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Timestamp: 2016-10-24 12:27:48
Document Index: 391321907

Matched Legal Cases: ['Art. 82', 'Art. 83', 'Art. 86', 'Art. 89', 'Art. 100', 'Art. 95', 'Art. 105', 'Art. 95', 'Art. 97', 'Art. 105', 'Art. 42', 'Art. 97', 'Art. 15', 'Art. 15', 'Art. 14', 'Art. 4', 'Art. 20', 'Art. 15', 'BGE', 'Art. 15', 'Art. 15', 'Art. 15', 'Art. 15', 'Art. 15', 'BGE', 'Art. 15', 'Art. 15', 'Art. 15', 'Art. 15', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'Art. 15', 'BGE', 'Art. 15', 'Art. 38', 'BGE', 'Art. 66', 'Art. 68']

2C_868/2010 (19.04.2011)
2C_868/2010
vertreten durch David H�rlimann und/oder Mark Cagienard, Rechtsanw�lte,
Eidgen�ssische Steuerverwaltung, Hauptabteilung Direkte Bundessteuer, Verrechnungssteuer, Stempelabgaben,
Verrechnungssteuer; solidarische Haftung des Liquidators,
Beschwerde gegen das Urteil des Bundesverwaltungsgerichts, Abteilung I, vom 4. Oktober 2010.
Die Y.________ AG wurde 1985 gegr�ndet und bezweckte den Handel mit und die Bearbeitung von Textilien sowie den Import und Export von Waren aller Art. Mit Handelsregistereintrag vom 12. September 2002 �bernahm X.________ das Mandat als einziger Verwaltungsrat der AG. Mit Beschluss der Generalversammlung vom 2. Juni 2005 wurde die Gesellschaft aufgel�st. Als Liquidator mit Einzelunterschrift wurde X.________ bestellt. Am 23. Juni 2006 wurde �ber die AG der Konkurs er�ffnet und am 7. Juli 2006 mangels Aktiven eingestellt. Mit Handelsregistereintrag vom 19. Oktober 2006 wurde die Gesellschaft von Amtes wegen gel�scht.
Mit Entscheid vom 10. Juni 2005 verpflichtete die Eidgen�ssische Steuerverwaltung (ESTV) die Y.________ AG, ihr Verrechnungssteuern im Betrag von Fr. 1'105'694.30 nebst Zins und Betreibungskosten, total Fr. 1'306'574.45, zu bezahlen. Dagegen erhob die Y.________ AG Einsprache. Mit Schreiben vom 27. Februar 2006 teilte die ESTV X.________ zudem mit, er hafte solidarisch f�r die ausstehende Summe, sofern er nicht nachweisen k�nne, dass er alles Zumutbare zur Feststellung und Erf�llung der Steuerforderung getan habe. Mit Einspracheentscheid vom 4. April 2006 wies die ESTV die Einsprache der Y.________ AG ab und stellte fest, dass X.________ solidarisch f�r die Verrechnungssteuer von Fr. 1'105'694.30 nebst Zins und Betreibungskosten hafte.
Gegen den Einspracheentscheid vom 4. April 2006 erhoben sowohl die Y.________ AG als auch X.________ Beschwerde an die Eidgen�ssische Steuerrekurskommission. Diese schrieb am 23. August 2006 das Verfahren in Sachen Y.________ AG als gegenstandslos ab. Mit Urteil vom 4. Oktober 2010 hiess das mittlerweile zust�ndige Bundesverwaltungsgericht die Beschwerde von X.________ teilweise gut und legte den vom Beschwerdef�hrer geschuldeten Verrechnungssteuerbetrag neu auf Fr. 529'813.11 fest.
Mit Eingabe vom 9. November 2010 erhebt X.________ Beschwerde in �ffentlich-rechtlichen Angelegenheiten mit dem Antrag, der angefochtene Entscheid sei aufzuheben und die geschuldeten Verrechnungssteuern seien auf Fr. 9'000.-- festzusetzen, eventualiter auf Fr 283'065.01, subeventualiter auf Fr. 299'596.95 und subsubeventualiter auf Fr. 464'199.43.
Die ESTV beantragt Abweisung der Beschwerde, und das Bundesverwaltungsgericht verzichtet auf eine Vernehmlassung.
1.1 Gegen Entscheide des Bundesverwaltungsgerichts auf dem Gebiet der Verrechnungssteuer ist die Beschwerde in �ffentlich-rechtlichen Angelegenheiten an das Bundesgericht zul�ssig (Art. 82 lit. a in Verbindung mit Art. 83 sowie Art. 86 Abs. 1 lit. a BGG). Der Beschwerdef�hrer ist gest�tzt auf Art. 89 Abs. 1 BGG ohne Weiteres zur Beschwerde in �ffentlich-rechtlichen Angelegenheiten legitimiert; auf die frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde (Art. 100 Abs. 1 BGG) ist daher einzutreten.
1.2 Mit der Beschwerde in �ffentlich-rechtlichen Angelegenheiten kann unter anderem geltend gemacht werden, der angefochtene Entscheid verletze Bundesrecht - inklusive Bundesverfassungsrecht -, V�lkerrecht sowie kantonale verfassungsm�ssige Rechte (Art. 95 BGG). Das Bundesgericht legt seinem Urteil den von der Vorinstanz festgestellten Sachverhalt zugrunde (Art. 105 Abs. 1 BGG). Die Feststellung des Sachverhalts kann nur ger�gt bzw. vom Bundesgericht von Amtes wegen berichtigt oder erg�nzt werden, wenn sie offensichtlich unrichtig ist oder auf einer Rechtsverletzung im Sinne von Art. 95 BGG beruht (Art. 97 Abs. 1 BGG bzw. Art. 105 Abs. 2 BGG). Eine entsprechende R�ge, welche rechtsgen�glich substantiiert vorzubringen ist (Art. 42 Abs. 2 BGG), setzt zudem voraus, dass die Behebung des Mangels sich f�r den Ausgang des Verfahrens als entscheidend erweist (Art. 97 Abs. 1 BGG).
2.1 Nach Art. 15 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes vom 13. Oktober 1965 �ber die Verrechnungssteuer (VStG; SR 642.21) haften f�r die Steuer einer aufgel�sten juristischen Person die mit der Liquidation betrauten Personen bis zum Betrag des Liquidationsergebnisses solidarisch mit dem Steuerpflichtigen. Sie haften gem�ss Art. 15 Abs. 2 VStG jedoch nur f�r Steuer-, Zins- und Kostenforderungen, die w�hrend ihrer Gesch�ftsf�hrung entstehen, geltend gemacht oder f�llig werden; ihre Haftung entf�llt, soweit sie nachweisen, dass sie alles ihnen Zumutbare zur Feststellung und Erf�llung der Steuerforderung getan haben.
2.2 Die ESTV hatte die Verrechnungssteuerforderung gegen�ber der Y.________ AG wie folgt begr�ndet: Diese habe in den Jahren 1999 bis 2003 gesch�ftsm�ssig nicht begr�ndete Provisionszahlungen an die Z.________ SA sowie an A.________ von insgesamt Fr. 2'849'958.-- ausbezahlt, die als geldwerte Leistungen an nahestehende Dritte zu betrachten seien (Verrechnungssteuer 35 %, ausmachend Fr. 997'485.30). Weiter bestehe eine nicht erkl�rbare Eigenkapital-Differenz von Fr. 252'642.-- per 31. Dezember 2000 gegen�ber dem Vorjahr, was als steuerbare geldwerte Leistung zu betrachten sei (Verrechnungssteuer 35 %, ausmachend Fr. 88'424.70). Schliesslich habe die Y.________ AG im Jahr 2000 im Umfang von Fr. 19'784.30 die �berw�lzungspflicht nach Art. 14 VStG missachtet. Der Beschwerdef�hrer hafte als Verwaltungsrat und Liquidator der Gesellschaft, da er nicht dargelegt habe, dass er alles Zumutbare zur Feststellung und Erf�llung der Steuerschuld getan habe.
2.3 Die Vorinstanz erwog, die geltend gemachte Verrechnungssteuerschuld gegen�ber der Y.________ AG bestehe zu Recht. Der Beschwerdef�hrer sei vom 12. September 2002 bis zur Aufl�sung einziger Verwaltungsrat und Liquidator der Gesellschaft gewesen und trage grunds�tzlich die alleinige Verantwortung. Er hafte damit auch f�r Verrechnungssteuerforderungen, die zwar vor seiner Gesch�ftsf�hrung entstanden, aber w�hrend derselben geltend gemacht worden seien. Sp�testens Anfang 2002 habe die faktische Liquidation der Gesellschaft begonnen. Der Liquidator hafte bis zur H�he des Liquidationsergebnisses; zu dessen Berechnung sei auf die letzte vor Beginn der faktischen Liquidation erstellte Bilanz abzustellen, also jene f�r das Jahr 2001; das dort ausgewiesene Fremdkapital (Fr. 344'266.73) sei vom Total der Aktiven (Fr. 874'079.84) abzuziehen, was zu einem mutmasslichen Liquidationsergebnis von Fr. 529'813.11 f�hre. Der Beschwerdef�hrer hafte bis zu diesem Betrag, da er den Exkulpationsbeweis nicht erbracht habe.
2.4 Der Beschwerdef�hrer bestreitet vor Bundesgericht die Verrechnungssteuerschuld der Y.________ AG nicht mehr. Er bringt jedoch im Hauptstandpunkt vor, s�mtliche Steuerforderungen mit Ausnahme derjenigen f�r die Provisionszahlungen 2003, seien in der Zeit vor seiner Wahl zum Verwaltungsrat begr�ndet, aber in diesem Zeitpunkt nicht bekannt und auch nicht erkennbar gewesen. Es w�re ihm daher gar nicht m�glich und deshalb auch nicht zumutbar gewesen, den latenten Verrechnungssteueranspruch festzustellen oder zu erf�llen, bevor die ESTV diesen zu Beginn des Jahres 2005 geltend gemacht habe. Seine Haftung sei deshalb auf die in jenem Zeitpunkt in der Gesellschaft vorhandenen Fr. 9'000.-- zu beschr�nken. Eventualiter sei der Beginn der faktischen Liquidation auf Beginn 2004 festzulegen und f�r die Bestimmung des haftungsrelevanten Liquidations�berschusses auf die Zahlen per Ende 2003 abzustellen (Fr. 283'065.01). Subeventualiter sei der Liquidations�berschuss in dem Zeitpunkt massgeblich, in welchem die ESTV mit Schreiben vom 14. Juli 2003 erstmals Unregelm�ssigkeiten festgestellt habe (Fr. 299'569.95). Subsubeventualiter k�nne er f�r allf�llige faktische Liquidationshandlungen, welche vor seinem Amtsantritt als Verwaltungsrat vorgenommen wurden, nicht haftbar gemacht werden; er k�nne maximal bis zum Betrag des bei seinem Eintritt noch vorhandenen Nettoverm�gens haften (Fr. 464'199.43).
3.1 Gem�ss Art. 4 Abs. 1 lit. b VStG sind Gegenstand der Verrechnungssteuer auf dem Ertrag beweglichen Kapitalverm�gens die Zinsen, Renten, Gewinnanteile und sonstigen Ertr�ge der von einem Inl�nder ausgegebenen Aktien. Nach Art. 20 Abs. 1 der Vollziehungsverordnung vom 19. Dezember 1966 zum Bundesgesetz �ber die Verrechnungssteuer (VStV; SR 642.211) ist steuerbarer Ertrag von Aktien jede geldwerte Leistung der Gesellschaft an die Inhaber gesellschaftlicher Beteiligungsrechte oder an ihnen nahe stehende Dritte, die sich nicht als R�ckzahlung der im Zeitpunkt der Leistung bestehenden Anteile am einbezahlten Grundkapital darstellt (Dividenden, Boni, Gratisaktien, Gratis-Partizipationsscheine, Liquidations�bersch�sse und dergleichen). Nach herrschender Lehre und st�ndiger Rechtsprechung, die vom Beschwerdef�hrer nicht grunds�tzlich in Frage gestellt wird, ist auch eine �berschussverteilung aus einer faktischen Liquidation steuerbarer Ertrag und kann eine Haftung der mit der Liquidation betrauten Personen nach Art. 15 VStG begr�nden (BGE 115 Ib 274 E. 14b S. 283 mit Hinweisen; Urteile A.335/1976 vom 17. Februar 1978 E. 10, in: ASA 47 S. 541; 2A.342/2005 vom 9. Mai 2006 E. 4.2; 2C_502/2008 vom 18. Dezember 2008 E. 3.1 und 5.1, in: StR 64/2009 S. 588; JACQUES B�GUELIN, La responsabilit� fiscale des liquidateurs de soci�t�s anonymes, soci�t�s � responsabilit� limit�e et soci�t�s coop�ratives, in: M�langes Henri Zwahlen, 1977, S. 544 f.; PETER B�CKLI, Haftung des Verwaltungsrats f�r Steuern, in: StR 1985 S. 522 f.; ROBERT DANON, La responsabilit� fiscale solidaire des organes en cas de liquidation d'une soci�t� de capitaux, in Fran�ois Bohnet (Hrsg.), Quelques actions en responsabilit�, 2008, S. 207 f.; ERNST GIGER, Die Steuerschulden bei der Liquidation, IWIR 1999 S. 6; THOMAS MEISTER, in: Zweifel/Athanas/Bauer-Balmelli [Hrsg.], Kommentar zum Schweizerischen Steuerrecht II/2, Bundesgesetz �ber die Verrechnungssteuer, 2005, N. 15 f. und 25 zu Art. 15 VStG; THOMAS M�LLER, Die solidarische Mithaftung im Bundessteuerrecht, 1999, S. 142 f.; XAVIER OBERSON, La responsabilit� fiscale des organes dirigeants des soci�t�s anonymes, SJ 2006 S. 298; W. ROBERT PFUND, Verrechnungssteuer, 1971, N. 4 zu Art. 15 VStG).
3.2 Nach dem klaren Wortlaut von Art. 15 Abs. 2 VStG haften die Liquidatoren f�r die Forderungen, die w�hrend ihrer Gesch�ftsf�hrung entstehen, geltend gemacht oder f�llig werden. Es gen�gt, dass einer dieser Tatbest�nde erf�llt ist (PFUND, a.a.O., N. 19 zu Art. 15). Die Haftung umfasst mithin auch die Steuerforderungen, die vor Amtsantritt der mit der Liquidation betrauten Personen entstanden sind, aber erst w�hrend deren Amtsdauer geltend gemacht wurden (B�GUELIN, a.a.O., S. 546; DANON, a.a.O., S. 213; MEISTER, a.a.O., N. 21 und 25 zu Art. 15 VStG). Die Argumentation des Beschwerdef�hrers, wonach er f�r die vor seinem Amtsantritt allenfalls erfolgten Liquidationshandlungen nicht haften k�nne, dringt deshalb nicht durch.
4.1 Eine faktische Liquidation wird dann angenommen, wenn die Gesellschaft ausgeh�hlt bzw. ihr die wirtschaftliche Substanz entzogen wird, so dass die ordentliche Gesch�ftst�tigkeit nicht mehr m�glich ist (BGE 115 Ib 274 E. 10a S. 280; Urteile A.335/1976 vom 17. Februar 1978 E. 8c in: ASA 47 S. 541; 2C_695/2009 vom 3. Februar 2010 E. 2.1; DANON, a.a.O., S. 207; MEISTER, a.a.O., N. 12 zu Art. 15 VStG; OBERSON, a.a.O., S. 298). Der Maximalbetrag der Haftung bestimmt sich nach dem Betrag des Liquidationsergebnisses (Art. 15 Abs. 1 lit. a VStG), d.h. nach dem Verm�gen, das der Gesellschaft nach Tilgung der Schulden und der Liquidationskosten verbleibt. F�r die Bemessung des Liquidations�berschusses ist der Stand bei Eintritt des Aufl�sungsgrunds bzw. bei Beginn der Liquidation massgeblich (Urteile A.335/1976 vom 17. Februar 1978 E. 9, in: ASA 47 S. 541; 2A.94/2001 vom 27. Juni 2001 E. 2c; B�GUELIN, a.a.O., S. 546; MEISTER, a.a.O., N. 20 zu Art. 15 VStG; PFUND, a.a.O., N. 7 zu Art. 15 VStG). Das gilt auch im Falle einer faktischen Liquidation. Entscheidend ist daher, in welchem Zeitpunkt diese begonnen hat.
4.2 Es wird auch vom Beschwerdef�hrer zu Recht nicht in Frage gestellt, dass die Y.________ AG im Zeitpunkt des formellen Liquidationsbeschlusses im Juni 2005 bereits ausgeh�hlt und faktisch liquidiert war, bringt doch der Beschwerdef�hrer selber vor, das Verm�gen der Gesellschaft habe per Ende 2004 nur noch Fr. 9'000.- betragen. Die faktische Liquidation muss somit vorher erfolgt sein. Fraglich ist, ob sie bereits Anfang 2002 begonnen hat, wie die Vorinstanz angenommen hat und was vom Beschwerdef�hrer bestritten wird.
4.3 Die Vorinstanz hat diese Annahme wie folgt begr�ndet: F�r das Jahr 2001 habe die Y.________ AG zwei Finanzanlagen aufgewiesen, n�mlich zwei Darlehen, von denen eines bis Mitte 2002 zur�ckbezahlt wurde. Pro 2002 habe die Y.________ AG kein Anlage-, sondern nur noch Umlaufverm�gen ausgewiesen, die Passiven h�tten nur noch aus Gewinn bestanden. Ferner seien Bilanz und Erfolgsrechnung f�r das Jahr 2002 erst im Jahre 2005 erstellt worden. Die verbuchten Leistungen und Lieferungen seien zwar im Jahre 2002 noch betr�chtlich gewesen, h�tten aber im Vergleich zum Vorjahr um 18,5 % abgenommen, der Material- und Warenaufwand sogar um 23 %. Entscheidend seien der Aktiven- und Fremdkapitalschwund um 50 bzw. 100 % im Vergleich zum Vorjahr.
4.4 Die in diesen Erw�gungen enthaltenen Sachverhaltsfeststellungen werden als solche vom Beschwerdef�hrer nicht beanstandet und sind f�r das Bundesgericht verbindlich (vgl. E. 1.2 hiervor). Ob diese Feststellungen den Schluss auf eine per Anfang 2002 begonnene faktische Liquidation zulassen, ist dagegen eine vom Bundesgericht im Folgenden frei zu pr�fende Rechtsfrage.
4.5 Nach der Rechtsprechung des Bundesgerichts kommt es f�r die Annahme einer faktischen Liquidation nicht entscheidend auf den subjektiven Liquidationswillen an (BGE 115 Ib 274 E. 10c S. 281; Urteil 2C_695/2009 vom 3. Februar 2010 E. 2.2). Die Vorinstanz hat denn auch nicht festgestellt, die Y.________ AG bzw. der Beschwerdef�hrer h�tten im Jahre 2002 einen Liquidationswillen gehabt. Unter diesen Umst�nden muss aus �usseren Indizien auf die Liquidation geschlossen werden. Dabei besteht die Problematik, dass bei einer Betrachtung aus der Retrospektive manches bereits als Liquidationsschritt erscheinen mag, was bei echtzeitlicher Betrachtung noch als normale Gesch�ftst�tigkeit betrachtet werden kann (GIGER, a.a.O., S. 6). Nicht jede sich nachtr�glich als betriebswirtschaftlich unzweckm�ssig erweisende Disposition kann bereits als Beginn einer faktischen Liquidation angesehen werden (M�LLER, a.a.O., S. 143).
Eine �bersicht �ber die Rechtsprechung zeigt denn auch, dass in denjenigen F�llen, in denen eine faktische Liquidation bejaht wurde, eindeutige Umst�nde vorlagen:
4.5.1 Im Urteil A.335/1976 vom 17. Februar 1978, in: ASA 47 S. 541 hatte der Alleingesellschafter die Gesellschaft mit Mitteln von rund 25 Mio. Franken ausgestattet und in den Jahren 1967 bis 1971 aus dem Gesellschaftsverm�gen Leistungen zugunsten seiner anderen Unternehmen erbracht, welche das Verm�gen der Gesellschaft aufzehrten. Das Bundesgericht erwog, aus der R�ckschau habe die Aush�hlung wohl bereits 1966/67 mit der Eingehung einer Verf�gungsvollmacht und einer B�rgschaftsverpflichtung begonnen, doch k�nne nicht als erwiesen gelten, dass die Gesch�ftsleistung damals bereits an eine Aufl�sung dachte. Hingegen habe die Liquidation in den Jahren 1970 und 1971 stattgefunden, als die Gesellschaft ihre letzten noch verbleibenden Aktiven im Umfang von insgesamt ca. 1,35 Mio. Franken preisgegeben habe, indem ein Darlehen an den bereits illiquiden Alleingesellschafter ausgerichtet wurde.
4.5.2 In BGE 115 Ib 274 E. 10b S. 280 wurde einer Beteiligungsgesellschaft ihre wirtschaftliche Substanz entzogen, da sie s�mtliche Beteiligungen verkauft hatte.
4.5.3 Im Urteil 2A.57/1989 vom 9. Oktober 1989 E. 2b, nicht publ. in: BGE 115 Ib 393, in: ASA 58 S. 707, galt als faktische Liquidation, dass eine Immobilien AG ihr einziges wesentliches Aktivum, eine Liegenschaft, ver�ussert hatte.
4.5.4 Im Urteil 2A.107/1999 vom 23. September 1999 E. 6b, in: ASA 69 S. 898, nahm eine Gesellschaft, die von 1981 bis 1991 kaum aktiv gewesen war und deren Aktiven Ende 1990 zu 70 % aus Bankkonten bestanden, im folgenden Jahr mit einem neuen Aktion�r und einer neuen Verwaltung eine neue T�tigkeit auf.
4.5.5 Im Urteil 2A.342/2005 vom 9. Mai 2006 E. 4.3 wurde als faktische Liquidation betrachtet, dass die Gesellschaft ihr einziges wesentliches Aktivum verkauft und den Erl�s dem Aktion�r zur Verf�gung gestellt hatte, wodurch der Gesellschaft verunm�glicht wurde, ihre T�tigkeit weiterzuf�hren.
4.5.6 Im Urteil 2C_502/2008 vom 18. Dezember 2008 E. 4.1 lag eine faktische Liquidation vor, nachdem die Gesellschaft ihre noch vorhandenen Wertschriften verkauft hatte und der Verkaufserl�s gr�sstenteils unwiederbringlich an eine andere Gesellschaft floss, wobei die Beziehungen zwischen den beiden Gesellschaften nicht offen gelegt wurden.
4.5.7 Im Urteil 2C_695/2009 vom 3. Februar 2010 E. 2.1 wurde schliesslich eine faktische Liquidation im Jahre 2002 angenommen, nachdem sich die Aktiven der Gesellschaft zwischen Ende 2001 und Ende 2002 von Fr. 263'500.- auf Fr. 9'000.- reduziert hatten. Weitere Indizien f�r eine faktische Liquidation sah das Bundesgericht darin, dass sich im Jahre 2002 die hohe Verrechnungssteuerschuld der Gesellschaft definitiv abzeichnete und der Gesch�ftsf�hrer zudem die Leitung einer anderen Gesellschaft zu �bernehmen begann.
4.6 Solche eindeutigen und klaren Indizien wie in den oben genannten F�llen liegen hier jedoch nicht vor: Die bisherige Gesch�ftsaktivit�t wurde in den Jahren 2002 und 2003 weitergef�hrt, wenn auch in etwas reduziertem Umfang: Im Jahre 2002 betrug der R�ckgang beim Warenertrag bzw. Material- und Warenaufwand gegen�ber dem Vorjahr 18,4 bzw. 23,1 %; diese liegt somit im Rahmen �blicher Gesch�ftsschwankungen und ist nicht derart, dass auf eine Liquidation geschlossen werden m�sste. Im Unterschied zu den oben erw�hnten F�llen wurden zudem die Aktiven w�hrend des Jahres 2002 nicht grossmehrheitlich, sondern bloss um knapp 50 % reduziert. Wird zudem der Aktivenbestand nicht mit dem Jahr 2001, sondern mit 2000 oder 1999 verglichen, so betr�gt die Abnahme nur 34 % bzw. 43 %, was aufzeigt, dass auch in den fr�heren Jahren erhebliche Schwankungen (nach oben wie nach unten) im Aktivenbestand vorkamen. Der Umstand, dass die Gesellschaft Ende 2002 kein Anlageverm�gen aufwies, ist bei der Natur der von der Y.________ AG verfolgten T�tigkeit (Handels- bzw. Vermittlungsgesch�fte) nicht massgebend: Schon im Jahre 2001 hatte das Anlageverm�gen nur 15,2 % der Aktiven ausgemacht und haupts�chlich aus einer Darlehensforderung gegen�ber der B.________ SA im Betrag von Fr. 126'933.72 bestanden. Dass diese Forderung bis Mitte 2002 zur�ckbezahlt wurde, kann nicht als Indiz f�r eine Liquidation betrachtet werden. Unter den aktenkundigen Umst�nden (langj�hrige Krankheit und schliesslich Tod des fr�heren Verwaltungsrats und damit im Zusammenhang jahrelang keine ordentlichen Buchhaltungsabschl�sse) kann schliesslich auch nicht ausschlaggebend sein, dass in den Jahren 2002 und 2003 noch keine ordentlichen Jahresabschl�sse erstellt wurden. Ein Indiz k�nnte hingegen das Fehlen von Fremdkapital in der Bilanz 2002 sein, nachdem in den Vorjahren 2001 noch Fremdkapital im Umfang von ca. einem Viertel der Passiven in der Form von Lieferantenkreditoren ausgewiesen worden waren. Dies k�nnte darauf hinweisen, dass per Ende 2002 kaum mehr Lieferungen bestellt wurden. Allerdings erscheint der Passivposten "Gewinn" in dieser Bilanz, die ausdr�cklich als provisorische bezeichnet wird, ohnehin ungew�hnlich und wenig verl�sslich und stimmt auch nicht mit dem in der Erfolgsrechnung ausgewiesenen Gewinn von Fr. 166'352.08 �berein, welcher bei einem Warenertrag von rund 2,4 Mio. Franken nicht verd�chtig hoch ist. F�r das Jahr 2003 liegt ebenfalls eine als provisorisch bezeichnete Bilanz und Erfolgsrechnung vor, auf welcher handschriftlich "per 30.6.2003" eingetragen ist. Nach dieser Rechnung wurden weiterhin Warenertrag sowie Material- und Warenaufwand verbucht, gegen�ber dem Jahr 2002 um rund 68 % bzw. 63 % reduziert, was umgerechnet auf ein ganzes Jahr ebenfalls noch einen Umsatzr�ckgang im Rahmen �blicher Gesch�ftst�tigkeit darstellt. Insgesamt erlauben diese Indizien nicht, den Beginn der faktischen Liquidation auf Anfang 2002 festzulegen.
4.7 Entscheidend kommt hinzu, dass auch die ESTV in Kenntnis all dieser Umst�nde zum damaligen Zeitpunkt nicht von einer Liquidation ausging: Mit Schreiben vom 14. Juli 2003 wies die ESTV auf "einige Fragen und Probleme (Nicht�berw�lzen der im Jahr 2000 aufgerechneten und bezahlten Verrechnungssteuer, zu hohe Weiterleitungen nach Fifty-fifty-Praxis, etc.)" hin. Gem�ss einer Notiz �ber eine Besprechung vom 6. November 2003 zwischen der ESTV sowie der Buchhaltung und der Revisionsstelle der Y.________ AG wurden f�r die Jahre ab 2001 gewisse Vorgehensweisen vereinbart und darauf hingewiesen, dass die Buchhalterin vom Aktionariat den Auftrag habe, die Y.________ AG aus dem "Schlamassel" zu holen und dass der Beschwerdef�hrer das Mandat als Verwaltungsrat �bernommen habe, um die gesetzlichen Voraussetzungen zu schaffen; von einer Liquidation ist hingegen nicht die Rede. Auch nach durchgef�hrten Abkl�rungen stellte die ESTV mit Rechnung vom 11. Januar 2005 nicht etwa Verrechnungssteuern auf Liquidations�bersch�ssen in Rechnung, sondern im Wesentlichen nicht belegten Gesch�ftsaufwand in Form von Provisionsaufwendungen, wobei auch noch f�r die Gesch�ftsjahre 2003 und 2004 ein Betrag in der Gr�ssenordnung der Vorjahre gesch�tzt wurde. Die ESTV ging also offensichtlich von einer Weiterf�hrung der Gesch�ftst�tigkeit im bisherigen Umfang aus. In der Mitteilung an den Beschwerdef�hrer vom 27. Februar 2006 und im Einspracheentscheid vom 4. April 2006 wies die ESTV darauf hin, dass sich die Y.________ AG gem�ss SHAB vom 29. August 2005 in Liquidation befinde und der Beschwerdef�hrer f�r die Steuer hafte, die haupts�chlich auf nicht gesch�ftsm�ssig begr�ndeten Provisionsaufw�nden in den Gesch�ftsjahren 1999-2003 resultierte. Erstmals in der Beschwerdevernehmlassung vom 12. Juli 2006 machte sie geltend, die Gesellschaft m�sse bereits ab 2002 als ausgeh�hlt gelten.
4.8 Unter diesen Umst�nden kann der Beginn der faktischen Liquidation nicht auf Anfang 2002 festgelegt werden. Abzustellen ist vielmehr auf den Zeitpunkt der (offenbar per Mitte 2003 abgeschlossenen) Bilanz und Erfolgsrechnung 2003. Bis zu diesem Zeitpunkt wurde sowohl nach den verf�gbaren Gesch�ftsunterlagen der Gesellschaft als auch nach dem Eindruck der ESTV die Gesch�ftst�tigkeit im bisherigen Umfang weiter betrieben. Das Liquidationsergebnis, bis zu welchem der Beschwerdef�hrer haftet, berechnet sich somit nach dieser Bilanz und betr�gt entsprechend dem Eventualbegehren des Beschwerdef�hrers Fr. 283'065.01.
Im Hauptstandpunkt bestreitet der Beschwerdef�hrer, dass ihm die Feststellung und Erf�llung der Steuerforderung zumutbar gewesen w�re.
5.1 Die Haftung des Liquidators ist keine Kausalhaftung, sondern eine Garantenhaftung (Urteil A.335/1976 vom 17. Februar 1978 E. 10, in: ASA 47 S. 541; B�CKLI, a.a.O., S. 523 f.; DANON, a.a.O., S. 204; OBERSON, a.a.O., S. 294 f.); sie entf�llt, soweit der Liquidator das ihm Zumutbare zur Feststellung und Erf�llung der Steuerforderung getan hat (Art. 15 Abs. 2 VStG). Die Haftung setzt zwar kein Verschulden voraus (Urteil 2C_551/2009 vom 13. April 2010 E. 4.1, in: StR 65/2010 S. 876; B�GUELIN, a.a.O., S. 542, 549), doch ist die Frage nach der Zumutbarkeit nach den konkreten Umst�nden und den pers�nlichen Verh�ltnissen des Haftenden zu beurteilen (BGE 115 Ib 393 E. 4a S. 394 f.; 106 Ib 375 E. 2b/bb S. 380; Urteil 2A.342/2005 vom 9. Mai 2006 E. 4.2; B�GUELIN, a.a.O., S. 550; GIGER, a.a.O., S. 7 f.; B�CKLI, a.a.O., S. 525 f.; M�LLER, a.a.O., S. 147 f.; PFUND, a.a.O., N. 20.1 zu Art. 15).
5.2 Die objektive Zumutbarkeit ist hier zu bejahen: Der Beschwerdef�hrer musste bei seinem Amtsantritt feststellen, dass die Buchhaltung seit Jahren nicht ordnungsgem�ss gef�hrt worden war. Er musste deshalb auch damit rechnen, dass noch nachtr�gliche Steuerforderungen geltend gemacht werden k�nnten. Es ist ihm zwar zugute zu halten, dass er sich um eine Kl�rung der Verh�ltnisse bem�hte und es ist verst�ndlich, dass er nicht sogleich einen vollst�ndigen �berblick gewinnen konnte. In einer solchen Situation h�tte er aber R�ckstellungen oder Sicherstellungen bilden k�nnen und m�ssen f�r allf�llige noch entstehende Steuerforderungen. Namentlich wurde entgegen der Auffassung des Beschwerdef�hrers die Zahlung oder Sicherstellung der Steuer nicht erst mit der Geltendmachung durch die ESTV zumutbar. Die Steuerpflichtigen bzw. ihre Organe haben unaufgefordert die vorgeschriebenen Abrechnungen einzureichen und die Steuer zu entrichten (Art. 38 Abs. 2 VStG). Sie sind besser als die Steuerverwaltung in der Lage, die finanzielle Situation und die Aktivit�ten der Gesellschaft zu beurteilen und k�nnen sich nicht darauf verlassen, von der ESTV auf ihre Pflichten hingewiesen zu werden.
5.3 Die vom Beschwerdef�hrer vorgebrachten pers�nlichen Umst�nde (fehlende juristische Kenntnisse, �bernahme des VR-Mandats aus Piet�t gegen�ber seinem verstorbenen Vater) verm�gen ihn nicht zu entlasten: Wer ein Mandat als Verwaltungsrat oder Liquidator �bernimmt, von dem er weiss, dass er es nicht ordnungsgem�ss wird ausf�hren k�nnen, verletzt seine Sorgfaltspflicht und kann sich nicht auf seine fehlenden Kenntnisse berufen (BGE 115 Ib 393 E. 4b S. 395; Urteil 2A.132/1991 vom 29. Juni 1992 E. 6, in: RDAT 1993 I n. 26t pag. 369).
Die Beschwerde ist im Eventualstandpunkt begr�ndet und damit teilweise gutzuheissen. Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Verfahrenskosten je h�lftig dem Beschwerdef�hrer und der ESTV aufzuerlegen (Art. 66 Abs. 1 BGG). Diese hat dem Beschwerdef�hrer f�r das bundesgerichtliche Verfahren eine reduzierte Parteientsch�digung zu bezahlen (Art. 68 Abs. 2 BGG).
Die Beschwerde wird teilweise gutgeheissen. Der vom Beschwerdef�hrer geschuldete Haftungsbetrag wird auf Fr. 283'065.01 festgelegt. Im �brigen wird die Beschwerde abgewiesen.
Die Gerichtskosten von Fr. 6'000.-- werden je zur H�lfte, ausmachend je Fr. 3'000.--, dem Beschwerdef�hrer und der Eidgen�ssischen Steuerverwaltung auferlegt.
Die Eidgen�ssische Steuerverwaltung hat dem Beschwerdef�hrer f�r das bundesgerichtliche Verfahren eine reduzierte Parteientsch�digung von Fr. 3'000.-- zu bezahlen.
Dieses Urteil wird dem Beschwerdef�hrer, der Eidgen�ssischen Steuerverwaltung und dem Bundesverwaltungsgericht, Abteilung I, schriftlich mitgeteilt.