Source: http://m.hensche.de/Rechtsanwalt_Arbeitsrecht_Urteile_Tendenztraeger_LAG-Hamburg_5SaGa5-08.html
Timestamp: 2017-08-20 08:04:04
Document Index: 137859789

Matched Legal Cases: ['§ 102', '§ 102', '§ 14', '§ 69', '§ 102', '§ 69', '§ 313', '§ 102', '§ 102', '§ 118', '§ 118', '§ 118', 'Art. 5', '§ 118', '§ 118', '§ 14', '§ 307', '§ 305', '§ 102', '§ 102', '§ 102', '§ 102', '§\n102', '§ 102', '§ 102', '§ 1', '§ 102', '§ 102', '§ 102', '§ 102', '§ 2', '§ 72']

HENSCHE Arbeitsrecht: 5 SaGa 5/08
Schlag­worte: Tendenzträger
Akten­zeichen: 5 SaGa 5/08
Ent­scheid­ungs­datum: 22.10.2008
5 Sa­Ga 5/08
(24 Ga 4/08 ArbG Ham­burg)
-Verfügungskläge­rin / Be­ru­fungskläge­rin-
-Verfügungs­be­klag­te / Be­ru­fungs­be­klag­te-
auf­grund der münd­li­chen Ver­hand­lung vom 22. Ok­to­ber 2008
Auf die Be­ru­fung der An­trag­stel­le­rin wird das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts Ham­burg vom 26. Au­gust 2008 – 24 Ga 4/08 – ab­geändert:
Die An­trag­stel­le­rin wird gemäß § 102 Abs. 5 Be­trVG per 01. Ok­to­ber 2008 von der Ver­pflich­tung zur Wei­ter­beschäfti­gung der An­trags­geg­ne­rin be­freit.
Die Kos­ten des Ver­fah­rens trägt die An­trags­geg­ne­rin.
Die Verfügungskläge­rin (Kläge­rin), ein Pres­se­un­ter­neh­men, ver­langt im We­ge der einst­wei­li­gen Verfügung die Ent­bin­dung von der Wei­ter­beschäfti­gungs­pflicht der Verfügungs­be­klag­ten (Be­klag­ten) gemäß § 102 Abs. 5 Be­trVG. Die 1955 ge­bo­re­ne Be­klag­te ist seit dem 1. Ok­to­ber 1991 als Schluss­re­dak­teu­rin für ei­ne Pro­gramm­zeit­schrift tätig. Sie verfügt über ein ab­ge­schlos­se­nes Hoch­schul­stu­di­um für das Lehr­amt, ein jour­na­lis­ti­sches Vo­lon­ta­ri­at hat sie nicht ab­sol­viert. Die Be­klag­te ist Be­triebs­rats­mit­glied und war für die Dau­er von ca. 9 Jah­ren bis zum 6. De­zem­ber 2007 frei­ge­stellt.
Mit Schrei­ben vom 29. Ja­nu­ar 2008 hörte die Kläge­rin den bei ihr be­ste­hen­den Be­triebs­rat zu ei­ner frist­gemäßen Kündi­gung der Be­klag­ten an und ver­wies zur Be­gründung auf den von ihr be­schlos­se­nen Weg­fall der Ar­beitsplätze von Schluss­re­dak­teu­ren.
Mit Schrei­ben vom 29. Ja­nu­ar 2008 wi­der­sprach der Be­triebs­rat der be­ab­sich­tig­ten Kündi­gung u.a. mit der Be­gründung, es gäbe meh­re­re na­ment­lich mit ih­ren So­zi­al­da­ten be­nann­te Mit­ar­bei­ter und Mit­ar­bei­te­rin­nen, die mit der Be­klag­ten ver­gleich­bar und so­zi­al stärker sei­en.
Mit Schrei­ben vom 30. Ja­nu­ar 2008 kündig­te die Kläge­rin frist­gemäß zum 30. Sep­tem­ber 2008 und stell­te die Be­klag­te un­ter An­wen­dung der in § 14 des Ar­beits­ver­tra­ges ver­ein­bar­ten Frei­stel­lungs­klau­sel un­ter der dort ge­nann­ten Fort­zah­lung der Vergütung frei.
Mit ih­rer bei Ge­richt am 5. Fe­bru­ar 2008 ein­ge­gan­ge­nen Kla­ge wand­te sich die Be­klag­te ge­gen die Kündi­gung. Mit Schrift­satz vom 3. März 2008 ver­lang­te die Be­klag­te ih­re Wei­ter­beschäfti­gung. Mit nicht rechts­kräfti­gem Teil­ur­teil vom 28. Mai 2008 gab das Ar­beits­ge­richt der Kündi­gungs­schutz­kla­ge statt.
Hin­sicht­lich der wei­te­ren Ein­zel­hei­ten wird auf den Tat­be­stand des ar­beits­ge­richt­li­chen Ur­teils ver­wie­sen, § 69 Abs. 2 ArbGG.
Durch das Ur­teil vom 26. Au­gust 2008 hat das Ar­beits­ge­richt den Ent­bin­dungs­an­trag zurück­ge­wie­sen. Hier­ge­gen rich­tet sich die am 24. Sep­tem­ber 2008 ein­ge­leg­te und so­gleich be­gründe­te Be­ru­fung der Kläge­rin.
das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts Ham­burg vom 26. Au­gust 2008 – 24 Ga 4/08 ab­zuändern
und die Verfügungskläge­rin gemäß § 102 Abs. 5 Be­trVG per 1. Ok­to­ber 2008 von der Wei­ter­beschäfti­gung der Verfügungs­be­klag­ten zu be­frei­en.
Im Übri­gen wird gemäß § 69 Abs. 4 ArbGG i.V.m. § 313 a Abs. 1 ZPO von der wei­te­ren Dar­stel­lung des Tat­be­stan­des ab­ge­se­hen.
II. Die Be­ru­fung ist auch be­gründet. Je­den­falls nach der Glaub­haft­ma­chung in zwei­ter In­stanz hat die Kläge­rin die Vor­aus­set­zun­gen für ei­ne Ent­bin­dung von der Wei­ter­beschäfti­gungs­pflicht im We­ge der einst­wei­li­gen Verfügung gemäß § 102 Abs. 5 Nr. 3 Be­trVG dar­ge­legt.
1. Mit dem Ar­beits­ge­richt geht die Kam­mer da­von aus, dass der Wei­ter­beschäfti­gungs­an­spruch der Be­klag­ten gemäß § 102 Abs. 5 Satz 1 Be­trVG aus­gelöst wur­de, dass we­der der Ten­denz­schutz, noch ei­ne Unmöglich­keit der Beschäfti­gung, noch die ar­beits­ver­trag­li­che Frei­stel­lungs­klau­sel ent­ge­gen­ste­hen.
a. Die Kläge­rin un­terfällt als Un­ter­neh­men, das Pres­se­er­zeug­nis­se her­stellt, dem Schutz des § 118 Abs. 1 Nr. 2 Be­trVG. Die Be­tei­li­gungs­rech­te des Be­triebs­ra­tes müssen aber erst dann zurück­ste­hen, wenn sie die Ten­denz­ver­wirk­li­chung ernst­haft be­ein­träch­ti­gen und da­mit in das Grund­recht der Pres­se­frei­heit ein­grei­fen. Dies kann – wie das Ar­beits­ge­richt zu­tref­fend ausführt – nur der Fall sein, wenn der durch die per­so­nel­le Maßnah­me be­trof­fe­ne Ar­beit­neh­mer Ten­denzträger ist und die per­so­nel­le Maßnah­me ten­denz­be­zo­gen ist.
Beschäftig­te sind Ten­denzträger, wenn die Be­stim­mun­gen und Zwe­cke des je­wei­li­gen in § 118 Abs. 1 Be­trVG ge­nann­ten Un­ter­neh­mens oder Be­triebs für ih­re Tätig­keit prägend sind (BAG 13.02.2007 - 1 ABR 14/06 - AP Nr 81 zu § 118 Be­trVG 1972 mwN.) Dies setzt vor­aus, dass der Beschäftig­te die Möglich­keit ei­ner ent­spre­chen­den in­halt­li­chen Ein­fluss­nah­me auf die Ten­denz­ver­wirk­li­chung hat. Ei­ne bloße Mit­wir­kung bei der Ten­denz­ver­fol­gung genügt dafür nicht (BAG 13.02.2007 mwN.).
Durch ei­ne Beschäfti­gung mit Tätig­kei­ten, die letzt­lich den Zwe­cken der Be­richt­er­stat­tung oder der Mei­nungsäußerung die­nen, wird ein Ar­beit­neh­mer nicht oh­ne Wei­te­res zu ei­nem Ten­denzträger. Ei­ne sol­che Tätig­keit lässt nicht zwin­gend dar­auf schließen, dass er auch ei­nen prägen­den
Ein­fluss auf die Ten­denz­ver­wirk­li­chung hat (BAG 28. Ok­to­ber 1986 - 1 ABR 16/85 - BA­GE 53, 237, zu B II 1 d der Gründe). Die Pres­se­frei­heit aus Art. 5 GG wird durch die­ses Verständ­nis des § 118 Abs. 1 Nr. 2 Be­trVG nicht ver­letzt. Sie lässt es zu, dass Ar­beit­neh­mer, die nur mit­tel­bar an der ei­gent­li­chen Pro­duk­ti­on be­tei­ligt sind, nach dem Maß ih­rer Ei­gen­ver­ant­wort­lich­keit dem Kreis der Ten­denzträger zu­ge­ord­net wer­den. Je we­ni­ger ei­gen­ver­ant­wort­lich ein Mit­ar­bei­ter an der Pro­duk­ti­on be­tei­ligt ist, des­to stärker kann der Un­ter­neh­mer kraft sei­ner Wei­sungs­be­fug­nis Ein­fluss auf die Be­richt­er­stat­tung und Mei­nungsäußerung neh­men und so sei­ne Vor­stel­lun­gen ver­wirk­li­chen. Für die Ten­denzträge­rei­gen­schaft muss des­halb nicht oh­ne nähe­re Prüfung al­lein dar­auf ab­ge­stellt wer­den, ob der Mit­ar­bei­ter ei­nen in­halt­li­chen Bei­trag leis­tet. Dem­ent­spre­chend kommt es in ei­nem Pres­se­un­ter­neh­men dar­auf an, ob der Ar­beit­neh­mer ei­nen maßgeb­li­chen in­halt­li­chen Ein­fluss auf die be­tref­fen­de Pro­duk­ti­on neh­men kann.
Über­tra­gen auf vor­lie­gen­den Recht­streit be­deu­tet dies: Der Schluss­re­dak­teur gewähr­leis­tet ein­heit­li­che Schreib­wei­sen in der Pu­bli­ka­ti­on und ist für die Pfle­ge von de­ren be­son­de­rem Stil ver­ant­wort­lich. Das be­deu­tet ei­ne ständi­ge Aus­ein­an­der­set­zung mit den Zwei­felsfällen der deut­schen Spra­che, die Er­ar­bei­tung for­ma­ler Vor­ga­ben und de­ren ein­heit­li­che Wei­ter­ver­mitt­lung an die Re­dak­teu­re. Er ach­tet auf Gram­ma­tik und Syn­tax, kor­ri­giert fal­sche Wen­dun­gen und setzt die Kom­ma­ta an die rich­ti­gen Stel­len. Der Schluss­re­dak­teur ist der letz­te Be­ar­bei­ter des Texts ei­nes Ma­ga­zins. Stets han­delt es sich um ei­ne for­ma­le Prüfung und Kor­rek­tur. Der Text und da­mit die Ten­denz­ver­wirk­li­chung wer­den nicht vom Schluss­re­dak­teur ge­schrie­ben und ver­ant­wor­tet. Wei­sun­gen, die die Ten­denz be­tref­fen, er­fol­gen ge­genüber den Text­re­dak­teu­ren. Der Schluss­re­dak­teur ist des­halb kein Ten­denzträger. § 118 Abs. 1 Nr. 2 Be­trVG steht des­halb dem Wei­ter­beschäfti­gungs­an­spruch der Be­klag­ten nicht ent­ge­gen.
b. Zu Recht ver­neint das Ar­beits­ge­richt ei­ne der Wei­ter­beschäfti­gung ent­ge­gen­ste­hen­de Unmöglich­keit. Fol­gen­de Über­le­gung für den – fik­ti­ven – Fall ei­ner aus­ge­ur­teil­ten Wei­ter­beschäfti­gungs­pflicht zeigt, dass nicht ei­ne unmögli­che Leis­tung von der Kläge­rin ver­langt würde: Ei­ne Zwangs­voll­stre­ckung kann nur dann er­fol­gen, wenn die Vor­nah­me der aus­ge­ur­teil­ten Hand­lung im Zeit­punkt der Voll­stre­ckung aus­sch­ließlich vom Wil­len der Schuld­ne­rin abhängt. Die Schuld­ne­rin muss sich al­so in der La­ge be­fin­den, in der sie nur noch zu wol­len braucht, um die von ihr ge­for­der­te Hand­lung vor­zu­neh­men. Dar­an fehlt es, wenn die ge­schul­de­te Hand­lung ob­jek­tiv nicht mehr möglich ist; wenn al­so der ernst­lich ge­woll­ten Vor­nah­me der Hand­lung unüber­wind­li­che Hin­der­nis­se ent­ge­gen­ste­hen (LAG Hamm 22.01.2008 - 7 Ta 10/08 – Ju­ris mwN.). Dies ist vor­lie­gend nicht der Fall. Zwar hat sich die Kläge­rin nach ih­rem Vor­trag ent­schie­den, kei­ne Ar­beitsplätze für Schluss­re­dak­teu­re mehr vor­zu­hal­ten, aber es ist nicht im Streit, dass die Ar­beit der Schluss­re­dak­teu­re noch vor­han­den ist und von den Text­re­dak­teu­ren mit­er­le­digt wird. Ei­ne ob­jek­ti­ve Unmöglich­keit der Beschäfti­gung der Kläge­rin auch zu un­veränder­ten Be­din­gun­gen ist
des­halb nicht ge­ge­ben. Es liegt im Macht- und Wil­lens­be­reich der Kläge­rin, ei­nen Ar­beits­platz für die Be­klag­te ein­zu­rich­ten.
c. Die Frei­stel­lungs­klau­sel in § 14 Zif­fer 3 des Ar­beits­ver­tra­ges steht ei­nem Wei­ter­beschäfti­gungs­ver­lan­gen nach Ab­lauf der Kündi­gungs­frist nicht ent­ge­gen. Die Kam­mer geht nach ei­ner Prüfung auch des Trans­pa­renz­ge­bo­tes gemäß § 307 Abs. 1 BGB nicht von der Un­wirk­sam­keit die­ser Be­stim­mung aus. Die vor der In­halts­kon­trol­le er­for­der­li­che Aus­le­gung (ErfK-Preis, 7. Aufl. 2007 Nr. 34 zu §§ 305 BGB) der Klau­sel wie sie von ei­nem verständi­gen und red­li­chen Ver­trags­part­ner un­ter Abwägung der In­ter­es­sen der nor­ma­ler­wei­se be­tei­lig­ten Ver­kehrs­krei­se ver­stan­den wird, er­gibt ei­ne Be­schränkung auf ih­ren Wort­laut, al­so das Ru­hen ei­ner Haupt­pflicht – der Beschäfti­gung – nach Aus­spruch ei­ner Kündi­gung bei Fort­be­stand der zwei­ten Haupt­pflicht – der Ent­gelt­zah­lung - bis zum Ab­lauf der Kündi­gungs­frist. Nicht mehr und nicht we­ni­ger er­gibt sich aus die­ser Klau­sel, die in be­stimm­ten Be­rei­chen et­wa bei Außen­dienst­lern, aber auch in Pres­se­un­ter­neh­men üblich ist und bei verständi­ger Würdi­gung im Hin­blick auf das In­ter­es­se des Ar­beit­ge­bers an ei­ner Nicht­beschäfti­gung in der Kündi­gungs­frist auch Sinn macht. Nicht er­fasst ist von die­ser Klau­sel hin­ge­gen der Ver­zicht auf ei­nen Wei­ter­beschäfti­gungs­an­spruch mit Ent­gelt­an­spruch nach Ab­lauf der Kündi­gungs­frist gemäß § 102 Abs. 5 Be­trVG. Dies wäre ein un­sin­ni­ges Er­geb­nis, das im Übri­gen auch un­an­ge­mes­sen wäre und zur Un­wirk­sam­keit der Klau­sel führen müss­te (LAG Ba­den-Würt­tem­berg 05.01.2007 – 7 Sa 93/06 – Ju­ris).
d. Auch die übri­gen Vor­aus­set­zun­gen für die Auslösung des Wei­ter­beschäfti­gungs­an­spruchs lie­gen vor: Es ist Kündi­gungs­schutz­kla­ge er­ho­ben wor­den, die Be­klag­te hat ih­re Wei­ter­beschäfti­gung ver­langt und der Be­triebs­rat hat der Kündi­gung frist- und ord­nungs­gemäß i.S.d. § 102 Abs. 3 Nr. Be­trVG wi­der­spro­chen.
Macht der Be­triebs­rat mit sei­nem Wi­der­spruch gel­tend, der Ar­beit­ge­ber ha­be zu Un­recht Ar­beit­neh­mer nicht in die so­zia­le Aus­wahl ein­be­zo­gen, müssen die­se Ar­beit­neh­mer vom Be­triebs­rat ent­we­der kon­kret be­nannt oder an­hand abs­trak­ter Merk­ma­le aus dem Wi­der­spruchs­schrei­ben be­stimm­bar sein. Dies folgt aus dem Re­ge­lungs­zu­sam­men­hang von § 102 Abs. 3 Nr. 1 mit § 102 Abs. 5 Satz 2 Nr. 3 Be­trVG. Das Ar­beits­ge­richt kann den Ar­beit­ge­ber nur dann im We­ge der einst­wei­li­gen Verfügung von der Wei­ter­beschäfti­gungs­pflicht we­gen ei­nes of­fen­sicht­lich un­wirk­sa­men Wi­der­spruchs nach §
102 Abs. 3 Nr. 1 Be­trVG ent­bin­den, wenn sich aus dem Wi­der­spruch des Be­triebs­rats hin­rei­chend deut­lich er­gibt, wel­che Ar­beit­neh­mer im Hin­blick auf ih­re so­zia­le Schutzwürdig­keit zu ver­glei­chen sein sol­len. Den hierfür er­for­der­li­chen Sach­vor­trag kann der Ar­beit­ge­ber nur leis­ten, wenn der oder die nach Auf­fas­sung des Be­triebs­rats we­ni­ger schutzwürdi­gen Ar­beit­neh­mer je­den­falls iden­ti­fi­zier­bar sind (BAG 9.7.2003, 5 AZR 305/02, AP Nr. 14 zu § 102 Be­trVG 1972 Wei­ter­beschäfti­gung). Zur Be­gründung des Wi­der­spruchs nach § 102 Abs. 3 Nr. 1 Be­trVG ist wei­ter er­for­der­lich, dass der Be­triebs­rat plau­si­bel dar­legt, war­um ein an­de­rer Ar­beit­neh­mer so­zi­al we­ni­ger schutzwürdig sei. Hier­zu sind zwar nicht die ein­zel­nen So­zi­al­da­ten iSd. § 1 Abs. 3 Satz 1 KSchG auf­zuführen. Der Be­triebs­rat hat aber auf­zu­zei­gen, wel­che Gründe aus sei­ner Sicht zu ei­ner an­de­ren Be­wer­tung der so­zia­len Schutzwürdig­keit führen (BAG 9.7.03 aaO.).
Die­sen An­for­de­run­gen genügt der Wi­der­spruch des Be­triebs­ra­tes vom 29. Ja­nu­ar 2008, denn er be­nennt ei­ne Rei­he von Kol­le­gin­nen und Kol­le­gen der Be­klag­ten un­ter Mit­tei­lung de­rer so­zia­len Da­ten, die auf­zei­gen, dass sie so­zi­al we­ni­ger schutz­bedürf­tig wären als die Be­klag­te.
2. Von dem so aus­gelösten Wei­ter­beschäfti­gungs­an­spruch der Be­klag­ten ist die Kläge­rin im vor­lie­gen­den Ver­fah­ren aber im We­ge der einst­wei­li­gen Verfügung zu ent­bin­den und zwar gemäß § 102 Abs. 5 Zif­fer 3 Be­trVG, weil der Wi­der­spruch des Be­triebs­ra­tes of­fen­sicht­lich un­be­gründet war.
Of­fen­sicht­lich un­be­gründet im Sin­ne von § 102 Abs 5 S 2 Nr 3 Be­trVG ist ein Wi­der­spruch des Be­triebs­rats nur dann, wenn sich sei­ne Grund­lo­sig­keit nach dem für die Ent­schei­dung maßgeb­li­chen Sach- und Streit­stand bei un­be­fan­ge­ner Be­ur­tei­lung ge­ra­de­zu auf­drängt, die Grund­lo­sig­keit „auf die Stirn ge­schrie­ben steht“ (LAG München 05.10.1994 - 5 Sa 698/94 - LA­GE § 102 Be­trVG 1972 Beschäfti­gungs­pflicht Nr 19; APS-Koch, 3. Aufl. 2007 Nr. 223 zu § 102 Be­trVG mwN.).
Es ist of­fen­sicht­lich, dass ei­ne Schluss­re­dak­teu­rin nicht oh­ne er­heb­li­che Um­schu­lungs- und Qua­li­fi­zie­rungs­maßnah­men die Tätig­keit ei­nes Text­re­dak­teurs über­neh­men kann. Die vom Be­triebs­rat ge­nann­ten Mit­ar­bei­ter sind aber Text­re­dak­teu­re.
Text­re­dak­teu­re re­cher­chie­ren, schrei­ben und re­di­gie­ren Beiträge auf an­ge­mes­se­nem in­halt­li­chem und sprach­li­chem Ni­veau. Die Kläge­rin hat durch Vor­la­ge zwei­er ei­des­statt­li­chen Ver­si­che­run­gen in der Be­ru­fungs­in­stanz dar­ge­legt und glaub­haft ge­macht, dass Text­re­dak­teu­re über ei­ne qua­li­fi­zier­te jour­na­lis­ti­sche Aus­bil­dung (Vo­lon­ta­ri­at oder Jour­na­lis­ten­schu­le) und/oder über ei­ne langjähri­ge Be­rufs­er­fah­rung verfügen. Auch bei Berück­sich­ti­gung der Zei­ten, in de­nen die Be­klag­te Le­ser­brie­fe be­ar­bei­te­te und Buch­re­zen­sio­nen ver­fass­te, verfügt sie über die­se Vor­aus­set­zun­gen nicht. Die in den ei­des­statt­li­chen Ver­si­che­run­gen an­ge­ge­be­ne – verkürz­te – Aus­bil­dung im Um­fang von 1,5 Jah­ren zeigt, dass ei­ne Ver­gleich­bar­keit nicht ge­ge­ben ist und der Be­triebs­rat des­halb auch von ei­nem „zu­mut­ba­ren Über­g­angs­zeit­raum“, nicht von ei­ner Ein­ar­bei­tungs­zeit spricht.
Schluss­re­dak­teu­re/in­nen brau­chen kei­ne Krea­ti­vität im Auf­spüren von The­men zu ent­wi­ckeln, von ih­nen wird kei­ne große Re­cher­che-Ge­schick­lich­keit oder Be­ga­bung für das Ver­fas­sen von Kom­men­ta­ren und Es­says ver­langt. Viel wich­ti­ger sind für das Be­rufs­feld ei­nes Schluss­re­dak­teurs hartnäcki­ge Kon­stanz und ein un­ermüdli­ches Durch­set­zungs­vermögen. Kon­se­quen­ter­wei­se sind Schluss­re­dak­teu­re des­halb an­ders als Text­re­dak­teu­re kei­ne Ten­denzträger.
Letzt­lich heißt es in § 2 des „Re­dak­teurs­ver­tra­ges“ vom 24. Au­gust 2004, dass die Be­klag­te als „Schluss­re­dak­teu­rin“ ein­ge­stellt wer­de, so dass auch bei Berück­sich­ti­gung der fol­gen­den Ver­set­zungs­klau­sel die ver­trag­li­chen Vor­ga­ben für ei­ne Ver­gleich­bar­keit zu­min­dest zwei­fel­haft sind. Hier­auf kommt es aber nicht mehr an, da an­ge­sichts der kla­ren ar­beit­platz­be­zo­ge­nen un­ter­schied­li­chen Merk­ma­le und der Qua­li­fi­ka­ti­ons­un­ter­schie­de ei­ne Ver­gleich­bar­keit mit der Tätig­keit ei­ner Text­re­dak­teu­rin of­fen­sicht­lich nicht ge­ge­ben ist. Dem Ent­bin­dungs­an­trag war da­her statt­zu­ge­ben.
Rechts­mit­tel­be­leh­rung: Ein Rechts­mit­tel ist nicht ge­ge­ben, § 72 Abs. 4 ArbGG.
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