Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Text=9%20U%2038/12
Timestamp: 2019-08-18 04:00:13
Document Index: 130438728

Matched Legal Cases: ['§ 254', 'BGH', 'BGH', '§ 253', 'BGH', '§ 242', '§ 307', '§ 550', '§ 578', '§ 242', '§ 535', '§ 550', '§ 578', '§ 550', '§ 550', '§ 307', '§ 307', '§ 550', '§ 550', '§ 550']

Rechtsprechung: 9 U 38/12 - dejure.org
Weitere Entscheidung unten: OLG Naumburg, 26.07.2012
OLG Hamm, 21.12.2012 - I-9 U 38/12
https://dejure.org/2012,47668
OLG Hamm, 21.12.2012 - I-9 U 38/12 (https://dejure.org/2012,47668)
OLG Hamm, Entscheidung vom 21.12.2012 - I-9 U 38/12 (https://dejure.org/2012,47668)
OLG Hamm, Entscheidung vom 21. Dezember 2012 - I-9 U 38/12 (https://dejure.org/2012,47668)
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Übertragung von Räum- und Streupflichten auf den Mieter nur durch ausdrückliche Vereinbarung
Grundsätze zum Umfang der Räum- und Streupflicht eines Hauseigentümers bei winterlichen Witterungsverhältnissen; Bemessung des Schadensersatzes im Fall eines Sturzes auf glatter Straße unter Berücksichtigung eines Mitverschuldens des Geschädigten
Zu welchen Zeiten muss man der Räum- und Streupflicht nachkommen?
Mietrecht - Streupflicht: 7:00 Uhr (sonn- und feiertags: 9:00 Uhr) bis 20:00 Uhr!
Klare vertragliche Regelungen zum Winterdienst erforderlich
Räum- und Streupflicht - Voraussetzungen für eine wirksame Übertragung vom Eigentümer auf die Mieter
Sturz durch Glatteis: Mangelnde Organisation der Streu- und Räumpflicht begründet Haftung des Vermieters - Bei erkennbarer Glätte besteht aber Pflicht zur Aufmerksamkeit
Räum- und Streupflicht: Wann ist der Mieter in der Pflicht? (IMR 2013, 273)
NJW 2013, 1375
Diese Orientierung bedeutet jedoch keine schematische Übernahme bereits ausgeurteilter Schmerzensgeldbeträge, da naturgemäß nur eine begrenzte Vergleichbarkeit der jeweiligen Verletzungsbilder und ihrer Folgen gegeben ist (OLG Hamm, 9 U 38/12, RN 37).
Der Senat folgt der Rspr. dass dann, wenn ein Fußgänger auf einem erkennbar nicht geräumten oder abgestumpften Weg zu Fall kommt, der Beweis des ersten Anscheins, jedenfalls aber die Lebenserfahrung dafür spricht, dass dies auf eine mangelnde Aufmerksamkeit und Vorsicht zurückzuführen ist (vgl. OLG München VersR 2003, 518; OLG Hamm NJW 2013, 1375;… Palandt/Grüneberg, § 254 BGB Rn. 27).
Nach der ober- und höchstrichterlichen Rechtsprechung ist Voraussetzung für eine wirksame Delegation, dass die Übertragung klar und eindeutig vereinbart wird, so dass eine Ausschaltung von Gefahren zuverlässig sichergestellt ist (BGH, NJW 1996, 2646 und NJW 2008, 1440; OLG Hamm, Urteil vom 21.12.2012, Az. 9 U 38/12).
So spricht für die Ursächlichkeit der Pflichtverletzung für den Sturz der Klägerin der Anscheinsbeweis, da die Klägerin in unmittelbarer Nähe der Gefahrenstelle und innerhalb der zeitlichen Grenzen der Räum- und Streupflicht gestürzt ist (BGH, Urteil vom 02.06.2005, Az. III ZR 358/04; OLG Hamm, Urteil vom 21.12.2012, Az. 9 U 38/12).
Die Höhe des zuzubilligenden Schmerzensgeldes hängt nach gefestigter Rechtsprechung entscheidend von dem Maß der Lebensbeeinträchtigung ab, soweit diese bei Schluss der mündlichen Verhandlung bereits eingetreten war oder für die Zukunft erkennbar und objektiv vorhersehbar ist (OLG Hamm, Urteil vom 21.12.2012, Az. 9 U 38/12;… Grüneberg in Palandt, a.a.O., § 253 BGB, Rn. 15).
So ergäbe sich - unter Zugrundelegung von 9 EUR pro Stunde für die Arbeit einer fiktiven Ersatzkraft (vgl. OLG Hamm, Urteil vom 21.12.2012, Az. 9 U 38/12; OLG Düsseldorf, NJW 2011, 1152, 1154) - ein Anspruch in Höhe von höchstens.
Die Höhe des zuzubilligendes Schmerzensgeldes hängt nach gefestigter Rechtsprechung entscheidend von dem Maß der Lebensbeeinträchtigung ab, soweit diese bei Schluss der mündlichen Verhandlung bereits eingetreten war oder für die Zukunft erkennbar und objektiv vorhersehbar ist (OLG Hamm, Urteil vom 19.01.2016, Az. 7 U 52/15; OLG Hamm, Urteil vom 21.12.2012, Az. 9 U 38/12; OLG Hamm, Urteil vom 12.9.2003, Az. 9 U 50/99).
Dabei gelte zu Gunsten des Schädigers, der die Darlegungs- und Beweislast für das Mitverschulden des Geschädigten hat, der Beweis des ersten Anscheins (vgl. u.a. OLG Düsseldorf VersR 2000, 63; OLG Hamm NJW 2013, 1375 zitiert nach juris).
Soweit ein Geschädigter den sog. Haushaltsführungsschaden ersetzt verlangt, können hierbei die Tabellen von Pardey (… Schulz-Borck/Pardey, Der Haushaltsführungsschaden, 7. Auflage 2009 ) als Schätzgrundlage dienen (… vgl. zur 6. Auflage Schulz-Borck/Hoffmann: BGH, Urt. v. 03.02.2009, Az.: VI ZR 183/08, Rz. 5 m.w.N. = NJW 2009, 2060/2061; OLG Hamm, Urt. v. 21.12.2012, Az.: 9 U 38/12, juris Rz. 46 m.w.N. ).
https://dejure.org/2012,28831
OLG Naumburg, 26.07.2012 - 9 U 38/12 (https://dejure.org/2012,28831)
OLG Naumburg, Entscheidung vom 26.07.2012 - 9 U 38/12 (https://dejure.org/2012,28831)
OLG Naumburg, Entscheidung vom 26. Juli 2012 - 9 U 38/12 (https://dejure.org/2012,28831)
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§ 242 BGB, § 307 Abs 1 BGB, § 550 BGB, § 578 BGB
Gewerberaummietvertrag: Wirksamkeit der mündlichen Abänderung eines befristeten Vertrags mit qualifizierter Schriftformklausel; treuwidriges Berufen auf einen Schriftformmangel; Inhaltskontrolle für eine Vertragsstrafeklausel
Mündliche Änderung eines befristeten Mietvertrags mit einer qualifizierten Schriftformklausel ist nicht wirksam
Mietvertrag - mündliche Änderung und Schriftformklausel
BGB § 242, 307, 550, 578
Unzulässigkeit der "Schriftformkündigung" und AGB-rechtliche Unwirksamkeit unangemessener Vertragsstrafe wegen Verstoß des Mieters gegen Betriebspflicht
BGB § 535 Abs. 1; BGB § 550; BGB § 578
Wirksamkeit der mündlichen Änderung eines befristeten Mietvertrages mit qualifizierter Schriftformklausel; Berechtigung der Parteien zur Berufung auf den Formmangel; Formularmäßige Vereinbarung einer Vertragsstrafe für den Verstoß gegen die in einem Gewerbemietvertrag vereinbarte Betriebspflicht
Keine mündliche Änderung von qualifizierter Schriftformklausel!
Treuwidrige Berufung auf eine Verletzung des Schriftformerfordernisses
Keine Aufhebung der qualifizierten Schriftformklausel durch mündliche Abrede
Betriebspflicht bei Gewerberaumietvertrag
Die Kündigung von Gewerbeimmobilien wegen Verstoßes gegen die Schriftform // Richtige Vertragsgestaltung schützt vor überraschender Kündigung
Wirksamkeit der formlosen Abänderung von formularmäßig vereinbarten qualifizierten Schriftformklauseln
Keine Aufhebung einer qualifizierten Schriftformklausel aufgrund mündlicher Vereinbarung! (IMR 2012, 454)
NJW 2012, 3587
NZM 2012, 808
ZMR 2013, 36
Die überwiegende Auffassung hält Schriftformheilungsklauseln grundsätzlich für wirksam (Vgl. OLG Frankfurt am Main, Urteil vom 27.02.2015 - 2 U 144/14, BeckRS 2015, 07628; OLG Hamm, Urteil vom 26.04.2013 - I-30 O 82/12; OLG Naumburg, Urteil vom 26.07.2012 - 9 U 38/12, NJW 2012, 3587; OLG Koblenz, Urteil vom 22.08.2013 - 1 U 1314/12, NZM 2013, 767; OLG Köln…, Urteil vom 23.09.2005 - 1 U 43/04, juris Rdnr. 31;… Burbulla , Aktuelles Gewerberaum Mietrecht, 2. Aufl., 2014, § 550 Rdnr. 141;… Bub in Bub/Treier, Handbuch der Geschäfts- und Wohnraummiete, 2014, § 550 Rdnr. 1792 f.), weil sie die ursprünglichen Vertragsparteien nicht per se unangemessen benachteilige, § 307 Abs. 1 Satz 1 BGB.
Die umstrittene Frage, ob sie einer Inhaltskontrolle am Maßstab des § 307 BGB standhalten (…bejahend: KG, Urt. v. 13.11.2006, 8 U 51/06;… OLG Köln, Urt. v. 23.09.2005, GuT 2006, 14 - 1 U 43/04; OLG Düsseldorf, Beschl. V. 11.05.2004, DWW 2004, 224 - I-24 U 264/03;… OLG Celle, Urt. v. 22.07.2004, 13 U 71/04; a.A.: Gerber ZfIR 2008, 632; Leo NZM 2006, 815) und ob sie - ihre Wirksamkeit unterstellt - eine der originären Vertragsparteien nach Treu und Glauben hindern können, den Mietvertrag unter Berufung auf den Schriftformmangel zu kündigen (…verneinend OLG Rostock, Urt. v. 10.07.2008 NJW 2009, 445 - 3 U 108/07;… Erman/Lützenkirchen, 13. Aufl., § 550 BGB, Rn. 27; dagegen OLG Naumburg, Urt. v. 26.7.2012, NZM 2012, 808 - 9 U 38/12;… OLG Köln, a.a.O.;… OLG Düsseldorf, a.a.O.), bedarf keiner Entscheidung.
Nach wohl überwiegender Auffassung werden vorliegende oder ähnliche Schriftformvorsorgeklauseln für wirksam erachtet (…vgl. Lindner-Figura, in: Lindner-Figura/Oprée/Stellmann, Geschäftsraummiete, 3. Aufl. 2012, Kap. 6 Rn. 62 und Fn. 157;… KG, Urt. v. 13.11.2006, 8 U 51/06, juris Rn. 44 ff., NZM 2007, 402;… KG, Urt. v. 22.05.2003, 8 U 422/01, juris Rn. 53, DWW 2003, 262;… OLG Köln, Urt. v. 23.09.2005, 1 U 43/04, juris Rn. 31, GuT 2006, 14; OLG Naumburg, Urt. v. 26.07.2012, 9 U 38/12, juris Rn. 8 ff., NJW 2012, 3587;… OLG Düsseldorf, Beschl. v. 11.05.2004, 24 U 264/03, juris Rn. 6 ff., ZMR 2004, 749;… Weidenkaff, in: Palandt, 72. Aufl. 2013, § 550 Rn. 12;… Lammel, in: Schmidt-Futterer, Mietrecht, 10. Aufl. 2011, § 550 Rn. 66; Kreikenbohm/Niederstetter, NJW 2009, 406, Jud, NZM 2006, 913 (917); Wichert, ZMR 2006, 257 (257 f., 259); Disput/Wortberg, ZfIR 2009, 57 (59-61);… Sternel, Mietrecht Aktuell, 4. Aufl. 2009, Rn. I 145; Scheer-Hennigs/Quart, ZMR 2009, 180; Schlicht, ZMR 2004, 238 (240);… siehe auch OLG Celle, Urt. v. 22.07.2004, 13 U 71/04, juris Rn. 7, NZM 2005, 219 zu einer individualvertraglichen Beurkundungsabrede bezüglich eines bewusst offen gelassenen Punktes) .