Source: https://www.rechtslupe.de/steuerrecht/ust/vorsteuerabzug-einer-geschaeftsfuehrenden-holding-3106647
Timestamp: 2020-01-25 05:53:13
Document Index: 125194576

Matched Legal Cases: ['Art. 17', 'Art. 17', 'Art. 15', 'Art. 169', 'Art. 148', 'EuG', 'Art. 17', 'EuG', 'Art. 4', 'Art. 2', 'Art. 17', 'EuG', 'Art. 17', 'EuG', 'EuG', 'EuG', 'EuG']

Vor­steu­er­ab­zug einer geschäfts­füh­ren­den Hol­ding | Rechtslupe
Einer geschäfts­lei­ten­den Hol­ding, die an der Ver­wal­tung einer Toch­ter­ge­sell­schaft teil­nimmt und inso­weit eine wirt­schaft­li­che Tätig­keit aus­übt, steht für Vor­steu­er­be­trä­ge, die im Zusam­men­hang mit dem Erwerb von Betei­li­gun­gen an die­ser Toch­ter­ge­sell­schaft ste­hen, grund­sätz­lich der vol­le Vor­steu­er­ab­zug zu.
Im hier vom Bun­des­fi­nanz­hof ent­schie­de­nen Streit­fall erbrach­te eine Hol­ding­ge­sell­schaft an ihre Toch­ter-Per­so­nen­ge­sell­schaf­ten in der Rechts­form der GmbH & Co. KG ent­gelt­li­che admi­nis­tra­ti­ve und kauf­män­ni­sche Dienst­leis­tun­gen. Dane­ben leg­te sie u.a. Kapi­tal ver­zins­lich bei einer Bank an. Zur Finan­zie­rung ihrer Geschäfts­tä­tig­keit und des Erwerbs der Antei­le an den Toch­ter­ge­sell­schaf­ten bezog die Hol­ding ihrer­seits Dienst­leis­tun­gen von ande­ren Unter­neh­men (wie z.B. die Erstel­lung eines Aus­ga­be­pro­spekts und Rechts­be­ra­tungs­leis­tun­gen). Die Hol­ding begehr­te für die auf die Dienst­leis­tun­gen ent­fal­len­de Umsatz­steu­er den vol­len Vor­steu­er­ab­zug.
Der Bun­des­fi­nanz­hof hat im Anschluss an das u.a. auf sein Vor­ab­ent­schei­dungs­er­su­chen in die­sem Fall ergan­ge­ne Urteil "Laren­tia + Miner­va und Mare­na­ve Schif­fahrt" des Gerichts­hofs der Euro­päi­schen Uni­on 1 ent­schie­den, dass der Hol­ding für Vor­steu­er­be­trä­ge, die im Zusam­men­hang mit dem Erwerb von Betei­li­gun­gen an die­ser Toch­ter­ge­sell­schaft ste­hen, grund­sätz­lich der vol­le Vor­steu­er­ab­zug zusteht.
Einer geschäfts­lei­ten­den Hol­ding steht der Vor­steu­er­ab­zug für die bezo­ge­nen Ein­gangs­leis­tun­gen dem Grun­de nach zu.
Die­se Vor­schrif­ten beruh­ten im Streit­jahr auf Art. 17 Abs. 2 Buchst. a der Richt­li­nie 77/​388/​EWG, wonach der Steu­er­pflich­ti­ge (Unter­neh­mer), der Gegen­stän­de und Dienst­leis­tun­gen für Zwe­cke sei­ner besteu­er­ten Umsät­ze ver­wen­det, befugt ist, die im Inland geschul­de­te oder ent­rich­te­te Mehr­wert­steu­er für Gegen­stän­de und Dienst­leis­tun­gen, die ihm von einem ande­ren Steu­er­pflich­ti­gen gelie­fert wur­den oder gelie­fert wer­den bzw. erbracht wur­den oder erbracht wer­den, von der von ihm geschul­de­ten Steu­er abzu­zie­hen. Bei Umsät­zen für die See­schiff­fahrt sind Art. 17 Abs. 3 Buchst. b i.V.m. Art. 15 Nr. 5 der Richt­li­nie 77/​388/​EWG zu beach­ten (jetzt: Art. 169 Buchst. b i.V.m. Art. 148 Buchst. c der Richt­li­nie 2006/​112/​EG des Rates vom 28.11.2006 über das gemein­sa­me Mehr­wert­steu­er­sys­tem ‑MwSt­Sys­tRL-).
Dazu hat der EuGH in sei­nem Urteil Laren­tia + Miner­va 2 ent­schie­den, dass Art. 17 Abs. 2 und 5 der Sechs­ten Umsatz­steu­er-Richt­li­nie 77/​388/​EWG wie folgt aus­zu­le­gen ist:
Der EuGH hat dies im Wesent­li­chen damit begrün­det, dass Ein­grif­fe einer Hol­ding­ge­sell­schaft in die Ver­wal­tung von Gesell­schaf­ten, an denen sie Betei­li­gun­gen erwor­ben hat, eine wirt­schaft­li­che Tätig­keit im Sin­ne von Art. 4 Abs. 2 der Sechs­ten Richt­li­nie sind, wenn sie die Durch­füh­rung von Trans­ak­tio­nen ein­schlie­ßen, die gemäß Art. 2 der Richt­li­nie der Mehr­wert­steu­er unter­lie­gen, wie etwa das Erbrin­gen von admi­nis­tra­ti­ven, finan­zi­el­len, kauf­män­ni­schen und tech­ni­schen Dienst­leis­tun­gen der Hol­ding­ge­sell­schaft an ihre Toch­ter­ge­sell­schaf­ten 3. Daher sind die Kos­ten, die im Zusam­men­hang mit dem Erwerb von Betei­li­gun­gen an ihren Toch­ter­ge­sell­schaf­ten von einer Hol­ding­ge­sell­schaft getra­gen wer­den, die an deren Ver­wal­tung teil­nimmt und – wie oben in Rn. 21 des vor­lie­gen­den Urteils aus­ge­führt wor­den ist – inso­weit eine wirt­schaft­li­che Tätig­keit aus­übt, als der wirt­schaft­li­chen Tätig­keit die­ser Gesell­schaft zuge­ord­net anzu­se­hen. Folg­lich eröff­net die für die­se Kos­ten bezahl­te Mehr­wert­steu­er gemäß Art. 17 Abs. 2 der Sechs­ten Richt­li­nie ein Recht auf voll­stän­di­gen Vor­steu­er­ab­zug.
Bezo­gen auf den Streit­fall hat der EuGH aus­ge­führt, dass in den Aus­gangs­ver­fah­ren die Hol­ding­ge­sell­schaf­ten auf­grund der wirt­schaft­li­chen Tätig­keit mehr­wert­steu­er­pflich­tig sind, die aus den Leis­tun­gen besteht, die sie an alle ihre Toch­ter­ge­sell­schaf­ten gegen Ent­gelt erbrin­gen. Daher müss­te die für die Kos­ten des Erwerbs die­ser Leis­tun­gen gezahl­te Mehr­wert­steu­er voll­stän­dig abge­zo­gen wer­den, es sei denn, dass nach­ge­la­ger­te Umsät­ze gemäß der Sechs­ten Richt­li­nie mehr­wert­steu­er­frei sind. Im letz­te­ren Fall dürf­te das Abzugs­recht nur nach den in Art. 17 Abs. 5 der Richt­li­nie vor­ge­se­he­nen Moda­li­tä­ten vor­ge­nom­men wer­den. Somit könn­te nur in dem Fall, dass fest­ge­stellt wür­de, dass die Betei­li­gun­gen, die sich aus den Kapi­tal­trans­ak­tio­nen der Hol­ding­ge­sell­schaf­ten der Aus­gangs­ver­fah­ren erge­ben haben, zum Teil ande­ren Toch­ter­ge­sell­schaf­ten zuge­ord­net wor­den sind, an deren Ver­wal­tung sie nicht teil­ge­nom­men haben, die für die Kos­ten die­ser Trans­ak­tio­nen gezahl­te Mehr­wert­steu­er nur antei­lig abge­zo­gen wer­den, wie in der ers­ten Fra­ge des vor­le­gen­den Gerichts in Betracht gezo­gen wird. Denn in die­sem Fall könn­te das blo­ße Hal­ten ihrer Antei­le an die­sen Toch­ter­ge­sell­schaf­ten nicht als eine wirt­schaft­li­che Tätig­keit die­ser Hol­ding­ge­sell­schaf­ten ange­se­hen wer­den, und die Vor­steu­er wäre in die Mehr­wert­steu­er auf­zu­tei­len, die zu den wirt­schaft­li­chen Tätig­kei­ten der Hol­ding­ge­sell­schaf­ten gehört, und in die, die zu ihren nicht­wirt­schaft­li­chen Tätig­kei­ten gehört.
Aus­ge­hend davon ist nach den vom EuGH auf­ge­stell­ten Grund­sät­zen das Hal­ten der Antei­le an den Toch­ter-KGs Teil der wirt­schaft­li­chen Tätig­keit der Hol­ding.
Die Hol­ding ist nach Auf­fas­sung des Bun­des­fi­nanz­hofs 4 und des Uni­ons­ge­richts­hofs 5 Unter­neh­me­rin, deren Tätig­keit dar­in besteht, dass sie an alle ihre Toch­ter­ge­sell­schaf­ten gegen Ent­gelt Geschäfts­füh­rungs­leis­tun­gen erbringt.
Soweit das Finanz­amt und der Bun­des­fi­nanz­hof in sei­nem Vor­la­ge­be­schluss 6 gleich­wohl eine nur teil­wei­se Gewäh­rung des Vor­steu­er­ab­zugs für mög­lich gehal­ten haben, wider­spricht dies dem Urteil Laren­tia + Miner­va des Uni­ons­ge­richts­hofs 2.
Zwar trifft die Auf­fas­sung des Finanz­amt, der Vor­steu­er­ab­zug kön­ne zur Ver­mei­dung einer miss­bräuch­li­chen Pra­xis ver­sagt wer­den, grund­sätz­lich zu 7. Aller­dings liegt nach den Fest­stel­lun­gen des Finanz­ge­richts hier kei­ne miss­bräuch­li­che Pra­xis vor.
Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 19. Janu­ar 2016 – XI R 38/​12
Vor­steu­er­ab­zug einer geschäfts­lei­ten­den Hol­ding – und die… Einer geschäfts­lei­ten­den Hol­ding, die an der Ver­wal­tung einer Toch­ter­ge­sell­schaft teil­nimmt und inso­weit eine wirt­schaft­li­che Tätig­keit aus­übt, steht für Vor­steu­er­be­trä­ge, die im Zusam­men­hang mit dem Erwerb…
EuGH, Urteil vom 18.07.2015 – C‑108/​14 und – C‑109/​14, Laren­tia + Miner­va und Mare­na­ve Schif­fahrt, EU:C:2015:496[↩]
EuGH, EU:C:2015:496, HFR 2015, 901[↩][↩]
vgl. u. a. EuGH, Urtei­le Cibo Par­ti­ci­pa­ti­ons, – C‑16/​00, EU:C:2001:495, Rn. 22; und Por­tu­gal Telecom, – C‑496/​11, EU:C:2012:557, Rn. 34[↩]
BFH, Beschluss in BFHE 244, 94, BSt­Bl II 2014, 428, Rz 38[↩]
BFHE 244, 94, BSt­Bl II 2014, 428[↩]