Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Text=VI%20ZR%20102/64
Timestamp: 2019-09-17 09:34:59
Document Index: 355149972

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BGH, 26.10.1965 - VI ZR 102/64 - dejure.org
BGH, 26.10.1965 - VI ZR 102/64
https://dejure.org/1965,524
BGH, 26.10.1965 - VI ZR 102/64 (https://dejure.org/1965,524)
BGH, Entscheidung vom 26.10.1965 - VI ZR 102/64 (https://dejure.org/1965,524)
BGH, Entscheidung vom 26. Januar 1965 - VI ZR 102/64 (https://dejure.org/1965,524)
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Leichte Fahrlässigkeit - Gefälligkeitsfahrten - Haftung
Haftungsmaßstab bei Gefälligkeitsfahrten
NJW 1966, 41
MDR 1966, 138
VersR 1966, 40
Das gilt insbesondere dann, wenn, wie hier, hinter dem Tierhalter eine Versicherung steht, denn ein Haftungsverzicht, der lediglich den Versicherer entlastet, entspricht in der Regel nicht dem Willen der Beteiligten und ihrem wohlverstandenen Interesse (vgl. BGHZ 39, 156, 158 [BGH 05.03.1963 - VI ZR 123/62]; 63, 51, 59 [BGH 10.07.1974 - IV ZR 212/72]; BGH, Urteile vom 26. Oktober 1965 aaO;… vom 15. Januar 1980 a.a.O. …und vom 24. Juni 1986 aaO).
Gerade dort, wo der Schädiger gegen Haftpflicht versichert ist, erst recht, wenn eine Pflichtversicherung besteht, die dem Schutz des Unfallopfers dienen soll, entspricht es weder dem gesetzlichen Anliegen der Versicherungspflicht noch dem Willen der Beteiligten, durch (letztlich fingierte) Verzichtsabreden den Haftpflichtversicherer zu entlasten (vgl. BGHZ 39, 156, 158 [BGH 05.03.1963 - VI ZR 123/62]; Senatsurteilevom 26. Oktober 1965 - VI ZR 102/64 - VersR 1966, 40, 41 undvom 9. Juni 1992 - VI ZR 49/91VI ZR 49/91 - aaO).
Bei dem Zurückgreifen auf den unterstellten Parteiwillen handelt es sich vielmehr um eine Fiktion, mit der ein als angemessen angesehenes Ergebnis begründet werden soll (Urteile des erkennenden Senats v. 8.1.1965 - VI ZR 234/63, BGHZ 43, BGHZ 43 Seite 72, BGHZ 43 Seite 76 = NJW 65, NJW Jahr 65 Seite 907 = VersR 65, VERSR Jahr 65 Seite 386, VERSR Jahr 65 Seite 387 und v. 26.10.1965 - VI ZR 102/64, NJW 66, NJW Jahr 66 Seite 41 = VersR 66, VERSR Jahr 66 Seite 40, VERSR Jahr 66 Seite 41).
Wie auch die Revision nicht verkennt, reicht nach ständiger Rechtsprechung der Umstand, daß es sich um eine sog. Gefälligkeitsfahrt gehandelt hatte, nicht aus, um die Haftung des schuldigen Fahrers auszuschließen (vgl. BGHZ 41, 79, 81 [BGH 11.02.1964 - VI ZR 271/62] ; Senatsurteil vom 22. Oktober 1965 - VI ZR 102/64 - VersR 1966, 40).
Wo der Schädiger gegen Haftpflicht versichert ist, entspricht es im Allgemeinen weder dem gesetzlichen Anliegen der Versicherungspflicht noch dem Willen der Beteiligten, durch letztlich fingierte Verzichtsabreden den Haftpflichtversicherer zu entlasten (vgl. BGHZ 39, 156, 158; BGH, VersR 1966, 40, 41; 1993, 1092, 1093).
Als ungenügende Anhaltspunkte hat der BGH insoweit bloße Gefälligkeiten oder nahe Beziehungen zwischen den Beteiligten gewertet (BGH, Urteil vom 26. Oktober 1965 - VI ZR 102/64 -, NJW 1966, 41).
Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs noch nicht den Schluß zu, daß der Fahrgast stillschweigend auf die Haftung des Fahrers aus leichter Fahrlässigkeit verzichtet habe (zuletzt BGHZ 43, 72 und Urteil des BGH von 26.10.1965 in NJW 1966, 41).