Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Gericht=VGH%20Baden-W%C3%BCrttemberg&Datum=09.02.1998&Aktenzeichen=8%20S%202770/97
Timestamp: 2019-11-12 18:49:52
Document Index: 368077333

Matched Legal Cases: ['§ 47', '§ 1', '§ 2', '§ 14', '§ 1', '§ 14', '§ 15', '§ 14', '§ 14', '§ 14', '§ 1', '§ 14', '§ 47', '§ 16', '§ 14', '§ 1']

VGH Baden-Württemberg, 09.02.1998 - 8 S 2770/97 - dejure.org
https://dejure.org/1998,3873
VGH Baden-Württemberg, 09.02.1998 - 8 S 2770/97 (https://dejure.org/1998,3873)
VGH Baden-Württemberg, Entscheidung vom 09.02.1998 - 8 S 2770/97 (https://dejure.org/1998,3873)
VGH Baden-Württemberg, Entscheidung vom 09. Februar 1998 - 8 S 2770/97 (https://dejure.org/1998,3873)
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Antragsbefugnis eines Auflassungsvormerkungsberechtigten für ein Normenkontrollverfahren bezüglich einer Veränderungssperre; formelles Zustandekommen; Negativplanung
§ 47 Abs 2 VwGO, § 1 Abs 3 BauGB, § 2 Abs 1 S 2 BauGB, § 14 Abs 1 BauGB
VGH Baden-Württemberg, 11.02.1998 - 8 S 2770/97
NVwZ-RR 1998, 717
VBlBW 1998, 310
Dafür ist entscheidend, ob die beabsichtigten Festsetzungen in ihrer positiven Zielsetzung - heute und hier -gewollt und nach der planerischen Konzeption der Gemeinde erforderlich sind oder ob sie nur das vorgeschobene Mittel darstellen, um einen Bauwunsch zu verhindern (BVerwG, Beschl. v. 18.12.1990 - 4 NB 8.90 - NVwZ 1991, 876 = PBauE § 1 Abs. 3 BauGB Nr. 3; VGH Bad.-Württ., Urt. v. 21.01.1997 - 5 S 3206/95 - VBlBW 1997, 264 u. Urt. v. 09.02.1998 - 8 S 2770/97 - VBlBW 1998, 310 = BRS 60 Nr. 99 = PBauE § 14 BauGB Nr. 11).
Auf das Urteil des Verwaltungsgerichtshofs Baden-Württemberg vom 09.02.1998 (a.a.O.) kann sich die Klägerin nicht berufen, weil ihm ein anderer Sachverhalt zugrunde lag.
In der Rechtsprechung ist geklärt, dass der Aufstellungsbeschluss und die Veränderungssperre gleichzeitig öffentlich bekannt gemacht werden können (vgl. Beschluss des Senats vom 9.2.1998 - 8 S 2770/97 -, VBlBW 1998, 310; VGH Bad.-Württ., Urteil vom 17.8.1990 - 3 S 1139/90 - vgl. auch BVerwG, Beschluss vom 9.2.1989 - 4 B 236.88 -, BRS 49, Nr. 21).
Dieses Planziel muss auf eine positive städtebauliche Gestaltung gerichtet sein; eine Negativplanung, die sich darin erschöpft, einzelne Vorhaben auszuschließen, reicht nicht aus (vgl. BVerwG, Beschl. vom 5.2.1990 - 4 B 191.89 - , NVwZ 1990, 558 = PBauE § 15 BauGB Nr. 1; Beschl. des Senats vom 9.2.1998, a.a.O.; Ernst/Zinkahn/Bielenberg, BauGB, Bd. 1, § 14 Rn 47).
Eine Veränderungssperre ist nur dann als Sicherungsmittel nicht mehr gerechtfertigt, wenn die aus dem Aufstellungsbeschluss ersichtliche Planung offensichtlich unheilbar rechtswidrig oder nicht realisierbar ist (vgl. Beschluss des Senats vom 9.2.1998, a.a.O.; VGH Bad.-Württ., Urteil vom 2.3.1993 - 5 S 2091/92 -, NVwZ 1994, 797;… Berliner Kommentar, Bd. 1, § 14 Rn. 10;… Ernst/Zinkahn/Bielenberg, Bd. 1, a.a.O., § 14, Rn. 53 ff.).
Entgegen der Meinung des Antragstellers lag auch kein Fall einer sog. Negativplanung, d. h. einer gegen § 1 Abs. 3 BauGB verstoßenden Planung vor, die - mit städtebaulich zu missbilligender Zielsetzung (vgl. zum Begriff: BVerwG, Beschluss vom 18.12.1990 - 4 NB 8.90 -, NVwZ 1991, 875) - sich ohne positives Planungskonzept darin erschöpfte, einzelne Vorhaben auszuschließen (vgl. BVerwG…, Beschluss vom 5.2.1990, a.a.O; Beschluss des Senats vom 9.2.1998 - 8 S 2770/97 -, VBlBW 1998, 310;… Ernst/Zinkahn/Bielenberg, BauGB, § 14 Rn. 47).
Unter den gleichen Voraussetzungen muss es ihr möglich sein, im Wege der Normenkontrolle unmittelbar gegen die der Erteilung einer Baugenehmigung zwingend entgegenstehende Veränderungssperre vorzugehen (vgl. VGH Bad.-Württ., Beschluss vom 9.2.1998 - 8 S 2770/97 -, BRS 60 Nr. 99; OVG NW…, Beschluss vom 25.11.1997 - 10a D 131/97.NE - vgl. auch - für die Überprüfung von Bebauungsplänen - Gerhardt in Schoch/Schmidt-Aßmann/Pietzner, VwGO, Kommentar [Loseblatt, Stand: Jan. 2000], § 47 Rdn. 54, 59).
Zwar ist es unschädlich, dass der Gemeinderat der Antragsgegnerin den Aufstellungsbeschluss und den Beschluss über die Veränderungssperre in der gleichen Gemeinderatssitzung gefasst und auch am gleichen Tag öffentlich bekannt gemacht hat (vgl. nur VGH Bad.-Württ., Beschluss vom 9.2.1998 - 8 S 2770/97 -, BRS 60 Nr. 99 = NuR 1999, 220, 221 m. w. N.).
(Bielenberg/Stock in Ernst-Zinkahn-Bielenberg, BauGB § 16 RdNr. 24 f; vgl. auch VGH Bad., Urteil vom 9.2.1998 - 8 2770/97 -, VBlBW 1998, 310 = PBauE § 14 BauGB Nr. 11).
Es ist daher unschädlich, wenn wie hier Aufstellungsbeschluß und Veränderungssperre in derselben Sitzung gefaßt und beide Beschlüsse am gleichen Tag bekannt gemacht werden (vgl. VGH Bad.-Württ., NK-Beschluß vom 9.2.1998 - 8 S 2770/97 -, NuR 1999, 220).
Hierfür ist entscheidend, ob die beabsichtigten Festsetzungen in ihrer positiven Zielsetzung - heute und hier - gewollt und - gemessen an der planerischen Konzeption der Gemeinde - erforderlich sind oder ob sie nur das vorgeschobene Mittel darstellen, um einen Bauwunsch zu durchkreuzen (BVerwG, Beschl. v. 18.12.1990 - 4 NB 8.90 -, NVwZ 1991, 876 = PBauE § 1 Abs. 3 BauGB Nr. 3; VGH Bad.-Württ., NK-Beschluß vom 9.2.1998 - 8 S 2770/97).
Es entspricht der gefestigter Rechtsprechung, dass die Veränderungssperre bzw. der Beschluss über diese nicht vor dem zu Grunde liegenden Planaufstellungsbeschluss bekannt gemacht werden darf, indes ist eine gleichzeitige Bekanntmachung unschädlich (ganz h.M., vgl. BVerwG, Beschl. vom 09.02.1989 - 4 B 236.88 -, juris [OS 1]; OVG NRW, Urteil vom 24.08.1989 - 7 A 2495/87 -, juris [LS 2]; VGH BW, Urteil vom 09.02.1998 - 8 S 2770/97 - juris [Rn. 15]; VGH München…, Beschluss vom 27.09.1999 - 26 ZS 99.2149 -, juris [Rn. 25]).
Hierfür ist entscheidend, ob die beabsichtigten Festsetzungen in ihrer positiven Zielsetzung - heute und hier - gewollt und - gemessen an der planerischen Konzeption der Gemeinde - erforderlich sind oder ob sie nur das vorgeschobene Mittel darstellen, um einen Bauwunsch zu durchkreuzen (…VGH Mannheim, Urt. v. 03.03.2005 - 3 S 1524/04 - NVwZ-RR 2006, 170 ff. und Beschl. v. 09.02.1998 - 8 S 2770/97 - BRS 60 Nr. 99; BVerwG, Beschl. v. 18.12.1990 - 4 NB 8.90 - BRS 50 Nr. 9;… VGH Kassel, Urt. v. 05.02.2004 - 4 N 360/03 - NVwZ-RR 2005, 312 ff.).
Nicht im bauplanungsrechtlichen Sinne erforderlich und damit unzulässig ist eine "Verhinderungsplanung" nur dann, wenn die Einschränkung oder Umgestaltung des Baurechts, die zur Unzulässigkeit des Vorhabens führt, nicht von städtebaulichen Zielen getragen ist oder wenn die für sie ins Feld geführten städtebaulichen Gründe in Wirklichkeit nicht gar gewollt, sondern nur vorgeschoben sind, um eine andere Nutzung zu verhindern (BVerwG vom 7.2.1986 NVwZ 1986, 556; vom 18.12.1990 BauR 1991, 165; vom 27.1.1999 ZfBR 1999, 159; vom 25.11.2003 NVwZ 2004, 477; BayVGH vom 19.11.2007 - 1 N 05.2521 - juris; VGH BW vom 9.2.1998 VBlBW 1998, 310).
BVerwG, Beschluss 6. August 1992 - 4 N 1.92 -, BRS 54 Nr. 77; Beschluss vom 11. Oktober 1996 - 4 BN 19.96 - dafür, dass die gleichzeitige Bekanntmachung von Aufstellungsbeschluss und Veränderungssperre grundsätzlich ausreichend ist, vgl auch: OVG NRW, Urteil vom 30. November 1998 - 7a D 138/97.NE - VGH Baden-Württemberg, Beschluss vom 9. Februar 1998 - 8 S 2770/97 -, BRS 60 Nr. 99; Niedersächsisches OVG, Urteil vom 26. März 1999 - 1 K 3502/98 -, juris; Bayerischer VGH , Beschluss vom 27. September 1999 - 26 ZS 99.2149 -, BayVBl 2000, 598.