Source: https://www.elektrofachkraft.de/pruefung/herausforderung-pruefungen-sonderbauten
Timestamp: 2019-06-18 14:01:01
Document Index: 261612289

Matched Legal Cases: ['§ 2', '§ 3', '§ 51', '§ 3', '§ 2', '§ 51', '§ 2']

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Herausforderung: Prüfungen in Sonderbauten
23.07.2018 09:20 (Kommentare: 1)
Hochhäuser gelten als Sonderbauten und erfordern somit Prüfer mit besonderer Befähigung (Bildquelle: onlyyouqj/iStock/Getty Images)
Prüfung elektrischer Anlagen am Beispiel der Musterbauordnung (MBO)
Es gibt elektrische Anlagen (technische Anlagen bzw. sicherheitstechnische Gebäudeausrüstungen), die durch besonders befähigte Personen, z.B. Sachverständige, geprüft werden müssen. Dazu zählen beispielsweise Sicherheitsbeleuchtungsanlagen für bestimmte Gebäude. Für die Elektrofachkraft ist es im Arbeitsalltag jedoch oft schwierig die rechtlichen Zusammenhänge nachzuvollziehen.
Baurecht ist Länderrecht
Erschwerend kommt noch hinzu, dass sich die Anforderungen für die verschiedenen Gebäude und für die einzelnen technischen Anlagen je nach Bundesland unterscheiden können.
So stellen sich der Elektrofachkraft oft folgende Fragen:
Welche elektrischen technischen Anlagen können von der Elektrofachkraft selbst geprüft werden?
Welche Anlagen müssen in welchen Gebäuden von einem Sachverständigen geprüft werden?
Um einen Überblick über das Thema und die rechtlichen Zusammenhänge zu geben, können – quasi als kleinste gemeinsame Nenner – die Musterverordnungen und -erlässe der ARGEBAU zurate gezogen werden. Diese geben eine Übersicht über die Schutzziele bzw. Anforderungen, auf die man sich bundesweit als Vorschlag einigen konnte. Die Abkürzung ARGEBAU steht dabei für „Arbeitsgemeinschaft der für das Bau- und Siedlungswesen zuständigen Minister und Senatoren der Länder” (vgl. ARGEBAU, 2014).
Im Rahmen von regelmäßigen Konferenzen (Bauministerkonferenzen) werden Musterverordnungen bzw. -erlässe verabschiedet, die in den einzelnen Bundesländern als Grundlage für die Gesetzgebung dienen können. Einige Bundesländer übernehmen die verabschiedeten Musterverordnungen bzw. -erlässe fast vollständig, andere hingegen nur in Teilen oder gar nicht. Eine dieser Musterverordnungen ist die Musterbauordnung (MBO) in der Fassung von 2002 (vgl. MBO, 2012).
Sonderbauten stellen besondere Anforderungen an den Prüfer
Die Musterbauordnung teilt Gebäude je nach Höhe, Grundfläche und potenzieller Gefahr in die Gebäudeklassen 1 bis 5 sowie in Sonderbauten ein. Als Sonderbauten werden Anlagen und Räume besonderer Art oder Nutzung bezeichnet. Für diese Sonderbauten können besondere Anforderungen an die Befähigung des Prüfers bzw. an den Umfang und die Ausführung der Prüfungen von elektrotechnischen Anlagen gelten. Dazu sollte jedoch zuerst geklärt werden, ob es sich um einen Sonderbau handelt.
§ 2 der Musterverordnung nennt als Sonderbauten z.B. die folgenden Gebäude:
Hochhäuser (z.B. Büro- oder Wohnhochhäuser)
Gebäude mit mehr als 1.600 m2 Grundfläche in einem Geschoss (z.B. Arbeitsstätten mit Werks- oder Produktionshallen)
Verkaufsstätten (z.B. Supermärkte)
Versammlungsstätten (z.B. Kinos und Theater)
Schank- und Speisegaststätten (z.B. Restaurants)
Pflege- oder Betreuungseinrichtungen
Tageseinrichtungen für Kinder, Menschen mit Behinderung und alte Menschen (z.B. Kindergärten und Seniorenheime)
Schulen, Hochschulen und ähnliche Einrichtungen (z.B. Grundschulen)
Hochregallager (z.B. Speditionslager)
Bei Unklarheiten hilft meist auch ein Blick in die Baugenehmigung oder in das eventuell vorhandene Brandschutzkonzept des Gebäudes.
Eine weitere Frage, die in diesem Zusammenhang immer wieder gestellt wird, ist die Frage nach der Rechtsgrundlage: Womit begründet der Gesetzgeber die erhöhten Anforderungen an technischen Anlagen?
Anforderungen an technische Anlagen
Die Musterbauordnung stellt dazu unter § 3 allgemeine Anforderungen an technische Anlagen in Gebäuden. Darin heißt es sinngemäß, dass Anlagen so anzuordnen, zu errichten, zu ändern und instand zu halten sind, dass die öffentliche Sicherheit bzw. Ordnung (Leben, Gesundheit sowie natürliche Lebensgrundlagen) nicht gefährdet ist. Zu diesen technischen Anlagen zählen auch elektrotechnische Anlagen.
Anforderungen an technische Anlagen in Sonderbauten
Zusätzlich zu den allgemeinen Anforderungen nennt § 51 der Musterbauordnung einige technische Anlagen in besonderen Gebäuden für die – zur Erfüllung der allgemeinen Schutzziele aus § 3 – besondere Anforderungen gestellt werden können. Diese können z.B. die folgenden Punkte betreffen:
Brandschutzanlagen (z.B. Brandmeldeanlagen)
Rettungswege und deren Kennzeichnung (z.B. Rettungswegkennzeichnung in Form von Piktogrammen)
Beleuchtung und Energieversorgung (z.B. Sicherheitsbeleuchtung und Sicherheitsstromversorgungen)
besondere Bauvorlagen (z.B. die Erstellung eines Brandschutzkonzepts mit zusätzlichen Auflagen für technische Anlagen)
Erst-, Wiederholungs- und Nachprüfungen von technischen Anlagen sowie die dafür erforderlichen Bescheinigungen (z.B. wiederkehrende Prüfungen von elektrischen Anlagen und Prüfberichte)
Die MBO der ARGEBAU teilt in § 2 die Gebäude in Gebäudeklassen und Sonderbauten (Gebäude besonderer Art und Nutzung) ein.
Sie enthält eine ausführliche Auflistung von Sonderbauten.
In Sonderbauten können zur Einhaltung der Schutzziele besondere Auflagen für die Betriebsführung technischer Anlagen gelten. Dies betrifft auch die elektrotechnischen Anlagen in diesen Gebäuden.
§ 51 der MBO nennt technische Anlagen für die Erst-, Wiederholungs- und Nachprüfungen erforderlich sind.
Die Qualifikation des Prüfers, Zeitpunkte und Umfang der Prüfungen werden in der Muster-Prüfverordnung (MPrüfVO) durch die ARGEBAU beschrieben.
ARGEBAU (2014): IS-Argebau – Bauministerkonferenz , Konferenz der für Städtebau, Bau- und Wohnungswesen zuständigen Minister und Senatoren der Länder (ARGEBAU)
MBO (2012): MUSTERBAUORDNUNG (MBO)
Von A. Paulun Dipl.-Ing.(FH) | 08.08.2018
Gehören Krankenhäuser und Kliniken auch zu den Sonderbauten?
Laut § 2 (4) der Musterbauordnung (MBO, Fassung von November 2002) gehören Krankenhäuser zu den Sonderbauten.