Source: http://swissblawg.ch/2016/11/2c82016-kostenlose-zuteilung-von.html
Timestamp: 2017-10-18 14:36:31
Document Index: 271658853

Matched Legal Cases: ['BGer', 'BGer', 'Art. 46', 'BGer', 'Art. 127', 'Art. 164', 'BGer', 'Art. 74', 'Art. 89', 'BGer', 'Art. 8', 'BGer']

2C_8/2016: Kostenlose Zuteilung von Emissionsrechten / Keine Verletzung von Verfassungsbestimmungen (amtl. Publ.) - swissblawg
Im zur amt­li­chen Publi­ka­ti­on vor­ge­se­he­nen Urteil vom 17. Okto­ber 2016 äusser­te sich das BGer zum ersten Mal zur kosten­lo­sen Zutei­lung vom Emis­si­ons­rech­ten. Die X. AG pro­du­ziert Dämm­pro­duk­te aus Stein­wol­le und wur­de vom Bun­des­amt für Umwelt (BAFU) zur Teil­nah­me am Emis­si­ons­han­dels­sy­stem (EHS) ver­pflich­tet. Gleich­zei­tig ver­füg­te das BAFU, dass die X. AG jähr­lich Emis­si­ons­rech­te und Emis­si­ons­min­de­rungs­zer­ti­fi­ka­te für das Treib­haus­gas Koh­len­di­oxid (CO2) abge­ben muss. Für die Jah­re 2015 bis 2020 teil­te das BAFU der X. AG kosten­lo­se Emis­si­ons­rech­te zu. Die Ver­fü­gung über die Zutei­lung der kosten­lo­sen Emis­si­ons­rech­te zog die X. AG bis vor BGer, wel­ches die Beschwer­de abweist.
Umstrit­ten ist die Men­ge der Emis­si­ons­rech­te, auf deren kosten­lo­se Zutei­lung die X. AG für die Jah­re 2015 bis 2020 Anspruch hat. Das BAFU nahm die Zutei­lung gestützt auf Art. 46 Abs. 1 i.V.m. Ziff. 4 Anhang 9 der CO2-Ver­ord­nung (Ver­ord­nung über die Reduk­ti­on der CO2-Emis­sio­nen; SR 641.711) vor. Das BGer hält vor­ab fest, dass sich der Bun­des­rat mit Erlass der CO2-Ver­ord­nung an die ihm vom Gesetz­ge­ber erteil­ten Recht­set­zungs­be­fug­nis­se gehal­ten habe.
Die X. AG rügt zunächst, dass das abga­be­recht­li­che Lega­li­täts­prin­zip (Art. 127 Abs. 1 und Art. 164 Abs. 1 lit. d BV) ver­letzt wor­den sei und geht in die­sem Zusam­men­hang davon aus, dass das Emis­si­ons­han­dels­sy­stem dem Abga­be­recht zuzu­ord­nen sei. Das BGer lässt die­se Fra­ge indes­sen unbe­ant­wor­tet, da das CO2-Gesetz (Bun­des­ge­setz über die Reduk­ti­on der CO2-Emis­sio­nen; SR 641.71) den Kreis jener Per­so­nen defi­nie­re, die zur Teil­nah­me am Emis­si­ons­han­dels­sy­stem ver­pflich­tet sei­en. Zudem reg­le das CO2-Gesetz den Inhalt der mit dem Ein­be­zug in das Emis­si­ons­han­dels­sy­stem ver­bun­de­nen Pflicht (Abga­be von Emis­si­ons­rech­ten und Emis­si­ons­min­de­rungs­zer­ti­fi­ka­ten an den Bund). Schliess­lich erge­be sich der Mass­stab für die kosten­lo­se Zutei­lung von Emis­si­ons­rech­ten aus der Treib­haus­gas­ef­fi­zi­enz des Betriebs.
Die X. AG rügt wei­ter, dass es dem Ver­ur­sa­cher­prin­zip (Art. 74 Abs. 2 BV) und dem Ziel eines spar­sa­men und ratio­nel­len Ener­gie­ver­brauchs (Art. 89 Abs. 1 und 2 BV) wider­spre­che, wenn der beson­de­re Anpas­sungs­fak­tor für indi­rek­te Emis­sio­nen aus ver­wen­de­tem Strom basie­rend auf dem Emis­si­ons­wert des euro­päi­schen Strom­mi­xes von 0,465 Ton­nen CO2 pro MWh berech­net wer­de, denn der von der X. AG ver­wen­de­te Strom habe einen Emis­si­ons­wert von ledig­lich 0,01345 Ton­nen. Das BGer teilt jedoch die Auf­fas­sung des BAFU, wonach es sich beim beson­de­re Anpas­sungs­fak­tor um eine neu­tra­le Metho­de zur Bestim­mung der Treib­haus­gas­ef­fi­zi­enz hand­le.
Schlies­sich ist die X. AG der Mei­nung, dass sie gegen­über ihren aus­län­di­schen Mit­be­wer­bern benach­tei­ligt sei, solan­ge sie man­gels Ver­knüp­fung des schwei­ze­ri­schen mit dem euro­päi­schen Emis­si­ons­han­dels­sy­stem kei­ne bil­li­ge­ren euro­päi­schen Emis­si­ons­rech­te oder Emis­si­ons­min­de­rungs­zer­ti­fi­ka­te kau­fen kön­ne und sich den­noch den Emis­si­ons­wert des euro­päi­schen Stom­mi­xes von 0,465 Ton­nen CO2 pro MWh anrech­nen las­sen müs­se. Dies stel­le eine Ver­let­zung der rechts­glei­chen Behand­lung nach Art. 8 Abs. 1 BV dar. In die­sem Zusam­men­hang ruft das BGer aber in Erin­ne­rung, dass sich der Anspruch auf rechts­glei­che Behand­lung nur auf den Zustän­dig­keits­be­reich ein und des­sel­ben Gemein­we­sens bezie­he. Die­ser Grund­satz gel­te a for­tio­ri auch im inter­na­tio­na­len Ver­hält­nis.