Source: http://m.hensche.de/Rechtsanwalt_Arbeitsrecht_Urteile_Abfindung_AlgII_BSG_B4AS47-08R.html
Timestamp: 2016-12-08 14:03:16
Document Index: 94027112

Matched Legal Cases: ['§ 11', '§ 138', '§ 194', '§ 138', '§ 194', '§ 48', '§ 40', '§ 330', '§ 48', '§ 50', '§ 40', 'Art 1', '§ 48', '§ 48', '§ 48', '§ 13', '§ 2', '§ 6', '§ 134', '§ 48', '§ 48', '§ 48', '§ 48', '§ 48', '§ 48', '§ 48', '§ 19', '§ 7', '§ 11', '§ 12', '§ 12', '§ 11', '§ 9', '§ 10', '§ 11', '§ 11', '§ 11', '§ 11', '§ 82', '§ 76', '§ 77', '§ 82', '§ 11', '§ 11', '§ 11', '§ 11', '§ 253', '§ 11', '§ 77', '§ 78', '§ 83', '§ 11', '§ 77', '§ 83', '§ 11', '§ 11', '§ 11', '§ 11', '§ 11', '§ 11', '§ 83', '§ 11', '§ 11', '§ 11', '§ 253', '§ 11', '§ 138', '§ 11', '§ 11', '§ 9', '§ 138', '§ 194', '§ 9', '§ 138', '§ 11', '§ 11', '§ 138', '§ 194', 'Art 20', '§ 1587', '§ 2', '§ 6', '§ 2', '§ 11', '§ 11', '§ 3', '§ 2', '§ 11', '§ 6', '§ 2', '§ 2', '§ 2', '§ 50', '§ 40', '§ 50', '§ 40', '§ 19', '§ 28', '§ 45', '§ 338', '§ 24', '§ 193']

HENSCHE Arbeitsrecht: B 4 AS 47/08 R
Abfindung, Arbeitslosengeld II
B 4 AS 47/08 R
Bayerisches Landessozialgericht, Urteil vom 19.03.2008, L 16 AS 270/07Sozialgericht München, Urteil vom 13.07.2007,S 48 AS 519/06
Im Na­men des Vol­kes Ur­teil
in dem Rechts­streit Verkündet am 3. März 2009
Az: B 4 AS 47/08 RL 16 AS 270/07 (Baye­ri­sches LSG) S 48 AS 519/06 (SG München)
Kläger und Re­vi­si­onskläger,
Pro­zess­be­vollmäch­tig­te: ...,
Ar­beits­ge­mein­schaft für Beschäfti­gung München GmbH, Or­leans­platz 11, 81667 München,
Be­klag­te und Re­vi­si­ons­be­klag­te.
Der 4. Se­nat des Bun­des­so­zi­al­ge­richts hat auf die münd­li­che Ver­hand­lung vom 3. März 2009 durch den Vor­sit­zen­den Rich­ter Prof. Dr. S c h l e g e l , den Rich­ter Dr. V o e l z k e und die Rich­te­rin S. K n i c k r e h m so­wie die eh­ren­amt­li­chen Rich­ter B a r e i t h e r und Dr. G r i e s h a b e rfür Recht er­kannt:
Die Re­vi­si­on des Klägers ge­gen das Ur­teil des Baye­ri­schen Lan­des­so­zi­al­ge­richts vom 19. März 2008 wird zurück­ge­wie­sen.
Die Be­tei­lig­ten ha­ben ein­an­der für das Re­vi­si­ons­ver­fah­ren kei­ne außer­ge­richt­li­chen Kos­ten zu er­stat­ten. - 2 -
Strei­tig ist, ob die in ei­nem ar­beits­ge­richt­li­chen Ver­gleich ver­ein­bar­te Ab­fin­dung beim Ar­beits­lo­sen­geld II (Alg II) als Ein­kom­men leis­tungs­min­dernd zu berück­sich­ti­gen ist, wenn die For­de­rung erst durch Zwangs­voll­stre­ckung zu ei­ner Zeit erfüllt wird, in dem der frühe­re Ar­beit­neh­mer Grund­si­che­rungs­leis­tun­gen be­zieht.
Der Kläger übte bis Ju­ni 2003 ei­ne Beschäfti­gung aus. Seit­her ist er ar­beits­los. Im Kündi­gungs­schutz­pro­zess ge­gen sei­nen frühe­ren Ar­beit­ge­ber schloss er mit die­sem vor dem Ar­beits­ge­richt im April 2005 ei­nen Ver­gleich. Dar­in ver­pflich­te­te sich der Ar­beit­ge­ber, ihm ei­ne Ab­fin­dung für den Ver­lust des Ar­beits­plat­zes in Höhe von 6 500 Eu­ro zu zah­len. Auf den ti­tu­lier­ten Ab­fin­dungs­an­spruch zahl­te der Ar­beit­ge­ber erst im Ok­to­ber und No­vem­ber 2006 Beträge über 1 750 Eu­ro und 2 000 Eu­ro, nach­dem der Kläger Zwangs­voll­stre­ckungs­maßnah­men ge­gen den Ar­beit­ge­ber ein­ge­lei­tet hat­te. Der be­klag­te Grund­si­che­rungs­träger, der dem Kläger seit Mit­te Ju­li 2005 Leis­tun­gen der Grund­si­che­rung für Ar­beit­su­chen­de gewährt, hob hier­auf die Leis­tungs­be­wil­li­gung für die Zeit vom 1.10. bis 30.11.2005 auf und for­der­te vom Kläger Rück­zah­lung der für die­sen Zeit­raum ge­zahl­ten 1 500,24 Eu­ro. Zur Be­gründung führ­te er aus, die Ab­fin­dungs­teil­zah­lun­gen sei­en bei der Be­mes­sung der Grund­si­che­rungs­leis­tun­gen als Ein-kom­men be­darfs­min­dernd zu berück­sich­ti­gen. Wi­der­spruch, Kla­ge und Be­ru­fung des Klägers hat­ten - ab­ge­se­hen von ei­ner Re­du­zie­rung der Rück­for­de­rung (Kor­rek­tur we­gen Warm­was­ser-kos­ten) auf 1 064,82 Eu­ro kei­nen Er­folg (Be­scheid vom 17.1.2006; Wi­der­spruchs­be­scheid vom 15.3.2006; Ur­teil des So­zi­al­ge­richts <SG> München vom 13.7.2007; Ur­teil des Baye­ri­schen Lan­des­so­zi­al­ge­richts <LSG> vom 19.3.2008). SG und LSG führ­ten im We­sent­li­chen aus, die Ab­fin­dung sei nicht nach § 11 Abs 3 Nr 1 Buchst a) SGB II an­rech­nungs­frei. Zwi­schen der ge­zahl­ten Ab­fin­dung und dem Alg II be­ste­he Zweck­iden­tität. Ei­ne den Be­stim­mun­gen des § 138 Abs 3 Nr 6 Ar­beitsförde­rungs­ge­setz (AFG) bzw des § 194 Abs 3 Nr 7 SGB III ver­gleich­ba­re Re­ge­lung sei we­der in das SGB II noch in die Ver­ord­nung zur Be­rech­nung von Ein­kom­men so­wie zur Nicht­berück­sich­ti­gung von Ein­kom­men und Vermögen beim Alg II/So­zi­al­geld (Alg II-V) auf­ge­nom­men wor­den.
Der Kläger macht mit sei­ner Re­vi­si­on gel­tend, die Ab­fin­dung sei dem (Schon-)Vermögen zu­zu­rech­nen. Es dürfe ihm nicht zum Nach­teil ge­rei­chen, dass der Ar­beit­ge­ber den Ab­fin­dungs­an­spruch erst auf Druck (Zwangs­voll­stre­ckung) während des Alg II-Be­zu­ges erfüllt ha­be. Die Ab­fin­dungs­for­de­rung ge­gen den Ar­beit­ge­ber sei un­abhängig vom Zeit­punkt ih­rer Erfüllung be­reits vor­her Teil sei­nes Vermögens ge­we­sen und dürfe da­her nicht als Ein­kom­men während des Leis­tungs­be­zu­ges an­ge­se­hen wer­den. Sei­nen Voll­stre­ckungs­maßnah­men lie­ge ei­ne freie Wil­lens­ent­schei­dung zu Grun­de, weil er sei­nen Ti­tel 30 Jah­re lang voll­stre­cken könne. Je­den­falls stel­le die An­rech­nung der Ab­fin­dungs­zah­lung für ihn ei­ne be­son­de­re Härte dar. Die Ab­fin­dung - 3 -
wer­de für den Ver­lust des Ar­beits­plat­zes gewährt. Sie sei als Aus­gleichs­leis­tung um­fas­sen­der als ei­ne Scha­dens­er­satz­leis­tung. Sie sol­le dem Geschädig­ten ei­nen an­ge­mes­se­nen Aus­gleich für die­je­ni­gen Schäden bie­ten, die nicht vermögens­recht­li­cher Art sei­en und zu­gleich dem Ge­dan­ken Rech­nung tra­gen, dass der Schädi­ger dem Geschädig­ten Ge­nug­tu­ung für das schul­de, was er ihm an­ge­tan ha­be. Ab­fin­dun­gen im Be­reich des Kündi­gungs­schutz­rechts sei­en zeit­lich ei­nem be­stimm­ten, be­reits ab­ge­schlos­se­nen Zeit­raum, nämlich dem be­en­de­ten Ar­beits­verhält­nis bzw dem Kündi­gungs­schutz­ver­fah­ren zu­ge­ord­net. Ein ti­tu­lier­ter Ab­fin­dungs­an­spruch, der vor Be­ginn ei­nes Be­darfs­zeit­raums im Sin­ne des SGB II ent­stan­den sei, stel­le Vermögen dar und blei­be auch sol­ches, egal zu wel­chem Zeit­punkt er erfüllt wer­de. Es sei ver­fas­sungs­wid­rig, dass das SGB II kei­ne den Re­ge­lun­gen des § 138 Abs 3 Nr 6 AFG und des § 194 Abs 3 Nr 7 SGB III ent­spre­chen­de Vor­schrift ent­hal­te.
Der Kläger be­an­tragt,die Ur­tei­le des Baye­ri­schen Lan­des­so­zi­al­ge­richts vom 19.3.2008 und des So­zi­al­ge­richts München vom 13.7.2007 so­wie den Be­scheid der Be­klag­ten vom 17.1.2006 in der Ge­stalt des Wi­der­spruchs­be­schei­des vom 15.3.2006 auf­zu­he­ben.
Die Be­klag­te be­an­tragt,die Re­vi­si­on zurück­zu­wei­sen.
Sie hält die an­ge­foch­te­nen Ent­schei­dun­gen für zu­tref­fend.
Die zulässi­ge Re­vi­si­on des Klägers ist un­be­gründet. Die Vor­in­stan­zen ha­ben im Er­geb­nis zu­tref­fend ent­schie­den, dass der Kläger we­gen des Zu­flus­ses der Ab­fin­dungs­teil­zah­lun­gen im Ok­to­ber und No­vem­ber 2005 nicht hil­fe­bedürf­tig war und ihm da­her kein An­spruch auf Alg II für die­se Mo­na­te zu­stand. Die Be­klag­te hat mit dem an­ge­foch­te­nen Be­scheid zu Recht ih­re Be­wil­li­gung von Alg II für die Zeit vom 1.10. bis 30.11.2005 gemäß § 48 Abs 1 Satz 2 Nr 3 SGB X iVm § 40 Abs 1 Satz 2 Nr 1 SGB II iVm § 330 Abs 3 Satz 1 SGB III (im Fol­gen­den: § 48 SGB X) teil­wei­se zurück­ge­nom­men und die Rück­zah­lung des über­zahl­ten Alg II nach § 50 Abs 1 Satz 1 SGB X iVm § 40 Abs 2 SGB II idF von Art 1 des Vier­ten Ge­set­zes für mo­der­ne Dienst­leis­tun­gen am Ar­beits­markt vom 24.12.2003 (BGBl I 2954) ver­langt. Der vom Kläger noch zu er­stat­ten­de Be­trag in Höhe von 1 064,82 Eu­ro ist rechts­feh­ler­frei be­rech­net wor­den.
1. Die Be­klag­te war be­rech­tigt, die Alg II-Be­wil­li­gung für Ok­to­ber und No­vem­ber 2006 we­gen Weg­falls der Leis­tungs­vor­aus­set­zun­gen in­fol­ge Zu­flus­ses der Ab­fin­dung auf­zu­he­ben. - 4 -
Nach § 48 Abs 1 Satz 1 SGB X ist ein Ver­wal­tungs­akt mit Wir­kung für die Zu­kunft auf­zu­he­ben, wenn in den tatsächli­chen oder recht­li­chen Verhält­nis­sen, die beim Er­lass des Ver­wal­tungs­ak­tes mit Dau­er­wir­kung vor­ge­le­gen ha­ben, ei­ne we­sent­li­che Ände­rung ein­tritt. Der Ver­wal­tungs­akt ist mit Wir­kung vom Zeit­punkt der Ände­rung der Verhält­nis­se auf­zu­he­ben, so­weit nach An­trag­stel­lung oder Er­lass des Ver­wal­tungs­ak­tes Ein­kom­men oder Vermögen er­zielt wor­den ist, das zum Weg­fall oder zur Min­de­rung des An­spruchs geführt ha­ben würde (§ 48 Abs 1 Satz 2 Nr 3 SGB X). Als Zeit­punkt der Ände­rung der Verhält­nis­se gilt in Fällen, in de­nen Ein­kom­men oder Vermögen auf ei­nen zurück­lie­gen­den Zeit­raum auf Grund der be­son­de­ren Tei­le die­ses Ge­setz­bu­ches an­zu­rech­nen ist, der Be­ginn des An­rech­nungs­zeit­rau­mes (§ 48 Abs 1 Satz 3 SGB X). Der Be­ginn des An­rech­nungs­zeit­rau­mes von Ein­kom­men im SGB II ist nach § 13 SGB II iVm § 2 Abs 3 Satz 1 Alg II-V idF vom 20.10.2004 (BGBl I 2622) iVm § 6 Alg II-V idF vom 22.8.2005 (BGBl I 2499) der Be­ginn des Mo­nats, in dem das Ein­kom­men zu­fließt.
Dem Kläger stand zunächst ein An­spruch auf Alg II zu, je­doch ist die­ser nach Be­wil­li­gung ent­fal­len. Da­bei kommt es nicht dar­auf an, ob der Kläger für die Zeit (auch) vom 1.10. bis 30.11.2005 Alg II, so­lan­ge der bin­den­de Be­wil­li­gungs­be­scheid vom 22.7.2005 nicht auf­ge­ho­ben wor­den ist, rechtmäßig be­zo­gen hat (vgl da­zu BS­GE 61, 286 = SozR 4100 § 134 Nr 31). Denn bei der An­wen­dung des § 48 Abs 1 SGB X ist - un­abhängig von bin­den­den, nicht mehr auf­heb-ba­ren Leis­tungs­be­wil­li­gun­gen - die "wah­re" Rechts­la­ge zu Grun­de zu le­gen und zu prüfen, ob seit Er­lass des Ver­wal­tungs­ak­tes, den die Behörde nach § 48 SGB X auf­ge­ho­ben hat, ei­ne Ände­rung in den tatsächli­chen oder recht­li­chen Verhält­nis­sen ein­ge­tre­ten ist, so­dass ein sol­cher Be­wil­li­gungs­be­scheid nun­mehr nicht mehr er­las­sen wer­den dürf­te. § 48 SGB X ermöglicht die Auf­he­bung von Dau­er­ver­wal­tungs­ak­ten, die we­gen ei­ner nach ih­rem Er­lass ein­tre­ten­den Ände­rung der Sach- und Rechts­la­ge im Wi­der­spruch zu dem (dann) gel­ten­den Recht ste­hen (vgl Freischmidt in Hauck/Noftz, SGB X, Fe­bru­ar 2003, K § 48 Rd­Nr 2; zu be­reits anfäng­lich rechts­wid­ri­gen Dau­er­ver­wal­tungs­ak­ten vgl Ur­teil des Se­nats vom 16.12.2008 - B 4 AS 60/07 R, zur Veröffent­li­chung vor­ge­se­hen). Des­halb muss, wenn ei­ne we­sent­li­che Ände­rung der tatsächli­chen oder recht­li­chen Verhält­nis­se iS von § 48 Abs 1 SGB X in Be­tracht kommt, die ma­te­ri­el­le Rechts­la­ge zum Zeit­punkt des Er­las­ses des Ver­wal­tungs­ak­tes und zum Zeit­punkt der an­geb­lich ein­ge­tre­te­nen Ände­rung ver­gli­chen wer­den. Nur wenn sich bei die­sem Ver­gleich ein für den ma­te­ri­el­len An­spruch des Ein­zel­nen er­heb­li­cher Un­ter­schied er­gibt, ha­ben sich die Verhält­nis­se we­sent­lich geändert (BS­GE 65, 301, 302 = SozR 1300 § 48 Nr 60; Schütze in von Wul­ffen, SGB X, 6. Aufl 2008, § 48 Rd­Nr 6). Dies ist hier der Fall.
Zum Zeit­punkt des Er­las­ses des (Be­wil­li­gungs-)Be­schei­des vom 22.7.2005 war für Ok­to­ber und No­vem­ber 2005 von der Hil­fe­bedürf­tig­keit des Klägers aus­zu­ge­hen. Er erfüll­te die Vor­aus­set­zun­gen für Alg II nach § 19 iVm § 7 Abs 1 Satz 1 SGB II idF des Kom­mu­na­len Op­ti­ons­ge­set­zes vom 30.7.2004 (BGBl I 2014). Sein mo­nat­li­cher Be­darf be­trug in die­sen Mo­na­ten je­weils 849 Eu­ro. Die Vor­aus­set­zun­gen für die Gewährung von Alg II ent­fie­len nach Zu­fluss der Ab­fin­dungs­teil­zah­lun­gen. In­so­weit ist ei­ne we­sent­li­che Ände­rung in den tatsächli­chen Verhält­nis­sen - 5 -
ein­ge­tre­ten. Denn auf den ge­nann­ten mo­nat­li­chen Be­darf wa­ren im Ok­to­ber und No­vem­ber 2005 die Ab­fin­dungs­teil­zah­lun­gen als Ein­kom­men be­darfs­min­dernd an­zu­rech­nen.
2. Bei den nach An­trag­stel­lung im Be­darfs­zeit­raum zu­ge­flos­se­nen Ab­fin­dungs­teil­zah­lun­gen han­delt es sich um berück­sich­ti­gungsfähi­ges Ein­kom­men und nicht um Vermögen.
Nach § 11 Abs 1 Satz 1 SGB II sind als Ein­kom­men zu berück­sich­ti­gen Ein­nah­men in Geld oder Gel­des­wert mit Aus­nah­me der Leis­tun­gen nach dem SGB II, der Grund­ren­te nach dem Bun­des­ver­sor­gungs­ge­setz (BVG) und den Ge­set­zen, die ei­ne ent­spre­chen­de An­wen­dung des BVG vor­se­hen und Ren­ten oder Bei­hil­fen, die nach dem Bun­des­entschädi­gungs­ge­setz (BEntschG) für Scha­den an Le­ben so­wie an Körper oder Ge­sund­heit er­bracht wer­den. Nach § 12 Abs 1 SGB II sind als Vermögen al­le ver­wert­ba­ren Vermögens­ge­genstände zu berück­sich­ti­gen, hier­von nach Abs 2 der Vor­schrift je­doch Frei­beträge ab­zu­set­zen. Zu­dem sind in § 12 Abs 3 SGB II be­stimm­te Vermögens­be­stand­tei­le auf­geführt, die ganz oder teil­wei­se nicht (be­darfs­min­dernd) zu berück­sich­ti­gen sind.
Ei­ne Ab­gren­zung zwi­schen Ein­kom­men und Vermögen er­folgt durch das SGB II selbst nicht. Wie der Se­nat in den Ur­tei­len vom 30.9.2008 (B 4 AS 29/07 R Rd­Nr 18: Ein­kom­mens­steu­e­r­er­stat­tung und B 4 AS 57/07 R Rd­Nr 18: Zins­einkünf­te aus Spar­gut­ha­ben) dar­ge­legt hat, ist Ein­kom­men iS des § 11 Abs 1 SGB II grundsätz­lich al­les das, was je­mand nach An­trag­stel­lung wertmäßig da­zu erhält, und Vermögen das, was er vor An­trag­stel­lung be­reits hat­te (so be­reits BSG, Ur­teil vom 30.7.2008 - B 14 AS 26/07 R, zur Veröffent­li­chung vor­ge­se­hen). Aus­zu­ge­hen ist vom tatsächli­chen Zu­fluss, es sei denn, recht­lich wird ein an­de­rer Zu­fluss als maßge­bend be­stimmt. Nicht ent­schei­dend ist das Schick­sal der For­de­rung. Eben­so we­nig kommt es auf den Grund für die Zah­lung zu ei­nem be­stimm­ten Zeit­punkt an, hier die von dem Kläger ver­an­lass­ten Zwangs­voll­stre­ckungs­maßnah­men.
Vom An­knüpfungs­punkt des tatsächli­chen Zu­flus­ses als Dif­fe­ren­zie­rungs­kri­te­ri­um zwi­schen Ein­kom­men und Vermögen ist auch dann aus­zu­ge­hen, wenn es sich um durch Zwangs­voll­stre­ckungs­maßnah­men er­zwun­ge­ne Teil­zah­lun­gen auf ei­nen ti­tu­lier­ten Ab­fin­dungs­an­spruch han­delt. Der Um­stand, dass es sich da­bei um ei­nen An­spruch han­delt, der in ei­nem ar­beits­ge­richt­li­chen Ver­gleich ver­ein­bart wur­de und be­reits vor Stel­lung des An­trags auf Leis­tun­gen nach dem SGB II mit Wirk­sam­wer­den des ge­richt­li­chen Ver­gleichs am 5.4.2005 fällig ge­wor­den war (vgl zur Fällig­keit des Ab­fin­dungs­an­spruchs nach §§ 9, 10 KSchG Biebl in Ascheid/Preis/Schmidt, Kündi­gungs­recht, 3. Aufl 2007, § 10 KSchG Rd­Nr 41), recht­fer­tigt kei­ne an­de­re Beu­tei­lung. Die auf Grund des Ab­fin­dungs­an­spruchs vor­ge­nom­me­nen Teil­zah­lun­gen gehören nämlich nicht zu den be­reits er­lang­ten Einkünf­ten, mit de­nen Vermögen an­ge­spart wur­de (vgl Ur­teil des Se­nats vom 30.9.2008 - B 4 AS 57/07 R Rd­Nr 17). Fer­ner liegt zwar der Grund für die Zah­lung ei­ner Ab­fin­dung in dem (dann) be­en­de­ten Ar­beits­verhält­nis, je­doch lässt es der Entschädi­gungs­cha­rak­ter der Ab­fin­dungs­zah­lung für den Weg­fall künf­ti­ger Ver­dienst- - 6 -
möglich­kei­ten (da­zu un­ten) nicht zu, die Ab­fin­dung zeit­lich dem Ar­beits­verhält­nis und da­mit der Ver­gan­gen­heit zu­zu­ord­nen (vgl Voelz­ke in Kütt­ner, Per­so­nal­buch 2008, 15. Aufl, Ab­fin­dung Rd­Nr 52).
3. Ab­fin­dun­gen sind nicht von ei­ner be­darfs­min­dern­den An­rech­nung auf das Alg II aus­ge­nom­men. Sie wer­den we­der in § 11 Abs 1 Satz 1 Halb­satz 2 SGB II erwähnt (da­zu a) noch fal­len sie un­ter die nach § 11 Abs 3 SGB II pri­vi­le­gier­ten zweck­be­stimm­ten Ein­nah­men (da­zu b).
a) Die Ab­fin­dungs­teil­zah­lun­gen erfüllen nicht den von sei­nem Wort­laut her ein­deu­ti­gen Aus­nah­me­tat­be­stand des § 11 Abs 1 Satz 1 Halb­satz 2 SGB II. Sie sind we­der ei­ne Grund­ren­te nach dem BVG noch ei­ne Leis­tung nach dem BEntschG. Die Re­ge­lung des § 11 Abs 1 SGB II, die na­he­zu wort­gleich mit § 82 Abs 1 Satz 1 SGB XII übe­rein­stimmt, ent­spricht dem bis­he­ri­gen § 76 Bun­des­so­zi­al­hil­fe­ge­setz (BSHG). Die­se An­knüpfung an das BSHG war vom Ge­setz­ge­ber be­ab­sich­tigt (vgl BT-Drucks 15/1514 S 65 - noch zu § 77, der § 82 SGB XII ent­spricht; BT-Drucks 15/1516 S 53 zu § 11 SGB II).
b) Ab­fin­dun­gen sind auch nicht nach § 11 Abs 3 Nr 1 a) SGB II hin­sicht­lich ih­rer Berück­sich­ti­gung als Ein­kom­men des Hil­fe­bedürf­ti­gen pri­vi­le­giert.
Gemäß § 11 Abs 3 Nr 1 SGB II sind nicht als Ein­kom­men zu berück­sich­ti­gen Ein­nah­men, so­weit sie als zweck­be­stimm­te Ein­nah­men (Buchst a) oder Zu­wen­dun­gen der frei­en Wohl­fahrts­pfle­ge (Buchst b) ei­nem an­de­ren Zweck als die Leis­tun­gen nach dem SGB II die­nen und die La­ge des Empfängers nicht so güns­tig be­ein­flus­sen, dass da­ne­ben Leis­tun­gen nach die­sem Buch nicht ge­recht­fer­tigt wären. Wei­ter sind gemäß § 11 Abs 3 Nr 2 SGB II nicht als Ein­kom­men Entschädi­gun­gen zu berück­sich­ti­gen, die we­gen ei­nes Scha­dens, der nicht Vermögens­scha­den ist, nach § 253 Abs 2 BGB ge­leis­tet wer­den.
§ 11 Abs 3 Nr 1 Buchst a) und Buchst b) SGB II fas­sen die bis­he­ri­gen Re­ge­lun­gen des § 77 Abs 1 Satz 1 BSHG und des § 78 BSHG zu­sam­men. Die­sen ent­spre­chen die §§ 83 Abs 1 und 84 Abs 1 SGB XII. § 11 Abs 3 Nr 2 SGB II ent­spricht dem bis­he­ri­gen § 77 Abs 2 BSHG und dem heu­ti­gen § 83 Abs 2 SGB XII. Sinn des § 11 Abs 3 Nr 1 Buchst a) SGB II ist es zu ver­hin­dern, dass die be­son­de­re Zweck­be­stim­mung ei­ner Leis­tung durch Berück­sich­ti­gung im Rah­men des SGB II ver­fehlt wird, so­wie dass für ei­nen iden­ti­schen Zweck Dop­pel­leis­tun­gen er­bracht wer­den (BSG, Ur­teil vom 6.12.2007 - B 14/7b AS 62/06 R, Rd­Nr 24). Die Zweck­be­stim­mung kann sich aus ei­ner öffent­lich-recht­li­chen Norm er­ge­ben (vgl BSG, Ur­teil vom 6.12.2007 - B 14/7b AS 16/06 R - SozR 4-4200 § 11 Nr 8 Rd­Nr 16), je­doch können auch zweck­be­stimm­te Einkünf­te auf pri­vat­recht­li­cher Grund­la­ge dar­un­ter fal­len (Hen­gel­haupt in Hauck/Noftz, SGB II, Au­gust 2008, § 11 Rd­Nr 212; Söhn­gen in ju­risPK-SGB II, 2. Aufl 2007, § 11 Rd­Nr 55; Brühl in LPK-SGB II, 2. Aufl 2007, § 11 Rd­Nr 54; Voelz­ke, SGb 2007, 713, 720). Letz­te­res er­gibt sich aus dem wei­ten Wort­laut des § 11 Abs 3 Nr 1 Buchst a) SGB II, der sich
in­so­fern von der ähn­li­chen Vor­schrift im So­zi­al­hil­fe­recht un­ter­schei­det, die gemäß § 83 Abs 1 SGB XII ei­nen in öffent­lich-recht­li­chen Vor­schrif­ten aus­drück­lich ge­nann­ten Zweck for­dert (BSG, Ur­teil vom 6.12.2007 - B 14/7b AS 16/06 R, SozR, aaO, Rd­Nr 16).
Ei­ne auf pri­vat­recht­li­cher Grund­la­ge er­brach­te Leis­tung ist dann zweck­be­stimmt iS des § 11 Abs 3 Nr 1 Buchst a) SGB II, wenn ihr über die Til­gungs­be­stim­mung hin­aus er­kenn­bar ei­ne be­stimm­te Zweck­rich­tung bei­ge­mes­sen ist. Der er­ken­nen­de Se­nat ver­steht dies als ei­ne Ver­ein­ba­rung, aus der sich ob­jek­tiv er­kenn­bar er­gibt, dass die Leis­tung für ei­nen be­stimm­ten Zweck ver­wen­det wer­den soll (pri­vat­recht­li­cher Ver­wen­dungs­zweck).
Dies ist bei Ab­fin­dungs­zah­lun­gen nicht der Fall (wie hier Hen­gel­haupt, aaO, Au­gust 2008, § 11 Rd­Nr 255a). Die sys­te­ma­ti­sche Stel­lung der zweck­be­stimm­ten Ein­nah­men ne­ben den eben­falls nicht als Ein­kom­men zu berück­sich­ti­gen­den Zu­wen­dun­gen der frei­en Wohl­fahrts­pfle­ge (§ 11 Abs 3 Nr 1 Buchst b SGB II) und Entschädi­gun­gen nach § 253 Abs 2 BGB (§ 11 Abs 3 Nr 2 SGB II) - al­so dem so ge­nann­ten Schmer­zens­geld - schließen es aus, Ab­fin­dungs­zah­lun­gen we­gen Ver­lus­tes des Ar­beits­plat­zes zu den "zweck­be­stimm­ten Ein­nah­men" in die­sem Sin­ne zu rech­nen. Ab­fin­dungs­zah­lun­gen stel­len ei­ne im­ma­te­ri­el­le und ma­te­ri­el­le Aus­gleichs­zah­lung für den Ver­lust des Ar­beits­plat­zes dar (vgl BSG SozR 4100 § 138 Nr 18 S 100). Sie wei­sen wie et­wa das Schmer­zens­geld zwar ei­ne ge­wis­se im­ma­te­ri­el­le Kom­po­nen­te auf, je­doch kom­pen­sie­ren sie auch den Weg­fall des Er­werbs­ein­kom­mens, ha­ben in­so­weit al­so ma­te­ri­el­len Cha­rak­ter. Sie sind nur in­so­weit zweck­be­stimmt, als die Zah­lung er­folgt, um den Ab­fin­dungs­an­spruch des frühe­ren Ar­beit­neh­mers zu erfüllen. Darüber hin­aus liegt ei­ner Ab­fin­dungs­zah­lung aber kein wei­ter­ge­hen­der Ver­wen­dungs­zweck zu Grun­de. Der Ar­beit­ge­ber zahlt die Ab­fin­dung, weil der Ar­beit­neh­mer sei­nen Ar­beits­platz ver­lo­ren hat. Ei­ne Zweck­be­stim­mung im Hin­blick auf die Ver­wen­dung der Ab­fin­dung durch den Ar­beit­neh­mer ist da­mit nicht ver­bun­den.
Vor al­lem aber spricht die Ent­ste­hungs­ge­schich­te des § 11 SGB II da­ge­gen, Ab­fin­dungs­zah­lun­gen un­ter § 11 Abs 3 Nr 1 Buchst b) SGB II zu fas­sen und sie in­so­weit zu pri­vi­le­gie­ren. Denn Ab­fin­dun­gen, die ein Ar­beit­ge­ber we­gen Auflösung des Ar­beits­verhält­nis­ses nach ei­ner so­zi­al-wid­ri­gen or­dent­li­chen Kündi­gung gemäß §§ 9, 10 KSchG fest­setzt, wa­ren nach dem frühe­ren Recht der Ar­beits­lo­sen­hil­fe (Alhi) gemäß § 138 Abs 3 Nr 6 AFG bzw § 194 Abs 3 Nr 7 SGB III als "Leis­tun­gen zum Er­satz ei­nes Scha­dens" nicht als Ein­kom­men an­zu­rech­nen. Das­sel­be galt für in An­leh­nung an §§ 9, 10 KSchG aus­sch­ließlich für den Ver­lust des Ar­beits­plat­zes ver­gleichs­wei­se ver­ein­bar­te Ab­fin­dungs­leis­tun­gen (vgl BSG SozR 4100 § 138 Nr 18; Hänlein in Ga­gel, SGB III mit SGB II, Ju­ni 2008, § 11 SGB II Rd­Nr 63). Bei die­ser Aus­gangs­la­ge ist da­von aus­zu­ge­hen, dass dem Ge­setz­ge­ber die Pro­ble­ma­tik ei­ner Berück­sich­ti­gung von Ab­fin­dun­gen be­kannt war, als er mit Wir­kung vom 1.1.2005 die bis­he­ri­gen Re­ge­lun­gen der Alhi und So­zi­al­hil­fe für er­werbsfähi­ge Ar­beit­su­chen­de durch die "neue" Leis­tung Alg II er­setz­te. Gleich­wohl hat er die skiz­zier­te frühe­re Pri­vi­le­gie­rung von Ab­fin­dungs­zah­lun­gen be­wusst nicht in den Pri­vi­le­gie­rungs­tat­be­stand des § 11 Abs 1 Satz 1 Halb­satz 2 SGB II auf­ge­nom­men und ei­ne - 8 -
An­rech­nung auf das Alg II ge­ra­de nicht aus­ge­schlos­sen. Dem würde es wi­der­spre­chen, nun­mehr Ab­fin­dungs­zah­lun­gen im Sin­ne die­ser Vor­schrift als zweck­be­stimm­te Ein­nah­men an­zu­se­hen und sie im We­ge der Aus­le­gung auf ei­ne Stu­fe wie das Schmer­zens­geld zu stel­len (sie­he oben).
4. Es be­ste­hen kei­ne ver­fas­sungs­recht­li­chen Be­den­ken, dass der Ge­setz­ge­ber kei­ne § 138 Abs 3 Nr 6 AFG und § 194 Abs 3 Nr 7 SGB III ent­spre­chen­de Vor­schrift in das SGB II auf­ge­nom­men hat. Der Se­nat kann nicht er­ken­nen, dass hier­durch ei­ne Ver­let­zung des aus dem Rechts­staats­prin­zip ab­zu­lei­ten­den Grund­sat­zes der Verhält­nismäßig­keit (vgl Ja­rass in Ja­rass/Pie­roth, GG, 9. Aufl (2007), Art 20 Rd­Nr 80 ff) vor­liegt. Der Ge­setz­ge­ber be­weg­te sich bei der Norm­set­zung im Rah­men sei­ner Ge­stal­tungs­frei­heit (vgl BVerfGE 53, 257, 293 = SozR 7610 § 1587 Nr 1 S 4 f).
5. Die Ab­fin­dungs­teil­zah­lun­gen de­cken je­de für sich den Hil­fe­be­darf im je­wei­li­gen Mo­nat des Zu­flus­ses, so­dass es vor­lie­gend nicht dar­auf an­kommt, dass die recht­li­che Wir­kung als zu berück­sich­ti­gen­des Ein­kom­men nicht mit dem Mo­nat des Zu­flus­ses en­det, son­dern sich über den so ge­nann­ten "Ver­teil­zeit­raum" er­stre­cken würde (vgl hier­zu Ur­teil des Se­nats vom 30.9.2008 - B 4 AS 29/07 R = ju­ris Rd­Nr 26 ff).
Die Ab­fin­dung als ein­ma­li­ge Ein­nah­me ist nach § 2 Abs 3 Alg II-V idF vom 20.10.2004 iVm § 6 Alg II-V idF vom 22.8.2005 als zu berück­sich­ti­gen­des Ein­kom­men und da­mit zur De­ckung des Hil­fe­be­darfs grundsätz­lich bis zu ih­rem Ver­brauch auf­zu­tei­len. Nach § 2 Abs 3 Satz 2 Alg II-V idF vom 20.10.2004 sol­len Leis­tun­gen zur Si­che­rung des Le­bens­un­ter­halts für die Zahl von gan­zen Ta­gen nicht er­bracht wer­den, die sich un­ter Berück­sich­ti­gung der mo­nat­li­chen Ein­nah­men nach Ab­zug der Frei- und Ab­setz­beträge bei Tei­lung der Ge­samt­ein­nah­men durch den er­mit­tel­ten Be­darf ein­sch­ließlich der zu zah­len­den Beiträge für die frei­wil­li­ge Wei­ter­ver­si­che­rung in der Kran­ken- und Pfle­ge­ver­si­che­rung er­gibt. Zu dem tägli­chen Be­darf von 28,30 Eu­ro (849 Eu­ro ge­teilt durch 30 Ta­ge) kommt als Bei­trag für die frei­wil­li­ge Wei­ter­ver­si­che­rung in der Kran­ken- und Pfle­ge­ver­si­che­rung ein sol­cher von täglich 18,80 Eu­ro hin­zu (vgl Hen­gel­haupt in Hauck/Noftz, SGB II, Au­gust 2008, § 11 Rd­Nr 45d). Dem Ge­samt­be­trag von 47,10 Eu­ro steht im Ok­to­ber 2005 ei­ne zu berück­sich­ti­gen­de Ge­samt­ein­nah­me von 1 720 Eu­ro (abzüglich 30 Eu­ro Ver­si­che­rungs­pau­scha­le nach § 11 Abs 2 Nr 3 SGB II iVm § 3 Nr 1 Alg II-V idF vom 20.10.2004) und ent­spre­chend im No­vem­ber 2005 von 1 970 Eu­ro ge­genüber. Da­her ha­ben die Ab­fin­dungs­teil­zah­lun­gen den Leis­tungs­an­spruch des Klägers im Ok­to­ber und No­vem­ber 2005 ent­fal­len las­sen.
Es kann da­hin­ste­hen, ob und in wel­chen Fällen aus der For­mu­lie­rung in § 2 Abs 3 Satz 2 Alg II-V idF vom 20.10.2004 ("sol­len") zu schließen ist, dass in be­son­de­ren Härtefällen von dem re­gel­haft vor­ge­se­he­nen An­rech­nungs­mo­dus ab­ge­wi­chen wer­den kann. Es ist kein Ge­sichts-punkt er­kenn­bar, wes­halb ge­ra­de die Berück­sich­ti­gung von Ab­fin­dungs­teil­zah­lun­gen ab­wei-
chend von der Grund­re­gel, dass Leis­tun­gen mit Be­ginn des Mo­nats des Zu­flus­ses für ei­nen ein­heit­li­chen Zeit­raum zur Be­darfs­de­ckung her­an­zu­zie­hen sind, ei­ne be­son­de­re Härte dar­stel­len soll­te. In die­sem Zu­sam­men­hang kann es nur auf den An­rech­nungs­mo­dus, nicht aber auf das Schick­sal der For­de­rung an­kom­men (aA Me­cke in Ei­cher/Spell­brink, SGB II, 1. Aufl (2005), § 11 Rd­Nr 36). Da­her kann der Um­stand, dass die Ab­fin­dungs­teil­zah­lun­gen dem Kläger erst mehr als ein hal­bes Jahr nach Fällig­keit zu­ge­flos­sen sind, an die­ser Stel­le kei­ne Berück­sich­ti­gung fin­den, son­dern al­len­falls ei­nen (zi­vil­recht­li­chen) Scha­dens­er­satz­an­spruch ge­gen sei­nen frühe­ren Ar­beit­ge­ber zur Fol­ge ha­ben. Nur in die­sem Verhält­nis ist ein Aus­gleich zu su­chen.
Es be­stand auch kei­ne Ver­an­las­sung von der hier gemäß § 6 Alg II-V idF vom 22.8.2005 bis zum En­de des Be­wil­li­gungs­zeit­raums am 31.1.2006 - ei­ne Er­werbstätig­keit wur­de nach dem 30.9.2005 nicht auf­ge­nom­men - gel­ten­den Berück­sich­ti­gung ein­ma­li­ger Ein­nah­men nach Ta­gen ab­zu­wei­chen. Zwar ist § 2 Abs 3 idF vom 22.8.2005 in­so­weit geändert wor­den, als nun­mehr das Mo­nats­prin­zip gilt. Da­nach sind ein­ma­li­ge Ein­nah­men, so­weit nicht im Ein­zel­fall ei­ne an­de­re Re­ge­lung an­ge­zeigt ist, auf ei­nen an­ge­mes­se­nen Zeit­raum auf­zu­tei­len und mo­nat­lich mit ei­nem ent­spre­chen­den Teil­be­trag an­zu­set­zen. Nach der nicht amt­li­chen Be­gründung der Ände­rung der Ver­ord­nung soll­te mit der Neu­fas­sung vor al­lem ei­ne Mi­ni­mie­rung des Ver­wal­tungs­auf­wan­des, ins­be­son­de­re im Hin­blick auf die Not­wen­dig­keit der frei­wil­li­gen Wei­ter­ver­si­che­rung bei vollständi­gem Weg­fall der Leis­tun­gen nach dem SGB II er­reicht wer­den. War in der Fas­sung des § 2 Abs 3 Satz 2 Alg II-V vom 20.10.2004 noch vor­ge­se­hen, dass der tägli­che Berück­sich­ti­gungs­be­trag un­ter Ab­set­zung der Beiträge zur frei­wil­li­gen Wei­ter­ver­si­che­rung in der ge­setz­li­chen Kran­ken- und Pfle­ge­ver­si­che­rung zu er­mit­teln war, so soll of­fen­bar durch § 2 Abs 3 Satz 3 Alg II-V idF vom 22.8.2005 ei­ne länge­re Er­stre­ckung des Berück­sich­ti­gungs­zeit­rau­mes er­reicht wer­den, so­dass bei ei­nem dann nied­ri­ge­ren mo­nat­li­chen Berück­sich­ti­gungs­be­trag die Ver­si­che­rungs­pflicht durch den Wei­ter­be­zug von Leis­tun­gen zur Si­che­rung des Le­bens­un­ter­halts er­hal­ten bleibt. Das Ziel, Ver­si­che­rungs­schutz durch die ge­setz­li­che Kran­ken-und so­zia­le Pfle­ge­ver­si­che­rung auch dann zu gewähr­leis­ten, wenn zu berück­sich­ti­gen­de ein­ma­li­ge Ein­nah­men zu ei­nem Weg­fall des Leis­tungs­an­spruchs führen, wird mit­hin durch bei­de Re­ge­lun­gen er­reicht. Die Mi­ni­mie­rung des Ver­wal­tungs­auf­wan­des, der mit der An- und Ab­mel­dung zur ge­setz­li­chen Kran­ken- und so­zia­len Pfle­ge­ver­si­che­rung für den Grund­si­che­rungs­träger ver­bun­den ist, recht­fer­tigt ein "Vor­zie­hen" der Neu­re­ge­lung je­doch nicht (vgl Ur­tei­le des Se­nats vom 30.9.2008 - B 4 AS 29/07 R, Rd­Nr 24 und B 4 AS 57/07 R, Rd­Nr 29 f).
6. So­weit dem­nach der (Be­wil­li­gungs-)Be­scheid vom 22.7.2005 für die Zeit vom 1.10. bis 30.11.2005 auf­zu­he­ben war, sind von den für die­sen Zeit­raum ge­zahl­ten Leis­tun­gen zur Si­che­rung des Le­bens­un­ter­halts nach § 50 Abs 1 Satz 1 SGB X iVm § 40 Abs 2 SGB II die nach dem durch den Kläger an­ge­nom­me­nen Tei­la­n­er­kennt­nis der Be­klag­ten noch strei­ti­gen 1 064,82 Eu­ro zu er­stat­ten. - 10 -
Nach § 50 Abs 1 Satz 1 SGB X sind be­reits er­brach­te Leis­tun­gen zu er­stat­ten, so­weit ein Ver­wal­tungs­akt auf­ge­ho­ben wor­den ist. Nach § 40 Abs 2 SGB II sind ab­wei­chend hier­von 56 vH der bei der Leis­tung nach § 19 Satz 1 Nr 1 und Satz 2 so­wie § 28 berück­sich­tig­ten Kos­ten für Un­ter­kunft, mit Aus­nah­me der Kos­ten für Hei­zungs- und Warm­was­ser­ver­sor­gung, nicht zu er-stat­ten (Satz 1). Satz 1 gilt nicht im Fal­le des § 45 Abs 2 Satz 3 SGB X (Satz 2). In den Mo­na­ten Ok­to­ber und No­vem­ber 2005 hat­te die Be­klag­te dem Kläger 750,12 Eu­ro je Mo­nat ge­zahlt, wo­von 405,12 Eu­ro auf die Kos­ten der Un­ter­kunft ent­fie­len. Nach den bin­den­den Fest­stel­lun­gen des LSG wa­ren hier­in Heiz­kos­ten oh­ne Warm­was­ser in Höhe von 16,35 Eu­ro ent­hal­ten, wes­halb sich die Brut­to­kalt­mie­te mit 388,77 Eu­ro er­rech­net. Für den strei­ti­gen Zeit­raum sind dann vom Kläger je Mo­nat - ne­ben der Re­gel­leis­tung in Höhe von 345 Eu­ro und der Kos­ten für die Hei­zung von 16,35 Eu­ro - 44 % der Brut­to­kalt­mie­te, mit­hin in ent­spre­chen­der An­wen­dung von § 338 SGB III (vgl BSG SozR 4-4200 § 24 Nr 3 Rd­Nr 25) 171,06 Eu­ro zu er­stat­ten. Der Ge­samt­er­stat­tungs­be­trag er­rech­net sich dann mit 1 064,82 Eu­ro (345 Eu­ro + 171,06 Eu­ro + 16,35 Eu­ro x 2).
Die Kos­ten­ent­schei­dung be­ruht auf § 193 SGG.	m.hensche.de
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