Source: https://www.rechtslupe.de/steuerrecht/ust/personalgestellungsleistungen-in-der-wohlfahrtspflege-und-die-umsatzsteuer-3106986
Timestamp: 2020-02-20 04:11:04
Document Index: 142529679

Matched Legal Cases: ['§ 4', '§ 1', '§ 4', '§ 23', '§ 4', 'Art. 132', 'Art. 132', 'Art. 13', 'Art. 132', 'Art. 132', 'Art. 132', 'EuG', 'Art. 13', 'EuG', 'EuG']

Per­so­nal­ge­stel­lungs­leis­tun­gen in der Wohl­fahrts­pfle­ge – und die Umsatz­steu­er | Rechtslupe
Für Per­so­nal­ge­stel­lungs­leis­tun­gen im Bereich der Wohl­fahrts­pfle­ge besteht kei­ne Umsatz­steu­er­frei­heit nach § 4 Nr. 18 Satz 1 UStG.
Die Per­so­nal­ge­stel­lung gegen Auf­wen­dungs­er­satz ist ein steu­er­ba­rer Umsatz i.S. des § 1 Abs. 1 Nr. 1 UStG 1. Die Per­so­nal­ge­stel­lungs­leis­tung ist auch nicht nach § 4 Nr. 18 Satz 1 UStG steu­er­frei.
Steu­er­frei sind danach die Leis­tun­gen der amt­lich aner­kann­ten Ver­bän­de der frei­en Wohl­fahrts­pfle­ge und der der frei­en Wohl­fahrts­pfle­ge die­nen­den Kör­per­schaf­ten […], die einem Wohl­fahrts­ver­band als Mit­glied ange­schlos­sen sind, wenn […] die Leis­tun­gen unmit­tel­bar dem nach der Sat­zung […] begüns­tig­ten Per­so­nen­kreis zugu­te­kom­men […]. Unge­ach­tet des­sen, dass der Per­so­nal­ge­stel­ler als Mit­glied in einem nach § 23 Nr. 1 der Umsatz­steu­er-Durch­füh­rungs­ver­ord­nung amt­lich aner­kann­ten Ver­band der frei­en Wohl­fahrts­pfle­ge zum begüns­tig­ten Per­so­nen­kreis gehört, hat er durch die Per­so­nal­ge­stel­lung kei­ne Leis­tun­gen erbracht, die unmit­tel­bar dem nach sei­ner Sat­zung begüns­tig­ten Per­so­nen­kreis zugu­te­ge­kom­men sind (§ 4 Nr. 18 Satz 1 Buchst. b UStG).
Das Merk­mal der Unmit­tel­bar­keit ist leis­tungs­be­zo­gen, d.h. die Leis­tung selbst muss dem nach der Sat­zung begüns­tig­ten Per­so­nen­kreis unmit­tel­bar zugu­te­kom­men 2. Nicht aus­rei­chend ist, dass die Leis­tung ledig­lich als Vor­leis­tung in eine vom Leis­tungs­emp­fän­ger ‑hier Ent­lei­her- an den begüns­tig­ten Per­so­nen­kreis erst noch zu erbrin­gen­de Leis­tung ein­geht 3. Mit der Per­so­nal­ge­stel­lung unter­stütz­te der Per­so­nal­ge­stel­ler nicht unmit­tel­bar die nach der Sat­zung des Per­so­nal­ge­stel­lers begüns­tig­ten Per­so­nen (dro­gen­ge­fähr­de­te Jugend­li­che). Viel­mehr erbrach­te er im Streit­zeit­raum sons­ti­ge Leis­tun­gen an den Ent­lei­her, die den begüns­tig­ten Per­so­nen allen­falls mit­tel­bar zugu­te­ge­kom­men sind.
Der Gestel­ler kann sich auch nicht mit Erfolg auf Art. 132 Abs. 1 Buchst. g MwSt­Sys­tRL beru­fen 4.
Nach Art. 132 Abs. 1 Buchst. g MwSt­Sys­tRL (und der wort­laut­i­den­ti­schen Vor­gän­ger­be­stim­mung des Art. 13 Teil A Abs. 1 Buchst. g der Richt­li­nie 77/​388/​EWG) befrei­en die Mit­glied­staa­ten fol­gen­de Umsät­ze von der Steu­er: "eng mit der Sozi­al­für­sor­ge und der sozia­len Sicher­heit ver­bun­de­ne Dienst­leis­tun­gen und Lie­fe­run­gen von Gegen­stän­den, ein­schließ­lich der­je­ni­gen, die durch Alten­hei­me, Ein­rich­tun­gen des öffent­li­chen Rechts oder ande­re von dem betref­fen­den Mit­glied­staat als Ein­rich­tun­gen mit sozia­lem Cha­rak­ter aner­kann­te Ein­rich­tun­gen bewirkt wer­den".
Ent­gelt­li­che Per­so­nal­ge­stel­lun­gen stel­len als sol­che kei­ne im sozia­len Bereich erbrach­ten Gemein­wohl­dienst­leis­tun­gen dar und sind somit kei­ne "eng mit der Sozi­al­für­sor­ge und der sozia­len Sicher­heit ver­bun­de­nen Umsät­ze" i.S. von Art. 132 Abs. 1 Buchst. g MwSt­Sys­tRL 5. Dies gilt auch dann, wenn die auf­grund der Gestel­lung aus­zu­füh­ren­de Tätig­keit als Leis­tung der Sozi­al­für­sor­ge zu cha­rak­te­ri­sie­ren ist und die Gestel­lung an eine Ein­rich­tung mit sozia­lem Cha­rak­ter oder eine Ein­rich­tung des öffent­li­chen Rechts erbracht wird 5. Für den Bun­des­fi­nanz­hof bestehen inso­weit kei­ne Zwei­fel an der zutref­fen­den Aus­le­gung des Art. 132 Abs. 1 Buchst. g MwSt­Sys­tRL.
Nach­dem Art. 132 Abs. 1 Buchst. g MwSt­Sys­tRL auf Per­so­nal­ge­stel­lungs­leis­tun­gen nicht anzu­wen­den ist, lässt sich eine Steu­er­be­frei­ung auch nicht aus der frü­he­ren EuGH-Recht­spre­chung zu Art. 13 Teil A Abs. 1 Buchst. i und g der Richt­li­nie 77/​388/​EWG her­lei­ten.
Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 14. Janu­ar 2016 – V R 56/​14
BFH, Urteil vom 23.07.2009 – V R 93/​07, BFHE 226, 435, BSt­Bl II 2015, 735, unter II. 1.a, m.w.N.[↩]
BFH, Urtei­le vom 07.11.1996 – V R 34/​96, BFHE 181, 532, BSt­Bl II 1997, 366, unter II. 2., m.w.N.; in BFHE 226, 435, BSt­Bl II 2015, 735, unter II. 2.b, m.w.N.; und vom 15.09.2011 – V R 16/​11, BFHE 235, 521, Rz 14 f.[↩]
BFH, Urteil vom 30.04.2009 – V R 3/​08, BFHE 226, 144, BSt­Bl II 2013, 873, unter II. 4.a bb (1), m.w.N.[↩]
zur grund­sätz­li­chen unmit­tel­ba­ren Anwend­bar­keit der Richt­li­nie: EuGH, Urteil Zim­mer­mann vom 15.11.2012 – C‑174/​11, EU:C:2012:716, Rz 32, m.w.N.; BFH, Urteil vom 25.04.2013 – V R 7/​11, BFHE 241, 475, BSt­Bl II 2013, 976, Rz 21[↩]
EuGH, Urteil Go fair-Zeit­ar­beit, EU:C:2015:164, Rz 28[↩][↩]