Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Text=NJW%201997,%202756
Timestamp: 2019-04-22 15:14:41
Document Index: 340098277

Matched Legal Cases: ['BGH', '§ 823', '§ 3', '§ 105', '§ 831', '§ 831', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 3', 'BGH', '§ 3', 'BGH', 'BGH']

BGH, 01.07.1997 - VI ZR 205/96 - dejure.org
10jährige Radfahrerin
§ 823 BGB, § 3 Abs. 2a StVO, Vertrauensgrundsatz, §§ 105, 106 SGB VII;
§ 831 BGB bei Kraftfahrern
Kind am Straßenrand - Autofahrer - Sorgfaltspflicht
Sorgfaltsanforderungen gegenüber radfahrendem Kind
Anspruch auf Ersatz von 70 Prozent des unfallbedingten materiellen Schadens, Zahlung eines angemessenen Schmerzensgeldes sowie Ersatz weiterer unfallbedingter immaterieller Schäden - Verringerungspflicht der Geschwindigkeit aufgrund von Kindern am Fahrbahnrand - Haftungsminderung aufgrund der Verletzung der Aufsichtspflicht des Lehrers - Unklare Verkehrssituation aus Sicht des Kindes aufgrund der Furt
NJW 1997, 2756
NZV 1997, 391
FamRZ 1997, 1205 (Ls.)
Im Hinblick darauf, daß sich aus einer mangelnden Qualifikation des Gehilfen Gefahren für deliktsrechtlich geschützte Interessen ergeben können, muß sich der Geschäftsherr bei der Einstellung des Gehilfen von dessen Eignung für den ihm zugedachten Tätigkeitskreis im Rahmen des Möglichen überzeugen (vgl. Senatsurteile vom 30. Januar 1996 - VI ZR 408/94 - VersR 1996, 469, 470 und vom 1. Juli 1997 - VI ZR 205/96 - NJW 1997, 2756, 2757;… MünchKomm-BGB/Stein, 3. Aufl., § 831 Rdn. 11 f. m.w.N.).
Dabei kann eine sorgfältige Handhabung der Überwachungspflicht für den Gehilfen nicht vorhersehbare und unauffällige Kontrollen gebieten (…vgl. Senatsurteile vom 30. Januar 1996 - VI ZR 408/94 - aaO und vom 1. Juli 1997 - VI ZR 205/96 - aaO; OLG Hamm, NJW-RR 1998, 1403).
Der erkennende Senat hat aber stets darauf hingewiesen, daß auch gegenüber Kindern die an die Sorgfaltspflicht des Kraftfahrers zu stellenden Anforderungen nicht überspannt werden dürfen, wenn nach der gewöhnlichen Lebenserfahrung eine Gefährdung nicht zu erwarten ist (vgl. Senatsurteil vom 1. Juli 1997 - VI ZR 205/96 - NJW 1997, 2756, 2757 m.w.N.; vom 5. Mai 1992 - VI ZR 262/91 - VersR 1992, 890).
Schließlich hat der Senat eine den Vertrauensgrundsatz einschränkende Situation bejaht, wenn Kinder in einer Gruppe mit Fahrrädern auf dem Radweg in Richtung einer Furt an einer Kreuzung fuhren ohne erkennen zu lassen, daß sie rechtzeitig anhalten würden (Senatsurteil vom 1. Juli 1997 - VI ZR 205/96 - NJW 1997, 2756).
Erforderlichenfalls hat er sofort eine Notbremsung einzuleiten (KG Berlin, a. a. O., Rn. 44 unter Hinweis auf BGH, NZW 1991, 114, 115 und BGH NJW 1997, 2756 = NZV 1997, 391 = DAR 1997, 399).
Denn in einer Situation erkennbarer Unklarheit besteht kein Vertrauensschutz (…vgl. KG Berlin, a. a. O., Rn. 46 unter Hinweis auf BGH, Urteil vom 01.07.1997, Az. VI ZR 205/96, Rn. 10, zitiert nach juris = NJW 1997, 2756; vgl. auch OLG Hamm VersR 1993, 454).
Allerdings gilt der Vertrauensgrundsatz grundsätzlich auch gegenüber Kindern (BGH NJW 1997, 2756 = NZV 1997, 391 = DAR 1997, 399 ).
Kinder als schutzbedürftige Verkehrsteilnehmer, mitwirkendes Verschulden eines …
Das bedeutet aber nicht einen unbedingten Gefährdungsausschluß im Sinne von Unvermeidbarkeit oder eine Gefährdungshaftung (BGH NJW 1997, 2756; OLG Hamm VersR 1992, 204;… Hentschel, Straßenverkehrsrecht, 36. Auflage, § 3 Rdn. 29a).
An den Beweis einer ausreichenden Überwachung eines angestellten Kraftfahrers sind im Interesse der Verkehrssicherheit strenge Anforderungen zu stellen (vgl. BGH r+s 1997, 364).
Ohne konkrete Anhaltspunkte für die Anwesenheit von Kindern besteht auch keine erhöhte Sorgfaltspflicht nach § 3 Abs. 2 a StVO (BGH NJW 1990, 1483 = NZV 1990, 227 f.; vgl. auch BGH NJW 1997, 2756 f.).
OLG Frankfurt, 22.03.2000 - 19 U 168/99
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