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Timestamp: 2016-10-21 18:39:12
Document Index: 50833584

Matched Legal Cases: ['Art. 86', 'Art. 90', 'Art. 82', 'Art. 83', 'Art. 43', 'BGE', 'BGE', 'Art. 95', 'Art. 96', 'Art. 106', 'BGE', 'Art. 106', 'BGE', 'Art. 105', 'Art. 95', 'Art. 105', 'Art. 97', 'BGE', 'BGE', 'Art. 63', 'Art. 62', 'Art. 64', 'Art. 61', 'Art. 62', 'BGE', 'BGE', 'Art. 62', 'Art. 8', 'Art. 8', 'Art. 8', 'BGE', 'EGMR', 'EGMR', 'Art. 8', 'BGE', 'Art. 8', 'Art. 8', 'BGE', 'BGE', 'EGMR', 'EGMR', 'EGMR', 'EGMR', 'Art. 83', 'Art. 64', 'Art. 66', 'Art. 68']

2C_522/2013 (23.12.2013)
2C_522/2013 � � Urteil vom 23. Dezember 2013
alle drei vertreten durch Rechtsanwalt Florian Wick,
A.X.________ (geb. 1982) ist t�rkischer Staatsangeh�riger. Er reiste am 19. November 1993 mit seiner Mutter und seiner Schwester als Asylsuchender in die Schweiz ein; am 8. Juli 1995 erhielt er die Niederlassungsbewilligung. In der T�rkei heiratete er am 10. M�rz 2008 seine Landsfrau B.X.________ (geb. 1990), welche am 14. September 2008 im Rahmen des Familiennachzugs in die Schweiz einreiste. Ihre Aufenthaltsbewilligung wurde letztmals bis zum 14. September 2010 verl�ngert. Am 30. August 2010 wurde der gemeinsame Sohn C.X.________ geboren.
�Das Strafgericht des Kantons Zug verurteilte A.X.________ am 10. Juni 2009 wegen mehrfacher Gef�hrdung des Lebens, qualifizierter Sachbesch�digung, Hinderung einer Amtshandlung, grober Verletzung der Verkehrsregeln und Fahrens in fahrunf�higem Zustand (alle Taten begangen am 4. Dezember 2005) zu einer Freiheitsstrafe von 36 Monaten unter Aufschub des Vollzugs im Umfang von 18 Monaten und unter Festsetzung einer Probezeit von drei Jahren. Eine dagegen erhobene Berufung beim Obergericht des Kantons Zug (nachfolgend: Obergericht) blieb erfolglos; dieses erh�hte in seinem Urteil vom 19. Januar 2010 zudem die Probezeit auf vier Jahre. Das Urteil des Obergerichts wurde vom Bundesgericht am 23. April 2010 best�tigt.
�In der Folge reiste A.X.________ in die T�rkei aus, wo er sich per 1. Juni 2010 in psychiatrische Behandlung begab. Am 27. Oktober 2010 kehrte er in die Schweiz zur�ck und trat am 10. Januar 2011 den Strafvollzug in der Strafanstalt Wauwilermoos an. Aufgrund akuter psychiatrischer Probleme wurde er zwei Mal in die Psychiatrische Klinik des Kantons Luzern verlegt. Am 24. Oktober 2011 ordnete die Strafvollzugsbeh�rde die Versetzung ins Wohn- und Arbeitsexternat an mit der Auflage, sich einer ambulanten psychiatrischen Behandlung zu unterziehen. Am 8. Juli 2012 erfolgte die bedingte Entlassung aus dem Strafvollzug.
Am 6. Dezember 2011 widerrief das Amt f�r Migration des Kantons Luzern (nachfolgend: Migrationsamt) die Niederlassungsbewilligung von A.X._______, wies das Gesuch um Verl�ngerung der Aufenthaltsbewilligung von B.X.________ ab und wies beide weg. Das Justiz- und Sicherheitsdepartement des Kantons Luzern (nachfolgend: Justiz- und Sicherheitsdepartement) wies die dagegen erhobene Beschwerde am 23. November 2012 ab und wies gleichzeitig das Migrationsamt an, C.X.________ r�ckwirkend auf den 30. August 2010 eine Niederlassungsbewilligung zu erteilen. Das Verwaltungsgericht des Kantons Luzern (heute: Kantonsgericht Luzern) best�tigte diesen Entscheid mit Urteil vom 2. Mai 2013.
A.X.________, B.X.________ und C.X.________ erheben am 5. Juni 2013 Beschwerde in �ffentlich-rechtlichen Angelegenheiten beim Bundesgericht mit den Antr�gen, das angefochtene Urteil aufzuheben, A.X.________ die Niederlassungsbewilligung zu belassen und B.X.________ die Aufenthaltsbewilligung zu verl�ngern; allenfalls sei die Angelegenheit zur Erg�nzung des Sachverhalts an das Kantonsgericht zur�ckzuweisen. Eventuell - bei einem Widerruf der Niederlassungsbewilligung - sei von einem sofortigen Vollzug der Wegweisung abzusehen und den Beschwerdef�hrendeneine angemessene Ausreisefrist anzusetzen.
�Das Kantonsgericht schliesst auf Abweisung der Beschwerde, ebenso das Bundesamt f�r Migration. Das Justiz- und Sicherheitsdepartement und das Migrationsamt lassen sich nicht vernehmen.
�Mit Pr�sidialverf�gung vom 13. Juni 2013 ist der Beschwerde aufschiebende Wirkung zuerkannt worden.
1.1.�Angefochten ist der letztinstanzliche, verfahrensabschliessende Entscheid eines kantonalen Gerichts auf dem Gebiet des �ffentlichen Rechts, welcher grunds�tzlich der Beschwerde in �ffentlich-rechtlichen Angelegenheiten unterliegt (vgl. Art. 86 Abs. 1 lit. d BGG, Art. 90 BGG, Art. 82 lit. a BGG). Gem�ss Art. 83 lit. c Ziff. 2 AuG (SR 142.20) ist die Beschwerde auf dem Gebiet des Ausl�nderrechts unzul�ssig gegen Entscheide betreffend Bewilligungen, auf die weder das Bundesrecht noch das V�lkerrecht einen Anspruch einr�umt.
1.2.�Das angefochtene Urteil best�tigt den Widerruf der Niederlassungsbewilligung des Beschwerdef�hrers 1 und die Nichtverl�ngerung der Aufenthaltsbewilligung der Beschwerdef�hrerin 2 sowie die Wegweisung des Ehepaars aus der Schweiz. Die Erteilung und Verl�ngerung der Aufenthaltsbewilligung der Beschwerdef�hrerin 2 h�ngt gem�ss Art. 43 Abs. 1 AuG (SR 142.20) vom Bestand der Niederlassungsbewilligung des Beschwerdef�hrers 1 ab. Deswegen rechtfertigt es sich, in erster Linie die Beschwerde betreffend den Widerruf der Niederlassungsbewilligung zu behandeln. Erweist sich der Widerruf als rechtm�ssig, entf�llt ein bundesrechtlicher Anspruch der Beschwerdef�hrerin 2 auf eine Aufenthaltsbewilligung, so dass insoweit auf die Beschwerde nicht eingetreten werden k�nnte.
Gegen Entscheide �ber den Widerruf einer Niederlassungsbewilligung ist die Beschwerde in �ffentlich-rechtlichen Angelegenheiten zul�ssig, weil grunds�tzlich ein Anspruch auf das Fortbestehen dieser Bewilligung gegeben ist (BGE 135 II 1 E. 1.2.1 S. 4). Demgem�ss ist die Beschwerde des Beschwerdef�hrers 1 zul�ssig. Ob der Anspruch im konkreten Fall zu bejahen ist, bildet Gegenstand der materiellen Beurteilung (BGE 137 I 284 E. 1.3 S. 287).
1.3.�Die Beschwerdef�hrenden haben am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen. Auf die Beschwerde ist einzutreten.
2.1.�Mit der Beschwerde in �ffentlich-rechtlichen Angelegenheiten kann eine Rechtsverletzung nach Art. 95 und Art. 96 BGG ger�gt werden. Das Bundesgericht wendet das Recht von Amtes wegen an (Art. 106 Abs. 1 BGG). Es ist folglich weder an die in der Beschwerde geltend gemachten Argumente noch an die Erw�gungen der Vorinstanz gebunden (BGE 133 II 249 E. 1.4.1 S. 254). In Bezug auf die Verletzung von Grundrechten gilt eine qualifizierte R�ge- und Substanziierungspflicht (Art. 106 Abs. 2 BGG; BGE 136 II 304 E. 2.5 S. 314).
2.2.�Das Bundesgericht legt seinem Urteil den von der Vorinstanz festgestellten Sachverhalt zugrunde (Art. 105 Abs. 1 BGG). Es kann die Sachverhaltsfeststellung der Vorinstanz von Amtes wegen berichtigen oder erg�nzen, wenn sie offensichtlich unrichtig ist oder auf einer Rechtsverletzung im Sinn von Art. 95 BGG beruht (Art. 105 Abs. 2 BGG). Die beschwerdef�hrende Partei kann die Feststellung des Sachverhalts unter den gleichen Voraussetzungen beanstanden, wenn die Behebung des Mangels f�r den Ausgang des Verfahrens entscheidend sein kann (Art. 97 Abs. 1 BGG). Eine entsprechende R�ge ist rechtsgen�glich substanziiert vorzubringen (BGE 136 II 304 E. 2.5 S. 314).
Der Beschwerdef�hrer 1r�gt eine willk�rliche Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts.
3.1.�Die Vorinstanz habe den Beweisantrag, wonach f�r ihn - den Beschwerdef�hrer 1 - ein psychiatrisches Gutachten zum Zusammenhang zwischen seiner paranoiden Schizophrenie und dem "Vorfall" vom 4. Dezember 2005 zu erstellen sei, zu Unrecht abgewiesen. Auch der Antrag, es seien Berichte der Polizei beizuziehen und ein Gutachten zur Gef�hrlichkeit und Legalprognose zu erstellen, sei unzul�ssigerweise abgewiesen worden.
3.2.�Im vorinstanzlichen Verfahren gab der Beschwerdef�hrer 1 an, nachweislich sei erst seit Januar 2010 eine paranoide Schizophrenie diagnostiziert worden. Weil diese Tatsache im Strafverfahren nicht bekannt gewesen sei, h�tte die Migrationsbeh�rde im ausl�nderrechtlichen Verfahren vom strafrechtlichen Verschulden abweichen m�ssen. Die Vorinstanz erwog hierauf, die psychische Situation sei im Strafverfahren bekannt gewesen und in die Strafzumessung eingeflossen. Im �brigen habe es dem Beschwerdef�hrer 1 freigestanden, ein Revisionsgesuch betreffend das Strafurteil einzureichen. Dies habe er nach eigenen Angaben mangels Erfolgsaussichten und aus Kostengr�nden unterlassen. Es bestehe keine Veranlassung und rechtsprechungsgem�ss auch kein Raum, das Verschulden des Beschwerdef�hrers 1 anders zu beurteilen als die Strafbeh�rden. Deswegen sei im Rahmen einer antizipierten Beweisw�rdigung auf die Einholung eines entsprechenden psychiatrischen Gutachtens zu verzichten. Auch das beantragte Prognosegutachten sei aufgrund beschr�nkter Relevanz im Rahmen der antizipierten Beweisw�rdigung abzulehnen.
3.3.�Den Ausf�hrungen der Vorinstanz ist beizupflichten. Im ausl�nderrechtlichen Verfahren besteht kein Raum daf�r, die Beurteilung des Strafgerichts hinsichtlich des Verschuldens zu relativieren (Urteil 2C_480/2013 vom 24. Oktober 2013 E. 4.5.1). Wenn der Beschwerdef�hrer 1 tats�chlich �berzeugt war, dass er im Zeitpunkt der Straftat bereits an paranoider Schizophrenie gelitten hatte, h�tte er diese Tatsache im Strafverfahren vorbringen (das Obergericht f�llte sein Urteil am 19. Januar 2010) oder eine Revision des Strafurteils beantragen m�ssen. Nachdem er dies unterlassen hat, er�brigen sich Vermutungen zur Frage, ob der Beweis, die Krankheit habe bereits im Jahr 2005 bestanden, im Jahr 2010 �berhaupt noch h�tte gef�hrt werden k�nnen. Die Vorinstanz ist in Anlehnung an die Strafurteile des Obergerichts und des Bundesgerichts willk�rfrei von einem sehr schweren Verschulden ausgegangen. Mangels Notwendigkeit und Tauglichkeit des beantragten Beweismittels durfte sie in antizipierter Beweisw�rdigung auf die Einholung eines psychiatrischen Gutachtens verzichten (vgl. auch Urteil 2C_733/2012 vom 24. Januar 2013 E. 3.2).
�Auch den Antrag auf Einholung eines Gutachtens betreffend Legalprognose hat die Vorinstanz zu Recht abgewiesen. Nach der Rechtsprechung kommt der R�ckfallgefahr bzw. der Wahrscheinlichkeit eines k�nftigen Wohlverhaltens ausserhalb des Anwendungsbereichs des FZA (SR 0.142.112.681) keine zentrale Bedeutung zu (Urteile 2C_733/2012 vom 24. Januar 2013 E. 3.2.4; 2C_371/2012 vom 20. Dezember 2012 E. 3.2; BGE 130 II 176 E. 4.2 S. 185; 125 II 105 E. 2c S. 110). Die Legalprognose wird zwar auch in F�llen von Drittstaatsangeh�rigen im Rahmen der Interessenabw�gung mitber�cksichtigt, ist aber nicht allein ausschlaggebend (Urteil 2C_296/2011 vom 25. August 2011 E. 3.3). Im Vordergrund steht die mit den Erw�gungen der Strafbeh�rden �bereinstimmende Einsch�tzung der Vorinstanz, wonach (auch) in ausl�nderrechtlicher Hinsicht ein sehr schweres Verschulden vorliegt. Deswegen h�tte eine g�nstige Legalprognose nur geringe Auswirkungen auf die Interessenabw�gung, zumal im Zusammenhang mit Gewaltdelikten selbst ein relativ geringes Restrisiko nicht hingenommen werden muss (Urteile 2C_282/2012 vom 31. Juli 2012 E. 2.5; 2C_477/2008 vom 24. Februar 2009 E. 2.3 mit Hinweis). Die Legalprognose ist daher vorliegend nicht in dem Sinn als rechtserheblich zu werten, dass daf�r ein psychiatrisches Gutachten notwendig w�re.
4.1.�Gem�ss Art. 63 Abs. 1 lit. a AuG in Verbindung mit Art. 62 lit. b AuG kann die Niederlassungsbewilligung widerrufen werden, wenn die ausl�ndische Person zu einer l�ngerfristigen Freiheitsstrafe verurteilt oder gegen sie eine strafrechtliche Massnahme im Sinn von Art. 64 oder Art. 61 StGB angeordnet wurde. Eine l�ngerfristige Freiheitsstrafe gem�ss Art. 62 lit. b AuG liegt vor, wenn sie die Dauer eines Jahres �berschreitet (BGE 135 II 377 E. 4.2), wobei es keine Rolle spielt, ob sie bedingt, teilbedingt oder unbedingt ausgesprochen wurde (BGE 139 I 31 E. 2.1 S. 32, 16 E. 2.1 S. 18). Nachdem der Beschwerdef�hrer zu einer Freiheitsstrafe von drei Jahren verurteilt worden war, ist der Widerrufsgrund von Art. 62 lit. b AuG in der ersten Variante erf�llt.
4.3.�Eine Abw�gung der Interessen ist auch mit Blick auf Art. 8 EMRK geboten. Zwar ist das Recht auf Achtung des Familienlebens, welches im Verh�ltnis zwischen Vater und Sohn beidseitig angerufen werden kann, hier nicht verletzt. Denn rechtsprechungsgem�ss teilen minderj�hrige Kinder den Aufenthaltsort des f�r sie verantwortlichen Elternteils (Urteil 2C_495/2013 vom 28. Oktober 2013 E. 2.5). Sofern einem niederlassungsberechtigten minderj�hrigen Kind die Ausreise zumutbar ist, gen�gt dies f�r eine Bewilligungsverweigerung in Bezug auf den sorge- bzw. obhutsberechtigten Elternteil (Urteil 2C_495/2013 vom 28. Oktober 2013 E. 2.4 mit Hinweisen). Weil dem im Zeitpunkt des angefochtenen Urteils zwei Jahre und acht Monate alten Sohn des Beschwerdef�hrers 1 die �bersiedlung in die T�rkei zweifellos zugemutet werden kann, bleibt beider Recht auf Achtung des Familienlebens gewahrt.
�Sofern der Beschwerdef�hrer 1 einen Anspruch aus Art. 8 Ziff. 1 EMRK aus Beziehungen zu nahen Verwandten ableiten will, ist er nicht zu h�ren. Denn Art. 8 Ziff. 1 EMRK sch�tzt in erster Linie die Kernfamilie (d.h. Ehegatten untereinander und deren Kinder). Die Beziehung zu Geschwistern, Eltern oder anderen nahen Verwandten f�llt unter die Garantie, sofern eine gen�gend nahe, echte und tats�chlich gelebte Beziehung besteht. Hinweise daf�r sind das Zusammenleben in einem gemeinsamen Haushalt, eine finanzielle Abh�ngigkeit oder die �bernahme von Verantwortung f�r eine andere Person (BGE 137 I 154 E. 3.4.2 S. 159; 135 I 143 E. 3.1). Die Tatsache, dass der Beschwerdef�hrer 1 auch im Betrieb seines Vaters arbeitet, wie er vorbringt, begr�ndet keine engen Familienbande im Sinn der zitierten Rechtsprechung.
4.4.�Der Beschwerdef�hrer 1 macht zus�tzlich das Recht auf Schutz des Privatlebens geltend. Nach der Rechtsprechung des Europ�ischen Gerichtshofs f�r Menschenrechte (EGMR) tr�gt dieses Recht insbesondere einer langen Anwesenheitsdauer und der damit verbundenen Verwurzelung im Gaststaat Rechnung (vgl. Urteil des EGMR�
Shala gegen Schweiz�vom 15. November 2012 [Nr. 52873/09] � 38-40). Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung kann aus Art. 8 Ziff. 1 EMRK ohne Familienbezug (Anspruch auf Schutz des Privatlebens) nur unter besonderen Umst�nden ein Recht auf Verbleib im Aufenthaltsstaat abgeleitet werden. Eine lange Anwesenheit und die normale Integration gen�gen hierf�r nicht; erforderlich sind besonders intensive private Beziehungen beruflicher oder gesellschaftlicher Natur (BGE 130 II 281 E. 3.2.1 S. 286 mit Hinweisen).
�Der Beschwerdef�hrer hielt sich im Zeitpunkt des angefochtenen Urteils seit 19 Jahren und 6 Monaten in der Schweiz auf. Er konnte sich beruflich zun�chst nur schwer etablieren, jedoch gelang es ihm, trotz fehlenden Lehrabschlusses eine Festanstellung zu finden. Mehrere seiner Verwandten leben in der Schweiz; einige besitzen das Schweizer B�rgerrecht. Der Beschwerdef�hrer 1 hat hier fast seine ganze Schulzeit verbracht. Es ist daher davon auszugehen, dass der Schutzbereich von Art. 8 Ziff. 1 EMRK als Garantie des Privatlebens betroffen ist.
4.5.�Gem�ss Art. 8 Ziff. 2 EMRK ist ein Eingriff in das durch Ziff. 1 gesch�tzte Rechtsgut statthaft, soweit er gesetzlich vorgesehen und in einer demokratischen Gesellschaft notwendig ist f�r die nationale oder �ffentliche Sicherheit, f�r das wirtschaftliche Wohl des Landes, zur Aufrechterhaltung der Ordnung, zur Verh�tung von Straftaten, zum Schutz der Gesundheit oder der Moral oder zum Schutz der Rechte und Freiheiten anderer. Die Konvention verlangt eine Abw�gung der widerstreitenden Interessen an der Erteilung (bzw. am Fortbestand) der Bewilligung und der �ffentlichen Interessen an deren Verweigerung (bzw. an deren Widerruf), wobei Letztere in dem Sinn �berwiegen m�ssen, dass sich der Eingriff als notwendig erweist (BGE 135 I 153 E. 2.2.1 S. 156 mit Hinweisen).
4.6.�Ausgangspunkt und Massstab f�r die Schwere des Verschuldens und f�r die Interessenabw�gung ist die vom Strafgericht verh�ngte Strafe (BGE 134 II 10 E. 4.2 S. 23; 129 II 215 E. 3.1 S. 216). Die Vorinstanz erachtet in �bereinstimmung mit den Erw�gungen der Strafbeh�rden das Verschulden des Beschwerdef�hrers 1 als sehr schwer. Dies ist, auch mit Blick auf das relativ hohe Strafmass von 36 Monaten Freiheitsstrafe, nicht zu beanstanden. Vor der Tat am 4. Dezember 2005 hatte der Beschwerdef�hrer 1 Cannabis und Alkohol konsumiert, bevor er mit seinem Wagen auf der Autobahn unterwegs war. Er fuhr auf der linken Fahrspur mit �bersetzter Geschwindigkeit in eine von insgesamt sieben Polizisten betriebene Kontrollstelle. Der polizeilichen Aufforderung mittels Signalstab zum Halten leistete er keine Folge, sondern beschleunigte sein Fahrzeug und durchbrach den Eingangsbereich der Kontrollstelle, wobei es den vier auf der Fahrbahn stehenden Polizisten gelang, sich in Sicherheit zu bringen. In der Folge rammte der Beschwerdef�hrer 1 mit einer Geschwindigkeit von mindestens 75 km/h ein Polizeifahrzeug. Sein Auto wurde nach rechts abgelenkt, begann sich zu drehen und prallte schliesslich in die rechte Schallschutzwand. Am Dienstfahrzeug entstand ein Sachschaden von Fr. 90'000.--.
�Wenngleich alle beteiligten Polizisten unverletzt blieben und der Beifahrer des Beschwerdef�hrers 1 sich nur leichte Sch�rfungen zuzog, offenbart dessen Verhalten eine bedenkliche Geringsch�tzung des menschlichen Lebens, wie die Vorinstanz zu Recht hervorhob. Der Beschwerdef�hrer hat schwere Verletzungen, ja sogar den Tod mehrerer Personen in Kauf genommen, um einer Polizeikontrolle zu entgehen, deren Folgen er (aufgrund eigenen Fehlverhaltens) f�rchten musste. Dieses Verhalten zeugt von einer gravierenden Charakterschw�che und ist nicht zu tolerieren. Zwar ist dem Beschwerdef�hrer 1 zugute zu halten, dass er sich seither in strafrechtlicher Hinsicht nichts mehr hat zuschulden kommen lassen. Dieser Umstand hat jedoch keine entscheidende Bedeutung, weil die Probezeit noch nicht abgelaufen war und der Beschwerdef�hrer 1 zudem unter dem Eindruck des Widerrufsverfahrens stand. Es besteht demnach ein erhebliches �ffentliches Interesse an seiner Wegweisung.
4.7.�Dem sicherheitspolizeilichen Interesse ist das private Interesse der betroffenen Person an einem Verbleib in der Schweiz gegen�berzustellen.
�Der Beschwerdef�hrer 1 ist im Alter von 11 Jahren in die Schweiz gekommen. Bis zum angefochtenen Urteil hat er 19 Jahre und sechs Monate hier gelebt; f�r die Interessenabw�gung ist jedoch die im Strafvollzug verbrachte Zeit nicht zu ber�cksichtigen (Urteil 2C_977/2012 vom 15. M�rz 2013 E. 3.6). Es ist somit von einer massgeblichen Aufenthaltsdauer von 18 Jahren auszugehen. Diese verh�ltnism�ssig lange Zeitspanne spricht zugunsten des Beschwerdef�hrers 1.
�Dar�ber hinaus sind jedoch keine Gr�nde ersichtlich, welche einen Widerruf der Niederlassungsbewilligung unzumutbar erscheinen lassen. Der Beschwerdef�hrer 1 hat die ersten, pr�genden Jahre seines Lebens in der T�rkei verbracht und pflegt dort nach wie vor Beziehungen; neben seinen Grosseltern und einigen Onkeln und Tanten leben auch seine Schwiegereltern in der T�rkei. Im Fall des Widerrufs der Niederlassungsbewilligung w�rden seine Frau und sein Sohn mit ihm ausreisen. Das Interesse des Beschwerdef�hrers beschr�nkt sich somit darauf, in der Schweiz bleiben zu d�rfen, ohne dass im Fall der Wegweisung die Trennung von seiner Familie drohen w�rde. Dieses Interesse ist zu schwach, um das �ffentliche Interesse am Widerruf der Niederlassungsbewilligung aufzuwiegen. Eine Ausreise nach 18 Jahren ist mit einer gewissen H�rte verbunden, jedoch nicht unzumutbar. Der Beschwerdef�hrer war im Zeitpunkt des angefochtenen Urteils erst 31 Jahre alt, so dass er beruflich in der T�rkei Fuss fassen kann. Auch seine psychischen Probleme stellen kein Hindernis dar, nachdem die Vorinstanz (f�r das Bundesgericht im Prinzip verbindlich) festgestellt hat, dass die Krankheit in der T�rkei behandelbar ist.
�Schliesslich kann der Beschwerdef�hrer 1 aus dem Urteil des EGMR�
Udeh gegen Schweiz�vom 16. April 2013 (Nr. 12020/09, in: Pl�doyer 2013 3 S. 64) nichts zu seinen Gunsten ableiten. Abgesehen davon, dass sich die famili�re Situation des Beschwerdef�hrers in jenem Fall grundlegend anders darstellt als im vorliegenden, kann das erw�hnte Urteil des EGMR nicht als Grundsatzurteil gelten. Dieses erscheint vielmehr als spezifischer Anwendungsfall der bisherigen Praxis des EGMR (vgl. insb. das Urteil�
�ner gegen Niederlande�vom 18. Oktober 2006, Recueil CourEDH 2006-XII S. 159 �� 54 ff.; vgl. auch die Urteile�
Boultif gegen Schweiz�vom 2. August 2001 [Nr. 54273/00];�
Emre gegen Schweiz�[Nr. 2] vom 11. Oktober 2011 [Nr. 5056/10]), die von der Vorinstanz korrekt angewendet worden ist (vgl. Urteile 2C_586/2013 vom 3. Dezember 2013 E. 3.2.5; 2C_360/2013 vom 21. Oktober 2013 E. 2.5; 2C_339/2013 vom 18. Juli 2013 E. 2.9; 2C_139/2013 vom 11. Juni 2013 E. 7.5). Zudem hat das Bundesgericht die Bedeutung des Urteils�
Udeh�stark relativiert, im Wesentlichen mit der Begr�ndung, der EGMR habe im erw�hnten Entscheid diverse Umst�nde ber�cksichtigt, die erst nach der Beurteilung durch das Bundesgericht eingetreten sind (Urteil 2C_365/2013 vom 30. August 2013 E. 2.4, zur Publikation vorgesehen).
4.8.�Aus den vorstehenden Erw�gungen ergibt sich, dass die Vorinstanz die Verh�ltnism�ssigkeit des Widerrufs der Niederlassungsbewilligung im Ergebnis zu Recht bejaht hat. Der Widerruf erweist sich als korrekt, weshalb auf die Beschwerde der Beschwerdef�hrerin 2 betreffend Nichtverl�ngerung der Aufenthaltsbewilligung nicht eingetreten werden kann (vgl. E. 1.2).
4.9.�Zu behandeln bleibt der Eventualantrag der Beschwerdef�hrenden, von einem sofortigen Vollzug der Wegweisung sei abzusehen und es sei eine angemessene Ausreisefrist anzusetzen. Gegen Entscheide betreffend die Wegweisung ist die Beschwerde in �ffentlich-rechtlichen Angelegenheiten gem�ss Art. 83 lit. c Ziff. 4 BGG unzul�ssig. Das Bundesgericht kann mangels Zust�ndigkeit nicht anordnen, es sei eine angemessene Ausreisefrist anzusetzen; das Migrationsamt setzt die Wegweisung nach den Regeln von Art. 64d AuG um. Auf den Eventualantrag ist daher nicht einzutreten.
Nach dem Gesagten ist die Beschwerde abzuweisen, soweit darauf einzutreten ist. Bei diesem Ausgang des Verfahrens tragen die unterliegenden Beschwerdef�hrenden die Gerichtskosten unter solidarischer Haftung (Art. 66 Abs. 1 und 5 BGG); eine Parteientsch�digung ist nicht zuzusprechen (Art. 68 BGG).
Dieses Urteil wird den Verfahrensbeteiligten, dem Kantonsgericht Luzern, 4. Abteilung (vormals Verwaltungsgericht des Kantons Luzern, Verwaltungsrechtliche Abteilung), und dem Bundesamt f�r Migration schriftlich mitgeteilt.