Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Gericht=BAG&Datum=14.02.1996&Aktenzeichen=2%20AZR%20201/95
Timestamp: 2019-04-24 22:57:36
Document Index: 288136407

Matched Legal Cases: ['§ 622', '§ 622', '§ 622', '§ 1', '§ 4', '§ 622', '§ 148', '§ 1', '§ 622', '§ 622']

BAG, 14.02.1996 - 2 AZR 201/95 - dejure.org
Einhaltung der Kündigungfrist bei ordentlicher Kündigung - Verlängerte Kündigungsfristen für gewerbliche Arbeitnehmer - Anwendbarkeit des KündFG (Kündigungsfristengesetz) - Inhaltliche Übernahme gesetzlicher Regelungen in ein umfassenderes tarifliches Regelwerk als Indiz gegen einen eigenen Normsetzungswillen der Tarifvertragsparteien - Lediglich deklaratorische Regelung einer Kündigungsfrist
Kündigungsschutz; Anwendung des Kündigungsfristengesetzes auf Altverträge
ArbG Hamburg, 15.12.1993 - 7 Ca 302/93
NZA 1996, 1166
DB 1996, 1088
Setzt der Gesetzgeber die erforderliche Beschäftigungsdauer für das Eingreifen der verlängerten Kündigungsfristen herab, so gilt dann auch insoweit die neue gesetzliche Regelung (Senatsurteil vom 14. Februar 1996 - 2 AZR 201/95 - zur Veröffentlichung in der Fachpresse vorgesehen).
Die Kündigungsfristenregelungen des Bürgerlichen Gesetzbuches finden unmittelbar Anwendung (Senat 14. Februar 1996 - 2 AZR 201/95 - AP BGB § 622 Nr. 50 = EzA BGB § 622 nF Nr. 53; 18. November 1999 - 2 AZR 104/99 - nv.).
Die Tariföffnungsklausel des § 622 Abs. 4 Satz 1 BGB nF ist nicht so zu verstehen, daß lediglich in künftigen Tarifverträgen von den gesetzlichen Kündigungsfristen abgewichen werden kann (Senat 5. Oktober 1995 - 2 AZR 1028/94 - BAGE 81, 76; 14. Februar 1996 - 2 AZR 201/95 - aaO; 29. Januar 1997 - 2 AZR 370/96 - AP TVG § 1 Tarifverträge: Textilindustrie Nr. 22 = EzA TVG § 4 Textilindustrie Nr. 9).
a) Nach der ständigen Rechtsprechung des Senats (grundlegend 28. Januar 1988 - 2 AZR 296/87 - AP BGB § 622 Nr. 24 = EzA ZPO § 148 Nr. 15 sowie die weiteren Urteile 5. Oktober 1995 - 2 AZR 1028/94 - BAGE 81, 76; 14. Februar 1996 - 2 AZR 201/95 - aaO; 14. Februar 1996 - 2 AZR 166/95 - AP TVG § 1 Tarifverträge: Textilindustrie Nr. 21 = EzA BGB § 622 nF Nr. 54; 18. September 1997 - 2 AZR 614/96 - RzK I 3 c Nr. 67; 18. September 1997 - 2 AZR 767/96 - nv.; 18. November 1999 - 2 AZR 104/99 - nv.) ist bei tariflichen Bestimmungen, die inhaltlich mit gesetzlichen Normen übereinstimmen oder auf sie verweisen, jeweils durch Auslegung zu ermitteln, inwieweit die Tarifvertragsparteien eine selbständige, dh.
Nach der ständigen Rechtsprechung des Bundesarbeitsgerichts (vgl. insbesondere Urteile vom 14. Februar 1996 - 2 AZR 201/95 - in NZA 96, 1166 ff und vom 14. Februar 1996 - 2 AZR 166/95 - in NZA 97, 97 ff jeweils unter II. 2. der Gründe m.w.N.) "ist bei Tarifverträgen jeweils durch Auslegung zu ermitteln, inwieweit die Tarifvertragsparteien eine selbständige, d.h. in ihrer normativen Wirkung von der außertariflichen Norm unabhängige eigenständige Regelung treffen wollten.
Für einen rein deklaratorischen Charakter der Übernahme spricht hingegen, wenn einschlägige gesetzliche Vorschriften wörtlich oder inhaltlich unverändert übernommen werden." Dementsprechend ist "auch zu erwarten, daß die Tarifvertragsparteien jedenfalls bei neueren Tarifverträgen dafür Sorge tragen, daß ihr Normsetzungswille im Tarifvertrag einen deutlichen Niederschlag findet, wenn sie mit der partiellen Übernahme von Gesetzesrecht eine eigenständige Tarifregelung beabsichtigen" (BAG Urteile vom 14. Februar 1996, a.a.O., jeweils unter II. 2. a der Gründe).
Dabei kann dahinstehen, ob solches überhaupt möglich wäre (offengelassen auch vom BAG im Urteil vom 05. Oktober 1995 - 2 AZR 1028/94 - in AP Nr. 48 zu § 622 BGB unter II. 2. c der Gründe sowie in den Urteilen vom 14. Februar 1996, a.a.O., jeweils unter II. 2. b der Gründe).
Denn jedenfalls macht eine inhaltlich gesetzesgleiche eigenständige tarifliche Regelung regelmäßig nur dann Sinn, wenn die Tarifvertragsparteien die bisherige Rechtslage gerade im Hinblick auf etwaige künftige Gesetzesänderungen festschreiben wollen; ein solcher Wille der Tarifvertragsparteien muß dann aber im Tarifvertrag selbst deutlich zum Ausdruck kommen (…BAG Urteil vom 05. Oktober 1995, a.a.O., und Urteile vom 14. Februar 1996, a.a.O.; a.A. jetzt LAG Düsseldorf Urteil vom 14. Oktober 1997 in DB 98, 425 f).
Der Normsetzungswille muss im Tarifvertrag einen deutlichen Niederschlag gefunden haben (BAG 14. Februar 1996 - 2 AZR 201/95 - zu II 2 a der Gründe, aaO).
ArbG Karlsruhe, 27.01.1997 - 9 Ca 765/96
Lohnfortzahlung im Krankheitsfall nach Tarifvertrag