Source: https://unicef.at/mitmachen/endviolence-schluss-mit-gewalt-gegen-kinder/gewalt-in-oesterreich/
Timestamp: 2018-03-23 08:57:53
Document Index: 295130727

Matched Legal Cases: ['§ 146', '§ 75', '§ 83', '§ 92', '§ 99', '§ 99', '§ 101', '§ 106', '§ 201', '§ 206', '§ 207', '§ 207', '§ 208', '§ 208', '§ 214', '§ 215']

UNICEF Österreich: Gewalt in Österreich
Gewalt ist überall. Auch in Österreich.
Laut Angaben des Bundeskriminalamtes wurden im Jahr 2011 österreichweit 7.450 Anzeigen wegen "strafbaren Handlungen gegen Leib und Leben" aufgegeben, bei denen das Opfer jünger war als 18 Jahre. Im gleichen Jahr wurden 2.184 "strafbare Handlungen gegen die Freiheit" mit minderjährigen Opfern zur Anzeige gebracht, "strafbare Handlungen gegen die Sittlichkeit" (=Sexualdelikte) waren es 1.069.
Insgesamt gab es also in Österreich im Jahr 2011 über 10.000 Anzeigen wegen Gewalt an Kindern und Jugendlichen. Es ist allerdings zu befürchten, dass die Dunkelziffer höher liegt.
Die Telefonnummern und Internetadressen von einigen dieser Beratungsstellen findest du hier:
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Oder du wendest dich an eine der Beratungsstellen, die hier aufgelistet sind:
Eine Liste dieser Institutionen finden sie hier:
Recht gegen Gewalt
Österreich hat bereits 1989, als viertes Land weltweit, Gewalt in der Erziehung gesetzlich verboten. § 146a des ABGB (Allgemeines Bürgerliches Gesetzbuch) untersagt, jede Form von Gewalt, physisch oder psychisch-emotional, zur Bestrafung von Kindern einzusetzen. Es wurde allerdings klar festgestellt, dass dieses Gesetz nicht die elterliche "Standpauke", wohl aber Beleidigungen und Beschimpfungen verbietet.
Die "g'sunde Watschn" ist in Österreich somit gesetzeswidrig!
© UNICEF/NYHQ2012-0898/Sokol
Ehemalige Kindersoldaten spielen Fußball in der Zentralafrikanischen Republik.
Die UN-Konvention über die Rechte des Kindes (Kinderrechtskonvention, KRK) wurde 1989 von der Generalversammlung der Vereinten Nationen beschlossen und soll allen Kindern der Welt grundlegende Rechte garantieren. Sie beruht auf 4 Grundprinzipien:
Neben der impliziten Forderung nach einem gewaltfreien Aufwachsen von Kindern, die im dritten dieser Prinzipien erkannt werden kann, beinhaltet die KRK auch mehrere Artikel, die das Thema Gewalt explizit behandeln. Artikel 19 besagt, dass jedes Kind das Recht auf Schutz vor Gewalt, Misshandlung, Vernachlässigung oer Ausbeutung hat. Artikel 32 verbietet Kinderarbeit. In Artikel 34 wird das Recht auf Schutz vor sexueller Ausbeutung und sexuellem Missbrauch beschrieben. Weitere Artikel sollen Schutz vor anderen Formen der Ausbeutung, Kinderhandel, Folter, unmenschlicher Behandlung, Todesstrafe, lebenslanger Freiheitsstrafe und Schutz bei bewaffneten Konflikten garantieren. Opfern von Gewalt oder Ausbeutung wird das Recht auf Rehabilitation zugesprochen.
Die Umsetzung dieser Rechte und der Schutz der Kinder obliegt den Nationalstaaten. Österreich hat die KRK 1990 unterzeichnet und 1992 ratifiziert und als Gesetz beschlossen, allerdings mit einem Erfüllungsvorbehalt. Das heißt, dass sie nicht direkt exekutierbar ist. Es kann also niemand wegen eines Verstoßes gegen die Kinderrechtskonvention angezeigt oder verklagt werden. Die KRK ist somit eigentlich nur soweit praktisch wirksam, wie sie in österreichische Gesetze "übersetzt" wurde.
Das BVG Kinderrechte
Im Februar 2011 wurde das Bundesverfassungsgesetz über die Rechte von Kindern vom Nationalrat beschlossen. Damit wurden zumindest einige der in der KRK beschriebenen Rechte in der österreichischen Verfassung verankert.
Artikel 3 verbietet Kinderarbeit und Artikel 5 lautet:
"(1) Jedes Kind hat das Recht auf gewaltfreie Erziehung. Körperliche Bestrafungen, die Zufügung seelischen Leides, sexueller Missbrauch und andere Misshandlungen sind verboten. Jedes Kind hat das Recht auf Schutz vor wirtschaftlicher und sexueller Ausbeutung.
(2) Jedes Kind als Opfer von Gewalt oder Ausbeutung hat ein Recht auf angemessene Entschädigung und Rehabilitation. Das Nähere bestimmen die Gesetze."
Das österreichische Strafgesetzbuch (StGB) beinhaltet eine ganze Reihe an Gesetzen die Gewalt in ihren verschiedenen Formen behandeln. Dabei werden drei Gruppen unterschieden:
Strafbare Handlungen gegen Leib und Leben (§§ 75-95 StGB)
Die Paragraphen 75-81 StGB betreffen Tötungsdelikte wie Mord, Totschlag und fahrlässige Tötung. §§ 83-85 StGB haben verschiedene Formen der Körperverletzung zum Inhalt (fahrlässig, schwer, etc.). § 92 StGB beschreibt den Tatbestand "Quälen oder Vernachlässigen unmündiger, jüngerer oder wehrloser Personen" und ist damit bei Gewalt gegen Kinder besonders relevant.
© UNICEF/NYHQ2012-2275/Markisz
Maria Jose lebt mit ihren vier Geschwistern bei einer Pflegemutter nachdem ihre biologische Mutter sie im Stich gelassen hat.
Strafbare Handlungen gegen die Freiheit (§§ 99-110 StGB)
§ 99 StGB stellt Freiheitsentzug unter Strafe, § 101 StGB betrifft die "Entführung einer unmündigen Person", also unter anderem die Entführung von Kindern, §§ 106 und 107 StGB behandeln "Nötigung" und "schwere Nötigung" und mit $107a StGB ("Beharrliche Verfolgung") wurde 2006 das lange geforderte Gesetz gegen Stalking beschlossen
Strafbare Handlungen gegen die sexuelle Integrität (§§ 201-220b StGB)
Vor allem in diesem Abschnitt des Strafgesetzbuches finden sich eine Reihe von Paragraphen, die speziell Delikte mit minderjährigen Opfern behandeln:
§§ 206 und 207 StGB "(Schwerer) sexueller Missbrauch von Unmündigen"
§ 207a StGB "Pornographische Darstellungen Minderjähriger"
§ 207b StGB "Sexueller Missbrauch von Jugendlichen"
§ 208 StGB "Sittliche Gefährdung von Personen unter sechzehn Jahren"
§ 208a StGB "Anbahnung von Sexualkontakten zu Unmündigen"
§ 214 StGB "Entgeltliche Vermittlung von Sexualkontakten mit Minderjährigen"
§ 215a StGB "Förderung der Prostitution und pornographischer Darbietungen Minderjähriger"
Mit dem 2009 verabschiedeten sogenannten "Zweiten Gewaltschutzgesetz" wurden einige der oben genannten Paragraphen reformiert.
Vor allem im Bereich der Straftaten gegen die sexuelle Integrität wurden die Bestimmungen verschärft. Die möglichen Strafen wurden erhöht und das wissentliche Anschauen von Kinderpornografie im Internet explizit verboten. Zudem wurde die Verjährungsfrist für sexuelle Gewalttaten an Minderjährigen verlängert und 2010 bis zur Vollendung des 28. Lebensjahres des Opfers weiter ausgedehnt.
http://www.bmi.gv.at/cms/BK/praevention_neu/jugend/start.aspx
http://www.bmi.gv.at/cms/BK/praevention_neu/gewalt_familie/GIF_start.aspx
http://www.bmi.gv.at/cms/BK/praevention_neu/info_material/gewalt/start.aspx