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Timestamp: 2016-10-25 13:55:46
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Matched Legal Cases: ['Art. 39', 'BGE', 'Art. 39', 'Art. 50', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'Art. 50']

125 V 31249. Urteil vom 6. Mai 1999 i.S. Schweizerische Unfallversicherungsanstalt gegen F. und Versicherungsgericht des Kantons Aargau
Art. 39 LAA; art. 50 OLAA: Canyoning. Le canyoning consiste � tenter de parcourir une gorge sur toute sa longueur en suivant le cours du ruisseau sur l'eau ou sur la rive. Lorsqu'il est pratiqu� � un niveau de difficult� C2 (difficult� mod�r�e), ce sport ne repr�sente pas une entreprise t�m�raire absolue. In casu, l'existence d'une entreprise t�m�raire relative a �t� par ailleurs ni�e au regard des circonstances du cas concret. Faits � partir de page 312
A.- Der 1952 geborene F. ist seit Februar 1978 bei der Firma G. AG, einem der Schweizerischen Unfallversicherungsanstalt (SUVA) unterstellten Betrieb, als Carrosseriespengler t�tig und gest�tzt auf dieses Arbeitsverh�ltnis obligatorisch gegen Unfall versichert. Am 16. Juli 1994 rutschte er beim so genannten Canyoning in der Schlucht des Riale di Mulitt im Centovalli/TI beim BGE 125 V 312 S. 313�berqueren eines Baches aus und fiel in die Tiefe, wobei er sich eine Torsionsfraktur der linken Tibia zuzog. Die SUVA anerkannte grunds�tzlich ihre Leistungspflicht, k�rzte jedoch mit Verf�gung vom 5. Oktober 1994 die Geldleistungen wegen Vorliegens eines Wagnisses um 50%. Nachdem das Versicherungsgericht des Kantons Aargau am 5. Juli 1995 einen ersten ablehnenden Einspracheentscheid vom 12. Januar 1995 aufgehoben und die Sache zu erg�nzenden Abkl�rungen an die SUVA zur�ckgewiesen hatte, hielt die Anstalt an ihrem Standpunkt am 24. Mai 1996 verf�gungsweise und, auf erneute Einsprache hin, mit Entscheid vom 28. Januar 1997 fest.
B.- Die hiegegen erhobene Beschwerde hiess das Versicherungsgericht des Kantons Aargau mit Entscheid vom 15. Oktober 1997 gut und wies die SUVA an, F. ungek�rzte Versicherungsleistungen auszurichten.
C.- Die SUVA f�hrt Verwaltungsgerichtsbeschwerde mit dem Antrag, der vorinstanzliche Entscheid sei aufzuheben und die K�rzung der Geldleistungen um 50% zu best�tigen.
F. schliesst auf Abweisung der Verwaltungsgerichtsbeschwerde, w�hrend das Bundesamt f�r Sozialversicherung (BSV) deren Gutheissung beantragt.
1. Das kantonale Gericht hat die massgebenden Bestimmungen zum Begriff des Wagnisses (Art. 39 UVG in Verbindung mit Art. 50 Abs. 2 UVV), welcher mit jenem identisch ist, der unter der Herrschaft des bis 31. Dezember 1983 in Kraft gestandenen KUVG g�ltig war, sowie die dazu entwickelte Rechtsprechung, welche zwischen absoluten und relativen Wagnissen unterscheidet (BGE 112 V 47 Erw. 2a und 300 Erw. 1b, je mit Hinweisen; siehe auch BGE 113 V 223 Erw. 3c und SVR 1997 UV Nr. 81 S. 294 Erw. 3a), zutreffend dargelegt. Darauf kann verwiesen werden.
2. Das Canyoning, bei dem versucht wird, stets dem Weg des Baches am oder im Wasser folgend eine Schlucht der L�nge nach zu durchschreiten (vgl. WINKLER & SPILKER, Basiswissen f�r Draussen, Canyoning, S. 7), birgt, worauf die SUVA zu Recht hinweist, zahlreiche Gefahren. Vor allem im Hinblick darauf, dass aus mehr oder weniger grosser H�he in B�che gesprungen wird, deren Grund sich einerseits ver�ndert (Geschiebe, Steine, �ste etc.) und andererseits allenfalls beim Springen nicht oder jedenfalls nicht deutlich BGE 125 V 312 S. 314gesehen werden kann, handelt es sich klarerweise um eine gef�hrliche Sportart, was im �brigen auch vom Beschwerdegegner anerkannt wird. Dessen ungeachtet ist entgegen der Ansicht der SUVA nicht von vornherein von einem absoluten Wagnis auszugehen.
a) Nach der Rechtsprechung zu verschiedenen gef�hrlichen Sportarten gelten zun�chst solche als absolute Wagnisse, die wettkampfm�ssig betrieben werden und bei denen es auf die Geschwindigkeit ankommt (Motocross-Rennen: RKUV 1991 Nr. U 127 S. 221; Auto-Bergrennen: BGE 113 V 222, BGE 112 V 44; Karting-Rennen: nicht ver�ffentlichtes Urteil N. vom 4. November 1964). Im Weitern gelten Boxwettk�mpfe als absolutes Wagnis, da die Angriffe direkt auf den K�rper zielen (EVGE 1962 S. 280). Die Aus�bung anderer Sportarten kann je nach Beeinflussbarkeit des Risikos einmal ein absolutes, ein andermal - bei weiteren gegebenen Umst�nden - ein relatives Wagnis darstellen (Auto-Rallye: BGE 106 V 45; Deltasegeln: BGE 104 V 19, nicht ver�ffentlichte Urteile J. vom 1. Juli 1980 und D. vom 27. September 1978; H�hlentauchen: BGE 96 V 100; Klettern: BGE 97 V 72 und 86; Pneuschlitteln: nicht ver�ffentlichtes Urteil C. vom 8. April 1999).
b) Insoweit Canyoning nicht wettkampfm�ssig und auf Geschwindigkeit betrieben wird, stellt im Lichte der in Erw. 2a dargelegten Rechtsprechung nicht jede Form der Aus�bung dieses Sports ein absolutes Wagnis dar. Als ungeeignet f�r die Abgrenzung ist dabei die von der Vorinstanz gew�hlte Unterteilung in "schwimmendes" (absolutes Wagnis) und "technisches" (relatives Wagnis) Canyoning zu bezeichnen, da einerseits die entsprechenden �berg�nge fliessend sind und andererseits eine Tour in der Regel eine Mischform der beiden Varianten darstellt, worauf die SUVA und das BSV zu Recht hinweisen. Auch w�rde eine solche Unterteilung unber�cksichtigt lassen, dass auch bei einem "schwimmenden" Canyoning die Risiken mit entsprechenden Massnahmen (Einhaltung der elementaren Grundregeln wie Verzicht auf Spr�nge ins unbekannte Wasser und auf Schwimmen bei zu grosser Wassermenge) auf ein annehmbares Mass gesenkt werden k�nnen, w�hrend demgegen�ber auch beim "technischen" Canyoning ein absolutes Wagnis nicht von vornherein ausgeschlossen ist. Vielmehr ist wie beim Bergsteigen (vgl. BGE 97 V 79 Erw. 3 unten) zun�chst zu pr�fen, ob die konkrete Tour a priori ein Wagnis an sich sei und bei Verneinung dieser Frage weiter, ob nach den konkreten Umst�nden des Einzelfalles ein relatives Wagnis vorliege.
3. a) Es ist unbestritten, dass die erste Etappe der Tour im Riale di Mulitt - in dem sich der Unfall ereignete - oft auch von Gruppen begangen wird. In der entsprechenden Fachliteratur wird diese Tour ausf�hrlich beschrieben (ZAUNHUBER, Canyoning, Bergsport im Wasser, S. 55 ff.) und insgesamt als nicht besonders gef�hrlich bezeichnet; in der von C1 (unschwierig) bis C6 (extrem schwierig) reichenden Skala wird ihr ein Schwierigkeitsgrad von C2 (m�ssig schwierig) zugeordnet. Diesen Schwierigkeitsgrad weist eine Canyonwanderung mit leichteren Kletterstellen, Spr�ngen bis zu 3 Metern H�he und vereinzelt flotten Str�mungen auf; eine solche ist von sportlichen Einsteigern begehbar (ZAUNHUBER, a.a.O., S. 100). Ein absolutes Wagnis stellt die Begehung des ersten Abschnittes dieser Tour somit nicht dar. Der Wagnischarakter von Touren mit h�herem Schwierigkeitsgrad kann vorliegend offen gelassen werden. Auch ist der sch�tzenswerte Charakter einer solchen sportlichen Bet�tigung zu bejahen, sind doch die Gemeinsamkeiten mit dem nach der Rechtsprechung als sch�tzenswert geltenden Bergsteigen und Klettersport (BGE 97 V 79 Erw. 3) augenf�llig und liesse sich deshalb eine unterschiedliche Behandlung nicht rechtfertigen.
b) Demnach bleibt zu pr�fen, ob die konkreten Umst�nde - im Besonderen die Wetterverh�ltnisse, der Wasserstand, die Ausr�stung sowie die Ausbildung und Erfahrung des Beschwerdegegners - den objektiv vorhandenen Risiken und Gefahren angemessen waren, damit diese auf ein vertretbares Mass herabgesetzt wurden.
aa) Am 16. Juli 1994 war das Wetter f�r eine derartige Tour gut und der Bach f�hrte sehr wenig Wasser. Ebenso gaben Ausr�stung und Material der Gruppe zu keinerlei Beanstandungen Anlass. Der Beschwerdegegner verf�gte als Trekkingteamleiter auch �ber grosse Erfahrung im Canyoning und war u.a. von D., einem berufsm�ssigen F�hrer begleitet. Die Gruppe war somit f�r die konkrete - m�ssig schwierige - Tour bestens qualifiziert sowie ausger�stet, und es herrschten gute �ussere Bedingungen. Bei diesen Verh�ltnissen liegt auch kein relatives Wagnis vor. Daran �ndert der Umstand nichts, dass die Gruppe am Unfalltag die Schlucht auskundschaften und f�r gef�hrte Touren (weiter) einrichten oder die bestehenden Einrichtungen �berpr�fen wollte, war doch die Tour den Sportlern bestens bekannt und erh�hte sich dadurch der Schwierigkeitsgrad nicht.
bb) Schliesslich ergibt sich allein aus dem Umstand, dass der Beschwerdegegner an der Unfallstelle beim �berqueren des Baches auf dem glitschigen Untergrund ausgerutscht und in die Tiefe gest�rzt ist, nichts BGE 125 V 312 S. 316Abweichendes. Denn daraus kann nicht geschlossen werden, diese Stelle sei besonders gef�hrlich gewesen und der Beschwerdegegner sei durch die unterlassene Sicherung mittels Seil ein Wagnis eingegangen. Insbesondere war der Gruppe durchaus bewusst, dass ein �berwinden der Klippe nur mittels Abseilen erfolgen konnte. �bereinstimmend gaben der Versicherte und D. bei der Befragung durch die SUVA zu Protokoll, dass sie an geeignetem Ort eine Abseilstelle einrichten wollten. Ob der Beschwerdegegner erst beim Einh�ngen des Seiles ausrutschte, wie die Auskunftsperson darlegt, oder gem�ss eigener Aussage bereits beim �berqueren des Baches an einer flachen Stelle, als er zu einer Abseilstelle gelangen wollte, kann offen bleiben. So oder anders rutschte er nicht beim Versuch aus, die als nur durch Abseilen �berwindbar erkannte Stelle frei kletternd oder springend zu passieren, sondern bei der Vorbereitung der erforderlichen Abseilvorrichtung. Der erfahrene Beschwerdegegner hat die konkrete �rtliche Situation, um zur Abseilvorrichtung zu gelangen oder eine solche ausfindig zu machen, als ungef�hrlich eingesch�tzt und ein Sichern am Seil f�r entbehrlich gehalten. Das hat sich im Nachhinein als unzutreffend erwiesen, l�sst aber nicht den Schluss zu, er habe leichtsinnig oder gar verwegen gehandelt. Es finden sich auch keine Anhaltspunkte in den Akten, wonach der Sicherungsversuch im Rahmen der gesamten Tour etwas Aussergew�hnliches gewesen w�re, weshalb dieser einzelne Handlungsabschnitt im Rahmen der Wagnisbeurteilung ohnehin nicht gesondert zu betrachten ist (vgl. BGE 97 V 83 f. Erw. 6a).
c) Da nach dem Gesagten der zum Unfall f�hrenden Canyoning-Tour der Wagnischarakter fehlt, ist der angefochtene Entscheid im Ergebnis zu best�tigen.
97 V 79,
113 V 223,
113 V 222 suite... ,
112 V 44,
97 V 83
Art. 50 Abs. 2 UVV