Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Gericht=BAG&Datum=17.08.2010&Aktenzeichen=9%20AZR%20347%2F09
Timestamp: 2019-04-25 09:40:16
Document Index: 55263898

Matched Legal Cases: ['Art 19', 'Art 33', '§ 69', 'Art. 33', 'Art. 33', 'Art. 33', 'Art. 19', 'Art. 33', 'Art. 33', 'Art. 33', 'Art. 33', 'Art. 33', 'Art. 19']

BAG, 17.08.2010 - 9 AZR 347/09 - dejure.org
Art 19 Abs 4 GG, Art 33 Abs 2 GG, § 69 Abs 3 S 1 ArbGG
Abbruch eines Auswahlverfahrens; Berechtigung zum Abbruch; Untergang der Rechte aus Art. 33 Abs. 2 GG
Arbeitsrecht - Konkurrentenklage - Abbruch des Stellenbesetzungsverfahrens
ArbG Magdeburg, 07.05.2008 - 3 Ca 1757/07
LAG Sachsen-Anhalt, 18.02.2009 - 4 Sa 254/08
Einem Bewerber ist nicht zuzumuten, die Auswahlentscheidung "ins Blaue hinein" im gerichtlichen (Eil)-Verfahren angreifen zu müssen (mit BVerfG vom 09.07.2007 - 2 BvR 210/07 und BAG vom 17.08.2010 - 9 AZR 347/09).
Sie gilt sowohl für Beamte als auch für Arbeiter und Angestellte (BAG vom 17.08.2010 - 9 AZR 347/09 - Juris, Rz. 26 m.w.N.).
Die fehlende schriftliche Dokumentation der Auswahlerwägungen stellt einen nicht heilbaren erheblichen Verfahrensmangel dar (BAG vom 17.08.2010 - 9 AZR 347/09 - Rz. 26).
Ein Anspruch auf die ausgeschriebene Stelle kann nach diesen Grundsätzen nur gegeben sein, wenn die Bestenauslese zum Zeitpunkt des Abbruchs des Stellenbesetzungsverfahrens ohne Verletzung der Bewerbungsverfahrensansprüche der anderen Bewerber gemäß Art. 33 Abs. 2 GG zugunsten des klagenden Bewerbers abgeschlossen war und nur der sachwidrige Abbruch des Besetzungsverfahrens die Besetzung der Stelle mit jenem verhinderte (vgl. BAG 17. August 2010 - 9 AZR 347/09 - Rn. 17, BAGE 135, 213) .
Ein dem späteren Konkurrentenverfahren vorgelagertes Auswahlverfahren darf nicht so ausgestaltet sein, dass es den gerichtlichen Rechtsschutz vereitelt oder unzumutbar erschwert (BAG v. 17.08.2010 - 9 AZR 347/09 Rn. 26).
Aus Art. 33 Abs. 2 i. V. m. Art. 19 Abs. 4 GG folgt die Verpflichtung, die wesentlichen Auswahlerwägungen schriftlich niederzulegen (BAG vom 17.08.2010 - 9 AZR 347/09 - Rn. 26).
angreifen zu müssen, um überhaupt nur die tragenden Erwägungen der Auswahlentscheidung zu erfahren (BAG vom 17.08.2010 - 9 AZR 347/09 - Rn. 28).
Dabei ist zu bedenken, dass auch der vollständige Abbruch des Verfahrens gegebenenfalls in Bewerberrechte eingreift (BAG vom 17.08.2010 - 9 AZR 347/09 - Rn. 21).
Der Dienstherr darf ein eingeleitetes Bewerbungs- und Auswahlverfahren aus sachlichen Gründen jederzeit beenden ( BAG 17. August 2010 - 9 AZR 347/09 - Rn. 20, NZA 2011, 516 ).
Ein Verfahrensabbruch, der gegen diese Grundsätze verstößt, ist rechtswidrig ( BAG 17. August 2010 - 9 AZR 347/09 - Rn. 21, NZA 2011, 516 ).
In einem solchen Fall ist der Dienstherr auch nicht gehalten, den Rechtsweg auszuschöpfen ( BAG 17. August 2010 - 9 AZR 347/09 - Rn. 24, NZA 2011, 516 ).
Ein dem späteren Konkurrentenklageverfahren vorgelagertes Auswahlverfahren darf nicht so ausgestaltet sein, dass es den gerichtlichen Rechtsschutz vereitelt oder unzumutbar erschwert (BAG 17. August 2010 - 9 AZR 347/09 - Rn. 26, BAGE 135, 213, unter Hinweis auf BVerfG 19. September 1989 - 2 BvR 1576/88 - zu 1 der Gründe) .
aa) Der Arbeitgeber/Dienstherr darf ein eingeleitetes Bewerbungs- und AuswahlverDer Abbruch des ersten internen Stellenbesetzungsverfahrens qua Neuausschreibung erfolgte auch aus sachlichen Gründen, wie nach allgemeiner Auffassung erforderfahren aus sachlichen Gründen jederzeit beenden und von einer ursprünglich geplanten Einstellung oder Beförderung absehen (BVerfG, B. v. 19.12.2008, 2 BvR 627/08, NVwZ-RR 2009, S. 344 f - Rz. 8 - BAG, zuletzt U. v. 17.08.2010, 9 AZR 347/09, jetzt in AP Nr. 71 zu Art. 33 Abs. 2 GG mit Anm. Pieroth - Rz. 21, m. w. N. - BAG, U. v. 24.03.2009, 9 AZR 277/08, AP Nr. 70 zu Art. 33 Abs. 2 GG = NZA 2009, S. 901 f - Rz. 22 -).
Die Vereitelung des Bewerbungsverfahrensanspruchs eines Bewerbers aus Art. 33 Abs. 2 GG ist unzulässig (BAG, U. v. 17.08.2010, aaO).
Dieses Dokumentationsgebot ist für die Transparenz der Auswahlentscheidung unverzichtbar und sichert als verfahrensbegleitende Maßnahme die Einhaltung der Maßstäbe des Art. 33 Abs. 2 GG (BAG, U. v. 17.08.2010, 9 AZR 347/09, aaO - Rzn. 26 f, m. w. N. -).
Aus Art. 33 Abs. 2 i.V.m. Art. 19 Abs. 4 GG folgt deshalb die Verpflichtung, die wesentlichen Auswahlerwägungen schriftlich niederzulegen (… BAG 21. Januar 2003 - 9 AZR 72/02 - Rn. 42 ff., BAGE 104, 295; BAG 17. August 2010 - 9 AZR 347/09 - Rn. 26, NZA 2011, 516 ).
Dies kann daran liegen, dass ein Gericht (auch im Wege einstweiligen Rechtsschutzes) die getroffene Auswahlentscheidung (mit beachtlichen Erwägungen hinsichtlich der Gewichtung von Auswahlkriterien) beanstandet hat (vgl. SächsOVG, B.v. 14.5.2004 - 3 BS 265/03 - DÖD 2005, 116/118; NdsOVG B.v. 14.9.2006 - 5 ME 219/06 - NVwZ-RR 2007, 404/405; OVG RhPf, B.v.3.8.2007 - 10 B 10570/07 - NVwZ-RR 2008, 196/197;… OVG MV, B.v. 28.10.2009 - 2 L 209/06 - juris Rn. 70), wobei die Grundlagen des Auswahlverfahrens betreffende Fehler, wie insbesondere die Rechtswidrigkeit der Auswahlkriterien (…vgl. VG Bayreuth, U.v. 22.7.2007 - B 5 K 07.307 - juris Rn. 21), oder Verfahrensfehler, wie die fehlende Dokumentation der Auswahlentscheidung, genügen (vgl. BAG, U.v. 17.8.2010 - 9 AZR 347/09 - NJW 2010, 3595/3597).
Wird nämlich ein Auswahlverfahren - auch wenn es schon zu einer Auswahlentscheidung, aber noch nicht zu ihrem Vollzug gekommen war - aus sachlichen Gründen und damit rechtmäßig abgebrochen, kann sich dadurch der Bewerbungsverfahrensanspruch des Bewerbers erledigen (…vgl. BVerwG, B.v. 27.2.2014 - 1 WB 7.13 - juris Rn. 19;… NdsOVG, B.v. 25.2.2010 - 5 LA 305/08 - juris Rn. 16;… OVG MV, B.v. 28.10.2009 - 2 L 209/06 - juris Rn. 61; OVG RhPf, B.v. 3.8.2007 - 10 B 10570/07 - NVwZ-RR 2008, 196/197; SächsOVG, B.v. 14.5.2004 - 3 BS 265/03 - DÖD 2005, 116/118; BAG, U.v. 17.8.2010 - 9 AZR 347/09 - NJW 2010, 3595/3597;… U.v. 24.3.2009 - 9 AZR 277/08 - juris Rn. 22 f.).
Dazu, dass die geforderte Dokumentation nicht in einem gerichtlichen (Eil-) Verfahren (mit heilender Wirkung) nachgeholt werden kann, vgl. - jeweils unter Hinweis auf die Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts - OVG NRW, Beschluss vom 8. September 2008 - 1 B 910/08 -, ZBR 2009, 276 = juris, Rn. 18, und (für den arbeitsrechtlichen Konkurrentenstreit) BAG, Urteil vom 17. August 2010 - 9 AZR 347/09 -, NJW 2010, 3595 = juris, Rn. 26 ff., bzw. dass es für die Rechtmäßigkeit einer Auswahlentscheidung grundsätzlich allein auf die im Zeitpunkt der Auswahlentscheidung (dokumentierten) Auswahlerwägungen ankommt und im späteren gerichtlichen Verfahren nur noch Raum für eine Ergänzung oder Präzisierung der Erwägungen ist, vgl. BVerwG, Beschluss vom 16. Dezember 2008 - 1 WB 19.08 -, BVerwGE 133, 13 = NVwZ-RR 2009, 604 = juris, Rn. 46;.
Ein Verfahrensabbruch, der gegen diese Grundsätze verstößt, ist rechtswidrig (BAG v. 07.08.2010, 9 AZR 347/09).