Source: https://ifsbr.de/gesetzliche-regelungen-zu-sanierungsgewinnen/
Timestamp: 2020-01-29 10:58:44
Document Index: 211675817

Matched Legal Cases: ['§ 3', '§ 3', '§ 6', '§ 3', '§ 4', '§ 4', '§ 5', '§ 4', '§ 15', '§ 15', '§ 15', '§15', '§ 15', '§ 15', '§ 10', '§ 10', '§ 10', '§ 15', '§ 15', '§ 10', '§ 10', '§ 10', '§ 10', '§ 4', '§ 4', '§ 180', '§ 180', '§ 286', '§ 304', '§ 3', '§ 3', '§ 3', '§ 3', '§ 180', '§ 6', '§ 52', '§ 3', '§ 163', '§ 222', '§ 3', '§ 3', '§ 8', '§ 3', '§ 3', '§ 3', '§ 3', '§ 8', '§ 3', '§ 8', '§ 3', '§ 15', '§ 3', '§ 3', '§ 3', '§ 3', '§ 3', '§ 14', '§ 14', '§ 34', '§ 7', '§ 7', '§ 7', '§ 3', '§ 3', '§ 3', '§ 10', '§ 10', '§ 10', '§ 10', '§ 3', '§ 10', '§ 10', '§ 8', '§ 2', '§ 15', '§ 36', '§ 7', '§ 163', '§ 222', '§ 11', '§ 11', '§ 10', '§ 5', '§ 15', '§ 11', '§ 11', '§ 11', '§ 11', '§ 11']

Gesetzliche Regelungen zu Sanierungsgewinnen - IfSBR
Über­blick über die gesetz­li­chen Rege­lun­gen zur Steu­er­frei­heit von Sanie­rungs­ge­win­nen
Es gibt in Deutsch­land eine lan­ge Tra­di­ti­on der Steu­er­frei­heit von Sanie­rungs­ge­win­nen. Nach­dem die frü­he­re Norm § 3 Nr. 66 EStG auf­ge­ho­ben wur­de, behalf sich die Sanie­rungs­pra­xis mit dem so genann­ten Sanie­rungs­er­lass vom 27. März 2003. Die­sen hat der Gro­ße Senat des Bun­des­fi­nanz­hofs mit Beschluss vom 28. Novem­ber 2016 für unan­wend­bar erklärt. Zu den Hand­lungs­op­tio­nen, Pra­xis­hin­wei­sen und Hin­ter­grün­den haben wir eine Son­der­sei­te «Sanie­rungs­ge­win­ne und Sanie­rungs­er­lass» ver­öf­fent­licht.
1. Die neue Geset­zes­re­ge­lung
2. Gesetz­ge­bungs­ver­fah­ren
3. His­to­ri­scher Über­blick zur Steu­er­frei­heit von Sanie­rungs­ge­win­nen
Der vom Bun­des­tag beschlos­se­ne Geset­zes­text (in der Fas­sung der Druck­sa­che 18/12128 vom 26. April 2017, die auch die Beschlüs­se des Finanz­aus­schus­ses ent­hält) lau­tet:
Ände­rung des Ein­kom­men­steu­er­ge­set­zes
Es wird fol­gen­der § 3a EStG neu ein­ge­fügt:
«Betriebs­ein­nah­men aus einem Schul­den­er­lass zum Zwe­cke einer unter­neh­mens­be­zo­ge­nen Sanie­rung im Sin­ne des Absat­zes 2 (Sanie­rungs­er­trag) sind steu­er­frei. Sind Betriebs­ver­mö­gens­meh­run­gen oder Betriebs­ein­nah­men aus einem Schul­den­er­lass nach Satz 1 steu­er­frei, sind steu­er­li­che Wahl­rech­te in dem Jahr, in dem ein Sanie­rungs­er­trag erzielt wird (Sanie­rungs­jahr) und im Fol­ge­jahr im zu sanie­ren­den Unter­neh­men gewinn­min­dernd aus­zu­üben. Ins­be­son­de­re ist der nied­ri­ge­re Teil­wert, der nach § 6 Absatz 1 Num­mer 1 Satz 2 und Num­mer 2 Satz 2 ange­setzt wer­den kann, im Sanie­rungs­jahr und im Fol­ge­jahr anzu­set­zen.
(2) Eine unter­neh­mens­be­zo­ge­ne Sanie­rung liegt vor, wenn der Steu­er­pflich­ti­ge für den Zeit­punkt des Schul­den­er­las­ses die Sanie­rungs­be­dürf­tig­keit und die Sanie­rungs­fä­hig­keit des Unter­neh­mens, die Sanie­rungs­eig­nung des betrieb­lich begrün­de­ten Schul­den­er­las­ses und die Sanie­rungs­ab­sicht der Gläu­bi­ger nach­weist.
(3) Nicht abzieh­ba­re Beträ­ge im Sin­ne des § 3c Absatz 4, die in Ver­an­la­gungs­zeit­räu­men vor dem Sanie­rungs­jahr und im Sanie­rungs­jahr anzu­set­zen sind, min­dern den Sanie­rungs­er­trag. Die­ser Betrag min­dert nach­ein­an­der
1. den auf­grund einer Ver­pflich­tungs­über­tra­gung im Sin­ne des § 4f Absatz 1 Satz 1 in den dem Wirt­schafts­jahr der Über­tra­gung nach­fol­gen­den 14 Jah­ren ver­teilt abzieh­ba­ren Auf­wand des zu sanie­ren­den Unter­neh­mens, es sei denn, der Auf­wand ist gemäß § 4f Absatz 1 Satz 7 auf einen Rechts­nach­fol­ger über­ge­gan­gen, der die Ver­pflich­tung über­nom­men hat und inso­weit der Rege­lung des § 5 Absatz 7 unter­liegt. Ent­spre­chen­des gilt in Fäl­len des § 4f Absatz 2,
2. den nach § 15a aus­gleichs­fä­hi­gen oder ver­re­chen­ba­ren Ver­lust des Unter­neh­mers (Mit­un­ter­neh­mers) des zu sanie­ren­den Unter­neh­mens des Sanie­rungs­jahrs,
3. den zum Ende des dem Sanie­rungs­jahr vor­an­ge­gan­ge­nen Wirt­schafts­jahrs nach § 15a fest­ge­stell­ten ver­re­chen­ba­ren Ver­lust des Unter­neh­mers (Mit­un­ter­neh­mers) des zu sanie­ren­den Unter­neh­mens,
4. den nach § 15b aus­gleichs­fä­hi­gen oder ver­re­chen­ba­ren Ver­lust der sel­ben Ein­kunfts­quel­le des Unter­neh­mers (Mit­un­ter­neh­mers) des Sanie­rungs­jahrs; bei der Ver­lus­ter­mitt­lung bleibt der Sanie­rungs­er­trag unbe­rück­sich­tigt,
5. den zum Ende des dem Sanie­rungs­jahr vor­an­ge­gan­ge­nen Jahrs nach §15b fest­ge­stell­ten ver­re­chen­ba­ren Ver­lust der sel­ben Ein­kunfts­quel­le des Unter­neh­mers (Mit­un­ter­neh­mers),
6. den nach § 15 Absatz 4 aus­gleichs­fä­hi­gen oder nicht abzieh­ba­ren Ver­lust des zu sanie­ren­den Unter­neh­mens des Sanie­rungs­jahrs,
7. den zum Ende des dem Sanie­rungs­jahr vor­an­ge­gan­ge­nen Jahrs nach § 15 Absatz 4 fest­ge­stell­ten in Ver­bin­dung mit § 10d Absatz 4 ver­blei­ben­den Ver­lust­vor­trag, soweit er auf das zu sanie­ren­de Unter­neh­men ent­fällt,
8. den Ver­lust des Sanie­rungs­jahrs des zu sanie­ren­den Unter­neh­mens,
9. den aus­gleichs­fä­hi­gen Ver­lust aus allen Ein­kunfts­ar­ten des Ver­an­la­gungs­zeit­raums, in dem das Sanie­rungs­jahr endet,
10. im Sanie­rungs­jahr unge­ach­tet des § 10d Absatz 2 den nach § 10d Absatz 4 zum Ende des Vor­jahrs geson­dert fest­ge­stell­ten Ver­lust­vor­trag,
11. in der nach­fol­gen­den Rei­hen­fol­ge den zum Ende des Vor­jahrs fest­ge­stell­ten und den im Sanie­rungs­jahr ent­ste­hen­den ver­re­chen­ba­ren Ver­lust oder die nega­ti­ven Ein­künf­te
b) nach § 15b ande­rer Ein­kunfts­quel­len,
c) nach § 15 Absatz 4 ande­rer Betrie­be und Mit­un­ter­neh­mer­an­tei­le,
g) nach sons­ti­gen Vor­schrif­ten,
12. unge­ach­tet der Beträ­ge des § 10d Absatz 1 Satz 1 die nega­ti­ven Ein­künf­te nach § 10d Absatz 1 Satz 1 des Fol­ge­jahrs. Ein Ver­lus­t­rück­trag nach § 10d Absatz 1 Satz 1 ist nur mög­lich, soweit die Beträ­ge nach § 10d Absatz 1 Satz 1 durch den ver­blei­ben­den Sanie­rungs­er­trag im Sin­ne des Sat­zes 4 nicht über­schrit­ten wer­den,
13. den zum Ende des Vor­jahrs fest­ge­stell­ten und den im Sanie­rungs­jahr ent­ste­hen­den
a) Zins­vor­trag nach § 4h Absatz 1 Satz 5,
b) EBIT­DA-Vor­trag nach § 4h Absatz 1 Satz 3. Die Min­de­rung des EBIT­DA-Vor­trags des Sanie­rungs­jah­res und der EBIT­DA­Vor­trä­ge aus vor­an­ge­gan­ge­nen Wirt­schafts­jah­ren erfolgt in ihrer zeit­li­chen Rei­hen­fol­ge. Über­steigt der gemin­der­te Sanie­rungs­er­trag nach Satz 1 die nach Satz 2 min­dern­den Beträ­ge, min­dern sich inso­weit nach Maß­ga­be des Sat­zes 2 auch der ver­teilt abzieh­ba­re Auf­wand, Ver­lus­te, nega­ti­ve Ein­künf­te, Zins­vor­trä­ge oder EBIT­DA-Vor­trä­ge einer dem Steu­er­pflich­ti­gen nahe­ste­hen­den Per­son, wenn die­se die erlas­se­nen Schul­den inner­halb eines Zeit­raums von fünf Jah­ren vor dem Schul­den­er­lass auf das zu sanie­ren­de Unter­neh­men über­tra­gen hat und soweit der ent­spre­chen­de ver­teilt abzieh­ba­re Auf­wand, die Ver­lus­te, nega­ti­ven Ein­künf­te, Zins­vor­trä­ge oder EBIT­DA-Vor­trä­ge zum Ablauf des Wirt­schafts­jah­res der Über­tra­gung bereits ent­stan­den waren. Der sich nach den Sät­zen 2 und 3 erge­ben­de Betrag ist der ver­blei­ben­de Sanie­rungs­er­trag. Die nach den Sät­zen 2 und 3 min­dern­den Beträ­ge blei­ben end­gül­tig außer Ansatz und neh­men an den ent­spre­chen­den Fest­stel­lun­gen der ver­re­chen­ba­ren Ver­lus­te, ver­blei­ben­den Ver­lust­vor­trä­ge und sons­ti­gen Fest­stel­lun­gen nicht teil.
(4) Sind Ein­künf­te aus Land- und Forst­wirt­schaft, Gewer­be­be­trieb oder selb­stän­di­ger Arbeit nach § 180 Absatz 1 Satz 1 Num­mer 2 Buch­sta­be a oder b der Abga­ben­ord­nung geson­dert fest­zu­stel­len, ist auch die Höhe des Sanie­rungs­er­trags nach Absatz 1 Satz 1 sowie die Höhe der nach Absatz 3 Satz 2 Num­mer 1 bis 6 und 13 min­dern­den Beträ­ge geson­dert fest­zu­stel­len. Zustän­dig für die geson­der­te Fest­stel­lung nach Satz 1 ist das Finanz­amt, das für die geson­der­te Fest­stel­lung nach § 180 Absatz 1 Satz 1 Num­mer 2 der Abga­ben­ord­nung zustän­dig ist. Wur­den ver­re­chen­ba­re Ver­lus­te und Ver­lust­vor­trä­ge ohne Berück­sich­ti­gung des Absat­zes 3 Satz 2 bereits fest­ge­stellt oder ändern sich die nach Absatz 3 Satz 2 min­dern­den Beträ­ge, ist der ent­spre­chen­de Fest­stel­lungs­be­scheid inso­weit zu ändern. Das gilt auch dann, wenn der Fest­stel­lungs­be­scheid bereits bestands­kräf­tig gewor­den ist; die Fest­stel­lungs­frist endet inso­weit nicht bevor die Fest­set­zungs­frist des Ein­kom­men­steu­er­be­scheids oder Kör­per­schaft­steu­er­be­scheids für das Sanie­rungs­jahr abge­lau­fen ist.
(5) Erträ­ge aus einer nach den §§ 286ff. der Insol­venz­ord­nung erteil­ten Rest­schuld­be­frei­ung, einem Schul­den­er­lass auf­grund eines außer­ge­richt­li­chen Schul­den­be­rei­ni­gungs­plans zur Ver­mei­dung eines Ver­brau­cher­insol­venz­ver­fah­rens nach den §§ 304ff. der Insol­venz­ord­nung oder auf­grund eines Schul­den­be­rei­ni­gungs­plans, dem in einem Ver­brau­cher­insol­venz­ver­fah­ren zuge­stimmt wur­de oder wenn die­se Zustim­mung durch das Gericht ersetzt wur­de sind, soweit es sich um etriebs­ver­mö­gens­meh­run­gen oder Betriebs­ein­nah­men han­delt, eben­falls steu­er­frei, auch wenn die Vor­aus­set­zun­gen einer unter­neh­mens­be­zo­ge­nen Sanie­rung im Sin­ne des Absat­zes 2 nicht vor­lie­gen. Absatz 3 gilt ent­spre­chend.“
Dem § 3c EStG wird fol­gen­der Absatz 4 ange­fügt:
„(4) Betriebs­ver­mö­gens­min­de­run­gen oder Betriebs­aus­ga­ben, die mit einem steu­er­frei­en Sanie­rungs­er­trag im Sin­ne des § 3a in unmit­tel­ba­rem wirt­schaft­li­chen Zusam­men­hang ste­hen, dür­fen unab­hän­gig davon, in wel­chem Ver­an­la­gungs­zeit­raum der Sanie­rungs­er­trag ent­steht, nicht abge­zo­gen wer­den. Satz 1 gilt nicht, soweit Betriebs­ver­mö­gens­min­de­run­gen oder Betriebs­aus­ga­ben zur Erhö­hung von Ver­lust­vor­trä­gen geführt haben, die nach Maß­ga­be der in § 3a Absatz 3 getrof­fe­nen Rege­lun­gen ent­fal­len. Zu den Betriebs­ver­mö­gens­min­de­run­gen oder Betriebs­aus­ga­ben im Sin­ne des Sat­zes 1 gehö­ren auch Auf­wen­dun­gen im Zusam­men­hang mit einem Bes­se­rungs­schein und ver­gleich­ba­re Auf­wen­dun­gen. Satz 1 gilt für Betriebs­ver­mö­gens­min­de­run­gen oder Betriebs­aus­ga­ben, die nach dem Sanie­rungs­jahr ent­ste­hen, nur inso­weit als noch ein ver­blei­ben­der Sanie­rungs­er­trag im Sin­ne von § 3a Absatz 3 Satz 4 vor­han­den ist. Wur­den Betriebs­ver­mö­gens­min­de­run­gen oder Betriebs­aus­ga­ben im Sin­ne des Sat­zes 1 bereits bei einer Steu­er­fest­set­zung oder einer geson­der­ten Fest­stel­lung nach § 180 Absatz 1 S Betriebs­ein­nah­men aus einem Schul­den­er­lass zum Zwe­cke einer unter­neh­mens­be­zo­ge­nen Sanie­rung im Sin­ne des Absat­zes 2 (Sanie­rungs­er­trag) sind steu­er­frei. Sind Betriebs­ver­mö­gens­meh­run­gen oder Betriebs­ein­nah­men aus einem Schul­den­er­lass nach Satz 1 steu­er­frei, sind steu­er­li­che Wahl­rech­te in dem Jahr, in dem ein Sanie­rungs­er­trag erzielt wird (Sanie­rungs­jahr) und im Fol­ge­jahr im zu sanie­ren­den Unter­neh­men gewinn­min­dernd aus­zu­üben. Ins­be­son­de­re ist der nied­ri­ge­re Teil­wert, der nach § 6 Absatz 1 Num­mer 1 Satz 2 und Num­mer 2 Satz 2 ange­setzt wer­den kann, im Sanie­rungs­jahr und im Fol­ge­jahr anzu­set­zen.»
§ 52 EStG wird wie folgt geän­dert:
a) Nach Absatz 4 wird fol­gen­der Absatz 4a ein­ge­fügt:
„(4a) § 3a in der Fas­sung des Arti­kels … des Geset­zes vom … BGBl. I S. …) [ein­set­zen: Aus­fer­ti­gungs­da­tum und Fund­stel­le des vor­lie­gen­den Ände­rungs­ge­set­zes] ist erst­mals in den Fäl­len anzu­wen­den, in denen die Schul­den ganz oder teil­wei­se nach dem 8. Febru­ar 2017 erlas­sen wur­den. Satz 1 gilt bei einem Schul­den­er­lass nach dem 8. Febru­ar 2017 nicht, wenn dem Steu­er­pflich­ti­gen auf Antrag Bil­lig­keits­maß­nah­men aus Grün­den des Ver­trau­ens­schut­zes für einen Sanie­rungs­er­trag auf Grund­la­ge von § 163 Absatz 1 Satz 2 und den §§ 222, 227 der Abga­ben­ord­nung zu gewäh­ren sind.“
b) Dem Absatz 5 wird fol­gen­der Satz ange­fügt:
„§ 3c Absatz 4 in der Fas­sung des Arti­kels … des Geset­zes vom … BGBl. I S. …) [ein­set­zen: Aus­fer­ti­gungs­da­tum und Fund­stel­le des vor­lie­gen­den Ände­rungs­ge­set­zes] ist für Betriebs­ver­mö­gens­min­de­run­gen oder Betriebs­aus­ga­ben in unmit­tel­ba­rem wirt­schaft­li­chen Zusam­men­hang mit einem Schul­den­er­lass nach dem 8. Febru­ar 2017 anzu­wen­den, für den § 3a ange­wen­det wird.“
Ände­rung des Kör­per­schaft­steu­er­ge­set­zes
§ 8 KStG wird wie folgt geän­dert:
a) Dem Absatz 8 wird fol­gen­der Satz ange­fügt:
„Kommt es bei einem Betrieb gewerb­li­cher Art, der sich durch eine Zusam­men­fas­sung erge­ben hat, inner­halb eines Zeit­raums von fünf Jah­ren nach der Zusam­men­fas­sung zur Anwen­dung des § 3a des Ein­kom­men­steu­er­ge­set­zes, ist § 3a Absatz 3 Satz 3 des Ein­kom­men­steu­er­ge­set­zes ent­spre­chend auf die in Satz 4 genann­ten Ver­lust­vor­trä­ge anzu­wen­den.“
b) Dem Absatz 9 wird fol­gen­der Satz ange­fügt:
„Die §§ 3a und 3c Absatz 4 des Ein­kom­men­steu­er­ge­set­zes sind ent­spre­chend anzu­wen­den; § 3a Absatz 2 des Ein­kom­men­steu­er­ge­set­zes ist für die Kapi­tal­ge­sell­schaft anzu­wen­den.“
Dem § 8c KStG wird fol­gen­der Absatz 2 ange­fügt:
„(2) § 3a Absatz 3 des Ein­kom­men­steu­er­ge­set­zes ist auf ver­blei­ben­de nicht genutz­te Ver­lus­te anzu­wen­den, die sich nach einer Anwen­dung des Absat­zes 1 erge­ben.“
Dem § 8d Absatz 1 KStG wird fol­gen­der Satz ange­fügt:
„Satz 8 gilt bei Anwen­dung des § 3a Absatz 3 des Ein­kom­men­steu­er­ge­set­zes ent­spre­chend.“
§ 15 Satz 1 KStG wird wie folgt geän­dert:
a) Der Num­mer 1 wer­den fol­gen­de Sät­ze ange­fügt:
„Satz 1 steht einer Anwen­dung von § 3a des Ein­kom­men­steu­er­ge­set­zes nicht ent­ge­gen. Der für § 3c Absatz 4 Satz 4 des Ein­kom­men­steu­er­ge­set­zes maß­ge­ben­de Betrag ist der sich nach Anwen­dung von Num­mer 1a erge­ben­de ver­min­der­te Sanie­rungs­er­trag.“
b) Nach Num­mer 1 wird fol­gen­de Num­mer 1a ein­ge­fügt:
„1a. Auf einen sich nach § 3a Absatz 3 Satz 4 des Ein­kom­men­steu­er­ge­set­zes erge­ben­den ver­blei­ben­den Sanie­rungs­er­trag einer Organ­ge­sell­schaft ist § 3a Absatz 3 Satz 2, 3 und 5 des Ein­kom­men­steu­er­ge­set­zes beim Organ­trä­ger anzu­wen­den. Wird der Gewinn des Organ­trä­gers geson­dert und ein­heit­lich fest­ge­stellt, gilt § 3a Absatz 4 des Ein­kom­men­steu­er­ge­set­zes ent­spre­chend. Die Sät­ze 1 und 2 gel­ten auch, wenn die Vor­aus­set­zun­gen des § 14 Absatz 1 im Sanie­rungs­jahr nicht vor­lie­gen und das Ein­kom­men der Organ­ge­sell­schaft in einem inner­halb der letz­ten fünf Jah­re vor dem Sanie­rungs­jahr lie­gen­den Ver­an­la­gungs­zeit­raum dem Organ­trä­ger gemäß § 14 Absatz 1 Satz 1 zuge­rech­net wor­den ist.“
In § 34 Absatz 1 KStG wird die Anga­be „Ver­an­la­gungs­zeit­raum 2016“ durch die Anga­be „Ver­an­la­gungs­zeit­raum 2017“ersetzt.
Ände­rung des Gewer­be­steu­er­ge­set­zes
Nach § 7a GewStG wird fol­gen­der § 7b ein­ge­fügt:
„§ 7b Son­der­re­ge­lung bei der Ermitt­lung des Gewer­be­er­trags bei unter­neh­mens­be­zo­ge­ner Sanie­rung
(1) Die §§ 3a und 3c Absatz 4 des Ein­kom­men­steu­er­ge­set­zes sind vor­be­halt­lich der nach­fol­gen­den Absät­ze bei der Ermitt­lung des Gewer­be­er­trags ent­spre­chend anzu­wen­den.
(2) Der nach Anwen­dung des § 3a Absatz 3 Satz 2 Num­mer 1 des Ein­kom­men­steu­er­ge­set­zes ver­blei­ben­de gemin­der­te Sanie­rungs­er­trag im Sin­ne des § 3a Absatz 3 Satz 1 des Ein­kom­men­steu­er­ge­set­zes min­dert nach­ein­an­der
1. den nega­ti­ven Gewer­be­er­trag des Sanie­rungs­jahrs des zu sanie­ren­den Unter­neh­mens,
2. Fehl­be­trä­ge im Sin­ne des § 10a Satz 3 und
3. im Sanie­rungs­jahr unge­ach­tet des § 10a Satz 2 die nach § 10a Satz 6 zum Ende vor­an­ge­gan­ge­nen Erhe­bungs­zeit­raums geson­dert fest­ge­stell­ten Fehl­be­trä­ge; die in § 10a Satz 1 und 2 genann­ten Beträ­ge wer­den der Min­de­rung ent­spre­chend auf­ge­braucht.
Ein nach Satz 1 ver­blei­ben­der Sanie­rungs­er­trag min­dert die Beträ­ge nach Satz 1 Num­mer 1 bis 3 eines ande­ren Unter­neh­mens, wenn die­ses die erlas­se­nen Schul­den inner­halb eines Zeit­raums von fünf Jah­ren vor dem Schul­den­er­lass auf das zu sanie­ren­de Unter­neh­men über­tra­gen hat und soweit die ent­spre­chen­den Beträ­ge zum Ablauf des Wirt­schafts­jah­res der Über­tra­gung bereits ent­stan­den waren. Der ver­blei­ben­de Sanie­rungs­er­trag nach Satz 2 ist zunächst um den Min­de­rungs­be­trag nach § 3a Absatz 3 Satz 2 Num­mer 13 des Ein­kom­men­steue­rungs­ge­set­zes zu kür­zen. Bei der Min­de­rung nach Satz 1 ist § 10a Satz 4 und 5 ent­spre­chend anzu­wen­den. In Fäl­len des § 10a Satz 9 ist § 8 Absatz 9 Satz 9 des Kör­per­schaft­steu­er­ge­set­zes ent­spre­chend anzu­wen­den. An den Fest­stel­lun­gen der vor­trags­fä­hi­gen Fehl­be­trä­ge neh­men nur die nach Anwen­dung der Sät­ze 1 und 2 ver­blei­ben­den Beträ­ge teil.
(3) In den Fäl­len des § 2 Absatz 2 Satz 2 ist § 15 Satz 1 Num­mer 1a des Kör­per­schaft­steu­er­ge­set­zes ent­spre­chend anzu­wen­den. Absatz 2 Satz 3 gilt ent­spre­chend.“
§ 36 GewStG wird wie folgt geän­dert:
a) Nach Absatz 2b wird fol­gen­der Absatz 2c ein­ge­fügt:
„(2c) § 7b in der Fas­sung des Arti­kels … des Geset­zes vom … (BGBl. I S. …) [ein­set­zen: Aus­fer­ti­gungs­da­tum und Fund­stel­le des vor­lie­gen­den Ände­rungs­ge­set­zes] ist erst­mals in den Fäl­len anzu­wen­den, in denen die Schul­den ganz oder teil­wei­se nach dem 8. Febru­ar 2017 erlas­sen wur­den. Satz 1 gilt bei einem Schul­den­er­lass nach dem 8. Febru­ar 2017 nicht, wenn dem Steu­er­pflich­ti­gen auf Antrag Bil­lig­keits­maß­nah­men aus Grün­den des Ver­trau­ens­schut­zes für einen Sanie­rungs­er­trag auf Grund­la­ge von § 163 Absatz 1 Satz 2 und den §§ 222, 227 der Abga­ben­ord­nung zu gewäh­ren sind.“
b) Der bis­he­ri­ge Absatz 2c wird Absatz 2d.
Gesetz­ge­bungs­ma­te­ria­li­en
Ple­nar­pro­to­koll des Bun­des­rats zur Sit­zung vom 2. Juni 2017, ohne inhalt­lich auf das Gesetz Bezug zu neh­men
Zustim­mungs­be­schluss des Bun­des­rats BR-Drs. 366/17 (B) vom 2. Juni 2017
Ent­wurf eines Geset­zes gegen schäd­li­che Steu­er­prak­ti­ken im Zusam­men­hang mit Rech­te­über­las­sun­gen, BT-Drs. 18/12128 vom 26. April 2017, Beschluss­emp­feh­lung und Bericht des Finanz­aus­schus­ses (7. Aus­schuss) zu dem Gesetz­ent­wurf der Bun­des­re­gie­rung – Druck­sa­chen 18/11233, 18/11531, 18/11683 Nr. 8 –
Stel­lung­nah­me des Bun­des­ra­tes und Gegen­äu­ße­rung der Bun­des­re­gie­rung, BT-Drs. 18/12128 vom 15. März 2017, Unter­rich­tung durch die Bun­des­re­gie­rung Ent­wurf eines Geset­zes gegen schäd­li­che Steu­er­prak­ti­ken im Zusam­men­hang mit Rech­te­über­las­sun­gen ‒ Druck­sa­che 18/11233 ‒,
BR Drs. 59/1/17 vom 27. Febru­ar 2017, Emp­feh­lun­gen der Aus­schüs­se
Gesetz­ent­wurf der Bun­des­re­gie­rung vom 20. Febru­ar 2017, BT-Drs. 18/11233, Ent­wurf eines Geset­zes gegen schäd­li­che Steu­er­prak­ti­ken im Zusam­men­hang mit Rech­te­über­las­sun­gen
BR Drs. 59/1/17 vom 27. Janu­ar 2017
Im ursprüng­li­chen Gesetz­ent­wurf zur Rege­lung einer «Lizenz­schran­ke» war die Neu­re­ge­lung von Sanie­rungs­ge­win­nen noch nicht ent­hal­ten.
Am 27. Febru­ar wur­de nach einer Initia­ti­ve von Nord­rhein-West­pha­len bereits ein Geset­zes­vor­schlag ver­öf­fent­licht, der an das Gesetz­ge­bungs­ver­fah­ren zur «Lizenz­schran­ke» (Gesetz gegen schäd­li­che Steu­er­prak­ti­ken im Zusam­men­hang mit Rech­te­über­las­sun­gen, BR Drs. 59/1/17) ange­hängt wer­den soll. Dem Ver­neh­men nach soll die­ser so aber nicht Gesetz wer­den. Daher tag­te am 8./9. März in Ber­lin eine Bund-Län­der-Arbeits­grup­pe der Finanz­ver­wal­tung. Sie hat­te das Ziel, einen Ent­wurf für eine gesetz­li­che Rege­lung zu for­mu­li­er­ne und in den par­la­men­ta­ri­schen Pro­zess ein­zu­brin­gen.
Die Bun­des­re­gie­rung hat in ihrer Gegen­äu­ße­rung (BT-Drs. 18/11531) eine schnel­le Lösung zuge­sagt:
Die Bun­des­re­gie­rung wird der Bit­te um Prü­fung nach­kom­men. Sie teilt die Auf­fas­sung, dass drin­gen­der Hand­lungs­be­darf besteht, um die mit dem Beschluss des Gro­ßen Senats des Bun­des­fi­nanz­hofs vom 28. Novem­ber 2016 Rechts­un­si­cher­hei­ten bei der steu­er­li­chen Behand­lung von Sanie­rungs­ge­win­nen zu besei­ti­gen.
Auf dem 14. Deut­schen Insol­venz­rechts­tag am 30. März 2017 in Ber­lin hat Jus­tiz­mi­nis­ter Hei­ko Maas in einer Rede bekräf­tigt, dass die Bun­des­re­gie­rung eine schnel­le gesetz­li­che Lösung sucht:
Der Bun­des­fi­nanz­hof hat uns noch eine wei­te­re offe­ne Bau­stel­le im Sanie­rungs­recht auf­ge­zeigt und bei der müs­sen wir schnell han­deln. Wir kön­nen noch so lan­ge in Brüs­se­ler Ver­hand­lungs­sä­len sit­zen und an wir­kungs­vol­len Instru­men­ten für das Sanie­rungs­recht fei­len – die­se Mühen sind ver­ge­bens, wenn Sanie­rungs­er­fol­ge im sel­ben Zug durch Steu­er­las­ten wie­der auf­ge­zehrt wer­den. Der Bun­des­fi­nanz­hof hat einen Erlass aus dem Bun­des­fi­nanz­mi­nis­te­ri­um gekippt, wonach Sanie­rungs­ge­win­ne steu­er­frei blei­ben durf­ten, oder die Steu­er zumin­dest gestun­det wer­den konn­te. Seit die­sem Urteil ist nicht mehr sicher, ob die Finanz­be­hör­den sol­che Erleich­te­run­gen noch gewäh­ren dür­fen. Das kann Sanie­run­gen ver­zö­gern, im schlimms­ten Fall schei­tern sie sogar dar­an. Es ist gut, dass die Län­der hier schnell die Initia­ti­ve ergrif­fen haben. Der Bun­des­rat hat eine Rege­lung vor­ge­schla­gen. Die Bun­des­re­gie­rung wird die­sen Vor­schlag jetzt inten­siv prü­fen und alles dafür tun, damit das Pro­blem schnell gelöst wird.
Den aktu­el­len Gesetz­ge­bungs­stand kön­nen Sie unter dem fol­gen­den link im Doku­men­ta­ti­ons- und Infor­ma­ti­ons­sys­tem (DIP) des Deut­schen Bun­des­ta­ges mit­ver­fol­gen.
Am 29. März 2017 eine Exper­ten­an­hö­rung vor dem Finanz­aus­schuss des Bun­des­ta­ges statt. Mit den dar­aus gewon­ne­nen Erkennt­nis­sen hat der Finanz­aus­schuss des Bun­des­ta­ges am 26. April 2017 sei­ne Beschluss­emp­feh­lung vor­ge­legt. Schon am 27. April 2017 hat der Bun­des­tag den Gesetz­ent­wurf in zwei­ter und drit­ter Lesung beschlos­sen. Nun muss der Bun­des­rat dem Gesetz zustim­men. Anschlie­ßend ist noch die «Frei­ga­be» durch die Euro­päi­sche Kom­mis­si­on erfor­der­lich. Der Gesetz­ge­ber muss sicher­stel­len, dass das Gesetzt auf euro­päi­scher Ebe­ne nicht als ver­bo­te­ne Bei­hil­fe qua­li­fi­ziert wird.
Hier muss es schnell gehen, denn Geset­zes­vor­ha­ben enden auto­ma­tisch mit Ende der Legis­la­tur­pe­ri­ode. Auf­grund der Bun­des­tags­wahl im Sep­tem­ber muss der Gesetz­ent­wurf daher noch vor der par­la­men­ta­ri­schen Som­mer­pau­se ver­ab­schie­det wer­den. Es ist jedoch frag­lich, wann die Euro­päi­sche Kom­mis­si­on ent­schei­den wird. Daher hat sich der Gesetz­ge­ber mit einem Kniff behol­fen: Das Gesetz tritt erst in Kraft, wenn die Kom­mis­si­on ihr «ok» gege­ben hat. Dies ist im Gesetz­ent­wurf wie folgt gere­gelt:
«Die Arti­kel 2, 3 Num­mer 1 bis 4 und Arti­kel 4 Num­mer 1 bis 3 Buch­sta­be a tre­ten an dem Tag in Kraft, an dem die Euro­päi­sche Kom­mis­si­on durch Beschluss fest­stellt, dass die Rege­lun­gen der Arti­kel 2, 3 Num­mer 1 bis 4 und Arti­kel 4 Num­mer 1 bis 3 Buch­sta­be a ent­we­der kei­ne staat­li­che Bei­hil­fen im Sin­ne des Arti­kels 107 Absatz 1 des Ver­trags über die Arbeits­wei­se der Euro­päi­schen Uni­on oder mit dem Bin­nen­markt ver­ein­ba­re Bei­hil­fen dar­stel­len. Der Tag des Beschlus­ses der Euro­päi­schen Kom­mis­si­on sowie der Tag des Inkraft­tre­tens wer­den vom Bun­des­mi­nis­te­ri­um der Finan­zen geson­dert im Bun­des­ge­setz­blatt bekannt­ge­macht.»
Der Bun­des­rat hat dem Gesetz in sei­ner Sit­zung vom 2. Juni 2017 zuge­stimmt. In den Erläu­te­run­gen zur Tages­ord­nung hieß es hier­zu:
Der Finanz­aus­schuss emp­fiehlt dem Bun­des­rat, dem Gesetz zuzu­stim­men. Der Finanz­aus­schuss emp­fiehlt dem Bun­des­rat fer­ner, eine Ent­schlie­ßung zu fas­sen. Die Emp­feh­lun­gen im Ein­zel­nen sind aus der Druck­sa­che 366÷1÷17 ersicht­lich.
Die Steu­er­frei­heit von Sanie­rungs­ge­win­nen ist kein neu­es Phä­no­men, son­dern gehört seit jeher zur steu­er­recht­li­chen Besteuee­rungs­tra­di­ti­on. Der ers­te maß­geb­li­che Bau­stein hier­für war die Ent­schei­dung des Reichs­fi­nanz­ho­fes (RFH) vom 30. Juni 1927 (Az. VI A 297/27, RFHE 21, 263). Des­sen Leit­satz lau­tet:
Schließt ein Kauf­mann mit sei­nen Geschäfts­gläu­bi­gern einen Akkord, so ist die durch den Erlaß der Schul­den ein­tre­ten­de Ver­meh­rung sei­nes Geschäfts­ver­mö­gens nicht ein­kom­men­steu­er­pflich­tig.»
Im Urteils­fall hat­te sich ein buch­füh­ren­der Kauf­mann mit sei­nen Gläu­bi­gern auf einen For­de­rungs­ver­zicht in Höhe von 75 % geei­nigt. Die Vor­in­stanz beur­teil­te die dadurch ein­tre­ten­de Betriebs­ver­mö­gens­meh­rung zunächst konsse­quent als steu­er­pflich­tig. Dass der For­de­rungs­ver­zicht den­noch kei­ne Besteue­rung zur Fol­ge habe, begrün­de­te der RFH wie folgt:
«Bei einem Akkord geht der ein­zel­ne betei­lig­te Gläu­bi­ger davon aus, dass infol­ge des gemein­sa­men Ver­zichts aller oder der Mehr­zahl sei­ner Gläu­bi­ger auf einen Teil ihrer For­de­run­gen der Rest­be­trag sei­ner For­de­run­gen mehr wert sein wird als die ursprüng­li­che gan­ze For­de­rung. Der Akkord ist im Grun­de eine Ver­ein­ba­rung zwi­schen den Gläu­bi­gern allein, die von dem Schuld­ner höchs­tens ange­regt wird; erst sei­ne Aus­füh­rung geshoeht durch Rechts­ge­schäf­te mit dem Gläu­bi­ger. Jeder Gläu­bi­ger sieht in dem Erlaß der ande­ren Gläu­bi­ger, unter Umstän­den auch in den Bürg­schaf­ten drit­ter Per­so­nen, die Gegen­leis­tung für sei­nen eige­nen Erlaß. Der Schuld­ner erlangt sei­ne for­mel­le Ver­mö­gens­ver­meh­rung als Ergeb­nis der Veri­en­ba­run­gen ande­rer Per­so­nen, also infol­ge eines Rechts­vor­gan­ges, der schon des­halb außer­halb sei­nes Geschäfts­be­triebs liegt, weil er an ihm nicht betei­ligt ist.»
Der Bun­des­fi­nanz­hof (BFH) griff die Recht­spre­chung des RFH spä­ter auf. Grund­le­gend sein Urteil vom 27. Sep­tem­ber 1968, VI R 41/66:
1. Ein Sanie­rungs­ge­winn ist auch ein­kom­men­steu­er­lich nicht als Gewinn anzu­set­zen.
2. Er führt nicht zum Ver­brauch eines vor­her oder gleich­zei­tig ange­fal­le­nen Ver­lus­tes.
In den Urteils­grün­den führ­te der BFH aus:
Wie der gro­ße Senat in dem Beschluß Gr. S. 2/67 vom 15. Juli 1968 (BFH 93, 75, BSt­Bl II 1968, 666) aus­ge­führt hat, kann ein nach § 11 Nr. 4 KStG kör­per­schaft­steu­er­frei­er Sanie­rungs­ge­winn «weder mit einem ohne ihn in dem­sel­ben Ver­an­la­gungs­zeit­raum ent­ste­hen­den Ver­lust noch mit einem abzugs­fä­hi­gen Ver­lust aus einem frü­he­ren Ver­an­la­gungs­zeit­raum» ver­rech­net wer­den. Die Grund­sät­ze, die der Gro­ße Senat hier ent­wi­ckelt hat und auf die zur Ver­mei­dung von Wie­der­ho­lun­gen Bezug genom­men wird, müs­sen auch für einen der Ein­kom­men­steu­er nicht unter­lie­gen­den Sanie­rungs­ge­winn gel­ten. Der Gro­ße Senat beschränkt sei­ne Aus­füh­run­gen zwar auf das Kör­per­schaft­steu­er­recht (das Ver­hält­nis von § 11 Nr. 4 KStG zu § 10 d EStG in Ver­bin­dung mit §§ 5, 6 KStG und § 15 KSt­DV). Es ist aber nicht ein­zu­se­hen, war­um für das Ein­kom­men­steu­er­recht etwas ande­res gel­ten soll­te. Die Grün­de, aus denen nach der bis­he­ri­gen Recht­spre­chung der Ver­brauch des Ver­lus­tes durch einen Sanie­rungs­ge­winn bejaht wur­de, sind hier wie dort die glei­chen. Hat der Gro­ße Senat ihre Berech­ti­gung für den Fall des Zusam­men­tref­fens von Ver­lus­ten bei Kapi­tal­ge­sell­schaf­ten ver­neint, so kann nach Ansicht des Senats die Fra­ge für den Fall des Zusam­men­tref­fens von Ver­lus­ten und Sanie­rungs­ge­win­nen bei natür­li­chen Per­so­nen nicht anders beant­wor­tet wer­den. Abge­se­hen davon, daß es kei­nes­wegs beden­ken­frei erscheint, beim Zusam­men­tref­fen von Ver­lus­ten und Sanie­rungs­ge­win­nen grund­sätz­lich von einer Ver­lust­über­nah­me durch die auf ihre For­de­run­gen ver­zich­ten­den Gläu­bi­ger aus­zu­ge­hen, führt die bis­he­ri­ge Recht­spre­chung zu dem unbe­frie­di­gen­den Ergeb­nis, daß der Ver­brauch des Ver­lus­tes durch den Sanie­rungs­ge­winn kei­nes­falls immer ein­tritt, son­dern – dem Grund­satz der Abschnitt­be­steue­rung ent­spre­chend – davon abhängt, daß der Sanie­rungs­ge­winn in dem Ver­lust­jahr selbst oder in den Jah­ren ent­stan­den ist, in denen der Ver­lust «abge­zo­gen» wer­den könn­te, wäh­rend es zu kei­nem oder nur teil­wei­sen Ver­brauch kommt, wenn der Ver­lust ganz oder teil­wei­se vor dem Ent­ste­hen des Sanie­rungs­ge­winns aus­ge­gli­chen oder abge­zo­gen wer­den konn­te.
Zuzu­ge­ben ist aller­dings, daß zwi­schen dem Kör­per­schaft­steu­er­recht und dem Ein­kom­men­steu­er­recht inso­fern ein Unter­schied besteht, als die Steu­er­frei­heit des Sanie­rungs­ge­winns nur in jenem, nicht aber auch in die­sem aus­drück­lich gere­gelt ist. Die­ser Unter­schied betrifft indes­sen nicht die Fra­ge des Ver­brauchs; wohl aber stellt sich die Fra­ge, ob denn auch im Ein­kom­men­steu­er­recht der Sanie­rungs­ge­winn tat­säch­lich als steu­er­frei anzu­se­hen sei.
Für das Ein­kom­men­steu­er­recht fehlt, wie gesagt, eine aus­drück­li­che Befrei­ungs­vor­schrift. Der RFH hat den Sanie­rungs­ge­winn gleich­wohl um des­wil­len als nicht ein­kom­men­steu­er­pflich­tig ange­se­hen, weil die Sanie­rung einen außer­be­trieb­li­chen Vor­gang dar­stel­le und der Steu­er­pflich­ti­ge den erziel­ten außer­be­trieb­li­chen Gewinn gewis­ser­ma­ßen ein­ge­legt habe. Wenn­gleich er spä­ter von der Auf­fas­sung eines betriebs­frem­den Vor­gangs abge­rückt ist, hat er doch an der Steu­er­frei­heit des Sanie­rungs­ge­winns fest­ge­hal­ten, weil die­ser nicht in unmit­tel­ba­rem Zusam­men­hang mit der wer­ben­den Tätig­keit des «sanier­ten» Steu­er­pflich­ti­gen ste­he. Der für die Kör­per­schaft­steu­er zustän­di­ge Senat des RFH hat die­se Ansicht nicht geteilt. Das ist der Grund für die aus­drück­li­che Rege­lung der Kör­per­schaft­steu­er­frei­heit des Sanie­rungs­ge­winns durch § 11 Nr. 4 KStG gewe­sen.
Wie der erken­nen­de Senat bereits in sei­nen Urtei­len VI 35/61 U vom 4. August 1961 (BFH 73, 685, BSt­Bl III 1961, 516) und VI 117/62 U (a. a. O.) dar­ge­legt hat, bestehen in der Tat Beden­ken gegen die Auf­fas­sung, daß die Sanie­rung einen außer­be­trieb­li­chen Vor­gang bil­de: Was auf Sei­ten der Gläu­bi­ger zwei­fels­frei einen betrieb­li­chen Vor­gang dar­stellt, kann nicht auf Sei­ten des Schuld­ners ein außer­be­trieb­li­cher Vor­gang sein.
Nach noch­ma­li­ger Prü­fung die­ser Fra­ge hält der Senat die Ansicht, daß die Sanie­rung ein außer­be­trieb­li­cher Vor­gang sei, nicht nur für bedenk­lich, son­dern für unzu­tref­fend. Wenn auch das Bestre­ben, dem Schuld­ner per­sön­lich zu hel­fen, mit ein Grund für den Ent­schluß der Gläu­bi­ger sein mag, auf ihre For­de­run­gen ganz oder zum Teil zu ver­zich­ten, so kann doch nicht dar­an vor­bei­ge­gan­gen wer­den, daß die geschäft­li­chen Inter­es­sen hier wie dort die ent­schei­den­de Rol­le spie­len, was sich nicht zuletzt auch in dem – selbst nach der Recht­spre­chung des RFH vor­aus­ge­setz­ten – Erfor­der­nis für die Steu­er­frei­heit des Sanie­rungs­ge­winns, näm­lich der in bezug auf das Unter­neh­men zu beur­tei­len­den Sanie­rungs­be­dürf­tig­keit und Sanie­rungs­wür­dig­keit, wider­spie­gelt.
Ist die Sanie­rung ein betrieb­li­cher Vor­gang, so ist der durch sie erziel­te Gewinn (Weg­fall der erlas­se­nen Schul­den und ent­spre­chen­de Erhö­hung des beim Betriebs­ver­mö­gens­ver­gleich anzu­set­zen­den End­ver­mö­gens) im Rah­men des Gewer­be­be­triebs ange­fal­len und nicht – jeden­falls nicht mit der vom RFH gege­be­nen Begrün­dung – ein­kom­men­steu­er­frei. Trotz­dem hält es der Senat für nicht ver­tret­bar, allein um die­ses Wech­sels der Beur­tei­lung wil­len den Sanie­rungs­ge­winn als nicht mehr steu­er­frei anzu­se­hen (vgl. auch das Urteil des BFH I 359/60 S vom 25. Okto­ber 1963, BFH 78, 308, BSt­Bl III 1964, 122). Wenn auch § 11 Nr. 4 KStG die Steu­er­frei­heit des Sanie­rungs­ge­winns nur für die Kör­per­schaft­steu­er aus­spricht und wie bereits dar­ge­legt dar­auf beruht, daß mit ihm das nach der Recht­spre­chung des BFH für die Ein­kom­men­steu­er bestehen­de Ergeb­nis der Steu­er­frei­heit des Sanie­rungs­ge­winns auch für die Kör­per­schaft­steu­er über­nom­men wer­den soll­te, läßt die Rege­lung des § 11 Nr. 4 KStG doch ein­deu­tig erken­nen, daß der Gesetz­ge­ber die Steu­er­frei­heit des Sanie­rungs­ge­winns für sach­ge­recht hält, und zwar gera­de auch dann, wenn der Sanie­rung, wie es bei den von der Kör­per­schaft­steu­er erfaß­ten Kapi­tal­ge­sell­schaf­ten der Fall ist, nur oder doch über­wie­gend betrieb­li­che Erwä­gun­gen zugrun­de lie­gen. Es mag bei allen Vor­be­hal­ten, mit denen man gera­de auf dem Gebiet des Steu­er­rechts der Mög­lich­keit eines Gewohn­heits­rechts begeg­nen muß (vgl. die Urtei­le des BFH II 28/58 U vom 18. Febru­ar 1959, BFH 68, 462, BSt­Bl III 1959, 176, und VI 90/63 U vom 29. Janu­ar 1965, BFH 82, 8, BSt­Bl III 1965, 251), nahe lie­gen, die auf Rich­ter­recht beru­hen­de Aner­ken­nung der Ein­kom­men­steu­er­frei­heit des Sanie­rungs­ge­winns, die auch von der Pra­xis und dem Schrift­tum vor­be­halt­los über­nom­men wor­den ist, als eine lang andau­ern­de Übung nicht nur der Steu­er­ge­rich­te, son­dern aller Rechts­ge­nos­sen anzu­se­hen, der die Über­zeu­gung der Rechts­gel­tung zugrun­de liegt und die daher als Gewohn­heits­recht ange­spro­chen wer­den kann (vgl. Larenz, Metho­den­leh­re der Rechts­wis­sen­schaft, 1960, S. 269). Auf jeden Fall aber wird man den in § 11 Nr. 4 KStG aus­ge­spro­che­nen Grund­satz auch für das Ein­kom­men­steu­er­recht anwen­den kön­nen, weil die Gestal­tung des Ein­kom­men- und Kör­per­schaft­steu­er­rechts wie übri­gens auch des Gewer­be­steu­er­rechts zeigt, daß die ent­schei­den­den Grund­sät­ze der Gewinn­ermitt­lung über­ein­stim­men, und weil die Rege­lung des § 11 Nr. 4 KStG kei­ne Durch­bre­chung die­ser Grund­sät­ze hat brin­gen, son­dern gera­de der Ver­ein­heit­li­chung hat die­nen sol­len.
Eine detail­lier­te Auf­ar­bei­tung der his­to­ri­schen Rechts­ent­wick­lung fin­den Sie in der von Sebas­ti­an Pohl ver­öf­fent­lich­ten Ana­ly­se «Die steu­er­li­che Behand­lung von Sanie­rungs­ge­win­nen», Darm­stadt 2009. Lesens­wert auch Seer, Insol­venz, Sanie­rung und Ertrag­steu­ern – ver­fas­sungs- und euro­pa­recht­li­che Über­le­gun­gen, FR 2014, 721.