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Timestamp: 2020-02-19 00:49:40
Document Index: 9401163

Matched Legal Cases: ['§ 19', '§ 1', '§ 1', '§ 19', '§ 19', '§ 14', '§ 18', '§ 18']

Fragen bzgl. Wechsel von Kleinunternehmung zur Regelbesteuerung Selbstständige www.frag-einen-steuerprofi.de
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Frage geschrieben am 21.08.2014 20:15:28
Betreff: Fragen bzgl. Wechsel von Kleinunternehmung zur Regelbesteuerung
im Februar 2011 habe ich eine Kleinunternehmung mit dem Gegenstand "Erstellung von Software und Vertrieb" angemeldet.
Diese fungierte bislang als nebenberufliches "Hobby" bzw. ich befinde mich bislang noch in einem Angestelltenverhältnis. Mein Angestelltenverhältnis endet jedoch zum 30. November 2014.
Von diesem Zeitpunkt möchte ich mein Gewerbe zur Haupttätigkeit migrieren und in diesem Zuge auch schnellstmöglich zur Regelbesteuerung (vor allem aus Imagegründen) wechseln.
Hierzu ergaben sich für mich folgende Fragen:
- Reicht es aus, wenn ich (etwa im November) dem Finanzamt via Post mitteile, dass ich ab dem 01.01.2015 zur Regelbesteuerung wechseln werde? Gibt es hierzu vielleicht eine passende Vorlage oder "Textbausteine"?
- Bei dem einstigen steuerlichen Erfassungsbogen musste ich einen Namen des Gewerbes angeben, obwohl ich ja eigentlich keine Firma führe. Frage ist, ob dieser damals angegebene Name irgend eine Rolle spielt? Falls ja, würde ich diesen in diesem Zuge auch gerne ändern wollen.
- Bezüglich der Kündigung des Angestelltenverhältnisses und dem Wechsel zur Selbständigkeit werde ich demnächst die Krankenversicherung entsprechend informieren. Gibt es zudem irgendetwas rechtliches hinsichtlich dem Wechsel zur Vollzeitselbständigkeit bzw. dem Wechsel von der Kleinunternehmung zur Regelbesteuerung zu berücksichtigen?
An dieser Stelle schon einmal vielen Dank
Antwort geschrieben am 22.08.2014 00:22:41
Grundsätzlich ist für Ihre Fragen der § 19 UStG einschlägig. Der Abs. 1 dieser Vorschrift lautet:
(1) Die für Umsätze im Sinne des § 1 Abs. 1 Nr. 1 geschuldete Umsatzsteuer wird von Unternehmern, die im Inland oder in den in § 1 Abs. 3 bezeichneten Gebieten ansässig sind, nicht erhoben, wenn der in Satz 2 bezeichnete Umsatz zuzüglich der darauf entfallenden Steuer im vorangegangenen Kalenderjahr 17 500 Euro nicht überstiegen hat und im laufenden Kalenderjahr 50 000 Euro voraussichtlich nicht übersteigen wird. ....
Sie können dem FA formlos mitteilen, dass Sie wünschen, ab dem 1.1.2015 zur Regelbesteuerung übergehen zu wollen. Das müssen Sie aber nicht. Das Umsatzsteuergesetzt räumt dem Kleinunternehmer in § 19 Abs. 2 UStG die Möglichkeit ein, zur Regelbesteuerung zu wechseln, wobei dies zu Anfang eines Jahres möglich und für die nächsten 5 Jahre bindend ist. Es reicht aus, wenn Sie ab dem 01.01.2015 Ihre Rechnungen mit Umsatzsteuer ausstellen und beim Finanzamt die Umsatzsteuervoranmeldung einreichen. Sie können dann die Ihnen in Rechnung gestellten Umsatzsteuern für bezogene Leistungen als Vorsteuern mindernd von der zu zahlenden Umsatzsteuer abziehen.
Ein freiwilliger Wechsel ist also zu jedem Jahreswechsel möglich. Nochmals: Sie müssen beachten, dass Sie bei einem freiwilligen Verzicht auf die Kleinunternehmerregelung für 5 Jahre an diese Entscheidung gebunden sind.
Hier einmal der Abs. 2 des § 19 UStG:
Wie Sie schon richtig ausführen, führt ein kleiner Einzelunternehmer keine Firma. Eine Firma ist der Name eines im Handelsregister eingetragenen Kaufmanns. Der Auftritt eines Kleinunternehmers muß mit seinem eigenen Vor- und Nachnamen erfolgen, wobei mindestens ein Vorname voll auszuschreiben ist. Natürlich können Sie auch einen Fantasienahmen wählen, sollten aber den Inhaberzusatz nicht vergessen. Alle weiteren Zusätze haben keine rechtliche Relevanz und sind, soweit keine Rechte Anderer eingeschränkt werden, erlaubt.
-Bezüglich der Kündigung des Angestelltenverhältnisses und dem Wechsel zur Selbständigkeit werde ich demnächst die Krankenversicherung entsprechend informieren. Gibt es zudem irgendetwas rechtliches hinsichtlich dem Wechsel zur Vollzeitselbständigkeit bzw. dem Wechsel von der Kleinunternehmung zur Regelbesteuerung zu berücksichtigen?
Bei der KV können Sie nun wählen zwischen der gesetzlichen Versicherung als freiwilliges Mitglied oder einer privaten Krankenversicherung. Lassen Sie sich da einmal Angebote machen, bzw. von Fachleuten der beiden Richtungen, GKV/PKV beraten.
Da Sie nun keine Einzahlungen mehr in die RV vornehmen, denken Sie bitte an Ihre Altersvorsorge und möglicherweise auch an eine Berufsunfähigkeitsversicherung.
Zur Umsatzsteuer hatte ich oben bereits erläutert. Hier beachten Sie bitte noch die §§ 14 u. 15 UStG:
Zitate aus dem Umsatzsteuergesetz in der Fassung der Bekanntmachung vom 21. Februar 2005 (BGBl. I S. 386), das durch Artikel 9 des Gesetzes vom 25. Juli 2014 (BGBl. I S. 1266) geändert worden ist.
Nachfrage vom Fragesteller geschrieben am 22.08.2014 17:19:05
vielen Dank für Ihre äußerst hilfreiche Antwort.
Bezüglich der Anmerkung von Ihnen hinsichtlich der ab 01.01.2015 erforderlichen Umsatzsteuervoranmeldung wollte ich nochmal kurz nachfragen, ob ich diese monatlich (bzw. zweimonatlich bei Dauerfristverlängerung) durchführen muss.
Antwort auf Nachfrage vom Steuerprofi geschrieben am 22.08.2014 18:24:50
Sie fragen nach, welcher Voranmeldungszeitraum für Sie gilt, monatlich oder vierteljährlich. Desweiteren geht es Ihnen um das Thema Fristverlängerung zur Abgabe der Voranmeldung.
Ein Umsatzsteuervoranmeldungszeitraum umfasst grundsätzlich das Quartal. Hat die Steuer für das Vorjahr mehr als 7 500 € betragen, ist der Voranmeldungszeitraum der Kalendermonat.
Für Neugründer besteht die Verpflichtung zur Abgabe monatlicher Voranmeldungen für das Jahr der Aufnahme der beruflichen oder gewerblichen Tätigkeit (Neugründungsfälle) und für das folgende Kalenderjahr ( § 18 Abs. 2 Satz 4 UStG ). Wenn es so war wie bei Ihnen, dass Sie bereits seit 2011 als Kleinunternehmer tätig waren und keine Umsatzsteuer festzusetzen war, fallen Sie nicht unter die Regelung des § 18 Abs. 2 Satz 4 UStG.
D. h., Sie können Ihre Umsatzsteuervoranmeldungen vierteljährlich abgeben. Hier einmal auszugsweise der dafür einschlägige Gesetzestext:
Zum Thema "Dauerfristverlängerung" für die Abgabe der Umsatzsteuervoranmeldung:
Sie können eine Dauerfristverlängerung beantragen, um die Umsatzsteuervoranmeldung einen Monat nach der ursprünglichen Abgabefrist beim Finanzamt einreichen zu dürfen. Bei Gewährung einer Dauerfristverlängerung für Unternehmer, die Ihre UStVA quartalsweise abgeben, ist dieses Verfahren kostenfrei. Diese sogenannte Dauerfristverlängerung ist, genau wie die UStVA auf elektronischem Wege an das Finanzamt zu übermitteln. Es genügt ein einmaliger Antrag, Sie müssen ihn in nachfolgenden Kalenderjahren nicht wiederholen.
Anders ist dann der Fall zu beurteilen, wenn Sie verpflichtet werden, die UStVA monatlich abzugeben.
Hier wird die Fristverlängerung nur gewährt, wenn Sie eine Sondervorauszahlung auf die Steuer des jeweiligen Kalenderjahrs zahlen. Diese sogenannte Sondervorauszahlung beträgt 1/11 der Summe der Vorauszahlung des vorangegangene Kalenderjahres.
Sie müssen die Sondervorauszahlung selbst berechnen und anmelden. Die Sondervorauszahlung wird sodann im letzten Voranmeldungszeitraum wieder gutgeschrieben. Damit wollen die Finanztbehörden den Zinsnachteil ausgleichen, der durch die spätere Abgabe der UStVA entsteht.
Ergänzende Informationen vom Steuerprofi geschrieben am 30.08.2014 07:37:00
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