Source: https://www.rechtslupe.de/strafrecht/der-kostenansatz-der-staatsanwaltschaft-und-die-begruendungspflicht-378847
Timestamp: 2020-08-13 09:44:15
Document Index: 147880259

Matched Legal Cases: ['§ 27', '§ 4', '§ 27', '§ 464', 'Art.19', '§ 27', '§ 39', 'BGH', '§ 19', '§ 19', '§ 14', '§ 19', 'BGH', '§ 39', '§ 14', '§ 209', '§ 1']

Der Kostenansatz der Staatsanwaltschaft - und die Begründungspflicht | Rechtslupe
Der Kostenansatz der Staatsanwaltschaft - und die Begründungspflicht
Der Kos­ten­an­satz der Staats­an­walt­schaft – und die Begrün­dungs­pflicht
Die Kos­ten­rech­nung der Staats­an­walt­schaft muss dem Ver­ur­teil­ten Klar­heit über die Rechts­grund­la­ge der Kos­ten­for­de­rung ver­mit­teln und ihm ermög­li­chen, die mit der Zah­lungs­pflicht ver­knüpf­ten Ein­zel­hei­ten in allen Tei­len nach­zu­prü­fen. Rei­chen dazu die in § 27 KostVfg vor­ge­schrie­be­nen Anga­ben nicht aus, bedarf die Kos­ten­rech­nung der wei­te­ren Begrün­dung.
Zwar mag die Kos­ten­rech­nung – durch wel­che der Kos­ten­an­satz tech­nisch erfolgt (vgl. § 4 KostVfg) – den Anfor­de­run­gen des § 27 Abs. 1 KostVfg genü­gen, weil sie die Sache, die Geschäfts-Num­mer und den Kos­ten­schuld­ner bezeich­net sowie die ein­zel­nen Kos­ten­an­sät­ze unter Hin­weis auf die ange­wen­de­ten Vor­schrif­ten anführt sowie auch den Gesamt­be­trag der Kos­ten aus­weist. Eine die­sen Anfor­de­run­gen genü­gen­de Kos­ten­rech­nung ist aber nicht in jedem Fall recht­lich bean­stan­dungs­frei.
Dabei ist näm­lich zu beach­ten, dass die KostVfg kein Gesetz ist, son­dern ledig­lich eine für die Kos­ten­be­am­ten des Bun­des und der Län­der intern ver­bind­li­che Ver­wal­tungs­an­wei­sung ent­hält [1], wel­che – mit Aus­nah­me einer mög­li­chen Selbst­bin­dung der Jus­tiz­ver­wal­tung – weder Rech­te des Kos­ten­schuld­ners begrün­det, noch sei­ne Rech­te zu beschrän­ken ver­mag [2].
Die Gerichts­kos­ten und Aus­la­gen des Straf­ver­fah­rens nach § 464 a Abs. 1 StPO sind öffent­lich-recht­li­che Abga­ben, die durch den Kos­ten­an­satz gel­tend gemacht wer­den [3]. Der Kos­ten­an­satz selbst ist ein Jus­tiz­ver­wal­tungs­akt [4]. Soweit die Kos­ten­ge­set­ze kei­ne Rege­lun­gen über das Ver­fah­ren hin­sicht­lich die­ses Jus­tiz­ver­wal­tungs­ak­tes – wie hier zur Fra­ge der Begrün­dung der Kos­ten­rech­nung – ent­hal­ten, sind daher die heu­te all­ge­mein aner­kann­ten Grund­sät­ze des Ver­wal­tungs­ver­fah­rens her­an­zu­zie­hen, wie sie sich im VwVfG, der AO sowie im SGB X nie­der­ge­schla­gen haben [5]. Da die Kos­ten­rech­nung dem Schuld­ner die Mög­lich­keit eröff­net, den Rechts­weg zu beschrei­ten (Art.19 Abs. 4 GG), muss sie ihm Klar­heit über die Rechts­grund­la­ge der Gebüh­ren­for­de­rung ver­mit­teln. Dazu mag im Regel­fall die Anga­be der ange­wand­ten Vor­schrif­ten und die Nen­nung der ein­zel­nen Gebüh­ren und Aus­la­gen­be­trä­ge genü­gen (§ 27 KostVfg). Soweit die­se Anga­ben jedoch zum Ver­ständ­nis des Ver­wal­tungs­ak­tes nicht aus­rei­chen, bedarf er der wei­te­ren Begrün­dung (vgl. § 39 VwVfG) [6]. Maß­ge­bend für den not­wen­di­gen Inhalt muss dabei letzt­end­lich der Zweck einer Kos­ten­rech­nung sein, dem Kos­ten­schuld­ner zu ermög­li­chen, die mit der Zah­lungs­pflicht ver­knüpf­ten Ein­zel­hei­ten in allen Tei­len nach­zu­prü­fen [7]. Letzt­end­lich folgt dies bereits aus dem rechts­staat­li­chen Grund­satz, dass der­je­ni­ge, in des­sen Rech­te ein­ge­grif­fen oder der mit einer hoheit­li­chen Maß­nah­me belas­tet wird, einen Anspruch dar­auf hat, die Grün­de hier­für zu erfah­ren, weil er nur dann sei­ne Rech­te sach­ge­mäß ver­tei­di­gen kann [8]. Eine nähe­re Begrün­dung ist ins­be­son­de­re auch bei Ermes­sens­ent­schei­dun­gen des Kos­ten­be­am­ten erfor­der­lich [9].
Die­sen Anfor­de­run­gen wird die Kos­ten­rech­nung im vor­lie­gen­den Fall nicht gerecht. Es ist bereits nicht mit­ge­teilt wor­den, aus wel­chen Grün­den die Kos­ten­be­am­tin ihr Ermes­sen dahin­ge­hend aus­ge­übt hat, die Aus­la­gen für die Tele­fon­über­wa­chung und die Über­set­zungs­kos­ten der Poli­zei nicht auf alle vier gemein­sam Ver­ur­teil­ten zu ver­tei­len. Dar­über hin­aus ist die Ermitt­lung der Höhe die­ser Kos­ten­an­sät­ze in der Kos­ten­rech­nung nicht nach­voll­zieh­bar begrün­det wor­den. Der schlich­te Ver­weis auf Akten­bän­de oder auf blo­ße Blatt­zah­len von Akten­bän­den ist nicht geeig­net, eine prüf­fä­hi­ge Kos­ten­rech­nung zu bewir­ken [10].
Da die vor­lie­gen­de Kos­ten­rech­nung auf­grund man­geln­der Begrün­dung kei­ne ord­nungs­ge­mä­ße Grund­la­ge für die Kos­ten­er­he­bung dar­stellt, ist sie – auch inso­weit in Anleh­nung an das Ver­wal­tungs­recht [11] – als for­mell rechts­wid­rig ohne wei­te­re sach­li­che Prü­fung auf­zu­he­ben [12]. Der Begrün­dungs­man­gel kann ins­be­son­de­re nicht im gericht­li­chen Ver­fah­ren geheilt wer­den. Denn erst durch eine hin­rei­chen­de Begrün­dung der Kos­ten­rech­nung wird der Schuld­ner in die Lage ver­setzt, kon­kre­te und sub­stan­ti­ier­te Ein­wen­dun­gen zu erhe­ben, die das Gericht sodann zu einer ent­spre­chen­den Prü­fung ver­an­las­sen.
Die Kos­ten­be­am­tin der Staats­an­walt­schaft wird daher eine Kos­ten­rech­nung zu erstel­len haben, in der die Aus­la­gen für die Tele­fon­über­wa­chung und die Über­set­zungs­kos­ten der Poli­zei in einem sol­chen Maße nach­voll­zieh­bar begrün­det sind, dass sie dem Ver­ur­teil­ten gege­be­nen­falls sub­stan­ti­ier­te Ein­wen­dun­gen ermög­li­chen. Dies mag im vor­lie­gen­den Fall zu einem erhöh­ten Begrün­dungs­auf­wand füh­ren. Die­ser ist jedoch bei einer Kos­ten­rech­nung in der vor­lie­gen­den Höhe, die sich im Fal­le der Nach­for­de­rung sogar auf einen Betrag von über 200.000 € belau­fen kann, nicht als unver­hält­nis­mä­ßig anzu­se­hen.
Ober­lan­des­ge­richt Cel­le, Beschluss vom 21. März 2014 – 1 Ws 100/​14
vgl. zuletzt AV des MJ vom 19.02.2014 (5607–204.18), Nds.Rpfl.2014 S. 77[↩]
vgl. BGH Rpfle­ger 1975, 432; OLG Köln Jur­Bü­ro 2013, 433; Hart­mann, Kos­ten­ge­set­ze, 42. Aufl., Abschn. VII Rdnr. 1[↩]
vgl. BVerfG NJW 1970, 853[↩]
vgl.Petzold in Binz/​Dorndörfer, GKG/​FamGKG/​JVEG, 2. Aufl., § 19, Rdnr. 2; Hart­mann a. a. O. GKG § 19 Rdnr. 1; OLG Köln a. a. O.[↩]
vgl. OLG Saar­brü­cken Rpfle­ger 2001, 461; Korintenberg/​Lappe, a. a. O. § 14 Rdnr. 2[↩]
OLG Zwei­brü­cken Jur­Bü­ro 1982, 271; Korintenberg/​Lappe a. a. O. Rdnr. 12[↩]
vgl. OLG Schles­wig a. a. O.; Oestreich in Oestreich/​Hellstab/​Trenkle, GKG, § 19 Rdnr. 13[↩]
vgl. BVerfGE 6, 32, 44; BGH, a. a. O.; OLG Köln a. a. O.[↩]
vgl. OLG Saar­brü­cken OLGR 1997, 207; Korintenberg/​Lappe a. a. O.[↩]
vgl. OLG Schles­wig a. a. O.[↩]
vgl. Stel­kens in Stelkens/​Bonk/​Sachs, VwVfG, 8. Aufl., § 39 Rdnr. 27[↩]
vgl. HK-Wald­ner, a. a. O. § 14 Rdnr. 6; OLG Schles­wig a. a. O.[↩]
Der Kos­ten­an­satz der Staats­an­walt­schaft – und die… Die Kos­ten­rech­nung der Staats­an­walt­schaft muss dem Ver­ur­teil­ten Klar­heit über die Rechts­grund­la­ge der Kos­ten­for­de­rung ver­mit­teln und ihm ermög­li­chen, die mit der Zah­lungs­pflicht ver­knüpf­ten Ein­zel­hei­ten in allen…
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