Source: http://www.anwalt.org/vormundschaft/
Timestamp: 2017-01-25 01:21:40
Document Index: 85598299

Matched Legal Cases: ['§ 1773', '§ 1896', '§ 1791', '§ 1791', '§ 1751', '§ 1791', '§ 1779', '§ 1773', '§ 1793', '§ 1794', '§ 1774', '§ 1775', '§ 1776', '§ 1778', '§ 1778', '§ 1780', '§ 1781', '§ 54', '§ 1791', '§ 1785', '§ 1786', '§ 1788']

Vormundschaft: Welche Rechte und Pflichten hat ein Vormund? Eine Vormundschaft kann jeder übernehmen, der nicht selbst unter Betreuung steht und volljährig ist.
Im Jahr 2014 standen 41.148 Kinder unter einer gesetzlichen bzw. bestellten Amtsvormundschaft. Diese Kinder benötigen eine gesetzliche Fürsorge, da ihre Eltern die elterliche Sorge für die Kinder nicht übernehmen konnten. Dies ist meist der Fall, wenn die Mutter unverheiratet und minderjährig ist oder wenn der Familienstand des Mündels nicht zu ermitteln ist.
Eine gesetzliche Fürsorge für ein Kind (Mündel) wird immer dann übernommen, wenn diesem die volle Geschäftsfähigkeit fehlt. Im Unterschied zur Pflegschaft, übernimmt der Vormund die Verantwortung für alle Lebensbereiche (§§ 1773-1895 BGB). Nur Minderjährige können unter die Aufsicht eines Vormunds gestellt werden.
Seit 1992 kann keine Vormundschaft für die Eltern mehr beantragt werden. In diesem Fall wird von einer Betreuung (§§ 1896-1908 BGB) gesprochen, auf welche wir im Folgenden noch kurz eingehen werden.
In diesem Ratgeber gehen wir darauf ein, wer eine Vormundschaft bekommt, wer Vormund werden darf und welche Aufgaben und Pflichten damit einhergehen. Nicht nur einheimische Kinder brauchen Vormünder, gerade im Zuge der Flüchtlingskrise erlangt das Thema an Bedeutung, denn die minderjährigen Flüchtlingskinder benötigen Vormünder.
Inhalt1 Das Vormundschaftrecht im BGB1.1 Was bedeutet Vormundschaft?1.2 Wer kann eine Vormundschaft beantragen und übernehmen?1.2.1 Vormundschaft für Erwachsene: Die Betreuung im BGB2 Vormundschaft für ein Kind übernehmen: Das Jugendamt hilft!
Das Vormundschaftrecht im BGB
Im Folgenden geben wir einen kurzen definitorischen Überblick, da zwischen verschiedenen Begriffen unterschieden werden muss:
Ein Antrag auf Vormundschaft kann nicht gestellt werden, sondern wird von Amts wegen durchgeführt.
Vormundschaft – eine Definition: „Eine Vormundschaft ist eine gesetzliche Fürsorge für eine Person (Mündel), der die volle Geschäftsfähigkeit fehlt.“ (vgl. Duden).
Mündel: Ein Mündel ist die Person, für die ein Vormund die Verantwortung trägt.
Vormund: Diese Person übt die Fürsorge aus und übernimmt die gesamte Geschäftsfähigkeit.
bestellte Amtsvormundschaft (§ 1791b BGB): In diesem Fall wurde das Sorgerecht nicht gerichtlich entzogen. Die Vormundschaft übernimmt das Jugendamt. Diese Form der Vormundschaft ist nur für eine Übergangszeit bestellt, solange die Mutter minderjährig (§ 1791c BGB) ist oder ein Adoptionsverfahren läuft (§ 1751 Abs. 1 BGB).
gesetzliche Amtsvormundschaft (§ 1791c BGB): Findet sich kein geeigneter Vormund (§ 1779 BGB), so kann das Familiengericht eine bestellte Vormundschaft beschließen. Auch hier übernimmt das Jugendamt die Vertretungsbefugnis.
Betreuung: Eine Betreuung wird bei volljährigen Personen durchgeführt, wenn diese nicht mehr geschäftsfähig sind. Durch eine Betreuungsverfügung kann der Betroffene seinen Betreuer selbst festlegen. Das Gericht überprüft dann die Eignung.
Laut § 1773 BGB erhält ein Minderjähriger einen Vormund,
wenn er nicht unter elterlicher Sorge steht oder wenn die Eltern weder in den die Person noch in den das Vermögen betreffenden Angelegenheiten zur Vertretung des Minderjährigen berechtigt sind.
Der Vormund übernimmt sämtliche Rechte und Pflichten für das Mündel, in manchen Fällen geht dies mit einer Pflegschaft einher. Eine Amtsvormundschaft beinhaltet Aufgaben, wie beispielsweise die Vermögensbetreuung des Mündels. Darüber hinaus muss ein persönlicher Kontakt erfolgen. Dies bedeutet, dass regelmäßig Treffen stattfinden müssen. Im BGB wird dazu ein Rhythmus von einmal im Monat festgesetzt (§ 1793 BGB).
Wurde für das Kind außerdem ein Pfleger bestellt, so findet darf der Vormund sich in diese Angelegenheiten nicht einmischen (§ 1794 BGB).
Wer kann eine Vormundschaft beantragen und übernehmen?
Eine Vormundschaft gibt es nur für minderjährige Mündel.
Eine Vormundschaft wird vom Familiengericht von Amts wegen angeordnet. Laut Recht kann dies schon von Geburt an bzw. vor der Geburt erfolgen, wenn anzunehmen ist, dass das Kind einen Vormund benötigt (§ 1774 BGB). In der Praxis passiert dies, wenn die Eltern ihrer elterlichen Sorge nicht nachkommen können. Einen Antrag auf Vormundschaft gibt es aus diesem Grund nicht. Dies ist allerdings nicht mit einer Betreuung von nicht geschäftsfähigen volljährigen Personen zu verwechseln. Hier kann durch aus ein Betreuer beim Gericht beantragt werden.
Grundsätzlich ist es auch möglich mehrere Vormünder zu bestellen. Das erhält vor allem dann Relevanz wenn ein Ehepaar eine Vormundschaft übernehmen will. Außerdem soll für Geschwister möglichst ein gemeinsamer Vormund bestimmt werden (§ 1775 BGB).
Eltern haben die Möglichkeit im Rahmen einer Verfügung einen Vormund zu bestimmen. Versterben die Eltern noch minderjähriger Kinder, so greift diese Verfügung. Ernennen die Eltern unterschiedliche Vormünder, so gilt die Benennung des zuletzt verstorbenen Elternteils. (§ 1776 BGB).
Vormünder, die durch die Eltern bestimmt wurden, dürfen nur unter bestimmten Voraussetzungen übergangen werden. Ist davon auszugehen, dass das Wohl des Mündels gefährdet ist, kann eine Vormundschaft übernommen werden. Ist das Kind bereits 14 Jahre alt und widerspricht der Benennung des Vormunds, kann dieser ebenfalls übergangen werden (§ 1778 BGB).
Ist ein Ehepartner minderjährig, so kann der volljährige Ehepartner zum Vormund ernannt werden (§ 1778 Abs. 3 BGB). Wer geschäftsunfähig ist, kann kein Vormund werden (§ 1780 BGB). Außerdem soll der Vormund selbst nicht minderjährig sein. Auch wer selbst einen Betreuer hat, kann keine Vormundschaft übernehmen (§ 1781 BGB).
Vormundschaft für Erwachsene: Die Betreuung im BGB
Seit 1992 ist es nicht mehr möglich, eine Vormundschaft im Pflegefall zu beantragen. Werden die Eltern aufgrund von Demenz oder anderen Krankheiten geschäftsunfähig, so ist eine Betreuung zu bestellen.
Den Betreuer kann jeder durch eine Betreuungsverfügung festlegen. Diese wird meist mit einer Vorsorgevollmacht oder einer Patientenverfügung kombiniert. Der Betreuer übernimmt dann die Vormundschaft für Volljährige im Bereich der Betreuung und Pflege. Wird eine Betreuer benötigt, muss ein Antrag beim Betreuungsgericht gestellt werden. Dieser hat alle Aufgaben zu übernehmen, welche der Betroffene nicht mehr selbst erledigen kann. Hierzu können auch die Vermögenssorge oder die Entscheidung über medizinische Eingriffe zählen. Die Kosten, die für einen Betreuer anfallen, hat der Betroffenen selbst zu tragen.
Vormundschaft für ein Kind übernehmen: Das Jugendamt hilft!
Die Vormundschaft beantragen für die eigene Mutter, geht das? Nein, in diesem Fall muss eine Betreuung her.
Grundsätzlich ist das Jugendamt für eine Vormundschaft zuständig und hat diese auszufüllen, bis ein Vormund gefunden ist. Haben die Eltern keinen Vormund bestimmt, können verschiedene Vormünder in Betracht kommen.
In diesem Fall wird zwischen einem ehrenamtlichen Vormund, einem Berufsvormund und einer Vereinsvormundschaft unterschieden. Ein ehrenamtlicher Vormund zeichnet sich dadurch aus, dass er freiwillig Einzelvormundschaften und die Aufgaben entsprechend übernimmt. Um eine Vormundschaft anzutreten, ist beim Jugendamt oder bei entsprechende Vereinen vorzusprechen.
Der potentielle Vormund muss dann an Schulungen und Gesprächen teilnehmen. In diesem Rahmen soll sichergestellt werden, dass der Betreffende diese Verantwortung auch tragen kann.
Ein Berufsvormund kümmert sich hauptamtlich um seine Schützlinge. In aller Regel sind dies Sozialarbeiter oder Pädagogen. Darüber hinaus können auch Vereine Vormundschaften übernehmen. Hierzu muss der Verein nach § 54 und § 1791a BGB ein rechtsfähiger Verein sein. Im konkreten Fall übernimmt dann ein Vereinsmitglied die Vormundschaft.
Nach § 1785 BGB darf kein Deutscher eine Berufung zum Vormund ablehnen. Nur unter bestimmten Voraussetzungen gilt das Ablehnungsrecht nach § 1786 BGB. Nach § 1788 droht ein Zwangsgeld, wenn Vormundschaften nicht übernommen wird.