Source: http://ehrenamt-im-strafvollzug.de/lag/info63.htm
Timestamp: 2017-10-21 10:13:04
Document Index: 307784538

Matched Legal Cases: ['Art. 2', 'Art. 2', '§ 2', 'Art. 12', 'Art. 11', 'Art. 127']

LAG 63
LAG - Info Nr. 63
BayStVollzG
Programm hilft Gewalttätern
Amtsinspektor in der JVA
13. Präventionstag/ Leipzig
Prognose Gutachten
Sucht und Strafvollzug
Abgangsspiele
- Landsberg Frau Geburzky
- München Bayern 2
- Landsberg Frau Groß
- Ebrach Vereinsgründung
- Aichach Kunstgruppe
- Landsberg Kontaktgruppe
- Straubing Vortrag
- Erlange Adventsfeier
- Aichach Wechsel
Mit „§§§ werden zu Artikeln“ will ich darauf hinweisen, dass wir vor dem Hintergrund des neuem Bayerischen Strafvollzugsgesetzes auch unser Engagement neu justieren müssen. Einen kurzen Überblick gewährt uns die „Würdigung“ des Herrn Prof. Dr. Arloth, Präsident des Landgerichts Augsburg (Seite 5). Was das Gesetz im Einzelnen für uns bereit hält, werden wir in den nächsten LAG-Info aufzeigen. Vorab darf ich feststellen: Es geht nie und nimmer um eine Wertung. Sondern es darf eine unzulängliche und unzureichende Information eine bisherige gute Zusammenarbeit mit den Justizvollzugsanstalten nicht zerstören. Deshalb fragen Sie bei Ihrer Kontaktperson nach, was sich ganz speziell in Ihrer JVA geändert, verändert hat und verändern wird.
Wenn Sie unser vorliegendes Heft durchblättern, werden Sie von einer Vielzahl von beachtenswerten Aktivitäten lesen. Sie werden wieder einmal erkennen, dass vieles ohne das Einzelengagement nicht möglich ist und dass überall dort, wo offene und vertrauensvolle Zusammenarbeit mit der JVA gelebt wird, manches, auch auf einem nicht einfachen Terrain, erreicht wird.
Neues Bayerisches Strafvollzugsgesetz seit 1.1. 2008 in Kraft
Bayern hat von der im Rahmen der Föderalismusreform durch das Gesetz zur Änderung des Grundgesetzes vom 28. August 2006 (BGBl I, 2034) auf die Länder übertragenen Gesetzgebungskompetenz für den Strafvollzug durch das Gesetz über den Vollzug der Freiheitsstrafe, der Jugendstrafe und der Sicherungsverwahrung (Bayerisches Strafvollzugsgesetz – BayStVollzG) vom 10.12. 2007 (BayGVBl, 866) Gebrauch gemacht. Dieses Gesetz ist seit 1.1. 2008 in Kraft und ersetzt das Strafvollzugsgesetz des Bundes, soweit die Gesetzgebungskompetenz des Landes reicht (z.B. gelten die Vorschriften über das gerichtliche Verfahren fort). Nicht geregelt ist der Vollzug der Untersuchungshaft. Dem Vollzug der Jugendstrafe ist ein eigener Abschnitt vorbehalten.
Ein Gesamtüberblick über das Gesetz zeigt, dass Bayern viele bewährte Regelungen aus dem StVollzG übernommen und sie teilweise weiter entwickelt hat. Daneben werden aber auch neue Schwerpunkte gesetzt.
Der Schutz der Allgemeinheit steht im Bayerischen Gesetz in Art. 2 BayStVollzG an erster Stelle, was Kenner des bayerischen Vollzugs nicht verwundert. Schon bisher hat Bayern die Auffassung vertreten, das die beiden zentralen Aufgaben des Vollzugs, nämlich die Resozialisierung und die Sicherheit der Bevölkerung, gleichrangig nebeneinander stehen. In der Praxis wird sich daher durch die Gesetzesformulierung in Art. 2 BayStVollzG gegenüber bisher § 2 StVollzG nichts ändern. Im Übrigen kann der Schutz der Allgemeinheit auch so verstanden werden, dass eine gelungene Resozialisierung den besten Schutz der Bevölkerung vor weiteren Straftaten darstellt, da ein Rückfall verhindert wird.
Das neue Gesetz spiegelt zudem die Vollzugswirklichkeit eher wider, wenn der geschlossene Vollzug entsprechend der bisherigen Praxis die Regelvollzugsform darstellt (Art. 12 BayStVollzG). Doch setzt Bayern durchaus auf Behandlung. So wird im Erwachsenenstrafvollzug die Sozialtherapie weiter ausgebaut und im Jugendstrafvollzug als gesetzliche Pflichtaufgabe festgelegt. Meta-Analysen konnten wiederholt zeigen, dass die zeitlich begrenzte stationäre Behandlung von Sexualstraftätern deren Rückfälligkeit zu reduzieren vermag, dass aber vor allem die Langzeit-Effektivität durch eine ambulante Nachsorge erheblich gesteigert werden kann. Entsprechende Bestimmungen enthält das Gesetz in Art. 11, 120 und 132 BayStVollzG. Demnach müssen in Ergänzung zu den 41 Haftplätzen für männliche Gefangene in Erlangen mindestens 160 zusätzliche therapeutische Behandlungsplätze für erwachsene Gewalttäter geschaffen werden, davon ca. 18 Plätze für Frauen, für die eine sozialtherapeutische Abteilung in der Justizvollzugsanstalt Aichach eingerichtet werden muss. Dies bedingt Mehrkosten von ca. 13 Mio. € und einen Personalmehrbedarf von 120 Bediensteten. Im Jugendstrafvollzug ergeben sich Mehrkosten von ca. 3,2 Mio. € und ein Personalmehrbedarf von zwölf Stellen.
Über den allgemeinen Grundsatz der Zusammenarbeit mit Stellen außerhalb des Vollzugs hinaus wird der positiven Rolle ehrenamtlich tätiger Bürgerinnen und Bürger im Jugendstrafvollzug durch eine eigene Vorschrift (Art. 127 BayStVollzG) besondere Bedeutung beigelegt. Junge Gefangene stammen oft aus zerrütteten Verhältnissen und mussten in ihrer Kindheit und Jugend den Halt durch ein stabilisierendes Elternhaus entbehren, das ihnen Werte vermittelt hätte, die sie von der Begehung von Straftaten abgehalten hätten. Zum Teil werden die Bediensteten des Jugendstrafvollzugs erstmals die Rolle übernehmen, die andernfalls Mutter oder Vater ausgefüllt hätten. Aufgrund der Vielfalt der Dienstgeschäfte in einer Anstalt wird es aber nicht immer möglich sein, dass alle jungen Gefangenen in einem oder einer Bediensteten eine entsprechende Identifikationsfigur finden. Bei einigen wird auch schon das Misstrauen gegen die Autorität der Bediensteten einen entsprechenden Prozess behindern. An dieser Stelle können die ehrenamtlich Tätigen im Jugendstrafvollzug Besonderes leisten. Sie sind durch ihre neutrale Stellung zwischen Anstalt und Gefangenen besonders in der Lage, das Vertrauen junger Gefangener zu gewinnen. Dabei können sie den jungen Gefangenen das dringend erforderliche Vorbild sein und ein Bindeglied in die Gesellschaft darstellen. Ehrenamtlich Tätige können den jungen Gefangenen durch ihr eigenes Beispiel vor Augen führen, dass sich ein straffreies Leben in geordneten Verhältnissen lohnt und zu mehr Lebensqualität führt als die Begehung der nächsten Straftat.
Zusammenfassend trägt das neue Gesetz zu einer Fortentwicklung des bayerischen Strafvollzugs bei. Dies betrifft vor allem den Ausbau der Sozialtherapie, die Erweiterung des Besuchs im Jugendstrafvollzug sowie die Intensivierung der Entlassungsvorbereitung und Nachsorge. Möglicherweise erfüllt sich die Hoffnung mancher Optimisten, dass aus dem angeblichen Wettlauf der Schäbigkeit ein Wettbewerb der besten Praxis wird. Kriminalpolitisch wäre das der beste Weg.
Die LAG-Info Redaktion bedankt sich bei Herrn Prof. Dr. Frank Arloth, Präsident des Landgerichts Augsburg, für die prägnante Würdigung des neuen Bayerischen Strafvollzugsgesetzes.
Ein eigenes Programm hilft Gewalttätern
Bayern setzt im neuen Strafvollzugsgesetz auf Sozialtherapie nach Erlanger Vorbild
Was sich in Erlangen bewährt hat, wird in Zukunft bayernweit praktiziert: die Therapie verurteilter Gewalttäter in speziellen Haftanstalten. Bisher gab es eine solche Sonderbehandlung im größeren Umfang nur für Sexualtäter. Mit dem ersten eigenen Landes-Strafvollzugsgesetz, das heute verabschiedet wird, soll sich das ändern.
ERLANGEN - Die Zahlen kamen genau zum richtigen Zeitpunkt. Diese Zahlen, die belegen, dass die Erlanger Sozialtherapie bei Gewalttätern wirklich hilft. 81,4 Prozent der Messerstecher, Schläger und Mörder, die in der Sozialtherapeutischen Anstalt unter Leitung von Elsava Schöner behandelt wurden, mussten danach nie wieder ins Gefängnis. Das ist eine Traumquote. Denn gerade Gewalttäter sind hoch rückfallgefährdet.
Die Studie hat einen klitzekleinen Schönheitsfehler. Die fünf Jahre Nachlauf, die Wissenschaftler fordern, damit das Ergebnis als felsenfest gilt, sind noch nicht ganz erreicht. Doch die Daten, die seit 1996 erhoben wurden, und die daraus errechneten Zahlen wurden vom Psychologischen Institut der Universität Erlangen überprüft und für korrekt befunden.
Wertvolle Argumente
Warum sie bei ihrer Veröffentlichung im November 2006 zur richtigen Zeit kamen? Weil das bayerische Justizministerium gerade über seinem Entwurf zum neuen Strafvollzugsgesetz brütete und weil die Studie wertvolle Argumente dafür lieferte, in diesem Gesetz die Möglichkeit für eine besondere Behandlung von Gewalttätern festzuschreiben. Bislang gab es solche auf eine Gruppe ausgerichtete Einrichtungen nur für Sexualtäter.
Mit Ausnahme der 41 Plätze in Erlangen. Bayerns einzige selbstständige sozialtherapeutische Anstalt wurde 1972 in Betrieb genommen. Unter der Leitung von Psychologin Schöner wurde das Therapieprogramm seit 1991 Stück für Stück erweitert und modernisiert. Pionierarbeit, die schwierig war in Zeiten, in denen Resozialisierung öffentlich hochgehalten wurde. Die noch schwieriger wurden in Zeiten, in denen die Forderung nach möglichst langem und kostengünstigem Wegsperren dominiert.
14.000 erwachsene Gewalttäter ermittelt die bayerische Polizei pro Jahr. Nicht alle landen im Gefängnis. Dennoch: 41 Therapieplätze sind im Vergleich dazu extrem wenig. Klar, dass die Häftlinge aus dem ganzen Freistaat schon immer Schlange standen, um einen Platz in Erlangen zu ergattern. Eine Aufnahmekonferenz mit Therapeuten, dem Vollzugsdienst und der Chefin entscheidet, wer genommen wird. Er muss noch mindestens zwei Jahre Haft vor sich haben, besser sind drei. Er muss therapiefähig sein und braucht einigermaßen gute Deutschkenntnisse.
Zu bearbeiten gibt es viele Themen: den Umgang mit Alkohol und Drogen, die Fähigkeit, mit anderen mitzufühlen, den Umgang mit Gewaltimpulsen, das gewaltfreie Lösen von Problemen, die Rücksichtnahme auf andere. Aber sogar in Hygienefragen, Kochen und Bügeln werden die Häftlinge unterrichtet. Sind sie stabil, müssen sie das Gelernte ausprobieren. Ausgang und Urlaub werden dafür als wertvolle Instrumente genutzt. „Sie müssen sich erproben können", sagt Schöner. „Sie müssen lernen, an einer Kneipe vorbeizugehen, selbst wenn drinnen ein Freund sitzt und sie ruft." Die Erlanger Häftlinge dürfen daher außerhalb der JVA arbeiten und sich sogar Vereinen anschließen.
Wer will, kann eine Weile zurück
Ist die Strafe verbüßt, geht die Betreuung durch die Gefängnis-Therapeuten allerdings weiter. Diese Nachsorge liegt Schöner ganz besonders am Herzen. „Stellen Sie sich vor, Sie haben sich einem Therapeuten völlig anvertraut. Und dann müssen Sie sich einen neuen suchen, nur weil Sie rauskommen." Das hält die 64-Jährige für eine Klippe, die vermieden werden sollte. Wer in Freiheit nicht klarkommt, darf sogar eine Weile ganz in die Anstalt zurückkommen. Vor allem für diese Nachsorge hat sie daher gekämpft, als sie am Entwurf für das neue Vollzugsgesetz mitgearbeitet hat. Und sie hat sich durchgesetzt.
160 neue Haftplätze für die Therapie erwachsener Gewalttäter will das Justizministerium mindestens schaffen, darunter 18 für Frauen. Die Bau- und Ausstattungskosten werden auf 13 Millionen Euro geschätzt. Bis zum Jahr 2012 sollen dafür 120 zusätzliche Stellen im Vollzugsdienst geschaffen werden. Die Jugendgefängnisse sollen eigene Therapieplätze bekommen. Erlangens Chefin Elsava Schöner hält das neue Gesetz in Bezug auf die Sozialtherapie für einen „tollen Wurf". Aber auch für „zeitgemäß. Schließlich wurde längst festgestellt, dass Sozialtherapie die wirksamste Methode ist, um Rückfälle zu verhindern."
Aus „Erlanger Nachrichten“ vom 27. 11. 2007 von Gudrun Bayer
In der Kirche arbeiten unzählige Menschen daran, anderen Menschen das Leben erträglicher zu gestalten. In den Krankenhäusern und Hospizen, Beratungsstellen und Pfarrhäusern, aber auch Besuchsdienstkreisen (Strafgefangene), Krabbelgruppen und Seniorenclubs: Überall gibt es Frauen und Männer, die sich liebevoll um ihre Schützlinge kümmern. Ohne die Unterstützung durch Ehrenamtliche wäre die besondere menschliche Zuwendung, die kirchliche Arbeit ausmacht, nicht möglich. Helfende Menschen finden sich aber nicht nur in den heimischen Kirchengemeinden, sondern auch in armen Ländern, in denen sie Hilfe zur Selbsthilfe leisten.
Aus Kirche für Einsteiger: „Die“ zehn AnGebote der Kirche Evangelische Kirche in Deutschland http://www.ekd.de/einsteiger/einsteiger.html
Der Junge sah zu, wie die Großmutter einen Brief schrieb. Irgendwann fragte er: „Schreibst du eine Geschichte, die uns passiert ist? Ist es vielleicht sogar eine Geschichte über mich?“
Die Großmutter hielt inne, und mit einem Lächeln sagte sie zu ihrem Enkel: „Es stimmt, ich schreibe über dich. Aber wichtiger als die Worte ist der Bleistift, den ich benutze. Es wäre schön, du würdest einmal so wie er, wenn du groß bist.“
Der Junge schaute den Bleistift verwirrt an und konnte nichts Besonderes an ihm entdecken. „Aber er ist doch genau wie alle anderen Bleistifte!“ „Es kommt darauf an, wie du die Dinge betrachtest. Der Bleistift hat fünf Eigenschaften, und wenn du es schaffst, sie dir zu eigen zu machen, wirst du zu einem Menschen, der in Frieden mit der Welt lebt.
Die erste Eigenschaft: Du kannst große Dinge tun, solltest aber nie vergessen, dass es eine Hand gibt, die deine Schritte lenkt. Diese Hand nennen wir Gott, und Er soll dich immer Seinem Willen entsprechend führen.
Die zweite Eigenschaft: Manchmal muss ich das Schreiben unterbrechen und den Anspitzer benutzen. Dadurch leidet der Stift ein wenig, aber hinterher ist er wieder spitz.
Also lerne, hin und wieder Schmerzen zu ertragen, denn sie werden dich zu einem besseren Menschen machen.
Die dritte Eigenschaft: Damit wir Fehler ausmerzen können, ist der Bleistift mit einem Radiergummi ausgestattet.
Du musst begreifen, dass Korrigieren nichts Schlechtes, sondern dringend erforderlich ist, damit wir auf dem rechten Weg bleiben.
Die vierte Eigenschaft: Worauf es beim Bleistift ankommt, ist nicht das Holz oder seine äußere Form, sondern die Graphitmine, die in ihm drinsteckt. Also achte immer auf das, was in dir vorgeht.
Schließlich die fünfte Eigenschaft des Bleistifts: Er hinterlässt immer eine Spur. Auch du musst wissen, dass alles, was du im Leben tust, Spuren hinterlässt, und daher versuchen, was du gerade tust, ganz bewusst zu machen.“
Aus: „Sei mir ein Fluss, der still die Nacht durchströmt“ von Paulo Coelho
Ausgewählt von Christina P.
Gedanken dazu: Junge Menschen im Gefängnis - arm - reich?
Ich betreue seit Jahren junge Gefangene; Männer zwischen 22 und 27 Jahren. Die Delikte sind die üblichen, das Alter davor betreffend: Fahren ohne Führerschein, Betrügereien, Körperverletzung, Drogenmissbrauch, Diebstahl bis hin zu Totschlag und Mord. Weniger ist sexueller Missbrauch an der Tagesordnung.
Ich bin natürlich befangen, was diese Menschen anbetrifft. Mein Blickwinkel ist auf das Positive im Menschen gerichtet. Und ich muss sagen, ich werde fast nie enttäuscht. Vielmehr sind es diese jungen Burschen, die vom Leben, von ihren Bezugspersonen oder dem Nichtvorhandensein derselben enttäuscht wurden. Und, was ich ganz eindeutig feststellen konnte bei den zu Betreuenden, es waren einfach strukturierte Elternhäuser ohne finanziellen Background.
Zwischendurch sei nochmals erwähnt, dass ich natürlich als ehrenamtlich Tätige nur Menschen betreue, denen Bezugspersonen fehlen - ich also nur von einer bestimmten Klientel ausgehen kann.
Aber dabei bemerke ich ganz lapidar, dass Geld grundsätzlich zu einem Standard gehört, der es einem möglich macht, den Vollzug unter Umständen zu umgehen. Seien es „bessere" Schulen; seien es Gelder, die an bestimmten Stellen das ausmerzten, wo es an Menschlichkeit mangelte; seien es Äußerlichkeiten, Statussymbole. Ein Beispiel: Für, ich glaube, junge Männer im Speziellen: Kann man sich kein Auto leisten, wird dem Diebstahl schnell Vorschub geleistet. Dass das Geld für die voraussetzende Fahrerlaubnis nicht vorhanden war, versteht sich oft logisch.
Wenn ich an die Schulzeit meiner Kinder denke, waren da ebenso junge Menschen aus allen Schichten: war das soziale Umfeld schwach, die finanzielle Seite aber ausgeprägt, hat auch da schon der Einfluss der Eltern und deren Status so manche prekäre Situation bereinigt. Ganz anders bei Kindern mit „schwachen" Eltern u n d wenig finanziellen Möglichkeiten - das Gerede, das gezielte Rufmorden fiel hier sehr viel deutlicher aus. Wurde ein Kind „scheinbar" für die Schule nicht mehr zuträglich auffällig, und die finanzielle Lage ließ es zu, verbrachte man einen solchen Störer in eine Privatschule, ein Kind aus einfacheren Verhältnissen kam und kommt in eine sogenannte Schule für sonderpädagogischen Förderbedarf.
In beiden Fällen fehlt es an Zuwendung zur rechten Zeit, nur in einem Fall spielt das Geld manch dramatische Situation herunter und im anderen Fall kommt die soziale Ächtung äußerlich hinzu.
Es ließen sich diese Beispiele endlos fortsetzen: Nur möchte ich für die Gefangenen in diesem Fall eine Lanze brechen, indem ich behaupte, dass sie nur deutlicher die Suppe auslöffeln müssen, die sie sich eingebrockt haben. Dass sie verurteilt wurden, ist rechtens, nur das Wiedergutmachen ist von anderer Struktur.
Und das ist der grundsätzliche Unterschied derer, die einsitzen und von mir betreut werden, zu denen, die drumherum gekommen sind: Die Taten mögen in beiden Fällen verwerflich gewesen sein, nur die Lebensumstände machen den einen zum Verbrecher, der öffentlich geächtet wird (wie oft muss ich mir das anhören, wenn einer von meiner Tätigkeit im Gefängnis hört!), im anderen Fall wird es verschwiegener gehandhabt.
Unrecht ist nicht gleich Unrecht. Und das ist's wohl auch, was mir einer der Gründe zu sein scheint, warum ich meine Arbeit als ehrenamtliche Betreuerin ernst nehme - die Ungleichheit auszugleichen - ich versuche es zumindest.
Es ist grundsätzlich (und wie schon gesagt) so, dass die vorausgegangenen Taten zur Haft geführt haben, nur die äußeren Umstände sind so unterschiedlich wie das Leben eben spielt.
Und dass nicht nur das soziale Umfeld eine (wahrscheinlich die größte) große Rolle spielt, sondern auch die finanzielle Umgebung stark ausschlaggebend ist, ist Vielen nicht so klar, die da so unken, warum man Kriminelle betreuen müsse, seien sie doch da genau richtig untergebracht, da, wo sie sich befinden: nämlich im Gefängnis.
Auch ich will die Taten nicht beschönigen, nur ich sehe den Unterschied deutlicher, der dazu geführt hat, dass mein Erscheinen auf dieser Plattform nötig wurde.
Eva Jung-Kramer
ehrenamtliche Mitarbeiterin der JVA Niederschönenfeld
Sucht und Justizvollzug
Der nachfolgende Jahresbericht 2006 des Diakonischen Werks/Stadtmission Bayreuth e.V.
will stellvertretend für die übrigen bayerischen Justizvollzugsanstalten dafür stehen und aufzeigen, was auf diesem Gebiet von allen Verantwortlichen geleistet wird.
Betreuung suchtgefährdeter und abhängigkeitskranker Gefangener in den Justizvollzugsanstalten Bayreuth, Hof und Kronach
Die externe Suchtberatung (Diakonie Bayreuth) in den oben genannten Justizvollzugsanstalten existiert seit 1997 und berät und betreut sowohl Drogenabhängige als auch Gefangene mit Alkoholproblemen und substanzungebundenen Süchten. Mit insgesamt 4 Vollzeitstellen, die mit 5 Sozialpädagog/innen besetzt sind, wird die Arbeit bewältigt. Außer Bayreuth werden stundenweise auch noch die Haftanstalten Hof und Kronach betreut.
Im Berichtsjahr haben insgesamt 691 Gefangene mit einer Suchtproblematik Beratung in Anspruch genommen.
Die JVA Bayreuth ist Erstvollzug mit ca. 1000 Haftplätzen. Die unterschiedlichen Strukturen der einzelnen Häuser (Zugang, U-Haft, Strafhaft und Freigänger) haben einen direkten Einfluss auf die Beratungsarbeit.
Motivierung des Klienten zur stationären oder ambulanten Drogen- und Alkoholrehabilitation
Spezielle Informationen über Möglichkeiten des Strafgesetzbuches, des Betäubungsmittelgesetzes, über Strafaussetzung zur Bewährung und Zurückstellung der Strafvollstreckung zugunsten einer Entwöhnungsbehandlung
Zusammenarbeit mit externen Drogenberatungsstellen, Jugendgerichts- und Bewährungshilfen, Justizvollvollzugsdiensten, Gerichten, Staatsanwaltschaften, Rechtsanwälten und Therapieeinrichtungen
Unterstützung von alkohol- und drogenabhängigen Ausländern bei bevorstehenden Abschiebungen und Ausweisungen
Mitwirkung bei sozialer und beruflicher Rehabilitation abhängiger Gefangener, die zur Entlassung anstehen
Therapievermittlung von alkohol- und medikamenten- und drogenabhängigen Klienten, Begleitung und Verbringung von abhängigen Gefangenen in die Behandlungseinrichtung
Die Bedeutung - also der Wirkungsgrad - unserer Tätigkeit liegt
in der Senkung der Kriminalitätsrate
im Schutz der Bevölkerung vor erneuter Beschaffungskriminalität
in der Vorbeugung gegen erneute alkohol- und drogenbedingte Straffälligkeit
Im Jahr 2006 betrug die Zahl der Klienten in der JVA Bayreuth insgesamt 510, davon 152 Alkohol- und Medikamentenabhängige, 348 Drogenabhängige und 9 Spieler und 1 Kaufsüchtiger.
Die Tendenz der von illegalen Drogen Abhängigen insbesondere zu Crystal-Speed und Kokain, also aktivitätssteigernden, aufputschenden Suchtstoffen, ist weiterhin ungebrochen. Auffällig bei Cannabiskonsumenten ist ein früheres Einstiegsalter verbunden mit einem harten Konsummuster, was nicht selten zu psychotischen Erkrankungen führt. Bei Gefangenen mit Alkoholproblemen war signifikant, dass bei einem großen Teil auch Gewaltdelikte ein Problem waren.
Die JVA Hof verfügt über ca. 200 Haftplätze und ist der JVA Bayreuth angegliedert. Ein Mitarbeiter der Beratungsstelle ist dort einmal in der Woche 9 Stunden präsent. Es wurden 2006 insgesamt 131 Klienten betreut, davon 75 Drogenabhängige, 51 Alkohol- und Medikamentenabhängige und 3 Spieler. 1 Klient hatte Essstörungen, 1 Klient war tabakabhängig.
Die JVA Kronach ist der JVA Bamberg unterstellt. Die durchschnittliche Belegung betrug im Jahr 2006 nur ca. 60 Haftplätze, da in der JVA Kronach umfangreiche Umbaumaßnahmen stattfanden und noch andauern. Es nahmen 50 Gefangene eine Beratung in Anspruch, davon 32 wegen Drogenproblemen und 18 wegen Alkoholproblematik.
Abschließend ist darauf hinzuweisen, dass im Berichtsjahr 2006 insgesamt 88 Klienten in Therapieeinrichtungen vermittelt wurden, davon 71 aus Bayreuth, 11 aus Hof und 6 aus Kronach.
Gutachter und Gutachten
Im Sommer in Nürnberg, kurz vor Weihnachten in Straubing, bei Veranstaltungen für Ehrenamtliche im Strafvollzug zeigte Dr. Willi Pecher die Arbeit eines Gutachters bei Gericht auf. Das fachliche Wissen des Referenten und die Art, wie er an dieses schwierige Thema herangegangen ist, war schon beeindruckend. Man hatte die Gewissheit, die Öffentlichkeit ist vor Gewalt – und Sexualstraftätern hinreichend geschützt, solange Fachleute wie Dr. Willi Pecher über eine allzu frühe Entlassung aus der Haft mit und durch ihre Gutachten wachen.
Und doch - !
Nach beiden Vorträgen beschlich mich auf der Heimfahrt ein ungutes Gefühl. Ich will es so beschreiben: Wo, so fragte ich mich, bleibt bei all diesem Abwägen der Fakten, bei all dem Auswerten von Tabellen und Statistiken, der Mensch, der Gefangene als Person? Ist er nur noch ein risikoreicher Posten?
Kann ein Gutachter in den paar Stunden die Dr. Pecher angibt, einen Menschen mit all seinen guten und weniger guten Seiten, mit seinen Ängsten und Zwängen, mit seinen Wünschen und Hoffnungen, kurz den „ganzen“ Menschen, so kennen lernen um ihn zu begutachten?!
Stunden sollen ausreichen, um über Jahre in Haft zu entscheiden ?
Wie oft erleben wir selber, dass wir uns in einem unserer Betreuten getäuscht haben, obwohl wir ihn schon über Jahre kennen. Gut, von unserem Urteil (und es ist ein Urteil) über einen Gefangenen hängt für andere nicht viel ab, bei einem Gerichts-Gutachter dagegen schon mehr, schwerwiegend erst dann, wenn durch ein Gutachten erheblicher Schaden entsteht. Wir können bei einer Fehleinschätzung zugeben, wir lagen falsch. Der Gerichtsgutachter steht bei einem Fehler umgehend in der öffentlichen Kritik. Er muss die Messlatte also sehr, sehr hoch hängen.
Und genau da beginnen für mich die Unwägbarkeiten dieses Verfahrens: Die Vorgaben können jederzeit in die eine oder andere Richtung verschoben werden. Wenn ich die Ausführungen von Dr. Pecher richtig verstanden habe, ist die Grundlage für Gutachten bei Gericht immer ein Vergleichen: Wie haben sich zig Menschen mit welchem Vorleben und Verhalten mit zig Merkmalen nach einer Verurteilung und nach einer Entlassung aus der Haft in einem bestimmten Zeitrahmen verhalten? In einer Grafik werden die einzelnen Punkte festgehalten. Und dann wird verglichen: Wo ist nun der „aktuelle“ Fall einzuordnen; im „Roten“ oder im „Grünen“ Bereich? Halbgrün kann da durchaus noch rot werden.
Welchen Stellenwert, so frage ich mich, hat bei diesem Verfahren der zu begutachtende Gefangene als Mensch?
Weil er einfach durch sein bisheriges Leben – auch Kindheit, Jugend, Schule, Ausbildung (wofür er oft nichts kann ) – zu viele Punkte in „Rot“ hat, bleibt er auf der Strecke. Er hat zum Zeitpunkt der Begutachtung überhaupt keine Möglichkeit, für sich Pluspunkte zu sammeln, denn: Das Gutachten aus der „Vergangenheit“ gemacht, ist ja durch die Punkte in der Grafik ein fertiges Produkt und wird dann nur noch in handliche Sätze verpackt, um es in der Gegenwart und Zukunft anwenden zu können.
Man wird mir entgegenhalten, dass bei einigen Rechtsfällen von Bedeutung und „Wichtigkeit“ ja 2 oder 3 Gutachten von verschiedenen Gutachtern herangezogen würden. Gut, das wäre aber nur dann sinnvoll, wenn die Herren und Damen Gutachter nicht allesamt die gleiche Literatur, Ausbildung und Uniprofessoren hätten, auch die „Software“ ist anscheinend auch identisch. Und immer, zu allem Überfluss, der Verweis auf „USA-Studien“. Es kann mir kein Mensch weiß machen, dass die Geflogenheiten in den USA so ohne weiteres auf die Bundesrepublik übertragbar sind. Angefangen bei den Schusswaffen bis zur Todesstrafe, die Gesetzgebung und die Rechtssprechung sind doch erheblich unterschiedlich. Wir sollten auch keine amerikanischen Zustände in diesem Bereich wollen.
Treue Leser der LAG-Info wissen, dass ich selber einige Jahre in Haft war - 1628 (sechszehn achtundzwanzig) war meine Gefangenen-Buch-Nummer. Aus diesem Grund kann ich mit Gefangenen mitfühlen, wenn ein Antrag auf vorzeitige Entlassung abgelehnt wird. Auch so was habe ich selber erlebt.
Gefangene sind in solch einer Situation deprimiert und niedergeschlagen. Weil sie die Gründe der Ablehnung meist nicht verstehen, ist die Verbitterung riesengroß.
Die intellektuellen „Höhenflüge“ in manchen Gutachten sind für viele Gefangene nicht so ohne weiteres zu begreifen, was sie aber verstehen sind die Schlussfolgerungen wie: „nicht zu befürworten ...“, „ ... wird abgelehnt ...“, „... zum jetzigen Zeitpunkt nicht ....“, usw.
Machtlos ist der Gefangene dem Geschehen ausgesetzt. Ich weiß, von was ich schreibe, das ist eine persönliche Erfahrung aus meiner Haftzeit!
Was Richter, Staatsanwälte, und Gutachter nicht sehen, geschieht dann im verschlossenem Raum: Gefangene, Frauen und Männer im besten Alter weinen wie Kinder! (Fragt die Beamten, die wissen es auch!).
Ein Gefangener fragte mich mal, ob er den wirklich so ein „Untier“ sei, wie in der Ablehnung dargestellt.
Zwischensatz:
Was antworte ich als Betreuer, meist als der einzige Mensch dem er noch vertraut, auf diese Frage? Er soll „Grüne“ Punkte sammeln? (Genauso könnte ich ihm vorschlagen, Blumen zu pflücken). Wie denn, wo denn?! Etwa in einer JVA, die aus allen Nähten platzt und deren Bedienstete Berge von Überstunden vor sich herschieben? Ein solches Ansinnen klingt in dieser Situation wie Hohn und ist nur eine Phrase.
Übringens: „Grüner Punkt“. Ich alter Hase im Strafvollzug habe keine Ahnung, wofür es überhaupt grüne Punkte gibt, die dann im Gutachten so wichtig sind. Könne grüne Punkte nur in der Vergangenheit für die Zukunft gesammelt werden? Wie soll so was denn gehen? Das ganze System scheint mir so überspannt und abgedreht, dass sich kein Außenstehender darin zurecht finden kann. Hat sich in der Rechtssprechung da irgendwas verselbstständigt und ersetzt die Richter? - Herr, die Geister die ich rief, werd ich nicht mehr los - .
Und wird einem Gefangenen, nach Jahren der Haft, das Glück zuteil, vorzeitig- mit guter Prognose – entlassen zu werden, so steht er dann einem Bewährungshelfer gegenüber, der außer ihm noch 60 – 70 andere Probanden betreuen muss. Das ich doch keine „Bewährungshilfe“, das ist nur noch Entlassenen-Verwaltung! Und oft nicht einmal mehr das! Gutachten hin oder her, hier muss angesetzt werden, die Entlassenenhilfe muss erheblich verbessert werden. Ohne, dass man ein paar Euro in die Hand nimmt, ist da nichts zu machen. Aber: Nicht neue Posten und Pöstchen für Sozialspinner sollen geschaffen werden. Nein, mit diesem Geld, darf nur Arbeit am Mitmenschen finanziert werden.
Auf Bewährung entlassene Gefangene aber auch „nur“ zur Bewährungsstrafe Verurteilte sollen nicht „begutachtet“ werden, das ist nicht Sinn der Sache. Solche Leute, die offen-sichtlich irgendwo in ihrem Oberstübchen einen erheblichen Defekt haben, müssen „geführt“ werden, geführt im eigentlichem Sinne der Wörter: Führen, leiten, anleiten! So, wie es jetzt ist, kann es auf keinem Fall bleiben. Das widerspricht jeglicher Art von Wiedereingliederung und ist nicht Ausdruck unserer Kultur.
Weniger Gutachten und mehr Resozialisierung wäre, so glaube ich der richtige Weg. Die freiwerdenden Gutachter könnten dabei als Sozialpädagogen prima mitarbeiten.
Verzeihen Sie mir dieses klare Wort, aber genau so ist es!
Ende Zwischensatz.
Ich gebe zu, ich weiß auch nicht, ob der oder der Gefangene wieder rückfällig wird oder nicht. Ich weiß nur, dass mehr Zeit darauf verwendet werden muss, um dies herauszufinden, mit Stunden kommt man da nicht weiter, Monate und Jahre sind angesagt – während der Haft und auch in der Bewährungsphase.
Genau wie ich es geschafft habe – natürlich auch mit der Hilfe von Profis – mein Leben nach der Entlassung so einzurichten, dass eine neuerliche Straftat ausgeschlossen ist, genauso unterstelle ich anderen Gefangenen, einen Weg in die Zukunft zu finden, der Gesetzesbruch überflüssig macht.
Die Ehrenamtlichen sollen jedem Gefangenen dabei ihre Hilfe anbieten.
Nach meiner Überzeugung kann ein Gutachten eine gute Entscheidungshilfe sein, als Entscheidung allein ist ein Gutachten völlig ungeeignet. Ein Mensch, mit all seinen guten Seiten aber auch mit seinen Fehlern und Mängel ist auf ein paar Seiten Papier sowieso nicht zu erfassen. Verehrte Gutachter, versucht es erst gar nicht, es wird nicht gelingen!
PS: Nicht vergessen: Viele Gefangene können nicht lesen und schreiben: „Da muss man was machen“.
Nach über dreißig Jahren darf eine engagierte Persönlichkeit nicht einfach in der Versenkung verschwinden!
Liebe Frau Geburzky,
bei vielen Veranstaltungen der Kontaktgruppe Landsberg, haben wir uns ja getroffen.
Da Sie nun die Gefangenenbetreuung beendet haben, möchte ich mich bei Ihnen, Frau Geburzky, für die von Ihnen geleistete Arbeit in der ehrenamtlichen Mitarbeit im Strafvollzug bedanken und wünsche Ihnen noch eine recht gute Zeit.
Mein Mann hat für Sie ein paar Zeilen geschrieben – aber lesen Sie selber.
Margaretha Helms
LAG-Vorstandsmitglied
wie und wo soll ich anfangen, um Ihrer Arbeit in der Gefangenenbetreuung gerecht zu werden? Eines ist aber sicher: Ich betrachte es als eine Ehre, Ihnen in unserer LAG-Info einen kleinen Nachsatz widmen zu dürfen.
Nach meinem Ausscheiden aus der Kontaktgruppe in der JVA Landsberg, deren Mitglied und Sprecher ich viele Jahre war, sind mir noch einige Unterlagen geblieben, die ich nun nochmals durchgelesen habe, um Ihr Wirken richtig und eingehend würdigen zu können.
In der Festschrift zum 25-jährigen Bestehen der Kontaktgruppe in Landsberg - das 25-jährige war 2003 habe ich ein Schreiben abgelichtet, welches Ihre Mitarbeit bei der Gründung der Kontaktgruppe belegt. Dieses Dokument ist vom 27. Januar 1978, es ist also ein über 30 Jahre zurückliegendes Ereignis in der Gefangenenbetreuung an der JVA Landsberg. In einem noch älteren Schreiben, vom 1. September 1976, werden Sie schon als ehrenamtliche Betreuerin genannt.
Wenn man sich diese Zeitspanne vorstellt: über 30 Jahre!
Gestatten Sie mir, liebe Frau Geburzky, wenigstens über das eine Jahrzehnt, in dem wir gemeinsam für die Gefangenen in der JVA Landsberg tätig waren, etwas zu schreiben. Fast ein ganzes Jahrzehnt – einige Wochen fehlten noch – ist schon ein Abschnitt, über den man nachdenken kann und soll.
Die anderen verdienten Mitglieder der Kontaktgruppe Landsberg mögen mir verzeihen, dass nur Sie, Frau Geburzky, hier und heute gewürdigt werden.
Wenn ich Ihre Einstellung zu den Gefangenen beschreiben soll, fällt mir ein Satz von Ihnen ein, den Sie bei einem unserer ersten Zusammentreffen gesagt haben: „Wir wollen und sollen jeden Menschen so annehmen, wie er ist, nicht wie er sein sollte oder wie wir ihn uns gerne wünschen.“
Sie mögen mir verzeihen, aber diesen Ausspruch habe ich mir zu Eigen gemacht und verwende ihn auch recht häufig im Umgang mit anderen Ehrenamtlichen bei Gesprächen und Grundkursen.
Ja, der Mensch lag und liegt Ihnen am Herzen, der von Gott erschaffene Mensch mit all seinen Fehlern und Unzulänglichkeiten. Als wohltuend habe ich es immer empfunden, wenn Sie ab und zu bei Beginn der Gruppenabende, die ja im Drei-Wochen-Turnus stattfanden, ein Gebet gesprochen oder einen besinnlichen Vers vorgelesen haben. Man merkte sofort, dass Sie damit auch Ihre Grundhaltung kundtaten. Dieses Tun war gleichsam Ihre persönliche Note, wie auch Ihr Fahrrad, auf das Sie auch bei Wind und Wetter nicht verzichtet haben: Frau Geburzky mit Wetterhaube auf dem Fahrrad war gleichsam ein Markenzeichen in der Betreuungsarbeit in Landsberg.
Bei Diskussionsbeiträgen von Ihnen, bei Unterhaltungen waren die Gefangenen in der Runde oft tief beeindruckt – und so mancher Ehrenamtliche nicht minder! Sie haben es immer verstanden, Wichtiges von Unwichtigem, Machbares vom Unmachbarem zu trennen. Diese Klarsicht von Ihnen war für die Gruppe und die Gruppenarbeit unverzichtbar. Ob nun die Mitarbeit bei den Gruppenabenden, ob bei der Gestaltung und Planung unserer jährlichen Veranstaltungen mit Gefangenen außerhalb der JVA-Mauern – das Wochenendseminar in Dettenschwang – der Sommerausflug in die nähere und weitere Umgebung von Landsberg – die Weihnachtsfeier im Pfarrsaal einer Kirchengemeinde in der Innenstadt – auf Ihre Hilfe war immer Verlass. Auch als Kassenprüferin im Kontaktgruppenverein, zusammen mit unserem unermüdlich tätigen Friedhelm Schneider, haben Sie unser aller Arbeit gute Dienste erwiesen.
Ihre Hauptaufgabe sahen Sie, und das ist gar nicht hoch genug einzuschätzen, in der Einzelbetreuung von Gefangenen und Haftentlassenen. Unzählige Inhaftierte haben von Ihrer Zuwendung profitiert. Wenn auch ein Ergebnis nicht messbar ist, ich bin überzeugt, die ehemaligen Gefangenen werden sich Ihrer gerne mit Dankbarkeit erinnern.
Bei allem Einsatz für die Gefangenen, haben Sie immer auch deutlich zum Ausdruck gebracht, dass Straftaten in keiner Weise zu entschuldigen sind und die Strafen zu Recht bestehen und ausgesprochen werden. Gleichwohl sahen Sie es als Ihre Aufgabe, den Gefangenen, der er ja nun war, davon zu überzeugen, weiterhin ein Leben ohne das Ausweichen in Straftaten zu führen, seien auch die Umstände noch so widrig und aussichtslos.
Sie konnten da auf einen fast unerschöpflichen Reichtum an Erfahrung als Mutter im SOS-Kinderdorf Diessen zurückgreifen. Damals, als Bezugsperson für Kinder, mussten Sie sich in Ihr Gegenüber hindenken können. Aus diesem Wissen konnten Sie bei uns genau, ja haargenau einschätzen, welche Defizite so mancher Gefangene aus seiner Kindheit, aus seiner Jugend hatte.
Wie Sie diesen Schatz an Erlebtem an die Gruppe weitergegeben haben, machte Sie zum Vorbild für unseren Verein und für die uns anvertrauten Menschen im Gefängnis.
Liebe Frau Geburzky, als ehemaliges Mitglied und Sprecher der Kontaktgruppe an der JVA Landsberg übermittle ich Ihnen meinen aufrichtigen Dank für die von Ihnen geleistete Arbeit in der Gefangenenbetreuung und sage Ihnen ein herzliches „Vergelts Gott“.
Ich bin stolz darauf, mit Ihnen, an Ihrer Seite, in der Gefangenenbetreuung in der JVA Landsberg gearbeitet zu haben.
Eine kleinen Würdigung für Emmi Geburzky zur Beendigung Ihrer langjährige Arbeit als ehrenamtliche Mitarbeiterin im Strafvollzug.
BR 2 - Bayerischer Rundfunk
Hallo lieber Herr Möller,
ich freue mich, dass die Sendung Ihren Zuspruch findet - es war nicht einfach, den Spannungsbogen aufzubauen und dabei weder in zu viel Gefühl zu verfallen, noch von einer gewissen Objektivität abzurücken. Einige „Ungenauigkeiten“ müssen Sie mir verzeihen, denn nur Sie kennen sie...
Das Thema hat mich sehr berührt und ich glaube, das hat mich zu einem der besten Features motiviert, die ich je gemacht habe (wenn ich das unbescheiden sagen darf, aber ich kann es ja beurteilen). Ich würde die Sendung gerne zu einem Preis einreichen, muß mich mal erkundigen, was in Frage käme. Könnte der Evangelischen Straffälligenhilfe vielleicht auch noch einmal zugute kommen.
Und nun nehmen Sie mir noch die ganze Arbeit ab mit den CDs, da kann ich mich nur nochmals bedanken; ich habe im Funk auch einige bestellt und habe sicher noch welche übrig, sollte darüber hinaus noch Bedarf bestehen.
Nun hoffe ich, dass das Echo auch dazu führt, dass Ihnen weitere ehrenamtliche Mitarbeiter zuwachsen!
Monika Köstlin
Sehr geehrte Frau Dr. Köstlin,
zunächst vorweg, herzlichen Dank für alle Ihre Mühen; die gesamte Resonanz und auch mein eigener Eindruck der ausgestrahlten Sendung: sehr positiv!
Zugleich nochmaligen Dank aller Beteiligten an BR 2 und Sie ganz persönlich.
Es ist Ihnen gelungen, sich in die Welt des Vollzugs einzufühlen und sowohl die Situation der Strafgefangenen als auch der Betreuerinnen und Betreuer anschaulich / hörbar aufzuzeigen und wiederzugeben.
So hat es nicht nur einerseits Spaß gemacht, der Sendung zuzuhören, sondern andererseits auch gleichfalls ausreichenden Anreiz gegeben, über den gut zur Geltung gekommenen informativen Inhalt nachzudenken.
CDs sind bereits durch Mitschnitt gefertigt und werden durch mich an:
Hr. RegDir Schneider BSMJ, Hr. Merz, Hr. Honigschnabel (Presse/Öffentlichkeitsarbeit - Innere Mission MÜNCHEN), Hr. Moninger JVA MÜNCHEN, Hr. Bürk (GeschFü Evang. Hilfswerk MÜNCHEN), meine ehrenamtl. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter übersandt.
Mit herzlichem Dank für Ihre Unterstützung verbleibe ich mit besten Grüßen
Leiter Evang. Straffälligenhilfe München
die Sendung heute in Bayern 2 im „Notizbuch" über das Thema: „Wie ehrenamtliche Helfer Strafgefangene auf die Freiheit vorbereiten" fand ich sehr interessant, gut und aufschlussreich gestaltet, und - wie ich meine - auch sehr wichtig. Es sollte mehr solche Sendungen geben, die auf dieses wichtige Thema hinweisen und Informationen darüber geben, wie notwendig solche Begleitungen für unsere Gefangenen wären. Warum nicht auch mal zu einer Sendezeit, die mehr Zuhörer versprechen würde? Und warum nicht mal abends oder im Fernsehen?
Natürlich hab ich mich darüber gefreut, in der Sendung Eure Namen zu hören, als ich ganz zufällig während des Kochens Bayern 2 einschaltete.
DANKE Euch allen für die Zusammenarbeit und Mühe, und alles ehrenamtlich!
Herzliche Grüße Gabriele Seifried
Weidner Ehrenamtliche beim neuen OB
Ehrenamtliche Betreuer der JVA Weiden, Alfred Schell und Peter Lottes besuchten den neuen Oberbürgermeister Kurt Seegewiß und stellten ihre verantwortliche und wichtige Aufgabe in der JVA Weiden, die zur JVA Amberg gehört, vor.
Weiden. Alfred Schell und Peter Lottes lieferten Oberbürgermeister Kurt Seggewiß bei ihrem Antrittsbesuch während dieser Woche detaillierte Informationen über ihre verantwortungsvolle Aufgabe als ehrenamtliche Betreuer der Justizvollzugsanstalten Weiden und Amberg. Die Betreuung innerhalb der JVA, also während des Strafvollzuges, und nach der Entlassung der Verurteilten konfrontieren die Ehrenamtlichen vielfach mit gravierenden Problemen. So bedeutet die finanzielle Schieflage der Betroffenen die erste und höchste Hürde. Häufig erscheinen die einzelnen Situationen als aussichtslos. Die Problemstellungen können oft nur durch die verstrauensvolle, langjährige und enge Kooperation mit dem Fachpersonal der Bundesagentur für Arbeit Weiden und Amberg gemeistert werden. Es sind zunächst fundamentale wie umfangreiche Hilfestellungen, beispielsweise bei der Wohnungsvermittlung, erforderlich. So können die Betreuer in Härtefällen auf die städtische Notunterkunft in der Schustermooslohe zurückgreifen. Weitere Unterstützung vermittelt, das Einwohnermeldeamt und verschiedene Bankinstitute. Letztere helfen aus sozialen Gründen bei der Anschaffung des Erstbedarfs. In punkto Bekleidung helfen die sozialen Einrichtungen in den Städten. Insbesondere werden Lottes und Schell von der Caritas Weiden unterstützt.
Für die Rückkehrer in die Gesellschaft ist es schwierig, wieder Fuß zu fassen und einen festen Platz einzunehmen. Darüber sind sich alle 1.700 ehrenamtlichen Mitarbeiter der bayerischen JVAs einig und wissen von der Wichtigkeit ihrer Aufgabe. „Dieses öffentlich zu machen, den Blick des Oberbürgermeisters für das Anliegen zu schärfen und den genannten Unterstützern zu danken, war der Hintergrund unseres Termins im Rathaus“, betont Peter Lottes, der wie sein Partner diese Tätigkeit seit drei Jahren ausübt. Konkret wurde angeregt, den Entlassenen Übergangsarbeit bei den städtischen Einrichtungen zu bieten und eine Wiedereingliederung damit zu fördern. Ebenso wäre im Zuge einer reibungslosen Resozialisierung eine Vermittlung an Unternehmen in der Stadt wünschenswert. Nur so könne das berufliche und private Leben wieder in geordnete Bahnen gelangen. Im Anschluss gab der OB aus seinem Kenntnisstand und seiner einschlägigen Erfahrung bei der Bundesagentur wertvolle Tipps und Anregungen.
Wer überdies weitere Informationen über diese interessante Arbeit der Betreuung haben möchte oder an einem persönlichen Engagement interessiert wäre, erhält Auskünfte über JVA oder über Norbert Merz, Landesarbeitsgemeinschaft ehrenamtlicher Mitarbeiter im Strafvollzug Bayern e.V.
Peter Lottes
Neuer LAG-Vorstand im Gespräch mit Frau Groß, Regierungsdirektorin und Leiterin der JVA Landsberg und Rothenfels
Mit dieser Begegnung sollte der neue Vorstand der LAG, Thomas Staudigel, vorgestellt werden und mit der Leiterin der JVA Landsberg/Lech Außenstelle Rothenfels und JVA Garmisch-Partenkirchen mögliche Themenfelder einer weiterführendend Zusammenarbeit besprochen werden.
Es wurde vereinbart, die „vor Ort Gruppierungen“, wie Diakonisches Werk, Sozialdienst katholischer Männer, die Gruppen um die beiden Seelsorger und andere ehrenamtlich Engagierte zu einer Aussprache einzuladen, um über das gemeinsame Vorgehen „Gewinnung ehrenamtlicher Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter“ für die JVA Landsberg zu beschließen.
Die LAG wird dabei das Gesamtkonzept von der Werbung bis einschließlich einer Ausbildung für die Neuen (unabbängig davon, welcher Gruppierung sie dann angehören werden) übernehmen. Dabei wird erwartet, dass die „vor Ort Gruppierungen“ einen regelmäßigen Treff der Ehrenamtlichen (Vor-Ort-Treffen) aufbauen. Diese Zusammenkünfte werden als eine sehr wichtige Einrichtung erachtet. Die Möglichkeit des Erfahrungsaustausches, der Information und der gegenseitigen Unterstützung wirken sich auf den einzelnen Ehrenamtlichen enorm motivierend aus.
Wie auch schon dem Ministerium aufgezeigt, sehen wir in diesen unseren Aktivitäten: Werbung, Ausbilden, Begleiten – auch eine qualitätssichernde Maßnahme.
Unter der Leitung der JVA Landsberg wird ein Treffen mit den übrigen Gruppen vorbereitet, um das weitere Procedere für eine Aktion: „Ehrenamtliche für die JVA Landberg“ und die nächsten Schritte festzulegen.
Vereinsgründung in Ebrach
Schritt für Schritt e. V. wurde am Montag, den 30. Juli 2007 aus der Taufe gehoben.
Am 24. Oktober 2007 stellte die Vorstandschaft, Sibylle Röding, Ursula Schneeberger, Anke Bub, Marion Maul, der Öffentlichkeit den Verein und seine Zielsetzungen vor .
Dabei wurde über den Eintrag ins Register beim Amtsgericht Bamberg und die Erlangung der Gemeinnützigkeit beim Bamberger Finanzamt berichtet. Alle weiteren Schritte, wie Mitgliederwerbung, Sponsoren gewinnen, wären ohne die offizielle Anerkennung ohne Wirkung.
Neben der bereits erfolgten Flyer-Gestaltung und Drucklegung, plant der Verein für das Frühjahr (2008) in Bamberg eine großangelegte Informationsveranstaltung, die die Gewinnung von Ehrenamtlichen, von Mitgliedern, aber auch von Sponsoren zum Ziel hat.
Als kurzfristige Projekte wurden der Aufbau einer Theaterspielgruppe und ein PC-Kurs geplant und ins Auge gefasst.
Leserbrief zur Verschärfung der Jugendstrafen
Die momentane Diskussion um eine Verschärfung des Jugendstrafrechts macht uns als ehrenamtliche und Mitarbeiter im Jugendstrafvollzug betroffen.
Die Voraussetzung für „Besserung“ der Jugendlichen wird nicht durch Inhaftierung und Strafe geschaffen, sondern präventiv durch Sozialisation in Freiheit. Sozialisation von gefährdeten Jugendlichen darf nicht ausschließlich Angelegenheit der Justiz sein, sondern ist eine gesellschaftliche Aufgabe. Deshalb ist wegschauen und wegsperren der falsche Weg und auch keine Lösung des bestehenden Problems.
Jeder Tag im „Knast“ kostet den Steuerzahler ca. 70.- € . Verlängerung der Strafzeit, zusätzliche Jugendarreste usw. erfordern außerdem einen erhöhten Personalaufwand, für den schon in der Vergangenheit nicht gesorgt werden konnte.
Von Inhaftierten wissen wir, dass „Knast“, wenn man ihn erst mal erlebt hat, nicht (mehr) abschreckt.
Das hat nichts mit „Kuschelvollzug“ zu tun. Der Vollzug bietet wohl viele Möglichkeiten zur Beschäftigung, aber trotz aller Bemühungen können durch Personalknappheit viele Gefangene nicht ausreichend „behandelt“ werden.
Inhaftierung schafft das neue Problem, dass Gefangene von Gefangenen „lernen“.
Wir erwarten von der Politik, dass erst die Vorraussetzungen für einen effektiven Freiheitsentzug geschaffen werden, bevor über verschärfte Maßnahmen „politisiert“ wird.
Sibylle Röding
Vorsitzende des Vereins Schritt für Schritt e.V.
Mitglied im Verein für ehrenamtliche Straffälligenhilfe
Aichach - Kunstgruppe
Ansprache von Andrea Wenger zur Eröffnung der Ausstellung der Kunstgruppen der JVA Aichach im Landratsamt Aichach.
Liebe Ausstellungsbesucher, liebe Kunst-Interessierte, liebe Kunsttherapie-Interessierte, im Strafvollzug zu arbeiten, das heißt, sich mit Menschen zu befassen, die durch wesentlich mehr charakterisiert sind als nur durch ihre Straftaten. Die Straftat ist nur ein Teil aus dem schwierigen Puzzle, aus dem jeder einzelne Inhaftierte sich zusammensetzt.
Diese Grundaussage will ich bewusst an den Anfang meiner Ausführung stellen. Denn ich bin der Ansicht, dass dieses Wissen die Grundlage für einen ehrlichen und erfolgreichen Umgang mit den Inhaftierten ist.
Betritt man die Welt hinter Gittern, so bekommt man einen Einblick in den Alltag der Inhaftierten:
- der reglementierte Tagesablauf
- die eingeschränkten Verhaltensspielräume,
- die Reduktion zwischenmenschlicher, heterosexueller Beziehungen und Kontakte,
- die Verlagerung der Handlungsautonomie auf extrapersonale Instanzen,
Durch dieses spezifisch geprägte Leben entstehen sehr, sehr viele Gefühle, mit denen der Einzelne mehr oder weniger gut umgehen kann. Das sind Gefühle wie
- Wut, Verzweiflung und Enttäuschung
- Machtlosigkeit, Hilflosigkeit und Schuldgefühle
- sowie Angst und bei vielen große Einsamkeit
Wohin sollen die gefangenen Frauen mit ihren Gefühlen? Wie sollen sie mit diesen Gefühlen umgehen? Was kann nun die Kunsttherapie in diesen Rahmenbedingungen bewirken?
Kunsttherapie im Vollzug lässt sich durchaus als Versuch verstehen, diese extreme Lebenssituation mit künstlerischen Mitteln
- zu beschreiben
- zu gestalten
und so besser zu bewältigen.
Über das Kontaktmedium Bild kommen wir nicht selten an eine sehr andere Wirklichkeit heran, nämlich die Lebenswirklichkeit des straffällig gewordenen Menschen.
An diesem Punkt gilt es mit dem Straffälligen
über den bisherigen und künftigen Lebensweg zu sprechen
darüber zu reflektieren
und einen Prozess der Wandlung durch Einsicht und neue Ziele einzuleiten.
Kontaktgruppe Landsberg
Wir Landsberger Ehrenamtliche treffen uns alle 3 Wochen in der JVA zu einem 90-minütigen Gruppenabend mit Inhaftierten. Das sind meistens so ca. 8 Ehrenamtliche und ebenso viele Inhaftierte. Die Gruppe besteht schon seit über 25 Jahren und hat sich zum Ziel gesetzt, die Inhaftierten auf die Entlassung vorzubereiten sowie Inhaftierten mit wenig Kontakt nach außen ein Ansprechpartner zu sein. Dreimal im Jahr bestand die Möglichkeit, dass wir mit den Gefangenen die Mauern verließen und sie ein bisschen Freiheit schnuppern durften.
Im Frühjahr war eine eintägige Wanderung angesagt, wo wir gemeinsam mit den Inhaftierten Frühstück, Mittagessen und Nachmittagskaffee einnahmen. Dazwischen gab es reichlich Gelegenheit zur Kommunikation während eines Spazierganges in landschaftlich schöner Gegend des bayerischen Alpenvorlandes.
Im Herbst gab es das traditionelle Wochenende in Dettenschwang in einer ländlichen Pension. Ein bisschen abgeschieden von der Zivilisation, aber auch eine gute Möglichkeit, sich näher kennenzulernen. Der Samstag war mit einem Seminarthema verplant und Freitag und Sonntag war Freizeit angesagt.
An Weihnachten, wie sollte es auch anders sein, gab es eine Weihnachtsfeier im Pfarrsaal, also außerhalb der Anstalt. Sowohl Anstaltsleitung als auch die Honoratioren der Stadt Landsberg folgten unserer Einladung und würdigten unsere ehrenamtliche Tätigkeit mit den Inhaftierten. Leider haben wir während des Jahres oft gar nicht bemerkt, wie sehr die Gäste unsere Arbeit schätzten. Ein ganz wichtiger Teil der Feier war das gemeinsame Essen mit den Inhaftierten. Wir Ehrenamtliche waren für das Buffet zuständig. Dass so gut wie nichts übrig blieb, zeugt auch von der Kochkunst unserer Frauen. Für die Inhaftierten war es das perfekte Dinner.
Nun, das, was ich bisher beschrieben habe, galt noch bis vor ca. 2 Jahren. Heute haben wir leider keine Möglichkeit, mit den Inhaftieren außerhalb der Gefängnismauern gemeinsam etwas zu unternehmen. Das liegt zum einen daran, dass sich die Teilnehmerstruktur in unserer Gruppe geändert hat. Bei vielen dauert die Entlassung noch einige Zeit, so dass noch keine Lockerungen möglich sind, andererseits scheint es auch so zu sein, dass seitens der Anstalt ein erhöhtes Bedürfnis nach Sicherheit vorhanden ist, was sich auch auf die Lockerungsgepflogenheit niederschlägt.
Wir haben uns nun der neuen Gegebenheit angepasst. Diejenigen Gefangenen, die vor der Entlassung stehen, werden von uns nach wie vor auf draußen vorbereitet und unterstützt. Allerdings haben sich die Themen in der Gruppe stark verändert. Bisher war eben der Schwerpunkt Entlassung, heute sprechen wir über Themen wie z.B. „Gewissen“ oder „was mache ich in Zukunft anders“. Den Gruppenabend schließen wir mit einer Befindlichkeitsrunde, wo jeder noch in einigen kurzen Sätzen sagen kann, wie es ihm geht und wie ihm der Abend gefallen hat. Aus diesen Rückmeldungen erkennen wir, wie wichtig es für die Inhaftierten ist, mal nicht über Knastthemen zu sprechen. Als große Belastung empfinden es die Inhaftierten, dass sie das Gefühl haben als Menschen zweiter Klasse behandelt zu werden. Das Eingeschlossensein ist oft weniger schlimm als die in ihren Augen unwürdige Behandlung. Wir Ehrenamtliche können das nicht ändern. Aber während des Gruppenabends fühlen sich die Inhaftierten von uns als Menschen und nicht als Täter wahrgenommen. Ich denke, das ist das Wertvollste, was wir den Inhaftierten in diesen 90 Minuten geben können.
Straubinger Tagblatt, 4. 12. 2007
Vortrag bei ehrenamtlichen Mitarbeitern der JVA Straubing
„Fehler können nie ausgeschlossen werden“
Gutachter Dr. Wilhelm Pecher berichtet über seine schwierige Arbeit und ihre Grenzen
Über die Schwierigkeiten, eine Prognose für einen Strafgefangenen abzugeben, referierte am Montagnachmittag Diplom-Psychologe Dr. Wilhelm Pecher von der JVA München-Stadelheim vor den Mitgliedern der Arbeitsgemeinschaft der ehrenamtlichen Mitarbeiter im Strafvollzug in Bayern. Weil der Mensch immer einen gewissen Handlungsspielraum habe, sei eine Vorhersage für sein späteres Verhalten äußerst schwierig. Durch umfangreiche Tests, deren Auswertung zum Teil von hochkomplizierten Computerprogrammen übernommen werde, könne aber ein bestimmter Grad an Sicherheit erreicht werden.
Eine Prognose gelinge dann am besten, wenn die Ursachen für ein bestimmtes Verhalten bekannt sind, erklärte Dr. Pecher. Eine Strafe könne nur dann verhängt werden, wenn beim Täter Schuld festgestellt worden ist. Schuld setze aber die Freiheit voraus, das Unrecht der Tat einzusehen und danach handeln zu können.
Eine Prognose darüber, ob ein Strafgefangener nach seiner Entlassung erneut straffällig wird, gelinge dann am besten, je weniger Freiheitsgrade im Spiel waren. Beim schuldunfähigen Täter, dessen Straffälligkeit zum Beispiel ausschließlich auf einen psychotischen Schub zurückzuführen war, könne nach Heilung der Psychose sehr treffsicher eine Ungefährlichkeit prognostiziert werden.
Weil die Rückfallgefahr nicht eindeutig und für jeden Fall genau festgelegt werden könne, sei es unvermeidlich, dass sowohl Menschen zu Unrecht in Haft behalten werden, als auch Straftäter entlassen werden, die erneut rückfällig werden, erklärte Dr. Pecher. „Fehleinschätzungen können nie vollkommen ausgeschlossen werden." Absolute Sicherheiten würden vom Gesetzgeber aber auch nicht gefordert. Denn Gutachter könnten nur mit Wahrscheinlichkeiten arbeiten. Den interessierten Zuhörern, die in ehrenamtlicher Arbeit Gefangene in bayerischen Justizvollzugsanstalten betreuen, gab der Diplom-Psychologe einen umfangreichen Einblick in seine Tätigkeit als Gutachter. Die Gespräche zwischen ihm und dem Gefangenen würden in der Regel zwei Mal fünf Stunden dauern. Ein Gutachten, das alleine anhand von Akteneinsicht erstellt wird, komme nur dann in Frage, wenn der Gefangene nicht kooperativ ist.
Statistische Prognosen würden auf empirischen Studien basieren, die versuchen, Merkmale zu identifizieren, die auf die Möglichkeit eines Rückfalls schließen lassen. Allgemeine Erkenntnisse würden also auf einen Einzelfall angewandt und könnten deshalb lediglich Wahrscheinlichkeits-Aussagen zulassen. Klinische Prognosemodelle würden hingegen individuumsbezogen vorgehen, um den Eigenarten im Einzelfall besser gerecht zu werden.
Bei zum Teil recht unterschiedlichen und umfangreichen psychologischen Testverfahren erfolge die Auswertung über spezielle Computerprogramme. „Bestimmte Ratings macht man online am Computer. In der Schweiz wird dann das Ergebnis der Untersuchung berechnet", erklärte der Psychologe, der den Gefangenen riet, sich bei der Besprechung möglichst natürlich zu verhalten. Schließlich sei das Gutachten ja auch zum Schutz des Gefangenen da.
Als Sprecher des Regionaltreffs der JVA Straubing bedankte sich Horst Münzer beim Referenten und den rund 50 interessierten Zuhörern im Saal des Gäubodenhofs für die lebhafte Diskussion.
Für den ehrenamtlichen Dienst an den Gefangenen der Straubinger JVA würden jederzeit Mitarbeiter gesucht. -fun -
Straubinger Tagung 2008
Donnerstag, 5., bis Samstag, 7. Juni 2008
© LAG 2008-02-26