Source: https://openjur.de/u/325857.html
Timestamp: 2017-11-18 14:04:02
Document Index: 229177707

Matched Legal Cases: ['§ 2', '§ 15', '§ 26', '§ 2', '§ 2', '§ 1', '§ 2', '§ 3', '§ 15', '§ 22', '§ 27', '§ 29', '§ 29', '§ 1', '§ 15', '§ 64', '§ 519', '§ 64', '§ 2', '§ 1', '§ 35', '§ 2', '§ 2', '§ 305', '§ 305', '§ 307', '§ 15', '§ 8', '§ 2', '§ 1', '§ 15', '§ 26', '§ 15', '§ 15', '§ 15', '§ 26', '§ 15', '§ 26', '§ 9', '§ 8', '§ 1', '§ 1', '§ 3', '§ 520', '§ 519', '§ 14', 'BGH', '§ 256', '§ 256', 'BGH', '§ 256', '§ 22', '§ 92', '§ 72']

LAG Niedersachsen, Urteil vom 23. August 2010 - Az. 9 Sa 1616/09
Urteil vom 23. August 2010 - Az. 9 Sa 1616/09
LAG Niedersachsen · Urteil vom 23. August 2010 · Az. 9 Sa 1616/09
9 Sa 1616/09
openJur 2012, 50870
Auf die Berufung der KlÃ¤gerin wird das Urteil des Arbeitsgerichts Hannover vom 24.11.2009, Az.: 13 Ca 22/09, unter ZurÃ¼ckweisung der Berufung im Ãœbrigen teilweise abgeÃ¤ndert und wie folgt gefasst:
Die Beklagte wird verurteilt, an die KlÃ¤gerin 761,05 Euro brutto zuzÃ¼glich Zinsen in HÃ¶he von 5 Prozentpunkten Ã¼ber dem Basiszinssatz seit dem 01.08.2008 zu zahlen.
Die Kosten des Rechtsstreits haben die KlÃ¤gerin zu 57 %, die Beklagte zu 43 % zu tragen.
Die Revision wird fÃ¼r die Beklagte, jedoch nicht fÃ¼r die KlÃ¤gerin zugelassen.
Die Parteien streiten Ã¼ber eine Einmalzahlung fÃ¼r das Jahr 2008 in unstreitiger HÃ¶he. Die KlÃ¤gerin ist auf Grund ihres Dienstvertrages (Bl. 6 f. d. A.) seit 01.01.1992 als Mitarbeiterin zunÃ¤chst des Vereins fÃ¼r Gemeindediakonie A-Stadt e. V., nach Rechtsnachfolge der Beklagten mit einer monatlichen Mindestarbeitszeit von zuletzt 140 Stunden beschÃ¤ftigt. Â§ 2 des Dienstvertrages lautet:
"FÃ¼r das DienstverhÃ¤ltnis gelten das gemeinsame Mitarbeitergesetz vom 14.03.1978 (kirchliches Amtsblatt D-Stadt Seite 33 und die Dienstvertragsordnung vom 16.05.1983 (kirchliches Amtsblatt D-Stadt Seite 65) in der jeweils geltenden Fassung."
Die fÃ¼r die Ausgestaltung der Dienstvertragsordnung zustÃ¤ndige Arbeits- und Dienstrechtliche Kommission hat am 10.06.2008 u. a. folgenden Beschluss gefasst:
"Arbeitsrechtsregelung zur Ã„nderung der Dienstvertragsordnung und zur GewÃ¤hrung von Einmal- und Ausgleichszahlungen sowie der GewÃ¤hrung einer Jahressonderzahlung 2008
Aufgrund des Â§ 15 a des Kirchengesetzes der KonfÃ¶deration evangelischer Kirchen in Niedersachsen Ã¼ber die Rechtsstellung der Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen (Mitarbeitergesetz â€“ MG) vom 11. MÃ¤rz 2000 (Kirchl. Amtsbl. D-Stadt S. 92), zuletzt geÃ¤ndert durch das Kirchengesetz der KonfÃ¶deration evangelischer Kirchen in Niedersachsen zur Ã„nderung des Mitarbeitergesetzes vom 10. MÃ¤rz 2007 (Kirchl. Amtsbl. D-Stadt S. 131), hat die Arbeits- und Dienstrechtliche Kommission Folgendes beschlossen:
60. Ã„nderung der Dienstvertragsordnung
Auf Grund des Â§ 26 Abs. 2 des Kirchengesetzes der KonfÃ¶deration evangelischer Kirchen in Niedersachsen Ã¼ber die Rechtsstellung der Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen (Mitarbeitergesetz â€“ MG) vom 11. MÃ¤rz 2000 (Kirchl. Amtsblatt D-Stadt Seite 92), zuletzt geÃ¤ndert durch das Kirchengesetz der KonfÃ¶deration evangelischer Kirchen in Niedersachsen zur Ã„nderung des Mitarbeitergesetzes vom 10. MÃ¤rz 2007 (Kirchl. Amtsblatt D-Stadt Seite 131), hat die Arbeits- und Dienstrechtliche Kommission die Dienstvertragsordnung vom 16. Mai 1983 in der Fassung der Bekanntmachung vom 13. September 2000 (Kirchl. Amtsblatt D-Stadt Seite 161), zuletzt geÃ¤ndert durch die 59. Ã„nderung der Dienstvertragsordnung vom 26. November 2007 (Kirchl. Amtsblatt D-Stadt Seite 242), wie folgt geÃ¤ndert:
1. Es wird folgender Â§ 2 b eingefÃ¼gt:
"Â§ 2 b Â ZuwendungstarifvertrÃ¤ge
Die TarifvertrÃ¤ge Ã¼ber eine Zuwendung sind nicht anzuwenden".
Artikel 2 Â Arbeitsrechtsregelung Ã¼ber Einmal- und Ausgleichszahlungen und die GewÃ¤hrung einer Jahressonderzahlung 2008 (ARR â€“ Einmalzahlungen)
Â§ 1 Einmalzahlung im Jahr 2008
(1) Mitarbeiterinnen, deren DienstverhÃ¤ltnis unter den Geltungsbereich der Dienstvertragsordnung fÃ¤llt, erhalten mit den BezÃ¼gen fÃ¼r den Monat Juli 2008 folgende Einmalzahlung:
Mitarbeiterinnen in den VergÃ¼tungs -/Lohngruppen
VergGr. X bis Vc, Â Â Â Â Â Â Â Â Â Â Â Â Â Â Â Â Â Â Â VergGr. Kr. I bis Va, Â Â Â Â Â Â Â Â Â Â Â Â Â Â Â Â Â Â Â LohnGr. 1 bis 8Â° Â Â Â Â Â Â Â Â Â Â Â 910 Euro Â Â Â Â Â Â Â Â Â Â Â Â Â Â Â Â Â Â Â Â Â Â Â Â Â Â Â VergGr. Vb bis III, Â Â Â Â Â Â Â Â Â Â Â Â Â Â Â Â Â Â Â VergGr. lib, Â Â Â Â Â Â Â Â Â Â Â Â Â Â Â Â Â Â Â VergGr. lia nach Aufstieg aus VergGr. III und kÃ¼nftiger Zuordnung zur E 12, Â Â Â Â Â Â Â Â Â Â Â VergGr. Kr. VI bis XIII, Â Â Â Â Â Â Â Â Â Â Â Â Â Â Â Â Â Â Â LohnGr. 9 Â Â Â Â Â Â Â Â Â Â Â 610 Euro Â Â Â Â Â Â Â Â Â Â Â Â Â Â Â Â Â Â Â Â Â Â Â Â Â Â Â VergGr. IIa (ohne Aufstieg aus VergGr. III), Â Â Â Â Â Â Â Â Â Â Â VergGr. Ib bis I Â Â Â Â Â Â Â Â Â Â Â 210 Euro Â Â Â Â Â Â Â Â Â Â Â (2) Mitarbeiterinnen, auf deren DienstverhÃ¤ltnis einer der nachstehenden TarifvertrÃ¤ge Anwendung findet
a) Manteltarifvertrag fÃ¼r Auszubildende (Mantel-TV Azubi),
b) Tarifvertrag Ã¼ber die Regelung der Arbeitsbedingungen der Praktikantinnen/Praktikanten (TV Prakt),
erhalten mit den BezÃ¼gen fÃ¼r den Monat Juli 2008 eine Einmalzahlung in HÃ¶he von 300 Euro.
Â§ 2 Ausgleichszahlung fÃ¼r das Jahr 2008
(1) Die Mitarbeiterinnen, deren DienstverhÃ¤ltnis unter den Geltungsbereich der Dienstvertragsordnung fÃ¤llt, erhalten eine Ausgleichszahlung fÃ¼r jeden Kalendermonat des Jahres 2008 in HÃ¶he von 2,9 v. H. (= 34,8 v. H.) der Bemessungsgrundlage nach Absatz 2. Die Auszahlung erfolgt in zwei TeilbetrÃ¤gen, mit den BezÃ¼gen fÃ¼r den Monat August 2008 fÃ¼r das erste Kalenderhalbjahr 2008 und mit den BezÃ¼gen fÃ¼r den Monat Dezember 2008 fÃ¼r das zweite Kalenderhalbjahr 2008.
Â§ 3 Jahressonderzahlung 2008
(1) Mitarbeiterinnen, deren DienstverhÃ¤ltnis unter den Geltungsbereich der Dienstvertragsordnung fÃ¤llt und die am 1. Dezember 2008 im DienstverhÃ¤ltnis stehen, haben Anspruch auf eine Jahressonderzahlung.
(2) Die Jahressonderzahlung betrÃ¤gt bei Mitarbeiterinnen in den VergÃ¼tungs/Lohngruppen
Â§ 15 a des Kirchengesetzes der KonfÃ¶deration evangelischer Kirchen in Niedersachsen Ã¼ber die Rechtsstellung der Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen (Mitarbeitergesetz-MG) vom 11.03.2000 in der Fassung vom 10.03.2000 lautet:
"Arbeitsrechtsregelungen
Arbeitsrechtsregelungen sind die BeschlÃ¼sse der Arbeits- und Dienstrechtlichen Kommission in den FÃ¤llen der Â§Â§ 22 und 26 sowie die im Wege des Â§ 27 Ã¼bernommenen Regelungen, ferner die BeschlÃ¼sse und Entscheidungen der Schlichtungskommission nach Â§ 29 sowie die Regelungen, die durch einstimmige Annahme eines Beschlusses der Schlichtungskommission gemÃ¤ÃŸ Â§ 29 Abs. 5 zustande kommen.
Arbeitsrechtsregelungen nach Â§ 1 sind verbindlich und wirken normativ.
Es dÃ¼rfen nur DienstvertrÃ¤ge abgeschlossen werden, die den Arbeitsrechtsregelungen nach Absatz 1 entsprechen."
In dem Mitarbeitergesetz vom 14.03.1978 war Â§ 15 a nicht enthalten.
Mit am 13.01.2009 beim Arbeitsgericht Hannover eingegangener Klage, der Beklagten am 17.01.2009 zugestellt, verlangt die KlÃ¤gerin die ihr anteilig in unstreitiger HÃ¶he zustehende Einmalzahlung fÃ¼r das Jahr 2008 sowie die Feststellung der Anwendung der BeschlÃ¼sse der arbeits- und dienstrechtlichen Kommission auf ihr ArbeitsverhÃ¤ltnis.
die Beklagte zu verurteilen, an die KlÃ¤gerin 761,05 Euro brutto zuzÃ¼glich Zinsen in HÃ¶he von 5 Prozentpunkten Ã¼ber dem Basiszinssatz seit dem 01.08.2008 zu zahlen.
festzustellen, dass auf das ArbeitsverhÃ¤ltnis der Parteien die BeschlÃ¼sse der Arbeits- und Dienstrechtlichen Kommission der KonfÃ¶deration ev. Kirchen in Niedersachsen in der jeweils geltenden Fassung Anwendung finden.
Die Beklagte hat die Auffassung vertreten, dass der KlÃ¤gerin die Einmalzahlung 2008 nicht zustehe, weil sie nicht unter den Geltungsbereich der Dienstvertragsordnung falle. Auch aus der vertraglichen Bezugnahme der Dienstvertragsordnung ergebe sich nichts Anderes, weil Artikel 2 des Beschlusses der Arbeits- und Dienstrechtlichen Kommission vom 10.06.2008 nicht Teil der Dienstvertragsordnung sei.
Das Arbeitsgericht hat die Klage abgewiesen. FÃ¼r den Inhalt der EntscheidungsgrÃ¼nde wird auf das Urteil vom 24.11.2009 verwiesen.
Gegen das der KlÃ¤gerin am 26.11.2009 zugestellte Urteil wendet sich ihre am 18.12.2009 per Fax-Schriftsatz eingegangene Berufung, die mit am 26.01.2010 eingegangenem Fax-Schriftsatz begrÃ¼ndet wurde.
Die KlÃ¤gerin verweist zunÃ¤chst darauf, dass der Arbeitsvertrag als allgemeine GeschÃ¤ftsbedingung der Inhaltskontrolle unterliege. Sie behauptet, dass bislang immer alle BeschlÃ¼sse der Arbeits- und Dienstrechtlichen Kommission auf ihr ArbeitsverhÃ¤ltnis angewendet worden seien. Aus der Inbezugnahme des Arbeitsvertrages auf die Dienstvertragsordnung folge, dass sie auch unter den Geltungsbereich der Dienstvertragsordnung falle. Dies gelte schon deswegen, weil die Dienstvertragsordnung keine normative Wirkung habe. Hinsichtlich des Feststellungsantrages vertritt sie die Auffassung, dass es sich nicht um einen Globalantrag handele, weil grundsÃ¤tzlich alle BeschlÃ¼sse auf das ArbeitsverhÃ¤ltnis anzuwenden seien, unabhÃ¤ngig davon welche konkrete inhaltliche Regelung sie im Einzelfall hÃ¤tten.
unter AbÃ¤nderung des Urteils des Arbeitsgerichts Hannover vom 24.11.2009 (Az.: 13 Ca 22/09)
Die Beklagte verteidigt das arbeitsgerichtliche Urteil nach MaÃŸgabe ihrer Berufungserwiderung. Auf den Schriftsatz vom 01.04.2010 wird Bezug genommen.
Die Berufung, die sich gegen die Abweisung des Klageantrages zu 1 richtet, ist ohne Weiteres zulÃ¤ssig. Sie ist form- und fristgerecht eingelegt worden und statthaft (Â§Â§ 64, 66 ArbGG, Â§Â§ 519, 520 ZPO). Die Statthaftigkeit der Berufung im Sinne des Â§ 64 Abs. 2 b ArbGG folgt daraus, dass die KlÃ¤gerin insgesamt auf Grund der Abweisung des Feststellungsantrages mit einem Wert des Beschwerdegegenstandes, der 600,00 Euro Ã¼bersteigt, beschwert ist. Der Feststellungsantrag ist vom Arbeitsgericht zutreffend mit 1.000,00 Euro festgesetzt worden. Insgesamt ist die KlÃ¤gerin mit 1.544,00 Euro beschwert.
Die KlÃ¤gerin hat Anspruch auf die Einmalzahlung fÃ¼r das Jahr 2008 in unstreitiger HÃ¶he. Der Anspruch folgt aus Â§ 2 des Dienstvertrages der KlÃ¤gerin i. V. m. Artikel 2 Â§ 1 Abs. 1 des Beschlusses der Arbeits- und Dienstrechtlichen Kommission Ã¼ber die Arbeitsrechtsregelungen vom 10.06.2008.
Die HÃ¶he des eingeklagten Betrages ist unstreitig und rechnerisch zutreffend. Die KlÃ¤gerin ist in VergÃ¼tungsgruppe VIII BAT eingruppiert, so dass ihr entsprechend ihrer Arbeitszeit 140/167 Einmalzahlung von 910,00 Euro zustehen.
Der Anspruch ist innerhalb der Ausschlussfrist gemÃ¤ÃŸ Â§ 35 der Dienstvertragsordnung geltend gemacht worden.
Der Anspruch folgt aus der Inbezugnahme der Dienstvertragsordnung in Â§ 2 des Dienstvertrages.
Das ergibt die Auslegung des Arbeitsvertrages. Bei der Verweisungsklausel in Â§ 2 des Arbeitsvertrages handelt es sich um eine allgemeine GeschÃ¤ftsbedingung im Sinne von Â§ 305 Abs. 1 BGB, die der Inhaltskontrolle entsprechend den Â§Â§ 305 ff. BGB unterliegt. Die Bezugnahmeklausel ist nur einer eingeschrÃ¤nkten Inhaltskontrolle zugÃ¤nglich, da die Verweisungsklausel selbst keinen eigenen kontrollfÃ¤higen Inhalt hat. Den Anforderungen des Transparenzgebotes des Â§ 307 Abs. 1 Satz BGB genÃ¼gt sie (vgl. BAG vom 18.11.2009, 4 AZR 493/08, NZA 2010, Seite 599 ff. Rn. 19 ff.). Sie ist hinreichend bestimmbar, weil sie vom Wortlaut eindeutig auf die Dienstvertragsordnung in der jeweils geltenden Fassung und das Mitarbeitergesetz verweist. Dieser Bestimmbarkeit steht auch nicht entgegen, dass in einem weiteren Schritt geprÃ¼ft werden muss, ob der Beschluss der Dienst- und Arbeitsrechtlichen Kommission Inhalt der Dienstvertragsordnung ist oder nicht. Das ist eine Frage der Auslegung des Beschlusses, nicht des Arbeitsvertrages.
Durch den Hinweis auf das Mitarbeitergesetz vom 14.03.1978 werden keine inhaltlichen arbeitsrechtlichen Regeln in Bezug genommen, da das Mitarbeitergesetz â€“ unabhÃ¤ngig davon dass Â§ 15 a des Mitarbeitergesetzes zum Zeitpunkt des Arbeitsvertragsschlusses noch nicht in Kraft war â€“ keine materiellen Arbeitsbedingungen enthÃ¤lt. Es regelt Ã¼berwiegend organisatorische Fragen, z. B. in welchem Verfahren und durch welche ZustÃ¤ndigkeiten Arbeitsrechtsregelungen beschlossen werden. Bereits Â§ 8 des Mitarbeitergesetzes aus dem Jahre 1978 sah vor, dass DienstvertrÃ¤ge nach den Bestimmungen der Dienstvertragsordnung abgeschlossen werden, die nach den Vorschriften des Kirchengesetzes in Kraft treten. Dabei kommt es nicht darauf an, ob das Mitarbeitergesetz vom 11.03.2000 auf das ArbeitsverhÃ¤ltnis der KlÃ¤gerin anzuwenden ist bzw. vom Arbeitsvertrag in Bezug genommen wird. MaÃŸgeblich ist, dass die Arbeits- und Dienstrechtliche Kommission nach den Vorschriften des Mitarbeitergesetzes tÃ¤tig wird und die hierdurch beschlossenen Regelungen der Dienstvertragsordnung auf das ArbeitsverhÃ¤ltnis durch Inbezugnahme Ã¼ber den Arbeitsvertrag anzuwenden ist.
Â§ 2 des Dienstvertrages nimmt auch Artikel 2 Â§ 1 des Beschlusses der Arbeits- und Dienstrechtlichen Kommission vom 10.06.2008 in Bezug. Die BeschlÃ¼sse der Dienst- und Arbeitsrechtlichen Kommission sind, obwohl sie keine normative Wirkung entfalten als Kollektivvereinbarungen besonderer Art nach den fÃ¼r die Tarifauslegung maÃŸgebenden GrundsÃ¤tzen auszulegen (BAG vom 18.11.2009 a. a. O. Rn. 29 fÃ¼r die Auslegung von Arbeitsvertragsrichtlinien).
Der Beschluss der Arbeits- und Dienstrechtlichen Kommission ist insgesamt mit der Ãœberschrift Arbeitsrechtsregelung zur Ã„nderung der Dienstvertragsordnung und zur GewÃ¤hrung von Einmal- und Ausgleichszahlungen sowie der GewÃ¤hrung einer Jahressonderzahlung 2008 Ã¼berschrieben. Die Kommission selbst bringt im Eingangssatz zum Ausdruck, dass sie auf Grund Â§ 15 a des Mitarbeitergesetzes die folgenden BeschlÃ¼sse Ã¼ber Artikel 1 bis 3 erfasst. Folgerichtig wird die in der Dienstvertragsordnung enthaltene Verweisung auf die ZuwendungstarifvertrÃ¤ge des Ã¶ffentlichen Dienstes zunÃ¤chst aufgehoben, weil in Artikel 2 die Einmal- und Ausgleichszahlungen und Jahressonderzahlungen neu geregelt werden. Es handelt sich hierbei um eine Ã„nderung der Dienstvertragsordnung im Sinne des Â§ 26 Abs. 2 Mitarbeitergesetz. Nach dem Inhalt der Gesamtregelung handelt es sich sowohl bei der Aufhebung der ursprÃ¼nglichen Verweisung auf die ZuwendungstarifvertrÃ¤ge in der Dienstvertragsordnung als auch bei der Neuregelung in Artikel 2 des Beschlusses um Regelungen der Dienstvertragsordnung. Die Dienst- und Arbeitsrechtliche Kommission selbst geht davon aus, dass sie auf Grund Â§ 15 a Mitarbeitergesetz tÃ¤tig wird. Dass die Kommission selbst ihre BeschlÃ¼sse fÃ¼r normativ hÃ¤lt, ist dabei unbeachtlich. Bereits aus dem Wortlaut des Â§ 15 a Mitarbeitergesetz folgt zumindest nicht eindeutig, dass den BeschlÃ¼ssen kirchenrechtlich normative Wirkung zukommen soll, denn Â§ 15 a Abs. 2 MG sieht einerseits verbindliche und normative Wirkung fÃ¼r Arbeitsrechtsregelungen vor, 15 a Abs. 3 Mitarbeitergesetz wiederum verlangt jedoch, dass die DienstvertrÃ¤ge den Arbeitsrechtsregelungen nach Abs. 1 entsprechen mÃ¼ssen, geht also offensichtlich von einer erforderlichen Inbezugnahme des Arbeitsvertrages aus. Das heiÃŸt, dass auch nach dem Mitarbeitergesetz eine arbeitsvertragliche Bezugnahme auf die Arbeitsrechtsregelungen erforderlich ist, damit sie im ArbeitsverhÃ¤ltnis Wirkung entfalten. Von dieser arbeitsvertraglichen Bezugnahme im Dienstvertrag der KlÃ¤gerin sind die BeschlÃ¼sse der Kommission vom 10.06.2008 erfasst.
Entgegen der Auffassung der Beklagten folgt aus der fehlenden Ãœberschrift zu Artikel 2 des Beschlusses vom 10.06.2008 und dem fehlenden Hinweis auf Â§ 26 Abs. 2 des Kirchengesetzes gegenÃ¼ber Artikel 1 auch nicht, dass die in Artikel 2 enthaltene Regelung keine Arbeitsrechtsregelung im Sinne der Dienstvertragsordnung sein soll. WÃ¼rde man dieser Auffassung folgen, hÃ¤tte dieses zur Folge, dass die Kommission inhaltliche Regelungen der Dienstvertragsordnung, auf die der Arbeitsvertrag Bezug nimmt, gemÃ¤ÃŸ Â§ 15 a, Â§ 26 Abs. 2 Mitarbeitergesetz aufheben kann, ohne Neuregelungen Ã¼ber VergÃ¼tungen und Sonderzahlungen zu treffen. Die Verweisung aus dem Arbeitsvertrag auf die Dienstvertragsordnung liefe dann leer. Das entspricht nicht den Vorgaben des Mitarbeitergesetzes, auf Grund dessen die Kommission tÃ¤tig war. Nach Â§ 9 Abs. 1 Mitarbeitergesetz werden die DienstvertrÃ¤ge nach den Bestimmungen einer Dienstvertragsordnung abgeschlossen, die nach den Vorschriften dieses Kirchengesetzes in Kraft tritt. Das ist unverÃ¤ndert gegenÃ¼ber Â§ 8 Mitarbeitergesetz 1978. Es ist zutreffend, dass die Arbeits- und Dienstrechtliche Kommission auch BeschlÃ¼sse fassen kann, die die Dienstvertragsordnung nicht betreffen. Bei einem einheitlichen Beschluss wie dem vom 10.06.2008, ist jedoch davon auszugehen, dass die Dienstvertragsordnung auch Artikel 2 umfassen sollte. Dass Artikel 2 nicht in die aktuelle Dienstvertragsordnung als Text aufgenommen wurde, steht der Qualifizierung der Regelung als Dienstvertragsordnung nicht entgegen. Es ist ohne weiteres nachvollziehbar, dass die Regelung, die nur fÃ¼r einmalige Zahlungen gelten sollte, nicht in die aktuelle Textfassung Ã¼bernommen wird.
Artikel 2 Â§ 1 Abs. 1 des Beschlusses der Arbeits- und Dienstrechtlichen Kommission Ã¼ber die Arbeitsrechtsregelungen vom 10.06.2008 erfasst auch das ArbeitsverhÃ¤ltnis der KlÃ¤gerin. Der Verweis auf den Geltungsbereich der Dienstvertragsordnung steht dem nicht entgegen. Es ist zutreffend, dass Â§ 1 Abs. 1 der Dienstvertragsordnung einen Geltungsbereich regelt: "Diese Dienstvertragsordnung ist auf alle privatrechtlichen DienstverhÃ¤ltnisse der MitarbeiterInnen anzuwenden, die von AnstellungstrÃ¤gern nach Â§ 3 des Mitarbeitergesetzes angestellt werden. AnstellungstrÃ¤ger sind die KonfÃ¶deration evangelischer Kirchen in Niedersachsen, die evangelisch-lutherische Landeskirche in D-Stadt, die evangelisch-lutherische Landeskirche D-Stadt, die evangelisch-lutherische Kirche in D-Stadt und die ihre Aufsicht unterstehenden KÃ¶rperschaften, Anstalten und Stiftungen des Ã¶ffentlichen Rechtes.". DarÃ¼ber fÃ¤llt die Beklagte unstreitig nicht. Der Geltungsbereich der Dienstvertragsordnung wird jedoch durch die Inbezugnahme im Dienstvertrag hergestellt. Ein Geltungsbereich der Dienstvertragsordnung existiert schon deswegen nicht, weil sie keine normative Wirkung hat. Damit unterfÃ¤llt die KlÃ¤gerin dem Geltungsbereich der Dienstvertragsordnung. Das galt bei Abschluss des Dienstvertrages und gilt auch fÃ¼r die Einmalzahlung im Jahre 2008 nach Rechtsnachfolge. Die Verweisung im Arbeitsvertrag gilt auch nach dem Ãœbergang des ArbeitsverhÃ¤ltnisses auf einen Rechtsnachfolger, da eine Ã„nderung des Arbeitsvertrages nicht vorgenommen wurde.
Die Berufung gegen die Abweisung des Feststellungsantrages zu 2) ist unbegrÃ¼ndet.
Die Berufung genÃ¼gt den Anforderungen des Â§ 520 Abs. 2 Nr. 2 â€“ 4 ZPO. Nach dieser Norm muss die BerufungsbegrÃ¼ndung, soweit hier von Interesse, die Bezeichnung der UmstÃ¤nde enthalten, aus denen sich die behauptete Rechtsverletzung und deren Erheblichkeit fÃ¼r die angefochtene Entscheidung ergibt. Allein schon aus der BerufungsbegrÃ¼ndung sollen Gericht und Gegner erkennen kÃ¶nnen, welche Gesichtspunkte der BerufungsklÃ¤ger seiner Rechtsverfolgung oder Rechtsverteidigung zu Grunde legen will (vgl. die BegrÃ¼ndung zur Neufassung des Â§ 519 ZPO durch das Gesetz vom 27.10.1933 zitiert bei KÃ¶rting in ACP 142 (936) Seite 104; BAG vom 14.12.2004, 1 AZR 504/03, NZA 2005, 818 und BAG vom 17.01.2007 â€“ 7 AZR 20/06, AP Nr. 30 zu Â§ 14 TzBfG Rn. 11; BAG vom 8.10.2008, 5 AZR 526/07, NZA 2008, 1429 Rn. 15; vgl. zum Revisionsrecht BAG vom 06.01.2004 â€“ 9 AZR 680/02 â€“ NZA 2004, 449 unter II 2 a der GrÃ¼nde). Die bloÃŸe Darstellung anderer Rechtsansichten ohne jede Auseinandersetzung mit den GrÃ¼nden des Urteils genÃ¼gt nicht den Anforderungen an eine ordnungsgemÃ¤ÃŸe BerufungsbegrÃ¼ndung (BAG vom 13.10.2009, 9 AZR 875/08, NZA 2010, 245/246, Rn. 12). Die KlÃ¤gerin setzt sich mit der Abweisung des Feststellungsantrages durch das Arbeitsgericht zwar nicht ausdrÃ¼cklich auseinander. Sie fÃ¼hrt aber mit der BerufungsbegrÃ¼ndung aus, dass nach ihrer Auffassung die BeschlÃ¼sse der Arbeits- und Dienstrechtlichen Kommission Anwendung finden und wendet sich damit zumindest konkludent gegen die Auffassung des Arbeitsgerichts, dass schon aus der Nichtgeltung des Beschlusses der Arbeit- und Dienstrechtlichen Kommission vom 10.06.2008 folge, dass es BeschlÃ¼sse der Kommission gÃ¤be, die auf das ArbeitsverhÃ¤ltnis nicht anzuwenden sind. Daraus folgt hinreichend, aus welchen GrÃ¼nden sie das Urteil des Arbeitsgerichts fÃ¼r unzutreffend hÃ¤lt. Es ist ausreichend, dass dies nur konkludent aus den GesamtausfÃ¼hrungen der KlÃ¤gerin folgt (vgl. BGH vom 27.9.2000, XII ZR 281/98, NJW-RR 2001 Seite 789).
Die Feststellungsklage ist unbegrÃ¼ndet.
Ob fÃ¼r den Feststellungsantrag das nach Â§ 256 Abs. 1 ZPO erforderliche Feststellungsinteresse besteht, ist zweifelhaft, das kann aber dahinstehen, da der Feststellungsantrag ohnehin unbegrÃ¼ndet ist. Im Rahmen einer Feststellungsklage kann die ZulÃ¤ssigkeit gemÃ¤ÃŸ Â§ 256 ZPO offen gelassen und die Klage mangels BegrÃ¼ndetheit abgewiesen werden. Das Feststellungsinteresse muss letztendlich nur bei der begrÃ¼ndeten Klage gegeben sein (BGH vom 14.3.1978, VI ZR 68/76, NJW 1978, 2031, BAG vom 12.2.2003, 10 AZR 299/02, NJW 2003, 1755; ZÃ¶ller/Greger, ZPO, 27. Aufl., Â§ 256 Rn. 7). Die besondere ZulÃ¤ssigkeitsvoraussetzung des Feststellungsinteresses soll lediglich verhindern, dass RechtsverhÃ¤ltnisse zum Gegenstand einer Klage gemacht werden, obwohl sie entweder der Feststellung Ã¼berhaupt nicht bedÃ¼rfen oder auf einfachem Wege geklÃ¤rt werden kÃ¶nnen. Dieser Gesichtspunkt ist ohne Bedeutung, wenn die Klage in der Sache keinen Erfolg hat. Da die Sachabweisung auch zur Entscheidung reif war, konnte die Kammer auch ein Sachurteil sprechen.
Das Arbeitsgericht hat zutreffend ausgefÃ¼hrt, dass es sich bei dem Antrag um einen Globalantrag handelt. Ein solcher umfassender Antrag kann nur begrÃ¼ndet sein, wenn es keine Fallkonstellation gibt, die er nicht erfasst. Das ist nicht der Fall. Aus den Â§Â§ 22 ff. des Mitarbeitergesetzes folgt, dass es BeschlÃ¼sse geben kann, die keine Arbeitsrechtsregelungen der privatrechtlich angestellten Mitarbeiter beinhalten. DarÃ¼ber hinaus mag es diverse BeschlÃ¼sse Ã¼ber Arbeitsrechtsregelungen geben, die das ArbeitsverhÃ¤ltnis der KlÃ¤gerin nicht tangieren, sondern gÃ¤nzlich andere Arbeitsbereiche betreffen, z. B. KindergÃ¤rten oder Ã„hnliches.
Wegen des Unterliegens der KlÃ¤gerin mit dem Feststellungsantrag waren die Kosten des Rechtsstreits anteilig gemÃ¤ÃŸ des Obsiegens und Unterliegens der Parteien zu verteilen (Â§Â§ 92 Abs. 1, 97 Abs. 1 ZPO). Die Revision war gemÃ¤ÃŸ Â§ 72 Abs. 2 Ziffer 2 ArbGG zuzulassen. Die 4. Kammer des Landesarbeitsgerichts Niedersachsen hat mit Urteil vom 22.04.2010 (4 Sa 1522/09) eine von diesem Urteil abweichende Entscheidung zu Ziffer 1 des Klageantrages getroffen. Die Revision war daher fÃ¼r die Beklagte zuzulassen.
gez. Dr. Hartwig
gez.Graubner
gez. Freiknecht
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