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Timestamp: 2018-03-17 21:47:58
Document Index: 237982690

Matched Legal Cases: ['§ 96', '§ 100', '§ 81', '§ 85', '§ 85', '§ 85', '§ 85', '§ 85']

| 19.03.2013 10:57 |
Zusammenfassung: Rechtsmittel gegen eine Zwangsversteigerung.
Eine ETW von mir ist für €40.000 Versteigert worden, gekauft habe ich diese 2008 für €120.000 über die DB.
Der von Ihnen 2008 gezahlte Kaufpreis von 120.000 Euro ist für die rechtliche Beurteilung (leider) nicht maßgeblich.
Für die Überprüfung der Rechtmäßigkeit der Zwangsversteigerung kann lediglich die Differenz zwischen dem durch Gutachten ermittelten Wert (79.000 Euro) und der Zuschlagssumme (40.000 Euro) von Bedeutung sein.
Zulässiges Rechtsmittel gegen die Versteigerung einer Eigentumswohnung ist gemäß § 96 ff. ZVG (Gesetz über die Zwangsversteigerung und die Zwangsverwaltung) die sofortige Beschwerde.
Für die Zulässigkeit Ihrer Beschwerde wäre die rechtzeitige Einlegung des Rechtsmittels erforderlich. Diese muss beim zuständigen Vollstreckungsgericht innerhalb von zwei Wochen nach Zustellung der Entscheidung eingelegt werden.
Ich gehe daher davon aus, dass die Beschwerde zulässig erhoben werden kann.
Die sofortige Beschwerde ist nach § 100 ZVG nur begründet, wenn ein Verstoß gegen eine der Vorschriften der §§ 81, 83 bis 85a ZVG vorliegt.
Nach Ihren Informationen, kommt ein Verstoß gegen § 85 a ZVG in Betracht.
Demnach ist der Zuschlag zu versagen, wenn das abgegebene Meistgebot einschließlich des Kapitalwertes der nach den Versteigerungsbedingungen bestehenbleibenden Rechte die Hälfte des Grundstückswertes nicht erreicht (sogenannte 5/ 10 Grenze).
Nach Ihren Angaben lag der Wert der Eigentumswohnung bei 79.000 Euro. Ich gehe davon aus, dass dieser Wert im Rahmen der Versteigerung für die Ermittlung und Festsetzung des Grundstückswertes durch einen Sachverständigen des Vollstreckungsgerichts festgelegt worden ist.
Das Zuschlagsgebot lag jedoch mit den 40.000 Euro knapp über der 5/10 Grenzen in Höhe von 39.500 Euro. Eine Zuschlagsversagung hätte in diesem Zeitpunkt lediglich dem Gläubiger zugestanden, weil der Verkehrswert unter der Grenze von 7/10 lag.
Anhand der von Ihnen mitgeteilten Informationen lässt sich demnach ein Verstoß gegen § 85 a ZVG nicht eindeutig feststellen.
Da die Hälfte des Grundstückswertes aber lediglich sehr knapp überschritten wurde, kann ich auch nicht gänzlich ausschließen, dass der von § 85 a ZVG entsprechende 5/10 Wert nicht erreicht wurde.
Sie können dies anhand Ihrer Versteigerungsunterlagen jedoch selber noch einmal überprüfen. Wenn Sie dabei eine Unterschreitung der 5/ 10 Grenze feststellen, dann hätte Ihrer Beschwerde Erfolg.
Generell gilt jedoch, dass bei der Aufhebung der Versteigerung und der Ansetzung eines neuen Versteigerungstermins dann die 5/ 10 nicht mehr gelten würde (vgl. § 85 a Abs. 2, Satz 2 ZVG). Es bestünde somit die Gefahr, dass ihre Wohnung noch niedriger versteigert werden würde.
Aufgrund ihres hohen wirtschaflichen Interesses und der Tatsache, dass ich hier weitere mögliche Vollstreckungsverstöße nicht überprüfen kann, sollten Sie jedoch in Erwägung ziehen, den Rat eines Kollegen vor Orts einzuholen.
Nachfrage vom Fragesteller	19.03.2013 | 13:01
Antwort auf die Nachfrage vom Anwalt 19.03.2013 | 14:27
Durch die Aufhebung der 5/10 Wertgrenze durch das Gericht kann ein Verstoß gegen § 85 a ZVG dann nicht mehr vorliegen.
In Ihrem Fall wäre daher sogar ein noch niedriger Zuschlagswert möglich gewesen.
Insofern wäre die Einlegung der Beschwerde dann unbegründet.
Das käme dann in Betracht, wenn die Zwangsversteigerung oder die Fortsetzung des Verfahrens aus einem sonstigen Grund unzulässig wäre.
Dieser Grund läge aber erst bei einer "Verschleuderung" Ihrer Eigentumswohnung vor.
Eine solche Verschleuderung wird aber in der Regel erst angenommen, wenn das Gebot unter 20 % des Verkehrswerts (sogenannte 2/10 Wertgrenze) gelegen hätte.
Bewertung des Fragestellers 19.03.2013 | 13:06
"Für mich sehr verständlich, Danke!"
FRAGESTELLER 19.03.2013 5/5.0