Source: https://flugrechte.eu/15299/gep%C3%A4ckversp%C3%A4tung-versp%C3%A4tung-anmeldet-r%C3%BCckkehr-einreicht?show=15400
Timestamp: 2020-02-26 10:08:33
Document Index: 194444962

Matched Legal Cases: ['Art. 31', 'Art. 31', 'Art. 31', 'Art. 31', 'Art. 19', 'Art. 22', 'Art. 35', 'Art. 31']

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Gefragt 3, Dez 2019 in Gepäckverspätung von Finck (120 Punkte)
Gemäß Art. 31 Abs. 2 Montrealer Übereinkommen muss eine Schadensanzeige bei Gepäckverspätung zwingenderweise innerhalb von 21 Tagen nach Entdeckung des Schadens eingereicht werden. Ob Sie dabei bereits die Belege miteinreichen müssen ist, meines Erachtens, unerheblich, die Verspätung an sich muss jedoch binnen 21 Tage angezeigt werden.
Die wichtigste Frage ist, ob die Meldung am Lost&Found-Schalter bereits als eine Schadensanzeige im Sinne von Art. 31 MÜ gelten kann. Art. 31 Abs. 3 MÜ sagt hierzu, dass die Anzeige schriftlich und innerhalb der dafür vorgesehenen Frist erfolgen soll. Unter schriftlicher Form versteht es sich auch, dass die Anzeige mit einer Unterschrift des Reisenden versehen werden muss (AG Hannover, Urt. v. 13.01.2015, Az: 562 C 4677/14). Die schriftliche Schadensanzeige bei Gepäckverspätung muss innerhalb von 21 Tagen, nachdem der Reisende seinen Gepäck erhalten hat, erfolgen (AG Bremen, Urt. v. 08.05.2007, Az: 4 C 7/07). Gegebenenfalls lohnt es sich also nochmal zu prüfen, wann genau das Gepäck angekommen war und ob die 21 Tage bis zur Anzeige seitdem wirklich verstrichen waren.
Ansonsten gilt in der Tat gem. Art. 31 Abs. 4 Montrealer Übereinkommen, dass beim Verstreichen der Frist die Klage ausgeschlossen ist, es sei denn, der Fluggesellschaft kann arglistiges Verhalten nachgewiesen werden.
Im Übrigen ist die Aussage der Fluggesellschaft „Sie dürfen für 100USD einkaufen“ so pauschal nicht richtig, auch wenn die Ausgaben eines durchschnittlichen Reisenden bei einer zweitägigen Gepäckverspätung sich auf diese Summe belaufen würden. Gem. Art. 19 MÜ in Verbindung mit Art. 22 Abs. 2 MÜ gilt bei Gepäckverspätung eine Höchstgrenze von umgerechnet circa 1.400 Euro, unabhängig von der Dauer der Verspätung. Meistens benötigen Reisende lediglich ein Paar Kleidungsstücke und Kosmetikartikel, bis sie ihr Gepäck erhalten. Sollten jedoch höhere und absolut notwendige Ausgaben entstanden sein, so hat die Fluggesellschaft auch diese bis zum obigen Betrag zu ersetzen.
Bezüglich der Frage, ob mit der Schadensmeldung am Flughafen bereits eine Schadensanzeige i. S. v. Montrealer Übereinkommen erfolgt ist, empfehle ich Ihnen, einen Anwalt für Flugrecht zu konsultieren. Beachten Sie, dass Sie gem. Art. 35 Abs. 1 MÜ eine Klagefrist von zwei Jahren haben.
Der Verweis auf die pauschalen 100 Euro entspricht also nicht der Wahrheit.
Nun betrifft Ihre Frage aber insbesondere die rechtzeitige Anzeige der Gepäckverspätung. Diese wird in Art. 31 Abs. 2 MÜ geregelt:
Sie haben die Gepäckverspätung direkt am Flughafen geltend gemacht. Fraglich ist jedoch, ob das ausreichend ist. Die Anzeige muss gegenüber dem Unternehmen geschehen, welches das Gepäck transportiert hat. So auch folgendes Urteil:
Außerdem muss die Schadensmeldung schriftlich erfolgen. Siehe folgendes Urteil:
AG Hannover, Urt. v. 13.01.2015, Az: 562 C 4677/14 (einfach zu finden bei Google unter: "Az: 562 C 4677/14 reise-recht-wiki")
Eine E-Mail erfüllt nicht die Anforderungen an eine schriftliche Schadensanzeige, da sie aufgrund fehlender eigenhändiger Unterschrift der Klarstellungs- und Beweisfunktion nicht gerecht wird.
Fraglich ist also, ob die Verlustmeldung am Flughafen diesen Anforderungen entsprochen hat. Um das zu beurteilen, könnte es sinnvoll sein, einen Fachanwalt einzuschalten.