Source: https://issuu.com/webtradecenter/docs/117d8273-0b51-4ca4-9dd1-f9b00b1ee6ef
Timestamp: 2017-03-26 15:59:37
Document Index: 220475482

Matched Legal Cases: ['§ 25', '§ 20', '§ 7', '§ 15', '§ 2', '§ 2', '§ 4', '§ 5', '§ 252', '§ 238', '§ 5', '§ 5', '§ 4', '§ 12', '§ 4', '§ 6', '§ 4', '§ 6', '§ 4', '§ 6', '§ 4', '§ 5', '§ 250', '§ 257', '§ 249', '§ 5', '§ 6', '§ 257', '§ 147', '§ 6', '§ 253', '§ 6', '§ 253', '§ 7', '§ 255', '§ 6', '§ 253', '§ 20', '§ 16', '§ 5', '§ 253', '§ 6', '§ 6', '§ 5', '§ 6', '§ 253', '§ 255', '§ 25', '§ 6', '§ 253', '§ 255', '§ 15', '§ 7', '§ 7', '§ 7', '§ 7', '§ 3', '§ 4', '§ 6', '§ 6', '§ 253', '§ 6', '§ 6', '§ 6', '§ 6', '§ 254', '§ 255', '§ 9', '§ 6', '§ 6', '§ 6', '§ 7', '§ 7', '§ 7', '§ 7', '§ 7', '§ 7', '§ 7', '§ 7', '§ 7', '§ 7', '§ 7', '§ 7', '§ 7', '§ 7', '§ 7', '§ 6', '§ 9', '§ 15', '§ 12', '§ 4', '§ 6', '§ 4', '§ 4', '§ 252', '§ 8', '§ 10', '§ 11', '§ 11', '§ 16', '§ 7', '§ 15', '§ 4', '§ 4', '§ 7', '§ 11', '§ 8', '§ 8', '§ 8', '§ 8', '§ 8', '§ 8', '§ 9', '§ 9', '§ 10', '§ 11', '§ 249']

a0o200000028Uj2_2 by DCI AG - issuu
Fall Gebrauchtwagenhändler Wladislaw Timotschenko
Bilanzierung bei Einzelunternehmen, Bewertung Anlagevermögen,
Umlaufvermögen, Darlehen/Verbindlichkeiten, Rechnungsabgrenzungsposten, Rückstellungen,Unterschiedezwischen Handels- und Steuerbilanz
von Dipl.-Finanzwirt Maik Richter, Ehrenfriedersdorf
Umlaufvermögen, Darlehen/Verbindlichkeiten, Rechnungsabgrenzungsposten, Rückstellungen, Unterschiede zwischen Handels- und
Kandidaten zur Vorbereitung auf die Steuerberater- und
Steuerinspektorenprüfung
5 Zeitstunden
Wladislaw Timotschenko betreibt einen florierenden Autohandel in Chemnitz. Das
Unternehmen wird seit dem Jahr 2006 (der Einreise ins schöne Deutschland) auf
gemieteten Flächen an der Bahnhofstraße betrieben. Die Anmietung des alten
Industriegeländes mit vielen Freiflächen und alten Industriebrachen, Wohnräumen
und Büroflächen erfolgte von der Stadt Chemnitz.
1. Mietvertrag Stadt Chemnitz
Der Vertrag hat eine Laufzeit von 5 Jahren und verlängert sich um jeweils 1 Jahr, wenn
er nicht vor Ablauf mit einer Frist von 6 Wochen gekündigt wird. Die Miete für das
Objekt wurde in all den Jahren in voller Höhe als Aufwand geltend gemacht. Das
Gelände hat eine Gesamtfläche von 4 000 m2. Die Industriebrachen werden als
Unterstellfläche, Lager und Werkstatt verwendet. Im Bürogebäude mit einer Gesamtfläche von 200 m2 befindet sich das Büro mit Sanitärtrakt auf 100 m2; im Obergeschoss hat sich Wladislaw eine kleine Wohnung auf 75 m2 eingerichtet. Das Geld für
eine andere Wohnung wollte er sich sparen, denn da hätte er für den Quadratmeter
ca. 4 € Kaltmiete zzgl. 1 € an Nebenkosten aufwenden müssen.
In den restlichen 25 m2 hat Wladislaw seine Rechnungen, Buchführungsunterlagen
und sonstige Belege untergebracht, damit er diese immer vorzeigen kann, wenn sich
z. B. das Finanzamt ankündigt. Vergleichbare Lagerräume sind für ca. 2 € je m2 zu
2. Kauf Grundstück Annaberger Straße
Da die Geschäfte von Wladislaw immer besser liefen, kaufte er mit Notarvertrag vom
23. 6. 2009 ein unbebautes Grundstück auf der Annaberger Straße zum Preis von
150 000 €. Neben dem eigentlichen Kaufpreis lt. Notarvertrag wurden noch folgende
Steuer-Repetitor 10 | 2010
© Verlag Neue Wirtschafts-Briefe GmbH & Co. KG
Die monatliche Pacht beträgt 2 500 € zzgl. 200 € Nebenkosten. Zu Beginn des
Mietverhältnisses am 1. 7. 2006 hatte Wladislaw eine Kaution von 3 Kaltmieten
hinterlegen müssen sowie eine Mietvorauszahlung von 10 000 € für die Laufzeit des
Vertrages. Die Kaution hatte Wladislaw damals mit privatem Geld hinterlegt. Eine
Erfassung in der Bilanz erfolgte nicht, da Wladislaw meinte, dass man die Kaution
nicht als Betriebsausgabe geltend machen kann. Die Mietvorauszahlung machte er
aber in 2006 voll als Mietaufwand geltend und bezahlte diese auch mit betrieblichem
Kosten fällig, die Wladislaw als Grundstücksaufwand in der Gewinn- und Verlustrechnung erfasste:
1. 5 250 € Grunderwerbsteuer
2. 500 € Notarkosten (für Erstellung Kaufvertrag)
3. 200 € Grundbuchamt (für Eintragung Eigentum)
Das Areal hat eine Fläche von 3 000 m2 und wurde vorher vom Bauhof der Stadt
Chemnitz als Abstellplatz verwendet. Der Übergang von Nutzen und Lasten erfolgte
am 1. 9. 2009. Ab diesem Zeitpunkt wollte er natürlich das Gelände ebenfalls zum
Abstellen von Fahrzeugen nutzen.Vaclav Berger, ein guter Bekannter, seines Zeichens
erfolgreicher Bauunternehmer, nahm am 23. 8. 2009 das Grundstück unter die Lupe
und bemerkte, dass der Untergrund der Fläche einzig und allein ein riesiges Kiesvorkommen ist. Vaclav wusste, dass man dieses hervorragend für ein Bauunternehmen
nutzen kann. Folglich ließen die beiden das Vorkommen von einem sachverständigen
Dritten bewerten. Dieser ermittelte einen Wert von 100 000 € (netto ohne Umsatzsteuer) und eine Größe von 10 000 m³. Bis zum 31. 12. 2009 hatte Wladislaw
insgesamt 3 000 m³ abgebaut und an Vaclav geliefert. Die Rechnung hat Vaclav
bisher noch nicht bezahlt. Beide hatten sich aber auf einen 10 %-igen Aufschlag auf
den vom Sachverständigen ermittelten Wert geeinigt. Die restlichen 7 000 m³ sollten
dann Anfang 2010 geliefert werden. Danach kann Wladislaw das Grundstück
problemlos als PKW-Abstellplatz verwenden. Die Aufschüttung des Geländes wird
ca. 10 000 € kosten.
In der Bilanz wurde das Grundstück mit einem Wert von 50 000 € erfasst, da
Wladislaw der Meinung ist, dass durch das gefundene Kiesvorkommen das Grundstück nunmehr weniger wert ist. Da Vaclav seine Rechnung noch nicht bezahlt hat,
taucht dieser Vorgang auch nicht in der Buchführung auf. Wladislaw ist es gewöhnt,
dass seine Rechnungen sofort bar bezahlt werden. Dies ist in der hiesigen Branche so
Für die Anschaffung des Grundstücks an der Annaberger Straße und andere Investitionen benötigte Wladislaw Geld.Von der Bank bekam er als eingewanderter Bürger
keinen Kreditrahmen, so dass er sich Geld von seinen Geschäftspartnern und aus der
Heimat leihen musste. Dabei entstanden folgende Kreditverträge und Rückzahlungskonditionen:
Vaclav Berger
120 000 € 1. 7. 2009 am 30. 6. 2014 3 %
in einem Betrag
20 000 € 1. 7. 2009 nach Belieben
20 000 € 1. 7. 2009 bis 31. 12. 2013 ja*
Raten zu je 500 €*
20 000 € 1. 8. 2009 bis 31. 12. 2012 7 %
nein nach Belieben
Im Jahr 2009 zahlte Wladislaw neben diesem Vorauszins lediglich die 500 € Raten an
Tomislav und erfasste diese als Aufwand. Die restlichen Darlehen wurden nicht
bedient. Auch Zinsen hatten die Darlehensgeber bislang nicht eingefordert, so dass
sich Wladislaw erstmal ruhig verhielt; vielleicht würden sie ja entsprechende Zinszahlungen vergessen. In der Bilanz wurden die Darlehen als Gesamtsumme bei den
Verbindlichkeiten erfasst.
* neben den monatlichen Raten musste Wladislaw zu Beginn des Vertrages einen
zusätzlichen Vorauszins von 500 € zahlen.
Zum 31. 12. 2009 nahm sich Wladislaw die Zeit, den Bestand an Fahrzeugen auf dem
Hof zu begutachten. Er hatte gehört, dass das notwendig wäre, um eine Bilanz
aufzustellen. Dabei konnte er folgende Feststellungen treffen:
Verkaufspreis zum
tatsächlicher Verkaufspreis im Jahr 2010
Opel Vectra 1.5
Drei Fahrzeuge (zwei Opel und einen VW) hatte Wladislaw in 2009 von Privatpersonen – ohne Ausweis von Umsatzsteuer – erworben. Die prognostizierten und
tatsächlichen Verkaufspreise sind jeweils die Brutto-Werte für die Fahrzeuge, die
wieder an andere Personen im Inland unter Anwendung der Differenzbesteuerung
nach § 25a UStG verkauft wurden.
Den Audi A6 nutzte Wladislaw zusätzlich zur Verkaufsabsicht als Vorführ- und
Privatwagen. In der Zeit vom Kauf (1. 5. 2009) bis zum Verkauf im Mai 2010 fuhr er
damit 25 000 km, wobei nicht nachvollziehbar ist, ob es sich dabei um Privat- oder
Betriebsfahrten handelte. Der betriebliche Anteil lag jedoch über 50 %. Der Wagen
hatte beim Verkauf in 2010 noch eine Nutzungsdauer von 4 Jahren. Da Wladislaw mit
dem Wagen viel gefahren war, konnte er froh sein, noch so viel Geld beim Verkauf
erhalten zu haben. Wladislaw fand das allerdings immer noch sehr wenig, da der
Wagen ursprünglich lt. Audi-Prospekt mal 29 999 € gekostet hatte.
Drei weitere Fahrzeuge (drei Audi A3 1.9 TDI) befanden sich zum 31. 12. 2009 nicht auf
seinem Hof, sondern noch auf dem Gelände eines befreundeten Autohauses. Für
diese Fahrzeuge hatte Wladislaw bereits einen Käufer organisiert. Dieser wollte die
Fahrzeuge für insgesamt 17 500 € kaufen. Der Einkaufspreis beim befreundeten
Autohaus war mit 12 000 € zzgl. 2 280 € Umsatzsteuer vereinbart. Das Geschäft soll
aber erst am 5. 1. 2010 über die Bühne gehen. Da Wladislaw nicht so genau wusste,
welche Werte maßgebend sind, setzte er pauschal 10 000 € als Warenwert an.
5. Ausstattung Büro
Nach den letzten Jahren war es nunmehr notwendig neue Möbel fürs Büro anzuschaffen. Dazu gehören folgende Gegenstände, die am 30. 4. 2009 im noblen
Einrichtungshaus Weber in Chemnitz zu folgenden Brutto-Preisen erworben wurden:
1. eine Schreibtisch-/Rollcontainerkombination für insgesamt 888 €, wobei auf den
mobilen Rollcontainer 1⁄5 und auf den Schreibtisch 4⁄5 der Kosten entfallen
(Nutzungsdauer 10 Jahre),
2. ein Aktenschrank für 1 444 € (Nutzungsdauer 15 Jahre) sowie
3. zwei Drehstühle für 333 € (Nutzungsdauer 8 Jahre).
Schreibtisch/Rollcontainer
+ Aktenschrank
+ Drehstühle
./. AfA pauschal mit 10 %
./. Investitionsabzugsbetrag
= Ansatz in der Bilanz
In den letzten Jahren musste Wladislaw auch immer Gewerbesteuer an die Stadt
Chemnitz zahlen. Die Nachzahlung für das Jahr 2007 i. H. von 5 000 € wurde als
Wladislaw ermittelte zum 31. 12. 2009 für diese Wirtschaftsgüter folgenden Wert:
Aufwand erfasst. Ebenso wurden die Vorauszahlungen 2009 mit einer Gesamtsumme von 4 000 € behandelt. Der Gewerbesteuer-Hebesatz der Stadt Chemnitz
beträgt 450 %. Ob Wladislaw für das Jahr 2009 noch Gewerbesteuer nachzahlen
muss, weiß er nicht so genau. Folglich hat er in seiner Bilanz erst einmal nichts
7. Einkommensteuer
Auch Einkommensteuer musste Wladislaw für das Jahr 2009 vorausbezahlen. Dies
waren insgesamt 6 000 €, die als Steueraufwand in der Gewinn- und Verlustrechnung
erfasst wurden.
8. Transit Kasse-Bank
Wladislaw hatte durch die vielen Barzahlungen immer viel Geld in der Kasse, das er
regelmäßig zur Bank brachte. Das tat er auch am 31. 12. 2009. Insgesamt 10 000 €
zahlte er am Bankautomaten ein. Da dieses Geld am 31. 12. 2009 nicht mehr in der
Kasse war, setzte er den Bestand dort 10 000 € niedriger an. Dem Bankkonto wurde
das Geld erst am 4. 1. 2010 gut geschrieben,so dass der Bankbestand zum 31. 12. 2009
ebenfallsum die 10 000 € gemindert war. Damit Wladislaws Bilanz aufging, musste er
diesen „Verlust“ des Geldes als Aufwand in der Gewinn- und Verlustrechnung
verbuchen. Im Januar 2010 bucht er dann beim Geldeingang auf der Bank wieder
einen Ertrag in der Bilanz 2010.
9. Anzahlungen
Am 30. 12. 2009 kam ein Privatmann auf Wladislaws Hof und bot ihm einen Seat Leon
1.9 Sport zum Kauf an. Der Wagen war ein echtes Schnäppchen, das sich Wladislaw
nicht entgehen lassen wollte. Deshalb zahlte er 5 000 € an. Das Geschäft wurde dann
am 4. 1. 2010 abgewickelt. Der Kunde brachte den Wagen und erhielt den restlichen
Kaufpreis von 3 000 € in bar. Da Wladislaw zum 31. 12. 2009 bereits 5 000 €
ausgegeben hatte, buchte er in dieser Höhe Anzahlungsaufwand in seiner Gewinnund Verlustrechnung.
Wladislaw stellte zum 31. 12. 2009 folgende Bilanz auf:
Bilanz zum 31. 12. 2009
Grundstück Annaberger Str.
50 000 € Kapital
1 599 € Jahresüberschuss 2009
62 800 € Rückstellungen
55 289 € Darlehen
60 312 € Verbindlichkeiten
10 000 € sonstige Verbindlichkeiten
240 000 € Passiva
Kapital zum 31. 12. 2009 (inkl. Jahresüberschuss 2009)
./. Kapital zum 1. 1. 2009
./. Einlagen
= Jahresüberschuss 2009
II. Aufgabe
Stellen Sie die richtigen Bilanzen (Handelsbilanz (HB) bzw. Steuerbilanz (StB)) zum
31. 12. 2009 auf.
Ermitteln Sie den korrekten (handelsrechtlichen und steuerrechtlichen) Jahresüberschuss 2009.
Begründen Sie die einzelnen Sachverhalte mit den einschlägigen Gesetzesvorschriften.
Stellen Sie die Gewinnauswirkung des einzelnen Sachverhaltes mit der „Bilanzpostenmethode“ durch Auswirkung auf die einzelnen Bilanzposten dar und
verproben Sie diese mit der „Gewinnmethode“ durch Auswirkungen bei den
Erfolgskonten in der Gewinn- und Verlustrechnung.
Wladislaw besteuert seine Einnahmen nach vereinnahmten Entgelten nach § 20
UStG. Eine entsprechende Genehmigung des zuständigen Finanzamtes liegt vor.
Bilanzposten, die im Sachverhalt nicht angesprochen werden, sind auf jeden Fall
korrekt ermittelt worden.
Die Bilanz der Vorjahre bis einschließlich 2008 sind im Rahmen des Einkommensteuerbescheides bestandskräftig beim Finanzamt veranlagt.
Investitionsabzugsbeträge nach § 7g EStG wurden in den Vorjahren nicht geltend
Wladislaw möchte seinen Gewinn im Jahr 2009 so gering wie möglich halten, um
die Steuerlast entsprechend zu senken.
Wladislaw Timotschenko betreibt einen florierenden Autohandel in Chemnitz. Er
erzielt damit Einkünfte aus Gewerbebetrieb nach § 15 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 EStG, da er als
Unternehmer mit entsprechendem Unternehmerrisiko Gewinne erzielt und nachhaltig am Markt tätig ist. Diese Einkünfte unterliegen der Einkommensteuer nach § 2
Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 EStG und ermitteln sich nach § 2 Abs. 2 Satz 1 Nr. 1 EStG aus der
Gegenüberstellung von Betriebseinnahmen und Betriebsausgaben in Form des
Gewinnes. Dieser Gewinn wird hier zulässigerweise in Form einer Bilanz mit dazugehöriger Gewinn- und Verlustrechnung 2009 nach § 4 Abs. 1 und § 5 EStG i.V. m. dem
HGB ermittelt. Es wird eine Bilanz nach handels- bzw. steuerrechtlichen Vorschriften
aufgestellt. Die allgemeinen Bilanzierungsgrundsätze des § 252 HGB sind dabei zu
beachten. Es gelten die Vorschriften des §§ 238 ff. HGB, die letztlich zur richtigen
Handelsbilanz führen. Diese Bilanz ist auch für das Steuerrecht grundsätzlich maßgebend gem. § 5 Abs. 1 EStG (Maßgeblichkeit der Handelsbilanz für die Steuerbilanz).
Durch vom HGB abweichende Vorschriften im Steuerrecht (insbesondere in den §§ 5
und 6 EStG) kann es jedoch zu einer von der Handelsbilanz abweichenden Steuerbilanz kommen (Durchbrechung der Maßgeblichkeit). Diese Abweichungen werden
bei den einzelnen Sachverhalten erläutert, da laut Aufgabenstellung beide Bilanzen
Ausgangspunkt ist die von Wladislaw aufgestellte Bilanz. Einzelne Bilanzposten, die
im Sachverhalt nicht angesprochen wurden, sind laut Aufgabenstellung richtig
ermittelt worden, so dass diese Werte in die neue Handels- und Steuerbilanz übernommen werden können.
Die monatliche Pacht von 2 700 € (Miete zzgl. Nebenkosten) ist Betriebsausgabe nach
§ 4 Abs. 4 EStG, soweit damit betriebliches Gelände bzw. betriebliche Räumlichkeiten
angemietet werden (Standfläche PKW, Büro, Sanitärtrakt Büro und Lagerflächen
Unterlagen). Folglich ist der Aufwand um den Teil zu kürzen, der auf die von
Wladislaw eigengenutzte Wohnung entfällt. Insoweit handelt es sich um Kosten
der privaten Lebensführung nach § 12 Nr. 1 EStG, die den Gewinn nicht mindern
dürfen. Diese Kosten sind daher als Privatentnahme nach § 4 Abs. 1 Satz 2 EStG zu
erfassen und mit dem Nennwert (Zahlbetrag) nach § 6 Abs. 1 Nr. 4 EStG anzusetzen.
Die Entnahme beträgt somit im Jahr 2009 insgesamt 4 500 € (75 m2 x 5 € Miete x 12
Monate). Die Erfassung der Entnahme erfolgt handels- wie auch steuerrechtlich
Bilanzpostenmethode
Erhöhung Entnahmen
weniger Mietaufwand
./. 4 500 €
Die im Jahr 2006 gezahlte Kaution ist ein Vermögensgegenstand. Geld wurde an den
Vermieter gegeben, der es entsprechend aufbewahrt. Sollte es bei Beendigung des
Mietverhältnisses keine Beanstandungen geben, bekommt der Mieter (Wladislaw)
das Geld insgesamt zurück. Folglich hat Wladislaw eine Forderung gegen die Stadt
Chemnitz i. H. von insgesamt 7 500 €. Diese hätte auch 2006 schon so erfasst werden
müssen. Durch die Zahlung mit privaten Mitteln hat in 2006 eine Einlage nach § 4
Abs. 1 Satz 7 EStG vorgelegen, die nach § 6 Abs. 1 Nr. 5 EStG mit dem Nennwert hätte
bewertet werden müssen. Dies wurde unterlassen. Eine Nachholung ist auch nicht
möglich, da das Jahr bzw. die Bilanz 2006 bereits bestandskräftig ist.
In 2009 wiederum liegt keine Einlage vor, da es zu diesem Zeitraum keine Einlagehandlung gegeben hat (vgl. auch H 4.3 Abs. 1 [Unterlassene Bilanzierung] EStH). Aber
in den Bilanzen 2006 bis 2009 fehlt auch die genannte Forderung. Dieser Fehler ist im
Rahmen einer Bilanzberichtigung nach § 4 Abs. 2 Satz 1 EStG im Jahr 2009 zu
Gewinnauswirkungen (HB und StB):
korrigieren.Auch hier ist eine Änderung in den Vorjahren auf Grund der Bestandskraft
der Bescheide nicht mehr möglich. Dabei ist grundsätzlich der Ansatz in der ersten
möglichen Schlussbilanz (hier 31. 12. 2009) erfolgswirksamzu ändern (vgl. R 4.4 Abs. 1
Satz 9 EStR und H 4.4 [Richtigstellung eines unrichtigen Bilanzansatzes] EStH).
Folglich ist die bisher mit 0 € berücksichtigte Forderung mit ihrem Nennwert nach § 6
Abs. 1 Nr. 2 EStG zu erfassen, jedoch nur mit dem betrieblichen Anteil. Dieser beträgt
88 % (2 500 € gesamte Kaltmiete monatlich, wobei davon 300 € Kaltmiete auf die
eigengenutzte Wohnung entfallen) und führt zu einer Gesamtforderung von 6 600 €
(88 % von 7 500 €).
Die restliche Kaution i. H. von 900 € (12 % von 7 500 €) ist eine Forderung im
Privatbereich von Wladislaw gegen die Stadt Chemnitz. Da dieser Vorgang bei
ordnungsgemäßer Erfassung im Jahr 2006 nicht zu einer Gewinnauswirkung geführt
hätte, darf die Berichtigung des Vorgangs in 2009 nicht erfolgswirksam bleiben,
sondern ist insgesamt erfolgsneutral durchzuführen (vgl. H 4.4 [Unterlassene Bilanzierung] EStH und H 4.4 [Unterlassene Erfassung einer Entnahme] EStH im Umkehrschluss). Folglich ist das Anfangskapital ebenfalls um den Wert der Forderung i. H.von
6 600 € zu erhöhen, um den Effekt der Erfolgsneutralität in der Bilanz umzusetzen.
keine Änderung eines GuV-Kontos, da die Forderung direkt über das Anfangskapital
zum 1. 1. 2009 eingebucht wird
Die zum Beginn des Mietverhältnisses geleistete Mietvorauszahlung ist insgesamt
eine Betriebsaugabe nach § 4 Abs. 4 EStG. Dieser Gesamtaufwand ist jedoch
periodengerechtauf die einzelnen Jahre zu verteilen, auf die sich die Zahlung bezieht.
Die Zahlung wurde für den Zeitraum von 5 Jahren (1. 7. 2006 bis 30. 6. 2011) geleistet.
Folglich ist diese Ausgabe immer auch ein Aufwand für eine bestimmte Zeit nach dem
jeweiligen Bilanzstichtag. Es muss daher zu jedem Bilanzstichtag in der Steuer- wie
auch in der Handelsbilanz ein aktiver Rechnungsabgrenzungsposten nach § 5 Abs. 5
Satz 1 Nr. 1 EStG i. V. m. § 250 Abs. 1 Satz 1 HGB gebildet werden. Dies wurde jeweils
zum 31. 12. der Jahre 2006 bis 2008 unterlassen. Zum 31. 12. 2009 ist der maßgebende Wert jedoch zu ermitteln und in der Bilanz einzustellen. Zum 31. 12. 2009 läuft
der maßgebliche Zeitraum noch 1,5 Jahre, d. h. der Aufwand entfällt zu 30 % (1,5 Jahre
im Verhältnis zur Gesamtlaufzeit von 5 Jahren) auf die Zeit nach dem Bilanzstichtag.
Maßgeblicher Gesamtaufwand sind dabei jedoch nicht die 10 000 € (gesamte
Vorauszahlung), sondern auch nur der betriebliche Teil von 88 %. Zum 31. 12. 2009
ist also ein aktiver Rechnungsabgrenzungsposten(aRAP) von 2 640 € (10 000 € x 88 %
x 30 %) einzustellen. Dadurch wird dieser Betrag auf die nächsten beiden Jahre als
Aufwand „vorgetragen“ und erhöht insoweit den Jahresüberschuss 2009. Dass im
Jahr 2006 insgesamt zu viel Betriebsausgaben geltend gemacht wurden (nämlich die
12 % der 10 000 € für die eigengenutzte Wohnung), lässt sich nicht mehr korrigieren,
da dieses Jahr schon bestandskräftig veranlagt ist.
| 3]
Erhöhung Forderungen
Erhöhung Anfangskapital
+ 6 600 €
./. 6 600 €
Erhöhung aRAP
mehr außerordentl. Ertrag
Für die restlichen 25 m2 des Bürotraktes, wo Wladislaw seine Rechnungen, Buchführungsunterlagen und sonstige Belege aufbewahrt, darf die laufende Miete des
Jahres 2009 als Betriebsausgabe geltend gemacht werden (siehe oben). Zusätzlich
dürfen 2009 schon Aufwendungen für die künftige Unterbringung der Unterlagen
geltend gemacht werden, denn die im Jahr 2009 „verursachten“ Unterlagen (Rechnungen, Lieferscheine, Schreiben etc.) sind die nächsten 6 bzw. 10 Jahre aufzubewahren (vgl. § 257 HGB). Die wirtschaftliche Verursachung liegt im Jahr 2009, so dass
dieser zukünftige Aufwand dort bereits anzusetzen ist. Es ist also zwingend eine
Rückstellung für die Aufbewahrung von Unterlagen zu bilden. Es handelt sich dabei
um eine ungewisse Verbindlichkeit nach § 249 Abs. 1 Satz 1 HGB i.V. m. § 5 Abs. 1 EStG
in der Handels- wie auch in der Steuerbilanz (vgl. auch H 6.11 [Aufbewahrung von
Geschäftsunterlagen] EStH mit Verweis auf BFH vom 19. 8. 2002 BStBl II 2003 S. 131).
Für die Ermittlung der Höhe sind bundesweit bereits mehrere OFD-Verfügungen mit
ähnlichem Inhalt ergangen, beispielhaft sei die Verfügung der OFD Chemnitz v.
30. 6. 2006 Az. S 2137 - 48/2 - St 21 genannt. Zweite pauschale Möglichkeit der
Ermittlung ist dabei die folgende: Die jährlich anfallenden Kosten für einen Archivraum, in dem die Unterlagen aller Jahre aufbewahrt werden, können mit dem Faktor
5,5 multipliziert werden (durchschnittliche Restaufbewahrungsdauer bei einer Aufbewahrungsfrist von zehn Jahren). Eine Unterscheidung zwischen den 6 und 10
Jahren lang aufzubewahrenden Unterlagen kann i. d. R. aus Vereinfachungsgründen
unterbleiben, es sei denn, dies führt zu einem (offenbar) unangemessenen Ergebnis.
Im vorliegenden Fall betragen die jährlichen Kosten für den Raum 600 € (25 m2 x 2 € x
12 Monate), so dass sich zum 31. 12. 2009 ein Rückstellungsbetrag i. H. von 3 300 €
(600 € x 5,5 Jahre) ergibt. Aus der bislang von Wladislaw erstellten Bilanz ist
ersichtlich, dass er noch keine entsprechende Rückstellung gebildet hat.
Eine Rückstellung für die Aufbewahrung von Geschäftsunterlagen ist nicht abzuzinsen. Für die Abzinsung wäre nach § 6 Abs. 1 Nr. 3a Buchst. e Satz 2 EStG der Zeitraum
bis zum Beginn der Erfüllung maßgebend. Da die Aufbewahrungspflicht aber mit dem
Entstehen der Unterlagen beginnt (§ 257 Abs. 5 HGB, § 147 Abs. 4 AO), ergibt sich hier
kein Abzinsungszeitraum.
Erhöhung Rückstellung Aufbewahrung
+ 3 300 €
./. 3 300 €
mehr Aufwand Aufb. Unterlagen
Das gekaufte Grundstück gehört zum notwendigen Betriebsvermögen von Wladislaw, da es ausschließlich betrieblich genutzt wird nach R 4.2 Abs. 1 Satz 1 EStR. Die
Frage ist, welche Wirtschaftsgüter hier vorliegen und wie diese steuerlich zu behandeln sind.Wladislaw glaubte, nur Grund und Boden erworben zu haben. Dieser Grund
und Boden ist Betriebsvermögen nach R 4.2 Abs. 7 Satz 1 EStR und Anlagevermögen
nach R 6.1 Abs. 1 EStR, da er länger dem Betrieb dienen soll. Der Grund und Boden ist
unbeweglich und nicht abnutzbar. Die Bewertung erfolgt steuerrechtlich nach § 6
Abs. 1 Nr. 2 EStG mit den Anschaffungskosten bzw. dem niedrigeren Teilwert bei
dauernder Wertminderung. Handelsrechtlich sind nach § 253 Abs. 3 HGB auch die
Anschaffungskosten oder der niedrigere Teilwert maßgebend. Dieser muss jedoch
nicht von Dauer sein.
Es stellte sich jedoch heraus, dass Wladislaw neben dem Grund und Boden auch ein
Wirtschaftsgut„Kiesvorkommen“ erworben hat. Dieses Kiesvorkommen ist ebenfalls
notwendiges Betriebsvermögen, da es betrieblich genutzt und abgebaut wird. Da es
von Wladislaw aber umgehend zum Verkauf bestimmt wird, handelt es sich um zum
Verkauf bestimmte „Waren“ und ist dem Umlaufvermögen nach R 6.1 Abs. 2 EStR
zuzuordnen. Die Bewertung erfolgt daher nach § 6 Abs. 1 Nr. 2 EStG mit den
Anschaffungskosten oder dem niedrigeren Teilwert bei dauernder Wertminderung.
Handelsrechtlichist § 253 Abs. 3 HGB maßgebend. Da es sich bei dem Kiesvorkommen
nicht um Anlagevermögen handelt, scheidet eine Abschreibung in Form der Absetzung für Substanzverringerung (AfS) nach § 7 Abs. 6 EStG aus.
Folglich sind die Anschaffungskosten auf die beiden Wirtschaftsgüter aufzuteilen.
Dazu sind die gesamten Anschaffungskosten zu ermitteln und nach dem Verhältnis
der Teilwerte der einzelnen Wirtschaftsgüter prozentual aufzuteilen. Zu den Anschaffungskostennach § 255 Abs. 1 HGB gehören auch die Anschaffungsnebenkosten.Dies
sind hier die Kosten zur Eigentumserlangung in Form der notariellen Beurkundung,
der Eintragung des Eigentums in öffentliche Register in Form des Grundbuches und
die Grunderwerbsteuer. Nicht zu den Anschaffungskosten zählen z. B. Kosten zur
Finanzierung wie die Bestellung und Eintragung einer Grundschuld. Solche Kosten
sind hier nicht angefallen, da der Kaufpreis nicht über eine Bank finanziert wurde.
Die Teilwerte der beiden Wirtschaftsgüter betragen zusammen 250 000 € (150 000 €
für den Grund und Boden, da Wladislaw diesen Preis an einen fremden Dritten
gezahlt hat, der von dem wertvollen Kiesvorkommen nichts wusste und 100 000 € für
das Kiesvorkommen laut Gutachter). Der Anteil des Grund und Bodens an den
Gesamtanschaffungskosten beträgt daher 93 570 € (155 950 € x 150⁄250) und der
Anteil des Kiesvorkommens 62 380 € (155 950 € x 100⁄250) anzusetzen. Zum
31. 12. 2009 sind die beiden Wirtschaftsgüter erneut zu bewerten. Der Grund und
Boden hat immer noch Anschaffungskosten von 93 570 €; ein niedrigerer Teilwert ist
aus dem Sachverhalt nicht ersichtlich. Auf keinen Fall ist eine Teilwertabschreibung
möglich, weil das Kiesvorkommen den Wert des Grundstücks mindern würde. Nach
der relativ günstigen Aufschüttung im Folgejahr könnte das Grundstück problemlos
wieder zum gleichen Preis verkauft werden. Der bisherige Ansatz des Grund und
Boden mit 50 000 € ist um 43 570 € auf 93 570 € zu erhöhen.
Auch das Kiesvorkommen ist weiter mit den Anschaffungskosten anzusetzen; ein
niedrigerer Teilwert ist nicht ersichtlich. Es ist aber lediglich mit der Menge zu
erfassen, mit der es tatsächlich noch vorhanden ist. Der bereits verkaufte Teil von
18 714 € (62 380 € x 30 %) geht in den Wareneinsatz.Vorhanden sind zum 31. 12. 2009
von den ursprünglichen 10 000 m³ noch 7 000 m³, also 70 %. Der Ansatz in der Bilanz
beträgt daher 43 666 € (62 380 € x 70 %). Das Kiesvorkommen war bisher in der Bilanz
gar nicht erfasst.
Die gesamten Anschaffungskosten betragen daher:
+ Kosten Grundbuch
Erhöhung Grund und Boden
Erhöhung Kiesvorkommen
+ 43 570 €
+ 43 666 €
+ 87 236 €
./. 5 950 €
+ 18 714 €
+ 5 950 €
./. 18 714 €
Für das bis zum 31. 12. 2009 an Vaclav Berger verkaufte Kiesvorkommen wurde eine
Rechnung geschrieben und die Ware bereits geliefert. Dieser Vorgang ist als Erlös in
der Gewinn- und Verlustrechnung zu erfassen. Dies wird erreicht, indem in der Bilanz
eine entsprechende Forderung eingestellt wird bzw. eingestellt werden muss. Die
Forderung gegen Herrn Berger berechnet sich wie folgt:
weniger Aufwand TW-AfA
weniger Aufwand Grdstck.
mehr Wareneinsatz Kies
Wert Kies laut Gutachten
x 30 % Lieferung an Berger
= Wert Lieferung an Berger
+ vereinbarter Zuschlag 10 %
= Gesamtwert
= Forderung gegen Berger
Die Forderung ist brutto mit dem zu zahlenden Betrag nach § 6 Abs. 1 Nr. 2 EStG bzw.
§ 253 Abs. 3 HGB als Umlaufvermögen zu erfassen. Dadurch ergibt sich in der Gewinnund Verlustrechnung ein Erlös von 33 000 €. Die 6 270 € sind grundsätzlich eine
Verbindlichkeitgegen das Finanzamt. Da Wladislaw jedoch laut Aufgabenstellung die
Genehmigung zur Istbesteuerung nach § 20 UStG hat, liegt zum 31. 12. 2009 noch
keine Verbindlichkeit vor. Die Umsatzsteuer entsteht erst bei Bezahlung der Rechnung und nicht schon mit Ausführung des Umsatzes wie bei der Sollbesteuerung
nach § 16 UStG. Der Betrag von 6 270 € wird daher als „noch nicht fällige Umsatzsteuer“ als zukünftige Schuld in der Bilanz erfasst.
Für die Aufschüttungskosten i. H. von 10 000 €, die in 2010 anfallen, kann zum
31. 12. 2009 keine Rückstellung gebildet werden, da es sich insoweit um zukünftige
Anschaffungskosten handelt, § 5 Abs. 4b EStG.
Erhöhung nicht fällige USt
+ 39 270 €
+ 6 270 €
./. 6 270 €
+ 33 000 €
mehr Erlöse 19 % USt
Die aufgenommenen Darlehen sind allesamt betriebliche Schulden nach R 4.2 Abs. 15
EStR, da mit ihnen betriebliche Investitionen vorgenommen wurden. Schulden
werden jedoch handels- und steuerrechtlich unterschiedlich behandelt. Nach § 253
Abs. 1 Satz 2 HGB sind Verbindlichkeiten mit dem Rückzahlungsbetrag oder einem
höheren Teilwert anzusetzen. Steuerrechtlich erfolgt die Bewertung nach § 6 Abs. 1
Nr. 3 EStG i. V. m. § 6 Abs. 1 Nr. 2 EStG mit dem Nennwert, wobei grundsätzlich alle
Verbindlichkeiten mit 5,5 % abzuzinsen sind. Die Abzinsung greift jedoch nur, wenn
die Schuld unverzinslich ist und (noch) eine Laufzeit von mehr als 12 Monaten zum
Bewertungsstichtag hat. Auch im Steuerrecht ist der Ansatz eines höheren Teilwertes
(von Dauer) anzusetzen. Das bedeutet, dass es zu Abweichungen zwischen Steuerund Handelsbilanz kommt, wenn eine unverzinsliche Schuld steuerrechtlich abzuzinsen ist und eine Laufzeit von mehr als 12 Monaten hat.
Darlehen Vaclav Berger
Das Darlehen ist verzinslich. Folglich kommt der Rückzahlungsbetrag von 120 000 € in
der Handels- und in der Steuerbilanz zum Ansatz. Unbeachtlich ist, dass der Zinssatz
von 3 % unter den 5,5 % liegt. Es erfolgt keine Abzinsung in Höhe des Differenzbetrages o. Ä. In 2009 wurden noch keine Zinsen gezahlt. Es sind jedoch bereits Zinsen
wirtschaftlich entstanden für den Zeitraum vom 1. 7. 2009 bis 31. 12. 2009. Diese
betragen 1 800 € (120 000 € x 3 % x 6⁄12). In dieser Höhe ist eine sonstige Zinsverbindlichkeit gegen Herrn Berger einzustellen. Dies führt zu Aufwand in der Gewinnund Verlustrechnung.
Darlehen Kowalenko
Das Darlehen ist in der Handelsbilanz mit dem Rückzahlungsbetrag von 20 000 €
anzusetzen. In der Steuerbilanz erfolgt eine Abzinsung, da das Darlehen unverzinslich
ist und eine unbestimmte Laufzeit hat. Nach BMF Schreiben vom 26. 5. 2005 BStBl I
S. 699 Rz. 7 ist bei einer unbestimmten Laufzeit der Vervielfältiger 0,503 anzuwenden,
d. h. in der Steuerbilanz ist die Verbindlichkeit mit 10 060 € (20 000 € x 0,503)
anzusetzen. Der geringere Ansatz führt zu Ertrag in der Gewinn- und Verlustrechnung. Zinsaufwand ist nicht zu berücksichtigen, da das Darlehen unverzinslich ist.
Darlehen Maric
Das Darlehen ist verzinslich und daher in der Handels- und Steuerbilanz mit dem
Nennbetrag von 20 000 € anzusetzen. Es wurden jedoch bis zum 31. 12. 2009 bereits
Darlehensraten bezahlt. Diese Raten beinhalten Zins und Tilgung. Folglich muss
ermittelt werden, wie viel bereits an Darlehensschuld getilgt wurde und wie viel
Zinsen bereits angefallen sind, die dann als Aufwand geltend gemacht werden
Das bedeutet, in den 6 Raten zu 500 € (Summe 3 000 €) stecken 1 457 € Zinsen; der
Rest i. H. von 1 543 € ist die Tilgung des Darlehensbestandes. Der Darlehensbestand
zum 31. 12. 2009 beträgt daher nur noch 18 457 € (20 000 € ./. 1 543 €). Die Zinsen sind
Ähnlich ist mit dem Vorauszins von 500 € zu verfahren. Er bezieht sich auf die gesamte
Laufzeit des Darlehens und ist deshalb aufgrund des wirtschaftlichenVerursachungsprinzips nicht sofortiger Aufwand, sondern auf die Laufzeit des Darlehens zu verteilen
(vgl. auch H 6.10 [Damnum] EStH analog). Diese Verteilung wird in der Handels- wie
Steuerbilanz mit einem aktiven Rechnungsabgrenzungsposten(aRAP) nach § 5 Abs. 5
Satz 1 Nr. 1 EStG realisiert. Es handelt sich hier nämlich um Ausgaben vor dem
Bilanzstichtag für eine bestimmte Zeit danach. In den aRAP zum 31. 12. 2009 ist der
Teil des Disagios einzustellen, der auf die Zeit nach dem 31. 12. 2009 entfällt und erst
dann Betriebsausgabe sein darf. Die Verteilung des Disagios auf die Laufzeit ist
anhand einer digitalen Auflösung zu ermitteln, da es sich hier um ein Annuitätendarlehen handelt. Nachfolgend die Berechnung:
Dazu muss zuerst der gesamte Zinsaufwand für die Laufzeit des Darlehens ermittelt
x Anzahl der Raten (4,5 Jahre)
= Summe der Zahlungen
./. Darlehenssumme
= Summe der Zinsen
Diese Zinsen sind nunmehr auf Grund der ratierlichen Zahlungen digital auf die
Laufzeit des Darlehens zu verteilen. Das passiert mit folgender Formel:
Zins = n/Sn x Zinsen
n = aktuelle Rate (abwärts gezählt von der 54. auf die letzte mit der 1)
Sn = Summe der Zahlenreihe der Raten
In 2009 werden 6 Zahlungen fällig (Rate 54 bis 49 rückwärts gezählt), die Formel für
den Zinsaufwand 2009 lautet daher:
Sn = 54 / 2 x (54 + 1)
Sn = 1 485
Zins = n/Sn x Gesamtzins
Zins = (54 + 53 + 52 + 51 + 50 + 49) / 1 485 x 7 000 €
Zins = n/Sn x Vorauszins
Zins = 1 457 €
den Zinsaufwand 2009 lautet daher wie folgt:
Zins = (54 + 53 + 52 + 51 + 50 + 49) / 1 485 x 500 €
Zins = 104 €
Folglich sind 2009 Zinsen i. H. von 104 € Aufwand in der Gewinn- und Verlustrechnung, die restlichen396 € sind zum 31. 12. 2009 in den aRAP einzustellen und sind
dann in Folgejahren Aufwand.
Darlehen Andreas Müller
Das Darlehen ist verzinslich. Folglich kommt der Rückzahlungsbetrag von 20 000 € in
von 7 % über den 5,5 % liegt. Es erfolgt keine Abzinsung in Höhe des Differenzbetrages
o. Ä. In 2009 wurden noch keine Zinsen gezahlt. Es sind jedoch bereits Zinsen
wirtschaftlich entstanden für den Zeitraum vom 1. 8. 2009 bis 31. 12. 2009. Diese
betragen 583 € (20 000 € x 7 % x 5⁄12). In dieser Höhe ist eine sonstige Zinsverbindlichkeit gegen Herrn Berger einzustellen. Dies führt zu Aufwand in der Gewinnund Verlustrechnung.
Gewinnauswirkungen (HB):
Ansatz Verb. Zins Berger
Ansatz Verb. Zins Müller
Ansatz Darlehen Berger
Ansatz Darlehen Kowalenko
Ansatz Darlehen Maric
Ansatz Darlehen Müller
Wegfall Ansatz Darl. bisher
Ansatz aRAP Zins Maric
mehr Zinsen Darlehen Berger
mehr Zinsen Darlehen Maric
mehr Zinsen Vorauszins Maric
weniger Zinsen Raten Maric
weniger Zinsen Vorauszins Maric
mehr Zinsen Darlehen Müller
+ 1 800 €
+ 18 457 €
./. 180 000 €
./. 583 €
./. 18 457 €
./. 444 €
+ 1 457 €
./. 1 457 €
./. 104 €
+ 10 060 €
./. 10 060 €
+ 9 496 €
Gewinnauswirkungen (StB):
mehr Ertrag Abzinsung Darl.
+ 9 940 €
Die zum 31. 12. 2009 auf dem Hof befindlichen Fahrzeuge, die zum Verkauf bestimmt
sind (zwei Opel und ein VW), werden in der Bilanz als Umlaufvermögen nach R 6.1
Abs. 2 EStR erfasst. Diese sind notwendiges Betriebsvermögen nach R 4.2 Abs. 1 Satz 1
EStR und steuerrechtlich nach § 6 Abs. 1 Nr. 2 EStG mit den Anschaffungskosten oder
dem niedrigeren Teilwert zu bewerten, soweit dieser von Dauer ist. Handelsrechtlich
sind nach § 253 Abs. 3 HGB auch die Anschaffungskosten oder der niedrigere Teilwert
maßgebend. Dieser muss jedoch nicht von Dauer sein.
Die Anschaffungskosten sind aus der Tabelle laut Aufgabenstellung ersichtlich. Das
ist der dort angegebene Einkaufspreis. Dies ist alles, was Wladislaw zum Erwerb der
Fahrzeuge aufgewendet hat (vgl. § 255 Abs. 1 HGB). Da der Ankauf von Privatpersonen ohne Ausweis von Umsatzsteuer erfolgte, hat Wladislaw keine abziehbare
Vorsteuer. Diese Anschaffungskosten sind nun mit den Teilwerten zu vergleichen.
Teilwert ist bei Wirtschaftsgütern des Umlaufvermögens der Wiederbeschaffungswert. Im vorliegenden Fall können die prognostizierten Verkaufspreise bzw. die
tatsächlichen Verkaufspreise als Anhaltspunkte dienen. Insbesondere die Prognose
zum 31. 12. 2009 ist wichtig, da dies der maßgebliche Bewertungsstichtag ist. Die
tatsächlichen Verkaufswerte in 2010 dienen dazu zu erkennen, ob dieser Teilwert von
Dauer ist.Unbeachtlich ist hierbei, dass hier Verkaufspreise als Maßstab dienen. Denn
sollte Wladislaw ein vergleichbares Fahrzeug erwerben wollen, muss er eben diesen
Preis als Wiederbeschaffungskosten zahlen. Es sind die Brutto-Werte maßgebend,
denn auch unter Anwendung der Differenzbesteuerung nach § 25a UStG muss zwar
vom Verkäufer auf die Marge eine Umsatzsteuer abgeführt werden. Diese darf der
Käufer aber trotzdem nicht als Vorsteuer abziehen, da diese Steuer nicht offen
ausgewiesen wird.
Es ergeben sich daher folgende Ansätze:
3 000 € Der Teilwert ist höher, er kommt daher
nicht zum Ansatz.
3 500 € Der Teilwert zum 31. 12. 2009 ist niedriger. Dieser kommt handelsrechtlich zum
Ansatz.Da derTeilwertabernur bis3700€
(tatsächlicher Verkaufspreis) von Dauer
ist, muss steuerrechtlich dieser angesetzt
2 900 € Der Teilwert zum 31. 12. 2009 ist niedriger. Dieser wird handelsrechtlich angesetzt. Steuerrechtlich bleibt es bei der
oberen Ansatzgrenze, den Anschaffungskosten, da der Teilwert in 2010
wieder über die Anschaffungskosten
gestiegen ist. Der Teilwert ist also nicht
Die drei weiteren Fahrzeuge (drei Audi A3 1.9 TDI), die sich nicht auf Wladislaws Hof
befanden, sind nicht in den Warenbestand aufzunehmen. Da er die Fahrzeuge zum
31. 12. 2009 noch nicht erworben hat, sind diese nicht in der Vermögensaufstellung
zu erfassen. Der bisher angesetzte Warenwert von 10 000 € ist entsprechend zu
Der Audi A6, den Wladislaw zusätzlich zur Verkaufsabsicht als Vorführ- und Privatwagen nutzte, gehört nicht zum Umlaufvermögen. Durch die entsprechend dauerhafte Nutzung für das Unternehmen liegt Anlagevermögen nach R 6.1 Abs. 1 EStR vor.
Es handelt sich um notwendiges Betriebsvermögen nach R 4.2 Abs. 1 Satz 1 EStR. Die
Bewertung erfolgt mit den Anschaffungskosten abzgl. Abschreibung nach § 6 Abs. 1
Nr. 1 EStG bzw. § 253 Abs. 1 und 2 HGB oder dem niedrigeren Teilwert. Die
Anschaffungskosten nach § 255 Abs. 1 HGB betragen 15 000 €. Auch hier war keine
Vorsteuer abziehbar nach § 15 UStG. Die Abschreibung erfolgt nach § 7 Abs. 1 oder
Abs. 2 EStG. Die jährliche Abschreibungbei § 7 Abs. 1 EStG würde 20 % betragen, da die
Nutzungsdauer bei Anschaffung 5 Jahre betrug. Die Abschreibung nach § 7 Abs. 2
EStG würde 25 % betragen (das 2,5-fache der linearen Abschreibung, aber max. 25 %),
so dass die degressive Abschreibung hier günstiger ist. Die Abschreibung 2009
berechnet sich daher wie folgt:
x Abschreibungssatz degr. AfA
x zeitanteilig für 8 Monate
= Abschreibungsbetrag 2009
Eine Sonderabschreibung nach § 7g EStG ist nicht möglich, da das Fahrzeug laut
Sachverhalt nicht fast ausschließlich betrieblich (über 90 %) genutzt wird.
Mit dieser Regelung werden alle angefallenen Kosten des PKW (AfA, Benzin, Steuer,
Versicherung, Reparaturen, sonstige Kosten) abgedeckt.Umsatzsteuerlich wäre noch
zu beachten, dass auch die auf die Kosten entfallende Vorsteuer um den privaten
Anteil zu kürzen ist. Da im Sachverhalt aber genauere Angaben fehlen, kann dieser
Betrag nicht berechnet werden. Die Privatnutzung des PKW selbst ist nicht umsatzsteuerbar. Es handelt sich nicht um eine einer sonstigen Leistung gleichgestellte
Leistung nach § 3 Abs. 9a Nr. 1 UStG, da der Kauf des PKW nicht zum vollen oder
teilweisen Vorsteuerabzug berechtigt hat.
⁄12
Der PKW ist daher zum 31. 12. 2009 in die Steuer- bzw. Handelsbilanz mit einem Wert
von 12 500 € zu erfassen. Der Teilwert liegt darüber und kommt nicht zum Ansatz.
x 1 % monatlich
x 8 Monate
= Anteil Privatnutzung 2009
Die Privatnutzung des PKW Audi A6 durch Wladislaw ist eine Entnahme nach § 4
Abs. 1 Satz 2 EStG, da ein betriebliches Fahrzeug für private Zwecke verwendet wird.
Diese Entnahme ist nach § 6 Abs. 1 Nr. 4 EStG mit dem Teilwert zu bewerten. Da in
diesem Fall kein Fahrtenbuch geführt wurde, was über den privaten Nutzungsteil
Auskunft geben könnte, der betriebliche Anteil aber über 50 % liegt, ist zur Berechnung des Entnahmewertes die 1 %-Regel anzuwenden. Der private Nutzungsanteil
beträgt daher:
Minderung Warenbestand
Erhöhung AV PKW
mehr Wareneinsatz (Opel, VW)
weniger Wareneinsatz (Audi)
mehr Abschreibung (Audi)
mehr Erlöse Eigenverbrauch
+ 12 500 €
+ 14 300 €
+ 14 600 €
Bei den angeschafften Gegenständen handelt es sich um notwendiges Betriebsvermögen nach R 4.2 Abs. 1 Satz 1 EStR, da diese ausschließlich betrieblich verwendet
werden. Es liegt abnutzbares Anlagevermögen nach R 6. 1 Abs. 1 EStR vor. Die
Bewertung erfolgt mit den Anschaffungskosten abzüglich Abschreibung nach § 6
Abs. 1 Nr. 1 EStG bzw. § 253 Abs. 1 und 2 HGB. Zu diesem „Normalansatz“ sind jedoch
noch steuerliche Bewertungsverfahren zu beachten. Nach § 6 Abs. 2 bzw. 2a EStG
werden Wirtschaftsgüter, die bestimmte Betragsgrenzen unterschreiten, zwingend
abweichend von § 6 Abs. 1 Nr. 1 EStG abgeschrieben. Es kommt unter Umständen zur
Vollabschreibung im Erstjahr nach § 6 Abs. 2 EStG (GWG-Regelung) oder zur
zwingenden Verteilung der Kosten auf 5 Jahre nach § 6 Abs. 2a EStG (Sammelposten-Regelung). Diese beiden Bewertungsmaßstäbe sind nach § 254 Satz 1 HGB
auch für die Handelsbilanz maßgebend, obwohl es entsprechende Bewertungsvorschriften im Handelsrecht gar nicht gibt.
(1) Schreibtisch-/Rollcontainerkombination
Es handelt sich hier um jeweils eigenständige Wirtschaftsgüter, vgl. H 6.13 [ABC der
selbständig nutzungsfähigen Wirtschaftsgüter] 21. Anstrich „Schreibtischkombinationsteile“ EStH. Es sind also getrennte Anschaffungskosten zu ermitteln. Die
Anschaffungskosten nach § 255 Abs. 1 HGB sind netto anzusetzen nach § 9b Abs. 1
EStG, da Wladislaw voll vorsteuerabzugsberechtigt ist. Die Anschaffungskosten für
den Rollcontainer betragen 149 € (888 € x 1⁄5 x 100⁄119). Damit liegen diese unter der
Wertgrenze des § 6 Abs. 2 EStG. Der Rollcontainer ist daher zwingend im Erstjahr voll
abzuschreiben. Die Verteilung der Kosten auf die Nutzungsdauer ist ausgeschlossen.
Die Anschaffungskosten für den Schreibtisch betragen 597 € (888 € x 4⁄5 x 100⁄119).
Diese Kosten liegen damit im Rahmen der Wertgrenzen des § 6 Abs. 2a EStG, also
zwischen 150 und 1.000 €. Der Schreibtisch ist daher wiederum zwingend nach der
Sammelposten-Regelung abzuschreiben, d.h. unabhängig von der tatsächlichen
Für die hier angeschafften Gegenstände bedeutet das Folgendes:
Nutzungsdauerund dem Anschaffungszeitpunkt ist in 2009 die volle Jahres-Abschreibung linear verteilt auf 5 Jahre zu gewähren. Die Abschreibung 2009 beträgt daher
119 € (597 € x 1⁄5), der Restbuchwert zum 31. 12. 2009 somit 478 €.
(2) Aktenschrank
Die Anschaffungskosten des Aktenschrankes betragen 1 213 € (1 444 € x 100⁄119). Es
greift also keine besondere Bewertungsregel des § 6 Abs. 2 oder 2a EStG. Es erfolgt
eine Normalabschreibung wieder mit der Wahl zwischen § 7 Abs. 1 und 2 EStG. Nach
§ 7 Abs. 1 EStG beträgt der Abschreibungssatz 6,67 % (bei 15 Jahren Nutzungsdauer).
Bei § 7 Abs. 2 EStG beträgt der Abschreibungssatz hingegen 16,67 % (das 2,5-fache der
linearen Abschreibung, max. 25 %). Die Abschreibung erfolgt zeitanteilig nach § 7
Abs. 1 Satz 4 i. V. m. Abs. 2 Satz 3 EStG ab dem Monat der Anschaffung, also ab April
2009, insgesamt für 9 Monate:
x zeitanteilig für 9 Monate
Das Betriebsvermögen zum 31. 12. 2008 ist kleinerals 235 000 € (§ 7g Abs. 6 Nr. 1 i.V. m.
§ 7g Abs. 1 Satz 2 Nr. 1 EStG; ab VZ 2010 335 000 €) und das Wirtschaftsgut wird im
Jahr der Anschaffung und im Folgejahr fast ausschließlich betrieblich in einer
inländischen Betriebsstätte genutzt (§ 7g Abs. 6 Nr. 2 EStG). Diese 20 % kann
Wladislaw auch schon im Erstjahr geltend machen. Eine zeitanteilige Kürzung wie
in § 7 Abs. 1 Satz 4 EStG gibt es im § 7g EStG nicht. Eine zusätzliche Abschreibung über
§ 7g Abs. 2 Satz 2 EStG ist nicht möglich, da laut Sachverhalt keine Investitionsabzugsbeträge in den Vorjahren beansprucht wurden. Der Abzug eines „normalen“
Investitionsabzugsbetrags nach § 7g Abs. 1 EStG, wie er laut Sachverhalt i. H.von 800 €
beansprucht wurde, ist nicht möglich, da dieser Abzug für zukünftige Investitionen
gedacht ist und nicht für Investitionen, die bereits getätigt wurden. Der Abzug nach
§ 7g Abs. 5 EStG beträgt daher 243 € (1 213 € x 20%). Restbuchwertdes Aktenschranks
zum 31. 12. 2009:
./. Normalabschreibung
./. Sonderabschreibung
= Buchwert 31. 12. 2009
x 9⁄12
Die Normalabschreibung beträgt also 152 €. Neben der Normalabschreibung hat
Wladislaw auch die Möglichkeit, eine Sonderabschreibung nach § 7g Abs. 5 EStG von
bis zu 20 % geltend zu machen. Dies ist möglich, da die Voraussetzungen des § 7g
Abs. 5 und 6 EStG erfüllt sind. Es handelt sich um ein abnutzbares bewegliches
Wirtschaftgut des Anlagevermögens (§ 7g Abs. 5 EStG).
(3) Drehstühle
Die beiden Stühle sind einzeln zu betrachten. Die Anschaffungskosten betragen
jeweils 140 € (333 € x 1⁄2 x 100⁄119) und liegen damit unter der Wertgrenze des § 6
Abs. 2 EStG. Die Stühle sind daher zwingend im Erstjahr in voller Höhe abzuschreiben.
Eine Verteilung der Kosten auf die Nutzungsdauer ist ausgeschlossen.
Rollconatiner
Der bisherige Ansatz von 1 599 € ist zu korrigieren. Ebenfalls ist zu beachten, dass
Wladislaw die Wirtschaftsgüter brutto angesetzt hat und nicht netto nach § 9b Abs. 1
EStG, d. h. der enthaltene Vorsteuerbetrag von 426 € (2 665 € x 19⁄119) ist als Forderung
gegen das Finanzamt einzustellen, da dieser Betrag nach § 15 UStG abziehbar und
abzugsfähig ist.
Zusammenfassend ergeben sich die folgenden Buchwerte zum 31. 12. 2009:
Minderung Anlagevermögen
Erhöhung Ford. Finanzamt
./. 303 €
mehr AfA GWG-Regelung
mehr AfA Sammelposten
mehr Sonder-AfA
weniger Investitionsabzugsb.
weniger Normal-Abschreibung
./. 800 €
./. 114 €
./. 429 €
./. 119 €
./. 243 €
Wird als letzter Punkt behandelt, da sich die vorgehenden Sachverhalte jeweils auf die
Berechnung auswirken!
Die Einkommensteuer ist keine Betriebssteuer. Sie ist als Steuer auf das Einkommen
und den Ertrag nach § 12 Nr. 3 EStG in der Handels- und in der Steuerbilanz nicht als
Betriebsausgabe abziehbar. Die Zahlung der privaten Steuer aus betrieblichen Mitteln stellt eine Privatentnahme nach § 4 Abs. 1 Satz 2 EStG i.V. m. § 6 Abs. 1 Nr. 4 EStG
dar. Sie ist mit dem Nennwert von 6 000 € zu bewerten.
+ 6 000 €
weniger Steueraufwand
Das zum 31. 12. 2009 weder auf der Bank noch auf dem Bankkonto gutgeschriebene
Geld ist als Vermögen in der Bilanz zu erfassen. Wladislaw hat keinesfalls einen
Vermögensverlust von 10 000 € erlitten, den er in der Gewinn- und Verlustrechnung
geltend gemacht hat. Die Erfassung erfolgt im Umlaufvermögen im Konto „Geldtransit“. Wenn das Geld Anfang 2010 auf dem Bankkonto gutgeschrieben wird, ist es
erfolgsneutral wieder von diesem Konto abzubuchen, so dass auch 2010 kein Ertrag
entsteht, den es gar nicht gibt.
Erhöhung Konto Geldtransit
weniger Aufwand Geldverlust
Die am 30. 12. 2009 vorgenommene Anzahlung darf kein Aufwand in der Gewinnund Verlustrechnung sein. Wladislaw hat in der Zahlungshöhe von 5 000 € einen
Ausgleichsanspruch gegen den Verkäufer des Fahrzeuges. Sollte dieser das Fahrzeug
in 2010 nicht vorbeibringen, kann Wladislaw das Geld einklagen.Und auch wenn das
Fahrzeug wie im Sachverhalt geschehen in 2010 gebracht wird, ist die Anzahlung als
Anschaffungskosten für den Wagen im Warenbestand zu erfassen und führt somit
nicht zu Aufwand. Die Anzahlung darf erst Aufwand sein, wenn endgültig feststeht,
dass das Geld tatsächlich verloren ist. Die Geltendmachung erfolgt dann in Form einer
Forderungsabschreibung. Davon kann aber im vorliegenden Fall nicht die Rede sein.
Erhöhung Konto Anzahlungen
Die Gewerbesteuerals Betriebssteuer ist Betriebsausgabeinnerhalb der Handels- und
Steuerbilanz nach § 4 Abs. 4 EStG. Dies gilt für die Nachzahlung des Jahres 2007 und
die Vorauszahlungen für 2009. Zu unterscheiden sind die beiden Jahre lediglich bei
der Behandlung der Gewerbesteuer außerhalb der Bilanz. Die Zahlungen für Vorjahre
bis einschließlich dem Jahr 2007 bleiben steuerlicher Aufwand. Alle Gewerbesteuerzahlungen ab dem Jahr 2008 sind bei der steuerlichen Gewinnermittlung außerhalb
der Bilanz nach § 4 Abs. 5b EStG wieder hinzuzurechnen. Im Ergebnis ist also die
Gewerbesteuer keine (steuerlich) abziehbare Steuer mehr. Trotzdem muss in der
Bilanz der richtige Gewerbesteueraufwand berücksichtigt werden, da die Gewerbesteuer eine betriebliche Steuer ist und somit den Gewinn des Kaufmannes schmälert.
Das ist in der Vermögensaufstellung zu beachten, denn nach § 252 Abs. 1 Nr. 4 und 5
HGB darf sich der Kaufmann nicht reicher machen als er ist. Das geschieht unabhängig von der Zahlung der Steuer.Weitergehendespätere Gewerbesteuerzahlungen
oder auch -erstattungen (neben den bereits getätigten Vorauszahlungen) für das Jahr
2009 sind als Rückstellung bzw. Forderung gegen die Gemeinde zu erfassen. Es ist
daher die voraussichtliche Gewerbesteuerschuld für das Jahr 2009 zu berechnen.
weniger Aufwand Anzahlungen
+ Zurechnungen (§ 8 GewStG)
./. gewerbesteuerlicher Verlustabzug (§ 10a GewStG; wenn Zwischensumme positiv)
= Gewerbeertrag (abgerundet auf volle 100 €)
./. Freibetrag nach § 11 Abs. 1 Satz 3 Nr. 1 GewStG
= abgerundeter Gewerbebetrag
x 3,5 % Steuermesszahl (§ 11 Abs. 2 GewStG)
x Hebesatz der Gemeinde (§ 16 GewStG)
= zu zahlende Gewerbesteuer
Wichtig ist dabei die Ermittlung des Ausgangspunktes nach § 7 GewStG. Das sind in
diesem Fall die Einkünfte aus Gewerbebetrieb nach § 15 EStG, d. h. der sich aus der
Steuerbilanz ergebende Jahresüberschuss ist noch um außerbilanzielle Hinzurechnungen (z. B. § 4 Abs. 5 EStG und natürlich auch § 4 Abs. 5b EStG) zu korrigieren. Es
ergibt sich daher folgender Ausgangspunkt (vgl. auch Berechnungen am Ende der
Lösung):
steuerlicher Jahresüberschuss (vor Berücksichtigung der GewSt-RSt
2009 als Aufwand)
+ außerbilanzielle Zurechnung der bisher gebuchten GewSt-VZ
= maßgeblicher Gewinn aus Gewerbebetrieb nach § 7 GewStG
Das geschieht anhand des Schemas zur Ermittlung der Gewerbesteuer,wie es sich aus
dem GewStG aktuell ergibt:
Die Berechnung der zu zahlenden Gewerbesteuer für 2009 sieht daher folgendermaßen aus:
./. gewerbesteuerlicher Verlustabzug
x 3,5 % Steuermesszahl (§ 11 Abs. 2 Nr. 2 GewStG)
= 182 295 €
= 182 200 €
= 157 700 €
= 5 519 €
x 450 %
= 24 835 €
Weitere Hinweise zur obigen Berechnung:
Bei den Hinzurechnungen nach § 8 GewStG ist insbesondere § 8 Nr. 1 GewStG zu
prüfen. So fallen die zu zahlenden Zinsen für die Darlehen Berger und Müller als
Entgelte für Schulden unter § 8 Nr. 1 Buchst. a GewStG. Ebenso fallen die Pachtzinsen
i. H. von 27 900 € an die Stadt Chemnitz unter die Vorschrift des § 8 Nr. 1 Buchst. e
GewStG, die mit 13⁄20 in die Berechnung des § 8 Nr. 1 GewStG einfließen. Da die
maßgeblichen Aufwendungen aber den Freibetrag von 100 000 € unterschreiten,
unterbleibt eine Hinzurechnung nach § 8 Nr. 1 GewStG.
Kürzungen nach § 9 GewStG liegen ebenfalls nicht vor. So ist z. B. keine Kürzung nach
§ 9 Nr. 1 GewStG für vorhandenen Grundbesitz und dessen Einheitswert vorzunehmen, da das Grundstück Annaberger Straße erst im Laufe des Jahres 2009
erworben wurde. Eine Kürzung kommt dann erst ab 2010 in Betracht, da das jeweilige
Grundstück jeweils zum 1. 1. eines Jahres zum Betriebsvermögen gehören muss.
Auch ein Verlustvortrag nach § 10a GewStG ist laut Sachverhalt nicht vorhanden. Der
Freibetrag nach § 11 Abs. 1 Satz 3 Nr. 1 GewStG i. H.von 24 500 € ist zu gewähren, da es
sich um ein Einzelunternehmen handelt.
Die insgesamt zu zahlende Gewerbesteuer beträgt nach den obigen Berechnungen
24 835 €. Vorauszahlungen wurden bereits i. H. von 4 000 € geleistet, die auch schon
als Betriebsausgaben abgezogen wurden. Der über die Vorauszahlungen hinausgehende Betrag von 20 835 € ist daher noch als Aufwand in Form einer GewerbsteuerRückstellung in die Bilanz einzustellen. Es handelt sich insoweit um eine (vom
Zeitpunkt der Zahlung her) ungewisse Verbindlichkeit nach § 249 Abs. 1 Satz 1 HGB
und ist daher zwingend handels- und steuerrechtlich zu passivieren.
Ansatz RSt-GewSt
mehr Aufwand GewSt
+ 20 835 €
./. 20 835 €
der Bilanzen/Ermittlung Jahresüberschuss
Erstellung der Bilanzen/Ermittlung Jahresüberschuss
Zusammenfassend ergeben sich folgende Veränderungen
1. in der Handelsbilanz bzw. der handelsrechtlichen Gewinnermittlung:
Zusammenfassung der Auswirkungen der Gewinnmethode, die sich direkt auf den
Jahresüberschuss (der Gewinn- und Verlustrechnung) auswirken:
Jahresüberschuss 2009 (bisher)
Mietvertrag Stadt Chemnitz (1)
+ weniger Mietaufwand
+ mehr außerordentl. Ertrag Miet-VZ
./. mehr Aufwand Aufbew. Unterlagen
Kauf Grdstck. Annaberger Straße (2)
+ weniger Aufwand TW-AfA Grdstck.
+ weniger Aufwand Grdstck.
./. mehr Wareneinsatz Kiesvorkommen
+ mehr Erlöse 19% USt
./. mehr Zinsen Darlehen Berger
./. mehr Zinsen Raten Darlehen Maric
./. mehr Zinsen Vorauszins Darlehen Maric
+ weniger Zinsen Raten Maric
+ weniger Zinsen Vorauszins Maric
./. mehr Zinsen Darlehen Müller
Inventur (4)
./. mehr Wareneinsatz (Opel, VW)
+ weniger Wareneinsatz (Audi)
./. mehr Abschreibung (Audi)
+ mehr Erlöse Eigenverbrauch
Ausstattung Büro (5)
./. mehr AfA GWG-Regelung
./. mehr AfA Sammelposten
./. mehr Sonder-AfA
+ weniger Investitionsabzugsbetrag
+ weniger Normalabschreibung
+ weniger Steueraufwand (Einkommensteuer) (7)
+ weniger Aufwand Geldverlust (Geldtransit) (8)
+ weniger Aufwand Anzahlungen (9)
168 055 €
= Jahresüberschuss 2009 (korrigiert)
147 220 €
= Jahresüberschuss vor GewSt-Rückstellung
./. mehr Aufwand GewSt (Rückstellung) (6)
Zusammenfassung der Auswirkungen der Bilanzpostenmethode, die sich direkt auf
das Kapital und dessen Bestandteile (in der Bilanz) auswirken:
+ Erhöhung Forderungen aus Kaution
+ Erhöhung aRAP aus Miet-VZ
./. Erhöhung RSt Aufbewahrung Unterlagen
+ Erhöhung Ansatz Grund und Boden
+ Erhöhung Ansatz Kiesvorkommen
+ Erhöhung Forderungen Kiesverkauf
./. Erhöhung noch nicht fällige USt
./. Ansatz Verb. Zinsen Berger
./. Ansatz Verb. Zinsen Müller
./. Ansatz Darlehen Berger
./. Ansatz Darlehen Kowalenko
./. Ansatz Darlehen Maric
./. Ansatz Darlehen Müller
+ Wegfall Ansatz Darlehen bisher
+ Ansatz aRAP Vorauszins Maric
./. Minderung Warenbestand
+ Erhöhung AV PKW
./. Minderung AV Möbel Büro
+ Erhöhung Forderungen Finanzamt
+ Erhöhung Konto (Geldtransit) (8)
+ Erhöhung Konto Anzahlungen (9)
= Kapital 31. 12. 2009 vor RSt-GewSt
./. Ansatz RSt-GewSt (6)
= Kapital zum 31. 12. 2009 (korrigiert)
Kapital 1. 1. 2009 (bisher)
+ Erhöhung Forderungen aus Kaution (1)
= Kapital 1. 1. 2009 (korrigiert)
70 450 €
Entnahmen 2009 (bisher)
+ Erhöhung Entnahmen Mietaufwand (1)
+ Erhöhung Entnahmen Privatnutzung PKW (4)
+ Erhöhung Entnahmen Steueraufwand (7)
= Entnahmen 2009 (korrigiert)
Kapital (gesamt) zum 31. 12. 2009 (bisher)
Handelsbilanz zum 31. 12. 2009
Grdstck. Annaberger Str.
Kiesvorkommen
Anzahlungen (geleistet)
Forderungen Kaution MV
Forderungen Kiesverkauf
Forderungen FA VoSt
aRAP Miet-VZ
aRAP Vorauszins Maric
93 570 €
Jahresüberschuss 2009
RSt Aufbew. Unterlagen
RSt Gewerbesteuer 2009
Darlehen (alle zusammen)
noch nicht fällige USt
Verb. Zinsen Berger/Müller
178 457 €*
403 165 € Passiva
403 165 €
./. 70 450 €
+ 60 280 €
./. 18 730 €
+ 147 220 €
* Zusammensetzung Darlehen:
Darlehen Berger
Darlehen Müller
2. in der Steuerbilanz bzw. der steuerlichen Gewinnermittlung:
+ mehr Ertrag Abzinsung Darl. Kowalenko
207 195 €
186 360 €
Steuerbilanz zum 31. 12. 2009
168 517 €*
403 465 € Passiva
403 465 €
168 517 €
IV. Punkteschlüssel
a0o200000028Uj2_2