Source: https://www.lto.de/recht/hintergruende/h/reform-sexualstrafrecht-nein-heisst-nein-sechs-dinge-die-man-jetzt-besser-lassen-sollte/5/
Timestamp: 2017-10-24 05:47:02
Document Index: 241656925

Matched Legal Cases: ['§ 177', '§ 177', '§ 179', '§ 23', '§179', '§ 177', '§ 179', '§ 177', '§ 103', '§ 177', '§ 177', '§ 177', '§ 177', '§ 177', '§ 177', '§ 177', '§ 184', '§ 231', '§ 184', '§129', '§86']

6 Dinge, die Sie beim Sex jetzt besser lassen sollten - Seite 5
5/8: Don't drink and …
Gravierende strafrechtliche Folgen kann es künftig auch haben, wenn der Abend etwas länger wird, es dabei nicht bei einem Glas Wein bleibt- und man in alkoholisiertem Zustand Sex hat. Nach neuer Rechtslage ist es nämlich nicht nur (wie früher) strafbar, wenn der Sexualpartner aufgrund seines körperlichen oder psychischen Zustandes widerstandsunfähig, also völlig weggetreten ist, was in etwa einem Alkoholpegel von 3 Promille entspricht.
Jetzt soll es vielmehr bereits ausreichen, wenn man(n) (oder frau) in der Bildung oder Äußerung des Willens erheblich eingeschränkt ist. Ausnahme: Der "Täter" hat sich der Zustimmung des Opfers "versichert" (§ 177 Abs. 5 Nr. 2 StGB). Und das mit dem versichern sollte man sehr ernst nehmen. In der Gesetzesbegründung heißt es dazu wörtlich, dass sich der Handelnde grundsätzlich auch dann strafbar macht, wenn der betrunkene Partner zwar im Nachhinein kundtut, dass er die sexuelle Handlung freiwillig an sich hat vornehmen lassen, der Beschuldigte sich hierüber aber nicht vorab versichert hat.
Noch gefährlicher wird es, wenn beide betrunken sind: Mangels verbaler oder anderweitig schlüssiger Kommunikationsfähigkeit dürfte Sex zwischen zwei Betrunkenen künftig gänzlich verboten sein. Sex muss also von nun an wie Autofahren gehandhabt werden: Wenn Sie zu müde oder zu betrunken sind, bitte nicht mehr ins Auto bzw. mit jemanden ins Bett steigen.
Sind Sie für oder gegen Vergewaltigung?
Einfach mal im Bett landen oder: der gute alte Flirt
Don't drink and …
Heldentaten à la McGyver
Dr. Alexander Stevens, Nie wieder "Zu Dir oder zu mir?": Sechs Dinge, die Sie beim Sex jetzt besser lassen sollten. In: Legal Tribune Online, 19.07.2016, https://www.lto.de/persistent/a_id/20035/ (abgerufen am: 24.10.2017)
19.07.2016 10:58, GrafLukas
Ich sehe eine Mischung aus Satire und Panikmache, wobei mir die Schwerpunkte nicht immer klar sind.
Wo ist denn beim Punkt "Zu mir oder zu dir" die Neuerung? Das ist doch einfach nur die alte Regelung, die "umnummeriert" wurde.
19.07.2016 12:19, Sabi
Nach § 177 I 3 StGB war dafür eine Nötigungshandlung notwendig. Nach dem neuen § 179 V 3 StGB braucht es dafür keine Nötigung mehr. Aber es bleibt ein Verbrechenstatbestand, somit ist auch der Versuch strafbar (§§ 23 I, 12 I StGB). Schöne neue (Liebes-)Welt.
19.07.2016 14:47, Gutmensch
§179 V Nr. 3 n.F. sagt "Auf Freiheitsstrafe nicht unter zwei Jahren ist zu erkennen, wenn der Täter das Opfer durch die Tat in die Gefahr einer schweren Gesundheitsschädigung oder einer erheblichen Schädigung der körperlichen oder psychischen Entwicklung bringt." ("seelischen" durch "psychischen" ersetzt), das hat genau was mit dem Vorliegen oder Fehlen einer Nötigung zu tun? Oder haben Sie andere Quellen als ich (Drucksache 162/16, Gesetzesentwurf der Bundesregierung).
Wenn Sie schon den Klugscheißer spielen wollen, dann nennen Sie bitte auch die richtigen Anspruchsgrundlagen, so fällt es sehr schwer der Argumentation zu folgen.
Ansonsten möchte ich die steile These, dass jede sexuelle Handlung an einem nicht von beiden Parteien 100% kontrollierten Ort (zB einer Privatwohnung) den Tatbestand des "Ausnutzens einer schutzlosen Lage" erfüllt, mal sauber subsumiert sehen, bis dahin behalte ich es mir vor das als polemischen Mist abzutun.
19.07.2016 16:36, Julia
@Gutmensch: Maßgeblich ist der Entwurf in der Fassung des Rechtsausschusses des Deutschen Bundestags, nicht die Vorentwürfe der Bundesregierung. Nur darüber hat der Bundestag abgestimmt (abrufbar etwa hier: http://dip21.bundestag.de/dip21/btd/18/090/1809097.pdf).
Tipp: Immer erst mit den Tatsachen vertraut machen, bevor Sie andere Menschen beschimpfen.
19.07.2016 20:19, Gutmensch
Der Link funktioniert nicht, hab es jetzt selber gefunden, extrem umständlich jedenfalls.
Wie auch immer, die Bezeichnung von Sabi ist trotzdem falsch, es ist der neue § 177 I, V Nr. 3; den zitierten § 179, der gibt es (im Gegensatz zum Entwurf der Bundesregierung, die diesen reformieren wollte) nicht mehr.
Und auch die neue Fassung setzt sexuelle Handlungen gegen erkennbaren Willen einer Person, im Falle des Abs. 5 unter Ausnutzung einer schutzlosen Lage voraus. Wie man davon auf "man darf niemanden mehr mit in seine Wohnung nehmen" kommt, ist mir schleierhaft.
19.07.2016 22:04, Euklid
Ich stimme Gutmensch zu. Bei der Frage, ob die Nutzung einer Privatwohnung künftig - wie der Autor behauptet - grundsätzlich eine schutzlose Lage darstellt, ergibt sich zu der bisherigen Regelung in § 177 I Nr. 3 StGB keine Änderung. Es handelt sich in der neuen und alten Fassung um die Formulierung "Lage [...], in der das Opfer der Einwirkung des Täters schutzlos ausgeliefert ist". Hier vermag ich keine Änderung der Rechtslage zu erkennen.
19.07.2016 22:08, Euklid
Richtig ist, dass in der alten und in der neuen Fassung die Formulierung "Lage [...], in der das Opfer der Einwirkung des Täters schutzlos ausgeliefert ist" verwendet wird. Ich kann darin keine Änderung der Rechtslage erkennen in Bezug auf die Frage, ob damit eine Privatwohnung an sich eine solche schutzlose Lage begründet.
20.07.2016 21:50, .
Beruht der staatliche Strafanspruch auf Anspruchsgrundlagen? Das dürfte wohl eher eine ziemlich unpassende Formulierung sein.
19.07.2016 11:23, equality
Auch wenn es Satire sein soll - es ist geschmacklos. Juristen sollten einfach nicht versuchen, witzig zu sein. Geht fast immer nach hinten los.
equality Auf diesen Kommentar antworten
19.07.2016 12:54, Christoph
Was ist daran geschmacklos den Irrsinn einer gesetzlichen Regelung an Beispielen überspitzt aufzuzeigen?
Unter "Was bleibt" zeigt der Autor eindeutig auf, dass es bei den meisten von ihm gewählten Beispielen nie zu einer Anzeige kommen wird.
Dennoch sind ab In-Krafttreten einige unbedachte Handlungen rein rechtlich strafbar.
Vielleicht beruhigt es Sie zu hören, dass es etliche strafrechtliche Regelungen gibt, die streng ausgelegt viele unbedachte Handlungen strafbar machen.
19.07.2016 14:03, RA JM
Dumm, wenn man nicht erkennt, dass das viel eher bitterer Ernst all witzig ist.
19.07.2016 14:45, Dr iur
Ganz richtig, Herr Kollege JM! Ich habe am Wochenende mit einem Strafrechtsprofessor über die Neuerungen gesprochen, er bestätigte meine Erschütterung über die Vergewaltigung des StGB. Das grenzt an blinden Aktionismus, ohne dass sich die Parlamentarier die gravierenden Rechtsfolgen vor Augen geführt haben. Und wenn mir das als Gesellschaftsrechtler schon auffällt.
Danke für den Artikel an den Kollegen Stevens!
19.07.2016 12:34, Jeff
Geschmacklos ist eher diese absurde Verschärfung, völlig ohne Sinn und Verstand. Geschmackvoll ist dagegen dieser Aufsatz und die unzähligen TF-Kolumnen zu diesem Schmarrn.
Jeff Auf diesen Kommentar antworten
19.07.2016 12:43, Robert
Der Artikel trifft den Nagel auf den Kopf. Das neue Gesetz öffnet das Hintertürchen für Willkür. Die Freiheit wurde auf dem Altar der Sicherheit geopfert. Bessere Beratungsstellen, mehr Aufklärung, eine starke Frauenbewegung zum Umgang und Prävention von sexuellen Übergriffen wäre sinnvoller gewesen als dieses Hammergesetz.
21.07.2016 23:05, Kurt
Und wieso jetzt eine starke Frauenbewegung? Ist halt das Problem von Frauen, sollen die sich drum kümmern oder wie? Bei den Tätergruppen kann und sollte angesetzt werden!
19.07.2016 13:05, xy
So etwas hirnrissiges und verquastes wie das neue Sexualstrafrecht ist seit § 103 StGB nicht mehr Gesetz geworden! Demnächst gibt es dann wieder das Kranzgeld...
19.07.2016 13:28, Justizia
Wäre es nicht einfacher, Sex grundsätzlich zu verbieten und nur Ausnahmetatbestände zu schaffen, bei denen eine Genehmigung, zb vom Familiengericht oder so, erteilt wird?
Würde die Beweisschwierigkeiten ausräumen, die sich aus dieser fürchterlichen und unhaltbaren Unschuldsvermutung ergeben!
19.07.2016 13:56, Hubert
Bin ganz Ihrer Meinung. Daß der sog. Bundestag dieses Schandgesetz zu 100 % verabschiedet hat, hat mich wütend gemacht.
Deshalb: Diese Leute gehören abgewählt
Alles wird verschärft, kein Wunder, daß die Leute aggressiv werden (z.B. Nizza, Köln, Würzburg, München),
Das einzig richtige wäre endlich diese Gesetzesverschärfungen zurückzunehmen und wieder zu einem normalen Miteinander zu kommen.
Aber mit CDUCSUSPDGRÜN wird das nichts. Diese Leute müssen weg.
Piraten wählen ist die einzige Alternative.
UND: Nach dem Konnexitätsprinzip müssen auch die Aussagedelikte verschärft werden. Frauen, die lügen und Männer in Untersuchungshaft bringen, müssen endlich härter bestraft werden.
Aber das traut sich niemand ran. Noch nicht.
Endzeitstimmung in der Bundesrepublik und der übrigen Welt.
19.07.2016 15:54, GrafLukas
Die Gesetzesverschärfungen als URSACHE für die letzten Gewalttaten zu benennen, halte ich aber auch für eine steile These.
19.07.2016 16:32, Hubert
Nein, das ist die Realität. Wenn immer mehr überwacht wird, gewöhnt sich der Mensch dran und schaut, wie er sich schützen kann, um dann brutal zuzuschlagen. Das ist bereits bei Videoüberwachung festzustellen, die zum Glück keinen mehr abschreckt, sondern nur noch dazu führt, sich besser zu schützen. Aber dafür mit mehr Aggressivität, weil man ja überwacht wird, und wer Unschuldige Bürger ständig überwacht muß bestraft werden. Diese Gesetzesverschärfung ist also ein Bumerang für alle sog. Frauenrechtler, die sich jetzt freuen, weil die Männer langsam kapieren, was hier abgeht. Deshalb werden Aggression und Gewalt gegen Frauen zunehmen, und die Männer schützen sich einfach besser. Und zwar zu Recht. Überwachung und ständige Gesetzesverschärfungen bringen nichts, sondern führen zu mehr Aggression, langsam sollte jeder das verstehen. Besser wäre es, wieder technisch und juristisch abzurüsten, um wieder ein friedliches miteinander zu schaffen.
19.07.2016 13:34, Kollege aus Berlin
großes Lob für den Artikel, der einige Problempunkte auf witzige Art beleuchtet.
Seien Sie sich aber gefasst, dass #teamginalisa u. ä. Ihnen die nächsten Tage mit Zuschriften und Boykottaufrufen versüßen werden.
Viel Gelassenheit und beste Grüße aus Berlin
Kollege aus Berlin Auf diesen Kommentar antworten
19.07.2016 13:52, xy
Problematisch ist aber die Frage des Widerrufs, auf den ja wohl nicht rechtsverbindlich verzichtet werden kann. Im Übrigen sollte auch ein notarieller Sex-Vertrag ausreichen...
19.07.2016 14:08, Justizia
Man sollte Notarinnen und Notare an die Garderobe jedes Clubs setzen. Beim Verlassen insbesondere mit einem One Night Stand bekommt man nicht nur seine Jacke, sondern auch die Möglichkeit, sich die Einvernehmlichkeit der nachfolgenden sexuellen Interaktion notariell abzusichern. In einem solchen Vertrag können auch die Formalitäten eines Widerrufs geklärt werden. Das würde es immerhin Tätern erleichtern, ihre Unschuld zu beweisen (denn so sollte es ja in einem guten Rechtsstaat sein, zumindest im Sexualstrafrecht)
Außerdem schafft das massig Arbeitsplätze für uns Juristinnen und Juristen!!
19.07.2016 14:09, Christian
Christian Auf diesen Kommentar antworten
19.07.2016 14:22, FS
Sehr fundierte Kritik Ihrerseits!
19.07.2016 16:27, Julia
Ich vermute, Sie haben sich noch nicht allzu intensiv mit der Neuregelung befasst, deren Details nichts mehr mit der schlagwortartig präsentierten "Nein-heißt-nein"-Lösung zu tun haben.
Dem kann durch Lektüre des Gesetzesentwurfs und der Begründung des Rechtsausschusses des Deutschen Bundestags abgeholfen werden ((http://dip21.bundestag.de/dip21/btd/18/090/1809097.pdf).
Und danach würdigen Sie doch gerne einmal Herr Dr. Stevens Ausführungen zu einem der von ihm präsentierten Tatbestandsmerkmale kritisch und legen Sie die vermeintlichen Fehler des Autors dar. Darauf wäre ich gespannt!
19.07.2016 14:25, Leon
Eine scharfsichtige und -sinnige Informatikerin hat sich auch mal eine andere Facette des neuen Sexualstrafrechts angeschaut, die vor allem erklärte (Ehe) -paare betrifft:
http://auschfrei.wordpress.com/2016/07/13/die-kriminellen-in-meinem-bett/
Es ist schon ziemlich gruselig.
Vor allem, wenn man sich vor Augen führt, dass eine Anzeige ohne weiteres 10 oder sogar bis zu 20 Jahre später möglich ist, z.B. also der oder dem Scheidungswilligen die Missetat noch Jahre später auffallen kann.
19.07.2016 16:09, Julia
Viele der hiesigen Kommentatoren scheinen der Fehlvorstellung zu unterliegen, es handele sich um eine Satire. Eine solche vermag ich nicht zu erkennen. Ich empfehle dringend einmal (nur als Beispiel, die anderen Normen sind ähnlich absurd!) die Lektüre von § 177 Abs. 5 Nr. 2 StGB und die Gesetzesbegründung hierzu (abrufbar etwa hier: http://dip21.bundestag.de/dip21/btd/18/090/1809097.pdf).
Demnach soll jeder Mensch einer VERGEWALTIGUNG schuldig sein, der einverständlichen Sex mit einer Person hat, die in ihrer Willensbildung oder Äußerung eingeschränkt ist (aber voll geschäftsfähig ist!) und sich nicht vor jeder einzelnen sexuellen Handlung ausdrücklich der Zustimmung der betroffenen Person versichert..
Davon sollen ausdrücklich auch angetrunkene Menschen erfasst sein (BT-Drs. 18/9097, S. 25).
Damit wird die nach Auskunft des Bundestags die „Nur-Ja-heißt-Ja“-Lösung umgesetzt, bei der jede einzelne sexuelle Handlung – auch innerhalb ein und desselben Geschlechtsaktes (zum Beispiel: Streicheln der Brust, dann Streicheln des Intimbereiches etc.) – vorab zwischen den beteiligten Sexualpartnern konsentiert sein muss‘“ (BT-Drs. 18/9097, S. 26).
Unerheblich ist, ob die angetrunkene Person selbst beteuert, „dass sie die sexuelle Handlung freiwillig vorgenommen habe, der Beschuldigte sich hierüber aber nicht vorab versichert hat“ (BT-Drs. 18/9097, S. 26).
Hintergrund ist die „abstrakte Gefahr, dass die geschützte Person in ihrer sexuellen Selbstbestimmung verletzt wird“ (BT-Drs. 18/9097, S. 26). Lediglich auf Ebene der Strafzumessung darf berücksichtig werden, dass die angetrunkene Person die Geschlechtsverkehr wollte (wird“ (BT-Drs. 18/9097, S. 26).
Das bedeutet: Auch langjährige Ehepartner, die zusammen regelmäßig eine Flasche Wein trinken, laufen Gefahr, eine Mindeststrafe von 2 Jahren Haft zu verwirklichen, wenn sie sich bei der EINVERSTÄNDLICHEN, auf langjähriger gegenseitiger Kenntnis und Vertrauen gegründeter Regelung ihres Intimverkehrs in ihren eigene vier Wänden (!) nicht an die vom Rechtsausschuss des deutschen Bundestags erdachten Verkehrsregeln halten – wegen der da-von ausgehenden abstrakten Gefahr!
Notwendig ist zudem die ausdrückliche Fragen um Zustimmung vor JEDER einzelnen Handlung, es genügt nicht das ausdrückliche Einverständnis zum Geschlechtsverkehr. Es dürfte sich von selbst verstehen, dass niemand die vom Rechtsausschuss des Deutschen Bundestags aufgestellten Verkehrsregeln in einer Liebesbeziehung lange durchhält. Denken Sie auch an Paare, die gelegentlich ein Joint rauchen, echte Trinkerpärchen oder Drogensüchtige! In einer langen Beziehung dürfte hier wegen der Vielzahl der Taten auch kein minder schwerer Fall mehr in Betracht kommen, sondern nur eine langjährige Gesamtstrafe.
Bleibt nur noch das höchst unbestimmte und letztlich willkürliche Merkmal des „Ausnutzens“, das kaum eine Begrenzung des staatlichen Strafanspruchs bietet. „Der Täter nutzt eine solche Lage aus, wenn er sie erkennt und sich für die sexuelle Handlung zunutze macht“ (BT-Drs. 18/9097, S. 24). Das bedeutet letztlich nicht mehr als Kenntnis der Sachlage! Das Kriterium bezog sich früher auf reine Missbrauchshandlungen, z.B. Geschlechtsverkehr mit einer wegen „geistiger Krankheit“ etc. nicht einwilligen Person, wo bereits die Tathand-lung als solche ein Ausnutzen indiziert. Im Rahmen von § 177 Abs. 5 Nr. 2 StGB (Sexuellen Handlung mit einwilligungsfähiger, angetrunkener, erwachsener Person, die Sex wollte, aber lediglich eine Nuance zu ambivalent darum gebeten hat) bietet das Kriterium des „Ausnutzens“ überhaupt kein taugliches Abgrenzungskriterium mehr.
Völlig absurd ist schließlich, dass natürlich zwei angetrunkene Menschen sexuelle Handlungen vornehmen können. Beide können durchaus noch schuldfähig sein, aber zu angetrunken sein, als dass sie ohne noch einmal nach ihrer Zustimmung gefragt zu werden hätten Sex haben dürfen. Der einverständliche Sex zwischen zwei Erwachsenen Menschen kann durchaus eine Vergewaltigung darstellen (als abstraktes Gefährdungsdelikt!) – begangen von beiden Sexualpartnern am jeweils anderen.
Der Rechtsstaat hat meines Erachtens kapituliert. Ein Strafrecht ohne jede „Lücke“ ist ein grenzenloses Strafrecht ohne rechtsstaatliche Bestimmtheit, letztlich eine totalitäres Straf-recht, das ohne Schranken in den Lebensbereich des einzelnen eingreift. Damit nie wieder ein Vergewaltigter nicht verurteilt wird, verzichtet der Gesetzgeber einfach darauf, zu definieren, was eine Vergewaltigung überhaupt ist und schafft „Unrechts“-Tatbestände, die sich nach Belieben des Gerichts gummiartig schlicht immer anwenden lassen.
Ich kann jedem Menschen nur raten: Begrüßen Sie ihren Ehegatten niemals mit einem Kuss, wenn dieser angetrunken von einer Betriebsfeier nach Hause kommt. Fragen Sie ihren Ehegatten vor jedem Kuss, ob er diesen möchte.
Und nein, ein Großteil der Abgeordneten des Bundestags hat nicht gelesen, was der Rechtausschuss in der Nacht davor erarbeitet hat.
Julia Auf diesen Kommentar antworten
19.07.2016 16:35, Hubert
100 % volle Zustimmung.
22.07.2016 15:13, Justizia
Sehr richtig und eine fundierte und mit sachlichen Argumenten untermauerte Wiedergabe dessen, was der Autor in eher satirischer Form darstellt! Das zeigt, dass hier zwar die Form der Satire gewählt, die inhaltliche Einschätzung jedoch auch bei nüchterner Analyse des Gesetzes zutreffend ist.
22.07.2016 17:23, McSchreck
das klingt wirklich bedenklich. Da ich wenig Vertrauen habe, dass der Gesetzgeber noch bei klarem Verstand ist, halte ich Ihre Darstellung für realistisch. Es bleibt nur noch die Hoffnung, dass das BVerfG diesen Wahnsinn korrigiert, weil es letztlich auf die Abschaffung des Grundprinzips des Strafrechts hinausläuft, dass erlaubt ist, was nicht ausdrücklich verboten ist. Hier wird einfach mal (fast) alles verboten und die Erlaubnis muss ggf. nachgewiesen werden, völlig absurd.
19.07.2016 18:51, Khan
Ist das jetzt ein schrecklich fehlgeschlagener Versuch von schwarzem Humor oder tatsächlich die dümmste Auslegung seit es das StGB gibt. So oder so war das Lesen dieses Beitrags für mich die Zeitverschwendung des Monats.
Khan Auf diesen Kommentar antworten
19.07.2016 19:31, nie wieder
Ja, ja, das Leben ist kurz ...
23.07.2016 18:54, lügenpresse
einer der widerlichsten artikel, die ich seit langem lesen durfte. dr alexander stevens, sie waren niveautechnisch bei sat1 gut aufgehoben und in den köpfen von manchen kommentatoren wünschen sich frauen vermutlich auch noch den unaufgeforderten klaps auf den po #killjoy
25.07.2016 11:16, Christoph
@lügenpresse:
Ihr Pseudonym sagt ja schon alles!
Wie so viele mit Ihrer Einstellung wird gewettert, dass das Zeug hält, aber nie fundiert recherchiert und sich Gedanken gemacht.
Versuchen Sie erst einmal die Neuerungen zum Sexualstrafrecht zu verstehen. Dann sollten Sie sich eine Meinung bilden.
19.07.2016 21:54, Euklid
Eine Übertreibung des Autors dürfte bei der Einstufung eines Zungenkusses als mögliche Vergewaltigung wegen des damit verbundenen Eindringens in den Körper vorliegen. Schon im bisherigen § 177 StGB war diese Formulierung in § 177 II 2 Nr. 1 StGB gleichlautend mit dem neuen § 177 VI Nr. 1 StGB enthalten. Bei Fischer, StGB-Kommentar, 63. Auflage 2016, § 177 Rn. 68 sind Nachweise dafür enthalten, dass ein Zungenkuss in der alten und damit wohl auch in der neuen Formulierung keine Vergewaltigung begründen kann. Es fehlt entweder an einer beischlafähnlichen, besonders erniedrigenden Handlung, am Eindringen oder an einer sexuellen Handlung.
Euklid Auf diesen Kommentar antworten
19.07.2016 22:19, Euklid
Bei der Erwähnung des McGyver-Messers, das eine Mindeststrafe von drei Jahren nach sich ziehen soll, hätte der Autor auch erwähnen können, dass in diesem Fall regelmäßig ein minder schwerer Fall vorliegt, der "lediglich" eine Mindeststrafe von einem Jahr nach sich zieht.
Ebenfalls erwähnenswert wäre hier gewesen, dass auch bei anderen Tatbeständen des "Beisichführens" z.B. in " 244 I Nr. 1 lit. a StGB erwogen wird, über die Vorsatzprüfung Gebrauchsgegenstände des täglichen Lebens wie z.B. ein kleines Taschenmesser zum Öffnen von Bierflaschen auszuscheiden.
20.07.2016 01:29, Julia
Die Annahme eines minderschweren Falls ist hier alles andere als ein Automatismus. Ein minderschwerer Fall liegt vor, wenn das gesamte Tatbild einschließlich aller subjektiven Momente und der Täterpersönlichkeit bei Gesamtbetrachtung aller wesentlichen belastenden und entlastenden Umstände vom Durchschnitt der gewöhnlich vorkommenden Fälle in so erheblichem Maße abweicht, dass die Anwendung des Ausnahmestrafrahmens geboten erscheint. Ob das im jedem Einzefall so angenommen wird, darauf kann sich kein "Täter" verlassen. Das kann beispielsweise an der Täterpersönlichkeit scheitern, wenn schon eine (nicht einschlägige!) Vorstrafe vorliegt oder das Gericht, dass hier durchaus weiten Beurteilungsspielraum genießt, aus welchen Gründen auch immer nicht möchte.
Tatsächlich werden diverse Möglichkeiten diskutiert, das Beisichführen auszuschließen. Sie sollten aber auch dazu sagen, dass diese Diskussion in der Rechtsprechung keinen Widerhall gefunden hat. Der Gesetzgeber wünscht auch im Rahmen der Sexualstrafdelikte keine Reduktion des Tatbestands. Mal sehen, ob sich die Rechtsprechung hier dennoch wird dazu durchringen können, dieser Absurdität wenigstens im Rahmen von § 177 StGB ein Ende zu bereiten. Darauf wetten würde ich zum jetztigen Zeitpunkt allerdings nicht.
19.07.2016 22:31, Euklid
In Bezug auf Junggesellenabschiede bin ich ganz beim Autor und halte den geplanten § 184j StGB für eine Katastrophe. Die Tathandlung ist Beteiligung an einer Personengruppe. Wenn irgendjemand aus dieser Personengruppe eine sexuelle Straftat nach neuem Recht begeht, ist damit die Strafbarkeit begründet, wenn sich der Täter z.B. aufgrund der Gruppengröße ermuntert fühlt zu dem übergriffigem Verhalten.
Wo bleibt da das Schuldprinzip? In § 231 StGB, der als verfassungsmäßiger Vergleich herangezogen wird, beteiligt man sich nicht an einer Personengruppe, sondern an einer Schlägerei. Dass die Beteiligung an einer Schlägerei strafbar ist, sollte jedem bewusst sein. Die Beteiligung an einer Personengruppe ist aber sozialadäquat. Wer sich nie an Personengruppen beteiligt ist dagegen asozial. Hier wird eine Sippenhaft eingeführt, die entweder durch sehr enge Auslegung der Gerichte oder durch eine Erklärung der Verfassungswidrigkeit auf eine rechtsstaatliche Größe beschränkt werden muss. Es ist erschreckend, dass der Gesetzgeber solchen Bedenken nicht durch eine saubere und undedenkliche Formulierung abhilft.
20.07.2016 11:46, Klaus
21.07.2016 14:10, LVM
Wenn der Autor, sowie diejenigen, die sich hier über diese Gesetzesänderungen aufregen, mal einen Monat als Frau leben könnten, wäre ihnen vielleicht klar, warum diese Gesetze sinnvoll sind. Versuchen Sie doch mal sich vorzustellen, wie es sich mit dem Bewusstsein, körperlich unterlegen zu sein, leben lässt. Mir fällt zu jedem der hier genannten Punkte eine Situation ein, in der ich mich wenigstens juristisch wehren können möchte. Unterhalten Sie sich doch mal mit Frauen in Ihrem Umfeld darüber, fragen Sie sie doch vor allem mal danach, wie es ihnen als Teenager und junge Frau gegangen ist -vielleicht inspiriert sie das etwas und sie erkennen, wie sinnvoll diese Gesetze und wie widerlich dieser Artikel ist.
LVM Auf diesen Kommentar antworten
22.07.2016 02:19, Allie McBealson
Es geht im Recht nicht darum, was rechtens wäre, sondern ausschließlich darum, welcher (auch unsinnig bestimmte) Regelbruch beweisbar ist. Dies führt zu un-menschlichen Regelungen im Einzelfall, die aber im Gesamten zu mehr Regeltreue führen sollen - es hat also etwas erzieherisches. Bei den neuen Regeln ist nun kein Beweis, kein Tatwille, ja nicht einmal ein Geschädigter nötig. Wozu soll das in Bezug auf Sex erziehen? Es lädt vielmehr durch die unbestimmten Regelungen zu Mißbrauch ein... zB bei Kindschaftsfällen, wo wir schon heute unverhältnismäßig hohe Falschanzeigen haben, da Menschen ohne Rücksicht auf Verluste mit allen Mitteln um ihre Kinder kämpfen... Oder bei Nachbarkeitsstreitigkeiten, wo jetzt Dritte eine Vergewaltigung anzeigen können (zB ein kleines Filmchen von offensichtlich betrunkenen Eheleuten in ihrem Haus beim Sex reicht schon). Und bei Strafrecht handelt es sich um Offizialdelikte, d.h. der Staat muß fast anklagen... und wird auch verurteilen müssen, da die Delikte völlig beliebig sein können - von einvernehmlich bis offensichtlich non konsensuell ist jetzt alles gleich strafbar, wenn jemand die Motivation hat, das so zu nützen...daher müssen gleich einmal Massenanzeigen bei jeder Großveranstaltung, jeder Feier, jedem Oktoberfest, Schulball, jeden Discoabend etc folgen, damit vielleicht erkannt wird, dass hier ein wenig zu unscharf geschossen wird und auch Opfern von nach altem Strafrecht schon strafbaren Handlungen eher ein Bärendienst erwiesen wird. Aber das merken dann alle spätestens dann, wenn die eigenen Kinder in die Pubertät kommen... viel Spass, ich könnte das nicht...
22.07.2016 07:07, Maria
"Wenn der Autor, sowie diejenigen, die sich hier über diese Gesetzesänderungen aufregen, mal einen Monat als Frau leben könnten, wäre ihnen vielleicht klar, warum diese Gesetze sinnvoll sind."
Ich lebe seit 49 Jahren als Frau und nicht nur seit einem Monat und kann beim besten Willen nicht erkennen, was an diesen Gesetzen sinnvoll sein soll.
"Versuchen Sie doch mal sich vorzustellen, wie es sich mit dem Bewusstsein, körperlich unterlegen zu sein, leben lässt."
Soweit ganz gut, danke der Nachfrage.
"Unterhalten Sie sich doch mal mit Frauen in Ihrem Umfeld darüber, fragen Sie sie doch vor allem mal danach, wie es ihnen als Teenager und junge Frau gegangen ist"
Gut. Ich hatte als 13-jährige Sex meinen ersten Sex mit einem 17-jährigen. Es war schön und hat mir nicht geschadet. Meine Tochter hat ähnliches mit 15 erlebt.
26.07.2016 10:27, Hedonist
Nicht jede Frau ist jedem Mann körperlich unterlegen.
Auch Frauen können Täterinnen sein.
Und bitte TäterInnen auch immer schön brav gendern.
Sparen Sie sich ihren Sexismus!
Gegen Minderwertigkeitskomplexe helfen Selbstverteidigungskurse und Psychotherapie und keine unrechtsstaatlichen Gesetze.
21.07.2016 15:41, Martin
"Das gilt, um es vorweg zu sagen, für Frauen ebenso wie für Männer."
Nein, eben nicht. Auch der Autor hat die Tragweite des von ihm kritisierten Gesetzes insofern nicht verstanden. Auch viele andere Kritiker bleiben in gleicher Weise auf halber Strecke stehen.
Der Irrtum besteht darin zu glauben, dass solche Gestaltungsansätze des Strafrechts, des Rechts insgesamt, noch den Motiven rechtsstaatlicher Gesetzgebung folgen: also der abstrakt-generellen Regelung von Lebenssachverhalten, um für diese Sachverhalte eine vorhersehbare, allgemeine Rechtssicherheit zu schaffen.
Dass Herr Stevens sich darauf konzentriert, die Absurdität der neuen "Rechtssicherheit" im Sexualstrafrecht aufzuzeigen, führt am eigentlichen Problem vorbei: Die Verdrängung des Legalitätsprinzips durch das Opportunitätsprinzip.
Lesen Sie die Verteidigungsschriften für die Reform, lesen Sie zwischen den Zeilen! Lesen Sie, wie die Anwendung auf konstruierte, gleichwohl nicht abwegige Problemfälle, in denen das neue Recht unverhältnismäßig wirkt, abgewiegelt werden. Beispielhaft Tatjana Hörnle in der taz: http://www.taz.de/!5315782/
"Im Lauf von Beziehungen gibt es viele Vergehen, etwa Beleidigungen. Und im Verlauf von Trennungen wird mit Blick auf bestimmte Gegenstände der Vorwurf der Unterschlagung erhoben. Das Strafrecht ist nicht dazu da, all solche Vergehen in Beziehungen aufzuarbeiten. Hier würde das Verfahren wegen „geringer Schuld“ eingestellt."
Richtig, das lässt sich alles auf der Einstellungsebene lösen. Nur: In welchen Fällen wird das geschehen? In dem von Hörnle beantworteten Beispielfall handelte es sich um eine "Täterin", das zur Information.
Diese Rechtssetzung dient - wie jedes Moral- und Sittenrecht - dazu, den jeweils "herrschenden" Generationen von Juristen - im Fall der Staatsanwaltschaften angeschlossen an die Politik - der Strafverfolgung ihren Stempel aufzudrücken, ihr subjektives Bild von Moral und Wirklichkeit. Wie das für die Verfechter des neuen Sexualstrafrechts aussieht, ist dem Kommentar von "LVM" hier zu entnehmen: Eine Erlebenswelt der Frau als permanentes Opfer.
21.07.2016 21:44, Volle Zustimmung
Viel aufschlussreicher war, was Hörnle zu dem Fall sagte, dass eine Frau den sexunwilligen Partner in mehreren Anläufen durch sexuell konotierte Handlungen zum Sex "überredet" - das sei zwar tatbestandlich, aber welcher Mann bringe das schon zur Anzeige... eine solche Aussage würde mit umgekehrten Rollen einen feministischen Shitstorm zur Folge haben. Es zeigt aber vor allem, welche Art der Gleichberechtigung die Lobby dieser Gesetzesänderung vor Augen hat. Was zählt da schon die Kriminalisierung sozial-adäquaten Verhaltens?
21.07.2016 18:40, Simon
Was leider bis dato vollkommen verkannt wird, ist, dass es sich zum jetzigen Zeitpunkt nur um eine Änderung des Strafrechts handelt. Wie diese Änderung des Strafrechts in der einschlägigen Judikatur umgesetzt wird, ist damit noch in keinster Weise vorbestimmt. Auch wenn Gesetzesbegründungen Teil der Auslegung sind - im Rahmen der historischen Auslegung - finden sich weitere Auslegungsmethoden, darunter Sinn und Zweck. Schließlich zieht die Verfassung am Ende die Grenze geltenden einfachen Rechts. Die vorliegende Reform schließt erhebliche Lücken im Strafrecht, die immer dort bestanden, wo zum Einen eine echte Verteidigung durch das Opfer - sei es männlich oder weiblich - aufgrund des körperlichen Zustands oder aufgrund physischer Unterlegenheit schlicht nicht in Frage kam. Dabei werden - wie bei jeder abstrakt-generellen Regelung - auch Sachverhaltskonstellationen erfasst, die möglicherweise die Grenzen der Verfassungs, z.B. des Schuldgrundsatzes überschreiten. Hier ist eine verfassungskonforme Auslegung, insbesondere des bisher stiefmütterlich behandelten Merkmals "Ausnutzen" geboten, um für solche Einzelfälle Abhilfe zu schaffen. Der neu eingeführte "Grabscherparagraph" § 184j StGB könnte hierbei in Gänze dem Verdikt der Verfassungswidrigkeit zum Opfer fallen, nachdem diese Norm gegen jedes Prinzip der indiviellen Handlungshoheit und individuellen Schuldzurechnung die Verantwortung auf auch nur passiv Anwesende erstreckt. Die Einschränkung "ich an einer Personengruppe beteiligt" wird hierbei kaum ausreichen, um den Tatbestand auf eine - bereits bisher als (zumindest) Teilnahme strafbare - aktive Mitwirkung zu beschränken.
Solche Fragen lassen sich vernünftig und nüchtern diskutieren, anstatt sie derart unseriös wie hier unter Auslassung sauberer Methoden durch den Cacao zu ziehen.
21.07.2016 20:20, B. Rhode
Danke an Dr. Steffens für einen grandiosen Artikel, der beim Lesen zunächst mal ein breites Grinsen hervor ruft, beim weiteren Nachdenken dann aber ernsthaft daran Zweifel aufkommen lässt, ob unsere Parlamentarier wirklich noch bei Sinnen sind! Es sollte unter Strafe gestellt werden, wenn Abgeordnete Gesetze beschließen, über deren Tragweite und Inhalt sie sich nicht mit ausreichender Sorgfalt unterrichtet haben!!!
B. Rhode Auf diesen Kommentar antworten
21.07.2016 22:05, ).
Damit nicht jeder "umständlich suchen" muss. entfernt hinter dem Link einfach die ) und den . dann klappt das auch... Den Link genauer anzuschauen war aber wohl noch umständlicher als die Suche :D
). Auf diesen Kommentar antworten
22.07.2016 00:05, Kanso
Ein Gesetz, das es zulässt, nach Belieben Unschuldigen das Leben zu ruinieren, ist kein gutes Gesetz.
Kanso Auf diesen Kommentar antworten
23.07.2016 18:41, caora
unschuldig ist niemand, der menschen belästigt oder sexuell nötigt.
22.07.2016 08:39, Troll
Is nicht am Ende nur der Ort und der Richter, der von diesem dummen Gestz übrigbleibt?
Es steht Aussage gegen Aussage, Beweise gibt es keine zu Erörtern, da es ja keine Gewalteinwirkung gibt, es gibt nur das Gefühl vergewaltigt worden zu sein.
Da stehen zwei Parteien die gegenseitig von einander behaupten vergewaltigt woren zu sein.
Letzten Endes bleibt doch dann nur noch der Ort, der einem zur Last gelegt werden kann, also ist immer der der vergewaltiger in dessen Wohnung das statt findet.
Wie Gut, das Frauen bisher auch immer nur in fremden Wohnungen statt fanden.
Am Ende ist dann alles was von einem Prozess ohne Beweise übrig bleibt, die willkür des Richters, der entweder dem einen, oder dem anderen glaubt.
23.07.2016 14:15, Michael
"Es steht Aussage gegen Aussage, Beweise gibt es keine zu Erörtern [...]
Am Ende ist dann alles was von einem Prozess ohne Beweise übrig bleibt, die willkür des Richters, der entweder dem einen, oder dem anderen glaubt."
Unter rechtsstaatlichen Gesichtspunkten besteht in einem Strafverfahrens, in dem Aussage gegen Aussage steht und keine weiteren Beweismittel existieren, keinerlei Alternative zu einem Freispruch. Fraglich ist nur, wieviele Richter, sei es aus feministischer Gesinnung oder sei es aus Furcht vor gesellschaftlichen Nachteilen, trotzdem verurteilen werden, wenn der Angeklagte nicht seine Unschuld beweisen kann.
24.07.2016 16:38, Leon
"Unter rechtsstaatlichen Gesichtspunkten besteht in einem Strafverfahrens, in dem Aussage gegen Aussage steht und keine weiteren Beweismittel existieren, keinerlei Alternative zu einem Freispruch. "
Wenn es so wäre, hätte z.B. der Lehrer Arnold niemals verurteilt werden können. Die Anschuldigung (Vergewaltigung) war ja völlig frei erfunden.
Tatsächlich gilt das Prinzip der sogenannten "freien Beweiswürdigung".
Die Richter sind ziemlich frei darin, Aussagen für glaubwürdig zu halten oder auch nicht. Sie sind auch sehr frei darin, Zeugenaussagen als (un-)beachtlich zu werten.
Der gutmeinende Normalbürger denkt "Ich habe nichts getan, also kann ich auch nicht verurteilt werden, denn es kann ja keine Beweise gegen mich geben".
Genau das ist aber falsch: Die Richter beurteilen die Glaubwürdigkeit der Aussagen, und zwar frei nach ihren Vorstellungen.
Wer da gut reden kann, wer evtl. seine Aussagen vor Gericht zuvor bei einer "Beratungsstelle mit frauenspezifischem Ansatz" trainiert hat, hat da offensichtlich oft sehr gute Karten.
Gar zu viele Richter überschätzen hier auch ihre Fähigkeit, richtige von falschen Aussagen zu unterscheiden.
Die Folgen für falsch Beschuldigte können verheerend sein.
24.07.2016 17:51, Michael
@Leon - Ich stimme Ihnen völlig zu. Deswegen schrieb ich ja "unter rechtsstaatlichen Gesichtspunkten". Ein idealer Richter dürfte in Fällen, in denen Aussage gegen Aussage steht und keine sonstigen konkreten Anhaltspunkte für die Bewertung des Sachverhalts existieren, nie zu der für eine Verurteilung erforderlichen Sicherheit der Schuld des Angeklagten gelangen. In der Realität sind Richter allerdings eben auch nur Menschen...
22.07.2016 11:45, mitm
"Solche Fragen lassen sich vernünftig und nüchtern diskutieren,"
Genau, und zwar vor Verabschiedung des Gesetzes. Nach seiner Verabschiedung macht dieses Gesetz alle möglichen normalen Verhaltensweisen (namentlich von Männern, denn die sollen hier offensichtlich maximal kriminalisiert werden) zu einer Art russischem Roulette, denn je nach der Laune eines Gerichts kommt man für Monate oder Jahre ins Gefängnis. Bei einer feministisch inspirierten Richterin dürfte alles klar sein, bei Herrn Fischer kann man noch hoffen. Ohne eine ausführliche Rechtsberatung sollte man(n) sich keiner Frau mehr näher als 2 Armlängen nähern.
"anstatt sie derart unseriös wie hier unter Auslassung sauberer Methoden durch den Cacao zu ziehen."
Wenn hier etwas unseriös ist, dann dieses Gesetz und die mediale Progaganda, mit der der Bundestag genötigt wurde, es ohne Qualitätskontrolle zu verabschieden.
mitm Auf diesen Kommentar antworten
22.07.2016 12:55, Hans A.
Ich glaube nicht, dass ich irgendwann in meinem Leben mal gegen die neue Rechtslage verstoßen habe. Das ist bei einem Mann aber sicher untypisch und unerwünscht und wohl der Grund dafür, dass mein Sexualleben stark eingeschränkt ist. Ich bin dazu nämlich auf Frauen angewiesen, die auf ähnliche Weise umgekehrt untypisch sind. Die gibt es gelegentlich, aber sie sind eher selten. Und alle meine bisherigen Partnerinnen hätten sich nach der neuen Rechtslage strafbar gemacht.
Wer normales menschliches Verhalten strafbar macht, nimmt zwei Folgen in Kauf:
(1) Es wird von einzelnen bewusst oder unbewusst (die Grenze verschwimmt oft) missbraucht. Mit einem Mann vorschnell ins Bett gestiegen und jetzt von Kaufreue zerrissen? Kein Problem, der hat sich schließlich (wie fast jeder Mann) strafbar gemacht. Das hätte er natürlich nicht tun sollen, denn bei gesetzeskonformem Verhalten hätte frau ihn ja gleich als zögerlichen Versager oder als Anti-Romantiker aussortiert. Männliches Werbungsverhalten, das tatsächlich zum Ziel führt, ist ausschließlich für Märchenprinzen erlaubt, die auch am Morgen noch als solche erscheinen und deshalb natürlich nicht beschuldigt werden. (Ich glaube, das könnte ich mir sogar erlauben - es ist nur nicht in meinem Verhaltensrepertoire. Und das ist *nicht* gut so.)
(2) Es wird von den Strafverfolgungsbehörden missbraucht. Nichts ist praktischer für einen Staat mit totalitären Tendenzen, als ein Gesetz mit hoher Strafandrohung, gegen das alle normal lebenden Menschen verstoßen. Das fängt ganz harmlos an. Die Kriminalpolizei glaubt, einem Schwerkriminellen auf der Spur zu sein, hat aber bisher nur einen vagen Verdacht, der keine formellen Ermittlungen rechtfertigt. Vielleicht lässt sich da was mit dem neuen Steuerrecht drehen, oder jetzt auch mit dem Sexualstrafrecht. Und irgendwann geht man dann genauso gegen den Journalisten vor, der an einer heißen Story zum Drogenmissbrauch bei der Polizei arbeitet. Der Missbrauch von §129a und §86a StGB (Bildung terroristischer Vereinigungen, Verwenden von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen) als "Ermittlungsparagraphen" zur Durchleuchtung und Einschüchterung friedlicher linker Gruppen zeigen, dass das nicht nur bloße Theorie ist.
Der Effekt ist bei Bezug zu einem Reizthema wie Terrorismus oder Sexualität deutlich größer als beim Vorwurf von Steuerhinterziehung oder der Verwendung von durchgestrichenen Hakenkreuzen, denn dann werden die Ermittlungen selbst zur Strafe - z.B. in Hannover noch verschärft durch höchst fragwürdige Pressekonferenzen der Staatsanwaltschaft. Die eigentlich notwendige sachliche Diskussion über die Vorgehensweisen im Fall Assange und im Fall Edathy konnte man zwischen der ganzen Empörung kaum wahrnehmen.
22.07.2016 19:05, Wolfgang H.
Für mich am erschreckendsten an dieser hysterisch-ideologischen Gesetzesänderung ist, wie leicht künftig Falschbeschuldigungen gegenüber einem (ehemaligen) Sexualpartner werden. Die Anforderungen für eine Nichtzustimmung sind ja nahezu gleich null.
Und wie wohl allen bekannt sein dürfte, kegelt man jemanden bereits mit der Behauptung eines Sexualdelikts ganz schnell gesellschaftlich und beruflich ins Aus, da hilft dann auch ein Freispruch Monate später nicht mehr viel.
Wolfgang H. Auf diesen Kommentar antworten
25.07.2016 15:00, Logik?
Das neue Gesetz ist gut gemeint, aber schlecht formuliert und umgesetzt. Warum werden Gesetze von Menschen entworfen, die keinen klaren Menschenverstand und für ihr Jurastudium alles nur auswenig gelernt haben.
Den Vorrednern, daß ganz offensichtlich der Großteil der Abgeordneten das Gesetz weder gelesen noch verstanden haben, muß ich zustimmen.
Der Beitrag von Herr Stevens mag lustig klingen, sarkastisch gemeint, trift aber den Nagel auf dem Kopf.
Wenn ich meinen Sexualpartner, während dem Akt fragen muß, darf ich dies und darf ich das, dann ist die Stimmung gleich beim Teufel und kein Mensch, der sich daran hält, wird noch einen schönen erfüllten Akt haben. Damit ziehen CDU/CSU-Abgeordnet alle nicht CDU/CSU Anhänge auf den gleichen spaß- und glücklosen Akt herunter, wie ihn wohl offensichtlich die CDU/CSU-Abgeordnete mögen.
Wobei, hmmmmmmmmmmm bei genauer Betrachtung, werden sich auch unsere Bundestagsabgeordneten (weiblich und männlich) ab jetzt dauerhaft strafbar machen. Allen voran Frau Merkel, die jeden Staatspräsident ungefragt abbusselt. Aber stehen die Bundestagsabgeordneten unter dem Schutz der Immunität.
Für mich bedeutet das neue Gesetz:
Mädels, die Nächste, die mich zur Begrüßung oder während des Karnevals abbusselt oder umarmen will, wird angezeigt. Werden wir mal sehen, wie ernsthaft die Richter Klagen gegen vergewaltigende Frauen, bearbeiten.
Logik? Auf diesen Kommentar antworten
26.07.2016 10:45, Hedonist
Letztens im Club. Sitze gemütlich Richtung Tanzfläche auf dem Barhocker. Nähert sich mir langsam rückwärts tanzend eine Frau und reibt ihr Gesäß an meine Knien. Hätt ich das gewusst, die Frau säß jetzt im Knast und mit ihr der ganze Club...
Hedonist Auf diesen Kommentar antworten
26.07.2016 10:47, Hedonist
...obwohl, überlege das Ganze in 20 Jahren zur Anzeige zu bringen...
28.09.2016 14:26, Dr. Otto
Selbstverständlich muss ein NEIN auch ein NEIN sein! Aber dann darf es auch keine Frauen auf Herrentoiletten geben, wie das seit Jahren auf dem Oktoberfest ungeahndet der Fall ist. Entsprechende Vorhaltungen, mit dem Hinweis, was los wäre, wenn Männer auf die Damentoiletten drängten, werden fast schon obligatorisch mit "geh´ weider, i schau dir scho nix ab" kommentiert. Offensichtlich wird solches Verhalten verharmlost und Frauen bleiben von Polizei und Justiz unbehelligt, was umgekehrt Entrüstung hervorruft, wenn es Männer machen. So geht es also gewiss nicht!
Dr. Otto Auf diesen Kommentar antworten
30.11.2016 21:33, egon
klingt ja ganz interessant der artikel, aber ich klick mich doch nicht durch 8 seiten um ihn zu lesen... wiso gibt es keine gesamtansicht?
egon Auf diesen Kommentar antworten
Se­nior Au­di­tor / IT­Re­vi­sor (m/w)
Ju­rist / Claims Coun­sel (m/w) Scha­den­re­gu­lie­rung