Source: https://www.haufe.de/arbeitsschutz/arbeitsschutz-office/kmr-stoffe_idesk_PI957_HI1985749.html
Timestamp: 2019-03-23 19:42:54
Document Index: 312738187

Matched Legal Cases: ['§ 2', '§ 3', '§ 2', '§ 2', '§ 8', '§ 9', '§ 10', '§ 11']

KMR-Stoffe | Arbeitsschutz Office | Arbeitsschutz | Haufe
KMR-Stoffe (oder CMR-Stoffe) sind Stoffe mit den folgenden Eigenschaften: krebserzeugend bzw. karzinogen, keimzellmutagen (erbgutverändernd), reproduktionstoxisch (fortpflanzungsgefährdend). Das Europäische Altstoffregister (EINECS) enthält etwa 100.000 Substanzeinträge. Darunter sind auch CMR- bzw. KMR-Stoffe. Bei Verwendung von KMR-Stoffen müssen besondere Vorkehrungen getroffen werden, um die Gesundheit der Mitarbeiter zu gewährleisten.
Gefahrstoffverordnung (GefStoffV), wobei § 2 Abs. 3 und § 3 KMR-Stoffe definieren. Anhang II Nr. 6 "Besonders gefährliche krebserzeugende Stoffe" listet die Stoffe auf, die nur in geschlossenen Anlagen hergestellt oder verwendet werden dürfen; Ausnahmeregelungen gelten für Forschungs- und Analysezwecke sowie wissenschaftliche Lehrzwecke;
KMR-Liste des Instituts für Arbeitsschutz der DGUV (IFA);
TRGS 905 "Verzeichnis krebserzeugender, keimzellmutagener oder reproduktionstoxischer Stoffe";
TRGS 906 "Verzeichnis krebserzeugender Tätigkeiten oder Verfahren nach § 2 Abs. 3 Nr. 3 GefStoffV".
Als KMR-Stoffe werden Stoffe und Gemische eingestuft, die beim Menschen durch Einatmen, Verschlucken oder Aufnahme über die Haut
Krebs erregen oder das Krebsrisiko erhöhen können (karzinogen), z. B. Cadmium-Verbindungen;
vererbbare genetische Schäden zur Folge haben oder deren Häufigkeit erhöhen können (keimzellmutagen), z. B. Ethylen;
fortpflanzungsgefährdend (reproduktionstoxisch) sind, d. h., nicht vererbbare Schäden der Nachkommenschaft hervorrufen oder deren Häufigkeit erhöhen (fruchtschädigend) oder eine Beeinträchtigung der männlichen oder weiblichen Fortpflanzungsfunktionen oder -fähigkeit zur Folge haben können (fruchtbarkeitsgefährdend), z. B. Dibutylphthalat (DBP).
KMR-Stoffe sind EU-weit in 3 Kategorien eingeteilt.
Bisher wurden Stoffe gem. 67/548/EWG den Kategorien 1, 2 oder 3 zugeordnet:
Kategorie 1: Wirksamkeit beim Menschen nachgewiesen.
Kategorie 2: Wirksamkeit im Tierversuch nachgewiesen, Wirksamkeit für den Menschen ist zu unterstellen.
Kategorie 3: Es besteht ein Verdacht auf Wirkpotenzial.
Gemäß CLP-Verordnung lauten die Kategorien nun 1A, 1B und 2.
Kategorie 1 wird unterteilt und folgendermaßen definiert:
Kategorie 1A (bisher 1): Bekanntermaßen kanzerogen, keimzellmutagen bzw. reproduktionstoxisch; Einstufung erfolgt überwiegend aufgrund von Nachweisen beim Menschen.
Kategorie 1B (bisher 2): Wahrscheinlich kanzerogen, keimzellmutagen bzw. reproduktionstoxisch; Einstufung erfolgt überwiegend aufgrund von Nachweisen bei Tieren.
Die Kategorie 2 (bisher 3) beschreibt wie bisher den Verdacht auf Wirkpotenzial.
Sowohl im alten als auch im neuen System kommt die Kategorie 2 vor. Es besteht daher Verwechslungsgefahr. Verantwortliche müssen sicherstellen, dass die Einstufung nach CLP-Verordnung durchgeführt wurde. Informationen dazu liefert das Sicherheitsdatenblatt.
Zusätzliche oder gänzlich unterschiedliche Kategorien werden von der Senatskommission der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) empfohlen: So werden für krebserzeugende Arbeitsstoffe 6 Kategorien und Keimzellmutagene 5 Gruppen empfohlen. Die Empfehlungen der Senatskommission haben keinen Rechtscharakter.
3 KMR-Liste
Die Liste der krebserzeugenden, keimzellmutagenen oder reproduktionstoxischen Stoffe (KMR-Liste) wird regelmäßig aktualisiert und enthält Stoffe, die
gem. Tabelle 3 des Anhang VI 1272/2008/EG sowie der Anpassungen durch Verordnungen zur Änderung der CLP- bzw. GHS-Verordnung als karzinogen (krebserzeugend, carzinogen), keimzellmutagen (erbgutverändernd) oder reproduktionstoxisch (fortpflanzungsgefährdend)) eingestuft sind,
in der TRGS 906 "Verzeichnis krebserzeugender Tätigkeiten oder Verfahren nach § 2 Abs. 3 Nr. 3 GefStoffV" verzeichnet sind.
Die Liste enthält nicht die komplexen Mineralöl-, Kohle- und Erdgasderivate aus Anhang VI 1272/2008/EG.
Die KMR-Liste wird seit 1.6.2015 nur noch mit den nach GHS-Verordnung geltenden Kategorien 1A, 1B und 2 angeboten.
4 Umgang mit KMR-Stoffen
Die Gefahrstoffverordnung legt als Schutzmaßnahmen fest:
Allgemeine Schutzmaßnahmen gelten für alle Tätigkeiten mit Gefahrstoffen (§ 8 GefStoffV).
Zusätzliche Schutzmaßnahmen: Maßnahmen, wenn z. B. Arbeitsplatzgrenzwerte oder biologische Grenzwerte überschritten werden oder eine Gefährdung durch Aufnahme über die Haut oder durch Schädigung der Augen besteht (§ 9 GefStoffV).
Besondere Schutzmaßnahmen bei Tätigkeiten mit krebserzeugenden, keimzellmutagenen und reproduktionstoxischen Gefahrstoffen der Kategorie 1A und 1B (§ 10 GefStoffV).
Besondere Schutzmaßnahmen gegen physikalisch-chemische Einwirkungen, insbesondere gegen Brand- und Explosionsgefährdungen (§ 11 GefStoffV).
Für KMR-Stoffe der Kategorie 1A und 1B gilt: Werden festgelegte Grenzwerte für KMR-Stoffe eingehalten oder eine Tätigkeit nach einem bestehenden verfahrens- und stoffspezifischen Kriterium (VSK) durchgef...