Source: https://5-minuten-jus.ch/schweizer-recht-zusammenfassungen-uni-basel-verwaltungsrecht-7-verwaltungsrechtspflege-und-gerichtsbarkeit/
Timestamp: 2020-07-06 11:55:23
Document Index: 124354764

Matched Legal Cases: ['Art. 29', 'Art. 13', 'Art. 13', 'Art. 6', 'Art. 29', 'Art. 29', 'BGer', 'Art. 30', 'EGMR', 'Art. 29', 'Art. 31', 'Art. 5', 'Art. 32', 'Art. 36', 'Art. 33', 'Art. 37', 'Art. 49', 'Art. 37', 'Art. 48', 'Art. 37', 'Art. 50', 'Art. 52', 'Art. 116', 'Art. 9', 'BGer']

Verwaltungsrechtspflege und -Gerichtsbarkeit Verwaltungsrecht # 7 - 5 Minuten Jus
Verwaltungsrechtspflege und -Gerichtsbarkeit
Verwaltungsrechtspflege und -Gerichtsbarkeit befasst sich mit Fragen bzgl. in welchen Fällen man an welche Beschwerdeinstanz und an welches Gericht gelangen kann.
Erst seit 2007 besteht in der Schweiz eine umfassende Möglichkeit ans Gericht zu kommen, früher war oft die Exekutive die letzte Instanz. Der Art. 29a BV ist die Rechtsweggarantie.
Art. 13 und 6 EMRK ermöglichen ein Recht auf eine wirksame Beschwerde (Art. 13 EMRK) und Anspruch auf Beurteilung durch ein Gericht (Art. 6 EMRK).
Art. 29a BV ist die Schweizer Rechtsweggarantie. Sie geht weiter als die EMRK-Normen. Art. 29a BV gibt Anspruch auf mindestens einmalige Beurteilung aller Sachverhalts- und Rechtsfragen durch ein Gericht. Es ist jedoch keine Garantie ans BGer zu kommen.
Art. 30 BV gibt einen Anspruch auf ein unabhängiges, unparteiisches und auf Gesetz beruhendes Gericht. Abs. 3 Auf eine öffentliche Verhandlung und Urteilsverkündung
Unterschiedliche Rechtsmittel
Verwaltungsinterne Rechtspflege
Die Rechtsmittel werden in förmliche- (stärkere) und formlose Rechtsmittel (schwächere) unterschieden.
Verpflichten die Rechtsmittelinstanz zur Behandlung und Erledigung durch ein Urteil
z.B. Verwaltungsbeschwerde, Rekurs, Einsprache und Revision.
Man bekommt keinen sicheren Rechtsschutzanspruch. Das Gesuch oder die Beschwerde kann abgelehnt werden. («Nein, wir erwägen den Fall nicht nochmals neu»)
z.B. Aufsichtsbeschwerde, Wiedererwägungsgesuch
Die Verwaltungsbehörde entscheidet und nicht ein Gericht. Meist muss man 1-2 Instanzen innerhalb der Verwaltungsbehörde durchlaufen, bis man dann an ein Gericht kommt.
Entscheide eines Verwaltungsgerichts können reformatorische oder kassatorische Wirkung haben.
Reformatorische: Gericht stellt Fehler fest und entscheidet neu anschliessend.
Kassatorische: Gericht stellt Fehler fest, hebt den Entscheid auf und weist and die Vorinstanz zurück.
Entscheide eines Verwaltungsgerichts sind nicht an die Parteibegehren gebunden. D.h. Das Gericht kann zugunsten oder unter gewissen Voraussetzungen zuungunsten von dem abweichen, was die Partei fordert.
Einsprache (Spezialgesetze wie 52 ATSG)
Revision (66 VwVG)
Revision ist ein förmliches Rechtsmittel. Wenn ein besonders schwerwiegender, ursprünglicher Fehler besteht kann somit die Verfügung, welche formelle Rechtskraft hat doch noch mit der Revision aufgehoben oder geändert werden.
Revisionsgründe: Beeinflussung der Verfügung durch Straftat, Gutheissung der Beschwerde durch den EGMR, Auftauchen neuer Tatsachen/ Beweise.
Widererwägung (29 I BV)
Eine Widererwägung, als formloser Rechtsbehelf, ist ein Gesuch des Betroffenen an die Behörde die Verfügung zu prüfen.
Wenn sich die Umstände seit dem Erlass der Verfügung wesentlich geändert haben, hat man sogar einen Anspruch darauf abgeleitet aus Art. 29 Abs. 1 BV.
Aufsichtsbeschwerde (71 VwVG)
Jetzt entscheidet nicht mehr die Verwaltungsbehörde (Exekutive) selbst, sondern ein Gericht. Man ist jetzt Verwaltungsextern.
Kennzeichen der Verwaltungsgerichtsbarkeit ist ein Streit aufgrund einer Verfügung.
Nachträgliche Verwaltungsgerichtsbarkeit (Standard)
Verwaltungsgericht urteilt als zweite oder dritte Instanz. Eben, weil man vorher die Beschwerde an eine Verwaltungsbehörde richten musste.
Ursprüngliche Verwaltungsgerichtsbarkeit (ganz selten)
Verwaltungsgericht urteilt als erste Instanz.
Schematische Übersicht der Verwaltungsgerichtsbarkeit
Der Instanzenzug der Verwaltungsgerichtsbarkeit
Beschwerde an das Bundesverwaltungsgericht (BVGer) (quasi BöA ans BVGer)
Art. 31 VGG i.V.m. Art. 5 VwVG – Beschwerdeobjekt
Art. 32 VVG – Ausschlussgründe und Subsidiarität
Ein Ausnahmekatalog, Art. 36 besagt, dass eine andere Behörde vorgeht.
Art. 33 VGG – Vorinstanzen
Bundeskanzlei, Departemente, Bundesverwaltung, Anstalten und Betriebe des Bundes und ausnahmsweise kantonale Behörden oder der Bundesrat
Art. 37 VGG i.V.m. Art. 49 VwVG – Beschwerdegründe
Verletzung von Bundesrecht, Überschreitung/ Missbrauch des Ermessens (Rechtswidrigkeit)
Unrichtige oder unvollständige Ermittlung des Sachverhalts
Unangemessenheit (innerhalb des Ermessensspielraums unfair, aber kein qualifizierter Fehler)
Art. 37 VGG i.V.m. Art. 48 VwVG – Beschwerdelegitimation
Legitimation i.e.S. bei Privaten (Verfahren der Vorinstanz, besondere Berührtheit, Schutzwürdiges Interesse)
Legitimation von Gemeinwesen und Behörden (Behördenbeschwerde)
Legitimation von Verbänden (egoistische- und ideelle Verbandsbeschwerde)
Beschwerdefrist (Art. 37 VGG i.V.m. Art. 50 VwVG)
30 Tage nach Eröffnung der Verfügung
Form und Inhalt der Beschwerdeschrift (Art. 52,53 VwVG)
Unterschrift, Beweismittel, Begehren müssen begründet sein.
Verband als Verfügungsadressat
Der Verband wird wie eine Privatperson behandelt.
Egoistische Verbandsbeschwerde
Verband muss gemäss Statuten zur Wahrung der betroffenen Interessen berufen sein und die Interessen vieler Mitglieder müssen betroffen, und damit selbst legitimiert sein.
(Quasi eine Bündelung von Individualbeschwerden, alle müssen einzeln betroffen sein.)
Beschwerdeberechtigung besteht ausnahmsweise gestützt auf eine gesetzliche Grundlage z.B. 55 USG (Umweltschutzgesetz) / NHG (Natur- und Heimatsgesetz)
Verfassungsmässige Rechte können weder mit der BöA, noch mit der Beschwerde ans Bundesverwaltungsgericht gerügt werden, sondern nur mit der subsidiären Verfassungsbeschwerde
Mit der subsidiären Verfassungsbeschwerde können gem. Art. 116 BGG nur verfassungsmässige Rechte angefochten werden. Wenn z.B. normales Bundesrecht beim Ausnahmekatalog scheitert, kann man immer noch rügen der Entscheid der Vorinstanz verstosse gegen das Willkürverbot (Art. 9 BV)
Angemessenheit und falsche Sachverhaltsfeststellung können ausschliesslich am Bundesverwaltungsgericht angefochten werden und nicht beim BGer.
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