Source: https://www.rechtslupe.de/wirtschaftsrecht/kapitalanlagerecht/zinssatz-swap-vertraege-und-die-konnexitaet-von-grundgeschaeft-und-gegengeschaeft-3109304
Timestamp: 2020-07-13 12:10:56
Document Index: 278896372

Matched Legal Cases: ['§ 551', '§ 254', '§ 254', '§ 139', '§ 215', '§ 37', '§ 2', '§ 2', '§ 2', '§ 37', '§ 215', '§ 242', '§ 280', '§ 249', '§ 242', '§ 214', '§ 242', '§ 215', '§ 215', '§ 280', '§ 249', '§ 821']

Zinssatz-Swap-Verträge - und die Konnexität von Grundgeschäft und Gegengeschäft | Rechtslupe
Aktu­ell hat­te sich der Bun­des­ge­richts­hof – in Fort­füh­rung sei­ner bis­he­ri­gen Recht­spre­chung aus den Jah­ren 2011 und 2015 [1] – mit den Vor­aus­set­zun­gen der Kon­ne­xi­tät von Grund­ge­schäft und Gegen­ge­schäft bei Abschluss von Zins­satz-Swap-Ver­trä­gen zu befas­sen:
In dem hier ent­schie­de­nen Fall waren im Zusam­men­hang mit dem Abschluss der drei streit­ge­gen­ständ­li­chen Zins­satz-Swap-Ver­trä­ge durch die Auf­nah­me von Bera­tungs­ge­sprä­chen zwi­schen der Bank und ihrer Kun­din, einer klei­nen nord­rhein­west­fä­li­schen Gemein­de, still­schwei­gend Kapi­tal­an­la­ge­be­ra­tungs­ver­trä­ge geschlos­sen wor­den [2]. Dabei hat­te die Bank, wie der Bun­des­ge­richts­hof bestä­tig­te, ihre Pflicht ver­letzt, die Kun­din über das Ein­prei­sen eines anfäng­li­chen nega­ti­ven Markt­werts als sol­ches und des­sen Höhe auf­zu­klä­ren.
Unrich­tig ist aller­dings die auf sei­ner unzu­tref­fen­den Umschrei­bung des anfäng­li­chen nega­ti­ven Markt­werts grün­den­de Annah­me des in der Vor­in­stanz täti­gen Ober­lan­des­ge­richts Köln [3], eine Bank, die auf den anfäng­li­chen nega­ti­ven Markt­wert eines mit ihr selbst geschlos­se­nen Swap-Geschäfts nicht hin­wei­se, ver­sto­ße gegen das Gebot der objekt­ge­rech­ten Bera­tung. Das Ein­prei­sen einer Brut­to­mar­ge ist kein Umstand, über den die bera­ten­de Bank im Rah­men der objekt­ge­rech­ten Bera­tung infor­mie­ren müss­te [4]. Der anfäng­li­che nega­ti­ve Markt­wert spie­gelt nicht den vor­aus­sicht­li­chen Erfolg und Miss­erfolg des Geschäfts wider, son­dern den Markt­wert bei Abschluss des Ver­trags, der zu die­sem Zeit­punkt durch Glatt­stel­lung des Ver­trags rea­li­sier­bar wäre. Eine über­wie­gen­de Ver­lust­wahr­schein­lich­keit indi­ziert der anfäng­li­che stich­tags­be­zo­ge­ne nega­ti­ve Markt­wert dage­gen nicht. Der Erfolg des Swaps hängt letzt­lich allein von der Zins- und/​oder Wäh­rungs­kurs­ent­wick­lung und gege­be­nen­falls der Ent­wick­lung des "Spreads" wäh­rend der Ver­trags­lauf­zeit ab. Die Emp­feh­lung eines Swap-Ver­trags kann daher trotz des anfäng­li­chen nega­ti­ven Markt­werts objekt­ge­recht sein.
Die Ver­pflich­tung, bei Swap-Ver­trä­gen im Zwei­per­so­nen­ver­hält­nis anläss­lich einer ver­trag­lich geschul­de­ten Bera­tung das Ein­prei­sen einer Brut­to­mar­ge zu offen­ba­ren, sofern es wie hier an kon­ne­xen Grund­ge­schäf­ten fehlt, folgt viel­mehr aus dem Gesichts­punkt eines schwer­wie­gen­den Inter­es­sen­kon­flikts [5]. Das Ein­struk­tu­rie­ren der Brut­to­mar­ge in die Risi­ko­struk­tur des Swap-Ver­trags kann der Kun­de, der davon aus­geht, die bera­ten­de Bank ver­die­ne aus­schließ­lich bei ihr güns­ti­gem Ver­lauf der Zins­wet­te in Höhe der Zins­dif­fe­renz, bei der gebo­te­nen nor­ma­tiv­ob­jek­ti­ven Betrach­tungs­wei­se unab­hän­gig von den Bedin­gun­gen des Swap-Geschäfts nicht erken­nen.
Trotz sei­nes unzu­tref­fen­den Aus­gangs­punkts ist das Ober­lan­des­ge­richt Köln [6] indes­sen zu einem rich­ti­gen Ergeb­nis gelangt. Dabei hat es ent­ge­gen der gemäß § 551 Abs. 3 Satz 1 Nr. 2 Buchst. b ZPO aus­ge­führ­ten Rüge der Bank ent­schei­dungs­er­heb­li­ches Vor­brin­gen der Bank nicht über­gan­gen. Die Bank hat nicht vor­ge­bracht, sie habe der Kun­din jeweils auch die Höhe des anfäng­li­chen nega­ti­ven Markt­werts mit­ge­teilt. Viel­mehr ist das Gegen­teil unstrei­tig. Die Bank hat damit die Erfül­lung ihrer Auf­klä­rungs­pflicht nicht behaup­tet.
Die Pflicht der Bank, über die Ein­prei­sung des anfäng­li­chen nega­ti­ven Markt­werts auf­zu­klä­ren, ent­fiel, wie das Ober­lan­des­ge­richt Köln [6] im Ergeb­nis eben­falls rich­tig gese­hen hat, auch nicht unter dem Aspekt einer kon­ne­xen Ver­knüp­fung der Zins­satz-Swap-Ver­trä­ge mit Dar­le­hen als Grund­ge­schäf­ten.
Dar­aus folgt, dass über den in der Ein­prei­sung des anfäng­li­chen nega­ti­ven Markt­werts lie­gen­den schwer­wie­gen­den Inter­es­sen­kon­flikt aus­nahms­wei­se nicht auf­zu­klä­ren ist, wenn es bei wirt­schaft­li­cher Betrach­tung aus­schließ­lich dar­um geht, die Para­me­ter eines kon­kre­ten Kre­dit­ver­hält­nis­ses abzu­än­dern. Aus­gangs- und Bezugs­punkt müs­sen ein bei der bera­ten­den Bank unter­hal­te­ner, bestehen­der oder zeit­gleich abge­schlos­se­ner [7] Dar­le­hens­ver­trag und des­sen Bedin­gun­gen sein. Der Bezugs­be­trag des Zins­satz-Swap-Ver­trags muss der zur Rück­zah­lung aus­ste­hen­den Valu­ta die­ses Dar­le­hens­ver­trags als kon­ne­xem Grund­ge­schäft ent­spre­chen oder darf sie jeden­falls nicht über­stei­gen. Bei varia­bel ver­zins­li­chen Dar­le­hen muss die Lauf­zeit des Zins­satz-Swap-Ver­trags der des Dar­le­hens­ver­trags und bei Fest­zins­dar­le­hen die Lauf­zeit des Zins­satz-Swap-Ver­trags der der Zins­bin­dung gleich­ste­hen oder darf sie jeden­falls nicht über­schrei­ten. Die Zah­lungs­pflich­ten der Bank aus dem Zins­satz-Swap-Ver­trag müs­sen sich mit dem vom Kun­den in dem zuge­ord­ne­ten Dar­le­hens­ver­trag über­nom­me­nen varia­blen oder fes­ten Zins min­des­tens im Sin­ne einer par­ti­el­len Absi­che­rung gegen­läu­fi­ger Zins­ri­si­ken [8] decken. Die Bank muss jeweils zum glei­chen Stich­tag ent­we­der den auf den­sel­ben Basis­wert, etwa einen Refe­renz­z­ins­satz, bezo­ge­nen varia­blen Zins­satz des Kun­den aus dem Dar­le­hens­ver­trag im Tausch gegen einen fes­ten Zins über­neh­men oder dem Kun­den den von ihm aus dem Dar­le­hens­ver­trag geschul­de­ten Fest­zins gegen einen varia­blen Zins zah­len. Die Par­tei­en müs­sen mit­hin wirt­schaft­lich betrach­tet zumin­dest par­ti­ell ent­we­der ein varia­bel ver­zins­li­ches Dar­le­hen in ein syn­the­ti­sches Fest­zins­dar­le­hen [9] oder ein Fest­zins­dar­le­hen in ein syn­the­tisch varia­bel ver­zins­li­ches Dar­le­hen umwan­deln [10].
Dass die Par­tei­en die Zins­satz-Swap-Ver­trä­ge in die­sem Sin­ne als kon­ne­xe Gegen­ge­schäf­te ver­ein­bart hät­ten, hat das Ober­lan­des­ge­richt Köln [6] nicht fest­ge­stellt und die Bank nicht vor­ge­tra­gen.
Das Ober­lan­des­ge­richt Köln [6] hat fest­ge­hal­ten, der Kun­din sei es dar­um gegan­gen, ohne Inan­spruch­nah­me wei­te­ren Eigen­ka­pi­tals die Zins­last aus bestehen­den Dar­le­hens­ver­trä­gen zu "opti­mie­ren". Eine (zumin­dest par­ti­el­le) Umwand­lung varia­bel ver­zins­li­cher Dar­le­hen in syn­the­ti­sche Fest­zins­dar­le­hen oder von Fest­zins­dar­le­hen in syn­the­tisch varia­bel ver­zins­li­che Dar­le­hen hat es nicht fest­ge­stellt.
Rechts­feh­ler­haft ist dage­gen die Annah­me des Ober­lan­des­ge­richts Köln [6], die Bank habe zur Wider­le­gung der zuguns­ten der Kun­din strei­ten­den "Ver­mu­tung auf­klä­rungs­rich­ti­gen Ver­hal­tens" nicht erheb­lich vor­ge­tra­gen.
Von sei­nem Rechts­stand­punkt aus kon­se­quent hat das Ober­lan­des­ge­richt Köln [6] ange­nom­men, die für die Kun­din strei­ten­de "Ver­mu­tung auf­klä­rungs­rich­ti­gen Ver­hal­tens" sei nur dann wider­legt, wenn die Bank dar­le­ge und bewei­se, dass die Kun­din die Zins­satz-Swap-Ver­trä­ge auch "gegen die Markt­er­war­tung" abge­schlos­sen hät­te. Damit ist das Ober­lan­des­ge­richt Köln [6] frei­lich einem hier auch ergeb­nis­re­le­van­ten Rechts­irr­tum unter­le­gen. Klärt die bera­ten­de Bank den Kun­den nicht dar­über auf, dass sie in das mit ihr geschlos­se­ne Swap-Geschäft eine Brut­to­mar­ge ein­ge­preist hat, muss sie zur Wider­le­gung der Kau­sa­li­täts­ver­mu­tung dar­le­gen und bewei­sen, dass der Kun­de den Swap-Ver­trag auch bei Unter­rich­tung über das Ein­prei­sen einer Brut­to­mar­ge als sol­cher und über die Höhe des ein­ge­preis­ten Betrags abge­schlos­sen hät­te. Die bera­ten­de Bank muss dage­gen nicht wider­le­gen, dass der Kun­de sei­ne Anla­ge­ent­schei­dung von der Art und Wei­se der Rea­li­sie­rung des Gewinns über Hedging-Geschäf­te, also von der anfäng­li­chen Markt­be­wer­tung, abhän­gig gemacht hät­te [11].
Auch unter einem wei­te­ren Aspekt war der Vor­trag der Bank beacht­lich: Sofern, wie von ihr behaup­tet, der frü­he­re Bür­ger­meis­ter und der Käm­me­rer der Kun­din die Zins­satz-Swap-Geschäf­te ohne Rück­sicht auf eine ein­ge­preis­te Brut­to­mar­ge abschlos­sen, weil sie die Ver­lus­te aus frü­he­ren Geschäf­ten nicht publik machen woll­ten, ist, wor­auf die Revi­si­on rich­tig hin­weist, die Kau­sa­li­täts­ver­mu­tung wider­legt. Ent­spre­chen­dem Vor­brin­gen der Bank hät­te das Ober­lan­des­ge­richt Köln [6] mit­hin nach­ge­hen müs­sen. Das galt selbst dann, wenn die ver­ant­wort­lich Han­deln­den der Kun­din sol­che Erwä­gun­gen ledig­lich des­halb durch­grei­fen lie­ßen, weil sie durch Auf­klä­rungs­män­gel der Bank ver­an­lass­te Vor­ge­schäf­te wegen der Ver­jäh­rung scha­dens­er­satz­recht­li­cher Rück­ab­wick­lungs­an­sprü­che anders nicht mehr hät­ten auf­lö­sen kön­nen. Bei der Ent­schei­dung der Fra­ge, ob ein Bera­tungs­feh­ler hier: das Ver­schwei­gen des anfäng­li­chen nega­ti­ven Markt­werts des Neu­ge­schäfts ursäch­lich für die Anla­ge­ent­schei­dung gewor­den ist, kommt es nur dar­auf an, ob er die Wil­lens­ent­schlie­ßung aus­schlag­ge­bend beein­flusst hat. Waren ande­re Moti­ve ent­schei­dend, ist ohne Rück­sicht auf deren Ent­ste­hungs­grund der Bera­tungs­feh­ler nicht kau­sal.
Erfolg­los greift die Revi­si­on dage­gen die Ein­schät­zung des Ober­lan­des­ge­richts Köln [6] an, die Kun­din müs­se sich ein Mit­ver­schul­den der für sie ver­ant­wort­lich Han­deln­den nicht ent­ge­gen­hal­ten las­sen. Nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs kann der Infor­ma­ti­ons­pflich­ti­ge dem Geschä­dig­ten grund­sätz­lich nicht nach § 254 Abs. 1 BGB ent­ge­gen­hal­ten, er habe den Anga­ben nicht ver­trau­en dür­fen und sei des­halb für den ent­stan­de­nen Scha­den mit­ver­ant­wort­lich [12]. Selbst unter­stellt, ver­ant­wort­lich Han­deln­de der Kun­din hät­ten Ver­stö­ße gegen Haus­halts­vor­schrif­ten mit­tels des fort­ge­setz­ten Abschlus­ses von Zins­satz-Swap-Ver­trä­gen aus poli­ti­schem Kal­kül über­de­cken wol­len, wäre auch dies kein Aspekt, der nach § 254 Abs. 1 BGB zu berück­sich­ti­gen wäre. Er spielt viel­mehr, wie oben aus­ge­führt, aus­schließ­lich bei der Kau­sa­li­tät der Pflicht­ver­let­zung eine Rol­le.
Wie­der­um nicht frei von Rechts­feh­lern ist das Ober­lan­des­ge­richt Köln [6] davon aus­ge­gan­gen, die Kun­din müs­se sich im Wege der Vor­teils­aus­glei­chung gene­rell nicht Vor­tei­le anrech­nen las­sen, die ihr aus ande­ren mit der Bank geschlos­se­nen Ver­trä­gen ent­stan­den sei­en.
Rich­tig hat das Ober­lan­des­ge­richt Köln [6] aller­dings eine Anrech­nung erziel­ter Vor­tei­le inso­weit ver­neint, als sie die Kun­din aus Zins­satz-Swap-Ver­trä­gen erlangt hat, deren Abschluss oder Auf­lö­sung nicht auf eine feh­ler­haf­te Bera­tung im Zuge des Abschlus­ses des "Künd­ba­ren Zah­ler-Swaps", des "Digi­ta­len Zins­um­feld-Swaps" und des "CHF-Plus-Swaps" zurück­zu­füh­ren ist. Nach den Grund­sät­zen der Vor­teils­aus­glei­chung sind dem Geschä­dig­ten die­je­ni­gen Vor­tei­le zuzu­rech­nen, die ihm in adäqua­tem Zusam­men­hang mit dem Scha­dens­er­eig­nis zuflie­ßen. Ist Scha­dens­er­eig­nis eine Bera­tungs­pflicht­ver­let­zung anläss­lich des Abschlus­ses kon­kre­ter Swap-Geschäf­te, kön­nen Vor­tei­le, die aus zu ande­ren Zei­ten geschlos­se­nen Swap-Ver­trä­gen auf­grund einer geson­der­ten Bera­tung resul­tie­ren, schon man­gels Näm­lich­keit des Scha­dens­er­eig­nis­ses im Wege der Vor­teils­aus­glei­chung kei­ne Berück­sich­ti­gung fin­den. Dar­an ändert auch die Gleich­ar­tig­keit der Pflicht­ver­let­zung nichts [13].
Eine Vor­teils­aus­glei­chung in Höhe des nega­ti­ven Ablö­sungs­werts von Alt­ver­trä­gen im Zeit­punkt ihrer Auf­lö­sung kam aber, was das Ober­lan­des­ge­richt Köln [6] über­se­hen hat, in Betracht, soweit die Kun­din auf­grund der von ihr als feh­ler­haft gerüg­ten Bera­tung zugleich mit dem Neu­ab­schluss streit­ge­gen­ständ­li­cher Zins­satz-Swap-Ver­trä­ge ande­re, für sie nach­tei­lig ver­lau­fe­ne älte­re Geschäf­te im Ein­ver­ständ­nis mit der Bank been­de­te.
Zwar ver­hielt sich die Kun­din unter­stellt, die zu ihren Guns­ten strei­ten­de Ver­mu­tung auf­klä­rungs­rich­ti­gen Ver­hal­tens war nicht wider­legt nicht wider­sprüch­lich, wenn sie nur die Rück­gän­gig­ma­chung der jeweils neu­en Geschäf­te ver­lang­te. In die­sem Fall fand auch § 139 BGB kei­ne Anwen­dung. Das Rück­gän­gig­ma­chen der neu­en Ver­trä­ge führ­te mit­hin nicht ohne wei­te­res zur Auf­he­bung der Auf­lö­sungs­ver­trä­ge, was zur Fol­ge gehabt hät­te, dass der Kun­din ein anre­chen­ba­rer Vor­teil dau­er­haft nicht ver­blie­ben wäre [14].
Der der Kun­din aus der Auf­lö­sung nach­tei­li­ger Alt­ge­schäf­te erwach­se­ne Vor­teil war aber unter bestimm­ten Bedin­gun­gen, deren Vor­han­den­sein das Ober­lan­des­ge­richt Köln [6] nicht rechts­feh­ler­frei aus­ge­schlos­sen hat, im Wege der Vor­teils­aus­glei­chung von Amts wegen anzu­rech­nen.
Nach den Grund­sät­zen der Vor­teils­aus­glei­chung dür­fen dem Geschä­dig­ten neben einem Ersatz­an­spruch nicht die Vor­tei­le ver­blei­ben, die ihm durch das schä­di­gen­de Ereig­nis zuge­flos­sen sind [15]. Sol­che Vor­tei­le sind scha­dens­min­dernd zu berück­sich­ti­gen, die in einem adäqua­tur­säch­li­chen Zusam­men­hang mit dem Scha­dens­er­eig­nis ste­hen und deren Anrech­nung dem Zweck des Scha­dens­er­sat­zes ent­spricht sowie weder den Geschä­dig­ten unzu­mut­bar belas­tet noch den Schä­di­ger unbil­lig ent­las­tet [16]. Der­ar­ti­ge Vor­tei­le kön­nen auch in der Ver­mei­dung ander­wei­ti­ger Ver­lus­te lie­gen, die der Geschä­dig­te ohne das scha­den­stif­ten­de Ereig­nis erlit­ten hät­te [17]. Ver­ur­sacht der Auf­klä­rungs­man­gel äqui­va­lent- und adäquat­kau­sal den Abschluss eines güns­ti­gen wei­te­ren Geschäfts mit dem Schä­di­ger, das in inne­rem Zusam­men­hang mit dem im Wege des Scha­dens­er­sat­zes rück­ab­zu­wi­ckeln­den Geschäft steht, kann sich dar­aus ein vom Schä­di­ger dar­zu­le­gen­der und zu bewei­sen­der [18] anre­chen­ba­rer Vor­teil erge­ben.
Rechts­feh­ler­haft ist schließ­lich die Annah­me des Ober­lan­des­ge­richts Köln [6], die Bank kön­ne der Kun­din, soweit sie bean­tra­ge fest­zu­stel­len, aus dem "Künd­ba­ren Zah­ler-Swap" nichts zu schul­den, die Ein­re­de der Ver­jäh­rung nicht ent­ge­gen­hal­ten, weil die Kun­din sich auf § 215 BGB beru­fen kön­ne.
Rich­tig ist aller­dings der Aus­gangs­punkt des Ober­lan­des­ge­richts Köln [6], § 37a WpHG aF fin­de sach­lich auf im Jahr 2006 zu Anla­ge­zwe­cken getä­tig­te Swap-Geschäf­te Anwen­dung. Schon nach § 2 Abs. 2 Nr. 3 WpHG in der zwi­schen dem 30.10.2004 und dem 19.01.2007 gel­ten­den Fas­sung (künf­tig: aF) waren zu Spe­ku­la­ti­ons­zwe­cken geschlos­se­ne Zins­satz-Swap-Ver­trä­ge Deri­va­te im Sin­ne der Begriffs­be­stim­mun­gen des Wert­pa­pier­han­dels­ge­set­zes und damit Finanz­in­stru­men­te gemäß § 2 Abs. 2b Satz 1 WpHG aF. Die Bera­tung bei der Anla­ge in sol­che Swap-Geschäf­te war Wert­pa­pier­ne­ben­dienst­leis­tung gemäß § 2 Abs. 3a Nr. 3 WpHG aF [19]. Eine Pflicht­ver­let­zung bei der Bera­tung unter­fiel dem Anwen­dungs­be­reich des § 37a WpHG aF.
Von Rechts­feh­lern beein­flusst ist aber die Annah­me des Ober­lan­des­ge­richts Köln [6], die Kun­din kön­ne sich gegen die Ein­re­de der Bank, Scha­dens­er­satz­an­sprü­che sei­en ver­jährt, auf § 215 BGB beru­fen.
Die Kun­din, die auf §§ 242, 249 Abs. 1 BGB ver­weist, macht ihrer­seits eine unselb­stän­di­ge Ein­wen­dung gel­tend, die mit dem Anspruch ver­jährt, aus dem sie abge­lei­tet wird. Die­ser Anspruch lau­tet auf Ver­trags­auf­he­bung nach Maß­ga­be der § 280 Abs. 1, § 249 Abs. 1 BGB. Ist Grund des Leis­tungs­ver­wei­ge­rungs­rechts der Kun­din der Umstand, dass der Bank ein schutz­wür­di­ges Inter­es­se an der Leis­tung auf die Ver­pflich­tung aus den Zins­satz-Swap-Ver­trä­gen fehlt, weil sie zur als­bal­di­gen Rück­ge­währ ver­pflich­tet ist, steht hin­ter dem Ein­wand aus §§ 242, 249 Abs. 1 BGB also der Gedan­ke der Pro­zess­öko­no­mie, ent­fällt die Recht­fer­ti­gung der Ein­wen­dung, wenn ein zwei­ter Pro­zess auf Rück­ge­währ im Hin­blick auf § 214 Abs. 1 BGB erfolg­reich nicht mehr durch­ge­führt wer­den könn­te [20]. Das ist der Fall, wenn der Anspruch auf Ver­trags­auf­he­bung, aus dem die unselb­stän­di­ge Ein­wen­dung der Kun­din abge­lei­tet wird, selbst ver­jährt ist.
Eine Rege­lung, die den Ein­wand aus §§ 242, 249 Abs. 1 BGB über den Ablauf der Ver­jäh­rung des zugrun­de­lie­gen­den Anspruchs auf­recht erhiel­te, exis­tiert, wie der Bun­des­ge­richts­hof nach Erlass des Beru­fungs­ur­teils klar­ge­stellt hat, nicht. § 215 BGB ist nach sei­nem Wort­laut nicht anwend­bar, weil der Ein­wand der Kun­din, die Bank habe sie auf­grund der von ihr behaup­te­ten Bera­tungs­pflicht­ver­let­zung so zu stel­len, als sei der "Künd­ba­re Zah­ler-Swap" nicht zustan­de gekom­men, kei­ne Auf­rech­nung mit einem gleich­ar­ti­gen Gegen­an­spruch beinhal­tet. In der Ein­wen­dung der Kun­din liegt auch nicht die Gel­tend­ma­chung eines Zurück­be­hal­tungs­rechts im Sin­ne des § 215 BGB, weil Leis­tun­gen aus dem "Künd­ba­ren Zah­ler-Swap" das Bestehen eines Anspruchs der Kun­din auf Ver­trags­auf­he­bung nach Maß­ga­be der § 280 Abs. 1, § 249 Abs. 1 BGB unter­stellt gera­de nicht Zug um Zug gegen die Ver­trags­auf­he­bung zu erfül­len wären. Eben­falls zuguns­ten der Kun­din weder direkt noch ana­log anwend­bar sind die §§ 821, 853 BGB [21].
Für das wei­te­re Ver­fah­ren weist der Bun­des­ge­richts­hof auf fol­gen­des hin: Das Fest­hal­ten an wirt­schaft­lich güns­ti­gen Ver­trä­gen in Kennt­nis des Umstands, dass die Bank einen anfäng­li­chen nega­ti­ven Markt­wert ein­ge­preist hat, kann ein Indiz dafür sein, dass sich der Bera­tungs­feh­ler auf den Anla­ge­ent­schluss nicht ursäch­lich aus­ge­wirkt hat [22]. Ent­spre­chend wird das Ober­lan­des­ge­richt Köln [6] nicht nur zu erwä­gen haben, ob das Fest­hal­ten der Kun­din an sonst güns­tig ver­lau­fe­nen Swap-Geschäf­ten die Kau­sa­li­täts­ver­mu­tung wider­legt. Es wird auch zu prü­fen haben, ob das Behar­ren auf den zusam­men mit streit­ge­gen­ständ­li­chen Zins­satz-Swap-Geschäf­ten geschlos­se­nen Auf­lö­sungs­ver­trä­gen gege­be­nen­falls in der Zusam­men­schau mit wei­te­ren Umstän­den dafür spricht, die Kun­din hät­te das Ein­prei­sen einer Brut­to­mar­ge wegen der mit den Auf­lö­sungs­ver­trä­gen ver­bun­de­nen Vor­tei­le hin­ge­nom­men.
OLG Köln, Urteil vom 13.08.2014 – 13 U 128/​13, Beck­RS 2014, 17035[↩]