Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Gericht=BFH&Datum=30.03.2010&Aktenzeichen=VII%20R%2022/09
Timestamp: 2020-04-02 13:39:10
Document Index: 241022128

Matched Legal Cases: ['§ 191', '§ 3', '§ 11', '§ 15', '§ 880', '§ 191', '§ 3', '§ 880', '§ 857', '§ 191', '§ 3', '§ 15', '§ 880', '§ 857', '§ 857', '§ 191', 'BGH', '§ 3', 'BGH', 'BGH', '§ 11', '§ 880', 'BGH', '§ 11', 'BGH', 'BGH', '§ 3', '§ 15', '§ 3', '§ 4', '§ 11', 'BGH', 'BGH', '§ 52', '§ 91', '§ 44']

BFH, 30.03.2010 - VII R 22/09 - dejure.org
https://dejure.org/2010,494
BFH, 30.03.2010 - VII R 22/09 (https://dejure.org/2010,494)
BFH, Entscheidung vom 30.03.2010 - VII R 22/09 (https://dejure.org/2010,494)
BFH, Entscheidung vom 30. März 2010 - VII R 22/09 (https://dejure.org/2010,494)
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§ 191 AO, § 3 Abs 1 AnfG, § 11 Abs 1 S 1 AnfG, § 15 Abs 2 AnfG, § 880 BGB
AO § 191; AnfG §§ 3, 11, 15; BGB §§ 880, 1030, 1059, 1092; ZPO § 857
Anfechtung wegen Gläubigerbenachteiligung durch Finanzamt (Bestellung von Eigentümerrechten)
Gläubigerbenachteiligung durch Bestellung dinglicher Rechte am eigenen Grundstück
AO § 191; AnfG §§ 3, 11, § 15; BGB §§ 880, 1030, 1059, 1092; ZPO § 857
Bestellung von Dienstbarkeiten am eigenen Grundstück: Anfechtung?
Anfechtbarkeit der Bestellung eines Nießbrauchsrechtes bzw. eines Wohnrechtes (dingliche Rechte) am eigenen Grundstück; Gläubigerbenachteiligung infolge der Bestellung dinglicher Rechte, unabhängig von einer sich daran anschließenden Übertragung des Grundeigentums; ...
ZPO § 857; AO § 191
Anfechtbarkeit der Bestellung von Grundstücksdienstbarkeiten
FA kann die vom Vollstreckungsschuldner am eigenen Grundstück bestellten Dienstbarkeiten anfechten
Anfechtung einer Nießbrauchsbestellung am eigenen Grundstück durch das Finanzamt
Kurznachricht zu "Anmerkung zum Urteil des BFH v. 30.3.2010 - VII R 22/09 (Anfechtbarkeit der Bestellung von Dienstbarkeiten am eigenen Grundstück)" von RA/StB Dr. Jan-Pieter Naujok, original erschienen in: ZfIR 2010, 590 - 595.
Kurznachricht zu "Gläubigeranfechtung gegen den Schuldner selbst?" von RiBGH i.R. Hans-Peter Kirchhof, original erschienen in: ZInsO 2011, 2009 - 2011.
FG München, 17.05.2009 - 4 K 4193/05
BFHE 229, 29
ZIP 2010, 1356
DNotZ 2011, 116
NZI 2010, 917
Rpfleger 2010, 488
BStBl II 2011, 327
Der benachteiligte Gläubiger ist deshalb nicht schutzlos, denn die Bestellung dinglicher Rechte am eigenen Grundstück, welche die Zugriffslage für ihn verschlechtert und in Benachteiligungsabsicht erfolgt, ist nach § 3 Abs. 1 AnfG anfechtbar (BFHE 229, 29, 35 Rn. 25 ff.; offengelassen in BGH, Urteil vom 13. Juli 1995 - IX ZR 81/94, BGHZ 130, 314, 321).
dd) Ein bei vorrangiger Eintragung des Wohnungsrechts bestehendes Anfechtungsrecht des Landes N. hätte im Fall seiner Ausübung dazu geführt, dass die Finanzverwaltung nach § 11 Abs. 1 AnfG von den Berechtigten des Wohnungsrechts als Anfechtungsgegnern hätte verlangen können, der Sicherungshypothek entsprechend § 880 BGB Vorrang gegenüber dem anfechtbar bestellten Wohnungsrecht einzuräumen (vgl. BGH…, Urteil vom 13. Juli 1995 aaO S. 322 ff, 326 f sowie Leitsatz c; BFH, Urteil vom 30. März 2010 - VII R 22/09, juris Rn. 42;… MüKoAnfG/Kirchhof, 1. Aufl., § 11 Rn. 69, 74).
Zunächst stellt die Tatsache, dass die Eheleute P sich in dem Übergabevertrag als Gesamtberechtigte ein Wohnungsrecht an dem Grundstück vorbehalten haben, für sich genommen schon eine Rechtshandlung dar, die die Merkmale einer Gläubigerbenachteiligung nach dem Anfechtungsgesetz erfüllt (vgl. zur Anwendung des Anfechtungsgesetzes in dem Fall, dass der Schuldner ein dingliches Recht am eigenen Grundstück bestellt: BFH-Urteil vom 30.03.2010 VII R 22/09, BStBl II 2011, 327).
Soweit der BGH in seiner Entscheidung vom 14.07.2011 (…BGH a.a.O. Tz. 11) unter Bezugnahme auf eine Entscheidung des BFH (Urt. v. 30.03.2010 - VII R 22/09 = NZI 2010, 917 ff. Tz. 25 ff.) auf die Möglichkeit der Anfechtung wegen vorsätzlicher Gläubigerbenachteiligung gemäß § 3 Abs. 1 AnfG hingewiesen hat, steht dies einer entsprechenden Anwendung des § 15 Abs. 2 AnfG jedenfalls dann nicht entgegen, wenn - wie hier - die Anfechtbarkeit der Eigentumsübertragung nicht aus § 3 Abs. 1 AnfG folgt, sondern aus § 4 Abs. 1 AnfG.
Diese Vermögenslage muss der Vollstreckungsschuldner, der in diesen Fällen gleichzeitig auch der Anfechtungsgegner ist, bei erfolgreicher Anfechtung zu Gunsten des Fiskus nach § 11 Abs. 1 Satz 1 AnfG wieder herstellen (vgl. BFH, Urteil vom 30.03.2010 - VII R 22/09, BStBl II 2011, 327).
Der Gläubiger soll so gestellt werden, als könne er auf das Vermögen des Schuldners noch so zugreifen, wie es ihm ohne die anfechtbare Disposition des Schuldners möglich gewesen wäre (BFH-Urteil vom 30. März 2010 VII R 22/09, BStBl II 2011, 327 m.w.N.).
aa) Die im Überlassungsvertrag festgelegte Bestellung eines dauernden unentgeltlichen Wohnungsrechts zugunsten der Eltern des Klägers (vgl. Überlassungsvertrag Tz. IV Nr. 1) schmälert zwar den Wert des übertragenen Grundstücks, ein Rechtevorbehalt stellt jedoch keine "Gegenleistung" im Sinne einer Entgeltlichkeit dar; Gegenstand der Überlassung ist vielmehr das mit dem Wohnrecht belastete Grundstück (vgl. BGH-Urteil vom 07.04.1989 V ZR 252/87, BGHZ 107, 156; BFH-Urteil vom 30.03.2010 VII R 22/09, BFHE 229, 29, BStBl. II 2011, 327, Rn. 34).
Mit dem Vorrang gegenüber dem Nießbrauch kann das FA entweder erreichen, dass der Nießbrauch mit dem Zuschlag erlischt, § 52 Abs. 1 Satz 2, § 91 Abs. 1 i. V. m. § 44 Abs. 1 Gesetz über die Zwangsversteigerung und die Zwangsverwaltung, oder es kann mit dem Duldungstitel die Anordnung der Zwangsverwaltung beantragen (BFH-Urteil vom 30. März 2010 VII R 22/09, BFHE 229, 29, BStBl II 2011, 327).