Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Gericht=BFH&Datum=06.05.1986&Aktenzeichen=IX%20B%20121/84
Timestamp: 2019-05-19 15:43:03
Document Index: 32853017

Matched Legal Cases: ['Art. 2', 'Art. 3', '§ 21', '§ 21', '§ 37', '§ 69', '§ 19', '§ 37', '§ 37', '§ 37', '§ 37', '§ 118', '§ 37', '§ 37']

BFH, 06.05.1986 - IX B 121/84 - dejure.org
https://dejure.org/1986,1024
BFH, 06.05.1986 - IX B 121/84 (https://dejure.org/1986,1024)
BFH, Entscheidung vom 06.05.1986 - IX B 121/84 (https://dejure.org/1986,1024)
BFH, Entscheidung vom 06. Mai 1986 - IX B 121/84 (https://dejure.org/1986,1024)
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GG Art. 2 Abs. 1, Art. 3 Abs. 1; EStG § 21 Abs. 1 Nr. 1, § 21 Abs. 2, § 37 Abs. 3; FGO § 69
BFHE 146, 433
NJW 1987, 212
BB 1986, 1556
BStBl II 1986, 749
Ebensowenig ist aus verfassungsrechtlicher Sicht zu beanstanden, daß das Finanzgericht in Übereinstimmung mit der Rechtsprechung des Bundesfinanzhofes (vgl. BFH, Urteil vom 29. Juli 1986 - BStBl II 86, 749) den vom Arbeitgeber einbehaltenen und abgeführten Arbeitnehmeranteil zur gesetzlichen Rentenversicherung als Teil des den Beschwerdeführern zugeflossenen Arbeitslohnes im Sinne von § 19 Abs. 1 EStG gewürdigt hat.
d) Der BFH ist der Rechtsprechung des BVerfG zur Unterscheidung zwischen der Rückbewirkung von Rechtsfolgen ("echte" Rückwirkung) und der tatbestandlichen Rückanknüpfung ("unechte" Rückwirkung) gefolgt (…vgl. BFH-Urteile vom 8. November 2006 I R 69, 70/05, BFH/NV 2007, 616; vom 11. Dezember 2001 VIII R 23/01, BFHE 197, 425, BStBl II 2004, 474; vom 16. Mai 2001 I R 102/00, BFHE 195, 344, BStBl II 2001, 710; vom 26. März 1991 IX R 162/85, BFHE 164, 327, BStBl II 1991, 704, und vom 26. August 1986 IX R 54/81, BFHE 148, 17, BStBl II 1987, 57; BFH-Beschlüsse vom 6. November 2002 XI R 42/01, BFHE 200, 560, BStBl II 2003, 257, und vom 6. Mai 1986 IX B 121/84, BFHE 146, 433, BStBl II 1986, 749).
Mit dem BFH-Beschluss vom 6. Mai 1996 IX B 121/84 (BFHE 146, 433, BStBl II 1986, 749) sei davon auszugehen, dass gemessen an der genannten Zielsetzung § 37 Abs. 3 Satz 5 (im Streitfall Satz 7) EStG nur zu einer verhältnismäßig geringfügigen Verschlechterung der Rechtstellung der einzelnen Steuerpflichtigen führe.
Nach der Rechtsprechung des BFH ist sowohl die Entscheidung über die Festsetzung als auch die Entscheidung über eine Anpassung der Vorauszahlungen eine Ermessensentscheidung, soweit es um Zweifelsfragen bei der Ermittlung der Besteuerungsgrundlagen geht (BFH-Urteil vom 22. Oktober 1981 IV R 81/79, BFHE 134, 415, BStBl II 1982, 446, betr. Anpassung von Vorauszahlung; vgl. BFH-Beschluß vom 6. Mai 1986 IX B 121/84, BFHE 146, 433, BStBl II 1986, 749, zur erstmaligen Festsetzung von Vorauszahlungen;… dagegen Stolterfoht in Kirchhof/Söhn, a. a. O., § 37 Anm. D 66;… Drenseck in Schmidt, a. a. O., § 37 Anm. 4).
Gemessen an dieser Zielsetzung führt § 37 Abs. 3 Satz 6 EStG zu einer als noch tragbar anzusehenden Verschlechterung der Rechtsstellung der davon betroffenen Steuerpflichtigen, wenn Werbungskostenüberschüsse nicht zeitnah im Vorauszahlungsverfahren, sondern erst im Rahmen der Einkommensteuerveranlagung berücksichtigt werden, deren Zeitpunkt zudem durch frühzeitige Abgabe der Steuererklärung beeinflußt werden kann (ebenso BFH-Beschluß vom 6. Mai 1986 IX B 121/84, BFHE 146, 433, BStBl II 1986, 749;… Diepold in Herrmann/Heuer/Raupach, a. a. O., Anm. 158).
Die für eine solche Ermessensentscheidung erforderlichen gesetzlichen Voraussetzungen lagen zum maßgeblichen Zeitpunkt nicht vor: Unter den hier gegebenen, vom FG in unangefochtener Weise festgestellten tatsächlichen Umständen (§ 118 Abs. 2 FGO) war das FA innerhalb der gesetzlichen Frist nicht in der Lage, von dem ihm in § 37 Abs. 3 Satz 3 EStG eingeräumten Ermessen (dazu: BFH-Entscheidungen vom 22. Oktober 1981 IV R 81/79, BFHE 134, 415, BStBl II 1982, 446, unter 1., und vom 6. Mai 1986 IX B 121/84, BFHE 146, 433, BStBl II 1986, 749, unter 1. c;… Stolterfoht in Kirchhof/ Söhn/Mellinghoff, Einkommensteuergesetz, § 37 Rdnr. D 57 ff., m.w.N.) einen pflichtgemäßen Gebrauch zu machen.
Durch diese Einschränkung des Verlustausgleichs im Vorauszahlungsverfahren während der Anlaufphase eines Bauvorhabens sollten für die Bezieher höherer Einkommen steuerliche Vorteile aus der Beteiligung an sog. Verlustzuweisungsmodellen begrenzt werden (vgl. BFH-Beschlüsse vom 06.05.1986 IX B 121/84, BStBl II 1986, 749; vom 17.03.1994 VI B 154/93, BStBl II 1994, 567).
Die Bestimmung der Grenzen, innerhalb deren das FA sein Ermessen ausüben darf und muß, ist nicht selbst eine Ermessensentscheidung, sondern eine in vollem Umfang richterlicher Nachprüfung unterliegende Rechtsentscheidung (BFH-Beschluß vom 6.5.1986 IX B 121/84 BFHE 146, 433, BStBl II 1986, 749 ).