Source: http://www.steinburg.de/kreisverwaltung/informationen-der-fachaemter/amt-fuer-umweltschutz/naturschutz/schutzgebiete-u-geschuetzte-objekte/naturschutzgebiete/rhinplate-und-elbufer-suedlich-von-glueckstadt.html
Timestamp: 2019-02-22 08:50:58
Document Index: 44145955

Matched Legal Cases: ['§ 17', '§ 16', '§ 38', '§ 38', '§ 4', '§ 5', '§ 57', '§ 4', '§ 31', '§ 4', '§ 4', '§ 2']

Rhinplate und Elbufer südlich von Glückstadt - Naturschutzgebiete | Kreis Steinburg
Rhinplate und Elbufer südlich von Glückstadt
Tiderröhricht
Frau Dr. Sybille Petersen, Grillchaussee 31, Glückstadt, Tel. 04124/2638
Herr Heiko Schlüter, Lina-Ramann-Str. 5, Glückstadt
Lage, Entstehung und ökologische Bedeutung
Das mit 460 ha größte Naturschutzgebiet im Kreis Steinburg ist das NSG "Rhinplate und Elbufer südlich Glückstadt", eine von der Tide beeinflusste Flussuferlandschaft mit der für das Elbeästuar typischen Zonierung. Das vor dem Elbdeich liegende Gebiet erstreckt sich von Bielenberg bis nach Glückstadt und steht seit Dezember 2000 unter Schutz.
Die Rhinplate war noch im 19. Jahrhundert eine vom Elbestrom geformte, natürliche Sandbank, die vor der Hafeneinfahrt von Glückstadt lag. Durch den Ausbau der Elbe und dem damit einhergehenden Bau eines Leitdammes vor rund 50 Jahren bekam die etwa 5 km lange Insel ihre heutige Gestalt. Mittlerweile ist die ursprüngliche Sandbank nahezu vollständig mit Röhrichten bzw. einem Auwald bewachsen, so dass von Glückstadt aus der Blick auf das Hauptfahrwasser der Elbe versperrt bleibt; dennoch wird die Insel zeitweise noch ganzflächig überflutet.
Auch das sich zwischen Bielenberg und Glückstadt erstreckende Deichvorland ist teilweise dicht mit Pappeln und Weiden bestanden. 1977 wurde es auf einer Länge von 3,5 km sowie einer Breite von 400 bis 700 m aufgespült, um dort den neuen Landesschutzdeich zu errichten und Gewerbe- bzw. Industrieflächen für die Stadt Glückstadt zu schaffen. Auf den aufgespülten Sandflächen entwickelten sich sehr artenreiche und schützenswerte Lebensgemeinschaften, die den typischen Elbebiotopen so sehr ähnelten, dass auf Grund der großen Naturschutzwürdigkeit dieses Gebietes nur noch 65 ha eingedeicht wurden und der Rest unter Naturschutz gestellt wurde.
Die hohe Schutzwürdigkeit dieses Gebietes resultiert aus seiner Lage im Brackwasserbereich (0,5 - 5,0 Promille Salzgehalt) und der damit verbundenen, hohen Anpassungsfähigkeit der Pflanzen- und Tierarten. Als Hauptlebensräume treten Flachwasserbereiche, Watten, Tide-Röhrichte, Hochstaudenrieder, Weichholzauen, Treibselsäume und Trockenrasen in der für das Elbetal typischen Zonierung auf. Die enge Verzahnung der einzelnen Lebensräume bedeutet hervorragende Existenzmöglichkeiten für zahlreiche Pflanzen, vor allem aber auch Tierarten.
So stellt die "Glückstädter Nebenelbe" als eine der wichtigsten Flachwasserzonen an der schleswig-holsteinischen Unterelbe ein bedeutendes Rückzugs- und Aufzuchtgebiet für zahlreiche Fische dar. Auf den angrenzenden Wattflächen brüten und rasten die verschiedensten Gänse- und Entenarten, Flussseeschwalben und viele weitere Vogelarten (insbesondere Limikolen). In den sich anschließenden Röhrichten sind seltende Arten wie die stechende Simse (Schoenoplectus americanus), die hier an der Unterelbe ihr einziges Vorkommen in Deutschland besitzt, ebenso zu finden wie die Elbendemiten Wibels Rasenschmiele (Deschampsia wibelliana) und Schierlings-Wasserfenchel (Oenanthe conioides). Der Silberweiden-Auwald im Bielenberger Wäldchen gehört nach der Roten Liste Schleswig-Holstein zu den vom Aussterben bedrohten Pflanzengesellschaften, die Magerrasenfluren der Spülflächen sind danach stark gefährdet.
Die hohe biologische Produktivität der Watten und Flachwasserzone sowie der Struktur- und Artenreichtum der anderen Biotoptypen mit dem sich darauf eingestellten, botanischen und zoologischen Artengefüge kennzeichnen das Naturschutzgebiet und begründen die Unterschutzstellung.
Bucht im Bielenberger Wäldchen
Im Laufe der vergangenen Jahre haben sich die Magerrasen sukzessive verändert. So kam es zur starken Ausbreitung des Landreitgrases und auch einer Zunahme des Gehölzanfluges.
Um einer zunehmenden Verbuschung entgegenzuwirken, wurde im Herbst 2004 ein größerer Birkenbestand auf dem Trockenrasen entfernt. Bereits im Sommer 2003 hatten Mitglieder des NABU in aufwändiger Handarbeit mehrere Zitterpappeln sowie deren teilweise 20 m langen Wurzelausläufer ausgegraben.
Auch 2005 sind Pflegemaßnahmen im Naturschutzgebiet vorgesehen, denn im Sommer sollen die vergrasten Flächen gemäht und somit freigehalten werden. Langfristig ist zur Offenhaltung des Vorlandes sowie zum Erhalt der Trockenrasen eine Beweidung erforderlich. Ob diese vorzugsweise mit Schafen oder aber als Ganzjahresbeweidung mit Robustrindern stattfinden sollte, wird derzeit noch diskutiert.
Das Betreten des Naturschutzgebietes ist grundsätzlich nicht gestattet. Vom NABU, Ortsgruppe Glückstadt (Ansprechpartner: Frau Dr. Petersen, Tel. 04124-2638 sowie Herr Schlüter, Tel. 04124-3036) werden aber in unregelmäßigen Abständen Führungen für Interessierte in das NSG durchgeführt. Entsprechende Hinweise sind der Tagespresse zu entnehmen.
Selbstverständlich kann man aber auch den entlang der Gebietsgrenze verlaufenden Elbe-Nordsee-Radweg nutzen oder auf dem Deich von Glückstadt nach Bielenberg laufen. Entsprechend aufgestellte Informationstafeln weisen auf die Besonderheiten des Naturschutzgebietes hin.
Landesverordnung über das Naturschutzgebiet "Rhinplate und Elbufer südlich Glückstadt" vom 5. Dezember 2000
Aufgrund des § 17 Abs. 1 in Verbindung mit § 16 Abs. 2 und 53 Abs. 7 des Landesnaturschutzgesetzes und des § 38 des Landesjagdgesetzes verordnet das Ministerium für Umwelt, Natur und Forsten:
(2) Das Naturschutzgebiet wird mit der Bezeichnung "Rhinplate und Elbufer südlich Glückstadt" unter Nummer 164 in das im Ministerium für Umwelt, Natur und Forsten geführte Verzeichnis der Naturschutzgebiete eingetragen.
im Westen durch die westliche Uferkante der Rhinplate bei Seekartennull (Kartennullinie) bis zum Radarturm an der Südspitze und darüber hinaus durch eine in südöstliche Richtung verlaufende gerade Linie auf der Elbe bis zum Schnittpunkt mit der vom nördlichen Fuß der Schleusenanlage des Bielenberger Hafens ausgehenden Gemeindegrenze bei den Koordinaten:
9°25,81' östl. Länge/53°44,66' nördl. Breite (Koordinatenwerte im Geographischen System)
N 53°44,61'/E 9°25,82' (Koordinatenwerte im System Europa Datum);
im Osten, beginnend vom nördlichen Fuß der Schleusenanlage des Bielenberger Hafens, entlang der elbseitigen Grenze des Deichschutzstreifens vor dem vorhandenen und vor dem gemäß Planfeststellungsbeschluß für die "Vordeichung Glückstadt-Süd" vom 26. Februar 1992 errichteten neuen Landesschutzdeich bis 70 m vor der südlichen Böschungskrone des Spülfeldes südlich des Hafengeländes von Glückstadt. Ab hier verschwenkt die Grenze und quert die Glückstädter Nebenelbe in einer geraden Linie westlich bis zur Kartennullinie (Seekartennull) am östlich Rand der Rhinplate und verläuft entlang dieser Linie in nördlicher Richtung bis zum Leuchtfeuer an der Nordspitze der Rhinplate.
(2) Die Grenze des Naturschutzgebietes ist in den Abgrenzungskarten, Blatt 1 bis 8, im Maßstab 1 : 5.000, sowie Blatt 9, einem Ausschnitt aus den Seekarten Nummer 46 und 47 im Maßstab 1 : 30.000, rot eingetragen. Sie verläuft auf der dem Gebiet zugewandten Seite der roten Linie. Die Ausfertigung der Karten ist im Ministerium für Umwelt, Natur und Forsten, 24106 Kiel, verwahrt. Die Karten sind Bestandteile dieser Verordnung.
(1) Das Naturschutzgebiet dient der Sicherung, dem Schutz und der Erhaltung der von der Tide beeinflussten Flussuferlandschaft an der Elbe mit Flachwasserbereichen, insbesondere der Glückstädter Nebenelbe, ihren großen Brack- und Süßwasserwatten,ausgedehnten Tide- und Landröhrichtbiotopen, naturraumtypischen Weichholzauebiotopen, Trockenrasen und naturnahen Gehölzbeständen sowie den auf diese Lebensräume spezialisierten charakteristischen Pflanzen- und Tierarten.
die Lebensräume von internationaler Bedeutung für Pflanzen und Tiere zu schützen und zu erhalten sowie
a) die Jagd auf Wasserwild vor dem 16. Oktober eines jeden Jahres auszuüben,
b) Wildäcker anzulegen oder zu betreiben oder
c) geschlossene Hochsitze zu errichten oder Fütterungseinrichtungen zu errichten oder zu betreiben;
a) auf der Grundlage eines genehmigten Gewässerpflegeplanes nach § 38 Abs. 3 des Landeswassergesetzes oder
die gemäß Planfeststellungsbeschluss vom 26. Februar 1992 vorgesehene Änderung der Abwasserleitung der Kläranlage Glückstadt-Süd, ihr ordnungsgemäßer Betrieb und ihre ordnungsgemäße Unterhaltung;
die Durchführung der gemäß Planfeststellungsbeschluss vom 26. Februar 1992 erforderlichen Maßnahmen zur Vordeichung von "Glückstadt Süd" im Benehmen mit der unteren Naturschutzbehörde;
a) der jeweiligen Grundstücke einschließlich der Wasserflächen durch die Grundstücksbesitzer oder deren Beauftragte zur Wahrnehmung berechtigter Interessen;
(2) Soweit eine der in Absatz 1 aufgeführten Maßnahmen im Einzelfall mit einem Eingriff in Natur und Landschaft verbunden ist, sind die Bestimmunge des Abschnittes III des Landesnaturschutzgesetzes zu beachten.
(2) Die Jagdbehörde kann im Einvernehmen mit dem Landesamt für Natur und Umwelt als obere Naturschutzbehörde Ausnahmen von den einschränkenden Regelungen des § 4 Abs. 1 Satz 2 Nr. 13 und des § 5 Abs. 1 Nr. 1 im Einzelfall zulassen, wenn hierdurch der Schutzzweck nicht beeinträchtigt wird.
(1) Ordnungwidrig nach § 57 Abs. 1 Nr. 1 des Landesnaturschutzgesetzes handelt, wer vorsätzlich entgegen
§ 4 Abs. 1 Satz 2 Nr. 6 Gewässer im Sinne des § 31 Abs. 1 des Wasserhaushaltsgesetzes ausbaut oder Maßnahmen durchführt, die den Wasserstand oder Wasserabfluß oder die Fließgeschwindigkeit nicht nur unerheblich verändern, oder Stoffe einbringt, einleitet, entnimmt oder andere Maßnahmen vornimmt, die geeignet sind, die physikalische, chemische oder biologische Beschaffenheit der Gewässer nachteilig zu verändern;
§ 4 Abs. 1 Satz 2 Nr. 11 die Lebensräume der Pflanzen und Tiere beseitigt oder nachteilig verändert, insbesondere durch chemische Stoffe oder mechanische Maßnahmen;
§ 4 Abs. 1 Satz 2 Nr. 16 Zelte oder Wohnwagen aufstellt, Sachen aller Art lagert, Feuer macht oder Hunde laufen lässt;
(2) Gleichzeitig tritt die Kreisverordnung zum Schutz von Landschaftsteilen in den Gemeinden Kollmar und Neuendorf b. E. und der Stadt Glückstadt vom 10. Juli 1980 (Norddeutsche Rundschau vom 23. August 1980), zuletzt geändert durch Kreisverordnung vom 18. Oktober 1999 (Norddeutsche Rundschau vom 19. Oktober 1999) außer Kraft, soweit sie das in § 2 Abs. 1 dieser Verordnung beschriebene Gebiet betrifft.
Kiel, 5. Dezember 2000
Minister für Umwelt, Natur und Forsten