Source: https://steuerberater-direct.com/artikel/zahlungen-online-streamingportal-trinkgeld-oder-steuerpflichtige-einnahmen
Timestamp: 2018-01-16 07:46:50
Document Index: 290507554

Matched Legal Cases: ['§ 3', '§ 22', '§3', '§ 3', '§ 2', '§ 2']

Zahlungen in Online-Streamingportal: Trinkgeld oder steuerpflichtige Einnahmen? | Steuerberater-direct.com
Zahlungen in Online-Streamingportal: Trinkgeld oder steuerpflichtige Einnahmen?
Von Herbert Mette, gameslaw.online
Die Streamingplattform Twitch ist für viele Gamer (Computerspieler) eine lukrative Möglichkeit, ihr Hobby zum Beruf zu machen. Auf dieser Plattform können Streamer diverse Spiele für ein Livepublikum übertragen. Das Twitch-Partnerprogramm ermöglicht es den Streamern, Werbung zu schalten und Geld für Abonnements zu erhalten. Zusätzlich sind für viele Streamer auch die sogenannten Donations eine nicht zu verachtende Einnahmequelle. Werden diese Einnahmen bei der Steuererklärung nicht angegeben, kann dies drastische Konsequenzen für den Streamer haben. Ob die Einnahmen steuerfrei sind oder nicht kommt auf den Einzelfall an.
Der Streamer betreibt regelmäßig ein Gewerbe oder ist Freiberufler. Entsprechend müssen diese Einnahmen grundsätzlich versteuert werden. Die Vorschrift, nach der Trinkgeld steuerfrei ist (§ 3 Nr. 51 EStG), bezieht sich ausschließlich auf Arbeitnehmer. Ob man die Donations als Geschenk, „Spende“ oder Trinkgeld bezeichnet, ist egal: sie gehören zum erzielten Einkommen.1
Denn auch wenn der Streamer die Donations nicht einfordert, so streamt er unter anderem gerade wegen solcher Donations.2 (Dasselbe gilt übrigens, wenn man die Donations als sonstige Einkünfte qualifiziert und mehr als 256 Euro im Jahr damit verdient (§ 22 Abs.3 S.2 EStG).)
Gelingt es, das Finanzamt davon zu überzeugen, dass das Streaming nur eine künstlerische nebenberufliche Tätigkeit ist, so wäre das Einkommen bis zu einem Betrag von 2.400 Euro steuerfrei (§3 Nr.26 EStG).
Ist das Streaming nur Liebhaberei, so sind auch damit verbundene Einkünfte steuerfrei. Liebhaberei liegt vor, wenn der Streamer keine Gewinnerzielungsabsicht hat, sondern aus persönlichen und nicht aus wirtschaftlichen Gründen streamt (Hobby). So darf er zwar im Einzelfall mit dem Streaming Gewinne erzielen, im Großen und Ganzen muss für die Anerkennung als Liebhaberei aber ein Verlust oder höchstens die Deckung der Kosten zu Buche stehen.3 Bei langfristigen Gewinnen wird eine Gewinnerzielungsabsicht vermutet4 und die Donations sind zu versteuern.
Nur wenn der Streamer Arbeitnehmer wäre, könnten solche Trinkgelder grundsätzlich steuerfrei sein. Entscheidend ist, dass ein persönliches Verhältnis zwischen Trinkgeldgeber und Trinkgeldnehmer besteht.5 Dieses ist weder bei den üblichen Donations, noch beim „Cheering“ ein Problem. Bei dieser Form des „Trinkgelds“ kauft der Twitch-User „Bits“ im Wert von etwa 0,01 USD pro Bit von Twitch und kann diese an Streamer vergeben und ihn damit anfeuern. Twitch erhält das Geld für die Bits und verteilt es daraufhin an die Streamer weiter, die von dem User bestimmt werden. In einem ähnlichen Fall hat der BFH auch das Sammeln von Trinkgeld durch den Arbeitgeber für steuerfrei erachtet, solange der User entscheiden kann, wem das Geld zufließt.6
Allerdings erhält laut Twitchs "Developer Agreement"7 sowie den "Terms of Service"8 ein Streamer lediglich die Lizenz, die Programme zu nutzen und zu streamen. Er begibt sich daher nicht in ein Arbeitsverhältnis. Nach den Twitch-Bestimmungen ist ein Streamer also nicht Arbeitnehmer von Twitch, sondern lediglich ein Lizenznehmer.
Damit fällt der Streamer nicht in die Regelungen des § 3 Nr. 51 EStG und die Donations und Cheers sind grundsätzlich nicht steuerfrei. Sie sind vom Streamer in der Steuererklärung zu berücksichtigen.
Beim Verschweigen solcher Einkünfte droht eine Steuernachzahlung und im schlimmsten Fall ein Verfahren wegen Steuerhinterziehung und damit Geldstrafen oder Haft.
Wie bereits erwähnt, ist dies allerdings immer vom Einzelfall abhängig. Eine Prüfung durch einen Rechtsanwalt ist in jedem Fall anzuraten.
1 §§ 2 Abs. 1 S. 1, 4 Abs. 3 EStG.
2 Weber-Grellet in: Schmidt § 2 EStG Rz.18, (EStG Kommentar, 35. Auflage, 2016).
3 BFH Urt. v. 15.12.1976 – I R 58/75 Abs. 13.
4 BFH Urt. v. 16.03.2012 – IV B 155/11 Abs.17.
5 BFH Urt. v. 10.03.2015 - VI R 6/14 Abs.15.
6 BFH Urt. v. 18.06.2015 - VI R 37/14 Abs.16.
7 https://www.twitch.tv/p/legal/developer-agreement/, Nr. 10.1; Abgerufen am: 31.07.2017.
8 https://www.twitch.tv/p/legal/terms-of-service, Nr. 7 & Nr. 8; Abgerufen am: 31.07.2017.
Dieser Beitrag erschien zuerst auf: gameslaw.online
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