Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Text=5%20StR%2066/03
Timestamp: 2019-10-14 22:29:29
Document Index: 333438044

Matched Legal Cases: ['BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 222', '§ 105', 'Art. 1', '§ 216', 'BGH', 'Art. 2', 'Art. 2', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 32', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 211', '§ 216', '§ 211', '§ 216', '§ 25', 'BGH', '§ 216', 'BGH', '§ 216', 'BGH']

BGH, 20.05.2003 - 5 StR 66/03 - dejure.org
https://dejure.org/2003,1113
BGH, 20.05.2003 - 5 StR 66/03 (https://dejure.org/2003,1113)
BGH, Entscheidung vom 20.05.2003 - 5 StR 66/03 (https://dejure.org/2003,1113)
BGH, Entscheidung vom 20. Mai 2003 - 5 StR 66/03 (https://dejure.org/2003,1113)
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§ 222 StGB; § 105 Abs. 1 Nr. 1 JGG; Art. 1 GG
Fahrlässige aktive Sterbehilfe / Tötung ("Zivildienst-Fall"; Täuschung durch das Opfer; tatbestandslose Selbstgefährdung; Körperverletzung; Irrtum; Tatherrschaft; Täterschaft: wertende Abgrenzung; Lebenspflicht; Menschenwürde; Recht auf würdiges Sterben; Werkzeug; ...
Voraussetzungen einer straflosen Mitwirkung an einem Selbsttötungsgeschehen; Kriterium zur Abgrenzung strafloser Selbstgefährdung bei eigenverantwortlicher Planung und Durchführung nach den Wünschen des sich selbst Gefährdenden; Vorsatzlose aktive Sterbehilfe infolge ...
"Zivi-Fall": vorsatzlose aktive Sterbehilfe durch Täuschung
Strafbarkeit der aktiven Sterbehilfe
Tötungsdelikte, Einverständliche Fremdtötung oder Beihilfe zur Selbsttötung?
LG Hamburg, 10.10.2002 - 604 Ks 68/01
NJW 2003, 2326
NStZ 2003, 537
FamRZ 2003, 1184 (Ls.)
Danach ist es verfassungsrechtlich nicht zu beanstanden, wenn er die so genannte aktive Sterbehilfe, also die Tötung auf Verlangen eines Sterbewilligen durch einen Dritten, unter Strafe stellt (§ 216 StGB; BGH, Urteil vom 20. Mai 2003 - 5 StR 66/03 - NJW 2003, 2326 ;… Schulze-Fielitz, in: Dreier, GG, Bd. 1, 3. Aufl. 2013, Art. 2 Abs. 2 Rn. 85;… Jarass, in: Jarass/Pieroth, GG, 14. Aufl. 2016, Art. 2 Rn. 100).
Liegt die Tatherrschaft über die Gefährdungs- bzw. Schädigungshandlung nicht allein beim Gefährdeten bzw. Geschädigten, sondern zumindest auch bei dem sich hieran Beteiligenden, begeht dieser eine eigene Tat und kann nicht aus Gründen der Akzessorietät wegen fehlender Haupttat des Geschädigten straffrei sein (vgl. BGHSt 19, 135, 139; 49, 34, 39; 166, 169 [richtig: BGHSt 49, 166, 169 - d. Red.] ; auch zu den gegenteiligen Ansichten in Rechtsprechung und Schrifttum BGH NJW 2003, 2326, 2327).
Dabei bestimmt sich auch hier die Abgrenzung zwischen der Selbst- und der Fremdgefährdung nach der Herrschaft über den Geschehensablauf, die weitgehend nach den für Vorsatzdelikte zur Tatherrschaft entwickelten objektiven Kriterien festgestellt werden kann (vgl. BGHSt 19, 135, 139 [wer das zum Tode führende Geschehen tatsächlich beherrscht hat]; BGH NJW 2003, 2326, 2327 [Gefährdungsherrschaft]; ähnlich Duttge in Otto-FS 2007 S. 227, 244 [Herrschaft über die dem Schadenseintritt vorausgehende Risikosituation]; Dölling JR 1994, 520).
Das festgestellte Tatgeschehen ist deshalb nicht als Teilnahme an einer "eigenverantwortlichen Selbstverletzung bzw. Selbsttötung" (vgl. dazu BGH NStZ 2003, 537, 538 m.w.N.; BGH, Urteil vom 11. Dezember 2003 - 3 StR 120/03, zum Abdruck in BGHSt bestimmt, S. 8;… Lenckner in Schönke/Schröder, StGB 26. Aufl. vor § 32 Rdn. 107) zu werten, sondern stellt eine täterschaftlich begangene einverständliche Fremdgefährdung dar.
Bei einer arglistigen Täuschung schließt indes nicht jeder, sondern nur ein wesentlicher, für die Entscheidung zur Verletzung des Rechtsguts entscheidender, rechtsgutsbezogener Motivirrtum die Freiverantwortlichkeit aus (BGH…, Urteil vom 7. Oktober 2010, a.a.O.; BGH, Urteil vom 20. Mai 2003 - 5 StR 66/03, NJW 2003, 2326, 2327; BGH, Urteil vom 5. Juli 1983 - 1 StR 168/83, BGHSt 32, 38, 43;… Eser/Sternberg-Lieben, a.a.O., vor § 211 Rn. 36 und § 216 Rn. 8;… Lackner/Kühl, a.a.O., vor § 211 Rn. 13b;… Saliger, a.a.O., S. 148;… a.A. MünchKomm-StGB/Schneider, a.a.O., § 216 Rn. 22;… Rönnau, Willensmängel bei der Einwilligung im Strafrecht, 2001, S. 430 ff.; Mitsch JuS 1995, 880;… LK-Schünemann, 12. Aufl., § 25 Rn. 107).
Liegt die Tatherrschaft über die Gefährdungshandlung nicht allein bei dem Gefährdeten, sondern zumindest auch bei dem sich hieran Beteiligenden, begeht dieser eine eigene Tat und kann nicht aus Gründen der Akzessorietät wegen fehlender Haupttat des Geschädigten straffrei sein (s. insg., auch zu gegenteiligen Ansichten in Rechtsprechung und Schrifttum BGH NJW 2003, 2326, 2327).
Hierdurch wird auch die sich aus § 216 StGB ergebene Einwilligungssperre legitimiert (BGH, Urteil vom 20. Mai 2003 - 5 StR 66/03, NStZ 2003, 537).
Hierdurch wird auch die sich aus § 216 StGB ergebende Einwilligungssperre legitimiert (BGH, Urteil vom 20. Mai 2003 - 5 StR 66/03, NStZ 2003, 537).
AG Garmisch-Partenkirchen, 01.12.2009 - 3 Cs 11 Js 24093/08
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