Source: https://www.patverfue.de/handbuch/forensik-droht
Timestamp: 2019-06-25 20:26:33
Document Index: 187234659

Matched Legal Cases: ['§63', '§64', '§ 63', '§ 63', '§ 126', '§ 63', '§ 63', '§ 63', '§ 63', '§ 63']

Ei­ni­ge Tex­te des Hand­buch Pat­Ver­fü wer­den zur Zeit (1/2019) ak­tua­li­siert. Wir bit­ten noch um ein we­nig Ge­duld.
Wer un­ter be­stimm­ten Um­stän­den ei­ne Straf­tat be­gan­gen hat und ge­ge­be­nen­falls zu­dem noch in der Ver­gan­gen­heit psych­ia­trisch auf­fäl­lig ge­wor­den ist, d.h. ei­ne psych­ia­tri­sche Ak­te hat, dem/der kann ei­ne Ver­ur­tei­lung nach §63 StGB (oder bei Dro­gen­de­lik­ten auch nach §64 StGB) dro­hen (vgl. ). Be­vor es da­zu kommt, gibt es für die/den Betreffende/n ei­ne Chan­ce, sich mit ei­ner von An­fang an ge­wief­ten Ver­tei­di­gung zu ent­schei­den, im Fal­le ei­ner Ver­ur­tei­lung im nicht-psych­ia­tri­schen Knast zu brum­men, an­statt auf­grund an­geb­li­cher „psy­chi­scher Krank­heit“ für „schuld­un­fä­hig“ er­klärt zu wer­den und als­dann in ei­ner An­stalt der fo­ren­si­schen Psych­ia­trie in­haf­tiert zu sein. Es gibt für ei­ni­ge Men­schen Ar­gu­men­te (und Ängs­te) wi­der den nicht-psych­ia­tri­schen Knast, die of­fen­bar von den fol­gen­den Über­le­gun­gen nicht auf­ge­wo­gen wer­den kön­nen. Die Ent­schei­dung, wel­cher Pfad der Ver­tei­di­gung für ei­nen Straf­pro­zess ein­ge­schla­gen wer­den soll, liegt bei der/dem ein­zel­nen Be­trof­fe­nen. Wir möch­ten den­noch an die­ser Stel­le (noch ein­mal) zu be­den­ken ge­ben, was un­se­rer Mei­nung nach ge­gen die Ent­schei­dung ei­ner Ver­tei­di­gung mit Hil­fe ei­nes psychiatrisch/forensischen Gut­ach­tens spricht: In der Fo­ren­sik sitzt man/frau al­ler Wahr­schein­lich­keit nach viel län­ger für die­sel­be Straf­tat, wie im Knast und ist zu­dem der Will­kür ei­nes Ärz­te-Re­gimes aus­ge­lie­fert: Die ob­szö­ne In­va­si­on in die ei­ge­ne Per­sön­lich­keit und der Ko­lo­nia­li­sie­rungs­ver­such durch „The­ra­pie“, Zwangs­be­hand­lung mit un­er­wünsch­ten Dro­gen, v.a. Neu­ro­lep­ti­ka, ist in der Zwangs­si­tua­ti­on ei­ner Fo­ren­sik na­he­zu über­mäch­tig. Fo­ren­sik un­ge­bro­chen zu über­ste­hen ge­lingt nur ganz We­ni­gen.
Un­be­dingt zu be­den­ken ist: Wenn ei­ne Ver­ur­tei­lung nach § 63 StGB er­folgt ist, gibt es kei­ne Per­spek­ti­ve für „da­nach“ mehr, weil die Ein­sper­rung prak­tisch will­kür­lich und oh­ne wirk­sa­me Re­vi­si­ons­in­stanz in die Län­ge ge­zo­gen wer­den kann. Auch ein An­walt kann ei­nem nicht mehr wirk­lich hel­fen, weil es al­lei­ne ärzt­li­che Will­kür-Gut­ach­ten sind, die as­tro­lo­gisch-pro­phe­tisch über Ihr wei­te­res Schick­sal ent­schei­den. Erst wenn eine/r viel­leicht dop­pelt so lan­ge, wie für die­sel­be Straf­tat im Knast, in der Schlan­gen­gru­be der Fo­ren­sik ge­ses­sen hat, gibt es ei­ne Aus­sicht, mit dem Ver­weis auf die völ­li­ge Un­ver­hält­nis­mä­ßig­keit auf ei­ne Frei­las­sung zu hof­fen.[82]
Wenn man sich ge­gen ei­ne Ver­tei­di­gung mit Hil­fe ei­nes psych­ia­tri­schen Gut­ach­tens ent­schie­den hat, gibt es ein Ur­teil des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts (s.u.), mit dem die­se Ent­schei­dung durch­ge­setzt wer­den kann, wenn man wirk­lich kon­se­quent da­bei bleibt. Da­zu ge­hört auch, je­den Dia­gnos­ti­zie­rungs­ver­such durch ab­so­lut kon­se­quen­tes Schwei­gen (bzw. der Ver­wei­ge­rung mit ei­nem Arzt über­haupt zu spre­chen) zu un­ter­lau­fen, und in ei­ner fo­ren­si­schen Un­ter­su­chungs­haft nur Freun­den Brie­fe mit­zu­ge­ben, da auch die Brie­fin­hal­te ge­gen ei­nen ge­wen­det wer­den kön­nen, wenn sie durch die Zen­sur ge­hen und dann als Ma­te­ri­al für ei­ne psych­ia­tri­sche Ver­leum­dungs­dia­gno­se her­hal­ten müs­sen. Hilf­reich, wahr­schein­lich so­gar not­wen­dig ist es, eine/n Anwältin/Anwalt als Ver­tei­di­ger zu ha­ben, die/der die­se Stra­te­gie wirk­lich mit in­ne­rer Über­zeu­gung trägt. Lei­der las­sen sich vie­le Straf­ver­tei­di­ger noch da­von blen­den, dass sie mit der Ver­tei­di­gung über „Schuldunfähigkeit/§ 63“ ei­nem Pro­zess ei­ne er­folg­rei­che Wen­de ge­ben könn­ten. Des­halb vor ei­ner Man­da­tie­rung des Ver­tei­di­gers die­sen be­fra­gen, ob er/sie wirk­lich be­reit ist, sich für ei­ne sol­che Pro­zess­stra­te­gie oh­ne psych­ia­tri­sches Gut­ach­ten ein­zu­set­zen. Da­zu ge­hört dann even­tu­ell so­gar ei­ne ge­richt­li­che Aus­ein­an­der­set­zung über al­le In­stan­zen, um es zu ver­hin­dern, mit Hil­fe des § 126a StPO zwangs­be­gut­ach­tet zu wer­den. Das Ur­teil des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts, auf das man sich da­bei be­ru­fen kann, hat die­ses Ak­ten­zei­chen: 2 BvR 1523/01.[83]
Ei­ne wei­te­re Stüt­ze in ei­nem Straf­ver­fah­ren, in dem Sie ei­ne Be­stra­fung mit­tels § 63 StGB ver­hin­dern wol­len, ist die Dis­ser­ta­ti­on von An­ne­lie Pra­po­li­nat: „Sub­jek­ti­ve An­for­de­run­gen an ei­ne ‚rechts­wid­ri­ge‘ Tat bei § 63“[84]. Zu­min­dest Ih­rem Ver­tei­di­ger le­gen wir die­sen Text ans Herz.
Soll­ten Sie für ei­ne sol­che Ver­tei­di­gungs­stra­te­gie kei­nen Ver­tei­di­ger in Ih­rem Um­feld fin­den, dem sie auch ver­trau­en, dann ver­su­chen Sie ei­nen der An­wäl­te des Kar­tells ge­gen § 63 StGB zu kon­tak­tie­ren. Oder Sie ru­fen die Fo­ren­sik-Not­ruf­num­mer des Wer­ner-Fuss-Zen­trums an: 030-818 213 90. Die Hot­line hilft dann, eine/n geeignete/n Rechts­an­wäl­tIn zu fin­den. Für die­se Not­ruf-Num­mer ist es al­ler­dings zu spät, wenn Sie schon ver­ur­teilt wur­den.
Wer sich für ei­ne Kri­tik der Fo­ren­sik in­ner­halb der Lo­gik der Zwangs­psych­ia­trie in­ter­es­sie­ren soll­te, al­so be­reit ist, dem psych­ia­tri­schen Gut­ach­ten mehr als ein rei­nes Wort­ge­stö­ber zu­zu­bil­li­gen, dem emp­feh­len wir den er­hel­len­den Bei­trag „Ver­tei­di­gung im Maß­re­gel­voll­zug des § 63 StGB“ der Rechts­an­wäl­tin Ga­brie­le Steck-Brom­me, ge­hal­ten auf dem Straf­ver­tei­di­ger­tag in Köln am 28.02.2009.
[82] Sie­he da­zu die Ent­schei­dung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts 2 BvR 983/04 nach 23(!) Jah­ren Fo­ren­sik we­gen ei­nem Ver­stoß ge­gen das Waf­fen­ge­setz, ei­nem Dieb­stahl in ei­nem be­son­ders schwe­ren Fall und ei­ner Be­dro­hung, oh­ne dass dem Be­trof­fe­nen ein Ge­walt­de­likt zur Last ge­legt wur­de.
[83] Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt Ent­schei­dung 2 BvR 1523/01. www.bundesverfassungsgericht.de/entscheidungen/rk20011009_2bvr152301.html
[84] Pra­po­li­nat, An­ne­lie: Sub­jek­ti­ve An­for­de­run­gen an ei­ne „rechts­wid­ri­ge Tat“ bei § 63 StGB. Ei­ne kri­ti­sche Wür­di­gung der Leh­re des Bun­des­ge­richts­ho­fes von der Un­be­acht­lich­keit spe­zi­fisch krank­heits­be­ding­ter Irr­tü­mer. Saar­brü­cker Ver­lag für Rechts­wis­sen­schaf­ten 2009. Auch im In­ter­net un­ter: www.sub.uni-hamburg.de/opus/volltexte/2004/2271/pdf/Dissertation.pdf
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