Source: https://www.jusmeum.de/urteil/bverwg/bverwg_4-B-3-05
Timestamp: 2019-05-23 23:32:48
Document Index: 38925353

Matched Legal Cases: ['§ 34', '§ 34', '§ 34', '§ 132', '§ 132', '§ 86', '§ 133']

BVerwG, 4 B 3.05: Damm, Fluss, Kritik, Eng
Urteil des BVerwG vom 17.01.2005, 4 B 3.05
4 B 3.05
Damm, Fluss, Kritik, Eng
Damm, Fluss, Kritik, Eng, Verkehrsauffassung, Abgrenzung, Qualifikation, Ausnahme
BVerwG 4 B 3.05 OVG 1 LB 74/03
hat der 4. Senat des Bundesverwaltungsgerichts am 17. Januar 2005 durch den Vorsitzenden Richter am Bundesverwaltungsgericht Dr. P a e t o w , den Richter am Bundesverwaltungsgericht G a t z und die Richterin am Bundesverwaltungsgericht Dr. P h i l i p p
Die Beschwerde hat keinen Erfolg. Aus dem Beschwerdevorbringen ergibt sich kein
- welche Anforderungen an topografische Besonderheiten zu stellen sind, die einem
Flurstück oder Teilen von Flurstücken eine besondere Qualifikation vermitteln,
Nach der auch von der Beschwerde zitierten Rechtsprechung des Senats ist ausschlaggebend für das Bestehen eines Bebauungszusammenhangs im Sinne des
§ 34 BauGB, inwieweit die aufeinander folgende Bebauung trotz etwa vorhandener
Baulücken nach der Verkehrsauffassung den Eindruck der Geschlossenheit und
Zusammengehörigkeit vermittelt und die zur Bebauung vorgesehene Fläche (noch)
diesem Zusammenhang angehört (vgl. BVerwG, Beschluss vom 18. Juni 1997
- BVerwG 4 B 238.96 - BRS 59 Nr. 78 m.w.N.). Wie eng die Aufeinanderfolge von
Baulichkeiten sein muss, um sich als zusammenhängende Bebauung darzustellen,
ist nicht nach geografisch-mathematischen Maßstäben, deren Entwicklung sich die
Beschwerde von dem angestrebten Revisionsverfahren verspricht, sondern aufgrund
einer umfassenden Würdigung der tatsächlichen örtlichen Gegebenheiten einzelfallbezogen zu entscheiden (BVerwG, Urteil vom 6. Dezember 1967 - BVerwG 4 C
94.66 - BVerwGE 28, 268 <272>; Beschluss vom 18. Juni 1997, a.a.O.). Dass in die
Bewertung nur eine vorhandene und nicht auch eine bevorstehende Bebauung einzufließen hat, ist vom Bundesverwaltungsgericht bereits geklärt (Urteile vom 31. Oktober 1975 - BVerwG 4 C 16.73 - BRS 29 Nr. 33 und vom 26. November 1976
- BVerwG 4 C 69.74 - BRS 30 Nr. 34). Ebenso ist geklärt, dass auch bei einer
Grundstückslage am Ortsrand ein Bebauungszusammenhang nicht von vornherein
ausscheidet. Zwar endet der Bebauungszusammenhang in aller Regel am letzten
Baukörper (BVerwG, Urteile vom 22. März 1972 - BVerwG 4 C 121.68 - BRS 25
Nr. 38 und vom 12. Oktober 1973 - BVerwG 4 C 3.72 - BRS 27 Nr. 56; Beschluss
vom 12. März 1999 - BVerwG 4 B 112.98 - NVwZ 1999, 763); örtliche Besonderheiten können es aber rechtfertigen, ihm noch bis zu einem Geländehindernis, einer
Erhebung oder einem Einschnitt (Damm, Böschung, Fluss, Waldrand o.ä.) ein oder
mehrere Grundstücke zuzuordnen, die unbebaut sind oder trotz des Vorhandenseins
von Baulichkeiten sonst nicht zur Prägung der Siedlungsstruktur beitragen (vgl.
BVerwG, Urteil vom 12. Dezember 1990 - BVerwG 4 C 40.87 - Buchholz 406.11 § 34
BauGB Nr. 138; Beschluss vom 20. August 1998 - BVerwG 4 B 79.98 - Buchholz
406.11 § 34 BauGB Nr. 191). Ob dies im Einzelfall so ist, kann stets nur das Ergebnis einer Bewertung des konkreten Sachverhalts sein.
Das Berufungsgericht hat sich an der Judikatur des Senats orientiert. Inwieweit diese
korrektur- oder fortentwicklungsbedürftig sein könnte, zeigt die Beschwerde nicht auf.
Sie lässt es vielmehr mit einer Kritik an der vorinstanzlichen Sachverhaltswürdigung
und Rechtsanwendung im Einzelfall bewenden. Das genügt nicht, um eine Zulassung
der Revision nach § 132 Abs. 2 Nr. 1 VwGO zu erreichen.
2. Die Revision kann auch nicht nach § 132 Abs. 2 Nr. 3 VwGO wegen eines Verfahrensfehlers zugelassen werden. Die Aufklärungsrüge ist unzulässig, weil die Beschwerde den behaupteten Verstoß gegen den Amtsermittlungsgrundsatz (§ 86
Abs. 1 VwGO) nicht substanziiert darlegt. § 133 Abs. 3 Satz 3 VwGO verlangt, dass
aufgezeigt wird, hinsichtlich welcher tatsächlichen Umstände Aufklärungsbedarf bestanden hat, welche für geeignet und erforderlich gehaltenen Aufklärungsmaßnahmen hierfür in Betracht gekommen wären und welche tatsächlichen Feststellungen
bei Durchführung der unterbliebenen Sachverhaltsaufklärung voraussichtlich getroffen worden wären; weiterhin muss entweder dargelegt werden, dass bereits im Verfahren vor dem Tatsachengericht, insbesondere in der mündlichen Verhandlung, auf
die Vornahme der Sachverhaltsaufklärung, deren Unterbleiben nunmehr beanstandet
wird, hingewirkt worden ist oder dass sich dem Gericht die bezeichneten Ermittlungen auch ohne ein solches Hinwirken von sich aus hätten aufdrängen müssen
(BVerwG, Beschluss vom 19. August 1997 - BVerwG 7 B 261/97 - NJW 1997, 3328,
stRspr). Diesen Anforderungen entspricht das Beschwerdevorbringen nicht.