Source: http://rsw.beck.de/cms/?toc=BC.2401
Timestamp: 2018-10-20 01:30:38
Document Index: 206031100

Matched Legal Cases: ['§ 6', 'Art. 67', '§ 6', '§ 255', '§ 5', '§ 275', '§ 266', '§ 266', '§ 252']

BC-Leserfragen 2010 - Recht-Steuern-Wirtschaft - Verlag C.H.BECK
BC-Leserfragen-Treff: Leserfragen 2010
Thema: Anlagenbuchhaltung: Behandlung lüftungstechnischer Anlagen
Meine Kollegin und ich sind zu zweit in der Anlagenbuchhaltung tätig. Diesen Monat steht die Aktivierung eines neuen Qualitätskontrollgebäudes nach 1½-jähriger Bauzeit an. Da wir ansonsten noch keine eigenen Gebäude aktiviert haben (nur Mietereinbauten), sind wir uns in einigen Punkten etwas unsicher. Z.B.: Wie aktiviere ich lüftungstechnische Anlagen? Zum Gebäude ja, aber welche AfA?
In keiner AfA-Tabelle steht irgendwo ein Hinweis über fest installierte Klimatisierung oder Lüftungsanlagen. Haben Sie eventuell eine kurze Antwort für uns?
Zur Unterscheidung von Betriebsvorrichtungen bzw. maschinellen Anlagen oder Betriebseinrichtungen von Gebäudebestandteilen:
Eine lufttechnische Anlage oder auch eine Klimaanlage gehört dann zum Gebäude, wenn damit den Mitarbeitern „im Winter angenehme Wärme und im Sommer angenehme Kühle“ bereitgestellt werden soll.
Ist die Anlage jedoch erforderlich, um beispielsweise hohe Temperaturen oder Dämpfe, die beim Produktionsprozess entstehen, abzusaugen, dann ist die Anlage eine Betriebsvorrichtung.
Eine Kontierungshilfe, aus der die wichtigsten Abgrenzungen hervorgehen und die auch die Nutzungsdauern aus der amtlichen AfA-Tabelle enthält, hat Uwe Jüttner in Heft 3/2010, S. 100 f., tabellarisch dargestellt.
Thema: Pensionsrückstellungen nach BilMoG: Handlungsanleitung für die künftige Zuführung und Bewertung
Um gleich auf den Punkt zu kommen: Mir geht es um die Behandlung der Pensionsrückstellung. Bislang haben wir immer ein finanzmathematisches Gutachten zur Errechnung der Pensionsrückstellung für unseren Geschäftsführer erhalten, das den steuerrechtlichen Vorschriften entsprach. Aus diesem ging sowohl der Zuführungsbetrag als auch der damit erreichte Rückstellungsbetrag zum Bilanzstichtag hervor. Buchhalterisch also kein Problem.
Wie aber sieht es demnächst aus?
Brauche ich nun ein solches Gutachten / eine solche Berechnung mit „BilMoG-Abzinsung“ schon zum 1.1.2010, oder reicht mir eines zum 31.12.2010?
Buche ich dann die steuerrechtliche Zuführung unter dem Personalaufwand (Altersvorsorgeaufwendungen) und die Differenz zum BilMoG-Wert unter den „außerordentlichen Aufwendungen“?
Beziehen sich die 15 Jahre, auf welche die Zuführung verteilt werden kann, auf diesen Unterschiedsbetrag zwischen BilMoG und EStG?
Zum 1.1.2010 ist der neue, allein handelsrechtliche Wertansatz der Pensionsrückstellungen unter Zugrundelegung der neuen Regelungen durch das BilMoG zu ermitteln. Dieser Wertansatz dürfte regelmäßig über dem mit 6% abgezinsten § 6a-EStG-Wert liegen.
Die Differenz zwischen dem zum 31.12.2009 ermittelten und dem zum 1.1.2010 ermittelten Wert stellt den BilMoG-Anpassungsbetrag dar, der dann über bis zu 15 Jahre, aber mindestens zu 1/15 je Jahr, zuzuführen ist.
Die Zuführung des Anpassungsbetrags ist als außerordentlicher Aufwand zu buchen (Art. 67 Abs. 7 EGHGB). Dies gilt unabhängig davon, ob der Betrag in einer Summe oder anteilig über den Zeitraum von bis zu 15 Jahren zugeführt wird.
Zum 31.12.2010 (und in Zukunft zu jedem Bilanzstichtag) sind zwei getrennte Gutachten oder ein Gutachten mit der entsprechenden Darstellung der beiden Werte getrennt für den steuerlichen Wertansatz (nach § 6a EStG) und den handelsrechtlichen Wertansatz (nach BilMoG) zu erstellen.
Weitere Erläuterungen (u.a. zur erfolgswirksamen Erfassung des periodischen Zuführungsbetrags) sowie ein Anwendungsbeispiel zur Anpassung der Pensionsrückstellungen zum 1.1.2010 gibt Dr. Christian Zwirner in Heft 3/2010, S. 98 f.
Thema: Bewertung teilfertiger Erzeugnisse
Als aufmerksamer Leser Ihrer Zeitschrift richte ich folgende Frage an Sie in der Hoffnung, dass Sie mir weiterhelfen können.
Als Messebauer bewerten wir unsere unfertigen Messestände (Umlaufvermögen) zum Bilanzstichtag mit den Herstellungskosten nach den allgemeinen Grundsätzen des § 255 Abs. 2 Satz 1 HGB, also mit allen bis zum Bilanzstichtag angefallenen Aufwendungen. Hierbei handelt es sich sowohl um Waren und Eigenleistungen als auch um die Inanspruchnahme von Diensten Dritter!
Dabei stellt sich uns die Frage, ob in die Bewertung auch die unfertigen Dienste Dritter, also aus schwebenden Geschäften, einzubeziehen sind und diesbezüglich zudem eine Rückstellung in gleicher Höhe zu bilden ist.
Wir beauftragen u.a. einen Lieferanten zum Einbau einer Beleuchtungsanlage für 1.000 € in einen unfertigen Messestand (Bewertung ohne Beleuchtungsanlage 10.000 €). Zum Stichtag ist die Leistung des Lieferanten nur zu 50% erbracht.
Frage: Müssen nun zusätzlich 500 € in die Bewertung des unfertigen Messestandes einfließen und gleichzeitig eine Rückstellung von 500 € gebildet werden?
Meiner Ansicht nach können nur tatsächlich angefallene Aufwendungen in die Bewertung der teilfertigen Leistungen einfließen; bei einem schwebenden Geschäft liegen m. E. noch gar keine bilanzierungsfähigen Aufwendungen vor. Rückstellungen für schwebende Geschäfte werden ebenfalls nicht bilanziert (ausgenommen Drohverluste). Weiter sehe ich auch in § 5 Abs. 4b Satz 1 EStG ein Problem: Danach dürfen keine Rückstellungen für künftige Aufwendungen gebildet werden, wenn diese zu aktivierungspflichtigen Herstellungskosten führen.
Bei dem von Ihnen genannten Beispielsfall des unfertigen Einbaus einer Beleuchtungsanlage liegt im bilanzrechtlichen Sinne ein schwebendes Geschäft vor. Ein solches ist unstreitig nicht bilanzierbar.
Ein schwebendes Geschäft kann erst dann zu einem Bilanzierungsvorgang führen, wenn Vorausleistungen oder Leistungsrückstände eines der beiden Partner des Geschäftes zu verzeichnen sind. Davon ist in Ihrem Beispiel nichts ersichtlich.
Ausführliche Erläuterungen, was die Nichtbilanzierung konkret bedeutet, sowie ein Anwendungsbeispiel einer zum Abschlussstichtag noch nicht ausgelieferten Bestellung gibt Prof. Dr. Wolf-Dieter Hoffmann in Heft 3/2010, S. 97 f.
Thema: Bilanzielle Behandlung von Altersteilzeitverträgen in der Form eines Blockmodells
Eine Arbeitskollegin geht in den Vorruhestand. Sie wird die nächsten drei Jahre komplett arbeiten und danach drei Jahre zu Hause bleiben; danach geht die Arbeitnehmerin in Rente.
Dieses Modell ist mit dem Arbeitsamt abgestimmt und wird von ihm unterstützt. Nach den ersten drei Jahren wird unser Unternehmen den Ausgleich vom Arbeitsamt erhalten, für den wir in den ersten drei Jahren in Vorleistung gegangen sind.
Wie wird dieser Vorgang in den ersten drei Jahren gebucht?
Die für die Jahre der Beschäftigungsphase vorzunehmende Buchung (in der Handels- und Steuerbilanz) für das Regelarbeitsentgelt (50%) lautet folgendermaßen:
(§ 275 Abs. 2 Nr. 6a HGB)
(§ 266 Abs. 3 HGB)
Die Rückstellung ist während der Freistellungsphase entsprechend aufzulösen.
(§ 266 Abs. 2 HGB)
Ausführliche Erläuterungen zur Bildung von Verbindlichkeitsrückstellungen aufgrund des Erfüllungsrückstands sowie aufgrund der Aufstockungsbeträge (mindestens 20%) inklusive weiterer Buchungssätze von Dr. Christian Zwirner und Matthias Froschhammer in Heft 3/2010, S. 95 f.
Thema: Erfassung und Bewertung von gebraucht erworbenen Anlagegütern
Das Unternehmen hat aus einem Insolvenzverfahren ca. 1.500 Stück verschiedene Anlagegüter zu einem pauschalen Kaufpreis von 3,3 Mio. € erworben, angefangen von Stühlen über PCs, Tische, Regale bis zu hochwertigen Maschinenstraßen. Der Erwerb war im Dezember 2008.
Wie sollen die Anlagegüter bilanziert und im Anlagenverzeichnis aufgenommen werden:
Pauschal als ein Wirtschaftsgut?
Ist der Wert anteilig auf die größten Posten zu verteilen?
Sind kleine Posten, die eventuell bereits in dem insolventen Unternehmen abgeschrieben worden sind, gar nicht erst als Anlagegut aufzunehmen?
Wie sollen die Restlaufzeiten festgelegt werden?
Da das Unternehmen in den neuen Bundesländern liegt: Sind hier noch Sonderabschreibungen zu berücksichtigen?
Ist lediglich ein linearer AfA-Satz anzuwenden?
Alle Anlagegüter wurden durch Bildaufnahmen und Auflistung festgehalten und müssen bei endgültiger Übergabe vorliegen.
Wie wird so ein Sachverhalt durch das Finanzamt bewertet?
Der Gesamtkaufpreis ist auf die erworbenen Vermögensgegenstände nach dem Verhältnis der Verkehrswerte (handelsrechtlich) oder der Teilwerte (steuerlich) aufzuteilen. Beide Wertmaßstäbe entsprechen sich zumindest in der praktischen Handhabung. Nach dem Lehrbuch ist somit jeder erworbene Gegenstand einzeln (§ 252 Abs. 1 Nr. 3 HGB) zu bewerten. Es empfiehlt sich, wie folgt vorzugehen:
1. Schritt: Bewertung hochwertiger Anlagegüter
2. Schritt: Ermittlung/Bewertung von Kleingegenständen
Die Abschreibungsdauer bei den gebrauchten Gegenständen ist ebenfalls durch Schätzung festzulegen, sofern nicht durch Schilder (z.B. mit den Maschinendaten) das Baujahr ermittelt werden kann (Ausnahme GWG und Poolabschreibung).
Ausführliche Erläuterungen (insbesondere mit pragmatischen Tipps zur Bewältigung dieser Aufgabe) von Prof. Dr. Wolf-Dieter Hoffmann und Uwe Jüttner in Heft 3/2010, S. 94 f.