Source: http://www.karad.de/Verein_als_Arbeitgeber.html
Timestamp: 2020-04-10 11:17:51
Document Index: 135813269

Matched Legal Cases: ['§ 3', '§ 3', '§ 3', '§ 670', '§ 3', '§ 8']

© von Jürgen Karad, Lohmar, August 2011, Ergänzung April 2013 *
In den meisten gemeinnützigen Vereinen sorgen ehrenamtlich und hauptamtlich Tätige für ein geregeltes Vereinsleben.
Vorbemerkung und Empfehlung:
400-Euro-Kräfte[1] [8]
Aus Kostengründen werden häufig 400 Euro-Kräfte oder - früher - Zivildienstleistende, jetzt Absolventen des Freiwilligen Sozialen Jahres (FSJ) und das Freiwillige Ökologische Jahr (FÖJ) eingesetzt. Nicht immer bleibt es aber bei einer dem geringen Einkommen angemessenen zeitlichen Inanspruchnahme der Mitarbeiter.
Auch Vorstände, die ihre Arbeit ja grundsätzlich ehrenamtlich ausüben, haben Kosten, die irgendwie abgedeckt sein wollen.
400 Euro-Job und Ehrenamtspauschale[2]
Wer kennt sie nicht, die fleißige Angestellte, die mit großem Engagement die Mitgliederverwaltung aktuell hält, für den Lastschrifteneinzug und die allgemeine Korrespondenz und vieles andere mehr sorgt? Ihr Lohn ist ein 400 Euro-Job, der pauschal versteuert wird und sowohl Arbeitnehmer als auch Arbeitgeber Vorteile bringen kann.
Wie lässt sich diese Grenze aushebeln?
Die Ehrenamtspauschale hilft.
Voraussetzung: Die 400-Euro-Kraft ist im ideellen oder im steuerbegünstigten Zweckbetrieb tätig.
Die Ehrenamtspauschale beträgt pro Jahr 500 Euro. Auf 12 Monate verteilt bedeutet das,
Minijob 400,00 Euro
Zusatzverdienst aus Ehrenamt 41,66 Euro
Auszahlungsbetrag pro Monat 441,66 Euro
Da die Ehrenamtspauschale steuerfrei bleibt, werden wie bisher nur die Pauschalabgaben für den Minijob fällig.
Ab 2013 erhöht sich der Höchstbetrag für neue, sog. Minijobs auf 450 Euro. Bei ihnen wurde eine Rentenversicherungspflicht eingeführt, die der Minijobber allerdings - schriftlich - abwählen kann. Auch der Ehrenamtsfreibetrag wurde auf 720 Euro erhöht.
Ob die oben genannte Rechnung bei den in 2013 neu eingestellten Geringverdienern so noch gilt, vermag ich noch nicht abzuschätzen. Deshalb habe ich die alte Musterrechnung bewußt noch nicht geändert. (Stand: April 2013)
Fahrdienst von Eltern zu Auswärtsspielen von Kindern.
Für die Einnahmen aus der Tätigkeit darf nicht bereits - ganz oder teilweise - die Steuerbefreiung für Aufwandsentschädigungen aus öffentlichen Kassen (§ 3 Nr. 12 EStG) oder der sog. Übungsleiter-Freibetrag (§ 3 Nr. 26 EStG) in Anspruch genommen werden.
Die Vereinssatzung muss für sog. Tätigkeitsvergütungen eine Bezahlung des Vorstandes ausdrücklich erlauben.
Solange diese Pauschale bei einer nebenberuflichen Tätigkeit entsteht kann jeder davon profitieren. Das gilt auch für Schüler, Arbeitslose, Studenten, Rentner und ALG-II-Empfänger.[3]
Aber Achtung! Diese Möglichkeit gilt nur, sofern die Vereinssatzung das vorsieht. In älteren Satzungen wird häufig nur auf die ehrenamtliche und unentgeltliche Tätigkeit verwiesen. Insbesondere für Vorstandsmitglieder gilt diese Pauschale zwar auch, doch muß die Vereinssatzung entsprechend angepasst sein.
„Satzungsklausel
Die erforderliche Satzungsklausel könnte etwa wie folgt lauten:
Mitglieder und Vorstandsmitglieder erhalten Aufwendungsersatz. Der Aufwendungsersatz kann in Form des Auslagenersatzes (Erstattung tatsächlicher Aufwendungen) oder in Form der pauschalen Aufwandsentschädigung oder Tätigkeitsvergütung (z.B. Ehrenamtspauschale in Höhe des Ehrenamtsfreibetrages gemäß § 3 Nr. 26a EStG) geleistet werden. Maßgeblich sind die Beschlüsse des zuständigen Vereinsorgans, die steuerlichen Vorschriften und Höchstgrenzen sowie die finanzielle Leistungsfähigkeit des Vereins.“ [4]
Die Frist, die Satzung entsprechend anzupassen, lief Ende 2009 ab. Man kann nur hoffen, dass die betroffenen Vereine frühzeitig reagiert haben. Ansonsten ist die Gemeinnützigkeit des Vereins gefährdet.
Gestattet die Satzung nach dem 31.12.2010 nicht ausdrücklich die pauschale Aufwandsentschädigung/Tätigkeitsvergütung, so bleibt aber nach wie vor die Zahlung von Auslagenersatz (Erstattung tatsächlicher Aufwendungen, § 670 BGB) zulässig; nur darf dann keine Ehrenamtspauschale oder sonstige Tätigkeitsvergütung gezahlt werden.[5]
Für nebenberuflich Tätige im Verein berücksichtigt § 3 Nr. 26 EStG eine steuerfreie Aufwandsentschädigung bis zu einem Betrag von 2.400 Euro pro Kalenderjahr.
Damit sind vor allem Übungsleiter, Trainer, Ausbilder, Erzieher, Betreuer, Dozenten und Pflegemitarbeiter gemeint. Diese Aufwandsentschädigung gilt nicht für Vorstandsmitglieder und Vereinskassierer.
Für Arbeitnehmer in gemeinnützigen Vereinen gibt es noch weitere Möglichkeiten, ihr Einkommen durch Zuwendungen des Arbeitgebers zu verbessern.
Bekanntestes Beispiel, der sog. „Benzingutschein“.
Auch andere Sachbezüge können darunter fallen. Solche Gutscheine müssen genau definiert sein (§ 8 Abs. 2 EStG).
Diese Sachleistungen sind bis 44 Euro pro Monat steuerfrei. Fragen Sie Ihren Steuerberater, um diese Zuwendungsart optimal auszunutzen!
Auch die sog. „Annehmlichkeiten“ können eine Hilfe sein, um Mitarbeiter besonders zu motivieren.
Nach Aussage des Vertreters der Finanzbehörde sind zudem „Annehmlichkeiten“ bis 40 Euro pro Person und Jahr möglich.[6]
Zudem ist bei unentgeltlicher Ausübung eines Ehrenamtes Kostenersatz bis zu einem Betrag von unter 256 Euro pro Jahr und Person zulässig.[7]
Zu einer ordnungsgemäßen buchhalterischen Abwicklung gehört aber, dass diese Kosten mit Belegen nachgewiesen werden.
Ehrenamtlich tätig sein bedeutet nicht unbedingt, dass Zeit- und Kostenaufwand immer aus eigener Tasche getragen werden müssen. Sofern es die Kassenlage zulässt kann in engen Grenzen ein finanzieller Ausgleich geschaffen werden. Vielleicht entspannt sich auf diese Weise die Suche nach weiteren ehrenamtlich tätigen Mitstreitern.
[1] siehe auch: http://www.vereinswelt.de/vereinswissen/
[2] entnommen: http://www.bundesfinanzministerium.de/Content/DE/Standardartikel/Themen/Steuern/005_ehrenamt.html
[3] http://www.vereinswelt.de/vereinswissen/details.html?tx_ttnews[tt_news]=
[4] Dr. Frank Weller in: http://www.landessportbund-hessen.de/magazin-sport-in-hessen/2010/ausgabe-022010/ehrenamtspauschale.html
[5] Dr. Frank Weller ebenda
[6] Vereine & Steuern, Finanzministerium NRW, Mai 2008, Seite 15, Begriffsbestimmung
[7] Vereine & Steuern, Finanzministerium NRW, Mai 2008, Seite 74
[8] Am 28.03.2013 wurde das Ehrenamtsförderungsgesetz im Bundesgesetzblatt 2013 Teil I S. 556 verkündet. Damit werden u.a die Pauschalbeträge angehoben. Es erhöhen sich z.B. die Höchstbeträge für Minijobs von 400 Euro auf 450 Euro pro Monat, der Übungsleiterfreibetrag auf 2.400 Euro und der Freibetrag für nebenberufliche Tätigkeit (Ehrenamtspauschale) von 500 auf 720 Euro.
*) Die Aussagen stellen nur die persönliche Meinung des Autors dar und sind nicht rechtsverbindlich. ------------------------------