Source: http://www.kandidatentreff.de/kt_eep.htm
Timestamp: 2018-02-24 05:37:43
Document Index: 190214698

Matched Legal Cases: ['Art. 134', 'Art. 133', 'Art. 121', 'Art. 122', 'Art. 8', 'Art. 10']

Vorbereitungskurse/Kompendien
Modulares Ablegen
Nach Art. 134 (1) EPÜ kann die Vertretung Dritter in Verfahren nach dem EPÜ nur durch zugelassene Vertreter wahrgenommen werden, die in einer beim Europäischen Patentamt geführten Liste eingetragen sind. Eine Voraussetzung für die Eintragung in diese Liste ist das Ablegen der europäischen Eignungsprüfung EEP. Da diese Prüfung besondere Eigenheiten aufweist, sollen in der vorliegenden Rubrik die wichtigsten Problembereiche in Verbindung mit der EQE behandelt werden. Die wichtigsten Regelungen zur Europäischen Eignungsprüfung sind nachstehend aufgelistet:
Vorschriften über die Europäische Eignungsprüfung (VEP)
Ausführungsbestimmungen zur Europäischen Eignungsprüfung
Anweisungen betreffend die erforderliche Qualifikation
Die vorstehend genannten Regelungen finden Sie auf den Seiten des Europäischen Patentamtes. Die vorliegende Rubrik erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit, auch kann für die Richtigkeit bzw. Aktualität der Angaben keine Gewähr übernommen werden. Es wird empfohlen, zunächst die Informationen des EPA zu lesen. Sollten Ihres Erachtens wichtige Informationen in der vorliegenden Rubrik fehlen, so wären wir für einen entsprechenden Hinweis per E-Mail dankbar.
Vorbereitungskurse / Kompendien
Da die europäische Eignungsprüfung in vielerlei Hinsicht anders als die Prüfungen im Rahmen des Fernstudiums und die deutsche Patentanwaltsprüfung ist, werden heutzutage eine Vielzahl verschiedener Vorbereitungskurse angeboten:
Neben dem Besuch eines Vorbereitungskurses empfiehlt sich das Durcharbeiten der seitens des EPA herausgegebenen Kompendien, die neben den Aufgaben auch Originallösungen von Bewerbern sowie einen Kommentar des Prüfers enthalten. Darüber hinaus veröffentlicht der Kandidatentreff Originallösungen von Bewerbern, die nicht vom EPA veröffentlicht wurden. Die Kompendien und Lösungsvorschläge können Sie in unserer Rubrik "Downloads" herunterladen.
Zur Prüfung werden auf Antrag u.a. Bewerber zugelassen, die ein natur- oder ingenieurwissenschaftliches Hochschuldiplom erworben haben. Diese Bedingung, sollte für denjenigen, der bereits zur Patentanwaltsausbildung in Deutschland zugelassen wurde, kein Problem darstellen. Welche Fächer hierfür in Frage kommen, kann den Anweisungen betreffend die für die Zulassung zur EEP erforderlichen Qualifikationen entnommen werden. Die Liste der Fächer ist jedoch nicht abschließend, so daß Sie sich in Zweifelsfällen einfach an das Prüfungssekretariat wenden sollten.
Nachdem sich der Bewerber auf seinem natur- oder ingenieurwissenschaftlichem Fachgebiet qualifiziert hat, muß dieser Berufserfahrung auf Vollzeitbasis auf dem Gebiet des gewerblichen Rechtsschutzes gesammelt haben. Hierzu bestehen grundsätzlich drei Möglichkeiten:
Der Bewerber hat ein Praktikum absolviert, das von einem zugelassenen Europäischen Vertreter geleitet wurde, während der Bewerber als dessen Assistent fungierte.
Der Bewerber war als Angestellter einer natürlichen oder juristischen Person beschäftigt und hat für seinen Arbeitgeber vor dem EPA gemäß Art. 133 (3) EPÜ gehandelt.
Der Bewerber war als Assistent eines oder mehrerer der vorgenannten Angestellten tätig.
Unabhängig von den vorgenannten Alternativen muß der Bewerber an einer Vielzahl von Tätigkeiten im Zusammenhang mit europäischen Patentanmeldungen und europäischen Patenten beteiligt gewesen sein. Die Dauer des Praktikums, des Angestelltenverhältnisses oder der Assistenzzeit muß mindestens 3 Jahre betragen. Dies hängt davon ab, welches natur- oder ingenieurwissenschaftliche Studium zuvor absolviert wurde. So werden bei einem Universitätsabschluß regelmäßig nur 3 Jahre gefordert, wohingegen derjenige Bewerber, der lediglich ein Fachhochschulstudium absolviert hat, 6 Jahre Berufserfahrung nachweisen muß. Allerdings kann das Sekretariat die Beschäftigungszeit um bis zu ein Jahr verkürzen, wenn der Bewerber z.B. ...
das achtmonatige Amtsjahr absolviert hat und zur deutschen Patentanwaltsprüfung zugelassen ist => Verkürzung um 6 Monate
das Zusatzstudium (Humboldt-Universität Berlin) auf dem Gebiet des gewerblichen Rechtsschutzes absolviert hat => Verkürzung um 6 Monate
den Zusatzstudiengang Wirtschaftsingenieurwesen mit Schwerpunkt gewerblicher Rechtsschutz (Universität Ilmenau) absolviert hat => Verkürzung um 6 Monate
den Abschluß des einjährigen Studiengangs beim CEIPI (Straßburg) nachweisen kann => Verkürzung um 6 Monate
einen Master of Science in Management of Intellectual Property (Queen Mary and Westfield College) hat => Verkürzung um 6 Monate
den Nachdiplomstudiengang Geistiges Eigentum (ETH-Zürich) absolviert hat => Verkürzung um 6 Monate
Die erforderliche (verkürzte oder reguläre) Beschäftigungszeit muß zum Zeitpunkt der Prüfung abgeleistet sein, d.h. zum Zeitpunkt der nachfolgend beschriebenen Anmeldung zur Prüfung muß dieses Erfordernis noch nicht erfüllt sein.
Die Europäische Eignungsprüfung findet nur einmal im Jahr statt, wobei die Prüfung in der Regel im März oder April abgehalten wird. Ein Hinweis auf die nächsten Prüfungstermine sowie die zugehörige Frist zur Anmeldung zur Prüfung wird im Amtsblatt des Europäischen Patentamtes veröffentlicht. In den Jahren zuvor konnten diese Informationen der Juni-Ausgabe des Amtsblattes entnommen werden, im Jahre 2004 waren die Informationen jedoch schon in der März-Ausgabe zu finden. Darüber hinaus fiel das Ende der Anmeldefrist meist auf Anfang November des Vorjahres, allerdings endete die Anmeldefrist für die Prüfung 2005 bereits Ende Juni 2004. Der Eingangsstempel des Europäischen Patentamtes ist maßgeblich, eine Weiterbehandlung (Art. 121 EPÜ) oder eine Wiedereinsetzung (Art. 122 EPÜ) nach dem EPÜ ist nicht möglich. Die R. 84a AO EPÜ ist jedoch anwendbar (Beschl.d.Präs.EPA vom 11.12.1998).
Die Anmeldung zur Prüfung gilt ferner erst zu dem Zeitpunkt als eingegangen, zu dem die Prüfungsgebühr als eingegangen gilt. Der Maßgebende Zahlungstag bestimmt sich hierbei nach Art. 8 GebO EPÜ. Die Höhe der Prüfungsgebühr ist von verschiedenen Umständen abhängig. So wird beispielsweise bei denjenigen Bewerbern, die die Prüfung vollständig wiederholen, eine Zuschlagsgebühr zu der Grundgebühr fällig.
Für die Anmeldung zur Prüfung muß das im Amtsblatt des Europäischen Patentamtes abgedruckte Formblatt verwendet werden. In diesem Formblatt kann u.a. auch der gewünschte Prüfungsort angegeben werden, wobei für deutsche Bewerber regelmäßig die Städte München und Berlin angeboten werden. Ferner empfiehlt es sich, den Anmeldeunterlagen das Formblatt 1037 des Europäischen Patentamtes beizufügen, da das Sekretariat nur dann den Eingang Ihrer Anmeldung bestätigt.
Die Anmeldeunterlagen müssen unterschiedliche Nachweise und Bescheinigungen enthalten. Hierzu zählt zum einen der Nachweis der natur- oder ingenieurwissenschaftlichen Kenntnisse. Dies könnte beispielsweise eine amtlich beglaubigte Kopie des Hochschuldiplomes sein. Die Beglaubigung der Kopie kann u.a. durch eine Behörde eines Vertragsstaates oder - nach Terminvereinbarung mit dem Prüfungssekretariat - durch das Europäische Patentamt erfolgen. Des weiteren ist den Anmeldeunterlagen die Bescheinigung des Ausbilders/Arbeitgebers über das Praktikum/die Beschäftigungszeit beizufügen. Die Bescheinigung muß Art und Umfang der ausgeübten Tätigkeit beschreiben. Im Gegensatz zum Wortlaut des Art. 10 VEP muß der Bewerber nicht an Tätigkeiten im Zusammenhang mit "europäischen" Patentanmeldungen oder Patenten beteiligt gewesen sein. Es ist vielmehr ausreichend, wenn der Bewerber an Tätigkeiten im Zusammenhang mit "nationalen" Patentanmeldungen und Patenten beteiligt war. Um zu gewährleisten, daß die Angaben in der Bescheinigung vollständig sind, empfiehlt es sich, das für die Bescheinigung vorgesehene Formblatt zu verwenden, das ebenfalls im Amtsblatt des EPA abgedruckt ist.
Das Prüfungssekretariat unterrichtet jeden einzelnen Bewerber schriftlich über die Zulassung oder Ablehnung seiner Anmeldung zur Prüfung. Ist ein Bewerber zugelassen, so wird er ferner über den Tag, die Uhrzeit und den Ort der Prüfung unterrichtet.
Als Prüfungsort kann sich der deutsche Bewerber zwischen München und Berlin entscheiden, die Aufgaben sind jedoch die gleichen. Naturgemäß meldet sich der Großteil der Bewerber für München an, während sich in Berlin eine überschaubare Anzahl von Bewerbern einfindet. Dies hat zur Folge, daß in München - je nach dem Raum, dem man zugeteilt wird - eher eine Bahnhofshallenatmosphäre aufkommt, die der Konzentration nicht unbedingt förderlich ist. In Berlin (Zweigstelle des DPMA oder des EPA) wird die Prüfung hingegen in kleineren Räumen abgehalten, wobei in den letzten Jahren außerdem Kaffee und Gebäck gereicht wurde.
Die europäische Eignungsprüfung findet nur einmal im Jahr, meist im März oder April, an drei aufeinanderfolgenden Tagen statt, sofern sich der Bewerber für alle vier Aufgaben angemeldet hat. Der zeitliche Ablauf der Prüfung sieht regelmäßig wie folgt aus:
DI (Rechtliches) 3 Stunden
DII (Rechtliches) 4 Stunden
A (Anmeldung) 3.5 Stunden
B (Bescheidserledigung) 4 Stunden
C (Einspruch) 6 Stunden
Zu der europäischen Eignungsprüfung kann der Bewerber alle ihm zur Verfügung stehenden Unterlagen (Gesetzestexte, Verordnungen, Rechtsprechung der Beschwerdekammern, Richtlinien für die Prüfung im EPA, Nationales Recht zum EPÜ, eigene Aufzeichnungen usw.) mitbringen, so daß diesbezüglich keine Einschränkungen besteht. Allerdings sind bestimmte Hilfsmittel ausgeschlossen, worunter insbesondere ein Laptop o.ä. fällt.
Die Aufgabe B betrifft die Ausarbeitung einer Erwiderung auf einen Bescheid. Der Bewerber erhält neben dem Bescheid den hierin genannten druckschriftlichen Stand der Technik. Die Punkte für die Aufgabe B werden für zwei Teilbereiche vergeben, nämlich einerseits für die Anpassung der Ansprüche (falls diese erforderlich war) und andererseits für die Argumentation in der Erwiderung. Je nach Schwierigkeit des einzelnen Teilbereiches werden die 100 Gesamtpunkte verteilt, wobei bei einer "normalen" Aufgabe B von einer Verteilung von 50 zu 50 ausgegangen werden kann. Sollten Sie auf Grund des Standes der Technik zu der Auffassung gelangen, daß die ursprüngliche Anspruchsfassung eingeschränkt werden muß, so empfiehlt sich hier wieder der Einsatz von Schere und Klebstoff, um die Merkmale der ursprünglichen unabhängigen Ansprüche mit anderen Merkmalen aus der Beschreibung oder den Unteransprüchen zu kombinieren und zu Papier zu bringen. Bei der Erwiderung des Bescheides ist - sofern nicht abwegig - auf eine "sture" Anwendung des Problem-Lösungs-Ansatzes zu achten.
Die Aufgabe C betrifft die Ausarbeitung einer Einspruchsschrift gegen ein europäisches Patent. Der Bewerber erhält neben dem Auftragsschreiben des Mandanten die Patentschrift, gegen die sich der Einspruch richten soll, sowie den Stand der Technik, der in der Einspruchsschrift gegen das europäische Patent verwendet werden soll. In dem Auftragsschreiben sind ferner Fragen des Mandanten enthalten, die beantwortet werden müssen. Der Bewerber muß also einerseits ein Schreiben an den Mandanten, in dem er diese Fragen beantwortet, und andererseits die Einspruchsschrift verfassen. Die Gesamtpunktzahl für die Aufgabe C beträgt wiederum 100 Punkte, wobei ca. 16-20 Punkte auf das Antwortschreiben und ca. 80-84 Punkte auf die Einspruchsschrift entfallen. Die Anzahl der Punkte, die für das Antwortschreiben zu vergeben waren, ist in den letzten Jahren tendenziell gesunken, so daß der Einspruchsschrift der größere Stellenwert beigemessen werden sollte. Da das Antwortschreiben laut Aussage vieler Absolventen jedoch häufig das Zünglein an der Waage war, ist zu empfehlen, daß man sich einen festen Zeitraum vorgibt, in dem man in jedem Fall die Fragen des Mandanten beantwortet. Es hat sich als vorteilhaft herausgestellt, das Antwortschreiben zuerst zu bearbeiten, da die hierin gegebenen Antworten teilweise auch in der späteren Einspruchsschrift verwendet werden können und dem Bewerber bei der Einspruchsschrift am Ende regelmäßig die Zeit davonläuft. Bei der Einspruchsschrift sind die folgenden wesentlichen Punkte zu beachten. Zum einen sollte der Angriff auf das Patent vollständig sein, d.h. der Bewerber muß alle möglichen Angriffe gegen jeden einzelnen Anspruch der Patentschrift fahren. Sollte beispielsweise einem Anspruch die Neuheit gegenüber einer ersten und einer zweiten Entgegenhaltung fehlen, so muß ein Neuheitsangriff auf Grundlage der ersten Entgegenhaltung und ein Neuheitsangriff auf Grundlage der zweiten Entgegenhaltung gefahren werden. Sollte Ihnen am Ende keine Zeit für die Ausformulierung der weiteren Angriffe verbleiben, so deuten Sie zumindest kurz an, welche weiteren Angriffe Sie aus Zeitgründen nicht mehr ausführen konnten, ggf. tun Sie dies in einer Anmerkung für den Prüfer. Zum anderen sollte unbedingt durchweg ein "sauberer" Aufgabe-Lösungs-Ansatz angewandt werden.
Die Aufgabe D betrifft die Beantwortung rechtlicher Fragen bzw. die rechtliche Beurteilung eines spezifischen Sachverhaltes. Grundsätzlich könnte die Aufgabe D, die sich in die Teilaufgaben DI und DII gliedert, als die leichteste aller vier Aufgaben betrachtet werden, da der Bewerber - wie bereits unter "Prüfungsablauf" erläutert - alle möglichen Unterlagen mitbringen darf und meistens "lediglich" nachschlagen muß, sofern die Zeit ausreicht. Hiermit wäre auch schon eines der Hauptprobleme der Aufgabe D genannt, die Zeit ! Für die Teilaufgabe DI werden regelmäßig 40 von 100 Punkten vergeben. In den Prüfungsunterlagen ist für jede Frage angegeben, wie viele Punkte maximal für die Antwort Frage erzielt werden können. Dies sollten Sie als Hilfestellung für Ihre Zeiteinteilung verwenden. Dividieren Sie die Dauer des Teiles DI durch die Gesamtzahl der durch DI zu erreichenden Punkte und multiplizieren Sie das Ergebnis mit der Punktezahl der einzelnen Frage, um die für die Frage maximal aufzubringende Zeit zu ermitteln. (Beispiel: 3 Stunden : 40 Punkte = 4,5 Minuten pro Punkt. Für eine Frage, für die maximal 3 Punkte vergeben werden, sollten Sie demzufolge nicht mehr als 13,5 Minuten aufbringen). Neben dem zeitlichen Problem besteht ein weiteres wesentliches Problem, das insbesondere bei denjenigen besteht, die zuvor die deutsche Patentanwaltsprüfung absolviert haben. Während bei der deutschen Patentanwaltsprüfung sehr viel Wert auf die Herleitung des Ergebnisses bzw. der Antwort gelegt wird, scheint es bei der europäischen Eignungsprüfung im Wesentlichen auf das Ergebnis anzukommen. So haben viele Absolventen die Vermutung geäußert, daß eine saubere und plausible Herleitung, die im Ergebnis aber nicht mit der h.M. oder der Rechtsprechung übereinstimmt, regelmäßig weniger Punkte als eine kurze, schlagwortartige Nennung des Ergebnisses bringt (z. B. durch Nennung der Entscheidungsnummer). Außerdem spart dies Zeit ! In den Antworten sollten alle zu Grunde liegenden Normen (Normenketten) und ggf. die Nummer der Entscheidung zitiert werden, während auf eine allzu ausführliche Ausführungen zu den Normen/ Entscheidungen verzichtet werden sollte. Für die Teilaufgabe DII werden regelmäßig die verbleibenden 60 von 100 Punkten vergeben. Bei dieser Teilaufgabe ist meist eine ausführlichere Begründung oder Herleitung der vertretenen Position verlangt, wobei auch hier alle zu Grunde liegenden Normen (Normenketten) und ggf. die Nummern der Entscheidungen anzugeben sind.
Um als europäischer Vertreter zugelassen werden zu können, muß die gesamte Prüfung bestanden werden. Wie bereits oben unter "Aufgaben" angedeutet, sind bei jeder einzelnen Aufgabe A, B, C und D maximal 100 Punkte zu erreichen. Die Prüfer bewerten die einzelnen Aufgaben A, B, C und DI+DII an Hand der jeweils erreichten Punktezahl wie folgt:
Erreichte Punktezahl
50 oder mehr Bestanden
45 bis 49 Nichtbestehen mit Ausgleichsmöglichkeit
44 oder weniger Nicht bestanden
Der einfachste Fall liegt auf der Hand. Hat der Bewerber für jede einzelne Aufgabe 50 oder mehr Punkte erzielt, so hat dieser die gesamte Prüfung bestanden und kann als Europäischer Vertreter zugelassen werden. Unter bestimmten Voraussetzungen kann der Bewerber die Prüfung aber auch dann insgesamt bestanden haben, wenn er in einer oder zwei Aufgaben nur 45 bis 49 Punkte (Nichtbestehen mit Ausgleichsmöglichkeit) erlangt hat. Dieses Ausgleichssystem wird nachfolgend erläutert.
Die Möglichkeit, eine mit 45 bis 49 Punkten (Nichtbestehen mit Ausgleichsmöglichkeit) bewertete Aufgabe auszugleichen, besteht nur dann, wenn alle der nachfolgend aufgelisteten Voraussetzungen erfüllt sind.
Der Bewerber muß die Prüfung zum ersten Mal abgelegt haben.
Hierunter fallen folgende Fallgestaltungen:
- Der Bewerber hat erstmalig an einem Prüfungstermin alle Aufgaben A, B, C und D abgelegt.
- Der Bewerber hat die Prüfung modular abgelegt (s.u.), wobei das erste Modul zu einem ersten Prüfungstermin und das zweite der Modul an einem der drei nachfolgenden Prüfungstermine abgelegt wurde.
- Der Bewerber hat die Prüfung modular abgelegt (s.u.), wobei zunächst zu einem ersten Prüfungstermin das erste Modul abgelegt wurde. Der Bewerber hat sich aber nach Erhalt der Ergebnisse aus dem ersten Modul entschieden, an einem nachfolgenden Prüfungstermin beide Module abzulegen, wodurch die Ergebnisse aus dem abgelegten ersten Modul ungültig wurden.
Für keine der einzelnen Aufgaben A, B, C und D dürfen 44 Punkte oder weniger (Nicht bestanden) vergeben worden sein.
Die Summe der Punkte aus allen Aufgaben A, B, C und D muß mindestens 200 betragen.
Es müssen mindestens zwei der Aufgaben mit 50 oder mehr Punkten (Bestanden) bewertet worden sein.
Wie Sie der ersten Voraussetzung entnehmen können, geht die Ausgleichsmöglichkeit durch das modulare Ablegen der Prüfung nicht verloren, wie dies meist falsch behauptet wird. Bedenken Sie daher, daß die folgenden Beispiele zu Veranschaulichung der vorstehenden Voraussetzungen gleichermaßen für das modulare Ablegen der Prüfung gelten.
Alle Voraussetzungen sind erfüllt.
=> Ausgleich möglich / Insgesamt bestanden.
44 49 93 96
Voraussetzung 2 ist nicht erfüllt, da eine einzelne Aufgabe (A) mit 44 Punkten oder weniger (Nicht bestanden) bewertet wurde.
=> Kein Ausgleich möglich / Die Aufgaben A und B müssen wiederholt werden.
Voraussetzung 3 ist nicht erfüllt, da die Mindestgesamtpunktzahl von 200 Punkten nicht erreicht wurde.
=> Kein Ausgleich möglich / Die Aufgaben A und C müssen wiederholt werden.
Voraussetzung 4 ist nicht erfüllt, da nur eine Aufgabe (D) mit 50 oder mehr Punkten (Bestanden) bewertet wurde.
=> Kein Ausgleich möglich / Die Aufgaben A, B und C müssen wiederholt werden.
Diejenigen Aufgaben, die nicht bestanden bzw. nicht ausgeglichen werden konnten, müssen an einem der nächsten Prüfungstermine wiederholt werden. Bestandene Aufgaben können nicht wiederholt werden (Ausnahme: siehe unter Modulares Ablegen der Prüfung).
Modular statt komplett
Nur wenige Bewerber nutzen derzeit die Möglichkeit, die europäische Eignungsprüfung modular abzulegen. Dies ist wohl vor allem darauf zurückzuführen, daß der bereits oben genannte Irrtum weit verbreitet ist, daß bei einem modularen Ablegen ein Ausgleichen nicht möglich ist.
Beim modularen Ablegen der Prüfung sind die Aufgaben (s.o.) zunächst einmal formal in zwei Modulen zusammengefaßt, wobei das erste Modul die Aufgaben A und B und das zweite Modul die Aufgaben C und D umfaßt. Der Bewerber meldet sich zunächst zu einem Prüfungstermin an, um das erste Modul (A, B) zu absolvieren. Das zweite Modul (C, D) muß dann an einem der drei nachfolgenden Prüfungstermine abgelegt werden. Alternativ kann sich der Bewerber nach dem Ablegen des ersten Moduls (A, B) aber auch dafür entscheiden, das Ergebnis aus dem abgelegten ersten Modul (A, B) ungültig werden zu lassen, indem er sich zu einem der genannten nächsten Prüfungstermine für beide Module zusammen anmeldet, also alle Aufgaben A, B, C und D am nächsten Prüfungstermin schreibt. Wie bereits erwähnt bleibt dadurch die Ausgleichsmöglichkeit erhalten, worin der wesentliche Vorteil des modularen Ablegens der Prüfung zu sehen ist, da das erste Modul (A, B) als "Freischuß" betrachtet werden kann.
Hat der Bewerber das erste Modul (A, B) jedoch abgelegt, so kann er das erste Modul (A, B) nicht wiederholen, ohne sich gleichzeitig für das zweite Modul (C, D) anzumelden. Es ist also nicht möglich, das erste Modul (A, B) mehrfach allein zu wiederholen. Auch kann das erste Modul (A, B) nicht teilweise (A oder B) wiederholt werden, selbst wenn sich der Bewerber gleichzeitig für das zweite Modul (C, D) angemeldet hat.
Die Vorteile ergeben sich bereits aus der vorstehenden Beschreibung des modularen Systems:
Der Bewerber muß zu einem Prüfungstermin jeweils nur zwei Aufgaben (A, B oder C, D) vorbereiten und absolvieren. Bei dem ersten Modul (A, B) dauert die Prüfung lediglich einen Tag, bei dem zweiten Modul (C, D) dauert die Prüfung nur zwei Tage mit einem dazwischenliegenden "Ruhetag" (siehe auch "Prüfungsablauf").
Der Bewerber kann bis zu drei Jahre warten bis er das zweite Modul (C, D) ablegt.
Der Bewerber kann die Ergebnisse des ersten Moduls (A, B) abwarten, bevor er sich entscheidet, ob er das erste Modul (A, B) zusammen mit dem zweiten Modul (C, D) wiederholt oder ob er lediglich das zweite Modul (C, D) schreibt. In beiden Fällen ist jeweils das Ausgleichssystem anwendbar (s.o.).
Als wesentlicher Nachteil ist zu nennen:
Der Bewerber muß mindestens an zwei Prüfungsterminen teilnehmen, hat also nicht die Möglichkeit, alle Aufgaben im Rahmen eines Prüfungstermines abzulegen und zu bestehen.
Zum besseren Verständnis des modularen Ablegens der Prüfung sind nachstehend einige Fälle aufgelistet, die die alternativen Vorgehensweisen des Bewerbers nach Erhalt der Ergebnisse aus dem ersten Modul (A, B) verdeutlichen sollen.
Der Bewerber hat beide Aufgaben A und B bestanden (50 oder mehr Punkte). Darüber hinaus wurden schon jetzt genug Punkte erzeilt, um ein Prüfungsergebnis des zweiten Moduls (C, D) auszugleichen, bei dem die Aufgaben C und D jeweils nur mit einem "Nichtbestehen mit Ausgleichsmöglichkeit" (45-49 Punkte) bewertet werden. Der Bewerber wird sich bei einem der nächsten drei Prüfungstermine lediglich für das zweite Modul (C, D) anmelden.
C=45, D=45 => Alle Voraussetzungen für einen Ausgleich sind erfüllt.
C=30, D=45 => Kein Ausgleich / C, D müssen wiederholt werden.
Streberalternative:
Der Bewerber ist der Auffassung, in dem ersten Modul (A, B) noch wesentlich mehr Punkte erzielen zu können, meldet sich beim nächsten Mal für beide Module an und läßt die zuvor erzielten Ergebnisse des ersten Moduls (A, B) ungültig werden, um eine bessere Gesamtnote zu erreichen. Die grundsätzliche Möglichkeit zum Ausgleich bleibt erhalten.
Der Bewerber hat die Aufgabe B bestanden, während die Aufgabe A mit "Nichtbestehen mit Ausgleichsmöglichkeit" (45-49 Punkte) bewertet wurde.
Der Bewerber meldet sich nur für das zweite Modul (C, D) an, in der Hoffnung, die Aufgabe A mit einem guten Ergebnis in dem zweiten Modul (C, D) ausgleichen zu können. Um die Aufgabe A ausgleichen zu können müssen die o.g. Voraussetzungen für einen Ausgleich gegeben sein. Unabhängig von den Ergebnissen im zweiten Modul (C, D) hat der Bewerber die Aufgabe B sicher bestanden und muß diese in keinem Fall wiederholen.
C=60, D=45 => Alle Voraussetzungen für einen Ausgleich sind erfüllt.
C=45, D=45 => Kein Ausgleich / A, C, D müssen wiederholt werden.
C=45, D=50 => Kein Ausgleich / A, C müssen wiederholt werden.
C=30, D=90 => Kein Ausgleich / A, C müssen wiederholt werden.
C=50, D=50 => Kein Ausgleich / A muß wiederholt werden.
Der Bewerber ist sich nicht sicher, ob er es schafft, die Aufgabe A mit einem guten Ergebnis im zweiten Modul (C, D) auszugleichen und meldet sich beim nächsten Mal für beide Module an, um dabei ein sichereres Ergebnis im ersten Modul (A, B) zu erzielen. Hierdurch werden die zuvor erzielten Ergebnisse aus dem ersten Modul (A, B) ungültig, so daß auch die Aufgabe B nicht mehr als bestanden angesehen wird. Beim anschließenden Ablegen beider Module bleibt die Möglichkeit zum Ausgleich grundsätzlich erhalten.
Der Bewerber hat die Aufgabe A und B jeweils mit Ausgleichsmöglichkeit nicht bestanden (45-49 Punkte).
Der Bewerber meldet sich nur für das zweite Modul (C, D) an, in der Hoffnung, die Aufgabe A und B mit einem guten Ergebnis in dem zweiten Modul (C, D) ausgleichen zu können. Um die Aufgabe A und B ausgleichen zu können müssen die o.g. Voraussetzungen für einen Ausgleich gegeben sein.
C=50, D=60 => Alle Voraussetzungen für einen Ausgleich sind erfüllt.
C=45, D=45 => Kein Ausgleich / A, B, C, D müssen wiederholt werden.
C=45, D=90 => Kein Ausgleich / A, B, C müssen wiederholt werden.
C=30, D=90 => Kein Ausgleich / A, B, C müssen wiederholt werden.
C=50, D=50 => Kein Ausgleich / A , B müssen wiederholt werden.
Der Bewerber ist sich nicht sicher, ob er es schafft, die Aufgabe A und die Aufgabe B mit einem guten Ergebnis im zweiten Modul (C, D) auszugleichen und meldet sich beim nächsten Mal für beide Module an, um dabei ein sichereres Ergebnis im ersten Modul (A, B) zu erzielen. Hierdurch werden die zuvor erzielten Ergebnisse aus dem ersten Modul (A, B) ungültig. Beim anschließenden Ablegen beider Module bleibt die Möglichkeit zum Ausgleich grundsätzlich erhalten.
Der Bewerber hat die Aufgabe A nicht bestanden (44 Punkte oder weniger), während die Aufgabe B bestanden (50 Punkte oder mehr) wurde.
1. Alternative ("Salamitaktik"):
Der Bewerber meldet sich nur für das zweite Modul (C, D) an. Dies hat zwar den Vorteil, daß die Aufgabe B des ersten Moduls (A, B) sicher bestanden ist und nie mehr wiederholt werden muß, allerdings ist ein Ausgleich schon jetzt nicht mehr möglich. Dies ist darauf zurückzuführen, daß eine wesentliche Voraussetzung für den Ausgleich nicht erfüllt ist, nämlich daß keine der Aufgaben nicht bestanden (44 oder weniger Punkte) sein darf. Die Aufgabe A müßte also in jedem Fall an einem dritten Prüfungstermin erneut abgelegt werden.
C=50, D=50 => A muß wiederholt werden.
C=45, D=45 => A, C, D müssen wiederholt werden.
C=45, D=90 => A, C müssen wiederholt werden.
Der Bewerber möchte keinen dritten Prüfungstermin für die Aufgabe A in Kauf nehmen und meldet sich beim nächsten Mal für beide Module an, um dabei im ersten Modul (A, B) auch die Aufgabe A zu bestehen. Hierdurch werden die zuvor erzielten Ergebnisse aus dem ersten Modul (A, B) ungültig, so daß auch die Aufgabe B nicht mehr als bestanden angesehen wird. Beim Ablegen beider Module bleibt die Möglichkeit zum Ausgleich grundsätzlich erhalten.
Durch das schlechte Abschneiden bei der Aufgabe A (nicht bestanden) ist schon jetzt ein Ausgleich unmöglich, so daß die Aufgabe B trotz des Nichtbestehens mit Ausgleichsmöglichkeit (45-49 Punkte) nicht mehr ausgeglichen werden kann. Der Bewerber wird sich also beim nächsten Mal für beide Module anmelden. Die zuvor erzielten Ergebnisse aus dem ersten Modul (A, B) werden ungültig. Beim anschließenden Ablegen beider Module bleibt die Möglichkeit zum Ausgleich grundsätzlich erhalten.