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Timestamp: 2020-08-11 07:38:28
Document Index: 75560183

Matched Legal Cases: ['§ 12', '§ 12', '§ 4', '§ 4', '§ 4', '§ 24']

Die Facharztausbildung des als Nachfolger vorgesehenen Sohnes | Rechtslupe
Son­der­be­triebs­aus­ga­ben sind die Auf­wen­dun­gen des Gesell­schaf­ters, die durch die Betei­li­gung an der Per­so­nen­ge­sell­schaft ver­an­lasst sind [1] und die der Gesell­schaf­ter per­sön­lich getra­gen hat [2].
Sie gehö­ren viel­mehr –unab­hän­gig davon, ob sie in der Per­son des Kin­des zu abzieh­ba­ren Aus­bil­dungs- oder Fort­bil­dungs­kos­ten gehö­ren [3]– grund­sätz­lich zu den nach § 12 Nr. 1 EStG nicht abzieh­ba­ren Lebens­hal­tungs­kos­ten [4].
Sie dür­fen mit­hin allen­falls unter bestimm­ten spe­zi­al­ge­setz­lich gere­gel­ten Vor­aus­set­zun­gen (z.B. als außer­ge­wöhn­li­che Belas­tun­gen) die Bemes­sungs­grund­la­ge der Ein­kom­men­steu­er min­dern [5].
Das gene­rel­le Abzugs­ver­bot gilt regel­mä­ßig selbst dann, wenn die Auf­wen­dun­gen (auch) der „För­de­rung des Berufs oder der Tätig­keit des Steu­er­pflich­ti­gen“ die­nen (§ 12 Nr. 1 EStG) [6].
Die­se Grund­sät­ze sind glei­cher­ma­ßen anzu­wen­den, wenn Per­so­nen­ge­sell­schaf­ten Kos­ten der Aus­bil­dung für Kin­der ihrer Gesell­schaf­ter als Betriebs­aus­ga­ben gel­tend machen [7].
Nach die­ser Recht­spre­chung kom­men als Betriebs­aus­ga­ben i.S. von § 4 Abs. 4 EStG sol­che Aus­bil­dungs­kos­ten aus­nahms­wei­se nur dann in Betracht, wenn sie nach­weis­bar voll­stän­dig oder ganz über­wie­gend betrieb­lich ver­an­lasst sind [8].
Zu den typi­schen Inter­es­sen­la­gen für die Annah­me eines betrieb­li­chen Inter­es­ses gehört u.a. die Über­nah­me der Aus­bil­dung eines Ange­stell­ten zum Meis­ter eines Hand­werks (gegen die Ver­pflich­tung auf anschlie­ßen­de beruf­li­che Tätig­keit im Betrieb unter Ver­ein­ba­rung einer Rück­zah­lungs­klau­sel bei Nicht­er­fül­lung), um nach erfolg­rei­chem Abschluss der Aus­bil­dung den Hand­werks­be­trieb mit dem Ange­stell­ten als hin­rei­chend qua­li­fi­zier­tem Lei­ter in der hand­werks­recht­lich gebo­te­nen Form fort­set­zen zu kön­nen [9].
Ent­spre­chen­des gilt für ein betrieb­li­ches Inter­es­se an der Fort­bil­dung von Arbeit­neh­mern, wenn die dar­aus gewon­ne­nen Erkennt­nis­se für den Betrieb nutz­bar gemacht wer­den sol­len und dies durch eine Ver­ein­ba­rung gesi­chert wird, nach der der Betriebs­in­ha­ber die Kos­ten der Wei­ter­bil­dung über­nimmt und sich der Arbeit­neh­mer im Gegen­zug ver­pflich­tet, für eine gewis­se Zeit nach sei­ner Rück­kehr von den Fort­bil­dungs­ver­an­stal­tun­gen im Betrieb zu blei­ben und bei Nicht­er­fül­lung die­ser Pflicht die Fort­bil­dungs­kos­ten voll­stän­dig oder teil­wei­se zurück­zu­zah­len [10].
Denn auch ein sol­cher Vor­gang ist prin­zi­pi­ell der Pri­vat­sphä­re zuzu­ord­nen [11].
Die Zuord­nung sol­cher Aus­bil­dungs­kos­ten zum betrieb­li­chen (bzw. beruf­li­chen) Bereich setzt daher vor­aus, dass der Leis­tungs­be­zie­hung zwi­schen Eltern und Kin­dern Ver­ein­ba­run­gen zugrun­de lie­gen, die den für die steu­er­li­che Aner­ken­nung von Ver­trä­gen zwi­schen nahen Ange­hö­ri­gen ent­wi­ckel­ten Anfor­de­run­gen genü­gen. Sie müs­sen dem­nach klar und ein­deu­tig getrof­fen sein und nach Inhalt wie Durch­füh­rung dem zwi­schen Frem­den Übli­chen ent­spre­chen, also dem sog. Fremd­ver­gleich stand­hal­ten [12].
Danach ist ein Betriebs­aus­ga­ben­ab­zug nur gerecht­fer­tigt, wenn zur Über­zeu­gung des Gerichts fest­steht, dass der strei­ti­ge Auf­wand –im nach außen hin erkenn­ba­ren Unter­schied zu den im Rah­men der Unter­halts­ver­pflich­tung übli­chen Aus­bil­dungs­leis­tun­gen– aus­schließ­lich oder ganz über­wie­gend im Inter­es­se des Betriebs (Berufs) geleis­tet wur­de [13].
Ein ent­spre­chen­der betrieb­li­cher Anlass kann nach der Recht­spre­chung des Bun­des­fi­nanz­hofs [10] vor­lie­gen, wenn Kos­ten auf­ge­wen­det wer­den, um einen betrieb­li­chen Nach­fol­ger aus­zu­bil­den [14].
Dar­an bestehen nach dem BFH-Urteil im BFHE 184, 396 [15] dann Zwei­fel, wenn kei­ne Umstän­de erkenn­bar sind,
Die Auf­fas­sung, die Über­nah­me der Fort­bil­dungs­kos­ten durch die GbR habe nicht ihrem betrieb­li­chen Inter­es­se, son­dern allein dem Inter­es­se des Vaters gedient, aus­schließ­lich sei­nem Sohn den Ein­tritt in den Gesell­schaf­ter­kreis der GbR zu ermög­li­chen, wird durch die Ver­ein­ba­run­gen vom 01.03.2001 sowie die Über­ein­kunft der Gesell­schaf­ter unter­stri­chen, dass nur der Vater die Aus­bil­dungs­kos­ten zu tra­gen hat­te. Über­dies war nach dem Gesell­schafts­ver­trag vom 27.05.2004 ein Ent­gelt für die Über­nah­me des Gesell­schaf­ter­an­teils durch den Sohn nicht vor­ge­se­hen und damit ersicht­lich ein unent­gelt­li­cher Über­gang des Anteils auf den Begüns­tig­ten der Aus­bil­dung ange­strebt, so dass eine betrieb­li­che Ver­an­las­sung der Aus­bil­dungs­kos­ten auch nicht aus einer beab­sich­tig­ten Unter­neh­mens­nach­fol­ge [16] oder der Alters­ver­sor­gung des wei­chen­den Gesell­schaf­ters her­ge­lei­tet wer­den kann.
Danach kön­nen grund­sätz­lich Auf­wen­dun­gen von Per­so­nen, die im Fest­stel­lungs­zeit­raum nicht an einer bereits wer­bend täti­gen Gesell­schaft betei­ligt sind, nicht Gegen­stand der ein­heit­li­chen und geson­der­ten Fest­stel­lung der Ein­künf­te die­ser Gesell­schaft sein [17].
Dem­entspre­chend kön­nen weder nach­träg­li­che gewerb­li­che Ein­künf­te eines frü­he­ren Gesell­schaf­ters Gegen­stand des ein­heit­li­chen und geson­der­ten Fest­stel­lungs­ver­fah­rens sein noch sind ein­tre­ten­den Gesell­schaf­tern –wie hier– Ergeb­nis­se frü­he­rer Fest­stel­lungs­zeit­räu­me zuzu­rech­nen [18].
Viel­mehr sind die Auf­wen­dun­gen allen­falls in der Ein­kom­men­steu­er­ver­an­la­gung des Soh­nes für das Streit­jahr zu erfas­sen, sofern die Aus­bil­dungs­kos­ten nach der Rechts­la­ge vor Inkraft­tre­ten der Ände­run­gen der §§ 4, 9 und 12 EStG durch das Gesetz zur Umset­zung der Bei­trei­bungs­richt­li­nie sowie zur Ände­rung steu­er­li­cher Vor­schrif­ten vom 07.12.2011 [19] auf­grund des BFH-Urteils vom 28. Juli 2001 [20] als Wer­bungs­kos­ten zu beur­tei­len sind und dem Sohn die Auf­wen­dun­gen sei­nes Vaters unter dem Gesichts­punkt des abge­kürz­ten Ver­trags­we­ges zuge­rech­net wer­den könn­ten [21].
BFH, Urteil vom 23.09.2009 – IV R 21/​08, BFHE 227, 31, BStBl II 2010, 337, m.w.N.[↩]
vgl. BFH, Beschluss vom 23.08.1999 – GrS 2/​97, BFHE 189, 160, BStBl II 1999, 782; BFH, Urtei­le vom 24.02.2000 – IV R 75/​98, BFHE 191, 301, BStBl II 2000, 314, und in BFHE 227, 31, BStBl II 2010, 337[↩]
BFH, Urteil vom 10.05.1966 – I 290/​63, BFHE 86, 297, BStBl III 1966, 490[↩]
BFH, Urteil vom 23.11.2000 – VI R 38/​97, BFHE 193, 553, BStBl II 2001, 132, m.w.N; BFH, Beschluss vom 06.06.2007 – X B 142/​06[↩]
s. dazu BFH, Urteil in BFHE 193, 553, BStBl II 2001, 132[↩]
BFH, Urteil vom 14.12.1990 – III R 92/​88, BFHE 163, 190, BStBl II 1991, 305[↩]
BFH, Urteil in BFHE 163, 190, BStBl II 1991, 305; vgl. auch Söhn in Kirchhof/​Söhn/​Mellinghoff, Ein­kom­men­steu­er­ge­setz, § 4 Rz E 1200 „Aus­bil­dungs­kos­ten“[↩]
BFH, Urteil in BFHE 163, 190, BStBl II 1991, 305[↩][↩]
vgl. z.B. BFH, Urtei­le vom 30.11.1967 – IV 1/​65, BFHE 91, 81, BStBl II 1968, 263, und vom 19.11.1985 – VIII R 4/​83, BFHE 145, 375, BStBl II 1986, 289, unter 2.d; auch unter dem Gesichts­punkt vor­weg­ge­nom­me­ner Erb­fol­ge: Beschluss vom 05.07.1990 – GrS 4–6/89, BFHE 161, 317, BStBl II 1990, 847, unter C.I.1.; u.U. inso­weit abwei­chend, aber nicht ent­schei­dungs­er­heb­lich: BFH, Urteil in BFHE 163, 190, BStBl II 1991, 305, unter 2.; zur ent­spre­chen­den Zuord­nung von Schuld­zin­sen zur Pri­vat­sphä­re bei Schen­kun­gen und Dar­le­hen an Ange­hö­ri­ge im Zusam­men­hang mit der Unter­neh­mens­nach­fol­ge: BFH, Urteil vom 31.07.2002 – X R 103/​96, BFH/​NV 2003, 26[↩]
inso­weit eben­so BFH, Urtei­le in BFHE 163, 190, BStBl II 1991, 305; vom 29.10.1997 – X R 129/​94, BFHE 184, 369, BStBl II 1998, 149[↩]
BFH, Urteil in BFHE 184, 369, BStBl II 198, 149, m.w.N.[↩]
BFH, Urteil in BFHE 184, 369, BStBl II 1998, 149[↩]
vgl. BFH, Urtei­le in BFHE 163, 190, BStBl II 1991, 305; in BFHE 184, 369, BStBl II 1998, 149[↩]
so zu vor dem Fest­stel­lungs­zeit­raum aus­ge­schie­de­nen Gesell­schaf­tern BFH, Urtei­le vom 01.10.1992 – IV R 130/​90, BFHE 170, 36, BStBl II 1993, 574; vom 14.05.2002 – VIII R 8/​01, BFHE 199, 198, BStBl II 2002, 532; zu dem hier nicht gege­be­nen Aus­nah­me­fall einer voll­be­en­de­ten Gesell­schaft und nach­träg­li­cher Ein­künf­te ihrer Gesell­schaf­ter i.S. von § 24 Nr. 2 EStG s. BFH, Urteil vom 13.02.1996 – VIII R 18/​92, BFHE 180, 79, BStBl II 1996, 291[↩]
BFH, Urteil vom 10.12.1992 – XI R 45/​88, BFHE 170, 487, BStBl II 1993, 538[↩]
BFH, Urteils vom 28.07.2011 – VI R 38/​10, BFHE 234, 279, BStBl II 2012, 561, mit Anmer­kung Ismer, FR 2011, 846[↩]
vgl. dazu BFH, Urteil vom 28.09.2010 – IX R 42/​09, BFHE 230, 567, BStBl II 2011, 271[↩]