Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Text=VIII%20R%2067/88
Timestamp: 2019-10-17 19:37:31
Document Index: 25190864

Matched Legal Cases: ['§ 118', '§ 2', '§ 2', 'Art. 3', 'Art. 3', '§ 19']

BFH, 31.07.1991 - VIII R 67/88 - dejure.org
https://dejure.org/1991,2186
BFH, 31.07.1991 - VIII R 67/88 (https://dejure.org/1991,2186)
BFH, Entscheidung vom 31.07.1991 - VIII R 67/88 (https://dejure.org/1991,2186)
BFH, Entscheidung vom 31. Juli 1991 - VIII R 67/88 (https://dejure.org/1991,2186)
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Schuldzinsen für Kredite als nachträgliche Werbungskosten im Rahmen der Einkünfte aus Kapitalvermögen
Einkommensteuer; kein Schuldzinsenabzug bei Einkünften aus Kapitalvermögen nach Aufgabe des GmbH-Anteils
Sie entfallen nicht auf die Zeit vor der Auflösung der GmbH (zu dieser Voraussetzung vgl. z.B. BFH-Urteile vom 31. Juli 1991 VIII R 67/88, BFH/NV 1992, 33, und in BFH/NV 1996, 406, unter 2. c der Gründe, m.w.N.; vom 28. Mai 1997 VIII R 25/96, BFHE 183, 407, BStBl II 1997, 724, unter II. A. 3. der Gründe, m.w.N.).
Auch die Zinsen können nicht als nachträgliche Werbungskosten im Rahmen der Einkünfte aus Kapitalvermögen berücksichtigt werden (vgl. BFH-Urteil vom 31. Juli 1991 VIII R 67/88, BFH/NV 1992, 33).
Eine Veranlassung derartiger Aufwendungen durch das Arbeitsverhältnis hat der BFH nur für ganz außergewöhnliche Umstände bejaht, für die im Streitfall keine Anzeichen gegeben sind (…vgl. Urteil vom 20. Dezember 1988 VI R 55/84, BFH/NV 1990, 23; vgl. auch Urteil in BFH/NV 1992, 33).
Das gilt auch dann, wenn das Kreditverhältnis zwangsweise - etwa durch den Konkurs oder die Liquidation einer Kapitalgesellschaft - endet (BFH-Urteile vom 30. Juli 1991 VIII R 67/88, BFH/NV 1992, 33;… vom 10. November 1992 VIII R 98/90, BFH/NV 1993, 468, unter 1. c der Gründe;… vom 19. Januar 1993 VIII R 74/91, BFH/NV 1993, 714, m. w. N.).
Nachdem die GmbH nach den nicht angegriffenen Feststellungen des FG (§ 118 Abs. 2 FGO) spätestens im Jahre 1984 aufgelöst war (…vgl. dazu BFH-Urteil vom 3. Oktober 1989 VIII R 328/84, BFH/NV 1990, 361) und die Kapitalanlage in Form der Beteiligung keine Erträge mehr bringt, ist nach ständiger Rechtsprechung des BFH der Abzug von - nachträglichen - Werbungskosten nicht mehr möglich (vgl. BFH-Urteile vom 9. August 1983 VIII R 276/82, BFHE 139, 257, BStBl II 1984, 29; vom 2. Oktober 1984 VIII R 20/84, BFHE 143, 304, BStBl II 1985, 428, und VIII R 36/83, BFHE 143, 228, BStBl II 1985, 320, beide zur Finanzierung nachträglicher Anschaffungskosten einer Beteiligung; vom 31. Juli 1991 VIII R 67/88, BFH/NV 1992, 33).
In beiden Fällen entfällt mit dem Wegfall der Einkunftserzielung der wirtschaftliche Zusammenhang der Schuldzinsen mit der Einkunftsart (BFH-Urteil in BFH/NV 1992, 33 zur Veräußerung, bestätigt durch Urteil vom 19. Mai 1992 VIII R 16/88, BFHE 168, 170 [BFH 19.05.1992 - VIII R 16/88], BStBl II 1992, 902; Urteil vom 12. November 1991 IX R 15/90, BFHE 166, 219 [BFH 12.11.1991 - IX R 15/90], BStBl II 1992, 289 zur Zwangsversteigerung; vom 23. Februar 1984 IV R 245/80, NV, zum Konkurs einer Aktiengesellschaft).
Der BFH hat sich wiederholt mit den auch von der Vorentscheidung erhobenen Einwendungen auseinandergesetzt und eine Gleichstellung nachträglicher Werbungskosten mit nachträglichen Betriebsausgaben wegen der unterschiedlichen rechtlichen Ausgangslage abgelehnt (vgl. BFH-Urteile in BFH/NV 1992, 33; in BFHE 162, 48, BStBl II 1991, 14; in BFHE 163, 376, BStBl II 1991, 398; in BFHE 166, 219 [BFH 12.11.1991 - IX R 15/90], BStBl II 1992, 289; vom 26. Februar 1988 III R 168/82, BFH/NV 1988, 554; zuletzt ferner die Urteile vom 10. November 1992, VIII R 98/90, BFH/NV 1993, 468; vom 8. Dezember 1992 VIII R 99/90.
Die unterschiedliche Ermittlung der Einkünfte im Bereich der sog. Überschußeinkünfte (§ 2 Abs. 1 Nr. 4 bis 7 EStG) einerseits und der Gewinneinkünfte (§ 2 Abs. 1 Nr. 1 bis 3 EStG) andererseits erfordert und rechtfertigt eine entsprechende unterschiedliche Behandlung nachträglicher Werbungskosten und Betriebsausgaben (vgl. Urteile des erkennenden Senats vom 21. Dezember 1982 VIII R 48/82, BFHE 138, 47, BStBl II 1983, 373, 374 zu Art. 3 Abs. 1 des Grundgesetzes -- GG --; vom 31. Juli 1991 VIII R 67/88, BFH/NV 1992, 33; vom 12. November 1991 IX R 15/90, BFHE 166, 219 [BFH 12.11.1991 - IX R 15/90], BStBl II 1992, 289, ebenfalls zu Art. 3 Abs. 1 GG, ständige Rechtsprechung).
Nachdem die GmbH aber aufgelöst ist und diese Kapitalanlage damit keine Erträge mehr bringt, ist nach der ständigen Rechtsprechung des BFH der Abzug von nachträglichen Werbungskosten nicht mehr möglich (vgl. z. B. Urteile vom 9. August 1983 VIII R 276/82, BFHE 139, 257, BStBl II 1984, 29; vom 31. Juli 1991 VIII R 67/88, BFH/NV 1992, 33; zuletzt vom 18. August 1992 VIII R 22/89, NV; vgl. auch zu den Einkünften aus Vermietung und Verpachtung Urteile vom 21. Dezember 1982 VIII R 48/82, BFHE 138, 47, BStBl II 1983, 373, und vom 12. November 1991 IX R 15/90, BFHE 166, 219 [BFH 12.11.1991 - IX R 15/90], BStBl II 1992, 289).
Der BFH (…s. Urteil in BStBl II 1984, 29 sowie die Urteile vom 26. Februar 1985 VIII R 59/83, BFH/NV 1985, 69 und vom 31. Juli 1991 VIII R 67/88, BFH/NV 1992, 33 u.a.) habe wiederholt entschieden, dass Schuldzinsen für Kredite im Zusammenhang mit dem Erwerb von Aktien oder einer GmbH-Beteiligung nur solange als Werbungskosten abziehbar seien, wie die finanzierten Wirtschaftsgüter beim Steuerpflichtigen noch vorhanden seien.
Die weiteren zu der Frage ergangenen Entscheidungen des BFH, insbesondere auch die zu den Kapitaleinkünften aus (ehemaliger) Beteiligung an einer Kapitalgesellschaft ergangenen Urteile in BStBl II 1984, 29; vom 2. Oktober 1984 VIII R 36/83, BFHE 143, 228, BStBl II 1985, 320 und VIII R 20/84, BFHE 143, 304, BStBl II 1985, 428, vom 31. Juli 1991 VIII R 67/88, BFH/NV 1992, 33, vom 10. November 1992 VIII R 98/90, BFH/NV 1993, 468, vom 8. Dezember 1992 VIII R 99/90, BFH/NV 93, 654, vom 19. Januar 1993 VIII R 74/91, BFH/NV 1993, 714 sowie die Beschlüsse vom 27. November 1995 VIII B 16/95, BFH/NV 1996, 406 und vom 23. September 1998 VIII B 115/97, BFH/NV 1999, 310 führen keine weiteren Argumente an.
Sie sind daher - wie der Verlust der Beteiligung selbst - dem privaten Bereich des Steuerpflichtigen zuzurechnen (vgl. BFH-Urteile vom 24.04.1997 - VIII R 53/95 -, BStBl II 1997, 682, 68); vom 19.05.1992 - VIII 16/88 -, aaO., 904; vom 31.07.1991 - VIII R 67/88 -, BFH NV 1992, 33 jew. m.w.N.).
Bei an einer GmbH nicht unbedeutend beteiligten Arbeitnehmern sei dies jedoch durchaus üblich, zumal diese wegen ihrer Beteiligung direkten Einfluss auf die Geschicke der GmbH hätten (BFH-Urteile vom 24.04.1997 - IV R 42/96 -, BFH NV 1997, 837 (56 und 44 %);… vom 26.11.1993 - VI R 3/92 -, aaO. (42,5 später 25 %); vom 11.02.1993 - VI R 4/91 -, BFH NV 1993, 645 (über 90 %); vom 08.12.1992 - VIII R 99/90 -, BFH NV 1993, 654 (beherrschender Gesellschafter); vom 17.07.1992 - VI R 125/88 -, BStBl 1993 II, 111 (20 %);… vom 19.05.1992 - VIII 16/88 -, aaO., 904 (25 %); vom 15.05.1991 - VI R 48/88 -, BStBl 1991 11, 758 (Ehefrau 50 %); vom 31.07.1991 - VIII R 67/88 -, aaO., 33 (25 %); vom 20.12.1988 - VI R 55/84 -, BFH NV 1990, 23 (40 %); vom 01.12.1961 - VI 306/60 U -, BStBl III 1962, 63 (100 %); FG Baden-Württemberg vom 11.05.1995 - 6 K 171/94 -, EFG 1995, 1024 (über 25 %); FG Saarland vom 15.06.1988 - 1 K 244/85 -, EFG 1988, 520 (über 25 %); Schmidt/Drenseck, EStG , § 19 Rdn. 60 Stichworte "Bürgschaft, Darlehen, Kaution, Stammkapital": Einschränkung der Abzugsfähigkeit grds. für Gesellschafter-Geschäftsführer).
In der Entscheidung vom 31.07.1991 - VIII R 67/88 -, aaO., wird zwar ausgeführt, dass die berufliche Veranlassung der streitigen Aufwendungen einer zu 25 % beteiligten Gesellschafter-Geschäftsführerin nur bei Vorliegen besonderer Umstände bejaht werden könne.
Der BFH hat allgemein einen wirtschaftlichen Zusammenhang mit der früheren Einkunftserzielung von Schuldzinsen im Privatbereich verneint, die beispielsweise auf die Zeit nach der Veräußerung eines Hauses oder einer wesentlichen Beteiligung entfielen, selbst wenn der Veräußerungserlös nicht zur Schuldendeckung ausgereicht hätte (vgl. Urteile vom 31. Juli 1991 VIII R 67/88, BFH/NV 1992, 33; bestätigt im Urteil vom 19. Mai 1992 VIII R 16/88, BFHE 168, 170 [BFH 19.05.1992 - VIII R 16/88], BStBl II 1992, 902; in BFHE 166, 219 [BFH 12.11.1991 - IX R 15/90], BStBl II 1992, 289; vom 23. Januar 1991 X R 37/86, BFHE 163, 376, BStBl II 1991, 398; ;… vom 7. August 1990 VIII R 223/85, BFH/NV 1991, 294; vom 9. August 1983 VIII R 276/82, BFHE 139, 257, BStBl II 1984, 29; vom 2. Oktober 1984 VIII R 20/84, BFHE 143, 304, BStBl II 1985, 428 sub 2, …und vom 2. Oktober 1984 VIII R 36/83, BFHE 143, 228, BStBl II 1985, 320 - beide zur Finanzierung nachträglicher Anschaffungskosten einer Beteiligung - vom 26. Februar 1988 III R 168/82, BFH/NV 1988, 554, mit Verständnis für die gegenteilige Auffassung im Schrifttum; nicht eindeutig BFH-Urteil vom 19. Oktober 1982 VIII R 97/79, BFHE 137, 418, BStBl II 1983, 295 - Anerkennung von Schuldzinsen für zwei Folgejahre nach Vergleich -).