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Timestamp: 2018-08-19 17:29:33
Document Index: 19092447

Matched Legal Cases: ['Art. 5', 'Art. 5', 'Art. 15', 'Art. 5', 'Art. 2', 'Art. 5']

EUGH | IPR-Blog
Veröffentlicht am 23. Januar 2015 von Jannik Krone
Der EUGH hat mit seinem Urteil in der Sache „Hejduk“ (C-441/13) seine Rechtsprechungslinie zur internationalen Zuständigkeit bei Rechtsverletzungen im Internet fortgeführt und im Ergebnis die Mosaikbetrachung bestätigt.
Im vorliegenden Fall soll die beklagte (deutsche) Firma ein Foto der (österreichischen) Klägerin (sie ist Urheberin) ohne ihre Zustimmung auf ihrer .de-Homepage veröffentlicht haben. Das vorlegende Gericht fragt nun an:
Ist Art. 5 Nr. 3 EUGVVO dahin auszulegen, dass in einem Rechtsstreit über die Verletzung urheberrechtlicher Leistungsschutzrechte, die dadurch begangen worden sein soll, dass ein Lichtbild auf einer Website abrufbar gehalten wurde, wobei die Website unter der Top-Level-Domain eines anderen Mitgliedstaats als jenes betrieben wird, in welchem der Rechtsinhaber seinen Wohnsitz hat, eine Zuständigkeit nur
Das Gericht fragt also an, ob es eine ausschließliche Zuständigkeit für Urheberrechtsverletzungen am Sitz des Schädigers (hier also in Deutschland) gibt bzw. ob es wenigstens eine Begrenzung auf die Zuständigkeit der Länder gebe, auf die die Website ausgerichtet (also die Länder, die ein Website-Betreiber auch erreichen wollte) sei.
Beide Fragen wären eigentlich mit Blick auf die bisheriger Rechtsprechung auch ohne (Beantwortung der) Vorlage an den EUGH zu beantworten gewesen, aber der EUGH breitet auch für das anfragende Gericht seine bisherige Rechtsprechung zum Thema Rechtsverletzung im Internet noch einmal aus.
Zur ersten Frage, stellt der EUGH überzeugend kurz fest, dass nach seiner Rechtsprechung in Art. 5 Nr. 3 EUGVVO das Ubiquitätsprinzip gilt, man also für sowohl am Ort des (drohenden) Schadenseintritt und an dem Ort des ursächlichen Geschehens klagen kann. Im Falle des Internets bedeutet die Anwendung des Ubiquitätsprinzips nichts anderes, als dass ein Kläger sowohl im „Herkunftsland“, also im Sitzstaat des Seitenbetreibers, als auch in jedem Land in dem ein Schaden eingetreten ist, klagen kann.
Die zweite Frage beantwortet sich eigentlich ebenfalls schon aus der existierenden Rechtsprechung (C‑585/08 und C‑144/09) des EUGH, ein mit dem in Art. 15 Abs. 1 Buchst. C EUGVVO vergleichbares Erfordernis gibt es im Rahmen von Art. 5 Nr. 3 EUGVVO generell nicht. Es kommt somit gerade nicht darauf an, ob der Website-Betreiber auch den österreichischen Markt „erreichen“ wollte. Das das Bild dort Abrufbar war und somit die Rechtsverletzung eingetreten ist, genügt. Eine Klage kann somit vor jedem Mitgliedsstaatlichen Gericht erhoben werden, in dem das schädigende Ereignis eingetreten ist. Im Falle von Urheberrechtsverletzungen auf Websites also in jedem Mitgliedsstaat in dem die Website abrufbar ist. Allerdings, und das ist ebenfalls ständige Rechtsprechung, kann man in den „Abruf“-Mitgliedsstaaten nur den Teil des Schadens einklagen, der auch in diesem eingetreten ist. (Mosaikbetrachtung) In Deutschland also nur die entgangene Lizenzzahlung für Deutschland, in Österreich nur diese für Österreich, usw.
Der EUGH führt dazu zwar nichts weiter aus (weil das vorlegende Gericht das nicht angefragt hat), aber trotzdem hat der Urheber natürlich trotzdem die Möglichkeit den gesamten Schaden vor dem Sitz-Mitgliedsstaat des Website-Betreibers einzuklagen, nämlich am allgemeinem Gerichtsstand des Art. 2 I EUGVVO.
Alles in allem nichts neues.
Art. 5 Nr. 3 der EUGVVO ist dahin auszulegen, dass im Fall der Geltendmachung einer Verletzung von Urheber‑ und verwandten Schutzrechten, die vom Mitgliedstaat des angerufenen Gerichts gewährleistet werden, dieses Gericht in Anknüpfung an den Ort der Verwirklichung des Schadenserfolgs für eine Klage auf Schadensersatz wegen Verletzung dieser Rechte durch die Veröffentlichung von geschützten Lichtbildern auf einer in seinem Bezirk zugänglichen Website zuständig ist. Dieses Gericht ist nur für die Entscheidung über den Schaden zuständig, der im Hoheitsgebiet des Mitgliedstaats verursacht worden ist, zu dem es gehört.
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