Source: https://www.rehadat-recht.de/de/kuendigung-entlassung/kuendigungsarten/personenbedingte-kuendigung/?infobox=/index.html&serviceCounter=1&wsdb=REC&connectdb=rechtsgrundlagen_detail&referenznr=R/R6885&from=1&anzahl=357&detailCounter=44&suche=index.html?themen=krankheitsbedingte+K%C3%BCndigung&artrec=urteil
Timestamp: 2020-07-07 10:19:56
Document Index: 311968625

Matched Legal Cases: ['§ 102', '§ 1', '§ 4', '§ 7', '§ 84', '§ 261', '§ 102', '§ 102', '§ 102']

BetrVG § 102 Abs. 1 / KSchG § 1 Abs. 1 und 2 / KSchG § 4 / KSchG § 7 / SGB IX § 84 Abs. 2 / ZPO § 261 Abs. 3 Nr. 1
1. Das Verfahrenshindernis der doppelten Rechtshängigkeit ist von Amts wegen auch noch in der Revisionsinstanz zu beachten. Das bedeutet nicht, dass das Revisionsgericht zur Amtsermittlung verpflichtet wäre, solange ein das Hindernis begründender Sachverhalt weder behauptet, noch gerichtsbekannt oder erkennbar wahrscheinlich ist.
2. Der Inhalt der Unterrichtung nach § 102 Abs. 1 Satz 2 BetrVG ist grds. subjektiv determiniert. Der Arbeitgeber muss dem Betriebsrat die Umstände mitteilen, die seinen Kündigungsentschluss tatsächlich bestimmt haben. Dem kommt er dann nicht nach, wenn er dem Betriebsrat einen schon aus seiner eigenen Sicht unrichtigen oder unvollständigen Sachverhalt unterbreitet. Dem steht es gleich, wenn der Arbeitgeber dem Betriebsrat für dessen Beurteilung bedeutsame, zuungunsten des Arbeitnehmers sprechende, objektiv unzutreffende Tatsachen mitteilt, von denen er selbst für möglich hält, dass sie nicht der Wahrheit entsprechen. Er stellt seinen Kenntnisstand in diesem Fall bewusst als umfassender dar, als er es in Wirklichkeit ist. Eine zwar vermeidbare, aber unbewusst und damit gutgläubig erfolget, 'bloß' objektive Fehlinformation stellt dagegen für sich genommen keinen Verstoß gegen § 102 Abs. 1 Satz 2 BetrVG dar.
3. Die subjektive Überzeugung des Arbeitgebers von der Relevanz oder Irrelevanz bestimmter Umstände ist für den Umfang der Unterrichtung nach § 102 Abs. 1 Satz 2 BetrVG nicht maßgeblich, wenn dadurch der Zweck der Betriebsratsanhörung verfehlt würde. Dieser besteht darin, den Betriebsrat in die Lage zu versetzen, sachgerecht auf die Willensbildung des Arbeitgebers einzuwirken. Der Arbeitgeber darf daher ihm bekannte Umstände, die sich bei objektiver Betrachtung zugunsten des Arbeitnehmers auswirken können, dem Betriebsrat nicht deshalb vorenthalten, weil sie für seinen eigenen Kündigungsentschluss nicht von Bedeutung waren.
ArbG Siegen Urteil vom 7.01.2014 - 3 Ca 1466/12 O
LAG Hamm (Westfalen) Urteil vom 5.08.2014 - 7 Sa 206/14
R/R6885
Rechtshängigkeit /
Therapieabbruch /