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Timestamp: 2020-08-05 13:53:48
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Matched Legal Cases: ['§9', '§ 11', '§9', '§ 11', '§ 1922', '§ 1922']

Erben und Bitcoins im Forum für Erbrecht / Schenkungsrecht
Erben und Bitcoins
Beitrag von windalf » 16.01.18, 17:01
Wie ist das eigentlich wenn jemand verstirbt der zum Beispiel Bitcoins (oder ein anderes preislich hochvolatiles Produkt) besitzt.
Zu welchem Preis fließen die ins Erbe ein das zu versteuern ist? Zum Tag des Todeszeitpunktes?
Angenommen die Bitcoins sind zum Tag des Todeszeitpunktes 15.000 EUR wert und als die Erben an die Bitcoins rankommen nur noch 100 EUR (kann ja ganz schnell passieren). Ist dann die Erbschaftssteuer trotzdem mit 15.000 EUR pro Bitcoin zu bezahlen? Was ist im umgekehrten Fall. Am Tag des Todeszeitpunktes 100 EUR Wert und noch Woche später 15.000 EUR. Sind dann auch nur die 100 EUR zu versteurn?
Was ist mit täglichen Schwankungen am Todestag. Gilt da der Durschnittskurs, der Kurs zum exakten Todeszeitpunkt?
Und machen wir es noch komplizierter. Angenommen man weiß das Bitcoins Teil des Erbes sind aber man kommt nicht mehr ran, weil man das entsprechende Passwort nicht kennt. Zählen die dann mit zum Erbe?
Re: Erben und Bitcoins
Beitrag von Celestro » 16.01.18, 17:24
windalf hat geschrieben: Zu welchem Preis fließen die ins Erbe ein das zu versteuern ist? Zum Tag des Todeszeitpunktes?
Rein logisch betrachtet wohl eher den Tageswert desjenigen Tages, an dem ich das Erbe annehme. Todeszeitpunkt halte ich jedenfalls (als Laie) für völligen Nonsens.
windalf hat geschrieben: Und machen wir es noch komplizierter. Angenommen man weiß das Bitcoins Teil des Erbes sind aber man kommt nicht mehr ran, weil man das entsprechende Passwort nicht kennt. Zählen die dann mit zum Erbe?
Was kann man damit anfangen ohne Passwort ? NICHTS ! Welchen Wert dürfte demnach ein nutzloser Bitcoin haben ? NULL !
Beitrag von Evariste » 16.01.18, 18:18
Celestro hat geschrieben: Todeszeitpunkt halte ich jedenfalls (als Laie) für völligen Nonsens.
Tja, dann halten Sie sich mal fest, Devisen und Wertpapiere werden tatsächlich auf der Basis des Kurswertes am Todestag bewertet. §9 und § 11 BewG.
Ist ein bekanntes Problem beim Vererben von Aktien. Der Erbe hat in der Regel erst mehrere Wochen nach dem Tode des Erblassers die Möglichkeit, auf die Aktien zuzugreifen und sie gegebenenfalls zu verkaufen. Ein Kurseinbruch während dieser Zeit kann dazu führen, dass die Erbschaftssteuer den Restwert übersteigt. Im Extremfall kann das zum kompletten Ruin des Erben führen.
Beitrag von CruNCC » 16.01.18, 18:26
Rein logisch betrachtet wohl eher den Tageswert desjenigen Tages, an dem ich das Erbe annehme.
Eine Erbschaft muss man nicht annehmen. Erbe wird man "automatisch" mit dem Tod des Erblassers.
Beitrag von Celestro » 16.01.18, 21:26
Evariste hat geschrieben: Tja, dann halten Sie sich mal fest, Devisen und Wertpapiere werden tatsächlich auf der Basis des Kurswertes am Todestag bewertet. §9 und § 11 BewG.
Dann sollte jemand mal vor Gericht dagegen vorgehen. Kann ja nicht sein sowas ...
Beitrag von gmmg » 16.01.18, 22:34
Trifft das denn hier zu? Bitcoin werden nicht am regulären Markt gehandelt (Abs. 1) noch stellen sie Anteile an einer Kapitalgesellschaft dar (Abs. 2 und 3.). Ich denke Abs. 4 ist auch nicht einschlägig.
Beitrag von hambre » 17.01.18, 00:01
Natürlich kann das sein. Die Rechtslage ist derart eindeutig, dass sich ein Rechtsanwalt wohl an der Grenze zu Schadenersatzzahlungen befindet, wenn der dem Mandanten nicht von so einer Klage abrät (§ 1922 Abs. 1 BGB).
Das ändert aber nichts daran, dass auch Bitcoins am Todestag des Erblassers auf den Erben übergehen.
Beitrag von windalf » 17.01.18, 07:41
Offen ist ja irgendwie noch die Frage nach dem Passwort
a) Der/Die Erben wissen gar nicht, dass es Bitcoins im Erbe gibt
b) Der/Die Erben wissen, dass es Bitcoins im Erbe gibt aber nicht wieviel und mangels Passwort auch kein Zugang
c) Der/Die Erben wissen, dass es Bitcoins im Erbe gibt auch wieviel aber mangels Passwort kein Zugang
d) Der/Die Erben wissen, dass es Bitcoins im Erbe gibt und kennen auch das Passwort
Was gilt in den Fällen a-d? (Insbesondere hinsichtlich praktischer Umsetzung). Es ist ja relativ einfach zu behaupten man weiß nichts davon oder kennt das Passwort nicht, wenn es einem gerade ungelegen kommt. Führt das in der Praxis zu einer riesen Steuerersparnis? (Weil sonst der Erbe aus steuerlicher Sicht total überschuldet wäre und man es zwangsweise ausschlagen würde/sollte/müsste?)
Der Erbe hat in der Regel erst mehrere Wochen nach dem Tode des Erblassers die Möglichkeit, auf die Aktien zuzugreifen und sie gegebenenfalls zu verkaufen. Ein Kurseinbruch während dieser Zeit kann dazu führen, dass die Erbschaftssteuer den Restwert übersteigt.
Das heißt dann also auch wirklich im Falle wie Bitcoins bei einem explodierenden Kurs gegenüber dem Erbzeitpunkt wären nahezu Null EURO stuern zu zahlen obwohl Millionen geerbt wurden richtig?
Beitrag von Townspector » 17.01.18, 08:05
Ich würde das mal mit einem Tresor voller Wertpapiere vergleichen, dessen Schlüssel durch den Erblasser extrem erfolgreich versteckt wurde und der Erbe kommt nicht heran.
Ändert nichts daran, dass er als Erbe (sofern nicht ausgeschlagen) der Eigentümer der Wertpapiere geworden ist.
Hinsichtlich der Bewertung zum Stichtag: ja, wenn der Kurs einen Tag nach Eintritt des Erbfalles plötzlich steigt, versteuert man trotzdem zum Kurs am Tage des Erbfalles, soweit ich es sehe.
Beitrag von windalf » 17.01.18, 08:11
Ich würde das mal mit einem Bankschließfach voller Wertpapiere vergleichen, dessen Schlüssel durch den Erblasser extrem erfolgreich versteckt wurde und der Erbe kommt nicht heran.
Der Vergleich mag noch für den Fall des bekannten Passworts passen. Bei unbekannten Passwort gibt es "aktuell" technisch keine Möglichkeit da ranzukommen. Das Schließfach in der Bank kannst du hingegen knacken lassen (und bekommst dann informationen über den Inhalt und auch an den Inhalt ran)...
Hier ist es doch aber so, dass wenn ich das Passwort nicht habe (oder behaupte es nicht zu kennen) kann ich faktisch niemals auf die Bitcoins zugreifen. Die sind verloren. Das Problem haben jetzt ja auch viele in in 2013 die richtige Einscheidung aus Spaß an der Freude getroffen haben ein bisschen mitzuspielen beim Mining und weil die Coins da nur nur Cents wert waren ihre Zugangsdaten nicht zu speichern (oder nur auf einem USB-Stick der kaputt gegangen ist).
Das Geld ist auf ewig weg sonst wären die jetzt Millionäre.
Was genau meint übergehen. Muss da irgendwie die realistische Chance bestehten, dass man darauf irgendwie Zugriff bekommen kann?
Beitrag von Celestro » 17.01.18, 09:27
hambre hat geschrieben: Natürlich kann das sein. Die Rechtslage ist derart eindeutig, dass sich ein Rechtsanwalt wohl an der Grenze zu Schadenersatzzahlungen befindet, wenn der dem Mandanten nicht von so einer Klage abrät (§ 1922 Abs. 1 BGB).
Na und ? Gesetze wurden schon öfter gekippt. Also nur weil Dinge im derzeitigen Gesetz stehen, müssen Sie nicht bis in alle Ewigkeit so bleiben.
Beitrag von matthias. » 17.01.18, 09:59
Celestro hat geschrieben: Na und ? Gesetze wurden schon öfter gekippt. Also nur weil Dinge im derzeitigen Gesetz stehen, müssen Sie nicht bis in alle Ewigkeit so bleiben.
Da hilft aber keine Klage, da müsste die Politik tätig werden.
Beitrag von windalf » 17.01.18, 10:01
Wobei man sich schon fragen kann, ob das überhaupt sinnvoll wäre. Der Bewertungszeitpunkt ist ja immer ein Problem. Ob das nun der Todeszeitpunkt ist oder ein anderer Zeitpunkt den dafür der Erbe "passend wählt". Eine Änderung würde da eher zu mehr als zu weniger Problemen führen.
Beitrag von matthias. » 17.01.18, 10:22
Beitrag von ExDevil67 » 17.01.18, 11:57
Zumal eine Änderung des Bewertungstages wenig bringen wird. Je nach Kursentwicklung ist es halt im Einzelfall immer der "falsche" Termin der genommen wird. Und ein Wahlrecht wird man dem Erben wohl kaum einräumen wollen.