Source: https://www.rechtslupe.de/wirtschaftsrecht/kostenvergleich-bei-honorarfactoring-365288
Timestamp: 2020-01-18 01:35:40
Document Index: 116400176

Matched Legal Cases: ['§ 6', '§ 6', '§ 6', '§ 5', '§ 5', '§ 5', 'Art. 4', 'Art. 7', 'EuG', '§ 6', 'BGH', '§ 5']

Kos­ten­ver­gleich bei Hono­rar­fac­to­ring | Rechtslupe
Kos­ten­ver­gleich bei Hono­rar­fac­to­ring
Wen­det sich ein Unter­neh­mer dage­gen, dass ein von ihm an einen bestimm­ten Kun­den gerich­te­tes Ange­bot für einen Preis­ver­gleich ver­wen­det wird, trägt er jeden­falls im Bereich stan­dar­di­sier­ter Dienst­leis­tun­gen (hier: Fac­to­ring ärzt­li­cher Hono­rar­for­de­run­gen) grund­sätz­lich die Dar­le­gungs- und Beweis­last dafür, dass der für ihn im Preis­ver­gleich genann­te Preis nicht sein in ent­spre­chen­den Fäl­len regel­mä­ßig ver­lang­ter Preis ist.
Die Dar­le­gungs­pflicht ist dabei begrenzt auf die Offen­le­gung reprä­sen­ta­ti­ver Bei­spie­le für die Preis­bil­dung, die sich auf die­sel­ben Leis­tungs­merk­ma­le wie der Preis­ver­gleich bezie­hen.
Der bean­stan­de­te Kos­ten­ver­gleich der beklag­ten ärzt­li­chen Ver­rech­nungs­stel­le ist eine ver­glei­chen­de Wer­bung im Sin­ne von § 6 Abs. 1 UWG. Die­se Wer­bung ist nicht nach § 6 Abs. 2 UWG unlau­ter. Ins­be­son­de­re ver­letzt die Aus­wahl nur eines bestimm­ten Ange­bots für den Preis­ver­gleich nicht das Objek­ti­vi­täts­er­for­der­nis für ver­glei­chen­de Wer­bung gemäß § 6 Abs. 2 Nr. 2 UWG 1. Der Kos­ten­ver­gleich ver­stößt aber eben­so wenig gegen das Irre­füh­rungs­ver­bot des § 5 Abs. 1 UWG.
Nach § 5 Abs. 3 UWG gilt das Irre­füh­rungs­ver­bot des § 5 Abs. 1 UWG auch für ver­glei­chen­de Wer­bung. Die­se Rege­lung setzt Art. 4 Buchst. a RL 2006/​114 um und steht im Ein­klang mit dem Uni­ons­recht. Auch ein sach­lich zutref­fen­der Ver­gleich kann irre­füh­rend sein, bei­spiels­wei­se wenn er auf­grund ein­sei­ti­ger Aus­wahl der ver­gli­che­nen Eigen­schaf­ten bei den Adres­sa­ten einen unzu­tref­fen­den Ein­druck erwe­cken kann 2. Durch eine grund­sätz­lich zuläs­si­ge Wer­bung mit bestimm­ten Ein­zel­an­ge­bo­ten darf daher kein irre­füh­ren­der Ein­druck ent­ste­hen.
Die Unrich­tig­keit einer ange­grif­fe­nen Wer­be­aus­sa­ge ist eine anspruchs­be­grün­den­de Tat­sa­che, die grund­sätz­lich vom Klä­ger zu bewei­sen ist. Aller­dings müs­sen die Zivil­ge­rich­te der Mit­glied­staa­ten nach Art. 7 Buchst. a RL 2006/​114 die Befug­nis haben, vom Wer­ben­den Bewei­se für die Rich­tig­keit von in der Wer­bung ent­hal­te­nen Tat­sa­chen­be­haup­tun­gen zu ver­lan­gen, wenn ein sol­ches Ver­lan­gen unter Berück­sich­ti­gung der berech­tig­ten Inter­es­sen des Wer­ben­den und ande­rer Ver­fah­rens­be­tei­lig­ter im Hin­blick auf Umstän­de des Ein­zel­falls ange­mes­sen erscheint.
Dem­entspre­chend kön­nen dem Anspruch­stel­ler Dar­le­gungs- und Beweis­erleich­te­run­gen zugu­te­kom­men, soweit es sich um Tat­sa­chen han­delt, die in den Ver­ant­wor­tungs­be­reich des Wer­ben­den fal­len. Das ist bei der Preis­ge­stal­tung der Klä­ge­rin aber nicht der Fall. Wie auch das Beru­fungs­ge­richt erkannt hat, kann die Klä­ge­rin die­se Fra­ge offen­sicht­lich bes­ser als die Beklag­te auf­klä­ren. Daher ist der vor­lie­gen­de Fall nicht mit Ver­fah­ren ver­gleich­bar, in denen ein Anspruch­stel­ler eine Wer­bung mit einer Gegen­über­stel­lung eige­ner Prei­se des Wer­ben­den – des nun­mehr gefor­der­ten mit einem angeb­li­chen frü­he­ren Preis – als irre­füh­rend bean­stan­det. Denn dabei han­delt es sich um einen Sach­ver­halt, bei dem – anders als im Streit­fall – der Wer­ben­de ohne wei­te­res die ent­spre­chen­den Anga­ben machen kann, weil sie sei­ne eige­ne Preis­ge­stal­tung betref­fen 3.
Auch eine ande­re in der Recht­spre­chung aner­kann­te Fall­grup­pe von Beweis­erleich­te­run­gen zuguns­ten des Klä­gers liegt nicht vor 4.
Jeden­falls im Bereich stan­dar­di­sier­ter Dienst­leis­tun­gen gibt es kei­nen Anlass, einen wei­te­ren Fall der Beweis­erleich­te­rung zuguns­ten des Klä­gers anzu­er­ken­nen, wenn der Beklag­te eine Preis­an­ga­be aus einem indi­vi­du­el­len Ange­bot des Klä­gers ent­nimmt und zur Grund­la­ge eines Preis­ver­gleichs macht.
Bei stan­dar­di­sier­ten Dienst­leis­tun­gen, zu denen außer typi­schen Hand­werks­leis­tun­gen etwa auch im Mas­sen­ge­schäft ange­bo­te­ne Finanz­pro­duk­te zäh­len, kann regel­mä­ßig ange­nom­men wer­den, dass die an einen bestimm­ten Kun­den gerich­te­ten "indi­vi­du­el­len Ange­bo­te" eines bestimm­ten Anbie­ters bei glei­chen Leis­tungs­merk­ma­len in der Regel – und vor­be­halt­lich even­tu­ell spä­ter ein­ge­räum­ter Rabat­te – preis­lich gleich gestal­tet wer­den. Zu die­sen stan­dar­di­sier­ten Dienst­leis­tun­gen gehört grund­sätz­lich auch das Fac­to­ring frei­be­ruf­li­cher Hono­rar­for­de­run­gen. Dem­entspre­chend hat die Beklag­te vor­ge­tra­gen, Fac­to­ring­Un­ter­neh­men hät­ten übli­cher­wei­se eine fes­te Preis­struk­tur, eben­so wie jeder Tele­fon­an­bie­ter eine gewis­se Tarif­struk­tur habe; von Rabat­ten abge­se­hen wür­den die Prei­se nicht indi­vi­du­ell ver­ein­bart.
Auch berech­tig­te Inter­es­sen der Klä­ge­rin an der Geheim­hal­tung von Geschäfts­ge­heim­nis­sen recht­fer­ti­gen in der vor­lie­gen­den Fall­kon­stel­la­ti­on kei­ne Beweis­last­um­kehr zu Las­ten der Beklag­ten. Die Klä­ge­rin wird nicht zur Offen­le­gung ihrer Kos­ten­struk­tur oder Kal­ku­la­ti­on gezwun­gen, wenn sie bewei­sen muss, dass der für sie im Preis­ver­gleich genann­te Preis nicht ihr in ent­spre­chen­den Fäl­len regel­mä­ßig ver­lang­ter Preis ist. Denn der gefor­der­te Preis sagt als sol­cher nichts über die Geste­hungs­kos­ten und deren Zusam­men­set­zung aus.
Aller­dings ist grund­sätz­lich auch ein Inter­es­se des Unter­neh­mers an der Geheim­hal­tung von Preis­an­ge­bo­ten anzu­er­ken­nen, die er poten­ti­el­len Kun­den unter­brei­tet. Ist ein sol­ches Ange­bot zum Kun­den gelangt, besteht für die­sen aber regel­mä­ßig – man­gels abwei­chen­der Ver­ein­ba­run­gen – kei­ne Ver­pflich­tung, des­sen Inhalt geheim­zu­hal­ten. Erfährt ein Wett­be­wer­ber von einem sol­chen Preis, kann er ihn auch in einer grund­sätz­lich zuläs­si­gen ver­glei­chen­den Wer­bung ver­wen­den.
Dem Dr. U. unter­brei­te­ten Ange­bot waren kei­ne Anhalts­punk­te dafür zu ent­neh­men, dass es nicht den für alle Neu­kun­den mit ent­spre­chen­den Merk­ma­len gel­ten­den Preis der Klä­ge­rin ent­hielt. Ein güns­ti­ge­rer Preis war nur unter der Vor­aus­set­zung der Mit­glied­schaft in bestimm­ten Berufs­or­ga­ni­sa­tio­nen ange­bo­ten. Dar­auf muss­te die Beklag­te in ihrer Wer­bung aber eben­so wenig Rück­sicht neh­men wie auf ande­ren Kun­den mög­li­cher­wei­se gewähr­te Son­der- oder Treu­er­abat­te.
Daher hat­te die Klä­ge­rin dar­zu­le­gen und zu bewei­sen, dass sie im maß­geb­li­chen Zeit­punkt im Som­mer 2009 ihren Kun­den bei den­sel­ben Leis­tungs­merk­ma­len tat­säch­lich von dem Ange­bot an Dr. U. abwei­chen­de, güns­ti­ge­re Prei­se ange­bo­ten oder berech­net hat.
Ein schutz­wür­di­ges Geheim­hal­tungs­in­ter­es­se der Klä­ge­rin an die­sen Daten ist nicht anzu­er­ken­nen. Ihre Dar­le­gungs­pflicht ist ange­mes­sen begrenzt auf die Offen­le­gung reprä­sen­ta­ti­ver Bei­spie­le für die Preis­bil­dung, die sich auf die­sel­ben Leis­tungs­merk­ma­le wie der Preis­ver­gleich bezie­hen. Die Preis­struk­tur der Klä­ge­rin wird dadurch nicht deut­lich. Es bleibt offen, wie sich ihr Preis in Abhän­gig­keit von wel­chen Para­me­tern ver­än­dert. Zudem ist es der Ent­schei­dung der Klä­ge­rin über­las­sen, ob sie sich gegen den Kos­ten­ver­gleich der Beklag­ten wen­det. Ent­schließt sie sich aber dazu, obliegt es ihr auch, die anspruchs­be­grün­den­den Tat­sa­chen vor­zu­tra­gen.
Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 20. Febru­ar 2013 – I ZR 175/​11
vgl. EuGH, Urteil vom 08.04.2003 – C‑44/​01, Slg. 2003, I‑3095 Rn. 81 f. = GRUR 2003, 533 – Pip­pig Augen­op­tik; Köh­ler in Köhler/​Bornkamm, UWG, 31. Aufl., § 6 Rn. 121[↩]
Köh­ler in Köhler/​Bornkamm aaO Rn. 24[↩]
vgl. BGH, Urteil vom 27.11.2003 – I ZR 94/​01, GRUR 2004, 246, 247 = WRP 2004, 343 – Mond­prei­se?[↩]
vgl. Born­kamm in Köhler/​Bornkamm aaO § 5 Rn.03.19, 3.23 ff.[↩]
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