JGG.
Ein Jugendliche ist strafrechtlich verantwortlich, wenn er zur Zeit der Tat nach seiner sittlichen und geistigen Entwicklung reif genug ist, das unrecht der Tat einzusehen und nach dieser Einsicht zu handeln. §3 JGG
Der Richter hat gemäß §17 JGG Jugendstrafe zu verhängen, wenn wegen der schädlichen Neigungen des Jugendlichen, die in der Tat hervorgetrete sind, Erziehungsmaßregeln oder Zuchtmittel zur Erziehung nicht ausreichen oder wenn wegen der Schwere der Schuld Strafe erforderlich ist. Das Mindestmaß der Jugendstrafe beträgt grundsätzlichl 6 Monate, das Höchstmaß fünf Jahre. (§18 I S.2 ist hier nicht einschlägig)
Ich denke nicht, daß es zu einer Jugendstrafe (Freiheitsstrafe) kommen wird.
Der 16-jährige wird für den Schaden des 19-jährigen verantwortlich sein und dafür aufzukommen haben, wenn die andere Seite (oder deren Versicherung) es verlangen.
Zudem werden wohl Erziehungsmaßnahmen in Frage kommen.
Darunter können die Weisung des §10 JGG in Frage kommen (Arbeitsleistungen, sozialer Trainingskurs, sich um einen Täter Opfer Ausgleich zu bemühen) ggfls auch Zuchtmittel.
Verfasst am: 08 März 2006 - 23:32:51 Titel:
Ein Anruf bei den Eltern des Jungen könnte schlimmeres abwenden, wenn man sich entschuldigt, eine Übernahme der Kosten für die neue Brille und anderes vorschlägt und den Eltern in einem Nebensatz sagt, dass ihr Spross sich auch nicht gerade vorbildlich verhalten hat.
Ansonsten kann sich der Junge für die Zukunft merken, dass man Konflikte besser mit Wortel löst. Oder - sollte es zum Äußersten kommen - zumindest dort hin schlägt, wo es weh tut und keine Spuren bzw. bleibenden Schäden bleiben. Das Gesicht ist für so was die denkbar schlechteste Wahl - vor allem bei Brillenträgern..
Verfasst am: 08 März 2006 - 23:59:30 Titel:
Es dürfte eine gute Chance bestehen, daß das Strafverfahren schlicht (oder gegen eine Geldbuße) eingestellt wird, wenn der Täter sich anständig benimmt und bisher unbescholten ist.
Auf zivilrechtlicher Ebene bleibt aber so oder so noch Schadensersatz für Brille und Zahn zu leisten (auch wenn ein Gericht möglicherweise den Betrag wegen Mitverschuldens des Opfers reduzieren wird). In Bezug auf das Strafverfahren kommt es außerdem wirklich gut an, wenn bereits Wiedergutmachung geleistet worden ist.
Verfasst am: 09 März 2006 - 01:16:54 Titel:
Im Übrigen finde ich es auch durchaus fair (und nicht nur rechtens), dass er den Schadensersatz an der Backe hat (Ich denke großartige Strafen hat er nicht zu befürchten - mit sozialstunden dürfte sich das haben).
Aber sorry, wenn der Typ die Mädels einfach nur verbal beleidigt hat, dann kann man ihn auch vor die Tür setzen.
Wenn man hier zu Faustschlägen ins Gesicht greift, will man sich selbst nur aufspielen und als großer Held und Retter dastehen. Mit Verteidigung hat das nix mehr zu tun. Das is mind. genauso schlimm wie die dummen Anmachen des 19-jährigen...