Source: https://service.hessen.de/html/Steuerliche-Behandlung-von-Tagespflegepersonen-3215.htm
Timestamp: 2018-10-23 09:35:46
Document Index: 36545958

Matched Legal Cases: ['§ 6', '§ 4', '§ 43', '§ 43', '§ 45', '§ 32', '§ 3', '§ 23', '§ 23', '§ 10']

Steuerliche Behandlung von Tagespflegepersonen - Service Hessen
Tagespflegeperson und Kinder © Thinkstockphotos
Für Tagesmütter und Tagesväter (Tagespflegepersonen) gelten bezüglich ihrer Einkünfte bestimmte Regelungen. Tagespflegepersonen sind in der Regel selbständig tätig. Nicht nur von privater, sondern auch von öffentlicher Seite (z. B. Land, Kommune, Jugendamt) gezahlte Vergütungen für die Betreuung von Kindern gehören zu den einkommensteuerpflichtigen Einnahmen. Dies gilt unabhängig von der Zahl der betreuten Kinder.
Ob sich im Einzelfall tatsächlich eine steuerliche Belastung ergibt, hängt aber davon ab, ob das gesamte Jahreseinkommen die steuerlichen Freibeträge überschreitet (siehe auch „Wann und in welcher Höhe fallen Steuern an?“).
Im Folgenden möchten wir Ihnen die wichtigsten steuerlichen Rahmenbedingungen erläutern und die am häufigsten gestellten Fragen beantworten.
Was muss ich bei Beginn meiner neuen Tätigkeit bei dem ersten Kontakt mit dem Finanzamt beachten?
Da Sie als Tagespflegeperson eine freiberufliche Tätigkeit aufnehmen, müssen Sie dies innerhalb eines Monats dem Finanzamt mitteilen, in dessen Bezirk Sie wohnen. Diese schriftliche Mitteilung kann formlos erfolgen. Im Anschluss daran erhalten Sie den Vordruck „Fragebogen zur steuerlichen Erfassung bei Aufnahme einer gewerblichen, selbständigen (freiberuflichen) oder landwirtschaftlichen Tätigkeit oder Beteiligung an einer Personengesellschaft/-gemeinschaft“ zugesandt, den Sie ausgefüllt bei Ihrem zuständigen Finanzamt einreichen müssen. Sie können den Fragebogen zur steuerlichen Erfassung auch im Vorfeld im Vordruckangebot auf den Internetseiten des Hessischen Ministeriums der Finanzen herunterladen.
Im Fragebogen selbst müssen Sie Angaben zu Ihren persönlichen und betrieblichen Verhältnissen machen. Die Fragen betreffen u. a. die Art der ausgeübten Tätigkeit und den Zeitpunkt der Betriebseröffnung. Ebenso wird nach weiteren Einkünften von Ihnen und ggf. Ihrem Ehegatten gefragt. Füllen Sie bitte in jedem Fall den Fragebogen sorgfältig aus, damit das Finanzamt die zutreffenden steuerlichen Folgerungen ziehen kann. Anhand dieser Angaben wird das Finanzamt Ihnen dann eine Steuernummer erteilen und beispielsweise prüfen, ob und in welcher Höhe Einkommensteuervorauszahlungen zu leisten sind.
Weitere ausführliche Informationen zum ersten Kontakt mit dem Finanzamt, zu Steuerarten und Steuererklärungen sowie zum Zahlungsverkehr mit dem Finanzamt finden Sie in dem Steuerwegweiser für Existenzgründer, der vom Hessischen Ministerium der Finanzen herausgegeben wird.
Das Hessische Ministerium für Soziales und Integration hat zudem einen Flyer „Werden Sie Tagesmutter/Tagesvater“ veröffentlicht, der Ihnen unter anderem aufzeigt, wie Sie Kontakt zu interessierten Familien bekommen, wie viele Kinder Sie betreuen dürfen oder wie Sie sich qualifizieren können.
Muss ich ein Gewerbe anmelden und Gewerbesteuer zahlen?
Nein. Es fällt keine Gewerbesteuer an, weil durch die Kindertagespflege eine freiberufliche Tätigkeit ausgeübt wird. Außerdem stellt die Kindertagespflege nach wie vor kein Gewerbe im Sinne des § 6 Gewerbeordnung dar.
Die Leistungen von Betreuungspersonen in der Kindertagespflege sind nach § 4 Nr. 25 des Umsatzsteuergesetzes von der Umsatzsteuer befreit, wenn die Betreuungsperson eine Erlaubnis zur Kindertagespflege nach § 43 des Achten Buches Sozialgesetzbuch (SGB VIII) vorweisen kann. Besitzt die Betreuungsperson keine Erlaubnis nach § 43 SGB VIII (weil sie z. B. im Haushalt der Erziehungsberechtigten tätig ist), sind die Umsätze ebenfalls steuerfrei, wenn ihre Eignung durch den Jugendhilfeträger festgestellt wurde. Die Befreiung greift auch, wenn eine Erlaubnis nach § 45 SGB VIII (Erlaubnis für den Betrieb einer Einrichtung, in der Kinder oder Jugendliche ganztägig oder für einen Teil des Tages betreut werden oder Unterkunft erhalten) besteht.
Was muss bei der Einkommensteuer versteuert werden?
Es muss nur der Gewinn versteuert werden, der sich anhand eines Betriebsvermögensvergleichs oder als Unterschiedsbetrag zwischen den zugeflossenen Betriebseinnahmen und den abgeflossenen Betriebsausgaben (Einnahmenüberschussrechnung) ermittelt. Der Gewinn ist in Ihrer Einkommensteuererklärung anzugeben. Einzelheiten hierzu finden Sie in dem Steuerwegweiser für Existenzgründer (Tz. B.2.3.3 und B.2.3.4), der vom Hessischen Ministerium der Finanzen herausgegeben wird.
Was zählt alles zu den Betriebseinnahmen?
Zu den Betriebseinnahmen zählen grundsätzlich alle Gelder, die den Tagespflegepersonen von privater Seite (z. B. Elternbeitrag) bzw. öffentlicher Seite (z. B. Land, Kommune, vertreten durch Träger der Jugendhilfe, Jugendamt) für die Betreuungstätigkeit zufließen. Soweit keine Steuerbefreiung vorliegt, sind sämtliche Betriebseinnahmen auch steuerpflichtig.
Nach diesen Grundsätzen stellen beispielsweise auch die Mittel aus der Förderung der Kindertagespflege nach § 32a des Hessischen Kinder- und Jugendhilfegesetzbuches (HKJGB) steuerpflichtige Betriebseinnahmen dar.
Steuerfrei nach § 3 Nr. 9 EStG und damit nicht gewinnerhöhend sind dagegen die vom Träger der öffentlichen Jugendhilfe geleisteten Erstattungen für Beiträge zu einer Unfallversicherung, die Erstattungen zu einer angemessenen Alterssicherung und zu einer angemessenen Kranken- und Pflegeversicherung nach § 23 Absatz 2 Satz 1 Nummer 3 und 4 SGB VIII. Gleiches gilt für die Investitionszuschüsse nach den Investitionsprogrammen „Kinderbetreuungsfinanzierung“ (siehe hierzu Frage 6).
Was hat es mit den Investitionszuschüssen auf sich?
Seit dem 1. August 2013 haben Kinder ab Vollendung ihres ersten bis zur Vollendung ihres dritten Lebensjahres einen Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz in einer Kita oder Kindertagespflege.
Neben der Förderung der Betreuung der Kinder unter drei Jahren (U3) des Landes Hessen haben der Bund und das Land daher zusätzliche Investitionsmittel für den Ausbau der U3-Plätze bereit gestellt:
Mit den bereits ausgelaufenen Investitionsprogrammen „Kinderbetreuungsfinanzierung“ 2008 bis 2013 und 2013 bis 2015 zur Schaffung von U3-Plätzen wurden Bundes- und Landesmittel in Höhe von insgesamt rund 265 Millionen Euro zur Verfügung gestellt.
Gefördert wurden erforderliche Investitionen, die der Schaffung neuer Betreuungsplätze für Kinder unter drei Jahren dienen. Förderfähig waren erforderliche Investitionen für
Baumaßnahmen (Neubau, Erweiterungsbau, Ausbau, Umbau) und für Ausstattungsvorhaben in Kindertageseinrichtungen (Krippen und altersstufenübergreifende Einrichtungen) sowie
Renovierungsmaßnahmen und Ausstattungsmaßnahmen für Kindertagespflegestellen.
Die Fördermodalitäten des aktuellen Investitionsprogramms „Kinderbetreuungsfinanzierung“ 2015 bis 2018 entsprechen weitgehend den beiden Vorgängerprogrammen, jedoch ist es nach diesem Programm auch möglich, solche U3-Plätze in Kindertagespflege zu fördern, die im Bestand gefährdet sind, wenn für diese Plätze noch keine investive Förderung gewährt wurde.
Das vierte Investitionsprogramm „Kinderbetreuungsfinanzierung“ 2017 – 2020 ist in seiner Ausgestaltung weitgehend mit den bisherigen Programmen identisch. Neu ist allerdings, dass das Programm nicht mehr nur auf U3-Kinder beschränkt ist, sondern auch Betreuungsplätze für alle Kinder bis zum Schuleintritt (U6) einbezieht.
Die Förderung erfolgt im Wege von Festbeträgen pro neu geschaffenem Platz, beträgt jedoch nicht mehr als 90 % der tatsächlich zuwendungsfähigen Kosten. Die aktuellsten Informationen zur Investitionsförderung finden Sie immer hier: https://rp-kassel.hessen.de/b%C3%BCrger-staat/f%C3%B6rderung/investitionsshyprogramme-kinderbetreuung.
Diese Fördergelder, die den Tagespflegepersonen auf Grundlage des Gesetzes über Finanzhilfen des Bundes zum Ausbau der Tagesbetreuung für Kinder gewährt werden, sind nach einem Beschluss der obersten Finanzbehörden des Bundes und der Länder von der Einkommensteuer befreit und zählen daher nicht zu den steuerpflichtigen Betriebseinnahmen. Allerdings dürfen die Aufwendungen, die mit diesen steuerfreien Zuschüssen in unmittelbarem Zusammenhang stehen, nicht als Betriebsausgaben (vgl. auch Frage 8) abgezogen werden.
Führt die Zahlung von Mietzuschüssen oder die verbilligte Vermietung von Betreuungsräumen zu Betriebseinnahmen?
Die direkten Mietzuschüsse, die Sie von dritter Seite für die Anmietung von Betreuungsräumen erhalten, gehören zu den steuerpflichtigen Betriebseinnahmen.
Bei einer verbilligten Überlassung von Betreuungsräumen (beispielsweise durch die Kommunen) sind hingegen keine fiktiven Betriebseinnahmen in Höhe der Differenz zwischen der ortsüblichen und der tatsächlich gezahlten Miete anzusetzen. Sofern in diesen Fällen bei gewählter Gewinnermittlung durch Einnahmenüberschussrechnung die Geltendmachung von Betriebsausgabenpauschalen beabsichtigt ist, sollten Sie sich mit dem für Sie zuständigen Finanzamt in Verbindung setzen.
Was zählt alles zu den Betriebsausgaben?
Zu den Betriebsausgaben zählen alle Aufwendungen, die durch die Betreuungstätigkeit veranlasst sind. Keine Betriebsausgaben sind allerdings die von der Kindertagespflegeperson gezahlten Beiträge zur Alterssicherung, Unfallversicherung und zu einer angemessenen Kranken- und Pflegeversicherung.
Zu den Betriebsausgaben einer Kindertagespflegeperson gehören zum Beispiel folgende tätigkeitsbezogene Aufwendungen für
Nahrungsmittel für die Kinder, Ausstattungsgegenstände (Mobiliar), Beschäftigungsmaterialien, Fachliteratur, Hygieneartikel,
Beiträge für Versicherungen, soweit unmittelbar mit der Tätigkeit in Zusammenhang stehend,
Freizeitgestaltung mit den Kindern.
Soweit die Betriebsausgaben mit steuerfreien Einnahmen in unmittelbaren Zusammenhang stehen, ist ein steuermindernder Abzug im Rahmen der Gewinnermittlung nicht möglich (vgl. insoweit auch Frage 5).
Weitere Einzelheiten finden Sie in dem Steuerwegweiser für Existenzgründer (Tz. B.2.3.7 bis B.2.3.12), der vom Hessischen Ministerium der Finanzen herausgegeben wird.
Zudem gibt es eine Besonderheit: Tagespflegepersonen können bei Gewinnermittlung über eine Einnahmenüberschussrechnung die Betriebsausgaben entweder über eine Einzelauflistung der tatsächlich gezahlten Ausgaben oder in Form einer Pauschale geltend machen.
Was ist der Vorteil der Betriebsausgabenpauschale?
Pauschalen vereinfachen die Steuererklärung und vermeiden das umständliche Auflisten von Einzelausgaben sowie das Sammeln von Belegen. Tagespflegepersonen können anstatt der tatsächlichen Ausgaben die Betriebsausgabenpauschale für betreute Kinder und ggf. die Betriebsausgabenpauschale für Freihalteplätze geltend machen.
Wie sind die Voraussetzungen für den Abzug der Betriebsausgabenpauschalen?
Es können entweder die Betriebsausgabenpauschalen in Anspruch genommen oder die tatsächlichen Betriebsausgaben abgezogen werden. Neben den Betriebsausgabenpauschalen ist ein zusätzlicher Abzug tatsächlicher Betriebsausgaben damit nicht zulässig.
Findet die Betreuung im Elternhaus des Kindes oder in anderen z. B. von der Gemeinde unentgeltlich zur Verfügung gestellten Räumlichkeiten statt, dürfen die nachfolgenden Betriebsausgabenpauschalen nicht abgezogen werden. In diesen Fällen sind die Betriebsausgaben einzeln nachzuweisen.
Wie hoch ist die Betriebsausgabenpauschale für betreute Kinder und wie ist sie aufzuteilen?
Die eigens für Tagespflegepersonen geschaffene Betriebsausgabenpauschale für betreute Kinder beträgt 300 € pro vollzeitbetreutem Kind und Monat.
Die Pauschale bezieht sich auf eine Betreuungszeit von acht Stunden und mehr pro Kind und Tag bei fünf Betreuungstagen in der Woche (= wöchentliche Betreuungszeit von 40 Stunden). Bei einer Betreuung von weniger Stunden am Tag ist die Pauschale anteilig zu kürzen. Ein Abzug der Betriebsausgabenpauschale ist im Übrigen nur bis zur Höhe der Betriebseinnahmen möglich, d. h. es darf durch den Abzug der Betriebsausgabenpauschale kein Verlust entstehen.
Der monatlichen Betriebsausgabenpauschale von 300 € liegt eine wöchentliche Betreuungszeit von 40 Stunden zu Grunde. Bei einer geringeren Betreuungszeit wird sie anteilig gekürzt. Berechnet werden kann dies für jedes betreutes Kind ganz einfach folgendermaßen:
a) Berechnungsformel:
b) Tabelle zur Ermittlung der monatlichen Betriebsausgabenpauschale für betreute Kinder bei regelmäßigen Betreuungszeiten:
Monatlichen Betriebsausgabenpauschale für betreute Kinder bei regelmäßigen Betreuungszeiten:
Tag(e) / Woche
Stunde(n) / Tag
7,50 15,0 22,50 30,00 37,50
15,00 30,00 45,00 60,00 75,00
22,50 45,00 67,50 90,00 112,50
30,00 60,00 90,00 120,00 150,00
37,50 75,00 112,50 150,00 187,50
45,00 90,00 135,00 180,00 225,00
52,50 105,00 157,50 210,00 262,50
60,00 120,00 180,00 240,00 300,00
Betreuungszeit 7 Stunden täglich, 5 Tage die Woche: 262,50 €
Betreuungszeit 6 Stunden täglich, 5 Tage die Woche: 225,00 €
Betreuungszeit 5 Stunden täglich, 5 Tage die Woche: 187,50 €
Betreuungszeit 4 Stunden täglich, 5 Tage die Woche: 150,00 €
Betreuungszeit 4 Stunden täglich, 4 Tage die Woche: 120,00 €
Bei tageweiser Belegung von sog. Freihalteplätzen ist die ggf. nach der oben genannten Formel bzw. Tabelle gekürzte Betriebsausgabenpauschale für betreute Kinder zeitanteilig (Zahl der belegten Tage/pauschal 20 Arbeitstagen im Monat) zu gewähren.
Für Zeiten, in denen Sie verhindert sind, die vereinbarten Betreuungszeiten selbst zu absolvieren (z. B. aufgrund von Urlaub, Krankheit oder Fortbildung), können Sie die Betriebsausgabenpauschale nur abziehen, wenn das Betreuungsgeld für diese Zeit weitergezahlt wird.
Wie hoch ist die Betriebsausgabenpauschale für Freihalteplätze und wie ist sie aufzuteilen?
Werden Ihnen laufende Geldleistungen nach § 23 SGB VIII für sog. Freihalteplätze gezahlt (= Plätze, die im Fall einer Krankheits-, Urlaubs- oder Fortbildungsvertretung einer anderen Kindertagespflegeperson kurzfristig belegt werden können), können Sie von den für den Freihalteplatz gezahlten Einnahmen aus Vereinfachungsgründen anstelle der tatsächlichen Betriebsausgaben pauschal 40 € je Freihalteplatz und Monat als Betriebsausgaben abziehen. Bei tatsächlicher Belegung der Freihalteplätze ist die Freihalteplatz-Betriebsausgabenpauschale zeitanteilig (= Verhältnis der Tage der Belegung des Freihalteplatzes im Monat zu pauschal 20 Arbeitstagen im Monat) zu kürzen.
Ist auch eine Einzelaufstellung statt der Pauschalen möglich?
Der Nachweis der tatsächlichen Betriebsausgaben ist die Regel; die Berücksichtigung der Betriebsausgabepauschalen stellt eine zulässige Vereinfachungsregelung dar. Wenn die tatsächlichen Kosten über den sich für alle betreuten Kinder insgesamt ergebenden Betriebsausgabenpauschalen liegen, ist es steuerlich vorteilhafter auf die Vereinfachungsregelung zu verzichten. Der Abzug tatsächlicher Betriebsausgaben erfordert, dass alle Einzelbelege gesammelt und in einer Einzelaufstellung dem Finanzamt vorgelegt werden. Einzelheiten zu möglichen Betriebsausgaben siehe Frage 8).
Werden die Betriebsausgaben einzeln nachgewiesen, ist der zusätzliche Abzug der Betriebsausgabenpauschalen nicht zulässig.
Es fallen nur dann Steuern an, wenn Ihr zu versteuerndes Gesamteinkommen die Grundfreibetragsgrenze von 9.000 € im Jahr 2018 (8.820 € im Jahr 2017) bei Ledigen und 18.000 € im Jahr 2018 (17.640 € im Jahr 2017) bei Verheirateten überschreitet. Unterschreitet das Gesamteinkommen diese Beträge, ist keine Einkommensteuer zu entrichten.
In Ihr zu versteuerndes Gesamteinkommen fließen neben den Einkünften aus der Tagespflege (= Gewinn) ggf. noch weitere Einkünfte (z. B. Einkünfte aus Vermietung und Verpachtung oder sonstige Einkünfte aus Rentenzahlungen) und auch die des Ehegatten ein, wenn Sie die Zusammenveranlagung beantragt haben.
Für alle, die die zu erwartende steuerliche Belastung berechnen möchten, steht auf den Internetseiten des Bundesministeriums der Finanzen der kostenlose interaktive Abgabenrechner zur Verfügung.
Was hat es mit den Einkommensteuervorauszahlungen auf sich?
Während bei einem Arbeitsverhältnis monatlich Lohnsteuer vom Arbeitslohn einbehalten und von Arbeitgeberseite an das Finanzamt abgeführt wird, wird bei Selbständigen Einkommensteuer im so genannten Vorauszahlungsverfahren erhoben. Aus diesem Grund prüft das für Sie zuständige Finanzamt im Jahr der Existenzgründung anhand Ihrer Angaben in dem Vordruck „Fragebogen zur steuerlichen Erfassung bei Aufnahme einer gewerblichen, selbständigen (freiberuflichen) oder landwirtschaftlichen Tätigkeit oder Beteiligung an einer Personengesellschaft/-gemeinschaft“, ob und ggf. in welcher Höhe von Ihnen Einkommensteuervorauszahlungen zu leisten sind. In den Folgejahren bemessen sich die Vorauszahlungen grundsätzlich nach der Einkommensteuer, die sich bei der letzten Veranlagung ergeben hat. Die Vorauszahlungen werden in einem Bescheid festgesetzt und sind jeweils quartalsweise zum 10. März, 10. Juni, 10. September und 10. Dezember eines Jahres zu zahlen. Die bereits geleisteten Vorauszahlungen werden auf die Jahressteuerschuld angerechnet.
Vorauszahlungen müssen nur geleistet werden, wenn sie im Kalenderjahr mindestens 400 € und mindestens 100 € pro Vorauszahlungszeitpunkt betragen. Sollten sich im laufenden Kalenderjahr Änderungen gegenüber den Vorjahreswerten ergeben (z.B. durch Kündigung oder Neuaufnahme eines Betreuungsvertrages), können Sie jederzeit bei Ihrem Wohnsitzfinanzamt einen Antrag auf Anhebung oder Herabsetzung der Vorauszahlungen stellen.
Selbständig Tätige sind zur Abgabe einer Einkommensteuererklärung verpflichtet. In dieser muss der Gewinn aus der selbständigen Tätigkeit angegeben werden.
Tagespflegepersonen müssen hierzu ihre Eintragungen in der Zeile 4 der Anlage S zur Einkommensteuererklärung für das Jahr 2017 vornehmen.
Bei Wahl der Gewinnermittlung durch Einnahmenüberschussrechnung (vgl. Frage 4) müssen Tagespflegepersonen als Unterlage zur Steuererklärung die Anlage EÜR grundsätzlich nach amtlich vorgeschriebenem Datensatz elektronisch an die Finanzverwaltung übermitteln. Hierzu steht kostenlos das von der Finanzverwaltung angebotene Dienstleistungsportal „Mein ELSTER“ (vorherige Registrierung notwendig) zur Verfügung.
Die Anlage EÜR für das Jahr 2017 erscheint auf den ersten Blick sehr umfangreich. Sollten Sie allerdings die Betriebsausgabenpauschalen in Anspruch nehmen, sind in der Regel nur zwei Eintragungen erforderlich. Zum Einen sind auf der Betriebseinnahmenseite Eintragungen in Zeile 15 (siehe hierzu auch „Was muss ich bei der Umsatzsteuer beachten?“) und zum Anderen auf der Betriebsausgabenseite Eintragungen in Zeile 23 der Anlage EÜR (siehe hierzu auch „Was ist der Vorteil von Betriebsausgabenpauschalen?“, „Wie sind die Voraussetzungen für den Abzug der Betriebsausgabenpauschalen?“, „Wie hoch ist die Betriebsausgabenpauschale für betreute Kinder und wie ist die Betriebsausgabenpauschale aufzuteilen?“ und „Wie hoch ist die Betriebsausgabenpauschale für Freihalteplätze und wie ist sie aufzuteilen?“) erforderlich.
Alle Selbständigen müssen die Steuerklärung 2017 spätestens bis zum 31. Mai 2018 (ab dem Veranlagungszeitraum 2018 gilt der 31. Juli des Folgejahres) grundsätzlich elektronisch an das zuständige Finanzamt übermitteln. Die elektronische Abgabe der Einkommensteuererklärung kann mittels ELSTER erfolgen; nähere Informationen sind auf den Internetseiten des Hessischen Ministeriums der Finanzen oder unter www.elster.de abrufbar.
Die Pflicht zur elektronischen Übermittlung greift insbesondere dann nicht, wenn neben den oben genannten Gewinnen auch Einkünfte aus nichtselbständiger Arbeit mit Steuerabzug erzielt werden und die positive Summe der Einkünfte, die nicht dem Steuerabzug vom Arbeitslohn zu unterwerfen waren, sowie die positive Summe der Progressionseinkünfte (z. B. Arbeitslosengeld, Elterngeld, Krankengeld) jeweils den Betrag von 410 € nicht übersteigen.
Eine generelle Fristverlängerung für die Abgabe der Einkommensteuererklärung bis zum Ablauf des Februar des Zweitjahres wird ab dem Veranlagungszeitraum 2018 nur dann gewährt, wenn Sie mit der Erstellung Ihrer Steuererklärung einen Angehörigen der steuerberatenden Berufe beauftragt haben (in Hessen gilt diese Regelung be­reits für Veranlagungszeiträume vor 2018). In Einzelfällen kann das Finanzamt die Steuererklärung auch vorzeitig anfordern.
Wie sind Tagespflegepersonen kranken- und pflegeversichert?
Selbständige Tagespflegepersonen gelten während einer Übergangszeit (befristet bis 31. Dezember 2018) bei einer Betreuung von bis zu fünf Kindern nach Maßgabe der §§ 10 und 240 SGB V als nicht hauptberuflich selbständig erwerbstätig. Damit berechnen sich die Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträge im Rahmen einer freiwilligen Mitgliedschaft in der gesetzlichen Krankenversicherung anhand einer Mindestbemessungsgrundlage von derzeit 1.015,00 € (statt 2.283,75 € bei hauptberuflich Selbständigen).
Eine beitragsfreie Mitversicherung beim Ehepartner bleibt für Tagespflegepersonen bis zu einem Gesamteinkommen von 435 € pro Monat möglich. Für geringfügig Beschäftigte beträgt das zulässige Gesamteinkommen 450 € monatlich.
Zudem sind neben der Erstattung der Unfallversicherungsbeiträge und der hälftigen Erstattung der Beiträge zur angemessenen Altersvorsorge auch die hälftige Erstattung nachgewiesener Aufwendungen zu einer angemessenen Krankenversicherung und Pflegeversicherung durch den örtlichen Träger der öffentlichen Jugendhilfe gesetzlich festgeschrieben. Die Erstattungen der Sozialversicherungsbeiträge sind zudem steuerfrei gestellt. Diese zählen nicht zu den steuerpflichtigen Betriebseinnahmen.
Die selbst getragenen Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträge (d. h. die Beiträge abzüglich der erhaltenen Zuschüsse) können in der Einkommensteuererklärung als Sonderausgaben geltend gemacht werden. Entsprechendes gilt für die Beiträge zur angemessenen Altersvorsorge.
Hinweis: Ab dem 1. Januar 2018 gilt, dass die Beiträge zur Kranken-/Pflegeversicherung vorläufig festgesetzt werden. Die endgültige Festsetzung erfolgt auf Grundlage der tatsächlich erzielten beitragspflichtigen Einnahmen für das jeweilige Kalenderjahr rückwirkend nach Vorlage des jeweiligen Einkommensteuerbescheides.
Die erneute vorläufige Festsetzung der Beiträge für die Zukunft erfolgt aufgrund des nunmehr vorliegenden (zuletzt erlassenen) Einkommensteuerbescheides. Somit kann es künftig zu Beitragsnachzahlungen oder -erstattungen kommen
Für weitergehende steuerliche Informationen wenden Sie sich bitte an das für Sie zuständige Finanzamt.
Mit außersteuerlichen Fragen rund um die Kindertagespflege wenden Sie sich bitte an das für Sie zuständige Jugendamt, den Fachdienst Kindertagespflege oder aber an das Hessische Ministerium für Soziales und Integration, das zur ersten Information auch den Flyer "Werden Sie Tagesmutter/Tagesvater" herausgegeben hat. Darüber hinaus enthält der Internet-Auftritt des Hessischen Kindertagespflegebüros eine Vielzahl von Informationen zur Kindertagespflege, auch zu rechtlichen Fragen www.hktb.de.