Source: https://www.rechtslupe.de/verwaltungsrecht/beamtenrecht/mitbestimmungsverfahren-zwischen-eigenbetriebsleiter-und-personalrat-des-eigenbetriebs-367664
Timestamp: 2020-01-25 13:28:18
Document Index: 281866349

Matched Legal Cases: ['§ 85', '§ 85', '§ 85', '§ 79', '§ 79', '§ 6', '§ 79', '§ 79', '§ 53', '§ 79', '§ 10', '§ 85', '§ 79', '§ 54', '§ 85', '§ 85', '§ 85', '§ 85', '§ 85', '§ 85', '§ 85', '§ 79', '§ 69', '§ 69', '§ 79', '§ 83', '§ 52', '§ 71', '§ 71', '§ 71', '§ 71', '§ 71', '§ 71']

Mit­be­stim­mungs­ver­fah­ren zwi­schen Ei­gen­be­triebs­lei­ter und Per­so­nal­rat des Ei­gen­be­triebs | Rechtslupe
Kommt im Mit­be­stim­mungs­ver­fah­ren zwi­schen dem Ei­gen­be­triebs­lei­ter und dem Per­so­nal­rat des Ei­gen­be­triebs kei­ne Ei­ni­gung zu­stan­de und ruft einer von ihnen dar­auf­hin die Ei­ni­gungs­stel­le (§ 85 Sächs­Pers­VG) an, ob­liegt nicht nur die in § 85 Abs. 1 Satz 3 Sächs­Pers­VG ge­re­gel­te Be­stel­lung der Bei­sit­zer der Ei­ni­gungs­stel­le dem Ei­gen­be­triebs­lei­ter und dem Per­so­nal­rat des Ei­gen­be­triebs, son­dern sind die­se auch zu­stän­dig für die Ei­ni­gung auf die Per­son des Vor­sit­zen­den der Ei­ni­gungs­stel­le. Dies gilt auch dann, wenn beim Ober­bür­ger­meis­ter der Stadt in Ab­spra­che mit dem Ge­samt­per­so­nal­rat eine Ei­ni­gungs­stel­le als stän­di­ge Ein­rich­tung (§ 85 Abs. 1 Satz 2 Sächs­Pers­VG) ein­ge­rich­tet und für die­se ein Vor­sit­zen­der be­nannt ist.
Das Gesetz ent­hält eine aus­drück­li­che Rege­lung zur Ent­schei­dungs- bzw. Emp­feh­lungs­zu­stän­dig­keit der Eini­gungs­stel­le für den Fall, dass sich "zwi­schen der obers­ten Dienst­be­hör­de und der bei ihr bestehen­den zustän­di­gen Per­so­nal­ver­tre­tung" kei­ne Eini­gung ergibt und dar­auf­hin einer der Betei­lig­ten die Erklä­rung abgibt, die Ent­schei­dung der Eini­gungs­stel­le her­bei­zu­füh­ren (§ 79 Abs. 4 Sächs­Pers­VG). Die­se Rege­lung ist auf die Kon­stel­la­ti­on gemünzt, dass zuvor gemäß § 79 Abs. 3 Sächs­Pers­VG ein Stu­fen­ver­fah­ren bis zur Ebe­ne der obers­ten Dienst­be­hör­de durch­ge­führt wur­de, die­ses aber nicht zu einer Eini­gung geführt hat.
Die Mög­lich­keit zur Anru­fung der Eini­gungs­stel­le in Kon­stel­la­tio­nen, in denen kein Raum für ein Stu­fen­ver­fah­ren besteht – bei­spiels­wei­se Mit­be­stim­mungs­ver­fah­ren zwi­schen einer obers­ten Dienst­be­hör­de und dem bei ihr bestehen­den Haus­per­so­nal­rat -, ist im Gesetz nicht aus­drück­lich erwähnt, wird von ihm aber als selbst­ver­ständ­lich vor­aus­ge­setzt. Die­je­ni­gen Betei­lig­ten, die sich im Mit­be­stim­mungs­ver­fah­ren nicht eini­gen kön­nen, kön­nen hier unmit­tel­bar die Eini­gungs­stel­le anru­fen.
Bei Mit­be­stim­mungs­ver­fah­ren zwi­schen einem als selb­stän­di­ge Dienst­stel­le im Sin­ne von § 6 Sächs­Pers­VG ein­ge­rich­te­ten Eigen­be­trieb und dem bei ihm gebil­de­ten (ört­li­chen) Per­so­nal­rat besteht kein Raum für die Durch­füh­rung eines Stu­fen­ver­fah­rens. Eine Stu­fen­vor­la­ge gemäß § 79 Abs. 3 Sächs­Pers­VG an den Ober­bür­ger­meis­ter als obers­te Dienst­be­hör­de (vgl. § 79 Abs. 6 Sächs­Pers­VG i.V.m. § 53 Abs. 2 Satz 1 Sächs­Ge­mO) schei­det aus. Der ihm gegen­über ste­hen­de Gesamt­per­so­nal­rat ist kei­ne bei ihm bestehen­de Stu­fen­ver­tre­tung im Sin­ne von § 79 Abs. 3 Sächs­Pers­VG, son­dern dem (ört­li­chen) Per­so­nal­rat des Eigen­be­triebs per­so­nal­ver­tre­tungs­recht­lich gleich­ge­ord­net 1. Der Eigen­be­triebs­lei­ter sowie der (ört­li­che) Per­so­nal­rat des Eigen­be­triebs sind berech­tigt, bei feh­len­der Eini­gung unmit­tel­bar die Eini­gungs­stel­le anzu­ru­fen. Unbe­nom­men bleibt die Mög­lich­keit des Ober­bür­ger­meis­ters, den Eigen­be­triebs­lei­ter im Rah­men sei­ner fach­auf­sicht­li­chen Befug­nis­se (vgl. § 10 Sächs­Eig­BG) anzu­wei­sen, die Anru­fung der Eini­gungs­stel­le zu unter­las­sen.
Gemäß § 85 Abs. 1 Satz 3 Sächs­Pers­VG besteht die Eini­gungs­stel­le "aus je drei Bei­sit­zern, die von der obers­ten Dienst­be­hör­de und der bei ihr bestehen­den zustän­di­gen Per­so­nal­ver­tre­tung bestellt wer­den, und einem unpar­tei­ischen Vor­sit­zen­den, auf des­sen Per­son sich bei­de Sei­ten eini­gen". Mit die­sen Fest­le­gun­gen hat das Gesetz die in § 79 Abs. 4 Sächs­Pers­VG aus­drück­lich gere­gel­te Kon­stel­la­ti­on vor Augen, dass die Anru­fung der Eini­gungs­stel­le nach Durch­füh­rung eines Stu­fen­ver­fah­rens durch die obers­te Dienst­be­hör­de oder die bei ihr bestehen­de zustän­di­ge Per­so­nal­ver­tre­tung – d.h. den zustän­di­gen Haupt­per­so­nal­rat (vgl. § 54 Abs. 1 Sächs­Pers­VG) – erfolgt. Das Gesetz folgt inso­weit der Vor­stel­lung, dass die­je­ni­gen, die den Streit zuletzt in der Hand hat­ten, sowohl im Hin­blick auf ihre the­ma­ti­sche Ver­traut­heit mit dem Streit­ge­gen­stand wie unter legi­ti­ma­to­ri­schen Gesichts­punk­ten am ehes­ten beru­fen sind, die per­so­nel­le Zusam­men­set­zung der Eini­gungs­stel­le zu bestim­men.
Über­tra­gen auf die hier vor­lie­gen­de Kon­stel­la­ti­on führt die­se Vor­stel­lung zu dem Ergeb­nis, dass die Bei­sit­zer­be­stel­lung bzw. die Eini­gung auf den Vor­sit­zen­den dem Eigen­be­triebs­lei­ter sowie dem Per­so­nal­rat des Eigen­be­triebs oblie­gen muss. Der Gesamt­per­so­nal­rat kann – da er kei­ne Stu­fen­ver­tre­tung dar­stellt und daher mit dem Streit zuvor nicht befasst wer­den konn­te – schwer­lich als "zustän­di­ge" Per­so­nal­ver­tre­tung im Sin­ne von § 85 Abs. 1 Satz 3 Sächs­Pers­VG auf­ge­fasst wer­den. Er wäre zudem, da er nicht nur die Beschäf­tig­ten des Eigen­be­triebs reprä­sen­tiert, in gerin­ge­rem Maß als der Per­so­nal­rat des Eigen­be­triebs zur Bei­sit­zer- bzw. Vor­sit­zen­den­be­stim­mung legi­ti­miert. Zustän­di­ge Per­so­nal­ver­tre­tung ist er in einer ein­stu­fi­gen Ver­wal­tung mit ver­selb­stän­dig­ten Dienst­stel­len­tei­len nur dann, wenn der Lei­ter der Gesamt­dienst­stel­le in die­ser Eigen­schaft eine betei­li­gungs­pflich­ti­ge Maß­nah­me trifft 2.
Die Zustän­dig­keit zur Bei­sit­zer­be­stel­lung kann nicht von der Zustän­dig­keit zur Eini­gung über die Per­son des Vor­sit­zen­den der Eini­gungs­stel­le unter­schie­den wer­den. Wenn § 85 Abs. 1 Satz 3 Sächs­Pers­VG im letz­ten Satz­teil die Eini­gung über den Vor­sit­zen­den "bei­den Sei­ten" zuweist, wird hier­mit ersicht­lich an die Zustän­dig­keits­zu­wei­sung ange­knüpft, die im ers­ten Satz­teil im Hin­blick auf die Bei­sit­zer­be­stel­lung vor­ge­nom­men wird. Hät­te der Gesetz­ge­ber inso­weit eine Unter­schei­dung vor­neh­men wol­len, hät­te es für ihn im Lich­te der übli­chen geset­zes­re­dak­tio­nel­len Gepflo­gen­hei­ten nahe­ge­le­gen, dies aus­drück­lich anzu­ord­nen.
Kei­ne abwei­chen­den Maß­ga­ben gel­ten in dem Fall, dass von der in § 85 Abs. 1 Satz 2 Sächs­Pers­VG eröff­ne­ten Mög­lich­keit Gebrauch gemacht wor­den ist, die Eini­gungs­stel­le als stän­di­ge Ein­rich­tung zu bil­den. Die in § 85 Abs. 1 Satz 3 Sächs­Pers­VG fest­ge­leg­ten Bestel­lungs- bzw. Eini­gungs­zu­stän­dig­kei­ten bezie­hen sich sowohl auf die­sen Fall wie auf den Fall der anlass­be­zo­ge­nen Bil­dung einer Eini­gungs­stel­le bei Nicht­ei­ni­gung in einem kon­kre­ten Mit­be­stim­mungs­ver­fah­ren. Das Gesetz ent­hält kei­ne Anhalts­punk­te dafür, dass eine durch die obers­te Dienst­be­hör­de und eine bei ihr bestehen­de Per­so­nal­ver­tre­tung als stän­di­ge Ein­rich­tung gebil­de­te Eini­gungs­stel­le auch für Ent­schei­dun­gen bzw. Emp­feh­lun­gen in Mit­be­stim­mungs­ver­fah­ren zustän­dig sein soll, mit denen die obers­te Dienst­be­hör­de sowie die bei ihr bestehen­de Per­so­nal­ver­tre­tung nicht selbst befasst wer­den könn­ten. Die erwähn­ten Gesichts­punk­te der Sach­nä­he und der reprä­sen­ta­ti­ven Legi­ti­ma­ti­on spre­chen gegen die­se Hypo­the­se. Ent­ge­gen der Auf­fas­sung des Ver­wal­tungs­ge­richts spricht für sie nicht der Umstand, dass § 85 Abs. 1 Satz 2 Sächs­Pers­VG die Eini­gungs­stel­le im Sin­gu­lar erwähnt. Der Sin­gu­lar wird auch in den Bestim­mun­gen der § 85 Abs. 1 Satz 1, § 85 Abs. 1 Satz 3 sowie in § 79 Abs. 4 Sächs­Pers­VG ver­wandt, bei denen kei­nen Zwei­feln unter­liegt, dass "die Eini­gungs­stel­le" als Gat­tungs­be­griff gemeint ist.
Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Beschluss vom 20. Sep­tem­ber 2013 – 6 P 3.13
Der Per­so­nal­rat in der Neben­dienst­stel­le Die Exis­tenz eines Neben­stel­len­lei­ters ist nicht Vor­aus­set­zung für die Rechts­wirk­sam­keit einer per­so­nal­ver­tre­tungs­recht­li­chen Ver­selb­stän­di­gung. Der Per­so­nal­rat einer Neben­stel­le, die kei­nen Dienst­stel­len­lei­ter hat, hat kei­nen Infor­ma­ti­ons­an­spruch gegen­über…
vgl. Alt­va­ter, in: Altvater/​Baden/​Kröll/​Lemcke/​Peiseler, BPers­VG, 7. Aufl.2011, § 69 Rn. 36, 47; Ilbertz/​Widmaier/​Sommer, BPers­VG, 12. Aufl.2012, § 69 Rn. 24; Vogel­ge­sang, in: Vogelgesang/​Bieler/​Kleffner/​Rehak, Lan­des­per­so­nal­ver­tre­tungs­ge­setz für den Frei­staat Sach­sen, Band 2, Stand: Juni 2013, G § 79 Rn. 78; all­ge­mein: Beschluss vom 15.08.1983 – 6 P 18.81, BVerw­GE 67, 353, 357 = Buch­holz 238.36 § 83 Nds­Pers­VG Nr. 1 S. 4[↩]
vgl. dazu BVerwG, Beschlüs­se vom 30.07.2010 – 6 P 11.09, Buch­holz 250 § 52 BPers­VG Nr. 1 Rn.20 und vom 13.09.2010 – 6 P 14.09, Buch­holz 251.92 § 71 SAPers­VG Nr. 2 Rn. 17; zur Bil­dung meh­re­rer, neben­ein­an­der ste­hen­der Eini­gungs­stel­len: Alt­va­ter, a.a.O. § 71 Rn. 3; Ger­hold, in: Lorenzen/​Etzel/​Gerhold/​Schlatmann/​Rehak/​Faber, BPers­VG, § 71 Rn. 15 f.; Weber, in: Richardi/​Dörner/​Weber, Per­so­nal­ver­tre­tungs­recht, 4. Aufl.2012, § 71 Rn. 9 f.; Ilbertz/​Widmaier/​Sommer, a.a.O. § 71 Rn. 6; a.A. nur in begriff­li­cher Hin­sicht: Fischer/​Goeres/​Gronimus, in: GKÖD Bd. V, K § 71 Rn. 6a und 9[↩]
EigenbetriebEinigungsstellePersonalrat