Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Gericht=VGH%20Hessen&Datum=20.10.1992&Aktenzeichen=12%20TH%201509/92
Timestamp: 2019-07-21 03:40:46
Document Index: 197000550

Matched Legal Cases: ['§ 45', '§ 47', '§ 51', '§ 88', '§ 47', '§ 88', '§ 45', '§ 47', '§ 10', '§ 10', '§ 95', '§ 47', '§ 45', '§ 47', '§ 38', '§ 113', '§ 10']

VGH Hessen, 20.10.1992 - 12 TH 1509/92 - dejure.org
https://dejure.org/1992,2038
VGH Hessen, 20.10.1992 - 12 TH 1509/92 (https://dejure.org/1992,2038)
VGH Hessen, Entscheidung vom 20.10.1992 - 12 TH 1509/92 (https://dejure.org/1992,2038)
VGH Hessen, Entscheidung vom 20. Januar 1992 - 12 TH 1509/92 (https://dejure.org/1992,2038)
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Voraussetzungen an einen ordnungsgemäßen Aufenthalt; Einordnung der Jugendstrafe als Freiheitsentziehung; Ankündigung einer beabsichtigten Anordnung des Sofortvollzugs ; Sofortige Vollziehung einer Ausweisungsverfügung
VG Darmstadt, 08.07.1992 - IV/2 H 2213/91
Demgegenüber hat der erkennende Senat bereits im Jahre 1992 deutlich ausgesprochen, dass die Sondervorschriften über die Ausweisung von Unionsbürgern die allgemeinen Ausweisungsvorschriften der §§ 45 f. AuslG mit der Folge überlagern, dass eine Ausweisung nicht allein wegen einer strafrechtlichen Verurteilung, sondern ausschließlich zu spezialpräventiven Zwecken zulässig ist (Hess. VGH, 20.10.1992 - 12 TH 1509/92 -, EZAR 034 Nr. 1; 4 = InfAuslR 1993, 50;… ähnlich GK-AuslR, § 47 AuslG Rdnr. 7).
Jugendstrafe ist somit rechtstechnisch betrachtet etwas anderes als Freiheitsstrafe (vgl. BVerwG, Urteil vom 16.11.2000, BVerwGE 112, 180 ff. zu § 51 Abs. 3 2. Alt. AuslG unter ausdrücklichem Hinweis auf § 88 AuslG; vgl. zur entsprechenden Fragestellung bei § 47 AuslG i.d.F. vom 9.7.1990, BVerwG, Urteil vom 19.11.1996, InfAuslR 1997, 152, ebenfalls unter ausdrücklicher Bezugnahme auf § 88 AuslG; VGH Bad.-Württ., Beschluss vom 26.5.1992, InfAuslR 1992, 248/249 und vom 19.10.1994, InfAuslR 1995, 155/159; OVG Hamburg, Beschluss vom 27.5.1993, InfAuslR 1993, 263/265; Hess. VGH, Beschluss vom 20.10.1992, InfAuslR 1993, 50/54).
Es kann dem Gemeinschaftsrecht nicht entnommen werden, dass Freizügigkeitsberechtigte nur im Ermessenswege ausgewiesen werden dürfen (so aber OVG Nordrh.-Westf., Beschluss vom 10.4.1992 -18 B 1479/92- , InfAuslR 92, 275; HessVGH, Beschluss vom 20.10.1992, 12 TH 1509/92 -, InfAuslR 93, 50; Urteil vom 4.3.2002 - 12 UE 200/02 -, InfAuslR 2002, 342; GK-AuslR, RdNr. 166 zu § 45, RdNr. 10 zu § 47).
Denn es kommt für die Beurteilung einer Ausweisungsverfügung auf die Sach- und Rechtslage im Zeitpunkt der letzten Behördenentscheidung an (vgl. BVerwG, 29.11.1989 - 1 B 418.87 -, Buchholz 402.24 § 10 AuslG 1965 Nr. 57; 20.05.1980 - 1 C 82.76 -, BVerwGE 60, 133 = EZAR 120 Nr. 2; 16.10.1989 - 1 B 106.89 -, EZAR 124 Nr. 11 = Buchholz 402.24 § 10 AuslG 1965 Nr. 119. Zur Rechtslage nach dem neuen Ausländergesetz: BVerwG, 12.12.1991 - 1 B 157.91 -, Buchholz 402.24 § 95 AuslG 1990 Nr. 3; 17.11.1994 - 1 B 224.94 -, InfAuslR 1995, 150; Hess. VGH, 20.10.1992 - 12 TH 1509/92 -, EZAR 034 Nr. 1 = InfAuslR 1993, 50).
Vielmehr kann diese bei der anzustellenden prognostischen Entscheidung von Bedeutung sein, eine rechtliche Bindung besteht aber nicht (BVerwG, 17.10.1984 - 1 B 61.84 -, EZAR 121 Nr. 5 = DVBl. 1985, 570; Hess. VGH, 20.10.1992 - 12 TH 1509/92 -, EZAR 034 Nr. 1 = InfAuslR 1993, 50).
Ein Fall der Regelausweisung nach § 47 Abs. 2 Nr. 1 AuslG ist allerdings nicht gegeben, da die wegen dieser Rechtsverstöße gegenüber dem Antragsteller verhängte Jugendstrafe keine "Freiheitsstrafe" im Sinne dieser Vorschrift ist (vgl. VGH Bad.-Württ., Beschl. v. 3.12.1992 -11 S 2281/92- und v. 2.5.1992 NVwZ-RR 1992, 582; OVG Hamburg, Beschl. v. 21.10.1992 InfAuslR 1993, 73; Hess. VGH, Beschl. v. 20.10.1992 InfAuslR 1993, 50; OVG Koblenz, Beschl. v. 16.1.1991 InfAuslR 1991, 158; a.A. Bay.VGH, Beschl. v. 24.10.1991 InfAuslR 1992, 45, und OVG Nordrhein-Westfalen, Beschl. v. 12.2.1991 InfAuslR 1991, 187).
Angesichts dieser Sachlage bestehen für die Annahme einer gesteigerten Wiederholungsgefahr im Sinne einer erhöhten Gefährdung keine hinreichenden Anhaltspunkte (vgl. zu ähnlichen Konstellationen: HessVGH, Beschluss vom 20.10.1992 - 12 TH 1509/92 -, InfAuslR 1993, 50; OVG Hamburg, Beschluss vom 24.2.2005 - 4 Bf 206/03 -, InfAuslR 2005, 255 [257]).
Die Betrachtungsweise der Ausländerbehörde und des Verwaltungsgerichts mag bei Personen angebracht sein, die entweder wegen mehrmaliger (einschlägiger) Straftaten verurteilt sind oder denen über die begangene Einzelstraftat hinaus andere persönliche Umstände entgegengehalten werden können, welche die Gefahr einer erneuten Straftat über ein allgemein bestehendes theoretisches Wiederholungsrisiko hinaus erhöhen (vgl. hierzu HessVGH, Beschluss vom 20.10.1992 - 12 TH 1509/92 -, InfAuslR 1993, 50 [53]).
Auch nach dem neuen Ausländergesetz kommt es nämlich für die Beurteilung einer Ausweisungsverfügung auf die Sach- und Rechtslage im Zeitpunkt der letzten Behördenentscheidung an (BVerwG, 17.11.1994 - 1 B 224.94 -, InfAuslR 1995, 150; Hess. VGH, 20.10.1992 - 12 TH 1509/92 -, EZAR 034 Nr. 1 = InfAuslR 1993, 50).
Angesichts dieser Sachlage bestehen für die Annahme einer gesteigerten Wiederholungsgefahr im Sinne einer erhöhten Gefährdung keine hinreichenden Anhaltspunkte (vgl. zu ähnlichen Konstellationen: Hess.VGH, Beschluss vom 20.10.1992 - 12 TH 1509/92 -, InfAuslR 1993, 50; OVG Hamburg, Beschluss vom 24.2.2005 - 4 Bf 206/03 -, InfAuslR 2005, 255 [257]).
Die Betrachtungsweise der Ausländerbehörde und des Verwaltungsgerichts mag bei Personen angebracht sein, die entweder wegen mehrmaliger (einschlägiger) Straftaten verurteilt sind oder denen über die begangene Einzelstraftat hinaus andere persönliche Umstände entgegengehalten werden können, welche die Gefahr einer erneuten Straftat über ein allgemein bestehendes theoretisches Wiederholungsrisiko hinaus erhöhen (vgl. hierzu Hess.VGH, Beschluss vom 20.10.1992 - 12 TH 1509/92 -, InfAuslR 1993, 50 [53]).
Die Gegenauffassung (VGH Kassel, Beschl. v. 20.10.1992, InfAuslR 1993 S. 50, 51 f.;… GK-AuslR § 45 AuslG Rdnr. 166, § 47 AuslG Rdnr. 7;… ferner Renner, Ausländerrecht in Deutschland, 1998, § 38 Rdnr. 12 ff.) berücksichtigt nicht hinreichend die Möglichkeit, den gemeinschaftsrechtlichen Schutz vor Ausweisung innerhalb des mit dem Ausländergesetz 1990 geschaffenen Systems von Ausweisungsgründen zu gewährleisten; ihr ist der Beschwerdesenat deshalb schon bisher nicht gefolgt (vgl. die Nachweise im Beschl. v. 14.8.2000 -- 3 Bs 169/00).
Die bereits vor dem Verwaltungsgericht nur noch in diesem Umfang angegriffene Verfügung der Ausländerbehörde des Landrates des kreises in der Fassung des Widerspruchsbescheides des Regierungspräsidiums ist rechtswidrig und verletzt den Kläger in seinen Rechten (§ 113 Abs. 1 VwGO), wobei für die Beurteilung der Sach- und Rechtslage auf den Zeitpunkt des Erlasses des Widerspruchsbescheides abzustellen ist (vgl. BVerwG, 17.11.1994 - 1 B 224.94 -, InfAuslR 1995, 150; BVerwG, 16.10.1989 - 1 B 106.89 -, EZAR 124 Nr. 11 = Buchholz 402.24 § 10 AuslG Nr. 119; Hess. VGH, 20.10.1992 - 12 TH 1509/92 -, EZAR 034 Nr. 1).