Source: http://www.hensche.de/Urteile_Arbeitsrecht_Schadensersatz_geschlechtsbezogene_Diskriminierung_keine_Pflicht_zum_Strafschadensersatz_EuGH_C-407-14_Camacho_u.html
Timestamp: 2020-02-23 09:45:39
Document Index: 279664800

Matched Legal Cases: ['Art. 18', 'Art. 6', 'Art. 6', 'Art. 34', 'Art. 1', 'Art. 14', 'Art. 18', 'Art. 25', 'Art. 27', 'Art. 10', 'Art. 18', 'Art. 18', 'Art. 18', 'Art. 6', 'Art. 6', 'Art. 6', 'Art. 6', 'Art. 6', 'Art. 6', 'Art. 18', 'Art. 6', 'Art. 18', 'Art. 6', 'Art. 25', 'Art. 18', 'Art. 25', 'Art. 25', 'Art. 27', 'Art. 25', 'Art. 18']

1 Das Vor­ab­ent­schei­dungs­er­su­chen be­trifft die Aus­le­gung von Art. 18 der Richt­li­nie 2006/54/EG des Eu­ropäischen Par­la­ments und des Ra­tes vom 5. Ju­li 2006 zur Ver­wirk­li­chung des Grund­sat­zes der Chan­cen­gleich­heit und Gleich­be­hand­lung von Männern und Frau­en in Ar­beits- und Beschäfti­gungs­fra­gen (ABl. L 204, S. 23).
2 Es er­geht im Rah­men ei­nes Rechts­streits zwi­schen Frau Ar­jo­na Ca­ma­cho und der Se­cu­ri­tas Se­gu­ri­dad Es­paña SA (im Fol­gen­den: Se­cu­ri­tas Se­gu­ri­dad Es­paña) we­gen der Gewährung von Straf­scha­dens­er­satz an Frau Ar­jo­na Ca­ma­cho nach ih­rer ei­ne Dis­kri­mi­nie­rung auf­grund des Ge­schlechts dar­stel­len­den Ent­las­sung.
3 Art. 6 der Richt­li­nie 76/207/EWG des Ra­tes vom 9. Fe­bru­ar 1976 zur Ver­wirk­li­chung des Grund­sat­zes der Gleich­be­hand­lung von Männern und Frau­en hin­sicht­lich des Zu­gangs zur Beschäfti­gung, zur Be­rufs­bil­dung und zum be­ruf­li­chen Auf­stieg so­wie in Be­zug auf die Ar­beits­be­din­gun­gen (ABl. L 39, S. 40) be­stimm­te in sei­ner ursprüng­li­chen Fas­sung:
4 Die Richt­li­nie 76/207 wur­de durch die Richt­li­nie 2002/73/EG des Eu­ropäischen Par­la­ments und des Ra­tes vom 23. Sep­tem­ber 2002 (ABl. L 269, S. 15) geändert. Der 18. Erwägungs­grund der Richt­li­nie 2002/73 lau­tet:
5 Art. 6 der Richt­li­nie 76/207 wur­de durch die Richt­li­nie 2002/73 wie folgt neu ge­fasst:
7 Nach Art. 34 Abs. 1 der Richt­li­nie 2006/54 hob sie die Richt­li­nie 76/207 mit Wir­kung vom 15. Au­gust 2009 auf.
8 In den Erwägungs­gründen 1, 33 und 35 der Richt­li­nie 2006/54 heißt es:
9 Art. 1 die­ser Richt­li­nie be­stimmt:
10 Art. 14 („Dis­kri­mi­nie­rungs­ver­bot“) Abs. 1 Buchst. c die­ser Richt­li­nie sieht vor:
11 Art. 18 („Scha­den­er­satz oder Entschädi­gung“) die­ser Richt­li­nie lau­tet:
12 Art. 25 („Sank­tio­nen“) der Richt­li­nie 2006/54 be­stimmt:
13 Art. 27 („Min­dest­an­for­de­run­gen“) Abs. 1 die­ser Richt­li­nie lau­tet:
14 Art. 10 („Rechts­fol­gen dis­kri­mi­nie­ren­der Ver­hal­tens­wei­sen“) des Or­gan­ge­set­zes 3/2007 zur tatsächli­chen Gleich­stel­lung von Frau­en und Männern (Ley Orgáni­ca 3/2007 pa­ra la iguald­ad efec­tiva de mu­je­res y hom­bres) vom 22. März 2007 (BOE Nr. 71 vom 23. März 2007, S. 12611) be­stimmt:
16 Frau Ar­jo­na Ca­ma­cho wur­de am 1. Ju­li 2012 von Se­cu­ri­tas Se­gu­ri­dad Es­paña als Si­cher­heits­be­diens­te­te für ei­ne Voll­zeittätig­keit in ei­ner Ju­gend­straf­voll­zugs­an­stalt in Córdo­ba (Spa­ni­en) ein­ge­stellt. Sie wur­de am 24. April 2014 ent­las­sen.
17 Da sie mit ih­rer Kündi­gung nicht ein­ver­stan­den war, be­an­trag­te Frau Ar­jo­na Ca­ma­cho am 6. Mai 2014 bei der Schieds­stel­le für ar­beits­recht­li­che Strei­tig­kei­ten in Córdo­ba die Durchführung ei­nes Güte­ver­fah­rens mit ih­rer Ar­beit­ge­be­rin. Die­ses blieb er­geb­nis­los.
19 Hier­zu mach­te Frau Ar­jo­na Ca­ma­cho im Haupt­an­trag gel­tend, dass ih­re Kündi­gung u. a. ei­ne Dis­kri­mi­nie­rung auf­grund des Ge­schlechts dar­stel­le. Sie for­der­te Scha­dens­er­satz in Höhe von 6 000 Eu­ro für den er­lit­te­nen Scha­den.
20 Das vor­le­gen­de Ge­richt teilt mit, dass es da­von aus­ge­he, dass die Kündi­gung von Frau Ar­jo­na Ca­ma­cho ei­ne Dis­kri­mi­nie­rung auf­grund des Ge­schlechts dar­stel­le und dass es in dem Ur­teil, das es nach der Ant­wort des Ge­richts­hofs verkünden wer­de, die Be­weis­mit­tel dar­le­gen wer­de, auf de­nen die­se Fest­stel­lung be­ru­he.
21 Des Wei­te­ren wer­de sein zu er­las­sen­des Ur­teil auch nähe­re An­ga­ben zu den Gründen ent­hal­ten, aus de­nen es da­von aus­ge­he, dass ein Be­trag in Höhe von 3 000 Eu­ro als Scha­dens­er­satz für den vollständi­gen Aus­gleich des von Frau Ar­jo­na Ca­ma­cho we­gen ih­rer Kündi­gung auf­grund des Ge­schlechts er­lit­te­nen Scha­dens aus­rei­che.
22 Al­ler­dings stellt sich das vor­le­gen­de Ge­richt die Fra­ge, ob es Frau Ar­jo­na Ca­ma­cho in An­wen­dung von Art. 18 der Richt­li­nie 2006/54, wo­nach der Scha­den auf ei­ne ab­schre­cken­de Art und Wei­se aus­zu­glei­chen oder zu er­set­zen ist, über den vollständi­gen Aus­gleich des von ihr er­lit­te­nen Scha­dens hin­aus­ge­hen­den Scha­dens­er­satz in Form von Straf­scha­dens­er­satz zu­er­ken­nen muss, um für ih­re ehe­ma­li­ge Ar­beit­ge­be­rin und für an­de­re Ar­beit­ge­ber ein Ex­em­pel zu sta­tu­ie­ren.
23 Das vor­le­gen­de Ge­richt weist dar­auf hin, dass es den Be­griff „Straf­scha­dens­er­satz“ im spa­ni­schen Recht nicht gibt.
24 Un­ter die­sen Umständen hat der Juz­ga­do de lo So­ci­al n° 1 de Córdo­ba (Ge­richt für So­zi­al- und Ar­beits­sa­chen Nr. 1 von Córdo­ba) be­schlos­sen, das Ver­fah­ren aus­zu­set­zen und dem Ge­richts­hof fol­gen­de Fra­ge zur Vor­ab­ent­schei­dung vor­zu­le­gen:
25 Mit sei­ner Fra­ge möch­te das vor­le­gen­de Ge­richt wis­sen, ob Art. 18 der Richt­li­nie 2006/54 da­hin aus­zu­le­gen ist, dass ei­ner Per­son, da­mit der ihr durch ei­ne Dis­kri­mi­nie­rung auf­grund des Ge­schlechts ent­stan­de­ne Scha­den tatsächlich und wirk­sam auf ei­ne ab­schre­cken­de Art und Wei­se aus­ge­gli­chen oder er­setzt wird, über Scha­dens­er­satz als Aus­gleich hin­aus auch Straf­scha­dens­er­satz zu­zu­spre­chen ist.
26 Nach Art. 18 der Richt­li­nie 2006/54 tref­fen die Mit­glied­staa­ten im Rah­men ih­rer na­tio­na­len Rechts­ord­nun­gen die er­for­der­li­chen Maßnah­men, um si­cher­zu­stel­len, dass der ei­ner Per­son durch ei­ne Dis­kri­mi­nie­rung auf­grund des Ge­schlechts ent­stan­de­ne Scha­den - je nach den Rechts­vor­schrif­ten der Mit­glied­staa­ten - tatsächlich und wirk­sam aus­ge­gli­chen oder er­setzt wird, wo­bei dies auf ei­ne ab­schre­cken­de und dem er­lit­te­nen Scha­den an­ge­mes­se­ne Art und Wei­se ge­sche­hen muss und ein sol­cher Aus­gleich nur dann durch ei­ne im Vor­aus fest­ge­leg­te Höchst­gren­ze be­grenzt wer­den kann, wenn die Berück­sich­ti­gung ei­ner Be­wer­bung ver­wei­gert wur­de.
27 Die­se Be­stim­mung gibt den Wort­laut von Art. 6 Abs. 2 der Richt­li­nie 76/207 in der durch die Richt­li­nie 2002/73 geänder­ten Fas­sung wie­der.
28 Wie aus dem 18. Erwägungs­grund der Richt­li­nie 2002/73 her­vor­geht, änder­te die­se Art. 6 der Richt­li­nie 76/207, um der Recht­spre­chung des Ge­richts­hofs, ins­be­son­de­re den Ur­tei­len Mar­shall (C-271/91, EU:C:1993:335) und Draehm­pa­ehl (C-180/95, EU:C:1997:208), Rech­nung zu tra­gen.
29 In die­sem Zu­sam­men­hang ist dar­auf hin­zu­wei­sen, dass der Ge­richts­hof im Rah­men der Aus­le­gung von Art. 6 der Richt­li­nie 76/207, die durch die Richt­li­nie 2006/54 auf­ge­ho­ben und er­setzt wur­de, fest­ge­stellt hat, dass die Mit­glied­staa­ten die Maßnah­men tref­fen müssen, die not­wen­dig sind, da­mit je­der, der sich durch ei­ne die­ser Richt­li­nie zu­wi­der­lau­fen­de Dis­kri­mi­nie­rung für be­schwert hält, sei­ne Rech­te ge­richt­lich gel­tend ma­chen kann. Zu die­ser Ver­pflich­tung gehört es, dass die­se Maßnah­men so wirk­sam sind, dass das Ziel der Richt­li­nie 76/207 er­reicht wird, und dass sich die be­trof­fe­nen Per­so­nen vor den na­tio­na­len Ge­rich­ten tatsächlich auf sie be­ru­fen können (vgl. Ur­tei­le Mar­shall, C-271/91, EU:C:1993:335, Rn. 22, und Paquay, C-460/06, EU:C:2007:601, Rn. 43).
30 Nach der Recht­spre­chung des Ge­richts­hofs schreibt Art. 6 der Richt­li­nie 76/207 den Mit­glied­staa­ten im Fall ei­ner Ver­let­zung des Dis­kri­mi­nie­rungs­ver­bots kei­ne be­stimm­te Maßnah­me vor, son­dern belässt den Mit­glied­staa­ten nach Maßga­be der un­ter­schied­li­chen denk­ba­ren Sach­ver­hal­te die Frei­heit der Wahl un­ter den ver­schie­de­nen, zur Ver­wirk­li­chung des Ziels die­ser Richt­li­nie ge­eig­ne­ten Lösun­gen (vgl. Ur­tei­le von Col­son und Ka­mann, 14/83, EU:C:1984:153, Rn. 18, Mar­shall, C-271/91, EU:C:1993:335, Rn. 23, und Paquay, C-460/06, EU:C:2007:601, Rn. 44).
31 Die Maßnah­men, durch die tatsächli­che Chan­cen­gleich­heit wie­der­her­ge­stellt wer­den kann, müssen je­doch ei­nen tatsächli­chen und wirk­sa­men Rechts­schutz gewähr­leis­ten und ei­ne wirk­lich ab­schre­cken­de Wir­kung ge­genüber dem Ar­beit­ge­ber ha­ben (vgl. Ur­tei­le von Col­son und Ka­mann, 14/83, EU:C:1984:153, Rn. 23 und 24, Draehm­pa­ehl, C-180/95, EU:C:1997:208, Rn. 25, und Paquay, C-460/06, EU:C:2007:601, Rn. 45).
32 Die­se Er­for­der­nis­se ma­chen die Berück­sich­ti­gung der Be­son­der­hei­ten je­des ein­zel­nen Fal­les ei­ner Ver­let­zung des Gleich­heits­grund­sat­zes not­wen­dig. Im Fall ei­ner dis­kri­mi­nie­ren­den Ent­las­sung kann je­doch die Gleich­heit oh­ne Wie­der­ein­stel­lung der dis­kri­mi­nier­ten Per­son oder aber fi­nan­zi­el­len Aus­gleich des ihr ent­stan­de­nen Scha­dens nicht wie­der­her­ge­stellt wer­den (Ur­teil Mar­shall, C-271/91, EU:C:1993:335, Rn. 25).
33 Wird schließlich als Maßnah­me zur Er­rei­chung des Ziels der Wie­der­her­stel­lung tatsäch­li­cher Chan­cen­gleich­heit die fi­nan­zi­el­le Wie­der­gut­ma­chung gewählt, so muss die­se an­ge­mes­sen in dem Sin­ne sein, dass sie es er­laubt, die durch die dis­kri­mi­nie­ren­de Ent­las­sung tatsächlich ent­stan­de­nen Schäden gemäß den an­wend­ba­ren staat­li­chen Re­geln in vol­lem Um­fang aus­zu­glei­chen (vgl. Ur­tei­le Mar­shall, C-271/91, EU:C:1993:335, Rn. 26, und Paquay, C-460/06, EU:C:2007:601, Rn. 46).
34 Folg­lich ging aus Art. 6 der Richt­li­nie 76/207 in sei­ner ursprüng­li­chen wie in sei­ner geänder­ten Fas­sung so­wie aus der in den Rn. 29 bis 33 des vor­lie­gen­den Ur­teils an­geführ­ten Recht­spre­chung des Ge­richts­hofs her­vor, dass die wirk­lich ab­schre­cken­de Wir­kung, die durch die­sen Art. 6 er­reicht wer­den soll­te, nicht be­deu­te­te, ei­ner Per­son, der durch ei­ne Dis­kri­mi­nie­rung auf­grund des Ge­schlechts ein Scha­den ent­stan­den war, Straf­scha­dens­er­satz zu­zu­er­ken­nen, der über den vollständi­gen Aus­gleich des ihr tatsächlich ent­stan­de­nen Scha­dens hin­aus­geht und ei­ne Sank­ti­ons­maßnah­me dar­stellt.
35 Die­se Fest­stel­lung wird da­durch bestätigt, dass bei ei­ner dis­kri­mi­nie­ren­den Ent­las­sung der in fi­nan­zi­el­ler Form gewähr­te Scha­dens­aus­gleich, wie in Rn. 32 des vor­lie­gen­den Ur­teils an­ge­ge­ben, ei­ne Al­ter­na­ti­ve dar­stellt.
36 Wie der Ge­ne­ral­an­walt in Nr. 32 sei­ner Schluss­anträge aus­geführt hat, ist kei­ne we­sent­li­che Ände­rung im Uni­ons­recht ein­ge­tre­ten, die da­zu führ­te, dass Art. 18 der Richt­li­nie 2006/54 in­so­weit an­ders aus­zu­le­gen wäre als Art. 6 der Richt­li­nie 76/207.
37 Da­mit der durch ei­ne Dis­kri­mi­nie­rung auf­grund des Ge­schlechts ent­stan­de­ne Scha­den tatsächlich und wirk­sam aus­ge­gli­chen oder er­setzt wird, wo­bei dies auf ei­ne ab­schre­cken­de und an­ge­mes­se­ne Art und Wei­se ge­sche­hen muss, ver­pflich­tet Art. 18 der Richt­li­nie 2006/54 wie schon Art. 6 der Richt­li­nie 76/207 die Mit­glied­staa­ten, die die fi­nan­zi­el­le Form wählen, da­her, im Rah­men ih­rer na­tio­na­len Rechts­ord­nun­gen Maßnah­men zu tref­fen, die - je nach den Rechts­vor­schrif­ten der Mit­glied­staa­ten - die Zah­lung von Scha­dens­er­satz an den Geschädig­ten vor­se­hen, der den ent­stan­de­nen Scha­den vollständig deckt, sieht aber kei­ne Zah­lung von Straf­scha­dens­er­satz vor.
38 Im Übri­gen le­gen die Mit­glied­staa­ten gemäß Art. 25 der Richt­li­nie 2006/54 die Re­geln für die Sank­tio­nen fest, die bei ei­nem Ver­s­toß ge­gen die ein­zel­staat­li­chen Vor­schrif­ten zur Um­set­zung die­ser Richt­li­nie zu verhängen sind, und tref­fen al­le er­for­der­li­chen Maßnah­men, um de­ren An­wen­dung zu gewähr­leis­ten. Außer­dem müssen nach die­ser Be­stim­mung die Sank­tio­nen, die „auch Scha­den­er­satz­leis­tun­gen an die Op­fer um­fas­sen können“, wirk­sam, verhält­nismäßig und ab­schre­ckend sein.
39 Während durch Art. 18 der Richt­li­nie 2006/54 ei­ne Entschädi­gung oder ein Aus­gleich für den dem Geschädig­ten ent­stan­de­nen Scha­den vor­ge­schrie­ben wer­den soll, ist dem Wort­laut von Art. 25 die­ser Richt­li­nie al­so zu ent­neh­men, dass er den Mit­glied­staa­ten die Möglich­keit zum Er­lass von Maßnah­men einräumt, mit de­nen ei­ne Dis­kri­mi­nie­rung auf­grund des Ge­schlechts in Form von dem Op­fer zu­er­kann­tem Scha­dens­er­satz ge­ahn­det wer­den soll.
40 So­mit er­laubt Art. 25 der Richt­li­nie 2006/54 den Mit­glied­staa­ten, Maßnah­men zu tref­fen, die die Zah­lung von Straf­scha­dens­er­satz an das Op­fer ei­ner Dis­kri­mi­nie­rung auf­grund des Ge­schlechts vor­se­hen, ver­pflich­tet sie aber nicht da­zu.
41 Im sel­ben Sin­ne be­stimmt Art. 27 Abs. 1 die­ser Richt­li­nie, dass die Mit­glied­staa­ten Vor­schrif­ten er­las­sen oder bei­be­hal­ten können, die im Hin­blick auf die Wah­rung des Gleich­be­hand­lungs­grund­sat­zes güns­ti­ger als die in die­ser Richt­li­nie vor­ge­se­he­nen Vor­schrif­ten sind.
42 Im vor­lie­gen­den Fall weist das vor­le­gen­de Ge­richt dar­auf hin, dass es den Be­griff „Straf­scha­dens­er­satz“ im spa­ni­schen Recht nicht gibt.
43 Art. 25 der Richt­li­nie 2006/54 sieht un­ter sol­chen Umständen - wenn es kei­ne Be­stim­mung des na­tio­na­len Rechts gibt, auf de­ren Grund­la­ge Straf­scha­dens­er­satz an ei­ne durch ei­ne Dis­kri­mi­nie­rung auf­grund des Ge­schlechts geschädig­te Per­son ge­zahlt wer­den kann - nicht vor, dass der na­tio­na­le Rich­ter den­je­ni­gen, von dem die­se Dis­kri­mi­nie­rung aus­geht, selbst zu ei­nem sol­chen Scha­dens­er­satz ver­ur­tei­len kann.
44 Außer­dem ist, an­ge­nom­men, ein Mit­glied­staat be­sch­ließt den Er­lass von Maßnah­men, die die Zu­er­ken­nung von Straf­scha­dens­er­satz an die dis­kri­mi­nier­te Per­son ermögli­chen, die Be­stim­mung der Kri­te­ri­en für die Er­mitt­lung des Um­fangs der Sank­ti­on Auf­ga­be des in­ner­staat­li­chen Rechts des ein­zel­nen Mit­glied­staats, wo­bei der Äqui­va­lenz- und der Ef­fek­ti­vitäts­grund­satz zu be­ach­ten sind (vgl. ent­spre­chend Ur­tei­le Man­fre­di u. a., C-295/04 bis C-298/04, EU:C:2006:461, Rn. 92, Do­nau Che­mie u. a., C-536/11, EU:C:2013:366, Rn. 25 bis 27, und Hir­mann, C-174/12, EU:C:2013:856, Rn. 40).
45 Nach al­le­dem ist auf die Vor­la­ge­fra­ge zu ant­wor­ten, dass Art. 18 der Richt­li­nie 2006/54 da­hin aus­zu­le­gen ist, dass er, da­mit der durch ei­ne Dis­kri­mi­nie­rung auf­grund des Ge­schlechts ent­stan­de­ne Scha­den tatsächlich und wirk­sam aus­ge­gli­chen oder er­setzt wird, wo­bei dies auf ei­ne ab­schre­cken­de und an­ge­mes­se­ne Art und Wei­se ge­sche­hen muss, die Mit­glied­staa­ten, die die fi­nan­zi­el­le Form wählen, ver­pflich­tet, im Rah­men ih­rer na­tio­na­len Rechts­ord­nun­gen - je nach ih­ren Rechts­vor­schrif­ten - Maßnah­men zu tref­fen, die die Zah­lung von Scha­dens­er­satz an den Geschädig­ten vor­se­hen, der den ent­stan­de­nen Scha­den vollständig deckt.
46 Für die Par­tei­en des Aus­gangs­ver­fah­rens ist das Ver­fah­ren ein Zwi­schen­streit in dem beim vor­le­gen­den Ge­richt anhängi­gen Rechts­streit; die Kos­ten­ent­schei­dung ist da­her Sa­che die­ses Ge­richts. Die Aus­la­gen an­de­rer Be­tei­lig­ter für die Ab­ga­be von Erklärun­gen vor dem Ge­richts­hof sind nicht er­stat­tungsfähig.
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