Source: http://www.gdpbundespolizei.de/2015/12/gdp-kaempft-weiter-fuer-ruhepausenanrechnung-fuer-operativ-taetige-arbeitnehmer/
Timestamp: 2018-03-24 09:51:48
Document Index: 24287779

Matched Legal Cases: ['§ 6', '§ 5', '§ 5', '§ 3', '§ 3', '§ 5', '§ 5', '§ 17']

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GdP kämpft weiter für Ruhepausenanrechnung für operativ tätige Arbeitnehmer
Nachdem das Bundespolizeipräsidium am 19. Dezember 2013 die Ruhepausenanrechnung auch für operativ tätige Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer wie Bundespolizeiliche Unterstützungskräfte (BUK) und Fluggastkontrolleure (FKD) genehmigt hatte, schienen anfangs alle Probleme geklärt. Mitte 2015 kam dann ein Umschwenken auf Intervention des Bundesverwaltungsamtes und seither herrscht Unsicherheit, wie es weitergeht.
Was ist passiert, wie ist der Stand?
Für Arbeitnehmer werden die Ruhepausen nur dann auf die Arbeitszeit angerechnet, wenn sie Wechselschichtdienst leisten (§ 6 Abs. 1 Satz 2 TVöD). Sind die Arbeitnehmer nicht im Wechselschichtdienst eingesetzt, erfolgt tarifrechtlich bisher keine Anrechnung der Ruhepausen auf die Arbeitszeit, auch nicht bei „operativen Tätigkeiten“. So ist zunächst einmal die Rechtslage, die sich an dieser Stelle von den Beamten unterscheidet. Für die angerechneten Zeiten stehen Vergütung und ggf. Zuschläge und Zulagen zu. Das bedeutet im Umkehrschluss, dass nicht angerechnete Zeiten auch nicht vergütet werden dürfen. Zahlungen aus öffentlichen Kassen bedürfen einer Rechtsgrundlage. Das Bundesverwaltungsamt hatte sich geweigert, an Tarifbeschäftigte weiterhin Zulagen und Zuschläge aus Pausenanrechnungen zu zahlen, wenn diese keinen Wechselschichtdienst leisten, weil es an einer Rechtsgrundlage für diese Zahlungen mangele. Die alte Pausenverfügung des Präsidiums reiche für eine Zahlbarmachung nicht aus.
Der GdP-geführte Hauptpersonalrat der Bundespolizei hat sich dieser Sache deshalb angenommen und einen Initiativantrag an das BMI gestellt, operativ tätige Arbeitnehmer wie BUK und FKD, die gemeinsam mit Polizeibeamten eingesetzt werden, aber keinen Wechselschichtdienst leisten, übertariflich genauso zu behandeln wie Beamte, die operativ tätig sind und keinen Dienst zu wechselnden Zeiten leisten. Das BMI hat dazu am 27. Juli 2015 mitgeteilt, dass die Beamtenregelung des § 5 Abs. 2 Satz 1 Nr. 2 AZV einer Übertragung auf Tarifbeschäftigte sehr wohl zugänglich wäre. Hierzu sei allerdings darauf hinzuweisen, dass eine abschließende Festlegung, welche operativen Einsatzbereiche hierunter zu fassen sind, bisher durch die Abteilung Z des BMI nicht erfolgt sei. Über die Frage einer möglichen Übertragung dieser Vorschrift auf die in Rede stehenden Arbeitnehmer könne daher derzeit mangels hinreichender Konkretisierung der genannten Norm noch nicht entschieden werden. Sobald die notwendigen Regelungen von der Abteilung Z getroffen worden sind, würde die Abteilung Bundespolizei des BMI über diese Frage für die operativen Arbeitnehmer abschließend entscheiden. Im November 2015 sicherte dann die Abteilung Z des BMI dem Hauptpersonalrat zu, bis zum Jahresende den ausstehenden Erlass über die Anwendung des § 5 Abs. 2 Satz 1 Nr. 2 AZV für die Beamtinnen und Beamten (z.B. in der Bundesbereitschaftspolizei, den MKÜ, den MFE usw.) zu veröffentlichen. Erst danach soll über eine Analoganwendung für die operativen Arbeitnehmer wie BUK und FKD, die keinen Wechselschichtdienst leisten, entschieden werden.
Die Klärung der Anrechnungsfrage ist auch für Beamte, die keinen Dienst zu wechselnden Zeiten leisten, besonders wichtig, weil der seit dem 1.1.2015 laufende Ausgleichszeitraum nach § 3 Abs. 5 AZV zwölf Monate beträgt und Gewissheit über die geleistete Arbeitszeit bestehen muss. Zudem hängen an der zu klärenden Frage auch besoldungsrechtliche Ansprüche, insbesondere nach §§ 3 und 17a EZulV, welche einer erlasslichen Regelung zu § 5 Abs. 2 Nr. 2 AZV als Zahlungsbegründung bedürfen und wegen des Grundsatzes der zeitnahen Geltendmachung durch die Beamten innerhalb des Haushaltsjahres anhängig gemacht werden müssen. Denn aus jeder angerechneten Ruhepause können sich finanzielle Ansprüche, aber auch Ansprüche auf Freizeitausgleich ergeben. Die GdP wird am Ball bleiben und sich weiterhin bemühen, diese Frage so schnell wie möglich und abschließend beim BMI zu klären.
Was können operativ tätige Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer nun tun, um ihre Ansprüche trotz der beschriebenen „Hängepartie“ zunächst zu wahren?
Sie sollten schriftlich beim Arbeitgeber die Zahlung von Zuschlägen und Zulagen für die bisher nicht angerechneten Ruhepausen geltend machen sowie eine rückwirkende Anrechnung der Ruhepausen auf die Arbeitszeit bzw. Freizeitausgleich dafür. Zur Begründung kann geltend gemacht werden, dass die übertarifliche Anrechnung der Ruhepausen auf die Arbeitszeit seit der Verfügung des Bundespolizeipräsidiums vom 19.12.2013 als übertarifliche Leistung zur „betrieblichen Übung“ in der Bundespolizei geworden war. Zugleich sollte geltend gemacht werden, dass während der strittigen Zeiten keine „echte“ Ruhepause im Sinne unbeschränkter persönlicher Freizeit möglich war, weil regelmäßig Arbeitsbereitschaft verlangt wurde, und der Arbeitgeber ggf. in Annahmeverzug geraten ist.
keycount 19. Dezember 2015
ich bin aus dem Wechselschichtdienst raus. Bin jetzt im Dienst von Montag bis Freitag. Da wird mir eine halbe Std auf die Arbeitszeit aufgeschlagen. Statt 08:30 Std mache ich 9 Std Dienst.
Ist das korrekt? Bin nicht so firm mit den anrechenbaren Zeiten.
Bin Beamter.
Nach § 5 AZV werden bei Beamten Ruhepausen auf die Arbeitszeit nur unter zwei Bedingungen angerechnet. Entweder man arbeitet in unregelmäßigen Arbeitszeitmodellen und erhält die „Zulage für Dienst zu wechselnden Zeiten“ (§ 17a EZulV) oder man arbeitet in sonstigen durch Erlass/Verfügung festgelegten „operativen Tätigkeiten“ (Bereitschaftspolizei, MFE, MKÜ,…). Die Anrechnung der täglich durchschnittlich 30 min. Ruhepause auf die (oder besser: als) Arbeitszeit soll der Entlastung der betroffenen Beamtinnen und Beamten für die zusätzlichen körperlichen und geistigen Belastungen aus unregelmäßiger Einsatzzeit dienen. Wechselt jemand aus einem solchen belastenden Arbeitsbereich in eine andere, „nichtoperative“ Verwendung ohne wechselnde Einsatzzeiten, so werden die zu gewährenden Ruhepausen auch nicht (mehr) als Arbeitszeit angerechnet.
Kr.Dort 20. Dezember 2015
es gibt eine ganz einfach Merkformel: Wer seine Pause verlässlich ableistet, dem wird die Pause nicht als Arbeitszeit gerechnet. Also der Sachbearbeiter, der um Punkt 12 zum Mittag in die Kantine geht und dort ohne „Angst“ alarmiert zur werden pausiert.
Der Streifenbeamte hat diese Gewissheit nicht; da kommt der Einsatz und das Essen bleibt stehen, die Pause wird nicht zum erholen genutzt, da man immer „auf dem Sprung“ ist.
Natürlich gibt es auch wieder Ungerechtigkeiten: Es gibt Dienststellen, wo Streifenpläne feste Pausen auswerfen, diese Beamten stehen – auch wenn es dringend wäre – nicht zur Verfügung. Der Alt-POM sagt, wenn etwas kommt: Ich habe Pause. Er merkt zwar nicht, dass er deswegen noch Alt-POM ist, dass das ungerecht allen anderen gegenüber ist, da er als Schichtdienstleister diese Pause als volle Arbeitzeit bekommt. Aber so ist das, Gewinnen und Verlierer. Gut und richtig ist, dass grundsätzlich die die keine Pause machen können diese auch nicht als Pausenzeit abgezogen werden und dass die meisten, die eine Pause haben diese auch als Pause berechnet.
Jetzt müsste man noch Insellösungen zulassen, so dass die Dienstellenspezifischen entstanden Ungerechtigkeiten beseitigt werden.
Deine Ausführungen sind so nicht zutreffend.
Grundsätzlich sind Ruhepausen zu planen und gewähren, auch im operativen Dienst. Das ist eine nicht verhandelbare Schutzvorschrift. Niemand bleibt Polizeiobermeister, weil er eine Ruhepause hat oder sich der Dienstherr an das Arbeitszeitrecht hält. Dass bei Beamten, die Dienst zu wechselnden Zeiten leisten, wie auch bei Beamten in operativen Verwendungen die Anrechnung von Ruhepausen auf die Arbeitszeit erfolgt, hat nichts damit zu tun, dass sie keine Ruhepausen machen könnten oder dürften, obwohl sie müßten. Vielmehr hat der Verordnungsgeber diese Anrechnung ganz klar damit begründet, dass die Anrechnung von in Anspruch zu nehmenden (!) Ruhepausen als Arbeitszeit „zum Ausgleich der damit [mit dem Operativdienst] verbundenen Belastungen“ dienen soll, also eine indirekte Verkürzung der Wochenarbeitszeit. Damit ist keinesfalls verbunden, dass diese Beamten keine Ruhepausen einlegen sollten oder dürften, wenngleich allen Beteiligten wohl klar ist, dass „echte“ Ruhepausen als vollkommen private Freizeit in operativen Verwendungen oft kaum real durchführbar sind, sondern sich die Pausen eher als Erfrischungszeiten mit Bereitschaft darstellen. Arbeitszeit wären die Pausen dort aber immer, egal ob „echt“ oder „unecht“.
Das Arbeitszeitrecht der Beamten jedenfalls geht davon aus, dass auch ein Streifenbeamter nicht darauf gefasst sein soll, sein Essen stehen zu lassen, sondern Ruhepause haben soll und trotzdem die Pause als Arbeitszeit angerechnet bekommt. Was auch gut und richtig ist, weshalb wir ja dafür erfolgreich gekämpft haben.