Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Gericht=BGH&Datum=13.07.1989&Aktenzeichen=IX%20ZR%20227%2F87
Timestamp: 2019-02-18 13:23:58
Document Index: 390627783

Matched Legal Cases: ['BGH', '§ 1978', '§ 1982', '§ 1990', '§ 1991', '§ 785', 'Art. 12', '§ 77', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 1990', '§ 1991', '§ 1991', 'BGH', '§ 1991', '§ 1990', '§ 1991', '§ 780', 'BGH', 'BGH', '§ 780', '§ 2320', 'BGH', 'BGH', '§ 253', 'BGH', '§ 780', '§ 107', '§ 26', 'BGH', '§ 780', '§ 1991', '§ 1991', '§ 1979', 'BGH', '§ 1991', '§ 1978', 'BGH', '§ 1990', 'BGH', '§ 1990', '§ 1990', '§ 785']

BGH, 13.07.1989 - IX ZR 227/87 - dejure.org
Schadensersatz wegen Verletzung anwaltlicher Vertragspflichten - Haftung eines Anwalts aufgrund nicht eingelegter Berufung - Gesetzliche Möglichkeiten eines Erben zur Beschränkung seiner Haftung - Bindende Entscheidung eines Nachlassgerichts - Pflicht des Erben zur Nachlasserhaltung bei Dürfigkeitseinrede - Erwerb des Erben mit dinglicher Wirkung für den Nachlass - Verwalterhaftung des Erben gegenüber dem Nachlassgläubiger
BGB § 1978, § 1982, § 1990, § 1991; ZPO § 785
NJW-RR 1989, 1226
MDR 1990, 47
FamRZ 1989, 1070
WM 1989, 1736
BB 1989, 2070
DB 1990, 171
Mit der Begründung, Arbeitszeit-Tarifverträge mit einer Höchstarbeitszeit würden die Tarifmacht der Tarifvertragsparteien überschreiten, verstießen gegen Art. 12 GG, bzw. eine längere Arbeitszeit könne für den Arbeitnehmer günstiger sein, wird in der Literatur die Auffassung vertreten, daß von einer tarifvertraglich vereinbarten Arbeitszeit durch Einzelvertrag abgewichen werden kann (Buchner, DB 1990, 171 ff.; Hinze, NZA 1991, 329 ff.; Bengelsdorf, ZfA 1990, 563 ff.; von Hoyningen-Huene, Anm. zu AP Nr. 23 zu § 77 BetrVG 1972; Joost, ZfA 1984, 173 f f.; Löwisch, SAE 1988, 103 ff.; Richardi, NZA 1984, 387 ff.; Zöllner, ZfA 1988, 265 ff. und DB 1989, 2121 ff.; Hromadka, DB 1992, 1042 ff.; a. A. Däubler, DB 1989, 2534 ff.; Linnenkohl/Rauschenberg/Reh, BB 1990, 628 ff.; Zachert, DB 1990, 986 ff.).
Es kann dahingestellt bleiben, ob die Revision mangels Beschwer des Klägers unzulässig ist (vgl. BGH, Urteil vom 13. Juli 1989 - IX ZR 227/87 - NJW-RR 1989, 1226, 1230).
Zwar kann ein solcher Vorbehalt unabhängig davon erfolgen, ob bereits die Nachlassverwaltung angeordnet oder das Nachlassinsolvenzverfahren eröffnet oder auch nur beantragt worden ist, weil mit dem Vorbehalt noch keine Sachentscheidung über die Haftungsbeschränkung ergeht (vgl. BGH, Urteil vom 21. März 1955 - III ZR 115/53, BGHZ 17, 69, 73; vom 13. Juli 1989 - IX ZR 227/87, WM 1989, 1736, 1738; vom 11. Juli 1991 - IX ZR 180/90, WM 1991, 1812, 1813).
Sofern sie nicht uneinbringlich sind, können sie also dessen Dürftigkeit ausschließen (BGH, Urt. v. 13. Juli 1989 - IX ZR 227/87, WM 1989, 1736, 1740;… Staudinger/Marotzke, aaO. § 1990 Rdnr. 7 u. § 1991 Rdnr. 9).
Vollstreckt der Gläubiger wegen einer Nachlaßverbindlichkeit in das Eigenvermögen des Erben und tritt dieser dem mit der Vollstreckungsgegenklage entgegen, kann der Gläubiger gegenüber dieser Klage verteidigungsweise einwenden, daß die mit ihr begehrte Beschränkung der Vollstreckbarkeit des Titels auf den Nachlaß insoweit nicht in Betracht kommt, als der Erbe aufgrund der §§ 1991 Abs. 1, 1978 Abs. 1, 1979, 1980 BGB auch mit seinem Eigenvermögen haftet (BGH, Urt. v. 13. Juli 1989 - IX ZR 227/87, WM 1989, 1736, 1741;… Staudinger/Marotzke, aaO. § 1991 Rdnr. 11;… BGB-RGRK/Johannsen, aaO. § 1990 Rdnr. 9;… Palandt/Edenhofer, aaO. § 1991 Rdnr. 2).
Ob die klagende Partei auch dann nicht formell beschwert ist, wenn die Aufnahme des Vorbehalts Voraussetzung für die beschränkte Erbenhaftung ist (§ 780 Abs. 1 ZPO; so BGH, Urteil vom 13. Juli 1989 - IX ZR 22/87, NJW-RR 1989, 1226, 1230; offengelassen dagegen in BGH…, Urteil vom 2. Februar 2010 - VI ZR 82/09, NJW-RR 2010, 664 Rn. 4), bedarf hier keiner Entscheidung.
Das Berufungsgericht hätte die Wahl gehabt, die Frage des Haftungsumfangs aufzuklären und zu entscheiden oder aber sich mit dem Vorbehalt gemäß § 780 Abs. 1 ZPO zu begnügen (Senatsurteil vom 9.3. 1983 - IVa ZR 211/81 - NJW 1983, 2378 = LM BGB § 2320 Nr. 1; BGHZ 95, 222, 228 [BGH 10.07.1985 - IVa ZR 151/83]; Urteil vom 19.1. 1984 - I ZR 209/81 - LM ZPO § 253 Nr. 75 Bl. 2R; Urteil vom 13.7. 1989 - IX ZR 227/87 - BGHR ZPO § 780 Abs. 1 "Anfechtbarkeit 1").
Dem ist der Fall gleichzustellen, daß das Konkursgericht wie hier die Eröffnung des Nachlaßkonkursverfahrens gemäß § 107 Abs. 1 Satz 1 KO (jetzt § 26 Abs. 1 Satz 1 InsO) mangels einer den Kosten des Verfahrens entsprechenden Masse abgelehnt hat (BGH NJW-RR 1989, 1226 f.;… Stein/Jonas/Münzberg ZPO 21. Aufl. § 780 Rn. 3 Fn. 4).
Die Überschuldung des Nachlasses ist nicht gleichbedeutend mit seiner völligen Erschöpfung, zumal es dem Erben von Sonderfällen (vgl. § 1991 Abs. 4 BGB) abgesehen grundsätzlich freisteht, in welcher Reihenfolge er die Nachlaßgläubiger befriedigt (vgl. § 1991 Abs. 1, § 1979 BGB; BGH NJW-RR 1989, 1226/1228).
OLG Brandenburg, 08.11.2006 - 13 U 40/06
Beratungspflicht und Anwaltshaftung bei erbrechtlichem Mandat
Ist der Nachlass aber durch Maßnahmen des Erben dürftig geworden und führen diese zu Ersatzansprüchen der Gläubiger nach §§ 1991, 1978, 1979 BGB (z. B. wegen schuldhafter Verletzung seiner Pflicht, den Nachlass den Gläubigern zu erhalten) sind diese Ansprüche dem Nachlass hinzuzurechnen (§ 1978 Abs. 2 BGB), so dass die Dürftigkeit wieder entfällt (vgl. BGH FamRZ 1989, 1070).
Deren Voraussetzungen wiederum sind gegeben, weil die Entscheidung des Nachlassgerichts über die Nichteröffnung des Nachlassinsolvenzverfahrens für das Prozessgericht, das über die Einrede nach § 1990 BGB zu befinden hat, bindend ist (BGH, NJW-RR 1989, 1226 [1227];… Palandt/Edenhofer, a.a.O., § 1990 Rn. 2;… Staudinger/Marotzke, a.a.O., § 1990 Rn. 6 m.w.N.).
Auch in diesen Fällen kann es sich damit begnügen, den Vorbehalt ins Urteil aufzunehmen und dem Beklagten zu überlassen, gegen die Zwangsvollstreckung die Klage aus § 785 ZPO zu erheben (Senatsurt. v. 13. Juli 1989 - IX ZR 227/87, WM 1989, 1736, 1743 m.w.N.).
OLG Koblenz, 25.04.2018 - 1 U 115/18