Source: https://lawbrary.ch/en/browser/StGB/311_0__1/?plang=de
Timestamp: 2020-07-10 03:55:39
Document Index: 295881937

Matched Legal Cases: ['Art. 265', 'Art. 182', 'Art. 189', 'Art. 190', 'Art. 191', 'Art. 195', 'Art. 188', 'Art. 196', 'Art. 187', 'Art. 197', 'Art. 2', 'Art. 44', 'Art. 35', 'Art. 36', 'Art. 106', 'Art. 36', 'Art. 86', 'Art. 42', 'Art. 123', 'Art. 126', 'Art. 180', 'Art. 181', 'Art. 37', 'Art. 37', 'Art. 63', 'Art. 63', 'Art. 63', 'Art. 86', 'Art. 64', 'Art. 65', 'Art. 791', 'Art. 111', 'Art. 112', 'Art. 113', 'Art. 115', 'Art. 118', 'Art. 122', 'Art. 124', 'Art. 127', 'Art. 129', 'Art. 134', 'Art. 138', 'Art. 139', 'Art. 140', 'Art. 146', 'Art. 147', 'Art. 148', 'Art. 156', 'Art. 157', 'Art. 160', 'Art. 139', 'Art. 186', 'Art. 146', 'Art. 148', 'Art. 146', 'Art. 14', 'Art. 181', 'Art. 182', 'Art. 183', 'Art. 184', 'Art. 185', 'Art. 187', 'Art. 189', 'Art. 190', 'Art. 191', 'Art. 195', 'Art. 197', 'Art. 221', 'Art. 223', 'Art. 224', 'Art. 225', 'Art. 226', 'Art. 226', 'Art. 226', 'Art. 227', 'Art. 228', 'Art. 230', 'Art. 231', 'Art. 234', 'Art. 237', 'Art. 238', 'Art. 260', 'Art. 260', 'Art. 260', 'Art. 260', 'Art. 264', 'Art. 264', 'Art. 264', 'Art. 264', 'Art. 16', 'Art. 18', 'Art. 121', 'Art. 182', 'Art. 187', 'Art. 188', 'Art. 196', 'Art. 189', 'Art. 190', 'Art. 191', 'Art. 192', 'Art. 193', 'Art. 194', 'Art. 195', 'Art. 198', 'Art. 197', 'Art. 182', 'Art. 189', 'Art. 190', 'Art. 191', 'Art. 192', 'Art. 193', 'Art. 194', 'Art. 195', 'Art. 198', 'Art. 197', 'Art. 182', 'Art. 189', 'Art. 190', 'Art. 191', 'Art. 195', 'Art. 123', 'Art. 123', 'Art. 123', 'Art. 123', 'Art. 123', 'Art. 123', 'Art. 123', 'Art. 123', 'Art. 59', 'Art. 123', 'Art. 123', 'Art. 123', 'Art. 123', 'Art. 67', 'Art. 260', 'Art. 93', 'Art. 75', 'Art. 187', 'Art. 188', 'Art. 187', 'Art. 188', 'Art. 2', 'Art. 264', 'Art. 264', 'Art. 264', 'Art. 187', 'Art. 189', 'Art. 190', 'Art. 191', 'Art. 192', 'Art. 193', 'Art. 42', 'Art. 66', 'Art. 102', 'Art. 59', 'Art. 67', 'Art. 67', 'Art. 68', 'Art. 121', 'Art. 58', 'Art. 37', 'Art. 48', 'Art. 2']

Lawbrary | StGB - Schweizerisches Strafgesetzbuch
Geltungsbereich (1 - 9)
Strafbarkeit (10 - 33)
Geldstrafe und Freiheitsstrafe (34 - 41)
Bedingte und teilbedingte Strafen (42 - 46)
Strafzumessung (47 - 51)
Strafbefreiung und Einstellung des Verfahrens (52 - 55)
Therapeutische Massnahmen und Verwahrung (56 - 65)
Andere Massnahmen (66 - 73)
Vollzug von Freiheitsstrafen und freiheitsentziehenden Massnahmen (74 - 92)
Bewährungshilfe, Weisungen und freiwillige soziale Betreuung (93 - 96)
Verjährung (97 - 101)
Verantwortlichkeit des Unternehmens (102 - 102)
Übertretungen (103 - 109)
Begriffe (110 - 110)
Strafbare Handlungen gegen Leib und Leben (111 - 136)
Strafbare Handlungen gegen das Vermögen (137 - 172)
Strafbare Handlungen gegen die Ehre und den Geheim- oder Privatbereich (173 - 179)
Verbrechen und Vergehen gegen die Freiheit (180 - 186)
Strafbare Handlungen gegen die sexuelle Integrität (187 - 201)
Verbrechen und Vergehen gegen die Familie (213 - 220)
Gemeingefährliche Verbrechen und Vergehen (221 - 230)
Verbrechen und Vergehen gegen die öffentliche Gesundheit (230 - 236)
Verbrechen und Vergehen gegen den öffentlichen Verkehr (237 - 239)
Fälschung von Geld, amtlichen Wertzeichen, amtlichen Zeichen, Mass und Gewicht (240 - 250)
Urkundenfälschung (251 - 257)
Verbrechen und Vergehen gegen den öffentlichen Frieden (258 - 263)
Völkermord und Verbrechen gegen die Menschlichkeit (264 - 264)
Kriegsverbrechen (264 - 264)
Gemeinsame Bestimmungen für den zwölften Titel und den zwölften Titel (264 - 264)
Verbrechen und Vergehen gegen den Staat und die Landesverteidigung (265 - 278)
Vergehen gegen den Volkswillen (279 - 284)
Strafbare Handlungen gegen die öffentliche Gewalt (285 - 295)
Störung der Beziehungen zum Ausland (296 - 302)
Verbrechen und Vergehen gegen die Rechtspflege (303 - 311)
Strafbare Handlungen gegen die Amts- und Berufspflicht (312 - 322)
Bestechung (322 - 322)
Übertretungen bundesrechtlicher Bestimmungen (323 - 332)
Verhältnis dieses Gesetzes zu andern Gesetzen des Bundes und zu den Gesetzen der Kantone (333 - 335)
… (336 - 336)
… (339 - 339)
Amtshilfe im Bereich der Polizei (349 - 362)
… (363 - 364)
Strafregister (365 - 371)
Straf- und Massnahmenvollzug, Bewährungshilfe, Anstalten und Einrichtungen (372 - 380)
Haftung bei Aufhebung der lebenslänglichen Verwahrung (380 - 380)
Begnadigung, Amnestie, Wiederaufnahme des Verfahrens (381 - 385)
Präventionsmassnahmen, ergänzende Bestimmungen und allgemeine Übergangsbestimmungen (386 - 392)
Schlussbestimmungen der Änderung vom 18. März 1971
Schlussbestimmungen der Änderung vom 13. Dezember 2002
Übergangsbestimmung der Änderung vom 12. Dezember 2014
Übergangsbestimmung zur Änderung vom 26. September 2014
vom 21. Dezember 1937 (Stand am 1. März 2019)
2Hat der Tä­ter ein Ver­bre­chen oder Ver­ge­hen vor In­kraft­tre­ten die­ses Ge­set­zes be­gan­gen, er­folgt die Be­ur­tei­lung aber erst nach­her, so ist die­ses Ge­setz an­zu­wen­den, wenn es für ihn das mil­de­re ist.
3. Räum­li­cher Gel­tungs­be­reich.
Ver­bre­chen oder Ver­ge­hen im In­land
1Die­sem Ge­setz ist un­ter­wor­fen, wer in der Schweiz ein Ver­bre­chen oder Ver­ge­hen be­geht.
3Ist ein Tä­ter auf Er­su­chen der schwei­ze­ri­schen Be­hör­de im Aus­land ver­folgt wor­den, so wird er, un­ter Vor­be­halt ei­nes kras­sen Ver­stos­ses ge­gen die Grund­sät­ze der Bun­des­ver­fas­sung und der Kon­ven­ti­on vom 4. No­vem­ber 19501 zum Schut­ze der Men­schen­rech­te und Grund­frei­hei­ten (EMRK), in der Schweiz we­gen der Tat nicht mehr ver­folgt, wenn:
4Hat der auf Er­su­chen der schwei­ze­ri­schen Be­hör­de im Aus­land ver­folg­te Tä­ter die Stra­fe im Aus­land nicht oder nur teil­wei­se ver­büsst, so wird in der Schweiz die Stra­fe oder de­ren Rest voll­zo­gen. Das Ge­richt ent­schei­det, ob ei­ne im Aus­land nicht oder nur teil­wei­se voll­zo­ge­ne Mass­nah­me in der Schweiz durch­zu­füh­ren oder fort­zu­set­zen ist.
Ver­bre­chen oder Ver­ge­hen im Aus­land ge­gen den Staat
1Die­sem Ge­setz ist auch un­ter­wor­fen, wer im Aus­land ein Ver­bre­chen oder Ver­ge­hen ge­gen den Staat und die Lan­des­ver­tei­di­gung (Art. 265-278) be­geht.
Straf­ta­ten ge­gen Min­der­jäh­ri­ge1 im Aus­land
1Die­sem Ge­setz ist aus­ser­dem un­ter­wor­fen, wer sich in der Schweiz be­fin­det, nicht aus­ge­lie­fert wird und im Aus­land ei­ne der fol­gen­den Ta­ten be­gan­gen hat:
Men­schen­han­del (Art. 182), se­xu­el­le Nö­ti­gung (Art. 189), Ver­ge­wal­ti­gung (Art. 190), Schän­dung (Art. 191) oder För­de­rung der Pro­sti­tu­ti­on (Art. 195), wenn das Op­fer we­ni­ger als 18 Jah­re alt war;
se­xu­el­le Hand­lun­gen mit Ab­hän­gi­gen (Art. 188) und se­xu­el­le Hand­lun­gen mit Min­der­jäh­ri­gen ge­gen Ent­gelt (Art. 196);
se­xu­el­le Hand­lun­gen mit Kin­dern (Art. 187), wenn das Op­fer we­ni­ger als 14 Jah­re alt war;
qua­li­fi­zier­te Por­no­gra­fie (Art. 197 Abs. 3 und 4), wenn die Ge­gen­stän­de oder Vor­füh­run­gen se­xu­el­le Hand­lun­gen mit Min­der­jäh­ri­gen zum In­halt hat­ten.
2Der Tä­ter wird, un­ter Vor­be­halt ei­nes kras­sen Ver­stos­ses ge­gen die Grund­sät­ze der Bun­des­ver­fas­sung und der EMRK5, in der Schweiz we­gen der Tat nicht mehr ver­folgt, wenn:
ein aus­län­di­sches Ge­richt ihn end­gül­tig frei­ge­spro­chen hat;
3Ist der Tä­ter we­gen der Tat im Aus­land ver­ur­teilt wor­den und wur­de die Stra­fe im Aus­land nur teil­wei­se voll­zo­gen, so rech­net ihm das Ge­richt den voll­zo­ge­nen Teil auf die aus­zu­spre­chen­de Stra­fe an. Das Ge­richt ent­schei­det, ob ei­ne im Aus­land an­ge­ord­ne­te, dort aber nur teil­wei­se voll­zo­ge­ne Mass­nah­me fort­zu­set­zen oder auf die in der Schweiz aus­ge­fäll­te Stra­fe an­zu­rech­nen ist.
1 Aus­druck ge­mä­ss An­hang Ziff. 14 des BG vom 19. Dez. 2008 (Er­wach­se­nen­schutz, Per­so­nen­recht und Kin­des­recht), in Kraft seit 1. Jan. 2013 (AS 2011 725; BBl 2006 7001). Die­se Änd. wur­de im gan­zen Er­lass be­rück­sich­tigt.
2 Fas­sung ge­mä­ss Art. 2 Ziff. 1 des BB vom 24. März 2006 über die Ge­neh­mi­gung und die Um­set­zung des Fa­kul­ta­tiv­pro­to­kolls vom 25. Mai 2000 zum Über­eink. über die Rech­te des Kin­des, be­tref­fend den Ver­kauf von Kin­dern, die Kin­der­pro­sti­tu­ti­on und die Kin­derpor­no­gra­fie, in Kraft seit 1. Dez. 2006 (AS 2006 5437; BBl 2005 2807).
3 Ein­ge­fügt durch An­hang Ziff. 1 des BB vom 27. Sept. 2013 (Lanz­aro­te-Kon­ven­ti­on), in Kraft seit 1. Ju­li 2014 (AS 2014 1159; BBl 2012 7571).
4 Fas­sung ge­mä­ss An­hang Ziff. 1 des BB vom 27. Sept. 2013 (Lanz­aro­te-Kon­ven­ti­on), in Kraft seit 1. Ju­li 2014 (AS 2014 1159; BBl 2012 7571).
Ge­mä­ss staats­ver­trag­li­cher Ver­pflich­tung ver­folg­te Aus­land­ta­ten
1Wer im Aus­land ein Ver­bre­chen oder Ver­ge­hen be­geht, zu des­sen Ver­fol­gung sich die Schweiz durch ein in­ter­na­tio­na­les Über­ein­kom­men ver­pflich­tet hat, ist die­sem Ge­setz un­ter­wor­fen, wenn:
die Tat auch am Be­ge­hungs­ort straf­bar ist oder der Be­ge­hungs­ort kei­ner Straf­ge­walt un­ter­liegt; und
der Tä­ter sich in der Schweiz be­fin­det und nicht an das Aus­land aus­ge­lie­fert wird.
2Das Ge­richt be­stimmt die Sank­tio­nen so, dass sie ins­ge­samt für den Tä­ter nicht schwe­rer wie­gen als die­je­ni­gen nach dem Recht des Be­ge­hungs­or­tes.
3Der Tä­ter wird, un­ter Vor­be­halt ei­nes kras­sen Ver­stos­ses ge­gen die Grund­sät­ze der Bun­des­ver­fas­sung und der EMRK1, in der Schweiz we­gen der Tat nicht mehr ver­folgt, wenn:
4Ist der Tä­ter we­gen der Tat im Aus­land ver­ur­teilt wor­den und wur­de die Stra­fe im Aus­land nur teil­wei­se voll­zo­gen, so rech­net ihm das Ge­richt den voll­zo­ge­nen Teil auf die aus­zu­spre­chen­de Stra­fe an. Das Ge­richt ent­schei­det, ob ei­ne im Aus­land an­ge­ord­ne­te, dort aber nur teil­wei­se voll­zo­ge­ne Mass­nah­me fort­zu­set­zen oder auf die in der Schweiz aus­ge­spro­che­ne Stra­fe an­zu­rech­nen ist.
An­de­re Aus­land­ta­ten
1Wer im Aus­land ein Ver­bre­chen oder Ver­ge­hen be­geht, oh­ne dass die Vor­aus­set­zun­gen der Ar­ti­kel 4, 5 oder 6 er­füllt sind, ist die­sem Ge­setz un­ter­wor­fen, wenn:
die Tat auch am Be­ge­hungs­ort straf­bar ist oder der Be­ge­hungs­ort kei­ner Straf­ge­walt un­ter­liegt;
der Tä­ter sich in der Schweiz be­fin­det oder ihr we­gen die­ser Tat aus­ge­lie­fert wird; und
nach schwei­ze­ri­schem Recht die Tat die Aus­lie­fe­rung zu­lässt, der Tä­ter je­doch nicht aus­ge­lie­fert wird.
2Ist der Tä­ter nicht Schwei­zer und wur­de das Ver­bre­chen oder Ver­ge­hen nicht ge­gen einen Schwei­zer be­gan­gen, so ist Ab­satz 1 nur an­wend­bar, wenn:
das Aus­lie­fe­rungs­be­geh­ren aus ei­nem Grund ab­ge­wie­sen wur­de, der nicht die Art der Tat be­trifft; oder
der Tä­ter ein be­son­ders schwe­res Ver­bre­chen be­gan­gen hat, das von der in­ter­na­tio­na­len Rechts­ge­mein­schaft ge­äch­tet wird.
3Das Ge­richt be­stimmt die Sank­tio­nen so, dass sie ins­ge­samt für den Tä­ter nicht schwe­rer wie­gen als die Sank­tio­nen nach dem Recht des Be­ge­hungs­or­tes.
4Der Tä­ter wird, un­ter Vor­be­halt ei­nes kras­sen Ver­stos­ses ge­gen die Grund­sät­ze der Bun­des­ver­fas­sung und der EMRK1, in der Schweiz we­gen der Tat nicht mehr ver­folgt, wenn:
5Ist der Tä­ter we­gen der Tat im Aus­land ver­ur­teilt wor­den und wur­de die Stra­fe im Aus­land nur teil­wei­se voll­zo­gen, so rech­net ihm das Ge­richt den voll­zo­ge­nen Teil auf die aus­zu­spre­chen­de Stra­fe an. Das Ge­richt ent­schei­det, ob ei­ne im Aus­land an­ge­ord­ne­te, aber dort nur teil­wei­se voll­zo­ge­ne Mass­nah­me fort­zu­set­zen oder auf die in der Schweiz aus­ge­spro­che­ne Stra­fe an­zu­rech­nen ist.
4. Per­sön­li­cher Gel­tungs­be­reich
1Die­ses Ge­setz ist nicht an­wend­bar auf Per­so­nen, so­weit de­ren Ta­ten nach dem Mi­li­tär­straf­recht zu be­ur­tei­len sind.
2Für Per­so­nen, wel­che zum Zeit­punkt der Tat das 18. Al­ters­jahr noch nicht vollen­det ha­ben, blei­ben die Vor­schrif­ten des Ju­gend­straf­ge­set­zes vom 20. Ju­ni 20031 (JStG) vor­be­hal­ten. Sind gleich­zei­tig ei­ne vor und ei­ne nach der Vollen­dung des 18. Al­ters­jah­res be­gan­ge­ne Tat zu be­ur­tei­len, so ist Ar­ti­kel 3 Ab­satz 2 JStG an­wend­bar.2
2 Fas­sung ge­mä­ss Art. 44 Ziff. 1 des Ju­gend­straf­ge­set­zes vom 20. Ju­ni 2003, in Kraft seit 1. Jan. 2007 (AS 2006 3545; BBl 1999 1979).
Zweiter Titel: Strafbarkeit
2Pflicht­wid­rig un­tä­tig bleibt, wer die Ge­fähr­dung oder Ver­let­zung ei­nes straf­recht­lich ge­schütz­ten Rechts­gu­tes nicht ver­hin­dert, ob­wohl er auf­grund sei­ner Recht­stel­lung da­zu ver­pflich­tet ist, na­ment­lich auf Grund:
1Über­schrei­tet der Ab­weh­ren­de die Gren­zen der Not­wehr nach Ar­ti­kel 15, so mil­dert das Ge­richt die Stra­fe.
Wer ei­ne mit Stra­fe be­droh­te Tat be­geht, um ein ei­ge­nes oder das Rechts­gut ei­ner an­de­ren Per­son aus ei­ner un­mit­tel­ba­ren, nicht an­ders ab­wend­ba­ren Ge­fahr zu ret­ten, han­delt recht­mäs­sig, wenn er da­durch hö­her­wer­ti­ge In­ter­es­sen wahrt.
3Es kön­nen in­des­sen Mass­nah­men nach den Ar­ti­keln 59-61, 63, 64, 67, 67b und 67e ge­trof­fen wer­den.1
1 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I 1 des BG vom 13. Dez. 2013 über das Tä­tig­keits­ver­bot und das Kon­takt- und Ray­on­ver­bot, in Kraft seit 1. Jan. 2015 (AS 2014 2055; BBl 2012 8819).
Be­steht ernst­haf­ter An­lass, an der Schuld­fä­hig­keit des Tä­ters zu zwei­feln, so ord­net die Un­ter­su­chungs­be­hör­de oder das Ge­richt die sach­ver­stän­di­ge Be­gut­ach­tung durch einen Sach­ver­stän­di­gen an.
1Wer je­man­den vor­sätz­lich zu dem von die­sem ver­üb­ten Ver­bre­chen oder Ver­ge­hen be­stimmt hat, wird nach der Straf­an­dro­hung, die auf den Tä­ter An­wen­dung fin­det, be­straft.
2Kann der Au­tor nicht er­mit­telt oder in der Schweiz nicht vor Ge­richt ge­stellt wer­den, so ist der ver­ant­wort­li­che Re­dak­tor nach Ar­ti­kel 322bis straf­bar. Fehlt ein ver­ant­wort­li­cher Re­dak­tor, so ist je­ne Per­son nach Ar­ti­kel 322bis straf­bar, die für die Ver­öf­fent­li­chung ver­ant­wort­lich ist.
3Hat die Ver­öf­fent­li­chung oh­ne Wis­sen oder ge­gen den Wil­len des Au­tors statt­ge­fun­den, so ist der Re­dak­tor oder, wenn ein sol­cher fehlt, die für die Ver­öf­fent­li­chung ver­ant­wort­li­che Per­son als Tä­ter straf­bar.
2Ab­satz 1 gilt nicht, wenn der Rich­ter fest­stellt, dass:
oh­ne das Zeug­nis ein Tö­tungs­de­likt im Sin­ne der Ar­ti­kel 111-113 oder ein an­de­res Ver­bre­chen, das mit ei­ner Min­dest­stra­fe von drei Jah­ren Frei­heits­s­tra­fe be­droht ist, oder ei­ne Straf­tat nach den Ar­ti­keln 187, 189-191, 197 Ab­satz 4, 260ter, 260quin­quies, 305bis, 305ter und 322ter-322sep­ties des vor­lie­gen­den Ge­set­zes so­wie nach Ar­ti­kel 19 Ab­satz 2 des Be­täu­bungs­mit­tel­ge­set­zes vom 3. Ok­to­ber 19512 nicht auf­ge­klärt wer­den oder der ei­ner sol­chen Tat Be­schul­dig­te nicht er­grif­fen wer­den kann.
1 Fas­sung ge­mä­ss An­hang Ziff. 1 des BB vom 27. Sept. 2013 (Lanz­aro­te-Kon­ven­ti­on), in Kraft seit 1. Ju­li 2014 (AS 2014 1159; BBl 2012 7571).
7. Ver­tre­tungs­ver­hält­nis­se
Ei­ne be­son­de­re Pflicht, de­ren Ver­let­zung die Straf­bar­keit be­grün­det oder er­höht, und die nur der ju­ris­ti­schen Per­son, der Ge­sell­schaft oder der Ein­zel­fir­ma1 ob­liegt, wird ei­ner na­tür­li­chen Per­son zu­ge­rech­net, wenn die­se han­delt:
als Or­gan oder als Mit­glied ei­nes Or­gans ei­ner ju­ris­ti­schen Per­son;
als Ge­sell­schaf­ter;
als Mit­ar­bei­ter mit selb­stän­di­gen Ent­schei­dungs­be­fug­nis­sen in sei­nem Tä­tig­keits­be­reich ei­ner ju­ris­ti­schen Per­son, ei­ner Ge­sell­schaft oder ei­ner Ein­zel­fir­ma2; oder
oh­ne Or­gan, Mit­glied ei­nes Or­gans, Ge­sell­schaf­ter oder Mit­ar­bei­ter zu sein, als tat­säch­li­cher Lei­ter.
1 Heu­te: dem Ein­zel­un­ter­neh­men.
2 Heu­te: ei­nem Ein­zel­un­ter­neh­men.
8. Straf­an­trag.
An­trags­recht
1Ist ei­ne Tat nur auf An­trag straf­bar, so kann je­de Per­son, die durch sie ver­letzt wor­den ist, die Be­stra­fung des Tä­ters be­an­tra­gen.
2Ist die ver­letz­te Per­son hand­lungs­un­fä­hig, so ist ihr ge­setz­li­cher Ver­tre­ter zum An­trag be­rech­tigt. Steht sie un­ter Vor­mund­schaft oder un­ter um­fas­sen­der Bei­stand­schaft, so steht das An­trags­recht auch der Er­wach­se­nen­schutz­be­hör­de zu.1
3Ist die ver­letz­te Per­son min­der­jäh­rig oder steht sie un­ter um­fas­sen­der Bei­stand­schaft, so ist auch sie zum An­trag be­rech­tigt, wenn sie ur­teils­fä­hig ist.2
4Stirbt die ver­letz­te Per­son, oh­ne dass sie den Straf­an­trag ge­stellt oder auf den Straf­an­trag aus­drück­lich ver­zich­tet hat, so steht das An­trags­recht je­dem An­ge­hö­ri­gen zu.
5Hat ei­ne an­trags­be­rech­tig­te Per­son aus­drück­lich auf den An­trag ver­zich­tet, so ist ihr Ver­zicht end­gül­tig.
1 Fas­sung des zwei­ten Sat­zes ge­mä­ss An­hang Ziff. 14 des BG vom 19. Dez. 2008 (Er­wach­se­nen­schutz, Per­so­nen­recht und Kin­des­recht), in Kraft seit 1. Jan. 2013 (AS 2011 725; BBl 2006 7001).
2 Fas­sung ge­mä­ss An­hang Ziff. 14 des BG vom 19. Dez. 2008 (Er­wach­se­nen­schutz, Per­so­nen­recht und Kin­des­recht), in Kraft seit 1. Jan. 2013 (AS 2011 725; BBl 2006 7001).
Das An­trags­recht er­lischt nach Ab­lauf von drei Mo­na­ten. Die Frist be­ginnt mit dem Tag, an wel­chem der an­trags­be­rech­tig­ten Per­son der Tä­ter be­kannt wird.
Un­teil­bar­keit
Stellt ei­ne an­trags­be­rech­tig­te Per­son ge­gen einen an der Tat Be­tei­lig­ten Straf­an­trag, so sind al­le Be­tei­lig­ten zu ver­fol­gen.
1Die an­trags­be­rech­tig­te Per­son kann ih­ren Straf­an­trag zu­rück­zie­hen, so­lan­ge das Ur­teil der zwei­ten kan­to­na­len In­stanz noch nicht er­öff­net ist.
2Wer sei­nen Straf­an­trag zu­rück­ge­zo­gen hat, kann ihn nicht noch­mals stel­len.
3Zieht die an­trags­be­rech­tig­te Per­son ih­ren Straf­an­trag ge­gen­über ei­nem Be­schul­dig­ten zu­rück, so gilt der Rück­zug für al­le Be­schul­dig­ten.
4Er­hebt ein Be­schul­dig­ter ge­gen den Rück­zug des Straf­an­tra­ges Ein­spruch, so gilt der Rück­zug für ihn nicht.
Erstes Kapitel: Strafen
Erster Abschnitt: Geldstrafe und Freiheitsstrafe
4Zahl und Hö­he der Ta­ges­sät­ze sind im Ur­teil fest­zu­hal­ten.
1 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I 1 des BG vom 19. Ju­ni 2015 (Än­de­run­gen des Sank­tio­nen­rechts), in Kraft seit 1. Jan. 2018 (AS 2016 1249; BBl 2012 4721).
2 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I 1 des BG vom 19. Ju­ni 2015 (Än­de­run­gen des Sank­tio­nen­rechts), in Kraft seit 1. Jan. 2018 (AS 2016 1249; BBl 2012 4721).
1So­weit der Ver­ur­teil­te die Geld­stra­fe nicht be­zahlt und sie auf dem Be­trei­bungs­weg (Art. 35 Abs. 3) un­ein­bring­lich ist, tritt an die Stel­le der Geld­stra­fe ei­ne Frei­heits­s­tra­fe. Ein Ta­ges­satz ent­spricht ei­nem Tag Frei­heits­s­tra­fe. Die Er­satz­frei­heits­s­tra­fe ent­fällt, so­weit die Geld­stra­fe nach­träg­lich be­zahlt wird.
1 Auf­ge­ho­ben durch Ziff. I 1 des BG vom 19. Ju­ni 2015 (Än­de­run­gen des Sank­tio­nen­rechts), mit Wir­kung seit 1. Jan. 2018 (AS 2016 1249; BBl 2012 4721).
1Die Min­dest­dau­er der Frei­heits­s­tra­fe be­trägt drei Ta­ge; vor­be­hal­ten bleibt ei­ne kür­ze­re Frei­heits­s­tra­fe an­stel­le ei­ner nicht be­zahl­ten Geld­stra­fe (Art. 36) oder Bus­se (Art. 106).
3Vor­be­hal­ten bleibt die Frei­heits­s­tra­fe an­stel­le ei­ner nicht be­zahl­ten Geld­stra­fe (Art. 36).
Zweiter Abschnitt: Bedingte und teilbedingte Strafen
4Ei­ne be­ding­te Stra­fe kann mit ei­ner Bus­se nach Ar­ti­kel 106 ver­bun­den wer­den.3
3 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I 1 des BG vom 19. Ju­ni 2015 (Än­de­run­gen des Sank­tio­nen­rechts), in Kraft seit 1. Jan. 2018 (AS 2016 1249; BBl 2012 4721).
2. Teil­be­ding­te Frei­heits­s­tra­fe1
3So­wohl der auf­ge­scho­be­ne wie auch der zu voll­zie­hen­de Teil müs­sen min­des­tens sechs Mo­na­te be­tra­gen.3 Die Be­stim­mun­gen über die Ge­wäh­rung der be­ding­ten Ent­las­sung (Art. 86) sind auf den un­be­dingt zu voll­zie­hen­den Teil nicht an­wend­bar.
1Schiebt das Ge­richt den Voll­zug ei­ner Stra­fe ganz oder teil­wei­se auf, so be­stimmt es dem Ver­ur­teil­ten ei­ne Pro­be­zeit von zwei bis fünf Jah­ren.
Be­wäh­rung
Nicht­be­wäh­rung
1Be­geht der Ver­ur­teil­te wäh­rend der Pro­be­zeit ein Ver­bre­chen oder Ver­ge­hen und ist des­halb zu er­war­ten, dass er wei­te­re Straf­ta­ten ver­üben wird, so wi­der­ruft das Ge­richt die be­ding­te Stra­fe oder den be­ding­ten Teil der Stra­fe. Sind die wi­der­ru­fe­ne und die neue Stra­fe glei­cher Art, so bil­det es in sinn­ge­mäs­ser An­wen­dung von Ar­ti­kel 49 ei­ne Ge­samt­stra­fe.1
4Ent­zieht sich der Ver­ur­teil­te der Be­wäh­rungs­hil­fe oder miss­ach­tet er die Wei­sun­gen, so ist Ar­ti­kel 95 Ab­sät­ze 3-5 an­wend­bar.
5Der Wi­der­ruf darf nicht mehr an­ge­ord­net wer­den, wenn seit dem Ab­lauf der Pro­be­zeit drei Jah­re ver­gan­gen sind.
Dritter Abschnitt: Strafzumessung
1Das Ge­richt misst die Stra­fe nach dem Ver­schul­den des Tä­ters zu. Es be­rück­sich­tigt das Vor­le­ben und die per­sön­li­chen Ver­hält­nis­se so­wie die Wir­kung der Stra­fe auf das Le­ben des Tä­ters.
2Das Ver­schul­den wird nach der Schwe­re der Ver­let­zung oder Ge­fähr­dung des be­trof­fe­nen Rechts­guts, nach der Ver­werf­lich­keit des Han­delns, den Be­weg­grün­den und Zie­len des Tä­ters so­wie da­nach be­stimmt, wie weit der Tä­ter nach den in­ne­ren und äus­se­ren Um­stän­den in der La­ge war, die Ge­fähr­dung oder Ver­let­zung zu ver­mei­den.
der Tä­ter in ei­ner nach den Um­stän­den ent­schuld­ba­ren hef­ti­gen Ge­müts­be­we­gung oder un­ter gros­ser see­li­scher Be­las­tung ge­han­delt hat;
4. Be­grün­dungs­pflicht
Ist ein Ur­teil zu be­grün­den, so hält das Ge­richt in der Be­grün­dung auch die für die Zu­mes­sung der Stra­fe er­heb­li­chen Um­stän­de und de­ren Ge­wich­tung fest.
5. An­rech­nung der Un­ter­su­chungs­haft
Das Ge­richt rech­net die Un­ter­su­chungs­haft, die der Tä­ter wäh­rend die­ses oder ei­nes an­de­ren Ver­fah­rens aus­ge­stan­den hat, auf die Stra­fe an. Ein Tag Haft ent­spricht ei­nem Ta­ges­satz Geld­stra­fe.1
1 Fas­sung des zwei­ten Sat­zes ge­mä­ss Ziff. I 1 des BG vom 19. Ju­ni 2015 (Än­de­run­gen des Sank­tio­nen­rechts), in Kraft seit 1. Jan. 2018 (AS 2016 1249; BBl 2012 4721).
Vierter Abschnitt: Strafbefreiung und Einstellung des Verfahrens
Feh­len­des Straf­be­dürf­nis1
Die zu­stän­di­ge Be­hör­de sieht von ei­ner Straf­ver­fol­gung, ei­ner Über­wei­sung an das Ge­richt oder ei­ner Be­stra­fung ab, wenn Schuld und Tat­fol­gen ge­ring­fü­gig sind.
1 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I des BG vom 3. Okt. 2003 (Straf­ver­fol­gung in der Ehe und in der Part­ner­schaft), in Kraft seit 1. April 2004 (AS 2004 1403; BBl 2003 1909 1937).
die Vor­aus­set­zun­gen für die be­ding­te Stra­fe (Art. 42) er­füllt sind; und
das In­ter­es­se der Öf­fent­lich­keit und des Ge­schä­dig­ten an der Straf­ver­fol­gung ge­ring sind.
2. Ge­mein­sa­me Be­stim­mun­gen
1Das Ge­richt sieht bei der be­ding­ten Stra­fe vom Wi­der­ruf und bei der be­ding­ten Ent­las­sung von der Rück­ver­set­zung ab, wenn die Vor­aus­set­zun­gen der Straf­be­frei­ung ge­ge­ben sind.
2Als zu­stän­di­ge Be­hör­den nach den Ar­ti­keln 52, 53 und 54 be­zeich­nen die Kan­to­ne Or­ga­ne der Straf­rechts­pfle­ge.
3. Ein­stel­lung des Ver­fah­rens. Ehe­gat­te, ein­ge­tra­ge­ne Part­ne­rin, ein­ge­tra­ge­ner Part­ner oder Le­ben­s­part­ner als Op­fer2
1 Bei ein­fa­cher Kör­per­ver­let­zung (Art. 123 Ziff. 2 Abs. 3-5), wie­der­hol­ten Tät­lich­kei­ten (Art. 126 Abs. 2 Bst. b, bbis und c), Dro­hung (Art. 180 Abs. 2) und Nö­ti­gung (Art. 181) kön­nen die Staats­an­walt­schaft und die Ge­rich­te das Ver­fah­ren sis­tie­ren, wenn:3
die ein­ge­tra­ge­ne Part­ne­rin oder der ein­ge­tra­ge­ne Part­ner des Tä­ters ist und die Tat wäh­rend der Dau­er der ein­ge­tra­ge­nen Part­ner­schaft oder in­ner­halb ei­nes Jah­res nach de­ren Auf­lö­sung be­gan­gen wur­de, oder
der he­te­ro- oder ho­mo­se­xu­el­le Le­ben­s­part­ner be­zie­hungs­wei­se der noch nicht ein Jahr ge­trennt le­ben­de Ex-Le­ben­s­part­ner des Tä­ters ist; und
das Op­fer oder, falls die­ses nicht hand­lungs­fä­hig ist, sein ge­setz­li­cher Ver­tre­ter dar­um er­sucht oder ei­nem ent­spre­chen­den An­trag der zu­stän­di­gen Be­hör­de zu­stimmt.
2Das Ver­fah­ren wird wie­der an die Hand ge­nom­men, wenn das Op­fer oder, falls die­ses nicht hand­lungs­fä­hig ist, sein ge­setz­li­cher Ver­tre­ter sei­ne Zu­stim­mung in­ner­halb von sechs Mo­na­ten seit der Sis­tie­rung schrift­lich oder münd­lich wi­der­ruft.5
3Wird die Zu­stim­mung nicht wi­der­ru­fen, so ver­fü­gen die Staats­an­walt­schaft und die Ge­rich­te die Ein­stel­lung des Ver­fah­rens.6
1 Ein­ge­fügt durch Ziff. I des BG vom 3. Okt. 2003 (Straf­ver­fol­gung in der Ehe und in der Part­ner­schaft), in Kraft seit 1. April 2004 (AS 2004 1403; BBl 2003 1909 1937).
2 Fas­sung ge­mä­ss Art. 37 Ziff. 1 des Part­ner­schafts­ge­set­zes vom 18. Ju­ni 2004, in Kraft seit 1. Jan. 2007 (AS 2005 5685; BBl 2003 1288).
3 Fas­sung ge­mä­ss An­hang 1 Ziff. II 8 der Straf­pro­zess­ord­nung vom 5. Okt. 2007, in Kraft seit 1. Jan. 2011 (AS 2010 1881; BBl 2006 1085).
4 Fas­sung ge­mä­ss Art. 37 Ziff. 1 des Part­ner­schafts­ge­set­zes vom 18. Ju­ni 2004, in Kraft seit 1. Jan. 2007 (AS 2005 5685; BBl 2003 1288).
5 Fas­sung ge­mä­ss An­hang 1 Ziff. II 8 der Straf­pro­zess­ord­nung vom 5. Okt. 2007, in Kraft seit 1. Jan. 2011 (AS 2010 1881; BBl 2006 1085).
6 Fas­sung ge­mä­ss An­hang 1 Ziff. II 8 der Straf­pro­zess­ord­nung vom 5. Okt. 2007, in Kraft seit 1. Jan. 2011 (AS 2010 1881; BBl 2006 1085).
7 Auf­ge­ho­ben durch An­hang 1 Ziff. II 8 der Straf­pro­zess­ord­nung vom 5. Okt. 2007, mit Wir­kung seit 1. Jan. 2011 (AS 2010 1881; BBl 2006 1085).
Erster Abschnitt: Therapeutische Massnahmen und Verwahrung
1Ei­ne Mass­nah­me ist an­zu­ord­nen, wenn:
ei­ne Stra­fe al­lein nicht ge­eig­net ist, der Ge­fahr wei­te­rer Straf­ta­ten des Tä­ters zu be­geg­nen;
ein Be­hand­lungs­be­dürf­nis des Tä­ters be­steht oder die öf­fent­li­che Si­cher­heit dies er­for­dert; und
die Vor­aus­set­zun­gen der Ar­ti­kel 59-61, 63 oder 64 er­füllt sind.
2Die An­ord­nung ei­ner Mass­nah­me setzt vor­aus, dass der mit ihr ver­bun­de­ne Ein­griff in die Per­sön­lich­keits­rech­te des Tä­ters im Hin­blick auf die Wahr­schein­lich­keit und Schwe­re wei­te­rer Straf­ta­ten nicht un­ver­hält­nis­mäs­sig ist.
3Das Ge­richt stützt sich beim Ent­scheid über die An­ord­nung ei­ner Mass­nah­me nach den Ar­ti­keln 59-61, 63 und 64 so­wie bei der Än­de­rung der Sank­ti­on nach Ar­ti­kel 65 auf ei­ne sach­ver­stän­di­ge Be­gut­ach­tung. Die­se äus­sert sich über:
die Not­wen­dig­keit und die Er­folgs­aus­sich­ten ei­ner Be­hand­lung des Tä­ters;
die Art und die Wahr­schein­lich­keit wei­te­rer mög­li­cher Straf­ta­ten; und
die Mög­lich­kei­ten des Voll­zugs der Mass­nah­me.
4Hat der Tä­ter ei­ne Tat im Sin­ne von Ar­ti­kel 64 Ab­satz 1 be­gan­gen, so ist die Be­gut­ach­tung durch einen Sach­ver­stän­di­gen vor­zu­neh­men, der den Tä­ter we­der be­han­delt noch in an­de­rer Wei­se be­treut hat.
4bisKommt die An­ord­nung der le­bens­läng­li­chen Ver­wah­rung nach Ar­ti­kel 64 Ab­satz 1bis in Be­tracht, so stützt sich das Ge­richt beim Ent­scheid auf die Gut­ach­ten von min­des­tens zwei er­fah­re­nen und von­ein­an­der un­ab­hän­gi­gen Sach­ver­stän­di­gen, die den Tä­ter we­der be­han­delt noch in an­de­rer Wei­se be­treut ha­ben.1
5Das Ge­richt ord­net ei­ne Mass­nah­me in der Re­gel nur an, wenn ei­ne ge­eig­ne­te Ein­rich­tung zur Ver­fü­gung steht.
6Ei­ne Mass­nah­me, für wel­che die Vor­aus­set­zun­gen nicht mehr er­füllt sind, ist auf­zu­he­ben.
1 Ein­ge­fügt durch Ziff. I des BG vom 21. Dez. 2007 (Le­bens­läng­li­che Ver­wah­rung ex­trem ge­fähr­li­cher Straf­tä­ter), in Kraft seit 1. Aug. 2008 (AS 2008 2961; BBl 2006 889).
Zu­sam­men­tref­fen von Mass­nah­men
1Sind meh­re­re Mass­nah­men in glei­cher Wei­se ge­eig­net, ist aber nur ei­ne not­wen­dig, so ord­net das Ge­richt die­je­ni­ge an, die den Tä­ter am we­nigs­ten be­schwert.
2Sind meh­re­re Mass­nah­men not­wen­dig, so kann das Ge­richt die­se zu­sam­men an­ord­nen.
Ver­hält­nis der Mass­nah­men zu den Stra­fen
1Sind die Vor­aus­set­zun­gen so­wohl für ei­ne Stra­fe wie für ei­ne Mass­nah­me er­füllt, so ord­net das Ge­richt bei­de Sank­tio­nen an.
2Der Voll­zug ei­ner Mass­nah­me nach den Ar­ti­keln 59-61 geht ei­ner zu­gleich aus­ge­spro­che­nen so­wie ei­ner durch Wi­der­ruf oder Rück­ver­set­zung voll­zieh­ba­ren Frei­heits­s­tra­fe vor­aus. Eben­so geht die Rück­ver­set­zung in ei­ne Mass­nah­me nach Ar­ti­kel 62a ei­ner zu­gleich aus­ge­spro­che­nen Ge­samt­stra­fe vor­aus.
3Der mit der Mass­nah­me ver­bun­de­ne Frei­heits­ent­zug ist auf die Stra­fe an­zu­rech­nen.
2Die the­ra­peu­ti­schen Ein­rich­tun­gen im Sin­ne der Ar­ti­kel 59-61 sind vom Straf­voll­zug ge­trennt zu füh­ren.
1 Auf­ge­ho­ben durch An­hang 1 Ziff. II 8 der Straf­pro­zess­ord­nung vom 5. Okt. 2007, mit Wir­kung seit 1. Jan. 2011 (AS 2010 1881; BBl 2006 1085).
2. Sta­tio­näre the­ra­peu­ti­sche Mass­nah­men.
Be­hand­lung von psy­chi­schen Stö­run­gen
1Ist der Tä­ter psy­chisch schwer ge­stört, so kann das Ge­richt ei­ne sta­tio­näre Be­hand­lung an­ord­nen, wenn:
der Tä­ter ein Ver­bre­chen oder Ver­ge­hen be­gan­gen hat, das mit sei­ner psy­chi­schen Stö­rung in Zu­sam­men­hang steht; und
zu er­war­ten ist, da­durch las­se sich der Ge­fahr wei­te­rer mit sei­ner psy­chi­schen Stö­rung in Zu­sam­men­hang ste­hen­der Ta­ten be­geg­nen.
2Die sta­tio­näre Be­hand­lung er­folgt in ei­ner ge­eig­ne­ten psych­ia­tri­schen Ein­rich­tung oder ei­ner Mass­nah­me­voll­zug­s­ein­rich­tung.
3So­lan­ge die Ge­fahr be­steht, dass der Tä­ter flieht oder wei­te­re Straf­ta­ten be­geht, wird er in ei­ner ge­schlos­se­nen Ein­rich­tung be­han­delt. Er kann auch in ei­ner Straf­an­stalt nach Ar­ti­kel 76 Ab­satz 2 be­han­delt wer­den, so­fern die nö­ti­ge the­ra­peu­ti­sche Be­hand­lung durch Fach­per­so­nal ge­währ­leis­tet ist.1
4Der mit der sta­tio­nären Be­hand­lung ver­bun­de­ne Frei­heits­ent­zug be­trägt in der Re­gel höchs­tens fünf Jah­re. Sind die Vor­aus­set­zun­gen für die be­ding­te Ent­las­sung nach fünf Jah­ren noch nicht ge­ge­ben und ist zu er­war­ten, durch die Fort­füh­rung der Mass­nah­me las­se sich der Ge­fahr wei­te­rer mit der psy­chi­schen Stö­rung des Tä­ters in Zu­sam­men­hang ste­hen­der Ver­bre­chen und Ver­ge­hen be­geg­nen, so kann das Ge­richt auf An­trag der Voll­zugs­be­hör­de die Ver­län­ge­rung der Mass­nah­me um je­weils höchs­tens fünf Jah­re an­ord­nen.
1 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I des BG vom 24. März 2006 (Kor­rek­tu­ren am Sank­ti­ons- und Straf­re­gis­ter­recht), in Kraft seit 1. Jan. 2007 (AS 2006 3539; BBl 2005 4689).
Sucht­be­hand­lung
1Ist der Tä­ter von Sucht­stof­fen oder in an­de­rer Wei­se ab­hän­gig, so kann das Ge­richt ei­ne sta­tio­näre Be­hand­lung an­ord­nen, wenn:
der Tä­ter ein Ver­bre­chen oder Ver­ge­hen be­gan­gen hat, das mit sei­ner Ab­hän­gig­keit in Zu­sam­men­hang steht; und
zu er­war­ten ist, da­durch las­se sich der Ge­fahr wei­te­rer mit der Ab­hän­gig­keit in Zu­sam­men­hang ste­hen­der Ta­ten be­geg­nen.
2Das Ge­richt trägt dem Be­hand­lungs­ge­such und der Be­hand­lungs­be­reit­schaft des Tä­ters Rech­nung.
3Die Be­hand­lung er­folgt in ei­ner spe­zia­li­sier­ten Ein­rich­tung oder, wenn nö­tig, in ei­ner psych­ia­tri­schen Kli­nik. Sie ist den be­son­de­ren Be­dürf­nis­sen des Tä­ters und sei­ner Ent­wick­lung an­zu­pas­sen.
4Der mit der sta­tio­nären Be­hand­lung ver­bun­de­ne Frei­heits­ent­zug be­trägt in der Re­gel höchs­tens drei Jah­re. Sind die Vor­aus­set­zun­gen für die be­ding­te Ent­las­sung nach drei Jah­ren noch nicht ge­ge­ben und ist zu er­war­ten, durch die Fort­füh­rung der Mass­nah­me las­se sich der Ge­fahr wei­te­rer mit der Ab­hän­gig­keit des Tä­ters in Zu­sam­men­hang ste­hen­der Ver­bre­chen und Ver­ge­hen be­geg­nen, so kann das Ge­richt auf An­trag der Voll­zugs­be­hör­de die Ver­län­ge­rung der Mass­nah­me ein­mal um ein wei­te­res Jahr an­ord­nen. Der mit der Mass­nah­me ver­bun­de­ne Frei­heits­ent­zug darf im Fal­le der Ver­län­ge­rung und der Rück­ver­set­zung nach der be­ding­ten Ent­las­sung die Höchst­dau­er von ins­ge­samt sechs Jah­ren nicht über­schrei­ten.
Mass­nah­men für jun­ge Er­wach­se­ne
1War der Tä­ter zur Zeit der Tat noch nicht 25 Jah­re alt und ist er in sei­ner Per­sön­lich­keits­ent­wick­lung er­heb­lich ge­stört, so kann ihn das Ge­richt in ei­ne Ein­rich­tung für jun­ge Er­wach­se­ne ein­wei­sen, wenn:
der Tä­ter ein Ver­bre­chen oder Ver­ge­hen be­gan­gen hat, das mit der Stö­rung sei­ner Per­sön­lich­keits­ent­wick­lung in Zu­sam­men­hang steht; und
zu er­war­ten ist, da­durch las­se sich der Ge­fahr wei­te­rer mit der Stö­rung sei­ner Per­sön­lich­keits­ent­wick­lung in Zu­sam­men­hang ste­hen­der Ta­ten be­geg­nen.
2Die Ein­rich­tun­gen für jun­ge Er­wach­se­ne sind von den üb­ri­gen An­stal­ten und Ein­rich­tun­gen die­ses Ge­set­zes ge­trennt zu füh­ren.
3Dem Tä­ter sol­len die Fä­hig­kei­ten ver­mit­telt wer­den, selbst­ver­ant­wort­lich und straf­frei zu le­ben. Ins­be­son­de­re ist sei­ne be­ruf­li­che Aus- und Wei­ter­bil­dung zu för­dern.
4Der mit der Mass­nah­me ver­bun­de­ne Frei­heits­ent­zug be­trägt höchs­tens vier Jah­re. Er darf im Fal­le der Rück­ver­set­zung nach be­ding­ter Ent­las­sung die Höchst­dau­er von ins­ge­samt sechs Jah­ren nicht über­schrei­ten. Die Mass­nah­me ist spä­tes­tens dann auf­zu­he­ben, wenn der Tä­ter das 30. Al­ters­jahr vollen­det hat.
5Wur­de der Tä­ter auch we­gen ei­ner vor dem 18. Al­ters­jahr be­gan­ge­nen Tat ver­ur­teilt, so kann die Mass­nah­me in ei­ner Ein­rich­tung für Ju­gend­li­che voll­zo­gen wer­den.
Be­ding­te Ent­las­sung
1Der Tä­ter wird aus dem sta­tio­nären Voll­zug der Mass­nah­me be­dingt ent­las­sen, so­bald sein Zu­stand es recht­fer­tigt, dass ihm Ge­le­gen­heit ge­ge­ben wird, sich in der Frei­heit zu be­wäh­ren.
2Bei der be­ding­ten Ent­las­sung aus ei­ner Mass­nah­me nach Ar­ti­kel 59 be­trägt die Pro­be­zeit ein bis fünf Jah­re, bei der be­ding­ten Ent­las­sung aus ei­ner Mass­nah­me nach den Ar­ti­keln 60 und 61 ein bis drei Jah­re.
3Der be­dingt Ent­las­se­ne kann ver­pflich­tet wer­den, sich wäh­rend der Pro­be­zeit am­bu­lant be­han­deln zu las­sen. Die Voll­zugs­be­hör­de kann für die Dau­er der Pro­be­zeit Be­wäh­rungs­hil­fe an­ord­nen und Wei­sun­gen er­tei­len.
4Er­scheint bei Ab­lauf der Pro­be­zeit ei­ne Fort­füh­rung der am­bu­lan­ten Be­hand­lung, der Be­wäh­rungs­hil­fe oder der Wei­sun­gen not­wen­dig, um der Ge­fahr wei­te­rer mit dem Zu­stand des be­dingt Ent­las­se­nen in Zu­sam­men­hang ste­hen­der Ver­bre­chen und Ver­ge­hen zu be­geg­nen, so kann das Ge­richt auf An­trag der Voll­zugs­be­hör­de die Pro­be­zeit wie folgt ver­län­gern:
bei der be­ding­ten Ent­las­sung aus ei­ner Mass­nah­me nach Ar­ti­kel 59 je­weils um ein bis fünf Jah­re;
bei der be­ding­ten Ent­las­sung aus ei­ner Mass­nah­me nach den Ar­ti­keln 60 und 61 um ein bis drei Jah­re.
5Die Pro­be­zeit nach der be­ding­ten Ent­las­sung aus ei­ner Mass­nah­me nach den Ar­ti­keln 60 und 61 darf ins­ge­samt höchs­tens sechs Jah­re dau­ern.
6Hat der Tä­ter ei­ne Straf­tat im Sin­ne von Ar­ti­kel 64 Ab­satz 1 be­gan­gen, so kann die Pro­be­zeit so oft ver­län­gert wer­den, als dies not­wen­dig er­scheint, um wei­te­re Straf­ta­ten die­ser Art zu ver­hin­dern.
1Be­geht der be­dingt Ent­las­se­ne wäh­rend der Pro­be­zeit ei­ne Straf­tat und zeigt er da­mit, dass die Ge­fahr, der die Mass­nah­me be­geg­nen soll, fort­be­steht, so kann das für die Be­ur­tei­lung der neu­en Tat zu­stän­di­ge Ge­richt nach An­hö­rung der Voll­zugs­be­hör­de:
die Rück­ver­set­zung an­ord­nen;
die Mass­nah­me auf­he­ben und, so­fern die Vor­aus­set­zun­gen da­zu er­füllt sind, ei­ne neue Mass­nah­me an­ord­nen; oder
die Mass­nah­me auf­he­ben und, so­fern die Vor­aus­set­zun­gen da­zu er­füllt sind, den Voll­zug ei­ner Frei­heits­s­tra­fe an­ord­nen.
2Sind auf Grund der neu­en Straf­tat die Vor­aus­set­zun­gen für ei­ne un­be­ding­te Frei­heits­s­tra­fe er­füllt und trifft die­se mit ei­ner zu Guns­ten der Mass­nah­me auf­ge­scho­be­nen Frei­heits­s­tra­fe zu­sam­men, so spricht das Ge­richt in An­wen­dung von Ar­ti­kel 49 ei­ne Ge­samt­stra­fe aus.
3Ist auf Grund des Ver­hal­tens des be­dingt Ent­las­se­nen wäh­rend der Pro­be­zeit ernst­haft zu er­war­ten, dass er ei­ne Tat im Sin­ne von Ar­ti­kel 64 Ab­satz 1 be­ge­hen könn­te, so kann das Ge­richt, das die Mass­nah­me an­ge­ord­net hat, auf An­trag der Voll­zugs­be­hör­de die Rück­ver­set­zung an­ord­nen.
4Die Rück­ver­set­zung dau­ert für die Mass­nah­me nach Ar­ti­kel 59 höchs­tens fünf Jah­re, für die Mass­nah­men nach den Ar­ti­keln 60 und 61 höchs­tens zwei Jah­re.
5Sieht das Ge­richt von ei­ner Rück­ver­set­zung oder ei­ner neu­en Mass­nah­me ab, so kann es:
den be­dingt Ent­las­se­nen ver­war­nen;
ei­ne am­bu­lan­te Be­hand­lung oder Be­wäh­rungs­hil­fe an­ord­nen;
dem be­dingt Ent­las­se­nen Wei­sun­gen er­tei­len; und
die Pro­be­zeit bei ei­ner Mass­nah­me nach Ar­ti­kel 59 um ein bis fünf Jah­re, bei ei­ner Mass­nah­me nach den Ar­ti­keln 60 und 61 um ein bis drei Jah­re ver­län­gern.
6Ent­zieht sich der be­dingt Ent­las­se­ne der Be­wäh­rungs­hil­fe oder miss­ach­tet er die Wei­sun­gen, so ist Ar­ti­kel 95 Ab­sät­ze 3-5 an­wend­bar.
End­gül­ti­ge Ent­las­sung
1Hat sich der be­dingt Ent­las­se­ne bis zum Ab­lauf der Pro­be­zeit be­währt, so ist er end­gül­tig ent­las­sen.
2Der Tä­ter wird end­gül­tig ent­las­sen, wenn die Höchst­dau­er ei­ner Mass­nah­me nach den Ar­ti­keln 60 und 61 er­reicht wur­de und die Vor­aus­set­zun­gen für die be­ding­te Ent­las­sung ein­ge­tre­ten sind.
3Ist der mit der Mass­nah­me ver­bun­de­ne Frei­heits­ent­zug kür­zer als die auf­ge­scho­be­ne Frei­heits­s­tra­fe, so wird die Rest­stra­fe nicht mehr voll­zo­gen.
Auf­he­bung der Mass­nah­me
1Die Mass­nah­me wird auf­ge­ho­ben, wenn:
de­ren Durch- oder Fort­füh­rung als aus­sichts­los er­scheint;
die Höchst­dau­er nach den Ar­ti­keln 60 und 61 er­reicht wur­de und die Vor­aus­set­zun­gen für die be­ding­te Ent­las­sung nicht ein­ge­tre­ten sind; oder
ei­ne ge­eig­ne­te Ein­rich­tung nicht oder nicht mehr exis­tiert.
2Ist der mit der Mass­nah­me ver­bun­de­ne Frei­heits­ent­zug kür­zer als die auf­ge­scho­be­ne Frei­heits­s­tra­fe, so wird die Rest­stra­fe voll­zo­gen. Lie­gen in Be­zug auf die Rest­stra­fe die Vor­aus­set­zun­gen der be­ding­ten Ent­las­sung oder der be­ding­ten Frei­heits­s­tra­fe vor, so ist der Voll­zug auf­zu­schie­ben.
3An Stel­le des Straf­voll­zugs kann das Ge­richt ei­ne an­de­re Mass­nah­me an­ord­nen, wenn zu er­war­ten ist, da­durch las­se sich der Ge­fahr wei­te­rer mit dem Zu­stand des Tä­ters in Zu­sam­men­hang ste­hen­der Ver­bre­chen und Ver­ge­hen be­geg­nen.
4Ist bei Auf­he­bung ei­ner Mass­nah­me, die auf Grund ei­ner Straf­tat nach Ar­ti­kel 64 Ab­satz 1 an­ge­ord­net wur­de, ernst­haft zu er­war­ten, dass der Tä­ter wei­te­re Ta­ten die­ser Art be­geht, so kann das Ge­richt auf An­trag der Voll­zugs­be­hör­de die Ver­wah­rung an­ord­nen.
5Hält die zu­stän­di­ge Be­hör­de bei Auf­he­bung der Mass­nah­me ei­ne Mass­nah­me des Er­wach­se­nen­schut­zes für an­ge­zeigt, so teilt sie dies der Er­wach­se­nen­schutz­be­hör­de mit.1
6Das Ge­richt kann fer­ner ei­ne sta­tio­näre the­ra­peu­ti­sche Mass­nah­me vor oder wäh­rend ih­res Voll­zugs auf­he­ben und an de­ren Stel­le ei­ne an­de­re sta­tio­näre the­ra­peu­ti­sche Mass­nah­me an­ord­nen, wenn zu er­war­ten ist, mit der neu­en Mass­nah­me las­se sich der Ge­fahr wei­te­rer mit dem Zu­stand des Tä­ters in Zu­sam­men­hang ste­hen­der Ver­bre­chen und Ver­ge­hen of­fen­sicht­lich bes­ser be­geg­nen.
1 Fas­sung ge­mä­ss An­hang Ziff. 14 des BG vom 19. Dez. 2008 (Er­wach­se­nen­schutz, Per­so­nen­recht und Kin­des­recht), in Kraft seit 1. Jan. 2013 (AS 2011 725; BBl 2006 7001).
Prü­fung der Ent­las­sung und der Auf­he­bung
1Die zu­stän­di­ge Be­hör­de prüft auf Ge­such hin oder von Am­tes we­gen, ob und wann der Tä­ter aus dem Voll­zug der Mass­nah­me be­dingt zu ent­las­sen oder die Mass­nah­me auf­zu­he­ben ist. Sie be­schliesst dar­über min­des­tens ein­mal jähr­lich. Vor­her hört sie den Ein­ge­wie­se­nen an und holt einen Be­richt der Lei­tung der Voll­zug­s­ein­rich­tung ein.
2Hat der Tä­ter ei­ne Tat im Sin­ne von Ar­ti­kel 64 Ab­satz 1 be­gan­gen, so be­schliesst die zu­stän­di­ge Be­hör­de ge­stützt auf das Gut­ach­ten ei­nes un­ab­hän­gi­gen Sach­ver­stän­di­gen und nach An­hö­rung ei­ner Kom­mis­si­on aus Ver­tre­tern der Straf­ver­fol­gungs­be­hör­den, der Voll­zugs­be­hör­den so­wie der Psych­ia­trie. Sach­ver­stän­di­ge und Ver­tre­ter der Psych­ia­trie dür­fen den Tä­ter nicht be­han­delt oder in an­de­rer Wei­se be­treut ha­ben.
3. Am­bu­lan­te Be­hand­lung.
Vor­aus­set­zun­gen und Voll­zug
1Ist der Tä­ter psy­chisch schwer ge­stört, ist er von Sucht­stof­fen oder in an­de­rer Wei­se ab­hän­gig, so kann das Ge­richt an­ord­nen, dass er nicht sta­tio­när, son­dern am­bu­lant be­han­delt wird, wenn:
der Tä­ter ei­ne mit Stra­fe be­droh­te Tat ver­übt, die mit sei­nem Zu­stand in Zu­sam­men­hang steht; und
zu er­war­ten ist, da­durch las­se sich der Ge­fahr wei­te­rer mit dem Zu­stand des Tä­ters in Zu­sam­men­hang ste­hen­der Ta­ten be­geg­nen.
2Das Ge­richt kann den Voll­zug ei­ner zu­gleich aus­ge­spro­che­nen un­be­ding­ten Frei­heits­s­tra­fe, ei­ner durch Wi­der­ruf voll­zieh­bar er­klär­ten Frei­heits­s­tra­fe so­wie ei­ner durch Rück­ver­set­zung voll­zieh­bar ge­wor­de­nen Rest­stra­fe zu Guns­ten ei­ner am­bu­lan­ten Be­hand­lung auf­schie­ben, um der Art der Be­hand­lung Rech­nung zu tra­gen. Es kann für die Dau­er der Be­hand­lung Be­wäh­rungs­hil­fe an­ord­nen und Wei­sun­gen er­tei­len.
3Die zu­stän­di­ge Be­hör­de kann ver­fü­gen, dass der Tä­ter vor­über­ge­hend sta­tio­när be­han­delt wird, wenn dies zur Ein­lei­tung der am­bu­lan­ten Be­hand­lung ge­bo­ten ist. Die sta­tio­näre Be­hand­lung darf ins­ge­samt nicht län­ger als zwei Mo­na­te dau­ern.
4Die am­bu­lan­te Be­hand­lung darf in der Re­gel nicht län­ger als fünf Jah­re dau­ern. Er­scheint bei Er­rei­chen der Höchst­dau­er ei­ne Fort­füh­rung der am­bu­lan­ten Be­hand­lung not­wen­dig, um der Ge­fahr wei­te­rer mit ei­ner psy­chi­schen Stö­rung in Zu­sam­men­hang ste­hen­der Ver­bre­chen und Ver­ge­hen zu be­geg­nen, so kann das Ge­richt auf An­trag der Voll­zugs­be­hör­de die Be­hand­lung um je­weils ein bis fünf Jah­re ver­län­gern.
1Die zu­stän­di­ge Be­hör­de prüft min­des­tens ein­mal jähr­lich, ob die am­bu­lan­te Be­hand­lung fort­zu­set­zen oder auf­zu­he­ben ist. Sie hört vor­her den Tä­ter an und holt einen Be­richt des The­ra­peu­ten ein.
2Die am­bu­lan­te Be­hand­lung wird durch die zu­stän­di­ge Be­hör­de auf­ge­ho­ben, wenn:
sie er­folg­reich ab­ge­schlos­sen wur­de;
de­ren Fort­füh­rung als aus­sichts­los er­scheint; oder
die ge­setz­li­che Höchst­dau­er für die Be­hand­lung von Al­ko­hol-, Be­täu­bungs­mit­tel- oder Arz­nei­mit­tel­ab­hän­gi­gen er­reicht ist.
3Be­geht der Tä­ter wäh­rend der am­bu­lan­ten Be­hand­lung ei­ne Straf­tat und zeigt er da­mit, dass mit die­ser Be­hand­lung die Ge­fahr wei­te­rer mit dem Zu­stand des Tä­ters in Zu­sam­men­hang ste­hen­der Ta­ten vor­aus­sicht­lich nicht ab­ge­wen­det wer­den kann, so wird die er­folg­lo­se am­bu­lan­te Be­hand­lung durch das für die Be­ur­tei­lung der neu­en Tat zu­stän­di­ge Ge­richt auf­ge­ho­ben.
4Ent­zieht sich der Tä­ter der Be­wäh­rungs­hil­fe oder miss­ach­tet er die Wei­sun­gen, so ist Ar­ti­kel 95 Ab­sät­ze 3-5 an­wend­bar.
Voll­zug der auf­ge­scho­be­nen Frei­heits­s­tra­fe
1Ist die am­bu­lan­te Be­hand­lung er­folg­reich ab­ge­schlos­sen, so wird die auf­ge­scho­be­ne Frei­heits­s­tra­fe nicht mehr voll­zo­gen.
2Wird die am­bu­lan­te Be­hand­lung we­gen Aus­sichts­lo­sig­keit (Art. 63a Abs. 2 Bst. b), Er­rei­chen der ge­setz­li­chen Höchst­dau­er (Art. 63a Abs. 2 Bst. c) oder Er­folg­lo­sig­keit (Art. 63a Abs. 3) auf­ge­ho­ben, so ist die auf­ge­scho­be­ne Frei­heits­s­tra­fe zu voll­zie­hen.
3Er­scheint die in Frei­heit durch­ge­führ­te am­bu­lan­te Be­hand­lung für Drit­te als ge­fähr­lich, so wird die auf­ge­scho­be­ne Frei­heits­s­tra­fe voll­zo­gen und die am­bu­lan­te Be­hand­lung wäh­rend des Voll­zugs der Frei­heits­s­tra­fe wei­ter­ge­führt.
4Das Ge­richt ent­schei­det dar­über, in­wie­weit der mit der am­bu­lan­ten Be­hand­lung ver­bun­de­ne Frei­heits­ent­zug auf die Stra­fe an­ge­rech­net wird. Lie­gen in Be­zug auf die Rest­stra­fe die Vor­aus­set­zun­gen der be­ding­ten Ent­las­sung oder der be­ding­ten Frei­heits­s­tra­fe vor, so schiebt es den Voll­zug auf.
5An Stel­le des Straf­voll­zugs kann das Ge­richt ei­ne sta­tio­näre the­ra­peu­ti­sche Mass­nah­me nach den Ar­ti­keln 59-61 an­ord­nen, wenn zu er­war­ten ist, da­durch las­se sich der Ge­fahr wei­te­rer, mit dem Zu­stand des Tä­ters in Zu­sam­men­hang ste­hen­der Ver­bre­chen und Ver­ge­hen be­geg­nen.
4. Ver­wah­rung.
1Das Ge­richt ord­net die Ver­wah­rung an, wenn der Tä­ter einen Mord, ei­ne vor­sätz­li­che Tö­tung, ei­ne schwe­re Kör­per­ver­let­zung, ei­ne Ver­ge­wal­ti­gung, einen Raub, ei­ne Gei­sel­nah­me, ei­ne Brand­stif­tung, ei­ne Ge­fähr­dung des Le­bens oder ei­ne an­de­re mit ei­ner Höchst­stra­fe von fünf oder mehr Jah­ren be­droh­te Tat be­gan­gen hat, durch die er die phy­si­sche, psy­chi­sche oder se­xu­el­le In­te­gri­tät ei­ner an­dern Per­son schwer be­ein­träch­tigt hat oder be­ein­träch­ti­gen woll­te, und wenn:1
auf Grund der Per­sön­lich­keits­merk­ma­le des Tä­ters, der Ta­tum­stän­de und sei­ner ge­sam­ten Le­ben­sum­stän­de ernst­haft zu er­war­ten ist, dass er wei­te­re Ta­ten die­ser Art be­geht; oder
auf Grund ei­ner an­hal­ten­den oder lang­dau­ern­den psy­chi­schen Stö­rung von er­heb­li­cher Schwe­re, mit der die Tat in Zu­sam­men­hang stand, ernst­haft zu er­war­ten ist, dass der Tä­ter wei­te­re Ta­ten die­ser Art be­geht und die An­ord­nung ei­ner Mass­nah­me nach Ar­ti­kel 59 kei­nen Er­folg ver­spricht.
1bisDas Ge­richt ord­net die le­bens­läng­li­che Ver­wah­rung an, wenn der Tä­ter einen Mord, ei­ne vor­sätz­li­che Tö­tung, ei­ne schwe­re Kör­per­ver­let­zung, einen Raub, ei­ne Ver­ge­wal­ti­gung, ei­ne se­xu­el­le Nö­ti­gung, ei­ne Frei­heits­be­rau­bung oder Ent­füh­rung, ei­ne Gei­sel­nah­me, ein Ver­schwin­den­las­sen, Men­schen­han­del, Völ­ker­mord, ein Ver­bre­chen ge­gen die Mensch­lich­keit oder ein Kriegs­ver­bre­chen (Zwölf­ter Ti­telter) be­gan­gen hat und wenn die fol­gen­den Vor­aus­set­zun­gen er­füllt sind:2
Der Tä­ter hat mit dem Ver­bre­chen die phy­si­sche, psy­chi­sche oder se­xu­el­le In­te­gri­tät ei­ner an­de­ren Per­son be­son­ders schwer be­ein­träch­tigt oder be­ein­träch­ti­gen wol­len.
Beim Tä­ter be­steht ei­ne sehr ho­he Wahr­schein­lich­keit, dass er er­neut ei­nes die­ser Ver­bre­chen be­geht.
Der Tä­ter wird als dau­er­haft nicht the­ra­pier­bar ein­ge­stuft, weil die Be­hand­lung lang­fris­tig kei­nen Er­folg ver­spricht.3
2Der Voll­zug der Frei­heits­s­tra­fe geht der Ver­wah­rung vor­aus. Die Be­stim­mun­gen über die be­ding­te Ent­las­sung aus der Frei­heits­s­tra­fe (Art. 86-88) sind nicht an­wend­bar.4
3Ist schon wäh­rend des Voll­zugs der Frei­heits­s­tra­fe zu er­war­ten, dass der Tä­ter sich in Frei­heit be­währt, so ver­fügt das Ge­richt die be­ding­te Ent­las­sung aus der Frei­heits­s­tra­fe frü­he­s­tens auf den Zeit­punkt hin, an wel­chem der Tä­ter zwei Drit­tel der Frei­heits­s­tra­fe oder 15 Jah­re der le­bens­läng­li­chen Frei­heits­s­tra­fe ver­büsst hat. Zu­stän­dig ist das Ge­richt, das die Ver­wah­rung an­ge­ord­net hat. Im Üb­ri­gen ist Ar­ti­kel 64a an­wend­bar.5
4Die Ver­wah­rung wird in ei­ner Mass­nah­me­voll­zug­s­ein­rich­tung oder in ei­ner Straf­an­stalt nach Ar­ti­kel 76 Ab­satz 2 voll­zo­gen. Die öf­fent­li­che Si­cher­heit ist zu ge­währ­leis­ten. Der Tä­ter wird psych­ia­trisch be­treut, wenn dies not­wen­dig ist.
2 Fas­sung ge­mä­ss An­hang 2 Ziff. 1 des BB vom 18. Dez. 2015 über die Ge­neh­mi­gung und die Um­set­zung des In­ter­na­tio­na­len Über­ein­kom­mens zum Schutz al­ler Per­so­nen vor dem Ver­schwin­den­las­sen, in Kraft seit 1. Jan. 2017 (AS 2016 4687; BBl 2014 453).
3 Ein­ge­fügt durch Ziff. I des BG vom 21. Dez. 2007 (Le­bens­läng­li­che Ver­wah­rung ex­trem ge­fähr­li­cher Straf­tä­ter), in Kraft seit 1. Aug. 2008 (AS 2008 2961; BBl 2006 889).
4 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I des BG vom 24. März 2006 (Kor­rek­tu­ren am Sank­ti­ons- und Straf­re­gis­ter­recht), in Kraft seit 1. Jan. 2007 (AS 2006 3539; BBl 2005 4689).
5 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I des BG vom 24. März 2006 (Kor­rek­tu­ren am Sank­ti­ons- und Straf­re­gis­ter­recht), in Kraft seit 1. Jan. 2007 (AS 2006 3539; BBl 2005 4689).
Auf­he­bung und Ent­las­sung
1Der Tä­ter wird aus der Ver­wah­rung nach Ar­ti­kel 64 Ab­satz 1 be­dingt ent­las­sen, so­bald zu er­war­ten ist, dass er sich in der Frei­heit be­währt.1 Die Pro­be­zeit be­trägt zwei bis fünf Jah­re. Für die Dau­er der Pro­be­zeit kann Be­wäh­rungs­hil­fe an­ge­ord­net und kön­nen Wei­sun­gen er­teilt wer­den.
2Er­scheint bei Ab­lauf der Pro­be­zeit ei­ne Fort­füh­rung der Be­wäh­rungs­hil­fe oder der Wei­sun­gen als not­wen­dig, um der Ge­fahr wei­te­rer Straf­ta­ten im Sin­ne von Ar­ti­kel 64 Ab­satz 1 zu be­geg­nen, so kann das Ge­richt auf An­trag der Voll­zugs­be­hör­de die Pro­be­zeit je­weils um wei­te­re zwei bis fünf Jah­re ver­län­gern.
3Ist auf Grund des Ver­hal­tens des be­dingt Ent­las­se­nen wäh­rend der Pro­be­zeit ernst­haft zu er­war­ten, dass er wei­te­re Straf­ta­ten im Sin­ne von Ar­ti­kel 64 Ab­satz 1 be­ge­hen könn­te, so ord­net das Ge­richt auf An­trag der Voll­zugs­be­hör­de die Rück­ver­set­zung an.
4Ent­zieht sich der be­dingt Ent­las­se­ne der Be­wäh­rungs­hil­fe oder miss­ach­tet er die Wei­sun­gen, so ist Ar­ti­kel 95 Ab­sät­ze 3-5 an­wend­bar.
5Hat sich der be­dingt Ent­las­se­ne bis zum Ab­lauf der Pro­be­zeit be­währt, so ist er end­gül­tig ent­las­sen.
1 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I des BG vom 21. Dez. 2007 (Le­bens­läng­li­che Ver­wah­rung ex­trem ge­fähr­li­cher Straf­tä­ter), in Kraft seit 1. Aug. 2008 (AS 2008 2961; BBl 2006 889).
Prü­fung der Ent­las­sung
1Die zu­stän­di­ge Be­hör­de prüft auf Ge­such hin oder von Am­tes we­gen:
min­des­tens ein­mal jähr­lich, und erst­mals nach Ab­lauf von zwei Jah­ren, ob und wann der Tä­ter aus der Ver­wah­rung be­dingt ent­las­sen wer­den kann (Art. 64a Abs. 1);
min­des­tens al­le zwei Jah­re, und erst­mals vor An­tritt der Ver­wah­rung, ob die Vor­aus­set­zun­gen für ei­ne sta­tio­näre the­ra­peu­ti­sche Be­hand­lung ge­ge­ben sind und beim zu­stän­di­gen Ge­richt ent­spre­chend An­trag ge­stellt wer­den soll (Art. 65 Abs. 1).
2Die zu­stän­di­ge Be­hör­de trifft die Ent­schei­de nach Ab­satz 1 ge­stützt auf:
einen Be­richt der An­stalts­lei­tung;
ei­ne un­ab­hän­gi­ge sach­ver­stän­di­ge Be­gut­ach­tung im Sin­ne von Ar­ti­kel 56 Ab­satz 4;
die An­hö­rung ei­ner Kom­mis­si­on nach Ar­ti­kel 62d Ab­satz 2;
die An­hö­rung des Tä­ters.
Prü­fung der Ent­las­sung aus der le­bens­läng­li­chen Ver­wah­rung und be­ding­te Ent­las­sung
1Bei le­bens­läng­li­cher Ver­wah­rung nach Ar­ti­kel 64 Ab­satz 1bis prüft die zu­stän­di­ge Be­hör­de von Am­tes we­gen oder auf Ge­such hin, ob neue, wis­sen­schaft­li­che Er­kennt­nis­se vor­lie­gen, die er­war­ten las­sen, dass der Tä­ter so be­han­delt wer­den kann, dass er für die Öf­fent­lich­keit kei­ne Ge­fahr mehr dar­stellt. Sie ent­schei­det ge­stützt auf den Be­richt der Eid­ge­nös­si­schen Fach­kom­mis­si­on zur Be­ur­tei­lung der Be­han­del­bar­keit le­bens­läng­lich ver­wahr­ter Straf­tä­ter.
2Kommt die zu­stän­di­ge Be­hör­de zum Schluss, der Tä­ter kön­ne be­han­delt wer­den, so bie­tet sie ihm ei­ne Be­hand­lung an. Die­se wird in ei­ner ge­schlos­se­nen Ein­rich­tung vor­ge­nom­men. Bis zur Auf­he­bung der le­bens­läng­li­chen Ver­wah­rung nach Ab­satz 3 blei­ben die Be­stim­mun­gen über den Voll­zug der le­bens­läng­li­chen Ver­wah­rung an­wend­bar.
3Zeigt die Be­hand­lung, dass sich die Ge­fähr­lich­keit des Tä­ters er­heb­lich ver­rin­gert hat und so weit ver­rin­gern lässt, dass er für die Öf­fent­lich­keit kei­ne Ge­fahr mehr dar­stellt, so hebt das Ge­richt die le­bens­läng­li­che Ver­wah­rung auf und ord­net ei­ne sta­tio­näre the­ra­peu­ti­sche Mass­nah­me nach den Ar­ti­keln 59-61 in ei­ner ge­schlos­se­nen Ein­rich­tung an.
4Das Ge­richt kann den Tä­ter aus der le­bens­läng­li­chen Ver­wah­rung be­dingt ent­las­sen, wenn er in­fol­ge ho­hen Al­ters, schwe­rer Krank­heit oder aus ei­nem an­dern Grund für die Öf­fent­lich­keit kei­ne Ge­fahr mehr dar­stellt. Die be­ding­te Ent­las­sung rich­tet sich nach Ar­ti­kel 64a.
5Zu­stän­dig für die Auf­he­bung der le­bens­läng­li­chen Ver­wah­rung und für die be­ding­te Ent­las­sung ist das Ge­richt, das die le­bens­läng­li­che Ver­wah­rung an­ge­ord­net hat. Es ent­schei­det ge­stützt auf die Gut­ach­ten von min­des­tens zwei er­fah­re­nen und von­ein­an­der un­ab­hän­gi­gen Sach­ver­stän­di­gen, die den Tä­ter we­der be­han­delt noch in an­de­rer Wei­se be­treut ha­ben.
6Die Ab­sät­ze 1 und 2 gel­ten auch wäh­rend des Voll­zugs der Frei­heits­s­tra­fe, wel­cher der le­bens­läng­li­chen Ver­wah­rung vor­aus­geht. Die le­bens­läng­li­che Ver­wah­rung wird frü­he­s­tens ge­mä­ss Ab­satz 3 auf­ge­ho­ben, wenn der Tä­ter zwei Drit­tel der Stra­fe oder 15 Jah­re der le­bens­läng­li­chen Stra­fe ver­büsst hat.
5. Än­de­rung der Sank­ti­on
1Sind bei ei­nem Ver­ur­teil­ten vor oder wäh­rend des Voll­zu­ges ei­ner Frei­heits­s­tra­fe oder ei­ner Ver­wah­rung nach Ar­ti­kel 64 Ab­satz 1 die Vor­aus­set­zun­gen ei­ner sta­tio­nären the­ra­peu­ti­schen Mass­nah­me ge­ge­ben, so kann das Ge­richt die­se Mass­nah­me nach­träg­lich an­ord­nen.1 Zu­stän­dig ist das Ge­richt, das die Stra­fe aus­ge­spro­chen oder die Ver­wah­rung an­ge­ord­net hat. Der Voll­zug ei­ner Rest­stra­fe wird auf­ge­scho­ben.
2Er­gibt sich bei ei­nem Ver­ur­teil­ten wäh­rend des Voll­zu­ges der Frei­heits­s­tra­fe auf­grund neu­er Tat­sa­chen oder Be­weis­mit­tel, dass die Vor­aus­set­zun­gen der Ver­wah­rung ge­ge­ben sind und im Zeit­punkt der Ver­ur­tei­lung be­reits be­stan­den ha­ben, oh­ne dass das Ge­richt da­von Kennt­nis ha­ben konn­te, so kann das Ge­richt die Ver­wah­rung nach­träg­lich an­ord­nen. Zu­stän­dig­keit und Ver­fah­ren be­stim­men sich nach den Re­geln, die für die Wie­der­auf­nah­me gel­ten.2
2 Ein­ge­fügt durch Ziff. I des BG vom 24. März 2006 (Kor­rek­tu­ren am Sank­ti­ons- und Straf­re­gis­ter­recht), in Kraft seit 1. Jan. 2007 (AS 2006 3539; BBl 2005 4689).
Zweiter Abschnitt: Andere Massnahmen
1. Frie­dens­bürg­schaft
1Be­steht die Ge­fahr, dass je­mand ein Ver­bre­chen oder Ver­ge­hen aus­füh­ren wird, mit dem er ge­droht hat, oder legt je­mand, der we­gen ei­nes Ver­bre­chens oder ei­nes Ver­ge­hens ver­ur­teilt wird, die be­stimm­te Ab­sicht an den Tag, die Tat zu wie­der­ho­len, so kann ihm das Ge­richt auf An­trag des Be­droh­ten das Ver­spre­chen ab­neh­men, die Tat nicht aus­zu­füh­ren, und ihn an­hal­ten, an­ge­mes­se­ne Si­cher­heit da­für zu leis­ten.
2Ver­wei­gert er das Ver­spre­chen oder leis­tet er bös­wil­lig die Si­cher­heit nicht in­ner­halb der be­stimm­ten Frist, so kann ihn das Ge­richt durch Si­cher­heits­haft zum Ver­spre­chen oder zur Leis­tung von Si­cher­heit an­hal­ten. Die Si­cher­heits­haft darf nicht län­ger als zwei Mo­na­te dau­ern. Sie wird wie ei­ne kur­ze Frei­heits­s­tra­fe voll­zo­gen (Art. 791).
3Be­geht er das Ver­bre­chen oder das Ver­ge­hen in­ner­halb von zwei Jah­ren, nach­dem er die Si­cher­heit ge­leis­tet hat, so ver­fällt die Si­cher­heit dem Staa­te. An­dern­falls wird sie zu­rück­ge­ge­ben.
1 Die­ser Art. ist auf­ge­ho­ben (AS 2016 1249; BBl 2012 4721).
vor­sätz­li­che Tö­tung (Art. 111), Mord (Art. 112), Tot­schlag (Art. 113), Ver­lei­tung und Bei­hil­fe zum Selbst­mord (Art. 115), straf­ba­rer Schwan­ger­schafts­ab­bruch (Art. 118 Abs. 1 und 2);
schwe­re Kör­per­ver­let­zung (Art. 122), Ver­stüm­me­lung weib­li­cher Ge­ni­ta­li­en (Art. 124 Abs. 1), Aus­set­zung (Art. 127), Ge­fähr­dung des Le­bens (Art. 129), An­griff (Art. 134);
qua­li­fi­zier­te Ver­un­treu­ung (Art. 138 Ziff. 2), qua­li­fi­zier­ter Dieb­stahl (Art. 139 Ziff. 2 und 3), Raub (Art. 140), ge­werbs­mäs­si­ger Be­trug (Art. 146 Abs. 2), ge­werbs­mäs­si­ger be­trü­ge­ri­scher Miss­brauch ei­ner Da­ten­ver­ar­bei­tungs­an­la­ge (Art. 147 Abs. 2), ge­werbs­mäs­si­ger Check- und Kre­dit­kar­ten­miss­brauch (Art. 148 Abs. 2), qua­li­fi­zier­te Er­pres­sung (Art. 156 Ziff. 2-4), ge­werbs­mäs­si­ger Wu­cher (Art. 157 Ziff. 2), ge­werbs­mäs­si­ge Heh­le­rei (Art. 160 Ziff. 2);
Dieb­stahl (Art. 139) in Ver­bin­dung mit Haus­frie­dens­bruch (Art. 186);
Be­trug (Art. 146 Abs. 1) im Be­reich ei­ner So­zi­al­ver­si­che­rung oder der So­zi­al­hil­fe, un­recht­mäs­si­ger Be­zug von Leis­tun­gen ei­ner So­zi­al­ver­si­che­rung oder der So­zi­al­hil­fe (Art. 148a Abs. 1);
Be­trug (Art. 146 Abs. 1), Leis­tungs- und Ab­ga­be­be­trug (Art. 14 Abs. 1, 2 und 4 des BG vom 22. März 19742 über das Ver­wal­tungs­straf­recht) oder Steu­er­be­trug, Ver­un­treu­ung von Quel­len­steu­ern oder ei­ne an­de­re Straf­tat im Be­reich der öf­fent­lich-recht­li­chen Ab­ga­ben, die mit ei­ner Höchst­stra­fe von ei­nem Jahr Frei­heits­s­tra­fe oder mehr be­droht ist;
Zwangs­hei­rat, er­zwun­ge­ne ein­ge­tra­ge­ne Part­ner­schaft (Art. 181a), Men­schen­han­del (Art. 182), Frei­heits­be­rau­bung und Ent­füh­rung (Art. 183), qua­li­fi­zier­te Frei­heits­be­rau­bung und Ent­füh­rung (Art. 184), Gei­sel­nah­me (Art. 185);
se­xu­el­le Hand­lun­gen mit Kin­dern (Art. 187 Ziff. 1), se­xu­el­le Nö­ti­gung (Art. 189), Ver­ge­wal­ti­gung (Art. 190), Schän­dung (Art. 191), För­de­rung der Pro­sti­tu­ti­on (Art. 195), Por­no­gra­fie (Art. 197 Abs. 4 zwei­ter Satz);
Brand­stif­tung (Art. 221 Abs. 1 und 2), vor­sätz­li­che Ver­ur­sa­chung ei­ner Ex­plo­si­on (Art. 223 Ziff. 1 Abs. 1), Ge­fähr­dung durch Spreng­stof­fe und gif­ti­ge Ga­se in ver­bre­che­ri­scher Ab­sicht (Art. 224 Abs. 1), vor­sätz­li­che Ge­fähr­dung oh­ne ver­bre­che­ri­sche Ab­sicht (Art. 225 Abs. 1), Her­stel­len, Ver­ber­gen, Weiter­schaf­fen von Spreng­stof­fen und gif­ti­gen Ga­sen (Art. 226), Ge­fähr­dung durch Kern­ener­gie, Ra­dio­ak­ti­vi­tät und io­ni­sie­ren­de Strah­len (Art. 226bis), straf­ba­re Vor­be­rei­tungs­hand­lun­gen (Art. 226ter), vor­sätz­li­ches Ver­ur­sa­chen ei­ner Über­schwem­mung oder ei­nes Ein­stur­zes (Art. 227 Ziff. 1 Abs. 1), vor­sätz­li­che Be­schä­di­gung von elek­tri­schen An­la­gen, Was­ser­bau­ten und Schutz­vor­rich­tun­gen (Art. 228 Ziff. 1 Abs. 1);
vor­sätz­li­che Ge­fähr­dung durch gen­tech­nisch ver­än­der­te oder pa­tho­ge­ne Or­ga­nis­men (Art. 230bis Abs. 1), vor­sätz­li­ches Ver­brei­ten mensch­li­cher Krank­hei­ten (Art. 231 Ziff. 1), vor­sätz­li­che Trink­was­ser­ver­un­rei­ni­gung (Art. 234 Abs. 1);
qua­li­fi­zier­te Stö­rung des öf­fent­li­chen Ver­kehrs (Art. 237 Ziff. 1 Abs. 2), vor­sätz­li­che Stö­rung des Ei­sen­bahn­ver­kehrs (Art. 238 Abs. 1);
straf­ba­re Vor­be­rei­tungs­hand­lun­gen (Art. 260bis Abs. 1 und 3), Be­tei­li­gung an oder Un­ter­stüt­zung ei­ner kri­mi­nel­len Or­ga­ni­sa­ti­on (Art. 260ter), Ge­fähr­dung der öf­fent­li­chen Si­cher­heit mit Waf­fen (Art. 260qua­ter), Fi­nan­zie­rung des Ter­ro­ris­mus (Art. 260quin­quies);
Völ­ker­mord (Art. 264), Ver­bre­chen ge­gen die Mensch­lich­keit (Art. 264a), schwe­re Ver­let­zun­gen der Gen­fer Kon­ven­tio­nen vom 12. Au­gust 19494 (Art. 264c), an­de­re Kriegs­ver­bre­chen (Art. 264d-264h);
vor­sätz­li­che Wi­der­hand­lung ge­gen Ar­ti­kel 116 Ab­satz 3 oder Ar­ti­kel 118 Ab­satz 3 des Aus­län­der­ge­set­zes vom 16. De­zem­ber 20055;
Wi­der­hand­lung ge­gen Ar­ti­kel 19 Ab­satz 2 oder 20 Ab­satz 2 des Be­täu­bungs­mit­tel­ge­set­zes vom 3. Ok­to­ber 19516 (BetmG).
3Von ei­ner Lan­des­ver­wei­sung kann fer­ner ab­ge­se­hen wer­den, wenn die Tat in ent­schuld­ba­rer Not­wehr (Art. 16 Abs. 1) oder in ent­schuld­ba­rem Not­stand (Art. 18 Abs. 1) be­gan­gen wur­de.
1 Ein­ge­fügt durch Ziff. I 1 des BG vom 20. März 2015 (Um­set­zung von Art. 121 Abs. 3-6 BV über die Aus­schaf­fung kri­mi­nel­ler Aus­län­de­rin­nen und Aus­län­der), in Kraft seit 1. Okt. 2016 (AS 2016 2329; BBl 2013 5975).
3 Die Be­rich­ti­gung der BVers vom 28. Nov. 2017, pu­bli­ziert am 12. Dez. 2017 be­trifft nur den fran­zö­si­chen Text (AS 2017 7257).
b. Nicht ob­li­ga­to­ri­sche Lan­des­ver­wei­sung
Das Ge­richt kann einen Aus­län­der für 3-15 Jah­re des Lan­des ver­wei­sen, wenn er we­gen ei­nes Ver­bre­chens oder Ver­ge­hens, das nicht von Ar­ti­kel 66a er­fasst wird, zu ei­ner Stra­fe ver­ur­teilt oder ge­gen ihn ei­ne Mass­nah­me nach den Ar­ti­keln 59-61 oder 64 an­ge­ord­net wird.
1Be­geht je­mand, nach­dem ge­gen ihn ei­ne Lan­des­ver­wei­sung an­ge­ord­net wor­den ist, ei­ne neue Straf­tat, wel­che die Vor­aus­set­zun­gen für ei­ne Lan­des­ver­wei­sung nach Ar­ti­kel 66a er­füllt, so ist die neue Lan­des­ver­wei­sung auf 20 Jah­re aus­zu­spre­chen.
d. Zeit­punkt des Voll­zugs
1Die Lan­des­ver­wei­sung gilt ab Rechts­kraft des Ur­teils.
2Vor dem Voll­zug der Lan­des­ver­wei­sung sind die un­be­ding­ten Stra­fen oder Straf­tei­le so­wie die frei­heits­ent­zie­hen­den Mass­nah­men zu voll­zie­hen.
3Die Lan­des­ver­wei­sung wird voll­zo­gen, so­bald die ver­ur­teil­te Per­son be­dingt oder end­gül­tig aus dem Straf- oder Mass­nah­men­voll­zug ent­las­sen oder die frei­heits­ent­zie­hen­de Mass­nah­me auf­ge­ho­ben wird, oh­ne dass ei­ne Rest­stra­fe zu voll­zie­hen ist oder ei­ne an­de­re sol­che Mass­nah­me an­ge­ord­net wird.
4Wird die mit ei­ner Lan­des­ver­wei­sung be­leg­te Per­son für den Straf- und Mass­nah­men­voll­zug in ihr Hei­mat­land über­stellt, so gilt die Lan­des­ver­wei­sung mit der Über­stel­lung als voll­zo­gen.
5Die Dau­er der Lan­des­ver­wei­sung wird von dem Tag an be­rech­net, an dem die ver­ur­teil­te Per­son die Schweiz ver­las­sen hat.
e. Auf­schub des Voll­zugs der ob­li­ga­to­ri­schen Lan­des­ver­wei­sung
1Der Voll­zug der ob­li­ga­to­ri­schen Lan­des­ver­wei­sung nach Ar­ti­kel 66a kann nur auf­ge­scho­ben wer­den, wenn:2
der Be­trof­fe­ne ein von der Schweiz an­er­kann­ter Flücht­ling ist und durch die Lan­des­ver­wei­sung sein Le­ben oder sei­ne Frei­heit we­gen sei­ner Ras­se, Re­li­gi­on, Na­tio­na­li­tät, Zu­ge­hö­rig­keit zu ei­ner be­stimm­ten so­zia­len Grup­pe oder sei­ner po­li­ti­schen An­schau­un­gen ge­fähr­det wä­re; da­von aus­ge­nom­men ist der Flücht­ling, der sich ge­mä­ss Ar­ti­kel 5 Ab­satz 2 des Asyl­ge­set­zes vom 26. Ju­ni 19983 nicht auf das Rück­schie­bungs­ver­bot be­ru­fen kann;
an­de­re zwin­gen­de Be­stim­mun­gen des Völ­ker­rechts ent­ge­gen­ste­hen.
2Bei ih­rem Ent­scheid hat die zu­stän­di­ge kan­to­na­le Be­hör­de von der Ver­mu­tung aus­zu­ge­hen, dass die Aus­wei­sung in einen Staat, den der Bun­des­rat nach Ar­ti­kel 6a Ab­satz 2 des Asyl­ge­set­zes vom 26. Ju­ni 1998 als si­cher be­zeich­net, nicht ge­gen Ar­ti­kel 25 Ab­sät­ze 2 und 3 der Bun­des­ver­fas­sung ver­stösst.
2 Die Be­rich­ti­gung vom 21. Ju­ni 2017, ver­öf­fent­licht am 11. Ju­li 2017 be­trifft nur den fran­zö­si­schen Text (AS 2017 3695).
2bisDas Ge­richt kann das Ver­bot nach Ab­satz 2 le­bens­läng­lich ver­hän­gen, wenn zu er­war­ten ist, dass die Dau­er von zehn Jah­ren nicht aus­reicht, da­mit vom Tä­ter kei­ne Ge­fahr mehr aus­geht. Es kann ein zeit­lich be­fris­te­tes Ver­bot nach Ab­satz 2 auf An­trag der Voll­zugs­be­hör­de je­weils um höchs­tens fünf Jah­re ver­län­gern, wenn dies not­wen­dig ist, um den Tä­ter von wei­te­ren Ver­bre­chen und Ver­ge­hen, wie sie An­lass für das Ver­bot wa­ren, ab­zu­hal­ten.3
3Wird je­mand we­gen ei­ner der nach­fol­gen­den Straf­ta­ten zu ei­ner Stra­fe ver­ur­teilt oder wird des­we­gen ge­gen ihn ei­ne Mass­nah­me nach den Ar­ti­keln 59-61, 63 oder 64 an­ge­ord­net, so ver­bie­tet ihm das Ge­richt le­bens­läng­lich je­de be­ruf­li­che und je­de or­ga­ni­sier­te aus­ser­be­ruf­li­che Tä­tig­keit, die einen re­gel­mäs­si­gen Kon­takt zu Min­der­jäh­ri­gen um­fasst:
Men­schen­han­del (Art. 182), so­fern er die Straf­tat zum Zwe­cke der se­xu­el­len Aus­beu­tung an ei­nem min­der­jäh­ri­gen Op­fer be­gan­gen hat;
se­xu­el­le Hand­lun­gen mit Kin­dern (Art. 187), se­xu­el­le Hand­lun­gen mit Ab­hän­gi­gen (Art. 188) oder se­xu­el­le Hand­lun­gen mit Min­der­jäh­ri­gen ge­gen Ent­gelt (Art. 196);
se­xu­el­le Nö­ti­gung (Art. 189), Ver­ge­wal­ti­gung (Art. 190), Schän­dung (Art. 191), se­xu­el­le Hand­lun­gen mit An­stalts­pfleg­lin­gen, Ge­fan­ge­nen, Be­schul­dig­ten (Art. 192), Aus­nüt­zung der Not­la­ge (Art. 193), Ex­hi­bi­tio­nis­mus (Art. 194), För­de­rung der Pro­sti­tu­ti­on (Art. 195) oder se­xu­el­le Be­läs­ti­gun­gen (Art. 198), so­fern er die Straf­tat an oder vor ei­nem min­der­jäh­ri­gen Op­fer be­gan­gen hat;
Por­no­gra­fie (Art. 197):
nach Ar­ti­kel 197 Ab­satz 1 oder 3,
nach Ar­ti­kel 197 Ab­satz 4 oder 5, so­fern die Ge­gen­stän­de oder Vor­füh­run­gen se­xu­el­le Hand­lun­gen mit Min­der­jäh­ri­gen zum In­halt hat­ten.4
4Wird je­mand we­gen ei­ner der nach­fol­gen­den Straf­ta­ten zu ei­ner Stra­fe ver­ur­teilt oder wird des­we­gen ge­gen ihn ei­ne Mass­nah­me nach den Ar­ti­keln 59-61, 63 oder 64 an­ge­ord­net, so ver­bie­tet ihm das Ge­richt le­bens­läng­lich je­de be­ruf­li­che und je­de or­ga­ni­sier­te aus­ser­be­ruf­li­che Tä­tig­keit, die einen re­gel­mäs­si­gen Kon­takt zu voll­jäh­ri­gen, be­son­ders schutz­be­dürf­ti­gen Per­so­nen um­fasst, so­wie je­de be­ruf­li­che oder je­de or­ga­ni­sier­te aus­ser­be­ruf­li­che Tä­tig­keit im Ge­sund­heits­be­reich mit di­rek­tem Pa­ti­en­ten­kon­takt:
Men­schen­han­del (Art. 182) zum Zwe­cke der se­xu­el­len Aus­beu­tung, se­xu­el­le Nö­ti­gung (Art. 189), Ver­ge­wal­ti­gung (Art. 190), Schän­dung (Art. 191), se­xu­el­le Hand­lun­gen mit An­stalts­pfleg­lin­gen, Ge­fan­ge­nen, Be­schul­dig­ten (Art. 192), Aus­nüt­zung der Not­la­ge (Art. 193), Ex­hi­bi­tio­nis­mus (Art. 194), För­de­rung der Pro­sti­tu­ti­on (Art. 195) oder se­xu­el­le Be­läs­ti­gun­gen (Art. 198), so­fern er die Straf­tat be­gan­gen hat an oder vor:
ei­nem voll­jäh­ri­gen, be­son­ders schutz­be­dürf­ti­gen Op­fer, oder
ei­nem voll­jäh­ri­gen nicht be­son­ders schutz­be­dürf­ti­gen Op­fer, das zum Wi­der­stand un­fä­hig oder ur­teil­s­un­fä­hig war oder sich auf­grund ei­ner kör­per­li­chen oder psy­chi­schen Ab­hän­gig­keit nicht zu Wehr set­zen konn­te;
Por­no­gra­fie (Art. 197 Abs. 2 ers­ter Satz und Abs. 4 oder 5), so­fern die Ge­gen­stän­de oder Vor­füh­run­gen zum In­halt hat­ten:
se­xu­el­le Hand­lun­gen mit voll­jäh­ri­gen, be­son­ders schutz­be­dürf­ti­gen Op­fern, oder
se­xu­el­le Hand­lun­gen mit voll­jäh­ri­gen, nicht be­son­ders schutz­be­dürf­ti­gen Op­fern, die zum Wi­der­stand un­fä­hig oder ur­teil­s­un­fä­hig wa­ren oder sich auf­grund ei­ner kör­per­li­chen oder psy­chi­schen Ab­hän­gig­keit nicht zur Wehr set­zen konn­ten.5
ver­ur­teilt wor­den ist we­gen Men­schen­han­del (Art. 182), se­xu­el­ler Nö­ti­gung (Art. 189), Ver­ge­wal­ti­gung (Art. 190), Schän­dung (Art. 191) oder För­de­rung der Pro­sti­tu­ti­on (Art. 195); oder
ge­mä­ss den in­ter­na­tio­nal an­er­kann­ten Klas­si­fi­ka­ti­ons­kri­te­ri­en pä­do­phil ist.6
5Wird der Tä­ter im sel­ben Ver­fah­ren we­gen meh­re­rer Straf­ta­ten zu ei­ner Stra­fe ver­ur­teilt oder wird ge­gen ihn des­we­gen ei­ne Mass­nah­me an­ge­ord­net, so legt das Ge­richt fest, wel­cher An­teil der Stra­fe oder wel­che Mass­nah­me auf ei­ne Straf­tat ent­fällt, die ein Tä­tig­keits­ver­bot nach sich zieht. Die­ser Straf­an­teil, die Mass­nah­me so­wie die Straf­tat sind mass­ge­bend da­für, ob ein Tä­tig­keits­ver­bot nach Ab­satz 1, 2, 2bis, 3 oder 4 ver­hängt wird. Die Straf­an­tei­le für meh­re­re ein­schlä­gi­ge Straf­ta­ten wer­den ad­diert. Es kön­nen meh­re­re Tä­tig­keits­ver­bo­te ver­hängt wer­den.7
6Das Ge­richt kann für die Dau­er der Ver­bo­te Be­wäh­rungs­hil­fe an­ord­nen.8
3 Ein­ge­fügt durch Ziff. I 1 des BG vom 16. März 2018 (Um­set­zung von Art. 123c BV), in Kraft seit 1. Jan. 2019 (AS 2018 3803; BBl 2016 6115).
4 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I 1 des BG vom 16. März 2018 (Um­set­zung von Art. 123c BV), in Kraft seit 1. Jan. 2019 (AS 2018 3803; BBl 2016 6115).
5 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I 1 des BG vom 16. März 2018 (Um­set­zung von Art. 123c BV), in Kraft seit 1. Jan. 2019 (AS 2018 3803; BBl 2016 6115).
6 Ein­ge­fügt durch Ziff. I 1 des BG vom 16. März 2018 (Um­set­zung von Art. 123c BV), in Kraft seit 1. Jan. 2019 (AS 2018 3803; BBl 2016 6115).
7 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I 1 des BG vom 16. März 2018 (Um­set­zung von Art. 123c BV), in Kraft seit 1. Jan. 2019 (AS 2018 3803; BBl 2016 6115).
8 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I 1 des BG vom 16. März 2018 (Um­set­zung von Art. 123c BV), in Kraft seit 1. Jan. 2019 (AS 2018 3803; BBl 2016 6115).
9 Auf­ge­ho­ben durch Ziff. I 1 des BG vom 16. März 2018 (Um­set­zung von Art. 123c BV), mit Wir­kung seit 1. Jan. 2019 (AS 2018 3803; BBl 2016 6115).
1Als be­ruf­li­che Tä­tig­kei­ten im Sin­ne von Ar­ti­kel 67 gel­ten Tä­tig­kei­ten in Aus­übung ei­nes Haupt- oder Ne­ben­be­rufs oder -ge­wer­bes oder ei­nes Han­dels­ge­schäfts. Als or­ga­ni­sier­te aus­ser­be­ruf­li­che Tä­tig­kei­ten gel­ten Tä­tig­kei­ten, die nicht oder nicht pri­mär zu Er­werbs­zwe­cken und die im Rah­men ei­nes Ver­eins oder ei­ner an­de­ren Or­ga­ni­sa­ti­on aus­ge­übt wer­den.
2Das Tä­tig­keits­ver­bot nach Ar­ti­kel 67 um­fasst die Tä­tig­kei­ten, die der Tä­ter selbst­stän­dig, als Or­gan ei­ner ju­ris­ti­schen Per­son oder Han­dels­ge­sell­schaft, als Be­auf­trag­ter oder als Ver­tre­ter ei­ner an­de­ren Per­son aus­übt oder durch ei­ne von sei­nen Wei­sun­gen ab­hän­gi­ge Per­son aus­üben lässt.
4Die Ver­bo­te nach Ar­ti­kel 67 Ab­sät­ze 3 und 4 um­fas­sen im­mer die gan­ze Tä­tig­keit.
6Als be­son­ders schutz­be­dürf­tig gel­ten Per­so­nen, die auf­grund ih­res Al­ters, ei­ner Krank­heit oder ei­ner lang­fris­ti­gen kör­per­li­chen, geis­ti­gen oder psy­chi­schen Be­ein­träch­ti­gung bei all­täg­li­chen Ver­rich­tun­gen oder in ih­rer Le­bens­füh­rung auf frem­de Hil­fe an­ge­wie­sen sind.3
2 Ein­ge­fügt durch Ziff. I 1 des BG vom 16. März 2018 (Um­set­zung von Art. 123c BV), in Kraft seit 1. Jan. 2019 (AS 2018 3803; BBl 2016 6115).
1 Ein­ge­fügt durch Ziff. I 1 des BG vom 13. Dez. 2013 über das Tä­tig­keits­ver­bot und das Kon­takt- und Ray­on­ver­bot, in Kraft seit 1. Jan. 2015 (AS 2014 2055; BBl 2012 8819).
2Die Dau­er des Voll­zugs ei­ner Frei­heits­s­tra­fe oder ei­ner frei­heits­ent­zie­hen­den Mass­nah­me (Art. 59-61 und 64) wird auf die Dau­er des Ver­bots nicht an­ge­rech­net.
4Hat der Tä­ter die ihm auf­er­leg­te Pro­be­zeit be­stan­den, so ent­schei­det die zu­stän­di­ge Be­hör­de über ei­ne in­halt­li­che oder zeit­li­che Ein­schrän­kung oder über die Auf­he­bung des Ver­bots nach Ar­ti­kel 67 Ab­satz 1 oder nach Ar­ti­kel 67b.
bei ei­nem Ver­bot nach Ar­ti­kel 67 Ab­satz 1 oder nach Ar­ti­kel 67b: nach zwei Jah­ren des Voll­zugs;
bei ei­nem be­fris­te­ten Ver­bot nach Ar­ti­kel 67 Ab­satz 2: nach der Hälf­te der Ver­bots­dau­er, je­doch frü­he­s­tens nach drei Jah­ren des Voll­zugs;
bei ei­nem le­bens­läng­li­chen Ver­bot nach Ar­ti­kel 67 Ab­satz 2bis: nach zehn Jah­ren des Voll­zugs.
6Ist nicht mehr zu be­fürch­ten, dass der Tä­ter ei­ne Tä­tig­keit zur Be­ge­hung wei­te­rer Ver­bre­chen oder Ver­ge­hen miss­braucht oder bei ei­nem Kon­takt zu be­stimm­ten Per­so­nen oder Per­so­nen ei­ner be­stimm­ten Grup­pe wei­te­re Ver­bre­chen oder Ver­ge­hen be­geht und hat er den von ihm ver­ur­sach­ten Scha­den so­weit zu­mut­bar er­setzt, so hebt die zu­stän­di­ge Be­hör­de das Ver­bot in den Fäl­len nach Ab­satz 4 oder 5 auf.
6bisVer­bo­te nach Ar­ti­kel 67 Ab­satz 3 oder 4 kön­nen nicht auf­ge­ho­ben wer­den.4
7Miss­ach­tet der Ver­ur­teil­te ein Tä­tig­keits­ver­bot oder ein Kon­takt- und Ray­on­ver­bot oder ent­zieht er sich der da­mit ver­bun­de­nen Be­wäh­rungs­hil­fe oder ist die­se nicht durch­führ­bar oder nicht mehr er­for­der­lich, so er­stat­tet die zu­stän­di­ge Be­hör­de dem Ge­richt oder den Voll­zugs­be­hör­den Be­richt. Das Ge­richt oder die Voll­zugs­be­hör­de kann die Be­wäh­rungs­hil­fe auf­he­ben oder neu an­ord­nen.
7bisDie Voll­zugs­be­hör­de kann für die ge­sam­te Dau­er des Tä­tig­keits­ver­bo­tes oder des Kon­takt- und Ray­on­ver­bo­tes Be­wäh­rungs­hil­fe an­ord­nen.5
8Ent­zieht sich der Ver­ur­teil­te der Be­wäh­rungs­hil­fe wäh­rend der Dau­er ei­ner Pro­be­zeit, so ist Ar­ti­kel 95 Ab­sät­ze 4 und 5 an­wend­bar.
9Miss­ach­tet der Ver­ur­teil­te wäh­rend der Dau­er ei­ner Pro­be­zeit ein Tä­tig­keits­ver­bot oder ein Kon­takt- und Ray­on­ver­bot, so sind Ar­ti­kel 294 und die Be­stim­mun­gen über den Wi­der­ruf ei­ner be­ding­ten Stra­fe oder des be­ding­ten Teils ei­ner Stra­fe so­wie über die Rück­ver­set­zung in den Straf- und Mass­nah­men­voll­zug an­wend­bar.
2 Auf­ge­ho­ben durch Ziff. I 1 des BG vom 16. März 2018 (Um­set­zung von Art. 123c BV), mit Wir­kung seit 1. Jan. 2019 (AS 2018 3803; BBl 2016 6115).
3 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I 1 des BG vom 16. März 2018 (Um­set­zung von Art. 123c BV), in Kraft seit 1. Jan. 2019 (AS 2018 3803; BBl 2016 6115).
4 Ein­ge­fügt durch Ziff. I 1 des BG vom 16. März 2018 (Um­set­zung von Art. 123c BV), in Kraft seit 1. Jan. 2019 (AS 2018 3803; BBl 2016 6115).
5 Ein­ge­fügt durch Ziff. I 1 des BG vom 16. März 2018 (Um­set­zung von Art. 123c BV), in Kraft seit 1. Jan. 2019 (AS 2018 3803; BBl 2016 6115).
2Stellt sich wäh­rend des Voll­zugs ei­ner Frei­heits­s­tra­fe oder ei­ner frei­heits­ent­zie­hen­den Mass­nah­me her­aus, dass beim Tä­ter die Vor­aus­set­zun­gen für ein Ver­bot nach Ar­ti­kel 67 Ab­satz 1 oder 2 oder nach Ar­ti­kel 67b ge­ge­ben sind, so kann das Ge­richt die­ses Ver­bot auf An­trag der Voll­zugs­be­hör­de nach­träg­lich an­ord­nen.
Hat der Tä­ter ein Mo­tor­fahr­zeug zur Be­ge­hung ei­nes Ver­bre­chens oder Ver­ge­hens ver­wen­det und be­steht Wie­der­ho­lungs­ge­fahr, so kann das Ge­richt ne­ben ei­ner Stra­fe oder ei­ner Mass­nah­me nach den Ar­ti­keln 59-64 den Ent­zug des Lern­fahr- oder Füh­rer­aus­wei­ses für die Dau­er von ei­nem Mo­nat bis zu fünf Jah­ren an­ord­nen.
1 Ur­sprüng­lich: Art. 67b.
1 Ge­gen­stands­los ge­mä­ss Ziff. IV 1 des BG vom 19. Ju­ni 2015 (Än­de­rung des Sank­tio­nen­rechts), mit Wir­kung seit 1. Jan. 2018 (AS 2016 1249; BBl 2012 4721).
1Ist die Ver­öf­fent­li­chung ei­nes Stra­f­ur­teils im öf­fent­li­chen In­ter­es­se, im In­ter­es­se des Ver­letz­ten oder des An­trags­be­rech­tig­ten ge­bo­ten, so ord­net sie das Ge­richt auf Kos­ten des Ver­ur­teil­ten an.
2Ist die Ver­öf­fent­li­chung ei­nes frei­spre­chen­den Ur­teils oder ei­ner Ein­stel­lungs­ver­fü­gung der Straf­ver­fol­gungs­be­hör­de im öf­fent­li­chen In­ter­es­se, im In­ter­es­se des Frei­ge­spro­che­nen oder Ent­las­te­ten ge­bo­ten, so ord­net sie das Ge­richt auf Staats­kos­ten oder auf Kos­ten des An­zei­gers an.
1Das Ge­richt ver­fügt oh­ne Rück­sicht auf die Straf­bar­keit ei­ner be­stimm­ten Per­son die Ein­zie­hung von Ge­gen­stän­den, die zur Be­ge­hung ei­ner Straf­tat ge­dient ha­ben oder be­stimmt wa­ren oder die durch ei­ne Straf­tat her­vor­ge­bracht wor­den sind, wenn die­se Ge­gen­stän­de die Si­cher­heit von Men­schen, die Sitt­lich­keit oder die öf­fent­li­che Ord­nung ge­fähr­den.
1Das Ge­richt ver­fügt die Ein­zie­hung von Ver­mö­gens­wer­ten, die durch ei­ne Straf­tat er­langt wor­den sind oder da­zu be­stimmt wa­ren, ei­ne Straf­tat zu ver­an­las­sen oder zu be­loh­nen, so­fern sie nicht dem Ver­letz­ten zur Wie­der­her­stel­lung des recht­mäs­si­gen Zu­stan­des aus­ge­hän­digt wer­den.
3Das Recht zur Ein­zie­hung ver­jährt nach sie­ben Jah­ren; ist je­doch die Ver­fol­gung der Straf­tat ei­ner län­ge­ren Ver­jäh­rungs­frist un­ter­wor­fen, so fin­det die­se Frist auch auf die Ein­zie­hung An­wen­dung.
4Die Ein­zie­hung ist amt­lich be­kannt zu ma­chen. Die An­sprü­che Ver­letz­ter oder Drit­ter er­lö­schen fünf Jah­re nach der amt­li­chen Be­kannt­ma­chung.
1Sind die der Ein­zie­hung un­ter­lie­gen­den Ver­mö­gens­wer­te nicht mehr vor­han­den, so er­kennt das Ge­richt auf ei­ne Er­satz­for­de­rung des Staa­tes in glei­cher Hö­he, ge­gen­über ei­nem Drit­ten je­doch nur, so­weit dies nicht nach Ar­ti­kel 70 Ab­satz 2 aus­ge­schlos­sen ist.
Das Ge­richt ver­fügt die Ein­zie­hung al­ler Ver­mö­gens­wer­te, wel­che der Ver­fü­gungs­macht ei­ner kri­mi­nel­len Or­ga­ni­sa­ti­on un­ter­lie­gen. Bei Ver­mö­gens­wer­ten ei­ner Per­son, die sich an ei­ner kri­mi­nel­len Or­ga­ni­sa­ti­on be­tei­ligt oder sie un­ter­stützt hat (Art. 260ter), wird die Ver­fü­gungs­macht der Or­ga­ni­sa­ti­on bis zum Be­weis des Ge­gen­teils ver­mu­tet.
Er­satz­for­de­run­gen;
den Be­trag der Frie­dens­bürg­schaft.
Vierter Titel: Vollzug von Freiheitsstrafen und freiheitsentziehenden Massnahmen
1. Voll­zugs­grund­sät­ze
Die Men­schen­wür­de des Ge­fan­ge­nen oder des Ein­ge­wie­se­nen ist zu ach­ten. Sei­ne Rech­te dür­fen nur so weit be­schränkt wer­den, als der Frei­heits­ent­zug und das Zu­sam­men­le­ben in der Voll­zug­s­ein­rich­tung es er­for­dern.
2. Voll­zug von Frei­heits­s­tra­fen.
1Der Straf­voll­zug hat das so­zia­le Ver­hal­ten des Ge­fan­ge­nen zu för­dern, ins­be­son­de­re die Fä­hig­keit, straf­frei zu le­ben. Der Straf­voll­zug hat den all­ge­mei­nen Le­bens­ver­hält­nis­sen so weit als mög­lich zu ent­spre­chen, die Be­treu­ung des Ge­fan­ge­nen zu ge­währ­leis­ten, schäd­li­chen Fol­gen des Frei­heits­ent­zugs ent­ge­gen­zu­wir­ken und dem Schutz der All­ge­mein­heit, des Voll­zugs­per­so­nals und der Mit­ge­fan­ge­nen an­ge­mes­sen Rech­nung zu tra­gen.
3Die An­stalts­ord­nung sieht vor, dass zu­sam­men mit dem Ge­fan­ge­nen ein Voll­zugs­plan er­stellt wird. Die­ser ent­hält na­ment­lich An­ga­ben über die an­ge­bo­te­ne Be­treu­ung, die Ar­beits- so­wie die Aus- und Wei­ter­bil­dungs­mög­lich­kei­ten, die Wie­der­gut­ma­chung, die Be­zie­hun­gen zur Aus­sen­welt und die Vor­be­rei­tung der Ent­las­sung.
4Der Ge­fan­ge­ne hat bei den So­zia­li­sie­rungs­be­mü­hun­gen und den Ent­las­sungs­vor­be­rei­tun­gen ak­tiv mit­zu­wir­ken.
5Den ge­schlechts­s­pe­zi­fi­schen An­lie­gen und Be­dürf­nis­sen der Ge­fan­ge­nen ist Rech­nung zu tra­gen.
6Wird der Ge­fan­ge­ne be­dingt oder end­gül­tig ent­las­sen und er­weist sich nach­träg­lich, dass bei der Ent­las­sung ge­gen ihn ein wei­te­res, auf Frei­heits­s­tra­fe lau­ten­des und voll­zieh­ba­res Ur­teil vor­lag, so ist vom Voll­zug der Frei­heits­s­tra­fe ab­zu­se­hen, wenn:
sie aus ei­nem von den Voll­zugs­be­hör­den zu ver­tre­ten­den Grund nicht zu­sam­men mit der an­dern Frei­heits­s­tra­fe voll­zo­gen wur­de;
der Ge­fan­ge­ne in gu­ten Treu­en da­von aus­ge­hen konn­te, dass bei sei­ner Ent­las­sung kein wei­te­res auf Frei­heits­s­tra­fe lau­ten­des und voll­zieh­ba­res Ur­teil ge­gen ihn vor­lag; und
da­mit die Wie­der­ein­glie­de­rung des Ge­fan­ge­nen in Fra­ge ge­stellt wür­de.
Be­son­de­re Si­cher­heits­mass­nah­men
1Die Kom­mis­si­on nach Ar­ti­kel 62d Ab­satz 2 be­ur­teilt im Hin­blick auf die Ein­wei­sung in ei­ne of­fe­ne Straf­an­stalt und die Be­wil­li­gung von Voll­zugs­öff­nun­gen die Ge­mein­ge­fähr­lich­keit des Tä­ters, wenn:
die­ser ein Ver­bre­chen nach Ar­ti­kel 64 Ab­satz 1 be­gan­gen hat; und
die Voll­zugs­be­hör­de die Fra­ge der Ge­mein­ge­fähr­lich­keit des Ge­fan­ge­nen nicht ein­deu­tig be­ant­wor­ten kann.
2Voll­zugs­öff­nun­gen sind Lo­cke­run­gen im Frei­heits­ent­zug, na­ment­lich die Ver­le­gung in ei­ne of­fe­ne An­stalt, die Ge­wäh­rung von Ur­laub, die Zu­las­sung zum Ar­beitsex­ter­nat oder zum Woh­nex­ter­nat und die be­ding­te Ent­las­sung.
3Ge­mein­ge­fähr­lich­keit ist an­zu­neh­men, wenn die Ge­fahr be­steht, dass der Ge­fan­ge­ne flieht und ei­ne wei­te­re Straf­tat be­geht, durch die er die phy­si­sche, psy­chi­sche oder se­xu­el­le In­te­gri­tät ei­ner an­de­ren Per­son schwer be­ein­träch­tigt.
Voll­zugs­ort
1Frei­heits­s­tra­fen wer­den in ei­ner ge­schlos­se­nen oder of­fe­nen Straf­an­stalt voll­zo­gen.
2Der Ge­fan­ge­ne wird in ei­ne ge­schlos­se­ne Straf­an­stalt oder in ei­ne ge­schlos­se­ne Ab­tei­lung ei­ner of­fe­nen Straf­an­stalt ein­ge­wie­sen, wenn die Ge­fahr be­steht, dass er flieht, oder zu er­war­ten ist, dass er wei­te­re Straf­ta­ten be­geht.
Nor­mal­voll­zug
Der Ge­fan­ge­ne ver­bringt sei­ne Ar­beits-, Ru­he- und Frei­zeit in der Re­gel in der An­stalt.
Ar­beitsex­ter­nat und Woh­nex­ter­nat
1Die Frei­heits­s­tra­fe wird in der Form des Ar­beitsex­ter­nats voll­zo­gen, wenn der Ge­fan­ge­ne einen Teil der Frei­heits­s­tra­fe, in der Re­gel min­des­tens die Hälf­te, ver­büsst hat und nicht zu er­war­ten ist, dass er flieht oder wei­te­re Straf­ta­ten be­geht.
2Im Ar­beitsex­ter­nat ar­bei­tet der Ge­fan­ge­ne aus­ser­halb der An­stalt und ver­bringt die Ru­he- und Frei­zeit in der An­stalt. Der Wech­sel ins Ar­beitsex­ter­nat er­folgt in der Re­gel nach ei­nem Auf­ent­halt von an­ge­mes­se­ner Dau­er in ei­ner of­fe­nen An­stalt oder der of­fe­nen Ab­tei­lung ei­ner ge­schlos­se­nen An­stalt. Als Ar­bei­ten aus­ser­halb der An­stalt gel­ten auch Haus­ar­beit und Kin­der­be­treu­ung.
3Be­währt sich der Ge­fan­ge­ne im Ar­beitsex­ter­nat, so er­folgt der wei­te­re Voll­zug in Form des Wohn- und Ar­beitsex­ter­nats. Da­bei wohnt und ar­bei­tet der Ge­fan­ge­ne aus­ser­halb der An­stalt, un­ter­steht aber wei­ter­hin der Straf­voll­zugs­be­hör­de.
Halb­ge­fan­gen­schaft
1Auf Ge­such des Ver­ur­teil­ten hin kann ei­ne Frei­heits­s­tra­fe von nicht mehr als 12 Mo­na­ten oder ei­ne nach An­rech­nung der Un­ter­su­chungs­haft ver­blei­ben­de Rest­stra­fe von nicht mehr als sechs Mo­na­ten in der Form der Halb­ge­fan­gen­schaft voll­zo­gen wer­den, wenn:
nicht zu er­war­ten ist, dass der Ver­ur­teil­te flieht oder wei­te­re Straf­ta­ten be­geht; und
der Ver­ur­teil­te ei­ner ge­re­gel­ten Ar­beit, Aus­bil­dung oder Be­schäf­ti­gung von min­des­tens 20 Stun­den pro Wo­che nach­geht.
2Der Ge­fan­ge­ne setzt sei­ne Ar­beit, Aus­bil­dung oder Be­schäf­ti­gung aus­ser­halb der An­stalt fort und ver­bringt die Ru­he- und Frei­zeit in der An­stalt.
3Die Halb­ge­fan­gen­schaft kann in ei­ner be­son­de­ren Ab­tei­lung ei­nes Un­ter­su­chungs­ge­fäng­nis­ses durch­ge­führt wer­den, wenn die not­wen­di­ge Be­treu­ung des Ver­ur­teil­ten ge­währ­leis­tet ist.
4Er­füllt der Ver­ur­teil­te die Be­wil­li­gungs­vor­aus­set­zun­gen nicht mehr oder leis­tet er die Halb­ge­fan­gen­schaft trotz Mah­nung nicht ent­spre­chend den von der Voll­zugs­be­hör­de fest­ge­leg­ten Be­din­gun­gen und Auf­la­gen, so wird die Frei­heits­s­tra­fe im Nor­mal­voll­zug voll­zo­gen.
Ein­zel­haft
Ein­zel­haft als un­un­ter­bro­che­ne Tren­nung von den an­de­ren Ge­fan­ge­nen darf nur an­ge­ord­net wer­den:
bei An­tritt der Stra­fe und zur Ein­lei­tung des Voll­zugs für die Dau­er von höchs­tens ei­ner Wo­che;
zum Schutz des Ge­fan­ge­nen oder Drit­ter;
als Dis­zi­pli­nar­sank­ti­on.
Ge­mein­nüt­zi­ge Ar­beit
1Ist nicht zu er­war­ten, dass der Ver­ur­teil­te flieht oder wei­te­re Straf­ta­ten be­geht, so kann auf sein Ge­such hin in der Form von ge­mein­nüt­zi­ger Ar­beit voll­zo­gen wer­den:
ei­ne Frei­heits­s­tra­fe von nicht mehr als sechs Mo­na­ten;
ei­ne nach An­rech­nung der Un­ter­su­chungs­haft ver­blei­ben­de Rest­stra­fe von nicht mehr als sechs Mo­na­ten; oder
ei­ne Geld­stra­fe oder ei­ne Bus­se.
2Die ge­mein­nüt­zi­ge Ar­beit ist aus­ge­schlos­sen für den Voll­zug ei­ner Er­satz­frei­heits­s­tra­fe.
3Die ge­mein­nüt­zi­ge Ar­beit ist zu­guns­ten von so­zia­len Ein­rich­tun­gen, Wer­ken in öf­fent­li­chem In­ter­es­se oder hilfs­be­dürf­ti­gen Per­so­nen zu leis­ten. Sie wird un­ent­gelt­lich ge­leis­tet.
4Vier Stun­den ge­mein­nüt­zi­ger Ar­beit ent­spre­chen ei­nem Tag Frei­heits­s­tra­fe, ei­nem Ta­ges­satz Geld­stra­fe oder ei­nem Tag Er­satz­frei­heits­s­tra­fe bei Über­tre­tun­gen.
5Die Voll­zugs­be­hör­de be­stimmt dem Ver­ur­teil­ten ei­ne Frist von höchs­tens zwei Jah­ren, in­ner­halb der er die ge­mein­nüt­zi­ge Ar­beit zu leis­ten hat. Bei ge­mein­nüt­zi­ger Ar­beit zum Voll­zug ei­ner Bus­se be­trägt die Frist höchs­tens ein Jahr.
6So­weit der Ver­ur­teil­te die ge­mein­nüt­zi­ge Ar­beit trotz Mah­nung nicht ent­spre­chend den von der Voll­zugs­be­hör­de fest­ge­leg­ten Be­din­gun­gen und Auf­la­gen oder nicht in­nert Frist leis­tet, wird die Frei­heits­s­tra­fe im Nor­mal­voll­zug oder in der Form der Halb­ge­fan­gen­schaft voll­zo­gen oder die Geld­stra­fe oder die Bus­se voll­streckt.
1 Ein­ge­fügt durch Ziff. I 1 des BG vom 19. Ju­ni 2015 (Än­de­run­gen des Sank­tio­nen­rechts), in Kraft seit 1. Jan. 2018 (AS 2016 1249; BBl 2012 4721).
Elek­tro­ni­sche Über­wa­chung
1Die Voll­zugs­be­hör­de kann auf Ge­such des Ver­ur­teil­ten hin den Ein­satz elek­tro­ni­scher Ge­rä­te und de­ren fes­te Ver­bin­dung mit dem Kör­per des Ver­ur­teil­ten (elek­tro­ni­sche Über­wa­chung) an­ord­nen:
für den Voll­zug ei­ner Frei­heits­s­tra­fe oder ei­ner Er­satz­frei­heits­s­tra­fe von 20 Ta­gen bis zu 12 Mo­na­ten; oder
an­stel­le des Ar­beitsex­ter­na­tes oder des Ar­beits- und Woh­nex­ter­na­tes für die Dau­er von 3 bis 12 Mo­na­ten.
2Sie kann die elek­tro­ni­sche Über­wa­chung nur an­ord­nen, wenn:
nicht zu er­war­ten ist, dass der Ver­ur­teil­te flieht oder wei­te­re Straf­ta­ten be­geht;
der Ver­ur­teil­te über ei­ne dau­er­haf­te Un­ter­kunft ver­fügt;
der Ver­ur­teil­te ei­ner ge­re­gel­ten Ar­beit, Aus­bil­dung oder Be­schäf­ti­gung von min­des­tens 20 Stun­den pro Wo­che nach­geht oder ihm ei­ne sol­che zu­ge­wie­sen wer­den kann;
die mit dem Ver­ur­teil­ten in der­sel­ben Woh­nung le­ben­den er­wach­se­nen Per­so­nen zu­stim­men; und
der Ver­ur­teil­te ei­nem für ihn aus­ge­ar­bei­te­ten Voll­zugs­plan zu­stimmt.
3Sind die Vor­aus­set­zun­gen nach Ab­satz 2 Buch­sta­be a, b oder c nicht mehr er­füllt oder ver­letzt der Ver­ur­teil­te sei­ne im Voll­zugs­plan fest­ge­hal­te­nen Pflich­ten, so kann die Voll­zugs­be­hör­de den Voll­zug in Form der elek­tro­ni­schen Über­wa­chung ab­bre­chen und den Voll­zug der Frei­heits­s­tra­fe im Nor­mal­voll­zug oder in der Form der Halb­ge­fan­gen­schaft an­ord­nen oder die dem Ver­ur­teil­ten zu­ste­hen­de freie Zeit ein­schrän­ken.
Ab­wei­chen­de Voll­zugs­for­men
1Von den für den Voll­zug gel­ten­den Re­geln darf zu Guns­ten des Ge­fan­ge­nen ab­ge­wi­chen wer­den:
wenn der Ge­sund­heits­zu­stand des Ge­fan­ge­nen dies er­for­dert;
bei Schwan­ger­schaft, Ge­burt und für die Zeit un­mit­tel­bar nach der Ge­burt;
zur ge­mein­sa­men Un­ter­brin­gung von Mut­ter und Klein­kind, so­fern dies auch im In­ter­es­se des Kin­des liegt.
2Wird die Stra­fe nicht in ei­ner Straf­an­stalt, son­dern in ei­ner an­de­ren ge­eig­ne­ten Ein­rich­tung voll­zo­gen, so un­ter­steht der Ge­fan­ge­ne den Re­gle­men­ten die­ser Ein­rich­tung, so­weit die Voll­zugs­be­hör­de nichts an­de­res ver­fügt.
1Der Ge­fan­ge­ne ist zur Ar­beit ver­pflich­tet. Die Ar­beit hat so weit als mög­lich sei­nen Fä­hig­kei­ten, sei­ner Aus­bil­dung und sei­nen Nei­gun­gen zu ent­spre­chen.
2Der Ge­fan­ge­ne kann mit sei­ner Zu­stim­mung bei ei­nem pri­va­ten Ar­beit­ge­ber be­schäf­tigt wer­den.
Dem Ge­fan­ge­nen ist bei Eig­nung nach Mög­lich­keit Ge­le­gen­heit zu ei­ner sei­nen Fä­hig­kei­ten ent­spre­chen­den Aus- und Wei­ter­bil­dung zu ge­ben.
1Der Ge­fan­ge­ne er­hält für sei­ne Ar­beit ein von sei­ner Leis­tung ab­hän­gi­ges und den Um­stän­den an­ge­pass­tes Ent­gelt.
2Der Ge­fan­ge­ne kann wäh­rend des Voll­zugs nur über einen Teil sei­nes Ar­beits­ent­gel­tes frei ver­fü­gen. Aus dem an­de­ren Teil wird für die Zeit nach der Ent­las­sung ei­ne Rück­la­ge ge­bil­det. Das Ar­beits­ent­gelt darf we­der ge­pfän­det noch mit Ar­rest be­legt noch in ei­ne Kon­kurs­mas­se ein­be­zo­gen wer­den. Je­de Ab­tre­tung und Ver­pfän­dung des Ar­beits­ent­gel­tes ist nich­tig.
3Nimmt der Ge­fan­ge­ne an ei­ner Aus- und Wei­ter­bil­dung teil, wel­che der Voll­zugs­plan an Stel­le ei­ner Ar­beit vor­sieht, so er­hält er ei­ne an­ge­mes­se­ne Ver­gü­tung.
Be­zie­hun­gen zur Aus­sen­welt
1Der Ge­fan­ge­ne hat das Recht, Be­su­che zu emp­fan­gen und mit Per­so­nen aus­ser­halb der An­stalt Kon­takt zu pfle­gen. Der Kon­takt mit na­he ste­hen­den Per­so­nen ist zu er­leich­tern.
2Der Kon­takt kann kon­trol­liert und zum Schutz der Ord­nung und Si­cher­heit der Straf­an­stalt be­schränkt oder un­ter­sagt wer­den. Die Über­wa­chung von Be­su­chen ist oh­ne Wis­sen der Be­tei­lig­ten nicht zu­läs­sig. Vor­be­hal­ten blei­ben straf­pro­zes­sua­le Mass­nah­men zur Si­cher­stel­lung ei­ner Straf­ver­fol­gung.
3Geist­li­chen, Ärz­ten, Rechts­an­wäl­ten, No­ta­ren und Vor­mün­dern so­wie Per­so­nen mit ver­gleich­ba­ren Auf­ga­ben kann in­ner­halb der all­ge­mei­nen An­stalts­ord­nung der freie Ver­kehr mit den Ge­fan­ge­nen ge­stat­tet wer­den.
4Der Kon­takt mit Ver­tei­di­gern ist zu ge­stat­ten. Be­su­che des Ver­tei­di­gers dür­fen be­auf­sich­tigt, die Ge­sprä­che aber nicht mit­ge­hört wer­den. Ei­ne in­halt­li­che Über­prü­fung der Kor­re­spon­denz und an­walt­li­cher Schrift­stücke ist nicht ge­stat­tet. Der an­walt­li­che Kon­takt kann bei Miss­brauch von der zu­stän­di­gen Be­hör­de un­ter­sagt wer­den.
5Der Ver­kehr mit den Auf­sichts­be­hör­den darf nicht kon­trol­liert wer­den.
6Dem Ge­fan­ge­nen ist zur Pfle­ge der Be­zie­hun­gen zur Aus­sen­welt, zur Vor­be­rei­tung sei­ner Ent­las­sung oder aus be­son­de­ren Grün­den in an­ge­mes­se­nem Um­fang Ur­laub zu ge­wäh­ren, so­weit sein Ver­hal­ten im Straf­voll­zug dem nicht ent­ge­gen­steht und kei­ne Ge­fahr be­steht, dass er flieht oder wei­te­re Straf­ta­ten be­geht.
6bisLe­bens­läng­lich ver­wahr­ten Straf­tä­tern wer­den wäh­rend des der Ver­wah­rung vor­aus­ge­hen­den Straf­voll­zugs kei­ne Ur­lau­be oder an­de­re Voll­zugs­öff­nun­gen ge­währt.1
7Vor­be­hal­ten blei­ben Ar­ti­kel 36 des Wie­ner Über­ein­kom­mens vom 24. April 19632 über kon­su­la­ri­sche Be­zie­hun­gen so­wie an­de­re für die Schweiz ver­bind­li­che völ­ker­recht­li­che Re­geln über den Be­suchs- und Brief­ver­kehr.
Kon­trol­len und Un­ter­su­chun­gen
1Die per­sön­li­chen Ef­fek­ten und die Un­ter­kunft des Ge­fan­ge­nen kön­nen zum Schutz der Ord­nung und Si­cher­heit der Straf­an­stalt durch­sucht wer­den.
2Beim Ge­fan­ge­nen, der im Ver­dacht steht, auf sich oder in sei­nem Kör­per un­er­laub­te Ge­gen­stän­de zu ver­ber­gen, kann ei­ne Lei­bes­vi­si­ta­ti­on durch­ge­führt wer­den. Die­se ist von ei­ner Per­son glei­chen Ge­schlechts vor­zu­neh­men. Ist sie mit ei­ner Ent­klei­dung ver­bun­den, so ist sie in Ab­we­sen­heit der an­de­ren Ge­fan­ge­nen durch­zu­füh­ren. Un­ter­su­chun­gen im Kör­perin­nern sind von ei­nem Arzt oder von an­de­rem me­di­zi­ni­schem Per­so­nal vor­zu­neh­men.
Be­ding­te Ent­las­sung.
a. Ge­wäh­rung
1Hat der Ge­fan­ge­ne zwei Drit­tel sei­ner Stra­fe, min­des­tens aber drei Mo­na­te ver­büsst, so ist er durch die zu­stän­di­ge Be­hör­de be­dingt zu ent­las­sen, wenn es sein Ver­hal­ten im Straf­voll­zug recht­fer­tigt und nicht an­zu­neh­men ist, er wer­de wei­te­re Ver­bre­chen oder Ver­ge­hen be­ge­hen.
2Die zu­stän­di­ge Be­hör­de prüft von Am­tes we­gen, ob der Ge­fan­ge­ne be­dingt ent­las­sen wer­den kann. Sie holt einen Be­richt der An­stalts­lei­tung ein. Der Ge­fan­ge­ne ist an­zu­hö­ren.
3Wird die be­ding­te Ent­las­sung ver­wei­gert, so hat die zu­stän­di­ge Be­hör­de min­des­tens ein­mal jähr­lich neu zu prü­fen, ob sie ge­währt wer­den kann.
4Hat der Ge­fan­ge­ne die Hälf­te sei­ner Stra­fe, min­des­tens aber drei Mo­na­te ver­büsst, so kann er aus­nahms­wei­se be­dingt ent­las­sen wer­den, wenn aus­ser­or­dent­li­che, in der Per­son des Ge­fan­ge­nen lie­gen­de Um­stän­de dies recht­fer­ti­gen.
5Bei ei­ner le­bens­lan­gen Frei­heits­s­tra­fe ist die be­ding­te Ent­las­sung nach Ab­satz 1 frü­he­s­tens nach 15, nach Ab­satz 4 frü­he­s­tens nach zehn Jah­ren mög­lich.
b. Pro­be­zeit
1Dem be­dingt Ent­las­se­nen wird ei­ne Pro­be­zeit auf­er­legt, de­ren Dau­er dem Straf­rest ent­spricht. Sie be­trägt je­doch min­des­tens ein Jahr und höchs­tens fünf Jah­re.
2Die Voll­zugs­be­hör­de ord­net in der Re­gel für die Dau­er der Pro­be­zeit Be­wäh­rungs­hil­fe an. Sie kann dem be­dingt Ent­las­se­nen Wei­sun­gen er­tei­len.
3Er­folg­te die be­ding­te Ent­las­sung aus ei­ner Frei­heits­s­tra­fe, die we­gen ei­ner Straf­tat nach Ar­ti­kel 64 Ab­satz 1 ver­hängt wor­den war, und er­schei­nen bei Ab­lauf der Pro­be­zeit die Be­wäh­rungs­hil­fe oder Wei­sun­gen wei­ter­hin not­wen­dig, um der Ge­fahr wei­te­rer Straf­ta­ten die­ser Art zu be­geg­nen, so kann das Ge­richt auf An­trag der Voll­zugs­be­hör­de die Be­wäh­rungs­hil­fe oder die Wei­sun­gen je­weils um ein bis fünf Jah­re ver­län­gern oder für die­se Zeit neue Wei­sun­gen an­ord­nen. Die Rück­ver­set­zung in den Straf­voll­zug nach Ar­ti­kel 95 Ab­satz 5 ist in die­sem Fall nicht mög­lich.
c. Be­wäh­rung
Hat sich der be­dingt Ent­las­se­ne bis zum Ab­lauf der Pro­be­zeit be­währt, so ist er end­gül­tig ent­las­sen.
d. Nicht­be­wäh­rung
1Be­geht der be­dingt Ent­las­se­ne wäh­rend der Pro­be­zeit ein Ver­bre­chen oder Ver­ge­hen, so ord­net das für die Be­ur­tei­lung der neu­en Tat zu­stän­di­ge Ge­richt die Rück­ver­set­zung an.
2Ist trotz des wäh­rend der Pro­be­zeit be­gan­ge­nen Ver­bre­chens oder Ver­ge­hens nicht zu er­war­ten, dass der Ver­ur­teil­te wei­te­re Straf­ta­ten be­ge­hen wird, so ver­zich­tet das Ge­richt auf ei­ne Rück­ver­set­zung. Es kann den Ver­ur­teil­ten ver­war­nen und die Pro­be­zeit um höchs­tens die Hälf­te der von der zu­stän­di­gen Be­hör­de ur­sprüng­lich fest­ge­setz­ten Dau­er ver­län­gern. Er­folgt die Ver­län­ge­rung erst nach Ab­lauf der Pro­be­zeit, so be­ginnt sie am Tag der An­ord­nung. Die Be­stim­mun­gen über die Be­wäh­rungs­hil­fe und die Wei­sun­gen sind an­wend­bar (Art. 93-95).
3Ent­zieht sich der be­dingt Ent­las­se­ne der Be­wäh­rungs­hil­fe oder miss­ach­tet er die Wei­sun­gen, so sind die Ar­ti­kel 95 Ab­sät­ze 3-5 an­wend­bar.
4Die Rück­ver­set­zung darf nicht mehr an­ge­ord­net wer­den, wenn seit dem Ab­lauf der Pro­be­zeit drei Jah­re ver­gan­gen sind.
5Die Un­ter­su­chungs­haft, die der Tä­ter wäh­rend des Ver­fah­rens der Rück­ver­set­zung aus­ge­stan­den hat, ist auf den Straf­rest an­zu­rech­nen.
6Sind auf Grund der neu­en Straf­tat die Vor­aus­set­zun­gen für ei­ne un­be­ding­te Frei­heits­s­tra­fe er­füllt und trifft die­se mit der durch den Wi­der­ruf voll­zieh­bar ge­wor­de­nen Rest­stra­fe zu­sam­men, so bil­det das Ge­richt in An­wen­dung von Ar­ti­kel 49 ei­ne Ge­samt­stra­fe. Auf die­se sind die Re­geln der be­ding­ten Ent­las­sung er­neut an­wend­bar. Wird nur die Rest­stra­fe voll­zo­gen, so ist Ar­ti­kel 86 Ab­sät­ze 1-4 an­wend­bar.
7Trifft ei­ne durch den Ent­scheid über die Rück­ver­set­zung voll­zieh­bar ge­wor­de­ne Rest­stra­fe mit dem Voll­zug ei­ner Mass­nah­me nach den Ar­ti­keln 59-61 zu­sam­men, so ist Ar­ti­kel 57 Ab­sät­ze 2 und 3 an­wend­bar.
3. Voll­zug von Mass­nah­men
1Ei­ne Per­son, die sich im Voll­zug ei­ner Mass­nah­me nach den Ar­ti­keln 59-61 be­fin­det, darf nur dann un­un­ter­bro­chen von den an­dern Ein­ge­wie­se­nen ge­trennt un­ter­ge­bracht wer­den, wenn dies un­er­läss­lich ist:
als vor­über­ge­hen­de the­ra­peu­ti­sche Mass­nah­me;
zum Schutz des Ein­ge­wie­se­nen oder Drit­ter;
2Zu Be­ginn des Voll­zugs der Mass­nah­me wird zu­sam­men mit dem Ein­ge­wie­se­nen oder sei­nem ge­setz­li­chen Ver­tre­ter ein Voll­zugs­plan er­stellt. Die­ser ent­hält na­ment­lich An­ga­ben über die Be­hand­lung der psy­chi­schen Stö­rung, der Ab­hän­gig­keit oder der Ent­wick­lungs­stö­rung des Ein­ge­wie­se­nen so­wie zur Ver­mei­dung von Dritt­ge­fähr­dung.
2bisMass­nah­men nach den Ar­ti­keln 59-61 und 64 kön­nen in der Form des Wohn- und Ar­beitsex­ter­nats voll­zo­gen wer­den, wenn be­grün­de­te Aus­sicht be­steht, dass dies ent­schei­dend da­zu bei­trägt, den Zweck der Mass­nah­me zu er­rei­chen, und wenn kei­ne Ge­fahr be­steht, dass der Ein­ge­wie­se­ne flieht oder wei­te­re Straf­ta­ten be­geht. Ar­ti­kel 77a Ab­sät­ze 2 und 3 gilt sinn­ge­mä­ss.1
3Ist der Ein­ge­wie­se­ne ar­beits­fä­hig, so wird er zur Ar­beit an­ge­hal­ten, so­weit sei­ne sta­tio­näre Be­hand­lung oder Pfle­ge dies er­for­dert oder zu­lässt. Die Ar­ti­kel 81-83 sind sinn­ge­mä­ss an­wend­bar.
4Für die Be­zie­hun­gen des Ein­ge­wie­se­nen zur Aus­sen­welt gilt Ar­ti­kel 84 sinn­ge­mä­ss, so­fern nicht Grün­de der sta­tio­nären Be­hand­lung wei­ter ge­hen­de Ein­schrän­kun­gen ge­bie­ten.
4bisFür die Ein­wei­sung in ei­ne of­fe­ne Ein­rich­tung und für die Be­wil­li­gung von Voll­zugs­öff­nun­gen gilt Ar­ti­kel 75a sinn­ge­mä­ss.2
4terWäh­rend der le­bens­läng­li­chen Ver­wah­rung wer­den kei­ne Ur­lau­be oder an­de­re Voll­zugs­öff­nun­gen be­wil­ligt.3
5Für Kon­trol­len und Un­ter­su­chun­gen gilt Ar­ti­kel 85 sinn­ge­mä­ss.
1 Ein­ge­fügt durch Ziff. I des BG vom 24. März 2006 (Kor­rek­tu­ren am Sank­ti­ons- und Straf­re­gis­ter­recht), in Kraft seit 1. Jan. 2007 (AS 2006 3539; BBl 2005 4689).
4. Ge­mein­sa­me Be­stim­mun­gen.
1Ge­gen Ge­fan­ge­ne und Ein­ge­wie­se­ne, wel­che in schuld­haf­ter Wei­se ge­gen Straf­voll­zugs­vor­schrif­ten oder den Voll­zugs­plan ver­stos­sen, kön­nen Dis­zi­pli­nar­sank­tio­nen ver­hängt wer­den.
2Dis­zi­pli­nar­sank­tio­nen sind:
der Ver­weis;
der zeit­wei­se Ent­zug oder die Be­schrän­kung der Ver­fü­gung über Geld­mit­tel, der Frei­zeit­be­schäf­ti­gung oder der Aus­sen­kon­tak­te;
die Bus­se; so­wie
der Ar­rest als ei­ne zu­sätz­li­che Frei­heits­be­schrän­kung.
3Die Kan­to­ne er­las­sen für den Straf- und Mass­nah­men­voll­zug ein Dis­zi­pli­nar­recht. Die­ses um­schreibt die Dis­zi­plin­ar­tat­be­stän­de, be­stimmt die Sank­tio­nen und de­ren Zu­mes­sung und re­gelt das Ver­fah­ren.
2 Ur­sprüng­lich Bst. c.
Un­ter­bre­chung des Voll­zugs
Der Voll­zug von Stra­fen und Mass­nah­men darf aus wich­ti­gen Grün­den un­ter­bro­chen wer­den.
In­for­ma­ti­ons- recht
1Op­fer und An­ge­hö­ri­ge des Op­fers im Sin­ne von Ar­ti­kel 1 Ab­sät­ze 1 und 2 des Op­fer­hil­fe­ge­set­zes vom 23. März 20072 (OHG) so­wie Drit­te, so­weit die­se über ein schutz­wür­di­ges In­ter­es­se ver­fü­gen, kön­nen mit schrift­li­chem Ge­such ver­lan­gen, dass sie von der Voll­zugs­be­hör­de über Fol­gen­des in­for­miert wer­den:
über den Zeit­punkt des Straf- oder Mass­nah­men­an­tritts des Ver­ur­teil­ten, die Voll­zug­s­ein­rich­tung, die Voll­zugs­form, so­fern sie vom Nor­mal­voll­zug ab­weicht, Voll­zugs­un­ter­bre­chun­gen, Voll­zugs­öff­nun­gen (Art. 75a Abs. 2), die be­ding­te oder de­fi­ni­ti­ve Ent­las­sung so­wie die Rück­ver­set­zung in den Straf- oder Mass­nah­men­voll­zug;
um­ge­hend über ei­ne Flucht des Ver­ur­teil­ten und de­ren Be­en­di­gung.
2Die Voll­zugs­be­hör­de ent­schei­det nach An­hö­rung des Ver­ur­teil­ten über das Ge­such.
3Sie kann nur dann die In­for­ma­ti­on ver­wei­gern oder einen frü­he­ren Ent­scheid zu in­for­mie­ren wi­der­ru­fen, wenn be­rech­tig­te In­ter­es­sen des Ver­ur­teil­ten über­wie­gen.
4Heisst die Voll­zugs­be­hör­de ein Ge­such gut, so macht sie die in­for­ma­ti­ons­be­rech­tig­te Per­son auf die Ver­trau­lich­keit der be­kannt ge­ge­be­nen In­for­ma­tio­nen auf­merk­sam. Per­so­nen, die An­spruch auf Op­fer­hil­fe nach dem OHG ha­ben, sind ge­gen­über der be­ra­ten­den Per­son ei­ner Be­ra­tungs­stel­le nach Ar­ti­kel 9 OHG nicht zur Ver­trau­lich­keit ver­pflich­tet.
1 Ein­ge­fügt durch Ziff. I 1 des BG vom 26. Sept. 2014 über das In­for­ma­ti­ons­recht des Op­fers, in Kraft seit 1. Jan. 2016 (AS 2015 1623; BBl 2014 889 913). Sie­he auch die UeB die­ser Änd. am Schluss des Tex­tes.
Fünfter Titel: Bewährungshilfe, Weisungen und freiwillige soziale Betreuung
1Mit der Be­wäh­rungs­hil­fe sol­len die be­treu­ten Per­so­nen vor Rück­fäl­lig­keit be­wahrt und so­zi­al in­te­griert wer­den. Die für die Be­wäh­rungs­hil­fe zu­stän­di­ge Be­hör­de leis­tet und ver­mit­telt die hier­für er­for­der­li­che So­zi­al- und Fach­hil­fe.
2Per­so­nen, die in der Be­wäh­rungs­hil­fe tä­tig sind, ha­ben über ih­re Wahr­neh­mun­gen zu schwei­gen. Sie dür­fen Aus­künf­te über die per­sön­li­chen Ver­hält­nis­se der be­treu­ten Per­son Drit­ten nur ge­ben, wenn die be­treu­te Per­son oder die für die Be­wäh­rungs­hil­fe zu­stän­di­ge Per­son schrift­lich zu­stimmt.
3Die Be­hör­den der Straf­rechts­pfle­ge kön­nen bei der für die Be­wäh­rungs­hil­fe zu­stän­di­gen Be­hör­de einen Be­richt über die be­treu­te Per­son ein­ho­len.
Die Wei­sun­gen, wel­che das Ge­richt oder die Straf­voll­zugs­be­hör­de dem Ver­ur­teil­ten für die Pro­be­zeit er­tei­len kann, be­tref­fen ins­be­son­de­re die Be­rufs­aus­übung, den Auf­ent­halt, das Füh­ren ei­nes Mo­tor­fahr­zeu­ges, den Scha­den­er­satz so­wie die ärzt­li­che und psy­cho­lo­gi­sche Be­treu­ung.
Ge­mein­sa­me Be­stim­mun­gen
1Das Ge­richt und die Straf­voll­zugs­be­hör­de kön­nen vor ih­rem Ent­scheid über Be­wäh­rungs­hil­fe und Wei­sun­gen einen Be­richt der Be­hör­de ein­ho­len, die für die Be­wäh­rungs­hil­fe, die Kon­trol­le der Wei­sun­gen oder den Voll­zug der Tä­tig­keits­ver­bo­te oder der Kon­takt- und Ray­on­ver­bo­te zu­stän­dig ist.1 Die be­trof­fe­ne Per­son kann zum Be­richt Stel­lung neh­men. Ab­wei­chen­de Stel­lung­nah­men sind im Be­richt fest­zu­hal­ten.
2Die An­ord­nung von Be­wäh­rungs­hil­fe und die Wei­sun­gen sind im Ur­teil oder im Ent­scheid fest­zu­hal­ten und zu be­grün­den.
3Ent­zieht sich der Ver­ur­teil­te der Be­wäh­rungs­hil­fe oder miss­ach­tet er die Wei­sun­gen oder sind die Be­wäh­rungs­hil­fe oder die Wei­sun­gen nicht durch­führ­bar oder nicht mehr er­for­der­lich, so er­stat­tet die zu­stän­di­ge Be­hör­de dem Ge­richt oder den Straf­voll­zugs­be­hör­den Be­richt.
4Das Ge­richt oder die Straf­voll­zugs­be­hör­de kann in den Fäl­len nach Ab­satz 3:
die Pro­be­zeit um die Hälf­te ver­län­gern;
die Be­wäh­rungs­hil­fe auf­he­ben oder neu an­ord­nen;
die Wei­sun­gen än­dern, auf­he­ben oder neue Wei­sun­gen er­tei­len.
5Das Ge­richt kann in den Fäl­len nach Ab­satz 3 die be­ding­te Stra­fe wi­der­ru­fen oder die Rück­ver­set­zung in den Straf- oder Mass­nah­men­voll­zug an­ord­nen, wenn ernst­haft zu er­war­ten ist, dass der Ver­ur­teil­te neue Straf­ta­ten be­geht.
So­zia­le Be­treu­ung
Die Kan­to­ne stel­len für die Dau­er des Straf­ver­fah­rens und des Straf­voll­zugs ei­ne so­zia­le Be­treu­ung si­cher, die frei­wil­lig in An­spruch ge­nom­men wer­den kann.
Sechster Titel: Verjährung
1Die Straf­ver­fol­gung ver­jährt, wenn die für die Tat an­ge­droh­te Höchst­stra­fe:
2Bei se­xu­el­len Hand­lun­gen mit Kin­dern (Art. 187) und Ab­hän­gi­gen (Art. 188) so­wie bei Straf­ta­ten nach den Ar­ti­keln 111, 113, 122, 124, 182, 189-191, 195 und 197 Ab­satz 3, die sich ge­gen ein Kind un­ter 16 Jah­ren rich­ten, dau­ert die Ver­fol­gungs­ver­jäh­rung in je­dem Fall min­des­tens bis zum vollen­de­ten 25. Le­bens­jahr des Op­fers.2
4Die Ver­jäh­rung der Straf­ver­fol­gung von se­xu­el­len Hand­lun­gen mit Kin­dern (Art. 187) und min­der­jäh­ri­gen Ab­hän­gi­gen (Art. 188) so­wie von Straf­ta­ten nach den Ar­ti­keln 111-113, 122, 182, 189-191 und 195, die sich ge­gen ein Kind un­ter 16 Jah­ren rich­ten, be­misst sich nach den Ab­sät­zen 1-3, wenn die Straf­tat vor dem In­kraft­tre­ten der Än­de­rung vom 5. Ok­to­ber 20013 be­gan­gen wor­den ist und die Ver­fol­gungs­ver­jäh­rung zu die­sem Zeit­punkt noch nicht ein­ge­tre­ten ist.4
1 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I 1 des BG vom 21. Ju­ni 2013 (Ver­län­ge­rung der Ver­fol­gungs-ver­jäh­rung), in Kraft seit 1. Jan. 2014 (AS 2013 4417; BBl 2012 9253).
2 Fas­sung ge­mä­ss An­hang Ziff. 1 des BB vom 27. Sept. 2013 (Lanz­aro­te-Kon­ven­ti­on), in Kraft seit 1. Ju­li 2014 (AS 2014 1159; BBl 2012 7571).
4 Fas­sung ge­mä­ss Art. 2 Ziff. 1 des BB vom 24. März 2006 über die Ge­neh­mi­gung und die Um­set­zung des Fa­kul­ta­tiv­pro­to­kolls vom 25. Mai 2000 zum Über­eink. über die Rech­te des Kin­des, be­tref­fend den Ver­kauf von Kin­dern, die Kin­der­pro­sti­tu­ti­on und die Kin­derpor­no­gra­fie, in Kraft seit 1. Dez. 2006 (AS 2006 5437; BBl 2005 2807).
15 Jah­ren, wenn ei­ne Frei­heits­s­tra­fe von mehr als ei­nem und we­ni­ger als fünf Jah­ren aus­ge­spro­chen wur­de;
Völ­ker­mord (Art. 264);
Ver­bre­chen ge­gen die Mensch­lich­keit (Art. 264a Abs. 1 und 2);
Kriegs­ver­bre­chen (Art. 264c Abs. 1-3, 264d Abs. 1 und 2, 264e Abs. 1 und 2, 264f, 264g Abs. 1 und 2 und 264h);
se­xu­el­le Hand­lun­gen mit Kin­dern (Art. 187 Ziff. 1), se­xu­el­le Nö­ti­gung (Art. 189), Ver­ge­wal­ti­gung (Art. 190), Schän­dung (Art. 191), se­xu­el­le Hand­lun­gen mit An­stalts­pfleg­lin­gen, Ge­fan­ge­nen, Be­schul­dig­ten (Art. 192 Abs. 1) und Aus­nüt­zung der Not­la­ge (Art. 193 Abs. 1), wenn sie an Kin­dern un­ter 12 Jah­ren be­gan­gen wur­den.2
2Wä­re die Straf­ver­fol­gung bei An­wen­dung der Ar­ti­kel 97 und 98 ver­jährt, so kann das Ge­richt die Stra­fe mil­dern.
1 Ein­ge­fügt durch Ziff. I 1 des BG vom 15. Ju­ni 2012 (Un­ver­jähr­bar­keit se­xu­el­ler und por­no­gra­fi­scher Straf­ta­ten an Kin­dern vor der Pu­ber­tät), in Kraft seit 1. Jan. 2013 (AS 2012 5951; BBl 2011 5977).
2 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I 1 des BG vom 18. Ju­ni 2010 über die Än­de­rung von Bun­des­ge­set­zen zur Um­set­zung des Rö­mer Sta­tuts des In­ter­na­tio­na­len Straf­ge­richts­hofs, in Kraft seit 1. Jan. 2011 (AS 2010 4963; BBl 2008 3863).
3 Drit­ter Satz ein­ge­fügt durch Ziff. I 1 des BG vom 15. Ju­ni 2012 (Un­ver­jähr­bar­keit se­xu­el­ler und por­no­gra­fi­scher Straf­ta­ten an Kin­dern vor der Pu­ber­tät), in Kraft seit 1. Jan. 2013 (AS 2012 5951; BBl 2011 5977).
4 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I 1 des BG vom 18. Ju­ni 2010 über die Än­de­rung von Bun­des­ge­set­zen zur Um­set­zung des Rö­mer Sta­tuts des In­ter­na­tio­na­len Straf­ge­richts­hofs, in Kraft seit 1. Jan. 2011 (AS 2010 4963; BBl 2008 3863).
2Han­delt es sich da­bei um ei­ne Straf­tat nach den Ar­ti­keln 260ter, 260quin­quies, 305bis, 322ter, 322quin­quies, 322sep­ties Ab­satz 1 oder 322oc­ties, so wird das Un­ter­neh­men un­ab­hän­gig von der Straf­bar­keit na­tür­li­cher Per­so­nen be­straft, wenn dem Un­ter­neh­men vor­zu­wer­fen ist, dass es nicht al­le er­for­der­li­chen und zu­mut­ba­ren or­ga­ni­sa­to­ri­schen Vor­keh­ren ge­trof­fen hat, um ei­ne sol­che Straf­tat zu ver­hin­dern.1
Ein­zel­fir­men2.
1 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I des BG vom 25. Sept. 2015 (Kor­rup­ti­onss­traf­recht), in Kraft seit 1. Ju­li 2016 (AS 2016 1287; BBl 2014 3591).
2 Heu­te: Ein­zel­un­ter­neh­men.
Zweiter Teil: Übertretungen
1Die Be­stim­mun­gen über die be­ding­ten und die teil­be­ding­ten Stra­fen (Art. 42 und 43), über die Lan­des­ver­wei­sung (Art. 66a-66d) so­wie über die Ver­ant­wort­lich­keit des Un­ter­neh­mens (Art. 102) sind bei Über­tre­tun­gen nicht an­wend­bar.1
3Frei­heits­ent­zie­hen­de Mass­nah­men (Art. 59-61 und 64), das Tä­tig­keits­ver­bot (Art. 67), das Kon­takt- und Ray­on­ver­bot (Art. 67b) so­wie die Ver­öf­fent­li­chung des Ur­teils (Art. 68) sind nur in den vom Ge­setz aus­drück­lich be­stimm­ten Fäl­len zu­läs­sig.2
1 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I 1 des BG vom 20. März 2015 (Um­set­zung von Art. 121 Abs. 3-6 BV über die Aus­schaf­fung kri­mi­nel­ler Aus­län­de­rin­nen und Aus­län­der), in Kraft seit 1. Okt. 2016 (AS 2016 2329; BBl 2013 5975).
2 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I 1 des BG vom 13. Dez. 2013 über das Tä­tig­keits­ver­bot und das Kon­takt- und Ray­on­ver­bot, in Kraft seit 1. Jan. 2015 (AS 2014 2055; BBl 2012 8819).
5Auf den Voll­zug und die Um­wand­lung sind die Ar­ti­kel 35 und 36 Ab­sät­ze 2-5 sinn­ge­mä­ss an­wend­bar.
1 Die­ser Art. bleibt aus ge­set­zes­tech­ni­schen Grün­den leer. Be­rich­tigt von der Re­dak­ti­ons­kom­mis­si­on der BVers (Art. 58 Abs. 1 ParlG - SR 171.10).
Dritter Teil: Begriffe
1 Fas­sung ge­mä­ss Art. 37 Ziff. 1 des Part­ner­schafts­ge­set­zes vom 18. Ju­ni 2004, in Kraft seit 1. Jan. 2007 (AS 2005 5685; BBl 2003 1288).
1An­ge­hö­ri­ge ei­ner Per­son sind ihr Ehe­gat­te, ih­re ein­ge­tra­ge­ne Part­ne­rin oder ihr ein­ge­tra­ge­ner Part­ner, ih­re Ver­wand­ten ge­ra­der Li­nie, ih­re voll­bür­ti­gen und halb­bür­ti­gen Ge­schwis­ter, ih­re Ad­op­tiv­el­tern, ih­re Ad­op­tiv­ge­schwis­ter und Ad­op­tiv­kin­der.1
2Fa­mi­li­en­ge­nos­sen sind Per­so­nen, die in ge­mein­sa­mem Haus­halt le­ben.
3Als Be­am­te gel­ten die Be­am­ten und An­ge­stell­ten ei­ner öf­fent­li­chen Ver­wal­tung und der Rechts­pfle­ge so­wie die Per­so­nen, die pro­vi­so­risch ein Amt be­klei­den oder pro­vi­so­risch bei ei­ner öf­fent­li­chen Ver­wal­tung oder der Rechts­pfle­ge an­ge­stellt sind oder vor­über­ge­hend amt­li­che Funk­tio­nen aus­üben.
3bisStellt ei­ne Be­stim­mung auf den Be­griff der Sa­che ab, so fin­det sie ent­spre­chen­de An­wen­dung auf Tie­re.2
4Ur­kun­den sind Schrif­ten, die be­stimmt und ge­eig­net sind, oder Zei­chen, die be­stimmt sind, ei­ne Tat­sa­che von recht­li­cher Be­deu­tung zu be­wei­sen. Die Auf­zeich­nung auf Bild- und Da­ten­trä­gern steht der Schrift­form gleich, so­fern sie dem­sel­ben Zweck dient.
5Öf­fent­li­che Ur­kun­den sind Ur­kun­den, die von Mit­glie­dern ei­ner Be­hör­de, Be­am­ten und Per­so­nen öf­fent­li­chen Glau­bens in Wahr­neh­mung ho­heit­li­cher Funk­tio­nen aus­ge­stellt wer­den. Nicht als öf­fent­li­che Ur­kun­den gel­ten Ur­kun­den, die von der Ver­wal­tung der wirt­schaft­li­chen Un­ter­neh­mun­gen und Mo­no­pol­be­trie­be des Staa­tes oder an­de­rer öf­fent­lich-recht­li­cher Kör­per­schaf­ten und An­stal­ten in zi­vil­recht­li­chen Ge­schäf­ten aus­ge­stellt wer­den.
6Der Tag hat 24 auf­ein­an­der fol­gen­de Stun­den. Der Mo­nat und das Jahr wer­den nach der Ka­len­der­zeit be­rech­net.
7Un­ter­su­chungs­haft ist je­de in ei­nem Straf­ver­fah­ren ver­häng­te Haft, Un­ter­su­chungs-, Si­cher­heits- und Aus­lie­fe­rungs­haft.
Wer vor­sätz­lich einen Men­schen tö­tet, oh­ne dass ei­ne der be­son­dern Vor­aus­set­zun­gen der nach­fol­gen­den Ar­ti­kel zu­trifft, wird mit Frei­heits­s­tra­fe1 nicht un­ter fünf Jah­ren be­straft.
1 Aus­druck ge­mä­ss Ziff. II 1 Abs. 1 des BG vom 13. Dez. 2002, in Kraft seit 1. Jan. 2007 (AS 2006 3459; BBl 1999 1979). Die­se Änd. wur­de im gan­zen zwei­ten Buch be­rück­sich­tigt.
Han­delt der Tä­ter be­son­ders skru­pel­los, sind na­ment­lich sein Be­weg­grund, der Zweck der Tat oder die Art der Aus­füh­rung be­son­ders ver­werf­lich, so ist die Stra­fe le­bens­läng­li­che Frei­heits­s­tra­fe oder Frei­heits­s­tra­fe nicht un­ter zehn Jah­ren.2
1 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I des BG vom 23. Ju­ni 1989, in Kraft seit 1. Jan. 1990 (AS 1989 2449; BBl 1985 II 1009).
2 Straf­dro­hun­gen neu um­schrie­ben ge­mä­ss Ziff. II 1 Abs. 16 des BG vom 13. Dez. 2002, in Kraft seit 1. Jan. 2007 (AS 2006 3459; BBl 1999 1979).
Han­delt der Tä­ter in ei­ner nach den Um­stän­den ent­schuld­ba­ren hef­ti­gen Ge­müts­be­we­gung oder un­ter gros­ser see­li­scher Be­las­tung, so ist die Stra­fe Frei­heits­s­tra­fe von ei­nem Jahr bis zu zehn Jah­ren.2
Wer aus ach­tens­wer­ten Be­weg­grün­den, na­ment­lich aus Mit­leid, einen Men­schen auf des­sen ernst­haf­tes und ein­dring­li­ches Ver­lan­gen tö­tet, wird mit Frei­heits­s­tra­fe bis zu drei Jah­ren oder Geld­stra­fe2 be­straft.
2 Aus­druck ge­mä­ss Ziff. II 1 Abs. 2 des BG vom 13. Dez. 2002, in Kraft seit 1. Jan. 2007 (AS 2006 3459; BBl 1999 1979). Die­se Änd. wur­de im gan­zen zwei­ten Buch be­rück­sich­tigt.
Ver­lei­tung und Bei­hil­fe zum Selbst­mord
Wer aus selbst­süch­ti­gen Be­weg­grün­den je­man­den zum Selbst­mor­de ver­lei­tet oder ihm da­zu Hil­fe leis­tet, wird, wenn der Selbst­mord aus­ge­führt oder ver­sucht wur­de, mit Frei­heits­s­tra­fe bis zu fünf Jah­ren oder Geld­stra­fe1 be­straft.
1 Aus­druck ge­mä­ss Ziff. II 1 Abs. 3 des BG vom 13. Dez. 2002, in Kraft seit 1. Jan. 2007 (AS 2006 3459; BBl 1999 1979). Die­se Änd. wur­de im gan­zen zwei­ten Buch be­rück­sich­tigt.
Kin­de­stö­tung
Tö­tet ei­ne Mut­ter ihr Kind wäh­rend der Ge­burt oder so­lan­ge sie un­ter dem Ein­fluss des Ge­burts­vor­gan­ges steht, so wird sie mit Frei­heits­s­tra­fe bis zu drei Jah­ren oder Geld­stra­fe be­straft.
2. Schwan­ger­schafts­ab­bruch.
Straf­ba­rer Schwan­ger­schafts­ab­bruch
1Wer ei­ne Schwan­ger­schaft mit Ein­wil­li­gung der schwan­ge­ren Frau ab­bricht oder ei­ne schwan­ge­re Frau zum Ab­bruch der Schwan­ger­schaft an­stif­tet oder ihr da­bei hilft, oh­ne dass die Vor­aus­set­zun­gen nach Ar­ti­kel 119 er­füllt sind, wird mit Frei­heits­s­tra­fe bis zu fünf Jah­ren oder Geld­stra­fe be­straft.
2Wer ei­ne Schwan­ger­schaft oh­ne Ein­wil­li­gung der schwan­ge­ren Frau ab­bricht, wird mit Frei­heits­s­tra­fe von ei­nem Jahr2 bis zu zehn Jah­ren be­straft.
3Die Frau, die ih­re Schwan­ger­schaft nach Ab­lauf der zwölf­ten Wo­che seit Be­ginn der letz­ten Pe­ri­ode ab­bricht, ab­bre­chen lässt oder sich in an­de­rer Wei­se am Ab­bruch be­tei­ligt, oh­ne dass die Vor­aus­set­zun­gen nach Ar­ti­kel 119 Ab­satz 1 er­füllt sind, wird mit Frei­heits­s­tra­fe bis zu drei Jah­ren oder Geld­stra­fe be­straft.
4In den Fäl­len der Ab­sät­ze 1 und 3 tritt die Ver­jäh­rung in drei Jah­ren ein.3
1 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I des BG vom 23. März 2001 (Schwan­ger­schafts­ab­bruch), in Kraft seit 1. Okt. 2002 (AS 2002 2989; BBl 1998 3005 5376).
2 Aus­druck ge­mä­ss Ziff. II 1 Abs. 4 des BG vom 13. Dez. 2002, in Kraft seit 1. Jan. 2007 (AS 2006 3459; BBl 1999 1979). Die­se Änd. wur­de im gan­zen zwei­ten Buch be­rück­sich­tigt.
3 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I des BG vom 22. März 2002 (Ver­jäh­rung der Straf­ver­fol­gung), in Kraft seit 1. Okt. 2002 (AS 2002 2986; BBl 2002 2673 1649).
Straflo­ser Schwan­ger­schafts­ab­bruch
1Der Ab­bruch ei­ner Schwan­ger­schaft ist straf­los, wenn er nach ärzt­li­chem Ur­teil not­wen­dig ist, da­mit von der schwan­ge­ren Frau die Ge­fahr ei­ner schwer­wie­gen­den kör­per­li­chen Schä­di­gung oder ei­ner schwe­ren see­li­schen Not­la­ge ab­ge­wen­det wer­den kann. Die Ge­fahr muss um­so grös­ser sein, je fort­ge­schrit­te­ner die Schwan­ger­schaft ist.
2Der Ab­bruch ei­ner Schwan­ger­schaft ist eben­falls straf­los, wenn er in­ner­halb von zwölf Wo­chen seit Be­ginn der letz­ten Pe­ri­ode auf schrift­li­ches Ver­lan­gen der schwan­ge­ren Frau, die gel­tend macht, sie be­fin­de sich in ei­ner Not­la­ge, durch ei­ne zur Be­rufs­aus­übung zu­ge­las­se­ne Ärz­tin oder einen zur Be­rufs­aus­übung zu­ge­las­se­nen Arzt vor­ge­nom­men wird. Die Ärz­tin oder der Arzt hat per­sön­lich mit der Frau vor­her ein ein­ge­hen­des Ge­spräch zu füh­ren und sie zu be­ra­ten.
3Ist die Frau nicht ur­teils­fä­hig, so ist die Zu­stim­mung ih­rer ge­setz­li­chen Ver­tre­te­rin oder ih­res ge­setz­li­chen Ver­tre­ters er­for­der­lich.
4Die Kan­to­ne be­zeich­nen die Pra­xen und Spi­tä­ler, wel­che die Vor­aus­set­zun­gen für ei­ne fach­ge­rech­te Durch­füh­rung von Schwan­ger­schafts­ab­brü­chen und für ei­ne ein­ge­hen­de Be­ra­tung er­fül­len.
5Ein Schwan­ger­schafts­ab­bruch wird zu sta­tis­ti­schen Zwe­cken der zu­stän­di­gen Ge­sund­heits­be­hör­de ge­mel­det, wo­bei die An­ony­mi­tät der be­trof­fe­nen Frau ge­währ­leis­tet wird und das Arzt­ge­heim­nis zu wah­ren ist.
Über­tre­tun­gen durch Ärz­tin­nen oder Ärz­te
1Mit Bus­se2 wird die Ärz­tin oder der Arzt be­straft, die oder der ei­ne Schwan­ger­schaft in An­wen­dung von Ar­ti­kel 119 Ab­satz 2 ab­bricht und es un­ter­lässt, vor dem Ein­griff:
von der schwan­ge­ren Frau ein schrift­li­ches Ge­such zu ver­lan­gen;
per­sön­lich mit der schwan­ge­ren Frau ein ein­ge­hen­des Ge­spräch zu füh­ren und sie zu be­ra­ten, sie über die ge­sund­heit­li­chen Ri­si­ken des Ein­griffs zu in­for­mie­ren und ihr ge­gen Un­ter­schrift einen Leit­fa­den aus­zu­hän­di­gen, wel­cher ent­hält:
ein Ver­zeich­nis der kos­ten­los zur Ver­fü­gung ste­hen­den Be­ra­tungs­stel­len,
ein Ver­zeich­nis von Ver­ei­nen und Stel­len, wel­che mo­ra­li­sche und ma­te­ri­el­le Hil­fe an­bie­ten, und
Aus­kunft über die Mög­lich­keit, das ge­bo­re­ne Kind zur Ad­op­ti­on frei­zu­ge­ben;
sich per­sön­lich zu ver­ge­wis­sern, dass ei­ne schwan­ge­re Frau un­ter 16 Jah­ren sich an ei­ne für Ju­gend­li­che spe­zia­li­sier­te Be­ra­tungs­stel­le ge­wandt hat.
2Eben­so wird die Ärz­tin oder der Arzt be­straft, die oder der es un­ter­lässt, ge­mä­ss Ar­ti­kel 119 Ab­satz 5 einen Schwan­ger­schafts­ab­bruch der zu­stän­di­gen Ge­sund­heits­be­hör­de zu mel­den.
2 Aus­druck ge­mä­ss Ziff. II 1 Abs. 5 des BG vom 13. Dez. 2002, in Kraft seit 1. Jan. 2007 (AS 2006 3459; BBl 1999 1979). Die­se Änd. wur­de im gan­zen zwei­ten Buch be­rück­sich­tigt.
1 Auf­ge­ho­ben durch Ziff. I des BG vom 23. März 2001 (Schwan­ger­schafts­ab­bruch), mit Wir­kung seit 1. Okt. 2002 (AS 2002 2989; BBl 1998 3005 5376).
3. Kör­per­ver­let­zung.
2 Straf­dro­hun­gen neu um­schrie­ben ge­mä­ss Ziff. II 1 des BG vom 19. Ju­ni 2015 (Än­de­rung des Sank­tio­nen­rechts), in Kraft seit 1. Jan. 2018 (AS 2016 1249; BBl 2012 4721).
Ein­fa­che Kör­per­ver­let­zung
1. Wer vor­sätz­lich einen Men­schen in an­de­rer Wei­se an Kör­per oder Ge­sund­heit schä­digt, wird, auf An­trag, mit Frei­heits­s­tra­fe bis zu drei Jah­ren oder Geld­stra­fe be­straft.
In leich­ten Fäl­len kann der Rich­ter die Stra­fe mil­dern (Art. 48a).2
2. Die Stra­fe ist Frei­heits­s­tra­fe bis zu drei Jah­ren oder Geld­stra­fe, und der Tä­ter wird von Am­tes we­gen ver­folgt,
wenn er Gift, ei­ne Waf­fe oder einen ge­fähr­li­chen Ge­gen­stand ge­braucht,
wenn er die Tat an ei­nem Wehr­lo­sen oder an ei­ner Per­son be­geht, die un­ter sei­ner Ob­hut steht oder für die er zu sor­gen hat, na­ment­lich an ei­nem Kind,
wenn er der Ehe­gat­te des Op­fers ist und die Tat wäh­rend der Ehe oder bis zu ei­nem Jahr nach der Schei­dung be­gan­gen wur­de,3
wenn er die ein­ge­tra­ge­ne Part­ne­rin oder der ein­ge­tra­ge­ne Part­ner des Op­fers ist und die Tat wäh­rend der Dau­er der ein­ge­tra­ge­nen Part­ner­schaft oder bis zu ei­nem Jahr nach de­ren Auf­lö­sung be­gan­gen wur­de,4
wenn er der he­te­ro- oder ho­mo­se­xu­el­le Le­ben­s­part­ner des Op­fers ist, so­fern sie auf un­be­stimm­te Zeit einen ge­mein­sa­mem Haus­halt füh­ren und die Tat wäh­rend die­ser Zeit oder bis zu ei­nem Jahr nach der Tren­nung be­gan­gen wur­de.5
2 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. II 2 des BG vom 13. Dez. 2002, in Kraft seit 1. Jan. 2007 (AS 2006 3459; BBl 1999 1979).
3 Ein­ge­fügt durch Ziff. I des BG vom 3. Okt. 2003 (Straf­ver­fol­gung in der Ehe und in der Part­ner­schaft), in Kraft seit 1. April 2004 (AS 2004 1403; BBl 2003 1909 1937).
4 Ein­ge­fügt durch An­hang Ziff. 18 des Part­ner­schafts­ge­set­zes vom 18. Ju­ni 2004, in Kraft seit 1. Jan. 2007 (AS 2005 5685; BBl 2003 1288).
5 Ur­sprüng­lich Abs. 4. Ein­ge­fügt durch Ziff. I des BG vom 3. Okt. 2003 (Straf­ver­fol­gung in der Ehe und in der Part­ner­schaft), in Kraft seit 1. April 2004 (AS 2004 1403; BBl 2003 1909 1937).
Ver­stüm­me­lung weib­li­cher Ge­ni­ta­li­en
1Wer die Ge­ni­ta­li­en ei­ner weib­li­chen Per­son ver­stüm­melt, in ih­rer na­tür­li­chen Funk­ti­on er­heb­lich und dau­er­haft be­ein­träch­tigt oder sie in an­de­rer Wei­se schä­digt, wird mit Frei­heits­s­tra­fe bis zu zehn Jah­ren oder Geld­stra­fe nicht un­ter 180 Ta­ges­sät­zen be­straft.
2Straf­bar ist auch, wer die Tat im Aus­land be­geht, sich in der Schweiz be­fin­det und nicht aus­ge­lie­fert wird. Ar­ti­kel 7 Ab­sät­ze 4 und 5 sind an­wend­bar.
1 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I des BG vom 30. Sept. 2011 in Kraft seit 1. Ju­li 2012 (AS 2012 2575; BBl 2010 5651 5677).
1Wer fahr­läs­sig einen Men­schen am Kör­per oder an der Ge­sund­heit schä­digt, wird, auf An­trag, mit Frei­heits­s­tra­fe bis zu drei Jah­ren oder Geld­stra­fe1 be­straft.
2Ist die Schä­di­gung schwer, so wird der Tä­ter von Am­tes we­gen ver­folgt.
1 Aus­druck ge­mä­ss Ziff. II 1 Abs. 2 des BG vom 13. Dez. 2002, in Kraft seit 1. Jan. 2007 (AS 2006 3459; BBl 1999 1979). Die­se Änd. wur­de im gan­zen zwei­ten Buch be­rück­sich­tigt.
1Wer ge­gen je­man­den Tät­lich­kei­ten ver­übt, die kei­ne Schä­di­gung des Kör­pers oder der Ge­sund­heit zur Fol­ge ha­ben, wird, auf An­trag, mit Bus­se be­straft.
2Der Tä­ter wird von Am­tes we­gen ver­folgt, wenn er die Tat wie­der­holt be­geht:
an ei­ner Per­son, die un­ter sei­ner Ob­hut steht oder für die er zu sor­gen hat, na­ment­lich an ei­nem Kind;
an sei­nem Ehe­gat­ten wäh­rend der Ehe oder bis zu ei­nem Jahr nach der Schei­dung; oder
bbis.1an sei­ner ein­ge­tra­ge­nen Part­ne­rin oder sei­nem ein­ge­tra­ge­nen Part­ner wäh­rend der Dau­er der ein­ge­tra­ge­nen Part­ner­schaft oder bis zu ei­nem Jahr nach de­ren Auf­lö­sung; oder
an sei­nem he­te­ro- oder ho­mo­se­xu­el­len Le­ben­s­part­ner, so­fern sie auf un­be­stimm­te Zeit einen ge­mein­sa­men Haus­halt füh­ren und die Tat wäh­rend die­ser Zeit oder bis zu ei­nem Jahr nach der Tren­nung be­gan­gen wur­de.2
1 Ein­ge­fügt durch An­hang Ziff. 18 des Part­ner­schafts­ge­set­zes vom 18. Ju­ni 2004, in Kraft seit 1. Jan. 2007 (AS 2005 5685; BBl 2003 1288).
2 Ein­ge­fügt durch Ziff. I des BG vom 23. Ju­ni 1989 (AS 1989 2449; BBl 1985 II 1009). Fas­sung ge­mä­ss Ziff. I des BG vom 3. Okt. 2003 (Straf­ver­fol­gung in der Ehe und in der Part­ner­schaft), in Kraft seit 1. April 2004 (AS 2004 1403; BBl 2003 1909 1937).
4. Ge­fähr­dung des Le­bens und der Ge­sund­heit.
Aus­set­zung
Wer einen Hilflo­sen, der un­ter sei­ner Ob­hut steht oder für den er zu sor­gen hat, ei­ner Ge­fahr für das Le­ben oder ei­ner schwe­ren un­mit­tel­ba­ren Ge­fahr für die Ge­sund­heit aus­setzt oder in ei­ner sol­chen Ge­fahr im Sti­che lässt, wird mit Frei­heits­s­tra­fe bis zu fünf Jah­ren oder Geld­stra­fe be­straft.
Un­ter­las­sung der Not­hil­fe
Wer ei­nem Men­schen, den er ver­letzt hat, oder ei­nem Men­schen, der in un­mit­tel­ba­rer Le­bens­ge­fahr schwebt, nicht hilft, ob­wohl es ihm den Um­stän­den nach zu­ge­mu­tet wer­den könn­te,
wer an­de­re da­von ab­hält, Not­hil­fe zu leis­ten, oder sie da­bei be­hin­dert,
Wer wi­der bes­se­res Wis­sen grund­los einen öf­fent­li­chen oder ge­mein­nüt­zi­gen Si­cher­heits­dienst, einen Ret­tungs- oder Hilfs­dienst, ins­be­son­de­re Po­li­zei, Feu­er­wehr, Sa­ni­tät, alar­miert, wird mit Frei­heits­s­tra­fe bis zu drei Jah­ren oder Geld­stra­fe be­straft.
1 Ein­ge­fügt durch Ziff. I des BG vom 17. Ju­ni 1994, in Kraft seit 1. Jan. 1995 (AS 1994 2290; BBl 1991 II 969).
Ge­fähr­dung des Le­bens
Wer einen Men­schen in skru­pel­lo­ser Wei­se in un­mit­tel­ba­re Le­bens­ge­fahr bringt, wird mit Frei­heits­s­tra­fe bis zu fünf Jah­ren oder Geld­stra­fe be­straft.
1 Auf­ge­ho­ben durch Ziff. I des BG vom 23. Ju­ni 1989, mit Wir­kung seit 1. Jan. 1990 (AS 1989 2449; BBl 1985 II 1009).
Wer sich an ei­nem An­griff auf einen oder meh­re­re Men­schen be­tei­ligt, der den Tod oder die Kör­per­ver­let­zung ei­nes An­ge­grif­fe­nen oder ei­nes Drit­ten zur Fol­ge hat, wird mit Frei­heits­s­tra­fe bis zu fünf Jah­ren oder Geld­stra­fe2 be­straft.
2 Aus­druck ge­mä­ss Ziff. II 1 Abs. 6 des BG vom 13. Dez. 2002, in Kraft seit 1. Jan. 2007 (AS 2006 3459; BBl 1999 1979). Die­se Änd. wur­de im gan­zen zwei­ten Buch be­rück­sich­tigt.
Ge­walt­dar­stel­lun­gen
1Wer Ton- oder Bild­auf­nah­men, Ab­bil­dun­gen, an­de­re Ge­gen­stän­de oder Vor­füh­run­gen, die, oh­ne schutz­wür­di­gen kul­tu­rel­len oder wis­sen­schaft­li­chen Wert zu ha­ben, grau­sa­me Ge­walt­tä­tig­kei­ten ge­gen Men­schen oder Tie­re ein­dring­lich dar­stel­len und da­bei die ele­men­ta­re Wür­de des Men­schen in schwe­rer Wei­se ver­let­zen, her­stellt, ein­führt, la­gert, in Ver­kehr bringt, an­preist, aus­stellt, an­bie­tet, zeigt, über­lässt oder zu­gäng­lich macht, wird mit Frei­heits­s­tra­fe bis zu drei Jah­ren oder Geld­stra­fe be­straft.
1bisMit Frei­heits­s­tra­fe bis zu ei­nem Jahr oder mit Geld­stra­fe wird be­straft,2 wer Ge­gen­stän­de oder Vor­füh­run­gen nach Ab­satz 1, so­weit sie Ge­walt­tä­tig­kei­ten ge­gen Men­schen oder Tie­re dar­stel­len, er­wirbt, sich über elek­tro­ni­sche Mit­tel oder sonst wie be­schafft oder be­sitzt.3
2Die Ge­gen­stän­de wer­den ein­ge­zo­gen.
3Han­delt der Tä­ter aus Ge­winn­sucht, so ist die Stra­fe Frei­heits­s­tra­fe bis zu drei Jah­ren oder Geld­stra­fe. Mit Frei­heits­s­tra­fe ist ei­ne Geld­stra­fe zu ver­bin­den.4
3 Ein­ge­fügt durch Ziff. I des BG vom 5. Okt. 2001 (Straf­ba­re Hand­lun­gen ge­gen die se­xu­el­le In­te­gri­tät; Ver­bot des Be­sit­zes har­ter Por­no­gra­fie), in Kraft seit 1. April 2002 (AS 2002 408; BBl 2000 2943).
4 Aus­druck ge­mä­ss Ziff. II 1 Abs. 7 des BG vom 13. Dez. 2002, in Kraft seit 1. Jan. 2007 (AS 2006 3459; BBl 1999 1979). Die­se Änd. wur­de im gan­zen zwei­ten Buch be­rück­sich­tigt.
Ver­ab­rei­chen ge­sund­heits­ge­fähr­den­der Stof­fe an Kin­der
Wer ei­nem Kind un­ter 16 Jah­ren al­ko­ho­li­sche Ge­trän­ke oder an­de­re Stof­fe in ei­ner Men­ge, wel­che die Ge­sund­heit ge­fähr­den kann, ver­ab­reicht oder zum Kon­sum zur Ver­fü­gung stellt, wird mit Frei­heits­s­tra­fe bis zu drei Jah­ren oder Geld­stra­fe be­straft.
1 Fas­sung ge­mä­ss Ziff. II des BG vom 20. März 2008, in Kraft seit 1. Ju­li 2011 (AS 2009 2623, 2011 2559; BBl 2006 8573 8645).
1. Straf­ba­re Hand­lun­gen ge­gen das Ver­mö­gen.
Un­recht­mäs­si­ge An­eig­nung
1. Wer sich ei­ne frem­de be­weg­li­che Sa­che an­eig­net, um sich oder einen an­dern da­mit un­recht­mäs­sig zu be­rei­chern, wird, wenn nicht die be­son­de­ren Vor­aus­set­zun­gen der Ar­ti­kel 138-140 zu­tref­fen, mit Frei­heits­s­tra­fe bis zu drei Jah­ren oder Geld­stra­fe be­straft.
2. Hat der Tä­ter die Sa­che ge­fun­den oder ist sie ihm oh­ne sei­nen Wil­len zu­ge­kom­men,
han­delt er oh­ne Be­rei­che­rungs­ab­sicht oder
han­delt er zum Nach­teil ei­nes An­ge­hö­ri­gen oder Fa­mi­li­en­ge­nos­sen,
so wird die Tat nur auf An­trag ver­folgt.
1. Wer sich ei­ne ihm an­ver­trau­te frem­de be­weg­li­che Sa­che an­eig­net, um sich oder einen an­dern da­mit un­recht­mäs­sig zu be­rei­chern,
wer ihm an­ver­trau­te Ver­mö­gens­wer­te un­recht­mäs­sig in sei­nem oder ei­nes an­de­ren Nut­zen ver­wen­det,
wird mit Frei­heits­s­tra­fe bis zu fünf Jah­ren oder Geld­stra­fe be­straft.
Die Ver­un­treu­ung zum Nach­teil ei­nes An­ge­hö­ri­gen oder Fa­mi­li­en­ge­nos­sen wird nur auf An­trag ver­folgt.
2. Wer die Tat als Mit­glied ei­ner Be­hör­de, als Be­am­ter, Vor­mund, Bei­stand, be­rufs­mäs­si­ger Ver­mö­gens­ver­wal­ter oder bei Aus­übung ei­nes Be­ru­fes, Ge­wer­bes oder Han­dels­ge­schäf­tes, zu der er durch ei­ne Be­hör­de er­mäch­tigt ist, be­geht, wird mit Frei­heits­s­tra­fe bis zu zehn Jah­ren oder Geld­stra­fe1 be­straft.
1 Aus­druck ge­mä­ss Ziff. II 1 Abs. 8 des BG vom 13. Dez. 2002, in Kraft seit 1. Jan. 2007 (AS 2006 3459; BBl 1999 1979). Die­se Änd. wur­de im gan­zen zwei­ten Buch be­rück­sich­tigt.
1. Wer je­man­dem ei­ne frem­de be­weg­li­che Sa­che zur An­eig­nung weg­nimmt, um sich oder einen an­dern da­mit un­recht­mäs­sig zu be­rei­chern, wird mit Frei­heits­s­tra­fe bis zu fünf Jah­ren oder Geld­stra­fe be­straft.
2. Der Dieb wird mit Frei­heits­s­tra­fe bis zu zehn Jah­ren oder Geld­stra­fe nicht un­ter 90 Ta­ges­sät­zen1 be­straft, wenn er ge­werbs­mäs­sig stiehlt.
3. Der Dieb wird mit Frei­heits­s­tra­fe von sechs Mo­na­ten bis zu zehn Jah­ren be­straft,2
wenn er den Dieb­stahl als Mit­glied ei­ner Ban­de aus­führt, die sich zur fort­ge­setz­ten Ver­übung von Raub oder Dieb­stahl zu­sam­men­ge­fun­den hat,
wenn er zum Zweck des Dieb­stahls ei­ne Schuss­waf­fe oder ei­ne an­de­re ge­fähr­li­che Waf­fe mit sich führt oder
wenn er sonst wie durch die Art, wie er den Dieb­stahl be­geht, sei­ne be­son­de­re Ge­fähr­lich­keit of­fen­bart.
4. Der Dieb­stahl zum Nach­teil ei­nes An­ge­hö­ri­gen oder Fa­mi­li­en­ge­nos­sen wird nur auf An­trag ver­folgt.
1 Aus­druck ge­mä­ss Ziff. II 1 Abs. 9 des BG vom 13. Dez. 2002, in Kraft seit 1. Jan. 2007 (AS 2006 3459; BBl 1999 1979). Die Änd. wur­de im gan­zen zwei­ten Buch be­rück­sich­tigt.
1. Wer mit Ge­walt ge­gen ei­ne Per­son oder un­ter An­dro­hung ge­gen­wär­ti­ger Ge­fahr für Leib oder Le­ben oder nach­dem er den Be­trof­fe­nen zum Wi­der­stand un­fä­hig ge­macht hat, einen Dieb­stahl be­geht, wird mit Frei­heits­s­tra­fe von sechs Mo­na­ten bis zu zehn Jah­ren be­straft.1
Wer, bei ei­nem Dieb­stahl auf fri­scher Tat er­tappt, Nö­ti­gungs­hand­lun­gen nach Ab­satz 1 be­geht, um die ge­stoh­le­ne Sa­che zu be­hal­ten, wird mit der glei­chen Stra­fe be­legt.
2. Der Räu­ber wird mit Frei­heits­s­tra­fe nicht un­ter ei­nem Jahr2 be­straft, wenn er zum Zweck des Rau­bes ei­ne Schuss­waf­fe oder ei­ne an­de­re ge­fähr­li­che Waf­fe mit sich führt.
3. Der Räu­ber wird mit Frei­heits­s­tra­fe nicht un­ter zwei Jah­ren be­straft,
wenn er den Raub als Mit­glied ei­ner Ban­de aus­führt, die sich zur fort­ge­setz­ten Ver­übung von Raub oder Dieb­stahl zu­sam­men­ge­fun­den hat,
wenn er sonst wie durch die Art, wie er den Raub be­geht, sei­ne be­son­de­re Ge­fähr­lich­keit of­fen­bart.
4. Die Stra­fe ist Frei­heits­s­tra­fe nicht un­ter fünf Jah­ren, wenn der Tä­ter das Op­fer in Le­bens­ge­fahr bringt, ihm ei­ne schwe­re Kör­per­ver­let­zung zu­fügt oder es grau­sam be­han­delt.
1 Straf­dro­hun­gen neu um­schrie­ben ge­mä­ss Ziff. II 1 des BG vom 19. Ju­ni 2015 (Än­de­rung des Sank­tio­nen­rechts), in Kraft seit 1. Jan. 2018 (AS 2016 1249; BBl 2012 4721).
2 Aus­druck ge­mä­ss Ziff. II 1 Abs. 12 des BG vom 13. Dez. 2002, in Kraft seit 1. Jan. 2007 (AS 2006 3459; BBl 1999 1979).
Sach­ent­zie­hung
Wer dem Be­rech­tig­ten oh­ne An­eig­nungs­ab­sicht ei­ne be­weg­li­che Sa­che ent­zieht und ihm da­durch einen er­heb­li­chen Nach­teil zu­fügt, wird, auf An­trag, mit Frei­heits­s­tra­fe bis zu drei Jah­ren oder Geld­stra­fe be­straft.
Un­recht­mäs­si­ge Ver­wen­dung von Ver­mö­gens­wer­ten
Wer Ver­mö­gens­wer­te, die ihm oh­ne sei­nen Wil­len zu­ge­kom­men sind, un­recht­mäs­sig in sei­nem oder ei­nes an­dern Nut­zen ver­wen­det, wird, auf An­trag, mit Frei­heits­s­tra­fe bis zu drei Jah­ren oder Geld­stra­fe be­straft.
Un­recht­mäs­si­ge Ent­zie­hung von Ener­gie
1Wer ei­ner An­la­ge, die zur Ver­wer­tung von Na­tur­kräf­ten dient, na­ment­lich ei­ner elek­tri­schen An­la­ge, un­recht­mäs­sig Ener­gie ent­zieht, wird, auf An­trag, mit Frei­heits­s­tra­fe bis zu drei Jah­ren oder Geld­stra­fe be­straft.
2Han­delt der Tä­ter in der Ab­sicht, sich oder einen an­dern un­recht­mäs­sig zu be­rei­chern, so wird er mit Frei­heits­s­tra­fe bis zu fünf Jah­ren oder Geld­stra­fe be­straft.
Un­be­fug­te Da­ten­be­schaf­fung
1Wer in der Ab­sicht, sich oder einen an­dern un­recht­mäs­sig zu be­rei­chern, sich oder ei­nem an­dern elek­tro­nisch oder in ver­gleich­ba­rer Wei­se ge­spei­cher­te oder über­mit­tel­te Da­ten be­schafft, die nicht für ihn be­stimmt und ge­gen sei­nen un­be­fug­ten Zu­griff be­son­ders ge­si­chert sind, wird mit Frei­heits­s­tra­fe bis zu fünf Jah­ren oder Geld­stra­fe be­straft.
2Die un­be­fug­te Da­ten­be­schaf­fung zum Nach­teil ei­nes An­ge­hö­ri­gen oder Fa­mi­li­en­ge­nos­sen wird nur auf An­trag ver­folgt.
Un­be­fug­tes Ein­drin­gen in ein Da­ten­ver­ar­bei­tungs­sys­tem
1Wer auf dem We­ge von Da­ten­über­tra­gungs­ein­rich­tun­gen un­be­fug­ter­wei­se in ein frem­des, ge­gen sei­nen Zu­griff be­son­ders ge­si­cher­tes Da­ten­ver­ar­bei­tungs­sys­tem ein­dringt, wird, auf An­trag, mit Frei­heits­s­tra­fe bis zu drei Jah­ren oder Geld­stra­fe be­straft.
2Wer Pass­wör­ter, Pro­gram­me oder an­de­re Da­ten, von de­nen er weiss oder an­neh­men muss, dass sie zur Be­ge­hung ei­ner straf­ba­ren Hand­lung ge­mä­ss Ab­satz 1 ver­wen­det wer­den sol­len, in Ver­kehr bringt oder zu­gäng­lich macht, wird mit Frei­heits­s­tra­fe bis zu drei Jah­ren oder Geld­stra­fe be­straft.
1 Fas­sung ge­mä­ss Art. 2 Ziff. 1 des BB vom 18. März 2011 (Über­eink. des Eu­ro­pa­ra­tes über die Cy­ber­kri­mi­na­li­tät), in Kraft seit 1. Jan. 2012 (AS 2011 6293; BBl 2010 4697).
1Wer ei­ne Sa­che, an der ein frem­des Ei­gen­tums-, Ge­brauchs- oder Nutz­nies­sungs­recht be­steht, be­schä­digt, zer­stört oder un­brauch­bar macht, wird, auf An­trag, mit Frei­heits­s­tra­fe bis zu drei Jah­ren oder Geld­stra­fe be­straft.
2Hat der Tä­ter die Sach­be­schä­di­gung aus An­lass ei­ner öf­fent­li­chen Zu­sam­men­rot­tung be­gan­gen, so wird er von Am­tes we­gen ver­folgt.
3Hat der Tä­ter einen gros­sen Scha­den ver­ur­sacht, so kann auf Frei­heits­s­tra­fe von ei­nem Jahr bis zu fünf Jah­ren er­kannt wer­den. Die Tat wird von Am­tes we­gen ver­folgt.
Da­ten­be­schä­di­gung
1. Wer un­be­fugt elek­tro­nisch oder in ver­gleich­ba­rer Wei­se ge­spei­cher­te oder über­mit­tel­te Da­ten ver­än­dert, löscht oder un­brauch­bar macht, wird, auf An­trag, mit Frei­heits­s­tra­fe bis zu drei Jah­ren oder Geld­stra­fe be­straft.
Hat der Tä­ter einen gros­sen Scha­den ver­ur­sacht, so kann auf Frei­heits­s­tra­fe von ei­nem Jahr bis zu fünf Jah­ren er­kannt wer­den. Die Tat wird von Am­tes we­gen ver­folgt.
2. Wer Pro­gram­me, von de­nen er weiss oder an­neh­men muss, dass sie zu den in Zif­fer 1 ge­nann­ten Zwe­cken ver­wen­det wer­den sol­len, her­stellt, ein­führt, in Ver­kehr bringt, an­preist, an­bie­tet oder sonst wie zu­gäng­lich macht oder zu ih­rer Her­stel­lung An­lei­tung gibt, wird mit Frei­heits­s­tra­fe bis zu drei Jah­ren oder Geld­stra­fe be­straft.
Han­delt der Tä­ter ge­werbs­mäs­sig, so kann auf Frei­heits­s­tra­fe von ei­nem Jahr bis zu fünf Jah­ren er­kannt wer­den.
Ver­un­treu­ung und Ent­zug von Pfand­sa­chen und Re­ten­ti­ons­ge­gen­stän­den
Der Schuld­ner, der in der Ab­sicht, sei­nen Gläu­bi­ger zu schä­di­gen, die­sem ei­ne als Pfand oder Re­ten­ti­ons­ge­gen­stand die­nen­de Sa­che ent­zieht, ei­gen­mäch­tig dar­über ver­fügt, sie be­schä­digt, zer­stört, ent­wer­tet oder un­brauch­bar macht, wird, auf An­trag, mit Frei­heits­s­tra­fe bis zu drei Jah­ren oder Geld­stra­fe be­straft.
Be­trug
1Wer in der Ab­sicht, sich oder einen an­dern un­recht­mäs­sig zu be­rei­chern, je­man­den durch Vor­spie­ge­lung oder Un­ter­drückung von Tat­sa­chen arg­lis­tig ir­re­führt oder ihn in ei­nem Irr­tum arg­lis­tig be­stärkt und so den Ir­ren­den zu ei­nem Ver­hal­ten be­stimmt, wo­durch die­ser sich selbst oder einen an­dern am Ver­mö­gen schä­digt, wird mit Frei­heits­s­tra­fe bis zu fünf Jah­ren oder Geld­stra­fe be­straft.
2Han­delt der Tä­ter ge­werbs­mäs­sig, so wird er mit Frei­heits­s­tra­fe bis zu zehn Jah­ren oder Geld­stra­fe nicht un­ter 90 Ta­ges­sät­zen be­straft.
3Der Be­trug zum Nach­teil ei­nes An­ge­hö­ri­gen oder Fa­mi­li­en­ge­nos­sen wird nur auf An­trag ver­folgt.
Be­trü­ge­ri­scher Miss­brauch ei­ner Da­ten­ver­ar­bei­tungs­an­la­ge
1Wer in der Ab­sicht, sich oder einen an­dern un­recht­mäs­sig zu be­rei­chern, durch un­rich­ti­ge, un­voll­stän­di­ge oder un­be­fug­te Ver­wen­dung von Da­ten oder in ver­gleich­ba­rer Wei­se auf einen elek­tro­ni­schen oder ver­gleich­ba­ren Da­ten­ver­ar­bei­tungs- oder Da­ten­über­mitt­lungs­vor­gang ein­wirkt und da­durch ei­ne Ver­mö­gens­ver­schie­bung zum Scha­den ei­nes an­dern her­bei­führt oder ei­ne Ver­mö­gens­ver­schie­bung un­mit­tel­bar dar­nach ver­deckt, wird mit Frei­heits­s­tra­fe bis zu fünf Jah­ren oder Geld­stra­fe be­straft.
3Der be­trü­ge­ri­sche Miss­brauch ei­ner Da­ten­ver­ar­bei­tungs­an­la­ge zum Nach­teil ei­nes An­ge­hö­ri­gen oder Fa­mi­li­en­ge­nos­sen wird nur auf An­trag ver­folgt.
Check- und Kre­dit­kar­ten­miss­brauch
1Wer, ob­schon er zah­lungs­un­fä­hig oder zah­lungs­un­wil­lig ist, ei­ne ihm vom Aus­stel­ler über­las­se­ne Check- oder Kre­dit­kar­te oder ein gleich­ar­ti­ges Zah­lungs­in­stru­ment ver­wen­det, um ver­mö­gens­wer­te Leis­tun­gen zu er­lan­gen und den Aus­stel­ler da­durch am Ver­mö­gen schä­digt, wird, so­fern die­ser und das Ver­trags­un­ter­neh­men die ih­nen zu­mut­ba­ren Mass­nah­men ge­gen den Miss­brauch der Kar­te er­grif­fen ha­ben, mit Frei­heits­s­tra­fe bis zu fünf Jah­ren oder Geld­stra­fe be­straft.
Un­recht­mäs­si­ger Be­zug von Leis­tun­gen ei­ner So­zi­al­ver­si­che­rung oder der So­zi­al­hil­fe
1Wer je­man­den durch un­wah­re oder un­voll­stän­di­ge An­ga­ben, durch Ver­schwei­gen von Tat­sa­chen oder in an­de­rer Wei­se ir­re­führt oder in ei­nem Irr­tum be­stärkt, so­dass er oder ein an­de­rer Leis­tun­gen ei­ner So­zi­al­ver­si­che­rung oder der So­zi­al­hil­fe be­zieht, die ihm oder dem an­dern nicht zu­ste­hen, wird mit Frei­heits­s­tra­fe bis zu ei­nem Jahr oder Geld­stra­fe be­straft.
2In leich­ten Fäl­len ist die Stra­fe Bus­se.
Zech­prel­le­rei
Wer sich in ei­nem Gast­ge­wer­be­be­trieb be­her­ber­gen, Spei­sen oder Ge­trän­ke vor­set­zen lässt oder an­de­re Dienst­leis­tun­gen be­an­sprucht und den Be­triebs­in­ha­ber um die Be­zah­lung prellt, wird, auf An­trag, mit Frei­heits­s­tra­fe bis zu drei Jah­ren oder Geld­stra­fe be­straft.
Er­schlei­chen ei­ner Leis­tung
Wer, oh­ne zu zah­len, ei­ne Leis­tung er­schleicht, von der er weiss, dass sie nur ge­gen Ent­gelt er­bracht wird, na­ment­lich in­dem er
ein öf­fent­li­ches Ver­kehrs­mit­tel be­nützt,
ei­ne Auf­füh­rung, Aus­stel­lung oder ähn­li­che Ver­an­stal­tung be­sucht,
ei­ne Leis­tung, die ei­ne Da­ten­ver­ar­bei­tungs­an­la­ge er­bringt oder die ein Au­to­mat ver­mit­telt, be­an­sprucht,
wird, auf An­trag, mit Frei­heits­s­tra­fe bis zu drei Jah­ren oder Geld­stra­fe be­straft.
Her­stel­len und In­ver­kehr­brin­gen von Ma­te­ria­li­en zur un­be­fug­ten Ent­schlüs­se­lung co­dier­ter An­ge­bo­te
1Wer Ge­rä­te, de­ren Be­stand­tei­le oder Da­ten­ver­ar­bei­tungs­pro­gram­me, die zur un­be­fug­ten Ent­schlüs­se­lung co­dier­ter Rund­funk­pro­gram­me oder Fern­mel­de­diens­te be­stimmt und ge­eig­net sind, her­stellt, ein­führt, aus­führt, durch­führt, in Ver­kehr bringt oder in­stal­liert, wird, auf An­trag, mit Bus­se be­straft.2
2Ver­such und Ge­hil­fen­schaft sind straf­bar.
1 Ein­ge­fügt durch An­hang Ziff. 2 des Fern­mel­de­ge­set­zes vom 30. April 1997, in Kraft seit 1. Jan. 1998 (AS 1997 2187; BBl 1996 III 1405).
Arg­lis­ti­ge Ver­mö­gens­schä­di­gung
Wer je­man­den oh­ne Be­rei­che­rungs­ab­sicht durch Vor­spie­ge­lung oder Un­ter­drückung von Tat­sa­chen arg­lis­tig ir­re­führt oder ihn in ei­nem Irr­tum arg­lis­tig be­stärkt und so den Ir­ren­den zu ei­nem Ver­hal­ten be­stimmt, wo­durch die­ser sich selbst oder einen an­dern am Ver­mö­gen schä­digt, wird, auf An­trag, mit Frei­heits­s­tra­fe bis zu drei Jah­ren oder Geld­stra­fe be­straft.