Source: https://datenbank.nwb.de/Dokument/Anzeigen/428522/
Timestamp: 2019-10-17 07:37:05
Document Index: 117960958

Matched Legal Cases: ['§ 37', '§ 37', '§ 37', '§ 37', '§ 37', '§ 37', '§ 37', '§ 218', '§ 218', '§ 37', '§ 44', '§ 37']

BMF v. 30.01.2012 - IV A 3 - S 0062/08/10007-13 - NWB Datenbank
BMF v. 30.01.2012 - IV A 3 - S 0062/08/10007-13BStBl 2012 I S. 147
1. Ansprüche aus dem Steuerschuldverhältnis (§ 37 Abs. 1)
2. Erstattungsanspruch nach § 37 Abs. 2
BMF v. 30.01.2012 - IV A 3 - S 0062/08/10007-13 BStBl 2012 I S. 147
Änderung des Anwendungserlasses zur AO (AEAO)
Bezug: BMF, Schreiben v. 15. 08. 2012 - IV A 3 – S 0062/08/10007 – 14
Unter Bezugnahme auf das Ergebnis der Erörterung mit den obersten Finanzbehörden der Länder wird die Regelung zu § 37 des Anwendungserlasses zur Abgabenordnung vom 2. Januar 2008 ( BStBl 2008 I S. 26), der zuletzt durch das BMF-Schreiben vom 17. Januar 2012 (BStBl 2012 I S. 83) geändert worden ist, mit sofortiger Wirkung wie folgt gefasst:
„Zu § 37 – Ansprüche aus dem Steuerschuldverhältnis
§ 37 Abs. 1 enthält eine abschließende Aufzählung der Ansprüche aus dem Steuerschuldverhältnis. Die Ansprüche aus Strafen und Geldbußen gehören nicht zu den Ansprüchen aus dem Steuerschuldverhältnis.
§ 37 Abs. 2 enthält eine allgemeine Umschreibung des öffentlich-rechtlichen Erstattungsanspruchs, der einem Steuerpflichtigen oder Steuergläubiger dadurch erwächst, dass eine Leistung aus dem Steuerschuldverhältnis ohne rechtlichen Grund erfolgt ist oder der Grund hierfür später wegfällt. Eine Zahlung ist ohne rechtlichen Grund geleistet, wenn sie den materiell-rechtlichen Anspruch übersteigt ( BFH-Urteile vom 6.2.1996 – VII R 50/95 – BStBl 1997 II S. 112, und vom 15.10.1997 – II R 56/94 – BStBl 1997 II S. 796). § 37 Abs. 2 Satz 1 gilt sowohl für den Erstattungsanspruch des Steuerpflichtigen gegen das Finanzamt als auch für den umgekehrten Fall der Rückforderung einer an den Steuerpflichtigen oder einen Dritten rechtsgrundlos geleisteten Steuererstattung durch das Finanzamt (vgl. BFH-Urteil vom 22.3.2011 – VII R 42/10 – BStBl 2011 II S. 607).
Ein nach materiellem Recht bestehender Erstattungsanspruch kann allerdings nur durchgesetzt werden, wenn ein entgegenstehender Verwaltungsakt i. S. d. § 218 Abs. 1 aufgehoben oder geändert worden ist; maßgebend ist bei mehrfacher Änderung der letzte Verwaltungsakt ( BFH-Urteil vom 6.2.1996, a. a. O.). Im Übrigen siehe zu § 218.
War ein Dritter tatsächlicher Empfänger einer Zahlung, ist er dann nicht Leistungsempfänger, wenn er lediglich als Zahlstelle, unmittelbarer Vertreter oder Bote für den Erstattungsberechtigten (siehe dazu Nummer 2.2) aufgetreten bzw. von diesem benannt worden ist oder das Finanzamt an ihn aufgrund einer Zahlungsanweisung des Erstattungsberechtigten eine Steuererstattung ausgezahlt hat ( BFH-Urteil vom 6.12.1988 – VII R 206/83 – BStBl 1989 II S. 223). Denn in einem solchen Fall will das Finanzamt erkennbar nicht mit befreiender Wirkung zu dessen Gunsten leisten, sondern es erbringt seine Leistung mit dem Willen, eine Forderung des steuerlichen Rechtsinhabers zu erfüllen (vgl. BFH-Urteil vom 22.8.1980 – VI R 102/77 – BStBl 1981 II S. 44). Mithin ist nicht der Zahlungsempfänger, sondern der nach materiellem Steuerrecht Erstattungsberechtigte als Leistungsempfänger i. S. d. § 37 Abs. 2 anzusehen ( BFH-Beschluss vom 8.4.1986 – VII B 128/85 – BStBl 1986 II S. 511).
Erstattungsberechtigter ist derjenige, auf dessen Rechnung die Zahlung geleistet worden ist, auch wenn tatsächlich ein Dritter die Zahlung geleistet hat. Es kommt nicht darauf an, von wem oder mit wessen Mitteln gezahlt worden ist. Maßgeblich ist vielmehr, wessen Steuerschuld nach dem Willen des Zahlenden, wie er im Zeitpunkt der Zahlung dem Finanzamt erkennbar hervorgetreten ist, getilgt werden sollte ( BFH-Urteil vom 30.9.2008 – VII R 18/08 – BStBl 2009 II S. 38 m. w. N.). Den Finanzbehörden wird damit nicht zugemutet, im Einzelfall die zivilrechtlichen Beziehungen zwischen dem Steuerschuldner und einem zahlenden Dritten daraufhin zu überprüfen, wer von ihnen – im Innenverhältnis – auf die zu erstattenden Beträge materiell-rechtlich einen Anspruch hat ( BFH-Urteil vom 25.7.1989 – VII R 118/87 – BStBl 1990 II S. 41).
Personen, die gemäß § 44 Gesamtschuldner sind, sind nicht Gesamtgläubiger eines Erstattungsanspruchs nach § 37 Abs. 2 ( BFH-Urteil vom 19.10.1982 – VII R 55/80 – BStBl 1983 II S. 162). Erstattungsberechtigter ist der Gesamtschuldner, auf dessen Rechnung die Zahlung erfolgt ist.
Lässt sich aus den dem Finanzamt bei Zahlung erkennbaren Umständen nicht entnehmen, wessen Steuerschuld der zahlende Gesamtschuldner begleichen wollte, ist grundsätzlich davon auszugehen, dass der Gesamtschuldner nur seine eigene Steuerschuld tilgen wollte (vgl. BFH-Urteil vom 18.2.1997 – VII R 117/95 – BFH/NV S. 482, m. w. N.). Ist eine Zahlung aber erkennbar für gemeinsame Rechnung der Gesamtschuldner geleistet worden, so sind diese grundsätzlich nach Köpfen erstattungsberechtigt.
Zu Besonderheiten bei Bestimmung des Einkommensteuer-Erstattungsanspruchs – insbesondere bei Ehegatten – vgl. BMF-Schreiben vom 30. Januar 2012 – IV A 3 – S 0160/11/10001 – (BStBl 2012 I S. 149).”
BMF v. 30.01.2012 - IV A 3 - S 0062/08/10007-13
BStBl 2012 I Seite 147
LAAAE-01834
BMF, Schreiben v. 15. 08. 2012 - IV A 3 – S 0062/08/10007 – 14
BMF v. 30.01.2012 - IV A 3 - S 0062/08/10007-13 ablegen in?