Source: https://steuerbuch.lu.ch/index/band_2_weisungen_stg__unternehmenssteuerrecht_verwaltungsgesellschaften.html
Timestamp: 2019-11-13 21:59:31
Document Index: 382264421

Matched Legal Cases: ['§ 86', '§ 86', '§ 95', '§ 86', '§ 81', '§ 81', '§ 86', '§ 93', '§ 94', '§ 93', '§ 89', '§ 86', '§ 86']

§ 86 / 94 Nr. 1: Verwaltungsgesellschaften
§ 86 / 94 Nr. 1
2. Verwaltungstätigkeit
4. Übrige Einkünfte aus der Schweiz
5. Übrige Einkünfte aus dem Ausland
6. Besteuerung von Verwaltungsgesellschaften
9. Minimalsteuer
10. Spartenrechnung
11. Berechnungsschema Steuerbelastung
Verwaltungsgesellschaften sind Kapitalgesellschaften, Genossenschaften oder Stiftungen, die in der Schweiz eine Verwaltungstätigkeit und keine oder nur eine untergeordnete Geschäftstätigkeit ausüben. Der Besitz von Grundeigentum in der Schweiz ist erlaubt. Verwaltungsgesellschaften müssen nicht ausländisch beherrscht sein. Ausländische Gesellschaften mit schweizerischen Betriebsstätten können, soweit die Voraussetzungen erfüllt sind, für die in der Schweiz steuerbaren Faktoren ebenfalls als Verwaltungsgesellschaft besteuert werden.
Unter Verwaltungstätigkeit ist die Verwaltung derjenigen Güter zu verstehen, welche die Gesellschaft bereits besitzt und die sie ohne aktive kommerzielle Tätigkeit dazuerwirbt.
Im Konzernverbund wird die Verwaltung, Verwertung und Vermittlung von Immaterialgüterrechten als zulässig erachtet, solange nicht eigene Aktivitäten zur Wertschöpfung entfaltet werden und das Betätigungsfeld vorwiegend im Ausland liegt. Auch Hilfstätigkeiten wie Fakturierung, Inkasso, Informationsvermittlung und Finanzierung sind zulässig, wenn sie beispielsweise aufgrund von ausländischen Instruktionen erfolgen und die eigentliche kommerzielle Wertschöpfung nicht in der Schweiz erzielt wird.
Als Geschäftstätigkeit gilt grundsätzlich die Fabrikation, der Handel, das Erbringen von Dienstleistungen, die Ausübung von Treuhandfunktionen, die Akquisition, die Werbung und die Vermittlung von Geschäften.
Im Ausland ist jegliche Art von Geschäftstätigkeit erlaubt. Massgebend ist der Wirkungsort. Damit ist insbesondere die Durchführung von sogenannten Ausland-/ Ausland-Geschäften zulässig.
In der Schweiz darf eine untergeordnete Geschäftstätigkeit ausgeübt werden. Für die Beurteilung, ob die Geschäftstätigkeit überwiegend im Ausland ausgeübt wird, ist grundsätzlich kumulativ sowohl auf die Beschaffungs- wie auch auf die Absatzseite abzustellen. Damit Handelstätigkeiten als ausländische Geschäftstätigkeit gilt, müssen sich diese ausschliesslich auf ausländischen Märkten abspielen, d.h. sowohl der/die Lieferant/in als auch die Käuferschaft müssen im Ausland ansässig sein und die gehandelte Ware darf nicht in die Schweiz gelangen. Zulässig ist die Zwischenlagerung in einem Zollfreilager. Für Dienstleistungen ist der Ort der Erarbeitung massgebend.
Übrige Einkünfte aus der Schweiz sind beispielsweise Erträge oder Kapitalgewinne aus inländischen Immobilien, Wertschriften von schweizerischen Schuldnern/Schuldnerinnen, Entschädigungen von inländischen Konzerngesellschaften für die Ausführung von Hilfsfunktionen und Lizenzeinnahmen aus schweizerischen Quellen. Die Zuordnung von Zinserträgen erfolgt in Anlehnung auf die Behandlung bei der Verrechnungssteuer. Einkünfte, für die eine Entlastung von ausländischen Quellensteuern beansprucht wird und der Staatsvertrag die ordentliche Besteuerung in der Schweiz voraussetzt, gelten ebenfalls als Einkünfte aus der Schweiz.
Zu den übrigen Einkünfte aus dem Ausland gehören insbesondere die passiven Einkünfte aus ausländischen Quellen wie Zinsen, Dividenden aus nicht massgeblichen Beteiligungen, Lizenzerträge sowie Entschädigungen von ausländischen Konzerngesellschaften für die Ausübung von Hilfsfunktionen.
In Anwendung der allgemeinen Grundsätze wird der steuerbare Reingewinn der Gesellschaft ermittelt.
Mittels Spartenrechnung (vgl. Ziff. 10) sind die Erträge aus Beteiligungen, welche steuerfrei sind, das Inlandergebnis, welches vollständig der Besteuerung in der Schweiz unterliegt, sowie das Auslandergebnis, welches nach der Bedeutung der Verwaltungs- bzw. Geschäftstätigkeit besteuert wird, auszuscheiden. Der geschäftsmässig begründete Aufwand ist den entsprechenden Ertragsgruppen zuzuordnen.
Der Finanzierungs- und Verwaltungsaufwand ist aufgrund der Spartenrechnung zu verteilen. Eine proportionale Aufteilung ist nur zulässig, falls er nicht spartenmässig zugewiesen werden kann. Der auf die Bewirtschaftung der Beteiligungen entfallenden Teil des Finanzierungs- und Verwaltungsaufwands ist mit den Beteiligungserträgen zu verrechnen. Verluste aus Beteiligungen können nicht auf die steuerbaren Erträge verlegt werden.
Die Staats- und Gemeindesteuern werden aufgrund des Berechnungsschemas (vgl. Ziff. 11) erhoben.
Verwaltungsgesellschaften unterliegen dem ordentlichen Veranlagungsverfahren. Die Besteuerung als Verwaltungsgesellschaft kann mit der einzureichenden Steuererklärung unter Bemerkungen beantragt werden.
Bei Vorliegen besonderer Umständen, welche eine frühere Beurteilung der Besteuerung als Verwaltungsgesellschaft nötig machen, kann eine Vorprüfung erfolgen.
Wird erstmals die Besteuerung als Verwaltungsgesellschaft geltend gemacht, werden die allfällig vorhandenen stillen Reserven (insbesondere auf einem ausländischen Auslieferungslager, welches bisher keine Betriebsstätte darstellte) besteuert. Auf die Besteuerung wird jedoch verzichtet, soweit diese stillen Reserven weiterhin vollumfänglich in der Schweiz steuerbar bleiben (z.B. Immobilien, schweizerische Wertpapiere etc.).
Die Voraussetzungen zur Besteuerung als Verwaltungsgesellschaft müssen in jedem Geschäftsjahr erfüllt sein. Sind die Voraussetzungen in einem Geschäftsjahr nicht gegeben, entfällt grundsätzlich für dieses Jahr eine Privilegierung, selbst wenn in einem späteren Jahr die Voraussetzungen wieder erfüllt werden. Die während der Zeit der Besteuerung als Verwaltungsgesellschaft entstandenen stillen Reserven können vor dem Übergang zur ordentlichen Besteuerung in einer Steuerbilanz offengelegt werden.
Die Minimalsteuer auf Grundstücken wird an Stelle der ordentlichen Gewinn- und Kapitalsteuern erhoben, wenn der Minimalsteuerbetrag die Gesamtsteuer der Verwaltungsgesellschaft übersteigt (vgl. LU StB Bd. 2 Weisungen StG § 95 Nr. 1).
Total der Einkünfte A B C
B + C in Prozenten von A %
Personal- und Verwaltungsaufwand Schweiz D
D in Prozenten von C %
Ergebnis gemäss Jahresrechnung
(ab Steuerjahr 2011)
1 Gewinnsteuer
Das nachstehende Berechnungsmodell ist gültig ab der Steuerperiode 2011. Unternehmen, die bereits im Steuerjahr 2010 im Kanton Luzern steuerpflichtig waren, können im Sinne einer Übergangsregelung verlangen, dass die Steuerberechnung 2011 nach dem bis zum Steuerjahr 2010 gültigen Berechnungsschema vorgenommen wird (vgl. Berechnungsschema in der bis 2010 gültigen Fassung unter www.steuerbuch.lu/archive). Der entsprechende Antrag ist auf der Steuererklärung unter Bemerkungen festzuhalten.
1.1 Gewinn aus Ertrag Schweiz (§ 86 Abs. 1b und Abs. 3 StG) Einfache Steuer
Geschäftsjahr/Steuerjahr 2011
Ordentliche Gewinnsteuer gemäss § 81 StG 3%
Geschäfts-/Steuerjahre 2012 ff
Ordentliche Gewinnsteuer gemäss § 81 StG 1,5%
1.2 Gewinn aus Ertrag Ausland (§ 86 Abs. 1c und Abs. 2 StG) Besteuerungsquote
Die übrigen Einkünfte aus dem Ausland werden nach der Bedeutung der Verwaltungs- bzw. der Geschäftstätigkeit in der Schweiz besteuert (in Prozenten der ordentlichen Gewinnsteuer):
1.2.1 Kein Personalaufwand in der Schweiz für die Abwicklung der privilegiert besteuerten Gewinne 10%
1.2.2 Eigenes Personal in der Schweiz oder Leistungsverrechnungen von Unternehmen in der Schweiz für Ausland-Ausland-Tätigkeit
Im Kanton Luzern aus Ausland-Ausland-Tätigkeit steuerpflichtiger Gewinn bis CHF 100 Mio. pro Jahr (wird individuell aufgrund der Bedeutung der Tätigkeit in der Schweiz im Verhältnis zur Gesamtleistung festgelegt) 15 - 30%
Der im Kanton Luzern aus Ausland-Ausland-Tätigkeit steuerpflichtige Gewinn, der CHF 100 Mio. pro Jahr übersteigt 10%
2 Kapitalsteuer (§§ 93 und 94 StG) Feste/einfache Steuer
Personal- und Verwaltungsaufwand in der Schweiz weniger als CHF 750'000 1) oder Auslandeinkünfte3) 80% und mehr der Gesamteinkünfte (§ 94 StG) Feste Steuer: 0,001%2)
Keines der beiden oben aufgeführten Kriterien wird erfüllt (§ 93 StG) Einfache Steuer:
0,05%2)
1) Personal- und Verwaltungsaufwand: Sämtlicher Aufwand im Sinne der Kontenklassen 5 und 65 des Kontenrahmen KMU (inklusive Management-Fees an Gruppengesellschaften sowie Patent- und Lizenzaufwand)
2) Massgebendes Kapital: Steuerpflichtiges Eigenkapital gemäss §§ 89 bis 91 StG
3) Berechnung übrige Auslandeinkünfte: Gemäss § 86 Abs. 1c StG: Auslandeinkünfte inklusive Beteiligungsertrag gemäss § 86 Abs. 1a StG