Source: http://www.uni-protokolle.de/foren/viewt/176831,0.html
Timestamp: 2019-09-20 08:52:43
Document Index: 352762153

Matched Legal Cases: ['§ 23', '§ 212', '§ 223', '§ 212', '§ 212', '§ 223']

A und B töten C...
Foren-Übersicht -> Jura-Forum -> A und B töten C...
Verfasst am: 18 Feb 2008 - 18:42:08 Titel: A und B töten C...
So, das hier dürfte für euch Juristen ein Anfängerproblem sein:
(1) A und B wollen C töten. Beide nehmen sich eine von zwei identischen Pistolen und schießen auf ihn, jeder in der Absicht, ihn zu treffen und zu töten. Nun verfehlt aber einer von beiden, während der andere C tödlich trifft. Die Kugel wird so deformiert, dass sie keiner der Waffen zugeordnet werden kann. Auch kein anderes Verfahren ist in der Lage, den Mörder eindeutig zu identifizieren. Was geschieht nun mit A und B?
So weit ich weiß muss die Schuld zweifelsfrei nachgewiesen werden. Werden nun beide wegen versuchten Mordes (der Versuch ist ja beiden nachzuweisen und wird von ihnen auch gestanden) rangenommen? C ist ja immerhin tot, eindeutig von einem der beiden gekillt.
(2) Wie (1), nur dass diesmal eine Platzpatrone dabei ist, zufällig gegen die scharfe Patrone in einer der Waffen getauscht. Ändert sich dadurch was am sachverhalt? Immerhin ist nun eine der Waffen nicht tödlich, selbst wenn man "eigentlich" treffen würde.
(3) Wie ist es nun, wenn A und B sich zufällig eines von zwei Fläschchen nehmen, von denen eines mit Gift und eines mit Wasser gefüllt ist? Sie verabreichen C "ihr" Fläschchen in kurzer Folge, so dass auch hier nicht festgestellt werden kann, wer der Mörder ist.
Verfasst am: 18 Feb 2008 - 18:47:15 Titel: Re: A und B töten C...
Genau so ist es! Beide werden wegen Versuchs bestraft, da die Kausalität nicht nachgewiesen werden kann. Und genau das wollte ich im 1. Semester auch nicht verstehen: Niemand wird bestraft, obwohl das Opfer tot ist.
Aber für den objektiven Tatbesand muss Kausalität vorliegen, d.h.: Die Handlung (Schuss) darf nicht hinweggedacht werden, ohne dass der Erfolg in seiner konkreten Gestalt (Tod) entfiele. Jeder Schuss für sich einzeln kann jedoch nicht zweifelsfrei hinweggedacht werden, ohne dass der Tod des Opfers entfiele. Somit ist der objektive Tatbestand nicht erfüllt und es kommt nur Versuch in Betracht.
Verfasst am: 19 Feb 2008 - 13:58:56 Titel:
Bei (2) handelt es sich doch um einen (strafbaren) untauglichen Versuch bzgl. des Tatmittels, oder?
Ist es nicht außerdem so, dass die Kausalität gegeben ist, lediglich die objektive Zurechnung nicht möglich ist - eben aufgrund der fehlenden Zuordnungsmöglichkeit der Kugel???
Verfasst am: 19 Feb 2008 - 14:22:04 Titel:
@ Xas
Alternative Kausalität kann bzgl. (1) nicht vorliegen, weil eine der Kugeln den C nicht trifft. Es wäre alternative Kausalität, wenn beide Kugeln ihn treffen würden.
Verfasst am: 19 Feb 2008 - 14:24:50 Titel:
Macht es juristisch einen Unterschied, ob C von nur einer Kugel getroffen wird oder er aber von beiden getroffen wird, von denen eine ihn tötet, während die andere nur leichte Verletzungen verursacht?
Verfasst am: 19 Feb 2008 - 14:28:16 Titel:
Ja macht es das kommt wieder auf den Einzelfall und den genauen Hergang an... Die Zauberformel lautet: "Kommt drauf an..."
@ Marina: Sie werden doch bestraft... (wenn auch nur wg. Versuchs)
Verfasst am: 19 Feb 2008 - 14:40:01 Titel:
Also, ich erläutere mal die allgemeinen Kausalitätsregeln (und Kausalität ist für jede vollendete Tat erforderlich); es gibt da mehrere Möglichkeiten. Unter eine der folgenden Theorien muss jeder Fall "subsumiert" werden können, sonst ist eine Handlung nicht kausal für den Erfolg:
1) Bedingungs- oder Äquivalenztheorie
Ursache im Sinne des Strafrechts ist jede Bedingung eines Erfolges, die nicht hinweggedacht werden kann, ohne das der Erfolg in seiner konkreten Gestalt entfiele.
Beispiel: A schießt auf B. Hätte er nicht auf B geschossen, wäre der Erfolg entfallen. Somit ist seine Handlung kausal.
2) Alternative Kausalität/Doppelkausalität
Von mehreren Bedingungen, die zwar alternativ, aber nicht kumulativ hinweggedacht werden könnten, ohne dass der Erfolg in seiner konkreten Gestaalt entfiele, ist jede erfolgsursächlich.
Beispiel: A und B schießen zeitgleich auf C. Hätte A nicht geschossen, wäre C wegen der Kugel des B trotzdem gestorben; gleiches gilt für B. Somit wären beide nach der Formel 1) nicht strafbar. Durch diese Abwandlung wird aber ermöglicht, beide trotzdem zu bestrafen, wenn die Bedingungen zeitgleich wirken.
3) Kumulative Kausalität
Bei dieser führen mehrere voneinander unabhängig gesetzte Bedingungen, die den Erfolg für sich betrachtet nicht erzielen könnten, diesen erst durch ihr Zusammenwirken herbei.
Beispiel: A und B gießen jeweils Gift in ein Getränk des C. Jedes Gift für sich alleine könnte den Tod des C nicht herbeiführen. Zusammen wirken die Gifte aber tötlich. Daher sind beide kausal.
Ja, hast Recht, habe mich oben falsch ausgedrückt, aber es im darauffolgenden Absatz ja korrigiert .
Außerdem ist bei diesen Strafbarkeiten "nur" wegen Versuchs zu beachten, dass man den Versuch genau so hoch bestrafen kann wie die Vollendung. Eine Strafmilderung ist nicht obligatorisch (vgl. § 23 II StGB). Somit wäre diese "Ungerechtigkeit" wieder relativiert.
Verfasst am: 19 Feb 2008 - 14:57:57 Titel:
Du meinst also folgenden Fall:
A und B schießen auf C. Beide Kugeln treffen C. Eine Kugel trifft den C tödlich, die andere Kugel trifft den C nicht tödlich. Es kann nicht ermittelt werden, ob die tötliche Kugel von der Waffe des A oder von der Waffe des B stammt.
Ergebnis: Gleiches Spiel wie in deinem Fall (1): Da keinem der beiden der tödliche Schuss nachgewiesen kann und somit keine Kausalität gegeben ist, machen sich beide nur wegen versuchten Mordes (§§ 212, 211, 22, 23 StGB) in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung (§§ 223, 224 I Nr. 2, Nr. 5 StGB) strafbar.
In diesem Fall besteht der Unterschied also nur darin, dass die Kugel im Falle eines "Treffers" eine Strafbarkeit wegen vollendeter gefährlicher Körperverletzung für beide mit sich bringt. Sofern nicht ermittelt werden kann, ob beide Kugeln den C getroffen haben, kommen ausschließlich Versuchsstrafbarkeiten in Betracht, da für diesen Fall auch keine Kausalität für die Körperverletzung gegeben ist.
Anders folgender Fall:
A und B schießen auf C. Die Kugel des A trifft den C tödlich, die Kugel des B verletzt ihn nur.
Ergebnis: A hat sich wegen Totschlags oder Mordes strafbar gemacht (§§ 212, 211 StGB) - Körperverletzung tritt wegen Spezialität zurück, B nur wegen versuchten Mordes (§§ 212, 211, 22, 23 StGB) in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung (§§ 223, 224 I Nr. 2, Nr. 5 StGB).
Bei allen Lösungen natürlich unterstellt, dass A und B vorsätzlich handeln.
Zuletzt bearbeitet von Marina85 am 20 Feb 2008 - 11:26:35, insgesamt 2-mal bearbeitet
Verfasst am: 19 Feb 2008 - 15:04:43 Titel:
Kurze orthografische Klarstellung: Kugeln wirken tödlich, aber nicht tötlich
@ Marina: Warum verneinst Du die Kausalität? Das leuchtet mir nicht ein...
Verfasst am: 19 Feb 2008 - 15:31:34 Titel:
A und B schießen auf C. Die Kugel des A trifft den B tötlich, die Kugel des C verletzt ihn nur.
Buchstabendreher. Du meinst sicherlich, die Kugel des A trifft den C tödlich, die Kugel des B verletzt ihn nur.