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Timestamp: 2016-10-23 06:53:08
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⭐Sachmängelhaftung - Aktuelle Urteile nach der Schuldrechtsreform -
Sachmängelhaftung - Aktuelle Urteile nach der Schuldrechtsreform -
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1 DEUTSCHES KRAFTFAHRZEUGGEWERBE Zentralverband Fabrikate, Tarife, Recht und Steuern Sachmängelhaftung - Aktuelle Urteile nach der Schuldrechtsreform - (Stand: Januar 2008) Seit Inkrafttreten der Schuldrechtsreform am haben sich die deutschen Gerichte vielfach mit den Neuerungen, die dass neue Sachmängelhaftungsrecht mit sich gebracht hat, auseinandergesetzt. Neben Urteilen der unteren Instanzen liegen inzwischen zahlreiche Entscheidungen der Oberlandesgerichte und des BGH zu grundsätzlichen Rechtsfragen des neuen Sachmängelhaftungsrechts vor. Die nachfolgende Übersicht soll daher einen Überblick über wichtige Gerichtsentscheidungen zur Sachmängelhaftung mit Bezug zum Kfz-Gewerbe geben. Bonn, gez. Ass. jur. Marion Nikolic2 2 INHALTSVERZEICHNIS 1. Verbrauchsgüterkauf Unternehmereigenschaft Zulässigkeit von Agenturgeschäften (Vermittlung von GW) Zulässiger Ausschluss der Sachmängelhaftung oder Umgehung? Angaben zur Beschaffenheit eines Fahrzeugs Beschaffenheitsvereinbarung Eignung zur gewöhnlichen Verwendung (kurz: übliche Beschaffenheit) Übernahme einer Beschaffenheits- oder Haltbarkeitsgarantie Werbung / Prospektangaben Zustandsbericht Untersuchungs- und Aufklärungspflicht Sachmangel und Verschleiß Sachmangel Verschleiß Darlegungs- und Beweislast / Beweislastumkehr Beweislastverteilung Beweislastumkehr des 476 BGB Anwendbarkeit beim Gebrauchtwagenkauf Unaufklärbarkeit der tatsächlichen Schadensursache Ausschluss der Beweislastumkehr wegen der Art des Mangels Tabellarischer Überblick über die Anwendbarkeit der Vermutungsregelung nach der BGH-Rechtsprechung Widerlegbarkeit der Vermutungsregelung Nacherfüllung Anspruch auf Nachbesserung oder Ersatzlieferung Nacherfüllungsfrist Erfüllungsort der Nacherfüllung Nutzungsausfallentschädigung Beschädigung des Fahrzeugs während der Durchführung von Nachbesserungsarbeiten Selbstvornahme der Nacherfüllung... 303 3 6. Rücktritt Minderung Schadensersatzansprüche Aufwendungsersatzanspruch Sachmängelhaftungsansprüche bei der Vermittlung von Neuwagengeschäften Rückabwicklung: Nutzungsvergütung / Gebrauchsvorteile Berechnung der Nutzungsvergütung Nutzungsvergütung im Falle einer Ersatzlieferung Verjährung Gebrauchtwagenverkaufsbedingungen... 394 4 1. Verbrauchsgüterkauf Seit Inkrafttreten der Schuldrechtsreform sieht das Gesetz einen besonderen Schutz des Käufers im Rahmen eines Verbrauchsgüterkaufs vor. Hiervon spricht man, wenn ein Unternehmer einen Neuwagen (NW) oder Gebrauchtwagen (GW) an einen Verbraucher verkauft. In diesen Fällen ist ein genereller Ausschluss der Sachmängelhaftung nunmehr nicht mehr zulässig. Demgegenüber liegt ein Verbrauchsgüterkauf nicht vor, wenn ein Unternehmer ein Fahrzeug an einen anderen Unternehmer verkauft oder ein Verkauf unter Privatleuten erfolgt. 1.1 Unternehmereigenschaft Daher ist die Klärung der Frage, ob ein Unternehmer ein Fahrzeug an einen Verbraucher verkauft hat, mitunter von ausschlaggebender Bedeutung. Hierzu sind bislang folgende Urteile ergangen: Unternehmerstellung des Verkäufers Die Unternehmerstellung des Verkäufers setzt keine Gewinnerzielungsabsicht des Verkäufers voraus. Die Unternehmereigenschaft des Kfz- Händlers wurde angenommen, obwohl im Kaufvertrag von Privat eingefügt war, diesem aber die AGB des Händlers beigefügt waren. Dem Käufer obliegt die Darlegungs- und Beweislast für die Behauptung, dass der Verkäufer ein Fahrzeug als Unternehmer verkauft hat. Allein die steuerliche Zuordnung ist nicht entscheidend. BGH, Urteil vom (Az VIII ZR 173/05) LG München I, Beschluss vom (Az. 30 S 9301/03) AG München, Urteil vom (Az. 251 C 7612/03) KG Berlin, Urteil vom (Az. 12 U 186/05) Unternehmerstellung des Käufers Bei Vortäuschen eines gewerblichen Verwendungszwecks für das Fahrzeug durch den Käufer ist ein vereinbarter Sachmängelhaftungsausschluss wirksam. Erwirbt ein Existenzgründer im Zuge der Aufnahme einer gewerblichen oder selbständigen Tätigkeit ein Fahrzeug, liegt bereits Unternehmerhandeln vor. Über die Unternehmereigenschaft des Käufers entscheidet nicht dessen innerer Wille, vielmehr ist der objektive Inhalt des Rechtsgeschäfts unter Einbeziehung der Begleitumstände maßgeblich. Enthält die Rechung des Händlers einen Hinweis auf die Firma des Käufers und wird die Umsatzsteuer ausgewiesen, liegt ein Verkauf an einen Unternehmer vor. BGH, Urteil vom (Az. VIII ZR 91/04) BGH, Beschluss vom (Az. III ZB 36/04) OLG Saarbrücken, Urteil vom (Az. 8 U 294/05-58)5 5 Der Käufer kann nicht durch AGB zum Unternehmer erklärt werden. Die Tätigkeit eines Käufers als Freiberufler allein genügt nicht für die Unternehmereigenschaft i.s.d. Sachmängelhaftung. Zusätzlich ist eine kausale Verknüpfung zwischen der unternehmerischen Tätigkeit und dem Fahrzeugkauf erforderlich, so dass es auf die tatsächliche Nutzung des Fahrzeugs ankommt. AG Zeven, Urteil vom (Az. 3 C 242/02) LG Frankfurt/M., Urteil vom (Az. 16 S 236/03) AG Bad Homburg, Urteil vom (Az. 2 C 182/03) Wird ein Fahrzeug an einen Unternehmer verkauft, kann auch nach der neuen Rechtslage die Sachmängelhaftung ausgeschlossen bzw. eingeschränkt werden. Neben der Frage der Zulässigkeit des Ausschlusses oder der Verkürzung im Einzelfall stellt sich hier nach wie vor die Frage, wie weit der vereinbarte Haftungsausschluss nach den im Kaufvertrag verwendeten Formulierungen nach dem Willen der Parteien reichen soll. Der Verkauf eines GW an ein Leasingunternehmen unter Ausschluss der Sachmängelhaftung ist auch dann zulässig, wenn der GW anschließend von einem Verbraucher geleast werden soll. Der Leasingnehmer muss seine Rechte dann gegenüber dem Leasingunternehmen geltend machen. Eine leasingtypische Abtretungskonstruktion, die den Leasingnehmer unangemessen benachteiligt, ist in diesem Falle ausnahmsweise unwirksam und das Leasingunternehmen haftet für Mängel nach dem Mietrecht. Wird dem Kaufvertrag sowohl die Formulierung gekauft wie gesehen als auch die Formulierung unter Ausschluss jeglicher Gewährleistung zu Grunde gelegt, wird ein vollständiger Haftungsausschluss begründet, sofern keine besonderen Umstände vorliegen, die eine andere Auslegung rechtfertigen. BGH, Urteil vom (Az. VIII ZR 85/05) OLG Saarbrücken, Urteil vom (Az. 4 U 163/04) 1.2 Zulässigkeit von Agenturgeschäften (Vermittlung von GW) Zudem haben sich die Gerichte immer wieder mit der Frage auseinandergesetzt, ob und unter welchen Voraussetzungen ein Kfz-Händler auch heute noch den Verkauf von GW für Privatleute vermitteln darf, der im Gegensatz zum Kfz-Händler mit dem Kunden einen Ausschluss der Sachmängelhaftung wirksam vereinbaren darf. In der Zwischenzeit ist hierzu ein Grundsatzurteil des BGH ergangen, das zu einer Klärung vieler Fragen geführt hat. Agenturgeschäfte sind zulässig und nicht generell als Umgehungsgeschäfte zu werten, wenn der Eigentümer des GW bei wirtschaftlicher Betrachtungsweise das wirtschaftliche Risiko des Verkaufs trägt. BGH, Urteil vom (Az. VIII ZR 175/04)6 6 Agenturgeschäfte sind zulässig. OLG Stuttgart, Urteil vom (Az. 3 U 12/04) AG Hamburg-Altona, Urteil vom (Az. 317 C 145/03) Agenturgeschäfte sind unzulässig, wenn sie sich als Umgehung darstellen: z.b. wenn durch die Bewerbung eines GW im Internet ein Kfz-Händler für einen Kunden einen Rechtsschein setzt, wonach der Händler als Verkäufer auftritt; Tritt nach dem Wortlaut des Kaufvertrages nicht der Händler, sondern eine Privatperson als Verkäufer auf, muss der Käufer die Richtigkeitsvermutung der Kaufvertragsurkunde widerlegen. AG Bonn, Urteil vom (Az. 7 C 19/03) AG Charlottenburg, Urteil vom (Az. 237 C 187/05) 1.3 Zulässiger Ausschluss der Sachmängelhaftung oder Umgehung? Gemäß 475 BGB darf im Rahmen eines Verbrauchsgüterkaufs zum Nachteil des Verbrauchers nicht von bestimmten gesetzlichen Vorschriften abgewichen werden. Der Versuch, durch entsprechende Vereinbarungen über die Beschaffenheit eines GW de facto einen Ausschluss der Sachmängelhaftung zu erwirken, darf sich nicht als unzulässige Umgehung des 475 BGB darstellen. Von einer unzulässigen Umgehung sind die Gerichte in folgenden Fällen ausgegangen: Unzulässige Umgehungsversuche Nachweis über das Vorschieben einer Privatperson im Rahmen eines vermeintlichen Agenturgeschäftes, um den Haftungsausschluss durchzusetzen; der Händler muss sich so behandeln lassen, als sei er selber der Verkäufer des Fahrzeugs; BGH, Urteil vom (Az. VIII ZR 72/06) OLG Saarbrücken, Urteil vom (Az 1 U 99/05-34) OLG Celle, Urteil vom (Az. 7 U 176/05) Verkauf eines GW als Bastlerfahrzeug OLG Oldenburg, Urteil vom (Az. 9 W 30/03) AG Marsberg, Urteil vom (Az. 1 C 143/02) Im Falle der Benennung einer Privatperson als Verkäufer im Kaufvertrag, wenn der Kfz-Händler ein von ihm selbst angekauftes Fahrzeug über das Internet zum Verkauf anbietet Bei einem Hinweis auf optische und technische Mängel Durch fiktive Angaben wie Händlergeschäft oder Exportgeschäft erfolgt kein zulässiger Ausschluss der Sachmängelhaftung. AG Bonn, Urteil vom (Az. 7 C 19/03) LG München I, Beschluss vom (Az. 30 S 9301/03) AG München, Urteil vom (Az. 251 C 7612/03) LG Duisburg, Urteil vom (Az. 1 O 57/03) Deklaration eines GW als Schrottauto AG Zeven, Urteil vom (Az. 3 C 242/02)7 7 2. Angaben zur Beschaffenheit eines Fahrzeugs Das Sachmängelhaftungsrecht stellt im Gegensatz zur früheren Rechtslage auf die Beschaffenheit der Kaufsache ab. Beim Abschluss eines Kaufvertrages können die Vertragsparteien daher vereinbaren, welche Beschaffenheitsmerkmale ein zu erwerbendes Fahrzeug aufweisen soll. Fehlt eine solche Vereinbarung, sind objektive Umstände, wie die Eignung für die nach dem Kaufvertrag vorausgesetzte Verwendung oder die bei Sachen der gleichen Art übliche Beschaffenheit, heranzuziehen. Fehlt dem Kaufgegenstand eine vereinbarte oder übliche Beschaffenheit etc., so wird hierdurch ein Sachmangel begründet. Ob den Händler oder Verkäufer diesbezüglich der Vorwurf einer arglistigen Täuschung trifft, spielt im Rahmen der Sachmängelhaftung im Gegensatz zur früheren Rechtslage nur noch im Hinblick auf eine Verlängerung der Verjährungsfrist eine Rolle. 2.1 Beschaffenheitsvereinbarung Beschaffenheitsvereinbarungen können sowohl beim Neuwagen- als auch beim Gebrauchtwagenverkauf getroffen werden. Daher ist zunächst einmal zu klären, unter welchen Voraussetzungen eine Angabe zum Fahrzeug als konkret vereinbarte Beschaffenheit des Fahrzeugs anzusehen ist. Zu den generellen Voraussetzungen einer Beschaffenheitsvereinbarung; Entscheidend ist, dass aus Sicht des Käufers der Wille des Verkäufers erkennbar wird, die Gewähr für das Vorhandensein einer bestimmten Beschaffenheit zu übernehmen. Durch den zutreffenden Verweis auf die Schadstoffklasse Euro 3 wird nicht zugleich auch konkludent eine Beschaffenheitsvereinbarung über die steuerliche Einordnung in Euro 3 abgeschlossen, die noch von anderen Kriterien abhängig ist: OLG Brandenburg, Urteil vom (Az. 13 U 92/06) OLG Hamm, Urteil vom (Az. 2 U 28/07) LG Heilbronn, Urteil vom (Az. 2 O 210/06 Sch) Beim Kauf eines Neuwagens geht der Käufer zudem regelmäßig davon aus, dass das zu erwerbende Fahrzeug fabrikneu ist. Nach der alten Rechtslage galt diese Eigenschaft daher regelmäßig als zugesichert. Nach der neuen Rechtslage ist davon auszugehen, dass das Merkmal der Fabrikneuheit durch die Bezeichnung des Fahrzeugs als Neuwagen oder Neufahrzeug grundsätzlich als zumindest konkludent vereinbart gilt. Schon das Fehlen nur eines Merkmals der Fabrikneuheit (z.b. Modellaktualität, Beschädigungsfreiheit, das Fehlen von Lagermängeln bzw. einer höchstens 12- monatigen Standzeit seit Herstellung) beseitigt die Eigenschaft der Fabrikneuheit. Ein Fahrzeug ist fabrikneu : bei unveränderter Modellaktualität, wenn es keine durch längere Standzeiten bedingten Mängel aufweist und wenn zwischen Herstellung und Kaufvertragsabschluss nicht mehr als 12 Monate liegen. BGH, Urteil vom (Az. VIII ZR 227/02)8 8 Ein unbenutztes Fahrzeug mit einer Tageszulassung ist fabrikneu, wenn alle Merkmale der Fabrikneuheit erfüllt sind, das Fahrzeug kurz nach der Erstzulassung, die sich auf wenige Tage beschränken muss, erfolgt und die Herstellergarantie sich um max. 2 Wochen verkürzt. Die Versehung eines EU-Neufahrzeugs mit einem dänischen Registrierkennzeichen, das von den dänischen Behörden im Rahmen der amtlichen Registrierung des Fahrzeugs ausgegeben wird; und das mit dem in Deutschland verwendeten Roten Kennzeichen vergleichbar ist, hebt die Neuwageneigenschaft nicht auf. Modellwechsel hebt Fabrikneuheit auf; Der Einbau eines um 50 % größeren Tanks stellt eine wesentliche Veränderung dar, selbst wenn diese nur im Rahmen einer sog. Modellpflege erfolgt. Werden Fahrzeuge als EU-Neufahrzeuge oder neue EU-Fahrzeuge verkauft, müssen auch sie alle Merkmale der Fabrikneuheit aufweisen. Fabrikneu trotz Überführungskilometer: Wird die vereinbarte Überführung per Achse, für die 500 km veranschlagt werden, um weniger als 100 km überschritten, hat dies keinen Einfluss für die Beurteilung der Fabrikneuheit, auch wenn nicht geklärt werden kann, aus welchem Grund die Mehrkilometer angefallen sind. Ein Kfz ist auch dann noch fabrikneu, wenn es eine Tages- oder Kurzzulassung auf den Händler aufweist, die erst nach Vertragsabschluss erfolgt ist. Der Käufer eines fabrikneuen Fahrzeugs darf erwarten, einen unbeschädigten Wagen zu erhalten, sodass nur ganz unerhebliche Beschädigungen (hier: Lackschäden) nicht zu offenbaren sind. Grenze: Nachbesserungskosten in Höhe von 330 Euro; Die Eigenschaft fabrikneu entfällt auch bei Mängeln oder Schäden, die beim Hersteller entstanden und repariert worden sind, wenn es sich dabei nicht nur um unerhebliche Schäden handelt, die eine Wertminderung nach sich ziehen. Eine Überschreitung der vom BGH aufgestellten Jahresfrist zwischen Produktionsdatum und Kaufvertragsabschluss um 7 Tage ist unwesentlich. BGH, Urteil vom (Az. VIII ZR 109/04) (Az. I-1 U 55/06) OLG Köln, Beschluss vom (Az. 22 U 180/04) (Az. I-1 U 84/05) LG Essen, Urteil vom (Az. 8 O 759/04) OLG Dresden, Urteil vom (Az. 8 U 1462/06) (Az. I-1 U 55/06) LG Wuppertal, Urteil vom (9 S 146/05) LG Gießen, Urteil vom (Az. 4 O 269/04) LG Bonn, Urteil vom (Az. 3 O 372/05) LG Flensburg, Urteil vom (Az. 3 O 136/06)9 9 Die BGH-Definition für das Merkmal der Fabrikneuheit gilt auch für neue Motorräder. LG Berlin, Urteil vom (Az. 18 O 452/03) Da schon das Fehlen nur eines Merkmals der Fabrikneuheit dazu führt, dass es sich bei dem neuen Fahrzeug nicht mehr um ein fabrikneues Fahrzeug handelt, stellt sich bisweilen die Frage, ob denn der Käufer in diesem Falle auch über das Fehlen weiterer Merkmale der Fabrikneuheit aufzuklären ist. Ist ein Fahrzeug unstreitig nicht mehr fabrikneu, darf ein Käufer nicht erwarten, dass der Neuwagen, abgesehen von dem bekanntermaßen fehlenden Kriterium, die übrigen Kriterien der Fabrikneuheit erfüllt, es sei denn es wurde ausdrücklich oder konkludent eine Beschaffenheitsvereinbarung bezüglich des weiteren, fehlenden Merkmals der Fabrikneuheit getroffen.. OLG Köln, Urteil vom (Az. 8 U 89/03) Darf ein neues Fahrzeug nicht mehr als fabrikneu verkauft werden, wird es häufig als Lagerfahrzeug vermarktet. Auch insofern stellt sich die Frage nach der zulässigen Lagerdauer. Eine zeitliche Befristung auf 24 Monate ist nicht sachgerecht. Ob ein Sachmangel gegeben ist, hängt davon ab, ob im Einzelfall Anhaltspunkte dafür vorliegen, dass der Käufer von einer geringeren Lagerzeit als der tatsächlichen ausgehen durfte. Da das Modelljahr nicht mit dem Kalenderjahr identisch ist, ist es unschädlich, wenn das Fahrzeug bereits aus der 2. Jahreshälfte des Vorjahres der Modelljahresbezeichnung stammt. OLG Braunschweig, Urteil vom (Az. 2 U 128/04) Beschaffenheitsvereinbarungen können aber wie eingangs bereits erwähnt - auch beim Gebrauchtwagenverkauf getroffen werden. Wird ein Gebrauchtwagen als fahrbereit verkauft, übernimmt der Verkäufer die Gewähr dafür, dass das Fahrzeug nicht mit verkehrsgefährdenden Mängeln behaftet ist, aufgrund derer es bei einer Hauptuntersuchung als verkehrsunsicher eingestuft werden müsste. Zudem muss eine gefahrlose Benutzung im Straßenverkehr möglich sein. BGH, Urteil vom (Az. VIII ZR 72/06)10 10 Wird ein Gebrauchtfahrzeug in gebrauchsfähigem Zustand verkauft, übernimmt der Verkäufer die Gewähr dafür, dass das Fahrzeug nicht mit verkehrsgefährdenden Mängeln behaftet ist, aufgrund derer es bei einer Hauptuntersuchung als verkehrsunsicher eingestuft werden müsste. Bilden die Erstzulassung und die relative Neuwertigkeit eines GW die Vertragsgrundlage eines GW-Kaufvertrages, so weist das Fahrzeug bei einem erheblichen Auseinanderfallen von Produktionsdatum und Erstzulassung nicht die vereinbarte Beschaffenheit auf. Dies gilt z.b. bei einem als Vorführwagen mit einem Kilometerstand von 10 km erworbenen GW, wenn zwischen Herstellung und Erstzulassung ein Zeitraum von 1 Jahr und 11 Monaten liegt. Objektiv unrichtige Beschaffenheitsangaben begründen nicht zwangsläufig einen Sachmangel, sondern nur, wenn die maßgeblichen Verkehrskreise der Abweichung einen Wert beimessen. Die falsche Angabe des Herstellungsmonats begründet dann keinen Minderwert, wenn das Baujahr stimmt und zum angegebenen Herstellungsdatum noch kein Nachfolgemodell auf dem Markt war. Mit Angaben zur Gesamtfahrleistung wird zumindest auch eine Beschaffenheitsangabe dahingehend gemacht, dass der Motor nicht wesentlich stärker verschlissen ist, als es die mitgeteilte Laufleistung erwarten lässt. AG Brückeburg, Urteil vom (Az. 31 C 348/05) OLG Celle, Urteil vom (Az. 11 U 254/05) OLG Hamburg, Urteil vom (Az. 14 U 85/04) (Az. I 1 U 132/05) 2.2 Eignung zur gewöhnlichen Verwendung (kurz: übliche Beschaffenheit) Darüber, ob eine bestimmte Beschaffenheit bei Sachen der gleichen Art üblich ist, wie es 434 Absatz 1 Satz 2 Nr. 2 BGB u.a. vorsieht, lässt sich trefflich streiten. Inzwischen liegen auch hierzu Urteile diverser Gerichte vor. Auch ohne entsprechende Beschaffenheitsvereinbarung darf der Käufer eines Gebrauchtwagens erwarten, dass das Fahrzeug keinen Unfallschaden erlitten hat, der über einen Bagatellschaden hinausgeht. Bei Personenkraftwagen fallen unter Bagatellschäden nur ganz geringfügige Lackschäden, Blechschäden generell nicht. BGH, Urteil vom (Az. VIII ZR 330/06)11 11 Beim Kauf eines Gebrauchtwagens gehört es - auch ohne ausdrückliche Vereinbarung - zur vertraglich vorausgesetzten Beschaffenheit, dass bei den vom Hersteller vorgeschriebenen Inspektionen sämtliche erforderliche Arbeiten durchgeführt worden sind. OLG Koblenz, Urteil vom (Az. 5 U 768/06) Für die Beurteilung der Frage, ob ein Kaufgegenstand der üblichen Beschaffenheit entspricht, ist weiterhin entscheidend, auf welche maßgebliche Vergleichsgruppe abzustellen ist und welcher Vergleichsmaßstab anzulegen ist. Die Üblichkeit der Beschaffenheit ist auch an dem Qualitätsstandard zu messen, den vergleichbare Produkte anderer Hersteller erreicht haben und der die Markterwartung prägt ( globaler Qualitätsvergleich ). Damit werden auch Serienfehler vom Sachmangelbegriff erfasst. Für den Stand der Technik eines Neufahrzeugs kommt es nicht auf die optimale tech. Lösung an, sondern auf die Einschränkung der Gebrauchstauglichkeit. Derart ungeeignete Konstruktionen / Materialien muss der Hersteller aus der Produktion nehmen. Dementsprechend muss ein Cabriolet in einer Waschanlage (inkl. Vorreinigung) gereinigt werden können, ohne dass Wasser in den Innenraum eintritt (Az. I-3 U 12/04) (Az. I-1 U 38/06) OLG Stuttgart, Urteil vom (Az. 10 U 84/06) OLG Jena, Urteil vom (Az. 1 U 846/04) (Az. 1 U 38/06) OLG Brandenburg, Urteil vom (Az. 4 U 121/06) 2.3 Übernahme einer Beschaffenheits- oder Haltbarkeitsgarantie Durch ausdrücklichen Hinweis auf das Vorhandensein oder Nichtvorhandensein bestimmter Fahrzeugeigenschaften setzt sich der Kfz-Händler einer verschärften Haftung aus, wenn sein Verhalten als Garantieübernahme zu werten ist. Stimmen in diesem Fall die Angaben nicht mit den tatsächlichen Fahrzeugeigenschaften überein, ist der Kfz-Händler selbst bei fehlendem Verschulden schadensersatzpflichtig. Allgemeines zu den Voraussetzungen, die an eine Beschaffenheitsgarantie zu stellen sind; Eine Beschaffenheitsgarantie liegt in der Regel u.a. in den Fällen der Zusicherung einer bestimmten Fahrzeugeigenschaft nach früherem Recht vor. Ob dies auch für Kilometerangaben oder Angaben des Händlers über die Laufleistung des Fahrzeugs gilt, hat der BGH in Frage gestellt, aber unbeantwortet gelassen. BGH, Urteil vom (Az. VIII ZR 82/06)12 12 Auch wenn ein Gebrauchtwagen als fahrbereit verkauft wird, übernimmt der Verkäufer in der Regel keine Haltbarkeitsgarantie. Durch ausdrückliche Erklärung zur Gesamtfahrleistung, ohne einschränkende Hinweise wie z.b. laut Angaben des Vorbesitzers, wird eine Beschaffenheitsgarantie übernommen. Im Falle der Übernahme einer Haltbarkeitsgarantie für einen GW trägt der Verkäufer die Beweislast für den unsachgemäßen Gebrauch des Fahrzeugs während der Garantiezeit. Eine vom Käufer separat abschließbare Gebrauchtwagengarantie stellt keine Beschaffenheits- oder Haltbarkeitsgarantie dar. BGH, Urteil vom (Az. VIII ZR 72/06) OLG Koblenz, Urteil vom (Az. 5 U 1385/03) OLG Rostock, Urteil vom (Az. 6 U 2/07) OLG Saarbrücken, Urteil vom (Az. 4 U 163/00) OLG München, Urteil vom (Az. 20 U 3522/04) 2.4 Werbung / Prospektangaben Durch Werbeaussagen in Prospekten oder ähnlichem wird oftmals auf besonders positive Eigenschaften des beworbenen Fahrzeugs hingewiesen. In diesem Falle stellt sich die Frage, ob und unter welchen Umständen ein Kfz-Händler für Angaben in einem Prospekt oder einer Werbeanzeige haftet. NW-Kauf: Der Händler haftet für Prospektangaben des Herstellers/Importeurs. Bei Abweichungen von Prospektangaben ist das Fahrzeug nicht zur gewöhnlichen Verwendung geeignet, so dass von einem Sachmangel auszugehen ist. Dies gilt, wenn ein Fahrzeug statt - wie beworben - mit Normalbenzin, tatsächlich nur mit Superplus betrieben werden kann. Mündliche Äußerungen wie Fahrzeug durchgecheckt und top fit sind reine Werbeanpreisungen ohne rechtlichen Hintergrund. NW-Kauf: Der Händler haftet u.u. auch für abweichende Angaben in Werbeprospekten des Herstellers, wenn zwischen Kaufvertragsangebot und Vertragsschluss Prospektänderungen erfolgen. OLG München, Urteil vom (Az. 18 U 2176/04) OLG Bamberg, Urteil vom (Az. 8 U 68/00) AG Essen-Steele, Urteil vom (Az. 17 C 352/02) 2.5 Zustandsbericht Im Rahmen eines Gebrauchtwagenverkaufs werden häufig Zustandsberichte oder Gutachten über das zu verkaufende Fahrzeug erstellt, in dem vor allem Mängel des Fahrzeuges beschrieben werden. Hierdurch soll späteren Reklamationen des Käufers vorgebeugt werden, da dieser sich auf Mängel, die er bei Abschluss des Kaufvertrages kannte, zu einem späteren Zeitpunkt nicht mehr berufen darf.13 13 Der Ölverlust am Differenzial stellt keinen Sachmangel dar, wenn er im Zustandsbericht aufgeführt ist. Ein ausführlicher Zustandsbericht, der auch sämtliche Sonderausstattungen umfasst, schützt bei Geltendmachung fehlender, angeblich zugesicherter weiterer Sonderausstattung. Für die Erstellung eines Zustandsberichts ist eine zeitnahe Untersuchung des GW zum Kaufvertragsabschluß notwendig: Ein Zeitraum von etwa 1 Monat ist dann zu lang, wenn in diesem Zeitraum noch entsprechende Fahrzeugschäden eintreten können. LG Oldenburg, Urteil vom (Az. 16 S 612/03) AG Hanau, Urteil vom (Az. 33 C 728/02) AG Potsdam, Urteil vom (Az. 30 C 122/02) 2.6 Untersuchungs- und Aufklärungspflicht Immer wieder stellt sich in Fällen der Sachmängelhaftung die Frage, ob vor Weiterverkauf eines Gebrauchtwagens eine Untersuchungs- und/oder Aufklärungspflicht des Kfz-Händlers besteht, so z.b. hinsichtlich der Ermittlung und/oder Offenbarung reparierter Unfallschäden etc.. Wird ein Käufer trotz bestehender Aufklärungspflicht über für ihn wesentliche Umstände vom Verkäufer nicht aufgeklärt, steht dem Käufer neben den Sachmängelhaftungsansprüchen unter Umständen auch das Recht zu, den Kaufvertrag wegen arglistiger Täuschung anzufechten. Liegen die Voraussetzungen für eine derartige Anfechtung vor, so wirkt sich dies, durch ein Verlängerung der Verjährungsfrist, auch auf die Sachmängelhaftungsansprüche des Käufers aus (siehe. hierzu Punkt 12). Ohne Vorliegen besonderer Anhaltspunkte für einen früheren Unfallschaden, obliegt dem Verkäufer nicht die Pflicht, das Fahrzeug auf Unfallschäden zu untersuchen. Allerdings muss der Verkäufer in diesem Falle die Begrenztheit seines Kenntnisstandes gegenüber dem Käufer deutlich machen, wenn er die Unfallfreiheit in einer Weise behauptet, die dem Kunden den Eindruck vermitteln kann, die Zusicherung beruhe auf der Grundlage verlässlicher Kenntnis. Angaben zu Unfallschäden umfassen sowohl den Schadenshergang als auch den Schadensumfang. Kann der Verkäufer hierzu keine Angaben machen, ist der Käufer darauf hinzuweisen. Leichter Anfahrschaden bedeutet einen leichten Schaden durch Anfahren (nicht: ein Schaden durch leichtes Anfahren), der mit einem Reparaturaufwand von Euro behoben werden kann. Sind einem Händler Abweichungen von der auf dem Tacho angezeigten Laufleistung zur tatsächlichen Gesamtfahrleistung bekannt (z.b. wegen des Einbaus eines Tauschtachos), hat er den Käufer hierüber unaufgefordert aufzuklären. BGH, Urteil vom (Az. VIII ZR 209/05) OLG Köln, Beschluss vom (Az.4 U 27/05) OLG Köln, Urteil vom (Az. 22 U 170/06)14 14 Der Verkäufer muss über die Standzeit eines GW aufklären, wenn zwischen Produktion und Erstzulassung eine ungewöhnlich lange Zeitspanne liegt. Gegeben bei Vorführwagen mit km und einer Standzeit von 2 ½ Jahren; Der Begriff Transportschaden bezeichnet nur Beschädigungen, die das Kfz während des Transports erlitten hat, d.h. während der Fahrt oder beim diesbezüglichen Aufoder Abladen. Ein durchschnittlicher Privatkäufer darf ohne Zusatzinformationen von eher leichten bis mittleren Beschädigungen ausgehen. Der Verkäufer eines reimportierten GW muss den Käufer unaufgefordert über die Reimporteigenschaft des Fahrzeugs aufklären, solange diese auf dem deutschen GW- Markt einen erheblichen preismindernden Faktor darstellt. Ansonsten ist der Kaufvertrag anfechtbar. Ein Sachmangel liegt nur vor, wenn das Fahrzeug zusätzlich zur Reimporteigenschaft, nicht mit allen in Deutschland serienmäßig angebotenen Ausstattungsmerkmalen ausgestattet ist. Eine nicht fachgerecht durchgeführte Reparatur eines schweren Unfallschadens in Polen ist bei einem späteren Weiterverkauf des Fahrzeugs offenbarungspflichtig. Im Rahmen der Durchführung von Werkstattdienstleistungen besteht keine Aufklärungspflicht der Werkstatt hinsichtlich zukünftiger Auswechslungstermine (hier: Zahnriemenwechsel), wenn die Auswechslungsfrist noch nicht abgelaufen ist oder nicht innerhalb der nächsten 3 Monate abläuft. OLG Oldenburg, Urteil vom (Az. 6 U 155/05) (Az. I-1 U 233/05) OLG Naumburg, Urteil vom (Az 6 U 24/05) LG Duisburg, Urteil vom (Az. 1 O 515/02) AG Brandenburg, Urteil vom (Az. 31 C 59/06) Darüber hinaus gibt es aber auch nach Abschluss des Kaufvertrages noch Situationen, in denen eine Untersuchung des Fahrzeugs geboten und eine anschließende Aufklärung des Käufers erforderlich sein kann, damit der Käufer seine Sachmängelhaftungsrechte wahrnehmen kann. Bei einem nur kurzen Werkstattaufenthalt zur unentgeltlichen Reparatur einer Kleinigkeit besteht ausnahmsweise keine Pflicht zur Untersuchung des Fahrzeugs im Hinblick auf eine Rückrufaktion. OLG München, Urteil vom (Az. 20 U 3522/04)15 15 3. Sachmangel und Verschleiß 3.1 Sachmangel Voraussetzung für Käuferansprüche nach dem Sachmangelhaftungsrecht ist nach wie vor das Vorliegen eines Sachmangels. Hat der Käufer Kenntnis vom Vorhandensein bestimmter Mängel, kann er sich später insoweit generell nicht mehr auf das Sachmängelhaftungsrecht berufen. Sachmängel haben die Gerichte in folgenden Fällen angenommen: Sachmängel Fahrzeug, das als Jahreswagen verkauft wird, wenn zwischen der Herstellung und der Erstzulassung mehr als 12 Monate liegen; Kilometerangaben sind als Angaben über die Laufleistung zu verstehen, wenn sie nicht mit Einschränkungen oder erkennbaren gegenteiligen Hinweisen versehen sind. Unfallschäden eines Gebrauchtwagens, bei denen es zu mehr als Bagatellschäden gekommen ist; bei Personenkraftwagen: Unfallschäden sind nicht nur geringfügige Lackschäden sowie Blechschäden, selbst wenn diese mit geringem Kostenaufwand fachgerecht repariert worden sind; GW-Kauf: Mehrjährige Abweichung zwischen dem Herstellungsdatum und dem Datum der Erstzulassung; Vorführwagen mit 10 km Laufleistung, bei dem zwischen dem Produktionsdatum und der Erstzulassung 23 Monate liegen; GW-Kauf: Das Datum der Betriebserlaubnis liegt wesentlich vor dem Datum der Erstzulassung; Bei Abschluss des Kaufvertrages wird stillschweigend vorausgesetzt, dass das Fahrzeug in dem Jahr hergestellt worden ist, auf das das Datum der Erstzulassung schließen lässt. GW-Kauf: Abweichung vom vertraglich vereinbarten Modelljahr; Standzeit eines Gebrauchtwagens von 3 Jahren ohne Aufklärung des Käufers; Fehlende Betriebsfähigkeit, wie z.b., bei nicht typengerechtem Austauschmotor; Erlöschen der Betriebserlaubnis durch Ein- oder Anbau von Teilen, die das Abgasverhalten nachteilig beeinflussen, wenn eine Abnahme durch einen amtlich anerkannten Sachverständigen unterbleibt und/oder eine Abnahmebestätigung fehlt; BGH, Urteil vom (Az. VIII ZR 180/05) BGH, Urteil vom (Az. VIII ZR 82/06) BGH, Urteil vom (Az. VIII ZR 330/06) OLG Karlsruhe, Urteil vom (Az. 1 U 10/04) OLG Celle, Urteil vom (Az. 11 U 254/05) LG Bautzen, Beschluss vom (Az. 2 O 339/05) OLG Nürnberg, Urteil vom (Az. 8 U 2366/04) (Az. 3 U 49/02) OLG Bremen, Urteil vom (Az. 1 U 12/03 b) OLG Karlsruhe, Urteil vom (Az. 1 U 181/05)16 16 Konstruktionsfehler (im Gegensatz zu bloßen konstruktionsbedingten Eigenheiten) konstruktiv bedingte Formunbeständigkeit der Pkw-Innenverkleidung; Riss am Zylinderkopf, der nicht dem Stand der Technik entspricht; Ausfall des Automatikgetriebes bei geringer Laufleistung; Erhöhter Getriebeverschleiß eines überwiegend für den amerikanischen Markt produziertes Fahrzeug, das aber auch in Mitteleuropa vertrieben wird; Konstruktionsbedingte Besonderheit, die zu außergewöhnlichem Verschleiß führt, der nicht durch Wartungsmaßnahmen verhindert werden kann; Konstruktionsbedingte, serienmäßige Beschleunigungsverzögerung eines neuen Geländewagens, der vorliegend sogar zu einer Beeinträchtigung der Verkehrssicherheit führte (10 Sekunden Verzögerung in einem Geschwindigkeitsbereich über 140 km/h); Produktion in einem Land außerhalb der EU (bei fehlender Aufklärung); Qualitative Minderleistungen, wie fehlender Einbau von Sonderausstattungen oder das vereinbarte Tieferlegen des Fahrzeugs; Dauerbruch einer Ventilfeder als Ursache eines Motorschadens bei einem 10 ½ Jahre alten Porsche; Wassereintritt an den Innenscheiben eines für die Benutzung von Waschanlagen zugelassenen Cabrios bei der Durchfahrt durch eine Waschstraße; Wassereintritt in den Innenraum eines Geländewagens; NW-Kauf: Bei objektiver und subjektiver Farbabweichung gegenüber der vom Hersteller verwendeten Farbbezeichnung (hier: bei der als carbonschwarz bezeichneten Farbe handelte es sich tatsächlich eher um einen Blauton); OLG Saarbrücken, Urteil vom (Az. 1 U 567/04-167) OLG Thüringen, Urteil vom (Az. 1 U 846/04) (Az. 1 U 38/06) OLG Stuttgart, Urteil vom (Az. 10 U 84/06) (Az. 1 U 38/06) OLG Brandenburg, Urteil vom (Az. 13 U 162/06) OLG Karlsruhe, Urteil vom (Az. 9 U 239/06) LG Ellwangen, Urteil vom (Az. 3 O 219/02) OLG Celle, Urteil vom (Az. 7 U 50/03) OLG Köln, Urteil vom (Az. 22 U 88/03) OLG Brandenburg, Urteil vom (Az. 4 U 121/06) (Az. I-1 U 252/06) OLG Köln, Beschluss vom (Az. 10 U 88/05) Landgericht Aachen, Urteil vom (Az. 12 O 493/04) Fehlende Unfallfreiheit; LG München I, Urteil vom (Az. 32 O 11282/03) Der Hinweis auf einen Hagelschaden umfasst keine Unfallschäden. Ein Kfz ist bei Kammergericht Berlin, Urteil vom (Az. 8 U 179/03) zusätzlich vorliegendem Unfallschaden nicht unfallfrei laut Vorbesitzer. Falsche Angabe der Laufleistung; AG Rheda-Wiedenbrück, Urteil vom (Az. 4 C 209/02) LG Coburg, Urteil vom (Az. 23 O 596/05)17 17 Defekt am Fensterheber und Rost an LG Ellwangen, Urteil vom Kofferraumschanieren eines Neuwagens; (Az. 3 O 219/02) Schäden am Getriebe, an der Sitzheizung, der Standheizung und am Tempomat bei LG Hof, Urteil vom (Az. 32 O 713/02) einem 8 Jahre alten Opel Omega Caravan; Feuchtigkeit im Scheinwerfer; LG Oldenburg, Urteil vom (Az. 16 S 612/03) Ein Fehler, der zu einem Kabelbrand führt; AG Marsberg, Urteil vom (Az. 1 C 143/02) Ein Defekt der automatischen AG Potsdam, Urteil vom Freilaufnarbe; Defekt am Katalysator: Es kommt nur ein technischer Defekt in Betracht, da ein Verschleiß nicht möglich ist. Frühere Verwendung eines Fahrzeugs als Mietwagen haftet einem Pkw auf Dauer an; (Az. 30 C 122/02) AG Zeven, Urteil vom (Az. 3 C 242/02) (andere Ansicht: AG Offenbach, Urteil vom (Az. 38 C 276/04)) AG Bergheim, Urteil vom (Az. 28 C 260/03) Demgegenüber wurde das Vorliegen eines Sachmangels in folgenden Fällen verneint: Die Reimporteigenschaft eines GW allein begründet noch keinen Sachmangel. (Etwas anderes gilt, wenn das Fahrzeug zusätzlich nicht alle in Deutschland serienmäßig angebotenen Ausstattungsmerkmale aufweist.) Unerhebliche Abweichung von weniger als 5 % von der angegebenen Höchstgeschwindigkeit; Eine frühere Kurzzulassung/Tageszulassung, über die der Käufer nicht informiert worden ist, begründet beim Gebrauchtwagenkauf keinen Sachmangel. Wassereintritt in den Innenraum eines zur Benutzung von Waschanlagen zugelassenen Cabrios, aufgrund der mit einem Hochdruckgerät durchgeführten Vorreinigung, wenn eine derartige Vorreinigung entsprechend der Karosseriepflegeanleitung des Herstellers auch ohne Wassereintritt ordnungsgemäß durchgeführt werden kann; Führt eine konstruktionsbedingte Besonderheit zu einem erhöhten Wartungsbedarf, deren Beachtung gravierende Defekte am Pkw verhindert, liegt kein Sachmangel vor, wenn der Käufer die vom Hersteller empfohlenen Wartungsintervalle nicht eingehalten hat. Kurz anhaltende, durch die Steuerkette verursachte Geräusche, begründen auch bei einem Neuwagen keinen Sachmangel; OLG Naumburg, Urteil vom (Az. 6 U 24/05) (Az. I-3 U 8/04) OLG Brandenburg, Urteil vom (Az. 4 U 68/06) OLG Brandenburg, Urteil vom (Az. 4 U 121/06) OLG Brandenburg, Urteil vom (Az. 13 U 162/06) LG Köln, Urteil vom (Az. 5 O 335/03)18 18 Ein CD-Autoradio, dass nicht alle kopiergeschützten CD s abspielen kann, stellt keinen Sachmangel dar: Vorübergehendes Zulassungshindernis im Ausland, weil das Fahrzeug immer noch einer internationalen Suchfahndung unterlag; (Anmerkung: Das Fahrzeug wurde im Rahmen eines Betrugsverfahrens gesucht, sodass der Händler vom Vorbesitzer (gutgläubig) Eigentum erwerben konnte.) AG Aachen, Urteil vom (Az. 84 C 210/03) LG Karlsruhe, Urteil vom (Az. 2 O 237/06) 3.2 Verschleiß Von Sachmängeln zu unterscheiden sind bei Gebrauchtwagen typische Verschleißerscheinungen. Sofern keine abweichende Vereinbarung vorliegt, trägt nämlich der Käufer das Risiko für normale Verschleiß-, Abnutzungs- und Alterungserscheinungen. Verschleiß (keine Haftung des Kfz-Händlers ohne besondere Vereinbarung) Schlagartiger Defekt eines Dichtungsrings im Turbolader eines 9 Jahre alten Fahrzeugs ( km); Abnutzungs- und Verschleißerscheinungen sind keine Sachmängel, wenn sie nicht über das hinausgehen, was bei einem Fahrzeug des betreffenden Typs und Alters angesichts seiner Laufleistung zu erwarten ist. Der Verkäufer haftet nicht für normalen Verschleiß, und zwar unabhängig von den Auswirkungen des Defekts an dem Verschleißteil, i.d.r. zudem auch nicht für nach der Fahrzeugübergabe fortschreitenden Normalverschleiß und/oder auch dann nicht, wenn durch ihn nach der Fahrzeugübergabe ein Defekt an einem anderen Teil auftritt, dass kein Verschleißteil ist. Das gilt nicht, wenn ein infolge normalen Verschleißes nach Fahrzeugübergabe auftretender Defekt durch eigenübliche Sorgfalt, insbesondere Wartung oder Inspektion, hätte verhindert werden können. Ein frühzeitiger Verschleiß der Vorderreifen aufgrund werksseitiger Tieferlegung des Fahrzeugs stellt keinen mangelbedingten Verschleiß dar und begründet somit keinen Sachmangel. BGH, Urteil vom (Az. VIII ZR 43/05) OLG Bamberg, Urteil vom (Az. 8 U 68/00) LG Dessau, Beschluss vom (Az. 7 T 542/02) AG Neukölln, Urteil vom (Az. 18 C 114/04) OLG Brandenburg, Urteil vom (Az. 4 U 121/06) (Az. I 1 U 28/05)19 19 Für die Frage, ob es sich um einen hinzunehmenden normalen oder einen Sachmangel begründenden atypischen Verschleiß handelt, ist auf die Fahrzeuge verschiedener Produzenten im globalen Vergleich abzustellen (These vom Globalvergleich), also nicht nur auf Fahrzeuge der gleichen Marke und des gleichen Typs. Selbst Serienfehler können daher ggf. auch einen Sachmangel begründen. Regenwasser im Fahrgastraum, mangelhafte Stoßdämpfer und Querlenker bei einem Ford Fiesta (13 Jahre alt, km, Kaufpreis 600 ); Falsch eingestellte Spur bei einem 8 Jahre (Az. I 3 U 12/04) (Az. I 1 U 38/06) (Revision zugelassen) LG Dessau, Beschluss vom (Az. 7 T 542/02 LG Hof, Urteil vom (Az. 32 O 713/02) alten Opel Omega Caravan; Riss des Zahnriemens; LG Itzehoe, Urteil vom (Az. 6 O 523/02) AG Aachen, Urteil vom (Az. 14 C 161/03) AG Geilenkirchen, Urteil vom (Az. 10 C 12/06) Riss eines Zahnriemens vor Erreichen des Austauschintervalls bei einem Renault Clio (3 Jahre alt, km); AG Offenbach, Urteil vom (Az. 380 C 286/02) Geringfügige Lackschäden LG Oldenburg, Urteil vom (Az. 16 S 612/03) Bremsenverschleiß nach Bremsstandprüfung und Ölverlust; LG Aachen, Urteil vom (Az. 6 S 99/03) Schaden an Peripherieteilen an der Ansauganlage AG Geislingen, Urteil vom eines Kompressors bei einem (Az. 3 C 600/03) Jahre alten Audi A 4 Avant 1,9 TDI; Funktionsunfähiger Katalysator bei einem 9 Jahre alten GW mit einer Laufleistung von km; AG Offenbach, Urteil vom (Az. 38 C 276/04) (andere Ansicht: AG Zeven, Urteil vom (Az. 3 C 242/02))20 20 4. Darlegungs- und Beweislast / Beweislastumkehr 4.1 Beweislastverteilung Ob Ansprüche begründet sind oder nicht, hängt oftmals auch von der Frage ab, wer für das Vorliegen oder Nichtvorliegen bestimmter Tatsachen beweispflichtig ist. Kann ein erforderlicher Beweis nicht geführt werden, geht dies zu Lasten des Beweispflichtigen. Beweispflichtig ist in der Regel die Partei, die sich auf für sie günstige Tatsachen beruft, sofern das Gesetz keine abweichende Regelung von diesem Grundsatz enthält. Dem Käufer obliegt die Beweislast für das Vorliegen eines Sachmangels ( 363 BGB). Eine Umkehr der Beweislast nach 476 BGB erfolgt hier nicht, da die Vorschrift zu Gunsten des Käufers nur eine in zeitlicher Hinsicht wirkende Vermutung enthält. Beruht eine von mehreren möglichen Schadensursachen nur auf Verschleiß und nicht auf einer vertragswidrigen Beschaffenheit zur Zeit des Gefahrenübergangs, kann nicht abschließend geklärt werden, ob ein Sachmangel vorliegt. Hierfür trägt der Käufer die Beweislast. Die Zahlung eines Teilbetrages oder die Erbringung von Kulanzleistungen kann im Einzelfall u.u. als Zeugnis des Händlers wider sich selbst gewertet werden und somit zu einer Umkehr der Beweislast zu Lasten des Händlers führen. NW-Kauf: Die Beweislast für die Aufklärung über eine fehlende Modellaktualität liegt beim Kfz-Händler. Der Verkäufer trägt die Beweislast für die Verkürzung der Sachmängelhaftungsfrist. Die Kosten für die Durchführung eines selbständigen Beweisverfahrens zur Frage, ob ein Sachmangel vorliegt, sind dem Käufer zu erstatten, wenn sie zum Zwecke der Nacherfüllung erforderlich waren. BGH, Urteil vom (Az. VIII ZR 329/03) OLG Frankfurt/M., Urteil vom (Az. 13 U 164/06) OLG Schleswig-Holstein, Urteil vom (Az. 3 U 30/07) LG Dortmund, Urteil vom (Az. 22 O 85/06) BGH, Urteil vom (Az VIII ZR 43/05) LG Dortmund, Urteil vom (Az. 22 O 85/06) BGH, Urteil vom (Az. I ZR 284/02) (Az. 1 U 11/04) AG Rheda-Wiedenbrück, Urteil vom (Az. 4 C 209/02) AG Marienberg, Urteil vom (Az. 2 C 61/06) 4.2 Beweislastumkehr des 476 BGB Für den Verbrauchsgüterkauf enthält 476 BGB eine Sonderregelung. Ein derartiger Verbrauchsgüterkauf liegt vor, wenn ein Kaufvertrag zwischen einem Unternehmer und einem Verbraucher abgeschlossen wird. Die Vorschrift bewirkt zu Gunsten des Käufers/Verbrauchers eine Beweislastumkehr insofern, als zu Gunsten des Käufers in zeitlicher Hinsicht vermutet wird, dass der innerhalb von 6 Monaten aufgetretene Mangel bereits im Zeitpunkt des Gefahrübergangs vorhanden war, es sei denn, diese Vermutung ist mit der Art der Sache oder des Mangels unvereinbar. Mehr anzeigen
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