Source: https://www.ebnerstolz.de/de/zur-gewerblichen-praegung-einer-einheits-gmbh-co-kg-154408.html
Timestamp: 2018-08-15 06:37:04
Document Index: 71563878

Matched Legal Cases: ['§ 15', '§ 15', '§ 15', '§ 15', '§ 15', '§ 15']

Zur gewerblichen Prägung einer Einheits-GmbH & Co. KG - Ebner Stolz
Die Klä­ge­rin ist eine GmbH & Co. KG, deren per­sön­lich haf­tende Gesell­schaf­te­rin zunächst die NX-GmbH und deren allei­nige Kom­man­di­tis­tin die N-GmbH war. Im Rah­men einer Umstruk­tu­rie­rung über­trug die N-GmbH ihren gesam­ten Kom­man­di­t­an­teil an der Klä­ge­rin i.H.v. 69 % auf A, i.H.v. 21 % auf B (Sohn von A) und i.H.v. 10 % auf C (Ehe­frau von B). Zug­leich wur­den A, B und C im glei­chen Betei­li­gungs­ver­hält­nis allei­nige Gesell­schaf­ter der E-GmbH. Außer­dem trat die E-GmbH der Klä­ge­rin ohne Betei­li­gung am Gesell­schafts­ver­mö­gen mit sofor­ti­ger Wir­kung als Kom­p­le­men­tärin bei. Die NX-GmbH schied mit sofor­ti­ger Wir­kung aus, nicht jedoch bevor die E-GmbH in das Han­dels­re­gis­ter ein­ge­tra­gen wor­den war. Diese Ein­tra­gung der E-GmbH erfolgte im Februar 2008.
Im Rah­men einer Gesell­schaf­ter­ver­samm­lung wurde der Unter­neh­mens­ge­gen­stand in "die Ver­mö­gens­ver­wal­tung sowie die Ver­wal­tung, Ver­mie­tung und Ver­pach­tung von Immo­bi­lien, Grund­stü­cken, Gewerbe und Wohn­bau­ten sowie sons­ti­ger Gewer­be­an­la­gen und deren An - und Ver­kauf für eigene Rech­nung" geän­dert. Die Kom­man­di­tis­ten A, B und C brach­ten ver­schie­dene Grund­stü­cke in die Steu­erpf­lich­tige ein. Nach wei­te­ren Anteils­über­tra­gun­gen waren am Kom­man­dit­ka­pi­tal der Steu­erpf­lich­ti­gen A mit 30 %, B mit 41 %, C mit 1 % und D mit 28 % betei­ligt.
Das Finanz­amt kam nach einer Außen­prü­fung zu dem Ergeb­nis, dass die Klä­ge­rin mit der Ein­tra­gung der E-GmbH in das Han­dels­re­gis­ter nicht mehr die Vor­aus­set­zun­gen eines Gewer­be­be­trie­bes kraft Fik­tion nach § 15 Abs. 3 Nr. 2 EStG erfüllt habe. Denn ab die­sem Zeit­punkt sei die Klä­ge­rin Allein­ge­sell­schaf­te­rin der E-GmbH gewor­den, so dass die gesell­schafts­ver­trag­lich getrof­fene Ver­ein­ba­rung gegrif­fen habe, wonach auch die Kom­man­di­tis­ten in dem dort genann­ten Umfang zur Füh­rung der Geschäfte der Steu­erpf­lich­ti­gen befugt gewe­sen seien. Daher sei der Betrieb der Steu­erpf­lich­ti­gen zwangs­weise auf­ge­ge­ben wor­den, so dass die in den Immo­bi­lien ruhen­den stil­len Reser­ven der Besteue­rung hät­ten unter­wor­fen wer­den müs­sen. Im Anschluss habe die Klä­ge­rin Ein­künfte aus Ver­mie­tung und Ver­pach­tung erzielt.
Das FG hat zu Recht ent­schie­den, dass die Klä­ge­rin ihren Gewer­be­be­trieb nicht im Februar 2008 auf­ge­ge­ben, son­dern auch nach die­sem Zeit­punkt wei­ter­hin die Vor­aus­set­zun­gen für einen Gewer­be­be­trieb kraft Fik­tion nach § 15 Abs. 3 Nr. 2 EStG erfüllt hat.
Unst­rei­tig waren allein Kapi­tal­ge­sell­schaf­ten per­sön­lich haf­tende Gesell­schaf­te­rin­nen der Klä­ge­rin. Mit dem Ein­tritt der E-GmbH als Kom­p­le­men­tärin und der Über­tra­gung der Geschäft­s­an­teile an der E-GmbH auf die Klä­ge­rin ent­stand eine sog. Ein­heits-GmbH & Co. KG, bei der die Klä­ge­rin Allein­ge­sell­schaf­te­rin ihrer Kom­p­le­men­tär-GmbH ist. Diese war auch noch gewerb­lich i.S.d. § 15 Abs. 3 Nr. 2 EStG, obwohl gesell­schafts­ver­trag­lich vor­ge­se­hen war, dass ihrer im Grund­satz allein geschäfts­füh­rungs­be­fug­ten Kom­p­le­men­tärin die Geschäfts­füh­rungs­be­fug­nis betref­fend die Aus­übung der Gesell­schaf­ter­rechte aus oder an den von der Steu­erpf­lich­ti­gen gehal­te­nen Geschäft­s­an­tei­len an der Kom­p­le­men­tär-GmbH entzo­gen und diese auf die Kom­man­di­tis­ten über­tra­gen wird.
Denn § 15 Abs. 3 Nr. 2 EStG greift immer ein, wenn bei einer GmbH & Co. KG nur die GmbH als allei­nige Kom­p­le­men­tärin zur Geschäfts­füh­rung befugt ist. Für die Prä­gung i.S.d. § 15 Abs. 3 Nr. 2 EStG ist es auch unschäd­lich, wenn der Kom­man­di­tist zug­leich Geschäfts­füh­rer der Kom­p­le­men­tär-GmbH ist. In einem sol­chen Fall führt zwar der Kom­man­di­tist als Geschäfts­füh­rer der Kom­p­le­men­tär-GmbH mit­tel­bar die Geschäfte der GmbH & Co KG. Der Geschäfts­füh­rer der Kom­p­le­men­tär-GmbH ist aber nicht der org­an­schaft­li­che Geschäfts­füh­rer der GmbH & Co KG; dies ist und bleibt - vor­be­halt­lich einer abwei­chen­den Rege­lung im Gesell­schafts­ver­trag der GmbH & CO KG - die GmbH als Kom­p­le­men­tärin.
Bei einer "Ein­heits-GmbH & Co. KG" gehö­ren Maß­nah­men, wel­che allein die Aus­übung der Gesell­schaf­ter­rechte aus oder an ihren Geschäft­s­an­tei­len an der Kom­p­le­men­tär-GmbH betref­fen, nicht zur Geschäfts­füh­rung i.S.d. § 15 Abs. 3 Nr. 2 EStG. Der gewerb­li­chen Prä­gung einer "Ein­heits-GmbH & Co. KG" steht daher nicht ent­ge­gen, wenn der im Grund­satz allein geschäfts­füh­rungs­be­fug­ten Kom­p­le­men­tärin im Gesell­schafts­ver­trag der GmbH & Co KG die Geschäfts­füh­rungs­be­fug­nis (und Ver­t­re­tungs­be­fug­nis) betref­fend die Aus­übung der Gesell­schaf­ter­rechte aus oder an den von der KG gehal­te­nen Geschäft­s­an­tei­len an der Kom­p­le­men­tär-GmbH entzo­gen und auf die Kom­man­di­tis­ten über­tra­gen wird.