Source: https://www.kita-ovelgoenne.de/regionales-konzept/
Timestamp: 2020-08-08 08:31:50
Document Index: 383068241

Matched Legal Cases: ['§ 1', '§2', '§ 11', '§ 45', '§35', '§13']

Regionales Konzept - kita-ovelgoennes Webseite!
zur gemeinsamen Erziehung von Kindern
mit und ohne Behinderung in
Tageseinrichtungen für Kinder in der
Die gemeinsame Erziehung von Kindern mit und ohne Behinderung bietet allen Kindern die Möglichkeit, sich neue Erlebnis- und Lernmöglichkeiten zu erschließen, die den Horizont aller Kinder von Beginn an erweitern.
Die Kinder lernen schon im Krippenalter mit der Verschiedenheit von Menschen umzugehen. Sie erfahren so den wirklichen Alltag. Es wird nichts verdrängt. Es wird normal, verschieden zu sein.
Rücksichtnahmen und zugleich angstfreies miteinander Umgehen sind Chancen und Lernziele einer integrativen Kindertagesstättenarbeit. Kennzeichnend für die integrative Arbeit in Kindertageseinrich-tungen ist die Gestaltung eines harmonischen Miteinanders trotz bestehender Unterschiede.
Das vorliegende Konzept bildet die Grundlage für die Integration von Kindern mit und ohne Behinderung in Kindertageseinrichtungen in der Gemeinde Ovelgönne.
Im Allgemeinen ist unter dem Begriff Integration die gemeinsame Betreuung, Bildung und Erziehung aller Kinder zu verstehen.
„Betreuen meint dabei, Lebens- und Spielräume so zu gestalten, dass Kinder sich emotional sicher, geborgen und so, wie sie sind, angenommen fühlen können. Bilden und Erziehen in integrativen Kindergruppen heißt, allen Kindern die Möglichkeit geben, ihrem eigenen Rhythmus entsprechend zu wachsen und sich zu entwickeln“ (Steinack in kinder, kinder – sicher / gesund, 3/2003).
Die aktuelle Rechtslage betont das Recht von Menschen mit Behinderungen auf gleichberechtigte Teilhabe am gesellschaftlichen Leben und auf Vermeidung von Benachteiligungen.
In der UN – Konvention von 2012 über die Rechte von Menschen mit Behinderungen verpflichteten sich die Unterzeichnerstaaten ein System einzurichten, in dem der gemeinsame Unterricht von Schülern mit und ohne Beeinträchtigung der Regelfall ist. Die Aufnahme von Kindern mit Beeinträchtigungen in Kindertageseinrichtungen und allgemeinbildenden Schulen ist in vielen Ländern verbreitet und gesetzlich reguliert. Auch in Deutschland hat sich das zunehmend durchgesetzt. Die Umsetzung inklusiver Ideen und Praktiken ist nicht nur für die Sonderpädagogik, sondern auch für die allgemeine Pädagogik mit erheblichen Herausforderungen verbunden.
Das Regionale Konzept gilt für den Bereich der Gemeinde Ovelgönne.
Die Rahmenbedingungen ergeben sich aus dem Nds. Gesetz über Tageseinrichtungen für Kinder und aus der Verordnung des Nds. Kultusministeriums für die Mindestanforderungen an besondere Tageseinrichtungen für Kinder (1. u. 2. Durchführungsverordnung Kindertagesstättengesetz = DVO KiTaG) und das Nds. Kindertagesstättengesetz. Für eine integrative Gruppe ist eine Betriebserlaubnis durch das Nds. Kultusministerium, Außenstelle Oldenburg erforderlich, die in diesem Rahmen auch Trägerberatung anbieten.
Die Betreuung mehrerer Kinder mit Behinderung in einer Gruppe hat Vorrang vor der Betreuung nur eines Kindes mit Behinderung in einer Gruppe (Einzelintegration).
Die Einrichtung weiterer integrativer Gruppen ist – abhängig vom Bedarf – anzustreben.
Die integrative Betreuung findet mindestens fünf Stunden täglich an fünf Tagen in der Woche statt (§ 1 Abs 6, 2. DVO KiTaG, LS – Rundschreiben 2/2012). Sonderöffnungszeiten bleiben hierbei unberücksichtigt.
2.2. Räumliche und sachliche Ausstattung
Gemäß §2 Abs. 7 der 2. DVO – KiTaG umfasst der Gruppenraum für die integrative Krippe und die integrative Kindergartengruppe mindestens 3 qm je Kind. Die weiteren Räume und Außenflächen zum Spielen müssen den Anforderungen einer integrativen Krippen- bzw. Kindergartengruppe entsprechen.
Für heilpädagogische, therapeutische und pflegerische Maßnahmen stehen zusätzliche geeignete Räume zur Verfügung.
Für besondere Bedürfnisse bzw. Hilfsmittel zur Rehabilitation eines einzelnen Kindes z. B. ein Therapiestuhl, müssen diese Mittel für das betreffende Kind über dessen Eltern beantragt werden. Diese Hilfsmittel werden für die Dauer des Aufenthaltes des Kindes in der Einrichtung der Einrichtung zur Verfügung gestellt und nach Beendigung an die Eltern zurückgegeben.
Die integrative Arbeit vorbereitende und sie begleitende Fortbildung wird durch den Träger sichergestellt.
2.4. Fachberatung
Gemäß § 11 (1) KiTaG sorgen die Träger von Tageseinrichtungen für eine fachliche Beratung ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Bei Bedarf ist der örtliche Träger- das Jugendamt des Landkreises Wesermarsch - in die Aufgabe einzubeziehen.
Zusätzlich wird für die integrativen Gruppen eine bedarfsgerechte behindertenspezifische Fachberatung durch den jeweiligen Träger sichergestellt.
Leitendes Ziel der Zusammenarbeit mit den Eltern in der integrativen Maßnahme ist, dass sich die Kindertagesstätte und das Elternhaus wechselseitig unterstützen und ergänzen. Dieses bedarf ein hohes Maß der Sensibilisierung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und bedeutet hierbei, die Eltern zu begleiten, zu beraten, aufzuklären, zu informieren und Hilfestellung bei Problemen zu geben. Ein reger Erfahrungsaustausch und die Abstimmung pädagogischer Prozesse sind hierbei von großer Bedeutung.
2.6. Therapieangebot
Ärztlich verordnete Therapien (Ergo-, Physio-, Sprachtherapie) können in der Kindertagesstätte bei Vorliegen einer entsprechenden ärztlichen Verordnung durch externe Therapeuten durchgeführt werden. Dies kann in kooperativer Zusammenarbeit mit ortsansässigen oder in der näheren Umgebung praktizierenden Therapeuten geschehen.
Die Therapieangebote sollen weitgehend in die erzieherischen Gruppenprozesse eingebunden werden. In der Kindertagesstätte werden dafür nach Möglichkeit geeignete Räumlichkeiten für externe Therapeuten kostenfrei zur Verfügung gestellt.
2.7. Pflegeangebot
Notwendige pflegerische Maßnahmen finden in einem geeigneten Raum statt.
3. Trägerarbeitsgemeinschaft (TAG)
Für die Maßnahmen zur gemeinsamen Erziehung von Kindern mit und ohne Behinderung in Tageseinrichtungen für Kinder gemäß § 45 Abs. 1 SGB VIII bedarf es nach der 2. DVO-KiTaG der Bildung einer regionalen Arbeitsgemeinschaft.
3.1. Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft:
· die Kindertagesstättenleiter/innen der kirchlichen Träger
· die Kindertagesstättenleiter/innen des Elternverein Großenmeer - Oldenbrok e. V.
Je ein/e Vertreter/in
· der Gemeinde Ovelgönne
· des Landkreises Wesermarsch
- Fachdienst 50 - Soziales
- Fachdienst 51 - Jugend
- Fachdienst 53 - Gesundheit
· der Ev. Kirchengemeinde Vier Kirchen Ovelgönne, Träger
· des Elternvereins Großenmeer - Oldenbrok e. V.
· der Großtagespflegestellen
· der Interdisziplinären Frühförderstelle
· der Grundschulen
· der Familien- und Kinderservicebüros (für die Kindertagespflege)
· des Therapiezentrums Ovelgönne
· Bei Bedarf können Vertreter anderer Institutionen zu den Sitzungen
3.2. Aufgaben der regionalen Arbeitsgemeinschaft
Die TAG hat das Regionale Konzept (RK) erstellt. Alle Träger der AG haben sich mit ihrer Unterschrift auf die Einhaltung der getroffenen Vereinbarungen verpflichtet.
Die TAG wird sich mindestens einmal jährlich treffen. Außerdem können ordentliche Beratungen zu besonderen Schwerpunktthemen einberufen werden. Die Einladung zu diesen Treffen und Beratungen erfolgt durch die Leiterin der Ev. Kindertagesstätte Villa Kunterbunt. Jedes Mitglied der TAG ist berechtigt, aus angemessenem Anlass die Einrichtungsleiterin zur Einladung zu einem Treffen oder zu einer Beratung aufzufordern.
3.3. Zuständigkeiten und Verfahren
Die grundlegenden bundesrechtlichen Bestimmungen finden sich in den Gesetzen des SGB XII und des SGB IX. Für Kinder mit einer körperlichen und/oder geistigen Behinderung ist die Zuständigkeit des Trägers der Sozialhilfe SGB XII (siehe Diagramm a)) gegeben.
Für die Kinder mit einer seelischen Behinderung liegt die Zuständigkeit beim Träger der Jugendhilfe (siehe Diagramm b)). Die Verfahren zur Erstellung der Leistungsberechtigung und der notwendigen Teilhabeleistungen sind in der Sozial- und Jugendhilfe unterschiedlich:
3.3.1. Verfahren für die Anerkennung des Förderbedarfs eines Kindes gemäß
3.3.2. Antrags- und Anerkennungsverfahren gemäß §35a SGB VIII Jugendhilfe
Es werden nur Kinder mit Behinderung/besonderem Förderbedarf aus dem Geltungsbereich der Vereinbarung aufgenommen. In Ausnahmefällen können Kinder aus angrenzenden Kommunen aufgenommen werden.
Über die Aufnahme der Kinder entscheidet die TAG unter Hinzuziehung aller bisher mit dem aufzunehmenden Kind arbeitenden Institutionen und Fachrichtungen/Fachgremien. Dieser vorgenannte Personenkreis befindet mindestens einmal im Jahr über jedes behinderte Kind, wie und in welcher Einrichtung die weitere pädagogische Versorgung erfolgen soll.
Die (vorzeitige) Entlassung eines Kindes aus pädagogischen Gründen kann nur nach eingehender Beratung im Fachkräftegremium und Sicherstellung der weiteren Betreuung und Förderung in einer geeigneten Kindertageseinrichtung erfolgen.
4. Bedarfsermittlung an integrativen Plätzen
Die Aufgaben der Koordination im Zusammenhang mit dem Regionalen Konzept nimmt der Fachdienst Jugend des Landkreises Wesermarsch als Träger der örtlichen Jugendhilfe wahr.
Für die Planung integrativer Gruppen und wegen der Auswirkungen auf die Anzahl von Plätzen in den Regelkindergartengruppen ist im Vorfeld des Kindergartenjahres eine möglichst genaue Kenntnis über den Bedarf an Plätzen, sowohl integrativer als auch Regelkindergartenplätze erforderlich. Gemäß §13 Ab. 2 des Nds. KiTaG ist der Bedarf an Plätzen für die gemeinsame Erziehung von behinderten und nicht behinderten Kindern gesondert festzustellen. Vor diesem Hintergrund werden die Bedarfsrechnungen für 2% der Kinder bei fünf Altersjahrgängen durchgeführt.
Der vom Landkreis erstellte Kindertagesstättenbedarfsplan stellt den rechnerischen Bedarf an Plätzen in Integrationsgruppen auf dieser Grundlage dar. Der Bedarf an Regelkindergartenplätzen wird über den jährlich fortzuschreibenden Kindertagesstättenbedarfsplan für den Landkreis Wesermarsch ermittelt.
5. Tageseinrichtungen für Kinder im Einzugsbereich
1. Ev. Kindertagesstätte „Villa Kunterbunt“, Ovelgönne
2. Ev. Kindertagesstätte „Kastanienbaum“, Neustadt
3. Kindertagesstätte „Sonnenblume“, Oldenbrok,
4. Kindertagesstätte „Nordlicht“, Großenmeer
5. Kindergroßtagespflegestelle „Zwergenstübchen“, Oldenbrok
6.1. Möglichkeiten der heilpädagogisch/therapeutischen Betreuung
In folgenden Einrichtungen können Kinder aus der Gemeinde Ovelgönne betreut:
· Sprachheilkindergärten Nordenham, Oldenburg
· Heilpädagogische Kindertagesstätte der Lebenshilfe Wesermarsch in Brake
· Heilpädagogische Kindertagesstätte der Lebenshilfe Delmenhorst und Landkreis Oldenburg in
· Heilpäd. Kiga der Diakonie Philosophenweg Oldenburg
· Heilpäd. Zentrum Friesland Süd der GPS, Varel-Seghorn
· Pädagogisch-therapeutisches Zentrum der Diakonie, Oldenburg Borchersweg
· Landesbildungszentrum für Hörgeschädigte in Oldenburg
6.2. Ambulante Betreuung
Eine ambulante Betreuung kann durch folgende Frühförderstellen erfolgen:
· Interdisziplinäre Frühförderstelle des CVJM, Brake
· Fachverbund Heilpädagogische Frühförderung e.V.
· Frühförderung der Lebenshilfe Delmenhorst und Landkreis Oldenburg
7. Fachliche Stellungnahmen erfolgen erfahrungsgemäß durch z. B.:
· Die sozialpädiatrischen Zentren in Bremen oder Oldenburg
· Die Kinderklinik in Delmenhorst
· Die Ambulanz der KJP im Wichernstift in Ganderkesee-Elmeloh
· Das Klinikum Oldenburg - Kinder- und Jugendpsychiatrie
· Die niedergelassenen Kinder- und Jugendpsychiater(innen)
· Die Kinderklinik MVZ Oldenburg
8.. Standortbestimmungen der Integrationsgruppen
Mit Beginn des Kindergartenjahres 2017/18 wird in der Gemeinde Ovelgönne in der Ev. Kindertagesstätte Villa Kunterbunt eine integrative Gruppe im Kindergarten mit vier Integrationsplätzen eingerichtet.
9. Wegstrecken
Eine nach Möglichkeit ortsnahe Betreuung der Kinder mit und ohne Behinderung in einer Gruppe wird angestrebt.
Der regelmäßige Erfahrungsaustausch zwischen den integrativen Kindertagesstätten im Landkreis Wesermarsch wird über den Arbeitskreis Integration in Kindertageseinrichtungen sichergestellt, der einmal pro Jahr einberufen werden soll.
Gegenseitige Hospitationen zwischen den integrativen Kindertagesstätten und den Sondereinrichtungen werden angestrebt.
Die bestehende Zusammenarbeit aller Tageseinrichtungen in der Gemeinde Ovelgönne bildet die Grundlage für eine konstruktive und bedarfsgerechte Weiterentwicklung der Kinderbetreuung.
Die Arbeitsgemeinschaft verpflichtet sich, die regionale Vereinbarung für die gemeinsame Erziehung von Kindern mit und ohne Behinderung fortzuschreiben. Hierzu dient auch die rechtzeitige Erhebung zur Bedarfssituation.
Ovelgönne, ______________________
Ev. Kirchengemeinde Vier Kirchen Ovelgönne
Elternverein Großenmeer – Oldenbrok e. V.
Interdisziplinäre Frühförderstelle des CVJM, Wesermarsch
Großtagespflegestelle „Zwergenstübchen“, Oldenbrok
Familien- und Kinderservicebüro, Ovelgönne