Source: http://relevancy.bger.ch/php/aza/http/index.php?lang=de&zoom=&type=show_document&highlight_docid=aza%3A%2F%2F09-01-2002-U_154-2001
Timestamp: 2016-10-24 05:11:19
Document Index: 105765542

Matched Legal Cases: ['Art. 6', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'Art. 134', 'BGE', 'BGE']

U 154/01 (09.01.2002)
U 154/01 Vr
Bundesrichter Lustenberger, Meyer und Ferrari; Gerichtsschreiber Schmutz
Urteil vom 9. Januar 2002
Versicherungskasse der Stadt Z�rich, Unfallabteilung, Strassburgstrasse 9, 8004 Z�rich, Beschwerdef�hrerin,
1.SWICA Gesundheitsorganisation, Rechtsdienst, R�merstrasse
2.R.________, 1953, Beschwerdegegnerinnen, Beschwerdegegnerin 2 vertreten durch Rechtsanwalt Hubert Cesna, Albert Zwyssig-Strasse 83, 5430 Wettingen,
A.- Die 1953 geborene R.________ war vom 1. September 1995 bis 29. Februar 1996 beim Amt A.________ angestellt und bei der Versicherungskasse der Stadt Z�rich (nachfolgend: Versicherungskasse) obligatorisch gegen die Folgen von Berufs- und Nichtberufsunfall versichert. Am 9. November 1995 prallte sie im Rahmen eines Theaterimprovisationskurses mit dem Kopf an die Wand. In der Notfallstation des Spitals X.________ diagnostizierte man eine Kontusion der Nase. Nach den Angaben des Hausarztes Dr. med. S.________, prakt. Arzt, vom 1. April 1997 begab sich R.________ vier Tage nach dem Ereignis wegen anhaltender Kopfschmerzen, M�digkeit und Unruhe in seine Behandlung. Auf Grund des Verlaufs und der Angaben der Versicherten schloss der Arzt auf eine Commotio cerebri und eine Distorsion der Halswirbels�ule (HWS). R.________ war zun�chst vollst�ndig und danach teilweise arbeitsunf�hig. Nach Beizug verschiedener Arztberichte lehnte die Versicherungskasse mit Verf�gung vom 17. Juli 1997 jegliche Leistungspflicht ab Mitte 1996 ab und verwies R.________ an die Krankenkasse und gegebenenfalls die Invalidenversicherung. R.________ und die SWICA Gesundheitsorganisation (nachfolgend: SWICA) erhoben Einsprachen, welche die Versicherungskasse mit Entscheiden vom 18. August 1999 abwies.
B.- R.________ und die SWICA f�hrten hiegegen beim Sozialversicherungsgericht des Kantons Z�rich Beschwerde. Mit Entscheid vom 28. Februar 2001 hiess das kantonale Gericht die Beschwerden in dem Sinne gut, dass es die Einspracheentscheide aufhob und die Sache zu zus�tzlichen Abkl�rungen und neuer Verf�gung �ber die Leistungspflicht ab 1. Juli 1996 an die Versicherungskasse zur�ckwies.
C.- Mit Verwaltungsgerichtsbeschwerde beantragt die Versicherungskasse die Aufhebung des vorinstanzlichen Entscheids.
W�hrend die Versicherte auf Abweisung der Verwaltungsgerichtsbeschwerde und Verpflichtung der Versicherungskasse zur Erbringung der gesetzlich vorgesehenen Leistungen schliessen l�sst, verzichten die SWICA und das Bundesamt f�r Sozialversicherung auf eine Vernehmlassung.
1.- Streitig ist einzig, ob das kantonale Gericht die Sache zu Recht zwecks Aktenerg�nzung an die Beschwerde f�hrende Versicherungskasse zur�ckgewiesen hat.
Die im Kausalit�tsprozess nach Art. 6 Abs. 1 UVG massgeblichen Grundlagen zum nat�rlichen (BGE 119 V 338 Erw. 1, 118 V 289 Erw. 1b, je mit Hinweisen) und ad�quaten Kausalzusammenhang (BGE 125 V 461 Erw. 5a mit Hinweisen) hat das kantonale Gericht im angefochtenen Entscheid in materiell- und beweisrechtlicher Hinsicht in allen Teilen zutreffend dargelegt. Darauf wird verwiesen.
2.- a) Auf Grund der gesamten verf�gbaren medizinischen Akten, namentlich der Berichte von Dr. med. S.________ vom 27. November 1995 und 11. M�rz 1996, Dr. med. U.________, Spezialarzt FMH f�r Orthop�dische Chirurgie, vom 22. M�rz 1996, Dr. med. I.________, Spezialarzt FMH f�r Neurologie, vom 10. Juli 1996 und Dr. med. Z.________, Leitender Arzt der Neurochirurgischen Abteilung des Spitals Y.________, vom 18. November 1998 ist davon auszugehen, dass die Versicherte bei ihrem Aufprall an die Wand - im Rahmen des Theaterimprovisationskurses - sich eine Distorsionsverletzung der HWS zugezogen hat, und zwar - entgegen dem Vermerk im Bericht des Spitals X.________ vom 20. Dezember 1996 - verbunden mit einer leichten Commotio cerebri, wof�r der kurzzeitige Bewusstseinsverlust und die kurzzeitige Erinnerungsl�cke sprechen. Es haben sich auch sogleich nach dem Unfall die f�r eine Distorsionsverletzung der HWS typischen Beschwerden eingestellt, wogegen nicht eingewendet werden kann, die Nackenschmerzen seien erst etwa einen Monat sp�ter aufgetreten. Vielmehr leuchtet ein, dass in der ersten Zeit nach dem Unfall die frisch erlittene Verletzung selber Schmerzen verursachte (Bericht von Dr. med. S.________ vom 1. April 1997). Der nachfolgende Verlauf ist medizinisch gut dokumentiert und weist stets Br�ckensymptome auf. Die Ergebnisse der vorgenommenen neuropsychologischen Untersuchung vom 5. September 1996 (Bericht von Frau Dr. phil. W.________ vom 21. September 1996) f�gen sich schl�ssig in diese medizinische Aktenlage ein.
In Anbetracht dieser medizinischen Entwicklung seit dem Unfall vermag die Schlussfolgerung des beigezogenen Administrativexperten Dr. med. Z.________ vom 18. November 1998, welcher wegen des Fehlens objektiver, die Beschwerden erkl�render Befunde auf eine sekund�re psychogene Symptomausweitung schloss, nicht zu �berzeugen. Es bestehen auf Grund der vorliegenden Akten keine hinreichenden Anhaltspunkte f�r die Annahme einer erheblichen und fr�hzeitigen psychischen �berlagerung. Aus dem Umstand, dass sich die Beschwerdegegnerin entschlossen hat, in lockerer Folge - nebst anderen therapeutischen Bem�hungen - sich psychiatrisch behandeln zu lassen, was insofern n�tzlich ist, als es ihr den Umgang mit ihren Schmerzen erleichtert, ist nicht auf eine psychische �berlagerung eines distorsionellen Beschwerdebildes im Sinne der Rechtsprechung (BGE 127 V 103 Erw. 5b/bb, 123 V 99 Erw. 2a, je mit Hinweisen) zu schliessen. Es ist daher nicht zu beanstanden, dass die Vorinstanz die Sache zur Durchf�hrung einer psychiatrischen Abkl�rung zwecks Ausschlusses einer psychischen �berlagerung an die Beschwerdef�hrerin zur�ckgewiesen hat. Deren Vorbringen verm�gen an diesem entscheidenden Punkt nichts zu �ndern. Wenn sich auch das kantonale Gericht im Zusammenhang mit den weiter angeordneten Abkl�rungen bez�glich des Vorzustandes insofern ungl�cklich ausgedr�ckt hat, als ja, wie die Versicherungskasse an sich zu Recht geltend macht, keine wesentlichen pr�traumatischen Befunde krankhafter Natur ausgewiesen sind, �ndert dies im Kern nichts daran, dass der Beweis f�r diejenigen Tatsachen, welche das Dahinfallen des urspr�nglich angenommenen Kausalzusammenhanges begr�nden, bisher nicht geleistet ist, weshalb beim jetzigen Aktenstand noch nicht gesagt werden kann, der Status quo ante vel sine sei wieder erreicht (RKUV 1994 Nr. U 206 S. 328 Erw. 3b, 1992 Nr. U 142 S. 75 Erw. 4b, je mit Hinweisen).
b) Beim gegenw�rtigen Aktenstand ist es auch nicht m�glich, gest�tzt auf den ad�quaten Kausalzusammenhang eine abschliessende Beurteilung der weiteren Leistungspflicht der Versicherungskasse vorzunehmen. Zwar kann der Vorinstanz darin nicht beigepflichtet werden, dass die Unfallversicherung die Leistungen unter dem Gesichtswinkel des ad�quaten Kausalzusammenhanges verfr�ht eingestellt habe, weil mehrere der f�r die Ad�quanzpr�fung massgeblichen Kriterien einen gewissen Zeitablauf voraussetzen w�rden. Dieser Auffassung ist mit BGE 127 V 105 Erw. 5e eine klare Absage erteilt worden. Dennoch l�sst sich die Ad�quanz nicht von vornherein verneinen: Einerseits k�nnte der Unfall vom 9. November 1995 nicht ohne weiteres als leichter Unfall qualifiziert werden (was zur vermutungsweisen Ausschliessung des ad�quaten Kausalzusammenhanges f�hrte; vgl. BGE 115 V 138 ff. Erw. 6, best�tigt u.a. in SVR 1999 UV Nr. 10 S. 31), weil die Beschwerdegegnerin nicht einfach den Kopf angeschlagen hat, sondern ungebremst in die Wand gerannt ist. Dabei hat sie laut Bericht von Dr. med. U.________ vom 22. M�rz 1996 "vorne links frontal aufgeschlagen". Es ist daher nicht entscheidend, wie die Versicherungskasse einwendet, dass sich die Beschwerdegegnerin keinen Bruch der Nase zugezogen hat. Anderseits lassen sich die zu ber�cksichtigenden Kriterien zur Beurteilung der Ad�quanz des Kausalzusammenhanges im Falle der Annahme eines mittelschweren Unfalles beim gegenw�rtigen Aktenstand nicht verneinen, dies zumindest dann nicht, wenn die psychiatrische Abkl�rung keine erheblichen psychischen Befunde zu Tage f�rdert. Denn diesfalls w�rde eine nicht zwischen physischen und psychischen Einwirkungen unterscheidende Beurteilungsweise Platz greifen (BGE 117 V 364 Erw. 5d/aa), was im vorliegenden Fall u.a. hinsichtlich der Kriterien der langdauernden Arbeitsunf�higkeit und der Dauerschmerzen entscheidend sein k�nnte. Im �brigen ist selbst bei leichten Umf�llen die Ad�quanz nicht schlechthin ausgeschlossen (RKUV 1998 Nr. U 297 S. 243).
3.- Nach Art. 134 OG darf das Eidgen�ssische Versicherungsgericht im Beschwerdeverfahren �ber die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen den Parteien in der Regel keine Verfahrenskosten auferlegen. Dieser Grundsatz gilt u.a. dort nicht, wo Krankenkasse und Unfallversicherung im Streit �ber die Leistungspflicht f�r einen gemeinsamen Versicherten liegen (BGE 127 V 107 Erw. 6; zur Publikation in der Amtlichen Sammlung vorgesehenes Urteil S. vom 10. Dezember 2001, U 20/00).
In einer solchen Streitigkeit sind die Gerichtskosten dem unterliegenden Sozialversicherer aufzuerlegen, auch wenn das Verfahren zusammen mit einer kostenfreien Streitigkeit zwischen der versicherten Person und ihrem Unfallversicherer im selben Urteil erledigt wird (BGE 127 V 107 Erw. 6).
II.Die Gerichtskosten von Fr. 3000.- werden der Versicherungskasse
der Stadt Z�rich auferlegt und mit dem
geleisteten Kostenvorschuss verrechnet.
Luzern, 9. Januar 2002