Source: https://www.lto.de/recht/hintergruende/h/george-zimmerman-trayvon-martin-usa-notwehrrecht-stand-your-ground/print.html
Timestamp: 2020-08-05 01:24:48
Document Index: 8339870

Matched Legal Cases: ['§ 32', 'BGH', 'Art. 103', '§ 240', 'BGH', '§ 127', 'BGH', '§ 127']

https://www.lto.de//recht/hintergruende/h/george-zimmerman-trayvon-martin-usa-notwehrrecht-stand-your-ground/
Niedrigere Voraussetzungen nach deutschem Notwehrrecht
US-Rechtsexperten haben Freispruch erwartet
2/2: Tötung des Angreifers auch in Deutschland gerechtfertigt
Die deutsche Notwehrnorm ist deutlich knapper formuliert. § 32 Strafgesetzbuch (StGB) bestimmt schlicht: "Wer eine Tat begeht, die durch Notwehr geboten ist, handelt nicht rechtswidrig". Eine gewisse Einschränkung des Notwehrrechts findet unter dem Merkmal der Gebotenheit statt. So ist die Notwehrhandlung etwa dann nicht geboten, wenn ein krasses, geradezu eklatantes Missverhältnis zwischen dem zu schützenden Rechtsgut und den Schäden besteht, die der Angreifer hinzunehmen hätte. Illustriert wird diese Fallgruppe zumeist am Beispiel eines Rollstuhlfahrers, der einen Kirschendieb auf frischer Tat ertappt und dessen einzige Möglichkeit zur Verteidigung seines Eigentums darin bestünde, den Rechtsbrecher zu erschießen. In einem derartigen Fall ist der Angriff schlicht hinzunehmen.
Solche Erwägungen greifen im Falle von Zimmerman jedoch offensichtlich nicht Platz. Martin hatte ihn physisch attackiert und ihm mehrere (Platz)wunden zugefügt. Nach Zimmermans eigener, nicht widerlegter Aussage soll Martin ihn zunächst mit einem Hieb niedergestreckt und seinen Kopf sodann mehrfach gegen den Bordstein geschlagen haben; die Bilder seiner Verletzungen lassen sich damit in Einklang bringen. In einer derartigen Situation konnte Zimmerman mit gutem Grund annehmen, dass ihm schwerer körperlicher Schaden oder gar der Tod drohte, und durfte Martin daher erschießen.
Dementsprechend wurde der Ausgang des Verfahrens unter amerikanischen Rechtsexperten bei Weitem nicht so kontrovers diskutiert wie in der Öffentlichkeit. Andrew Hammel, Professor für anglo-amerikanisches Recht an der Universität Düsseldorf, führt dazu aus: "Jedes andere Ergebnis als ein Freispruch wäre sehr verblüffend gewesen – ein Kollege hat bereits vor über einem Jahr genau diesen Prozessausgang vorhergesagt. Juristisch interessant ist an dem Fall eher die Frage, welche zukünftigen Implikationen er für das amerikanische Notwehrrecht und den Umgang mit ethnischen Minderheiten im Rechtssystem haben kann."
Nach deutschem Recht wäre die Schwelle übrigens noch niedriger gewesen. Zwar wird vor dem Gebrauch einer Schusswaffe grundsätzlich das Abgeben eines Warnschusses gefordert. Darauf kann jedoch verzichtet werden, wenn der Verteidiger sich in einer Lage befindet, in welcher dies nicht mehr praktikabel erscheint – sicherlich also dann, wenn er, bereits benommen am Boden liegend, mit Schlägen malträtiert wird und die Gefahr besteht, dass der nächste oder übernächste Treffer ihm den Griff zur Waffe unmöglich machen wird.
Vorgeschichte wohl bedeutungslos
Magengrimmen bereitet vielen Menschen wohl die Tatsache, dass Zimmerman Martin zunächst ohne triftigen Grund und aus einem lediglich vagen Verdacht heraus verfolgt und die Konfrontation somit heraufbeschworen hat. Aus rechtlicher Sicht kommt diesem Umstand aber nur geringe Relevanz zu. Zwar existiert in Deutschland die Figur der Notwehrprovokation, unter welche Fälle subsumiert werden, in denen der spätere Verteidiger den Angreifer herausgefordert hat – für diese Konstellationen werden unterschiedliche Beschränkungen des Notwehrrechts diskutiert.
Auch das würde aber voraussetzen, dass Zimmerman den Angriff Martins überhaupt in vorwerfbarer, das heißt mindestens fahrlässiger Weise heraufbeschworen hätte. Davon kann man, soweit der Sachverhalt aufgeklärt ist, nicht ausgehen. Zwar hat der Nachbarschaftspolizist Martin letztlich grundlos verfolgt und zur Rede gestellt. Darin allein liegt aber keine derart starke Herausforderung, dass man Martins anschließende physische Attacke als nachvollziehbaren, womöglich gar selbst gerechtfertigten Akt verstehen könnte. Ob Zimmerman den 17-Jährigen* beleidigt oder beschimpft hat, bleibt Spekulation – gerichtlich bewiesen ist es jedenfalls nicht.
Woher rührt also die unzutreffende Vorstellung, das amerikanische Notwehrrecht sei so viel schneidiger als das deutsche? Zum einen erklärt sie sich wohl aus der Unkenntnis des fremden Rechtssystems, verbunden mit nationalen Klischees, in welchen Amerikanern die Rolle des Colt-schwingenden Cowboys zugeschrieben wird. Die Umstände des Falls waren sicher geeignet, diesen Eindruck auf den ersten Blick zu bestätigen.
Darüber hinaus mag aber auch ein faktischer Unterschied eine Rolle spielen, wie Hammel erläutert: "Anders als in den USA ist das öffentliche Tragen und Führen von Waffen in Deutschland verboten. Dementsprechend ist der Einsatz von Schusswaffen in einer Notwehrsituation hierzulande ein beinahe rein theoretisches Problem – in Amerika hingegen ist er oftmals das effizienteste und aus Sicht des Verteidigers sicherste Mittel, um einen Angriff zu beenden."
*hier stand zunächst unzutreffenderweise, dass Martin 19 Jahre alt gewesen sei. Geändert am 23.07.2013 um 13:58
Constantin Baron van Lijnden, Aufregung über US-Notwehrrecht unberechtigt: Stand your ground . In: Legal Tribune Online, 23.07.2013 , https://www.lto.de/persistent/a_id/9188/ (abgerufen am: 05.08.2020 )
23.07.2013 12:07, Jurist
Ich stimme Ihnen grundsätzlich zu und bin auch etwas irritiert über die Darstellung in den deutschen Medien.
An einer Stelle kann ich Ihnen jedoch nicht ganz folgen: Sie differenzieren m.E. nicht exakt genug zwischen der Notwehrprovokation (sog. Absichtsprovokation) und der "sonstigen vorwerfbaren Verursachung einer Notwehrlage". Bei letzterer soll es nach Ansicht des BGH bereits genügen, dass der Notwehrtäter durch "sozial zu missbilligendes Vorverhalten" dazu beigetragen hat, dass er in eine Notwehrlage gerät (vgl. sog. Jamba-Fall). Wenn man einmal davon absieht, dass dieser Begriff reichlich unbestimmt ist und deshalb in Konflikt mit Art. 103 II GG steht, könnte man ein solches im vorliegenden Fall durchaus diskutieren. Denn ein selbsternannter "Nachbarschaftswächter" hat keinerlei Hoheitsrechte, die ihm die Befugnis verleihen würden, aus seiner Sicht "verdächtige Menschen" (=schwarzer Jugendlicher mit Hoodie) im öffentlichen Raum zu kontrollieren. Eine solche Kontrolle würde ich mir verbitten und mich auch ggfs. tätlich dagegen wehren, zumal hier durchaus die Schwelle zum Straftatbestand (Nötigung etc.) überschritten sein kann. Die Vorgeschichte ist deshalb keineswegs "wohl bedeutungslos". In diesem Zusammenhang ist auch daran zu erinnern, dass Zimmermann bei seinem ersten Notruf einen rassistischen Begriff verwendete. Es liegt also nicht ohne weiteres auf der Hand, dass Martin sich völlig grundlos auf Zimmermann stürzte. Vielmehr sehe ich Anhaltspunkte dafür, dass letzterer den Angriff in vorwerfbarer Weise provoziert hat.
23.07.2013 14:41, jaypi
dann müssten Sie allerdings auch erwähnen, was eine solche "fahrlässige" Notwehrprovokation als Rechtsfolge bewirkt: Nämlich gerade keinen vollständigen Ausschluss des Notwehrrechts, sondern ähnlich wie bei den tödlich wirkenden Waffen ein aus drei Stufen bestehendes Notwehrrecht (1. Täter muss ausweichen, wenn möglich - 2. Schutzwehr, wenn möglich - 3. Trutzwehr). Auch wenn man also annimmt, dass Zimmermann den Angriff fahrlässig provoziert hat, so müsste man ihm trotzdem nachweisen, dass er in der konkreten Situation hätte ausweichen oder sich hätte schützen können, ohne Martins körperliche Unversehrtheit zu beeinträchtigen. Auch wenn der Täter den Angreifer schwer gekränkt hat, muss er es nicht pauschal hinnehmen, von diesem massiv angegriffen und in seinem Leben bedroht zu werden. Hätte Zimmermann Martin genötigt (§ 240 StGB), so wäre ggf. der Angriff Martins anfänglich selbst aus Notwehr gerechtfertigt; Martin hätte dann aber die Grenzen der Notwehr deutlich überschritten, wenn er Zimmermanns Kopf mehrfach auf den Bordstein geschlagen hat. Auch dagegen wäre eine Notwehr Zimmermanns möglich.
Das Ganze ist deshalb vor allem eine Einzelfallbewertung. Angesichts der Umstände des Falles würde ich es jedenfalls nicht überraschend finden, wenn Zimmermann auch von einem deutschen Gericht mit einer Bewertung nach dem StGB freigesprochen würde.
23.07.2013 16:25, Jurist
Liebe/r jaypi,
das ist richtig. Wozu eine Einschränkung im Einzelfall führt, kann man als Außenstehender ohne Kenntnis der genauen Umstände nur schwer beurteilen. Mir ging es nur darum, die Einschränkung nicht vorschnell auszuschließen.
Die Einschätzung, dass ein Zimmermann wohl auch von einem deutschen Gericht freigesprochen worden wäre, halte ich allerdings für etwas optimistisch, was die Kenntnis deutscher LGe vom Notwehrrecht angeht. Wenn man bedenkt, dass in Deutschland regelmäßig Notwehrtäter verurteilt werden, weil sie ein Messer gegen einen unbewaffneten Angreifer eingesetzt haben, ist eher schwer vorstellbar, dass ein LG einen tödlichen Schuss (ohne Warnung etc.) als erforderlich einschätzt. In einem solchen Fall kann man nur auf den BGH hoffen (NStZ 2012, 272), der aber auch nicht immer abhilft (NStZ 2011, 186).
23.07.2013 12:32, LTO-Leser
Dass das Tatopfer 19 Jahre alt war, ist eine (schon mehrfach wiederholte) Erfindung der LTO. Trayvon Martin war drei Wochen vor der Tat 17 Jahre alt geworden.
Ob sich von der Einlassung Zimmermans nicht so viel widerlegen ließ, dass es zumindest für die Annahme einer Notwehrprovokation reichte, war zudem doch sehr die Frage.
Der Artikel geht schließlich auch darüber hinweg, dass ein potentiell tödlicher Waffeneinsatz nach deutschem Recht immer ultima ratio ist; dies betrifft auch die Art und Weise des Waffeneinsatzes (vorherige Androhung, Einsatz auf nicht-tödliche Weise).
Schließlich: Natürlich muss eine Rechtsordnung bei der Ausgestaltung ihres Notwehrrechts berücksichtigen, mit welchen Waffen das Notwehrrecht üblicherweise ausgeübt wird. Die Kombination eines überscharfen Notwehrrechts mit einem extrem liberalen Waffenrecht - mit der Folge, dass es eben sehr häufig gerade um Schusswaffeneinsatzt geht - wird deshalb völlig zu recht kritisiert.
23.07.2013 12:36, Clemens
23.07.2013 16:10, CKeleven
Vielleicht hätte man den Umstand, dass das Tragen und Verwenden einer Schusswaffe zur Selbstverteidigung hierzulande verboten, in den USA hingegen erlaubt ist, an den Anfang der Kommentierung stellen sollen. Denn genau daran macht sich meines Erachtens die empörte öffentliche Wahrnehmung auch hierzulande fest, nämlich wenn bei fehlender "Waffengleicheit" ein sofortiger tödlicher Schuss als legitimes Mittel der Selbstverteidigung in Betracht gezogen wird. Ähnliches kann man sicher auch beim Berliner Fall des von einem Polizisten erschossenen psychisch Kranken "zumindest einmal hinterfragen". Eine Urteilsfindung dürfte sich aber immer schwierig gestalten, wenn man nicht selbst zugegen war.
23.07.2013 17:17, uthan
Typisches Juristen-BLA-BLA. Ein verbaler Streit bzw. Auseinandersetzung zwischen Menschen kann immer passieren und ist nichts ungewöhnliches in unserer überbevölkerten Welt.Solange keine Beleidigung oder gar Androhung von Gewalt erfolgt, ist daran nicht großes auszusetzen. Wie aber, liebe Juristen, soll man reagieren wenn der Streit eskalierte und man sich ernsthaft bedroht fühlt und angegriffen wird? Man wird kaum Zeit haben um juristische Spitzfindigkeiten auszuloten um o.g. rechtlichen Prüfungen standzuhalten. Deshalb denke ich sollte jeder Angreifer, der einem Anderen körperliche Gewalt antun will, mit dem Äußersten rechnen müssen.
23.07.2013 17:51, XY
Dann freue ich mich schon auf die 1000 Toten an den Wochenende, wenn es mal wieder "rundgeht" nach dem Disco ;).
Der Angreifer muss mit dem Äußersten NOTWENDIGEN rechnen. Alles andere wäre ein Rückfall ins Mittelalter.
Der Artikel lässt einfach ausgeblendet, dass man in Amerika nun einmal Waffen im Baumarkt kaufen geht...
23.07.2013 18:18, CKeleven
Da spricht sich jemand für den sofortigen Kopfschuss aus.
24.07.2013 00:34, Wolf-Dieter
Ob Zimmermann ein Rassist ist oder nicht, ist mir egal.
Aber er ist als selbsternannter Hilfspolizist -- aber ohne entsprechende Ausbildung im De-Eskalieren -- mit scharfer Waffe losgezogen.
Ich würde ihm nicht Mord vorwerfen. Sondern Leichtfertigkeit mit Todesfolge.
24.07.2013 02:29, <a target="_blank" href="http://www.fightingsticks.de" >www.fightingsticks.de</a>
www.fightingsticks.de verlinkt auf diesen Artikel mit folgendem Linktext: <br /><a target="_blank" href="http://www.fightingsticks.de/blog/2013/07/24/was-ist-notwehr/"><span style="color: #0000ff;">wie <em>Legal Tribune Online</em> feststellt</span></a>
<a target="_blank" href="http://www.fightingsticks.de" >www.fightingsticks.de</a>
24.07.2013 14:02, nichtallesschwarzweisssehen
Auch für Schwarze kann eine Notwehrlage vorliegen.
Wenn ein selbsternannter Hilfspolizist wahllos jemanden verdächtigt Verbrechen zu begehen und nachstellt, kann je nach dem Grad der körperlichen und verbalen Attacken und Hartnäckigkeit der Verfolgung eine Notwehrlage gegeben sein. § 127 StPO greift nur ein, wenn jemand auf frischer Tat betroffen oder verfolgt ist. Das Schlüsselwort lautet hier frische (tatsächliche, nicht nur imaginäre) Tat.
Auch ist ein Erlaubnistatbestandsirrtum in Betracht zu ziehen, wenn der Verfolgte Angst vor seinem Verfolger bekommt und das Bestehen einer Notwehrlage annimmt, auch wenn diese objektiv nicht vorliegt.
Zu guter Letzt: Würden Sie sich provoziert fühlen, wenn ihnen jemand aus heiterem Himmel nachstellt und sie fragt ob Sie denn vorhaben Verbrechen zu begehn, weil sie ein weisser Junge sind? Würden Sie sich beleidigt fühlen? Dann ist es jedenfalls gerechtfertigt, die Grundsätze über die Notwehrprovokation anzuwenden. Nach diesen ist zunächst nur Schutz- nicht Trutzwehr zulässig.
Ich sollte Anwalt werden lol.
nichtallesschwarzweisssehen
24.07.2013 14:15, nichtallesschwarzweisssehen
Korrektur, der BGH lässt auch einen dringenden Tatverdacht für § 127 StPO ausreichen, dieser ist allerdings auf tatsächliche Anhaltspunkte, nicht auf Rassistenwahnvorstellungen zu stützen.
24.07.2013 19:04, Veta
Der Punkt ist, dass nicht klar ist, wenn von den beiden den Kampf angefangen hat. Laut Zimmermanns Aussage näherte Trayvon sich nachdem er angeblich verschwand, die Aussage der Freundin, die sich angeblich(Zeit kennt man, aber der es gibt keine Aufnahme) bis in die ersten Momente der Konfrontation deutet eher das Gegenteil an. Außerdem ist es nicht klar, wer um Hilfe rief, denn auch wenn wie Zeugen beobachteten Trayvon sich auf Zimmermann befand, bedeutet es nicht, dass er der Angreifer war.
Letztendlich stimmt die Behauptung dieses Artikel nur, wenn die Aussage Zimmermanns der Wahrheit entspricht, dass Trayvon nicht mehr verfolgt hatte und zu Auto zurückkehrte.
Das Urteil selbst ist richtig, da keine ausreichenden Beweise vorliegen, doch das bedeutet nicht, dass es nicht die Möglichkeit gab Beweise nach der Tat zu finden.
24.07.2013 19:06, Karl
Hier werden die Bilder der Verletzungen von Zimmerman verlinkt. Wenn nicht davon ausgegangen wird, dass diese Verletzungen selbst zugefügt wurden, kann davon ausgegangen werden, dass er attackiert wurde, also wegen Martin Verletzungen erlitt. Wie sieht es mit den Verletzungen von Martin aus? Keine Verletzungen und ein tötlicher Schuss? Viele Verletzungen und ein tötlicher Schuss?
Die Vorgeschichte mag wohl nicht bedeutungsvoll sein, was ich bezweifle, da unter anderem daraus Motive erkennbar sein können, was mich aber stutzig macht ist, dass mit einer Schusswaffe,
1. überzeugend gedroht werden kann,
2. Warnschüsse abgegeben können, und
3. schmerzhafte Verletzungen, aber nicht tötliche, hinzugefügt werden können.
Für diese drei Punkte kann es eventuell in einem Gerangel zu spät sein, bin ich Bürgermiliz und verfolge verdächtige Personen, so habe ich doch die Pflicht wachsam zu sein, oder nicht?
25.07.2013 14:38, Gast
Noch so ein überflüssiger Artikel des Herrn Baron. Die Darstellung des Notwehrrechts ist unpräzise und lückenhaft. Streitig in diesem Fall war ja gerade der Lebenssachverhalt und nicht die Subsumtion. Zudem klammern Sie in Ihrem Artikel aus, dass Rechtslaien (Geschworene) die Beurteilung des Sachverhalts und die Subsumtion vorgenommen haben.
Den Artikel hätte jemand aus dem 2.Semester besser schreiben können.
25.07.2013 16:52, Ullrich Dobke
lieber "Gast", warum so agressiv ? Selbst wenn man als Jurist aus der Jurisprudenz sich angegriffen fühlen sollte, der Polizist und die Putativnotwehr waren sicher kein Ruhmesblatt der dt. Rechtsgeschichte ;o)
25.07.2013 16:04, holki
Na, soo restriktiv wird die Einschätzung einer Notwehrsituation dann aber auch nicht immer gesehen.
In Deutschland liegt das Gewaltmonopol Gott-sei-Dank beim Staat. Zwar läuft der Durchschnittsbürger nicht mit einer Waffe 'rum dafür aber die Polizei im Einsatz.
Da kann dann ein Schuss in den Rücken durchaus Notwehr sein. Zumindest wenn der "Täter" ein bayerischer Polizist ist und ein bayerisches Gericht darüber zu befinden hat.
Wobei ich durchaus nicht verkenne, dass ein Polizeieinsatz die Beamten an psychische Grenzen bringen kann und ich bewundere die Art, wie von den Polizeibeamten damit umgegangen wird.
Das ist also kein Bezug auf den Fall "Martin" sondern auf den Umgang mit subjektiven Notwehrsituationen durch unsere Rechtssprechung.
25.07.2013 16:42, Ullrich Dobke
Tja, eigentlich kiennt jeder das DEUTSCHE Pendant: Polizeibeamter streckt auf gut 30m flüchtenden Täter mit gezieltem Schuß in de Rücken nieder - tödlich! Das dt. juristische Ergebnis: Freispruch, denn der Polizist nahm noch immer eine Bedrohungs- / Notwehrlage an.
25.07.2013 18:39, Naphta
Ein Beitrag zur Aufklärung wäre auch gewesen, wenn Sie klargestellt hätten, dass dieser Fall NICHT (!) nach der stand your ground Doktrin entschieden wurde. Der Angeklagte hat sich nicht darauf berufen, weil er angeblich nicht hätte fliehen können, selbst wenn er gewollt hätte.
Allerdings hatte dies ja offensichtlich nicht einmal die Jury verstanden, wie sich später im Rahmen eines anonymen Interviews auf CNN herausstellte...
Was die europäische Überheblichkeit - gerade bzgl. des US Rechts - angeht, da haben Sie vollkommen Recht. Da schwingt sehr oft ein wenig latenter Anti-Amerikanismus mit, der sich oft mit krasser Ignoranz verbindet.
25.07.2013 19:35, Gast
Die Arroganz leitet sich berechtigterweise daraus ab, dass Rechtslaien (Geschworene) über den Sachverhalt juristisch urteilen müssen.
26.07.2013 16:15, Naphta
Die Geschworenen entscheiden in den USA allerdings nicht über die juristischen Fragen, sondern über die Fakten. Ich wüsste auch nicht warum ein Richter nach den Vorträgen der Parteien besser beurteilen kann, ob zB Herr Zimmerman zuerst angegriffen hat. Im Gegenteil: Vielleicht können das die durchschnittlichen Bürger sogar besser beurteilen, weil sie die Situation eher nachvollziehen können, bessere Menschenkenntnis haben usw. Ein Jurist lernst sowas weder in Dtl. noch in den USA, sondern muss sich auf eigene Erfahrungswerte und fremde Gutachten stützen. Und die Lebenswelt eines Topjuristen, der Richter werden konnte, ist womöglich auch eine ganz andere, als die eines der Angeklagten oder Opfer.
Und schließlich anerkannt auch die deutsche Rechtsordnung diese Punkte, weswegen auch im deutschen Recht Laienrichter einbezogen werden.
27.07.2013 19:52, Normann Plaß
Als Nichtjuristen hat mich die Sache, dass der Sich-Notwehrende keine Verhältnismäßigkeitsprüfung vornehmen muss (außer bei krassem Mißverhältnis/Bagatellabgriffen) doch sehr überrascht. Vielleicht kann einer der anwesenden Juristen zu folgenden konstruiertem Fall mal was sagen:
Ein dunkelhäutiger Mann A. wird von zwei Polizisten B. & C. rassistisch beleidigt und die Polizisten hören damit auch nicht auf. A. hat aufgrund der Bewaffung von B. & C. keine "milden" Mittel zur Verfügung, seine Ehrverletzung, die mehr als eine Bagatelle ist, zu beenden.
Als letzte Notwehr entreißt A. überfallartig dem Polizisten B. die Dienstwaffe, um ihm zu drohen; da er aber fürchten muss dass nun C. auch seine Waffe ziehen wird, erschießt er beide Polizisten.
Gebotene Notwehr durch A. gegen seine schwere Ehrverletung??
29.07.2013 10:54, Peter Golüke
Obama hat nach dem Urteil zu Recht die Frage gestellt, ob die Jury im Falle eines weißen Angreifers zu dem gleichen Urteil ( Freispruch ) gelangt wäre ?
Peter Siegfried Golüke
30.07.2013 08:23, Ullrich Dobke
Tja, wieviel Vertrauen hat ein Präsident eigentlich in die Rechtsstaatlichkeit seines Landes? Si tacuisses!
29.07.2013 17:54, Alexander Rafalski
>> Die Kombination eines überscharfen Notwehrrechts mit einem extrem liberalen Waffenrecht - mit der Folge, dass es eben sehr häufig gerade um Schusswaffeneinsatzt geht - wird deshalb völlig zu recht kritisiert. <<
Das passt sehr gut zusammen. Mehr Freiheit bedeutet immer auch mehr Verantwortung. Außerdem ist ein Rückzug eher zumutbar, wenn man eine Schusswaffe trägt und eine Verschlechterung der Verteidigungsposition durch die Fluchtbewegung nicht ins Gewicht fällt.
24.10.2013 17:49, Kö
Der Artikel und die Hinweise auf Parallelen zu deutschem Recht sind gewiss erleuchtend und ernüchternd.
Aber ein Punkt wird hier außen vor gelassen, wegen dem ich mich übrigens ohne Frage gegenüber unseren amerikanischen Nachbarn moralisch überlegen fühle.
Die USA sind eine bewaffnete Gesellschaft. Die Waffenkultur ist gesellschaftlich, politisch und ideologisch übergreifend weit verbreitet und allgemein akzeptiert. Verdecktes und offenes Tragen von Schußwaffen durch Privatpersonen in der Öffentlichkeit sind keine Seltenheit.
Ist in solch einem Umfeld ein weitreichendes Stand Your Ground Gesetz nicht ganz einfach barbarisch? Jede noch so kleine Meinungsverschiedenheit mit der Schußwaffe auszutragen, wie im Fall Trayvon Martin geschehen, ist genau die Folge eines solchen Gesetzes in solch einer Gesellschaft, auch noch zu einer Zeit, in der Rassismus wieder Tagesthema ist.
Oh und selbstverständlich spielt Rassismus grade bei diesem Fall eine Rolle.
Ein anderes tragisches Beispiel dazu: Marissa Alexander wurde zu 20 Jahren verknackt, weil sie ihren aggressiven Ehemann mit einem Warnschuss in die Luft vertrieben hatte. Das Gericht erlaubte ihr nicht, sich mit Stand Your Ground zu verteidigen. Welche Hautfarbe hatte sie wohl?
02.05.2014 08:22, Steffen
Was für ein Blödsinn. Der Besitz bzw. das mitführen von Schusswaffen ist in Deutschland nicht erlaubt, von einigen Ausnahmen mal abgesehen. Und Schlagstöcke sind verboten.
Es gab sogar schon Fälle wo Opfer und Täter die Rolle tauschten nur weil das eigentliche Opfer einen Kampfsport ausübte.
in Deutschland gibt es keine Möglichkeit sich legal zu wehren
17.05.2014 11:33, Thomas
Der Fall (2010) Renter erschoss EINEN RÄUBER († 16) Totschlagprozess.
Nach dem dieser Prozess bereits seit einiger Zeit laeuft sehe ich nicht das die beiden Rechtssysteme und Urteilskriterien vergleichbar sind.
16.08.2014 05:40, <a target="_blank" href="http://www.nmtagblatt.com" >www.nmtagblatt.com</a>
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