Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Text=V%20R%2060/04
Timestamp: 2019-11-21 14:33:52
Document Index: 306168262

Matched Legal Cases: ['§ 233', '§ 1', '§15', '§ 233', '§ 233', '§ 233', '§ 233']

BFH, 30.03.2006 - V R 60/04 - dejure.org
BFH, 30.03.2006 - V R 60/04
https://dejure.org/2006,6849
BFH, 30.03.2006 - V R 60/04 (https://dejure.org/2006,6849)
BFH, Entscheidung vom 30.03.2006 - V R 60/04 (https://dejure.org/2006,6849)
BFH, Entscheidung vom 30. März 2006 - V R 60/04 (https://dejure.org/2006,6849)
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AO § 233a; UStG (1999) § 1 Abs. 1a §15
Die Festsetzung von Zinsen nach § 233a AO ist grundsätzlich rechtmäßig, wenn der Schuldner der Steuernachforderung Liquiditätsvorteile gehabt hat, weil er von der Zahlung der geschuldeten Steuer vorerst --wegen unzutreffender Steuerfestsetzung-- "freigestellt" war (BFH-Urteil vom 30. März 2006 V R 60/04, BFH/NV 2006, 1434).
Ob die Zinsvorteile tatsächlich gezogen worden sind, ist grundsätzlich unbeachtlich (vgl. BFH-Urteil vom 13.3.2006 V R 60/04, BFH/NV 2006, 1434 m.w.N.).
Schließlich hat der BFH einen Liquiditätsvorteil darin gesehen, dass der Steuerpflichtige über einen ihm zu Unrecht gewährten Steuererstattungsanspruch durch Aufrechnung verfügt hat (vgl. BFH-Urteil vom 30.03.2006 V R 60/04, BFH/NV 2006, 1434).
Der BFH hat mit Urteil vom 9. Oktober 2002 V R 81/01 (BFHE 199, 507, BStBl II 2002, 887) die Rechtmäßigkeit der dem Wortlaut entsprechenden Anwendung der Verzinsungsregelung des § 233a AO auf die Umsatzsteuer bejaht und einen Verstoß gegen Europarecht verneint und sieht in ständiger Rechtsprechung diese Vorschrift als auf die Umsatzsteuer anwendbar an (vgl. z.B. BFH-Urteile in BFHE 207, 1, BStBl II 2005, 236, und vom 30. März 2006 V R 60/04, BFH/NV 2006, 1434;… BFH-Beschlüsse vom 28. Oktober 2005 V B 196/04, BFH/NV 2006, 245;… vom 10. März 2006 V B 82/05, BFH/NV 2006, 1433, …und vom 2. November 2006 V B 24/05, BFH/NV 2007, 208).
Insbesondere ist geklärt, dass es für die Prüfung nicht auf eine fiktive Berechnung der Liquidität ankommt, sondern entscheidend ist, ob der Steuerschuldner aufgrund der erst späteren Steuernachforderung Liquiditätsvorteile gehabt hat, weil er von der Zahlung dieser geschuldeten Steuer vorerst --wegen unzutreffender Steuerfestsetzung-- "freigestellt" gewesen ist (vgl. BFH-Urteil vom 30. März 2006 V R 60/04, BFH/NV 2006, 1434, m.w.N.;… BFH-Beschluss vom 10. März 2006 V B 82/05, BFH/NV 2006, 1433).
Die Festsetzung von Nachzahlungszinsen gem. § 233 a AO ist dann grundsätzlich rechtmäßig, wenn der Schuldner der Steuernachforderung Liquiditätsvorteile gehabt hat, weil er von der Zahlung der geschuldeten Steuer vorerst "freigestellt" war (BFH-Urteil vom 30.03.2006 V R 60/04 a.a.O).
d) Ob die möglichen Zinsvorteile tatsächlich gezogen worden sind, ist grundsätzlich unbeachtlich (BFH-Urteil vom 30.03.2006 Az. V R 60/04, BFH/NV 2006, 1434 m.w.N.).
Ob die möglichen Zinsvorteile tatsächlich gezogen worden sind, ist grundsätzlich unbeachtlich (BFH-Urteil vom 30. März 2006 V R 60/04, BFH/NV 2006, 1434 m.w.N.).
d) Nach ständiger Rechtsprechung des Bundesfinanzhofs (vgl. z.B. Urteil in BFH/NV 2006, 1434) ist unerheblich, ob dem Fiskus ein Zinsnachteil entstanden ist und dass unter Berücksichtigung der steuerlichen Auswirkungen bei einem Dritten insgesamt weder Zinsvorteile noch Zinsnachteile entstanden sind.
Denn § 233a AO sieht die Berücksichtigung eines fiktiven Sachverhalts nicht vor (BFH-Urteil vom 30. März 2006 V R 60/04, BFH/NV 2006, 1434 m.w.N.).
Die Klägerin ist aufgrund der AdV des Steuerbescheides, in dem der hier streitige Vorsteuerabzug nicht anerkannt worden war, zunächst von der Zahlung der dem Aussetzungsbetrag entsprechenden --und wie sich herausgestellt hat zu Recht geschuldeten-- Steuer insofern "freigestellt" gewesen (BFH-Urteil vom 30. März 2006 V R 60/04, BFH/NV 2006, 1434, Höchstrichterliche Finanzrechtsprechung 2006, 857), als sie zunächst den Liquiditätsvorteil des Vorsteuerabzugs bis zur Aufhebung der AdV nutzen konnte.
c) Unbeachtlich ist auch, ob auf Seiten des Steuergläubigers Zinsnachteile entstanden sind, die durch Aussetzungszinsen auszugleichen wären (vgl. BFH-Urteil vom 30. März 2006 V R 60/04, BFH/NV 2006, 1434;… vgl. BFH-Beschluss vom 10. März 2006 V B 82/05, BFH/NV 2006, 1433).
Für die Frage, ob ein Liquiditätsvorteil eingetreten ist, ist nicht etwa die Liquidität des Steuerpflichtigen aufgrund seines "vorschriftswidrigen" Verhaltens mit der fiktiven Liquidität zu vergleichen, die er besessen hätte, wenn er sich "vorschriftsmäßig" verhalten hätte (…vgl. BFH-Urteile vom 24. Februar 2005 V R 62/03, BFH/NV 2005, 1220, und vom 30. März 2006 V R 60/04, BFH/NV 2006, 1434).
Ein Vergleich der Liquidität des Steuerpflichtigen aufgrund seines "vorschriftswidrigen" Verhaltens mit der fiktiven Liquidität, die er besessen hätte, wenn er sich "vorschriftsmäßig" verhalten hätte, ist nicht anzustellen (BFH-Entscheidungen vom 30. März 2006 V R 60/04, BFH/NV 2006, 1434;… vom 1. März 2013 V B 112/11, BFH/NV 2013, 901).
Mit Urteil vom 30. März 2006 V R 60/04 (BFH/NV 2006, 1434) hat der Senat insbesondere entschieden, dass ein Vergleich der Liquidität des Steuerpflichtigen aufgrund seines "vorschriftswidrigen" Verhaltens mit der fiktiven Liquidität, die er besessen hätte, wenn er sich "vorschriftsmäßig" verhalten hätte, nicht erfolgen kann.