Source: http://verkehrsportal.de/cgi-bin/vp_foren.cgi?msg-4188!2001
Timestamp: 2019-12-12 04:35:24
Document Index: 240151241

Matched Legal Cases: ['§ 1', '§ 1', '§ 1', '§ 1', '§ 1', '§ 1']

Verhalten bei der Autobahnauffahrt!
hinzugefügt von Mustermann [Email: Keine]
am 17.06.01 22:07
Zu meiner Frage: darf ich beim Einfahren auf die Autobahn von der Einfahrspur auf die rechte Spur der Autobahn wechseln, wenn vor mir auf der Einfahrspur ein LKW ist? Muss ich warten bis der LKW von der Einfahrspur auf die rechte Spur der Autobahn gewechselt ist bevor ich auf die rechte Spur wechseln darf? Jetzt schon Danke für die Antwort!!!!
Beachte § 1 StVO "Grundregeln"
angehängt von Mr. Traffc (Email-Adresse unbekannt)
am 18.06.01 08:17
die "Musterantwort" sieht wie folgt aus:
Das jeweilige Verhalten der Fahrzeugführer wird in der beschriebene Verkehrssituation u.a. durch § 1 StVO ("Grundregeln") bestimmt:
"Die Teilnahme am Straßenverkehr erfordert ständige Vorsicht und gegenseitige Rücksicht" (§ 1 I StVO).
"Jeder Verkehrsteilnehmer hat sich so zu verhalten, daß kein Anderer geschädigt, gefährdet oder mehr, als nach den Umständen unvermeidbar, behindert oder belästigt wird" (§ 1 II StVO).
Aus den Bestimungen des § 1 StVO folgt zweifelsfrei, daß dem auf dem Beschleunigungsstreifen vorfahrenden LKW die Einfahrt auf die Autobahn in dieser Situation ungehindert gewährt werden muß (Bedingung: Verkehrsdichte auf Autobahn läßt dies zu / ausreichender Abstand). Der nachfahrende PKW darf den vorfahrenden LKW i.d.R. nicht sofort beim Einfahrvorgang überholen, auch wenn ihm dies technisch auf Grund höherer Beschleunigungsleistung möglich wäre. Beide Fahrzeugführer haben sich im Hinblick auf die hohen Autobahn-Geschwindigkeiten zunächst (hintereinander) in den Verkehrsfluß auf dem rechten Fahrstreifen einzufügen, um sich unter Beachtung einer gesteigerten Sorgfaltspflicht in Ruhe über den nachfolgenden Verkehr zu orientieren.
Einfahren i.d.R. nur hintereinander, außer bei sehr ruhigem Durchgangsverkehr, weil sonst erhebliche Behinderungsgefahr entstehen kann (vgl. OLG Celle VR 73 928). Fundstelle: Kommentar Straßenverkehrsrecht Jagusch/Hentschel, Verlag C.H. Beck, 33. Auflage.
Zu: Verhalten bei der Autobahnauffahrt!
angehängt von Mustermann (Email-Adresse unbekannt)
am 18.06.01 12:36
Aber wie ist es, wenn ich auf den rechten Fahrstreifen wechsle, weil die ganze rechte Spur frei ist? Es heißt ja wie schon gesagt: "Einfahren i.d.R nur hintereinander, AUßER bei sehr ruhigem Durchgangsverkehr! Anschließend bleib ich hinter dem LKW der auf dem Beschleunigungsstreifen ist. Dazu ist noch zu sagen, dass diese Einfahrt gleichzeitig eine Ausfahrt ist, d.h. der Beschleuningungsstreifen ist gleichzeitig der Verzögerungsstreifen! Wenn dann anschließend der LKW ohne zu blinken auf die rechte Spur wechselt und ich auf die mittlere Spur ausweiche und ein zu schnelles Auto von hinten heran kommt, bremst auf die linke Spur ausschert und das Heck dadurch ausbricht und sich dreht und in den LKW fährt wer ist dann schuld? Bekommt gleichzeitig jeder ne Teilschuld, weil der LKW 1. nicht geblinkt hat, ich 2. ihm ausweichen musste und das nachfolgende Auto 3. zu schnell war? Ich könnte doch im Grunde nichts dafür, oder? Ich danke jetzt schon für die Antwort!!!!
Schuldfrage hier kaum zu klären...
am 18.06.01 15:43
>Ich könnte doch im Grunde nichts dafür, oder?
Ich könnte es mir jetzt wirklich einfach machen und einfach sagen: "Nee, Du kannst absolut nichts dafür". Wir beide wären beste Freunde geworden, nur letztlich gebracht hätt's Dir nichts...
Kurze Zusammenfassung des Hergangs:
PKW (1) fährt hinter LKW (2) auf einem Beschleunigungs- / Verzögerungsstreifen. PKW (1) fährt hinter LKW (2) zuerst auf rechten Fahrstreifen der Autobahn. PKW (1) beschleunigt. LKW (2) fährt nun (ohne zu blinken) auf Autobahn ein. PKW (1) wird auf mittleren Fahrstreifen abgedrängt. Herannahender PKW (3) wird durch ausweichenden PKW (1) plötzlich auf linken Fahrstreifen abgedrängt, kommt ins Schleudern und kollidiert in der Folge mit LKW (2).
Zunächst ist erstmal folgendes festzuhalten: Die Klärung einer konkreten Schuldfrage wird in einem solchen Fall (hohe Schadenssumme, evt. Personenschaden) in einem Zivilprozeß erfolgen (müssen). Dort werden auch sicherlich entsprechende Gutachter den Unfallhergang genaustens analysieren. So "auf die Schnelle" kann hier ein solcher Unfallhergang kaum bewertet werden...
Nach meiner Einschätzung sieht es für den Fahrzeugführer des PKW (1) wohl rechtlich nicht ganz so gut aus. Beim Einfahren auf die Autobahn hat sich PKW (1) unter Beachtung einer gesteigerten Sorgfaltspflicht in Ruhe über den relevanten (i.d.R. nachfolgenden) Verkehr zu orientieren. PKW (1) began jedoch (sofort oder um ein paar Sekunden verzögert), den (noch) rechts neben ihn auf dem Beschleunigungsstreifen fahrenden LKW (2) auf dem rechten Fahrstreifen der AB zu überholen. Üblicherweise müssen LKW die Länge des Beschleunigungsstreifens voll ausnutzen, um sich am Ende mit möglichst hoher Geschwindigkeit (ca. 80 km/h) in den Verkehrsfluß einfügen zu können. Nutzt ein LKW (2) einen Beschleunigungsstreifen zur (langsamen) Geschwindigkeitserhöhung, kann oder muß (zwingend) angenommen werden, daß letztlich die Absicht besteht, daß der LKW (2) am Ende des Beschleunigungsstreifens auf die AB einfahren möchte...
Wie hat sich nun der Fahrzeugführer von PKW (1) in einer solchen Situation zu verhalten?? Die Bestimmungen des § 1 StVO fordern von den Fahrzeugführern (1) und (2) auch in einer solchen Situation "ständige Vorsicht und gegenseitige Rücksicht" sowie ein Verhalten, "daß kein Anderer ... behindert wird". Allein die bloße Annahme, LKW (2) versucht möglicherweise (!) auf die AB einzufahren, untersagt PKW (1) den Überholvorgang auf dem rechten Fahrstreifen zu starten. Insbesondere schon deshalb, weil sich ein weiterer PKW (3) von hinten auf dem mittleren Fahrstreifen mit höhrerer Geschwindigkeit näherte.
Auch wenn LKW (2) den Fahrtrichtungsanzeiger nicht pflichtgemäß nutzte, gebietet es die Vorsicht, solange abwartend zu fahren, bis für PKW (1) eine "klare Verkehrslage" besteht.
Der "Schlüssel" liegt möglicherweise in genau diesem Punkt: Konnte die Absicht des Einfahrens durch LKW (2) auch ohne Blinken angenommen werden - Ja oder Nein?? Haben beide Fahrzeuge hintereinander auf den Beschleunigungsstreifen beschleunigt?? Wenn ja, könnte die Absicht des Einfahrens bei LKW (2) erkennbar angenommen werden.
Wie dem auch sei, ich kann auch nur über die Schuldfrage spekulieren. Seriös ist das so natürlich nicht. Ich würde mich aber nicht wundern, wenn PKW (1) sowie LKW (2) jeweils Teilschuld bekommen würden. Für den anderen beteiligten PKW wäre zu klären, mit welcher Geschwindigkeit PKW (3) auf der AB herannahte. Auch hier kann evt. Teilschuld in Betracht kommen, insbesondere dann, wenn die Geschwindigkeit von PKW (3) deutlich über AB-Richtgeschwindigkeit lag...