Source: https://www.rechtslupe.de/arbeitsrecht/der-zum-guetetermin-persoenlich-geladene-geschaeftsfuehrer-381398
Timestamp: 2019-08-19 16:37:27
Document Index: 309960854

Matched Legal Cases: ['§ 141', '§ 85', '§ 51', '§ 141', '§ 141', '§ 47', '§ 141', '§ 51', '§ 141', '§ 12', '§ 51', '§ 141', '§ 141', '§ 141', 'BGH', 'BGH', '§ 141']

Der zum Güte­ter­min per­sön­lich gela­de­ne Geschäfts­füh­rer | Rechtslupe
Nach der ganz über­wie­gen­den Mei­nung in Recht­spre­chung und Lite­ra­tur 1 ist in Fäl­len der gesetz­li­chen Ver­tre­tung einer Par­tei im Fal­le eines Nicht­er­schei­nens des gesetz­li­chen Ver­tre­ters das Ord­nungs­geld gegen die Par­tei und nicht gegen den Ver­tre­ter zu ver­hän­gen. Dies folgt nicht nur aus Sinn und Zweck der Norm des § 141 Abs. 3 ZPO, son­dern auch aus ihrem Wort­laut 2.
ie Ver­hän­gung des Ord­nungs­gel­des steht im pflicht­ge­mä­ßen Ermes­sen des Gerichts. 3. Die Sank­ti­on erfolgt nicht wegen einer Miss­ach­tung des Gerichts, son­dern dient vor­wie­gend der Ver­fah­rens­för­de­rung zur sach­ge­mä­ßen Erle­di­gung des Rechts­strei­tes. Des­halb soll kein Ord­nungs­geld ver­hängt wer­den, wenn das Ver­hal­ten der Par­tei den Pro­zess nicht ver­zö­gert und ihr Nicht­er­schei­nen kei­nen neu­en Ver­hand­lungs­ter­min erfor­der­lich macht. Ist aus dem blo­ßen Nicht­er­schei­nen der Par­tei aus­nahms­wei­se zu fol­gern, dass sie nicht kommt, weil sie sich nicht ein­las­sen möch­te, ist die Ver­hän­gung eines Ord­nungs­gel­des unzu­läs­sig, da die­ses nicht dazu füh­ren darf, eine Ein­las­sung zu erzwin­gen. Über­wie­gend wird zu Recht gene­rell emp­foh­len, von der Mög­lich­keit, Ord­nungs­geld zu ver­hän­gen, zurück­hal­tend Gebrauch zu machen. Die Erwä­gun­gen des Gerichts bei der Ver­hän­gung eines Ord­nungs­gel­des müs­sen von norm­im­ma­nen­ten Zwe­cken getra­gen wer­den, näm­li­che der beschleu­ni­gen­den Sach­auf­klä­rung zum Zwe­cke der (auch güt­li­chen) Streit­be­en­di­gung. Jede Dis­zi­pli­nie­rung, die dies nicht im Blick hat, ist ermes­sens­feh­ler­haft 4. Ein Ord­nungs­geld kommt daher durch­weg nur in Betracht, wenn das unent­schul­dig­te Aus­blei­ben der Par­tei die Sach­auf­klä­rung erschwert und dadurch den Pro­zess ver­zö­gert 5. Dabei muss die Par­tei ein eige­nes Ver­schul­den tref­fen. Eine Zurech­nung etwai­gen Ver­schul­dens des Pro­zess­be­voll­mäch­tig­ten nach § 85 Abs. 2 ZPO kommt nicht in Betracht 6. Die­se Grund­sät­ze gel­ten über­tra­gen auch im Anwen­dungs­be­reich des § 51 ArbGG.
Unab­hän­gig davon erweist sich die Ver­hän­gung eines Ord­nungs­gel­des durch das Arbeits­ge­richt auch des­halb als ermes­sens­feh­ler­haft, da es kei­ne aus­rei­chen­den Fest­stel­lun­gen zu einem Ver­schul­den getrof­fen hat. Aller­dings gilt zunächst die Anord­nung des per­sön­li­chen Erschei­nens durch das Arbeits­ge­richt. Die­se wird nicht durch eine blo­ße Mit­tei­lung des Pro­zess­be­voll­mäch­tig­ten an sei­ne Par­tei, man brau­che nicht erschei­nen, gegen­stands­los. Vor­lie­gend hat die Beschwer­de­füh­re­rin aber eine nach § 141 Abs. 3 ZPO bevoll­mäch­tig­te Unter­be­voll­mäch­tig­te zum Güte­ter­min ent­sandt. Dabei kann offen blei­ben, ob die­se Unter­be­voll­mäch­tig­te objek­tiv zur Auf­klä­rung des Tat­be­stan­des aus­rei­chend in der Lage war. Aller­dings muss ein nach § 141 Abs. 3 ZPO benann­ter Ver­tre­ter sich nicht auf jede neue kon­kre­te Behaup­tung ein­las­sen kön­nen 7. Jeden­falls hat die Beschwer­de­füh­re­rin zunächst aus ihrer Sicht alles Erfor­der­li­che getan, um der Anord­nung des Gerichts nach­zu­kom­men, nach­dem sie auch schon vor dem Ter­min schrift­sätz­lich zur Kla­ge Stel­lung genom­men hat­te, ohne vom Arbeits­ge­richt (zutref­fend: § 47 Abs. 2 ArbGG) dazu auf­ge­for­dert zu sein und mit der Ladung zum Güte­ter­min kei­ne wei­te­ren kon­kre­ten Fra­gen ver­bun­den waren, die in die­sem Ter­min hät­ten auf­ge­klärt wer­den sol­len. Wenn in die­ser kon­kre­ten Lage die Pro­zess­be­voll­mäch­tig­te der Beschwer­de­füh­re­rin – wie sie in der Beschwer­de­be­grün­dung vor dem Arbeits­ge­richt vor­ge­tra­gen hat – die­ser ver­si­chert, ange­sichts der Bestel­lung einer Ver­tre­te­rin nach § 141 Abs. 3 ZPO brau­che der Geschäfts­füh­rer nicht zum Ter­min zu erschei­nen, ist ein feh­len­des Ver­schul­den im vor­lie­gen­den Ein­zel­fall nahe­lie­gend 8. Mit die­sem Aspekt hat sich das Arbeits­ge­richt nicht – auch nicht in sei­ner Nicht­ab­hil­fe­ent­schei­dung – aus­ein­an­der­ge­setzt. Aus dem Vor­trag im Beschwer­de­ver­fah­ren lässt sich ein Ver­schul­den der Beklag­ten nicht ablei­ten, wes­halb sich die Ver­hän­gung eines Ord­nungs­gel­des als ermes­sens­feh­ler­haft erweist.
Der unvor­be­rei­te­te anwalt­li­che Ter­mins­ver­tre­ter der… Bei unzu­rei­chen­der Ter­mins­wahr­neh­mung durch den anwalt­li­chen Par­tei­ver­tre­ter kann es gebo­ten sein, das per­sön­li­che Erschei­nen des Vor­stands­vor­sit­zen­den einer Ver­si­che­rungs­ge­sell­schaft anzu­ord­nen und nach des­sen Aus­blei­ben ein hohes Ord­nungs­geld (hier: 1.000, – €)…
Die im Ter­min nicht erschie­ne­ne Par­tei – und kein Ord­nungs­geld Die Fest­set­zung von Ord­nungs­geld nach § 51 Abs. 1 Satz 2 ArbGG, § 141 Abs. 3 ZPO gegen die im Ter­min aus­ge­blie­be­ne Par­tei kommt nicht in Betracht, wenn der Rechts­streit…
Ermä­ßig­ter Steu­er­satz bei stun­den­wei­ser Ver­mie­tung von… Die stun­den­wei­se Über­las­sung von Hotel­zim­mern unter­liegt nicht dem ermä­ßig­ten Umsatz­steu­er­satz gemäß § 12 Abs. 2 Nr. 11 UStG unab­hän­gig davon, ob die Zim­mer an Pro­sti­tu­ier­te oder deren Kun­den ver­mie­tet wer­den.…
Ord­nungs­geld gegen den nicht erschie­ne­nen Zeu­gen nach Erle­di­gung… Die öffent­lich-recht­li­che Pflicht des ord­nungs­ge­mäß gela­de­nen Zeu­gen, zum Ter­min zu erschei­nen, hat im Fal­le sei­nes Aus­blei­bens zur Fol­ge, dass dem Zeu­gen die dadurch ver­ur­sach­ten Kos­ten auf­er­legt wer­den und gegen ihn…
vgl. zusam­men­fas­send OLG Hamm 10.12 2012 – 18 W 42/​12, Rn. 6, NJW-RR 2013, 575 f., m.w.N.; Ger­mel­mann, ArbGG, 8. Auf­la­ge 2013, § 51 Rn. 22; seit der Neu­auf­la­ge auch Zöl­ler-Gre­ger, ZPO, 30. Auf­la­ge 2014, § 141 Rn. 14↩
vgl. OLG Hamm, a.a.O.↩
vgl. hier­zu und zum Fol­gen­den: Musielak-Stad­ler, ZPO, 10. Auf­la­ge 2013, § 141 Rn. 13↩
vgl. Wie­czo­rek /​Schütze, ZPO, 4. Auf­la­ge 2013, § 141 Rn. 63↩
vgl. BGH 22.06.2011 – I ZB 77/​10 – NJW-RR 2011, 1363; vgl. auch BAG 20.08.2007 – 3 AZB 50/​05 – NJW 2008, 252 f.↩
vgl. BGH 22.06.2011, a.a.O.↩
vgl. OLG Schles­wig – 16 W 25/​01 – OLGR Schles­wig 2001, 257↩
vgl. auch Tho­mas /Put­zo-Reichold, ZPO, 33. Auf­la­ge 2012, § 141 Rn. 6↩