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Timestamp: 2016-10-22 05:26:37
Document Index: 389328602

Matched Legal Cases: ['Art. 4', 'Art. 67', 'Art. 4', 'Art. 4', 'BGE', 'Art. 67', 'Art. 67', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'Art. 68', 'Art. 78', 'Art. 152', 'BGE', 'BGE', 'Art. 68', 'Art. 4', 'Art. 274', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'Art. 274']

122 I 8 3. Auszug aus dem Urteil der II. Zivilabteilung vom 8. M�rz 1996 i.S. P.H. gegen Obergericht des Kantons Solothurn (staatsrechtliche Beschwerde)
Art. 4 Cst. et 67 s. OFLP; assistance judiciaire dans la proc�dure de plainte du droit des poursuites. Le droit � l'assistance judiciaire d�coulant de l'art. 4 Cst. n'est pas exclu par principe dans la proc�dure de plainte, pour le motif que, selon les art. 67 s. OFLP, il ne peut �tre per�u de frais ni allou� de d�pens. Dans la mesure o� la proc�dure de plainte est r�gie par la maxime d'office, l'assistance d'un avocat n'est en g�n�ral pas n�cessaire. Faits � partir de page 8
Mit Verf�gungen vom 6. bzw. 7. November 1995 erh�hte das Betreibungsamt Wasseramt (Solothurn) in der gegen P.H. laufenden Lohnpf�ndung den pf�ndbaren Einkommensteil per 1. April 1996 von Fr. 147.-- auf Fr. 341.-- pro Monat.
Dagegen beschwerte sich P.H. beim Obergericht des Kantons Solothurn als Aufsichtsbeh�rde �ber Schulbetreibung und Konkurs. F�r das Beschwerdeverfahren ersuchte er um die Beiordnung eines unentgeltlichen Rechtsbeistandes, welches Gesuch vom Vizepr�sidenten der Aufsichtsbeh�rde mit Verf�gung vom 8. Januar 1996 abgewiesen wurde.
Mit staatsrechtlicher Beschwerde vom 22. Januar 1996 beantragt P.H. dem Bundesgericht im wesentlichen, die Verf�gung der Aufsichtsbeh�rde aufzuheben.
2. Das Gesuch des Beschwerdef�hrers um unentgeltliche Rechtspflege wurde von der Aufsichtsbeh�rde mit der Begr�ndung abgewiesen, die Praxis schliesse aus Art. 67 f. GebVSchKG (SR 281.35), dass im Beschwerdeverfahren vor der Aufsichtsbeh�rde kein Anspruch auf kostenlose Verbeist�ndung bestehe. Das Bundesgericht habe sich zu dieser speziellen Frage noch nie ge�ussert. Der Beschwerdef�hrer erachtet diese Auffassung f�r verfassungswidrig und h�lt daf�r, dass die Aufsichtsbeh�rde gest�tzt auf Art. 4 BV die unentgeltliche Rechtsvertretung h�tte bewilligen m�ssen.
a) Der Anspruch auf unentgeltliche Rechtspflege wird in erster Linie durch das kantonale Prozessrecht geregelt. Unabh�ngig davon wird ein Mindestanspruch der bed�rftigen Partei auf unentgeltliche Rechtspflege in einem nicht aussichtslosen Prozess direkt aus Art. 4 BV abgeleitet. Dieser Anspruch beinhaltet einerseits die Befreiung von den Verfahrenskosten und anderseits - soweit notwendig - das Recht auf einen unentgeltlichen Rechtsbeistand (BGE 121 I 60 E. 2a S. 61 f. mit Hinweisen).
b) Das SchKG-Aufsichtsverfahren ist gem�ss Art. 67 GebVSchKG geb�hrenfrei. Soweit der Vizepr�sident der Aufsichtsbeh�rde in der Kurzbegr�ndung seiner Verf�gung auf die Geb�hrenfreiheit anspielt und mit Hinweis auf Art. 67 GebVSchKG den Anspruch auf unentgeltliche Verbeist�ndung ausschliesst, ist der Entscheid zum vornherein unhaltbar, weil die Geb�hrenfreiheit keinen Einfluss auf die Frage der Beiordnung eines unentgeltlichen Rechtsbeistandes haben kann.
c) In seiner neueren Rechtsprechung hat das Bundesgericht den verfassungsrechtlichen Anspruch auf unentgeltliche Verbeist�ndung kontinuierlich ausgedehnt (vgl. BGE 121 I 60 E. 2a/bb S. 62 und BGE 121 I 314 E. 2b S. 315 f., je mit Hinweisen). Namentlich im Bereich des SchKG wurde der Anspruch auf unentgeltliche Rechtsvertretung f�r das Konkursverfahren zufolge Insolvenzerkl�rung bejaht (BGE 118 III 27, BGE 118 III 33, BGE 119 III 113). Umgekehrt hat das Bundesgericht unter Hinweis auf die Geb�hren- und Entsch�digungsfreiheit des Beschwerdeverfahrens (Art. 68 Abs. 2 GebVSchKG) in bezug auf das Verfahren vor Bundesgericht gem�ss Art. 78 ff. OG eine gesetzliche Grundlage f�r die Beiordnung eines Armenanwaltes nach Massgabe von Art. 152 OG verneint (BGE 102 III 10 E. 1 S. 12 f.). Dieser letzte Entscheid wurde in der Literatur als allzu formalistisch kritisiert (FRITZSCHE/WALDER, Schuldbetreibung und Konkurs nach schweizerischem Recht, BGE 122 I 8 S. 10Band I, Z�rich 1984, � 15 Rz. 14). Die neuere Literatur bef�rwortet die Gew�hrung der unentgeltlichen Rechtspflege - und damit auch der unentgeltlichen Verbeist�ndung - im Betreibungsverfahren (ADRIAN STAEHELIN, Die betreibungsrechtlichen Streitigkeiten, in FS 100 Jahre SchKG, Z�rich 1989, S. 81 f.; PIERMARCO ZEN-RUFFINEN, Assistance judiciaire et administrative: Les r�gles minima impos�es par l'article 4 de la constitution f�d�rale in: JdT 137 [1989], S. 58 f.).
Gem�ss Art. 68 Abs. 2 GebVSchKG wird im Beschwerdeverfahren keine Parteientsch�digung zugesprochen; wer sich durch einen Rechtsanwalt vertreten l�sst, wird dessen Kosten ungeachtet des Verfahrensausgangs stets selber zu tragen haben. Im Lichte von Art. 4 BV darf die M�glichkeit des Beizugs eines Rechtsanwalts indessen nicht von der finanziellen Leistungsf�higkeit der Partei abh�ngen. Der Anspruch auf unentgeltliche Rechtsverbeist�ndung kann deshalb f�r das Beschwerdeverfahren nicht grunds�tzlich ausgeschlossen werden, sowenig als dies f�r das ebenso kosten- und entsch�digungsfreie mietrechtliche Schlichtungsverfahren (Art. 274d Abs. 2 OR) zutrifft (BGE 119 Ia 264 E. 4c S. 268).
Natur und Besonderheiten des Beschwerdeverfahrens, in welchem in gewissen F�llen von Bundesrechts wegen die Offizialmaxime gilt (BGE 107 III 1 E. 1 S. 2), rechtfertigen es jedoch, an die Voraussetzungen, unter denen eine Verbeist�ndung durch einen Rechtsanwalt sachlich geboten ist (BGE 121 I 314 E. 2b S. 315 f. mit Hinweisen), wie in mietrechtlichen Schlichtungsverfahren einen strengen Masstab anzulegen (BGE 119 Ia 264 E. 4c S. 269 mit Hinweisen). In einem vom Untersuchungsgrundsatz beherrschten Verfahren - und bei der Ermittlung des pf�ndbaren Einkommens haben die Betreibungsbeh�rden die massgebenden tats�chlichen Verh�ltnisse von Amtes wegen abzukl�ren (BGE 106 III 11 E. 2 S. 13 mit Hinweisen) - wird sich die Mitwirkung eines Rechtsanwalts in aller Regel als nicht erforderlich erweisen (BGE 119 Ia 264 E. 4c S. 269).
d) Der angefochtene Entscheid ist aufzuheben. Das Obergericht wird zu pr�fen haben, ob die Voraussetzungen zur unentgeltlichen Verbeist�ndung des Beschwerdef�hrers durch einen Rechtsanwalt im Beschwerdeverfahren erf�llt sind.
118 III 27 suite... ,
118 III 33,
119 III 113,
102 III 10,
107 III 1,
Art. 274d Abs. 2 OR