Source: https://www.jagd-bayern.de/jagdrechtliche-entscheidungen.html
Timestamp: 2019-02-16 19:58:57
Document Index: 74924523

Matched Legal Cases: ['§ 2', '§ 62', '§ 90', 'BGH', 'BGH', 'BGH']

Bayerischer Jagdverband e.V.| Jagdrechtliche Entscheidungen
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Der Begriff "Haarwild" i.S.v. § 2 Nr. 1 des Bundesjagdgesetzes ist nicht auslegungsfähig (LG Köln, VersR 91, 222). Allerdings können Versicherungsbedingungen einzelner Versicherer andere Regelungen treffen. So bietet beispielsweise die ADAC Autoversicherung AG in der Variante Komfort Versicherungsschutz für Unfälle mit sämtlichen Tieren an. Abgedeckt sind in diesem Fall sogar Unfälle mit Haustieren.
Kommt es zu einem Schaden ohne Wildberührung, weil der Fahrer beim Ausweichen verunglückt, liegt kein Wildschaden im eigentlichen Sinne vor. Es besteht jedoch die Möglichkeit, den Schaden als Rettungskostenersatz (§§ 62, 63 VVG; ab 01.01.08 § 90 VVG n.F.) geltend zu machen: Aufwendungen, die gemacht werden, um "bei Eintritt des Versicherungsfalles" diesen abzuwenden oder die Folgeschäden zu mindern, werden als Rettungskosten erstattet, wenn der Versicherungsfall unmittelbar bevorsteht (BGH DAR 91, 261). Zweck des nicht nur reflexhaften, sondern zielgerichteten Ausweichens muss die Verhinderung des Schadenseintrittes oder Minimierung des Schadens sein (OLG Oldenburg, MDR 05, 34).
Zu diesem Themenkreis wurden in der Vergangenheit zahlreiche Urteile veröffentlicht. Während das Ausweichen eines PKW vor Niederwild in der Regel unverhältnismäßig sein wird, wird das Ausweichen eines Motorradfahrers aufgrund der besonderen Gefährlichkeit von der Rechtsprechung anders beurteilt: Nach einer Entscheidung des BGH ist der Versicherer nicht zum Ersatz von Rettungskosten verpflichtet, wenn der Fahrer eines PKW bei einer Geschwindigkeit von 90 km/h einem Hasen ausweicht. Laut BGH ist es grob fahrlässig, bei einer Geschwindigkeit von 90 km/h das hohe Risiko einer Änderung der Fahrtrichtung in zu Kauf nehmen (DAR 97, 158). Es liegt nicht schon deshalb grobe Fahrlässigkeit vor, weil der Motorradfahrer bei dem Schild "Wildwechsel" nahezu die erlaubte Höchstgeschwindigkeit von 100 km/h fährt (OLG Koblenz, NZV 2007, 246).