Source: http://www2.lubw.baden-wuerttemberg.de/public/abt2/dokablage/oac_13/vo/1/81350000080.htm
Timestamp: 2018-12-13 09:17:34
Document Index: 109219342

Matched Legal Cases: ['§ 22', '§ 2', 'Art;\n5', '§ 4', '§ 7', '§ 5', '§ 4', '§ 63', '§ 60', '§ 5']

112080 Ur-Brenztal
1.35.080 Ur-Brenztal
Verordnung des Landratsamtes Heidenheim als untere Naturschutzbehörde über das Landschaftsschutzgebiet Ur-Brenztal vom 27.06.2003
Aufgrund der §§ 22, 58 Abs. 3 des Naturschutzgesetzes (NatSchG) in der Fassung vom 19. November 2002 (GBl. S. 428) wird verordnet:
Die in § 2 näher bezeichneten Flächen auf dem Gebiet der Gemeinde Königsbronn, Gemarkung Königsbronn, werden zum Landschaftsschutzgebiet erklärt. Das Landschaftsschutzgebiet führt die Bezeichnung "Ur-Brenztal".
(1) Das Landschaftsschutzgebiet hat eine Größe von rund 68,9 ha.
Im Osten durch die B 19 (beginnend ca. 200 m nördlich des Ortsendes von Königsbronn) einschließlich des Gaintales östlich der B 19;
im Norden durch eine Linie von der Einmündung des FW Nr. 17 in die B 19 zum Bahnübergang Birkach, dann in nördlicher Richtung durch den Gemeindeverbindungsweg Nr. 1142 bis zur Kreisgrenze, ab dort in westlicher Richtung durch die Kreisgrenze; ausgenommen ist der Seegartenhof;
im Westen durch die Kreisgrenze bis zur Ziegelhütte, ab der Ziegelhütte in Richtung Süden durch den Waldrand einschließlich des Feldweges 1158/1, durch die westlichen Grundstücksgrenzen der Flurstücke Nr. 918/15 bis 917; ausgenommen ist die Ziegelhütte;
im Süden durch den Gemeindeverbindungsweg Nr. 916/1 und den FW Nr. 918 bis zum Fußballplatz, dessen Westseite, nördlich davon vom Ziegelbach, von dessen Unterquerung der Bahnlinie geradlinig zur B 19.
(3) Die Grenzen des Landschaftsschutzgebietes sind in einer Flurkarte im Maßstab 1 : 5.000, gefertigt vom Landratsamt Heidenheim am 13.03.2003, mit einer durchgezogenen grünen Linie eingetragen. Die Karte ist Bestandteil dieser Verordnung. Die Verordnung mit Karte wird beim Landratsamt Heidenheim - Fachbereich Bau und Umweltschutz - auf die Dauer von 3 Wochen, beginnend am achten Tag nach Verkündigung dieser Verordnung, zur kostenlosen Einsicht durch jedermann während der Sprechzeiten öffentlich ausgelegt.
Die Verordnung mit Karten wird nach Ablauf der Auslegungsfrist beim Staatsarchiv Ludwigsburg, Schloß, 71640 Ludwigsburg, verwahrt und beim Landratsamt Heidenheim - Fachberich Bau und Umweltschutz - niedergelegt und kann dort von jedermann während der Sprechzeiten eingesehen werden.
Wesentlicher Schutzzweck ist der Erhalt des im Schutzgebiet enthaltenen Grünlandes, im besonderen der vorhandenen Feuchtwiesen. Diese Feuchtflächen stellen einen wichtigen Trittstein für Wanderbewegungen der Vogelwelt dar. Sie bieten darüber hinaus Strichvögeln, wie z. B. dem Graureiher oder der Bekassine die Möglichkeit zur Nahrungsaufnahme. Die Wiesen und Weideflächen sind Lebensraum seltener Vogelarten, wie z. B. der Schafstelze, die in diesem Gebiet brütet und wichtiger Rastplatz für Wiesen- und Bergpieper, Steinschmätzer, Ringel- und Hohltauben und Jagdrevier von Kornweihen. An bedrohten Brutvogelarten finden sich außerdem Rotmilan, Neuntöter, Dorn- und Klappergrasmücke, sowie bedrohte Fledermausarten wie das Große Mausohr und die Zwergfledermaus.
Die weiten Grünflächen der Talaue gehören angesichts ständig steigender Siedlungs- und Gewerbegebieten auch in Tallagen zu den großen Besonder-heiten des Landkreises Heidenheim. Diese, zwischen dem interkommunalen Gewerbegebiet und der Gemeinde Königsbronn noch verbliebene offene Talaue unterbricht das nahezu durchgehende Siedlungsband, das sich von Aalen bis Gíengen/Brenz erstreckt und stellt eine ökologisch wichtige regionale Grünbrücke zwischen Albuch und Härtsfeld dar.
Der Talzug versinnbildlicht die Geschichte der Landschaftsentstehung, nachdem dieses Tal von der weiter im Norden entspringenden Urbrenz geschaffen wurde.
In dem Landschaftsschutzgebiet sind alle Handlungen verboten, die den Charakter
des Gebietes verändern oder dem Schutzzweck zuwiderlaufen, insbesondere, wenn
4. der Naturgenuss oder der besondere Erholungswert der Landschaft beeinträchtigt wird;
5. Insbesondere verboten ist der Umbruch von Grünland in Ackerland. Die Rückverwandlung von Ackerland in Grünland ist jedoch zulässig. Auffüllungen, auch soweit sie nach der Landesbauordnung genehmigungsfrei sind und die Neuanlage von Drainagen, sind nicht zulässig.
(2) Der Erlaubnis bedürfen insbesondere,
1. die Errichtung von baulichen Anlagen im Sinne der Landesbauordnung (in der jeweils geltenden Fassung) oder der Errichtung gleichgestellte Maßnahmen;
2. die Errichtung von Einfriedigungen;
3. das Verlegen oder Ändern von ober- oder unterirdischen Leitungen aller Art;
5. das Lagern von Gegenständen, soweit sie nicht zur zulässigen Nutzung des Grundstücks erforderlich sind;
6. die Anlage oder Veränderung von Straßen, Wegen, Plätzen oder anderen Verkehrswegen;
7. die Anlage oder Veränderung von Stätten für Sport und Spiel;
8. die Anlage oder Veränderung von Flugplätzen für den Modellflug;
9. der Betrieb von Motorsport sowie motorgetriebenen Schlitten mit Ausnahme motorgetriebene Schlitten für die Unterhaltung und Reparatur von Ver- oder Entsorgungseinrichtungen oder -leitungen und zu Anlage von Skilanglauf - Loipen.
10. das Aufstellen von Wohnwagen oder Verkaufsständen außerhalb der zugelassenen Plätze und das mehrtägige Zelten oder Abstellen von Kraftfahrzeugen;
11. die Anlage, Beseitigung oder Änderung von fließenden oder stehenden Gewässern sowie die Trockenlegung von Grünland oder Ackerflächen;
12. das Aufstellen oder Anbringen von Plakaten, Bild- oder Schrifttafeln;
13. die Neuaufforstung, Umwandlung von Wald, Anlage von Kleingärten oder die wesentliche Änderung der Bodennutzung auf andere Weise;
14. die Beseitigung oder Änderung von wesentlichen Landschaftsbestandteilen, die zur Zierde und Belebung des Landschaftsbildes beitragen oder wertvolle Biotope für Flora und Fauna darstellen, wie Hecken, landschaftsprägende Einzelbäume und Baumgruppen, Gehölzgruppen, Laubwaldtraufe, bachbegleitende Gehölz- und Krautvegetation, Verlandungsbereiche;
15. das Umbrechen von Grünland;
16. die Neuanlage von Drainagen;
17. das Starten und Landen von Ultraleichtflugzeugen; Drachen- und Gleitschirmfliegern.
(3) Die Erlaubnis ist zu erteilen, wenn die Handlung Wirkungen der in § 4 genannten Art nicht zur Folge hat oder solche Wirkungen durch Auflagen oder Bedingungen abgewendet werden können. Sie kann mit Auflagen, unter Bedingungen, befristet oder widerruflich erteilt werden, wenn dadurch erreicht werden kann, dass die Wirkung der Handlungen dem Schutzzweck nur unwesentlich zuwiderlaufen. Zur Sicherstellung der Erfüllung der Auflagen kann Sicherheitsleistung verlangt werden.
(7) Die landwirtschaftlichen Anwesen Seegartenhof und Ziegelhütte genießen Bestandsschutz. Betriebsbezogene Erweiterungen sind im Rahmen der gesetzlichen Bestimmungen zulässig.
1. ordnungsgemäße landwirtschaftliche Bodennutzung, die den Boden pflegt, Erosion und Humusabbau vermeidet, Gewässerrandstreifen, oberirdische Gewässer und Grundwasser nicht in ihrer chemischen, physikalischen und biologischen Beschaffenheit beeinträchtigt und wildlebenden Tieren und Pflanzen ausreichend Lebensraum erhält. Dies gilt insbesondere mit der Maßgabe, dass
c) wesentliche Landschaftsteile, wie landschaftsprägende Bäume, Hecken, Gebüsche, nicht beseitigt, zerstört oder geändert werden, die
sachgerechte Gehölzpflege bleibt davon unberührt;
Unterhaltungsarbeiten am Ziegelbach sind rechtzeitig mit der Unteren Naturschutzbehörde abzusprechen;
4. Pflegemaßnahmen, die von der Naturschutzbehörde angeordnet werden
(vgl. § 7)
5. ordnungsgemäße Unterhaltung der Straßen, Bahnlinie, Leitungstrassen, Wege und Plätze, ausgenommen Maßnahmen nach § 5 Abs. 2 Ziffer 1 und 3
(3) Die durch das Schutzgebiet verlaufende Bahnlinie Aalen - Ulm genießt Bestandsschutz, die Erhaltung und Pflege einer gehölzfreien Zone im Abstand von 5 m beiderseits der Gleisachse wird gewährleistet.
Schutz- und Pflegemaßnahmen können durch die Untere Naturschutzbehörde in einem Pflegeplan oder durch Einzelanordnung festgelegt werden, soweit sie nicht für Waldflächen im Forsteinrichtungswerk integriert sind. §§ 4 und 5 dieser Verordnung sind insoweit nicht anzuwenden.
Von den Vorschriften dieser Verordnung kann nach § 63 NatSchG durch die
Untere Naturschutzbehörde Befreiung erteilt werden.
Heidenheim, den 27.06.2003
Nach § 60 a NatschG ist eine Verletzung der in § 5 NatSchG genannten Verfahrens- und Formvorschriften nur beachtlich, wenn sie innerhalb eines Jahres nach Erlaß der Verordnung schriftlich beim Landratsamt Heidenheim geltend gemacht wird; der Sachverhalt, der die Verletzung begründen soll, ist darzulegen.