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Timestamp: 2016-10-24 18:28:17
Document Index: 191314637

Matched Legal Cases: ['BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE']

Pr�sident Borella, Bundesrichter Lustenberger und Kernen; Gerichtsschreiber Lanz
D.________, 1971, Beschwerdef�hrer, vertreten durch F�rsprecher Dr. Michel B�guelin, Dufourstrasse 12, 2502 Biel
Der 1971 geborene D.________ ist gelernter Automechaniker. Ab Dezember 1995 war er als Betriebsangestellter bei der A.________ AG t�tig und dadurch bei der Schweizerischen Unfallversicherungsanstalt (SUVA) obligatorisch gegen die Folgen von Berufs- und Nichtberufsunf�llen versichert. Am 8. August 1997 fuhr er mit dem Rennvelo auf einer leicht abfallenden Hauptstrasse. F�r ihn unverhofft bog die vortrittsbelastete Lenkerin eines Mountainbike in diese Strasse ein. D.________ kollidierte ungebremst mit dem Hinterrad des Mountainbikes und st�rzte kopf�ber auf die Strasse. Die medizinische Erstversorgung der dabei erlittenen Verletzungen erfolgte ambulant im Spital X.________, wo eine Rissquetschwunde in der Augenbrauenregion und eine Handgelenks- und Fingerkontusion Dig. IV links diagnosiziert wurden. Der anf�ngliche Verdacht auf eine frische Nasenbeinfraktur best�tigte sich in der Folge nicht; es blieb bei der Feststellung einer beim Sturz erlittenen Nasenkontusion. Die SUVA kam zun�chst f�r die Heilbehandlung auf. Nach Beizug verschiedener medizinischer Berichte sowie Stellungnahmen des Kreisarztes und der eigenen Abteilung Arbeitsmedizin er�ffnete sie dem Versicherten mit Verf�gung vom 23. September 1999 die Einstellung der Leistungen ab 16. Dezember 1998, da seit diesem Zeitpunkt keine anspruchsberechtigenden Folgen des Fahrradsturzes mehr gegeben seien. Daran hielt der Unfallversicherer mit Einspracheentscheid vom 16. Mai 2000 fest.
D.________ erhob hiegegen Beschwerde. Das Versicherungsgericht des Kantons Solothurn sistierte das Verfahren bis zum Vorliegen des der Invalidenversicherung erstatteten MEDAS-Gutachtens vom 6. Juni 2001, welches es selber am 28. Dezember 2001 erg�nzen liess. Die SUVA nahm hiezu unter Beilage einer psychiatrischen Beurteilung ihres �rzteteams Unfallmedizin vom 15. Februar 2002 Stellung.
Am 28. Juni 2002 sprach die IV-Stelle des Kantons Solothurn D.________ verf�gungsweise mit Wirkung ab 1. September 1999 eine ganze Rente der Invalidenversicherung zu.
D.________ l�sst Verwaltungsgerichtsbeschwerde f�hren und beantragen, in Aufhebung des kantonalen Gerichtsentscheides seien ihm die gesetzlichen Leistungen zuzusprechen; eventuell sei die Sache zur neuen Entscheidung an den Unfallversicherer zur�ckzuweisen.
Die SUVA beantragt die Abweisung der Verwaltungsgerichtsbeschwerde, ohne weiter zur Sache Stellung zu nehmen. Das Bundesamt f�r Sozialversicherung hat sich nicht vernehmen lassen.
Streitig ist, ob die SUVA im Zusammenhang mit dem Unfall vom 8. August 1997 auch nach dem 16. Dezember 1998 die gesetzlichen Leistungen zu erbringen hat. Dabei ist in diesem Verfahren einzig zu pr�fen, ob die geklagten Beschwerden und die dadurch bewirkte Arbeits- und Erwerbsunf�higkeit sowie Behandlungsbed�rftigkeit �ber den genannten Zeitpunkt hinaus nat�rlich und ad�quat kausale Folgen jenes Vorfalles sind. Die f�r die Beurteilung dieser Frage massgeblichen Rechtsgrundlagen werden im angefochtenen Entscheid zutreffend wiedergegeben. Zu erw�hnen sind namentlich die von der Rechtsprechung aufgestellten Kriterien zur Ad�quanzpr�fung bei psychischen Beeintr�chtigungen sowie bei einem Schleudertrauma der Halswirbels�ule (HWS) ohne organisch nachweisbare Funktionsausf�lle, einer dem Schleudertrauma der HWS �hnlichen Verletzung und bei einem Sch�del-Hirn-Trauma (vgl. BGE 115 V 133, 117 V 359 und 369). Darauf wird verwiesen.
Zu erg�nzen ist, dass das am 1. Januar 2003 in Kraft getretene Bundesgesetz �ber den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 im vorliegenden Fall nicht anwendbar ist, da nach dem massgebenden Zeitpunkt des Erlasses des streitigen Einspracheentscheids (hier: 16. Mai 2000) eingetretene Rechts- und Sachverhalts�nderungen vom Sozialversicherungsgericht nicht ber�cksichtigt werden (BGE 129 V 4 Erw. 1.2).
Nach Lage der medizinischen Akten, insbesondere auch dem insoweit nicht umstrittenen MEDAS-Gutachten vom 6. Juni 2001, liegen aus somatischer Sicht keine behandlungsbed�rftigen und/oder die Arbeits- und Erwerbsf�higkeit des Beschwerdef�hrers einschr�nkenden gesundheitlichen Folgen des Unfalles vom 8. August 1997 mehr vor. Dies gilt auch in Bezug auf die zwar anerkanntermassen unfallkausale, aber geringf�gige H�rst�rung und die im Einspracheverfahren noch streitig gewesene Sch�digung der Nase. Eine Beeintr�chtigung besteht nur insoweit, als wegen eines unfallfremden und daher f�r die streitige Leistungspflicht des Unfallversicherers nicht relevanten R�ckenleidens von k�rperlich schweren Arbeiten abgeraten wird.
Gem�ss dem angefochtenen Entscheid leidet der Beschwerdef�hrer indessen an psychischen Beeintr�chtigungen, f�r welche das Unfallereignis vom 8. August 1997 zumindest eine Teilursache darstellt. Diese Beurteilung kann aufgrund der medizinischen Aktenlage best�tigt werden und wird vom Unfallversicherer auch nicht beanstandet. Der nat�rliche Kausalzusammenhang zwischen dem besagten Vorfall und der psychisch bedingten Beeintr�chtigung ist damit zu bejahen (vgl. BGE 119 V 338 Erw. 1).
Uneins sind sich die Verfahrensbeteiligten hingegen in der Beantwortung der Frage, ob das festgestellte seelische Leidensbild einer psychischen Fehlentwicklung nach Unfall entspricht oder aber, zumindest teilweise, nat�rlich kausal durch eine beim Fahrradsturz erlittene organische Sch�digung - im Sinne eines Sch�del-Hirn-Traumas - hervorgerufen wurde, was je nachdem zu einer unterschiedlichen Ad�quanzbeurteilung f�hren kann.
3.1 Die vom Versicherten nach dem Unfallereignis geklagten Beschwerden entsprechen, zumindest teilweise, dem auch nach einem Schleudertrauma der HWS typischerweise auftretenden Leidensbild. F�r die Gesundheitsst�rungen konnte mit bildgebenden Methoden kein auf den Unfall zur�ckzuf�hrendes organisches Substrat gefunden werden. Dass der Vorfall vom 8. August 1997 zu einem Sch�del-Hirn-Trauma im Sinne einer "Mild head injury" resp. commotio cerebri gef�hrt hat, ist aber auch ohne organischen Nachweis unter den beteiligten �rzten nicht umstritten (Bericht Dr. med. F.________, Spezialarzt f�r Neurologie FMH, vom 21. April 1998; kreis�rztlicher Untersuchungsbericht des Dr. med. K.________ vom 21. Oktober 1998; Berichte des Spitals Y.________, Medizinische Klinik, vom 18. und 26. November 1998 sowie des Dr. med. L.________, Psychiatrie und Psychotherapie vom 13. Oktober 1999 und 25. Juni 2000; MEDAS-Gutachten vom 6. Juni 2001). Dies wird auch in der kreis�rztlichen Beurteilung des Dr. med. I.________ vom 3. November 1999 und den Stellungnahmen der Frau Dr. med. H.________, Fach�rztin f�r Psychiatrie und Psychotherapie, vom �rzteteam Unfallmedizin der SUVA, vom 11. Mai 2000 und 15. Februar 2002 nicht entschieden in Frage gestellt. Bei dieser medizinischen Aktenlage kann dem kantonalen Gericht nicht gefolgt werden, soweit es im angefochtenen Entscheid ein beim Unfall erlittenes Sch�del-Hirn-Trauma rundweg verneint.
3.2 Dr. med. F.________ erkl�rt das Leidensbild des Beschwerdef�hrers mit einem postcommotionellen Syndrom nach sogenannter "Mild head injury" (Bericht vom 21. April 1998). Zum selben Ergebnis gelangte der den Versicherten behandelnde Dr. med. L.________, Psychiatrie und Psychotherapie (Berichte vom 13. Oktober 1999 und 25. Juni 2000). Die Beurteilung dieser �rzte wird sodann best�tigt im MEDAS-Gutachten vom 6. Juni 2001. Darin wird, ausgehend von einer im August 1997 erlittenen commotio cerebri, ein organisches Psychosyndrom nach Sch�del-Hirn-Trauma mit vorwiegender depressiver Symptomatik (postcommotionelles Syndrom) als die Arbeitsf�higkeit des Beschwerdef�hrers beeintr�chtigendes Leiden diagnostiziert. An dieser Einsch�tzung hielt der psychiatrische Konsiliararzt auf Erg�nzungsfrage der SUVA mit Zusatzbericht vom 28. Dezember 2001 fest.
Gest�tzt auf diese �rztlichen Stellungnahmen bef�rwortet der Beschwerdef�hrer die Beurteilung der Ad�quanz nach den bei Schleudertrauma der HWS ohne organisch nachweisbare Funktionsausf�lle geltenden, auch bei Sch�del-Hirn-Trauma mit vergleichbaren Folgen anwendbaren Grunds�tzen. Danach ist - anders als im Falle einer psychischen Fehlentwicklung nach Unfall (BGE 115 V 33) - bei der Pr�fung der unfallbezogenen Kriterien auf eine Differenzierung zwischen physischen und psychischen Komponenten zu verzichten, weil es hier nicht entscheidend ist, ob Beschwerden eher als organischer und/oder psychischer Natur bezeichnet werden (BGE 117 V 367 Erw. 6a und 382 f. Erw. 4b).
3.3 Das kantonale Gericht hat, der psychiatrische Beurteilung der Frau Dr. med. H.________ vom �rzteteam Unfall der SUVA vom 15. Februar 2002 folgend, das Vorliegen eines organischen Psychosyndroms nach Sch�del-Hirn-Trauma verneint, den ad�quaten Kausalzusammenhang gem�ss BGE 115 V 33 gepr�ft und f�r nicht gegeben erachtet.
Ob hinsichtlich des Bestehens einer nat�rlich kausalen organischen (Teil-)Ursache f�r die den Versicherten in seiner Arbeits- und Erwerbsf�higkeit beeintr�chtigende psychische Gesundheitssch�digung der in der Verwaltungsgerichtsbeschwerde vertretenen Auffassung oder aber derjenigen von Unfallversicherer und Vorinstanz zu folgen ist, kann offen bleiben, wenn der ad�quate Kausalzusammenhang zum Unfallereignis auch nach der sogenannten Schleudertrauma-Praxis zu verneinen ist.
4.1 Bei der Ad�quanzbeurteilung nach Unf�llen mit Schleudertrauma der HWS und �quivalenten Unfallmechanismen sowie hinsichtlich der Folge vergleichbarem Sch�del-Hirn-Trauma wird, in analoger Anwendung der Rechtsprechung zu den psychischen Unfallfolgen (BGE 115 V 33), unterschieden zwischen banalen bzw. leichten Unf�llen, schweren Unf�llen anderseits und dem dazwischen liegenden mittleren Bereich (BGE 117 V 366 Erw. 6a und 383 Erw. 4b).
Mit der Vorinstanz ist der Fahrradsturz vom 8. August 1997 aufgrund des augenf�lligen Geschehenablaufs und der Verletzungen, die sich der Beschwerdef�hrer dabei zuzog, im mittleren Bereich einzureihen. Im mittleren Bereich kann er den leichteren Unf�llen zugerechnet werden. Entgegen dem kantonalen Entscheid ist er aber doch zu gewichtig, um ihn im Grenzbereich zu den leichten Unf�llen anzusiedeln. F�r die Bejahung der ad�quaten Kausalit�t w�re daher erforderlich, dass ein einzelnes unfallbezogenes Kriterium in besonders ausgepr�gter Weise erf�llt ist oder dass die nach der Rechtsprechung massgebenden Kriterien in geh�ufter oder auffallender Weise gegeben sind (BGE 117 V 367 f. Erw. 6b und 384 Erw. 4c).
4.2 Wie das kantonale Gericht zutreffend erwogen hat, kann von einer besonderen Eindr�cklichkeit oder besonders dramatischen Begleitumst�nden des Ereignisses vom 8. Juli 1997 nicht gesprochen werden; der vom Versicherten erlittene Schrecken hielt sich im Rahmen des bei Unf�llen �blichen. Sodann ist das erlittene Sch�del-Hirn-Trauma nicht als schwer zu bezeichnen, und seine Auswirkungen waren nicht derart gravierend, dass das Kriterium der Schwere oder der besonderen Art der erlittenen Verletzungen zu bejahen w�re. Anzeichen f�r eine �rztliche Fehlbehandlung, welche die Unfallfolgen erheblich verschlechtert h�tte, sind ebenfalls nicht vorhanden.
Der Versicherte nahm die Arbeit schon am 14. resp. 19. August 1997, mithin rund zehn Tage nach dem Unfall, wieder voll auf. Von �rztlicher Seite wurde eine Arbeitsunf�higkeit erst wieder ab September 1998 bescheinigt, wobei zur Begr�ndung hief�r anf�nglich und auf Monate hinaus lediglich - unfallfremde - R�ckenbeschwerden angegeben wurden (Stellungnahmen Dr. med. Z.________, Allgemeine Medizin FMH, vom 8. Oktober 1998, 9. Juni und 11. August 2000). In Anbetracht der langen Periode mit im Wesentlichen uneingeschr�nkter Leistungsf�higkeit kommt dem Grad und der Dauer der Arbeitsunf�higkeit in Bezug auf die Ad�quanzbeurteilung ungeachtet des Verlaufs seit September 1998 kein erhebliche Bedeutung zu (vgl. SZS 2001 S. 439 f.).
Der Beschwerdef�hrer hat nach der am Unfalltag erfolgten medizinischen Erstversorgung im Zusammenhang mit Nasen- und Geh�rproblemen wiederholt �rzte aufgesucht, ohne dass diese Gesundheitsst�rungen aber einer l�ngeren Heilbehandlung bedurft oder ihn in seiner Arbeitsf�higkeit wesentlich beeintr�chtigt h�tten. Ab einem sp�teren Zeitpunkt war er, nebst krankheitsbedingten Therapien wegen R�ckenbeschwerden und einem endokrinologischen Leiden, in psychiatrischer resp. psychotherapeutischer Behandlung, allerdings mit teilweise erheblichen zeitlichen Unterbr�chen. Gesamthaft rechtfertigt sich, auch in Anbetracht der gem�ss Darstellung in der Verwaltungsgerichtsbeschwerde weitergef�hrten Therapie beim Psychiater Dr. med. L.________, der Schluss auf eine ungew�hnlich lange Behandlungsdauer nicht, zumal eine Behandlungsbed�rftigkeit w�hrend zwei bis drei Jahren nach Schleudertrauma der HWS resp. �quivalenten Verletzungen und Sch�del-Hirn-Trauma mit vergleichbaren Folgen durchaus �blich ist (Urteile M. vom 21. Oktober 2003 Erw. 4.3.3, U 282/00, und H. vom 30. Mai 2003 Erw. 3.3, U 353/02; vgl. auch SZS 2001 S. 443).
Das Kriterium der Dauerbeschwerden ist aufgrund des anhaltenden Leidensbildes erf�llt. Ob allenfalls auch von einem schwierigen Heilungsverlauf und erheblichen Komplikationen auszugehen w�re, muss nicht weiter gepr�ft werden. Denn auch bejahendenfalls reicht dies, da jedenfalls keines der f�r die Ad�quanzbeurteilung massgebenden Kriterien in besonders ausgepr�gter Weise erf�llt ist, nicht aus, um dem Unfall vom 8. August 1997 eine rechtlich massgebende Bedeutung f�r die psychische Einschr�nkung der Arbeits- und Erwerbsf�higkeit ab dem 16. Dezember 1998 zuzuschreiben. Mangels eines ad�quaten Kausalzusammenhangs zwischen dem Unfallereignis und den geklagten Beschwerden haben Vorinstanz und SUVA somit eine ab jenem Zeitpunkt bestehende Leistungspflicht des Unfallversicherers zu Recht verneint.
Dieses Urteil wird den Parteien, dem Versicherungsgericht des Kantons Solothurn und dem Bundesamt f�r Sozialversicherung zugestellt.