Source: http://www.sozialmedizin.wiki/rubrik:evidenz
Timestamp: 2018-03-24 17:46:00
Document Index: 20664805

Matched Legal Cases: ['§35', '§35', '§35', '§139', '§139', '§73']

Evidenz - Begriffsabgrenzung - Sozialmedizin.Wiki
Evidenz - Begriffsabgrenzung
Home » Kriterien - Beurteilungsgrundlagen » Evidenz - Begriffsabgrenzung
Erstellt von: niederstadt - am 18 Jan 2016 01:21 - Zuletzt geändert von niederstadt: 05 Mar 2018 23:31
Methodenbewertung des G-BA
Aktuelle Evidenzbewertungen • Evidenzbasierte Medizin • Evidenzquellen • Experimentelle Therapie • Heilversuch • Heuristik • Health Technology Assessment • Methodenbewertung des G-BA • Nutzenbewertung • Placebo • Plausibilität • Patienten-Nutzen • Qualität • Statistische Signifikanz • Wirksamkeit • Wirkung
Methode • Nutzenbewertung • Wirksamkeit • Wirkung • Patienten-Nutzen
Der ''Gemeinsame Bundesausschuss'' G-BA ist vom Gesetzgeber beauftragt zu entscheiden, welchen Anspruch gesetzlich Krankenversicherte auf ''medizinische oder medizinisch-technische Untersuchungs- und Behandlungsmethoden'' sowie auf medizinische Dienstleistungen (Heilmittel) haben. Im Rahmen eines ''strukturierten Bewertungsverfahrens'' überprüft der G-BA deshalb, ob Methoden oder Leistungen für eine ausreichende, zweckmäßige und wirtschaftliche Versorgung der Versicherten unter Berücksichtigung des allgemein anerkannten Stands der medizinischen Erkenntnisse erforderlich sind. Dem medizinischen Fortschritt sowie den besonderen Belangen behinderter und chronisch kranker Menschen soll der G-BA dabei Rechnung tragen2.
Die Grundsätze der Methodenbewertung durch den Gemeinsamen Bundesausschuss sind in der G-BA-Verfahrensordnung festgelegt. Die Durchführung der Methodenbewertungen des G-BA erfolgt durch den ''Unterausschuss Methodenbewertung''3 und führt in der Regel zu entsprechenden Richtlinien-Beschlüssen4 sowie in der Folge zu geänderten Richtlinien5.
Zu den Bewertungsgrundlagen der Arbeit des G-BA und seiner Unterausschüsse existiert eine Informationsseite innerhalb des Web-Präsenz des G-BA6.
• Methode • Methodenbewertung des G-BA • Nutzenbewertung • Wirksamkeit • Patienten-Nutzen
Die Wirkung eines Medikaments oder eines Medizinprodukts oder einer nicht-medikamentösen medizinischen Therapie ist nicht mit der therapeutischen Wirksamkeit gleichzusetzen.
Ein Arzneimittel beispielsweise kann eine pharmakologische Wirkung erzielen, die - z. B. biochemisch oder physikalisch - gemessen und nachgewiesen werden kann. In Studien kann die Wirkung als Effekt in einer Versuchsanordnung oder als statistisch signifikanter Unterschied zwischen Therapiegruppen gemessen werden.
Aus diesem Nachweis, dass das Medikaments oder Medizinprodukt oder die nicht-medikamentöse medizinische Therapie im Versuch bzw. in der Studie eine objektiv gemessene Wirkung bzw. einen statistisch signifikanter Unterschied zu einer anderen Therapie gezeigt hat, folgt nicht automatisch, dass Menschen, bei denen dieses Medikament oder dieses Medizinprodukt oder diese nicht-medikamentöse medizinische Therapie anschließend eingesetzt werden, einen tatsächlichen und nachhaltigen gesundheitlichen Nutzen aus der Behandlung haben werden.
Der Wissenschafts- und Medizinjournalist Marcus Anhäuser drückt dies in einem Beitrag in seinem Blog "Placeboalarm" auf der Plattform Scienceblog folgendermaßen aus:
"… ein Arzneimittel kann wirken, zugelassen sein, aber es nützt nichts7."
• Methode • Methodenbewertung des G-BA • Nutzenbewertung • Wirkung • Patienten-Nutzen
Wirksamkeit bezeichnet in der Evidenzbasierten Medizin prinzipiell die (positiven) Veränderungen im Gesundheitszustand, die als Folge der Wirkung eines Arzneimittels oder einer sonstigen medizinischen Behandlung eintreten.
Dabei sind verschiedene Facetten von Wirksamkeit in der deutschen Sprache normalerweise nicht voneinander zu trennen. Aus diesem Grunde werden von Anwendern der Evidenzbasierten Medizin oft englische Begriffe benutzt, um hier differenzieren zu können:
"Efficacy" oder Wirksamkeit dient der Beschreibung der unmittelbaren (und erwarteten oder erhofften) Ergebnisse einer Maßnahme unter Studienbedingungen; z. B. der erzielten Normalisierung der Herzfrequenz durch ein Medikament.
"Effectiveness" oder Effektivität dient der Beschreibung der Wirksamkeit einer Maßnahme unter Alltags-/Routinebedingungen und schließt auch langfristige gesundheitliche Effekte einer Therapie ein, die in zeitlich befristeten Studien nicht gezeigt werden können; wie z. B. die Auswirkungen der medikamentösen Herzfrequenz-Normalisierung auf das mittel- und langfristige Überleben oder auf die Häufigkeit des Auftretens relevanter zerebrale Durchblutungsstörungen bzw. Apoplexien.
"Efficiency" oder Effizienz beschreibt in der Evidenzbasierten Medizin das Verhältnis zwischen dem Aufwand und dem Ergebnis einer spezifischen Intervention (den benötigten Ressourcen, z.B. finanzieller, personeller, zeitlicher Aufwand).8
Andere deutsche Autoren aus dem Umfeld der Evidenzbasierten Medizin ziehen eine Abgrenzung zwischen Wirkung und Wirksamkeit auf der einen Seite und der Effectiveness bzw. dem Nutzenbegriff auf der anderen Seite vor, so z.B. Windeler und Antes in einem Beitrag, der auf den Webseiten des Deutschen Netzwerks Evidenzbasierte Medizin veröffentlicht ist9.
Auch der Wissenschafts- und Medizinjournalist Marcus Anhäuser folgt in einem Beitrag in seinem Blog "Placeboalarm" auf der Plattform Scienceblog den Definitionen von Nutzen als Effectiveness und Wirksamkeit als Efficacy, die in einem Beitrag auf Spiegel Online von dem Spiegel-Autor Markus Grill verwendet wurden10.
Siehe auch: Effektivität - Effizienz
Unter Evidenz-basierter Medizin (EbM) oder evidenzbasierter Praxis im engeren Sinne versteht man eine Vorgehensweise des medizinischen Handelns, individuelle Patienten auf der Basis der besten zur Verfügung stehenden Daten zu versorgen. Diese Technik umfasst die systematische Suche nach der relevanten Evidenz in der medizinischen Literatur für ein konkretes klinisches Problem, die kritische Beurteilung der Validität der Evidenz nach klinisch-epidemiologischen Gesichtspunkten; die Bewertung der Größe des beobachteten Effekts sowie die Anwendung dieser Evidenz auf den konkreten Patienten mit Hilfe der klinischen Erfahrung und der Vorstellungen der Patienten.
Ein verwandter Begriff ist die evidenzbasierte Gesundheitsversorgung („Evidence-Based Health Care“), bei der die Prinzipien der EbM auf alle Gesundheitsberufe und alle Bereiche der Gesundheitsversorgung, einschließlich Entscheidungen zur Steuerung des Gesundheitssystems, angewandt werden.
Quelle: AG Glossar des DNEbM
Glossar zur Evidenzbasierten Medizin; mit direktem Link zum PDF des Glossar auf der Webseite des herausgegeben vom Deutschen Netzwerk Evidenzbasierte Medizin.
Was ist EbM - Erklärungen, Grundbegriffe, Literatur und Links auf den Webseiten des Deutschen Netzwerks Evidenzbasierte Medizin (DNEbM) e.V.
§35 Abs.1 SGB V (Bewertung von klinischen Studien nach methodischen Grundsätzen der evidenzbasierten Medizin)
§35a SGB V (Evidenzstufen von Studien)
§35b SGB V und §139a Abs.4 SGB V (Berücksichtigung anerkannter internationaler Standards der EbM durch das IQWiG)
§139a Abs.3 Ziffer 3 SGB V (Bewertung evidenzbasierter Leitlinien)
§73b SGB V (Hausärztliche Behandlung nach evidenzbasierten Leitlinien)
…berücksichtigt werden11."
Diese Parameter werden in der Bewertung durch das IQWiG allerdings nur anhand von Studiendaten erhoben, weshalb die langfristigen Auswirkungen auf das Leben der Patienten und die gesundheitlichen Ergebnisse unter Alltagsbedingungen ("effectiveness") in IQWiG-Bewertungen in der Regel nicht erfasst werden können12,13
In der Konferenz-Berichterstattung stellt die DGHO fest, dass traditionelle Endpunkte in onkologischen Studien wie das Gesamtüberleben und das progressionsfreie Überleben zwar weiterhin grundsätzlich wichtige Ergebnis-Parameter seien, jedoch nicht ausreichend zur Erfassung des Patienten-Nutzens. Notwendig seien vielmehr objektivierte Informationen darüber, wie Patienten eine Krebsbehandlung und ihre Folgen subjektiv erleben, in Form validierter Scores zur Erfassung der Lebensqualität14.
Link zu dem berühmten Grundsatz-Artikel von David Sackett, der das Wesen der Evidenzbasierten Medizin erklärt: Evidence based medicine: what it is and what it isn't
Hier können Sie auch gezielt nach Beiträgen suchen (Hilfe zur Suche):
Benutzerdefinierte Google-Suche nach wissenschaftlicher Evidenz:
2. Quelle: Informationen des G-BA zur Methodenbewertung
3. Aufgaben des Unterausschuss Methodenbewertung
4. Beschlüsse des Unterausschusses Methodenbewertung
5. Richtlinien des Unterausschusses Methodenbewertung
6. Bewertungsgrundlagen
7. Scienceblog-Beitrag von M. Anhäuser vom 27.09.2010. Eingesehen am 23.05.2014.
8. Quelle: Glossar zur Evidenzbasierten Medizin; herausgegeben vom Deutschen Netzwerk Evidenzbasierte Medizin.
9. Windeler W, Antes G. Efficacy und Effectiveness. Publikation des Deutschen Netzwerks Evidenzbasierte Medizin. Eingesehen am 23.05.2014
10. Scienceblog-Beitrag von M. Anhäuser vom 27.09.2010. Eingesehen am 23.05.2014.
11. Vortrag:Was wollen wir denn wissen? Patientenrelevante Endpunkte in den Bewertungen des IQWiG; von T. Kvitkina, gehalten auf dem 5. Forum Klinische Forschung ‐ am Uniklinikum Freiburg am 24.10.2013
12. Francke R, Hart D. Bewertungskriterien und -methoden nach dem SGB V. Medizinrecht. 2008 Jan; 26(1):2-24.
13. Fries S. Vom Nutzen der Definition des Nutzenbegriffs. Vortrag vom 23. März 2007. 8. Jahrestagung des Deutschen Netzwerks für Evidenzbasierte Medizin e.V. in Berlin.
14. 8. März 2013 - DGHO-Frühjahrstagung 2013:Patientennutzen stärker in den Fokus rücken