Source: http://www.krefo.de/fachinfo/grundlagen/wertberichtigungsmanagement/anlagevermoegen-168/
Timestamp: 2018-07-16 04:36:22
Document Index: 359783473

Matched Legal Cases: ['§ 247', '§ 246', '§ 240', '§ 248', '§ 248', '§ 253', '§ 253']

KREFO: Anlagevermögen
Laut § 247 Abs. 2 Handelsgesetzbuch (HGB) gehören zum Anlagevermögen alle Vermögensgegenstände eines Unternehmens, die dazu bestimmt sind, dauerhaft dem Geschäftsbetrieb zu dienen. Es umfasst alle Vermögensteile, die zum Aufbau und zur Ausstattung eines Betriebes nötig und langfristig im Unternehmen gebunden sind. Das Anlagevermögen wird im Gegensatz zum Umlaufvermögen nicht weiter be- oder verarbeitet und geht nicht in den Prozess der betrieblichen Leistungserstellung ein.
Nach dem Grundsatz der Vollständigkeit muss der Jahresabschluss alle Teile des Anlagevermögens berücksichtigen (§ 246 HGB). Eine genaue Aufstellung aller Gegenstände enthält das Inventar (§ 240 HGB), eine zusammenfassende Darstellung der Werte geht in die Aktiva-Seite der Bilanz ein.
Eine Ausnahme von der Pflicht zum Bilanzausweis sind im HGB die Bilanzierungsverbote für Aufwendungen für die Gründung eines Unternehmens, die Beschaffung des Eigenkapitals und für den Abschluss von Versicherungsverträgen (§ 248 HGB). Der selbst geschaffene (originäre) Firmenwert darf gemäß § 248 Abs. 2 HGB angesetzt werden (ausgenommen: selbst geschaffene Marken, Drucktitel, Verlagsrechte, Kundenlisten oder vergleichbare immaterielle Vermögensgegenstände). Aktivierungspflichtig sind dagegen Kosten für Eigenleistungen wie Ein- und Ausbauten, die den Wert von Sachanlagen erhöhen, und Anzahlungen für Anlagen, die zum Bilanzstichtag noch nicht fertiggestellt sind. Ein Wahlrecht besteht für geringwertige Wirtschaftsgüter. Sie müssen zwar in der Anlagenbuchhaltung gesondert geführt werden, müssen aber nicht in der Bilanz ausgewiesen, sondern können im Jahr der Anschaffung vollständig als Aufwand abgeschrieben werden.
Bei Vermögensgegenständen des Anlagevermögens, deren Nutzung zeitlich begrenzt ist (zum Beispiel Gebäude), sind als Bilanzwert die fortgeführten Anschaffungs- beziehungsweise Herstellungskosten anzusetzen. Diese werden zum Zeitpunkt des Erwerbs festgestellt und umfassen den Anschaffungspreis und eventuelle Nebenkosten, wie zum Beispiel Zulassungsgebühren bei Kraftfahrzeugen. Die Summe dieser Werte wird als ''Bruttosachanlagevermögen'' bezeichnet. Der Wert muss anschließend planmäßig über die Nutzungszeit des Anlagegutes Abschreibung werden (§ 253 Abs. 2 Satz 1 HGB), verringert sich also mit zunehmendem Alter des Gegenstandes (''Nettosachanlagevermögen'').
Unbegrenzt nutzbares Anlagevermögen (zum Beispiel Grundstücke) wird höchstens mit den Anschaffungskosten bewertet. Da eine Wertminderung durch Gebrauch und Verschleiß nicht auftreten kann, findet eine planmäßige Abschreibung bei diesen Gütern nicht statt. Dauerhafte Wertminderungen werden durch außerplanmäßige Abschreibungen berücksichtigt. Bei einer erneuten Wertsteigerung kann eine Zuschreibung vorgenommen werden, wobei die ursprünglichen Anschaffungskosten jedoch die Obergrenze darstellen (Anschaffungskosten- bzw. Höchstwertprinzip; vgl. § 253 Abs. 5 HGB).
„weil er nicht durch Produktionstätigkeit gemehrt werden kann. Der Grund und Boden zählt zu den nichtproduzierten Vermögensgütern, deren Wert in den Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen nur in größeren Zeitabständen ermittelt wird.“
Das Anlagevermögen wird als Bruttoanlagevermögen oder als Nettoanlagevermögen ausgewiesen. „Bei Anwendung des Bruttokonzepts werden die Anlagen mit ihrem Neuwert ohne Berücksichtigung der Wertminderung ausgewiesen, während beim Nettokonzept die seit dem Investitionszeitpunkt aufgelaufenen Abschreibungen abgezogen sind. Das Verhältnis von Netto- zu Bruttoanlagevermögen wird als Modernitätsgrad bezeichnet. Dieses Maß drückt aus, wie viel Prozent des Vermögens noch nicht abgeschrieben sind und gibt damit Aufschluss über den Alterungsprozess des Anlagevermögens.“
Manfred Deitermann / Siegfried Schmolke: ''Industrielles Rechnungswesen IKR.'' Winklers Verlag Darmstadt, 34. Aufl. 2006. ISBN 3-8045-6652-9