Source: https://www.datenschutz-notizen.de/wenn-der-trainer-die-spieler-per-app-ueberwacht-wie-gehts-deinem-knie-2519341/
Timestamp: 2020-08-03 14:49:04
Document Index: 139929387

Matched Legal Cases: ['§ 4', 'Art. 6', 'Art. 7', 'Art. 9', 'Art. 4', 'Art. 7', 'Art. 7', 'Art. 25', '§ 26', '§ 26']

Wenn der Trainer die Spieler per App überwacht: Wie geht´s deinem Knie? – datenschutz-notizen | News-Blog der datenschutz nord Gruppe
Diese Information würde wohl auch den Trainer erfreuen, um zu kontrollieren, ob sich der Spieler abends tatsächlich zuhause bzw. bei Auswärtsspielen im Mannschaftshotel befindet oder aber einen (heimlichen) Ausflug unternimmt.
Diese Überwachungsmethode ist nicht neu und soll von einigen Unternehmen bereits im normalen Arbeitsalltag der Mitarbeiter eingesetzt worden sein. Immerhin gibt es schon mehrere Anbieter, die sich auf die Verarbeitung von Big Data und Gesundheitsdaten mittels App spezialisiert haben und eine individuelle Überwachung des Nutzers anbieten. Bereits vor über zwei Jahren wurde die App des Münchener Star-Up Unternehmens Soma Analytics bekannt, die sogar das Tippverhalten, den Schlafrhythmus und die Stimme des Nutzers bemessen und damit den Gesundheitszustand des Betroffenen berechnen soll. Der Arbeitgeber könnte auf diese Weise das Stresslevel seiner Mitarbeiter erkennen, so diese die App einsetzen.
Die Erhebung, Übermittlung und Auswertung dieser personenbezogenen Daten des Nutzers könnte sich auf die Einwilligung des Betroffenen gemäß §§ 4, 4a BDSG bzw. Art. 6 Abs. 1 lit a., Art. 7 DSGVO stützen. Dies setzt voraus, dass der Mitarbeiter überhaupt über die Technik und auch die konkreten Informationen, die über ihn gesammelt werden, umfassend informiert wird. Daran bestehen gewisse Zweifel, da die Wenigsten die tatsächlichen technischen Prozesse der Anwendung und (zukünftigen) Analyseverfahren kennen – ganz zu schweigen von Speicherdauer und -Ort der Daten.
Sodann muss der informierte Betroffene freiwillig seine Entscheidung über die Datenverarbeitung abgeben. Bei den hier berührten Gesundheitsdaten (z.B. eine Verletzung am Knie oder eine starke Erkältung) besteht sogar noch ein höherer Schutzbedarf des Einzelnen, weswegen dieser ausdrücklich sein Einverständnis in die Verarbeitung der sensiblen Informationen abzugeben hat (Art. 9 Abs. 2 lit. a DSGVO).
Zudem darf die Freiwilligkeit der Einwilligung im Arbeitsverhältnis hinterfragt werden, sofern ein Gruppenzwang innerhalb der Belegschaft entsteht oder aber der Arbeitnehmer im Falle der Ablehnung dieser Technik mit Repressalien rechnen muss (Vgl. Paal/Pauly, Art. 4 DS-GVO Rn. 71; Kühling/Buchner, Art. 7 DSGVO Rn. 42ff). Dieser Umstand gilt erst Recht, wenn sich das Ergebnis der Überwachung mittels App auf das Arbeitsverhältnis auswirken kann, beispielsweise sogar im Falle des Nichtbefolgens eine Abmahnung droht oder der Ausschluss von bestimmten Projekten. Und selbst die vermeintliche Einwilligung eines gutbezahlten Profispielers in die Nutzung der App könnte bezweifelt werden, wenn die Resultate der Kontrolle dazu führen, dass er am nächsten Samstag nicht im Kader steht oder aber eine Extraschicht einzulegen hat. Auch muss der Betroffene seine Einwilligung jederzeit wiederrufen können (Art. 7 Abs. 3 DSGVO), worüber er ebenso aufzuklären ist.
Zu guter Letzt sind hohe Anforderungen an die vom Verantwortlichen zu treffenden technisch-organisatorischen Maßnahmen im Hinblick auf den Schutz der Gesundheitsdaten der Mitarbeiter (Spieler) zu stellen, damit die personenbezogenen Angaben nur von wenigen, hierfür verantwortlichen Personen einsehbar sind und auch nicht endlos gespeichert werden. Damit dürfte auch bald einhergehen, dass die Grundsätze von Privacy by Design und Privacy by Default (Art. 25 Abs. 1, Abs. 2 DSGVO) mit dem Ziel der Datenminimierung vom Verantwortlichen zum Zeitpunkt der Inbetriebnahme der Anwendung zu berücksichtigen sind.
Wieviel Privatsphäre die Fußballer von Hoffenheim trotzdem genießen (dürfen), ist natürlich nicht bekannt. Es dürfte allerdings davon auszugehen sein, dass die vom Trainer vorgegebene Handy-App nicht die Standortdaten der Sportler übermittelt oder mitlauscht. Das würden die prominenten Kicker gewiss nicht mit sich machen lassen. Selbst das besondere Arbeitsverhältnis der Profifußballer gibt diese in die Privatsphäre reichende Maßnahme nicht her.
Andere Topathleten könnten sich hiergegen aber vielleicht nicht wehren und müssen, wie es bereits durch Systeme wie von der Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) mit ADAMS seit 2005 für Spitzensportler verpflichtend vorgegeben ist, diese Informationen zu ihren geplanten Aufenthaltsorten bestimmten Kontrolleuren bekannt gegeben. Andernfalls drohen im Falle der Plattform der WADA für den Sportler ernsthafte Konsequenzen oder sogar Sperren.
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21. Oktober 2017 @ 17:56
Was ist mit 26 bdsg neu, erforderlich für die Durchführung des Beschäftigungsverhaltnisses? (Gesundheitsdaten außen vor gelassen)
Es kann sicherlich diskutiert werden, ob und inwieweit derartige Informationen des Angestellten für die Durchführung des Beschäftigungsverhältnisses im Rahmen von § 26 BDSG-neu erforderlich sind und dann diese gesetzliche Rechtsgrundlage greift. Die Fitness bzw. Form wie auch Information über die Spieltauglichkeit mögen sicherlich ein berechtigtes Interesse des Arbeitgebers sein, da sich dies maßgeblich auf die Arbeit (das Bestreiten der Pflichtspiele) auswirkt. Wer verletzt ist, kann nicht am nächsten Samstag auflaufen. Und somit muss ein anderer Spieler die Partie bestreiten.
Andererseits genießen Gesundheitsdaten einen höheren Schutz (könnten aber vielleicht nach § 26 Abs. 3 BDSG-neu einbezogen werden?). Die Grenze ist da zu ziehen, wo eine Leistungskontrolle bzw. Überwachung des Angestellten – auch sogar außerhalb von Dienstort/Arbeitszeit – möglich ist und sich diese Information unter Umständen auf dessen Arbeitsvertrag auswirkt. In der Freizeit darf/muss der Angestellte auch in Ruhe gelassen werden, was sich auch aus dem Arbeitsrecht ergibt. Diesen Gedanken mag man gewiss im Bereich des Leistungssports anders beurteilen als bei durchschnittlichen Berufen bzw. Tätigkeiten, aber auch Profi-Fußballer haben eine Privatsphäre.
Deshalb sehe ich da Bedenken, derartige “Pflichtangaben” im Rahmen der täglichen Fragestellung via App täglich am morgen von jedem Angestellten zu verlangen, wenn dieses außerhalb der Arbeitszeit erfolgt und möglicherweise noch weitere Rückschlüsse erlaubt (Ortsangaben? Schläft der Spieler noch?). Hier dürfte dieser “Überwachungsdruck” gegenüber dem Spieler in der Freizeit überwiegen.