Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Text=4%20AZR%20710/95
Timestamp: 2019-02-23 08:08:15
Document Index: 235256757

Matched Legal Cases: ['§ 1', '§ 626', '§ 77', '§ 1', '§ 1', '§ 20', '§ 1', '§ 1', '§ 1', '§ 1', '§ 1', '§ 1', '§ 77', '§ 4', '§ 313', '§ 1', 'BGH', '§ 1', '§ 1', '§ 77', '§ 1', '§ 4', '§ 1', '§ 1']

BAG, 18.06.1997 - 4 AZR 710/95 - dejure.org
TVG § 1; BGB § 626 Abs. 1; BetrVG § 77 Abs. 5
Faires Verfahren - Zulässigkeit eines Rechtsmittels - Prozeßbevollmächtigter - Beurteilung der geleisteten Unterschriften - Schriftzug - Schriftformerfordernis - Paraphe - Beendigung eines Tarifvertrages - Außerordentliche Kündigung - Möglichkeiten der tarifautonomen Anpassung - Nachverhandlungsklausel - Revisionsklausel - Anerkennungstarifvertrag - Globalverweisung
Außerordentliche Kündigung eines Tarifvertrages
ArbG Hamburg, 15.06.1994 - 9 Ca 589/93
NZA 1997, 1234
BB 1997, 1479
BB 1997, 2172
DB 1997, 1418
DB 1997, 2331
DB 1997, 2336
Eine außerordentliche Kündigung ist wegen der Rechtsnatur eines Tarifvertrags als Dauerrechtsverhältnis selbst dann möglich, wenn der Tarifvertrag befristet ist (BAG 18. Februar 1998 - 4 AZR 363/96 - BAGE 88, 81, zu II 1.1 der Gründe; 18. Juni 1997 - 4 AZR 710/95 - AP TVG § 1 Kündigung Nr. 2 = EzA TVG § 1 Fristlose Kündigung Nr. 3, zu II 2.1.1 der Gründe; 18. Dezember 1996 - 4 AZR 129/96 - BAGE 85, 28, zu II 2.3 der Gründe).
Sollte der Entgeltfirmentarifvertrag ähnliche Nachverhandlungsobliegenheiten wie § 20 Abs. 3 und 4 FTV ATZ enthalten, ist darüber zu befinden, ob es mildere Mittel als eine außerordentliche Kündigung gegeben hätte (vgl. BAG 18. Juni 1997 - 4 AZR 710/95 - AP TVG § 1 Kündigung Nr. 2 = EzA TVG § 1 Fristlose Kündigung Nr. 3, zu II 2.1.4 der Gründe; 18. Dezember 1996 - 4 AZR 129/96 - BAGE 85, 28, zu II 2.3 der Gründe).
b) Das Landesarbeitsgericht hat mit Recht darauf hingewiesen, daß nach der Rechtsprechung des Senats (zB 18. Juni 1997 - 4 AZR 710/95 - AP TVG § 1 Kündigung Nr. 2 = EzA TVG § 1 Fristlose Kündigung Nr. 3) der ultima-ratio-Grundsatz erfordere, der die außerordentliche Kündigung von Dauerrechtsverhältnissen präge, daß die außerordentliche Kündigung eines Tarifvertrages nur wirksam sei, wenn keine andere Möglichkeit bestehe, die Unzumutbarkeit zu beseitigen.
BAG, 18.02.1998 - 4 AZR 363/96
Außerordentliche Kündigung eines Verbandstarifvertrages
Fortführung der Rechtsprechung des Senats in den Urteilen vom 18. Dezember 1996 - 4 AZR 129/96 - auch zur Veröffentlichung in der Amtlichen Sammlung vorgesehen, und vom 18. Juni 1997 - 4 AZR 710/95 - AP Nr. 1, 2 zu § 1 TVG Kündigung zur außerordentlichen Kündigung eines Tarifvertrages.
An dieser Auffassung, die der Senat in seinem Urteil vom 18. Juni 1997 (- 4 AZR 710/95 - AP Nr. 2 zu § 1 TVG Kündigung) bekräftigt hat, hält der Senat fest.
Vereinbaren sie keine feste Laufzeit und auch kein Recht zur Kündigung, ist davon auszugehen, dass dann in entsprechender Anwendung der Kündigungsregelung in § 77 Abs. 5 BetrVG eine Kündigung mit einer Frist von drei Monaten möglich ist (BAG 18.06.1997 - 4 AZR 710/95 - NZA 1997, 1237, 1238;… Löwisch-RiebleaaORz 507; Wiedemann/Wank § 4 Rz 22; Gamillscheg S. 771; Oetker RdA 1995, 91 ff.).
Daran ändert auch die Aufnahme in eine einheitliche Urkunde nichts, die sich für Anerkenntnistarifverträge der Einfachheit halber anbietet und auch in der oben zitierten Entscheidung des Bundesarbeitsgerichts vorlag (BAG 18.06.1997 aaO).
Das Bundesarbeitsgericht hat die Frage vor Inkrafttreten des § 313 BGB am 01.01.2002 offengelassen (…vgl. BAG 18.12.1996 - 4 AZR 129/96 - a. a. O.; BAG 18.06.1997 - 4 AZR 710/95 - EzA § 1 TVG Fristlose Kündigung Nr. 3).
Der vollständig auszuschreibende Nachname muß, auch wenn nicht leserlich sein muß, einen individuellen Charakter ausweisen, der ihn von anderen Unterschriften unterscheidet, seine Entstehung aus der ursprünglichen Schrift in Buchstaben noch erkennen läßt und es einem Dritten, der den Namen des Unterzeichners kennt, ermöglicht, den Namen aus dem Schriftbild des Unterzeichners herauszulesen; eine sogenannte Paraphe (Namenskürzel) genügt nicht (BGH, Beschluß v. 08.10.1991 - XI ZB 6/91 - MDR 1992, 182 ;… Urteil v. 11.02.1982, a.a.O.;… Beschluß v. 11.10.1984 a.a.O.; BAG, Urteil v. 29.07.1981 u. Urteile v. 27.03.1996 u. 18.06.1997, a.a.O.; LAG Frankfurt, Beschluß v. 14.02.1990 - 15 Sa 331/90 = Bundesverfassungsgericht, Beschluß v. 04.03.1991 - 1 BvR 1193/90 - rechtskräftig).
Ob ein anderer Spruchkörper auch desselben Gerichts oder andere Gerichte die Unterzeichnung zuvor geduldet haben, ist unerheblich (BVerfG, Beschluß v. 26.04.1988 - 1 BvR 669/87 u.a. - NJW 1988, 2787 ; v. 18.09.1989 - 2 BvR 270/89 - n.v.;… vom 04.03.1991, a.a.O.; v. 07.10.1996 - 1 BvR 1183/95 - n.v.; BAG, Urteil v. 18.06.1997, a.a.O.).
Die weitere Erwägung, im Falle eines vereinbarten außerordentlichen Kündigungsgrundes läge auch die Vereinbarung einer Nachverhandlungspflicht nahe, ist nicht zu beanstanden und entspricht zudem der Rechtsprechung des Senats (so ausdrücklich 18. Juni 1997 - 4 AZR 710/95 - zu II 2.1.4 der Gründe, AP TVG § 1 Kündigung Nr. 2 = EzA TVG § 1 Fristlose Kündigung Nr. 3) .
Nach ganz h.M. ist ein Tarifvertrag analog § 77 Abs. 5 BetrVG jedoch stets mit einer ordentlichen Kündigungsfrist von drei Monaten kündbar, sofern nichts anderes vereinbart ist ( BAG 18.6.1997 - 4 AZR 710/95 - AP Nr. 2 zu § 1 TVG Kündigung unter II. 3. der Gründe; Oetker, RdA 1995, 82, 92;… Däubler/Deinert, a.a.O., § 4 Rz. 109;… ErfK/Franzen, a.a.O., § 1 Rz. 32 ).
Der Kündigungsberechtigte muss als milderes Mittel die Möglichkeit der tarifautonomen Anpassung ausschöpfen ( BAG 18.6.1997 - 4 AZR 710/95 - AP Nr. 2 zu § 1 TVG Kündigung; vgl. auch Oetker, RdA 1995, 82, 96 ).
Der allgemeine Prozessgrundsatz des "fairen Verfahrens" gebietet es jedoch im vorliegenden Fall, die Zulässigkeit der Berufung nicht an einer nicht ordnungsgemäßen Unterschrift scheitern zu lassen (vgl. hierzu nur BVerfG, Beschluss vom 07. Oktober 1996 - 1 BvR 1183/95 - n.v.; BVerfG NJW 1988, 2787; BAG NZA 1997 1234 ff.).
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