Source: http://de.slideshare.net/BernetMark/prof-hoeren-skript-internetrecht-april2015
Timestamp: 2017-01-20 02:18:24
Document Index: 102367443

Matched Legal Cases: ['§ 14', '§ 823', '§ 3', '§ 12', '§ 73', '§ 85', '§ 87', '§ 87', '§ 48', '§ 49', '§ 51', '§ 52', '§ 52', '§ 53', '§ 31', '§ 3', '§ 131', '§ 5110', '§ 19', '§ 20', 'BGH', '§ 675', '§ 812', 'BGH', 'Art. 8', 'Art. 6', 'Art. 6', 'Art. 8', 'Art. 8', 'Art. 8', '§12', 'OGH', 'BGH', 'BGH', '§ 32', '§ 12', '§ 32', 'EuG', 'EuG', 'Art. 2', 'Art. 5', 'BGH', 'BGH', 'OGH', 'OGH', 'Art. 8', 'BGH', 'Art. 5', 'EuG', '§ 14', 'Art. 14', 'Art. 14', '§ 3', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'EGMR', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 5', '§ 5', '§ 5', 'OGH', 'BGH', '§ 5', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 5', 'BGH', '§ 5', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'OGH', '§ 14', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 16', '§ 14', '§ 14', '§ 15', '§ 344', 'BGH', 'BGH', '§ 14', '§ 14', '§ 12', '§ 14', '§ 84', 'BGH', '§ 4', '§ 5', '§ 14', '§ 15', '§ 15', '§ 15', '§ 14', 'BGH', 'EuG', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'OGH']

Artificial intelligence: PwC Top Is...
Prof. Hoeren gilt in Sachen Internetrecht als der herausragende Experte in Deutschland. Sein Skript wird regelmäßig aktualisiert und darf kostenlos genutzt werden. Die hier eingestellte Fassung ist von April 2015. ...
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Konto-Nr. 95795300
BLZ 40160050 (Volksbank Münster)
IBAN: DE90 4016 0050 0095 7953 00
Was soll dieses Buch im Internet? In der Tat könnte man sich fragen, wieso ein Buch kostenfrei zum
Download über das Internet bereitgehalten wird, das man vielleicht an anderer Stelle sogar käuflich
in fester Form erwerben kann. Es gilt zu beachten, dass das Internet eine Dynamik hat, die die klas-
sischen Buchverleger überfordert. Viele der in einem Buch getroffenen Aussagen sind gerade wegen
des buchspezifischen Time Lag schon im Zeitpunkt des Erscheinens überholt. Dennoch macht es
gerade auch im Zeitalter der digitalen Schnelligkeit Sinn, Bücher zu publizieren. Diese nehmen eine
andere Funktion wahr. Galten sie früher als Medium für die schnelle Information, sind sie heute Ar-
chive. Es wird ein bestimmter historisch wichtiger Zeitpunkt der Diskussion für alle Zeiten festge-
halten. Für eine zeitnah-aktuelle Information ist das Buch jedoch kaum noch geeignet. Wer also halb-
wegs up to date bleiben will, muss auch im Internet publizieren und lesen.
Die Verbreitung über das Internet ist natürlich kein Garant dafür, dass alle Informationen wirklich
stimmig sind. Die Fülle des Rechtsgebiets „Internetrecht“ drohen auch den Verfasser dieses digitalen
Buchs zu überfordern. Es fällt sehr schwer, auf die Hybris zu verfallen, auf allen Gebieten des Inter-
netrechts zu Hause sein zu wollen. Ich bitte daher den Leser – die Leserin – um Verzeihung, wenn
die eine oder andere Information nicht mehr aktuell oder gar falsch sein sollte. Ich tue mein Bestes
und damit nicht genug. Ich freue mich daher umso mehr für jedwede Rückmeldung; kritische Hin-
weise an meine E-Mail-Adresse: hoeren@uni-muenster.de.
Der Aufbau dieses Buches richtet sich nach den Bedürfnissen der Internetanbieter. Diese brauchen,
um im Internet auftreten zu können,
 eine Kennung (dies verweist auf das Domainrecht),
 Inhalte (ein Tummelplatz für das Immaterialgüterrecht),
 Werbung und Marketing (hier kommen die Wettbewerbsrechtler zu Wort),
 den Kontakt zum Kunden (was zu Ausführungen zum Vertragsschluss und zum E-Commerce-
Recht führt)
 sowie Daten der Kunden (hier gilt das Datenschutzrecht).
Abschließend findet sich noch ein Abschnitt zu der Frage, wer für alle diese Rechtsanforderungen
haftet. Schließlich wird auch noch auf das Problem der Vollstreckung von Gerichtsentscheidungen
im Internet eingegangen. Gerade das Vollstreckungsrecht ist der archimedische Punkt der Internet-
Ich kann nur hoffen, dass der gnädige Leser trotz mancher Schwächen den einen oder anderen Hin-
weis für seine tägliche Praxis in den folgenden Überlegungen findet.
Münster, April 2015 Thomas Hoeren
I. Einführung ...............................................................................................................................1
II. Geschichte des Informationsrechts ..........................................................................................2
III. Einführende Literatur und Fachzeitschriften .......................................................................3
I. Praxis der Adressvergabe.........................................................................................................8
1. Internationale Strukturen/ICANN.............................................................................. 8
2. Die .EU-Domain ...................................................................................................... 11
3. Die DENIC eG......................................................................................................... 13
4. Domainrecherche im Internet................................................................................... 14
II. Kennzeichenrechtliche Vorgaben ..........................................................................................16
1. Kollisionsrechtliche Vorfragen................................................................................ 16
2. Schutz von Domains nach dem MarkenG................................................................ 19
3. §§ 14, 15 MarkenG .................................................................................................. 26
4. Reichweite von §§ 823, 826 BGB und § 3 UWG.................................................... 49
5. Allgemeiner Namensschutz über § 12 BGB............................................................ 52
6. Rechtsfolgen einer Markenrechtsverletzung............................................................ 61
7. Verantwortlichkeit der DENIC für rechtswidrige Domains .................................... 66
III. pfändung und Bilanzierung von Domains .........................................................................71
IV. Streitschlichtung nach der UDRP ......................................................................................75
V. Streitschlichtung rund um die EU-Domain............................................................................81
Drittes Kapitel: Das Urheberrecht 89
I. Vorüberlegungen....................................................................................................................89
II. Kollisionsrechtliche Fragen ...................................................................................................90
III. Schutzfähige Werke ...........................................................................................................94
1. Der Katalog geschützter Werkarten......................................................................... 94
2. Idee – Form.............................................................................................................. 95
3. Schutzhöhe............................................................................................................... 98
IV. Leistungsschutzrechte ......................................................................................................103
1. Ausübende Künstler, §§ 73–84 UrhG.................................................................... 104
2. Tonträgerhersteller, §§ 85, 86 UrhG...................................................................... 104
3. Datenbankhersteller, §§ 87a–87e UrhG................................................................. 106
4. Presseverleger, §§ 87f – 87h UrhG........................................................................ 116
V. Verwertungsrechte des Urhebers .........................................................................................117
1. Vervielfältigung ..................................................................................................... 118
2. Recht der öffentlichen Zugänglichmachung.......................................................... 124
3. Verbreitungsrecht................................................................................................... 126
VI. Urheberpersönlichkeitsrechte...........................................................................................127
1. Entstellungsverbot.................................................................................................. 127
2. Namensnennungsrecht ........................................................................................... 128
3. Erstveröffentlichungsrecht..................................................................................... 129
VII. Gesetzliche Schranken .....................................................................................................129
1. Ablauf der Schutzfrist und verwaiste Werke ......................................................... 131
2. Erschöpfungsgrundsatz .......................................................................................... 133
3. Öffentliche Reden (§ 48 UrhG) ............................................................................. 137
4. Zeitungsartikel (§ 49 UrhG)................................................................................... 137
5. Zitierfreiheit (§ 51 UrhG) ...................................................................................... 141
6. Öffentliche Zugänglichmachung für Unterricht und Forschung, § 52a UrhG....... 145
7. Die Nutzung über Bibliothekarbeitsplätze, § 52b UrhG........................................ 147
8. Vervielfältigungen zum eigenen Gebrauch, § 53 UrhG ........................................ 148
9. Kartellrechtliche Zwangslizenzen.......................................................................... 163
VIII. Verwertungsgesellschaften ..............................................................................................166
1. GEMA.................................................................................................................... 169
2. VG Wort................................................................................................................. 172
3. VG Bild-Kunst ....................................................................................................... 174
IX. Möglichkeiten der Rechteübertragung.............................................................................174
1. Vorüberlegungen.................................................................................................... 175
2. Abgrenzung der Nutzungsrechte............................................................................ 176
3. § 31a UrhG und die unbekannten Nutzungsarten .................................................. 186
4. Die Rechtsstellung des angestellten Webdesigners ............................................... 189
5. Nutzungsrechtsverträge in der Insolvenz............................................................... 195
X. Code as Code – Zum Schutz von und gegen Kopierschutzmechanismen ...........................198
XI. Folgen bei Rechtsverletzung............................................................................................204
1. Strafrechtliche Sanktionen..................................................................................... 204
2. Zivilrechtliche Ansprüche...................................................................................... 206
Viertes Kapitel: Online-Marketing – Werberechtliche Fragen 218
I. Kollisionsrechtliche Fragen .................................................................................................219
II. Anwendbare Regelungen .....................................................................................................226
1. Besondere Regelungen mit wettbewerbsrechtlichem Gehalt................................. 226
2. Allgemeines Wettbewerbsrecht ............................................................................. 260
3. Prozessuale Fragen................................................................................................. 288
Fünftes Kapitel: Der Vertragsschluss mit dem Kunden 293
I. Kollisionsrechtliche Fragen .................................................................................................293
1. UN-Kaufrecht......................................................................................................... 293
2. Grundzüge der Rom I-VO...................................................................................... 294
3. Kollisionsrecht und Verbraucherschutz................................................................. 297
4. Sonderanknüpfungen ............................................................................................. 300
5. Besonderheiten im Versicherungsvertragsrecht..................................................... 301
II. Vertragsschluss im Internet..................................................................................................302
1. Allgemeine Regeln für den Vertragsschluss.......................................................... 303
2. Vertragsschluss mit Verbrauchern......................................................................... 310
3. Vertragsschluss bei Online-Auktionen .................................................................. 312
4. Problematik der Abofallen..................................................................................... 320
III. Verbraucherschutz im Internet.........................................................................................326
1. Neuregelung des Verbraucherschutzrechts............................................................ 326
2. Das Fernabsatzrecht ............................................................................................... 329
IV. Schriftform und digitale Signatur ....................................................................................342
V. Beweiswert digitaler Dokumente.........................................................................................344
1. Freie richterliche Beweiswürdigung ...................................................................... 345
2. Beweisvereinbarung............................................................................................... 346
3. Signaturrichtlinie und das neue Signaturgesetz ..................................................... 347
VI. Das Recht der Allgemeinen Geschäftsbedingungen........................................................353
VII. Zahlungsmittel im elektronischen Geschäftsverkehr.......................................................359
1. Herkömmliche Zahlungsmethoden........................................................................ 359
2. Internetspezifische Zahlungsmethoden.................................................................. 360
Sechstes Kapitel: Datenschutzrecht 364
I. Vorab: Besondere Persönlichkeitsrechte .............................................................................364
II. Kollisionsrechtliche Vorfragen............................................................................................374
III. Die Grundstruktur des BDSG ..........................................................................................377
1. Abgrenzung zwischen BDSG und Telemediengesetz ........................................... 377
2. Personenbezogene Daten, § 3 Abs. 1 BDSG ......................................................... 378
3. Erhebung, Verarbeitung und Nutzung von Daten.................................................. 382
IV. Ermächtigungsgrundlagen ...............................................................................................386
1. Einwilligung........................................................................................................... 386
2. Einwilligung in Beratung, Information (Werbung) und Marketing....................... 388
Probleme mit Bezug zum Internet ................................................................................. 391
4. Gesetzliche Ermächtigung ..................................................................................... 400
V. Haftung bei unzulässiger oder unrichtiger Datenverarbeitung ............................................407
1. Vertragliche Ansprüche ......................................................................................... 407
2. Gesetzliche Ansprüche........................................................................................... 408
VI. Sonderbestimmungen im Online-Bereich........................................................................413
1. Datenschutz im TK-Sektor: Das TKG................................................................... 414
2. Das TMG................................................................................................................ 417
VII. Ausgewählte Sonderprobleme .........................................................................................420
1. Web-Cookies.......................................................................................................... 420
2. Protokollierung von Nutzungsdaten zur Missbrauchsbekämpfung ....................... 424
3. Outsourcing............................................................................................................ 425
4. Data Mining und Data Warehouse......................................................................... 433
5. Grenzüberschreitender Datenaustausch ................................................................. 434
6. Datennutzung in der Insolvenz .............................................................................. 440
Siebtes Kapitel: Haftung von Online-Diensten 442
I. Kollisionsrechtliche Vorfragen............................................................................................443
II. Das Telemediengesetz (TMG).............................................................................................444
1. Der Content-Provider............................................................................................. 445
2. Der Access-Providcr .............................................................................................. 450
3. Der Host-Provider.................................................................................................. 452
4. Haftung für Links................................................................................................... 457
5. Haftung für sonstige Intermediäre ......................................................................... 465
Achtes Kapitel: Die internationalen Aspekte des Internetrechts 483
I. Zuständigkeit bei Immaterialgüterrechtsverletzungen.........................................................485
1. Innerdeutsche Fälle ................................................................................................ 486
2. Internationale Zuständigkeit .................................................................................. 488
II. Zuständigkeit bei Verträgen.................................................................................................492
1. Die nationale Zuständigkeit ................................................................................... 492
2. Die EUGVO........................................................................................................... 493
3. Das Haager Übereinkommen................................................................................. 493
III. Vollstreckung...................................................................................................................495
IV. Online Dispute Settlement ...............................................................................................496
V. Internationales Privatrecht ...................................................................................................496
1. CISG....................................................................................................................... 497
2. EU-Kollisionsrecht................................................................................................. 497
3. Deutsches IPR........................................................................................................ 501
4. Exemplarische Problemgestaltungen ..................................................................... 502
Neuntes Kapitel: Internetstrafrecht 505
I. Einführung ...........................................................................................................................506
II. Anwendbarkeit deutschen Strafrechts..................................................................................507
III. Internationale Regelungen ...............................................................................................507
1. Cybercrime Convention ......................................................................................... 508
2. EU-Rahmenbeschluss des Europarates (2005/222/JI) ........................................... 509
3. EU-Richtlinie zur Vorratsdatenspeicherung (2006/24/EG)................................... 509
4. EU-Haftbefehl (2002/584/JI) ................................................................................. 510
IV. Materielles Internetstrafrecht ...........................................................................................511
1. Internet als Propagandamittel................................................................................. 511
2. Gewaltdarstellungen im Internet (§ 131 StGB) ..................................................... 513
3. (Kinder-) Pornographie im Internet ....................................................................... 514
4. Jugendschutz im Internet ....................................................................................... 516
5. Beleidigungen im Internet...................................................................................... 518
6. Hyperlinks.............................................................................................................. 519
7. Viren, Würmer, Trojaner, Spyware ....................................................................... 521
8. Phishing, Pharming................................................................................................ 522
9. DDoS-Attacken (Distributed Denial of Service) ................................................... 526
10. Dialer...................................................................................................................... 527
11. IP-Spoofing und Portscanning ............................................................................... 529
fremder Accounts („Account-Takeover“)...................................................................... 531
13. Filesharing.............................................................................................................. 532
14. Film-Streaming ...................................................................................................... 532
V. Strafprozessrecht..................................................................................................................536
1. Vorratsdatenspeicherung und verdeckte Online-Durchsuchung............................ 536
2. E-Mail-Überwachung und Beschlagnahme von E-Mails ...................................... 542
3. Hinzuziehung von Dritten im Ermittlungsverfahren ............................................. 545
Anhang: Musterverträge 547
I. Einkaufsbedingungen...........................................................................................................547
II. Erwerb von Musikrechten für die Online-Nutzung .............................................................549
III. Nutzungsvereinbarungen mit angestellten Programmierern............................................552
IV. Mustertext: AGB-Vorschläge zur Gewährleistung..........................................................556
Das Informationsrecht ist eine neue Rechtsdisziplin, deren Wurzeln im Dunkeln liegen. Dies hängt
zu einem großen Teil damit zusammen, dass der Gegenstand dieses Fachs nicht klar zu bestimmen
ist. Niemand weiß, was Information ist. In der Tat scheint jeder zu wissen, was Information ist, ohne
es jedoch konkret benennen zu können.1
Gängig sind negative Definitionen, etwa dergestalt: Infor-
mation ist nicht gegenständlich, nicht greifbar, nicht zeitlich beschränkt. Solche Umschreibungen
helfen wenig. Ebenso vage sind jedoch positive Auskünfte wie: Information sei ein „dritter Urzustand
der Welt“, eine „neue Art Wirklichkeit“, neben der materiellen und geistigen Wirklichkeit, eine
„strukturelle Koppelung“, eine „dritte universelle Grundgröße“. Diesen nebulösen Aussagen entspre-
chen einer Fülle von Informationsbegriffen in einzelnen Fachdisziplinen. Die differenziertesten De-
finitionsversuche unterscheiden zwischen Information als Prozess, als Subjekt, als Objekt und als
System. Letztendlich bezeichnet Information semantisch wohl jede Kenntnisbeziehung zu jedem re-
alen und irrealen Gegenstand der Welt.2
Damit ist der Begriff allerdings konturen- und grenzenlos.
Offensichtlich aber besteht bei vielen Informationen ein ökonomischer Wert, der es rechtfertigen
kann, diesen einer einzelnen Person zuzuordnen. Zu beachten ist allerdings, dass dieser Wert nur
schwer zu fassen ist. Eine Information kann beispielsweise in dem Moment, in dem sie anderen mit-
geteilt wird, ihren Wert verlieren, da ihr Wert einzig und allein darin bestehen kann, dass niemand
Letztendlich umschreibt der Begriff des Informationsrechts eine Querschnittsmaterie, in deren Mit-
telpunkt Phänomene wie
• Kunsthandel
• Musik, Theater, Film, Foto, Printmedien
• Telekommunikation, Satellitenkommunikation, Kabelnetze
Siehe hierzu Steinmüller, Informationstechnologie und Gesellschaft, Darmstadt 1993, 189.
So bereits Welp, IuR 1988, 443, 445.
Das Informationsrecht bildet jedoch nicht den Oberbegriff für eine lose Sammlung verschiedenster
Themen. Vielmehr beschäftigt das Informationsrecht eine zentrale Leitfrage: Wie werden wem
wann und warum Ausschließlichkeitsrechte an Informationen zugeordnet? Diese Leitfrage lässt sich
in Einzelprobleme untergliedern. So ist z.B. im Informationsrecht zu fragen:
• Welche Ausschließlichkeitsrechte bestehen überhaupt (z.B. Immaterialgüterrechte, Persön-
lichkeitsrechte, Geheimnisschutz)?
• Wie lassen sich diese Rechte voneinander abgrenzen?
• Wie kann das Interesse der Allgemeinheit am freien Zugang zu Informationen gesichert
wer-den?
• Welche öffentlichen Interessen rechtfertigen Verbote der Informationsnutzung?
Das Informationsrecht nahm seinen historischen Ausgangspunkt Anfang der siebziger Jahre, als
mit der zunehmenden Bedeutung der EDV auch deren Risiken Gegenstand der öffentlichen Diskus-
sion wurden. So begann ein Streitgespräch über den Schutz personenbezogener Daten, das sich
bald mit einem der SPD nahestehenden politischen Duktus verband. In der Folge entstanden die ers-
ten Datenschutzgesetze in Hessen (1974) und auf Bundesebene (1979). Nach dem Volkszählungsur-
teil (1983) trat der Streit um Möglichkeiten und Grenzen des Datenschutzes noch einmal in das Licht
der Öffentlichkeit, bevor der Datenschutz daraufhin seine bis heute andauernde Talfahrt begann.
Auf anderen Gebieten kam die Diskussion erst allmählich ins Laufen. Zunächst wurden „first gene-
ration issues“ behandelt, insbesondere die Frage der Anwendbarkeit traditioneller Regelwerke auf
Software- und Hardware. So rankten sich Rechtsprechung und Literatur Anfang der achtziger Jahre
um die Urheberrechtsfähigkeit oder die Sachqualität von Software. Als diese Grundsatzfragen durch
höchstrichterliche Rechtsprechung geklärt waren, kamen die „second generation issues“, Spezial-
fragen, wie der Vervielfältigungsbegriff bei RAM-Speicherung.
Die Forschung bewegte sich bis Ende der achtziger Jahre in ruhigeren Gewässern, bis dann durch
Multimedia und Internet neue Themen ins Blickfeld gerieten. Bislang scheint die Forschung hier
noch bei den „first generation issues“ stehen geblieben zu sein. So finden sich zahlreiche Beiträge
zur Anwendbarkeit des traditionellen Werberechts auf Online-Marketing oder zum Schutz gegen Do-
main-Grabbing. Inzwischen normalisiert sich die Diskussion wieder. Nachdem die Anwendbarkeit
traditioneller Regelungen auf Internet-Sachverhalte weitgehend (auch durch Gesetzeskorrekturen)
geklärt ist, kommt jetzt erneut die Phase, in denen Detailfragen zu klären sind.
Dennoch ist es bis heute noch nicht gelungen, ein klares dogmatisches System des Informationsrechts
zu begründen. Der Zusammenhang zwischen den verschiedenen Facetten des Informationsrechts be-
darf noch der Aufklärung und Diskussion.
Zum Informationsrecht insgesamt ist einführende Literatur dünn gesät. Noch wird die Publikations-
szene von einer Vielzahl einzelner Monographien und Einführungen zu Teilaspekten, wie etwa dem
Datenschutzrecht oder dem Datenverarbeitungsvertragsrecht, geprägt. Im Übrigen ist zu beachten,
dass die Gefahr einer Überalterung im Informationsrecht sehr hoch ist: Bedingt durch das enorme
Tempo der Gesetzgebung und Rechtsprechung auf diesem Gebiet sind Werke meist schon veraltet,
wenn sie erscheinen. Man muss daher alle Werke auf diesem Gebiet (einschließlich des vorliegenden)
mit Bedacht lesen und auf aktuelle Entwicklungen hin kritisch prüfen.
Hinweise zu Einführungsliteratur für einzelne Teilgebiete finden sich vor den jeweiligen Abschnitten
in diesem Werk. Als übergeordnete Literatur ist zu empfehlen:
Hoeren/Sieber (Hrsg.), Handbuch Multimediarecht, München, Loseblatt: Stand 2014.
Kilian/Heussen (Hrsg.), Computerrechtshandbuch, München, Loseblatt: Stand 2014.
Spindler/Schuster (Hrsg.), Recht der elektronischen Medien, München, 2. Aufl. 2011.
Einzelmonographien:
Thomas Hoeren, Internet- und Kommunikationsrecht, 2. Aufl. Köln 2012
Niko Härting, Internetrecht, 5. Aufl., Köln 2013.
Haug, Internetrecht, 2. Aufl. 2010.
Köhler/Arndt/Fetzer, Recht des Internet, 7. Aufl., Heidelberg (C.F. Müller) 2011.
Hinsichtlich der Fachzeitschriften ist ein Trend zu einer Informationsüberflutung zu beobachten.
Eine Fülle neuer Zeitschriften ist in den letzten Jahren zum Informationsrecht erschienen; offensicht-
lich wittern viele Verleger hier „Morgenluft“. Die Qualität der Beiträge lässt allerdings manchmal zu
wünschen übrig; viele Inhalte wiederholen sich. Bei der Lektüre ist also Vorsicht geboten. Im Ein-
zelnen erscheinen in Deutschland folgende Zeitschriften (in alphabetischer Reihenfolge):
• Archiv für Presserecht/Zeitschrift für Medien- und Kommunikationsrecht (AfP)
• Computer und Recht (CR)
• Computer Law Review International (CRi)
• Datenschutz-Nachrichten (DANA)
• Datenschutz und Datensicherung (DuD)
• Datenverarbeitung, Steuer, Wirtschaft, Recht (DSWR)
• Datenverarbeitung im Recht (DVR; eingestellt 1987)
• Gewerblicher Rechtsschutz und Urheberrecht (GRUR)
• Gewerblicher Rechtsschutz und Urheberrecht. Internationaler Teil (GRUR Int.)
• Der IT-Rechts-Berater (ITRB)
• Informatik und Recht (IuR; eingestellt 1988)
• Kommunikation & Recht (K&R)
• Kunst & Recht (KR)
• Multimedia und Recht (MMR)
• Neue Juristische Wochenschrift. Computerreport (NJW-CoR; eingestellt 2000)
• Öffentliche Verwaltung und Datenverarbeitung (ÖVD; eingestellt 1986)
• PingG – Privacy in Germany
• Recht der Datenverarbeitung (RDV)
• Zeitschrift für geistiges Eigentum
• Zeitschrift für Urheber- und Medienrecht (ZUM) und der dazu gehörige Rechtspre-
chungs-dienst (ZUM-RD).
• Ecolex
• Medien & Recht
• Rundfunkrecht (RfR)
• sic!
• Digma/Zeitschrift für Datenrecht und Informationssicherheit
Im internationalen Kontext ist die Lage auf dem Zeitschriftenmarkt kaum überschaubar. Hier sei
nur eine Auswahl genannt:
• Actualidad Informatica Aranzadi (E)
• Auteurs & Media (B)
• Berkeley Technology Law Journal (USA)
• Columbia Visual Arts & Law Journal (USA)
• Communications Law (Tolley´s)
• Computer Law & Practice (UK)
• Computer Law & Security Report (UK)
• The Computer Lawyer (USA)
• Computerrecht (NL)
• EDI Law Review (NL)
• European Intellectual Property Review (UK)
• Information & Communications Technology Law (UK)
• Informatierecht (NL)
• Jurimetrics (USA)
• Lamy Droit de l´informatique (F)
• Revue internationale de Droit d´Auteur (F)
• Rutgers Computer & Technology Law Journal (USA)
• The John Marshal Journal of Computer& Information Law (USA)
• Vanderbilt Journal of Law & Technology (USA)
• World Intellectual Property Law (USA)
Für die Recherche in Fachbibliotheken muss beachtet werden, dass es sich beim Informationsrecht
um eine junge Disziplin handelt, die nur an wenigen Universitäten beheimatet ist. Der unbedarfte
Forscher wird daher meist enttäuscht sein, wenn er versucht, über seine lokale Fakultätsbibliothek an
einschlägige Werke zu gelangen. Zu empfehlen sind die Bibliotheken folgender Einrichtungen
• DFG-Graduiertenkolleg „Geistiges Eigentum und Gemeinfreiheit“ (Universität Bay-
reuth)
• Max-Planck-Institut für Immaterialgüter- und Wettbewerbsrecht (München)
• Institut für Rechtsinformatik (Universität Saarbrücken)
• Institut für Medienrecht und Kommunikationsrecht (Universität Köln)
• Institut für Geistiges Eigentum, Wettbewerbs- und Medienrecht (TU Dresden)
• Institut für Rechtsinformatik (Universität Hannover)
• Zentrum für Rechtsinformatik (Universität Karlsruhe)
• Gerd Bucerius-Stiftungsprofessur für Kommunikationsrecht (Universität Rostock)
• Institut für Informations-, Telekommunikations- und Medienrecht/ITM (Universität
• Institut für Urheber- und Medienrecht (München).
Im europäischen Ausland findet sich das
• Institut voor Informatierecht (Universiteit Amsterdam/Niederlande)
• Centre de Recherches Informatique et Droit/CRID (Universite de Namur/Belgien)
• Centre for Advanced Legal Studies (London)
• Institut für Rechtsphilosophie, Rechtssoziologie und Rechtsinformatik der Karl-Fran-
zens-Universität Graz
• Interdisciplinary Centre for Law & Information Technology (Leuven)
• Norwegian Research Center for Computers and Law/NRCCL (Oslo)
• Queen Mary University of London School of Law (London)
• Centre d´Estudis de Dret i Informàtica de Balears (Palma de Mallorca).
In den USA bestehen Forschungseinrichtungen u.a. an der Harvard Law School: „Berkman Center
for Internet & Society“ und der Yale University: „Center for Internet Studies“. Weitere Forschungs-
einrichtungen und Lehrstühle bestehen an der Columbia Law School (New York) und den Universi-
täten Stanford und Berkeley.
Baum, Die effiziente Lösung von Domainnamenskonflikten, München 2005; Becker, Das Do-
mainrecht als subjektives Recht, GRUR Int 2010, 940; ders., Verteilungsgerechtigkeit und gebo-
tene Benutzung im Domainrecht, GRUR Int. 2010, 202; ders., Positive und negative Zeichenbe-
rechtigung im Internet, WRP 2010, 467; Böcker, Der Löschungsanspruch in der registerkennzei-
chenrechtlich motivierten Domainstreitigkeit, GRUR 2007, 370; Bröcher, Domainnamen und das
Prioritätsprinzip im Kennzeichenrecht, MMR 2005, 203; Bücking/Angster, Domainrecht, Stuttgart
2010; Danckwerts, Örtliche Zuständigkeit bei Urhe-ber-, Marken- und Wettbewerbsverletzungen
im Internet, GRUR 2007, 104; Diesel-horst/Plath, Marken und Domains, in: Moritz/Dreier
(Hrsg.), Rechtshandbuch E-Commerce, 2. Aufl. Köln 2005, 306; Eichelberger, Benutzungszwang
für .eu-Domains, K&R 2007, 453; Erdmann, Gesetzliche Teilhabe an Domain-Names. Eine zei-
chen- und wettbewerbsrechtliche Untersuchung, GRUR 2004, 405; Gräbig, Domain und Kenn-
zeichenrecht, MMR 2009, Beil. Nr. 6, 25; Haar/Krone, Domainstreitigkeiten und Wege zu ihrer
Beilegung, in: Mitteilungen der deutschen Patentanwälte 2005, 58; Härting, Kennzeichenrechtli-
che Ansprüche im Domainrecht, ITRB 2008, 38; Hellmich/Jochheim, Domains im Agenturge-
schäft nach der grundke.de Entscheidung, K&R 2007, 494; Huber/Hitzelberger, Ratgeber Do-
main-Namen, 2. Aufl. 2010; Hülsewig, Rechtsschutz gegen die unberechtigte Nutzung von Do-
mains im Internet – ein systematischer Überblick unter Berücksichtigung aktueller Rechtspre-
chung, JA 2008, 592; Jaeger-Lenz, Die Einführung der .eu-Domains – Rechtliche Rahmenbedin-
gungen für Registrierung und Streitigkeiten, WRP 2005, 1234; Kazemi, Schutz von Domainnamen
in den Beitrittsstaaten, MMR 2005, 577; Körner, Der Schutz der Marke als absolutes Recht –
insbesondere die Domain als Gegenstand markenrechtlicher Ansprüche, GRUR 2005, 33; Koos,
Die Domain als Vermögensgegenstand zwischen Sache und Immaterialgut – Begründung und
Konsequenzen einer Absolutheit des Rechts an einer Domain, MMR 2004, 359; Martinek, Die
Second-Level-Domain als Gegenstand des Namensrechts in Deutschland, in: Festschrift für Käfer
2009, 197; Mietzel, Die ersten 200 ADR-Entscheidungen zu .eu-Domains – Im Spagat zwischen
Recht und Gerechtigkeit, MMR 2007, 282; Mietzel/Orth, Quo vadis .eu-ADR? – Eine erneute
Bestandsaufnahme nach 650 Entscheidungen, MMR 2007, 757; Müller, .eu-Domains – Erkennt-
nisse aus dem ersten Jahr Spruchpraxis, GRUR Int. 2007, 990; Pothmann/Guhn, Erste Analyse
der Rechtsprechung zu .eu-Domains in ADR-Verfahren, K&R 2007, 69; Reinholz/Janke, Do-
mainrecht - eine Bilanz der Rechtsprechung aus den Jahren 2012/2013, K & R 2013, 613; Selby,
Domain law and internet governance, in: Bourbaki Law Review 34 (2008), 325; Sobola, Ansprü-
che auf .eu-Domains, ITRB 2007, 259; Ullmann, Wer suchet der findet – Kennzeichenrechtsver-
letzungen im Internet, GRUR 2007, 663; Viefhues, Wenn die Treu-hand zum Pferdefuß wird,
MMR 2005, 76; Voegelie-Wenzl, Internet Governance am Bei-spiel der Internet Corporation of
Assigned Names and Numbers (ICANN), GRUR Int. 2007, 807; Weisert, Die Domain als namens-
gleiches Recht? Die Büchse der Pandora öffnet sich, WRP 2009, 128.
Wer im Internet erreichbar sein will, braucht eine eindeutige Adresse. Ansonsten erreicht ihn weder
die elektronische Post noch kann der Nutzer sein Informationsangebot abrufen. Internet-Adressen
sind ein äußerst knappes Gut. Sie können nur einmal vergeben werden; der Run auf diese Kennzeich-
nungen ist deshalb eine logische Konsequenz. Schon bald machten sich erste digitale Adressenhänd-
ler auf die Suche nach wertvollen Kennzeichnungen, die sie reservieren ließen, um sie nachher gegen
teures Geld zu verkaufen. Markenrechtliche Auseinandersetzungen waren vorprogrammiert und es
häuften sich im In- und Ausland Gerichtsentscheidungen zu diesem Problembereich.
I. Praxis der Adressvergabe
Bettinger, Domain Name Law and practice, Oxford, 2005; Burgställer, Die neue „doteu“-Domain,
Medien & Recht 2004, 214; Müller, Alternative Adressierungssysteme für das Internet – Kartell-
rechtliche Probleme, MMR 2006, 427; Müller, Das neue alternative Streitbeilegungsverfahren für
.eu-Domains, in: SchiedsVZ 2008, 76; Rayle, Die Registrierungspraktiken für Internet-Domain-
namen in der EU, München 2003; Wibbeke, Online-Namensschutz, Organisation der Domainver-
waltung in Zeiten der Globalisierung, ITRB 2008, 182.
Bei der Durchsetzung der markenrechtlichen Vorgaben sind die faktischen Besonderheiten der
Adressvergabe im Internet zu beachten. Nur eine offiziell gemeldete Adresse kann ordnungsgemäß
geroutet werden, d.h. am Internet teilnehmen.
1. Internationale Strukturen/ICANN
Holznagel/Hartmann, .gemeinde statt .de – Internet-Domainnamen für deutsche Kommunen,
NVwZ 2012, 665; Jaeger-Lenz, Rechtsschutz bei Markenverletzungen durch neue Top-Level-Do-
mains, GRUR-Prax 2012, 543; Troge, Neue Top-Level-Domains - Neuer Markenschutz?, CR
2012, 481; Rickert: Schutz von Kennzeichenrechten bei der Einführung neuer TLDs, MMR 2012,
444; Schulte-Braucks, Kennzeichnungsschutz durch Hinterlegung im Trademark Clearinghouse
und parallele Domainüberwachung, K & R-Beih. 2013, 3; diess., Alles neu macht die ICANN –
die neuen Top Level Domains bescheren Markeninhabern neue Risiken und neue Rechtsschutz-
möglichkeiten, GRUR Int 2013, 322;Voegeli-Wenzl, Internet Governance am Beispiel der Internet
Corporation of Assigned Names and Numbers (ICANN), GRUR Int. 2007, 807; Meyer, Die Zu-
kunft der Internetadressierung, DFN-Infobrief 01/2007; Weigele, Internet Corporation on Assig-
ned Names and Numbers (ICANN) - Staats-, europa- und völkerrechtliche Beurteilung, MMR
2013, 16.
Die für die Kommunikation zwischen den einzelnen Rechnern erforderlichen IP-Adressen werden
nicht vom Staat vergeben. Als Oberorganisation ist vielmehr die ICANN (Internet Corporation for
Assigned Names and Numbers) zuständig.3
Die ICANN wurde im Herbst 1998 als private non-profit-
public benefit organization i.S.d §§ 5110–6910 des California Corporation Code in den USA gegrün-
Der Sitz ist in Kalifornien.
Siehe dazu Kleinwächter, MMR 1999, 452.
Siehe dazu auch die Articles of Incorporation des ICANN vom 28.1.1998, abrufbar unter http://www.icann.org/ge-
neral/articles.htm.
Die ICANN hat weitreichende Kompetenzen im Domainbereich, u.a.
• die Kontrolle und Verwaltung des Root-Server-Systems (mit Ausnahme des obersten A-
Root-Server, der lange Zeit unter der Kontrolle der US-Regierung stand und heute von Ve-
riSign Global Registry Services verwaltet wird)
• die Vergabe und Verwaltung von IP-Adressen, mit Hilfe der Numbering Authorities ARIN
(für Amerika), RIPE (für Europa), Afrinic (für Afrika) oder APNIC (für die Regionen Asien
und Pazifik)
• die Vergabe und Verwaltung von Top-Level-Domains, sowohl hinsichtlich der länderba-
sierten Kennungen (country-code Top-Level-Domains; ccTLDs) als auch der generischen
Top-Level-Domains (gTLDs); hierzu akkreditiert ICANN sog. Registrars, bei denen dann
die einzelnen Domains registriert werden können.
Derzeit bestehen folgende gTLDs:5
• arpa (ARPANET; diese TLD wird von der IANA als „Infrastrukturdomain“ bezeichnet)
• biz (Unternehmen)
• com („Commercial“)
• info (Informationsdienste)
• int (Internationale Organisationen)
• name (Natürliche Personen oder Familien)
• net (für Angebote mit Internetbezug)
• org (für nichtkommerzielle Organisationen)
• pro (Bestimmte Berufsgruppen – Anwälte, Steuerberater, Ärzte, Ingenieure – in USA,
Kana-da, Deutschland und dem Vereinigten Königreich)
Außerdem bestehen folgende sog. Sponsored gTLDs:
• aero (Luftverkehr)
• asia (Region Asien)
• cat (Region Katalonien)
• coop (Genossenschaftlich organisierte Unternehmen)
• edu (Bildungsorganisationen)
• gov (US-Regierung)
Um die zuständigen Registrierungsstellen für diese Kennungen festzustellen siehe http://www.icann.org/regist-
ries/listing.html.
• jobs (Internationaler Bereich des Human Resource Management)
• mil (US-Militär)
• mobi (Mobilfunkanbieter bzw. Inhalte, die durch mobile Endgeräte genutzt werden kön-
• museum (für Museen)
• tel (vereinfachtes Anrufen bei Firmen und Unternehmen)
• travel (Reiseanbieter)
• xxx (Pornoanbieter).
Wurde 2007 noch von ICANN die Endung .xxx abgelehnt, hat sie sich am 20. Juni 2011 jedoch im
Rahmen einer Ausweitung des Rahmes möglicher TLDs auch für diese ausgesprochen.6
Dies eröffnet
Raum für neue kennzeichenrechtliche Problemstellungen, wollen doch Inhaber von Kennzeichen-
rechten diese in der Regel nicht mit der Endung .xxx im Internet wiederfinden. Daher war es vom
7. September 2011 möglich, innerhalb von 30 Tagen Markennamen auf Dauer für die Registrierung
unter der TLD .xxx zu sperren.7
Länderspezifisch bestehen heute über 200 verschiedene Top-Level-Domains.8
Wichtig sind die ccT-
• at (Österreich)
• ch (Schweiz)
• de (Deutschland)
• es (Spanien)
• fr (Frankreich)
• jp (Japan)
• nl (Niederlande)
• no (Norwegen)
• uk (Großbritannien).
Die Kennung „.us“ (für die USA) existiert zwar, ist aber nicht gebräuchlich. Einen besonderen Reiz
üben Kennungen aus, die über ihren Länderbezug hinaus eine Aussagekraft haben, wie z.B.: „.tv“
Vgl. http://heise.de/-1211025 (zuletzt abgerufen am 03.06.2014).
Vgl. zu diesem Problemkreis MMR-Aktuell 2011, 320145.
Siehe dazu die Liste unter http://www.iana.org/domains/root/db (Stand: 07.09.2011).
(für Tuvalu; begehrt bei Fernsehsendern) und „.ag“ (für Antigua; gleichzeitig Ausdruck für Aktien-
gesellschaft). Besondere Probleme bestanden mit der Zulassung von Domains auf der Basis des chi-
nesisch-japanischen Schriftsystems; diese Probleme wurden im Juni 2003 durch die Einführung ei-
gener ICANN-Standardisierungsrichtlinien gelöst.9
Die Einführung weiterer sog. Regio-TLDs wie „.bayern“10
, „.berlin“ oder ist abhängig von Verhand-
lungen der Provider mit der ICANN. So existieren u.a. bereits die TLDs .nrw und .ruhr. ICANN selbst
hat die völlige Freigabe aller TLDs in die Wege geleitet. Wegen kartellrechtlicher Bedenken soll die
Gestaltung von TLDs frei möglich sein, so dass TLDs wie „.Siemens“ denkbar sind. Erste Vorschläge
für ein solches System wurden unter dem Stichwort „Openness Change Innovation“ im Oktober 2008
veröffentlicht.11
In der Zwischenzeit liegt ein „Applicant guidebook“ vor, das die weiteren Details
des Verfahrens beschreibt. Zu entrichten sind 185 000 US-Dollar als Registrierungsgebühr. Antrags-
berechtigt sind Unternehmen, Organisationen und Institutionen „von gutem Ansehen“ („in good
standing“). Privatpersonen oder Einzelkaufleute können sich nicht registrieren. Verfügbar sind
ASCII-Code-Zeichen und gTLDS aus nicht lateinischen Zeichen. Nach der Anmeldung folgt eine
Überprüfung der technischen und finanziellen Kompetenz des Antragstellers („Evaluation Proce-
dere“). Danach können Dritte Einsprüche gegen ein Registrierungsantrag vorbringen („Dispute Re-
solution Procedere“). Bei mehreren Anträgen für eine TLD soll der Zuschlag nach Auktionsregeln
oder nach Maßgabe einer vergleichenden Evaluierung erfolgen („comparative evaluation“). Zahlrei-
che Unternehmen und Gebietskörperschaften haben sich um die Zuteilung neuer TLDs beworben.12
Vergeben wurden insbesondere Namen von Unternehmen und Städten sowie Allgemeinbegriffe (z.B.
. bike, .singles, .photography, .today und .company).13
2. Die .EU-Domain
Eichelberger, Benutzungszwang für .eu-Domains?, K&R 2007, 453; Eichelberger, Das Verhältnis
von alternativem Streitbeilegungsverfahren zum Zivilprozess bei Streitigkeiten über .eu-Domains,
K&R 2008, 410; Försterling/ Hohl, Verhältnis der ordentlichen Gerichtsbarkeit zur alternativen
Streitbeilegung bei .eu-Domain-Streitigkeiten - Diskussion vorhandener Lösungsansätze anhand
der Entscheidung Toth vs. Emirates, MMR 2013, 148; Mietzel, Die ersten 200 ADR-
Entscheidungen zu .eu-Domains, MMR 2007, 282; Mietzel/Orth, Quo vadis – .eu-ADR? MMR
http://www.icann.org/general/idn-guidelines-20jun03.htm.
http://heise.de/-2171522: TLD .bayern ab September 2014.
Vgl. http://heise.de/-1263102 (zuletzt abgerufen am 5.10.2011).
MMR-Aktuell 2011, 319448.
2007, 757; Müller, „.eu“-Domains: Erkenntnisse aus dem ersten Jahr Spruchpraxis, GRUR Int.
2007, 990; Müller, „.eu“-Domains: Widerruf aufgrund zweijähriger Nichtbenutzung ab Domain-
registrierung, GRUR Int. 2009, 653; Müller, Das neue alternative Streitbeilegungsverfahren für
eu.Domains: Einführung und erste Erkenntnisse aus der Praxis, SchiedsVZ 2008, 76; Poth-
mann/Guhn, Erste Analyse der Rechtsprechung zu .eu-Domains in ADR-Verfahren, K&R 2007,
69; Sobola, Ansprüche auf .eu-Domains, ITRB 2007, 259.
Als Zeichen für die Identität des europäischen Wirtschaftsraums hat die europäische Kommission
schon seit Ende der 90er Jahre über die Einführung einer eigenen „.eu“ TLD nachgedacht. Im Jahre
2002 war es dann so weit. Verabschiedet wurden die Verordnung (EG) Nr. 733/2002 des europäi-
schen Parlaments und des Rates vom 22. April 2002 zur Einführung der Domain oberster Stufe „.eu“
sowie die weitere Verordnung (EG) Nr. 874/2004 vom 28. April 2004 der Kommission mit allgemei-
nen Regeln für die Durchführung und die Funktionen der „.eu“ TDL.14
Aufgrund der Rahmenverord-
nung des Parlamentes wurde nach einer Ausschreibung ein Registrar bestellt. Als Registrierungsor-
ganisation tritt EURid auf, eine gemeinnützige Organisation mit Sitz in Diegem (Belgien).
Nachdem die ICANN im Jahre 2000 die Einführung einer neuen ccTLD „.eu“ beschlossen hat, ist
diese ab dem 7. Dezember 2005 sehr erfolgreich gestartet. Seit diesem Zeitpunkt war es für die Inha-
ber registrierter Marken15
und öffentlicher Einrichtungen im Rahmen der sog. „landrush-period“
möglich, die Vergabe der „.eu“-Domains zu beantragen. Zwei Monate später, also ab dem 7. Februar
2006, konnten dann sonstige Rechteinhaber eine Domain unter der TLD „.eu“ beantragen („landrush-
period II“). Innerhalb dieser Zeiträume galt für Rechteinhaber das Prioritätsprinizp; wer als erster
seinen Registrierungsantrag bei der zuständigen Behörde EuRID16
einreichte, der erhielt die Domain.
Die jeweiligen kennzeichenrechtlichen Positionen mussten innerhalb einer Frist von 40 Tagen bei
dem Unternehmen Price Waterhouse Coopers zur Prüfung vorgelegt werden. Die Dokumentation der
entsprechenden kennzeichenrechtlichen Positionen erforderte eine besondere Sorgfalt, da bereits for-
male Fehler (fehlendes Deckblatt der Anmeldung etc.) zu einer Abweisung führten. Eine solche Ab-
weisung bedeutete zwar noch keinen vollständigen Verlust der Domain, jedoch war eine Nachbesse-
rung nicht möglich und zwischenzeitlich eingereichte Registrierungswünsche für die Domain erhiel-
ten eine bessere Priorität. In der Zwischenzeit existieren mehr als zwei Millionen aktive Domains mit
der .eu-Kennung.
Amtsblatt Nr. L162 vom 30.4.2004, S. 40.
Hierzu zählten neben reinen Wortmarken (nationale Marken, europäische Gemeinschaftsmarken oder internationale
Registrierungen mit Schutzwirkung in einem Mitgliedsland der EU) auch Wort-Bild-Marken, bei denen der Wort-
bestandteil vorrangige Bedeutung hat.
http://www.eurid.eu.
3. Die DENIC eG
Über die Einrichtung einer deutschen Domain17
unterhalb der Top-Level-Domain „.de“ und ihre An-
bindung an das Internet wacht seit dem 17. Dezember 1996 die DENIC eG.18
Im August 2008 hatte
sie 264 Mitglieder19
(davon 13 per Amt), einschließlich der Deutschen Telekom AG. Aufgaben der
DENIC sind der Betrieb des Primary-Nameservers für die Top-Level-Domain „.de“, die bundesweit
zentrale Vergabe von Domains unterhalb der Top-Level-Domain „.de“ und die Administration des
Internet in Zusammenarbeit mit internationalen Gremien.20
Die Tätigkeit der DENIC erfolgt auf rein zivilrechtlicher Grundlage; insbesondere ist die DENIC
weder als Beliehener noch als untergeordnete Behörde etwa im Verhältnis zur Bundesnetzagentur
Die DENIC eG hat genau festgelegt, wie ein Domain-Name beschaffen sein muss. Ein gültiger Do-
main-Name besteht aus maximal 63 Buchstaben, Ziffern und dem Bindestrich. Er beginnt und endet
mit einem Buchstaben oder einer Ziffer.21
Zwischen Groß- und Kleinschreibung wird nicht unter-
schieden. Umlaute und Sonderzeichen sind seit dem 1. März 2004 erlaubt. Eine weitere, eigene Un-
terteilung (Subdomain) ist möglich, wird jedoch nicht von der DENIC eG, sondern vom Provider
oder vom Nutzer eingerichtet. Seit einer Änderung der Richtlinie mit Wirkung vom 23. Oktober 2009
können auch ein- und zweistellige Domains, reine Zifferndomains sowie Domains, die Kfz-Kennzei-
chen oder anderen TLDs entsprechen, registriert werden.Kartellrechtlich gesehen handelt es sich bei
der DENIC um ein marktbeherrschendes Unternehmen i.S.v. § 19 Abs. 2 Satz 1 Nr. 1 GWB, das
deshalb dem Verbot einer missbräuchlichen Ausnutzung dieser Stellung unterliegt. Das OLG Frank-
furt entschied, dass sich die DENIC nicht kartellrechtswidrig verhält, wenn sie eigene Bedingungen
für die Vergaberichtlinien entwirft, solange sie dabei nicht einzelne Teilnehmer oder Kunden bevor-
zugt und ihr Verhalten deshalb als willkürlich gewertet werden könnte.22
Insbesondere durch die
Festlegung eines bestimmten Zeitpunktes für eine Änderung der Vergaberichtlinien und die Vergabe
In Österreich ist die NIC.AT GmbH zuständig, in der Schweiz SWITCH (Swiss Academic and Research Network).
Adressen: nic.at, Jakob-Haringer-Str. 8, A-5020 Salzburg, Tel.: 0043/662/46690, Fax: 0043/662/466919, E-Mail:
service@nic.at, http://www.nic.at; für das SWITCH, Werdstraße 2, Postfach, CH-8021 Zürich, Tel.:
0041/848/844080, Fax: 0041/848/844081, E-Mail: helpdesk@nic.ch, http://www.switch.ch.
Die DENIC darf von sich behaupten, sie sei ohne Gewinnabsicht tätig und eine Non-Profit-Organisation; siehe LG
Frankfurt, Urt. v. 24.10.2001 – 2/6 O 280/01, MMR 2002, 126 = CR 2002, 616 (Ls.).
Zu den einzelnen Mitgliedern siehe http://www.denic.de/denic/mitglieder/mitgliederliste.html.
Die DENIC ist erreichbar unter der Adresse Kaiserstraße 75–77, 60329 Frankfurt, Tel.: 069/272350, Fax:
069/27235238, E-Mail: Info@DENIC.de, www.DENIC.de.
Siehe dazu LG Frankfurt, Urt. v. 22.3.2000 – 3/8 O 153/99, MMR 2000, 627 m. Anm. Welzel.
OLG Frankfurt, Urt. v. 18.5.2010 – 11 U 36/09.
nach dem Prinzip „first come, first served“ werden jedem Kunden dieselben Möglichkeiten einer
Registrierung eingeräumt.
Vor Änderung der Richlinie im Jahr 2009 wurde die DENIC ferner vom OLG Frankfurt gem.
§ 20 Abs. 1, 33 Abs 1, Abs. 3 GWB verurteilt, die zweistellige Domain „vw.de“, deren Registrierung
nach den ursprünglichen DENIC-Richtlinien nicht möglich war, für den Automobilkonzern zu regist-
rieren.23
Es könne nicht darauf abgestellt werden, dass die DENIC gemäß ihren Richtlinien Second-
Level-Domains, die lediglich aus zwei Buchstaben bestehen, nicht vergibt. Eine Ungleichbehandlung
von VW liege im Verhältnis zu solchen Automobilunternehmen vor, deren Marke als Second-Level-
Domain unter der Top-Level-Domain „.de“ eingetragen wurde. Allerdings gebe es nur einen auflö-
send bedingten Anspruch, da technische Änderungen weiterhin möglich bleiben sollen.24
Einer dage-
gen erhobenen Nichtzulassungsbeschwerde gab der BGH nicht statt.
Die Registrierung der freien Domains erfolgt selten direkt über die DENIC. Meistens sind Zwi-
schenhändler tätig, z.B. Discount Provider wie Strato oder Puretec/1&1. Dennoch kommt der Do-
mainvertrag immer zwischen dem Kunden und der DENIC direkt zustande. Die Domainprovider
selbst vermitteln nur das Domaingeschäft auf der Basis eines entgeltlichen Geschäftsbesorgungsver-
trages (§ 675 BGB) und betreuen die Domain auf dienstvertraglicher Grundlage.
4. Domainrecherche im Internet
• http://www.denic.de
• http://www.speednames.com
• http://www.domainsearch.com.
Will ein Unternehmen also feststellen, ob die gewünschte Domain-Bezeichnung noch frei ist, kann
es über die Homepage der DENIC eine Suche nach vergebenen, reservierten oder aktivierten Domain-
Names starten.25
In der WHOIS-Datenbank kann jedermann recherchieren und eine Fülle persönli-
cher Informationen, insbesondere über den Domaininhaber, ziehen. Die in der whois-Abfrage ersicht-
lichen Domaindaten sind allerdings datenschutzrechtlich geschützt. Sie dürfen nur zum Zwecke
OLG Frankfurt, Urt. v. 29.4.2008 – 11 U 32/04=MMR 2008, 609 m. Anm. Welzel = CR 2008, 656.
Zulässig sind allerdings Ablehnungen von Domains aus reinen Ziffern; OLG Frankfurt, Urt. v. 13.2.2007 – 11 U
24/06, MMR 2008, 614 m. Anm. Welzel = CR 2008, 742 – 11880.de.
http://www.denic.de/hintergrund/whois-service/webwhois.html.
der technischen oder administrativen Notwendigkeiten des Internetbetriebs oder zur Kontaktauf-
nahme mit dem Domaininhaber bei rechtlichen Problemen genutzt und ohne ausdrückliche schriftli-
che Erlaubnis der DENIC eG weder elektronisch noch in anderer Art gespeichert werden.26
Derjenige, der bei einer sogenannten WHOIS-Abfrage bei der DENIC als Inhaber eines Domainna-
mens eingetragen ist, ohne gegenüber der DENIC materiell berechtigt zu sein, kann diese Stellung
im Sinne von § 812 Abs. 1 Satz 1 Fall 2 BGB auf Kosten des Berechtigten erlangt haben.27
Abgeschafft wurde von der DENIC eine „reverse“ Abfrage nach Domaininhabern (Aufführung aller
Domainnamen eines bestimmten Anmelders) sowie die alphabetische Auflistung aller registrierten
Domainnamen. Möglich ist nur noch die Abfrage nach dem Inhaber eines bestimmten Domainna-
mens, da diese Information bei Rechtsstreitigkeiten benötigt wird.
Hinzu kommen Angaben zum
• admin-c: Der administrative Ansprechpartner (admin-c) ist die vom Domaininhaber be-
nannte natürliche Person, die als sein Bevollmächtigter berechtigt und gegenüber der
DENIC auch verpflichtet ist, sämtliche z.B. die Domain „hoeren.de“ betreffenden Ange-
legenheiten ver-bindlich zu entscheiden.
• Tech-c: Der technische Ansprechpartner (tech-c) betreut die Domain in technischer Hin-
• Zone-c: Der Zonenverwalter (zone-c) betreut die Nameserver der Domain.
Anders verhält sich für die „.com“-Adressen die NSI, die Datenbestände mit detaillierten Kundenin-
formationen zum Kauf anbietet, darunter Namen, Adressen und Telefonnummern sowie Informatio-
nen darüber, welche Sicherheitsvorkehrungen für bestimmte Webseiten getroffen werden, ob eine
Seite aktiv betreut wird, oder ob eine Seite ein E-Commerce-Angebot bereithält.
• https://dpinfo.dpma.de/ (Deutsche Marken)
• http://www.patentamt.at/Beratung/Recherche_und_Produkte/Markenrecherche/ (Öster-
• http://www.ige.ch (Schweiz)
Siehe dazu auch den 13. Bericht der Landesregierung über die Tätigkeit der für den Datenschutz im nicht-öffentli-
chen Bereich in Hessen zuständigen Aufsichtsbehörden vom 30.8.2000, DrS 15/1539 des Hessischen Landtages,
Abschnitt 9.2.
BGH, Urt. v. 18.1.2012 – I ZR 187/10.
• http://oami.europa.eu/ows/rw/pages/QPLUS/databases/databases.de.do (Europäisches
Mar-kenamt).
• Titelschutzanzeiger (www.presse.de)
• Softwareregister (www.software-register.de).
II. Kennzeichenrechtliche Vorgaben
Domains lösen eine Vielzahl kennzeichenrechtlicher Konflikte aus. Insbesondere kann die Registrie-
rung und/oder Nutzung einer Domain mit marken-, namens- oder wettbewerbsrechtlichen Vorgaben
kollidieren. Im Weiteren werden deshalb die wichtigsten Rechtsfragen des Domainerwerbs skizziert.
1. Kollisionsrechtliche Vorfragen
Baetzgen, Internationales Wettbewerbs- und Immaterialgüterrecht im EG-Binnenmarkt. Kollisi-
onsrecht zwischen Marktspaltung („Rom II“) und Marktintegration (Herkunftslandprinzip), Köln
2007; Hoeren/Sieber, Handbuch Multimedia-Recht, 37. Aufl., München 2014; Kotthoff, Die An-
wendbarkeit des deutschen Wettbewerbsrechts auf Werbemaßnahmen im Internet, CR 1997, 676;
Leible, Rom I und Rom II – Neue Perspektiven im Europäischen Kollisionsrecht, Bonn 2009;
Mankowski, Internet und Internationales Wettbewerbsrecht, GRUR Int. 1999, 909; ders., Kenn-
zeichenbenutzung durch ausländische Nutzer im Internet, MMR 2002, 817; Rüßmann, Wettbe-
werbshandlungen im Internet – Internationale Zuständigkeit und anwendbares Recht, K&R 1998,
422; Sack, Internationales Laterkeitsrecht nach der Rom II-VO, WRP 2008, 845.
Das Markenrecht steht an der Schnittstelle von Wettbewerbs- und Immaterialgüterrecht. Kollisi-
onsrechtlich wird das Territorialitätsprinzip angewendet,28
obwohl dies mit dem wettbewerbsrecht-
lichen Gedanken des finalen Markteingriffs nicht vereinbar ist. In diesem Sinne sieht Art. 8 Rom II-
VO eine Anknüpfung an das sog. Schutzlandprinzip (lex loci protectionis)29
vor. Demnach ist das
„Recht des Staates anzuwenden, für den der Schutz beansprucht wird“.30
Es entscheidet folglich die
reine Möglichkeit des technischen Abrufs über das anzuwendende Recht; für das Markenrecht gilt
insofern das Recht eines beliebigen Abrufstaates.31
Die Werbung eines Herstellers für ein marken-
Palandt/Thorn, BGB, Art. 6 Rom II-VO (IPR) Rz. 4; jurisPK/Wurmnest, BGB, Art. 6 Rom II-VO Rz. 5; vgl. auch:
Sack, WRP 2008, 845, 858.
Hk-BGB/Dörner, Art. 8 Rom II-VO Rz. 2; jurisPK/Heinze, BGB, Art. 8 Rom II-VO Rz. 1.
Art. 8 Abs. 1 Rom II-VO.
KG, Urt. v. 25.3.1997 – 5 U 659/97, CR 1997, 68.
rechtsverletzendes Produkt im Internet macht diesen daher zu einem Mittäter, selbst wenn die Wer-
bung unter einer im Ausland registrierten „.com“-Domain erfolgt.32
Diese starre Haltung wird jedoch
zunehmend von Obergerichten durchbrochen. So sahen bereits mehrere Gerichte33
zu Recht Anlass,
die Anwendung der allgemeinen kennzeichenrechtlichen Kollisionsregeln auf Kennzeichenkonflikte
im Internet einzuschränken. Dabei soll die Einschränkung nicht kollisionsrechtlich, sondern materi-
ell-rechtlich, durch eine normative Einschränkung des Kennzeichenrechts vorgenommen werden.
Eine Verletzungshandlung im Inland soll erst dann gegeben sein, wenn die Internetinformation einen
über die bloße Abrufbarkeit im Inland hinausreichenden Inlandsbezug aufweist. Nach Auffassung
des OLG Düsseldorf34
kann das Territorialitätsprinzip nicht unbesehen in Domainrechtsfällen über-
nommen werden. Eine inländische Kennzeichenbenutzung kann in der Tat nicht schon allein deshalb
bejaht werden, weil Internetseiten von jedem Ort der Welt abrufbar sind. Wäre dies der Fall, würde
dies zu einer uferlosen Ausdehnung des Schutzes nationaler Kennzeichenrechte und zu einer unan-
gemessenen Beschränkung der Selbstdarstellung ausländischer Unternehmen führen. Daher ist es er-
forderlich, dass das kennzeichenverletzende Internetangebot einen hinreichenden wirtschaftlich rele-
vanten Inlandsbezug („commercial effect“35
) aufweist.
Ähnliches gilt traditionell schon immer für den Schutz der nicht-markenrechtlichen Kennzeichen-
rechte, etwa dem Namensrecht nach §12, 823 Abs. 1 BGB. Hier soll der Grundsatz des bestim-
mungsgemäßen Abrufs zum Tragen kommen.36
Demnach ist nicht das Recht jedes Abrufstaates,
sondern nur das Recht desjenigen Staates zu beachten, dessen Staatsangehörige zu den intendierten
Nutzern des Angebots zählen.
Zu klären ist dann, ob die Verbreitung nicht nur zufällig, sondern gewollt in dem Land erfolgt ist. Die
„Bestimmung“ einer Homepage ist aber in vielen Fällen nur schwierig festzustellen. Als An-
satzpunkte werden u.a. herangezogen:
• die Sprache der Webseite (problematisch ist insofern die englische Sprache ),
• die Staatsangehörigkeit von Kläger und Beklagtem,
• die Verwendung von Währungen (allerdings meist ein schwaches Indiz ),
öOGH, Urt. v. 24.4.2001 – 4 Ob 81/01, GRUR Int. 2002, 265.
BGH, Urt. v. 13.10.2005 – I ZR 163/02, MDR 2005, 1005 = CR 2005, 359 m. Anm. Junker, OLG München, Urt. v.
16.6.2005 – 29 U 5456/04, MMR 2005, 608, 609; OLG Hamm, Urt. v. 31.7.2003 – 4 U 40/03, MMR 2004, 177.OLG
Karlsruhe, Urt. v. 10.7.2002 – 6 U 9/02, MMR 2002, 814 m. Anm. Mankowski, CR 2003, 375.
OLG Düsseldorf, Urt. v. 22.4.2008 – I 20 U 140/07.
Vgl. WIPO: Joint Recommendation (Publication 845), Part II: Use of a sign on the internet.
So etwa OLG Karlsruhe, Urt. v. 9.7.1999 – 6 U 62/99, CR 1999, 783– Bad-Wildbad.com.
• Werbung für die Webseite im Land,
• der Geschäftsgegenstand betrifft typischerweise auch das Land.
• Top Level Domain (inbes. positive Indizwirkung)
Wichtig sind Disclaimer auf der Homepage, die darauf verweisen, dass sich die Homepage nur an
Kunden aus bestimmten Ländern richtet. Die Wirksamkeit eines solchen Disclaimers ist aber gerade
hinsichtlich der Domainfrage mehr als zweifelhaft.37
Der BGH hat einen solchen Disclaimer im Rah-
men einer Streitigkeit über die Lieferung einer Online-Apotheke für zulässig erachtet.38
Die örtliche Zuständigkeit des Gerichts ergibt sich aus § 32 ZPO, sofern nicht der allgemeine Ge-
richtsstand des §§ 12, 13 ZPO (Wohnsitz des Beklagten) in Betracht kommt. Für den deliktischen
Gerichtsstand des § 32 ZPO wird darauf abgestellt, wo die Domain über das Internet abrufbar ist.39
Für die internationale Zuständigkeit werden die Zuständigkeitsregeln der ZPO analog angewendet,
sofern nicht bi- oder multilaterale Staatsverträge (insbesondere die EuGVVO) zur Anwendung kom-
men.40
Die EuGVVO über die gerichtliche Zuständigkeit geht ähnlich von einem allgemeinen Ge-
richtsstand am Wohnsitz des Beklagten (Art. 2) und vom deliktischen Gerichtsstand am Handlungs-
oder Erfolgsort (Art. 5 Nr. 3)41
aus. Gerade die Möglichkeit, am Erfolgsort zu klagen, läuft somit auf
einen fliegenden Gerichtsstand, ähnlich wie im Presserecht, hinaus.42
Die Vornahme einer Eingren-
zung auf solche Erfolgsorte, welche von der bestimmungsgemäßem Ausrichtung der Webseite erfasst
sind, ist in diesem Zusammenhang umstritten.43
Siehe dazu OLG München, Urt. v. 17.5.2002 – 21 U 5569/01 (LG München I), MMR 2002, 611; KG, Urt. v.
20.12.2001 – 2 W 211/01, GRUR Int. 2002, 448, 449 – Knoblauch; LG Frankfurt, Urt. v. 10.8.2001 – 3/12 O 96/01,
CR 2002, 222, 223 m. Anm. Dieselhorst; Kur, WRP 2000, 935, 938; Mankowski, MMR 2002, 817, 819.
BGH, Urt. v. 30.3.2006 – I ZR 24/03, CR 2006, 539 = MDR 2006, 941 (KG); BGHZ, 167, 91, 108 = GRUR 2006,
513, 517 = NJW 2006, 2630, 2635; OLG München, Urt. v. 16.6.2005 – 29 U 5456/04, CR 2006, 347 = GRUR-RR
2005, 375 – 800-flowers; OLG Hamburg, Urt. v. 25.11.2004 – 3 U 33/03, CR 2006, 278 – abebooks; ähnlich auch
LG Köln, Urt. v. 13.9.2005 – 33 O 209/03, NJOZ 2006, 1506.
LG Köln, Mitt. 2006, 183 – postbank24.
Siehe dazu auch die Überlegungen am Ende des Skriptums.
Zur Anwendbarkeit im Kennzeichenrecht KG, Urt. v. 7.11.2000 – 5 U 6923/99, RIW 2001, 611, 613; OLG Karls-
ruhe, Urt. v. 9.6.1999 – 6 U 62/99, CR 1999, 783 (LG Karlsruhe), MMR 1999, 604 – bad wildbad; öOGH, Urt. v.
13.7.1999 – 4 Ob 347/98, GRUR Int. 2000, 795 – Thousand Clowns.
Vgl. OLG Karlsruhe, 10.7.2002 – 6 U 9/02 (LG Mannheim), MMR 2002, 814, 815; OLG Hamburg, Urt. v. 2.5.2002
– 3 U 312/01 (LG Hamburg), MMR 2002, 822 = CR 2002, 837 – hotel-maritime.dk; OLG München, Urt. v.
15.11.2001 – 29 U 3769/01 (LG München I), MMR 2002, 166, 167 = CR 2002, 449, 450 m. Anm. Mankowski –
literaturhaus.de; siehe auch öOGH, Urt. v. 24.4.2001 – 4 Ob 81/01, GRUR Int. 2002, 265, 266 – Red Bull; Danck-
werts, GRUR 2007, 104.
Vgl. jurisPK/Heinze, BGB, Art. 8 Rom II-VO Rz. 12. m.w.N.
Anders hat allerdings der BGH in neueren Entscheidungen44
zur Reichweite der internationalen Zu-
ständigkeit bei Domainstreitigkeiten folgende Stellung bezogen: Zur Begründung der internationalen
Zuständigkeit deutscher Gerichte nach Art. 5 Nr. 3 EuGVVO reiche es aus, dass die Verletzung des
geschützten Rechtsguts im Inland behauptet wird und diese nicht von vornherein ausgeschlossen ist.
Die Zuständigkeit sei nicht davon abhängig, dass eine Rechtsverletzung tatsächlich eingetreten ist.
Materiell-rechtlich sei aber zu beachten, dass nicht jedes im Inland abrufbare Angebot ausländischer
Dienstleistungen im Internet bei Verwechslungsgefahr mit einem inländischen Kennzeichen i.S.v.
§ 14 Abs. 2 Nr. 2 MarkenG kennzeichenrechtliche Ansprüche auslösen könne. Erforderlich sei, dass
das Angebot einen wirtschaftlich relevanten Inlandsbezug aufweist.45
2. Schutz von Domains nach dem MarkenG
Bröcher, Domainnamen und das Prioritätsprinzip im Kennzeichenrecht, MMR 2005, 203; Ka-
zemi/Leopold, Die Internetdomain im Schutzbereich des Art. 14 Abs. 1 GG, MMR 2004, 287;
Koos, Die Domain als Vermögensgegenstand zwischen Sache und Immaterialgut, MMR 2004,
359; Schafft, Benutzungszwang für Internet-Domains?, GRUR 2003, 664.
Eine Domain ist für sich genommen kein schutzfähiges Recht.46
Sie repräsentiert nur einen schuld-
rechtlichen Anspruch gegen die Vergabestelle auf Konnektierung sowie eine faktische Sperrposition.
Beides steht unter dem verfassungsrechtlichen Schutz des Eigentums i.S.v. Art. 14 GG.47
Eine Do-
main kann allerdings Gegenstand eigener Kennzeichenrechte werden und folglich dem Schutz des
MarkenG unterfallen. Im Folgenden wird geklärt, wann eine Anwendbarkeit des MarkenG auf Do-
mains gegeben ist und in welchem Umfang das MarkenG Schutz bietet.
a) Domain als Marke i.S.d. § 3 MarkenG
BGH, Urt. v. 9.7.2009 – Xa ZR 19/08 (KG), MDR 2009, 1348 = NJW 2009, 3371; Noch etwas unentschlossen;
BGH, Urt. v. 13.10.2004 – I ZR 163/02, MDR 2005, 1005 = CR 2005, 359 m. Anm. Junker, MMR 2005, 239 –
Hotel Maitime.
BGH, Urt. v. 13.10.2004 – I ZR 163/02, MDR 2005, 1005 = CR 2005, 359 m. Anm. Junker– Hotel Maritime; so
auch OLG München, Urt. v. 16.6.2005 – 29 U 5456/04 (LG München I), MMR 2005, 608 =GRUR-RR 2005, 375,
BGH, Beschl. v. 5.7.2005 – VII ZB 5/05, CR 2006, 50 = MDR 2005, 1311 = WM 2005, 1849; OLG Hamm, Urt. v.
18.1.2005 – 4 U 166/04, MMR 2005, 381.
BVerfG, Beschl. v. 24.11.2004 – 1 BvR 1306/02, CR 2005, 282 = NJW 2005, 589 – adacta.de; ähnlich der EGMR,
Urt. v. 18.9.2007 – App. nos. 25379/04, 21688/05, 21722/05, 21770/05, MMR 2008, 29 m. Anm. Kazemi = MR-
Int. 2008, 33.
Wird ein Domainname aus einer eingetragenen Marke abgeleitet, so stellt diese Vorgehensweise eine
Anwendungsform der Marke dar. Rechte können also unmittelbar aus der eingetragenen Marke gel-
tend gemacht werden. Die Registrierung einer Domain als Marke setzt allerdings voraus, dass die
Domain hinreichende Kennzeichnungskraft hat. So wurde z.B. Die Eintragung einer Firma „Out-
lets.de GmbH“ wegen mangelnder Unterscheidungskraft als unzulässig erachtet.48
Auch wurde für
die Wort-Bildmarke „weg.de“ nur eine schwache Kennzeichnungskraft angenommen.49
wechslungsgefahr mit den Zeichen mcweg.de und mc-weg.de, die beide als „mäcweg.de“ gesprochen
werden, sei zu verneinen.
Zu beachten ist aber, dass Markenschutz nicht nur durch Registrierung beim DPMA, sondern auch
durch Verkehrsgeltung entstehen kann. Benutzt jemand eine Domain, kann damit durchaus die Ent-
stehung eines Markenschutzes kraft Verkehrsgeltung einhergehen.50
Die Domain wird dann Gegen-
stand eigener Kennzeichenrechte. Zu bedenken ist allerdings, dass die bloße Abrufbarkeit einer
Homepage noch nicht zu einer (bundesweiten) Verkehrsgeltung führt. Unternehmen mit einem regi-
onalen Wirkungskreis erreichen durch eine Webseite noch keine bundesweite Verkehrsgeltung.51
Vielmehr hängt die Verkehrsgeltung davon ab, ob die Domain markenmäßig benutzt wird und wie
weit der Bekanntheitsgrad der auf diese Weise genutzten Domain ist. Die Verkehrsgeltung wird über
eine Gesamtbetrachtung ermittelt, bei der die Unterscheidungskraft und die regionale Bedeutung des
Kennzeichens ermittelt werden. Als Indizien für die Bedeutung können internetspezifische Hilfsmit-
tel herangezogen werden, wie z.B. Hits, Click per view, Links (wie bei Google), Selbstdarstellung
(Altavista).52
Hinzu kommen Überlegungen zum Zeitraum der Benutzung, zur Höhe der für die Wer-
bung eingesetzten Mittel, zu den Umsätzen bei gekennzeichneten Produkten sowie Umfrageergeb-
nisse.53
Die Verkehrsgeltung ergibt sich nicht automatisch aus Medienberichten und der eigenen Prä-
sentation im Internet.54
An einer kennzeichenmäßigen Benutzung einer Marke fehlt es, wenn das
OLG Frankfurt, Beschl. v. 13.10.2010 – 20 W 196/10, GmbHR 2011, 202.
OLG Köln, Urt. v. 22.1.2010 – 6 U 141/09 (LG Köln), MMR 2010, 473.
BGH, Urt. v. 22.7.2004 – I ZR 135/01, CR 2005, 284 = MDR 2005, 586 = MMR 2005, 171 – soco.de; OLG Mün-
chen, Urt. v. 16.9.1999 – 29 U 5973/98, CR 1999, 778 = ZUM 2000, 72; LG Braunschweig, Urt. v. 14.3.2007 – 9
O 2232/06, NJOZ 2007, 2095; LG Rostock, Urt. v. 8.12.1998 – 3 O 522/98, K&R 1999, 90 – mueritz-online.de.
BGH, Urt. v. 22.7.2004 – I ZR 135/01, CR 2005, 284 = MDR 2005, 586 = GRUR 2005, 262 – soco.de. Ähnlich
bereits der Nichtannahmebeschl. des BGH v. 15.5.2000 – I ZR 289/99 – tnet.de; BGH, Urt. v. 24.01.2002 - I ZR
156/99, WRP 2002, 537 – Bank24.
Dabei ist jedoch zu beachten, dass diese internetspezifischen Nachweise bei generischen Domains nur beschränkt
zum Nachweis der Bekanntheit oder der Verkehrsgeltung benutzt werden können, vgl. OLG Köln, Urt. v. 14.7.2006
– 6 U 26/06, MMR 2007, 326 – internationalconnection.de.
LG Düsseldorf, Urt. v. 8.5.2002 – 2a O 360/01, MMR 2003, 131 – urlaubstip.de.
LG Rostock, Urt. v. 8.12.1998 – 3 O 522/98, K&R 1999, 90 – mueritz.online.
Kennzeichen vom angesprochenen Verkehr nicht als Herkunftshinweis, sondern als beschreibende
Angabe verstanden wird (z.B. „Dildoparty“).55
Fehlt es an der Verkehrsgeltung, geschieht es durchaus häufig, dass eine prioritätsältere Domain einer
prioritätsjüngeren Marke weichen muss. Nicht kennzeichnungskräftig ist das Zeichen „@“56
der Zusatz „e“ für „electronic“.57
Schutzfähig sind auch nicht „interconnect“58
und „online“.59
b) Domain als Unternehmenskennzeichen i.S.d. § 5 Abs. 2 MarkenG
Als besonders bedeutsam in der Diskussion erweist sich die umstrittene Einordnung von Domains
als Unternehmenskennzeichen. Darunter fallen nach der Legaldefinition des § 5 Abs. 2 Satz 1 Mar-
kenG Zeichen, die im geschäftlichen Verkehr als Name, als Firma oder als besondere Kennzeichnung
eines Geschäftsbetriebs oder eines Unternehmens geschützt werden.60
Nach § 5 Abs. 1 MarkenG
werden Unternehmenskennzeichen als geschäftliche Bezeichnungen geschützt. Auch im Internet ge-
nießen sie den Schutz des Markenrechts.
Obwohl anerkannt ist, dass die Domainnamen eine Individualisierungs- und Identifizierungsfunktion
erfüllen, tun sich manche Autoren schwer, sie als Unternehmenskennzeichen im markenrechtlichen
Sinne anzuerkennen. Hintergrund dafür ist die technische Funktion der Domainnamen. Internet-
Adressen sind eigentlich mehrstellige Nummern, die man sich aber kaum merken kann. Deshalb wer-
den diese Nummern durch Buchstabenkombinationen überschrieben. Bei Eingabe dieser Buchsta-
benkombination wird diese in eine IP-Adresse (Nummernkombination) umgewandelt und dient dann
der Kennung für einen bestimmten Rechner. Aus diesem Grunde wird teilweise eine unmittelbare
Anwendbarkeit kennzeichen- und namensrechtlicher Grundsätze abgelehnt, weil der Domainname in
erster Linie Zuordnungsfunktion für einen bestimmten Rechner und nicht für eine bestimmte Person
habe.61
LG Hamburg, Urt. v. 15.7.2010 – 315 O 70/10, GRUR-RR 2010, 437 – Dildoparty.
BPatG, Beschl. v. 18.4.2000 – 24 W (pat) 185/99, CR 2000, 841.
LG München I, Urt. v. 30.8.2000 – 1 HKO 12250/00, CR 2001, 48.
OLG Karlsruhe, 6 U 222/99 (n.v.).
OLG Köln, Urt. v. 27.10.2000 – 6 U 209/99, GRUR 2001, 525.
Zur Rechtslage in Österreich siehe die Grundsatzentscheidung des öOGH, 13.9.1999 – 4 Ob 180/99 w, 202/99 f.,
MMR 2000, 352 m. Anm. Haller.
Kur, CR 1996, 325, 327; ähnlich auch Gabel, Internet: Die Domainnamen, NJW-CoR 1996, 322; Graefe, Marken
und Internet, MA 3/96.
Diese Auslegung verkennt jedoch, dass Domains, die einen Namen enthalten oder namensartig an-
muten, in der heutigen Form kennzeichenmäßig genutzt werden.62
Das OLG München hat aus diesem
Grund entschieden, dass ein Internet-Domainname ein Unternehmenskennzeichen sein kann, wenn
das verwendete Zeichen originäre Kennzeichnungskraft oder Verkehrsgeltung besitze. Dies sei gege-
ben, wenn der Domain-Name das Dienstleistungsunternehmen bezeichne und in dieser Form im ge-
schäftlichen Verkehr genutzt werde.63
Dieser Auffassung ist auch der BGH gefolgt,64
der einem Un-
ternehmen dann ein Unternehmenskennzeichen aus der Benutzung einer Domain zuspricht, wenn der
Verkehr in der (Unternehmens-)Domain nicht lediglich die Adress-, sondern auch die Herkunftsfunk-
tion erkennt. Allerdings kann der Beginn der schutzrechtsbegründenden Benutzung einer mit dem
Domainnamen übereinstimmenden Geschäftsbezeichnung noch nicht in der Registrierung der Do-
main gesehen und der Zeitpunkt der Schutzrechtsentstehung bereits auf diesen Zeitpunkt vorverlagert
werden.65
Dies gilt auch dann, wenn die Benutzung der Domain der Registrierung alsbald nachfolgt.
Zu berücksichtigen sind zudem alle zur Unterscheidung des Geschäftsbetriebs bestimmten Zei-
chen i.S.d. § 5 Abs. 2 Satz 2 MarkenG, die ebenfalls Unternehmenskennzeichen darstellen. Solche
Zeichen sind aufgrund originärer Kennzeichnungskraft oder kraft Verkehrsgeltung geschützt. Die
Benutzung einer Domain kann also Kennzeichenrechte generieren, sofern sie vom Verkehr als na-
mensmäßige Bezeichnung einer Person oder als besondere Bezeichnung eines Unternehmens aufge-
fasst wird.66
Erworben wird das Recht an einer geschäftlichen Bezeichnung durch die Aufnahme der
Benutzung. Der Schutz für unterscheidungskräftige geschäftliche Bezeichnungen entsteht durch na-
mensmäßigen Gebrauch und zwar unabhängig vom Umfang der Benutzung. Grundsätzlich genügt
BGH, Urt. v. 19.2.2009 – I ZR 135/06, CR 2009, 748 = MDR 2009, 942 = GRUR 2009, 685 – ahd.de;OLG Karls-
ruhe, Urt. v. 24.6.1998 – 6 U 247/97, WRP 1998, 900; OLG Hamm, Urt. v. 13.1.1998 – 4 U 135/97, CR 1998, 241,
242; OLG Düsseldorf, Urt. v. 17.11.1998 – 20 U 162/97, CR 1999, 528 = WRP 1999, 343, 346; OLG Stuttgart,
Beschl. v. 3.2.1998 – 2 W 77/97, CR 1998, 621; OLG Köln, Beschl. v. 18.1.1999 – 13 W 1/99, NJW-CoR 1999,
171; KG, Urt. v. 25.3.1997 – 5 U 659/97, CR 1997, 685 – Concert Concept; LG Hamburg, Urt. v. 17.9.1996 – 404
O 135/96, CR 1997, 157; OLG Hamburg, Urt. v. 5.7.2006 – 5 U 87/05, CR 2007, 47 = MMR 2006, 608 – ahd.de;
Auf die streitige Frage, ob das MarkenG überhaupt eine kennzeichenmäßige Benutzung voraussetzt, braucht hier
nicht eingegangen zu werden; siehe hierzu befürwortend Keller, Die zeichenmäßige Benutzung im Markenrecht,
GRUR 1996, 607; Sack, Sonderschutz bekannter Marken, GRUR 1995, 81, 93; kritisch allerdings Fezer, Rechts-
verletzende Benutzung einer Marke als Handeln im geschäftlichen Verkehr, GRUR 1996, 566; Strack, Markenmä-
ßiger Gebrauch – Besondere Voraussetzung für die Annahmen einer Markenverletzung, GRUR 1996, 688.
OLG München, Urt. v. 16.9.1999 – 29 U 5973/98, CR 1999, 778 = ZUM 2000, 71.
BGH, Urt. v. 19.04.2012 – I ZR 86/10, MMR 2013, 34 = GRUR-Prax 2012, 482 m. Anm. Matthes - Pelikan; BGH,
Urt. v. 22.7.2004 – I ZR 135/01, CR 2005, 284= NJW 2005, 1198 – soco.de.
OLG Frankfurt, Urt. v. 5.8.2010 – 6 U 89/09, CR 2011, 408 = MMR 2010, 831; LG Köln, Urt. v. 5.3.2012 – 33 O
144/12, MMR 2013, 469.
LG München I, Urt. v. 4.3.1999, – 17 HKO 18453/98, CR 1999, 451 = GRUR 2000, 800– fnet.
jede Art einer nach außen gerichteten Tätigkeit, sofern sie auf eine dauernde wirtschaftliche Betäti-
gung schließen lässt.67
Jede nach außen in Erscheinung tretende Benutzungsform, also zum Beispiel
die Verwendung der Kennzeichnung auf Geschäftspapieren, im Zusammenhang mit der Anmietung
oder dem Bau von Fabrik- oder Büroräumen, die Schaltung eines Telefonanschlusses, der Aufbau
eines Vertriebsnetzes, oder aber der An- und Verkauf von Waren oder Dienstleistungen wie auch die
Benutzung in Vorbereitung der Geschäftseröffnung, zählen hierzu. Nicht ausreichend sind hingegen
bloß interne Vorbereitungshandlungen, z.B. der Abschluss eines Gesellschaftsvertrages und die Aus-
arbeitung einer geschäftlichen Konzeption. Entscheidend ist aber, dass die Domain eine Unterschei-
dungskraft in Bezug auf ein konkretes Unternehmen aufweist.68
Der Schutz greift nur dann, wenn die
Kennung erkennbar mit dem Namen oder einer Kurzform des Namens des Rechtsträgers überein-
stimmt und damit über die Kennung hinaus auf den Rechtsträger selbst hinweist.69
c) Titelschutz
Wichtig ist auch der spezielle Schutz, den § 5 Abs. 3 MarkenG für den Titel von Zeitschriften oder
Büchern vorsieht.70
Der Titelschutz hat im digitalen Markt dadurch eine besondere Bedeutung er-
langt, dass der BGH in den Entscheidungen FTOS und PowerPoint71
einen Titelschutz auch für Soft-
ware zugelassen hat. Damit wird ein allgemeiner Namensschutz für alle bezeichnungsfähigen geisti-
gen Produkte eingeführt, der auch Homepages und CD-ROMs einschließen kann.
Für Domains kommt ein Titelschutz in Betracht, soweit diese titelschutzfähige Produkte kennzeich-
nen.72
Durch die Benutzung eines Domainnamens kann grundsätzlich Titelschutz (§ 5 Abs. 3 Mar-
kenG) erworben werden, wenn der Verkehr in der als Domainnamen gewählten Bezeichnung nicht
lediglich eine Adressbezeichnung sieht, sondern ein Zeichen zur Unterscheidung von Werken.73
LG Düsseldorf, 4 O 101/99 – infoshop.de (n.v.).
OLG München, Urt. v. 16.9.1999 – 29 U 5973/98, ZUM 2000, 71 = CR 1999, 778 – tnet; KG, Urt. v. 4.4.2003 – 5
U 335/02, NJW-RR 2003, 1405 – arena-berlin; LG Frankfurt, Urt. v. 26.8.1998 – 2/6 O 438/98, CR 1999, 190 –
warez.de; LG Braunschweig, Urt. v. 5.8.1997 – 9 O 188/97, MMR 1998, 272 = CR 1998, 364 – deta.com; unzutref-
fend insofern LG München I, Urt. v. 4.3.1999 – 17 KHO 18453/98, CR 1999, 451 = GRUR 2000, 800 = K&R 1999,
237 – fnet; LG Köln, Urt. v. 3.9.2009 – 81 O 128/09; BGH, Urt. v. 24.2.2005 – I ZR 161/02, CR 2006, 54 = MDR
2006, 41 = GRUR 2005, 871.
LG Düsseldorf, Urt. v. 18.6.1998 – 4 O 160/98, CR 1998, 688 m. Anm. Withöft = NJW-RR 1999, 629 = CI 1998,
188 – jpnw.de; BGH, Urt. v. 22.7.2004 – I ZR 135/01, CR 2005, 284 = NJW 2005, 1198 – soco.de.
OLG München, Urt. v. 20.9.2001 – 29 U 5906/00, MMR 2002, 115 – champagner.de; s. auch BGH, Urt. v. 28.6.2007
– I ZR 49/04, CR 2007, 655 = MMR 2007, 748 = NJW-RR 2008, 57 – cambridgeinstitute.ch.
BGH, Urt. v. 24.4.1997 – I ZR 44/95, MDR 1998, 57 = CR 1998, 5.
OLG München, Urt. v. 20.10.2005 – 29 U 2129/05, CR 2006, 414.
BGH, Urt. v. 19.6.2009 – I ZR 47/07, MDR 2010, 398 = CR 2010, 112 – Eifel-Zeitung.
Der Titelschutz entsteht bei originärer Kennzeichnungskraft durch die Ingebrauchnahme in namens-
mäßiger Form, bei nachträglicher Kennzeichnungskraft aufgrund nachgewiesener Verkehrsgeltung.74
In der Verwendung eines Domainnamens kann eine Benutzung als Werktitel liegen, wenn der Ver-
kehr in dem Domainnamen ein Zeichen zur Unterscheidung eines Werks von einem anderen sieht.75
Aus diesem Grunde stellte der BGH fest, dass der Verleger einer unter der Domain eifel-zeitung.de
herausgegebenen Internetzeitung Titelrechte an der Bezeichnung Eifel-Zeitung erworben habe. Das
Titelrecht konnte jedoch nicht in vollem Umfang wirksam werden, da die Ingebrauchnahme des Titels
unbefugt erfolgte.76
Zum Zeitpunkt der Benutzungsaufnahme war gegenüber dem Verleger ein Un-
terlassungstitel bestandskräftig, Druckerzeugnisse unter der Bezeichnung Eifel-Zeitung herauszuge-
ben. So konnte er kein prioritätsälteres Titelrecht erwerben. Bemerkenswert an dieser Entscheidung
ist zudem, dass der BGH in der Veröffentlichung einer Internetzeitung mit dem Titel Eifel-Zeitung
eine gegenüber der Veröffentlichung in gedruckter Form im Kern gleichartige Verletzungshandlung
erblickte.77
Der Titelschutz kann zwar durch Veröffentlichung im Titelschutzanzeiger auf einen Zeitraum von 2–
5 Monaten vorverlagert werden. Bei einer Internet-Zeitschrift entsteht der Titelschutz aber erst mit
der Erstellung des fertigen Produkts und nicht schon mit der Werbung etwa mittels Inhaltsverzeich-
nissen.78
Für Domains wird eine Vorverlagerung des Titelschutzes über Titelschutzanzeiger abge-
lehnt. Ein Schutz der Domain als Titel komme nur in Betracht, wenn ein fertiges Werk vorliege. Eine
Titelschutzanzeige gebe es im Internet oder bei T-Online (noch) nicht. Unzureichend seien auch bloße
Inhaltsverzeichnisse, der alleinige Verweis auf Eigenwerbung oder eine Internetzeitschrift mit nur
wenigen Beiträgen.79
Im Übrigen soll ein Titelschutz bei solchen Domains nicht in Betracht kommen,
die ein Portal bezeichnen;80
anders sieht das LG Stuttgart die Lage, wenn die Domain der Unterschei-
dung von anderen Internet-Portalen dient.81
OLG Hamburg, Urt. v. 15.2.2001 – 3 U 200/00, AfP 2001, 312 = ZUM 2001, 514 = K&R 2001, 368 – sumpf-
huhn.de.
BGH, Urt. v. 18.6.2009 – I ZR 47/07, MDR 2010, 398 = CR 2010, 112 – Eifel-Zeitung.
OLG München, Urt. v. 11.1.2001 – 6 U 5719/99, CR 2001, 406 – kuecheonline; ähnlich auch LG Stuttgart, Urt. v.
15.7.2003 – 41 O 45/03, CR 2004, 61 = MMR 2003, 675 – snowscoot; Fezer, WRP 2000, 969, 973.
BGH, Urt. v. 14.5.2009 – I ZR 231/06, MDR 2009, 1402 = MMR 2009, 738 = CR 2009, 801 m. Anm. Hackbarth
– airdsl; OLG München, Urt. v. 11.1.2001 – 6 U 5719/99, CR 2001, 406 = MMR 2001, 381 – kuecheonline.de.
LG Düsseldorf, Urt. v. 8.5.2002 – 2a O 360/01; MMR 2003, 131 – urlaubstip.de; a.A. OLG München, Urt. v.
20.10.2005 – 29 U 2129/05, CR 2006, 414 – österreich.de.
LG Stuttgart, Urt. v. 15.7.2003 – 41 O 45/03, CR 2004, 61 = MMR 2003, 675 – snowscoot.
Zur Bestimmung der Reichweite des Titelschutzes gegen Provider ist die Entscheidung „Karriere“
des LG Köln einschlägig.82
Die Antragsstellerin, die Verlagsgruppe Handelsblatt, setzte sich hier er-
folgreich gegen die Verwendung des Wortes „Karriere“ als Teil einer Domain zur Wehr („www.kar-
riere.de“). Sie stützte sich auf den Titelschutz, den das LG Köln bereits Jahre zuvor dem Handelsblatt
für deren Zeitungsbeilage „Karriere“ zugebilligt hatte.83
Ein Teilnehmer im Internet werde zumindest
organisatorische Zusammenhänge zwischen den Parteien annehmen, die tatsächlich nicht bestünden.
Das LG hat dem Begehren in vollem Umfang stattgegeben; die Antragsgegnerin hat dem Beschluss
nicht widersprochen. Ähnlich großzügig argumentierte das LG Mannheim hinsichtlich der Bezeich-
nung „Bautipp“84
und das OLG Düsseldorf in Bezug auf „Diamantbericht“.85
Auch der Begriff „Ame-
rica“ soll für ein gleichnamiges Computerspiel geschützt sein.86
Anders sieht das LG Hamburg die Reichweite des Titelschutzes. In seinem Urteil87
betont das LG,
dass ein Titelschutz nur dann gegenüber Domain-Adressen geltend gemacht werden könne, wenn der
Titel dermaßen bekannt sei, dass die Verwendung der Internet-Adresse für die angesprochenen Ver-
kehrskreise ein Hinweis auf die Zeitschrift sei. Mit dieser Begründung lehnte es das LG ab, die Ver-
wendung der Adresse bike.de für ein Werbeforum zu untersagen. Das Wort „bike“ sei erkennbar
beschreibender Natur und für eine Bekanntheit der Zeitschrift „bike“ sei nichts vorgetragen. Auch
kommt ein Schutz nur in Bezug auf ein konkretes Werk in Betracht.88
Mit ähnlicher Begründung hat
das OLG Hamburg der Fachzeitschrift „Schuhmarkt“ Schutz gegen eine Internetagentur versagt, die
sich mehrere tausend Domains, darunter „schuhmarkt.de“, hatte registrieren lassen. Wenn die Agen-
tur unter der Domain eine E-Commerce-Plattform betreibe, fehle es an der erforderlichen Verwechs-
lungsgefahr mit einer Fachzeitschrift, die nur gering verbreitet und in einem beschränkten Fachkreis
bekannt sei.89
An dem Zeitschriftentitel „Der Allgemeinarzt“ soll ein Titelschutzrecht bestehen, das
LG Köln, Urt. v. 18.2.1997 – 31 O 792/96, AfP 1997, 655.
LG Köln, Urt. v. 21.8.1990 – 31 O 643/89, AfP 1990, 330.
LG Mannheim, Urt. v. 18.12.1998 – 7 O 196/98, CR 1999, 528. Ähnlich auch öOGH, MR 2001, 1987, 198 –
„deKrone.at“.
OLG Düsseldorf, I 20 U 127/04 (n.v.).
KG, Urt. v. 17.12.2002 – 5 U 79/02, MarkenR 2003, 367.
LG Hamburg, Urt. v. 13.8.1997 – 315 O 120/97, MMR 1998, 46 – bike.de.
OLG Hamburg, Urt. v. 5.11.1998 – 3 U 130/98, MMR 1999, 159, 161 = CR 1999, 184, 186 m. Anm. Hackbart =
NJW-RR 1999, 625 – emergency.de.
OLG Hamburg, Urt. v. 24.7.2003 – 3 U 154/01, CR 2003, 850 = MMR 2003, 668.
sich aber wegen begrenzter Unterscheidungskraft nicht gegen eine Domain „allgemeinarzt.de“ durch-
setzt.90
Auch der bekannte Zeitungstitel „Die Welt“ konnte sich nicht gegen eine Domain „welton-
line.de“ durchsetzen, da diese Domain nicht geschäftsmäßig benutzt wurde.91
3. §§ 14, 15 MarkenG
a) Kennzeichenmäßige Benutzung
Seitdem die Domains aus Gründen der Anwenderfreundlichkeit eingeführt worden sind, erkannte der
Markt rasch das enorme Potential für ein globales Marketing. Domains sind heutzutage Marketingin-
strumente, die bewusst zur Kennzeichnung eines Unternehmens oder eines Produktes im WWW
ausgesucht und eingesetzt werden. Im Übrigen muss auch ein Blick auf die vergleichbare Rechtspre-
chung zur Verwendung von unternehmensbezogenen Telegrammen und Telexkennungen vorgenom-
men werden. Tat sich die ältere Rechtsprechung noch mit Einräumung eines kennzeichnungsrechtli-
chen Schutzes in diesem Bereich schwer,92
ging der BGH in der „Fernschreiberkennung“-Entschei-
dung93
davon aus, dass jedenfalls die Benutzung einer (verwechslungsfähigen) Fernschreibkennung
dann in das prioritätsältere Kennzeichen eingreife, wenn diese Benutzung kennzeichenmäßig erfolge.
Letzteres nahm das Berufungsgericht bei der Benutzung einer aus dem Firmenschlagwort bestehen-
den Fernschreibkennung an. Das Gericht hat es als bedeutsam angesehen, dass der Fernschreibteil-
nehmer die Kennung selbst auswähle und damit auch eine Kennung auswählen könne, deren Buch-
stabenzusammenstellung geeignet sei, auf ihn hinzuweisen. Auch die Verwendung der Fern-
schreibkennung auf dem Geschäftspapier rechtfertige es, eine Kennung als kennzeichenmäßigen Hin-
weis auf das Unternehmen zu verstehen.94
Auch bei der Verwendung eines Namens als Third-Level-
Domain handele es sich bei Anwendung dieser Gedanken um eine kennzeichenmäßige Benutzung.95
Das Recht an einem Unternehmenskennzeichen erlischt jedoch mit Aufgabe des Unternehmens, un-
abhängig von einer eventuellen Fortführung der Domain.96
LG Hamburg, Urt. v. 31.5.2005 – 312 O 961/04, MMR 2006, 252.
BGH, Urt. v. 2.12.2004 – I ZR 207/01, MDR 2005, 1182 = CR 2005, 593 = MMR 2005, 534 – weltonline.de.
Ähnlich auch OLG Hamburg, Urt. v. 8.2.2007 – 3 U 109/06, MMR 2007, 384 – test24.de.
Siehe RGZ 102, 89 – EKA; BGHZ 8, 387 – Telefonnummern; BGH, Urt. v. 25.2.1955 – I ZR 124/53, GRUR 1955,
481, 484 – Telegrammadressen.
BGH, Urt. v. 18.12.1985 – I ZR 122/83, MDR 1986, 558 = GRUR 1986, 475; vgl. hierzu auch OLG Hamburg, Urt.
v. 16.9.1982 – 3 U 131/82, GRUR 1983, 191.
Ähnlich auch US-amerikanische Entscheidungen wie Morrim vom Midco Communication, 726 F Supp. 1195 (D
LG Duisburg, Urt. v. 2.12.1999 – 8 O 219/99, CR 2000, 27 = MMR 2000, 168.
Wobei diese Fortführung jedoch als Unternehmensschlagwort selbständig ein Unternehmenskennzeichenrecht be-
gründen könnte, BGH, Urt. v. 24.2.2005 – I ZR 161/02, MDR 2006, 41 = CR 2006, 54 – seicom.de.
Nach § 16 WZG, dem Vorgänger des Markengesetzes, war die Benutzung eines fremden Warenzei-
chens zulässig, wenn der Gebrauch „nicht warenzeichenmäßig“ erfolgte. Daraus wurde von der herr-
schenden Meinung gefolgert, dass lediglich die kennzeichenmäßige Benutzung durch das WZG ge-
schützt sei. Das MarkenG hat diese Beschränkung aufgegeben.97
§§ 14, 15 MarkenG sprechen nur
noch allgemein von der „Benutzung“ des Zeichens, ohne dies zu beschränken. Nicht unter das Mar-
ken- und Namensrecht fällt allerdings die bloße Namensnennung: So darf z.B. ein Fußballfan den
Namen „Arminia Bielefeld“ als Suchbegriff im Internet verwenden.98
Diese Benutzung steht der
(ebenfalls freien) Nennung des Namens in Presseveröffentlichungen, im Index eines Sportbuchs oder
als Stichwort in einem Lexikon gleich. Eine erlaubte schlichte Namensnennung ist also gegeben,
wenn für jedermann deutlich ist, dass nicht der Namensträger selbst spricht, sondern Dritte über ihn
Um dem Schutz des MarkenG zu unterfallen, muss die Domain im geschäftlichen Verkehr benutzt
werden. Sie muss also der Förderung eines Geschäftszweckes dienen oder die Teilnahme am Er-
werbsleben ausdrücken. Eine Verwendung von Kennzeichnungen durch private Anwender fällt damit
grundsätzlich nicht in den Schutzbereich des MarkenG.99
Eine Nutzung der Marke durch Private kann
jedoch eine Benutzung im geschäftlichen Verkehr i.S.v. § 14 Abs. 2, § 15 Abs. 2 MarkenG sein, wenn
die Nutzung einen gewissen Umfang annimmt und über das hinausgeht, was im privaten Verkehr
üblich ist.100
So liegt nach einer Entscheidung des OLG Frankfurt eine private Verkaufstätigkeit nicht
mehr vor, wenn ein eBay Mitglied die privaten Verkaufsinteressen einer größeren Anzahl dritter Per-
sonen bündelt und damit ein Handelsvolumen erreicht, das ihm auf der Handelsplattform eBay eine
besondere Beachtung verschafft.101
Domains, die von juristischen Personen oder Personenhandelsge-
sellschaften gehalten werden, sind nie privat genutzt.102
Im Übrigen ist auch die Vermutung des § 344
A.A. allerdings Sack, GRUR 1995, 81.
So LG Detmold, Urt. v. 26.2.1997 – 2 S 308/96 (n. v.).
So auch OLG Köln, Urt. v. 26.10.2001 – 6 U 76/01, MMR 2002, 167 = CR 2002, 285 = – lotto-privat.de; LG
München I, Urt. v. 10.10.1007 – 1 HKO 8822/07, MMR 2008, 267 – studi.de; LG Berlin, Urt. v. 21.2.2008 – 52 O
111/07, MMR 2008, 484 – naeher.de.
LG Berlin, GRUR-RR 2004, 16.
OLG Frankfurt, Urt. v. 27.7.2004 – 6 W 54/04, GRUR 2004, 1042.
BGH, Urt. v. 19.7.2007 – I ZR 137/04, CR 2007, 727 = WRP 2007, 1193 – Euro Telekom.
Abs. 1 HGB zu beachten,103
nach der von einem Kaufmann vorgenommene Rechtsgeschäfte im Zwei-
fel als zum Betrieb seines Handelsgewerbes zugehörig angesehen werden.
Fraglich ist allerdings, ob die Zuweisung von Domains an Private zum Zwecke des Weiterver-
kaufs an Unternehmen unter das MarkenG fällt. Da die Zuweisung an eine Privatperson in der Regel
zur rein privaten Nutzung erfolgt, kann das MarkenG nur Anwendung finden, wenn Anhaltspunkte
dafür vorliegen, dass eine geschäftliche Nutzung geplant ist.104
Mit Urteil vom 13. März 2008105
hat der BGH in der Entscheidung Metrosex über die rechtliche
Beurteilung von Domains entschieden, die nur reserviert, aber nicht genutzt werden. Eine solche
„Baustellen-Domain“ sei als solche noch keine markenmäßige Verwendung. Aus der Tatsache, dass
die Domainnamen von einem kaufmännischen Unternehmen angemeldet worden seien, könne nicht
hergeleitet werden, dass bei einer Verwendung der Domainnamen neben dem Handel im geschäftli-
chen Verkehr notwendig auch die weiteren Voraussetzungen der §§ 14 Abs. 2 oder 15 Abs. 2 Mar-
kenG erfüllt seien. Dagegen will eine andere Meinung die reine Reservierung einer Domain nicht als
Benutzung i.S.d. §§ 14 Abs. 2, 15 Abs. 2 MarkenG anerkennen.106
Zur geschäftlichen Benutzung reicht es jedoch aus, wenn sich auf der streitgegenständlichen Inter-
netseite Werbung befindet.107
In dem Angebot des Privatmannes zum (entgeltlichen) Rückerwerb
kann dann ein Indiz für eine Gewerbsabsicht liegen. Zumindest reicht dies für eine vorbeugende Un-
terlassungsklage aus. Losgelöst vom Merkmal des geschäftlichen Verkehrs kann in diesen Fällen
subsidiär auf § 12 BGB zurückgegriffen werden, sofern es um Unternehmenskennzeichen geht. Bei
der Benutzung fremder Marken als Teil einer Domain bleibt aber eine empfindliche Schutzlücke.
Denn selbst wenn man die Reservierung einer solchen Domain als Benutzung i.S.v. § 14 MarkenG
ansieht, lassen sich hinsichtlich der Verwechslungsgefahr keine Aussagen zur Waren-/Dienstleis-
tungsähnlichkeit machen.
OLG Hamburg, Urt. v. 28.7.2005 – 5 U 141/04, MMR 2006, 476 – metrosex. Nur am Rande sei darauf verwiesen,
dass der Betreiber eines Online-Shops regelmäßig nicht als Handelsvertreter i.S.d. §§ 84 ff. HGB angesehen werden
kann; dazu Dieselhorst/Grages, MMR 2011, 368.
Siehe auch Kur, Festgabe Beier 1996, 265, 273.
OLG Frankfurt, Urt. v. 29.4.2008 – 11 U 32/04, CR 2008, 656 = MMR 2008, 609.
OLG Hamburg, Urt. v. 28.7.2005 – 5 U 141/04, GRUR-RR 2006, 14 – metrosex.de OLG Köln, Urt. v. 26.10.2001
– 6 U 76/01, MMR 2002, 167 – lotto-privat.de; Urt. v. 12.9.2001 – 6 U 13/01 (LG Mannheim), MMR 2002, 118 –
dino.de; OLG Dresden, Urt. v. 28.11.2000 – 14 U 2486/00, CR 2001, 408 – kurt-biedenkopf.de; OLG Karlsruhe,
LG München I, Urt. v. 18.3.2004 – 17 HKO 16815/03 – sexquisit.de; Bücking, NJW 1997, 1886, 1888; Völker/Wei-
dert, WRP 1997, 652, 657.
LG Hamburg, Urt. v. 1.3.2000 – 315 O 219/99, MMR 2000, 436 – luckystrike.
In der Entscheidung „ahd“108
hat der BGH präzisiert, dass die Registrierung einer Domain nur bei
Vorliegen besonderer Umstände als unlautere Mitbewerberbehinderung i.S.v. § 4 Nr. 10 UWG anzu-
sehen ist. Ein solcher besonderer Umstand liege noch nicht in der bloßen Massenregistrierung von
Domains zu deren Verkauf.
Auch eine Nutzung einer Internetdomain zur Weiterleitung ist eine kennzeichenmäßige Verwendung
nach MarkenG109
c) Verwechslungsgefahr
Benutzt jemand unbefugt eine Domain, die das Kennzeichen eines anderen Unternehmens oder ein
ähnliches Zeichen (§ 5 Abs. 2 MarkenG) enthält und schafft er dadurch eine Verwechslungsgefahr,
so kann er auf Unterlassung in Anspruch genommen werden (§§ 14, 15 Abs. 2 und 4 MarkenG).
Aber auch ohne Verwechslungsgefahr ist es Dritten untersagt, fremde Zeichen zu benutzen, sofern es
sich um im Inland bekannte Unternehmenskennzeichen handelt und durch die Nutzung des fremden
Zeichens deren Unterscheidungskraft oder Wertschätzung ohne rechtfertigenden Grund in unlaute-
rer Weise ausgenutzt oder beeinträchtigt werden (§ 15 Abs. 3 MarkenG). Handelt der Schädiger
vorsätzlich oder fahrlässig, so ist er dem Inhaber der Bezeichnung zum Ersatz des entstehenden Scha-
dens verpflichtet (§ 15 Abs. 5 MarkenG). Ein Betriebsinhaber haftet für Fehlverhalten seiner Ange-
stellten oder Beauftragten (§ 15 Abs. 6 i.V.m. § 14 Abs. 7 MarkenG).
Die Beurteilung der Verwechslungsgefahr ist unter Berücksichtigung aller Umstände des Einzelfalles
vorzunehmen. Dabei besteht eine Wechselwirkung zwischen den in Betracht zu ziehenden Faktoren,
insbesondere der Ähnlichkeit der Marken und der Ähnlichkeit der mit ihnen gekennzeichneten Waren
sowie der Kennzeichnungskraft der älteren Marke. Somit kann ein geringerer Grad der Ähnlichkeit
der Waren durch einen höheren Grad der Ähnlichkeit der Marken ausgeglichen werden und umge-
kehrt.110
Folge dieser Wechselwirkung ist es, dass bei Warenidentität ein wesentlich deutlicherer Ab-
stand der Zeichen selbst erforderlich ist, um eine Verwechslungsgefahr auszuschließen, als bei einem
größeren Warenabstand.111
BGH, Urt. v. 19.2.2009 – I ZR 135/06.
OLG Hamm, Beschl. v. 25.7.2013 – 4 W 33/12, MMR 2013, 791.
EuGH v. 29.9.1998 – Rs. C-39/97, NJW 1999, 933 – Canon; BGH, Urt. v. 13.1.2000 – I ZR 223/97, MDR 2000,
1265 = GRUR 2000, 506 – Attachè/Tisserand.BGH, Urt. v. 20.10.1999 – I ZR 110/97, GRUR 2000, 608 = NJW-
RR 2000, 1202– ARD1; BGH, Urt. v. 13.1.2000 – I ZR 223/97, MDR 2000, 1265 = GRUR 2000, 506 – Atta-
chè/Tisserand.
öOGH, Urt. v. 21.12.2004 – 4 Ob 238/04k – sexnews.at (n.v.).
Artificial intelligence: PwC Top Issues
PwC BSI: Bericht über "Erpressungstrojaner"