Source: https://www.anwalt24.de/urteile/bgh/2014-02-21/v-zr-164_13
Timestamp: 2017-09-21 13:01:36
Document Index: 346682294

Matched Legal Cases: ['BGH', '§ 673', '§ 20', '§ 26', '§ 673', '§ 673', '§ 673', '§ 673', '§ 673', '§ 673', '§ 613', '§ 26', '§ 20', '§ 314', '§ 20', 'BGH', 'BGH']

BGH, 21.02.2014 - V ZR 164/13 - Organstellung und Verwaltervertrag bei Verschmelzung einer zur Verwalterin einer Wohnungseigentumsanlage bestellten juristischen Person auf eine andere juristische Person | anwalt24.de
Urt. v. 21.02.2014, Az.: V ZR 164/13
Referenz: JurionRS 2014, 12809
Aktenzeichen: V ZR 164/13
AG Frankenthal - 21.05.2012 - AZ: 3b C 566/11
LG Landau - 17.05.2013 - AZ: 3 S 134/12
§ 673 S. 1 BGB
§ 20 Abs.1 Nr. 1 UmwG
§ 26 Abs. 1 WEG
AG 2014, 399-402
DB 2014, 825-827
DNotI-Report 2014, 78-80
DNotZ 2014, 519-523
EWiR 2014, 343
GmbHR 2014, 654-657
GWR 2014, 194
IWR 2014, 51
MDR 2014, 824-825
MietRB 2014, 142-143
MK 2014, 91
NJ 2014, 472
NJW 2014, 1447-1450
NJW-Spezial 2014, 354-355
NWB 2014, 2312-2313
NWB direkt 2014, 796-797
NZG 2014, 637-640
NZM 2014, 312-315
WM 2014, 703-706
WuM 2014, 295-299
ZfIR 2014, 327-330
ZIP 2014, 776-779
ZMR 2014, 654-657
ZNotP 2014, 145-148
ZWE 2014, 216-219
(2) Daran gemessen scheidet eine entsprechende Anwendung von § 673 Satz 1 BGB auf den Verwaltervertrag aus. Dieser Bestimmung zufolge erlischt der Auftrag im Zweifel mit dem Tod des Beauftragten; anerkannt ist die entsprechende Anwendung der Norm bei der Liquidation einer beauftragten juristischen Person (Palandt/Sprau, BGB, 73. Aufl., § 673 Rn. 3 mwN). Im Falle des Erlöschens der juristischen Person infolge einer Verschmelzung fehlt es dagegen an einer Regelungslücke, die Voraussetzung für eine Analogie wäre. Denn das Umwandlungsgesetz enthält aufgrund der Gesamtrechtsnachfolge eine mit dem Grundgedanken von § 673 Satz 1 BGB unvereinbare Sonderregelung für die Verschmelzung. Deren Ziel ist die Kontinuität der Rechtsverhältnisse, die in aller Regel auf den übernehmenden Rechtsträger übergehen und nicht - wie es § 673 Satz 1 BGB vorsieht - im Zweifel erlöschen sollen. Auch die Interessen der Beteiligten liegen gänzlich anders als bei der Liquidation einer beauftragten juristischen Person, weil ein gesetzlich im Einzelnen geregelter Rechtsübergang stattfindet (grundlegend K. Schmidt, DB 2001, 1019 ff.; MünchKomm-BGB/Seiler, 6. Aufl., § 673 Rn. 2; Staudinger/Martinek, BGB [2006], § 673 Rn. 6). Ebenso wenig ist § 613 Satz 1 BGB analog anwendbar. Dieser Norm zufolge hat der Dienstverpflichtete die Dienste im Zweifel in Person zu leisten; der übertragende Rechtsträger überlässt aber nicht die Ausübung der Dienste anderen, sondern wird in den übernehmenden Rechtsträger umgewandelt. Schließlich sieht § 26 Abs. 1 WEG - im Hinblick auf die Organstellung - zwar vor, dass die Wohnungseigentümer den Verwalter durch Beschluss bestellen und abberufen, regelt aber nicht die Folgen der Umwandlung eines bestellten Verwalters (aA OLG Köln, OLGR 2004, 49, 50 f. und NZM 2006, 591, 592 [OLG Köln 09.02.2006 - 2 Wx 5/06]; LG Frankfurt/Oder, ZMR 2013, 981, 982; LG München I, ZWE 2013, 415 f.).
(1) Teilweise wird angenommen, dass die Wohnungseigentümer aufgrund der Verschmelzung ohne weitere Voraussetzungen zur Kündigung des Verwaltervertrags berechtigt seien (Lüke, ZfIR 2002, 469, 471 [BayObLG 07.02.2002 - 2 Z BR 161/01]; wohl auch Wicke/Menzel, MittBayNot 2009, 203, 207; Armbrüster, NZM 2012, 369, 375). Andere verneinen dies mit Blick auf die im Umwandlungsgesetz getroffenen Regelungen (Vossius in Mayer/Widmann, UmwG [2012], § 20 Rn. 322; Zajonz/ Nachtwey, ZfIR 2008, 701, 708; Becker in FS Merle [2010], 51, 62; allgemein Erman/Hohloch, BGB, 13. Aufl., § 314 Rn. 5; Kallmeyer/Marsch-Barner, UmwG, 5. Aufl., § 20 Rn. 10; vgl. auch BGH, Urteil vom 26. April 2002 - LwZR 20/01, BGHZ 150, 365, 369 ff. für den als höchstpersönliches Rechtsverhältnis angesehenen Landpachtvertrag).