Source: https://www.aussenwirtschaftslupe.de/e-mail-marketing-6810?pk_campaign=feed&pk_kwd=e-mail-marketing
Timestamp: 2020-08-12 00:35:19
Document Index: 283417098

Matched Legal Cases: ['§ 7', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'EuG', 'Art. 15', 'EuG']

E-Mail-Marketing | Außenwirtschaftslupe
Ein Unter­neh­men, des­sen Ver­mark­tung auch über das Inter­net statt­fin­det, kommt nicht dar­an vor­bei, E‑Mails für die Ver­mark­tung zu nut­zen:
So wird die Kom­mu­ni­ka­ti­on über E‑Mails von über 70 % der Ver­brau­cher bevor­zugt. Dar­über hin­aus wird von den Ver­brau­chern, die mit E‑Mails bewor­be­ne Arti­kel gekauft haben, ca. 140 % mehr aus­ge­ge­ben, als von den­je­ni­gen, die kei­ne Wer­be-Mails erhal­ten haben. Doch so effi­zi­ent das E‑Mail-Mar­ke­ting auch sein kann, sind bei der Umset­zung eini­ge Punk­te zu beach­ten:
Nicht jede Wer­bung per E‑Mail ist erlaubt – auch wenn sich dar­aus Umsatz gene­rie­ren lässt. Im Jahr 2009 hat der Bun­des­ge­richts­hof [1] in sei­ner Ent­schei­dung deut­lich zum Aus­druck gebracht, dass bereits eine ohne Ein­wil­li­gung zuge­sand­te ein­zel­ne E‑Mail mit Wer­bung nicht erlaubt ist. Liegt vor­her kei­ne aus­drück­li­che Ein­wil­li­gung des Emp­fän­gers vor, so han­delt es sich um eine unzu­mut­ba­re Beläs­ti­gung. Kommt es zum Kon­flikt, hat der Ver­sen­der das Vor­han­den­sein einer Ein­wil­li­gung zu bewei­sen.
Außer­dem muss sich die Wer­bung per E‑Mail nach § 7 Abs.3 UWG auf eige­ne ähn­li­che Pro­duk­te bezie­hen, und die Ein­wil­li­gung darf nach Ansicht des Land­ge­richts Ber­lin nicht län­ger als 2 Jah­re zurück­lie­gen [2]. Dage­gen zieht das Land­ge­richt Mün­chen die Gren­ze bei 19 Mona­ten [3]. Nach Auf­fas­sung des Amts­ge­richts Bonn ver­liert die Ein­wil­li­gung erst nach 4 Jah­ren ihre Gül­tig­keit, wenn sie nicht genutzt wur­de [4]. Wer­den aber regel­mä­ßig E‑Mails mit Wer­bung ver­schickt, die auf einer vor Jah­ren abge­ge­be­nen Ein­wil­li­gung beru­hen, wird die­se nicht durch einen erheb­li­chen Zeit­ab­lauf ungül­tig. So hat das Amts­ge­richt Ham­burg im August die­sen Jah­res für eine 2010 abge­ge­be­ne Ein­wil­li­gung ent­schie­den [5]. Fehlt es an einer Ein­wil­li­gung, so darf nach einer Ent­schei­dung des BGH auch kei­ne auto­ma­ti­sche Ant­wort-E-Mail mit Wer­bung ver­se­hen wer­den [6].
Wer­den alle recht­li­chen Aspek­te beach­tet, kann das E‑Mail-Mar­ke­ting zu sehr guten Ergeb­nis­sen füh­ren. So liegt für 1/​5 der Ver­mark­ter hier die wich­tigs­te Ein­nah­me­quel­le. Dreh- und Angel­punkt ist dabei eine Lis­te mit E‑Mail-Abon­nen­ten. Im Inter­net fin­det man z.B. bei Neil­pa­tel eine aus­führ­li­che Beschrei­bung, wie eine sol­che Lis­te zu erstel­len und dann zu nut­zen ist. Jede Lis­te soll­te danach begrenzt sein auf eine bestimm­te Ziel­grup­pe. Mit die­ser Ziel­grup­pe wird regel­mä­ßig per E‑Mail kom­mu­ni­ziert – ent­we­der um für ein Pro­dukt zu wer­ben oder dem Kun­den einen Mehr­wert zu bie­ten.
E‑Mails sind in keins­ter Wei­se mit der tra­di­tio­nel­len Post zu ver­glei­chen. Fly­er im Brief­kas­ten und Wer­be­post in Brief­form stei­gern meist nur das Alt­pa­pier­auf­kom­men. Sel­ten kann eine der­ar­ti­ge Wer­bung so gezielt ein­ge­setzt wer­den, dass die Emp­fän­ger der Wer­bung mit den Bestands­kun­den und poten­ti­el­len Kun­den eines Unter­neh­mens über­ein­stim­men. Beim E‑Mail-Mar­ke­ting sieht das voll­kom­men anders aus: Durch eine spe­zi­ell auf das Unter­neh­men aus­ge­rich­te­te E‑Mail-Lis­te bleibt die Wer­bung nicht ohne Wir­kung. Dazu kommt, dass es all­ge­mein ein Groß­teil der Kun­den vor­zieht, mit Fir­men per E‑Mail zu kom­mu­ni­zie­ren. Ent­hält die regel­mä­ßi­ge E‑Mail dann noch einen Mehr­wert für den Kun­den bleibt das Unter­neh­men beim Emp­fän­ger posi­tiv besetzt.
Zur Erstel­lung der Mai­ling­lis­te ist anhand von bestimm­ten Kri­te­ri­en genau zu erar­bei­ten, auf wel­che Ziel­grup­pe die­se Lis­te abge­stimmt ist. Neben Alter, Geschlecht und Bil­dungs­stand kön­nen auch Wohn­ort und Lebens­stil Aus­wahl­punk­te bei der Ziel­grup­pe sein. Dar­über hin­aus sind alle Infor­ma­tio­nen wich­tig: Wel­ches Hob­by wird aus­ge­übt, wel­ches Urlaubs­ziel bevor­zugt oder mit wel­chem Pro­blem hat man sich aus­ein­an­der zu set­zen. Es ist also von beson­de­rer Bedeu­tung, die Ziel­grup­pe für das E‑Mail-Mar­ke­ting eines Unter­neh­mens bis ins kleins­te Detail genau zu ken­nen. Denn nur mit die­sem Hin­ter­grund­wis­sen kann der Ziel­grup­pe in den E‑Mails auch das ange­bo­ten wer­den, was ihr gefällt.
BGH, Urteil vom 2009 – I ZR 218/​07[↩]
LG Ber­lin, Urteil vom 02.07.2004 – 15 O 653/​03[↩]
LG Mün­chen, Urteil vom 08.04.2010 – HK O 138/​10[↩]
AG Bonn, Urteil vom 10.05.2016 – 104 C 227/​15[↩]
AG Ham­burg, Urteil vom 24.08.2016 – 9 C 106/​16[↩]
BGH, Urteil vom 1512.2015 – VI ZR 134/​15[↩]
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