Source: https://www.medical-cnbs.com/de/faq/
Timestamp: 2020-02-21 18:50:22
Document Index: 38036973

Matched Legal Cases: ['§ 31', '§ 37', '§ 37', '§ 31', '§ 31', '§ 31', '§ 36', '§ 3']

FAQ: Cannabis als Medizin | Medical CNBS® Pharma GmbH | Köln
FAQ für verschiedene Interessengruppen
Ärzte | Apotheker | Patienten
Rund um Cannabis als Medizin
Im Folgenden haben wir häufig gestellte Fragen von Patienten zu spezifischen Themengebieten rund um Cannabis als Medizin zusammengestellt.
Fachkreise wie Ärzte und Apotheker finden separat in unserem geschützten Expertenportal spezifisch gestaltete FAQ rund um Cannabis als Medizin.
Für welche Patienten dürfen cannabishaltige Arzneimittel verordnet werden?
Welche Voraussetzungen müssen für eine Verordnung cannabishaltiger Arzneimittel erfüllt werden?
Ist die Genehmigung seitens der Krankenkasse eine Voraussetzung für die Cannabistherapie?
Welche Wirkungen sind bei einer Verordnung cannabishaltiger Arzneimittel zu erwarten?
Welche Einnahmearten für cannabishaltige Arzneimittel sind möglich?
Welche möglichen Nebenwirkungen müssen bei der Verordnung cannabishaltiger Arzneimittel beachtet werden?
Wie kann ein Patient nachweisen, dass sein Cannabis medizinisch verwendet wird?
Wie werden cannabishaltige Arzneimittel gelagert?
Wie messen Patienten die genaue Dosis für eine Inhalation von Cannabinoiden ab?
Wie äußert sich eine Überdosierung von Medizinalcannabis?
Wie sollten sich Patienten bei einer Überdosierung mit Medizinalcannabis verhalten?
Wann sollten cannabishaltige Arzneimittel nicht eingenommen werden?
Darf das Medizinal-Cannabis mit ins Ausland genommen werden?
In der Botanik wird zwischen drei Unterarten der Cannabis sativa L. (Hanfpflanze) unterschieden.
1. Cannabis sativa var. sativa
2. Cannabis sativa var. indica
3. Cannabis sativa var. ruderalis
Die beiden Unterarten sativa und indica sind für den Einsatz als Arzneimittel geeignet. Den sativa-dominanten Sorten werden stimulierende und energetisierende Eigenschaften zugeschrieben. Die indica-dominanten Sorten dagegen wirken eher beruhigend und entspannend.
Seit dem 10. März 2017 können Ärzte cannabishaltige Arzneimittel für Patienten mit einer schwerwiegenden Erkrankung verordnen. Damit besteht für GKV-Versicherte ein gesetzlicher Anspruch.
Als Voraussetzungen legt hierfür § 31 Abs. 6 SGB V fest, dass
b) im Einzelfall nach der begründeten Einschätzung der behandelnden Vertragsärztin oder des behandelnden
Vertragsarztes unter Abwägung der zu erwartenden Nebenwirkungen
und unter Berücksichtigung des Krankheitszustandes der oder des Versicherten nicht zur
Anwendung kommen kann,des behandelnden Vertragsarztes unter Abwägung der zu erwartenden Nebenwirkungenund unter Berücksichtigung des Krankheitszustandes der oder des Versicherten nicht zur Anwendung kommen kann,
Welche Erkrankungen als „schwerwiegende Erkrankung“ bewertet werden, wird weder im Gesetzestext noch in der Gesetzesbegründung näher erläutert. Nach SGB V wird in anderen Zusammenhängen eine Krankheit als schwerwiegend gesehen, wenn sie lebensbedrohlich ist oder wenn sie aufgrund der Schwere der durch sie verursachten Gesundheitsstörungen die Lebensqualität auf Dauer nachhaltig beeinträchtigt.
Bei der ersten Verordnung muss zunächst eine Genehmigung von der zuständigen Krankenkasse des Versicherten eingeholt werden. Die Genehmigung ist vor Beginn der Behandlung von der zuständigen Krankenkasse zu erteilen.
Die Krankenkassen informieren über das genaue Prozedere des Genehmigungsverfahrens. Grundsätzlich soll auf die im Gesetzestext aufgeführten Voraussetzungen eingegangen werden, in dem
2. dargelegt wird, dass durch die Verordnung von Cannabisblüten oder Extrakten oder cannabishaltigen Arzneimitteln eine nicht ganz entfernt liegende Aussicht auf eine spürbare positive Einwirkung auf den Krankheitsverlauf oder auf schwerwiegende Symptome besteht.
Für die Verordnung der bereits bisher verordnungsfähigen cannabinoidhaltigen Fertigarzneien ist eine vorherige Genehmigung nur dann erforderlich, wenn die Anwendung off-label erfolgen soll. Sollte die Beantragung im Rahmen einer spezialisierten ambulanten Palliativversorgung gemäß § 37b SGB V erfolgen, sollte dies bei der Beantragung gesondert vermerkt werden, um die Genehmigungsfrist zu verkürzen.
Über den Antrag muss die Krankenkasse spätestens nach Ablauf von drei Wochen ab Antragseingang entschieden haben. In Fällen, in denen die Krankenkasse eine gutachterliche Stellungnahme, z. B. durch den MDK, für erforderlich hält, verlängert sich die Frist auf bis zu fünf Wochen. Die Frist läuft nach Antragseingang bei der Krankenkasse.
Bei Patienten, die sich in einer spezialisierten ambulanten Palliativversorgung gemäß § 37b SGB V befinden, ist die Frist für die Genehmigung durch die Krankenkasse auf drei Tage verkürzt (§ 31 Abs. 6 Satz 3 SGB V).
Eine Ablehnung durch die Krankenkasse ist gesetzlich „nur in begründeten Ausnahmefällen“ möglich (§ 31 Abs. 6 Satz 2 SGB V).
Aus § 31 Abs. 6 Satz 4 und 5 SGB V ergibt sich, dass der Versicherte an einer nicht-interventionellen Begleiterhebung teilnehmen muss. Dadurch entstehen für den behandelnden Arzt besondere Pflichten.
Nein, ist sie nicht. Sofern die Kosten für die Cannabistherapie nicht von der Krankenkasse übernommen werden, kann die Verordnung durch den behandelnden Arzt auf einem Privatrezept erfolgen. Die Kosten für die Cannabistherapie werden dann vom Patienten getragen.
Die Entscheidung über eine Cannabistherapie trifft somit ausschließlich der behandelnde Arzt, unabhängig von der möglichen Kostenübernahme durch die Krankenkasse.
Ärzte aller Fachrichtungen (außer Zahnärzte und Tierätzte) dürfen cannabishaltige Arzneimittel verordnen.
Das Gesetz macht keine Vorgaben zu den für eine Verordnung zugelassenen Indikationen.
Da für viele Krankheitsbilder noch keine ausreichenden Forschungsergebnisse zum Nutzen und zur Wirkung einer Behandlung mit cannabishaltigen Arzneimitteln vorliegen, führt das BfArM über einen Zeitraum von 60 Monaten eine nicht-interventionelle wissenschaftliche Begleiterhebung der von den Krankenkassen genehmigten Behandlungen durch (§ 36 Abs. 6 Satz 4 SGB V).
Die bisherigen Ausnahmegenehmigungen für eine Behandlung mit Cannabis nach § 3 Abs. 2 BtMG wurden durch das BfArM vorrangig bei folgenden Indikationen erteilt:
· ­Schmerz (ca. 57 %)
· ADHS (ca. 14 %)
· Spastik (unterschiedlicher Genese) (ca. 10 %)
· Depression (ca. 7 %)
· Inappetenz/Kachexie (ca. 5 %)
· Tourette-Syndrom (ca. 4 %)
· Darmerkrankungen (ca. 3 %)
· Epilepsie (ca. 2 %)
· Sonstige Psychiatrie (ca. 2 %)
Die Wirkung von cannabishaltigen Arzneimitteln ist vor allem von der Zusammensetzung der in ihnen enthaltenen Cannabinoide abhängig. Insgesamt sind bereits mehr als 100 unterschiedliche Cannabinoide mit zum Teil sehr unterschiedlichen Wirkspektren bekannt. Die vorrangig in der Hanfpflanze vorkommenden Cannabinoide sind:
1. Tetrahydro-Cannabinol (THC) mit antiemetischer, relaxierender, sedierender Wirkung
2. Cannabidiol (CBD) mit anti-psychotischer, anxiolytischer, anti-inflammatorischer, antiemetischer, spasmolytischer Wirkung
3. Dabei kann die Wirkung des Δ9-THC durch andere Cannabinoide wie Cannabinol (CBN) oder Cannabidiol (CBD) modifiziert werden.
Cannabis kann im Allgemeinen inhaliert oder oral aufgenommen werden. Die Einnahmeart ist für die Dosierung zu berücksichtigen. Die am besten geeignete Einnahmeart hängt von verschiedenen Faktoren ab: Präferenz des Patienten, Indikation, mögliche Begleiterkrankungen. In Einzelfällen kann auch eine kombinierte orale und inhalative Einnahme sinnvoll sein.
Die Inhaltsstoffe der Cannabisblüten können über spezielle Vaporisatoren inhaliert werden. Weniger effizient hat sich die Zubereitung als Tee erwiesen. Das Verbacken in Gebäck ist laut BfArM möglich, allerdings ist eine Therapie mit den Produkten schwer steuerbar, dadurch dass beim Einbacken die Dosis pro Anwendung nicht reproduziert werden kann. Insofern kann diese Anwendung aus Aspekten der Arzneimitteltherapiesicherheit nicht empfohlen werden. Die Inhalation nach Verbrennung als Joint kann wegen möglicher Gesundheitsschäden ebenfalls nicht empfohlen werden.
Eine von Whiting et al. durchgeführte Meta-Analyse von 79 Studien zum Einsatz von Cannabinoiden in der Medizin ergab ein erhöhtes Risiko für kurzzeitige unerwünschte Nebenwirkungen wie Schwindel, Mundtrockenheit, Übelkeit, Müdigkeit, Schlafstörungen, Euphorie, Erbrechen, Orientierungsstörungen, Benommenheit, Verwirrtheit, Gleichgewichtsstörungen und Halluzinationen.
Müller-Vahl und Grotenhermen (2017) weisen darauf hin, dass akute Nebenwirkungen vor allem die Psyche und Psychomotorik (Euphorie, Angst, Müdigkeit, reduzierte psychomotorische Leistungsfähigkeit) sowie Herz und Kreislauf (Tachykardie, Blutdruckabfall, Schwindel, Synkope) betreffen können.
Der Patient sollte neben der üblichen Aufklärung vor dem Behandlungsbeginn über folgende Dinge durch den Arzt aufgeklärt werden:
· Aufklärung über mögliche Wirkungen und Nebenwirkungen der verordneten cannabishaltigen Arzneimittel
· ­Mögliche Wechselwirkungen von Cannabis-Arzneimitteln mit anderen Arzneimitteln
· Aufklärung über mögliche Auswirkungen auf die Verkehrstüchtigkeit
· Hinweise zur Dosierung und Anwendungsart
· Hinweise zu einer geeigneten und kindersicheren Lagerung
Schwierigkeiten bei einer Polizeikontrolle o.ä. können vermieden werden, indem Patienten eine Kopie des aktuellen Betäubungsmittelrezeptes mitführen. Dies reicht als Nachweis aus.
Cannabisblüten sollten kindersicher, luftdicht verschlossen und lichtgeschützt bei einer Raumtemperatur bis zu 25°C gelagert werden. Cannabisblüten müssen nicht im Kühlschrank aufbewahrt werden!
Der Patient erhält von seiner Apotheke in der Regel einen Dosierlöffel (1ml). Ist dieser locker, nicht ganz voll befüllt, entspricht dies ca. 100mg (0,1g) Blüten.
Gerade bei Patienten ohne Erfahrung mit medizinischen Cannabisprodukten kann es zu einem unangenehmen Rauschgefühl kommen. Darüber hinaus können Nebenwirkungen wie Schwindelgefühl oder Übelkeit auftreten.
Zunächst sollte der Patient unbedingt Ruhe bewahren. Die vorher beschriebenen, unangenehmen Nebenwirkungen führen nicht zu medizinischen Notfällen. Die Wirkungsdauer bei der inhalativen Applikation beträgt 2 bis 3 Stunden, bei einer oralen Anwendung beträgt die Wirkungsdauer 4 bis 8 Stunden. Eine medizinisch kritische Dosis liegt bei mehr als 500g Medizinalcannabis. Die Dosis bei der nächsten Anwendung von Medizinalcannabis sollte um ca. 50mg reduziert werden. Auch empfiehlt es sich das weitere Prozedere mit dem behandelnden Arzt zu besprechen.
· Während der Stillzeit
· Bei gleichzeitiger Einnahme von Alkohol
· Herzrhythmusstörungen (Arrhythmien)
Bei Patienten mit Tendenz zur Sucht sollte eine Verordnung individuell geprüft werden.
Für die Mitführung von Betäubungsmitteln auf Reisen gibt es standardisierte Regeln, die sich jedoch je nach Reiseziel unterscheiden. Das Reisen mit Medizinal-Cannabis ist grundsätzlich wie auch bei anderen Betäubungsmitteln möglich. Patienten können die ihnen verschriebenen Betäubungsmittel für die Dauer der Reise in einer angemessenen Menge als Reisebedarf ein- und ausführen. Für Bürger, die aus den Vertragsstaaten des Schengener Abkommens stammen, kann bei Reisen die Mitnahme der Medizin relativ einfach erfolgen. Hierfür muss der Patient die vom Arzt ausgefüllte Bescheinigung nach Artikel 75 des Schengener Durchführungsübereinkommens mit sich führen.
Zu den Schengen Ländern gehören:
Folgende europäischen Länder gehören nicht zum Schengen-Raum, hier gilt also nicht das Durchführungsabkommen:
Rumänien, Kroatien, Bulgarien, Großbritannien, Irland und Zypern.
Die erforderliche Bescheinigung ist beim BfArM erhältlich:
http://www.bfarm.de/SharedDocs/Downloads/DE/Bundesopiumstelle/Betaeubungsmittel/Reisen/reise_scheng_formular.pdf?__blob=publicationFile&v=3
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