Source: https://www.rechtslupe.de/steuerrecht/steuerbescheid-per-telefax-377569
Timestamp: 2020-04-08 22:58:31
Document Index: 363787225

Matched Legal Cases: ['§ 87', '§ 119', '§ 122', '§ 55', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 55']

Steu­er­be­scheid per Tele­fax | Rechtslupe
Die gesetz­lich gebo­te­ne Schrift­form für behörd­li­che und gericht­li­che Ent­schei­dun­gen wird auch durch Über­sen­dung per Tele­fax gewahrt 1.
Nach stän­di­ger BFH-Recht­spre­chung wird eine gesetz­lich gebo­te­ne Schrift­form auch durch Über­sen­dung per Tele­fax gewahrt 2.
Ein Tele­fax gewähr­leis­tet glei­cher­ma­ßen den mit dem Gebot der Schrift­lich­keit ver­folg­ten Zweck, dass aus dem Schrift­stück der Inhalt der Erklä­rung, die abge­ge­ben wer­den soll, und die Per­son, von der sie aus­geht, hin­rei­chend zuver­läs­sig ent­nom­men wer­den kön­nen. Zudem weist ein Tele­fax glei­cher­ma­ßen aus, dass es sich bei dem Schrift­stück nicht nur um einen Ent­wurf han­delt, son­dern dass es mit Wis­sen und Wil­len des Berech­tig­ten dem Emp­fän­ger zuge­lei­tet wor­den ist 3. Dem­entspre­chend ist nach der dem tech­ni­schen Fort­schritt auf dem Gebiet der Tele­kom­mu­ni­ka­ti­on Rech­nung tra­gen­den Recht­spre­chung die Über­mitt­lung frist­wah­ren­der Schrift­sät­ze per Tele­fax in allen Gerichts­zwei­gen unein­ge­schränkt zuläs­sig 4.
Für die Über­mitt­lung von Steu­er­be­schei­den gilt auf die­ser Grund­la­ge nichts ande­res 5.
Die Über­sen­dung per Tele­fax ist auch nicht als Über­sen­dung eines elek­tro­ni­schen Ver­wal­tungs­akts anzu­se­hen, für den nach § 87a Abs. 4 AO eine Signa­tur erfor­der­lich wäre (vgl. § 119 Abs. 3 Satz 3 AO). Denn die Wirk­sam­keit einer Bekannt­ga­be behörd­li­cher oder gericht­li­cher Ent­schei­dun­gen per Tele­fax wird nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts durch die Ein­fü­gung der Vor­schrif­ten über den elek­tro­ni­schen Rechts­ver­kehr in die Ver­fah­rens­ge­set­ze nicht berührt, weil ein Com­pu­ter­fax oder Funk­fax kein elek­tro­ni­sches Doku­ment dar­stellt 6. Per Tele­fax über­mit­tel­te Ver­wal­tungs- oder Gerichts­ent­schei­dun­gen erfor­dern kei­nen beson­de­ren Nach­weis der Urhe­ber­schaft (Authen­ti­zi­tät) und kei­nen beson­de­ren Schutz vor nach­träg­li­cher Ver­än­de­rung (Inte­gri­tät). Inso­weit unter­schei­den sie sich maß­geb­lich von elek­tro­ni­schen Doku­men­ten, die leicht elek­tro­nisch änder­bar sind und deren Absi­che­rung die Rege­lun­gen zur qua­li­fi­zier­ten Signa­tur allein bezwe­cken 7.
Für ande­re Doku­men­te stellt sich selbst bei Über­mitt­lung per Tele­fax ‑wie im Streit­fall- das Pro­blem der Inte­gri­tät nicht anders als bei tra­di­tio­nell über­mit­tel­ten Schrift­stü­cken, für die eine qua­li­fi­zier­te Signa­tur nicht erfor­der­lich ist 8.
Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 28. Janu­ar 2014 – VIII R 28/​13
stän­di­ge Recht­spre­chung, BFH, Urtei­le vom 04.07.2002 – V R 31/​01, BFHE 198, 337, BSt­Bl II 2003, 45; vom 18.08.2009 – X R 25/​06, BFHE 226, 77, BSt­Bl II 2009, 965[↩]
vgl. GmS-OBG, Beschluss ‑GmS-OGB- vom 05.04.2000 GmS-OGB 1/​98, NJW 2000, 2340, unter III. 1.[↩]
BFH, Urtei­le vom 08.07.1998 – I R 17/​96, BFHE 186, 491, BSt­Bl II 1999, 48; vom 18.08.2009 – X R 25/​06, BFHE 226, 77, BSt­Bl II 2009, 965, unter Bezug­nah­me auf das BFH, Urteil vom 28.05.2009 – III R 84/​06, BFHE 225, 11, BSt­Bl II 2009, 949 zur bejah­ten Wirk­sam­keit einer einen Ver­wal­tungs­akt münd­lich wider­ru­fe­nen Mit­tei­lung; die Ver­fas­sungs­be­schwer­de gegen das BFH, Urteil in BFHE 226, 77, BSt­Bl II 2009, 965 hat das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt mit Beschluss vom 29.10.2012 2 BvR 2579/​09 nicht zur Ent­schei­dung ange­nom­men; BFH, Beschluss vom 31.03.1998 – I S 8/​97, BFH/​NV 1998, 1318; Gür­off in Beermann/​Gosch, AO § 122 Rz 32; vgl. auch BFH, Beschluss vom 27.06.2001 – X B 23/​01, BFH/​NV 2001, 1529[↩]
BVerwG, Beschluss vom 30.03.2006 – 8 B 8/​06, NJW 2006, 1989; eben­so Kopp/​Schenke, Ver­wal­tungs­ge­richts­ord­nung, Kom­men­tar, 19. Aufl., § 55a Rz 5[↩]
vgl. BGH, Beschluss vom 14.01.2010 – VII ZB 112/​08, BGHZ 184, 75, unter Bezug­nah­me auf den BGH, Beschluss vom 04.12 2008 – IX ZB 41/​08, NJW-RR 2009, 357 und BT-Drs. 14/​4987, S. 24; BT-Drs. 15/​4067, S. 37 f. zu § 55a VwGO[↩]
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