Source: https://deutschesmietrecht.de/kuendigung/72-die-ordentliche-kuendigung-des-mietvertrages.html
Timestamp: 2019-04-26 04:33:56
Document Index: 198417270

Matched Legal Cases: ['§ 573', '§ 193', '§ 573', '§ 573', '§ 573', '§ 573', '§ 573', '§ 556', '§ 2', '§ 573', '§ 573', '§ 573', '§ 573', '§ 566', '§ 574', '§ 574', '§ 574', '§ 574', '§ 574', '§ 573', '§ 549', '§ 549', '§ 549', '§ 549']

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Welche Kündigungsfristen sind von Mieter oder Vermieter zu beachten?
Vermieter und Mieter können grundsätzlich nur unter Einhaltung bestimmter gesetzlicher Fristen kündigen.
Der Mieter hat unabhängig von der Dauer des Mietverhältnisses eine Kündigungsfrist von 3 Monaten einzuhalten.
Kündigt dagegen der Vermieter, greift eine Staffelung der Kündigungsfrist nach der Dauer des Mietverhältnisses (§ 573c BGB):
bis zu 5 Jahren Vertragsdauer beträgt die Kündigungsfrist des Vermieters 3 Monate,
nach mehr als fünfjähriger Dauer verlängert sie sich auf 6 Monate und
nach 8 Jahren Dauer auf 9 Monate.
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Betreff Kündigung meines Mietvertrages vom xx.xx.xxxx über die Wohnung [Bezeichnung, Straße, Ort]
hiermit kündige ich das bestehende Mietverhältnis über die oben genannte Wohnung unter Einhaltung der vertraglich vereinbarten Kündigungsfrist* von drei Monaten zum xx.xx.xxxx.
Die Mieträume werden nach Ablauf des Mietverhältnisses geräumt und in dem vertraglich vereinbarten Zustand mit allen dazugehörigen Schlüsseln zurückgegeben.
Als Abnahmetermin schlage ich den xx.xx.xxxx vor. Sollten Sie zu diesem Termin verhindert sein, bitte ich Sie, mir einen alternativen Übergabetermin zu nennen.
Für eventuelle Besichtigungstermine mit Nachmietern stehe ich Ihnen gerne zur Verfügung. Sprechen Sie geplante Termine bitte rechtzeitig mit mir ab.
Bitte bestätigen Sie mir die Kündigung des Vertragsendes schriftlich.
*Bitte denken Sie daran: Die gesetzlichen Kündigungsfrist eines unbefristeten Mietverhältnisses beträgt für den Mieter immer drei Monate und bedarf keiner Begründung. Mietvertraglich kann für den Mieter (und nur für den Mieter) eine kürzere Kündigungsfrist vereinbart sein. Prüfen sie ihren Mietvertrag auf entsprechende mietvertragliche Vereinbarungen.
Wer sich selbst auf die Suche nach einem Nachmieter begeben möchte, um bei Kündigung des Mietverhältnisses doppelte Mietzahlungen zu vermeiden, sollte dies schon bei Abschluss des Mietvertrages mit seinem Vermieter vereinbaren. Denn die Auffassung, dass der Mieter drei Nachmieter vorschlagen kann und somit von den Mietzahlungen befreit ist, ist ein häufiger Rechtsirrtum. Der Vermieter muss den Mieter ohne Nachmieterklausel nicht früher aus dem Vertrag entlassen.
Die schriftliche Kündigung der Wohnung muss dem anderen Vertragspartner spätestens am dritten Werktag eines Monats zugehen, wenn die jeweiligen Kündigungsfristen eingehalten werden sollen. Gehen Kündigungen verspätet zu, verschiebt sich der Auszugstermin immer um einen Monat. Ist der dritte Werktag ein Samstag, endet die Frist am nächsten Werktag (§ 193 BGB). Zu beachten ist, dass auch der Samstag als Werktag gilt.
BEISPIEL 1: Die Kündigung des Mieters geht dem Vermieter rechtzeitig am 3. Januar 2017 zu. Das Mietverhältnis wird beendet zum 31. März 2017. Geht die Kündigung dagegen verspätet erst am 7. Januar 2017 zu, wird das Mietverhältnis erst zum 30. April 2017 beendet.
BEISPIEL 2: Die Kündigung des Vermieters geht dem Mieter rechtzeitig am 3. Januar 2017 zu. Das Mietverhältnis wird je nach Mietdauer beendet zum 31. März oder zum 30. Juni oder zum 30. September 2017. Geht die Kündigung dagegen verspätet erst am 7. Januar 2017 zu, wird das Mietverhältnis je nach Mietdauer erst zum 30. April oder 31. Juli oder 31. Oktober 2017 beendet. Wurden im Mietvertrag eine längere Kündigungsfrist vereinbart, ist diese unwirksam (§ 573 Abs. 4 BGB).
Unter juris.de können Mieter und Vermieter mit Hilfe eines praktischen Kündigungsrechners die mietrechtliche Kündigungsfrist taggenau gemäß § 573c BGB berechnen.
Kündigungsgründe des Vermieters - Wann kann der Vermieter kündigen?
Der Vermieter kann seinem Mieter nur dann die Wohnung kündigen, wenn er ein berechtigtes Interesse an der Beendigung des Mietverhältnisses hat (§ 573 Abs. 1 BGB). Die Kündigung muss die vom Vermieter geltend gemachten Gründe erkennen lassen. Später nachgeschobene Gründe des Vermieters können weder ein berechtigtes Interesse an der Kündigung (§ 573 Abs. 3 BGB) untermauern noch einen nach der Sozialklausel vorgebrachten Widerspruch des Mieters gegen die Kündigung abwehren. Ausnahme: Erst nach der Kündigung entstandene Gründe können selbstverständlich vorgebracht werden. Kündigungen ohne Begründung sind wirkungslos und können vom Mieter sofort zurückgewiesen werden, hier liegt ein formeller Mangel vor. § 573 Abs. 2 BGB nennt beispielhaft 3 Gründe für ein berechtigtes Interesse des Vermieters an der Kündigung:
1. Vertragspflichtverletzung
BEISPIEL: Mietrückstände, erhebliche Verstöße gegen die Hausordnung, wiederholte unpünktliche Mietzahlungen.
Achtung: Wenn der Vermieter sich darüber beschwert, dass die Wohnungsmiete nicht am 3. Werktag auf dem Konto ist und mit Kündigung droht, sollten Mieter in ihren Formularmietvertrag schauen. Die Miete muss nach § 556b BGB Abs. 1 bis zum 3. Werktag gezahlt werden, die Mietzahlung muss nicht am 3. Werktag auf dem Konto des Vermieters eingegangen sein.
BEISPIEL: Ein Kind des Vermieters heiratet und benötigt die Wohnung oder der Wohnungseigentümer wohnt selbst zur Miete und ihm wurde gekündigt.
Welcher begünstigte Personenkreis eine Eigenbedarfskündigung rechtfertigen kann, welche formalen Voraussetzungen (Beispielkündigung) für eine Eigenbedarfskündigung gegeben sein müssen oder wie sie sich als Mieter wehren können, können sie unter Eigenbedarfskündigung nachlesen.
3. Wirtschaftliche Verwertung
BEISPIEL: Notwendige Kernsanierung eines Altbaus, Abriss, notwendiger Verkauf der Immobilie.
Bei einer Verwertungskündigung geht der Gesetzgeber davon aus, dass ein Eigentümer durch die Fortsetzung des Mietverhältnisses an einer angemessenen wirtschaftlichen Verwertung des Grundstückes gehindert wird und ihm dadurch erhebliche Nachteile entstehen. Die Möglichkeit, durch eine Neuvermietung eine höhere Miete zu erzielen, fällt jedoch nicht unter die Verwertungskündigung. Weitere Informationen erhalten sie unter Verwertungskündigung - was ist das?
Dieser Kündigungsgrund ist in den neuen Bundesländern nach dem Einigungsvertrag ausgeschlossen (Artikel 232 § 2 EGBGB), wenn der Mietvertrag schon vor dem 3. Oktober 1990 abgeschlossen wurde.
4. Teilkündigung
Auch eine Teilkündigung des Vermieters ist möglich, wenn der Vermieter nicht zum Wohnen bestimmte Nebenräume und Grundstücksflächen, z.B. Speicher-, Keller- oder Abstellräume zu Mietwohnraum ausbauen will und die Kündigung auf diese Räume beschränkt (§ 573b BGB).
Hier ein Beispiel zur ordentlichen Kündigung eines Mietverhältnisses durch den Vermieter nach BGB § 573.
Unzulässig ist eine Kündigung durch den Vermieter,
um durch Neuvermietung eine höhere Miete zu erzielen (§ 573 Abs. 1 BGB) oder
weil der Vermieter die Absicht hat, die Mietwohnung als Eigentümer zu verkaufen (§ 573 Abs. 2 Nr. 3 BGB) oder
weil das Mietshaus bzw. die Eigentumswohnung verkauft wurde und der neue Eigentümer mehr Miete/einen modernen Mietvertrag möchte, denn Kauf bricht nicht Miete (§ 566 BGB). Der neue Eigentümer tritt mit allen Rechten und Pflichten in den Mietvertrag ein, der Mieter muss keine höhere Miete zahlen oder einen neuen Mietvertrag mit dem Neueigentümer abschließen.
Wann kann der Mieter der Kündigung widersprechen (Sozialklausel)
Auch wirksame Kündigungen des Vermieters muss der Mieter nicht in jedem Fall hinnehmen. Vielmehr kann er widersprechen und die Fortsetzung des Mietverhältnisses verlangen, „wenn die vertragsmäßige Beendigung des Mietverhältnisses für den Mieter, seine Familie oder einen anderen Angehörigen seines Haushalts eine Härte bedeuten würde, die auch unter Würdigung der berechtigten Interessen des Vermieters nicht zu rechtfertigen ist.“ „Eine Härte liegt auch vor, wenn angemessener Ersatzwohnraum zu zumutbaren Bedingungen nicht beschafft werden kann“ (Sozialklausel des § 574 BGB).
Widerspruch und Fortsetzungsverlangen sind grundsätzlich mehrmals nacheinander möglich. Nach der bisherigen Rechtsprechung können folgende Gründe für den Widerspruch anerkannt werden, insbesondere wenn davon mehrere zusammentreffen: Hohes Alter, Invalidität, Gebrechlichkeit, fortgeschrittene Schwangerschaft, schwere Erkrankung. Weitere Widerspruchsgründe sind denkbar. Maßgebend sind immer die jeweiligen Umstände, die oft erst vor Gericht beurteilt werden.
Der Widerspruch muss schriftlich erklärt werden (§ 574b Abs. 1 BGB). Die Unterschrift ist erforderlich; bei mehreren Mietern müssen alle unterzeichnen. Das Widerspruchsschreiben muss dem Vermieter grundsätzlich spätestens zwei Monate vor Ablauf der Kündigungsfrist zugegangen sein (§ 574b Abs. 2).
BEISPIEL: Der Vermieter kündigt am 3. Januar 2017 zum 31. März 2017 (30. Juni 2017, 30. September 2017). Das Widerspruchsschreiben muss dann dem Vermieter spätestens zugehen am 31. Januar 2017 (30. April 2017, 31. Juli 2017).
Der Vermieter soll den Mieter rechtzeitig auf die Möglichkeit des Widerspruchs sowie dessen Form und Frist hinweisen. Das heißt: Die Information über die Widerspruchsmöglichkeiten kann bereits im Kündigungsschreiben stehen, muss es aber nicht. Der Hinweis muss jedoch so zeitig vor Ablauf der Widerspruchsfrist erfolgen, dass der Mieter eine angemessene Frist zur Überlegung und Abfassung des Widerspruchs einhalten kann. Versäumt der Vermieter das, kann der Mieter auch noch später widersprechen – spätestens im ersten Termin des eventuellen Räumungsprozesses (§ 574b Abs. 2 BGB).
Ein Mieter, der daran zweifelt, ob die Kündigungsgründe des Vermieters tatsächlich berechtigt sind, und der sowieso über einen stichhaltigen Härtegrund verfügt, sollte sich überlegen, ob er nicht vorsorglich davon Gebrauch macht und Widerspruch einlegt. Er versäumt so nicht die Widerspruchsfrist. Der Mieter soll außerdem unverzüglich über die Gründe seines Widerspruchs Auskunft geben, wenn der Vermieter es verlangt (§ 574b Abs. 1 BGB). „Unverzüglich“ bedeutet: Ohne schuldhaftes Verzögern. Tut der Mieter dies nicht, kann ein späterer Rechtsstreit nachteilige Kostenfolgen für ihn haben.
Ausnahmen von den Schutzvorschriften des sozialen Mietrechts
Einliegerwohnungen und Leerzimmer in der Wohnung des Vermieters
Wohnungen in einem vom Vermieter selbst bewohnten Zweifamilienhaus oder Leerzimmer in der Vermieterwohnung, kann der Vermieter auch ohne Angabe eines Kündigungsgrundes kündigen (§ 573a Abs. 2 BGB, Erleichterte Kündigung). Die Kündigungsfrist verlängert sich jedoch um 3 Monate. Der Vermieter muss im Kündigungsschreiben angeben, dass er seine Kündigung auf diese Sonderregelung stützt.
Weitere Ausnahmen vom Kündigungsschutz
Die Bestimmungen über den Kündigungsschutz gelten nicht
für möblierte Zimmer in der vom Vermieter selbst bewohnten Wohnung, sofern der Wohnraum nicht zu dauerndem Gebrauch für eine Familie oder eine auf Dauer angelegte Lebensgemeinschaft überlassen ist (§ 549 Abs. 2 Nr. 2 BGB),
für Wohnraum, der nur vorübergehend vermietet ist (z.B. Ferienwohnungen für einen Sommerurlaub, § 549 abs. 2 Nr. 1 BGB),
für Wohnraum den eine juristische Person des öffentlichen Rechts (z.B. Gemeinde) oder ein anerkannter privater Träger der Wohlfahrtspflege (z.B. Diakonisches Werk oder Caritas) für Personen mit dringendem Wohnbedarf (z.B. Obdachlose) angemietet hat, wenn der Mieter bei Vertragsschluss auf die Zweckbestimmung des Wohnraumes und die Einschränkung des Kündigungsrechtes hingewiesen wurde (§ 549 Abs. 2 Nr. 3 BGB),
für Wohnraum in einem Studenten- oder Jugendwohnheim (§ 549 Abs. 3 BGB).
In diesen Fällen – mit Ausnahme der Studenten- und Jugendwohnheime – gibt es kein Widerspruchsrecht nach der Sozialklausel.
Zusammenfassung zur Kündigung eines unbefristeten Mietverhältnisses
Die "normale" Kündigung des Mietverhältnisses muss von Mieter oder Vermieter immer schriftlich erfolgen.
Alle Mieter und Vermieter, die den Mietvertrag unterschrieben haben, müssen auch die Kündigung unterschreiben.
Der Vermieter muss die Kündigung begründen, der Mieter nicht.
Die Kündigungsfrist beträgt für den Mieter immer drei Monate, es sei denn, im Mietvertrag wurden kürzere Fristen vereinbart. Die Vereinbarung längerer Kündigungsfristen ist unwirksam.
Für den Vermieter ist die Kündigungsfrist je nach Dauer des Mietverhältnisses gestaffelt.
Ein Mieter kann der Kündigung des Vermieters widersprechen, ein Vermieter nicht.
Eigenbedarfskündigung: Wann muss der Vermieter eine Vergleichswohnung anbieten?
Verjährungfrist bei Rückgabe der Wohnung