Source: http://m.hensche.de/Arbeitsrecht_Urteile_Bevorzugung_von_Gewerkschaftsmitgliedern_durch_Erholungsbeihilfe_BAG_4AZR50-13.html
Timestamp: 2017-08-18 12:45:01
Document Index: 32297054

Matched Legal Cases: ['§ 7', '§ 42', '§ 40', '§ 328', '§ 75', '§ 305', '§ 315', '§ 3', '§ 4', '§ 4', '§ 305', '§ 310', '§ 4', '§ 4', '§ 1', '§ 1', '§ 4', '§ 1', '§ 40', '§ 328', '§ 1', '§ 1', '§ 40', '§ 40', '§ 4', '§ 1', '§ 97']

HENSCHE Arbeitsrecht: 4 AZR 50/13
Akten­zeichen: 4 AZR 50/13
Ent­scheid­ungs­datum: 21.05.2014
Leit­sätze: Die Nicht­an­wen­dung des ar­beits­recht­li­chen Gleich­be­hand­lungs­grund­sat­zes auf Ver­ein­ba­run­gen zwi­schen Ta­rif­ver­trags­par­tei­en hat ih­ren Grund dar­in, dass bei sol­chen Ver­ein­ba­run­gen kei­ne struk­tu­rel­le Un­gleich­ge­wich­tig­keit der Ver­hand­lungs­part­ner be­steht, son­dern von Ver­fas­sungs we­gen ei­ne Ver­hand­lungs­pa­rität vor­aus­ge­setzt wird.
Vor­ins­tan­zen: Arbeitsgericht Darmstadt, Urteil vom 8.12.2011 - 10 Ca 217/11
Hessisches Landesarbeitsgericht, Urteil vom 19.11.2012 - 17 Sa 285/12
4 AZR 50/13
hat der Vier­te Se­nat des Bun­des­ar­beits­ge­richts auf­grund der münd­li­chen Ver­hand­lung vom 21. Mai 2014 durch den Vor­sit­zen­den Rich­ter am Bun­des­ar­beits­ge­richt Dr. Ey­lert, die Rich­ter am Bun­des­ar­beits­ge­richt Creutz­feldt und
Dr. Tre­ber so­wie den eh­ren­amt­li­chen Rich­ter Klotz und die eh­ren­amt­li­che Rich­te­rin Re­de­ker für Recht er­kannt:
1. Die Re­vi­si­on des Klägers ge­gen das Ur­teil des Hes­si­schen Lan­des­ar­beits­ge­richts vom 19. No­vem­ber 2012 - 17 Sa 285/12 - wird zurück­ge­wie­sen.
Die Par­tei­en strei­ten über die Zah­lung ei­ner Er­ho­lungs­bei­hil­fe.
Der Kläger ist bei der Be­klag­ten in de­ren Be­trieb in Rüssels­heim beschäftigt. Auf das Ar­beits­verhält­nis der Par­tei­en fin­den kraft ver­trag­li­cher Be­zug­nah­me die zwi­schen dem Ver­band der Me­tall- und Elek­tro-Un­ter­neh­men Hes­sen e.V. und der In­dus­trie­ge­werk­schaft Me­tall (im Fol­gen­den: IG Me­tall), Be­zirks­lei­tung Frank­furt, ge­schlos­se­nen Ta­rif­verträge der Me­tall- und Elek­tro­in­dus­trie für das Land Hes­sen An­wen­dung. Die Be­klag­te ist Mit­glied des ta­rif­sch­ließen­den Ar­beit­ge­ber­ver­bands; der Kläger ist nicht Mit­glied der IG Me­tall.
Am 31. Mai 2010 schlos­sen die Adam Opel GmbH (im Fol­gen­den: AOG), aus der die Be­klag­te durch form­wech­seln­de Um­wand­lung ent­stan­den ist, so­wie wei­te­re auf die Be­klag­te als über­neh­men­de Recht­sträge­rin ver­schmol­ze­ne Ge­sell­schaf­ten, der Ver­band der Me­tall- und Elek­tro-Un­ter­neh­men Hes­sen e.V., der Ver­band der Me­tall- und Elek­tro-In­dus­trie NRW e.V., der Ver­band der Pfälzi­schen Me­tall- und Elek­tro-In­dus­trie e.V., der Ver­band der Me­tall-und Elek­tro-In­dus­trie Thürin­gen e.V., die Be­triebsräte der ver­schie­de­nen Stand­or­te der AOG so­wie die Be­zirks­lei­tun­gen der IG Me­tall Frank­furt und Nord­rhein-West­fa­len ei­ne als „Mas­ter Agree­ment“ be­zeich­ne­te Ver­ein­ba­rung, die aus­zugs­wei­se fol­gen­den Wort­laut hat:
Zwi­schen al­len Be­tei­lig­ten be­steht Ei­nig­keit darüber, dass Ma­nage­ment, Be­triebsräte und IG Me­tall zu­sam­men­ar­bei­ten, um ei­nen nach­hal­ti­gen wirt­schaft­li­chen Busi­ness Plan für Opel so­zi­al ver­ant­wort­lich um­zu­set­zen und da­mit die Grund­la­ge für zukünf­ti­ge Pro­fi­ta­bi­lität und Wachs­tum von Opel so­wie die Si­cher­heit der Ar­beitsplätze zu schaf­fen.
Den Par­tei­en ist be­wusst, dass Per­so­nal­re­du­zie­run­gen not­wen­dig sind. Über den stand­ort­spe­zi­fi­schen Um­fang, des von der Geschäfts­lei­tung als er­for­der­lich an­ge­se­he­nen Per­so­nal­ab­baus, wur­den die Be­triebsräte in­for­miert.
Nach Um­set­zung die­ser Per­so­nal­re­du­zie­run­gen wird die Adam Opel GmbH bis zum 1.1.2015 kei­ne be­triebs­be­ding­ten Kündi­gun­gen aus­spre­chen.
Die Par­tei­en le­gen da­bei ei­ne Per­so­nal­kos­ten­re­du­zie­rung in Höhe von durch­schnitt­lich 176,8 Mio. € p.a. in Deutsch­land (265 Mio. € in Eu­ro­pa) zu­grun­de und ver­pflich­ten sich da­zu. ...
Den Zu­geständ­nis­sen der Ar­beit­neh­mer­sei­te zur Kos­ten­re­du­zie­rung ste­hen Zu­sa­gen der Ar­beit­ge­ber­sei­te zu In­ves­ti­tio­nen, Pro­dukt­in­no­va­tio­nen, zur Beschäfti­gungs­si­che­rung, Re­ge­lung zur Un­ter­neh­mens­mit­be­stim­mung und der zu ändern­den Rechts­form der AOG ge­genüber. Die Kern­punk­te ei­ner sol­chen zukünf­ti­gen Übe­r­ein­kunft sind in die­ser Ver­ein­ba­rung ge­re­gelt.
Um trotz der dar­ge­stell­ten zeit­li­chen Di­men­si­on die Kos­ten­re­du­zie­run­gen gemäß Ab­schnitt IV B zu ermögli­chen wer­den die Ta­rif­ver­trags­par­tei­en ei­ne Ver­schie­bung der Fällig­keit der ta­rif­li­chen Ein­mal­zah­lung 2010 und des der-
zei­ti­gen Ur­laubs­geld An­spru­ches für 2010 in Höhe von 50% bis zum 30.09.2010 ver­ein­ba­ren. Die­se Zah­lun­gen ent­fal­len an­sch­ließend im Fal­le des Ein­tritts der Be­din­gun­gen.
Die je­weils zuständi­gen Par­tei­en wer­den bis zum 01.09.2010 ei­ne Be­triebs­ver­ein­ba­rung/ Be­triebs­ver­ein­ba­run­gen und ei­nen Ta­rif­ver­trag/ Ta­rif­verträge mit dem nach­fol­gend be­schrie­be­nen In­halt ab­sch­ließen:
3. Re­du­zie­rung des Ur­laubs­gelds und Weih­nachts­gelds Das Ur­laubs­geld so­wie die Weih­nachts­gra­ti­fi­ka­ti­on für die Jah­re 2010 und 2011 wird auf 50 % der der­zeit be­ste­hen­den Re­ge­lung re­du­ziert. Bei Mit­ar­bei­ter­grup­pen, die ein ver­ste­tig­tes Ur­laubs- oder Weih­nachts­geld in An­spruch ge­nom­men ha­ben, wird ei­ne ent­spre­chen­de Kürzung er­fol­gen.
4. Die AOG ver­pflich­tet sich, ei­nen ent­spre­chen­den Ein­spa­rungs­bei­trag des Ma­nage­ments ein­zu­brin­gen.
Eben­falls am 31. Mai 2010 schloss die Be­klag­te mit den Be­zirks­lei­tun­gen Frank­furt und Nord­rhein-West­fa­len der IG Me­tall ei­ne als „Si­de Let­ter zum Mas­ter Agree­ment vom 27.05.2010 - Re­ge­lung für IG-Me­tall-Mit­glie­der“ be­zeich­ne­te Ver­ein­ba­rung (im Fol­gen­den: Si­de Let­ter), die wie folgt lau­tet:
„Ergänzend zu der in der Präam­bel auf­ge­nom­me­nen Re­ge­lung zur auf­schie­ben­den Be­din­gung re­geln die Par­tei­en fol­gen­des:
Die von der IG-Me­tall un­ter B ge­nann­te Zu­sa­ge zur Ein­mal­zah­lung steht un­ter der auf­schie­ben­den Be­din­gung, dass die IG-Me­tall und das Ma­nage­ment ei­ne Ver­ein­ba­rung zum Punkt ‚Bes­ser­stel­lung für IG-Me­tall Mit­glie­der’ bis zum 1.9.2010 ab­sch­ließen.“
Zum 1. Sep­tem­ber 2010 wur­den die im „Mas­ter Agree­ment“ an­ge­spro­che­nen Sa­nie­rungs­ver­ein­ba­run­gen ua. zwi­schen der Be­klag­ten und der IG Me­tall ge­schlos­sen. Be­reits am 25./26. Au­gust 2010 hat­te die Be­klag­te mit dem Ver­ein zur Förde­rung von Ge­sund­heit und Er­ho­lung der saarländi­schen Ar­beit­neh­mer e.V. (im Fol­gen­den: Saar­ver­ein) ih­ren Bei­tritt zum Ver­ein ver­ein­bart. Die Bei­tritts­ver­ein­ba­rung hat aus­zugs­wei­se fol­gen­den Wort­laut:
„1. Die AOG be­an­tragt die Mit­glied­schaft im Ver­ein. Die Sat­zung liegt die­ser Ver­ein­ba­rung als An­la­ge bei.
3. Die Par­tei­en ver­ein­ba­ren in Ab­wei­chung zu § 7, Zif­fer (3.2) der Sat­zung vom 26.06.1998, dass die Adam Opel GmbH sich zu ei­nem ein­ma­li­gen Mit­glieds­bei­trag in Höhe von ins­ge­samt min­des­tens 8 Mio. € (...) und höchs­tens ins­ge­samt 8,5 Mio. € (...) ver­pflich­tet. Die ge­naue Höhe des Ge­samt-Mit­glieds­bei­trags wer­den die Par­tei­en recht­zei­tig und ein­ver­nehm­lich be­stim­men.
Der noch näher zu be­stim­men­de Mit­glieds­bei­trag wird in zwei Ra­ten fällig: Am 15.12.2010 wird die Adam Opel GmbH ei­nen Be­trag i.H.v. 4,25 Mio. € auf das an­ge­ge­be­ne Kon­to des Ver­eins zah­len. Am 15.12.2011 wird die Adam Opel GmbH ei­nen wei­te­ren Be­trag zah­len, der min­des­tens 3,75 Mio. € und höchs­tens 4,25 Mio. € beträgt. Wie be­reits oben be­schrie­ben, wer­den die Par­tei­en recht­zei­tig ein­ver­nehm­lich die Höhe des ge­sam­ten Mit­glieds­bei­trags und da­mit auch die Höhe der zwei­ten Ra­te be­stim­men.
4. Der Ver­ein ver­wen­det den Mit­glieds­bei­trag sat­zungs­gemäß mit der Maßga­be, dass Er­ho­lungs­bei­hil­fen aus dem Mit­glieds­bei­trag aus­sch­ließlich an Beschäftig­te der Adam Opel GmbH und ih­rer Toch­ter­ge­sell­schaft gewährt wird. Der Ver­ein sagt der Adam Opel GmbH zu, dass die Er­ho­lungs­bei­hil­fe ma­xi­mal 250,-- € pro Be­zugs­be­rech­tig­ten und Jahr beträgt. Er wird der Adam Opel GmbH je­weils am 01.02.11 und am 01.02.12 ver­si­chern, dass aus­sch­ließlich an ih­re Beschäftig­te und an Beschäftig­te der Toch­ter­ge­sell­schaft Er­ho­lungs­bei­hil­fen ge­leis­tet wur­den. ...
5. Der Ver­ein ver­si­chert, dass sich an die­se Ver­ein­ba­rung kei­ne steu­er­recht­li­chen Aus­wir­kun­gen für die Adam Opel GmbH knüpfen; ins­be­son­de­re der Mit­glieds­bei­trag und die Gewährung der Er­ho­lungs­bei­hil­fen nicht lohn-/ein­kom­mens­steu­er­pflich­tig sind. Die Adam Opel GmbH hat für die Er­ho­lungs­bei­hil­fen kei­ne Lohn-/Ein­kom­men­steu­er ein­zu­be­hal­ten, son­dern der Ver­ein nimmt ei­ne pau­scha­le Ver­steue­rung vor.
6. Die­se Ver­ein­ba­rung steht un­ter der auf­schie­ben­den Be­din­gung des Wirk­sam­wer­dens des Ta­rif­ver­tra­ges ‚Zu­kunft Adam Opel GmbH‘ so­wie der Be­triebs­ver­ein­ba­rung ‚Zu­kunft Adam Opel GmbH‘.“
Der Bei­tritts­ver­ein­ba­rung mit dem Saar­ver­ein war die in Nr. 1 in Be­zug ge­nom­me­ne Sat­zung vom 26. Ju­ni 1998 bei­gefügt, die ua. Fol­gen­des re­gelt:
(1) Die Mit­glied­schaft ist frei­wil­lig.
(2) Mit­glie­der des Ver­eins können sein: (2.1) Ver­tre­ter der In­dus­trie­ge­werk­schaft Me­tall
(2.2) Ver­tre­ter des Ver­eins der saarländi­schen Tex­til- und Le­der­in­dus­trie
(2.3) Pri­vat­per­so­nen, Un­ter­neh­men, Un­ter­neh­mens­zu­sam­men­schlüsse und an­de­re Or­ga­ni­sa­tio­nen der ge­werb­li­chen Wirt­schaft, die be­reit sind die Zie­le des Ver­eins zu un­terstützen.
(2) Die den Mit­glie­dern an­ge­schlos­se­nen Ar­beit­neh­mer ha­ben das Recht auf Nut­zung der Leis­tung und auf Teil­nah­me an Ver­an­stal­tun­gen so­wie an Ein­rich­tun­gen des Ver­eins.“
In ei­nem von der Be­klag­ten vor­ge­leg­ten In­for­ma­ti­ons­blatt des Saar­ver­eins ist ua. aus­geführt:
„Leis­tun­gen
Er­ho­lungs­maßnah­men
Durchführung von Ge­sund­heits­wo­chen für in der IG Me­tall or­ga­ni­sier­te Ar­beit­neh­mer de­ren Ar­beit­ge­ber Mit­glied im Ver­ein sind.
Er­ho­lungs­bei­hil­fen sind Leis­tun­gen des Ver­eins an, in der IG Me­tall or­ga­ni­sier­te Ar­beit­neh­mer und de­ren Fa­mi­lie. Ein Rechts­an­spruch auf Zah­lung ei­ner Er­ho­lungs­bei­hil­fe be­steht nicht. Der Ar­beit­ge­ber des Leis­tungs­empfängers ist in der Re­gel Mit­glied des Ver­eins und zahlt sat­zungs­gemäße Beiträge.
Leis­tungs­be­rech­tig­te / Leis­tungs­empfänger
Leis­tungs­be­rech­tig­te bzw. Leis­tungs­empfänger sind in der IG Me­tall or­ga­ni­sier­te Ar­beit­neh­mer. Der je­wei­li­ge Ar­beit­ge­ber ist in der Re­gel Ver­bands­mit­glied bzw. un­terstützt die Zie­le und Ide­en des Ver­eins als Förde­rer.
Die Leis­tungs­be­rech­tig­ten bzw. Leis­tungs­empfänger selbst sind kei­ne Mit­glie­der des Ver­eins.
Falsch ist, daß al­le Ar­beit­neh­mer ei­nen au­to­ma­ti­schen An­spruch auf Leis­tun­gen des Ver­eins ha­ben, so­bald der Ar­beit­ge­ber Mit­glied oder Förde­rer des Ver­eins ist.
Nach­dem die Be­klag­te vom Steu­er­be­ra­ter des Saar­ver­eins die „An­ru­fungs­aus­kunft gem. § 42e EStG“ des Fi­nanz­amts Saarbrücken er­hal­ten hat­te, wo­nach Er­ho­lungs­bei­hil­fen „im Rah­men der Frei­gren­zen des § 40 (2) Nr. 3 EStG mit 25 % LSt (zzgl. SolZ und KiSt) pau­schal ver­steu­ert“ wer­den können, zahl­te sie am 2. Fe­bru­ar 2011 an den Saar­ver­ein die ers­te Ra­te des Mit­glieds­bei­trags.
Im Fe­bru­ar 2011 ver­brei­te­te die IG Me­tall, Be­zirk Frank­furt, das Flug­blatt „me­tall­nach­rich­ten - In­for­ma­ti­on für Opel-Beschäftig­te“, das aus­zugs­wei­se fol­gen­den Wort­laut hat:
„Al­le bei Opel beschäftig­ten IG Me­tall-Mit­glie­der ha­ben ab so­fort An­spruch auf Er­ho­lungs­bei­hil­fen für die Jah­re 2011 und 2012. Dies re­gelt der im letz­ten Jahr ab­ge­schlos­se­ne Ta­rif­ver­trag zwi­schen IG Me­tall und Adam Opel AG, nach dem die Fir­ma Opel nun auch Mit­glied im Saar­ver­ein ist. ...
Die so­ge­nann­ten Er­ho­lungs­bei­hil­fen wer­den oh­ne be­son­de­ren An­trag gewähr­leis­tet und ste­hen aus­sch­ließlich IG Me­tall-Mit­glie­dern zu. Sie sind steu­er­frei, da die Ver­steue­rung durch den Ver­ein vor­ge­nom­men wird. Ziel der Ver­wen­dung (Ver­wen­dungs­zweck) sind höhe­re Fit­ness und Ge­sund­er­hal­tung der Ar­beits­kraft, zum Bei­spiel durch:
• pro­fes­sio­nel­le Zahn­rei­ni­gung
• me­di­zi­ni­sche Mas­sa­gen
• Beiträge für Sport­ver­ei­ne oder Fit­ness­stu­di­os
• Rücken­schu­le
• Ernährungs­kur­se
• Zu­zah­lun­gen für Me­di­ka­men­te, Ku­ren oder Phy­sio­the­ra­pie
• Beiträge für Zu­satz­ver­si­che­run­gen oder Kran­ken­haus­auf­ent­hal­te
• Aus­lands­kran­ken­ver­si­che­rung“
Im Flug­blatt ist wei­ter aus­geführt, dass die Er­ho­lungs­bei­hil­fe ge­staf­felt nach dem Ein­tritts­da­tum in die IG Me­tall in ei­ner Höhe von 100,00 bis 200,00 Eu­ro ge­zahlt wer­de. In der Fol­ge­zeit er­hiel­ten Ar­beit­neh­mer der Be­klag­ten, die Mit­glied der IG Me­tall sind, Er­ho­lungs­bei­hil­fen durch den Saar­ver­ein.
Als die Be­klag­te die An­ga­ben des Flug­blatts und ins­be­son­de­re die an­gekündig­te Abhängig­keit der Höhe der Er­ho­lungs­bei­hil­fen von der Dau­er der Mit­glied­schaft der Ar­beit­neh­mer in der IG Me­tall zur Kennt­nis ge­nom­men hat­te, sah sie dar­in ei­nen Ver­s­toß ge­gen die Bei­tritts­ver­ein­ba­rung. Sie for­der­te die Ver­tre­ter der IG Me­tall und die Vor­sit­zen­de des Saar­ver­eins auf, ent­we­der die Er­ho­lungs­bei­hil­fen ent­spre­chend den ge­setz­li­chen Vor­ga­ben aus­zu­be­zah­len oder der Be­klag­ten zu­min­dest die lohn­steu­er­re­le­van­ten Da­ten der Begüns­tig­ten zum Zwe­cke ei­ner in­di­vi­du­el­len Ver­steue­rung zur Verfügung zu stel­len. Nach­dem dies er­folg­los ge­blie­ben war, schätz­te sie auf der Ba­sis ei­ner Plau­si­bi­litäts­sta­tis­tik die Steu­ern und So­zi­al­ab­ga­ben, kor­ri­gier­te ih­re An­ga­ben ge­genüber der Fi­nanz­ver­wal­tung und den So­zi­al­ver­si­che­rungs­trägern und ent­rich­te­te die aus­ste­hen­den Beträge nachträglich.
Der Kläger hat die Auf­fas­sung ver­tre­ten, ihm ste­he ein An­spruch auf Er­ho­lungs­bei­hil­fe in Höhe von 200,00 Eu­ro net­to, hilfs­wei­se brut­to, ge­gen die Be­klag­te un­ter Gleich­be­hand­lungs­ge­sichts­punk­ten zu. Die Be­klag­te ha­be über den Saar­ver­ein aus­sch­ließlich - nach Dau­er der Mit­glied­schaft - ge­staf­fel­te Zah­lun­gen an IG Me­tall-Mit­glie­der er­bracht und da­bei nicht oder an­ders ge­werk­schaft­lich or­ga­ni­sier­te Ar­beit­neh­mer zu Un­recht von die­ser Leis­tung aus­ge­schlos­sen. Es lie­ge ein Um­ge­hungs­tat­be­stand vor. Mit der Leis­tung über den Saar­ver­ein soll­te ei­ne An­wen­dung des ar­beits­recht­li­chen Gleich­be­hand­lungs­grund­sat­zes ver­hin­dert wer­den, die nicht schon des­halb aus­ge­schlos­sen sei, weil die Er­ho­lungs­bei­hil­fe auf­grund ei­ner Ver­ein­ba­rung mit der IG Me­tall gewährt wor­den sei. Die für die Er­ho­lungs­bei­hil­fe von der Be­klag­ten vor­ge­nom­me­ne Grup­pen­bil­dung sei sach­fremd. Die nicht in der IG Me­tall or­ga­ni­sier­ten Ar­beit­neh­mer hätten ge­nau­so wie die­se durch die Strei­chung ih­rer Son­der­zah­lun­gen zum Sa­nie­rungs­er­folg bei­ge­tra­gen. Es ha­be Zah­lun­gen in Höhe von 200,00 Eu­ro net­to ge­ge­ben. Der gel­tend ge­mach­te Be­trag sei des­halb auch der
Höhe nach ge­recht­fer­tigt. Für ei­ne an­de­re Be­rech­nung sei die Be­klag­te dar­le­gungs- und be­weis­pflich­tig.
die Be­klag­te zu ver­ur­tei­len, an ihn 200,00 Eu­ro net­to, hilfs­wei­se brut­to, nebst Zin­sen in Höhe von fünf Pro­zent-punk­ten über dem Ba­sis­zins­satz hier­aus seit dem 18. Ju­li 2011 zu zah­len.
Die Be­klag­te hat zur Be­gründung ih­res Kla­ge­ab­wei­sungs­an­trags aus­geführt, sie sei schon nicht pas­siv le­gi­ti­miert. Sie ha­be kei­ne Leis­tun­gen an die IG Me­tall-Mit­glie­der ih­res Un­ter­neh­mens er­bracht, Zah­lun­gen ha­be le­dig­lich der Saar­ver­ein ge­leis­tet. Die Do­tie­rung der Er­ho­lungs­bei­hil­fen sei auch nicht frei­wil­lig er­folgt, son­dern zur Erfüllung der mit der IG Me­tall im „Si­de Let­ter“ ver­ein­bar­ten Be­din­gung für de­ren Zu­stim­mung zu den Sa­nie­rungs­ver­ein­ba­run­gen. Nach dem im „Mas­ter Agree­ment“ ver­ein­bar­ten Sa­nie­rungs­plan sei­en für die Jah­re 2010 und 2011 bei den Ar­beits­kos­ten Ein­spa­run­gen in Höhe von 265 Mil­lio­nen Eu­ro jähr­lich er­for­der­lich ge­we­sen, um das Un­ter­neh­men zu sa­nie­ren und ei­ne ab­seh­ba­re Ent­las­sung von vie­len Mit­ar­bei­tern des Un­ter­neh­mens zu ver­hin­dern. Da­bei sei sie zwin­gend auf die Mit­wir­kung der IG Me­tall an­ge­wie­sen ge­we­sen. Al­lein de­ren Zu­stim­mung zum Sa­nie­rungs­ta­rif­ver­trag sei Zweck der Bei­tritts­ver­ein­ba­rung und der da­mit ver­bun­de­nen Leis­tun­gen ge­we­sen. Dass die­se Ver­ein­ba­rung nicht mit­tels ei­nes - for­mel­len - Ta­rif­ver­trags er­folgt sei, ände­re nichts dar­an, dass es sich um ei­ne Ver­ein­ba­rung zwi­schen Ta­rif­ver­trags­par­tei­en han­de­le. Dass der Saar­ver­ein die Höhe der Er­ho­lungs­bei­hil­fen an die Dau­er der Mit­glied­schaft in der IG Me­tall ge­knüpft ha­be, sei ihr nicht zu­zu­rech­nen. Ver­ein­bart wor­den sei­en le­dig­lich die Zah­lun­gen von Er­ho­lungs­bei­hil­fen im steu­er­recht­li­chen Sinn.
Das Ar­beits­ge­richt hat der Kla­ge statt­ge­ge­ben. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt hat sie ab­ge­wie­sen. Mit der vom Lan­des­ar­beits­ge­richt zu­ge­las­se­nen Re­vi­si­on be­gehrt der Kläger die Wie­der­her­stel­lung des ar­beits­ge­richt­li­chen Ur­teils.
Die zulässi­ge Re­vi­si­on ist nicht be­gründet. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt hat die Kla­ge zu Recht ab­ge­wie­sen.
Für ei­nen An­spruch des Klägers auf Zah­lung der be­gehr­ten Er­ho­lungs­bei­hil­fe gibt es kei­ne recht­li­che Grund­la­ge, selbst wenn man zu sei­nen Guns­ten un­ter­stellt, die Be­klag­te ha­be in zu­re­chen­ba­rer Wei­se den bei ihr beschäftig­ten Mit­glie­dern der IG Me­tall durch den Ab­schluss der Bei­tritts­ver­ein­ba­rung zum Saar­ver­ein in der Form ei­nes Ver­tra­ges zu­guns­ten Drit­ter (§ 328 BGB) ei­nen Rechts­an­spruch auf die Leis­tung von Er­ho­lungs­bei­hil­fen zu­ge­wandt. Ein sol­cher An­spruch des Klägers er­gibt sich nicht in An­wen­dung des ar­beits­recht­li­chen Gleich­be­hand­lungs­grund­sat­zes, auf den al­lein er sich be­zieht. Des­sen An­wen­dungs­be­reich ist nicht eröff­net. Die Bei­tritts­ver­ein­ba­rung un­ter­liegt als ein Be­stand­teil der Sa­nie­rungs­ver­ein­ba­run­gen zwi­schen ta­riffähi­gen Ver­trags­part­nern, der Be­klag­ten und der IG Me­tall, nicht der Kon­trol­le an­hand des ar­beits­recht­li­chen Gleich­be­hand­lungs­grund­sat­zes.
I. Der ar­beits­recht­li­che Gleich­be­hand­lungs­grund­satz al­lein kann dem Kläger - wie je­dem Ar­beit­neh­mer - kei­nen un­mit­tel­ba­ren An­spruch auf ei­ne Leis­tung des Ar­beit­ge­bers gewähren. Wen­det ein Ar­beit­ge­ber ei­ner nach be­stimm­ten Kri­te­ri­en de­fi­nier­ten Grup­pe von Ar­beit­neh­mern pri­vat­au­to­nom ei­ne Leis­tung zu, nimmt da­mit an­de­re Ar­beit­neh­mer hier­von aus und verstößt er bei der Fest­le­gung der zu­grun­de lie­gen­den An­spruchs­vor­aus­set­zun­gen ge­gen den ar­beits­recht­li­chen Gleich­be­hand­lungs­grund­satz, kann dies da­zu führen, dass er ver­pflich­tet ist, dem aus­ge­schlos­se­nen An­spruch­stel­ler gleich­wohl die der Grup­pe ver­spro­che­ne Leis­tung zu gewähren.
1. Nach der ständi­gen Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts ge­bie­tet der ar­beits­recht­li­che Gleich­be­hand­lungs­grund­satz dem Ar­beit­ge­ber, der Tei­len sei­ner Ar­beit­neh­mer frei­wil­lig nach ei­nem be­stimm­ten er­kenn­ba­ren ge­ne­ra­li­sie­ren­den Prin­zip Leis­tun­gen gewährt, Grup­pen von Ar­beit­neh­mern, die sich in glei­cher oder ver­gleich­ba­rer La­ge be­fin­den, gleich zu be­han­deln. Un­ter­sagt ist
ihm da­nach so­wohl ei­ne willkürli­che Schlech­ter­stel­lung ein­zel­ner Ar­beit­neh­mer in­ner­halb ei­ner Grup­pe als auch ei­ne sach­frem­de Grup­pen­bil­dung (s. nur BAG 6. Ju­li 2011 - 4 AZR 596/09 - Rn. 23 mwN, BA­GE 138, 253). Da­bei gilt der Gleich­be­hand­lungs­grund­satz bei Fra­gen der Vergütung nur ein­ge­schränkt; in­so­weit hat der Grund­satz der Ver­trags­frei­heit für in­di­vi­du­ell aus­ge­han­del­te Gehälter Vor­rang. Er­folgt die Vergütung je­doch nach ei­nem be­stimm­ten er­kenn­ba­ren und ge­ne­ra­li­sie­ren­den Prin­zip, in­dem er be­stimm­te Vor­aus­set­zun­gen oder be­stimm­te Zwe­cke fest­legt, greift der ar­beits­recht­li­che Gleich­be­hand­lungs­grund­satz auch im Be­reich der Ent­gelt­zah­lung (BAG 25. Ja­nu­ar 2012 - 4 AZR 147/10 - Rn. 57, BA­GE 140, 291).
a) Vor­aus­set­zung für die An­wen­dung des ar­beits­recht­li­chen Gleich­be­hand­lungs­grund­sat­zes ist, dass der Ar­beit­ge­ber durch ein ei­ge­nes ge­stal­ten­des Ver­hal­ten ein ei­ge­nes Re­gel­werk oder ei­ne ei­ge­ne Ord­nung ge­schaf­fen hat. Da­nach knüpft die Ver­pflich­tung des Ar­beit­ge­bers zur Gleich­be­hand­lung sei­ner Ar­beit­neh­mer nicht un­mit­tel­bar an die Leis­tung selbst an, son­dern viel­mehr an das von ihm zu­grun­de ge­leg­te, selbst­be­stimm­te ge­ne­ra­li­sie­ren­de Prin­zip. Es han­delt sich da­bei um ei­ne pri­vat­au­to­no­me Ver­tei­lungs­ent­schei­dung, die ih­ren Aus­druck in ei­ner vom Ar­beit­ge­ber frei­wil­lig ge­setz­ten An­spruchs­grund­la­ge für die je­wei­li­ge Leis­tung fin­det. Der Leis­tung selbst geht je­weils die „Schaf­fung ei­nes ei­ge­nen Re­gel­werks ... durch ei­ge­nes ge­stal­ten­des Ver­hal­ten“ (zB BAG 21. No­vem­ber 2013 - 6 AZR 23/12 - Rn. 76; eben­so 12. Ok­to­ber 2011 - 10 AZR 510/10 - Rn. 13; 6. Ju­li 2011 - 4 AZR 596/09 - Rn. 28, BA­GE 138, 253) vor­aus, in der das ge­ne­ra­li­sie­ren­de Prin­zip fest­ge­legt wird. Bei der Be­stim­mung der für den Leis­tungs­an­spruch maßge­ben­den Kri­te­ri­en und der Kon­kre­ti­sie­rung des „ge­ne­ra­li­sie­ren­den Prin­zips“ ist der Ar­beit­ge­ber al­ler­dings an den Gleich­be­hand­lungs­grund­satz ge­bun­den. Bei bloßem - auch ver­meint­li­chem - Norm­voll­zug gilt die­ser da­ge­gen nicht. Es fehlt in­so­weit an ei­ner ei­ge­nen Ver­tei­lungs­ent­schei­dung des Ar­beit­ge­bers, wenn er sub­jek­tiv kei­ne ei­ge­nen An­spruchs­vor­aus­set­zun­gen bil­det, son­dern sich - wenn auch irrtümli­cher­wei­se - ver­pflich­tet sieht, ei­ne aus sei­ner Sicht wirk­sa­me Re­ge­lung nur voll­zie­hen zu müssen. An­ders verhält es sich, wenn der Ar­beit­ge­ber nach Kennt­nis von sei­nem Irr­tum die bis da­hin oh­ne Rechts­grund er­brach­ten Leis­tun­gen wei­ter­gewährt und recht­lich
mögli­che Rück­for­de­rungs­ansprüche nicht gel­tend macht. Ab die­sem Zeit­punkt er­bringt er be­wusst zusätz­li­che frei­wil­li­ge Leis­tun­gen auf­grund ei­ge­ner Ent­schei­dung, die ih­rer­seits dem ar­beits­recht­li­chen Gleich­be­hand­lungs­grund­satz genügen muss (st. Rspr., vgl. nur BAG 25. Ja­nu­ar 2012 - 4 AZR 148/10 - Rn. 57; 21. No­vem­ber 2013 - 6 AZR 23/12 - aaO; 27. Ju­ni 2012 - 5 AZR 317/11 - Rn. 17; 27. Au­gust 2008 - 4 AZR 484/07 - Rn. 40, BA­GE 127, 305; 26. April 2005 - 1 AZR 76/04 - zu II 1 der Gründe, BA­GE 114, 286).
aa) Die Kri­te­ri­en, nach de­nen die not­wen­dig abs­trak­ten An­spruchs­vor­aus­set­zun­gen durch den Ar­beit­ge­ber be­stimmt wer­den, kenn­zeich­nen zu­gleich die Ab­gren­zung der begüns­tig­ten Grup­pe von den sons­ti­gen Ar­beit­neh­mern, die die­se Vor­aus­set­zun­gen nicht erfüllen. Da­bei wer­den die Kri­te­ri­en ent­we­der aus­drück­lich for­mu­liert oder - wie es häufig der Fall ist - da­durch kon­klu­dent be­stimmt, dass sich die An­spruchs­vor­aus­set­zun­gen aus ei­ner Ge­samt­schau der begüns­tig­ten Ar­beit­neh­mer und de­ren Ge­mein­sam­kei­ten oh­ne Wei­te­res er­ge­ben. In­so­fern geht die Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts da­von aus, dass sich aus den tatsächlich gewähr­ten Leis­tun­gen mit hin­rei­chen­der Si­cher­heit ein „er­kenn­ba­res“ all­ge­mei­nes Prin­zip - un­abhängig von der ein­zel­nen Per­son des begüns­tig­ten Ar­beit­neh­mers - er­gibt und er­ge­ben muss (BAG 16. Fe­bru­ar 2012 - 8 AZR 242/11 - Rn. 79 mwN). Es be­darf da­her ei­nes kol­lek­ti­ven Be­zugs, da bloße Ein­zel­maßnah­men des Ar­beit­ge­bers nicht dem ar­beits­recht­li­chen Gleich­be­hand­lungs­grund­satz un­ter­lie­gen (BAG 16. Mai 2012 - 4 AZR 372/10 - Rn. 20; 24. Ja­nu­ar 2012 - 9 AZR 131/11 - Rn. 25; 21. Ok­to­ber 2009 - 10 AZR 664/08 - Rn. 29; ähn­lich zur be­trieb­li­chen Übung BAG 21. April 2010 - 10 AZR 163/09 - Rn. 11, 13; zum er­for­der­li­chen kol­lek­ti­ven Be­zug bei der An­wen­dung des ar­beits­recht­li­chen Gleich­be­hand­lungs­grund­sat­zes nach § 75 Abs. 1 Be­trVG ausf. BAG 10. Ok­to­ber 2006 - 1 ABR 68/05 - Rn. 28 ff., BA­GE 119, 356). Steht ei­ne un­ter­schied­li­che Aus­ge­stal­tung von Leis­tun­gen nach Grup­pen von Ar­beit­neh­mern fest, oh­ne dass das der Leis­tung zu­grun­de lie­gen­de Prin­zip of­fen­sicht­lich wird, muss ein Ar­beit­ge­ber die von ihm bei der Ver­tei­lungs­ent­schei­dung um­ge­setz­te und vor­her be­stimm­te Re­gel nach Zweck der Leis­tung und Dif­fe­ren­zie­rungs­ge­sichts­punk­ten bei den
Begüns­tig­ten of­fen­le­gen (BAG 12. Ok­to­ber 2011 - 10 AZR 510/10 - Rn. 14 mwN; 16. Ju­ni 2010 - 4 AZR 928/08 - Rn. 39).
bb) Lie­gen da­nach der Leis­tung be­stimm­te, vom Ar­beit­ge­ber for­mu­lier­te oder for­mu­lier­ba­re Vor­aus­set­zun­gen zu­grun­de, muss die vom Ar­beit­ge­ber da-mit selbst ge­schaf­fe­ne Grup­pen­bil­dung ge­mes­sen am Zweck der Leis­tung sach­lich ge­recht­fer­tigt sein (vgl. nur BAG 22. Ja­nu­ar 2009 - 8 AZR 808/07 - Rn. 35 mwN). Dies ist nach der Recht­spre­chung der Fall, wenn die Dif­fe­ren­zie­rungs­gründe un­ter Berück­sich­ti­gung der Be­son­der­hei­ten der je­wei­li­gen Leis­tung auf vernünf­ti­gen, ein­leuch­ten­den Erwägun­gen be­ru­hen und nicht ge­gen ver­fas­sungs­recht­li­che Wer­tent­schei­dun­gen oder ge­setz­li­che Ver­bo­te ver­s­toßen (vgl. nur BAG 16. Ju­ni 2010 - 4 AZR 928/08 - Rn. 39; 22. De­zem­ber 2009 - 3 AZR 136/08 - Rn. 45 mwN). Da­mit wird die Be­stim­mung der vom Ar­beit­ge­ber au­to­nom fest­ge­setz­ten „Tat­be­stands­merk­ma­le“ für die fest­ge­setz­te Leis­tung ei­ner Recht­fer­ti­gungs­prüfung am Maßstab des ar­beits­recht­li­chen Gleich­be­hand­lungs­grund­sat­zes un­ter­zo­gen. Lässt sich die mit der ar­beit­ge­ber-sei­ti­gen Fest­le­gung der An­spruchs­vor­aus­set­zun­gen bei der „Norm­auf­stel­lung“ (Raab FS Kreutz 2010 S. 317, 341) ver­bun­de­ne Aus­gren­zung an­de­rer Ar­beit­neh­mer, die die­se An­for­de­run­gen nicht erfüllen, ge­mes­sen am Zweck der Leis­tung nicht sach­lich recht­fer­ti­gen, ist hin­sicht­lich der Ar­beit­neh­mer, die da­durch in nicht ge­recht­fer­tig­ter Wei­se von der Leis­tung aus­ge­schlos­sen wer­den, der ar­beits­recht­li­che Gleich­be­hand­lungs­grund­satz ver­letzt.
b) Rechts­fol­ge ei­ner Ver­let­zung des ar­beits­recht­li­chen Gleich­be­hand­lungs­grund­sat­zes ist die „Kor­rek­tur“ der ar­beit­ge­ber­sei­tig be­stimm­ten gleich­be­hand­lungs­wid­ri­gen Vor­aus­set­zung. Die sach­lich nicht ge­recht­fer­tig­te Grup­pen­bil­dung führt im Er­geb­nis zu ei­ner An­pas­sung die­ses Merk­mals durch ein gleich­be­hand­lungs­kon­for­mes. Der Ar­beit­neh­mer, der oh­ne sach­li­che Recht­fer­ti­gung un­gleich be­han­delt wur­de, kann die Leis­tung, von der er nach der Re­gel­bil­dung des Ar­beit­ge­bers we­gen Nich­terfüllung des gleich­be­hand­lungs­wid­ri­gen Tat­be­stands­merk­mals aus­ge­schlos­sen war, von die­sem ver­lan­gen, wenn es kei­ne wei­te­ren Vor­aus­set­zun­gen gibt oder wenn et­wai­ge wei­te­re Vor­aus­set-
zun­gen von ihm erfüllt wer­den (s. et­wa zur An­wen­dung ei­nes be­stimm­ten Ta­rif­werks BAG 6. Ju­li 2011 - 4 AZR 596/09 - Rn. 24 ff., 51, BA­GE 138, 253).
2. Der Ar­beit­ge­ber ist nicht nur dann an den ar­beits­recht­li­chen Gleich­be­hand­lungs­grund­satz ge­bun­den, wenn er ein­sei­tig all­ge­mei­ne An­spruchs­vor­aus­set­zun­gen für ei­ne Leis­tung be­stimmt hat, son­dern auch, wenn ar­beits­ver­trag­li­che Ver­ein­ba­run­gen vor­lie­gen. Dann be­grenzt der Grund­satz um den Schutz des Ar­beit­neh­mers wil­len die Ge­stal­tungs­macht des Ar­beit­ge­bers (vgl. da­zu BAG 6. Ju­li 2011 - 4 AZR 596/09 - Rn. 23 mwN, BA­GE 138, 253).
a) Pri­vat­recht­li­che Ver­ein­ba­run­gen be­ru­hen auf dem Prin­zip der Pri­vat­au­to­no­mie. Die­ses setzt als Grund­la­ge für ei­ne freie Ver­ein­ba­rung vor­aus, dass die Be­din­gun­gen der Selbst­be­stim­mung des Ein­zel­nen tatsächlich ge­ge­ben sind (vgl. BVerfG 7. Sep­tem­ber 2010 - 1 BvR 2160/09, 1 BvR 851/10 - Rn. 34, BVerfGK 18, 14; 7. Fe­bru­ar 1990 - 1 BvR 26/84 - zu C I 3 der Gründe, BVerfGE 81, 242). Die Ver­mu­tung der An­ge­mes­sen­heit ei­nes in ei­nen Ver­trag münden­den Ver­hand­lungs­er­geb­nis­ses be­ruht auf der prin­zi­pi­el­len An­nah­me ei­nes struk­tu­rel­len Gleich­ge­wichts zwi­schen den bei­den Ver­hand­lungs­part­nern (BAG 7. Ju­ni 2006 - 4 AZR 316/05 - Rn. 29, BA­GE 118, 232).
b) Die­se Vor­aus­set­zung ist im Rah­men ei­nes Ar­beits­verhält­nis­ses auf­grund der be­ste­hen­den Dis­pa­rität der Ver­trags­part­ner zu­las­ten des Ar­beit­neh­mers grundsätz­lich nicht ge­ge­ben. Dass der ein­zel­ne Ar­beit­neh­mer sich beim Ab­schluss von Ar­beits­verträgen ty­pi­scher­wei­se in ei­ner Si­tua­ti­on struk­tu­rel­ler Un­ter­le­gen­heit be­fin­det, ist auch in der Recht­spre­chung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts an­er­kannt (BVerfG 23. No­vem­ber 2006 - 1 BvR 1909/06 - zu II 2 b aa (2) der Gründe mwN der st. Rspr.; BAG 25. April 2007 - 5 AZR 627/06 - Rn. 22, BA­GE 122, 182). Die von Ver­fas­sungs we­gen zu berück­sich­ti­gen­de struk­tu­rel­le Un­ter­le­gen­heit des Ar­beit­neh­mers be­steht nicht nur bei der Be­gründung, son­dern auch im be­ste­hen­den Ar­beits­verhält­nis (BAG 25. April 2007 - 5 AZR 627/06 - aaO). Es ist Auf­ga­be des Rechts, auf die Wah­rung der Grund­rechts­po­si­tio­nen bei­der Ver­trags­part­ner hin­zu­wir­ken, um zu ver­hin­dern, dass sich für ei­nen Ver­trags­teil die Selbst­be­stim­mung in ei­ne Fremd­be­stim­mung ver­kehrt (BVerfG 6. Fe­bru­ar 2001 - 1 BvR 12/92 - zu B I 1 a und b der
Gründe, BVerfGE 103, 89). Dies ge­schieht ua. durch ei­ne In­halts­kon­trol­le ein­zel­ver­trag­li­cher Ver­ein­ba­run­gen (allg. et­wa BAG 7. Ju­ni 2006 - 4 AZR 316/05 - Rn. 29 f., BA­GE 118, 232), et­wa an­hand der §§ 305 ff. BGB, wenn All­ge­mei­ne Geschäfts­be­din­gun­gen vor­lie­gen. Räumt der Ar­beits­ver­trag dem Ar­beit­ge­ber bei der Durchführung ei­ne ein­sei­ti­ge Ge­stal­tungs­macht ein, un­ter­liegt de­ren Ausübung der rich­ter­li­chen Er­mes­sens­kon­trol­le nach §§ 315 ff. BGB. Wenn da­bei ein kol­lek­ti­ver Be­zug vor­liegt, kommt in­so­weit der ar­beits­recht­li­che Gleich­be­hand­lungs­grund­satz zur An­wen­dung (zur Be­gründung des ar­beits-recht­li­chen Gleich­be­hand­lungs­grund­sat­zes be­reits BAG 21. De­zem­ber 1970 - 3 AZR 510/69 - zu II der Gründe, BA­GE 23, 160; zum Schutz­cha­rak­ter des ar­beits­recht­li­chen Gleich­be­hand­lungs­grund­sat­zes BAG 23. Ok­to­ber 2012 - 4 AZR 48/11 - Rn. 14).
c) Die Be­gren­zung pri­vat­au­to­no­men Han­delns an­hand des ar­beits­recht­li­chen Gleich­be­hand­lungs­grund­sat­zes greift nach den vor­ste­hen­den Maßstäben des­halb auch ein, wenn der Ar­beit­ge­ber mit ein­zel­nen Ar­beit­neh­mern ver­trag­li­che Ver­ein­ba­run­gen über ei­ne Leis­tung schließt und der Aus­wahl der Ar­beit­neh­mer ein abs­trak­tes, ge­ne­ra­li­sie­ren­des Prin­zip zu­grun­de liegt. Ist der kol­lek­ti­ve Be­zug hin­rei­chend gewähr­leis­tet, ist der Ar­beit­ge­ber ver­pflich­tet, ver­gleich­ba­re Ar­beit­neh­mer nur aus sach­lich ge­recht­fer­tig­ten Ge­sichts­punk­ten von dem An­ge­bot aus­zu­sch­ließen (zu ei­ner sol­chen Kon­stel­la­ti­on BAG 4. Mai 2010 - 9 AZR 155/09 - BA­GE 134, 223; 25. Fe­bru­ar 2010 - 6 AZR 911/08 - Rn. 47 ff., BA­GE 133, 265). Ein zu Un­recht be­nach­tei­lig­ter Ar­beit­neh­mer kann da­nach ver­lan­gen, dass auch mit ihm ein ent­spre­chen­der Ver­trag ge­schlos­sen wird. Lehnt al­ler­dings ein Ar­beit­neh­mer das an al­le Ar­beit­neh­mer ge­mach­te An­ge­bot des Ar­beit­ge­bers auf Ab­schluss ei­nes (Ände­rungs-)Ver­trags ab, schei­det ei­ne Ver­let­zung des ar­beits­recht­li­chen Gleich­be­hand­lungs­grund­sat­zes aus, weil die sich aus der Wei­ge­rung nun­mehr er­ge­ben­de Grup­pen­bil­dung hin­sicht­lich der in den Ände­rungs­verträgen vor­ge­se­he­nen Leis­tung nicht auf ei­ner vom Ar­beit­ge­ber selbst auf­ge­stell­ten Re­gel be­ruht (BAG 21. Sep­tem­ber 2011 - 5 AZR 520/10 - Rn. 20, BA­GE 139, 190; vgl. auch BAG 14. De­zem­ber 2011 - 5 AZR 675/10 - Rn. 17 f.).
3. Die Ver­pflich­tung des Ar­beit­ge­bers zur Be­ach­tung des ar­beits­recht­li­chen Gleich­be­hand­lungs­grund­sat­zes be­steht al­ler­dings nicht bei je­der Form pri­vat­au­to­no­men Han­delns. Wer­den Rech­te und Pflich­ten für ein Ar­beits­verhält­nis zwar pri­vat­au­to­nom, aber un­ter den Be­din­gun­gen ei­nes struk­tu­rel­len Gleich­ge­wichts ver­ein­bart, bleibt der An­wen­dungs­be­reich des ar­beits­recht­li­chen Gleich­be­hand­lungs­grund­sat­zes ver­schlos­sen. In der Fol­ge sind nicht nur ta­rif­ver­trag­li­che, son­dern auch schuld­recht­li­che Ver­ein­ba­run­gen zwi­schen ta­riffähi­gen Par­tei­en von ei­ner Kon­trol­le an­hand des ar­beits­recht­li­chen Gleich­be­hand­lungs­grund­sat­zes aus­ge­schlos­sen.
a) Nach der ständi­gen Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts fin­det der ar­beits­recht­li­che Gleich­be­hand­lungs­grund­satz kei­ne An­wen­dung bei ei­nem bloßen Nor­men­voll­zug (s. nur BAG 6. Ju­li 2011 - 4 AZR 596/09 - Rn. 23 mwN, BA­GE 138, 253). So­weit dies in der Recht­spre­chung auf Ta­rif­verträge an­ge­wandt wird, kann dies nicht dar­auf zurück­geführt wer­den, dass die Ver­ein­ba­rung und Erfüllung zwin­gen­der Ta­rif­re­ge­lun­gen ei­ne - dem Ge­setz ver­gleich­ba­re - Fremd­be­stim­mung enthält, der der Ar­beit­ge­ber bloß un­ter­le­gen ist. Der Ab­schluss von Ta­rif­verträgen ist als Wahr­neh­mung der Ta­rif­au­to­no­mie dem pri­vat­au­to­no­men Han­deln der Be­tei­lig­ten zu­zu­ord­nen, was sich bei Fir­men­ta­rif­verträgen von selbst er­gibt, aber auch für Ver­bands­ta­rif­verträge gilt. Die Gel­tung von Ta­rif­re­ge­lun­gen nach § 3 Abs. 1, § 4 Abs. 1 TVG ist so­wohl recht­lich als auch le­gi­ti­ma­to­risch auf den pri­vat­au­to­no­men Wil­len der Ar­beits­ver­trags­par­tei­en zurück­zuführen. Die Erfüllung von mit­glied­schaft­lich le­gi­ti­mier­ten ta­rif­lich ge­re­gel­ten Ver­pflich­tun­gen ist mit dem Voll­zug ei­ner ge­setz­li­chen An­ord­nung nicht ver­gleich­bar. Ih­re Her­aus­nah­me aus dem An­wen­dungs­be­reich des ar­beits­recht­li­chen Gleich­be­hand­lungs­grund­sat­zes hat ih­ren Grund viel­mehr dar­in, dass bei Ta­rif­verträgen die bei In­di­vi­dual­ar­beits­verträgen ty­pi­scher­wei­se zu ver­nei­nen­de Ver­hand­lungs­pa­rität von Ver­fas­sungs we­gen vor­aus­ge­setzt wird (st. Rspr. vgl. nur BAG 7. Ju­ni 2006 - 4 AZR 316/05 - Rn. 30 mwN, BA­GE 118, 232). Der In­halts­kon­trol­le des pri­vat­au­to­no­men Han­delns des Ar­beit­ge­bers be­darf es hier nicht, weil es an ei­nem struk­tu­rel­len Un­gleich­ge­wicht des Ver­hand­lungs­part­ners fehlt. Die Möglich­keit, dass Ta­rif­ver­trags­par­tei­en Min­dest­ar­beits­be­din­gun­gen aus­han­deln, stellt ein ver­fas­sungs­recht­lich und ge­setz­lich vor­ge-
se­he­nes Kor­rek­tiv zur struk­tu­rel­len Un­gleich­ge­wich­tig­keit der Ver­trags­part­ner ein­zel­ner Ar­beits­verhält­nis­se dar. Die Ta­rif­au­to­no­mie ist ge­ra­de dar­auf an­ge­legt, die struk­tu­rel­le Un­ter­le­gen­heit der ein­zel­nen Ar­beit­neh­mer beim Ab­schluss von Ar­beits­verträgen durch kol­lek­ti­ves Han­deln aus­zu­glei­chen und da­mit ein annähernd gleich­ge­wich­ti­ges Aus­han­deln der Vergütun­gen und Ar­beits­be­din­gun­gen zu ermögli­chen (BVerfG 26. Ju­ni 1991 - 1 BvR 779/85 - zu C I 3 b aa der Gründe, BVerfGE 84, 212; 4. Ju­li 1995 - 1 BvF 2/86 ua. - zu C I 1 c der Gründe, BVerfGE 92, 365). Hier­durch wird re­gelmäßig wie­der die - all­ge­mein vor­aus­ge­setz­te - Gleich­wer­tig­keit der Ver­hand­lungs­macht her­ge­stellt (vgl. BAG 19. Ju­ni 2007 - 1 AZR 396/06 - Rn. 20, BA­GE 123, 134; 4. Ju­ni 2008 - 4 AZR 419/07 - BA­GE 127, 27; BVerfG 4. Ju­li 1995 - 1 BvF 2/86 ua. - aaO). Da­her ha¬ben die Er­geb­nis­se kol­lek­tiv aus­ge­han­del­ter Ta­rif­ver­ein­ba­run­gen die Ver­mu­tung der An­ge­mes­sen­heit für sich (s. nur BAG 7. Ju­ni 2006 - 4 AZR 316/05 - aaO). Den so aus­ge­han­del­ten Ta­rif­verträgen legt das Ge­setz ei­ne un­mit­tel­ba­re und zwin­gen­de Wir­kung bei (§ 4 Abs. 1 TVG). Des­halb ist die in §§ 305 ff. BGB vor­ge­se­he­ne An­ge­mes­sen­heits­kon­trol­le bei Ta­rif­verträgen nach § 310 Abs. 4 Satz 1 BGB auch aus­ge­schlos­sen. Ei­ne Be­schränkung kann sich hier nur aus ei­nem un­mit­tel­ba­ren Ver­s­toß ge­gen höher­ran­gi­ges Recht er­ge­ben. Für die An­wen­dung des ar­beits­recht­li­chen Gleich­be­hand­lungs­grund­sat­zes ist da­ge­gen bei Ver­ein­ba­run­gen von ta­riffähi­gen Ver­trags­part­nern kein Raum (so be­reits aus­drück­lich BAG 26. April 2000 - 4 AZR 177/99 - zu II 3 b der Gründe, BA­GE 94, 273).
b) Die­se Grundsätze gel­ten nicht nur für nach § 4 Abs. 1 TVG un­mit­tel­bar und zwin­gend gel­ten­de Ta­rif­verträge, son­dern auch für schuld­recht­li­che Ver­ein­ba­run­gen zwi­schen ta­riffähi­gen Ver­trags­par­tei­en.
aa) Ta­rif­ver­trags­par­tei­en sind nicht ge­hal­ten, Ar­beits­be­din­gun­gen durch Ta­rif­verträge zu ver­ein­ba­ren. Sie können im Rah­men der ver­fas­sungs­recht­lich gewähr­leis­te­ten Ko­ali­ti­ons­betäti­gungs­frei­heit (s. nur JKOS/Krau­se Ta­rif­ver­trags­recht 2. Aufl. § 4 Rn. 159 mwN) auch schuld­recht­li­che (Ko­ali­ti­ons-)Verträge schließen (et­wa BAG 26. Ja­nu­ar 2011 - 4 AZR 159/09 - Rn. 18, BA­GE 137, 45; 3. April 2007 - 9 AZR 283/06 - Rn. 60, BA­GE 122, 33; 14. April
2004 - 4 AZR 232/03 - zu II 1 b der Gründe, BA­GE 110, 164). Für die Ta­rif­ver­trags­par­tei­en gilt die all­ge­mei­ne Ver­trags­frei­heit. Im Grund­satz ist ih­re schuld-recht­li­che Ver­ein­ba­rungs­macht un­be­grenzt (Löwisch/Rieb­le TVG 3. Aufl. § 1 Rn. 1169). So kann sich ein Ar­beit­ge­ber durch ei­ne schuld­recht­li­che Ver­ein­ba­rung mit ei­ner Ge­werk­schaft bspw. ver­pflich­ten, bei ei­ner „Out­sour­cing-Maßnah­me“ de­ren Zu­stim­mung ein­zu­ho­len (vgl. BAG 26. Ja­nu­ar 2011 - 4 AZR 159/09 - Rn. 20, aaO).
bb) Sol­che schuld­recht­li­chen Ver­ein­ba­run­gen zwi­schen Ta­rif­ver­trags­par­tei­en können auch als Verträge zu­guns­ten Drit­ter begüns­tig­ten Ar­beit­neh­mern un­mit­tel­bar, wenn auch ab­ding­bar (BAG 14. April 2004 - 4 AZR 232/03 - zu II 1 c aa der Gründe, BA­GE 110, 164), Rech­te einräum­en (zB BAG 5. No­vem­ber 1997 - 4 AZR 872/95 - zu II 1.2 der Gründe mwN, BA­GE 87, 45).
cc) Die An­ge­mes­sen­heits­ver­mu­tung gilt auch für schuld­recht­li­che Ver­ein­ba­run­gen ta­riffähi­ger Par­tei­en. Der Grund, war­um Ta­rif­ver­ein­ba­run­gen ei­ner Kon­trol­le durch den ar­beits­recht­li­chen Gleich­be­hand­lungs­grund­satz ent­zo­gen wer­den, ist nicht de­ren zwin­gen­de, un­mit­tel­ba­re Gel­tung, son­dern die grundsätz­li­che An­ge­mes­sen­heits­ver­mu­tung (oben un­ter I 3 a), die nicht nur für Ta­rif­verträge, son­dern auch für an­de­re Ver­ein­ba­run­gen zwi­schen Ta­rif­ver­trags­par­tei­en in glei­cher Wei­se gilt. In­so­weit kommt es nicht auf die nor­ma­ti­ve Wir­kung von Ta­rif­verträgen an. Wel­che Rechts­wir­kung Ta­rif­ver­trags­par­tei­en ih­ren Verträgen bei­le­gen, ändert dar­an nichts (s. nur Löwisch/Rieb­le TVG 3. Aufl. § 1 Rn. 1185, zur Nicht­an­wen­dung der AGB-Kon­trol­le bei schuld­recht­li­chen Ver­ein­ba­run­gen über In­hal­te, die auch ta­rif­ver­trag­lich re­gel­bar wären; eben­so JKOS/Krau­se Ta­rif­ver­trags­recht 2. Aufl. § 4 Rn. 162).
dd) Da­her un­ter­liegt ein Ko­ali­ti­ons­ver­trag zwi­schen ei­nem Ar­beit­ge­ber und ei­ner Ge­werk­schaft, in dem zu­guns­ten Drit­ter, zB der Ge­werk­schafts­mit­glie­der, ein Leis­tungs­an­spruch be­gründet wird, nicht dem ar­beits­recht­li­chen Gleich­be­hand­lungs­grund­satz (eben­so Löwisch/Rieb­le TVG 3. Aufl. § 1 Rn. 1193).
II. Un­ter Berück­sich­ti­gung der vor­ste­hen­den Grundsätze ist ein auf den ar­beits­recht­li­chen Gleich­be­hand­lungs­grund­satz gestütz­ter An­spruch des Klägers nicht ge­ge­ben. Da­bei kann zu des­sen Guns­ten un­ter­stellt wer­den, dass die von ihm als begüns­tig­te Grup­pe an­ge­se­he­nen Mit­glie­der der IG Me­tall ei­nen Rechts­an­spruch auf die von ihm be­gehr­te Leis­tung ha­ben; oh­ne ei­nen sol­chen wäre sei­ne Kla­ge schon des­halb un­be­gründet. Selbst wenn die in der IG Me­tall or­ga­ni­sier­ten Ar­beit­neh­mer der Be­klag­ten ei­nen An­spruch auf Zah­lung der be­gehr­ten Er­ho­lungs­bei­hil­fe iSd. § 40 Abs. 2 Nr. 3 EStG nach Maßga­be der Bei­tritts­ver­ein­ba­rung auch ge­gen die Be­klag­te hätten, weil die­se mit dem Saar­ver­ein durch die Bei­tritts­ver­ein­ba­rung ei­nen Ver­trag zu ih­ren Guns­ten iSd. §§ 328 ff. BGB ge­schlos­sen ha­ben soll­te, er­gibt sich für den Kläger hier­aus kein Zah­lungs­an­spruch. Die Bei­tritts­ver­ein­ba­rung un­ter­liegt als Teil ei­ner um­fas­sen­den zwi­schen ta­riffähi­gen Ver­trags­part­nern ge­schlos­se­nen (Sa­nie­rungs-)Ver­ein­ba­rung nicht dem ar­beits­recht­li­chen Gleich­be­hand­lungs­grund­satz. Da­bei spielt es auch kei­ne Rol­le, dass die er­for­der­li­chen Gel­der für die Er­ho­lungs­bei­hil­fe nicht di­rekt an die Ge­werk­schaft oder de­ren Mit­glie­der, son­dern an ei­ne an­de­re Zahl­stel­le ge­leis­tet wur­den, die dann ih­rer­seits die Er­ho­lungs­bei­hil­fen an Ge­werk­schafts­mit­glie­der aus­ge­kehrt hat. Der Gleich­be­hand­lungs­grund­satz fin­det auch in­so­weit kei­nen An­knüpfungs­punkt (Löwisch/Rieb­le TVG 3. Aufl. § 1 Rn. 1194).
1. Als An­spruchs­grund­la­ge für die bei der Be­klag­ten beschäftig­ten Mit­glie­der der IG Me­tall kommt aus­sch­ließlich die Bei­tritts­ver­ein­ba­rung zum Saar­ver­ein in Be­tracht. Da­von geht auch der Kläger aus, der ei­ne an­de­re Rechts­grund­la­ge nicht nennt.
2. Die schuld­recht­li­che Bei­tritts­ver­ein­ba­rung ist Teil der zwi­schen der Be­klag­ten und der IG Me­tall ge­schlos­se­nen Sa­nie­rungs­ver­ein­ba­run­gen. Sie dien­te der recht­lich ver­bind­li­chen Um­set­zung der im „Mas­ter Agree­ment“ und im „Si­de Let­ter“ vor­ge­se­he­nen Maßnah­men, um den an­ge­streb­ten Sa­nie­rungs­er­folg im Un­ter­neh­men der Be­klag­ten her­bei­zuführen.
a) Das „Mas­ter Agree­ment“ sah ei­ne Rei­he von Maßnah­men vor, die ua. zu er­heb­li­chen Ein­spa­run­gen von Per­so­nal­kos­ten führen soll­ten. Die­ses Ziel war nur zu er­rei­chen, wenn im Rah­men ei­ner „kon­zer­tier­ten Ak­ti­on“ al­le dar­an Be­tei­lig­ten, vor­ran­gig die Be­klag­te und die IG Me­tall, sich auf ko­or­di­nier­te Maßnah­men verständi­gen würden. Hier­zu gehörte ua., dass die ta­rif­lich vor­ge­se­he­nen Ein­mal­zah­lun­gen für den Zeit­raum vom 1. Mai 2010 bis zum 31. März 2011 ent­fal­len soll­ten (Ab­schnitt IV B 1 „Mas­ter Agree­ment“).
b) Da­bei stand die be­reits im „Mas­ter Agree­ment“ ent­hal­te­ne all­ge­mei­ne Zu­sa­ge der IG Me­tall (wie al­le wei­te­ren Zu­sa­gen im Ab­schnitt IV A und B „Mas­ter Agree­ment“) un­ter der „auf­schie­ben­den Be­din­gung, dass die Par­tei­en Ver­ein­ba­run­gen zu den Punk­ten - Ge­winn­be­tei­li­gung - Si­cher­hei­ten - Ta­rif­ver­trag En­gi­nee­ring - bis zum 1.9.2010 ab­sch­ließen“ (Ab­schnitt II „Mas­ter Agree­ment“). Zu­dem hat­ten die IG Me­tall und die Be­klag­te in dem „Si­de Let­ter“, die „un­ter B ge­nann­te Zu­sa­ge zur Ein­mal­zah­lung ... un­ter die auf­schie­ben­de Be­din­gung“ ge­stellt, dass „die IG-Me­tall und das Ma­nage­ment ei­ne Ver­ein­ba­rung zum Punkt ‚Bes­ser­stel­lung für IG-Me­tall Mit­glie­der‘ bis zum 1.9.2010 ab­sch­ließen.“
c) Die Bei­tritts­ver­ein­ba­rung der Be­klag­ten mit dem Saar­ver­ein dien­te der „Erfüllung und Kon­kre­ti­sie­rung“ der im „Si­de Let­ter“ ver­ein­bar­ten „Bes­ser­stel­lung der IG-Me­tall Mit­glie­der“. Sie ist ei­ne Um­set­zungs­maßnah­me der ta­rif­li­chen und schuld­recht­li­chen Ge­samt­ver­ein­ba­rung zur Sa­nie­rung der Be­klag­ten und Be­stand­teil der von der Be­klag­ten zu­ge­si­cher­ten „Ge­gen­leis­tung“ für die Zu­stim­mung der IG Me­tall zu den er­for­der­li­chen Ta­rif­verträgen. Da­von ist das Lan­des­ar­beits­ge­richt zu Recht aus­ge­gan­gen. Auch zwi­schen den Par­tei­en be­steht hierüber dem Grun­de nach kein Streit.
aa) Aus dem „Si­de Let­ter“ er­gibt sich, dass die IG Me­tall auf ei­ner vor dem Ab­schluss der Sa­nie­rungs­ta­rif­verträge ge­re­gel­ten „Bes­ser­stel­lung“ ih­rer Mit­glie­der be­stan­den hat. Die Bei­tritts­ver­ein­ba­rung als un­mit­tel­ba­re kon­kre­ti­sie­ren­de Re­ge­lung ei­ner sol­chen „Bes­ser­stel­lung“ steht dem­gemäß in ei­nem kau­sa­len Zu­sam­men­hang mit der Be­reit­schaft der IG Me­tall zum Ab­schluss der er­for­der­li­chen Sa­nie­rungs­ver­ein­ba­run­gen.
bb) Durch die Auf­nah­me der auf­schie­ben­den Be­din­gung in Nr. 6 der Bei­tritts­ver­ein­ba­rung, nach der die­se erst mit dem Wirk­sam­wer­den der Sa­nie­rungs­ver­ein­ba­run­gen in Kraft tre­ten soll­te, ist auch ei­ne un­mit­tel­ba­re recht­li­che Ver­bin­dung mit dem Ab­schluss der Sa­nie­rungs­ta­rif­verträge und da­mit der Um­set­zung des „Mas­ter Agree­ments“ her­ge­stellt. Die Bei­tritts­ver­ein­ba­rung ist da­mit erst nach Ab­schluss der Sa­nie­rungs­ver­ein­ba­run­gen mit der IG Me­tall am 1. Sep­tem­ber 2010 wirk­sam ge­wor­den.
cc) Die IG Me­tall hat den Ab­schluss der Bei­tritts­ver­ein­ba­rung auch er­kenn­bar als recht­li­che Kon­kre­ti­sie­rung und „Erfüllung“ der For­de­rung nach ei­ner Bes­ser­stel­lung ih­rer Mit­glie­der ak­zep­tiert und dann oh­ne wei­te­re Vor­be­hal­te dem Sa­nie­rungs­pa­ket nach­fol­gend am 1. Sep­tem­ber 2010 zu­ge­stimmt.
dd) Selbst der Kläger hat sich auf die­sen Zu­sam­men­hang be­ru­fen. Er hat dar­auf ver­wie­sen, die IG Me­tall ha­be ih­re Mit­wir­kung bei der Ver­ein­ba­rung ei­nes Sa­nie­rungs­ta­rif­ver­trags mit der Zah­lung des Ver­eins­bei­trags für Er­ho­lungs­zwe­cke ih­rer Mit­glie­der ver­knüpft. Den wei­te­ren hier­zu er­brach­ten de­tail­lier­te­ren Vor­trag der Be­klag­ten, wo­nach die Bei­tritts­ver­ein­ba­rung zwi­schen ihr und den Ver­tre­tern der IG Me­tall ver­han­delt wor­den sei, hat der Kläger nicht be­strit­ten.
d) Auf­grund die­ser tatsächli­chen und recht­li­chen Ver­knüpfung han­delt es sich bei der Bei­tritts­ver­ein­ba­rung um ei­ne Um­set­zung der ta­rif­li­chen und an­de­ren schuld­recht­li­chen Ver­ein­ba­run­gen des im „Mas­ter Agree­ment“ ua. zwi­schen der Be­klag­ten und der IG Me­tall ver­ein­bar­ten „Ge­samt­sa­nie­rungs­pa­kets“. Da­bei ist un­be­acht­lich, dass die wei­te­re Durchführung, wie et­wa die Ein­hal­tung der dar­in ge­re­gel­ten Ver­pflich­tun­gen durch den Saar­ver­ein, oh­ne recht­lich not­wen­di­ge Be­tei­li­gung der IG Me­tall als Or­ga­ni­sa­ti­on er­folgt ist.
3. Die Bei­tritts­ver­ein­ba­rung als sol­che ist nicht un­wirk­sam. Sie verstößt nicht ge­gen höher­ran­gi­ges Recht.
a) So­weit sich ei­ne Par­tei in ei­nem Ver­trag zu ei­nem ver­bots­wid­ri­gen Ver­hal­ten ver­pflich­tet, ist die Ver­ein­ba­rung nich­tig. Dies gilt zB für ei­ne Ver­pflich­tung des Ar­beit­ge­bers, Ver­ein­ba­run­gen mit sei­nen Ar­beit­neh­mern ab­zu­sch­lie-
ßen, die ih­rer­seits nich­tig oder un­wirk­sam wären, weil sie auf ei­ne Straf­tat ab­zie­len, bspw. ei­ne Steu­er­hin­ter­zie­hung oder ei­ne Vor­ent­hal­tung von So­zi­al­ver­si­che­rungs­beiträgen (Löwisch/Rieb­le TVG 3. Aufl. § 1 Rn. 1174).
b) Die Bei­tritts­ver­ein­ba­rung ist nicht dar­auf ge­rich­tet, ei­nen „un­er­laub­ten“ Er­folg her­bei­zuführen. Die Gewährung von Er­ho­lungs­bei­hil­fen iSd. § 40 Abs. 2 Nr. 3 EStG ein­sch­ließlich ih­rer steu­er­recht­li­chen Be­hand­lung ist ge­setz­lich ge­re­gelt. So­weit der Kläger die Auf­fas­sung ver­tritt, es han­de­le sich um ei­ne Kon­struk­ti­on zur Steu­er­hin­ter­zie­hung, gibt es hierfür kei­ne An­halts­punk­te. Es ist des­halb un­er­heb­lich, dass ihm dies zu­dem auch nicht zu dem be­gehr­ten An­spruch ver­hel­fen würde.
c) Mögli­che Ab­wei­chun­gen von der dem Grun­de nach in der Bei­tritts­ver­ein­ba­rung iVm. § 40 Abs. 2 EStG vor­ge­se­he­nen Staf­fe­lung der Beträge nach Fa­mi­li­en­stand und Kin­der­zahl bei der kon­kre­ten Um­set­zung durch den Saar­ver­ein, führen nicht zu de­ren Un­wirk­sam­keit. Sie stel­len al­len­falls ei­ne ab­re­de-wid­ri­ge Ver­wen­dung der Gel­der durch den Saar­ver­ein dar, las­sen sich aber nicht auf die Bei­tritts­ver­ein­ba­rung selbst und da­mit auf ei­ne Wil­lens­erklärung der Be­klag­ten zurückführen.
d) Die Tat­sa­che, dass die Ge­werk­schaft IG Me­tall für den Ab­schluss der Sa­nie­rungs­ta­rif­verträge ei­ne „Bes­ser­stel­lung“ ih­rer Mit­glie­der an an­de­rer Stel­le ver­langt hat, ist nicht zu be­an­stan­den. Die IG Me­tall kann als Ta­rif­ver­trags­par­tei frei ent­schei­den, zu wel­chen Be­din­gun­gen sie Ta­rif­verträge ab­sch­ließt (vgl. da­zu BAG 25. Sep­tem­ber 2013 - 4 AZR 173/12 - Rn. 23; 9. De­zem­ber 2009 - 4 AZR 190/08 - Rn. 51). Dies be­zieht sich so­wohl auf die im Ta­rif­ver­trag selbst ge­trof­fe­nen Re­ge­lun­gen als auch auf da­mit in Zu­sam­men­hang ste­hen­de wei­te­re Ver­ein­ba­run­gen. All dies ist grund­recht­lich geschützt, ins­be­son­de­re durch die ver­fas­sungs­recht­lich ga­ran­tier­te Ko­ali­ti­ons­frei­heit (vgl. da­zu nur Fran­zen RdA 2006, 1, 8). Die Ver­ein­ba­rung von Ar­beits­be­din­gun­gen für die Mit­glie­der ei­ner Ko­ali­ti­on ist auch oh­ne Wei­te­res möglich, wenn sie ei­nen wei­te­ren Um­set­zungs­akt durch Ver­ein­ba­rung mit ei­nem Drit­ten vor­aus­setzt (zB im Be­reich der be­trieb­li­chen Al­ters­ver­sor­gung) und nicht un­mit­tel­bar und zwin­gend iSv. § 4 Abs. 1 TVG für die Mit­glie­der der Ko­ali­ti­on gel­ten (s. oben zu I 3 b bb).
4. Wei­te­re Un­wirk­sam­keits­gründe, ins­be­son­de­re sol­che, die zu­gleich im We­ge der An­wen­dung des ar­beits­recht­li­chen Gleich­be­hand­lungs­grund­sat­zes ggf. zu ei­nem „Ver­schaf­fungs­an­spruch“ des Klägers ge­gen die Be­klag­te hin­sicht­lich der Gewährung von Er­ho­lungs­bei­hil­fen führen würden, sind nicht er­sicht­lich. Ins­be­son­de­re die Rüge der Re­vi­si­on, bei der Ver­ein­ba­rung zwi­schen der IG Me­tall und der Be­klag­ten über die Bei­tritts­ver­ein­ba­rung (s. oben) sei die er­for­der­li­che Schrift­form nicht ein­ge­hal­ten, ist un­er­heb­lich. Selbst wenn man zu­guns­ten des Klägers un­ter­stellt, die Ab­re­de zwi­schen der Be­klag­ten und der IG Me­tall, wo­nach durch die Bei­tritts­ver­ein­ba­rung die ge­for­der­te „Bes­ser­stel­lung“ um­ge­setzt wer­de, un­ter­lie­ge dem Schrift­form­zwang des § 1 Abs. 2 TVG und die­ser sei nicht ge­wahrt, er­gibt sich dar­aus noch kein An­spruch des Klägers. Der Gleich­be­hand­lungs­grund­satz fin­det vor­lie­gend auch dann kei­ne An­wen­dung, wenn die Be­klag­te den Bei­tritt zum Saar­ver­ein und die Erfüllung der dar­in ver­ein­bar­ten Leis­tung auf der Grund­la­ge ei­ner le­dig­lich ver­meint­lich wirk-sa­men Ab­re­de im Rah­men ei­nes „Sa­nie­rungs­pa­kets“ mit der IG Me­tall er­bracht hätte. Dass die Be­klag­te in­so­weit in po­si­ti­ver Kennt­nis ei­ner mögli­chen (Form-)Un­wirk­sam­keit der ent­spre­chen­den Ei­ni­gung die Bei­tritts­ver­ein­ba­rung ge­schlos­sen und die Leis­tung er­bracht hat, be­haup­tet selbst der Kläger nicht. Die Be­klag­te hat sich dem­ge­genüber stets dar­auf be­ru­fen, dass sie die im „Si­de Let­ter“ for­mu­lier­te „Bes­ser­stel­lung“ von IG Me­tall-Mit­glie­dern er­brin­gen woll­te, um die exis­ten­zi­ell not­wen­di­ge Ge­samt­sa­nie­rung des Un­ter­neh­mens durchführen zu können. Die­se Auf­fas­sung fin­det ih­ren Aus­druck auch in der von der Be­klag­ten selbst her­bei­geführ­ten un­mit­tel­ba­ren recht­li­chen Abhängig­keit der Bei­tritts­ver­ein­ba­rung von dem Ab­schluss des ge­sam­ten „Sa­nie­rungs­pa­kets“ durch die in Nr. 6 der Bei­tritts­ver­ein­ba­rung ge­re­gel­te auf­schie­ben­de Be­din­gung. Erst durch die Un­ter­zeich­nung der ent­spre­chen­den Ver­ein­ba­run­gen am 1. Sep­tem­ber 2010 wur­de die Bei­tritts­ver­ein­ba­rung über­haupt wirk­sam.
III. Die Kos­ten sei­ner er­folg­lo­sen Re­vi­si­on hat der Kläger zu tra­gen (§ 97 Abs. 1 ZPO).
Ed­da Re­de­ker
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