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Timestamp: 2020-05-27 00:11:04
Document Index: 7497176

Matched Legal Cases: ['§ 495', 'Art. 247', '§ 6', 'Art. 247', '§ 6', '§ 12', '§ 495', 'Art. 247', '§ 6', '§ 12', 'Art. 247', '§ 6', '§ 358', 'Art. 247', '§ 6', '§ 12', '§ 358', '§ 357', '§ 361', 'Art. 247', '§ 6', 'Art. 10', 'Art. 10', 'Art. 247', '§ 6', '§ 12', '§ 492', 'Art. 247', '§ 6', 'Art. 247', '§ 6', 'Art. 247', '§ 6', '§ 12', '§ 495', 'Art.20', 'Art.20', 'Art.20', 'Art. 97', 'Art. 247', '§ 6', 'Art. 247', '§ 6', 'Art. 247', '§ 6', '§ 492', 'Art. 247', '§ 6', '§ 348', '§ 543', '§ 242', '§ 242', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'EuG', 'BGH', 'BGH', 'EuG', 'EuG', 'EuG', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'EuG', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'EuG']

Die unionsrechtswidrige Muster-Widerrufsbelehrung bei der Gebrauchtwagenfinanzierung | BankenBote
6. Mai 2020 VerbraucherBote Kredit
Die einen Gebraucht­wa­gen­kauf finan­zie­ren­de Bank hat den Käu­fer hin­rei­chend klar und ver­ständ­lich über das ihm nach § 495 BGB zukom­men­de Wider­rufs­recht unter­rich­tet, wenn sie sich auf die Gesetz­lich­keits­fik­ti­on des Art. 247 § 6 Abs. 2 Satz 3 EGBGB a.F. (d.h. in der hier noch maß­geb­li­chen; vom 13.06.2014 bis zum 20.03.2016 gel­ten­den Fas­sung) beru­fen kann, weil die in dem Dar­le­hens­ver­trag in her­vor­ge­ho­be­ner und deut­lich gestal­te­ter Form ent­hal­te­ne Wider­rufs­in­for­ma­ti­on dem Mus­ter in Anla­ge 7 zu Art. 247 § 6 Abs. 2 und § 12 Abs. 1 EGBGB aF ent­spricht.
So in dem hier vom Bun­des­ge­richts­hof ent­schie­de­nen Fall: In den fort­lau­fend pagi­nier­ten und dem Käu­fer zur Ver­fü­gung gestell­ten Ver­trags­un­ter­la­gen wird er sowohl auf Sei­te 3 unter der Rubrik „Ande­re wich­ti­ge recht­li­che Aspek­te” als auch auf Sei­te 4 deut­lich auf das ihm nach § 495 BGB zuste­hen­de Wider­rufs­recht hin­ge­wie­sen. Die Wider­rufs­in­for­ma­ti­on selbst befin­det sich auf Sei­te 7 der Ver­trags­un­ter­la­gen und ist durch die Über­schrift „Wider­rufs­in­for­ma­ti­on” und wei­te­re in Fett­druck gehal­te­ne Zwi­schen­über­schrif­ten her­vor­ge­ho­ben und deut­lich gestal­tet. Sie ent­spricht, was der Bun­des­ge­richts­hof durch einen Ver­gleich selbst fest­stel­len kann 1, dem Mus­ter in Anla­ge 7 zu Art. 247 § 6 Abs. 2 und § 12 Abs. 1 EGBGB aF. Dass die Bank den Ver­brau­cher direkt ange­spro­chen hat, ist aus­weis­lich der ers­ten Stern­chen­fuß­no­te zum gesetz­li­chen Mus­ter eben­so zuläs­sig wie die vor­ge­nom­me­nen Abwei­chun­gen hin­sicht­lich For­mat und Schrift­grö­ße (Art. 247 § 6 Abs. 2 Satz 5 EGBGB). Dies gilt auch für die Anwen­dung der Gestal­tungs­hin­wei­se 2, 2a, 6, 6a, 6b, 6c, 6f und 6g. Dass es sich bei dem Dar­le­hens­ver­trag, dem Kauf­ver­trag und den bei­den Raten­schutz­ver­si­che­run­gen um Ver­bun­de­ne Ver­trä­ge nach § 358 BGB gehan­delt hat, hat die Bank genau bezeich­net, so dass eine Wie­der­ho­lung in der Wider­rufs­in­for­ma­ti­on nach dem drit­ten Stern­chen­hin­weis in dem Mus­ter in Anla­ge 7 zu Art. 247 § 6 Abs. 2 und § 12 Abs. 1 EGBGB aF ent­behr­lich war.
Bei dem Dar­le­hens­ver­trag und den bei­den Raten­schutz­ver­si­che­run­gen han­delt es sich um Ver­bun­de­ne Ver­trä­ge nach § 358 Abs. 3 Satz 1 BGB 2. Das Dar­le­hen dien­te (teil­wei­se) der Finan­zie­rung der bei­den Raten­schutz­ver­si­che­run­gen. Sie bil­de­ten auch eine wirt­schaft­li­che Ein­heit. Das Dar­le­hen war zweck­ge­bun­den, indem der Dar­le­hens­ver­trag sei­ne Ver­wen­dung zur Bezah­lung der Prä­mi­en der am sel­ben Tag abge­schlos­se­nen Raten­schutz­ver­si­che­run­gen vor­sah. Dadurch wur­de dem Käu­fer die freie Ver­fü­gungs­be­fug­nis über die­sen Teil der Dar­le­hensva­lu­ta genom­men. Im Dar­le­hens­ver­trag wur­den die Ver­si­che­rungs­bei­trä­ge selb­stän­dig neben dem Net­to­kre­dit aus­ge­wie­sen.
Für den Erhalt der Gesetz­lich­keits­fik­ti­on ist es auch unschäd­lich, dass die Bank in der Wider­rufs­in­for­ma­ti­on den pro Tag zu zah­len­den Zins­be­trag mit „0, 00 Euro” ange­ge­ben hat. Wie der Bun­des­ge­richts­hof bereits ent­schie­den hat, ver­steht ein nor­mal infor­mier­ter, ange­mes­sen auf­merk­sa­mer und ver­stän­di­ger Ver­brau­cher, auf den abzu­stel­len ist 3, die kon­kre­te Anga­be des zu zah­len­den Zins­be­trags mit 0, 00 € dahin, dass die finan­zie­ren­de Bank auf einen etwai­gen ihr nach § 357a Abs. 3 Satz 1 BGB zuste­hen­den Zins­an­spruch ver­zich­tet 4. Die­ses weil ihm güns­tig unbe­denk­li­che Ange­bot hat der Käu­fer durch Unter­zeich­nung des Dar­le­hens­ver­trags ange­nom­men. Nach § 361 Abs. 2 Satz 1 BGB darf von den halb­zwin­gen­den gesetz­li­chen Rege­lun­gen über die Wider­rufs­fol­gen zu Guns­ten des Ver­brau­chers abge­wi­chen wer­den 5. Die­se Abwei­chung lässt sowohl die Ord­nungs­ge­mäß­heit der Wider­rufs­in­for­ma­ti­on als auch die Gesetz­lich­keits­fik­ti­on nach Art. 247 § 6 Abs. 2 Satz 3 EGBGB aF unbe­rührt, weil sie den Ver­brau­cher ledig­lich begüns­tigt und das vom Gesetz­ge­ber mit der Gesetz­lich­keits­fik­ti­on ver­folg­te Ziel der Schaf­fung von Rechts­klar­heit und Rechts­si­cher­heit bei den Anwen­dern 6 nicht beein­träch­tigt.
Der Anwen­dung der Gesetz­lich­keits­fik­ti­on steht das Urteil des Gerichts­hofs der Euro­päi­schen Uni­on vom 26.03.2020 7 nicht ent­ge­gen, in dem der Gerichts­hof ent­schie­den hat, Art. 10 Abs. 2 Buchst. p der Richt­li­nie 2008/​48/​EG des Euro­päi­schen Par­la­ments und des Rates vom 23.04.2008 über Ver­brau­cher­kre­dit­ver­trä­ge und zur Auf­he­bung der Richt­li­nie 87/​102/​EWG des Rates 8 sei dahin aus­zu­le­gen, dass er dem ent­ge­gen­ste­he, dass ein Kre­dit­ver­trag hin­sicht­lich der in Art. 10 die­ser Richt­li­nie genann­ten Anga­ben auf eine natio­na­le Vor­schrift ver­wei­se, die selbst auf wei­te­re Rechts­vor­schrif­ten des betref­fen­den Mit­glied­staats ver­wei­se. Dies betrifft den in dem Mus­ter in Anla­ge 7 zu Art. 247 § 6 Abs. 2 und § 12 Abs. 1 EGBGB aF ent­hal­te­nen Ver­weis auf § 492 Abs. 2 BGB in Kom­bi­na­ti­on mit der bei­spiel­haf­ten Auf­zäh­lung von Pflicht­an­ga­ben nach Art. 247 § 6 Abs. 1 EGBGB, der auf der Grund­la­ge des Urteils des Gerichts­hofs 9 nicht „in kla­rer, prä­gnan­ter Form über die Frist und die ande­ren Moda­li­tä­ten für die Aus­übung des Wider­rufs­rechts” infor­mie­ren wür­de.
Der Bun­des­ge­richts­hof müss­te sich aber, um dem Gel­tung zu ver­schaf­fen, gegen die aus­drück­li­che Anord­nung des Gesetz­ge­bers in Art. 247 § 6 Abs. 2 Satz 3 EGBGB aF stel­len, wonach wie hier eine in dem Dar­le­hens­ver­trag in her­vor­ge­ho­be­ner und deut­lich gestal­te­ter Form ent­hal­te­ne und dem Mus­ter in Anla­ge 7 zu Art. 247 § 6 Abs. 2 und § 12 Abs. 1 EGBGB aF ent­spre­chen­de Wider­rufs­in­for­ma­ti­on den Anfor­de­run­gen an eine kla­re und ver­ständ­li­che Infor­ma­ti­on des Dar­le­hens­neh­mers über das ihm nach § 495 BGB zukom­men­de Wider­rufs­recht genügt. Das ver­bie­tet dem Bun­des­ge­richts­hof das in Art.20 Abs. 3 GG ver­an­ker­te Rechts­staats­prin­zip. Die Beach­tung des klar erkenn­ba­ren Wil­lens des Gesetz­ge­bers ist Aus­druck demo­kra­ti­scher Ver­fas­sungs­staat­lich­keit. Dies trägt dem Grund­satz der Gewal­ten­tei­lung (Art.20 Abs. 2 Satz 2 GG) Rech­nung. Das Gesetz bezieht sei­ne Gel­tungs­kraft aus der demo­kra­ti­schen Legi­ti­ma­ti­on des Gesetz­ge­bers, des­sen arti­ku­lier­ter Wil­le den Inhalt des Geset­zes daher mit­be­stimmt. Der klar erkenn­ba­re Wil­le des Gesetz­ge­bers darf nicht über­gan­gen oder ver­fälscht wer­den. So ver­wirk­licht sich die in Art.20 Abs. 3 und Art. 97 Abs. 1 GG vor­ge­ge­be­ne Bin­dung der Gerich­te an das Gesetz, weil dies eine Bin­dung an die im Norm­text zum Aus­druck gebrach­te demo­kra­ti­sche Ent­schei­dung des Gesetz­ge­bers ist 10.
Das Urteil des Gerichts­hofs der Euro­päi­schen Uni­on vom 26.03.2020 7 ändert dar­an nichts. Nach der stän­di­gen Recht­spre­chung des Gerichts­hofs darf die Ver­pflich­tung zur uni­ons­rechts­kon­for­men Aus­le­gung nicht als Grund­la­ge für eine Aus­le­gung con­tra legem des natio­na­len Rechts die­nen 11.
Eine richt­li­ni­en­kon­for­me Aus­le­gung der in Art. 247 § 6 Abs. 2 Satz 3 EGBGB aF ange­ord­ne­ten Gesetz­lich­keits­fik­ti­on schei­det aus. Die Aus­le­gung des natio­na­len Rechts darf nicht dazu füh­ren, dass einer nach Wort­laut und Sinn ein­deu­ti­gen Norm ein ent­ge­gen­ge­setz­ter Sinn gege­ben oder der nor­ma­ti­ve Gehalt der Norm grund­le­gend neu bestimmt wird. Rich­ter­li­che Rechts­fort­bil­dung berech­tigt den Rich­ter nicht dazu, sei­ne eige­ne mate­ri­el­le Gerech­tig­keits­vor­stel­lung an die Stel­le der­je­ni­gen des Gesetz­ge­bers zu set­zen 12. Dem­ge­mäß kommt eine richt­li­ni­en­kon­for­me Aus­le­gung nur in Fra­ge, wenn eine Norm tat­säch­lich unter­schied­li­che Aus­le­gungs­mög­lich­kei­ten im Rah­men des­sen zulässt, was der gesetz­ge­be­ri­schen Zweckund Ziel­set­zung ent­spricht. Die Pflicht zur Ver­wirk­li­chung des Richt­li­ni­en­ziels im Aus­le­gungs­we­ge fin­det ihre Gren­zen an dem nach der inner­staat­li­chen Rechts­tra­di­ti­on metho­disch Erlaub­ten 13.
Eine richt­li­ni­en­kon­for­me Aus­le­gung des Art. 247 § 6 Abs. 2 Satz 3 EGBGB aF über­schrit­te indes ent­ge­gen sei­nem ein­deu­ti­gen Wort­laut, sei­nem Sinn und Zweck und der Gesetz­ge­bungs­ge­schich­te die Befug­nis der Gerich­te. Die durch das Gesetz zur Ein­füh­rung einer Mus­ter­wi­der­rufs­in­for­ma­ti­on für Ver­brau­cher­dar­le­hensver­trä­ge, zur Ände­rung der Vor­schrif­ten über das Wider­rufs­recht bei Ver­brau­cher­dar­le­hensver­trä­gen und zur Ände­rung des Dar­le­hens­ver­mitt­lungs­rechts vom 24.07.2010 14 in Art. 247 § 6 Abs. 2 EGBGB ein­ge­füg­te Gesetz­lich­keits­fik­ti­on trug der Ent­schlie­ßung des Deut­schen Bun­des­ta­ges im Rah­men der Beschluss­fas­sung zum Gesetz zur Umset­zung der Ver­brau­cher­kre­dit­richt­li­nie, des zivil­recht­li­chen Teils der Zah­lungs­diens­te­richt­li­nie sowie zur Neu­ord­nung der Vor­schrif­ten über das Wider­rufsund Rück­ga­be­recht 15 Rech­nung. Mit die­ser Ent­schlie­ßung hat­te der Deut­sche Bun­des­tag die Bun­des­re­gie­rung unter ande­rem auf­ge­for­dert, zu Beginn der 17. Legis­la­tur­pe­ri­ode einen Gesetz­ent­wurf mit einem Mus­ter für eine Infor­ma­ti­on über das Wider­rufs­recht bei Ver­brau­cher­kre­dit­ver­trä­gen mit Gesetz­lich­keits­fik­ti­on in das Gesetz­ge­bungs­ver­fah­ren ein­zu­brin­gen. Durch die gesetz­li­che Rege­lung im EGBGB und die Schaf­fung eines (fakul­ta­ti­ven) Mus­ters soll­te Rechts­klar­heit und Rechts­si­cher­heit bei den Anwen­dern erzeugt und der Rechts­ver­kehr ver­ein­facht wer­den 6. Die­ses gesetz­ge­be­ri­sche Ziel wür­de ver­fehlt, wür­de man der Ver­wen­dung des Mus­ters die Gesetz­lich­keits­fik­ti­on abspre­chen, weil etwa der Ver­weis in der Wider­rufs­in­for­ma­ti­on auf § 492 Abs. 2 BGB in Kom­bi­na­ti­on mit der bei­spiel­haf­ten Auf­zäh­lung von Pflicht­an­ga­ben nach Art. 247 § 6 EGBGB nach dem Urteil des Gerichts­hofs vom 26.03.2020 7 nicht richt­li­ni­en­kon­form ist.
Im Übri­gen nimmt der Bun­des­ge­richts­hof Bezug auf sei­ne Urtei­le vom 05.11.2019 sowie auf sei­nen Beschluss vom 11.02.2020 16. Das erneu­te Vor­ab­ent­schei­dungs­ge­such des Ein­zel­rich­ters des Land­ge­richts Ravens­burg 17 ver­mag eine Aus­set­zung nicht zu recht­fer­ti­gen, weil die von dem Ein­zel­rich­ter in sei­nem Vor­ab­ent­schei­dungs­ge­such 18 wie auch bereits in dem vor­an­ge­gan­ge­nen Vor­ab­ent­schei­dungs­ge­such des Ein­zel­rich­ters des Land­ge­richts Ravens­burg 19 auf­ge­wor­fe­nen Fra­gen ange­sichts des Wort­lauts, der Rege­lungs­sys­te­ma­tik und des Rege­lungs­zwecks der Ver­brau­cher­kre­dit­richt­li­nie der­art offen­kun­dig zu beant­wor­ten sind, dass für ver­nünf­ti­ge Zwei­fel kein Raum bleibt („acte clair”) 20. Die von dem Ein­zel­rich­ter in sei­nem Vor­ab­ent­schei­dungs­er­su­chen vom 05.03.2020 18 auf­ge­wor­fe­nen Fra­gen zum Ein­wand der Ver­wir­kung und des Rechts­miss­brauchs gegen­über der Aus­übung des Wider­rufs­rechts des Ver­brau­chers stel­len sich nach Ansicht des Bun­des­ge­richts­hofs vor­lie­gend nicht. Ent­ge­gen der Ansicht des Ein­zel­rich­ters des Land­ge­richts Ravens­burg in die­sem (erneu­ten) Vor­ab­ent­schei­dungs­er­su­chen, bei dem er nach § 348a Abs. 2 Satz 1 Nr. 1 ZPO ver­fah­ren muss, besteht ein zulas­sungs­re­le­van­ter Mei­nungs­streit zum Ein­wand der Ver­wir­kung und des Rechts­miss­brauchs beim Wider­ruf von Ver­brau­cher­dar­le­hensver­trä­gen jeden­falls seit den grund­le­gen­den Urtei­len des Bun­des­ge­richts­hofs vom 12.07.2016 21 nicht mehr (§ 543 Abs. 2 Nr. 1 ZPO) 22.
Im Übri­gen ist inso­weit dar­auf hin­zu­wei­sen, dass sich aus § 242 BGB der das gesam­te Rechts­le­ben beherr­schen­de Grund­satz ablei­tet, dass jeder­mann in Aus­übung sei­ner Rech­te und Erfül­lung sei­ner Pflich­ten nach Treu und Glau­ben zu han­deln hat 23. Die Fra­ge, ob ver­brau­cher­schüt­zen­de Wider­rufs­rechte durch natio­na­le Vor­schrif­ten zum Rechts­miss­brauch beschränkt wer­den dür­fen, berührt zwar das Gebot der prak­ti­schen Wirk­sam­keit. Der Anwen­dung des Grund­sat­zes von Treu und Glau­ben und des Ver­bots wider­sprüch­li­cher Rechts­aus­übung (§ 242 BGB) steht dies aber nicht ent­ge­gen, weil zum einen die Aus­übung die­ser Rech­te in das natio­na­le Zivil­recht ein­ge­bet­tet bleibt und weil zum ande­ren die natio­na­len Gerich­te ein miss­bräuch­li­ches oder betrü­ge­ri­sches Ver­hal­ten auch nach der Recht­spre­chung des Gerichts­hofs der Euro­päi­schen Uni­on berück­sich­ti­gen dür­fen 24.
Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 31. März 2020 – XI ZR 198/​19
st. Rspr., vgl. nur BGH, Urteil vom 11.10.2016 – XI ZR 482/​15, BGHZ 212, 207 Rn. 26[↩]
vgl. BGH, Urtei­le vom 15.12 2009 – XI ZR 45/​09, BGHZ 184, 1 Rn. 17 ff.; und vom 18.01.2011 – XI ZR 356/​09, WM 2011, 451 Rn.19 ff.[↩]
vgl. nur BGH, Urtei­le vom 23.02.2016 – XI ZR 101/​15, BGHZ 209, 86 Rn. 32 ff.; und vom 05.11.2019 – XI ZR 650/​18, WM 2019, 2353 Rn. 21 mwN, zur Ver­öf­fent­li­chung in BGHZ vor­ge­se­hen; EuGH, Urteil vom 11.09.2019 C143/​18, „Roma­no”, WM 2019, 1919 Rn. 54[↩]
BGH, Urteil vom 05.11.2019, aaO Rn. 23[↩]
BGH, Urteil vom 05.11.2019, aaO Rn. 25[↩]
vgl. BT-Drs. 16/​13669, S. 3 und BT-Drs. 17/​1394, S. 1, 21 f.[↩][↩]
EuGH, Urteil vom 26.03.2020 – C‑66/​19, „Kreis­spar­kas­se Saar­lou­is”[↩][↩][↩]
ABl. 2008, L 133, S. 66, berich­tigt in ABl. 2009, L 207, S. 14, ABl. 2010, L 199, S. 40, und ABl. 2011, L 234, S. 46[↩]
EuGH, aaO Rn. 48[↩]
BVerfGE 149, 126 Rn. 75[↩]
EuGH, Urteil vom 16.06.2005 [Gro­ße Kam­mer] – C‑105/​03, „Pupi­no”, Slg. 2005, I‑5285 Rn. 47; Urteil vom 04.07.2006 [Gro­ße Kam­mer] – C‑212/​04, „Ade­neler”, Slg. 2006, I‑6057 Rn. 110; Urteil vom 15.04.2008 [Gro­ße Kam­mer] – C‑268/​06, „Impact”, Slg. 2008, I‑2483 Rn. 100, 103; Urteil vom 24.01.2012 [Gro­ße Kam­mer] – C‑282/​10, „Dom­in­guez”, NJW 2012, 509 Rn. 25; Urteil vom 22.01.2019 [Gro­ße Kam­mer] – C‑193/​17, „Cres­co Inves­ti­ga­ti­on”, NZA 2019, 297 Rn. 74; Urteil vom 08.05.2019 – C‑486/​18, „Pra­x­air MRC”, NZA 2019, 1131 Rn. 38; Urteil vom 11.09.2019 – C‑143/​18, „Roma­no”, WM 2019, 1919 Rn. 38; BVerfG, WM 2012, 1179, 1181; BGH, Urteil vom 15.10.2019 – XI ZR 759/​17, WM 2019, 2164 Rn. 22 mwN[↩]
BVerfG, WM 2012, 1179, 1181[↩]
BGH, Urtei­le vom 07.05.2014 – IV ZR 76/​11, BGHZ 201, 101 Rn.20; vom 28.06.2017 – IV ZR 440/​14, BGHZ 215, 126 Rn. 24; vom 26.03.2019 – II ZR 244/​17, WM 2019, 925 Rn. 21; und vom 15.10.2019 – XI ZR 759/​17, WM 2019, 2164 Rn. 24 mwN; BVerfG, aaO[↩]
BGBl. I S. 977[↩]
BT-Drs. 16/​13669, S. 5[↩]
BGH, Urtei­le vom 05.11.2019 – XI ZR 650/​18, WM 2019, 2353; und – XI ZR 11/​19; Beschluss vom 11.02.2020 – XI ZR 648/​18[↩]
LG Ravens­burg, Beschluss vom 05.03.2020 2 O 328/​19, 2 O 280/​19, 2 O 334/​19[↩]
LG Ravens­burg, aaO[↩][↩]
LG Ravens­burg, Beschluss vom 07.01.2020 2 O 315/​19[↩]
vgl. EuGH, Slg. 1982, 3415 Rn. 16 „C.I.L.F.I.T.”; Slg. 2005, I8151 Rn. 33 „Inter­mo­dal Trans­ports”; BVerfG, WM 2015, 525, 526; BGH, Urtei­le vom 12.09.2017 – XI ZR 590/​15, BGHZ 215, 359 Rn. 36; und vom 18.06.2019 – XI ZR 768/​17, WM 2019, 2153 Rn. 69[↩]
BGH; vom 12.07.2016 – XI ZR 501/​15, BGHZ 211, 105 Rn. 38 ff.; und – XI ZR 564/​15, BGHZ 211, 123 Rn. 31 ff.[↩]
BGH, Beschlüs­se vom 23.01.2018 – XI ZR 298/​17, WM 2018, 614; und vom 07.03.2018 – XI ZR 298/​17; zum Uni­ons­recht auch BGH, Beschluss vom 21.01.2020 – XI ZR 189/​19[↩]
vgl. nur BVerfG, WM 2015, 514, 518 mwN; BGH, Urteil vom 23.09.1982 – VII ZR 183/​80, BGHZ 85, 39, 48[↩]
vgl.nur EuGH, Urteil vom 02.05.1996, „Palet­ta”, C‑206/​94, Slg. 1996, I‑2357 Rn. 25; Urteil vom 21.07.2011, „Oguz”, C‑186/​10, Slg. 2011, I‑6957 Rn. 25 mwN; BVerfG aaO[↩]
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