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Timestamp: 2019-03-19 09:40:34
Document Index: 62769353

Matched Legal Cases: ['§ 290', '§ 290', '§ 294', '§ 297', '§ 315', '§ 315', '§ 264', '§ 248']

Konzernabschlussanalyse nach HGB und IFRS / 1 Begriff und Zielsetzung der Konzernabschlussanalyse | Finance Office Professional | Finance | Haufe
Der nachfolgende Beitrag beleuchtet Fragen im Zusammenhang mit der externen Analyse des Konzernabschlusses nach HGB unter Berücksichtigung des BilRUG und nach IFRS. Es wird nur auf konzernspezifische Besonderheiten eingegangen. Hinsichtlich der Bildung, Interpretation und Aussagekraft einzelner Kennzahlen sei auf die Literatur zur Einzelabschlussanalyse verwiesen.
Die Konzernrechnungslegungspflicht nach HGBbestimmt sich nach dem Konzept der möglichen Beherrschung und entspricht im Grundsatz der Regelung nach IFRS 10. Danach existiert ein sogenanntes Mutter-Tochter-Verhältnis bei einer Beherrschungsmöglichkeit (§ 290 Abs. 1 HGB), welche durch bestimmte konzerntypische Rechtspositionen, wie in § 290 Abs. 2 HGB beschrieben, begründet wird. Das Mutterunternehmen hat bei Überschreiten bestimmter Größenkriterien einen konsolidierten Jahresabschluss, einen sogenannten Konzernabschluss zu erstellen, in den grundsätzlich alle Tochterunternehmen unabhängig von ihrem Sitz einzubeziehen sind (§ 294 Abs. 1 HGB, IFRS 10.19 bzw. IFRS 10.B86); es gilt das Prinzip des Weltabschlusses. Nach § 297 Abs. 1 HGB besteht der Konzernabschluss aus einer Konzernbilanz, einer Konzern-Gewinn- und Verlustrechnung, einer Konzern-Kapitalflussrechnung, einem Konzerneigenkapitalspiegel und einem Konzernanhang; eine Konzernsegmentberichterstattung ist möglich, ein Konzernlagebericht hat den Konzernabschluss zu ergänzen. Während kapitalmarktorientierte Mutterunternehmen ihren Konzernabschluss zwingend nach EU-IFRS erstellen und offenlegen müssen (§ 315e Abs. 1 HGB), besteht für nichtkapitalmarktorientierte Mutterunternehmen ein Wahlrecht, den Konzernabschluss entweder nach HGB oder EU-IFRS zu erstellen und offenzulegen (§ 315e Abs. 3 HGB). Ein Konzernabschluss wird ausschließlich zu Informationszwecken erstellt; er ist weder Basis für steuerliche Ziele noch für Ausschüttungsziele.
Ungeachtet der wirtschaftlichen und rechtlichen Selbstständigkeit der einzelnen Konzernunternehmen wird der Konzern sowohl nach HGB als auch nach IFRS als eine Unternehmenseinheit betrachtet (sogenannte "Einheitstheorie"), wobei die einzelnen Konzernunternehmen den Rang von unselbstständigen Betriebsabteilungen bekommen. Demnach ist der Konzernabschluss quasi ein Jahresabschluss der Unternehmenseinheit Konzern, in den die Jahresabschlüsse der einzubeziehenden Tochterunternehmen durch Konsolidierung einbezogen werden. Diese ist notwendig, um die (möglichen) Mängel der Einzelabschlüsse konzernverbundener Unternehmen einzugrenzen.
Obwohl der Jahresabschluss einer Kapitalgesellschaft gem. § 264 Abs. 2 Satz 1 HGB unter Beachtung der Grundsätze ordnungsmäßiger Buchführung (GoB) ein den tatsächlichen Verhältnissen entsprechendes Bild der Vermögens-, Finanz- und Ertragslage zu vermitteln hat, ist davon auszugehen, dass zur Beurteilung der tatsächlichen Lage eines verbundenen Unternehmens die Einzelabschlüsse nicht ausreichen. Die auf Einzelunternehmen bezogene Rechnungslegung kann immer dann zu Fehlabbildungen führen, wenn das Unternehmen nicht isoliert, sondern im Verbund mit anderen Wirtschaftssubjekten handelt. So bedingt etwa die Bilanzierung von Vermögen zu Anschaffungskosten, dass der Preis für den Vermögensgegenstand in einem Prozess am Markt zustande gekommen ist und damit zumindest näherungsweise als objektiver Wertmaßstab für den Gegenstand verstanden werden kann. Problematisch wird es jedoch immer dann, wenn Vermögensgegenstände zwischen 2rechtlich zwar selbständigen, aber betriebswirtschaftlich verbundenen Unternehmen verkauft werden. Letztlich ist es für Unternehmen dann möglich, Gewinn, Vermögen und Finanzsituation sehr weitgehend in der Darstellung zu gestalten, ohne dass die Regelungen des Handels- oder Steuerrechts verletzt würden. Auch könnten bewusst handelsrechtliche Regelungen unterlaufen werden. So ist es etwa denkbar, dass 2 Unternehmen durch den Austausch zwischen ihren Forschungs- und Entwicklungsabteilungen das Aktivierungsverbot für Forschungsaufwendungen des § 248 HGB unterlaufen. Der Wirtschaftsprüfer müsste im Einzelabschluss das auf dieser Basis ermittelte, den tatsächlichen Verhältnissen entsprechende Bild der Vermögens-, Finanz- und Ertragslage unter Beachtung der Grundsätze ordnungsmäßiger Buchführung (GoB) testieren. Dies gilt auch bezüglich der Eigenkapitaldarstellung von Unternehmen, die bei mehrstufigen Konzernen scheinbar immer mehr Eigenkapital aufweisen, wie folgendes – stark konstruiertes – Beispiel zeigt:
Mit 20 TEUR Startkapital möchte ein Unternehmer eine Immobilie im Wert von 600 TEUR erwerben. Jeder Versuch, die fehlenden 580 TEUR über Bankdarlehen beizusteuern, schlägt fehl, da beim Unternehmer zu wenig Eigenkapital vorhanden ist. So kommt der Unternehmer auf die Idee, eine Kapitalgesellschaft (A-AG) zu gründen, deren einziger Zweck darin besteht, in eine weitere Kapitalgesellschaft, hier die B-AG, zu investieren. Es gelingt ihm durch Vorlage eines entsprechenden Businessplans eine Bank zu ...