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Timestamp: 2018-03-21 11:03:38
Document Index: 386751989

Matched Legal Cases: ['BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH']

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1 märz news april 2011 R B R e i s e r e r B i e s i n g e r R e c h t s a n w a l t s g e s e l l s c h a f t m b H INHALT Neueste Veröffentlichungen _02 Editorial _03 ARBEITSRECHT Altersdiskriminierung - Vermutungswirkung für Benachteiligung bei Stellenbesetzung aufgrund Stellengesuchs nach jungen Bewerbern von Dr. Kerstin Reiserer _08 Pfändbarkeit zukünftiger Ansprüche aus Direktversicherungen von Dr. Arnim Powietzka _09 Kündigung wegen Arbeitsverweigerung aus Glaubensgründen von Florian Christ _10 Altersdiskriminierung: Wir bieten: Ein junges, erfolgreiches Team von Diana Fallenstein _11 Unwirksamkeit einer Überstundenpauschalierungsklausel von Daniel Heinlein _11 Vertragsstrafenabrede bei vertragswidriger Beendigung des Arbeitsverhältnisses von Daniel Heinlein _12 DIENSTVERTRAGSRECHT DER GESCHÄFTSFÜHRER UND VORSTÄNDE Abberufener GmbH-Geschäftsführer muss nicht auf Führungsposition weiter beschäftigt werden von Dr. Simone Evke de Groot _12 HANDELSVERTRETERRECHT Zumutbarkeitsprüfung auch bei in dem Handelsvertretervertrag benannten Kündigungsgründen erforderlich von Dr. Simone Evke de Groot _13 GESELLSCHAFTS- UND KAPITALMARKTRECHT GmbH-Geschäftsführer: (Keine) Haftung für Zahlungen bei Insolvenzreife von Dr. Philipp Bollacher _14 Geschlechterquote in Aufsichtsräten von Oliver Peters _15 MIET- UND IMMOBILIENRECHT Zur Erstattung von Anwaltskosten bei Kündigung durch einen gewerblichen Vermieter in einem einfach gelagerten Fall von Dr. Gero Schneider M.C.L. _16 Im Mietrecht kein Eigenbedarf für Kommanditisten von Dr. Philipp Bollacher _16 Gesamtgläubigerschaft bei einer Grundschuld von Oliver Simon (SEC Rechtsanwälte) _17 Reiserer Biesinger Rechtsanwälte SOZIALVERSICHERUNGSRECHT Keine Erstattung zu Unrecht gezahlter Rentenversicherungsbeiträge von Dr. Arnim Powietzka _18 (Keine) Auswirkungen von 613a BGB auf Sozialversicherungsbeitragsschulden des Betriebsveräußerers von Dr. Gero Schneider M.C.L. _18
2 02 ] 03 RBnews] Inhalt Neueste Veröffentlichungen editorial Inhalt editorial ARBEITSRECHT _08 DIENSTVERTRAGSRECHT DER GESCHÄFTSFÜHRER UND VORSTÄNDE _12 HANDELSVERTRETERRECHT _13 GESELLSCHAFTS- UND KAPITALMARKTRECHT _14 MIET- UND IMMOBILIENRECHT _16 SOZIALVERSICHERUNGSRECHT _18 Dr. Kerstin Reiserer Rechtsanwältin Dr. Karl Benedikt Biesinger Dr. Arnim Powietzka Neueste Veröffentlichungen Florian Christ Verringertes Transparenzgebot an Versorgungsordnungen, Entscheidungskommentar zu einem Urteil des BAG vom AZR 557/08, BB 2011, 764 Dr. Gero Schneider, M.C.L. Auflösungsantrag des Arbeitgebers Verhalten des Arbeitnehmeranwalts, Entscheidungsreport zu einem Urteil des BAG vom AZR 482 / 09, BB 2011, 831 Dr. Gero Schneider, M.C.L. Haftung des Betriebserwerbers für Sozialversicherungsbeitragsschulden, Entscheidungsreport zu einem Beschluss des LSG Bayern vom L 5 R 848/10 B ER, StBW 2011, 235 Dr. Gero Schneider, M.C.L. Verlängerung der Probezeit durch Sachgrundbefristung, Entscheidungsreport zu einem Urteil des BAG vom AZR 85 / 09, StBW 2011, 88 Dr. Philipp Bollacher / Dr. Simone Evke de Groot Keine Zuständigkeit deutscher Gerichte für Vollstreckung in öffentlich-rechtliche Forderungen eines ausländischen Staates, Anmerkung zu dem Beschluss des BGH vom VII ZB 120 / 09, RIW 2011, 158 Diana Fallenstein Staffelung der Urlaubsdauer nach dem Lebensalter, Anmerkung zu den Urteilen LAG Düsseldorf vom Sa 1274/10 und ArbG Wesel vom Ca 736/10, StBW 2011, 185 Dr. Simone Evke de Groot Fortführung der Pensionsfondsversorgung durch ausgeschiedene Arbeitnehmer Postulat für ein Vertragssplitting nach dem Vorbild des BVerfG, DB 2011, 532 Vier neue und Geschäftsführer bei RB Sehr geehrte Damen und Herren, die RB Reiserer Biesinger sgesellschaft mbh hat zum Jahreswechsel vier neue aufgenommen. Wir freuen uns sehr, dass Florian Christ, Dr. Philipp Bollacher, Dr. Gero Schneider und Oliver Peters unser Angebot angenommen haben uns im Kreis der zu verstärken. Alle vier sind außerdem seit Jahresbeginn auch Geschäftsführer unserer Gesellschaft. Wir freuen uns darauf, zukünftig gemeinsam mit den vier Kollegen die Geschicke unserer Sozietät zu leiten und die Zukunft gemeinsam zu gestalten. Auf den folgenden Seiten dürfen wir Ihnen die vier neuen -Geschäftsführer nochmals etwas ausführlicher mit Bildern und Lebensläufen vorstellen. Wir wünschen Ihnen viel Spaß bei der Lektüre der aktuellen RB-News und verbleiben mit herzlichen Grüßen aus Heidelberg
3 04 ] 05 RBnews] Florian Christ & Dr. Phillipp Bollacher Florian Christ Dr. iur. Philipp Bollacher Fachanwalt für Fachanwalt für Handels- und Gesellschaftsrecht Rechtsgebiet Rechtsgebiete Handels- und Gesellschaftsrecht Mergers & Acquisitions Gewerblicher Rechtsschutz Immobilienrecht _ Studium der Rechtswissenschaften an der Universität Tübingen mit Studienaufenthalt in Straßburg/Frankreich _ Rechtsreferendariat am Landgericht Landau (Pfalz) mit Ausbildungsabschnitten in Karlsruhe, Verwaltungshochschule Speyer und Sydney/Australien _ 2004 Freier Mitarbeiter bei Clifford Chance in Düsseldorf _ Promotionsbegleitende Tätigkeit als in Heidelberg _ Seit 2006 tätig als angestellter und seit 2011 der Kanzlei RB Reiserer Biesinger sgesellschaft mbh _ Studium der Rechtswissenschaften an den Universitäten Tübingen und Berlin mit Studienaufenthalt in Chicago, Illinois/USA _ Geprüfte wissenschaftliche Hilfskraft am Lehrstuhl für Bürgerliches Recht, Handels- und Wirtschaftsrecht, Europarecht und Rechtsvergleichung, Prof. Dr. Möschel, Universität Tübingen _ Stipendiat der Landesgraduiertenförderung des Landes Baden-Württemberg _ 2004 Promotion zum Dr. iur. bei Prof. Dr. Möschel, Universität Tübingen (Dissertation zum Thema Internationales Privatrecht, Urheberrecht und Internet ) _ Rechtsreferendariat am Landgericht Tübingen mit Ausbildungsabschnitten bei CMS Hasche Sigle, Stuttgart (Gesellschaftsrecht) und Dammholz & Co., Sydney, Australien (Internationales Wirtschaftsrecht) _ 2006 tätig als in einer wirtschaftsberatenden Kanzlei in Frankfurt _ Seit 2006 tätig als und seit 2011 der Kanzlei RB Reiserer Biesinger sgesellschaft mbh _ Lehrbeauftragter an der Universität Heidelberg
4 06 ] 07 RBnews] Dr. Gero Schneider & Oliver Peters Dr. iur. Gero Schneider M.C.L. Oliver Peters Fachanwalt für Handels- und Gesellschaftsrecht Rechtsgebiete Handels- und Gesellschaftsrecht Immobilienrecht Rechtsgebiete Handels- und Gesellschaftsrecht Mergers & Acquisitions Finanz- und Kapitalmarktrecht _ Studium der Rechtswissenschaften an den Universitäten Heidelberg und Freiburg i. Br. mit Studienaufenthalt in London, GB _ 2002 Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Ausländisches und Internationales Privatrecht an der Universität Freiburg bei Prof. Dr. Hohloch _ Master of Comparative Law an der Universität Mannheim und der University of Adelaide (South Australia) _ Promotion zum Dr. iur. bei Prof. Burkhard Boemke, Universität Leipzig (Dissertation zum Thema Richterliche Kontrolle von Betriebsvereinbarungen und Flexibilisierung von Arbeitsbedingungen ) _ Rechtsreferendariat am Landgericht Mannheim mit Ausbildungsabschnitt in der Rechtsabteilung der DaimlerChrysler AG _ Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Öffentliches Recht und Rechtsphilosophie an der Universität Mannheim bei Prof. Dr. Cremer _ bei einer überregionalen wirtschaftsberatenden Sozietät in Heidelberg _ Seit 2007 tätig als und seit 2011 der Kanzlei RB Reiserer Biesinger sgesellschaft mbh _ Studium der Rechtswissenschaften an den Universitäten Heidelberg, Nottingham, GB und Oxford, GB _ Wissenschaftliche Mitarbeit an der Forschungsstelle Bundessteuergesetzbuch und dem Lehrstuhl von Prof. Dr. Paul Kirchhof, Bundesverfassungsrichter a.d., an der Universität Heidelberg _ Rechtsreferendariat am Landgericht Frankenthal mit Ausbildungsabschnitten in Ludwigshafen, Mannheim, Frankfurt und San Francisco _ tätig als in einer überörtlichen wirtschaftsberatenden Sozietät _ Seit 2007 tätig als und seit 2011 der Kanzlei RB Reiserer Biesinger sgesellschaft mbh _ Derzeit Promotion zum Dr. iur. zum Thema: Geschäftsführerhaftung gegenüber mittelständischen Unternehmen - Rechtsvergleich zwischen britischer Reform und deutschem Recht sowie Kodifikationsanreize für Deutschland.
5 08 ] 09 RBnews] ARBEITSRECHT Altersdiskriminierung - Vermutungswirkung für Benachteiligung bei Stellenbesetzung aufgrund Stellengesuchs nach jungen Bewerbern [ BAG, Urteil vom AZR 530 / 09 ] von Rechtsanwältin Dr. Kerstin Reiserer Das BAG hatte über Ansprüche auf Schadensersatz und Entschädigung wegen Altersdiskriminierung bei einer Stellenbesetzung zu entscheiden. Die Beklagte suchte mit einer Anzeige in der Neuen Juristischen Wochenschrift (NJW) 11/2007 eine(n) junge(n) Volljuristin/Volljuristen mit zwei befriedigenden Examina und erster Berufserfahrung (bis 2 Jahre) im Medienbereich bzw. Lizenzgeschäft. Der 1958 geborene Kläger, der beide juristischen Staatsexamina mit der Note gut bestanden hatte, bewarb sich auf diese Stelle. Mit Schreiben vom , das am selben oder nächsten Tag zur Post gegeben worden, dem Kläger nach dessen Behauptung aber erst am zugegangen war, lehnte die Beklagte eine Einstellung ohne nähere Angabe von Gründen ab. Stattdessen schloss die Beklagte Ende April 2007 mit einer 33-jährigen Frau, die beide juristischen Staatsprüfungen mit ausreichend abgeschlossen hatte, einen Arbeitsvertrag. Mit Telefaxschreiben vom machte der Kläger gegenüber der Beklagten deshalb Ansprüche auf Schmerzensgeld in Höhe von EUR und Schadensersatz geltend. Die Beklagte behauptet, das Alter des Klägers habe bei der Einstellungsentscheidung keine Rolle gespielt. Das Arbeitsgericht München verurteilte die Beklagte zur Zahlung einer Entschädigung in Höhe eines Monatsgehalts und wies die Klage im Übrigen ab. Das Landesarbeitsgericht bestätigte diese Entscheidung. Das BAG wies die Revision des Klägers und die Anschlussrevision der Beklagten zurück. Die Klage auf Entschädigung sei aus 15 Abs. 2 AGG in Höhe eines Monatsgehalts begründet. Ein Verstoß gegen das Benachteiligungsverbot liege vor, weil der Kläger im Gegensatz zu der eingestellten Bewerberin nicht zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen worden sei. Das Alter des Klägers sei kausal für diese Benachteiligung gewesen. Denn die Stellenausschreibung sei entgegen 11 AGG unter Verstoß gegen 7 Abs. 1 AGG erfolgt, weil sie mit Verwendung der Anforderung jung an das verbotene Merkmal Alter angeknüpft habe. Hierfür habe keine Rechtfertigung nach 8, 10 AGG vorgelegen. Dies sei Indiz für eine Kausalität und damit für die Vermutungswirkung des 22 AGG, sofern ein anderer, deutlich jüngerer Bewerber eingestellt werde. So sei es hier mit der 33-jährigen Bewerberin gewesen. Zur Widerlegung dieser Vermutung müsse der Arbeitgeber das Gericht davon überzeugen, dass die Benachteiligung gerade nicht auf dem Alter beruhe. Die diesbezüglichen Behauptungen der Beklagten hätten aber nicht bewiesen werden können. Die Zwei-Monats-Frist des 15 Abs. 4 AGG zur schriftlichen Geltendmachung, beginnend mit dem Zugang der Ablehnungsentscheidung beim Bewerber, habe der Kläger eingehalten. Denn die Beweislast für den Zeitpunkt des Zugangs trage nach allgemeinen Grundsätzen der Arbeitgeber. Vorliegend habe die Beklagte aber nicht bewiesen, dass das Schreiben entgegen der Behauptung des Klägers vor dem bei diesem zugegangen sei. Allein die Aufgabe zur Post am sei keine schlüssige Darlegung eines früheren Zugangs. Weiterhin habe der Kläger mit seinem Telefaxschreiben die Schriftform des 15 Abs. 4 Satz 1 BGB eingehalten. Dieses Schriftformgebot verlange nicht die gesetzliche Schriftform nach 126 Abs. 1 BGB, ausreichend sei vielmehr die Textform nach 126b BGB. Auf Rechtsfolgenseite hatte das BAG revisionsrechtlich die festgesetzte Entschädigungshöhe von einem Monatsgehalt nicht zu beanstanden. Ein Schadensersatzanspruch aus 15 Abs. 1 AGG bestehe hingegen nicht, weil der Kläger nicht der bestqualifizierte Bewerber gewesen sei. Damit fehle es an der haftungsausfüllenden Kausalität, für die der Kläger nach allgemeinen Grundsätzen die Beweislast trage. Diese werde nicht durch 22 AGG abgeändert. Vorliegend sei dem Kläger der Beweis aber nicht gelungen. Zwar verfüge er über die besseren Examensnoten. Dies dürfe aber nicht automatisch mit einer besseren Eignung für die zu besetzende Stelle gleichgesetzt werden. Denn die Beklagte habe neben der juristischen Qualifikation in der Stellenanzeige Berufserfahrung im Bereich Medien bzw. im diesbezüglichen Lizenzgeschäft gefordert. Dies habe der Kläger aber jedenfalls nicht besser als die eingestellte Bewerberin erfüllt. Fazit: Durch das Urteil ist höchstrichterlich geklärt, dass allein eine altersdiskriminierende Stellenausschreibung die Vermutungswirkung des 22 AGG begründet, sofern ein anderer, deutlich jüngerer Bewerber eingestellt wird. Um Entschädigungsansprüche nach 15 Abs. 2 AGG zu vermeiden, ist deshalb zukünftig im Bewerbungsverfahren bereits bei der Erstellung der Stellenanzeige große Sorgfalt geboten. Das Einfordern von zusätzlichen Schadensersatzansprüchen wird für abgelehnte Bewerber dagegen zukünftig noch schwerer. Denn das BAG hat klar festgelegt, dass der jeweilige Bewerber die Beweislast dafür trägt, er sei der Bestqualifizierte innerhalb der Bewerberrunde gewesen. Auf die zweimonatige Ausschlussfrist des 15 Abs. 4 AGG sollten Arbeitgeber in Zukunft nur eingeschränkt vertrauen, dies jedenfalls dann, wenn der Zugang des Ablehnungsschreibens sich nicht eindeutig beweisen lässt. Pfändbarkeit zukünftiger Ansprüche aus Direktversicherungen [ BGH, Beschluss vom VII ZB 87 / 09 ] von Dr. Arnim Powietzka Der Bundesgerichtshof hat entschieden, dass der Anspruch eines Arbeitnehmers auf Auszahlung der Versicherungssumme aus einer Direktversicherung bereits vor Eintritt des Versicherungsfalls als zukünftige Forderung pfändbar ist. Die Gläubigerin betrieb gegen den Schuldner die Zwangsvollstreckung. Dem Schuldner stand eine unverfallbare Anwartschaft aus einer von seinem ehemaligen Arbeitgeber finanzierten Direktversicherung zu. Der Anspruch auf Auszahlung der Versicherungsleistung in Form einer Kapitalzahlung in Höhe von ,26 Euro wird am fällig. Auf Antrag der Gläubigerin erließ das Vollstreckungsgericht einen Pfändungs- und Überweisungsbeschluss, mit dem der Anspruch des Schuldners aus dem Lebensversicherungsvertrag gepfändet und der Gläubigerin zur Einziehung überwiesen wurde. Der Schuldner legte gegen den Pfändungs- und Überweisungsbeschluss Erinnerung ein. Er vertrat die Auffassung, die Ansprüche aus der Direktversicherung seien gemäß 851 Abs. 1 ZPO unpfändbar. Der ausgeschiedene Arbeitnehmer dürfe gemäß 2 Abs. 2 S. 4 BetrAVG die Ansprüche aus dem Versicherungsvertrag in Höhe des durch Beitragszahlungen des Arbeitgebers gebildeten geschäftsplanmäßigen Deckungskapitals oder, soweit die Berechnung des Deckungskapitals nicht zum Geschäftsplan gehört, des nach 169 Abs. 3 und 4 VVG berechneten Wertes weder abtreten noch beleihen. Mangels Abtretbarkeit des Anspruchs sei dieser nicht pfändbar. Dem folgte der Bundesgerichtshof nicht. Der Anspruch eines mit unverfallbarer Anwartschaft ausgeschiedenen Arbeitnehmers auf Auszahlung der Versicherungssumme aus einer Direktversicherung sei bereits vor Eintritt des Versicherungsfalls als zukünftige Forderung pfändbar. Soweit 2 Abs. 2 Satz 4 BetrAVG die Abtretung dieser Ansprüche ausschließe, solle verhindert werden, dass der Arbeitnehmer die Anwartschaft liquidiert und für andere Zwecke verwendet. Dieser Gesetzeszweck schließe aber nicht aus, einen Gläubiger des Arbeitnehmers im Wege der Pfändung auf die mit Eintritt des Versicherungsfalls fälligen Ansprüche als zukünftige Forderungen zugreifen zu lassen. Hierdurch werde die Anwartschaft als solche nicht beeinträchtigt. Außerdem würde das Befriedigungsrecht des Gläubigers in erheblichem Maße beeinträchtigt, wenn man dem Schuldner durch ein Pfändungsverbot hinsichtlich seiner zukünftigen Forderungen die Möglichkeit eröffnen würde, am Tag des Eintritts des Versicherungsfalls durch frühzeitige Verfügungen über seine Versorgungsansprüche die erst dann zulässige Pfändung durch den Gläubiger ins Leere laufen zu lassen. Ebenso wie zukünftige Ansprüche des Arbeitnehmers aus betrieblicher Altersversorgung auf Grundlage einer Direktzusage und zukünftiger Rentenansprüche des Arbeitnehmers aus der gesetzlichen Rentenversicherung seien daher auch zukünftige Ansprüche aus einer Direktversicherung pfändbar. Pfändungsschutz sei nur gemäß 850 i ZPO möglich. Danach ist dem Schuldner, der einen entsprechenden Antrag stellen muss, von der Forderung soviel zu belassen, als ihm nach freier Schätzung des Gerichts verbleiben würde, wenn sein Einkommen aus laufendem Arbeits- oder Dienstlohn bestünde. Dabei sind die wirtschaftlichen Verhältnisse des Schuldners, insbesondere seine sonstigen Verdienstmöglichkeiten, frei zu würdigen. Einen entsprechenden Vollstreckungsschutzantrag hatte der Schuldner nicht gestellt. Fazit: Die Entscheidung erleichtert den Zugriff von Gläubigern auf Versorgungsanwartschaften des Schuldners aus betrieblicher Altersversorgung in der Zwangsvollstreckung. Unabhängig vom gewählten Durchführungsweg können sämtliche künftigen Ansprüche aus Versorgungszusagen (unter Berücksichtigung des Pfändungsschutzes nach 850 ff. ZPO) gepfändet werden. Dies gilt gleichermaßen für aktive Arbeitnehmer und für Arbeitnehmer, die mit einer unverfallbaren Anwartschaft ausgeschieden sind.
6 10 ] 11 RBnews] Kündigung wegen Arbeitsverweigerung aus Glaubensgründen [ BAG, Urteil vom AZR 636 / 09 ] von Florian Christ Der Kläger war seit dem Jahre 1994 als Mitarbeiter eines großen Warenhauses tätig und bezeichnete sich als gläubiger Moslem. Seit dem Jahre 2003 wurde er als Ladenhilfe beschäftigt und war u.a. damit beauftragt, im Getränkebereich Regale mit alkoholischen Getränken nachzufüllen. Im Februar 2008 weigerte er sich jedoch, diese Tätigkeit auszuführen. Er berief sich auf seinen Glauben, der ihm jegliche Mitwirkung bei der Verbreitung von Alkoholika verbiete. Die Beklagte kündigte daraufhin das Arbeitsverhältnis. Das Bundesarbeitsgericht hat in dieser Angelegenheit zwar noch kein abschließendes Urteil gefällt, jedoch darauf hingewiesen, dass ein Arbeitnehmer, der eine Arbeitsaufgabe aus religiösen Gründen verweigert, zu der er sich zuvor jedoch vertraglich verpflichtet hat, vom Arbeitgeber gekündigt werden kann. Weitere Voraussetzung für die soziale Rechtfertigung einer solchen Kündigung sei jedoch, dass keine nahe liegende andere Beschäftigungsmöglichkeit im Betrieb des Arbeitgebers bestehe, welche die zukünftige Arbeitstätigkeit ohne Konflikt mit persönlichen Glaubensüberzeugungen zulasse. Das Bundesarbeitsgericht führte aus, dass ein als Ladenhilfe in einem Einzelhandelsmarkt beschäftigter Arbeitnehmer mit der Zuweisung von Arbeitsaufgaben rechnen müsse, die u.a. den Umgang mit alkoholischen Getränken erfordern. Mache der Arbeitnehmer sodann geltend, aus religiösen Gründen an der Ausübung vertraglich geschuldeter Tätigkeiten gehindert zu sein, müsse er dem Arbeitgeber mitteilen, worin genau die religiösen Gründe bestehen, und aufzeigen, an welchen Tätigkeiten er sich gehindert sehe. Bestehe für den Arbeitgeber im Rahmen der von ihm zu bestimmenden betrieblichen Organisation jedoch die Möglichkeit einer vertragsgemäßen Beschäftigung, welche den religionsbedingten Einschränkungen Rechnung trage, müsse er dem Arbeitnehmer diese Tätigkeit vor einem Kündigungsausspruch zuweisen. Allgemein gilt, dass das Grundrecht auf ungestörte Religionsausübung auch mit der Eingehung eines Arbeitsverhältnisses nicht jede Bedeutung verliert. Bei der Festlegung von Arbeitsbedingungen und Arbeitsabläufen hat ein Arbeitgeber im Rahmen seines Weisungsrechts stets billiges Ermessen zu wahren. Das verlangt vom Arbeitgeber eine Abwägung der wechselseitigen berechtigten Interessen im Einzelfall. Eine wesentliche Frage im Rahmen dieser Abwägung ist, ob die Religionsausübung betriebliche Störungen verursachen wird, die der Arbeitgeber nicht mit zumutbaren Maßnahmen umgehen kann. Ein weiteres wesentliches Kriterium ist, ob es dem Arbeitnehmer im Zeitpunkt des Arbeitsvertragsschlusses bereits erkennbar war, dass Kollisionen mit seiner Religionsausübung eintreten würden. Zur Auflösung solcher religionsbedingten Betriebskonflikte lassen sich der herrschenden Rechtsprechung folgende Grundsätze entnehmen: Treten keine betrieblichen Störungen ein, kann eine arbeitgeberseitige Weisung aufgrund religiöser Belange zurückstehen müssen. Bei Auftreten von betrieblichen Störungen ist zunächst zu prüfen, ob diese durch zumutbare organisatorischer Maßnahmen des Arbeitgebers verhindert werden können. Lassen sich Störungen nicht vermeiden, ist das Interesse des Arbeitgebers grundsätzlich voranging. Die Religionsausübungsfreiheit tritt dann zurück und der Arbeitnehmer bleibt zur weisungsgemäßen Arbeitsleistung verpflichtet. Die gilt insbesondere dann, wenn die spätere Kollision bei Vertragsschluss für den Arbeitnehmer bereits vorhersehbar war. Das Bundesarbeitsgericht sah sich unter Anwendung dieser Grundsätze im vorliegenden Fall jedoch noch nicht in der Lage, die Streitfrage abschließend zu klären und verwies den Rechtsstreit zurück an das Landesarbeitsgericht. Ob die Weigerung des Klägers, in der Getränkeabteilung zu arbeiten, dem Arbeitgeber einen Grund zur Kündigung gab, stehe noch nicht fest und bedürfe einer weiteren Sachaufklärung. Es müsse festgestellt werden, welche konkreten Tätigkeiten die religiöse Überzeugung des Arbeitnehmers ausschließen. Sodann müsse geklärt werden, ob unter Berücksichtigung dieser Einschränkungen eine alternative Beschäftigung möglich sei. Fazit: Treten im Betriebsalltag Konflikte auf, weil religiöse Überzeugungen der Mitarbeiter/innen die ordnungsgemäße Arbeitsleistung ver- bzw. behindern, lassen sich unter Berücksichtigung der in der Rechtsprechung entwickelten Wertungsmaßstäbe häufig zufrieden stellende Lösungen erzielen. Im Grundsatz gilt, dass sich ein Arbeitnehmer durch Abschluss eines Arbeitsvertrages dazu bereit erklärt, während der Arbeitszeit weisungsgemäß die von ihm geforderten Arbeitsleistungen zu erbringen. Religiöse Überzeugungen können im Regelfall die betrieblichen Belange nicht überwiegen. Etwas anderes kann hier nur dann gelten, wenn die Betriebsabläufe nur unerheblich betroffen sind, die religiöse Pflicht sich als besonders wichtig darstellt und die Kollision bei Vertragsschluss für den Arbeitnehmer nicht vorhersehbar war. Altersdiskriminierung: Wir bieten: Ein junges, erfolgreiches Team [ LAG Hamburg, Urteil vom Sa 14/10 ] von Rechtsanwältin Diana Fallenstein Wie schnell in einer Stellenausschreibung eine Diskriminierung aufgrund des Alters passieren kann, zeigt das Urteil des Landesarbeitsgerichts (LAG) Hamburg vom Ein Zeitarbeitsunternehmen suchte einen Personal- und Vertriebsassistenten. Die Stellenanzeige war, wie häufig, so gestaltet, dass sie in eine Beschreibung der zu besetzenden Stelle ( Ihre Aufgaben ), eine Beschreibung der dafür erforderlichen Anforderungen ( Sie bringen mit ) und dem, was das Unternehmen seinerseits ausmacht, ( Wir bieten Ihnen ), untergliedert war. Unter der Überschrift Wir bieten Ihnen fand sich die Formulierung: die Möglichkeit eigene Ideen und Vorstellungen in ein junges, erfolgreiches Team einzubringen. In dieser Formulierung sah das LAG Hamburg einen Verstoß gegen das in den 7 und 11 AGG (Allgemeines Gleichbehandlungsgesetz) verankerte Verbot der Altersdiskriminierung. Dabei stellte das LAG ausdrücklich auf das alltagssprachliche Verständnis ab, nach dem ein junges Team ein Team umschreibe, das aus jungen Menschen bestehe. Der durchschnittliche Leser einer Anzeige, die damit wirbt, dass den Bewerber ein junges Team erwartet, werde wissen, dass er eher nicht in ein solches Team passe, wenn er selbst das entsprechende Alter nicht mitbringe. Das Unternehmen hatte zwar argumentiert, dass die unter der Überschrift Sie bringen mit geforderte Berufserfahrung in einer Dienstleistungsbranche zeige, dass gerade nicht nur junge Mitarbeiter, sondern auch ältere Mitarbeiter von der Stellenanzeige angesprochen werden sollten. Das ließ das LAG jedoch nicht gelten. Zwar könne man anhand dieser Formulierung davon ausgehen, dass Berufsanfänger nicht gewünscht waren. Aber die geforderte Berufserfahrung könne schließlich auch ein Bewerber Ende Zwanzig mitbringen. Das LAG stellte somit einen Verstoß gegen das Verbot der Altersdiskriminierung fest und verurteilte das Unternehmen zur Zahlung einer Entschädigung in Höhe von EUR 5.000,- an den 53-jährigen Kläger. Fazit: Das Beispiel des LAG Hamburg zeigt besonders eindringlich, wie viel Sorgfalt bei der Formulierung von Stellenanzeigen geboten ist. Besonders hervorzuheben ist, dass nach der Rechtsprechung das Diskriminierungsmerkmal nicht zwingend in den Anforderungen für die Stelle beschrieben werden muss. Bereits die Erwähnung, dass das beim Arbeitgeber bestehende Team als jung zu qualifizieren ist, genügt, um ein Indiz für eine verbotene Altersdiskriminierung zu schaffen. Unwirksamkeit einer Überstundenpauschalierungsklausel [ BAG, Urteil vom AZR 517 / 09 ] von Daniel Heinlein Die Beklagte verwendete einen Formulararbeitsvertrag, der folgende Regelung enthielt: Für seine Tätigkeit erhält der Arbeitnehmer ein monatliches Bruttogehalt ihv. EUR 3.000,00. Das Bruttogehalt bezieht sich auf 45 Arbeitsstunden wöchentlich. Mit der vorstehenden Vergütung sind erforderliche Überstunden des Arbeitnehmers mit abgegolten. Bei Beendigung des Arbeitsverhältnisses verlangte der Kläger Vergütung für 102 im Laufe des Arbeitsverhältnisses geleistete Überstunden. Das Bundesarbeitsgericht hat der Klage stattgegeben. Die Überstundenpauschalierungsabrede sei nach 307 Abs. 1 Satz 2 BGB unwirksam. Die Klausel sei nicht klar und verständlich, weil sich aus ihr der Umfang der ohne zusätzliche Vergütung zu leistenden Überstunden nicht hinreichend deutlich ergebe. Es müsse für den Arbeitnehmer aus dem Arbeitsvertrag heraus bestimmbar sein, welche Leistung er maximal für die vereinbarte Vergütung erbringen müsse. Mangels der somit fehlenden Vergütungsabrede für die Überstunden schulde die Beklagte nach 612 Abs. 2 BGB die übliche Vergütung. Fazit: Überstundenpauschalierungsklauseln wie die im Streit stehende sind insbesondere in Arbeitsverträgen mit Angestellten in gehobenen Positionen nicht unüblich. Bei der Vertragsgestaltung ist aber zu beachten, dass sich aus dem Wortlaut der Klausel selbst eine Begrenzung der maximal abgegoltenen Überstundenanzahl ergeben muss. Nicht klar geäußert hat sich das BAG zu der Frage, ob eine Andeutung der Begrenzung im Wortlaut der Klausel ausreichend sein kann, auch wenn keine genaue Anzahl bestimmt wird. Ein Beispiel hierfür ist folgende Formulierung: Mit der vorstehenden Vergütung sind alle Überstunden des Arbeitnehmers im Rahmen der nach 3 Arbeitszeitgesetz zulässigen Höchstarbeitszeit mit abgegolten. Bis zu einer Klärung dieser Frage sollte eine bestimmte Anzahl von Überstunden angegeben werden, weil im Falle einer Unwirksamkeit der Klausel keine geltungserhaltende Reduktion auf eine zulässige Überstundenanzahl zulässig ist. Arbeitnehmern, deren Arbeitsverträge nach dieser Entscheidung unwirksame Pauschalierungsabreden enthalten, kann eine Vertragsänderung mit einer zulässigen Klausel angeboten werden. Nehmen sie dieses Angebot nicht an, kann ihnen nach der Rechtsprechung des Bundesarbeitsgerichts u.u. die Berufung auf die Unwirksamkeit verwehrt sein. Hilfreich ist für Arbeitgeber im Übrigen, Ausschlussklauseln in die Arbeitsverträge aufzunehmen. Damit kann das Risiko einer Nachvergütung von Überstunden zumindest auf die letzten drei Monate begrenzt werden.
7 12 ] 13 RBnews] Dienstvertragsrecht der Geschäftsführer und Vorstände Handelsvertreterrecht Vertragsstrafenabrede bei vertragswidriger Beendigung des Arbeitsverhältnisses [ BAG, Urteil vom AZR 897 / 08 ] von Daniel Heinlein Die Klägerin beschäftigte die Beklagte seit dem auf Grundlage eines Formulararbeitsvertrags, der folgende Regelungen enthielt: Die ersten sechs Monate des Anstellungsverhältnisses gelten als Probezeit. Während der Probezeit können beide Parteien den Anstellungsvertrag mit einer Frist von zwei Wochen kündigen. Der Arbeitnehmer verpflichtet sich, eine Vertragsstrafe in Höhe einer regelmäßigen Bruttomonatsvergütung zu zahlen, wenn er das Anstellungsverhältnis rechtswidrig nicht aufnimmt oder vertragswidrig vorzeitig beendet. Nach der fristlosen Kündigung der Beklagten zum verlangte die Klägerin von der Beklagten die Zahlung einer Vertragsstrafe. Das BAG wies die Klage ab, weil die Vertragsstrafenabrede im Arbeitsvertrag nach 307 Abs. 1 Satz 1 BGB wegen unangemessener Benachteiligung der Arbeitnehmerin unwirksam sei. Zwar bestehe ein anerkennenswertes Interesse des Arbeitgebers an Vereinbarung einer Vertragsstrafe bei vertragswidriger Beendigung durch den Arbeitnehmer. Die Vertragsstrafe dürfe aber hinsichtlich ihrer Höhe maximal dem Verdienst entsprechen, den der Arbeitnehmer bis zum Zeitpunkt einer vertragsgemäßen Beendigung, mithin bis zum Ablauf der ordentlichen Kündigungsfrist, erzielt hätte. Es dürfe keine Übersicherung des Arbeitgebers eintreten. Im konkreten Fall sei diese Voraussetzung zwar erfüllt gewesen. Denn im Kündigungszeitpunkt sei die Probezeit bereits abgelaufen gewesen, so dass die gesetzliche Kündigungsfrist gegolten habe, die länger als ein Monat sei. Jedoch sei nicht auf den konkreten Fall abzustellen, sondern eine abstrakte, typisierende Betrachtung geboten. Sei auf Grundlage des Wortlauts der Klausel ein Fall denkbar, in dem eine Übersicherung eintrete, sei somit die gesamte Klausel unwirksam. So sei es hier gewesen, weil die Kündigungsfrist während der Probezeit zwei Wochen betragen habe, während als Vertragsstrafe auch für diesen Zeitraum ein Monatsgehalt vorgesehen gewesen sei. Eine Teilung der Klausel oder eine geltungserhaltende Reduktion der Klausel würden ausscheiden, weil sonst das Risiko einer Übersicherung unzulässig auf den Arbeitnehmer verlagert würde. Fazit: Vertragsstrafeversprechen sind im Arbeitsverhältnis der einzig wirksame Schutz des Arbeitgebers vor einer vertragswidrigen Beendigung durch den Arbeitnehmer. Denn eine Vollstreckung des Anspruchs auf Arbeitsleistung scheitert an 888 Abs. 3 ZPO. Der Geltendmachung von Schadensersatzansprüchen steht meist entgegen, dass ein konkreter Schaden nur schwer nachweisbar ist. Deshalb ist bei der Vertragsgestaltung besondere Sorgfalt bei der Formulierung eines Vertragsstrafeversprechens geboten. DIENSTVERTRAGSRECHT DER GESCHÄFTSFÜHRER UND VORSTÄNDE Abberufener GmbH-Geschäftsführer muss nicht auf Führungsposition weiter beschäftigt werden [ BGH, Urteil vom II ZR 266 / 08 ] von Rechtsanwältin Dr. Simone Evke de Groot Jede GmbH muss gemäß 6 Abs. 1 GmbHG mindestens einen Geschäftsführer haben, der die Gesellschaft gerichtlich und außergerichtlich vertritt, 35 Abs. 1 GmbHG. Der Geschäftsführer wird bestellt, mit der Annahme der Bestellung erhält er die Stellung eines Organs der GmbH. Die Bestellung kann gemäß 38 GmbHG seitens der Gesellschaft widerrufen werden. Neben der Organstellung wird in der Regel ein Anstellungsvertrag zwischen der Gesellschaft und dem Geschäftsführer geschlossen, dieser enthält typischerweise Regelungen zur Vergütung, zu Urlaubsansprüchen sowie zur Kündigung. Rechtsdogmatisch handelt es sich um einen Dienstvertrag i.s.d. 611 ff. BGB, der von dem organschaftlichen Verhältnis dem Grunde nach vollständig unabhängig ist (sog. Trennungsgrundsatz). Mit einer Konstellation des Auseinanderfallens von organschaftlichem und Anstellungsverhältnis hatte sich der BGH jüngst zu befassen. In dem von den Bundesrichtern zu entscheidenden Fall war der langjährige Geschäftsführer zunächst (wirksam) abberufen worden, die Kündigung des Anstellungsverhältnisses war jedoch wegen der Anwendbarkeit der Vorschriften zur ordentlichen Unkündbarkeit gemäß BAT unwirksam. Fraglich und bislang höchstrichterlich ungeklärt war, ob der abberufene Geschäftsführer auf Grund des nicht beendeten Anstellungsvertrags von der GmbH fordern konnte, als Geschäftsführer oder in einer vergleichbaren leitenden Position weiterbeschäftigt zu werden. Ersteres hat der BGH wenig überraschend verneint: das Trennungsprinzip gebietet es wie dargelegt, strikt zwischen der Organstellung und dem Anstellungsverhältnis zu differenzieren. Die gesetzlich verankerte Möglichkeit der Gesellschaft, den Geschäftsführer jederzeit abzuberufen sofern der Gesellschaftsvertrag keine abweichende Regelung trifft ( 38 GmbHG), soll eine weitgehende Organisationsfreiheit der GmbH gewährleisten. Die Gesellschaft hat ein schutzwürdiges Interesse daran, Leitungspositionen mit Personen ihres Vertrauens zu besetzen. Der BGH verweist insbesondere zu Recht darauf, dass die Widerrufsmöglichkeit ausweislich 38 Abs. 1, 2. HS. GmbHG unbeschadet der Entschädigungsansprüche aus bestehenden Verträgen besteht. Die zweite, nachgelagerte Frage, ob der abberufene Geschäftsführer kraft des fortbestehenden Anstellungsvertrags von der Gesellschaft (jedenfalls) eine Weiterbeschäftigung in vergleichbarer leitender Funktion verlangen kann, war bisher umstritten. Teilweise wurde sie in der Literatur bejaht, die Interessen der GmbH an der Nichtbeschäftigung sollten im Rahmen einer Interessenabwägung Berücksichtigung finden. Dieser Sichtweise erteilt der BGH in der vorliegenden Entscheidung jedoch eine Absage. Jedenfalls grundsätzlich besteht demnach kein solcher Weiterbeschäftigungsanspruch. Ausgangspunkt ist den Richtern zufolge der Anstellungsvertrag. Dieser könne zwar vorsehen, dass der Geschäftsführer auch nach der Abberufung aus der Organstellung in einer vergleichbaren Position weiterhin zu beschäftigen sei. Regelmäßig habe der Anstellungsvertrag aber nur die Beschäftigung als Geschäftsführer der GmbH zum Gegenstand, eine Tätigkeit unterhalb der Organebene stellte hierzu ein aliud dar und sei typischerweise nicht vereinbart. Fazit: Die Entscheidung des BGH ist zu begrüßen. Sie schafft Klarheit in einer bisher gleichermaßen umstrittenen wie auch für die Rechtspraxis wichtigen Frage. Die bisherige Rechtsunsicherheit führte nicht selten dazu, dass mit der Ankündigung, Weiterbeschäftigungsansprüche geltend zu machen, im Rahmen der Abfindungsverhandlungen versucht wurde, die Gesellschaft zu höheren Zahlungen zu bewegen. Das Urteil stärkt im Einklang mit der gesetzlichen Wertung des 38 Abs. 1 GmbHG die Organisationsfreiheit der GmbH. Der Geschäftsführer wird, wie der BGH betont hat, durch den Anspruch auf Fortzahlung des Gehalt aus dem Anstellungsvertrag i.v.m. 615 BGB geschützt. Zugleich lässt das Urteil ausreichend Raum für abweichende vertragliche Vereinbarungen im Einzelfall: Es ist Gesellschaften wie Geschäftsführern unbenommen, im Zuge der Vertragsverhandlungen über den Anstellungsvertrag Regelungen zu einer Weiterbeschäftigung nach der Abberufung aus der Organstellung zu treffen. Insbesondere kann ein Anspruch des Geschäftsführers auf die Weiterbeschäftigung in einer vergleichbaren Führungsposition normiert werden. In der Vertragsgestaltung empfiehlt es sich aus Sicht der Gesellschaft, ein Auseinanderfallen beider Rechtsverhältnisse bereits im Vorhinein durch die Normierung eines Kündigungsgrundes für den Fall der Abberufung zu vermeiden (sog. Kopplungsklauseln). Eine Klausel, die die Freistellung des Geschäftsführers nach dem Ende der Organstellung vorsieht, ist nach der vorliegenden Entscheidung des BGH zwar nicht mehr unbedingt erforderlich, kann aus Klarstellungsgesichtspunkten aber nach wie vor sinnvoll sein. HANDELSVERTRETERRECHT Zumutbarkeitsprüfung auch bei in dem Handelsvertretervertrag benannten Kündigungsgründen erforderlich [ BGH, Urteil vom VIII ZR 327 / 09 ] von Rechtsanwältin Dr. Simone Evke de Groot Handelsvertreterverträge können gemäß 89a Abs. 1 HGB außerordentlich (d.h. i.d.r. ohne Einhaltung einer Kündigungsfrist) gekündigt werden, wenn ein wichtiger Grund vorliegt. Es handelt sich um eine Sondervorschrift zu der allgemeinen zivilrechtlichen Regelung des 314 BGB, die die Bestimmung des 626 BGB ersetzt. Ein Kündigungsgrund i.s.d. 89a Abs. 1 HGB liegt vor, wenn dem Kündigenden unter Berücksichtigung aller Umstände des Einzelfalls und unter Abwägung der beiderseitigen Interessen die Fortsetzung bis zur vereinbarten Vertragsbeendigung oder bis zum Ablauf der Frist zur ordentlichen Kündigung gemäß 89 HGB nicht zugemutet werden kann. Diese sehr allgemein gehaltene Definition kann die Vertragsparteien dazu veranlassen, bestimmte Kündigungsgründe explizit zu vereinbaren. In dem Fall, über den der BGH zu entscheiden hatte, sah eine Klausel des Handelsvertretervertrages Folgendes vor: Die Kündigung des Vertragsverhältnisses kann außerdem von jedem Teil ohne Einhaltung einer Kündigungsfrist ausgesprochen werden, wenn ein wichtiger Grund vorliegt. Ein wichtiger Grund, der die V. [dies war die Versicherung, für die der Kläger als Handelsvertreter Versicherungsverträge vermittelte, Anmerkung der Verfasserin] zu einer fristlosen Kündigung berechtigt, ist insbesondere auch bei einem Verstoß gegen 4 dieses Vertrages gegeben. In 4 verpflichtete sich der Handelsvertreter dazu, während der Dauer des Vertragsverhältnisses weder unmittelbar noch mittelbar für andere Versicherungsgesellschaften als für das Unternehmen und für weitere Gesellschaften, die ausdrücklich in dem Vertrag genannt waren, tätig zu werden. Nachdem das Unternehmen davon erfahren hatte, dass der Handelsvertreter gegen dieses Wettbewerbsverbot verstoßen hatte, sprach es die fristlose Kündigung aus. Der Handelsvertreter hat sich hiergegen gewandt mit der Begründung, die Wettbewerbsverstöße seien bei wertender Betrachtung nur von geringfügigem Gewicht gewesen, so dass sie einen grundlegenden Vertrauensverlust und ein damit einhergehendes fristloses Kündigungsrecht ohne Abmahnung nicht begründen würden. Der BGH hat diese Auffassung bestätigt und hervorgehoben, dass es zwar möglich sei, im Handelsvertretervertrag die ansonsten von Rechts wegen gebotene Zumutbarkeitsprüfung und die Interessenabwägung einzuschränken oder auch gänzlich auszuschließen. Entscheidend sei jedoch die Auslegung des Vertrags im Einzelfall. Die Formulierung insbesondere in der streitgegenständlichen
8 14 ] 15 RBnews] Handelsvertreterrecht Gesellschafts- und Kapitalmarktrecht Vertragsklausel zeige, dass es sich lediglich um einen benannten Kündigungsgrund handeln sollte, der die allgemeinen Voraussetzungen der Unzumutbarkeit des Festhaltens an dem Vertrag und die Interessenabwägung jedoch unberührt lasse. Die Richter stellen an den Ausschluss des Zumutbarkeitskriteriums bzw. der Interessenabwägung hohe Anforderungen: Der Begriff des wichtigen Grundes in 89a Abs. 1 HGB zeige, dass eine geringfügige Vertragsverletzung kein ausreichender Grund für eine fristlose Kündigung sein könne. Zudem sei im Handelsvertreterrecht eine Beschränkung des Rechts zur fristlosen Kündigung auf schwerwiegende Vertragsverletzungen besonders geboten, weil das Vorliegen eines wichtigen Grundes wegen schuldhaften Verhaltens des Handelsvertreters gemäß 89b Abs. 3 Nr. 2 HGB den Verlust des Ausgleichsanspruchs zur Folge habe. In dem vorliegenden Fall waren die Wettbewerbsverstöße nach Auffassung der Richter nicht schwerwiegend genug, um die sofortige außerordentliche Kündigung zu rechtfertigen. Es hätte somit zunächst abgemahnt werden müssen. Fazit: Einer sorgfältigen Formulierung der Kündigungsgründe im Handelsvertretervertrag kommt mit der vorliegenden Entscheidung noch größeres praktisches Gewicht zu. Zwar lässt der BGH den Parteien durchaus (noch) Raum für abweichende vertragliche Vereinbarungen. Sieht ein Vertrag bei entsprechender Auslegung bestimmte Kündigungsgründe vor, so müssen sich die Gerichte bereits nach bisheriger Rechtsprechung an diese Regelung der Vertragspartner halten. Die Entscheidung der Parteien, dass in bestimmten Fällen die außerordentliche Kündigung möglich sein soll, darf dann nicht ausgehöhlt werden, indem zusätzliche, in dem Vertrag nicht vorgesehene Anforderungen an die Kündigungsgründe gestellt werden. Ein namentlich benannter Kündigungsgrund schließt die allgemeinen Anforderungen der Zumutbarkeit und der Interessenabwägung jedoch nicht ohne weiteres, sondern nur dann aus, wenn eine entsprechende Regelungsintention der Parteien deutlich erkennbar ist. Versäumen es die Parteien, dies klar zu bestimmen, dann so hat der BGH nunmehr betont bleiben sowohl das Zumutbarkeitserfordernis als auch die Interessenabwägung bestehen. Je nach Einzelfall können in der Folge insbesondere Verstöße gegen ausdrücklich vertraglich normierte Wettbewerbsverbote nicht ausreichen, um die außerordentliche Kündigung des Vertrages zu rechtfertigen. GESELLSCHAFTS- UND KAPITALMARKTRECHT GmbH-Geschäftsführer: (Keine) Haftung für Zahlungen bei Insolvenzreife [ BGH Urteil vom II ZR 196 / 09 ] von Dr. Philipp Bollacher Die Geschäftsführer einer GmbH haften persönlich für die Erfüllung der Steuerverbindlichkeiten der Gesellschaft und für die Abführung der Sozialversicherungsbeiträge. Zudem kann die Nichtabführung der Arbeitnehmeranteile eine Straftat des Geschäftsführers darstellen. Gleichzeitig sind die Geschäftsführer der Gesellschaft persönlich zum Ersatz von Zahlungen verpflichtet, die nach Eintritt der Zahlungsunfähigkeit der Gesellschaft oder nach Feststellung ihrer Überschuldung geleistet werden, sofern diese nicht mit der Sorgfalt eines ordentlichen Geschäftsmanns vereinbar sind. Problematisch ist deshalb seit langem, wie ein Geschäftsführer in der Krise der Gesellschaft diese Pflichtenkollision auflösen und eine persönliche Haftung vermeiden kann. Unter Änderung seiner bisherigen Rechtsprechung hat der BGH am zunächst entschieden, dass die Zahlung laufender Sozialversicherungsbeiträge in der Insolvenzreife mit der Sorgfalt eines ordentlichen Geschäftsmanns vereinbar sei und deshalb keine persönliche Haftung des Geschäftsführers nach sich ziehe. Entsprechendes gelte für die Begleichung laufender Steuern. Mit dem vorliegenden Urteil hat der BGH nunmehr bestätigt, dass nicht nur die Zahlung der laufenden Verbindlichkeiten an das Finanzamt bzw. die Einzugsstelle des Sozialversicherungsträgers den Geschäftsführer von der persönlichen Haftung befreie, sondern dass auch die Zahlung rückständiger Verbindlichkeiten zu keiner persönlichen Haftung des Geschäftsführers führe. Zwar könne die Nachzahlung rückständiger Leistungen den bereits begangenen Verstoß des Geschäftsführers, stets laufende Verbindlichkeiten zu erfüllen, nicht heilen und auch die möglicherweise bereits verwirklichte Straftat oder Ordnungswidrigkeit werde dadurch nicht geheilt. Jedoch könne dem Geschäftsführer nicht zugemutet werden, auf eine möglicherweise zur Straffreiheit oder Strafmilderung führende Schadenswiedergutmachung zu verzichten. Da diese Würdigung vorwiegend auf dem Umstand basiert, dass der Geschäftsführer die Zahlung zur Vermeidung der eigenen Strafbarkeit ausführt, gelte dies allerdings nicht für die Zahlung von Arbeitgeberanteilen an den Sozialversicherungsträger, deren Unterlassung nicht strafbewehrt ist. Fazit: Die vorliegende Entscheidung bringt für die Geschäftsführer eine weitere Handlungsanweisung, wie sie im Krisenfall eine mögliche persönliche Inanspruchnahme durch die Gesellschaft bzw. den Insolvenzverwalter vermeiden können. Durch die Gleichstellung von laufenden und rückständigen Verbindlichkeiten wird der Geschäftsführer die Steuerverbindlichkeiten und die Arbeitnehmeranteile zur Sozialversicherung auch im Krisenfall auszahlen (müssen). Für die Gläubiger bleibt diese neue Rechtsprechung nachteilig, da die Finanzund Sozialversicherungsbehörden dadurch faktisch vorrangig befriedigt werden. Daran vermag auch die nunmehr vorgenommene Abgrenzung zwischen auszuzahlenden Arbeitnehmeranteilen und nicht auszuzahlenden Arbeitgeberanteilen nichts zu ändern. Geschlechterquote in Aufsichtsräten Gesetzesinitiative für ein Gesetz zur Förderung der Gleichberechtigung von Frauen und Männern in Aufsichtsräten börsennotierter Unternehmen (FöGAbUG) [ Gesetzesinitiative der Landesregierung von Nordrhein-Westfalen ] von Oliver Peters Die Medien beschäftigten sich vor einigen Wochen mit der politischen Auseinandersetzung über die Einführung von Frauenquoten. Bundesarbeitsministerin von der Leyen kündigte an, dass die Bundesregierung noch im Jahr 2011 einen Vorschlag für eine gesetzliche Regelung zur Geschlechterquote in den Führungsgremien deutscher Unternehmen vorlegen werde. Möglicherweise wird es dabei um eine Mindestquote beider Geschlechter von 30 % gehen, die sowohl für Vorstands- als auch Aufsichtsratsmitglieder börsennotierter Unternehmen gelten soll. Auch die stellvertretende SPD-Vorsitzende Schwesig sprach sich für eine allgemeine gesetzliche Frauenquote aus. Eine Untersuchung des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) hatte festgestellt, dass der Frauenanteil in den Vorstandsetagen der 200 größten Unternehmen im Jahr 2010 bei lediglich 3,2 % lag, in den 100 größten Betrieben und den 30 DAX-Unternehmen seien sogar nur 2,2 % der Führungspositionen mit Frauen besetzt gewesen. Die Phase freiwilliger Maßnahmen ist jetzt vorbei. Mit diesen Worten begründete kürzlich der Justizminister von Nordrhein- Westfalen, Thomas Kutschaty, einen im Bundesrat eingereichten Gesetzesentwurf der Landsregierung Nordrhein-Westfalens zur Einführung einer gesetzlichen Quote für die Gleichbehandlung von Männern und Frauen in Aufsichtsräten börsennotierter Unternehmen. Bemühungen auf der Grundlage von freiwilligen Vereinbarungen oder Soft Law seien erfolglos geblieben. Bereits im Jahr 2001 sei eine Erhöhung des Frauenanteils in Führungspositionen Bestandteil einer Vereinbarung zwischen der Bundesregierung und Spitzenverbänden der Wirtschaft gewesen, ohne dass sich nennenswert etwas verändert habe. Wir haben die Zeichen der Zeit erkannt, so Kutschaty, Die Bundesregierung mag weiter debattieren. Nordrhein-Westfalen handelt. Die Diskussion über Frauenquoten aufgreifend, legte die Landesregierung von Nordrhein-Westfalen eine Gesetzesinitiative vor, nach welcher mithilfe eines Stufenplans der Anteil beider Geschlechter in Aufsichtsräten von zunächst mindestens 30 % auf 40 % nach fünf Jahren erhöht werden soll. Der mit Gesetz zur Förderung der Gleichberechtigung von Frauen und Männern in Aufsichtsräten börsennotierter Unternehmen (FöGAbUG) betitelte Entwurf sieht neben einer Einfügung eines 96a AktG die Aufnahme eines neuen Absatzes 1a in 101 AktG vor. Danach soll eine Person nur in den Aufsichtsrat gewählt werden können, wenn der gesetzliche Mindestanteil der Angehörigen eines Geschlechts hierdurch nicht unterschritten wird. Die Umsetzung der Quote soll damit unmittelbar bei der Wahl der Aufsichtsratsmitglieder ansetzen. Die Neufassung solle daher, so Kutschaty, ohne weitere Sanktionen, wie z.b. Bußgelder, auskommen können. Darüber hinaus sollen sog. große Kapitalgesellschaften verpflichtet werden, im Lagebericht zum jeweiligen Anteil der Geschlechter an der Gesamtzahl der Organmitglieder und der leitenden Angestellten Stellung zu nehmen. Lediglich für Unternehmen, die trotz anhaltender intensiver Bemühungen keine hinreichende Anzahl von Frauen für ein Aufsichtsratsmandat gewinnen können, solle es eine Härteklausel geben. Fazit: Initiativen zur Einführung von Geschlechterquoten in Aufsichtsräten, eventuell auch in Vorstandsetagen, börsennotierter Unternehmen werden von politischer Seite mit großer Vehemenz verfolgt. Möglicherweise werden entsprechende Initiativen kurzoder mittelfristig in Gesetzesform umgesetzt werden. Es bleibt abzuwarten, wie die Entwicklung voranschreiten wird und wie und wann Unternehmen darauf reagieren müssen.
9 16 ] 17 RBnews] Miet- und Immobilienrecht MIET- UND IMMOBILIENRECHT Zur Erstattung von Anwaltskosten bei Kündigung durch einen gewerblichen Vermieter in einem einfach gelagerten Fall [ BGH, Urteil vom VIII ZR 271 / 09 ] von Dr. Gero Schneider, M.C.L. Der Bundesgerichtshof hat entschieden, dass in einem tatsächlich und rechtlich einfach gelagerten Fall ein gewerblicher Großvermieter für die Abfassung einer auf Zahlungsverzug gestützten Kündigung eines Wohnungsmietvertrages keiner anwaltlichen Hilfe bedarf. Die Kosten für einen gleichwohl beauftragten sind dann vom Mieter nicht zu erstatten. In dem entschiedenen Fall stritten der Kläger, ein Unternehmen der Wohnungswirtschaft, das über eine Vielzahl von Mietwohnungen verfügt, und die beklagten Mieter einer Wohnung über Erstattung der für die fristlose Kündigung entstandenen skosten von EUR 402,82. Die Beklagten gerieten im Frühjahr 2008 mit zwei Monatsmieten in Verzug. Daraufhin erklärte die Klägerin mit Anwaltsschreiben vom die fristlose Kündigung wegen eines am bestehenden Mietrückstands von EUR 1.014,24 und forderte die Beklagten zur Räumung der Wohnung sowie Erstattung der Anwaltskosten auf. Das Amtsgericht hat die Zahlungsklage abgewiesen, auch die Berufung war erfolglos geblieben. Der 8. Senat des BGH wies die Revision mit der Begründung zurück, dem Vermieter stehe kein Kostenerstattungsanspruch zu. Die Klägerin hätte als gewerbliche Großvermieterin das Kündigungsschreiben selbst abfassen können. Durch die gleichwohl erfolgte Beauftragung eines s habe sie ihre Schadensminderungspflicht nach 254 Abs. 2 BGB verletzt. Die durch den Zahlungsverzug geschädigte Klägerin könne nur solche Aufwendungen ersetzt verlangen, die zur Wahrung und Durchsetzung ihrer Rechte erforderlich und zweckmäßig waren. Dies sei vorliegend nicht der Fall gewesen. Zwar haben sich die Beklagten unzweifelhaft mit zwei Monatsmieten in Verzug befunden, so dass eine hierauf gestützte Kündigung nach 543 Abs. 2 S. 1 Nr. 1 BGB ohne weiteres gerechtfertigt war. Bei einem gewerblichen Großvermieter wie der Klägerin bedürfe es aber keiner anwaltlichen Hilfe bei der Abfassung eines auf Zahlungsverzug gestützten Kündigungsschreibens, da dieses ohne weiteres durch das kaufmännische Personal gefertigt werden könne. Auch die formalen Anforderungen an ein Kündigungsschreiben erforderten kein Tätigwerden eines s. Die Beachtung der gesetzlichen Formvorschriften könne auch von einem zwar nicht rechtskundigen, jedoch kaufmännisch geschulten Personal einer Großvermietungsgesellschaft erwartet werden. Fazit: Bei der vorliegenden Entscheidung handelt es sich zwar um eine Einzelfallentscheidung. Auf welche Vermieter die Entscheidung zu übertragen ist, richtet sich danach, wer als Großvermieter einzustufen ist. Bisher hat die Mehrzahl der (Groß-)Vermieter bereits die Kündigung und zum Teil auch die Räumungsverfahren nach einer Zahlungsverzugskündigung selbst abgewickelt. Dies empfiehlt sich bereits deshalb, weil die betroffenen Mieter überwiegend nicht zahlungsfähig sein dürften, und damit etwa erstattungsfähige skosten nicht begleichen könnten. Im Übrigen kann die Entscheidung als Bitte seitens des BGH an Großvermieter gerichtet sein, künftig die Kirche im Dorf zu belassen. Im Mietrecht kein Eigenbedarf für Kommanditisten [ BGH, Urteil vom VIII ZR 210 / 10 ] von Dr. Philipp Bollacher Ein 69 und 74 Jahre altes Ehepaar hatte in der Rechtsform einer GmbH & Co. KG eine Wohnung vermietet. Als das Ehepaar selbst in die Wohnung einziehen wollte, kündigte die GmbH & Co. KG wegen Eigenbedarf. Der Mieter klagte dagegen, sodass der BGH die Frage der Wirksamkeit der Kündigung zu entscheiden hatte. Der BGH stellt zunächst fest, dass eine Vermietermehrheit in Form einer Vermietergemeinschaft stets dann aus Eigenbedarf kündigen könne, wenn ein einzelner Vermieter Eigenbedarf anmeldet. Dies gelte auch dann, wenn die Vermietermehrheit nicht in Form einer Gemeinschaft, sondern einer Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR) organisiert sei, weil dies häufig nur vom Zufall abhänge. Überraschenderweise lehnt der BGH eine Anwendung dieser Grundsätze auf Personenhandelsgesellschaften, d.h. OHG und (GmbH & Co.) KG ab. Die Rechtswahl einer Personenhandelsgesellschaft erfolge nicht zufällig, sondern beruhe auf einer bewussten Entscheidung aufgrund wirtschaftlicher, steuerrechtlicher und/oder haftungsrechtlicher Überlegungen. Zudem setze die Gründung einer Personenhandelsgesellschaft regelmäßig eine umfangreiche organisatorische und rechtsgeschäftliche Tätigkeit bis hin zur Eintragung in das Handelsregister voraus. Von einer Vergleichbarkeit mit einer Vermietermehrheit sei sie Gemeinschaft oder GbR könne daher keine Rede sein. Eine Personenhandelsgesellschaft könne deshalb nur wegen Betriebsbedarf oder wegen einer betrieblich bedingten Notwendigkeit kündigen, was im vorliegenden Fall jedoch nicht gegeben sei. Fazit: Der für Gesellschaftsrecht zuständige 2. Zivilsenat hätte diese Entscheidung mit Sicherheit anders getroffen, denn die Ausführungen des 8. Zivilsenats sind mit gesellschaftsrechtlichen Grundkenntnissen nur schwer vereinbar. Der Senat verkennt, dass zur Gründung einer Personenhandelsgesellschaft kein höherer Aufwand erforderlich ist als für die Gründung einer GbR; die Han- delsregistereintragung ist für die Gründung der Gesellschaft nicht Voraussetzung, sondern nur deklaratorisch. Zudem kann die Vergrößerung des Geschäftsbetriebes einer GbR zur Gründung eines Handelsgewerbes und damit einer OHG führen, sodass auch eine OHG zufällig entstehen kann. Fraglich ist zudem, weshalb der Mieter davon profitieren soll, dass die Vermietermehrheit sich aus außerhalb des Mietrechts liegenden Erwägungen für eine (andere) Rechtsform entscheidet. Überzeugender wäre es deshalb gewesen, nicht auf die Rechtsform, sondern den (personalistischen) Zuschnitt der Gesellschaft und darauf abzustellen, ob der Eigenbedarf eines einzelnen s der Gesellschaft noch zugerechnet werden kann. Dies dürfte bei Publikumsgesellschaften (etwa Immobilienfonds) regelmäßig nicht zutreffen. Im vorliegenden Fall eines Ehepaares dürfte dieser personalistische Zuschnitt und damit die Wirksamkeit der Kündigung dagegen vorgelegen haben. Gesamtgläubigerschaft bei einer Grundschuld [ BGH, Beschluss vom V ZR 182 / 09 ] von Oliver Simon (Strack et Collegae Rechtsanwälte) Vereinigen sich Forderung und Schuld in der Person eines Gesamtgläubigers, so erlöschen gemäß 429 Abs. 2 BGB die Rechte der übrigen Gläubiger gegen den Schuldner. Der BGH entschied nun im Wege eines Beschlusses, dass diese Regelung keine Anwendung findet, wenn einer von mehreren Gesamtgläubigern einer Grundschuld Eigentümer eines belasteten Grundstücks wird. Im vorliegenden Fall machte die Klägerin geltend, dass zur Sicherung einer einheitlichen Rechtsprechung ein Zulassungsgrund gegeben wäre. Ein solcher lag allerdings nicht vor. Selbst wenn das Berufungsgericht aber die Begründetheit des Klageanspruchs unter Berücksichtigung der Vorschrift des 429 Abs. 2 BGB geprüft hätte, wäre das Ergebnis nicht anders ausgefallen. Das Rechtsinstitut der Gesamtgläubigerschaft gilt auch im Sachenrecht. Dementsprechend ist eine Gesamtgläubigerberechtigung bei einer Grundschuld rechtlich möglich, was aber nicht zur Folge hat, dass die Vorschrift des 429 Abs. 2 BGB anwendbar ist. Nach dieser würden bei der Vereinigung von Forderung und Schuld in der Person eines Gesamtgläubigers die Rechte der übrigen Gläubiger gegen den Schuldner erlöschen. Zwar gilt im Schuldrecht der unumstößliche Grundsatz, dass niemand gegen sich selbst eine Forderung haben kann, was allerdings nach 889 BGB im Immobiliarsachenrecht nicht gilt. Dort wird deshalb sowohl die originäre Bestellung als auch der nachträgliche Erwerb einer Grundschuld am eigenen Grundstück, nämlich die Eigentümergrundschuld nach 1177 Abs. 1, 1196 Abs. 1 BGB erlaubt. Die Identität von Grundschuldgläubiger und Grundstückseigentümer berührt nicht den Bestand und den Inhalt der Grundschuld. Es tritt keine Konsolidation mit rechtserlöschender Wirkung ein. Für die Gesamtgläubigerschaft an einer Grundschuld bedeutet dies, dass dann, wenn einer der Gesamtgläubiger Eigentümer des belasteten Grundstücks wird, die Grundschuld für ihn als Eigentümergrundschuld und für die anderen Gesamtgläubiger als Fremdgrundschuld bestehen bleibt. Der Grund hierfür ist, dass es sich nicht um eine einzige, mehreren Personen zustehende Grundschuld handelt, sondern um eine Mehrheit von Rechten, die allerdings nicht unabhängig voneinander bestehen, sondern nach 428 BGB in der Weise miteinander verbunden sind, dass jeder Gläubiger ein eigenes Befriedigungsrecht hat, die Befriedigung eines einzigen jedoch gegen alle wirkt. Nach alledem hatte der Eigentumserwerb eines der Gesamtgläubiger hier nicht das Erlöschen der Rechte der weiteren Gesamtgläubiger zur Folge gehabt. Auch nach dem Eigentumserwerb der einen Gläubigerin blieben nach wie vor beide Gläubiger jeweils Gläubiger der Grundschuld. Fazit: In seinem Beschluss hat der BGH noch einmal deutlich gemacht, dass es im Sachenrecht sehr wohl vorkommen kann, das ein Gläubiger gegen sich selbst eine Forderung haben kann, da die Regelung im 429 BGB keine Anwendung findet.
10 18 ] 19 RBnews] Sozialversicherungsrecht Das Wichtigste zum Schluss RB / SEC Autoren SOZIALVERSICHERUNGSRECHT Keine Erstattung zu Unrecht gezahlter Rentenversicherungsbeiträge [ LSG Baden-Württemberg, Urteil vom L 4 R 4672/10 ] von Dr. Arnim Powietzka Das Landessozialgericht hat den Antrag eines seit 1988 zu Unrecht in der gesetzlichen Rentenversicherung versicherten Geschäftsführers einer GmbH auf Erstattung von entrichteten Beiträgen in Höhe von ca. EUR ,00 abgelehnt. Der Geschäftsführer hatte seit 1988 Beiträge zur gesetzlichen Rentenversicherung bezahlt. Im Dezember 2007 hatte er bei der Krankenkasse einen Antrag auf Feststellung seines sozialversicherungsrechtlichen Status gestellt. Die Krankenkasse stellte im März 2008 fest, dass er als -Geschäftsführer der GmbH nicht abhängig beschäftigt und somit auch nicht versicherungspflichtig in der Rentenversicherung war. Daraufhin beantragte der Kläger im April 2008 die Erstattung der seit 1988 gezahlten Beiträge. Die Rentenversicherung erstattete die für den Zeitraum Dezember 2003 März 2008 gezahlten Beiträge. Eine Erstattung der Beiträge für die Zeit davor lehnte sie ab, da der Erstattungsantrag des Klägers nicht rechtzeitig vor dem gestellt worden sei. Der Antrag auf Feststellung des versicherungsrechtlichen Status sei nicht mit dem Erstattungsantrag gleichzusetzen. Das Landessozialgericht bestätigte diese Entscheidung ebenso wie bereits zuvor das Sozialgericht. Zwar sei der Kläger seit 1988 zu Unrecht als Versicherungspflichtiger in der Rentenversicherung behandelt worden, jedoch gälten die deshalb entrichteten Beiträge als zu Recht entrichtet, weil ihre Zahlung nicht mehr beanstandet werden könne. Nachdem vermehrt Personen, die über Jahre hinweg Beiträge zur Sozialversicherung entrichtet hatten, die Feststellung begehrt hatten, sie seien tatsächlich nicht versicherungspflichtig gewesen, traf der Gesetzgeber mit Wirkung zum eine gesetzliche Neuregelung in 26 SGB IV. Danach gelten Beiträge, die nicht spätestens bei der nächsten Prüfung beim Arbeitgeber beanstandet worden sind, grundsätzlich als zu Recht entrichtete Pflichtbeiträge. Eine nachträgliche Rückforderung ist daher ausgeschlossen. Unter diese Vorschrift falle so das LSG auch der Erstattungsantrag des Klägers, da dieser erst nach der Gesetzesänderung im April 2008 gestellt worden sei. Zwar habe der Kläger bereits im Dezember 2007 noch vor der Gesetzesänderung einen Antrag auf Feststellung des sozialversicherungsrechtlichen Status gestellt. Dieser sei jedoch nicht mit einem Erstattungsantrag gleichzusetzen. Fazit: Die Beurteilung, ob -Geschäftsführer einer GmbH der Sozialversicherungspflicht unterliegen, ist im Einzelfall häufig schwierig. Da bei einer fehlerhaften Annahme der Versicherungspflicht zu Unrecht gezahlte Beiträge wie der vorliegende Fall zeigt nur unter engen Voraussetzungen zurückerstattet werden, sollte im Zweifelsfall die Frage der Sozialversicherungspflicht möglichst frühzeitig durch ein Statusfeststellungsverfahren geklärt werden. (Keine) Auswirkungen von 613a BGB auf Sozialversicherungsbeitragsschulden des Betriebsveräußerers [ Bay. LSG, Beschluss v L 5 R 848/10 B ER ] von Dr. Gero Schneider, M.C.L. Bei einem Betriebsübergang im Sinne des 613a BGB haftet der Erwerber nach 75 AO für Steuerschulden des Veräußerers. Für Sozialversicherungsbeitragsschulden besteht dagegen nach dem Beschluss des Bayerischen Landessozialgerichts keine Haftung. Die Beteiligten des Verfahrens stritten über die Rechtmäßigkeit eines Beitragsnachforderungsbescheides. Nach einer Betriebsprüfung im Unternehmen des Antragstellers machte die Antragsgegnerin, ein Sozialversicherungsträger, Beitragsnachforderungen in Höhe von 1,7 Mio. Euro geltend. Die Nachforderung beruhte im Wesentlichen auf der Beurteilung von Aufwandsersatzleistungen, die der Antragsteller beitragsfrei gezahlt hatte, die aber von der Antragsgegnerin als beitragspflichtig angesehen wurden, weil sie nicht zusätzlich zum Arbeitsentgelt, sondern an dessen Stelle gezahlt worden seien. Zum Teil betrafen die Nachforderungen aber Zahlungen, die vor einem Betriebsübergang auf den Antragsteller durch den Betriebsveräußerer geleistet worden waren. Gegen den Nachzahlungsbescheid wandte sich die Antragstellerin im Wege des einstweiligen Rechtsschutzes. Sozialgericht und Landessozialgericht gaben der Antragstellerin insoweit Recht, als die Nachforderungen sich auf Zahlungen durch den Betriebsveräußerer vor dem Betriebsübergang beziehen. Aufgrund des Vorbehalts des Gesetzes dürfe die Antragsgegnerin Beiträge von der Antragstellerin nur fordern, wenn eine gesetzliche Ermächtigungsgrundlage bestehe. Eine solche bestehe nicht, da vor dem Betriebsübergang die Antragstellerin nicht zahlungspflichtiger Arbeitgeber im Sinne des 28e SGB IV gewesen sei. Im Zeitpunkt des Betriebsübergangs seien zwar die Arbeitsverhältnisse gemäß 613a BGB auf die Antragstellerin übergegangen. Damit seien auch alle Verpflichtungen aus den Arbeitsverhältnissen vom Veräußerer auf den Erwerber übergegangen, nicht jedoch eventuelle Beitragsrückstände zur Sozialversicherung. Denn diese seien auch hinsichtlich der Arbeitnehmeranteile keine Verpflichtung des Arbeitgebers aus dem laufenden Arbeitsverhältnis. 613a BGB sei dem Sonderprivatrecht der Arbeitsverhältnisse zuzuordnen und diene dazu, den arbeitsrechtlichen Schutz für Arbeitnehmer im Falle von Betriebsübergängen zu wahren. Von dieser Regelung würden die öffentlich- rechtlich begründeten, im SGB normierten Ansprüche der Sozialversicherung auf Beitragszahlung nicht erfasst. Auch die Richtlinie 2001 / 23 / EG, auf der 613a BGB beruhe, gebiete kein anderes Verständnis. Weiterhin bestehe keine Haftung nach 25 HGB für die Beitragsrückstände, da dieser sich auf Geschäftsverbindlichkeiten eines Betriebes, nicht jedoch auf öffentlichrechtliche Beiträge zur Sozialversicherung beziehe. Schließlich könne 75 AO nicht auf Sozialversicherungsschulden übertragen werden, da keine ausdrückliche Verweisung geschaffen worden sei. Fazit: Mit überzeugenden Argumenten verneint das Bayerische Landessozialgericht eine Haftung des Betriebserwerbers für Beitragsschulden des Veräußerers. Damit besteht für die Praxis nicht nur bezüglich der steuerrechtlichen, sondern nun auch bezüglich der beitrags-rechtlichen Haftung beim Betriebsübergang Rechtssicherheit. DAS WICHTIGSTE ZUM SCHLUSS Vorsicht bei Polizisten mit Rechtschreibschwäche [ OLG Koblenz, Urteil vom U 883/10 ] Die Parteien stritten darüber, ob die Beklagte ein dem Kläger entwendetes Wohnmobil gutgläubig von einem Dritten erworben hatte. Das Fahrzeug war im Internet unter Angabe einer Handy- Nummer zum Verkauf angeboten worden. Die Beklagte hatte sich mit dem Verkäufer, der behauptet hatte Polizeibeamter zu sein, zweimal zur Besichtigung auf unterschiedlichen Parkplätzen verabredet und beim zweiten Treffen einen Kaufvertrag abgeschlossen. Der Kaufpreis von Euro wurde in bar entrichtet. Der Verkäufer händigte einen wie sich später herausstellte gefälschten Kfz- Brief aus, jedoch keinen Kfz-Schein, kein Bord-Handbuch und kein Wartungsheft. Nach Ansicht des OLG Koblenz hat die Beklagte das Wohnmobil nicht gutgläubig erworben, weil ihre Auffassung, der Verkäufer sei Eigentümer des Wohnmobils, trotz des vorgelegten Kfz-Briefs auf grober Fahrlässigkeit beruhte. Angesichts zahlreicher ungewöhnlicher Umstände hätte sie sich über die Identität des Verkäufers und des eingetragenen Halters vergewissern müssen. Neben den fehlenden Unterlagen (Kfz-Schein, Bord-Buch, Wartungsheft) hätte auch die Besichtigung auf einem weit entfernten Parkplatz argwöhnisch machen müssen. Vor allem aber stellte das OLG Koblenz darauf ab, dass der augenscheinliche Bildungsstand des Verkäufers nicht zu dem von ihm angegebenen Beruf eines Polizisten gepasst habe. Von einem Polizisten wäre zu erwarten gewesen, dass er die Grundregeln der Rechtschreibung beherrsche. Insofern hätten die Formulierungen im Kaufvertrag erstaunen müssen. Dabei sei die Schreibweise FAhRADTREGER (statt Fahrradträger) noch hinnehmbar gewesen. Nachdem aber der vermeintliche Polizist die Zahl 24 als Fierundzwanzieg geschrieben habe, könne sich die Beklagte nicht mehr auf ihren guten Glauben berufen. RB / SEC AUTOREN Dr. Kerstin Reiserer_Rechtsanwältin, Fachanwältin für Dr. Karl Benedikt Biesinger_ Dr. Arnim Powietzka_, Fachanwalt für Florian Christ_, Fachanwalt für Dr. Philipp Bollacher_, Fachanwalt für Handels- und Gesellschaftsrecht Dr. Gero Schneider M.C.L._ Oliver Peters_, Fachanwalt für Handels- und Gesellschaftsrecht Diana Fallenstein_Rechtsanwältin Dr. Simone Evke de Groot_Rechtsanwältin Daniel Heinlein_ Oliver Simon_
11 20 ] 21 RBnews] RB Seminare RB / SEC Autoren RB AUTOREN RB SEMINARE Neben den RB-News, die Sie gerade in Händen halten, wollen wir mit unseren regelmäßigen Seminarveranstaltungen zu einer Vielzahl wirtschaftsrechtlicher und steuerlicher Themen, unsere Mandanten über für Sie wichtige und aktuelle Rechtsentwicklungen und Fragestellungen unterrichtet halten und sensibilisieren. Die Veranstaltungen sind kostenlos. Jeder Teilnehmer erhält ein umfassendes Skript, das es ihm ermöglicht, das Gehörte nachzulesen. Wir hoffen damit einen Beitrag zu leisten, der es Ihnen ermöglicht, sich in Ihrem rechtlichen Umfeld sicherer zu bewegen und dabei rechtliche und wirtschaftliche Nachteile und Risiken zu vermindern, im besten Fall sogar ganz zu vermeiden. Wir würden uns freuen, wenn Sie sich auch weiterhin für unsere aktuellen Seminarveranstaltungen interessieren würden. Darüber hinaus sind wir aber auch jederzeit und gerne bereit, Anregungen Ihrerseits aufzunehmen und Seminarthemen aufzubereiten, die für Sie von besonderer Bedeutung oder Interesse sind. Dr. iur. Kerstin Reiserer Rechtsanwältin, Fachanwältin für in Studium der Rechtswissenschaften an den Universitäten Regensburg und München _Promotion zum Dr. iur. bei Professor Dr. Henrich _ Richterin beim Landgericht Mosbach _ Wissenschaftliche Assistentin am Lehrstuhl für Bürgerliches Recht und Arbeits- und Sozialversicherungsrecht, Professor Dr. von Hoyningen-Huene, Universität Heidelberg _ tätig als Rechtsanwältin, ab 1999 auch in einer überörtlichen, wirtschaftsberatenden Sozietät _ Seit 1996 Fachanwältin für _ 2005 Gründung der Kanzlei RB Reiserer Biesinger sgesellschaft mbh Autorin zahlreicher Fachveröffentlichungen und Referentin bei großen Fachtagungen Auf Wunsch halten wir Seminarveranstaltungen gerne auch im geschlossenen Kreis in Ihrem Unternehmen ab. Dr. iur. Karl Benedikt Biesinger Weitere Informationen finden Sie unter Handels- und Gesellschaftsrecht Finanz- und Kapitalmarktrecht Mergers & Acquisitions Immobilienrecht Steuerrecht Studium der Rechtswissenschaften an der Eberhard-Karls-Universität, Tübingen und der Albert-Ludwigs-Universität, Freiburg _ Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Max-Planck-Institut für ausländisches und internationales Strafrecht in Freiburg _ Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Bürgerliches Recht und Wirtschaftsrecht bei Prof. Dr. H.P. Westermann an der Eberhard-Karls-Universität, Tübingen _ Rechtsreferendariat in Tübingen _ 1992 Stipendiat der Stiftung für die Deutsche Wissenschaft Arbeitskreis Recht und Wirtschaft _ Seit 1993 Zugelassen als _ tätig als, ab 1999 auch einer überörtlichen, wirtschaftsberatenden Sozietät _ 1997 Promotion zum Dr. iur. bei Prof. Dr. H.P. Westermann an der Eberhard-Karls Universität, Tübingen _ 2005 Gründung der Kanzlei RB Reiserer Biesinger
12 22 ] 23 RBnews] RB Autoren RB AUTOREN Dr. iur. Arnim Powietzka, Fachanwalt für Studium der Rechtswissenschaften an der Universität Heidelberg _ Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Bürgerliches Recht, Arbeits- und Sozialversicherungsrecht, Prof. Dr. von Hoyningen-Huene, Universität Heidelberg 2003 Promotion zum Dr. iur. bei Prof. Dr. von Hoyningen-Huene (Dissertation zum Thema Kündigungsschutz im Kleinbetrieb und in der Wartezeit ausgezeichnet mit dem Südwestmetall Förderpreis 2003 für wissenschaftlichen Nachwuchs) _ bei Gleiss Lutz Rechtsanwälte in Stuttgart und München _ Seit 2005, seit 2008 auch der Kanzlei RB Reiserer Biesinger sgesellschaft mbh _ Fachanwalt für Lehrbeauftragter an der Universität Heidelberg Dr. iur. Philipp Bollacher, Fachanwalt für Handels- und Gesellschaftsrecht Handels- und Gesellschaftsrecht Mergers & Acquisitions Gewerblicher Rechtsschutz Immobilienrecht Studium der Rechtswissenschaften an den Universitäten Tübingen und Berlin mit Studienaufenthalt in Chicago, Illinois / USA _ Geprüfte wissenschaftliche Hilfskraft am Lehrstuhl für Bürgerliches Recht, Handels- und Wirtschaftsrecht, Europarecht und Rechtsvergleichung, Prof. Dr. Möschel, Universität Tübingen _ Stipendiat der Landesgraduiertenförderung des Landes Baden-Württemberg _ 2004 Promotion zum Dr. iur. bei Prof. Dr. Möschel, Universität Tübingen (Dissertation zum Thema Internationales Privatrecht, Urheberrecht und Internet ) _ Rechtsreferendariat am Landgericht Tübingen mit Ausbildungsabschnitten bei CMS Hasche Sigle, Stuttgart (Gesellschaftsrecht) und Dammholz & Co., Sydney, Australien (Internationales Wirtschaftsrecht) _ 2006 tätig als in einer wirtschaftsberatenden Kanzlei in Frankfurt _ Seit 2006 tätig als und seit 2011 der Kanzlei RB Reiserer Biesinger sgesellschaft mbh Lehrbeauftragter an der Universität Heidelberg Dr. iur. Gero Schneider M.C.L. Florian Christ, Fachanwalt für Studium der Rechtswissenschaften an der Universität Tübingen mit Studienaufenthalt in Straßburg / Frankreich _ Rechtsreferendariat am Landgericht Landau (Pfalz) mit Ausbildungsabschnitten in Karlsruhe, Verwaltungshochschule Speyer und Sydney / Australien _ 2004 Freier Mitarbeiter bei Clifford Chance in Düsseldorf _ Promotionsbegleitende Tätigkeit als in Heidelberg _ Seit 2006 tätig als angestellter und seit 2011 der Kanzlei RB Reiserer Biesinger sgesellschaft mbh Handels- und Gesellschaftsrecht Immobilienrecht Studium der Rechtswissenschaften an den Universitäten Heidelberg und Freiburg i. Br. mit Studienaufenthalt in London, GB _ 2002 Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Ausländisches und Internationales Privatrecht an der Universität Freiburg bei Prof. Dr. Hohloch _ Master of Comparative Law an der Universität Mannheim und der University of Adelaide (South Australia) _ Promotion zum Dr. iur. bei Prof. Burkhard Boemke, Universität Leipzig (Dissertation zum Thema Richterliche Kontrolle von Betriebsvereinbarungen und Flexibilisierung von Arbeitsbedingungen ) _ Rechtsreferendariat am Landgericht Mannheim mit Ausbildungsabschnitt in der Rechtsabteilung der DaimlerChrysler AG _ Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Öffentliches Recht und Rechtsphilosophie an der Universität Mannheim bei Prof. Dr. Cremer _ bei einer überregionalen wirtschaftsberatenden Sozietät in Heidelberg _ Seit 2007 tätig als und seit 2011 der Kanzlei RB Reiserer Biesinger sgesellschaft mbh
13 24 ] 25 RBnews] RB Autoren RB AUTOREN Oliver Peters, Fachanwalt für Handels- und Gesellschaftsrecht Handels- und Gesellschaftsrecht Mergers & Acquisitions Finanz- und Kapitalmarktrecht Studium der Rechtswissenschaften an den Universitäten Heidelberg, Nottingham und Oxford _ Wissenschaftliche Mitarbeit an der Forschungsstelle Bundessteuergesetzbuch und dem Lehrstuhl von Prof. Dr. Paul Kirchhof, Bundesverfassungsrichter a.d., an der Universität Heidelberg _ Rechtsreferendariat am Landgericht Frankenthal mit Ausbildungsabschnitten in Ludwigshafen, Mannheim, Frankfurt und San Francisco _ 2005 Zulassung als in Karlsruhe _ tätig als in einer überörtlichen wirtschaftsberatenden Sozietät _ Seit März 2007 tätig als und seit 2011 der Kanzlei RB Reiserer Biesinger sgesellschaft mbh _ Derzeit Promotion zum Dr. iur. zum Thema: Geschäftsführerhaftung gegenüber mittelständischen Unternehmen - Rechtsvergleich zwischen britischer Reform und deutschem Recht sowie Kodifikationsanreize für Deutschland. Dr. Simone Evke de Groot Rechtsanwältin Studium der Rechtswissenschaften an der Universität Bielefeld_ Studentische Hilfskraft am Lehrstuhl für Bürgerliches Recht, Arbeits-, Versicherungs- und Sozialrecht von Professor Dr. Rolfs, Universität Bielefeld _ 2006 Zweitplatzierte auf Bundesebene beim moot court der European Law Students' Association _ Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl für Bürgerliches Recht, Arbeits-, Versicherungs- und Sozialrecht von Professor Dr. Rolfs, Universität Bielefeld _ 2008 Promotion zum Dr. iur. bei Professor Dr. Rolfs (Thema Der deutsche Pensionsfonds als Instrument der betrieblichen Altersversorgung im Spannungsfeld zwischen Betriebsrenten- und Versicherungsrecht ). Die Dissertationsschrift wurde in die Schriftenreihe für Arbeitsund Wirtschaftsrecht der Universität zu Köln des Verlags C.H. Beck aufgenommen und durch ein Stipendium des Beihilfe- und Wissenschaftsfonds der VG WORT gefördert. _ Rechtsreferendariat am Landgericht Mosbach (Baden) mit Ausbildungsabschnitten am Verwaltungsgerichtshof in Mannheim, in einer überörtlichen, wirtschaftsberatenden Sozietät in Mannheim (Gesellschaftsrecht), bei der Reiserer Biesinger sgesellschaft mbh () sowie in einer Unternehmensberatung in Frankfurt am Main () _ Seit 2010: Rechtsanwältin bei Reiserer Biesinger sgesellschaft mbh Diana Fallenstein Rechtsanwältin Ausbildung zur Redakteurin bei der Südthüringer Zeitung in Bad Salzungen _ Studium der Rechtswissenschaften an der Universität Heidelberg _ Wissenschaftliche Hilfskraft am Institut für deutsches und europäisches Gesellschafts- und Wirtschaftsrecht bei Prof. Dr. Peter-Christian Müller-Graff _ Rechtsreferendariat am Landgericht Mosbach mit Ausbildungsabschnitten bei CMS Hasche Sigle in Stuttgart () _ juristische Mitarbeit in einer Heidelberger skanzlei _ Seit 2009 Tätigkeit als Rechtsanwältin bei RB Reiserer Biesinger sgesellschaft mbh in Heidelberg _ Derzeit Promotion im Daniel Heinlein Studium der Rechtswissenschaften an den Universitäten Mainz und Mannheim _ Rechtsreferendariat am Landgericht Frankenthal mit Ausbildungsabschnitt in einer überörtlichen, wirtschaftsberatenden Sozietät _ Seit 2010 tätig als in der Kanzlei RB Reiserer Biesinger sgesellschaft mbh_ Derzeit Promotion im
14 26 ] 27 RBnews] SEC Autor Impressum SEC AUTOR Oliver Simon Wirtschaftsrecht, Leasingrecht, Insolvenzrecht, Zwangsversteigerungsrecht 1966 geboren in Heidelberg _ Studium der Rechtswissenschaften an den Universitäten Heidelberg und Montpellier / Frankreich _ Referendariat am Landgericht Heidelberg mit Ausbildungsabschnitten beim Regierungspräsidium Karlsruhe und an der Deutsch-Tunesischen IHK in Tunis / Tunesien _ Juristischer Mitarbeiter in einem überregionalen Unternehmen für internationales Forderungsmanagement _ 1998 Zulassung als _ Seit 1998 tätig als in der Kanzlei Strack et Collegae. Impressum Herausgeber_RB Reiserer Biesinger sgesellschaft mbh, Heidelberg Design & Fotos_mm.design Martina Müller Dipl. Grafikdesignerin, Heidelberg Fotos People_Timo Volz Fotodesign, Mannheim
15 RB Reiserer Biesinger sgesellschaft mbh Sofienstraße Heidelberg Telefon Telefax