Source: https://www.rechtslupe.de/europarecht/gerichtsstandsvereinbarung-bruessel-ia-3133857?pk_campaign=feed&pk_kwd=gerichtsstandsvereinbarung-bruessel-ia
Timestamp: 2019-08-21 07:30:08
Document Index: 308069674

Matched Legal Cases: ['Art. 25', 'Art. 4', 'Art. 7', 'Art. 25', '§ 38', 'Art. 25', '§ 126', 'Art. 25', 'Art. 23', 'Art. 267', 'Art. 25', 'Art. 25', 'BGH', 'BGH']

Gerichts­stands­ver­ein­ba­rung nach der Brüs­sel-Ia-VO – und das Schrift­form­erfor­der­nis | Rechtslupe
Nach der Recht­spre­chung des Gerichts­hofs der Euro­päi­schen Uni­on sind die Form­erfor­der­nis­se des Art. 25 Abs. 1 Satz 3 Brüs­sel-Ia-VO eng aus­zu­le­gen, weil die Bestim­mung sowohl die all­ge­mei­ne Zustän­dig­keit nach dem Wohn­sitz des Beklag­ten gemäß Art. 4 Brüs­sel-Ia-VO als auch die beson­de­re Zustän­dig­keit gemäß Art. 7 Brüs­sel-Ia-VO aus­schließt2. Damit soll gewähr­leis­tet wer­den, dass die Wil­lens­ei­ni­gung zwi­schen den Par­tei­en zwei­fels­frei fest­steht und Gerichts­stands­klau­seln, die ein­sei­tig in den Ver­trag ein­ge­fügt wor­den sind, nicht unbe­merkt blei­ben3.
Die Form­erfor­der­nis­se sol­len dar­über hin­aus aus Grün­den der Rechts­si­cher­heit eine ein­deu­ti­ge Bestim­mung des zustän­di­gen Gerichts ermög­li­chen4. Da Art. 25 Brüs­sel-Ia-VO in sei­nem Anwen­dungs­be­reich lex spe­cia­lis ist, ver­drängt er § 38 ZPO5.
Eine schrift­li­che Ver­ein­ba­rung im Sin­ne des Art. 25 Abs. 1 Satz 3 Buchst. a) 1. Fall Brüs­sel-Ia-VO liegt grund­sätz­lich nur dann vor, wenn bei­de Par­tei­en ihren Wil­len schrift­lich kund­ge­tan haben, wobei dies – abwei­chend von § 126 Abs. 2 BGB – auch in getrenn­ten Schrift­stü­cken erfol­gen kann, sofern aus ihnen die inhalt­li­che Über­ein­stim­mung bei­der Erklä­run­gen hin­rei­chend deut­lich her­vor­geht6. Elek­tro­ni­sche Über­mitt­lun­gen, die eine dau­er­haf­te Auf­zeich­nung der Ver­ein­ba­rung ermög­li­chen, sind der Schrift­form gleich­ge­stellt, vgl. Art. 25 Abs. 2 Brüs­sel-Ia-VO.
Aus der – zu Art. 23 Abs. 1 Satz 3 Buchst. a) LugÜ ergan­ge­nen – Ent­schei­dung des Bun­des­ge­richts­hofs vom 25.01.20178 ergibt sich nichts ande­res. In dem jener Ent­schei­dung zugrun­de lie­gen­den Sach­ver­halt hat­ten bei­de Ver­trags­par­tei­en den aus­ge­han­del­ten und spä­ter in Voll­zug gesetz­ten Ver­trag gemein­sam schrift­lich fixiert, wobei nur die durch die Gerichts­stands­klau­sel benach­tei­lig­te Par­tei den Ver­trags­text unter­zeich­net hat­te. Der Bun­des­ge­richts­hof hat hier­zu ent­schie­den, dass die Ein­hal­tung der Schrift­form in einem sol­chen Fall nicht zwin­gend die Unter­schrift bei­der Ver­trags­par­tei­en erfor­de­re. Der Streit­fall unter­schei­det sich von jener Kon­stel­la­ti­on, weil vor­lie­gend ein allein von einer Ver­trags­par­tei for­mu­lier­tes Ange­bot in Text­form in Rede steht, das von der ande­ren Par­tei münd­lich ange­nom­men wur­de.
Eines Vor­ab­ent­schei­dungs­er­su­chens an den Gerichts­hof der Euro­päi­schen Uni­on gemäß Art. 267 Abs. 1 bis 3 AEUV zur Aus­le­gung von Art. 25 Abs. 1 Satz 3 Buchst. a) 1. Fall, Abs. 2 Brüs­sel-Ia-VO bedarf es nicht. Die Vor­la­ge­pflicht letzt­in­stanz­li­cher Gerich­te der Mit­glied­staa­ten ent­fällt, wenn die uni­ons­recht­li­che Bestim­mung bereits Gegen­stand einer Aus­le­gung durch den Gerichts­hof war („acte éclai­ré”) oder wenn die rich­ti­ge Anwen­dung des Uni­ons­rechts der­art offen­kun­dig ist, dass für einen ver­nünf­ti­gen Zwei­fel kein Raum mehr bleibt („acte clair”)9. Letz­te­res ist hier – wie vor­ste­hend dar­ge­stellt – der Fall.
Gerichts­stands­klau­sel mit Wahl­mög­lich­keit Wird in einer Gerichts­stands­klau­sel dem Ver­wen­der die Wahl zwi­schen meh­re­ren Gerichts­or­ten ein­ge­räumt, so lie­gen trenn­ba­re Rege­lun­gen über das ört­lich zustän­di­ge Gericht vor, die einer eigen­stän­di­gen Inhalts­kon­trol­le unter­zo­gen wer­den kön­nen. Eine…
Gerichts­stands­ver­ein­ba­rung nach der Brüs­­sel-Ia-VO – und das… Für eine Gerichts­stands­ver­ein­ba­rung gemäß Art. 25 Abs. 1 Satz 3 Brüs­sel-Ia-VO ist die Ein­hal­tung der Form­erfor­der­nis­se Wirk­sam­keits­vor­aus­set­zung ist. Allein eine Wil­lens­ei­ni­gung der Par­tei­en führt mit­hin nicht zu einer wirk­sa­men Gerichts­stands­ver­ein­ba­rung,…
vgl. BGH, Urteil vom 22.02.2001 – IX ZR 19/​00, NJW 2001, 1731 8↩
BGH, Beschluss vom 25.01.2017 – VIII ZR 257/​15, WM 2017, 1770↩