Source: https://www.rechtslupe.de/verwaltungsrecht/beamtenrecht/hinzuziehung-bevollmaechtigten-wehrbeschwerdeverfahren-3121215
Timestamp: 2020-07-14 03:24:26
Document Index: 127217240

Matched Legal Cases: ['§ 16', '§ 16', '§ 16', '§ 16', '§ 130', '§ 16', '§ 16', '§ 16']

Hinzuziehung eines Bevollmächtigten im Wehrbeschwerdeverfahren - und die angekündigte Abhilfe | Rechtslupe
Hinzuziehung eines Bevollmächtigten im Wehrbeschwerdeverfahren - und die angekündigte Abhilfe
Nach § 16a Abs. 2 WBO sind dem Beschwer­de­füh­rer die ihm zur zweck­ent­spre­chen­den Rechts­ver­fol­gung oder Rechts­ver­tei­di­gung erwach­se­nen not­wen­di­gen Auf­wen­dun­gen zu erstat­ten, soweit die Beschwer­de in trup­pen­dienst­li­chen Ange­le­gen­hei­ten erfolg­reich ist.
Dies setzt – auch für die Fra­ge der Erstat­tungs­fä­hig­keit der Ver­gü­tung eines Bevoll­mäch­tig­ten (§ 16a Abs. 3 WBO) – vor­aus, dass ein der Beschwer­de ganz oder teil­wei­se statt­ge­ben­der Beschwer­de­be­scheid ergan­gen ist [1].
Nach § 16a Abs. 4 WBO sind die Absät­ze 1 bis 3 unter Berück­sich­ti­gung des bis­he­ri­gen Sach­stan­des sinn­ge­mäß anzu­wen­den, soweit der Beschwer­de vor Erlass eines Beschwer­de­be­scheids abge­hol­fen wird.
In dem hier vom Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt beur­teil­ten Fall hat eine Abhil­fe vor Erlass eines Beschwer­de­be­scheids statt­ge­fun­den, weil das Bun­des­amt für das Per­so­nal­ma­nage­ment der Bun­des­wehr (im Fol­gen­den: Bun­des­amt für das Per­so­nal­ma­nage­ment) – durch die Beschwer­de des Antrag­stel­lers ver­an­lasst – mit Bescheid vom 17.02.2016 die am 3.06.2015 ver­füg­te, für den strit­ti­gen Lauf­bahn­wech­sel des Antrag­stel­lers maß­geb­li­che Ein­pla­nungs­mög­lich­keit auf dem Dienst­pos­ten Infor­ma­ti­ons- und Tele­kom­mu­ni­ka­ti­ons­sys­tem Admi­nis­tra­tor-Feld­we­bel Infor­ma­ti­ons­sys­te­me (Objekt-ID: …) … – nach deren Auf­he­bung im Bescheid vom 29.10.2015 – erneut ange­ord­net hat. Mit Per­so­nal­ver­fü­gung vom 11.03.2016 hat das Bun­des­amt für das Per­so­nal­ma­nage­ment sodann, wie bereits im Bescheid vom 17.02.2016 ange­kün­digt, den Antrag­stel­ler als Anwär­ter für die Lauf­bahn der Feld­we­bel des all­ge­mei­nen Fach­diens­tes zuge­las­sen. Mit Ver­set­zungs­ver­fü­gung vom 11.03.2016 wur­de für den Antrag­stel­ler ein­pla­nungs­ge­mäß die ihm ange­kün­dig­te Ver­wen­dung ange­ord­net.
Im Hin­blick dar­auf ist es nicht gerecht­fer­tigt, die Hin­zu­zie­hung eines Bevoll­mäch­tig­ten für not­wen­dig zu erklä­ren.
Nach stän­di­ger Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs ist die Hin­zu­zie­hung eines Rechts­an­walts dann not­wen­dig, wenn es der Par­tei nach ihren per­sön­li­chen Ver­hält­nis­sen und wegen der Schwie­rig­keit der Sache nicht zuzu­mu­ten war, das vor­ge­richt­li­che Ver­fah­ren selbst zu füh­ren; für die Beur­tei­lung der Not­wen­dig­keit ist auf den Zeit­punkt der Bevoll­mäch­ti­gung abzu­stel­len [2]. Nach die­sen Maß­stä­ben war die Hin­zu­zie­hung eines Bevoll­mäch­tig­ten im vor­ge­richt­li­chen Ver­fah­ren des Antrag­stel­lers nicht nach § 16a Abs. 3 WBO not­wen­dig.
Der Antrag­stel­ler hat sei­nem Bevoll­mäch­tig­ten eine schrift­li­che Voll­macht erteilt, die ledig­lich sei­ne Unter­schrift, jedoch kein Datum auf­weist. Dazu hat sein Bevoll­mäch­tig­ter im Schrift­satz vom 02.05.2016 anwalt­lich ver­si­chert, dass die Man­da­tie­rung unter der auf­schie­ben­den Bedin­gung der Ertei­lung einer Deckungs­schutz­zu­sa­ge durch den Deut­schen Bun­des­wehr­ver­band und/​oder die pri­va­te Rechts­schutz­ver­si­che­rung des Antrag­stel­lers gestan­den habe. Eine Deckungs­schutz­zu­sa­ge des Deut­schen Bun­des­wehr­ver­ban­des sei mit Schrei­ben vom 18.02.2016 erfolgt, das am 24.02.2016 in der Kanz­lei des Bevoll­mäch­tig­ten ein­ge­gan­gen sei.
Die Deckungs­schutz­zu­sa­ge stellt eine Wil­lens­er­klä­rung dar, die gemäß § 130 Abs. 1 Satz 1 BGB (erst) wirk­sam wird, wenn sie dem Adres­sa­ten zugeht. Adres­sat der hier in Rede ste­hen­den Deckungs­schutz­zu­sa­ge war der Bevoll­mäch­tig­te des Antrag­stel­lers. Zugangs­da­tum in des­sen Kanz­lei war der 24.02.2016, der für die Beur­tei­lung der Not­wen­dig­keit der Hin­zu­zie­hung maß­geb­lich ist. An die­sem Tag benö­tig­te der Antrag­stel­ler für das (wei­te­re) vor­ge­richt­li­che Ver­fah­ren nicht mehr anwalt­li­chen Bei­stand.
Der Antrag­stel­ler hat­te das vor­ge­richt­li­che Ver­fah­ren per­sön­lich ohne einen Bevoll­mäch­tig­ten ein­ge­lei­tet und sei­ne Beschwer­de vom 04.11.2015 gegen den Ableh­nungs­be­scheid des Bun­des­amts für das Per­so­nal­ma­nage­ment vom 29.10.2015 aus­führ­lich mit Argu­men­ten begrün­det, die nach­fol­gend zu der Abhil­fe­ent­schei­dung des Bun­des­amts für das Per­so­nal­ma­nage­ment geführt haben. Am 19.02.2016 war dem Antrag­stel­ler der Bescheid vom 17.02.2016 eröff­net wor­den, in dem das Bun­des­amt für das Per­so­nal­ma­nage­ment erneut die vom Antrag­stel­ler mit dem Lauf­bahn­wech­sel-Antrag vom 22.01.2015 ange­streb­te Ein­pla­nung auf dem gewünsch­ten Feld­we­bel-Dienst­pos­ten (Infor­ma­ti­ons- und Tele­kom­mu­ni­ka­ti­ons­sys­tem Admi­nis­tra­tor-Feld­we­bel Infor­ma­ti­ons­sys­te­me) ange­ord­net hat.
Zwar erfolg­te die Zulas­sung zu der ange­streb­ten Lauf­bahn erst mit Per­so­nal­ver­fü­gung vom 11.03.2016. Im Bescheid vom 17.02.2016 wur­de aber bereits die Ver­set­zung des Antrag­stel­lers auf den geplan­ten und für ihn frei­ge­hal­te­nen Dienst­pos­ten "unmit­tel­bar nach Zulas­sung zur Feld­we­bel-Lauf­bahn" ange­kün­digt und für die abschlie­ßen­de Ent­schei­dung über den Lauf­bahn­wech­sel nur noch ein "Ver­merk über ein Per­so­nal­ent­wick­lungs­ge­spräch mit Stel­lung­nah­me des Antrag­stel­lers" ange­for­dert. Ange­sichts die­ser Sach­la­ge war für den Antrag­stel­ler am 19.02.2016 – also vor dem Wirk­sam­wer­den der sei­nem Bevoll­mäch­tig­ten erteil­ten Voll­macht – klar erkenn­bar, dass das Bun­des­amt für das Per­so­nal­ma­nage­ment bereits sei­nem per­sön­li­chen Beschwer­de­vor­brin­gen unein­ge­schränkt Rech­nung getra­gen und die gewünsch­te Ver­set­zung sowie den ange­streb­ten Lauf­bahn­wech­sel in die Wege gelei­tet hat­te. Eine anwalt­li­che Unter­stüt­zung für das wei­te­re vor­ge­richt­li­che Ver­fah­ren, das nur noch dem Voll­zug der Abhil­fe­ent­schei­dung des Bun­des­amts für das Per­so­nal­ma­nage­ment dien­te, war mit­hin nicht mehr not­wen­dig.
Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Beschluss vom 18. Novem­ber 2016 – 1 WB 32.16
stRspr, z.B. BVerwG, Beschlüs­se vom 28.09.2009 – 1 WB 31.09 – Buch­holz 450.1 § 16a WBO Nr. 1 Rn. 21; und vom 07.07.2016 – 1 WB 18.16 25[↩]
vgl. z.B. BVerwG, Beschlüs­se vom 21.12 2011 – 1 WB 51.11 – Buch­holz 450.1 § 16a WBO Nr. 3 Rn.19, 20 m.w.N.; und vom 05.08.2015 – 1 WB 14.15 – Buch­holz 450.1 § 16a WBO Nr. 5 Rn. 39[↩]
AbhilfeVerfahrensbevollmächtigterWehrbeschwerdeverfahren