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Timestamp: 2016-09-28 08:32:07
Document Index: 325686760

Matched Legal Cases: ['Art. 99', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'Art. 65', 'Art. 66', 'Art. 68', 'Art. 64', 'Art. 64']

8C_830/2015 (20.06.2016)
8C_830/2015���{T�0/2} � � Urteil vom 20. Juni 2016
Beschwerde gegen den Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft vom 13. August 2015.
Der 1973 geborene A.________ war als Bodenleger bei der B.________ GmbH t�tig gewesen und dadurch bei der Schweizerischen Unfallversicherungsanstalt (SUVA) gegen die Folgen von Unf�llen und Berufskrankheiten versichert. Mit Schadenmeldung vom 22. Mai 2014 wurde der SUVA mitgeteilt, A.________ sei am 9. Mai 2014 ausgerutscht, als er eine Garagenrampe mit Plastikfolie830 habe �berdecken wollen. Nach zwei bis drei Tagen habe er seine Finger (rechts) nicht mehr gesp�rt. Die SUVA erbrachte die gesetzlichen Leistungen (Heilbehandlung, Taggeld). Dr. med. C.________, Facharzt f�r Chirurgie, Kreisarzt der SUVA, erl�uterte am 14. August 2014, ein initial differentialdiagnostisch vermutetes beginnendes Complex Regional Pain Syndrom (CRPS) habe sich nicht best�tigt. Radiologisch sei am 11. Juli 2014 ein mehrkammeriges Handgelenksganglion ulnar palmar in der Region der Guyon-Loge, welches vermutlich zu einer Beeintr�chtigung des Nervus ulnaris f�hre, festgestellt worden. Das Ganglion sei aller Wahrscheinlichkeit nach Ursache des geklagten Syndroms, mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit sei dieses jedoch nicht als Folge des Ereignisses vom 9. Mai 2014 anzusehen. Gest�tzt auf die kreis�rztlichen Beurteilungen des Dr. med. C.________ vom 18. Juli und 14. August 2014 stellte die SUVA ihre Leistungen per 25. Juli 2014 ein, da die bestehenden Beschwerden krankhafter Natur seien (Verf�gung vom 18. August 2014). Nachdem der Kreisarzt am 7. Januar 2015 bekr�ftigt hatte, dass das Loge-de-Guyon-Syndrom rechts wahrscheinlich durch ein mehrkammeriges Handgelenksganglion in der Region dieser Loge verursacht werde, welches nicht �berwiegend wahrscheinlich als Unfallfolge zu werten sei, hielt die SUVA daran mit Einspracheentscheid vom 9. Januar 2015 fest.
Die dagegen erhobene Beschwerde hiess das Kantonsgericht Basel-Landschaft mit Entscheid vom 13. August 2015 gut und verpflichtete die SUVA, die gesetzlichen Leistungen �ber den 25. Juli 2014 hinaus zu erbringen.
Die SUVA f�hrt Beschwerde in �ffentlich-rechtlichen Angelegenheiten mit dem Antrag auf Aufhebung des angefochtenen Entscheids und Best�tigung ihres Einspracheentscheids. Eventualiter sei die Sache zur Einholung eines Gerichtsgutachtens an die Vorinstanz oder zu weiteren Abkl�rungen an die SUVA zur�ckzuweisen.
A.________ l�sst auf Abweisung der Beschwerde schliessen und beantragt unentgeltliche Prozessf�hrung. Das Bundesamt f�r Gesundheit verzichtet auf eine Vernehmlassung.
Die letztinstanzlich als zus�tzliches Beweismittel beigelegte chirurgische Beurteilung der Frau Dr. med. D._________, Fach�rztin f�r Chirurgie FMH, Abteilung Versicherungsmedizin der SUVA, vom������ 2. November 2015, muss unbeachtet bleiben. Es ist keine erst im angefochtenen Entscheid neu zur Sprache gekommene Thematik erkennbar, welche die Einreichung neuer Beweismittel im bundesgerichtlichen Verfahren allenfalls rechtfertigen k�nnte. Ob der von der Beschwerdef�hrerin ebenfalls vor Bundesgericht (als Beilage 5) mit der Beschwerdeschrift neu eingereichte Beitrag des Prof. Dr. med. Harald Hempfling, Begutachtung von Ganglien, in: Der Medizinische Sachverst�ndige 4/2015 S. 176 ff. unter das Novenverbot f�llt, kann aufgrund der nachstehenden Erw�gungen offen gelassen werden. Neue Tatsachen und Beweismittel d�rfen nur soweit vorgebracht werden, als erst der Entscheid der Vorinstanz dazu Anlass gibt (Art. 99 Abs. 1 BGG).
3.1.�Der Unfallversicherer haftet f�r einen Gesundheitsschaden nur insoweit, als dieser in einem nat�rlichen und ad�quaten Kausalzusammenhang zum versicherten Ereignis steht (BGE 129 V 177 E. 3��� S. 181). Dabei spielt die Ad�quanz als rechtliche Eingrenzung der sich aus dem nat�rlichen Kausalzusammenhang ergebenden Haftung des Unfallversicherers im Bereich organisch objektiv ausgewiesener Unfallfolgen praktisch keine Rolle, da sich hier die ad�quate weitgehend mit der nat�rlichen Kausalit�t deckt (BGE 134 V 109 E. 2������S. 111 f.; 127 V 102 E. 5b/bb S. 103).
3.2.�Das Vorliegen eines nat�rlichen Kausalzusammenhanges ist eine Tatfrage und muss daher mit dem im Sozialversicherungsrecht �blichen Beweisgrad der �berwiegenden Wahrscheinlichkeit nachgewiesen werden (BGE 119 V 335 E. 1 S. 338). Dasselbe gilt f�r den vom Unfallversicherer zu beweisenden Wegfall des Kausalzusammenhanges (RKUV 2000 Nr. U 363 S. 46 E. 2). W�hrend bei der Frage, ob ein Kausalzusammenhang �berhaupt jemals gegeben ist, die versicherte Person beweisbelastet ist, tr�gt die Beweislast f�r einen behaupteten Wegfall der Kausalit�t aufgrund des Erreichens des Status quo sine vel ante die Unfallversicherung (RKUV 2000 Nr. U 363���S. 45, U 355/98 E. 2; 1994 Nr. U 206 S. 326, U 180/93; Urteil 8C_570/2014 vom 9. M�rz 2015 E. 6.2). Allerdings tragen die Parteien im Sozialversicherungsprozess in der Regel eine Beweislast nur insofern, als im Falle der Beweislosigkeit der Entscheid zu Ungunsten jener Partei ausf�llt, die aus dem unbewiesen gebliebenen Sachverhalt Rechte ableiten wollte. Diese Beweisregel greift erst Platz, wenn es sich als unm�glich erweist, im Rahmen des im Verwaltungsverfahren wie auch im kantonalen Sozialversicherungsprozess geltenden Untersuchungsgrundsatzes aufgrund einer Beweisw�rdigung einen Sachverhalt zu ermitteln, der zumindest die Wahrscheinlichkeit f�r sich hat, der Wirklichkeit zu entsprechen (BGE 138 V 218 E. 6������S. 221; 117 V 261 E. 3b S. 264).
Umstritten ist in diesem Verfahren, ob auch nach dem 25. Juli 2014 ein nat�rlicher (und ad�quater) Kausalzusammenhang zwischen dem Unfall vom 9. Mai 2014 und den weiterhin geklagten Handgelenksbeschwerden vorliegt.
4.1.�Die Vorinstanz bejahte dies. Sie f�hrte aus, der behandelnde Dr. med. E.________, FMH Neurologie, Praxis F.________, habe in seinem Bericht vom 23. Juni 2014 gest�tzt auf eine Elektroneuromyographie (ENMG) vom 20. Juni 2014 klinisch und neurographisch einen relevanten posttraumatischen Nervenschaden praktisch ausgeschlossen und festgehalten, es d�rfte eine leichte Ulnaris-Neuropathie �ber der Loge-de-Guyon vorliegen; aufgrund der Gesamtklinik sei am ehesten von einem beginnenden CRPS auszugehen. Bildgebend sei ein mehrkammeriges Handgelenkgsganglion ulnar palmar in der Region der Guyon Loge festgestellt worden, welches vermutlich zu einer Beeintr�chtigung des Nervus ulnaris f�hre, eine Fraktur und Bandl�sionen seien ausgeschlossen worden. Dr. med. E.________ habe sich zur Frage der Kausalit�t nicht konkret ge�ussert. Er habe lediglich ausgef�hrt, es habe sich ein Unfall ereignet und die heutigen Beschwerden seien nicht durch das fr�here Karpaltunnel-Syndrom erkl�rbar, da die Schmerzen einem anderen Nerv zuzuordnen seien. Die Beurteilung des SUVA Kreisarztes Dr. med. C.________ �berzeuge aber nicht vollst�ndig, weil er nicht erkl�rt habe, weshalb das f�r das Loge-de-Guyon-Syndrom verantwortliche Ganglion nicht Folge des Unfalls vom 9. Mai 2014 sein soll. Die Klinik G.________ f�hre in ihrem (im Internet abrufbaren) Merkblatt zum Ganglion die m�gliche Entstehung eines Ganglions durch einen Unfall ausdr�cklich auf. Auch wenn beim Versicherten strukturelle L�sionen weder in der R�ntgen-Arthrographie noch in der Magnetresonanz-Tomographie festgestellt worden seien, sei nicht auszuschliessen, dass das Ganglion unfallbedingt sei, da strukturelle L�sionen f�r die Entstehung eines solchen nicht notwendig seien. Zudem sei denkbar, dass das Ganglion nicht sofort durch den Unfall entstanden sei, sondern der Unfall zu einer Verdickung bzw. Vergr�sserung eines bereits bestehenden Ganglions und damit zum Loge-de-Guyon-Syndrom gef�hrt habe. Da die SUVA nach dem Unfall ihre Leistungspflicht anerkannt habe, sei sie f�r den Wegfall der nat�rlichen Kausalit�t beweisbelastet. Aufgrund des Abkl�rungsergebnisses sei der Wegfall der nat�rlichen Kausalit�t nicht mit dem notwendigen Beweisgrad der �berwiegenden Wahrscheinlichkeit erstellt, weshalb der Entscheid zu Ungunsten der Versicherung ausfalle. Aus diesem Grund sei die Leistungspflicht der Unfallversicherung f�r die Folgen des Loge-de-Guyon-Syndroms zu bejahen.
4.2.�Die Beschwerdef�hrerin bringt dagegen vor, der operativ sanierte Vorzustand des rechten Handgelenks in Form eines Karpaltunnel-Syndroms (CTS) stehe unstreitig mit den geklagten Beschwerden nicht in einem Zusammenhang. Eine vor�bergehende oder richtungsgebende Verschlimmerung eines Vorzustands k�nne damit ausgeschlossen werden. Soweit die Vorinstanz dennoch einen Wegfall der Kausalit�t aufgrund des Erreichens des Status quo sine vel ante angenommen habe, sei der Sachverhalt unrichtig festgestellt worden. Das Handgelenksganglion rechts bzw. das Loge-de-Guyon-Syndrom sei vielmehr nicht �berwiegend wahrscheinlich auf das Unfallereignis vom 9. Mai 2014 zur�ckzuf�hren, weshalb die Leistungseinstellung ex nunc et pro futuro korrekt sei. Den Beurteilungen des Dr. med. C.________ sei von medizinischer Seite nie widersprochen worden. Dieser habe einl�sslich dargelegt, dass die nach dem Unfallereignis geklagten Handgelenksbeschwerden nicht mit dem erforderlichen Beweisgrad unfallkausal seien, weshalb die SUVA den Untersuchungsgrundsatz nicht verletzt habe. Wenn die Vorinstanz Zweifel an den Ausf�hrungen des Kreisarztes gehegt habe, w�re sie rechtsprechungsgem�ss (BGE 137 V 264 ff.) verpflichtet gewesen, ein Gerichtsgutachten anzuordnen, oder die Sache zu weiteren Abkl�rungen an den Unfallversicherer zur�ckzuweisen.
5.1.�Einig sind sich die Parteien insoweit, als die rechtsseitigen Handgelenksbeschwerden durch das diagnostizierte Loge-de-Guyon-Syndrom verursacht werden, indem der Nervus ulnaris im Guyon-Kanal eingeklemmt wird (Kompressionsneuropathie). Dass der Nervus ulnaris hier durch ein Ganglion beeintr�chtigt wird, ist aufgrund der medizinischen Aktenlage als �berwiegend wahrscheinlich anzunehmen und wird vom Beschwerdegegner auch nicht bestritten. Das mehrkammerige Handgelenksganglion ulnar palmar in der Region der Guyon-Loge wurde bildgebend am 11. Juli 2014, mithin rund zwei Monate nach dem Unfallereignis, festgestellt. Eine Fraktur oder B�nderl�sion wurde ausgeschlossen und auf einen intakten triangul�ren fibrokartilagin�ren Komplex (Triangular fibrocartilage complex, abgek�rzt TFCC) hingewiesen (Bericht des Dr. med. H.________, FMH f�r Medizinische Radiologie/Radiodiagnostik, IMAMED Radiologie Nordwestschweiz, Basel, vom 11. Juli 2014).
5.2.�Dem kantonalen Gericht gen�gten die Aussagen des Kreisarztes Dr. med. C.________ nicht, um die Unfallkausalit�t gest�tzt darauf zu verneinen. Es folgte aber zu Recht ebenso wenig den Ausf�hrungen des Dr. med. E.________, der sich in keinem seiner Berichte zur Unfallkausalit�t des Loge-de-Guyon-Syndroms �usserte (Berichte vom��� 23. Juni, 8. Juli und 24. November 2014). Es liegen sodann mit der Beschwerdef�hrerin keinerlei medizinische Berichte vor, worin das die Beschwerden verursachende Handgelenksganglion als unfallkausal bezeichnet wird. Zur Beurteilung sozialversicherungsrechtlicher Leistungsanspr�che bedarf es verl�sslicher medizinischer Entscheidgrundlagen (BGE 134 V 231 E. 5.1 S. 232). Bei dieser Ausgangslage h�lt die Begr�ndung der Vorinstanz, aufgrund der nicht vollends �berzeugenden Ausf�hrungen des Kreisarztes sei der Beweis, dass die bestehenden Handgelenksbeschwerden nicht auf das Ereignis vom���9. Mai 2014 zur�ckzuf�hren seien, nicht erbracht, in Verletzung des Untersuchungsgrundsatzes, vor Bundesrecht nicht stand (vgl. E. 3.2 hiervor). Vielmehr w�re das kantonale Gericht bei dieser Sach- und Rechtslage, mit den ge�usserten Zweifeln an der Zuverl�ssigkeit und Schl�ssigkeit dieser versicherungsinternen �rztlichen Feststellungen, gehalten gewesen, weitere medizinische Abkl�rungen zu treffen (BGE 135 V 465). Die Sache wird deshalb an die Vorinstanz zur�ckgewiesen, damit sie nach Erg�nzung des medizinischen Sachverhalts �ber die Beschwerde des Versicherten erneut befinde. Sie wird dabei zu pr�fen haben, ob die letztinstanzlich nachgereichten Dokumente der SUVA (E. 2 hiervor) hinreichende Grundlage bilden, um ihre ge�usserten Zweifel an der kreis�rztlichen Einsch�tzung zu zerstreuen oder ob eine Begutachtung anzuordnen ist.
6.1.�Das Verfahren ist kostenpflichtig (Art. 65 BGG). Die R�ckweisung der Sache an die Vorinstanz (mit noch offenem Ausgang) gilt praxisgem�ss als Obsiegen der Beschwerde f�hrenden Partei (vgl. SVR 2013 IV Nr. 26 S. 75, 8C_54/2013 E. 6 mit Hinweisen). Die Gerichtskosten sind daher dem Beschwerdegegner aufzuerlegen (Art. 66���Abs. 1 BGG). Die SUVA hat als mit �ffentlich-rechtlichen Aufgaben betraute Organisation trotz Obsiegens keinen Anspruch auf eine Parteientsch�digung (Art. 68 Abs. 3 BGG).
6.2.�Dem Gesuch des Beschwerdegegners um unentgeltliche Rechtspflege (im Sinne der vorl�ufigen Befreiung von den Gerichtskosten und der unentgeltlichen Verbeist�ndung) kann entsprochen werden (Art. 64 Abs. 1 und 2 BGG). Es wird indessen ausdr�cklich auf Art. 64 Abs. 4 BGG aufmerksam gemacht, wonach die beg�nstigte Partei der Bundesgerichtskasse Ersatz zu leisten haben wird, wenn sie sp�ter dazu im Stande ist.
Die Beschwerde wird teilweise gutgeheissen. Der Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversicherungsrecht, vom 13. August 2015 wird aufgehoben. Die Sache wird zu neuer Entscheidung an die Vorinstanz zur�ckgewiesen. Im �brigen wird die Beschwerde abgewiesen.
Dem Beschwerdegegner wird die unentgeltliche Rechtspflege gew�hrt und Rechtsanwalt Daniel Altermatt wird als unentgeltlicher Anwalt bestellt.