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Timestamp: 2018-07-20 20:31:14
Document Index: 102635406

Matched Legal Cases: ['§ 280', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 280', '§253']

ᐅ Beinbruch im Krankenhaus?? - Arztrecht - JuraForum.de
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Beinbruch im Krankenhaus??
Dieses Thema "ᐅ Beinbruch im Krankenhaus?? - Arztrecht" im Forum "Arztrecht" wurde erstellt von dertomtom, 2. Juli 2018.
dertomtom Aktives Mitglied 02.07.2018, 15:42
Mal angenommen eine Patientin A ü80 und bettlägerig, wird ins Krankenhaus eingeliefert (geriatrie - diagnostik mobilisierung usw).
Nach ein paar Tagen klagt sie über extreme Schmerzen im Bein und lässt sich nicht mehr anfassen. Nachdem auch leichtere Schmerzmittel keine Wirkung zeigen und ein Bluterguss vorhanden ist wird geröngt.
Der Oberschenkel ist plötzlich gebrochen - die Frau ist aber zu verwirrt um angaben dazu machen zu können warum und wiso. (kein Oberschenkelhalsbruch)
Bei der Aufnahmeuntersuchung und zuvor gab es keine Beschwerden im Bein , weshalb es auch nicht explizit untersucht wurde - weder vom Hausarzt noch vom Krankenhausarzt (Abstand 2 Tage).
(Der Laie fragt sich da natürlich auch: Wie hat man sie z.B. zum Duschen nach der Einlieferung in den Rollstuhl bekommen)
Kann das Krankenhaus hier schlicht behaupten: Bei uns ist sie nicht gestürzt, sie muss also mit dem Bruch eingeliefert worden sein?
TomRohwer V.I.P. 02.07.2018, 18:28
AW: Beinbruch im Krankenhaus??
Man hat sie nicht mit einem Duschstuhl gewaschen, sondern im Bett...
Das Krankenhaus kann alles behaupten.
Wenn niemand einen Oberschenkelbruch bemerkt und dokumentiert hat, müssen ärztliche Gutachter beurteilen, ob es sein kann, daß die Patienten schon mit einem Bruch eingeliefert wurde, und wenn nein, auf welche andere Weise der Bruch zustande gekommen sein kann.
dertomtom Aktives Mitglied 02.07.2018, 18:49
Nö - nehmen wir mal an eine Stationsärztin hätte spontan das Pflegepersonal gefragt - und die hätten berichtet das so gemacht zu haben - dabei sei sie aber nicht gestürzt, sondern nur "kurz mal weggerutscht" (was lt- Ärztin manchmal schon reichen kann..)
Erst die "höheren Dienstgrade" haben das diskutiert sind sich sicher, dass das nicht im Krankenhaus passiert sein könnte
Gammaflyer V.I.P. 02.07.2018, 21:01
Das wird das Forum hier nicht lösen können.
Die Patientin kann ja evtl. auch ohne Zutun / Bemerken durch das Personal gestürzt sein (wenn sie eben schon so "verwirrt" ist).
Gleichsam kann auch ein Bagatelltrauma (wie z.B. ein Wegrutschen oder gar einfach Lagerungsmaßnahmen) unter entsprechenden Voraussetzungen (z.B. schwere Osteoporose oder eine nicht bekannter Knochentumor) zu einer sogenannten pathologischen Fraktur führen.
Wenn man es drauf anlegt, dem Krankenhaus ein Versäumnis nachzuweisen muss bei dortigem "Mauern" eben tatsächlich gutachterliche Beurteilung mit ins Boot.
dertomtom Aktives Mitglied 02.07.2018, 21:40
Das ist ja hier ein "juraforum", deshalb ist die Frage weniger "medizinisch" zu verstehen, sondern eher rechtlich:
Wenn man es auf's medizinische verlegt, ist die Frage allenfalls, was ein Gutachter zu begutachten hätte - und wie die verschiedenen Ergebnisse rechtlich zu bewerten wären. Es gibt da ja verschiedene Möglichkeiten ein "versäumnis zu begehen"
Bspw. wäre schon eine Frage, wenn ein Gutachter zu dem Schluss käme es handele sich um einen bestehenden Bruch, wie die Diagnostik zu bewerten wäre. Ein Eingangsbefund wird ja auch nicht aus langeweile erhoben.
Der eigentlich rechtliche Kern ist aber die frage des "nachweisens" - die Sache mit der Beweislast zum § 280 BGB ist in dem Bereich ja spannender als in vielen anderen Bereichen. Dabei geht es meines Wissens gerade auch um die Frage ob sich ein Geschehen im "beherrschbaren" bereich abspielt oder eben nicht.
Interessant wäre da auch die Taktik des "Mauerns": Denkt man darüber nach kann man ja auch zu dem Schluss kommen, das gerade die Aussage Kein Sturz -> kein Schaden die sache aus dem Bereich des allgemeinen Behandlungsrisikos erst hinaushebt und in den Bereich des "beherrschbaren" Risikos verlagert, wo die Gerichte schon des öfteren eben eine Beweislastumkehr gesehen haben:
...weil der Arzt dem Patienten nicht die erfolgreiche Herstellung seiner Gesundheit, sondern lediglich das sorgfältige Bemühen um Hilfe und Heilung schuldet, gilt dann aber etwas Anderes, wenn es nicht um diesen nur begrenzt steuerbaren Kernbereich ärztlichen Handelns, sondern um Risiken insbesondere aus dem Krankenhausbetrieb geht, die von dem Träger der Klinik und dem dort tätigen Personal voll beherrscht werden können. So hat der Bundesgerichtshof dem Krankenhausträger und seinen Ärzten die Beweislast für die Gewähr einwandfreier Voraussetzungen für eine sachgemäße und gefahrlose Behandlung zugewiesen, wenn es etwa um Fragen ging wie die Reinheit des benutzten Desinfektionsmittels (vgl. BGH NJW 1978, 1683) oder die Sterilität der verabreichten Infusionsflüssigkeit (BGH NJW 1982, 699) oder die richtige Lagerung des Patienten auf dem Operationstisch (vgl. BGH NJW 1984, 1403). Auch im Streitfall liegt die Ursache für den Sturz des Patienten im voll beherrschbaren Gefahrenbereich des Krankenhausträgers mit der Folge, dass die Beklagte zu 1) den Nachweis eines pflichtgemäßen Verhaltens des Beklagten zu 2) zu führen hat.
LG Kassel 5 O 1488/06
dertomtom Aktives Mitglied 02.07.2018, 22:26
PS.: Zum besseren Verständnis...
Seitens der Patientin, war die Sache mit dem Erklärungsversuch der Ärztin soweit ja erledigt - "shit happens".
"Spannend" wird es eben erst durch das "Mauern" des Krankenhauses, denn:
Die Krankenkasse will wissen : Surz = Unfall = Wer, wie und warum?
TomRohwer V.I.P. 03.07.2018, 14:18
Dann muss geklärt werden
wie der Unfall genau passiert ist?
ob der konkrete Vorgang den Regeln einer sachgerechten Krankenpflege entsprach?
ob der Unfall nicht passiert wäre, wenn das Pflegepersonal das Waschen anders gehandhabt hätte?
ob die Handhabung des Waschens im konkreten Fall hätte anders gemacht werden müssen?
Und wenn man das mit Hilfe von Gutachtern - in so einem Fall eher aus dem Bereich der Kranken/Alten-Pflege als aus dem ärztlichen Bereich, möchte ich vermuten - geklärt hat, dann kann man einschätzen, ob dem Krankenhaus ein "Kunstfehler" unterlaufen ist oder ob es schlicht ein unglücklicher Unfall war.
TomRohwer V.I.P. 03.07.2018, 14:19
Dann soll die Krankenversicherung gefälligst darum kümmern, das zu klären. Sie muss ja schließlich auch die Folgekosten tragen.
Der Patient kann sich dann dranhängen, wenn die Krankenversicherung meint "Das war nicht fachgerecht, hier liegt ein 'Kunstfehler' vor!"
Spart ihm schon mal den ersten Gutachter.
TomRohwer V.I.P. 03.07.2018, 14:32
Das lässt sich in solchen Fällen nicht trennen.
Rechtlich bestehen Ansprüche, wenn medizinisch Fehler gemacht wurden.
Der eigentlich rechtliche Kern ist aber die frage des "nachweisens" - die Sache mit der Beweislast zum § 280 BGB ist in dem Bereich ja spannender als in vielen anderen Bereichen.
"Schadensersatz" im materiellen Sinne wird hier eher weniger in Frage kommen, eher ggf. Schmerzensgeld im Sinne von §253 BGB.
Dabei geht es meines Wissens gerade auch um die Frage ob sich ein Geschehen im "beherrschbaren" bereich abspielt oder eben nicht.
Es geht darum, ob Fehler gemacht wurden, die vermeidbar gewesen wären.
Interessant wäre da auch die Taktik des "Mauerns": Denkt man darüber nach kann man ja auch zu dem Schluss kommen, das gerade die Aussage Kein Sturz -> kein Schaden die sache aus dem Bereich des allgemeinen Behandlungsrisikos erst hinaushebt und in den Bereich des "beherrschbaren" Risikos verlagert, wo die Gerichte schon des öfteren eben eine Beweislastumkehr gesehen haben
Dann muss man vor Gericht gehen. Eine andere Möglichkeit gibt es letztlich nicht. Vorher führt der Weg noch vernünftigerweise über die Krankenversicherung, den Patientenombudsmann des Bundeslandes (falls vorhanden) u.ä.
Nur eines muss einem klar sein: kein Arzt, kein Krankenhaus wird ohne Rücksprache mit der Haftpflichtversicherung einen Behandlungsfehler zugeben, weil jemand ein schlechtes Gewissen hat ("Ja, da haben wir Mist gebaut.") Denn die Versicherer wollen da mit im Boot sein, weil sie den Schaden zu regulieren haben.
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