Source: http://relevancy.bger.ch/php/aza/http/index.php?lang=de&zoom=&type=show_document&highlight_docid=aza%3A%2F%2F09-05-2012-8C_953-2011
Timestamp: 2016-10-24 09:02:46
Document Index: 66575600

Matched Legal Cases: ['Art. 99', 'BGE', 'BGE', 'Art. 18', 'Art. 16', 'BGE', 'Art. 44', 'BGE', 'BGE', 'BGE']

8C_953/2011 (09.05.2012)
Unfallversicherung (Arbeitsunf�higkeit; Invalidenrente),
Der 1954 geborene B.________ war seit 1. M�rz 1975 bei der Firma X.________ als Deckenmonteur angestellt und bei der SUVA obligatorisch unfallversichert. Im Januar 2003 verletzte ihn ein herabfallender Holzbalken an der rechten Schulter. Die Klinik M.________, wo der Versicherte am 19. September 2003 operiert wurde, diagnostizierte eine Ruptur der Supraspinatussehne und hypertrophe AC-Gelenksarthrose Schulter rechts. Die SUVA kam f�r die Heilbehandlung und das Taggeld auf. Ab 26. Juli 2004 galt hinsichtlich dieses Unfalls die Behandlung als abgeschlossen und der Versicherte wieder als voll arbeitsf�hig. Am 25. Juni 2004 verletzte er sich w�hrend der Arbeit bei obiger Firma an der linken Schulter. Die Klinik M.________ diagnostizierte am 22. Juli 2004 eine traumatische Ruptur der Supraspinatussehne links. Am 14. September 2004, 26. April 2005, 7. M�rz 2006, 25. Januar 2007 und 15. Mai 2008 wurde der Versicherte an der linken Schulter operiert. Die SUVA erbrachte Heilbehandlung und Taggeld. Im Auftrag der IV-Stelle Luzern weilte der Versicherte vom 3. bis 14. Dezember 2007 w�hrend insgesamt 10 Abkl�rungstagen in der beruflichen Abkl�rungsstelle Y.________, welche dar�ber am 23. Januar 2008 einen Bericht erstattete. Mit Verf�gung vom 30. M�rz 2010 sprach ihm die SUVA f�r die Folgen der zwei obigen Unf�lle ab 1. Februar 2010 eine Invalidenrente bei einer Erwerbsunf�higkeit von 23 % und eine Integrit�tsentsch�digung bei einer Integrit�tseinbusse von 15 % (5 % betreffend den erstgenannten und 10 % betreffend den zweitgenannten Unfall) zu. Mit Verf�gung vom 9. April 2010 �nderte die SUVA diejenige vom 30. M�rz 2010 insofern ab, als sie ihm die Integrit�tsentsch�digung einzig als Folge des zweitgenannten Unfalls zusprach. In teilweiser Gutheissung der gegen die Verf�gung vom 30. M�rz 2010 erhobenen Einsprache �nderte sie diese in dem Sinne ab, dass ab 1. Februar 2010 eine Invalidenrente bei einer Erwerbsunf�higkeit von 30 % anstelle von 23 % auf der Grundlage eines versicherten Jahresverdienstes von Fr. 83'024.- (anstelle von Fr. 81'347.-) ausgerichtet werde (Entscheid vom 21. September 2010).
Mit Beschwerde beantragt der Versicherte, in Aufhebung des kantonalen Entscheides seien die Vorakten und insbesondere der Abkl�rungsbericht vom 23. Januar 2011 (recte 2008) der beruflichen Abkl�rungsstelle Y.________ sowie der IV-Entscheid vom 3. Januar 2011 zu den Akten zu nehmen; ab 1. Februar 2010 sei ihm eine Invalidenrente bzw. eine SUVA-Rente von 44 %, anstatt von 30 % auszurichten; es sei durch das Bundesgericht ein neues Gutachten (Obergutachten) durch einen unabh�ngigen Spezialisten betreffend die Frage der H�he der Zumutbarkeit der Arbeitsleistung in angepasster T�tigkeit in Auftrag zu geben; eventuell sei die Sache zu diesem Zweck und zur Neubeurteilung der Sache an die SUVA zur�ckzuweisen. Die vorinstanzlichen Akten wurden beigezogen. Ein Schriftenwechsel wurde nicht durchgef�hrt.
2.1 Die Vorinstanz reichte - dem Antrag des Versicherten entsprechend - die Vorakten, worin der Abkl�rungsbericht der beruflichen Abkl�rungsstelle Y.________ vom 23. Januar 2008 enthalten ist, ein.
2.2 Neue Tatsachen und Beweismittel d�rfen nur soweit vorgebracht werden, als erst der Entscheid der Vorinstanz dazu Anlass gibt, was von der ein Novum einbringenden Partei darzulegen ist (Art. 99 Abs. 1 BGG; BGE 135 V 194; SVR 2010 UV Nr. 17 S. 63 E. 4 [8C_239/2008]). Der Versicherte legt letztinstanzlich neu die Verf�gung der IV-Stelle Luzern vom 3. Januar 2011 auf, worin ihm ab 1. Juli 2004 bis 31. M�rz 2008 eine ganze Invalidenrente (Invalidit�tsgrad 100 %) und ab 1. April 2008 eine Viertelsrente (Invalidit�tsgrad 44 %) zugesprochen wurde. Er macht geltend, diese Verf�gung sei zu ber�cksichtigen, da sie mit dem Streitgegenstand in einem engen Zusammenhang stehe und die Beurteilung beeinflussen k�nne; es widerspr�che der Verfahrenseffizienz, wenn aufgrund dieser Verf�gung nachtr�glich ein Revisionsverfahren er�ffnet werden m�sste. Der angefochtene Entscheid datiert vom 22. November 2011. Der Versicherte macht indessen nicht geltend, dass ihm die vorinstanzliche Beibringung der IV-Verf�gung vom 3. Januar 2011 trotz hinreichender Sorgfalt prozessual unm�glich und objektiv unzumutbar war (nicht publ. E. 2.3 des Urteils BGE 135 V 163, in SVR 2009 BVG Nr. 30 S. 109 [9C_920/2008]; Urteil 8C_528/2011 vom 7. M�rz 2012 E. 4). Sie ist somit nicht zu ber�cksichtigen.
Die Vorinstanz hat die Grundlagen �ber den Rentenanspruch (Art. 18 Abs. 1 UVG), die Invalidit�tsbemessung nach dem Einkommensvergleich (Art. 16 ATSG) und den Beweiswert von Arztberichten (BGE 134 V 231 E. 5.1. S. 232, 125 V 351) richtig dargelegt. Darauf wird verwiesen. Zu erg�nzen ist Folgendes: Soweit sich ein Entscheid auf versicherungsinterne �rztliche Beurteilungen st�tzt, sind an die Beweisw�rdigung strenge Anforderungen zu stellen: Bestehen auch nur geringe Zweifel an der Zuverl�ssigkeit und Schl�ssigkeit dieser �rztlichen Feststellungen, ist eine versicherungsexterne medizinische Begutachtung nach Art. 44 ATSG oder ein Gerichtsgutachten anzuordnen (BGE 135 V 465).
Streitig und zu pr�fen ist die Arbeitsf�higkeit des Versicherten.
4.1 Die berufliche Abkl�rungsstelle Y.________ f�hrte im Bericht vom 23. Januar 2008 aus, der Versicherte sei bei k�rperlich leichten wechselnd belastenden Arbeiten arbeitsf�hig. Selten bis manchmal 5 kg Heben/Tragen sei m�glich. Es seien keine monotonen repetierenden Abl�ufe, Haltungsmonotonien in den Schultern und werfende, schlagende oder weit ausholende Bewegungen aus den Schultern auszuf�hren. Arbeit �ber Schulterh�he sei selten vorzunehmen. M�glich seien Bedienung einfacher Maschinen, �berwachungsarbeiten, Aufsichts- und Kontrollfunktionen (z.B. Parkw�chter, Parkplatzkontrolleur), Telefonverkauf, Arbeit in einem Call-Center. In der Gesamtleistung von 80 % seien die ergonomischen Vorgaben inbegriffen. Die Leistungsreduktion sei durch notwendige Entlastungshaltungen und kurze Pausen bedingt.
4.2 Der Kreisarzt Dr. med. N.________, FMH Chirurgie, legte im Bericht vom 25. Februar 2009 aufgrund der vortags erfolgten Untersuchung des Versicherten dar, T�tigkeiten mit �berkopfcharakter f�r die linke Schulter seien nicht mehr zumutbar. Schl�ge und Vibrationen auf diese seien zu vermeiden. Bis zur Horizontalen gebe es bei g�nstigen Hebelarmen keine Gewichtslimite, dar�ber eine deutlich tiefere Gewichtslimite. Grunds�tzlich sollte eine Gewichtslimite von 15-20 kg nicht �berschritten werden. Zwangshaltungen f�r die linke Schulter seien zu vermeiden. G�nstig seien auch Wechselbelastungen. Zeitliche Einschr�nkungen best�nden nicht.
4.3 Der Kreisarzt Dr. med. O.________, FMH Orthop�dische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates, f�hrte in der Akten-Stellungnahme vom 21. Juli 2010 aus, beim Durchlesen des Berichts der beruflichen Abkl�rungsstelle Y.________ erkenne man, dass der Versicherte f�r sehr leichte T�tigkeiten keine Probleme habe; sobald es etwas gr�ber werde, m�sse der Arm manchmal etwas gesch�ttelt werden, um zu entlasten. Dr. med. N.________ habe eine Gewichtslimite von 15-20 kg angegeben; bei der beruflichen Abkl�rungsstelle Y.________ liege diese bei 5 kg, obwohl man schwerere T�tigkeiten nicht unbedingt �berpr�ft habe. Bei der simulierten leichten Arbeit im Sitzen tr�ten offensichtlich keine wesentlichen Beschwerden auf, nur bei der simulierten Bandarbeit komme es immer wieder zu kleinen Unterbr�chen mit Lockerung der Schulter. Somit k�nne davon ausgegangen werden, dass nach dieser �berpr�fung bei der beruflichen Abkl�rungsstelle Y.________ bei leichten T�tigkeiten eine ganzt�gige Einsatzf�higkeit bestehen sollte, jedoch seiner Meinung nach bei Gewichten �ber 10-15 kg beidseitig doch eine Einschr�nkung oder Reduktion von 20 % bestehe, um sich jeweils zu erholen.
5.1 Die Vorinstanz kam mit einl�sslicher Begr�ndung, auf die verwiesen wird, zum Schluss, dass der Zumutbarkeitsbeurteilung des Dr. med. N.________ vom 24. Februar 2009 (vgl. Bericht vom 25. Februar 2009) zu folgen sei. Zu den Diskrepanzen seiner Einsch�tzungen gegen�ber derjenigen der beruflichen Abkl�rungsstelle Y.________ vom 23. Januar 2008 habe sich Dr. med. O.________ am 21. Juli 2010 ge�ussert und sei nachvollziehbar und �berzeugend davon ausgegangen, dass bei leichten T�tigkeiten eine ganzt�gige Einsatzf�higkeit bestehen sollte. Soweit er ab Gewichten von 15-20 kg von einer 20%igen Einschr�nkung der Arbeitsf�higkeit ausgehe, stimme dies mit dem Bericht des Dr. med. N.________ �berein, wonach diese Gewichtslimite nicht �berschritten werden sollte. Demnach sei von einer 100%igen Arbeitsf�higkeit in einer leidensangepassten T�tigkeit auszugehen.
5.2 Der Versicherte beruft sich auf den Bericht der beruflichen Abkl�rungsstelle Y.________ vom 23. Januar 2008, wonach er in einer solchen T�tigkeit nur zu 80 % arbeitsf�hig sei. Seine Vorbringen sind indessen nicht geeignet, das vorinstanzliche Ergebnis in Zweifel zu ziehen. Festzuhalten ist insbesondere Folgendes:
Dr. med. P.________, Facharzt FMH f�r Orthop�dische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates, Klinik M.________, der den Versicherten am 15. Mai 2008 operiert und am 16. M�rz 2009 erneut untersucht hatte, f�hrte im Bericht vom 17. M�rz 2009 aus, die Restarbeitsf�higkeit bzw. zumutbare Arbeitsf�higkeit sei dem Versicherten im Bericht vom 25. Februar 2009 er�ffnet worden; auch er sehe in erster Linie die Wichtigkeit einer Wiederaufnahme einer Erwerbst�tigkeit und weniger medizinische Massnahmen, die, wie die Vergangenheit gezeigt habe, kaum eine durchschlagende Verbesserung des Gesundheitszustandes herbeif�hren k�nnten. Dr. med. P.________ stellte mithin die Arbeitsf�higkeitssch�tzung des Dr. med. N.________ vom 25. Februar 2009 nicht in Frage; es ist davon auszugehen, dass er dies als behandelnder Spezialarzt getan h�tte, falls er sie als unrichtig angesehen h�tte. In diesem Lichte wird die Einsch�tzung des Dr. med. N.________ bekr�ftigt.
Unbehelflich ist der Einwand des Versicherten, Dr. med. N.________ habe den Bericht der beruflichen Abkl�rungsstelle Y.________ vom 23. Januar 2008 nicht erw�hnt. Denn die Stellungnahme des Dr. med. O.________ vom 21. Juli 2010 erf�llt die formellen Anforderungen an medizinische Aktenberichte (vgl. SVR 2010 UV Nr. 17 S. 63 E. 7.2 [8C_239/2008]). Damit wurde der Bericht der beruflichen Abkl�rungsstelle Y.________ hinreichend in die medizinische Beurteilung einbezogen.
Soweit der Versicherte geltend macht, die IV-Stelle habe auf den Bericht der beruflichen Abkl�rungsstelle Y.________ abgestellt, hat die Vorinstanz richtig erkannt, dass keine Bindungswirkung der Invalidit�tssch�tzung des einen Versicherers f�r den jeweils anderen Sozialversicherungszweig besteht (BGE 133 V 549; Urteil 8C_543/2011 vom 25. August 2011 E. 3). Die Aktenlage rechtfertigt es nicht, von diesem Grundsatz abzuweichen.
Von weiteren medizinischen Abkl�rungen ist - der Vorinstanz folgend - abzusehen, da hievon keine neuen Erkenntnisse zu erwarten sind (antizipierte Beweisw�rdigung; BGE 136 I 229 E. 5.3 S. 236; Urteil 8C_607/2011 vom 16. M�rz 2012 E. 7.2).
Gegen den Einkommensvergleich der SUVA, der vorinstanzlich best�tigt wurde und zu einem Invalidit�tsgrad von 30 % f�hrt, bringt der Versicherte keine Einwendungen vor, weshalb es damit sein Bewenden hat (vgl. auch Urteil 8C_830/2011 vom 9. M�rz 2012 E. 8).