Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Text=10%20AZR%20219/08
Timestamp: 2019-03-21 10:49:29
Document Index: 136499118

Matched Legal Cases: ['§ 307', '§ 308', '§ 611', '§ 307', '§ 307', '§ 307', '§ 307', '§ 307', '§ 307', '§ 307', '§ 307', '§ 611', '§ 307', '§ 307', '§ 307', '§ 3', '§ 307', '§ 307', '§ 611', '§ 307', '§ 611', '§ 611', '§ 611', '§ 242', '§ 611']

BAG, 21.01.2009 - 10 AZR 219/08 - dejure.org
Kein Anspruch auf Sonderzahlung aus betrieblicher Übung bei eindeutigem Freiwilligkeitsvorbehalt
Zulässiger Freiwilligkeitsvorbehalt bei Weihnachtsgeld
Arbeitsrecht - Freiwilligkeitsvorbehalt für Sonderzahlungen
Wirksamer Freiwilligkeitsvorbehalt für Sonderzahlungen
"Weihnachtsgeld und Freiwilligkeitsvorbehalt"
Freiwilligkeitsvorbehalt: Kein Anspruch auf Urlaubsgeld
Freiwilligkeitsvorbehalt bei Weihnachtsgeld
Nochmals: Freiwilligkeitsvorbehalte bei Sonderzahlungen und AGB-Kontrolle - Präzisierung der BAG-Rechtsprechung!
BGB § 307 Abs. 1, § 308 Nr. 4, § 611 Abs. 1
Kurznachricht zu "Anmerkung zum Urteil des BAG vom 21.1.2009, Az.: 10 AZR 219/08 (Zulässiger Freiwilligkeitsvorbehalt bei Weihnachtsgeld)" von RA Dr. Timm Gero Joppich, original erschienen in: BB 2009, 1024.
ArbG Berlin, 05.06.2007 - 6 Ca 1781/07
BAGE 129, 164
ZIP 2009, 1085
MDR 2009, 513
NZA 2009, 310
BB 2009, 1024
Allerdings ist für jährlich an die gesamte Belegschaft geleistete Gratifikationen die Regel aufgestellt worden, nach der eine zumindest dreimalige vorbehaltlose Gewährung zur Verbindlichkeit erstarkt, falls nicht besondere Umstände hiergegen sprechen oder der Arbeitgeber bei der Zahlung einen Bindungswillen für die Zukunft ausgeschlossen hat (vgl. BAG 21. Januar 2009 - 10 AZR 219/08 - Rn. 13, BAGE 129, 164) .
Einen solchen Vorbehalt hat der Senat als ausreichend angesehen, um einen Anspruch auf eine zukünftige Leistung auszuschließen (vgl. BAG 18. März 2009 - 10 AZR 289/08 - EzA BGB 2002 § 307 Nr. 43 [Vorbehalt bei Zahlung]; 21. Januar 2009 - 10 AZR 219/08 - BAGE 129, 164 [Vorbehalt im Formulararbeitsvertrag]) .
Allerdings ist für jährlich an die gesamte Belegschaft geleistete Gratifikationen die Regel aufgestellt worden, nach der eine zumindest dreimalige vorbehaltlose Gewährung zur Verbindlichkeit erstarkt, falls nicht besondere Umstände hiergegen sprechen oder der Arbeitgeber bei der Zahlung einen Bindungswillen für die Zukunft ausgeschlossen hat (Senat 21. Januar 2009 - 10 AZR 219/08 - Rn. 13, BAGE 129, 164;… 28. Juni 2006 - 10 AZR 385/05 - Rn. 36, aaO) .
Allerdings muss ein solcher Freiwilligkeitsvorbehalt klar und verständlich iSd. § 307 Abs. 1 Satz 2 BGB formuliert worden sein, um den Rechtsanspruch des Arbeitnehmers auf eine Sonderzahlung eindeutig auszuschließen (…Senat 20. Januar 2010 - 10 AZR 914/08 - Rn.14, aaO; 21. Januar 2009 - 10 AZR 219/08 - Rn. 14, aaO; 10. Dezember 2008 - 10 AZR 1/08 - AP BGB § 307 Nr. 40 = EzA BGB 2002 § 307 Nr. 40;… 30. Juli 2008 - 10 AZR 606/07 - Rn. 12, aaO;… 24. Oktober 2007 - 10 AZR 825/06 - Rn. 17, aaO) .
Allein ein solcher Vorbehalt könnte aber einen Rechtsanspruch auf zukünftige Zahlung des begehrten Weihnachtsgeldes ausschließen (vgl. Senat 21. Januar 2009 - 10 AZR 219/08 - BAGE 129, 164; 18. März 2009 - 10 AZR 289/08 - EzA BGB 2002 § 307 Nr. 43; 1. März 2006 - 5 AZR 363/05 - Rn. 24 f., BAGE 117, 155) .
Ebenso muss der Arbeitgeber einen Freiwilligkeitsvorbehalt bei Sonderzahlungen, der einen Rechtsanspruch des Arbeitnehmers auf künftige Leistungen ausschließen soll, so klar und verständlich abfassen, dass der Arbeitnehmer gemäß dem Sinn und Zweck des Transparenzgebots den Vertragsinhalt sachgerecht beurteilen und erkennen kann, dass er keinen Rechtsanspruch auf künftige Leistungen hat (vgl. BAG 18. März 2009 - 10 AZR 289/08 - NZA 2009, 535; 21. Januar 2009 - 10 AZR 219/08 - EzA BGB 2002 § 307 Nr. 41; 10. Dezember 2008 - 10 AZR 1/08 - AP BGB § 307 Nr. 40 = EzA BGB 2002 § 307 Nr. 40; 30. Juli 2008 - 10 AZR 606/07 - AP BGB § 611 Gratifikation Nr. 274 = EzA BGB 2002 § 307 Nr. 38; 24. Oktober 2007 - 10 AZR 825/06 - AP BGB § 307 Nr. 32 = EzA BGB 2002 § 307 Nr. 26).
Ein formularvertragsgemäßer Freiwilligkeitsvorbehalt muss klar und verständlich sein, um einen Rechtsanspruch auszuschließen und die grundsätzliche Entscheidungsfreiheit des Arbeitgebers zu wahren, ob und unter welchen Voraussetzungen zum laufenden Arbeitsentgelt zusätzliche Leistung zu gewähren (BAG 21.1.2009 - 10 AZR 219/08 - Rn. 14, NZA 2009, 310).
Der in § 3 des Arbeitsvertrages enthaltene Hinweis, wonach die Gewährung von Gratifikationen und sonstiger freiwilliger Leistungen keinen Rechtsanspruch begründet, hindert das Entstehen eines Anspruch des Arbeitnehmers auf Zahlung von Weihnachts- und Urlaubsgeld aus betrieblicher Übung (BAG v. 21.01.2009 - 10 AZR 219/08 - NZA 2009, 310).
Eine Verpflichtung des Arbeitgebers zur Leistung der Sonderzahlung wird unabhängig von dem mit der Sonderzahlung verfolgten Zweck von vornherein nicht begründet (BAG v.21.01.2009, a. a. O.).
Er kann auch so verstanden werden, dass sich der Arbeitgeber "freiwillig" zu dieser Leistung verpflichtet, ohne dazu durch Tarifvertrag, Betriebsvereinbarung oder Gesetz gezwungen zu sein (…BAG 24.10.2007 - 10 AZR 825/06 - Rdz. 17, NZA 2008, 40, 42;… BAG 30.07.2008 - 10 AZR 606/07 - Rdz. 12, EzA § 307 BGB 2002 Nr. 38; BAG 21.01.2009 - 10 AZR 219/08 - Rdz. 14, EzA § 307 BGB 2002 Nr. 41).
Das ist nur dann der Fall, wenn der Arbeitgeber in einer für den Arbeitnehmer unmissverständlichen Weise - gegebenenfalls zu dem Hinweis auf die Freiwilligkeit der Sonderzahlung - kundgetan hat, dass "ein Anspruch nicht hergeleitet werden kann" (BAG 05.06.1996 - 10 AZR 883/95 - EzA § 611 BGB Gratifikation, Prämie Nr. 141) oder "nach wiederholter Zahlung erwächst hierauf kein Anspruch" (LAG Hamm 09.06.2005 - 8 Sa 2403/04 - NZA-RR 2005, 160) oder "auch mit einer wiederholten Zahlung kein Rechtsanspruch für die Zukunft begründet wird" (BAG 21.01.2009 - 10 AZR 219/08 - EzA § 307 BGB 2002 Nr. 41) oder die Leistung "ohne Anerkennung einer Rechtspflicht" (BAG 12.01.2000 - 10 AZR 840/98 - EzA § 611 BGB Gratifikation, Prämie Nr. 158; vgl. auch LAG Düsseldorf 31.01.2006 - 6 Sa 1441/05 - LAGE § 611 BGB 2002 Gratifikation Nr. 6) in Aussicht gestellt wird.
Hinweise des Senats: Teilweise Parallelverfahren 21. Januar 2009 - 10 AZR 219/08 - (führend) und - 10 AZR 221/08 - (vorliegend).
In der Regel ergibt sich ein Anspruch auf Gewährung einer Leistung basierend auf der Rechtsfigur der betrieblichen Übung dann, wenn seitens des Arbeitgebers eine mindestens dreimalige vorbehaltlose Gewährung der Leistung erfolgt ist (…vgl. BAG Urteil vom 21.01.2009 - 10 AZR 221/08 - Rn. 13 bei juris; BAG Urteil vom 21.01.2009 - 10 AZR 219/08 - in NZA 2009, S. 310-312 - Rn. 13 bei juris;… Thüsing in Henssler / Willemsen / Kalb, Arbeitsrecht Kommentar, 6. Aufl. Köln 2014, Rn. 229 zu § 611 BGB m.w.N.).
Ein derartiger Vertrauenstatbestand ist nach der Rechtsprechung der Arbeitsgerichte regelmäßig nach dreimaliger Zahlung anzunehmen, falls nicht besondere Umstände hiergegen sprechen oder der Arbeitgeber bei der Zahlung einen Bindungswillen für die Zukunft ausgeschlossen hat (…vgl. BAG, Urt. v. 26.03.1997, AP-Nr. 50 zu § 242 BGB, betriebliche Übung m. w. N.; Urt. v. 21.01.2009 - 10 AZR 219/08, ArbRB 2009, 134).
Aufgrund eines solchen Vorbehaltes ist der Arbeitgeber frei, jederzeit erneut zu bestimmen, ob und unter welchen Voraussetzungen er eine Gratifikation gewähren will (…so BAG, Urt. v. 05.06.1996, AP-Nr. 193 zu § 611 BGB, Gratifikation; Urt. v. 21.01.2009 - 10 AZR 219/08 a. a. O.).
Durch eine solche Formulierung wird hinreichend deutlich, dass keine Erfüllungspflicht herbeigeführt werden soll (vgl. BAG, Urt. v. 21.01.2009 - 10 AZR 219/08, a. a. O.).