Source: https://www.rvg-news.de/rvg-faelle-kampf-um-gebuehren/anforderungen-erhoehte-gebuehr/
Timestamp: 2019-03-25 20:52:40
Document Index: 94763616

Matched Legal Cases: ['BGH', '§ 51', 'BGH', '§ 51', '§ 257', 'BGH', '§ 370', 'BGH', 'BGH']

Anforderungen für eine erhöhte Gebühr statt gesetzlicher Gebühr | Besser abrechnen nach RVG - Höhere Anwaltsvergütung für Sie
Anspruch eines Rechtsanwalts auf eine erhöhte Gebühr anstelle der gesetzlich bestimmten Gebühr
Im vorliegenden Fall wird dem gerichtlich bestellten Verteidiger, Rechtsanwalt S. , für die Vorbereitung und Wahrnehmung der Revisionshauptverhandlung anstelle der gesetzlichen Gebühr eine Pauschvergütung in Höhe von 800,00 Euro bewilligt.
Rechtsanwalt S. war durch Verfügung des Vorsitzenden vom 24. Juli 2014 für die Revisionshauptverhandlung vom 7. Oktober 2014 zum Verteidiger der Angeklagten bestellt worden.
Er begehrt vom BGH (§ 51 Abs. 2 Satz 2 RVG) für die Vorbereitung und Teilnahme an der Revisionshauptverhandlung anstelle der gesetzlich bestimmten Gebühr in Höhe von 272,00 Euro gemäß VV RVG Nr. 4132 eine Pauschvergütung in Höhe von 1.000,00 Euro.
Der BGH setzt gemäß § 51 Abs. 1 Satz 1 und 2 RVG die Pauschgebühr in Höhe von 800,00 Euro fest.
Diese Gebühr ist nach Ansicht des Gerichts wegen des Umfangs und der besonderen Schwierigkeit der Vorbereitung und Wahrnehmung der Hauptverhandlung in dieser Höhe angemessen.
Folgende Faktoren begründen die besondere Schwierigkeit
In der Hauptverhandlung wie in der Vorbereitung auf diese waren schwierige Rechtsfragen der Anforderungen an eine Verletzung u.a. des Grundsatzes des fairen Verfahrens im Zusammenhang mit Urteilsabsprachen (§ 257c StPO ) zu beurteilen.
Insbesondere ging es um die bei Einlegung des Rechtsmittels höchstrichterlich noch nicht geklärte Frage der Notwendigkeit, die Ausgestaltung von Bewährungsauflagen oder -weisungen zum Gegenstand der Verständigung und der vorausgehenden Gespräche zu machen, wenn seitens des Gerichts eine aussetzungsfähige Freiheitsstrafe in Aussicht gestellt wird.
(vgl. dazu BGH, Beschlüsse vom 29. Januar 2014 – 4 StR 254/13, NJW 2014, 1831 f.; vom 11. September 2014 – 4 StR 148/14, NJW 2014, 3173 f. einerseits sowie vom 7. Oktober 2014 – 1 StR 426/14, NStZ 2015, 179 f. andererseits)
Ebenfalls ungeklärt waren bis dahin die damit verbundenen Erfordernisse an die Ausführung einer entsprechenden Verfahrensrüge.
Zudem stellten sich schwierige materiell-rechtliche Probleme der Vollendung der Steuerhinterziehung (§ 370 AO ) bei unterschiedlichen steuerrechtlichen Konstellationen.
Geforderte 1.000 Euro Pauschvergütung trotzdem zu hoch
Eine noch höhere Pauschvergütung war weder unter dem Aspekt der Schwierigkeit der Rechtssache noch deren Umfang veranlasst.
Die von dem Antragsteller in seinem weitergehenden Antrag geltend gemachten Erwägungen zum Umfang haben sich für die Vorbereitung und Durchführung der Hauptverhandlung vor dem Revisionsgericht nicht mehr in einer mit den früheren Verfahrensstadien vergleichbaren Weise ausgewirkt.
Die Umsatzsteuer wird dem Gesamtbetrag (Pauschgebühr und notwendige Auslagen) ohnehin zugerechnet und gesondert ausgewiesen (vgl. u.a. Senat, Beschlüsse vom 2. Mai 2012 – 1 StR 273/11 Rn. 2; vom 19. Dezember 2012 – 1 StR 158/08 Rn. 3).
Soweit dem Antragsteller bereits die gesetzlichen Gebühren in Höhe von 272,00 Euro erstattet worden sind, werden diese bei der Abrechnung in Abzug zu bringen sein (vgl. BGH, Beschluss vom 14. September 2010 – 3 StR 552/08 Rn. 3).
BGH, Beschluss vom 29.04.2015 – Aktenzeichen 1 StR 182/14, DRsp Nr. 2015/9242
14. Juli 2015	| RVG-Fälle: Kampf um Gebühren	| Erhöhte Gebühr, Strafsachen	| Markus Bongardt