Source: https://profil.ikk-classic.de/2017_06/die_ikk_gesundheitsexperten
Timestamp: 2019-01-21 20:45:39
Document Index: 8365005

Matched Legal Cases: ['§ 3', '§ 3', '§ 3', '§ 3', '§ 3', '§ 2', '§ 1']

Sonntags-, Feiertags- und Nachtzuschläge sind für Chefs ein lästiges Muss. Worauf müssen sie bei diesen Sonderzahlungen achten? Sozialversicherungsexperte Stephan Lingner hat die Antwort.
Stephan Lingner ist Fachberater für Sozialversicherungsthemen bei der IKK classic und kennt alle Kniffe innerhalb der entsprechenden Gesetze – unter anderem zur Entgeltfortzahlung.
Sie haben in der letzten Ausgabe abgestimmt und sich für folgende Frage entschieden: Was ist bei Sonntags-, Feiertags- und Nachtzuschlägen zu beachten? Dieses Mal antwortet der IKK-Experte Stephan Lingner, Fachberater für Sozialversicherungsthemen bei der IKK classic.
Warum werden Sonntags-, Feiertags- und Nachtzuschläge gezahlt?
Diese Frage stellt sich insbesondere, weil kein gesetzlich verankerter Anspruch auf Zuschläge für Sonntags- und Feiertagsarbeit existiert. Dennoch gibt es für eine höhere Vergütung tarifvertragliche Regelungen, Betriebsvereinbarungen oder jeweilige Einzelarbeitsverträge.
Die Nachtarbeit wird im Arbeitszeitgesetz (ArbZG) geregelt. Arbeitet ein Arbeitnehmer nachts, muss ihm ein angemessener Zuschlag auf das Bruttoarbeitsentgelt gezahlt werden. Alternativ kann der Betriebsinhaber ihm eine angemessene Zahl bezahlter freier Tage anbieten. Das gilt nur, soweit keine tarifvertraglichen Ausgleichsregelungen bestehen. Was als angemessen gilt, ist auch geregelt: ein Zuschlag von 25 Prozent auf den Bruttostundenlohn.
Als Nachtzeit ist die Zeit von 23 Uhr bis 6 Uhr und in Bäckereien und Konditoreien die Zeit von 22 Uhr bis 5 Uhr festgelegt. Auch hier können tarifvertragliche Regelungen, Betriebsvereinbarungen oder der jeweilige Einzelarbeitsvertrag abweichende Zeiten zugunsten des Arbeitnehmers bestimmen.
Arbeitnehmer dürfen grundsätzlich an Sonntagen und gesetzlichen Feiertagen von 0 Uhr bis 24 Uhr nicht beschäftigt werden. Manche Berufsgruppen sind von dieser Richtlinie allerdings ausgenommen.
Damit ein Sonntags-, Feiertags- und Nachtzuschlag (SFN-Zuschlag) steuerfrei ist, muss der Zuschlag neben einem Grundlohn gezahlt werden.
Zuschläge, die für tatsächlich geleistete Sonntags-, Feiertags- und Nachtarbeit neben dem Grundlohn gezahlt werden, sind in folgender Höhe steuerfrei (§ 3 b EStG):
Sonntagsarbeit von 0 Uhr bis 24 Uhr. Als Sonntagsarbeit gilt auch die Arbeit in der Zeit von 0 Uhr bis 4 Uhr am Montag, wenn die Nachtarbeit vor 0 Uhr aufgenommen wurde.
50 % des Grundlohns
Feiertagsarbeit (gesetzliche Feiertage) von 0 Uhr bis 24 Uhr. Als Feiertagsarbeit gilt auch die Arbeit in der Zeit von 0 Uhr bis 4 Uhr des auf den Feiertag folgenden Tages, wenn die Nachtarbeit vor 0 Uhr aufgenommen wurde.
Für die Arbeit am 24. Dezember ab 14 Uhr, am 25. und 26. Dezember sowie am 1. Mai
Für die Arbeit am 31. Dezember ab 14 Uhr
Nachtarbeit von 20 Uhr bis 6 Uhr
Für Nachtarbeit in der Zeit von 0 Uhr bis 4 Uhr erhöht sich der Zuschlagssatz, wenn die Nachtarbeit vor 0 Uhr aufgenommen wird.
Sonntags- und Feiertagszuschläge können nicht kombiniert werden. Ist der Sonntag also ein Feiertag, kann nur der jeweilige Feiertagszuschlag steuerfrei gezahlt werden. Der Nachtarbeitszuschlag wird zusätzlich zum Sonntags- oder Feiertagszuschlag steuerfrei gezahlt, das heißt, die Zuschlagssätze für Nachtarbeit und für den entsprechenden Feiertag werden zusammengerechnet.
Im Steuerrecht ist der steuerfreie Teil des Stundengrundlohns auf 50 Euro begrenzt. Übersteigt der tatsächliche Grundlohn diesen Betrag, ist nur der übersteigende Betrag, nicht der gesamte Zuschlag, steuerpflichtig.
Die Regelungen in der Sozialversicherung sind grundsätzlich analog zu den Regelungen im Steuerrecht. Der einzige Unterschied liegt in der Höhe des maximalen Stundengrundlohns. Dieser beträgt in der Sozialversicherung 25 Euro.
Somit ergeben sich für Sie als Arbeitgeber drei mögliche Fälle bei der Beurteilung von Sonntags-, Feiertags- und Nachtzuschlägen:
Der Stundengrundlohn beträgt maximal 25 Euro:
Bei Einhalten der im § 3 b Abs. 1 EStG angegebenen prozentualen Zuschläge besteht Steuer- und Beitragsfreiheit.
Der Stundengrundlohn beträgt über 25 Euro, aber maximal 50 Euro:
Bei Einhalten der im § 3 b Abs. 1 EStG angegebenen prozentualen Zuschläge besteht Steuerfreiheit. Der Zuschlag, der auf dem den Grundlohn von 25 Euro übersteigenden Betrag beruht, ist beitragspflichtig, der andere beitragsfrei.
Der Stundengrundlohn beträgt über 50 Euro:
Steuerfreiheit kann bei Einhalten der im § 3 b Abs. 1 EStG angegebenen prozentualen Zuschläge nur für den Teil des Zuschlags gewährt werden, der sich auf 50 Euro bezieht. Beitragsfreiheit kann bei Einhalten der im § 3 b Abs. 1 EStG angegebenen prozentualen Zuschläge nur für den Teil des Zuschlags gewährt werden, der sich auf 25 Euro bezieht.
Ein Arbeitnehmer mit einem Stundenlohn von 30 Euro arbeitet an einem Sonntag. Der vertraglich vereinbarte Zuschlag für Sonntagsarbeit beträgt 50 Prozent des Stundengrundlohns (= 15 Euro). Da dieser Zuschlag die maximale Grenze der Steuerfreiheit in Höhe von 50 Prozent von maximal 50 Euro (= 25 Euro) nicht übersteigt, ist der gezahlte Zuschlag in Höhe von 15 Euro steuerfrei. In der Sozialversicherung sind hingegen nur 50 Prozent von maximal 25 Euro (= 12,50 Euro) beitragsfrei.
Im Recht der gesetzlichen Unfallversicherung sind die SFN-Zuschläge immer in voller Höhe dem Arbeitsentgelt zuzurechnen. Das gilt auch dann, wenn sie lohnsteuerfrei sind. Der Grenzwert von 50 Euro beziehungsweise 25 Euro ist für die Unfallversicherung daher nicht maßgebend.
Der Anspruch auf die Fortzahlung der Zuschläge für Feiertage und Krankheit ergibt sich aus den Bestimmungen des Entgeltfortzahlungsgesetzes (§§ 2 und 3 EFZG). Das Arbeitsentgelt ist nach dem Lohnausfallprinzip zu errechnen; das bedeutet, der Mitarbeiter ist so zu vergüten, als hätte er an diesen ausgefallenen Tagen tatsächlich gearbeitet. Werden Zuschläge für Zeiten gezahlt, in denen wegen Krankheit nicht gearbeitet wurde, unterliegen sie der Steuer- und Beitragspflicht.
Steuer- und beitragsfrei sind die Zuschläge nur für die tatsächlichen Arbeitsstunden. Genau wie bei der Entgeltfortzahlung werden die Zuschläge während eines Beschäftigungsverbotes nach dem Mutterschutzgesetz (MuSchG) ohne tatsächliche Arbeitsleistung gewährt und sind somit steuer- und beitragspflichtig.
Der Urlaubslohn errechnet sich nach den Bestimmungen des Bundesurlaubsgesetzes (§§ 1 und 11 BurlG). Sofern Urlaubsgeld gezahlt wird und darin derartige Zuschläge enthalten sind, unterliegen diese der Steuer- und Beitragspflicht.
Welches Thema sollen die IKK-Gesundheitsexperten in der kommenden Ausgabe behandeln? Entscheiden Sie mit und stimmen Sie für Ihre Lieblingsfrage ab:
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