Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Text=BGHZ%2046,%2017
Timestamp: 2019-07-20 12:48:07
Document Index: 192174354

Matched Legal Cases: ['BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 823', 'BGH', '§ 823', '§ 823', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 823', 'BGH', 'BGH', '§ 823', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 22', '§ 22', 'BGH', '§ 60', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH']

BGH, 29.04.1966 - V ZR 147/63 - dejure.org
https://dejure.org/1966,108
BGH, 29.04.1966 - V ZR 147/63 (https://dejure.org/1966,108)
BGH, Entscheidung vom 29.04.1966 - V ZR 147/63 (https://dejure.org/1966,108)
BGH, Entscheidung vom 29. April 1966 - V ZR 147/63 (https://dejure.org/1966,108)
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Betrieb von Fischteichen - Versorgung des Betriebs aus öffentlichen Gewässern - Verunreinigung des Gewässers durch nahe gelegene Betriebe - Auswaschung gefährlicher Substanzen durch Baurabeiten - Verenden des Fischbestands durch Verschmutzung des Gewässers - Ausgleich von Schäden durch den Verursacher - Verletzung von Vorschriften des Wasserhaushaltsgesetzes (WasserhaushaltsG)
BGHZ 46, 17
NJW 1966, 2014
NJW 1967, 155 (Ls.)
MDR 1966, 921
DB 1966, 1474
DÖV 1966, 867
Grundsätzlich ist der subjektive Tatbestand des Schutzgesetzes auch für die Schadensersatzpflicht nach § 823 Abs. 2 BGB maßgeblich (BGHZ 46, 17, 21;… Erman/G. Schiemann, BGB 11. Aufl. § 823 Rn. 159;… Palandt/Sprau, BGB 66. Aufl. § 823 Rn. 60).
Revisibel sind aber die aus dem Bundesrecht übernommenen Tatbestandsvoraussetzungen des enteignungsgleichen Eingriffs (vgl. LT-Drucks. Sachsen-Anhalt 1/1502 S. 11 f.), insbesondere der geforderte Eingriff in das Eigentum (vgl. BGHZ 46, 17, 21 zur Übernahme eines Rechtsbegriffs aus dem revisiblen preußischen Landesrecht in eine nicht revisible Polizeiverordnung und Senatsurteil BGHZ 118, 295, 299 f. zur Auslegung und Anwendung revisibler Rechtssätze als Vorfrage), sowie die hier zur Ausfüllung dieser Tatbestandsmerkmale heranzuziehenden Vorschriften des Bundesberggesetzes.
Ein weitergehender Schutzzweck mit dem Ziel, einen darüber hinausgehenden Schaden der Betroffenen - hier der künftigen Aktionäre (Zeichner) - auszugleichen, kann mit Rücksicht auf seine eindeutige Begrenzung aus den Vorschriften nicht hergeleitet werden (vgl. allgemein zu dem Umfang des Schutzzwecks zivilrechtlicher Normen BGHZ 46, 17, 23;… BGH, Urt. v. 8. Juni 1976 - VI ZR 50/75, NJW 1976, 1740).
Der subjektive Tatbestand des Schutzgesetzes, insbesondere die zur Verwirklichung erforderliche Schuldform (Vorsatz, Fahrlässigkeit), ist auch für die Ersatzpflicht des § 823 Absatz 2 BGB maßgebend (BGH, Entscheidung vom 29. April 1966 - V ZR 147/63 -, BGHZ 46, 17-24, juris Rn. 10 m. w. N.).
Daraus ergibt sich aber schon, daß diese allgemeine Schutzfunktion, auch soweit sie der Intention des Gesetzgebers entspricht, noch nichts darüber besagt, in welchem Falle ein Schutzgesetz i.S. des § 823 Abs. 2 vorliegt und welche Interessen es schützen soll (vgl. BGHZ 46, 17, 23 [BGH 29.07.1966 - V ZR 147/63]; 62, 166, 188; 64, 232, 237) [BGH 04.04.1975 - KZR 6/74].
Nach seinem Absatz 1 ist schadensersatzpflichtig u.a. derjenige, der in ein Gewässer Stoffe einbringt oder einleitet, während nach Absatz 2 der Inhaber bestimmter Anlagen darüber hinaus auch und schon dann schadensersatzpflichtig ist, wenn aus seiner Anlage "Stoffe in ein Gewässer (gelangen), ohne in dieses eingebracht oder eingeleitet zu sein." In der Rechtsprechung der ordentlichen Gerichte und im Schrifttum besteht bei der Auslegung dieser Vorschrift ungeachtet unterschiedlicher Aussagen zur positiven Umschreibung des Begriffs des Einleitens Einigkeit jedenfalls nach der negativen Seite dahin, daß als Einleiten nicht schon das nur zufällige Hineingelangen angesehen werden könne und daß insbesondere die bloße Verursachung des Hineingelangens für das Einleiten als eine auf einen bestimmten Erfolg abzielende Handlung nicht ausreiche (vgl. z.B. BGH, Urteil vom 29. April 1966 - V ZR 147/63 - [BGHZ 46, 17]; BGH, Urteil vom 11. Januar 1971 - III ZR 217/68 - [BGHZ 55, 180 = ZfW 1972, 221]; BGH, Urteil vom 22. November 1971 - III ZR 112/69 - [BGHZ 57, 257 [BGH 22.11.1971 - III ZR 112/69] - ZfW 1972, 230];… Gieseke-Wiedemann a.a.O. Anm. 3 zu § 22;… Sieder-Zeitler a.a.O. Rdnr. 18 und 33 zu § 22).
In beiden Fällen ist ein Handeln mit einem bestimmten Zweck erforderlich (vgl. z.B. BGH, Urteil vom 29. April 1966 a.a.O.).
Ein deliktischer Schadensersatzanspruch scheitert jedoch am mangelnden Schutzgesetzcharakter des § 60 Abs. 1 SGB I. Die Frage, ob einer Rechtsnorm Schutzgesetzcharakter zukommt, bestimmt sich nicht nach der Wirkung des Gesetzes, sondern danach, ob dessen Inhalt nach dem Willen des Gesetzgebers in Form eines bestimmten Gebotes oder Verbotes - zumindest neben anderen Zwecken - auch einem gezielten Individualzweck dient und gegen eine näher bestimmte Art der Schädigung eines im Gesetz festgelegten Rechtsgutes oder Individualinteresses gerichtet ist (BGHZ 46, 17, 23; DB 1976, 1665 f).
Vielmehr muß die Schaffung eines individuellen Schadensersatzanspruches erkennbar vom Gesetz erstrebt sein oder zumindest im Rahmen des haftungsrechtlichen Gesamtsystems tragbar erscheinen, wie der BGH und im Anschluß hieran das BSG in ständiger Rechtsprechung entschieden haben (BGHZ 46, 17, 23; BGH NJW 1976, 2129 [BGH 18.05.1976 - VI ZR 241/73]; BSGE 66, 176, 182 [BSG 30.01.1990 - 11 RAr 87/88]/83; vgl ferner BGHZ 116, 7, 12 f = ZIP 1991, 1597 mwN).
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