Source: http://www.aktive-erwerbslose.net/forum/allgemeine-fragen/keine-leistungskurzung-bei-krankenhausaufenthalt/
Timestamp: 2020-01-27 07:14:44
Document Index: 315993591

Matched Legal Cases: ['§2', '§ 20', '§ 62', '§ 11', '§ 11', '§ 11', '§ 11', '§ 2', '§ 4', '§ 2', '§ 11', '§ 86', '§ 45', '§ 23', '§ 3', '§ 23', '§ 28', '§ 3', '§ 11', '§ 11', '§ 2', '§ 2', '§ 2', '§ 2', '§ 2', '§ 3', '§ 3', '§ 2', '§ 2', '§ 2', '§ 3', '§ 1', '§ 23', '§ 3', '§ 21']

Keine Leistungskürzung bei Krankenhausaufenthalt
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Autor Thema: Keine Leistungskürzung bei Krankenhausaufenthalt (Gelesen 13076 mal)
« am: Oktober 10, 2007, 12:05:02 »
Berlin: (hib/BPI) Gegen die Kürzung der Regelleistungen des Arbeitslosengeldes II (ALG II) im Falle eines Krakenhausaufenthaltes hat sich der Petitionsausschuss ausgesprochen. Daher beschloss er am Mittwochmorgen einstimmig, die zugrundeliegende Eingabe dem Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) "zur Erwägung" zu überweisen.
In der vom Petitionsausschuss eingeleiteten parlamentarischen Prüfung stellte das BMAS fest, dass die Grundsicherung für Arbeitssuchende eine staatliche, bedarfsorientierte und bedürftigkeitsabhängige Fürsorgeleistung sei. In der derzeitigen Praxis gehe die Verwaltung davon aus, dass während eines stationären Aufenthaltes die Verpflegung als Sachleistung zu berücksichtigen sei. Sachleistungen jedoch seien zur Berechnung des ALG II als Einkommen anzurechnen. Diese Anrechnung würde im Falle der bereitgestellten Verpflegung während des Aufenthaltes im Krankenhaus zu einer Minderung der Regelleistungen um einen Betrag führen, der wesentlich über dem nach der Einkommens- und Verbrauchsstichprobe ermittelten Wert für Nährung, Getränke und Tabakwaren liege und daher zu einer unverhältnismäßig hohen Kürzung der Regelleistungen führen würde. Deshalb sei im Oktober 2004 festgelegt worden, bereitgestellte Verpflegung nicht als Einkommen zu berücksichtigen, sondern lediglich die Regelleistung im Umfang der bereitgestellten Verpflegung, maximal um 35 Prozent, zu mindern.
Nach Überzeugung des Petitionsausschusses entspricht diese Verwaltungspraxis nicht der geltenden Rechtslage, da es der Arbeitsverwaltung zur Kürzung der Regelleistungen an einer entsprechenden Rechtsgrundlage fehlt. Das Sozialgesetzbuch II (SGB II) enthalte keine Ermächtigungsgrundlage zur Kürzung der Regelleistungen bei vorübergehender stationärer Aufnahme in ein Krankenhaus. Dem SGB II liege zur Gleichbehandlung der Hilfebedürftigen und zur Verwaltungsvereinfachung eine Pauschalisierung der Regelleistungen zugrunde. Der Leistungsträger sei daher nicht berechtigt, die Leistung abzusenken, wenn ausnahmsweise einmal ein Teilbedarf nur in reduzierter Höhe anfalle. Das Prinzip der Pauschalisierung bestehe gerade darin, derartige Besonderheiten des Einzelfalles auszublenden, so die Abgeordneten.
Quelle: Heute im Bundestag Nr. 250
« Letzte Änderung: Oktober 10, 2007, 12:06:28 von Forumadmin »
Hauptberuf: Krawallnudel Nebenberuf: Telefontante
Re: Keine Leistungskürzung bei Krankenhausaufenthalt
« Antworten #1 am: Oktober 10, 2007, 18:08:25 »
Kann ich das im Überprüfungsantrag verwenden?
Dann brauche ich nicht auf das Urteil des BSG warten
Bei großen Problemen mit der "ARGE des Vertrauens" kann man sich auch an die örtliche Regionaldirektion, oder das Kundereaktionsmangement in Nürnberg wenden.
Sorgen wir dafür, dass sie nicht arbeitslos werden...
« Antworten #2 am: Oktober 10, 2007, 18:10:21 »
Zitat von: Dopamin am Oktober 10, 2007, 18:08:25
... verwenden kannst Du die Argumente wohl - aber es wird (leider) warscheinlich nichts nützen sad
« Antworten #3 am: Oktober 10, 2007, 18:15:23 »
Arco - Du böser Hoffnungszerstörer
« Antworten #4 am: Oktober 10, 2007, 18:17:12 »
Zitat von: Dopamin am Oktober 10, 2007, 18:15:23
... ich weiß meine liebe Ostseekrabbe, so bin ich eben
ganz bösi bösi bösi flowers
« Antworten #5 am: Oktober 10, 2007, 18:18:26 »
« Antworten #6 am: Mai 30, 2008, 21:21:50 »
§2 SGB2 Berechnung des Einkommens aus nichtselbständiger Arbeit
(5) Bereitgestellte Vollverpflegung ist pauschal in Höhe von monatlich 35
Prozent der nach § 20 des Zweiten Buches Sozialgesetzbuch maßgebenden
monatlichen Regelleistung als Einkommen zu berücksichtigen.
Wird Teilverpflegung bereitgestellt, entfallen auf das Frühstück ein Anteil
von 20 Prozent und auf das Mittag- und Abendessen Anteile von je 40
Prozent des sich nach Satz 1 ergebenden Betrages. Übersteigt das Einkommen
nach den Sätzen 1 und 2 in einem Monat den sich nach § 62
des Fünften Buches Sozialgesetzbuch als Belastungsgrenze für nicht
chronisch Kranke mit ganzjährigem Bezug von Leistungen zum Lebensunterhalt
nach dem Zweiten Buch Sozialgesetzbuch ergebenden Betrag
nicht, so bleibt es als Einkommen unberücksichtigt. Als bereitgestellt gilt
Verpflegung auch dann, wenn Gutscheine oder Berechtigungsscheine für
den Bezug von Verpflegung zur Verfügung gestellt werden.
Dazu eine Anweisung für ARGEn zur Berechnung:
Eingestellt am:16.01.08
Im Zuge der neuen Alg II-V (in Kraft seit 01.01.08) wurde u. a. auch eine Bagatellgrenze bei der Anrechnung von Vollverpflegung während eines Krankenhausaufenthalts eingeführt. Wie ist diese Regelung anzuwenden, wenn sich der Krankenhausaufenthalt über mehrere Monate erstreckt?
Bei der Prüfung, ob die Bagatellgrenze überschritten wird, ist nicht der Gesamtzeitraum, sondern jeder Monat für sich zu betrachten.
Herr Vogel (verheiratet, kein Einkommen) hat Pech und bricht sich das linke Bein. Er wird am 15.01.08 ins Krankenhaus eingeliefert und muss bis einschließlich 14.02.08 dort bleiben.
Berechnung: Im Januar wird Herrn Vogel an 17 KT im Krankenhaus Verpflegung bereitgestellt. Bei einem täglichen Sachbezugswert von 3,64 € ergibt sich ein Gesamtwert der Verpflegung von 61,88 €. Die Bagatellgrenze in Höhe von 83,- € wird nicht überschritten. Im Januar erfolgt somit keine Anrechnung.
Im Februar wird Herrn Vogel an 14 KT im Krankenhaus Verpflegung bereitgestellt. Für diesen Monat ergibt sich demnach ein Wert von 50,96 €. Da auch dieser Wert unterhalb der monatlichen Bagatellgrenze liegt, erfolgt keine Anrechnung.
Herrn Rabe (alleinstehend, kein Einkommen) passiert ein Unglück. Er fällt und bricht sich das rechte Bein. Er wird am 05.01.08 ins Krankenhaus eingeliefert und muss bis einschließlich 10.02.08 dort bleiben.
Berechnung: Im Januar wird Herrn Rabe an 27 KT im Krankenhaus Verpflegung bereitgestellt. Bei einem täglichen Sachbezugswert von 4,05 € ergibt sich ein Gesamtwert der Verpflegung von 109,35 €. Da der Wert der Verpflegung die Bagatellgrenze von 83,- € überschreitet, ist sie auf das Alg II von Herrn Rabe anzurechnen. Dabei können die Absetzbeträge nach § 11 SGB II geltend gemacht werden.
Nach Abzug der Versicherungspauschale ergibt sich für den Januar ein Anrechnungsbetrag in Höhe von 79,35 €
Im Februar wird Herrn Rabe an 10 KT Verpflegung bereitgestellt. Es ergibt sich ein Verpflegungswert in Höhe von 40,50 €. Da die Bagatellgrenze nicht überschritten wird, erfolgt in diesem Monat keine Anrechnung.
Herr Rabe hat wirklich eine Unglückssträhne. Am 16.02.08 rutscht er auf einer Bananenschale aus und zieht sich einen komplizierten Bruch zu. Er wird am gleichen Tag ins Krankenhaus eingeliefert und muss diesmal bis einschließlich 23.03.08 dort bleiben.
Berechnung: Da Herr Rabe im Februar bereits 10 KT im Krankenhaus gewesen ist, wurde ihm in diesem Monat an insgesamt 24 KT Verpflegung bereitgestellt. Es ergibt sich ein Verpflegungswert in Höhe von insgesamt 97,20 €. Da die Bagatellgrenze überschritten wird, ist der Betrag, unter Abzug der Absetzbeträge, auf das Alg II von Herrn Rabe anzurechnen.
Im März wird Herrn Rabe an 23 KT Verpflegung bereitgestellt. Es ergibt sich ein Wert in Höhe von 93,15 €. Auch dieser überschreitet die monatliche Bagatellgrenze und ist daher nach Abzug der einschlägigen Absetzbeträge anzurechnen.
Siehe auch fachliche Hinweise zu § 11, Rz. 11.18 und 11.63.
Quelle: http://wdbfi.sgb-2.de/
L 9 AS 7/08 ER
Die Berücksichtigung von Vollverpflegung bei vollstationärer Unterbringung als Einkommen ist nicht statthaft
Die rechtliche Einschätzung der Frage, ob die Gewährung von Vollverpflegung für die Zeit stationärer Unterbringung als Einkommen im Sinne von § 11 Abs. 1 SGB II angesehen werden kann, ist in der Rechtsprechung umstritten.
Mit Beschluss vom 28.02.2008 hat der 9. Senat des Landessozialgerichts Niedersachsen- Bremen bekannt gegeben, dass der Senat sich der Rechtsauffassung des 8. Senats des erkennenden Gerichts (Beschluss vom 25. Februar 2008 , L 9 AS 839/07 ER) anschließt, wonach § 11 Abs. 1 SGB II die Berücksichtigung von Verpflegung bei vollstationärer Unterbringung als Einkommen nicht erlaubt .
Für die seit dem 1. Januar 2008 geltende Fassung der ALG II-V (BGBl 2007, 2942) ergibt sich aber schon aus § 2 Abs. 5 Alg II V, dass lediglich eine Anrechnung bei Einkommen aus nichtselbständiger Arbeit vorgesehen ist. Die stationäre Unterbringung kann hierunter nicht subsumiert werden. Auch über § 4 Nr. 1 Alg II - V , der eine entsprechende Anwendung von § 2 Alg II - V vorsieht , könnte eine Anrechnung wohl nicht erfolgen, weil die Vollverpflegung nicht als Sozialleistung in diesem Sinne zu verstehen ist.
Quelle: Landessozialgericht Niedersachsen-Bremen L 9 AS 7/08 ER
Eine Kürzung der Regelleistung wegen häuslicher Ersparnis durch das während des Aufenthalts in einer Tagesklinik zur Verfügung gestellte Mittagessen kommt nicht in Betracht, weil der Verpflegung in einem Krankenhaus kein Geldwert im Sinne von § 11 SGB 2 zugerechnet werden kann; die Verpflegung ist unabtrennbarer Bestandteil der Heilbehandlung, die individuell dem Kranken erbracht wird.
SG Berlin, Entscheidung vom 14.11.2007 -
Sozialgericht Berlin Invalidenstraße 52
Az.: S 37 AS 28904/07 ER
-Rechtsstelle-,
Sickingenstr. 70/71, 10553 Berlin,
hat die 37. Kammer des Sozialgerichts Berlin am 14. November 2007 durch den Richter am Sozialgericht Geiger beschlossen:
Die aufschiebende Wirkung des Widerspruchs gegen den Bescheid vom 25.10.2007 wird angeordnet.
Die Antragstellerin (Ast.) musste im laufenden Alg II-Bezug in einem Krankenhaus stationär behandelt werden. Der vollstationären Behandlung in den Zeiträumen 17.5. – 8.6.2007 und 15.6. - 3.8.2007 folgte eine teilstationäre Weiterbehandlung in einer Tagesklinik seit dem 16.8.2007. Der Aufenthalt in der Tagesklinik von 9.00 bis 16.00 Uhr an den Wochentagen ist mit einem dort gereichten Mittagessen verbunden. Ansonsten muss sich die Ast. selbst versorgen.
Mit Bescheid vom 4.9.2007 waren der Ast. für den Bewilligungsabschnitt Oktober 2007 bis März 2008 ungekürzte Leistungen (monatlich 678,76 €) bewilligt worden, allerdings war für den Monat Oktober eine Verrechnung mit einem Betrag von 97,66 € verfügt worden. Hierbei soll es sich um Überzahlungen wegen der trotz der Krankenhausbehandlung im Mai und Juni 2007 erbrachten, vollen Regelleistung handeln. Nach einem von der Ast. eingereichten Überweisungsbeleg sind dementsprechend für den Monat Oktober nur 581,10 € ausgezahlt worden.
Für November 2007 wurde laut Überweisungsbeleg der volle Regelsatz von 678,76 € gezahlt, obwohl der Antragsgegner (Ag.) mit Änderungsbescheid vom 25.10.2007 für den Bewilligungsabschnitt Oktober 2007 bis März 2008 nur noch um den Wert des Mittagessens (= 39,02 % des für Nahrungs- und Genussmittel vorgesehenen Regelsatzbetrags in analoger Anwendung der Sozialversicherungsentgeltverordnung - SvEV) gekürzte Leistungen (monatlich 631,37 €) bewilligt hatte.
Gegen diesen Bescheid hat die Ast. Widerspruch erhoben, mit dem sie geltend macht, die Kürzung um 47,39 € für fünf Klinik-Mittagessen entspreche nicht ihrem Verbrauchsverhalten, könne somit nicht als häusliche Ersparnis gewertet werden. Zudem sei die Mahlzeit Bestandteil des „therapeutischen Settings“.
Am 12.11.2007 hat die Ast. unter Bezugnahme auf Entscheidungen von Sozialgerichten um einstweiligen Rechtsschutz nachgesucht.
Aus der beigezogenen Leistungsakte geht hervor, dass die mit Bescheid vom 25.10.2007 verfügte Änderung ab Dezember 2007 greifen soll. Zu einer Rückforderung einer Überzahlung im Zeitraum 16.8. – 30.11.2007 ist die Ast. mit Schreiben vom 25.10.2007 angehört worden.
Der Eilantrag ist als Antrag auf Anordnung der aufschiebenden Wirkung des Änderungsbescheides vom 25.10.2007 gemäß § 86b Abs. 1 SGG auszulegen. Denn mit Anordnung der aufschiebenden Wirkung entsteht aus der ursprünglichen, ungekürzten Bewilligung ein Auszahlungsanspruch in Höhe von 678,76 € monatlich.
Der Antrag ist begründet. Zum Zeitpunkt der Bewilligung der ungekürzten Leistungen war dem Ag. die Aufnahme in die Tagesklinik gemeldet worden. Der Bescheid vom 4.9.2007 war mithin aus Sicht des Ag. von Anfang an rechtswidrig begünstigend i.S. von § 45 SGB X. Da der Ast. erstmals in diesem Bescheid über die Mitteilung einer Verrechnung mit (noch gar nicht verfügten) Erstattungsforderungen die Problematik der Regelsatzkürzung bekannt gemacht wurde, fehlt es offenkundig an einem Verschulden. Wenn überhaupt, müsste eine Änderung des Bescheides im Rahmen einer Ermessenentscheidung mit Wirkung für die Zukunft umgesetzt werden. Der Änderungsbescheid vom 25.10.2007 wird diesen Anforderungen nicht gerecht. Er wird daher keinen Bestand haben.
Das Gericht hatte keinen Anlass, dem Ag. die Möglichkeit einer Nachbesserung mittels eines neuen, ermessensgeleiteten Teilaufhebungsbescheides einzuräumen. Denn auch materiellrechtlich ist eine Kürzung der Regelleistung um den Wert des Mittagessens unzulässig.
Im SGB II sind die Regelsätze als strikte Pauschalen ausgestaltet; dies wird Anträgen auf Sonderbedarfen außerhalb des Katalogs des § 23 Abs. 3 SGB II auch stets entgegengehalten. Mit einer Ergänzung von § 3 SGB II im Fortentwicklungsgesetz hat der Gesetzgeber bestimmt, dass eine „abweichende Festlegung der Bedarfe“ ausgeschlossen ist. Dem entspricht eine Ergänzung in § 23 SGB II, dass außer den dort genannten Leistungen „weitergehende Leistungen ausgeschlossen“ sind.
Daraus folgt zwingend, dass weder Leistungskürzungen in Form einer pauschal um den für Nahrungsmittel angesetzten Bedarfsanteil im Regelsatz vorgenommen werden dürfen noch Anteile wegen einer häuslichen Ersparnis abgesetzt werden können. Dies wäre in beiden Begründungsvarianten nichts anderes als eine abweichende Festlegung des Bedarfs analog § 28 Abs. 1 Satz 2 SGB XII, die in § 3 SGB II ausdrücklich ausgeschlossen wird.
Als Argument für eine – wie auch immer zu quantifizierende - Leistungskürzung bliebe somit nur die Möglichkeit, das während der Behandlung zur Verfügung gestellte Mittagessen als Einkommen zu werten und nach § 11 SGB II anzurechnen.
Diese Vorgehensweise scheitert aber daran, dass der Verpflegung in einem Krankenhaus kein Geldwert i.S. von § 11 SGB II zugerechnet werden kann; die Verpflegung ist unabtrennbarer Bestandteil der Heilbehandlung, die individuell dem Kranken erbracht wird.
Die Vorgehensweise des Ag. ist eine als Einkommensanrechnung bemäntelte Regelsatzveränderung. Denn keinesfalls kann der Wert der Krankenhauskost mit dem für Nahrungs- und Genussmittel vorgesehenen Regelsatzbetrag bzw. anteiligen Regelsatzbetrag, falls keine Vollverpflegung erfolgt, zusammenfallen; zum einen erfasst der Regelsatzaufwandsbetrag keine fertig zubereiteten Mahlzeiten und keinen Betrag für das Servieren und Abholen der Mahlzeiten, zum anderen werden vom Krankenhaus keine Genussmittel zur Verfügung gestellt.
Nimmt man über § 2b Alg II-VO auf die SvEV Bezug, zwingt das zu einer Kürzung um 80 € (§ 2 Abs. 1 Nr. 2 SvEV) monatlich, was in mehrfacher Hinsicht zu fragwürdigen Ergebnissen führt. Denn die Werte der SvEV sind am normalen Verbrauchsverhalten eines regulären Haushalts orientierte Pauschalen (s. BFH vom 18.12.1990 - X R 151/88). Sie passen somit nicht auf die Besonderheiten der Versorgung im Krankenhaus. Die SvEV unterscheidet bei der Beköstigung einer einzelnen Person nicht zwischen Kind und Erwachsenem. Des Weiteren ist der Beköstigungs-Sachwert für volljährige Kinder dem von Erwachsenen – zu Recht - gleichgestellt worden (BR-Drs. 819/06, S. 13). Damit geriete die Bewertung nach § 2 SvEV selbst bei analoger Anwendung der Mehrfachversorgungsregelung nach § 2 Abs. 2 SvEV in Konflikt zur Bemessung des Regelsatzanteils Jungerwachsener in der Bedarfsgemeinschaft. Schließlich ist zu bedenken, dass § 2 SvEV keinen Wert für die Versorgung mit Getränken enthält (vgl. LAG Nürnberg vom 25.2.2003 - 2 TaBV 24/02, juris); die Getränke wären zusätzlich nach § 3 Abs. 1 Satz 1 SvEV mit dem um übliche Preisnachlässe geminderten üblichen Endpreis am Abgabeort anzusetzen.
Die Anwendung der SvEV führte somit selbst unter Berücksichtigung einer Einkommensbereinigung nach § 3 Alg II-VO (Abzug der Versicherungspauschale und etwaiger Pflichtversicherungs- sowie Riesterrentenbeiträge) zu einer massiven Bedarfsunterdeckung (LSG Rheinland-Pfalz vom 19.06.2007 - L 3 ER 144/07 AS).
Hieran wird deutlich, dass die Werte nach § 2 SvEV letztlich allgemein-abstrakte Rechengrößen sind, die im Steuer- und Sozialversicherungsrecht (Bestimmung des beitragspflichtigen Entgelts) aus Gründen der Vereinfachung herangezogen werden. Zutreffend hat das LSG Niedersachsen-Bremen § 2b Alg II-VO deshalb als eine insoweit nicht ermächtigungskonforme, weil auf eine fiktive Einkommensanrechnung abzielende Bestimmung verworfen (Beschluss vom 29.1.2007 – L 13 AS 14/06 ER).
Eine Anrechnung auf der Grundlage einer bloßen Schätzung schließt § 2 Abs. 5 Alg II-VO aus.
Aus diesem Blickwinkel zeigt die Begründung vieler Sozialgerichte gegen eine Regelsatzkürzung – die Krankenhauskost habe keinen Marktwert – ihren berechtigten Kern:
Entscheidend für eine Anrechnung von Krankenhauskost als Einkommen außerhalb des Bewertungssystems für unbare Arbeitgeberleistungen ist die konkrete Verfügbarmachung des in der Beköstigung steckenden abstrakten Geldwerts für den Hilfebedürftigen. Folgerichtig hat daher das BVerwG Grabpflegeleistungen nicht auf den Hilfebedarf angerechnet, obwohl ihnen abstrakt ein Geldwert beigemessen werden kann; aber: „ Da dieser Anspruch auf eine bestimmte Grabstätte bezogen und damit für Dritte nicht von Interesse war, konnte ihn Frau K. nicht am Markt zu Geld verwerten, um damit ihre Heimpflegekosten bezahlen zu können.“ (Urteil vom 11.12.2003 – 5 C 84/02).
Die analoge Anwendung der SvEV kann also nicht damit begründet werden, dass dem Mittagessen abstrakt ein Geldwert zugeordnet werden kann, wenn der stationär Untergebrachte aber keine Möglichkeit hat, über diesen Geldwert zu verfügen. Hält man dies für irrelevant, ist die vermeintliche Einkommensanrechnung in Wahrheit eine von § 3 SGB II ausgeschlossene Veränderung des Regelsatzes um ersparte Aufwendungen für den Nahrungsmitteleinkauf. Denn es werden ja weder die natürlich ebenfalls geldwerten Serviceleistungen der Versorgung mit fertigen Mahlzeiten „angerechnet“ noch die konkret gereichten Nahrungsmittel, sondern der Regelsatzanteil, der bei Verbleib im Haushalt für den Kauf von Lebensmitteln normativ vorgesehen ist.
Sofern die Anwendung der SvEV damit begründet wird, die zur Verfügung gestellte Verpflegung habe selbstverständlich einen Geldwert, weil es dem Kranken frei stehe, „diese an Dritte weiterzugeben, so er einen Abnehmer findet“ (so BayLSG vom 19.6.2007 – L 11 AS 4/07), ist das lebensfremd. In Wirklichkeit wird er einen solchen Abnehmer nicht finden. Denn zu Verbrauchern im allgemeinen Geschäftsverkehr hat der Kranke keinen Zugang, ebenfalls versorgte Menschen im Krankenzimmer oder auf der Station mit Riesenappetit dürften kaum zu finden sein.
Die Krankhauskost muss daher als Teil der Versicherungsleistung nach dem SGB V anrechnungsfrei bleiben. Eine ausdrückliche gesetzliche Grundlage für diese Wertung findet sich in § 1 Abs. 1 Nr. 2 Alg II-VO: Die Essens-Versorgung wird nicht zur Deckung des Bedarfs an Lebensmitteln zur Verfügung gestellt, sondern zur Durchführung der Heilbehand-lung, der sie untergeordnet ist (vgl. OVG Saarland vom 2.6.2007 – 3 A 187/07, Mittagessen in einer Werkstatt für Behinderte als anderen Zwecken als die Sozialhilfe dienende Integrationsleistung).
Dies ist der Regelsatzergänzung um Leistungen für mehrtägige Klassenfahrten nach § 23 Abs. 3 SGB II vergleichbar. Auch hier wird zu Recht kein Abzug des während der Klassenfahrt ersparten Essensanteils vorgenommen. Die Verpflegung während der Klassenreise ist integraler Bestandteil einer schulischen Aktivität des einzelnen Schülers, kein Einkommen.
Aus diesem Blickwinkel und in Vergleich zu anderen Fällen einer Zuwendung von Naturalien (Einladung zum Essen, Geschenk von Getränken oberhalb der Bagatellgrenze von 50 € jährlich) erweist sich die Regelsatzkürzung bei Krankenhausbehandlung als eine willkürliche Maßnahme.
Wenn der Gesetzgeber im Einzelfall eine Regelsatzveränderung abweichend vom Grundsatz in § 3 Abs. 3 Satz 2 SGB II will, muss er dies ausdrücklich regeln, wie es z.B. im Entwurf einer Zusatzleistung für die Schulspeisung (Ergänzung von § 21 um einen Absatz 5) vorgesehen ist (BR-Drs. 33/07).
Zu Recht und in Übereinstimmung mit einer Empfehlung des Petitionsausschusses des Bundestages vom 10.10.2007 (Mitteilung des Bundestages 250/2007) macht die Ast. mithin geltend, ungeachtet der Behandlung in der Tagesklinik Anspruch auf die volle Regelleistung zu haben.
Für eine Korrektur der rechtwidrig vorgenommenen Aufrechnungen im September und Oktober steht der Ast. der reguläre Weg (Überprüfungsantrag oder Widerspruchsverfahren, falls Widerspruch eingelegt wurde), offen.
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