Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Text=WM%201996,%201439
Timestamp: 2020-04-10 10:50:58
Document Index: 41435093

Matched Legal Cases: ['BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 132', '§ 132', '§ 138', '§ 9', '§ 138', '§ 132', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 138', '§ 171', '§ 132', '§ 138', 'BGH']

BGH, 11.07.1996 - IX ZR 74/95 - dejure.org
https://dejure.org/1996,1430
BGH, 11.07.1996 - IX ZR 74/95 (https://dejure.org/1996,1430)
BGH, Entscheidung vom 11.07.1996 - IX ZR 74/95 (https://dejure.org/1996,1430)
BGH, Entscheidung vom 11. Juli 1996 - IX ZR 74/95 (https://dejure.org/1996,1430)
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Sicherungsübereignung - Warenlager - Globalabtretung - Sittenwidrigkeit - Freigabeklausel
Anfrage des IX. an den VII. Senat zur Wirksamkeit von Globalsicherheiten ohne ermessensunabhängige Freigabeklausel oder Deckungsgrenze
NJW 1996, 2786
ZIP 1996, 1429
WM 1996, 1439
BB 1996, 1789
DB 1996, 1771
Nachdem der VIII. Zivilsenat mitgeteilt hatte, daß er an seiner entgegenstehenden Rechtsauffassung nicht festhalte, hat der IX. Zivilsenat eine Anfrage gemäß § 132 Abs. 3 GVG an den VII. Zivilsenat gerichtet (abgedruckt in WM 1996, 1439 ff.).
Zugleich hat er seinerseits gemäß § 132 Abs. 3 und 4 GVG beim VII. Zivilsenat angefragt, ob eine Sicherungsübereignung eines Warenlagers mit wechselndem Bestand oder eine Globalabtretung ohne ermessensunabhängige Freigabeklausel bzw. ohne ausdrückliche Festlegung einer Deckungsgrenze nach § 138 Abs. 1 BGB nichtig bzw. nach § 9 Abs. 1 AGBG unwirksam sei (Beschluß vom 11. Juli 1996 - IX ZR 74/95 = WM 1996, 1439).
Der VII. Zivilsenat hat auf die Anfragen des IX. und XI. Zivilsenats mitgeteilt, er halte an seiner Rechtsauffassung, daß eine Globalabtretung ohne Festlegung einer Deckungsgrenze nach § 138 Abs. 1 BGB nichtig sei, nur für die Fälle fest, in denen sich die Deckungsgrenze nicht im Sinne der Ansicht des IX. Zivilsenats durch Auslegung auf den Nominalwert festlegen lasse (Beschluß vom 10. Oktober 1996 - XI ZR 234/95, IX ZR 74/95 = WM 1997, 311; mit Anmerkungen von Bülow EWiR 1997, 205; Liebelt-Westphal ZIP 1997, 230).
Eine Vorlage gemäß § 132 Abs. 4 GVG erübrigt sich, da die Frage, ob und gegebenenfalls wie eine vertragsimmanente Deckungsklausel zu bestimmen ist, bereits Gegenstand des Vorlagebeschlusses des IX. Zivilsenats vom 6. März 1997 (IX ZR 74/95 = WM 1997, 750) ist.
Insoweit besteht Übereinstimmung mit dem IX. Zivilsenat (vgl. Vorlagebeschluß vom 6. März 1997 aaO S. 754 unter c).
dd) Soweit der IX. Zivilsenat hinsichtlich der Bewertung abgetretener Forderungen auf die Rechtsprechung des BGH (BGHZ 98, 303, 316 f.; Urteil vom 8. Dezember 1993 - VIII ZR 166/93 = WM 1994, 104, 105; Urteil vom 10. Mai 1994 - XI ZR 65/93 = WM 1994, 1283, 1284 f.; Urteil vom 9. November 1995 - IX ZR 179/94 = WM 1995, 2173, 2175) abhebt, nach der im Zweifel vom Nennwert auszugehen sei (Beschluß vom 6. März 1997 aaO), würdigt er diese Entscheidungen ohne Rücksicht auf ihren Zusammenhang.
ee) Ähnliches gilt für die vom IX. Zivilsenat (Beschluß vom 6. März 1997 aaO) für die Bewertung eines sicherungsübereigneten Warenlagers mit wechselndem Bestand zum Markt- oder Börsenpreis bzw. zum Einkaufs- oder Gestehungspreis angeführten Entscheidungen.
Das gilt im Grundsatz für alle Branchen und erst recht - ohne daß insoweit eine Differenzierung sachlich gerechtfertigt und tatsächlich möglich wäre - bei Geschäftszweigen mit erfahrungsgemäß hohem Ausfallrisiko (vgl. BGH, Beschluß des VII. Zivilsenats vom 10. Oktober 1996 aaO).
c) Die Festlegung einer Deckungsgrenze von 110% unter Einbeziehung eines Zuschlags von 10% für Nebenforderungen und Kosten der Rechtsverfolgung (vgl. BGHZ 94, 105, 115; 120, 300, 303; BGH, Beschluß vom 6. März 1997 aaO S. 757; Ganter WM 1996, 1705, 1710; Pfeiffer ZIP 1997, 49, 58; M. Wolf LM § 138 (Aa) BGB Nr. 51 d unter Hinweis auf § 171 InsO) würde dem berechtigten Interesse des Sicherungsnehmers ebenfalls nicht gerecht.
Soweit der IX. Zivilsenat in seinem Vorlagebeschluß vom 6. März 1997 (aaO) darauf hinweist, der Sicherungsnehmer erhalte durch die Bewertung des Sicherungsgutes zum Einkaufspreis mit der bei der Verwertung zu erzielenden Gewinnspanne eine "Sicherheitsreserve", ist deren Realisierung bereits in tatsächlicher Hinsicht zweifelhaft.
Im übrigen hat der IX. Zivilsenat das Anfrageverfahren nach § 132 Abs. 3 GVG eingeleitet (Beschl. v. 11. Juli 1996, WM 1996, 1439 ff m. Anm. Canaris ZIP 1996, 1577 ff; Pfeiffer ZIP 1997, 49 ff; Rellermeyer WuB I F 4.-l.97; Serick WM 1997, 345 ff; M. Wolf LM BGB § 138 (Aa) Nr. 51 d).
bb) Dementsprechend hat der Senat in seinen Beschlüssen vom 11. Juli 1996 (Antwort an den XI. Zivilsenat, WM 1996, 1436 ff, und Anfrage beim VII. Zivilsenat, WM 1996, 1439 ff) vorgeschlagen, die allgemeine Deckungsgrenze auf 100 % festzusetzen.
So sind im Wege der Vertragsauslegung durch die Rechtsprechung anerkannte Rechte und Pflichten dispositives Recht in diesem Sinne (vgl. BGH, Urteil vom 14. Mai 1996 - XI ZR 257/94 = NJW 1996, 2092 ; Beschluss vom 11. Juli 1996 - IX ZR 74/95 = NJW 1996, 2786 ).
Der IX. Zivilsenat ist sogar - weitergehend als der XI. Zivilsenat, der insoweit seine Meinung geändert hat (vgl. einerseits den Anfragebeschluß vom 23. Januar 1996 XI ZR 254/94, WM 1996, 476, 478, andererseits das in derselben Sache ergangene Urteil vom 14. Mai 1996, WM 1996, 1128, 1130) - der Ansicht, daß dieser Freigabeanspruch strikt, d.h. ermessensunabhängig, ausgestattet ist (vgl. den zur Veröffentlichung bestimmten Anfragebeschluß in der Sache IX ZR 74/95 vom heutigen Tage).