Source: http://www.hensche.de/arbeitsrecht_aktuell_2013_Rechtsprechung.html
Timestamp: 2018-09-25 13:22:35
Document Index: 330365181

Matched Legal Cases: ['EGMR', 'EGMR', '§ 102', '§ 14', '§ 278', '§ 131', '§ 95', '§ 9', '§ 14', '§ 99', '§ 1', '§ 3', '§ 626', '§ 106', '§ 9', '§ 5', 'EuG', '§ 3', '§ 4']

HENSCHE Arbeitsrecht: Aktuelles Arbeitsrecht 2013: Arbeitsgerichtliche Rechtsprechung, Urteile, Beschlüsse
Ak­tu­el­les Ar­beits­recht 2013: Ar­beits­ge­richt­li­che Recht­spre­chung, Ur­tei­le, Be­schlüs­se
Auf die­ser Sei­te fin­den Sie ak­tu­el­le Be­wer­tun­gen ar­beits­recht­li­cher Ent­schei­dun­gen deut­scher Ge­rich­te, ins­be­son­de­re des Bun­des­ar­beits­ge­richts (BAG) und der Lan­des­ar­beits­ge­rich­te (LAGs), aus dem Jahr 2013.
Bei­trä­ge zum The­ma "Recht­spre­chung" aus an­de­ren Jah­ren fin­den Sie un­ter Ar­beits­recht 2018, Ar­beits­recht 2017, Ar­beits­recht 2016, Ar­beits­recht 2015, Ar­beits­recht 2014, Ar­beits­recht 2012, Ar­beits­recht 2011, Ar­beits­recht 2010, Ar­beits­recht 2009, Ar­beits­recht 2008, Ar­beits­recht 2007, Ar­beits­recht 2006, Ar­beits­recht 2005, Ar­beits­recht 2004, Ar­beits­recht 2003, Ar­beits­recht 2002 und un­ter Ar­beits­recht 2001.
30.12.2013. Ein Job­cen­ter in der Ucker­mark hat mit Er­folg ei­nen Piz­za­lie­fe­ran­ten, der Löhne zwi­schen 1,59 bis 3,46 EUR brut­to zahl­te, auf Er­stat­tung von Auf­sto­ckungs­leis­tun­gen ver­klagt: Ar­beits­ge­richt Ebers­wal­de, Ur­teil vom 10.09.2013, 2 Ca 428/13.
23.12.2013. Stimmt der Be­triebs­rat bei größeren Ent­las­sungs­wel­len ei­nem In­ter­es­sen­aus­gleich mit Na­mens­lis­te zu, ha­ben Kündi­gungs­schutz­kla­gen der auf der Na­mens­lis­te ge­nann­ten Ar­beit­neh­mer meist nur ge­rin­ge Er­folgs­aus­sich­ten. Denn zie­hen die auf der Lis­te ste­hen­den Ar­beit­neh­mer vor Ge­richt, ist die Be­triebs­be­dingt­heit der Kündi­gung zu ver­mu­ten und das Ge­richt kann die So­zi­al­aus­wahl nur noch auf "gro­be" Feh­ler hin über­prüfen. Die­sen Spiel­raum hat das Bun­des­ar­beits­ge­richt (BAG) bei Kündi­gungs­wel­len in der In­sol­venz des Ar­beit­ge­bers vor ei­ni­gen Ta­gen be­grenzt: BAG, Ur­teil vom 19.12.2013, 6 AZR 790/12.
13/374 Kündigung aufgrund HIV-Infektion ist Diskriminierung wegen Behinderung
20.12.2013. Vor knapp zwei Jah­ren hat das Lan­des­ar­beits­ge­richt (LAG) Ber­lin-Bran­den­burg die Kündi­gungs­schutz- und Entschädi­gungs­kla­ge ei­nes HIV-in­fi­zier­ten Che­misch-tech­ni­schen As­sis­ten­ten ab­ge­wie­sen, der von ei­nem Arz­nei­mit­tel­her­stel­ler we­gen hy­gie­ni­scher Be­den­ken gekündigt wor­den war (LAG Ber­lin-Bran­den­burg, Ur­teil vom 13.01.2012, 6 Sa 2159/11). Ges­tern hat das Bun­des­ar­beits­ge­richt (BAG) die­se Ent­schei­dung auf­ge­ho­ben und ent­schie­den, dass ei­ne sym­ptom­lo­se In­fek­ti­on mit dem HIV-Vi­rus ei­ne Be­hin­de­rung dar­stellt: BAG, Ur­teil vom 19.12.2013, 6 AZR 190/12.‎
13/367 Diskriminierung wegen Kündigung
13.12.2013. Ge­ra­de erst vor zwei Mo­na­ten hat­te das Bun­des­ar­beits­ge­richt (BAG) ei­nen Fall zu be­ur­tei­len, in dem ei­ne schwan­ge­re Ar­beit­neh­me­rin gekündigt wor­den war und da­her auf Entschädi­gung we­gen Dis­kri­mi­nie­rung klag­te (BAG, Ur­teil vom 17.10.2013, 8 AZR 742/12 - wir be­rich­te­ten in Ar­beits­recht ak­tu­ell: 13/299 Kei­ne Dis­kri­mi­nie­rung durch Kündi­gung bei Schwan­ger­schaft). Ges­tern ent­schied das BAG in ei­nem ähn­lich ge­la­ger­ten Fall, dass die Kündi­gung ei­ner Schwan­ge­ren zur Un­zeit ei­ne Dis­kri­mi­nie­rung we­gen des Ge­schlechts sein kann: BAG, Ur­teil vom 12.12.2013, 8 AZR 838/12.
10.12.2013. Wie das Bun­des­ar­beits­ge­richt (BAG) heu­te klar­ge­stellt hat, führt der ge­set­zes­wid­ri­ge Dau­er­ein­satz von Leih­ar­beit­neh­mern nicht da­zu, dass die be­trof­fe­nen Leih­ar­beit­neh­mer in ei­nem Ar­beits­verhält­nis zum Ent­lei­her ste­hen: BAG, Ur­teil vom 10.12.2013, 9 AZR 51/13.
13/361 Weiterbeschäftigung oder Zwangsgeld
06.12.2013. Wer nach ei­ner Kündi­gung ei­ne Kündi­gungs­schutz­kla­ge er­hebt, ist trotz­dem nach Ab­lauf der Kündi­gungs­frist erst ein­mal ar­beits­los. Da­ge­gen hilft der An­spruch auf vorläufi­ge Wei­ter­beschäfti­gung. Ein be­lieb­ter Ein­wand von Ar­beit­ge­bern in der Zwangs­voll­stre­ckung ge­genüber dem Wei­ter­beschäfti­gungs­ti­tel lau­tet, dass die­ser zu un­ge­nau ist. Da­mit ha­ben Ar­beit­ge­ber aber meist kei­nen Er­folg: Hes­si­sches Lan­des­ar­beits­ge­richt, Be­schluss vom 25.06.2013, 12 Ta 418/12.
04.12.2013. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt (LAG) Hamm hat­te vor kur­zem zu ent­schei­den, ob die ka­tho­li­sche Kir­che als Ar­beit­ge­ber be­rech­tigt ist, ei­nen ver­hei­ra­te­ten Kir­chen­mu­si­ker aus ver­hal­tens­be­ding­ten Gründen zu kündi­gen, weil die­ser ein ehe­bre­che­ri­sches Verhält­nis mit ei­ner im Kir­chen­chor ak­ti­ven, eben­falls ver­hei­ra­te­ten Frau hat. Seit dem Ur­teil des Eu­ropäischen Ge­richts­hofs für Men­schen­rech­te (EGMR) vom 23.09.2010, Be­schwer­de Nr. 1620/03 (Schüth) ist die Zulässig­keit von Kündi­gun­gen mit ei­nem sol­chen Hin­ter­grund schwer zu be­ur­tei­len, weil der EGMR in die­sem Ver­fah­ren dem be­trof­fe­nen Mu­si­ker Recht ge­ge­ben hat. Ent­spre­chend um­fang­reich ist die Ur­teils­be­gründung des LAG aus­ge­fal­len: LAG Hamm, Ur­teil vom 14.06.2013, 10 Sa 18/13.
13/356 Mittelbare Diskriminierung wegen des Geschlechts bei der Pilotenausbildung
30.11.2013. Am Don­ners­tag die­ser Wo­che hat­te das Ar­beits­ge­richt Köln über ei­ne Entschädi­gungs­kla­ge zu ent­schei­den, bei der es um den Vor­wurf der Dis­kri­mi­nie­rung we­gen des Ge­schlechts ging. Ge­klagt hat­te ei­ne jun­ge Frau, die sich bei der Luft­han­sa um ei­ne Aus­bil­dung als Pi­lo­tin be­wor­ben hat­te, aber nicht ge­nom­men wur­de, weil sie nur gut 1,61 Me­ter groß ist und da­mit die ta­rif­lich fest­ge­leg­te Min­dest­größe von 1,65 Me­tern nicht er­reicht. Das dis­kri­mi­niert weib­li­che Be­wer­ber: Ar­beits­ge­richt Köln, Ur­teil vom 28.11.2013, 15 Ca 3879/13.
26.11.2013. Wird ein Be­trieb ge­schlos­sen, er­hal­ten die Ar­beit­neh­mer im Nor­mal­fall be­triebs­be­ding­te Kündi­gun­gen, und die­se Kündi­gun­gen sind nor­ma­ler­wei­se recht­lich kaum an­greif­bar. Hoff­nung be­steht aus Ar­beit­neh­mer­sicht aber dann, wenn der Ar­beit­ge­ber trotz der Be­triebs­still­le­gung noch Möglich­kei­ten hat, die Ar­beit­neh­mer wei­ter zu beschäfti­gen oder sie bei ei­nem an­de­ren Ar­beit­ge­ber "un­ter­zu­brin­gen". Bei den Mas­sen­ent­las­sun­gen der Ci­ty BKK und der BKK Heil­be­ru­fe war das der Fall, wes­halb die Kran­ken­kas­sen vor ei­ni­gen Ta­gen beim Bun­des­ar­beits­ge­richt (BAG) ge­schei­tert sind: BAG, Ur­teil vom 21.11.2013, 2 AZR 474/12.
23.11.2013. Lohn­zah­lun­gen kurz vor der In­sol­venz des Ar­beit­ge­bers können Ar­beit­neh­mer im Nor­mal­fall endgültig be­hal­ten, d.h. späte­re Rück­for­de­run­gen des In­sol­venz­ver­wal­ters sind meist aus­ge­schlos­sen. An­ders ist es aber im Aus­nah­me­fall, wenn der Ar­beit­neh­mer die Lohn­zah­lung durch ei­ne Schwes­ter­fir­ma des in­sol­ven­ten Ar­beit­ge­bers er­hal­ten hat: Bun­des­ar­beits­ge­richt, Ur­teil vom 21.11.2013, 6 AZR 159/12.
18.11.2013. Das Ar­beits­ge­richt Ham­burg hat in ei­nem an­ge­stell­ten Po­li­zis­ten der Ham­bur­ger Po­li­zei Recht ge­ge­ben, der ge­gen sei­ne frist­lo­se Kündi­gung ge­klagt hat­te. Grund der Kündi­gung war ein Fo­to, das der Po­li­zist bei ei­nem Wach­dienst vor ei­ner jüdi­schen Schu­le auf­ge­nom­men hat­te: Das Fo­to zeig­te ei­nen (künst­li­chen) To­ten­kopf mit Po­li­zeimütze. Ge­schmack­los, aber kein Grund für ei­ne frist­lo­se Kündi­gung, mein­te das Ar­beits­ge­richt: Ar­beits­ge­richt Ham­burg, Ur­teil vom 18.09.2013, 27 Ca 207/13 (Pres­se­mel­dung).
13/338 Anhörung des Betriebsrats bei Kündigung in der Probezeit
16.11.2013. Gemäß § 102 Abs.1 Be­triebs­ver­fas­sungs­ge­setz (Be­trVG) muss der Ar­beit­ge­ber vor je­der Kündi­gung den Be­triebs­rat anhören und ihm die Gründe für die ge­plan­te Kündi­gung mit­tei­len. Ge­setz­lich nicht ge­re­gelt ist, wel­che In­for­ma­tio­nen über sei­ne Kündi­gungs­gründe der Ar­beit­ge­ber lie­fern muss, wenn er gar kei­ne Gründe braucht, weil sich der Ar­beit­neh­mer noch in der Pro­be­zeit be­fin­det. Da­zu hat das Bun­des­ar­beits­ge­richt (BAG) vor ei­ni­gen Wo­chen Stel­lung ge­nom­men: BAG, Ur­teil vom 12.09.2013, 6 AZR 121/12.
15.11.2013. Weih­nachts­gel­der ste­hen oft un­ter Stich­tags­vor­be­hal­ten, die ei­nen An­spruch aus­sch­ließen, wenn das Ar­beits­verhält­nis z.B. am 31. De­zem­ber nicht mehr be­steht oder "gekündigt" ist. Sol­che Stich­tags­re­ge­lun­gen können, wenn sie in All­ge­mei­nen Geschäfts­be­din­gun­gen (AGB) des Ar­beit­ge­bers ent­hal­ten sind, ei­nen An­spruch auf ein zeit­an­tei­li­ges Weih­nachts­geld bei vor­zei­ti­ger Kündi­gung im All­ge­mei­nen nicht aus­sch­ließen: Bun­des­ar­beits­ge­richt, Ur­teil vom 13.11.2013, 10 AZR 848/12.
14.11.2013. In be­trieb­li­chen Ver­sor­gungs­ord­nun­gen fin­den sich oft Al­ters­gren­zen, de­nen zu­fol­ge Ar­beit­neh­mer, die z.B. erst mit 50 oder 55 Jah­ren in den Be­trieb ein­ge­tre­ten sind, kei­ne An­wart­schaft auf ei­ne Be­triebs­ren­te mehr er­wer­ben können. Nach ei­ner vor­ges­tern er­gan­ge­nen Ent­schei­dung des Bun­des­ar­beits­ge­richts (BAG) liegt bei ei­ner Al­tershöchst­gren­ze von 50 Jah­ren kei­ne un­zulässi­ge Al­ters­dis­kri­mi­nie­rung vor: BAG, Ur­teil vom 12.11.2013, 3 AZR 356/12.
13.11.2013. Chefärz­te un­ter­ste­hen als Ar­beit­neh­mer dem ge­setz­li­chen Schutz vor un­kla­ren und un­an­ge­mes­se­nen Klau­seln im "Klein­ge­druck­ten" ih­res Ar­beits­ver­trags. Die­ser Schutz läuft aber auf­grund der über­durch­schnitt­lich gu­ten Be­zah­lung von Chefärz­ten im Er­geb­nis leer, wenn Chef­arzt­verträge Ab­gel­tungs­klau­seln ent­hal­ten, de­nen zu­fol­ge Ruf­be­reit­schaf­ten und/oder Be­reit­schafts­diens­te pau­schal mit dem Ge­halt ab­ge­gol­ten sein sol­len. Denn für sol­che Diens­te können Chefärz­te im All­ge­mei­nen kei­ne ge­son­der­te Be­zah­lung ver­lan­gen: Lan­des­ar­beits­ge­richt Hamm, Ur­teil vom 15.03.2013, 18 Sa 1802/12.
13/330 Befristung eines Arbeitsvertrags zur Vertretung
12.11.2013. Be­fris­te­te Ar­beits­verträge sind nach dem Teil­zeit- und Be­fris­tungs­ge­setz (Tz­B­fG) nur zulässig, wenn sie höchs­ten zwei Jah­re dau­ern oder durch ei­nen Sach­grund ge­recht­fer­tigt sind, z.B. durch die Ver­tre­tung ei­nes an­de­ren Ar­beit­neh­mers (§ 14 Abs. 1 Satz 2 Nr.3 Tz­B­fG). Ver­tre­tungs­be­fris­tun­gen können nicht nur auf den Aus­fall ei­ner Stamm­kraft auf­grund persönli­cher Umstände (z.B. El­tern­zeit, länge­re Krank­heit) gestützt wer­den, son­dern auch dar­auf, dass die Stamm­kraft we­gen vorüber­ge­hen­der Ab­ord­nung ver­tre­ten wer­den muss. In die­sen "Ab­ord­nungsfällen" wird die Be­fris­tung des Ver­trags mit dem Ver­tre­ter al­ler­dings stren­ger als in nor­ma­len Ver­tre­tungsfällen kon­trol­liert: Bun­des­ar­beits­ge­richt, Ur­teil vom 13.2.2013, 7 AZR 324/11.
13/328 Befristung des Arbeitsvertrags und gerichtlicher Vergleich
11.11.2013. Ein ge­richt­li­cher Ver­gleich kann im sog. schrift­li­chen Ver­fah­ren gemäß § 278 Abs.6 Satz 1, Alt.1 Zi­vil­pro­zess­ord­nung (ZPO) ab­ge­schlos­sen wer­den. Da­bei rei­chen die Par­tei­en ei­nen übe­rein­stim­men­den schrift­li­chen Ver­gleichs­vor­schlag beim Ge­richt ein, das dar­auf­hin per Be­schluss fest­stellt, dass die­ser Ver­gleichs­vor­schlag das Ver­fah­ren be­en­det hat. Zu we­nig Ge­richt, so das Bun­des­ar­beits­ge­richt (BAG) An­fang 2012, um dar­auf ei­ne wirk­sa­me Verlänge­rung ei­nes be­fris­te­ten Ver­tra­ges gründen zu können. Falsch, so jetzt das Lan­des­ar­beits­ge­richt (LAG) Nie­der­sach­sen: LAG Nie­der­sach­sen, Ur­teil vom 05.11.2013, 1 Sa 489/13.
09.11.2013. Bei Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses las­sen sich man­che Ar­beit­ge­ber Aus­gleichs­quit­tun­gen vom Ar­beit­neh­mer un­ter­schrei­ben. Auf­grund der Kom­bi­na­ti­on von harm­lo­ser Quit­tung und brand­gefähr­li­chem For­de­rungs­ver­zicht führen Aus­gleichs­quit­tun­gen als All­ge­mei­ne Geschäfts­be­din­gun­gen (AGB) des Ar­beit­ge­bers zu ei­ner "un­an­ge­mes­se­nen Be­nach­tei­li­gung" des Ar­beit­neh­mers und sind da­her un­wirk­sam: Lan­des­ar­beits­ge­richt Schles­wig-Hol­stein, Ur­teil vom 24.09.2013, 1 Sa 61/13.
13/325 Betriebliches Eingliederungsmanagement und Kündigung
08.11.2013. Sind Ar­beit­neh­mer in­ner­halb ei­nes Jah­res länger als sechs Wo­chen un­un­ter­bro­chen oder wie­der­holt ar­beits­unfähig er­krankt, muss der Ar­beit­ge­ber ein be­trieb­li­ches Ein­glie­de­rungs­ma­nage­ment (BEM) durchführen. Spricht der Ar­beit­ge­ber ei­ne auf lan­ge Krank­heits­zei­ten gestütz­te krank­heits­be­ding­te Kündi­gung aus, oh­ne zu­vor ein kor­rek­tes BEM durch­geführt zu ha­ben, hat es später schwer, mit der Kündi­gung vor Ge­richt durch­zu­kom­men. Das zeigt ein ak­tu­el­ler Fall des Lan­des­ar­beits­ge­richts (LAG) Schles­wig-Hol­stein: LAG Schles­wig-Hol­stein, Ur­teil vom 18.09.2013, 3 Sa 133/13.
07.11.2013. In ei­ner ak­tu­el­len Ent­schei­dung muss­te das Lan­des­ar­beits­ge­richt (LAG) Düssel­dorf be­ur­tei­len, ob die frist­lo­se Kündi­gung ei­nes Be­triebs­rats­mit­glieds aus ver­hal­tens­be­ding­ten Gründen we­gen ei­ner ge­ringfügi­gen Rei­ni­gungstätig­keit für ein Kon­kur­renz­un­ter­neh­men des Ar­beit­ge­bers zulässig wäre. Da der Ar­beit­ge­ber selbst ei­ne Rei­ni­gungs­fir­ma war, war er über die­sen Ne­ben­job nicht amüsiert: LAG Düssel­dorf, Be­schluss vom 04.09.2013, 4 TaBV 15/13.
13/312 Kein Anspruch auf Weihnachtsgeschenke
29.10.2013. In ei­nem ak­tu­el­len Fall hat das Ar­beits­ge­richt Köln ent­schie­den, dass ein Ar­beit­ge­ber mit ei­ner Über­ra­schungs­ak­ti­on auf ei­ner Weih­nachts­fei­er iPads im Wert von 400,00 EUR an die an­we­sen­den Ar­beit­neh­mer ver­schen­ken kann, oh­ne dass die ab­we­sen­den Ar­beit­neh­mer ei­nen An­spruch dar­auf ha­ben, eben­falls ein sol­ches Ge­schenk zu er­hal­ten: Ar­beits­ge­richt Köln, Ur­teil vom 18.10.2013, 3 Ca 1819/13.
28.10.2013. Gemäß § 131 Abs.1 In­sol­venz­ord­nung (In­sO) kann der In­sol­venz­ver­wal­ter Lohn­zah­lun­gen, die der Ar­beit­neh­mer auf der Grund­la­ge ei­nes Ti­tels durch ei­ne Maßnah­me der Zwangs­voll­stre­ckung er­langt hat, im Fal­le der In­sol­venz des Ar­beit­ge­bers wie­der her­aus­ver­lan­gen, wenn die durch die Voll­stre­ckung er­reich­te Zah­lung "kurz vor Tores­schluss" er­folg­te. Bei der Ausübung sei­nes An­fech­tungs­rechts muss der In­sol­venz­ver­wal­ter ta­rif­li­che oder ar­beits­ver­trag­li­che Aus­schluss­fris­ten nicht be­ach­ten: Bun­des­ar­beits­ge­richt, Ur­teil vom 24.10.2013, 6 AZR 466/12.
26.10.2013. Bei ei­ner größeren be­triebs­be­ding­ten Kündi­gungs­wel­le muss der Ar­beit­ge­ber das Punk­te­sche­ma für die So­zi­al­aus­wahl mit dem Be­triebs­rat ge­mein­sam fest­le­gen. Denn ein Punk­te­sche­ma ist ei­ne Aus­wahl­richt­li­nie im Sin­ne von § 95 Abs.1 Be­triebs­ver­fas­sungs­ge­setz (Be­trVG), und hier hat der Be­triebs­rat ein Mit­be­stim­mungs­recht. Weicht ein In­ter­es­sen­aus­gleich mit Na­mens­lis­te al­ler­dings von die­sem Punk­te­sche­ma ab, wird ein Ar­beit­neh­mer, der auf der Na­mens­lis­te steht, be­triebs­be­dingt gekündigt, ob­wohl er nach dem Punk­te­sche­ma, d.h. der Aus­wahl­richt­li­nie ei­gent­lich blei­ben müss­te. In ei­nem vor­ges­tern er­gan­ge­nen Ur­teil hat das Bun­des­ar­beits­ge­richt (BAG) ent­schie­den, dass die Na­mens­lis­te in ei­nem sol­chen Fall vor­geht: BAG, Ur­teil vom 24.10.2013, 6 AZR 854/11.
23.10.2013. In ei­nem ak­tu­el­len Ur­teil hat das Bun­des­ar­beits­ge­richt (BAG) ent­schie­den, dass ei­ne er­neu­te for­mel­le Anhörung des Ar­beit­neh­mers nicht er­for­der­lich ist, wenn der Ar­beit­ge­ber ei­ne Ver­dachtskündi­gung be­reits aus­ge­spro­chen hat und sich vor Ge­richt auf Ver­dachts­mo­men­te stützt, die zum Kündi­gungs­zeit­punkt zwar vor­la­gen, ihm da­mals aber noch nicht be­kannt wa­ren: BAG, Ur­teil vom 23.05.2013, 2 AZR 102/12.
13/299 Keine Diskriminierung durch Kündigung bei Schwangerschaft
19.10.2013. Die Dis­kri­mi­nie­rung ei­nes Ar­beit­neh­mers we­gen sei­nes Ge­schlechts ist ge­setz­lich, nämlich nach den Vor­schrif­ten des All­ge­mei­nen Gleich­be­hand­lungs­ge­set­zes (AGG) ver­bo­ten. Frag­lich ist, ob bzw. un­ter wel­chen Umständen die un­wirk­sa­me Kündi­gung ei­ner schwan­ge­ren Ar­beit­neh­me­rin, die gemäß § 9 Abs.1 Satz 1 Mut­ter­schutz (MuSchG) nicht bzw. nur in sel­te­nen Aus­nah­mefällen zulässig ist, ei­ne Frau­en­dis­kri­mi­nie­rung dar­stellt. Zu die­ser Fra­ge hat das Bun­des­ar­beits­ge­richt (BAG) vor ei­ni­gen Ta­gen Stel­lung ge­nom­men: BAG, Ur­teil vom 17.10.2013, 8 AZR 742/12.
13/298 Betriebsübergang - Verwirkung des Rechts zum Widerspruch
18.10.2013. Be­strei­tet der Be­triebs­er­wer­ber das Vor­lie­gen ei­nes Be­triebsüber­gangs und schließen Ar­beit­neh­mer und Er­wer­ber dar­auf­hin in dem Pro­zess über die Fort­set­zung des Ar­beits­verhält­nis­ses ei­nen Be­en­di­gungs­ver­gleich, ver­liert der Ar­beit­neh­mer durch die­se endgülti­ge Verfügung über sein Ar­beits­verhält­nis das Recht, dem Be­triebsüber­gang zu wi­der­spre­chen. Ei­nen Weg zurück zum al­ten Ar­beit­ge­ber gibt es dann nicht mehr. Das hat das Bun­des­ar­beits­ge­richt (BAG) ges­tern ent­schie­den: BAG, Ur­teil vom 17.10.2013, 8 AZR 974/12.
13/296 Anspruch auf Wiedereinstellung für Arbeitnehmer der City BKK
17.10.2013. Jah­re­lang hat­te sich der Se­nat von Ber­lin ge­wei­gert, et­wa Ar­beit­neh­mer der Mit­te 2011 ge­schlos­se­nen Ci­ty BKK zu über­neh­men, ob­wohl die­se auf ei­ne Wie­der­ein­stel­lungs­zu­sa­ge des Lan­des Ber­lin ver­wei­sen konn­ten. Auf­grund ei­ner vor­ges­tern er­gan­ge­nen Ent­schei­dung des Bun­des­ar­beits­ge­richts (BAG) steht rechts­kräftig fest, dass et­wa 200 Mit­ar­bei­ter der ehe­ma­li­gen Ci­ty BKK, die bis 1998 beim Land Ber­lin beschäftigt wa­ren, wie­der Ar­beit­neh­mer des Lan­des Ber­lin sind: BAG, Ur­teil vom 15.10.2013, 9 AZR 564/12.
16.10.2013. Mit ei­nem Ur­teil vom gest­ri­gen Ta­ge hat das Bun­des­ar­beits­ge­richt (BAG) sei­ne Recht­spre­chung bestätigt, der zu­fol­ge Späte­hen­klau­seln rech­tens sind, d.h. Klau­seln, de­nen zu­fol­ge sol­che Ehe­part­ner von Hin­ter­blie­be­nen­ren­ten aus­ge­schlos­sen wer­den, die den ver­sor­gungs­be­rech­tig­ten Ar­beit­neh­mer erst nach des­sen Be­ren­tung ("spät") ge­hei­ra­tet ha­ben: BAG, Ur­teil vom 15.10.2013, 3 AZR 294/11.
04.10.2013. Geht ein Be­trieb durch Ver­trag auf ei­nen neu­en In­ha­ber über, wer­den die Ar­beits­verhält­nis­se au­to­ma­tisch auf den Er­wer­ber über­ge­lei­tet. Al­ler­dings ha­ben die Ar­beit­neh­mer im öffent­li­chen Dienst, die durch ei­ne ge­setz­li­che Über­lei­tung ei­nen neu­en Ar­beit­ge­ber er­hal­ten, meist kein Recht, durch ei­nen Wi­der­spruch beim al­ten Ar­beit­ge­ber zu blei­ben. Ein Über­lei­tungs­ge­setz oh­ne Wi­der­spruchs­recht greift aber mas­siv in die Be­rufs­frei­heit der be­trof­fe­nen Ar­beit­neh­mer ein. In ei­ner ak­tu­el­len Ent­schei­dung hat das Bun­des­ar­beits­ge­richt (BAG) da­her ei­ne sol­che Ge­set­zes­vor­schrift als ver­fas­sungs­wid­rig be­wer­tet und das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt an­ge­ru­fen: BAG, Be­schluss vom 26.09.2013, 8 AZR 775/12 (A).
26.09.2013. Ar­beit­neh­mer ge­nießen Kündi­gungs­schutz, ein Recht auf Lohn­fort­zah­lung im Krank­heits­fall und auf Ur­laub, Selbständi­ge da­ge­gen nicht. In ei­nem ak­tu­el­len Fall konn­te sich ein baye­ri­scher wis­sen­schaft­li­cher Mit­ar­bei­ter mit Er­folg ge­gen die Ein­ord­nung sei­nes Ar­beits­verhält­nis­ses als Werk­ver­trag zur Wehr set­zen: Bun­des­ar­beits­ge­richt, Ur­teil vom 25.09.2013, 10 AZR 282/12.
13/275 Pflicht zur Nutzung einer elektronischen Signaturkarte
25.09.2013. Das mas­sen­haf­te Aus­spähen von E-Mails durch ame­ri­ka­ni­sche und bri­ti­sche Ge­heim­diens­te hat wie­der ein­mal deut­lich ge­macht, dass di­gi­tal verfügba­re Da­ten nie wirk­lich si­cher sind. Am bes­ten wäre es, man be­hiel­te sei­ne persönli­chen Da­ten für sich. Trotz­dem sind Ar­beit­neh­mer ver­pflich­tet, auf An­wei­sung des Ar­beit­ge­bers per­so­nen­be­zo­ge­ne Da­ten ei­ner Zer­ti­fi­zie­rungs­fir­ma zu über­mit­teln, um ei­ne elek­tro­ni­sche Si­gna­tur­kar­te zu er­hal­ten: BAG, Ur­teil vom 25.09.2013, 10 AZR 270/12.
23.09.2013. Wer als Be­triebs­rat ver­trau­li­che In­for­ma­tio­nen aus Be­wer­bungs­un­ter­la­gen auf ei­ner Be­triebs­ver­samm­lung öffent­lich macht und den - mitt­ler­wei­le ein­ge­stell­ten - Be­wer­ber da­durch bloßstellt, ris­kiert den Aus­schluss aus dem Be­triebs­rat: Lan­des­ar­beits­ge­richt Düssel­dorf, Be­schluss vom 09.01.2013, 12 TaBV 93/12.
19.09.2013. Ar­beit­neh­mer in der Ver­brau­cher­insol­venz brau­chen kei­ne Zu­stim­mung des Treuhänders, wenn sie ei­ne Ände­rungskündi­gung er­hal­ten und das da­mit ver­bun­de­ne An­ge­bot ei­ner Ver­rin­ge­rung von Ar­beits­zeit und Ge­halt an­neh­men. Der Treuhänder hat kei­ne recht­li­che Möglich­keit, das zu ver­hin­dern oder vom Ar­beit­ge­ber den Teil des Lohns zu ver­lan­gen, auf den der in­sol­ven­te Ar­beit­neh­mer in­fol­ge ei­ner Ar­beits­zeit- und Ge­halts­re­du­zie­rung ar­beits­ver­trag­lich "ver­zich­tet" hat: Bun­des­ar­beits­ge­richt, Ur­teil vom 20.06.2013, 6 AZR 789/11.
13.09.2013. Das Teil­zeit- und Be­fris­tungs­ge­setz (Tz­B­fG) er­laubt die Be­fris­tung ei­nes Ar­beits­ver­trags auch über die Ge­samt­dau­er von zwei Jah­ren hin­aus, vor­aus­ge­setzt, es gibt dafür ei­nen sach­li­chen Grund. Ein Sach­grund kann z.B. dar­in lie­gen, dass der Be­darf für die Ar­beits­leis­tung nur "vorüber­ge­hend" be­steht (§ 14 Abs. 1 Satz 2 Nr. 1 Tz­B­fG). Die po­li­tisch un­si­che­re Zu­kunft der kom­mu­na­len Job­cen­ter im Jah­re 2005 recht­fer­tigt aber kei­ne Be­fris­tung des Ar­beits­ver­trags mit Mit­ar­bei­tern ei­ner sog. Op­ti­ons­kom­mu­ne: Bun­des­ar­beits­ge­richt, Ur­teil vom 11.09.2013, 7 AZR 107/12.
10.09.2013. In ei­ner ak­tu­el­len Ent­schei­dung hat das Hes­si­sche Lan­des­ar­beits­ge­richt (LAG) in Frank­furt am Main ent­schie­den, dass auch zwei­te stell­ver­tre­ten­de Mit­glie­der der Schwer­be­hin­der­ten­ver­tre­tung ei­nen An­spruch auf Fort­bil­dung ha­ben und die­sen auch im Eil­ver­fah­ren durch­set­zen können: Hes­si­sches LAG, Be­schluss vom 04.04.2013, 16 TaBV­Ga 57/13.
09.09.2013. Die Hein­rich-Böll-Stif­tung, ei­ne par­tei­na­he Stif­tung von Bünd­nis 90/Die Grünen, hat am Don­ners­tag letz­ter Wo­che vor dem Ar­beits­ge­richt Ber­lin ei­ne Nie­der­la­ge hin­neh­men müssen. In dem Pro­zess hat­te ein Fremd­fir­men-Ar­beit­neh­mer die Stif­tung we­gen il­le­ga­ler Ar­beit­neh­merüber­las­sung ver­klagt. Ziel der Kla­ge war die ge­richt­li­che Fest­stel­lung, dass zwi­schen ihm und der Stif­tung ein Ar­beits­verhält­nis be­steht: Ar­beits­ge­richt Ber­lin, Teil­ur­teil vom 04.09.2013, 33 Ca 5347/13 (Pres­se­mel­dung).
13/258 Betriebsbedingte Kündigung oder Weiterbeschäftigung im Ausland?
03.09.2011. Nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts (BAG) spielt es bei ei­ner be­triebs­be­ding­ten Kündi­gung im All­ge­mei­nen kei­ne Rol­le, wenn der Ar­beit­ge­ber über die Möglich­keit ei­ner Wei­ter­beschäfti­gung im Aus­land verfügt. Hin­ter die­sen Grund­satz ha­ben die Er­fur­ter Rich­ter am Don­ners­tag letz­ter Wo­che aber ein Fra­ge­zei­chen ge­setzt: BAG, Ur­teil vom 29.08.2013, 2 AZR 809/12.
13/255 Streitwerte im Arbeitsrecht
31.08.2013. Die für die An­walts- und Ge­richts­gebühren maßgeb­li­chen Streit­wer­te wer­den seit Jah­ren von den Lan­des­ar­beits­ge­rich­ten (LAGs) in vie­len Zwei­felsfällen un­ter­schied­lich fest­ge­setzt. Hier soll künf­tig ein ein­heit­li­cher Streit­wert­ka­ta­log für Klar­heit sor­gen. Auf die­sen Ka­ta­log hat sich ei­ne Streit­wert­kom­mis­si­on ge­ei­nigt, die von den Präsi­den­tin­nen und Präsi­den­ten der LAGs im Mai 2012 ein­ge­setzt wor­den ist und ein Jahr später, im Mai 2013, die Er­geb­nis­se ih­rer Ar­beit vor­ge­stellt hat: Bun­des­ein­heit­li­cher Streit­wert­ka­ta­log für die Ar­beits­ge­richts­bar­keit, Mai 2013.
13/246 Teilzeit als Sabbatical
26.08.2013. Ei­ne Ar­beits­zeit­ver­rin­ge­rung, die auf ein Mi­ni-Sab­ba­ti­cal für 12 Ta­ge um Weih­nach­ten und Neu­jahr hin­ausläuft, kann der Ar­beit­ge­ber ab­leh­nen, wenn der Ar­beit­neh­mer mit ei­nem sol­chen "Teil­zeit"-Wunsch nur ei­ne ur­laubs­recht­li­che Bes­ser­stel­lung am Jah­res­en­de er­rei­chen will. Dann ist das Teil­zeit­be­geh­ren rechts­miss­bräuch­lich: Bun­des­ar­beits­ge­richt, Ur­teil vom 11.06.2013, 9 AZR 786/11.
23.08.2013. Lässt sich ei­ne Kündi­gung mit zu kurz be­rech­ne­ter Kündi­gungs­frist nicht als Kündi­gung mit rich­ti­ger Frist aus­le­gen, muss der gekündig­te Ar­beit­neh­mer in­ner­halb von drei Wo­chen nach Zu­gang der Kündi­gung Kla­ge er­he­ben: Bun­des­ar­beits­ge­richt, Ur­teil vom 15.05.2013, 5 AZR 130/12.
22.08.2013. Ar­beit­neh­mer können vom Ar­beit­ge­ber nicht nur die pünkt­li­che Zah­lung von Lohn und Ge­halt ver­lan­gen, son­dern auch Lohn­steu­er­be­schei­ni­gun­gen, die den Jah­res­brut­to­lohn und die für das Jahr ein­be­hal­te­ne und ab­geführ­te Lohn­steu­er aus­wei­sen. Aber wenn die­se Be­schei­ni­gun­gen un­rich­tig sind - wo kla­gen? Bit­te nicht bei uns, so die verständ­li­che Ab­wehr­hal­tung der Ar­beits­ge­rich­te: Bun­des­ar­beits­ge­richt, Be­schluss vom 07.05.2013, 10 AZB 8/13.
13/240 Betriebsübergang und Ausschlussfristen
20.08.2013. Ta­rif­ver­trag­li­che Aus­schluss­fris­ten lau­fen im Fal­le ei­nes Wi­der­spruchs, den ein Ar­beit­neh­mer bei ei­nem Be­triebsüber­gangs erklärt, erst ab Zu­gang des Wi­der­spruchs beim Be­triebs­veräußerer. Ansprüche ge­gen den Veräußerer ver­fal­len da­her nicht auf­grund von Aus­schluss­fris­ten, wenn der Ar­beit­neh­mer sei­nen al­ten Ar­beit­ge­ber (den Veräußerer) erst nach Erklärung des Wi­der­spruchs zur Zah­lung auf­for­dert bzw. ver­klagt: BAG, Ur­teil vom 16.04.2013, 9 AZR 731/11.
13/238 Urlaub und Kündigung
19.08.2013. In ei­nem ak­tu­el­len Ur­teil hat das Bun­des­ar­beits­ge­richt (BAG) ent­schie­den, dass gekündig­te Ar­beit­neh­mer in ei­ner Kündi­gungs­schutz­kla­ge ih­ren Ur­laub pau­schal ver­lan­gen können, um da­mit den Ver­lust von Ur­laubs­ansprüchen zu ver­hin­dern: BAG, Ur­teil vom 14.05.2013, 9 AZR 760/11.
09.08.2013. Körper­lich an­stren­gen­de Ar­bei­ten während ei­ner Krank­schrei­bung, z.B. auf dem Bau, sind meist ein An­zei­chen dafür, dass ent­we­der die Krank­schrei­bung un­rich­tig war oder sich der Ar­beit­neh­mer nicht "ge­ne­sungsförder­lich" ver­hal­ten hat. Das kann ei­ne frist­lo­se Kündi­gung zur Fol­ge ha­ben: Lan­des­ar­beits­ge­richt Rhein­land-Pfalz, Ur­teil vom 11.07.2013, 10 Sa 100/13.
05.08.2013. In ei­nem ak­tu­el­len Fall hat das Lan­des­ar­beits­ge­richt (LAG) Ba­den-Würt­tem­berg ent­schie­den, dass zwei über ei­ne Fremd­fir­ma ein­ge­setz­te EDV-Mit­ar­bei­ter Schein­selbständi­ge sind, d.h. in Wahr­heit Ar­beit­neh­mer: LAG Ba­den-Würt­tem­berg, Ur­teil vom 01.08.2013, 2 Sa 6/13.
29.07.2013. Nach­ver­trag­li­che Wett­be­werbs­ver­bo­te sind nich­tig, wenn sie kei­ne Ka­ren­zentschädi­gung ent­hal­ten. Dann hat das Wett­be­werbs­ver­bot von vorn­he­rei kei­ner­lei Rechts­wir­kun­gen. Frag­lich ist, ob ein Wett­be­werbs­ver­bot die Höhe der Ka­ren­zentschädi­gung in das Er­mes­sen des Ar­beit­ge­bers stel­len kann, d.h. ob in die­sem Fall ei­ne Ver­ein­ba­rung über die Ka­ren­zentschädi­gung vor­liegt oder nicht. Ja, so das Lan­des­ar­beits­ge­richt (LAG) Nie­der­sach­sen in ei­ner ak­tu­el­len Ent­schei­dung: LAG Nie­der­sach­sen, Ur­teil vom 09.01.2013, 16 Sa 563/12.
29.07.2013. Wenn Zeit­ar­beits­fir­men ei­nem ih­rer Ar­beit­neh­mer aus be­triebs­be­ding­ten Gründen kündi­gen, müssen sie in der Re­gel ei­ne So­zi­al­aus­wahl vor­neh­men. Da­bei sind auch die­je­ni­gen Ar­beit­neh­mer in die Aus­wahl ein­zu­be­zie­hen, die zum Zeit­punkt der Kündi­gung ge­ra­de bei ei­nem Kun­den ein­ge­setzt wer­den: BAG, Ur­teil vom 20.06.2013, 2 AZR 271/12.
28.07.2013. Möch­te der Be­triebs­rat in ei­ner Sit­zung ei­nen Be­schluss zu ei­ner Fra­ge fas­sen, die in der La­dung zu der Sit­zung nicht ge­nannt wird, müssen nach bis­he­ri­ger Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts (BAG) al­le Mit­glie­der des Be­triebs­rats vollzählig an­we­send sein. An­dern­falls kann die Ta­ges­ord­nung in der Be­triebs­rats­sit­zung nicht ergänzt wer­den. Die­se stren­gen An­for­de­run­gen an ei­ne wirk­sa­me Ergänzung der Ta­ges­ord­nung möch­te der ers­te Se­nat des BAG ger­ne lo­ckern: BAG, Be­schluss vom 09.07.2013, 1 ABR 2/13 (A).
13/212 Ermessen des Arbeitgebers bei Versetzungen
27.07.2013. Sol­len Ar­beit­neh­mer in ei­nen an­de­ren Be­trieb ver­setzt wer­den und kom­men dafür ver­schie­de­ne Ar­beit­neh­mer in Be­tracht, muss der Ar­bei­teg­ber ei­ne an­ge­mes­se­ne Aus­wah­l­ent­schei­dung nach "bil­li­gem Er­mes­sen" tref­fen. Wer­den nur sol­che Ar­beit­neh­mer als Ver­set­zungs­kan­di­da­ten in die Aus­wahl ein­be­zo­gen, die früher be­fris­tet beschäftigt wa­ren und de­ren Verträge mitt­ler­wei­le ent­fris­tet sind, ist die Ver­set­zung rechts­wid­rig: BAG, Ur­teil vom 10.07.2013, 10 AZR 915/12.
26.07.2013. Be­triebsräte können den zeit­lich un­be­grenz­ten Ein­satz von Leih­ar­beit­neh­mern auf Dau­er­ar­beitsplätzen, d.h. an­stel­le von Stamm­kräften, ver­hin­dern, in­dem sie ih­re Zu­stim­mung zur Ein­stel­lung un­ter Be­ru­fung auf § 99 Abs.2 Nr.1 Be­triebs­ver­fas­sungs­ge­setz (Be­trVG) und auf § 1 Abs.1 Satz 2 Ar­beit­neh­merüber­las­sungs­ge­setz (AÜG) ver­wei­gern: Bun­des­ar­beits­ge­richt, Be­schluss vom 10.07.2013, 7 ABR 91/11.
13/202 Arbeitnehmer fotografieren - geht das?
18.07.2013. In ei­nem ak­tu­el­len Fall hat das Lan­des­ar­beits­ge­richt (LAG) Rhein­land-Pfalz ent­schie­den, dass Fo­to­auf­nah­men von ei­nem krank­ge­schrie­be­nen Ar­beit­neh­mer, den ein Vor­ge­setz­ter in ei­ner Au­to­wasch­an­la­ge be­ob­ach­tet und zu Be­weis­zwe­cken mit sei­nem Han­dy fo­to­gra­fiert hat, recht­lich in Ord­nung ge­hen: LAG Rhein­land-Pfalz, Ur­teil vom 11.07.2013, 10 Sa­Ga 3/13.
13/197 Anspruch auf Teilzeit
12.07.2013. In ei­nem vor kur­zem veröffent­lich­ten Ur­teil hat das Lan­des­ar­beits­ge­richt (LAG) Köln ent­schie­den, dass auch ge­werb­li­che Ar­beit­neh­mer, die im Schicht­be­trieb ar­bei­ten, ei­nen An­spruch auf Teil­zeit, d.h. auf Ver­rin­ge­rung ih­rer Ar­beits­zeit ha­ben können: LAG Köln, Ur­teil vom 10.01.2013, 7 Sa 766/12.
06.07.2013. § 3 Be­triebs­ver­fas­sungs­ge­setz (Be­trVG) sieht die Möglich­keit vor, durch Ta­rif­ver­trag oder Be­triebs­ver­ein­ba­rung ei­nen un­ter­neh­mens­ein­heit­li­chen Be­triebs­rat zu gründen. Dass ei­ne sol­che Ab­wei­chung vom ge­setz­li­chen Ver­tre­tungs­mo­dell nicht so ein­fach möglich ist, zeigt ei­ne ak­tu­el­le Ent­schei­dung des Bun­des­ar­beits­ge­richts (BAG): BAG, Be­schluss vom 24.4.2013, 7 ABR 71/11.
13/184 Fremdvergabe oder Leiharbeit?
29.06.2013. Ar­beit­ge­ber können ei­ne be­triebs­be­ding­te Kündi­gung nicht da­mit be­gründen, dass sie ziel­ge­rich­tet ein­zel­ne Lei­tungs­funk­tio­nen wie z.B. die Auf­ga­be der Küchen­lei­tung ei­nes Se­nio­ren­wohn­heims an ei­ne Fremd­fir­ma ver­ge­ben, wenn sie das übri­ge Küchen­per­so­nal gleich­zei­tig be­hal­ten und die von der Fremd­fir­ma ge­stell­te Lei­tungs­kraft da­her in al­le vor­han­de­nen be­trieb­li­chen Ar­beits­abläufe ein­ge­bun­den wird. Das hat das Lan­des­ar­beits­ge­richt (LAG) Ber­lin-Bran­den­burg in ei­nem ak­tu­el­len Ur­teil ent­schie­den: LAG Ber­lin-Bran­den­burg, Ur­teil vom 05.03.2013, 12 Sa 1624/12.
28.06.2013. In ei­nem ak­tu­el­len Fall hat das Bun­des­ar­beits­ge­richt (BAG) ent­schie­den, dass ei­ne Dis­kri­mi­nie­rung we­gen ei­ner Welt­an­schau­ung zwar auch dann vor­liegt, wenn der Ar­beit­ge­ber dem be­nach­tei­lig­ten Ar­beit­neh­mer ei­ne Welt­an­schau­ung nur (zu Un­recht) un­ter­stellt, dass es aber für ei­ne sol­che Un­ter­stel­lung nicht genügt, wenn der Ar­beit­ge­ber von be­stimm­ten Ein­stel­lun­gen, Sym­pa­thi­en oder Hal­tun­gen des Ar­beit­neh­mers aus­geht. Sol­che Wert­hal­tun­gen sind noch kei­ne "Welt­an­schau­ung": BAG, Ur­teil vom 20.06.2013, 8 AZR 482/12.
28.06.2013. Vie­le vom Ar­beit­ge­ber vor­for­mu­lier­te Ar­beits­verträge ent­hal­ten Aus­schluss­klau­seln, de­nen zu­fol­ge al­le Ansprüche aus dem Ar­beits­verhält­nis ver­fal­len, wenn sie nicht in­ner­halb ei­ner be­stimm­ten Frist (schrift­lich) ge­genüber der Ge­gen­par­tei gel­tend ge­macht wer­den. In ei­ner ak­tu­el­len Ent­schei­dung hat das Bun­des­ar­beits­ge­richt (BAG) klar­ge­stellt, dass "nor­ma­le" Aus­schluss­klau­seln nicht für Scha­dens­er­satz­ansprüche gel­ten, die aus vorsätz­li­chem Han­deln an­de­rer Ar­beit­neh­mer her­ge­lei­tet wer­den: BAG, Ur­teil vom 20.06.2013, 8 AZR 280/12.
13/179 Kündigung zum nächstmöglichen Termin
27.06.2013. Vie­le or­dent­li­che Kündi­gun­gen wer­den "zum nächs­ten mögli­chen Ter­min" aus­ge­spro­chen, d.h. sie nen­nen den End­ter­min nicht, zu dem das Ar­beits­verhält­nis en­den soll. Sol­che Kündi­gun­gen sind nicht zu un­be­stimmt, d.h. sie sind wirk­sam, falls kei­ne an­der­wei­ti­gen Gründe für die Un­wirk­sam­keit vor­lie­gen soll­ten. Das hat das Bun­des­ar­beits­ge­richt (BAG) in ei­nem ak­tu­el­len Ur­teil klar­ge­stellt: BAG, Ur­teil vom 20.06.2013, 6 AZR 805/11.
13/173 Befristung zur Vertretung wegen Elternzeit
21.06.2013. Die Be­fris­tung ei­nes Ar­beits­ver­trags zur Ver­tre­tung ei­ner Stamm­kraft, die we­gen ei­ner El­tern­zeit vorüber­ge­hend fehlt, setzt nicht not­wen­dig vor­aus, dass der be­fris­tet ein­ge­stell­te Ar­beit­neh­mer die Auf­ga­ben des El­tern­zeit­lers über­nimmt: Lan­des­ar­beits­ge­richt Rhein­land-Pfalz, Ur­teil vom 07.11.2012, 8 Sa 243/12.
19.06.2013. Wer beim Ar­beit­ge­ber ei­ne Krank­schrei­bung ein­reicht, ob­wohl er nicht krank ist und ob­wohl er das weiß, ris­kiert ei­ne (frist­lo­se) Kündi­gung. Ei­ne sol­che Täuschung ist nicht leicht nach­zu­wei­sen. Erst bei kon­kre­ten Zwei­feln an der Rich­tig­keit der ärzt­li­chen Be­schei­ni­gung muss der Ar­beit­neh­mer sei­ne Ar­beits­unfähig­keit durch Ver­neh­mung sei­ner Ärz­te be­wei­sen. Wie ein ak­tu­el­ler Fall zeigt, kann die­se Be­weis­er­he­bung auch bei kon­kre­ten An­halts­punk­ten für ei­ne Täuschung pro Ar­beit­neh­mer aus­ge­hen: Lan­des­ar­beits­ge­richt Rhein­land-Pfalz, Ur­teil vom 06.06.2013, 10 Sa 17/13.
13/164 Zeugnis darf Elternzeit erwähnen
11.06.2013. In ei­nem kürz­lich veröffent­lich­tem Ur­teil hat das Lan­des­ar­beits­ge­richt (LAG) Köln ent­schie­den, dass ei­ne El­tern­zeit von mehr als ei­nem Jahr im Zeug­nis erwähnt wer­den kann: LAG Köln, Ur­teil vom 04.05.2012, 4 Sa 114/12.
31.05.2013. Be­triebsräte müssen re­gelmäßig Sit­zun­gen ab­hal­ten und Sprech­stun­den für ih­re Kol­le­gin­nen und Kol­le­gen an­bie­ten. Das Ge­setz ver­pflich­tet den Ar­beit­ge­ber zwar da­zu, dem Be­triebs­rat "in er­for­der­li­chem Um­fang Räume" zur Verfügung zu stel­len, doch muss das nicht un­be­dingt ein spe­zi­ell für den Be­triebs­rat re­ser­vier­ter Raum sein. Trotz­dem hat das Lan­des­ar­beits­ge­richt (LAG) Köln ei­nem sie­benköpfi­gen Be­triebs­rat in ei­ner ak­tu­el­len Ent­schei­dung ei­nen ei­ge­nen Raum zu­ge­spro­chen: LAG Köln, Be­schluss vom 23.01.2013, 5 TaBV 7/12.
30.05.2013. Wer Kol­le­gen be­lei­digt oder sich zu Tätlich­kei­ten hin­reißen lässt, ver­letzt da­mit sei­ne ar­beits­ver­trag­li­chen Pflich­ten. Da­her können sol­che Vorfälle den Ar­beit­ge­ber zu ei­ner außer­or­dent­li­chen und frist­lo­sen Kündi­gung be­rech­ti­gen, wie das Lan­des­ar­beits­ge­richt (LAG) Rhein­land-Pfalz in ei­nem ak­tu­el­len Ur­teil deut­lich ge­macht hat: LAG Rhein­land-Pfalz, Ur­teil vom 27.11.2012, 3 Sa 376/12.
28.05.2013. Wer als Geschäftsführer ei­ner GmbH sei­ne Pflich­ten ge­genüber der Ge­sell­schaft mas­siv ver­letzt, ris­kiert die außer­or­dent­li­che und frist­lo­se Kündi­gung sei­nes Geschäftsführer­ver­trags. In ei­nem sol­chen Fall müssen sich die Ver­tre­ter der Ge­sell­schaft al­ler­dings mit dem Aus­spruch der Kündi­gung be­ei­len, denn gemäß § 626 Abs.2 Bürger­li­ches Ge­setz­buch (BGB) muss die Kündi­gung in­ner­halb von zwei Wo­chen erklärt wer­den. Die­se kur­ze Frist be­ginnt aber erst dann, wenn die zur Kündi­gung be­rech­tig­ten Ver­tre­ter der Ge­sell­schaft al­le zur Kündi­gung be­rech­ti­gen­den Tat­sa­chen ken­nen, d.h. ein bloßes "Ken­nen-Müssen" genügt nicht: Bun­des­ge­richts­hof, Ur­teil vom 09.04.2013, II ZR 273/11.
27.05.2013. Der Be­triebs­rat hat ein Mit­be­stim­mungs­recht, wenn der Ar­beit­ge­ber tech­ni­sche Ein­rich­tun­gen einführen oder an­wen­den will, die zur Über­wa­chung des Ver­hal­tens oder der Leis­tung der Ar­beit­neh­mer be­stimmt sind. Nach An­sicht des Ar­beits­ge­richts Ber­lin hat der Be­triebs­rat auch ein "Initia­tiv­recht" bei der Einführung sol­cher Über­wa­chungs­ein­rich­tun­gen, d.h. er kann de­ren Einführung und/oder An­wen­dung vom Ar­beit­ge­ber ver­lan­gen: Ar­beits­ge­richt Ber­lin, Be­schluss vom 20.03.2013, 28 BV 2178/13.
25.05.2013. Der Ar­beit­ge­ber kann das Ar­beits­verhält­nis außer­or­dent­lich kündi­gen, wenn der Ar­beit­neh­mer sei­ne Ar­beit be­harr­lich ver­wei­gert. Das setzt vor­aus, dass der Ar­beit­neh­mer die von ihm ver­wei­ger­ten Ar­bei­ten nach sei­nem Ar­beits­ver­trag ver­rich­ten muss­te. Weist der Ar­beit­ge­ber dem Ar­beit­neh­mer je­doch Auf­ga­ben zu, die vom Ar­beits­ver­trag nicht ge­deckt sind, ist die Ar­beits­ver­wei­ge­rung rech­tens und die dar­auf gestütz­te Kündi­gung un­wirk­sam: Lan­des­ar­beits­ge­richt Rhein­land-Pfalz, Ur­teil vom 24.01.2013, 10 Sa 463/12.
24.05.2013. Wer als Chef­arzt wahlärzt­li­che Leis­tun­gen ab­rech­net, die er nicht persönlich er­bracht hat, be­geht da­her im Re­gel­fall ei­nen Ab­rech­nungs­be­trug. Fliegt so et­was auf, kann die Kli­nik den Chef­arzt ent­las­sen, und zwar durch frist­lo­se bzw. außer­or­dent­li­che Kündi­gung: Lan­des­ar­beits­ge­richt Nie­der­sach­sen, Ur­teil vom 17.04.2013, 2 Sa 179/12.
16.05.2013. Wenn ein Ar­beit­neh­mer während "sei­ner" Ar­beits­zeit nicht ar­bei­tet, fällt sein An­spruch auf Lohn bzw. Ge­halt weg. Frag­lich ist al­ler­dings, wie lan­ge und wann ein Ar­beit­neh­mer über­haupt ar­bei­ten muss, wenn der Ar­beits­ver­trag kei­ne Re­ge­lun­gen zur Ar­beits­zeit enthält. Dann kann der Ar­beit­ge­ber per Wei­sung die Ein­hal­tung der "be­triebsübli­chen" Ar­beits­zei­ten ver­lan­gen und das Ge­halt kürzen, wenn der Ar­beit­neh­mer die­se Zei­ten nicht einhält. Das hat das Bun­des­ar­beits­ge­richt (BAG) ges­tern klar­ge­stellt: BAG, Ur­teil vom 15.05.2013, 10 AZR 325/12.
13/134 Verzicht auf Urlaubsabgeltung
14.05.2013. Bis vor ei­ni­gen Jah­ren hat das Bun­des­ar­beits­ge­richt (BAG) den ge­setz­li­chen Min­des­t­ur­laub da­durch ab­ge­si­chert, dass es die ge­setz­li­chen Re­geln über den Ur­laub auch auf die Ur­laubs­ab­gel­tung an­ge­wandt hat. Denn die Ur­laubs­ab­gel­tung ist, so die frühe­re Recht­spre­chung des BAG, ein "Sur­ro­gat" des Ur­laubs­an­spruchs. Die­se Sur­ro­ga­ti­ons­theo­rie ver­hin­der­te, dass der Ar­beit­neh­mer auf sei­nen Ab­gel­tungs­an­spruch ver­zich­ten konn­te. Da das BAG die Sur­ro­ga­ti­ons­theo­rie aber vor ei­nem Jahr auf­ge­ge­ben hat, fragt sich, ob der Ar­beit­neh­mer nicht auf sei­ne Ur­laubs­ab­gel­tung ver­zich­ten kann. Kann er, so das BAG mit ei­ner Ent­schei­dung vom heu­ti­gen Ta­ge: BAG, Ur­teil vom 14.05.2013, 9 AZR 844/11.
30.04.2013. Am Don­ners­tag letz­ter Wo­che hat das Bun­des­ar­beits­ge­richt (BAG) ent­schie­den, dass ei­ne zur ka­tho­li­schen Ca­ri­tas gehören­de so­zia­le Ein­rich­tung ei­nem So­zi­al­ar­bei­ter außer­or­dent­lich kündi­gen kann, weil die­ser aus der ka­tho­li­schen Kir­che aus­ge­tre­ten ist: BAG, Ur­teil vom 25.04.2013, 2 AZR 579/12.
13/116 Klage gegen Versetzung
26.04.2013. Mit ei­ner Ver­set­zung übt der Ar­beit­ge­ber sein Wei­sungs­recht aus. Da­her ist nicht je­de Ver­set­zung rech­tens, denn sie muss als Wei­sung des Ar­beit­ge­bers gemäß § 106 Ge­wer­be­ord­nung (Ge­wO) "bil­li­gem Er­mes­sen" ent­spre­chen. Wie ei­ne ak­tu­el­le Ent­schei­dung des Lan­des­ar­beits­ge­richts (LAG) Hamm zeigt, kann bei ei­ner Kla­ge ge­gen ei­ne Ver­set­zung bzw. auf ver­trags­gemäße Beschäfti­gung ei­ne de­tail­lier­te Stel­len­an­zei­ge pro­zes­s­ent­schei­dend sein: LAG Hamm, Ur­teil vom 04.01.2013, 10 Sa 901/12.
25.04.2013. Will der Be­triebs­rat ei­nen An­walt für ei­nen Pro­zess be­auf­tra­gen, muss er darüber ei­nen kor­rek­ten Be­schluss her­beiführen. Das gilt auch für die Ent­schei­dung der Fra­ge, ob der Be­triebs­rat den Fall in die nächs­te In­stanz trei­ben will: Lan­des­ar­beits­ge­richt Düssel­dorf, Be­schluss vom 16.01.2013, 7 TaBV 31/12.
13/112 Keine Erhöhung von Betriebsrenten bei gespaltener Rentenformel
24.04.2013. Vie­le Be­triebs­rent­ner er­hal­ten für den Teil ih­res Ein­kom­mens, der über der Bei­trags­be­mes­sungs­gren­ze (BBG) in der ge­setz­li­chen Ren­ten­ver­si­che­rung liegt, ei­ne höhe­re Be­triebs­ren­te. Da die BBG im Jah­re 2003 außer­planmäßig be­son­ders deut­lich an­ge­ho­ben wur­de, be­steht seit lan­gem Streit darüber, ob die Ar­beit­ge­ber ih­ren Be­triebs­rent­nern dafür ei­nen Aus­gleich gewähren müssen. Nein, so das Bun­des­ar­beits­ge­richt (BAG) in ei­ner Ent­schei­dung vom gest­ri­gen Ta­ge: BAG, Ur­teil vom 23.04.2013, 3 AZR 475/11.
13/111 Zeugnis einklagen - aber wann?
24.04.2013. Da der An­spruch auf ein Zeug­nis ei­ne Hol­schuld ist, sind Ar­beit­ge­ber nicht da­zu ver­pflich­tet, dem Ar­beit­neh­mer das Zeug­nis per Post zu schi­cken. Sie müssen es nur zur Ab­ho­lung im Be­trieb be­reit le­gen. Wer da­her oh­ne ei­nen er­folg­lo­sen Ver­such, sich sein Zeug­nis im Be­trieb ab­zu­ho­len, auf Zeug­nis­er­tei­lung klagt, ris­kiert die Be­las­tung mit Ge­richts­gebühren: Lan­des­ar­beits­ge­richt Ber­lin-Bran­den­burg, Be­schluss vom 06.02.2013, 10 Ta 31/13.
13/109 Kündigungsschutzklage ohne Kündigungsschutzprozess
24.04.2013. Ei­ne nicht kor­rekt un­ter­schrie­be­ne Kündi­gungs­schutz­kla­ge macht die Kla­ge un­zulässig, so dass sie ab­zu­wei­sen ist. Ähn­lich gra­vie­ren­de Pro­ble­me hat der kla­gen­de Ar­beit­neh­mer aber auch dann, der Be­glau­bi­gungs­ver­merk auf der Kla­ge­ko­pie fehlt, die das Ge­richt dem be­klag­ten Ar­beit­ge­ber zu­stel­len muss. Denn wenn die­ser Be­glau­bi­gungs­ver­merk schlam­pig an­ge­fer­tigt wur­de, gibt es kei­ne be­glau­big­te Ab­schrift und oh­ne ei­ne sol­che kommt der Pro­zess nicht in Gang. Lan­des­ar­beits­ge­richt Ba­den-Würt­tem­berg Ur­teil vom 20.02.2013, 4 Sa 93/12.
13/108 Freiwilligkeitsvorbehalt bei Weihnachtsgeld
23.04.2013. Vie­le Ar­beit­ge­ber wol­len sich durch Frei­wil­lig­keits­vor­be­hal­te da­ge­gen ab­si­chern, dau­er­haft zu Son­der­zah­lun­gen wie z.B. ei­nem Weih­nachts­geld ver­pflich­tet zu sein. Da sol­che Ver­trags­klau­seln prak­tisch im­mer zu den All­ge­mei­nen Geschäfts­be­din­gun­gen (AGB) des Ar­beit­ge­bers gehören, wer­den sie von der Recht­spre­chung sehr ge­nau über­prüft. Auch in ei­nem ak­tu­el­len Ur­teil hat das Bun­des­ar­beits­ge­richt (BAG) ei­ne sol­che Klau­sel wie­der ein­mal für un­wirk­sam erklärt: BAG, Ur­teil vom 20.02.2013, 10 AZR 177/12.
19.03.2013. Je mehr Ar­beit­neh­mer im Be­trieb ar­bei­ten, des­to mehr Mit­glie­der muss der Be­triebs­rat ha­ben. Frag­lich ist, ob Leih­ar­beit­neh­mer an die­ser Stel­le mitzählen, d.h. ob ei­ne ho­he An­zahl von Leih­ar­beit­neh­mern zur Fol­ge hat, dass mehr Be­triebs­rats­mit­glie­der zu wählen sind. Die­se Fra­ge hat das Bun­des­ar­beits­ge­richt (BAG) am letz­ten Mitt­woch mit ja be­ant­wor­tet: BAG, Be­schluss vom 13.03.2013, 7 ABR 69/11.
18.03.2013. Seit­dem das Bun­des­ar­beits­ge­richt (BAG) die Ta­rif­ge­mein­schaft Christ­li­cher Ge­werk­schaf­ten Zeit­ar­beit und Per­so­nal­ser­vice­agen­tu­ren (CG­ZP) En­de 2010 für ta­rif­unfähig erklärt hat, können Leih­ar­beit­neh­mer auf der Grund­la­ge von § 9 Nr. 2 Ar­beit­neh­merüber­las­sungs­ge­setz (AÜG) For­de­run­gen auf glei­che Be­zah­lung ("equal pay") wie ver­gleich­ba­re Ar­beit­neh­mer im Be­trieb des Ent­lei­hers stel­len. Die­se For­de­run­gen sind aber von ar­beits­ver­trag­li­chen Aus­schluss­klau­seln be­droht: Bun­des­ar­beits­ge­richt, Ur­teil vom 13.03.2013, 5 AZR 954/11.
13/068 Aufwendungsersatz für den Kauf eines Schulbuchs
15.03.2013. Stellt der Ar­beit­ge­ber ei­nem an­ge­stell­ten Leh­rer ein un­ter­richts­not­wen­di­ges Schul­buch nicht zur Verfügung, kann der Leh­rer es auf ei­ge­ne Rech­nung an­schaf­fen und später Kos­ten­er­stat­tung vom Ar­beit­ge­ber ver­lan­gen: Bun­des­ar­beits­ge­richt, Ur­teil vom 12.03.2013, 9 AZR 455/11
13/066 Wann können Geschäftsführer vor dem Arbeitsgericht klagen?
14.03.2013. Wer als GmbH-Geschäftsführer ab­be­ru­fen und/oder gekündigt wird, kann im All­ge­mei­nen we­gen § 5 Abs.1 Satz 2 Ar­beits­ge­richts­ge­setz (ArbGG) nicht vor den Ar­beits­ge­rich­ten kla­gen. Den An­wen­dungs­be­reich die­ser Vor­schrift hat das Bun­des­ar­beits­ge­richt (BAG) in ei­ner ak­tu­el­len Ent­schei­dung aus­ge­wei­tet. Da­mit ist es künf­tig schwe­rer, als gekündig­ter Geschäftsführer vor dem Abeits­ge­richt zu kla­gen: BAG, Be­schluss vom 04.02.2013, 10 AZB 78/12.
13/062 Urlaubsabgeltung für Beamte
11.03.2013. Das Eu­ro­pa­recht schreibt vor, dass al­len Ar­beit­neh­mern und Be­am­ten ein vierwöchi­ger Min­des­t­ur­laub pro Jahr gewährt wird, der auch bei lan­ger Er­kran­kung nicht ein­fach er­satz­los ge­stri­chen wer­den kann. Die­se Vor­ga­ben des Eu­ro­pa­rechts zum The­ma Ur­laub bei lan­ger Krank­heit, die der Eu­ropäische Ge­richts­hofts (EuGH) seit An­fang 2009 mehr­fach be­kräftigt hat, hat das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt (BVerwG) in ei­ner Grund­satz­ent­schei­dung vom Ja­nu­ar 2013 end­lich in deut­sches Recht um­ge­setzt: BVerwG, Ur­teil vom 31.01.2013, 2 C 10.12.
13/056 Arbeitszeugnis - Beweislast beim Streit um die Note
08.03.2013. Wer als Ar­beit­neh­mer vor Ge­richt ei­ne bes­se­re Zeug­nis­no­te durch­set­zen will, z.B. die No­te "gut" oder "sehr gut", muss nach der bis­he­ri­gen Recht­spre­chung be­wei­sen, dass er über­durch­schnitt­li­chen Leis­tun­gen er­bracht hat. Ei­ner ak­tu­el­len Ent­schei­dung des Ar­beits­ge­richts Ber­lin zu­fol­ge muss da­ge­gen der Ar­beit­ge­ber be­wei­sen, dass der Ar­beit­neh­mer un­ter­durch­schnitt­li­che Leis­tun­gen ge­zeigt hat, wenn er ein Zeug­nis mit der No­te "be­frie­di­gend" er­teilt hat: Ar­beits­ge­richt Ber­lin, Ur­teil vom 26.10.2012, 28 Ca 18230/11.
07.03.2013. Wie das Bun­des­ar­beits­ge­richt (BAG) vor­ges­tern ent­schie­den hat, können auch Be­triebs­ver­ein­ba­run­gen ei­ne Re­ge­lung ent­hal­ten, der zu­fol­ge Ar­beit­neh­mer mit Er­rei­chen des Ren­ten­al­ters au­to­ma­tisch aus dem Ar­beits­verhält­nis auss­schei­den. In sol­chen Re­ge­lun­gen liegt kei­ne ver­bo­te­ne Dis­kri­mi­nie­rung we­gen des Al­ters: BAG, Ur­teil vom 05.03.2013, 1 AZR 417/12.
13/043 Teilzeit in der Elternzeit
25.02.2013. Wer El­tern­zeit in An­spruch nimmt, kann während der El­tern­zeit in Teil­zeit ar­bei­ten. Frag­lich ist aber, wie oft der Ar­beit­neh­mer bzw. die Ar­beit­neh­me­rin ei­ne sol­che Ar­beits­zeit­ver­rin­ge­rung in der El­tern­zeit ver­lan­gen kann, wenn der Ar­beit­ge­ber be­reits zu­vor "gutmütig" bzw. frei­wil­lig ei­ner Teil­zeit­re­ge­lung zu­ge­stimmt hat. In die­ser Fra­ge hat das Bun­des­ar­beits­ge­richts (BAG) vor ei­ni­gen Ta­gen die Rech­te der Ar­beit­neh­mer gestärkt: BAG, Ur­teil vom 19.02.2013, 9 AZR 461/11.
13/041 Diskriminierung bei der Bewerbung wegen einer Schwerbehinderung
22.02.2013. Ar­beit­ge­ber müssen die Ab­leh­nung ei­nes schwer­be­hin­der­ten Be­wer­ber nicht im­mer be­gründen. Das hat das Bun­des­ar­beits­ge­richt (BAG)mit ei­nem Ur­teil vom gest­ri­gen Ta­ge klar­ge­stellt: BAG, Ur­teil vom 21.02.2013, 8 AZR 180/12.
13/032 Weiterbeschäftigung per einstweiliger Verfügung
13.02.2013. Wer gekündigt wur­de, soll­te sich um sei­ne vorläufi­ge wei­te­re Beschäfti­gung bemühen, auch wenn er mit Aus­sicht auf Er­folg ei­ne Kündi­gungs­schutz­kla­ge er­ho­ben hat. Denn ein Kündi­gungs­schutz­ver­fah­ren kann lan­ge dau­ern. Hat der Be­triebs­rat im Anhörungs­ver­fah­ren der Kündi­gung wi­der­spro­chen, kann der Ar­beit­neh­mer sei­nen An­spruch auf Wei­ter­beschäfti­gung im ge­richt­li­chen Eil­ver­fah­ren in der Re­gel oh­ne große Pro­ble­me durch­set­zen: Lan­des­ar­beits­ge­richt Köln, Ur­teil vom 26.11.2012, 5 Sa­Ga 14/12.
13/027 Anspruch auf Bonus bei Insolvenz
07.02.2013. Legt der Ar­beit­ge­ber ent­ge­gen ei­ner ar­beits­ver­trag­li­chen Ziel­ver­ein­ba­rungs­re­ge­lung kei­ne Jah­res­zie­le fest und wird er später in­sol­vent, ist der An­spruch des Ar­beit­neh­mers auf Scha­dens­er­satz we­nig wert, da er kein Mas­se­an­spruch ist, son­dern nur ei­ne ein­fa­che In­sol­venz­for­de­rung: Bun­des­ar­beits­ge­richt, Ur­teil vom 14.11.2012, 10 AZR 793/11.
29.01.2013. Nimmt sich ein zu­recht ab­ge­mahn­ter Ar­beit­neh­mer die Ab­mah­nung zu Her­zen und wie­der­holt den Pflicht­ver­s­toß zwei oder drei Jah­re lang nicht, konn­te er bis­her die Ent­fer­nung der Ab­mah­nung aus der Per­so­nal­ak­te ver­lan­gen. Das wird künf­tig nicht mehr so leicht möglich sein. Denn das Bun­des­ar­beits­ge­richt (BAG) hat in ei­ner ak­tu­el­len Ent­schei­dung klar­ge­stellt, dass der Ar­beit­ge­ber auch dann noch ein be­rech­tig­tes In­ter­es­se an der wei­te­ren Auf­be­wah­rung ei­ner rechtmäßigen Ab­mah­nung ha­ben kann, wenn er ei­ne ver­hal­tens­be­ding­te Kündi­gung nicht mehr auf die (lan­ge zurück­lie­gen­de) Ab­mah­nung stützen könn­te: BAG, Ur­teil vom 19.7.2012, 2 AZR 782/11.
13/018 Beim Kündigungsschutz zählen Leiharbeitnehmer mit
25.01.2013. Nach bis­he­ri­ger Recht­spre­chung zähl­ten Leih­ar­beit­neh­mer nicht mit, wenn es um die An­wen­dung des Kündi­gungs­schutz­ge­set­zes (KSchG) ging, d.h. der Ein­satz von Leih­ar­beit­neh­mern führ­te nicht da­zu, dass ein Ar­beit­ge­ber bei Kündi­gun­gen den all­ge­mei­nen Kündi­gungs­schutz nach dem Kündi­gungschutz­ge­setz zu be­ach­ten hat­te. Die­se Recht­spre­chung hat das Bun­des­ar­beits­ge­richt (BAG) mit ei­ner Grund­satz­ent­schei­dung vom gest­ri­gen Ta­ge zu­guns­ten der Ar­beit­neh­mer­sei­te auf­ge­weicht: BAG, Ur­teil vom 24.01.2013, 2 AZR 140/12.
24.01.2013. In ei­nem heu­te ent­schie­de­nen Fall hat das Bun­des­ar­beits­ge­richt (BAG) klar­ge­stellt, dass ei­ne Stel­len­aus­schrei­bung, die sich ge­zielt an "Hoch­schul­ab­sol­ven­ten / Young Pro­fes­sio­nals" rich­tet, nicht dis­kri­mi­nie­rungs­frei ist. Sie lässt da­her ei­ne Al­ters­dis­kri­mi­nie­rung älte­rer Be­wer­ber ver­mu­ten. Die­se Ver­mu­tung muss der Ar­beit­ge­ber da­her wi­der­le­gen: BAG, Ur­teil vom 24.01.2013, 8 AZR 429/11.
22.01.2013. Seit En­de 2010 ist klar, dass die Ta­rif­ge­mein­schaft Christ­li­cher Ge­werk­schaf­ten für Zeit­ar­beit und Per­so­nalSer­vice-Agen­tu­ren (CG­ZP) die Zeit­ar­beits­fir­men nicht mit wirk­sa­men "bil­li­gen" Ta­rif­verträgen ver­sor­gen kann. Da­her ist die Zeit­ar­beits­bran­che auf die vom Deut­schen Ge­werk­schafts­bund (DGB) ver­ein­bar­ten Zeit­ar­beits­ta­ri­fe um­ge­schwenkt, d.h. Leih­ar­beit­neh­mer wer­den seit­dem zu­neh­mend nach die­sen Ta­ri­fen be­zahlt. In ei­ner vor kur­zem be­kannt ge­wor­de­nen Ent­schei­dung hat das Lan­des­ar­beits­ge­richt (LAG) Ba­den-Würt­tem­berg aber auch die Gel­tung der DGB-Zeit­ar­beits­ta­rif­verträge in Fra­ge ge­stellt: LAG Ba­den-Würt­tem­berg, 20.03.2012, 22 Sa 71/11.
13/012 Die zehn wichtigsten Entscheidungen zum Arbeitsrecht 2012
17.01.2013. Wie be­reits in den ver­gan­ge­nen Jah­ren so stel­len wir Ih­nen auch zu die­sem Jah­res­wech­sel wie­der die zehn wich­tigs­ten ge­richt­li­chen Ent­schei­dun­gen zum Ar­beits­recht aus dem zurück­lie­gen­den Jahr vor.
16.01.2013. Das Bun­des­ur­laubs­ge­setz (BUrlG) enthält die Re­gel, dass "Werk­ta­ge" und da­mit Ur­laubs­ta­ge al­le Ta­ge sind, die kei­ne Sonn- oder ge­setz­li­che Fei­er­ta­ge sind (§ 3 Abs.2 BUrlG). Die­se Re­gel gilt aber nicht oh­ne wei­te­res auch für Ar­beit­neh­mer, die in Wech­sel­schicht ar­bei­ten und da­her re­gulär auch an Fei­er­ta­gen ar­bei­ten müssen. Sie sind auf ta­rif­ver­trag­li­che Son­der­re­geln an­ge­wie­sen, die zu ih­ren Guns­ten gel­ten. Sol­che Son­der­re­geln enthält der Ta­rif­ver­trag für den öffent­li­chen Dienst (TVöD) nicht: Bun­des­ar­beits­ge­richt, Ur­teil vom 15.01.2013, 9 AZR 430/11.
13/008 Frist zur Erhebung einer Kündigungsschutzklage
11.01.2013. Wer ei­ne (schrift­li­che) Kündi­gung vom Ar­beit­ge­ber erhält, hat gemäß § 4 Satz 1 Kündi­gungs­schutz­ge­setz (KSchG) drei Wo­chen Zeit, Kündi­gungs­schutz­kla­ge zu er­he­ben. Die Möglich­keit, ei­ne Kla­ge auch später noch zu­zu­las­sen, be­steht nur in Aus­nah­mefällen. Zu die­sen Aus­nah­men gehört aber nicht der häufi­ge Fall, dass Ar­beit­ge­ber und Ar­beit­neh­mer bis zum letz­ten Tag der Kla­ge­frist über die Kündi­gung und ih­re Fol­gen ver­han­deln. Ar­beit­neh­mer han­deln hier auf ei­ge­nes Ri­si­ko: Lan­des­ar­beits­ge­richt Ber­lin-Bran­den­burg, Ur­teil vom 02.11.2012, 6 Sa 1754/12.
13/007 Führt dauerhafte Leiharbeit zu einem Arbeitsverhältnis mit dem Entleiher?
10.01.2013. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt (LAG) Ber­lin-Bran­den­burg hat mit ei­nem Ur­teil vom gest­ri­gen Tag ent­schie­den, dass der jah­re­lan­ge Ein­satz von Leih­ar­beit­neh­mern auf Dau­er­ar­beitsplätzen von der Er­laub­nis zur Ar­beit­neh­merüber­las­sung nicht ge­deckt ist und da­zu führt, dass ein Ar­beits­verhält­nis mit dem Ent­lei­her ent­steht: LAG Ber­lin-Bran­den­burg, Ur­teil vom 09.01.2013, 15 Sa 1635/12.
13/006 893.000 EUR Schmerzensgeld wegen Mobbings?
09.01.2013. Ei­ne an­ge­stell­te Öko­no­min ver­langt von ih­rem Ar­beit­ge­ber, der Stadt So­lin­gen, knapp 900.000 EUR Schmer­zens­geld we­gen an­geb­li­chen Mob­bings. Nach­dem sie be­reits in der ers­ten In­stanz vor dem Ar­beits­ge­richt So­lin­gen den kürze­ren zog, äußer­te sich auch das Lan­des­ar­beits­ge­richt (LAG) Düssel­dorf in der Be­ru­fungs­ver­hand­lung skep­tisch zu den Er­folgs­aus­sich­ten der Be­ru­fung: LAG Düssel­dorf, 893.000 Eu­ro Schmer­zengs­led we­gen Mob­bing? Pres­se­mit­tei­lung vom 08.01.2013
07.01.2012. Bei ei­ner frist­lo­sen, ver­hal­tens­be­ding­ten Kündi­gung muss der Ar­beit­ge­ber dar­le­gen und be­wei­sen, dass er für sie ei­nen "wich­ti­gen Grund" hat­te. Trägt der Ar­beit­neh­mer im Kündi­gungs­schutz­ver­fah­ren Recht­fer­ti­gungs­gründe für sein Ver­hal­ten vor, muss der Ar­beit­ge­ber sie wi­der­le­gen. Ge­lingt ihm das nicht, ist die Kündi­gung un­wirk­sam: Lan­des­ar­beits­ge­richt Rhein­land-Pfalz, Ur­teil vom 22.03.2012, 10 Sa 625/11.