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Timestamp: 2019-02-18 18:16:41
Document Index: 192980379

Matched Legal Cases: ['§ 51', '§ 13', '§ 13', '§ 43', '§ 50', '§ 34', '§ 28', '§ 13', '§ 13', '§ 13', '§ 13', '§ 13', '§ 114', '§ 43']

Wissenswertes rund um das Familienrecht | Stein & Partner Rechtsanwälte mbB
Anwalts- und Gerichtskosten in Familiensachen
Die Vergütung eines Rechtsanwalts ist gesetzlich geregelt. Bei Abrechnung nach gesetzlichen Vorgaben ist eine schriftliche Honorarvereinbarung nicht erforderlich. Vom Gesetz abweichende Honorarvereinbarungen sind zulässig und müssen schriftlich getroffen werden. Es kann ein Honorar nach Zeitaufwand zu einem bestimmten Stundensatz oder ein pauschales Honorar für die Bearbeitung der gesamten Angelegenheit vereinbart werden. Für die Führung gerichtlicher Verfahren darf kein Honorar unterhalb der gesetzlichen Gebühren vereinbart werden. Die gesetzlichen Grundlagen zur Abrechnung in Familiensachen sind:
das RVG (Rechtsanwaltsvergütungsgesetz)
das FamGKG (Gesetz über Gerichtskosten in Familiensachen)
das GNotKG (Gesetz über Kosten der freiwilligen Gerichtsbarkeit für Gerichte und Notare, z. B. bei Bewertung eines Ehevertrages)
das JVEG (Justizvergütungs- und Entschädigungsgesetz, welches die Vergütung von Sachverständigen, Zeugen, Dolmetschern, etc. regelt)
das FamFG (Gesetz über das Verfahren in Familiensachen und in Angelegenheiten der freiwilligen Gerichtsbarkeit; das Gesetz definiert Voraussetzungen sowie verfahrensrechtliche Besonderheiten in Familiensachen, die für die Abrechnung Voraussetzung sind)
Bevor ein Rechtsanwalt beauftragt wird, wünscht der Mandant häufig eine Einschätzung der voraussichtlich entstehenden Gesamtkosten. Das gesetzliche Honorar des Anwalts bemisst sich nach dem Gegenstandswert der Angelegenheit, zu der der Anwalt beraten oder die er regeln soll. Eine Kostenprognose ist problemlos möglich, wenn der Anwalt mit der Regelung nur einer Angelegenheit beauftragt wird. Der Anwalt soll z.B. nur die Hausratsteilung regeln. Der Gegenstandswert der Hausratsteilung ist gesetzlich auf 3.000,00 € festgelegt und damit bei Beauftragung bekannt ist. Die entstehenden Gebühren für die außergerichtliche und ggf. auch gerichtliche Auseinandersetzung können sehr einfach beziffert werden. Schwieriger gestaltet sich die Sache z. B. aber schon bei Geltendmachung einer Unterhaltsforderung der Ehefrau. Der Gegenstandswert ermittelt sich aus dem 12-fachen Wert des geltend gemachten Unterhalts. Die Höhe des Unterhaltsanspruches ist jedoch zum Zeitpunkt der Beauftragung noch gar nicht bekannt. Zunächst muss die Einkommenssituation durch Einholung von Auskünften ermittelt werden. Erst nach Auswertung der Auskünfte kann der Unterhalt und damit auch die Honorarforderung des Anwalts beziffert werden. Vorher ist es allenfalls möglich, auf Grundlage der überschlägigen Angaben des Mandanten zu den Einkommensverhältnissen auch nur sehr überschlägig eine Unterhaltsforderung zu beziffern, so dass man im Vorfeld wenigstens Anhaltspunkte zur Höhe des Honoraraufkommens hat. Erfolgt die Beauftragung dagegen zu Beginn einer Trennung, können die voraussichtlich entstehenden Kosten kaum noch zuverlässig prognostiziert werden. Dies hat zwei Gründe: Weder der Rechtsanwalt, noch der Mandant können voraussehen, mit wie vielen Angelegenheiten der Anwalt im Laufe der Auflösung der Ehe beauftragt wird. Zu Beginn einer Trennung weiß man nicht genau, ob nur Unterhaltsfragen, Hausratsverteilung, oder aber auch Zugewinn oder Kindschaftssachen mit Hilfe des Anwalts geregelt werden müssen. Jeder dieser Themenbereiche stellt eine eigene, honorarauslösende Angelegenheit dar. Auch die Gegenstandswerte dieser Angelegenheiten, die die Grundlage der anwaltlichen Honorarberechnung bilden, erfährt der Rechtsanwalt also erst, wenn er vom Mandanten mit dieser Sache beauftragt wird.
Aus dieser kurzen Schilderung lässt sich erkennen, dass es zu Beginn eines familienrechtlichen Mandats betreffend eine Trennung und Scheidung praktisch unmöglich ist, das voraussichtliche Honoraraufkommen zuverlässig vorherzusehen. Diese Situation und die damit fehlende Transparenz werden auch von den im Familienrecht tätigen Rechtsanwälten als sehr unbefriedigend empfunden. Gesetzgeberische Ansätze, diese unbefriedigende Situation zu lösen, sind jedoch bisher nicht erkennbar.
Selbstverständlich können wir jederzeit aufgrund Ihrer überschlägigen Angaben das Honorar, welches voraussichtlich in Ihrer Angelegenheit anfallen wird, ermitteln. Es wird sich dabei aber immer nur um eine geschätzte Zahl ohne Anspruch auf Verbindlichkeit handeln. Das endgültige Honoraraufkommen kann in der Regel erst mit dem Abschluss der gesamten Angelegenheit berechnet werden. Etwas anderes gilt bei Vereinbarung eines Pauschalhonorars oder Honorars nach Zeitaufwand. Sprechen Sie uns an, damit wir die für Ihre Situation passende Honorarvereinbarung treffen können.
Nachfolgend stellen wir einige Beispielsfälle zur gesetzlichen Honorarberechnung vor, um Ihnen zumindest eine Idee zur Höhe des möglichen Gebührenaufkommens zu geben. Im Anschluss an die Beispielsfälle finden Sie hilfreiche Links zu Gesetzestexten, Gegenstandswerttabellen und zu Prozesskostenrechnern.
1. Kindesunterhalt:
Frau F und Herr F haben sich getrennt. Die zwei aus der Ehe hervorgegangenen Kinder, M 7 Jahre alt und N 14 Jahre alt, leben bei Frau F. Frau F möchte Kindesunterhalt geltend machen. Der beauftragte Anwalt ermittelt für das Kind M einen Unterhaltsanspruch von 437,00 € – 92,00 € Kindergeld, somit von 345,00 € und für das zweite Kind N einen Unterhaltsanspruch von 512,00 € – 92,00 € Kindergeld, somit von 420,00 €. Er fordert Herrn F zur Zahlung des Kindesunterhalts auf. Herr F kommt dieser Aufforderung unverzüglich nach, so dass der Auftrag des Anwalts damit auch beendet ist.
Der Anwalt ermittelt zunächst den Gegenstandswert der Sache:
Gegenstandswert gem. § 51 FamGKG (12-facher Wert des geforderten Unterhalts):
Kind M 12 x 345,00 € = 4.140,00 €
Kind N 12 x 420,00 € = 5.040,00 €
Summe Gegenstandswert: 9.180,00 €
Sodann ermittelt er das Honorar:
Gegenstandswert: 9.180,00 €
1,30 Geschäftsgebühr, Nr. 2300 VV, § 13 RVG 725,40 €
Pauschale für Post- und Telekommunikationsdienstleistungen, Nr. 7002 VV 20,00 €
Zwischensumme 745,40 €
19,00 % Umsatzsteuer, Nr. 7008 VV 141,63
Endsumme 887,03 €
Frau F muss an ihren Anwalt 887,03 € bezahlen.
Variante: Gleicher Sachverhalt wie oben, jedoch akzeptiert Herr F den geltend gemachten Kindesunterhalt nicht. Es entwickelt sich eine umfangreiche Korrespondenz. Schlussendlich einigt man sich auf etwas geringere Unterhaltsbeträge. Für M soll der Kindesunterhalt 419,00 € – 92,00 € Kindergeld, somit 327,00 € betragen und für N 490,00 € – 92,00 €, somit 398,00 € betragen. Dies wird in einer Vergleichsvereinbarung schriftlich niedergelegt. Die Ermittlung des Gegenstandswertes erfolgt wie oben. Es spielt dabei keine Rolle, dass man sich auf einen niedrigeren Unterhalt verständigt hat als ursprünglich gefordert. Für die Gebührenberechnung kommt es darauf an, was gefordert wurde. Hierüber hat man sich geeinigt, so dass auch für die Vergleichsgebühr der gleiche Gegenstandswert zugrundgelegt wird. Durch den Vergleichsabschluss kommt eine 1,5 Einigungsgebühr hinzu. Dies führt zu folgendem Honoraraufkommen:
1,50 Einigungsgebühr, Nr. 1000 VV, § 13 RVG 837,00 €
Zwischensumme 1.582,40 €
19,00 % Umsatzsteuer, Nr. 7008 VV 300,66 €
Endsumme 1.883,06
2. Einvernehmliche Scheidung:
Unter einer einvernehmlichen Scheidung versteht man eine Scheidung, bei der keine Folgesachen, wie z. B. Unterhalt, Zugewinn etc. gerichtlich geltend gemacht werden. Die Folgesache Versorgungsausgleich, d. h. der Ausgleich der während der Ehe angesparten Rentenanwartschaften, ist gesetzlich vorgegeben und wird von Amts wegen durch das Gericht durchgeführt. In Scheidungsverfahren besteht Anwaltszwang für denjenigen, der den Antrag auf Scheidung stellt. Der andere Ehegatten, der der Scheidung nur zustimmen will, kann dies ohne Anwalt tun. Soll zusammen mit der Scheidung gerichtlich über weitere Sachen wie Unterhalt etc. entschieden werden, benötigen beide Ehegatten einen Anwalt.
Frau F und Herr F möchten sich scheiden lassen. Sie haben sich bereits über alle Trennungs- und Scheidungsfolgen verständigt. Frau F erzielt ein monatliches Nettoeinkommen von 1.800,00 €, Herr F von 2.100,00 €. Beide sind in der gesetzlichen Rentenversicherung versichert. Zusätzlich hat jeder eine private Rentenversicherung abgeschlossen. Im Versorgungsausgleich sind also vier Anrechte auszugleichen. Da sich die Eheleute über alles einig sind, möchten sie die Scheidung möglichst mit nur einem Anwalt durchführen und die Kosten hierfür teilen. Zu diesem Zweck wird der Anwalt von Frau F mit der Einreichung des Scheidungsantrags beauftragt. Herr F vertritt sich im Scheidungsverfahren selbst, da er der Scheidung ohnehin nur zustimmen will. Vermögen besitzen die Eheleute nicht.
Der Gegenstandswert in Ehesachen wird unter Berücksichtigung aller Umstände des Einzelfalls, insbesondere des Umfangs und der Bedeutung der Sache und der Vermögens- und Einkommensverhältnisse der Ehegatten nach Ermessen durch das Gericht bestimmt. Der Wert darf nicht unter 3.000,00 € und nicht über 1 Mio. € angenommen werden. Für die Einkommensverhältnisse ist das in 3 Monaten erzielte Nettoeinkommen der Ehegatten einzusetzen (§ 43 FamGKG). Der Gegenstandswert von Versorgungsausgleichssachen beträgt für jedes Anrecht 10 % des Wertes der Ehesache (§ 50 FamGKG).
Gegenstandswert Ehesache:
1.800,00 € + 2.100,00 € = 3.900,00 € x 3 = 11.700,00 €
Gegenstandswert Versorgungsausgleich:
10 % aus 11.700,00 € = 1.170,00 € x 4 Anrechte = 4.680,00 €
Gegenstandswert gesamt: 16.380,00 €
Die Gerichtskosten betragen gem. § 34 GKG/§ 28 FamGKG 638,00 € und müssen mit Einreichung des Scheidungsantrags bei Gericht eingezahlt werden. Des Weiteren entstehen folgende Anwaltskosten:
Gegenstandswert: 16.380,00 €
1,30 Verfahrensgebühr, Nr. 3100 VV, § 13 RVG 904,80 €
1,20 Terminsgebühr, Nr. 3104 VV, § 13 RVG 835,20 €
Zwischensumme 1.760,00 €
19,00 % Umsatzsteuer, Nr. 7008 VV 334,40 €
Zwischensumme Anwaltskosten 2.094,00€
Gerichtskosten 638,00 €
Endsumme 2.732,40 €
Insgesamt betragen die Gerichts- und Anwaltskosten 2.732,40 €.
Auch bei einer einvernehmlichen Scheidung kann sich jeder Ehegatte natürlich von einem eigenen Anwalt vertreten lassen. In diesem Fall hat jeder der Ehegatten Anwaltskosten in Höhe von 2.094,00 € zu bezahlen. Die Gerichtskosten werden hälftig geteilt. Zwar muss der antragstellende Ehegatte diese Gerichtskosten bei Einreichung des Scheidungsantrages bevorschussen. Nach Abschluss des Scheidungsverfahrens erfolgt jedoch ein gerichtlicher Kostenausgleich, so dass vom anderen Ehegatten die Hälfte zurückverlangt werden kann.
Variante: Die Ehegatten waren sich in allen Angelegenheiten mit Ausnahme des Zugewinnausgleichs einig. Frau F hat ihren Anwalt mit der Einreichung des Scheidungsantrages und der gerichtlichen Geltendmachung des Zugewinnausgleichs von 30.000,00 € beauftragt. Herr F benötigt für das gerichtliche Verfahren nun auch einen Anwalt. Da sich die Ehegatten während des laufenden Scheidungsverbundverfahrens trotz gerichtlicher Vorschläge nicht über den Zugewinn einigen können, muss das Gericht in der Sache entscheiden. Das Gericht spricht Frau F einen Zugewinnausgleich von 20.000,00 € zu.
Der Gegenstandswert für die Ehesache und den Versorgungsausgleich wird ermittelt wie im Beispielsfall. Der Gegenstandswert für den Zugewinnausgleich beträgt 30.000,00 €. Hierfür ist es unerheblich, dass Frau F im Gerichtsverfahren weniger zugesprochen wird. Entscheidend für die Bestimmung des Gegenstandswertes ist der Betrag, der gefordert wird, nicht der Betrag, der später zugesprochen wird oder aber auf den man sich vergleicht.
Es entstehen folgende Gerichts- und Anwaltskosten:
Gegenstandswert Ehesache: 11.700,00 €
Gegenstandswert Versorgungsausgleich: 4.680,00 €
Gegenstandswert Zugewinn: 30.000,00 €
Gegenstandswert gesamt: 46.380,00 €
Die Gerichtskosten für das Verfahren betragen 1.092,00 € und sind von jedem Ehegatten zur Hälfte zu bezahlen. Für Anwaltskosten muss jeder Ehegatte folgenden Betrag aufwenden:
Gegenstandswert: 46.380,00 €
1,30 Verfahrensgebühr, Nr. 3100 VV, § 13 RVG 1.511,90 €
1,20 Terminsgebühr, Nr. 3104 VV, § 13 RVG 1.395,60 €
Pauschale für Post- und
Telekommunikationsdienstleistungen, Nr. 7002 VV 20,00 €
Zwischensumme 2.927,50 €
19,00 % Umsatzsteuer, Nr. 7008 VV 556,23 €
Gerichtskosten 1.092,00 €
Endsumme 4.575,73 €
Variante: Sachverhalt wie oben, jedoch einigen sich die Eheleute auf eine Zugewinnausgleichszahlung an Frau F in Höhe von 25.000,00 €. Die Einigung wird im Scheidungstermin protokolliert.
1,00 Einigungsgebühr, Nr. 1003 VV, § 13 RVG (Wert: 30.000,00 €) 863,00 €
Zwischensumme 3.790,50 €
19,00 % Umsatzsteuer, Nr. 7008 VV 720,20 €
Endsumme 5.602,70 €
Üblicherweise sind gerichtliche Verfahren von dem Grundsatz geprägt, dass derjenige für die gesamten Rechtsanwalts- und Gerichtskosten aufzukommen hat, der im Verfahren unterliegt. Bei einem teilweisen Obsiegen und Unterliegen werden die Kosten entsprechend verteilt. Diese Grundsätze gelten in familiengerichtlichen Verfahren nur sehr eingeschränkt. Werden z. B. Scheidungsfolgen wie Unterhalt, Zugewinn etc. zusammen mit der Scheidung im sog. Scheidungsverbund gerichtlich gemacht, sind die Kosten der Scheidungssache und dieser Folgesachen in der Regel gegeneinander aufzuheben. Dies bedeutet, dass jeder der Ehegatten seine eigenen Anwaltskosten und die Hälfte der Gerichtskosten trägt, völlig unabhängig davon, ob er in den einzelnen Verfahren gewonnen oder verloren hat. Ein ähnlicher Grundsatz gilt in Kindschaftssachen. Wird z. B. um den Umgang oder das Aufenthaltsbestimmungsrecht gestritten, werden auch hier die Verfahrenskosten bei Beendigung des Verfahrens gegeneinander aufgehoben, ganz unabhängig davon, ob sich ein Elternteil mit seinem Begehren durchgesetzt hat oder nicht.
Hier finden Sie nahezu das gesamte aktuelle Bundesrecht und damit natürlich die von uns oben zitierten Gesetzestexte, wie das RVG, FamFG etc.
Nützliche Informationen rund um das Familienrecht und Scheidungskostenrechner
www.anwaltverein.de/leistungen/prozesskostenrechner
Mit diesem Prozesskostenrechner können Sie, wenn Ihnen der Streitwert bekannt ist, die voraussichtlichen Kosten einer außergerichtlichen oder gerichtlichen Vertretung berechnen.
www.jm.nrw.de./BS/formulare/beratungshilfe/index.php
Wer nur über ein sehr geringes Einkommen verfügt, kann für die Inanspruchnahme außergerichtlicher anwaltlicher Beratung einen Antrag auf Beratungshilfe stellen. Nützliche Informationen finden Sie unter dem vorgenannten Link.
Bei geringem Einkommen kann für gerichtliche Verfahrensführung Antrag auf Prozess- bzw. Verfahrenskostenhilfe (in Familiensachen) gestellt werden. Das Formular muss von Ihnen ausgefüllt und mit den erforderlichen Belegen versehen werden. Den Antrag stellt für Sie der von Ihnen mit der Prozessführung beauftragte Anwalt.
Vielfach wird im Internet mit „Online – Scheidung“ geworben. Es wird behauptet, Onlinescheidungen seien billiger, man könne gemeinsam einen Anwalt nehmen und die Gerichte würden bei Onlinescheidungen den Streitwert herabsetzen. Solche Werbung ist grob irreführend. Onlinescheidungen gibt es nicht. Nach wie vor müssen scheidungswillige Eheleute zu ihrem Scheidungstermin persönlich vor Gericht erscheinen und bei der Anhörung dem Richter ihren Scheidungswillen erklären.
Bei Werbung mit der „Scheidung online“ geht es also immer nur darum, die Kontaktaufnahme zum Anwalt „online“ mit den dafür von den Anwälten vorgesehenen Formularen einzuleiten. Den Vorteil einer Kostenersparnis für den Mandanten gibt es dadurch nicht. Ganz im Gegenteil wird dem Mandanten das persönliche Beratungsgespräch vorenthalten, welches von den Pauschalgebühren, die für die Durchführung einer Scheidung anfallen, ohnehin erfasst ist.
Ihre Zeit kostet allerdings natürlich Geld. Selbstverständlich können Sie die Zeit für einen Anwaltsbesuch sparen und uns alle für die Scheidung erforderlichen Daten und Urkunden online übermitteln. Geeignet ist diese Vorgehensweise nur für einvernehmliche Scheidungen. Und wie bei jeder einvernehmlichen Scheidung, kann, gleich ob „online“ oder persönlich, nur ein Anwalt beauftragt und können die Kosten zwischen den Eheleuten geteilt werden.
Wir sind uns einig und müssen nur das Scheidungsverfahren durchführen. Brauchen wir dazu einen Anwalt und können wir zusammen einen Anwalt nehmen?
Vor dem Familiengericht herrscht für das Scheidungsverfahren Anwaltszwang (§ 114 FamFG). Das gilt auch, wenn zwischen den Eheleuten kein Streit über Themen wie Unterhalt, Zugewinn, Hausrat etc. besteht. Derjenige, der das Scheidungsverfahren durch einen Antrag bei Gericht einleiten will, muss dies durch einen Anwalt tun. Der andere Ehegatte, der der Scheidung zustimmt, benötigt dafür keinen Anwalt. In solchen Fällen wird die Scheidung tatsächlich mit nur einem Anwalt durchgeführt. Entgegen weit verbreiteter Meinung bedeutet das aber nicht, dass der Anwalt beide Eheleute vertritt. Er ist Anwalt nur desjenigen Ehegatten, der das Mandatsverhältnis begründet hat. Häufig teilen sich die Eheleute die Kosten dieses Anwalts.
Wir möchten uns trennen oder uns scheiden lassen und möchten alle Folgesachen in einer Scheidungsfolgevereinbarung vertraglich regeln. Können wir uns durch einen Anwalt beraten/vertreten lassen?
Nein, denn ein Rechtsanwalt darf keine widerstreitenden Interessen vertreten (§ 43a Nr.4 BRAO), die bei Trennungen und Scheidungen in der Regel bestehen. Wenn sich die Eheleute aber im Wesentlichen einig sind und nur punktuell Beratungsbedarf haben, kann einer der Ehegatten einen Anwalt mit der Vertretung beauftragen. Der andere Ehegatte ist bei den Besprechungen anwesend, wird aber nicht anwaltlich vertreten. Dies ist in nur dann zu empfehlen, wenn der nicht vertretene Ehegatte vollumfänglich über alle Sachverhalte informiert ist und sich in der Lage sieht, bestimmte Regelungen eigenverantwortlich zu treffen. Anderenfalls sollte er einen eigenen Anwalt beauftragen.
Viele Regelungen, die anlässlich einer Trennung, aber vor Rechtskraft der Scheidung für die Zeit danach getroffen werden, sind formbedürftig, so dass der gesamte Scheidungsfolgevertrag notariell beurkundet werden muss.
Können Eheverträge oder Scheidungsfolgevereinbarungen ohne Anwalt und nur bei einem Notar erstellt werden?
Ja, Für den Entwurf ist die Heranziehung eines Rechtsanwalts nicht zwingend. Zu bedenken ist aber, dass der Notar seine Beratung neutral durchführen muss. Bei vorsorgenden Eheverträgen , d.h. Verträgen die anlässlich der Eheschließung oder während bestehender Ehe geschlossen werden, mag eine solche neutrale Beratung genügen, da die Planung einer gemeinsamen Zukunft idR gegenseitiges Vertrauen und gleichläufige Interessen bedeutet. Die neutrale Beratung kann aber dann Gefahren bergen, wenn der Ehevertrag einseitig von dem (aufgrund Alters, Ausbildung, wirtschaftlicher Verhältnisse) „überlegenen“ Partner gewünscht, von den Inhalten im wesentlichen vorgegeben und bei dem schon jahrelang für diesen Ehegatten oder seiner Familie tätigen Notar geschlossen werden soll. Die Regelungen sind ohne Vorbefassung für juristische Laien in ihren Konsequenzen für die Zukunft kaum einzuschätzen. Niemand sollte sich in solchen Situation aus falschen Beweggründen genieren, sich persönlich und sehr subjektiv durch einen Anwalt seiner Wahl beraten zu lassen. Das Honorar, das in diesen Fällen mit dem Anwalt frei, z.B auch nach Zeitaufwand statt nach den häufig hohen Gegenstandswerten vereinbart werden kann, ist hier im Zweifel gut angelegtes Geld.
Bei Trennungen und Scheidungen bestehen naturgemäß widerstreitende Interessen. Oft ist durch die Trennung, vor allem wenn sie nur von einem Partner ausgeht, das Vertrauen zerstört, so dass auch gut gemeinten Regelungsvorschlägen des anderen mit hohem Misstrauen oder Ablehnung begegnet wird. Das kann die eigentlich von beiden Ehegatten gewollte, einvernehmliche Lösung der anstehenden Probleme erheblich erschweren oder gar unmöglich machen. In solchen Situationen kann die vertrauensvolle Zusammenarbeit mit einem eigenen Anwalt das Erzielen gütlicher Lösungen erheblich fördern und beschleunigen. Die Gewissheit, von einem Interessenvertreter parteiisch über Folgen und Risiken von beabsichtigten Regelungen aufgeklärt zu werden, ermöglicht nach unseren Erfahrungen schnellere Entscheidungen. Ehepartner sind daher gut beraten, beabsichtigte Scheidungsfolgeregelungen von einem jeweils eigenen Anwalt prüfen zu lassen. Die Prüfung kann sich dabei auch auf einzelne Bereiche beschränken, die in ihrem Inhalt oder in ihren Folgen unklar sind. Nur Ehepartnern, die vollständig über die gegenseitigen tatsächlichen und wirtschaftlichen Verhältnisse informiert sind und sehr klare Vorstellungen über ihre Ziele haben, kann empfohlen werden, eine Scheidungsfolgevereinbarung unter Inanspruchnahme eines neutralen Beratung nur beim Notar zu schließen.
T: +49 241 51055 227
Sekretariat: Andrea Schornstein schornstein@steinundpartner.de