Source: https://www.ewir-online.de/heft-3-2020/ewir-2020-89-zur-einstandspflicht-des-psv-fuer-leistungskuerzungen-durch-die-pensionskasse-pensions-sicherungs-ve/
Timestamp: 2020-02-29 12:16:15
Document Index: 178539849

Matched Legal Cases: ['EuG', 'Art. 8', '§ 7', 'Art. 8', '§ 7', 'EuG', 'EuG', 'Art. 8', 'Art. 8', 'Art. 8', 'Art. 8']

Zur Einstandspflicht des PSV für Leistungskürzungen durch die Pensionskasse („Pensions-Sicherungs-Verein“) (EuGH, Urt. v. 19.12.2019 – Rs C-168/18 – Christian Rolfs) – EWiR 2020, 89 | EWiR online
EWiR 2020, 89
Verlag Dr. Otto Schmidt KG, Köln Verlag Dr. Otto Schmidt KG, Köln 0177-9303 EWiR - Entscheidungen zum Wirtschaftsrecht, Kurzkommentare EWiR 2020 WirtschaftsrechtArbeits- und SozialrechtRL 2008/94/EG Art. 8; BetrAVG § 7Zur Einstandspflicht des PSV für Leistungskürzungen durch die Pensionskasse („Pensions-Sicherungs-Verein“) RL 2008/94/EGArt. 8 BetrAVG§ 7 EuGH, Urt. v. 19.12.2019 – Rs C-168/18 (BAG), ZIP 2020, 139EuGHUrt.19.12.2019Rs C-168/18ZIP 2020, 139BAG
1. Art. 8 RL 2008/94/EG (…) ist dahin auszulegen, dass er auf eine Situation anwendbar ist, in der ein Arbeitgeber, der Leistungen der betrieblichen Altersversorgung über eine überbetriebliche Einrichtung gewährt, wegen seiner Zahlungsunfähigkeit nicht für den Ausgleich der Verluste einstehen kann, die sich aus der Kürzung der von dieser überbetrieblichen Einrichtung erbrachten Leistungen ergeben, wobei diese Kürzung von der diese Einrichtung überwachenden staatlichen Finanzdienstleistungsaufsicht genehmigt wurde.
2. Art. 8 RL 2008/94 ist dahin auszulegen, dass eine wegen der Zahlungsunfähigkeit seiner ehemaligen Arbeitgeberin erfolgte Kürzung der einem ehemaligen Arbeitnehmer gezahlten Leistungen der betrieblichen Altersversorgung als offensichtlich unverhältnismäßig angesehen wird, obwohl der Betroffene mindestens die Hälfte der sich aus seinen erworbenen Rechten ergebenden Leistungen erhält, wenn dieser ehemalige Arbeitnehmer wegen dieser Kürzung bereits unterhalb der von Eurostat für betreffenden Mitgliedstaat ermittelten Armutsgefährdungsschwelle lebt oder künftig leben müsste.
3. Der eine Mindestschutzpflicht vorsehende Art. 8 RL 2008/94 kann unmittelbare Wirkung entfalten, so dass er gegenüber einer privatrechtlichen Einrichtung geltend gemacht werden kann, die vom Staat als Träger der Arbeitgeberinsolvenzsicherung im Bereich der betrieblichen Altersversorgung bestimmt worden ist, wenn diese Einrichtung in Anbetracht der Aufgabe, mit der sie betraut ist, und der Bedingungen, unter denen sie sie erfüllt, dem Staat gleichgestellt werden kann, sofern sich die Aufgabe der Sicherung, mit der sie betraut ist, tatsächlich auf die Arten von Leistungen bei Alter erstreckt, für die der in Art. 8 dieser Richtlinie vorgesehene Mindestschutz verlangt wird.