Source: http://www.uni-protokolle.de/foren/viewt/111178,0.html
Timestamp: 2019-09-16 01:14:55
Document Index: 327460903

Matched Legal Cases: ['§ 32', 'Art. 103', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§32']

Ich flippe aus mit dieser Notwehr
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Verfasst am: 28 Jan 2007 - 16:46:02 Titel: Ich flippe aus mit dieser Notwehr
Ich komm einfach nicht weiter, des macht mich wahnsinnig!!
Warum check ich das einfach nicht?!
Also evtl. ist ja einer so nett und erklärt mir das nochmal:
A schießt auf B, der weiß nix davon!
B schießt zugleich auf A, der weiß davon auch nix!
Irgendeinen muss ich ja zuerst prüfen, meinetwegen den A.
Dann komm ich an den Punkt Notwehrlage:
Gegenwärtiger Angriff des B +
aber rechtswidriger Angriff ???
Also inzidente Prüfung des B
Gegenwärtiger Angriff des A+
und des ganze wieder von vorne!
Ich kriegs einfach nicht gebacken! Wie mach ich das.. Auf die subj. RElemente kommts ja bei der Rechtswidrigkeit in § 32 nicht an.., also was tun?!
Verfasst am: 28 Jan 2007 - 17:31:02 Titel:
Schreib doch einfach einen Aufsatz. Ganz im Ernst: Das bekommst du einfach nicht überzeugend in ein Prüfungsschema gequetscht. Und ein Schema soll schließlich helfen, nicht knebeln. Also brich mit dem Schema und verbinde die beiden Rechtswidrigkeitsprüfungen von A und B zu einem. Etwa so:
Der Angriff auf sein [As] Leib und Leben müsste B aber auch in rechtswidriger Weise begangen haben. Die Besonderheit der vorliegenden Konstellation besteht allerdings darin, dass B sich rechtlich in der selben Situation befinden. Sie sind - isoliert, also den eigenen Angriff jeweils außer Acht lassend - daher beide objektiv gerechtfertigt. Es stellt sich die Frage, wie mit dieser zeitlich kongruenten Notwehr gegen Notwehr umzugehen ist. ...
Verfasst am: 28 Jan 2007 - 18:34:25 Titel:
mein problem ist ja (noch) gar nicht der aufbau, sondern das ganze überhaupt zu verstehen..
ich kann ja schlecht beide in notwehr handeln lassen.. aber ich kann ja genauso wenig sagen, wenn nich beide, dann keiner
Verfasst am: 28 Jan 2007 - 18:48:58 Titel:
Ja wie möchtest du diese kleine "Anomalie" denn auflösen?
Es gibt ja nun vier (oder fünf!? ) Möglichkeiten:
1. Wir bestrafen beide.
2. Wir bestrafen nur A.
3. Wir bestrafen nur B.
4. Wir bestrafen einfach niemanden.
5. Wir zerstückeln das StGB fein säuberlich, stecken den Kopf in den Sand und hoffen auf göttlichen Rat.
Musst du schauen. Gibt es evtl. gute Gründe, nur einen zu bestrafen? Ist einer "böser als der andere"? Dann würde die Drecksacktheorie nahelegen, nur diesen zu bestrafen und die Argumentation dahingehend aufzubauen. Sind beide gleichermaßen böse? Warum dann nicht beide bestrafen. Sie wissen ja schließlich nichts vom Angriff des jeweils anderen. Behaupten wir doch einfach, dass zeitlich kongruente Notwehrlagen sich gegenseitig aufheben und schauen, wie wir das begründen können. Oder wir lassen uns beim Wort nehmen, erfüllen unsere verdammte verfassungsmäßige Pflicht aus Art. 103 GG und bestrafen niemanden. Ich würde hier (zumindest vorerst) ergebnisorientiert denken und mir auf der Möglichkeit, die mir persönlich als die billigste erscheint, eine überzeugende Argumentation aufbauen. Nichts anderes wird von dir erwartet (falls dies eine Hausarbeit ist, ist sich natürlich noch mit den Meinungen der Wissenschaft auseinanderzusetzen, klaro).
Verfasst am: 28 Jan 2007 - 19:32:36 Titel:
Hab da auch so meine Probleme mit.
Ich kann dir jetzt nur meine etwas ältere Literatur anbieten, da ich nicht in der Uni bin, aber folgende Positionen werden vertreten.
Die eine Position geschildert in
(Wessels, Strafrecht AT 27. Auflg., Rn. 275) meint
"Der Täter muß vielmehr in Kenntnis der rechtfertigenden Sachlage und aufgrund der ihm dadurch verliehenen Befugnis gehandelt haben. Nach der Lehre von den subjektiven Rechtfertigungselementen handelt nur rechtmäßig, wer aufgrund eines Erlaubnissatzes recht handeln will. Zur Notwehr gehört subjektiv der "Verteidigungswille" (BGHSt 5, 245; BGH NStZ 96, 29)"
(Wessels, Strafrecht AT 27. Auflg., Rn. 278)
"Verwirklicht der Täter den gesetzlichen Tatbestand, ohne erkannt zu haben, daß eine rechtfertigende Situation gegeben war, so ist sein Verhalten "rechtswidrig", weil nur die volle Kongruenz der objektiven und subjektiven Rechtfertigungsvoraussetzungen den Unrechtsauschluß bewirkt. Die hM bestraft hier wegen vollendeter rechtswidriger Tat, während die Gegenmeinung lediglich Versuch annimmt. (Näher zu hM RGSt 62, 138; BGHSt 2, 111; 3, 193 [...]"
Ebenso Tröndle/Fischer Strafrecht Kommentar 49. Auflage §32 Rn. 14
Während die andere Position
es für sachgerechter hält die Versuchregeln anzuwenden, da sie die Rechtswidrigkeit verneint. Die "Notwehr" unterscheidet sich nicht äußerlich. Zweifelsohne dürfte derjenige, der sich eines Angriffes versieht, schießen. So mißt man wenigstens der äußerlich erkennbare Handlung keinen Handlungsunwert zu.
Folglich kann sie auch nicht rechtswidrig sein.
So käme man bei der Notwehr dazu die Handlungen beider ihrem objektiven Erscheinungsbild nach nicht als rechtswidrig einzuordnen und verbleibenden nur noch einen subjektiven Handlungsunwert darin zu sehen, was zur Bestrafung nach den Versuchvorschriften führen würde.
--- NOTWEHR ----------------------------------------------
Naja die Argumente der Ansichten sind wohl beide stichhaltig.
So vom Gefühl her würde ich eher zur Ansicht der Rechtsprechung tendieren. Wenn nicht, naja sollte man wenigstens kein Augenleiden haben