Source: https://fr.b-ok.org/book/839400/9f7f11
Timestamp: 2020-02-22 17:41:51
Document Index: 351327257

Matched Legal Cases: ['§ 18', '§ 2', '§ 2', '§ 642', '§ 18', '§ 2', '§ 2', '§ 6', '§ 6', '§ 4', '§ 631', '§ 651', '§ 631', '§ 641', '§ 631', '§ 305', '§ 631', '§ 2', '§ 14', '§ 5', '§ 2', '§ 1', '§ 1', '§ 1', '§ 631', '§ 2', '§ 9', '§ 4', '§ 13', 'BGH', '§ 2', '§ 5', '§ 2', '§ 2', '§ 2', '§ 4', 'BGH', '§ 4', '§ 4', 'BGH', '§ 4', '§ 4', '§ 641', '§ 4', '§ 4', '§ 4', '§ 4', '§ 4', '§ 4', '§ 2', '§ 4', '§ 4', '§ 4', '§ 4', '§ 3', '§ 3', '§ 3', 'BGH', '§ 11', '§ 4', '§ 4', '§ 5', '§ 271', '§ 323', '§ 5', '§ 5', '§ 5', '§ 5', '§ 11', '§ 5', '§ 5', '§ 5', '§ 5', '§ 6', '§ 5', '§ 5', '§ 6', '§ 8']

﻿ Nachtragsmanagement in der Baupraxis, 2.Auflage GERMAN | Ulrich Elwert, Alexander Flassak | download
Principal Nachtragsmanagement in der Baupraxis, 2.Auflage GERMAN
Nachtragsmanagement in der Baupraxis, 2.Auflage GERMAN
Pages: 205 / 215
ISBN 10: 3834801933
ISBN 13: 9783834801937
Musterbriefe für Auftragnehmer
von W. Heiermann und L. Linke
Musterbriefe für Auftraggeber
von W. Heiermann, R. Riedl und M. Rusam
von U. Elwert und A. Flassak
von P. Fröhlich
von N. Arbeiter und K.-H. Keldungs
von K. D. Siemon
von K.-H. Keldungs
Grundlagen – Beispiele – Anwendung
© Friedr. Vieweg & Sohn Verlag | GWV Fachverlage GmbH, Wiesbaden 2008
Lektorat: Karina Danulat / Annette Prenzer
ist ohne Zustimmung des Verlags unzulässig und strafbar. Das gilt insbesondere für Vervielfältigungen, Übersetzungen, Mikroverfilmungen und
ISBN 978-3-8348-0193-7
Auch zwei Jahre nach der Erstauflage dieses Buchs ist das Thema Nachträge weiterhin ein alltägliches und dennoch mit erheblichem Konfliktpotenzial beladenes Gebiet
des Baugeschehens. Erfreulicherweise wird den Verfahren zur alternativen, außergerichtlichen Konfliktbeilegung – nicht zuletzt auf Grund der in der § 18 Nr. 3 VOB/B
Ausgabe 2006 neu aufgenommenen Regelung zur Streitbeilegung – immer größere
Die positive Aufnahme in der Fachwelt machte eine Neuauflage erforderlich. Dies
haben wir zum Anlass genommen, das Buch grundlegend zu aktualisieren und zu
erweitern, sowie der aktuellen Rechtsprechung und Neufassung der VOB/B Folge zu
Besonderer Dank gilt den zahlreichen Rezensenten der ersten Auflage, die mit wertvollen Hinweisen und Ergänzungsvorschlägen zu der nun vorliegenden Auflage beigetragen haben.
Hinweise, Anregungen und Kritik – auch und gerade aus der Praxis – sind weiterhin
Ravensburg/Heppenheim, im August 2007
Das viel diskutierte Thema Nachträge hat in der Praxis – nicht zuletzt auf Grund der
aktuell wirtschaftlich schwierigen Lage der Baubranche – nach wie vor eine besondere ökonomische Bedeutung. Bei nahezu jedem größeren Bauvorhaben treten Nachtragssachverhalte auf, die nicht selten erhebliches Konfliktpotenzial bergen und mitunter in langwierigen gerichtlichen Auseinandersetzungen der Vertragsparteien
münden. Nachträge werden häufig nur in ihrer negativen Auswirkung betrachtet.
Dabei stellen sie bei entsprechender Handhabung für die Vertragspartner ein adäquates Mittel dar, um nach Abschluss des Bauvertrags während der Baumaßnahme auf
Leistungsänderungen und -ergänzungen sowie Störungen des Bauablaufs reagieren
Das vorliegende Buch soll daher in kompakter und leicht verständlicher Form einen
umfassenden Einblick in das Themengebiet Nachtragsmanagement geben. Wir hoffen, damit einen Beitrag zu einem qualifizierten, objektiven und fairen Umgang mit
Nachtragssachverhalten und zur Vermeidung von Konflikten leisten zu können.
Dieses Buch ist im Besonderen an Leser gerichtet, die bereits beruflich, unabhängig
davon, ob auf Auftraggeber- oder auf Auftragnehmerseite tätig, in das Thema involviert sind, eignet sich aber ebenso für Studenten und interessierte Praktiker, die sich
mit dem Thema Nachtragsmanagement auseinandersetzen wollen. Es kann zudem
zur Auffrischung bereits erlangter Kenntnisse sowie als Lehr- oder Nachschlagewerk
Ein besonderer Dank gilt allen Fachkollegen, die durch anregende Diskussionen und
Hinweise zur Entstehung des Buches beigetragen haben. Frau Kinscherf-Atanasov
danken wir für die engagierte Unterstützung bei der Anfertigung des Manuskriptes.
Hinweise, Anregungen und Kritik – auch und gerade aus der Praxis – sind ausdrücklich willkommen.
Heppenheim, im Februar 2005
1 Einleitung.........................................................................................................................
1.1 Zielsetzung, Abgrenzung und Gliederung ..........................................................
1.2 Ausgangssituation ..................................................................................................
2 Begriffsdefinitionen ......................................................................................................
3 Baubetriebliche und baurechtliche Grundlagen...................................................... 11
3.1 Der Bauvertrag ......................................................................................................... 11
3.1.1 Bauvertrag nach BGB Werkvertragsrecht.................................................................. 11
3.1.2 Bauvertrag nach VOB................................................................................................... 12
3.2 Bauvertragstypen ..................................................................................................... 12
3.2.1 Der Einheitspreisvertrag.............................................................................................. 12
3.2.2 Der Pauschalvertrag ..................................................................................................... 13
3.2.3 Stundenlohnvertrag und Selbstkostenerstattungsvertrag....................................... 14
3.2.4 Mischformen.................................................................................................................. 14
3.2.5 Neue Vertragsmodelle ................................................................................................. 15
3.3 Das Bausoll................................................................................................................ 18
3.4 Leistungspflichten der Vertragspartner beim Bauvertrag ................................. 20
3.4.1 Auftragnehmerpflichten .............................................................................................. 21
3.4.2 Auftraggeberpflichten.................................................................................................. 23
3.5 Vertragsfristen und Termine .................................................................................. 26
3.5.1 Regelungen des BGB .................................................................................................... 26
3.5.2 Regelungen der VOB/B ................................................................................................ 26
3.5.3 Die Rechtsfolgen von Terminüberschreitungen ....................................................... 28
3.6 Terminplanung ....................................................................................................... 29
3.6.1 Darstellungsformen von Terminplänen .................................................................... 31
3.6.2 Vorgangsabhängigkeiten, Anordnungsbeziehungen .............................................. 37
3.6.3 Ermittlung der Vorgangsdauern ................................................................................ 38
3.7 Kalkulation................................................................................................................ 39
3.7.1 Bauauftragsrechnung ................................................................................................... 40
3.7.2 Kalkulationselemente................................................................................................... 41
3.7.3 Kalkulationsverfahren.................................................................................................. 43
3.7.4 Verfahrensablauf der Kalkulation über die Angebotssumme ................................ 46
3.7.5 Die EFB-Blätter der öffentlichen Auftraggeber......................................................... 50
4 Mögliche Nachtragsursachen und Nachtragsfolgen................................................ 53
4.1 Lohn-/Stoffpreisgleitklauseln ................................................................................. 54
4.1.1 Lohnpreisgleitklauseln ................................................................................................. 54
4.1.2 Stoffpreisgleitklauseln .................................................................................................. 56
4.2 Mengenänderungen ................................................................................................. 56
4.2.1 Auswirkung von Mengenminderungen .................................................................... 58
4.2.2 Auswirkung von Mengenmehrungen........................................................................ 59
4.2.3 Ermittlung des neuen Einheitspreises........................................................................ 59
4.2.4 Ausgleichsberechnung ................................................................................................. 62
4.3 Geänderte und zusätzliche Leistungen ................................................................. 62
4.3.1 Das Änderungsrecht des Auftraggebers.................................................................... 62
4.3.2 Die Leistungsänderung nach § 2 Nr. 5 VOB/B .......................................................... 64
4.3.3 Die zusätzliche Leistung nach § 2 Nr. 6 VOB/B ........................................................ 64
4.3.4 Abgrenzung geänderter und zusätzlicher Leistungen............................................. 65
4.3.5 Ankündigungserfordernis für gesonderte Vergütung............................................. 65
4.3.6 Vereinbarung des neuen Preises vor Ausführungsbeginn...................................... 66
4.4 Selbstübernahme oder Entfall vereinbarter Leistungen ..................................... 67
4.5 Leistungen ohne Auftrag......................................................................................... 69
4.6 Besondere planerische Leistungen......................................................................... 71
4.7 Stundenlohnarbeiten................................................................................................ 72
4.8 Behinderung des Auftragnehmers......................................................................... 73
4.8.1 Behinderungsanzeige und Offenkundigkeit ............................................................. 73
4.8.2 Verlängerung der Ausführungsfristen....................................................................... 74
4.8.3 Anpassungspflicht des Auftragnehmers ................................................................... 76
4.8.4 Die Berechnung der Fristverlängerung...................................................................... 77
4.8.5 Schadenersatzansprüche.............................................................................................. 80
4.8.6 Zusammenfassung........................................................................................................ 81
4.9 Der Entschädigungsanspruch nach § 642 BGB .................................................... 83
4.10 Störung der Geschäftsgrundlage.......................................................................... 85
4.10.1 Voraussetzungen ...................................................................................................... 85
4.10.2 Rechtsfolgen .............................................................................................................. 86
4.11 Störungen der Architekten- und Ingenieurleistungen...................................... 88
4.12 Sonderprobleme bei Nachträgen.......................................................................... 90
4.12.1 Nachlassvereinbarungen ......................................................................................... 90
4.12.2 Vergabegewinne bei der Mindermengenvergütung............................................ 91
4.12.3 Vergütung der Kosten für die Nachtragsbearbeitung ......................................... 91
4.12.4 Leistungsverweigerungsrecht des Auftragnehmers............................................ 93
4.12.5 Zur Ausschreibungspflicht von Nachträgen ........................................................ 94
4.12.6 Nachtragsforderungen von Nachunternehmern.................................................. 94
4.12.7 Vollmacht und Vertretungsbefugnisse .................................................................. 95
4.12.8 Kalkulationsirrtum ................................................................................................... 96
4.12.9 Spekulationspreise ................................................................................................... 97
4.12.10 Erschwernisse infolge nicht beachteter Bedenkenanmeldungen..................... 98
4.13 Zusammenfassung ................................................................................................. 99
5 Beispielrechnungen ....................................................................................................... 101
5.1 Kalkulation über die Angebotssumme ................................................................. 101
5.2 Lohn-/Stoffpreisgleitklauseln ................................................................................. 104
5.3 Mengenänderungen – Mehrmengen ..................................................................... 105
5.4 Mengenänderungen – Mindermengen.................................................................. 108
5.5 Ausgleichsberechnung ............................................................................................ 109
5.6 Geänderte Leistungen.............................................................................................. 111
5.7 Zusätzliche Leistungen............................................................................................ 112
5.8 Selbstübernahme/Entfall vereinbarter Leistungen .............................................. 113
5.9 Behinderung des Auftragnehmers......................................................................... 116
6 Dokumentation............................................................................................................... 125
6.1 Vertragsunterlagen .................................................................................................. 126
6.2 Vertragsterminplan mit Fortschreibung ............................................................... 127
6.3 Bautagesberichte....................................................................................................... 127
6.4 Besprechungsprotokolle.......................................................................................... 129
6.5 Dokumentenmanagement....................................................................................... 130
6.6 Planlieferlisten .......................................................................................................... 134
6.7 Foto- und Videodokumentation............................................................................. 136
6.8 Aufmaßprotokolle.................................................................................................... 138
6.9 Behinderungs- und Mängelanzeigen .................................................................... 138
6.10 Soll-Ist-Vergleiche .................................................................................................. 139
6.11 Übersicht.................................................................................................................. 140
7 Handhabung von Nachträgen...................................................................................... 143
7.1 Aufbau eines Nachtrags .......................................................................................... 143
7.2 Der Einsatz von Formblättern und Regelabläufen .............................................. 145
7.3 Nachtragsprüfung und -bewertung ...................................................................... 147
7.4 Nachtragsdurchsetzung – Nachtragsabwehr....................................................... 149
7.4.1 Nachtragsdurchsetzung............................................................................................... 149
7.4.2 Nachtragsabwehr .......................................................................................................... 150
7.5 Abrechnung und Vereinbarung von Nachträgen................................................ 151
7.6 Erfassung und Dokumentation von Nachträgen................................................. 152
7.6.1 Änderungs- und Vertragsmanagement ..................................................................... 152
7.6.2 Nachtragsmanagementsysteme .................................................................................. 153
7.6.3 Möglichkeiten des EDV-Einsatzes .............................................................................. 157
8 Nachtragsprophylaxe – alternative Streitbeilegung ................................................ 159
8.1 Nachtragsprophylaxe .............................................................................................. 160
8.2 Herkömmliche Instrumente der Konfliktlösung ................................................. 165
8.2.1 Verfahren vor staatlichen Gerichten........................................................................... 165
8.2.2 Schiedsgerichtsverfahren (Arbitration)...................................................................... 166
8.2.3 Schiedsgutachtenverfahren.......................................................................................... 168
8.2.4 Schlichtung..................................................................................................................... 169
8.2.5 Anrufungsverfahren nach § 18 Nr. 2 VOB/B ............................................................. 169
8.2.6 Mediation ....................................................................................................................... 170
8.3 Neue Formen des Streitmanagements................................................................... 171
8.3.1 Dispute Review Board.................................................................................................. 172
8.3.2 Dispute Adjudication Board........................................................................................ 174
8.3.3 Adjudication in England .............................................................................................. 177
8.3.4 Die Baubegleitende Einigungsstelle (BEST) .............................................................. 178
8.4 Zusammenfassung ................................................................................................... 179
Anhang – VOB/B ................................................................................................................ 181
Literaturverzeichnis ........................................................................................................... 195
Sachwortverzeichnis .......................................................................................................... 201
Mengenänderungen, geänderte oder zusätzliche Leistungen und Behinderungen führen bei nahezu jedem Bauvorhaben zu Nachtragsforderungen des Auftragnehmers
und nicht selten zu erheblichem Konfliktpotenzial zwischen den Vertragsparteien
über die Berechtigung und Höhe der Ansprüche.
Selbst bei einer im Wesentlichen reibungslos abgewickelten Hochbaumaßnahme muss
unabhängig von der jeweiligen Vergabeform mit einem Nachtragsvolumen von ca.
5 % der ursprünglichen Vertragssumme gerechnet werden.1 Ein Nachtragsaufkommen in Höhe von 30 % der geplanten Kosten ist heute keine Seltenheit mehr.2 Und
dennoch bereitet der Umgang mit der Dokumentation und Bewertung von Nachträgen den Vertragspartnern mitunter erhebliche Schwierigkeiten.
Insbesondere bei Behinderungssachverhalten ist eine nachträgliche Rekonstruktion
von Ursachenzusammenhängen objektiv kaum mehr möglich, so dass eine zeitnahe
und pragmatische Nachtragsklärung unter Beachtung baubetrieblicher, technischwirtschaftlicher und juristischer Aspekte auch im Sinne eines zügigen Projektfortschritts unerlässlich ist.
Ungeklärte Nachträge führen in der Regel zu einer Klimaverschlechterung zwischen
den Vertragsparteien, binden Kapazitäten und können bei verschleppter Klärung
1.1 Zielsetzung, Abgrenzung und Gliederung
Dieses Buch bietet eine grundlegende Einführung in die Thematik des Nachtragsmanagements. Aufbauend auf baubetrieblichen und baurechtlichen Grundlagen wird
durch Anwendungshinweise und Praxisbeispiele der in der Baupraxis nahezu unvermeidliche Umgang mit Nachtragssachverhalten dargestellt.
Ziel dieses Buches ist es, allen Baubeteiligten, die sich mit dem Thema Nachträge
konfrontiert sehen, egal ob auf Auftragnehmer- oder Auftraggeberseite tätig, einen
praxisnahen Handlungsleitfaden an die Hand zu geben, mit dessen Hilfe sich Nachtragssachverhalte sachgerecht, kurzfristig, fair und emotionsbefreit – nach Möglichkeit außergerichtlich – klären lassen. Hierbei wurde besonderer Wert auf eine kompakte Darstellung gelegt.
Vgl. Eschenbruch, Recht der Projektsteuerung, 2. Aufl. 2003, Rdn. 682
Vgl. Wirth, in: Jahrbuch Baurecht 2002, S. 92
Dem Inhalt ist ein Kapitel mit der Definition von Begriffen vorangestellt, die im Zusammenhang mit Nachträgen in der Praxis häufig synonym, missverständlich oder
falsch verwendet bzw. unterschiedlich abgegrenzt werden (Kapitel 2).
Ganz wesentlich für die zielgerichtete und wirtschaftliche Entwicklung und Anwendung eines Nachtragsmanagementsystems sind fundierte baubetriebliche und baurechtliche Fachkenntnisse. Aus diesem Grund wird den theoretischen Grundlagen
eine besonders hohe Bedeutung beigemessen.
Aufbauend auf allgemeinen baubetrieblichen und baurechtlichen Grundlagen (Kapitel 3) werden daran anschließend mögliche Nachtragsursachen sowie deren Anspruchsgrundlagen und die Nachtragsfolgen behandelt (Kapitel 4).
Auf Basis der zuvor dargestellten Grundlagen beinhaltet Kapitel 5 Beispielrechnungen zu üblichen Nachtragssachverhalten. Die theoretischen Grundlagen werden hier
anhand konkreter Praxisbeispiele nachvollziehbar angewendet.
Unumgänglich für die Beurteilung von Nachtragssachverhalten ist die genaue Kenntnis des tatsächlichen Bauablaufs. Möglichkeiten zur Dokumentation zeigt Kapitel 6
Die häufig auf Grund unsachgemäßer Anwendung konfliktauslösende Handhabung
von Nachträgen – der Aufbau eines Nachtrags, die Nachtragsprüfung und -bewertung, Nachtragsdurchsetzung und Nachtragsabwehr sowie Abrechnung und Vergütung, Erfassung und Dokumentation von Nachträgen – ist in Kapitel 7 dargestellt.
In Kapitel 8 werden Formen der Nachtragsprophylaxe sowie Methoden zur alternativen Streitbeilegung untersucht, um Nachtragsforderungen entweder gänzlich zu vermeiden oder diese sachgerecht, einvernehmlich und vor allem zügig aufzulösen. Im
Interesse der Vertragsparteien sollten Nachtragsforderungen in jedem Fall kurzfristig
und verbindlich geklärt werden, um den weiteren Bauablauf nicht übermäßig zu beeinträchtigen.
Als Anhang ist der vollständige Text der VOB/B – Allgemeine Vertragsbedingungen
für die Ausführung von Bauleistungen – in der Fassung von 2006 enthalten.
Das Thema Nachtragsmanagement hat in den letzten Jahren zunehmend an Bedeutung gewonnen, nicht zuletzt auf Grund der anhaltenden strukturellen Krise der
Bauwirtschaft und stetig sinkenden Bauinvestitionen (Abbildung 1-1). In wirtschaftlich schwierigen Zeiten, wenn die Spielräume der Projektbeteiligten enger werden
und der Kostendruck zunimmt, haben Nachtragsforderungen und die oftmals daraus
resultierenden Konflikte Hochkonjunktur. Das durchschnittliche Nachtragsvolumen
der Bauunternehmen liegt derzeit bei etwa 11 % der gesamten Bauleistungssummen
im Jahr.3
Abbildung 1-1 Bauinvestitionen in konstanten Preisen, 1991=1004
Auch wenn sich die wirtschaftliche Lage der Baubranche zunehmend entspannt, sind
die Wettbewerbspreise zum Teil auf einem Niveau angelangt, das den Bauunternehmen kaum noch ermöglicht, Gewinne zu generieren. Die Folge davon ist, dass Nachtragsforderungen zur vermeintlichen Aufbesserung der Baustellenergebnisse an Attraktivität gewonnen haben. Nachträge sind jedoch kein Rettungsanker für schlechte
Vertragspreise. Ein solcher Ansatz mit überhöhten, unangemessenen Forderungen ist
in der Regel nicht durchsetzbar und häufig streitauslösend.
Kennzeichnend für Bauprojekte sind
immer kürzere Realisierungszeiträume,
knappe, feste Budgets sowie
Im Zuge steigenden Termin- und Kostendrucks ist eine zunehmende Zahl an Bauablaufstörungen zu verzeichnen. Fast kein Bauvorhaben größeren Umfangs wird genauso realisiert, wie es ursprünglich geplant war. Gerade bei Großbauvorhaben ändern
sich im Zuge der Bauausführung die Anforderungen des Nutzers bzw. werden erst
nach einer in der Ausführungsphase erfolgten Vermietung festgelegt.
Vgl. Kattenbusch/Kuhne, in: Baumarkt und Bauwirtschaft, 4/2002, S. 43
Hauptverband der Deutschen Bauindustrie e. V.; Statistisches Bundesamt Deutschland
Ausschreibungen werden oftmals aus wirtschaftlichen und mitunter auch politischen
Gründen unter hohem Zeitdruck gefertigt. Die Leistungsbeschreibung oder die der
Leistungsbeschreibung zu Grunde liegenden Planungen werden häufig unvollständig, fehlerbehaftet oder nicht mit dem erforderlichen Vorlauf erbracht.
Ein weiteres Charakteristikum von Bauprojekten liegt in der langen Produktionsdauer für die Herstellung eines Bauwerks. Dieses Langzeitverhältnis der Vertragspartner
führt zu gegenseitigen Kooperationspflichten, die bei anderen Vertragsverhältnissen
in dieser ausgeprägten Form nicht notwendig sind.
Die Dauer eines Bauprojektes wird nicht nur durch den Zeitraum der Bauphase bestimmt, sondern auch durch das oft langwierige Planungs- und Genehmigungsverfahren. Der Zeitraum zwischen Investitionsentscheidung und Fertigstellung des Objekts kann in Abhängigkeit der Größenordnung und des Komplexitätsgrades zwischen drei und fünf Jahre, in Einzelfällen mehr als zehn Jahre betragen.5 Dies kann zu
Nachfrageänderungen führen, so dass die Immobilie nicht mehr entsprechend der
Planung am Markt nachgefragt wird oder infolge des Wettbewerbsdrucks auf Änderungswünsche des Nutzers auch während der Bauausführung eingegangen werden
muss. Dies hat Abweichungen der Bauausführung von der Planung zur Folge, was
wiederum zu Nachträgen der Bauunternehmen führt. Gleichzeitig wird zur Reduzierung der Gesamtdauer die Ausführungsphase gestrafft und mit Teilen der Planungsphase überlagert. Eine baubegleitende Planung bringt jedoch fast zwangsläufig Planänderungen und Planergänzungen mit sich. Die Folge der Änderungen des Bauvorhabens nach Art, Umfang und zeitlichem Ablauf sind Nachtragsforderungen, die bei
komplexen Bauvorhaben in dreistelliger Anzahl nicht mehr unüblich sind.
Nicht zuletzt auf Grund der angespannten wirtschaftlichen Situation vieler Unternehmen ist eine zunehmende Härte vertraglicher Auseinandersetzungen, die Häufung von Rechtstreitigkeiten aber auch eine nachlassende Entscheidungsbereitschaft
der Auftraggeber zu verzeichnen. Auseinandersetzungen am Bau werden angesichts
der derzeitigen Konjunkturlage am Baumarkt zunehmend mit juristischen Mitteln
geführt. Bei Großbaumaßnahmen wirken regelmäßig offen oder aber verdeckt Baujuristen an den Bauverträgen, der Korrespondenz während der Durchführung der Bauphase und der Bewältigung von Krisensituationen im Bauverlauf mit.
Bemerkenswert ist die hohe Anzahl von Nachtragsforderungen gegenüber öffentlichen Auftraggebern. Dies lässt darauf schließen, dass entweder die Leistungsbeschreibungen lückenhaft sind oder die Auftragnehmer davon ausgehen, dass gegenüber öffentlichen Bauherren zahlreiche Nachtragsforderungen durchsetzbar sind, was
aber nachweislich Abbildung 1-2 nicht der Fall ist.
Vgl. Winzen, in: Heiermann/Franke/Knipp, 2002, S. 603
gestellte Nachtragsforderungen
Prozent der Auftragssumme
genehmigte/akzeptierte Nachträge
Abbildung 1-2 Nachtragsforderungen und davon genehmigte Nachträge6
Ein Grundproblem im Umgang mit Nachträgen ist deren verzögerte Abwicklung und
Klärung. So werden zum überwiegenden Teil erst nach dem Ende der Bauausführung
Nachtragsvereinbarungen getroffen.
Zeitpunkt der Vereinbarung von Nachträgen
Abbildung 1-3 Zeitpunkt der Nachtragsvereinbarung7
War vor einigen Jahren der Rohbau, gemessen an der Zahl der eingereichten Nachträge, noch die maßgebliche Gewerkegruppe, so hat sich dieser Trend mittlerweile
verschoben. Nicht zuletzt auf Grund der Zunahme baubegleitender Planungen haben
Vgl. Girmscheid, 2003, S. 14
Bundesrechnungshof: Bemerkungen 2002 zur Haushalts- und Wirtschaftsführung des Bundes, S. 179
inzwischen insbesondere die Bereiche Ausbau und Gebäudehülle sowie Technische
Gebäudeausrüstung (TGA) einen bedeutenden Anteil am Gesamtnachtragsvolumen
einer Baumaßnahme.
Ausbau- und
Abbildung 1-4 Nachtragsvolumen nach Gewerkegruppen8
In Anbetracht dieser gravierenden Probleme durch den in der Praxis immer wieder
anzutreffenden unzulänglichen Umgang mit Nachträgen, die verschleppte und unsachgemäße Nachtragsklärung, die unsystematische und unstrukturierte Nachtragserfassung und -dokumentation sowie die kostenintensive und für das Bauvorhaben
meist schädliche Zunahme von Baustreitigkeiten leistet dieses Buch einen Beitrag
zum sachgerechten, methodischen und fairen Umgang mit Nachtragssachverhalten
sowie zur Nachtragvermeidung und Risikominimierung.
Vgl. Racky, 1997, S. 98
In der Praxis ist häufig die unrichtige oder widersprüchliche Verwendung terminologischer Begriffe zu beobachten und selbst in der Fachliteratur werden die Begriffe
sehr unterschiedlich definiert, abgegrenzt und kontrovers diskutiert. Es erscheint
daher zweckmäßig, die für das Verständnis der weiteren Ausführungen grundlegenden Begriffe vorab zu definieren.
Bauinhalt
Dieser Begriff umfasst die bauvertraglich vereinbarte Art
und den Umfang des herzustellenden Bauwerks, also
was zu bauen ist.9
Wie und unter welchen Randbedingungen zu bauen ist
beinhaltet der Begriff der Bauumstände, der in die Kategorien Bauablauf, Bauverfahren und Beschaffenheit untergliedert werden kann.10
Behinderungen sind alle Ereignisse, die sich auf den
vorhergesehenen Leistungsablauf sachlich, zeitlich oder
räumlich, hemmend oder verzögernd auswirken, ohne
die Leistungserbringung unmöglich zu machen.11 Die
Behinderung kann nach Aufnahme der Bauarbeiten auftreten oder bereits zu Beginn und damit den Auftragnehmer schon an der Aufnahme seiner Tätigkeit hindern.12
Behinderungen sind BStörungen mit negativen zeitlichen und/oder finanziellen Folgen.13
Besondere Leistungen können nach § 2 Abs. 3 HOAI zu
den Grundleistungen hinzu oder an deren Stelle treten,
wenn besondere Anforderungen an die Ausführung des
Auftrags gestellt werden, die über die allgemeinen Leistungen hinausgehen oder diese ändern. Sie sind in den
Leistungsbildern nicht abschließend aufgeführt.
Vgl. Kapellmann/Messerschmidt, 2007, § 2 VOB/B Rdn. 29
Vgl. Kapellmann/Messerschmidt, a. a. O.; Kapellmann, Schlüsselfertiges Bauen, 2. Aufl. 2004, Rdn. 33
Vgl. Ingenstau/Korbion, 16. Aufl., § 6 VOB/B Rdn. 2; Leineweber, in: Jahrbuch Baurecht 2002, S. 136
Vgl. Heiermann/Riedl/Rusam, 10. Aufl. 2003, B § 6 Rdn. 2
Vgl. Winzen, in: Heiermann/Franke/Knipp, 2002, S. 606
Besondere Leistungen sind entsprechend Abschnitt 4.2
der VOB/C (DIN 18 299 ff.) Leistungen, die nicht Nebenleistungen gemäß Abschnitt 4.1 sind und nur dann zur
vertraglichen Leistung gehören, wenn sie in der Leistungsbeschreibung erwähnt sind. Werden solche Leistungen vom Auftraggeber nachträglich verlangt, so besteht für den Auftragnehmer ein Anspruch auf besondere Vergütung.14
Beschleunigungsmaßnahmen bezeichnen das direkte
Eingreifen des Unternehmers in den planmäßigen Bauablauf, mit dem Ziel, die Bauzeit zu verkürzen um dadurch Zwischen- oder Endtermine einhalten zu können.
Durch den Auftraggeber angeordnete Beschleunigungsmaßnahmen berechtigen zu Vergütungsansprüchen des Auftragnehmers.
Claims sind Forderungen aus einem Vertrag, die eine
Vertragspartei an die andere stellen kann, wenn
– die andere Partei auf Grund vertraglicher Regelungen
Änderungen der Leistung fordert,
– die Vertragsabwicklung durch Ursachen gestört wird,
die der Sphäre der anderen Partei zuzurechnen sind,
– die andere Partei ihre vertraglichen Verpflichtungen
nicht oder nur mangelhaft erfüllt
– und kein Einvernehmen über die Berechtigung der
Forderung dem Grunde und der Höhe nach gefunden
Eigenclaims sind Claims, die man selbst an die andere
Vertragspartei stellt, Fremdclaims bezeichnen Forderungen, die die andere Vertragspartei an einen selbst stellt.
Des Weiteren kann nach sachlichen, terminlichen und als
Folge daraus auch nach finanziellen Claims unterschieden werden. Die Begriffe BNachtrag und Claim werden
häufig synonym verwendet. Übersetzt bedeutet Claim
jedoch Anrecht oder Rechtsanspruch und umfasst damit
ohne Wortergänzungen nur die Durchsetzung eigener
Vgl. Ahrens/Bastian/Muchowski, 2004, S. 34
Oberndorfer, 2003, S. 20
Claim-Management hat zum Ziel, Abweichungen vom
vertraglich Vereinbarten zu erkennen, gerechtfertigte
Ansprüche daraus abzuleiten und diese durchzusetzen.
Um dieses Ziel zu erreichen, müssen Vorgaben geplant,
Sachverhalte erfasst und ausgewertet sowie Ansprüche
daraus angemeldet, aufbereitet, geltend gemacht und
ihre Durchsetzung verfolgt werden.
Oder anders ausgedrückt: Gegenstand des ClaimManagements sind die geordneten, zielgerichteten Aktivitäten zur Behandlung von BClaims bei der Abwicklung von Aufträgen, bezogen auf die Institutionalisierung, Wirkungsbereiche, Verfahrensweisen und Hilfsmittel/Werkzeuge.16
Veraltete, aber heute noch weitgehend übliche Bezeichnung für die einzelnen gewerblichen Bauleistungen.
Diese werden auch zutreffend als Leistungsbereiche
oder Fachlose bezeichnet (vgl. § 4 Nr. 3 VOB/A).
Weder im gesetzlichen Werkvertragsrecht nach BGB
noch in der VOB/B wird der Begriff des Nachtrags verwendet. Es handelt sich hier nicht um einen Rechtsbegriff, sondern um eine in der Baupraxis etablierte Bezeichnung für die nachträgliche Geltendmachung von
Vergütungsanpassungen oder den Anspruch auf Bauzeitverlängerung durch den Auftragnehmer, begründet
durch eine nach Vertragsschluss eingetretene Veränderung des BBauinhalts oder der BBauumstände.17
Nachtragsleistungen sind Leistungen, die ohne Einwirkung oder gar Verschulden des Auftragnehmers nach
Vertragsschluss erforderlich werden.18
Das Nachtragsmanagement umfasst alle Tätigkeiten, die
bei der Vorbereitung und Durchsetzung (Auftragnehmer) bzw. bei der Prophylaxe und Prüfung (Auftraggeber) von Nachträgen oder Nachtragspotenzialen auftreten.19
Vgl. hierzu DIN 69 905:1997-05; Oberndorfer, 2003, S. 20 f.
Vgl. u. a. Girmscheid, 2003, S. 38; Konermann, 2001, S. 26; Heiermann, in: Baumarkt und Bauwirtschaft,
9/2003, S. 22
Vgl. Usselmann, in: BauR 2004, 1217
Vgl. Konermann, 2001, S. 138
Die aufbau- und ablauforganisatorischen Regelungen
eines Projektes werden in Form eines Organisationshandbuches zusammengefasst. Es dient zur Schaffung
von Klarheit über die Projektziele, die Projektstruktur,
die Aufbau- und Ablauforganisation sowie das Informations- und Kommunikationssystem der Projektbeteiligten. 20
Das Projekthandbuch beinhaltet die aktuelle Dokumentation der jeweils vorliegenden Pläne, Berechnungen
und Beschreibungen.21 Es bildet damit die aktuelle Projektdokumentation und beinhaltet unter anderem auch
das BOrganisationshandbuch.
Bei dem Begriff der Störung handelt es sich um einen
Oberbegriff für alle Änderungen des BBauinhalts oder
der BBauumstände, die eine Bedeutung für den geplanten Produktionsprozess, nicht aber notwendigerweise
negative Folgen (höhere Kosten, längere Bauzeit) haben.22
Eine Unterbrechung liegt vor, wenn entgegen dem vertraglich vorgesehenen Ablauf ein vorübergehender Arbeitsstillstand bei der Leistungsdurchführung eintritt.23
Eine Bauunterbrechung ist somit im Vergleich zur BBehinderung eine wesentlich schwerwiegendere Ablaufstörung, da der Bauablauf für einen bestimmten Zeitraum völlig zum Erliegen kommt.
Im Einzelfall ist es oft nur schwer möglich, eine Abgrenzung zwischen BBehinderung und Bauunterbrechung
vorzunehmen, da in der Praxis die Grenzen häufig fließend sind. So kann eine BBehinderung sich durchaus
auch aus einer Anhäufung kleinerer Bauunterbrechungen, insbesondere bei Einzelgewerken, ergeben.24
Vgl. Nr. 9 der Schriftenreihe des AHO, 2004, S. 177
Vgl. Ahrens/Bastian/Muchowski, 2004, S. 46; Nr. 9 der Schriftenreihe des AHO, 2004, S. 178 f.
Vgl. Winzen, in Heiermann/Franke/Knipp, 2002, S. 605
Vgl. Reister, 2004, S. 362
3 Baubetriebliche und baurechtliche Grundlagen
Grundlegend für die Behandlung und Bewertung von Nachträgen sind sowohl baubetriebliche als auch baurechtliche Kenntnisse. Aus diesem Grund werden in diesem
Kapitel zunächst die Bereiche Bauvertrag, Bauvertragstypen, Bausoll, Leistungspflichten der Vertragspartner, Vertragsfristen und Termine sowie Kalkulation behandelt.
3.1 Der Bauvertrag
Der Bauvertrag unterliegt als Werkvertrag den Grundsätzen des Werkvertragsrechts
der §§ 631 ff. BGB und ist Schuldvertrag mit gegenseitigen Rechten und Pflichten, auf
den die allgemeinen Grundsätze des Vertragsrechts und des Schuldrechts des BGB
anzuwenden sind. Das Vertragsrecht wird beherrscht von den Grundsätzen der Abschlussfreiheit, der Gestaltungsfreiheit sowie der Formfreiheit.
Der Bauvertrag ist oft das wichtigste Dokument im Rahmen eines Bauvorhabens.
Nach ihm richten sich Rechte und Pflichten der Vertragsparteien. Er beeinflusst jedoch nicht selten auch die Rechtsbeziehungen anderer Beteiligter. Im Idealfall sollten
im Bauvertrag die Leistungspflichten des Auftragnehmers ebenso geregelt sein wie
die Rechtsfolgen bei Leistungsstörungen, aber selbstverständlich auch die Gegenleistungen, nämlich die Vergütung, die Bereitstellung des Grundstücks und andere Bereitstellungs- und Koordinierungspflichten des Auftraggebers.25
Was nicht bereits im Bauvertrag geregelt wurde, lässt sich später zumeist nicht mehr
oder nur mit hohem Aufwand korrigieren.
3.1.1 Bauvertrag nach BGB Werkvertragsrecht
Der Bauvertrag ist kein Werklieferungsvertrag im Sinne des § 651 Abs. 1 BGB sondern
stets Werkvertrag nach den Vorschriften der §§ 631 ff. BGB. Der Auftragnehmer
schuldet als Vertragsleistung einen Erfolg – die Herstellung eines Werkes –, nicht
bloße Arbeit; der Auftraggeber hingegen schuldet die Abnahme und Vergütung der
Bauleistung. Einer der zentralen Grundsätze des Werkvertragsrechts ist die Vorleistungspflicht des Auftragnehmers, dessen Vergütung entsprechend § 641 BGB erst mit
der Abnahme der Leistung fällig wird.
Das BGB bietet grundlegende Regelungen für die verschiedensten Arten von Werkverträgen und ist vorwiegend auf punktuelle Austauschverträge, weniger auf die
speziellen Belange des Bauvertrags ausgerichtet.
Näheres hierzu in Kapitel 3.2
Im Rahmen des Werkvertragsrechts kann die Bauleistung auch von Nachunternehmen und nicht vom Auftragnehmer selbst ausgeführt werden. Es kommt gemäß § 631
ff. BGB nicht darauf an, ob der Auftragnehmer die Werkleistung selbst erbringt, er
schuldet diese lediglich.
3.1.2 Bauvertrag nach VOB
Die VOB/B enthält die „Allgemeinen Vertragsbedingungen für die Ausführung von
Bauleistungen“. Die Vorschriften der VOB/B gelten nicht automatisch, sondern müssen als Abweichung vom gesetzlichen Werkvertragsrecht des BGB vereinbart werden.
Die VOB/B enthält Regelungen, die auf die Besonderheiten von Bauleistungen ausgerichtet sind, während die BGB-Vorschriften Gültigkeit für sämtliche Werkverträge
haben und daher Verallgemeinerungen beinhalten, die den Anforderungen eines
durchschnittlichen Bauvorhabens oft nicht gerecht werden.
Die VOB ist weder Gesetz, noch Rechtsnorm, Gewohnheitsrecht oder Handelsbrauch.
Da es sich bei der VOB/B um Allgemeine Geschäftsbedingungen im Sinne der §§ 305
ff. BGB handelt, gilt die VOB/B nicht ohne weiteres, sondern muss ausdrücklich als
Vertragsbestandteil aufgenommen werden. Für öffentliche Auftraggeber ist die Verwendung der VOB/B zwingend vorgeschrieben, gleiches gilt für Teil A der VOB, der
„Allgemeine Bestimmungen für die Vergabe von Bauleistungen“ enthält und den
Geschehensablauf bis zum Abschluss des Bauvertrages regelt.
Ist die VOB/B wirksam vereinbart, gehen deren Bestimmungen den §§ 631 ff. BGB
oder anderen einschlägigen gesetzlichen Regelungen des BGB vor, zumal diese
grundsätzlich dispositivem Recht26 unterliegen.27
3.2 Bauvertragstypen
Für die Realisierung von Bauvorhaben existieren unterschiedlichste Bauvertragstypen, die je nach Komplexität und Planungsstand individuell und projektabhängig
ausgewählt und gestaltet werden müssen. Einen für alle Bauprojekte gleichermaßen
gut geeigneten idealen Bauvertragstyp gibt es nicht.
3.2.1 Der Einheitspreisvertrag
Beim Einheitspreisvertrag wird die Leistung in technische Teilleistungen (Positionen)
aufgesplittet. Eine Position des Leistungsverzeichnisses enthält
Dispositives Recht (auch nachgiebiges bzw. abänderliches Recht) bezeichnet rechtlich vorgeschriebene
Regelungen, die im Gegensatz zum zwingenden Recht durch die Beteiligten geändert werden können. So
ist z. B. das Vertragsrecht des BGB grundsätzlich abänderbar, das Verfahrensrecht in aller Regel nicht.
(vgl. hierzu Creifelds Rechtswörterbuch, 18. Aufl. 2004, S. 1094)
Vgl. Ingenstau/Korbion, 16. Aufl., Vor VOB/B Rdn. 1
die Ordnungszahl der jeweiligen Position,
die voraussichtliche Leistungsmenge (Vordersatz) und die Leistungseinheit,
den voraussichtlichen Gesamtpreis pro Position, der sich aus Multiplikation
des Vordersatzes mit dem Einheitspreis ergibt.
In der Regel obliegt dem Auftraggeber beim Einheitspreisvertrag die Mengenermittlung. Abgerechnet und vergütet wird beim Einheitspreisvertrag entsprechend § 2 Nr.
2 VOB/B nach tatsächlich ausgeführten Mengen, auch wenn diese von den bei Vertragsschluss genannten Mengen abweichen sollten. Der im Angebot genannte Gesamtpreis ist nicht bindend, sondern stellt für den Bauherrn nur einen Anhaltspunkt
dar, mit welchen Kosten er zu rechnen hat.28 Einheitspreise sind dagegen stets Festpreise und für den Auftragnehmer bindend, sofern keine Gleitklauseln (siehe hierzu
auch Kapitel 4.1) vereinbart wurden. Um die tatsächliche Bauleistung und damit den
zu vergütenden Gesamtpreis zu ermitteln, bedarf es eines Aufmaßes oder der rechnerischen Ermittlung gemäß § 14 VOB/B.
3.2.2 Der Pauschalvertrag
Beim Pauschalvertrag steht die Vergütung von Anfang an fest, abgerechnet wird hier
unabhängig von den ausgeführten Mengen, sofern der Auftraggeber nach Vertragsschluss keine Mengenänderungen angeordnet oder anderweitig verursacht hat.
Unterschieden wird zwischen Detail- und Global-Pauschalvertrag.
Der Detail-Pauschalvertrag ist grundsätzlich so aufgebaut wie ein Einheitspreisvertrag und wird lediglich auf der Vergütungsseite mit einer Pauschalvereinbarung versehen. Hier ist die Leistung nicht pauschal, sondern detailliert bestimmt. Es gilt die
Vollständigkeitsvermutung des Bausolls, Abweichungen davon sind regelmäßig
Grundlage von Mehrvergütungsansprüchen. Beim Global-Pauschalvertrag ist dagegen auch die Leistung, zumindest in Teilbereichen, global, d. h. durch allgemeine
Beschreibungen bestimmt (funktionale Ausschreibung). Ein Global-Pauschalvertrag
führt dazu, dass dem Auftragnehmer notwendigerweise planerische Aufgaben bei
der Bausoll-Festlegung (Ausführungsplanung) übertragen werden.
Ein Prototyp des Global-Pauschalvertrags ist der Schlüsselfertigbau in seinen unterschiedlichen Ausgestaltungsvarianten.
Ein einfacher Global-Pauschalvertrag regelt typischerweise nur ein Gewerk. Dem
gegenüber steht der komplexe Global-Pauschalvertrag, bei dem die Leistungsseite
mehrerer Gewerke bzw. Leistungsbereiche, regelmäßig ein ganzes Bauwerk oder eine
Vgl. Werner/Pastor, 11. Aufl. 2005, Rdn. 1165
Gewerkezusammenfassung, z. B. Technische Gebäudeausrüstung, durch globale Elemente beschrieben ist, also insbesondere durch nur funktionale Beschreibung ohne
Detaillierung.29
3.2.3 Stundenlohnvertrag und Selbstkostenerstattungsvertrag
Bei geringerem Umfang von Leistungen, die überwiegend Lohnkosten verursachen,
kann ein Stundenlohnvertrag geschlossen werden. In der Praxis wird der Stundenlohnvertrag oftmals auf andere Weise umgesetzt, beispielsweise als „Arbeiten auf
Regie“ bzw. „Regiearbeiten“ oder auch „Arbeiten im Tagelohn“ als Anhang zu einem
auf dem Leistungsgedanken basierenden Einheitspreisvertrag. Da die VOB jedoch
den Leistungsgedanken als vorrangig anerkennt, sollen Stundenlohnverträge nur bei
lohnintensiven Bauleistungen geringen Umfangs wie Neben- oder Hilfsleistungen zur
Anwendung kommen und bedürfen der ausdrücklichen vorherigen Vereinbarung.
Diesbezüglich entstehen in der Praxis immer wieder Streitigkeiten, da eine wirksame
Vereinbarung mit dem Auftraggeber oftmals nicht geschlossen wurde.
Sofern eine eindeutige und erschöpfende Beschreibung der Leistung als Grundlage
zur Preisbildung nicht möglich ist, kann die Selbstkostenerstattung auf Nachweis
zuzüglich eines vorbestimmten Zuschlags für den Gewinn vereinbart werden. Wie
schon der Stundenlohnvertrag sollte der Abschluss eines Selbstkostenerstattungsvertrags eine wirkliche Ausnahme darstellen, weil er noch weniger als der Stundenlohnvertrag einen jedenfalls bei Vertragsabschluss eindeutig bewertbaren Ausgleich zwischen dem Marktwert der Leistung und der Gegenleistung des Auftraggebers darstellt. Aus diesem Grund sieht § 5 Nr. 3 Abs. 3 VOB/A auch ausdrücklich vor, dass
während der Ausführung ein Leistungsvertrag geschlossen werden soll, sobald eine
einwandfreie Preisermittlung möglich wird.
3.2.4 Mischformen
Mischformen zwischen den zuvor erläuterten Vertragstypen sind in der Praxis bei
Bauverträgen häufig und in unterschiedlichsten Ausprägungen anzutreffen.
Bei Einheitspreisverträgen werden oftmals einzelne Positionen oder Positionsgruppen
mit einer pauschalen Vergütung versehen. Der Einheitspreisvertrag enthält damit
Elemente des Pauschalvertrags. Häufig anzutreffen ist die Pauschalierung für das
Einrichten, Vorhalten und Räumen der Baustelleneinrichtung oder eine Teilpauschale
für die erforderlichen Wasserhaltungsarbeiten. Auch umgekehrt ist die Vereinbarung
von Einheitspreispositionen im Rahmen eines Pauschalvertrags keine Seltenheit. Dies
bietet sich z. B. dann an, wenn für einen Teil der vorgesehenen Leistung Ausführungsart und Umfang genau bestimmt werden kann, für einen anderen Teil der Leistungen aber diese Voraussetzungen fehlen.
Vgl. Kapellmann, Schlüsselfertiges Bauen, 2. Aufl. 2004, Rdn. 75 f.
Speziell im Schlüsselfertigbau werden in Ergänzung der Pauschalpreisangabe häufig
Einheitspreislisten eingefordert, die den Preis für mögliche Änderungs- und Zusatzleistungen regeln und von den Vertragspartnern als Vertragsbestandteil vereinbart
werden. Sie haben deshalb Vorrang vor der allgemeinen Vergütungsregelung gemäß
§ 2 Nr. 5 und Nr. 6 VOB/B.
Dem Vorteil der vermeintlichen Kostensicherheit steht allerdings die Kalkulationsschwierigkeit des Auftragnehmers entgegen, der diese Einheitspreise mengenunabhängig kalkulieren muss.
3.2.5 Neue Vertragsmodelle
Auf der Grundlage der Struktur von Global-Pauschalverträgen kommen in der Praxis
vermehrt Vertragsformen vor, die neben der Definition des Bausolls als komplexem
Leistungsziel weitere Aufgaben aus dem Lebenszyklus eines Bauwerks vertraglich
regeln. Die Ausweitung dieser originären Bauherrenaufgaben auf das ausführende
Unternehmen erstreckt sich vor der Ausführung der eigentlichen Bauleistung neben
den Planungsaufgaben auf den Bereich der Finanzierung sowie zeitlich nach Erstellung in die Bereiche des Betreibens und Unterhaltens eines Bauwerks hinein.30
Diese neuen Vertragsmodelle basieren zum überwiegenden Teil auf einem Partnering-Konzept. Hierbei werden klassische Vertragsbeziehungen zu echten Partnerbeziehungen ausgebaut, so dass ein Projektteam mit gemeinsamen Zielen entsteht. Partnering wurde im Zuge einer strukturellen Krise der Bauwirtschaft Ende der neunziger Jahre in den USA nach dem Vorbild bereits in der Automobilindustrie erfolgreich
eingesetzter Kooperationskonzepte entwickelt.
Grundgedanke des Partnerings ist es, die unterschiedlichen Zielsetzungen und Interessen der Vertragspartner zu bündeln und zu optimieren, um gemeinsam festgelegte
Ziele kooperativ und partnerschaftlich erreichen zu können. Grundlage hierfür ist der
Wandel gegenläufiger Interessen der Projektpartner zu einer Interessenkoalition zu
beiderseitigem Vorteil.31 Partnering-Modelle lassen sich durchaus in vertragliche Regelungen fassen und operationalisieren. In der Regel werden die Projektpartner frühzeitig eingebunden, so dass bereits in der Planungsphase auf eine breitere Wissensund Erfahrungsbasis zurückgegriffen werden kann, um dadurch unter anderem
Nachträge auf Grund unzureichender Planung zu vermeiden.
Ein wertvoller Anfang für Partnering-Modelle in Deutschland wäre bereits ein entsprechendes Verhältnis zwischen Haupt- bzw. Generalunternehmer und Subunternehmern.32
Vgl. hierzu Reister, 2004, S. 27 ff.
Vgl. Ahrens/Bastian/Muchwoski, 2004, S. 408
Vgl. Greiner/Mayer/Stark, 2005, S. 304
3.2.5.1 GMP-Vertrag
Bei einem GMP-Vertrag (Guaranteed Maximum Price bzw. Garantierter Maximalpreis) handelt es sich um einen Bauvertrag mit zusätzlichen Vereinbarungen zur Vergütungsbestimmung. Diese zusätzliche Vereinbarung zur Vergütungsbestimmung
sieht in der Regel vor, dass Gewerke, die nicht vom Auftragnehmer sondern von Nachunternehmern ausgeführt werden, auf Marktbasis vom Auftragnehmer, auch als
GMP-Partner bezeichnet, an den Bauherrn berechnet werden, während Leistungen,
die der Auftragnehmer selbst erbringt, in der Regel pauschal vergütet werden. Zusätzlich garantiert der Auftragnehmer auf eigenes Risiko für das Gesamtprojekt einen
Höchstpreis.33 Die Abrechnung erfolgt nach dem in Deutschland bislang unüblichen
„open-books-Prinzip“, das den Auftragnehmer zu weitgehender Offenlegung seiner
Kalkulation und Abrechnungen verpflichtet. Durch gemeinsam zu optimierende Planung und Ausführung soll in kooperativer Form dieser garantierte Maximalpreis
unterschritten werden. Die eingesparten Kosten werden nach festgelegten Prozentsätzen auf den Auftraggeber und den GMP-Partner verteilt.
Prägendes Element eines GMP-Vertragsmodells ist die konzeptionell vorgegebene
enge Kooperationsverpflichtung der Vertragspartner mit wechselseitigen Anreizmechanismen. Zielsetzung einer solchen Vereinbarung ist die Optimierung des Bauvorhabens zu beiderseitigem Vorteil, der Generalunternehmer als klassischer „Vertragsgegner“ wird zum Partner des Bauherrn.
Unterschieden wird zwischen einem einstufigen und einem zweistufigen GMPModell:
Beim einstufigen GMP-Modell handelt es sich prinzipiell um einen Generalunternehmer-Vertrag mit Pauschalfestpreisabrede, der mit zusätzlichen Regelungen zur
Vergütungsfindung und einer klar definierten Kooperationsverpflichtung im Hinblick auf Optimierung, Nachunternehmervergabe und gemeinsame Problemlösung,
z. B. bei Nachtragsstreitigkeiten, ergänzt wird.34 Im Rahmen des zweistufigen GMPModells berät der GMP-Partner den Bauherrn bereits bei der Grundlagenermittlung
bis hin zur Genehmigungsphase. Erst auf Basis der gemeinsam ermittelten Planungsergebnisse erfolgt die Vergabe an den endgültigen GMP-Vertragspartner, der nicht
zwingend identisch sein muss mit dem in einer Frühphase des Projekts beauftragten
„GMP-Berater“.35
Die Nachtragsgefahr wird bei GMP-Modellen nur insoweit eingegrenzt, dass sich der
GMP-Partner bereits in der Planungsphase optimierend beteiligt.36 Lösen sollte man
Vgl. Weeber/Bosch, 2000, S. 47
Vgl. Kapellmann/Messerschmidt, 2007, VOB/B Anhang, Rdn. 44
Vgl. Weeber/Bosch, 2000, S. 48 ff.; Passarge/Werner, in: Freiberger Handbuch zum Baurecht, 2001,
§ 1 Rdn. 148 ff.
Vgl. Eschenbruch, Seminardokumentation, 2002, S. 191
sich jedoch von der Vorstellung, dass dieses Modell Nachtragsforderungen gänzlich
ausschließt.37
3.2.5.2 Construction-Management
In den USA hat sich mit dem Construction-Management eine besondere Projektorganisationsform etabliert, die auch bei deutschen Großprojekten zunehmend Verbreitung findet. Der Construction-Manager nimmt hierbei die zentrale Stelle – quasi als
Projektmanager – in der Projektorganisation ein. Prinzipiell unterscheidet man die
zwei alternativen Abwicklungsformen38
Construction-Management mit Ingenieurvertrag und
Construction-Management mit Bauvertrag,
die sich vor allem in der vertraglichen Risikoübernahme für die Einhaltung von Bauzeit und Baukosten unterscheiden.
Der Construction-Manager kann wie ein Projektsteuerer tätig werden (ConstructionManagement at agency). Er kann aber auch zusätzlich Objektplanungsleistungen mit
erbringen (extended services Construction-Management). In der Einsatzform des
„Management Contracting“ oder des „Construction-Management at risk“ beauftragt
der Construction-Manager Nachunternehmer im eigenen Namen, ggf. auch mit Risikoübernahme, z. B. im Rahmen eines garantierten Maximalpreises.39
3.2.5.3 Verträge im Rahmen von BOT- bzw. PPP-Projekten
Infolge angespannter Haushaltslagen von Bund, Ländern und Gemeinden hat die
private Finanzierung öffentlicher Baumaßnahmen auch in Deutschland an Bedeutung
gewonnen. Erfahrungen aus dem europäischen Ausland zeigen, dass der Neubau
und Ausbau, der Betrieb und die Instandhaltung von Hoch- und Ingenieurbauwerken
einschließlich der Infrastruktur durch private Unternehmen in der Regel wirtschaftlicher umgesetzt werden und so zu finanziellen Entlastungen führen können.
In Großbritannien werden beispielsweise bereits rund 20 % der öffentlichen Investitionen im Zuge von Public Private Partnership (PPP) realisiert. Unter optimistischen
Annahmen wird sich das Public Private Partnership Volumen für das Bauhauptgewerbe in Deutschland mittelfristig aber bei maximal 5 % der heutigen Gesamtleistung
bewegen.40
Vgl. Nunn, in: Heiermann/Franke/Knipp, 2002, S. 536
Vgl. Kochendörfer/Liebchen/Viering, 3. Aufl. 2007, S. 67 ff.
Vgl. Greiner/Mayer/Stark, 2005, S. 309
Build-Operate-Transfer- (BOT) sowie Public-Private-Partnership-Modelle sind hoch
komplexe Vertragsformen, in denen Projekte, insbesondere unter Gründung von Projektgesellschaften, entwickelt, finanziert, errichtet, betrieben und schließlich übertragen werden.
3.3 Das Bausoll
Was der Auftragnehmer auf Grund des Vertrags als Leistung schuldet wird als Bausoll bezeichnet. Es ist die durch den Bauvertrag nach Bauinhalt und ggf. nach Bauumständen näher bestimmte Leistung des Auftragnehmers zur Erreichung des werkvertraglich geschuldeten Erfolgs.41 Eine Abweichung von Bauist und Bausoll ist die
Grundlage für Nachträge.
Die VOB kennt den Begriff des Bausolls nicht. Stattdessen werden die Begriffe Leistung (§ 1 Nr. 1 VOB/B) bzw. Bauleistung (§ 1 VOB/A) verwendet.
Das Bausoll wird durch die Gesamtheit aller zum Vertragsinhalt gewordenen Unterlagen bestimmt, ob unmittelbarer Vertragstext oder als Anlage zum Vertrag, verbal
oder zeichnerisch. Wesentlicher Vertragsbestandteil ist die Leistungsbeschreibung mit
Leistungsverzeichnis beim Einheitspreisvertrag oder Detail-Pauschalvertrag bzw. die
Leistungsbeschreibung mit Leistungsprogramm bei Funktionalausschreibungen.42
Der Auftragnehmer schuldet gemäß § 631 Abs. 1 BGB die „Herstellung des versprochenen Werks“. Er schuldet also, wie es für den Typus Werkvertrag kennzeichnend
ist, nicht nur Arbeit, sondern den Erfolg, nämlich die Herstellung des Werkes wie
versprochen, und dies zumindest bei Leistungsverträgen (Einheitspreisvertrag oder
Pauschalvertrag) unabhängig davon, mit welchem Aufwand der Auftragnehmer das
Herstellungsziel – bei unveränderten Randbedingungen – erreicht.
Insbesondere bei funktionalen Leistungsbeschreibungen ist darauf zu achten, dass für
die Erzielung des Werkerfolgs durch den Auftragnehmer Mindestqualitäten ausreichend sind, sofern der Auftraggeber keine weitergehenden Angaben hierzu gemacht
Stimmen die als Vertragspflicht des Auftragnehmers definierte Vertragsleistung, also
das Bausoll, und die spätere Bauausführung, das Bauist, überein, so hat der Auftragnehmer nur Anspruch auf den vertraglich festgelegten Werklohn, das Vergütungssoll.
Jeder Anspruch auf einen Nachtrag setzt eine Abweichung des im Vertrag festgelegten Bausolls vom Bauist voraus.43
Hierbei sind insbesondere auch nachträgliche Vertragsergänzungen und vertragsrelevante Nebenabreden zu berücksichtigen. Die exakte Bestimmung des Bausolls ist
Vgl. Diederichs, 1999, S. 453; Reister, 2004, S. 28; Kapellmann/Messerschmidt, 2007, § 2 VOB/B Rdn. 26
Vgl. hierzu auch § 9 VOB/A
wesentlicher Einflussfaktor für das Nachtragsmanagement, da mit dem Bausoll Art
und Umfang der vertraglichen Leistung bestimmt wird. Hinsichtlich der Interpretation über den Umfang des Bausolls haben Auftragnehmer und Auftraggeber häufig
unterschiedliche Vorstellungen. Der Auftraggeber erwartet den optimalen Ausführungsstandard bei möglichst niedrigem Preis, der Auftragnehmer hingegen kalkuliert
aus Wettbewerbsgründen zunächst den aus den Verdingungsunterlagen zu entnehmenden minimal geforderten Ausführungsstandard.44
Die Beurteilung, ob eine Nachtragsforderung des Auftragnehmers gerechtfertigt und
begründet ist, setzt somit detaillierte Kenntnisse des vertraglich geschuldeten Leistungsumfangs voraus. Erst wenn dieses Soll klar ist, lässt sich feststellen, ob es von
diesem Soll Abweichungen gegeben hat, die unter Umständen eine Anpassung des
Werklohns zur Folge haben können.45
Für den Abschluss eines Bauvertrags ist es nicht maßgebend, ob die Leistung durch
den Vertrag eindeutig bestimmt ist. Die Leistung muss jedenfalls bestimmbar sein,
was ausreichend aber auch erforderlich ist.46 Das Bausoll kann demzufolge auch noch
nachträglich festgelegt werden. Inhaltlich wird das Bausoll auch dadurch bestimmt,
dass der Auftragnehmer mängelfrei bauen muss, also ein Werk herzustellen hat, das
gemäß § 4 Nr. 2 Abs. 1 Satz 1 VOB/B und § 13 Nr. 1 VOB/B zum Zeitpunkt der Abnahme den anerkannten Regeln der Technik47 entspricht. Vertraglich können zudem
die Bauumstände festgelegt werden, so z. B. der zeitliche, organisatorische oder logistische Ablauf, ebenso die Wahl der eingesetzten Bauverfahren.
In der Praxis tritt des Öfteren der Fall widersprüchlicher oder mehrdeutiger Angaben
in den Vertragsunterlagen auf. Grundsätzlich gilt: die speziellere geht der allgemeineren Vertragsregelung vor.48
Bei der Prüfung dieser Angaben in Bezug auf mögliche Nachtragssachverhalte, bei
deren Auslegung der „objektive Empfängerhorizont“49 maßgebend ist, kann folgendes Schema herangezogen werden:
Vgl. Konermann, 2001, S. 25
Vgl. Kapellmann/Schiffers, Bd. 1, 5. Aufl. 2006, Rdn. 100
Vgl. hierzu Grundsatzurteil BGH „Kammerschleuse“ BauR 1997, 126; Kapellmann/Messerschmidt, 2007,
§ 2 VOB/B Rdn. 29
Als „allgemein anerkannte Regeln der Technik“ werden Regeln bezeichnet, deren Richtigkeit wissenschaftlich erwiesen ist, die sich in der Praxis bereits bewährt haben und die der Mehrheit der Fachleute
bekannt und von ihnen anerkannt sind. Hierzu zählen u. a. DIN-Normen, die Allgemeinen Technischen
Vertragsbedingungen der VOB/C, die Eingeführten Technischen Baubestimmungen (ETB) oder auch die
Bestimmungen des Deutschen Ausschusses für Stahlbeton.
(vgl. hierzu u. a. von Minckwitz/Schmitt/Viering, 2005, § 5 Rdn. 100; Würfele/Gralla, 2006, Rdn. 119 ff.)
Vgl. Hofmann/Frikell, 3. Aufl. 2000, S. 81
Zur Auslegung dürfen nur solche Umstände herangezogen werden, die für den Bieter erkennbar waren
oder erkennbar sein mussten. (Kapellmann/Messerschmidt, 2007, § 2 VOB/B Rdn. 110)
Wortlautauslegung
Auslegung ergibt: Leistung
vom Bausoll umfasst
vom Bausoll nicht umfasst
Kein Anspruch des Bieters
Prüfung der erkennbaren
Hätte der Bieter den Widerspruch
im LV erkennen können?
Widerspruch/Mehrdeutigkeit
war erkennbar
Vorsätzlich unterlassene
Ansprüche gemäß § 2 Nr. 5/Nr. 6 VOB/B
bei Leistungsanordnung gemindert durch
war nicht erkennbar
Ansprüche gemäß § 2 Nr. 5 oder
Nr. 6 VOB/B bei entsprechender
Leistungsanordnung
Abbildung 3-1 Auslegung der Vertragsunterlagen50
3.4 Leistungspflichten der Vertragspartner beim Bauvertrag
Bei der Herstellung eines Bauprojektes stehen die Leistungspflichten des Auftragnehmers im Vordergrund. Er muss die technischen Verfahren, Materialien und Bauteile mit denen er baut selbst verantworten und dabei die anerkannten Regeln der
Technik sowie die gesetzlichen und behördlichen Bestimmungen berücksichtigen. Es
ist seine Sache, die Ausführung der Vertragsleistung zu leiten, Ordnung auf der Arbeitsstelle zu halten und die Unfallverhütungsvorschriften gegenüber seinen Arbeitnehmern zu beachten.51
Aber selbst bei vollständiger Erfüllung der eigenen Leistungspflichten ist der Auftragnehmer auf die Mitwirkung des Auftraggebers angewiesen.
In Anlehnung an Winzen, in: Heiermann/Franke/Knipp, 2002, S. 620
Vgl. Winzen, in: Heiermann/Franke/Knipp, 2002, S. 537
Der Bauvertrag ist kein punktuell zu vollziehender Austauschvertrag, sondern
zwingt die Vertragspartner gerade bei konfliktträchtigen, größeren Bauvorhaben in
eine Langzeitbeziehung, deren Entwicklung sich in ihren Einzelheiten bei Vertragsschluss kaum verlässlich vorhersehen lässt.52 Die Parteien des Bauvertrags sind zur
Kooperation verpflichtet, das heißt zur Mitwirkung und gegenseitigen Information.53
Deshalb darf der Auftraggeber nur in seltenen Ausnahmefällen passiv abwarten, ob
der Auftragnehmer die Schwierigkeiten auf der Baustelle zu lösen imstande ist. Liegt
das Problem nicht allein in der betrieblichen Sphäre des Unternehmers, muss der
Bauherr aktiv im Sinne eines Mit-Arbeitens eingreifen.54
Nachfolgend werden die Leistungspflichten des Auftragnehmers und Auftraggebers
im Einzelnen dargestellt.
3.4.1 Auftragnehmerpflichten
Grundsatz der Eigenverantwortung des Unternehmers
Entsprechend § 4 Nr. 2 Abs. 1 Satz 1 und 2 VOB/B muss der Auftragnehmer die Leistung unter eigener Verantwortung nach den anerkannten Regeln der Technik und
unter Beachtung der gesetzlichen und behördlichen Vorschriften ausführen. Der Auftragnehmer muss dafür einstehen, dass er über die entsprechenden Kenntnisse fachlicher Art verfügt und die einschlägigen Vorschriften kennt. Die in dieser Regelung
enthaltene Generalklausel gilt auch für den BGB-Werkvertrag.55
Die Verantwortlichkeit des Auftragnehmers wird nur in Ausnahmefällen gemindert.
So wird der Grundsatz der Eigenverantwortung nicht dadurch eingeschränkt, dass
sich der Auftragnehmer an eine Weisung des Auftraggebers oder des vom Auftraggeber eingesetzten Planers gehalten hat.56 Ob die jeweilige Anordnung technisch in
Ordnung ist oder zu Mängeln oder Schäden führt, muss er selbst überprüfen und
erforderlichenfalls Bedenken anmelden. Den Bauherrn trifft aber bei unzweckmäßigen und falschen Weisungen grundsätzlich ein Mitverschulden.
Wenn die Leistung ohne Eingreifen des Bauherrn mangelhaft geworden ist, darf sich
der Unternehmer nicht darauf berufen, dass dies bei ordnungsgemäßer Aufsicht
durch die Projektleitung des Auftraggebers oder des Architekten nicht passiert wäre.
Die Vertragspflichten des Projektleiters und Architekten bestehen nur gegenüber dem
Bauherrn, nicht gegenüber dem Unternehmer.57
Vgl. Leupertz, in: Baurecht und Baupraxis (BrBp), 5/2003, S. 172
BGH BauR 2000, 409 f.; BauR 1996, 542
Vgl. Winzen, a. a. O.
Dähne, BauR 1973, 268
Vgl. Heiermann/Riedl/Rusam, 10. Aufl. 2003, B § 4 Rdn. 33; Ingenstau/Korbion, 16. Aufl., § 4 Nr. 2 VOB/B
Rdn. 13
Vgl. Werner/Pastor, 11. Aufl. 2005, Rdn. 2548; BGH, BauR 1982, 79
Pflicht zur Ordnung auf der Arbeitsstelle
Die Verpflichtung des Auftragnehmers, Ordnung auf der Baustelle zu halten, ist
ebenfalls ein Spezialfall des Grundsatzes der Eigenverantwortlichkeit. Der Inhalt der
Pflicht besteht beispielsweise darin, Material und Hilfsmittel richtig zu lagern, die
Geräte sicher zu betreiben und die Arbeitsvorgänge einschließlich des Lärmschutzes
so zu planen und durchzuführen, dass niemand persönlich oder in seinem Vermögen
Pflicht zur Prüfung und Anzeige von Bedenken
Nach § 4 Nr. 3 VOB/B hat der Auftragnehmer Bedenken gegen die vom Bauherrn
bzw. seinen Planern vorgesehene Art der Ausführung, insbesondere hinsichtlich Vorleistungen anderer Unternehmer, bauseits gelieferter Stoffe oder Bauteile unverzüglich, und zwar möglichst schon vor Beginn der Arbeiten, schriftlich mitzuteilen. Der
Auftragnehmer darf also die Planung und andere Anordnungen des Auftraggebers
nicht blind umsetzen, sondern muss erkennbare Fehlerquellen aufdecken. Es handelt
sich um eine Pflicht der gegenseitigen Rücksichtnahme, die aus dem allgemeinen
Grundsatz von Treu und Glauben resultiert und deshalb auch beim BGB-Werkvertrag
gilt.58
Pflicht zum Schutz der ausgeführten Leistung
Gemäß § 4 Nr. 5 VOB/B hat der Auftragnehmer die von ihm ausgeführten Leistungen
und die ihm zur Ausführung übergebenen Gegenstände bis zur Abnahme vor Beschädigung und Diebstahl zu schützen. Für den BGB-Bauvertrag gilt dasselbe, weil
der Unternehmer gemäß den §§ 641 und 644 BGB bis zur Abnahme die Gefahr trägt,
das heißt beschädigte oder abhanden gekommene Leistungen auf seine Kosten wieder
herstellen muss. Für Schäden durch Witterung oder Grundwassereinwirkung ist der
Auftragnehmer nach der ausdrücklichen Regelung in § 4 Nr. 5 Satz 2 VOB/B nicht
verantwortlich. Entsprechendes gilt für die Beseitigung von Schnee und Eis, sofern
nichts anderes vertraglich vereinbart wurde.
Beseitigung vertragswidriger Stoffe oder Bauteile
Nach § 4 Nr. 6 Satz 1 VOB/B sind Stoffe oder Bauteile, die dem vertraglichen Leistungssoll oder Proben nicht entsprechen, auf Anordnung des Auftraggebers innerhalb
einer von ihm bestimmten Frist von der Baustelle zu entfernen. Bei diesen Verpflichtungen handelt es sich um Mängelbeseitigungsansprüche, die abweichend von der
BGB-Regelung schon vor Abnahme gelten. Damit soll verhindert werden, dass der
Auftragnehmer mangelhafte oder vertragswidrige Stoffe für die Leistungserbringung
Vgl. Heiermann/Riedl/Rusam, 10. Aufl. 2003, B § 4 Rdn. 46; Ingenstau/Korbion, 16. Aufl., § 4 Nr. 3 VOB/B
Rdn. 50
verwendet; der Mangelhaftigkeit des Bauwerks wird dadurch in einem frühen Stadium vorgebeugt.59
Verpflichtung des Auftragnehmers, die Leistung selbst zu erbringen
Gemäß § 4 Nr. 8 Abs. 1 VOB/B hat der Auftragnehmer die Leistung im eigenen Betrieb auszuführen. Einem Nachunternehmer darf er sie nur mit schriftlicher Zustimmung des Auftraggebers übertragen. Die Zustimmung ist nur dann ausnahmsweise
entbehrlich, wenn der Betrieb des Auftragnehmers nicht auf die entsprechende Leistung eingerichtet ist.
Diese Regelung gilt nur für den VOB-Vertrag. Im Werkvertragsrecht des BGB gibt es
keine persönliche Leistungsverpflichtung des Unternehmers, so dass ohne Vereinbarung der VOB/B uneingeschränkt Nachunternehmer vom Auftragnehmer eingesetzt
Pflicht zur Anzeige und Ablieferung wertvoller Funde
In § 4 Nr. 9 VOB/B ist die Verpflichtung des Auftragnehmers zur Anzeige und Ablieferung wertvoller Funde geregelt. Etwaige Mehrkosten, die mit dem Bergen des Fundes verbunden sind, erhält der Unternehmer unter den Voraussetzungen des § 2 Nr. 6
Abs. 1 Satz 2 VOB/B – also bei vorheriger Ankündigung des Mehrvergütungsanspruchs – ersetzt.
Pflicht zur gemeinsamen Zustandsfeststellung von Teilen der Leistung
Nach Regelung des § 4 Nr. 10 VOB/B ist der Zustand von Teilen der Leistung, die
später nur schwer oder gar nicht überprüft werden können, gemeinsam von Auftragnehmer und Auftraggeber festzustellen.
Dies dient dazu, unselbständige Leistungsteile, für die keine Teilabnahme vorgesehen
oder möglich ist, auf die ordnungsgemäße und funktionstüchtige Ausführung zu
überprüfen. Das Ergebnis der Untersuchung ist schriftlich niederzulegen.60
3.4.2 Auftraggeberpflichten
Der Auftragnehmer wird bei der üblichen Aufgabenteilung das Bauwerk nur dann
pünktlich und ordnungsgemäß fertig stellen können, wenn der Bauherr mitwirkt. Die
Beachtung dieser Mitwirkungspflichten ist jedoch nicht einklagbar. Trotzdem bleibt
die Missachtung der Kooperationspflicht durch den Auftraggeber nicht ohne nachteilige Folgen: Er gerät in Annahmeverzug, wenn der Unternehmer bereit und in der
Lage ist, die Leistung auszuführen.
Vgl. Kapellmann/Messerschmidt, 2007, § 4 VOB/B Rdn. 130 ff.
Vgl. Heiermann/Riedl/Rusam, 10. Aufl. 2003, B § 4 Rdn. 109
Pflicht zur Bereitstellung des Grundstücks
Das Grundstück muss baureif zur Verfügung gestellt werden, d. h. alle Voraussetzungen, die nicht zu der vom Unternehmer geschuldeten Bauleistung gehören, müssen erbracht sein. Zur Mitwirkungspflicht des Auftraggebers zählen alle Leistungen
von Vorunternehmern, deren vorherige Fertigstellung notwendige Voraussetzung für
den Baubeginn des folgenden Unternehmens sind.61
Pflicht zur Herbeiführung der notwendigen Genehmigungen
Entsprechend § 4 Nr. 1 Abs. 1 Satz 2 VOB/B ist die Beschaffung öffentlich-rechtlicher
Genehmigungen, die Voraussetzung für die Leistungserbringung sind, Aufgabe des
Auftraggebers, sofern nichts anderes vertraglich vereinbart wurde. Die Mitwirkungspflicht bezieht sich auf das Beibringen der Genehmigungen aus verschiedenen
Rechtsgebieten, wie öffentlichem Baurecht, Straßenverkehrsrecht, Wasserrecht und
Umweltrecht. Entsprechendes gilt für privatrechtliche Genehmigungen, die Voraussetzung für das Bauvorhaben sind.
Pflicht zum Abstecken der Hauptachsen, Baustrecken, Grenzen und Höhenfestpunkte des Baugeländes
Das Abstecken der Hauptachsen, Baustrecken, Grenzen und die Schaffung von Höhenfestpunkten ist Sache des Auftraggebers (§ 3 Nr. 2 VOB/B). Häufig wird diese
Vorbereitungsarbeit im Rahmen des Bauvertrags an den Auftragnehmer übertragen.
Der Zweck der Regelung des § 3 Nr. 4 VOB/B besteht darin, Beweisschwierigkeiten
zu vermeiden, wenn nach Durchführung der Arbeiten Zufahrtsstraßen oder das Gelände Schäden aufweisen. Deshalb soll vor Beginn der Arbeiten in einer von den Vertragsparteien zu unterzeichnenden Niederschrift der Zustand der Straßen des Geländes und etwaiger baulicher Anlagen festgehalten werden. Diese Maßnahmen sind
nach der Konzeption der VOB/B Aufgabe des Auftraggebers.
Pflicht zur Übergabe der Ausführungsunterlagen
Der Auftraggeber muss dem Auftragnehmer entsprechend § 3 Nr. 1 VOB/B brauchbare und zuverlässige Pläne zur Verfügung stellen. Entscheidend ist, dass die Ausführungsunterlagen rechtzeitig vor dem Beginn der jeweiligen Leistung vorliegen müssen, andernfalls hat der Auftragnehmer im Behinderungsfall Schadenersatzansprüche.
Falls vertragliche Vereinbarungen hierüber nicht getroffen wurden, können die nachfolgend aufgeführten und als übliche und objektiv notwendige Mindestvorlaufzeiten
BGH BauR 2000, 722
anzusehende Fristen für die Planlieferung angesetzt werden, sofern vom Auftragnehmer fristgebundene Leistungen zu erbringen sind:62
Schalpläne:
Vorabzüge:
3 Wochen bis 20 Arbeitstage
Bewehrungspläne:
3 Wochen bis 25 Arbeitstage
Aussparungspläne:
Fertigteilpläne:
1 bis 2 Wochen Dispositionszeitraum zusätzlich
Es ist dringend zu empfehlen, eine vertragliche Regelung der Planvorlauffristen zu
vereinbaren, da eine fehlende Abmachung regelmäßig zum Konflikt zwischen den
Bauvertragspartnern führt, sobald Störungen des planmäßigen Bauablaufs eintreten.
Darüber hinaus ist eine vertragliche Festlegung der Planlieferfristen bereits in § 11
Nr. 3 VOB/A ausdrücklich vorgesehen.
Ordnungs- und Koordinierungspflicht des Auftraggebers
Arbeiten mehrere Unternehmer auf der Baustelle, so hat der Auftraggeber gemäß § 4
Nr. 1 Satz 1 VOB/B deren Zusammenwirken zu regeln. Ein Baustelleneinrichtungsplan mit Lagerplätzen für Material und Flächen für Unterkünfte, Baustellenbüros u. ä.
ist Sache des Auftraggebers. Entsprechendes gilt für den Bauzeitenplan, in dem der
zeitliche Ablauf und das Ineinandergreifen der Gewerke dargestellt wird.
Nach der Baustellenverordnung63 ist der Auftraggeber zusätzlich verpflichtet, einen
Sicherheits- und Gesundheitsschutzplan aufzustellen. Die Koordinierungspflicht wird
bei Einschaltung eines Generalunternehmers auf diesen übertragen.
Pflicht zur Überlassung von Lager, Arbeitsplätzen und Energieanschlüssen
Gemäß § 4 Nr. 4 VOB/B gehört es – sofern nichts anderes vereinbart ist – zur Mitwirkungspflicht des Auftraggebers, die notwendigen Lager- und Arbeitsplätze auf der
Baustelle, wozu auch die Flächen für Unterkünfte und Sanitäreinrichtungen gehören,
die vorhandenen Zufahrtswege und Anschlüsse für Wasser, Energie etc. zur Verfügung zu stellen.
Pflicht zur Auskunft über den Beginn der Leistung und Abruf
§ 5 Nr. 2 VOB/B regelt den Sonderfall, dass im Vertrag kein Baubeginntermin festgelegt wurde. In diesem Fall ist der Auftraggeber dazu verpflichtet, auf Verlangen des
Auftragnehmers über den voraussichtlichen Beginn Auskunft zu erteilen. Verletzt der
Auftraggeber seine Mitwirkungspflicht, unverzüglich Auskunft über den Baubeginn
Vgl. Kapellmann/Schiffers, Bd. 1, 5. Aufl. 2006, Rdn. 1314; Vygen/Schubert/Lang, 4. Aufl. 2002, Rdn. 353
zu geben, steht dem Auftragnehmer nach einer Behinderungsanzeige ein Anspruch
auf Bauzeitverlängerung zu. Wenn dem Auftraggeber zusätzlich Verschulden zur
Last fällt, darf der Auftragnehmer Schadenersatz verlangen und ggf. bei ergebnisloser
Fristsetzung den Bauvertrag kündigen.
3.5 Vertragsfristen und Termine
Terminsicherheit und die Einhaltung von Vertragsfristen ist für den Bauherrn insbesondere bei fremdfinanzierten Projekten von entscheidender Bedeutung. Häufig muss
das Bauprojekt zu einem bestimmten Zeitpunkt dem späteren Nutzer auf Grund bereits abgeschlossener Miet- oder Kaufverträge übergeben werden. Auch die Einhaltung vereinbarter Zwischentermine kann für den Beginn der Leistungserfüllung anderer Unternehmen eine bedeutende Rolle spielen.
3.5.1 Regelungen des BGB
Falls weder vertragliche Termin- und Fristfestsetzungen noch die Einbeziehung der
VOB/B in den Bauvertrag vereinbart wurden, bestimmen sich die Zeitpunkte für den
Ausführungsbeginn und den Fertigstellungstermin alleine nach den Vorschriften des
BGB. Das Werkvertragsrecht selbst enthält keine Regelung, wann die Leistungen auszuführen sind. § 271 BGB sieht jedoch vor, dass der Gläubiger die Leistung sofort
verlangen, der Schuldner sie sofort bewirken kann, wenn eine Leistungszeit weder
bestimmt noch aus den Umständen zu entnehmen ist.64 Da die Leistung des Auftragnehmers häufig von Mitwirkungshandlungen des Auftraggebers abhängt, wird deutlich, dass diese gesetzliche Regelung den Bauvertragsparteien wenig Sicherheit und
Klarheit gibt. Eine weitergehende Vorschrift findet sich in den §§ 323 und 325 BGB, in
denen die Folgen der Nichteinhaltung der Vertragsfristen geregelt sind. Als Rechtsfolge ist hier bei Terminüberschreitungen das für Bauvorhaben meist unangemessene
Rücktrittsrecht vorgesehen. Auf Grund der für die Baupraxis ungenügenden Vorschriften des BGB sollten die Vertragsparteien, sofern die VOB/B nicht vereinbart
wurde, Regelungen hinsichtlich der Ausführungstermine und -fristen und die Rechtsfolgen bei Nichteinhaltung vorsehen.
3.5.2 Regelungen der VOB/B
Regelungen zu Terminen und Fristen finden sich in § 5 der VOB/B. Hierbei wird unterschieden zwischen der Frist für den Ausführungsbeginn, den im Bauzeitenplan
enthaltenen Einzelfristen sowie der Fertigstellungsfrist.
Vgl. Nunn, in: Heiermann/Franke/Knipp, 2002, S. 552
Sofern für den Ausführungsbeginn keine Vertragsfrist vereinbart wurde, hat der Auftraggeber dem Auftragnehmer auf Verlangen Auskunft über den voraussichtlichen
Beginn zu erteilen. Der Auftragnehmer hat mit den Arbeiten entsprechend § 5 Nr. 2
VOB/B innerhalb von 12 Werktagen nach Aufforderung zu beginnen. Voraussetzung
ist allerdings die Erfüllung der erforderlichen auftraggeberseitigen Mitwirkungshandlungen. Der Auftragnehmer muss die Baustelle insoweit einrichten, dass dies auf
einen ernsthaften Baubeginn schließen lässt. Das kann die Errichtung der Baustelleneinrichtung oder aber auch die Herstellung von Bauteilen im Werk des Auftragnehmers sein, nicht jedoch die Aufstellung eines Bauschildes oder Bauvorbereitungsmaßnahmen wie Planung und Arbeitsvorbereitung.65
Den Beginn der Ausführung hat der Auftragnehmer dem Auftraggeber gemäß § 5
Nr. 2 Satz 3 VOB/B anzuzeigen. Diese Regelung ist hinsichtlich einer möglichen Teilfertigung im Werk des Auftragnehmers und vor allem bei einer vertraglich vereinbarten Fertigstellungsfrist nach Baubeginn zweckmäßig.
Der Auftragnehmer hat die Bauausführung angemessen zu fördern (§ 5 Nr. 3 VOB/B).
Hierzu zählt auch die Einhaltung der vertraglich vereinbarten Zwischentermine. Verbindliche Fristen (Vertragsfristen) liegen nur vor, wenn sie im Bauvertrag als solche
bestimmt sind oder sich deren Verbindlichkeit zweifelsfrei bei der Vertragsauslegung
ermitteln lässt.66 Eine Vertragsfrist muss somit klar und eindeutig als Vertragsfrist
festgelegt sein. Notwendig ist weiterhin die eindeutige Bestimmbarkeit der Frist und
die Regelung, welcher Leistungsumfang bis zu diesem Termin zu erbringen ist.
Der Grund für die strengen Anforderungen an die Vereinbarung von Vertragsfristen
liegt in den erheblichen Rechtsfolgen von Vertragsstrafen nach § 11 VOB/B bis hin zur
Auftragsentziehung. Termine aus Bauzeitenplänen sind regelmäßig nicht Vertragsfristen (§ 5 Nr. 1 VOB/B), sofern sie nicht ausdrücklich und verbindlich als solche
vereinbart wurden. Die Fristen des Bauzeitenplans dienen in erster Linie der Überwachung des Baufortschritts. Sollen nach Ansicht des Auftraggebers bestimmte Zwischentermine zwingend eingehalten werden, so sind diese vertraglich eindeutig zu
Der Auftragnehmer ist verpflichtet, die geschuldete Bauleistung termingerecht fertig
zu stellen. Maßgeblich hierfür ist die vertraglich vorgesehene Frist. Der vertragsvereinbarte Fertigstellungszeitpunkt ist, unabhängig davon, ob er kalendermäßig bestimmt ist oder ob er sich aus dem Vertrag errechnen lässt, Vertragsfrist.
Die Fertigstellung der Leistungen bedeutet indes nicht, dass sämtliche Leistungen
bereits mängelfrei erbracht wurden, Voraussetzung ist aber, dass die Leistung keine
wesentlichen Mängel aufweist.
Vgl. Nunn, a. a. O.
Vgl. Heiermann/Riedl/Rusam, 10. Aufl. 2003, B § 5 Rdn. 4
3.5.3 Die Rechtsfolgen von Terminüberschreitungen
Die Rechtsfolgen einer Terminüberschreitung regelt § 5 Nr. 3 und 4 VOB/B. Die dort
aufgeführten Rechtsfolgen treten ein bei
Verzögerung des Beginns der Ausführung,
Verzug mit der Fertigstellung,
Verletzung der Pflicht zur Abhilfe nach § 5 Nr. 3 VOB/B.
Für die aufgeführten Verzögerungen kommen nachfolgend aufgeführte Rechtsfolgen
Der Auftraggeber kann am Vertrag festhalten und Schadenersatz nach § 6
Nr. 6 VOB/B verlangen.
Der Auftraggeber kann den Vertrag nach fruchtlosem Ablauf einer angemessenen Nachfrist, verbunden mit einer Kündigungsandrohung, kündigen.
Darüber hinaus kann der Auftraggeber bei entsprechender Vereinbarung
Vertragsstrafen geltend machen.
Sind die Arbeitskräfte, Geräte und Stoffe oder Bauteile so unzureichend, dass die
Bauausführung offenbar nicht eingehalten werden kann, muss der Auftragnehmer,
§ 5 Nr. 3 VOB/B folgend, auf Verlangen unverzüglich Abhilfe schaffen. Zeigt sich
während der Ausführung, dass die Ausführungsfristen nicht mehr eingehalten werden können, steht dem Auftraggeber das Eingriffsrecht zu, den Auftragnehmer aufzufordern, durch erhöhten Personaleinsatz oder Aufstockung von Geräten, Stoffen
oder Bauteilen unverzüglich Abhilfe zu schaffen. Eine Fristsetzung zur Abhilfe sieht
§ 5 Nr. 3 VOB/B nicht vor, ist aber aus Gründen der Rechtssicherheit durchaus zu
empfehlen.67
Voraussetzung hierfür ist, dass die Ausführungsfristen offensichtlich nicht eingehalten werden können und die Ursachen der unzureichenden Bauausführung im Verantwortungsbereich des Auftragnehmers liegen. Bei auftraggeberseitiger Verursachung der Ausführungsverzögerung ist die Vorschrift nicht anwendbar, es besteht für
den Auftraggeber aber die Möglichkeit, allerdings kostenauslösende Beschleunigungsmaßnahmen zu vereinbaren. Anhaltspunkt für offenbar nicht einhaltbare Ausführungsfristen kann die Überschreitung von Einzelfristen sein, wobei es sich hier
auch um Fristen und Termine aus dem Bauzeitenplan handeln kann, ohne dass diese
zwingend als pönalisierte, also vertragsstrafenbewehrte, Zwischentermine vereinbart
sein müssen. Sofern eine Frist nicht kalendermäßig bestimmt ist, ist als weitere Voraussetzung eine Mahnung erforderlich.
Vgl. Nunn, in: Heiermann/Franke/Knipp, 2002, S. 559
3.6 Terminplanung
Für die Geltendmachung des Schadenersatzes muss der Auftragnehmer in Verzug
geraten sein. Dies setzt Verschulden des Auftragnehmers voraus. Zum Umfang des
Schadens im Sinne des § 6 Nr. 6 VOB/B gehört jeder Nachteil, den der Geschädigte an
seinem Vermögen oder seinen sonstigen geschützten Rechtsgütern erleidet. Voraussetzung ist hierfür, dass der Schaden kausal auf den vom Auftragnehmer zu vertretenden Umstand zurückzuführen ist.
Zu den Vermögensschäden zählen u. a.
verlängerte Zwischenfinanzierungskosten,
vorübergehende Lagerung von Gegenständen,
Mehrkosten für Architekten- und Ingenieurleistungen bei verlängerter Bauzeit.
Der Schaden selbst wird nach der sog. Differenzhypothese als Unterschied des bei
ungestörtem Bauablauf zu erwartenden und wegen der Behinderung eingetretenen
Vermögensstandes ermittelt. Den entgangenen Gewinn hat der Auftragnehmer nur
dann zu ersetzen, wenn er die zum Schadenersatz führenden Umstände grob fahrlässig oder vorsätzlich verursacht hat. Voraussetzung für die Geltendmachung des
Schadenersatzanspruches ist der konkrete Schadensnachweis.
Voraussetzung für eine Auftragsentziehung ist die angemessene Nachfristsetzung zur
Vertragserfüllung sowie die Kündigungsandrohung bei fruchtlosem Fristablauf. Die
Kündigung ist zudem nach Fristablauf ausdrücklich zu erklären. Gemäß § 8 Nr. 3
Abs. 1 VOB/B kann die Entziehung des Auftrags auch auf einen in sich abgeschlossenen Teil der vertraglichen Leistung beschränkt werden.
Wesentlicher Bestandteil der Strukturierung und Organisation einer Baumaßnahme
ist die Terminplanung, die je nach Anwendungszweck und Projektfortschritt in unterschiedlichen Detaillierungsstufen und Darstellungsformen erstellt wird. Im Rahmen der Terminplanung wird das komplexe Projektgeschehen in Teilvorgänge zerlegt, deren logische Abfolge unter Berücksichtigung technischer, technologischer,
produktionsbedingter und kapazitativer Abhängigkeiten festgelegt und ihre Dauer
bestimmt wird.68 Terminpläne können darüber hinaus für die Ermittlung der erforderlichen Kapazitäten und des Ausgabenverlaufs eingesetzt werden.
Der zeitliche Umfang des Terminplans hängt von der jeweiligen Betrachtungsweise
ab. Die Terminplanung des Bauherrn enthält neben der Planung und Ausführung des
Bauvorhabens auch vorgelagerte Tätigkeiten, z. B. die Bedarfsermittlung, sowie Inbetriebnahme und Verfolgung der Gewährleistungsfristen. Hierbei steht die Koordina68
Vgl. Greiner/Mayer/Stark, 2005, S. 115
tion der Projektbeteiligten im Vordergrund. Der bauherrenseitige Terminplan ist
demzufolge projektorientiert, während die Terminplanung von Planern und ausführenden Unternehmen objektorientiert ist und sich mitunter nur auf Teilbereiche des
Gesamtvorhabens bezieht.
Die Erstellung eines Terminplans für ein Projekt ist ohne Klärung der Ablaufsstruktur
des Projekts und einer sorgfältigen und ausreichenden Bemessung der Fristen nicht
möglich. Da Bauprojekte aus wirtschaftlichen Erwägungen in immer kürzeren Realisierungsphasen durchgeführt werden, nimmt die Bedeutung aber auch der Komplexitätsgrad der Terminplanung weiter zu. Dabei ist die Terminplanung der Planung
ebenso bedeutend wie die Terminplanung der Ausführung. Die Koordination paralleler Tätigkeiten und Planungen ist hierbei besonders störanfällig.
Im Laufe eines Bauprojekts werden Terminpläne in unterschiedlichen fortschreitenden Detaillierungsstufen erstellt. Folgende Unterscheidung in vier Stufen hat sich in
der Praxis bewährt:
Der Rahmenterminplan beinhaltet die Termine der signifikanten Planungs- und Ausführungsphasen und hat die Gesamtdarstellung des Projektablaufes zum Zweck. Er
wird bereits in einer frühen Projektphase erstellt, um einen groben Gesamtüberblick
der zeitlichen Projektabwicklung zu erhalten.69
Der Generalterminplan stellt den Terminrahmen für die Planung, Bauvorbereitung
und Bauausführung dar, bietet also ebenfalls eine Gesamtdarstellung des Projektablaufs, gliedert die Baumaßnahme allerdings in deutlich mehr Einzelvorgänge. Er definiert als sog. Meilensteinplan die Eckdaten des Planungs- und Bauablaufs. Mögliche
Meilensteine70 bei Bauprojekten sind:
Beginn Rohmontage Haustechnik
Regenfester Rohbau (Kanal, Fallrohre, Regenrinnen)
Wetterfester Rohbau (Fassade, Fenster, Verglasung)
Vgl. Greiner/Mayer/Stark, 2005, S. 110
Meilensteine werden mitunter auch als Ecktermine bezeichnet.
Winterfester Rohbau (Heizung, evtl. auch provisorisch)
Start „nasser“ Ausbau (Putz, Estrich etc.)
Gesamtfertigstellung und Abnahme/Übergabe
Einzug, Nutzungsbeginn
Der Generalterminplan enthält im Gegensatz zum Rahmenterminplan oftmals bereits
durch Anordnungsbeziehungen verknüpfte Vorgänge, so dass Abhängigkeiten einzelner Vorgänge direkt aus dem Terminplan ableitbar sind.71
Detailterminpläne sind für die eigentliche Planungs- und Ausführungsorganisation
erforderlich. Auf dieser detaillierten Ebene der Ablaufplanung können die Dauern
einzelner Vorgänge wenige oder auch nur einen Tag betragen. Diese Terminpläne in
Form von Feinnetzplänen oder vernetzten Balkenplänen sind Grundlage einer detaillierten Kapazitätseinsatzplanung sowie der Ablaufkontrolle und -steuerung.
Die Terminplanung ist ein über die Projektdauer anhaltender dynamischer Prozess.
Terminpläne sollten stets den tatsächlichen Gegebenheiten Folge tragen und Veränderungen oder Störungen des Bauablaufs durch Überarbeitungen und Aktualisierungen
nachführen. Ein nicht fortgeschriebener und durch die tatsächlichen Gegebenheiten
bereits überholter Terminplan ist wertlos. Von besonderer Bedeutung ist der Vertragsterminplan. Dies ist der Terminplan, der als Vertragsbestandteil in den Bauvertrag einbezogen wurde und für mögliche terminbedingte Ansprüche der Vertragspartner maßgebend ist. In der Praxis wird oftmals vertraglich geregelt, dass ein noch
zu erstellender Terminplan zum Vertragsbestandteil vereinbart wird. Dem ist nicht zu
widersprechen sofern es sich um einen realisierbaren Ablaufplan handelt, dem die
Vertragspartner zustimmen können. Leider sind die nachgereichten Terminpläne viel
zu oft auf Grund sehr undetaillierter Darstellung nur begrenzt aussagekräftig. Der
Vertragsterminplan ist besonders zu kennzeichnen um Verwechslungen vorzubeugen, da zunächst nur dieser Terminplan bindend ist.
3.6.1 Darstellungsformen von Terminplänen
In der Baupraxis haben sich bei der Terminplanung folgende Darstellungsformen
Mehr dazu in Kapitel 3.6.2
Die Wahl der Darstellungsform einer Terminplanung hängt davon ab, wer mit dem
Terminplan arbeiten wird, welche Darstellungsform für diese Zielgruppe verständlich und übersichtlich ist, welche Detaillierungsstufe in welcher Projektphase möglich
und notwendig ist und welcher Aufwand mit der Terminplanerstellung aber auch der
Fortschreibung des Terminplans verbunden ist.
3.6.1.1 Balkenplan
Ein Balkenplan ist die einfachste und gebräuchlichste Darstellungsform von Terminplänen. Er bietet eine zeitproportionale Darstellung des Terminablaufs und ermöglicht auf einfache Weise stichtagsbezogene Fortschrittskontrollen. Die Vorgänge72
können unterschiedlich gegliedert und zu Sammelvorgängen zusammengefasst werden. Bei zunehmender Vorgangszahl verliert der Balkenplan jedoch an Übersichtlichkeit. Abhängigkeiten zwischen den einzelnen Vorgängen sind grundsätzlich nicht
erkennbar. Auswirkungen von Veränderungen einzelner Vorgänge und etwaige Pufferzeiten und Flexibilitäten lassen sich somit nicht direkt ableiten. Hinzu kommt, dass
bei der Erstellung eines Balkenplans kein Zwang zur Einhaltung einer Ablauflogik
besteht, wie es beispielsweise bei der Netzplanerstellung der Fall ist, so dass bereits
bei der Aufstellung die Gefahr existiert, dass wesentliche Abhängigkeiten nicht erkannt und berücksichtigt werden.
Abbildung 3-2 Balkenplan
Eine Weiterentwicklung des Balkenplans ist ein sog. vernetzter Balkenplan, der die
Darstellung der Anordnungsbeziehungen der jeweiligen Vorgänge durch Pfeilverbindungen zwischen den Balken vorsieht.
Als Vorgang wird ein Zeit erforderndes Ablaufelement bezeichnet, das ein bestimmtes Geschehen beschreibt, z. B. einen Teilprozess oder einen Arbeitsgang, und eindeutig definiert und abgegrenzt ist. Ein
Ereignis beschreibt das Eintreten eines bestimmten Zustands.
Abbildung 3-3 Vernetzter Balkenplan
Werden Balkenpläne für die Steuerung der Projektabwicklung verwendet, ergibt sich
das Problem, dass der Balkenplan auf Grund seiner statischen Darstellung an Aussagekraft verliert, sobald Störungen des Bauablaufs auftreten. Bei störungsbedingten
Verschiebungen oder Ausführungsverlängerungen einzelner Vorgänge müssen die
abhängigen Nachfolgevorgänge entsprechend neu ausgerichtet werden. Das hat zur
Folge, dass bei jeder bauzeitrelevanten Störung ein neuer Balkenplan erstellt werden
muss.73
3.6.1.2 Terminlisten
Bei Terminlisten handelt es sich um tabellarische Auflistungen von Vorgängen mit
ihren jeweiligen Anfangs- und Endterminen und ggf. auch der Vorgangsdauer ohne
jegliche grafische Darstellung des Terminablaufs. Terminlisten sind einfach und ohne
besondere Hilfsmittel in kurzer Zeit zu erstellen, jedoch weitestgehend ungeeignet bei
komplexen Projekten und der Darstellung von Abhängigkeiten zwischen den einzelnen Vorgängen.
3.6.1.3 Netzplan
Mit Hilfe der Netzplantechnik können komplexe Ablaufstrukturen mit gegenseitigen
Abhängigkeiten erfasst und dargestellt werden. Der Aufsteller des Plans wird hierbei
zu einer konsequenten Vorgehensweise unter Berücksichtigung der Abläufe und Abhängigkeiten gezwungen. Charakteristisches Merkmal von Netzplänen ist die Verknüpfung der einzelnen Tätigkeiten durch Anordnungsbeziehungen (siehe hierzu
Kapitel 3.6.2). Durch die vollständige Verknüpfung der einzelnen Vorgänge kann
rechnerisch ein sog. kritischer Weg ermittelt werden. Die Veränderung der Dauer
Vgl. Würfele/Gralla, 2006, Rdn. 465
eines Vorgangs auf dem kritischen Weg wirkt sich unmittelbar auf alle nachfolgenden
Vorgänge auf dem kritischen Weg sowie den Endtermin aus. Vorgänge, die nicht auf
dem kritischen Weg liegen, verfügen über zeitliche Puffer, so dass hier eine Verlängerung der Dauer unter Umständen für alle übrigen Vorgänge irrelevant sein kann.
Gemäß DIN 69 900, Teil 1, werden folgende Pufferzeiten74 unterschieden:
Zeitspanne zwischen frühester und spätester Lage eines Ereignisses bzw. Vorgangs
Zeitspanne, um die ein Ereignis bzw. ein Vorgang gegenüber seiner frühesten Lage
verschoben werden kann, ohne die früheste Lage anderer Ereignisse bzw. Vorgänge
Freie Rückwärtspufferzeit (FRP)
Zeitspanne, um die ein Ereignis bzw. ein Vorgang gegenüber seiner spätesten Lage
verschoben werden kann, ohne dass die späteste Lage anderer Ereignisse bzw. Vorgänge beeinflusst wird
Unabhängige Pufferzeit (UP)
Zeitspanne, um die ein Ereignis bzw. ein Vorgang verschoben werden kann, wenn
sich seine Vorereignisse bzw. Vorgänger in spätester und seine Nachereignisse bzw.
Nachfolger in frühbester Lage befinden
Es existieren verschiedene Verfahren der Netzplantechnik, von denen der Vorgangsknoten-Netzplan am häufigsten Verwendung findet.75 Hierbei werden die einzelnen
Vorgänge als Knoten des Netzplanes, die Abhängigkeiten durch vorgangsverbindende Pfeile dargestellt. Ein Knoten bzw. Vorgangsfeld eines Netzplanes kann folgendermaßen dargestellt werden:
Anfang (FA)
Ende (FE)
Anfang (SA)
Ende (SE)
Abbildung 3-4 Vorgangsfeld eines Netzplanes
Pufferzeit = Zeitspanne, um die, unter bestimmten Bedingungen, die Lage eines Ereignisses bzw. eines
Vorgangs verändert oder die Dauer eines Vorgangs verlängert werden kann (DIN 69 900, Teil 1).
Daneben existieren noch der Ereignisknoten-Netzplan, bei dem Ereignisse als Knoten dargestellt werden,
und der Vorgangspfeil-Netzplan, bei dem die Darstellung der Vorgänge in Pfeilform erfolgt.
Nachdem zunächst Dauer und Abhängigkeiten aller Vorgänge des Netzplanes ermittelt wurden, werden im Zuge einer Vorwärtsrechnung die frühest möglichen Anfänge
der Vorgänge einschließlich des frühest möglichen Projektendes berechnet. Anschließend werden, ausgehend von der Einhaltung des angestrebten Projektendes, die spätest möglichen Endtermine der Vorgänge ermittelt. Vorgänge, bei denen die frühest
möglichen und spätest zulässigen Termine identisch sind, liegen auf dem kritischen
Weg. Für die übrigen Vorgänge können entsprechende Pufferzeiten dargestellt werden.
Netzpläne sind ohne besondere Fachkenntnisse nur schwer lesbar, erfordern einen in
der Regel deutlich höheren Bearbeitungsaufwand als andere Darstellungsformen und
bieten keine zeitproportionale Darstellung. Oftmals werden sie im Rahmen der Terminplanung für die interne Bearbeitung verwendet, während die Projektbeteiligten
die transformierten Pläne z. B. in Form von Balkenplänen erhalten.
Ausschreibung Rohbau
Ausführung Ausbau
NF=-10t
Ausschreibung Ausbau
Abbildung 3-5 Netzplan
3.6.1.4 Liniendiagramm
Liniendiagramme finden im Bauwesen vorwiegend als Weg-Zeit- oder aber als Volumen-Zeit-Diagramme Anwendung.76 Liniendiagramme werden bei Bauvorhaben
mit ausgeprägter Fertigungsrichtung verwendet. Diese Darstellungsform eignet sich
daher insbesondere für die Planung von Linienbaustellen (z. B. Verkehrswege- und
Vgl. Kochendörfer/ Liebchen/Viering, 3. Aufl. 2007, S. 97 ff.
Leitungsbau) aber auch für die Taktplanung wiederkehrender Prozesse bei Hochbauprojekten.
Erdarbeiten / Pla
ordste
Bei einem Weg-Zeit-Diagramm wird auf einer Achse der Baufortschritt in Fertigungsrichtung – zumeist maßstabsgerecht – aufgetragen, die andere Achse bildet die Zeitachse. Die einzelnen Tätigkeiten ergeben in diesem Diagramm Kurven, bei konstantem Arbeitsfortschritt Geraden. Die Neigung dieser Linien stellt den Arbeitsfortschritt
je Zeiteinheit dar. Die Leistungsgeschwindigkeit ist bei einer zweidimensionalen Darstellung umso größer, je steiler oder – wie in nachfolgendem Beispiel – flacher die
Vorgangslinie verläuft; je nachdem, ob die Zeitachse horizontal oder vertikal angeordnet ist. Gleichzeitig können die kritischen Abstände zwischen den Vorgängen
direkt im Plan abgelesen werden. Arbeitsunterbrechungen werden parallel zur Zeitachse dargestellt.
utzschic
Pflas
Abbildung 3-6 Liniendiagramm
3.6.1.5 Bauphasenplan
Bei Bauphasenplänen wird der planmäßige Arbeitsfortschritt anhand von mehreren
grafischen Darstellungen veranschaulicht, die den Stand der Tätigkeiten zum jeweiligen Stichtag abbilden. Damit ist diese Darstellungsform auch für einen Personenkreis
ohne bauspezifische Vorkenntnisse sehr anschaulich und leicht verständlich.77
Vgl. Zilch/Diederichs/Katzenbach, 2002, S. 2-214 f.
Andererseits enthält diese abstrahierende Stichpunktbetrachtung nur einen groben
und eingeschränkten Informationsgehalt und ist für komplexe Bauabläufe und die
Planungskoordination nicht geeignet, kann aber sehr wohl als Ergänzung einer weiteren Darstellungsform der Terminplanung eingesetzt werden.
3.6.2 Vorgangsabhängigkeiten, Anordnungsbeziehungen
Die einzelnen Vorgänge des Terminplans sind Bestandteil eines strukturierten Gesamtablaufs. Hierbei bestehen Abhängigkeiten zwischen den Vorgängen, die auch als
Anordnungsbeziehungen bezeichnet werden. Diese Abhängigkeiten können sowohl
technischer als auch betrieblicher Art sein. Abhängigkeiten technischer Art beeinflussen die Ablaufstruktur auf Grund konstruktiver, technologischer und bautechnischer
Gesichtspunkte. Hierbei stellt sich die Frage, welcher Vorgang oder Teile davon fertig
gestellt sein muss, damit der betrachtete Vorgang beginnen oder enden kann.
Daneben können auch betriebsbedingte (Bereitstellung von Ressourcen), rechtliche
(Baugenehmigung) oder sonstige externe Bedingungen ausschlaggebend sein.78
Bei einer zeitlichen Folge voneinander abhängiger Vorgänge werden die unmittelbar
vor- bzw. nachgeordneten Vorgänge als Vorgänger bzw. Nachfolger bezeichnet.
Anordnungsbeziehungen bezeichnen quantifizierbare Abhängigkeiten zwischen Ereignissen oder Vorgängen und stellen die Abhängigkeiten der Vorgänge untereinander, die Reihenfolge und Startbedingungen der Vorgänge oder Abhängigkeiten von
Ereignissen dar:
Normalfolge (NF) oder auch Ende-Anfang-Beziehung (EA)
Anordnungsbeziehung vom Ende eines Vorgangs zum Anfang seines Nachfolgers
Anfangsfolge (AF) oder auch Anfang-Anfang-Beziehung (AA)
Anordnungsbeziehung vom Anfang eines Vorgangs zum Anfang seines Nachfolgers
Endfolge (EF) oder auch Ende-Ende-Beziehung (EE)
Anordnungsbeziehung vom Ende eines Vorgangs zum Ende seines Nachfolgers
Sprungfolge (SF) oder auch Anfang-Ende-Beziehung (AE)
Anordnungsbeziehung vom Anfang eines Vorgangs zum Ende seines Nachfolgers
Eine Normalfolge, bei der ein Nachfolgevorgang unmittelbar nach Beendigung seines
Vorgängers ohne Wartezeit beginnen kann, wird kurz mit NF=0 bezeichnet. Beim
Einsatz von Anordnungsbeziehungen ist auf eine eindeutige Darstellung der zeitlichen Abstände zu achten.79
Vgl. Greiner/Mayer/Stark, 2005, S. 136
Als Werktage gelten alle Kalendertage, die nicht Sonn- oder gesetzliche Feiertage sind. Ein Arbeitstag
bezeichnet schlicht einen Tag, an dem gearbeitet wird. Dies kann auch ein Sonntag oder ein gesetzlicher
Feiertag sein. Üblicherweise werden für ei