Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Text=NJW-RR%201997,%201456
Timestamp: 2018-03-21 03:26:37
Document Index: 246251600

Matched Legal Cases: ['§ 328', 'BGH', '§ 823', 'BGH', '§ 823', '§ 823', '§ 84', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 286']

Rechtsprechung: NJW-RR 1997, 1456 - dejure.org
Weitere Entscheidung unten: OLG Celle, 12.06.1996
Schadenersatzanspruch; positive Vertragsverletzung; Vertrag zugunsten Dritter; Sachverständiger; Grundstücksbewertung; Einschätzung des Sanierungsbedarfs
BGB §§ 328 823
Schadensersatzanspruch des Grundstückskäufers gegen den Sachverständigen wegen fehlerhafter Bewertung
Voraussetzungen für die Zulassung einer Berufung; Anforderungen an die Darlegung von Zulassungsgründen; Anspruch auf Schadensersatz wegen eines Wertermittlungsgutachtens für ein Hausgrundstück
Grundstücksbewertung: Keine Dritthaftung als freier Sachverständiger! (IBR 1997, 299)
LG Chemnitz, 18.01.1996 - 7 O 5294/95
NJW-RR 1997, 1456
NJ 1997, 430
BB 1997, 1556
Pflicht zur Überprüfung der Ware auf eine gefahrengeneigte Beschaffenheit ; Mögliche Ansteckung mit Hepatitis C durch Blutprodukte; Anforderungen an den Anscheinsbeweis und Beweiskraft des Anscheinsbeweises ; Übertragung eines Hepatitis-C-Virus ; Immunglobulin-Präparat
LG Göttingen, 16.08.1995 - 8 O 48/95
VersR 1998, 1023
Bei einer HIV-Infektion nach Bluttransfusion setzt das voraus, daß der Patient weder zu den HIV-gefährdeten Risikogruppen gehört noch durch die Art seiner Lebensführung einer gesteigerten Infektionsgefahr ausgesetzt ist, aber HIV-kontaminiertes Blut oder kontaminierte Blutprodukte erhalten hat (…vgl. Senatsurteil BGHZ 114, 290; OLG Düsseldorf, NJW 1995, 3060; VersR 1996, 377, 378; VersR 1996, 1240; VersR 1998, 103; OLG Hamm, VersR 1995, 709; NJW-RR 1997, 217, 218;… OLG Karlsruhe, OLGR 2002, 170; s.a. im Zusammenhang mit einer Hepatitis-Infektion OLG Brandenburg, NJW 2000, 1500; OLG Celle, NJW-RR 1997, 1456; LG Nürnberg-Fürth, VersR 1998, 461 mit Anm. Bender;… MüKo-BGB/Wagner, 4. Aufl., § 823 Rn. 731;… Hecker/Weimann, VersR 1997, 532, 534; a.A. OLG Koblenz, NJW-RR 1998, 167, 168).
Bei einer HIV-Infektion nach Bluttransfusion setzt das voraus, dass der Patient weder zu den HIV-gefährdeten Risikogruppen gehört noch durch die Art seiner Lebensführung einer gesteigerten Infektionsgefahr ausgesetzt ist, aber HIV-kontaminiertes Blut oder kontaminierte Blutprodukte erhalten hat (vgl. Senatsurteile BGHZ 114, 284, 290; 163, 209, 213; OLG Düsseldorf, NJW 1995, 3060; VersR 1996, 377, 378; 1996, 1240, 1241; 1998, 103, 104; OLG Hamm, VersR 1995, 709, 710; NJW-RR 1997, 217, 218;… OLG Karlsruhe, OLGR 2002, 170, 172; s. a. im Zusammenhang mit einer Hepatitis-Infektion OLG Brandenburg, NJW 2000, 1500, 1502; OLG Celle, NJW-RR 1997, 1456, 1457; LG Nürnberg-Fürth, VersR 1998, 461, 462 ff. mit Anm. Bender;… MünchKomm-BGB/Wagner, 5. Aufl., § 823, Rn. 805;… Hecker/Weimann, VersR 1997, 532, 534; a. A. OLG Koblenz, NJW-RR 1998, 167, 168).
Die Übertragung eines Hepatitis-C-Virus stellt zwar eine Gesundheitsbeeinträchtigung im Sinne von § 823 Abs. 1 BGB und § 84 Abs. 1 Satz 1 AMG dar (vgl. OLG Celle VersR 1998, 1023).
Die Gefährdungshaftung kann dabei eine Ersatzpflicht nur für materielle Schäden begründen, nicht für immaterielle Schäden (vgl. OLG Celle VersR 1998, 1023), also nicht für die Anträge des Klägers auf Verurteilung der Beklagten zur Zahlung von Schmerzensgeldkapital, Schmerzensgeldrente und zur Feststellung der Ersatzpflicht für den künftigen immateriellen Schaden.
Darin kann weder eine Verletzung der prozessualen Wahrheitspflicht noch ein unzulässiger Ausforschungsbeweis erblickt werden (vgl. OLG Celle VersR 1998, 1023).
Ähnlich lag es im Fall des OLG Celle, Urteil vom 12. Juni 1996 - 9 U 204/95 - (VersR 1998, 1023), wo es um ein Immunglobulin-Präparat gegangen war.
In allen bisher entschiedenen Fällen, in denen der Anscheinsbeweis zum Beweis der Kausalität einer Quelle für eine Infektionserkrankung herangezogen worden ist, war jeweils die Voraussetzung erfüllt, dass in der mutmaßlichen Trägersubstanz der spezifische Erreger unstreitig oder nachweislich vorhanden war (vgl. BGHZ 114, 284 - Anscheinsbeweis bei Transfusion einer HIV-infizierten Blutkonserve für eine später mit HIV infizierten Person; OLG Celle NJW-RR 1997, 1456: Möglichkeit, dass das eingenommene Immunglobulin-Präparat einen Hepatitis-C-Viren enthalten hatte).
a) Zwar hat der erkennende Senat einen Anscheinsbeweis für die Infektion durch eine kontaminierte Blutkonserve angenommen, wenn bei dem Empfänger von Blutprodukten nach der Transfusion eine HIV-Infektion auftrat, ohne dass er einer HIV-gefährdeten Risikogruppe angehörte, und die Kontaminierung der verwendeten Blutkonserve mit dem HIV-Erreger feststand (Senatsurteile vom 30. April 1991 - VI ZR 178/90, BGHZ 114, 284, 289 ff. und vom 14. Juni 2005 - VI ZR 179/04, BGHZ 163, 209, 212 ff.; siehe auch im Zusammenhang mit einer Hepatitis-Infektion OLG Brandenburg, NJW 2000, 1500; OLG Celle, NJW-RR 1997, 1456 = VersR 1998, 1023;… vgl. Deutsch, NJW 1991, 1937;… VersR 1997, 905, 906;… Fahrenhorst, MedR 1992, 74, 76;… Giesen/Poll, RIW 1993, 265, 270;… Hecker/Weimann, VersR 1997, 532, 534;… Laufs, NJW 1992, 1529, 1536;… Spickhoff, JZ 1991, 756, 758 f.).
Weil der Anscheinsbeweis als Teil der Beweiswürdigung im Rahmen des § 286 ZPO prozessrechtlicher Natur ist, stellt die fehlerhafte Anwendung der Grundsätze über den Anscheinsbeweis einen Verfahrensfehler dar (vgl. näm. OLG Celle , Urteil vom 12. Juni 1996, Az.: 9 U 204/95, zitiert nach juris ).