Source: http://www.hensche.de/Arbeitsrecht_Urteile_betriebsratstaetigkeit_als_arbeitszeit_im_sinne_des_arbeitszeitgesetzes_Ruhezeit_vor_Betriebsratssitzung_LAG_Hamm_13Sa1386-14_u.html
Timestamp: 2019-07-20 16:27:51
Document Index: 172953826

Matched Legal Cases: ['§ 5', '§ 37', '§ 5', '§ 37', '§ 37', '§ 611', '§ 37', '§ 37', '§ 37', '§ 37', '§ 5', '§ 2', '§ 611', '§ 2', '§ 2', 'Art. 2', '§ 106', '§ 2', '§ 2', '§ 37', '§ 37', '§ 5', '§ 37', '§ 37', '§ 37', '§ 5', 'Art. 2', '§ 5', '§ 37', '§ 37', '§ 37', '§ 30', '§ 30', '§ 37', '§ 37', '§ 37', '§ 72']

LAG Hamm, Urteil vom 20.02.2015, 13 Sa 1386/14 - HENSCHE Arbeitsrecht
LAG Hamm, Ur­teil vom 20.02.2015, 13 Sa 1386/14
Aktenzeichen: 13 Sa 1386/14
Entscheidungsdatum: 20.02.2015
Leitsätze: 1. Bei der Wahrnehmung von Amtsaufgaben als Betriebsratsmitglied handelt es sich nicht um Arbeitszeit im Sinne des Arbeitszeitgesetzes, so dass u.a. die Regelung des § 5 Abs. 1 ArbZG zur elfstündigen ununterbrochenen Ruhezeit keine direkte Anwendung findet.
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 18.01.2017, 7 AZR 224/15
Lan­des­ar­beits­ge­richt Hamm, 13 Sa 1386/14
Auf die Be­ru­fung des Klägers - un­ter Zurück­wei­sung der Be­ru­fung im Übri­gen - wird das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts Ha­gen vom 14.08.2014 - 4 Ca 2022/13 - teil­wei­se ab­geändert und der Te­nor zu den Zif­fern 1. und 2. ins­ge­samt wie folgt neu ge­fasst:
Die Be­klag­te wird ver­ur­teilt, dem Kläger auf dem in­di­vi­du­el­len Ar­beits­zeit­kon­to 4,5 St­un­den gut­zu­schrei­ben.
Die Re­vi­si­on wird für die Be­klag­te zu­ge­las­sen. Für den Kläger wird die Re­vi­si­on nicht zu­ge­las­sen.
Die Par­tei­en strei­ten zweit­in­stanz­lich (noch) um den An­spruch auf Gut­schrift von St­un­den im Zu­sam­men­hang mit Be­triebs­ratstätig­kei­ten.
Der Kläger ist Mit­glied des im Be­trieb der Be­klag­ten be­ste­hen­den elfköpfi­gen Be­triebs­ra­tes. Er ar­bei­tet im Rah­men ei­ner 35-St­un­den-Wo­che als An­la­gen­be­die­ner im Drei­schicht­be­trieb.
Auf das Ar­beits­verhält­nis fin­den kraft Haus­ta­rif­ver­trag im We­sent­li­chen die Be­stim­mun­gen der Ta­rif­verträge für die Me­tall- und Elek­tro­in­dus­trie NRW An­wen­dung. Da­ne­ben gel­ten u.a. die Re­ge­lun­gen ei­ner Be­triebs­ver­ein­ba­rung zur Ar­beits­zeit­fle­xi­bi­li­sie­rung vom 04.05.2004 ein­sch­ließlich ei­ner Ergänzung vom 09.06.2011. In­so­weit wird Be­zug ge­nom­men auf die mit Be­klag­ten­schrift­satz vom 18.07.2014 ein­ge­reich­ten Ko­pi­en (BI. 107 ff. d. A.).
Am 16.07.2013 war der Kläger für die Nacht­schicht von 22.00 Uhr bis 06.00 Uhr ein­ge­teilt.
Bei nor­ma­lem Ver­lauf hätte er bei Ab­zug von 0,5 St­un­den für die ge­setz­li­che Pau­se ins­ge­samt 7,5 St­un­den ge­ar­bei­tet. Bei ei­ner ge­schul­de­ten Sol­l­ar­beits­zeit von sie­ben St­un­den wären ihm dann 0,5 St­un­den auf sei­nem in­di­vi­du­el­len Ar­beits­zeit­kon­to gut­ge­schrie­ben wor­den.
Tatsächlich hat der Kläger mit Rück­sicht auf an­ste­hen­de Be­triebs­rats­auf­ga­ben nur bis 02.30 Uhr ge­ar­bei­tet.
Er nahm dann am 17.07.2013 in der Zeit von 13.00 Uhr bis 15.30 Uhr an ei­ner Be­triebs­rats­sit­zung teil und be­haup­tet, zu­vor von 11.45 Uhr bis 13.00 Uhr eben­falls Amtstätig­kei­ten wahr­ge­nom­men zu ha­ben.
Ihm wur­den - in­zwi­schen un­strei­tig - für die Nacht­schicht vom 16. auf den 17.07.2013 ins­ge­samt 5,5 St­un­den gut­ge­schrie­ben, und zwar für den Zeit­raum bis 03.00 Uhr und dann wie­der für die Zeit von 05.00 Uhr bis 06.00 Uhr.
Der Kläger hat die Auf­fas­sung ver­tre­ten, un­ter Berück­sich­ti­gung der Be­stim­mun­gen des § 37 Abs. 2 Be­trVG und des § 5 Abs. 1 Arb­ZG (11stündi­ge Ru­he­zeit) sei er be­rech­tigt ge­we­sen, die Nacht­schicht vom 16. auf den 17.07.2013 vor­zei­tig zu be­en­den, um dann am 17.07.2013 aus­ge­ruht sei­nen Be­triebs­rats­auf­ga­ben nach­kom­men zu können. In der Zeit von 11.45 Uhr bis 13.00 Uhr sei er für den Be­triebs­rat da­mit beschäftigt ge­we­sen, die von den ge­werb­li­chen Ar­beit­neh­mern ver­rich­te­te Mehr­ar­beit an­hand ar­beit­ge­ber­seits über­las­se­ner Lis­ten zu kon­trol­lie­ren; da­ne­ben ha­be er sich auf die be­vor­ste­hen­de Be­triebs­rats­sit­zung vor­be­rei­tet.
Erst­in­stanz­lich hat der Kläger be­an­tragt,
die Be­klag­te zu ver­ur­tei­len, an ihn 84,73 € brut­to nebst Zin­sen in Höhe von fünf Pro­zent­punk­ten über dem Ba­sis­zins­satz seit Rechtshängig­keit zu zah­len.
Sie hat die Auf­fas­sung ver­tre­ten, zwar sei im Fal­le der er­for­der­li­chen Wahr­neh­mung von Be­triebs­ratstätig­kei­ten außer­halb der Ar­beits­zeit ei­ne ge­wis­se Dau­er der Er­ho­lung zu berück­sich­ti­gen, wo­bei al­ler­dings nicht auf die nur für ei­ne Ar­beitstätig­keit maßgeb­li­che 11stündi­ge Ru­he­zeit ab­ge­stellt wer­den könne. An­ge­mes­sen sei­en acht St­un­den, so dass hier der Kläger am 17.07.2013 erst ab 05.00 Uhr zu Recht der Ar­beit fern­ge­blie­ben sei, um dann ab 13.00 Uhr an der Be­triebs­rats­sit­zung teil­zu­neh­men.
Der vor­an­ge­gan­ge­ne Zeit­raum von 11.45 Uhr bis 13.00 Uhr müsse un­berück­sich­tigt blei­ben, weil nicht er­sicht­lich sei, war­um der Kläger in die­ser Zeit er­for­der­li­che Amtstätig­kei­ten aus­geübt ha­be.
Zu­dem sei zu berück­sich­ti­gen, dass ein Aus­gleichs­an­spruch nach § 37 Abs. 3 Be­trVG auf die Frei­stel­lung nach § 37 Abs. 2 Be­trVG an­ge­rech­net wer­den könne.
Das Ar­beits­ge­richt hat mit Ur­teil vom 14.08.2014 die Kla­ge ab­ge­wie­sen. So­weit hier von re­le­vant, hat es im We­sent­li­chen aus­geführt, der Kläger ha­be nicht ver­mocht, die Er­for­der­lich­keit der Be­triebs­ratstätig­keit am 17.07.2013 von 11.45 Uhr bis 13.00 Uhr
dar­zu­le­gen. Die Ansprüche für die Zeit der Teil­nah­me an der Be­triebs­rats­sit­zung wie für die Zeit des vor­zei­ti­gen Ab­bruchs der Nacht­schicht sei­en erfüllt wor­den.
Ge­gen die­se Ent­schei­dung wen­det sich der Kläger mit sei­ner Be­ru­fung.
Er ist der Mei­nung, ne­ben der Zeit der Teil­nah­me an der Be­triebs­rats­sit­zung müsse ihm auch die Zeit der Vor­be­rei­tung auf die Sit­zung ein­sch­ließlich der Kon­trol­le der Mehr­ar­beits­lis­ten gut­ge­schrie­ben wer­den.
Die Ar­beits­be­frei­ung am 17.07.2013 ab 02.30 Uhr sei not­wen­dig ge­we­sen, um die Ge­samt­be­las­tung durch Ar­beits- und Amtstätig­keit in Gren­zen zu hal­ten.
Des­halb sei­en ihm ins­ge­samt 5,75 St­un­den gut­zu­schrei­ben.
das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts Ha­gen vom 14.08.2014 - 4 Ca 2022/13 - ab­zuändern und die Be­klag­te zu ver­ur­tei­len, dem Kläger auf dem in­di­vi­du­el­len Ar­beits­zeit­kon­to 5,75 St­un­den gut­zu­schrei­ben.
Sie führt aus, der Vor­trag zur Not­wen­dig­keit von Be­triebs­ratstätig­keit am 17.07.2013 im Zeit­raum von 11.45 Uhr bis 13.00 Uhr sei un­verändert nicht aus­rei­chend. Im Übri­gen sei­en sämt­li­che Ansprüche erfüllt.
Die zulässi­ge Be­ru­fung des Klägers ist in dem sich aus dem Te­nor er­sicht­li­chen Um­fang be­gründet; im Übri­gen war sie als un­be­gründet zurück­zu­wei­sen.
I. Der Kläger hat ge­genüber der Be­klag­ten aus § 611 Abs. 1 BGB i.V.m. § 37 Abs. 2 Be­trVG ei­nen An­spruch dar­auf, dass ihm die laut Mit­ar­bei­ter-Pro­to­koll (BI. 8 d. A.) für den 17.07.2013 von 03.00 Uhr bis 05.00 Uhr ab­ge­zo­ge­nen zwei St­un­den gut­ge­schrie­ben wer­den.
Nach § 37 Abs. 2 Be­trVG sind Mit­glie­der des Be­triebs­ra­tes von ih­rer be­ruf­li­chen Tätig­keit oh­ne Min­de­rung des Ar­beits­ent­gel­tes zu be­frei­en, wenn und so­weit es nach Um­fang und Art des Be­triebs zur ord­nungs­gemäßen Durchführung ih­rer Auf­ga­ben er­for­der­lich ist. Da­mit soll nach der zu­tref­fen­den Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts (07.06.1989 - 7 AZR 500/88 - AP Be­trVG 1972 § 37 Nr. 72) ei­ner­seits die Amtsführung ge­si­chert und an­de­rer­seits das Be­triebs­rats­mit­glied bei der Amts­ausübung vor Ent­gelt­nach­tei­len durch Ar­beits­versäum­nis geschützt wer­den. Des­halb ist § 37 Abs. 2 Be­trVG nicht nur dann ein­schlägig, wenn die Wahr­neh­mung von Be­triebs­rats­auf­ga­ben un­mit­tel­bar den Aus­fall der Ar­beits­leis­tung zur Fol­ge hat. Ei­ne Min­de­rung des Ar­beits­ent­gelts darf viel­mehr auch dann nicht ein­tre­ten, wenn ei­ne Be­triebs­ratstätig­keit außer­halb der Ar­beits­zeit liegt, sie aber die Er­brin­gung der Ar­beits­leis­tung unmöglich bzw. un­zu­mut­bar ge­macht hat (BAG, a.a.O.).
Die­se Vor­aus­set­zun­gen sind hier erfüllt. Geht man in­so­weit vom Be­ginn der Be­triebs­rats­sit­zung am 17.07.2013 um 13.00 Uhr aus, war es dem Kläger in je­dem Fall schon ab 03.00 Uhr nicht mehr zu­mut­bar, sei­ne Ar­beits­leis­tung als An­la­gen­be­die­ner in der Nacht­schicht zu er­brin­gen.
1. In dem Zu­sam­men­hang ist al­ler­dings vor­aus­zu­schi­cken, dass § 5 Abs. 1 Arb­ZG mit der dar­in zwin­gend vor­ge­ge­be­nen un­un­ter­bro­che­nen Ru­he­zeit von min­des­tens 11 St­un­den hier nicht gilt, weil es sich bei der Wahr­neh­mung von Be­triebs­rats­auf­ga­ben nicht um Ar­beits­zeit nach dem Ar­beits­zeit­ge­setz han­delt.
a) Un­ter Ar­beit im Sin­ne des § 2 Abs. 1 Satz 1 Halbs. 1 Arb­ZG ist je­de Tätig­keit zu ver­ste­hen, die der Be­frie­di­gung ei­nes ent­spre­chen­den ar­beit­ge­ber­sei­ti­gen Bedürf­nis­ses dient (BAG, 25.04.1962 - 4 AZR 213/61 - AP BGB § 611 Mehr­ar­beits­vergütung Nr. 6; Anz­in­ger/Ko­ber­ski, Arb­ZG, 4. Aufl., § 2 Rn. 9; Ba­eck/Deutsch, Arb­ZG, 3. Aufl., § 2 Rn. 4). So wird auch in Art. 2 Abs. 1 der Richt­li­nie 2003/88/EG als ein maßgeb­li­cher As­pekt für Ar­beits­zeit her­vor­ge­ho­ben, dass der Ar­beit­neh­mer dem Ar­beit­ge­ber zur Verfügung steht. Prägend für das Vor­lie­gen von Ar­beit ist al­so, dass für ei­nen Ar­beit­ge­ber be­stimm­te, sei­nem Wei­sungs­recht nach § 106 Ge­wO un­ter­lie­gen­de Tätig­kei­ten ver­rich­tet wer­den.
b) Die­se Vor­aus­set­zun­gen lie­gen bei der Er­le­di­gung von Be­triebs­rats­auf­ga­ben nicht vor. Denn der Be­triebs­rat und sei­ne Mit­glie­der wer­den zum Wohl der Ar­beit­neh­mer und des Be­triebs (§ 2 Abs. 1 Be­trVG) auf­grund ei­nes ih­nen in ei­ner de­mo­kra­ti­schen Wahl ver­lie­he­nen Man­dats tätig und neh­men in die­ser Po­si­ti­on Amts­auf­ga­ben wahr, oh­ne da­bei an ir­gend­wel­che für ei­ne Ar­beit im Sin­ne des § 2 Abs. 1 Satz 1 Halbs. 1 Arb­ZG prägen­den Wei­sun­gen des Ar­beit­ge­bers ge­bun­den zu sein.
Bestätigt wird die­ses Er­geb­nis durch die Be­stim­mung des § 37 Abs. 1 Be­trVG, wo­nach Be­triebs­rats­mit­glie­der ein Eh­ren­amt führen, al­so Amts- und kei­ne Ar­beitstätig­kei­ten ausführen. Da­zu passt wie­der­um die Re­ge­lung in § 37 Abs. 3 Satz 3 Halbs. 2 Be­trVG, wo­nach auf­ge­wen­de­te Zeit un­ter be­stimm­ten Vor­aus­set­zun­gen „wie" Mehr­ar­beit zu vergüten ist, sie al­so tatsächlich kei­ne Mehr­ar­beit ist, son­dern in dem kon­kre­ten Zu­sam­men­hang ent­geltmäßig nur so zu be­han­deln ist.
Nach al­le­dem sind al­so die Vor­schrif­ten des Ar­beits­zeit­ge­set­zes ein­sch­ließlich der Be­stim­mung des § 5 Abs. 1 Arb­ZG nicht un­mit­tel­bar an­wend­bar (vgl. BAG, 19.07.1977 - 1 AZR 376/74 - AP Be­trVG 1972 § 37 Nr. 29; 07.06.1989 - 7 AZR 500/88 - AP Be­trVG 1972 § 37 Nr. 72; LAG Schles­wig-Hol­stein, 30.08.2005 - 5 Sa 161/05 - ju­ris; ArbG Lübeck, 07.12.1999 - 6 Ca 2589/99 - NZA-RR 2000, 427; Man­stet­ten, AiB 1996, 214; Wie­bau­er, NZA 2013, 540; Till­manns, ArbR 2012, 477; a.A. Schul­ze, ArbR 2012, 475).
2. Al­ler­dings ist im Rah­men der an­zu­stel­len­den Ein­zel­fal­lerwägun­gen zur Un­zu­mut­bar­keit der Ar­beits­leis­tung we­gen be­vor­ste­hen­der Be­triebs­ratstätig­keit ei­ner­seits zu berück­sich­ti­gen, dass na­ment­lich die Teil­nah­me an ei­ner Be­triebs­rats­sit­zung von den An­for­de­run­gen an Auf­merk­sam­keit und geis­ti­ger Leis­tungsfähig­keit den­je­ni­gen bei der Er­brin­gung der ver­trag­lich ge­schul­de­ten Ar­beits­leis­tung nicht nach­steht (BAG, 07.06.1989 - 7 AZR 500/88 -AP Be­trVG 1972 § 37 Nr. 72).
An­de­rer­seits ist der Schutz­zweck des § 5 Abs. 1 Arb­ZG zu be­ach­ten, wo­nach die elfstündi­ge un­un­ter­bro­che­ne Ru­he­zeit der an­ge­mes­se­nen Ent­span­nung und Er­ho­lung so­wie der Ent­fal­tung der Persönlich­keit außer­halb des Be­rufs­le­bens dient (vgl. BT-Druck­sa­che 10/2188, S. 14); es soll si­cher­ge­stellt wer­den, dass Beschäftig­te nicht we­gen Übermüdung oder we­gen ei­nes un­re­gelmäßigen Ar­beits­rhyth­mus sich selbst, Kol­le­gen oder sons­ti­ge Per­so­nen ver­let­zen und we­der kurz- noch lang­fris­tig ih­re Ge­sund­heit schädi­gen (vgl. Art. 2 Abs. 9 RL 2003/88/EG).
Na­ment­lich wird durch den Zeit­rah­men des § 5 Abs. 1 Arb­ZG der Er­kennt­nis Rech­nung ge­tra­gen, dass der in­di­vi­du­el­le men­sch­li­che Schlaf­be­darf zur not­wen­di­gen Re­ge­ne­rie­rung von Körper und Geist un­ter­schied­lich ist und zwi­schen sechs bis zu über acht St­un­den lie­gen kann, wo­bei ei­ne Um­fra­ge ein Mit­tel von sie­ben St­un­den 14 Mi­nu­ten er­ge­ben hat (Ge­sund­heits­be­richt­er­stat­tung des Bun­des, Heft 27, Schlafstörun­gen, 2005, hrsgg. vom Ro­bert-Koch-In­sti­tut, S. 7).
Un­ter Berück­sich­ti­gung der auf­ge­zeig­ten Ge­sichts­punk­te ist es nicht zu be­an­stan­den, wenn der Kläger zur Gewähr­leis­tung der in­di­vi­du­ell für ihn not­wen­di­gen Zei­ten der Ent­span­nung und Er­ho­lung ins­ge­samt 10 St­un­den in An­spruch ge­nom­men hat, be­vor er am 17.07.2013 ab 13.00 Uhr an ei­ner Be­triebs­rats­sit­zung teil­nahm, die ihn, wo­von aus­ge­gan­gen wer­den kann, hin­sicht­lich des Gra­des der Auf­merk­sam­keit und der geis­ti­gen Leis­tungsfähig­keit ver­gleich­bar ge­for­dert hat wie sei­ne Tätig­keit als An­la­gen­be­die­ner.
Dem­ent­spre­chend war es im Sin­ne des § 37 Abs. 2 Be­trVG zur Si­cher­stel­lung ei­ner ord­nungs­gemäßen Durchführung der be­vor­ste­hen­den Amts­auf­ga­be, an der zwei­ein­halbstündi­gen Be­triebs­rats­sit­zung teil­zu­neh­men, auch er­for­der­lich, be­reits um 03.00 Uhr die Ar­beit zu be­en­den. Dar­aus folgt wie­der­um, dass dem Kläger (auch) die fol­gen­den zwei St­un­den ent­spre­chend den zu­grun­de lie­gen­den Ab­re­den zur Ar­beits­zeit­fle­xi­bi­li­sie­rung auf sei­nem in­di­vi­du­el­len Ar­beits­zeit­kon­to gut­zu­schrei­ben sind (vgl. BAG, 15.02.2012 - 7 AZR 774/10 - AP Be­trVG 1972 § 37 Nr. 154).
II. Ein An­spruch auf Gut­schrift wei­te­rer 2,5 St­un­den er­gibt sich aus § 37 Abs. 3 Satz 1 Be­trVG, weil der Kläger am 17.07.2013 aus be­triebs­be­ding­ten Gründen außer­halb sei­ner Ar­beits­zeit an der von 13.00 Uhr bis 15.30 Uhr dau­ern­den Be­triebs­rats­sit­zung teil­ge­nom­men hat.
Nach der zu­tref­fen­den Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts (zu­letzt 28.05.2014 - 7 AZR 404/12 - ZTR 2014, 677 m.w.N.) lie­gen be­triebs­be­ding­te Gründe im­mer dann vor, wenn be­stimm­te Ge­ge­ben­hei­ten und Sach­zwänge in­ner­halb der Sphäre des Be­triebs die Un­durchführ­bar­keit von Be­triebs­ratstätig­kei­ten während der Ar­beits­zeit be­din­gen.
Wenn hier der elfköpfi­ge Be­triebs­rat in ei­nem Schicht­be­trieb mit Rück­sicht auf be­trieb­li­che Not­wen­dig­kei­ten (§ 30 Satz 2 Be­trVG), na­ment­lich den (un­ter­schied­li­chen) Schicht­ein­satz sei­ner Mit­glie­der, nach vor­he­ri­ger Verständi­gung der Be­klag­ten § 30 Satz 3 Be­trVG) für den 17.07.2013 ab 13.00 Uhr ei­ne Sit­zung ab­ge­hal­ten hat, kann man­gels Wi­der­spruch der Be­klag­ten für den Kläger da­von aus­ge­gan­gen wer­den, dass des­sen Teil­nah­me an die­ser Sit­zung außer­halb sei­ner in­di­vi­du­el­len Ar­beits­zeit durch Gründe in der Sphäre der Be­klag­ten be­dingt war. Des­halb kann er für die 2,5 St­un­den Frei­zeit­aus­gleich bzw. ei­ne ent­spre­chen­de Gut­schrift auf sei­nem Ar­beits­zeit­kon­to ver­lan­gen.
Der von der Be­klag­ten in dem Zu­sam­men­hang vor­ge­brach­te An­rech­nungs­ein­wand greift nicht durch, weil der Kläger, wie aus­geführt, gemäß § 37 Abs. 2 Be­trVG für den aus­ge­fal­le­nen Teil der Nacht­schicht in vol­lem Um­fang ei­nen Zeit­aus­gleich ver­lan­gen kann und ihm da­ne­ben gemäß § 37 Abs. 3 Satz 1 Be­trVG zur Be­gren­zung sei­ner Ar­beits­be­las­tung in­fol­ge der Teil­nah­me an der Be­triebs­rats­sit­zung ei­ne zusätz­li­che Gut­schrift von 2,5 St­un­den zu­steht.
III. Hin­ge­gen kann der Kläger nicht ver­lan­gen, dass ihm wei­te­re 1,25 St­un­den für den Zeit­raum von 11.45 Uhr bis 13.00 Uhr am 17.07.2013 gut­ge­schrie­ben wer­den, weil in­so­weit die Vor­aus­set­zun­gen des § 37 Abs. 3 Satz 1 Be­trVG nicht erfüllt sind.
Denn un­abhängig da­von, ob der Kläger im ge­nann­ten Zeit­raum tatsächlich er­for­der­li­che Be­triebs­ratstätig­kei­ten ver­rich­tet hat, steht sei­nem Be­geh­ren ent­ge­gen, dass von ihm kei­ne Ge­sichts­punk­te dafür vor­ge­bracht wor­den sind, war­um er (auch) die­se Amts­auf­ga­ben aus be­triebs­be­ding­ten Gründen außer­halb sei­ner in­di­vi­du­el­len Ar­beits­zeit er­brin­gen muss­te. Kon­kret hätte er dar­le­gen müssen, war­um es ihm we­gen wel­cher ent­ge­gen­ste­hen­den be­trieb­li­chen Ge­ge­ben­hei­ten nicht möglich war, die Mehr­ar­beits­kon­trol­len so­wie die Vor­be­rei­tung auf die Be­triebs­rats­sit­zung während sei­ner übli­chen Ar­beits­zeit, na­ment­lich z.B. in den ers­ten St­un­den der Nacht­schicht vom 16. auf den 17.07.2013, vor­zu­neh­men.
We­gen der grundsätz­li­chen Be­deu­tung der in­so­weit ent­schei­dungs­er­heb­li­chen Rechts­fra­ge war für die Be­klag­te die Re­vi­si­on gemäß § 72 Abs. 2 Nr. 1 ArbGG zu­zu­las­sen. Im Übri­gen la­gen kei­ne Gründe für die Zu­las­sung der Re­vi­si­on vor.
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