Source: https://www.getyourlawyer.ch/ratgeber/scheidungsanwalt-was-sie-alles-ueber-die-scheidung-wissen-sollten/
Timestamp: 2020-08-10 20:11:41
Document Index: 378599579

Matched Legal Cases: ['Art. 23', 'Art. 111', 'Art. 112', 'Art. 114', 'Art. 115', 'Art. 136']

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Scheidungsanwalt: Was Sie alles über die Scheidung wissen sollten
Am Tag der Hochzeit können sich wohl nur wenige Menschen vorstellen, dass ihre Liebe ein Verfallsdatum hat. Tatsächlich aber enden mehr als 40 Prozent aller in der Schweiz geschlossenen Ehen mit einer Scheidung. Kommt es dazu, ist es oft nicht zu vermeiden, dass ein Scheidungsanwalt beauftragt wird.
Denn eine Scheidung wirft eine Menge Fragen auf: Wer bekommt das Sorgerecht für die Kinder? Bestehen Unterhaltspflichten? Was passiert mit der ehelichen Wohnung und dem Vermögen? Einige Partner schaffen es zwar, sich friedlich zu einigen. Dann ist das gerichtliche Verfahren meist nur Formsache.
Konflikthafte Trennungen hingegen kosten Nerven und Zeit. Die Betroffenen sind hohen emotionalen Belastungen ausgesetzt, reagieren mit Schuldgefühlen, Trauer oder Wut. Ohne einen einfühlsamen Scheidungsanwalt ist diese Situation nur schwer zu bewältigen. Er bietet eine umfassende Beratung und verrät Ihnen, worauf Sie achten müssen.
Grundsätzliches zur Scheidung
Leben sich Ehepaare auseinander, scheint die Scheidung oft die einzige Lösung zu sein. Die vollständige rechtliche Entzweiung ist allerdings kein Muss: Auch ohne die Auflösung der ehelichen Lebensgemeinschaft können ehemalige Partner getrennt voneinander wirtschaften und neue Bindungen eingehen. Die Bedingungen des Getrenntlebens lassen sich im Rahmen einer gemeinsam unterzeichneten und gegebenenfalls gerichtlich genehmigten Trennungsvereinbarung definieren.
Ist eine Scheidung gewünscht, gelangen die gesetzlichen Grundlagen der Artikel 111 bis 158 des Schweizerischen Zivilgesetzbuches (ZGB) und der Artikel 274 bis 294 der Schweizerischen Zivilprozessordnung (ZPO) zur Anwendung. Es bedarf grundsätzlich eines schriftlichen Antrags beim zuständigen Gericht (Art. 23 ZPO). Die Ehe endet mit einem Urteil. Bevor dieses ergeht, müssen eine Reihe finanzieller und persönlicher Nebenfolgen geklärt werden. Hierzu zählen:
- Besuchs- und Sorgerecht für minderjährige Kinder
- Unterhalt für Ehegatten und Nachwuchs
- Zuteilung der gemeinsamen Wohnung oder des Hauses
- güterrechtliche Auseinandersetzung
- Angelegenheiten der beruflichen Vorsorge
Der Ablauf der Scheidung hängt massgeblich davon ab, ob es sich um eine einvernehmliche oder eine strittige Scheidung handelt. Sind sich die Parteien über Scheidung und Nebenfolgen einig, ergeht die Entscheidung des Gerichts binnen weniger Wochen. Komplexere Fälle können Monate oder Jahre dauern. Da es hier um sensible Fragestellungen geht, ist die Unterstützung durch einen kompetenten Scheidungsanwalt anzuraten.
Möchten beide Ehegatten eine Scheidung herbeiführen, geht die Gesetzgebung regelmässig vom Scheitern der Ehe aus. Ein entsprechendes Gesuch – das schriftlich formulierte Scheidungsbegehren – lässt sich ohne Einhaltung einer Trennungsfrist beim zuständigen Gericht einreichen. Was genau den Scheidungswunsch ausgelöst hat, spielt keine Rolle: Sie müssen keine Gründe anführen. Eine Vereinbarung über die Nebenfolgen der Scheidung ist jedoch Pflicht.
Bei dieser Vereinbarung handelt es sich um die sogenannte Scheidungskonvention. Sie muss von beiden Parteien unterzeichnet sein und dient der Richterin oder dem Richter als Vorschlag für das Scheidungsurteil. Nicht immer sind sich die Eheleute über alle Nebenfolgen einig: Ist eine umfassende Einigung (Art. 111 ZGB) nicht möglich, kommt eine genehmigungspflichtige Teileinigung im Sinne des Art. 112 ZGB in Betracht.
Das bedeutet, dass Sie die Scheidungskonvention lediglich auf Aspekte beziehen, über die Sie sich mit Ihrem Ehepartner einigen können. Über strittige Nebenfolgen entscheidet dann das Gericht. Der Vorteil dieser Vorgehensweise liegt darin, dass die für eine kontroverse Scheidung mit Scheidungsklage relevante Trennungszeit entfällt. Um die Angemessenheit und Vollständigkeit der Konvention sicherzustellen, empfiehlt es sich, einen Scheidungsanwalt um Rat zu fragen.
Worauf kommt es bei der Scheidung auf einseitiges Begehren an?
Stimmt einer der Ehepartner der Scheidung nicht zu, ist die Beendigung der Ehe auf dem Wege einer Klage nur dann möglich, wenn ein Scheidungsgrund vorliegt. Einer davon ist der Ablauf einer zweijährigen Trennungszeit (Art. 114 ZGB). In Ausnahmefällen kommt darüber hinaus eine Scheidungsklage wegen Unzumutbarkeit (Art. 115 ZGB) in Betracht. Beide Scheidungsgründe gehen von einer endgültigen Zerrüttung der Ehe aus.
Lebt ein Ehepaar mindestens zwei Jahre in Trennung, so kann jeder der Partner eine Scheidung durchsetzen – und zwar auch dann, wenn die andere Partei Widerstand leistet. Läuft die gesetzlich verankerte Trennungsfrist ab, kann ein Einspruch des beklagten Ehegatten nur in seltenen Fällen berücksichtigt werden. Voraussetzung hierfür ist, dass die Scheidung für ihn eine unzumutbare Härte darstellt.
- Zeitpunkt der Fristerfüllung
Um eine Scheidungsklage einreichen zu können, muss die zweijährige Trennungsphase abgelaufen sein. In diesem Zusammenhang spielen zwei Faktoren eine wichtige Rolle: der Beginn der Frist und der Zeitpunkt der Klageerhebung (Art. 136 Abs. 2 ZGB). Nur mit ihrer Hilfe lässt sich beurteilen, ob die Parteien die erforderliche Trennungszeit eingehalten haben. Die Frist beginnt, sobald einer der Ehepartner das Zusammenleben aufgibt.
- Auflösung der ehelichen Lebensgemeinschaft
Der Begriff des Getrenntlebens bedeutet, dass die Parteien ihr geistig-seelisches, körperliches und wirtschaftliches Miteinander auflösen. Hierbei muss es sich um einen faktischen Zustand handeln, der von einem oder beiden Ehegatten wissentlich und willentlich herbeigeführt wurde. Das Scheidungsgericht prüft also nicht nur die objektive Tatsache, sondern auch das hinter der Trennung stehende subjektive Motiv.
Gelegentliche sexuelle Kontakte, unregelmässige Besuche oder die Zusammenarbeit zum Wohle der Kinder stellen dabei keine Unterbrechung der Trennungsphase dar. Auch gegenseitige Hilfe und ein kurzer gescheiterter Versuch zur Rettung der Ehe bedeuten nicht automatisch die Aufhebung des Getrenntlebens. Das hat durchaus einen Sinn: Massnahmen zur Erhaltung der Gemeinschaft sollen nicht aus Angst vor Rechtsnachteilen unterbleiben.
Wo die Grenze zwischen einem kurzen Versuch und einer Unterbrechung des Getrenntlebens verläuft, ist Auffassung des Gerichts. Eine Erklärung der Ehegatten kann hier für Klarheit sorgen. Ansonsten deutet eine mehrere Monate andauernde Lebensgemeinschaft darauf hin, dass die Partner die Trennung aufgegeben haben. Wird der gemeinsame Haushalt erneut aufgelöst, beginnt die Trennungsfrist von neuem.
- Beweispflicht des klagenden Ehepartners
Den Beweis für die Einhaltung der obligatorischen Trennungsfrist muss der Ehegatte erbringen, der die Scheidungsklage eingereicht hat. Dabei darf er alle zulässigen Beweismittel nutzen.
In seltenen Fällen ist eine Scheidung auch vor Ablauf der zweijährigen Frist möglich. Das ist immer dann der Fall, wenn dem klagenden Ehegatten die Fortsetzung der Ehe bis zum Ablauf der Trennungsphase nicht zuzumuten ist. Diese Unzumutbarkeit muss aus schwerwiegenden Gründen resultieren, deren Vorliegen die klagende Partei nicht selbst verschuldet haben darf. Hierbei kann es sich um
- körperliche Gewalt,
- sexuelle Misshandlungen,
- permanente Belästigungen und Verfolgungen,
- schwere Verletzungen von Ehre und Persönlichkeit und
handeln. In der Praxis verhalten sich die Gerichte bei der Entscheidung über die Unzumutbarkeit sehr zurückhaltend. Sind Sie in einer solchen Situation, ist die Beratung durch einen einfühlsamen Scheidungsanwalt daher besonders wichtig. Sie haben das Recht, sich zur Wehr zu setzen – nutzen Sie es!
Wie geht es nach Einreichung der Scheidung weiter?
Wie es nach der Einreichung der Scheidung weitergeht, hängt von der Art der Scheidung ab. Haben Sie eine einvernehmliche Lösung erzielt, erhalten Sie vom Gericht eine Einladung zu einer Anhörung. Im Rahmen dieser Anhörung überzeugt sich der Richter oder die Richterin davon, dass das Scheidungsbegehren und die jeweils getroffenen Vereinbarungen auf dem freien Willen beider Ehepartner beruhen.
Es folgt eine kritische Prüfung der Scheidungskonvention: Die zwischen den Parteien vereinbarten Regelungen müssen angemessen und vollständig formuliert sein. Ist das der Fall, erteilt das Gericht eine Genehmigung und spricht die Scheidung aus. Damit erlangt die Scheidungskonvention rechtliche Verbindlichkeit. Nachträgliche Anpassungen sind nur unter bestimmten Voraussetzungen möglich. Welche das sind, erfahren Sie von Ihrem Scheidungsanwalt.
Hat ein Ehepartner die Scheidungsklage beim zuständigen Gericht eingereicht, muss der andere Ehegatte diese Klage beantworten. Im Rahmen einer Einigungsverhandlung wird zunächst überprüft, ob ein rechtlicher Grund für die Scheidung vorliegt. Im Anschluss bemüht sich das Gericht um eine einvernehmliche Einigung der beiden Eheleute bezüglich der Nebenfolgen. Scheitert diese, kommt es zur Hauptverhandlung mit Beweisführung.
Viele Paare streiten um die Aufteilung der ehelichen Wohnung und des Vermögens. Auch das Sorgerecht der Kinder und mögliche Unterhaltsansprüche können Konflikte auslösen. Die Lösung der damit verbundenen rechtlichen Fragen nimmt oft viel Zeit in Anspruch. Das Scheidungsverfahren zieht sich in die Länge. Am Ende steht jedoch auch hier die Aussprache der Scheidung durch das Gericht.
Kann das Gericht eine Scheidungsklage abweisen?
Es kommt immer wieder vor, dass das Gericht eine Scheidungsklage abweist. Das liegt oft daran, dass die gesetzlich vorgeschriebene Trennungsfrist von zwei Jahren noch nicht erfüllt ist. Aber auch formale Fehler können die Abweisung der Klage nach sich ziehen – sogar mehrfach. Mit der Beratung durch einen kompetenten Scheidungsanwalt können Sie unnötigen Ärger vermeiden. Er schützt Sie vor juristischen Stolpersteinen.
Was passiert bei der Scheidung mit minderjährigen Kindern?
Der Gesetzgeber misst den Interessen des Nachwuchses grosse Bedeutung zu. Er erkennt an, dass eine enge, eigenständige und gute Beziehung zu beiden Elternteilen für die harmonische Entwicklung unerlässlich ist. Aus diesem Grund führte er zum 01. Juli 2014 den Grundsatz der gemeinsamen elterlichen Sorge ein. Das bedeutet, dass Sie in wichtigen Fragen weiterhin zusammen mit Ihrem ehemaligen Partner entscheiden müssen.
Dient es dem Wohl Ihres Kindes, ist davon abweichend die alleinige Zuteilung des Sorgerechts an einen Elternteil möglich. Voraussetzung dafür ist in der Regel eine besondere Schutzbedürftigkeit. Ändern sich die Verhältnisse gravierend, lassen sich die Vereinbarungen zur elterlichen Sorge an die Umstände anpassen. Das Kind hat ein Recht auf persönlichen Kontakt zu dem nicht bei ihm lebenden Elternteil.
Auch für den Unterhalt Ihrer Kinder müssen Sie nach der Scheidung gemeinsam mit dem anderen Elternteil aufkommen – und zwar mindestens bis zum Abschluss der Erstausbildung oder zum Erreichen der Volljährigkeit. Die Höhe dieser Zahlungen legt das Gericht fest.
Welche Regelungen gelten für die Aufteilung des Vermögens?
Die vermögensrechtlichen Ansprüche der Ehegatten sind im Ehegüterrecht geregelt. Es legt fest, welcher Partei welche Vermögenswerte gehören, wie Beteiligungen und Schulden zu verrechnen sind und wie das Vermögen inklusive Zuwachs zu verteilen ist. Dabei kommt es massgeblich darauf an, ob das Paar einem «ordentlichen» Güterstand unterliegt oder die Regelungen durch einen Ehevertrag an individuelle Bedürfnisse angepasst hat.
Bei der Errungenschaftsbeteiligung, die ohne entsprechende Vereinbarung im Ehevertrag automatisch zur Anwendung kommt, bleibt das Vermögen der Ehepartner bis zur Auflösung des Güterstandes getrennt. Während der Ehe angehäufte Ersparnisse werden jedoch zusammengerechnet und dann hälftig geteilt. Gilt durch eine entsprechende Klausel im Ehevertrag der Güterstand der Gütergemeinschaft, halbiert sich durch die Scheidung auch das voreheliche Vermögen.
Anders sieht es aus, wenn die Parteien im Ehevertrag eine Gütertrennung vereinbart haben. In diesem Fall sind die beiden Ehegatten sowohl während als auch nach der Ehe alleinige Eigentümer ihres eingebrachten Vermögens. Gleiches gilt für die in diesem Zeitraum erwirtschafteten Ersparnisse.
Welche Vorteile hat es, einen Scheidungsanwalt zu konsultieren?
Grundsätzlich ist es so, dass Sie für eine Scheidung in der Schweiz keinen Rechtsbeistand benötigen. Die Komplexität der Rechtssituation macht es Laien jedoch schwer, den Überblick zu behalten. Das kann zu bösen Überraschungen führen. Nur ein Experte ist dazu in der Lage, Ihre individuelle Situation zu beleuchten und die erforderlichen rechtlichen Schritte einzuleiten.
Ein Scheidungsanwalt informiert Sie umfassend über Ihre Rechte und Pflichten. Er unterstützt Sie bei dem Versuch, eine einvernehmliche Lösung zu finden. Zudem sagt er Ihnen, worauf Sie bei einer Scheidungskonvention achten müssen, und hilft Ihnen bei der Geltendmachung Ihrer Ansprüche. Auf Basis seiner fachlichen Kompetenz bereitet er Sie optimal auf die Auflösung Ihrer Ehe und damit einhergehende Konsequenzen vor.
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