Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Text=II%20ZR%20173/05
Timestamp: 2019-04-19 23:15:26
Document Index: 13179530

Matched Legal Cases: ['BGH', 'BGH', '§ 826', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 826', 'BGH', '§ 826', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH']

BGH, 04.06.2007 - II ZR 173/05 - dejure.org
Informationsdeliktshaftung wegen fehlerhafter Adhoc-Publizität auf dem Sekundärmarkt durch "ComROAD"; Schadensersatz aus dem Gesichtspunkt der kapitalmarktrechtlichen Informationsdeliktshaftung; Vorsätzliche unlautere Beeinflussung des Sekundärmarktpublikums durch grob unrichtige Adhoc-Mitteilungen; Erforderlichkeit des Nachweises der konkreten Kausalität einer extrem unseriösen Kapitalmarktinformation für den Willensentschluss eines Anlegers; Enttäuschtes allgemeines Anlegervertrauen in die Integrität der Marktpreisbildung als Kausalitätsbeweis
Deliktshaftung wegen falscher Ad-hoc-Meldung selbst bei extrem unseriöser Kapitalmarktinformation nur bei Nachweis konkreter Kausalität für Anlageentschluss ("Comroad V")
Kein Verzicht auf den Nachweis der konkreten Kausalität für den Willensentschluss § des Anlegers im Rahmen der Informationsdeliktshaftung wegen fehlerhafter Ad-hoc-Publizität ("ComROAD V")
"ComROAD V"; Anforderungen an die Darlegung der Kausalität unrichtiger, extrem unseriöser Kapitalmarktinformationen für den Kaufanschluss eines Anlegers
Informationsdeliktshaftung
Kausalität einer fehlerhaften Ad-hoc-Mitteilung für die Anlageentscheidung immer konkret nachzuweisen
Voraussetzungen und Grundsätze der sog. Informationsdeliktshaftung
Enttäuschung für Comroad Anleger: BGH lehnt Fraud-on-the-market-theory ab
LG München I, 28.10.2004 - 5 HKO 16393/04
OLG München, 12.12.2007 - 7 U 5667/04
NJW-RR 2007, 1532
ZIP 1564, 1565
ZIP 2007, 1564
WM 2007, 1560
DB 2007, 2707
NZG 2007, 711
Knüpfe man an das enttäuschte allgemeine Anlegervertrauen in die Integrität der Marktpreisbildung an, führe dies zu einer uferlosen Ausweitung des ohnehin offenen Haftungstatbestands nach § 826 BGB (BGH, Urteil vom 04.06.2007 - II ZR 173/05 (ComROAD V), juris Rn. 16) bzw. bei genereller Bejahung der Kausalität unabhängig von der Kenntnis des Anlegers zu einer regelrechten "Dauerkausalität" (BGH…, Urteil vom 04.06.2013 - VI ZR 288/12, juris Rn. 25).
Die Anlageentscheidung eines potenziellen Aktienerwerbers stelle einen durch vielfältige rationale und irrationale Faktoren, insbesondere teils durch spekulative Elemente beeinflussten, sinnlich nicht wahrnehmbaren individuellen Willensentschluss dar, für den es grundsätzlich keinen Anscheinsbeweis gebe (st. Rspr.; BGH, NZG 2007, 711, 712, m.w.N.).
aa) Dem entspricht es, dass der Senat bei der fehlerhaften Ad-hoc-Publizität des Sekundärmarktes im Rahmen des Tatbestandes des § 826 BGB auf den Nachweis der konkreten Kausalität für den Willensentschluss des Anlegers selbst bei extrem unseriöser Kapitalmarktinformation nicht verzichtet und dementsprechend das enttäuschte allgemeine Anlegervertrauen in die Integrität der Marktpreisbildung nicht ausreichend sein lässt (vgl. BGHZ 160, 134 - Infomatec I;… Sen.Urt. v. 9. Mai 2005 - II ZR 287/02, ZIP 2005, 1270, 1274 - EM.TV;… Sen.Beschl. v. 28. November 2005 - II ZR 80/04 aaO S. 682 Tz. 11 - ComROAD I; v. 28. November 2005 - II ZR 246/04, ZIP 2007, 680 Tz. 8 - ComROAD II;… v. 26. Juni 2006 - II ZR 153/05 aaO S. 326 Tz. 5 - ComROAD III;… Sen.Urt. v. 4. Juni 2007 - II ZR 147/05, ZIP 2007, 1560, 1562 Tz. 16 - ComROAD IV; v. 4. Juni 2007 - II ZR 173/05, ZIP 2007, 1564, 1565 Tz. 16 - ComROAD V; v. 7. Januar 2008 - II ZR 229/05 und - II ZR 68/06, ZIP 2008, 407 ff. und 410 ff., jeweils Tz. 16 - ComROAD VI und VII).
Von einer - nur ausnahmsweise in Betracht kommenden - Anlagestimmung mit der Folge einer Anwendbarkeit der Grundsätze des Anscheinsbeweises wird das Berufungsgericht allenfalls nach vorheriger Einholung eines Sachverständigengutachtens ausgehen können (…Sen.Urt. v. 4. Juni 2007 - II ZR 147/05, ZIP 2007, 1560, 1562 Tz. 14 f. - ComROAD IV; v. 4. Juni 2007 - II ZR 173/05, ZIP 1564, 1565 Tz. 14 f. - ComROAD V; v. 7. Januar 2008 - II ZR 229/05 und - II ZR 68/06, ZIP 2008, 407 ff. und 410 ff., jeweils Tz. 24 - ComROAD VI und VII).
aa) Dem entspricht es, dass der Senat bei der fehlerhaften Ad-hoc-Publizität des Sekundärmarktes im Rahmen des Tatbestandes des § 826 BGB auf den Nachweis der konkreten Kausalität für den Willensentschluss des Anlegers selbst bei extrem unseriöser Kapitalmarktinformation nicht verzichtet und dementsprechend das enttäuschte allgemeine Anlegervertrauen in die Integrität der Marktpreisbildung nicht ausreichend sein lässt (vgl. BGHZ 160, 134 - Infomatec I;… Sen.Urt. v. 9. Mai 2005 - II ZR 287/02, ZIP 2005, 1270, 1274 - EM.TV;… Sen.Beschl. v. 28. November 2005 - II ZR 80/04 aaO S. 682 Tz. 11 - ComROAD I; v. 28. November 2005 - II ZR 246/04, ZIP 2007, 680 Tz. 8 - ComROAD II;… v. 26. Juni 2006 - II ZR 153/05 aaO S. 326 Tz. 5 - ComROAD III;… Sen.Urt. v. 4. Juni 2007 - II ZR 147/05, ZIP 2007, 1560, 1562 Tz. 16 - ComROAD IV; v. 4. Juni 2007 - II ZR 173/05, ZIP 2007, 1564, 1565 Tz. 16 - ComROAD V).
Von einer - nur ausnahmsweise in Betracht kommenden - Anlagestimmung mit der Folge einer Anwendbarkeit der Grundsätze des Anscheinsbeweises wird das Berufungsgericht - entgegen der Auffassung des Landgerichts - allenfalls nach vorheriger Einholung eines Sachverständigengutachtens ausgehen können (…Sen.Urt. v. 4. Juni 2007 - II ZR 147/05, ZIP 2007, 1560, 1562 Tz. 14 f. - ComROAD IV; v. 4. Juni 2007 - II ZR 173/05, ZIP 1564, 1565 Tz. 14 f. - ComROAD V).
Von einer - nur ausnahmsweise in Betracht kommenden - Anlagestimmung mit der Folge einer Anwendbarkeit der Grundsätze des Anscheinsbeweises wird das Berufungsgericht dabei allenfalls nach vorheriger Einholung eines Sachverständigengutachtens ausgehen können (…Sen.Urt. v. 4. Juni 2007 - II ZR 147/05, ZIP 2007, 1560, 1562 Tz. 14 f. - ComROAD IV; v. 4. Juni 2007 - II ZR 173/05, ZIP 1564, 1565 Tz. 14 f. - ComROAD V).
Andernfalls würde man auf den konkreten Kausalzusammenhang zwischen Täuschung und Willensentscheidung verzichten und statt dessen - in Anlehnung an die sogenannte "fraud-on-the-market-theory" des US-amerikanischen Kapitalmarktrechts - an das enttäuschte allgemeine Anlegervertrauen in die Integrität der Marktpreisbildung anknüpfen; dieser Denkansatz würde zu einer uferlosen Haftungsausweitung führen (…BGH NZG 2007, 356 [juris Rn. 9-11] "ComROAD I";… BGH NZG 2007, 346 [juris Rn. 9] "ComROAD II";… BGH NZG 2007, 269 [juris Rn. 5 "ComROAD III";… BGH NZG 2007, 707 [juris Rn. 16] "ComROAD IV"; BGH NZG 2007, 711 [juris Rn. 16] "ComROAD V";… BGH NZG 2008, 382 [juris Rn. 16] "ComROAD VI";… BGH NZG 2008,.
Dies gilt nach der Rechtsprechung ausdrücklich auch im Bereich der Informationsdeliktshaftung (BGH NJW 2004, 2664 [juris Rn. 46] "Infomatec II"; BGH NZG 2007, 711 [juris RN. 25] "ComROAD V";… BGH NZG 2008, 382 [juris Rn. 24] "ComROAD VI";… BGH NZG 2008, 385 [juris Rn. 24] "ComROAD VII";… BGH BZG 29008, 386 [juris Rn. 27] "ComROAD VIII").