Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Gericht=BGH&Datum=21.10.2003&Aktenzeichen=XI%20ZR%20453/02
Timestamp: 2019-07-17 17:56:23
Document Index: 32864342

Matched Legal Cases: ['BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 675', '§ 826', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 826', 'BGH', 'BGH', '§ 826', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH']

BGH, 21.10.2003 - XI ZR 453/02 - dejure.org
https://dejure.org/2003,430
BGH, 21.10.2003 - XI ZR 453/02 (https://dejure.org/2003,430)
BGH, Entscheidung vom 21.10.2003 - XI ZR 453/02 (https://dejure.org/2003,430)
BGH, Entscheidung vom 21. Januar 2003 - XI ZR 453/02 (https://dejure.org/2003,430)
Tipp: Um den Kurzlink (hier: https://dejure.org/2003,430) schnell in die Zwischenablage zu kopieren, können Sie die Tastenkombination Alt + R verwenden - auch ohne diesen Bereich zu öffnen.
Anspruch auf Schadensersatz für Verluste aus Waren- und Devisenterminoptionsgeschäften an US-amerikanischen Börsen; Mangelhaftigkeit einer Informationsbroschüre; Aufklärungspflicht gewerblicher Vermittler über Risiken eines Geschäfts; Erwerb verschiedener Optionen; Inaussichtstellen erheblicher Gewinnchancen; Bedeutung eines Gebührenaufschlags auf die Optionsprämie; Berücksichtigung der Erfahrung und Sachkunde des Anlegers; Anwendbarkeit der Kollegialgerichts-Richtlinie; Praktische Chancenlosigkeit der Gewinnerzielung
Aufklärungspflicht eines gewerblichen Börsentermingeschäftsvermittlers auch gegenüber Wirtschaftsprüfer
Aufklärungspflicht eines gewerblichen Börsentermingeschäftsvermittlers auch gegenüber Wirtschaftsprüfern
BGB §§ 675 275 826
Anlageberatung und Warenterminoption, Haftung wegen sittenwidriger Schädigung - 826 BGB, Warenterminoptionen
Schadensersatz durch Anlagevermittler
BGB §§ 826, 276
NJW-RR 2004, 203
ZIP 2003, 2242
Diese sog. Kollegialgerichtsrichtlinie ist aber bisher nur auf Amtshaftungsansprüche, nicht dagegen auf sonstige zivilrechtliche Ersatzansprüche angewandt worden (…BGH, Urt. v. 31. Oktober 1985 - IX ZR 175/84, WM 1986, 199, 202 f.; offen gelassen in Urt. v. 21. Oktober 2003 - XI ZR 453/02, ZIP 2003, 2242, 2246).
Denn sie greift jedenfalls dann nicht ein, wenn sich das Gericht seine Überzeugung von der Rechtsmäßigkeit des Handelns aufgrund eines verfahrensfehlerhaft festgestellten Sachverhalts gebildet hat (BGHZ 117, 240, 250;… Urt. v. 5. Juli 1990 - IX ZR 10/90, WM 1990, 1549, 1551; v. 21. Oktober 2003 - XI ZR 453/02, ZIP 2003, 2242, 2246).
d) Zu Recht ist das Berufungsgericht auch davon ausgegangen, dass der Kläger kein erfahrener Anleger war, gegenüber dem eine Aufklärung nicht erforderlich gewesen wäre (vgl. dazu Senat, Urteil vom 21. Oktober 2003 - XI ZR 453/02, ZIP 2003, 2242, 2244 m.w.Nachw.).
Seine allgemeine Berufserfahrung und seine Fähigkeit, im Rahmen eines Mandats nach entsprechender Einarbeitung andere über die Eigenart und Risiken von Optionsgeschäften aufzuklären, reicht - entgegen der Auffassung des Berufungsgerichts - zur Verneinung seiner Aufklärungsbedürftigkeit nicht aus (vgl. zur Aufklärungsbedürftigkeit eines Versicherungs- und Immobilienfinanzierungsmaklers bzw. eines Wirtschaftsprüfers in bezug auf Börsentermingeschäfte: Senat, Urteile vom 24. September 1996 - XI ZR 244/95, WM 1997, 309, 311 und vom 21. Oktober 2003 - XI ZR 453/02, ZIP 2003, 2242, 2244 f. und zur Aufklärungsbedürftigkeit eines Rechtsanwalts in bezug auf steuerbegünstigte Kapitalanlagemodelle: BGH, Urteil vom 9. Oktober 1989 - II ZR 257/88, WM 1990, 145, 147).
Nach Erlass des Teilversäumnis- und Teilurteils des Bundesgerichtshofs vom 21. Oktober 2003 im Verfahren XI ZR 453/02 (= NJW-RR 2004, 203) hat der Kläger das Verfahren wieder aufgerufen.
Damit kann sich der Beklagte zu 2.) auch nicht auf die sog. "Kollegialgerichts-Richtlinie" stützen (vgl. Seite 14 des Teilurteils), unabhängig von der Frage, ob diese außerhalb der Amtshaftung überhaupt Anwendung finden könnte (offen gelassen auch in BGH NJW-RR 2004, 203).
Ohnehin kann aber nach der neuen Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs (BGH NJW-RR 2004, 203) die Erteilung neu gefasster, aber weiterhin unzureichender Aufklärung den Vorsatz im Sinne des § 826 BGB nicht.
Dazu gehört, wenn - wie im vorliegenden Fall - Schadensersatz wegen unzureichender Aufklärung über die Risiken von Optionsgeschäften verlangt wird, die Kenntnis der Umstände, aus denen sich die Rechtspflicht zur Aufklärung ergibt (BGH NJW-RR 2004, 203; NJW 2002, 2777; WM 2002, 557; WM 1990, 971).
Erst die Kenntnis dieser die Aufklärungspflicht begründenden wirtschaftlichen Zusammenhänge ermöglicht dem Anleger die aussichtsreiche Geltendmachung eines Schadensersatzanspruches wegen vorsätzlicher sittenwidriger Schädigung (BGH NJW-RR 2004, 203; NJW 2002, 2777); ggf. bedarf es hierzu anwaltlicher Beratung.
Diese Problematik stellt sich im Rahmen der hier noch verfahrensgegenständlichen Haftung nach § 826 BGB in gleicher Weise und ist in dem Urteil des Bundesgerichtshofs vom 21. Oktober 2003 (NJW-RR 2004, 203) nur auf die - auf den vorliegenden Fall nicht ohne weiteres übertragbaren - Besonderheitendes dortigen Sachverhalts hin abgehandelt.
Ferner ist darzulegen, ob und in welcher Höhe ein Aufschlag auf die Prämie erhoben wird, und daß ein solcher Aufschlag die Gewinnerwartung verschlechtert, weil ein höherer Kursausschlag als der vom Börsenfachhandel als realistisch angesehene notwendig ist, um in die Gewinnzone zu kommen (BGHZ 105, 108, 110; Senat BGHZ 124, 151, 154 f.; BGH, Urteil vom 11. Januar 1988 - II ZR 134/87, WM 1988, 291, 293; Senat, Urteile vom 13. Oktober 1992 - XI ZR 30/92, WM 1992, 1935, 1936, vom 1. Februar 1994 - XI ZR 125/93, WM 1994, 453, 454, vom 2. Februar 1999 - XI ZR 381/97, WM 1999, 540, 541, vom 16. Oktober 2001 - XI ZR 25/01, WM 2001, 2313, 2314 und vom 21. Oktober 2003 - XI ZR 453/02, ZIP 2003, 2242, 2243).
a) Eine Aufklärungspflicht entfällt grundsätzlich nur gegenüber Kunden, die über ausreichende Kenntnisse und Erfahrungen mit den vermittelten Geschäften verfügen oder sich - nicht ersichtlich unglaubwürdig - als erfahren gerieren und eine Aufklärung nicht wünschen (Senat, Urteile vom 14. Mai 1996 - XI ZR 188/95, WM 1996, 1214, 1216, vom 24. September 1996 - XI ZR 244/95, WM 1997, 309, 311 und vom 21. Oktober 2003 - XI ZR 453/02, ZIP 2003, 2242, 2244).
Nach ständiger Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs besteht eine tatsächliche Vermutung dafür, daß ein Anleger bei gehöriger Aufklärung die verlustreichen Geschäfte nicht abgeschlossen hätte (Senat BGHZ 124, 151, 159 f.; Senat, Urteil vom 21. Oktober 2003 - XI ZR 453/02, ZIP 2003, 2242, 2245, jeweils m.w.Nachw.).