Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Gericht=BVerwG&Datum=10.11.2009&Aktenzeichen=9%20B%2028.09
Timestamp: 2019-03-23 19:42:36
Document Index: 55048194

Matched Legal Cases: ['Art. 1', 'Art. 6', '§ 10', '§ 34', '§ 34', 'Art. 1', 'Art. 6', 'Art. 5', '§ 34', '§ 45', '§ 34', '§ 34']

BVerwG, 10.11.2009 - 9 B 28.09 - dejure.org
Habitatrichtlinie Art. 1 Buchst. a, Art. 6 Abs. 3 und 4; BNatSchG § 10 Abs. 1 Nr. 9, § 34 Abs. 1 und 2; NNatG § 34c Abs. 2
FFH-Verträglichkeitsprüfung; erhebliche Beeinträchtigung; Erhaltungsziel; günstiger Erhaltungszustand; Summierung von Vor- und Zusatzbelastung; Schad- und Nährstoffeinträge; Stickstoffdeposition; Critical Loads; Bagatell-Überschreitung.
Habitatrichtlinie Art. 1 Buchst. a, Art. 6 Abs. 3 und 4
FFH-Verträglichkeitsprüfung; erhebliche Beeinträchtigung; Erhaltungsziel; günstiger Erhaltungszustand; Summierung von Vor- und Zusatzbelastung; Schad- und Nährstoffeinträge; Stickstoffdeposition; Critical Loads; Bagatell-Überschreitung
Erhebliche Beeinträchtigung eines FFH-Gebiet
t-online.de (Auszüge und Entscheidungsanmerkung)
Maßgeblicher Critical-Load-Wert für einen Lebensraumtyp (RA Prof. Dr. Bernhard Stüer; DVBl. 2010, 176)
Erhebliche Beeinträchtigung eines FFH-Gebiets (IBR 2010, 1049)
Kurznachricht zu "Anmerkung zum Beschluss des BVerwG vom 10.11.2009, Az.: 9 B 28.09 (Zum maßgeblichen Critical-Load-Wert für einen Lebensraumtyp - hier Ortsumgehung Hildesheim)" von Notar RA Prof. Dr. Bernhard Stüer, original erschienen in: DVBl 2010, 176 - 180.
NVwZ 2010, 319
DVBl 2010, 176
BVerwG, Beschluss vom 10. November 2009 - 9 B 28.09 -, NVwZ 2010, 319, juris Rn. 3.
vgl. BVerwG, Beschluss vom 10. November 2009 - 9 B 28.09 -, NVwZ 2010, 319, juris Rn. 6.
vgl. BVerwG, Beschluss vom 10. November 2009 - 9 B 28.09 -, NVwZ 2010, 319, juris Rn. 8.
- NVwZ 2010, 319).
Daher ist für eine am Erhaltungsziel orientierte Beurteilung der projektbedingten Zusatzbelastung die Berücksichtigung der Vorbelastung unverzichtbar (Beschluss vom 10. November 2009 - BVerwG 9 B 28.09 - NVwZ 2010, 319 m.w.N.).
Werden sie bereits von der Vorbelastung ausgeschöpft oder sogar überschritten, so folgt daraus, dass prinzipiell jede Zusatzbelastung mit dem Erhaltungsziel unvereinbar und deshalb erheblich ist, weil sie die kritische Grenze überschreitet oder schon mit der Vorbelastung verbundene Schadeffekte verstärkt (Beschluss vom 10. November 2009 a.a.O. Rn. 6;… vgl. auch schon Urteil vom 17. Januar 2007 a.a.O. Rn. 108).
Als allgemeiner, im gemeinschaftsrechtlichen Verhältnismäßigkeitsgrundsatz (Art. 5 Abs. 1 Satz 2 EUV) wurzelnder Rechtsgedanke kann dieser Vorbehalt nicht nur bei direkten Flächenverlusten (…vgl. dazu Urteil vom 12. März 2008 a.a.O. Rn. 124), sondern auch bei mittelbaren Einwirkungen auf einen Lebensraum wie den hier in Rede stehenden Stickstoffdepositionen zum Tragen kommen (Beschluss vom 10. November 2009 a.a.O. Rn. 8).
Dieser Vorbehalt kann, da es sich um einen allgemeinen Gedanken handelt, sowohl bei direkten Flächenverlusten (…vgl. BVerwG, U.v. 12.3.2008 - 9 A 3/06 - BVerwGE 130, 299 Rn. 124) als auch bei mittelbaren Einwirkungen auf einen Lebensraum zum Tragen kommen (vgl. BVerwG, B.v. 10.11.2009 - 9 B 28/09 - DVBl. 2010, 176 Rn. 8).
Eine so bemessene Schwelle findet unter Berücksichtigung einschlägiger naturschutzfachlicher Erkenntnisse ihre Rechtfertigung in dem Bagatellvorbehalt, unter dem jede Unverträglichkeit mit den Erhaltungszielen eines FFH-Gebiets steht (…Urteil vom 14. April 2010 a.a.O. Rn. 88; Beschluss vom 10. November 2009 - BVerwG 9 B 28.09 - DVBl 2010, 176 ).
Ob es dabei - der Abwägung im Rahmen von § 34 Abs. 3 Nr. 1 BNatSchG entsprechend - auch bei § 45 Abs. 5 Satz 1 Nr. 7 BNatSchG geboten ist, Summationswirkungen zu berücksichtigen (vgl. BVerwG, Beschluss vom 10.11.2009 - 9 B 28.09 - NVwZ 2010, 319, juris Rn. 3), kann ungeklärt bleiben.
CL sind als naturwissenschaftlich begründete Belastungsgrenzen in diesem Sinne zu verstehen; sie sollen die Gewähr dafür bieten, dass an dem Schutzgut auch langfristig keine signifikant schädlichen Effekte auftreten (…Urteil vom 12. März 2008 - BVerwG 9 A 3.06 - Buchholz 451.91 EuropUmweltR Nr. 30 Rn. 111 f.; Beschluss vom 10. November 2009 - BVerwG 9 B 28.09 - Buchholz 406.400 § 34 BNatSchG 2002 Nr. 3 Rn. 6).
Eine an den Erhaltungszielen orientierte Prüfung ist jedoch nicht möglich, ohne neben den vorhabenbedingten Einwirkungen auch Einwirkungen in den Blick zu nehmen, denen der geschützte Lebensraum oder die geschützte Art von anderer Seite unterliegt (Beschluss vom 10. November 2009 - BVerwG 9 B 28.09 - Buchholz 406.400 § 34 BNatSchG 2002 Nr. 3).
Abgesicherte lebensraumspezifische Wirkungswerte liegen - namentlich auch für Stickstoffdepositionen - bisher nicht vor (vgl. Nolte, jurisPR-BVerwG 5/2010, Anm. 6 v. 1.3.2010 zu BVerwG, Beschl. v. 10.11.2009 - 9 B 28.09 - NVwZ 2010, 319).