Source: https://www.frag-einen-anwalt.de/Unterfangung-Fundament-Nachbar--f139883.html
Timestamp: 2020-02-28 05:27:56
Document Index: 69769547

Matched Legal Cases: ['§ 908', '§ 823', '§ 909', '§ 249', '§ 823', '§ 909']

Unterfangung Fundament Nachbar - frag-einen-anwalt.de
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Unterfangung Fundament Nachbar
20.03.2011 12:24 |
wir bauen gerade in einem Altbaugebiet in eine Baulücke. Aktuelle Grundstückssituation: Nachbarhaus(über 50Jahre), 30cm mit Kies aufgeschüttet, Grundstücksgrenze, Mäuerchen auf unserer Grundstücksseite, unsere Hofeinfart.Beim Abtragen der Erde für die Hofeinfart auf Straßenniveau ist dieses Mäuerchen auf unser Grundstück umgefallen und hat dann gezeigt, dass das Nachbarhaus nur ein Fundament von ca. 40 cm Tiefe besitzt. Unser Architekt ist der Auffassung, dass wir das Nachbarhaus nach DIN unterfangen müssen. Kostenpunkt ca. 5000 €. Sind wir verpflichtet das Fundament zu unterfangen? Oder müssen wir nur den Urzustand wiederherstellen, damit das Fundament nicht freiliegt? Müssen wir zu 100% die Kosten tragen? Das Nachbarhaus zeigte bereits vor Baubeginn Risse an der Fassade, die wir auch dokumentierten. Beide Häuser ohne Keller.
Nachbar Kosten
Nach § 908 BGB darf ein Grundstück nicht in der Weise vertieft werden, dass der Boden des Nachbargrundstückes die erforderliche Stütze verliert. Der Schadensersatzanspruch des Nachbarn aus § 823 Abs. 2 BGB i.V.m. § 909 BGB umfasst , wenn das Gebäude - wie hier – noch steht, die die Kosten der Wiederherstellung seiner Standfestigkeit.(§ 249 Abs. 2 Satz 1 BGB).
Der Nachbar kann grundsätzlich neben Unterlassung und Beeinträchtigung auch Ersatz des bereits entstandenen Schaden an dem Gebäude verlangen. Allerdings wird für eine Haftung zumindest fahrlässiges Handeln verlangt. Bei fahrlässigen Verschulden haften neben dem Bauherrn der Maßnahme auch der Architekt auf Schadenersatz. An die Sorgfaltspflicht des Architekten werden hohe Anforderungen gestellt. Er muss bei der Planung und Überwachung von Vertiefungsarbeiten die örtlichen Gegebenheiten umfassend prüfen.
Allerdings muss sich der von der Vertiefung Betroffene, also hier Ihr Nachbar, auch außergewöhnliche bauliche Zustände – wie in Ihrem Fall nur ein Fundament von 40cm - anspruchsmindernd zurechnen lassen.
Dies bedeute, dass Ihr Nachbar zwar einen Anspruch auf Unterfangung des Grundstückes gegen Sie besitzt, jedoch mindert sich dieser Anspruch insoweit, als sein Fundament nicht den Vorschriften ausreichende Stärke verfügt. Inwieweit dies hier gegeben ist, muss ein Sachverständiger beurteilen. Wegen der Kosten, die auf Sie letztlich zukommen, können Sie im Innenverhältnis gegenüber Ihrem Architekten Regress nehmen. Es sei denn, Ihr Architekt kann nachweisen, dass er die erforderliche Sorgfalt bei der Ausführung der Maßnahme eingehalten hat. Wenn er dies nachweisen kann, sind auch Sie aus der Verantwortung raus, denn der Schadenersatzanspruch gem § 823 II BGB i.V.m. § 909 BGB ist nur dann gegeben, wen Sie fahrlässig gehandet haben, wobei Sie sich das Verschulden Ihres Architekten gegenüber dem Nachbarn zurechnen lassen müssen.
Für eine Nachfrage stehe ich bei Unklarheit gerne zur Verfügung und verbleibe,
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NRW-Recht - Unterfangung eines Fundamentes
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