Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Text=BauR%202006,%201736
Timestamp: 2019-07-24 01:46:50
Document Index: 234576914

Matched Legal Cases: ['BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 635', '§ 251', '§ 635', '§ 251', '§ 251', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 635', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 634', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 635', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 251', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH']

BGH, 29.06.2006 - VII ZR 86/05 - dejure.org
https://dejure.org/2006,1052
BGH, 29.06.2006 - VII ZR 86/05 (https://dejure.org/2006,1052)
BGH, Entscheidung vom 29.06.2006 - VII ZR 86/05 (https://dejure.org/2006,1052)
BGH, Entscheidung vom 29. Juni 2006 - VII ZR 86/05 (https://dejure.org/2006,1052)
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BGB § 635 a. F.; § 251 Abs. 2
Schadensersatz bei mangelhafter Errichtung eines Werkes; Folgen der Geltendmachung des so genannten großen Schadensersatzes bei Vorliegen eines fehlerhaften Werkes; Zurverfügungstellung des mangelhaft errichteten Werks und Geltendmachung des aus der Nichterfüllung des Vertrages entstandenen Schadens ; Verhältnismäßigkeit des Aufwands zur Herstellung des vertragsgerechten Zustandes ; Verlangen nach großem Schadensersatz nach der Errichtung eines Bauwerks; Auswirkung einer Benutzung des mangelhaften Werkes schon über eine längere Zeit; Möglichkeit der Verrechnung eines Anspruchs auf Ersatz von Nutzungsvorteilen mit dem Schadensersatzanspruch
Zum sogenannten großen Schadensersatzanspruch des Bestellers eines Bauwerks
BGB § 635 (a.F.) § 251 Abs. 2
Rechtsfolgen der Geltendmachung des sog. großen Schadensersatzanspruchs; Umfang des Schadens
Abwicklung und Folgen des großen Schadensersatzanspruchs
Lagerhalle für Kartoffeln zu niedrig gebaut - Kann der Landwirt vom Bauunternehmen Abriss und Neubau verlangen?
Kartoffelhalle zu klein: Was ist "großer Schadensersatz"? (IBR 2006, 545)
Großer Schadensersatz unverhältnismäßig? (IBR 2006, 546)
LG Hildesheim, 11.02.2003 - 3 O 478/99
OLG Celle, 10.03.2005 - 6 U 72/03
NJW 2006, 2912
MDR 2007, 146
NZBau 2006, 642
WM 2006, 1867
DB 2006, 2009
BauR 2006, 1736
ZfBR 2006, 668
Der Senat hat bereits entschieden, dass dieser Schadensberechnung in entsprechender Anwendung des § 251 Abs. 2 Satz 1 BGB der Einwand entgegengehalten werden kann, die Aufwendungen zur Mängelbeseitigung seien unverhältnismäßig (BGH, Urteil vom 26. Oktober 1972 - VII ZR 181/71, BGHZ 59, 365, 366; Urteil vom 27. März 2003 - VII ZR 443/01, BGHZ 154, 301, 305; Urteil vom 10. März 2005 - VII ZR 321/03, BauR 2005, 1014 = NZBau 2005, 390 = ZfBR 2005, 461; Urteil vom 29. Juni 2006 - VII ZR 86/05, BauR 2006, 1736, 1738 = NZBau 2006, 642 = ZfBR 2006, 668).
In einem solchen Fall würde es Treu und Glauben widersprechen, wenn der Besteller diese Aufwendungen dem Unternehmer anlasten könnte (BGH…, Urteil vom 26. Oktober 1972 - VII ZR 181/71, aaO;… Urteil vom 27. März 2003 - VII ZR 443/01, aaO;… Urteil vom 10. März 2005 - VII ZR 321/03, aaO; Urteil vom 29. Juni 2006 - VII ZR 86/05, aaO).
(1) Selbst bei unterstellter Unverhältnismäßigkeit der Nachbesserung im Sinne des § 635 Abs. 3 BGB ist nach der ständigen Rechtsprechung des BGH grundsätzlich davon auszugehen, dass der Besteller nicht auf den Minderwert verwiesen werden, sondern (stattdessen) dem Unternehmer die zur Mangelbeseitigung erforderlichen Kosten berechnen kann (BGH, Urt. v. 29.06.2006 - VII ZR 86/05, juris-Rn. 22;… BGH, Urt. v. 10.03.2005 - VII ZR 321/03, juris-Rn. 10 ff.;… BGH, Urt. v. 27.03.2003 - VII ZR 443/01, juris-Rn. 9 f.;… BGH, Urt. v. 26.10.1972 - VII ZR 181/71, juris-Rn. 3 ff.).
Hat der Besteller objektiv ein berechtigtes Interesse an dieser Leistung, so kann ihm regelmäßig nicht wegen hoher Kosten die Kompensation für die fehlende Vertragserfüllung verweigert werden (…zum Ganzen: BGH, Urt. v. 26.10.1972 - VII ZR 181/71, juris-Rn. 10 ff.;… BGH, Urt. v. 27.03.2003 - VII ZR 443/01, juris-Rn. 15; BGH, Urt. v. 29.06.2006 - VII ZR 86/05, juris-Rn. 16;… Genius in: jurisPK-BGB, 5. Aufl. 2010, § 634 BGB Rn. 41).
10.03.2005 - VII ZR 321/03, juris-Rn. 11; BGH, Urt. v. 29.06.2006 - VII ZR 86/05, juris-Rn. 16).
Danach werden Aufwendungen für eine Naturalherstellung dann nicht ersetzt, wenn und soweit diese unvernünftig sind und damit den Auftragnehmer - auch unter Berücksichtigung seines Verschuldens - nach Treu und Glauben nicht zuzumuten sind (vgl. BGH, Urteil vom 29.06.2006, VII ZR 86/05, BauR 2006, 1736).
Da der Kläger den Rohbau des Anbaus als mangelhafte Werkleistung - insoweit unstreitig - behalten will, da er den Rohbau trotz seiner schwerwiegenden Mängel gleichwohl weiterverwendet, mit entsprechenden Ausbauleistungen fertiggestellt und in Benutzung genommen hat, macht er hier den sog. kleinen Schadensersatz geltend, auch wenn sich sein Schadensersatzbegehren - abweichend von seinem tatsächlichen Verhalten - im Sinne des sog. großen Schadensersatzes darauf richtet, dass er die Mittel für die Errichtung eines einwandfreien Bauwerks durch einen Dritten sowie für Abriss/Entfernung des erheblich mangelhaften Bauwerks zur Verfügung gestellt haben will (vgl. BGH, Urteil vom 29.06.2006, VII ZR 86/05, BauR 2006, 1746;… Kniffka/Koeble, a.a.O., 6. Teil, Rn 169 ff./172 ff. mwN).
Insoweit kann auch dahinstehen, dass die Unverhältnismäßigkeit eines Schadensersatzbegehrens nicht schon deshalb bejaht werden kann, weil das das zu entfernende Bauwerk für den Auftragnehmer nicht - auch nicht teilweise - mehr verwertbar ist, sondern es im Regelfall darauf ankommt, ob der mit der Neuerrichtung herbeigeführte Erfolg den Aufwand rechtfertigt (vgl. BGH, Urteil vom 29.06.2006, VII ZR 86/05, BauR 2006, 1736 im Anschluss an BGH, Urteil vom 26.10.1972, VII ZR 181/71, BGHZ 59, 365;… Kniffka/Koeble, a.a.O., 6. Teil, Rn 42 a.E./172 mwN).
Denn die Feststellung der Unverhältnismäßigkeit ist ein komplexer Abwägungsvorgang, bei der der Umfang der Beeinträchtigung der Nutzung durch den Besteller nur einer von zahlreichen Gesichtspunkten ist (zu § 635 BGB a.F.: BGH NJW 2006, 2912, 2914 Rdnr. 19 sowie Rdnr. 24ff mwN, insb. NJW 1973, 138, 139f) , zu denen der Schuldner, hier also die Beklagte, vorzutragen hätte.
Sie können deshalb nicht wegen des Umstandes, dass die hier im Mittelpunkt stehenden architektonischen Gesichtspunkte im Wesentlichen optischer Natur sind, auf eine andere, für sie minderwertigere Ersatzlösung verwiesen werden, denn maßgeblich für den Umfang der Mangelbeseitigung ist das vertraglich geschuldete Werk (vgl. zum entsprechenden Schadensersatzanspruch BGH, Urteil vom 29. Juni 2006 - VII ZR 86/05 -, juris Rn. 20 ff.; BGH…, Urteil vom 27. März 2003 - VII ZR 443/01 -, juris Rn. 10 f.).
Maßgeblich für den Umfang der Mangelbeseitigung ist vielmehr das vertraglich geschuldete Werk (vgl. zum entsprechenden Schadensersatzanspruch BGH, Urteil vom 29. Juni 2006 - VII ZR 86/05 -, juris Rn. 22; BGH…, Urteil vom 27. März 2003 - VII ZR 443/01 -, juris Rn. 10 f.).
b) Die Geltendmachung des großen Schadensersatzes ist hier nicht schon in entsprechender Anwendung des § 251 Abs. 2 BGB ausgeschlossen, weil die Aufwendungen zur Mängelbeseitigung unverhältnismäßig wären (vgl. BGH BauR 2006, 1736).
Schließlich ist es dem Auftraggeber auch nicht verwehrt, etwaig trotz der vertragswidrigen und damit mangelhaften Werkleistung erhaltene wirtschaftliche Werte zu zerstören, um letztlich einen vertragsgemäßen Zustand erreichen zu können (vgl. BGH, Urt. v. 29.6.2006 - VII ZR 86/05, MDR 2007, 146 = BGHReport 2006, 1295 m. Anm. Schwenker = NJW 2006, 2912, insb. Rz. 19 f.).
OLG München, 09.06.2011 - 9 U 502/11
Baumängelhaftung bei VOB-Vertrag: Bemessung des Vermögensschadens des …
Ein solches Interesse ist vor allem dann anzunehmen, wenn die Funktionsfähigkeit des Werks spürbar beeinträchtigt ist (BGH NJW 2006, 2912, 2915).