Source: https://steuerrecht-anwalt.berlin/erstattung-von-reisekosten/
Timestamp: 2020-02-21 06:47:23
Document Index: 313596228

Matched Legal Cases: ['§ 2', '§ 9', '§ 9', '§ 9', '§ 5', '§ 9', '§ 15']

Erstattung von Reisekosten? - Anwaltskanzlei Wudtke Berlin
Sie sind hier: Startseite » Steuerrecht » Erstattung von Reisekosten?
Millionen von Menschen begeben sich täglich zu ihrer normalen Arbeitsstätte oder führen besondere Dienstreisen durch. Diese Wege sind beruflich bedingt und mit Kosten verbunden, an denen sich der Staat zum Glück beteiligt, da ansonsten das zu versteuernde Einkommen höher liegen würde. Dies ergibt sich bei Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern aus § 2 II Nr.2 EStG, denn hier sind Einkünfte definiert als der Überschuss der Einnahmen über die Werbungskosten. Letztere sind gemäß § 9 EStG zunächst alle Aufwendungen zur Erwerbung, Sicherung und Erhaltung von Einnahmen. Werbungskosten sind aber auch Aufwendung zwischen Wohnung und erster Tätigkeitsstätte und Aufwendungen darüber hinaus.
Erstattung von Reisefahrtkosten oder normalen Fahrtkosten?
Gemäß § 9 I 3 Nr.4 EStG sind Werbungskosten auch Aufwendungen des Arbeitnehmers für Wege zwischen Wohnung und erster Tätigkeitsstätte im Sinne des Absatzes 4. Dies betrifft die normalen Fahrtkosten. Zur Abgeltung dieser Aufwendungen ist für jeden Arbeitstag, an dem der Arbeitnehmer die erste Tätigkeitsstätte aufsucht eine Entfernungspauschale für jeden vollen Kilometer der Entfernung zwischen Wohnung und erster Tätigkeitsstätte von 0,30 Euro anzusetzen, höchstens jedoch 4.500 Euro im Kalenderjahr. Der Unterschied zu Reisefahrtkosten besteht darin, dass diese nicht nur einfach absetzbar sind. Ansonsten gilt hier gemäß § 9 I 3 Nr.4a EStG: „Werbungskosten sind auch Aufwendungen des Arbeitnehmers für beruflich veranlasste Fahrten, die nicht Fahrten zwischen Wohnung und erster Tätigkeitsstätte im Sinne des Absatzes 4 sowie keine Familienheimfahrten sind. Anstelle der tatsächlichen Aufwendungen, die dem Arbeitnehmer durch die persönliche Benutzung eines Beförderungsmittels entstehen, können die Fahrtkosten mit den pauschalen Kilometersätzen angesetzt werden, die für das jeweils benutzte Beförderungsmittel (Fahrzeug) als höchste Wegstreckenentschädigung nach dem Bundesreisekostengesetz festgesetzt sind.“ Besteht hiernach gemäß § 5 BRKG ein erhebliches dienstliches Interesse an der Fahrt, so beträgt die Wegstreckenentschädigung 30 Cent je Kilometer zurückgelegter Strecke. Entscheidend ist also, ob eine Fahrt zur ersten Tätigkeitsstätte vorliegt.
Erstattung von Reisekosten oder Entfernungspauschale?
Wann eine erste Tätigkeitsstätte vorliegt, ist legal definiert. Gemäß § 9 IV EStG ist erste Tätigkeitsstätte die ortsfeste betriebliche Einrichtung des Arbeitgebers, eines verbundenen Unternehmens (§ 15 des Aktiengesetzes) oder eines vom Arbeitgeber bestimmten Dritten, der der Arbeitnehmer dauerhaft zugeordnet ist. Somit können nunmehr auch Leiharbeitnehmer im Betrieb des Entleihers eine erste Tätigkeitsstätte begründen. Die Zuordnung im Sinne des Satzes 1 wird z.B. durch die dienst- oder arbeitsrechtlichen Festlegungen bestimmt. Ob daher auch in Ihrem Fall eine erste Tätigkeitsstätte vorliegt, muss durch Prüfung aller Umstände erst ermittelt werden.