Source: http://m.hensche.de/Arbeitsvertrag_Allgemeine_Geschaeftsbedingungen_AGB_Verlaengerung_von_Arbeitnehmerkuendigungsfristen_und_Vertragsstrafenklausel_BAG_8AZR896-07-u.html
Timestamp: 2017-08-23 19:39:30
Document Index: 268428988

Matched Legal Cases: ['§ 11', '§ 4', '§ 4', '§ 13', '§ 622', '§ 622', '§ 11', '§ 307', '§ 13', '§ 305', '§ 11', '§ 305', '§ 306', 'Art. 229', '§ 5', '§ 305', '§ 308', '§ 4', '§ 310', '§ 305', '§ 306', '§ 11', '§ 305', '§ 310', '§ 310', '§ 310', '§ 307', '§ 307', '§ 307', '§ 310', '§ 307', '§ 13', '§ 307', '§ 4', '§ 307', '§ 307', '§ 307', '§ 307', '§ 307', '§ 13', '§ 622', '§ 1', '§ 622', '§ 622', '§ 13', '§ 622', '§ 305', '§ 622', '§ 305', '§ 307', '§ 307', '§ 13', '§ 622', '§ 622', '§ 622', '§ 622', '§ 1', '§ 622', '§ 622', '§ 307', '§ 307', '§ 307', '§ 309', '§ 309', '§ 309', '§ 291', '§ 11', '§ 305', '§ 309', '§ 11', '§ 309', '§ 310', '§ 888', '§ 310', '§ 613', '§ 309', '§ 307', '§ 309', '§ 309', '§ 307', '§ 307', '§ 307', '§ 11', '§ 11', '§ 305', '§ 4', '§ 622', '§ 622', '§ 11', '§ 11', '§ 11', '§ 307', '§ 307', '§ 307', '§ 11', '§ 307', '§ 622', '§ 15', '§ 307', '§ 307', '§ 309', '§ 309', '§ 11', '§ 622', '§ 622', '§ 307', '§ 310', '§ 305', '§ 622', '§ 339', '§ 91']

Schlag­worte: Vertragsstrafe, Kündigungsfrist
Akten­zeichen: 8 AZR 896/07
Ent­scheid­ungs­datum: 28.05.2009
Vor­ins­tan­zen: Arbeitsgericht Dessau, Urteil vom 24.01.2007, 1 Ca 210/06,
4 Sa 118/07
Auf die Re­vi­si­on der Be­klag­ten wird das Ur­teil des Lan­des­ar­beits­ge­richts Sach­sen-An­halt vom 22. Au­gust 2007 - 4 Sa 118/07 - auf­ge­ho­ben.
Auf die Be­ru­fung der Be­klag­ten wird das Schluss-Ur­teil des Ar­beits­ge­richts Des­sau vom 24. Ja­nu­ar 2007 - 1 Ca 210/06 - teil­wei­se ab­geändert. Auf die Wi­der­kla­ge wird der Kläger ver­ur­teilt, an die Be­klag­te 960,00 Eu­ro zzgl. Zin­sen in Höhe von fünf Pro­zent­punk­ten über dem Ba­sis­zins­satz seit dem 10. No­vem­ber 2006 zu zah­len.
Von den Kos­ten der ers­ten In­stanz hat der Kläger 4/5, die Be­klag­te 1/5 zu tra­gen. Die Kos­ten der Be­ru­fung und der Re­vi­si­on hat der Kläger zu tra­gen.
Die Par­tei­en strei­ten noch über die Ver­pflich­tung des Klägers zur Zah­lung ei­ner Ver­trags­stra­fe an die Be­klag­te iHv. 960,00 Eu­ro.
Der Kläger trat am 1. April 2000 bei der Be­klag­ten als Ma­schi­nen­be­die­ner ein und ver­dien­te zu­letzt brut­to 6,00 Eu­ro pro St­un­de. An­fang Ja­nu­ar 2006 ver­ein­bar­ten die Par­tei­en rück­wir­kend zum 1. De­zem­ber 2005 ei­nen neu­en Ar­beits­ver­trag, der später noch um ei­ne ab 1. Ja­nu­ar 2006 wir­ken­de Prämi­en-Zu­satz­ver­ein­ba­rung ergänzt wur­de. Der neue Ar­beits­ver­trag wur­de auf der Grund­la­ge ei­nes von der Be­klag­ten vor­for­mu­lier­ten Ver­trags­mus­ters, das in ei­ner Mehr­zahl von Fällen ver­wen­det wur­de, er­stellt. So­weit für die Re­vi­si­on von Be­deu­tung, lau­tet er:
„§ 11 Ver­trags­stra­fe
Nimmt der Mit­ar­bei­ter die Ar­beit nicht oder ver­spätet auf, ver­wei­gert er vorüber­ge­hend un­be­rech­tigt die Ar­beit, löst er das Ar­beits­verhält­nis oh­ne Ein­hal­tung der maßgeb­li­chen Kündi­gungs­frist un­be­rech­tigt auf oder wird der Ar­beit­ge­ber durch ver­trags­wid­ri­ges Ver­hal­ten des Ar­beit­neh­mers zur außer­or­dent­li­chen Kündi­gung ver­an­lasst, so
hat der Ar­beit­neh­mer an den Ar­beit­ge­ber ei­ne Ver­trags­stra­fe zu zah­len. Als Ver­trags­stra­fe wird für den Fall der ver­späte­ten Auf­nah­me der Ar­beit, der vorüber­ge­hen­den Ar­beits­ver­wei­ge­rung und der Auflösung des Ar­beits­verhält­nis­ses oh­ne Ein­hal­tung der maßgeb­li­chen Kündi­gungs­frist ein sich aus der Brut­to­mo­nats­vergütung nach vor­ste­hen­dem § 4 Abs. 1 zu er­rech­nen­des Brut­to­ta­ge­geld für je­den Tag der Zu­wi­der­hand­lung ver­ein­bart, ins­ge­samt je­doch nicht mehr als das in der ge­setz­li­chen Min­destkündi­gungs­frist an­sons­ten zu zah­len­de Ar­beits­ent­gelt. Im Übri­gen beträgt die Ver­trags­stra­fe ein Brut­to­mo­nats­ent­gelt gemäß vor­ste­hen­dem § 4 Ab­satz 1.
Das Recht des Ar­beit­ge­bers, ei­nen wei­ter­ge­hen­den Scha­den gel­tend zu ma­chen, bleibt un­berührt.
§ 13 Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses
Nach Ab­lauf der Pro­be­zeit kann das Ar­beits­verhält­nis bei­der­seits or­dent­lich un­ter Ein­hal­tung der für den Ar­beit­ge­ber nach § 622 BGB ge­setz­lich gel­ten­den Kündi­gungs-fris­ten gekündigt wer­den.
Das Recht zur außer­or­dent­li­chen Kündi­gung aus wich­ti­gem Grund bleibt un­berührt. Ei­ne außer­or­dent­li­che Kündi­gung gilt gleich­zei­tig vor­sorg­lich als frist­ge­rech­te Kündi­gung zum nächstmögli­chen Zeit­punkt.
Mit Schrei­ben vom 14. Au­gust 2006 kündig­te der Kläger das Ar­beits­verhält­nis „frist­gemäß“ zum 15. Sep­tem­ber 2006. Mit Schrei­ben vom 25. Au­gust 2006 und vom 1. Sep­tem­ber 2006 wies ihn die Be­klag­te dar­auf hin, dass die Kündi­gungs­frist we­gen der sechsjähri­gen Be­triebs­zu­gehörig­keit zwei Mo­na­te zum Mo­nats­en­de be­tra­ge und for­der­te ihn auf, sei­ne Ar­beits­leis­tung über den 15. Sep­tem­ber 2006 hin­aus zu er­brin­gen, was der Kläger un­ter­ließ.
In der Fol­ge­zeit er­stell­te die Be­klag­te Lohn­ab­rech­nun­gen bis zum 15. Sep­tem­ber 2006, zahl­te je­doch das Net­to­ent­gelt nur abzüglich der von ihr gel­tend ge­mach­ten Ver­trags­stra­fe iHv. 960,00 Eu­ro (6,00 Eu­ro pro St­un­de x 8 St­un­den x 5 Ta­ge x 4 Wo­chen) aus. Die Zah­lung ei­ner Leis­tungs- und Qua­litätsprämie iHv. 293,00 Eu­ro brut­to lehn­te sie ab.
Nach ei­nem An­er­kennt­nis­ur­teil über die Her­aus­ga­be der Lohn­steu­er­kar­te des Klägers hat das Ar­beits­ge­richt durch Schlus­s­ur­teil die Be­klag­te ver­ur­teilt, an den Kläger 960,00 Eu­ro net­to so­wie 265,15 Eu­ro brut­to nebst Zin­sen zu zah­len und im Übri­gen die Kla­ge und die auf die Zah­lung der Ver­trags­stra­fe ge­rich­te­te, hilfs­wei­se er­ho­be­ne Wi­der­kla­ge der Be­klag­ten ab-ge­wie­sen. Die Be­ru­fung der Be­klag­ten rich­te­te sich nur ge­gen die Ab­wei­sung ih­rer Wi­der­kla­ge.
Die Be­klag­te hat die Ver­trags­stra­fen­ver­ein­ba­rung für wirk­sam ge­hal­ten. Die Klau­sel sei we­der über­ra­schend noch un­zu­mut­bar be­las­tend. Sie gel­te auch im „Nied­rig­lohn­sek­tor“, wo­bei die Vor­in­stan­zen tatsächli­che Grund­la­gen für die Gel­tung be­son­de­rer Re­geln in die­sem Be­reich nicht fest­ge­stellt hätten. Die Klau­sel sei auch nicht un­klar oder in­trans­pa­rent. Der Hin­weis auf die ge­setz­li­che Min­destkündi­gungs­frist be­zie­he sich er­sicht­lich und zulässi­ger­wei­se le­dig­lich auf die Be­rech­nung der Höhe der Ver­trags­stra­fe.
den Kläger zu ver­ur­tei­len, an sie 960,00 Eu­ro zuzüglich Zin­sen iHv. fünf Pro­zent­punk­ten über dem Ba­sis­zins­satz seit dem 10. No­vem­ber 2006 zu zah­len.
Der Kläger hat die Ab­wei­sung der Wi­der­kla­ge be­an­tragt. Die Verlänge­rung der Fris­ten auch für ei­ne Ar­beit­neh­merkündi­gung hat er für so un­gewöhn­lich ge­hal­ten, dass er mit ihr nicht ha­be rech­nen müssen. Außer­dem sei die Klau­sel zur verlänger­ten Kündi­gungs­frist un­klar, da aus ihr ein Ver­weis auch auf § 622 Abs. 2 BGB nicht ein­deu­tig her­aus­zu­le­sen sei. Dies stel­le zu­dem ei­ne un­an­ge­mes­se­ne Be­nach­tei­li­gung dar.
Die Be­ru­fung der Be­klag­ten blieb vor dem Lan­des­ar­beits­ge­richt oh­ne Er­folg. Mit der im Te­nor des an­ge­foch­te­nen Ur­teils zu­ge­las­se­nen Re­vi­si­on ver­folgt die Be­klag­te ihr Wi­der­kla­ge­ziel wei­ter.
Die Re­vi­si­on der Be­klag­ten ist be­gründet. Ihr steht der gel­tend ge­mach­te An­spruch auf ei­ne Ver­trags­stra­fe zu.
A. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt hat sei­ne Ent­schei­dung im We­sent­li­chen wie folgt be­gründet: Der Kläger sei zur Zah­lung ei­ner Ver­trags­stra­fe nicht ver­pflich­tet, da die Re­ge­lung in § 11 des Ar­beits­ver­tra­ges ei­ner In­halts­kon­trol­le nach § 307 Abs. 1 BGB nicht stand­hal­te. Die Verlänge­rung der Kündi­gungs­frist für den Kläger durch § 13 Abs. 1 des Ar­beits­ver­tra­ges stel­le sich in der Zu­sam­men­schau mit der Ver­trags­stra­fen­re­ge­lung als „Über­ra­schungs­klau­sel“ dar, die ge­gen § 305c Abs. 1 BGB ver­s­toße. Im Be­reich nied­ri­ger Ent­loh­nung für we­nig qua­li­fi­zier­te Ar­beit­neh­mer be­deu­te ei­ne sol­che Ver­trags­ge­stal­tung ei­ne er­heb­li­che Be­nach­tei­li­gung, die den Wech­sel des Ar­beits­plat­zes bei Ein­hal­tung ei­ner mehr­mo­na­ti­gen Kündi­gungs­frist in der Re­gel unmöglich ma­che. Für Tätig­kei­ten mit ei­nem St­un­den­lohn von 6,00 Eu­ro würden neue Ar­beits­kräfte nur kurz­fris­tig ge­sucht. Es sei in der Tat kaum an­zu­neh­men, dass ein neu­er Ar­beit­ge­ber meh­re­re Mo­na­te auf ei­nen Ar­beit­neh­mer in die­sem Be­reich war­te, wenn die­ser an ei­ne länge­re Kündi­gungs­frist ge­bun­den sei. Es dürf­te da­her kei­nen Zwei­feln be­geg­nen, dass für den Kläger ei­ne sol­che Klau­sel ei­ne über­ra­schen­de Re­ge­lung dar­stel­le, die nicht wirk­sam Be­stand­teil des Ar­beits­ver­tra­ges ge­wor­den sei. Der Kläger ha­be nicht da­mit rech­nen müssen, dass die Ver­trags­stra­fe auch dann ver­wirkt wer­de, wenn er die ge­setz­li­che Kündi­gungs­frist wah­re. Durch § 11 Abs. 2 Satz 2 des Ar­beits­ver­tra­ges wer­de die Höhe der Ver­trags­stra­fe aus­drück­lich auf „das in der ge­setz­li­chen Min­destkündi­gungs­frist“ zu zah­len­de Ar­beits­ent­gelt be­schränkt. Dies ver­deut­li­che, dass an sich nur die Ver­let­zung der ge­setz­li­chen Min­destkündi­gungs­frist durch Zah­lung ei­ner Ver­trags­stra­fe sank­tio­niert wer­den soll­te. An­de­res sei über­ra­schend.
I. Zu­tref­fend ist das Lan­des­ar­beits­ge­richt da­von aus­ge­gan­gen, dass die Klau­seln im Ar­beits­ver­trag zur Verlänge­rung der Kündi­gungs­frist und zur
Ver­trags­stra­fe nach § 305c Abs. 2, §§ 306 und 307 bis 309 BGB auf ih­re Wirk­sam­keit hin zu über­prüfen sind.
1. Der Ar­beits­ver­trag der Par­tei­en, auf den die Be­klag­te ih­ren Ver­trags­stra­fen­an­spruch stützt, wur­de im Ja­nu­ar 2006 ge­schlos­sen. Auf ihn fin­den die Re­ge­lun­gen des Bürger­li­chen Ge­setz­bu­ches idF des Ge­set­zes zur Mo­der­ni­sie­rung des Schuld­rechts vom 26. No­vem­ber 2001 An­wen­dung. Dass das Ar­beits­verhält­nis schon seit dem Jahr 2000 be­stand, ändert dar­an nichts. Nach Art. 229 § 5 Satz 2 EGBGB sind die Re­ge­lun­gen zur Ge­stal­tung des Schuld­verhält­nis­ses durch All­ge­mei­ne Geschäfts­be­din­gun­gen auf Dau­er­schuld­verhält­nis­se je­den­falls ab dem 1. Ja­nu­ar 2003 an­zu­wen­den.
2. All­ge­mei­ne Geschäfts­be­din­gun­gen sind al­le für ei­ne Viel­zahl von Verträgen vor­for­mu­lier­ten Ver­trags­be­din­gun­gen, die ei­ne Ver­trags­par­tei der an­de­ren bei Ver­trags­ab­schluss stellt, § 305 Abs. 1 Satz 1 BGB. Ver­trags­be­din­gun­gen sind für ei­ne Viel­zahl von Verträgen be­reits dann vor­for­mu­liert, wenn ih­re drei­ma­li­ge Ver­wen­dung be­ab­sich­tigt ist (BAG 1. März 2006 - 5 AZR 363/05 - BA­GE 117, 155 = AP BGB § 308 Nr. 3 = EzA TVG § 4 Ta­rif­loh­nerhöhung Nr. 48). Nach § 310 Abs. 3 Nr. 2 BGB fin­den auf Verträge zwi­schen ei­nem Un­ter­neh­mer und ei­nem Ver­brau­cher (Ver­brau­cher­verträge) § 305c Abs. 2 BGB und die §§ 306 und 307 bis 309 BGB auch dann An­wen­dung, wenn die vor­for­mu­lier­ten Ver­trags­be­din­gun­gen nur zur ein­ma­li­gen Ver­wen­dung be­stimmt sind und der Ver­brau­cher auf­grund der Vor­for­mu­lie­rung auf ih­ren In­halt kei­nen Ein­fluss neh­men konn­te.
Nach den Fest­stel­lun­gen des Lan­des­ar­beits­ge­richts han­delt es sich bei den ar­beits­ver­trag­li­chen Re­ge­lun­gen in §§ 11, 13 des Ar­beits­ver­tra­ges um ei­ne von der Be­klag­ten vor­for­mu­lier­te und in ei­ner Mehr­zahl von Fällen ver­wen­de­te Ver­trags­be­stim­mung. Da­her stel­len die­se Ver­trags­be­din­gun­gen All­ge­mei­ne Geschäfts­be­din­gun­gen iSd. § 305 Abs. 1 Satz 1 BGB dar.
3. Bei dem zwi­schen den Par­tei­en ab­ge­schlos­se­nen Ar­beits­ver­trag han­delt es sich um ei­nen Ver­brau­cher­ver­trag iSd. § 310 Abs. 3 BGB. Ar­beits­verträge sind Verträge zwi­schen ei­nem Un­ter­neh­mer (Ar­beit­ge­ber) und ei­nem
Ver­brau­cher (Ar­beit­neh­mer) iSv. § 310 Abs. 3 BGB (BAG 18. März 2008 - 9 AZR 186/07 - AP BGB § 310 Nr. 12 = EzA BGB 2002 § 307 Nr. 36; 14. Au­gust 2007 - 8 AZR 973/06 - AP BGB § 307 Nr. 28 = EzA BGB 2002 § 307 Nr. 28; 25. Mai 2005 - 5 AZR 572/04 - BA­GE 115, 19 = AP BGB § 310 Nr. 1 = EzA BGB 2002 § 307 Nr. 3).
II. Die Klau­sel zur Verlänge­rung der Kündi­gungs­fris­ten für den Ar­beit­neh­mer, § 13 Abs. 1 Ar­beits­ver­trag (AV), be­nach­tei­ligt den Kläger nicht schon des­we­gen, weil sie un­klar, un­verständ­lich oder über­ra­schend wäre.
1. Nach dem Trans­pa­renz­ge­bot des § 307 Abs. 1 Satz 2 BGB sind Ver­wen­der von All­ge­mei­nen Geschäfts­be­din­gun­gen gemäß den Grundsätzen von Treu und Glau­ben ver­pflich­tet, Rech­te und Pflich­ten ih­rer Ver­trags­part­ner möglichst klar und durch­schau­bar dar­zu­stel­len. All­ge­mei­ne Geschäfts­be­din­gun­gen müssen wirt­schaft­li­che Nach­tei­le und Be­las­tun­gen so­weit er­ken­nen las­sen, wie dies nach den Umständen ge­for­dert wer­den kann (BAG 3. April 2007 - 9 AZR 867/06 - BA­GE 122, 64 = AP TVG § 4 Nach­wir­kung Nr. 46 = EzA BGB 2002 § 307 Nr. 22). Vor­aus­set­zun­gen und Rechts­fol­gen der Ver­trags­re­geln müssen so ge­nau be­schrie­ben wer­den, dass für den Ver­wen­der kei­ne un­ge­recht­fer­tig­ten Be­ur­tei­lungs­spielräume ent­ste­hen. Ei­ne Klau­sel ver­letzt das Be­stimmt­heits­ge­bot des § 307 Abs. 1 Satz 2 BGB, wenn sie - im Rah­men des recht­lich und tatsächlich Zu­mut­ba­ren - ver­meid­ba­re Un­klar­hei­ten und Spielräume enthält (BAG 14. Au­gust 2007 - 8 AZR 973/06 - AP BGB § 307 Nr. 28 = EzA BGB 2002 § 307 Nr. 28). Da­bei ist nicht auf den flüch­ti­gen Be­trach­ter, son­dern auf den auf­merk­sa­men und sorgfälti­gen Teil­neh­mer am Wirt­schafts­ver­kehr ab­zu­stel­len (Pa­landt/Grüne­berg BGB 68. Aufl. § 307 Rn. 19).
2. Die Re­ge­lung in § 13 Abs. 1 AV ist hin­rei­chend be­stimmt und lässt den Ar­beit­neh­mer er­ken­nen, un­ter wel­chen Vor­aus­set­zun­gen er or­dent­lich kündi­gen kann. Nach Ab­lauf der Pro­be­zeit soll das Ar­beits­verhält­nis „bei­der­seits“ or­dent­lich un­ter Ein­hal­tung der für den Ar­beit­ge­ber nach § 622 BGB ge­setz­lich gel­ten­den Kündi­gungs­fris­ten gekündigt wer­den können.
Da das Ar­beits­verhält­nis schon seit dem Jahr 2000 be­stand und der Ar­beits­ver­trag vom Ja­nu­ar 2006 nach sei­nem § 1 nur ei­nen frühe­ren An-stel­lungs­ver­trag er­setz­te, spielt er­sicht­lich der Ab­lauf ei­ner Pro­be­zeit kei­ne Rol­le. Als auf­merk­sa­mer und sorgfälti­ger Teil­neh­mer am Wirt­schafts­ver­kehr konn­te der Kläger un­schwer er­ken­nen, dass auch er nur „bei­der­seits“ or­dent­lich kündi­gen konn­te, wenn er die für die Ar­beit­ge­ber­sei­te nach § 622 BGB ge­setz­lich gel­ten­den Kündi­gungs­fris­ten einhält. Kündi­gungs­fris­ten für die Ar­beit­ge­ber­sei­te sind in § 622 Abs. 2 BGB ge­re­gelt. Nach des­sen Satz 1 Nr. 2 beträgt die Kündi­gungs­frist für den Ar­beit­ge­ber, wenn das Ar­beits­verhält­nis fünf Jah­re be­stan­den hat, zwei Mo­na­te zum En­de des Ka­len­der­mo­nats. Durch § 13 Abs. 1 AV wur­de die­se Frist auch für die or­dent­li­che Kündi­gung sei­tens des Ar­beit­neh­mers ein­geführt.
Die­se Re­ge­lung ist ein­deu­tig und ei­ner Aus­le­gung nicht zugäng­lich. Zwei­fel an der Trans­pa­renz die­ser ar­beits­ver­trag­li­chen Ver­ein­ba­rung ließen sich nur he­gen, wenn man ei­ne Be­zug­nah­me auf ge­setz­li­che Re­geln an sich für in­trans­pa­rent hiel­te. Das Trans­pa­renz­ge­bot er­for­dert aber nicht, den Ge­set­zes­text in den Ver­trags­text auf­zu­neh­men oder ei­ne ge­setz­li­che Re­ge­lung mit ei­ge­nen Wor­ten dar­zu­stel­len oder zu erläutern.
Auch die feh­len­de ge­naue Ver­wei­sung auf § 622 Abs. 2 BGB lässt die Klau­sel nicht in­trans­pa­rent wer­den, sie eröff­net auch kei­nen Raum für ei­ne An­wen­dung der sog. Un­klar­hei­ten­re­gel (§ 305c Abs. 2 BGB). Durch die Ein­gangs­for­mel von § 622 Abs. 2 BGB weist der Ge­setz­ge­ber auch für den ju­ris­ti­schen Lai­en verständ­lich dar­auf hin, dass es im Fol­gen­den um die Fris­ten für ei­ne Kündi­gung „durch den Ar­beit­ge­ber“ geht. Im Übri­gen ver­kennt die Re­vi­si­on in die­sem Zu­sam­men­hang, dass auch bei ei­ner Ver­wei­sung auf den kon­kre­ten Ab­satz der Ge­set­zes­text her­an­ge­zo­gen wer­den muss, um die ge­naue Dau­er der je­weils gülti­gen Kündi­gungs­frist zu be­stim­men.
3. Die Verlänge­rung der Fris­ten für ei­ne or­dent­li­che Ar­beit­neh­merkündi­gung ist auch kei­ne über­ra­schen­de Klau­sel iSd. § 305c Abs. 1 BGB.
a) Da­nach wer­den Be­stim­mun­gen in All­ge­mei­nen Geschäfts­be­din­gun­gen dann nicht Ver­trags­be­stand­teil, wenn sie nach den Umständen, ins­be­son­de­re
nach dem äußeren Er­schei­nungs­bild des Ver­tra­ges, so un­gewöhn­lich sind, dass der Ver­trags­part­ner des Ver­wen­ders mit ih­nen nicht zu rech­nen brauch­te. Über­ra­schen­den Klau­seln muss ein „Über­rum­pe­lungs- oder Übertölpe­lungs­ef­fekt“ in­ne­woh­nen. Zwi­schen den durch die Umstände bei Ver­trags­schluss be­gründe­ten Er­war­tun­gen und dem tatsächli­chen Ver­trags­in­halt muss ein deut­li­cher Wi­der­spruch be­ste­hen. Da­bei sind al­le Umstände zu berück­sich­ti­gen, ins­be­son­de­re das äußere Er­schei­nungs­bild des Ver­tra­ges. Der un­gewöhn­li­che äußere Zu­schnitt ei­ner Klau­sel oder ih­re Un­ter­brin­gung an un­er­war­te­ter Stel­le können ei­ne Be­stim­mung zu ei­ner un­gewöhn­li­chen und da­mit über­ra­schen­den Klau­sel ma­chen. Das Über­ra­schungs­mo­ment ist des­to eher zu be­ja­hen, je be­las­ten­der die Be­stim­mung ist. Im Ein­zel­fall muss der Ver­wen­der auf ei­ne sol­che Klau­sel be­son­ders hin­wei­sen oder die­se druck­tech­nisch her­vor­he­ben (BAG 14. Au­gust 2007 - 8 AZR 973/06 - mwN, AP BGB § 307 Nr. 28 = EzA BGB 2002 § 307 Nr. 28).
b) Das äußere Er­schei­nungs­bild des AV deu­tet nicht auf ei­nen Über­ra­schungs­ef­fekt hin. § 13 trägt, durch Fett­druck her­vor­ge­ho­ben, die Über­schrift „Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses“ und ist klar in fünf Absätze ge­glie­dert, de­ren ers­ter sich aus­sch­ließlich mit der Fra­ge der für bei­de Sei­ten gel­ten­den or­dent­li­chen Kündi­gungs­fris­ten be­fasst. Es han­delt sich we­der um ei­ne ver­steck­te Klau­sel noch um ei­ne an „fal­scher Stel­le“. Dass zu den Mo­da­litäten der „Be­en­di­gung“ auch und ge­ra­de die Kündi­gungs­fris­ten gehören, stellt kei­ne über­ra­schen­de Tat­sa­che dar. Dies ist auch vom Kläger nicht an­ders ge­se­hen wor­den.
c) Die Verlänge­rung von Kündi­gungs­fris­ten für den Ar­beit­neh­mer ist im Ar­beits­le­ben als Ge­stal­tungs­in­stru­ment so ver­brei­tet, dass ih­re Auf­nah­me in For­mu­lar­verträge, wie den vor­lie­gen­den AV, nicht über­ra­schend ist. Vor al­lem aber sieht das Ge­setz selbst die­se Ge­stal­tungsmöglich­keit aus­drück­lich vor und gibt dafür Re­geln vor. Durch ei­ne Gleich­be­hand­lungs­ab­re­de können die für den Ar­beit­ge­ber ge­setz­lich verlänger­ten Fris­ten auch auf die Kündi­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses durch den Ar­beit­neh­mer er­streckt wer­den. In § 622 BGB fin­det sich kein An­halts­punkt dafür, dass die Pri­vat­au­to­no­mie in­so­weit ein-
ge­schränkt wäre. Durch § 622 Abs. 5 BGB soll nur si­cher­ge­stellt wer­den, dass die in den Absätzen 1 bis 3 ge­nann­ten Fris­ten ein­zel­ver­trag­lich nicht verkürzt wer­den. Die Ver­ein­ba­rung länge­rer Kündi­gungs­fris­ten bleibt nach dem aus­drück­li­chen Ge­set­zes­wort­laut da­von un­berührt, § 622 Abs. 5 Satz 3 BGB. Durch § 622 Abs. 6 BGB schreibt der Ge­setz­ge­ber für Gleich­be­hand­lungs­klau­seln vor, dass für Kündi­gun­gen des Ar­beit­neh­mers kei­ne länge­re Frist ver­ein­bart wer­den darf als für Ar­beit­ge­berkündi­gun­gen (BAG 29. Au­gust 2001 - 4 AZR 337/00 - BA­GE 99, 24 = AP TVG § 1 Aus­le­gung Nr. 174 = EzA BGB § 622 Ta­rif­ver­trag Nr. 2; ErfK/Müller-Glöge § 622 BGB Rn. 40). Ei­ne all­ge­mein übli­che, vom Ge­setz aus­drück­lich an­ge­spro­che­ne und in Tei­len so­gar ge­re­gel­te ver­trag­li­che Ge­stal­tungsmöglich­keit ist nicht über­ra­schend.
4. Die Verlänge­rung der Kündi­gungs­fris­ten für den Ar­beit­neh­mer stellt schließlich auch aus an­de­ren Gründen kei­ne un­gewöhn­li­che und den Kläger un­an­ge­mes­sen be­nach­tei­li­gen­de Re­ge­lung, § 307 Abs. 1 Satz 1 BGB, dar, mit der er nicht zu rech­nen hat­te.
a) Das Lan­des­ar­beits­ge­richt hat in die­sem Zu­sam­men­hang dar­auf ab­ge­stellt, die Verlänge­rung von Kündi­gungs­fris­ten sei im Be­reich nied­ri­ger Löhne so­wie ge­ring qua­li­fi­zier­ter Ar­beit­neh­mer die Aus­nah­me und durch ein be­rech­tig­tes In­ter­es­se des Ar­beit­ge­bers an die­ser Re­gel nicht ge­deckt. Für den Ar­beit­neh­mer sei ei­ne sol­che Ver­trags­ge­stal­tung mit er­heb­li­chen Nach­tei­len ver­bun­den, da ihm ein Wech­sel sei­nes Ar­beits­plat­zes bei Ein­hal­tung ei­ner mehr­mo­na­ti­gen Kündi­gungs­frist „in der Re­gel unmöglich ge­macht wer­de. Dies gel­te je­den­falls im Be­reich nied­rig be­zahl­ter Tätig­kei­ten“, für die neue Ar­beits­kräfte in der Re­gel kurz­fris­tig ge­sucht würden und in dem das mehr­mo­na­ti­ge Zu­war­ten ei­nes Ar­beit­ge­bers auf ei­nen an ei­ne länge­re Kündi­gungs­frist ge­bun­de­nen, neu ein­zu­stel­len­den Ar­beit­neh­mer „die Aus­nah­me dar­stel­len dürf­te“. „Es dürf­te da­her kei­nen Zwei­feln be­geg­nen“, dass für den Kläger ei­ne sol­che Klau­sel ei­ne über­ra­schen­de Re­ge­lung dar­stel­le, die des­halb nicht wirk­sam Be­stand­teil des Ar­beits­ver­tra­ges der Par­tei­en ge­wor­den sei.
b) Zwar sind nach § 307 Abs. 1 Satz 1 BGB Be­stim­mun­gen in All­ge­mei­nen Geschäfts­be­din­gun­gen un­wirk­sam, wenn sie den Ver­trags­part­ner
des Klau­sel­ver­wen­ders ent­ge­gen Treu und Glau­ben un­an­ge­mes­sen be­nach­tei­li­gen. In die­sem Sinn un­an­ge­mes­sen ist je­de Be­ein­träch­ti­gung ei­nes recht­lich an­er­kann­ten In­ter­es­ses des Ar­beit­neh­mers, die nicht durch be­gründe­te und bil­li­gens­wer­te In­ter­es­sen des Ar­beit­ge­bers ge­recht­fer­tigt ist oder durch gleich­wer­ti­ge Vor­tei­le aus­ge­gli­chen wird (BAG 21. April 2005 - 8 AZR 425/04 - AP BGB § 307 Nr. 3 = EzA BGB 2002 § 309 Nr. 3). Die Fest­stel­lung ei­ner un­an­ge­mes­se­nen Be­nach­tei­li­gung setzt ei­ne wech­sel­sei­ti­ge Berück­sich­ti­gung und Be­wer­tung recht­lich an­zu­er­ken­nen­der In­ter­es­sen der Ver­trags­part­ner vor­aus. Bei die­sem Vor­gang sind auch grund­recht­lich geschütz­te Rechts­po­si­tio­nen zu be­ach­ten. Es be­darf ei­ner um­fas­sen­den Würdi­gung der bei­den Po­si­tio­nen un­ter Berück­sich­ti­gung des Grund­sat­zes von Treu und Glau­ben. Da­bei ist auch die Stel­lung der Klau­sel im Ge­samt­ver­trag zu berück­sich­ti­gen, eben­so wie kom­pen­sie­ren­de oder sum­mie­ren­de Ef­fek­te (BAG 4. März 2004 - 8 AZR 196/03 - BA­GE 110, 8 = AP BGB § 309 Nr. 3 = EzA BGB 2002 § 309 Nr. 1). Zur Be­ur­tei­lung der Un­an­ge­mes­sen­heit ist ein ge­ne­rel­ler, ty­pi­sie­ren­der, vom Ein­zel­fall los­gelöster Maßstab an­zu­le­gen. Im Rah­men der In­halts­kon­trol­le sind da­bei Art und Ge­gen­stand, Zweck und be­son­de­re Ei­gen­art des je­wei­li­gen Geschäfts zu berück­sich­ti­gen. Zu prüfen ist, ob der Klau­sel­in­halt bei der in Re­de ste­hen­den Art des Rechts­geschäfts ge­ne­rell un­ter Berück­sich­ti­gung der ty­pi­schen In­ter­es­sen der be­tei­lig­ten Ver­kehrs­krei­se ei­ne un­an­ge­mes­se­ne Be­nach­tei­li­gung des Ver­trags­part­ners er­gibt. Wer­den All­ge­mei­ne Geschäfts­be­din­gun­gen für ver­schie­de­ne Ar­ten von Geschäften oder ge­genüber ver­schie­de­nen Ver­kehrs­krei­sen ver­wen­det, de­ren In­ter­es­sen, Verhält­nis­se und Schutz­bedürf­nis­se ge­ne­rell un­ter­schied­lich ge­la­gert sind, so kann die Abwägung zu grup­pen­ty­pisch un­ter­schied­li­chen Er­geb­nis­sen führen. Sie ist in den Ver­trags- oder Fall­grup­pen vor­zu­neh­men, wie sie durch die an dem Sach­ge­gen­stand ori­en­tier­te ty­pi­sche In­ter­es­sen­la­ge ge­bil­det wer­den (BAG 4. März 2004 - 8 AZR 196/03 - aaO).
c) Der Se­nat folgt den Vor­in­stan­zen aber schon des­we­gen nicht, weil sie ih­re dies­bezügli­chen Über­le­gun­gen nicht auf vor­ge­tra­ge­ne oder of­fen­kun­di­ge (§ 291 ZPO) Tat­sa­chen gestützt ha­ben. Der Kläger hat­te erst­in­stanz­lich
(Schrift­satz vom 10. Ja­nu­ar 2007) nur ver­mu­tet,
„dass ein po­ten­ti­el­ler neu­er Ar­beit­ge­ber sich ... nicht meh­re­re Mo­na­te an ein ver­bes­ser­tes Ver­trags­an­ge­bot bin­den wird, da ein Ar­beits­kräfte­be­darf im Re­gel­fall kurz­fris­tig be­steht.“
Die­sen Hin­weis, der kei­ne kon­kre­te Tat­sa­chen­be­haup­tung enthält, hat das Ar­beits­ge­richt auf­ge­grif­fen und zur Be­gründung sei­nes Ur­teils tra­gend her­an­ge­zo­gen. Ob­wohl die Be­klag­te die­se Vor­ge­hens­wei­se zu Recht mit der Be­ru­fungs­be­gründung als un­zu­tref­fen­de Tat­sa­chen­grund­la­ge be­zeich­net hat, hat auch das Be­ru­fungs­ge­richt die­se Be­gründung wie­der­holt und ar­gu­men­ta­tiv verstärkt. Zu Recht merkt die Re­vi­si­on an, dass sich auch das Lan­des­ar­beits­ge­richt jeg­li­cher Tat­sa­chen­fest­stel­lung ent­hal­ten hat. Der „Be­reich nied­rig be­zahl­ter Tätig­kei­ten“ wird eben­so we­nig näher be­schrie­ben wie die Zu­ord­nung ei­nes St­un­den­lohns von 6,00 Eu­ro zu die­sem Be­reich be­gründet wird. Dass und wo­durch ein sol­cher Be­reich durch be­son­de­re ar­beits­recht­li­che Ge­pflo­gen­hei­ten ge­kenn­zeich­net und die Verlänge­rung von Ar­beit­neh­merkündi­gungs­fris­ten für ihn un­gewöhn­lich und da­her über­ra­schend sein soll, wur­de von kei­ner der Par­tei­en be­haup­tet und stellt auch kei­ne all­ge­mein be­kann­te Tat­sa­che dar, die ein Ge­richt sei­ner Ent­schei­dungs­fin­dung auch oh­ne ent­spre­chen­den Par­tei­vor­trag zu­grun­de le­gen dürf­te. Da­bei kommt es nicht dar­auf an, ob sich tatsächlich ein der­ar­ti­ger Nied­rig­lohn­sek­tor be­schrei­ben lässt und wel­che be­son­de­ren ver­trag­li­chen Um­gangs­for­men und Ge­wohn­hei­ten für ihn fest­ge­stellt wer­den könn­ten. Denn sol­che Tat­sa­chen sind nie vor­ge­tra­gen und von den Tat­sa­chen­ge­rich­ten nicht fest­ge­stellt wor­den. Auch im Be­reich der AGB-Kon­trol­le kann die Rechts­fin­dung nicht auf bloße ge­richt­li­che Ver­mu­tun­gen gestützt wer­den.
III. Auch die Ver­trags­stra­fen­klau­sel, § 11 AV, hält ei­ner Kon­trol­le nach den §§ 305 ff. BGB stand.
1. Ver­trags­stra­fen­ab­re­den in For­mu­lar­verträgen sind grundsätz­lich nach § 309 Nr. 6 BGB un­zulässig. Zwar be­stimmt § 11 Abs. 2 Satz 1 4. Alt. AV die Ver­wir­kung der Ver­trags­stra­fe ge­ra­de für den Fall, dass sich der Ar­beit­neh­mer von dem Ar­beits­verhält­nis oh­ne Ein­hal­tung der maßgeb­li­chen Kündi­gungs­frist
un­be­rech­tigt löst. § 309 Nr. 6 BGB ist aber vor­lie­gend nach § 310 Abs. 4 Satz 2 BGB nicht an­wend­bar, weil die im Ar­beits­recht gel­ten­den Be­son­der­hei­ten dem ent­ge­gen­ste­hen.
Der Aus­schluss der Voll­streck­bar­keit der Ar­beits­leis­tung nach § 888 Abs. 3 ZPO ist ei­ne im Ar­beits­recht gel­ten­de Be­son­der­heit iSd. § 310 Abs. 4 Satz 2 BGB. Bei der Er­brin­gung der Ar­beits­leis­tung han­delt es sich grundsätz­lich um ei­ne nicht ver­tret­ba­re Hand­lung, da der Ar­beit­neh­mer ver­pflich­tet ist, die Ar­beits­leis­tung höchst­persönlich zu er­brin­gen, wenn die Par­tei­en nicht et­was an­de­res ver­ein­bart ha­ben (§ 613 BGB). Ver­trags­stra­fen­ver­ein­ba­run­gen in For­mu­lar­ar­beits­verträgen sind da­her nicht nach § 309 Nr. 6 BGB ge­ne­rell un­zulässig. Ih­re Un­wirk­sam­keit kann sich je­doch aus § 307 BGB er­ge­ben (BAG 4. März 2004 - 8 AZR 196/03 - BA­GE 110, 8 = AP BGB § 309 Nr. 3 = EzA BGB 2002 § 309 Nr. 1). Da­bei ist zum Schutz des Ar­beit­neh­mers ein stren­ger Maßstab an­zu­le­gen (BAG 14. Au­gust 2007 - 8 AZR 973/06 - AP BGB § 307 Nr. 28 = EzA BGB 2002 § 307 Nr. 28).
2. Die Ver­trags­stra­fen­klau­sel genügt dem Trans­pa­renz­er­for­der­nis des § 307 Abs. 1 Satz 2 BGB.
§ 11 Abs. 2 AV ist klar ge­glie­dert. Sein Satz 1 zählt, auch für ei­nen ju­ris­ti­schen Lai­en verständ­lich, fünf Fälle auf, in de­nen die Ver­trags­stra­fe ver­wirkt wird, dar­un­ter auch die Lösung des Ar­beits­verhält­nis­ses oh­ne Ein­hal­tung der maßgeb­li­chen Kündi­gungs­frist und oh­ne Recht­fer­ti­gung dafür. Satz 2 legt die Höhe der ver­wirk­ten Ver­trags­stra­fe für drei Fälle, dar­un­ter auch für den Fall der Nicht­ein­hal­tung der Kündi­gungs­frist, fest. Satz 3 legt für die bei­den übri­gen Fälle, in de­nen die Ver­trags­stra­fe ver­wirkt sein soll, de­ren Höhe auf ein Brut­to­mo­nats­ent­gelt fest. Wenn auch in ei­nem Ab­satz hin­ter­ein­an­der auf­gezählt, sind die An­wen­dungsfälle für ei­ne Ver­trags­stra­fen­ver­wir­kung verständ­lich be­schrie­ben und um­fas­sen klar den Fall ei­ner un­fris­ti­gen or­dent­li­chen Ar­beit­neh­merkündi­gung. Zu­dem wird in § 11 Abs. 2 Satz 1 AV ge­ra­de for­mu­liert „oh­ne Ein­hal­tung der maßgeb­li­chen Kündi­gungs­frist“ und nicht et­wa, wie es der Auf­fas­sung der Re­vi­si­on ent­spre­chen würde, „oh­ne Ein­hal­tung der ge­setz­li­chen Min­destkündi­gungs­frist“.
3. Die Ver­trags­stra­fen­klau­sel verstößt wei­ter nicht ge­gen die Un­klar­hei­ten­re­gel des § 305c Abs. 2 BGB.
a) Die Be­klag­te hat nicht pau­schal und für al­le Fälle ei­nes Ver­trags­ver­s­toßes, son­dern nur für be­stimm­te Fälle, dar­un­ter auch den der Nicht­ein­hal­tung der Kündi­gungs­frist, ei­ne ge­staf­fel­te („für je­den Tag der Zu­wi­der­hand­lung“) und grundsätz­lich nach Ta­gen zu be­mes­sen­de Ver­trags­stra­fe vor­ge­ge­ben. Auch die Be­rech­nungs­wei­se (§ 4 Abs. 1 AV) wur­de an­ge­ge­ben. Zu­dem wur­de ei­ne hinläng­lich kla­re Ver­trags­stra­fenhöchst­gren­ze for­mu­liert: „... ins­ge­samt je­doch nicht mehr als das in der ge­setz­li­chen Min­destkündi­gungs­frist an­sons­ten zu zah­len­de Ar­beits­ent­gelt“. Dies stellt, auch aus der Sicht des Klägers, auf die Kündi­gungs­frist des § 622 Abs. 1 BGB oder - im Fall der Pro­be­zeit - auf die des § 622 Abs. 3 BGB ab. Die Be­gren­zung der ge­staf­fel­ten Ver­trags­stra­fe auf ei­ne vierwöchi­ge Vergütung (nicht: auf ein Brut­to­mo­nats­ent­gelt) enthält kei­ne Un­klar­hei­ten und wur­de im Übri­gen von der Be­klag­ten bei der Be­rech­nung der vom Kläger ver­wirk­ten Ver­trags­stra­fe ein­ge­hal­ten.
b) Ent­ge­gen der Auf­fas­sung des Klägers führt die Erwähnung des „in der ge­setz­li­chen Min­destkündi­gungs­frist an­sons­ten zu zah­len­den Ar­beits­ent­gelts“ in § 11 Abs. 2 Satz 2 AV nicht zu Un­klar­hei­ten und da­mit zur Un­wirk­sam­keit der ge­sam­ten Ver­trags­stra­fen­klau­sel. Auch für den ju­ris­tisch nicht ge­schul­ten Ar­beit­neh­mer er­kenn­bar und un­ter­scheid­bar wird von der „Ein­hal­tung der maßgeb­li­chen Kündi­gungs­frist“ dann ge­spro­chen, wenn es um die Ver­wir­kung der Ver­trags­stra­fe geht, al­so in § 11 Abs. 2 Satz 1 AV. Der Be­griff der „ge­setz­li­chen Min­destkündi­gungs­frist“ taucht da­ge­gen in § 11 Abs. 2 Satz 2 AV auf, der klar und verständ­lich die Höhe der nach Satz 1 ver­wirk­ten Ver­trags­stra­fe re­gelt. Ge­ra­de die Ver­wen­dung un­ter­schied­li­cher Be­grif­fe zu un­ter­schied­li­chen Re­ge­lungs­ma­te­ri­en soll den auf­merk­sa­men und sorgfälti­gen Ar­beit­neh­mer vor der An­nah­me be­wah­ren, er ha­be stets nur die ge­setz­li­che Min­destkündi­gungs­frist ein­zu­hal­ten. Auch ein Laie ver­steht, dass „ge­setz­li­che Min­destkündi­gungs­frist“ et­was an­de­res als „Brut­to­mo­nats­ent­gelt“ sein muss.
4. Die Ver­trags­stra­fen­ab­re­de stellt schließlich kei­ne un­an­ge­mes­se­ne Be­nach­tei­li­gung des Klägers dar.
a) Die An­wend­bar­keit des § 307 Abs. 1 und 2 BGB ist nicht durch § 307 Abs. 3 Satz 1 aus­ge­schlos­sen. § 307 BGB ist an­wend­bar, wenn durch All­ge­mei­ne Geschäfts­be­din­gun­gen von Rechts­vor­schrif­ten ab­wei­chen­de oder die­se ergänzen­de Re­ge­lun­gen ver­ein­bart wer­den. Das Ge­setz sieht für den Fall des Ver­s­toßes ge­gen ei­ne ar­beits­ver­trag­lich ver­ein­bar­te Kündi­gungs­frist kei­ne Ver­pflich­tung zur Zah­lung ei­ner Ver­trags­stra­fe vor. § 11 AV stellt da­mit ei­ne die Rechts­vor­schrif­ten ergänzen­de Re­ge­lung dar.
b) Die Ver­trags­stra­fen­klau­sel ist nicht nach der Zwei­fels­re­gel des § 307 Abs. 2 Nr. 1 BGB un­wirk­sam. Da­nach ist ei­ne un­an­ge­mes­se­ne Be­nach­tei­li­gung im Zwei­fel an­zu­neh­men, wenn ei­ne Ver­trags­be­stim­mung mit we­sent­li­chen Grund­ge­dan­ken der ge­setz­li­chen Re­ge­lung, von der ab­ge­wi­chen wird, nicht zu ver­ein­ba­ren ist. Ein sol­cher Fall liegt nicht vor. Durch die Ver­trags­stra­fe soll ei­ne Ver­trags­ge­stal­tung durch­ge­setzt wer­den, für die der Ge­setz­ge­ber mit § 622 Abs. 6 BGB aus­drück­lich die Möglich­keit eröff­net hat. Zu­dem wird durch § 15 Abs. 4 Tz­B­fG deut­lich, dass so­gar ei­ne Bin­dung auf bis zu fünf Jah­re oh­ne or­dent­li­che Kündi­gungsmöglich­keit zulässig sein soll.
c) Ei­ne un­an­ge­mes­se­ne Be­nach­tei­li­gung iSd. § 307 Abs. 1 Satz 1 BGB ist eben­falls nicht ge­ge­ben. Die Ver­trags­stra­fe ist nicht un­an­ge­mes­sen hoch.
Ei­ne un­an­ge­mes­se­ne Be­nach­tei­li­gung iSd. § 307 Abs. 1 Satz 1 BGB kann auch aus der Höhe der Ver­trags­stra­fe fol­gen (BAG 4. März 2004 - 8 AZR 196/03 - BA­GE 110, 8 = AP BGB § 309 Nr. 3 = EzA BGB 2002 § 309 Nr. 1). Die Be­klag­te hat je­doch zum ei­nen in § 11 Abs. 2 Satz 2 AV ei­ne der Dau­er der Ver­trags­ver­let­zung pro­por­tio­na­le Ver­trags­stra­fe for­mu­liert („für je­den Tag der Zu­wi­der­hand­lung“), zum an­de­ren hat sie ei­ne Ober­gren­ze für die Ver­trags­stra­fe ge­schaf­fen, die un­ter­halb ei­nes Brut­to­mo­nats­ent­gel­tes liegt, nämlich in Höhe des in der ge­setz­li­chen Min­destkündi­gungs­frist an­sons­ten zu zah­len­den Ar­beits­ent­gel­tes. Die­ses ent­spricht während ei­ner ver­ein­bar­ten Pro­be­zeit dem Ar­beits­ent­gelt für zwei Wo­chen (§ 622 Abs. 3 BGB), an­sons­ten der Vergütung von vier Wo­chen (§ 622 Abs. 1 BGB). Zu ei­ner Ver­trags­stra­fe, wie sie die Be­klag­te in nicht strei­ti­ger Höhe für die ge­setz­li­che Min­destkündi­gungs­frist be­rech­net, kommt es vor­lie­gend nur, weil der Kläger durch sei­ne Kündi­gung die
Frist für die Lösung vom Ar­beits­verhält­nis um den Zeit­raum vom 16. Sep­tem­ber bis zum 31. Ok­to­ber 2006 verkürzt hat. Dar­auf hat­te ihn die Be­klag­te mit ih­ren bei­den Hin­weis- und Auf­for­de­rungs­schrei­ben vom 25. Au­gust 2006 und vom 1. Sep­tem­ber 2006 aus­drück­lich hin­ge­wie­sen, so dass der Kläger noch durch ver­trags­treu­es Ver­hal­ten die Möglich­keit ge­habt hätte, die Höhe der Ver­trags­stra­fe zu min­dern oder sie ganz zu ver­mei­den. Bei ei­ner der­ar­ti­gen Ver­trags­ge­stal­tung und -pra­xis liegt kei­ne Über­si­che­rung des Ar­beit­ge­bers vor, zu­mal es kei­ne fes­te Höchst­gren­ze für ei­ne Ver­trags­stra­fe in Höhe ei­nes Brut­to­mo­nats­ent­gel­tes gibt (BAG 25. Sep­tem­ber 2008 - 8 AZR 717/07 - Rn. 54 ff., AP BGB § 307 Nr. 39 = EzA BGB 2002 § 310 Nr. 7).
IV. Die bei­den Ver­trags­klau­seln zur Ge­stal­tung der Kündi­gungs­fris­ten und zur Ver­trags­stra­fe als Sank­ti­on bei Ver­let­zung der ver­ein­bar­ten Kündi­gungs­fris­ten sind schließlich auch in der Zu­sam­men­schau we­der un­gewöhn­lich noch über­ra­schend.
1. Un­ty­pi­sche Son­der­in­ter­es­sen der Be­klag­ten kom­men in der vor­lie­gen­den Ver­trags­ge­stal­tung nicht zur Gel­tung. Ein ge­rin­ge­res Bedürf­nis des Ar­beit­ge­bers, im „nied­ri­ge­ren Sek­tor“ ei­ne ar­beits­ver­trags­wid­ri­ge und schuld­haf­te Nicht­auf­nah­me oder Be­en­di­gung der Ar­beitstätig­keit der Ar­beit­neh­mer durch Ver­trags­stra­fen zu er­schwe­ren, ist nicht er­kenn­bar, eben­so we­nig wie ein et­wa da­mit kor­re­lie­ren­des ge­stei­ger­tes Bedürf­nis der Ar­beit­neh­mer­sei­te, möglichst schnell den Ar­beits­platz auf­ge­ben zu können. Bei der Ge­stal­tung der Kündi­gungs­fris­ten hat der Ge­setz­ge­ber nicht nach Beschäfti­gungs­sek­to­ren dif­fe­ren­ziert, zu­dem fehlt es an Tat­sa­chen­fest­stel­lun­gen zu ei­nem sog. „Nied­rig­lohn­be­reich“.
2. Ver­trags­stra­fen zur Sank­ti­on bei vor­zei­ti­ger tatsäch­li­cher Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses durch den Ar­beit­neh­mer, weil er die maßgeb­li­che Kündi­gungs­frist oder den Kündi­gungs­ter­min nicht einhält und ent­spre­chend sei­ne Ar­beits­leis­tun­gen nicht mehr bis zum recht­li­chen Ver­trags­en­de er­bringt, sind ein übli­cher An­wen­dungs­fall von Ver­trags­stra­fen. Mit ei­ner sol­chen Be­stim­mung muss der Ar­beit­neh­mer rech­nen (BAG 27. April 2000 - 8 AZR 301/99 -; HK-ArbR/Bo­em­ke/Ul­ri­ci § 305c BGB Rn. 11). Länge­re als in § 622
Abs. 1 BGB vor­ge­se­he­ne, für bei­de Ver­trags­par­tei­en glei­che Kündi­gungs­fris­ten können durch Straf­ver­spre­chen ge­si­chert wer­den (BAG 27. Mai 1992 - 5 AZR 324/91 - Rn. 22, EzA BGB § 339 Nr. 8).
3. Wei­ter ist zu berück­sich­ti­gen, dass vor­lie­gend die Ver­ein­ba­run­gen nicht anläss­lich der An­bah­nung ei­nes Ar­beits­verhält­nis­ses ge­trof­fen wur­den, son­dern im be­reits be­ste­hen­den Ar­beits­verhält­nis der frühe­re An­stel­lungs­ver­trag durch den AV vom Ja­nu­ar 2006 er­setzt wur­de. Da­her be­fand sich der Kläger, als er den neu­en Ver­trag un­ter­schrieb, in ei­ner un­gleich stärke­ren Po­si­ti­on als ein von außen kom­men­der Be­wer­ber um ei­ne freie Stel­le. Hätte der Kläger die neu­en ar­beits­ver­trag­li­chen Re­ge­lun­gen ab­ge­lehnt, wäre das Ar­beits­verhält­nis zu den frühe­ren Be­din­gun­gen fort­zuführen ge­we­sen. Die An­nah­me liegt da­her na­he, dass auch dem Kläger die neu­en, von der Be­klag­ten vor­for­mu­lier­ten Ver­trags­be­din­gun­gen in der Ge­samt­schau at­trak­ti­ver er­schie­nen als die bis­he­ri­gen Re­ge­lun­gen.
C. Die Kos­ten­ent­schei­dung be­ruht auf den §§ 91, 92 ZPO.
zur Übersicht 8 AZR 896/07