Source: https://www.omsels.info/die-verbote-oder-was-darf-ich-nicht/3-lebensmittelrecht/bhealth-claim-verordnung/5-deklarierungspflichten
Timestamp: 2018-10-15 13:54:08
Document Index: 84749571

Matched Legal Cases: ['§ 10', 'Art. 7', 'Art. 9', 'Art. 10', 'Art. 10', 'BGH', 'EuG', 'BGH', 'Art. 10', 'Art. 10', 'Art. 10', 'BGH', 'Art. 13', 'EuG', 'Art. 10', 'Art. 10', 'Art. 10', 'Art. 10', 'Art. 2', 'Art. 1', '§ 4', '§ 4', 'Art. 6', 'Art. 1', 'Art. 4', 'Art. 10', 'Art. 4', 'Art. 10']

(7) Informationspflichten (§ 10 Abs. 2 HCVO) | omsels.info – Der Online-Kommentar zum UWG
← (6) Nährwertkennzeichnung (Art. 7 HCVO)
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Geltungszeitpunkt des Art. 10 Abs. 2 HCV
Die Frage, ob die Bestimmung des Art. 10 Abs. 2 der Verordnung (EG) Nr. 1924/2006 bereits ab Inkrafttreten der Health Claims Verordnung oder erst ab der Zulassung gesundheitsbezogener Angaben zu beachten ist, hat der BGH dem EuGH zur Entscheidung vorgelegt (BGH, Beschl. v. 5.12.2012, I ZR 36/11, Tz. 11 - Monsterbacke). Diese Frage stellt sich für die aktuelle Angaben auf Produkten oder in der Werbung nicht mehr, weil das Zulassungsverfahren für die meisten gesundheitsbezogenen Angaben abgeschlossen ist.
Deklarationspflicht bei Art. 10 Abs. 1 und Art. 10 Abs. 3 HCVO
KG, Urt. v. 27.11.2015, 5 U 96/14, Tz. 47
Die Hinweise aus Art. 10 Abs. 2 lit. a bis lit. d HCVO sind ebenso bei unspezifischen gesundheitsbezogenen Angaben (BGH, GRUR 2015, 403 Tz. 37 – Monsterbacke II) und auch bereits in der Übergangszeit bis zum Vorliegen der Listen nach Art. 13, 14 HCVO (EuGH, GRUR 2014, 587 Tz. 37 – Ehrmann) zu geben.
KG, Urt. v. 27.11.2015, 5 U 96/14, Tz. 50
Die Hinweise nach Art. 10 Abs. 2 lit. a und lit. b HCVO sind ohne weitergehende tatsächliche Voraussetzungen in jedem Fall einer gesundheitsbezogenen Angabe zu geben.
Ebenso KG, Urt. v. 10.7.2015, 5 U 131/13, B.II.1.a.aa (= MD 2015, 1086)
Hinweispflicht auf Produkten und in der Werbung
OLG Koblenz, Urt. v. 20.6.2012, 9 U 224/12 – Was kann Hydrogencarbonat (= MD 2012, 744)
Gemäß Art. 10 Abs. 2 lit. a HCV dürfen gesundheitsbezogene Angaben nur gemacht werden, wenn die Kennzeichnung oder falls diese Kennzeichnung fehlt, die Aufmachung der Lebensmittel und die Lebensmittelwerbung einen Hinweis auf die Bedeutung einer abwechslungsreichen und ausgewogenen Ernährung und einer gesunden Lebensweise enthalten. ...
Der Senat legt Art. 10 Abs. 2 HCV dahingehend aus, dass der Hinweis auf der Kennzeichnung und der Lebensmittelwerbung erfolgen muss. Die Verordnung dient dem Schutz des Verbrauchers vor irreführenden Angaben und soll ihm daneben die Wahl zwischen den verschiedenen Lebensmitteln erleichtern. Dieser Schutzzweck erfordert es, dass der gem. Art. 10 Abs. 2 lit. a) HCV vorgeschriebene Hinweis auf der Kennzeichnung im Sinne des Art. 2 Abs. 1 lit. b) HCV i.V.m. der Begriffsbestimmung in Art. 1 Abs. 3 a) der Richtlinie 2000/13/EG und in der Lebensmittelwerbung erfolgt. Nur für den Fall, dass eine Kennzeichnung fehlt, hat die Aufmachung der Lebensmittel den entsprechenden Hinweis zu enthalten, wodurch die Hinweispflicht in der Lebensmittelwerbung jedoch nicht berührt wird.
Ebenso OLG Hamburg, Urt. v. 21.6.2012, 3 U 97/11, II.3.f.cc (= MD 2012, 845, 854); OLG Hamm, Urt. v. 4.7.2013, 4 U 20/13, B.II.2.f: KG, Urt. v. 10.7.2015, 5 U 131/13, B.II.1.a.aa (= MD 2015, 1086)
Es gibt keinen Anhalt dafür, dass die Vorschrift einschränkend dahin gehend auszulegen wäre, dass lediglich die in Schriftform getätigten Werbeaussagen den Hinweis enthalten müssten, während er bei audiovisuellen Formen der Werbung unterbleiben könnte. Der Begriff der "Lebensmittelwerbung" ist insofern neutral und erfasst jede Art der Werbung.
Verhältnis zu § 4 Abs. 2 NemV (Verordnung zu Nahrungsergänzungsmitteln)
OLG Hamburg, Urt. v. 21.6.2012, 3 U 97/11, II.3.f.cc (= MD 2012, 845, 854)
Zudem wäre der Hinweis aber auch nicht ausreichend, wenn es nur auf die Kennzeichnung des Produkts ankäme. Nach 4 Abs. 2 Nr. 4 NemV dürfen Nahrungsergänzungsmittel gewerbsmäßig nur in den Verkehr gebracht werden, wenn auf der Fertigpackung ein Hinweis darauf erfolgt, dass Nahrungsergänzungsmittel nicht als Ersatz für eine ausgewogene und abwechslungsreiche Ernährung verwendet werden sollten. § 4 Abs. 2 Nr. 4 NemV dient der Umsetzung von Art. 6 Abs. 3 lit. d der Richtlinie 2002/46/EG. Soweit die Richtlinie 2002/46/EG Bestimmungen über nährwert- und gesundheitsbezogene Angaben enthält, genießen die dortigen Regelungen zwar Vorrang gegenüber der HCV. Gemäß Art. 1 Abs. 5 lit. d) HCV gilt die HCV nämlich unbeschadet der Richtlinie 2002/46/EG. Allerdings ist der Pflichthinweis nach Art. 4 Abs. 2 Nr. 4 NemV keine spezielle Regelung zu Art. 10 Abs. 2 lit. a) HCV, da beide Hinweispflichten unterschiedliche Aspekte behandeh. Der Pflichthinweis nach Art. 4 Abs. 2 Nr. 4 NemV stellt insoweit nur auf eine abwechslungsreiche Ernährung ab, während Art. 10 Abs. 2 lit. a) HCV auch einen Hinweis auf die Bedeutung einer ausgewogenen Ernährung und einer gesunden Lebensweise verlangt.
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