Source: https://www.rechtslupe.de/arbeitsrecht/tarifvertrag-und-betriebsuebergang-320086
Timestamp: 2020-08-15 02:33:37
Document Index: 374243482

Matched Legal Cases: ['§ 613', '§ 613', '§ 4', '§ 5', '§ 613', '§ 613']

Tarifvertrag und Betriebsübergang | Rechtslupe
Tarif­ver­trag und Betriebs­über­gang
Ein all­ge­mein­ver­bind­li­cher Tarif­ver­trag, an den nach einem Betriebs­über­gang Arbeit­neh­mer und Erwer­ber gebun­den sind, löst einen ledig­lich vom Ver­äu­ße­rer ver­ein­bar­ten Haus­ta­rif­ver­trag, an den der Arbeit­neh­mer gleich­falls gebun­den war, nach § 613a Abs. 1 Satz 3 BGB ab, ent­schied jetzt das Bun­des­ar­beits­ge­richt. Die Rechts­nor­men des Haus­ta­rif­ver­tra­ges wer­den nicht nach § 613a Abs. 1 Satz 2 BGB Inhalt des Arbeits­ver­hält­nis­ses zwi­schen Erwer­ber und Arbeit­neh­mer.
In dem jetzt vom Bun­des­ar­beits­ge­richt ent­schie­de­nen Rechts­streit war der Klä­ger, Mit­glied der Gewerk­schaft ver.di, als Luft­si­cher­heits­as­sis­tent beschäf­tigt. Sein Arbeits­ver­hält­nis ging auf­grund eines Betriebs­über­gangs auf die Beklag­te über. Beim Ver­äu­ße­rer galt für den Klä­ger sowohl der all­ge­mein­ver­bind­li­che Flä­chen­ta­rif­ver­trag für das Wach- und Sicher­heits­ge­wer­be als auch kraft bei­der­sei­ti­ger Tarif­ge­bun­den­heit ein Haus­ta­rif­ver­trag, der den all­ge­mein­ver­bind­li­chen ver­dräng­te. Ein Tarif­ver­trag zwi­schen der Gewerk­schaft ver.di und der Beklag­ten, dem­zu­fol­ge der beim Ver­äu­ße­rer gel­ten­de Haus­ta­rif­ver­trag auch bei die­ser gel­ten soll­te, kam nach den Fest­stel­lun­gen des Lan­des­ar­beits­ge­richts Ham­burg [1] nicht form­wirk­sam zustan­de. Der Klä­ger ver­lang­te von der Beklag­ten die Dif­fe­renz zwi­schen der Ver­gü­tung nach dem – inso­weit ungüns­ti­ge­ren – Haus­ta­rif­ver­trag, nach dem die Beklag­te das Arbeits­ver­hält­nis abrech­ne­te, und dem all­ge­mein­ver­bind­li­chen Tarif­ver­trag.
Die Kla­ge war vor dem Bun­des­ar­beits­ge­richt eben­so wie zuvor bereits vor dem Lan­des­ar­beits­ge­richt Ham­burg erfolg­reich. Die Rege­lun­gen des Haus­ta­rif­ver­tra­ges gal­ten bei der Beklag­ten nicht. Die Bestim­mun­gen des all­ge­mein­ver­bind­li­chen Tarif­ver­tra­ges wur­den für das Arbeits­ver­hält­nis der Par­tei­en auf­grund bei­der­sei­ti­ger Tarif­ge­bun­den­heit ver­bind­lich (§ 4 Abs. 1, § 5 Abs. 1 TVG). Dadurch war die ansons­ten gesetz­lich ange­ord­ne­te Wei­ter­gel­tung des Haus­ta­rif­ver­tra­ges der frü­he­ren Arbeit­ge­be­rin nach § 613a Abs. 1 Satz 2 BGB (Trans­for­ma­ti­on) durch die Bestim­mung des § 613a Abs. 1 Satz 3 BGB aus­ge­schlos­sen.
Bun­des­ar­beits­ge­richt, Urteil vom 7. Juli 2010 – 4 AZR 1023/​08
LAG Ham­burg, Urteil vom 24. Okto­ber 2008 – 3 Sa 54/​08[↩]
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