Source: http://www.wf-kanzlei.de/wf-info/artikel/erb-und-erbschaftsteuerrecht/antrag-auf-erbschein-und-erbscheinsverfahren.html
Timestamp: 2016-09-29 05:12:57
Document Index: 195189878

Matched Legal Cases: ['§ 2366', '§ 35', '§ 35', '§ 2353', '§ 2353', '§ 2353', '§ 2360', 'Art. 103', '§ 19', '§ 11']

Ein Erbschein dokumentiert die Erbenstellung. Jeder dem Sie den Erbschein vorlegen, kann sich auf die Richtigkeit des Erbscheins verlassen (sog. "öffentlicher Glaube", vgl. § 2366 BGB). Befindet sich im Nachlass eine Immobilie, so ist der Nachweis der Erbfolge gegenüber dem Grundbuchamt Anhand eines Erbscheins zu führen (vgl. § 35 Abs. 1 Grundbuchordnung - GBO). Besteht ein notarielles Testament oder einen Erbvertrag, so genügt es regelmäßig, dass diese Verfügungen nebst dem Eröffnungsprotokoll vorgelegt werden (§ 35 Abs. 1 Nr. 2 GBO). Für den Nachweis Banken und Versicherungen ist die Vorlage des Testaments mit Eröffnungsvermerk in der Regel ausreichend. Die Bankenpraxis ist insofern aber uneinheitlich (mehr Informationen). Einen Erbschein benötigen Sie aber, wenn a) kein Testament vorhanden ist, b) ein Grundstück zum Nachlass gehört und nur ein privatschriftliches Testament vorhanden ist und c) wenn der Inhalt des Testaments nicht eindeutig ist.
Bei Auslandsvermögen benötigen Sie nicht unbedingt einen Erbschein. In manchen Ländern, z.B. Spanien (mehr Informationen), wird ein deutscher Erbschein anerkannt, ist aber nicht in jedem Fall erforderlich. In anderen Ländern, z.B. USA, Kanada oder Südafrika, wird ein deutscher Erbschein nicht anerkannt. Wir sind Spezialisten für internationale Nachlassabwicklungen - fragen Sie uns!
Zunächst ist das Testament zu eröffnen (mehr Informationen). Mit dem eröffneten Testament ist sodann Erbscheinantrag zu stellen (Muster).
Liegt kein Testament oder Erbvertrag vor, müssen Sie klären, ob Sie nach der gesetzlichen Erbfolge (mehr Informationen) Erbe geworden sind. Anschließend müssen Sie für den Nachweis Ihrer Erbenstellung die erforderlichen Urkunden beschaffen, insbesondere Sterbeurkunden, Geburtsurkunden, Scheidungsurteile, Eheurkunden, etc.
Das Nachlaßgericht ist an den jeweiligen Antrag gebunden und darf keinen anderen als den beantragten Erbschein erteilen (Palandt/Edenhofer, BGB, § 2353 Rn. 21). Der Antrag sollte daher sehr vorsichtig formuliert werden, um eine teure Abweisung zu vermeiden. Zu unterscheiden sind der Antrag bei gesetzlicher Erbfolge (Muster) und bei Vorliegen eines Testaments (Muster).
Das Erbscheinsverfahren ist in den §§ 2353 ff. BGB geregelt. Hiernach wird zwischen folgenden Erbscheinarten unterschieden: (1) Erbschein für den Alleinerben (vgl. §§ 2353 1. Halbsatz BGB)
Das Nachlaßgericht muß rechtliches Gehör gewähren. Ist über den Nachlaß ein Rechtsstreit anhängig, muß vor Erteilung des Erbscheines der Gegner gehört werden, vgl. § 2360 BGB, Art. 103 I GG. Gegen die Entscheidung des Nachlassgerichts kann Beschwerde eingelegt werden (§ 19 FGG, § 11 RpflG). Wichtiger Hinweis: Dieser Artikel dient nur der ersten Information und stellt keine Rechtsberatung dar, da diese nur unter Berücksichtigung aller Umstände des konkreten Einzelfalls möglich ist. Für Aktualität und Richtigkeit übernehmen wir keine Gewähr. Kontakt: Sollten Sie eine verbindliche Rechtsauskunft wünschen, nehmen Sie bitte KONTAKT mit uns auf. 2009 © Jan-Hendrik Frank (Rechtsanwalt und Fachanwalt für Erbrecht)