Source: https://aug.dguv.de/epaper/06-19/
Timestamp: 2019-11-17 09:26:17
Document Index: 76912129

Matched Legal Cases: ['BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 22']

DGUV-aug-06-19
&arbeit gesundheit Das Magazin für Sicherheitsbeauftragte Spezial Effektive Maßnahmen zum Schutz der Augen Mit Aushang Gütesiegel Ausgezeichneter Arbeitsschutz Mobilität Sicher unterwegs mit E-Scootern Zurück im Job Das umfassende Reha-Management der Unfallversicherungsträger macht es möglich Ausgabe 6 | 2019
inhalt 4 Meldungen Rund um sicheres und gesundes Arbeiten 6 Reha-Management Fallbeispiel einer Rückkehr ins Arbeitsleben 12 Leistungsangebot Von den Unfallversicherungs- trägern verliehene Gütesiegel 14 Versicherungsschutz Arbeiten im Ausland 15 – 18 SPEZIAL Der Extrateil zum Herausnehmen mit diesen Themen: • Arten des Schutzes für die Augen • Augenschutztragepflicht Mit Aushang zum Thema „Umgang mit der Schutzbrille“ Elektrisch angetriebene Tretroller Was beim Fahren im Straßenverkehr und im Betrieb zu beachten ist → Seite 22 19 Zuschriften Expertinnen und Experten beantworten Ihre Fragen 12 20 Beleuchtungstechnik Sicher und gesund bei Nachtarbeit 22 Mobilität Mit dem E-Scooter durchs Verkehrsgeschehen 24 100 Jahre Sicherheitsbeauftragte Ehrenamtliches Engagement in der sich wandelnden Arbeitswelt 26 Alles, was Recht ist Neue und geänderte Regelungen 27 Medienangebote 28 Meldungen 30 Unterhaltung Gewinnspiel, Sudoku, Cartoon und „Das Allerletzte“ Gütesiegel Wie Anreize für sicheres Handeln entstehen 20 Arbeitsplatzgestaltung Welches Licht bei Nachtarbeit zu bevorzugen ist 24 Jubiläum Wie sich das Amt der Sicher- heitsbeauftragten entwickelt hat Impressum arbeit & gesundheit, 71. Jahrgang, erscheint zweimonatlich. Bezugsentgelt der Zeitschrift im Mitgliedsbeitrag enthalten. Herausgegeben von: Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung e. V. (DGUV) Vorsitzende des Vorstandes: Volker Enkerts, Manfred Wirsch Hauptgeschäftsführung: Dr. Stefan Hussy Anschrift: Glinkastraße 40, 10117 Berlin Telefon: 030 13001-0 (Zentrale) Fax: 030 13001-6132 E-Mail: info@dguv.de Internet: dguv.de Umsatzsteuer-Identifika- tionsnummer: DE123382489 Vereinsregister- Nummer: VR 751 B beim Amtsgericht Charlottenburg Redaktionsbeirat: Jens Ackermann, Milena Bähnisch, Renate Bantz, Gregor Doepke, Julia Fohmann, Karsta Herrmann-Kurz, Prof. Dr. Frauke Jahn, Gerhard Kuntzemann, Dirk Lauterbach, Dr. Ralf Michaelis, Ina Neitzner, Meike Nohlen, Michael Quabach, Rike Schmickler-Bouvet, Dr. Ronald Unger, Dr. Martin Weber, Dr. Thorsten Wiethege, Dr. Monika Zaghow, Holger Zingsheim, Dr. Klaus Zweiling Chefredaktion: Kathrin Baltscheit (verantwortlich), Stefan Boltz (Stellvertretung), DGUV Redaktion: Kai Stiehl (Redaktionsleiter), Markus Fischer, Lena Markmann, Manuela Müller, Maren Zeidler Telefon: 0800 888 5440 Fax: 0800 888 5445 E-Mail: redaktion@dguv-aug.de Leserservice für Adressänderungen, Abbestel- lungen u. Ä.: aug.dguv.de/kontakt/abonnement Verlag: CW Haarfeld GmbH, ein Unternehmen der Wolters Kluwer Deutschland GmbH, Robert-Bosch-Straße 6, 50354 Hürth, cwh.de Druck: Druckhaus Ernst Kaufmann GmbH & Co. KG, Raiffeisenstr. 29, 77933 Lahr Grafisches Konzept: CW Haarfeld Titelbild dieser Ausgabe: Markus Breig Stand dieser Ausgabe: 23. September 2019 Die nächste Ausgabe erscheint am 22. Januar 2020. 2 e s e W n a i t s i r h C ; k e d e n e b / s e g a m I y t t e G ; m a h c n e y g n a h C m o d o r a W l ; a k r o k i S n e d o G / k c o t s r e t t u h S ; g i e r B s u k r a M : r e d l i B 6|2019 arbeit & gesundheit
Reportage ab Seite 6 » Es steht außer Frage, dass wir Heinrich zur Seite stehen. Das ist gerade in einer so schwierigen Phase wichtig. « Frank Hagel, Sicherheits- beauftragter bei den Probat-Werken in Norderstedt Die Erfahrungen von Sicherheitsbeauftragten sind uns wichtig. Schreiben Sie uns, wo Sie besonders herausgefordert sind und wie Sie Lösungen ﬁnden. redaktion@dguv-aug.de 3 arbeit & gesundheit 1|2017
meldungen Hätten Sie’s gewusst? 80 % der Lkw-Fahrerinnen und -Fahrer waren im Jahr 2018 angeschnallt, was allerdings auch bedeutet: Ein Fünftel benutzte den lebensrettenden Gurt nicht oder nicht immer. Quelle: Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt) → Krankenstände auf Rekordniveau Fehlzeitenreport. 2018 stiegen die ge- meldeten Fehltage bundesweit um 2,5 Prozent auf durchschnittlich 15,5 Fehl- tage pro Erwerbsperson an. Das zeigen die Auswertungen des Gesundheitsreports 2019 der Techniker Krankenkasse. Neben Erkrankungen der Psyche und des Mus- kel-Skelett-Systems verursachten 2018 Erkrankungen der Atemwege besonders viele Fehlzeiten. Dies ist auf die Erkäl- tungs- und Grippewellen im November und Februar zurückzuführen. Die Zahlen machen deutlich, dass in Zeiten mit er- höhter Ansteckungsgefahr vorbeugende Maßnahmen besonders wichtig sind. Sicherheitsbeauftragte und alle anderen Beschäftigten können dazu beitragen, dass die Ansteckungsgefahr im Betrieb gesenkt wird, beispielsweise durch gründ- liche Händehygiene. tk.de/presse → Gesundheitsreport 2019 → Hilfe suchen, Hilfe finden Umgang mit Unfallfolgen. Häufig ist ein Verkehrsunfall ein einschneidendes Erlebnis für alle Betroffenen. Damit sind nicht nur die Unfallbeteiligten gemeint, sondern „betroffen“ ist man schneller, als man denkt: Zeuginnen und Zeugen ge- hören dazu ebenso wie Helfende, An- gehörige oder andere Personen, die den Unfallopfern nahe stehen, zum Beispiel als Arbeitskollegin oder -kollege. An sie alle richtet sich das Informationsportal „Hilfefinder“. Gemeinsam ins Leben gerufen wurde es vom Deutschen Ver- kehrssicherheitsrat, der Bundesanstalt für Straßenwesen und der Verkehrs- unfall-Opferhilfe Deutschland. des Unfalls. Der Hilfefinder ermöglicht es, nach Anlaufstellen in der Nähe zu suchen, die schnelle Hilfe anbieten können. Zu- dem können Betroffene und Interessierte sich über viele weitere Themen infor- mieren, etwa Behandlungsinstitutionen, rechtliche Aspekte oder aktuelle For- schungsprojekte. Der Hilfefinder fokussiert überwie- gend Freizeitunfälle. Dennoch werden zahlreiche mögliche Konstellationen anschaulich erklärt, einschließlich des Vorgehens nach einem Wegeunfall, sowie das Reha-Management der Berufsgenos- senschaften und Unfallkassen. Der Hilfefinder konzentriert sich auf hilfefinder.de das Thema „psychische Folgen nach Straßenverkehrsunfällen“. Eines der be- reitgestellten Tools ist der Trauma-Check. Mit ihm lässt sich zu einer Selbsteinschät- zung gelangen, ob man Beschwerden hat, die vor dem Unfall nicht vorhanden waren und die behandelt werden sollten. Da reicht die Bandbreite von verschiedenen Arten körperlichen Missempfindens bis zum inneren Wieder-und-wieder-Erleben 4 6|2019 arbeit & gesundheit
aktuell Unfälle verhindern? Schlaue Idee! Sicherheit im Straßenverkehr. Die Präventionskampagne kommmitmensch der gesetzlichen Unfallversicherung setzt ab sofort einen Schwerpunkt: Sie ruft die Menschen in Betrieben und Einrichtungen dazu auf, mehr Wert auf Sicher- heit im Straßenverkehr zu legen. Dazu bringt die Kampagne unter anderem Plakate mit Motiven in die Betriebe, die ganz bewusst regelverletzendes Verhalten darstellen. Eben richtig blöde Ideen, die aber in der Praxis gar nicht selten vorkommen – zum Beispiel mit dem Smartphone in der Hand Fahrrad zu fahren. Im besten Fall wird sicheres Verhal- ten im Straßenverkehr zum Bestandteil der Unternehmenskultur. Das kann überall dort gelingen, wo Kolleginnen, Kollegen und Vorgesetzte sich über das Thema austauschen – sei es im persönlichen Gespräch oder durch das Liken und Teilen von kommmitmensch Beiträgen in den sozialen Netzwerken. Die bei Facebook geposteten Motive beispielsweise sind echte Hingucker. Da werden bestimmt manche Kollegin- nen und Kollegen ins Grübeln kommen. Wenn das gelingt, ist das eine richtig schlaue Idee. Informationen auf der Kampagnen-Website: kommmitmensch.de/ schlaue-ideen → Angebotsvorsorge wegen UV-Strahlung Arbeitgeberpflicht. Hautkrebs ist eine der häufigsten anerkannten Berufskrank- heiten. Ein typischer Auslöser ist die UV-Strahlung der Sonne, und zwar nicht nur in der warmen Jahreszeit. Der Gesetz- geber hat reagiert: Für Beschäftigte, die immer wieder im Freien arbeiten und da- bei intensiver Belastung durch natürliche UV-Strahlung von regelmäßig einer Stunde oder mehr am Tag ausgesetzt sind, müs- sen die Arbeitgeber ab sofort eine arbeits- medizinische Vorsorge anbieten. Dies geht aus der „Zweiten Verordnung zur Änderung der Verordnung zur arbeitsme- dizinischen Vorsorge“ hervor. Es handelt sich um eine Form der Angebotsvorsorge, was bedeutet: Die Arbeitgeber müssen die Vorsorge anbieten. Ob die Beschäftig- ten sich tatsächlich untersuchen lassen, entscheiden sie selbst. Informationen finden sich auf der Website der Berufsge- nossenschaft der Bauwirtschaft (BG BAU), die Vorschriften gelten selbstverständlich branchenübergreifend. bgbau.de → Änderungen in der arbeitsmedizinischen Vorsorge Beiträge zum Teilen: facebook.com/UKundBG twitter.com/dguv 5 z e u g i r d o R s a m o T e i f a r g o t o F ; G F L V S ; k c e t u a V t t e n n A / s e g a m I y t t e G / k c o t S i , y k s v o n i l a K y r t i m D / k c o t s r e t t u h S : r e d l i B arbeit & gesundheit 6|2019 Schlaue Ideen aufkommmitmensch.deBLÖDE IDEE!BLÖDE IDEE!Schlaue Ideen aufkommmitmensch.de
titelthema titelthema Nach seinem Arbeitsunfall kann Heinrich Böttcher mit Unterstüt- zung der BGHM und des Unter- nehmens wieder arbeiten. Wiedereinstieg geglückt Reha-Management der Unfallversicherungsträger Nach einem Arbeitsunfall ist Heinrich Böttcher hüftabwärts querschnittgelähmt. Seinen bisherigen Job als Servicemonteur und Baustellenlei- ter bei den Probat-Werken kann er nicht mehr ausüben. Aber mit tatkräftiger Unterstützung der Berufsgenossenschaft Holz und Metall, des Arbeitgebers und der Kolleginnen und Kollegen konnte er ins Arbeitsleben zurückkehren und ist heute in der Verwaltung der Probat-Werke tätig. 6 6|2019 arbeit & gesundheit
Heinrich Böttcher ist weltweit als Servicemonteur und Baustellenleiter für die Niederlassung in Norderstedt der Probat-Werke der Gimbhorn Maschinenfabrik GmbH unterwegs. Am 1. Februar 2017 hat er einen Einsatz in der Schweiz, in der Woche darauf soll es in die Wüste Boliviens gehen. Doch dann passiert es: Bei der Montage stürzt Böttcher von einem etwa 2,20 Meter hohen Maschinenpodest mit Gitterrosten. Nachdem er die Bodenklappe geöffnet hat, will er die Leiter nach unten hinabsteigen. Ob er die Leiter- sprosse verfehlt hat oder abgerutscht ist, das weiß er nicht. Er kann sich nur noch daran erinnern, dass er auf dem Betonbo- den lag und kurze Zeit später von einem Rettungshubschrau- ber in das Universitätsspital Basel gebracht wurde. „Sie haben mich in den Hubschrauber reingeschoben und dann war alles weg“, berichtet Böttcher. Im Universitätsspital erfährt er von der behandelnden Ärztin, dass er hüftabwärts querschnitt- gelähmt ist und nie wieder wird laufen können. „Das war ein Schock“, erinnert er sich. Unmittelbare Betreuung. Direkt nach dem Unfall greift das Reha-Management der für die Probat-Werke zuständigen Berufsgenossenschaft Holz und Metall (BGHM). Die Reha-Ma- nagerin Katja Singer organisiert von Düsseldorf aus Böttchers Transport von Basel ins BG Klinikum Hamburg-Boberg, in dem er stationär aufgenommen werden soll. Nach acht Tagen ist Heinrich Böttchers Zustand stabil genug, dass er verlegt wer- den kann. In der Zwischenzeit hat Singer in Absprache mit dem Fachpersonal, das Böttcher in Boberg behandeln wird, alles in die Wege geleitet, damit die Reha nach der Verlegung nach Hamburg direkt einsetzen kann. Während der Reha steht Sin- ger ihm stets zur Seite. Sie trifft sowohl mit dem Klinikum als auch mit dem Unternehmen Absprachen und bereitet alles für Böttchers Rückkehr in seine Wohnung und an seinen Arbeits- platz vor. Vor Ort hat Böttcher einen Hamburger Kollegen von Katja Singer als Ansprechpartner. Dieser wird von Singer regel- mäßig informiert und ist zur Stelle, wenn Böttcher ihn benötigt. Rund fünfeinhalb Monate dauert Böttchers stationärer Aufenthalt im BG Klinikum. Zurückblickend sagt er: „Ich ha- be mich während der Reha jederzeit bestens betreut und be- raten gefühlt.“ Heute, mehr als zwei Jahre nach dem Unfall, fährt er immer noch einmal in der Woche zur Physiotherapie nach Boberg. Bei Bedarf kann er die Physiotherapie jederzeit aufstocken, das hat ihm Singer immer wieder gesagt. Klaus Meißgeier, Leiter der Abteilung Unfall der BGHM in Düsseldorf, der heute in der Niederlassung in Norderstedt mit Böttcher ver- abredet ist, betont: „Wir sind jederzeit ansprechbar und finden für Fragen oder Probleme eine Lösung.“ Meißgeier empfiehlt Böttcher darüber hinaus, das Training mit dem Exoskelett in Boberg auszuprobieren. Auch das zählt zum Leistungsangebot der Berufsgenossenschaft. arbeit & gesundheit 6|2019 g i e r B s u k r a M : s o t o F » Wir sind jederzeit ansprechbar und finden für Fragen oder Probleme eine Lösung. « Klaus Meißgeier, Leiter der Abteilung Unfall der BGHM in Düsseldorf Stets zur Seite. Nicht nur die Hilfestellung der BGHM, son- dern auch die des Unternehmens ist für Böttchers Genesung ausschlaggebend. Noch auf der Intensivstation bekommt er Besuch von Kolleginnen und Kollegen, aber auch von der Ge- schäftsführung. Die Brüder Frank und Marco Hagel, die sich beide als Sicherheitsbeauftragte bei den Probat-Werken enga- gieren, fahren auch ins Klinikum. „Für mich war das überhaupt nicht einfach, dorthin zu fahren“, erinnert sich Frank Hagel. Der Vorarbeiter arbeitet schon seit rund 30 Jahren mit Böttcher bei den Probat-Werken zusammen und kennt ihn gut. Schnell merkt er, wie wichtig es ist, Heinrich Böttcher jetzt zur Seite zu stehen, ihn zu motivieren und ihm eine Perspektive zu geben. Als Sicherheitsbeauftragter spricht er dies auch im Kollegium an und bittet um Mithilfe, um Böttcher den Weg zurück ins Ar- beitsleben zu erleichtern. „Zunächst habe ich nach dem Unfall gedacht: Jetzt ist es das gewesen mit meinem Job. Ich bin davon ausgegan- gen, dass ich mein Arbeitshandy und meinen Laptop abge- ben muss“, erinnert sich Böttcher. Aber für den Geschäfts- führer der Probat-Werke in Norderstedt, Jörg Theede, war es überhaupt keine Frage, dass Heinrich Böttcher weiter beschäftigt wird. Die Frage war nur, wie. „Gemeinsam mit dem Reha-Management der BGHM haben wir überlegt, was getan werden muss, damit Herr Böttcher weiterhin für uns tätig sein kann“, blickt Theede zurück. „Die BGHM hat maß- geblich dazu beigetragen, dass wir ihm eine Weiterbeschäf- → tigung ermöglichen können.“ Die Unterstützung seitens 7
titelthema » Die Umbaumaß- nahmen ermögli- chen es Heinrich, hier zu sein und mit uns zu arbeiten. « Marco Hagel, Sicherheitsbeauftragter bei der Niederlassung in Norderstedt der Probat-Werke Die BGHM hat eine Bühne instal- lieren lassen, über die Böttcher von der Montagehalle an seinen Arbeitsplatz gelangt. → der BGHM und des Unternehmens fängt Böttcher auf. Es gibt ihm Sicherheit, zu wissen, dass es beruflich für ihn wei- tergeht und er zum Unternehmen dazugehört. Der Umbau macht’s möglich. Damit Böttcher wieder nach Hause und an seinen Arbeitsplatz zurückkehren kann, plant die BGHM gemeinsam mit einem Architekten und den Pro- bat-Werken notwendige Umbaumaßnahmen. Zudem beteiligt sie sich an den anfallenden Kosten. Böttchers Wohnung wird bereits während der stationären Reha barrierefrei gestaltet. In sein Haus gelangt er nun nicht mehr über vier Treppenstufen, sondern über ein Podest. Neben kleineren Umbaumaßnahmen wird beispielsweise sein Bad komplett neu gestaltet. „Wenn das zu Hause nicht so gut laufen würde und das Auto nicht um- gebaut wäre, würde ich im Unternehmen gar nicht ankommen und auch nicht arbeiten können“, sagt Böttcher. Besonders wichtig ist für ihn sein behindertengerecht umgebautes Auto. Ermöglicht hat dies die BGHM. Mit seinem Auto kann er sich selbstständig und unabhängig fortbewegen. Sei es zur Arbeit, zur Klinik oder privat. Auch im Unternehmen werden einige Umbaumaßnahmen vorgenommen, die mit Hilfe der BGHM organisiert und umge- setzt sowie teilweise finanziert wurden. Böttcher arbeitet in einem Büroraum an einem höhenverstellbaren Schreibtisch. Von seinem Arbeitsplatz gelangt er über einen kurzen Flur in die Montagehalle, in die vier Treppenstufen hinabführen. Die BGHM hat eine Bühne installieren lassen, auf die Böttcher mit seinem Rollstuhl fahren kann, um in die Halle zu gelangen. Das ist notwendig, denn in der Halle befinden sich die Toiletten. Auch die mussten umgebaut werden. Anstatt drei Herrentoi- letten gibt es nun nur noch eine barrierefreie mit Alarmmelder, ähnlich wie im Krankenhaus. Da die Umbaumaßnahmen alle Beschäftigten betreffen, werden sie vom Geschäftsführer Theede informiert und ein- gebunden, bevor der Umbau losgeht. Während der gesamten Zeit gibt es nie auch nur die kleinsten Einwände, Maßnahmen 8 6|2019 arbeit & gesundheit
Was sind und machen eigentlich Reha-Managerinnen und -Manager? Reha-Managerinnen und -Manager der Unfallversiche- rungsträger unterstützen Versicherte bei ihrer medizini- schen, beruflichen und sozialen Rehabilitation. Sie sind während des gesamten Reha-Prozesses die zentralen An- sprechpersonen für die Verletzten oder Erkrankten. Reha-Managerinnen und -Manager: • nehmen frühzeitig Kontakt mit den Versicherten auf, häufig bereits im Krankenhaus • koordinieren und steuern die medizinische Reha ge- meinsam mit den Versicherten, den behandelnden Ärzten und Therapeuten • sichern die dauerhafte Teilhabe am Arbeitsleben und planen alle dafür erforderlichen Teilhabeleistungen • unterstützen die Versicherten, ein möglichst selbst- ständiges Leben zu führen vorzunehmen und damit Böttcher zu unterstützen. Der Sicher- heitsbeauftragte Marco Hagel sagt: „Wir befürworten alle die Umbaumaßnahmen. Schließlich ermöglichen sie es Heinrich, hier zu sein und mit uns zu arbeiten.“ Vom Außendienst ins Büro. Am 8. Mai 2018 beginnt Bött- chers Wiedereingliederung – auch diesen Prozess begleitet die BGHM. Rund zwei Monate später arbeitet er auf Stunden- basis in der Niederlassung in Norderstedt. Innerhalb von zwei Wochen ist er an fünf Arbeitstagen für jeweils vier Stunden vor Ort. Anfänglich gibt es die Überlegung, dass Böttcher seinen Job von zu Hause aus erledigt, aber das kommt für ihn nicht in Frage. „Es bedeutet mir sehr viel, dass die BGHM und mein Arbeitgeber mir die Arbeit hier vor Ort ermöglichen. Jeden Tag, an dem ich herkomme, freue ich mich, meine Kolleginnen und Kollegen, die auch meine Freunde sind, wiederzusehen.“ Die beiden Sicherheitsbeauftragten begleiten Böttcher seit der Wiedereingliederung eng. Immer wieder suchen sie das Ge- spräch und helfen ihm, sofern Bedarf besteht. Sie wissen, dass es für Böttcher wichtig ist, Hilfe zu bekommen, auch wenn er Unterstützung selten explizit einfordert. Deswegen sind sie zur Stelle, als Kollegen, aber vor allem als Sicherheitsbeauftragte. Während Böttcher früher als Servicemonteur und Bau- stellenleiter ständig unterwegs war, ist er nun in der Service- abteilung tätig und setzt sich mit der kaufmännischen Seite des Unternehmens auseinander. Hier bietet er Ersatzteile und Dienstleistungen des Unternehmens an. Zudem kümmert er sich mit um die Planung bei der Inbetriebnahme von Maschi- nen, er erstellt Angebote und Aufträge. Der Geschäftsführer Jörg Theede sagt: „Wir sind froh, dass uns Böttchers Arbeits- kraft erhalten bleibt. Seine Wiedereingliederung und Weiter- beschäftigung ist für beide Seiten von Erfolg gekrönt.“ Weiterbildende Maßnahmen. Computerkenntnisse und kaufmännisches Wissen sind für Böttchers neuen Job unver- → zichtbar. Auch hier greift das Reha-Management der BGHM. g i e r B s u k r a M : s o t o F arbeit & gesundheit 6|2019 9
titelthema » Ich habe Glück im Unglück gehabt. Und nun mache ich mit großartiger Hilfe das Beste aus der Situation. « Heinrich Böttcher, tätig in der Serviceabteilung der Probat-Werke Seit seiner Wiedereingliederung arbeitet Heinrich Böttcher an einem höhenverstellbaren Schreib- tisch in der Verwaltung. → Reha-Managerin Singer hat sich um Umschulungs- und Wei- terbildungsmaßnahmen gekümmert. Zudem unterstützen die Kollegen, die mit Böttcher im Büro sitzen. „Wir ziehen hier alle an einem Strang“, betont Marco Hagel. Der Sicherheitsbeauf- tragte ist zuständig für die Qualitätssicherung. „Es steht außer Frage, dass wir Heinrich zur Seite stehen. Klar gilt das für uns als Sicherheitsbeauftragte ganz besonders, aber auch die an- deren ziehen mit. Das ist gerade in einer so schwierigen Phase wichtig“, sagt sein Bruder Frank. Böttcher schätzt es, dass er sich jederzeit an alle im Unternehmen wenden kann, von der Geschäftsführung bis zum Kollegen am Nachbarschreibtisch. Unbekannte Hürden. Die beiden Sicherheitsbeauftragten gehen bei der Arbeit stets wachsam durch den Betrieb. So können sie potenzielle Gefahren und Sicherheitsmängel früh- zeitig erkennen und beheben. Sie kennen den Betrieb in- und auswendig. Trotzdem haben sie nie darüber nachgedacht, ob ihr Arbeitsplatz barrierefrei gestaltet ist. „Vieles ist uns erst aufgefallen, seit Heinrich im Rollstuhl sitzt“, sagt Frank Ha- gel. Zum Beispiel denkt doch kaum jemand über einen Türgriff nach. Als Rollstuhlfahrer benötigt Böttcher aber beide Hände, um sich fortzubewegen, auch durch Türen hindurch. Damit er selbstständig die notwendigen Türen öffnen kann, gibt es an den jeweiligen Stellen nun elektrische Türöffner. Mit viel Zuversicht. Böttcher hat mit der Unterstützung seines Arbeitgebers, seiner Kolleginnen und Kollegen und der BGHM wieder zurück ins Leben und in den Berufsalltag gefun- den. Er hat zwar schwere Folgen vom Unfall davongetragen, aber wer weiß, was passiert wäre, wenn er eine Woche später in der Wüste Boliviens verunglückt wäre. „Die Erstversorgung ist bei derartigen Unfällen einfach oft entscheidend“, gibt Frank 10 6|2019 arbeit & gesundheit
Nachgefragt bei ... Stefan Ahrens, Aufsichtsperson der Berufsgenossenschaft Holz und Metall (BGHM) Wie wichtig ist es, dass Beschäftigte nach einem Unfall vom Betrieb unterstützt werden? Sehr wichtig, sie benötigen intensive Unterstüt- zung. Der Betrieb sollte proaktiv agieren. Den Vorgesetzten müssen seitens der Geschäftsfüh- rung Mittel zur Verfügung gestellt werden, damit eine erfolgreiche Wiedereingliederung gelingt. Beschäftigte sind nach einem Unfallerlebnis häufig unsicher. Zudem kennen sie meistens nicht alle Möglichkeiten, die seitens der Berufs- genossenschaft und des Betriebs zur Verfügung gestellt werden. Diese Informationen müssen sie vom Betrieb erhalten. Welche Rolle können Sicherheitsbeauf- tragte nach einem Unfall spielen? Sicherheitsbeauftragte sind Ansprechpartner für die Beschäftigten, natürlich auch nach einem Unfall. Sie führen in der Regel gleiche oder ähn- liche Tätigkeiten aus, sie haben keine Führungs- funktion und arbeiten in unmittelbarer Nähe zu ihren Kolleginnen und Kollegen. Sie wissen, wie die Arbeitsabläufe gesund und sicher zu gestal- ten sind, und werden von den Kolleginnen und Kollegen akzeptiert und respektiert. In dieser Position können sie Mitarbeitenden, die einen Unfall hatten, bei und nach der Wiedereinglie- derung mit Rat und Tat zur Seite stehen. Wie können Sicherheitsbeauftragte nach einem Unfall in ihrer Funktion als Sprach- rohr unterstützen? Zunächst einmal ist es wichtig, dass ein Vertrauensverhältnis zwischen dem Sicher- heitsbeauftragten und der betroffenen Person besteht. Ist dies der Fall, eignen sich regelmä- ßige Gespräche zwischen den beiden. Es bietet sich beispielsweise an, einmal wöchentlich die Tätigkeiten der vergangenen Woche gemeinsam zu reflektieren und zusammenzufassen. So können eventuell notwendige Änderungen oder Bedürfnisse der Person, die einen Unfall hatte, erkannt und vom Sicherheitsbeauftragten an die Geschäftsführung herangetragen werden. Hagel zu bedenken. Genauso wie eine gut organisierte Reha- bilitation und Wiedereingliederung. Böttcher geht positiv an sein Leben heran. Er freut sich, Zeit zu Hause zu verbringen und zu beobachten, wie der Garten zu blühen beginnt. Das gab es vorher nicht. Schließlich war er als Servicemonteur ständig unterwegs und kaum zu Hause. Böttcher resümiert: „Ich kann es nicht anders sagen: Ich habe Glück im Unglück gehabt. Und nun mache ich mit großartiger Hilfe das Beste aus der Situation.“ Das Portal „Barrierefreie Arbeitsgestaltung“ des DGUV-Fachbe- reichs Verwaltung stellt für einzelne bauliche Bestandteile Pla- nungsgrundlagen und konkrete Umsetzungsmöglichkeiten dar, um Barrieren in der Bildungs- und Arbeitswelt zu vermeiden. dguv.de Webcode: d1181400 g i e r B s u k r a M : s o t o F arbeit & gesundheit 6|2019 11
leistungsangebot Sicher und gesund punktet Gütesiegel im Arbeitsschutz Nicht nur Produkte werden mit Gütesiegeln ausgezeichnet, sondern auch Betriebe – zum Beispiel für hervorragenden Arbeitsschutz. Diese Auszeichnungen erhalten sie von den Berufsgenos- senschaften und Unfallkassen für ein besonderes Engagement bezüglich der Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit. 12 6|2019 arbeit & gesundheit
Olaf Jarosch, der gemeinsam mit einem Kollegen die Tischlerei Pierenkemper in Halver/Nordrhein-West- falen führt, hat eine Botschaft: „Ein gelebter Ar- beitsschutz öffnet uns die Türen zu vielen Unter- nehmen und damit auch zu zukünftigen Kunden.“ Regelmäßig nimmt der Betrieb am Begutachtungsverfahren der für seine Branche zuständigen Berufsgenossenschaft Holz und Me- tall (BGHM) teil. Im Jahr 2018 erhielt das Unternehmen zum dritten Mal in Folge das Gütesiegel „Sicher mit System“. Da das Thema Arbeitsschutz im Betrieb eine hohe Priorität ge- nießt und ständig weiterentwickelt wird, verlieh die BGHM der Tischlerei im vergangenen Jahr zudem die Auszeichnung „Schlauer Fuchs“. Stärkung im Wettbewerb. Eine alte Weisheit lautet „Tue Gutes und rede darüber.“ Aus Sicht eines Unternehmens kann das bedeuten: Wer eine Auszeichnung erhalten hat, macht gegenüber den Wettbewerbern besonders stark auf sich aufmerksam. Mit dem Gütesiegel aus dem Bereich des Ar- beitsschutzes demonstrieren Unternehmen ihr besonderes Engagement. Viele potenzielle Auftraggeber ziehen das als ein Kriterium heran, wenn es beispielsweise darum geht, sich für einen bestimmten Lieferanten zu entscheiden. Nicht nur bei der Tischlerei Pierenkemper hat man diese Erfahrung gemacht. Anreizsysteme. Um Betriebe zu besonderen Anstrengun- gen im Bereich der Sicherheit und Gesundheit zu motivieren, greifen die Berufsgenossenschaften und Unfallkassen seit vielen Jahren auf verschiedene Anreizsysteme zurück. Mit ihnen sollen Betriebe und Einrichtungen in Sachen Präven- tion mehr unternehmen als das, was Gesetze, Vorschriften und weitere Regelungen ohnehin fordern. Die Unfallversiche- rungsträger haben verschiedene Anreizsysteme geschaffen, zu denen neben dem Gütesiegel auch Sicherheitswettbewer- be oder Gesundheitspreise gehören. Anerkennung und Wert- schätzung – auch in Verbindung mit dem oben genannten Wettbewerbsvorteil – sollen die teilnehmenden Betriebe da- zu bringen, sich mit dem Thema Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit intensiv zu befassen und das Bewusstsein in ihrer Belegschaft dafür zu stärken. Übergreifend oder branchenspezifisch. Das Gütesiegel im Bereich des Arbeitsschutzes, das beispielsweise die Tischlerei Pierenkemper erhalten hat, wird von den Trägern der gesetzlichen Unfallversicherung verliehen. Das sind die Unfallkassen und Berufsgenossenschaften, die fast alle das Gütesiegel in ihrem Programm haben. So können nicht nur Mitgliedsbetriebe der BGHM, sondern auch Versicherte der Unfallkasse Baden-Württemberg oder der Berufsgenossen- schaft Rohstoffe und chemische Industrie für besonderen Arbeitsschutz ausgezeichnet werden. Nach bestandener Be- gutachtung gilt das Gütesiegel für drei Jahre. Dann erfolgt eine erneute Überprüfung. Die Gütesiegel der Unfallversicherungsträger sind häufig speziell auf die jeweiligen Branchen zugeschnitten. Beispie- le sind „Arbeitsschutz mit System“ von der Berufsgenossen- schaft der Bauwirtschaft sowie der Verwaltungsberufsge- nossenschaft oder „qu.int.as“ der Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege. Wie Betriebe das Gütesiegel bekommen können Unternehmen, die ihre Maßnahmen im Arbeitsschutz ver- bessern möchten oder sich bereits in vorbildlicher Weise für Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit engagieren, kön- nen sich mit der für sie zuständigen Berufsgenossenschaft oder Unfallkasse in Verbindung setzen. Dort erhalten sie Beratungsangebote zur Einführung von Arbeitsschutz- managementsystemen ebenso wie zur Begutachtung. Kontakt zu den einzelnen Berufsgenossenschaften und Unfallkassen: dguv.de Webcode: d80 Überblick über die Anreizsysteme zur Unterstützung der Präventionsarbeit in Unternehmen: dguv.de Webcode: d57243 m a h c n e y g n a h C m o d o r a W / k c o t s r e t t u h S : d l i B 13 arbeit & gesundheit 6|2019
versicherungsschutz Über Grenzen hinweg Auslandstätigkeit Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, die in Deutschland beschäftigt und versichert sind, können auch ins Ausland entsandt werden. Vorab sollte man klären, welche Regelungen für den gesetzlichen Unfallversicherungsschutz gelten. A ngenommen, ein deutsches Unternehmen ist in Spa- nien an der Errichtung eines Gebäudes beteiligt und entsendet Beschäftigte dorthin, für die das deutsche Sozialversicherungsrecht gilt. Bei einer solchen Ent- sendung innerhalb der EU können die Arbeitnehmenden für 24 Monate weiterhin in Deutschland sozialversichert sein. Leistungsrecht in der EU. Geschieht auf der Baustelle in Spanien ein Arbeitsunfall, so richtet sich der Leistungsumfang für die medizinische Versorgung nach spanischem Recht. Die nach deutschem Recht versicherte Person muss dabei nicht in Vorleistung gehen. Die Leistungserbringer in Spanien rechnen die Kosten stattdessen direkt über die hierfür zuständigen Sozialversicherungsträger und Verbindungsstellen ab. Dieses Prinzip gilt in der Regel auch, wenn Beschäftigte in Länder entsandt werden, die zwar nicht zur EU gehören, jedoch ein entsprechendes Sozialversicherungsabkommen mit Deutsch- land abgeschlossen haben. Auf der Website der Deutschen Verbindungsstelle Unfallversicherung – Ausland (DVUA) gibt es eine Liste der sogenannten Abkommensstaaten. transport von verletzten Personen erforderlich ist, wird Be- trieben dringend empfohlen, sofort Kontakt mit ihrem Un- fallversicherungsträger in Deutschland sowie mit der DVUA aufzunehmen. Dadurch lassen sich spätere Probleme bei der Kostenerstattung vermeiden. Informationsangebot vorab nutzen. Die DVUA wird aber nicht erst tätig, wenn es passiert ist. Vielmehr stellt sie ein umfangreiches Angebot an Informationsmaterial und Bera- tung zur Verfügung, das bereits vor der Entsendung genutzt werden sollte. Einen guten Überblick bietet die Broschüre „Gesetzliche Unfallversicherung bei Entsendung ins Aus- land“. Anschaulich erklärt werden dort beispielsweise die Regelungen zur A1-Bescheinigung, einem Nachweis über das anzuwendende Sozialversicherungsrecht, den Beschäftigte in der EU mit sich führen sollten. Website der DVUA: dguv.de, Webcode: d1227 Zentrale Verbindungsstelle. Wenn sich im Ausland ein Arbeitsunfall ereignet hat und insbesondere wenn ein Rück- Broschüre „Gesetzliche Unfallversicherung bei Entsendung ins Ausland“ mit Informationen zur A1-Bescheinigung: publikationen.dguv.de, Bestellnummer: 10165 14 6|2019 arbeit & gesundheit
spezial Von Brillen, Schilden und Visieren Augenschutz Wenn Betriebe die technischen und organisatorischen Lösungen zum Schutz der Augen für ihre Beschäftigten ausgeschöpft haben und dies nicht ausreicht, muss Persönliche Schutzausrüstung (PSA) zum Einsatz kommen. Je nach Gefährdung gibt es verschiedene Optionen. Mechanische Gefährdungen. Wo Staub, Späne, Splitter oder Ähnliches in die Augen gelangen könnten, dienen zum Beispiel Splitterschutzbrillen und Visiere als Schutz. Optische Gefährdungen. Beim Schweißen entsteht intensive ultraviolette Strahlung. Hier sind spezielle Schweißerschutz- schilde zu tragen, die die Augen sowie das gesamte Gesicht schützen. Für Arbeiten mit und an Lasern hingegen gibt es Laserschutzbrillen und für Beschäftigte in der Glasherstellung Brillen mit Schutzfilter gegen Infrarotstrahlung. Chemische Gefährdungen. Ob im Labor oder auf der Baustelle: Dämpfe, Nebel und Rauch können die Augen schädigen. Da- gegen gibt es unter anderem Korbbrillen und Schutzschilde. Biologische Gefährdungen. In bestimmten Labors könnten beispielsweise auch Krankheitserreger über die Augen in den Körper gelangen. Dagegen eignen sich unter anderem Korb- brillen oder Masken mit integriertem Augenschutz. Thermische Gefährdungen. Heiße Gase oder Infrarotstrahlung führen zu einer Belastung durch Hitze. In Kühlhäusern hinge- gen kann die Kälte eine Gefährdung für die Augen darstellen. Schützen können sich Beschäftigte durch Korbbrillen oder Schutzhauben. Für Brillenträgerinnen und Brillenträger Beschäftigte, die bereits eine Brille zur Korrektur ihrer Fehl- sichtigkeit tragen, müssen vom Betrieb geeignete Schutzbril- len zur Verfügung gestellt bekommen. Das sind zum Beispiel breitere Korbbrillen oder Gestellbrillen, die bei gelegentli- chem Einsatz über der Sehhilfe getragen werden. Wenn die Schutzbrille für längere Zeit aufgesetzt werden muss, sind Korrektionsschutzbrillen in der Sehstärke der betroffenen Person die bessere Wahl. arbeit & gesundheit 6|2019 Eine Splitterschutzbrille schützt die Augen vor mechanischen Gefährdungen. Elektrische Gefährdungen. Bei Arbeiten an elektrischen Ener- gieverteilungsanlagen kann es vorkommen, dass Kurzschlüsse entstehen. Dabei kommt es zu hohen Temperaturen. Zudem können winzige Teilchen durch die Luft fliegen. Zum Schutz eignen sich Visiere ohne leitendes Metall. Hinweis: Im Rahmen der Gefährdungsbeurteilung muss der Arbeitgeber ermitteln, welche Gefährdungen es für die Augen gibt. Liegen Gefährdungen vor, hat er den Beschäftigten ent- sprechende Schutzausrüstung zur Verfügung zu stellen. DGUV Regel „Benutzung von Augen- und Gesichtsschutz“: publikationen.dguv.de → DGUV Regel 112-192 → DGUV Regel 112-992 AUSHANG FÜRS SCHWARZE BRETT Nehmen Sie die folgende Doppelseite aus dem Heft und hängen Sie diese gut sichtbar auf. → l n u t v o K a v a S , o t o h P f n a p a v v a S / k c o t s r e t t u h S : r e d l i B arbeit & gesundheit 1|2017
Umgang mit der Schutzbrille Die Schutzbrille ist ein wichtiger Bestandteil der Persönlichen Schutzausrüstung (PSA). Damit sie ihren Zweck dauerhaft erfüllt, sind einige Punkte zu beachten. Aufbewahrung Bewahren Sie Schutzbrillen immer in einem passenden Behäl- ter auf und legen Sie sie nie mit den Gläsern nach unten ab – sonst gibt es Kratzer. Hygiene Reinigen Sie Schutzbrillen und Visiere regelmäßig. In der Regel genügen Wasser oder ein Reiniger und ein sauberes Tuch. Diesen Aushang finden Sie zum Download unter: aug.dguv.de Illustration: iStock/Getty Images Plus/bonezboyz
Kombinationen mit weiterer PSA Achten Sie darauf, dass die gewählten Ausrüstungs- gegenstände zueinander passen. So dürfen Bril- lenbügel nicht unter den Kapselgehörschützern drücken und eine Atemmaske nicht die Zuverläs- sigkeit des Augenschutzes beeinträchtigen. Wartung, Reparatur, Ersatz Wenn Sie feststellen, dass Ihre Schutzbrille Kratzer aufweist oder die Folie an Ihrem Visier beschädigt ist, informieren Sie Ihre Vorgesetzten. Vor einer weiteren Benut- zung muss die PSA dann erst repariert oder ausgetauscht werden. Bei Problemen mit der Schutzbrille wenden Sie sich bitte an Sicherheits- beauftragte, Fachkräfte für Arbeits sicherheit oder Vorgesetzte.
spezial Jederzeit und überall Augenschutztragepflicht In vielen Betrieben stellt sich die Frage, ob eine allgemeine Augen- schutztragepflicht gelten soll oder nicht. Die Entscheidung muss über die Risikoabschätzung in der Gefährdungsbeurteilung getroffen werden. Wie die Schritte dorthin aussehen, sollten auch Sicherheitsbeauftragte wissen. Eine allgemeine Augenschutztragepflicht bedeutet, dass die Beschäftigten im gesamten Betrieb oder zu- mindest in Teilen davon jederzeit einen geeigneten Augenschutz tragen müssen. Das bedeutet: Betreten Beschäftigte bestimmte Räumlichkeiten, müssen sie dort immer ihre Schutzbrille aufsetzen oder ihr Schutzvisier he- runterklappen. Gefährdungen ermitteln. Ob eine allgemeine Augenschutz- tragepflicht erforderlich ist, muss bei der Gefährdungsbeur- teilung festgelegt werden. Zunächst ist zu ermitteln, ob und welche Gefahren es für die Augen gibt. Außerdem, ob tech- nische oder organisatorische Maßnahmen ergriffen werden können. Sind diese ausgeschöpft und ist das verbleibende Risiko zu hoch, sind geeignete Schutzbrillen erforderlich. Natürlich muss dann auch geprüft werden, ob etwa durch Schutzbrillen und Visiere andere Gefahren entstehen können, beispielsweise weil das Sichtfeld eingeschränkt wird oder die Brille beschlagen kann. Abwägen. Es werden sich auch Fragen wie diese stellen: Was soll gelten, wenn Beschäftigte den Bereich verlassen, in dem eine Schutzbrille Pflicht ist, und über den Flur in einen an- deren Produktionsbereich gehen? Sollen sie dann verpflichtet sein, die Brille die ganze Zeit zu tragen, oder ist es erlaubt, sie abzusetzen? Darauf gibt es keine Antwort, die für alle Unter- nehmen gilt. Manche Verantwortliche werden die Befürchtung haben, dass Beschäftigte vergessen, den Augenschutz bei der Rückkehr wieder aufzusetzen, andere mögen die Tragepflicht im gesamten Betrieb für übertrieben halten. Wie Unternehmen damit umgehen, hängt vom Einzelfall ab. Lösungen umsetzen. Wichtig ist, dass die Beschäftigten ihren Augenschutz tragen, wenn sie in ihrem Arbeitsbereich sind. Si- cherheitsbeauftragte sollten ihre Kolleginnen und Kollegen daran erinnern, wenn das nicht eingehalten wird. Auch Unterweisungen helfen, den Beschäftigten die Gefahren für die Augen zu verdeutli- chen. Wenn Sicherheitsbeauftragten auffällt, dass Beschäftigte den Augenschutz häufig nicht verwenden, gilt es, den Grund herauszu- finden. Eine Lösung könnte sein, verschiedene Modelle anzubieten, um die Tragebereitschaft zu erhöhen. Sachgebiet Augenschutz der DGUV: dguv.de Webcode: d25251 18 6|2019 arbeit & gesundheit
fragen & antworten An die Redaktion Bitte schreiben Sie Ihre Fragen an: redaktion@dguv-aug.de Zuschriften aus der Leserschaft In dieser Rubrik haben Sie, liebe Leserinnen und Leser, die Möglichkeit, Fragen rund um die Themen Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit zu stellen. Expertinnen und Experten geben Ihnen Antwort. → Von „drittem Ort“ aus zur Arbeit? „Angenommen, ich besuche nach der Arbeit Freunde, übernachte dort und fahre am nächsten Morgen zurück in den Betrieb. Der Weg ist aber länger als die Strecke zwischen meiner eigenen Wohnung und der Firma. Bin ich trotzdem gegen Wegeunfälle versichert?“ Eberhard Ziegler, Referatsleiter Grundlagen des Leistungs- rechts, Abteilung Versicherung und Leistungen der DGUV: Grundsätzlich ist der unmittelbare Weg zwischen Wohnung und Arbeitsstätte bzw. umgekehrt versichert. Jedoch hat die Recht- sprechung erkannt, dass mit zunehmender Mobilität auch an- dere Ausgangs- und Endpunkte als die eigene Wohnung gewählt werden. Diese Orte, hier die Wohnung Ihrer Freunde, werden als „dritte Orte“ bezeichnet. Voraussetzung für das Bestehen eines Versicherungsschutzes ist, dass der dritte Ort nicht nur einen Zwi- schenstopp darstellt. Dafür wurde eine zeitliche Grenze von zwei Stunden Aufenthalt gezogen. Wenn Sie bei Freunden übernach- ten, ist diese Voraussetzung sicherlich erfüllt. Zur Frage der Entfernung: Der Weg zu dem dritten Ort darf zwar länger sein, muss aber noch in einem angemessenen Verhältnis zum Weg nach Hause stehen. Wenn Sie beispielsweise zehn Kilometer von Ihrem Betrieb entfernt wohnen, Ihre Freunde aber 25 Kilometer, so kann man noch von einem angemessenen Ver- hältnis sprechen. Auch wenn das mehr als doppelt so weit ist: 15 zusätzliche Kilometer werden bei der heute herrschenden allge- meinen Mobilität und den verfügbaren Verkehrsmitteln nicht mehr als wesentlich angesehen. Unter diesen Voraussetzungen wäre dann der abendliche Weg zu den Freunden ebenso versichert wie der morgendliche Weg von dort zur Arbeit. Vorausgesetzt, dass Sie jeweils den unmittelbaren Weg nehmen. Eine festgesetzte Ober- grenze für die Entfernung gibt es nicht. Falls aber Ihre Freunde mehrere hundert Kilometer entfernt wohnen und Sie nach der Arbeit dorthin fahren, um das Wochenende zu verbringen, würde diese Fahrt – falls das Sozialgericht entscheiden müsste – höchst- wahrscheinlich nicht als arbeitsbedingter Weg gewertet. → Strafmaß fürs Gaffen? „Immer wieder gibt es in den Verkehrsnachrichten Meldungen, wo etwas beschönigend von ,Schau- lustigen‘ an einer Unfallstelle die Rede ist. Mehrmals habe ich gehört, dass Gaffer neuerdings streng bestraft werden sollen. Wie sieht die rechtliche Hand- habe denn aus?“ Rechtsanwalt Dr. Wolf-Henning Hammer, Verkehrs- rechtsexperte von der Kanzlei Voigt, Dortmund: Da die Arbeiten von Rettungskräften immer öfter durch Gaffer behindert wurden, fügte der Gesetzgeber im Jahr 2017 den Absatz 2 zum Paragrafen 323c Strafgesetzbuch (StGB) hinzu. Demnach wird mit Freiheitsstrafe oder Geld- strafe bestraft, wer „bei Unglücksfällen oder gemeiner Gefahr oder Not eine Person behindert, die einem Dritten Hilfe leis- tet oder leisten will.“ Leider werden Kräfte der Feuerwehr, des Katastrophenschutzes oder der Rettungs- dienste manchmal so- gar tätlich angegriffen und durch Gewalt oder durch Drohung mit Ge- walt bei ihrer Arbeit behindert. Damit das nicht folgenlos bleibt, wurden im gleichen Zug die Paragrafen 114 und 115 StGB eingefügt, die für ein derartiges Verhalten einen Strafrahmen von drei Monaten bis zu fünf Jahren vorse- hen. Am 13. November 2018 verurteilte das Landgericht Stade einen Mann zu vier Monaten Haft. Nach Aussagen von Rettungskräften habe er an einer Unfallstelle mit dem Handy gefilmt oder fotografiert, anschließend war es zu einer Rangelei mit Polizeibeamten gekommen. In diesem konkreten Fall läuft noch die Revision. A F I / k c n u F i a K , a i d e m k a e r b e v a w / k c o t s r e t t u h S : r e d l i B 19 arbeit & gesundheit 6|2019
arbeitsplatzgestaltung Es werde Licht! Arbeiten bei Nacht Beleuchtung von Arbeitsstätten Ob im Klinikum oder auf der Polizeiwache – laut Mikrozensus arbeiteten 2017 mehr als 4,5 Millionen Menschen in Deutschland regel- mäßig auch nachts. Für ihre Gesundheit und Leistungsfähigkeit spielt die richtige Beleuchtung eine wichtige Rolle. Der regelmäßige Wechsel zwischen Tag und Nacht – mit viel Licht tagsüber und wenig bei Nacht – stabilisiert die innere Uhr des Menschen. Dieser Rhythmus sorgt für erholsamen Schlaf und eine gute Leistungsfähig- keit. Schichtarbeit hingegen kann den natürlichen Rhythmus durcheinanderbringen. Die richtige Beleuchtung am Arbeitsplatz trägt dazu bei, die Auswirkungen auf die innere Uhr zu verringern. Ausgewogenes Licht. Ein optimales Beleuchtungskonzept zeichnet sich dadurch aus, dass die Beleuchtungsstärke, das Lichtspektrum und die Lichtverteilung im Raum individuell ange- passt werden können. „Der Ausschuss für Arbeitsstätten empfiehlt für die Nacht Lichtquellen mit weniger als 4.100 Kelvin“, erklärt Dr. Sylvia Hubalek von der Berufsgenossenschaft Energie Textil Elektro Medienerzeugnisse (BG ETEM). Kelvin ist hierbei die Ein- heit für die Farbtemperatur (vgl. Grafik rechts). Bei einer Lampe von weniger als 4.100 Kelvin würde der Hersteller den Vermerk „Neutralweiß“ oder „Warmweiß“ auf die Packung drucken. Hierbei sind die Rot- und Blau-Anteile im Licht weitgehend ausgewogen. Zum Vergleich: Kerzenschein hat lediglich 1.500 Kelvin und über- wiegend rote Farbanteile. Tageslicht weist eine Farbtemperatur von etwa 6.500 Kelvin auf und hat einen viel höheren Blau-Anteil. Taghell in der Nacht? Licht mit hohen Blau-Anteilen sollte bei der Nachtarbeit nur bedingt eingesetzt werden. Die Licht- quelle sollte zudem so platziert sein, dass das Licht nicht direkt in die Augen fällt. Wenn eine Lichtquelle gerade nicht oder nur in geringer Intensität benötigt wird, empfiehlt es sich, sie auszuschalten bzw. zu dimmen. Wie stark sich Blaulicht auf den Tag-Nacht-Rhythmus auswirkt, hat das Institut für Prävention und Arbeitsmedizin der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (IPA) untersucht. Es fertigte sogenannte Lichtprofile von Krankenpflegepersonal während der Nacht- und Tagschicht an. Dabei war zu erkennen, dass die Beschäf- tigten, die in der Nachtschicht tätig waren, sehr viel mehr Licht mit hohem Blau-Anteil ausgesetzt waren – und das auch noch zeitlich verschoben. Dadurch fehlten ihnen längere Phasen an Dunkelheit, die aber für die Synchronisation der inneren Uhr wichtig sein können und für eine gute Schlafqualität sorgen. Mögliche Unfallgefahr. Eine optimale Beleuchtung un- terstützt nicht nur den natürlichen Tag-Nacht-Rhythmus, son- dern sorgt auch für ein sicheres Arbeitsumfeld. Ungenügende Beleuchtungsbedingungen können beispielsweise zu Augen- ermüdung und allgemeiner Müdigkeit führen, worunter Leis- tungsfähigkeit und Aufmerksamkeit leiden. Auch das Unfall- risiko kann sich erhöhen. „Bei einer zu geringen Beleuchtungs- stärke werden beispielsweise Stolperstellen nicht mehr schnell genug erkannt. Schlagschatten können Gefahrenquellen ein- fach überdecken“, so Dr. Sylvia Hubalek. Außerdem: „Auch Blendung kann zu Beschwerden sowie Arbeitsunfällen führen und sollte daher vermieden werden.“ Eine Frage der Sensibilisierung. Wie stark sich eine un- günstige Beleuchtung bei Nachtschichten auf die Gesundheit und Leistungsfähigkeit auswirkt, ist vielen gar nicht bewusst. k c o t s r e t t u h S ; k e d e n e b / s e g a m I y t t e G : r e d l i B 20 6|2019 arbeit & gesundheit
Sicherheitsbeauftragte können sowohl die Führungsebene als auch die Beschäftigten für das Thema sensibilisieren. So kön- nen sie etwa die Vorgesetzten darauf hinweisen, das Thema Beleuchtung in der Gefährdungsbeurteilung zu berücksichti- gen und diese begleiten. Zudem können sie selbst eine Reihe von Tipps beherzigen – und sie an Kolleginnen und Kollegen weitergeben –, wie man Störungen des Tag-Nacht-Rhythmus vermeidet. Dazu gehört etwa, vor dem Schlafengehen auf Han- dy, Tablet und Co. zu verzichten (Stichwort: Blaulicht!) oder während der Arbeitspausen tagsüber auch mal ins Freie zu ge- hen. Denn das beste Mittel, um den natürlichen Rhythmus zu stabilisieren, ist das Tageslicht – und zwar zur passenden Zeit. Weitere Informationen, auch zu Regelungen im Arbeits- schutzrecht, gibt es in der DGUV Information „Nichtvisuelle Wirkungen von Licht auf den Menschen“: publikationen.dguv.de → DGUV Information 215-220 Hilfestellung bei der Umsetzung der Technischen Regel für Arbeitsstätten „Beleuchtung“ (ASR A3.4) gibt die DGUV Information „Natürliche und künstliche Beleuchtung von Arbeitsstätten“: publikationen.dguv.de → DGUV Information 215-210 Empfehlung für Nachtarbeitsplätze: Lampen mit maximal neutralweißem Licht Kerzenlicht 1.500 Kelvin Glühlampe 2.700 Kelvin Halogenlampe 3.000 Kelvin Mondlicht 4.120 Kelvin Leuchtstofflampe 4.500 Kelvin Tageslicht 6.500 Kelvin Warmweiß (unter 3.300 K) Neutralweiß (3.300 bis 5.300 K) Tageslichtweiß (über 5.300 K) 21 arbeit & gesundheit 6|2019
verkehrssicherheit „Umsicht und Rücksicht jederzeit erforderlich“ Mobilität Seit kurzer Zeit sind elektrisch angetriebene Tretroller, sogenannte E-Scooter, für den öffentlichen Straßenverkehr zugelassen. Eine solche Neuerung wirft Fragen auf. Einige davon beantwortet an dieser Stelle Dr. Klaus Ruff, Leiter des Sachgebiets Fahrzeuge im Fachbereich Verkehr und Landschaft der DGUV. Warum sind E-Scooter überhaupt ein Thema für Akteurinnen und Akteure im Arbeitsschutz wie z. B. Sicherheitsbeauftragte? Der Schutz der gesetzlichen Unfallversicherung greift nicht nur bei Unfällen am Arbeitsplatz und auf dem Betriebsgelän- de, sondern auch bei Wegeunfällen. Gerade Unfälle im Stra- ßenverkehr haben häufig schwere Folgen. E-Scooter werden nur dann eine sinnvolle Ergänzung unserer Mobilität sein, wenn sie im Straßenverkehr möglichst sicher genutzt werden können. Da es ei- ne obligatorische Fahrprüfung nicht gibt, sollten alle Fahrerinnen und Fahrer selbst gewissenhaft prüfen, ob sie das Gerät be- herrschen, bevor sie am Straßenverkehr teilnehmen. Aufgrund der kleinen Räder ist das Fahren wesentlich agiler, aber auch instabiler als beim Fahrrad. Hier können Si- cherheitsbeauftragte ihre Kolleginnen und Kollegen sensibilisieren. Das Tragen eines Fahrradhelms wird unbedingt empfohlen. Wenn wir alle sicher ans Ziel kommen wol- len, geht das nur mit Umsicht und Rücksicht auf die anderen Verkehrsteilnehmenden. Darf man mit dem E-Scooter auf dem Gehweg fahren? Ganz klar: Nein! Mit Elektrokleinstfahrzeugen – unter diesen Begriff fallen die E-Scooter – dürfen nur baulich angelegte Rad- wege, Radfahrstreifen und Fahrradstraßen befahren werden. Wenn diese fehlen, darf auf der Fahrbahn oder in verkehrsberu- higten Bereichen gefahren werden. Das Fahren auf Gehwegen und in Fußgängerzonen ist tabu. Das gilt auch, wenn der Motor ausgeschaltet ist. tungsvorschrift „Fahrzeuge“ (DGUV Vorschrift 71). Arbeitgeber müssen die Fahrzeuge daher in der Gefährdungsbeurteilung berücksichtigen. Hierzu gehört auch die Überlegung, bei be- trieblicher Nutzung das Tragen von Helm, reflektierender Klei- dung und geeigneten Schuhen vorzuschreiben. Außerdem sind die Beschäftigten in der Bedienung der Fahrzeuge zu unterwei- sen und gegebenenfalls zu schulen. Und nicht zuletzt müssen die Fahrzeuge auch regelmäßig überprüft werden. Nun steht bald der Winter bevor. Haben Sie hierzu spezielle Tipps für die Nutzerinnen und Nutzer von E-Scootern? Der wichtigste Tipp ist derselbe wie beim Fahrradfahren: Sor- gen Sie dafür, dass Sie gesehen werden! E-Scooter, die für den Straßenverkehr zugelassen sind, müssen über Vorder- und Rücklicht sowie Reflektoren verfügen. Es ist sehr zu empfehlen, Kleidung mit reflektierenden Elementen zu tragen, wobei diese Elemente im besten Falle am ganzen Körper verteilt sind. Was die Nutzung von E-Scootern bei winterlichen Straßenverhält- nissen anbelangt, so gibt es verständlicherweise noch keine langjährigen Erfahrungswerte. Aber es liegt ja auf der Hand: Wenn man sich ein einspuriges Fahrzeug anschaut, mit Rädern so schmal wie beim Fahrrad und einem sehr kleinen Durchmes- ser, dann sollte man bei Schnee und Eis doch lieber öffentliche Verkehrsmittel benutzen oder nötigenfalls auch einen etwas längeren Fußweg in Kauf nehmen. Weitere Fragen und Antworten: dguv.de, Webcode: d1182352 DGUV Vorschrift 71 „Fahrzeuge“: → Fahrzeuge publikationen.dguv.de B D C Gibt es spezielle Regelungen, die gelten, wenn die Roller für den innerbetrieblichen Verkehr eingesetzt werden? Elektrokleinstfahrzeuge fallen unter den Anwendungsbereich der Betriebssicherheitsverordnung und der Unfallverhü- „Schlaue Ideen“ für einen sicheren Arbeitsweg gibt es unter: kommmitmensch.de/schlaue-ideen 22 6|2019 arbeit & gesundheit
1 2 3 4 C Nachfolgend einige Tipps für Fahrerinnen und Fahrer sowie verpflichtende Anforde- rungen an das Fahrzeug: Rollerfahrende sollten ... 1 einen Fahrradhelm aufsetzen, 2 helle und reflektierende Kleidung tragen, 3 zusätzlich am Körper verteilte reflektierende Elemente tragen, 4 feste, geschlossene Schuhe anziehen. E-Scooter müssen ... A eine helltönende Glocke oder ein vergleichbares Signal zur akustischen Warnung haben, B mit einem Vorder- und Rücklicht sowie Reflektoren ausgestattet sein, C über zwei unabhängig voneinander wirkende Bremsen verfügen, D in der Kraftfahrzeug-Haftpflichtversicherung versichert sein, zu erkennen am Kennzeichen. A B Die Elektrokleinstfahrzeugeverordnung Am 15. Juni 2019 trat die sogenannte Elektrokleinstfahrzeu- geverordnung (eKFV) in Kraft. Damit dürfen elektrische Tretroller (E-Scooter) am öffentlichen Straßenverkehr teil- nehmen, wenn für sie eine Betriebserlaubnis vorliegt und eine Kraftfahrzeug-Haftpflichtversicherung abgeschlossen wurde. Mit der neuen Verordnung will das Bundesministeri- um für Verkehr und digitale Infrastruktur eine moderne, umweltfreundliche und saubere Mobilität in den Städten ermöglichen. Dank der meist kleinen Ausmaße, des gerin- gen Gewichts und eines Klappmechanismus sind E-Scooter leicht zu transportieren. Dadurch lässt sich die Nutzung un- terschiedlicher Transportmittel verknüpfen, beispielsweise die Fahrt von der Bushaltestelle zur Arbeitsstätte oder auch innerbetriebliche Fahrten. Abgesehen von E-Scootern fallen auch Segways unter die eKFV, genauer unter den Begriff „selbstbalancierendes Fahrzeug“. gesetze-im-internet.de/ekfv e n h ö H f l a R / r h e k r e V G B ; a k r o k i S n e d o G / k c o t s r e t t u h S : r e d l l i B 23 arbeit & gesundheit 6|2019
arbeitswelt 1919 Das Amt des Unfall- vertrauensmanns wird geschaffen. 100 Jahre Sicherheitsbeauftragte Unverzichtbares Engagement Mit ihrem ehrenamtlichen Einsatz leisten rund 670.000 Sicherheitsbeauftragte einen wertvollen Beitrag für Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit. 2019 feiert dieses ganz besondere Ehrenamt 100-jähriges Jubiläum. Wie sich die Rolle der Sicherheitsbeauftragten im Laufe dieser Zeitspanne entwickelt hat, beschreibt Gerhard Kuntzemann. Heute gibt es rechtliche Vorgaben, wann und wie viele Sicherheitsbeauftragte durch die Un- ternehmen bestellt werden müssen. Wie war die Situation vor 100 Jahren? In den Jahren des Ersten Weltkriegs ging die Bedeutung des Arbeitsschutzes durch die Auf- hebung vieler Regelungen massiv zurück. Ab 1919 setzte wieder eine positive Entwicklung ein: Der Achtstundentag wurde eingeführt, die Arbeiterwohlfahrt gegründet und das Amt des Unfallvertrauensmanns als Vorgänger des Si- cherheitsbeauftragten geschaffen. Warum wurde das Amt des Unfallvertrauens- manns geschaffen und worin bestanden seine Aufgaben? Die Einführung dieses Amtes hatte unterschied- liche Motive. So strebten unter anderem Arbei- ter eine Beteiligung an der berufsgenossen- schaftlichen Aufsicht an. Zudem gab es in den Betrieben eine sehr hohe Anzahl an schweren Verletzungen und gar tödlichen Arbeitsunfäl- len. Dementsprechend bestand die zentrale Aufgabe des Unfallvertrauensmanns in der Un- fallverhütung. Dazu zählte es, zu überprüfen, ob vorgeschriebene Schutzvorrichtungen vor- handen und ordnungsgemäß benutzt wurden. Mängel sollten sie direkt an den Vorgesetzten melden und gegebenenfalls selber Vorschläge zur Verbesserung machen. Festgeschrieben wurde dies in der Ende 1919 beschlossenen Regelung des Paragrafen 14a der Normal-Un- fallverhütungsvorschrift. Wie entwickelte sich das Amt nach dem Zweiten Weltkrieg im geteilten Deutschland? In der DDR gab es bereits in den Fünfziger- jahren Sicherheitsbeauftragte, deren Aufga- ben vergleichbar mit denen der Fachkräfte für Arbeitssicherheit waren. Der Nachfolger des Unfallvertrauensmanns wurde in der DDR „Ar- beitsschutzobmann“ genannt. Und wie ging es mit dem Unfallvertrauensmann in der Bundesrepublik weiter? Mit dem Unfallversicherungs-Neuregelungsge- setz von 1963 wurde das Dritte Buch der Sozi- alversicherung grundlegend überarbeitet. In diesem Rahmen wurde im Paragrafen 719 der Begriff „Sicherheitsbeauftragter“ als Nachfol- ger des Unfallvertrauensmanns eingeführt. Er sollte den Unternehmer bei der Durchführung des Unfallschutzes unterstützen und sich davon überzeugen, dass die vorgeschriebenen Schutz- vorrichtungen vorhanden waren und benutzt wurden. Im Gegensatz zum Unfallvertrauens- mann wurde der Sicherheitsbeauftragte nicht mehr von den Arbeitnehmern gewählt, sondern vom Unternehmer ernannt. Lange Zeit stand die Unfallverhütung im Fokus der Tätigkeiten der Sicherheitsbeauftragten. Warum hat sich das geändert? Mit den Schlagwörtern „menschengerechte Ar- beit“ und „Humanisierung der Arbeitswelt“ hat sich ab Ende der Sechzigerjahre die Bandbreite des Arbeitsschutzes über die Unfallverhütung Gerhard Kuntzemann, Leiter des Sachgebiets Sicherheits- beauftragte der DGUV 24 6|2019 arbeit & gesundheit
1950 In der DDR wird das Ehrenamt des Arbeits- schutzobmanns im Gesetz der Arbeit verankert. 1963 In der Bundesrepublik tritt das Unfallver- sicherungs-Neurege- lungsgesetz in Kraft. Infolgedessen wird der Begriff „Sicher- heitsbeauftragter“ als Nachfolger des Unfallvertrauens- manns eingeführt. 1971 Erlass der Arbeitsstoffverordnung und Lärm- vorschriften. Sicherheitsbeauftragte befassen sich nun auch mit Lärm- und Hautschutz. Der Gesundheitsschutz ergänzt damit die Aufga- ben der Unfallverhütung. 1996 Mit Einführung des SGB VII wird der Arbeitsauftrag der Sicherheitsbeauftragten in § 22 um den Gesundheits- schutz ergänzt. 2015 Das Präventionsgesetz sorgt dafür, dass primäre Prävention und Gesundheitsförderung von Unternehmen als immer wich- tiger angesehen werden. g i e r B s u k r a M ; e s e W n a i t s i r h C ; c i v o k t e P n a s u D , a k s w o k e S a t e i b z l E , o c u K , n o i t c e l l o C t t e r e v E / k c o t s r e t t u h S ; l d i e S - o t o F : r e d l i B hinaus massiv ausgeweitet. Das hat dazu geführt, dass Sicherheits- beauftragte in der betrieblichen Praxis mit Aufgaben über die Unfallverhütung hinaus betraut wurden – unter anderem in Richtung Gesundheitsschutz und Gesundheitsförderung. Wie wird sich die Rolle der Sicherheitsbeauf- tragten in Zukunft entwickeln? Heute leisten rund 670.000 Sicherheitsbeauf- tragte einen wichtigen Beitrag für einen mitt- lerweile breit aufgestellten Arbeitsschutz in Deutschland. Die permanente Weiterentwick- lung des Rollenbildes gehört zur 100-jährigen Erfolgsgeschichte der Sicherheitsbeauftragten: 1919 war das Ziel die Verhütung von Arbeits- unfällen, heute geht es um die Gewährleis- tung von Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit. Insofern spiegelt der Begriff „Sicher- heitsbeauftragter“ nicht mehr ausreichend die Tätigkeiten des Ehrenamtes wider. Gesund- heitsschutz bzw. die Verhütung von arbeits- bedingten Gesundheitsgefahren sowie die Gesundheitsförderung werden an Bedeutung zunehmen. Dies liegt auch an den großen Themenkomplexen der mo- dernen Arbeitswelt, wie Digita- lisierung und Industrie 4.0. Neben der fachlichen Qualifikation werden methodische und soziale Kompetenzen immer wichtiger. Mit den sozialen Medien stehen den Sicherheits- beauftragten zusätzliche Kanäle zur Verfügung, um mit Kolleginnen und Kollegen, aber auch Vorgesetzten zu kommunizieren. So agieren Sicherheitsbeauftragte in ihrem Umfeld zunehmend als Lotsen und bilden in Betrieben und Einrichtungen eine wichtige Schnittstelle für andere, die im Arbeitsschutz haupt- oder ehrenamtlich tätig sind. Aus Sicher- heitsbeauftragten sind Beauftragte für Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit geworden. DANKE FÜR IHREN EINSATZ! 25 arbeit & gesundheit 6|2019
regelungen Alles, was Recht ist Auf der sicheren Seite! Sofern kein anderer Link angegeben ist, sind die hier vorgestellten Publikationen über die Datenbank der DGUV zu beziehen: publikationen.dguv.de Dort gibt es eine praktische Stichwortsuche. Neu Aufgehoben → → → Seit Juni gibt es die DGUV Regel 108-601 „Branche Einzelhandel“. Die verschiedenen Bereiche werden gesondert behandelt. Die Branchenregel bietet konkrete Hilfestellungen bei den Arbeitsschutzmaßnahmen im Einzelhandel und umfasst die wichtigsten Präventions- maßnahmen. So unterstützt sie Unternehmen dabei, für den Einzelhandel typische Unfälle zu vermeiden. Zu nennen wären hier beispielsweise Hand- und Fußverlet- zungen. Ebenfalls im Juni ist die DGUV Information 206-025 „Auf die Haltung kommt es an! Unternehmen mit Herz und Verstand sind erfolgreich und sicher – warum eigentlich?“ erschienen. Sie beschreibt anhand von Beispielen, wie durch eine gute Organisation, Kommu- nikation und Führung die Sicherheit und Gesundheit der gesamten Belegschaft erreicht werden kann. Diese Faktoren wiederum sind gleichzeitig Basis für den Erfolg von Unternehmen. Aktualisiert Im Juni wurde die bisherige Berufsgenossenschaftliche Information BGI 7005 aktualisiert. Sie trägt nun den Titel DGUV Information 215-530 „Klima im Fahrzeug – Antworten auf die häufigsten Fragen“. Die Information liefert praktische Hinweise darauf, welche Vorausset- zungen für ein angemessenes Klima und eine zuträg- liche Luftqualität an Arbeitsplätzen in gewerblich genutzten Straßen- und Schienenfahrzeugen notwendig sind. Gutes Klima und Luftqualität wirken sich positiv auf die Reaktionszeit und das Konzentrationsvermögen aus und können dazu beitragen, Unfälle zu verhindern. → → Ende Mai wurde die Technische Regel für Betriebssicherheit TRBS 1121 „Änderungen und wesentliche Veränderungen von Aufzugs- anlagen“ aufgehoben. baua.de → TRBS 1121 Ebenfalls Ende Mai aufgehoben wurde die Bekanntmachung zur Betriebssicherheit BekBS 2111 „Rückwärts fahrende Baumaschinen“. baua.de → BekBS 2111 Stichwort: Regelwerk Auf dieser Magazinseite werden unter anderem Än- derungen im Vorschriften- und Regelwerk der DGUV bekanntgemacht. Mit ihrem Regelwerk unterstützt die gesetzliche Unfallversicherung Betriebe und Einrichtungen wie auch Beschäftigte darin, Arbeits- plätze gesund und sicher zu gestalten. Es handelt sich um die jeweils gültigen Vorschriften, Regeln, Informationen sowie Grundsätze der DGUV und der einzelnen Unfallversicherungsträger (Berufsgenos- senschaften und Unfallkassen). Entwickelt wird das Vorschriften- und Regelwerk von den Fachbereichen und Sachgebieten der DGUV. 26 6|2019 arbeit & gesundheit
medienangebote Was gibt’s Neues? → Erste große Bestandsaufnahme → Staub vermeiden, staubarm arbeiten → Spannung bis zum Schluss E-Learning-Anwendung. Ob in der Holz- verarbeitung, auf der Baustelle oder in der Backstube: Staub gibt es in den un- terschiedlichsten Arbeitsumgebungen und übrigens auch im Büro. Dass Staub zur Gesundheitsgefahr werden kann – und dass es geeignete Prä- ventionsmaßnahmen gibt –, sollten Beschäftigte wissen. Vermittelt wird dieses Wissen auf anschauliche Art in der E-Learning- Anwendung „Staub- vermeidung und staubarmes Arbeiten“. Die Anwendung wurde im Auftrag der Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft (BG BAU) erstellt. Sie kann kostenlos und ohne Zugangsdaten über jeden Browser aufgerufen werden. Ideale Voraussetzungen also, um den Link auch mit Kolleginnen und Kollegen zu teilen. elearning-staub.de Film & Media Festival. Am 7. November werden im Rahmen der Fachmesse A+A in Düsseldorf die Siegerinnen und Sie- ger des kommmitmensch Film & Media Festivals gekürt. Wer das Rennen ge- macht hat, steht in Kürze auf der Web- site von „arbeit & gesundheit“, dem Online-Magazin für Sicherheitsbeauf- tragte, oder auf der Kampagnenwebsite kommmitmensch.de. Für den Wettbewerb im Rahmen des kommmitmensch Film & Media Festivals der A+A 2019 konnten Un- ternehmen und Einrichtungen Filme, Videos oder andere Medienformate zu Themen der Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit einreichen. Wer hat die Jury in den einzelnen Kategorien über- zeugt? Und vor allem: Worum ging es bei den Siegerbeiträgen und wie wur- den die Themen filmisch umgesetzt? Spannende Fragen, die bald beant- wortet werden! aug.dguv.de Präventionsbericht. Wer wissen möchte, wie es um die Gesundheitsförderung und Prävention in Deutschland bestellt ist, welche Institutionen dafür zuständig sind und wie sie kooperieren, wird im neuen Präventionsbericht fündig. Erstellt wurde dieses umfassende Dokument von der Nationalen Präventionskonferenz (NPK). Träger dieser Arbeitsgemeinschaft sind die gesetzliche Kranken-, Unfall- und Ren- tenversicherung sowie die soziale Pflege- versicherung, vertreten durch ihre jewei- ligen Spitzenorganisationen. Im Fall der gesetzlichen Unfallversicherung ist das die DGUV. Der Präventionsbericht, der künftig alle vier Jahre erscheinen wird, zeigt auch Felder auf, in denen die Prä- vention forciert werden sollte. Dr. Stefan Hussy, Hauptgeschäftsführer der DGUV, sieht beispielsweise Handlungsbedarf bei den psychischen Belastungen. Doch auch dem Bewegungsmangel müsse man entgegenwirken, der daraus resultiert, dass rund die Hälfte der Erwerbstätigen mittlerweile im Büro arbeiten. dguv.de Webcode: dp1317087 d n u L b o c a J , o i d u t S r o t c e V g r e b m e L / k c o t s r e t t u h S : r e d l i B 27 arbeit & gesundheit 6|2019
meldungen → Kontrollverlust im Straßenverkehr → Leben und Arbeiten mit Behinderungen Unterweisungsmaterial. Sicherheit im Straßenverkehr ist ein Thema, für das die Beschäftigten in Betrieben und Einrichtungen immer wieder sensibili- siert werden sollten. Wer auf der Suche nach Material und Medien ist, zum Beispiel für eine Präsentation oder für die Unterweisung im Betrieb, wird auf der Website von „Wo bist du gerade?“ fündig, einer Aktion des Deutschen Ver- kehrssicherheitsrates (DVR) gemeinsam mit Berufsgenossenschaften und Unfall- kassen. Schwerpunktthema sind im Jahr 2019 die sogenannten Fahrunfälle. Sie ereignen sich, wenn jemand die Kontrol- le über ein Fahrzeug verliert, ohne dass andere dazu beigetragen haben. Zwar neigt das Jahr 2019 sich bereits dem En- de entgegen, jedoch läuft das Gewinn- spiel zur Schwerpunktaktion noch bis Ende Februar 2020. Als Preise winken unter anderem mehrere Reisen und ein Pedelec. Wenn das kein Grund ist, sich mit der Aktion vertraut zu machen! wo-bist-du-gerade.de 28 Onlineportal. „Ihr Wegweiser zum The- ma Leben mit Behinderungen“ lautet die Überschrift auf der Startseite eines Internetportals, das vom Bundesminis- terium für Arbeit und Soziales (BMAS) bereits seit zehn Jahren betrieben wird und nun komplett neu gestaltet wurde. Als Navigation dienen Schlagworte aus verschiedenen Lebensbereichen: „Arbeiten“ gehört beispielsweise dazu, „Gesundheit“ oder auch „Wohnen“. Herausgekommen ist ein großer Fun- dus leicht zugänglichen Wissens. Davon profitieren auch Sicherheitsbeauftragte und andere Akteurinnen und Akteure im Arbeitsschutz, wenn sie beispielswei- se wissen wollen, wie sie Kolleginnen und Kollegen mit Behinderung effektiv bei der Wiedereingliederug oder im Arbeitsalltag unterstützen können. Sie erfahren aber auch, wie nach einer Krankheit die Rückkehr ins Arbeitsleben gestaltet werden kann. Darüber hinaus werden Fragen, wie die folgenden, knapp und verständlich beantwortet: Wer kann Altersteilzeit vereinbaren? Was ist eine Umschulung im Gegensatz zur Anpassungs- oder Aufstiegsfortbil- dung? Wo gibt es geeignete Beratungs- angebote? Die Inhalte des Online-Portals sind weitgehend barrierefrei zugänglich. Die wichtigsten Inhalte gibt es auch in Leichter Sprache, in Gebärdensprache (Video) sowie im Audioformat (Vorlese- funktion). einfach-teilhaben.de 6|2019 arbeit & gesundheit
→ Cyber-Angriffe vereiteln Lagebericht. Schutzeinrichtungen an Maschinen und Anlagen sorgen dafür, dass Menschen sicher und gesund arbeiten können. Allerdings: Damit die Sicherheitsmerkmale einer technischen Steuerung zuver- lässig funktionieren, muss auch die Steuerung selbst sicher sein, d. h. geschützt vor Ausfall und Manipu- lation. Dazu gehören auch Manipu- lationen, die mittels Computer- und Internettechnologie herbeigeführt werden, sogenannte Cyber-Angriffe. In seinem jährlichen Lagebericht gibt das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) einen Überblick über die Gefährdungslage sowie Lösungsansätze. Auch in der IT-Sicherheit hat der Begriff „Prä- vention“ eine zentrale Bedeutung. So wird im Lagebericht als grund- sätzliches Anliegen genannt: „Durch präventive Maßnahmen potenzielle Angreifer bereits von einem Angriffs- versuch abzuhalten bzw. Angriffe ins Leere laufen zu lassen.“ Sicher- heitsbeauftragte können anregen, in ihrem Betrieb zu überprüfen, ob die technischen Steuerungen die erforderlichen Sicherheitsmerkmale aufweisen, um Cyber-Angriffen vor- zubeugen. bsi.bund.de → Publikationen → Lageberichte I S B ; R V D ; a r t r o P / s e g a m I y t t e G : r e d l i B GUT ZU WISSEN Anzahl der Verkehrsunfälle mit Personenschaden aufgrund des Fehlverhaltens von Fahrzeugführenden 3 8 0 . 9 5 2 4 6 . 6 5 9 0 7 . 2 5 2 3 3 . 2 5 6 8 0 . 1 5 7 6 2 . 0 5 8 5 0 . 5 4 6 4 1 . 2 4 7 4 4 . 3 1 3 7 8 2 1 . Fehler beim Abbiegen, Wen- den, Rückwärts- fahren, Ein- und Ausfahren Missachtung von Vorfahrt bzw. Vorrang Abstand nicht eingehalten Nicht ange- passte Ge- Alkoholeinfluss schwindigkeit 2017 2018 Im Juli 2019 hat das Statistische Bundesamt (Destatis) seine Auswertung des Verkehrsunfallgeschehens 2018 veröffentlicht. Demnach ereigneten sich im Jahr 2018 genau 368.559 Unfälle mit Personenschaden, die auf das Fehlverhalten ei- ner Fahrzeugführerin oder eines Fahrzeugführers zurückzuführen waren. Das sind 7.823 Unfälle mehr als im Vorjahr. Es fällt auf, dass sehr viele Unfälle aus Stan- dardsituationen heraus passieren, die zu praktisch jeder Fahrt gehören: Abbiegen, Wenden, Rückwärtsfahren, Ein- und Ausfahren. Was das Rasen anbetrifft, so scheinen die Fahrzeugführenden in Deutsch- land – statistisch gesehen – etwas vernünftiger zu sein als in den letzten Jahren: Die nicht angepasste Geschwindigkeit als Ursache von Unfällen mit Personenschaden ist im Jahr 2018 gegenüber 2017 um 6,5 Prozent gesunken. destatis.de → Artikelnummer: 2080700187004 29 29 arbeit & gesundheit 6|2019
unterhaltung Testen Sie Ihr Wissen Mitmachen und gewinnen Die richtigen Antworten auf unsere Quizfragen finden Sie beim aufmerksamen Lesen dieser Ausgabe von „arbeit & gesundheit“. 1 Womit sollte man die Gläser einer Schutz- brille reinigen? S: Mit Universalverdünnung oder Terpentinersatz. L: Meist genügen Wasser oder ein Reiniger und ein sauberes Tuch. H: Schutzbrillen dürfen keinesfalls nass werden, sondern nur trocken abgetupft werden. 2 Wie lange können die Beschäftigten eines deutschen Unternehmens weiterhin in Deutsch- land unfallversichert bleiben, wenn sie zum Arbeiten in ein EU-Land entsandt werden? E: Sechs Monate. I: 24 Monate. O: Prinzipiell uneingeschränkt, je nachdem, welche Vereinbarung der Betrieb mit dem in Deutschland zu- ständigen Unfallversicherungsträger geschlossen hat. ! Gewinnen Sie einen von zehn exklusiven Thermobechern im unverwechselbaren „arbeit & gesundheit“-Design. Und so geht’s: → Bilden Sie aus den Buchstaben, die den jeweils richtigen Antworten zugeordnet sind, das Lösungswort. → Schicken Sie uns die Lösung unter Angabe des Stichworts „arbeit & gesund- heit“, Ihres Namens und Ihrer Anschrift. → Per Post an CW Haarfeld GmbH, Redaktion „arbeit & gesundheit“, Robert-Bosch-Str. 6, 50354 Hürth, oder per E-Mail an Teilnahmeschluss: 15. Dezember 2019 Die Gewinnerinnen und Gewinner des Preisrätsels von Ausgabe 5/2019 finden Sie online unter aug.dguv.de redaktion@dguv-aug.de 3 Welche Art von Licht ist in der Regel für Nachtarbeit zu empfehlen? N: Licht mit einem hohen Blau-Anteil, ähnlich wie das Tageslicht. B: Ausschließlich rötliches Licht, vergleichbar mit Kerzenschein. C: Warmweißes oder neutralweißes Licht. Technisch ausgedrückt: Eine Farbtemperatur bis 4.100 Kelvin. 4 Das Amt der Sicherheitsbeauftragten feiert Jubiläum. Welche Aussage ist richtig? H: Derzeit leisten deutschlandweit in Betrieben und Einrichtungen rund 670.000 Sicherheitsbeauftragte ihren Beitrag für sicheres und gesundes Arbeiten. Dies tun sie ehrenamtlich. N: „Erfunden“ wurde der Arbeitsschutz in der DDR. Seit der Wieder- vereinigung gibt es Sicherheitsbeauftragte in ganz Deutschland. E: Das Vorläuferamt der Sicherheitsbeauftragten, genannt „Unfall- vertrauensmann“, gab es auch schon im 19. Jahrhundert. 5 Wo darf man mit einem elektrisch angetriebenen Tretroller fahren? T: Auf Fahrradwegen. Wo es keinen Radweg gibt, muss die Fahrbahn benutzt werden. N: Zusätzlich auch auf Gehwegen und in Fußgängerzonen. E: Ausschließlich auf der Fahrbahn. Sudoku Die leeren Kästchen müssen mit Zahlen gefüllt werden. Dabei gilt: Die Ziffern 1 bis 9 dürfen in jeder Zeile, jeder Spalte und jedem Block nur einmal vorkommen. 8 3 4 1 9 5 8 6 9 2 7 6 1 4 3 7 7 9 3 7 4 1 5 6 7 8 2 7 5 Lösung und weiteres Sudoku online unter aug.dguv.de Teilnahmebedingungen: Teilnahmeberechtigt sind ausschließlich volljährige natürliche Personen mit einem ständigen Wohnsitz in Deutschland, Österreich oder der Schweiz. Die Teilnahme am Gewinnspiel ist kostenlos. Beschäftigte des Verlags CW Haarfeld GmbH sind von der Teilnahme ausgeschlossen. Unter mehreren richtigen Einsendungen entscheidet das Los. Auf den Gewinn gibt es keinen Gewähr- oder Garantieanspruch. CW Haarfeld behält sich das Recht vor, das Gewinnspiel zu jedem Zeitpunkt ohne Vorankündigung zu beenden, wenn aus technischen oder rechtlichen Gründen eine ordnungsgemäße Durchführung nicht gewährleistet werden kann. Eine Barauszahlung von Sachpreisen erfolgt nicht. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Hinweise zum Datenschutz finden Sie auf Seite 31. 30 6|2019 arbeit & gesundheit
s o M a l g e s e h e n . . . y m l e F i a K : n o o t r a C Das Allerletzte Unsere Leserinnen und Leser sind aufmerksam und dokumentieren gefährliche Situationen, um zu zeigen, wie es nicht sein sollte. So nicht: Wie bringt man Mörtel, Putz und Beton mit dem geringst- möglichen Personaleinsatz ins Obergeschoss eines Rohbaus? Wenn die Antwort lautet, dass der Kranführer die Fernbedienung nimmt und sich selbst zum Bestandteil der schwebenden Last macht, ist das die denkbar schlechteste Lösung. Gesehen von Meinolf Braun. Sie haben Sicherheitsverstöße entdeckt? Dann schreiben Sie uns unter redaktion@dguv-aug.de Datenschutzhinweis: Verantwortlich ist die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung, Glinkastr. 40, 10117 Berlin, dguv.de; unseren Datenschutzbeauftragten erreichen Sie über datenschutz@dguv.de. Die Teilnehmenden willigen mit der Teilnahme an dem Gewinnspiel bzw. mit dem Zusenden des Schnappschusses ohne jegliche Verpflichtung in die Verarbeitung ihrer personenbezogenen Daten zu dessen Durchführung ein. Sie können Ihre Einwilligung jederzeit mit Wirkung für die Zukunft widerrufen. Die Urheberinnen und Urheber der Fotos werden mit vollem Namen neben dem Bild auf der Homepage (aug.dguv.de) und in der Zeitschrift genannt. Die Gewinnerinnen und Gewinner des Preisausschreibens werden auf der Homepage veröffentlicht. Darüber hinaus werden Ihre Daten nicht an Dritte übermittelt und bis zur Verlosung bzw. zur Entscheidung über die Veröffentlichung gespeichert. Sie haben das Recht auf Auskunft, Berichtigung, Löschung, Einschränkung der Verarbeitung, Datenübertragbarkeit und auf Beschwerde bei einer Aufsichtsbehörde. arbeit & gesundheit 6|2019 31
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