Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Text=BFHE%20148,%20158
Timestamp: 2019-01-21 08:38:20
Document Index: 223462063

Matched Legal Cases: ['§ 8', '§ 10', '§ 10', '§ 8', '§ 8', '§ 8', '§ 10', '§ 8', '§ 8', '§ 10', '§ 8', '§ 10', '§ 10', '§ 8', '§ 10']

Rechtsprechung: BFHE 148, 158 - dejure.org
Weitere Entscheidung unten: BFH, 29.10.1986
BFH, 29.10.1986 - I R 318/83, I R 319/83, I R 318-319/83
KStG 1977 § 8 Abs. 1; EStG § 10d; GewStG § 10a
Gewerbeverlust - Kapitalgesellschaften - Unternehmensgleichheit - Verlustabzüge - Gesellschafterwechsel - Mittel der Neugesellschafter
Zulässiger Verlustabzug bei Mantelkauf
KStG 1977 §
Verlustabzug nach GmbH Mantel-Kauf
Voraussetzungen des Verlustabzugs für Kapitalgesellschaften bei der Körperschaftsteuer und Gewerbesteuer (Verlustabzug beim sog. Mantelkauf)
BFHE 148, 158
NJW 1988, 1286
ZIP 1987, 1196
BStBl II 1987, 310
Nachdem der Bundesfinanzhof seine Rechtsprechung zum Kriterium der wirtschaftlichen Identität der Steuersubjekte beim Verlustabzug im Rahmen seiner Entscheidung vom 29. Oktober 1986 (- I R 318/83, I R 319/83 -, juris, Rn. 21 = BFHE 148, 158 ) überraschend aufgegeben habe, habe der Gesetzgeber, um dieser Änderung der Rechtsprechung zu begegnen, im Steuerreformgesetz 1990 die Verlustabzugsbeschränkung bei Körperschaften in § 8 Abs. 4 KStG a.F. erstmals kodifiziert, weil die geänderte Rechtsprechung zu einer Veräußerbarkeit der Verlustvorträge von Körperschaften geführt habe, während der Verlustvortrag eines Einzelunternehmers - vom Erbfall abgesehen - nicht übertragbar gewesen sei.
Sie lag auch § 8 Abs. 4 KStG, der Vorgängerregelung zu § 8c KStG, zugrunde, die erlassen wurde, nachdem der Bundesfinanzhof das Erfordernis "wirtschaftlicher Identität" einer Gesellschaft für den Verlustabzug aufgegeben hatte, weil dieses Tatbestandsmerkmal in der Rechtsprechung inhaltlich nicht näher konkretisiert worden sei und es auch weder dem Wortlaut noch dem Zweck des § 10d EStG entnommen werden könne (BFH, Urteil vom 29. Oktober 1986 - I R 318/83, I R 319/83, I R 318-319/83 -, juris, Rn. 21 ff. = BFHE 148, 158 ).
(a) Die fachgerichtliche Rechtsprechung hat vor der Änderung der Rechtsprechung des Bundesfinanzhofs (Urteil vom 29. Oktober 1986 - I R 318/83, I R 319/83, I R 318-319/83 -, juris, Rn. 21 ff. = BFHE 148, 158 ), die zum Erlass von § 8 Abs. 4 KStG geführt hat, auf die Identität des persönlichen und des sachlichen Substrats der Kapitalgesellschaft im Jahre des Entstehens und des Abzugs des Verlustes abgestellt (vgl. BVerfGE 25, 309 ).
In der Folgezeit vor der Änderung der Rechtsprechung des BFH (Urteil vom 29. Oktober 1986, I R 318/83, I R 319/83, I R 318-319/83, BStBl II 1987, 310), die zum Erlass von § 8 Abs. 4 KStG geführt hat, stellte er auf die Identität des persönlichen und des sachlichen Substrats der Kapitalgesellschaft im Jahre des Entstehens und des Abzugs des Verlustes ab (…vgl. im einzelnen BVerfG Beschluss vom 29. März 2017, a. a. O., Rn. 130 ff.).
Mit Urteilen vom 29. Oktober 1986 (…BFHE 148, 153 = BStBl II 1987, S. 308; BFHE 148, 158 = BStBl II 1987, S. 310;… - I R 271/83 -, BFH/NV 1987, S. 266) gab der Bundesfinanzhof diese Rechtsprechung jedoch auf und entschied, dass ein Tatbestandsmerkmal "wirtschaftliche Identität" weder dem Wortlaut noch dem Zweck von § 10d EStG entnommen werden könne.
Selbst wenn man dafür verlangen wollte, dass sie nicht vermögenslos war (offen gelassen im BFH-Urteil vom 29.10.1986 I R 318-319/83, BFHE 148, 158, BStBl II 1987, 310), wäre diese Voraussetzung erfüllt.
Einer Kapitalgesellschaft durften vor Geltung des § 8 Abs. 4 KStG Verlustabzüge aus der Zeit vor einem grundlegenden Gesellschafterwechsel auch dann nicht versagt werden, wenn sie ihre bisherigen Vermögenswerte im Wesentlichen verloren hatte und durch Zuführung von Mitteln der Hauptgesellschafter wiederbelebt wurde (BFH, BFHE 148, 158; BStBl II 1987, 310; vgl. auch BFH-Urteil vom 29.10.1986 I R 202/82, BFHE 148, 153).
Nach der Rechtsprechung des BFH ist die Veräußerung bzw. der Erwerb von im Zeitpunkt der Veräußerung wertlosen Gesellschaftsanteilen an einer GmbH als "Mantelkauf" anzuerkennen (ständige Rechtsprechung seit BFH-Urteil vom 29. Oktober 1986 I R 202/82, BFHE 148, 158, BStBl II 1987, 308).
Das entspricht der Rspr. des Senats (BFH v. 29.10.1986 -- I R 202/82, BFHE 148, 153, BStBl. II 1987, 308 = GmbHR 1987, 175; v. 29.10.1986 -- I R 318--319/83, BFHE 148, 158, BStBl. II 1987, 310 = GmbHR 1987, 173), an der festzuhalten ist.
a) Ausgangspunkt der Beurteilung ist der Umstand, daß der Gesetzgeber im Anschluß an die Rspr.-Änderung zum "Mantelkauf" (BFH v. 29.10.1986 -- I R 202/82, BFHE 148, 153, BStBl. II 1987, 308 = GmbHR 1987, 175; v. 29.10.1986 -- I R 318--319/83, BFHE 148, 158, BStBl. II 1987, 310 = GmbHR 1987, 173) nicht etwa bestimmt hat, daß diese Gestaltungsform entgegen der geänderten Rspr. generell als mißbräuchlich anzusehen sei.
aa) Wenngleich das Kriterium der Unternehmensidentität für Körperschaften grundsätzlich keine Bedeutung hat (vgl. BFH-Urteil vom 29. Oktober 1986 I R 318-319/08, BFHE 148, 158, BStBl II 1987, 310;… von Twickel, in: Blümich, GewStG, § 10a Rn. 95), so gilt es - entgegen der Auffassung der Klägerin - doch im Fall des Übergangs eines gewerblichen Unternehmens auf eine Körperschaft, z.B. im Fall der Anwachsung (…vgl. Kleinheisterkamp, in: Lenski/Steinberg, GewStG, § 10a Rn. 36).
Der Mantelkauf wurde jedenfalls auch für das Streitjahr von der Rechtsprechung gebilligt (BFH-Urteile vom 19. Oktober 1986 I R 202/82, Entscheidungen des BFH - BFHE - 148, 153, Bundessteuerblatt - BStBl - II 1987, 308; I R 318 - 319/83, BFHE 148, 158, BStBl II 1987, 310).
§ 8 Abs. 4 KStG wurde durch das StRefG 1990 als gesetzgeberische Reaktion auf die Urteile des BFH vom 29. Oktober 1986 I R 202/82, BFHE 148, 153, BStBl II 1987, 308 sowie I R 318-319/83, BFHE 148, 158, BStBl II 1987, 310, in denen der BFH seine Rechtsprechung zum so genannten Mantelkauf hinsichtlich des Erfordernisses der wirtschaftlichen Identität aufgegeben und die Voraussetzungen der steuerlichen Verlust-Inanspruchnahme auf die zivilrechtliche Personenidentität der betroffenen Körperschaften eingeschränkt hatte, eingeführt.
GewStG § 10 Abs.