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Timestamp: 2016-10-25 15:40:32
Document Index: 11016663

Matched Legal Cases: ['BGE', 'Art. 10', 'Art. 16', 'Art. 18', 'Art. 24', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE']

U 341/02 (01.09.2003)
U 341/02
P.________, 1974, Beschwerdef�hrer, vertreten durch Rechtsanwalt Dr. Roland Ilg, R�mistrasse 5, 8001 Z�rich,
P.________, geboren 1974, arbeitete seit Mai 1999 als Hilfsdachdecker f�r die Firma G.________ Bedachungen, und war bei der Schweizerischen Unfallversicherungsanstalt (SUVA) unfallversichert. Am 25. Juli 2000 blieb er beim Zuschneiden von Dachlatten mit der Kettens�ge im Ger�stnetz h�ngen und schnitt sich beim Zur�ckziehen in die linke Schulter; die gleichentags aufgesuchte Notfallstation des Spitals X.________ diagnostizierte eine Fr�senverletzung an der linken Schulter und versorgte die Wunde ambulant. Die SUVA zog diverse Arztberichte bei (unter anderem des Dr. med. R.________, Spezialarzt f�r Neurologie FMH, vom 4. September 2000) und veranlasste - vor allem zur Evaluation und Behandlung psychosomatischer St�rungen - vom 29. November 2000 bis zum 7. Februar 2001 einen Aufenthalt in der Klinik Y.________ (Austrittsbericht vom 9. M�rz 2001 mit psychosomatischem Konsilium vom 7. Dezember 2000). Im Weiteren erfolgten Physiotherapie sowie - nach dem Ende des Aufenthaltes in der Klinik Y.________ - Behandlungen durch das Psychiatrie-Zentrum Z.________. Wie mit Schreiben vom 7. September 2001 angek�ndigt, stellte die SUVA mit Verf�gung vom 5. November 2001 ihre Heilkosten- und Taggeldleistungen per Ende Oktober 2001 ein und verneinte den Anspruch auf Invalidenrente sowie Integrit�tsentsch�digung, da die psychischen Beschwerden nicht ad�quat kausale Unfallfolgen seien. Die Verf�gung von November 2001 wurde mit Einspracheentscheid vom 22. Februar 2002 best�tigt.
Mit Verf�gung vom 4. Juli 2002 sprach die IV-Stelle des Kantons Z�rich P.________ mit Wirkung ab dem 1. Juli 2001 bei einem Invalidit�tsgrad von 100% eine ganze Rente der Invalidenversicherung zu.
Die gegen den Einspracheentscheid der SUVA erhobene Beschwerde wies das Sozialversicherungsgericht des Kantons Z�rich mit Entscheid vom 29. Oktober 2002 ab.
Unter Beilage eines �rztlichen Zeugnisses des Dr. med. S.________, Arzt f�r Allgemeine Medizin FMH, vom 18. November 2002 l�sst P.________ Verwaltungsgerichtsbeschwerde f�hren mit den Antr�gen, unter Aufhebung des vorinstanzlichen Entscheides und des Einspracheentscheides seien ein ausf�hrlicher Bericht eines unabh�ngigen Psychiaters sowie ein Gutachten eines unabh�ngigen Orthop�den oder Internisten einzuholen und es seien weiterhin Taggelder und Heilkosten zu gew�hren, eventualiter sei eine Invalidenrente aufgrund eines Invalidit�tsgrades von 100% und eine Integrit�tsentsch�digung aufgrund einer Integrit�tseinbusse von 80% auszurichten. Ferner l�sst P.________ die Gew�hrung der unentgeltlichen Verbeist�ndung beantragen.
Mit Schreiben vom 26. August 2003 l�sst P.________ das Gesuch um unentgeltliche Verbeist�ndung zur�ckziehen.
Am 1. Januar 2003 ist das Bundesgesetz �ber den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 in Kraft getreten. Mit ihm sind zahlreiche Bestimmungen im Unfallversicherungsbereich ge�ndert worden. Weil in zeitlicher Hinsicht grunds�tzlich diejenigen Rechtss�tze massgebend sind, die bei der Erf�llung des zu Rechtsfolgen f�hrenden Tatbestandes Geltung haben (BGE 127 V 467 Erw. 1), und weil ferner das Sozialversicherungsgericht bei der Beurteilung eines Falles grunds�tzlich auf den bis zum Zeitpunkt des Erlasses des streitigen Einspracheentscheides eingetretenen Sachverhalt abstellt (RKUV 2001 Nr. U 419 S. 101 Erw. 2; hier: 22. Februar 2002), sind im vorliegenden Fall die bis zum 31. Dezember 2002 geltenden Bestimmungen anwendbar.
Die Vorinstanz hat die Voraussetzungen des Anspruchs auf Heilbehandlung (Art. 10 UVG), Taggelder (Art. 16 UVG), Invalidenrente (Art. 18 UVG) und Integrit�tsentsch�digung (Art. 24 UVG) zutreffend dargelegt. Dasselbe gilt f�r die Rechtsprechung zu dem f�r die Leistungspflicht des Unfallversicherers vorausgesetzten nat�rlichen (BGE 119 V 337 Erw. 1, 118 V 289 Erw. 1b, 117 V 376 Erw. 3a mit Hinweisen) und ad�quaten Kausalzusammenhang (BGE 123 III 112 Erw. 3a, 123 V 103 Erw. 3d, 139 Erw. 3c, 122 V 416 Erw. 2a, je mit Hinweisen) zwischen dem Unfallereignis und dem eingetretenen Schaden (Krankheit, Invalidit�t, Tod), insbesondere auch zur Ad�quanzbeurteilung bei Unf�llen und der in der Folge eingetretenen psychischen Fehlentwicklung mit Einschr�nkung der Arbeits- und Erwerbsf�higkeit (BGE 115 V 133). Darauf wird verwiesen.
Streitig ist der Anspruch auf Heilbehandlung und Taggelder sowie eventualiter auf Invalidenrente und Integrit�tsentsch�digung; in dieser Hinsicht ist vor allem die Frage der ad�quaten Kausalit�t zwischen den psychischen Beschwerden und dem Unfall von Juli 2000 umstritten.
3.1 Das kantonale Gericht hat auf den Bericht der Klinik Y.________ vom 9. M�rz 2001 sowie denjenigen des SUVA-Arztes Dr. med. L.________ vom 15. August 2001 abgestellt und das Vorliegen somatischer Restbeschwerden verneint, w�hrend es die psychische Problematik nicht als ad�quat kausale Unfallfolge betrachtete. Der Beschwerdef�hrer geht demgegen�ber davon aus, er sei aus physischen und psychischen Gr�nden vollst�ndig arbeitsunf�hig und die Ad�quanz der psychischen Beschwerden zum Unfall von Juli 2000 sei zu bejahen.
3.2 Die Klinik Y.________ h�lt im Austrittsbericht vom 9. M�rz 2001 fest, dass w�hrend der ganzen Hospitalisation die psychische Problematik im Vordergrund gestanden habe und vor allem aus diesem Grund die Arbeitsf�higkeit auf 0% gesch�tzt werden m�sse, w�hrend der SUVA-Arzt Dr. med. L.________ in seinem Bericht vom 15. August 2001 davon ausgeht, dass der funktionelle Ausfall des linken Armes aufgrund der Unfallfolgen nicht erkl�rt werden k�nne. Diese beiden Berichte sind f�r die streitigen Belange umfassend, beruhen auf allseitigen Untersuchungen, ber�cksichtigen die geklagten Beschwerden und sind in Kenntnis der Vorakten abgegeben worden; zudem sind die Ausf�hrungen in der Beurteilung der medizinischen Zusammenh�nge sowie der medizinischen Situation einleuchtend und beinhalten begr�ndete Schlussfolgerungen (BGE 125 V 352 Erw. 3a). Sie stimmen im �brigen mit dem Bericht des Neurologen Dr. med. R.________ vom 4. September 2000 �berein, wonach die Bewegungseinschr�nkung des linken Armes nur durch eine Schmerzhemmung erkl�rbar sei. Damit ist davon auszugehen, dass keine somatischen Unfallrestfolgen mehr vorliegen. Weitere Abkl�rungen sind nicht n�tig.
3.3 Es steht fest und ist unbestritten, dass der Versicherte an einem psychischen Gesundheitsschaden leidet, welchen die Klinik Y.________ im Bericht vom 9. M�rz 2001 als angstbesetztes, schwer agitiertes Zustandsbild nach potentiell gef�hrlichem Unfallereignis mit Kettens�ge im Rahmen einer posttraumatischen Belastungsst�rung (ICD-10 F43.1) diagnostiziert hat. Die SUVA hat daf�r nur Leistungen zu erbringen, wenn ein ad�quater Kausalzusammenhang zum Unfall von Juli 2000 besteht.
Der Versicherte hat sich durch eine Kettens�ge eine zehn bis zw�lf Zentimeter lange, in der Folge unter Lokalan�sthesie ambulant behandelte Weichteilschnittverletzung an der linken Schulter zugef�gt; in Anbetracht dieser Umst�nde ist der Vorinstanz zuzustimmen, wenn sie den Unfall den mittelschweren Ereignissen zuordnet. Da sich bei Unf�llen im mittleren Bereich die ad�quate Kausalit�t nicht allein aufgrund des Unfalles schl�ssig beurteilen l�sst, sind gem�ss Rechtsprechung weitere objektiv erfassbare Kriterien heranzuziehen (BGE 115 V 140 Erw. 6c/aa): Da die Verletzung durch eine potentiell gef�hrliche Kettens�ge verursacht worden ist, wies der Unfall vom 25. Juli 2000 zwar eine gewisse Eindr�cklichkeit auf, jedoch kann nicht davon gesprochen werden, dass die Eindr�cklichkeit objektiv besonders ausgepr�gt ist (vgl. BGE 115 V 141 oben), auch wenn dies der Beschwerdef�hrer subjektiv anders empfunden haben mag; insbesondere ist zu ber�cksichtigen, dass nur (aber immerhin) eine Weichteilverletzung vorliegt, und damit die in der Verwaltungsgerichtsbeschwerde beschriebenen Knochenst�cke in der Wunde nicht sichtbar gewesen sein konnten. Der Versicherte wurde denn auch nicht besonders schwer oder gar lebensgef�hrlich verletzt und die erlittene Fr�senverletzung an der linken Schulter ist erfahrungsgem�ss nicht geeignet, psychische Fehlentwicklungen auszul�sen. Die Dauer der �rztlichen Behandlung, die geklagten Dauerschmerzen sowie der schwierige Heilungsverlauf basieren nicht auf einem somatischen Substrat (vgl. Erw. 3.2 hievor), sondern auf der relativ schnell stattgefundenen psychischen �berlagerung, die vom SUVA-Arzt Dr. med. L.________ schon im Oktober 2000 vermutet und vom Hausarzt Dr. med. S.________ zur gleichen Zeit als "mit Sicherheit" vorliegend erachtet wurde; damit fallen auch Grad und Dauer der physisch bedingten Arbeitsunf�higkeit kaum ins Gewicht. Im �brigen ist eine �rztliche Fehlbehandlung, die die Unfallfolgen erheblich verschlimmert h�tte, vorliegend nicht ersichtlich. Somit liegen die gem�ss Rechtsprechung bei einem mittleren Unfall notwendigen objektiven Kriterien weder geh�uft vor, noch ist eines davon besonders ausgepr�gt (BGE 115 V 140 Erw. 6c), weshalb der ad�quate Kausalzusammenhang zwischen dem Unfall von Juli 2000 und den geklagten psychischen Beschwerden zu verneinen ist. Dies hat zur Folge, dass der Unfall zwar unter Umst�nden eine nat�rlich kausale Teilursache der psychischen Beschwerden darstellt, ihm aber rechtlich nicht zugerechnet werden kann, weshalb sich auch die in der Verwaltungsgerichtsbeschwerde beantragten weiteren Abkl�rungen er�brigen.
Mangels ad�quatem Kausalzusammenhang hat der Beschwerdef�hrer daher keinen Anspruch auf Leistungen der Unfallversicherung; es kann auch nicht auf den Entscheid der Invalidenversicherung, die dem Versicherten gest�tzt auf einen Invalidit�tsgrad von 100% seit Juli 2001 eine ganze Rente ausrichtet, abgestellt werden, da diese - wegen ihrer Ausgestaltung als finale Versicherung (vgl. BGE 124 V 178 Erw. 3b mit Hinweisen) - nicht zwischen physischen und psychischen Komponenten unterscheidet.