Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Gericht=OVG%20Nordrhein-Westfalen&Datum=11.05.1999&Aktenzeichen=20%20B%201464/98
Timestamp: 2019-07-20 10:53:35
Document Index: 333584521

Matched Legal Cases: ['Art. 4', '§ 19', 'Art. 4', 'Art. 6', 'Art. 4', 'Art. 6', 'Art. 4', '§ 19', 'Art. 1', 'Art. 4', 'EuG', 'EuG', 'Art. 4']

OVG Nordrhein-Westfalen, 11.05.1999 - 20 B 1464/98.AK - dejure.org
OVG Nordrhein-Westfalen, 11.05.1999 - 20 B 1464/98.AK
https://dejure.org/1999,1166
OVG Nordrhein-Westfalen, 11.05.1999 - 20 B 1464/98.AK (https://dejure.org/1999,1166)
OVG Nordrhein-Westfalen, Entscheidung vom 11.05.1999 - 20 B 1464/98.AK (https://dejure.org/1999,1166)
OVG Nordrhein-Westfalen, Entscheidung vom 11. Mai 1999 - 20 B 1464/98.AK (https://dejure.org/1999,1166)
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BNatSchG Art. 4 §§ 19a Abs. 2, 4 19b Abs. 5, 4 19c; Vogelschutz-RL Art. 4; FFH-RL Art. 6, 7
Qualifizierung eines Gebietes für den Vogelschutz
Verschmutzungen und (sonstige) Beeinträchtigungen der Lebensräume können genauso wie auf die Vögel einwirkende Belästigungen nach Art und Maß so geringfügig sein, dass sie im Hinblick auf den Schutzzweck und die Erhaltungsziele des jeweiligen Gebiets nicht ins Gewicht fallen (im Ergebnis ebenso bereits BVerwG…, Urteil vom 19. Mai 1998 - BVerwG 4 A 9.97 - a.a.O., S. 17; vgl. auch OVG Münster, NVwZ-RR 2000, 490 ).
vgl. BVerwG, Urteile vom 16. März 2006 - 4 A 1075.04 - und vom 27. Februar 2003 - 4 A 59.01 -, BVerwGE 118, 15, Beschluss vom 8. Oktober 2002, - 9 VR 16.02, 9 A 48.02 - OVG NRW, Beschluss vom 11. Mai 1999 - 20 B 1464/98.AK -, NuR 2000, 165.
vgl. OVG NRW, Beschluss vom 11. Mai 1999 - 20 B 1464/98.AK -, a.a.O.
In Anbetracht dieser Erwägungen kann der zuvor teilweise vertretenen anders lautenden Auffassung, dass die Schutzanforderungen des Art. 4 Abs. 4 Satz 1 VRL auch für noch nicht erklärte (faktische) Vogelschutzgebiete durch das weniger strenge Schutzregime des Art. 6 Abs. 2 bis 4 FFH-RL abgelöst worden seien (vgl. OVG Münster, Beschluss vom 11. Mai 1999, NVwZ-RR 2000, 490, 491 m.w.N.; ferner z.B. Halama, NVwZ 2001, 506, 513) nicht gefolgt werden.
Auch sonst findet die Auffassung, alle Vogelarten des Anhangs I der Vogelschutzrichtlinie seien als prioritäre Arten zu behandeln, weder in den beiden Richtlinien noch im Bundesnaturschutzgesetz eine Stütze (so auch: OVG NRW, Beschluss vom 11. Mai 1999 - Wahner Heide -, NuR 2000, S. 165, Rn. 51 ff.), ebenso wenig im rheinland-pfälzischen Landesnaturschutzgesetz.
Beachtung verdienen dabei Kriterien wie Eigenart und Größe des Gebiets, Anzahl der dort anzutreffenden durch Art. 4 Abs. 1 und 2 Vogelschutz-RL geschützten Arten, Größe der Bestände, vorhandene Störfaktoren, Vernetzung mit anderen schutzwürdigen Gebieten und Wertigkeit im Vergleich zu anderen Gebieten entsprechender Funktion (vgl. OVG Münster, Beschluss vom 11. Mai 1999 - 20 B 1464/98 AK - NuR 2000, 165 [168]; Jarass, NuR 1999, 481 [484f.]).
Sie bietet deshalb ein wichtiges Erkenntnismittel zur Beantwortung der Frage, ob ein Gebiet grundsätzlich eine besondere Eignung zur Ausweisung als Vogelschutzgebiet besitzt (OVG Münster, Beschluss vom 11. Mai 1999 - 20 B 1464/98 AK - NuR 2000, 165 [168]).
Vielmehr nahm er eine Einzelfallprüfung des Gebiets auf seine nachweisbare herausragende ornithologische Bedeutung vor (vgl. OVG Münster, Beschluss vom 11. Mai 1999 - 20 B 1464/98 AK - NuR 2000, 165).
Die Erhaltungsziele für Vogelschutzgebiete sind die Erhaltung oder Wiederherstellung eines günstigen Erhaltungszustandes (vgl. § 19 a Abs. 2 Nr. 7 b) BNatSchG a.F. sowie die 9. Begründungserwägung vor Art. 1 Vogelschutz-Richtlinie) der nach Art. 4 Abs. 1 und 2 Vogelschutz-Richtlinie geschützten Vogelarten und ihrer Lebensräume; dabei kommt es auf diejenigen Arten an, deren Vorkommen in dem fraglichen Gebiet dessen Qualifizierung als Vogelschutzgebiet trägt (vgl. OVG NW, Beschl. v. 11.05.1999 - 20 B 1464/98.AK -, NuR 2000, 165 (170)).
Angesichts des Ermessensspielraums, den der EuGH den Mitgliedstaaten bei der Auswahl der Gebiete zugesteht (vgl. außer den eben genannten Urteilen das Urt. des EuGH v. 19.5.1998 - Rs. C-3/96 -, UPR 1998, 379), ist dafür aber Voraussetzung, dass dem Gebiet eine deutlich herausgehobene ornithologische Bedeutung in der Weise zukommt, dass dieser Spielraum auf Null reduziert ist (Niedersächsisches OVG, Beschl. v. 4.12.1997 - 7 M 1155/97 -, NuR 1998, 92, 95; OVG Nordrhein-Westfalen, Beschl. v. 11.5.1999 - 20 B 1464/98.AK -, NuR 2000, 165; Rengeling, UPR 1998, 281, 282; Iven, UPR 1998, 361; Schink, UPR 1999, 417, 421).
Ob einem Gebiet eines solche Bedeutung zukommt, beurteilt sich entsprechend dem Schutzzweck der Vogelschutz-Richtlinie nach der Eigenart und Größe des Gebiets, der Anzahl der dort anzutreffenden durch Art. 4 Abs. 1 und 2 Vogelschutz-Richtlinie geschützten Arten, der Größe der Bestände, den vorhandenen Störfaktoren, der Vernetzung mit anderen schutzwürdigen Gebieten und der Wertigkeit im Vergleich zu anderen ähnlichen Gebieten (OVG Nordrhein-Westfalen, Beschl. v. 11.5.1999, a.a.O., S. 168).
BVerwG, Urteil vom 27.1.2000 - 4 C 2.99 -, a.a.O.; OVG NRW, Beschluss vom 11.5.1999 - 20 B 1464/98.AK -, NVwZ-RR 2000, 490 (zur Vogelschutzrichtlinie); VG Düsseldorf, Urteil vom 21.12.2000 - 4 K 6445/95 -, NVwZ 2001, 591 (592); VG Oldenburg, Beschluss vom 20.1.2000 - 1 B 4145.99 -, NuR 2000, 295 (298); VG Frankfurt, Beschluss vom 2.3.2001 - 3 G 501/01 -, a.a.O., S. 416; VG Bremen, Urteil vom 6.8.2002 - 8 K 1243/00 -, AgrarR 2002, 402; Ewer, a.a.O., S. 365.
Auch hier geht es um Gebiete von herausragender Bedeutung für den Vogelschutz, die auch ohne förmliche Unterschutzstellung als faktische Vogelschutzgebiete dem besonderen Schutzregime unterstehen (vgl. OVG NRW, U. v. 11.05.1999, NuR 2000, 165 ff., zit. nach JURIS) .