Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Text=II%20ZR%2073/06
Timestamp: 2019-12-05 20:30:52
Document Index: 152539482

Matched Legal Cases: ['BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 23', 'BGH', '§ 707', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 707', 'BGH']

BGH, 19.03.2007 - II ZR 73/06 - dejure.org
https://dejure.org/2007,384
BGH, 19.03.2007 - II ZR 73/06 (https://dejure.org/2007,384)
BGH, Entscheidung vom 19.03.2007 - II ZR 73/06 (https://dejure.org/2007,384)
BGH, Entscheidung vom 19. März 2007 - II ZR 73/06 (https://dejure.org/2007,384)
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Gesellschaftsvertragliche Nachschusspflicht muss bestimmt sein
Rechtmäßigkeit einer gesellschaftsvertraglichen Bestimmung zur Nachschussverpflichtung der einzelnen Gesellschafter "soweit bei der laufenden Bewirtschaftung der Grundstücke Unterdeckungen auftreten"; Anforderungen an das Bestehen eines ordnungsgemäßen ...
Zur Bestimmtheit der Nachschusspflicht im Gesellschaftsvertrag einer Publikumsgesellschaft
Zur Frage der Wirksamkeit der im Gesellschaftsvertrag einer Publikumsgesellschaft festgelegten Verpflichtung zu laufenden Nachschusszahlungen
Nachschusspflicht bei Immobilienfonds
Nachschusspflicht des Gesellschafters eines Immobilienfonds
Geschlossener Immobilienfonds (GbR) - besteht eine Nachschusspflicht auch ohne Gesellschafterbeschluss?
Nachschusspflicht bei Publikums- Gesellschaften
Nachschusspflicht bei einer Publikumsgesellschaft muss aus Gesellschaftsvertrag eindeutig hervorgehen und der Höhe nach bestimmt oder bestimmbar sein
Kurznachricht zu "Anmerkung zum Urteil des BGH vom 19.03.2007, Az.: II ZR 73/06 (Keine ausreichende Bestimmtheit der Nachschusspflicht in Gesellschaftsvertrag einer Immobilienfonds-GbR, "soweit bei der laufenden..)" von Dr. Carsten Jungmann, LL.M., original erschienen in: ZfIR ...
AG Berlin-Charlottenburg, 02.08.2005 - 208 C 145/05
LG Berlin, 30.01.2006 - 52 S 286/05
ZIP 2007, 872
Hierfür jedoch enthält der Gesellschaftsvertrag in § 23 zweifelsfreie und wirksame Regeln - was der Senat nach seiner ständigen Rechtsprechung als Revisionsgericht bei Publikumsgesellschaften selbst durch Auslegung ermitteln kann (vgl. dazu nur Sen. Urt. v. 19. März 2007 - II ZR 73/06, ZIP 2007, 812 Tz. 18; v. 7. Juni 1999 - II ZR 278/98, ZIP 1999, 1391, 1393 jew. m.w.Nachw.) -, die eben auch dazu führen können, dass keine Abfindung zu zahlen, sondern im Gegenteil der ausscheidende Gesellschafter ausgleichspflichtig ist.
a) Diese Feststellung kann der Senat selbst treffen, weil Gesellschaftsverträge von Publikumsgesellschaften objektiv auszulegen sind (st. Rspr.; vgl. BGH, Urteil vom 19. März 2007 - II ZR 73/06, ZIP 2007, 812 Rn. 18;… Urteil vom 1. März 2011 - II ZR 16/10, ZIP 2011, 957 Rn. 8;… Urteil vom 19. Juli 2011 - II ZR 153/09, ZIP 2011, 1906 Rn. 11;… Urteil vom 12. März 2013 - II ZR 73/11, ZIP 2013, 1222 Rn. 13 mwN).
Den Anforderungen an die Bestimmtheit bzw. Bestimmbarkeit weiterer neben die Einlagepflicht tretender Beitragslasten (sog. "gespaltene Beitragspflicht", s. zuletzt Sen.Urt. v. 19. März 2007 - II ZR 73/06, Tz. 17 m.w.Nachw.) trägt eine Vertragsgestaltung Rechnung, nach der sich aus dem Gesellschaftsvertrag i.V.m. der zugehörigen Beitrittserklärung die maximale Höhe (hier: durch Angabe eines "Netto-Gesamtaufwands") der den Gesellschafter treffenden Beitragspflicht ergibt.
In einem solchen Fall bedürfen die Festlegung der Höhe und die Einforderung der Beträge keines Gesellschafterbeschlusses, sondern sind Sache der Geschäftsführer (Sen.Urt. v. 19. März 2007 aaO m.w.Nachw.;… MünchKommBGB/Ulmer 4. Aufl. § 707 Rdn. 3).
Sollen über die eigentliche Beitragsschuld hinausgehende Beitragspflichten begründet werden, muss dies deswegen aus dem Gesellschaftsvertrag eindeutig hervorgehen (Sen.Urt. v. 19. März 2007 aaO;… v. 23. Januar 2006 - II ZR 126/04 aaO m.w.Nachw.).
Zudem muss auch im Falle einer derartigen Aufspaltung der Beitragspflicht die Höhe der laufenden Beiträge im Gesellschaftsvertrag zumindest in objektiv bestimmbarer Weise ausgestaltet sein (Sen.Urt. v. 19. März 2007 aaO;… v. 7. November 1960 aaO;… Münch KommBGB/Ulmer aaO Rdn. 2 f.).
Damit ist - entsprechend der ständigen Rechtsprechung des Senats (s. zuletzt Sen.Urt. v. 19. März 2007 aaO m.w.Nachw.) - in einer ausreichend objektiv bestimmbaren, den zukünftigen Entwicklungsmöglichkeiten Rechnung tragenden Weise die Höhe der Gesamtbelastung der Beklagten im Beitrittszeitpunkt fest vereinbart.
Dem steht nicht entgegen, dass Gesellschaftsverträge von Publikumsgesellschaften objektiv auszulegen sind (s. hierzu Sen.Urt. v. 19. März 2007 aaO m.w.Nachw.).
Soweit das Berufungsgericht in diesem Zusammenhang auch den Gesellschaftsvertrag der GbR heranzieht, kann der Senat die Auslegung selbständig vornehmen, da der Gesellschaftsvertrag einer Publikumsgesellschaft objektiv auszulegen ist (st.Rspr., vgl. nur BGH, Urteil vom 19. März 2007 - II ZR 73/06, ZIP 2007, 812 Rn. 18;… Urteil vom 11. Januar 2011 - II ZR 187/09, ZIP 2011, 322 Rn. 12 m.w.N.;… Urteil vom 1. März 2011 - II ZR 16/10, ZIP 2011, 957 Rn. 8).
Nach dem Inhalt des Gesellschaftsvertrags, den der Senat selbst auslegen kann (st. Rspr., siehe nur BGH, Urteil vom 16. Dezember 1991 - II ZR 58/91, BGHZ 116, 359, 364; Urteil vom 19. März 2007 - II ZR 73/06, ZIP 2007, 812 Rn. 18, jeweils mwN), und unter Berücksichtigung des Treuhandvertrags und der Beitrittserklärung des Klägers handelt es sich bei dem Rechtsverhältnis zwischen einerseits der Treuhandkommanditistin und der Beklagten und andererseits dem Kläger als Treugeber nicht um ein einfaches Treuhandverhältnis, sondern um eine von gesellschaftsrechtlichen Bindungen überlagerte Treuhandbeziehung.
Diese Auslegung des Gesellschaftsvertrages kann der Senat selbst vornehmen, weil der Gesellschaftsvertrag der Beklagten als Publikumsgesellschaft objektiv auszulegen ist (BGH, Urteil vom 7. Juni 1999 - II ZR 278/98, ZIP 1999, 1391, 1393; Urteil vom 19. März 2007 - II ZR 73/06, ZIP 2007, 812 Rn. 18 jeweils m.w.N.).
bb) Die Auslegung des Gesellschaftsvertrages der Klägerin, die der Senat, da es sich um eine Publikumsgesellschaft handelt, selbständig und objektiv vornehmen kann (vgl. nur BGH, Urteil vom 19. März 2007 - II ZR 73/06, ZIP 2007, 812 Rn. 8;… Urteil vom 11. Januar 2011 - II ZR 187/09, ZIP 2011, 322 Rn. 12 jeweils m.w.N.), ergibt, dass die Gesellschafter auch über die Feststellung der Auseinandersetzungsbilanz nicht einstimmig, sondern mit einfacher Mehrheit der Stimmen entscheiden.
Dies kann der Senat selbst feststellen, weil der Gesellschaftsvertrag der als Publikumsgesellschaft gestalteten Klägerin objektiv auszulegen ist (…st.Rspr., Sen. Urt. v. 16. November 1981 - II ZR 213/80, ZIP 1982, 54, 55; v. 19. März 2007 - II ZR 73/06, ZIP 2007, 812 Tz. 18 m.w.Nachw.).
Mangels wirksam erteilter antizipierter Zustimmung der Beklagten wäre sie nur dann zur Nachschussleistung verpflichtet worden, wenn sie den jeweiligen Gesellschafterbeschlüssen zugestimmt hätte (Sen.Urt. v. 19. März 2007 aaO Tz. 15; v. 4. Juli 2005 - II ZR 354/03, ZIP 2005, 1455, 1456).
Danach bedarf es für eine von § 707 BGB abweichende Verpflichtung des Mitglieds einer Gesellschaft bürgerlichen Rechts beziehungsweise eines eingetragenen Vereins zur Leistung von Nachschüssen in das Gesellschafts- oder Vereinsvermögens einer eindeutigen vertraglichen oder satzungsmäßigen Grundlage (siehe auch BGH, Urteile vom 19. März 2007 - II ZR 73/06 - NJW-RR 2007, 832, 833, Rn. 17;… vom 23. Januar 2006 - II ZR 126/04 - NJW-RR 2006, 829, 830 , Rn. 14 und vom 4. Juli 2005 - II ZR 354/03 -NJW-RR 2005, 1347, 1348) .