Source: https://www.rechtslupe.de/steuerrecht/ust/die-analysen-laborarztes-3128265
Timestamp: 2020-01-22 10:27:00
Document Index: 287195234

Matched Legal Cases: ['Art. 132', 'Art. 132', 'Art. 132', 'Art. 132', '§ 4', '§ 4', '§ 4', 'Art. 132', 'Art. 132', 'Art. 132', '§ 4', 'Art. 132', 'Art. 132', '§ 1', 'Art. 2', '§ 4', 'Art. 132', '§ 4', 'Art. 132', 'Art. 13', '§ 4', '§ 4', 'Art. 13', 'Art. 132', 'EuG', 'Art. 13', 'Art. 13', 'Art. 132', '§ 118', '§ 4', 'Art. 132', 'Art. 132', '§ 4', 'EuG', '§ 4', '§ 4', '§ 4', '§ 95', '§ 115', 'EuG', 'Art. 132', 'Art. 132', '§ 4', 'Art. 132', '§ 4', 'Art. 132', 'Art. 132', 'EuG', 'Art. 13', 'EuG', 'EuG', 'Art. 13', 'Art. 132', 'Art. 132', 'Art. 132', 'Art. 132', 'EuG', 'Art. 13', 'Art. 132', 'EuG', 'EuG', 'EuG', 'Art. 132', 'EuG', '§ 4', 'EuG', '§ 4', '§ 4', '§ 4', 'EuG', 'EuG', 'EuG', 'EuG', 'EuG', 'EuG', 'EuG', 'EuG', 'EuG', 'EuG', 'EuG', 'EuG', 'EuG', 'EuG', 'EuG', 'EuG', 'EuG']

Die Ana­ly­sen eines Labor­arz­tes – und die Umsatz­steu­er­frei­heit | Rechtslupe
Der Bun­des­fi­nanz­hof hat Zwei­fel, ob von einem Labor­arzt an ein Labor­un­ter­neh­men aus­ge­führ­te medi­zi­ni­sche Ana­ly­sen, die der vor­beu­gen­den Beob­ach­tung und Unter­su­chung von Pati­en­ten die­nen, von der Umsatz­steu­er befreit sind und hat die­se Fra­ge dem Gerichts­hof­der Euro­päi­schen Uni­on zur Vor­ab­ent­schei­dung vor­ge­legt.
Beur­teilt sich die Steu­er­frei­heit von Heil­be­hand­lun­gen eines Fach­arz­tes für kli­ni­sche Che­mie und Labo­ra­to­ri­ums­dia­gnos­tik im Bereich der Human­me­di­zin unter Umstän­den wie denen des Aus­gangs­ver­fah­rens nach Art. 132 Abs. 1 Buchst. c der Richt­li­nie 2006/​112/​EG des Rates vom 28.11.2006 über das gemein­sa­me Mehr­wert­steu­er­sys­tem oder nach Art. 132 Abs. 1 Buchst. b der Richt­li­nie 2006/​112/​EG des Rates vom 28.11.2006 über das gemein­sa­me Mehr­wert­steu­er­sys­tem?
Setzt die Anwend­bar­keit von Art. 132 Abs. 1 Buchst. c der Richt­li­nie 2006/​112/​EG des Rates vom 28.11.2006 über das gemein same Mehr­wert­steu­er­sys­tem falls die­se Bestim­mung anwend­bar ist ein Ver­trau­ens­ver­hält­nis zwi­schen dem Arzt und der behan­del­ten Per­son vor­aus?
Nach Art. 132 Abs. 1 Buchst. c der MwSt­Sys­tRL 2006/​112/​EG sind Heil­be­hand­lun­gen im Bereich der Human­me­di­zin, die im Rah­men der Aus­übung der von dem betref­fen­den Mit­glied­staat defi­nier­ten ärzt­li­chen und arzt­ähn­li­chen Beru­fe durch­ge­führt wer­den, steu­er­frei; dem ent­spricht § 4 Nr. 14 Buchst. a Satz 1 UStG.
Abs. 1 Buchst. b MwSt­Sys­tRL regelt dem­ge­gen­über die Steu­er­be­frei­ung von Kran­ken­haus­be­hand­lun­gen und ärzt­li­chen Heil­be­hand­lun­gen, die von Ein­rich­tun­gen des öffent­li­chen Rechts oder in sozia­ler Hin­sicht ver­gleich­ba­ren ande­ren aner­kann­ten Ein­rich­tun­gen bewirkt wer­den. Dies soll durch § 4 Nr. 14 Buchst. b UStG umge­setzt wer­den, der die Steu­er­be­frei­ung an wei­te­re Vor­aus­set­zun­gen knüpft; nach den Vor­stel­lun­gen des Gesetz­ge­bers 1 kön­nen medi­zi­ni­sche Ver­sor­gungs­zen­tren, Ein­rich­tun­gen von Labor­ärz­ten oder kli­ni­schen Che­mi­kern sowie Pra­xis­kli­ni­ken unter die­se Vor­schrift fal­len.
In dem beim Bun­des­fi­nanz­hof anhän­gi­gen Streit­fall fer­tig­te der Labor­arzt für ein in pri­vat­recht­li­cher Form orga­ni­sier­tes Labor medi­zi­ni­sche Ana­ly­sen, die außer­halb der Pra­xis­räu­me des sie anord­nen­den prak­ti­schen Arz­tes durch­ge­führt wur­den.
Der Bun­des­fi­nanz­hof ver­tritt in dem Vor­la­ge­be­schluss die Auf­fas­sung, dass die­se Leis­tun­gen als Heil­be­hand­lun­gen im Bereich der Human­me­di­zin, die im Rah­men der Aus­übung der Tätig­keit als Arzt durch­ge­führt wur­den, den Tat­be­stand der Steu­er­be­frei­ung des § 4 Nr. 14 Buchst. a Satz 1 UStG, Art. 132 Abs. 1 Buchst. c MwSt­Sys­tRL erfül­len. Mit dem Vor­ab­ent­schei­dungs­er­su­chen des Bun­des­fi­nanz­hofs soll geklärt wer­den, ob die Anwen­dung des Art. 132 Abs. 1 Buchst. c MwSt­Sys­tRL durch Art. 132 Abs. 1 Buchst. b MwSt­Sys­tRL aus­ge­schlos­sen ist, d.h. sol­che Leis­tun­gen nur unter den wei­te­ren Vor­aus­set­zun­gen des § 4 Nr. 14 Buchst. b UStG, Art. 132 Abs. 1 Buchst. b MwSt­Sys­tRL von der Umsatz­steu­er befreit sind. Fer­ner stellt sich ‑falls Art. 132 Abs. 1 Buchst. c MwSt­Sys­tRL anwend­bar ist- die Fra­ge, ob die betref­fen­de Steu­er­be­frei­ung ‑wie das Finanz­amt meint- ein per­sön­li­ches Ver­trau­ens­ver­hält­nis zwi­schen Pati­ent und Behan­deln­dem vor­aus­setzt.
Die gemäß § 1 UStG, Art. 2 Abs. 1 Buchst. a MwSt­Sys­tRL steu­er­ba­ren Leis­tun­gen des Labor­arz­tes erfül­len den Tat­be­stand der Steu­er­be­frei­ung des § 4 Nr. 14 Buchst. a Satz 1 UStG, Art. 132 Abs. 1 Buchst. c MwSt­Sys­tRL. Es han­delt sich um Heil­be­hand­lun­gen im Bereich der Human­me­di­zin, die im Rah­men der Aus­übung der Tätig­keit als Arzt durch­ge­führt wur­den.
§ 4 Nr. 14 Buchst. a Satz 1 UStG ist im Lich­te des Art. 132 Abs. 1 Buchst. c MwSt­Sys­tRL (vor­mals: Art. 13 Teil A Abs. 1 Buchst. c der Sechs­ten Richt­li­nie 77/​388/​EWG des Rates vom 17.05.1977 zur Har­mo­ni­sie­rung der Rechts­vor­schrif­ten der Mit­glied­staa­ten über die Umsatz­steu­ern) uni­ons­rechts­kon­form aus­zu­le­gen.
Dies war für § 4 Nr. 14 Satz 1 UStG a.F. aner­kannt 2. Glei­ches gilt für die gesetz­li­che Neu­fas­sung nach dem Jah­res­steu­er­ge­setz 2009, da nach dem erklär­ten Wil­len des Gesetz­ge­bers 3 "die bis­he­ri­ge Steu­er­be­frei­ung in § 4 Nr. 14 UStG … – unter Über­nah­me der Ter­mi­no­lo­gie des Arti­kels 132 Abs. 1 Buch­sta­be c MwSt­Sys­tRL – in dem neu­en 4 Nr. 14 Buch­sta­be a UStG fort­ge­führt wer­den" soll. Weil Art. 13 Teil A Abs. 1 Buchst. c der Richt­li­nie 77/​388/​EWG sowie Art. 132 Abs. 1 Buchst. c MwSt­Sys­tRL in glei­cher Wei­se aus­zu­le­gen sind, kann auch die Recht­spre­chung des EuGH zu Art. 13 Teil A Abs. 1 Buchst. c der Richt­li­nie 77/​388/​EWG wei­ter­hin zur Aus­le­gung her­an­ge­zo­gen wer­den 4.
Der Begriff "Heil­be­hand­lun­gen im Bereich der Human­me­di­zin" ist ein auto­no­mer uni­ons­recht­li­cher Begriff 5. Sowohl der Begriff "ärzt­li­che Heil­be­hand­lung" als auch der Begriff "Heil­be­hand­lun­gen im Bereich der Human­me­di­zin" erfas­sen Leis­tun­gen, die zur Dia­gno­se, Behand­lung und, so weit wie mög­lich, Hei­lung von Krank­hei­ten oder Gesund­heits­stö­run­gen die­nen 6.
Medi­zi­ni­sche Ana­ly­sen, die von prak­ti­schen Ärz­ten im Rah­men ihrer Heil­be­hand­lun­gen ange­ord­net wer­den, kön­nen zur Auf­recht­erhal­tung der mensch­li­chen Gesund­heit bei­tra­gen, da sie eben­so wie jede vor­beu­gend erbrach­te ärzt­li­che Leis­tung dar­auf abzie­len, die Beob­ach­tung und die Unter­su­chung der Pati­en­ten zu ermög­li­chen, noch bevor es erfor­der­lich wird, eine etwai­ge Krank­heit zu dia­gnos­ti­zie­ren, zu behan­deln oder zu hei­len. In Anbe­tracht des mit den betref­fen­den Steu­er­be­frei­ungs­re­ge­lun­gen ver­folg­ten Zwe­ckes, die Kos­ten ärzt­li­cher Heil­be­hand­lun­gen zu sen­ken, und im Ein­klang mit dem Grund­satz der steu­er­li­chen Neu­tra­li­tät, der es ver­bie­tet, gleich­ar­ti­ge und des­halb mit­ein­an­der in Wett­be­werb ste­hen­de Dienst­leis­tun­gen hin­sicht­lich der Mehr­wert­steu­er unter­schied­lich zu behan­deln, kön­nen medi­zi­ni­sche Ana­ly­sen, die der vor­beu­gen­den Beob­ach­tung und Unter­su­chung der Pati­en­ten die­nen, "ärzt­li­che Heil­be­hand­lun­gen" oder "Heil­be­hand­lun­gen im Bereich der Human­me­di­zin" im Sin­ne von Art. 13 Teil A Abs. 1 Buchst. b bzw. c der Richt­li­nie 77/​388/​EWG (nun­mehr Art. 132 Abs. 1 Buchst. b bzw. c MwSt­Sys­tRL) sein 7.
Dem­entspre­chend hat das Finanz­ge­richt den Sach­ver­halt für den Bun­des­fi­nanz­hof bin­dend (§ 118 Abs. 2 FGO) dahin­ge­hend gewür­digt, dass der Labor­arzt als Arzt der­ar­ti­ge Heil­be­hand­lun­gen aus­ge­führt hat. Dies ist zwi­schen den Betei­lig­ten nicht umstrit­ten.
Frag­lich ist aber, ob bei medi­zi­ni­schen Ana­ly­sen wie im Streit­fall die Steu­er­be­frei­ung des § 4 Nr. 14 Buchst. a Satz 1 UStG, Art. 132 Abs. 1 Buchst. c MwSt­Sys­tRL des­halb (von vorn­her­ein) nicht anwend­bar ist, weil sie durch Art. 132 Abs. 1 Buchst. b MwSt­Sys­tRL ver­drängt wird.
Der Gesetz­ge­ber hat sich bei der Neu­fas­sung des § 4 Nr. 14 UStG davon lei­ten las­sen, dass "Kri­te­ri­um für die Abgren­zung des Anwen­dungs­be­reichs der bei­den Befrei­ungs­tat­be­stän­de in Arti­kel 132 Abs. 1 Buch­sta­be b und c MwSt­Sys­tRL … weni­ger die Art der Leis­tung als viel­mehr der Ort ihrer Erbrin­gung [ist]. Der EuGH hat fest­ge­stellt, dass sol­che Leis­tun­gen nach Arti­kel 132 Abs. 1 Buch­sta­be b MwSt­Sys­tRL von der Mehr­wert­steu­er zu befrei­en sind, die aus einer Gesamt­heit von ärzt­li­chen Heil­be­hand­lun­gen in Ein­rich­tun­gen mit sozia­ler Zweck­be­stim­mung wie der des Schut­zes der mensch­li­chen Gesund­heit bestehen, wäh­rend Buch­sta­be c auf Leis­tun­gen anwend­bar ist, die außer­halb von Kran­ken­häu­sern oder ähn­li­chen Ein­rich­tun­gen im Rah­men eines per­sön­li­chen Ver­trau­ens­ver­hält­nis­ses zwi­schen Pati­en­ten und Behan­deln­dem, z.B. in den Pra­xis­räu­men des Behan­deln­den, in der Woh­nung des Pati­en­ten oder an einem ande­ren Ort erbracht wer­den 8. … Der Kreis der [in dem neu­en § 4 Nr. 14 Buchst. a UStG] aus­drück­lich auf­ge­führ­ten ärzt­li­chen und arzt­ähn­li­chen Beru­fe bleibt grund­sätz­lich unver­än­dert; aus­ge­klam­mert aus der Befrei­ungs­vor­schrift des Buch­sta­ben a wird aber aus­drück­lich die Tätig­keit als kli­ni­scher Che­mi­ker. Da des­sen Leis­tun­gen nicht auf einem per­sön­li­chen Ver­trau­ens­ver­hält­nis zwi­schen Pati­en­ten und behan­deln­der Per­son beru­hen, wer­den die­se von dem neu­en Buch­sta­ben b Satz 2 Dop­pel­buch­sta­be cc mit erfasst …" 3.
"In § 4 Nr. 14 Buch­sta­be b Satz 1 UStG wird die bis­he­ri­ge Befrei­ung des § 4 Nr. 16 Buch­sta­be a UStG für die von juris­ti­schen Per­so­nen des öffent­li­chen Rechts betrie­be­nen Ein­rich­tun­gen fort­ge­führt. … Durch den Dop­pel­buch­sta­ben bb wer­den die Zen­tren der ärzt­li­chen … Heil­be­hand­lung und Dia­gnos­tik oder Befund­er­he­bung, die an der ver­trags­ärzt­li­chen Ver­sor­gung nach § 95 [SGB V] teil­neh­men oder für die Rege­lun­gen nach § 115 SGB V gel­ten, als steu­er­be­güns­tig­te Ein­rich­tun­gen aner­kannt. Unter die­se Befrei­ungs­vor­schrift kön­nen, unab­hän­gig von ihrer Rechts­form, z.B. medi­zi­ni­sche Ver­sor­gungs­zen­tren, Ein­rich­tun­gen von Labor­ärz­ten oder kli­ni­schen Che­mi­kern sowie Pra­xis­kli­ni­ken fal­len …" 1.
Der Klä­rung durch den EuGH bedarf, ob es sich hier­bei um eine zutref­fen­de Inter­pre­ta­ti­on sei­ner Recht­spre­chung durch den natio­na­len Gesetz­ge­ber han­delt, dass bei medi­zi­ni­schen Ana­ly­sen die Anwen­dung des Art. 132 Abs. 1 Buchst. c MwSt­Sys­tRL durch Art. 132 Abs. 1 Buchst. b MwSt­Sys­tRL aus­ge­schlos­sen ist und dem­entspre­chend medi­zi­ni­sche Ana­ly­sen, die von einem in pri­vat­recht­li­cher Form orga­ni­sier­ten Labor außer­halb der Pra­xis­räu­me des sie anord­nen­den prak­ti­schen Arz­tes durch­ge­führt wer­den, nur nach § 4 Nr. 14 Buchst. b UStG, Art. 132 Abs. 1 Buchst. b MwSt­Sys­tRL, nicht aber auch nach § 4 Nr. 14 Buchst. a UStG, Art. 132 Abs. 1 Buchst. c MwSt­Sys­tRL steu­er­frei sind 9.
Zur Abgren­zung der Anwen­dungs­be­rei­che von Art. 132 Abs. 1 Buchst. b und c MwSt­Sys­tRL hat der EuGH im Urteil L.u.P. 10 ent­schie­den, dass bei medi­zi­ni­schen Ana­ly­sen, die von ‑in pri­vat­recht­li­cher Form orga­ni­sier­ten- Labo­ren außer­halb der Pra­xis­räu­me des prak­ti­schen Arz­tes durch­ge­führt wer­den, der sie ange­ord­net hat, zu prü­fen ist, ob die Ana­ly­sen unter Art. 13 Teil A Abs. 1 Buchst. b der Richt­li­nie 77/​388/​EWG fal­len kön­nen 11. Der EuGH hat dies bejaht, da der­ar­ti­ge Labo­re als Ein­rich­tung "glei­cher Art" wie "Kran­ken­an­stal­ten" und "Zen­tren für ärzt­li­che Heil­be­hand­lung und Dia­gnos­tik" anzu­se­hen sind 12.
Ande­rer­seits hat der EuGH mit Urteil Kli­ni­kum Dort­mund vom 13.03.2014 13 ent­schie­den, dass Heil­be­hand­lun­gen, die Ärz­te erbrin­gen, die gegen­über einem Kli­ni­kum selb­stän­dig, aber inner­halb des Kran­ken­haus­be­triebs tätig sind, gemäß Art. 13 Teil A Abs. 1 Buchst. c der Richt­li­nie 77/​388/​EWG von der Mehr­wert­steu­er befreit sind, obwohl die Heil­be­hand­lun­gen in den Räu­men des Kran­ken­hau­ses aus­ge­führt wur­den. "Ande­rer Ort" i.S. des Art. 132 Abs. 1 Buchst. c MwSt­Sys­tRL kann danach auch eine Ein­rich­tung i.S. des Art. 132 Abs. 1 Buchst. b MwSt­Sys­tRL sein.
Fer­ner stellt sich, falls Art. 132 Abs. 1 Buchst. c MwSt­Sys­tRL anwend­bar ist, die Fra­ge, ob die Anwen­dung des Art. 132 Abs. 1 Buchst. c MwSt­Sys­tRL ein per­sön­li­ches Ver­trau­ens­ver­hält­nis zwi­schen Pati­ent und Behan­deln­dem vor­aus­setzt.
Nach den EuGH-Urtei­len Kommission/​Vereinigtes König­reich vom 23.02.1988 14 und Dor­nier vom 06.11.2003 15 ist das Kri­te­ri­um für die Abgren­zung des Anwen­dungs­be­reichs der bei­den Befrei­ungs­tat­be­stän­de in Art. 13 Teil A Abs. 1 Buchst. b und c der Richt­li­nie 77/​388/​EWG (nun­mehr Art. 132 Abs. 1 Buchst. b und c MwSt­Sys­tRL) weni­ger die Art der Leis­tung als viel­mehr der Ort ihrer Erbrin­gung. Ent­spre­chend hat der EuGH den­je­ni­gen Leis­tun­gen, die aus einer Gesamt­heit von ärzt­li­chen Heil­be­hand­lun­gen in Ein­rich­tun­gen mit sozia­ler Zweck­be­stim­mung wie der des Schut­zes der mensch­li­chen Gesund­heit bestehen (Buchst. b), die­je­ni­gen Leis­tun­gen gegen­über­ge­stellt, die außer­halb von Kran­ken­häu­sern ‑im Rah­men eines Ver­trau­ens­ver­hält­nis­ses zwi­schen Pati­ent und Behan­deln­dem- erbracht wer­den (Buchst. c).
Das Merk­mal "im Rah­men eines Ver­trau­ens­ver­hält­nis­ses zwi­schen Pati­ent und Behan­deln­dem" fin­det sich jedoch in den spä­ter ergan­ge­nen EuGH-Urtei­len Küg­ler vom 10.09.2002 16, L.u.P. 17, Copy­Ge­ne 18, Future Health Tech­no­lo­gies 19, PFC Cli­nic vom 21.03.2013 20 und De Fru­y­tier vom 02.07.2015 21 nicht mehr wie­der.
Fer­ner lagen den Rechts­sa­chen L.u.P. 10 und Veri­gen Trans­plan­ta­ti­on Ser­vice Inter­na­tio­nal 22 Sach­ver­hal­te zu Grun­de, in denen ein per­sön­li­ches Ver­trau­ens­ver­hält­nis zwi­schen Pati­en­ten und Leis­tungs­er­brin­ger nicht bestand.
Nach Auf­fas­sung des Bun­des­fi­nanz­hofs hat das Merk­mal "im Rah­men eines Ver­trau­ens­ver­hält­nis­ses zwi­schen Pati­ent und Behan­deln­dem" für den Ort der Leis­tung als dem nach der EuGH-Recht­spre­chung ent­schei­den­den Abgren­zungs­merk­mal zwi­schen den Befrei­ungs­tat­be­stän­den des Art. 132 Abs. 1 Buchst. b und c MwSt­Sys­tRL kei­ne ent­schei­den­de Bedeu­tung.
In den Geset­zes­ma­te­ria­li­en 3 zitiert der Gesetz­ge­ber zwar zutref­fend die EuGH-Recht­spre­chung, dass Kri­te­ri­um für die Abgren­zung des Anwen­dungs­be­reichs der bei­den Befrei­ungs­tat­be­stän­de weni­ger die Art der Leis­tung als viel­mehr der Ort ihrer Erbrin­gung ist. Soweit er jedoch in Bezug auf § 4 Nr. 14 Buchst. a UStG die Tätig­keit als kli­ni­scher Che­mi­ker aus der Befrei­ungs­vor­schrift aus­klam­mert, da des­sen Leis­tun­gen nicht auf einem per­sön­li­chen Ver­trau­ens­ver­hält­nis zwi­schen Pati­en­ten und behan­deln­der Per­son beru­hen 23, fußt dies nach Auf­fas­sung des Bun­des­fi­nanz­hofs auf einer unzu­tref­fen­den Inter­pre­ta­ti­on der EuGH-Recht­spre­chung.
Der Bun­des­fi­nanz­hof ist bereits davon aus­ge­gan­gen, dass das Bestehen eines Ver­trau­ens­ver­hält­nis­ses zwi­schen Arzt und Pati­ent kei­ne (zwin­gen­de) Vor­aus­set­zung für die Steu­er­be­frei­ung einer Tätig­keit im Rah­men einer Heil­be­hand­lung im Sin­ne des § 4 Nr. 14 Buchst. a Satz 1 UStG ist 24. Viel­mehr bil­det ein sol­ches Ver­trau­ens­ver­hält­nis ledig­lich einen typi­schen Anwen­dungs­fall der Befrei­ungs­vor­schrift. Dafür, dass das Bestehen eines Ver­trau­ens­ver­hält­nis­ses zwi­schen Arzt und Pati­ent kein Abgren­zungs­merk­mal zwi­schen einer Kran­ken­haus­be­hand­lung und einer außer­halb von Kran­ken­häu­sern erbrach­ten Heil­be­hand­lungs­leis­tung ist, spricht fer­ner, dass auch Leis­tun­gen im Sin­ne des § 4 Nr. 16 UStG a.F. bzw. des § 4 Nr. 14 Buchst. b UStG regel­mä­ßig auf einem Ver­trau­ens­ver­hält­nis zwi­schen Arzt und Pati­ent beru­hen.
Bun­des­fi­nanz­hof, Beschluss vom 11. Okto­ber 2017 – XI R 23/​15
BT-Drs. 16/​10189, S. 75[↩][↩]
stän­di­ge Recht­spre­chung, vgl. z.B. BFH, Urtei­le vom 19.12 2002 – V R 28/​00, Samm­lung der Ent­schei­dun­gen des Bun­des­fi­nanz­hofs ‑BFHE- 201, 330, Bun­des­steu­er­blatt, Teil – II ‑BSt­Bl II- 2003, 532; vom 01.04.2004 – V R 54/​98, BFHE 205, 505, BSt­Bl II 2004, 681; vom 07.02.2013 – V R 22/​12, BFHE 240, 428, BSt­Bl II 2014, 126; vom 05.11.2014 – XI R 11/​13, BFHE 248, 389, UR 2015, 180, Rz 17[↩]
BT-Drs. 16/​10189, S. 74[↩][↩][↩]
vgl. EuGH, Urteil Future Health Tech­no­lo­gies vom 10.06.2010 – C‑86/​09, EU:C:2010:334, UR 2010, 540, Rz 26 f.[↩]
vgl. EuGH, Urtei­le Unter­per­tin­ger vom 20.11.2003 – C‑212/​01, EU:C:2003:625, UR 2004, 70, Rz 35; D' Ambru­me­nil und Dis­pu­te Reso­lu­ti­on Ser­vices vom 20.11.2003 – C‑307/​01, EU:C:2003:627, UR 2004, 75, Rz 53[↩]
vgl. EuGH, Urtei­le L.u.P., EU:C:2006:380, UR 2006, 464, Rz 27; Copy­Ge­ne vom 10.06.2010 – C‑262/​08, EU:C:2010:328, UR 2010, 526, Rz 28; BFH, Urtei­le vom 12.08.2004 – V R 27/​02, Samm­lung amt­lich nicht ver­öf­fent­lich­ter Ent­schei­dun­gen des Bun­des­fi­nanz­hofs 2005, 583; in BFHE 248, 389, UR 2015, 180, Rz 19[↩]
vgl. EuGH, Urteil vom 06.11.2003, – C‑45/​01, … Rn. 47[↩]
so BFH, Urteil vom 24.08.2017 – V R 25/​16, zur amt­li­chen Ver­öf­fent­li­chung bestimmt, Deut­sches Steu­er­recht 2017, 2174, Rz 9[↩]
EuGH, EU:C:2006:380, UR 2006, 464[↩][↩]
EuGH, a.a.O., Leit­satz 1, Rz 39[↩]
EuGH, Urteil L.u.P., EU:C:2006:380, UR 2006, 464, Rz 35[↩]
EuGH, Urteil Kli­ni­kum Dort­mund vom 13.03.2014 – C‑366/​12, EU:C:2014:143, UR 2014, 271, Rz 25[↩]
EuGH, Urteil Kommission/​Vereinigtes König­reich vom 23.02.1988 – C-353/​85, EU:C:1988:82, HFR 1989, 401, Rz 33[↩]
EuGH, Urteil Dor­nier vom 06.11.2003 – C‑45/​01, EU:C:2003:595, UR 2003, 584, Rz 47[↩]
EuGH, Urteil Küg­ler vom 10.09.2002 – C‑141/​00, EU:C:2002:473, UR 2002, 513, Rz 36[↩]
EuGH, EU:C:2006:380, UR 2006, 464, Rz 22[↩]
EuGH, EU:C:2010:328, UR 2010, 526, Rz 27[↩]
EuGH, EU:C:2010:334, UR 2010, 540, Rz 36[↩]
EuGH, Urteil PFC Cli­nic vom 21.03.2013 – C‑91/​12, EU:C:2013:198, UR 2013, 335, Rz 24[↩]
EuGH, Urteil De Fru­y­tier vom 02.07.2015 – C‑334/​14, EU:C:2015:437, UR 2015, 636, Rz 19[↩]
EuGH, EU:C:2010:695, UR 2011, 215[↩]
eben­so die in Abschn. 4.14.1 Abs. 1 und Abschn. 4.14.5 Abs. 9 UStAE sowie in BMF, Schrei­ben vom 20.11.2013, BSt­Bl. I 2013, 1581 zum Aus­druck kom­men­de Ver­wal­tungs­auf­fas­sung zu Leis­tun­gen kli­ni­scher Che­mi­ker und von Labor­ärz­ten[↩]
vgl. BFH, Urteil vom 29.06.2011 – XI R 52/​07, BFHE 234, 461, BSt­Bl II 2013, 971, Rz 27; sie­he auch Finanz­ge­richt Ham­burg, Urteil vom 23.10.2013 2 K 349/​12, EFG 2014, 383[↩]