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Timestamp: 2019-01-17 01:13:57
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Matched Legal Cases: ['§ 49', '§ 3', 'Art. 53', '§ 26', '§ 24', 'Art. 7', '§49']

staatsrecht.info » Blog Archive » Kopfnoten in NRW
Aufgrund einer Anfrage habe ich mich gerade näher mit den Kopfnoten beschäftigt, die in Nordrhein-Westfalen ab dem nächsten Schuljahr wieder eingeführt werden. Das Ministerium begründet die entsprechende Regelung im neuen Schulgesetz (§ 49 Abs 2) folgendermassen:
Soziale Kompetenzen gehören heute neben dem Wissen zu den Grundvoraussetzungen für das erfolgreiche Durchlaufen des Bildungs- und des Berufswegs.
Die Neuregelung ist heftig kritisiert worden. In der Tat sind die entsprechenden Bewertungen kaum objektivierbar sind und sie können daher auch nur in sehr engen Grenzen angefochten werden. Bei der Bewerbung um einen Ausbildungsplatz - bis hin zum Hochschulstudium - kann den Kopfnoten aber eine entscheidende Bedeutung zukommen: Wer wird einen Schüler als Lehrling einstellen, dem ein unbefriedigendes Sozialverhalten attestiert wurde? Im Zweifel kann eine schlechte Kopfnote nicht einmal durch hervorragende Leistungen in den Hauptfächern kompensiert werden.
In Baden-Württemberg, dem Land, das die Kopfnoten als einziges stets beibehalten hatte, ist immerhin vorgesehen, dass die Abgangs-, Abschluss und Prüfungszeugnisse keine solchen Noten enthalten (§ 3 I 2 lit b NotenbildungsVO).
Auch in Brandenbug, wo seit diesem Schuljahr in den Klassenstufen 1 bis 10 wieder einen ausführliche Bewertung des Arbeits- und Sozialverhaltens erfolgt, hat man das Problem erkannt und den Schülern der Abschlussklassen zumindest die Möglichkeit gegeben, dass diese Noten getrennt ausgewiesen - und daher nicht jeder Bewerbung beigefügt werden müssen. Allerdings ist zu beachten, dass diese Möglichkeit das Problem nur bedingt beseitigt, da sich die Schüler in der Regel mit dem Halbjahreszeugnis um Ausbildungsplätze bewerben.
Vorbildhaft ist demgegenüber die Regelung in Bayern, wo Art. 53 Abs. 3 BayEUG ebenfalls vorsieht, dass in das Zeugnis auch Bemerkungen oder Bewertungen über Anlagen, Mitarbeit und Verhalten der Schülerin oder des Schülers in das Zeugnis aufgenommen werden. In § 26 II 2 der Volksschulordnung heisst es jedoch:
In den Jahrgangsstufen 8, 9 und 10 darf das Zeugnis keine Formulierung enthalten, die den Übertritt in das Berufsleben erschwert.
In Nordrhein-Westfalen fehlt hingegen (ebenso wie etwa in Sachsen - § 24 SOMIAP) jede Möglichkeit, die Kopfnoten getrennt auszuweisen. Das ist wirklich ein Problem. Man kann daher auf die ersten Prozesse gespannt sein.
Dieser Eintrag wurde am Donnerstag, den 7. September 2006 um 10:17 Uhr erstellt und ist in der Kategorie Bildungsrecht zu finden. Sie koennen die Kommentare zu diesem Eintrag durch den RSS 2.0 Feed verfolgen. Sie koennen einen Kommentar schreiben, oder einen Trackback auf Ihrer Seite einrichten.
7 Kommentare zu “Kopfnoten in NRW”
am 8. September 2006 um 9:15 Uhr.
Hier wäre eine empirische Studie sinnvoll:
Offenbar entscheiden inzwischen die Kopfnoten in dem letzten Jahreszeugnis
vor der Abschlussklasse in vielen Betrieben allein
darüber, ob jemand in die Auswahlentscheidung für eine
Lehrstelle kommt. Ein “ausreichend” wird selbst durch
eine 1 in D oder M nicht ausgeglichen.
Von daher sind Objektivier- und Überprüfbarkeit dieser
Noten grundrechtsrelevant.
In den Lehrerzimmern (Zeugnis- bzw.
Versetzungskonferenzen) geht man aber nach wie vor nicht selten
recht lässig damit um. Hier ist Art. 7 relevant: Wo bleibt in
dieser Frage die Aufsicht des Staates (nicht nur die
Missbrauchsaufsicht).
am 2. Februar 2007 um 0:11 Uhr.
Als Schüler der 12. Klasse eines Gymnasiums frage ich mich, welcher Lehrer bei einem Kurssystem (also kein Klassenverband mit Klassenlehrer) für die Beurteilung der Kopfnoten zuständig sein soll. Es müsste doch ein Mittelwert aus den Beurteilungen aller Lehrer eines Schülers gebildet werden, um wenigstens ansatzweise objektiv zu benoten. Dieses Verfahren wäre wiederum zu zeitaufwändig da sich für 800 Schüler einer Schule immer ca. 10 Lehrkräfte absprechen müssten.
Ein einzelner Lehrer hat jedoch keinen Überblick über das Verhalten des Schülers insgesamt, sondern kann dieses nur anhand eines Faches bewerten.
Außerdem: “Die Schulkonferenz […] stellt Grundsätze für eine einheitliche Handhabung auf” (§49 Abs2 Nr.2)
???? ein für eine Bewerbung so relevante Note muss doch überregional standarisiert sein. Welches Unternehmen soll denn abschätzen, ob nicht Schule X “einheitlich” doppelt so gut bewertet wie Schule Y ?
PS: gibt es eine offizielle Beschwerdestelle für sowas? Wäre Dankbar um Antwort(en)
am 21. Februar 2007 um 18:21 Uhr.
Soweit ich weiß sollen die Kopfnoten auf den Abiturzeugnissen die Jahrgangsstufen 12 und 13 zusammenfassen. Dies würde eine rückwirkende Gültigkeit für die 12.1 beinhalten. Eine Rückwirkende Gesetzgebung ist jedoch meines Wissens nach nicht zulässig. Das Schulgesetz dürfte somit verfassungsrechtlich anfechtbar sein.
kimberley kneffel
am 1. August 2007 um 17:40 Uhr.
Ich bin schülerin der 10.KLasse einer realschule in NRW und halte es für völlig sinlos die Kopfnoten wieder einzuführen.Die meisten Lehrer sind ja schon total überfordert aus Klassenarbeitsnoten , Testnoten und Mitarbeitsnoten eine einigermaßen gerechtfertigte Note zu bilden und somit spreche ich ihnen die Sachkompetenz in diesem Bereich eindeutig ab. Diese Note hat einen auf dem Zeugnis nicht zu unterschätzenden Stellenwert und da kann nicht jeder mal eben so schreiben wonach er Lust und Laune hat.Die Noten in den Fächern werden eher aus dem Bauch heraus gegeben .Statt die Schüler eine Weile zu beobachten sind die Eindrücke der Lehrer meist schon vorgefertigt. Dass der Klassenlehrer am Ende immer den Ausschlag gibt , was auf dem Zeugnis steht , halte ich für höchst bedenklich.Ein schlechter Mathematikschüler , der relativ unmotiviert in den Matheunterricht geht , muss doch nicht überall unmotiviert sein !!! Andere Lehrer könnten völig andere Einschätzungen haben , die aber leider nicht zum tragen kommen.Wer glaubt , dass sich die Lehrer auch nur mehr als 10 min. Zeit für die Benotung des jeweiligen Schülers nehmen , hat sich in den meisten Fällen stark getäuscht!!! Wenn sie somit schneller ins Wochenende oder den Feierabend gehen können , ist ihnen die z.T. falsche Einschätzung doch völlig egal.
am 31. August 2007 um 11:11 Uhr.
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nichtgenannterVater
am 1. Februar 2008 um 21:27 Uhr.
In NRW ist interessant, dass die Schulen anscheinend mehr von der Willkürlichen Vergabe der Noten halten als von einem den allgemeinen Rechtsvorschriften genügenden Beurteilungsverfahren für die Noten. Da wird 10 Tage vor der Zeugniskonferenz mal eben ein “Raster mit Indikatoren” festgelegt, welche dann eben mal gefüllt werden. Wie hierzu die rechtlich notwendigen Aufzeichnungen kommen sollen ist dem Lehrpersonal egal.
Besonders Interessant wird die Lage in Klassen mit weiblichen Lehrpersonal. Durchschnittlich 70 % aller männlichen Schüler erhalten eine schlechte bzw. die schlechteste Kopfnote von diesem Lehrerinnen. Auch die Frage, welche Lehrer alles mitbewerten dürfen ist nicht geklärt. Da fällt die Schulleiterin, welche gerade mal 5% des Unterrichts bestreitet genauso bei der Beurteilung berücksichtigt wie der Lehrer der 60 % des Unterrichts hält. - Verhältnismäßigkeit und Rechtsgüter des Grundgesetzes gelten eben an Schulen nicht sondern nur die Selbstgerechtigkeit und -herrlichkeit des Lehrpersonals.
am 20. März 2008 um 15:45 Uhr.
Als betroffene Muter frage ich mich, ob sich eine Verfassungsklage wegen der Kopfnoten lohnen würde, insbesondere gegen Kopfnoten auf den Abschluss- und Abiturzeugnissen. Gibt es hierzu nähere Erkenntnisse? An wen könnte man sich wenden, um die Aussichten einer Musterklage abzuklären?