Source: https://www.vdek.com/magazin/ausgaben/2019-03/jcr:content/par/epaper.epaper.htm/index.html
Timestamp: 2019-07-21 01:01:00
Document Index: 253854165

Matched Legal Cases: ['§\u200917', '§\u200943', '§\u2009130', '§\u2009130', '§\u2009266', '§\u2009305', '§\u20094', '§\u20094', '§ 140', '§ 73', '§ 63']

ersatzkasse-magazin_03_2019-regionale-versorgung
AUSGABE 3 / 2019 DIE ZEITSCHRIF T DES VERBANDES DER ERSATZKASSEN E . V. SEIT 1916 G 20634 Digitale Versorgung Gesetz Gesundheits-Apps in die Regelversorgung MDK- Reformgesetz Neuorganisation der Selbstverwaltung „Diversität ist eine große Chance“ Interview mit Dr. Martina Kloepfer zur gender- orientierten Gesundheits- versorgung Regionale Versorgung Das Faire-Kassenwahl-Gesetz soll den morbiditätsorientierten Risikostruktur- ausgleich (Morbi-RSA) weiterentwickeln. Zugleich sieht es eine tiefgreifende Reform des Organisationsrechts vor. Vorhaben, die sich auch auf die regionale Gesundheitsversorgung auswirken. Dass die Ersatzkassen bei der regionalen Versorgung stark sind, zeigt ein Blick auf die Verträge vor Ort
Der Verband der Ersatzkassen e. V. (vdek) Hauptsitz des Verbandes mit mehr als 270 Mitarbeitern ist die Bundeshauptstadt Berlin. In den einzelnen Bundesländern sorgen 15 Landesvertretungen in den Landeshauptstädten mit insgesamt rund 350 sowie mehr als 30 Mitarbeitern in den Pﬂegestützpunkten für die regionale Präsenz der Ersatzkassen. Hamburg Sachsenstraße 6 20097 Hamburg Tel.: 0 40/41 32 98-0 Fax: 0 40/41 32 98-22 lv-hamburg@vdek.com Hessen Walter-Kolb-Straße 9–11 60594 Frankfurt a. M. Tel.: 0 69/96 21 68-0 Fax: 0 69/96 21 68-90 lv-hessen@vdek.com Mecklenburg-Vorpommern Werderstraße 74 a 19055 Schwerin Tel.: 03 85/52 16-0 Fax: 03 85/52 16-1 11 lv-mecklenburg- vorpommern@vdek.com Niedersachsen Schillerstraße 32 30159 Hannover Tel.: 05 11/3 03 97-0 Fax: 05 11/3 03 97-99 lv-niedersachsen@vdek.com Nordrhein-Westfalen Ludwig-Erhard-Allee 9 40227 Düsseldorf Tel.: 02 11/3 84 10-0 Fax: 02 11/3 84 10-20 lv-nordrhein-westfalen@ vdek.com Geschäftsstelle Westfalen-Lippe Kampstraße 42 44137 Dortmund Tel.: 02 31/9 17 71-0 Fax: 02 31/9 17 71-30 gs-westfalen-lippe@ vdek.com Rheinland-Pfalz Wilhelm-Theodor- Römheld-Straße 22 55130 Mainz Tel.: 0 61 31/9 82 55-0 Fax: 0 61 31/83 20 15 lv-rheinland-pfalz@ vdek.com Saarland Heinrich-Böcking- Straße 6–8 66121 Saarbrücken Tel.: 06 81/9 26 71-0 Fax: 06 81/9 26 71-19 lv-saarland@vdek.com Sachsen Glacisstraße 4 01099 Dresden Tel.: 03 51/8 76 55-0 Fax: 03 51/8 76 55-43 lv-sachsen@ vdek.com Sachsen-Anhalt Schleinufer 12 39104 Magdeburg Tel.: 03 91/5 65 16-0 Fax: 03 91/5 65 16-30 lv-sachsen-anhalt@ vdek.com Schleswig-Holstein Wall 55 (Sell-Speicher) 24103 Kiel Tel.: 04 31/9 74 41-0 Fax: 04 31/9 74 41-23 lv-schleswig-holstein@ vdek.com Thüringen Lucas-Cranach-Platz 2 99099 Erfurt Tel.: 03 61/4 42 52-0 Fax: 03 61/4 42 52-28 lv-thueringen@ vdek.com vdek-Zentrale Askanischer Platz 1 10963 Berlin Tel.: 0 30/2 69 31-0 Fax: 0 30/2 69 31-29 00 info@vdek.com www.vdek.com Baden-Württemberg Christophstraße 7 70178 Stuttgart Tel.: 07 11/2 39 54-0 Fax: 07 11/2 39 54-16 lv-baden-wuerttemberg@ vdek.com Bayern Arnulfstraße 201 a 80634 München Tel.: 0 89/55 25 51-0 Fax: 0 89/55 25 51-14 lv-bayern@vdek.com Berlin/Brandenburg Friedrichstraße 50–55 10117 Berlin Tel.: 0 30/25 37 74-0 Fax: 0 30/25 37 74-26 lv-berlin.brandenburg@ vdek.com Bremen Martinistraße 34 28195 Bremen Tel.: 04 21/1 65 65-6 Fax: 04 21/1 65 65-99 lv-bremen@vdek.com
ersatzkasse magazin. 3 / 2019 / 32 EDITORIAL Liebe Leserinnen und Leser, d ie Europawahl in Deutsch- land hat deutlich gemacht: Den klassischen Rechts- oder Linkswählertyp gibt es immer weniger, es geht den Wählerin- nen und Wählern um aktuelle politische Inhalte wie Klima- wandel, Modernisierung, Ver- jüngung, Gleichstellung von Frauen und Män- nern in Beruf und Gesellschaft und vieles mehr. CDU/CSU und SPD haben große Verluste in der Wählergunst hinnehmen müssen und dies hat Konsequenzen für die große Koalition, für deren politische Ausrichtung und Zusammen- arbeit. Auch die Gesundheitspolitik und die vielen dort anstehenden Gesetzgebungspro- zesse bleiben davon sicher nicht unberührt. Wie beispielsweise sieht der Zeitplan beim Faire-Kassenwahl-Gesetz (GKV-FKG) aus? Noch in diesem Jahr muss das Gesetz über die Bühne, um im nächsten Jahr in Kraft tre- ten zu können. Hier kommt hinzu, dass auch zwischen den Bundesländern und dem Bund eine Konfliktlinie vor allem bei den organisa- tionsrechtlichen Reformvorschlägen – Stich- wort Öffnung der Regionalkassen und einheit- liche Aufsicht – verläuft. Durch die Öffnung der Regionalkassen sei die regionale Versor- gung gefährdet, so das Argument, das von den regionalen AOK befeuert wird. Die Ersatzkas- sen haben deshalb eine gemeinsame Öffent- lichkeitsinitiative #regionalstark gestartet, um klarzustellen, dass die Versorgung immer regional und vor Ort angeboten wird – selbst- verständlich auch bei den bundesweit tätigen Ersatzkassen. Michaela Gottfried Abteilungsleiterin Kommunikation beim vdek Auch Apps sollen schneller in die Regelversor- gung kommen, eine Forderung, die die Ersatz- kassen schon lange erheben. Richtig also, doch darf dies nicht auf Kosten der Qualität gehen. Auch in Sachen Gendermedizin bedarf es eines differenzierten Blicks. Dass es erhebliche Unterschiede zwischen Mann und Frau in Hinsicht auf die Häufigkeit von Krankhei- ten und Todesursachen gibt, ist hinlänglich bekannt, wird jedoch in der medizinischen Versorgung noch viel zu wenig berücksich- tigt, meint Prof. Dr. Gerd Glaeske von der Universität Bremen. Beispiel Arzneimittel- versorgung: Tranquilizer, also Mittel gegen Stress- und Angstsymptome, werden zu gut zwei Drittel an Frauen vor allem im höheren Alter verschrieben. Für Dr. Martina Kloepfer vom Verein Institut für Gender-Gesundheit sind solche Zusammenhänge alarmierend. Sie fordert im Interview mit ersatzkasse magazin. eine stärkere Berücksichtigung der Genderthematik in Lehre und Forschung, im Leistungskatalog der gesetzlichen Kranken- versicherung (GKV) und in der Arbeitswelt. Denn in den Führungsetagen von Unterneh- men sind – gerade auch im Medizinbetrieb – überproportional Männer vertreten. Von mehr Diversität würden beide profitieren: Frau und Mann. Und nun, liebe Leserinnen und Leser, wünschen wir Ihnen eine erholsame Sommer- pause. Und denken Sie daran: Beim Sonnenba- den, Relaxen, Sightseeing oder Radeln kann man durchaus mal aufs Digitale verzichten und sich ganz analog entspannen, meint Mehr Schwung in die Versorgung soll ein neues Digitalgesetz bringen, das die Ersatzkassen ausdrücklich unterstützen. Die Nutzungsmöglichkeiten der elektronischen Patientenakte sollen laut Referentenentwurf erweitert und mehr Leistungserbringer an die Telematikinfrastruktur angebunden werden. Ihre Michaela Gottfried
Inhalt 3 / 2019 POLITIK TITEL REGIONALE VERSORGUNG Mehr Wettbewerb zulassen DVG: Die App vom Arzt wird Wirklichkeit Erosion der Selbstverwaltung Prüfungen von Krankenhausabrechnungen Aktuelle Gesetzesvorhaben Einwurf: Sozialwahlen modernisieren 6 8 10 12 14 17 AUS DEN KASSEN AMNOG-Report: Neue Medikamente immer teurer 18 IM FOKUS GENDERORIENTIERTE GESUNDHEITSVERSORGUNG Gewinn für Frau und Mann Stärker auf die Bedürfnisse ausrichten Interview: Diversität ist eine große Chance 22 25 26 Wesentliche Regelungen zum GKV-FKG Generalangriff auf Sozialpartnerschaft #regionalstark: Eine Initiative der Ersatzkassen Ersatzkassen gestalten regionale Versorgung Reform der Bedarfsplanung VERMISCHTES Für Sie gelesen: Bibliothek vdek-Pflegelotse zum dritten Mal ausgezeichnet Steckbrief: Kai Klose PS: Wenn die Freizeitkrankheit zuschlägt 31 36 37 38 41 42 44 45 46
ersatzkasse magazin. 3 / 2019 / 54 TITELTHEMA Regionale Versorgung Mit dem Faire-Kassenwahl-Gesetz (GKV-FKG) will Bundesgesundheits- minister Jens Spahn (CDU) bislang regional begrenzte Krankenkassen bundesweit öffnen und damit gleiche Wettbewerbsbedingungen für alle Krankenkassen schaffen. Dass bereits jetzt alle Kassenarten an der regionalen Versorgung beteiligt sind, zeigt ein Blick auf die Versorgungsverträge, die auch bei den bundesweit organisierten Kran- kenkassen speziell an die regionalen Besonderheiten angepasst sind. 30 22 INTERVIEW „Diversität ist eine große Chance“ Die Debatte um Gleichstellung der Geschlechter ist in der Politik ange- kommen. Und auch in der Gesundheitsversorgung hält die Gender- medizin zunehmend Einzug. Dr. Martina Kloepfer arbeitet als Trainerin mit Führungskräften zusammen. 2013 rief sie den Bundeskongress Gendergesundheit ins Leben und gründete später den Verein Institut für Gender-Gesundheit. Im Interview mit ersatzkasse magazin. spricht sie über Rollenverteilungen im Gesundheitswesen, über Gendermedizin in Forschung und Lehre und über die Auswirkungen auf die Versorgung. IM FOKUS Genderorientierte Gesundheitsversorgung Ob Frau oder Mann, das Geschlecht ist ein individueller Faktor mit großem Einfluss auf die Entstehung, den Verlauf und die Behandlung von Krankheiten. Die geschlechtsspezifische Versorgung wird jedoch in vielen Bereichen der Medizin noch viel zu wenig beachtet. Nachhol- bedarf besteht an unterschiedlichen Stellen, etwa bei der Diagnose, der Medikation und in der Forschung. 26
POLITIK GESUNDHEITSMINISTERKONFERENZ Mehr Wettbewerb zulassen Am 5. und 6. Juni 2019 hat in Leipzig die Gesundheitsministerkonferenz (GMK) stattgefunden. Im Zuge dessen appellierte der Verband der Ersatzkassen e. V. (vdek) eindringlich an die 16 Ländergesundheitsmi- nisterinnen und –minister, das von Bundes- gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) vor- gelegte Faire-Kassenwahl-Gesetz (GKV-FKG) zu unterstützen und mehr Wettbewerb in der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) zuzulassen. vdek-Vorstandsvorsitzende Ulrike Elsner betonte: „Die Befürchtung der Länder, durch das neue Gesetz werde das Gesund- heitswesen zentralisiert, ist unbegründet. Die Versorgung wird auch bei den bundes- weiten Ersatzkassen regional organisiert, und zwar sowohl bei Kollektivverträgen, die 97 Prozent der Versorgung ausmachen, als auch durch Selektivverträge, die auf die spe- zielle Versorgungssituation vor Ort eingehen.“ Die Öffentlichkeitsinitiative #regionalstark der Ersatzkassen zeige hier eindrucksvolle Projekte auf. Auch die Ersatzkassen sprechen sich klar gegen Zentralisierungsbestrebungen des Bundes im Vertragsbereich aus. Die geplante bundesweite Öffnung der AOK sei allerdings keinesfalls mit einem Verlust regionaler Versorgungskompetenz verbunden, sondern bringe mehr Wahlfreiheit für die Versicherten und sorge für einen fairen Wettbewerb, so Elsner. Zu der Öffnung der Krankenkassen für alle Versicherten gehöre zwingend auch eine einheitliche Aufsicht. Elsner erinnerte daran, dass viele AOK bereits in mehr als einem Bundesland tätig seien, über die aber nur ein Bundesland die Aufsicht führe. Von einstmals 209 regional organisierten AOK seien heute elf in 16 Bundesländern übrig geblieben. > Seite 31 pm Die aktuelle Zahl 70 Prozent der Beschäftigten im deutschen Gesundheitswesen sind laut Ärzte Zeitung Frauen. Der Frauenanteil bei den Vertrags- ärzten liegt bei 46 Prozent, bei den Zahnärz- ten sind es 38 Prozent. Nahezu jeder zweite gesetzlich Versicherte ist weiblich und doch sind Frauen in allen wesentlichen Gremien des deutschen Gesundheitswesens deut- lich unterrepräsentiert. DEUTSCHER ÄRZTETAG Ärzte entlasten Der 122. Deutsche Ärztetag, der vom 28. bis 31. Mai 2019 in Münster stattgefunden hat, befasste sich unter anderem mit dem Thema „Wenn die Arbeit Ärzte krank macht“. Bezug- nehmend darauf schlug der Verband der Ersatzkassen e. V. (vdek) ein Maßnahmenbün- del zur Entlastung der Ärzte vor. „Die Ärzte in Deutschland leisten eine wichtige Arbeit für die Gesellschaft“, erklärte vdek-Vorstandsvor- sitzende Ulrike Elsner. „Wir zollen ihnen große Anerkennung dafür.“ Wenn die Mediziner eine hohe Arbeitsbelastung, Zeitdruck und die Forderung nach einer „Rundumverfügbarkeit ärztlicher Leistungen“ beklagen, müsse auch strukturell angesetzt werden. Zu den vorgeschlagenen Maßnahmen gehört eine Reform der Notfallversorgung, das Vor- antreiben der Digitalisierung, die Stärkung der Prävention und das Vermeiden unnötiger Behandlungen und Operationen. Mit den Maßnahmen könnten Ärzte entlastet und zugleich der Anstieg der Kosten gebremst und die Gesundheitsversorgung der Ver- sicherten weiter verbessert werden. 2018 gab die gesetzliche Krankenversicherung (GKV) rund 39,5 Milliarden Euro für ärztliche Behandlungen aus. Das waren 11 Milliarden mehr als sechs Jahre zuvor: 2012 waren es 28,2 Milliarden Euro. pm www.vdek.com unter Presse/ Pressemitteilungen PERSONALIEN Reinhardt folgt auf Montgomery K Ä B : o t o F Dr. Klaus Reinhardt (Foto) wurde auf dem Ärztetag Ende Mai 2019 zum neuen Präsidenten der Bundesärztekammer (BÄK) gewählt. Der 59-Jährige tritt die Nachfolge von Prof. Dr. Frank Ulrich Montgomery an, der nach acht Jahren als BÄK-Präsident nicht erneut kandidierte. Reinhardt ist seit 25 Jahren als Facharzt für Allgemeinmedizin niedergelassen. Seit acht Jahren ist er Vor- sitzender des Hartmannbundes, seit vier Jahren Vorstandsmitglied der BÄK. Neue BÄK-Vizepräsidentinnen sind die Kinderchir- urgin Dr. Heidrun Gitter und die Hals-Nasen- Ohren-Ärztin Dr. Ellen Lundershausen. nj Neuer Staats- sekretär im BMG Dr. Thomas Steffen (Foto) ist seit dem 15. Mai 2019 verbeam- teter Staatssekretär im Bundesministe- rium für Gesundheit (BMG). Der 57-Jährige tritt in die Fußstapfen von Lutz Stroppe i l e k n h c S / G M B : o t o F (CDU), der diesen Posten seit 2014 inne hatte und zuvor unter anderem Büroleiter von Alt- kanzler Helmut Kohl (CDU) war. Stroppe geht in den einstweiligen Ruhestand. Bundesge- sundheitsminister Jens Spahn kennt seinen neuen Staatssekretär aus der gemeinsamen Zeit im Bundesministerium der Finanzen, in dem Steffen von 2012 bis April 2018 Staats- sekretär war. Danach lehrte der promovierte Jurist ein Jahr lang an der Friedrich-Wil- helms-Universität Bonn. nj
ersatzkasse magazin. 3 / 2019 / 76 KONZERTIERTE AKTION PFLEGE PRESSESCHAU Mehr Ausbildung, mehr Personal, mehr Geld Das schreiben die anderen Einsicht des Monats „Beim Thema Impfen findet die Freiheit des Einzelnen seine Grenze in der Gefährdung anderer. Das Ausrotten der Masern darf nicht an Deutschland scheitern.“ Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) zu seinem Vorstoß für eine Impfpflicht gegen Masern auf dem Deutschen Ärztetag am 28. Mai 2019 in Münster. Die Arbeitsbedingungen für Pflegekräfte sollen sich schnell und spürbar verbessern. Das ist das Ziel der Konzertierten Aktion Pflege unter der Leitung von Bundesfamilienminis- terin Dr. Franziska Giffey (SPD), Bundesar beits- minister Hubertus Heil (SPD) und Bun des- gesundheitsminister Jens Spahn (CDU), die am 4. Juni 2019 ihre Ergebnisse vorlegten. Danach soll bundesweit nach Tarif bezahlt, ein am Bedarf orientierter Personalschlüssel eingeführt, die Anwerbung ausländischer Pflegekräfte beschleunigt und die Zahl der Auszubildenden und Ausbildungseinrichtun- gen gesteigert werden. Außerdem sollen die Kompetenzen der Pflegefachkräfte gestärkt und ausgeweitet und die Arbeit von Pfle- gekräften durch Digitalisierung erleichtert werden. Ulrike Elsner, Vorstandsvorsitzende des Verbandes der Ersatzkassen e. V. (vdek), sagte dazu: „Pflegekräfte wünschen sich zu Recht Wertschätzung und eine angemessene Bezahlung. Deshalb unterstützen wir die Aktivitäten der Konzertierten Aktion Pflege. Jetzt muss die Finanzierung geklärt werden.“ Dafür sei es notwendig, die Eigenanteile der Pflegebedürftigen zu begrenzen und die Finan- zierung auf mehreren Schultern zu verteilen. Dazu zählten auch der Staat, die private Kran- kenversicherung und die Länder. nj Zukunftsfähigkeit der Volksparteien „Wenn zehntausende Pflegekräfte schon jetzt fehlen und es wegen der älter werdenden Gesellschaft noch mehr werden, dann ist schnell klar, dass die Zukunftsfähigkeit jeder Volkspartei auch davon abhängt, ob sie sich mit ganzer Kraft dafür einsetzt, die prekären Zustände in der Pflege aus der Welt zu schaffen.“ Rheinische Post, 5.6.2019 Fortpflanzungsmedizin „Der Wunsch nach eigenem biologischen Nachwuchs ist bei vielen Menschen so stark ausgeprägt, dass sie nahezu alles dafür tun würden. Wer also versuchen möchte, die neuen Techniken irgendwie zu regulieren, sollte sie nicht strikt verbieten, sondern kontrolliert erlauben. Es ist an der Zeit, das Embryonenschutzgesetz zu modernisieren.“ Süddeutsche Zeitung, 5.6.2019 Gesundheitsminister Jens Spahn „Spahn hat sich vom belächelten zum geachteten Politiker hochgearbeitet. Schon wird in der Union spekuliert, er könne bei einer möglichen Kabinettsumbildung im Sommer oder Herbst ein neues Ressort übernehmen, etwa das des glücklosen Wirt- schaftsministers Altmaier. Auch als Chef der CDU/CSU-Fraktion wird er gehandelt. Zwei Posten, auf denen Spahn sein marktwirt- schaftliches Profil wieder schärfen könnte – bei seiner großen Mission, Merkel nach 2021 im Kanzleramt zu beerben.“ Focus, 25.5.2019 Europawahl Stimmverteilung; Endergebnis für Deutschland; Wahlbeteiligung: 61,4 Prozent CDU/CSU Bündnis 90/ Die Grünen SPD AfD Die Linke FDP Die PARTEI Freie Wähler Sonstige Quelle: Europäisches Parlament
POLITIK DIGITALE VERSORGUNG GESETZ Die App vom Arzt wird Wirklichkeit 2016 hat er über sie ein Buch geschrieben – jetzt soll sie kommen: die App vom Arzt. Dazu stellte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) Mitte Mai 2019 den Entwurf eines Digitale Versorgung Gesetzes (DVG) vor. Daneben wird die Telematikinfrastruktur (TI) ausgebaut. Der Minister nutzt den Aufschlag auch dafür, den Innovationsfonds um fünf Jahre zu verlängern und erfüllt damit eine Auflage aus dem Koalitionsvertrag. / Text / Björn-Ingemar Janssen und Ulrich Mohr D as Kernelement des DVG ist ein Verfahren zur Auf- nahme digitaler Gesund- heitsanwendungen – Apps – in die Regelversorgung der gesetzlichen Kranken- versicherung (GKV). Hier soll das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) ein Verzeichnis verordnungsfähiger Anwen- dungen führen, ihre Effekte auf die Versorgung bewerten und Angebote in der Regelversor- gung erproben lassen. Es liegt im Interesse der Ersatzkassen, dass Anwendungen mit nach- gewiesenen positiven Effekten für die Ver- sorgung genauso im GKV-Leistungskatalog abgebildet werden wie „analoge“ Behandlun- gen und Diagnoseverfahren. Tatsächlich gibt es schon heute eine Reihe von digitalen Ange- boten im Bereich der Prävention. Bei Thera- pieoptionen via App sind die bisherigen Ver- fahren zur Nutzenbewertung und Erprobung jedoch zu schwerfällig. Außerdem sind bereits funktionierende Zugangswege in den ersten Gesundheitsmarkt für Unternehmen aus dem Start-up-Bereich bisher wenig transparent. Die Ersatzkassen sprechen sich daher dafür aus, eine Beratungsstelle beim Gemein- samen Bundesausschuss (G-BA) einzurich- ten, die auch eine Zuordnung in den „pas- senden“ Zugangsweg, also Prävention oder Disease-Management-Programm vornimmt. Gleichzeitig würde sie – anstelle des BfArM – entscheiden, ob eine digitale Therapie-App in der Regelversorgung erprobt werden sollte. Die Evaluation aller Erprobungsverfahren für digitale Anwendungen würde dabei von einer wissenschaftlichen Institution nach einheit- lichen, vergleichbaren Standards durchge- führt. Damit läge die Entscheidung über die Aufnahme aller Behandlungs- und Untersu- chungsmethoden in einer bewährten Hand – egal, ob analog oder digital. Durch klare gesetzliche Fristen und Vereinfachungen des Erprobungsverfahrens ist dieser Vorschlag der Ersatzkassen im gleichen zeitlichen Rahmen umsetzbar wie die vorgesehenen Regelungen des Referentenentwurfs. Aufgabe des BfArM wäre es weiterhin, die Grundanforderungen im Hinblick auf Sicherheit und Datenschutz zu prüfen und damit Mindeststandards zu setzen. Positiv ist, dass mit dem DVG die Krankenkassen den Digitalisierungsprozess aktiv mitgestalten und ihren Versicherten eine individualisierte Beratung und auf sie zugeschnittene – auch digitale – Ver sorgung anbieten können. Natür- lich nur soweit, wie der Versicherte dies wünscht. Und das DVG hält noch weit mehr bereit. Nachdem der Bundesgesundheitsminister mit dem Terminservice- und Versorgungsgesetz sein Haus zum Mehrheitsgesellschafter in der Björn-Ingemar Janssen Abteilung Ambulante Versorgung und Beauftragter für Digitale Versorgung beim vdek Ulrich Mohr Abteilung Politik/Selbst- verwaltung beim vdek
ersatzkasse magazin. 3 / 2019 / 98 Vertragsärzte, Krankenhäu- ser etc. Die verpflichtenden Inhalte werden zudem erwei- tert. Bis zum 31. März 2021 sollen auch die Daten des Impfausweises, des Zahn- Bonushefts und der U-Unter- suchungen gespeichert wer- den können. Nach Ansicht des Verbandes der Ersatz- kassen e. V. (vdek) sollte der Gesetzgeber noch einen Schritt weiter gehen und die gematik konkret beauftragen, die technischen Voraussetzungen zu schaf- fen, damit die ärztlichen Befunde, Diag- nosen, Behandlungsberichte, Labordaten etc. in der ePA abgelegt werden können. Nur so kann dem Anspruch der Versicherten ent- sprochen und die ePA zu einem attraktiven Instrument werden. Das ist zwingend not- wendig, denn die ePA ist für den Versicher- ten freiwillig. Neben den Regelungen zur Digitalisierung stellt die Fortschreibung des Innovationsfonds den zweiten großen Schwerpunkt im DVG-Entwurf dar. Dieser soll bis zum Jahr 2024 verlängert wer- den; allerdings bei geänderten Rahmenbedin- gungen. Neu ist, dass auch die Erstellung von medizinischen Leitlinien mit mindestens fünf Millionen Euro pro Jahr gefördert werden soll. Diese Form der Wissenschaftsförderung lehnt der vdek ab. Die Förderung selbst soll zukünftig in einem zweistufigen Verfahren erfolgen, bei dem zunächst die Projektideen geför- dert werden. Nach sechs Monaten erfolgen eine Neubewertung und die Entscheidung über die finale Förderung. Damit sollen die Chancen, Projekte in die Regelversorgung zu überführen, stringenter genutzt werden. Hinter diesem Ziel steht auch der vdek. In der Umsetzung ist darauf zu achten, dass die wettbewerblichen Spielräume, die gebraucht werden, um gute Ideen zu entwickeln, nicht eingeengt werden. Mit den kleinteiligen Ände- rungen am Verfahren und zum Ablauf der Förderung, die der Referentenentwurf ent- hält, würde aber der bisherige offene Ideen- wettbewerb beschränkt. Das wäre schade, denn dieser hat bis heute zu einer stattlichen Zahl von rund 120 Projekten zu neuen Ver- sorgungsformen geführt. nur einen Steinwurf entfernten Gesellschaft für Telematikanwendungen der Gesundheits- karte mbH (gematik) gemacht hat, legt er nun nach. Mit dem DVG wird der Kreis der an die TI angebundenen Leistungserbringer deutlich vergrößert; zum Teil zunächst auf freiwilliger Basis. Zeitgleich erhöht Spahn den Druck: Die bereits im Pflegepersonal-Stärkungsgesetz verankerte Honorarkürzung für Ärzte wird im Frühjahr 2020 auf 2,5 Prozent erhöht. Dann sollen auch die Apotheker angeschlossen sein, damit der Medikationsplan elektronisch aktu- alisiert werden kann. Krankenhäusern droht ein Abschlag von einem Prozent ab Januar 2022. Es ist gut, dass hier Druck gemacht wird. Nur so kann der Mehrwert, den die TI bieten soll, in absehbarer Zeit auch realisiert werden. Z entrale Bausteine der TI sind die elektronischen Verordnungen und die elektronische Patientenakte (ePA). Mit dem DVG sollen elekt- ronische Verordnungen ergänzend für den Heil- und Hilfsmittelbereich einge- führt werden. Ein ambitioniertes Projekt, in das aber nicht nur die Physiotherapeuten – wie aktuell geplant – einbezogen werden sollten, sondern auch die Podologen, Logopäden und Ergotherapeuten. Bei der ePA haben die Ver- sicherten einen umfassenden Anspruch auf Speicherung ihrer Behandlungsdaten durch In der Umsetzung ist darauf zu achten, dass die wettbe- werblichen Spielräume nicht eingeengt werden.
POLITIK MDK-REFORMGESETZ Neuorganisation oder Erosion der Selbstverwaltung Das Wort Erosion hat seinen Ursprung im lateinischen erosio, was so viel bedeutet wie „das Zerfressenwerden“. Mit Blick auf den am 2. Mai 2019 vom Bundesgesundheitsministerium (BMG) veröffentlichen Referentenentwurf für ein „Gesetz für bessere und unabhängigere Prüfungen – MDK-Reformgesetz“ kommt durchaus das Bild des Zerfressenwerdens der sozialen Selbstverwaltung in den Sinn. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn formuliert das so: Zur Stärkung der Unabhängigkeit der Medizinischen Dienste werden die organisatorischen Strukturen verändert. / Text / Christian Breidenbach D er Referentenentwurf sieht vor, dass aus den heutigen Medizinischen Diensten der Krankenkassen (MDK) Medizinische Dienste (MD) werden. Fortan sind sie bundesweit einheitlich Körperschaften des öffent- lichen Rechts und nicht länger Arbeitsgemein- schaften der Krankenkassen. Der bisherige Medizinische Dienst des Spitzenverbandes Bund der Krankenkassen (MDS) soll heraus- gelöst und als Dachorganisation der MD neu gegründet werden. Zusätzlich soll die Besetzung der Ver- waltungsräte als maßgebliche Entscheidungs- gremien der MD völlig neu geregelt werden. Heute werden die Verwaltungsräte durch die Krankenkassen besetzt. Künftig ist vorgese- hen, dass neben sechs Vertreterinnen und Ver- tretern der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) auch sechs Vertreter der Patientinnen und Patienten, der Pflegebedürftigen und der Verbraucher sowie zwei Vertreter der Ärzte- schaft und zwei Vertreter der Pflegeberufe im Verwaltungsrat vertreten sind. Gewählte Mitglieder eines Verwaltungsrats einer Kran- kenkasse oder deren Verbände sowie haupt- amtlich bei einer Krankenkasse oder deren Verbänden Beschäftigte sollen nicht mehr in den Verwaltungsrat eines MD gewählt werden. Für diese gilt eine zwölfmonatige Karenzzeit. Betrachtet man die Neuorganisation der MD in einer Gesamtschau mit den geplanten Rege- lungen des Faire-Kassenwahl-Gesetzes (GKV- FKG) zur Besetzung des Verwaltungsrats des GKV-Spitzenverbands, so wird das Bild des Zerfressenwerdens erneut überdeutlich. Bei den MD sollen zukünftig Vertreter der Leis- tungserbringer – Pflegeberufe und Ärzte – mit Sitz und Stimme in den Verwaltungsräten über jene Prüfrichtlinien entscheiden, die auf sie selbst Anwendung finden. Da stellt sich die Frage, wer überwacht die Bewacher? Die Christian Breidenbach Abteilung Politik/Selbst- verwaltung beim vdek
ersatzkasse magazin. 3 / 2019 10 / 11 geplante Neubesetzung steht dem gesetzli- chen Ziel des MD als fachlich unabhängige Beratungs- und Begutachtungsinstitution zur Sicherung einer bedarfsgerechten Versorgung entgegen. Finanzierung liegt weiterhin bei den Kassen Trotz der massiven Umbaupläne soll sich an der Finanzierung der MD nichts ändern. Wei- terhin sollen allein die Kranken- und Pflege- kassen die MD über Umlagen finanzieren. Trotz einer vorgesehenen Sperrminorität bei Haushaltsfragen besitzen die Vertreter der Krankenkassen bei den Entscheidungen zur Mittelverwendung etc. keine eigene Stimmen- mehrheit. Entscheidungen zulasten Dritter dürfen nicht ermöglicht werden. Aus Sicht der Ersatzkassen setzt das BMG mit der MDK-Reform den Kurs der Zerschlagung der sozialen Selbstverwaltung weiter fort. Die geplanten Neuregelungen sollen dabei eine stärkere Unabhängigkeit im Geschäft der MD suggerieren. Die demo- kratisch gewählten Vertreterinnen und Ver- treter der sozialen Selbstverwaltung werden künftig aber keine entscheidungsbildenden Mehrheiten in den Verwaltungsräten der MD mehr besitzen, obwohl die Krankenkassen weiterhin durch Umlage die MD vollständig finanzieren sollen. Der Verband der Ersatzkassen e. V. (vdek) lehnt die gravierende Neuorganisation der MDK-Gemein- schaft und die damit verbundenen tiefen Eingriffe in die soziale Selbstverwaltung strikt ab. In der Vergangenheit hat sich die Vertretung der Interessen der Patientinnen und Patienten sowie der Versicherten durch die in der Sozi- alwahl legitimierten Mitglieder der sozialen Selbstverwaltung bewährt. Zweiter Regelungsschwerpunkt neben der MDK-Reform ist die Neuordnung der Krankenhausabrechnungsprüfung (s. Seite 12). Die neuen MD sollen wie zuvor die MDK die Abrechnungen der Krankenhäuser für die Krankenkassen prüfen. Es ist zu befürchten, dass durch die MDK-Reform das Prüfgeschäft künftig durch Leistungserbringer wesentlich mitgesteuert wird. Wichtige Wirtschaftlich- keitskriterien drohen damit in den Hinter- grund zu rücken. MDS Verwaltungsrat lehnt MDK- Reformgesetz strikt ab Der Verwaltungsrat des Medizinischen Dienstes des Spitzenverbandes Bund der Krankenkassen (MDS) lehnt die vorgesehene tiefgreifende Veränderung in der Orga- nisation der Medizinischen Dienste (MDK) ab. „Das MDK-Reformgesetz ist unnötig, untauglich und gefährlich“, so MDS-Verwaltungsratsvorsitzender Dr. Volker Hansen. „Wer weiterhin eine qualitativ hochwertige und wirtschaftliche Versorgung der über 70 Millionen gesetzlich Versicherten will, der darf weder die soziale Selbst- verwaltung in den Entscheidungsgremien der Medizinischen Dienste (MD) de facto abschaffen noch den MDS vom GKV-Spitzenverband abtrennen.“ Dass die Stimmenanteile im Verwaltungsrat grundlegend verändert und zudem Vertreter aus den Selbstverwaltungsorganen der Kranken- und Pflegekassen sowie ihrer Verbände aus den Verwaltungsräten der MD ausgeschlossen werden sollen, stößt auf große Kritik. „Das bedeutet de facto die Abschaffung der sozialen Selbst- verwaltung auf der Ebene der Medizinischen Dienste und damit den Ausschluss der Sozialpartner aus der Gestaltung“, sagt Dieter F. Märtens, stellvertretender MDS-Verwaltungsratsvorsitzender. „Die vorgesehene Unvereinbarkeit eines Selbst- verwaltungsamtes bei den Medizinischen Diensten mit einem Selbstverwaltungsamt im System der gesetzlichen Kranken- und Pflegeversicherung führt dazu, dass der Sachverstand dieser Selbstverwaltungsgruppe nicht mehr im Medizinischen Dienst genutzt werden kann.“ Der MDS-Verwaltungsrat kritisiert auch die vorgesehene Abkoppelung des MDS vom GKV-Spitzenverband. Es sei zwingend erforderlich, die Tätigkeit von MDS, MDK- Gemeinschaft und GKV-Spitzenverband miteinander zu verbinden. Der Verwaltungsrat des MDS müsse weiterhin mit Selbstverwaltungsvertretern aus dem GKV-Spitzenver- band besetzt werden. Dass stattdessen Patienten- und Betroffenenvertreter sowie Berufsgruppen aus Gesundheitswesen und Pflege den Platz einnehmen, berge die Gefahr, dass Interessen von Leistungserbringern bzw. Partikularinteressen Einfluss in den Entscheidungsgremien der Medizinischen Dienste finden, erläutert Hansen. Die Einbindung von Patientenvertretern erfolge schon heute in den Beiräten zu Fragen der Pflegeversicherung. Die Beiräte seien der richtige Ort für die beabsichtigte Ausdeh- nung auf Fragen der Krankenversicherung. Eine Beteiligung von Leistungserbringern lehnt der MDS-Verwaltungsrat ab. Darüber hinaus weist der MDS-Verwaltungsrat darauf hin, dass die fachliche Unabhängigkeit der MDK schon heute im Gesetz fest- geschrieben und gelebte Praxis ist. Die Verwaltungsräte nehmen keinerlei Einfluss auf die medizinischen und pflegerischen Bewertungen der Gutachterinnen und Gutachter der MDK. Die Verwaltungsräte regeln ausschließlich den organisatorischen Rahmen für die Aufgabenerfüllung und legen das Haushaltsvolumen fest. pm Der Entwurf enthält darüber hinaus noch Regelungen zur Definition des Katalogs für ambulante Operationen und stationserset- zende Eingriffe sowie neue Regelungen zu bundesweiten Statistiken, die mehr Trans- parenz über das Abrechnungs- und Prüfge- schehen herstellen sollen.
POLITIK KRANKENHAUSABRECHNUNGSPRÜFUNG Licht und Schatten Angenommen es gibt ein Gesetz, welches vorschreibt, dass man nur nach jedem zehnten Einkauf den Kassenzettel an der Ladentheke oder die Rechnung in der Autowerkstatt kontrollieren darf. Wie würde die Bevölkerung darauf reagieren? Mit Empörung. Und doch: Im Zuge des MDK-Reformgesetzes dürfen die Krankenkassen künftig nur noch jede zehnte Krankenhausrechnung prüfen. Den Kranken- hausträgern winkt ein Milliardengeschäft auf Kosten der Beitragszahler. / Text / Stefan Wöhrmann D as Thema der Kranken- hausabrechnungsprüfun- gen und der damit einher- gehenden Prüfungen der Medizinischen Dienste der Krankenversiche- rung (MDK) ist seit Jah- ren emotional besetzt. Die Krankenhäuser weisen jeglichen Vorwurf der Falschabrechnung von sich und der Bun- desrechnungshof attestiert gegenüber dem Bundesgesundheitsministerium (BMG) eine erhöhte Prüfungsnotwendigkeit durch die Krankenkassen. Gleichzeitig beklagen sich die Sozialgerichte über eine zu hohe diesbe- zügliche Inanspruchnahme durch Kranken- häuser und Krankenkassen. Die Klagewelle im November letzten Jahres im Zusammenhang mit der Umsetzung der Rechtsprechung des Bundessozialgerichts zu den Strukturanfor- derungen sogenannter Prozedurenkomplexko- des bei der Behandlung von Schlaganfall- und a t a p o L . J g r o e G / k e d v : o t o F Stefan Wöhrmann Abteilungsleiter Stationäre Versorgung beim vdek Geriatriepatienten hat das Fass zum Überlau- fen gebracht. Der Gesetzgeber versucht nun, den Bereich neu zu adjustieren und legte ent- sprechend einen Referentenentwurf eines MDK-Reformgesetzes vor. Demzufolge soll die Krankenhausabrechnungsprü- fung künftig effizienter werden. Der Ressourcen- einsatz aufseiten der Leistungserbringer und Krankenkassen sowie des MDK soll kleiner, das Prüfaufkommen begrenzt werden. Dabei ist zu beachten, dass zuerst eine Rechnung gestellt wird und danach die Prüfung erfolgt. Daher ist es hinsichtlich der Regelungen von Bedeutung, beim Ursprung, also bei der Rechnungslegung zu beginnen; das heißt, es müssen Anreize für Krankenhäuser gesetzt werden, die Rechnungsqualität zu erhöhen. Die Bagatellisierung von Falschabrech- nungen darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass mit der Einführung eines Festpreissys- tems in Verbindung mit den DRG-Fallpau- schalen die Kommerzialisierung der Kranken- hauslandschaft unaufhaltsam stattgefunden hat. Der Vorwurf an die Krankenkassen, sie würden das Instrument der Krankenhaus- abrechnungsprüfung ausschließlich aus Wettbewerbsgründen nutzen, dient der Durchsetzung ökonomischer Interessen durch die Leistungserbringer. Ein Indiz dafür sind der Anstieg der Krankenhausfälle und der Anstieg der Leistungsintensität, die weder mit demografischen noch mit medizinischen Faktoren zu erklären sind. Die Vorgabe einer limitierenden Prüfquote ist ein harter Eingriff des Gesetzgebers in die Aufgaben- wahrnehmung gesetzlicher Krankenkassen. Die heutige Prüfquote liegt bei etwa 17 Prozent. Die Erfolgsquote bei den geprüften Krankenhaus- fällen liegt bei der Hälfte der geprüften Fälle. Eine wie im Gesetz vorgesehene Reduktion der realisierten Prüfquote auf eine Höchstgrenze von zehn Prozent im Jahr 2020 würde bedeu- ten, dass sich die Zahl der Prüfungen der MDK um mehr als 40 Prozent reduzieren müsste. Da die Wirkungsweise der im Gesetz vorgesehe- nen gegensteuernden Regelungen ungewiss ist bzw. erst in den Folgejahren greifen kann, ist mit beitragsrelevanten Mehrausgaben der Krankenkassen in Höhe von etwa einer Mil- liarde Euro zu rechnen. Insofern wird es in Zukunft darauf ankommen, dass jene andere
ersatzkasse magazin. 3 / 2019 12 / 13 Die Leistungen sind nach ihrer Schwere zu differenzie- ren – dies ist der Weg in die richtige Richtung. Regelungen der Reform auch tatsächlich grei- fen. Dabei kommt es im Wesentlichen auf drei Bereiche an. aber einmalige Prüfung. Dies wird in diesem Bereich das Prüfaufkommen drastisch reduzie- ren. Hier hat der Gesetzgeber klug gehandelt. 1. Scoringsystem Künftig soll bei Krankenhausabrechnungen ein Scoringsystem etabliert werden. Dieses unterteilt die Krankenhäuser nach der Qua- lität der Rechnungslegung in drei Katego- rien. Ab dem Jahr 2021 wird die Prüfquote aus dem Jahr 2020 in Höhe von zehn Pro- zent gestaffelt in Quoten mit fünf, zehn und 15 Prozent. Krankenhäuser, die anteilig mehr korrekte Rechnungen stellen, werden belohnt und haben eine geringere Quote; bei Kran- kenhäusern mit schlechterer Qualität der Rechnungslegung entsprechend umgekehrt. Darüber hinaus sollen erstmals auch Sank- tionen bei Falschabrechnungen greifen. Die Krankenhäuser der mittleren und schlechten Kategorie müssen im Falle einer Falschab- rechnung zusätzlich 25 bzw. 50 Prozent der Differenz der Falschabrechnung zum korrek- ten Abrechnungsbetrag bezahlen. Bislang war die einzige Konsequenz für ein Krankenhaus, dass es nur den Differenzbetrag nachzahlen musste. Dies war kein Anreiz zur korrekten Rechnungslegung, sondern ein Fehlanreiz zur systematischen Erlösoptimierung. 2. Strukturprüfungen Krankenhäuser erhalten differenzierte Leis- tungsentgelte, die insbesondere auf bestimmte Diagnosen und Prozeduren zurückgehen. Für bestimmte Leistungen gibt es bei Komplexko- des Strukturanforderungen. Die Erfüllung der Strukturanforderungen konnten die Kranken- kassen nur im Rahmen der Einzelfallprüfung der Krankenhausabrechnung kontrollieren. Strukturprüfungen im Rahmen der jährlichen Vergütungsverhandlungen hatten keine ver- bindliche Rechtsgrundlage. Dies soll sich nun ändern. Die Erfüllung struktureller Anfor- derungen von Komplexkodes ist im Rahmen einmaliger Strukturprüfungen für einen pro- spektiven Zeitraum festzustellen. Werden die Voraussetzungen nicht erfüllt, dürfen diese Leistungen weder vereinbart noch abgerech- net werden. Wenngleich der Aufwand einer Strukturprüfung höher ist als bei einer Einzel- fallprüfung, handelt es sich um eine jährliche, 3. Katalog ambulanter Leistungen Von den derzeitigen Krankenhausabrechnungs- prüfungen durch den MDK geht ein großer Teil auf die Prüfung der primären Fehlbelegung zurück. Das bedeutet, es soll geprüft werden, ob der Patient tatsächlich stationär und nicht ambulant hätte behandelt werden müssen. Die- ses Prüfpotenzial soll dadurch reduziert wer- den, dass es künftig einen erweiterten Katalog für ambulante Operationen und stationserset- zende Eingriffe gibt, der um stationsersetzende Behandlungen ergänzt wird. Da sich die Selbst- verwaltungspartner – Deutsche Krankenhaus- gesellschaft, Kassenärztliche Bundesvereinigung und die gesetzliche Krankenversicherung – schwertaten, konkrete Leistungsdefinitionen und -abgrenzungen zu vereinbaren, soll der neue Katalog auf der Grundlage eines zu verge- benden Gutachtens erfolgen. Diese Leistungen gelten für Krankenhäuser und Vertragsärzte gleichermaßen. Ebenso sind auch in Zukunft einheitliche Vergütungen vorzusehen. Aller- dings sind die Leistungen nach ihrer Schwere zu differenzieren. Dies ist der Weg in die rich- tige Richtung. Die Regelung ist ein Vorläufer der beabsichtigten Neuregelung der sektoren- übergreifenden Versorgung, zu der das BMG eine Bund-Länder-Arbeitsgruppe etabliert hat, die ihre Arbeit bereits aufgenommen hat. Auch dieser Weg des Gesetzgebers ist richtig. Ob er jedoch von den Leistungserbrin- gern gegangen wird, bleibt abzuwarten. Ein Krankenhaus hat künftig die Wahl zwischen einer Abrechnung nach dem Fallpauscha- lenkatalog und dem Katalog für diese ambu- lanten Leistungen. Der einzige Anreiz, den Katalog für ambulante Leistungen zu wählen, ist der, dass Prüfungen des MDK hier nicht stattfinden dürfen. Ob dies bei vorgegebenen Prüfquoten für die Krankenkassen ausreicht, bleibt abzuwarten. Insgesamt hat die beabsichtigte Reform der Krankenhausabrechnungsprüfung posi- tive und negative Seiten. Ob sie letztendlich angenommen wird und greift, hängt davon ab, ob Vernunft oder finanzielle Interessen obsiegen.
POLITIK ÜBERSICHT Aktuelle Gesetzesvorhaben Digitale Versorgung Gesetz (DVG) MDK-Reformgesetz • Aus den Medizinischen Diensten der Krankenversicherung (MDK) werden Medizinische Dienste (MD). Diese sind Körperschaften des öffentlichen Rechts und keine Arbeitsgemeinschaften der Krankenkassen mehr. • Die Verwaltungsräte der MD werden zukünftig aus sechs Kassenvertretern, sechs Patientenvertretern, vier Vertretern der Landesärztekammer und vier Vertre- tern der Pflegeberufe bestehen. Personen, die Mitglieder des Verwaltungsrates bzw. der Vertreterversammlung einer Kranken- kasse oder eines Kassenverbandes sind oder dies bis zu zwölf Monaten im Voraus waren, können nicht benannt werden. Gleiches gilt für hauptamtlich Beschäftigte. • Der Medizinische Dienst des Spitzenver- bandes Bund der Krankenkassen (MDS) wird aus dem GKV-Spitzenverband heraus- gelöst und zum MD Bund als eigenständige Körperschaft des öffentlichen Rechts. Er bekommt die Richtlinienkompetenzen für die Aufgabenwahrnehmung durch die MD, die ihn finanzieren. Dem GKV-Spit- zenverband bleibt nur noch das Recht zur Stellungnahme. Der Umbau zum MD Bund muss nach 1,5 Jahren abgeschlossen sein. Inkrafttreten: 1. Januar 2020 > Seite 10 • Digitale Gesundheitsanwendungen (Gesundheits-Apps) sollen zeitnah in den Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) aufgenommen werden können. Die Entscheidung soll nach Prüfung von Grundanforderungen durch das Bundesamt für Arzneimittel und Medi- zinprodukte (BfArM) erfolgen. • Der Kreis der an die Telematikinfrastruktur (TI) angebundenen Leistungserbringer wird erweitert. Krankenhäuser sind bis zum 1. März 2021 anzuschließen, für Hebammen und Physiotherapeuten ist der Anschluss freiwillig. Die Einbindung von Pflegeeinrich- tungen wird über Modellversuche erprobt. • Die Sanktionen für Ärzte, die ihrer Verpflichtung zur Aktualisierung der Versi- chertendaten (Stammdatenmanagement) nicht nachkommen, werden verschärft. • Die verpflichtenden Inhalte der elektroni- schen Patientenakte (ePA) werden erwei- tert. Zudem werden die Voraussetzungen geschaffen, dass auch das Zahn-Bonusheft, der Impfausweis, die U-Untersuchungen und der Medikationsplan gespeichert werden können. • Nach dem eRezept für Arzneimittel sollen auch elektronische Verordnungen für den Heil- und Hilfsmittelbereich eingeführt werden. • Der Innovationsfonds wird um fünf Jahre verlängert und die Verfahrensprozesse wer- den weiterentwickelt. Inkrafttreten: nach Verkündung > Seite 8 Faire-Kassenwahl-Gesetz (GKV-FKG) • Neuordnung des Verwaltungsrats beim GKV-Spitzenverband durch 40 hauptamt- liche Vorstände der Kassen. • Beschränkung der Amtszeit der Vorstände des GKV-Spitzenverbandes auf zwei Wahl- perioden. • Öffnung aller Krankenkassen mit Aus- nahme der geschlossenen Betriebs- krankenkassen und dadurch bundes- einheitliche Rechtsaufsicht durch das Bundesversicherungsamt (BVA). • Neugestaltung des Haftungssystems der Krankenkassen. • Einführung einer Regionalkomponente in den Risikostrukturausgleich (RSA). • Einführung eines Risikopools. • Einführung eines Krankheitsvollmodells. • Maßnahmen zur Stärkung der Manipulati- onsresistenz des RSA. • Streichung der Erwerbsminderungsgruppen. • Streichung der DMP-Programmkosten- pauschale. • Einführung von Altersinteraktionstermen. • Versichertenindividuelle Berücksichtigung von Arzneimittelrabatten im RSA. Inkrafttreten: 1. Januar 2020 > Seite 31
ersatzkasse magazin. 3 / 2019 14 / 15 OTA/ATA-Gesetz Masernschutzgesetz • Um Schul- und Kindergartenkinder wirk- sam gegen Masern zu schützen, soll eine Impfplicht speziell für Masern eingeführt werden. • Kinder und Jugendliche, die in einer Gemeinschaftseinrichtung betreut werden (hierzu zählen unter anderem Kindergär- ten und -krippen, Schulen, Ferienheime), müssen einen ausreichenden Impfschutz oder eine Immunität gegen Masern nach- weisen. Das Gleiche gilt für Betreuer und Lehrer, die eine Tätigkeit ausüben, bei der sie engen Kontakt zu Betreuten haben, und für Personal in bestimmten medizinischen Einrichtungen. • Personen, die bereits jetzt in den betroffenen Einrichtungen arbeiten bzw. dort aufgenommen sind, haben bis zum 31. Juli 2020 Zeit, den entsprechenden Nachweis zu erbringen. • Ein Verstoß gegen die neue Impfpflicht kann mit einem Bußgeld von bis zu 2.500 Euro belegt werden. • Es wird ein digitaler Impfausweis eingeführt. Inkrafttreten: 1. März 2020 Implantateregister- Errichtungsgesetz (EIRD) • Es wird ein verpflichtendes Implantate- register eingeführt. Die verantwortlichen Gesundheitseinrichtungen müssen Daten über Implantationen und Explantationen aller betroffenen Patienten dorthin melden. • Die Hersteller werden verpflichtet, ihre Produkte in der Produktdatenbank des Registers zu registrieren. • Mit der Vorlage des Gesetzentwurfs über die Ausbildung zur Anästhesietechnischen Assistentin und zum Anästhesietechnischen Assistenten (ATA) und über die Ausbildung zur Operationstechnischen Assistentin und zum Operationstechnischen Assistenten (OTA) will das BMG diese Gesundheits- berufe bundeseinheitlich regeln. Damit kommt das BMG einer langjährigen Forde- rung der Bundesländer nach. • Den gesetzlichen Krankenkassen und • Dem Entwurf nach soll die Ausbildung drei Jahre dauern. Als Abschluss ist für die Auszubildenden eine staatliche Prüfung vorgesehen. Um eine Ausbildung zu begin- nen, ist ein mittlerer Schulabschluss oder eine mindestens zweijährige, abgeschlos- sene Berufsausbildung nach einem Haupt- schulabschluss nötig. • Beide Berufe werden in die Liste der staatlich anerkannten Berufe zur Ausbil- dung im Krankenhaus aufgenommen. • Die Finanzierung soll durch Zuschläge nach § 17a Krankenhausfinanzierungsgesetz erfolgen. Inkrafttreten: 1. Januar 2021 den privaten Krankenversicherungsunter- nehmen kommt ergänzend die Pflicht zu, in regelmäßigen Abständen den Vitalsta- tus, das Sterbedatum und einen Kranken- kassen- bzw. Versicherungswechsel der betroffenen Patienten zu melden. • Patienten können auf Antrag beim Implan- tateregister Auskunft über die über ihre Person gespeicherten Daten erhalten. • Fachfremd sind Änderungen im Verfahren des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) zur Nutzenbewertung von neuen Untersuchungs- und Behandlungsmethoden in der vertragsärztlichen Versorgung und in der Krankenhausversorgung vorgesehen: Das Bundesgesundheitsministerium (BMG) kann zukünftig wesentliche Vorgaben für das Verfahren des G-BA in einer Rechtsver- ordnung ohne Zustimmung des Bundesra- tes regeln. • Methodenbewertungsverfahren für den vertragsärztlichen Bereich durch den G-BA sollen zukünftig innerhalb von zwei anstelle von drei Jahren abgeschlossen werden. Inkrafttreten: nach Verkündung. Der Wirkbetrieb des Registers soll spätestens am 1. Juni 2021 aufgenommen werden.
POLITIK Hebammenausbildung • Mit der Reform der Hebammenausbildung setzt das BMG eine EU-Richtlinie vom 7. September 2005 um. • Der Entwurf sieht die vollständige Akade- misierung der Hebammenausbildung vor. Es werden Regelstudiengänge eingerich- tet, die mindestens sechs und maximal acht Semester dauern. • Nach erfolgreichem Abschluss tragen die Absolventen die Bezeichnung Hebamme. Diese Bezeichnung gilt zukünftig auch für männliche Absolvierende. Die Bezeich- nung Entbindungshelfer wird abgeschafft. Inkrafttreten: 1. Januar 2021 Psychotherapeutenausbildung • Einführung eines neuen Hochschulstudien- gangs Psychotherapie. • Das Studium gliedert sich in ein dreijäh- riges Bachelor- und ein zweijähriges Mas- terstudium. Am Ende steht eine staatliche psychotherapeutische Prüfung, die nach Bestehen zur Approbation führt. • Daran schließt sich eine Phase der Wei- terbildung an, in der sich die Absolventen zum Fachpsychotherapeuten für Erwach- sene oder auf Kinder und Jugendliche spezialisieren. • Nach Abschluss der Weiterbildung haben die Absolventen die Berechtigung, sich ins Arztregister eintragen zu lassen und können sich um eine Zulassung für die Ver- sorgung von Versicherten der gesetzlichen Krankenversicherung bewerben. Geplantes Inkrafttreten: 1. September 2020 Gesetz für mehr Sicherheit in der Arzneimittelversorgung (GSAV) • Die Rückrufkompetenz der zuständigen Bundesbehörden – Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) und Paul-Ehrlich-Institut (PEI) – wird erhöht. Zusätzlich wird die Koordinierungs- funktion in Bezug auf die Landesbehörden gestärkt, um ein bundesweit einheitliches Vorgehen bei Rückrufen oder Arzneimittel- mängeln zu gewährleisten. • Die Krankenkassen erhalten einen Ersatz- anspruch bei Rückrufen bzw. Mängeln. Für die Versicherten entfällt eine erneute Zuzahlung. • Zur Bekämpfung von Arzneimittelfälschun- gen werden die einschlägigen Vorschriften an die EU-Vorgaben angepasst. • Die Herstellung verschreibungspflichtiger Arzneimittel durch Angehörige nicht- ärztlicher Heilberufe (insbesondere Heil- praktiker) wird erlaubnispflichtig. • Alle Arzneimittel zur Therapie von Gerinnungsstörungen unterliegen zu- künftig grundsätzlich einem einheitlichen Vertriebsweg über die Apotheke. • Um Wirtschaftlichkeitspotenziale zu erschließen, gibt es zukünftig eine gestaffelte Importquote in Abhängigkeit vom Abgabepreis. • Der Orphan Drug-Status wird enger gefasst und verschärft. • Die Selbstverwaltung soll sieben Monate nach Inkrafttreten die erforderlichen Regelungen für die Einführung von Verord- nungen in elektronischer Form treffen. Das Fernverordnungsverbot wird aufgehoben. Geplantes Inkrafttreten: 1. Juli 2019 Vor-Ort-Apotheken-Gesetz • Verankerung der Preisbindung im SGB V. Bei Verstoß drohen Apotheken Strafzahlun- gen bis zu 50.000 Euro oder sie können bis zu zwei Jahren von der Versorgung ausgeschlossen werden. • Versicherte haben zukünftig Anspruch auf zusätzlich honorierte pharmazeutische Leistungen. Diese Leistungen werden von dem Deutschen Apothekerverband (DAV), dem GKV-Spitzenverband im Benehmen mit der privaten Krankenversicherung (PKV) innerhalb von sechs Monaten nach Inkrafttreten des Gesetzes zur Verfügung gestellt. • Apotheken sollen zur Grippeimpfung berechtigt werden. Dies soll in Modell- projekten über einen Zeitraum von fünf Jahren zunächst erprobt werden. • Der Festzuschlag zur Förderung der Sicherstellung von Notdiensten von derzeit 16 Cent wird künftig 21 Cent betragen. • Für chronisch Kranke können Ärzte Wiederholungsrezepte ausstellen. Inkrafttreten: nach Verkündung PTA-Reform • Mit dem Gesetz sollen das Berufsbild und die Ausbildung der pharmazeutisch-tech- nischen Assistentinnen und pharmazeu- tisch-technischen Assistenten reformiert werden. • Die Ausbildungsinhalte werden stärker darauf ausgerichtet sein, dass die PTA Kun- den in der Apotheke über Arzneimittel und Medizinprodukte beraten können. Dadurch können sie auch mehr Verantwortung in der Apotheke übernehmen. • Die Ausbildungsdauer und Struktur inklu- sive des halbjährigen Abschlusspraktikums in einer öffentlichen Apotheke bleiben unverändert bei 2,5 Jahren. Inkrafttreten: 1. Januar 2021
ersatzkasse magazin. 3 / 2019 16 / 17 EINWURF Sozialwahlen modernisieren – Online-Wahlen auf den Weg bringen! Die nächsten Sozialwahlen finden 2023 statt. Die Ersatz- kassen fordern den Gesetzgeber auf, rasch gesetzliche Schritte einzuleiten, um Wahlen per Mausklick zu ermöglichen. / Text / Ulrike Elsner D ie Sozialwahlen sind nach der Bundestagswahl und der Europawahl die größ- ten Wahlen in Deutschland. Bei den Ersatzkassen (TK, BARMER, DAK-Gesund- heit, KKH, hkk) und bei der Deutschen Rentenversiche- rung Bund finden Urwahlen statt, ein rundum demokratisches Prinzip. Rund 50 Millionen Sozialversicherte sind 2023 erneut aufgefor- dert, ihre Vertreterinnen und Vertreter in die Sozialparlamente von Gesundheit und Rente zu wählen. Diese sorgen dafür, dass die Interessen der Versicherten in der Kranken- und Renten- versicherung gehört werden. Bei den Ersatzkas- sen geht es dabei um zentrale gesundheits- und sozialpolitische Entscheidungen, angefangen bei der Festlegung des Beitragssatzes und kas- senindividueller Satzungsleistungen bis hin zur Arbeit in Widerspruchsausschüssen. Die gewählten Vertreterinnen und Vertreter wirken zudem in politischen Gremien mit, zum Beispiel im Verwaltungsrat des GKV-Spitzenverbandes, in der Mitgliederversammlung des Verbandes der Ersatzkassen e. V. (vdek) oder im Gemein- samen Bundesausschuss (G-BA). Alle wesentli- chen politischen Entscheidungen sind also von der sozialen Selbstverwaltung geprägt. Dabei gilt der Grundsatz: Je mehr Ver- sicherte an den Sozialwahlen teilnehmen, desto größer ist auch die Legitimation und politische Kraft der gewählten Selbstverwal- terinnen und Selbstverwalter. Deshalb ist es das Ziel, die Wahlbeteiligung (2017 lag sie bei rund 30 Prozent) weiter zu erhöhen und auch andere bzw. jüngere Wählergruppen zu erreichen. Traditionell werden die Sozialwahlen per Briefwahl durchgeführt. Gerade für die Jüngeren, die mit Smartphone und Computer groß geworden sind, stellt dies eine Hürde dar, an der Wahl teilzunehmen. Deshalb setzen wir uns dafür ein, die Sozialwahlen neben der Briefwahl auch per Mausklick zu ermöglichen. Nicht zuletzt die Europawahl hat gezeigt, dass ein Modernisierungsschub der demokratischen Parteien, Institutionen und Prozesse ange- zeigt ist. Estland macht vor, wie es gehen kann: Hier wird bereits seit 2005 online gewählt – rechtskonform und mit hoher Akzeptanz in der Bevölkerung. Online-Wahlen für die Sozialwahlen könnten daher Test und Vor- bild sein für die Einführung von E-Voting in Deutschland. Allerdings drängt die Zeit. Die Politik ist jetzt gefordert, die notwendigen Gesetzesänderun- gen auf den Weg bringen, damit die techni- schen, (datenschutz)rechtlichen und weitere Vorbereitungen noch rechtzeitig erfolgen kön- nen. Wegducken gilt nicht mehr im Zeitalter der Digitalisierung! Ulrike Elsner Vorstandsvorsitzende des vdek Ihre Meinung interessiert uns! Schreiben Sie uns, was Sie von Online-Wahlen halten. redaktion@vdek.com
AUS DEN KASSEN AMNOG-REPORT 2019 100.000 Euro und mehr für neue Arzneimittel Neu zugelassene Medikamente werden immer teurer, die Marke der 100.000 Euro pro Anwendung wird häufiger denn je überschritten. Das geht aus dem aktuellen AMNOG- Report der DAK-Gesundheit hervor. Demnach lagen die Jahrestherapiekosten im vergangenen Jahr bei jedem vierten neuen Arzneimittel im sechsstelligen Bereich. Der Anteil der Hochpreismedikamente hat sich somit in den vergangenen vier Jahren verdoppelt. Im Jahr 2017 gaben die gesetzlichen Krankenkassen insgesamt 41,5 Milliarden Euro für Arzneimittel aus – ein Plus von 3,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Die Frage nach der Belastbarkeit des Solidarsystems wird immer lauter. / Text / Florian Kastl D er Anstieg ist enorm: Kos- tete zwischen 2011 und 2014 im Durchschnitt pro Patient und Jahr nur jedes achte Arzneimittel über 100.000 Euro, so traf dies zwischen 2015 und 2018 bereits auf jedes vierte zu. Der Trend zeigt also in eine deutliche Rich- tung. Andreas Storm, Vorsitzender des Vor- standes der DAK-Gesundheit, sieht darin neue Herausforderungen für die Kassen und die Gesellschaft gleichermaßen: „Angesichts der vielen Hochpreismedikamente brauchen wir i r e g g W / K A D : o t o F Florian Kastl DAK-Gesundheit neue Vertragsmodelle mit den Herstellern. Das Solidarsystem darf nicht überfordert wer- den, gleichzeitig müssen medizinische Inno- vationen beim Patienten ankommen.“ Prob- lematisch vor diesem Hintergrund sei aber auch die oft noch ungenügende Datenlage bei der Zulassung der Medikamente, so Storm. „Wir brauchen wirksame Arzneimittel, die den Patienten einen echten Mehrwert bringen und gleichzeitig Risiken minimieren. Dafür müssen diese von Experten gut geprüft werden. Lei- der ist das bisher nicht immer der Fall: Einige Wirkstoffe werden auf den Markt gebracht, obwohl diese nur ungenügend untersucht wur- den. Ein schneller Zugang zu Arzneimitteln bedeutet auch ein schneller Zugang zu Risi- ken und Nebenwirkungen. Hier muss ein Mit- telweg gefunden werden.“ Der aktuelle Ent- wurf des Gesetzes für mehr Sicherheit in der Arzneimittelversorgung (GSAV) macht hierzu erste Vorschläge, welche im neuen AMNOG- Report diskutiert werden. Auch sei ein Urteil nach Überlebenschancen nicht immer ziel- führend. Gerade die Lebensqualität nach der Arzneimittelgabe müsse stärker berücksich- tigt werden. Die Lebensqualität als wichtiges Kriterium Die Frage nach der Lebensqualität geht dabei über eine reine Lebensverlängerung hinaus. Sie widmet sich den konkreten Lebensum- ständen nach der Therapie und berücksich- tigt, inwiefern der Patient anschließend einem selbstbestimmten Leben nachgehen kann. Laut AMNOG-Report ist die Entwicklung der Daten zur gesundheitsbezogenen Lebensqua- lität im Allgemeinen positiv: Während diese zur Einführung des AMNOG-Prozesses in vielen Dossiers der Pharmaunternehmen noch fehlten, beinhalteten im Jahr 2018 über drei Viertel (79 Prozent) solche Erhebungen. Insgesamt waren seit Einführung der Nut- zenbewertung im Jahr 2011 in drei Vierteln (74 Prozent) der Verfahren Daten zur Lebens- qualität verfügbar. Davon waren jedoch nur 65 Prozent auch verwertbar. Für eine umfas- sende und abschließende Bewertung ist dies noch zu wenig. Dabei kann eine Verbesserung oder der Erhalt der Lebensqualität gerade in der Anwendung besonders kostspieliger Arz- neimittel entscheidend sein.
ersatzkasse magazin. 3 / 2019 18 / 19 Kriterium für die Preisverhandlungen zwi- schen dem Hersteller und dem GKV-Spitzen- verband. „Alles in allem zeigt unser Report, dass sich der AMNOG-Prozess etabliert hat und funktioniert“, sagt Storm. „Trotzdem hat er nach wie vor Schwächen. Vor allem im Bereich der therapeutischen Solisten werden nicht alle Instrumente des AMNOG auch genutzt. Der komparative Ansatz des AMNOG ist hier schlicht nicht wirksam. Abhilfe würde der Einsatz der Kosten-Nutzen-Bewertung schaffen. Dafür müssten die entsprechenden Regelungen angepasst werden.“ Die DAK-Gesundheit hat mit dem AMNOG-Report 2019 zum fünften Mal in Folge systematisch den Prozess der Nutzen- bewertung untersucht. Dabei wird immer wieder auch besonderes Augenmerk auf die Preisentwicklung neu zugelassener Wirk- stoffe gelegt. Es zeigt sich als problematisch, dass vielfach eine fehlerhafte Datengrundlage eine umfassende Nutzenbewer- tung im AMNOG- Prozess unmög- lich macht. N ur durch Daten zur Lebensquali- tät kann ein vollständiges Bild des Nutzens und des Schadens von neuen Arzneimitteln dargestellt werden“, sagt Prof. Dr. Wolfgang Greiner, Gesundheitsökonom an der Universi- tät Bielefeld und Autor des AMNOG-Reports 2019. „Die Lebensqualität selbst wird immer öfter zum bedeutenden Therapieziel, nicht mehr nur das Überleben des Patienten an sich. Das ist eine begrüßenswerte Entwick- lung. Dennoch lässt die Datenqualität oft noch zu wünschen übrig. Wir müssen gemeinsam daran arbeiten, bessere Daten zu erheben und gleichzeitig die verfügbaren Informationen besser nutzbar zu machen.“ Es zeigt sich als problematisch, dass viel- fach eine fehlerhafte Datengrundlage eine umfassende Nutzenbewertung im AMNOG- Prozess unmöglich macht. In 40 Prozent aller im Rahmen der Nutzenbewertung bewerteten Teilpopulationen führten mangelnde Daten bislang dazu, dass der Gemeinsame Bun- desausschuss keine Bewertung vornehmen konnte. In insgesamt 30 Prozent waren zwar Daten vorhanden, diese aber aus verschiede- nen Gründen nicht geeignet. Dabei setzte sich 2018 der Trend der vergangenen Jahre fort. Weg von der reinen Preisfindung Generell ist zu beobachten, dass im Hinblick auf die Daten zur Lebensqualität das AMNOG- Verfahren von einem reinen Instrument für die Preisfindung immer weiter abrückt. Es regelt vermehrt auch, auf welcher Basis die Versichertengemeinschaft bereit ist, Höchstpreise für Arz- neimittel zu bezahlen. So genüg- ten laut AMNOG-Report 2018 Lebensqualitätsdaten inzwischen genauso häufig für den Nachweis eines Zusatznutzens wie die Daten zum Gesamtüberleben. Aber auch negative Effekte auf die Lebensqualität einer neuen Therapie wurden zuletzt in der Bewertung des Zusatznutzens berücksichtigt. Dieser Zusatz- nutzen ist ein wesentliches
AUS DEN KASSEN KKH BARMER DAK-GESUNDHEIT Augenmerk auf Online-Gaming Risiken beim Badespaß Exzessives Computer- oder Video-Gaming steht immer wieder in der Diskussion, nach- dem die Weltgesundheitsorganisation (WHO) die Online-Spielsucht in den neuen Katalog der Krankheiten (ICD-11) aufgenommen hat. Kritiker fürchten nun, dass Menschen, die viel online spielen, fälschlicherweise als the- rapiebedürftig eingestuft werden könnten. „Eine einheitliche Definition von Computer- spiel- und Onlinesucht ist schwierig, aller- dings gibt es klare Alarmzeichen für eine Abhängigkeit“, sagt Michael Falkenstein, Experte für Suchtfragen bei der KKH Kauf- männische Krankenkasse. Dazu gehöre etwa, die Kontrolle über Häufigkeit und Dauer des Spielens völlig zu verlieren, das Spielen vor andere Aktivitäten zu stellen und auch bei negativen Konsequenzen weiterzumachen. Falkenstein: „Süchtig nach Online-Gaming ist jemand, der seine Familie und Freunde, die Schule oder die Arbeit vernachlässigt, der sich wegen des ständigen Spielens schlecht ernährt, kaum noch schläft, Hobbys und sportliche Aktivitäten sausen lässt.“ Die häufigsten Gründe für exzessives Online- Spiel sind Stressbewältigung und Ablenkung. Besonders Menschen mit einem geringen Selbstwertgefühl nutzen die Games, um sich von Frust und Unsicherheit zu befreien. Sie genießen die virtuelle Unbeschwertheit, auch wenn das reale Leben derweil zusammen- bricht. Um exzessiv spielenden Patienten zu helfen, sei es vor allem wichtig, die Ursachen für die Sucht zu ermitteln, erläutert Falken- stein. Das können etwa Depressionen oder soziale Angststörungen, aber auch eine Auf- merksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung (ADHS) sein. Solche Erkrankungen können eine Spielsucht auslösen, eine Spielsucht aber wiederum auch andere Erkrankungen wie Fettleibigkeit, verstärkten Alkohol- und Nikotinkonsum, Herz-Kreislauf-Beschwerden, Schlafstörungen, Rückenschmerzen und Augenprobleme. www.kkh.de pm k c o t S e b o d A – i m a o g : o t o F Angesichts tropischer Temperaturen in Deutschland suchen viele Menschen Abküh- lung im Meer, in Badeseen und Flüssen. So erfrischend ein beherzter Sprung ins kühle Nass auch ist, rät die BARMER vor allem unerfahrenen Schwimmern, nicht leichtsinnig ins Wasser zu springen. Allein im Jahr 2018 sind nach Angaben der Deutschen Lebens- Rettungs-Gesellschaft (DLRG) über 500 Menschen in Deutschland ertrunken. Hinzu kommt die rückläufige Schwimmfähigkeit in Deutschland. Laut DLRG seien beispielsweise rund 60 Prozent der Zehnjährigen keine sicheren Schwimmer. Gerade für Ungeübte und Senioren, denen die Kraft schnell ausgeht, Menschen mit Herzproblemen und unerfahrene Schwimmer ist der Badespaß nicht frei von Risiken. „Wer nicht richtig schwimmen kann, ohne Abküh- lung ins Wasser springt oder die Tücken des Gewässers nicht kennt, geht unnötige Gefah- ren ein“, sagt Klaus Möhlendick, Sportwis- senschaftler bei der BARMER. Grundsätzlich solle man langsam ins Wasser gehen und nicht einfach springen. Denn sonst zögen sich die Blutgefäße zusammen und pumpten in kurzer Zeit zu viel Blut auf einmal zum Herz. Dies belaste die rechte Herzkammer übermäßig und könne zu Rhyth- musstörungen führen. Außerdem werde ein Reflex ausgelöst, wenn kaltes Wasser auf das Gesicht treffe, wodurch Herzfrequenz und Blutdruck rasch abfielen. Zudem unter- schätzten viele Schwimmer die Strömung oder plötzlich auftretende Kaltzonen. Dabei ermüde man rascher und benötige sehr viel Energie. pm www.barmer.de Online-Programm bei Alkoholproblemen Die DAK-Gesundheit bietet ein neues digi- tales Hilfsangebot bei Alkoholproblemen. Versicherte der Krankenkassen können das kostenlose Online-Coaching Vorvida nutzen, um ihren Alkoholkonsum zu reduzieren. Das Selbsthilfeprogramm reduziert riskantes Trinkverhalten nach einer aktuellen Studie des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE) um bis zu 75 Prozent. Es richtet sich gerade an Menschen, die nicht süchtig sind, aber weniger und bewusster trinken möchten. Vier Millionen Erwerbstätige in Deutschland haben einen riskanten Alkoholkonsum. „Die große Zahl der Menschen mit Alkoholprob- lemen ist alarmierend“, sagt Andreas Storm, Vorstandschef der DAK-Gesundheit. „Dennoch fehlen bislang flächendeckende und wirk- same Versorgungs- und Behandlungsange- bote. Unser Angebot Vorvida schließt diese Lücke und geht als Online-Selbsthilfepro- gramm neue Wege in der Prävention.“ Das Coaching-Programm ermittelt die persön- lichen Trinkgewohnheiten der Teilnehmer, zeigt mögliche Risiken und bietet den Betrof- fenen individuelle Hilfsangebote und Tipps. Auf der Grundlage kognitiver Verhaltensthe- rapien sowie anderer bewährter psychologi- scher Methoden hilft Vorvida dabei, Auslöser für starken Alkoholkonsum aufzuspüren und besser mit ihnen umzugehen. Das Online-Programm motiviert mit individuell zugeschnittenen Tipps, den Konsum zu redu- zieren, zu kontrollieren und gegebenenfalls aufzugeben. Die kurzen Übungen lassen sich unkompliziert in den Alltag einbauen. Öfter auf Alkohol zu verzichten, wirkt sich schon nach kurzer Zeit positiv auf die Gesundheit aus. Die Schlafqualität verbes- sert sich, der Körper wird beweglicher und verliert an Gewicht, nachweisbare Schäden an der Leber bilden sich zurück. Auch das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen sinkt. Kurzum: Der Verzicht bedeutet einen Gewinn an Gesundheit, Selbstständigkeit, Energie und Lebensfreude. www.dak.de pm
ersatzkasse magazin. 3 / 2019 20 / 21 TK BARMER KKH Die Haut vergisst nie Mit rund 270.000 Neuerkrankungen pro Jahr ist Hautkrebs die häufigste Krebserkrankung in Deutschland. Bei jeder siebten Erkrankung handelt es sich dabei um das gefährliche maligne Melanom, den schwarzen Hautkrebs. In den Jahren 2009 bis 2015 nahmen der helle Hautkrebs um über 50 Prozent und der schwarze Hautkrebs um über 30 Prozent zu. Zu spät erkannt, verläuft der schwarze Haut- krebs häufig tödlich. Gleichzeitig sind die Deutschen Früherkennungsmuffel: Jährlich nutzt nur jeder fünfte gesetzlich Versicherte das kostenlose Hautkrebsscreening. Dies zeigt der Hauptkrebsreport 2019 der Tech- niker Krankenkasse (TK), des Universitätskli- nikums Hamburg-Eppendorf (UKE) und der Universität Bremen. UV-Strahlung gilt als der wichtigste Risiko- faktor für Hautkrebs. Meist liegt die Ursache für die Erkrankung schon Jahrzehnte zurück. 20 bis 30 Jahre braucht Hautkrebs, um sich zu entwickeln. Besonders betroffen ist die Altersgruppe der 75- bis 79-Jährigen, das zeigen die Zahlen der Versicherten der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV). Von ihnen erkranken durchschnittlich 843 von 100.000 Versicherten im Jahr an schwarzem Hautkrebs. Zum Vergleich: Bei den 20- bis 24-Jährigen sind es nur 41 von 100.000 Versicherten. Dabei zeigen sich auch Unterschiede zwischen den Geschlech- tern: Bis zu einem Alter von 60 Jahren erkranken mehr Frauen an einem malignen Melanom als Männer. Danach kehrt sich das Bild um. In der Altersgruppe der 45- bis 54-jährigen Frauen ist ein deutlicher Anstieg an Diagnosen mit schwarzem Hautkrebs zu erkennen. Je früher Hautkrebs erkannt wird, umso scho- nender kann er behandelt werden. Im Zeit- raum zwischen 2015 und 2017 nahm pro Jahr jedoch nur jeder fünfte gesetzlich Versicherte eine Früherkennung bei einem Hautarzt oder seinem Hausarzt in Anspruch. www.tk.de pm Tipps gegen Prüfungsangst Wenn eine Prüfung ansteht, bedeutet dies für die meisten Menschen Stress. Wer unter Prüfungsangst leidet, empfindet die Situation jedoch ungleich schlimmer. Mancher bekommt dann sogar Panikattacken. Dabei lässt sich die Furcht vor dem Versagen bekämpfen, wenn man einige Tipps beherzigt. „Menschen mit Prüfungsangst sollten sich frühzeitig einen klaren Zeitplan mit kleinen und realistischen Schritten machen, die nach und nach abgearbeitet werden. Die Erfolgs- erlebnisse durch die erreichten Ziele moti- vieren, am nächsten Tag weiter zu lernen. So werden die Versagensängste kleiner“, sagt Andrea Jakob-Pannier, Psychologin bei der BARMER. Auch das Üben in Lerngruppen sei häufig eine Hilfe. Als Teil einer Gruppe könne man seinen Leistungsstand besser objektiv einschätzen und eventuell eine Prüfungssitu- ation durch Abfragen simulieren. Prüfungsangst könne schon Wochen im Vorfeld zu Durchfall, Erbrechen, Kopfschmer- zen, Herzrasen, Konzentrationsstörungen, Schwindel und Schlafstörungen führen. Eine gute Vorbereitung auf die Prüfung sei dann kaum mehr möglich, so Jakob-Pannier. Häufig flüchteten sich die Betroffenen in andere Tätigkeiten, was die Angst noch weiter ver- stärke. So entstehe ein Teufelskreislauf, der bis zu Panikattacken führen könne. Dann sei ein Besuch beim Arzt hilfreich, um die Symptome abzuklären und wenn notwendig, anerkannte Therapieverfahren wie die Ver- haltenstherapie in Anspruch zu nehmen. Mittel gegen Prüfungsangst seien auch das Erlernen einer Entspannungsmethode wie Yoga oder autogenes Training oder auch Online-Trainings wie „Achtsamkeit und Ent- spannung“. „Wer mit seiner Prüfungsangst nicht allein zurechtkommt, kann sich an psy- chologische oder allgemeine Sozialberatungs- stellen wenden“, sagt Jakob-Pannier. www.barmer.de pm Immer mehr Knie- und Hüftoperationen Immer häufiger werden in deutschen Klini- ken Ersatzgelenke für geschädigte Hüften und Knie implantiert. Laut Daten der KKH Kaufmännische Krankenkasse ist die Zahl der Operationen, bei denen Patienten ein künstliches Hüft- oder Kniegelenk eingesetzt wurde, zwischen 2008 und 2018 bundesweit um jeweils 31 Prozent gestiegen. Auch die Zahl der Folge-Operationen wegen eines Gelenkaustausches oder Komplikationen ist deutlich gestiegen: bei Knieprothesen um 30, bei Hüftprothesen um 27 Prozent. Laut dem Endoprothesenregister Deutsch- land (EPRD) gehören Erstimplantationen von jährlich rund 141.000 künstlichen Hüft- und 113.000 Kniegelenken (2017) zu den häufigs- ten Operationen. „Eine chirurgisch gut einge- setzte Endoprothese kann die Lebensqualität deutlich erhöhen“, sagt Thomas Schnell vom Serviceteam der KKH Kaufmännische Krankenkasse in Stuttgart. Erforderlich ist ein Ersatzgelenk, wenn das natürliche durch Verschleiß (Arthrose) abgenutzt oder auch durch einen Unfall zerstört ist und konserva- tive Maßnahmen wie Physiotherapie ausge- schöpft sind. Bei der deutlichen Zunahme an Knie- und Hüftprothesen-OPs stellt sich jedoch die Frage, ob die Eingriffe medizinisch immer notwendig sind oder ob hier auch wirtschaft- liche Interessen der Krankenhäuser eine Rolle spielen. Allein unter den Versicherten im Alter zwischen 45 und 59 Jahren haben im vergangenen Jahr doppelt so viele Männer und 44 Prozent mehr Frauen ein künstliches Kniegelenk erhalten als noch 2008. Auch wenn sich die sogenannte Standzeit von Kunstgelenken erhöht hat, sie also länger halten: Je jünger ein Patient bei der ersten Knie- oder Hüftgelenk-OP ist, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass die Prothese ausgewechselt werden muss. Wechselope- rationen sind meist aufwendiger als die Ersteingriffe und führen häufiger zu Kompli- kationen. www.kkh.de pm
IM FOKUS GENDERORIENTIERTE GESUNDHEITSVERSORGUNG Gewinn für Frau und Mann Noch immer wird im Gesundheitswesen eine bestimmte Herausforderung unterschätzt – nämlich die der geschlechts- spezifischen Versorgung. Es gibt Unterschiede bei Mann und Frau mit Blick auf sowohl die Häufigkeit von Krankheiten und Todesursachen als auch in der Art der Behandlung und medizinischen Forschung. So sterben zum Beispiel in den USA Frauen noch immer häufiger nach einem Herzinfarkt als Männer, der plötzliche Herztod durch einen Herzstillstand dagegen trifft häufiger die Männer. Andere Krankheiten kommen wiederum bei Frauen häufiger vor, beispielsweise Schilddrüsen- und andere Autoimmunerkrankungen. / Text / Gerd Glaeske G eschlechtsspezifische Unter- schiede zeigen sich ins- besondere bei Arzneimit- teln. Bei einer Behandlung mit Arzneimitteln ist unter anderem die unterschied- liche Enzymausstattung bei Männern und Frauen zu berücksichtigen. Diese kann bei vielen Wirkstoffen zu ganz verschiedenen Abbau- geschwindigkeiten führen, wodurch sie bei gleicher Dosierung unterschiedlich lange im Körper bleiben. Dies ist zum Beispiel der Fall bei dem Betarezeptorenblocker Metoprolol, der zum einen bei Bluthochdruck, zum ande- ren aber insbesondere bei Frauen häufig zur Migräneprophylaxe angewendet wird, und der dann bei gleicher Dosierung bei Männern um 40 Prozent stärker wirkt, auch bezüglich der möglichen unerwünschten Wirkungen. Wir- kungsunterschiede zeigen sich auch bei dem vielverordneten Schlafmittel Zolpidem. Frauen scheinen diesen Wirkstoff deutlich langsa- mer abzubauen als Männer. In einer von der amerikanischen Arzneimittelbehörde, der , h t u a f r e n e u h l e a h p a r : o t o F t e n . k e h t o t o h P Prof. Dr. Gerd Glaeske Universität Bremen Food and Drug Administration (FDA), durch- geführten Untersuchung mit 250 Männern und 250 Frauen hatten 15 Prozent der Pro- bandinnen acht Stunden nach der Einnahme von zehn Milligramm – also der Dauer einer typischen Nachtruhe – einen Blutspiegel, bei dem das Reaktionsvermögen deutlich herabge- setzt ist (> 50 ng/ml). Bei den Männern waren es nur drei Prozent. Aufgrund dieser Ergeb- nisse senkte die FDA die zugelassene Dosis für Frauen bei schnell freisetzenden Zolpidem- Präparaten von zehn auf fünf Milligramm und von 12,5 auf 6,25 Milligramm bei retardierten Produkten. Für Männer wird diese Dosisre- duktion lediglich empfohlen. Solche Erkenntnisse sind oft Zufallser- gebnisse aus der Forschung, da leider noch immer keine durchgängig gleiche Beteiligung von Frauen und Männern in Arzneimittelstu- dien und eine geschlechtsspezifische Auswer- tung der Ergebnisse erreicht wurden. An den klinischen Studien mit Erkrankten nehmen aktuell rund 30 bis 80 Prozent Frauen teil (70 bis 20 Prozent Männer), wenn die Krankheit bei beiden Geschlechtern vorkommt. Diese Relation fiel allerdings in früheren Jahren sehr viel ungünstiger für Frauen aus. Entspre- chend unsicher war die Entscheidungsbasis für die Verordnung, wenn Ärztinnen und Ärzte von den typischerweise bei 40-jährigen Männern gefundenen Daten auf die Dosie- rung und die unerwünschten Wirkungen bei 60- oder 70-jährigen Frauen Rückschlüsse ziehen mussten. Eine Untersuchung aus den USA zeigt in diesem Zusammenhang sol- che zum Teil eher irritierenden Ergebnisse (s. Abb. 1 auf S. 24). Ab 2021 soll es in dieser Beziehung verpflichtende Regeln für die Ein- beziehung von Frauen in klinische Studien geben. Lebensstile und Lebenserwartungen Die geschlechtsspezifischen Unterschiede spiegeln sich auch in der Lebenserwartung wider. Laut Berechnungen des Statistischen Bundesamts für die sogenannte Sterbetafel 2014/2016 werden neugeborene Mädchen durchschnittlich 83 Jahre und zwei Monate leben. Jungen haben dagegen eine Lebenser- wartung von im Schnitt 78 Jahren und vier Monaten. Bei Männern spielen bei der höheren
ersatzkasse magazin. 3 / 2019 22 / 23 Sterblichkeit Herz-Kreislauf- sowie Krebserkrankungen, Leberkrank- heiten und Diabetes mellitus eine wesentliche Rolle. Sex und Gender als Kontinuum In Bezug auf Gesundheit, Krankheit und Tod sind nicht nur biologisch nachvollziehbare geschlechtsspezi- fische Unterschiede zwischen Män- nern und Frauen zu berücksichtigen. Mitgedacht werden müssen auch Gen- der-Aspekte, zu verstehen als sozialer Ausdruck des biologischen Geschlechts, wenn es um eine weiterführende Konzeption der medizinischen Versorgung von Männern und Frauen geht. Eine genderorientierte Gesund- heitsversorgung berücksichtigt daher nicht nur die biologisch feststehenden Aspekte von Mann und Frau. Sie ergänzt sie vielmehr um Einflüsse auf das Individuum, die durch die Umwelt, durch das soziale Umfeld und die jeweils gemachten Erfahrungen mitgeprägt werden. Insofern wird der Begriff Sex als Begriff für das biologische Geschlecht und Gender als Begriff für das soziale Geschlecht zu einem Kontinuum, das nicht zwischen die- sen Begriffen abgrenzt, sondern je nach der gesundheitlichen Versorgungnotwendigkeit ineinander übergehen kann. D ies zu verstehen, muss vertieft wer- den, denn Gendermedizin stößt in der Bevölkerung auf zum Teil gro- ßes Unverständnis. Dabei wären gerade Männer gut beraten, sich in ihrem Gesundheitsverhalten stärker an dem Gesundheitsbewusstsein von Frauen zu orien- tieren, weil sie dann, so zeigen Überlegungen, eine ähnliche Lebenserwartung wie Frauen erreichen würden. Leider werden in dieser Beziehung wirksame Präventionsangebote von Männern aber nur bedingt angenommen, wenn es beispielsweise darum geht, den Alkoholkon- sum einzuschränken, das Rauchen aufzugeben und in der Ernährung auf zu viel Fleisch zu ver- zichten und Gemüse und Obst zu bevorzugen. In diesem Zusammenhang dürfen allerdings auch gesellschaftliche Rahmenbedingungen nicht unberücksichtigt bleiben. Rollen- und Habituskonzepte beeinflussen mit ihren Gesundheits- chancen können vor allem auf der Basis von Bildungs- chancen verbessert werden. anerzogenen, angewöhnten oder auch in dem jeweiligen sozialen Umfeld erwarteten, akzep- tierten oder gar geförderten Verhaltens- und Entscheidungsstrukturen letztlich auch das gesundheitsorientierte Bewusstsein. Gesund- heitschancen können vor allem auf der Basis von Bildungschancen verbessert werden, ins- besondere für Menschen, die in sozial beding- ter und geschlechtsbezogener Ungleichheit leben. Daher muss eine genderorientierte Gesundheitsversorgung die individuell auf einzelne Patientinnen und Patienten gerich- tete medizinische Versorgung um die Ziele von Public Health erweitern. Diese beinhalten bekanntlich gesundheits-, bevölkerungs- und sozialpolitische Aspekte und können damit zu einer Umsetzung der Gesundheitsdefinition der Weltgesundheitsorganisation (WHO) bei- tragen, die nicht nur durch die Abwesenheit von Krankheit charakterisiert ist, sondern auch durch einen Zustand vollständigen kör- perlichen, psychischen und sozialen Wohl- befindens. Besonders eindrucksvoll lassen sich diese Zusammenhänge in der Arzneimittelversor- gung erkennen. Bei Verordnungen von Tran- quilizern – Mittel gegen Stress-, Belastungs- und Angstsymptome –, von Schlafmitteln und Antidepressiva zeigt sich seit vielen Jahren eine geschlechtsspezifische Verteilung: Zwei Drittel der Medikamente werden Frauen ver- schrieben (s. Abb. 2 auf S. 24). Bei längerer Anwendung haben diese Mittel unerwünschte Folgen und können zur Sucht führen. Von den schätzungsweise 1,2 bis 1,5 Millionen Men- schen, die darunter leiden, befinden sich zwei Drittel Frauen, vor allem im höheren Alter.
IM FOKUS Beteiligung von Frauen an klinischen Studien 2010 – 2012 (Phasen 2 und 3); nach Indikationen bei FDA-Zulassungen Abb.1 1,8 1,4 1 0,6 0,2 0 NTX C OPD Akutes Koronarsyndro m HIV Kolorektales Karzino m Hepatitis C Gicht M ultiple Sklerose Hypertonie m ern Blasendysfunktion H odgkin Ly m pho m Rheu m atoide Arthritis Basalzellkarzino m M elano m Vorho fflim Kopfläuse Gewichtskontrolle Quelle: Noha et al., 2015 1 wäre die Übereinstimmung mit der geschlechtsspezifischen Häufigkeit der Krankheiten bei Frauen. Die Auswertung zeigt, dass bei relevanten Indikationen wie Koronarsyndrom oder Hepatitis eine zu geringe Beteiligung von Frauen statt- fand, bei Kopfläusen und Gewichtskontrolle aber eine überproportionale. Abb.2 31,8 29,6 Verordnung von Benzodiazepin-Tranquilizern und Z-Drugs-Schlafmitteln 2012; nach Alter und Geschlecht; Tagesdosis je versicherter Person 35 30 25 20 15 10 5 0 Frauen Männer 20,8 15,9 12,6 7,3 8 0,5 0,6 0,1 0,2 0,6 0,8 1,6 1,2 3,5 2,2 4,2 unter 10 10–19 20–29 30–39 40–49 50–59 60–69 70–79 über 79 Quelle: Universität Bremen Altersgruppen Die Gründe für diese seit Jahren unveränderte Situation sind vielfältig: 1. Frauen klagen mehr und offener über psy- chische und physische Beschwerden als Männer. 2. Die Verschreibungspraktiken der Ärztinnen und Ärzte stehen in enger Beziehung zu der Darstellungsweise von Beschwerden. Frauen sind hinsichtlich ihrer Beschwerden oft ängstlicher und besorgter und beschrei- ben sie daher auch emotionaler als Männer. 3. Die Einstellung und das Verhalten von Ärz- tinnen und Ärzten gegenüber Frauen und Männern sind unterschiedlich, auch bei eigentlich gleichen Symptomen. 4. Frauen wird mit Blick auf ihre gesellschaft- liche Rolle zudem eher zugestanden, milde Erschöpfungszustände aufgrund ihrer meist vielfachen Belastung zu äußern. Nervosität, Angstzustände, Schwäche und Depressio- nen sind von der Gesellschaft und von der Medizin akzeptierte Krankheitsäußerungen bei Frauen; Männer tun sich aufgrund ihrer Rolle schwer, über solche Symptome zu kla- gen bzw. es wird ihnen auch kaum erlaubt. E ine genderorientierte Gesundheits- versorgung würde adäquate Bera- tungs- und Versorgungskonzepte für Frauen (und Männer) anbie- ten: Beruhigungs- und Schlafmit- tel ändern letztlich nichts an den Belastungen und an der Lebensrealität vieler Frauen, sie decken die Probleme zu und führen oft in eine Abhängigkeit. Solche Probleme werden sich in Gesellschaften längeren Lebens verstärken. Die Ruhigstellung von älteren Menschen mit Neuroleptika in Alten- und Pflegeheimen, die bei Menschen mit Demenz zu einer höheren Sterbequote führen, ist ein weiteres Beispiel für solche Entwicklungen. Es ist noch einiges zu tun, um eine gen- derorientierte Gesundheitsversorgung zu ver- ankern. Dringend erforderlich sind Studien aus der Versorgungsforschung zur Ist-Analyse und in der Arzneimittel- und Medizinproduk- teversorgung klinische Studien mit einem naturalistischen geschlechterspezifischen Anteil von Frauen und Männern in dem jewei- ligen Behandlungsbereich. Daraus könnten geschlechtersensible Empfehlungen abgeleitet werden und Leitlinien zur Behandlung ent- stehen, die auch auf einer verbesserten Stu- dienlage für die Arzneimitteltherapie und für andere medizinische Interventionen beruhen. Dies wäre für Frauen und für Männer ein wichtiger Schritt zu mehr ganzheitlicher Rati- onalität in der Versorgung. Wenn dann noch neben der kurativen Medizin die genderori- entierten Präventionsprogramme intensiviert würden, käme man einem Gesundheitssystem näher, in dem das Ziel der Verminderung von Ungleichheit mit einer Public-Health-Orien- tierung verbunden werden könnte.
ersatzkasse magazin. 3 / 2019 24 / 25 MEDIZIN UND GEBURT Stärker auf die Bedürfnisse von Frauen ausrichten Ob Mann oder Frau, das Geschlecht ist ein individueller Faktor mit großem Einfluss auf die Entstehung, den Ver- lauf und die Behandlung von Krankheiten. Das derzeitige medizinische Wissen bezieht sich bisher jedoch allzu oft auf Erkenntnisse über den männlichen Organismus. Die Folge kann sein, dass Erkrankungen bei Frauen, zum Beispiel ein Herzinfarkt, falsch diagnostiziert und Thera- pien zu spät eingeleitet werden. Alarmierend beim Thema Frauengesundheit ist auch die zunehmende Pathologisie- rung und Medikalisierung rund um die Geburt. / Text / Ulrike Hauffe Die Alarmzeichen eines Herz- infarktes äußern sich bei Frauen völlig anders als bei Männern. Die klassi- schen Symptome bei Män- nern kennen die meisten: Schmerzen im Brustraum, die in Arme, Oberbauch, Rücken, Hals und Kiefer ausstrahlen können. Weniger bekannt und unspezifischer sind dagegen die bei Frauen überwiegend auftre- tenden Symptome. Dazu gehören beispiels- weise starke Kurzatmigkeit, Übelkeit, Erbre- chen oder auch Beschwerden im Oberbauch. Nur wenn die frauenspezifischen Symptome bekannt sind und richtig gedeutet werden, kann die richtige Diagnose gestellt und die für einen Herzinfarkt enorm wichtige schnelle R E M R A B : o t o F Ulrike Hauffe Stellvertretende Vorsitzende des BARMER- Verwaltungsrates Hilfe eingeleitet werden. Wir brauchen des- halb eine geschlechtersensible Gesundheits- forschung und medizinische Versorgung. Die Geburt eines Kindes ist keine Krankheit Ein weiteres Beispiel, warum das Thema Frau- engesundheit ein zentrales Anliegen meiner Arbeit im Verwaltungsrat der BARMER ist, ist die zunehmende Pathologisierung und Medi- kalisierung rund um die Geburt. Dies führt dazu, dass nur noch wenige Frauen eine natür- liche Geburt erleben. Die Geburt eines Kindes ist aber keine Krankheit, sondern ein natürli- cher Vorgang. Ohne Zweifel gehört es zu den Erfolgsgeschichten der modernen Medizin, dass die Mütter- und Säuglingssterblichkeit in Deutschland in den letzten Jahrzehnten deutlich gesunken sind. Dennoch stellt sich die Frage, wie wir sicherstellen können, dass Schwangeren die Möglichkeiten moderner Medizin zugutekommen und gleichzeitig Ein- griffe wie Kaiserschnitte nur dann erfolgen, wenn sie aus medizinischer Sicht erforder- lich sind. Deshalb fordern wir für die Frauen eine individuelle, qualifizierte Beratung und Begleitung, damit sie für sich selbst eine infor- mierte Entscheidung für die Förderung und Erhaltung ihrer Gesundheit treffen können. Nationales Gesundheitsziel „Gesundheit rund um die Geburt“ Ein Meilenstein auf dem Weg zu einer besse- ren, gesünderen und von den Frauen selbst- bestimmten Schwangerschaft und Geburt ist das im Jahr 2017 veröffentlichte nationale Gesundheitsziel „Gesundheit rund um die Geburt“. Dessen Umsetzung ist jetzt vorran- gige Aufgabe aller Beteiligten im Gesund- heitswesen, damit die Frauen ins Zentrum des Geschehens rücken und gut informiert in allen Phasen der Schwangerschaft und Geburt über die notwendigen Maßnahmen mitbestimmen können.
IM FOKUS INTERVIEW „Diversität ist eine große Chance“ Die Debatte um Gleichstellung der Geschlechter ist spätestens 2015 mit dem Gesetz für die gleichberechtigte Teilhabe von Frauen und Männern in Führungspositionen in der Politik ange- kommen. Im Gesundheitssektor spielen die Geschlechter aber auch in anderer Hinsicht eine zunehmend bedeutende Rolle: Die Gendermedizin nimmt die geschlechtsspezifische Gesund- heitsversorgung in den Blick. Dr. Martina Kloepfer arbeitet als Trainerin mit Führungskräften zusammen. 2013 rief sie den Bundeskongress Gendergesundheit ins Leben, drei Jahre später gründete sie den Verein Institut für Gender-Gesundheit. Im Interview mit ersatzkasse magazin. spricht sie über Rollenverteilungen im Gesundheitswesen, über Gendermedizin in Forschung und Lehre und über die Auswirkungen auf die Versorgung. / Interview / Michaela Gottfried und Annette Kessen Warum ist Diversität in der Arbeitswelt so wichtig? Dr. Martina Kloepfer Generell profitiert die Ar- beitswelt von einer Vielfalt der Perspektiven und Ansätze. Wir können nicht einerseits über demografische Entwicklung, Fachkräfteman- gel und Ärztemangel klagen, aber andererseits das Potenzial gut ausgebildeter Frauen brach- liegen lassen. Und wie sieht die Realität in der Arbeitswelt aus, insbesondere im Gesundheitswesen? Es gibt bestimmte Branchen, in denen Frauen nach wie vor unterrepräsentiert sind. In der IT-Branche zum Beispiel sind überwiegend Männer beschäftigt, was ja auch für das Ge- sundheitswesen eine Rolle spielt, wenn wir über Digitalisierung sprechen. In der Pflege sind Frauen überrepräsentiert. Problematisch wird es in den Führungspositionen, die immer noch viel häufiger von Männern besetzt sind, selbst dann wenn mehr Frauen den Beruf aus- üben, man denke an die Pflegeberufe oder auch bei den Ärzten. Wenn wir auf die Fach- gesellschaften blicken, ist das Thema Gender- gesundheit vermutlich auch aus diesem Grund nur in Teilen angekommen – vergleicht man zum Beispiel die Entwicklung der nationalen Leitlinien bei Herzinfarkt oder Depression. In der Psychologie beispielsweise sieht es anders aus als in der Chirurgie, die noch immer als Männer-Domäne gilt. Auch in der gemeinsa- men Selbstverwaltung sind wir noch weit von einer geschlechterparitätischen Besetzung der Führungspositionen entfernt, wie unter anderem die kleine Anfrage von Bündnis 90/ Die Grünen im letzten Jahr gezeigt hat. Ge- schlechterspezifische Aspekte in der Versor- gung sind noch nicht angekommen. Die Grün- de dafür sind vielschichtig, die Sitzungszeiten, meist am frühen Abend, spielen zum Beispiel eine große Rolle. Einigen Frauen ist auch die Bedeutung der Gremienarbeit und der Not- wendigkeit, Präsenz zu zeigen, nicht bewusst. Frauen meiden nicht selten das männlich do- minierte Kommunikationsverhalten. Nur macht es auch keinen Sinn, dass Frauen sich als Männer verkleiden oder Verhalten kopie- ren. Da muss noch eine eigene Rolle der Frau gefunden werden, das wird sich entwickeln. Wir reden hier auch von über Jahrhunderte gewachsenen gesellschaftlichen Strukturen und verfestigtem Denken. Es müssen einfach viele dicke Bretter gebohrt werden. Geschlechter- spezifische Aspekte in der Versorgung sind noch nicht ange- kommen.
ersatzkasse magazin. 3 / 2019 26 / 27 e k s e J s n e J / k e d v : ) 3 ( s o t o F Beides brauchen wir: die weibliche und männliche Sicht. Wie kann das geändert werden? Es wird auch eine Frauenquote diskutiert. Die Frauenquote hält wach und holt die Füh- rungsetagen aus der Komfortzone. Aber auch die Frauen müssen erst einmal aus der Reserve kommen. Was wiederum schwierig ist, weil die Frauen nach wie vor den Spagat zwischen Karriere und Familie bewerkstelligen müssen. Fakt ist, dass nur die Frauen Kinder bekom- men können. Wie sich das auf die Arbeitswelt auswirkt, muss viel stärker diskutiert und ge- setzlich geregelt werden. Einige Kliniken ma- chen gute Erfahrungen mit einer umfassenden Kinderbetreuung, die dem Krankenhausbe- trieb entspricht, wie die Unfallklinik in Mur- nau beispielsweise. Inzwischen gibt es sogar Chefärztinnen, die sich eine Stelle teilen. Wir können auf die Expertise von Frauen in der Gesundheitsbranche nicht verzichten. studieren, dann würden sie schon nach oben kommen. Als ich vor vielen Jahren Biochemie studiert habe, wurde offen kommuniziert, dass aus uns nichts anderes als bessere Laborassis- tentinnen würde. Mit bis zu 50 Prozent weib- licher Medizinstudierender, seit mindestens einem Jahrzehnt, haben Frauen das Richtige studiert, und doch haben wir immer noch eine bestürzend geringe Quote von drei Prozent auf Chefarztsesseln und lediglich 13 Prozent bei C4/W3-Professuren, das passt doch nicht zu- sammen. Und wir dürfen nicht vergessen, dass sich die Personalzusammensetzung on top – von Gremienbesetzung bis zur Vorstands- riege – auch auf die Versorgung auswirkt. Denn Frauen haben eine andere Perspekti- ve, sie betrachten Dinge unter weiblichen Ge- sichtspunkten. Beides brauchen wir: die weib- liche und männliche Sicht. Zugleich kommen immer mehr Frauen in den Medizinberuf. Wird es sich da nicht zwangs- läufig ändern? Das ist die stille Hoffnung, aber diese erfüllt sich nicht. Vor einigen Jahren, als die Quote hitzig diskutiert wurde, gab es auch das Ar- gument, Frauen müssten nur das Richtige Kommen wir zur Versorgung: Inwieweit wird hier zwischen den Geschlechtern unterschieden? Die Gendermedizin fristet immer noch ein Nischendasein, aber es tut sich auch was. Viele Dinge mit Blick auf Gendergesundheit wa- ren in Politik, Ärzteschaft und Wissenschaft vor noch wenigen Jahren überhaupt nicht
IM FOKUS sind unterschiedlich. Zwei- tens besteht ein soziokultu- reller Aspekt der Verhaltens- formen. Diese beiden Seiten greifen bei den meisten In- dikationen ineinander, und zwar auf mehr oder weniger ungute Art und Weise. Der Klassiker ist der Herzinfarkt, mit dem die Gendermedizin in den 80er Jahren in den USA mit der Ärztin Marian- ne J. Legato ihren Anfang ge- nommen hat. Beim Herzin- farkt ist es so, dass bei Frauen eine andere Symptomatik als bei Männern auftreten kann. Sie können zum Beispiel eher Schmerzen im Oberbauch ha- ben und unter Übelkeit und Erbrechen leiden. Allgemein aber denken Mann und Frau: Herzschmerzen und der lin- ke Arm tut weh – Herzin- farkt. Frauen halten aufgrund dieser stereotypen Wahrneh- mungsmuster einen Infarkt bei sich nicht für möglich; auch weil sie im Laufe ihres Lebens immer wieder mal unter Unwohlsein leiden, sei es durch den Zyklus, Schwanger- schaft oder Wechseljahre. Nicht selten kom- men sie aufgrund der Fehleinschätzung zu spät in die Notaufnahme. Wie gehen die Ärzte damit um? Wenn die Frau von ihren Symptomen er- zählt, womöglich auch etwas differenzier- ter als ein Mann es tun würde, wissen auch die Ärzte zum Teil nichts damit anzufangen und diagnostizieren nicht richtig. Es kann passieren, dass eine Patientin einen Herzin- farkt verschleppt, jahrelang durchs System geschleust wird und niemand hat den Herz- infarkt erkannt. Das verursacht ein unheimli- ches Leid und es verursacht Kosten. Nicht er- kannte Symptome sind ein typisches Problem der Gendermedizin. Gender- medizin nehme ich ernst als geschlechter- spezifische Medizin für Frauen und Männer. bekannt. Daraus erwuchs auch der Impuls, diese Beteiligten, und zwar Männer wie Frauen, zusammenzubringen, was zum Bundeskon- gress Gendergesundheit führte. Heute ist im- mer mehr die Rede von Männergesundheit und Frauengesundheit. Derzeit schlägt das Pendel tatsächlich aus in Richtung Frauenme- dizin, einfach aus dem Grund, weil dort ein Er- kenntnisdefizit herrscht, was nun allmählich geschlossen wird. Ohne Ärztinnen, die ein Be- wusstsein von Gendermedizin entwickelt ha- ben, würden wir über Männermedizin so nicht diskutieren. Auf psychische Erkrankungen bei Männern hat zum Beispiel Prof. Dr. Anne Maria Möller-Leimkühler verstärkt aufmerk- sam gemacht. Wichtig ist aber: Gendermedizin übersetze ich nicht einfach mit Frauengesund- heit, sondern nehme sie ernst als geschlechter- spezifische Medizin für Frauen und Männer. Was genau meint Gendermedizin? Die Gendermedizin hat zwei Aspekte. Da ist erstens der handfeste biologische Aspekt, der nicht zu leugnen ist. Männer und Frauen Und bei Männern? Bei Männern wird zum Beispiel oft ein psychi- sches Problem geleugnet. Wenn ein Mann mit einer handfesten Depression bei einem Arzt
28 / 29 Dr. Martina Kloepfer, geboren in Berlin, hat Biochemie an der Freien Universität Berlin studiert und ihre Promotion in Literaturwissenschaft an der Technischen Universität Berlin abgeschlossen. Sie arbeitet seit 20 Jahren als Trainerin für Auftritte auf dem Podium und in den Medien. 2013 rief sie den Bundeskongress Gendergesundheit ins Leben, der bis 2016 jährlich stattfand und 2019 in einer Kooperation mit dem BMC-Kongress seine Fortsetzung fand. Aus dem Bundeskon- gress Gendergesundheit ging 2017 das Institut für Gendergesundheit hervor. ersatzkasse magazin. 3 / 2019 aufschlägt, reden beide nicht so gerne darüber und es wird vielleicht ein Stärkungsmittel ver- schrieben. Also ein psychisches Leiden wird physisch begründet. Bei Frauen ist es oft um- gekehrt: Sie kommen mit einem physischen Leiden zum Arzt und es wird eine psychische Ursache zugrunde gelegt. Befragungen zei- gen, dass eine Depression weitaus seltener di- agnostiziert wird, wenn ein männlicher Pati- ent auf einen männlichen Arzt trifft, als wenn der Patient mit einer Ärztin darüber spricht. Der Grund dürfte in tradierten Rollenmus- tern zu suchen sein. Eine Depression beim Mann kann sich anders äußern als bei einer Frau. Es sind Dispositionen und Prägungen, die hier eine Rolle spielen. Zu einem unserer Kongresse kam ein Vertreter des Polizeiprä- sidiums in Frankfurt, weil es ein großes Pro- blem mit seinen Beamten hatte. Diese wur- den mit den hohen Anforderungen ihres Jobs nicht mehr fertig und entwickelten unter an- derem eine Sportsucht und ruinierten sich körperlich. Verstärktes Suchtverhalten kann bei Männern zum Beispiel auf eine Depressi- on hinweisen. Ein Unterschied zwischen Mann und Frau liegt in der Lebenserwartung: Im Durchschnitt werden Frauen älter als Männer. Auch ein typisches Bei- spiel für Gendermedizin? Durchaus, denn die unterschiedliche Lebens- erwartung hängt vor allem mit dem Lebensstil zusammen. Bei den sogenannten Klosterstu- dien, wo Nonnen und Mönche in etwa densel- ben Lebensstil pflegen, beträgt der Altersun- terschied ein bis zwei Jahre, ist also deutlich geringer. Da muss man also in erster Linie an das Gesundheitsverhalten der Männer appel- lieren. Man weiß, dass Männer zu einem er- höhten Risikoverhalten neigen und ein höhe- res Suchtpotenzial aufweisen. Der Fokus muss auch mehr auf Vorsorge gelegt werden. Dazu kommt das richtige Kommunikationsverhal- ten, um die Männer zu erreichen. Ich denke, da ist die Digitalisierung mit ihren Gesund- heits-Apps eine große Chance. Technik, ver- knüpft mit klarer Struktur und einem kom- petitiven Ansatz, spricht Männer in der Regel gut an. Solche Rollenmodelle existieren aber auf beiden Seiten. Diversität macht einen gro- ßen Unterschied in der Versorgung, was ge- nau betrachtet werden muss. Und Diversität ist gleichzeitig eine große Chance. Spielt Gendermedizin in der medizinischen Aus- oder Weiterbildung eine Rolle? In den Regelstudiengängen hat sich die Gen- dermedizin leider bislang noch nicht etab- liert. Aus meiner Sicht sollte Gendermedizin fester Bestandteil der Lehre sein. Einzelne Universitäten machen unterschiedliche An- gebote, etwa eine freiwillige Ringvorlesung, Weiterbildungsmöglichkeiten zum Master- Studiengang, Zusatzqualifikationen. Ver- einzelt tauchen in den Prüfungskatalogen Fragen zur Gendermedizin auf. Die Charité in Berlin leistet mit ihrem Institut für Ge- schlechterforschung in der Medizin wirklich Tolles. Aber es ist insgesamt gesehen alles sehr disparat. Anders in Österreich beispiels- weise: Dort gibt es in der ärztlichen Weiter- bildungsordnung die Möglichkeit, sich zum Facharzt für Gendermedizin weiterzubilden. In Österreich scheint Gendermedizin eher als integraler Bestandteil der Forschung verstan- den zu werden. Deutschland zieht hier nur langsam nach. Wie sieht es in der Forschung aus? In Deutschland wächst das Bewusstsein für die Bedeutung von Gendermedizin. Klar ist, dass die Frauenorientierung stärker integriert wer- den muss. Teilweise werden noch nicht mal in den ersten Phasen einer Medikamentenfor- schung weibliche Versuchstiere genommen. Und bei Nutzenbewertungen ist oftmals der Anteil der Studienteilnehmer weitaus höher als der Anteil der Studienteilnehmerinnen. Al- lerdings stellen sich auch weniger Frauen für Studien zur Verfügung. Aber das muss ich im Ergebnis auch entsprechend kommunizieren. Wie können Krankenkassen zu einer geschlech- terspezifischen Versorgung beitragen? Krankenkassen haben die gute Möglichkeit, Studien vorzuweisen, die sich mit geschlech- terspezifischer Versorgung beschäftigen, denn sie haben Zahlen und Daten. Sie können Ana- lysen durchführen. Und sie können ihre Ver- sicherten über Symptome informieren, sie auf Besonderheiten hinweisen, insgesamt stärker die Aufmerksamkeit auf Gendermedizin rich- ten. Krankenkassen würde ich empfehlen: Evaluiert eure Zahlen, dockt an die Erkennt- nisse an und klinkt euch in die Diskussion um Gendermedizin ein. Von Gendermedizin kön- nen die Versicherten nur profitieren.
Regionale Versorgung Mit dem Faire-Kassenwahl-Gesetz (GKV- FKG) nimmt sich Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) nicht nur der Reform des morbiditätsorientierten Risikostrukturaus- gleichs (Morbi-RSA) an, sondern strebt auch eine Erneuerung der Organisationsstruktur der gesetzlichen Krankenkassen an. Der Refe- rentenentwurf sieht neben der Einführung einer Regionalkomponente auch die bundes- weite Öffnung bislang regional begrenzter Krankenkassen vor, wodurch gleiche Wett- bewerbsbedingungen für alle Krankenkassen geschaffen würden. Dass die Versorgung auch bei den bundesweiten Ersatzkassen regional organisiert ist, zeigt ein Blick auf die Versorgungsverträge. 97 Prozent der Versorgung wird durch Kollektivverträge geregelt, die überwiegend in den Ländern ausgehandelt werden. Hinzu kommen Selek- tivverträge, die auf die spezielle Versorgungs- situation vor Ort eingehen. Die regionale Ver- sorgung wird zudem durch die Reform der Bedarfsplanungsrichtlinie gestärkt, die den Ländern Instrumente zur Steuerung der Ver- teilung von Ärzten und Psychotherapeuten an die Hand gibt.
ersatzkasse magazin. 3 / 2019 ÜBERSICHT 30 / 31 Gesetz für eine faire Kassenwahl – wesentliche Regelungen Mit dem Ende März 2019 veröffentlichten Entwurf eines Gesetzes für eine faire Kassenwahl in der qesetzlichen Krankenversicherung – Faire-Kassenwahl-Gesetz (GKV-FKG) – nimmt sich Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) der angekündigten Weiterentwicklung des morbiditätsorientierten Risikostrukturausgleichs (Morbi-RSA) an. Zugleich sieht er Änderungen im Organisations-, Haftungs- und Wettbewerbs- recht der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) vor. Zudem sind weitreichende Einschnitte in die Struktur des GKV-Spitzenverbandes geplant. N ach Analyse des Gesetz- gebers bestünden Wettbe- werbsverzerrungen zwi- schen den Krankenkassen: Beispielsweise seien multi- morbide, ältere Versicherte sowie Versicherte ohne diagnostizierte Krank- heiten überdeckt, und andere Gruppen, wie etwa Versicherte mit hohen Leistungsausga- ben, unterdeckt. Überdurchschnittlich viele Versicherte aus einer dieser Gruppen in einer Krankenkasse könnten zu Wettbewerbsverzer- rungen führen. Durch regional unterschiedli- che Ausgabenstrukturen entstünden ebenfalls erhebliche Über- bzw. Unterdeckungen, die in einem bundesweit einheitlichen Finanzie- rungssystem zu Ungleichgewichten zwischen regional begrenzten und bundesweit geöff- neten Krankenkassen führen könnten. Maß- nahmen zur Kodierbeeinflussung könnten zu Wettbewerbsverzerrungen führen. Diese Ana- lyse wird auch gedeckt durch eine Analyse des Verbandes der Ersatzkassen e. V. (vdek) zu Unter- und Überdeckungen. Unter Berücksichtigung der Sondergut- achten des Wissenschaftlichen Beirats zur Weiterentwicklung des RSA beim Bundes- versicherungsamt (BVA) zu den Wirkungen des Morbi-RSA (November 2017) und zu den regionalen Verteilungswirkungen des Morbi- RSA (Juni 2018) werde der RSA mit dem Ziel gleicher Wettbewerbsbedingungen und der Stärkung der Manipulationsresistenz sowie der Präventionsorientierung weiterentwickelt. Dabei stünden systematische Verbesserun- gen des RSA im Fokus, die insbesondere die Reduzierung struktureller Fehldeckungen auf der Ebene von einzelnen Versicherten- gruppen und im Hinblick auf die regionale Verteilung der Versicherten ermöglichten. Zugleich würden dadurch Risikoselektions- anreize verringert. Der Referentenentwurf lässt sich in drei Themen- komplexe gliedern, die nachfolgend näher erläu- tert werden: 1. Reform des Morbi-RSA und die Einführung einer „Manipulationsbremse“ 2. Organisationsreform der gesetzlichen Kran- kenkassen, eine Änderung des Haftungs- kassenartenrechts für die Schließung, Auflösung, Insolvenz von gesetzlichen Kran- kenkassen und eine Änderung des Wettbe- werbsrechts der gesetzlichen Krankenkassen 3. Reform der Struktur des GKV-Spitzenverban- des (Austausch ehrenamtlicher Verwaltungs- rat gegen Vorstandsmitglieder Krankenkas- sen, Frauenquote, Genehmigungsvorbehalt(e) (Teil-)Haushalt(e))
TITEL Zu 1.: Reform des Morbi-RSA und Einführung einer „Manipulationsbremse“ Einführung einer Regional- komponente • Statistisch signifikante regionale Variablen werden in den RSA einbezogen. • Dadurch werden regionale kassenbezo- gene Über- und Unterdeckungen abgebaut und gleiche Wettbewerbsbedingungen für alle Krankenkassen geschaffen. • Marktkonzentrationsprozessen kann vorgebeugt werden, die sich in einigen Bundesländern abzeichnen. • Angebotsorientierte Faktoren (zum Beispiel Arztdichte, Krankenhausbettenzahl) werden nicht in den Ausgleich einbezogen, um Fehlanreize im Hinblick auf Über- und Unterversorgung zu vermeiden. Einführung eines Krankheits- vollmodells • Die Begrenzung des Morbi-RSA auf 50 bis 80 Krankheiten wird abgeschafft. • Zukünftig soll das gesamte Krankheits- spektrum berücksichtigt werden. • Ein Vollmodell soll für einen Großteil der Versicherten Über- und Unterdeckungen verringern. • Ein Vollmodell soll Anreize zur Risiko- selektion, Differenzen zwischen den Deckungsbeiträgen der Krankenkassen und Wettbewerbsverzerrungen verringern. • Mit der Umstellung entfällt das jährliche Verfahren der Krankheitsauswahl. Einführung eines Risikopools • Aus einem Risikopool sollen die Kranken- kassen für Leistungsfälle, die über 100.000 Euro pro Jahr hinausgehen, 80 Prozent der Leistungsausgaben erhalten. • Ein Anreiz zu wirtschaftlichem Verhalten bleibt erhalten, da nicht die gesamten Mehr- kosten erstattet werden. • Mit dem Risikopool sollen schwerwiegende finanzielle Belastungen einzelner Kranken- kassen durch Hochkostenfälle solidarisch finanziert werden. • Auch die zunehmende Bedeutung neuer kostenintensiver Therapien mache einen Risikopool erforderlich, weil diese erst mit zeitlicher Verzögerung im RSA berücksichtigt werden könnten. • Im Risikopool erfolgt ein Ausgleich von Ist-Kosten, nicht wie im Morbi-RSA über standardisierte Leistungsausgaben. • Anreize zur Risikoselektion gegen Versi- cherte mit für die Krankenkasse vorhersehbar hohen Leistungsausgaben würden reduziert und Wettbewerbsverzerrungen, die sich aus einer ungleichen Verteilung von Hochkosten- fällen ergeben können, verringert. Streichung der DMP- Programmkostenpauschale • Die Streichung der Zuweisungen der DMP-Programmkostenpauschale soll zu einer verbesserten Zielgenauigkeit auf Kranken- kassenebene führen. • Ein bisheriges komplexes Bereinigungs- verfahren wird unnötig, damit wird die Trans- parenz des Zuweisungsverfahrens im RSA insgesamt erhöht. Streichung des Kriteriums der Erwerbsminderung aus dem Morbi-RSA • Eine gesonderte Risikogruppe für Versi- cherte, deren Erwerbsfähigkeit gemindert ist (§§ 43 und 45 SGB VI), wird nicht mehr gebildet. • Grund sei unter anderem, dass einige Per- sonengruppen wie Rentnerinnen und Rentner, Nichterwerbstätige und Selbständige dieses Kriterium per se nicht erhalten könnten, selbst wenn ein identischer Schweregrad der Erkran- kung vorliegt wie bei Erwerbsminderung. • Die Streichung soll eine Gleichbehandlung ermöglichen und Wettbewerbsverzerrungen beseitigen. • Auch die bisherigen Unter- und Überdeckun- gen in diesen Gruppen würden damit gelöst. Einführung einer Vorsorge- pauschale in den Morbi-RSA • Die Präventionsorientierung des RSA soll gestärkt werden. • Mit einer Vorsorgepauschale wird der Anreiz für die Krankenkassen gestärkt, die Inanspruchnahme von Vorsorge- und Früher- kennungsuntersuchungen ihrer Versicherten zu fördern. • Die Krankenkassen erhalten für jeden Ver- sicherten eine Pauschale, sobald eine mit den Krankenkassen abrechenbare und wissen- schaftlich anerkannte Vorsorge- bzw. Früher- kennungsuntersuchung oder eine Schutzimp- fung in Anspruch genommen wurde. • Um die unterschiedlichen Kosten der verschiedenen Vorsorgeleistungen abzubilden, legt das BVA verschiedene Gruppen von Leistungen entsprechend ihrer Kosten fest.
ersatzkasse magazin. 3 / 2019 32 / 33 Versichertenindividuelle Berücksichtigung von Arznei- mittelrabatten im Morbi-RSA • Vorgesehen ist die versichertenindividuelle Berücksichtigung der Erstattungsbeträge (§ 130b SGB V) sowie der tatsächlichen Rabatte und Abschläge (§§ 130, 130a und 130c SGB V) für Arzneimittel bei der Meldung der Leistungsausgaben. • Das bisherige Verfahren, bei dem die Kran- kenkassen Leistungsausgaben ohne Berück- sichtigung der tatsächlich je Versicherten erzielten Rabatte melden, und die daraus abge- leitete pauschale Berücksichtigung der Arznei- mittelrabatte mittels eines kassenindividuellen Rabattfaktors im RSA wird hierdurch ersetzt. • Begründet wird die Änderung damit, dass sich aus der Versichertenstruktur der Kran- kenkassen unterschiedliche Rabattpotenziale ergäben, die im Rahmen der pauschalen Berücksichtigung der Arzneimittelrabatte zu systematischen Über- und Unterdeckungen auf Versichertenebene führten. • Die Wirtschaftlichkeitsanreize zum Abschluss von Rabattverträgen blieben allerdings vollständig erhalten. • Das Verfahren sei genauer als die bisherige pauschale Berücksichtigung eines durch- schnittlichen Arzneimittelrabattfaktors je Krankenkasse und verbessere so die Wett- bewerbsbedingungen. Entwicklung der Über- bzw. Unterdeckung im Morbi-RSA Deckung der im RSA berücksichtigungsfähigen Leistungsausgaben durch Zuweisungen (§ 266 Abs.2); in Mio. Euro AOK: +1.347 KBS: +12 IKK: -204 BKK: -223 vdek: -931 Quelle: vdek AOK KBS BKK IKK vdek Berücksichtigung von Altersdifferenzierungen Einführung einer „Manipulationsbremse“ • Über Altersdifferenzierungen wird künftig berücksichtigt, dass Krankheiten je nach Alter zu unterschiedlichen Behandlungs- kosten führen. • Die bisherigen Krankheitszuschläge über Zu- oder Abschläge werden entsprechend angepasst. • Über- und Unterdeckungen in Abhängigkeit von dem Alter und dem Grad der Multimorbi- dität der Versicherten werden reduziert. Evaluation alle vier Jahre • Der Wissenschaftliche Beirat zur Weiter- entwicklung des RSA wird gesetzlich beauf- tragt, alle vier Jahre eine Evaluation des RSA durchzuführen, um möglichen Weiterent- wicklungsbedarf zu ermitteln. • Zusätzlich kann der Beirat auch anlassbe- zogen mit Einzelfragen durch das Bundes- ministerium für Gesundheit (BMG) und BVA beauftragt werden. • Hierarchisierte Morbiditätsgruppen werden von den Zuweisungen ausgeschlossen, wenn ihre Steigerungsrate statistisch auffällig ist. • Das bisherige Verbot der Diagnose- vergütung wird neu formuliert, um Umge- hungsstrategien zu eliminieren. • Einführung von verbindlichen Regelungen zur Vergabe und Übermittlung der Diagno- sen- und Prozedurenschlüssel im ambulan- ten Bereich. • Das BVA als RSA-Durchführungsbehörde erhält ein eigenständiges anlassbezogenes Prüfrecht für Selektivverträge im Hinblick auf RSA-relevante Verstöße. • Die Wirtschaftlichkeitsberatung von Vertragsärzten durch Krankenkassen nach § 305a SGB V wird abgeschafft.
TITEL Zu 2.: Organisationsreform der gesetz- lichen Krankenkassen, eine Änderung des Haftungskassenartenrechts und des Wettbewerbsrechts Bundesweite Öffnung bislang regional begrenzter Kranken- kassen • Weiterführung des mit dem Gesund- heitsstrukturgesetz (GSG) 1992 begonnenen Reformprozesses. • Herstellung der Wahlfreiheit für alle Mitglieder der GKV. • Die Änderungen sollen durch einfaches Gesetz ohne Zustimmung des Bundesrats erfolgen. • Ziele sind die Modernisierung des Orga- nisationsrechtes und die Anpassung an die aktuellen Bedingungen des Krankenkassen- wettbewerbs. • Nötig sei dazu die Aufhebung der regionalen Beschränkung von Krankenkassen. • Lediglich nicht geöffnete Betriebskranken- kassen werden aufgrund ihres besonderen Bezugs zum Trägerunternehmen von einer Öffnung ausgenommen. • Wettbewerbsverzerrungen würden ver- ringert, die durch bundesweit einheitliche Zuweisungen bei regional unterschiedlichen Ausgabenstrukturen entstünden. • Die geringe Wettbewerbsintensität trage auch dazu bei, dass viele Krankenkassen höhere Zusatzbeiträge erheben würden, als sie zur Deckung ihrer Ausgaben benötigten. • Der übermäßige Aufbau von Finanzreser- ven bei vielen Krankenkassen in den letzten Jahren sei das Ergebnis eines eingeschränk- ten Wettbewerbs, der sich aus begrenzten Wahlfreiheiten der Versicherten ergebe. • Die Regelungen für die Bildung, Fusion und Schließung von Krankenkassen werden soweit wie möglich vereinheitlicht. Bundesweit einheitliche Aufsicht Änderungen des Wettbewerbs- rechts der Krankenkassen • Aus der Öffnung der Krankenkassen ergebe sich zudem eine bundesweit einheitliche Aufsicht. • Ausweitung der Rechtsschutzmöglich- keiten der Krankenkassen untereinander bei wettbewerbswidrigem Verhalten. • Dadurch würden Wettbewerbsverzerrun- gen aufgrund unterschiedlichen Aufsichts- handelns beseitigt. • Wettbewerbsverzerrungen durch unter- schiedliches Aufsichtshandeln im Bereich der Haushalts- und Finanzaufsicht gesetzlicher Krankenkassen zwischen Bundes- und Länderaufsichten könne damit wirksam begegnet werden. Änderung des Kassenarten- haftungsrechts bei Schließung, Auflösung oder Insolvenz gesetzlicher Krankenkassen • Die vorrangige Haftungsverpflichtung der Krankenkassen derselben Kassenart wird abgeschafft, das bisherige nach Kassenarten gegliederte Haftungssystem sei nicht mehr systemgerecht. • Eine Kostentragung aller Krankenkassen auf Grundlage eines Verteilungsschlüssels wird eingeführt. • Damit würden Verwerfungen im Wettbe- werb beseitigt, die durch die historisch ent- standenen Haftungsregelungen verursacht werden. • Im Falle der Schließung, Auflösung oder Insolvenz von Krankenkassen macht zukünftig der GKV-Spitzenverband etwaige Fehlbeträge bei allen Krankenkassen geltend. • Bei der Aufbringung der Mittel ist neben den Mitgliederzahlen dann auch die Höhe der Finanzreserven zu berücksichtigen. • Klarere Definition der Verhaltensregeln zum Beispiel für Werbemaßnahmen. • Mit einem neuen § 4a SGB V werde eine zentrale Norm geschaffen, die Verhaltens- regeln für den Wettbewerb der gesetzlichen Krankenkassen untereinander aufstellt und ihre effektive Durchsetzung gewährleistet. • Künftig sollten wichtige Grundsätze für den Wettbewerb und für Werbemaßnahmen der Krankenkassen gesetzlich normiert werden. • Zudem werde eine Verordnungser- mächtigung des BMG mit Zustimmung des Bundesrates geschaffen, um Einzelheiten zur Zulässigkeit von Werbung verbindlich festzulegen. • Der Unterlassungsanspruch der Kranken- kassen untereinander, der bisher nach dem Gesetz nur unzulässige Werbemaßnahmen erfasste, werde allgemein auf rechtswidri- ges Verhalten im Wettbewerb ausgedehnt. Durch diesen erweiterten Unterlassungsan- spruch hätten es die Krankenkassen künftig in der Hand, selbst eine gerichtliche Klärung der streitigen Rechtsfrage herbeizuführen und so für einheitliche Wettbewerbsbedin- gungen zu sorgen. Eröffnung des Rechtswegs zu den ordentlichen Gerichten für die Unterlassungsansprüche der Krankenkassen unterein- ander • Streitigkeiten nach § 4a Absatz 7 SGB V werden zukünftig von der Zuständigkeit der Gerichte der Sozialgerichtsbarkeit ausge- nommen.
ersatzkasse magazin. 3 / 2019 34 / 35 Zu 3.: Reform der Struktur des GKV-Spitzenverbandes Verwaltungsrat des GKV-Spit- zenverbandes aus Vorstands- mitgliedern der Mitgliedskassen • Der Verwaltungsrat des GKV-Spitzenver- bandes soll zukünftig nicht mehr aus ehren- amtlichen Vertretern der Verwaltungsräte der Krankenkassen, sondern aus Vorstands- mitgliedern der Mitgliedskassen gebildet werden. • Er soll aus 40 Mitgliedern bestehen. Die 20 größten Mitgliedskassen entsenden je ein Vorstandsmitglied in den Verwaltungsrat. Die weiteren 20 Verwaltungsratsmitglieder werden von der Mitgliederversammlung des GKV-Spitzenverbandes gewählt. • Ziel dieser Änderungen sei eine Anpassung der Strukturen des GKV-Spitzenverbandes an aktuelle Erfordernisse und eine Professio- nalisierung der Arbeit des Verwaltungsrats. • Mit dem neuen Verwaltungsrat werde ein Gremium geschaffen, das einen kontinuierli- chen Meinungsbildungs- und Informations- austausch zwischen dem GKV-Spitzenverband und den Vorständen seiner Mitgliedskassen gewährleiste und die notwendige Transparenz zwischen operativem Krankenkassengeschäft und vertraglichen und sonstigen Aufgaben des GKV-Spitzenverbandes erhöhe. • Außer Vorstand, Mitgliederversammlung und Verwaltungsrat mit seinen Fachaus- schüssen sind keine Gremien zulässig. Unterstützung einer ange- messenen Repräsentanz von Frauen im Vorstand und im Verwaltungsrat des GKV- Spitzenverbandes • Bei einem Vorstand aus mehreren Perso- nen müssen ihm mindestens eine Frau und mindestens ein Mann angehören. • Der neue Verwaltungsrat besteht künftig nur noch aus 40 Mitgliedern, von denen mindestens zehn Sitze mit Frauen und zehn Sitze mit Männern zu besetzen sind. Begrenzung der Amtszeit der Vorstandsmitglieder • Begrenzung auf zwei Wahlperioden. Berichtspflicht des Vorstands • Der Vorstand hat dem BMG zu berichten, wenn die dem GKV-Spitzenverband gesetzlich zugewiesenen Aufgaben nicht rechtzeitig umgesetzt werden. • Der Bericht ist dem BMG spätestens inner- halb eines Monats nach dem für die Umset- zung der gesetzlichen Aufgabe vorgegebenen Zeitpunkt schriftlich vorzulegen. • In dem Bericht sind insbesondere die Gründe für die nicht rechtzeitige Umsetzung, der Sachstand und das weitere Verfahren darzulegen. Genehmigungsvorbehalt des Haushaltplans • Der GKV-Spitzenverband hat den vom Vor- stand aufgestellten Haushaltsplan spätestens am 1. Oktober vor Beginn des Kalenderjahres, für das er gelten soll, der Aufsichtsbehörde vorzulegen. • Diese kann die Genehmigung auch für einzelne Ansätze versagen, soweit der Haushaltsplan gegen Gesetz oder sonstiges für den GKV-Spitzenverband maßgebendes Recht verstößt oder die Bewertungs- und Bewirtschaftungsmaßstäbe des Bundes nicht beachtet sind. • Um die Finanzaufsicht über den GKV- Spitzenverband zu stärken, wird also – statt des bisherigen Beanstandungsrechts – ein Genehmigungsvorbehalt für den Haushalt eingeführt und der Aufsichtsbehörde die Möglichkeit eingeräumt, die Genehmigung nicht nur im Falle eines Rechtsverstoßes zu versagen, sondern auch dann, wenn die Bewertungs- und Bewirtschaftungsmaßstäbe des Bundes nicht beachtet sind. • Anders als bei einem bloßen Recht zur Beanstandung des Haushaltsplans werde der Haushalt erst nach der Genehmigung durch die Aufsichtsbehörde rechtsverbindlich, sodass der GKV-Spitzenverband ihn vorher nicht vollziehen kann.
TITEL FAIRE-KASSENWAHL-GESETZ Generalangriff auf Sozialpartnerschaft Der von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) vorgelegte Referentenentwurf eines Gesetzes für eine faire Kassenwahl in der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV-FKG) sieht vor, dass die ehrenamtlichen Vertreter der Versicherten und der Arbeitgeber aus dem Verwaltungsrat des GKV-Spitzenverbandes ausscheiden. Der Verwaltungsrat des GKV-Spitzenverbandes hat eine Erklärung dagegen verfasst und findet breite Unterstützung. www.gkv-spitzenverband.de unter Über uns/Presse/Pressemitteilungen und Statements a t a p o L . J g r o e G / k e d v : o t o F d n a b r e v n e z t i p S - V K G : o t o F n n a m u e N . M e n o m i S / B G D : o t o F „Sozialpartnerschaft ist für uns nicht bloß ein politisches Schlagwort, sondern im Verwal- tungsrat des GKV-Spitzenverbandes gelebter Alltag. Gemeinsam sorgen Arbeitgeber und Versicherte dafür, dass die Patientenpers- pektive ein starker Anker in der Weiterent- wicklung der Gesundheitsversorgung bleibt. Die soziale Selbstverwaltung auszuhebeln hieße, gegen das Miteinander von Arbeitge- bern und Versicherten zu arbeiten.“ Uwe Klemens, Verbandsvorsitzender des vdek und Verwaltungsratsvorsitzender des GKV-Spitzenverbandes „Soziale Selbstverwaltung ist ein Garant für eine qualitativ hochwertige und wirtschaft- liche Gesundheitsversorgung heute und morgen. Sie ist für die Beantwortung wichtiger Grundsatzfragen und die Lösung künftiger Her- ausforderungen unverzichtbar. Unser gemein- sames Ziel ist ein dauerhaft leistungsfähiges und finanzierbares Gesundheitssystem, fernab von parteipolitischem Streit und Kalkül.“ „Die unabhängige, versichertennahe Selbst- verwaltung zugunsten ministerialer Durch- griffsfantasien abwickeln zu wollen, ist voll- kommen inakzeptabel. Spahn will damit nicht nur massiv in das Fundament des Sozialstaats eingreifen. Er öffnet einem radikalen Wettbe- werbsprinzip in der Gesundheitsversorgung Tür und Tor – der Schaden für die Versicher- ten ist vorprogrammiert.“ Dr. Volker Hansen, alternierender Verwaltungsratsvorsitzender des GKV-Spitzenverbandes Annelie Buntenbach, Vorstandsmitglied des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) i d . r e v : o t o F „Eine Beschneidung der Selbstverwaltung widerspricht nicht nur dem Koalitionsver- trag. Sie widerspricht dem grundsätzlichen Selbstverständnis und der Tradition der sozialen Selbstverwaltung in der Bundesre- publik, in der Arbeitnehmer und Arbeitgeber gleichermaßen über das Leistungsspektrum und die Budgetierung der Kassen sowie die Kontrolle ihrer Vorstandsmitglieder ent- scheiden. Was Spahn plant, kommt einer Entmachtung der Selbstverwaltung nahe. Das muss verhindert werden.“ Frank Bsirske, Vorsitzender der Gewerkschaft ver.di l e k n e r T s i r o B : o t o F „Dieses Manöver zielt darauf, den Einfluss der Politik im Gesundheitssektor dauerhaft weiter auszubauen. Die gewählten Vertrete- rinnen und Vertreter der Versicherten und der Arbeitgeber per Gesetz aus dem wichtigsten Gremium der gesetzlichen Krankenversiche- rung zu entfernen, ist alles andere als eine Stärkung der Demokratie.“ Hans Peter Wollseifer, Präsident des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks und Mitglied im Verwaltungsrat des GKV-Spitzenverbandes A D B : o t o F „Arbeitgeber und Versicherte müssen weiter im Verwaltungsrat des GKV-Spitzenver- bandes vertreten sein. Nur dann ist gewähr- leistet, dass dieser auch in Zukunft noch die starke Stimme der Beitragszahler in der Gesundheitspolitik bleibt. Das Argument der notwendigen Professionalisierung ist unsinnig, denn der GKV-Spitzenverband wird natürlich auch heute schon von bestens qualifizierten hauptamtlichen Vorständen geführt, die vom Verwaltungsrat gewählt werden.“ Alexander Gunkel, Mitglied der Hauptgeschäftsführung der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA)
36 / 37 #REGIONALSTARK Gemeinsame Öffentlichkeits- initiative der Ersatzkassen Die bundesweit organisierten Ersatzkassen betonen in einer gemeinsamen Öffentlichkeitsinitiative #regionalstark ihre Stärke in der regionalen Versorgung. I m Zusammenhang mit der mitt- lerweile von der AOK sehr unsach- lich geführten Diskussion um das Faire-Kassenwahl-Gesetz (GKV- FKG) werden Mythen über die regionale Versorgung verbreitet, die einer sachlichen Debatte nicht standhalten“, so Ulrike Elsner, Vor- standsvorsitzende des Verbandes der Ersatz- kassen e. V. (vdek). „Hier wollen wir durch Transparenz gegensteuern. Insbesondere ver- schweigt die AOK, dass die wesentlichen Ver- sorgungsverträge für die Regionen kollektiv- vertraglich geschlossen werden (ca. 97 Prozent der Versorgung), womit alle Kassenarten an der Versorgung beteiligt sind. Ergänzt wird die Versorgung durch zahlreiche Selektivver- träge, die auf die spezielle Versorgungssitua- tion vor Ort eingehen.“ Fakt 1: Die regionale Versorgung findet immer vor Ort statt. Wo sonst? Auch wenn die Ersatz- kassen bundesweit organisiert sind, wird die regionale Versorgung kollektivvertraglich in der Regel gemeinsam mit anderen Kassenarten in den Ländern ausgehandelt. Für die Ersatz- kassen sind die vdek-Landesvertretungen damit beauftragt. Dabei geht es um Vertrags- und Vergütungsvereinbarungen mit Ärzten, Zahnärzten, Krankenhäusern und Reha-Ein- richtungen. Auch die Krankenhausplanung und die Bedarfsplanung zu der Zahl der niederge- lassenen Ärzte, Zahnärzte, Psychotherapeuten finden hier statt. Hinzu kommt die Zulassung und Qualitätsprüfung anderer Leistungserbrin- ger wie Physiotherapeuten und Masseure. Und auch für die Pflegeversicherung gilt: Die Ver- sorgungsverträge mit den Pflegeeinrichtun- gen werden von den vdek-Landesvertretungen abgeschlossen. Nur so kann sichergestellt wer- den, dass die Bedürfnisse der Menschen vor Ort berücksichtigt werden. Fakt 2: Hinzu kommen zusätzlich bundesweit 1.380 besondere regionale Versorgungsver- träge, die die Ersatzkassen entweder allein oder in Kooperation mit anderen Partnern oder über den vdek abschließen. Spitzenrei- ter sind dabei die Bundesländer Nordrhein- Westfalen (309), Niedersachsen (237), Bayern (220), aber auch Baden-Württemberg (185), in denen solche besonderen Vertragsformen z. B. aus den Versorgungsbereichen Diabetes, Onkologie, Endoprothethik und vielen weite- ren angeboten werden. Fakt 3: Um eine ausgewogene Versorgung sicherzustellen, treten die Ersatzkassen dafür ein, dass eine Regionalkomponente im Morbi- RSA verankert wird. Unterschiedliche Versor- gungsbedarfe, die sich aus der Bevölkerungs- und Angebotsstruktur ergeben, müssen beim Morbi-RSA berücksichtigt werden. Die Versicherten der Ersatzkassen pro- fitierten aber auch von deren bundesweiten Ausrichtung, so Elsner. „Wir legen Wert darauf, dass die medizinische Versorgung in Baden-Württemberg genauso hochwertig organisiert wird wie in Mecklenburg-Vor- pommern. Außerdem haben die einzelnen Ersatzkassen bundesweit einen einheitlichen Beitragssatz und stehen damit auch für einen solidarischen Ausgleich innerhalb der Ver- sichertengemeinschaft. Dafür brauchen wir aber auch faire Rahmenbedingungen. Dazu gehört eine einheitliche Aufsicht ebenso wie ein funktionierender Finanzausgleich zwi- schen den Krankenkassen im Morbi-RSA.“
TITEL KOLLEKTIV- UND SELEKTIVVERTRÄGE Wie die Ersatzkassen regionale Versorgung gestalten 357.386 Quadratkilometer Fläche, 73 Millionen Versicherte in der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV), Großstädte und Ballungsgebiete mit mehr als 1.000 Einwohnern pro Qua- dratkilometer und zugleich Landkreise mit weniger als zehn Einwohnern pro Quadratkilometer – diese Bedingungen muss die GKV bei der Versorgung berücksichtigen. Dass die Ersatz- kassen ihren Gestaltungsspielraum auch bei der regionalen Versorgung nutzen, zeigt nicht zuletzt, dass sie aktuell bundes- weit um die 1.380 besondere regionale Versorgungsverträge abgeschlossen haben. Doch wie genau kann die regionale Versorgung eigentlich gestaltet werden? / Text / Eike-Christian Müller D ie regionalen Bedingungen für Versorgung sind sehr unterschiedlich, daher ist zu überlegen, was regio- nale Versorgung in Bezug auf die GKV leisten soll. Die Ersatzkassen, als bundes- weite Kassen, sind beson- ders von dieser Frage betroffen, da die Ver- sorgung der Versicherten nicht von der Region abhängig sein kann. Eine gleiche Versorgung, unabhängig von regionalen Faktoren oder Strukturen, ist jedoch ebenfalls nicht sinnvoll. Vielmehr ist an dieser Stelle eine Gleichwertig- keit der Versorgung erforderlich, die sich am Bedarf der einzelnen Patienten orientiert. Der Sachverständigenrat fasst dies in seinem letz- ten Gutachten mit dem Gedanken der Bedarfs- gerechtigkeit zusammen. Hiernach „soll jeder und jede Krankenversicherte in quantitativer und qualitativer Hinsicht die Gesundheits- versorgung erhalten, die seinem bzw. ihrem Bedarf entspricht, das heißt, die er oder sie nach möglichst objektiven Kriterien benötigt.“ Die Basis hierfür wird in der Angebotsplanung geschaffen, beispielsweise in der jeweiligen Krankenhaus- oder Bedarfsplanung. Hierauf aufbauend erfolgt die eigentliche Regelung der Versorgung in den jeweiligen Verträgen zwi- schen den Krankenkassen und den verschie- denen Leistungserbringern. Versorgung durch Kollektivverträge Dabei erfolgt ein Großteil der Versorgung über Kollektivverträge, also einem Ver- tragsschluss zwischen Gemeinschaften der Leistungserbringer und Gemeinschaften der Krankenkassen, der bindend für alle Mit- glieder der jeweiligen Gemeinschaften ist. Zumeist knüpfen die regionalen Kollektivver- träge dabei an bundeseinheitliche gesetzliche Vorgaben oder bundesweit geltende Kollek- tivvereinbarungen der Spitzenverbände der Leistungserbringer und des Spitzenverbandes der Krankenkassen an. In der Regel werden grundlegende Vorgaben auf Bundesebene gemacht, sodass auf regionaler Ebene die konkrete Umsetzung und gegebenenfalls Anpassung an regionale Besonderheiten stattfindet. Als Beispiel sei hier die jährliche Festlegung des regionalen Punktwertes im Rahmen der Ver- gütungsverhandlungen der vertragsärztlichen Versorgung genannt. Der Punktwert bildet zusammen mit dem einheitlichen Bewer- tungsmaßstab (EBM) die Vergütungshöhe für die jeweilige vertragsärztliche Leistung. Zunächst wird auf Bundesebene bis zum 31. August jeden Jahres ein bundeseinheit- licher Punktwert als Orientierungswert für das Folgejahr festgelegt. Auf dieser Grundlage wird dann auf regionaler Ebene ein regionaler Punktwert verhandelt. Dabei können Zu- und
ersatzkasse magazin. 3 / 2019 38 / 39 Abschläge zum Orientierungswert vereinbart werden. Dies ist etwa bei regionalen Beson- derheiten bei der Kosten- und Versorgungs- struktur denkbar. Zudem können zur Ver- besserung der Versorgung der Versicherten, insbesondere in Gebieten mit bestehender oder drohender Unterversorgung, Zuschläge für besonders förderungswürdige Leistungen und für Leistungen von besonders zu fördern- den Leistungserbringern vereinbart werden. Die regionalen Vertragspartner haben hier also unter bestimmten Voraussetzungen Spielraum zur Ausgestaltung der Versorgung vor Ort. Mit Selektivverträgen auf regionale Besonderheiten eingehen Noch deutlicher wird die regionale Versor- gungsgestaltung durch Selektivverträge. Das sind im Wesentlichen Verträge zur besonderen Versorgung nach § 140a SGB V, Hausarztver- träge nach § 73b SGB V und Modellvorhaben nach §§ 63a ff. SGB V. Diese Verträge ermög- lichen es den Ersatzkassen, jenseits des Kol- lektivvertrages auf regionale Anforderungen und Versorgungsbedarfe einzugehen. Selek- tivvertrag in der GKV meint dabei die fakul- tative Möglichkeit für Krankenkassen, mit einzelnen Leistungserbringern Versorgungs- verträge zu schließen. Historisch bedingt war für einen langen Zeitraum überwiegend der Abschluss von Kollektivverträgen gesetzlich festgeschrieben. Im Zuge der wettbewerbli- chen Ausrichtung der GKV erfolgte eine Öff- nung dieser kollektivvertraglichen Strukturen für Einzelverträge. Neben dem Wettbewerb zwischen den Krankenkassen um Mitglieder sollte auch die wettbewerbliche Öffnung des Leistungsmarktes mehr Qualität und Effizienz bringen. Zudem wird hiermit eine bedarfsgerechte Versor- gung erreicht, da durch marktleistungsgerechte Preise sowie Steigerung der Behandlungseffi- zienz bei gleichzeitig resultierender Verbesse- rung der Behandlungsqualität und Umsetzung von Innovationen Versorgungsbedarfe bes- ser erschlossen werden können. Bestehende Koordinationsprobleme, Qualitätsmängel und mangelnde Ressourcenverwendung können in gewissen Grenzen durch die Selektivverträge gelöst werden. Sie können so als Ergänzung Eike-Christian Müller Abteilung Ambulante Versorgung beim vdek zum Kollektivvertrag Impulse im Versor- gungswettbewerb der Krankenkassen liefern und zugleich eine bedarfsgerechte regionale Versorgung ermöglichen. E in weiterer Kontext für Selektiv- verträge ist die Umsetzung von Versorgungsinnovationen. Eine zunehmende Spezialisierung in Verbindung mit Produktinnovati- onen, die auf bestimmte Patientenpotenziale abgestimmt sind, bedeutet auch, dass Innova- tionen über Selektivverträge zielgenau imple- mentiert werden können, ohne dass eine Auf- nahme in die kollektivvertragliche Versorgung notwendig ist. Gerade bei unklarer Evidenz- lage kann dies zur schnellen Verfügbarkeit von Innovationen führen und zeitgleich die Sicher- heit bieten, im Falle eines ausbleibenden Nut- zens besseren Produkten weichen zu können. In diesem Zusammenhang sind auch regionale Projekte zu nennen, die Mittel aus dem Innovationsfonds erhalten. Der Regionale Versorgung durch die Ersatzkassen Auch wenn die Ersatzkassen bundesweit organisiert sind, wird die regionale Versor- gung überwiegend kollektivvertraglich in den Ländern ausgehandelt, in der Regel gemeinsam mit anderen Kassenarten. Für die Ersatzkassen sind die vdek-Landesvertretungen damit beauftragt. Dabei geht es um Vertrags- und Vergütungsvereinbarungen mit Ärzten, Zahnärzten, Kranken- häusern und Reha-Einrichtungen. Auch die Krankenhausplanung und die Bedarfs- planung für die Zahl der niedergelassenen Ärzte, Zahnärzte und Psychotherapeuten finden durch die Landesvertretungen statt. Hinzu kommt die Zulassung und Quali- tätsprüfung anderer Leistungserbringer, wie Physiotherapeuten und Masseure. Und auch für die Pflegeversicherung gilt: Die Versorgungsverträge mit den Pflege- einrichtungen werden von den vdek-Landesvertretungen abgeschlossen. Nur so kann sichergestellt werden, dass die Bedürfnisse der Menschen vor Ort berücksich- tigt werden. Die wesentlichen Versorgungsverträge für die Regionen werden kollek- tivvertraglich geschlossen (ca. 97 Prozent der Versorgung), womit alle Kassenarten an der Versorgung beteiligt sind. Ergänzend haben die Ersatzkassen bundesweit insgesamt um die 1.380 besondere regionale Versorgungsverträge, die die Ersatzkassen entweder allein oder in Kooperation mit anderen Partnern oder über den vdek abschließen. Spitzenreiter sind dabei die Bundesländer Nordrhein-Westfalen (309), Niedersachsen (237), Bayern (220) und Baden-Württemberg (185), in denen besondere Vertragsformen zum Beispiel aus den Versorgungsbereichen Diabetes, Onkologie, Endoprothethik und vielen weiteren angeboten werden.
TITEL Innovationsfonds fördert in den Jahren 2016 bis 2019 neue Versorgungsansätze und Ideen zur Versorgungsforschung mit insgesamt 1,2 Milliarden Euro. Eine Verlängerung ist im Rahmen des Referentenwurfs zum Digitale Versorgung Gesetz (DVG) angekündigt. In den vergangenen drei Jahren sind auf diese Weise auch Projekte mit einem regionalen Fokus gefördert worden, die im Anschluss dauerhaft auf andere Regionen übertragen werden sol- len, sofern sie positive Auswirkungen auf die Versorgung zeigen. Auf diesem Wege betei- ligen sich allein die Ersatzkassen an über 30 Projekten, die einen klaren regionalen Schwerpunkt haben und nur in einem Bun- desland bzw. nur in einer Region durchgeführt werden. Die Bandbreite der geförderten Pro- jekte reicht dabei von der telemedizinischen Allgemein-, Fach- oder Notfallversorgung in der Dermatologie im ländlichen Mecklenburg- Vorpommern bis zum Betreuungsnetzwerk in Hamburg-Eimsbüttel für ein längeres selbst- ständiges und selbstbestimmtes Leben in der eigenen Häuslichkeit. 1.380 besondere regionale Versorgungsverträge Bundesweit haben die Ersatzkassen aktuell insgesamt um die 1.380 besondere regio- nale Versorgungsverträge abgeschlossen. In der Regel sind dies Selektivverträge, die die Ersatzkassen entweder allein, in Kooperation mit anderen Partnern oder über den Verband der Ersatzkassen e. V. (vdek) abschließen. Aber auch die Projekte im Rahmen des Innovations- fonds sind hier enthalten. Die regionalen Ver- sorgungsverträge verteilen sich dabei auf alle Bundesländer bzw. Regionen, wobei die Zahl in den bevölkerungsreichen Bundesländern leicht höher ist. Inhaltlich berücksichtigen die Verträge die besonderen Versorgungsbe- darfe, die regional entstehen können. So wer- den insbesondere häufige Erkrankungen bzw. schwerwiegende Erkrankungen im Rahmen der Verträge aufgegriffen. Schwerpunkte sind daher etwa Diabetes, Herz-Kreislauf- Erkrankungen, Rheuma oder Ernährungs- und Stoffwechselerkrankungen. Weitere Ver- träge richten sich an onkologische Patienten. Ein weiterer Schwerpunkt sind die Verträge, die den Bedarf an Prozessinnovationen bzw. Prozessverbesserungen decken. Das sind bei- spielsweise Verträge zum ambulanten Operie- ren oder zur Zweitmeinung. All das zeigt, dass regionale Versorgung aktiv durch die Ersatzkassen gestaltet wird. Regionale Versorgungsbedarfe sind Anlass sowohl im Bereich des Kollektivvertrages als auch insbesondere im Selektivvertragsbereich, den Handlungsspielraum wahrzunehmen. Die Ersatzkassen sind hierbei in allen Regionen ein wichtiger Akteur zur Weiterentwicklung der regionalen Versorgung. Beispiele regionaler Innovations- fondsprojekte der Ersatzkassen NWGA – NetzWerk GesundAktiv Konsortialführer: Techniker Krankenkasse (TK) Das NetzWerk GesundAktiv (NWGA) ist ein sektorenübergreifendes Hilfs- und Betreuungsnetzwerk im Quartier im Hamburger Bezirk Eimsbüttel. Ziel des NWGA ist es, den Menschen auch im hohen Alter möglichst lange ein selbstbestimmtes Leben in der eigenen Wohnung zu ermöglichen. Projektpartner: BARMER; DAK-Gesundheit; DRV Knappschaft-Bahn-See; Albertinen-Krankenhaus; Cibek technology + trading GmbH; Universität Bielefeld; Universität Hamburg; Johanniter-Unfall-Hilfe e. V. AdAM – Anwendung digital-gestütztes Arzneimitteltherapie- und Versorgungs-Management Konsortialführer: BARMER Besonders bei älteren Menschen, die unter mehreren Krankhei- ten leiden, kann die Einnahme verschiedener Medikamente zu gefährlichen Neben- und Wechselwirkungen führen. Das Projekt AdAM soll Hausärzte bei ihrem Arzneimitteltherapie-Management unterstützen, indem ihnen digital und patientenbezogen behand- lungsrelevante Krankenkassenabrechnungsdaten, potenzielle Risiken wie auch medizinisch-pharmazeutische Fachinformationen zur Verfügung gestellt werden. Projektpartner: Kassenärztliche Vereinigung Westfalen-Lippe; Goethe-Universität Frankfurt am Main; Universität Bielefeld; Universität zu Köln; Bergische Universität Wuppertal ReKo Regionales Pflegekompetenzzentrum – Innovationsstrategie für die Langzeitversorgung vor Ort Konsortialführer: DAK-Gesundheit Ziel des Projekts ReKo ist es, ein regionales Pflegekompetenzzen- trum zu schaffen, das auf die Herausforderungen eingeht, die der demografische Wandel für Pflege und Versorgung insbesondere im ländlichen Raum mit sich bringt. Die spezialisierte Beratung, Betreuung und stationäre sowie ambulante Versorgung pflege- bedürftiger betagter Menschen soll hier in einem Case-Manage- ment-Ansatz vereint und koordiniert werden. Projektpartner: Gesundheitsregion EUREGIO e. V.; Universität Osnabrück; PTHV Philosophisch- Theologische Hochschule Vallendar gGmbH
ersatzkasse magazin. 3 / 2019 40 / 41 REFORM DER BEDARFSPLANUNG Neue Niederlassungsmöglichkeiten für Ärzte und Psychotherapeuten Mit dem Beschluss des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) vom 16. Mai 2019 zur Reform der Bedarfsplanungsrichtlinie (BPL-RL) wurden die Voraussetzungen für eine zukünftig bedarfsorientiertere Bedarfsplanung für Ärzte und Psychotherapeuten geschaffen. Damit hat der G-BA die vom Gesetzgeber im GKV-Versorgungsstärkungs- gesetz geforderte weitere Überarbeitung der BPL-RL fristgemäß umgesetzt. / Text / Peter Prominski D ie Reform basiert unter anderem auf Vorschlägen aus dem vom G-BA im Sep- tember 2018 veröffentlich- ten Gutachten zur Bedarfs- planung und verschiedenen politischen Forderungen. Im Kern erhalten die Lan- desebenen differenziertere und zusätzliche Instrumente zur Steuerung der regionalen und lokalen Verteilung der Ärzte und Psychothe- rapeuten. Die Altersverteilung der Einwohner eines Planungsbereiches wird zukünftig in vier Clustern – jeweils unterschieden in männlich und weiblich – statt in zwei Clustern darge- stellt, was eine feinere Planung nach sich zieht. Darüber hinaus fließt zukünftig die regionale Morbidität der Versicherten mit in die Planung ein. Damit ist der Landesausschuss für Ärzte/ Krankenkassen in der Lage, die Bedarfe an Ärzten und Psychotherapeuten in den jeweili- gen Planungsbereichen noch exakter über regi- onale Verhältniszahlen darzustellen. Mindest- und Höchstquoten Hinsichtlich einer homogeneren Verteilung von Internisten mit Schwerpunkt werden soge- nannte Mindest- und Höchstquoten vom G-BA eingeführt. Die Mindestquote von acht Prozent soll im Fall der Rheumatologen sicherstellen, dass bis zu einem Anteil von acht Prozent an den Fachinternisten eines Planungsbereiches Rheumatologen zugelassen werden, auch wenn der Planungsbereich für Fachinternisten bereits gesperrt ist. Dies sorgt zwar für einen Aufwuchs bei den Fachinternisten, ermöglicht aber dringend benötigte Niederlassungsmög- lichkeiten für Rheumatologen. Die Höchstquo- ten hingegen sollen für eine Begrenzung der Niederlassungen bei bestimmten Fachinternis- ten sorgen, um so eine homogenere Verteilung von Fachinternisten im Planungsbereich zu gewährleisten. Für die Fachgruppe der Kar- diologen werden 33 Prozent, für Gastroentero- logen 19 Prozent, für Pneumologen 18 Prozent und für Nephrologen 25 Prozent als Höchst- quote festgelegt. Mit diesen Höchstquoten soll vermieden werden, dass sich über diese Quoten hinaus Ärzte dieser Fachgruppen niederlassen und damit andere Fachgruppen der inneren Medizin „zu kurz kommen“. Die bereits bestehenden Möglichkei- ten, auf Landesebene regionale und lokale Besonderheiten zu berücksichtigen, bleiben erhalten. Mit dem Terminservice- und Ver- sorgungsgesetz (TSVG) hat der Gesetzgeber zusätzlich die Möglichkeit geschaffen, dass die Landesbehörden Zulassungssperren aufheben können, sofern bestimmte Kriterien eingehal- ten bzw. geprüft wurden. Diese müssen vor- her allerdings mit dem Landesausschuss für Ärzte/Krankenkassen einvernehmlich festge- legt werden, um willkürliche Entscheidungen der Landesbehörden abzuwenden. Mit dem Inkrafttreten der Bedarfsplanungsrichtlinie haben die Landesausschüsse sechs Monate Zeit, die neue Richtlinie umzusetzen. Die Landes- ebenen erhalten differenziertere Instrumente zur Steuerung der Verteilung der Ärzte und Psycho- therapeuten. t a v i r p : o t o F Peter Prominiski Abteilung Ambulante Versorgung beim vdek
VERMISCHTES BIBLIOTHEK HANDBUCH RAHMENBEDINGUNGEN GESELLSCHAFT Qualitätsmanage- ment in der Palliativ- versorgung Psychische Belastungen am Arbeitsplatz Wie können Teams der spezialisierten ambu- lanten Palliativversorgung (SAPV) die Qualität ihrer Arbeit messen und sichern? Das Hand- buch präsentiert Standards und Prozesse, die sich beim Qualitätsmanagement in kleinen, multiprofessionellen Teams bewährt haben. Experten aus über 20 Palliative-Care-Teams und aus der Landesarbeitsgemeinschaft Pal- liativversorgung arbeiteten mit. Bestehende Grundlagen, Richtlinien und validierte Mess- instrumente wurden in die Abstimmungspro- zesse einbezogen. Es eignet sich als Vorlage für Teams, die für die eigene Arbeit ein indivi- duelles Handbuch erstellen wollen. Fachverband SAPV Hessen (Hg.) Handbuch Qualitätsmanage- ment in der spezialisierten ambulanten Palliativversorgung 2015, 230 S., € 59,95 Mabuse-Verlag, Frankfurt am Main Dieses Buch geht nicht nur auf die Erfassung psychischer Belastungen und Gefährdungen am Arbeitsplatz ein, es widmet sich vor allem der Analyse der Rahmenbedingungen und Ursachen. Dabei spielen veränderte Arbeits- inhalte, Arbeitsmittel und Organisationsfor- men ebenso eine Rolle wie Einstellungen und Motivationen. Es gibt praktische Hilfestellung, „gesunde Leistungsfähigkeit" am Arbeitsplatz zu schaffen und zu erhalten – mit konkreten Praxisbeispielen und zahlreichen Vorschlägen zur Prävention und Intervention. Dr. Stefan Poppelreuter, Prof. Dr. Katja Mierke Psychische Belastungen in der Arbeitswelt 4.0: Entstehung – Vorbeugung – Maßnahmen 2018, 257 S., € 39,90 Erich Schmidt Verlag, Berlin Geschäft Gesundheit? Es mangelt nicht an Ratschlägen gegen Zivilisationskrankheiten wie Burn-out, Herz- Kreislauf-Erkrankungen oder Krebs. Aber der Körper muss offenbar gut auf die hohen Anforderungen des marktwirtschaftlichen Alltags vorbereitet werden. Der Autor legt dar, wie das Gesundheitswesen funktioniert, warum es so oft in die öffentliche Kritik gerät und warum es ständig reformiert werden muss. Zudem deckt er auf, wie Krankheit infolge von Rücksichtslosigkeit auf das Wohl- ergehen des Menschen immer mehr zum Geschäft wird. Suitbert Cechura Unsere Gesellschaft macht krank – Die Leiden der Zivilisation und das Geschäft mit der Gesundheit 2018, VIII, 336 S., € 21,95 Tectum Verlag in der Nomos Verlagsgesellschaft, Baden-Baden Haushaltsrecht Der Kommentar zeigt die Verzahnung zwischen Haushalts- und Rechnungswesen auf und enthält praktische Übersichts- und Zusatzmaterialien. Unter Berücksichtigung des Haushaltsrechts aller Sozialversiche- rungszweige gibt es entscheidende Schwer- punkte: nicht nur die haushaltsrechtlichen Vorschriften des SGB IV, sondern auch die Verordnung über das Haushaltswesen in der Sozialversicherung (SVHV). Grundsicherung für Arbeitsuchende Der Kommentar enthält alle notwendigen Informationen rund um die aktuellen Rege- lungen und zeigt die Zusammenhänge des SGB II zum übrigen Sozialrecht auf, gibt viele lösungsorientierte Hinweise zur konkreten Umsetzung der gesetzlichen Regelungen und behandelt jede nur denkbare Fallkonstellation im Bereich der Grundsicherung für Arbeit- suchende. Recht der Krankenversicherung Neben praxisorientierten Kommentierun- gen und den aktuellen Gesetzestexten zum SGB V enthält der Kommentar eine Fülle von Entscheidungshilfen und Informationen zu aktuellen sozial- und rechtspolitischen Ent- wicklungen. Mit vielen lösungsorientierten Hinweisen zur konkreten Umsetzung der gesetzlichen Regelungen geben die Autoren zusätzlich wertvolle Unterstützung für die richtige Rechtsanwendung. Dr. jur. Rüdiger Wirth, Heinz-Günter Held, Prof. Dr. jur. Manfred Heße Haushaltsrecht der Sozialversicherung 1. Lfg., 03/2019. Gesamtwerk 1.870 S. in einem Ordner, € 112 Erich Schmidt Verlag, Berlin Prof. Dr. Thomas Voelzke (Hg.) SGB II – Grundsicherung für Arbeitsuchende 1. Lfg., 03/2019. Gesamtwerk 5.456 S. in vier Ordnern, € 136 Erich Schmidt Verlag, Berlin Prof. Dr. Wolfgang Noftz (Hg.) SGB V – Gesetzliche Krankenversicherung 2. Lfg., 02/2019. Gesamtwerk 13.140 S. in sieben Ordnern, € 204 Erich Schmidt Verlag, Berlin
ersatzkasse magazin. 3 / 2019 42 / 43 ÜBERSICHT TEXTSAMMLUNG ORGANSPENDE Teilhabe und Inklusion Das Buch soll mit seinen Erläuterungen zu den verschiedenen Regelungen den Zugang zum Recht der Menschen erleichtern und als Hilfsmittel für den Umgang mit den Neuerun- gen durch das Bundesteilhabegesetz (BTHG) dienen. Dazu werden die wichtigen Gesetze, Verordnungen und Vorschriften aus dem Recht der Menschen mit Behinderung vorgestellt. Die Grundlage bilden neben dem SGB IX mit BTHG über 20 Gesetze und Verordnungen im Wortlaut oder in wesent- lichen Teilen. Kurze Einführungen und Rechtsprechungsübersichten erleichtern den Umgang mit den Regelungen. Nils Bolwig, Maren Conrad- Giese, Henning Groskreutz, Daniel Hlava und Diana Ramm Behindertenrecht in der Arbeitswelt – Gesetze, Verordnungen, Einleitungen, Übersichten, Rechtsprechung 3. Auflage 2019, 577 S., € 24,90 Bund-Verlag, Frankfurt am Main Gesetze und Verordnungen Berlin Die Textsammlung enthält eine systematische Auswahl der für das Land Berlin wichtigsten Rechtsvorschriften und berücksichtigt die für die Studierenden an den Universitäten und Fachhochschulen sowie für die Rechtsrefe- rendare maßgeblichen Vorschriften des Lan- desrechts. Darüber hinaus enthält sie Gesetze und Verordnungen für Richter, Verwaltungs- beamte, Rechtsanwälte und Verbandsjuristen, denen erfahrungsgemäß in der täglichen Praxis erhebliche Bedeutung zukommt. Prof. Dr. Helge Sodan, Prof. Dr. Wolfgang Kuhla Landesrecht Berlin Reihe: NomosGesetze 14. Auflage 2019, Stand: 1. September 2018, 953 S., € 25,90 Nomos Verlagsgesellschaft, Baden-Baden Fragen und Antworten Mit Hintergrundwissen und Informationen aus zahlreichen Experteninterviews schafft dieses Buch eine Basis, um eine fundierte Entscheidung für oder gegen eine Organ- spende treffen zu können. Auch Organemp- fänger kommen zu Wort, ebenso werden Angehörige befragt, die einer Organspende zugestimmt haben. Weiterhin wird auf die aktuellen Maßnahmen zur Verbesserung der Spenderquote eingegangen. Belegt wird das große Potenzial, das gerade in den Kliniken liegt. Der Autor diskutiert die Vor- und Nach- teile von Widerspruchs- und Entscheidungs- lösung und geht auf die Non-Heart-Beating- Donor-Problematik ein. Heiko Burrack Leben hoch zwei – Fragen und Antworten zu Organspende und Transplantation 2019, 328 S., € 24,99 medhochzwei Verlag GmbH, Heidelberg Regelungen des SGB V Ergänzende Gesetze von A bis Z Das Handbuch kommentiert ausführlich und praxisnah die Vorschriften des SGB V und bietet Auskunft zu allen Fragen der gesetzli- chen Krankenversicherung (GKV). Es liefert Informationen für Gerichte, Rechtsanwälte, Mitarbeiter in den Krankenversicherungen, den Kassenärztlichen Vereinigungen und in der Sozialverwaltung sowie für alle im Sozial- recht tätigen Berater. Dr. Ruth Düring, Hermann Frehse und Prof. Dr. Ernst Hauck (Hg.) Handbuch der Krankenversicherung – Teil II – Sozialgesetzbuch V 90. Lfg., 01/2019, € 139. Gesamtwerk 6.290 S. in vier Ordnern, € 299 W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart Ergänzende Gesetze aus dem Verfassungs-, Verwaltungs-, Zivil- und Strafrecht, Vor- schriften aus Arbeitsrecht und Arbeitsschutz sowie ergänzende Gesetze des Steuer- und Finanzrechts sind speziell auf den Sozialver- sicherungsfachangestellten abgestimmt und besonders geeignet für alle Fragen in der Aus- und Weiterbildung. GAZ – SV 87. Lfg., 02/2019. Gesamtwerk in einem Ordner, € 149 CW Haarfeld GmbH, Hürth Materialsammlung zur Krankenversicherung Das SGB KV bietet die für die Ausbildung abgestimmten Gesetze auf dem jeweils neuesten Rechtsstand sowie ausgewählte Verordnungen und Rundschreiben. Redakti- onelle Anmerkungen erleichtern die Lösung fachlich anspruchsvoller Aufgaben. Berück- sichtigt werden vorzugsweise die für den Sozialversicherungsfachangestellten interes- santen Fragestellungen. SGB – KV 64. Lfg., 04/2019. Gesamtwerk in zwei Ordnern, € 149 CW Haarfeld GmbH, Hürth
VERMISCHTES ONLINE-PORTALE MEHRWERT:PFLEGE HAUPTSTADTKONGRESS 2019 vdek-Pflegelotse zum dritten Mal ausgezeichnet Der vdek-Pflegelotse ist im Mai 2019 erneut mit dem Preis „Deutschlands beste Online- Portale“ in der Kategorie „Leben & Gesund- heit“ ausgezeichnet worden. Bereits in den vergangenen zwei Jahren gehörte die Seite www.pflegelotse.de des Verbandes der Ersatzkassen e. V. (vdek) zu den Gewinnern des Internet Awards, den der Fernsehsender n-tv und das Deutsche Institut für Service- Qualität (DISQ) seit 2017 verleihen. Grundlage für die Preisvergabe war eine repräsentative Online-Befragung zu rund 570 unterschiedlichen Webangeboten für Ver- braucher. Rund 33.000 Kundenmeinungen holten die Marktforscher hierfür ein. Bewer- tet wurden die Webseiten in den Bereichen „Angebot“, „Leistung“, „Kundenservice“ sowie „Qualität des Internetauftritts“. Darüber hinaus gaben die Befragten an, für wie empfehlens- wert sie die Portale einstufen. Der vdek-Pflegelotse gehört zu den Markt- führern unter den Informationsportalen für Pflegeeinrichtungen und verzeichnet rund 1,2 Millionen Besuche pro Monat. Das Such- portal gibt mit bundesweit rund 25.000 Einträgen eine umfassende Übersicht über sta tionäre Pflegeeinrichtungen, ambulante Pflegedienste, häusliche Betreuungsdienste sowie Angebote zur Unterstützung im Alltag. Der Pflegelotse ist werbefrei und wurde für seine besonders hohe Barrierefreiheit von einer unabhängigen Prüfstelle mit 96,75 von 100 Punkten ausgezeichnet (Gesamtbewer- tung: „sehr gut“). www.pflegelotse.de pm vdek unterstützt betriebliche Gesund- heitsförderung in der Pflege Arbeiten in der Pflege bedeutet, sich um die Gesundheit anderer zu kümmern – dabei rückt die Gesundheit der Beschäftigten oftmals in den Hintergrund. Der Arbeitsalltag in Krankenhäusern und stationären Pflege- einrichtungen ist durch spezifische Arbeits- anforderungen gekennzeichnet: Schicht- dienst, Zeitdruck, der Umgang mit Emotionen sowie körperlich anspruchsvolle Tätigkeiten können zu einer Belastung werden. Um die Arbeitsfähigkeit von Pflegekräften und allen anderen Beschäftigtengruppen zu erhalten bzw. zu stärken und eine gesunde Arbeitsumgebung zu schaffen, haben die Ersatzkassen das Konzept MEHRWERT:PFLEGE entwickelt. Dieses neue Angebot zur betrieb- lichen Gesundheitsförderung wird vom Ver- band der Ersatzkassen e. V. (vdek) organisiert. Grundlage dafür bildet das Pflegepersonal- Stärkungsgesetz (PpSG). Krankenhäuser und stationäre Pflegeeinrich- tungen in Deutschland, die ein betriebliches Gesundheitsmanagement für ihre Beschäftig- ten aufbauen oder weiterentwickeln möchten, können sich von qualifizierten BGF-Beratern mit Unterstützung des vdek kostenlos infor- mieren und begleiten lassen. Auf Basis einer Situationsanalyse entwickeln die Berater gemeinsam mit dem Krankenhaus oder der stationären Pflegeeinrichtung passgenaue Unterstützungsangebote, zum Beispiel zur Schichtplangestaltung, zur teamorientierten Kommunikation und gesundheitsgerechten Führung bis hin zur Stressbewältigung, Bewe- gung und Ernährung. MEHRWERT:PFLEGE ist ein Angebot im Rahmen der Ersatzkassenini- tiative Gesunde Lebenswelten. www.vdek.com/mehrwert-pflege pm Apps & Co i r e f r u K s a b o T / k e d v : o t o F Der diesjährige Hauptstadtkongress stand im Zeichen der Digitalisierung. Vom 21. bis 23. Mai 2019 diskutierte die Branche, welche Herausforderungen sich für die Gesundheits- versorgung, die Gesundheitsberufe und die Gesundheitspolitik in Zeiten des digitalen Wandels ergeben. vdek-Vorstandsvorsit- zende Ulrike Elsner hob in einem Vortrag zum Thema „Telemedizin, Apps & Co – brauchen wir eine Fast Lane in die Regelversorgung?“ hervor, dass die Ersatzkassen in dem Ent- wurf des Digitale Versorgung Gesetzes (DVG) einen wichtigen Schritt der Politik zur Moder- nisierung des Gesundheitswesens sehen. „Es muss jedoch sichergestellt sein, dass für Apps, die in die GKV-Regelversorgung kommen, ein klarer Nutzennachweis und Datensicherheit besteht.“ Elsner präsen- tierte einen konkreten Vorschlag für die Nutzenbewertung von Medizin-Apps durch ein beschleunigtes Erprobungsverfahren im Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA). Auch das geplante Faire-Kassenwahl-Gesetz (GKV-FKG) beschäftigte die Fachleute auf dem Hauptstadtkongress. In einer Diskussi- onsrunde begrüßte Elsner die im Gesetzent- wurf stehende Absicht, die Regionalkassen bundesweit zu öffnen. „Die bundesweit organisierten Ersatzkassen sind auch in der regionalen Versorgung stark“, so Elsner. Gute regionale Versorgung werde durch alle Kassen sichergestellt, nicht nur durch Regionalkas- sen mit begrenzter Wahlfreiheit. nj
ersatzkasse magazin. 3 / 2019 44 / 45 I S M H : o t o F STECKBRIEF Kai Klose Alter 45 Wohnort Idstein/Taunus Ausbildung Gymnasiallehrer (Deutsch, Politik und Wirtschaft) Tätigkeit Hessischer Minister für Soziales und Integration MdL Hobbys Radfahren, wandern, kochen Lieblingsgericht Im Moment beinahe die komplette arabische Küche Gesundheit bedeutet für Sie … … alles zu tun, um die eigene zu erhalten. Wie lautet Ihr Rezept für persönliches Wohlbefinden? Lachen, Zeit mit geliebten Menschen verbringen, den Grad der Selbstbestimmung erhöhen. Was ist Ihr ungesundes Laster? Salzige Snacks. Was schätzen Sie am deutschen Gesundheits- system? Seine Qualität. Als Versicherter wünschen Sie sich … … wertschätzende Behandlung. Worauf könnten Sie in der Politik verzichten? Auf zu lange und unproduktive Sitzungen und auf den Bewegungsmangel. Wogegen wären Sie gerne versichert? Gegen Ungeduld. Wie lautet Ihr Motto fürs Leben? Machen statt mosern.
VERMISCHTES PS Wenn die Freizeitkrankheit zuschlägt V iele von uns kennen das: Pünktlich zum Wochenende oder Ferienbeginn kratzt der Hals, rumort der Magen, hämmern die Kopfschmerzen. Von Urlaubsfeeling kann nicht die Rede sein. Wir sind krank. Und die Krankheit hat einen Namen: Die Frei- zeitkrankheit – oder auch Leisure Sick- ness. Manchmal fällt der Badeurlaub dann ins Wasser oder direkt am Urlaubsort ist strengste Bettruhe angezeigt. Aktuell bemüht sich die Wissenschaft, das weit verbreitete Phänomen der Freizeitkrankheit auszuleuchten. Immerhin fast ein Viertel der Deutschen ist davon betroffen, zeigt eine repräsentative Umfrage der IUBH Internationalen Hochschule. Darauf aufbauend hat die IUBH jetzt gemeinsam mit der Privaten Universität für Gesundheitswissenschaften, Medizinische Informatik und Technik (UMIT) erforscht, wel- che Faktoren die Krankheit begünstigen und welche Menschen gefährdet sind. Viel hängt davon ab, wie wir unsere freie Zeit verbringen und welche Freizeittypen wir sind. Die „Arbeitstiere“ – häufig älter als 45 Jahre und ohne Führungsverantwortung – sind besonders anfällig: Sie leben für die Arbeit, gerne nehmen sie auch in ihrer arbeitsfreien Zeit freiwillig Fortbildungen wahr und treffen sich mit Geschäftspartnern. Hinzu kommen weitere Aktivitäten und private Verpflichtungen, wobei soziale Kontakte und Sport kaum eine Rolle spielen. Gefährdet ist erstaunlicher- weise auch die Gruppe der sogenannten Inaktiven, die ihre Frei- zeit völlig frei, aber unstrukturiert und ohne Verbindlichkeiten gestaltet. Dieses Verhalten ist verstärkt bei Männern, Jüngeren und Führungskräften zu beobachten. Was lernen wir daraus? Dass auch viel freie Zeit nicht vor der Freizeitkrankheit schützt. Halten wir es daher lieber wie die „Verplanten“, unter denen sich tendenziell mehr Frauen befinden, oder wie die „Ausbalancier- ten“, bei denen Männer über 45 sowie Führungskräfte stärker vertreten sind. Beide Gruppen haben eine geringere Anfällig- keit für die Leisure Sickness. Sie zeigen, dass es auf die gesunde Mischung ankommt. Wer sich einen wirklichen Ausgleich zur Arbeit schafft und abschaltet, soziale Kontakte pflegt, private Verabredungen einhält und seine Zeit etwas strukturiert, hält sich die Freizeitkrankheit am ehesten vom Hals. Wir wünschen einen gesunden und erholsamen Urlaub! Ihre Redaktion IMPRESSUM ersatzkasse magazin. Das Magazin des Verbands der Ersatzkassen e. V. (vdek), vormals „Die Ersatzkasse“, erstmals erschienen 1916. Herausgeber Verband der Ersatzkassen e. V. (vdek), Ulrike Elsner (Vorstandsvorsitzende des vdek, v.i.S.d.P.) Gesamtverantwortung Michaela Gottfried (Leiterin Abteilung Kommunikation beim vdek) Redaktion Annette Kessen, Raffaele Nostitz, Nicole Janke Redaktionsanschrift Askanischer Platz 1 | 10963 Berlin Tel. 0 30 / 2 69 31 - 12 06 Fax 0 30 / 2 69 31 - 29 00 redaktion@vdek.com www.vdek.com/magazin Layout ressourcenmangel Hamburg GmbH Lange Reihe 29 | 20099 Hamburg www.ressourcenmangel.de Repro und Druck EVERSFRANK Berlin GmbH Ballinstraße 15 | 12359 Berlin www.eversfrank.com Erscheinungsdatum Juni 2019 / 99. Jahrgang ersatzkasse magazin. erscheint sechs Mal im Jahr. Nachdruck nur mit Genehmigung des Herausgebers oder der Redaktion. Dies gilt auch für die Aufnahme in elektronische Datenbanken und Mailboxen. Für unaufgefordert eingesandte Manuskripte übernehmen der Herausgeber und die Redaktion keine Haftung. Namentlich gekennzeichnete Beiträge geben nicht unbedingt die Meinung des Herausgebers und der Redaktion wieder.
Mitgliedskassen Der Verband der Ersatzkassen e. V. (vdek) ist Interessenvertretung und Dienstleistungsunternehmen aller sechs Ersatzkassen, die zusammen rund 28 Millionen Menschen in Deutschland krankenversichern. Techniker Krankenkasse (TK) BARMER Bramfelder Straße 140 22305 Hamburg Tel.: 0 40 - 69 09 - 17 83 Fax: 0 40 - 69 09 - 13 53 pressestelle@tk.de www.tk.de DAK-Gesundheit Nagelsweg 27–31 20097 Hamburg Tel.: 0 40 - 23 96 - 0 Fax: 0 40 - 23 96 - 26 75 service@dak.de www.dak.de Postfach 11 07 04 10837 Berlin Tel.: 08 00 - 333 1010 Fax: 08 00 - 333 0090 service@barmer.de www.barmer.de KKH Kaufmännische Krankenkasse Karl-Wiechert-Allee 61 30625 Hannover Tel.: 05 11 - 28 02 - 0 Fax: 05 11 - 28 02 - 99 99 service@kkh.de www.kkh.de hkk – Handelskrankenkasse HEK – Hanseatische Krankenkasse Martinistraße 26 28195 Bremen Tel.: 04 21 - 36 55 - 0 Fax: 04 21 - 36 55 - 37 00 info@hkk.de www.hkk.de Wandsbeker Zollstraße 86–90 22041 Hamburg Tel.: 08 00 - 0 213 213 Fax: 0 40 - 6 56 96 - 12 37 kontakt@hek.de www.hek.de
Verband der Ersatzkassen e. V. (vdek) Zeitschriftenredaktion Askanischer Platz 1 10963 Berlin Tel 0 30 / 2 69 31 - 1 2 06 Fax 0 30 / 2 69 31 - 29 00