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Timestamp: 2018-01-17 08:54:13
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Matched Legal Cases: ['§ 3', '§ 4', '§ 6', '§ 9', '§ 6', '§ 7', '§ 8', '§ 7', '§ 7', '§ 8', '§ 7', '§ 9', '§ 10', '§ 14', '§ 14', '§ 10']

DGUV-Information 209-016: Schadstoffe beim Schweißen und bei verwandten Verfahren, 1 Allgemeines über Schadstoffe
1 Allgemeines über Schadstoffe
Schadstoffe in der Schweißtechnik sind die beim Schweißen und bei verwandten Verfahren entstehenden atembaren Stoffe, die durch den menschlichen Körper aufgenommen werden (Bild 1-1). In unzuträglicher Konzentration können diese Stoffe zu einer Gesundheitsgefährdung führen.
Diese Stoffe weisen mindestens eine der in § 3a Abs. 1 des Chemikaliengesetzes unter den Nummern 6 bis 14 genannten Eigenschaften auf. Sie zählen somit zu den Gefahrstoffen im Sinne der Gefahrstoffverordnung (GefStoffV).
Siehe auch TRGS „Schweißtechnische Arbeiten" (TRGS 528).
Bild 1-1: Aufnahme der Schadstoffe in den menschlichen Körper durch Einatmen
Die Schadstoffe, die bei der Anwendung schweißtechnischer Verfahren entstehen, lassen sich nach Vorkommen und Wirkungsweise einteilen (Bild 1-2 und Bild 1-5).
Bei schweißtechnischen Verfahren entstehen Schadstoffe als Gase und/oder als Partikel (Bild 1-5). Die partikelförmigen Stoffe sind eine disperse Verteilung kleinster fester Teilchen in der Luft. Bei allen in der Luft vorhandenen Partikeln werden je nach Partikelgröße folgende Anteile unterschieden (nach DIN EN 481):
Die beim Schweißen entstehenden partikelförmigen Stoffe sind sehr fein. Sie besitzen in der Regel einen Durchmesser kleiner als 1 µm (vorwiegend kleiner als 0,1 µm), sind daher alveolengängig und werden als "Schweißrauche" bezeichnet. Partikel, die im Größenbereich < 0,1 µm liegen, werden als ultrafeine Partikel bezeichnet.
Neben Primärpartikeln (Einzelpartikeln) bilden sich durch Ausflocken auch Ketten und Agglomerate (Bilder 1-4 a und b).
Form einzelner Partikel Größe von
mit umhüllten Stabelektroden (LBH) Cr-Ni-Stahl kugelförmig bis 50 nm mehrere mm bis 500 nm
bis 400 nm mehrere mm
Legierungen kugelförmig 10 bis 50 nm k.A. k.A.
bis 400 nm k.A.
mm = Mikrometer (1 mm 10-3 mm 10-6 m)
Bild 1-4 a:
Partikel der beim Metall-
unter Kohlendioxid
entstehenden Rauche [1]
Bild 1-4 b:
von Aluminiumlegierungen
entstehenden Rauche [3]
Bilder 1-4 a und b: Elektronenmikroskopaufnahmen von Schweißrauchen
Toxische (giftige) Stoffe - erzeugen im menschlichen Körper eine Giftwirkung, wenn eine bestimmte Dosis (= Menge pro Gewichtseinheit des Körpers) überschritten wird. Es gibt hier eine Dosis-Wirkung-Beziehung. Schwache Vergiftungen führen zu leichten Gesundheitsstörungen; hohe Konzentrationen dieser Stoffe in der Atemluft können zu lebensgefährlichen Vergiftungen oder zum Tod führen.
Die krebserzeugenden Stoffe sind in der TRGS 905 und nach „Berichtigung der Verordnung (EG) Nr. 1272/2008 des Europäischen Parlaments und des Rates über die Einstufung, Kennzeichnung und Verpackung von Stoffen und Gemischen“ aufgeführt und in Kategorie 1, 2 oder 3 nach GefStoffV eingestuft. Nach der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) sind die krebserzeugenden Stoffe wie folgt eingestuft:
A) Stoffe, bei denen die Voraussetzungen erfüllt wären, sie der Kategorie 4 oder 5 zuzuordnen. Für die Stoffe liegen jedoch keine hinreichenden Informationen vor, um einen MAK- oder BAT-Wert abzuleiten.
B) Aus In-vitro- oder aus Tierversuchen liegen Anhaltspunkte für eine krebserzeugende Wirkung vor, die jedoch zur Einordnung in eine andere Kategorie nicht ausreichen. Sofern durch weitere Untersuchungen festgestellt wird, dass der Stoff oder seine Metaboliten keine gentoxischen Wirkungen aufweisen, kann ein MAK- oder BAT-Wert festgelegt werden [4].
Stoffe mit krebserzeugender Wirkung, bei denen ein nicht-gentoxischer Wirkungsmechanismus im Vordergrund steht und gentoxische Effekte bei Einhaltung des MAK- oder BAT-Wertes keine oder nur eine untergeordnete Rolle spielen. Unter diesen Bedingungen ist kein nennenswerter Beitrag zum Krebsrisiko für den Menschen zu erwarten [4].
Stoffe mit krebserzeugender und gentoxischer Wirkung, bei denen unter Einhaltung des MAK- und BAT-Wertes kein nennenswerter Beitrag zum Krebsrisiko für den Menschen zu erwarten ist [4].
einatembar ï alveolengängig Lungen-belastend Toxisch Krebs- erzeugend
Stickstoffdioxid X X1)
Formaldehyd X1)
Titandioxid X X1)
1) Verdacht auf krebserzeugende Wirkung
Stickstoffoxide (NOx = NO, NO2) bilden sich durch Oxidation des Luftstickstoffes (aus dem Sauerstoff [O2] und dem Stickstoff [N2] der Luft) am Rand der Flamme oder des Lichtbogens. Bei Temperaturen über 1000 °C entsteht Stickstoffmonoxid. Das Stickstoffmonoxid oxidiert in der Luft bei Raumtemperatur zu Stickstoffdioxid.
Phosgen (COCl2) bildet sich neben Chlorwasserstoff (HCI) beim Erhitzen oder durch UV-Bestrahlung von Entfettungsmitteln, die Chlorkohlenwasserstoffe enthalten.
Gase aus Beschichtungsstoffen entstehen beim Überschweißen von Werkstücken, die mit Shopprimern (Oberflächenbeschichtungen gegen Korrosion) oder mit anderen Beschichtungen (Farben, Lacke) versehen sind. Je nach der chemischen Zusammensetzung dieser Beschichtungen bilden sich neben Metalloxiden, die partikelförmig sind, auch Gase, z. B. Kohlenmonoxid (CO), Formaldehyd (HCHO), Toluylendiisocyanat, Blausäure (HCN), Chlorwasserstoff (HCI).
Chrom(III)-Verbindungen (Cr2O3, FeCr2O4, KCrF4). Dreiwertige Chromverbindungen entstehen in geringen Konzentrationen beim Lichtbogenhandschweißen mit hochlegierten umhüllten Stabelektroden. In Form von Spinellen/Mischoxiden, wie (FeMnNi), (FeMnCr)2O4 sowie Cr2O3, entstehen diese in höheren Konzentrationen (bis zu 90% des Gesamtchroms im Schweißrauch) beim MAG-Schweißen mit hochlegierten Drähten. Sie sind auch im Schweißrauch von hochlegierten Fülldrähten zu finden (bis zu 40 % des Gesamtchroms im Schweißrauch).
Nickeloxide (NiO, NiO2, Ni2O3) enstehen vorwiegend beim:
Rauche aus Beschichtungsstoffen Eine große Zahl von Schadstoffen aus organischen Komponenten kann sich bilden bei Schweiß- und Schneidverfahren von metallischen Werkstoffen, die Beschichtungen auf organischer Basis (z. B. Farben, Lacke, Primer) haben.
Untersuchungen mittels Pyrolyse bei organischen Beschichtungen, die im Schiffbau verwendet wurden und teilweise auch heute noch zur Anwendung kommen, ergeben die in den Bildern 1-7a und 1-7b enthaltenen Zersetzungsprodukte:
Bild 1-7 a: Empfehlungen für Leitkomponenten für die Zersetzungsprodukte von Beschichtungsstoffen auf organischer Basis bei Pyrolyse (t = 350 °C)
[Quelle: [5]]
Bild 1-7 b: Zersetzungsprodukte von Beschichtungsstoffen auf organischer Basis bei Pyrolyse (t = 800 °C): nachgewiesene Stoffe und Leitkomponenten
Menge und Art der Schadstoffe werden - außer durch die eingesetzten Verfahren und Werkstoffe - auch von Oberflächenbeschichtungen und -verunreinigungen sowie von den folgenden weiteren Faktoren beeinflusst:
Höhere Werte für Schweißstrom und Schweißspannung führen - bei gleichen Verfahren und Werkstoffen - zu höheren Schadstoffemissionen.
Bei Verwendung von Wechselstrom werden höhere Emissionen beobachtet als bei Gleichstrom.
Mit zunehmendem Elektrodendurchmesser nimmt die Schadstoffemission zu.
Bei rutilumhüllten Elektroden werden die niedrigsten, bei zelluloseumhüllten Elektroden dagegen die höchsten Schadstoffemissionen festgestellt.
Bei flacheren Elektrodenanstellwinkeln werden niedrigere Emissionswerte beobachtet als bei steileren Anstellwinkeln.
Beim Auftragschweißen treten höhere Schadstoffemissionen auf als beim Verbindungsschweißen.
Bild 1-8: Einflussfaktoren
1.5 Neue Gefahrstoffverordnung (GefStoffV)
Am 01.12.2010 ist die derzeit gültige Verordnung zum Schutz vor Gefahrstoffen (Gefahrstoffverordnung ) in Kraft getreten.
Zu den wichtigsten Änderungen gegenüber der bisherigen Fassung der Gefahrstoffverordnung, die auch für das Schweißen und verwandte Verfahren von Bedeutung sind, gehören:
Die Vorschriften zur Einstufung, Kennzeichnung und Verpackung (§ 4 GefStoffV) sollten unter Berücksichtigung der Übergangsfristen bis 1. Juni 2015 an die CLP-Verordnung angepasst werden.
Die Dokumentation der Gefährdungsbeurteilung (§ 6 GefStoffV) muss jetzt das Ergebnis der Substitutionsprüfung sowie die Begründung für einen Verzicht auf Substitution enthalten, sofern Schutzmaßnahmen nach §§ 9 bzw. 10 zu treffen sind.
Wenn keine Prüfdaten zur akut-toxischen, reizenden, hautsensibilisierenden, erbgutverändernden Wirkung sowie Wirkung bei wiederholter Exposition vorliegen, sind für die betreffenden Gefahrstoffe bei der Gefährdungsbeurteilung die entsprechenden Wirkungen zu unterstellen (§ 6 GefStoffV).
Die erforderlichen Schutzmaßnahmen ergeben sich nicht mehr aus den bisher bekannten intrinsischen Schutzstufen, sondern anhand der konkreten Gefährdungen. Das bedeutet, dass abhängig von der Höhe der Gefährdung die verschiedenen Grundpflichten (§ 7 GefStoffV) und Schutzmaßnahmenpakete (§§ 8 bis 15 GefStoffV) anzuwenden sind.
Das Substitutionsgebot gilt jetzt als Grundpflicht auch bei geringer Gefährdung (§ 7 GefStoffV).
Beim Tragen belastender persönlicher Schutzausrüstung (PSA) ist das Minimierungsgebot zu beachten (§ 7 GefStoffV).
Tätigkeiten mit giftigen, sehr giftigen, KMR- und atemwegssensibilisierenden Gefahrstoffen dürfen nur noch von fachkundigen oder besonders unterwiesenen Personen ausgeführt werden (§ 8 GefStoffV).
Bei Überschreitung der AGW bzw. der BGW oder bei verbleibender Gefährdung bei Gefahrstoffen ohne AGW/BGW sowie bei hautresorptiven/haut- oder augenschädigenden Gefahrstoffen, wenn mit einer Gefährdung durch Haut- oder Augenkontakt zu rechnen ist (d. h. wenn §§ 7 und 8 nicht ausreichen), sind zusätzliche Schutzmaßnahmen nach § 9 GefStoffV anzuwenden (z. B. Tragen von PSA). Diese Schutzmaßnahmen sind auch erforderlich bei geschlossenen Systemen, wenn eine Substitution technisch nicht möglich ist und eine erhöhte inhalative Gefährdung besteht.
Bei Tätigkeiten mit krebserzeugenden, erbgutverändernden und fruchtbarkeitsgefährdenden Gefahrstoffen der Kategorien 1 oder 2 sind neben Messungen jetzt auch andere geeignete Ermittlungsmethoden möglich (§ 10 GefStoffV).
Im Rahmen der Unterweisung ist jetzt eine arbeitsmedizinisch-toxikologisch Beratung verpflichtend (§ 14 GefStoffV).
Bei Tätigkeiten mit krebserzeugenden, erbgutverändernden oder fruchtbarkeitsgefährdenen Gefahrstoffen der Kategorien 1 oder 2 ist das Beschäftigtenverzeichnis 40 Jahre nach Ende der Exposition aufzubewahren (§ 14 GefStoffV)
1.6 Verbindliche Grenzwerte (nach TRGS ...)
Um die Belastung des Schweißers durch Schadstoffe am Arbeitsplatz zu begrenzen, d. h. um die Auswirkungen dieser Schadstoffe auf den menschlichen Körper zu minimieren, sind stoffspezifische Grenzwerte festgelegt worden. Aufgrund der technischen Gegebenheiten am Arbeitsplatz, der analytischen und arbeitsmedizinischen Erkenntnisse, werden diese Grenzwerte regelmäßig überprüft.
Grenzwert für die alveolengängige Fraktion (A-Fr) 3 mg/m3
Magnesiumoxid (außer Rauch)
Der Grenzwert gilt nicht für lösliche Stäube, ultrafeine und grobdisperse Partikelfraktionen [10].
Nach § 10 Abs. 2 der GefStoffV hat der Arbeitgeber sicherzustellen, dass AGW eingehalten werden. Für die überwiegende Zahl der krebserzeugenden Stoffe ist jedoch derzeit kein AGW oder MAK ableitbar. Aus diesem Grund wurde vom AGS ein Gesamtkonzept zur Festlegung risikobasierter Grenzwerte für krebserzeugende Stoffe erarbeitet. In der „Bekanntmachung zu Gefahrstoffen 910 - Richtwerte und Exposition-Risiko-Beziehungen für Tätigkeiten mit krebserzeugenden Gefahrstoffen (BekGS 910)“ werden stoffübergreifende Risikogrenzen und stoffspezifische Konzentrationswerte und Exposition-Risiko-Beziehungen, die vom AGS festgelegt wurden, dargestellt. Für 11 Stoffe (z. B. für Benzol oder Benzo(a)pyren, als Leitkomponente in bestimmten PAK-Gemischen) sind Akzeptanz- und Toleranzkonzentrationen aufgeführt, einschließlich deren Begründung, die eine sozialpolitische Konvention darstellt. Der zweite Teil der BekGS 910 beschreibt die wissenschaftliche Vorgehensweise in den Fachdisziplinen „Toxikologie“ und „Epidemiologie“ zur Ermittlung der Stoffrisiken und Ableitung von Exposition-Risiko-Beziehungen. Mit diesem Konzept soll die Gefährdung durch krebserzeugende Stoffe am Arbeitsplatz auf ein Minimum reduziert werden.
Für einige Stoffe wurden bereits Exposition-Risiko-Beziehungen (ERB) durch den Ausschuss für Gefahrstoffe (AGS) erarbeitet und die zugehörigen stoffspezifischen Akzeptanz- und Toleranzkonzentrationen in der Bekanntmachung zu Gefahrstoffen 910 – BekGS 910 veröffentlicht (siehe Stoffliste). Für viele krebserzeugende Stoffe liegen aber noch keine Werte vor. Sofern kein Arbeitsplatzgrenzwert für einen Stoff vorhanden ist, hat der Arbeitgeber andere geeignete Beurteilungsmaßstäbe in eigener Verantwortung heranzuziehen (siehe TRGS 400).
Stoff Konzentrationsschätzung Risiko 4 : 1 000 bei 40-jähriger Arbeitsplatzkonzentration (in µg/m³) Konzentrationsschätzung Risiko 4 : 10 000 bei 40-jähriger Arbeitsplatzkonzentration (in µg/m³)
1.7 Grenzwerte der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG)
1.7.1 Maximale Arbeitsplatzkonzentration (MAK)
MAK werden von der Senatskommission der Deutschen Forschungsgemeinschaft aufgestellt und jährlich in der MAK-Liste der Senatskommission veröffentlicht.
Viele dieser Werte werden nach Beratungen im Ausschuss für Gefahrstoffe (AGS) in der TRGS 900 "Arbeitsplatzgrenzwerte" aufgenommen.
MAK ist die Konzentration eines Stoffes in der Luft am Arbeitsplatz, bei der im Allgemeinen die Gesundheit der Arbeitnehmer nicht beeinträchtigt wird.
Maßgebend sind dabei wissenschaftlich fundierte Kriterien des Gesundheitsschutzes, nicht die technischen und wirtschaftlichen Möglichkeiten der Realisation in der Praxis.
Die MAK gilt in der Regel nur für einzelne Stoffe (reine Stoffe) und ist ein Langzeitwert, nämlich ein Schichtmittelwert bei in der Regel täglich achtstündiger Exposition und bei Einhaltung einer durchschnittlichen Wochenarbeitszeit von 40 Stunden (in Vierschichtbetrieben 42 Stunden je Woche im Durchschnitt von vier aufeinander folgenden Wochen) [4].
Aufgrund der Tatsache, dass die Konzentration verschiedener Stoffe in der Luft am Arbeitsplatz schwanken kann, wurden Kurzzeitwerte aufgestellt, um kurzfristige Überschreitungen des Schichtmittelwertes (Expositionsspitzen) beurteilen zu können. Sie sind nach Höhe, Dauer, Häufigkeit und zeitlichem Abstand begrenzt.
Grenzwerte für Stoffgemische sollen nach TRGS 402 „Ermitteln und Beurteilen der Gefährdungen bei Tätigkeiten mit Gefahrstoffen: Inhalative Exposition“ ermittelt werden.
In der Schweißtechnik treten Schadstoffe immer im Gemisch auf. Die Ermittlung der Grenzwerte ist daher sehr aufwendig. Deshalb arbeitet man in der Praxis häufig mit verfahrens- und werkstoffspezifischen Leitkomponenten.
1.7.2 Biologische Arbeitsstofftoleranzwerte (BAT)
BAT-Wert ist die Konzentration eines Stoffes oder seines Umwandlungsproduktes im Körper oder die dadurch ausgelöste Abweichung eines biologischen Indikators von seiner Norm, bei der im Allgemeinen die Gesundheit der Arbeitnehmer nicht beeinträchtigt wird. Die BAT-Werte sind in der TRGS 903 aufgelistet. Für einige Schadstoffe in der Schweißtechnik sind die BAT-Werte in Bild 1-9 aufgeführt. BAT-Werte sind als Höchstwerte für gesunde Einzelpersonen konzipiert. Maßgebend sind arbeitsmedizinisch-toxikologisch fundierte Kriterien des Gesundheitsschutzes. BAT-Werte gelten in der Regel für eine Belastung mit Einzelstoffen.
Bild 1-9: Biologische Grenzwerte (BGW)/Biologische Arbeitsstoff-Toleranzwerte BAT/Biologische Arbeitsstoff-Referenzwerte (BAR) für einige Schadstoffe in der Schweißtechnik [4]
BAT-Werte können als Konzentrationen, Bildungs- oder Ausscheidungsraten (Menge/Zeiteinheit) in der Regel im Blut und/oder Urin definiert sein.
Wie bei den MAK wird in der Regel eine Stoffbelastung von maximal 8 Stunden täglich und 40 Stunden wöchentlich zugrunde gelegt.
BAT-Werte dienen insbesondere im Rahmen spezieller ärztlicher Vorsorgeuntersuchungen dem Schutz der Gesundheit am Arbeitsplatz.
Sie geben eine Grundlage für die Beurteilung der Bedenklichkeit oder Unbedenklichkeit der vom Organismus aufgenommenen Stoffmengen ab.
Die Überwachung kann durch die periodische quantitative Bestimmung eines Stoffes im biologischen Material oder biologischen Parameter erfolgen. Die Messstrategie soll den Expositionsverhältnissen am Arbeitsplatz Rechnung tragen.
Die Einhaltung von BAT-Werten entbindet nicht von einer Überwachung der Schadstoffkonzentration in der Luft.
1.7.3 Biologische Leitwerte (BLW)
Der BLW (Biologischer Leit-Wert) ist die Quantität eines Arbeitsstoffes bzw. Arbeitsstoffmetaboliten oder die dadurch ausgelöste Abweichung eines biologischen Indikators von seiner Norm beim Menschen, die als Anhalt für die zu treffenden Schutzmaßnahmen heranzuziehen ist. Biologische Leitwerte werden nur für solche gefährlichen Stoffe benannt, für die keine arbeitsmedizinisch-toxikologisch begründeten Biologischen Arbeitsstofftoleranzwerte (BAT-Werte) aufgestellt werden können (d. h. für krebserzeugende bzw. krebsverdächtige Stoffe der Kategorien 1 bis 3 und für nicht krebserzeugende Stoffe, bei denen keine ausreichenden toxikologische Daten vorliegen).
Für den BLW wird in der Regel eine Arbeitsstoffbelastung von maximal 8 Stunden täglich und 40 Stunden wöchentlich über die Lebensarbeitszeit zugrunde gelegt [4].
Bei Einhaltung des biologischen Leitwertes ist das Risiko einer Beeinträchtigung der Gesundheit nicht auszuschließen.
Durch Verbesserung der technischen Gegebenheiten und der technischen, arbeitshygienischen und arbeitsorganisatorischen Schutzmaßnahmen sind Konzentrationen anzustreben, die möglichst weit unterhalb des biologischen Leitwertes liegen.
Aufgrund der am Arbeitsplatz gegebenen Randbedingungen sind im konkreten Fall aus dem stoffspezifischen biologischen Wert nicht ohne weiteres Rückschlüsse auf die bestehende Stoffkonzentration in der Arbeitsluft und umgekehrt zulässig.
Wesentliche Einflussfaktoren sind schwere körperliche Arbeit, Arbeit in Zwangshaltung und die Temperatur am Arbeitsplatz.
1.7.4 Biologische Arbeitsstoff-Referenzwerte (BAR)
Diese Werte (Referenzwerte) beschreiben die Belastung einer Referenzpopulation zu einem bestimmten Zeitpunkt gegenüber dem in der Umwelt vorkommenden Arbeitsstoff. Die zur Referenzpopulation gehörenden Personen im erwerbsfähigen Alter sind nicht beruflich gegenüber dem Arbeitsstoff exponiert.
Das Ausmaß einer beruflichen Exposition gegenüber einem Arbeitsstoff kann durch den Vergleich zwischen Biomonitoring, gemessen bei beruflich Exponierten, und Biologischem Arbeitsstoff- Referenzwert, gemessen bei der Referenzgruppe, erreicht werden.
1.7.5 Expositionsäquivalente für krebserzeugende Arbeitsstoffe (EKA)
Für manche krebserzeugenden Stoffe, wie Alkalichromate, Cobalt, Nickel und Nickelverbindungen, gibt es Korrelationen zwischen der Schadstoffkonzentration in der Luft und im biologischen Material (Blut oder Harn), die begründet werden können.
Diese Korrelationen werden als Expositionsäquivalente bezeichnet (Bild 1-10).
Bild 1-10: Expositionsäquivalente für krebserzeugende Arbeitsstoffe (EKA) für einige Schadstoffe in der Schweißtechnik [4]
1.8 EU-Werte
EU-Werte sind Grenzwerte der Europäischen Union (verbindliche Grenz- und Richtwerte) für eine berufsbedingte Exposition.
Diese Grenzwerte sind auch wie die AGW, die MAK oder die alten TRK Schichtmittelwerte bei 8-stündiger Exposition.
In den Bildern 1-11 a und 1-11 b sowie 1-12 a und 1-12 b sind die Schadstoffe in der Schweißtechnik, deren Grenzwerte und Einstufungen tabellarisch zusammengefasst.
Bild 1-11 a: Schadstoffe in der Schweißtechnik, Grenzwerte, Einstufung, Stand Januar 2003
[Quelle: [4], [10]]
Bild 1-11 b: Schadstoffe in der Schweißtechnik, Grenzwerte, Einstufung, Stand Januar 2003
Bild 1-12 a: Schadstoffe in der Schweißtechnik, Grenzwerte, Einstufung, Stand Mai 2012 – entsprechend der neuen GefStoffV; in Anlehnung an TRGS 900 Ausg. 2012 und MAK- und BAT-Werte-Liste der DFG Ausg. 2011
Bild 1-12 b: Schadstoffe in der Schweißtechnik, Grenzwerte, Einstufung, Stand Mai 2012 – entsprechend der neuen GefStoffV; in Anlehnung an TRGS 900 Ausg. 2012 und MAK- und BAT-Werte-Liste der DFG Ausg. 2011
1.9 Grenzwerte nach Strahlenschutzverordnung (StrlSchV)
Die StrlSchV vom 1. August 2001 gibt neue Grenzwerte für den Umgang mit radioaktiven Stoffen.
Es gelten die folgenden Dosisgrenzwerte:
6 mSv für nicht beruflich strahlenexponierte Personen bei "Arbeiten",
20 mSv für beruflich strahlenexponierte Personen,
400 mSv für die gesamte beruflich bedingte Dosis,
Technische Richtkonzentration (TRK)
Die TRK-Werte wurden entsprechend der neuen GefStoffV aus der TRGS 900 gestrichen. Da für die Praxis die alte Definition der TRK noch eine gewisse Relevanz haben kann, wird diese hier erläutert.
TRK war nach der "alten GefStoffV" die Konzentration eines Stoffes in der Luft am Arbeitsplatz, die nach dem Stand der Technik erreicht werden konnte. TRK waren Schichtmittelwerte bei in der Regel täglich 8-stündiger Exposition und bei einer durchschnittlichen Wochenarbeitszeit von 40 Stunden. Die Begrenzung der Abweichungen vom Mittelwert nach oben war auch in diesem Fall durch Kurzzeitwerte festgelegt. TRK wurden nur für solche Stoffe aufgestellt, für die keine toxikologisch-arbeitsmedizinisch begründeten MAK aufgestellt werden konnten.
Auch für krebserzeugende Stoffe wurden TRK benannt; bei deren Einhaltung am Arbeitsplatz war das Risiko einer Gesundheitsbeeinträchtigung vermindert, jedoch nicht vollständig ausgeschlossen.
1.10 Untersuchungsmethoden
Man gewinnt dadurch Grunddaten zum Vergleich unterschiedlicher Verfahren und Werkstoffe sowie für eine Beurteilung der Gefährdung der Schweißer (siehe Abschnitt 5 ). Die Emissionsmessungen geben auch eine Grundlage für die Berechnung von Lüftungssystemen und für weitere erforderliche Schutzmaßnahmen.
Als zusätzliches Beispiel für Ergebnisse von Emissionsmessungen siehe auch Bild 3-1 "Analyse der beim Lichtbogenhandschweißen mit umhüllten Stabelektroden nach DIN 1913 entstehenden Schweißrauche".
verfahren Emissionsrate (mg/s)
rauch Gesamt-
Chrom Chrom(VI)-
Verbindungen Nickel-
oxid Mangan-
schweißen 1,3-2,0 0,16-0,26 0,003-0,007 0,05-0,08 0,09-0,16
1) LBH = Lichtbogenhandschweißen mit umhüllten Stabelektroden
2) MAG = Metall-Aktivgasschweißen
Lichtbogenhandschweißen mit umhüllten Stabelektroden (LBH) 4 - 18
(MAG) mit Massivdraht 2 - 12
mit Fülldraht unter Schutzgas 6,7 - 54
Beispiel 3: Emissionen beim MIG-Schweißen mit unterschiedlichen hoch nickelhaltigen Zusatzwerkstoffen und Schutzgasen
Chrom Molyb-
dän Kupfer Titan
SG-NiTi4 Vierstoffgas 1) 2,82 1,94 - - - 0,03
SG-NiCr23Mo16 Vierstoffgas 1) 2,23 0,98 0,26 0,19 - -
SG-CuNi30Fe Vierstoffgas 1) 3,58 0,67 - - 2,2 -
SG-NiMo28Cr Vierstoffgas 1) 1,97 0,99 - 0,1 - -
Zweistoffgas 2) 1,57 0,88 - 0,18 - -
Dreistoffgas 3) 1,02 0,53 - 0,11 - -
1) Vierstoffgas: 0,05 % CO2; 30 % He; 2 % H2; Rest Ar
2) Zweistoffgas: 50 % He; 50 % Ar
3) Dreistoffgas: 0,05 % CO2; 50 % He; Rest Ar
[Quelle: [1],[2],[3],[6],[7],[8],[9],[11]]
Untersuchungen im biologischen Material, also in den vom Schweißer abgenommenen Körperflüssigkeiten (Harn, Blut), zeigen die dort enthaltenen Konzentrationen kritischer Stoffe. Diese Werte geben Informationen über die Höhe der internen Belastung des Schweißers durch die Exposition am Arbeitsplatz und werden mit Normalwerten bzw. BAT-Werten verglichen.
Webcode: M1511-3