Source: https://www.gebaeudetechnik.ch/strom-energie/elektrotechnik/neuer-gav-fuer-die-elektrobranche/
Timestamp: 2020-02-18 18:43:59
Document Index: 147522373

Matched Legal Cases: ['Art. 37', 'Art. 20', 'Art. 30', 'Art. 31', 'Art. 32', 'Art. 33', 'Art. 35', 'Art. 18', 'Art. 37']

gebäudetechnik.ch: Neuer GAV für die Elektrobranche
EIT.swiss / 03. Februar 2020
Der Gesamarbeitsvertrag (GAV) ist seit 1. Januar 2020 für EIT.swiss-Mitglieder verbindlich. Sobald der Bundesrat ihn für allgemeinverbindlich erklärt, wird er für die gesamte Branche gelten.
Am 12. September 2019 genehmigten die Delegierten von EIT.swiss den neuen Gesamtarbeitsvertrag (GAV) der Schweizerischen Elektrobranche. Damit konnte das neue Vertragswerk auf den 1. Januar 2020 in Kraft gesetzt werden. Um den Mitgliedern von EIT.swiss die Umsetzung des neuen GAV zu erleichtern, fanden in verschiedenen Sektionen Informationsveranstaltungen statt. Vorgestellt und diskutiert wurden dabei unter anderem die folgenden wichtigen Änderungen:
Auf 2021 wird ein neues Lohnsystem eingeführt. Dieses ist mit einer Vereinfachung der Mindestlöhne (Festlegung eines einzigen Mindestlohns pro Berufsgruppe), der Aufnahme „Teamleiter/in“ als Berufsgruppe und einer Erhöhung der Mindestlöhne verbunden. Eine Lohnerhöhung wurde bereits auf 2020 umgesetzt und zwar durch eine generelle Reallohnerhöhung von CHF 100.- pro Monat zuzüglich des Teuerungsausgleichs von 0.1 Prozent.
Die Jahresbruttoarbeitszeit wird im neuen GAV fixiert und zwar auf 2‘080 Stunden pro Jahr. Damit entfällt die jährliche Neuberechnung. Die normale wöchentliche Arbeitszeit beträgt 40 Stunden, die wöchentliche Höchstarbeit ist 50 Stunden. Die flexible Arbeitszeitregelung erlaubt wöchentlich zusätzlich fünf Stunden, ohne dass ein Zuschlag bezahlt werden muss.
Der Arbeitgeber ist bereits seit 2000 dazu verpflichtet, die Arbeitszeiten seiner Mitarbeitenden zu erfassen und monatlich zusammenzustellen. Die Regelung ist also nicht neu. Sie wurde aber auf Druck des SECO nun im GAV explizit erwähnt. Neben Dauer, Beginn und Ende der geleisteten täglichen und wöchentlichen Arbeitszeit (inkl. Vorholzeit und Überstunden), sind auch (unbezahlte) Pausen von einer halben Stunde zu erfassen. Es muss also für jeden Mitarbeiter nachvollziehbar sein, wann er gearbeitet, die Pausen bezogen und wann er die Arbeit beendet hat. Es gibt verschiedene Möglichkeiten, um die Arbeitszeit zu erfassen, z.B. von Hand auf einem Notizblock, im Kalender, Rapportbuch oder in einer Exceltabelle oder mittels App/Software. Es ist auch möglich, die Fixzeiten pro Mitarbeiter/pro Team zu definieren und die individuellen Abweichungen zu erfassen (z.B. Verschiebung einer Kaffeepause).
Kompensation der Überstunden und Überzeit
Stunden, die über den 45 wöchentlichen Stunden liegen, sind mit einem Zuschlag von 25 Prozent auszuzahlen. Eine Kompensation dieser Überstunden ist nur dann möglich, wenn der Mitarbeiter das wünscht und eine schriftliche Vereinbarung vorliegt. Dabei ist zu beachten, dass der Zuschlag von 25 Prozent pro Überstunde auch bei Kompensation durch Freizeit auszuzahlen ist. Zu beachten ist ferner, dass per 31. Dezember höchsten 120 Überstunden auf die nächste Periode übertragen werden können. Diese sind innert Jahresfrist mit Freizeit zu kompensieren oder auszuzahlen.
Als Überzeit gelten jene Stunden, welche die 50 Wochenstunden überschreiten und durch die vorgesetzte Stelle speziell angeordnet oder nach der Leistung umgehend autorisiert werden. Überzeit muss mit einem Zuschlag von 25 Prozent ausbezahlt werden.
Neu wird der erste Krankheitstag als Karenztag (Art. 37.7) nicht bezahlt, auch wenn ein ärztliches Zeugnis vorliegt.
Grundsätzlich kann der Arbeitgeber festlegen, wo der Ort des Arbeitsbeginns liegt (Geschäftsdomizil oder Baustelle). Beginnt die Arbeit im Betrieb, gilt der Arbeitsweg (Wohnort – Betrieb) nicht als Arbeitszeit, jedoch der Weg vom Betrieb zur Baustelle. Wenn die Arbeit auswärts beginnt, dann ist die zeitliche Differenz, die den Arbeitsweg vom Wohnort zum Betrieb übersteigt, Arbeitszeit. Nach Vereinbarung mit den Mitarbeitenden kann aber auch ein Rayon (z.B. Radius 10 km) festgelegt werden, falls die Arbeit auf der Baustelle beginnt. Diese Vereinbarung resp. dieses Reglement ist bei der Paritätischen Kommission zu hinterlegen. Eine Genehmigung ist aber nicht notwendig.
Die Höhe des Auslagenersatzes für die Mittagsverpflegung bei täglicher Heimkehr beträgt CHF 16.- pro Tag. Die Mitarbeitenden haben Anspruch auf diesen Auslagenersatz, wenn eine Rückkehr über den Mittag nicht möglich ist, der Arbeitgeber die Mitarbeitenden anweist, über den Mittag am auswärtigen Arbeitsort zu bleiben oder der Arbeitsort ausserhalb eines geografischen Gebiets liegt, bei der die Wegstrecke zum Betrieb oder zum Wohnort mehr als 20 Minuten beträgt.
Mitarbeitende haben für die berufliche Ausbildung neu Anspruch auf fünf bezahlte Arbeitstage pro Jahr.
Teilunterstellung der Lernenden
Mit dem neuen GAV werden die Lernenden dem GAV teilweise unterstellt (gilt auch für bestehende Lehrverträge). Dies gilt für die Regelungen betr. Arbeitszeit (Art. 20), Feiertage (Art. 30), Feiertagsentschädigungen (Art. 31), Absenzenentschädigung (Art. 32), Auslagenersatz (Art. 33), Ausrichtung des Lohns (Art. 35) und 13. Monatslohn und Abrechnung (Art. 18). Lernende bezahlen aber keinen Vollzugskosten- und Ausbildungsbeitrag und für diese gilt der Karenztag (Art. 37.7) nicht.
Weitere Informationen rund um den GAV sowie die häufig gestellten Fragen und ihre Antworten sind auf der Webseite von EIT.swiss (eitswiss.ch/gav) zu finden.
Mitglieder von EIT.swiss finden zudem verschiedene Vorlagen (z.B. für Reglemente, Lohnabrechnung oder Arbeitszeiterfassung) im Mitgliederbereich. Für Fragen rund um den neuen GAV wenden Sie sich an gav(at)eitswiss.ch.