Source: https://steuerrecht-anwalt.berlin/verlustverrechnung-im-steuerrecht/
Timestamp: 2020-04-09 09:19:55
Document Index: 160077576

Matched Legal Cases: ['§ 2', '§ 22', '§ 20', '§ 20', '§ 20', '§ 20']

Verlustverrechnung im Steuerrecht? - Anwaltskanzlei Wudtke Berlin
Verlustverrechnung im Steuerrecht?
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Der Einkommensteuer unterliegen gemäß § 2 Abs. 1 Satz 1 EStG grundsätzlich sieben Einkunftsarten, nämlich die Einkünfte aus Land- und Forstwirtschaft, die Einkünfte aus Gewerbebetrieb, die Einkünfte aus selbständiger Arbeit, die Einkünfte aus nicht selbständiger Arbeit, die Einkünfte aus Kapitalvermögen, die Einkünfte aus Vermietung und Verpachtung und die sonstigen Einkünfte im Sinne des § 22 EStG. Besonders im Bereich der Einkünfte aus Gewerbebetrieb und Kapitalvermögen kommt es in der Praxis immer wieder zur Versagung der Verlustverrechnung durch das jeweils zuständige Finanzamt, jedoch trifft dies in vielen Fällen nicht zu.
Zurechnung möglich?
Zu den Einkünften aus Kapitalvermögen gehören gemäß § 20 Abs. 2 Satz 1 Nr. 3 EStG z.B. auch der Gewinn a) bei Termingeschäften, durch die der Steuerpflichtige einen Differenzausgleich oder einen durch den Wert einer veränderlichen Bezugsgröße bestimmten Geldbetrag oder Vorteil erlangt oder der Gewinn b) aus der Veräußerung eines als Termingeschäft ausgestalteten Finanzinstruments. Gemäß § 20 Abs. 4 Satz 1 EStG ist der Gewinn im Sinne des Absatzes 2 der Unterschied zwischen den Einnahmen aus der Veräußerung nach Abzug der Aufwendungen, die im unmittelbaren sachlichen Zusammenhang mit dem Veräußerungsgeschäft stehen, und den Anschaffungskosten. Zu den Einkünften aus Kapitalvermögen gehören somit nicht nur positive Gewinne, sondern auch negative Gewinne, sprich Verluste. Letztere aus Kapitalvermögen dürfen grundsätzlich gemäß § 20 Abs. 6 EStG nicht mit Einkünften aus anderen Einkunftsarten ausgeglichen werden. Soweit eine Einkunft der in Absatz 2 bezeichneten Art, also z.B. die oben genannte im Bereich der Termingeschäfte, jedoch der Einkunft aus zum Beispiel Gewerbebetrieb angehört, ist sie dieser Einkunft gemäß § 20 Abs. 8 EStG zuzurechnen. Geschäfte mit Wertpapieren werden somit grundsätzlich der privaten Vermögensverwaltung zugeordnet, jedoch bei Vorliegen besonderer Umstände kann auch eine Zuordnung zum Gewerbebetrieb des Steuerpflichtigen erfolgen.
Private oder betriebliche Handlung?
Bei der Prüfung, ob besondere Umstände für eine Zurechnung der Einkünfte aus Kapitalvermögen zu den Einkünften aus Gewerbebetrieb vorliegen, kommt es z.B. darauf an, ob der Steuerpflichtige ausschließlich auf eigene oder auf fremde Rechnung tätig war. Im ersteren Fall würde viel dafür sprechen, dass der Rahmen der privaten Vermögensverwaltung noch nicht überschritten ist. Ein weiteres Abgrenzungskriterium ist, ob sich der Steuerpflichtige mit seiner Tätigkeit an ein öffentliches Publikum gewandt hat oder ob lediglich ein begrenzter Personenkreis, wie etwa nahe Angehörige angesprochen wurde. Von besonderer Bedeutung ist auch die Frage, ob der Steuerpflichtige in seiner Branche tätig war. Eine Zurechnung zum Gewerbebetrieb des Steuerpflichtigen kann sich auch dann ergeben, wenn die gehandelten Papiere zum gewillkürten Betriebsvermögen gehören.