Source: https://www.anwalt24.de/urteile/bsg/2014-12-11/b-11-al-1_14-r
Timestamp: 2017-10-17 20:43:28
Document Index: 146711291

Matched Legal Cases: ['§ 296', '§ 35', '§ 421', '§ 652', '§ 296', '§ 652', '§ 170', '§ 652', '§ 421', '§ 296', '§ 652', '§ 421', '§ 421', '§ 296', '§ 421', '§ 652', '§ 296', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 421', '§ 35', '§ 421', '§ 652']

BSG, 11.12.2014 - B 11 AL 1/14 R - Vergütungsanspruch eines privaten Arbeitsvermittlers aus einem Vermittlungsgutschein; Vermittlung in ein Beschäftigungsverhältnis beim Wechsel von einer Zeitarbeitsfirma in ein unbefristetes Beschäftigungsverhältnis zum Entleiher | anwalt24.de
Urt. v. 11.12.2014, Az.: B 11 AL 1/14 R
Referenz: JurionRS 2014, 30188
Aktenzeichen: B 11 AL 1/14 R
LSG Saarland - 18.06.2013 - AZ: L 6 AL 9/12
SG Saarland - 24.04.2012 - AZ: S 16 AL 151/11
§ 296 Abs. 2 S. 1 SGB III
§ 35 Abs. 2 SGB III
§ 421g Abs. 2 S. 3 SGB III
info also 2015, 68
NZA 2015, 471-472
NZS 2015, 270-272
SGb 2015, 97
Eine eigene Vermittlungstätigkeit erfordert nach dem Vermittlungsbegriff des § 652 BGB, dass der Vermittler als Dritter in Kontakt sowohl mit dem Arbeitsuchenden als auch dem Arbeitgeber tritt und durch seine Tätigkeit aktiv die Abschlussbereitschaft beider derart fördert (Kausalität), dass ein Arbeitsvertrag geschlossen wird. Dass ein Kausalzusammenhang zwischen der Vermittlungsleistung und dem Vermittlungserfolg notwendig ist, folgt aus der Formulierung des § 296 Abs. 2 S. 1 SGB III, der mit der adverbialen Verbindung "infolge der Vermittlung" dieselbe Kausalität wie § 652 Abs. 1 S. 1 BGB ("infolge der Vermittlung") aufgreift.
Az: B 11 AL 1/14 R
L 6 AL 9/12 (LSG für das Saarland)
S 16 AL 151/11 (SG für das Saarland)
Der 11. Senat des Bundessozialgerichts hat auf die mündliche Verhandlung vom 11. Dezember 2014 durch den Vizepräsidenten Prof. Dr. S c h l e g e l , die Richter Dr. F i c h t e und M u t s c h l e r sowie die ehrenamtlichen Richterinnen S e t z und H a a s e
Die Revision der Beklagten ist begründet (§ 170 Abs 2 S 1 Sozialgerichtsgesetz [SGG]). Das LSG hat das Urteil des SG sowie den ablehnenden Bescheid der Beklagten zu Unrecht aufgehoben. Der Kläger hat keinen Anspruch auf Zahlung weiterer 1000 Euro für die Vermittlung der Beigeladenen.
Eine eigene Vermittlungstätigkeit erfordert nach dem Vermittlungsbegriff des § 652 Bürgerliches Gesetzbuch (BGB) (zu dessen Anwendbarkeit vgl BSGE 100, 238 [BSG 06.05.2008 - B 7/7a AL 8/07 R] = SozR 4-4300 § 421g Nr 3, RdNr 12 mwN), dass der Vermittler als Dritter in Kontakt sowohl mit dem Arbeitsuchenden als auch dem Arbeitgeber tritt und durch seine Tätigkeit aktiv die Abschlussbereitschaft beider derart fördert (Kausalität), dass ein Arbeitsvertrag geschlossen wird. Dass ein Kausalzusammenhang zwischen der Vermittlungsleistung und dem Vermittlungserfolg notwendig ist, folgt aus der Formulierung des § 296 Abs 2 S 1 SGB III, der mit der adverbialen Verbindung "infolge der Vermittlung" dieselbe Kausalität wie § 652 Abs 1 S 1 BGB ("infolge der Vermittlung") aufgreift (vgl Senatsurteil vom 23.2.2011 - B 11 AL 10/10 R - Juris, RdNr 20; Rixen, NZS 2002, 466, 470).
Zwar ist die Vermittlungstätigkeit weder im allgemeinen Maklerrecht des BGB noch im Bereich des das Maklerrecht überlagernden (vgl hierzu: BSGE 96, 190 [BSG 06.04.2006 - B 7a AL 56/05 R] = SozR 4-4300 § 421g Nr 1, RdNr 13; BSGE 100, 238 [BSG 06.05.2008 - B 7/7a AL 8/07 R] = SozR 4-4300 § 421g Nr 3, RdNr 11; Urmersbach in Eicher/Schlegel, SGB III, § 296 RdNr 33, Stand der Einzelkommentierung November 2011; Rademacker in Hauck/Noftz, SGB III, K § 421g RdNr 21; Spellbrink SGb 2004, 75, 153) öffentlichen Arbeitsförderungsrechts eine höchstpersönlich zu erbringende Verbindlichkeit (vgl zu § 652 BGB etwa: Oberlandesgericht Düsseldorf Urteil vom 26.2.1998 - 5 U 60/97 - Juris, RdNr 17, insoweit in MDR 1998, 1283 f nicht abgedruckt, und zu §§ 296, 421g SGB III: Kühl/Breitkreuz, NZS 2004, 568, 569). Der private Arbeitsvermittler ist daher weder zu eigenen Vermittlungsbemühungen verpflichtet noch muss er den Vermittlungserfolg durch eigenes Tätigwerden herbeiführen. Er kann sich grundsätzlich vielmehr Personen bedienen, die er zur Erfüllung der von ihm übernommenen Verbindlichkeit im eigenen Pflichtenkreis einsetzt. Da der Makler aber für den Arbeitserfolg entlohnt wird, genügt es nicht, dass seine Tätigkeit für das Zustandekommen des Hauptvertrags "irgendwie" kausal geworden ist. Vielmehr muss sich der Abschluss des Hauptvertrags als Verwirklichung gerade der Gelegenheit darstellen, die bei wertender Betrachtung unter Berücksichtigung der Verkehrsanschauung als identisch mit der vom Makler nachgewiesenen Gelegenheit zum Vertragsschluss anzusehen ist (vgl Bundesgerichtshof [BGH] NJW 2008, 651 [BGH 13.12.2007 - III ZR 163/07]; BGH NJW-RR 1988, 1397 [BGH 15.06.1988 - IVa ZR 170/87]; vgl im Einzelnen: Rademacker in Hauck/Noftz, SGB III, K § 421g RdNr 42 mwN).
Da der private Vermittler im Rahmen des SGB III an die Stelle der ansonsten zuständigen BA tritt und der private Maklervertrag vom öffentlichen Recht überlagert ist, müssen zusätzlich alle Voraussetzungen des § 35 Abs 2 SGB III aF erfüllt sein. Danach muss sich der Vermittler sowohl ein Bild über die Leistungsfähigkeit des Arbeitslosen als auch über die Anforderungen des vermittelten Arbeitsplatzes gemacht haben. Dies macht es erforderlich, dass der Vermittler als Dritter in Kontakt sowohl mit dem Arbeitsuchenden als auch mit dem Arbeitgeber tritt und durch seine Tätigkeit aktiv die Abschlussbereitschaft beider derart fördert (Kausalität), dass ein Arbeitsvertrag geschlossen wird (BSGE 100, 238 [BSG 06.05.2008 - B 7/7a AL 8/07 R] = SozR 4-4300 § 421g Nr 3 RdNr 12; Sprau in Palandt, BGB, 73. Aufl 2014, § 652 RdNr 25, 27). Hieran fehlt es.