Source: http://vertrag.jura-basic.de/aufruf.php?file=8&find=UrhR_Bearbeitung&pp=4
Timestamp: 2019-09-19 21:43:57
Document Index: 117088675

Matched Legal Cases: ['§ 23', 'BGH', 'BGH', '§ 23', '§ 23', '§ 3']

Vertragsrecht jura-basic (UrhR Bearbeitung) - Grundwissen
a) Der Urheber kann selbst bestimmen, ob er sein Werk durch andere Personen bearbeiten oder umgestalten lassen will und ob die neu geschaffene Bearbeitung oder Umgestaltung veröffentlicht oder verwertet werden darf.
Ein Werk ist der geistige Gehalt, der wahrgenommen wird. Davon zu unterscheiden ist der Werkträger, z.B. Papier (Buch), Datenträger (ebook).
Bearbeitungen oder andere Umgestaltungen des Werkes dürfen nur mit Einwilligung des Urhebers des bearbeiteten oder umgestalteten Werkes veröffentlicht oder verwertet werden (§ 23 UrhG@). Mit der Einwilligung gestattet der Urheber die Bearbeitung (Veränderung) des Originals durch eine andere Person (siehe Einwilligung, Rz.5).
Für eine Bearbeitung oder sonstige Umgestaltung ist eine wesentliche Veränderung des Werkes erforderlich. In einer nur unwesentlichen Veränderung einer benutzten Vorlage ist nicht mehr als eine Vervielfältigung zu sehen (BGH aaO, Leitsatz und Tz. 37).
Die Bearbeitung ist eine Sonderform der Vervielfältigung (BGH, 28. Juli 2016 - I ZR 9/15, Tz. 17). Vervielfältigungen eines Werkes enthalten alle prägende Merkmale des Originals. Der wahrnehmbare Gesamteindruck des Originaltextes bleibt gleich, so z.B. bei der Fotokopie oder dem Papierausdruck des Originaltextes (siehe Vervielfältigung).
der wahrnehmbare Gesamteindruck des Werks wesentlich verändert,
Die Veränderung eines Werkes erfolgt in Anlehnung an das Original. Die Wiedererkennung des Originals in dem geschaffenen Werk ist vom Bearbeiter gewollt, trotz Änderung des wahrnehmbaren Gesamteindrucks.
Beispiele: Durch Übersetzung und Verfilmung eines Schriftwerkes wird der Gesamteindruck des Schriftwerkes verändert. Es entsteht eine neue wahrnehmbare Form des Werkes (andere Aussprache des Textes, Bilder statt Text), der geistige Inhalt des Schriftwerkes bleibt erhalten. Übersetzung und Verfilmung erfolgen in Anlehnung an das Original. Sie sind Bearbeitungen, abhängig vom Original, da trotz Veränderung des wahrnehmbaren Gesamteindrucks (z.B. andere Aussprache des Textes) die Wesenszüge des Schriftwerks im Vordergrund bleiben.
Eine Bearbeitung erfolgt regelmäßig, um das Original auch auf andere Art nutzen zu können. Das Original wird für weitere Nutzungsformen angepasst.
Beispiele: Ein Buchroman wird in eine andere Sprache übersetzt oder verfilmt, um als Übersetzung oder Film zu verwerten. Der geistige Inhalt des Originals bleibt erhalten, lediglich die wahrnehmbare Form verändert sich. Das neu geschaffene Werk ist eine abhängige Bearbeitung (abhängig vom Original)
Verzerrungen und Entstellungen des Werkes sind keine Bearbeitungen iSd § 23 UrhG@, denn bei einer Bearbeitung iSd Vorschrift sollen die charakteristischen Zügen des Originals erhalten bleiben (siehe Entstellung, Rz.14).
Die Umgestaltung eines Werkes ist ein Unterfall der Bearbeitung (Bearbeitungen oder andere Umgestaltungen"). Im Gegensatz zur Bearbeitung wird bei der Umgstaltung der geistige Inhalt des Originals verändert, z.B. ein Werk wird in einem anderen Sachzusammenhang dargestellt (siehe Umgestaltung, Rz.12). Eine Unterscheidung zwischen Bearbeitung und Umgestaltung ist im Alltag nicht weiter von Bedeutung, da die Einwilligung zur Umgestaltung oder Bearbeitung des Originals in gleicher Weise gilt.
d) Für die Veröffentlichung oder Verwertung des neu geschaffenen Werks ist die Zustimmung des Urhebers des Originals erforderlich (§ 23 UrhG@), d.h. zum Zeitpunkt des Beginns der Bearbeitung eines Werks ist ein Einwilligung des Urhebers noch nicht erforderlich. Der Gesetzgeber unterscheidet zwischen Herstellung und Veröffentlichung.
Beispiel: Ein Text oder Foto darf verändert werden. Die Herstellung einer Bearbeitung ist grundsätzlich zulässig. Eine Einwilligung des Urhebers ist nicht erforderlich, solang das geschaffene Werk im privaten Bereich verbleibt und der Öffentlichkeit nicht wahrnehmbar gemacht wird und nicht verwertet wird.
dem Nachbau eines Werkes der Baukunst (siehe Nachbau, Rz.13)
Mit seiner Einwilligung willigt der Urheber in die Bearbeitung seines Werkes (Originalwerkes) ein. Die Einwilligung bedarf keiner besonderen Form, sie muss nicht ausdrücklich erfolgen, sie kann auch stillschweigend erteilt werden, insbesondere kann die Einwilligung sich aus den Gesamtumständen ergeben (siehe Einwilligung, Rz.5).
Wird ein neues Werk durch den Bearbeiter geschaffen, dann wird der Bearbeiter des Werkes zum Urheber des erstellten Werkes (§ 3 UrhG@). In diesem Fall wird der Urheber des neu geschaffenen Werkes auch als Bearbeiterurheber bezeichnet. Die Rechte des Urhebers am bearbeiteten Werk (Originalwerk, Vorlage) bleiben erhalten (siehe Werk durch Bearbeitung).