Source: https://www.post-und-telekommunikation.de/PuT/KEP_1998_1_Jan-Juni.php
Timestamp: 2018-07-21 17:43:57
Document Index: 342765000

Matched Legal Cases: ['§10', '§ 23', '§ 24', '§ 11', '§ 12', '§ 4', '§ 51']

Post und Telekommunikation, KEP 1998, Januar bis Juni
Lizenzvergabe im Postbereich
Am 1. Januar 1998 ist das neue Postgesetz in Kraft getreten. Es bringt eine weitere Liberalisierung des Marktes für Postdienstleistungen mit sich. Eine Lizenz benötigt nach dem neuen Postgesetz, wer Briefsendungen bis zu 1000 Gramm gewerbsmäßig für andere befördert. Für die Vergabe der Brieflizenzen ist die Regulierungsbehörde für Telekommunikation und Post zuständig, die mit Jahresbeginn 1998 ihre Arbeit aufgenommen hat.
Das Postgesetz räumt der Deutschen Post AG bis zum 31. Dezember 2002 eine Exklusivlizenz ein. Danach darf in den nächsten 5 Jahren allein die Deutsche Post Briefsendungen und adressierte Kataloge bis 200 Gramm befördern. Ausgenommen sind inhaltsgleiche Briefsendungen mit einem Gewicht von mehr als 50 Gramm, von denen der Absender mindestens 50 Stück einliefert.
Die Bedingungen und das Verfahren für das Erlangen der Lizenzen für den Postmarkt - so kündigte die Regulierungsbehörde im Januar 1998 an - werden im Februar 1998 im Amtsblatt der Behörde veröffentlicht.
Derweil berichtet der Spiegel in seiner Ausgabe vom 2. Februar 1998: Die Deutsche Post durfte seit Anfang des Jahres Massendrucksachen (Infopost) ausliefern, ohne dafür eine Lizenz zu haben. Für solche Sendungen über 50 Gramm benötige die Deutsche Post ebenso eine Lizenz wie ihre Wettbewerber. Da die Regulierungsbehörde noch im Aufbau sei, habe sie noch keine Lizenz erteilt. Deswegen erteilte die Regulierungsbehörde am 23. Januar 1998. der Deutschen Post AG eine vorläufige schriftliche Erlaubnis - rückwirkend zum Jahresbeginn 1998. Da das Postgesetz solche Zwischenbescheide nicht explizit vorsieht, drohen - so der Spiegel - private Post-Konkurrenten damit, nun ebenfalls ohne offizielle Lizenz Infopost zu befördern.
Erste Lizenzen nach dem neuen Postgesetz
Am 17. April 1998 erteilte die Regulierungsbehörde für Telekommunikation und Post 11 Lizenzen nach dem neuen Postgesetz. Die Bandbreite der Lizenzgebiete reicht von einzelnen Städten über Regionen bis zum gesamten Bundesgebiet. Die ersten Lizenzen betreffen folgende lizenzpflichtige Tätigkeiten:
Gewerbsmäßige Beförderung von
A = Briefsendungen mit einem Gewicht von 200 bis 1.000 Gramm
B = inhaltsgleiche Briefsendungen mit einem Gewicht von mehr als 50 Gramm, mindestens 50 Stück
C = Briefsendungen, die im Auftrag des Absenders bei diesem abgeholt und bei der nächsten Annahmestelle der Deutschen Post oder bei einer anderen Annahmestelle der Deutschen Post innerhalb derselben Gemeinde eingeliefert werden.
D = Briefsendungen, die im Auftrag des Empfängers aus Postfachanlagen der Deutschen Post abgeholt und an den Empfänger ausgeliefert werden.
Der Regulierungsbehörde lagen zu diesem Zeitpunkt weitere Lizenzanträge vor. Die ersten Lizenzen gingen an folgende Firmen:
Fa. CEL City Express Logistik, 20537 Hamburg,
GMA Verwaltungs-GmbH, 90706 Fürth;
Werbemittelzustellung HBS, 38820 Halberstadt,
Vertriebsbüro Sachsen, 01259 Dresden,
Ca. CITY-Kurier Quedlinburg, 06484 Quedlinburg,
Fa. CSN Courier Service Nordheide, 21244 Buchholz,
Fa. BRUNE Druck- u. Verlags-GmbH, 26382 Wilhelmshaven,
Postfach- und Kurierdienst Erika Loh, 45478 Mülheim,
Fa. Kurierdienst GUNDLACH, 52072 Aachen,
Fa. dsw Courier Team GmbH, 70825 Korntal-Münchingen,
Fa. TELE-EXPRESS "Die Nürnberger Funkboten", 90207 Nürnberg.
Bereits Ende Juni 1998 erteilte die Regulierungsbehörde die 50. Lizenz für Postdienstleistungen. 25 davon gingen an neu gegründete Unternehmen, die mehr als 100 neue Arbeitsplätze geschaffen haben. Die übrigen Lizenzen gingen an Unternehmen, die bereits zuvor auf dem Postmarkt tätig waren. 11 Antragsteller haben bundesweite Lizenzen beantragt. Die 13 Lizenznehmer mit landesweiten Lizenzen konzentrieren sich auf Hamburg, Niedersachsen und Schleswig-Holstein.
Unternehmen, die Briefsendungen bis zu 1.000 Gramm befördern, ohne dafür eine Lizenz zu besitzen, drohen zum einen Bußgelder, zum anderen auch Abmahnungen und Klagen der Deutschen Post vor Zivilgerichten. Auch die über 4.000 Anbieter von Kurier-, Express- und Paketdiensten (KEP-Branche), die ihr bisheriges Angebot durch die Beförderung von Briefsendungen bis 1.000 Gramm erweitern wollen, müssen dafür eine Lizenz beantragen.
Post-Tochter Deutsche Post Express GmbH übernimmt Eilzustellung / „Eilbrief” heißt jetzt „Expressbrief”
Ab 1. Januar 1998 übernahm die Deutsche Post-Tochter Deutsche Post Express GmbH (bisher: EMS Kurierpost GmbH) den Eilzustelldienst der Deutschen Post. Der Eilboten-Brief heißt ab Januar 1998 Expressbrief. Auch das Express-Paket ist ein Produkt der Post-Tochter.
Die Post-Tochter garantiert, dass die Sendungen am nächsten Werktag den Empfänger erreichen, wenn sie bis zu einer bestimmten Schlusszeit - abhängig vom Standort der Einlieferungsfiliale - eingeliefert sind. Die Samstagzustellung erfolgt ohne Aufpreis. Als Zusatzleistung bietet Deutsche Post Express die Spät- und Samstag-Abholung und die Zustellung an Sonn- und Feiertagen an.
Änderung bei der Posthaftung
Mit dem Außerkrafttreten des alten Postgesetzes (PostG) zum 31. Dezember 1997 entfielen auch die bisherigen speziellen postgesetzlichen Haftungsbestimmungen. Das neue Postgesetz enthält - mit Ausnahme der Haftung bei der Durchführung der förmlichen Zustellung - keine Haftungsbestimmungen mehr. Auch die Regelungen über unanbringliche Sendungen (§10 PostG), die Abtretung oder Verpfändung (§ 23 PostG) sowie die Verjährung (§ 24 PostG) fallen ersatzlos weg.
Das neue Postgesetz sieht jedoch eine Ermächtigungsgrundlage zum Erlass einer „Postdienstleistungsverordnung” vor, in der u.a. Haftungsregelungen und Haftungsbeschränkungen festgelegt werden können. Bis zum Erlass einer solchen Rechtsverordnung sind rechtliche Fragen der Posthaftung ausschließlich nach den allgemeinen Regeln des Zivilrechts, also insbesondere nach den Vorschriften des BGB, HGB und AGB-Gesetzes zu beurteilen.
Aus diesem Grunde musste die Deutsche Post AG ihre Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) grundlegend überarbeiten. Die Änderungen sind im Amtsblatt des Bundesministers für Post und Telekommunikation (Ende 1997) und in der Sonderausgabe des Mitteilungsblattes der Deutschen Post AG Nr. 80/97, Anweisung Nummer 388 - 390 veröffentlicht worden.
Haftung der Deutschen Post AG gegenüber dem Absender
Haftung bei Vorsatz und grober Fahrlässigkeit: Die Deutsche Post AG haftet künftig verschuldensabhängig. Für Vorsatz und grobe Fahrlässigkeit ist die Haftung nicht beschränkt, da nach § 11 Nr. 7 AGB-Gesetz für diese Verschuldensgrade die Haftung durch AGB nicht ausgeschlossen werden kann. Der Absender muss aber grundsätzlich die anspruchsbegründenden Tatsachen beweisen.
Haftung bei leichter Fahrlässigkeit: Für die wohl überwiegenden Fälle der leicht fahrlässigen Schadensverursachung bleibt es im Wesentlichen bei den bisherigen Haftungsregelungen. Bei Briefsendungen und briefähnlichen Sendungen (z.B. Päckchen, Infopost Schwer, Zeitungen und Zeitschriften) ohne Zusatzleistungen wurde die Haftung im Fall leichter Fahrlässigkeit ausgeschlossen.
Bei allen übrigen Produkten ist die Haftung für leichte Fahrlässigkeit beschränkt:
Der Schadenersatz ist auf unmittelbare, vorhersehbare und vertragstypische Schäden begrenzt. Für mittelbare Schäden und Folgeschäden wird also kein Ersatz geleistet.
Die Haftung ist auf die Verletzung wesentlicher Vertragspflichten beschränkt. Zu diesen zählen beim Postbeförderungsvertrag insbesondere die Verlust- und Beschädigungsfreiheit. Laufzeitverzögerungen sind dagegen keine wesentlichen Vertragspflichten, da die Deutsche Post in ihren AGB keine Laufzeiten garantiert.
Haftung gegenüber dem Empfänger aus Vertrag
Neu ist die Haftung bei Verträgen mit dem Empfänger (Lagerung, Nachsendung und Postfachanmietung). Aufgrund § 12 Abs. 1 PostG war die Deutsche Post hier bisher von jeder Haftung frei. Künftig gelten die erwähnten AGB-Haftungsregelungen mit der Haftungshöchstgrenze von 10 DM im Schadensfall.
Die Verjährungsfristen haben sich gegenüber den bisherigen Fristen geändert. Künftig verjähren die Ansprüche von Kaufleuten und juristischen Personen des öffentlichen Rechts sowie öffentlich-rechtlichen Sondervermögen in 8 Monaten. Die Ansprüche von Nichtkaufleuten wegen der nicht ordnungsgemäßen Einziehung und Übermittlung des Nachnahmebetrages verjähren in 2 Jahren, alle sonstigen Ansprüche in einem Jahr.
Neuer Markenauftritt Deutsche Post
Zum Jahresbeginn 1998 hat die Deutsche Post AG ein neues Unternehmens-Markenzeichen eingeführt. Das Unternehmenslogo besteht nur noch aus den Wörtern „Deutsche Post” („AG” im Logo entfällt), daneben das Posthorn in neuer Form. Das gesamte Logo steht im Gegensatz zum bisherigen „AG”-Logo im postgelben Feld (Farbskala HKS 4). Im neuen Posthorn fehlen die Blitze nach rechts und links. Sie waren Symbole für das Fernmeldewesen.
Künftig ist in Formblättern und Texten der volle Firmenname „Deutsche Post AG” nur noch anzuwenden, wenn die rechtlich einwandfreie Firmenbezeichnung relevant ist. In allen anderen Fällen entfällt bei der Unternehmensnennung der Zusatz „AG”.
In der Anweisung der Generaldirektion 023-2 v. 06.04.98 heißt es: „Der Markenname unseres Unternehmens ist 'Deutsche Post'. Dieser Begriff ist im umgangssprachlichen Gebrauch anzuwenden. Z.B. Nennung der Marke in Werbemaßnahmen, Meldung am Telefon, Kennzeichnung von Unternehmensobjekten (Kfz, Filialen)...
Die juristisch einwandfreie Bezeichnung unseres Unternehmens ist 'Deutsche Post AG'. Diese Benennung ist weiterhin bei der Angabe von Adressen oder in rechtsverbindlichen Texten anzuführen. Z.B. Deutsche Post AG, Niederlassung Postphilatelie..., Allgemeine Geschäftsbedingungen der Deutschen Post AG Frachtpost, Kaufvertrag zwischen der Deutschen Post AG und ...”
Flugplatz Freiburg-Lahr-Offenburg am Nachtluftpostnetz
In der Nacht zum 30. Januar 1998 hat die Deutsche Post den Flugplatz Freiburg-Lahr-Offenburg an das innerdeutsche Nachtluftpostnetz angeschlossen. Damit verbessern sich die Brieflaufzeiten sowohl in ankommender als auch in abgehender Richtung. Die Regionen Freiburg und Offenburg waren bisher nur über den Flughafen Frankfurt am Main an das Netz der Postflieger angebunden.
Im Nachtluftpostnetz fliegen wochentags in jeder Nacht 23 Flugzeuge auf 43 Strecken innerhalb Deutschlands. Eingesetzt werden dabei ausschließlich geräuscharme Passagier-Jets der Fluggesellschaften Lufthansa Cargo, Deutsche BA und Eurowings. Die Ladekapazität der Maschinen liegt zwischen 9 Tonnen (BAE 146) und 30 Tonnen (Airbus A300). Pro Nacht werden über 12 Millionen Briefe geflogen. Das entspricht einem Gewicht von mehr als 300 Tonnen.
Angeschlossen an das Nachtluftpostnetz sind neben Frankfurt am Main und Lahr die Flughäfen Berlin/Tegel, Berlin/Schönefeld, Bremen, Dresden, Hamburg, Hannover, Köln/Bonn, Leipzig, München, Münster/Osnabrück, Nürnberg, Rostock/Laage und Stuttgart.
Wahl der Arbeitnehmervertreter für den Post-Aufsichtsrat
Erstmalig in der noch jungen Geschichte des Unternehmens Deutsche Post AG wählten am 29. Januar 1998 3.800 Delegierte die 10 Arbeitnehmervertreter für den Aufsichtsrat. Die Wahl fand im Internationalen Congress Centrum in Berlin statt. Bisher waren die Arbeitnehmer im 20-köpfigen paritätisch besetzten Aufsichtsrat gerichtlich bestellt.
Horst Kissel, Arbeitsdirektor der Deutschen Post AG, bezeichnete die Wahl als historisches Ereignis. „Insbesondere in Zeiten zunehmenden Wettbewerbs auf allen nationalen und internationalen Postmärkten kommt diesem mit weitreichenden Befugnissen ausgestatteten Organ innerhalb der Aktiengesellschaft herausragende Bedeutung zu.” Als Aufsichtsratsmitglieder wurden gewählt: Kurt van Haaren, Petra Heinze, Henry Hillmann, Gabriele Lips, Pauline Mayer, Walter Scheurle, Franz Schierer, Siegfried Schulze, Armin Stoffleth, Erwin Wohlketzetter.
Postdienst Service GmbH in neuen Händen
Die PSG - Postdienst Service GmbH Berlin - bekam einen neuen Eigentümer. Dr. Adam-Claus Eckert, Geschäftsführender Gesellschafter der Unternehmensgruppe Dr. Eckert, Stuttgart, übernahm am 26. Januar 1998 rückwirkend zum 1. Januar 1998 die bedeutende Presse- und Buchhandelskette PSG, die nach der Wende aus dem ehemaligen Pressevertrieb der DDR-Post hervorgegangen und seither im Besitz der Deutschen Post AG war. Die PSG betreibt mit 600 Mitarbeitern 125 Verkaufsstellen in den neuen Bundesländern im Bereich Presse- und Buchhandel, z.T. auch mit Convenience-Sortimenten, davon 32 als Bahnhofsbuchhandlungen.
Deutscher Paketdienst befördert auch Briefe
Der Deutsche Paketdienst (DPD) trat nach der Aufhebung des Briefmonopols im Januar 1998 als erste Firma in Deutschland gegen die Deutsche Post an. Das Angebot richtet sich aber hauptsächlich an Geschäftskunden. Ein 500-Gramm-Brief (max. 360 x 250 x 50 mm) kostet bei DPD 4 DM, ein 1.000-Gramm-Brief 4,54 DM. Zum Vergleich: Die Deutsche Post verlangt für einen 500 Gramm-Brief (max. 353 x 250 x 20 mm) 3 DM, für einen 1.000 Gramm-Brief (max. 50 mm dick) 4,40 DM.
Ab 1. Juli 1998 nimmt der DPD in seinen 750 Paketshops Briefsendungen über 200 Gramm von Geschäftsleuten und Privatpersonen an. Die Kunden können zwischen 2 Varianten wählen: der „Parcel Letter” wird im Briefkasten zugestellt, der Inhalt ist nicht versichert, eine Auskunft über Verbleib und Zustellung ist gegen eine Extrazahlung möglich. Der „Parcel Letter +” mit dem Charakter einer Einschreibsendung wird nur gegen Empfangsquittung ausgeliefert. Auskunft über Zustellung sind ohne Zusatzkosten möglich.
UPS (United Parcel Service) will in absehbarer Zeit nicht in den Briefdienst einsteigen. So UPS im Januar 1998. German Parcel (GP) prüft - laut Mitteilung, ebenfalls im Januar 1998 - den „interessanten Markt”.
Bereits im Mai 1998 kamen andere Töne von UPS. Das Unternehmen beantragte bei der Regulierungsbehörde für Telekommunikation und Post eine Brieflizenz (Briefe von 200 bis 1.000 Gramm).
Auslandspaketen per Internet auf der Spur
Wollten Geschäftskunden der Deutschen Post wissen, ob ihre Auslandspaketsendung schon beim Empfänger ist, konnten sie bisher beim Callcenter der Deutschen Post telefonisch nachfragen. Anhand der Identcodenummer des Paketes griffen sich die Post-Telefonagenten die Sendungsdaten aus ihrem Datenbanksystem.
Seit Anfang Februar 1998 können Postkunden auch über Internet anfragen, denn Track & Trace online, die elektronische Sendungsverfolgung von Post-Paketen, funktioniert seitdem nicht nur national, sondern international mit 14 europäischen Ländern.
Am Bildschirm ihres Internet-PC können die Kunden die einzelnen Laufweg-Stationen ihrer Sendung nachverfolgen. An das System angeschlossen sind Belgien, die Schweiz, Dänemark, Finnland, Großbritannien, Irland, die Niederlande, Norwegen, Schweden, Frankreich, Luxemburg, Polen, Österreich und Spanien. Der Zugriff für Privatkunden wird in einer späteren Ausbaustufe realisiert.
Einzige Voraussetzung für die Abfrage ist ein Internet-Zugang des Anwenders. Mit dem Passwort, das der Geschäftskunde auf Antrag bei der Deutschen Post erhält, loggt er sich in die Anwendung ein und kann seine Sendungen bis zur Aushändigung an den Empfänger verfolgen. Ermöglicht wird dieser Service durch ein Kooperationsabkommen mit den Post-Unternehmen in den 14 anderen Ländern der EPG (European Parcel Group), die sich zu einem Austausch der Sendungsdaten verpflichtet haben.
Vorschlag für modifiziertes Postfilial-Konzept
Im Februar und März 1998 legte die Deutsche Post dem Beirat bei der Regulierungsbehörde (vor dem 1. Januar 1998: „Regulierungsrat”) den Entwurf eines neuen modifizierten Filialkonzepts zur Diskussion vor. Dieser Entwurf beinhaltet alle Punkte, die gerade aus der Politik immer wieder an die Deutsche Post herangetragen werden.
Betrieb einer möglichst großen Zahl von Filialen,
verstärkte Kundenorientierung,
dauerhafte Versorgung der Bürger mit einem qualitativ hochwertigen Filialnetz,
sozialverträgliche Umsetzung des Konzepts,
Festhalten an der Entfernungsregel von 2.000 Metern in zusammenhängend bebauten Wohngebieten,
Einbeziehung raumordnungspolitischer Kriterien.
Die Deutsche Post bietet in diesem Zusammenhang der Politik an, nach dem Jahr 2002 mehr als die bisher garantierten 10.000 stationären Vertriebsstellen zu betreiben unter der Voraussetzung, dass nicht - wie bisher verabredet - jeweils die Hälfte eigen- und fremdbetrieben wird, sondern die Zahl der eigenbetriebenen Filialen merklich unter die bisher verabredete Zahl von 5.000 sinkt. In diesem Fall könnte die Zahl der fremdbetriebenen Filialen (Postagenturen, Shop-in-Shop-Filialen) erhöht werden. Vorgeschlagene Zahl stationärer Vertriebsstellen insgesamt: zwischen 11.000 und 12.000.
Deutsche Post Direkt GmbH: Neues Post-Tochterunternehmen startet mit Adress- und Beleg-Management
Seit Mitte Februar 1998 ist die Deutsche Post mit einem neuen Tochterunternehmen im Bereich des Direktmarketing vertreten. Die Deutsche Post Direkt GmbH versteht sich als Service-Partner von Unternehmen, die Werbesendungen verschicken und Rückantworten von Kunden und Interessenten erhalten. Im Angebot sind Dienstleistungen rund um das Adress- und Belegmanagement. Derzeit hat die Gesellschaft 70 Mitarbeiter. Geschäftsführer sind Peter K. Neff und Klaus Hasenauer. Firmensitz ist Bonn.
Im Bereich Adress-Management bietet Post Direkt neue Möglichkeiten der Qualitätsverbesserung von Adressbeständen. Dazu gehört eine Prüfung und Korrektur aller Adressbestandteile einschließlich Vor- und Zunamen. Bisher nicht gefundene Adress-Dubletten können entdeckt und entfernt werden.
Beim Adressabgleich per Internet lädt sich der Kunde das Programm „Adress Factory” kostenlos auf seinen Rechner und gibt per Mausklick die Kriterien für die Bereinigung seines Adressbestandes an.
Post Direkt hat in Mannheim ein Beleglese-Center zum Auswerten von Belegen aufgebaut, das neue Maßstäbe setzt. Täglich können über 1 Million Belege wie Kataloganforderungen, Bestellungen und Gewinnspielkarten elektronisch gelesen und ausgewertet werden. Die Belege werden als Datensätze gespeichert und dem Kunden online zur Verfügung gestellt.
Hermes Versand Service und German Parcel-Logistik kooperieren
Die Hermes Versand Service GmbH & Co. KG Hamburg (Tochterunternehmen des Otto-Versand) und die German Parcel Paket-Logistik GmbH (GP), Neuenstein/Hessen, kooperieren seit März 1998. Während Hermes über GP die Chance erhält, in den europäischen KEP-Markt *) einzusteigen, wird GP vom dichten Privatlogistik-Netz von Hermes profitieren. Die Integration von Hermes- und GP-Diensten soll zunächst in Großbritannien und Frankreich verwirklicht werden.
*) KEP = Kurier-, Express-, Post-/Paketdienste
Schweizerische Post kooperiert mit German Parcel
Die Schweizer Post will ihre Auslandspakete künftig nicht mehr über die im Weltpostverein zusammengeschlossenen Postgesellschaften befördern lassen. Peter Sutterlütti, Direktor der Schweizer Post, kritisierte insbesondere, dass er keinen Einfluss auf die Servicequalität in anderen Ländern nehmen könne.
Vor diesem Hintergrund biete die Mitte Februar 1998 mit German Parcel begonnene Kooperation der Schweizer Post wesentlich mehr Möglichkeiten.
Brieflaufzeiten in Europa: Deutsche Post weiter in Spitzengruppe
Bei den Brieflaufzeiten innerhalb von Europa liegt die Deutsche Post im internationalen Vergleich weiter in der Spitzengruppe. Innerhalb von Europa wurden 1997 über 1 Million Testbriefe verschickt. Davon erreichten 83,5 Prozent nach der international vereinbarten Norm von 3 Tagen ihre Empfänger im jeweiligen Bestimmungsland.
Von Deutschland aus versandte Briefpost erreichte ihre Empfänger in den meisten europäischen Ländern spätestens nach 3 Tagen. Prioritäts-Post aus diesen Ländern nach Deutschland war ebenfalls in der Regel nach höchstens 3 Tagen am Ziel. Dieser Vergleich der Laufzeitqualität von internationalen Prioritär-Briefen ist ein Ergebnis der 1994 gestarteten UNEX-Studie im Auftrag der Internationalen Post Corporation Unipost (IPC), einer Vereinigung von 21 weltweit führenden Postunternehmen. Die Messung der Brieflaufzeiten wird unabhängig und ohne Beteiligung der Postunternehmen durchgeführt.
Deutsche Post und UPS planen Schienen-Transport-Shuttle
Die Deutsche Post und UPS wollen beim Transport zwischen ihren Frachtzentren zusammenarbeiten, um verstärkt die Schiene nutzen zu können. Beide Unternehmen gaben im März 1998 bekannt, sie wollten eine Projekt- und Betriebsgesellschaft Express Shuttle GmbH gründen. Gesellschafter jeweils mit einem 50-prozentigen Anteil: die UPS Transport GmbH und die Deutsche Post Transport GmbH (DP Transport). Ein weiterer Partner des Projekts ist die KEP-Log GmbH, Bad Honnef, die die Lizenz eines Eisenbahnverkehrsunternehmens einbringen soll. Das Projekt soll im Herbst 1998 abgeschlossen werden. Mit dem Start des Transports wird für Herbst 1999 gerechnet. Zunächst sollen 12 Spezialfahrzeuge, ähnlich dem bereits verkehrenden „Cargo-Sprinter”, angeschafft werden. Investitionssumme: 200 Millionen DM.
Die derzeitigen Angebote auf der Schiene seien nicht optimal, so beide Projekt-Partner. Durch eine Vielzahl zeitraubender Tätigkeiten wie Lokwechsel und Rangieren sei die gesamte Transportzeit auf der Schiene zu lang, so UPS. Nur durch den Einsatz von besonders schnellen und kompakten Einheiten, die mit Geschwindigkeiten von bis zu 160 km/h verkehren sollen, könne gegenüber der Straße eine konkurrenzfähige Transportzeit erreicht werden.
Mit ihrem Vorhaben werden beide Paketdienste erstmals die Möglichkeiten im Güterfernverkehr nutzen, die mit der Umwandlung der Deutschen Bundesbahn in die Deutsche Bahn AG bereits 1994 geschaffen wurden. Dazu gehört, dass Dritte freien Zugang zum Schienennetz haben.
Deutsche Post erwirbt Schreibwarenkette McPaper
Rückwirkend zum 1. Januar 1998 hat im März 1998 die Deutsche Post vom Berliner Papier- und Bürowarenkonzern Herlitz die Schreibwarenkette McPaper erworben. Der Kaufvertrag wurde am 20. März 1998 in Berlin von Karel de Vries, Vorstandsvorsitzender der Herlitz AG, und Dr. Hans-Dieter Petram, Vorstandsmitglied der Deutschen Post, unterzeichnet.
Die McPaper AG besitzt derzeit 317 Filialen und beschäftigt 1.500 Mitarbeiter. Jahresumsatz: 150 Millionen DM. Die Filialen vertreiben ein breites Sortiment von Papier-, Büro- und Schreibwaren.
Ausschlaggebend für den Kauf der Papeterie-Kette war der große Erfolg des im letzten Herbst gestarteten Tests, Postdienstleistungen in 14 McPaper-Filialen anzubieten. „Die Deutsche Post beabsichtigt, in den nächsten 5 Jahren flächendeckend in ganz Deutschland rd. 550 Post-/McPaper-Filialen einzurichten. Darüber hinaus sollen in attraktiven Lagen weitere McPaper-Filialen ohne postalisches Vollsortiment betrieben werden”, so Petram.
Anfang April 1998 hat das Bundeskartellamt den Kauf von McPaper durch die Deutsche Post genehmigt.
ePost: Deutsche Post bietet Kombination zwischen klassischem Brief und E-Mail
Die ePost, der elektronische Briefdienst der Deutschen Post, verzeichnet hohe Wachstumsraten. 1997 wurden 165 Millionen Briefe über ePost versandt. Dies entspricht einer Steigerung um 120 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Bei ePost übermitteln die Postkunden ihre Briefdaten (z.B. Bestellungen, Bescheide, Rundschreiben, Kontoauszüge, Rechnungen und Werbebriefe) auf elektronischem Weg oder mittels Datenträger an ein ePost-Zentrum. Die Deutsche Post übernimmt Druck, Kuvertierung und Frankierung sowie den Versand über das Briefnetz.
Zur CeBIT '98 präsentierte die Deutsche Post erstmals die Möglichkeit, kleinere Versandmengen mit unterschiedlichen Briefinhalten zu bearbeiten. Briefdaten können nun aus dem Programm Lotus Notes via Datenleitung zu ePost geschickt werden. Die Mail-Funktion von Lotus Notes funktioniert auch über Notebook und Handy, ein Vorteil besonders für Außendienstmitarbeiter von Firmen.
Deutsche Post beteiligt sich an DHL International Ltd.
Die Deutsche Post beteiligt sich mit einem Anteil von 22,5 Prozent am Express-Unternehmen DHL International Ltd. Dies gab die Deutsche Post am 25. März 1998 bekannt. Damit ist die Basis geschaffen für eine strategische Kooperation zwischen Europas größtem Postunternehmen und dem weltweiten Marktführer (35 Prozent Marktanteil) für internationale Kuriersendungen. DHL ist mit über 50.000 Mitarbeitern und mehr als 200 Flugzeugen derzeit in 227 Ländern aktiv. Die gesamte DHL Worldwide Express Gruppe erwirtschaftete im Geschäftsjahr 1996 4,2 Milliarden US-Dollar (7,7 Milliarden DM) Umsatz.
Beide Unternehmen sehen in der Beteiligung eine „strategische Allianz” und versprechen sich von dem Schritt neue Impulse für die beiderseitigen internationalen Aktivitäten.
Bei der Konkurrenz stießen die Aktivitäten der Deutschen Post nicht auf ungeteilte Zustimmung. So merkte der Bundesverband Internationaler Express- und Kurierdienste e.V. (BIEK) an, „dass die Deutsche Post ihr Monopol zulasten des Wettbewerbs und der Verbraucher missbraucht.” Abgesehen von kartellrechtlichen Maßnahmen ist nach Ansicht des BIEK die Regulierungsbehörde für Telekommunikation und Post gefordert, die aktuellen Entwicklungen zum Anlass zu nehmen, eine Überprüfung der Briefporti und der Paketpreise vorzunehmen.
Mitglieder des BIEK sind u.a. Federal Express, German Parcel, Hermes, TNT, trans-o-flex, UPS. Die Deutsche Post gehört nicht dazu, wohl aber DHL.
Am 29. Juni 1998 hat die EU-Kommission die Beteiligung der Deutschen Post an DHL genehmigt.
Deutsche Post gründet Forschungsinstitut „Zukunft der Arbeit”
Auf Initiative der Deutschen Post wird in Kürze das neugegründete Institut „Zukunft der Arbeit” (IZA) seine Tätigkeit aufnehmen. Das gab die Generaldirektion der Deutschen Post AG am 27. März 1998 bekannt. Das IZA, eine gemeinnützige Gesellschaft mit Sitz in Bonn, analysiert die Probleme und Entwicklungsperspektiven der Arbeitswelt. Sie soll bei der Erforschung der Arbeitsmärkte als Mittler zwischen Wissenschaft, Politik und wirtschaftlicher Praxis fungieren. Die Deutsche Post konzentriert ihre diversen Sponsoring-Aktivitäten auf das Wissenschaftssponsoring und zwar auf das IZA in Verbindung mit der Universität Bonn. Präsident und Vorsitzender des Beirats ist Dr. Klaus Zumwinkel, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Post.
Erklärtes Ziel der national und international ausgerichteten Forschungstätigkeit ist ein konkreter Beitrag zur Reduzierung des drängenden Problems der Arbeitslosigkeit.
Mit der wissenschaftlichen Leitung und dem Aufbau des Instituts ist Professor Dr. Klaus F. Zimmermann betraut, Ordinarius für Volkswirtschaftslehre an der Universität München und Direktor des dortigen Forschungszentrums Human Resources SELAPO.
Das IZA wird in dem ab Sommer 1999 freiwerdenden Gebäude der Landesvertretung Bremen am Bonner Rathenau-Ufer untergebracht.
Teilzeitbeschäftigung für Beamte
Mit dem Dienstrechtsreformgesetz vom 1. Juli 1997 sind die rechtlichen Rahmenbedingungen für die Ausübung einer Teilzeitbeschäftigung für Beamte günstiger geregelt worden. Künftig wird sich nach Meinung der Generaldirektion der Deutschen Post (Anweisung 521b vom 19. März 1998) die Bereitschaft zur Arbeitszeitreduzierung mit der Möglichkeit einer individuellen flexiblen Arbeitszeitgestaltung erhöhen.
Auf Antrag des Beamten kann Teilzeitbeschäftigung - zeitlich unbegrenzt und ohne Angabe von Gründen - von Vollzeit bis zur Hälfte der regelmäßigen Arbeitszeit genehmigt werden, soweit dienstliche / betriebliche Belange nicht entgegenstehen.
Familienpolitische Teilzeitbeschäftigung
Teilzeitbeschäftigung von Vollzeit bis zur Hälfte der regelmäßigen Arbeitszeit ist dem Beamten auf Antrag zu bewilligen, wenn und solange er mindestens 1 Kind unter 18 Jahren oder einen pflegebedürftigen Angehörigen tatsächlich betreut oder pflegt und wenn zwingende dienstliche / betriebliche Belange nicht entgegenstehen. Unter den vorstehenden familienpolitischen und betrieblichen Voraussetzungen kann auf Antrag Teilzeitbeschäftigung mit weniger als der Hälfte der regelmäßigen Arbeitszeit bis zur Dauer von 12 Jahren gewährt werden.
Teilzeitbeschäftigung während des Erziehungsurlaubs
Einem Beamten kann während des Erziehungsurlaubs eine Teilzeitbeschäftigung bis zu maximal 19 Stunden in der Woche genehmigt werden
als Beamter bei der Deutschen Post oder im sonstigen Bundesdienst,
als Arbeitnehmer bei der Deutschen Post oder einem anderen Arbeitgeber,
als Selbstständiger.
Zwingende dienstliche/betriebliche Gründe dürfen nicht entgegenstehen. Durch die Tätigkeit bei einem anderen Arbeitgeber oder als Selbstständiger dürfen betriebliche Interessen nicht beeinträchtigt werden.
LetterNet für Brieffreunde
Die Deutsche Post hat eine Offensive zur Förderung der Schreib- und Briefkultur vor allem bei Jugendlichen als Gegenpol zu Internet, E-Mail und Telefax gestartet. Jugendliche von 14 - 28 Jahre können kostenlos Mitglied im BriefClub LetterNet werden. Wer mitmachen will, fordert bei LetterNet, Postfach 100 100 in 12701 Berlin ein Anmeldeformular an, in dem nach den Eigenschaften gefragt wird, die der gewünschte Briefpartner haben soll, z.B. nach Alter und Hobbys. Das LetterNet-Team schickt daraufhin kostenlos die Adresse von mindestens einem Briefpartner in Deutschland oder im Ausland. Derzeit ist Großbritannien in LetterNet einbezogen. Weitere Länder - als nächstes die USA - sollen folgen. Bis Jahresmitte waren schon über 80.000 Jugendliche LetterNetties.
Tarifabschluss perfekt
Die Deutsche Post hat sich am 3. April 1998 mit den Gewerkschaften auf eine Erhöhung der Löhne und Gehälter um 1,5 Prozent bei einer Laufzeit von 12 Monaten zum 1. Januar 1998 geeinigt. In einem Stufenplan wird bis zum 1. Januar 2002 die Bezahlung in den neuen Bundesländern von derzeit 85 Prozent auf 100 Prozent angehoben und damit dem Lohn- und Gehaltsniveau in den alten Bundesländern angeglichen.
Auch bei der Wochenarbeitszeit erfolgt eine Angleichung: Zum 1. Juli 1999 wird die in den neuen Bundesländern zur Zeit gültige Arbeitszeit von 40 Wochenstunden auf die in den westlichen Bundesländern festgeschriebenen 38,5 Wochenstunden reduziert.
Im Gegenzug werden bei der Deutschen Post erstmalig auch flexible Arbeitszeitmodelle zum Einsatz kommen. Damit entfallen weitgehend teure Überstunden. Stattdessen werden flexible Arbeitszeiten mit entsprechenden Arbeitszeitkonten eingeführt, die dem Unternehmen die Chance geben, den Einsatz der Beschäftigten nach dem Arbeitsanfall zu steuern und unproduktive Zeiten zu vermeiden.
Als weitere Bestandteile des Tarifabschlusses wurden das Weihnachtsgeld und die Ausbildungsvergütung gesenkt. Ebenso wurden neue Regelungen zur Altersteilzeit und zum „tariflichen Vorruhestand” vereinbart.
Deutscher Paketdienst befördert auch Einschreiben
Der Deutsche Paketdienst (DPD) hat nach der Reduzierung des Briefpostmonopols auch in der Briefzustellung Fuß gefasst. Im Januar und Februar 1998 beförderte der DPD nach eigenen Angaben 100.000, im März schon 340.000 Briefsendungen. Für 1998 erwartet der DPD 5 Millionen Sendungen, 1999 sogar 10 Millionen. Künftig sollen auch Einschreibesendungen angeboten und die Zahl der Paket-Annahme-Shops erhöht werden.
Europaweit konnte der DPD - ebenfalls nach eigenen Angaben -1997 um 9,4 Prozent wachsen. 1997 wurden 268 Millionen Paketsendungen befördert. Dies entspreche einem Marktanteil von 8 Prozent. In Deutschland habe sich der Marktanteil in den vergangenen beiden Jahren von 10 auf 17 Prozent erhöht. Den Umsatz des im Franchise-System organisierten Unternehmens schätzte der Sprecher, Geschäftsführer Peter Hoffmann, auf 2,2 Milliarden DM. Zum Gewinn machte er keine Angaben. Angesichts des Preisverfalls im Transportgewerbe seien die Erträge rückläufig. Die Zahl der DPD-Mitarbeiter erhöhte sich 1997 um 500 auf 21.500. Noch 1998 soll in Polen, Ungarn und Moldawien der DPD-Service angeboten werden.
agil wird Konkurrent der Deutschen Post
Die agil Postvertriebs Gmbh & Co. KG (Tochter des Hamburger Wochenblatt Direktwerbung der Axel Springer Verlag AG) wird noch in diesem Jahr - 1998 - den Geschäftsbetrieb im Segment Massensendungen aufnehmen und will dabei die Entgelte der Deutschen Post um 16 - 23 Prozent unterbieten. Das Service-Angebot beinhaltet die Abholung, die freie Platzierung des Anschriftenfeldes, ggf. den sogenannten offenen Versand, keine Zuschläge für Beilagen und die Formatfreiheit.
agil hat derzeit nach eigenen Angaben eine Flächendeckung von 20 Prozent aller PLZ-Gebiete und 30 Prozent aller Haushalte. Ende 1998 will das Unternehmen 40 Prozent aller Haushalte erreichen, das sind 15 Millionen.
AZD Alternative Zustelldienst GmbH
Die AZD Alternative Zustelldienste GmbH hatte nach eigenen Angaben Ende 1997 eine Abdeckung von 4,67 Prozent = 1,6 Millionen der insgesamt 34,6 Millionen Haushalte in Deutschland. Ende 1998 soll die Abdeckung auf knapp 7 Millionen Haushalte = 20 Prozent steigen.
1997 habe der AZD - so die Geschäftsführung - mehr als 16,6 Millionen (Werbe-)Sendungen zugestellt.
Posttage '98: 1.500 Postkunden in Bonn
Am 19. Mai 1998 begann im Bonner Maritim-Hotel ein zweitägiges Kundenforum, die Posttage '98, unter dem Motto „Leistung live”. 1.500 Geschäftskunden der Deutschen Post nahmen daran teil. Neben einer umfassenden Darstellung der Service-Angebote boten die Posttage auch eine Plattform zum Dialog zwischen Post und Geschäftskunden.
Deutsche Post erweitert internationalen Frachtservice
Die Deutsche Post baut auch in Tschechien ein eigenes Transportnetz für nationale und internationale Business-to-Business-Pakete (B2B-Pakete) auf. Dazu errichtet ihr Tochterunternehmen „International Parcel Post” (IPP) in Tschechien gemeinsam mit dortigen Servicepartnern ein eigenes Logistik- und Transportnetz. Damit wird die Deutsche Post voraussichtlich ab Sommer/Herbst 1998 auch in Tschechien einen erweiterten Service komplett aus einer Hand und in einheitlicher Qualität liefern.
Die Deutsche Post will ihr Paketnetz über Tschechien hinaus erweitern. Auch in der Slowakei, in Slowenien und in Kroatien plant IPP Marktpräsenz.
Bundesweit 100. PostPlus-Filiale in Leipzig eröffnet
In Leipzig-Plagwitz eröffnete die Deutsche Post am 20. Mai 1998 im Einkaufszentrum „Elsterpark” die bundesweit 100. PostPlus-Filiale. Dieser Filial-Typ bietet neben dem umfassenden postalischen Dienstleistungsangebot ein Zusatzsortiment aus Convenience-Artikeln wie Snacks, Getränke, Tabakwaren sowie Zeitungen und Zeitschriften. Die Kombination Postleistungen und Einzelhandelsangebot ermöglicht Öffnungszeiten, die denen der benachbarten Geschäfte entsprechen. Ein weiterer Vorteil für den Kunden: Er kann unter einem Dach neben seinen Postgeschäften auch einen Teil seiner Einkäufe erledigen.
Nebentätigkeit und Konkurrenzunternehmen
Im Mai 1998 hat die Generaldirektion (GD) der Deutschen Post die Grenzen der genehmigungsfähigen Nebentätigkeiten deutlich gemacht. Sie verwies auf den Grundlagenvertrag zwischen Post und Postbank vom 4. November 1996 und den Kooperationsvertrag vom 7. Mai 1997. Damit wurde ein langfristiger und partnerschaftlicher Vertriebsverbund gegründet und der Vertrieb von Leistungen und Produkten der Postbank und ihrer Produktpartner - u.a. die Bausparkasse Wüstenrot - über das stationäre Vertriebsnetz der Post geregelt.
Daraus - so die GD - ergibt sich: Eine Nebentätigkeit von Postmitarbeitern für die Bausparkasse BHW kann nicht mehr hingenommen werden. Bereits erteilte Genehmigungen sind zu widerrufen.
Post-Chef Dr. Klaus Zumwinkel will im Jahr 2000 die Deutsche Post an die Börse bringen. Dabei lässt er sich von Rothschild London beraten. Das Unternehmen war auch an der Vorbereitung des Börsengangs der Deutschen Telekom beteiligt.
Schweizerische Post mit Partner in Deutschland
Die Swiss Post International (SPI), Bern, will ihre Aktivitäten in Deutschland verstärken. Die Tochter der Schweizer Post hat dazu mit der Mail Distribution Service (MDS), Köln, einen Partnerschaftsvertrag geschlossen. Die beiden Unternehmen wollen in erster Linie Geschäftskunden schnelle und zuverlässige Versanddienste anbieten.
Bundesweiter E+1-Frachtpost-Service
Über 2.000 Postfilialen bieten seit Juni 1998 für Privatkunden und Kleinversender einen bundesweiten E+1-Frachtpost-Service an: Pakete und Päckchen erreichen schon am Werktag nach der Einlieferung bundesweit ihre Empfänger, vorausgesetzt der Absender liefert seine Sendungen bis zu einer von Filiale zu Filiale unterschiedlichen Schlusszeit am Schalter ein. Die Schlusszeiten liegen in der Regel in der Zeit zwischen 14 und 18 Uhr. Diesen Service bietet die Deutsche Post ohne Zusatz-Entgelt.
Für Sendungen, die nach der E+1-Schlusszeit eingeliefert werden, gilt allgemein: Sendungen, die bis zu einer filialbezogenen Schlusszeit eingeliefert sind, erreichen ihre Empfänger bis zu einer Entfernung von 550 km ebenfalls am Werktag nach der Einlieferung. Bei Entfernungen über 550 km sind sie einen Tag später am Ziel.
Den Geschäftskunden bietet die Post den E+1-Service bereits seit einiger Zeit an.
Über die Post-Tochter Deutsche Post Express GmbH bietet die Deutsche Post auch einen Terminversand an. Der Kunde kann verschiedene Zustellzeiten für die Zustellung am nächsten Tag wählen: vor 9 Uhr, vor 10 Uhr, vor 12 Uhr. Diese Dienstleistung ist Nachfolgeprodukt des Eilzustelldienstes, den die Posttochter am Januar 1998 übernommen hat.
Plusbrief: Briefumschlag mit aufgedruckter Marke
Die Deutsche Post will auch in Zukunft ihr wichtigstes Geschäftsfeld, die Briefpost, durch neue Angebote vor der elektronischen Konkurrenz positionieren. Ein Beispiel ist der neue Plusbrief, den die Deutsche Post seit 10. Juni 1998 versuchsweise im Bereich der Niederlassungen Postfilialen Hamburg, Düsseldorf und Kaufbeuren anbietet. Der Plusbrief ist ein Briefumschlag, der bereits mit aufgedruckter Marke (110 Pf) frankiert ist.
Neuorganisation der Deutschen Post AG
Zum 1. Januar 1999 wird die Deutsche Post AG neu organisiert. Dabei soll vor allem das 'Overhead', also die Verwaltung und die Organisationshierarchie - Direktionen, Niederlassungen, Abteilungen bei Direktionen und Niederlassungen - überprüft und 'verschlankt' werden. Die Unternehmensberatung McKinsey steuert die Arbeiten maßgeblich.
Eines der Ziele: Die Generaldirektion wird künftig nur noch einen Standort, nämlich in Bonn, haben. Sie wird künftig nur für die strategischen Aufgaben zuständig sein. Die operativen Aufgaben werden auf andere Organisationseinheiten übertragen.
Die Bekanntgabe der Beratungsergebnisse der Projektgruppen und der Vorstandsbeschlüsse ist erst nach der Bundestagswahl Ende September 1998 zu erwarten.
Pressemeldungen: „Post kann 1999 die Beamtenpensionen nicht mehr zahlen”
Pressemeldungen erweckten im Juni 1998 mit der zitierten Überschrift den Eindruck, die Post sei zahlungsunfähig. Die Wahrheit sieht allerdings anders aus. Die Zeitungsmeldungen unterschlugen die im Postreformgesetz vorgesehenen Regelungen für die Pensionszahlungen an die Beamten bei den Nachfolge-Unternehmen der Deutschen Bundespost - Deutsche Post AG, Deutsche Postbank AG, Deutsche Telekom AG. 1995 waren kraft Postreform II für jedes Post-Unternehmen „Unterstützungskassen” - jeweils in der Rechtsform eines eingetragenen Vereins - gegründet worden. Inzwischen sind diese Unterstützungskassen umbenannt worden, die für die Pensionäre der Deutschen Post AG in „Deutsche Post Pensions-Service e.V.”. Diese Kassen haben Einnahmen aus gesetzlich festgelegten Zahlungen der Unternehmen. Für die Jahre 1995 - 1999 muss die Deutsche Post jährlich 4 Milliarden DM, die Telekom 2,9 Milliarden DM und die Postbank 310 Millionen DM einzahlen. Ab dem Jahr 2000 zahlt jedes Unternehmen nur noch 33 Prozent der Bruttobezüge ihrer aktiven und beurlaubten Beamten.
Wegen des starken Abbaus des Beamtenstands bei allen 3 Aktiengesellschaften zeichnet sich schon jetzt ab, dass die eingezahlten Beträge nicht ausreichen, um die Pensionen voll zu decken. Im Reformgesetz (Postpersonalrechtsgesetz) ist jedoch für diesen Fall bereits vorgesehen, dass der Bund Defizite der Pensionskassen „insbesondere aus Dividendenzahlungen der Post-Unternehmen und aus Privatisierungserlösen” ausgleicht.
Elektroauto-Test: Leistungsfähigkeit des Zink-Luft-Energiesystems bestätigt
Im Juni 1998 schloss die Deutsche Post einen im Jahr 1996 begonnenen Test neuartiger Elektrofahrzeuge mit einem Zink-Luft-Energiesystem ab. 13 Test-Fahrzeuge legten in den letzten 2 Jahren rd. 60.000 km mit der völlig neuen Technik zurück, die von der israelischen Firma Electric Fuel Ltd. entwickelt worden ist.
Das Testergebnis: Die hohe Leistungsfähigkeit des Zink-Luft-Energiesystems bestätigte sich. Die eingesetzten Mercedes-Transporter mit Elektromotor hatten eine Reichweite im Stadtverkehr von mehr als 300 km. In einer Regenerationsanlage wurde jede Batterie nach Entladung regeneriert. Jede Batterie konnte beliebig oft regeneriert werden. Giftige Stoffe entstanden bei diesem Prozess nicht. Als Maximalleistung fuhr eines der Testfahrzeuge (Mercedes Transporter Typ MB 410) 431 km von Bremen nach Bonn mit einer Batterieladung.
Aus ökologischer Sicht haben die Elektrofahrzeuge nach einem Gutachten des schwedischen Umweltinstituts IVL Vorteile gegenüber Dieselfahrzeugen. Für die Serienproduktion ist noch eine erhebliche Entwicklungsarbeit notwendig. Post-Vorstandsmitglied Dr. Günter W. Tumm: „Es wurde ein deutliches Signal in den Markt gegeben, dass es Einsatzmöglichkeiten für Elektrofahrzeuge gibt. Die Deutsche Post hat diesen Test mit mehr als 12 Millionen DM unterstützt und ihren festen Willen unter Beweis gestellt, umweltfreundliche Technik zu fördern und einzusetzen.”
Startschuss für E-Commerce
Die Technologie und Reichweite des Internet überzeugen immer mehr Unternehmen, Produkte online anzubieten und per E-Commerce ihren Kundenstamm zu erweitern. Die Deutsche Post als Kommunikations- und Transportdienstleister hat hier mit ihrer Struktur gute Voraussetzungen, eine signifikante Rolle im E-Commerce-Markt zu spielen. So hat der Post-Vorstand grünes Licht für den Aufbau eines neuen Geschäftsfeldes „E-Commerce” gegeben.
E-Commerce ist der Verkauf von Produkten über das Internet und die Steuerung aller damit zusammenhängenden Geschäftsvorgänge durch die Computersysteme der Firma. Auf elektronischen Marktplätzen bieten ganze Branchen ihr Online-Sortiment an und ermöglichen so den Einkauf per Mausklick. Nach Meinung von Fachleuten wird der Internet-Umsatz Anfang der 2000er Jahre auf 30 Milliarden DM jährlich steigen.
Die Deutsche Post will an dieser Entwicklung partizipieren. Internethändler können an die Post ihre komplette Logistik ausgliedern. Dabei übernimmt die Deutsche Post für ihre Partner nicht nur die Paket-Konfektionierung und den Versand, sondern auch Bestellannahme, Zahlungsverkehr und Marketing.
Deutsche Post setzt Erfolgskurs fort
Auch im 3. Jahr als Aktiengesellschaft hat die Deutsche Post ihren erfolgreichen Kurs fortsetzen können. Bei der Bilanzpressekonferenz am 13. Mai 1998 gab der Vorstandsvorsitzende Dr. Klaus Zumwinkel die Wirtschaftsdaten für das Geschäftsjahr 1997 bekannt.
Mit einem Gewinn von 752 Millionen DM aus gewöhnlicher Geschäftstätigkeit konnte das Ergebnis 1996 (576 Millionen DM) um mehr als 30 Prozent übertroffen werden. Erfreulich auch die Umsatzentwicklung: Hier konnte die Deutsche Post eine Steigerung um 430 Millionen auf 27,1 Milliarden DM verbuchen. Zumwinkel: „Die Sanierung der Deutschen Post ist geschafft. Anfang der 90er Jahre sind wir mit einem Verlust von über 600 Millionen DM und einem zusätzlichen Milliarden-Defizit in Ostdeutschland gestartet. 1994 schrieben wir zum ersten Mal schwarze Zahlen für Gesamtdeutschland. Mit dem Dreiviertel-Milliarden-Gewinn 1997 haben wir ein solides Fundament für eine langfristige Wachstumsstrategie in allen Sparten und Geschäftsfeldern gelegt.”
Nach wie vor die stärkste Sparte ist die Briefpost. Hier konnten die Umsätze um 3 Prozent auf 19,8 Milliarden DM gesteigert werden. Überdurchschnittlich wuchs die Infopost mit 5,5 Prozent.
Bei der zweitgrößten Unternehmenssparte, der Frachtpost, gelang es der Deutschen Post, die Umsätze bei 3,1 Milliarden DM zu stabilisieren. Erstmals seit Jahren konnte der Umsatz bei der Frachtpost wieder gesteigert werden. Der Betriebsverlust der Sparte Frachtpost konnte planmäßig um 500 Millionen DM auf unter 900 Millionen DM reduziert werden. Hierzu beigetragen hat die (Wieder-) Einführung der Verbundzustellung. Pakete im ländlichen Bereich werden wieder gleichzeitig mit der Briefpost ausgeliefert. Zumwinkel kündigte an, der Frachtbereich werde planmäßig im Jahr 2000 schwarze Zahlen schreiben.
Auch die Finanzlage hat sich 1997 erfreulich entwickelt. Der Cashflow erhöhte sich um 16 Prozent auf gut 2,2 Milliarden DM. Die Eigenkapitalquote blieb mit 26,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr nahezu unverändert. Bei einer Bilanzsumme von 21,3 Milliarden DM betrug das Eigenkapital am Jahresende 5,7 Milliarden DM. Die Finanzschulden konnten 1997 um 600 Millionen DM auf 2,8 Milliarden DM abgebaut werden.
Investiert wurden 1997 über 1,9 Milliarden DM, hauptsächlich in den Aufbau der neuen Briefzentren. Ein Investitionsschwerpunkt der nächsten Jahre ist laut Zumwinkel die Modernisierung der Postfilialen. Nach der Einigung mit der Postbank ist jetzt Planungssicherheit für eine offensive Vorwärtsstrategie gegeben. Bereits im Jahr 2000 soll die Hälfte der Postkunden in modernen Filialen mit offenen, kundenfreundlichen Schaltern bedient werden. Die Deutsche Post wird dafür 1 Milliarde DM investieren.
Als Eckpfeiler des Postfilialnetzes errichtet die Deutsche Post in den kommenden Jahren bundesweit bis zu 750 Center-Filialen an Standorten mit starker Kundenfrequenz. Diese Center-Filialen bieten neben dem gesamten Dienstleistungsspektrum auch Beratungskapazitäten für Finanzdienstleistungen an. Für das übrige Filialnetz gilt: Es wird unterschiedliche Ausprägungen von Filialen geben. Beispiele sind Postfilialen in Warenhäusern (Shop-in-Shop-Filialen) oder Filialen mit Zusatzsortiment, wie es von Tankstellen-Shops bekannt ist (PostPlus-Filialen). Bundesweit rd. 550 Filialen wird die Deutsche Post gemeinsam mit ihrer neuen, von Herlitz übernommenen Tochterfirma McPaper einrichten. Dort wird neben Postdienstleistungen eine breite Palette von Papier-, Büro- und Schreibwaren angeboten werden.
Stark expandieren will die Deutsche Post in den nächsten Jahren im internationalen Geschäft. „Unsere Strategie ist es, durch gezielte Akquisitionen, Beteiligungen und Kooperationen Marktführer auf dem europäischen Paketmarkt zu werden”, betonte der Post-Chef bei der Bilanzpressekonferenz.
Hier finden Sie den Geschäftsbericht 1997
Personal: „Planmäßige Anpassung”
Am Jahresende 1997 waren bei der Deutschen Post 266.823 Mitarbeiter beschäftigt. Zum Ende des 1. Quartals 1998 beschäftigte die Deutsche Post noch 258.572 Mitarbeiter (Beschäftigte und Nachwuchskräfte ohne Kräfte mit „Urlaub ohne Bezüge”).
Post-Kundentelefon mit 2. Standort
Mit einem 2. Standort des Post-Kundentelefons will die Deutsche Post die Service-Qualität weiter verbessern. Zum Standort Crailsheim mit mehr als 120 Telefonagenten wird seit März 1998 der Standort Marburg mit zunächst 30 Arbeitsplätzen aufgebaut. Der Kunde merkt nicht, an welchem Standort er bedient wird, wenn er die Service-Nummer 0 18 02/33 33 wählt. Für ihn kostet ein Anruf, unabhängig von der Gesprächsdauer und der Entfernung, lediglich 12 Pfennige (1 Einheit). Demnächst soll aus dem Post-Kundentelefon ein Post-Kunden-Center werden. Dann sollen dort nicht nur telefonische und schriftliche Anfragen beantwortet werden, sondern auch solche per Fax, Internet und E-Mail.
REIMS gegen Remailing
Seit Beginn 1998 ist das von 16 europäischen Ländern unterzeichnete „REIMS-Abkommen” (REIMS = Remuneration of Exchange of International Mail Services) in Kraft. Darin haben sich die Unterzeichner-Staaten verpflichtet, aus dem beim Briefverkehr ins jeweilige Ausland anfallenden Porto eine Vergütung an diejenigen Postunternehmen zu zahlen, die am Transport und der Zustellung beteiligt sind. Die Höhe orientiert sich künftig am tatsächlichen Arbeitsaufwand und der Leistung. Damit entfällt der Anreiz, Remailing-Sendungen anzunehmen. Das bedeutet: für die hohe Qualität ihrer Briefbeförderung erhält die Deutsche Post in Zukunft endlich eine gerechtere Kostenerstattung.
Strenge Kontrollen sollen sicherstellen, dass die Qualitätsziele eingehalten werden. Ist dies nicht der Fall, droht dem betroffenen Postunternehmen ein Abzug von bis zu 50 Prozent der vereinbarten Beträge. Gegenüber denjenigen Ländern, welche dem REIMS-Abkommen nicht beigetreten sind, wird die Remailing-Abwehr mit aller Konsequenz betrieben.
Beigetreten sind: Belgien, Dänemark, Deutschland, Luxemburg, Griechenland, Portugal, Spanien, Italien, Finnland, Frankreich, Großbritannien, Irland, Island, Norwegen, Österreich, Schweden.
Langfristig sollen die USA, Kanada, die Niederlande und die Schweiz in das REIMS-Abkommen eingebunden werden.
14 Center-Filialen eröffnet
Mit der Eröffnung von bundesweit 14 Center-Filialen startete die Deutsche Post am 24. April 1998 ein Pilotprojekt. Mit den Center-Filialen schafft die Deutsche Post ihre künftigen Kompetenzzentren in Sachen Post- und Finanzdienstleistungen. An insgesamt 17 Standorten - 3 weitere wurden im Juni 1998 eröffnet - wird dieser Filialtyp erprobt.
Das Neue an der Center-Filiale ist ein separater Bereich für umfassende Beratung in sämtlichen Post- und Finanzfragen. Außer durchgehenden Öffnungszeiten - angepasst an die Ladenschlusszeiten des umliegenden Einzelhandels - erhält der Kunde künftig zum kompletten Postservice auch alle Finanzdienstleistungen der Postbank. Durch die Zusammenarbeit mit Partnern wie der Bausparkasse Wüstenrot und dem Haftpflichtverband der Deutschen Industrie (HDI) werden in Zukunft in den Filialen auch Versicherungsabschlüsse und Bausparverträge möglich sein.
Personalinitiative 1998: Beurlaubung von Kräften des mittleren Postdienstes für den Einsatz im einfachen Dienst
Der Post-Vorstand beschloss im Mai 1998, die Möglichkeit längerfristiger Beurlaubungen gemäß § 4 Abs. 3 Post-Personal-Rechtsgesetz für Einsätze im einfachen Postdienst zu eröffnen (sogenannte Insichbeurlaubungen).
Die Personallage im mittleren Postdienst - so der Post-Vorstand - wird auch für absehbare Zukunft von erheblichen Personalüberhängen gekennzeichnet sein. Demgegenüber besteht im einfachen Postdienst - regional unterschiedlich - ein Personalbedarf. Aus diesem Grund ist es notwendig, in größerem Umfang Kräfte des mittleren Dienstes im einfachen Postdienst zu beschäftigen.
Ziel dieser Maßnahme ist, durch einen spartenübergreifenden Personalausgleich Personal vor allem aus der Sparte Postfilialen (Schalterkräfte) bei den Niederlassungen Briefpost und Frachtpost vor allem im Zustelldienst einzusetzen. Die beurlaubten Kräfte erhalten durch die Insichbeurlaubung (Beschäftigung im Angestellten-Verhältnis, Beamtenverhältnis ruht) in der Regel einen höheren Nettoverdienst, weil diese Kräfte von den gesetzlichen Sozialbeiträgen (Arbeitslosenversicherung, Rentenversicherung, gesetzliche Krankenversicherung) freigestellt sind. Denn die beamtenrechtlichen Versorgungsansprüche bleiben während und nach der Beurlaubung erhalten. Andererseits kann das Unternehmen auf Neueinstellungen vom Arbeitsmarkt verzichten. Der Beurlaubungszeitraum wird grundsätzlich auf 3 Jahre mit der Möglichkeit einer Verlängerung festgelegt.
Die betroffenen Kräfte werden für die vereinbarte Dauer aus dem Beamtenverhältnis beurlaubt und schließen stattdessen einen Arbeitsvertrag ab.
Nachdem 1997 rd. 7.000 Mitarbeiter eine neu gestaltete Unternehmensbekleidung getestet haben, führt die Deutsche Post nach Auswertung der Testergebnisse ab dem 1. Halbjahr 1998 die Unternehmensbekleidung für alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit Kundenkontakt (Brief- und Frachtpostzusteller, Fahrer, Filialmitarbeiterinnen und -mitarbeiter eingeführt.
Die neue Unternehmensbekleidung ist für den zum Tragen verpflichteten Personenkreis kostenlos. Nach dem ersten Jahr (Erstausstattung) erhält jeder Bezugsberechtigte ein Bezugs-Punktekonto, aus dem er/sie Ersatzkleidung bestellen kann.
Deutsche Post Partner der Expo 2000
Mit ihrem kompletten Angebot wird die Deutsche Post auf der Weltausstellung Expo 2000 in Hannover präsent sein. Im Mai 1998 hat sie mit der Expo GmbH eine Absichtserklärung über eine Partnerschaft für den Bereich Brief- und Paketlogistik abgeschlossen. Das Unternehmen wird exklusiv Briefe und Pakete der Expo befördern und insgesamt Partner der Weltausstellung sein.
Deutsche Post bereitet sich auf den EURO vor
Seit Monaten bereitet sich die Deutsche Post in Projektgruppen auf die Einführung des EURO vor. Sie wird ab 1. Januar 1999 „EURO-fähig” sein. Sie wird dann auf Rechnungen usw. den Gegenwert des Gesamtbetrages nachrichtlich in EURO ausweisen. Die Lohn- und Gehaltsabrechnung für Postmitarbeiter wird zur Einführung des EURO am 1. Januar 2002 umgestellt. Bereits vorher wird der Endbetrag nachrichtlich auch in EURO ausgewiesen. Für die Umrechnung von Nachnahmebeträgen werden die Zusteller mit Währungsumrechnern ausgestattet, ebenso die Schalterkräfte.
Die Bilanz 2001 wird bereits in EURO aufgestellt. Der Termin wurde u.a. deshalb gewählt, damit der Börsengang im Jahr 2000 für die Anleger übersichtlich und ohne Doppelwährung oder „Überlappungen” abgewickelt werden kann.
Bei Briefmarken kann die Deutsche Post noch keine Aussagen machen. Briefmarken gibt seit 1. Januar 1998 die Bundesregierung (der Bundesfinanzminister) heraus. So liegt die Entscheidung für die Ausgabe von Briefmarken in EURO beim Bundesfinanzminister. Die Bundesregierung hat erklärt, dass die Briefmarken erst mit Wirkung vom 1. Januar 2002 auf den EURO umgestellt werden. Nach allem, was bisher bekannt ist, wird es bei der Umstellung der Markenwerte auf EURO „krumme” Werte geben. Eine Aufrundung soll es nicht geben. Auch andere Länder wie USA und England haben heute schon „krumme” Zahlen auf ihren Briefmarken.
Einführung Posttelegramm / Deutsche Post übernimmt das Inlandstelegramm von Telekom
Ab 1. Juli 1998 übernimmt die Deutsche Post das Inlandstelegramm von der Deutschen Telekom. Es wird unter dem Namen „Posttelegramm” angeboten. Das Auslandstelegramm bleibt eine Leistung der Telekom.
Die Preise und die übrigen Konditionen werden beibehalten. Die Telegramme des Gelddienstes bleiben von der Änderung unberührt.
Das Posttelegramm wird nach wie vor an die Telekom übermittelt. Es ist entweder zu faxen oder durchzusprechen.
Neubau der Generaldirektion
3 Architekten-Entwürfe für den Neubau der Generaldirektion der Deutschen Post in Bonn-Gronau kommen in die engere Wahl. Welcher endgültig das Rennen macht, wird sich im Oktober 1998 entscheiden. Einer 19-köpfigen Jury lagen 387 internationale Arbeiten vor. Gesucht wurde der Entwurf eines Gebäudes, das die Deutsche Post als zukunftsweisendes und modernes Unternehmen nach außen präsentiert und den Beschäftigten der Generaldirektion Platz bietet. Zudem sollten der „Lange Eugen”, das frühere Hochhaus der Bundestagsabgeordneten, mit seinen 112 Metern und der benachbarte „Schürmann-Bau” berücksichtigt werden.
Die 3 bestplatzierten Entwürfe:
1. Preis: Paul Böhm, 175.000 DM: 4 jeweils 62 m hohe Gebäude möchte der Kölner locker miteinander verbinden.
2. Preis: Helmut Jahn, 140.000 DM: Der in Chicago lebende Architekt plant 2 gegenüberliegende Kreissegmente mit je 176,80 m Höhe. Jahn hat auch das Sony-Hochhaus am Potsdamer Platz in Berlin und die neue Bayer-Zentrale in Leverkusen geplant.
3. Preis: Joachim Schürmann, 105.000 DM: der durch den „Schürmann-Bau” bekannte Architekt plant ein Gegenstück zum „Langen Eugen” mit 159,60 m Höhe.
Baubeginn soll Mitte 1999 sein, der Umzug in die Gronau soll im Jahr 2001 stattfinden. Dann wird das Gebäude an der Heinrich-von-Stephan-Straße, in dem auch das Bundespostministerium residierte, wie geplant für das Bundesgesundheits- und Bundesumweltministerium frei.
Solche großen Bauprojekte rufen immer auch Kritiker auf den Plan. Das größte Medien-Aufsehen erregte der SPD-Bundestagsabgeordnete Peter Conradi mit seiner Kritik am Ausmaß des geplanten Hochhauses. Hochhäuser - so Conradi - entsprächen dem Potenzgehabe von Unternehmen, um ihre Macht zu zeigen, „Viagra-Architektur”. (Viagra: im 1. Halbjahr 1998 aus Amerika nach Europa importiertes Potenzmittel, das monatelang die Schlagzeilen aller Medien beherrschte.)
Konkurrenz E+0
Seit September 1996 macht Jungunternehmer Andreas Albrecht mit seinem Kurierdienst „Lünebote” im Lüneburger Stadtgebiet und 4 angrenzenden Gemeinden der Deutschen Post Konkurrenz. Seine 40 Mitarbeiter, die er zurzeit noch alle auf 620-Mark-Basis „geringfügig” beschäftigt, holen per Fahrrad oder Auto Briefe und Päckchen von Privatleuten und Firmen ab und liefern sie noch am selben Tag an die Adressaten aus. Nicht nur mit der Schnelligkeit der Zustellung, sondern auch mit seinen niedrigen Preisen hat Albrecht der Deutschen Post wichtige Kunden in Stadt und Kreis abgezogen. So kosteten bisher normale Briefe bei ihm 79 Pfennige, bis zu einem Kilogramm schwere Briefe 2,18 DM und Päckchen 5 DM. Zu seinen Auftraggebern zählen u.a. die Stadt- und Kreisverwaltung Lüneburg, die Sparkasse und das Städtische Krankenhaus.
Die Deutsche Post klagte gegen den Konkurrenten, weil er gegen die Vorschriften des neuen Postgesetzes verstoße, wonach bis zum Jahr 2002 der Post eine Exklusivlizenz für die Beförderung von Briefen bis 200 Gramm eingeräumt ist, um ihre Infrastrukturpflichten, also die flächendeckende Versorgung der gesamten Bundesrepublik und zwar zum Einheitsporto, erfüllen zu können.
Die 11. Zivilkammer des Landgerichts Lüneburg als erster Instanz hat Ende Juli 1998 die Klage abgewiesen. Der Hauptgrund lag für das Gericht in der Tatsache, dass der Konkurrent eine Lizenz der Regulierungsbehörde für Telekommunikation und Post nach § 51 Abs. 1 Satz 2 Nr. 4 Postgesetz vorweisen konnte. Danach gilt die Exklusivlizenz der Deutschen Post nicht für „Dienstleistungen, die von Universaldienstleistungen trennbar sind, besondere Leistungsmerkmale aufweisen und qualitativ höherwertig sind”. Das Gericht hat gegen den „Lüneboten” keine eigene Sachentscheidung getroffen, sondern sich an die Lizenz des Wettbewerbers gebunden gesehen.
Die Deutsche Post hat Berufung eingelegt. Begründung: Der Konkurrent verstößt gegen die Bestimmungen des Postgesetzes, die Exklusivlizenz betreffend. Die Kunden wechseln nicht wegen höherwertiger Dienstleistungen sondern wegen des günstigeren Preises von der Post zur Konkurrenz. Diesen günstigeren Preis könne der „Lünebote” nur deshalb bieten, weil er keinen Infrastrukturauftrag zu erfüllen habe und nur Sendungen im Lüneburger Stadtgebiet und den angrenzenden Gemeinden zustelle.
Die Deutsche Post kündigte außerdem an, verwaltungsgerichtlich gegen die von der Regulierungsbehörde vergebene Lizenz vorzugehen, weil diese Art der Lizenzvergabe den Infrastrukturauftrag der Post gefährde und damit die Exklusivlizenz ad absurdum führe.
Regulierungsbehörde hat 50. Lizenz im Postbereich vergeben
Knapp ein halbes Jahr nach Inkrafttreten des Postgesetzes hat die Regulierungsbehörde für Telekommunikation und Post die 50. Lizenz für Postdienstleistungen vergeben. Von den bisher erteilten 50 Lizenzen sind 25 an neu gegründete Unternehmen, die mehr als 100 neue Arbeitsplätze geschaffen haben, vergeben worden. Die restlichen 25 Lizenzen gingen an Unternehmen, die bereits zuvor auf dem Postmarkt tätig waren. Diese Unternehmen rechnen jetzt mit einem zusätzlichen Arbeitsaufkommen und dementsprechend mit mehr Teil- und Vollzeitarbeitsplätzen.
Eine bnndesweite Lizenz haben 11 Antragsteller erhalten - Sitz dieser Lizenznehmer ist durchweg in den alten Bun&släindern. Die 13 Lizenznehmer mit landesweiten Lizenzen konzentrieren sich auf Hamburg, Niedersachsen und Schleswig-Holstein. Weitere 26 Unternehmen mit regionalen Lizenzen slnd schwerpunktmä8ig in Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und Sachsen-Anhalt tätig.
Unternehmen, die Briefsendungen bis zu 1.000 Gramm befördern, ohne dafür eine Lizenz zu besitzen, drohen zum einen Bußgelder, zum anderen aber auch Abmahnungen und Klagen der Deutschen Post AG vor Zivilgerichten sowie Abmahnungen durch sogenannte Abmahnvereine.
Auch die über 4.000 Anbieter von Kurier-, Express- und Paketdiensten (KEP-Branche), die ihr bisheriges Angebot durch die Beförderung von Briefsendungen bis 1.000 Gramm erweitern wollen, müssen dafür eine Lizenz beantragen.
Interessenten können bei der Regulierungsbehörde nachfragen, ob sie für ihre Tätigkeit eine Lizenz benötigen. Lizenzantragsteller erhalten ebenfalls Auskunft über erforderliche Angaben und Unterlagen. Hierzu gibt es auch eine Veröffentlichung im Amtsblatt der Regulierungsbehörde; das in Kopie auf Wunsch zugeschickt wird. Weitere Informationen stehen auch im Internet - http://www.regtp.de - unter der Rubrik „Postwesen”.
Deutsche Post und die Rechtschreibreform
Zum 1. August 1998 tritt die Rechtschreibreform in Kraft. Der Großteil der Firmen und Organisationen lässt sich jedoch mit der Umsetzung Zeit. Auch bei der Deutschen Post bleibt es vorläufig bei der alten Schreibweise. Zurzeit befasst sich der Bereich Konzernorganisation mit dem Thema. Ein Termin für die Einführung der neuen Regeln im Unternehmen steht noch nicht fest.