Source: http://juratelegramm.de/faelle/privatrecht/NJW_2005_934.htm
Timestamp: 2019-05-21 08:41:53
Document Index: 356284281

Matched Legal Cases: ['§ 807', '§ 807', '§ 929', '§ 808', '§ 808', '§ 952']

NJW 2005, 934
Der Aufsatz von Weller NJW 2005, 934 zum ► Übertragungsverbot für Fußball-WM-Tickets berührt sowohl ein aktuelles Thema als auch Fragen des ► Wertpapierrechts und des Rechts der ► Allgemeinen Geschäftsbedingungen. Die angegebenen Seitenzahlen beziehen sich auf den Aufsatz.
I. Der Sachverhalt: Die WM-Tickets für die Fußball- Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland werden vom Deutschen Fußballbund (DFB) nur so verkauft, dass diese ausschließlich den darauf namentlich bezeichneten Personen das Recht auf Zutritt zum Stadion einräumen, was durch (verschlüsselte) Zutrittsinformationen auf dem Ticket und Eingangskontrollen in den Stadien gewährleistet wird (Ziff. 2 Allgemeine Ticket-Geschäftsbedingungen =ATGB). Eine Übertragung ist grundsätzlich untersagt (Ziff. 3 ATG, sog. Vinkulierung) und nur mit vorheriger schriftlicher Genehmigung des Organisationskomitees zulässig. Diese soll nur ausnahmsweise erteilt werden und kann aus sachlichem Grund verweigert werden, insbesondere „wenn Anhaltspunkte dafür bestehen, dass der Inhaber die Weiterveräußerung beabsichtigt“. Bei einer Übertragung ohne Genehmigung soll das Ticket seine Gültigkeit verlieren (Ziff. 4 ATGB). Wird die Genehmigung erteilt, wird für den Erwerber ein neues Ticket gegen eine Gebühr von 10 € ausgestellt.
II. Einordnung der Tickets
1. Normale Eintrittskarten beispielsweise für Bundesliga-Fußballspiele sind sog. kleine Inhaberpapiere i. S. des § 807 BGB (S. 935). Bei ihnen geht der Wille des Ausstellers dahin, an den jeweiligen Inhaber zu leisten, der das Ticket in den Händen hat (§§ 807, 797 BGB). Die materielle Berechtigung daraus wird durch Übereignung nach § 929 BGB übertragen (S. 935). Das Recht auf Besuch der Veranstaltung = das Recht aus der Urkunde folgt also bei Inhaberpapieren dem Recht an der Urkunde.
2. Durch die Regelung des DFB in den ATGB werden WM-Tickets zu Papieren i. S. des § 808 BGB (Hauptanwendungsfall dieser Vorschrift ist das Sparbuch, vgl. dazu JurTel 2005 Heft 9 S. 182). Zwar ist auch hier die Innehabung der Urkunde erforderlich (§ 808 II 1), sie reicht aber nicht aus. Der Inhaber des Papiers muss zugleich materieller Berechtigter (Gläubiger) sein. Das ist der Ersterwerber oder derjenige, der die verbriefte Forderung durch Abtretung erworben hat. Dabei folgt nach § 952 II BGB das Eigentum an der Urkunde dem Recht aus der Urkunde, d. h. Eigentümer des Papiers ist der Gläubiger (S. 936).