Source: https://www.rechtslupe.de/strafrecht/minder-schwerer-fall-oder-die-ueberpruefung-der-strafzumessung-3140328
Timestamp: 2020-07-14 03:46:26
Document Index: 92741961

Matched Legal Cases: ['§ 30', '§ 30', '§ 30', '§ 29', '§ 29', '§ 29']

Minder schwerer Fall - oder: die Überprüfung der Strafzumessung | Rechtslupe
Ein Ein­griff des Revi­si­ons­ge­richts in die­se Ein­zel­ak­te der Straf­zu­mes­sung ist in der Regel nur mög­lich, wenn die Zumes­sungs­er­wä­gun­gen in sich feh­ler­haft sind, wenn das Tat­ge­richt gegen recht­lich aner­kann­te Straf­zwe­cke ver­stößt oder wenn sich die ver­häng­te Stra­fe nach oben oder unten von ihrer Bestim­mung löst, gerech­ter Schuld­aus­gleich zu sein. Eine ins Ein­zel­ne gehen­de Rich­tig­keits­kon­trol­le ist aus­ge­schlos­sen [1].
So hat sich die Straf­kam­mer bei ihrer Ent­schei­dung; vom Regel­straf­rah­men abzu­se­hen, von der Erwä­gung lei­ten las­sen, die mit­ge­führ­ten bzw. bereit gehal­te­nen Waf­fen sei­en nicht zum Ein­satz gebracht wor­den. Dabei han­delt es sich jedoch um das Norm­de­likt der Ver­wirk­li­chung des Tat­be­stan­des nach § 30a Abs. 2 Nr. 2 BtMG. Das blo­ße Feh­len eines mög­li­chen Straf­schär­fungs­grun­des in Gestalt des denk­ba­ren Waf­fen­ein­sat­zes darf dem Ange­klag­ten nicht straf­mil­dernd zugu­te gebracht und tra­gend für die Annah­me eines min­der schwe­ren Fal­les nach § 30a Abs. 3 BtMG her­an­zo­gen wer­den [2].
Aus­ge­hend vom Vor­lie­gen min­der schwe­rer Fäl­le gemäß § 30a Abs. 3 BtMG ist die Straf­kam­mer von einem anzu­wen­den­den Straf­rah­men von sechs Mona­ten bis zu zehn Jah­ren Frei­heits­stra­fe aus­ge­gan­gen und hat dabei die etwai­ge Sperr­wir­kung des mit­ver­wirk­lich­ten, aber ver­dräng­ten § 29a BtMG, der eine Min­dest­stra­fe von einem Jahr Frei­heits­stra­fe vor­sieht, ver­kannt. Die Straf­kam­mer hät­te prü­fen müs­sen, ob – was nach den bis­he­ri­gen Fest­stel­lun­gen eher fern­liegt – auch hin­sicht­lich des § 29a Abs. 2 BtMG ein min­der schwe­rer Fall anzu­neh­men gewe­sen wäre; nur dann wäre die Sperr­wir­kung des § 29a Abs. 1 BtMG ent­fal­len [3].
Dage­gen war es nicht rechts­feh­ler­haft, bei der Straf­rah­men­wahl zu Guns­ten des Ange­klag­ten zu berück­sich­ti­gen, dass es sich bei dem vor­rä­tig gehal­te­nen Rausch­gift um wei­che Dro­gen gehan­delt hat und die "nicht gerin­ge Men­ge" nur maß­voll um das 4, 52fache bzw. 6, 78fache über­schrit­ten wor­den ist. Jedoch kommt bei der Straf­zu­mes­sung im enge­ren Sin­ne inner­halb des gefun­de­nen Straf­rah­mens jeder Über­schrei­tung des Grenz­wer­tes – aus­ge­hend von der Unter­gren­ze des gesetz­li­chen Straf­rah­mens – grund­sätz­lich straf­schär­fen­de Bedeu­tung zu [4].