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Timestamp: 2016-10-22 07:16:51
Document Index: 167458339

Matched Legal Cases: ['Art. 18', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'Art. 117', 'Art. 117', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'Art. 273', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'Art. 273', 'BGE', 'BGE', 'Art. 18', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE']

98 IV 16834. Urteil des Kassationshofes vom 4. September 1972 i.S. Zinsli gegen Staatsanwaltschaft von Graub�nden.
Art. 18 al. 3, 117 CP. Homicide par n�gligence. 1. N�gligence du directeur d'un camp de ski, ou d'excursions � ski, en haute montagne (consid. 4). 2. Rapport de causalit� ad�quate entre l'acte et le r�sultat (consid. 3). Faits � partir de page 168
BGE 98 IV 168 S. 168
A.- 1. - Walter Zinsli, geb. 1925, ist seit 1947 in der Sektion Bachtel des Schweizerischen Alpenclubs (SAC) Leiter der Jugendorganisation (JO), seit 1958 JO-Chef, der �ber den Leitern steht. 1952 erwarb er das Hochgebirgsabzeichen der Armee. 1954, 1968 und 1969 absolvierte er Leiterkurse mit Spezialausbildung an der Eidgen�ssischen Turn- und Sportschule Magglingen. Im SAC besuchte er 1964, 1966 und 1967 Rettungskurse, 1968 und 1969 Spezialkurse f�r Lawinen und Fels, 1967 einen internationalen Rettungskurs.
2.- Zinsli f�hrte die JO w�hrend zw�lf Jahren unfallfrei. Er organisierte zahlreiche Ski- und Klettertouren sowie Tourenlager mit Mitgliedern der JO, meist jungen Leuten von 16-20 Jahren. Wie es in der Sektion �blich war, w�hlte er sich jeweils selbst geeignete JO-Leiter als ihm unterstellte Hilfsleiter oder selbst�ndige Tourenleiter aus, die er meist von gemeinsamen Touren und Kursen kannte.
Teilweise wurden die Tourenlager als (subventionierte) Wahlfachkurse des milit�rischen Vorunterrichts (VU) f�r die im entsprechenden Alter stehenden J�nglinge unter den Teilnehmern durchgef�hrt. Zinsli reichte der zust�ndigen Milit�rdirektion Z�rich eine entsprechende Anmeldung mit den vorgeschriebenen Unterlagen ein. Dadurch unterstellte er das Lager und dessen Leiter den Ausf�hrungsvorschriften des Eidgen�ssischen Milit�rdepartements �ber den VU.
BGE 98 IV 168 S. 169
3.- Am Karfreitag, den 27. M�rz 1970 begann in Avers-Juf ein Osterskilager der JO Bachtel. VU-Teilnehmer waren zehn Burschen von 18-20 Jahren; dazu kamen als weitere Teilnehmer f�nf M�dchen der JO, worunter die Tochter von Walter Zinsli. Die Gesamtleitung hatte Zinsli. Unter ihm wirkten mit die Leiter Markus Gl�ckler, Hans-Rudolf K�gi, Hans Trafelet und Martin Welter.
Markus Gl�ckler, geb. 1940, absolvierte 1963 einen Tourenleiterkurs, 1967 bis 1969 Zentralkurse f�r Skilauf des SAC, 1965 bis 1969 Sommer- und Lawinenrettungskurse. Er war seit 1968 JO-Leiter und wirkte als solcher 1968 bis 1970 an zehn Touren mit, davon viermal unter Zinsli, mit dem er auch private Touren unternahm.
Hans Trafelet, geb. 1942, wurde 1964 JO-Leiter. 1966 erwarb er das Hochgebirgsabzeichen der Armee, 1965 bis 1969 besuchte er einen Kurs als JO-Leiter und zwei Rettungskurse. Als JO-Leiter wirkte er 1964 bis 1970 an zehn Touren mit; sechsmal unter Walter Zinsli.
Alle vier Leiter waren erfahrene Skil�ufer und Bergg�nger, technisch Zinsli teilweise �berlegen. Der Pr�sident der Sektion Bachtel beurteilte Zinsli und seine Unterleiter charakterlich und technisch sehr gut.
4.- Am 27. M�rz 1970 unternahmen die Kursteilnehmer nach ihrer Ankunft am Standort eine kleine Angew�hnungstour. Am 28. M�rz brachen alle 20 Teilnehmer um 8 Uhr bei scharfer K�lte und beissendem Wind zur Tour auf den Piz Piot auf. Zun�chst marschierten alle gemeinsam von Juf gegen den Talhintergrund. Als die Steigung gegen den Piz Piot begann, �bernahm JO-Leiter Hans-Rudolf K�gi die F�hrung und spurte abwechselnd mit zwei Teilnehmern. Zinslis Tochter Susanne hatte beim Aufstieg M�he, weshalb Zinsli mit ihr bei Punkt 2770 zur�ckblieb, w�hrend alle anderen noch bis Punkt 2822 aufstiegen. Die schw�cheren Teilnehmer, haupts�chlich die M�dchen, blieben auf dieser H�he. JO-Leiter Trafelet stieg mit zwei Teilnehmern gegen die Scharte �stlich von Punkt 2959 und erreichte den Gipfel. Einige andere Teilnehmer waren von Punkt 2822 zu Fuss noch ein St�ck weit �ber den verschneiten Fels gegen den Gipfel des Piot aufgestiegen, kehrten dann aber um. Darauf wurden wieder die Skier angezogen und bis zu Punkt 2822 abgefahren, wo gleichzeitig auch die Gruppe Trafelet eintraf. Die bei Punkt 2822 zur�ckgebliebenen schw�cheren BGE 98 IV 168 S. 170Leute waren bereits abgefahren. Sie trafen bei Punkt 2770 auf Zinsli und dessen Tochter und fuhren gemeinsam mit diesen nach Juf ab. Zinsli traf mit der ersten Gruppe von insgesamt acht Personen etwa um 13.30 Uhr in Juf ein und begab sich in die Unterkunft. Die �brigen zw�lf Teilnehmer folgten gr�ppchenweise und hatten keine Verbindung mehr zur ersten Gruppe. In der Gegend von Bleis entschlossen sich VU-Leiter Gl�ckler und JO-Leiter Trafelet, einen Abstecher gegen das Wengenhorn zu machen. Die VU-Teilnehmer Sauter und Arbenz schlossen sich ihnen an; die �brigen setzten den Weg Richtung Juf fort. Es war zwischen 13 und 13.15 Uhr, als sich diese Leute trennten. Bei der Ankunft in Juf meldete Hans-Rudolf K�gi von sich aus dem Lagerleiter Zinsli, Gl�ckler habe mit drei weiteren Teilnehmern noch einen Abstecher gemacht. Zinsli nahm die Meldung kommentarlos entgegen.
Gl�ckler, Trafelet, Arbenz und Sauter stiegen in einer bestehenden Aufstiegspur auf der linken Talseite in den kahlen, nach Nordost geneigten Hang ein, der zum Mugmol f�hrt, einen dem Wengenhorn vorgelagerten, von diesem aber deutlich getrennten Bergkopf. Da die von der Gruppe ben�tzte Spur auf der H�he von etwa 2400 m nach links weiterf�hrte, bogen die vier Skifahrer nach rechts ab und begannen den Hang zu durchqueren. Sie gingen in einem Abstand von zwei Metern hintereinander, als weiter oben im Hang hinter ihnen der Schnee abzurutschen begann. Schliesslich geriet der ganze Hang in Bewegung. Die vier Burschen wurden in die Tiefe gerissen und unter den Schneemassen begraben.
Eine Unbekannte hatte den Schneerutsch, der etwa um 14.15 Uhr niedergegangen war, beobachtet und in Juf Meldung erstattet. Walter Zinsli erhielt ungef�hr um 14.40 Uhr Nachricht vom Ungl�ck. Nachdem die Rettungskolonne alarmiert war, begaben sich die Teilnehmer des JO-Lagers sofort auf die Unfallstelle und nahmen die Sucharbeiten unverz�glich auf. Jakob Sauter konnte nach kurzer Zeit lebend geborgen werden. Die sp�ter aufgefundenen Arbenz und Trafelet wurden per Helikopter ins Kantonsspital Chur geflogen; die Wiederbelebungsversuche blieben jedoch erfolglos. Gl�ckler wurde als letzter am Abend tot aufgefunden.
5.- a) Zinsli hatte das Lawinenbulletin vom 26. f�r den 27. M�rz abgeh�rt, das wie folgt lautete: BGE 98 IV 168 S. 171
"26. M�rz 1970: Bei zur Zeit noch verh�ltnism�ssig hohen Temperaturen macht die Durchn�ssung der Schneedecke grosse Fortschritte. Bis in H�hen von rund 2200 m, an Steilh�ngen mit starker Einstrahlung sogar bis gegen 2400 m werden weiterhin zahlreiche Nasschneelawinen abgleiten. Aus umfangreichen Einzugsgebieten mit bedeutenden Schneemengen k�nnen nun auch gr�ssere und bis in die Talsohlen vordringende Grundlawinen auftreten. Auf Hochtouren besteht f�r den Skifahrer oberhalb rund 2200 m weiterhin eine m�ssige Schneebrettgefahr, vor allem an H�ngen, die in �stlicher oder n�rdlicher Richtung abfallen. Dagegen sind die Gletscher dieses Jahr im allgemeinen stark zugeschneit, so dass die Spaltengefahr als verh�ltnism�ssig gering beurteilt werden darf."
Dagegen hat er das f�r den 28. M�rz g�ltige Bulletin vom 27. M�rz nicht abgeh�rt. Es lautete:
"27. M�rz 1970: Die eingetretene Abk�hlung mit Schneef�llen bis gegen 1000 m hinunter hat eine wesentliche Umgestaltung der Lawinensituation zur Folge. Die Gefahr des Abgleitens von Nasschneerutschen und Grundlawinen ist stark zur�ckgegangen, und bei einem weiteren Absinken der Temperaturen sind solche Niederg�nge nicht mehr zu erwarten.
Dagegen ist die Lawinengefahr f�r den Skitouristen nicht zur�ckgegangen. Sie besteht in Form einer lokalen Schneebrettgefahr oberhalb rund 2000 m weiter und ist vor allem an n�rdlich und �stlich abfallenden H�ngen zu beachten. Sollten die heute Freitagmorgen noch andauernden Schneef�lle bei starken Nordwestwinden gr�sseres Ausmass annehmen, w�rde sich diese Gefahr rasch erh�hen und auch in tiefer liegenden Zonen auftreten."
Er hat sich auch nicht erkundigt, ob einer der ihm untergebenen Hilfsleiter dieses Lawinenbulletin kannte. Tats�chlich war das nicht der Fall.
Zwischen dem 26. und 27. M�rz hatten neue Schneef�lle und starker Wind die Lawinengefahr in der Tat versch�rft.
b) Zinsli hat sich auch nicht in anderer Weise �ber die allgemeinen oder konkreten Lawinenverh�ltnisse in der Gegend erkundigt, abgesehen von einem beil�ufigen Gespr�ch mit einem Gastwirt, wobei dieser erw�hnt haben soll, an welchen Stellen in den letzten Jahren Lawinen niedergegangen seien.
Zinsli verf�gte �ber einen Skiroutenf�hrer, der f�r vereinzelte Stellen die Lawinengefahr erw�hnt. Die von den Lagerteilnehmern befahrene Route und der Ungl�ckshang wurden in diesem F�hrer nicht n�her er�rtert.
c) Vor der Tour wurde weder eine einl�ssliche Vorbesprechung unter Ber�cksichtigung der Lawinengefahr noch eine BGE 98 IV 168 S. 172Gruppeneinteilung vorgenommen. Zinsli verliess sich auf die ihm als t�chtig bekannten Unterf�hrer und die spontane Zusammenarbeit, die sich schon wiederholt bew�hrt hatte. Tats�chlich �bernahmen seine Unterf�hrer ohne besondere Weisung jeweils die sich bildenden Gruppen und Gr�ppchen von Teilnehmern.
d) Auch f�r die R�ckfahrtsroute traf Zinsli keine Anordnungen, obwohl er als erster mit der schw�chsten Gruppe abfuhr, und zwar wegen aufziehenden Nebels fr�her als vorgesehen. Er verliess sich darauf, dass die Unterleiter die restlichen Teilnehmer wohlbehalten zur�ckf�hren w�rden.
e) Ein vom Leiter des Eidgen�ssischen Instituts f�r Schnee- und Lawinenforschung eingeholtes Gutachten �ussert sich u.a. wie folgt:
"Die Gefahr am NE-Hang des Mugmol muss aufgrund des skizzierten Wetterablaufes und der damit begr�ndeten Schneedeckenentwicklung als f�r den Skifahrer ausgepr�gt beurteilt werden. Es herrschte dort eine heimt�ckische lokale Schneebrettgefahr.
a) F�r den Lagerleiter gab es keine M�glichkeit, die Lawinengefahr am Unfallhang zuverl�ssigzubeurteilen oder sogar zu erkennen. Insbesondere konnten auf der gleichentags ausgef�hrten Tour auf den Piz Piot keine Beobachtungen gewonnen werden, die auf eine solche Gefahr hingewiesen und damit eine ev. Warnung an die einzelnen Tourenleiter erm�glicht h�tten.
b) Auch f�r die Unfallgruppe war die Gefahr aus den obenerw�hnten Gr�nden nicht zu erkennen."
B.- Der Kantonsgerichtsausschuss Graub�nden verurteilte am 18. Februar 1972 Walter Zinsli wegen fahrl�ssiger T�tung (Art. 117 StGB) zu einer Busse von Fr. 500.-- mit bedingter L�schung des Eintrags bei Wohlverhalten w�hrend eines Jahres.
C.- Zinsli f�hrt Nichtigkeitsbeschwerde mit dem Antrag auf R�ckweisung der Sache an das Kantonsgericht zur Freisprechung.
1. Der fahrl�ssigen T�tung macht sich gem�ss Art. 117 StGB schuldig, wer eine f�r den Tod eines Menschen kausale Handlung begeht, von der er bei pflichtgem�sser Aufmerksamkeit h�tte voraussehen k�nnen, dass sie geeignet war, diesen Erfolg herbeizuf�hren. In gleicher Weise macht sich strafbar, wer in Verletzung einer Rechtspflicht eine Handlung unterl�sst und bei pflichtgem�sser Aufmerksamkeit h�tte voraussehen BGE 98 IV 168 S. 173k�nnen, dass die unterlassene Handlung geeignet war, den Tod eines Menschen abzuwenden (BGE 96 IV 174 a, BGE 86 IV 220, BGE 83 IV 13,BGE 79 IV 145; SCHWANDER, Strafgesetzbuch, 2. Aufl. Nr. 156 ff.).
Der Beschwerdef�hrer bestreitet sowohl, dass die ihm vorgeworfenen Unterlassungen rechtserheblich kausal f�r den Tod der drei Skifahrer gewesen seien, wie auch, dass er sich fahrl�ssig verhalten habe.
2. Das angefochtene Urteil bejaht die nat�rliche Kausalit�t. Zinsli h�tte am Ungl�ckstag f�r eine geordnete R�ckfahrt sorgen und Extratouren untersagen k�nnen. Indem er dies unterliess, setzte er eine unerl�ssliche Ursache des t�dlichen Unfalles. Auch der Umstand, dass er nicht das Lawinenbulletin abh�rte und mit den Unterf�hrern gest�tzt darauf die Lawinenlage genau er�rterte, war eine wesentliche nat�rliche Ursache des Unfalls. H�tte Zinsli diese Vorsichtsmassnahmen getroffen, dann w�rden die beiden verunfallten F�hrer auf den Abstecher verzichtet haben.
Diese Feststellungen sind tats�chlicher Natur und k�nnen mit der Nichtigkeitsbeschwerde nicht ger�gt werden (Art. 273 Abs. 1 lit. b BStP). Der Beschwerdef�hrer hat dies mit Recht auch nicht versucht.
3. Ob eine nat�rliche Ursache rechtserheblich sei, ist eine Rechtsfrage. Ad�quate Kausalit�t ist gegeben, wenn eine Ursache nach dem gew�hnlichen Lauf der Dinge geeignet war, einen solchen Erfolg herbeizuf�hren oder zu beg�nstigen (BGE 91 IV 120, 187 mit Verweisungen). Rechtserhebliche Kausalit�t ist zu verneinen, wenn die nat�rliche Verursachung soweit ausserhalb der normalen Lebenserfahrung liegt, dass die Folge nicht zu erwarten war.
a) Als v�llige Verkennung des Begriffs des rechtlich erheblichen Kausalzusammenhangs r�gt die Nichtigkeitsbeschwerde die Ausf�hrungen des Urteils, wonach beim Vorliegen des nat�rlichen Kausalzusammenhangs die Ad�quanz �usserst selten verneint werden k�nne, was auch im vorliegenden Fall zutreffe. Die Beschwerde erblickt darin eine ungepr�fte Vorwegnahme des vom Gericht anscheinend gewollten Ergebnisses.
Der Einwand geht fehl. Ob das Ergebnis einer einl�sslichen Pr�fung im Urteilstext an die Spitze oder an das Ende der entsprechenden Erw�gungen gesetzt wird, hat nur redaktionelle Bedeutung. Entscheidend ist einzig, ob die festgestellten BGE 98 IV 168 S. 174Tatsachen den rechtlichen Schluss erlauben oder ob die hief�r vorgebrachten Erw�gungen rechtsverletzend sind.
Nichts best�tigt die Vermutung des Beschwerdef�hrers, die zitierte Erw�gung nehme das Ergebnis einer noch gar nicht durchgef�hrten Pr�fung vorweg, weil das Gericht gerade dieses Ergebnis anstrebe. Aus dem Zusammenhang ergibt sich im Gegenteil, dass damit lediglich die ausf�hrliche Begr�ndung eingeleitet werden sollte, indem vorweg deren Ergebnis bekanntgegeben wurde.
Ob wirklich behauptet werden kann, einer festgestellten nat�rlichen Kausalit�t entspreche meist auch eine ad�quate Verursachung, erscheint zweifelhaft, kann aber dahingestellt bleiben. Die Aussage ist ohne Wirkung auf die rechtliche Schlussfolgerung im vorliegenden Fall.
b) Das angefochtene Urteil erblickt eine ad�quate Ursache des t�dlichen Unfalls in dem Umstand, dass Zinsli das Lawinenbulletin vom 27. M�rz nicht abh�rte und daher mit seinen Leitern auch nicht besprach. Die Nichtigkeitsbeschwerde macht geltend, das Bulletin vom 27. M�rz habe entgegen der aktenwidrigen Darstellung des Urteils gegen�ber dem Bulletin des Vortages, das von Zinsli abgeh�rt worden war, keine Versch�rfung der Lage gemeldet. Zinsli habe mit seinen Leitern im �brigen zweimal �ber die Schneebrettgefahr gesprochen, er habe Rettungsmaterial mitnehmen lassen und sich auf seine erfahrenen Leiter verlassen d�rfen. Das Lawinenbulletin sei ein zwar gutes generelles Hilfsmittel, erlaube aber keine Schl�sse auf die Gef�hrlichkeit eines bestimmten Hanges. Aus dem Gutachten des Eidg. Schnee- und Lawinenforschungsinstituts ergebe sich, dass am Ungl�ckshang weder Zinsli noch seine Unterf�hrer eine Gefahr h�tten entdecken k�nnen. Der Umstand, dass Zinsli das Bulletin nicht abh�rte, sei daher nicht ad�quat kausal f�r den Unfall gewesen.
Das Argument des Beschwerdef�hrers, das Lawinenbulletin vom 27. M�rz habe gegen�ber demjenigen vom 26. M�rz keine Versch�rfung gebracht, trifft nicht zu. Aus dem zweiten Bulletin ergab sich, dass die Lawinengefahr an n�rdlichen und �stlichen H�ngen fortbestand und bei Schneefall und Nordwestwinden rasch zunehmen konnte. Nach den Feststellungen der Vorinstanz hat es zwischen der Ausgabe des Lawinenbulletins und der Ungl�ckstour weiter geschneit und es waren starke Winde aufgetreten. Die Lawinengefahr konnte gem�ss Bulletin also BGE 98 IV 168 S. 175wesentlich angestiegen sein. Das angefochtene Urteil folgert daraus, Zinsli h�tte bei Kenntnis des neuen Bulletins die Lawinenlage mit seinen Unterf�hrern besprochen und diese h�tten den in besonders gef�hrlicher Lage befindlichen Unfallhang meiden m�ssen. Diese Erw�gung zur ad�quaten Kausalit�t h�lt stand. Der Einwand, Zinsli habe mit seinen Leitern �ber die Schneebrettgefahr gesprochen, hilft nichts. Er widerspricht den Feststellungen der Vorinstanz, die mit staatsrechtlicher Beschwerde erfolglos angefochten wurden. Zudem h�tten einige allgemein gehaltene Betrachtungen �ber die M�glichkeit einer Schneebrettgefahr nicht dieselbe Wirkung haben k�nnen wie eine Lagebesprechung, die sich auf das f�r den betreffenden Tag g�ltige Lawinenbulletin gest�tzt h�tte. Der Umstand, dass Rettungsmaterial mitgenommen wurde (wie das f�r alle Vorunterrichtstouren vorgeschrieben ist) und dass der Beschwerdef�hrer sich auf seine Unterf�hrer glaubte verlassen zu k�nnen, hebt den ad�quaten Kausalzusammenhang nicht auf. Nachdem schon f�r den Vortag gewisse Gefahren gemeldet worden waren, h�tte erst recht Anlass bestanden, den neuesten Bericht abzuh�ren und mit dem Kader zu besprechen. Daran �nderte weder das Rettungsmaterial noch die Qualit�t der Unterf�hrer das geringste. Tats�chlich wussten diese nicht ebensogut, sondern ebensoschlecht �ber die Lawinensituation Bescheid wie Zinsli.
Der Beschwerdef�hrer kritisiert die W�rdigung des Lawinenbulletins im Verh�ltnis zum Gutachten des Instituts f�r Schnee- und Lawinenforschung. Damit macht er nicht mehr eine Verletzung der Rechtsnormen �ber die ad�quate Kausalit�t geltend, sondern er setzt sich mit der Beweisw�rdigung der Vorinstanz auseinander. Nach seiner Auffassung bedeutet das Gutachten, dass auch ein in Kenntnis des Lawinenbulletins handelnder Tourenleiter den Ungl�ckshang traversiert h�tte, weil ihm die Gefahr entgangen w�re. Demgegen�ber erkl�rt die Vorinstanz, das Gutachten basiere auf der Voraussetzung, dass der Tourenleiter das Lawinenbulletin nicht kannte; diesem Bulletin wird daher eine besondere rechtserhebliche Bedeutung zugemessen. Die Anfechtung dieser Beweisw�rdigung mit der Nichtigkeitsbeschwerde ist unzul�ssig (Art. 273 Abs. 1 lit. b BStP).
c) Die Beschwerdeschrift besch�ftigt sich ausf�hrlich mit dem Vorwurf an Zinsli, er habe keinen geordneten R�ckmarsch anbefohlen. Tats�chlich sei auch ohne ausdr�cklichen Befehl BGE 98 IV 168 S. 176eine freiwillige Gruppendisziplin eingehalten worden. Der Abstecher auf den Mugmol sei von zwei erfahrenen Leitern beschlossen und gef�hrt worden.
Auch diese R�ge ist unbehelflich. Zun�chst geht es hier nicht um die Pr�fung eines Vorwurfs (d.h. um das Verschulden des Beschwerdef�hrers), sondern um die rechtserhebliche Verursachung. Hiezu stellt die Vorinstanz ausdr�cklich fest, dass nicht die mangelnde Gruppeneinteilung als solche ins Gewicht f�llt, sondern die allgemein mangelhafte Ordnung und lockere Disziplin. Mangelhaft war der R�ckmarsch nicht in erster Linie deshalb, weil Zinsli keine Gruppeneinteilung vorgeschrieben hatte, haben sich doch die Unterf�hrer spontan der einzelnen Gruppen angenommen. Rechtserheblich kausal f�r den Unfall war indessen der Umstand, dass Zinsli keine genauen Anweisungen f�r den R�ckmarsch und insbesondere �ber die einzuschlagende Route erteilt hatte. Dass bei Unterlassung solcher Anweisungen und bei allgemein laxer Disziplin Abstecher einzelner Teilnehmer oder Teilnehmergruppen zu erwarten waren und dass solche Abstecher von der Hauptgruppe leicht in gef�hrliche Regionen f�hren konnten, �ber die man sich vorher gar nicht besprochen hatte, entspricht allgemeiner Lebenserfahrung. Die Wahrscheinlichkeit solcher unkontrollierter Abstecher war umso gr�sser, als Zinsli mit der Hauptgruppe bereits zu Tal gefahren war.
d) Mit Recht hat sich die Vorinstanz nicht darauf beschr�nkt, jedes einzelne Element zu w�rdigen, dessen ad�quate Kausalit�t von ihr bejaht und von der Verteidigung bestritten wird. Sie hat zutreffend den Gesamtverlauf der Dinge �berblickt und ist zum Schluss gekommen, dass die kumulierten Unterlassungen Zinslis rechtserhebliche Ursachen des Unfalls waren. Die allgemein wenig straffe Kursf�hrung, die Unterlassung einer genauen auf das neueste Lawinenbulletin gest�tzten Lagebesprechung, der Verzicht auf bestimmte Weisungen f�r die R�ckfahrt, insbesondere auf ein Verbot nicht vorbesprochener Abstecher, und schliesslich die R�ckfahrt Zinslis mit der ersten Gruppe, unbek�mmert um die andern Teilnehmer, waren durchaus geeignet, zu Einzel- oder Gruppenfahrten abseits der Hauptroute Anlass zu geben und die Teilnehmer in eine schwere Gefahrensituation zu f�hren. Mit Recht stellt die Vorinstanz fest, dass auch das Fehlverhalten der Hilfsleiter im Ungl�ckshang nicht ausserhalb normaler Lebenserfahrung liegt.
BGE 98 IV 168 S. 177
Die ad�quate Kausalit�t der Unterlassungen f�r den Tod der drei Skifahrer ist ohne Verletzung von Bundesrecht durch die Vorinstanz bejaht worden.
4. Die Nichtigkeitsbeschwerde macht geltend, das angefochtene Urteil verletze Art. 18 Abs. 3 StGB. Es stellt sich somit die Rechtsfrage, ob Zinsli der Vorwurf gemacht werden kann, sich pflichtwidrig unvorsichtig verhalten zu haben, indem er die Massnahmen unterliess, die an sich geeignet gewesen w�ren, den Unfall zu verhindern. Sein Verhalten war pflichtwidrig, wenn er die Vorsicht nicht beachtete, zu der er nach den Umst�nden und nach seinen pers�nlichen Verh�ltnissen verpflichtet war.
Die Voraussehbarkeit der Folgen eigenen Verhaltens h�ngt ausser von den Umst�nden des Einzelfalles auch von den pers�nlichen Verh�ltnissen des T�ters ab. Die geistigen Anlagen, die besonderen Kenntnisse und Erfahrungen auf dem fraglichen Sachgebiet k�nnen einen T�ter bef�higen, die M�glichkeit einer Gefahr und deren Verwirklichung auch unter Umst�nden zu erkennen, die nach gew�hnlicher Lebenserfahrung noch nicht als gef�hrlich erscheinen w�rden. Dementsprechend �bersteigt die Vorsichtspflicht eines solchen T�ters diejenige eines andern, dem �hnliche F�higkeiten und Fachkenntnisse abgehen (BGE 97 IV 172 mit zahlreichen Verweisungen).
a) Zinsli verf�gt �ber aussergew�hnliche, in vielen Kursen und Lagern erworbene und erprobte Berg- und Skierfahrung. Er hat auch einen besonderen Lawinenrettungskurs absolviert. Dieser besondern Qualifikation entspricht eine gegen�ber einem gew�hnlichen Skitouristen wesentlich gesteigerte Sorgfaltspflicht.
Anklage und Vorinstanz heben mit Recht die besondere Vertrauensstellung des Beschwerdef�hrers im allgemeinen und beim konkreten Skitourenlager hervor. Zinsli war langj�hriger Chef der JO seiner SAC-Sektion. Er war die oberste Autorit�t f�r alle Fragen der Durchf�hrung von Berg- und Skitourenlagen. Dank seiner langj�hrigen umfassenden Kenntnisse, dank der auch in der Armee bew�hrten bergsteigerischen F�higkeiten, vertrauten ihm Eltern und Klubkameraden die minderj�hrigen Kinder an, die Mitglieder der JO waren. Er war auch der verantwortliche Chef der ihm unterstellten JO-Leiter, und zwar auch derjenigen, die ihm an technischem und skifahrerischem K�nnen nicht nachstanden. Diese Umst�nde, unter denen er BGE 98 IV 168 S. 178die Tour organisierte und f�hrte, verpflichteten ihn zu allen denkbaren Vorsichtsmassnahmen. Seine Sorgfaltspflicht �berstieg bei weitem das, was von einem Skifahrer gefordert werden kann, der lediglich einen Klubkameraden oder Familienangeh�rige f�hrt. Er musste alles tun, um allf�llige Gefahren zu erkennen oder nicht erkennbare Gefahren m�glichst zu vermeiden.
Da das fragliche Lager wie schon in fr�heren F�llen zugleich als Wahlfach des milit�rischen VU durchgef�hrt wurde, hatte Zinsli auch die folgenden, f�r solche Kurse geltenden Sicherheitsvorschriften (Ausf�hrungsvorschriften des EMD �ber den turnerisch-sportlichen Vorunterricht vom 18.9.1959, Anhang 3) einzuhalten:
"Es sind leichte Routen zu w�hlen, die m�glichst frei von objektiven Gefahren sind...".
"Jede Teilstrecke einer Tour ist vor der Begehung auf Schwierigkeit, Zeitaufwand, subjektive und objektive Gefahren zu beurteilen...".
"Bei Lawinengefahr d�rfen keine Touren abseits gesicherter Routen durchgef�hrt werden, Lawinenh�nge sind wenn irgend m�glich zu umgehen.".
"S�mtliche Sicherheits- und Rettungsmassnahmen m�ssen mit dem Ausbildungskader gr�ndlich vorbesprochen und vorbereitet werden."
Schon hieraus ergibt sich zwingend, dass Zinsli individuelle Abstecher h�tte untersagen m�ssen, auch wenn sie von gut ausgewiesenen Hilfsleitern gef�hrt wurden, denn er war daf�r verantworlich, dass s�mtliche Teilstrecken einer Tour auf subjektive und objektive Gefahren beurteilt worden waren. Dazu war er naturgem�ss nicht in der Lage, wenn vorher nicht besprochene Sonderfahrten unternommen wurden.
b) Selbst wenn man von dieser besondern Verantwortlichkeit des Beschwerdef�hrers als JO-Chef und VU-F�hrer absieht, traf ihn jedenfalls die einem jeden Tourenf�hrer obliegende Sorgfaltspflicht, stand doch die ganze Tour unter seiner Oberaufsicht. Rechtsprechung und Literatur betonen �bereinstimmend die hohen Anspr�che, welche an die Sorgfaltspflicht von Kurs- und Tourenleitern, Ski- und Bergf�hrern, Reitlehrern und andern Autorit�tspersonen gestellt werden, denen weniger erfahrene, insbesondere jugendliche Personen anvertraut sind (BGE 83 IV 15, BGE 91 IV 127, 183, auch BGE 97 IV 171, BGE 98 IV 7; KLEPPE, Die Haftung bei Skiunf�llen in den Alpenl�ndern, BGE 98 IV 168 S. 179S. 121, 129; PICHLER, Pisten, Paragraphen, Skiunf�lle, S. 148, 153, 162 f.). Zinsli hat auch nicht etwa auf dem R�ckweg einen Teil der Leitung und Verantwortung ausdr�cklich an einen qualifizierten Hilfsleiter delegiert. Das h�tte beispielsweise geschehen k�nnen, wenn er im aufziehenden Nebel eine Gefahr f�r die schw�cheren Fahrer gesehen und deshalb mit ihnen sofort die R�ckfahrt angetreten h�tte, ohne eine Verz�gerung bis zur Ankunft der �brigen Teilnehmer in Kauf zu nehmen. H�tte er in einer solchen Notlage gleichzeitig einem oder mehreren seiner Hilfsleiter genaue Anweisungen f�r die R�ckf�hrung der �brigen Teilnehmer gegeben, so w�re sein Verschulden m�glicherweise anders zu beurteilen. Obwohl der Beschwerdef�hrer die M�glichkeit zu solchen Weisungen gehabt h�tte, liess er einen Hilfsf�hrer zur�ck, ohne ihn zu instruieren. Unter diesen Umst�nden trifft ihn die volle Verantwortung auch f�r die R�ckfahrt derjenigen Teilnehmer, die erst nach seiner Abfahrt eintrafen und �ber die er daher keine pers�nliche Kontrolle mehr aus�ben konnte.
c) Der Beschwerdef�hrer hat nichts vorgebracht, was die Annahme entkr�ften k�nnte, es habe ihn nach seinen pers�nlichen Verh�ltnissen und den Umst�nden des Tourenlagers eine erh�hte Sorgfaltspflicht getroffen. Hingegen macht er geltend, er habe alles ihm Zumutbare vorgekehrt und seine Sorgfaltspflicht damit erf�llt.
Richtig ist, dass Zinsli das Tourenlager organisatorisch umsichtig geplant hat. Es wird ihm denn auch nicht etwa vorgeworfen, allgemein leichtfertig gehandelt zu haben. Dass er, wie die Beschwerde betont, gut ausgewiesene Leiter als Hilfsf�hrer beigezogen hat, dass er am 26. M�rz das Lawinenbulletin abh�rte, dass er in richtigem Entschluss auf die Besteigung der Forcellina verzichtete und die Tour auf den Piz Piot f�hrte, ist unbestritten. Es war auch richtig, den ihm unterstellten Leitern eine gewisse eigene Initiative einzur�umen. Dagegen fragt sich, ob der Beschwerdef�hrer damit wirklich alle Vorsichtsmassnahmen ergriffen hat, die ihm zuzumuten waren. Insbesondere ist zu pr�fen, ob die als ad�quate Ursachen des Unfalls erkannten Unterlassungen (oben Ziff. 3) auf pflichtwidrige Unvorsichtigkeit des Beschwerdef�hrers zur�ckzuf�hren sind.
d) Zinsli war verpflichtet, vor Antritt der Tour die Lawinensituation mit aller Sorgfalt zu �berpr�fen. Wie er selbst wiederholt BGE 98 IV 168 S. 180geltend macht und aus vertiefter Kenntnis der Verumst�ndungen weiss, f�llt es auch dem erfahrenen Tourenleiter schwer, die Lawinengefahr an Ort und Stelle zu erkennen. Wer von einer Lawine mitgerissen wird, ist auch dann sehr stark gef�hrdet, wenn er gut trainiert und ausgebildet ist und rasch Hilfe von aussen erh�lt. Die Gefahr t�dlicher Unf�lle ist erheblich gr�sser als diejenige schwerer Folgen von Knochenbr�chen und Zerrungen, wie sie bei Skifahrten immer wieder vorkommen k�nnen.
Nach dem Gutachten war die Lawinengefahr im konkreten Gebiet �rtlich kaum erkennbar, jedenfalls weder f�r den Beschwerdef�hrer noch f�r seine Leiter. Zinsli selbst beruft sich immer wieder auf diese Schlussfolgerungen.
Gerade weil aber eine sichere Beurteilung der Lawinengefahr im Gel�nde oft �usserst schwierig ist, kommt dem Lawinenbulletin eine entscheidende Bedeutung zu. Die Verteidigung betont in der Beschwerdeschrift selbst, dass das Eidg. Schnee- und Lawinenforschungsinstitut Weissfluhjoch-Davos zur internationalen Spitze der Fachleute auf diesem Gebiet geh�rt. Die vom Institut ausgehenden Lawinenbulletins geniessen den Ruf grosser Zuverl�ssigkeit. Dementsprechend verlangen Literatur und Praxis schon vom privaten Ski- und Tourenleiter, dass er vor Beginn einer Tour sich Kenntnis vom neuesten Lawinenbulletin verschaffe (BGE 91 IV 123; PICHLER, Pisten, Paragraphen, Skiunf�lle, S. 149; WASTL MARINER, Schach dem Lawinentod, in "Sicherung vor Berggefahren", S. 136; KLEPPE, Die Rechtspflicht der Skilehrer, der Skif�hrer und der Skischulen, SJZ 1968 S. 329 ff.; MEN ZINSLER, Die polizeilichen Erhebungen bei alpinen Unf�llen, Kriminalistik 1970 S. 99). Zinsli hat die Tour angetreten, ohne das f�r den Tag geltende Bulletin abzuh�ren und mit seinen Leitern zu besprechen. Diese Unterlassung ist um so unverst�ndlicher, als das von ihm beigezogene Bulletin des Vortages bereits Schneebrettgefahr f�r Ost- und Nordh�nge gemeldet und sich die Lage seither durch neue Schneef�lle und starken Wind jedenfalls nicht gebessert hatte. Zinsli h�tte also allen Anlass gehabt, das neue Bulletin abzuh�ren, was ihm ohne jeden Aufwand telefonisch m�glich gewesen w�re. Die Unterlassung war sogar unter dem Gesichtspunkt der von Zinsli selbst mit seinen Unterf�hrern und den Jugendlichen unternommenen Tour ein schwerer Fehler, der sich dann aber insbesondere im Zusammenwirken BGE 98 IV 168 S. 181mit den weiteren Unterlassungen des Beschwerdef�hrers verh�ngnisvoll ausgewirkt hat.
e) Den Beschwerdef�hrer trifft der Vorwurf, bei der Vorbereitung des Tourenlagers und insbesondere der Tour vom 28. M�rz ungen�gend auf m�gliche Lawinengefahren R�cksicht genommen zu haben.
Ob schon die Vorbereitung des Lagers ungen�gend war wie die Staatsanwaltschaft in der Beschwerdeantwort geltend macht, kann dahingestellt bleiben. Man kann sich auf den Standpunkt stellen, eine zuverl�ssige Abkl�rung der allgemeinen Lawinenlage f�r das fragliche Gebiet sei ohnehin erst im Ausgangslager m�glich, so dass vorher keine besonderen Anstrengungen in dieser Richtung unternommen werden m�ssten. Sp�testens nach der Ankunft in Juf, und zwar vor Antritt der "Aufw�rmtour" zum Stallenberg, wohin Zinsli die Kursteilnehmer nicht begleitete, h�tte er aber die Lage sorgf�ltig �berpr�fen m�ssen. Dazu gen�gte es nicht, sich auf die offensichtlich ganz summarischen Angaben im Skitourenf�hrer und die beschr�nkten pers�nlichen Erfahrungen des JO-Leiters Welter zu verlassen. Auch ein allgemeines Gespr�ch mit dem Gastwirt Luzzi �ber Lawinenniederg�nge der letzten Jahre konnte keine einwandfreie Information bringen.
Am 28. M�rz hat Zinsli nicht nur auf das Abh�ren des Lawinenbulletins verzichtet, sondern auch sonst keine weiteren Abkl�rungen �ber die Lawinengefahr herbeigef�hrt. Auf die Besteigung der Forcellina verzichtete er vor allem wegen des strengen Aufstiegs. Dass sein Unterf�hrer Welter zuf�lligerweise den Forcellinahang als schneebrettgef�hrlich kannte und darauf aufmerksam machte, ist nicht auf die Erf�llung einer Sorgfaltspflicht durch Zinsli zur�ckzuf�hren. Diese Mitteilung musste Zinsli immerhin klar machen, dass gewisse H�nge in der betreffenden Gegend lawinengef�hrlich waren, selbst dort, wo normalerweise Skitouren unternommen wurden. Das h�tte ihn veranlassen m�ssen, alles vorzukehren, damit keine Abstecher abseits der als sicher erachteten Piot-Tour unternommen w�rden. In dieser Hinsicht hat er seine Vorsichtspflicht offensichtlich verletzt.
In erster Linie ist zu beanstanden, dass Zinsli seinen Leitern und den �brigen Teilnehmern keine Anweisungen �ber die einzuschlagende Route und die Gruppenbildung erteilte. Gewiss war es richtig, den Unterf�hrern die M�glichkeit zu eigenen BGE 98 IV 168 S. 182Entschl�ssen und zur Bew�hrung ihrer F�hrungsqualit�ten zu geben. Der Beschwerdef�hrer durfte sich auch auf die ihm bekannten guten Kenntnisse seines Kaders verlassen. Beides fand aber seine Grenzen dort, wo Unfallgefahren auftauchen konnten, und wo Zinsli selbst die Oberaufsicht nicht mehr auszu�ben vermochte. Da er nicht genau �ber die konkrete Lawinengefahr Bescheid wusste, aber schon aufgrund der Angaben Welters mit solchen Gefahren abseits der Hauptroute rechnete, musste er verhindern, dass diese Route verlassen w�rde. Er konnte dies wie beim Aufstieg in der Weise tun, dass er in Ruf- und Sichtweite der verschiedenen Gruppen blieb, um sofort einzugreifen, wenn jemand von der Route abwich. Wollte er den einzelnen Gruppen eine gr�ssere Bewegungsfreiheit und �rtliche Selbst�ndigkeit einr�umen, so musste er dar�ber hinaus die Teilnehmer, besonders aber sein Kader, genau instruieren.
Schlechterdings unverst�ndlich ist, dass Zinsli mit der schw�chsten Gruppe bei Wetterverschlechterung vorzeitig zu Tal fuhr, ohne den �brigen Teilnehmern und Leitern Weisungen f�r die R�ckfahrt zu hinterlassen oder sich auch nur �ber ihre Absichten zu unterrichten. Damit gab er die F�hrung und Kontrolle v�llig aus der Hand, und zwar unter Verh�ltnissen, die ihm einerseits selbst nicht als harmlos erschienen (�nderung der urspr�nglich vorgesehenen Tour, vorzeitige Talfahrt wegen Nebels) und �ber die anderseits weder er selbst noch seine Unterf�hrer sich gen�gend Klarheit verschafft hatten. In dieser Lage w�re er ohne jeden Zweifel verpflichtet gewesen, dar�ber zu wachen, dass alle Teilnehmer und Unterf�hrer innert n�tzlicher Frist auf der als ungef�hrlich erkundeten Route zur�ckfahren w�rden. Nachdem er schon beim Aufstieg hatte beobachten k�nnen, dass seine Unterf�hrer mit einzelnen Gruppen nach Gutd�nken auf verschiedenen Routen teils zu Fuss, teils zu Ski verschieden weit zum Gipfel aufstiegen, h�tte er erst recht mit der M�glichkeit rechnen m�ssen, dass sich auch auf der Abfahrt Sonderz�glein bilden w�rden. Er hatte keine M�glichkeit mehr, diese Abstecher zu �berwachen. Es bestand durchaus die M�glichkeit, dass sich nicht nur eine, sondern wie beim Aufstieg mehrere Gruppen von der Hauptroute entfernten, wobei aber nur ein Mann mit Lawinenrettungsmaterial ausger�stet war und keine Gew�hr bestand, dass die Gruppen unter sich in Sichtverbindung blieben.
BGE 98 IV 168 S. 183
f) Die Beschwerde vermag diese Vorw�rfe nicht zu entkr�ften. Der Einwand, die allgemeine Situation sei gen�gend abgekl�rt worden bzw. die Gefahr habe ohnehin nicht erkannt werden k�nnen, wurde bereits widerlegt.
Aber auch die Behauptung, Zinsli habe sich auf seine Unterf�hrer verlassen d�rfen und keinen Anlass zu weitergehenden Anordnungen gehabt, h�lt nicht stand. Gewiss verf�gten die JO-Leiter �ber erhebliches bergsteigerisches und skifahrerisches K�nnen und hatten sich auch bei fr�heren Touren bew�hrt. Trotz der zwischen Zinsli und seinem Kader bestehenden Kameradschaft konnte ihm nicht entgehen, dass er selber �lter, reifer und bed�chtiger war als sie und dass sie sich auf seine F�hrung verliessen, was sich zwangsl�ufig auch dort auswirken musste, wo er selbst ein schlechtes Beispiel gab (BGE 91 IV 185). Indem er den Leitern beim Aufstieg weitgehende Freiheit liess und sich auf der R�ckfahrt mit seiner Gruppe vorweg von den �brigen Teilnehmern entfernte, musste er bei den Unterf�hrern den Eindruck erwecken, er sehe die Situation als so ungef�hrlich an, dass er ihnen freie Hand bei der Wahl der Abfahrtsroute lasse.
Die Beschwerde beanstandet, dass die Vorinstanz die individuelle Ausgestaltung des Aufstiegs als zul�ssig erkl�rt, den Leitern f�r die R�ckfahrt aber nicht dieselbe Entscheidungsbefugnis zubilligen will, obwohl der Mugmol und der Piot gleiche Verh�ltnisse aufgewiesen h�tten. Wie bereits dargetan, bestand der entscheidende Unterschied darin, dass Zinsli beim Aufstieg die Gruppe stets vor Augen hatte und jederzeit eingreifen konnte, w�hrend er bei der R�ckfahrt F�hrung und Kontrolle g�nzlich aus der Hand gab, obwohl sich die Sichtverh�ltnisse verschlechterten. Er hat �brigens bei der Einvernahme durch den ortskundigen Untersuchungsrichter zugeben m�ssen, dass die Abrutschgefahr auf dem glatten Hang des Mugmol gr�sser war als beim Piot, wo zerkl�fteter Fels die Schneedecke festhielt. Im �brigen kannte der Beschwerdef�hrer weder den einen noch den andern Hang. Selbst wenn er gewusst h�tte, dass die Unterf�hrer einen Abstecher zum Mugmol unternehmen w�rden, h�tte er also nicht damit rechnen d�rfen, dass dieser gefahrlos verlaufen werde.
Schliesslich hilft es Zinsli auch nicht, dass in seinem Fall gewisse gravierende Umst�nde fehlen, die zur Verurteilung im BGE 98 IV 168 S. 184Falle Bogner (BGE 91 IV 118) gef�hrt haben. Gewiss erscheint das Verschulden des Beschwerdef�hrers an sich geringer als dasjenige von Bogner, der drei eindeutige Warnungen missachtet hat. Anderseits f�hrte Bogner eine aus erwachsenen Skifahrern der Weltklasse zusammengesetzte Gruppe, w�hrend Zinsli die Verantwortung f�r zehn minderj�hrige Burschen und f�nf M�dchen zu tragen hatte, die ihm von Eltern und Beh�rden im Rahmen eines JO- und VU-Lagers anvertraut waren. Auch f�r die Unterf�hrer trug er als Chef und Klubkamerad eine besondere Verantwortung. Seiner daraus erwachsenen besondern Sorgfaltspflicht hat der Beschwerdef�hrer nicht gen�gt.
96 IV 174,
83 IV 13,
91 IV 120 suite... ,
97 IV 172,
83 IV 15,
91 IV 127,
97 IV 171,
98 IV 7,
91 IV 123,
91 IV 185,
91 IV 118