Source: https://www.rechtslupe.de/strafrecht/sicherungsverwahrung-und-die-gesamtwuerdigung-des-taeters-und-seiner-taten-3146248
Timestamp: 2019-10-18 19:20:22
Document Index: 347758473

Matched Legal Cases: ['§ 66', '§ 66', '§ 243', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 66', 'BGH']

Siche­rungs­ver­wah­rung – und die Gesamt­wür­di­gung des Täters und sei­ner Taten | Rechtslupe
Sicherungsverwahrung - und die Gesamtwürdigung des Täters und seiner Taten
Gemäß § 66 Abs. 1 Satz 1 Nr. 4 StGB kommt Siche­rungs­ver­wah­rung nur dann in Betracht, wenn die Gesamt­wür­di­gung des Täters und sei­ner Taten ergibt, dass er infol­ge eines Han­ges zu erheb­li­chen Straf­ta­ten, nament­lich zu sol­chen, durch wel­che die Opfer see­lisch oder kör­per­lich schwer geschä­digt wer­den, zum Zeit­punkt der Ver­ur­tei­lung für die All­ge­mein­heit gefähr­lich ist.
Die mate­ri­el­le Anord­nungs­vor­aus­set­zung der Gefähr­lich­keit eines Ange­klag­ten für die All­ge­mein­heit liegt dabei vor, wenn infol­ge eines bei ihm bestehen­den Han­ges ernst­haft zu besor­gen ist, dass er auch in Zukunft Straf­ta­ten bege­hen wird, die eine erheb­li­che Stö­rung des Rechts­frie­dens dar­stel­len 1.
Nach stän­di­ger Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs ist mit Taten des schwe­ren sexu­el­len Miss­brauchs von Kin­dern im Hin­blick auf die für die Tat­op­fer oft­mals gewich­ti­gen psy­chi­schen Aus­wir­kun­gen unab­hän­gig von kör­per­li­cher Gewalt­an­wen­dung typi­scher­wei­se die Gefahr schwer­wie­gen­der psy­chi­scher Schä­den ver­bun­den 2. Das Gericht darf dabei ins­be­son­de­re auch berück­sich­ti­gen, dass es sich bei dem Ange­klag­ten um einen unthe­ra­pier­ten ein­schlä­gig vor­be­straf­ten Sexu­al­straf­tä­ter mit pädo­phi­len Nei­gun­gen han­delt, der in gestei­ger­ter Form rück­fäl­lig wur­de, indem er sich ohne Ein­sicht in sei­ne sexu­el­len Nei­gun­gen nun meh­re­re Kin­der zum Opfer wähl­te und die­se auch außer­halb sei­nes Bekann­ten­krei­ses such­te.
Zwar liegt die Anord­nung von Siche­rungs­ver­wah­rung nach § 66 Abs. 2 StGB im pflicht­ge­mä­ßen Ermes­sen des Tatrich­ters und ist des­halb der Kon­trol­le durch das Revi­si­ons­ge­richt nur ein­ge­schränkt zugäng­lich 3. Jedoch muss der Tatrich­ter die maß­geb­li­chen Grün­de für sei­ne Ermes­sens­ent­schei­dung nach­voll­zieh­bar dar­le­gen, um dem Revi­si­ons­ge­richt die Nach­prü­fung zu ermög­li­chen 4.
Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 10. Janu­ar 2019 – 1 StR 461/​18
Die Ver­stän­di­gung vor der Unter­bre­chung der Haupt­ver­hand­lung Nach § 243 Abs. 4 Satz 1 StPO hat der Vor­sit­zen­de nach Ver­le­sung des Ankla­ge­sat­zes und vor Beleh­rung und Ver­neh­mung des Ange­klag­ten mit­zu­tei­len, ob Erör­te­run­gen…
vgl. BGH, Urteil vom 10.10.2018 – 5 StR 202/​18, Rn. 13 mwN[↩]
vgl. BGH aaO Rn. 14 mwN[↩]
st. Rspr.; vgl. nur BGH, Urteil vom 03.02.2011 – 3 StR 466/​10, NStZ-RR 2011, 172 und Beschluss vom 04.08.2009 – 1 StR 300/​09, BGHR StGB § 66 Abs. 2 Ermes­sens­aus­übung 1[↩]
vgl. BGH, Urteil vom 03.02.2011 – 3 StR 466/​10, NStZ-RR 2011, 172[↩]
GefährlichkeitKindesmissbrauchsexueller MissbrauchSicherungsverwahrung