Source: https://www.frag-einen-anwalt.de/Wieviel-Geld-darf-ein-Angestelleter-nebenbei-als-Selbststaendiger-verdienen--f264089.html
Timestamp: 2020-01-26 21:23:00
Document Index: 215789679

Matched Legal Cases: ['§ 19', '§ 15', '§ 19', '§ 15', '§ 4', '§ 19', '§ 32', '§ 2']

www.frag-einen-anwalt.deArbeitsrechtKündigungWieviel Geld darf ein Angestelleter...
22.07.2014 11:08 |
Ausgehend von einer legalen Beschäftigung als Angestellter in Deutschland (Lagerist), bei dem alle Sozialversicherungs, Arbeitslosen, sowie Krankenversicherungsbeiträge völlig korrekt durch den Arbeitgeber abgeführt werden stellt sich folgende Situation
Als Arbeitnehmer in einer deutschen Firma verdiene ich Brutto: 1800 Euro. Das macht einen Nettobetrag von ca. 1200 Euro. Ich bin gesetzlich Krankenversichert und bezahle einen Betrag von: 145 Euro im Monat. Meine Arbeitszeit als Arbeitnehmer beträgt: 37,5 Stunden in der Woche.
Ich besitze noch ein Einzelgewerbe das ich nebenei als Webdesigner ausübe. Das Gewerbe habe ich korrekt angemeldet, mein Arbeitgeber ist damit einverstanden und ich führe meine Steuern korrekt mit Hilfe eines Steuerberaters ab .
Wieviel Geld darf ich im Monat über mein Gewerbe verdienen um a) meine Mitgliedschaft in der Krankenkasse nicht zu verlieren, um b) als Arbeitnehmer nicht meine Kündigung zu riskieren und / oder c) Steuerrechtlich einen Fehler zu begehen ?
Wird der Betrag den ich höchstens über mein gewerbliches Nebeneinkommen erwirtschaften darf monatlich erhoben oder wird das auf Jahresbasis berechnet (Einnahme Überschussrechnung).
Mir ist klar, das ich bei einer 40 Stunden Woche nicht noch 80 Stunden nebenbei Gewerblich tätig sein darf. Was ist das maximum das ich gesetzlich ausschöpfen kann ? Ich arbeite zur Zeit für einen Stundenlohn von 50 Euro netto nebenberuflich über mein Gewerbe.
Kündigung Kündigung Arbeitgeber Arbeitnehmer Monat
Welchen Umfang der Selbständigkeit Ihr Arbeitgeber duldet, hängt von der Vereinbarung zwischen Ihnen beiden ab. Es gibt Arbeitgeber, die lediglich erwarten, dass das Angestelltenverhältnis nicht unter der Selbständigkeit leidet, andere begrenzen die Tätigkeit auf eine gewisse Stundenzahl pro Woche oder Monat. Wenn Sie sich mit Ihrem Chef schriftlich geeinigt haben, finden Sie den erlaubten Umfang in den Unterlagen. Bei einer mündlichen Vereinbarung hätten Sie das Problem der Beweisbarkeit, wenn es zum Streit kommt.
Grundsätzlich ist es so, dass die Arbeit nicht unter der Selbständigkeit leiden darf, da Sie sonst Gefahr laufen, abgemahnt zu werden. Im schlimmsten Fall kann Ihnen eine fristlose Kündigung drohen. Die genauen Folgen hängen aber, wie gesagt, von der Vereinbarung mit Ihrem Arbeitgeber ab.
Ihre Mitgliedschaft in der gesetzlichen Krankenversicherung (KV) verlieren Sie nicht. Es kann nur zu einer für Sie nachteiligen Umgestaltung des Versicherungsverhältnisses kommen.
Solange Sie angestellt sind, beträgt der Beitrag zur gesetzlichen KV 15,5 %. Davon übernimmt Ihr Arbeitgeber 7,3 % und Sie müssen die 8,2 % abführen.
Wenn Sie nebenher selbständig sind, prüft die KV, wo der Schwerpunkt Ihrer Tätigkeit liegt. Wenn Sie überwiegend selbständig tätig sind, dann haben Sie ein Wahlrecht, ob Sie sich freiwillig gesetzlich oder privat krankenversichern. Wählen Sie weiterhin die gesetzliche KV, dann errechnet sich der Beitrag nach Ihrem Einkommen insgesamt. Es werden die Einkünfte aus dem Angestelltenverhältnis mit denen aus der Selbständigkeit zusammengerechnet und daraus errechnet sich die Höhe des Beitrags zur KV. In Bezug auf den Anteil, der auf das Angestelltenverhältnis entfällt, beteiligt sich der Arbeitgeber weiterhin.
Damit es aber nicht so weit kommt, dass auch das Einkommen aus der Selbständigkeit mit in den Beitrag einbezogen wird, muss der Schwerpunkt auf der unselbständigen Tätigkeit liegen.
Der Schwerpunkt wird nach dem zeitlichen Aufwand errechnet.
Wenn Sie 37,5 Stunden pro Woche als Angestellter arbeiten, muss die wöchentliche Stundenzahl der Selbständigkeit unter 37,5 Wochenstunden liegen, damit eine untergeordnete und damit noch nebenberufliche Tätigkeit vorliegt. Da die Krankenkassen allerdings in der Regel den zeitlichen Aufwand nur schwer bis gar nicht überprüfen können, prüfen diese auch den finanziellen Umfang. Ihre Einnahmen aus der Selbständigkeit dürfen die Einnahmen aus dem Angestelltenverhältnis nicht übersteigen. Sie dürfen also Ihr Jahresbrutto aus unselbständiger Arbeit nicht überschreiten.
Hinsichtlich des zeitlichen Umfanges stellen die Krankenkassen auf die einzelnen Monate ab, bezüglich der Einkünfte richtet sich dies nach dem Kalenderjahr. Dabei soll vermieden werden, dass sich jemand auf 500 Euro anstellen lässt, kaum Beiträge zur KV abführt und nebenher 50.000 Euro aus der Selbständigkeit erwirtschaftet und so die Beitragszahlung in angemessener Höhe durch die Hintertüre umgeht.
Dieses ist unproblematisch. Sie erzielen in Bezug auf Ihr Arbeitsverhältnis Einkünfte aus unselbständiger Arbeit gem. § 19 EStG und in Bezug auf Ihr Gewerbe Einkünfte aus § 15 EStG. Im Rahmen von § 19 können Sie Werbungskosten geltend machen und bei § 15 Betriebsausgaben.
Es erfolgt in Bezug auf die selbständige Tätigkeit eine Einnahmen-Überschussrechnung gem. § 4 Abs. 3 EStG. Erst wenn der Umfang enorm ansteigen würde, müssten Sie Bücher führen.
Sie brauchen erst Gewerbesteuer zahlen, wenn Sie den Freibetrag von 24.500 Euro überschreiten. In Bezug auf die Umsatzsteuer können Sie die Kleinunternehmerregelung nach § 19 UStG wählen. Dann brauchen Sie auch keine Umsatzsteuer zahlen.
Die Einkommensteuer errechnet sich aus beiden Einkunftsarten. Ihr persönlicher Steuersatz (vgl. § 32a EStG) ergibt sich aus den zusammengerechneten Einkünften von Angestelltenverhältnis und Selbständigkeit. Bei diesen Einnahmen werden zuvor noch Werbungskosten, Betriebsausgaben, Sonderausgaben, außergewöhnliche Belastungen, usw. abgezogen, vgl. § 2 EStG.