Source: https://www.bkw.ch/en/seite/zusammenschluss-zum-eigenverbrauch/
Timestamp: 2018-06-25 00:14:29
Document Index: 337945154

Matched Legal Cases: ['Art 2', 'Art. 21', 'Art. 16', 'Art. 31', 'Art. 35', 'Art. 38', 'Art. 3', 'Art. 34', 'Art. 32', 'Art. 9']

Die ersten Früchte der Energiestrategie
Die ersten Früchte der Energiestrategie 2050
Vor einem Jahr, am 21. Mai 2017, hat das Schweizer Stimmvolk Ja zur Energiestrategie 2050 gesagt – und das revidierte Energiegesetz angenommen. Seit Inkrafttreten sind erst fünfeinhalb Monate vergangen. Erste Früchte zeigen sich aber schon jetzt: Immer mehr Grundeigentümer gründen einen Zusammenschluss zum Eigenverbrauch, um ihren Solarstrom direkt zu verbrauchen.
Fast 60 Prozent der Stimmbürgerinnen und -bürger der Schweiz stehen hinter der Energiewende. Das wissen wir seit der Abstimmung zur Energiestrategie 2050, die vor einem Jahr, am 21. Mai 2017, stattfand. Das Volk will also den Bau neuer Atomkraftwerke verbieten und den Ausbau der erneuerbaren Energien fördern.
Mit einem ausgeklügelten Einspeisevergütungssystem hat die Politik Anreize für den Bau privater Solaranlagen geschaffen. Doch die Tage sind gezählt, an denen die privaten Solarstromproduzenten ohne Marktrisiko eine fixe Vergütung erhalten: Neue Einspeisevergütungen werden höchstens noch bis 2022 und Einmalvergütungen bis 2030 bewilligt. Danach sind alle Solarstromproduzenten selber dafür verantwortlich, dass sie ihren Strom verbrauchen, speichern oder am Markt zu möglichst guten Preisen verkaufen können.
Um den Eigenverbrauch zu vereinfachen, fördert das revidierte Energiegesetz den sogenannten Zusammenschluss zum Eigenverbrauch (ZEV). Eigentümer von zum Beispiel benachbarten Häusern oder Stockwerkeigentümer können zusammen ein privates Solarkraftwerk betreiben und den Strom selber verbrauchen. Der gemeinsame Eigenverbrauch kann auch für Mieter vor Ort vorgesehen werden. Immer mehr Menschen nutzen diese neue Möglichkeit: Seit Inkrafttreten des Gesetzes sind alleine im BKW-Versorgungsgebiet rund 140 neue ZEV entstanden – 20 weitere sind in Bearbeitung.
So gründen Sie mit Ihren Nachbarn das eigene Solarkraftwerk
Die Technologie, die dahinter steckt
Das sind die Pioniere des Eigenverbrauchs
Die wichtigsten Fakten zum ersten Massnahmenpaket der ES 2050
Dank dem revidierten Energiegesetz können Sie mit Ihren Nachbarn zusammen ein Solarkraftwerk betreiben, den Strom selber verbrauchen oder bei Bedarf verkaufen. Im Fachjargon sagt man dem Zusammenschluss zum Eigenverbrauch (ZEV). Doch wie genau funktioniert ein solcher? Wie gründen Sie einen ZEV?
Ein gemeinsamer Anschluss ans öffentliche Stromnetz
Die gemeinsame Nutzung eines Privat-Solarkraftwerks ist dank der Energiestrategie 2050 viel einfacher möglich als zuvor. Zwar wurde der Eigenverbrauch bereits ab 2014 im Energiegesetz erwähnt. Doch erst seit der Totalrevision im Rahmen der Energiestrategie ist der sogenannte Zusammenschluss zum Eigenverbrauch (ZEV) explizit vorgesehen und ausführlich geregelt: Grundeigentümer oder Stockwerkeigentümer von Ein- und Mehrfamilienhäusern können gemeinsam ein Solarkraftwerk betreiben, wenn die dazugehörigen Grundstücke aneinandergrenzen. Der ZEV teilt sich einen einzigen Anschluss an das öffentliche Stromnetz, aus dem sie bei Bedarf auch Strom bezieht oder in das sie überschüssigen Solarstrom einspeist.
Punkt für Punkt zum privaten Solarkraftwerk
Wenn Sie als Hauseigentümer oder Gewerbetreibende einen ZEV gründen wollen, befolgen Sie am besten diese Schritte:
Suchen Sie weitere Parteien, die mit Ihnen einen ZEV gründen. Die Grundstücke müssen unter anderem lückenlos zusammenhängen und die Solaranlage ebenfalls auf einem angrenzenden Grundstück liegen. Beachten Sie, dass die Anlage eine gewisse Mindestgrösse vorweisen muss (Produktionsleistung von mindestens zehn Prozent der Anschlussleistung).
Informieren und einigen Sie sich, wie sie das Innenverhältnis untereinander umsetzen wollen (z.B. wie die direkte Verrechnung erfolgt).
Holen Sie die Einwilligung jedes Mieters/Endbenutzers ein.
Bestimmen Sie einen Vertreter der ZEV. Die Gründung eines ZEV ist drei Monate vor der Betriebsaufnahme dem Verteilnetzbetreiber (VNB) zu melden. Dem VNB sind die Namen der Beteiligten mitzuteilen.
Regeln Sie das Verhältnis zwischen der ZEV und dem VNB mittels Rahmenvertrag.
Beauftragen Sie einen Spezialisten: Tipp: Die engytec AG unterstützt Sie bei der Analyse, der Umsetzung und dem Betrieb Ihrer ZEV. Die speziell für ZEV produzierten Engytec-Stromzähler registrieren bei jedem Teilnehmer des ZEV den von der eigenen Solaranlage sowie den vom lokalen Elektrizitätswerk bezogenen Strom.
Das Prinzip ist simpel: Sämtliche vom Zusammenschluss Eigenverbrauch produzierte Energie wird von einem im Gebäude installierten engytec-Zähler registriert und an die Nutzer verteilt, die diesen Strom sofort einsetzen können. Ist zu wenig Energie von der eigenen Anlage vorhanden, wird diese über einen zentralen Anschluss aus dem öffentlichen Stromnetz bezogen. Auch dieser Bezug wird zentral von engytec berechnet. Dank einem Online-Portal können die Eigentümer der Solananlage jederzeit auf die nach Verbrauch aufgeteilte Abrechnung zugreifen und diese den verschiedenen Nutzern in Rechnung stellen. Vom örtlichen Verteilnetzbetreiber erhalten die einzelnen Nutzer keine eigene Stromrechnung mehr.
Das Modell von engytec ist auf das revidierte Energiegesetz ausgelegt. Das Start-up hat sich zum Ziel gesetzt, den Ausbau erneuerbarer Energien zu unterstützen und einen Beitrag zur Energiezukunft zu leisten. Aus diesem Grund bietet es alles Notwendige für die erfolgreiche Inbetriebnahme einer ZEV: Von der Beratung über die Planung und den Aufbau bis hin zum Betrieb von Mieterstrommodellen. Nebst der elektrischen Energie ist das engytec-Modell auch auf alle anderen Energieflüsse ausweitbar. So können Wärme, Wasser und Gas über den engytec-Zähler abgerechnet werden. Für alle Parteien sind die Daten jederzeit in Echtzeit abrufbar, was die Abrechnung nicht nur transparenter, sondern auch nachvollziehbarer macht.
Mehr zu engytec
Der Architekt Michel Cordey hat in seinem Vier-Familien-Neubau in Ins im Kanton Bern das neue System bereits eingerichtet. Das Gebäude ist ein Plus-Energie-Bau: Mit Minergiestandard, Wärmegewinnung durch die Luft-Wasser-Wärmepumpe und der Solaranlage auf dem Dach produziert das Haus mehr Energie, als es verbraucht.
Im Neubau ist noch genau ein Wasser- und Stromzähler des lokalen Elektrizitätswerks installiert. Die einzelnen Wohnungen haben Zähler, um separat abzurechnen. Möglich macht das eine neu entwickelte Technologie, die es auch erlaubt, den in Echtzeit gemessenen Strom- und Wasserverbrauch auf einer App anzuschauen. Über die gleiche Technologie wird auch die Verrechnung gemacht. Die Mieterschaft hat so mehr Transparenz über den Stromverbrauch, und der Vermieter kann den Strom seiner Solaranlage im Haus verkaufen, statt ins Netz zu speisen. Weiterer Vorteil: Es gibt immer mehr Elektroautos. Heute werden diese oft an Buchsen des Allgemeinstroms aufgeladen. Neu können auch diese verursachergerecht abgerechnet werden.
Cordey glaubt an die Nutzung von Solarstrom und baut auch bereits ein weiteres Mehrfamilienhaus mit Eigentumswohnungen in Ins mit dem gleichen System.
Die beiden Geschäftsführer der Zermec GmbH – Michael und Stefan Knecht – haben eine Photovoltaikanlage auf dem Dach ihres Geschäftsgebäudes in der Laufenburger Industriezone installiert. Die Anlage ist eine gute Investition und wertet das Gebäude auf. Die beiden Brüder waren sich einig, dass sie so viel wie möglich der selbst produzierten Energie im eigenen Gebäude verbrauchen wollen.
Da das Kerngeschäft der Zermec die energieintensive Metallbearbeitung ist, und im selben Gebäude vier weitere Mieter Strom brauchen, ergibt ein höherer Eigenverbrauch auch finanziell Sinn. So haben die Brüder mit den Mietern eine Eigenverbrauchsgemeinschaft gegründet. So können sämtliche Energieflüsse im Gebäude registriert und verbrauchergerecht verrechnet werden. Im Vergleich zu früher ein grosser Vorteil. Vorher hatten sie für jede Partei einen Zähler vom lokalen Verteilnetzbetreiber. Nun haben sie ihre eigenen Zähler und stellen die Stromrechnung an ihre Mieter selbst. Sie sind also ganz einfach zum Energieversorger geworden.
Die Berner Pensionskasse Previs hat schon seit längerer Zeit Photovoltaikanlagen auf den Dächern ihrer Liegenschaften installiert, um die nachhaltige Energieproduktion zu unterstützen. Diese konnten die Mieter der Gebäude bis anhin nicht direkt selbst nutzen, sie wurde stattdessen ins Netz eingespeist. Doch seit Inkrafttreten der ES 2050 sieht das anders aus. Die Mieter der Mehrfamilienhaus-Überbauung in Wabern im Kanton Bern verbrauchen jetzt den Strom von ihrem Dach selbst. Sie sind keine BKW Netz und Stromkunden mehr. Die Previs ist ihr Energielieferant.
Neun Mehrfamilienhäuser haben sich zum Eigenverbrauch zusammengeschlossen. Der Schritt rentiert sich nicht nur für den Eigentümer, die Pensionskasse Previs, sondern auch für die Mieter, die ihren Strom dadurch günstiger beziehen können.
Die ganze Abwicklung ist zudem vereinfacht worden: Die Zeiten, als die Zähler noch manuell abgelesen werden mussten, sind nun definitiv vorbei. Im Online-Portal kann Previs jederzeit auf die nach Verbrauch aufgeteilte Abrechnung zugreifen und den bezogenen Strom den Mietern in Rechnung stellen. Vom lokalen Elektrizitätswerk erhalten die Mieter keine Rechnung mehr. Auch um Zählerausfälle muss sich Previs keine Sorgen machen, da diese von der Technologie automatisch gemeldet werden. Energieversorger zu sein, ist also keine Hexerei mehr.
Alle drei Pionier-Projekte wurden in Zusammenarbeit mit dem Start-up engytec umgesetzt.
Die Energiestrategie des Bundes (ES 2050) verfolgt zwei Ziele: Die Steigerung der Energieeffizienz und den Ausbau erneuerbarer Energien. Hier sind einige der wichtigsten Änderungen, die mit dem neuen Energierecht ab 2018 in Kraft traten.
Mehr erneuerbare Energien:
Die Stromproduktion aus neuen erneuerbaren Energien soll von heute rund 3 Terawattstunden bis 2035 auf mindestens 11,4 Terawattstunden steigen (Art 2 Abs. 1 EnG).
Künftig müssen die Betreiber der dezentralen Anlagen den Strom selber am Markt absetzen (Direktvermarktung). Um dem ökologischen Mehrwert Rechnung zu tragen und allenfalls die Differenz zwischen dem am Markt erzielten Erlös und dem Referenz-Marktpreis auszugleichen, erhalten die Betreiber jedoch eine technologiespezifische «Einspeiseprämie» (Art. 21 EnG).
Neu wurde der Eigenverbrauch von selbst produziertem Strom explizit gesetzlich verankert (Art. 16 EnG). Zudem müssen bis Ende 2027 80% aller Messeinrichtungen in einem Netzgebiet auf Smart Meter umgerüstet werden. Die restlichen 20% dürfen bis zum Ende ihrer Funktionstauglichkeit im Einsatz bleiben (Art. 31e StromVV).
Um den Ausbau erneuerbarer Energien zu beschleunigen und die Wartelisten der heutigen kostendeckenden Einspeisevergütung (KEV) abzubauen, wurde der Netzzuschlag auf 2,3 Rp./kWh erhöht (Art. 35 Abs. 3 EnG).
Ab dem Jahr 2023 werden keine neuen Anlagen mehr ins Fördersystem aufgenommen (Sunset-Klausel). Ab 2031 sollen auch Einmalvergütungen und Investitionsbeiträge gestoppt werden (Art. 38 EnG).
Weniger Energieverbrauch und mehr Effizienz:
Neben dem Ausbau der erneuerbaren Energien soll der Energieverbrauch pro Person und Jahr bis 2035 um 43 Prozent sinken, der Stromverbrauch um 13 Prozent – gemessen am Stand des Jahres 2000 (Art. 3 EnG). Als wichtiges Element hierfür stärkt die Energiestrategie das Gebäudeprogramm. Neu dürfen pro Jahr 450 Millionen Franken statt wie vorher 300 Millionen Franken aus der CO2-Abgabe dafür eingesetzt werden (Art. 34 CO2-Gesetz). Auch durch steuerliche Anreize werden künftig energetische Gebäudesanierung gefördert (Art. 32 DBG & Art. 9 StHG).
Eine ausführliche Liste der Neuerungen im Energierecht ab 2018 gibt’s hier.