Source: http://doczz.nl/doc/809557/abfallwirtschaftskonzept-2015-2019
Timestamp: 2017-11-19 17:40:28
Document Index: 32757327

Matched Legal Cases: ['§ 6', '§ 2', '§ 11', '§ 11', '§ 19', '§ 9', '§ 4', '§ 9', '§ 14', '§ 4', '§ 17', '§ 20']

Abfallwirtschaftskonzept 2015-2019
Gera, 3. Dezember 2015
2015 – 2019 (2025)
Beschreibung der IST- Situation
Bisherige abfallwirtschaftliche Maßnahmen
Vorhandene Entsorgungsinfrastruktur
Müllumladestationen (MUS)
Kompostieranlage Untitz
Kompostieranlage Mehla
Sperrmüllverwertung Untitz
Sperrmüllverwertung Mehla
Deponie Krölpa-Chursdorf
Deponie Untitz (Ab 2017)
Angaben über das vorhandene und geplante Gebührensystem
Voraussichtliche Veränderungen im Gebührensystem
Voraussichtliche Entwicklung der Abfallgebühren
Stoffliche Zusammensetzung des Hausmülls
Hausmüllanalyse 2014
Recycling- und Schadstoffentfrachtungspotential im Hausmüll
Beurteilung der abfallwirtschaftlichen Maßnahmen aus Sicht der
Hausmüllanalysen 2008 und 2014
Angaben über geplante Maßnahmen
Die Wertstofftonne - Gelbe Tonne
Vorbehandlung Hausmüll
Ausbau der Bioabfallerfassung
Vorbehandlung von Sperrmüll und Schrott
Sammlung und Verwertung von Elektronikschrott
Beratung und Öffentlichkeitsarbeit zur Abfallentsorgung
Deponie Krölpa/Chursdorf
Deponie Untitz
Rückhalte- / Havarieflächen
Prognosemengen nach Anlagen
Abfälle zur Beseitigung - Zweckverband
Restabfallbehandlung Ostthüringen (ZRO)
Kompostieranlagen im Verbandsgebiet
Sperrmüllverwertungsanlagen im Verbandsgebiet
Der Abfallwirtschaftszweckverband Ostthüringen (AWV) ist gemäß Thüringer Verordnung über
Abfallwirtschaftskonzepte und Abfallbilanzen der öffentlich-rechtlichen Entsorgungsträger
(Thüringer Abfallwirtschaftskonzept- und - bilanzverordnung) vom 23. Juni 2003, geändert
durch Verordnung vom 22. November 2013, verpflichtet, ein Abfallwirtschaftskonzept zu erstellen und fortzuschreiben.
Der mit dem Abfallwirtschaftskonzept abzudeckende Planungszeitraum hat auf der Grundlage
des Ist-Zustands bei Planungsbeginn die auf die Planaufstellung folgenden fünf Jahre zu umfassen. Darüber hinaus sind bei der Darstellung des Bedarfs an Entsorgungskapazitäten zukünftige, innerhalb eines Zeitraums von mindestens zehn Jahren zu erwartende, Entwicklungen in angemessener Weise zu berücksichtigen.1
Das Konzept soll den Nachweis einer mindestens zehnjährigen Entsorgungssicherheit erbringen. Gelingt dies nicht, soll der öffentlich-rechtliche Entsorgungsträger (örE) veranlasst werden, eindeutige und rechtzeitige Entscheidungen zu treffen.
In Thüringen ist außerdem die voraussichtliche Gebührenentwicklung unter Berücksichtigung
der Maßnahmen zur Abfallvermeidung, Wiederverwendung, Recycling, sonstigen Verwertung
und Beseitigung darzustellen. Das dient dem Ziel, dass vor allem die besonders kostenintensiven Maßnahmen schon während der Planung regelmäßig auf ihre Gebührenrelevanz überprüft und ggf. kostensenkende Maßnahmen ergriffen werden.
Bei der Erstellung von Abfallwirtschaftskonzepten sind die Ziele, Grundsätze sowie die sonstigen Erfordernisse der Raumordnung zu beachten und zu berücksichtigen.
Um die Transparenz gegenüber den Bürgern zu stärken, die den Erfolg von Abfallvermeidung,
Wiederverwendung, Recycling und Abfallverwertung immerhin entscheidend mitbestimmen,
sind die Konzepte der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Die Einwohner haben ein Einsichtsrecht, das – im Unterschied zum Auskunftsanspruch nach dem Umweltinformationsgesetz – gebührenfrei ist.
In Anbetracht der Verlagerung wichtiger Entsorgungsaufgaben in die Privatwirtschaft durch
das KrWG sind die Berührungspunkte mit den privaten Entsorgungsträgern zu bestimmen.
Das vorliegende Abfallwirtschaftskonzept basiert auf einer im letzten Jahrzehnt gefestigten
Abfallwirtschaft in der Region des AWV Ostthüringen. Hervorzuheben ist dabei die überregionale Zusammenarbeit der örE der Planungsregion Ostthüringen. Wichtigstes Element der Entsorgungssicherheit für Abfälle zur Beseitigung ist die entsprechende Aufgabenübertragung an
den Zweckverband Restabfallbehandlung Ostthüringen (ZRO) ab dem 1.6.2005.
Im Konzept werden grundlegende Überlegungen zur Organisation der öffentlichen Abfallentsorgung dokumentiert.
Prognosen zur wirtschaftlichen Entwicklung der Region haben für dieses Konzept eine untergeordnete Bedeutung, da die Aufgabe der öffentlichen Abfallentsorgung zunehmend auf die
Privathaushalte und Kleingewerbe begrenzt ist. Industrie und Handel organisieren in der Regel
eine Abfallentsorgung, ohne die Infrastruktur des örE zu nutzen.
Die duale Abfallwirtschaft ist durch den Wandel von der Abfallwirtschaft zur Rohstoffwirtschaft
gekennzeichnet. Der Verband trägt mit vorliegendem Konzept dieser Situation Rechnung. Dabei wurden abfallwirtschaftliche Maßnahmen an den Auswirkungen auf die Gebühren beurteilt.
§ 6 Thüringer Verordnung über Abfallwirtschaftskonzepte und Abfallbilanzen der öffentlich-rechtlichen Entsorgungsträger (Thüringer Abfallwirtschaftskonzept- und - bilanzverordnung) vom 23. Juni 2003; letzte Änderung
und Streichung von Verweisungen: §§ 2, 4, 5, 7, 9, 10 sowie Streichung der Befristung in § 11 geändert durch
Verordnung vom 22. November 2013 (GVBL S. 337)
2 Beschreibung der IST- Situation
Im AWV Ostthüringen sind die Stadt Gera und der Landkreis Greiz Mitglied.
Die Stadt Gera war bis 1990 ein bedeutender Industriestandort mit den Branchen Textilmaschinenbau, Textilindustrie, Maschinenbau, Elektronik sowie Feinmechanik/Optik. Heute zählt die
Stadt 94.492 Einwohner (31.12.2014). Die Wirtschaft Geras konzentriert sich auf den Dienstleistungssektor, die Automobilzulieferindustrie,
den Maschinenbau, die optische Industrie, die
Umwelttechnologie und den Handel.
Im Landkreis Greiz leben 101.382 Einwohner
(31.12.2014). Der Landkreis Greiz verfügt über 9
Städte, 37 Gemeinden und 3 Verwaltungsgemeinschaften. Die größten Städte sind:
21.111 Einwohner
18.132 Einwohner
8.657 Einwohner
4.994 Einwohner
Vor allem klein- und mittelständische Unternehmen sind im Landkreis Greiz ansässig. Wichtige
Zweige im verarbeitenden Gewerbe sind die
chemische Industrie, speziell die Gummi- und
Kunststoffwarenherstellung, die Textilindustrie,
die Lebens- und Genussmittelindustrie, die Holzverarbeitung sowie die metallverarbeitende Industrie. Eine Fläche von etwa 520 km² wird landwirtschaftlich genutzt.
Die Bevölkerungsdichte im gesamten Verbandsgebiet liegt mit 196 EW/km² leicht über dem
Durchschnitt Thüringens mit 133 EW/km².
Einwohner (31.12.14)
Einwohner je km² (31.12.14)
Die Hausmüllabfuhr findet im Holsystem statt. Alle Grundstücke werden nach einem festen
Tourenplan regelmäßig angefahren. In Städten mit hoher Einwohnerdichte erfolgt die Abfuhr
wöchentlich, im übrigen Gebiet 14-täglich. Die Bereitstellung zur Leerung erfolgt durch den
Nutzer nach Bedarf, unter Beachtung der Mindestleerungsregelung. Auf eine Regelabfuhr
wurde verzichtet, da die Gesamtkosten der Abfallentsorgung hierbei tendenziell höher sind
und der Anreiz zur Müllvermeidung/ -trennung weniger ausgeprägt ist. Die tatsächlichen Leerungen werden mit elektronischer Behälteridentifikation (IDENT- System, Transponder) erfasst
und seit 1999 gebührenwirksam abgerechnet.
In Großwohnanlagen sind die Behälter vor unbefugtem Zugang geschützt. An den Standplätzen erfolgt eine aktive Betreuung durch die Wohnungsunternehmen (Bereitstellung, ordnungsgemäße Befüllung, Reinigung).
Eingesetzt werden MGB 80 Liter bis MGB 1100 Liter.
Dienstleistungsangebot 2016
Im Verbandsgebiet ist die flächendeckende Sammlung von Bioabfall gemäß § 11 Abs. 1 KrWG
eingeführt. Die Entsorgung des Bioabfalls erfolgt im Hol- und Bringsystem. Seit 1996 wird im
Holsystem in der Stadt Gera und seit 1997 in Städten (größer 5.000 Einwohner) des LK Greiz
die Nutzung der Biotonne angeboten. Alle Grundstücke werden nach einem festen Tourenplan
wöchentlich angefahren. Die Häufigkeit der Bereitstellung zur Leerung ist aus hygienischen
Gründen nicht gebührenrelevant. Die tatsächlichen Leerungen werden wie beim Hausmüll erfasst, aber hier für interne Zwecke genutzt. Eingesetzt werden MGB 120 Liter und MGB 240
Im Bringsystem kann Bioabfall an allen 16 vom AWV geförderten Recyclinghöfen sowie an
den im Verbandsgebiet ansässigen Kompostieranlagen abgegeben werden. Ein besonderer
Anreiz sind die kostenfreie Abgabe an den Recyclinghöfen in den Monaten März und November sowie die Nutzung der Kundenkarte (Jahresgebühr 12,00 €).
Eigenkompostierung wird von Grundstückseigentümern genutzt, die die Möglichkeit der Verwertung von Bioabfall auf dem Grundstück haben. Bioabfall wird somit dort verwertet, wo er
entsteht. Zusätzlich besteht aber auch für die Eigenkompostierer die Möglichkeit, einzelne Bioabfälle im Bringsystem einer Verwertung zuzuführen.
Das Altpapier – wie nicht verschmutztes Papier, Zeitungen, Zeitschriften und Verpackungen
aus Papier/Pappe – wird im Verbandsgebiet mit der Blauen Tonne im Holsystem erfasst. Alle
Grundstücke werden nach einem festen Tourenplan regelmäßig angefahren. Eingesetzt werden MGB 120 Liter bis MGB 1100 Liter, die 4-wöchentlich geleert werden. In Gebieten mit
hoher Einwohnerdichte erfolgt die Abfuhr der MBG 1.100 Liter 14-täglich bis wöchentlich.
Ergänzend erfolgt eine Annahme von Altpapier an allen Recyclinghöfen. Für Zeitungen und
Zeitschriften gilt eine Bestpreisgarantie in der jeweiligen Gemeinde. Außerdem organisiert der
Verband eine gemeinnützige Sammlung (Kindereinrichtungen, Schulen) für Zeitungen und
Zeitschriften. Auch hier erfolgt eine entsprechende Vergütung.
Für sperrige Gegenstände, die auf Grund ihrer Größe oder Art nicht in den am Grundstück
vorhandenen Abfallbehältern entsorgt werden können, ist seit 2006 ein Abrufsystem eingerichtet. Die Abrufbestellung erfolgt telefonisch. Gegenwärtig werden über Abruf die Fraktionen
Sperrmüll (Holz und Haushaltsgegenstände), Schrott, Elektro- und Elektronikgroßgeräte und
in der Stadt Gera Schadstoffe gesammelt. Jedes Objekt ist einer festen Tour zugeordnet. In
Städten größer 5.000 Einwohner werden 12 Termine pro Jahr angeboten. In allen übrigen
Gemeinden werden für Sperrmüll und Schrott 4, für E-Großgeräte 12 Termine pro Jahr angeboten. Es wurde eine ausschließlich telefonische Beauftragung gewählt, um eine gute Kundenberatung zu gewährleisten.
In den Großwohnanlagen in der Stadt Gera erfolgt die Sperrmüllsammlung über Abrollcontainer (ARC). Die Wohnungsunternehmen erhalten ein von der Anzahl der Mieter abhängiges
Kontingent an ARC, die sie nach Bedarf abrufen können. Für Elektrogroßgeräte werden hier
über die Abrufsammlung auch 12 Abholtermine angeboten.
Das Abrufsystem wird ergänzt durch die Möglichkeit der kostenlosen Abgabe von Sperrmüll,
Schrott und E-Geräten an den Recyclinghöfen im Verbandsgebiet.
Die Recyclinghöfe sind Dienstleistungszentren und vervollständigen das Angebot der öffentlich-rechtlichen Sammlung. Mit dem Betreiben von 16 Recyclinghöfen, incl. Kleinannahmezentrum Untitz und Krölpa, wurde eine flächendeckende Möglichkeit zum Erfassen von Abfällen zur Verwertung und Beseitigung geschaffen. Diese große Anzahl und die damit verbundene Ortsnähe sind wirtschaftlich darstellbar, da der AWV den Betrieb eines Recyclinghofes
nur bezuschusst (fördert). Die wichtigsten Merkmale sind:
Abgabe Sperrmüll
Abgabe Elektro- und Elektronikgeräte
Abgabe Schadstoffe (gesonderte Annahmezeiten)
Grünschnitt in den Monaten März und November
Abgabe Hausmüll und Bauschutt
Grünschnitt außer März und November
Vergütung (marktpreisabhängig):
Abgabe Zeitungen und Zeitschriften
Abgabe weiterer Verpackungen (PET-Flaschen, Getränkekartons, usw.)
Wertstofftonne - Gelbe Tonne AWV PLUS
Die Sammlung der Verkaufsverpackungen erfolgt durch die Systemanbieter entsprechend
Verpackungsverordnung (Duale Systeme). Dazu wurde jeweils 2008, 2012 und neu 2015 mit
dem AWV eine Abstimmungsvereinbarung geschlossen.
Seit 2010 ist die Miterfassung stoffgleicher Nichtverpackungen gesetzlich erlaubt. Der Verband
hat sich für eine Miterfassung von Kunststoffen und Metallen in der Gelben Tonne AWV PLUS ab
dem 01.01.2011 entschieden.
Leichtverpackungen und stoffgleiche Nichtverpackungen werden im Verbandsgebiet seit 2010
vollständig im Holsystem Gelbe Tonne – seit 2011 Gelbe Tonne AWV PLUS - erfasst. Alle Grundstücke werden nach einem festen Tourenplan regelmäßig angefahren. Eingesetzt werden
MGB 120 Liter bis MGB 1100 Liter, die 4-wöchentlich geleert werden. In Gebieten mit hoher
Einwohnerdichte erfolgt die Abfuhr der MBG 1.100 Liter 14-täglich bis wöchentlich.
Die Sammlung von Verpackungsglas erfolgt durch die Systemanbieter entsprechend Verpackungsverordnung (Duale Systeme). Dazu wurde zuletzt 2015 mit dem AWV eine Abstimmungsvereinbarung geschlossen. Glas wird im Verbandsgebiet getrennt nach Weiß-, Grünund Braunglas im Bringsystem (IGLUS) gesammelt. Standplätze sind durch die Gemeinden
zur Nutzung bereitzustellen. Für die Befestigung der Standplätze werden Zuschüsse gezahlt.
Zur regelmäßigen Reinigung der Standplätze wurden entsprechende Vereinbarungen geschlossen.
In der Abfallwirtschaftssatzung des Verbandes ist die getrennte Sammlung von Abfällen festgeschrieben. Um die getrennte Erfassung der einzelnen Abfallfraktionen auch durchzusetzen,
wurden entsprechende Anreize geschaffen. Dies beginnt bereits bei der Festlegung des Gebührensystems – Bedarfsabfuhr, IDENT-System – siehe Punkt 2.5. Die Anzahl der Leerungen
eines Hausmüllbehälters ist abhängig vom Müllverhalten der angeschlossenen Personen. Bei
ordnungsgemäßer Mülltrennung und Nutzung der angebotenen Leistungen fallen somit weniger Behälterleerungen und damit Abfallentsorgungsgebühren an. Getrennt vom Hausmüll werden im Hol- und Bringsystem Bioabfall, Altpapier, Leichtverpackungen und stoffgleiche Nichtverpackungen in der Gelben Tonne AWV Plus, Verpackungsglas, Sperrmüll, Schrott, Elektro- und
Elektronikaltgeräte sowie gefährliche Abfälle (Sonderabfall-Kleinmengen) gesammelt. An den
16 Recyclinghöfen im Verbandsgebiet werden alle diese Abfälle sowie gewerbliche Abfälle
und Abfälle aus Bautätigkeit in haushaltüblichen Mengen angenommen. In den Monaten März
und November wird Bioabfall, wie Baum- und Strauchschnitt, zusätzlich an den „rollenden Recyclinghöfen“ in den Ortsteilen von Gera angenommen.
In welcher Art und Weise diese angebotenen Leistungen vom Bürger angenommen werden,
ist z.B. abhängig von der Gebührenhöhe, der Handhabung bzw. des Aufwandes bei der Nutzung des Sammelsystems und der Information der Bürger. Der Anreiz und auch die Erreichbarkeit der Bürger im Strukturgebiet Land/Stadtrand (siehe Punkt 3) ist sehr hoch, da der Einfluss des Einzelnen auf die Mülltrennung und damit die Gebührenhöhe unmittelbar gegeben
ist. Dieser starke Anreiz zur Vermeidung der Nutzung des Hausmüllbehälters begründet jedoch die Gefahr, dass zumindest einige Nutzer ihren Hausmüll auf andere – unzulässige –
Weise entsorgen. Dieser „Verlockung“ wirken die Mindestleerungen (siehe Punkt 2.5.1) entgegen. Damit soll erreicht werden, dass es nicht zu einer Verschiebung von Mengen aus den
Abfallströmen des Hausmüllsammelsystems in den Bereich des Sperrmülls, Bioabfalls und in
die Wertstoffe kommt. Im Gegensatz dazu nimmt der Einzelne im Strukturgebiet Großwohnanlage mit seinem individuellen Müllverhalten wenig Einfluss auf den Bestandteil Abfallentsorgung in der Betriebskostenabrechnung. Deshalb befinden sich auch in den Hausmüllbehältern
der Großwohnanlagen viele Wertstoffe und Bioabfall. Die Öffentlichkeitsarbeit muss deshalb
weiterhin verstärkt auf diese Zielgruppe ausgerichtet sein.
In der Stadt Gera erfolgte zum 01.01.1996 die Durchsetzung des Anschluss- und Benutzungszwangs an die Biomüllsammlung. Auf Grundlage der so genannten „Speckitonne“ aus DDR-Zeiten erfolgte 1989
die Umwandlung in die Biotonne. In den Jahren 1993 bis 1998 wurde
der eingesammelte Biomüll in einer Mietenkompostierung verarbeitet.
Da die Kapazitäten nicht ausreichten, wurde 1998 die Intensivrotte in
Untitz in Betrieb genommen.
Mit Inkrafttreten der Abfallwirtschaftssatzung des AWV Ostthüringen
vom 08.12.1995 war im § 19 Abs. 3 die Elektronikschrottsammlung ab
01.01.1996 geregelt. Die Erfassung der Kleingeräte erfolgte am
Schadstoffmobil, die Erfassung der Großgeräte zweimal jährlich zu
festen Terminen. Die Anmeldung zur Abholung der Großgeräte fand
am Schadstoffmobil oder telefonisch beim jeweiligen Entsorger statt.
Mit der Verwertung wurden ortsnahe Unternehmen beauftragt.
In diesem Jahr begann die Biomüllsammlung in Städten ab 5.000 Einwohner. Ausgangspunkt waren neben abfallwirtschaftlichen auch wirtschaftliche Aspekte. Es musste geklärt werden, in welchen Gebieten
überwiegend Eigenkompostierung erfolgt und somit wenig Bedarf für
eine öffentliche Biomüllsammlung besteht. Die Kompostierung des
Biomülls aus den Städten Ronneburg und Weida erfolgte über die
Kompostieranlage in Untitz und aus den Städten Greiz und Zeulenroda
über die Kompostieranlage Mehla.
In Ergänzung zu den Standardabfallsammelsystemen wie Haus- und
Biomüllsammlung, Schadstoffsammlung und Sperrmüllsammlung
sollte eine Möglichkeit für den Bürger geschaffen werden, Abfälle zu
entsorgen, die nicht über die bestehenden Sammelsysteme abgedeckt
sind. Mit der Umsetzung des Recyclinghofkonzeptes, flächendeckend
im Verbandsgebiet Recyclinghöfe zu installieren, wurden einheitliche
Entsorgungsmöglichkeiten und Annahmebedingungen geschaffen, die
Ordnungsmäßigkeit der Verwertung und Entsorgung überwacht, das
Umweltbewusstsein der Bürger gefördert, bürgerfreundliche Öffnungszeiten geschaffen und dies bei minimalen Kosten.
Nachdem im Jahr 1997 die Verbandsversammlung die Einführung der
Behälteridentifikation beschlossen hatte, erfolgte die Ausschreibung
und Vergabe der Leistung. Die Voraussetzungen für das Gelingen des
IDENT-Systems wurden 1998 geschaffen. So wurde die Verschließbarkeit der Müllgroßbehälter in Großwohnanlagen realisiert, indem
Schlösser an die Behälter montiert und allen Mietern die Schlüssel
übergeben wurden. Bereits 1995 wurden in den Großwohnanlagen die
Müllgroßbehälter jeweils einer kleinen Müllgemeinschaft zugeordnet.
Am 01.01.1999 startete planmäßig die Behälteridentifikation. Damit
wurde die Bedarfsabfuhr beim Hausmüll in der Stadt Gera umgesetzt.
In Landkreis Greiz gab es mit dem, bis zum 31.12.1998 gültigen Müllmarkensystem, bereits vorher eine Bedarfsabfuhr.
Um für die Mieter in Großwohnanlagen die Bedarfsabfuhr erfolgreich
umzusetzen, war neben der Verschließbarkeit der Müllgroßbehälter
auch die Betreuung der Standplätze notwendig. Besonders bewährte
sich das Hausmeisterprinzip.
Die schrittweise Umstellung der Wertstoffentsorgung (Altpapier und
Leichtverpackungen) vom Bring- auf das Holsystem in der Stadt Gera
Erarbeitung und Beschluss der neuen Abfallwirtschafts- und Abfallgebührensatzung zum 01.01.2002.
Anschreiben aller Verwaltungsgemeinschaften, Städte und Gemeinden im Landkreis Greiz in Vorbereitung der Ausschreibung des DSD,
zur Entscheidung über das Sammelsystem für Altpapier und Leichtverpackungen.
Zur Sicherung und Rekultivierung der Deponie Greiz-Gommla erfolgte
die Müllumlagerung und Profilierung auf der Hausmülldeponie.
Gebührenmarken für das Abholen von Elektro- und Elektronikschrott
am Grundstück wurden eingeführt. Dadurch gingen die Sammelmengen stark zurück.
Auf der geschlossenen Deponie Greiz-Gommla wurde der Altteil der
Deponie rekultiviert und die Oberflächenabdeckung aufgebracht.
Teilweise Umstellung der Wertstoffentsorgung im Landkreis Greiz vom
Bring- auf das Holsystem.
Zum 01.06.2005 erfolgte die Schließung der Hausmülldeponie Untitz.
Die Beseitigung der Abfälle übernahm ab diesem Zeitpunkt der ZRO.
Erarbeitung und Beschluss der neuen Abfallwirtschafts- und Abfallgebührensatzung zum 01.01.2006.
Zum 24.03.2006 trat das ElektroG in Kraft. Damit war eine kostenlose
Abgabe der Altgeräte an den Übergabestellen möglich. Da die Verwertung dieser Geräte in die Zuständigkeit des Rücknahmesystems überging, endeten die Verträge mit ortsnahen Verwertern.
Nachdem Mitte 2005 mit der Verwertung des eingesammelten Sperrmülls begonnen wurde und sich diese auch als wirtschaftlich sinnvoll
erwies, wurde ab 2006 der im gesamten Verbandsgebiet eingesammelte und abgegebene Sperrmüll einer Verwertung zugeführt.
Die Verbandsversammlung beschloss, die Verpachtung einer Teilfläche der rekultivierten Deponie Greiz-Gommla zur Errichtung einer Fotovoltaikanlage auszuschreiben.
Ausschreibung und Vergabe des Vertrages zur Durchführung der öffentlichen Abfallentsorgung in der Stadt Gera ab 01.01.2009.
In Vorbereitung der Ausschreibung zur Wertstofferfassung durch die
Systemanbieter beschloss die Verbandsversammlung die Umstellung
auf 100 % Holsystem bei Leichtverpackungen und Papier/Pappe/Kartonagen sowie die Einführung der Gelben Tonne PLUS unter Vorbehalt
Zur Reduzierung der Biomasse im Hausmüll wird die Gebühr für die
Biotonne halbiert und die Biotonne nun in der gesamten Stadt Gera
angeboten. Um die Annahme von Grünschnitt bürgerfreundlicher zu
gestalten besteht die Möglichkeit, die Kundenkarte-Grünschnitt gegen
eine Jahresgebühr zu erwerben.
Im März wurde das Abfallwirtschaftskonzept 2010-2014 beschlossen.
Die Änderungssatzung zur Abfallwirtschafts- und Abfallgebührensatzung trat in Kraft. Die Grundgebühr wurde um durchschnittlich 1,65 €
pro EW/a gesenkt. In der AbfWS ist die Erweiterung und Verbesserung
der Biomüllentsorgung sowie im Hinblick auf die Mitbenutzung der
„Gelben Tonne“ die Anpassung der Mindestleerungsanzahl – Anzahl
der Leerungen des Hausmüllbehälters pro Grundstück/Grundstücksteil
– geregelt.
Ab 01.01.2011 können alle stoffgleichen Nichtverpackungen gemeinsam mit den Leichtverpackungen in der Gelben Tonne AWV PLUS entsorgt
werden. Abschluss Pachtvertrag zur Errichtung einer Fotovoltaikanlage auf einer Teilfläche der Deponie Greiz-Gommla.
Am 4. August wurde die Solaranlage auf der Deponie Greiz-Gommla
Der AWV erhält die Freistellung von der Bereitstellung der Elektro- und
Elektronikaltgeräte gemäß § 9 Abs. 6 ElektroG auch für die Sammelgruppen 2, 3 und 5. Somit wird nur noch die SG 4 – Gasentladungslampen - über das Rücknahmesystem „elektro-altgeräte-register“ (ear)
Auf der Deponie Krölpa werden Maßnahmen der Rekultivierung vorgezogen und gleichzeitig das verbleibende Deponievolumen maximiert
(Bau des südlichen und westlichen Randdammes).
Der AWV erteilt den Auftrag für die Planung zum Bau einer Deponie
DK I auf dem Westfeld der Deponie Untitz.
Auf der Deponie Krölpa werden die Maßnahmen aus 2012 fortgeführt
(Bau des nördlichen und östlichen Randdammes).
Auf der Deponie Untitz erfolgt die Massenumlagerung vom Westfeld
zur Profilierung der Ausgleichsschicht für das Ostfeld. Damit wird Baufreiheit für die DK I geschaffen.
Nach langjähriger Vorbereitung beginnt das Planfeststellungsverfahren zur Erhöhung der Endhöhe (460 m) der Deponie Krölpa
Für die Sammelgruppe 2 – Kühlgerät – hat der Verband keine Freistellung von der Bereitstellung mehr beantragt. Grund hierfür sind die stark
gefallenen Erlöse für die Verwertung und Vermarktung.
Der AWV erteilt den Auftrag für die Rekultivierung des Ostfeldes der
Deponie Untitz. Das Planfeststellungsverfahren zum Bau einer Deponie DK I auf dem Westfeld der Deponie Untitz startet.
Auf der Deponie Krölpa beginnen die Umlagerung des Altteils und der
anschließende Bau der Basisabdichtung und des südlichen Randdammes.
Der AWV ist Mitglied im Zweckverband Restabfallbehandlung Ostthüringen (ZRO). Der ZRO
hat im Oktober 2013 einen Entsorgungsvertrag mit der SITA Deutschland GmbH (SITA) und
der MVV Umwelt Ressourcen GmbH abgeschlossen. Mit der GUD GERAER Umweltdienste
GmbH & Co. KG hat der ZRO einen Vertrag zur Verwertung von Sperrmüll (nur SHK und
Altenburg) abgeschlossen.
Dem Vertragsabschluss war eine technikoffene, europaweite Dienstleistungsausschreibung
des ZRO vorausgegangen. Die Ausschreibung erfolgte in Losen. In der Ausschreibung konnten sich Anbieter verschiedener Transportkonzepte und Abfallbehandlungsverfahren (thermisch oder mechanisch - biologisch) mit gleichen Chancen um den Auftrag bewerben.
Der Restabfall aus Ostthüringen wird seit Juni 2005 in der Thermischen Restabfallbehandlungsanlage „Abfallverwertung Zorbau“ und ab 01.06.2015 auch in Leuna (Sachsen-Anhalt)
verbrannt. Die Verbrennung ist kombiniert mit energetischer Nutzung (Strom, Wärme). Der
Transport nach Zorbau und nach Leuna erfolgt per LKW. Der Abfall wird hierfür an 5 Umladestationen in Großraumfahrzeuge bzw. Transportcontainer umgeladen. Die Umladestationen
befinden sich in Altenburg, Großlöbichau, Untitz, Krölpa-Chursdorf und Pößneck-Wiewärthe.
Der AWV nutzt die Umladestationen am Standort der Deponie Krölpa-Chursdorf und
im Recyclingzentrum Untitz.
Verbrennungsanlage Zorbau (MUS Untitz)
Bayrische Str. 20, 0667 9 Zorbau
Na me des Betrei bers
SITA Abfallverwertungs GmbH
Bayrische Str. 20
Kapa zität d er Anla ge p ro J a hr
31.05.2019 (2021)
Verbrennungsanlage Leuna (MUS Krölpa-Chursdorf)
An der B 91, Tor 12, B1216
Kapa zität d er Anla ge p ro Ja hr
390.000 t
Untitz/ W ünschendorf
Am Fuhrpark1
Mehlaer Hauptstraße 24a
Umwelt“ Entsorgungs- und Straßenservice GmbH
Sperrmüllsortierplatz
Anschrift des B etreibers
12.150 t
„Umwelt“ Entsorgungs- und Straßenservice GmbH
Deponie der Deponieklasse II
07955 Auma-W eidatal OT Krölpa
Na me des Betrei ber
Anschrift des Be treibers
AW V Ostthüringen
Na me des Bewirtschafters
Anschrift des Bewirtschafters
verbleibende Betriebs zeit
Deponie DK I (beantragt)
Anschrif t des Betreibers
~ 40.000 t (ab 2017)
Der Gesetzgeber (§ 4 Abs. 4 ThAbfG) fordert, dass bei der Bemessung von Gebühren Anreize
zur Vermeidung und Verwertung zu schaffen sind.
Die Kostendeckung basiert auf dem Solidarprinzip, welches eine geordnete flächendeckende
Abfallentsorgung erst ermöglicht. Nachfolgend soll auf ausgewählte Aspekte des Gebührensystems im AWV eingegangen werden.
Personenbezogene Grundgebühr
Eine Grundgebühr ist für die Aufrechterhaltung einer geordneten öffentlichen Abfallentsorgung unerlässlich. Bei der Frage, wie diese erhoben werden soll, bietet sich
eine personen-, haushalt- oder behälterbezogene Grundgebühr an.
Folgende Gründe sprechen für die Erhebung einer personenbezogenen Grundgebühr:
Die Datenlage (Einwohnermeldeämter) ist sehr gut.
Ein Bezug auf Behälter benötigt eine Überprüfung zu den angeschlossenen Personen, um die sachgerechte Nutzung zu beurteilen. Bei Personenveränderungen
ist häufig ein Behälterwechsel notwendig, um die Gebührenbelastung entsprechend anzupassen.
Ein Bezug auf den Haushalt ist nicht möglich, da keine verlässlichen Angaben
Die Gebühren pro Person sind degressiv gestaffelt, da auch das gebührenrelevante
Abfallaufkommen pro Person mit zunehmender Personenzahl in einem Haushalt
sinkt. Dies dient der Gebührengerechtigkeit.
Grundgebühr in Großwohnanlagen
Dies betrifft Solidargemeinschaften von über 300 Einwohnern pro Eigentümer bzw.
Verwalter, die gemeinsame Hausmüllbehälter mit einem Volumen ab 660 Liter nutzen
und auf Grund der eingeschränkten Möglichkeiten des individuellen Müllverhaltens
durchschnittlich mindestens 80 Liter pro Einwohner und Monat benötigen.
Im Ergebnis umfangreicher Untersuchungen wird seit 1995 auf die personenbezogene Grundgebühr verzichtet und der adäquate Anteil über das genutzte Hausmüllvolumen ermittelt.
Nur damit war es möglich, eine Gleichbehandlung von Großwohnanlagen und sonstigen Anschlusspflichtigen zu erreichen. Wird dies nicht beachtet, subventionieren die
Mieter in Großwohnanlagen die Müllentsorgung für die übrigen Bürger des Verbandes.
Gewerbe im Sinne der Gebührensatzung sind Grundstücke oder Grundstücksteile,
die nicht dem Wohnzweck dienen und an die Hausmüllentsorgung angeschlossen
sind. Die Grundgebühr pro Jahr bestimmt sich nach dem tatsächlich geleerten Gefäßvolumen für Hausmüll. Da Gewerbe vielfältige Dienstleistungen des AWV nutzen,
auch bei geringem Hausmüllaufkommen, ist eine Mindestgrundgebühr eingerichtet.
Im Gegenzug kann die Grundgebühr reduziert werden, wenn die Dienstleistungen
des AWV nur eingeschränkt genutzt werden können.
Hausmüllgebühr
Die Abfallentsorgung basiert auf einer flächendeckenden Bedarfsabfuhr. Dabei stellt
der Nutzer den Hausmüllbehälter nach seinem Bedarf zur Leerung bereit. Die Gebührenberechnung erfolgt nur an Hand der tatsächlichen Leerungen. Registriert werden
Behälter, Datum, Uhrzeit, Fahrzeug (IDENT - System).
Aus hygienischen Gründen wird die Biomüllgebühr als Jahresgebühr erhoben. Damit
kann der Nutzer die Biotonne an jedem Leerungstag (auch teilgefüllt) bereitstellen,
ohne höhere Gebühren fürchten zu müssen. Überwiegend kommt ein 120 l Behälter
zum Einsatz. Um dennoch eine differenzierte Gebührenberechnung zu ermöglichen,
wird eine personenbezogene durchschnittliche Nutzungswahrscheinlichkeit herangezogen. Bis einschließlich neun Personen halbiert sich die Gebühr (so genannte „halbe
Nutzung“). Aus Abrechnungsgründen mit dem Entsorgungsunternehmen und zur Verhinderung einer unbefugten Nutzung werden die Behälterleerungen mittels IDENT System registriert (siehe Hausmüll).
Weitere Leistungsgebühren
Dieser dient der Entsorgung von Hausmüll an Stellen, wo eine Behälterabfuhr
nicht möglich ist oder ein kurzfristiger Mehrbedarf besteht.
Er wird für die Abgabe von Bioabfall in den Städten mit Biomülltonne genutzt,
wenn trotz vorhandener Biotonne ein kurzfristiger Mehrbedarf besteht oder wenn
sich die Nutzung der Biotonne nicht lohnt.
Mit der Kundenkarte können Bürger bis 1 m³ Bioabfall (z.B. Gartenabfälle) pro
Anlieferung beliebig oft abgeben. Die Karte ist 12 Monate gültig.
Verhältnis von Grundgebühr und Leistungsgebühr
Kosten, die nicht nach der tatsächlichen Inanspruchnahme abgerechnet werden können, sind
der Grundgebühr zuzurechnen. Dies betrifft Sammlung und Verwertung von Sperrmüll, Schadstoffen, Altpapier, E-Schrott, Grünschnitt sowie Förderung der Recyclinghöfe und Verwaltungskosten.
Ein angemessenes Verhältnis von Grund- und Leistungsgebühr dient der Verhaltenssteuerung. Diese Verhaltenssteuerung muss gleichzeitig übertriebenem Sparen entgegenwirken
(siehe Mindestleerungen).
„Die Angemessenheit des Verhältnisses zwischen Grund- und Leistungsgebühr ist gesetzlich
nicht strikt vorgegeben oder sonst rechtlich fixiert. […] Dementsprechend können Vorhaltekosten einen erheblichen, über den 50 % hinausgehenden Anteil an den Gesamtkosten ausmachen.“ 2
Die o.g. Verhaltenssteuerung muss jedoch auch Regularien beinhalten, die übertriebenem
Sparen entgegenwirken. Die Mindestgebühr des Verbandes dient außerdem der Durchsetzung des Anschlusszwangs an die öffentliche Hausmüllentsorgung und soll dem Gebührenzahler vermitteln, dass er bei Unterschreitung der Mindestleerungen den oben ausführlich beschrieben Anreiz zur Mülltrennung (Hausmüll) überproportional angewendet hat.
Typisch für das „Müllsparen“ sind Vergraben, Verbrennen und unberechtigtes Ablagern von
Hausmüll. Häufig werden andere Sammelsysteme missbräuchlich für die Hausmüllentsorgung
in Anspruch genommen (z.B. Gelbe Tonne AWV PLUS, Altpapiersammlung, Sperrmüllsammlung).
Letzteres führt, ob aus Unkenntnis oder aus Gebührenvermeidung, zu Kostensteigerungen für
die Solidargemeinschaft. Daher kann auf eine Mindestleerungsregelung nicht verzichtet werden.
Da nur 1/1000 (ein Tausendstel) der Gebühreneinnahmen aus den Pflichtleerungen erzielt
werden, kann von Maßnahmen zur Kostendeckung nicht gesprochen werden.
Auch hierzu nahm das OVG Weimar Stellung (siehe oben).
Derzeit besteht keine Notwendigkeit, das bisherige Gebührensystem grundlegend zu verändern. Bei einem Ausbau der Serviceleistung wird zuerst geprüft, ob Kosten dieser neuen Leistung direkt zugeordnet werden können. Für eine gute Leistung ist der Bürger auch gern bereit,
die Kosten zu tragen, insbesondere, wenn die Inanspruchnahme freiwillig ist. Die Einführung
der „Kundenkarte“ für die Abgabe von Grünschnitt hat dies deutlich zum Ausdruck gebracht.
Die wesentlichen Kosten der Abfallentsorgung, die in die Gebührenkalkulation eingehen,
sind im nachfolgenden Diagramm dargestellt.
Urteil OVG Weimar AZ: 1 KO 1367/04 vom 16.2.2011
Dia 1 Zusammensetzung der Kosten für die Kalkulation der Abfallgebühren (Prognose 2017)
Mit dem Wandel der Abfallwirtschaft zur Rohstoffwirtschaft unterliegt die Abfallwirtschaft starken Schwankungen. Seit Jahren sind erhebliche Preisschwankungen bei Altpapier, Schrott
und Kunststoffen zu verzeichnen. Demgegenüber wirkt der in Thüringen übliche Kalkulationszeitraum von vier Jahren ausgleichend auf die Gebührenhöhe.
Insofern ist eine Prognose der Gebührenentwicklung schwierig. Nachfolgend sollen die Risiken beschrieben werden.
Dia 2 Kosten nach Vertragstypen
Die Sammelverträge haben eine Laufzeit zwischen 6 und 10 Jahren. Auf die Verträge wirken
im Durchschnitt folgende Faktoren mit den entsprechenden Anteilen (Preisgleitung):
13 % ohne Preisanpassung
50 % Personalkosten
20 % Dieselkraftstoff
17 % durchschnittliche Teuerungsrate
Die Entwicklung der Verbrennungskosten ist an einen starken Wettbewerb der Verbrennungsanlagen gekoppelt. Der Verband ist Mitglied im Zweckverband Restabfallbehandlung Ostthüringen (ZRO). Dieser hat für seine Mitglieder eine Ausschreibung für die Jahre 2015 bis 2019
(optional 2021) durchgeführt. Auf Grund der Nachfragebündelung und des überaus günstigen
Zeitpunktes für die Ausschreibung konnten die Verbrennungspreise nahezu halbiert werden.
Damit war es möglich, die Abfallgebühren für die Jahre 2014 bis einschließlich 2017 weiterhin
konstant zu halten (keine Erhöhung seit 2006).
Kosten / Erlöse bei der Verwertung sind abhängig von der Nachfrage am Rohstoffmarkt. Nachfolgend werden die wichtigsten Fraktionen benannt und hinsichtlich der Auswirkungen auf die
Abfallgebühren beschrieben.
Der vom AWV gesammelte Sperrmüll wird durch einen beauftragten Dritten verwertet. Der Vertrag ist im Prognosezeitraum zu
Preisgleitung derzeit:
ohne Preisanpassung
Schwankungen bei den Erlösen für Holz, Kunststoffe oder
Schrott wirken sich auf die Entgelte kaum aus.
Der vom AWV gesammelte Bioabfall wird durch beauftragte
Dritte verwertet. Der Vertrag ist im Prognosezeitraum zu erneuern.
Schwankungen bei den Erlösen für Kompost wirken sich auf die
Entgelte nicht aus.
Das vom AWV gesammelte Altpapier wird einem Papierverwerter übergeben. Der Vertrag wird alle drei Jahre ausgeschrieben.
Die Erlöse aus der Papierverwertung sind im gesamten Prognosezeitraum an den Index der Großhandelsverkaufspreise für Altpapier gekoppelt.
Index Altpapier
in € pro t (Quelle: DSTATIS)
Dia 3 Index Altpapier
Wie oben erwähnt, decken die durchschnittlichen Erlöse für Altpapier die Kosten für die Behälterbereitstellung, Sammlung und
Transport. Die Schwankungsbreite im Gebührenjahr kann 5 %
der Gesamtkosten betragen.
Die Marktschwankungen bei Schrotterlösen haben derzeit keine
Auswirkungen auf die Gebührenstabilität (siehe Sperrmüll und
Die Verwertung und Vermarktung von Elektro- und Elektronikgeräten der Sammelgruppen 1, 3 und 5 durch den Verband muss
jährlich auf Wirtschaftlichkeit geprüft werden. Besonders zu beachten sind hierbei die Auswirkungen aufgrund der Änderung
des ElektroG.
Die Marktschwankungen bei Kunststoffen haben derzeit
(31.12.2015) keine Auswirkungen auf die Gebührenstabilität.
Der Verband hat die Wertstofftonne seit dem 1.1.2011 eingeführt. Damit erfasst der Verband im Vorgriff auf das Wertstoffgesetz die stoffgleichen Nichtverpackungen (Kunststoffe und Metalle) gemeinsam mit den Verpackungen in der gelben Tonne.
Die Kostenbeteiligung an der Sammlung und Sortierung ist für
den Prognosezeitraum als gleichbleibend anzunehmen.
Im Konzeptzeitraum sind Kostenerhöhungen nur im Rahmen der allgemeinen Teuerungsrate
zu erwarten. Kostenerhöhungen in speziellen Bereichen des Wirtschaftslebens gehen mit dem
dargestellten Anteil ein. Zunehmende Ressourcenknappheit bewirkt, dass der Abfall als Rohstoffquelle an Wert gewinnt.
Das wirkt sich jedoch nur positiv auf die Gebühren aus, wenn es dem öffentlich-rechtlichen
Entsorgungsträger gestattet wird, Erlöse aus den „Abfällen“ zu erzielen. Der Streit um einzelne
Abfallfraktionen zeigt, welche Verwerfungen hier möglich sind. Wechseln die Abfälle aus Haushalten und Kleingewerben immer dann in die Zuständigkeit der privaten Entsorgungswirtschaft, wenn Erlöse erzielt werden können, führt dies zwangsweise zu steigenden Gebühren.
3 Stoffliche Zusammensetzung des Hausmülls
Im Hinblick auf die Beurteilung des Ist-Standes der Abfallwirtschaft in einem
Entsorgungsgebiet sowie deren gezielter Weiterentwicklung bedarf es generell belastbarer
Daten hinsichtlich der anfallenden Abfallarten und -mengen sowie insbesondere deren
Insofern haben die entsorgungspflichtigen Körperschaften gemäß § 9 Abs. 2 Thüringer
Abfallwirtschaftsgesetz (ThürAbfG) in Verbindung mit der Thüringer Abfallwirtschaftskonzeptund -bilanzverordnung Untersuchungen zur stofflichen Zusammensetzung des Restmülls aus
Haushalten (Hausmüllanalysen) durchzuführen.
Vor diesem Hintergrund sowie in Voraussicht auf die neue Gesetzeslage durch das
Kreislaufwirtschaftsgesetz (KrWG) und den damit im Zusammenhang stehenden Neuerungen
bei der Getrenntsammlung von Wertstoffen ab dem 01.01.2015, beauftragte der
Abfallwirtschaftszweckverband Ostthüringen (AWV) als entsorgungspflichtige Körperschaft für
die Stadt Gera und den Landkreis Greiz am 24.03.2014 das Ingenieurbüro SHC SabrowskiHertrich-Consult GmbH, Erlenbach a. Main – analog zum Jahr 2008 – mit der Durchführung
einer Hausmüllanalyse im Verbandsgebiet.
Die Untersuchung des Hausmülls sollte dabei auf Grundlage des Merkblattes für die
Durchführung von Untersuchungen zur stofflichen Zusammensetzung des Restmülls aus
Haushaltungen (Merkblatt Hausmüllanalysen) der Thüringer Landesanstalt für Umwelt und
Geologie (TLUG) mit Stand vom 15. Januar 2013 durchgeführt werden, wobei eine einmalige
Sortierkampagne im Sommer vorgesehen war.
Die Durchführung der Hausmüllanalyse 2014 erfolgte wieder in vier unterschiedlichen Strukturgebieten,
Strukturtyp (A)
Strukturtyp (B)
Strukturtyp (C)
Strukturtyp (D)
Land/Stadtrand, 1-2 Familienhäuser
Städte < 5.000 EW ohne Biotonne
Innenstadt/Städte > 5.000 EW mit Biotonne
Stadt/Großwohnanlagen mit Biotonne
40,5 % EW
3,8 % EW
32,2 % EW
23,5 % EW
Ergebnisse der Analyse siehe Anlage 1
Der vollständige Bericht kann unter www.awv-ot.de/Satzungen eingesehen werden.
Großwohnanlagen mit Biotonne
Land/Stadtrand
AWV Ostthüringen gesamt
26.010 t/a bzw. 131,5 kg/(EW x a) aus privaten Haushalten
Dia 4 Ergebnis der Hausmüllanalyse 2014 AWV gesamt
Im Folgenden werden die Hochrechnungsergebnisse für die vier Siedlungsstrukturgebiete und
das Verbandsgebiet des AWV insgesamt, zusammengefasst nach den Abfallgruppen, dargestellt. Sie gestatten einen detaillierten Einblick in die aktuelle Zusammensetzung des Hausmülls aus privaten Haushaltungen.
Im Vordergrund der Betrachtung stehen dabei die bestehende Durchsetzung des Hausmülls
mit verwertbaren Abfallbestandteilen sowie die Hausmüllbefrachtung mit Sonderabfallkleinmengen. Beides ist verbunden mit der Frage nach der Notwendigkeit bzw. den Möglichkeiten
einer weiteren Entfrachtung des Hausmülls von trockenen Wertstoffen, kompostierbaren Abfallfraktionen und Sonderabfallkleinmengen.
Dia 5 Spezifische Hausmüllmengen nach homogenen Abfallgruppen
Die Ableitung der derzeit noch im Hausmüll befindlichen Verwertungspotenziale wird schrittweise wie folgt vorgenommen:
Benennung von statistischen Zielwerten, die auf Basis einer Vielzahl von Siedlungsabfallanalysen empirisch gewonnen wurden und welche nach allen Erfahrungen die maximal mögliche Entfrachtung des Hausmülls von verwertbaren Abfallbestandteilen angeben. Die Zielwerte für die verschiedenen Fraktionen (s. Tab. 1) beziffern damit den,
trotz großer Bemühungen der Abfalltrennung, im Hausmüll verbleibende Anteil.
Lokalisierung von Verwertungspotenzialen im Hausmüll, indem die aktuellen Resultate
der Hausmüllanalyse im Hinblick auf das Aufkommen verwertbarer Abfallbestandteile
im Hausmüll jedes Strukturtyps mit den für die einzelnen Fraktionen angegebenen Zielwerten abgeglichen werden. Sofern die spezifische Masse einer Fraktion im Hausmüll
den für diesen benannten Zielwert übersteigt, wird von einem noch realistisch erschließbaren Wertstoffpotenzial ausgegangen.
Die spezifische Masse des bestehenden Verwertungspotenzials, das nach aller Erfahrung maximal noch realistisch erschließbar sein sollte, ergibt sich größenordnungsmäßig aus der Differenz zwischen der noch im Hausmüll vorhandenen Abfallmasse der
gem. (2) lokalisierten Fraktionen und dem für die jeweilige Fraktion benannten Zielwert.
Siedlungsstrukturgebiet
Angaben in kg/ EW
Verpackungen Gesamt
Sonst. Kompost. Abfälle
Organik Gesamt
PPK-Nichtverpackung (NV)
Kunststoff-NV
Glas-NV
Fe-NV
NE-NV
Textilien, verwendbar
Sonst. Wertstoffe gesamt
<5.000 EW
>5.000 EW
Tab 1 Verwertungspotentiale im Hausmüll der Siedlungsstruktur
Bezogen auf das gesamte Verbandsgebiet zeigt sich, dass das aktuelle Hausmüllaufkommen
in Höhe von ca. 26.010 t/a auf mittlere Sicht realistisch noch um maximal rd. 1.765 t/a auf etwa
24.250 t/a verringert werden kann. Dies entspricht einer relativen Abnahme um nicht einmal
7 %, die sich aus verschiedenen Fraktionen zusammensetzen. Differenziert nach den drei in
der Tab 1 genannten Abfallgruppen stellt sich nach unseren Berechnungen das mittelfristig
maximal erschließbare Potenzial zur Verringerung des Hausmüllaufkommens aus privaten
Haushaltungen seiner Höhe und Struktur nach im AWV-Verbandsgebiet wie folgt dar:
535 t/a
380 t/a
Sonst. Wertstoffe
Eine Aufsplittung des gesamten Hausmüllminderungspotenzials in Höhe von 1.765 t/a nach
Siedlungsstrukturtypen führt zu folgendem Bild:
(A) Land/Stadtrand, 1-2 Familienhäuser
(B) Stadt < 5.000 EW ohne Biotonne
(C) Stadt > 5.000 EW mit Biotonne
(D) Stadt/Großwohnanlagen mit Biotonne
870 t/a
≙ 0,0 %
≙ 0,8 %
≙ 49,3 %
≙ 49,9 %
Abschließend sei noch kurz auf die Hausmüllbefrachtung mit Sonderabfallkleinmengen im
AWV-Verbandsgebiet eingegangen. Aus der Addition von (im Jahr 2013) getrennt erfasster
(172 t) und im Hausmüll im Rahmen der Hausmüllanalyse 2014 vorgefundener Masse an Sonderabfallkleinmengen (40 t) resultiert ein Aufkommen in Höhe von 212 t/a. Dies entspricht einem spezifischen Aufkommen von 1,1 kg/(EW x a), welches in Anbetracht gängiger Werte in
der Größenordnung von ca. 1,5 kg/(EW x a) – wenigstens jedoch rd. 1 kg/(EW x a) – als
„normal“ einzuordnen ist.
Aus genannten Daten errechnet sich eine extrem hohe Getrennterfassungsquote in Höhe von
rd. 81 %. In Anbetracht der aktuellen Sonderabfallkleinmengenfracht im Hausmüll in Höhe von
marginalen 0,2 kg/(EW x a) wird sich diese Quote künftig mit hoher Sicherheit nicht mehr weiter
steigern lassen.
Beurteilung der abfallwirtschaftlichen Maßnahmen aus Sicht der Hausmüllanalysen 2008 und 2014
Wie die Zahlen in Anlage 2 belegen, wurden seit der letzten Hausmüllanalyse vor sechs Jahren seitens des Abfallwirtschaftszweckverbandes Ostthüringen ganz erhebliche Erfolge im
Hinblick auf die Verringerung kompostierbarer Bestandteile im Hausmüll sämtlicher Strukturgebiete erzielt. Die anlässlich der Hausmüllanalyse 2008 seitens SHC in diesen Bereichen
durchgängig noch aufgedeckten deutlichen Reduzierungspotenziale haben sich binnen vergleichsweise kurzer Zeit durchweg – und in den Siedlungsstrukturgebieten (A) Land/ Stadtrand, 1-2 Familienhäuser sowie (D) Stadt/Großwohnanlagen sogar extrem – verringert.
Nachfolgend werden die entsprechenden Maßnahmen betrachtet.
Wertstofftonne (bezeichnet als Gelbe Tonne AWV PLUS)
Der Verband hat die Wertstofftonne seit dem 1.1.2011 eingeführt. Damit erfasst der Verband
im Vorgriff auf das Wertstoffgesetz die stoffgleichen Nichtverpackungen (Kunststoffe und Metalle) gemeinsam mit den Verpackungen in der gelben Tonne.
Die Auswertung der Hausmüllanalyse 2008 ergab ein Potential von ca. 6 kg pro Einwohner
und Jahr, das aus der Hausmüllsammlung in die Wertstofftonne wandern könnte. Im Jahr 2014
wurden ca. 4 kg/(EW x a) stoffgleiche Nichtverpackungen über die Wertstofftonne erfasst und
einer Verwertung zugeführt.
Dies korrespondiert mit dem Rückgang des spezifischen Hausmüllaufkommens um
7,1 kg/(EW x a) (Anlage 2).
Die absolute Hausmüllmenge ist um 12,6 % zurückgegangen. Der Unterschied ist auf die Verringerung der Einwohner zurückzuführen. Auch das Altpapier- und Glasaufkommen ist an die
Einwohnerzahl gekoppelt.
Dia 6 Aufkommen von Wertstoffen im AWV
Mit Einführung der Wertstofftonne zum 1.1.2011 ist die Sammelmenge deutlich gestiegen. In
Folge der intensiven Öffentlichkeitsarbeit haben sich die Fehlwürfe in der gelben Tonne reduziert. Eine Untersuchung des Inhaltes der Wertstofftonne belegte das bessere Trennen von
Verpackungen sowie stoffgleichen Nichtverpackungen. Das Ergebnis wurde mit der Hausmüllanalyse als Gegenprobe bestätigt.
Um das Restpotential an Wertstoffen (siehe 3.2) zu erschließen, ist weiterhin eine kontinuierliche Öffentlichkeitsarbeit notwendig. Damit könnte es gelingen, weitere 3-4 kg/EW und Jahr
an Wertstoffen aus der Hausmülltonne auszuschleusen. Dabei ist der Schwerpunkt auf die
Siedlungsstrukturen (C) und (D) zu richten.
Sammlung organischer Abfälle
Im Ergebnis der Hausmüllanalyse 2008 wurde festgestellt, dass tatsächlich mit einem Anteil
von ca. 22 % Organik (Bioabfall) im Hausmüll gerechnet werden muss. Es handelt sich beispielsweise um biologische Abfälle, die der Einzelne nicht selbst kompostieren möchte, wie
z.B. Schalen von Südfrüchten oder mit nicht kompostierbaren Gegenständen gebundene Blumensträuße. Um den Anteil von Bioabfall im Hausmüll zu verringern, war das Angebot zur
Nutzung der Biotonne zu verbessern und ein Anreiz zu schaffen, Bioabfall wie z.B. Gartenabfälle am Recyclinghof abzugeben und nicht über den Hausmüllbehälter zu entsorgen.
Aus diesem Grund wurden alle Haushalte in der Stadt Gera an das Sammelsystem Biotonne
angeschlossen, vorher waren kleinere Ortsteile nicht angeschlossen. Außerdem wurde die
Jahresgebühr für die Nutzung der Biotonne halbiert.
Die Kundenkarte zur Abgabe von Bioabfall an den Recyclinghöfen wurde eingeführt und allen
Bürgern im Verbandsgebiet angeboten. Diese Kundenkarte wurde sehr gut angenommen, derzeit sind ca. 10.000 Karten in Nutzung. Dies führte zu einer erheblichen Verringerung kompostierbarer Bestandteile im Hausmüll.
Allerdings führten die preiswerte Biotonne und die Kundenkarte auch zu einer verstärkten Abgabe von Bioabfällen durch die Bürger. Anstatt die Bioabfälle im eigenen Garten zu kompostieren, schreddern oder mulchen, werden diese Angebote verstärkt genutzt (Dia 6).
Mit dem System der kostenfreien Annahme von Bioabfall, wie Baum- und Strauchschnitt, in
den Monaten März und November, kombiniert mit der Zusatzleistung Kundenkarte zu einer
Jahresgebühr in Höhe von 12,00 € und dem Netz an verfügbaren Kompostieranlagen im Verbandsgebiet, ist der Verband vorbereitet, auch die zusätzlichen Mengen anzunehmen, wenn
zum 01.01.2016 das generelle Pflanzenverbrennungsverbot greift.
4 Angaben über geplante Maßnahmen
Mit In-Kraft-Treten des Kreislaufwirtschaftsgesetzes (KrWG) vom 24.02.2012 ist die 5-stufige
EU-Abfallhierarchie in nationales Recht übernommen worden. Damit ist die bisherige 3-stufige
Abfallhierarchie (Vermeidung – Verwertung – Beseitigung) in der Weise verändert worden,
dass die „Verwertung“ in drei Verwertungsoptionen aufgeteilt wurde, nämlich „Vorbereitung
zur Wiederverwendung“, „Recycling“ und „sonstige Verwertung“ (energetische Verwertung).
Nachdem die Möglichkeiten der Vermeidung ausgeschöpft sind, wird damit der Schwerpunkt
weiter in Richtung Verwertung verschoben.
In Verbindung mit bisher Erreichtem sind künftige Maßnahmen zu planen. Diese Maßnahmen
sind hinsichtlich ihrer Auswirkungen auf die Abfallgebühren zu beurteilen.
Die Wertstofftonne - Gelbe Tonne AWV PLUS
In den nächsten Jahren ist mit einer weiteren Verknappung der Rohstoffe und damit deren
Verteuerung zu rechnen, und dies unabhängig von den teils großen Marktschwankungen
(siehe Punkt 2.5.3 - Altpapier). Damit bleiben nicht nur Schrott und Papier, wie Zeitungen und
Zeitschriften, lukrative Handelswaren. Auch bestimmte Produkte aus PP, PE und PS, wie z.B.
Wäschekorb, Wasserfass und Kinderspielzeug haben einen steigenden Marktwert.
Gegenstände aus Kunststoff und Metall werden seit 2011 als Sperrmüll oder über die Gelbe
Tonne AWV PLUS entsorgt und somit einer geeigneten Verwertung zugeführt. Der AWV Ostthüringen ist in Thüringen immer noch der einzige örE, der die in § 14 KrWG angekündigte einheitliche Wertstofftonne eingeführt hat.
Zur Unterscheidung zu anderen Modellversuchen in der Bundesrepublik wurde die Bezeichnung - Gelbe Tonne AWV PLUS - eingeführt. Im Unterschied zur Leipziger Gelbe Tonne PLUS werden beim AWV keine elektrischen Kleingeräte erfasst. Dies ergibt sich aus technischen Problemen bei der Sortierung, der Konkurrenz zum Rücknahmesystem nach ElektroG und entspricht damit dem Entwurf zum Wertstoffgesetz.
Es ist dem Bürger nicht zu vermitteln, dass stoffgleiche Nichtverpackungen in die Hausmülltonne gehören. Auch darf der örE sogenannte „intelligente Fehlwürfe“ nicht hinnehmen. Gemäß den vertraglichen Verpflichtungen mit den dualen Systemen ist auf die richtige Befüllung
der gelben Tonnen zu achten. Daher gehört die Einführung der Wertstofftonne zu einer ehrlichen Abfallwirtschaft.
Vom Bürger wird dies überaus positiv aufgenommen. Und das auch, wenn dafür die Kosten
aus Gebühren zu decken sind.
Kosten entstehen aus dem Sammeln und Sortieren abzgl. der Verwertungserlöse. Im Gegenzug spart der Bürger die Alternativkosten über die Hausmülltonne.
Nach diesem Rechenmodell kostet die Wertstofftonne etwa 0,30 € pro EW und Jahr.
Die Entsorgung von Hausmüll stellt den größten Kostenfaktor der Abfallgebühren des Zweckverbandes dar. Die Schonung der Umwelt durch Vermeiden, Wiederverwenden, Recycling,
stofflich Verwerten und umweltgerechte Entsorgung von Abfällen ist eine zentrale Aufgabe der
örE und somit des AWV Ostthüringen.
Bisher wurde die Getrenntsammlung als wesentliche Voraussetzung für eine sinnvolle Verwertung der Abfälle angesehen. Entsprechend richtete der Verband seine Aufklärungsarbeit
seit über 20 Jahren aus. Die Öffentlichkeitsarbeit stößt dabei an ihre Grenzen, nicht alle Bürger
wollen erreicht werden.
Aus diesem Grund ist der örE gefordert, nach Lösungen zu suchen, um die umweltpolitischen
Häufig wird daher die getrennte Sammlung von Abfällen in Frage gestellt. Ist es nicht einfacher
alle Abfälle in einer Tonne zu sammeln und diese dann zu sortieren und zu verwerten?
Eine Vorbehandlung des Hausmülls vor der Übergabe an den ZRO und somit an die Beseitigungsanlage wäre eine Möglichkeit, um ihm Metall, Kunststoffe sowie kompostierbare Abfälle
zu entziehen. Jedoch weisen die so gewonnenen Wertstoffe eine geringere Qualität als bei
der Getrenntsammlung auf.
Auch die Glaubwürdigkeit der Abfallwirtschaft in der Bevölkerung würde bei Aufgabe der Getrenntsammlung massiv leiden. Bei Befragungen der Bürger zu ihrem Umweltbewusstsein wird
die Abfalltrennung an erster Stelle genannt.
Eine Vorbehandlung des Abfalls erfordert außerdem einen hohen technischen Standard. Die
damit verbundenen Kosten würden aus heutiger Sicht die Abfallgebühren erheblich erhöhen.
Dies belegen auch die Erfahrungen anderer örE.
Das Konzept besagt daher:
Beibehalten der Getrenntsammlung am Grundstück
Hausmüll, Biomüll (in Städten > 5.000 EW), Altpapier, Leichtverpackung
Nichtverpackungen aus Kunststoff und Metall weiterhin gemeinsam mit der Leichtverpackung erfassen in der Wertstofftonne (Gelbe Tonne AWV PLUS)
Bioabfallsammlung weiter ausbauen
Je nach Siedlungsstruktur ist die Sammlung und Kompostierung von Bioabfall auszubauen.
Bei der Auswahl des Erfassungssystems ist zu berücksichtigen, dass ungewünscht auch kompostierbare Abfälle in das gebührenfinanzierte Sammelsystem gelangen, die bisher in Eigenkompostierung verwertet wurden.
Nachfolgend wurde untersucht, wie viele Einwohner die Biotonne nicht nutzen, obwohl sie die
Möglichkeit dazu haben. Eine Auswertung ergab folgendes Bild:
Tab 2 tatsächlich genutzte Biotonnen
Bemerkenswert ist, dass viele Bürger in kleineren Städten die Biotonne nicht nutzen. Das
könnte ein Indiz dafür sein, dass die Eigenkompostierung in kleineren Gemeinden bevorzugt
wird. Eine Erweiterung des Sammelsystems Biotonne auf Städte < 5.000 Einwohner ist daher
kritisch zu betrachten, zumal des Sammelpotential sehr gering ist (Tab 1 Verwertungspotentiale im
Hausmüll der Siedlungsstruktur). Ein Ausbau des Sammelsystems führt zu einem Rückgang der
Eigenkompostierung und den damit verbundenen negativen ökologischen und wirtschaftlichen
Bei der Analyse ist zu bedenken, dass die flächendeckende Bedarfsabfuhr bei Hausmüll ein
starker Motivator ist, keinen Bioabfall in die Hausmülltonne zu geben. Die Abrechnung der
Leistungsgebühr erfolgt nach tatsächlicher Leerung.
Auch die Sammlung der Bioabfälle aus dem Garten, wie z.B. Baum- und Strauchschnitt, sollte
daher hauptsächlich in den Städten angeboten werden. In den vergangenen Jahren wurde
das Abfallmanagement in Großwohnanlagen in Zusammenarbeit zwischen AWV und der Wohnungswirtschaft weiter ausgebaut. Neben der Nutzung der bereitgestellten Biotonnen wurde
besonders den Mietern, die einen Kleingarten haben, die Kundenkarte angeboten.
Hier eine Übersicht zur Nutzung der Kundenkarte in Stück:
2015Hoch
Tab 3 Nutzer Kundenkarte Grünschnitt
Die Übersicht zeigt, wie sich die Anzahl der verkauften Kundenkarten entwickelt hat. Eine Kundenkarte nutzten 2-3 Einwohner. Auf den Anstieg der Sammelmenge wurde unter 3.3 Beurteilung der abfallwirtschaftlichen Maßnahmen aus Sicht der Hausmüllanalysen 2008 und 2014
Sperrmüll und Schrott werden nach telefonischer Anmeldung über die Abrufsammlung am
Grundstück getrennt nach Holz, Schrott und Restsperrmüll abgeholt. Bei der Abgabe am Recyclinghof erfolgt auch eine Vorsortierung. Nur die in zwei Geraer Stadtteilen praktizierte Containersammlung bildet eine Ausnahme. Hier wird der Sperrmüll und Schrott vermischt in 30 m³
Containern am Sperrmüllsortierplatz angeliefert und sortiert. Schrott und Holz werden über
entsprechende Anlagen dem Recycling und der stofflichen Verwertung zugeführt. Der Restsperrmüll wird auf dem Sortierplatz vorbehandelt und einzelne Fraktionen wie z.B. sperrige
Haushaltplaste (Regenfass, Spielzeug, usw.) dem Recycling bzw. der stofflichen Verwertung
zugeführt. Nur der nicht verwertbare Rest geht zur Abfallbeseitigung in die Müllverbrennungsanlage.
Die gemeinsame Stelle der Hersteller – die stiftung elektro-altgeräte register (ear) - organisiert
in Deutschland die Rücknahme der Elektro- und Elektronik-Altgeräte. Die Sammlung dieser
Geräte obliegt dem AWV. Dazu wurden drei Übergabestellen eingerichtet.
Die Geräte werden derzeit in fünf, künftig in sechs Gruppen gesammelt. Der AWV hat die
Möglichkeit, eine Freistellung von der Verpflichtung zur Rückgabe zu beantragen. Dann ist der
AWV für die Verwertung verantwortlich. Was nur sinnvoll ist, wenn nach Abzug aller Kosten
Erlöse zu erzielen sind. Für die Sammelgruppen (SG) 1, 3 und 5 funktioniert das seit einigen
Jahren. Ob eine Freistellung nach In-Kraft-Treten des neuen ElektroG (ElektroG2) künftig noch
wirtschaftlich sinnvoll ist, muss abgewartet werden.
Die Beratung der Bürger und Gewerbe zu Vermeidung, Wiederverwendung, Recycling, sonstige Verwertung und Beseitigung der Abfälle ist als eine wichtige Aufgabe des AWV in der
Verbandssatzung - § 4 - benannt.
Ansatzpunkte der Umsetzung:
Abfallwirtschaftliche Ziele lassen sich nur gemeinsam mit dem Bürger erreichen. Dazu
muss der Bürger vor allem informiert werden.
Diese Informationen müssen den Bürger auch erreichen. Das ist ein wesentlicher Bestandteil einer guten Dienstleistung.
Zu beachten sind folgende Rahmenbedingungen:
Unsere Bürger werden mit einem Überangebot an Informationen konfrontiert.
Eine Flut von Werbungen erreicht jeden Haushalt.
In der Medienlandschaft unserer Region gab es in den vergangenen Jahren einige
Das Internet ist ein wichtiger Bestandteil unseres Lebens geworden, dennoch verfügt
nicht jeder Bürger über einen Internetzugang.
Amtsblatt AWV Ostthüringen – eine Ausgabe pro Quartal
Sonderdrucke bei Bedarf
seit I. Quartal 1996
Themen: öffentliche Bekanntmachungen, themenbezogene Informationen
Kommunalanzeiger der Stadt Gera – eine Seite pro Monat
Neues Gera – 2 Halbseiten pro Monat
seit II. Quartal 2013
Themen: Allgemeine Informationen, ständig wiederkehrend
„Alles was man wissen muss“, Hinweise und Informationen zugeschnitten auf die Stadt Gera
Kreisjournal LK Greiz – eine Seite pro Monat
„Alles was man wissen muss“, Hinweise und Informationen zugeschnitten auf den Landkreis Greiz
seit II. Quartal 2009
Lokale Presse – regelmäßige Pressearbeit
auf Anfrage werden kurzfristig Informationen zur Verfügung gestellt
Internetauftritt – www.awv-ot.de
Satzungen, Formulare, Infomaterial,
Aufgabenbeschreibung des Verbandes,
Amtsblatt und weitere Veröffentlichungen,
Tourenauskunft und Abfuhrkalender,
Verschenkmarkt,
überregionale Informationsebene
c) Aktionen und Veranstaltungen
eine Hauptveranstaltung anlässlich des Weltumwelttages
Recyclinghoffest in Zusammenarbeit mit dem jeweiligen Betreiber
Aktionen zu speziellen Anlässen (z.B. Tage der offenen Tür)
Schulungen und Exkursionen zum Thema Abfallwirtschaft
Standplatzoptimierung Wohnungsunternehmen
Die Beratung umfasst mehr als die klassische Abfallberatung. Seit Dezember 2004 ist ein Service-Telefon eingerichtet. Alle Mitarbeiter sind in diesem Sammelanschluss eingebunden,
um die Bürger zu informieren. Eine hohe Erreichbarkeit ist damit sichergestellt.
Spezielle Fragen der Bürger und Gewerbetreibenden werden von besonders qualifizierten Mitarbeitern beantwortet. Dabei findet die Beratung oft vor Ort statt.
Die Beratungskonzepte sind auf spezielle Zielgruppen zugeschnitten, z.B. „Müllstunden“ in
Potentiale und Strategien der Vorbereitung zur Wiederverwendung sind neben den Bestehenden, wie gezielte Öffentlichkeitsarbeit, Verschenkmarkt und Abgabe funktionstüchtiger E-Geräte am Recyclinghof, weiter zu entwickeln. Den Verschenkmarkt (Verschenkangebote und
Suchanzeigen) gibt es unter www.awv-ot.de sowie bei der Anmeldung von Sperrmüll. Die Information über gebrauchsfähige Möbel und E-Geräte geht auf Wunsch direkt an eine gemeinnützige Einrichtung (Gebrauchtwarenhaus).
5 Ablagerung von Abfällen
Mineralische Abfälle stellen regelmäßig den bedeutendsten Bestandteil des nationalen
Abfallaufkommens dar. Neben Rückständen aus thermischen Prozessen (Aschen, Schlacken,
etc.), und Bergbaurückständen fallen insbesondere Abfälle aus dem Bau-/Rückbaubereich ins
Gewicht (vgl. Abbildung).
Dia 7 Entwicklung deutsches Abfallaufkommen stoffstrombezogen (UBA 2014)
Die Verwertungsprognose der Thüringer Bauindustrie für mineralische Abfälle, insbesondere
für Bodenaushub und Bauschutt, wird für den Zeitraum ab 2015 mit > 93 % angegeben (IHK
Thüringen, 2012).
Hinsichtlich mineralischer Abfälle, welche nicht oder nicht in den Grenzen der Wirtschaftlichkeit
verwertet werden können, sind die örE gem. § 17 i.v.m § 20 Abs. 1 KrWG für die allgemeinwohlverträgliche Beseitigung verantwortlich.
Die Thüringer Landesanstalt für Umwelt und Geologie prognostiziert Aufkommen und Belastungsspezifik mineralischer Abfälle in Thüringen bis 2020 als weitgehend stabil (TLUG, Deponiekonzeption, Stand 2012). Allerdings stehen für das Planungsgebiet Ostthüringen der Tontagebau Aga seit 2013 und das Restloch Goldschau, ab 2016 nicht mehr für die Verwertung
von gering belasteten Abfällen zur Verfügung, so dass zusätzlicher Deponierungsbedarf
entsteht. Für den direkten Einbau von mäßig belastetem Bauschutt reichen die vorhandenen Verwertungsmöglichkeiten mangels Großbaumaßnahmen im Plangebiet i.d.R. nicht
Die in diesem Zusammenhang prognostizierten, im Planungsgebiet Ostthüringen zur Deponierung anfallenden Abfallmengen von bis zu 95.000 t/a bilden die Grundlage für die
Kalkulation der eigenen Deponievolumenbedarfsberechnung. Berücksichtigung fanden
hierbei zudem die angestrebte weitere Erhöhung der Verwertungsquote für mineralische
Abfälle sowie der Anreiz für lokale Abfallerzeuger zur Vermeidung ökologisch und ökonomisch ineffizienter Transportwege.
Konzeptionell ist, wie im Folgenden dargelegt wird, die Entsorgungssicherheit im Verbandsgebiet für mineralische Abfälle zur Beseitigung über den Prognosehorizont 2025
hinaus gewährleistet. Auf Schwankungen hinsichtlich der anfallenden Menge kann jederzeit entsprechend reagiert werden.
Die mit Beschluss der Verbandsversammlung VV-01/12 vom 04.07.2012 initiierte Kooperation
mit der Wirtschaft räumt dieser zudem langfristig die Möglichkeit ein, eigene Beseitigungskapazitäten zu schaffen. Eine entsprechende Anlage im Verbandsgebiet existiert bisweilen jedoch nicht.
Am Standort des Entsorgungszentrums Krölpa/Chursdorf betreibt der AWV Ostthüringen eine
Deponie der Deponieklasse II i.S.d. DepV. Bei gleichbleibenden Einbauvolumina (durchschnittlich 26.000 t/a im Zeitraum 2000-2013) wäre die genehmigte Verfüllkapazität nicht wie
geplant in 2020, sondern ggf. bereits in 2016 erreicht.
In Anlehnung an eine Altgenehmigung aus 1992 ist nunmehr eine Erhöhung der Deponieendkontur vorgesehen. Parallel werden Optimierungsarbeiten an Deponiebasis und –randarchitektur durchgeführt, so dass ab 2016 mit zusätzlichem Einbauvolumen kalkuliert werden kann.
Mit Stand 09/2015 besteht nach Umsetzung der geplanten Modifizierungen eine Restkapazität
von ca. 377.000 m³ DK II - Abfällen am Standort Krölpa. Damit ergibt sich bei einem durchschnittlichen Abfalleinbau von 55.000 t/a eine angepasste Betriebsdauer der Deponie bis
Im Rahmen der Rekultivierung des Ostfeldes der Deponie Untitz wurden in 2015 ca. 50.000 t
DK I – Abfälle aus Thüringen zur Verwertung angenommen. Der Bedarf an Entsorgungsmöglichkeiten für DK I – Material ist damit erheblich. Da die Rekultivierungsmaßnahme in 2016
abgeschlossen ist, galt es zur Sicherstellung der regionalen Entsorgungssicherheit, Folgekonzepte zu verfolgen.
Seitens der Thüringer Landesanstalt für Umwelt und Geologie wurde im Rahmen der „Deponiekonzeption für die Entsorgung nicht verwertbarer mineralischer Bauabfälle in Thüringen bis
2020“ (TLUG, 2012) die Empfehlung abgeleitet, zur Gewährleistung der Entsorgungssicherheit für das Planungsgebiet Ostthüringen auf dem Gelände der stillgelegten Deponie Untitz
einen Abschnitt zur Ablagerung gering bis mäßig belasteter mineralischer Abfälle zu schaffen.
Dieser Vorschlag erfolgte in Kongruenz zu den Planungen des AWV, so dass in diesem Zusammenhang seitens des AWV Ostthüringen noch in 2015 die Errichtung und der Betrieb einer
Deponie der Deponieklasse I i.S.d. DepV beantragt („Deponie auf Deponie“) wird. Die Betriebsphase der Deponie soll sich bei einer durchschnittlichen Einlagerungskapazität von
40.000 t/a über den Zeitraum 2016 – 2038 erstrecken (Einlagerungsvolumen 530.000 m³).
Beide Deponien sind infrastrukturell jeweils an Entsorgungszentren gekoppelt, welche stoffstromübergreifend eine Vielzahl von Dienstleistungen anbieten. In beiden Entsorgungszentren
existieren Möglichkeiten zur zeitlich begrenzten Zwischenlagerung von Abfällen in
Havarie-/Katastrophenfällen. So konnten in Zusammenarbeit mit den Bewirtschaftern während
des Juni-Hochwassers 2013, welches das Verbandsgebiet entlang der Weißen Elster betraf,
überschwemmungsbedingt angefallene Siedlungsabfälle kurzfristig zur weiteren Behandlung
Mit den dargelegten Maßnahmen kann für die Deponien Krölpa/Chursdorf und Untitz jeweils
ein deutlicher Zuwachs an Ablagerungskapazität geschaffen werden, ohne neue Flächen/Grundstücke in Anspruch zu nehmen. Es wird auf die eigenen, bereits vorhandenen und
belegten Deponieflächen zurückgegriffen und die jeweils vorhandene Deponieinfrastruktur (Sickerwasserreinigung, Waage, etc.) genutzt. Damit wurden die abfallpolitischen Ziele der Entsorgungssicherheit und der Ressourceneffizienz im Bereich der Beseitigung mineralischer Abfälle im Verbandsgebiet optimal miteinander verflochten.
6 Abfallmengenprognosen
In der jährlich erhobenen Abfallbilanz Thüringens werden die Abfallmengen des AWV angegeben. Dies dient in erster Linie dazu, Trends in der Abfallentsorgung zu erkennen. Die Prognose ergänzt die Trends der Vergangenheit mit den Auswirkungen der beabsichtigten Maßnahmen (siehe Abschnitt 4).
Ausgehend von den Anfallstellen Haushalt und Gewerbe werden die Abfälle mit den entsprechenden Erfassungssystemen gesammelt und einer Anlage zur Verwertung bzw. Beseitigung
In der vorliegenden Prognose wurden die Abfälle aus den Haushalten mit Hilfe eines angenommenen Pro-Kopf-Aufkommens, kombiniert mit den beabsichtigten Maßnahmen, berechnet. In den letzten Jahren wurde ein funktionierendes System der Abfallentsorgung eingerichtet (siehe Pkt. 2.3). Nach einer Anpassungsphase ist nunmehr das Pro-Kopf-Aufkommen (mit
leichten Schwankungen) konstant. Gleiches gilt für kleinere und mittlere Gewerbe, die an die
öffentliche Abfallentsorgung angeschlossen sind (im Pro-Kopf-Aufkommen enthalten).
Größere Gewerbe (Selbstanlieferer) setzen auf Eigenverwertung und –entsorgung. Daher
können und müssen deren Abfallmengen nur geschätzt werden.
Die im Abschnitt 4 beschriebenen Maßnahmen führen zu einer Minimal- und Maximalvariante.
In der Anlage sind die Mengen für die Jahre 2010, 2015 (Min, Max) und 2020 (Min, Max)
Die Mengen gering belasteter Bauabfälle können ebenso wenig prognostiziert werden. Die
Verschärfung des Bergrechts könnte ab 2015 jedoch zu einem Entsorgungsengpass führen.
Diese Entwicklung muss noch untersucht werden und in der Fortschreibung des vorliegenden
Konzeptes Berücksichtigung finden.
Ziel der Prognose ist es zu erkennen, ob eigene oder vertraglich gebundene Anlagekapazitäten ausreichend vorhanden sind.
Abfälle zur Beseitigung - Zweckverband Restabfallbehandlung Ostthüringen (ZRO)
Der aktuelle Entsorgungsvertrag des ZRO gilt bis 2019 mit einer einseitigen Verlängerungsoption durch den ZRO für weitere 2 Jahre. Innerhalb des Vertrages hat sich der AWV Ostthüringen zu einer Liefermenge verpflichtet (MAX-MIN ZRO).
Die außerordentlich günstigen Vertragsbedingungen gelten für die Liefermenge des ZRO innerhalb einer Ober- und Untergrenze. Werden die Liefermengen des ZRO an die Vertragspartner unter- oder überschritten, dann werden die Kosten wesentlich steigen. Die Verursacher
der Über- oder Unterschreitung haben die Mehrkosten zu tragen.
Der AWV liegt im Prognosezeitraum an der Obergrenze der ZRO-Menge. Die Entsorgungssicherheit ist jedoch nicht gefährdet.
Hausmüll in t pro Jahr
MAX-MIN ZRO
Der Verband hat zwei Kompostieranlagen (siehe 2.4.2, 2.4.3) vertraglich gebunden. Die Betreiber der Anlagen haben nicht nur für eine ausreichende Anlagenkapazität zu sorgen, sondern auch den Absatz des fertigen Kompostes sicherzustellen. Da jedoch weitere Kompostieranlagen im Verbandsgebiet vorhanden sind, ist eine Erweiterung der bisher genutzten Anlagen
eine unternehmerische Entscheidung des Betreibers und keine Folge eines Verwertungsengpasses.
Bioabfall in t pro Jahr
Abfälle aus Biotonne
Das Aufkommen an Sperrmüll wird seit 2009 vollständig verwertet. Grundlage ist ein Verwertungsvertrag, der im gesamten Prognosezeitraum gültig ist. Da mit einer Zunahme des Sperrmülls nicht zu rechnen ist, sind Engpässe bei der Verwertung nicht zu befürchten (siehe 2.4.4
und 2.4.5).
Sperrmüll in t pro Jahr
Sofern die unter Punkt 5 beschriebenen Maßnahmen greifen, verfügt der Verband für den
Prognosezeitraum über eine ausreichende Deponiekapazität. In fernerer Zukunft steht dem
AWV die Deponie des ZRO in Großlöbichau zur Verfügung.
Basierend auf gesetzlichen Vorschriften hat die Abfallwirtschaft die Aufgabe die Kreislaufwirtschaft zu fördern. Grundlage hierfür ist das vorhandene Getrenntsammelsystem (siehe Seite
7 ff).
Das öffentlich-rechtliche Abfallwirtschaftssystem gewährleistet eine ökologisch und ökonomisch effiziente Dienstleistung für die Bürger und Gewerbe.
Damit das Getrenntsammelsystem auch benutzt wird, ist ein Gebührensystem, welches ausreichende Anreize bietet um Müll zu vermeiden bzw. zu trennen, unerlässlich.
Das im AWV etablierte Entsorgungssystem mit den Schwerpunkten
Hausmüll- und Biotonne, Blaue Tonne für Altpapier und Wertstofftonne (Leichtverpackungen und stoffgleiche Nichtverpackungen)
kann in den nächsten Jahren weiterentwickelt werden, ohne das vorhandene System grundlegend in Frage stellen zu müssen. Alle Entscheidungen müssen sich an ihren Auswirkungen
auf die Abfallgebühren messen lassen.
Die Zusammenarbeit im ZRO und eigene Verträge geben für den Prognosezeitraum eine solide Entsorgungs- und Verwertungssicherheit.
Sortierergebnisse der Strukturgebiete (A) bis (D)
Hausmüllanalyse 2014 und 2008 – Ergebnisvergleich
Konzeptjahr 2016
Konzeptjahr 2020
Konzeptjahr 2025
SHC Sabrowski-Hertrich-Consult GmbH
Hausmüllanalyse 2014 Abfallwirtschaftszweckverband Ostthüringen
08.–11.07.2014
Sortierergebnisse der Strukturgebiete (A) bis (D) nach Fraktionen und Stoffgruppen
Strukturgebiet
Lederhose / Neuensorga
Stichprobengebiet
Sortierfraktion
1 Papier/
2 Pappe/
PPK-Druckerz. u. Admin.
3 Kartonagen
PPK Andere Nichtverpack.
4 Kunststoffe
Kunststoff-Nichtverpack.
6 Verbundverpack.
Glas-Nichtverpackungen
9 Fe-Metalle
Fe-Verpackungen
Fe-Nichtverpackungen
11 NE-Metalle
NE-Nichtverpackungen
13 Kompostierbare
Sonst. kompostierbare Stoffe
16 Altholz
17 Hygieneprodukte
18 E-Schrott
19 Sonderabfall-
20 kleinmengen
Sonstige Sonderabfallkleinm.
23 Textilien
Textilien, verwertbar
Textilien, nicht verwertbar
25 Inertes Material
36 Anderweitig
27 nicht genannte
32 Mittelmüll
Fraktion ≥ 10 - ≤ 40 mm
33 Feinmüll
Fraktion < 10 mm
kg/(EW*a)
Tabelle 18: Hausmüllmenge und -zusammensetzung nach Fraktionen und Stoffgruppen im Einzugsbereich des Abfallwirtschaftszweckverbandes Ostthüringen differenziert nach Siedlungsstrukturgebieten
Endbericht – Hausmüllanalyse 2014 Abfallwirtschaftszweckverband Ostthüringen
Hausmüllanalysen 2014 und 2008 Abfallwirtschaftszweckverband Ostthüringen
kg/(EW *a)
1 Papier / Pappe/
Druckerzeug. / Admin.-Papiere
Andere Nichtverpackungen
6 Verbundverpackungen Verbundverpackungen
Veränderungen 2014 zu 2008
40,03)
18 Elektronikschrott
19 Sonderabfall20 kleinmengen
26 Anderweitig nicht
27 genannte Stoffe
Sonst. Sonderabfallkleinmeng.
Steine, Bauschutt, u.a.
nicht separat aussortiert
48,64)
Tabelle 26: Vergleich der Hausmüllanalysen 2014 und 2008 im AWV-Verbandsgebiet nach Fraktionen und Stoffgruppen
Rd. die Hälfte dieser spezifischen Abfallmenge ist auf einen Schraubstock zurückzuführen, der sich in der Hausmüllstichprobe (C) Stadt > 5.000 EW mit Biotonne (Stichprobengebiet Gera-Debschwitz) befand.
Im Hinblick auf diese Veränderung ist die Anmerkung unter Fußnote 1) zu beachten.
3) Im Jahr 2008 erfolgte keine weitere Differenzierung nach einzelnen Sortierfraktionen.
Im Jahr 2008 erfolgte keine weitere Differenzierung nach einzelnen Sortierfraktionen und zusätzlich sind in diesem Aufkommen Hygieneprodukte (s. Fraktion 17) enthalten.
2016 - 2020 (2025)
29.350 t
8.927 t
HM-Tonne priv.
26.192 t
PPK-Tonne
HM-Tonne gew.
10.684 t
7.481 t
6.778 t
2.121 t
Abfälle DK 1
Abfälle DK 2
2.159 t
Depot Cont.
Direktanl.
Dep.Untitz
Dep.Krölpa
3,9 kg/ EWO+a
4.673 t
gem. Samml.
Direktanl. AWV
PLUS-Menge
davon 759 t
1.208 t
19.731 t
13.472 t
MUS Krölpa
12.948 t
6.139 t
SpM-Verwertung
4.888 t
PPKaus LVP
22.061 t
10.617 t
energ. Verwert.
Abfälle/
SortR grob
1.491 t
SortR sonst.
GetränkeVerb.
MischKS weich
MischKS hart
12.028 t
10.786 t
3.585 t
Weißb./Schr./ALU
Hohlkörper>5l
Anlage Konzeptjahre
28.223 t
8.693 t
12.061 t
25.186 t
3.037 t
7.281 t
4.213 t
6.590 t
2.098 t
2.096 t
4.549 t
davon 738 t
1.166 t
19.032 t
13.238 t
1.351 t
12.455 t
4.765 t
21.273 t
10.213 t
3.668 t
11.601 t
10.657 t
3.495 t
davon 713 t
Annahmebedingungen für die
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Biotonne Tipps 2016 - Stadtreinigung Leipzig
PDF - AWV Ostthüringen
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Sanierung der Deponie der Donau Chemie ist nicht in Sicht
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