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Timestamp: 2020-02-25 01:07:36
Document Index: 33547024

Matched Legal Cases: ['§ 6', '§ 42', '§4', '§6', '§ 9', '§172']

Elektronische Ressource (PDF-Datei: 54 S., 9.83 MB)
urn:nbn:de:kobv:109-opus-201611
Städtebauliches Gutachterverfahren Krausenblock Berlin Mitte Aufgabenstellung
Durchführung des Gutachterverfahrens Senatsverwaltung für Stadtentwicklung Abteilung Städtebau und Projekte Referat II D Brückenstraße 6 10179 Berlin-Mitte Aufgabenstellung Patrick Weiss, II D 2 Berit Krause Digitale Bearbeitung Berit Krause Anika Buhre Titelbild Planwerk Innenstadt (Ausschnitt), Senatsverwaltung für Stadtentwicklung Druck sprintout
Teil 1 Verfahren .......................................................................................9
1.1 1.2 1.3 1.4 1.5 1.6 1.7 1.8 1.9 1.10 1.11 1.12 1.13 1.14 1.15 2.1 2.2 2.3 2.4 2.5 2.6 2.7 3.1 3.2 3.3 4.1 4.2 4.3 4.4 4.5 Auslober ......................................................................................9
Teilnehmer/innen.......................................................................10
Obergutachter und Vorprüfung..................................................10
Ausgabe der Unterlageng ......................................................... 11
Abgabe der Arbeiten ................................................................. 11
Rückfragen und Kolloquium ...................................................... 11
Verzeichnis der Unterlagen .......................................................12
Geforderte Leistungen ..............................................................12
Beurteilungsverfahren und Vorprüfung .....................................14
Vergütung..................................................................................14
Weitere Bearbeitung .................................................................14
Eigentum und Urheberrecht ......................................................14
Bekanntgabe des Ergebnisses .................................................15
Zusammenfassung der Termine................................................15
Städtebauliche Rahmenbedingungen .......................................17
Historische Entwicklung des Standortes ...................................19
Die Umgebung ..........................................................................25
Das Planungsgebiet ..................................................................30
Planungsrechtliche Rahmenbedingungen ................................33
Gender Mainstreaming..............................................................42
Übergeordnete städtebauliche Zielsetzungen...........................43
Ziel des Verfahrens ...................................................................44
Einzelaspekte der Planung .......................................................44
Digitale Anlagen ........................................................................47
Quellenverzeichnis....................................................................48
Abbildungsverzeichnis ..............................................................49
Weiterführende Informationen ..................................................50
Fotodokumentation ...................................................................50
Teil 2 Situation und Planungsvorgaben .............................................17
Teil 3 Aufgabe .......................................................................................43
Teil 4 Anhang ........................................................................................47
Krausenblock / Anlass und Ziel
Es ist vorgesehen, den ehemaligen Schulstandort auf dem Block Krausen-, Jerusalemer-, Schützen- und Markgrafenstraße in Berlin-Mitte städtebaulich neu zu ordnen. Entwicklungsziel ist eine Nutzungsmischung mit einem Wohnanteil von mindestens 60% der Geschossfläche, um die Wohnfunktion in der Friedrichstadt zu stärken. Außerdem ist eine Aufteilung der heute einheitlichen Blockfläche in unterschiedlich große, aggregierbare und an den Schwerpunktnutzungen orientierte Baufelder vorgesehen. Die städtebauliche Neuordnung des Blocks eröffnet zudem die Chance, den historischen Verlauf der Jerusalemer Straße in diesem Abschnitt wieder herzustellen. Aufgrund der temporären Erhaltung und Weiternutzung der Sporthalle und des Jugendklubs am Standort ist die Möglichkeit einer etappenweisen Entwicklung des Blocks vorzusehen. Mit dem vorliegenden Gutachterverfahren sollen unterschiedliche städtebauliche und nutzungsstrukturelle Lösungen erarbeitet und daraus ein Gesamtkonzept für eine hochwertige städtebauliche und immobilienwirtschaftlich sinnvolle Entwicklung am Standort gefunden werden. Diese Lösungen sind Grundlage für den weiteren Planungsprozess des Bezirkes zu diesem Standort und für die Vorbereitung der Vermarktung der Liegenschaft durch den Liegenschaftsfonds Berlin.
Krausenblock / Teil 1 Verfahren
Teil 1 Verfahren 1.1 Auslober
Auslober Land Berlin, vertreten durch die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung in Zusammenarbeit mit dem Liegenschaftsfonds Berlin und dem Bezirksamt Mitte von Berlin Durchführung des Gutachterverfahrens Senatsverwaltung für Stadtentwicklung Abteilung Städtebau und Projekte Referat II D Brückenstraße 6 10179 Berlin-Mitte Patrick Weiss, II D 2 Tel.: +49 (0)30/ 9025-2016 Fax: +49 (0)30/ 9025-2533 e-mail: patrick.weiss@senstadt.berlin.de www.stadtentwicklung.berlin.de/aktuell/wettbewerbe
Die Auslobung erfolgt als parallele Mehrfachbeauftragung in Form eines kooperativen städtebaulichen Gutachterverfahrens. Kommunikation Die Verfahrenssprache ist Deutsch. Einverständnis Jeder Teilnehmer, Obergutachter, Sachverständige, Vorprüfer und Gast erklärt sich durch seine Beteiligung bzw. Mitwirkung am Verfahren mit den vorliegenden Teilnahmebedingungen einverstanden. Verlautbarungen jeder Art über Inhalt und Ablauf vor und während der Laufzeit des Verfahrens, einschließlich der Veröffentlichung der Ergebnisse, dürfen nur über die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Referat II D , abgegeben werden. Datenschutz Jeder Teilnehmer, Obergutachter, Sachverständige, Vorprüfer, Gast und Auftragnehmer willigt durch seine Beteiligung bzw. Mitwirkung am Verfahren ein, dass seine personenbezogenen Daten im Zusammenhang mit o.g. Gutachterverfahren bei der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung in Form einer automatisierten Datei geführt werden. Diese Einwilligung ist auf der Verfasser- bzw. auf der Zustimmungserklärung zu bestätigen. Eingetragen werden Name, Anschrift, Telefon, Bankverbindung, Kammermitgliedschaft, Berufsbezeichnung. Nach Abschluss des Verfahrens können auf Wunsch diese Daten gelöscht werden. Gemäß § 6 des novellierten Datenschutzgesetzes ist die Einwilligung der Betroffenen notwendig, da eine spezielle Rechtsgrundlage für die Führung dieser Datei fehlt.
Zur Teilnahme am Gutachterverfahren wurden folgende fünf Büros ausgewählt: • Lankes, Köngeter, Berlin • raumzeit, Berlin • Eingartner, Khorrami, Berlin • Glass, Kramer, Löbbert, Berlin • Klaus Theo Brenner, Berlin Die aufgeforderten Büros haben ihre Teilnahme verbindlich erklärt.
Michael Kny Architekt, Berlin Regula Lüscher Senatsbaudirektorin, Senatsverwaltung für Stadtentwicklung Ephraim Gothe Stadtrat für Stadtentwicklung Bezirksamt Mitte von Berlin Holger Lippmann Geschäftsführer Liegenschaftsfonds Berlin
Stellvertretende 	 Obergutachter
Manfred Kühne Abteilungsleiter Städtebau und
Projekte, Senatsverwaltung für
Kristina Laduch Leiterin Stadtplanungsamt, Bezirksamt Mitte von Berlin Dr. Bodo Freyer Leiter Projekt-KG Liegenschaftsfonds Berlin
Frank-Michael Starke Bau- und Wohnungsaufsicht, Bezirksamt Mitte von Berlin Eva Maria Eichler Denkmalschutz, Bezirksamt Mitte von Berlin Frank Baumgart Naturschutz, Bezirksamt Mitte von Berlin Dr. Eckhard Wolter Immissionsschutz, Bezirksamt Mitte von Berlin Rainer Giedat Liegenschaftsfonds Berlin Peter Ostendorff Wettbewerbe, Senatsverwaltung für Stadtentwicklung
Die Unterlagen werden den teilnehmenden Büros am 01.04.2009 zugesandt.
Die Arbeiten sind vor der Sitzung des Obergutachtergremiums, am 09.06.2009 von 13:00 bis 16:00 Uhr bei der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Referat II D, Brückenstraße 6 (Jannowitzcenter), Raum 4.026 in 10179 Berlin abzugeben. Das Modell ist in transportgerechter und wiederverwendbarer Verpackung abzuliefern.
Rückfragen zur Aufgabenstellung können schriftlich per E-Mail gestellt werden und müssen bis zum 12.05.2009 unter dem Kennwort „Gutachterverfahren Krausenblock“ bei der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung folgender E-Mail-Adresse eingegangen sein: patrick.weiss@senstadt.berlin.de. Rückfragen können auch mündlich Zwischenkolloquium gestellt werden. im nachstehend genannten
Bei den Rückfragen ist auf die entsprechenden Teilziffern der Aufgabenstellung, auf die sie sich beziehen, Bezug zu nehmen. Die
Rückfragen werden bei Bedarf mit den Sachverständigen und dem Obergutachtergremium erörtert. Zwischenkolloquium Während der Bearbeitungszeit, am 11.05.2009 wird mit den Teilnehmern, den Obergutachtern und den Sachverständigen ein Kolloquium abgehalten, bei dem ein Meinungsaustausch über die Aufgabenstellung und mögliche Lösungen stattfindet. Das Programm des Gutachterverfahrens kann vom Auslober im Laufe des Kolloquiums weiterentwickelt werden. Dabei sind die Teilnehmer verpflichtet, Zwischenergebnisse dem Obergutachtergremium offen zu legen. Zu diesem Zwischenkolloquium werden die teilnehmenden Büros einzeln und zu gleich langen Vorstellungsund Diskussionszeiträumen eingeladen. Zum Zwischenkolloquium werden aussagefähige zeichnerische Darstellungen in Papierform erwartet, die es erlauben, den Entwurfsansatz der jeweiligen Verfasser zu erkennen und zu beurteilen. Darüber hinaus besteht die Möglichkeit, an Hand einer Powerpoint-Präsentation (Version 2000 oder darunter) digitale Pläne vorzustellen. Hierfür stellt der Auslober Laptop und Beamer zur Verfügung. Änderungen der Aufgabenstellung sind bis zur Übersendung der Niederschrift des Zwischenkolloquiums möglich. Das Protokoll des Zwischenkolloquiums einschließlich der schriftlichen Beantwortung der Rückfragen wird allen am Verfahren Beteiligten zugesandt. Es ist Bestandteil der Aufgabenstellung.
Unterlagen des Gutachterverfahrens sind: •		 die vorliegende Aufgabenstellung •		 Modell-Einsatzplatte M 1:500 •		 CD-ROM mit digitalen Daten (siehe Teil 4 Anhang), die u.a. die im Folgenden aufgeführten Planunterlagen und Dokumente enthält: − Arbeitsplan als pdf-, dxf-, dwg-Datei (Dieser Plan dient den Teilnehmern als Arbeitsgrundlage.) − Übersichtsplan als pdf-Datei (M 1:1.000) − Luftbild als tif-Datei Hinweis Jeder Teilnehmer des Verfahrens verpflichtet sich, die vorliegenden digitalisierten Daten und Pläne nur für die Beteiligung am Verfahren zu nutzen. Daten, die im Rahmen der Bearbeitung als Zwischenprodukte anfallen und nicht an den Auslober abgegeben werden, sind nach Abschluss des Verfahrens zu löschen.
Von den Teilnehmern werden folgende Leistungen erwartet: 1.		Städtebauliches Konzept M 1:500 mit Darstellung der Gesamtsituation, Baukörper, Freiflächen und der Erschließung 2.		Städtebauliches Konzept des Zwischenzustandes mit Bestand der Sporthalle, des Jugendklubs und der noch nicht verlegten Jerusalemer Straße, Darstellung wie 1. 3.		Exemplarische Grundrisse für vorgeschlagene
Gebäudetypologien M 1:200
4.		Ansichten und zum Verständnis des Entwurfs erforderliche Schnitte M 1:200 5.		Freie Darstellungen auf einem Blatt 6.		Darstellung der vorgeschlagenen Baufelder mit Nutzungsstruktur und BGF (ohne Maßstab) 7.		Einfaches Arbeitsmodell M 1:500 unter Verwendung der
vorgegebenen Einsatzplatte
8.		Prüfpläne, ein Satz der verlangten Grundrisse mit Eintragung der Raumbezeichnungen und Angabe der notwendigen Maße 9.		Berechnungen der Bruttogrundrissfläche (BGF) nach DIN 277 sowie der GRZ und GFZ nach Bau-Nutzungsverordnung (BauNVO), nachvollziehbar dargestellt auf den Prüfplänen und auf Formblatt 10.Erläuterungsbericht mit Begründung des vorgeschlagenen Entwurfskonzepts, ggf. mit Skizzen 11. Verzeichnis der eingereichten Unterlagen Als verbindliche Form der Arbeit gilt der Papierausdruck. Jeder Teilnehmer darf nur eine Arbeit ohne Variante – abgesehen vom geforderten Stufenkonzept – einreichen. Folgende Leistungen sind in digitaler Form auf CD-ROM zu erbringen: •	 die Präsentationspläne als Windows-kompatible tif-Datei(en) in einer Auflösung von bevorzugt 300dpi (ggf. LZW-komprimiert) •	 die Präsentationspläne als pdf-Datei(en) mit eingebundenen Pixeldarstellungen in einer Auflösung von bevorzugt 300dpi. •	 die Broschüre mit Erläuterungstexten als pdf-Datei. Hinweise zu den geforderten digitalen Leistungen „Offene“ Dateien aus Layout-Programmen (z.B. InDesign, QuarkExpress, Illustrator etc.) können nicht berücksichtigt werden. Bildmaterial, das nicht im genannten Windows-kompatiblen tif-Format vorliegt, kann nicht berücksichtigt werden. Die CD-ROM selbst trägt als Titel nur den Namen des Gutachterbüros mit dem auch die schriftlichen Pläne gekennzeichnet werden. Die einzelnen Dateien auf der CD-ROM müssen wie folgt benannt werden: Der erste Teil des Dateinamens ist der Name des Gutachterbüros (ggf. abgekürzt), danach folgt ein Unterstrich und anschließend der eigentliche Dateititel, gefolgt von der Formatangabe „tif“ oder „pdf“.
Beispiele • Lageplan: • Grundrisszeichnung EG: • Ansichten:
büroname_lageplan.tif büroname_grundriss_eg.pdf büroname_ansicht_01.pdf
In den Dateinamen dürfen keine Leer- und Sonderzeichen vorkommen. Die CD-ROM ist für Windows-kompatiblen PC zu erstellen. MacintoshFormate können grundsätzlich nicht verwendet werden. Allgemeine Hinweise Für die Präsentation der Entwürfe stehen pro Gutachterbüro zwei 2 m hohe Rolltafeln mit einer Hängefläche von 1,96 m (Breite) x 1,46 m (Höhe) zur Verfügung. Hinweis zum Modell Als Umgebungsmodell dient ein Ausschnitt des Berlin-Modells „Historisches Zentrum“ im Maßstab 1:500. Es kann im Lichthof des Dienstgebäudes der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung Am Köllnischen Park 3 in 10179 Berlin von Montag bis Sonnabend zwischen 10:00 Uhr und 18:00 Uhr besichtigt werden.
Die eingereichten Arbeiten werden durch die Sachverständigen vor der Endpräsentation begutachtet. Die Beurteilung der Arbeiten bleibt dem Obergutachtergremium vorbehalten. Die Arbeiten werden von ihren Verfassern dem Obergutachtergremium vorgestellt.
Die Vergütung erfolgt nach § 42 HOAI (sonstige städtebauliche Leistungen). Jedes teilnehmende Büro, das eine prüffähige Arbeit einreicht, erhält ein Honorar in Höhe von 5.500 Euro. Die Mehrwertsteuer von derzeit 19% ist darin nicht enthalten. Darüber hinaus ist eine Kostenerstattung oder die Vergabe von Preisen nicht vorgesehen.
Das Obergutachtergremium gibt eine schriftliche Empfehlung für die weitere Bearbeitung der Aufgabenstellung. Ein Auftragsversprechen ist mit dem Gutachterverfahren nicht verbunden.
Die eingereichten Unterlagen werden Eigentum des Auslobers. Das Urheberrecht und das Recht der Veröffentlichung der Entwürfe bleiben dem Verfasser erhalten. Der Auslober ist berechtigt, die zu Beurteilung zugelassenen Arbeiten nach Abschluss des Verfahrens ohne weitere Vergütung zu dokumentieren, auszustellen und (auch über Dritte) zu veröffentlichen. Die Namen der Verfasser werden dabei genannt.
Das Ergebnis des Gutachterverfahrens wird den Teilnehmern unmittelbar nach der Entscheidung des Obergutachtergremiums mitgeteilt, allen Beteiligten durch Übersendung des Protokolls des Obergutachtergremiums und der Öffentlichkeit über die Presse sowie unter www.stadtentwicklungberlin.de bekanntgegeben.
Ausgabe der Unterlagen .................................... Zwischenkolloquium ........................................... Rückfragen bis ................................................... Rückfragen-Beantwortung bis ............................ Abgabe der Arbeiten .......................................... Sitzung des Obergutachtergremiums ................
Krausenblock / Teil 2 Situation und Planungsvorgaben
Lage im Stadtgebiet Das Planungsgebiet liegt in der Berliner Innenstadt an der südlichen Grenze des Bezirkes Mitte zum Bezirk Kreuzberg. Historisch gehört es zur barocken Stadterweiterung der Friedrichstadt. Stadträumlich ist es Teil einer durch Kriegszerstörung und Grenzverlauf geprägten historischen Blockstruktur südlich der Leipziger Straße, die aufgrund der Entwicklung eine heterogene Bebauung sowie Brachflächen aufweist. Abgrenzung Der Krausenblock (im Folgenden auch Block 72 genannt) wird durch Krausenstraße, Schützenstraße, Markgrafen- und Jerusalemer Straße gebildet. Das 13.874 qm große Planungsgebiet umfasst den gesamten Block 72 unter Berücksichtigung der Verlegung der Jerusalemer Straße in dieursprüngliche Lage.
Abb. 1: Luftbild M 1:5000
Abb. 2: Lageplan M 1:5000
Ab 1688 wurde die Friedrichstadt als 3. barocke Stadterweiterung der Doppelstadt Berlin-Cölln südlich der Dorotheenstadt und westlich des Friedrichswerder angelegt. Sie erstreckte sich beidseitig der als Hauptachse in Nord-Süd-Richtung ausgebildeten Friedrichstraße. Die ursprüngliche Ausdehnung reichte bis zur Zimmerstraße. Im Westen wurde die Friedrichstadt durch die Mauerstraße begrenzt. Im Osten erstreckte sie sich bis an die den Friedrichswerder umschließenden Befestigungsanlagen. Das Planungsschema der Dorotheenstadt wurde übernommen. Beide Stadterweiterungen waren als Wohnstädte angelegt. Die strenge rechtwinklige Blockstruktur der Stadterweiterungen ist noch heute prägend für diesen Stadtteil.
Abb. 3: Plan von Berlin um 1710
1710 schlossen sich die fünf eigenständigen Stadterweiterungen zur „Königlichen Haupt- und Residenzstadt Berlin“ zusammen. Der Ausbau Berlins zur repräsentativen Residenzstadt erfolgte. Die Wallanlagen wurden um 1740 planiert und die Festungsgräben begradigt. Die Friedrichstadt entwickelte sich zu einem bevölkerungsreichen, gutbürgerlichen Wohnquartier. Mitte des 18. Jahrhunderts entstand die jüngere, sogenannte Südliche Friedrichstadt südlich und westlich der älteren Friedrichstadt. Die Nahtstelle beider Stadterweiterungen in Ost-West-Richtung fällt heute nahezu mit der Linie der ehemaligen Berliner Mauer zusammen.
Abb. 4: Karte von Berlin um 1860 (nach Sineck)
Von der Wohnstadt zur Industriemetropole Im 19 Jh. vollzog sich die Umgestaltung der Friedrichstadt von einer reinen Wohnstadt zu einem dichten Geschäfts- und Verwaltungsviertel mit zunehmender Verdichtung und neuen Funktionszentren. Rund um den Hausvogteiplatz bildete sich das Konfektionsviertel heraus. Die Leipziger Straße wurde durch die Ansiedlung von zahlreichen Unternehmen, Geschäften, Hotels und Warenhäusern zur belebtesten Geschäftsstraße der Stadt. Im Anschluss an das Konfektionsviertel bildete sich südlich der Leipziger Straße rund um die Kochstraße das Zeitungsviertel heraus, in dem die führenden Pressemagnaten ihre repräsentativen Bauten errichteten (siehe auch 2.6 Denkmalschutz). Aufgrund der Konzentration von zahlreichen Verlagen, Druckereien, Buchbindereien und Schriftgießereien im Zentrum der Stadt wurden lange Transportwege vermieden und eine schnelle Verbreitung innerhalb des Berliner Publikums war möglich.
Abb. 5: Leipziger Straße um 1910, Kreuzung Friedrichstraße, Blick Richtung Dönhoffplatz Abb. 6 (rechts): Leipziger Straße um 1932, links: Warenhaus Wertheim
Die meist noch zweigeschossigen Wohnhäuser der Friedrichstadt verschwanden und machten repräsentativen Gebäuden für Dienstleistung, Gewerbe, Regierung und Verwaltung mit vier bis sechs Obergeschossen (innerhalb der Berliner Traufhöhe von 22 m) Platz. Der Strukturwandel ging mit einer Zusammenlegung der kleinteiligen Parzellen einher und ein Verdrängungsprozess der überdurchschnittlich gutsituierten Wohnbevölkerung begann, wenngleich Wohnraum in den oberen Stockwerken in größerem Umfang erhalten blieb.
Abb. 7: Straubes Übersichtsplan von Berlin (Ausschnitt), 1910
Die NS-Zeit und Zweiter Weltkrieg Während der NS-Zeit wurden großvolumige Bauvorhaben zu Regierungszwecken vor allem im westlichen Teil der Friedrichstadt (Leipziger Straße, Wilhelmstraße, Mauerstraße) realisiert. Der Wohnungsanteil wurde in diesen zentralen Bereichen weiter zurückgedrängt. Vor allem gegen Ende des Zweiten Weltkrieg wurde etwa ein Drittel der gesamten Bausubstanz Berlins zerstört bzw. beschädigt. Die höchsten Schadenswerte hatten dabei die Innenstadtbezirke. Der Krausenblock wies etwa 50% totalzerstörte und 50% teilzerstörte Bausubstanz auf.
Abb. 8: Jerusalemer Straße, Mosse-Haus
Nach dem Zweiten Weltkrieg Selbst nach den Zerstörungen durch den Zweiten Weltkrieg war der historische Stadtgrundriss in der Berliner Innenstadt noch ablesbar. Doch mit der Errichtung der Grenzanlagen wurden weitere Viertel z.B. rund um den Potsdamer und der Leipziger Platz ausgelöscht. Durch die Teilung der Stadt verloren Straßen und Bahnhöfe ihre Zusammenhänge und Bedeutung. Ehemals zentral gelegene Orte rückten durch die Nähe zur Berliner Mauer auf beiden Seiten der Stadt ins Abseits. So auch der Krausenblock. Die Entwicklung in Ost- Berlin Die im ehemaligen barocken Gründungsplan der Friedrichstadt angelegte und im ausgehenden 19. Jh. zu einer bekannten und überregional be-
Abb. 9: Leipziger Straße 1977
1989 Abb. 10–13: Schwarzpläne
deutenden Geschäftsstraße umgestaltete Leipziger Straße ist im Zweiten Weltkrieg ebenfalls weitgehend zerstört worden. Als in den 60er Jahren der schrittweise Aufbau des Ost-Berliner Stadtzentrums begann, wurde auch für die Leipziger Straße eine städtebaulich-architektonische und soziale Neustrukturierung vorgesehen. Nach der Stalinallee sollte ein zweiter Straßenzug in einheitlicher architektonischer Konzeption und mit überwiegender Wohnnutzung entstehen. Die Positionierung der 25-geschossigen Hochhäuser auf der Südseite der Leipziger Straße hatte seinen Grund auch in der ideologischen Absicht, damit das benachbarte, auf WestBerliner Seite gelegene Axel-Springer-Hochhaus zu verdecken. Durch die Neuplanung wurde der historische Stadtgrundriss in diesem Bereich beseitigt. Auf dem Gelände des Krausenblockes wurden als infrastrukturelle Ergänzung zur Wohnbebauung der Leipziger Straße zwei Schulen errichtet. Ebenso eine Sporthalle und ein Gebäude für die Schulspeisung, welche gemeinschaftlich von beiden Schulen genutzt wurden. Durch die Verlegung der Jerusalemer Straße im Bereich des Blockes 72 wurde die Blockfläche östlich erweitert.
Die Entwicklung in West-Berlin Die um 1734 entstandene Südliche Friedrichstadt war durch den Mauerbau vom historischen Stadtzentrum abgeschnitten worden und hatte nun eine Randlage innerhalb West-Berlins. Das ehemalige Zeitungsviertel war stark im Zweiten Weltkrieg zerstört worden. Es folgte eine Abrisswelle beschädigter Bausubstanz. So wurde die im Krieg beschädigte Jerusalemer Kirche 1961 gesprengt und abgetragen. Im Anschluss wurde das 19-geschossige Axel-Springer-Hochhaus auf der Achse der Jerusalemer Straße errichtet und so auch hier der historische Stadtgrundriss zerstört.
Abb. 14: Jerusalemer Straße / Ecke Leipziger Straße, 1966, im Hintergrund rechts das Mosse-Haus, links das Axel-Springer-Hochhaus
Bis zur Mitte der 70er Jahre wurde allgemein nur sehr unentschlossen mit dem Wiederaufbau in diesem Teil West-Berlins begonnen. Erst im Rahmen der Internationalen Bauausstellung (IBA) im Jahr 1987 sollte für die Südliche Friedrichstadt eine neue städtebauliche Zielsetzung formuliert werden. Die Planung sah einen höheren Anteil an Wohnungsbau mit den erforderlichen Infrastrukturmaßnahmen vor. Das städtebauliche Leitbild beinhaltete u.a. folgende Zielvorstellungen: Erhaltung bzw. Wiedergewinnung des Stadtgrundrisses, städtebauliche Einbindung der Altbausubstanz, Orientierung an historischen Orten und ihrer Bedeutung, Durchgrünung, kleinteilige Nutzungsmischung und verkehrberuhigende Maßnahmen. Die städtebaulich-stadträumliche Wiederherstellung hat
neue Strukturen im Dialog mit dem vorhandenen und als erhaltenswert eingestuften Bestand ergeben, basierend auf den Kriterien der Kritischen Rekonstruktion. Nach 1989 Nach dem Fall der Mauer begann die Diskussion um die Wiederherstellung des durch die Mauer und ihre städtebaulichen Folgen gestörten Straßennetzes im Planungsgebiet. Ziel war die Rekonstruktion des Stadtgrundrisses, die Bezugnahme auf die Bautypologie der historischen Stadt, die Wiederaufnahme der Parzellenstruktur und die Verbindung von nördlicher und südlicher Friedrichstadt, der Bezirke Mitte und Kreuzberg. Das historische Zentrum sollte wieder zum Zentrum der gesamten Stadt werden, die Friedrichstraße erhielt enormen Bedeutungszuwachs als 1A-Citylage. Der Entwicklungsdruck zeichnete sich aber vor allem in der nördlichen Friedrichstadt ab, die südliche Friedrichstadt hingegen hatte nur wenige neue Bauprojekte zu verzeichnen, so beispielsweise die Umstrukturierung des ehemaligen Springer-Druckzentrums zu einem modernen Geschäftshaus. Die Leipziger Straße zählt ebenfalls nicht zu den Gewinnern und konnte ihre Bedeutung als überregional bekannte Geschäftsstraße nicht wiedererlangen. Das Planwerk Innenstadt (siehe 2.6 Planwerk Innenstadt) wurde 1999 als stadtentwicklungspolitische Strategie beschlossen und bildet eine informelle Grundlage für neue Bauprojekte in der Berliner Innenstadt. Zentrale Themen des Planwerks sind Wiederherstellung der Nutzungsmischung und -vielfalt, sowie ein hoher Wohnanteil im Innenstadtbereich. Das in der Berliner Bautradition begründete Thema „Wohnen in der Innenstadt“ wurde somit stadtpolitisch wieder aufgegriffen. Wohnen ist als elementarer Baustein der lebendigen Stadt zu sehen. Als Alternative zur Stadtflucht soll hochwertiger und individueller Wohnraum in bester innerstädtischer Lage und in Verbindung mit urbaner Lebensqualität geschaffen werden, um einer Monofunktionalität des Zentrums entgegenzuwirken.
Baustruktur / Nutzungsstruktur In der Umgebung des Planungsgebietes treffen historisch bedingt zwei unterschiedliche Bebauungs- und Nutzungsstrukturen aufeinander. Zum einen befindet sich hier das Gebiet der historischen Mitte mit kleinteiliger Parzellenstruktur und überwiegender Nutzung durch Handel und Dienstleistung bzw. weiter südlich auch durch Gewerbe. Zum anderen entwickelt sich entlang der als „repräsentativen Magistrale“ geplanten achtspurigen Leipziger Straße das Bild einer Stadtstruktur aus den 70er Jahren, gekennzeichnet durch Straßenaufweitung und Hochhausbebauung mit überwiegender Wohnnutzung. Die Einwohnerdichte ist entsprechend der Nutzung und im Gegensatz zur Umgebung entlang der Leipziger Straße sehr hoch.
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Die angrenzenden Blöcke
Abb. 17: Bezeichnung der Blöcke
Block A Nördlich des Krausenblockes erhebt sich die dominante Hochhausbebauung der Leipziger Straße. Vier 23- bis 25-geschossige Doppelhochhäuser wurden dort von 1972 bis 1982 errichtet. Erdgeschoss und 1. Obergeschoss beherbergen Einzelhandel und Dienstleistungseinrichtungen. Alle oberen Geschosse enthalten Wohnnutzung. Die Gebäude wurden um einen Gleitkern aus Großplatten montiert. Die Wohngeschosse sind nach Ost-West ausgerichtet und von Loggienbändern mit farbig strukturierten Brüstungen umgeben. Nord- und Südfassade hingegen werden nur durch Fensteröffnungen für die Erschließungsflure gegliedert. Somit bildet die Bebauung trotz der Südorientierung zum Krausenblock hin eine Rückseite. Zwischen den Hochhäusern liegen zweigeschossige Kaufhallen. Eines der beiden Gebäude wurde auf der Achse der Jerusalemer Straße errichtet. Rückwärtig dieses Gebäudes befindet sich zur Krausenstraße orientiert ein öffentlicher Spielplatz. Ein zweiter Spielplatz weiter westlich in der Krausenstraße ist der im Erdgeschoss des Hochhauses befindlichen Kindertagesstätte zugeordnet. Block B Dieser Block ist östlich des Planungsgebietes gelegen und wird von Krausenstraße, Axel-Springer-Straße, Schützenstraße und Jerusalemer Straße eingefasst. An der Jerusalemer Straße wurde 2007 vom Büro nps tchoban voss ein 6-geschossiger Hotel-Anbau fertig gestellt. Er ist Teil des denkmalgeschützten Altbaus Krausenstraße 35-36 (siehe 2.6 Denkmalschutz) als einhüftiger Anbau an die Brandwand. Es entstand ein Vier-Sterne-Apartmenthaus mit insgesamt 125 Luxus-Apartments. Die Fassade des Anbaus ist streng gerastert, verfügt aber anders als der Altbau über raumhohe Verglasungen, Loggien und eigenständige Fassadenmaterialien. Der Neubau nimmt die Geschosshöhen des Altbaus von ca. 3,80 m auf.
Abb. 18: Jerusalemer Straße, Hotel-Anbau
Das denkmalgeschützte Geschäftshaus in der Krausenstraße 38-39 und Schützenstraße 40-45 (siehe auch 2.6 Denkmalschutz) ist am ehemals gegenüber vorhandenen Dönhoffplatz gelegen und sollte zu einem zeitgemäßen Bürohaus mit Wohnanteil ausgebaut, aufgestockt und umfangreich auf dem westlich gelegenen Nachbargrundstück erweitert werden. Das Büro Léon Wohlhage Wernik gewann 2001 ein Gutachterverfahren. Der Entwurf wurde bisher nicht realisiert. Auf dem östlichen Teil des Blockes wurde 2003 ein Hotelkomplex errichtet, der zusätzliche Nutzungen wie Wohnen, ein Parkhaus und im Erdgeschoss Geschäfte enthält. Block C Der südöstlich vom Planungsgebiet gelegene Block zwischen AxelSpringer-Straße, Zimmerstraße, Jerusalemer Straße und Schützenstraße ist nach Kriegszerstörung und Mauerbau nur noch als Brachfläche vorhanden. Auf dem Gelände ist laut Planwerk Innenstadt eine Zweiteilung der Fläche entlang der Nord-Süd-Achse geplant. Für den westlichen Teil des Blockes ist eine Grünfläche vorgesehen, der sogenannte „Lindenpark“. Für die östliche Teilfläche ist eine Blockrandbebauung mit Wohn-, Büround Hotelnutzung angedacht. Im Rahmen eines Gutachterverfahrens wurden 2001 konkrete Entwürfe für Bebauung und Park eingereicht. Die Planungen wurden bisher nicht umgesetzt. Momentan wird die Fläche überwiegend zum Parken genutzt. Block D Der Block (auch Mosse-Zentrum genannt) ist südlich des Krausenblockes gelegen und wird durch Schützenstraße, Jerusalemer Straße, Zimmerstraße und Markgrafenstraße begrenzt. Er ist eine Symbiose aus moderner Architektur und erhaltenen Bauteilen aus der Gründerzeit. Fissler Ernst Architekten haben 1995 den Masterplan und das Gesamtkonzept für die Ergänzung des im Zweiten Weltkrieg teilweise zerstörten Blockes erarbeitet. In drei Bauabschnitten wurde der Blockrand geschlossen und es entstanden vier gestaltete Freiflächen im Blockinneren unter Einbeziehung des ehemaligen Verlagsgebäudes. Das Mosse-Zentrum besteht aus eigenständigen Büro-, Wohn- und Geschäftshäusern, die u.a. an die HumboldtUniversität, Gasprom, Elf Oil, die Botschaft der Republik Portugal sowie diverse Dienstleistungsunternehmen vermietet sind. Das an der Ecke Schützen-/Jerusalemer Straße befindliche denkmalgeschützte MosseHaus (siehe auch 2.6 Denkmalschutz) wurde nach den ursprünglichen Plänen des Architekten Erich Mendelsohn rekonstruiert und um zwei Etagen aufstockt. Es beherbergt noch heute eine Druckerei.
Abb. 19: Schützenstraße / Ecke Jerusalemer Straße, Mosse-Haus
Block E Im sogenannten Quartier Schützenstraße wurde 1995-97 ein durch Krieg zerstörter Block rekonstruiert. Aldo Rossi gliederte zusammen mit dem Architekturbüro Bellmann & Böhm das Grundstück in zahlreiche z.T. sehr enge Parzellen auf und realisierte eine Collage verschiedener Haustypen, wobei die noch bestehende Altbausubstanz (siehe 2.6 Denkmalschutz, Schützenstraße 11-12) miteinbezogen wurde. Die typologischen Bezüge reichen von der Adaption Berliner Gründerzeitfassaden über italienisch rationalistische Formspiele. Starke Farbakzente verweisen auf typische Gestaltungselemente Rossis. Neben Parzellengliederung versuchen die Architekten auch durch eine dichte Hinterhofbebauung, die verschiedene Durchgänge durch den Block erlaubt, auf traditionelle Berliner Baustrukturen zu verweisen. Trotz des differenzierten Erscheinungsbildes nach außen werden die einzelnen Parzellen teilweise funktional untereinander verknüpft. Das Projekt stellt ein Beispiel der Kritischen Rekonstruktion dar. Im Quartier Schützenstraße wurde vor einigen Jahren die Umnutzung von Wohnungen zu anderen Nutzungen genehmigt.
Abb. 20: Quartier Schützenstraße
Block F Der westlich vom Planungsgebiet gelegene Block zwischen Krausenstraße, Markgrafenstraße, Schützenstraße und Charlottenstraße ist durch Kriegszerstörung nur noch auf der östlichen Hälfte bebaut. Dort befinden sich Anfang des 20. Jh. errichtete Geschäftshäuser (siehe auch 2.6 Denkmalschutz), die heute vom Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung genutzt werden.
Übergeordnete Erschließung / Individualverkehr Das Gebiet befindet sich heute wieder in zentraler Citylage. Die übergeordnete Erschließung erfolgt nördlich über die Leipziger Straße, im Osten über die Axel-Springer-Straße, im Süden über die Lindenstraße und westlich über die Friedrichstraße. Die das Planungsgebiet tangierenden Straßen haben lokale Erschließungsfunktion. Nach geplanter Durchbindung der Jerusalemer Straße und der Markgrafenstraße wären auch direkte Anbindungen nach Norden gegeben. ÖPNV Entlang der Friedrichstraße verläuft in Nord-Süd-Richtung die UBahn-Linie U6. Nächstgelegene U-Bahnhöfe sind „Kochstraße“ und „Stadtmitte“. Dort kreuzt sich die U6 mit der in Ost-West-Richtung verlaufenden U-Bahn-Linie U2. Weitere Haltestellen der U2 in Nähe des Planungsgebietes sind „Hausvogteiplatz“ im Norden und der östlich gelegene Haltepunkt „Spittelmarkt“. Das Planungsgebiet ist ebenfalls über verschiedene Buslinien, die die Leipziger Straße oder die Kochstraße entlangführen, an das Öffentliche Personennahverkehrsnetz angeschlossen. Das Gebiet liegt somit innerhalb der Erschließungsradien des öffentlichen Nahverkehrs.
Grundstück / Größe Die Grundstücksgröße beträgt 13.874 qm nach Verlegung der Jerusalemer Straße an den Ursprungsort. Das Planungsgebiet hat eine Ost-WestAusdehnung von etwa 180 m und eine Nord-Süd-Ausdehnung von etwa 75 m. Grundstücksgröße Sporthalle 1.753 qm Jugendclub 1.068 qm Schulgelände (ohne Sporthalle und Jugendclub) 11.053 qm Eigentumsverhältnisse Es liegen mehrere Anträge auf Restitution vor. Bei den personenbezogenen Anträgen (rot) muss in den restitutionsbefangenen Bereichen bei der Planung die ursprüngliche Parzellenstruktur eingehalten werden. Bei den übrigen Grundstücken können Modifikationen vorgenommen werden, da die Grundstückszuschnitte teilweise sehr ungünstig sind.
Abb. 21: Parzellenplan mit restitutionsbefangenen Bereichen
• rot: Grundstückseigentümer bezogene Anträge in Bearbeitung • blau: sonstige Anträge (überwiegend Anträge von Firmen, die aber nicht Grundstückseigentümer waren) Die Kartierung erfolgte über Flurstücksrückverfolgung orientiert an den historischen Flurstücken. Topographie, Boden, Baugrund Das gesamte Planungsgebiet weist eine ebene Geländeoberfläche auf, welche sich etwa 34,50 m über Normalhöhennull befindet. Das Gebiet liegt im Talsandbereich des jungpleistozänen Warschau-Berliner Urstromtals. Der oberflächennahe Schichtaufbau besteht aus mehreren Metern mächtigen glazifluviatilen Sanden. Es handelt sich hierbei meist um Fein- bis Mittelsande mit gelegentlich grobsandigen bis kiesigen Einlagerungen. Im südöstlichen Bereich des Baublocks 72 wurden nach Bodenbohrungen in der Tiefe von 2,70 m bis 3,50 m das Vorkommen von organogenen Sedimenten (Torf, Mudde, Faulschlamm, Anmoor) festgestellt. Weitere Vorkommen sind im Baugebiet nicht ausgeschlossen. Oberflächennah sind die natürlichen Sedimente durch ehemalige Bautätigkeiten zum Teil tiefgründig gestört. Grundwasser DasGrundwasserdesHauptgrundwasserleitersstehtimGrundstücksbereich in ungespanntem Zustand an. Die Grundwasserdruckhöhe entspricht der Grundwasseroberfläche. Der aus den für den Baublock gemessene interpolierte höchste Grundwasserstand trat im Jahr 1976 auf und betrug ca. 32,50 m ü. NHN. Im Februar 2008 lag der aktuelle Grundwasserstand im Grundstücksbereich bei etwa 31,30 m ü. NHN. Im Bereich des zu beplanenden Blocks ist oberflächennahes schwebendes Grundwasser zu erwarten, wenn die organogenen Ablagerungen oberhalb des Grundwassers anstehen. Das schwebende Grundwasser wird stark von den meteorologischen Verhältnissen beeinflusst. Ver- und Entsorgung Alle Leitungen wesentlicher Medien wie Trinkwasserversorgung, Abwasserentsorgung, Gasversorgung, Fernwärme, Stromversorgung und Telekommunikation sind in den Straßenbereichen der Krausenstraße, Markgrafenstraße und Schützenstraße vorhanden. Nach der geplanten Verlegung der Jerusalemer Straße an ihren ursprünglichen Standort befinden sich die oben genannten Medien teils am neuen östlichen Blockrand und teilweise aber auf der gegenüberliegenden Straßenseite. Die Lage der Leitungssysteme ist den Leitungsplänen zu entnehmen. Trinkwasserversorgung Das in den öffentlichen Straßen vorhandene Trinkwassernetz ist in der Lage, die Trinkwasserversorgung der Grundstücke des Planungsgebietes sicherzustellen. Altlasten: Kampfmittel Ermittlungen haben keine konkreten Erkenntnisse über das Vorhandensein von Kampfmitteln ergeben.
Klima / Luft Im Zusammenhang mit der im Umfeld vorhandenen städtebaulichen Struktur, welche bioklimatisch als mäßig bis hoch belastet gilt, wird der Block 72 im Wesentlichen aufgrund seiner geringen Bebauung als bioklimatisch potenziell gering, höchstens mäßig belastet eingestuft. Grundlage der Einschätzung ist die Planungshinweiskarte Stadtklima aus dem Umweltatlas (http://www.stadtentwicklung.berlin.de/umwelt/umweltatlas/ i411.htm) Datenstand 2001/2002. Der Bereich um den Spittelmarkt, welcher als ehemalige Freifläche ein Kaltluftentstehungsgebiet war, wurde in den letzten Jahren baulich stark verändert. Dadurch ist generell die stadtklimatische Empfindlichkeit in den baulich noch nicht so verdichteten Bereichen gestiegen. Verkehrsbelastung Es wurden am Standort Fassadenpegel für Wohngebäude und Schulen nach der für planerische Belange geltenden nationalen Berechnungsvorschrift für Straßenverkehrslärm (RLS-90) berechnet. Dabei wurden keine Grenzwertüberschreitungen festgestellt. Vegetation / Baumbestand
1) Platanen 2) Platane 3) Ahorn 4) Linde und Ahorn 5) diverse Bäume, hauptsächlich Ahorn
Der im Planungsgebiet befindliche Baumbestand ist größtenteils im Zuge der Schulbebauung entstanden. Die Bepflanzung mit Laubbäumen und Sträuchern überzieht alle Freiflächen des Blockes. Dominierende Baumarten sind Ahorn, Platane, Linde und Pappel. Am Blockrand wurden die Bäume straßenbegleitend in sehr dichter Pflanzung als Sichtschutz positioniert. Es gilt die Verordnung zum Schutze des Baumbestandes in Berlin (Baumschutzverordnung – BaumschVO), zuletzt geändert durch die 4. Verordnung zur Änderung der BaumschVO vom 05.10.2007 (GVBI. S. 558), siehe Teil 4 Vorschriften. Vor allem in den im Luftbild markierten Bereichen 1–5 sind geschützte Bäume vorhanden. Besonderes Augenmerk gilt der im Bereich 2 stehenden Platane.
Vorhandene Bebauung: Nutzungen / Gebäudebestand Im Bereich des Planungsgebietes ist Bebauung aus den späten 1970er Jahren vorhanden. Zwei Schulbauten (Polytechnische Oberschulen mit Klassenstufen 1 bis 10) mit je vier Obergeschossen und einem Untergeschoss sind mit der Längsachse in Nord-Süd-Richtung ausgerichtet. Die Gebäude entstanden als Typenbauten der Serie SK Berlin (Standardbautyp in Stahlbetonskelettbauweise kombiniert mit Fertigteilen für Polytechnische Oberschulen). Dieser Typ wurde in den späten 1960er Jahren aus der Typenserie 66 entwickelt, dem Musterbautyp für den DDR-Schulbau. Entlang der Gebäudelängsseiten hatte man das Gelände abgegraben, um die Untergeschosse natürlich zu belichten. Die Klassenräume der einhüftigen Schulgebäude sind nach Osten orientiert. Zwischen den beiden Schulbaukörpern ist eine 7,20 m hohe Sporthalle mit vorgelagertem Sportplatz am südlichen Blockrand positioniert. Der Eingang zur Sporthalle ist mittig an der Nordseite des Gebäudes gelegen. An der südwestlichen Blockecke befindet sich das eingeschossige „Mehrzweckgebäude“, welches ursprünglich für die Schulspeisung und später als Jugendclub genutzt wurde. Die Erschließung erfolgte anfänglich von der Ostseite des Gebäudes, heute ist der Zugang an der Westseite zur Markgrafenstraße gelegen. Anfang der 90er Jahre wurden beide Schulen zu einem naturwissenschaftlich orientierten Gymnasium zusammengelegt. Die Schulnutzung wurde vor einigen Jahren aufgegeben, die entsprechenden Grundstücksflächen stehen nun für die Umstrukturierung zur Verfügung. Die Sporthalle und der Jugendclub werden noch so lange genutzt, bis an anderer Stelle Ersatzstandorte zur Verfügung stehen. Für das Zwischenstadium wurde eine Änderung des Grundstückszuschnitts zur Abgrenzung der Sporthalle und des Jugendclubs vorgenommen.
Flächennutzungsplan Das Planungsgebiet ist im Flächennutzungsplan (Neubekanntmachung vom Januar 2004) wie auch der Bereich der Wohnbebauung entlang der Leipziger Straße als Wohnbaufläche Typ W1 mit einer GFZ über 1,5 dargestellt. Die Bebauung an der Leipziger Straße weist darüber hinaus eine Signatur für Einzelhandelskonzentration auf. Der ehemalige Schulstandort im Krausenblock ist im FNP als Gemeinbedarfsfläche „Schule“ markiert. Diese Markierung soll zukünftig entfallen. Die südlich angrenzenden Blöcke sind als Gemischte Bauflächen M1 vermerkt.
Abb. 22: FNP (Ausschnitt)
Planungsrecht Für das Gebiet liegt kein Bebauungsplan vor. Die Aufstellung eines Bebauungsplans wird im Anschluss an das Verfahren erfolgen. Das Ergebnis des vorliegenden Gutachterverfahrens dient hierfür als Grundlage. Landschaftsprogramm Ein wesentliches Ziel des Landschaftsprogramms ist der Abbau der bestehenden ökologischen Belastungen im Innenstadtbereich. Aus Gründen des Biotop- und Artenschutzes sowie zur Verbesserung des Stadtklimas soll der Anteil naturhaushaltswirksamer Flächen erhöht werden. Der Block 72 ist als „Schwerpunktgebiet Entsiegelung“ dargestellt. Seine Lage im Vorranggebiet Luftreinhaltung zielt allgemein auf Emissionsminderung und Immissionsschutz, aber auch auf Erhöhung des Vegetationsanteils. Für die städtebauliche Entwicklung des Blocks sind im Rahmen baulicher Verdichtung kompensatorische Maßnahmen gefordert. In den Teilplänen „Landschaftsbild“ und „Erholung und Freiraumnutzung“ stellt das Landschaftsprogramm eine sehr hohe Dringlichkeit zur Verbesserung der Freiraumversorgung fest. Bei baulicher Verdichtung sollen qualitativ hochwertige Freiräume geschaffen werden. Bereichsentwicklungsplanung In der Bereichsentwicklungsplanung (BEP) des Bezirkes Mitte (Stand 2004) ist die geplante Nutzung des Bearbeitungsgebietes als Fläche für den Gemeinbedarf (Schule, Jugendeinrichtung) dargestellt. Die Darstellung ist aufgrund geänderter planerischer Ziele überholt. (Der Schulstandort exklusive der Sporthalle und des Jugendclubs wurde bereits aufgegeben). Die nördliche Hochhausbebauung der Leipziger Straße ist als Mischgebiet mit hohem Wohnanteil (W1) abgebildet. Zwischen den Hochhäusern sind Grünflächen mit Spielplätzen sowie eine Kindertagesstätte vermerkt. Die östlich, südlich und westlich angrenzenden Blöcke sind als Kerngebiete mit hohem Wohnanteil (über 20%) dargestellt. Allgemeine Ziele der BEP sind u.a. die „Sicherung des Wohnstandortes Mitte“ und die „Integration und Verflechtung der haupt- und gesamtstädtischen Nutzungsareale in den Stadtteilkontext“.
Abb. 23: BEP (Ausschnitt)
Planwerk Innenstadt Das 1999 vom Senat beschlossene „Planwerk Innenstadt“ beinhaltet als Planungsstrategie der Senatverwaltung für Stadtentwicklung Leitlinien zur Revitalisierung der Innenstadt und insbesondere der historischen Mitte. Es sollen städtische Quartiere entstehen, die attraktiv und lebendig sind durch eine kleinteilige Mischung der Funktionen Wohnen, Arbeiten, Einkaufen und Naherholung. Ziel ist die Anlehnung an den historischen Stadtgrundriss. Planungen, die Leipziger Straße östlich der Charlottenstraße durch Wiederherstellung der historischen Blockstruktur zu verändern, werden nicht weiterverfolgt. Städtebauliche Umstrukturierungen sind erst am Spittelmarkt beginnend für den Straßenzug Gertraudenstraße–Mühlendamm–Grunerstraße vorgesehen. Eine Qualifizierung der Leipziger Straße im Freiraum soll durch die Bündelung der Straßentrasse im Süden erreicht werden. Das ermöglicht im Norden die Schaffung einer linearen Grünzone mit Aufenthaltsqualität im Gegensatz zur heutigen vom Autoverkehr dominierten Situation. Auf längere Sicht ist auch die Durchbindung von Markgrafenstraße und Jerusalemer Straße zwischen Krausenstraße und Leipziger Straße, sowie die teilweise Wiederherstellung des Dönhoffplatzes geplant. Damit wäre der stadträumliche Zusammenhang vom Planungsgebiet zu Gendarmenmarkt und Hausvogteiplatz wiederhergestellt. Der Bezug des Planungsgebietes nach Süden über die Jerusalemer Straße zum Standort der ehemaligen Jerusalemer Kirche ist dagegen aufgrund der Positionierung des Axel-Springer-Hochhauses nicht wiederherstellbar. Die geplante Durchbindung der Axel-Springer-Straße zum Spittelmarkt erfolgt nach Beseitigung des Ebbinghaus-Gebäudes. (Der Abriss wurde bereits vollzogen.) Hierdurch entfällt die bisherige Umfahrung zur Leipziger Straße über die Krausenstraße. Der Krausenblock soll laut Planwerk seine historische Form zurückerhalten, d.h. eine Verlegung der Jerusalemer Straße in die Ursprungslage ist geplant. Ansonsten wird der Bestand dargestellt, da zum Zeitpunkt der Erarbeitung des Planwerkes Innenstadt vom Erhalt des Schulstandortes ausgegangen wurde. Längerfristig wurde eine Blockergänzung vorgesehen.
Abb. 24: Planwerk Innenstadt (Ausschnitt)
Erhaltungssatzung Das Planungsgebiet befindet sich im Geltungsbereich der Verordnung zur Erhaltung der städtebaulichen Eigenart des Gebietes aufgrund seiner städtebaulichen Gestalt (Beschluss 1997). Der Geltungsbereich umfasst das Gebiet der Stadterweiterungen Friedrichswerder, Dorotheenstadt und nördliche Friedrichstadt. Die städtebauliche Eigenart ist durch die Vielgestaltigkeit aufgrund der historischen Entwicklung charakterisiert. Die städtebauliche Figur der barocken Stadterweiterungen ist trotz gravierenden Änderungen in der Bebauungsstruktur im wesentlichen erhalten geblieben. Folgende Ziele werden in der Erhaltungsverordnung formuliert: die gesamte Stadtfigur in ihrer Durchmischung und stadtraumprägenden Dichte ist zu bewahren. Neubauten sollen sich in Höhe, Proportion und Fassadenmaterial an die historischen Gebäude anlehnen und vor allem die wenigen erhaltenen Beispiele historischer Wohnformen einbeziehen. Denkmalschutz In der näheren Umgebung des Krausenblockes (Block 72) gibt es eine Reihe von denkmalgeschützten Wohn- und Geschäftshäusern.
1 7 2 4 3 6 5
Abb. 25: Denkmalkarte (Ausschnitt)
Leipziger Straße 36 (1) Am Anfang des verbreiterten und zu Beginn der 1970er Jahre mit Hochhäusern besetzten Teils der Leipziger Straße erinnert nur noch ein ehemaliges Damenmodenhaus an die historische Geschäftsstadt. Ein 1886 von C.F. Schwenke erbautes Geschäftshaus ließ der neue Eigentümer, die Konfektionsfirma Kersten & Tuteur, 1913 vollständig umbauen. Den Auftrag erhielt nach einem beschränkten Wettbewerb der namhafte Architekt Hermann Muthesius. Das neue Kaufhaus fiel besonders durch die Ecklösung mit einem dreiteiligen, zweistöckigen Schaufenster, dessen Bögen von üppiger Baudekoration eingefasst sind, als Blickpunkt und Anziehungspunkt auf. Das Haus besitzt außerdem eine konsequent durchgeführte Pfeilerfassade, wie sie um 1910 üblich war. Diese wurde nach dem Krieg nur vereinfacht wieder hergestellt. An der Leipziger Straße besitzt das Gebäude anstelle der Schaufenster im Erdgeschoss einen Laubengang.
Abb. 26: Leipziger Straße / Ecke Charlottenstraße
In dem Quartier zwischen Krausen-, Markgrafen-, Schützen- und Charlottenstraße, westlich an den Krausenblock angrenzend, steht eine geschlossene Gruppe von drei Geschäftshäusern. Nach Abriss von sieben Wohnhäusern und Zusammenlegung der Parzellen erfolgte zwischen 1909 und 1914 die konzentrierte Überbauung mit Großhandelsund Bürogebäuden. 1937-38 wurden die Gebäude nach Enteignung der jüdischen Eigentümer im Innern umgebaut und durch die Deutsche Reichsbahn genutzt. Krausenstraße 19-20 (2) Das Geschäftshaus, welches als Eisenskelett konstruiert wurde, zeigt eine um 1910 typische funktions- und konstruktionsorientierte architektonische Gestaltung. Die Hierarchie in der Geschäftshausfassade, welche zwischen Sockelgeschoss, Belle Etage und Obergeschossen unterschied, wurde aufgegeben, zugunsten großzügiger und gut belichteter Geschäftsräume. Bauherr war der Blumen- und Federnfabrikant Rudolf Piesbergen, der das Haus an andere Großfirmen vermietete.
Abb. 27: Krausenstraße 19-20
Markgrafenstraße 55 (3) Das Geschäftshaus, 1914 von Oskar Kaufmann (Architekt der Berliner Volksbühne) entworfen, ist ein Beispiel für den Übergang von einer konventionellen und traditionellen Geschäftshausarchitektur zu einer modernen und funktionalen Architektursprache. Durch eine Verkleinerung der ursprünglich mit filigranen Eisenrahmen in der Fassadenflucht liegenden Fenster und der Begradigung der Fensterumrahmung im Traufenbereich, sowie durch den Verlust der die Pfeilervorlagen bekrönenden Figuren hat das Haus etwas von seiner ursprünglichen Dynamik verloren. Dennoch ist die architektonische Formensprache Oskar Kaufmanns auch in diesem Gebäude erkennbar. 1937-40 ergänzte die Deutsche Reichsbahn als Eigentümer die Geschäftshausgruppe durch den Erweiterungsbau
Schützenstraße 63-64. Der Architekt passte sich in der Gestaltung der Fassaden den benachbarten älteren Gebäuden an und trug damit zu einer noch stärkeren Vereinheitlichung des gesamten Blockes bei.
Abb. 28: Markgrafenstraße 55
Krausenstraße 17-18, Schützenstraße 65-66 (4) Nach Erwerb von vier zusammenhängenden Grundstücken konnte die Firma H. Wolff, eines der größten Pelzwarengeschäfte Deutschlands, ein über zwei Höfe reichendes und sehr variabel nutzbares Geschäftshaus errichten. Mit der Ausführung wurde 1909 der Architekt Friedrich Kristeller beauftragt. Im Erdgeschoss waren ursprünglich Läden untergebracht, in den Hauptgeschossen darüber liegen die großzügigeren Geschäftsräume. Die Fassaden sind an beiden Straßen nahezu gleich gestaltet. Die Aufteilung in drei unter anderem durch Gurtgesims und Bogenreihung gekennzeichnete horizontale Bereiche mildert die starke Vertikalität der Fassade. Das Innere ist durch den Umbau in den Jahren 1937-38 sehr verändert. Eine Ausnahme bilden die Treppenhäuser mit der eleganten Haupttreppe.
Abb. 29: Krausenstraße 17 -18 und Schützenstraße 65-66
Schützenstraße 11-12 (5) Die Schützenstraße war, trotz Citybildung und Geschäftshausbau, bis zu den Zerstörungen des Zweiten Weltkrieges in einigen Bereichen als Wohnstraße erhalten geblieben. Ein letztes Wohnhaus, das auch den Mauerbau in unmittelbarer Nähe überstanden hat, ist das 1886 von dem
Spirituosenfabrikanten J.A. Gilka erbaute fünfgeschossige Mietshaus in der Schützenstraße 11-12. Es wurde mit einem nur teilweise erhaltenen Nachbargebäude in den 1994-1996 gebauten und von Aldo Rossi und dem Architekturbüro Bellmann & Böhm entworfenen Block zwischen Schützen-, Zimmer-, Markgrafen- und Charlottenstraße mit einbezogen. Das Haus besitzt eine gut erhaltene Neorenaissancefassade mit Putz- und Stuckgliederungen auf rotem Klinker, die hierarchisch gegliedert ist. Über dem Ladengeschoss mit säulengerahmtem Portal liegt eine Belle Etage. Darüber befinden sich die in Bedeutung und Dekoration abnehmenden Wohnetagen. Ein aufwändiges Konsolgesims schließt die Fassade ab.
Abb. 30: Schützenstraße 11-12
Mosse-Haus (6) Das Verlagshaus, nach dem erfolgreichen Verleger Rudolf Mosse benannt, wurde 1901-1903 nach Entwürfen des Architekturbüros Cremer & Wolffenstein im alten Berliner Zeitungsviertel in der Schützenstraße 18-25 errichtet. Das Eckgebäude beinhaltete Verwaltung und Redaktionen. Der Gebäudeteil entlang der Schützenstraße beherbergte die Druckerei und wurde 1911-1912 erheblich erweitert. Das repräsentative Geschäftshaus mit Haupteingang zur Kreuzung Schützen-/Jerusalemer Straße wurde bei den revolutionären Unruhen 1919 erheblich beschädigt. Zu Beginn der 1920er Jahre wurde die abgerundete und ursprünglich turmartige erhöhte Ecke des Hauses von dem Architekten Erich Mendelsohn unter Mitarbeit von Richard Neutra im Stil der Neuen Sachlichkeit neugestaltet. Die Sandsteinfassade wurde teilweise völlig aufgebrochen und ein extrem horizontal betontes Bauteil in den Altbau eingesetzt, welcher unverändert blieb. Der Eingangsbereich wurde durch ein kräftiges Gesims überdacht; darüber sind breite Fensterbänder übereinandergeschichtet, die sich in den oberen zwei Stockwerken über den gesamten Baukörper erstrecken. Der Eckteil ist durch ein weiteres Obergeschoß zusätzlich betont. Mendelsohns Ecklösung und der Gebäudeteil in der Jerusalemer Straße wurden im Krieg zerstört. In der DDR wurde aus der Druckerei der „VEB Industriedruck“. 1990 übernahm dann die „Druckhaus Berlin-Mitte
GmbH“, als mittelständische Druckerei das Gebäude. Ein Nachbau von Mendelsohns Eckbebauung wurde 1995 in stark vereinfachter und reduzierter Form fertig gestellt. Das erhaltene Verlagsgebäude von Cremer & Wolffenstein ist das letzte der berühmten Großverlagshäuser im ehemaligen Berliner Zeitungsviertel rund um die Kochstraße.
Abb. 31: Jerusalemer Straße / Ecke Schützenstraße, Mosse-Haus Eckansicht Abb. 32 (rechts): Schützenstraße, Mosse-Haus Straßenfront
Krausenstraße 35-36 (7) Das Geschäftshaus ist neben dem Krausenhof (Krausenstraße 38 & 39) eines der letzten beiden historischen Gebäude am Dönhoffplatz. Es wurde nach 1900 errichtet, aber vermutlich nach Kriegszerstörungen in den 1950er Jahren neoklassizistisch überformt. Die neue Fassade nahm die ursprüngliche Achsen- und Geschosseinteilung auf. Das Dachgeschoss wurde Vollgeschoss. Die Hoffassaden sind im Original erhalten.
Abb. 33: Krausenstraße 35-36
Krausenstraße 38-39 (8) Der Krausenhof wurde 1911 von Hermann Dernburg und Hofbaumeister Albert Bohm im Auftrag von Kommerzienrat A. Vensky und Fabrikbesitzer H. Brecht erbaut. Auch dieses Haus ist wie die meisten Geschäftshäuser um 1910 sehr zweckmäßig eingerichtet und konnte von unterschiedlichsten Firmen für verschiedenste Zwecke, z.B. Lager, Produktionsräume,
Büros oder Läden, genutzt werden. Die Etagen sind frei einteilbar und durch großzügige Höfe und Treppenanlagen erschlossen. Die gleichartigen Fassaden an der Krausen- und Schützenstraße sind so aufgebaut, dass sie der inneren Struktur des Gebäudes gerecht werden und gleichzeitig aus Repräsentationsgründen auf ein traditionelles Muster aus der Geschäftshausarchitektur zurückgreifen. Die eng gesetzten Pfeiler erlauben viele verschiedene innere Aufteilungen und Veränderungen. Zunächst dominierten in diesem Gebäude Textilbetriebe. Später richteten aufgrund der Nähe zum Berliner Zeitungsviertel diverse Anzeigenund Nachrichtenagenturen hier ihre Büros ein. Während der Nazizeit war der Krausenhof ein Zentrum der deutschen Filmindustrie. Am Ende des Krieges hat das Gebäude schwer unter starkem Beschuss gelitten. Nach der Wiederherstellung war die Sandsteinverkleidung der oberen Etagen durch Putz ersetzt, das Haus um ein Geschoss erhöht und im Inneren beinahe nichts mehr aus der Vorkriegszeit erhalten. Von der Umgestaltung zum Sitz der Landwirtschaftsakademie der DDR im Jahre 1953 sind Teile der inneren Ausstattung überliefert.
Abb. 34: Krausenstraße 38-39
Axel-Springer-Verlagshaus (9) Das Verlagshaus in der Kochstraße 50 wurde 1960-1966 im ehemals berühmten Berliner Zeitungsviertel, das im Zweiten Weltkrieg zerstört wurde, errichtet. Der nüchtern gestaltete Gebäudekomplex ist in drei Teile gegliedert. Beherrschender Bauteil der Anlage ist das schlanke, 19-geschossige Hochhaus an der Ostseite des Grundstücks. Es wird durch einen zweigeschossigen Zwischentrakt mit der dem langgestreckten, sechsgeschossigen Druckereigebäude verbunden, das durch eine gerasterte Fensterfront gegliedert wird. Das Hochhaus beherbergt Redaktionen, Geschäftsleitung, Anzeigenabteilung und Verwaltung. Es ist als Stahlskelettbau konstruiert. Charakteristisch ist seine vorgehängte Fassade aus bronzefarbenen, glänzenden Aluminiumplatten. Die quer zur Straße angeordnete Hochhausscheibe mit ihrer Höhe von 68 m wurde als weithin sichtbares politisches Signal an der damaligen Mauer zwischen dem West- und Ostteil der Stadt platziert. Zwischen 1992 und 1994 entstand der um 90° versetzte zweite Flügel des Hochhauses als Anbau an den denkmalgeschützten Bestand. Nachdem die direkt benachbarte Druckerei des Springer-Verlags in eine neue Halle am Stadtrand mit moderner Ausrüstung umgezogen war, wurde im Juli 2000 das leerstehende Druckereigebäude abgerissen. An dessen Stelle entstand ein achtstöckiges Geschäftshaus, das 2004 eingeweiht wurde.
Abb. 35: Hochhaus Axel-Springer-Verlag
Die Umsetzung der spezifischen Bedürfnisse von Frauen und Männern im Rahmen der Stadtentwicklung stellt einen wesentlichen Schritt dar, qualitativ auf Veränderungen in der Gesellschaft zu reagieren. Wesentlich geprägt wird die Diskussion um das Gender Mainstreaming durch die Entwicklung einer älter werdenden Gesellschaft und des demografischen Wandels, der sich in Berlin u.a. in den Schließungen von Schulen und der gleichzeitigen Entwicklung von „Neuen Wohnformen“ im Alter zeigt. Bei gleichzeitiger Veränderung des Arbeitsmarktes werden die Lebensformen vielfältiger, Frauen und Männer verteilen die Familienarbeit neu. Lebensstile und -bedürfnisse von Männern und Frauen werden zunehmend ähnlicher. Frauen sind für ihre Familien häufiger alleinverdienend als noch vor einigen Jahren. Zugleich kommt es häufiger vor, dass Männer bei der Bewältigung der täglichen Hausarbeit, der Kinderbetreuung und bei der Betreuung pflegebedürftiger Angehöriger maßgeblich eingebunden sind. Diese Veränderungen im täglichen Leben erzeugen veränderte Ansprüche an das Leben in der Stadt. Was brauche ich in meinem Wohngebiet, welche Läden, Cafes, ärztliche Versorgung? Was hilft, damit ich mich ohne Angst in einem Park oder auf einem bestimmten Spielplatz aufhalten kann? Als allgemeine Anforderungen an eine gendergerechte Planung sind die Gleichstellung der Geschlechter, Chancengleichheit und eine angemessenen Berücksichtigung der unterschiedlichen Lebensbedingungen und Zwänge, unter denen die Geschlechter leben, anzusehen. Es ist insbesondere sicherzustellen, dass 1.		Orte für alle Geschlechter geschaffen werden 2.		der Stellenwert der Reproduktion berücksichtigt wird, 3.		Sicherheit vor Gewalt und Unfällen gewährt ist, 4.		die Vereinbarkeit der Erwerbsarbeit und Familienarbeit
5.		und Raumrepräsentationen sowie durch die Gestaltung transportierte Werte und Normen aller Geschlechter, Ethnien, Altersgruppen und Klassen einbezogen werden.
Krausenblock / Teil 3 Aufgabe
Teil 3 Aufgabe 3.1 Übergeordnete städtebauliche Zielsetzungen
Die Friedrichstadt wurde nach dem Fall der Berliner Mauer zu einem der bevorzugten Anziehungspunkte für Investitionsvorhaben in der wiedergewonnenen gemeinsamen Mitte Berlins. Mit der noch zu Zeiten der Teilung im Rahmen der Internationalen Bauausstellung Berlin 1987 für die südliche Friedrichstadt entwickelten Theorie der Kritischen Rekonstruktion gab es noch vor der Erarbeitung des Planwerk Innenstadt ein Instrument, das sofort auf die strukturell verwandten Gebiete der nördlichen Friedrichstadt und der Dorotheenstadt übertragen werden konnte. Mit diesen Leitlinien ist es gelungen, die städtebaulich prägnante Form der barocken Stadterweiterung der Dorotheen- und Friedrichstadt wieder zu gewinnen. Dieser Erfolg manifestiert sich jedoch eher im nördlichen Bereich, der wieder Zentrumsfunktionen übernommen hat und in den wieder urbanes Leben eingezogen ist, während im Süden in den bald 20 Jahren seit der Wiedervereinigung weit weniger planerische und bauliche Aktivitäten zu verzeichnen sind. Diese Situation spiegelt sich sehr deutlich im Planungsgebiet des vorliegenden Gutachterverfahrens und seinem Umfeld wider. Der durch die Krausen- Jerusalemer-, Schützen- und Markgrafenstraße begrenzte Krausenblock ist ein ungenutzter ehemaliger Schulstandort mit einem weitgehend leerstehenden Gebäudebestand. Nicht nur das Planungsgebiet selbst sondern auch sein Umfeld weist heute noch in größeren Bereichen wenig Urbanität auf. Die stadträumliche Situation des Krausenblocks wird ganz wesentlich geprägt durch die unmittelbare Nachbarschaft zum großmaßstäblichen Städtebau der Leipziger Straße, der zum Krausenblock eine abweisend wirkende Rückseite bildet. Auch die anderen drei Flanken der angrenzenden Blöcke bestehen überwiegend aus großen Einheiten mit überwiegender Büronutzung. Angebote in den Erdgeschosszonen fehlen. Das städtebauliche Konzept für den Krausenblock soll deshalb einen Beitrag leisten, diesen Bereich der Friedrichstadt in einen Zustand der Attraktivität und urbanen Lebendigkeit zu versetzen und als Wohnstandort zu stabilisieren. Dazu gehören eine möglichst vielfältige Nutzungsmischung mit einem hohen Wohnanteil und öffentlich nutzbare Erdgeschosszonen. Dabei ist ein hoher Anspruch an die städtebauliche Gestaltung sowie die spätere architektonische Qualität zu stellen. Ein entscheidende Rolle kommt auch der Qualifizierung des öffentlichen Raumes zu. Ein erster Schritt hierzu ist die im Zuge der städtebaulichen Neuordnung des Krausenblocks vorgesehene Verlegung der Jerusalemer Straße zwischen Schützen- und Krausenstraße in ihre ursprüngliche Lage. Mit einer späteren Verlängerung der Jerusalemer Straße nach Norden zur Leipziger Straße wäre eine direkte Verbindung im historischen Verlauf bis zum Hausvogteiplatz wieder hergestellt. Nach Süden zum ehemaligen Standort der Jerusalemer Kirche ist diese Verbindung allerdings nicht wieder herstellbar. Zur Qualifizierung des öffentlichen Raumes ist es aber auch erforderlich, die Schützen- Krausen- und Markgrafenstraße im Bereich des Planungsgebietes baulich zu verbessern und den ruhenden Verkehr neu zu organisieren. Dies ist allerdings nicht Gegenstand des vorliegenden Gutachterverfahrens.
Nach Aufgabe der Schulnutzung im Planungsgebiet ist diese Liegenschaft aus dem Fachvermögen des Bezirkes an den Liegenschaftsfonds Berlin mit dem Ziel der Vermarktung übergeben worden. Ausgenommen davon sind die ehemalige Schulsporthalle in der Schützenstraße, die saniert und für eine zwischenzeitliche Nutzung durch den Vereinssport wieder nutzbar gemacht werden soll und der Jugendklub in dem Gebäude der ehemaligen Schulspeisung in der Markgrafenstraße. Diese beiden Gebäude mit den ihnen zugeordneten Grundstücken verbleiben zunächst im Fachvermögen des Bezirkes. Mittelfristig sollen diese beiden Einrichtungen aber an Ersatzstandorte verlagert werden, so dass dann die gesamte Blockfläche für eine Neuentwicklung zur Verfügung stehen wird. Mit dem Gutachterverfahren sollen unterschiedliche städtebauliche und nutzungsstrukturelle Lösungen erarbeitet und daraus ein Gesamtkonzept für eine hochwertige städtebauliche und immobilienwirtschaftlich sinnvolle Entwicklung am Standort gefunden werden. Ziel ist eine Mischnutzung mit einem Wohnanteil von mindestens 60% der Geschossfläche und eine Aufteilung der heute einheitlichen Blockfläche in unterschiedlich große, aggregierbare und mit Schwerpunktnutzungen belegbare Baufelder. Die städtebaulichen Entwicklungsvorschläge sind dann Grundlage für die weiteren Planungsprozesse des Bezirkes zum Standort und liefern Rahmendaten für die Vorbereitung der Vermarktung der Liegenschaft durch den Liegenschaftsfonds Berlin. Da die Vermarktung der Grundstücke bereits zu einem Zeitpunkt beginnen soll, an dem der Jugendklub und die Sporthalle voraussichtlich noch im Betrieb sind, erwartet der Auslober von den Gutachtern zusätzlich zu dem städtebaulichen Konzept, das eine den gesamten Block umfassende Entwicklungslösung aufzeigt, einen entwurflichen Lösungsvorschlag für eine fungible städtebauliche Zwischenstufe bei Erhalt des Jugendklubs und der Sporthalle.
Einzelaspekte der Planung
Bei der Ausarbeitung des städtebaulichen Konzeptes sind folgende Punkte zu beachten: Städtebau Der Auslober erwartet Entwürfe, die das Prinzip des Blocks als prägendes und identitätsstiftendes Grundmodul der Friedrichstadt und als Ordnungsschema für das Verhältnis zwischen öffentlichem Raum und privaten Grundstücksflächen respektieren und aufnehmen. Innerhalb dieses Rahmens sind auch Lösungen vorstellbar, welche die Nahtstelle zum offenen großmaßstäblichen Städtebau der Leipziger Straße thematisieren und in so fern Gestaltungsspielräume eröffnen. Nutzung und Dichte Der Krausenblock soll eine möglichst vielfältige Mischnutzung mit überwiegendem Wohnanteil erhalten. Dabei ist von einem Mindestwohnanteil von 60% an der für den gesamten Block angebotenen GFZ auszugehen.
Die Erdgeschosszonen sollen nach Möglichkeit durchgängig Nutzungen erhalten, die der Belebung und Versorgung des Gebietes dienen, z.B. Handel, Dienstleistungen, Gastronomie etc. Als Bezugspunkt zum öffentlichen Raum sind die Erdgeschossbereiche in einer angemessenen und großzügigen Höhe auszubilden. Abgesehen von den Erdgeschossen wird es den Teilnehmern freigestellt, ob sie in ihren Entwürfen eine vertikale oder horizontale Nutzungsmischung konzipieren. Der Standort Krausenblock zeichnet sich aus durch seine Zentralität bei gleichzeitig ruhiger Lage, seine gute Erschließung mit öffentlichen Verkehrsmitteln und seine nahräumlichen Beziehungen zu den hochwertigen städtebaulichen Bereichen Friedrichstraße, Gendarmenmarkt und Hausvogteiplatz mit den dort vorhandenen vielfältigen Einrichtungen der Kultur, Gastronomie, des Handels aus. Diese Bereiche im historischen Zentrum Berlins sind vom Standort Krausenblock aus zu Fuß in wenigen Minuten erreichbar. Diese Standortbedingungen bilden sehr gute Voraussetzungen für eine hochwertige Wohnnutzung. Im Sinne von flexiblen, auf differenzierte Wohnansprüche und unterschiedliche Entwicklerund Käuferzielgruppen orientierte, reaktionsfähigen Lösungen sollten von den Gutachtern Entwicklungsvorschläge erarbeitet werden, die von städtebaulich und wirtschaftlich sinnvollen und jederzeit aggregierbaren Baufelder ausgehen. Im Einzelfall sind hier auch Baugemeinschaften denkbar, die gemeinschaftlich ein Projekt nach ihren individuellen Vorstellungen realisieren wollen. Im Sinne eines robusten und flexiblen Entwicklungs- und Vermarktungskonzeptes können die Gutachter deshalb Angebote machen, die unterschiedlichste Generationsstufen, familiäre Modelle und Lebensstile ansprechen. Unter den genannten Ausführungen werden im Rahmen dieses Gutachterverfahrens Vorschläge für Typologien erwartet, die ein großzügiges Wohnen hoher Qualität in urbaner Dichte ermöglichen. Die Gutachter sollten sich dabei unter anderem mit den Fragen eines möglichen Außenraumbezugs, gemeinschaftlicher Raumangebote und des Verhältnisses von Privatheit und Öffentlichkeit auseinandersetzen. Der Auslober definiert bewusst keine Vorgaben hinsichtlich der Dichte (GFZ) des Bebauungskonzeptes. Mit dem vorliegenden Gutachterverfahren soll vielmehr im Sinne eines Testentwurfs ermittelt werden, welche Dichte unter der Voraussetzung tragfähig ist, Wohnen in einer gehobenen Qualität an diesem Standort zu ermöglichen. Aus diesem Grund wird von den Gutachtern erwartet, dass sie ihre vorgeschlagenen Typologien jeweils exemplarisch an einem Beispiel entwurflich vertiefen. Der Flächennutzungsplan stellt das Planungsgebiet als Wohnbaufläche W1 (> 1,5 GFZ) dar. Daraus ist eine Bebauungsplan-Festsetzung nach §4 BauNVO als Allgemeines Wohngebiet entwickelbar. Da der Standort eine Größe von weniger als drei Hektar aufweist, käme auch eine Mischgebietsfestsetzung gemäß §6 BauNVO in Frage. Die Nutzungskonzepte sollen sich in dem Spektrum der in diesen Gebietskategorien zulässigen Nutzungen bewegen. Ein Wohnanteil von mindestens 60% gilt dabei als Festpunkt.
Parzellierung Es wird ein Vorschlag der Teilnehmer zur Parzellierung des Planungsgebietes in Einzelgrundstücke erwartet, um eine Nutzungsmischung und gestalterische Vielfalt wie auch eine Vermarktung und Realisierung in Teilabschnitten zu ermöglichen. Das Parzellierungskonzept muss sich nicht an der ursprünglichen, teils schwer bebaubaren Grundstücksstruktur der Vorkriegszeit orientieren, sondern kann auf die von den Verfassern vorgeschlagene Gebäudestruktur zugeschnitten sein. In den Fällen, in denen begründete Restitutionsansprüche bestehen, ist die Parzellierung der Vorkriegszeit aufzunehmen, um den damaligen Rechtszustand wieder herstellen zu können (siehe Teil 2, 2.5). Vegetation Im Bereich des Planungsgebietes sind geschützte Bäume vorhanden, deren Erhalt im Rahmen der baulichen Neuordnung zu prüfen ist (siehe Teil 2, 2.5). Erschließung / Stellplätze Die verkehrliche Erschließung des Planungsgebietes und die Versorgung mit den üblichen Versorgungsmedien ist grundsätzlich über die umlaufenden Straßen gesichert. Bei der Jerusalemer Straße ist allerdings zu berücksichtigen, dass die geplante Rückverlagerung nach Westen in ihre historische Lage zwar planerisch gewollt, aber in der Investitionsplanung des Landes Berlin aktuell noch nicht angemeldet ist. Ein Realisierungszeitpunkt kann deshalb zur Zeit nicht angegeben werden. Bei der Bebauung entlang der neu definierten Blockgrenze zur Jerusalemer Straße ist daher zunächst eine temporäre Erschließung zur heute bestehenden Jerusalemer Straße oder eine anderweitige Lösung nachzuweisen. Es ist außerdem ein Stellplatzkonzept nachzuweisen, das die Unterbringung des ruhenden Verkehrs auf den privaten Grundstücksfläche sicherstellt. Stufenkonzept / Realisierung Da die Vermarktung der Grundstücke durch den Liegenschaftsfond bereits zu einem Zeitpunkt beginnen soll, an dem der Jugendklub und die Sporthalle noch in Betrieb sind, erwartet der Auslober von den Gutachtern zum einen ein städtebauliches Konzept, das einen den gesamten Block umfassenden Endzustand aufzeigt und zusätzlich eine entwurfliche Lösung, die nachweist, wie eine städtebauliche Zwischenstufe unter Erhalt des Jugendklubs und der Sporthalle aussehen könnte. Der Auslober bevorzugt Konzepte, die keinen hohen Regelungsaufwand hinsichtlich Bebauungsplan-Festsetzungen, Gestaltungssatzungen oder ähnlichen öffentlich-rechtlichen Eingriffen erfordern.
Krausenblock / Teil 4 Anhang
4.1 Digitale Anlagen (auf beiliegender CD-ROM)
4.1.0 Aufgabenstellung – 	 vorliegende Aufgabenstellung als pdf-Datei mit farbigen Abbildungen in 300dpi Auflösung
aufgabenstellung_kb.pdf
4.1.1 Arbeitsplan – 	 Arbeitsplan als PDF- und CAD-Dateien (Der Plan wurde erstellt auf Grundlage der Automatisierten Liegenschaftskarte (ALK). Er kann Abweichungen zum Bestand enthalten.)
arbeitsplan_kb.pdf/.dwg/.dxf
4.1.2 Informationspläne – 	 Übersichtsplan als pdf-Datei im M 1:1000
uebersichtsplan_kb.pdf
– 	 Luftbild, Stand 2007
luftbild_kb.tif
– 	 Leitungspläne von Ver- und Entsorgungsleitungen
01_ltg_telekom.pdf
01_ltg_telekom_legende.pdf
02_ltg_vattenfall_strom_1.pdf
02_ltg_vattenfall_strom_2.pdf
03_ltg_vattenfall_waerme.pdf
03_ltg_vattenfall_waerme_richtlinien.pdf
04_ltg_gasag.pdf
05_ltg_ITDZ_Kabelfuehrungssysteme.pdf
05_ltg_ITDZ_richtlinien.pdf
– 	 Parzellenplan Restitutionsansprüche
Parzellenplan_Restitution.tif
– 	 FNP, Stand 2004
FNP_ausschnitt.tif
FNP_legende.pdf
– 	 BEP, Stand 2004
BEP_ausschnitt.tif
BEP_legende.pdf
– 	 Planwerk Innenstadt, Stand 2008
Planwerk_Innenstadt.tif
4.1.3 Weitere Planunterlagen – 	 Schichtenverzeichnisse
01_schichtenverzeichnis_lageplan.pdf
02_schichtenverzeichnis_grundwasser.pdf
03_schichtenverzeichnis.pdf
– 	 Fassaden Adina Hotel
01_Ansicht_JerusalemerStrasse.pdf
02_Ansicht_Krausenstrasse.pdf
4.1.4 Vorschriften im Internet – 	 Bauordnung Berlin und ergänzende Vorschriften BauOBerlin (BauOBln) v. 29. September 2005), in Kraft getreten am 1. Februar 2006, zuletzt geändert durch § 9 des Gesetzes vom 7. Juni 2007
– 	 Baumschutzverordnung v. 11. Januar 1982, zuletzt geändert am 5. Oktober 2007
http://www.stadtentwicklung.berlin.de/natur_gruen/naturschutz/baumschutz/ index.shtml
– 	 Grundlagen für Wettbewerbe, Ökologisches Bauen
4.1.5 Formblätter – 	 Verfassererklärung (siehe Teil 1.9) (PDF-Formular, d.h. Text kann direkt in das Formblatt eingegeben und danach ausgedruckt werden. Das PDF-Formular kann mit dem Acrobat-Reader aber nicht gespeichert werden.)
01_verfassererklaerung_kb.pdf
– 	 Nutzungsvereinbarung für digitale Daten
(PDF-Vorlage ausdrucken, unterzeichnen und den
Abgabeunterlagen beilegen.)
02_nutzungsvereinbarung_kb.pdf
– 	 Formblatt Kenndaten
(Vorlage ausdrucken, Kenndaten eintragen und den
03_formblatt_kenndaten_kb.xls
4.1.6 Bilddokumentation – 	 Fotos F1 – F21als tif-Dateien
Literatur – 	 Wörner, Mollenschott, Hüter, Siegel: Architekturführer Berlin, Dietrich Reimer Verlag, Berlin, 6. Aufl. 2001 – 	 Akademie der Wissenschaften der DDR (Hrsg.): Berlin – Ergebnisse der heimatkundlichen Bestandsaufnahme, AkademieVerlag, Berlin 1987 – 	 Wüstenrot-Stiftung (Hrsg.): Das städtische Reihenhaus – Geschichte und Typologie, Karl Krämer Verlag, Stuttgart 2004 – 	 Senatsverwaltung für Bau- und Wohnungswesen: Städtebaulicher Strukturplan – Kritische Rekonstruktion des Bereichs: Friedrichswerder, Friedrichstadt, Dorotheenstadt, Städtebau und Architektur Bericht 6, Berlin 1992 – 	 Senatsverwaltung für Bauen, Wohnen und Verkehr: Das
städtische Wohnpalais – Innenstadt als Wohnort, Städtebau und Architektur Bericht 40, Berlin 1999 Bezirksamt Mitte von Berlin: Rechtsverordnung nach §172 Abs. 1, Satz 1, Nr. 1 BauGB für den Bereich Dorotheenstadt, Friedrichstadt und Teile von Friedrichswerder zur Erhaltung der städtebaulichen Eigenart des Gebietes aufgrund seiner städtebaulichen Gestalt, Berlin 1997 Architekten- und Ingenieur-Verein zu Berlin (Hrsg.): Berlin und seine Bauten, Teil V Band C Schulen, Verlag Ernst & Sohn, Berlin 1991 Hans Stimmann (Hrsg.): Vom Plan zum Bauwerk, Bauten in der Berliner Innenstadt nach 2000, Verlagshaus Braun, Berlin 2002 Bezirksamt Mitte von Berlin, Abt. Stadtentwicklung: Bereichsentwicklungsplanung (BEP) 2004, Arbeitsbericht, Stand Juli 2004
Internet – 	 Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Gebäudedatenbank – 	 Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Stadtmodelle – 	 Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Landesdenkmalamt
Abbildungen – 	 Titelbild: Senatsverwaltung für Stadtentwicklung – 	 Abb. 1: Landesluftbildarchiv Berlin – 	 Abb. 2, 15: Anika Buhre – 	 Abb. 3: Plan von Berlin im Jahr 1710: Wolfgang Schneider: Berlin. Gustav Kiepenheuer Verlag, Leipzig und Weimar 1983 – 	 Abb. 4: Karte von Berlin um 1860, nach Sineck, Landesarchiv Berlin – 	 Abb. 5, 6, 8, 9, 14: Historische Fotos, Landesarchiv Berlin – 	 Abb. 7: Straubes Übersichtsplan von Berlin (Ausschnitt), 1910, Stadtplanarchiv – 	 Abb. 10-13: Schwarzpläne, Senatsverwaltung für
– 	 Abb. 15: Karte Einwohnerdichte 2007, Senatsverwaltung für Stadtentwicklung – 	 Abb. 16: Karte Status/Dynamik-Index 2007, Senatsverwaltung für Stadtentwicklung – 	 Abb. 18: Patrick Weiss – 	 Abb. 21: Parzellenplan mit Restitutionsansprüchen,
– 	 Abb. 22: FNP, Senatsverwaltung für Stadtentwicklung – 	 Abb. 23: Bereichsentwicklungsplanung Mitte, Bezirksamt Mitte – 	 Abb. 24: Planwerk Innenstadt (Ausschnitt), Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Architekturwerkstatt – 	 Abb. 25: Anika Buhre – 	 Abb. 26-34: Landesdenkmalamt Berlin – 	 Abb. 19, 20, 35: Senatsverwaltung für Stadtentwicklung Fotodokumentation F14, F16, F21: Anika Buhre; alle übrigen Fotos: Patrick Weiss
F19 F3 F2 F1 F21 F4 F5 F6 F7 F8 F9 F10 F15 F11 F12 F14 F18 F16 F17
Standpunkte Fotoaufnahmen
Krausenstraße, Blick von Nordwest auf den Block 72
Krausenstraße, Blick auf die Hochhausbebauung
Krausenstraße / Ecke Markgrafenstraße
Markgrafenstraße, im Vordergrund der Jugendclub
Markgrafenstraße / Ecke Schützenstraße
Schützenstraße, Blick nach Norden zwischen Jugendclub und westlichen Schulbau
Schützenstraße, Blick auf die Sporthalle
Schützenstraße, Blick nach Nordwest zwischen Sporthalle und östlichen Schulbau
Schützenstraße, Blick nach Norden zwischen
Sporthalle und östlichen Schulbau
Schützenstraße, Blick auf Hotelbau Jerusalemer Straße
Schützenstraße / Ecke Jerusalemer Straße, Blick nach Norden
Schützenstraße / Ecke Jerusalemer Straße, Blick nach Westen
Mossehaus, Schützenstraße / Ecke Jerusalemer Straße
Jerusalemer Straße, Blick auf den östlichen Schulbau
Krausenstraße / Ecke Jerusalemer Straße, Blick nach Westen
Krausenstraße / Ecke Jerusalemer Straße, Blick nach Süden
Krausenstraße, Blick auf die Sporthalle
Krausenstraße, Blick auf die Rückseite der 2-geschossigen Kaufhalle in der Leipziger Straße
Leipziger Straße, im Vordergrund die 2-geschossige Kaufhalle
Eingang Schulgebäude, Blick von der Markgrafenstraße