Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Text=BStBl%20II%202004,%20551
Timestamp: 2019-06-24 12:46:55
Document Index: 304754460

Matched Legal Cases: ['§ 17', '§ 17', '§ 17', '§ 10', '§ 182', '§ 10', '§ 17', '§ 17', '§ 141', '§ 60', '§ 17']

BFH, 21.01.2004 - VIII R 2/02 - dejure.org
https://dejure.org/2004,611
BFH, 21.01.2004 - VIII R 2/02 (https://dejure.org/2004,611)
BFH, Entscheidung vom 21.01.2004 - VIII R 2/02 (https://dejure.org/2004,611)
BFH, Entscheidung vom 21. Januar 2004 - VIII R 2/02 (https://dejure.org/2004,611)
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Rücktrags- und Vortragsfähigkeit von Verlusten - Verlust, den ein wesentlich beteiligter Gesellschafter anlässlich der Auflösung der Kapitalgesellschaft erleidet - Auflösungsverlust wegen geleisteter Bürgschaftszahlungen - Schuldzinsen zum Erwerb einer wesentlichen Beteiligung i.S. von § 17 Einkommensteuergesetz (EStG) als Werbungskosten bei Einkünften aus Kapitalvermögen - Erwartung von Kapitalerträgen oder Wertsteigerungen der Beteiligung - Begründung und Aufrechterhaltung einer Beteiligung aus persönlichen Gründen oder Neigungen - Umqualifizierung nicht mehr berücksichtigungsfähigen Werbungskosten in nachträgliche Anschaffungskosten mit dem Ziel, sie als "Beteiligungsaufwendungen" abzugsfähig zu machen - Auflösung bzw. Vollbeendigung als Folge der Überschuldung einer Kapitalgesellschaft
Schuldzinsen bei Erwerb einer wesentlichen Beteiligung
Neue BFH-Rechtsprechung zu § 17 EStG
Zinsen zum Erwerb einer Beteiligung i.S.d. § 17 EStG
FG München, 10.12.2001 - 13 K 4481/98
BFHE 205, 117
BB 2005, 197
DB 2004, 1237
BStBl II 2004, 551
NZG 2004, 784 (Ls.)
Die Feststellung eines Verlustvortrags erfolgt durch gesonderten Grundlagenbescheid (hier gemäß § 10a GewStG; vgl. dazu BFH, Urteil vom 9. Juni 1999 - I R 92/98, BB 1999, 1803), der gemäß § 182 Abs. 1 Satz 1 AO für den jeweils nächsten Steuerbescheid und Verlustfeststellungsbescheid Bindungswirkung entfaltet (vgl. zum Verlustvortrag nach § 10d Abs. 4 Satz 1 EStG: BFH, Urteil vom 21. Januar 2004 - VIII R 2/02, BStBl. II 2004, 551).
Denn über die Höhe eines Verlustrücktrags ist grundsätzlich bei der Einkommensteuerveranlagung des Abzugsjahres zu entscheiden (BFH-Urteil vom 21. Januar 2004 VIII R 2/02, BFHE 205, 117, BStBl II 2004, 551, unter II.4.b).
Der erkennende Senat hat in seinem Urteil vom 21. Januar 2004 VIII R 2/02 (BFHE 205, 117, BStBl II 2004, 551) entschieden, dass die Zinsen, die ein Steuerpflichtiger zum Erwerb einer wesentlichen Beteiligung i.S. von § 17 EStG aufwendet, regelmäßig bis zur Veräußerung der Beteiligung oder bis zum Eintritt der Vermögenslosigkeit bzw. bis zur Löschung der Kapitalgesellschaft im Handelsregister als Werbungskosten bei den Einkünften aus Kapitalvermögen abgezogen werden können (…zur Abgrenzung vgl. Urteil des Bundesfinanzhofs --BFH-- vom 5. Oktober 2004 VIII R 64/02, BFH/NV 2005, 54).
Nicht zu diesen Voraussetzungen gehören die Einstellung des Gewerbebetriebs der GmbH und ihre Überschuldung; der Senat verweist insoweit auf seine Ausführungen im Urteil in BFHE 205, 117, BStBl II 2004, 551 (dort unter II.3.c bb cc der Gründe).
Sie war es weder im Sinne des Konkursrechts (dazu BFH-Urteil in BFHE 205, 117, BStBl II 2004, 551, unter II.3.c cc der Gründe, m.w.N.), weil nach dem vom Konkursverwalter erstellten Status davon auszugehen war, dass die ihr zustehende Forderung jedenfalls in der geschätzten Höhe von 75 000 DM als Aktivvermögen anzusetzen war.
Und sie war es auch nicht im Sinne der Rechtsprechung zu § 17 Abs. 4 EStG, weil nicht hinreichend objektivierbar feststand, ob und in welcher Höhe die in der Jahresbilanz der GmbH ausgewiesene Forderung in Höhe von 1 108 064, 24 DM noch beitreibbar war (zum Erfordernis der Objektivierbarkeit anhand einer Rechnungslegung des Konkursverwalters vgl. ebenfalls BFH-Urteil in BFHE 205, 117, BStBl II 2004, 551, unter II.3.cc dd der Gründe, sowie BFH-Beschlüsse vom 1. April 2004 VIII B 172/03, juris, und vom 5. Januar 2005 VIII B 57/03, juris).
Danach ist eine Kapitalgesellschaft bereits dann vermögenslos, wenn die Aktiva zwar für eine Befriedigung der Gesellschaftsgläubiger, nicht aber auch für eine Verteilung unter den Gesellschaftern ausreichen (…BFH-Urteile vom 21. Januar 2004 VIII R 8/02, BFH/NV 2004, 947; VIII R 2/02, BFHE 205, 117, BStBl II 2004, 551;… BFH-Beschluss in BFH/NV 2002, 646, m.w.N.).
a) Im Streitfall fehlen zwar ausdrückliche Feststellungen des FG, jedoch ist in Verbindung mit dem Inhalt der beigezogenen Akten davon auszugehen, dass die GmbH erst im Zeitpunkt der Eintragung der Löschung im Handelsregister wegen Vermögenslosigkeit nach § 141a des Gesetzes über die Angelegenheiten der freiwilligen Gerichtsbarkeit (FGG) aufgelöst (vgl. § 60 Abs. 1 Nr. 7 des Gesetzes betreffend die Gesellschaften mit beschränkter Haftung --GmbHG--), und damit zugleich --liquidationslos-- vollbeendet worden ist (vgl. BFH-Urteile vom 21. Januar 2004 VIII R 2/02, BFHE 205, 117, BStBl II 2004, 551; vom 10. November 1998 VIII R 6/96, BFHE 187, 480, BStBl II 1999, 348).
Findet indes eine Liquidation mangels Masse nicht statt, so ist der Auflösungsverlust bereits im Zeitpunkt der Auflösung in Form der Löschung der Gesellschaft im Handelsregister endgültig entstanden (BFH-Urteile vom 3. Juni 1993 VIII R 81/91, BFHE 172, 407, BStBl II 1994, 162; in BFHE 205, 117, BStBl II 2004, 551).
Der Abzug von Zinsen aus Refinanzierungsdarlehen für die Anschaffung einer im Privatvermögen gehaltenen wesentlichen Beteiligung ist allerdings nach der Veräußerung der Beteiligung --als deren entgeltlicher Übertragung (…vgl. BFH-Urteil vom 9. September 1986 VIII R 95/85, BFH/NV 1986, 731)-- oder der Auflösung der Gesellschaft als sog. nachträgliche Werbungskosten bei den Einkünften aus Kapitalvermögen aus rechtssystematischen Gründen ausgeschlossen, soweit sie nicht auf die Zeit vor der Veräußerung oder Auflösung entfallen (…vgl. zuletzt BFH-Urteile in BFH/NV 2005, 54, und vom 21. Januar 2004 VIII R 2/02, BFHE 205, 117, BStBl II 2004, 551, sowie BFH-Beschlüsse vom 1. Dezember 2006 VIII B 147/05, juris;… vom 18. Mai 2005 VIII B 141/04, BFH/NV 2005, 1783).
Auch eine "Umqualifizierung" der als Werbungskosten nicht mehr berücksichtigungsfähigen Zinsaufwendungen in nachträgliche Anschaffungskosten mit dem Ziel, die Zinsen als "Beteiligungsaufwendungen" im Rahmen des § 17 EStG abzugsfähig zu machen, ist nach der Rechtsprechung aus rechtssystematischen Gründen ausgeschlossen (BFH-Urteil in BFHE 205, 117, BStBl II 2004, 551, unter II.3.b der Gründe, m.w.N.).
BFH, 23.02.2007 - VIII B 106/06
FG München, 23.02.2010 - 13 K 1694/07
Klagebefugnis und Rechtsschutzbedürfnis bei einer Anfechtungsklage gegen einen …