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Timestamp: 2016-10-21 16:43:00
Document Index: 265383872

Matched Legal Cases: ['Art. 95', 'Art. 106', 'Art. 42', 'BGE', 'BGE', 'Art. 29', 'BGE']

8C_669/2015 (03.11.2015)
8C_669/2015 � � Urteil vom 3. November 2015
Der 1963 geborene A.________ war als Mechaniker/Monteur der B.________ AG obligatorisch bei der Schweizerischen Unfallversicherungsanstalt (SUVA) versichert, als er am 26. Juni 2013 verunfallte. Beim Sturz auf die Kante der Ladefl�che eines Lastwagens zog er sich gem�ss Bericht des erstbehandelnden Spitals unter anderem eine diskret dislozierte Rippenfraktur rechts (sp�ter als Rippenserienfraktur 6-8 diagnostizert) mit angrenzender kleiner Lungenkontusion zu. Die SUVA gew�hrte Heilbehandlung und richtete Taggeld aus. Ab dem 21. August 2013 konnte der Versicherte seine Arbeit wieder halbtags aufnehmen. Nachdem die Schmerzen trotz radiologisch best�tigter Konsolidierung der Frakturen im Verlaufe des September 2013 weiterhin anhielten, erfolgte bei Verdacht auf eine zervikale Pathologie am 21. Februar 2014 eine Magnetresonanz-Untersuchung der Halswirbels�ule. Dr. med. C.________, Facharzt f�r Orthop�die und Unfallchirurgie, nahm am 25. M�rz 2014 eine kreis�rztliche Untersuchung vor. Gest�tzt auf dessen Einsch�tzung, wonach bez�glich der Rippenfrakturen und der Lungenkontusion keine Behandlungsbed�rftigkeit mehr bestehe und die Beschwerden der Halswirbels�ule (HWS) unfallfremd seien, stellte die SUVA ihre Leistungen mit Verf�gung vom 5. Juni 2014 auf den 25. M�rz 2014 ein. Daran hielt sie mit Einspracheentscheid vom 28. August 2014 fest.
A.________ l�sst Beschwerde in �ffentlich-rechtlichen Angelegenheiten f�hren und beantragen, in Aufhebung des vorinstanzlichen Entscheides seien ihm �ber den 25. M�rz 2014 hinaus Versicherungsleistungen (Taggeld bei einer vollen Arbeitsunf�higkeit, eventuell eine 100%ige Invalidenrente nebst einer angemessenen Integrit�tsentsch�digung) zu gew�hren.
1.1.�Die Beschwerde kann wegen Rechtsverletzung nach Art. 95 f. BGG erhoben werden. Das Bundesgericht wendet das Recht von Amtes wegen an (Art. 106 Abs. 1 BGG). Immerhin pr�ft es grunds�tzlich nur die geltend gemachten R�gen, sofern die rechtlichen M�ngel nicht geradezu offensichtlich sind (Art. 42 Abs. 1 und 2 BGG; BGE 133 II 249 E. 1.4.1 S. 254).
Streitig und zu pr�fen ist, ob aus dem Unfall vom 26. Juni 2013 �ber den 25. M�rz 2014 hinaus Anspruch auf Leistungen der obligatorischen Unfallversicherung besteht. Einig sind sich die Parteien darin, dass die Rippenserienfraktur und die leichte Lungenkontusion abgeheilt sind. Umstritten ist einzig der Kausalzusammenhang zwischen der zervikalen Diskushernie und dem versicherten Unfall.
2.1.�Die Rechtsgrundlagen f�r die Beurteilung der Streitsache sind im angefochtenen Entscheid zutreffend dargelegt, worauf verwiesen wird.
2.2.�Wie das kantonale Gericht bereits festhielt, entspricht es einer medizinischen Erfahrungstatsache im Bereich des Unfallversicherungsrechts, dass praktisch alle Diskushernien bei Vorliegen degenerativer Bandscheibenver�nderungen entstehen und ein Unfallereignis nur ausnahmsweise, unter besonderen Voraussetzungen, als eigentliche Ursache in Betracht f�llt. Als weitgehend unfallbedingt kann eine Diskushernie betrachtet werden, wenn das Unfallereignis von besonderer Schwere und geeignet war, eine Sch�digung der Bandscheibe herbeizuf�hren, und die Symptome der Diskushernie (vertebrales oder radikul�res Syndrom) unverz�glich und mit sofortiger Arbeitsunf�higkeit auftreten (statt vieler: SVR 2009 UV Nr. 1 S. 1; RKUV 2000 Nr. U 379 S. 192, U 138/99 E. 2a).
3.1.�Gem�ss kantonalem Gericht ist auf die Erkenntnisse des SUVA-Kreisarztes in seinem Untersuchungsbericht vom 25. M�rz 2014 abzustellen. Nachdem der Versicherte beim Unfallereignis im Bereich der Halswirbels�ule keine strukturellen objektivierbaren L�sionen erlitten habe, seien die nunmehr geltend gemachten Beschwerden an der Halswirbels�ule unfallfremd. Das Gleiche gelte f�r die Beschwerden an der rechten Schulter. Aufgrund der beim versicherten Unfall erlittenen Verletzungen sei der Beschwerdef�hrer ab dem 25. M�rz 2014 wieder voll arbeitsf�hig. Die Berichte der Neurologin Dr. med. D.________ vom 3. und 19. M�rz 2014 seien nicht geeignet, Zweifel an der Einsch�tzung des Kreisarztes hervorzurufen.
3.2.�Der Beschwerdef�hrer beruft sich insbesondere auf zwei vorinstanzlich eingereichte Aktenst�cke, in denen sich seine behandelnden �rzte zur Kausalit�tsbeurteilung durch die SUVA �ussern. Das kantonale Gericht habe sich damit nicht auseinandergesetzt und den massgeblichen Sachverhalt unrichtig und unvollst�ndig festgestellt. Wenn es den Ausf�hrungen dieser �rzte nicht habe folgen wollen, h�tte es den Kausalzusammenhang zwischen seinen Beschwerden an der Halswirbels�ule und dem Unfall vom 26. Juni 2013 zumindest mittels eines medizinischen Gutachtens abkl�ren m�ssen.
Vorerst ist zu pr�fen, ob die vom Beschwerdef�hrer sinngem�ss geltend gemachte Verletzung seines rechtlichen Geh�rs durch die Vorinstanz zur Aufhebung des angefochtenen Entscheides f�hrt.
4.1.�Der verfassungsm�ssige Anspruch auf rechtliches Geh�r umfasst unter anderem das Recht des Betroffenen, sich vor Erlass eines in seine Rechtsstellung eingreifenden Akts zur Sache �ussern zu k�nnen. Er verlangt von der Beh�rde, dass sie seine Vorbringen tats�chlich h�rt, ernsthaft pr�ft und in ihrer Entscheidfindung angemessen ber�cksichtigt. Dies gilt f�r alle form- und fristgerechten �usserungen, Eingaben und Antr�ge, die zur Kl�rung der konkreten Streitfrage geeignet und erforderlich erscheinen (BGE 136 I 184 E. 2.2.1 S. 188 mit Hinweisen; 112 Ia 1 E. 3c).
4.2.�Im angefochtenen Entscheid werden die mit der Replik vom 16. M�rz 2015 eingereichten Beilagen mit medizinischen Ausf�hrungen zur Kausalit�tsfrage weder erw�hnt noch gew�rdigt. Darin k�nnte eine Geh�rsverletzung (Art. 29 Abs. 2 BV) vorliegen. Diese f�hrte jedoch zu keiner formellrechtlich begr�ndeten R�ckweisung der Streitsache an die Vorinstanz: Nach der Rechtsprechung kann eine nicht besonders schwerwiegende Verletzung des rechtlichen Geh�rs ausnahmsweise als geheilt gelten, wenn die betroffene Person die M�glichkeit erh�lt, sich vor einer Beschwerdeinstanz zu �ussern, die sowohl den Sachverhalt als auch die Rechtslage frei �berpr�fen kann. Unter dieser Voraussetzung ist dar�ber hinaus - im Sinne einer Heilung des Mangels - selbst bei einer schwerwiegenden Verletzung des Geh�rs - wovon hier nicht ausgegangen werden kann - von einer R�ckweisung der Sache an die Verwaltung abzusehen, wenn und soweit die R�ckweisung zu einem formalistischen Leerlauf und damit zu unn�tigen Verz�gerungen f�hren w�rde, die mit dem (der Anh�rung gleichgestellten) Interesse der betroffenen Partei an einer bef�rderlichen Beurteilung der Sache nicht zu vereinbaren w�ren (BGE 137 I 195 E. 2.3.2; 136 V 117 E. 4.2.2.2; je mit Hinweisen).
Da das Bundesgericht im Beschwerdeverfahren um die Zusprechung oder Verweigerung von Geldleistungen der Milit�r- oder Unfallversicherung nicht an den vorinstanzlich festgestellten Sachverhalt gebunden ist (E. 1.2), und damit die vom Beschwerdef�hrer angef�hrten Aktenst�cke in seinen Erw�gungen ber�cksichtigen kann, ist eine eventuelle Geh�rsverletzung durch das kantonale Gericht als geheilt zu betrachten.
5.1.�Entgegen den Ausf�hrungen des Beschwerdef�hrers hat das kantonale Gericht gest�tzt auf die sorgf�ltige W�rdigung der im angefochtenen Entscheid dargelegten medizinischen Akten nachvollziehbar aufgezeigt, weshalb es zur Erkenntnis gelangte, dass die geltend gemachten HWS- und Schulterbeschwerden nicht auf den versicherten Unfall zur�ckzuf�hren sind. Die Vorinstanz erwog hierbei zutreffend, im Bericht �ber ein MRI der HWS vom 21. Februar 2014 seien keine Hinweise auf eine Diskushernie gefunden worden. Das Ereignis vom 26. Juni 2013 k�nne nicht als besonders schwer bezeichnet werden. Namentlich lasse der Bericht �ber die Hospitalisierung am Tag des Unfalls nicht darauf schliessen, dass der Beschwerdef�hrer bereits damals unter den rechtsprechungsgem�ss (E. 2.2 hievor) erforderlichen akuten Symptomen gelitten h�tte. Zu Recht f�hrt die Vorinstanz aus, dass eine unfallbedingte Diskushernie - und damit notwendigerweise ein vertebrales oder radikul�res Syndrom (E. 2.2) - nicht unbemerkt geblieben w�re. Dies gilt selbst dann, wenn die Rippenserienfraktur im Vordergrund gestanden hatte. Umso mehr h�tten entsprechende Symptome in der Zeit, als der erste Schmerzschub aufgrund der Frakturen abgeklungen war, bemerkt werden m�ssen. Solches ergibt sich aus den Akten aber nicht. Gem�ss Zeugnis des Dr. med. E.________, Facharzt FMH f�r Allgemeine Innere Medizin, vom 18. Juli 2014 waren bei Nachkontrollen im September 2013 keine neurologischen Ausf�lle vorhanden. Laut Bericht desselben Arztes vom 25. Februar 2014 fiel erst im Verlaufe des Dezembers 2013 - mithin sechs Monate nach dem Unfall - eine Atrophie des rechten Deltoidmuskels auf. Eine Sensibilit�tsst�rung wurde sogar erst auf Anfrage hin angegeben. Damit fehlt es mit der Vorinstanz an Symptomen einer unfallbedingten Diskushernie, die - wie dargelegt - unverz�glich auftreten und so heftig sind, dass sie eine sofortige Arbeitsunf�higkeit bewirken (E. 2.2).
5.2.�An dieser Einsch�tzung verm�gen auch die mit der vorinstanzlichen Replik aufgelegten weiteren �rztlichen Schreiben nichts zu �ndern.
5.2.1.�Dr. med. E.________ f�hrt in seinem Schreiben vom 21. Januar 2015 keine neuen medizinischen Argumente f�r eine unfallurs�chliche Diskushernie an. Im Gegenteil ist seinen Ausf�hrungen zu entnehmen, dass sich der diesbez�gliche Gesundheitszustand beim Versicherten �ber Monate schleichend verschlechterte. Dies spricht wiederum gegen "unverz�glich auftretende Symptome (vertebrales oder radikul�res Syndrom) mit sofortiger (durch die Diskushernie bedingte) Arbeitsunf�higkeit". Ein Kausalzusammenhang wird demgem�ss von diesem Arzt vor allem aufgrund der unzul�ssigen und daher nicht zu beachtenden Beweisregel "post hoc ergo propter hoc" (vgl. etwa Urteil 8C_354/2015 vom 13. Oktober 2015 E. 7.2 mit Hinweis) bejaht.
5.2.2.�In seiner Stellungnahme vom 6. M�rz 2015 zur Vernehmlassung der SUVA im vorinstanzlichen Verfahren f�hrt der behandelnde Neurologe, Dr. med. F.________, aus, eine degenerative Problematik der HWS sei angesichts des Alters des Versicherten und wegen der fehlenden Vorbeschwerden unwahrscheinlich, aber nicht unm�glich. Eine schwere Deltoideusparese, wie sie sich beim Beschwerdef�hrer gezeigt habe, sei seines Erachtens aber nicht durch eine langsame Entwicklung einer degenerativen Diskushernie zu erkl�ren. Er empfiehlt eine gutachterliche Abkl�rung der Kausalit�tsfrage.
Auch diese Vorbringen verm�gen die kreis�rztliche Kausalit�tsbeurteilung nicht in Zweifel zu ziehen. Entgegen der weiteren Darstellung dieses Arztes traten die Beschwerden beim Versicherten gerade nicht in - enger - zeitlicher Folge zum Trauma auf. Dass gem�ss Dr. med. F.________ "im Moment kein Grund zur Annahme einer anderen �tiologie als einer traumatischen" besteht gen�gt nicht, um die Leistungspflicht der Unfallversicherung zu begr�nden.
5.3.�Nach dem Gesagten wurde ein Leistungsanspruch �ber den 25. M�rz 2014 hinaus mangels Unfallkausalit�t der noch bestandenen Beschwerden zu Recht verneint.