Source: http://www.steine-und-erden.net/se399/unfall98.htm
Timestamp: 2018-01-18 09:42:34
Document Index: 21602731

Matched Legal Cases: ['§ 193', '§ 8', '§ 9', '§ 2', '§ 9', '§ 4']

Die Industrie der Steine + Erden, Ausgabe 3/99: Unfälle und Berufskrankheiten 1998
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Unfälle und Berufskrankheiten 1998:
Die jährliche Statistik über das Unfall- und Berufskrankheitengeschehen in den Mitgliedsunternehmen der Steinbruchs-Berufsgenossenschaft weist aus, ob die gemeinsamen Anstrengungen für Prävention Erfolg gezeigt haben.Mit Hilfe dieser Statistik können einerseits Schwerpunkte des Unfall- und Berufskrankheitengeschehens im Berichtsjahr aufgezeigt und andererseits durch einen Vergleich mit den Vorjahren Entwicklungstendenzen verdeutlicht werden. Entsprechend den Bestimmungen des Einigungsvertrages hat die Steinbruchs-Berufsgenossenschaft ihre Zuständigkeit seit dem 01.01.1991 auf die neuen Bundesländer ausgedehnt. Es bietet sich daher an, diesen Zeitraum in die Betrachtung des Unfall- und Berufskrankheitengeschehens einzubeziehen.
Geleistete Arbeitsstunden erstmalig wieder angestiegen
Abb. 1: Mitgliedsunternehmen und Versicherte
Die Entwicklung der Mitgliederzahlen in den letzten acht Jahren sowie die Zahlen der Versicherten, Vollarbeiter und geleisteten Arbeitsstunden sind in Abbildung 1 dargestellt. Im Jahre 1998 waren 6.361 Unternehmen im Zuständigkeitsbereich der Steinbruchs-Berufsgenossenschaft zu verzeichnen; dies ist ein Rückgang um 1,23 % gegenüber dem Vorjahr.Die Zahl der Versicherten wird aus der Zahl der Versicherungsverhältnisse errechnet, wobei eine Bereinigung für Mehrfachversicherungen derselben Person erfolgt; somit wird die Zahl der versicherten Personen ermittelt, die tatsächlich dem Schutz der Unfallversicherung in den Mitgliedsunternehmen unterliegen. Für das Jahr 1998 ergibt sich eine Zahl von 201.022; sie liegt 1,05 % niedriger als im Vorjahr.Die Zahl der Vollarbeiter ist eine statistische Größe, die zur Berechnung von Unfallhäufigkeiten verwendet wird. Ein Vollarbeiter entspricht der durchschnittlich von einer vollbeschäftigten Person in der gewerblichen Wirtschaft tatsächlich geleisteten - nicht der tariflichen - Arbeitsstundenzahl. Der Vollarbeiter-Richtwert berücksichtigt die kalendarischen Arbeitstage, die durchschnittlichen Urlaubs- und Krankheitstage sowie die bezahlten Wochenstunden und wird seit 1968 jährlich aktualisiert. Für 1998 wird von allen Berufsgenossenschaften einheitlich ein Vollarbeiter-Richtwert von 1.550 Stunden zugrunde gelegt; im Vorjahr betrug diese Zahl noch 1.530. Zum Beispiel zählen zwei Halbtagskräfte, die jeweils die Hälfte dieser Stunden gearbeitet haben, statistisch als ein Vollarbeiter. Diese Größe eignet sich gut als Bezugszahl für die Berechnung von Arbeitsunfall-Häufigkeiten, weil sie die durchschnittliche Expositionszeit eines Vollbeschäftigten gegenüber der Gefahr, einen Arbeitsunfall zu erleiden, widerspiegelt. Für 1998 beträgt die Zahl der Vollarbeiter 183.334; dies entspricht einer Reduzierung um 0,66 % gegenüber dem Vorjahr.Die Arbeitsunfälle werden neben der Vollarbeiterzahl auch zur Arbeitszeit in Beziehung gesetzt, da die Unfallwahrscheinlichkeit zur Arbeitszeit direkt proportional ist. Die Häufigkeit der Arbeitsunfälle je 1 Mio. geleisteter Arbeitsstunden ist eine solche Größe. Der Nachteil, der sich durch die veränderten Richtwerte bei den Vollarbeitern ergibt, liegt bei den geleisteten Arbeitsstunden nicht vor, so daß auch frühere Jahre in einen Vergleich einbezogen werden können. Im Berichtsjahr wurden 284.167.383 Arbeitsstunden geleistet. Hier zeigt sich erstmalig wieder seit 1994 ein Anstieg, wenn auch nur um 0,64 %.
Neue Arbeits- und Wegeunfallrenten auf historischem Tiefstand
Als meldepflichtige Unfälle werden die Unfallanzeigen nach § 193 SGB VII gezählt. Danach sind Unternehmen verpflichtet, binnen drei Tagen Unfälle von Versicherten anzuzeigen, die eine Arbeitsunfähigkeit von mehr als drei Tagen oder den Tod zur Folge haben. Die 3-Tage-Frist beginnt am Tag nach dem Unfall und umfaßt alle Kalendertage, also auch Samstage, Sonn- und Feiertage. Bei nachträglich eintretender Arbeitsunfähigkeit - z. B. bei Verschlimmerung - beginnt sie am Tag nach Eintritt der Arbeitsunfähigkeit.Sind diese Voraussetzungen erfüllt, so werden auch Anzeigen von Verletzten, Durchgangsarztberichte sowie durch Krankenkassen angezeigte Fälle gezählt. Das gleiche gilt für Wegeunfälle; das sind Unfälle auf dem Weg zum oder vom Ort einer versicherten Tätigkeit, die nach § 8 Abs. 2 Nr. 1 bis 4 SGB VII den Arbeitsunfällen gleichgestellt sind. Verläuft ein Arbeits- oder Wegeunfall tödlich oder hat er so schwere Folgen, daß es zu einer Entschädigung in Form einer Rente oder Abfindung kommt, so wird dieser zusätzlich als "neue Unfallrente" ausgewiesen. Voraussetzung für eine solche Entschädigung ist, daß der Unfall allein oder zusammen mit einem früheren Arbeitsunfall für einen gesetzlich festgelegten Mindestzeitraum zu einer Minderung der Erwerbsfähigkeit von mindestens 20 % geführt hat. Derartige Fälle wurden in früheren Jahren als "erstmalig entschädigte Unfälle" bezeichnet. Von dieser Terminologie wurde - erstmals 1994 - abgewichen, weil sie häufig zu Mißverständnissen führte. Über die Zahlung von Renten hinaus gehören zu den "Entschädigungsleistungen der gesetzlichen Unfallversicherung" auch die Bar- und Sachleistungen für medizinische, berufliche und/oder soziale Rehabilitation, die die Berufsgenossenschaften für eine wesentlich größere Zahl von Personen, nämlich für praktisch jeden Versicherungsfall, erbringen. Eine Übersicht der anzeigepflichtigen und nicht anzeigepflichtigen sowie der tödlichen Unfälle und der neuen Arbeitsunfallrenten der letzten Jahre vermittelt Abbildung 2. Demnach ergeben sich mit Ausnahme der anzeigepflichtigen Arbeitsunfälle und der tödlichen Wegeunfälle in allen Bereichen Rückgänge. Besonders positiv ist die starke Reduzierung bei den tödlichen Arbeitsunfällen von 24 in 1997 auf 17 in 1998 und die deutliche Minderung bei den neuen Arbeitsunfallrenten (9,21 %) sowie den Wegeunfallrenten (20,69 %) zu bewerten. Mit der Zahl 355 hat die Steinbruchs-Berufsgenossenschaft erneut einen historischen Tiefstand in ihrer Geschichte bei den neuen Arbeitsunfallrenten, also den schweren Arbeitsunfällen, erreicht.
Anzeigepflichtige Arbeitsunfälle leicht gestiegen, nicht anzeigepflichtige gefallen
Abb. 2: Arbeits- und Wegeunfälle von 1991 bis 1998
(Erst ab 1994 werden die tödlichen Arbeits- und Wegeunfälle ausgewiesen)
Im Jahr 1998 ereigneten sich 14.355 anzeigepflichtige Arbeitsunfälle und 9.618 nicht anzeigepflichtige Arbeitsunfälle (Abb. 2). Somit ergibt sich für die anzeigepflichtigen Arbeitsunfälle eine leichte Steigerung um 0,26 %, während sich bei den nicht anzeigepflichtigen Fällen ein Rückgang um 2,86 % einstellte.
Abb. 3: Anzeigepflichtige Arbeitsunfälle pro
1000 Vollarbeiter in den Jahren 1991 bis 1998
Die anzeigepflichtigen Arbeitsunfälle bezogen auf 1000 Vollarbeiter (Abb. 3) haben sich entsprechend der Entwicklung bei den absoluten Zahlen - von 1997 nach 1998 - um 0,93 % erhöht. Werden alle gemeldeten Arbeitsunfälle, d. h. die anzeigepflichtigen und nicht anzeigepflichtigen zusammengefaßt, so ergibt sich die Zahl 23.973 für 1998; dies entspricht einer Verminderung gegenüber dem Vorjahr um 1,05 %.
Starker Rückgang tödlicher Arbeitsunfälle
Beginnend mit dem Berichtsjahr 1994 werden die früher als "erstmals entschädigte tödliche Unfälle" bezeichneten Fälle nicht mehr ausgewiesen. Die statt dessen eingeführte Position enthält die tödlichen Arbeits- und Wegeunfälle. Dabei sind sämtliche registrierten Todesfälle im Berichtsjahr, bei denen der Tod innerhalb von 30 Tagen nach dem Unfall eingetreten ist, zu zählen. Bei dieser 30-Tage-Frist wird - analog zur 3-Tage-Frist bei den meldepflichtigen Unfällen - der Unfalltag nicht mitgezählt. D. h. ein Arbeitsunfall, den ein Versicherter z. B. am 01. Juli erlitten hat und an dessen Folgen er am 31. Juli gestorben ist, gilt noch als Todesfall im Sinne dieser Regelung. Für 1998 ergibt sich eine erfreuliche Reduzierung der tödlichen Arbeitsunfälle auf die Zahl 17 (im Vorjahr 24) (Abb. 2). Am häufigsten traten 1998 tödliche Arbeitsunfälle auf Baustellen und in der Gewinnung und Aufbereitung von Naturstein ein; von fünf Fällen auf Baustellen ereigneten sich zwei durch Berühren von Hochspannungsleitungen mit Betonpumpenfahrzeugen. In der Gewinnung und Aufbereitung von Naturstein ereigneten sich hauptsächlich tödliche Abstürze.
Neue Arbeitsunfallrenten deutlich gefallen
Mit dem Jahr 1994 wurde der Begriff "neue Arbeitsunfallrenten" eingeführt und damit die bisherigen "erstmals entschädigten Arbeitsunfälle" ersetzt. Inhaltlich ist damit jedoch keine Veränderung verbunden. Im Vergleich zu 1997 ist die absolute Zahl der neuen Arbeitsunfallrenten um 9,21 % auf die Zahl 355 gesunken (vgl. Abb. 2). Auch bei den neuen Arbeitsunfallrenten bezogen auf 1.000 Vollarbeiter hat sich ein Rückgang um 8,49 % ergeben (vgl. Abb. 4).
Abb. 4: Neue Arbeitsunfallrenten pro 1000 Vollarbeiter
in den Jahren 1991 bis 1998
Als Schwerpunkte des Unfallgeschehens bzgl. der "Arbeitsbereiche" haben sich eindeutig "Beton- und Fertigteile" herausgestellt, die immerhin die Rentenzahl von 72 erreichten. Bezüglich des "unfallauslösenden Gegenstandes" traten am häufigsten Unfallereignisse auf Verkehrswegen ein, d. h. Fußböden, Gehwegen, Plätzen und dgl. sowie Leitern; 37 von 355 Fällen sind diesem Bereich zuzuordnen. Ein herausragender Unfallschwerpunkt ist erkennbar, wenn nach der "Tätigkeit des Verletzten" aufgeschlüsselt wird. 143 Fälle traten im Bereich "Gehen, Laufen, Steigen" auf. Die Angaben beziehen sich sowohl auf Verkehrswege als auch auf Fahrzeuge und Anlagen im weitesten Sinne. Aufgrund dieses Schwerpunktes hat die Steinbruchs-Berufsgenossenschaft eine Aktion eingeleitet, beginnend mit dem Leitartikel des Jahresberichts 1997 des Geschäftsbereiches Prävention, welcher sich mit diesem Thema befaßt.
Angezeigte Wegeunfälle deutlich zurückgegangen
Abb. 5: Anzeigepflichtige Wegeunfälle pro
1998 wurden 1.003 anzeigepflichtige Wegeunfälle gemeldet (Abb. 2). Dies entspricht einer Verminderung gegenüber dem Vorjahr um 2,34 %. Die meldepflichtigen Wegeunfälle pro 1.000 Vollarbeiter sind im Berichtsjahr gegenüber dem Vorjahr um 1,62 % gefallen (Abb. 5).
Zwei tödliche Wegeunfälle mehr
Die Zahl der tödlichen Wegeunfälle ist 1998 (9 Fälle) gegenüber dem Vorjahr (7 Fälle) leider angestiegen. Da jedoch die absolute Zahl dieser Fälle sehr gering ist, lassen sich aus diesem Ergebnis keine statistisch nachweisbaren Veränderungen ableiten.
Deutliche Minderung der neuen Wegeunfallrenten
Im Berichtsjahr wurden 46 Fälle ausgewiesen; dies sind 20,69 % weniger als im Vorjahr (Abb. 2), bezogen auf 1000 Vollarbeiter ergibt sich für die neuen Wegeunfallrenten die Zahl 0,25 (Abb. 6).
Abb. 6: Neue Wegeunfallrenten pro 1000 Vollarbeiter
Abb. 7: Anzeigen auf Verdacht einer
Berufskrankheit von 1991 bis 1998
Verdachtsanzeigen weiter rückläufig
Berufskrankheiten sind nach § 9 Abs. 1 SGB VII diejenigen Krankheiten, die die Bundesregierung durch Rechtsverordnung mit Zustimmung des Bundesrates als Berufskrankheiten bezeichnet und die Versicherte infolge einer den Versicherungsschutz nach § 2, 3 oder 6 SGB VII begründenden Tätigkeit erleiden. In dieser Liste können ausschließlich Erkrankungen durch besondere gefährdende Einwirkungen aufgenommen werden, denen bestimmte Personengruppen durch ihre versicherte Tätigkeit in erheblich höherem Grade als die übrige Bevölkerung ausgesetzt sind. Darüber hinaus ermöglicht § 9 Abs. 2 SGB VII im Einzelfall die Anerkennung und Entschädigung einer nicht in der Liste aufgeführten Krankheit, wenn nach neuen medizinisch-wissenschaftlichen Erkenntnissen die sonstigen Voraussetzungen des Absatzes 1 erfüllt sind.Damit eine Erkrankung als Berufskrankheit anerkannt werden kann, muß die versicherte Tätigkeit die Ursache für die schädigende Einwirkung sein (haftungsbegründende Kausalität), die Einwirkung wiederum muß ursächlich für die Erkrankung sein (haftungsausfüllende Kausalität). Bei einigen Krankheiten müssen zusätzlich - neben diesem Kausalzusammenhang und den jeweiligen medizinischen Merkmalen - besondere versicherungsrechtliche Voraussetzungen erfüllt sein. Die Anzeigepflicht für Ärzte besteht bei begründetem Verdacht auf das Vorliegen einer Berufskrankheit; für Unternehmer besteht eine Meldepflicht gemäß § 4 BKV. Es können jedoch auch Versicherte, Krankenkassen oder andere Stellen den Verdacht auf das Vorliegen einer Berufskrankheit anzeigen. Im Jahre 1998 ist die Zahl der Anzeigen auf Verdacht einer Berufskrankheit um 27 Fälle gesunken. Schwerpunkte der Reduzierungen sind BK 2108/2109 und BK 4101. Allerdings sind bei der BK 2301 Zuwächse zu verzeichnen (Abb. 8).
Abb. 8: Neue Berufskrankheitsrenten
Neue Berufskrankheitenrenten leicht erhöht
Anerkannte Berufskrankheiten sind die, bei denen sich der durch die Berufskrankheitenanzeige geäußerte Verdacht auf das Vorliegen einer Berufskrankheit im Feststellungsverfahren bestätigt hat. Enthalten sind darin die "neuen Berufskrankheitenrenten", also diejenigen anerkannten Berufskrankheiten, für die aufgrund des Vorliegens bestimmter Voraussetzungen (z. B. Minderung der Erwerbsfähigkeit um mindestens 20 %) Verletztenrenten (bzw. Gesamtvergütung) oder Sterbegeld (bzw. Hinterbliebenenrente) erstmalig durch Verwaltungsakt festgelegt worden ist. Bei den anerkannten Berufskrankheiten ohne Rentenzahlung werden vielfach Leistungen in anderer Form erbracht, z. B. Heilbehandlung, Verletztengeld, Maßnahmen der beruflichen Rehabilitation oder Übergangsgeld.Die neuen Berufskrankheitenrenten haben sich 1998 gegenüber 1997 um drei Fälle erhöht, während im Vorjahr noch eine Reduzierung um 31 Fälle vorlag. Schwerpunkte der Steigerung liegen im Bereich BK 2301 und BK 4101 (Abb. 8).