Source: https://www.jusmeum.de/urteil/bverfg/af4161c6b7f04b4a0b1bbd80f21e44468a1ea5523de6283bd6112e955abb6fd8
Timestamp: 2020-02-17 12:21:05
Document Index: 229992213

Matched Legal Cases: ['§ 93', '§ 93', 'Art. 3', 'Art. 3', '§ 93', '§ 93', '§ 11', '§ 9', 'Art. 3', '§ 94', '§ 93', '§ 11', 'Art. 3', '§ 11', '§ 11', '§ 4', '§ 95']

BVerfG, 1 BvR 1818/96: BVerfG: verfassungsbeschwerde, papier, grundrecht, behörde, altersrente, bekanntmachung, presse, copyright, organisation, bibliothek
Urteil des BVerfG vom 29.04.2002, 1 BvR 1818/96
Aktenzeichen: 1 BvR 1818/96
BVerfG: verfassungsbeschwerde, papier, grundrecht, behörde, altersrente, bekanntmachung, presse, copyright, organisation, bibliothek
- 1 BvR 1818/96 -
- Bevollmächtigte: Rechtsanwälte Benno Bleiberg und Mark Schippert, Schlüterstraße 36, 10629 Berlin -
gegen a) das Urteil des Landessozialgerichts für das Land Brandenburg vom 23. Juli 1996 - L 2 R 48/96 -,
b) das Urteil des Sozialgerichts Neuruppin vom 8. Februar 1996 - S 5 R 84/95 -,
c) den Bescheid der Wehrgebührnisamtes VII in Strausberg vom 3. Januar 1995 in der Fassung des Widerspruchsbescheides der Wehrbereichsverwaltung VII in Strausberg vom 12. April 1995 - II B 4.020 Az 20-01-10 -
gemäß § 93 b in Verbindung mit § 93 a BVerfGG in der Fassung der Bekanntmachung vom 11. August 1993 (BGBl I S. 1473) am 29. April 2002 einstimmig beschlossen:
1. Das Urteil des Landessozialgerichts für das Land Brandenburg vom 23. Juli 1996 - L 2 R 48/96 -, das Urteil des Sozialgerichts Neuruppin vom 8. Februar 1996 - S 5 R 84/95 - und der Bescheid des Wehrgebührnisamtes VII in Strausberg vom 3. Januar 1995 in der Fassung des Widerspruchsbescheides der Wehrbereichsverwaltung VII in Strausberg vom 12. April 1995 - II B 4.020 Az 20-01-10 - verletzen den Beschwerdeführer in seinem Grundrecht aus Art. 3 Abs. 1 des Grundgesetzes. Das Urteil des Landessozialgerichts wird aufgehoben. Die Sache wird an das Landessozialgericht zurückverwiesen. 2. Die Bundesrepublik Deutschland hat dem Beschwerdeführer die notwendigen Auslagen zu erstatten.
1. Die Kammer nimmt die zulässige Verfassungsbeschwerde zur Entscheidung an, weil dies zur Durchsetzung des Grundrechts des Beschwerdeführers aus Art. 3 Abs. 1 GG angezeigt ist (§ 93 a Abs. 2 Buchstabe b BVerfGG). Die Voraussetzungen für eine stattgebende Entscheidung der Kammer nach § 93 c Abs. 1 BVerfGG liegen vor. Die von der Verfassungsbeschwerde aufgeworfene verfassungsrechtliche Frage ist durch das Bundesverfassungsgericht bereits entschieden. Der Erste Senat des Bundesverfassungsgerichts hat mit Beschluss vom 21. November 2001
(Az. 1 BvL 19/93, 1 BvR 1318/94, 1 BvR 1513/94, 1 BvR 2358/94, 1 BvR 308/95; im Umdruck beigefügt) festgestellt, dass die Einstellung der Zahlung von Dienstbeschädigungsteilrenten aufgrund von § 11 Abs. 5 Satz 2 und § 9 Abs. 1 Nr. 2 Satz 2 AAÜG gegen Art. 3 Abs. 1 GG verstößt. Die nach § 94 i.V.m. § 93 c Abs. 2 BVerfGG angehörte Wehrbereichsverwaltung Ost hat "auf Grund der gleichen Sach- und Rechtslage" wie in dem Verfahren 1 BvL 19/93 u.a. von einer Stellungnahme abgesehen.
Im vorliegenden Fall beruhen die angegriffenen Verwaltungs- und Gerichtsentscheidungen auf § 11 Abs. 5 Satz 2 AAÜG und verstoßen daher gegen Art. 3 Abs. 1 GG. Zwar wurde die Einstellung der Dienstbeschädigungsteilrente durch die zuständige Behörde mit Wirkung vom 1. März 1994 auf § 11 Abs. 5 Satz 4 AAÜG gestützt und damit begründet, der Beschwerdeführer beziehe seit diesem Zeitpunkt Altersrente. Diese Vorschrift weist jedoch insoweit keinen eigenständigen Regelungsgehalt gegenüber dem vom Bundesverfassungsgericht für grundgesetzwidrig erklärten § 11 Abs. 5 Satz 2 AAÜG auf, der eine Gewährung von Dienstbeschädigungsteilrenten neben Altersrenten im Sinne des § 4 Abs. 2 Nr. 2 AAÜG ausschließt.
2. Das angegriffene Urteil des Landessozialgerichts ist aufzuheben und die Sache an das Gericht zurückzuverweisen (§ 95 Abs. 2 BVerfGG). Das Ausgangsverfahren ist vom Landessozialgericht auszusetzen, damit der Beschwerdeführer die Möglichkeit hat, aus der gesetzlichen Neuregelung Nutzen zu ziehen.
1 BvR 1818/96
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