Source: https://www.rechtslupe.de/strafrecht/mandantengelder-auf-dem-gepfaendeten-anwaltskonto-383348
Timestamp: 2020-01-25 14:48:05
Document Index: 229558638

Matched Legal Cases: ['§ 114', '§ 46', '§ 25', '§ 13', '§ 155', 'BGH', 'BGH', '§ 266', 'BGH', 'BGH', '§ 266', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 356', 'BGH', '§ 70', 'BGH', 'BGH']

Man­dan­ten­gel­der auf dem gepfän­de­ten Anwalts­kon­to | Rechtslupe
Mandantengelder auf dem gepfändeten Anwaltskonto
Man­dan­ten­gel­der auf dem gepfän­de­ten Anwalts­kon­to
Ein Rechts­an­walt, der Gerichts­kos­ten­vor­schüs­se bzw. für sei­ne Man­dan­ten in Emp­fang genom­me­nen Gel­der nicht wei­ter­lei­tet son­dern ander­wei­tig ver­wen­det, erfüllt jeweils den Tat­be­stand der Untreue.
So begeht ein Rechts­an­walt, der sich im Rah­men eines bestehen­den Anwalts­ver­tra­ges zur Wei­ter­lei­tung bestimm­te Fremd­gel­der auf sein Geschäfts­kon­to ein­zah­len lässt und weder unein­ge­schränkt bereit noch jeder­zeit fähig ist, einen ent­spre­chen­den Betrag aus eige­nen flüs­si­gen Mit­teln voll­stän­dig aus­zu­keh­ren, eine Untreue 1.
Im hier vom Bun­des­ge­richts­hof ent­schie­de­nen Fall war das Geschäfts­kon­to häu­fig über­zo­gen und per­ma­nent Pfän­dungs­maß­nah­men unter­wor­fen, so dass ein­ge­hen­de Man­dan­ten­gel­der inso­weit unmit­tel­bar mit Ein­gang auf dem Kon­to dem Aus­gleich des Solls dien­ten.
Soweit dem Rechts­an­walt in Ein­zel­fäl­len mög­li­cher­wei­se Hono­rar­an­sprü­che in einer die Zah­lungs­ein­gän­ge über­stei­gen­den Höhe zustan­den, hin­dert dies nicht die Annah­me eines Ver­mö­gens­nach­teils. Zwar fehlt es an einem Ver­mö­gens­nach­teil, wenn der Täter einen fäl­li­gen Geld­an­spruch gegen das von ihm treu­hän­de­risch ver­wal­te­te Ver­mö­gen hat und hier­über in ent­spre­chen­der Höhe zu eige­nen Guns­ten ver­fügt, so dass der Treu­ge­ber von einer bestehen­den Ver­bind­lich­keit befreit wird 2. Dies setzt aber vor­aus, dass die Ver­wen­dung der Man­dan­ten­gel­der nicht mit dem Vor­satz rechts­wid­ri­ger Berei­che­rung erfolgt, son­dern tat­säch­lich dem Zweck dient, bestehen­de Hono­rar­an­sprü­che zu befrie­di­gen 3. Dar­an fehl­te es im hier ent­schie­de­nen Fall: Irgend­wel­che Hono­rar­an­sprü­che hat der Rechts­an­walt in kei­nem der abge­ur­teil­ten Fäl­le bezif­fert und gel­tend gemacht, so dass es schon des­halb an einer mög­li­cher­wei­se in Betracht kom­men­den Auf­rech­nungs­la­ge fehlt. Viel­mehr dien­te die Ver­wen­dung der Fremd­gel­der durch den Rechts­an­walt ein­zig dazu, die im Zusam­men­hang mit dem Betrieb der Kanz­lei anfal­len­den Kos­ten beglei­chen und pri­va­te Ver­bind­lich­kei­ten erfül­len zu kön­nen.
Soweit sich die Tat­hand­lung des Rechts­an­walts aller­dings in einem ein­ma­li­gen Anspruchs­schrei­ben unter Anga­be sei­nes Geschäfts­kon­tos für zu leis­ten­de Zah­lun­gen erschöp­fen, recht­fer­tigt dies – auch wenn die Gegen­sei­te meh­re­re Teil­zah­lun­gen erbracht hat – nicht die Annah­me von Tat­mehr­heit 4.
Beim Straf­aus­spruch hat das Gericht zu berück­sich­ti­gen, wenn der Rechts­an­walt auf­grund die­ser Tat­vor­wür­fe aus der Rechts­an­walt­schaft aus­ge­schlos­sen wor­den ist. Anwalts­recht­li­che Sank­tio­nen nach § 114 Abs. 1 BRAO sind als Neben­wir­kun­gen einer straf­recht­li­chen Ver­ur­tei­lung gemäß § 46 Abs. 1 Satz 2 StGB bereits bei der Bemes­sung der Ein­zel­stra­fen zu berück­sich­ti­gen, wenn der Rechts­an­walt durch sie sei­ne beruf­li­che und wirt­schaft­li­che Basis ver­liert 5.
Soweit hier­nach eine Bewäh­rungs­stra­fe in Betracht kommt, ist wei­ter zu beach­ten, dass zwar ein Berufs­ver­bot grund­sätz­lich auch neben einer Bewäh­rungs­stra­fe ver­hängt wer­den kann, etwa dann, wenn der Gefahr wei­te­rer Straf­ta­ten gera­de durch das Berufs­ver­bot ent­ge­gen­ge­steu­ert wer­den kann 6; dies erfor­dert aber eine Gesamt­wür­di­gung der Umstän­de des Ein­zel­falls 7, in deren Rah­men hier auch zu berück­sich­ti­gen gewe­sen wäre, dass die Ver­hän­gung eines Berufs­ver­bots dann aus­schei­det, wenn zu erwar­ten ist, dass der Ange­klag­te bereits durch die Ver­ur­tei­lung zu der ver­häng­ten Stra­fe oder jeden­falls durch deren Ver­bü­ßung von wei­te­ren Taten abge­hal­ten wer­den kann 8.
Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 24. Juli 2014 – 2 StR 221/​14
Her­aus­ga­be eines Schlüs­sels – und die Rechts­mit­tel­be­schwer Das für die Rechts­mit­tel­be­schwer maß­geb­li­che Inter­es­se der Par­tei, deren auf die Her­aus­ga­be eines Schlüs­sels gerich­te­ter Kla­ge­an­trag abge­wie­sen wor­den ist, rich­tet sich in aller Regel nach…
Neben­wir­kun­gen einer straf­recht­li­chen Ver­ur­tei­lung auf das… Die Neben­wir­kun­gen einer straf­recht­li­chen Ver­ur­tei­lung auf das Leben des Täters sind jeden­falls dann zu berück­sich­ti­gen, wenn die­ser durch sie sei­ne beruf­li­che oder wirt­schaft­li­che Basis ver­liert…
Ver­lust der deut­schen Staats­an­ge­hö­rig­keit durch… Nach § 25 Abs. 1 Satz 1 StAG ver­liert ein Deut­scher sei­ne Staats­an­ge­hö­rig­keit mit dem Erwerb einer aus­län­di­schen Staats­an­ge­hö­rig­keit, wenn die­ser Erwerb auf sei­nen Antrag…
Fremd­gel­der auf dem Kanz­lei­kon­to Zwar kann der Schwer­punkt der Vor­werf­bar­keit in einem Unter­las­sen im Sin­ne des § 13 StGB lie­gen, wenn ein Rechts­an­walt den Tat­be­stand der Untreue allein dadurch…
Kin­des­un­ter­halt und die Dar­lehns­ra­ten der Eltern Vom bar­un­ter­halts­pflich­ti­gen Kinds­va­ter allein auf­ge­brach­te Dar­lehns­ra­ten für aus der Ehe­zeit resul­tie­ren­de Schul­den sind im Rah­men der Berech­nung des Kin­des­un­ter­halts nicht in jedem Fall vom Ein­kom­men…
Anwalts­tä­tig­keit trotz Berufs­ver­bot Wegen des ein­deu­ti­gen, einer Aus­le­gung nicht zugäng­li­chen Wort­lauts des § 155 Abs. 5 Satz 1 BRAO und des dar­in zum Aus­druck kom­men­den Wil­lens des Gesetz­ge­bers,…
vgl. BGH, Urteil vom 27.01.1988 – 3 StR 61/​87, BGHR StGB § 266 Abs. 1 Nach­teil 8; Beschluss vom 30.10.2003 – 3 StR 276/​03, NStZ-RR 2004, 54[↩]
vgl. BGH, Urteil vom 13.07.1999 – 5 StR 667/​98, BGHR StGB § 266 Abs. 1 Nach­teil 46[↩]
vgl. BGH, Urteil vom 07.05.1997 – 1 StR 638/​97, NStZ-RR 1997, 298, 299; Beschluss vom 05.07.2011 – 3 StR 444/​10, NStZ-RR 2011, 312, 313; Schmidt, NStZ 2013, 498, 500 f.[↩]
vgl. BGH, Beschluss vom 25.07.1997 – 3 StR 179/​97, NStZ-RR 1997, 357[↩]
vgl. BGH, Beschluss vom 13.02.1991 – 3 StR 13/​91, BGHR StGB § 356 Abs. 1 Rechts­sa­che 1; Beschluss vom 02.02.2010 – 4 StR 514/​09, StV 2010, 479 f.[↩]
vgl. BGH, Beschluss vom 30.10.2003 – 3 StR 276/​03, NStZ-RR 2004, 54; LK-Hanack, 12. Aufl., § 70 Rn. 43a[↩]
vgl. BGH, Beschluss vom 05.08.2009 – 5 StR 248/​09, NStZ 2010, 170, 171[↩]
BGH, Beschluss vom 12.09.1994 – 5 StR 487/​94, NStZ 1995, 124[↩]