Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Gericht=BGH&Datum=11.03.1997&Aktenzeichen=XI%20ZR%2092/96
Timestamp: 2019-07-18 03:51:47
Document Index: 169791642

Matched Legal Cases: ['BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 276', '§ 52', '§ 53', '§ 60', 'BGH', '§ 53', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 53', 'BGH', 'BGH', '§ 53', 'BGH', 'BGH', '§ 53', 'BGH', '§ 53', 'BGH', 'BGH']

BGH, 11.03.1997 - XI ZR 92/96 - dejure.org
https://dejure.org/1997,234
BGH, 11.03.1997 - XI ZR 92/96 (https://dejure.org/1997,234)
BGH, Entscheidung vom 11.03.1997 - XI ZR 92/96 (https://dejure.org/1997,234)
BGH, Entscheidung vom 11. März 1997 - XI ZR 92/96 (https://dejure.org/1997,234)
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Ersatz von Einlagen wegen eines Verlustes bei Spekulationen mit Aktienoptionsscheinen - Garantie einer Rückzahlung - Auftragsverhältnis bezogen auf Börsentermingeschäfte - Anspruch auf Schadensersatz - Verletzung von Aufklärungspflichten
Notwendigkeit zusätzlicher anleger- und objektgerechter Aufklärung über Börsentermingeschäft trotz Informationsblatt
BGB § 276; BörsG § 52, § 53, § 60
Bankrecht; Aufklärungspflichten bei Börsentermingeschäften
Keine anleger- und objektgerechte Beratung eines nicht wertpapiererfahrenen Kunden durch die Informationsschrift "Verlustrisiken bei Börsentermingeschäften"
NJW 1997, 2171
ZIP 1997, 782
MDR 1997, 667
WM 1997, 811
DB 1997, 2529
Da die Kausalitätsvermutung nur für aufklärungsrichtiges Verhalten besteht, setzt sie voraus, daß es für den anderen Teil vernünftigerweise nur eine bestimmte Möglichkeit der Reaktion auf die Aufklärung gibt und die Möglichkeit eines Entscheidungskonflikts ausscheidet (…BGH, Urt. v. 10. Mai 1994, XI ZR 115/93, NJW 1994, 2541, 2542; Urt. v. 11. März 1997, XI ZR 92/96, NJW 1997, 2171, 2173).
Das Informationsblatt "Wichtige Informationen zu Verlustrisiken bei Börsentermingeschäften" entspricht im Wesentlichen dem banküblichen Informationsblatt zu § 53 Abs. 2 BörsG a.F. und genügt insofern den Anforderungen zur Herstellung der Termingeschäftsfähigkeit (vgl. BGH NJW 1995, 1554, 1555; BGH NJW 1996, 2511, 2512; BGH NJW 1997, 2171, 2172).
Bei erfahrenen Anlegern mag dies nach Lage des Falles ausreichen (vgl. BGH NJW 1997, 2171, 2172 m.w.Nachw.), bei unerfahrenen Kunden - wie dem Kläger - reicht diese Aufklärung jedoch in der Regel nicht aus.
Es entspricht in Aufbau und Inhalt weitgehend der von den Spitzenverbänden der Kreditwirtschaft entwickelten Informationsschrift (abgedruckt in WM 1989, 1193 ff. und in ZIP 1989, 1158 f.), die vom erkennenden Senat in ständiger Rechtsprechung als den Erfordernissen des § 53 Abs. 2 Satz 1 BörsG genügend angesehen wird (Senatsurteile vom 14. Februar 1995 - XI ZR 218/93, WM 1995, 658, vom 11. Juni 1996 - XI ZR 172/95, WM 1996, 1260, 1261 und vom 11. März 1997 - XI ZR 92/96, WM 1997, 811, 812).
a) Ob die Klägerin dem Beklagten vor Ablauf der Optionsfrist Beratung oder Aufklärung schuldete (vgl. zu Beratungspflichten: BGHZ 100, 117, 118; 123, 126, 128; Senat, Urteil vom 9. Mai 2000 - XI ZR 159/99, WM 2000, 1441, 1442 und zu Aufklärungspflichten: Senat, Urteile vom 17. Januar 1995 - XI ZR 225/93, WM 1995, 566, 568 und vom 11. März 1997 - XI ZR 92/96, WM 1997, 811, 812), bedarf keiner Entscheidung, weil die Klägerin etwaige Beratungs- und Aufklärungspflichten durch ihr Schreiben vom 7. Oktober 1997 erfüllt hat.
Nach ständiger Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs, der der Senat folgt, entsteht mit der Aufnahme von Vertragsverhandlungen ein gesetzliches Schuldverhältnis, das nicht vom Zustandekommen eines Vertrags und seiner Wirksamkeit abhängig ist (BGH, NJW 1997, 2171 = ZIP 1997, 782 m.w.N.).
Bei einem erfahrenen Anleger kann eine den Anforderungen des § 53 Abs. 2 Satz 1 BörsG genügende Grundaufklärung zur Erfüllung der Aufklärungspflicht genügen (vgl. BGH, NJW 1994, 1861 = ZIP 1994, 693 ; BGH, NJW 1997, 2171 ).
Darüber hinaus hat die Beklagte zu 1. ihre Verpflichtung zur über den formalisierten Risikokatalog des § 53 Abs. 2 Satz 1 BörsG hinausgehenden anleger- und objektgerechten individuellen Aufklärung nicht erfüllt (BGH, NJW 1997, 2171 = ZIP 1997, 782 ).
In der Regel ist auch der erfahrene Anleger aufklärungsbedürftig und muss zumindest im Umfang des formalisierten Risikokatalogs des § 53 Abs. 2 Satz 1 BörsG informiert werden (vgl. BGH, NJW 1997, 2171 = ZIP 1997, 782 ).
Nach der Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs ist derjenige, der bei Börsentermingeschäften eine vorvertragliche Aufklärungspflicht verletzt hat, beweispflichtig dafür, dass der Schaden auch bei gehöriger Aufklärung eingetreten wäre (BGH, NJW 1997, 2171, 2173 m.w.N. = ZIP 1997, 782 ).