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Timestamp: 2019-03-23 11:19:06
Document Index: 187584297

Matched Legal Cases: ['§ 15', '§ 613', '§ 613', '§ 613', '§ 626', '§ 613', '§ 1', '§ 613', '§ 613', '§ 613', '§ 2', '§ 2', '§ 2', '§ 92', '§ 1', 'Art. 33', '§ 620']

﻿ ﻿ BAG – 8 AZR 858/09 | bag-urteil.com
Übertragung staatlicher Aufgaben auf kommunale Körperschaften – Kündigung des Arbeitsverhältnisses
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 15.03.2012, 8 AZR 858/09
Die Revision des Beklagten gegen das Urteil des Sächsischen Landesarbeitsgerichts vom 12. November 2009 – 6 Sa 322/09 – wird zurückgewiesen.
8 AZR 858/09 > Rn 1
8 AZR 858/09 > Rn 2
8 AZR 858/09 > Rn 3
Der Sächsische Landtag beschloss das Gesetz über den Personalübergang vom Freistaat Sachsen auf die kommunalen Körperschaften (Sächsisches Personalübergangsgesetz – SächsPÜG) vom 29. Januar 2008.
8 AZR 858/09 > Rn 4
Dieses lautet – soweit vorliegend von Interesse -:
8 AZR 858/09 > Rn 5
8 AZR 858/09 > Rn 6
8 AZR 858/09 > Rn 7
8 AZR 858/09 > Rn 8
8 AZR 858/09 > Rn 9
8 AZR 858/09 > Rn 10
8 AZR 858/09 > Rn 11
8 AZR 858/09 > Rn 12
8 AZR 858/09 > Rn 13
8 AZR 858/09 > Rn 14
8 AZR 858/09 > Rn 15
8 AZR 858/09 > Rn 16
8 AZR 858/09 > Rn 17
8 AZR 858/09 > Rn 18
Die Revision des Beklagten ist unbegründet. Das Landesarbeitsgericht hat der Klage – soweit sie noch Gegenstand des Revisionsverfahrens ist – zu Recht stattgegeben.
8 AZR 858/09 > Rn 19
8 AZR 858/09 > Rn 20
8 AZR 858/09 > Rn 21
8 AZR 858/09 > Rn 22
8 AZR 858/09 > Rn 23
8 AZR 858/09 > Rn 24
8 AZR 858/09 > Rn 25
8 AZR 858/09 > Rn 26
1. Es bedarf keiner Entscheidung, ob durch die vom Beklagten durchgeführte Neuorganisation der Verwaltung – insbesondere die Übertragung bisher von ihm wahrgenommener Aufgaben nach dem SGB IX auf kommunale Träger – der bisherige Arbeitsplatz der Klägerin beim Amt für Familie und Soziales in D weggefallen ist (vgl. Teil 10 SächsVwNG vom 29. Januar 2008 iVm. § 15a Abs. 1 Sächsisches Gesetz zur Ausführung des Sozialgesetzbuches [SächsAGSGB], SächsGVBl. S. 175).
8 AZR 858/09 > Rn 27
8 AZR 858/09 > Rn 28
8 AZR 858/09 > Rn 29
8 AZR 858/09 > Rn 30
Zu diesen Regelungen heißt es in der Begründung der Sächsischen Staatsregierung zum Gesetz zur Neuordnung der Sächsischen Verwaltung (Sächsisches Verwaltungsneuordnungsgesetz – SächsVwNG, Drucks. 4/8810 S. 185): „Absatz 5 regelt den Kündigungsschutz der vom Freistaat Sachsen auf die kommunalen Körperschaften übergehenden Arbeitnehmer und Auszubildenden. Kündigungen wegen des gesetzlichen Aufgabenübergangs sollen entsprechend der Regelung des § 613a Abs. 4 BGB generell ausgeschlossen werden. Darüber hinaus sollen für übergegangene Arbeitsverhältnisse ordentliche betriebsbedingte Kündigungen und ordentliche betriebsbedingte Änderungskündigungen für die Dauer von drei Jahren ausgeschlossen sein.“
8 AZR 858/09 > Rn 31
8 AZR 858/09 > Rn 32
8 AZR 858/09 > Rn 33
Daraus folgt, dass in Fällen, in denen nach erfolgtem Betriebsübergang oder Betriebsteilübergang der bisherige Arbeitsplatz des Arbeitnehmers weggefallen ist, der alte Arbeitgeber dem Arbeitnehmer grundsätzlich betriebsbedingt kündigen darf, wenn dieser dem Übergang seines Arbeitsverhältnisses gemäß § 613a Abs. 6 Satz 1 BGB widersprochen hat und eine Weiterbeschäftigung des Arbeitnehmers beim bisherigen Arbeitgeber nicht mehr möglich ist (allg. Meinung, vgl. BAG 29. März 2007 – 8 AZR 538/06 – AP BGB § 613a Widerspruch Nr. 4 = EzA BGB 2002 § 626 Unkündbarkeit Nr. 14; 15. August 2002 – 2 AZR 195/01 – BAGE 102, 197 = AP BGB § 613a Nr. 241 = EzA KSchG § 1 Betriebsbedingte Kündigung Nr. 123; ErfK/Preis 12. Aufl. § 613a BGB Rn. 106; DFL/Bayreuther 4. Aufl. § 613a BGB Rn. 150; APS/Steffan 4. Aufl. § 613a BGB Rn. 225).
8 AZR 858/09 > Rn 34
8 AZR 858/09 > Rn 35
8 AZR 858/09 > Rn 36
8 AZR 858/09 > Rn 37
Dass auch der Beklagte davon ausgeht, dass es aufgrund der Weigerung des Arbeitnehmers, der Übergabeverfügung nachzukommen, zu einem „Scheitern“ des Übergangs des Arbeitsverhältnisses auf die kommunale Körperschaft kommen kann, zeigt § 2 Abs. 3 Satz 3 SächsPÜG. Aus dieser Norm ergibt sich, dass nach dem Willen des Beklagten, in seiner Doppelfunktion als Gesetzgeber und Arbeitgeber, der vom Aufgabenübergang betroffene Arbeitnehmer die Übergabeverfügung mittels Widerspruchs und Anfechtungsklage vor dem Verwaltungsgericht angreifen kann. Auch in der Gesetzesbegründung zu § 2 Abs. 3 SächsPÜG (Drucks. 4/8810 S. 183) heißt es: „… Gegen die Übergabeverfügung kann der Arbeitnehmer und Auszubildende Widerspruch und Anfechtungsklage nach den Vorschriften der Verwaltungsgerichtsordnung erheben, die ohne die in Satz 3 aufgenommene Regelung aufschiebende Wirkung hätten. Deshalb ist der Ausschluss der aufschiebenden Wirkung erforderlich, da bis zu einer rechtskräftigen Entscheidung im Einzelfall mehrere Jahre vergehen können. In der Zeit des Schwebezustandes muss es dennoch der kommunalen Körperschaft möglich sein, ordnungsgemäß die ihr durch den Gesetzgeber übertragenen Aufgaben zu erfüllen.“
8 AZR 858/09 > Rn 38
8 AZR 858/09 > Rn 39
Wäre dies der Fall, so hätte der Beklagte aufgrund der in § 2 Abs. 5 Satz 2 SächsPÜG getroffenen Regelung gegenüber seinen Beschäftigten zumindest tatsächlich zum Ausdruck gebracht, dass er wegen Übertragung von staatlichen Aufgaben auf kommunale Körperschaften keine betriebsbedingten Kündigungen für die Dauer von drei Jahren ab dem Zeitpunkt des Aufgabenübergangs aussprechen werde. Eine solche Erklärung beinhaltet die Konkretisierung des kündigungsschutzrechtlichen „Ultima-Ratio-Grundsatzes“ und führt zu einer Selbstbindung des Beklagten in seiner Eigenschaft als Arbeitgeber (vgl. BAG 18. Oktober 2006 – 2 AZR 434/05 – AP BetrVG 1972 § 92a Nr. 1 = EzA KSchG § 1 Betriebsbedingte Kündigung Nr. 151). Eine arbeitsvertraglich wirksame Selbstbindung kann auch bei öffentlichen Arbeitgebern eintreten (vgl. BAG 19. Februar 2003 – 7 AZR 67/02 – BAGE 105, 161 = AP GG Art. 33 Abs. 2 Nr. 58 = EzA BGB 2002 § 620 Nr. 2). Eine solche Selbstbindung gilt zugunsten eines Arbeitnehmers, der von einer Maßnahme betroffen wird, welche der Selbstbindung des Arbeitgebers widerspricht (vgl. BAG 13. März 2007 – 9 AZR 417/06 – NZA-RR 2007, 549). Dies wäre bei der Klägerin der Fall, weil ihr innerhalb von drei Jahren nach dem Übergang der von ihr bisher wahrgenommenen Aufgaben vom Beklagten auf den Landkreis G wegen dieses gesetzlichen Aufgabenübergangs eine Kündigung ausgesprochen worden ist.
8 AZR 858/09 > Rn 40
8 AZR 858/09 > Rn 41
NZA 2012, 1456
Übertragung staatlicher Aufgaben auf kommunale Körperschaften