Source: http://www2.lubw.baden-wuerttemberg.de/public/abt2/dokablage/oac_12/vo/4/4280.htm
Timestamp: 2018-12-15 21:22:43
Document Index: 66526270

Matched Legal Cases: ['§ 21', '§ 28', '§ 2', '§ 4', '§ 4', '§ 4', '§ 40', '§ 4', '§ 5']

4.280 Altwiesen
Verordnung des Regierungspräsidiums Tübingen über das Naturschutzgebiet »Altwiesen« vom 22. Januar 1997 (GBl. v. 19.03.1997, S. 95).
Auf Grund der §§ 21, 58 Abs. 2 des Naturschutzgesetzes (NatSchG) in der Fassung vom 29. März 1995 (GBl. S. 385) und von § 28 Abs. 2 des Landesjagdgesetzes in der Fassung vom 1. Juni 1996 (GBl. S. 369) wird verordnet:
Die in § 2 näher bezeichnete Fläche auf dem Gebiet der Gemeinde Bodelshausen, Gemarkung Bodelshausen, Landkreis Tübingen, wird zum Naturschutzgebiet erklärt. Das Naturschutzgebiet führt die Bezeichnung »Altwiesen«.
(1) Das Naturschutzgebiet hat eine Größe von ca. 23 ha. Es umfaßt auf Gemarkung Bodelshausen Flurstücke des Gewanns »Altwiesen«, in geringem Umfang auch des Gewanns »Beim Weiherhäule«, einschließlich berührter Feldwege und Gräben.
(2) Die Grenzen des Naturschutzgebietes sind in einer Flurkarte des Regierungspräsidiums Tübingen vom 17. Juli 1996 im Maßstab 1:2500, kombiniert mit einer Übersichtskarte im Maßstab 1:25000, gekennzeichnet und rot angelegt. Die Karte ist Bestandteil der Verordnung. Die Verordnung mit Karte wird beim Regierungspräsidium Tübingen in Tübingen, Konrad-Adenauer-Str. 20 und beim Landratsamt Tübingen in Tübingen, Bismarckstr. 110 auf die Dauer von zwei Wochen, beginnend am achten Tag nach Verkündung dieser Verordnung im Gesetzblatt, zur kostenlosen Einsicht durch jedermann während der Sprechzeiten öffentlich ausgelegt (Ersatzverkündung der Karte).
Wesentlicher Schutzzweck ist die Erhaltung und Pflege der Frisch-, Feucht- und Naßwiesengesellschaften, die in dieser Ausprägung und Größe im Landkreis Tübingen eine Seltenheit darstellen und vielen seltenen Pflanzen- und Tierarten einen Lebensraum bieten.
Schutzzweck ist insbesondere:
· die Erhaltung und die Pflege der feuchten Bachdistelwiesen mit den ausgedehnten Trollblumenbeständen;
· die Erhaltung der Naßwiesen mit den Hochstaudenfluren (Baldrian-Mädesüß-Fluren) sowie der Seggen- und Waldsimsenbestände;
· die Erhaltung der naturnahen Ufervegetation entlang der Gräbern mit Mädesüß, Behaartem Weideröschen, Blutweiderich u. a.;
· die Erhaltung des Teiches und seiner Verlandungsgesellschaften mit Schilf- und Sumpfseggenbeständen sowie Sumpfstorchschnabelfluren;
· die Einrichtung von Pufferzonen aus mäßig frischen und trockeneren Wiesen, die den Nährstoffeintrag in die Kernzonen verringern sollen. Die bestehenden Ackerflächen sollen mittelfristig in Wiesen zurückverwandelt werden oder extensiv genutzt werden;
· die Erhaltung der vielfältigen Vegetation, die Lebensraum für zahlreiche seltene und bedrohte Insektenarten, insbesondere Tagfalter, Heuschrecken, Libellen und Wanzen, bietet. Die feuchten Wiesen und der Tümpel sind ein idealer Lebensraum für Amphibien, z. B. den Laubfrosch.
5. Stallmist, Altheu, Abfälle oder sonstige Gegenstände zu lagern;
9. Tiere einzubringen, wildlebenden Tieren nachzustellen, sie mutwillig zu beunruhigen, sie zu fangen, zu verletzen oder zu töten oder Puppen, Larven, Eier oder Nester oder sonstige Brut-, Wohn- oder Zufluchtstätten dieser Tiere freizulegen, zu entfernen, zu beschädigen oder zu zerstören;
10. Störungen an den Lebens-, Brut- und Wohnstätten wildlebender Tiere, insbesondere durch Fotografieren, Filmen oder ähnliche Handlungen zu verursachen;
18. Grünland in Ackerland umzuwandeln;
19. auf Grünlandflächen den ersten Schnitt vor dem 1. Juni und auf den Naßwiesen (s. Schutzgebietskarte) vor dem 20. Juni durchzuführen;
1. für die ordnungsgemäße Ausübung der Jagd unter Beachtung des Schutzzweckes mit der Maßgabe, daß keine neuen Futterstellen eingerichtet werden und daß Kirrungen unterbleiben;
2. für die ordnungsgemäße forstwirtschaftliche Nutzung in der bisherigen Art, im bisherigen Umfang und in bisheriger Intensität mit der Maßgabe, daß die Fichtenaufforstungen mittelfristig in naturnahen Laubwald mit standortgerechten heimischen Laubbaumarten überführt werden sollen; § 4 der Verordnung über Anwendungsverbote für Pflanzenschutzmittel (Pflanzenschutz-Anwendungsverordnung) in der jeweils gültigen Fassung bleibt unberührt;
3. für die ordnungsgemäße landwirtschaftliche Nutzung in der bisherigen Art, im bisherigen Umfang und in bisheriger Intensität mit der Maßgabe, daß die Feuchtgebiete (Naßwiesen, Tümpel und Gräben) und Ränder (Gewässerrandstreifen im Sinne des Wasserrechts) nicht gedüngt werden dürfen und im übrigen eine Düngung nur mit organischem Dünger und nur alle drei Jahre in einer Menge von max. 50 kg Gesamtstickstoff (dies entspricht z.B. 100 dt Festmist Rinder) zulässig ist; § 4 Abs. 2 Ziff. 4, 5, 7, 17 bis 19 bleibt gültig;
Das Recht, die landwirtschaftliche Nutzung aufzunehmen, die auf Grund vertraglicher Bewirtschaftungsbeschränkungen oder Teilnahme an einem Extensivierungs- oder Stillegungsprogramm zeitweise eingeschränkt oder aufgegeben worden war, bleibt unberührt; § 4 der Verordnung über Anwendungsverbote für Pflanzenschutzmittel (Pflanzenschutz-Anwendungsverordnung) in der jeweils gültigen Fassung bleibt unberührt;
4. für die ordnungsgemäße Ausübung der Fischerei in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang;
5. für die sonstige bisher rechtmäßigerweise ausgeübte Nutzung der Grundstücke sowie der rechtmäßigerweise bestehenden Einrichtungen in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang sowie deren Unterhaltung und Instandsetzung;
6. für die bestimmungsgemäße Nutzung, Unterhaltung und Instandsetzung der öffentlichen Straßen, Gewässer und Wege, sonstiger Ver- und Entsorgungsanlagen sowie Fernmeldeanlagen;
7. für Pflegemaßnahmen, die von der höheren Naturschutzbehörde oder der von ihr beauftragen Stelle -im Wald im Einvernehmen mit dem zuständigen staatlichen Forstamt - veranlaßt werden;
(2) Ordnungswidrig im Sinne des § 40 Abs. 2 Nr. 7 des Landesjagdgesetzes handelt, wer in dem Naturschutzgebiet vorsätzlich oder fahrlässig entgegen § 4 und § 5 Nr. 1 die Jagd ausübt.
TÜBINGEN, den 22. Januar 1997