Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Gericht=BFH&Datum=08.11.2006&Aktenzeichen=I%20R%2069/05
Timestamp: 2020-03-30 17:41:34
Document Index: 331220984

Matched Legal Cases: ['§ 34', '§ 37', 'Art. 3', 'Art. 14', 'Art. 20', 'Art. 77', 'Art. 105', 'Art. 106', '§ 34', '§ 37', 'Art. 3', 'Art. 14', 'Art. 20', 'Art. 77', 'Art. 105', 'Art. 106', '§ 37', '§ 4', 'Art. 14', 'Art. 3', '§ 37', '§ 73', '§ 121', '§ 2', '§ 37', 'Art. 14']

BFH, 08.11.2006 - I R 69, 70/05, I R 69/05, I R 70/05 - dejure.org
BFH, 08.11.2006 - I R 69, 70/05, I R 69/05, I R 70/05
https://dejure.org/2006,623
BFH, 08.11.2006 - I R 69, 70/05, I R 69/05, I R 70/05 (https://dejure.org/2006,623)
BFH, Entscheidung vom 08.11.2006 - I R 69, 70/05, I R 69/05, I R 70/05 (https://dejure.org/2006,623)
BFH, Entscheidung vom 08. November 2006 - I R 69, 70/05, I R 69/05, I R 70/05 (https://dejure.org/2006,623)
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KStG 2002 i. d. F. des StVergAbG § 34 Abs. 13a, § 37 Abs. 2 und Abs. 2a; GG Art. 3 Abs. 1, Art. 14 Abs. 1, Art. 20 Abs. 3, Art. 77, Art. 105 Abs. 2, Art. 106 Abs. 3
KStG 2002 i.d.F. des StVergAbG § 34 Abs. 13a, § 37 Abs. 2 und Abs. 2a; GG Art. 3 Abs. 1, Art. 14 Abs. 1, Art. 20 Abs. 3, Art. 77, Art. 105 Abs. 2, Art. 106 Abs. 3
Körperschaftsteuermoratorium verfassungsgemäß
Körperschaftsteuer-Moratorium verfassungsgemäß?
Berücksichtigung einer ausschüttungsbedingten Minderung der Steuer nach Maßgabe des § 37 Abs. 2 Körperschaftsteuergesetz 2002 (KStG); Verfassungsmäßigkeit des Abbaus von Steuervergünstigungen und Ausnahmeregelungen; Gesetzgebungskompetenz des Bundes für die Regelung der ...
Körperschaftsteuer-Moratorium ist verfassungsgemäß - Ausschüttungsbedingte Minderung bei der Festsetzung der Köperschaftsteuer für eine AG muss nicht berücksichtigt werden
Zusammenfassung von "Anmerkung zum Urteil des BFH vom 08.11.2006, Az.: I R 69, 70/05 (Hat das verfassungswidrige Fiskalspiel mit dem Körperschaftsteuerguthaben nunmehr das Schlussdrittel erreicht?)" von RA Dr. Michael Streck, FA SteuerR und RA Dr. Burkhard Binnewies, FA ...
Kurznachricht zu "Anmerkung zum Urteil des BFH vom 08.11.2006, Az.: I R 69/05 und I R 70/05 ("Körperschaftsteuer-Moratorium" ist verfassungsgemäß)" von Ra Dr. Burkhard Binnewies, FA SteuR, original erschienen in: GmbHR 2007, 216 - 217.
BFHE 215, 491
DB 2007, 262
BStBl II 2007, 662
d) Der BFH ist der Rechtsprechung des BVerfG zur Unterscheidung zwischen der Rückbewirkung von Rechtsfolgen ("echte" Rückwirkung) und der tatbestandlichen Rückanknüpfung ("unechte" Rückwirkung) gefolgt (vgl. z.B. BFH-Urteile vom 8. November 2006 I R 69, 70/05, BFH/NV 2007, 616; vom 11. Dezember 2001 VIII R 23/01, BFHE 197, 425, BStBl II 2004, 474; vom 16. Mai 2001 I R 102/00, BFHE 195, 344, BStBl II 2001, 710; vom 26. März 1991 IX R 162/85, BFHE 164, 327, BStBl II 1991, 704, und vom 26. August 1986 IX R 54/81, BFHE 148, 17, BStBl II 1987, 57; BFH-Beschlüsse vom 6. November 2002 XI R 42/01, BFHE 200, 560, BStBl II 2003, 257, und vom 6. Mai 1986 IX B 121/84, BFHE 146, 433, BStBl II 1986, 749).
Er hat an dieser Unterscheidung auch in Ansehung der hiergegen in der Literatur teilweise erhobenen Bedenken (vgl. z.B. Friauf, Betriebs-Berater --BB-- 1972, 669, 675; Lang, WPg 1998, 163 ff.; Schaumburg, Der Betrieb --DB-- 2000, 1884 ff.;… Jachmann, Thüringer Verwaltungsblätter --ThVBl-- 1999, 269 ff., und in Tipke/Lang, Steuerrecht, 18. Aufl., § 4 Rz 178;… ausführlich Hey, Steuerplanungssicherheit als Rechtsproblem, 2002, S. 245 ff., m.w.N.) festgehalten (vgl. BFH-Beschlüsse vom 16. Dezember 2003 IX R 46/02, BFHE 204, 228, BStBl II 2004, 284, 291; vom 2. August 2006 XI R 34/02, BStBl II 2006, 887, und XI R 30/03, BStBl II 2006, 895; BFH-Urteile vom 1. März 2005 VIII R 92/03, BFHE 209, 285, BStBl II 2005, 398, und in BFH/NV 2007, 616).
Der VIII. und der I. Senat des BFH stellen in Übereinstimmung mit der Rechtsprechung des BVerfG insoweit allerdings weiterhin auf den endgültigen Gesetzesbeschluss des Bundestages ab (vgl. BFH-Urteile in BFHE 209, 285, BStBl II 2005, 398, 402, und in BFH/NV 2007, 616, 622).
Diese bilden mithin den Rahmen, innerhalb dessen ein durch Art. 14 Abs. 1 Satz 1 GG geschütztes Rechtsgut entstehen kann; Befugnisse und Möglichkeiten, die sie nicht gewähren, zählen zumindest im Regelfall nicht zum Inhalt des "Eigentums" im Sinne jener Vorschrift (BFH-Urteil vom 8. November 2006 I R 69, 70/05, I R 69/05, I R 70/05, BStBl II 2007, 662).
Das BVerfG hat seine Entscheidung vom 17. November 2009 (1 BvR 2192/05) nur auf die Verletzung des Art. 3 Abs. 1 GG gestützt, der BFH in der von der Klägerin angeführten Entscheidung vom 8. November 2006 I R 69, 70/05, I R 69/05, I R 70/05, BStBl II 2007, 662) diese Frage dagegen ausdrücklich offengelassen und maßgeblich darauf abgestellt, dass die Einführung des Moratoriums (§ 37 Abs. 2a KStG) zumindest kein unverhältnismäßiger Eingriff in eine Eigentumsposition war und damit wenigstens als Inhalts- und Schrankenbestimmung zulässig war.
I R 69/05 I R 70/05.
Die Verfahren I R 69/05 und I R 70/05 werden gemäß § 73 Abs. 1 Satz 1 i.V.m. § 121 Satz 1 der Finanzgerichtsordnung (FGO) zur gemeinsamen Verhandlung und Entscheidung miteinander verbunden.
Der Senat folgt nicht der Auffassung, dass der Gesetzgeber im Interesse der Vermeidung von "Ankündigungseffekten" generell berechtigt sein muss, die erstmalige Geltung eines Änderungsgesetzes für einen Zeitpunkt vor dessen Verkündung anzuordnen und damit auch Sachverhalte zu erfassen, in denen die Dispositionen zu einem Zeitpunkt getroffen werden, in der mit der Änderung der Rechtslage gerechnet werden musste, so die BFH-Urteile vom 1. März 2005 VIII R 92/03 (BFHE 209, 285 unter II. 2., BStBl II 2005 398 ), vom 8. November 2006 I R 69, 70/05 (DStRE 2007, 165 ff. unter III. 4. e) aaa)).
Vor dem Hintergrund des sog. Rückwirkungsverbotes wäre eine andere Auslegung zudem bedenklich, auch wenn man im vorliegenden Fall lediglich eine unechte Rückwirkung (vgl. auch BFH-Urteil vom 8. November 2006, I R 69, 70/05, BFH/NV 2007, 616 m.w.N.) annähme.
Im vorliegenden Fall wäre lediglich eine unechte Rückwirkung anzunehmen (vgl. BFH, Urteil vom 08.11.2006, I R 69/05, 70/05, BFH/NV 2007, 616;… Urteil vom 19.01.2010, X R 53/08, BFH/NV 2010, 986 m. w. N.).
Eine unechte Rückwirkung, wie sie hier anzunehmen ist, verstößt nur dann gegen Verfassungsrecht, wenn das Gesetz einen entwertenden Eingriff vornimmt, mit dem der Betroffene nicht zu rechnen brauchte, und wenn sein Vertrauen auf den Fortbestand der gesetzlichen Regelung billigerweise vom Gesetzgeber unter Abwägung zwischen dem Ausmaß des Vertrauensschadens des Einzelnen und der Bedeutung des gesetzlichen Anliegens für das Wohl der Allgemeinheit entsprechende Rücksichtnahme fordert ( (vgl. Beschluss des BVerfG vom 13. Mai 1986 1 BvL 53/83, BVerfGE 72, 141, 154; Urteil des BFH vom 8. November 2006 I R 69, 70/05, BStBl II 2007, 662, 668; Probst in Herrmann/Heuer/Raupach, § 2a EStG Anm. 259), wobei von einer Verletzung schützenswerten Vertrauens nur gesprochen werden kann, wenn ein Steuerpflichtiger eine Disposition vornimmt.
Zudem stellt sich - wie bereits ausgeführt - vom Zeitpunkt des Gesetzesbeschlusses an ein etwa bestehendes Vertrauen des Betroffenen auf das (noch) geltende, aber nach dem Gesetzesbeschluss - gegebenenfalls sogar rückwirkend - zu ändernde Recht letztlich als Vertrauen in den unveränderten Fortbestand dieses Rechts dar, das verfassungsrechtlich nicht geschützt ist (wegen weiterer Einzelheiten vgl. zutreffend BFH-Urteil vom 08.11.2006 - I R 69/05, I R 70/05 - BStBl II 2007, 662, bestätigt durch BFH-Urteil vom 29.04.2008 - I R 103/01 - a.a.O.).
In diesem Fall darf das belastende Gesetz regelmäßig auch diejenigen Sachverhalte erfassen, die auf einer vor ihrem Inkrafttreten getätigten Disposition des Steuerpflichtigen beruhen (BFH-Urteil vom 8. November 2006 I R 69, 70/05, BFH/NV 2007, 616, 621).
Aus den in dem BFH-Urteil vom 08. November 2006 I R 70/05 genannten Gründen verstößt daher auch § 37 Abs. 5 KStG (erst recht) nicht gegen Art. 14 GG (vgl. dazu den BFH-Beschluss vom 24.01.2012 I B 101/11, zitiert nach juris).