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Timestamp: 2019-10-19 02:49:10
Document Index: 145997269

Matched Legal Cases: ['§ 140', '§ 140', '§ 140', '§ 4', '§ 140', '§ 140', '§ 140', 'Art. 6', '§ 8', '§ 146', '§ 146', '§ 140', '§ 146', '§ 140', '§ 49', '§ 5', '§ 140', '§ 140', '§ 140', '§ 49']

Maß­geb­lich­keit aus­län­di­scher Buch­füh­rungs­pflich­ten im deut­schen Besteue­rungs­ver­fah­ren | Rechtslupe
Nach § 140 AO hat der­je­ni­ge, der nach ande­ren Geset­zen als den Steu­er­ge­set­zen Bücher und Auf­zeich­nun­gen zu füh­ren hat, die für die Besteue­rung von Bedeu­tung sind, die Ver­pflich­tun­gen, die ihm nach den ande­ren Geset­zen oblie­gen, auch für die Besteue­rung zu erfül­len. Ob sich eine mate­ri­ell-recht­li­che Buch­füh­rungs­pflicht iso­liert nach Maß­ga­be von § 140 AO i.V.m. aus­län­di­schem Recht erge­ben kann, ist umstrit­ten 1. Die Fra­ge konn­te vom Bun­des­fi­nanz­hof bis­lang offen gelas­sen wer­den 2.
Die in § 140 AO ver­wen­de­te For­mu­lie­rung ("ande­re Geset­ze") beschränkt sich ‑eben­so wie die­je­ni­ge in § 4 AO ("Gesetz ist jede Rechts­norm")- nicht nur auf inlän­di­sche Rechts­nor­men. Der Wort­laut des § 140 AO ist im Gegen­teil offen und lässt eine Erstre­ckung auch auf aus­län­di­sche Rechts­nor­men zu 3.
Dies wird auch durch den mit § 140 AO ver­folg­ten Zweck, mög­lichst vie­le außer­steu­er­li­che Pflich­ten für das deut­sche Steu­er­recht nutz­bar zu machen und dadurch den Steu­er­ge­setz­ge­ber zu ent­las­ten, bestä­tigt 4. Die­ser Zweck wür­de nur ein­ge­schränkt erreicht wer­den, wenn man nur inlän­di­sche außer­steu­er­li­che Pflich­ten her­an­zie­hen könn­te. In rechts­staat­li­cher Hin­sicht wer­den aller­dings Beden­ken an den Umstand geknüpft, dass die durch § 140 AO in inner­staat­li­ches Recht trans­for­mier­ten aus­län­di­schen Rechts­nor­men natur­ge­mäß nicht den Maß­ga­ben des deut­schen Grund­ge­set­zes und der Kon­trol­le des deut­schen Gesetz­ge­bers unter­lie­gen 5. Den rechts­staat­li­chen Beden­ken kann indes­sen ggf. mit einer ent­spre­chen­den Anwen­dung des kol­li­si­ons­recht­li­chen ord­re public begeg­net wer­den, dem zufol­ge eine Rechts­norm eines ande­ren Staa­tes nicht anzu­wen­den ist, wenn ihre Anwen­dung zu einem Ergeb­nis führt, das mit wesent­li­chen Grund­sät­zen des deut­schen Rechts ‑ins­be­son­de­re mit den Grund­rech­ten- unver­ein­bar ist (sie­he Art. 6 EGBGB). Im Übri­gen sind dem deut­schen Gesetz­ge­ber im inter­na­tio­na­len Steu­er­recht auch in ande­ren Kon­stel­la­tio­nen Ein­fluss­nah­me­mög­lich­kei­ten ver­sagt, z.B. in den Fäl­len der sog. Qua­li­fi­ka­ti­ons­ver­ket­tung und den Rege­lun­gen, die aus­län­di­sche Rechts­nor­men auf die inlän­di­sche Besteue­rung durch­schla­gen las­sen (z.B. § 8b Abs. 1 Satz 2 KStG).
Schließ­lich führt auch die Rege­lung des § 146 Abs. 2 Satz 3 AO, wonach die Über­nah­me der Ergeb­nis­se der aus­län­di­schen Buch­füh­rung für bestimm­te Fäl­le ange­ord­net wird, zu kei­ner ande­ren Beur­tei­lung 6. Die Vor­schrift bezieht sich auf die Fäl­le des § 146 Abs. 2 Satz 2 AO und ver­mei­det ledig­lich eine Pflich­ten­kol­li­si­on zwi­schen inlän­di­schen und aus­län­di­schen Buch­füh­rungs- und Auf­zeich­nungs­pflich­ten 7. Eine dar­über hin­aus­ge­hen­de Aus­sa­ge, wonach die­se Anord­nung "logisch" vor­aus­set­ze, dass nicht bereits über § 140 AO durch die aus­län­di­schen Buch­füh­rungs­vor­schrif­ten eine inlän­di­sche Buch­füh­rungs­pflicht begrün­det wur­de, lässt sich der Rege­lung des § 146 Abs. 2 Satz 3 AO nicht ent­neh­men 8.
beja­hend BMF, Schrei­ben vom 16.05.2011, BSt­Bl I 2011, 530, Rz 3; Dorn­heim, DStR 2012, 1582; Drüen in Tipke/​Kruse, Abga­ben­ord­nung, Finanz­ge­richts­ord­nung, § 140 AO Rz 7; der­sel­be, Inter­na­tio­na­le Steu­er-Rund­schau ‑ISR- 2014, 265; Gosch in Kirch­hof, EStG, 17. Aufl., § 49 Rz 46; Mathi­ak in Kirchhof/​Söhn/​Mellinghoff, EStG, § 5 Rz A 219; ver­nei­nend RFH, Urteil vom 06.06.1934 – IV A 42/​34, RSt­Bl 1934, 823; Hess. FG, Urteil vom 15.11.2012 – 11 K 3175/​09, EFG 2013, 503; FG Nürn­berg, Urteil vom 28.02.2013 – 6 K 875/​11, EFG 2013, 1018; Abe­le, Betriebs-Bera­ter ‑BB- 2014, 2928, 2930; Beinert/​Werder, Der Betrieb ‑DB- 2005, 1480, 1485; Bernütz/​Küppers, Inter­na­tio­na­les Steu­er­recht ‑IStR- 2011, 587, 588; Bron, DB 2009, 592, 593; Gläser/​Birk, IStR 2011, 762; Gör­ke in Hübschmann/​Hepp/​Spitaler, § 140 AO Rz 11; Könemann/​Blaudow, Die Steu­er­be­ra­tung ‑Stbg- 2012, 220, 221; Koenig/​Cöster, Abga­ben­ord­nung, 3. Aufl., § 140 Rz 11; Mär­tens in Gosch, AO § 140 Rz 10; Pef­fer­mann in Herrmann/​Heuer/​Raupach, § 49 EStG Rz 633; Rich­ter/​John, ISR 2014, 37; Pode­wils, Steu­er­be­ra­ter-Woche 2010, 1171, 1174; Schnitger/​Fischer, DB 2007, 598; Stahl/​Mann, Finanz-Rund­schau ‑FR- 2013, 286, 293; Wach­ter, FR 2006, 393, 399[↩]
s. BFH, Urtei­le vom 13.09.1989 – I R 117/​87, BFHE 158, 340, BSt­Bl II 1990, 57; vom 14.09.1994 – I R 116/​93, BFHE 176, 125, BSt­Bl II 1995, 238; und vom 25.06.2014 – I R 24/​13, BFHE 246, 404, BSt­Bl II 2015, 141, sowie BFH, Beschlüs­se vom 09.08.1989 – I B 118/​88, BFHE 158, 40, BSt­Bl II 1990, 175, und in BFHE 251, 309, BSt­Bl II 2016, 66[↩]