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Timestamp: 2016-10-21 20:23:53
Document Index: 378849143

Matched Legal Cases: ['BGE', 'BGE', 'Art. 16', 'BGE', 'Art. 28', 'Art. 16', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'Art. 16', 'Art. 15', 'BGE', 'BGE', 'Art. 28']

9C_22/2014 (18.02.2014)
9C_22/2014 � � Urteil vom 18. Februar 2014
- Z�rich Schweiz Leistungen Leben, Postfach, 8085 Z�rich Versicherung.
Die IV-Stelle des Kantons Aargau lehnte mit Verf�gung vom 22. Januar 2013 einen Rentenantrag der P.________ (geb. 1963) ab; es liege keine gesundheitliche Beeintr�chtigung vor, welche die Arbeitsf�higkeit dauerhaft einschr�nken w�rde.
P.________ f�hrt Beschwerde in �ffentlich-rechtlichen Angelegenheiten mit dem Rechtsbegehren, unter teilweiser Aufhebung des angefochtenen Entscheids sei ihr mit Wirkung ab November 2009 eine Dreiviertelsrente zuzusprechen.
Das kantonale Gericht stellte auf eine psychiatrische Administrativexpertise des Dr. W.________ vom 28. August 2011 ab. Danach leide die Beschwerdef�hrerin an einer rezidivierenden depressiven St�rung vor dem Hintergrund akzentuierter Pers�nlichkeitsz�ge. Sie sei deswegen auf eine ruhige, stressarme, nicht monotone T�tigkeit angewiesen; hier betrage die Arbeitsf�higkeit 50 Prozent oder viereinhalb Stunden t�glich (E. 2 und 3 des angefochtenen Entscheids). Da dieses Leistungsverm�gen nach fach�rztlicher Beurteilung (auch) in der angestammten T�tigkeit verwertbar sei, entspreche der Invalidit�tsgrad dem Arbeitsunf�higkeitsgrad. Eine Korrektur des Invalideneinkommens nach BGE 126 V 75 falle nicht in Betracht; eine solche sei nur bei Tabellenl�hnen m�glich. Die Beschwerdef�hrerin habe Anspruch auf eine halbe Invalidenrente (E. 4).
Strittig ist zun�chst, ob die Vorinstanz die Invalidit�t durch sogenannten Prozentvergleich bemessen durfte.
3.1.�Nach der Rechtsprechung ist das Invalideneinkommen so konkret wie m�glich zu ermitteln. Deswegen wird prim�r von der konkreten beruflich-erwerblichen Situation der versicherten Person ausgegangen (BGE 135 V 297 E. 5.2 S. 301). Wenn die zu vergleichenden Erwerbseinkommen (Art. 16 ATSG) ziffernm�ssig nicht genau ermittelbar sind, darf eine Sch�tzung mittels Prozentvergleichs erfolgen (BGE 114 V 310 E. 3a S. 313; Ulrich Meyer, Bundesgesetz �ber die Invalidenversicherung, 2. Aufl. 2010, S. 298). Der Invalidit�tsgrad stimmt alsdann grunds�tzlich mit der prozentualen Einschr�nkung der Arbeitsf�higkeit �berein. Dies ist auch dann der Fall, wenn, wie hier, f�r das Validen- und Invalideneinkommen der gleiche Ansatz gilt, weil eine teilinvalide Person in der angestammten Besch�ftigung bestm�glich eingegliedert ist resp. w�re (so etwa Urteil 8C_32/2013 vom 19. Juni 2013 E. 4 [SVR 2013 IV Nr. 29 S. 85]).
3.2.�Vorliegend ist diese Voraussetzung f�r eine Anwendung des Prozentvergleichs nicht gegeben, wie die Beschwerdef�hrerin zu Recht geltend macht. Wenn der Gutachter auf die Frage nach der Arbeitsf�higkeit "in bisheriger T�tigkeit" eine zumutbare Leistung von 50 Prozent angibt, so bezieht er sich nicht auf eine spezifische Stelle, welche die Beschwerdef�hrerin vor Eintritt des Gesundheitsschadens bekleidet hatte. Vielmehr setzt der Sachverst�ndige in gleicher Weise eine "ruhige, stressarme, nicht monotone T�tigkeit unter den Bedingungen der freien Wirtschaft" voraus wie im folgenden Abschnitt, wo er auf die Arbeitsf�higkeit "in anderen T�tigkeitsbereichen" eingeht (vgl. Gutachten vom 28. August 2011 S. 16 f. und 20). Im �brigen ist nicht ohne Weiteres erstellt, dass die gutachtlich umschriebenen Rahmenbedingungen auf die fr�here T�tigkeit der Beschwerdef�hrerin als Sekret�rin in einer Weinhandlung passen.
Muss somit davon ausgegangen werden, dass der Gutachter nicht diese konkrete Stelle als bestm�glich leidensangepasste Arbeit bezeichnen wollte, er vielmehr auf eine ganze Gattung zumutbarer T�tigkeiten verweist, so ist das Invalideneinkommen auf entsprechend breiter Grundlage festzusetzen; es werden statistische Lohnans�tze beigezogen (unten E. 4.2). F�r das Valideneinkommen (hypothetisches Gehalt ohne Gesundheitsschaden) ist derweil das vor Eintritt der Invalidit�t tats�chlich erzielte Einkommen massgebend (unten E. 4.1). Beruhen die Vergleichseinkommen somit nicht auf dem gleichen Ansatz, greift die ordentliche Methode des Einkommensvergleichs (Art. 28a Abs. 1 IVG und Art. 16 ATSG).
Damit bleibt, den Invalidit�tsgrad nach dieser Methode zu ermitteln. Das Bundesgericht ist frei, die hief�r notwendigen Sachverhaltsfeststellungen selber zu treffen (vgl. oben E. 1).
4.1.�F�r die Bemessung des Valideneinkommens ist entscheidend, was die versicherte Person im Zeitpunkt des Rentenbeginns �berwiegend wahrscheinlich als Gesunde tats�chlich verdienen w�rde. Da die bisherige T�tigkeit im Gesundheitsfall vermutungsweise fortgesetzt worden w�re, ist in der Regel vom letzten Lohn auszugehen, der vor Eintritt der Gesundheitssch�digung erzielt wurde. Dieser Verdienst ist wenn n�tig der Teuerung und der realen Einkommensentwicklung anzupassen (BGE 135 V 58 E. 3.1 S. 59).
Die Beschwerdef�hrerin hat bei ihrer letzten Besch�ftigung vor Eintritt der Gesundheitssch�digung (vgl. das Gutachten des Dr. W.________, S. 10 unten, 17 und 19 f.) bis September 2006 monatlich Fr. 6'565.- verdient (Lohnausweis der V.________ GmbH vom 15. August 2008).
4.2.�Wird das Invalideneinkommen, wie hier (oben E. 3.2), anhand von Tabellenl�hnen aus der Lohnstrukturerhebung des Bundesamts f�r Statistik (LSE) ermittelt, so ist von der Tabellengruppe A (standardisierte Bruttol�hne) auszugehen (BGE 124 V 321). Welche Tabelle einschl�gig ist, bestimmt sich nach den konkreten Umst�nden des Einzelfalls. Dabei kann es sich rechtfertigen, statt auf den Zentralwert des gesamten privaten Sektors, eines bestimmten Wirtschaftszweiges oder eines Teils hiervon (Tabelle A1) auf denjenigen f�r eine bestimmte T�tigkeit (Tabelle A7 [privater und �ffentlicher Sektor]) abzustellen, wenn dies eine genauere Festsetzung des Invalideneinkommens erlaubt (Urteil 9C_795/2012 vom 9. Juli 2013 E. 2.2.2 mit Hinweis).
Mit Blick auf die Ausbildung der Beschwerdef�hrerin (abgeschlossene kaufm�nnische Lehre) ist ein Tabellenlohn nach Anforderungsniveau 3 ("Berufs- und Fachkenntnisse vorausgesetzt") anzurechnen, entgegen der Auffassung der Beschwerdef�hrerin nicht ein solcher nach Anforderungsniveau 4 ("einfache und repetitive T�tigkeiten") : Die erforderliche stressarme Arbeitsumgebung bedingt nicht eine Arbeit auf einfachstem Niveau. In Sekretariats- und Kanzleiarbeiten (Tabelle A7 [2006], Zeile 22, Frauen) betr�gt der entsprechende Ansatz Fr. 5'675.- (bei einer 40 Stunden-Woche), umgerechnet auf die im Jahr 2006 betriebs�bliche Wochenarbeitszeit von 41,7 Stunden (www.bfs.admin.ch/ bfs/portal/de/index/themen/03/02.html) Fr. 5'916.-. Bei einem zumutbaren Pensum von 50 Prozent bel�uft sich das Invalideneinkommen somit auf Fr. 2'958.-.
Dieser Betrag ist nicht unter dem Titel des sog. leidensbedingten Abzugs weiter herabzusetzen (vgl. BGE 129 V 472 E. 4.2.3 S. 481; 126 V 75). Ein solcher kommt unter anderem dann in Frage, wenn sich das �rztlich definierte Anforderungsprofil selbst in leidensangepassten T�tigkeiten einschr�nkend auswirkt. Hier jedoch vermag eine geeignete Stelle den Vorgaben vollumf�nglich zu gen�gen. Es ist davon auszugehen, dass ruhige, stressarme und nicht monotone T�tigkeiten administrativer Art im ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 16 ATSG; Urteil 9C_830/2007 vom 29. Juli 2008 E. 5.1 [SVR 2008 IV Nr. 62 S. 203]) in ausreichender Zahl zu finden sind. F�r die Stellensuche kann die Beschwerdef�hrerin gegebenenfalls Berufsberatung und/oder Arbeitsvermittlung der Invalidenversicherung in Anspruch nehmen (Art. 15 und 18 IVG).
4.3.�Weitere Parameter der Invalidit�tsbemessung sind nicht strittig (vgl. BGE 133 II 249 E. 1.4.1 S. 254; 110 V 48 E. 4a S. 53). Mit Blick auf die gleichlaufende Entwicklung in beiden Vergleichseinkommen kann im �brigen davon abgesehen werden, diese auf den Zeitpunkt des Rentenbeginns 2009 (BGE 129 V 222) zu indexieren (vgl. Urteil U 87/05 vom 13. September 2005 E. 2.2). Auf zeitidentischer Grundlage (2006) ergibt sich aus dem Vergleich von Validen- und Invalideneinkommen ein Invalidit�tsgrad von 55 Prozent.
Somit hat die Vorinstanz im Ergebnis kein Bundesrecht verletzt, als sie erkannte, die Beschwerdef�hrerin habe mit Wirkung ab November 2009 Anspruch auf eine halbe Invalidenrente (Art. 28 Abs. 2 IVG).
Dieses Urteil wird den Parteien, der BVG-Personalvorsorgestiftung der S.________ AG, der Z�rich Schweiz Leistungen Leben, dem Versicherungsgericht des Kantons Aargau und dem Bundesamt f�r Sozialversicherungen schriftlich mitgeteilt.