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Timestamp: 2019-12-15 10:40:26
Document Index: 220260372

Matched Legal Cases: ['§ 177', '§ 184', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 185', '§ 185', '§ 185', 'BGH', '§ 185', '§ 185', '§ 185', '§ 185', '§ 186', '§ 187', '§ 186', '§ 185', 'BGH', '§ 194', '§ 77', '§ 170', '§ 185', '§ 77', '§ 160', '§ 170']

Grabschen! Strafbar? (Strafrecht) - frag-einen-anwalt.de
Grabschen! Strafbar?
| 24.09.2012 14:06 |
Folgenden Sachverhalt möchte ich hier schildern:
Meine Frau war mit Freundinnen in der Diskothek.
2 Bekannte haben meine Frau und die Freundinnen auf einen Sekt eingeladen.
Einer der Herren, ein angesehener Zahnarzt, hat meine Frau an den "Hintern gegrabscht!".
Sie ging sofort weg, erzählte es Ihren Freundinnen.
"Sie solle nicht sagen!", hieß es.
Als Sie nachts nachhause kam, erzählte Sie mir es.
Ich war darüber so verärgert, dass ich am nächsten Morgen der Frau des Zahnarztes per Facebook eine Nachricht schrieb: "Hallo Andrea", frag doch mal Deinen Mann, wessen Hintern er im ... angegrabscht hat! Ich bin außer mir!
Meine Frau und diese Frau kennen sich.
Die Frau "Andrea" hat per Facebook meine Frau kontaktiert und mich sehr beledigt mit: ...dein krankhaft eifersüchtiger Mann!", "...keine Eier in der Hose, etc.!".
Das finde ich unerhört!
Meine Frau hat Ihr per Facebook Nachricht zurückgeschrieben und bestätigt, dass es stimmen würde, Sie es aber nicht so schlimm finden würde.
Zudem, um es zu beschwichtigen zu wollen, schrieb Sie, Sie wäre sich nicht so ganz sicher.
Das hat natürlich Wellen geschlagen.
Frage: Ist grabschen strafbar?
Frage: Kann er uns anzeigen?
Meine Frau will Ihre Ruhe und nicht wegen Rufmord oder so angezeigt zu werden.
Der Herr Zahnarzt hat natürlich zu Hause riesigen Ärger.
Seltsam finde ich, dass er heute versucht hat meine Frau auf dem Handy anzurufen!
Das Gespräch hat Sie nicht angenommen.
Beleidigung Beleidigung StGB strafbar Frage
Diese Antwort ist vom 24.09.2012 und möglicherweise veraltet. Stellen Sie jetzt Ihre aktuelle Frage und bekommen Sie eine rechtsverbindliche Antwort von einem Rechtsanwalt.
Ob „Grabscherein" einen Straftatbestand darstellen, ist in der Rechtsprechung umstritten. Zunächst stellt das simple Fassen an den Po grundsätzlich keine sexuelle Nötigung i. S. d. § 177 Abs. 1 StGB dar.
Zum einen müssten die sexuellen Handlungen mit Gewalt, durch Drohung mit einer gegenwärtigen Gefahr für Leib oder Leben oder unter Ausnutzung einer Lage, in der das Opfer der Einwirkung des Täters schutzlos ausgeliefert ist, erfolgen. Dies dürfte aufgrund Ihrer Sachverhaltsschilderung ausscheiden.
Weiterhin sind nach § 184 g Nr. 1 StGB nur solche Handlungen als sexuelle Handlungen anzusehen, die im Hinblick auf das jeweils geschützte Rechtsgut von einiger Erheblichkeit sind. Insoweit muss eine sozial nicht mehr hinnehmbare Rechtsgutsbeeinträchtigung zu besorgen sein (BGH NJW 1992, 324). So sind nach der Rechtsprechung beispielsweise ein flüchtiger Griff an die Genitalien einer bekleideten Person (BGH 1, 298) oder das Berühren im Vaginalbereich über der Kleidung (BGH, 2 StR 311/05) bereits als unerhebliche Handlungen angesehen worden, so dass der Straftatbestand der sexuellen Nötigung aufgrund des Fassens an den Po ausscheiden dürfte.
In Betracht kommen könnte zwar auch eine Beleidigung nach § 185 StGB. Insoweit fallen sexualbezogene Handlungen und Belästigungen nach herrschender Meinung jedoch nur unter die Vorschrift des § 185 StGB, wenn besondere Umstände einen selbständigen beleidigenden Charakter erkennen lassen (Fischer, § 185 StGB Rn 11; BGH NJW 1989, 3029). Hierbei ist nach der herrschenden Meinung in der Regel bei überraschenden sexualbezogenen körperlichen Berührungen („Grabschereien") am Arbeitsplatz, in öffentlichen Verkehrsmitteln, Gaststätten usw. eine Beleidigung i. S. d. § 185 StGB nicht gegeben (Fischer, § 185 StGB Rn 11 c).
Eine andere Ansicht vertrat insoweit jedoch das OLG Bamberg in einer Entscheidung vom 28.09.2006, das einen Griff in die Beine als Beleidigung angesehen hat (OLG Bamberg, NStZ 2007, 96; Fischer, § 185 StGB Rn 11 c). Nach der überwiegenden Rechtsprechung dürfte jedoch auch die einfache Berührung des Pos wohl keine Beleidigung i. S. d. § 185 StGB darstellen.
Soweit Sie nunmehr aufgrund der Facebook-Nachrichten befürchten, von der Gegenseite angezeigt zu werden, weise ich zunächst einmal darauf hin, dass es einen Straftatbestand des sog. „Rufmordes" nicht gibt. Insoweit käme grundsätzlich eine Straftat wegen übler Nachrede gemäß § 186 StGB oder Verleumdung gemäß § 187 StGB in Betracht.
Zur Bejahung der beiden o. g. Straftatbestände müsste jedoch eine unwahre Tatsache durch Sie bzw. Ihre Ehefrau behauptet oder verbreitet worden sein. Zwar haben Sie mitgeteilt, die Ehefrau des „Täters" via Facebook-Nachricht kontaktiert zu haben. Die Behauptung einer unwahren Tatsache dürfte nach Ihrer Schilderung jedoch nicht geben sein, so dass auch eine Strafbarkeit wegen §§ 186, 187 StGB ausscheiden dürfte.
Ich weise abschließend darauf hin, dass es durch Hinzufügen und Weglassen wesentlicher Umstände im Sachverhalt durchaus zu einer komplett anderen rechtlichen Bewertung kommen kann.
Nachfrage vom Fragesteller	24.09.2012 | 16:03
Dennoch habe ich eine weitere Frage:
Wie ist es mit der Beleidigung der Frau an meine Frau über mich anzusehen. "krankhaft eifersüchtiger Mann", "keine Eier in der Hose".
Des Weiteren wundert mich, dass doch seit 2004 "Grabschen" strafbei ist?!
Ich habe bei der Polizei angerufen und einmal nachgefragt (vorher), diese teilte mir mit, die Strafanzeige hierzu bei der Polizei aufzugeben ist.
Antwort auf die Nachfrage vom Anwalt 24.09.2012 | 18:38
Hinsichtlich der Äußerungen, die die Frau gegenüber Ihrer Ehefrau über Sie getätigt hat, könnte es sich tatbestandlich um eine Beleidigung i. S. d. § 185 StGB handeln, wobei ich dies mangels genauer Kenntnis der Nachrichten nicht abschließend beurteilen kann.
Eine Beleidigung setzt grundsätzlich einen rechtswidrigen Angriff auf die Ehre eines anderen durch vorsätzliche Kundgabe der Missachtung oder Nichtachtung voraus (BGH 1, 289; 11, 67).
Ihnen bleibt selbstverständlich unbenommen, hier einen entsprechenden Strafantrag bei der Polizei zu stellen, wobei hierbei zu beachten, dass die Tat nach § 194 Abs. 1 S. 1 StGB nur auf Antrag verfolgt und die Antragsfrist insoweit gemäß § 77 b Abs. 1 S. 1 StGB drei Monate beträgt.
Ob die Staatsanwaltschaft, die im Falle einer Strafanzeige ermitteln würde, letztlich einen hinreichenden Tatverdacht nach § 170 Abs. 1 StGB bejaht und Anklage erhebt, vermag ich jedoch nicht zu beurteilen.
Hinsichtlich des "Grabschens an den Po" ist eine Strafbarkeit - wie oben ausgeführt - in der Rechtsprechung umstritten. Insoweit verneint die herrschende Meinung jedoch bei überraschenden sexualbezogenen körperlichen Berührungen („Grabschereien") eine sexualbezogene Beleidigung (Fischer, § 185 StGB Rn 11 c).
Natürlich bleibt es Ihrer Frau auch hier freigestellt, einen entsprechenden Strafantrag innerhalb der zu beachtenden dreimonatigen Antragsfrist des § 77 b Abs. 1 S. 1 StGB zu stellen. Insoweit wäre diese Strafanzeige bei der Polizei aufzugeben, was Ihnen diese auch richtigerweise mitgeteilt hat. Hierbei ist jedoch zu beachten, dass nicht die Polizei, sondern die Staatsanwaltschaft das Ermittlungsverfahren führt (§ 160 Abs. 1 StPO), so dass auch nur die Staatsanwaltschaft letztlich über eine etwaige Anklageerhebung oder Einstellung des Verfahrens entscheidet.
Ergänzung vom Anwalt 24.09.2012 | 19:09
Im drittletzten Absatz muss es richtigerweise lauten:
"...hinreichenden Tatverdacht nach § 170 Abs. 1 StPO bejaht..."
Bewertung des Fragestellers 25.09.2012 | 10:40
FRAGESTELLER 25.09.2012 4,6/5,0
Einmietbetrug strafbar ?
Strafbares Handeln?