Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Gericht=BGH&Datum=31.01.1991&Aktenzeichen=I%20ZR%2071/89
Timestamp: 2020-07-03 11:21:01
Document Index: 327022937

Matched Legal Cases: ['BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 16', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 9', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH']

BGH, 31.01.1991 - I ZR 71/89 - dejure.org
https://dejure.org/1991,385
BGH, 31.01.1991 - I ZR 71/89 (https://dejure.org/1991,385)
BGH, Entscheidung vom 31.01.1991 - I ZR 71/89 (https://dejure.org/1991,385)
BGH, Entscheidung vom 31. Januar 1991 - I ZR 71/89 (https://dejure.org/1991,385)
Tipp: Um den Kurzlink (hier: https://dejure.org/1991,385) schnell in die Zwischenablage zu kopieren, können Sie die Tastenkombination Alt + R verwenden - auch ohne diesen Bereich zu öffnen.
Warenzeichen - Schutzumfang - farbige Ausstattungen - Verwechslungsgefahr
"frei öl"; Prägung eines Wortbildzeichens; Feststellung des Bekanntheitsgrads; Verwechslungsgefahr mit einem ähnlichen Zeichen
NJW-RR 1991, 1321
MDR 1991, 741
GRUR 1992, 48
Es ist zwar von dem Grundsatz auszugehen, daß der Verkehr sich eher am Wortbestandteil eines kombinierten Zeichens zu orientieren pflegt (vgl. BGH, Beschl. v. 11.5.1966 - Ib ZB 8/65, GRUR 1966, 499, 500 - Merck;… Urt. v. 2.2.1989 - I ZR 150/86, GRUR 1989, 425, 427 - Herzsymbol; Urt. v. 31.1.1991 - I ZR 71/89, GRUR 1992, 48, 50 - frei öl).
Das Berufungsgericht hat auch nicht verkannt, daß bei Zeichen, die - wie hier - aus mehreren Bestandteilen bestehen, die Kennzeichnungskraft der den Gesamteindruck bestimmenden Bestandteile zu prüfen ist (vgl. dazu - zum Warenzeichengesetz - BGH, Urt. v. 31.1.1991 - I ZR 71/89, GRUR 1992, 48, 50 - frei öl, m.w.N.).
Die Frage der Verwechslungsgefahr ist hier - wie im gesamten Kennzeichnungsrecht (vgl. BGH, Urt. v. 31.1.1991 - I ZR 71/89, GRUR 1992, 48, 52 - frei öl) - eine Rechtsfrage (st. Rspr.; vgl. BGHZ 113, 115, 124 - SL;… BGH, Urt. v. 9.11.1988 - I ZR 96/86, GRUR 1990, 450, 452 [BGH 09.11.1988 - I ZR 96/86] - St. Petersquelle;… Urt. v. 14.11.1991 - I ZR 24/90, GRUR 1992, 110, 111 - dipa/dib;… Urt. v. 15.10.1992 - I ZR 259/90, GRUR 1993, 118, 119 - Corvaton/Corvasal).
Einer Zurückverweisung der Sache an das Berufungsgericht zur Nachholung dieser Prüfung bedarf es jedoch nicht, da das Revisionsgericht die Verwechslungsgefahr, deren Vorliegen nach ständiger Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs eine Rechtsfrage ist (…vgl. BGH, Urt. v. 9.11.1988 - I ZR 96/86, GRUR 1990, 450, 452 [BGH 09.11.1988 - I ZR 96/86] - St. Petersquelle m.w.N.; BGHZ 113, 115, 124 - SL; BGH, Urt. v. 31.1. 1991 - I ZR 71/89, GRUR 1992, 48, 51 f. - frei öl;… BGH, Urt. v. 14.11.1991 - I ZR 24/90, GRUR 1992, 110, 111 - dipa/dib), unter den vorliegend gegebenen Umständen selbst abschließend beurteilen kann.
Abgesehen davon, daß nach der Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs auch selbständig nicht schutzfähige Bestandteile unter bestimmten Voraussetzungen durchaus geeignet sein können, zur Prägung eines Gesamteindrucks beizutragen (…vgl. BGH, Urt. v. 8.11.1989 - I ZR 102/88, GRUR 1990, 367, 370 - alpi/Alba Moda; BGH, Urt. v. 31.1.1991 - I ZR 71/89, GRUR 1992, 48, 51 - frei öl;… weitere Nachweise bei GroßkommUWG/Teplitzky § 16 Rdn. 357 m. Fn. 454), hat das Berufungsgericht hier auch ohne Rechtsverstoß angenommen, daß dem Begriff "plastoclin" ungeachtet seiner beschreibenden Anklänge auch für das hier in Rede stehende Warengebiet nicht jegliche Unterscheidungskraft abgesprochen werden kann (vgl. zu den allgemein nur geringen Anforderungen an die Unterscheidungskraft zuletzt BGH, Beschl. v. 9.2.1995 - I ZB 21/92, Beschlußumdruck S. 6 m.w.N. - quattro II, zur Veröffentlichung vorgesehen).
Zwar handelt es sich bei der Frage der Verwechslungsgefahr um eine reine Rechtsfrage, deren Beurteilung auch dem Revisionsgericht in vollem Umfang offensteht (…vgl. BGH, Urt. v. 9.11.1988 - I ZR 96/86, GRUR 1990, 450, 452 - St. Petersquelle; BGH aaO., GRUR 1992, 48, 51 f. - frei öl;… BGH, Urt. v. 14.11.1991 - I ZR 24/90, GRUR 1992, 110, 111 - dipa/dib; st. Rspr.).
Im Fall ihres Vorliegens hätte eine Prägung des Gesamteindrucks des Zeichens durch diesen Bestandteil nicht verneint werden dürfen (…vgl. BGH, Urt. v. 11.5.1995 - I ZR 111/93 - P3-plastoclin), weil in diesem Fall bei wenigstens normaler Kennzeichnungskraft des Bestandteils "AQUA" die beschreibenden Bestandteile "tron" bei dem Klagezeichen und bei den angegriffenen "Soft" und "System"-Bezeichnungen infolge ihres beschreibenden Charakters vom Verkehr auch in diesem und nicht in einem kennzeichnenden Sinn verstanden würden, so daß sie in der Bedeutung für den Gesamteindruck der Bezeichnungen zurücktreten und diese in ihrem Gesamteindruck durch den kennzeichnungskräftigen Bestandteil "AQUA" geprägt würden, zumal auch dieser jeweils den Wortanfang bildet, auf den die Aufmerksamkeit des Verkehrs regelmäßig in besonderer Weise gerichtet ist (vgl. BGH, Urt. v. 31.1.1991 - I ZR 71/89, GRUR 1992, 48, 50 - frei öl).
Für den Fall einer Beweiserhebung geben allerdings die Ausführungen auf Seite 10 des Berufungsurteils Anlaß zu dem Hinweis, daß die dort in Erwägung gezogene Einholung eines demoskopischen Gutachtens zur Frage der Verwechslungsgefahr nicht in Betracht kommen kann, weil letztere als Rechtsfrage einer Beweisaufnahme nicht zugänglich ist (vgl. BGH, Urt. v. 31.1. 1991 - I ZR 71/89, GRUR 1992, 48, 51 f. - frei öl).
Gerade bei Farbkombinationen, denen von Haus aus keine betriebliche Herkunftshinweisfunktion zukommt und die eine solche nur durch Verkehrsdurchsetzung gewinnen können, sind nach der Rechtsprechung des Bundesgerichtshofes an den hierfür erforderlichen Bekanntheitsgrad mit Rücksicht auf das Freihaltebedürfnis des Verkehrs strenge Maßstäbe anzulegen (…BGH, Urt. v. 23.6.1967 - Ib ZR 54/66, GRUR 1968, 371, 375 = WRP 1968, 18 - Maggi; Urt. v. 31.1.1991 - I ZR 71/89, GRUR 1992, 48, 50 - frei öl).
In der Regel wird dabei ein Bekanntheitsgrad vorausgesetzt, der jenseits der 50 %-Grenze liegt (vgl. BGH GRUR 1992, 48, 50 - frei öl).
Dem steht bereits entgegen, dass es sich bei der markenrechtlichen Verwechslungsgefahr um eine Rechtsfrage handelt, die als solche nicht im Wege von empirischen Ermittlungen und Beweiserhebungen, sondern nur auf Grund der rechtlichen Bewertung festgestellter Tatsachen beantwortet werden kann (vgl. BGH GRUR 1992, 48, 51 f. - frei öl;… GRUR 2009, 1055 Rn. 62 - airdsl;… Ströbele/ Hacker a.a.O. § 9 Rn. 16).
Die vom Berufungsgericht verneinte Frage der Verwechslungsgefahr ist entgegen der Auffassung der Revisionserwiderung, die dies hinsichtlich der firmenrechtlichen Verwechslungsgefahr in Zweifel gestellt hat, in vollem Umfang revisionsrechtlich nachprüfbar; nach ständiger Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs handelt es sich hierbei um eine Rechtsfrage (…vgl. BGH, Urt. v. 9.11.1988 - I ZR 96/86, GRUR 1990, 450, 452 [BGH 09.11.1988 - I ZR 96/86] - St. Petersquelle m.w.N.; BGHZ 113, 115, 124 - SL; BGH, Urt. v. 31.1.1991 - I ZR 71/89, LM WZG 24 Nr. 115 - frei öl).