Source: https://www.ris.bka.gv.at/JustizEntscheidung.wxe?Abfrage=Justiz&Dokumentnummer=JJT_20151112_OGH0002_0090OB00027_15H0000_000&IncludeSelf=True
Timestamp: 2020-01-24 12:04:08
Document Index: 135799423

Matched Legal Cases: ['OGH', '§38', 'OGH', 'OGH', 'OGH', '§290', '§19', 'OGH', 'OGH', 'OGH', 'OGH', 'OGH', 'OGH', 'OGH', 'OGH', 'OGH', 'OGH', 'OGH', 'OGH', 'OGH', 'OGH', 'OGH', 'OGH', 'OGH', 'OGH', 'OGH', 'OGH', 'OGH', '§ 6', 'OGH', '§ 6', 'OGH', '§ 19', '§ 33', 'OGH', 'OGH', '§ 57', '§ 20', 'OGH', 'OGH', 'OGH', 'OGH', 'OGH', '§503', 'OGH', 'OGH', 'OGH', 'OGH', '§ 292', 'OGH', 'OGH', 'OGH', '§ 292', 'OGH', 'OGH', '§1311', '§19', 'OGH', 'OGH', 'OGH', '§ 17', 'OGH', 'OGH', 'OGH', '§ 11', 'OGH', 'OGH', 'OGH', '§ 20', 'OGH', '§ 21', '§ 22', 'OGH', '§ 93', 'OGH', 'OGH', 'OGH', 'OGH', 'OGH', 'OGH', 'OGH', 'OGH', 'OGH', 'OGH', 'OGH', '§ 8', '§ 101', '§ 101', 'OGH', 'OGH', '§ 76', '§ 69', 'OGH', 'OGH', '§ 102', 'OGH', 'Art 4', '§ 1', 'OGH', 'OGH', '§947', 'OGH', 'OGH', 'OGH', '§48', '§48', '§ 48', '§ 48', '§ 48', '§ 48', '§ 9', '§ 337', '§ 48', '§ 48', 'OGH', 'OGH', '§292', '§79', '§ 292', 'OGH', 'OGH', '§ 1311', '§ 48', '§ 1311', '§ 48', '§ 292', '§ 276', '§ 266', '§ 46', '§ 351', '§ 292', '§ 266', '§ 301', '§ 292', '§ 292', '§ 292', '§ 292', '§ 292', '§ 292', '§ 48', '§ 48', '§ 48', '§ 502', '§ 41', '§ 519', '§ 52', 'OGH', 'OGH']

RIS - Rechtssätze und Entscheidungstext 9Ob27/15h - Justiz (OGH, OLG, LG, BG, OPMS, AUSL)
Rechtssatz für Bkd64/75 1Ob39/15i 9Ob2...
RS0056185
Bkd64/75; 1Ob39/15i; 9Ob27/15h; 6Ob111/15i
DSt 1872 §38
Der Grundsatz der Unmittelbarkeit ist "kein Gut an sich, kein sogenannter Selbstzweck".
Bkd 64/75
Entscheidungstext OGH 28.06.1976 Bkd 64/75
Auch; Beisatz: Hier: Sachliche Unmittelbarkeit nach der ZPO. Zur Frage der Verwertbarkeit eines Prüfberichts der OeNB. (T1);
ECLI:AT:OGH0002:1976:RS0056185
JJR_19760628_OGH0002_000BKD00064_7500000_004
Rechtssatz für 8Ob504/78 5Ob517/79 1Ob...
RS0036981
8Ob504/78; 5Ob517/79; 1Ob767/80; 2Ob532/81; 4Ob509/83; 3Ob532/83 (3Ob533/83 -3Ob538/83); 8Ob570/85; 2Ob545/85; 10ObS63/89; 3Ob1503/91; 9ObA117/91; 1Ob616/91; 8Ob632/92; 4Ob45/95; 4Ob504/96; 8Ob2135/96w; 2Ob2024/96b; 8Ob43/97z; 3Ob112/97k; 8ObA252/97k; 9ObA287/00x; 9ObA22/01b; 10ObS25/01a; 5Ob117/01v; 6Ob77/01v; 3Ob168/02f; 3Ob5/03m; 6Ob131/03p; 4Ob209/03v; 10ObS185/03h; 6Ob84/05d; 10ObS98/05t; 4Ob198/05d; 9Ob15/06f; 3Ob131/05v; 2Ob282/05t; 4Ob192/06y; 10Ob23/07s; 3Ob56/07t; 9ObA65/07k; 8Ob50/07x; 2Ob210/07g; 5Ob56/08h; 5Ob187/07x (5Ob188/07v); 5Ob118/08a; 2Ob171/08y; 5Ob11/09t; 5Ob220/08a; 6Ob27/10d; 5Ob225/10i; 3Ob206/10f; 5Ob226/10m; 5Ob228/10f; 5Ob229/10b; 5Ob60/11a; 9Ob83/10m; 7Ob55/12g; 5Ob161/12f; 10ObS22/13b; 1Ob127/13b; 10ObS152/13w; 5Ob2/14a; 9Ob3/14b; 2Ob79/13a; 5Ob13/15w; 2Ob71/15b; 1Ob161/15f; 1Ob127/15f; 9Ob27/15h; 5Ob239/15f; 10ObS21/17m; 6Ob124/16b; 7Ob225/16p; 9ObA108/17y; 6Ob199/18k; 10ObS22/19m; 10ObS35/19y; 10ObS25/19b; 10ObS20/19t; 10ObS15/19g; 4Ob28/19z; 10ObS5/19m
ZPO §290 D7
FBG §19
Gerichte sind an rechtskräftige Bescheide der Verwaltungsbehörden gebunden, und zwar selbst dann, wenn diese Verfügungen unvollständig oder fehlerhaft sein sollten; eine inhaltliche Überprüfung eines Verwaltungsbescheides durch das Gericht hat nicht stattzufinden.
Beisatz: Zuteilung eines Sprengelrichters. (T1) Veröff: JBl 1980,320
1 Ob 767/80
Entscheidungstext OGH 26.11.1980 1 Ob 767/80
Beisatz: Es sei denn, dass sich aus dieser Fehlerhaftigkeit zugleich auch die Qualifikation als Nichtakt oder absolut nichtiger Verwaltungsakt ergibt. (T2)
2 Ob 532/81
Entscheidungstext OGH 12.01.1982 2 Ob 532/81
4 Ob 509/83
Entscheidungstext OGH 22.02.1983 4 Ob 509/83
3 Ob 532/83
Entscheidungstext OGH 25.01.1984 3 Ob 532/83
Beisatz: Hier: Enteignungsbescheid (T3) Veröff: SZ 57/23
2 Ob 545/85
Entscheidungstext OGH 16.12.1986 2 Ob 545/85
nur: Gerichte sind an rechtskräftige Bescheide der Verwaltungsbehörden gebunden, und zwar selbst dann, wenn diese Verfügungen unvollständig oder fehlerhaft sein sollten. (T4) Veröff: WBl 1987,94 = ÖBA 1987,650; hiezu ÖBA 1987,604 = RdW 1987,291
10 ObS 63/89
Entscheidungstext OGH 07.03.1989 10 ObS 63/89
Veröff: SSV-NF 3/31
3 Ob 1503/91
Entscheidungstext OGH 23.01.1991 3 Ob 1503/91
Beis wie T2; Beisatz: Übereinstimmend wird aber eine Bindung an rechtsgestaltende Bescheide, also solche, die selbst eine neue Rechtslage schaffen, unter der Voraussetzung bejaht, dass sie nicht absolut nichtig sind. (T5) Veröff: SZ 64/98 = JBl 1992,664 = ecolex 1991,799
Auch; nur T4; Veröff: SZ 65/13 = JBl 1992,392
8 Ob 632/92
Entscheidungstext OGH 22.10.1992 8 Ob 632/92
Auch; Beisatz: Derartige Bescheide binden den Zivilrichter infolge der gegen jedermann wirksamen Änderung der Rechtslage. Das entspricht der "Tatbestandswirkung" des Urteils. (T6)
4 Ob 504/96
Entscheidungstext OGH 30.01.1996 4 Ob 504/96
nur: Gerichte sind an rechtskräftige Bescheide der Verwaltungsbehörden gebunden. (T7)
8 Ob 2135/96w
Entscheidungstext OGH 29.08.1996 8 Ob 2135/96w
8 Ob 43/97z
Entscheidungstext OGH 13.03.1997 8 Ob 43/97z
3 Ob 112/97k
Entscheidungstext OGH 26.03.1997 3 Ob 112/97k
nur T7; Veröff: SZ 70/51
8 ObA 252/97k
Entscheidungstext OGH 11.12.1997 8 ObA 252/97k
Vgl auch; Beisatz: Die Bindung der Gerichte an rechtsgestaltende Bescheide der Verwaltungsbehörde bezieht sich nur auf den Spruch über den Bescheidgegenstand. (T8)
Vgl aber; Beisatz: Die Bindung der Gerichte an die Bescheide der Verwaltungsbehörde umfasst nicht die auf einen bestimmten Sachverhalt gestützte Beurteilung der Rechtsfrage. (T9)
Vgl; Beis wie T5; Beis wie T6 nur: Derartige Bescheide binden den Zivilrichter infolge der gegen jedermann wirksamen Änderung der Rechtslage. (T10); Veröff: SZ 74/48
6 Ob 77/01v
Entscheidungstext OGH 20.12.2001 6 Ob 77/01v
Auch; Beis ähnlich wie T5; Beisatz: Die Bindung an Verwaltungsakte schließt auch die Prüfung aus, ob diese durch das Gesetz noch gedeckt sind. (T11)
3 Ob 5/03m
Entscheidungstext OGH 22.10.2003 3 Ob 5/03m
nur T4; Beis wie T2; Beisatz: Im gerichtlichen Verfahren ist auch nicht zu prüfen, ob einer Partei des späteren Zivilprozesses die Parteistellung in einem (präjudiziellen) Verwaltungsverfahren zu Recht verwehrt wurde. (T12)
Auch; Beis wie T2; Beis wie T5; Beis wie T6; Beisatz: An die in einem Bescheid deklarativ zum Ausdruck kommende Rechtsauffassung einer Verwaltungsbehörde ist das Gericht nicht gebunden. (T13)
Beisatz: Der Zivilrichter hat den Bescheid nicht auf seine inhaltliche Richtigkeit zu überprüfen und die Änderung der Rechtslage wie beispielsweise eine „Tatbestandswirkung" eines Gerichtsurteils zu berücksichtigen. Bindungswirkung entfaltet nur der Spruch rechtsgestaltender Bescheide der Verwaltungsbehörden, nicht aber die auf einen bestimmten Sachverhalt gestützte Beurteilung der Rechtsfrage und die Begründung. Hier: Nur die Rechtskraft der Baubewilligung steht verbindlich fest, nicht aber die für den Rechtsstreit über die Wegeservitut maßgebliche Frage, ob das Bauwerk der vertraglich festgelegten Bauweise „E+1" entspricht. (T14)
10 ObS 98/05t
Entscheidungstext OGH 08.11.2005 10 ObS 98/05t
nur T7; Veröff: SZ 2005/163
4 Ob 198/05d
Entscheidungstext OGH 14.03.2006 4 Ob 198/05d
nur T4; Beisatz: Eine Ausnahme besteht nur für einen sogenannten „absolut nichtigen" Verwaltungsakt. Ein solcher ist aber im vorliegenden Fall nach den von der Judikatur aufgestellten Kriterien auszuschließen. Wenn ein Enteignungsbescheid in Rechtskraft erwachsen ist, kommt allein dem Umstand seines rechtswidrigen Zustandekommens für die Beurteilung der zivilrechtlichen Bindungswirkung keine maßgebliche Bedeutung zu. (T15)
3 Ob 131/05v
Entscheidungstext OGH 13.09.2006 3 Ob 131/05v
nur T7; Beisatz: Hier: Die Rechtskraft des Bescheides wurde weder behauptet noch festgestellt. (T16)
Auch; nur T7; Beis wie T5; Beis wie T6; Beis wie T10; Beisatz: Dem Umstand, dass der Antragsgegner die Aufhebung des Enteignungsbescheides beantragt und gegen die ablehnenden Entscheidungen der Verwaltungsbehörden Beschwerde beim Verfassungsgerichtshof erhoben hat, kommt keine die Bindung verhindernde Wirkung zu. (T17)
Vgl aber; Beisatz: Dritte, die am Verwaltungsverfahren nicht beteiligt waren, können (abgesehen von einer Rechtskrafterstreckung, etwa bei Rechtsnachfolge) nur durch die Gestaltungs- oder Tatbestandswirkung eines Bescheids gebunden sein. (T18); Veröff: SZ 2006/172
3 Ob 56/07t
Entscheidungstext OGH 29.03.2007 3 Ob 56/07t
Beis wie T8; Beisatz: Hier: Bescheid der Grundverkehrsbehörde. (T19)
9 ObA 65/07k
Entscheidungstext OGH 08.08.2007 9 ObA 65/07k
Auch; nur: Gerichte sind an rechtskräftige Bescheide der Verwaltungsbehörden gebunden, und zwar selbst dann, wenn diese Verfügungen fehlerhaft sein sollten. (T20)
Auch; Beis wie T6; Beisatz: Auch wenn ein Bescheid einer Finanzbehörde noch nicht in Rechtskraft erwachsen ist, ändert dies nichts daran, dass dadurch eine für die Zivilgerichte maßgebliche und ihrer Entscheidung zugrundezulegende Rechtslage geschaffen worden ist. (T21)
Vgl auch; Beisatz: Die Bindung der Zivilgerichte an Entscheidungen der Verwaltungsbehörde setzt grundsätzlich deren Rechtskraft voraus. (T22)
Beisatz: Hier: Grundverkehrsrechtlicher Genehmigungsbescheid im Grundbuchsverfahren. (T23)
nur T7; Beisatz: Dass noch eine Beschwerde beim Verwaltungsgerichtshof gegen die Entscheidung der Verwaltungsbehörde zweiter Instanz behängt und diese die amtswegige Exekution ihres Bescheids aufgeschoben hat, ändert daran nichts. (T24)
2 Ob 171/08y
Entscheidungstext OGH 30.10.2008 2 Ob 171/08y
nur: Eine inhaltliche Überprüfung eines Verwaltungsbescheides durch das Gericht hat nicht stattzufinden. (T25)
Bem: Hier: Bescheid der Schlichtungsstelle nach § 6 Abs 1 MRG. (T26)
5 Ob 220/08a
Entscheidungstext OGH 10.02.2009 5 Ob 220/08a
nur T4; Beisatz: Diese Bindung schließt auch die Prüfung aus, ob diese durch das Gesetz gedeckt sind. (T27)
Beisatz: Eine Ausnahme besteht nur für sogenannte „absolut nichtige" Verwaltungsakte. (T28)
Bem: Hier: Bescheid der Schlichtungsstelle nach § 6 Abs 2 MRG. (T29)
6 Ob 27/10d
Entscheidungstext OGH 19.03.2010 6 Ob 27/10d
Auch; Beisatz: Bindungsfragen können nur bei Vorliegen einer rechtskräftigen Entscheidung auftreten. Im Zivilverfahren besteht keine Pflicht zur Unterbrechung des Verfahrens bis zum Ausgang eines präjudiziellen Verwaltungsverfahrens; § 19 FBG sieht vielmehr lediglich eine fakultative Unterbrechung vor. (T30)
Beisatz: Hier: Grundverkehrsrechtlicher Genehmigungsbescheid im Firmenbuchverfahren. (T31)
Vgl auch; Beisatz: Die rechtliche Unmöglichkeit einer Leistung aufgrund eines Untersagungsbescheids besteht grundsätzlich erst mit Rechtskraft des Verwaltungsbescheids. (T32)
Auch; nur T7; Beis wie T18
Auch; nur T7; nur T25; Beis ähnlich wie T6; Beisatz: Hier: Bescheid der Agrarbehörde nach § 33 Abs 2 lit c Z 2 Tir FLG. (T33)
Auch; nur T7; nur T25; Beis ähnlich wie T6; Beis wie T33
9 Ob 83/10m
Entscheidungstext OGH 25.10.2011 9 Ob 83/10m
Auch; Beisatz: Eine inhaltliche Überprüfung des Bescheides der Agrarbehörde kommt im Grundbuchverfahren nicht in Betracht. (T34) Beisatz: Hier: Bescheid über die agrarbehördliche Bewilligung der Ablöse von Einforstungsrechten nach dem sbg EinforstungsrechteG. (T35)
10 ObS 22/13b
Entscheidungstext OGH 16.04.2013 10 ObS 22/13b
Vgl aber; Beis wie T9; Beis wie T14; Veröff: SZ 2013/78
nur: Gerichte sind an rechtskräftige Bescheide der Verwaltungsbehörden gebunden. (T36)
Beis wie T13; Beis wie T18; Veröff: SZ 2013/127
Auch; Beisatz: Bescheid der nach § 57 Steiermärkisches Zusammenlegungsgesetz 1982 ‑ StZLG 1982 mit diesem Gesuch zuvor befassten Agrarbehörde. (T37)
Auch; Beisatz: Hier: Enteignungsbescheid im Einspruchsverfahren nach § 20 Abs 1 LiegTeilG. (T38)
Vgl; Veröff: SZ 2015/55
Beis wie T11; Beis wie T27
Beis ähnlich wie T17; Beis ähnlich wie T24; Bem: Mit ausführlicher Auseinandersetzung zur Frage, wann eine verwaltungsbehördliche Entscheidung nach der Verwaltungsgerichtsbarkeits-Novelle 2012 rechtskräftig wird. (T39); Veröff: SZ 2015/127
AUch; nur T7; Beis wie T18; nur: Dritte, die am Verwaltungsverfahren nicht beteiligt waren, können nur durch die Gestaltungs- oder Tatbestandswirkung eines Bescheids gebunden sein. (T40)
6 Ob 124/16b
Entscheidungstext OGH 29.05.2017 6 Ob 124/16b
7 Ob 225/16p
Entscheidungstext OGH 14.06.2017 7 Ob 225/16p
10 ObS 5/19m
Entscheidungstext OGH 25.06.2019 10 ObS 5/19m
ECLI:AT:OGH0002:1978:RS0036981
JJR_19780517_OGH0002_0080OB00504_7800000_002
Rechtssatz für 5Ob305/79 2Nd25/92 1Ob3...
RS0041499
5Ob305/79; 2Nd25/92; 1Ob39/15i; 9Ob27/15h; 6Ob111/15i
ZPO §503 C2c
Der im Zivilprozess herrschende Unmittelbarkeitsgrundsatz ist verzichtbar.
5 Ob 305/79
Entscheidungstext OGH 27.03.1979 5 Ob 305/79
2 Nd 25/92
Entscheidungstext OGH 14.10.1992 2 Nd 25/92
Auch; Beisatz: Hier: Sachliche Unmittelbarkeit. Zur Frage der Verwertbarkeit eines Prüfberichts der OeNB. (T1); Veröff: SZ 2015/115
ECLI:AT:OGH0002:1979:RS0041499
JJR_19790327_OGH0002_0050OB00305_7900000_001
Rechtssatz für 10ObS185/93 10ObS102/94...
RS0040496
10ObS185/93; 10ObS102/94; 10ObS103/94; 9Ob27/15h; 6Ob98/15b
Auch wenn der Beweis durch Vorlage einer öffentlichen Urkunde angetreten wird, ist nach § 292 Abs 2 ZPO der Beweis der Unrichtigkeit des bezeugten Vorganges oder der bezeugten Tatsache oder der unrichtigen Beurkundung zulässig.
10 ObS 185/93
Entscheidungstext OGH 22.03.1994 10 ObS 185/93
Veröff: SZ 67/46
10 ObS 102/94
Entscheidungstext OGH 26.04.1994 10 ObS 102/94
10 ObS 103/94
Entscheidungstext OGH 11.05.1994 10 ObS 103/94
Beisatz: Aus § 292 Abs 2 ZPO ergibt sich, dass nur der Beweis der Unrichtigkeit der Verfügung oder Erklärung ausgeschlossen ist, während der Gegner des Beweisführers den Beweis der Unrichtigkeit des bezeugten Vorgangs oder der bezeugten Tatsache führen oder beweisen kann, dass die Beurkundung unrichtig ist. (T1)
Beisatz: Die materielle (innere) Beweiskraft von Urkunden wird durch keine besonderen Vorschriften festgelegt, sondern unterliegt der freien Beweiswürdigung. (T2)
Beisatz: Hier: Zur Verwertbarkeit eines UVS-Bescheids. (T3)
ECLI:AT:OGH0002:1994:RS0040496
JJR_19940322_OGH0002_010OBS00185_9300000_002
Rechtssatz für 2Ob181/97z 2Ob76/97h 2O...
RS0112234
2Ob181/97z; 2Ob76/97h; 2Ob218/98t; 2Ob304/99s; 7Ob82/00k; 2Ob36/00h; 2Ob15/01x; 7Ob276/03v; 2Ob230/04v; 6Ob119/05a; 2Ob15/05m; 2Ob279/05a; 2Ob130/06s; 10Ob35/06d; 2Ob99/06g; 2Ob123/06m; 2Ob52/07x; 2Ob174/06m; 2Ob197/07w; 2Ob283/06s; 2Ob21/07p; 2Ob146/07w; 2Ob18/08y; 2Ob154/08y; 2Ob123/08i; 5Ob276/08m; 2Ob23/09k; 2Ob119/09b; 2Ob205/09z; 2Ob109/10h; 2Ob63/11w; 2Ob152/11h; 2Ob37/12y; 2Ob177/11k; 4Ob46/12m; 2Ob19/12a; 9ObA135/12m; 2Ob211/12m; 2Ob212/13k; 2Ob13/14x; 2Ob242/14y; 4Ob239/14x; 3Ob29/15h; 2Ob177/14i; 1Ob39/15i; 9Ob27/15h; 8Ob117/15m; 6Ob98/15b; 2Ob30/16z; 2Ob181/16f; 2Ob117/16v; 2Ob243/16y; 8Ob57/17s; 2Ob167/17y; 6Ob118/18y; 2Ob222/17m; 2Ob35/18p
ABGB §1311 II
StVO §19 AIIa
Wird ein Schadenersatzanspruch auf die Verletzung eines Schutzgesetzes gestützt, dann hat der Geschädigte den Schadenseintritt und die Verletzung des Schutzgesetzes als solche zu beweisen. Für Letzteres reicht der Nachweis aus, dass die Schutznorm objektiv übertreten wurde. Der Geschädigte hat demnach den vom Schutzgesetz erfassten Tatbestand, hier also das Bestehen eines Vorrangverhältnisses, zu beweisen; das setzt die Klärung der Frage voraus, welches Fahrzeug aus welcher Straße kam und in welchem Verhältnis die betreffenden Verkehrsflächen zueinander stehen. Da der Erstbeklagte von einem Parkplatz in eine Bundesstraße einfuhr, ist dem Kläger der ihm obliegende Beweis einer Schutzgesetzverletzung gelungen. Ob die Schutzgesetzverletzung auch rechtswidrig ist, ergibt sich erst aus dem Vorliegen eines objektiven Sorgfaltsverstoßes. Den Nachweis, dass ihm die objektive Übertretung des Schutzgesetzes nicht als schutzgesetzbezogenes Verhaltensunrecht anzulasten ist, hat jedoch der Schädiger zu erbringen.
2 Ob 181/97z
Entscheidungstext OGH 01.07.1999 2 Ob 181/97z
2 Ob 76/97h
Entscheidungstext OGH 02.09.1999 2 Ob 76/97h
Beisatz: Der Schädiger den Beweis dafür zu erbringen hat, dass ihn an der Übertretung des Schutzgesetzes kein Verschulden trifft. (T1)
2 Ob 218/98t
Entscheidungstext OGH 23.09.1999 2 Ob 218/98t
nur: Wird ein Schadenersatzanspruch auf die Verletzung eines Schutzgesetzes gestützt, dann hat der Geschädigte den Schadenseintritt und die Verletzung des Schutzgesetzes als solche zu beweisen. Für Letzteres reicht der Nachweis aus, dass die Schutznorm objektiv übertreten wurde. Der Geschädigte hat demnach den vom Schutzgesetz erfassten Tatbestand zu beweisen. Den Nachweis, dass ihm die objektive Übertretung des Schutzgesetzes nicht als schutzgesetzbezogenes Verhaltensunrecht anzulasten ist, hat jedoch der Schädiger zu erbringen. (T2)
Beisatz: Hier: § 17 StVO. (T3)
2 Ob 304/99s
Entscheidungstext OGH 04.11.1999 2 Ob 304/99s
7 Ob 82/00k
Entscheidungstext OGH 29.05.2000 7 Ob 82/00k
2 Ob 36/00h
Entscheidungstext OGH 23.11.2000 2 Ob 36/00h
Auch; Beis wie T1; Beisatz: Hier: § 11 StVO. (T4)
2 Ob 15/01x
Entscheidungstext OGH 25.01.2001 2 Ob 15/01x
7 Ob 276/03v
Entscheidungstext OGH 14.01.2004 7 Ob 276/03v
Beisatz: Der Geschädigte braucht bloß die objektive Übertretung einer Schutznorm durch den Schädiger zu beweisen. Dem Schädiger ist dann aber der Beweis oblegen, dass er sich entweder vorschriftsmäßig verhalten hat oder dass der Schaden auch im Falle vorschriftsmäßigen Verhaltens eingetreten wäre (rechtmäßiges Alternativverhalten) oder ihn an der Übertretung dieses Schutzgesetzes keine subjektive Sorgfaltswidrigkeit, also kein Verschulden, traf (hier: Unfall auf einer Sommerrodelbahn). (T5)
2 Ob 230/04v
Entscheidungstext OGH 04.11.2004 2 Ob 230/04v
Auch; Beisatz: Hier: § 20 PMG. (T6)
6 Ob 119/05a
Entscheidungstext OGH 06.10.2005 6 Ob 119/05a
Vgl auch; Beisatz: Erwägungen zum rechtmäßigen Alternativverhalten eines in Betracht kommenden Rückersatzpflichtigen sind im Rückersatzverfahren nicht von Amts wegen anzustellen. Hier: § 21 UVG, § 22 UVG. (T7)
2 Ob 15/05m
Entscheidungstext OGH 19.01.2006 2 Ob 15/05m
Auch; Beisatz: Der Schädiger hat zu beweisen, dass ihm die objektive Übertretung der Schutznorm nicht als schutzbezogenes Verhaltensunrecht anzulasten ist. (T8)
Auch; Beis wie T5; Beisatz: Hier: Streupflicht gemäß § 93 StVO. (T9)
2 Ob 99/06g
Entscheidungstext OGH 30.11.2006 2 Ob 99/06g
Auch; Beisatz: Hier: Die Fahrbahn im Bereich der Unfallstelle wurde durch ein vom Bestandobjekt der beklagten Partei austretendes Gemisch aus Wasser und gebrauchtem Speiseöl verunreinigt, was die Ursache des Verkehrsunfalles war. (T10)
2 Ob 197/07w
Entscheidungstext OGH 18.10.2007 2 Ob 197/07w
nur T2; Beis wie T5; Veröff: SZ 2007/148
2 Ob 21/07p
Entscheidungstext OGH 17.12.2007 2 Ob 21/07p
nur T2; Beis wie T5 nur: Dem Schädiger ist der Beweis oblegen, dass er sich trotz objektiver Übertretung einer Schutznorm vorschriftsmäßig verhalten hat. (T11)
2 Ob 146/07w
Entscheidungstext OGH 14.02.2008 2 Ob 146/07w
Auch; nur: Wird ein Schadenersatzanspruch auf die Verletzung eines Schutzgesetzes gestützt, dann hat der Geschädigte den Schadenseintritt und die Verletzung des Schutzgesetzes als solche zu beweisen. (T12)
nur: Für Letzteres reicht der Nachweis aus, dass die Schutznorm objektiv übertreten wurde. (T13)
Vgl auch; Beis wie T5 nur: Dem Schädiger ist dann aber der Beweis oblegen, dass der Schaden auch im Falle vorschriftsmäßigen Verhaltens eingetreten wäre (rechtmäßiges Alternativverhalten). (T14)
Auch; Beisatz: Es fehlt ein Vorbringen des Klägers im erstinstanzlichen Verfahren, das die Geltung der angeblich verletzten Schutznorm annehmen ließe. (T15)
2 Ob 23/09k
Entscheidungstext OGH 03.09.2009 2 Ob 23/09k
nur T12; nur T13
Auch; nur T12; nur T13; Beis wie T11
2 Ob 205/09z
Entscheidungstext OGH 28.01.2010 2 Ob 205/09z
Auch; Auch Beis wie T5; Beis wie T14
2 Ob 109/10h
Entscheidungstext OGH 17.02.2011 2 Ob 109/10h
Auch; Beis wie T1; Beis wie T5; Beis wie T8; Beis wie T14
Vgl; Beis wie T1; Auch Beis wie T14; Beisatz: Hier: Beweis, dass sich der Unfall bei Tragen der Brille ebenso ereignet hätte (rechtmäßiges Alternativverhalten). (T16)
Beis wie T8; Beis wie T5 nur: Dem Schädiger ist der Beweis oblegen, dass ihn an der Übertretung dieses Schutzgesetzes kein Verschulden traf. (T17)
Beisatz: Stützt der Geschädigte seinen Schadenersatzanspruch auf eine Vorrangverletzung, so hat er den von der Schutznorm erfassten Tatbestand, also das Bestehen einer Vorrangsituation nachzuweisen. (T18)
Beisatz: Die Beweislast für die Nichtwahrnehmbarkeit des anderen Fahrzeugs obliegt dem an sich Wartepflichtigen. Insoweit verbleibende Unklarheiten gehen zu seinen Lasten. (T19)
2 Ob 37/12y
Entscheidungstext OGH 24.04.2012 2 Ob 37/12y
nur T2; Vgl Beis wie T4
2 Ob 177/11k
Entscheidungstext OGH 15.05.2012 2 Ob 177/11k
Auch; Beis wie T18; Beisatz: Hier: Frage der Vorrangsituation im Zusammenhang mit zwei Einfahrten in einen Kreisverkehr. (T20)
nur: Ob die Schutzgesetzverletzung auch rechtswidrig ist, ergibt sich aus dem Vorliegen eines objektiven Sorgfaltsverstoßes. (T21) nur T12; nur T13; Veröff: SZ 2012/78
2 Ob 19/12a
Entscheidungstext OGH 20.11.2012 2 Ob 19/12a
Vgl; Beis wie T17; Veröff: SZ 2012/119
2 Ob 211/12m
Entscheidungstext OGH 19.09.2013 2 Ob 211/12m
Auch; nur T12; nur T13; Beisatz: Hier: Beweis der Arbeitgebereigenschaft der beklagten Partei bei behaupteter Verletzung der in § 8 ASchG normierten Koordinierungspflichten des Arbeitgebers. (T22); Veröff: SZ 2013/86
Auch; Beisatz: Hier: Schutznorm des § 101 Abs 1 lit e iVm § 101 Abs 1a KFG. (T23)
2 Ob 242/14y
Entscheidungstext OGH 22.01.2015 2 Ob 242/14y
Auch; Beisatz: Irreführende Ad‑hoc‑Meldung. (T24)
3 Ob 29/15h
Entscheidungstext OGH 21.04.2015 3 Ob 29/15h
Auch; nur: Wird ein Schadenersatzanspruch auf die Verletzung eines Schutzgesetzes gestützt, dann hat der Geschädigte den Schadenseintritt und die Verletzung des Schutzgesetzes als solche zu beweisen. Für Letzteres reicht der Nachweis aus, dass die Schutznorm objektiv übertreten wurde. Der Geschädigte hat demnach den vom Schutzgesetz erfassten Tatbestand zu beweisen. (T25)
Beisatz: Hier: Mitverschulden wegen Verstoßes gegen § 76 Abs 5 StVO. (T26)
nur T12; nur T13; Beis wie T8; Beis wie T24; Veröff: SZ 2015/115
Auch; Beisatz: Hier: § 69 Abs 1 KO (nunmehr IO). (T27); Veröff: SZ 2017/69
Auch; nur T2; Beis wie T24
2 Ob 30/16z
Entscheidungstext OGH 25.02.2016 2 Ob 30/16z
Auch; nur T2; nur T25
Auch; Beis wie T5; nur: Dem Schädiger obliegt der Beweis, dass ihn an der Übertretung des Schutzgesetzes keine subjektive Sorgfaltswidrigkeit trifft, er das Schutzgesetz also unverschuldet übertreten hat. (T28)
Auch; Beis ähnlich wie T5; Beisatz: Hier: Mitverschulden. (T29)
Vgl auch; nur T12; nur T13
2 Ob 222/17m
Entscheidungstext OGH 17.12.2018 2 Ob 222/17m
Vgl auch; beis wie T17; Beisatz: Hier: Verstoß gegen die Schutznorm des § 102 Abs 8 KFG. (T30)
2 Ob 35/18p
Entscheidungstext OGH 28.03.2019 2 Ob 35/18p
nur T12; Beisatz: Das gilt auch, wenn sich eine Beweislastumkehr hinsichtlich des Verschuldens (auch) aus anderen Normen ergibt. (T31)
Beisatz: Hier: Art 4 § 1 CUV. (T32)
ECLI:AT:OGH0002:1999:RS0112234
JJR_19990701_OGH0002_0020OB00181_97Z0000_001
Rechtssatz für 4Ob192/06y 9Ob83/10m 9O...
RS0121545
4Ob192/06y; 9Ob83/10m; 9Ob27/15h; 9ObA108/17y; 2Ob143/17v; 3Ob88/18i; 6Ob199/18k; 10ObS5/19m
ABGB §947
Dritte, die am Verwaltungsverfahren nicht beteiligt waren, können nur durch die Gestaltungs- oder Tatbestandswirkung eines Bescheids gebunden sein. Die bloße Rechtskraft allein führt noch nicht zu Wirkungen für Dritte.
nur: Dritte, die am Verwaltungsverfahren nicht beteiligt waren, können nur durch die Gestaltungs- oder Tatbestandswirkung eines Bescheids gebunden sein. (T1)
3 Ob 88/18i
Entscheidungstext OGH 21.11.2018 3 Ob 88/18i
ECLI:AT:OGH0002:2006:RS0121545
JJR_20061121_OGH0002_0040OB00192_06Y0000_001
Rechtssatz für 6Ob28/12d 8Ob104/12w 4O...
RS0127724
6Ob28/12d; 8Ob104/12w; 4Ob239/14x; 6Ob71/15g; 10Ob86/14s; 1Ob39/15i; 9Ob27/15h; 6Ob98/15b; 1Ob157/16v
BörseG §48a
BörseG §48d
Wenngleich das BörseG wegen Verletzung der Ad-Hoc-Publizitätspflicht (§ 48d Abs 1 BörseG) oder wegen marktmanipulativer Handlungen (§ 48a Abs 1 Z 2 BörseG) nur verwaltungsstrafrechtliche Sanktionen vorsieht (§ 48 Abs 1 Z 2, § 48c BörseG), die gemäß § 9 Abs 1 VStG gegen die Vorstandsmitglieder zu verhängen sind, sind diese Bestimmungen als Schutzgesetze zu qualifizieren.
Beisatz: Damit wird die für die Erfüllung der Ad‑hoc‑Publizität verantwortliche Emittentin schadenersatzpflichtig, wenn pflichtwidrig und schuldhaft Ad‑Hoc‑Mitteilungen unterlassen wurden oder diese unrichtig waren. Marktmanipulatives Verhalten von Organmitgliedern oder sonstigen Repräsentanten im Sinne des § 337 ABGB einer AG führt schon nach allgemeinen Grundsätzen zur Deliktshaftung der AG selbst. (T1)
Auch; Bem: Siehe auch RS0128527. (T2)
Auch; Beisatz: Dieser Vertrauensschutz besteht für jegliche Anlageentscheidung (vgl § 48a Abs 1 Z 1 BörseG), somit nicht nur für solche, zu welchem Preis ein Wertpapier erworben werden soll, sondern auch für die Entscheidung, ob das Wertpapier überhaupt angeschafft werden soll. (T3)
Auch; Beisatz: Der Tatbestand der Marktmanipulation im Sinne des § 48a Abs 1 Z 2 lit c BörseG liegt nicht erst bei Wissentlichkeit, sondern schon bei schuldhafter Unkenntnis, dass die Informationen falsch oder irreführend waren, vor. (so auch 9 Ob 26/14k). (T4)
Auch; Beis wie T3; Beis wie T4; Veröff: SZ 2015/115
Auch; Beisatz: Die börserechtlichen Publizitätsvorschriften sollen (auch) die durch Informationsdefizite entstehende Bildung unangemessener Marktpreise verhindern (so schon 9 Ob 26/14k ua). (T5)
ECLI:AT:OGH0002:2012:RS0127724
JJR_20120315_OGH0002_0060OB00028_12D0000_001
Rechtssatz für 1Ob39/15i 9Ob27/15h 6Ob...
RS0130497
1Ob39/15i; 9Ob27/15h; 6Ob111/15i; 6Ob98/15b; 8Ob98/15t
ZPO §292
BWG §79 Abs4
Der Prüfbericht der Österreichischen Nationalbank ist keine öffentliche Urkunde iSd § 292 ZPO. Dieser dient als (etwa nach Parteiengehör) erforderlichenfalls zu ergänzende Sachverhaltsgrundlage für etwaige von der Finanzmarktaufsicht angeordnete Verfügungen oder Erklärungen (behördliche Maßnahmen), nicht jedoch dazu, selbst bestimmte Tatsachen zu beurkunden, zu erklären bzw zu bezeugen. Der Bericht der OeNB ‑ der weder schriftliche Zeugenaussage noch Gerichtsgutachten ist und für den Zivilprozess am ehesten dem Urkundenbeweis gleichgestellt werden kann ‑ kann im Gerichtsverfahren ergänzt oder widerlegt werden.
Bem: Mit ausführlicher Begründung. (T1); Veröff: SZ 2015/115
Auch; Veröff: SZ 2016/10
Gutachten FMA Bankenaufsicht
ECLI:AT:OGH0002:2015:RS0130497
JJR_20151022_OGH0002_0010OB00039_15I0000_002
Entscheidungstext 9Ob27/15h
ecolex 2016/125 S 298 - ecolex 2016,298 = RdW 2016/239 S 320 - RdW 2016,320 = ÖBA 2017,127/2320 - ÖBA 2017/2320
9Ob27/15h
Der Oberste Gerichtshof hat als Rekursgericht durch den Senatspräsidenten des Obersten Gerichtshofs Dr. Hopf als Vorsitzenden sowie die Hofrätinnen und Hofräte des Obersten Gerichtshofs Mag. Ziegelbauer, Dr. Dehn, Dr. Hargassner und Mag. Korn in der Rechtssache der klagenden Partei F***** Limited, *****, vertreten durch Mag. Eric Breiteneder, Rechtsanwalt in Wien, gegen die beklagten Parteien 1. M***** B***** Aktiengesellschaft, *****, vertreten durch Kunz Schima Wallentin Rechtsanwälte OG in Wien, 2. Mag. S***** V*****, vertreten durch Kaan Cronenberg & Partner Rechtsanwälte in Graz, 3. A***** Limited, *****, vertreten durch CMS Reich-Rohrwig Heinz Rechtsanwälte GmbH in Wien, 4. Ö***** K***** Aktiengesellschaft, *****, vertreten durch Pöch Krassnigg Rechtsanwälte GmbH in Wien, wegen zuletzt 2.777.934,69 EUR sA, über den Rekurs der drittbeklagten Partei gegen den Beschluss des Oberlandesgerichts Wien als Berufungsgericht vom 19. Dezember 2014, GZ 1 R 173/14i-63, mit dem das Teilurteil des Handelsgerichts Wien vom 11. Juni 2014, GZ 15 Cg 76/10h-59, aufgehoben wurde, in nichtöffentlicher Sitzung den
Der Rekurs der drittbeklagten Partei wird zurückgewiesen.
Die drittbeklagte Partei ist schuldig, der klagenden Partei binnen 14 Tagen die mit 6.104,20 EUR (darin 1.017,37 EUR USt) bestimmten Kosten der Rekursbeantwortung zu ersetzen.
Das Verfahren ruht gegenüber der Erstbeklagten, ist gegen den Zweitbeklagten bis zur Erledigung des gegen ihn anhängigen Strafverfahrens unterbrochen und ist hinsichtlich der Viertbeklagten durch rechtskräftige Klagsabweisung beendet. Rekursgegenständlich ist ein Anspruch der Klägerin auf (solidarische) Haftung der Drittbeklagten für mehrere Veranlagungen, die sie zwischen 31. 7. und 21. 8. 2007 aufgrund von Ad-hoc-Meldungen der Drittbeklagten in deren Zertifikate („M*****-Zertifikate“) getätigt hatte.
Die Drittbeklagte (bis 31. 7. 2008: „M***** E***** L***** Limited“, „M*****“) ist eine Gesellschaft mit Sitz auf der Kanalinsel Jersey. Seit 2003 notieren an der Wiener Börse von der Ö***** K***** AG (Viertbeklagte) ausgestellte Zertifikate („M*****-Zertifikate“), die die von ihr gehaltenen Namensaktien der Drittbeklagten vertreten. Der Erstbeklagten war unter anderem die Platzierung dieser Zertifikate an der Börse übertragen. Darüber hinaus übernahm sie das „Market Making“, nach dem sie für eine ausreichende Liquidität im jeweiligen Zertifikatehandel und für eine stabile Kursentwicklung zu sorgen hatte. Die Platzierung und das Market Making besorgte die Erstbeklagte unter Zwischenschaltung ihrer indirekten 100%-igen Tochtergesellschaft S***** in Aruba (idF: „S*****“).
In einer Ad-hoc-Meldung vom 27. 7. 2007 gab die Drittbeklagte (auszugsweise) bekannt:
„Aktienrückkaufprogramm unterstreicht Wachstumsprognose
Vor dem Hintergrund der bis 2010 zu erwartenden jährlichen Wertsteigerung von rund 15 % sieht das Management der M***** den Titel mit einem aktuellen Kurs von rund 20 EUR sehr günstig bewertet und plant daher ein umfangreiches Aktienrückkaufprogramm, das in einer am 23. August in Wien stattfindenden a.o. Hauptversammlung beschlossen werden soll. 'Wir möchten selbst von der zu erwartenden Wertsteigerung profitieren', so F***** L*****. Vorerst plant die Gesellschaft eigene Aktien in einem Ausmaß von bis zu 10 % des Grundkapitals zu erwerben. Damit, so L*****, setze die M***** ein deutliches Signal an ihre Investoren in Hinblick auf das enorme Wachstumspotenzial der Gesellschaft.“
In einer Ad-hoc-Meldung vom 31. 7. 2007 hieß es auszugsweise:
„M***** E***** L***** bleibt weiter auf Wachstumskurs und erwartet für die kommenden drei Jahre massive Wertsteigerungen ihres Portfolios und damit einhergehend ein stabiles Wachstum ihres Net Asset Values. Anlässlich des gestrigen Kursverlaufes (Schlusskurses 15,75 EUR) gibt die Gesellschaft hiermit ihre Erwartungen für die kommenden Jahre nochmals bekannt.
Steigerung des NAV von 15 % p.a. erwartet
Bezogen auf das derzeitige Netto-Vermögen (NAV) der Gesellschaft notiert die Aktie der M***** E***** L***** derzeit mit einem Diskont von etwa 7 %. Unter Hinzurechnung des oben angeführten Wertsteigerungspotentials des Portfolios errechnet sich für die Gesellschaft bis Ende 2010 ein jährliches NAV-Wachstum von über 15 %.
Vor dem Hintergrund plant die Gesellschaft ein umfangreiches Aktienrückkaufprogramm, das in einer am 23. August in Wien stattfindenden a.o. Hauptversammlung beschlossen werden soll. Damit möchte M***** E***** L***** selbst von der zu erwartenden Wertsteigerung profitieren. Vorerst plant die Gesellschaft eigene Aktien in einem Ausmaß von bis zu 10 % des Grundkapitals zu erwerben. Damit setzt die Gesellschaft ein deutliches Signal an ihre Investoren in Hinblick auf das enorme Wachstumspotenzial der M***** E***** L*****.“
Die Klägerin, eine Immobilienprojektent-wicklungsgesellschaft, erwarb daraufhin M*****-Zertifikate, und zwar am 31. 7. 2007 30.000 Stück um 502.500 EUR, am 16. 8. 2007 50.000 Stück um 723.050 EUR, am 17. 8. 2007 36.598 Stück um 526.883,11 EUR, am 21. 8. 2007 94.000 Stück um 1.406.146 EUR und am 21. 8. 2007 75.694 Stück um 1.114.706,93 EUR.
Der wesentliche Faktor für die Investitionsentscheidung der Klägerin war, dass sie in eine Gesellschaft mit einem gesunden Wachstum investieren wollte, in der das Management an den Wert der Aktien glaubt. Durch die Ad-hoc-Meldungen wurde ihr vermittelt, dass der wahre Wert des Unternehmens über dem derzeitigen Kurs liege. Anlass für den Investitionszeitpunkt war der davor gefallene Kurs in Verbindung mit der Entscheidung des Managements, diesen Preis durch ein Aktienrückkaufprogramm wieder anzuheben.
Die Klägerin begehrte zuletzt 2.777.934,69 EUR sA mit dem Vorbringen, überzeugt gewesen zu sein, dass die Drittbeklagte vor den Investments der Klägerin erfolgreich am Kapitalmarkt agiert habe, zumal sie noch im Februar 2007 vermeldet habe, eine Kapitalerhöhung im Umfang von 1,4 Mrd EUR am Kapitalmarkt platziert zu haben. Sie habe sich auf die Richtigkeit der Angaben in den Ad-hoc-Meldungen verlassen und sei davon ausgegangen, dass mit dem Aktienrückkaufprogramm dem Kursverfall der Wertpapiere entgegengewirkt werden sollte. Die Meldungen seien unrichtig gewesen, weil das geheime Rückkaufprogramm über 88,5 Mio Stück M*****-Zertifikate tatsächlich bereits nahezu abgeschlossen gewesen sei, was die Drittbeklagte auch gewusst habe. Bei korrekter Meldung hätte die Klägerin die Zertifikate nicht erworben. Das - sowohl nach österreichischem wie auch nach Jersey-Recht unzulässige - Rückkaufprogramm habe die Erstbeklagte im Auftrag und auf Rechnung der Drittbeklagten mit deren Wissen und dem ihrer Organe durchgeführt. Die unrichtigen Ad-hoc-Meldungen seien von der Erstbeklagten verfasst und vom Zweitbeklagten als Finanzvorstand (CFO) der Drittbeklagten „final freigegeben“ worden. Die Drittbeklagte „bzw“ deren Organe ***** R*****, ***** K***** und ***** S***** - deren Wissen der Drittbeklagten zurechenbar wäre - seien wegen Marktmanipulation im streitgegenständlichen Zusammenhang verurteilt worden; diese Board Member hätten sich „schuldhaft passiv“ verhalten und die Irreführung der Klägerin durch Angestellte der Erstbeklagten nicht verhindert. Sie und damit auch die Drittbeklagte hätten wissentlich gehandelt. Nach dem mit Erkenntnis des Verwaltungsgerichtshofs vom 16. 5. 2011, *****, rechtskräftigen Bescheid des UVS Wien habe die Drittbeklagte am 27. 7. 2007 Marktmanipulation betrieben, indem sie Informationen verbreitet habe, die irreführende Signale in Bezug auf die zum amtlichen Handel an der Wiener Börse zugelassenen Wertpapiere der M***** gegeben hätten bzw geben gekonnt hätten; dies entfalte „auf Tatbestandsebene“ gegenüber den Beklagten Bindungswirkung. Erst-, Zweit- und Drittbeklagte hätten gewusst, dass das geheime Rückkaufprogramm von 9. 2. 2007 bis 31. 7. 2007 durchgeführt worden sei; sie würden der Klägerin gemäß § 1311 ABGB iVm § 48a Abs 1 Z 2 lit c BörseG haften. Die Drittbeklagte als Emittentin der Zertifikate würde auch gemäß § 1311 ABGB iVm § 48d Abs 1 BörseG haften.
Die Drittbeklagte bestritt, beantragte die Abweisung der Klage und brachte - soweit rekursverfahrenrelevant - zusammengefasst vor, die Ad-hoc-Meldungen seien nicht von ihr erstattet worden und ihr nicht zuzurechnen. Am zu VwGH 16. 5. 2011, *****, durchgeführten Verfahren sei sie nicht beteiligt gewesen, es bestehe keine Bindungswirkung. Für die Behauptung, die Drittbeklagte hätte von den behaupteten Rückkäufen gewusst oder davon wissen müssen, sei die Klägerin beweispflichtig. Beschlüsse der Hauptversammlung der Drittbeklagten seien im Zeitpunkt der Ankäufe der Klägerin noch nicht gefasst gewesen. Tatsächlich habe die Klägerin auf ein zukünftiges positives Ergebnis durch das Management vertraut, was sich nur nicht eingestellt habe und die Verluste nicht wieder auszugleichen gewesen wären. Tatsächlich wären für Rückkäufe von Jänner bis Juli 2007 die kurzfristig in einen E***** Fund B.V. investierten liquiden Mittel der Drittbeklagten von 2 Mrd EUR missbraucht worden. Die J***** M***** F***** N.V., eine „Gesellschaft der M*****-Gruppe“ in Curaçao, als Verwalterin dieses Fonds und die Erstbeklagte als Depotbank und Submanagerin hätten für den Fonds - widmungswidrig und ohne Information, Wissen, Auftrag, Zustimmung oder Genehmigung des Boards der Drittbeklagten - statt Staatsanleihen massiv und zuletzt fast ausschließlich Anleihen der S***** in Höhe von 1,8 Mrd EUR angeschafft. Die S***** sei durch die Erstbeklagte als Market Maker bestellt worden und habe in deren Auftrag ohne Wissen und Wollen der Drittbeklagten mit den so gewonnenen Mitteln den Erwerb von Anteilen finanziert. Dies sei der Drittbeklagten erst viel später, beginnend ab 21. 8. 2007 offenbar geworden. Zu ihrer satzungsgemäßen Vertretung wäre der gesamte Board zuständig gewesen. Die Drittbeklagte habe keine Rückkäufe durchgeführt; ob und wer dies getan habe, entziehe sich ihrer Kenntnis.
Das Erstgericht wies das Klagebegehren gegen die Drittbeklagte mit Teilurteil ab. Es stellte - von der Klägerin bekämpft - ua fest, dass die S***** ohne Wissen der Drittbeklagten über Weisung der Erstbeklagten weitere Zertifikate gekauft habe, die auf einem als Treuhandkonto für die Drittbeklagte bei der Erstbeklagten geführten Depot der S***** deponiert worden seien. Die Finanzierung dieser Aktienkäufe sei ohne Wissen der Drittbeklagten durch den Ankauf von S***** Bonds 2009 mit einer Laufzeit bis 1. 2. 2009 durch die E***** Fund B.V. erfolgt. In einer als Telefonkonferenz abgehaltenen Vorstandssitzung der Drittbeklagten vom 9. 7. 2007 habe der Vorstand den Beschluss gefasst, ein Aktienrückkaufprogramm unter Beiziehung einer Akquisitionsgesellschaft durchzuführen und zu diesem Zweck eine außerordentliche Hauptversammlung einzuberufen. Damit sollten nicht die der Drittbeklagten bis kurz vor der außerordentlichen Hauptversammlung am 23. 8. 2007 unbekannten Zertifikatankäufe durch die S***** nachträglich genehmigt werden. Der Klägerin sei der Beweis für die Unrichtigkeit der Ad-hoc-Meldungen nicht gelungen, weil nach den Feststellungen das Rückkaufprogramm in Unkenntnis bereits erfolgter Aktienrückkäufe beschlossen worden sei.
In ihrer dagegen erhobenen Berufung bekämpfte die Klägerin ua die genannten Feststellungen, weil sich das Erstgericht mit den angebotenen Beweisen nicht ausreichend auseinander gesetzt habe, darunter das eigene Schreiben der Drittbeklagten an die FMA (Beil ./E), mit der sie die Kenntnis von drei ihrer Boardmitglieder von den Rückkäufen zugestanden habe, der rechtskräftige Bescheid des UVS Wien vom 16. 10. 2008, in dem die Irreführung der Ad-hoc-Meldung vom 27. 7. 2007 festgestellt worden sei (Beil ./Y), und der Prüfbericht der OeNB (Beil ./F).
Mit dem angefochtenen Beschluss gab das Berufungsgericht der Berufung der Klägerin im Sinn des Eventualbegehrens statt und hob das Ersturteil zur Verfahrensergänzung und neuerlichen Entscheidung durch das Erstgericht schon deshalb auf, weil auch der OeNB-Prüfbericht als Urkunde (§§ 292 ff ZPO) ein zulässiges und verwertbares Beweismittel sei, auf das das Erstgericht Bedacht zu nehmen habe. Einwände gegen seine inhaltliche Richtigkeit beträfen nur die Beweiswürdigung. Gleiches gelte für den UVS-Bescheid Beil ./Y. Auf eine Parteistellung der Drittbeklagten in den den beigeschafften Akten oder der vorgelegten Urkunde zugrundeliegenden Verfahren komme es nicht an. Ihr rechtliches Gehör könne sie durch inhaltliche Stellungnahme dazu und Entkräftung des Urkundenbeweises im gegenständlichen Verfahren wahren. Mit dem OeNB-Bericht, dem UVS-Bescheid und Beil ./E lägen entgegen der Ansicht des Erstgerichts sehr wohl Beweisergebnisse vor, aus welchen auf den Wissensstand der Drittbeklagten bzw ihrer Board-Mitglieder geschlossen werden könne. Das Ersturteil leide daher an einem Begründungsmangel. Der Rekurs wurde zur Überprüfung dieser Rechtsansicht zugelassen.
In ihrem dagegen gerichteten Rekurs beantragt die Drittbeklagte die Abänderung des Aufhebungsbeschlusses im Sinne einer Wiederherstellung des klagsabweisenden Ersturteils; hilfsweise wird ein Aufhebungsantrag gestellt.
Die Klägerin bestreitet die Zulässigkeit des Rekurses der Drittbeklagten mangels Geltendmachung einer erheblichen Rechtsfrage. Im Übrigen beantragt sie, dem Rekurs nicht Folge zu geben „oder stattdessen in der Sache selbst zu entscheiden“.
1. Die hier maßgebliche Frage, ob die Verwertung des OeNB-Berichts dem Unmittelbarkeitsgrundsatz des § 276 ZPO widerspricht, wurde vom Obersten Gerichtshof vor dem Hintergrund der gegen die Drittbeklagte angestrengten Verfahren mit Beschluss vom 22. Oktober 2015, 1 Ob 39/15i, grundlegend überprüft und verneint.
Die Ansicht lässt sich dahin zusammenfassen, dass der OeNB-Prüfbericht zwar keine öffentliche Urkunde, keine schriftliche Zeugenaussage und auch kein gerichtliches Sachverständigengutachten ist, dies jedoch noch nicht seiner Verwertung entgegenstehe. Denn es „ist der Grundsatz der (sachlichen) Unmittelbarkeit 'kein Gut an sich, kein sogenannter Selbstzweck' (OBDK RIS-Justiz RS0056185); er ist vielmehr Mittel zur Wahrheitsfindung, steht in einem Spannungsfeld zur Prozessökonomie und ist daher unter gewissen Voraussetzungen auch verzichtbar (vgl RIS-Justiz RS0041499). Hierbei ist zu berücksichtigen, dass die ZPO kaum Beweisverbote kennt. Die Beweismittel sind in der ZPO nicht taxativ aufgezählt (Rechberger aaO [in Fasching/Konecny², Vor § 266 ZPO] Rz 100 mwN). Vielmehr kommt auch im Zivilverfahren - wie dies § 46 AVG für das Verwaltungsverfahren statuiert - als Beweismittel alles in Betracht, was zur Feststellung des maßgeblichen Sachverhalts geeignet und nach Lage des einzelnen Falls zweckdienlich ist (Rechberger aaO). Demgemäß plädiert Rechberger (aaO Rz 100, Vor §§ 351 ff Rz 12) überzeugend dafür, sich von der strikten Zuordnung zu einem in der ZPO angeführten Beweismittel zu lösen. (...)
Der offene Zugang gegenüber allen in Betracht kommenden Erkenntnisquellen ist in gewisser Weise Korrelat zum Grundsatz der freien Beweiswürdigung. Ebenso wie der Beweiswert einzelner Beweismittel im Gegensatz zu früheren Rechtsordnungen nicht gesetzlich geregelt ist, sind auch die zur Gewinnung von Feststellungen heranzuziehenden Quellen kaum gesetzlichen Beschränkungen unterworfen. Letztlich geht es stets um die Frage, welchen Stellenwert derartige Beweismittel im Rahmen des gesamten Prozessstoffes haben und inwieweit die Aufnahme zusätzlicher mittelbarer oder unmittelbarer Beweise geboten ist. Dies ist aber regelmäßig nur im Einzelfall zu beantworten. Die Frage, inwieweit durch Aufnahme unmittelbarer Beweise ein zusätzlicher Erkenntnisgewinn zu erwarten ist, fällt in den den Tatsacheninstanzen vorbehaltenen Bereich der Beweiswürdigung (vgl RIS-Justiz RS0043414; RS0043320). …
Gerade bei öffentlichen Stellen ist bereits seit langem anerkannt, dass schriftliche Angaben ein zulässiges Beweismittel darstellen; das Bestehen auf der Einvernahme eines informierten Vertreters würde nämlich in aller Regel keinen zusätzlichen Erkenntnisgewinn verschaffen. So entspricht es völlig herrschender Auffassung, dass es sich auch bei der schriftlichen Beantwortung einer Anfrage um ein zulässiges Beweismittel handelt, das entweder als Urkunden-oder als Sachverständigenbeweis qualifiziert werden kann (Bittner aaO [in Fasching/Konecny²], § 292 ZPO Rz 44; Rechberger aaO Vor § 266 ZPO Rz 102; [nur für Urkundenbeweis] G. Kodek in Fasching/Konecny², § 301 ZPO Rz 13). ...
Demnach kann auch im Gerichtsverfahren der OeNB-Bericht, der weder schriftliche Zeugenaussage noch Gerichtsgutachten ist und für den Zivilprozess am ehesten - eine streng kategorische Einordnung zu den nicht taxativ aufgezählten Beweismitteln ist wie dargelegt nicht zwingend erforderlich - dem Urkundenbeweis gleichgestellt werden kann, ergänzt oder widerlegt werden. …
Der OeNB-Prüfbericht ist demnach grundsätzlich bei der Beurteilung der Streitsache zu berücksichtigen.“
Dies kann im vorliegenden Fall nicht anders gesehen werden, zumal auch hier für die Aufklärung des Sachverhalts, insbesondere des Zustandekommens der Ad-hoc-Meldungen maßgebliche Personen im Hinblick auf anhängige Strafverfahren von ihrem Entschlagungsrecht Gebrauch gemacht haben (Vorstandsmitglied der Erstbeklagten; Zweitbeklagter als CFO der Drittbeklagten; N***** G***** als der Drittbeklagten „überlassene“ Angestellte).
2. Zur Verwertbarkeit des UVS-Bescheids hat das Berufungsgericht richtig darauf hingewiesen, dass die Zivilgerichte nach der Rechtsprechung des Obersten Gerichtshofs grundsätzlich an rechtskräftige Bescheide der Verwaltungsbehörden gebunden sind (RIS-Justiz RS0036981). Dagegen können Dritte, die am Verwaltungsverfahren nicht beteiligt waren, nur durch die Gestaltungs- oder Tatbestandswirkung des Bescheids gebunden sein (RIS-Justiz RS0036981 [T18], RS0121545). Beide Wirkungen stehen hier nicht zur Diskussion.
Zutreffend hat das Berufungsgericht aber auch hervorgehoben, dass davon die Frage, ob ein rechtskräftiger Bescheid als Urkunde (§§ 292 ff ZPO) im Gerichtsverfahren vorgelegt und verwertet werden kann, zu unterscheiden ist.
Unzweifelhaft stellt der UVS-Bescheid eine öffentliche Urkunde dar. Öffentliche Urkunden begründen vollen Beweis dessen, was darin von der Behörde amtlich verfügt oder erklärt, oder von der Behörde oder der Urkundsperson bezeugt wird (§ 292 Abs 1 S 1 ZPO). Der Beweis der Unrichtigkeit des bezeugten Vorgangs oder der bezeugten Tatsache oder der unrichtigen Beurkundung ist jedoch zulässig (§ 292 Abs 2 ZPO). Aus Abs 2 ergibt sich, dass nur der Beweis der Unrichtigkeit der Verfügung oder Erklärung ausgeschlossen ist (formelle Beweiskraft, s nur Rechberger in Rechberger, ZPO4 § 292 Rz 1 mwN), während der Gegner des Beweisführers den Beweis der Unrichtigkeit des bezeugten Vorgangs oder der bezeugten Tatsache führen oder beweisen kann, dass die Beurkundung unrichtig ist (materielle Beweiskraft, Rechberger in Rechberger, ZPO4 § 292 Rz 3 mwN). Im Übrigen wird die materielle (innere) Beweiskraft von Urkunden durch keine besonderen Vorschriften festgelegt, sondern unterliegt der freien Beweiswürdigung (s dazu Bittner in Fasching/Konecny, ZPG III2 § 292 Rz 43).
Anders als die Drittbeklagte meint, geht es hier danach nicht um die Übernahme der Sachverhaltsausführungen des Bescheids im Sinne einer Auslagerung von Beweisaufnahmen und Beweiswürdigung auf Verwaltungsbehörden. Vielmehr ist es eine Frage der Beweiswürdigung, welche Schlussfolgerungen die Tatsacheninstanzen aus dem Umstand, dass mit dem Berufungsbescheid des UVS Wien (Beil ./Y) ein rechtskräftiges Straferkenntnis über ***** R***** wegen Übertretung von § 48a Abs 1 Z 2 lit c BörseG 1989 idF BGBl I Nr 127/2004 vorliegt, ziehen. Dafür kann der Oberste Gerichtshof - der keine Tatsacheninstanz ist - keine inhaltlichen Vorgaben machen. Dass es dadurch zu einer Verletzung des rechtlichen Gehörs der Drittbeklagten als nicht an jenem Verwaltungsverfahren Beteiligter kommen könnte, trifft auch hier nicht zu, steht es ihr doch frei, zum Bescheid Stellung zu nehmen und Beweise zur Zweifelhaftigkeit oder Unrichtigkeit der Entscheidung anzubieten.
3. Die Drittbeklagte richtet sich auch gegen die Berücksichtigung der Beil ./E als jenem Schreiben, mit der sie der FMA die Kenntnis von drei ihrer Boardmitglieder von den Rückkaufsvorgängen zugestand, weil damit noch nicht deren Wahrheitsgehalt belegt sei. Das Schreiben stehe auch im Widerspruch zu den Beil ./F und ./Y. Auch damit spricht sie jedoch nur eine Frage der Beweiswürdigung an, die einer Stellungnahme durch den Obersten Gerichtshof entzogen ist. Der Oberste Gerichtshof kann aber auch der Einschätzung der zweiten Instanz zur notwendigen
Verbreiterung der Tatsachengrundlage nicht
entgegentreten (RIS-Justiz RS0042179).
4. Die Drittbeklagte vermisst Ausführungen des Berufungsgerichts dazu, warum der von diesem festgestellte Verfahrensmangel für den Verfahrensausgang wesentlich sei. Auch ohne Berücksichtigung der (unzureichend gewürdigten) Urkunden ergebe sich aus den unbekämpft gebliebenen Feststellungen, dass die Klägerin ohnedies keinen von der Drittbeklagten hervorgerufenen Fehlvorstellungen unterlegen sei, sodass es am relevanten Kausalzusammenhang der Ad-hoc-Meldungen mit dem Erwerb der Klägerin fehle.
Richtig ist, dass ein Verfahrensmangel nur bejaht werden kann, wenn er für den Verfahrensausgang wesentlich ist und dass in der Verkennung der Wesentlichkeit ein Verfahrensmangel auch des Berufungsverfahrens liegen kann (RIS-Justiz RS0116273).
Hier steht unbekämpft fest, dass Anlass für die Investition zu diesem Zeitpunkt der davor gefallene Kurs in Verbindung mit der Entscheidung des Managements war, diesen Preis durch ein Aktienrückkaufprogramm wieder anzuheben, wobei der wesentliche Faktor für die Investitionsentscheidung der Klägerin war, dass sie in eine Gesellschaft mit einem gesunden Wachstum investieren wollte, in der das Management an den Wert der Aktien glaubt. Durch die Ad-hoc-Meldungen wurde ihr vermittelt, dass der wahre Wert des Unternehmens über dem derzeitigen Kurs liege. Verhält es sich so, dass die Drittbeklagte wusste oder wissen musste, dass der Kurs nur durch den der Öffentlichkeit verschwiegenen Aufkauf von nahezu 30 % ihrer Zertifikate zustande gekommen war, wären allerdings schon die Angaben der Ad-hoc-Meldung vom 27. 7. 2007 eines weiteren Wachstumskurses der Drittbeklagten, der zu erwartenden Wertsteigerungen, eines stabilen Wachstums ihres Net Asset Values und des unterbewerteten Kurses irreführend. Maßgeblich ist danach nicht, ob die Klägerin ihr Investment auch ohne den Beschluss über ein zukünftiges „umfangreiches Aktienrückkaufprogramm“ getätigt hätte, sondern vielmehr der Umstand, dass die Drittbeklagte - auch vor dem Hintergrund ihrer bisherigen Ad-hoc-Meldungen - insoweit einen unrichtigen Eindruck über ihre Rückkaufpolitik vermittelte. Der Argumentation der Drittbeklagten zur Verkennung der Wesentlichkeit des Verfahrensmangels ist insofern nicht zu folgen.
5. Entgegen der Rechtsansicht der Klägerin ist die Rechtssache aber auch nicht im Sinne einer Klagsstattgabe spruchreif:
Bereits mehrfach wurde ausgesprochen, dass die Ad-hoc-Publizitätsbestimmung des § 48d Abs 1 BörseG Schutzwirkung zugunsten von Anlegern entfaltet (9 Ob 26/14k mwN; 4 Ob 239/14x; 6 Ob 71/15g; jüngst 1 Ob 39/15i; RIS-Justiz RS0127724). Wird ein Schadenersatzanspruch auf die Verletzung eines Schutzgesetzes gestützt, dann hat der Geschädigte den Schadenseintritt und die Verletzung des Schutzgesetzes als solche zu beweisen. Für letzteres reicht der Nachweis aus, dass die Schutznorm objektiv übertreten wurde (RIS-Justiz RS0112234; zur irreführenden Ad-hoc-Meldung s 4 Ob 239/14x). Hingegen hat dann der Schädiger den Nachweis zu erbringen, dass ihm die objektive Übertretung des Schutzgesetzes nicht als schutzgesetzbezogenes Verhaltensunrecht anzulasten ist (vgl RIS-Justiz RS0112234).
Ebenso wurde bereits mehrfach erkannt, dass der Tatbestand der Marktmanipulation iSd § 48a Abs 1 Z 2 lit c BörseG nicht erst bei Wissentlichkeit, sondern schon bei schuldhafter Unkenntnis, dass die Informationen falsch oder irreführend waren, vorliegt (9 Ob 26/14k; 6 Ob 71/15g = RIS-Justiz RS0127724 [T4]; 1 Ob 39/15i). Zutreffend weist die Klägerin danach darauf hin, dass eine Haftung der Drittbeklagten nicht erst bei Wissentlichkeit, sondern auch bei fahrlässiger Unkenntnis von der Irreführung oder der Unrichtigkeit der Ad-hoc-Meldungen gegeben sein kann und eine Unkenntnis bei fehlender Überprüfung des Wahrheitsgehalts der veröffentlichten Mitteilung auch vorwerfbar wäre (s 4 Ob 239/14x: 9 Ob 26/14k; 1 Ob 39/15i).
Im vorliegenden Fall liegen jedoch unter Bedachtnahme auf die bekämpften Feststellungen selbst für eine Fahrlässigkeitshaftung der Drittbeklagten noch keine ausreichenden Feststellungen vor. Zunächst stehen die personellen Verflechtungen der Organwalter der in die Rückkäufe eingebundenen Rechtsträger mit den Boardmitgliedern der Drittbeklagten nicht fest. Stellt sich heraus, dass deren Wissen über die bereits erfolgten Aktienrückkäufe schon infolge ihrer Organstellung der Drittbeklagten zuzurechnen ist, bedarf es keiner Erwägungen zu einer Fahrlässigkeit. Sollte dies nicht der Fall sein, fehlen Feststellungen dazu, ob und in welcher Intensität von der Drittbeklagten ausreichende Nachforschungen über die Verwendung ihrer Mittel angestellt und Informationen über den Wahrheitsgehalt der Ad-hoc-Meldungen vom 27. 7. 2007 und 31. 7. 2007 eingeholt wurden. Für den Fall einer der Drittbeklagten vorwerfbaren Fehlinformation fehlt es aber auch an Feststellungen zu einem Alternativverhalten der Klägerin, aus denen sich ein von der Drittbeklagten kausal verursachter konkreter Schaden der Klägerin ableiten ließe.
In Summe steht der Aufhebungsbeschluss des Berufungsgerichts damit im Einklang mit der aktuellen Rechtsprechung des Obersten Gerichtshofs, sodass dazu kein Korrekturbedarf besteht.
6. Da der Rekurs der Drittbeklagten keine Rechtsfrage von der Qualität des § 502 Abs 1 ZPO aufwirft, zu der höchstgerichtlich noch nicht Stellung genommen worden wäre, ist er zurückzuweisen.
Die Kostenentscheidung beruht auf den §§ 41, 50 ZPO. Wird ein nach § 519 Abs 1 Z 2 ZPO erhobener Rekurs mangels Vorliegens einer erheblichen Rechtsfrage zurückgewiesen, sind die Kosten nicht nach § 52 ZPO vorzubehalten; vielmehr findet ein Kostenersatz statt, wenn - wie hier - der Rechtsmittelgegner auf diese Unzulässigkeit hingewiesen hat (RIS-Justiz RS0123222; RS0035976 [T2]).
ECLI:AT:OGH0002:2015:0090OB00027.15H.1112.000
JJT_20151112_OGH0002_0090OB00027_15H0000_000