Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Gericht=FG%20Baden-W%C3%BCrttemberg&Datum=27.03.1998&Aktenzeichen=9%20K%20315/96
Timestamp: 2019-07-19 07:21:49
Document Index: 259981695

Matched Legal Cases: ['§ 137', '§ 137', '§ 137', '§ 137', '§ 137', '§ 137', '§ 17', '§ 17', '§ 17', '§ 17', '§ 17', '§ 17']

FG Baden-Württemberg, 27.03.1998 - 9 K 315/96 - dejure.org
https://dejure.org/1998,4275
FG Baden-Württemberg, 27.03.1998 - 9 K 315/96 (https://dejure.org/1998,4275)
FG Baden-Württemberg, Entscheidung vom 27.03.1998 - 9 K 315/96 (https://dejure.org/1998,4275)
FG Baden-Württemberg, Entscheidung vom 27. März 1998 - 9 K 315/96 (https://dejure.org/1998,4275)
Tipp: Um den Kurzlink (hier: https://dejure.org/1998,4275) schnell in die Zwischenablage zu kopieren, können Sie die Tastenkombination Alt + R verwenden - auch ohne diesen Bereich zu öffnen.
Begriff des Wohnsitzes; Nachhaltigkeit der Nutzung bei nur kurzem Aufenthalt; Berechtigung zum Bezug von Kindergeld; Kindergeldbezug in Griechenland; Kostentragungspflicht des obsiegenden Klägers
EFG 1998, 1526
Der Senat hält es für angezeigt, auch die bis zur Klageerhebung zu zahlenden Kindergeldbeträge werterhöhend zu berücksichtigen (zutreffend: Urteil des FG Baden-Württemberg --Außensenate Stuttgart-- in EFG 1998, 1526, 1528; im Ergebnis ebenso Beschluss des FG Düsseldorf vom 8. Januar 1999 10 K 136/97 Kg, EFG 1999, 625;… vgl. auch Beschlüsse des Bundesfinanzhofs --BFH-- vom 21. Dezember 1999 VII R 71/98, BFH/NV 2000, 598 --zur Kraftfahrzeugsteuer--, und des Bayerischen Verwaltungsgerichtshofs vom 19. Juni 1991 12 C 91.1681, Neue Zeitschrift für Verwaltungsrecht 1991, 1198).
Die Entscheidungsgründe sind in Entscheidungen der Finanzgerichte (EFG) 1998, 1526 veröffentlicht.
Mit dem FG Baden-Württemberg (Urteil vom 27. März 1998 9 K 315/96, Entscheidungen der Finanzgerichte --EFG-- 1998, 1526) sei davon auszugehen, dass die Beibehaltung einer vollständig eingerichteten Wohnung im Inland, die regelmäßig zweimal im Jahr für die Dauer von zwei bis drei Wochen genutzt werde, trotz des dauerhaften Wegzugs ins Ausland, einen zum Bezug von Kindergeld berechtigenden Wohnsitz begründe.
Das FG hat unter Berufung auf das Urteil des FG Baden-Württemberg in EFG 1998, 1526 das zuletzt genannte Merkmal auch für den Fall bejaht, dass --wie im Streitfall-- die inländische Wohnung trotz eines dauerhaften Wegzugs der Familie ins Ausland regelmäßig zweimal im Jahr für die Dauer von zwei bis drei Wochen genutzt wird.
Der erkennende Senat hat die Entscheidung des FG Baden-Württemberg in EFG 1998, 1526 mit Urteil vom 12. Januar 2001 VI R 64/98 aufgehoben.
Maßgeblich ist hier der Zweck der Bestimmung, einer Verfahrensverschleppung dadurch vorzubeugen, dass die durch Verschulden entstandenen Mehrkosten dem Verursacher zugewiesen werden (vgl. BFH, Urteile vom 18. Dezember 1963 - I 352/61 -, BeckRS 1963, 21007714;… vom 29. Oktober 1981 - I R 89/80 -, juris Rn. 39;… vom 22. April 2004 - V R 72/03 -, juris Rn. 30;… FG Hamburg, Urteile vom 1. Oktober 1993 - I 213/91 -, juris Rn. 98 …und vom 29. November 2004 - III 493/01 -, juris Rn. 97; FG Baden-Württemberg, Urteil vom 27. März 1998 - 9 K 315/96 -, juris Rn. 49 und Beschluss vom 24. August 1999 - 4 Ko 4/98 -, EFG 1999, 1154; FG Berlin-Brandenburg…, Beschluss vom 16. September 2008 - 5 V 5085/08 -, juris Rn. 3;… Brandis, in: Tipke/Kruse, AO/FGO, Stand: Oktober 2016, FGO § 137 Rn. 4;… Schwarz, in: Hübschmann/Hepp/Spitaler, AO/FGO, Stand: September 2016, FGO § 137 Rn. 20;… Brandt, in: Beermann/Gosch, AO/FGO, Stand: September 2005, FGO § 137 Rn. 31;… Starke, in: Schwarz/Pahlke, AO/FGO, Stand: September 2016, FGO § 137 Rn. 2;… Ratschow, in: Gräber, FGO, 8. Aufl. 2015, § 137 Rn. 5;… Bartone, in: Kühn/von Wedelstädt, AO/FGO, 21. Aufl. 2015, FGO § 137 Rn. 2; Lemaire, AO-StB 2009, 374, 376 f; Lemaire, EFG 2009, 42; Eppers, EFG 2009, 142).
Denn die Leistung von Kindergeld durch den Staat steht mit der Zielsetzung des Gesetzgebers, das Existenzminimum von Kindern steuerfrei zu stellen, Unterhaltsansprüchen näher als wiederkehrenden Leistungen aus öffentlich-rechtlichen Dienstverhältnissen oder privatrechtlichen Arbeitsverhältnissen (FG Baden-Württemberg, EFG 1998, 1526 [1529]).
Darüber hinaus sind entsprechend dem Rechtsgedanken des § 17 Abs. 4 Satz 1 GKG die bei Einreichung der Klage rückständigen Beträge streitwerterhöhend zu berücksichtigen (BFH BFHE 192, 19, BStBl II 2000, 544; FG Baden-Württemberg, EFG 1998, 1526 [1529]; FG Düsseldorf, EFG 1999, 625 [626]; a. A. Hessisches FG, Beschluss vom 1. August 2000 3 K 914/00, EFG 2000, 1277).
Eine Orientierung an oder Rechtsanalogie zu § 17 Abs. 2 oder Abs. 3 GKG (so Beschluss des Finanzgerichts Hamburg vom 11. März 1997 I 154/96, EFG 197, 908) scheidet aus, weil das steuerliche Kindergeld von seiner Zweckbestimmung (Steuerfreistellung des Existenzminimums für ein Kind und Förderung der Familie) Unterhaltsansprüchen näher steht als wiederkehrenden Leistungen aus öffentlich-rechtlichen Dienst- oder privatrechtlichen Arbeitsverhältnissen (ebenso Finanzgericht Baden-Würtemberg vom 27. März 1998 9 K 315/96, EFG 1998, 1526 (1529)).
In Orientierung an § 17 Abs. 4 GKG sind für den Zeitraum vor Klageerhebung die auf diese Zeitspanne entfallenden Kindergeldbeträge streitwerterhöhend zu berücksichtigen (ebenso Finanzgericht Baden-Württemberg vom 27. März 1998 9 K 315/96, EFG 1526 (1529) und Finanzgericht Düsseldorf vom 8. Januar 1999 10 K 135/97 Kg, EFG 1999, 625 (626)).
Diese Grundsätze gelten auch bei der Streitwertfestsetzung in Kindergeldsachen (vgl. Urteil des erkennenden Senats vom 27. März 1998 9 K 315/96).
Daraus ergibt sich, dass auch die bis zur Klageerhebung zu zahlenden Kindergeldbeträge werterhöhend zu berücksichtigen sind (vgl. Urteil des erkennenden Senats vom 27. März 1998, 9 K 315/96).
Eine Orientierung an oder Rechtsanalogie zu § 17 Abs. 2 oder Abs. 3 GKG (so Beschluss des Finanzgerichts Hamburg vom 11. März 1997 I 154/96, EFG 1997, 908) scheidet aus, weil das steuerliche Kindergeld von seiner Zweckbestimmung (Steuerfreistellung des Existenzminimums für ein Kind und Förderung der Familie) Unterhaltsansprüchen näher steht als wiederkehrenden Leistungen aus öffentlich-rechtlichen Dienst- oder privatrechtlichen Arbeitsverhältnissen (ebenso Finanzgericht Baden-Württemberg vom 27. März 1998 9 K 315/96, EFG 1998, 1526 (1529)).
Insofern habe sie nach den Grundsätzen des Urteils des FG Baden-Württemberg vom 27. März 1998 9 K 315/96 im Inland einen Wohnsitz gehabt, weil sie über ausreichende und nach ihren Verhältnissen angemessene Räumlichkeiten Verfügungsmacht gehabt habe und diese mit einer gewissen Regelmäßigkeit und Gewohnheit auch benutzt habe.
Wie der BFH im Urteil vom 12. Januar 2001, mit welchem das von der Klin herangezogene Urteil des FG Baden-Württemberg vom 20. März 1998 9 K 315/96 ( EFG 1998, 1526) aufgehoben wurde, klargestellt hat, ist anhand äußerer Merkmale auf die tatsächlichen Gegebenheiten abzustellen und nicht auf subjektive Momente oder Absichten.
Zum Teil wird dieses Ergebnis aus einer analogen Anwendung des § 17 Abs. 1 GKG gewonnen (vgl. etwa FG des Saarlandes, Beschluß des Vorsitzenden vom 13. Februar 1997 2 K 13/97, EFG 1997, 496; FG Mecklenburg Vorpommern, Urteil vom 27. August 1997 1 K 164/96, EFG 1998, 111 ; FG Baden-Württemberg Urteil vom 27. März 1998 9 K 315/96, EFG 1998, 1526, a. A.: FG Hamburg, Beschluß vom 11. März 1997 I 154/96, EFG 1997, 906, welches dem § 17 Abs. 3 GKG analog anwendet und somit zu einem Dreijahresbetrag kommt).
Zur finanz- oder verwaltungsrechtlichen Anfechtungsklage paßt diese Vorschrift indes nicht (…vgl. Zimmer/Schmidt, Der Streitwert im Verwaltungs- und Finanzprozeß, Beck 1991, Seite 18, Rz. 36; a. A. allerdings: FG Baden-Württemberg 9 K 315/96, EFG 1998, 1526).