Source: https://wirtschaftslexikon.gabler.de/definition/kernbrennstoffsteuer-54093
Timestamp: 2020-04-07 12:29:13
Document Index: 345529868

Matched Legal Cases: ['§ 1', '§ 2', '§ 3', '§ 9', '§ 5', '§ 5', '§ 12', 'EuG', 'EuG', 'EuG', 'EuG', 'EuG']

Kernbrennstoffsteuer • Definition | Gabler Wirtschaftslexikon
bundesgesetzlich geregelte Verbrauchsteuer nach dem Kernbrennstoffsteuergesetz (KernbrStG) vom 8.12.2010 (BGBl. I 2010, 1804), die zwischen dem 1.1.2011 und dem 31.12.2016 galt. Steuergegenstand war Kernbrennstoff, der zur gewerblichen Erzeugung von elektrischem Strom verwendet wurde (§ 1 I KernbrStG). Kernbrennstoff i.S.d. KernbrStG war Plutonium 239, Plutonium 241, Uran 233 und Uran 235, auch in Verbindungen, Legierungen, keramischen Erzeugnissen und Mischungen daraus (§ 2 Nr. 1 KernbrStG). Der Steuertarif war für ein Gramm Kernbrennstoff 145 Euro (§ 3 KernbrStG). Zuständig für die Erhebung und Verwaltung der KernbrSt war die Zollverwaltung durch das örtlich zuständige Hauptzollamt (§ 9 KernbrStG). Die KernbrSt entstand dadurch, dass ein Brennelement oder einzelne Brennstäbe in einen Kernreaktor erstmals eingesetzt worden ist und eine sich selbsttragende Kettenreaktion ausgelöst wurde (§ 5 I KernbrStG). Steuerschuldner war der Betreiber (§ 5 II KernbrStG). Das KernbrStG ist bis 31.12.2016 befristet gewesen (§ 12 KernbrStG). Sie wurde am 13.4.2017 durch das Bundesverfassungsgericht (BVerfG) für verfassungswidrig erklärt, da es sich nicht um eine Verbrauchsteuer nach Artikel 106 Abs. 1 Nr. 2 GG handelt.
Steuerzweck: Die Erträge aus der Steuer sollten neben der Haushaltskonsolidierung dazu beitragen, die aus der notwendigen Sanierung der Schachtanlage Asse II (für die Kernbrennstoffendlagerung) entstehende Haushaltsbelastung des Bundes zu verringern.
Aufkommen: 422 Mio. Euro (2016), 1.371 Mio. Euro (2015), 708 Mio. Euro (2014), 1.285 Mio. Euro (2013), 1.577 Mio. Euro (2012), 922 Mio. Euro (2011).
Rechtsstreit: Die Einstufung als Verbrauchsteuer war strittig. In der Literatur und aus Sicht der Atomwirtschaft ist die Kernbrennstoffsteuer keine Verbrauchsteuer und damit rechtswidrig, verfassungswidrig und europarechtswidrig. Die Bundesregierung und das Bundesministerium der Finanzen stuften die Kernbrennstoffsteuer als Verbrauchsteuer ein. In erster Instanz hat das Finanzgericht Hamburg im Verfahren des vorläufigen Rechtsschutz geurteilt, dass die Kernbrennstoffsteuer keine Verbrauchsteuer ist und dem Bund daher die Gesetzgebungskompetenz gefehlt habe (FG Hamburg v. 11.4.2014, 4 V 154/13). Ein Antrag auf vorläufigen Rechtsschutz beim Bundesfinanzhof wurde abschlägig beschieden (BFH-Beschluss v. 25.11.2014, VII B 65/14). Das FG Hamburg hat diese in der Hauptsache zu klärenden Rechtsfragen sowohl dem Europäischen Gerichtshof (EuGH) als auch dem Bundesverfassungsgericht (BVerfG) zur Entscheidung vorgelegt. Der EuGH hat im Rahmen eines Vorabentscheidungsverfahrens nach Artikel 267 AEUV entschieden, dass die Kernbrennstoffsteuer mit dem Unionsrecht vereinbar ist und es sich um eine Verbrauchsteuer handelt (EuGH-Urteil v. 4.6.2015, Rs. C-5/14). Das Bundesverfassungsgericht hat allerdings die Kernbrennstoffsteuer als verfassungswidrig eingestuft, weil sie keine Verbrauchsteuer nach Artikel 106 Abs. 1 Nr. 2 GG ist (BVerfG-Beschluss v. 13.4.2017, Az. 2 BvL, 6/13). Die Finanzgerichte müssen unter Berücksichtigung des BVerfG-Beschlusses noch endgültig urteilen.
Auswirkungen: Die Bundesregierung und das Bundesfinanzministerium haben angekündigt, den BVerfG-Beschluss umzusetzen und die rechtswidrig vereinnahmte KernbrSt zu erstatten. Es handelt sich um 6,285 Mrd. Euro.
Teilen Sie Ihr Wissen über "Kernbrennstoffsteuer"
Mindmap "Kernbrennstoffsteuer"
Mindmap Kernbrennstoffsteuer Quelle: https://wirtschaftslexikon.gabler.de/definition/kernbrennstoffsteuer-54093 node54093 Kernbrennstoffsteuer node49703 Zollverwaltung node54093->node49703 node36611 EuGH node54093->node36611 node49950 Verbrauchsteuern node54093->node49950 node36659 Hauptzollamt node54093->node36659 node31097 Bundesverfassungsgericht (BVerfG) node54093->node31097 node31247 Außenwirtschaftsgesetz (AWG) node31247->node36659 node37062 nicht tarifäre Handelshemmnisse node37062->node49703 node32483 EXW node32483->node49703 node33890 Geldwäsche node49703->node33890 node34885 EWG node34885->node36611 node46191 Sitztheorie node46191->node36611 node46309 Sitz node46309->node36611 node54217 Brexit node54217->node36611 node49166 Zahlungsaufschub node49166->node36659 node49053 Zoll node34326 Gemeindesteuern node49950->node34326 node33398 Energiesteuer node49950->node33398 node38536 Landessteuern node49950->node38536 node36659->node49053 node36659->node49950 node30276 Bundestag node26954 Anwaltszwang node33868 Grundrechte node27114 Bundesrat node31097->node30276 node31097->node26954 node31097->node33868 node31097->node27114 node33398->node49703 node49603 Umsatzsteuer node49603->node49950
Mindmap Kernbrennstoffsteuer Quelle: https://wirtschaftslexikon.gabler.de/definition/kernbrennstoffsteuer-54093 node54093 Kernbrennstoffsteuer node49950 Verbrauchsteuern node54093->node49950 node31097 Bundesverfassungsgericht (BVerfG) node54093->node31097 node36659 Hauptzollamt node54093->node36659 node36611 EuGH node54093->node36611 node49703 Zollverwaltung node54093->node49703
Amos, BVerfG kippt Kernbrennstoffsteuer: Der Bund darf keine Steuern erfinden, Legal Tribune Online, 07.06.2017
BVerfG, Kernbrennstoffsteuergesetz mit dem Grundgesetz unvereinbar und nichtig, Pressemitteilung Nr. 42/2017 vom 7. Juni 2017
BVerfG, Beschluss vom 13. April 2017 - 2 BvL 6/13, Originalwortlaut
Beck aktuell, BVerfG kippt Kernbrennstoffsteuer, Meldung v. 7.6.2017