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Timestamp: 2018-12-17 18:16:35
Document Index: 118455047

Matched Legal Cases: ['§ 1603', '§ 32', '§ 2', '§ 45', '§ 32', '§ 33']

Donnerstag, 07 Juni 2018 10:20
Kindergeldrechner »
Nachdem berichtet wurde, dass der Bund ein Jahr früher als geplant ohne neue Schulden auskommt, besteht Raum für eine Erhöhung. Auf Grundlage des 10. Existenzminimum-Berichts vom 30. Januar 2015 hatte das Bundeskabinett den Gesetzesentwurf zur Anhebung des Kinderfreibetrages, Kindergeldes sowie des Kinderzuschlags beschlossen. Bis zum Jahr 2018 ergeben sich folgende Werte für den Kinderfreibetrag, nachdem es in den vergangenen Jahren zahlreiche Erhöhungen gegeben hatte:
7.428 EUR 7.356 EUR 7.248 EUR 7.152 EUR 7.008 EUR
Aktuell beträgt dieser in der Summe 7.428 Euro jährlich je Kind für beide Elternteile und setzt sich zusammen aus
Bei getrennten Elternteilen wird der halbe Kinderfreibetrag angesetzt: ab 01.01.2018 sind das 3.714 Euro (3.678 Euro bis 2017).
Wird ein Kind nicht im Januar sondern etwa im Mai geboren, so wird im Geburtsjahr der Kinderfreibetrag anteilig gewährt.
Am Beispiel Mai besteht der Kindergeldanspruch für acht Monate des Jahres, so dass auch der Kinderfreibetrag nur für acht Monate berechnet wird: 7.428 / 12 x 8 = 4.952 Euro.
In einigen Fällen kann der halbe Kinderfreibetrag von 3.714 Euro (3.678 Euro bis 2017) auf den anderen Elternteil übertragen werden, so dass bei einem Steuerpflichtigen die vollen 7.428 Euro (7.356 Euro bis 2017) angerechnet werden. Das ist dann der Fall, wenn die Eltern getrennt leben oder geschieden sind und ein Elternteil seine Unterhaltspflichten nicht erfüllt oder aufgrund mangelnder Leistungsfähigkeit keine Unterhaltspflicht (§ 1603 BGB) gegeben ist. Mehr zum Thema Unterhaltspflicht lesen Sie auf www.unterhalt.net und können die Höhe des Unterhalts mit dem Unterhaltsrechner auf http://www.unterhalt.net/unterhaltsrechner.html berechnen.
Ob die Kindergeldzahlungen oder der Kinderfreibetrag für Steuerpflichtige vorteilhafter ist, prüft das Finanzamt automatisch im Rahmen einer Günstigerprüfung. Im erster Schritt wird dazu die Einkommensteuer auf das zuvor ermittelte zu versteuernde Einkommenberechnet. Anschließend wird das zu versteuernde Einkommen um den Kinderfreibetrag vermindert und die Einkommensteuer aufgrund der neuen Bemessungsgrundlage erneut ermittelt. Erst wenn bei beiden Berechnungen die Differenz der Einkommensteuer die Höhe des Kindergeldes übersteigt, ergibt sich ein Steuervorteil. Die Grenzen sind:
2.328 Euro bei Verheirateten (194 Euro Kindergeld x 12 Monate; 2.304 Euro für 2017
1.164 Euro bei getrennt lebenden Elternteilen (das Kindergeld wird nur zur Hälfte berücksichtigt)
Das Kindergeld wird in jedem Fall auf den Steuervorteil aus dem Kinderfreibetrag angerechnet. Daher ist es wichtig, dass ein Kindergeldantrag gestellt wird, auch wenn man von vornherein weiß, dass der Kinderfreibetrag sich günstiger auswirkt.
Berechnungsbeispiele nach dem Einkommensteuertarif 2017
Die nachfolgenden Beispiele werden mit den Werten für Kindergeld und Kindefreibetrag noch nach der Rechtslage 2017 gerechnet, da die Veranlagung zur Einkommensteuer für das Jahr 2018 erst im Jahr 2019 durchgeführt wird. Zum Jahreswechsel 2018/ 2019 werden die Werte entsprechend angepasst.
1.) zu versteuerndes Einkommen 24.000 EUR 24.000 EUR
2.) zu versteuerndes Einkommen 48.000 EUR 48.000 EUR
Bemessungsgrundlage 48.000 EUR 40.572 EUR
Einkommensteuer 7.252 EUR 5.192 EUR
Differenz Einkommensteuer 2.060 EUR
Vorteil: Kindergeld um 244 Euro höher (2.304 ./. 2.060)
3.) zu versteuerndes Einkommen 72.000 EUR 72.000 EUR
Bei Verheirateten ergibt sich erst ab einem zu versteuerndem Einkommen von ca. 64.000 Euro ein Steuervorteil durch den Kinderfreibetrag gegenüber dem gezahlten Kindergeld.
1/2 Kinderfreibetrag ./. 3.714 EUR
Bemessungsgrundlage 24.000 EUR 20.286 EUR
Einkommensteuer 3.626 EUR 2.596 EUR
Differenz Einkommensteuer 1.030 EUR
Vorteil: Kindergeld um 122 Euro höher (1.152 ./. 1.030)
Bemessungsgrundlage 48.000 EUR 44.286 EUR
Einkommensteuer 11.766 EUR 10.338 EUR
Differenz Einkommensteuer 1.428 EUR
Vorteil: Kinderfreibetrag um 276 Euro höhere Steuerersparnis (1.152 ./. 1.428)
Bemessungsgrundlage 72.000 EUR 68.286 EUR
Einkommensteuer 21.764 EUR 20.204 EUR
Differenz Einkommensteuer 1.560 EUR
Vorteil: Kinderfreibetrag um 408 Euro höhere Steuerersparnis (1.152 ./. 1.560)
Bei Alleinstehenden ergibt sich erst ab einem zu versteuerndem Einkommen von ca. 34.000 Euro ein Steuervorteil durch den Kinderfreibetrag gegenüber dem gezahlten Kindergeld.
Donnerstag, 07 Juni 2018 08:04
Sonntag, 03 Juni 2018 15:39
Belgien Bulgarien Dänemark Estland
Finnland Frankreich Griechenland Großbritannien
Irland Island Italien Kroatien
Lettland Liechtenstein Litauen Luxemburg
Malta Niederlande Norwegen Polen
Österreich Portugal Rumänien Schweden
Slowakei Slowenien Spanien Tschechische Republik
Algerien Bosnien und Herzegowina Serbien Kosovo
Montenegro Türkei Marokko Tunesien
D – 55149 MainzFax: +49 681 944 910 5324
Sonntag, 03 Juni 2018 10:06
Hier finden Sie alle erforderlichen Vordrucke für Ihren Antrag, auch in verschiedenen Sprachen:
Sonntag, 03 Juni 2018 09:45
Im Normalfall endet der Anspruch auf Kindergeld, sobald das Kind seinen 18. Geburtstag erreicht. Macht das Kind jedoch seine erste Berufsausbildung oder geht einem Erststudium nach, erhalten die Eltern auch während dieser Zeit Kindergeldzahlungen, siehe auch Kindergeld in Ausbildung und Studium.
Spätestens mit der Vollendung des 25. Lebensjahres endet der Anspruch auf Kindergeld jedoch, selbst wenn Ausbildung oder Studium noch nicht abgeschlossen wurden. Eine Ausnahme gibt es aber: Wenn das Kind aufgrund einer Behinderung nicht selbst dazu in der Lage ist, für seinen Lebensunterhalt aufzukommen, wird das Kindergeld über das 18. und auch über das 25. Lebensjahr hinaus gezahlt. WICHTIG: Die Behinderung muss bereits vor der Vollendung des 25. Lebensjahres eingetreten sein.
Um Kindergeld (mindestens 194 Euro seit 01.01.2018) für ein volljähriges, behindertes Kind bewilligt zu bekommen, bedarf es eindeutiger Nachweise über die vorliegende Behinderung. Diese muss ursächlich dafür sein, dass das Kind außerstande ist, sich selbst zu unterhalten.
Im Sinne des § 32 Abs. 4 Satz 1 Nr. 3 EStG werden Behinderungen dann berücksichtigt, wenn die körperlichen Funktionen, die geistigen Fähigkeiten oder die seelische Gesundheit mit hoher Wahrscheinlichkeit länger als sechs Monate von dem für das Lebensalter typischen Zustand abweichen, wodurch die Teilhabe am Leben in der Gesellschaft beeinträchtigt ist (§ 2 Abs. 1 Satz 1 SGB IX). Nach dem BFH-Urteil vom 16.04.2002 (VIII R 62/99) können auch Suchtkrankheiten, wie Drogenabhängigkeit oder Alkoholismus, zu einer Behinderung führen.
Akute Krankheiten, deren Verlauf sich auf eine im Voraus abschätzbare Dauer beschränkt, gelten hingegen nicht als Behinderung.
Langfristiger Kindergeldanspruch
Um einen langfristigen, sich über das 25. Lebensjahr erstreckenden Anspruch auf Kindergeld zu haben, genügt es jedoch nicht, dass das Kind als behindert eingestuft wurde: Das Kind muss nach den Gesamtumständen des Einzelfalls aufgrund der Behinderung außerstande sein, sich selbst zu unterhalten. Objektiv muss es dem Kind also unmöglich sein, seinen gesamten notwendigen Lebensbedarf durch eigene Mittel zu decken.
Die Behinderung des Kindes muss zwar vor der Vollendung des 25. Lebensjahres eingetreten sein, die Unfähigkeit, sich selbst zu unterhalten, hingegen nicht – eine Spitzfindigkeit, die sich zu beachten lohnt.
Wenn das Kind jedoch – trotz seiner bestehenden Behinderung – selbst dazu in der Lage ist, für seinen Lebensunterhalt zu sorgen, besteht kein Anspruch auf Kindergeld.
Ursächlichkeit-Überprüfung durch die Familienkasse
Allein die Feststellung eines sehr hohen Grades der Behinderung rechtfertigt die Annahme der Ursächlichkeit nicht – die Behinderung muss ausschlaggebend dafür sein, dass das Kind nicht dazu fähig ist, sich selbst zu versorgen. Zweifelt die Familienkasse die Ursächlichkeit der Behinderung an, kann sie eine Stellungnahme dazu von der Reha/SB-Stelle der Agentur für Arbeit einholen. Ist es der Reha/SB-Stelle mangels Unterlagen nicht möglich, dies zu beurteilen, wird dem Antragsteller vorgeschlagen, das Kind durch den Ärztlichen Dienst bzw. den Berufspsychologischen Service der Bundesagentur für Arbeit begutachten zu lassen.
Wann die Ursächlichkeit anzunehmen ist
Die Ursächlichkeit ist anzunehmen, wenn der Grad der Behinderung 50 oder mehr beträgt und besondere Umstände hinzukommen, aufgrund derer eine Erwerbstätigkeit unter den üblichen Bedingungen des allgemeinen Arbeitsmarktes ausgeschlossen erscheinen. Besondere Umstände sind:
die Kindesunterbringung in einer Werkstatt für behinderte Menschen
der Bezug von Grundsicherungsleistungen im Alter und bei Erwerbsminderung nach dem SGB XII
die Fortdauer einer Schul- oder Berufsausbildung eines Kindes aufgrund seiner Behinderung über das 25. Lebensjahr hinaus
das im Ausweis schwerbehinderter Menschen eingetragene Merkmal „H“ (hilflos)
wenn im Feststellungsbescheid anerkannt wurde, dass die Voraussetzungen für das Merkmal „H“ vorliegen
wenn gegenüber dem Kind eine volle Erwerbsminderungsrente bewilligt oder eine dauerhafte, volle Erwerbsminderung nach § 45 SGB XII festgestellt wurde
Die Behinderung muss nicht die einzige Ursache dafür sein, dass das Kind außerstande ist, sich selbst zu unterhalten; auch eine Mitursächlichkeit ist ausreichend, wenn dieser nach den Gesamtumständen des Einzelfalls eine erhebliche Bedeutung zukommt (BFH vom 19.11.2008 – III R 105/07).
Beispiel: Leistungseinschränkungen aufgrund einer Lernbehinderung, die zu einer erheblichen Einschränkung der Vermittlungschancen auf dem Arbeitsmarkt führen
Grundsätzlich wird das Vorliegen sämtlicher Anspruchsvoraussetzungen jährlich geprüft, da Behinderungen jedoch nicht pauschal gehandhabt werden können, kommt es stets auf den Einzelfall an, wie oft eine Prüfung stattfindet. Wichtig ist hier vor allem, dass sich drei bis sechs Wochen vor Ablauf der Kindergeldzahlung um Folgeanträge bemüht wird, sodass eine lückenlose Zahlung gewährleistet werden kann.
ein Grad der Behinderung von 50 oder mehr vorliegen
das Kind in einer auf Dauer angelegten voll- oder teilstationären Unterbringung in einer Behinderteneinrichtung leben
oder das Kind als schwerstpflegebedürftige Person die Pflegestufe III (gleichbedeutend mit Merkzeichen „H“) erhalten haben
Für einen Kindergeldanspruch ausgeschlossen, sind Kinder, bei denen die Behinderung erst nach ihrem 25. Geburtstag einritt. Trat die Behinderung des volljährigen Kindes aber vor dem 01.01.2007 ein (in den Altersphasen zwischen der Vollendung des 25. und des 27. Lebensjahres), ist die Altersgrenze aufgrund einer Übergangsregelung auf 27 angehoben.
Wer muss den Kindergeldantrag stellen?
Den Kindergeldantrag müssen immer die Eltern stellen: Das ändert sich auch nicht, wenn es sich um ein volljähriges Kind handelt, das eine Behinderung hat. Ist das Kind jedoch Vollwaise, so ist es Sache der betreuenden Personen – Geschwister oder auch Pflegeeltern – den Antrag auf Kindergeld zu stellen.
Sofern die Eltern noch am Leben und in der Lage sind, sich um das Kind zu kümmern, wird das Kindergeld auf ihr Konto überwiesen. Oft leiten Eltern die eingehenden Kindergeldzahlungen an ihre volljährigen Kinder direkt weiter – hier ist unter bestimmten Voraussetzungen jedoch Vorsicht geboten.
Anrechnung des Kindergeldes auf Grundsicherungsleistungen
Bezieht das Kind nämlich Grundsicherungsleistungen, wird das Kindergeld darauf angerechnet, was zu einer Kürzung der Sozialleistungen führen würde. Es empfiehlt sich daher, dass die Eltern das Kindergeld auf ihrem Konto belassen, selbst wenn das Sozialamt von den Eltern verlangen sollte, das Kindergeld an das behinderte Kind weiterzuleiten – dazu sind sie nicht verpflichtet!
Wann das Sozialamt das Kindergeld abzweigt
Besteht für das Kind Anspruch auf Kindergeld, die Eltern sind aufgrund ihrer wirtschaftlichen Lage aber nicht imstande, ihrem Kind Unterhalt zu gewähren, bekommt das Kind vom Sozialamt eine Grundsicherung. Das Sozialamt ist dann berechtigt, einen Antrag auf Abzweigung des Kindergeldes zu stellen. Das bedeutet: Nicht die Eltern erhalten das Kindergeld, sondern das Sozialamt.
Über den Antrag entscheidet die Familienkasse. Haben die Eltern beispielsweise Ausgaben in Höhe des Kindergeldes für das Kind zu leisten, wird ein Abzweigungsantrag seitens des Sozialamtes wenig Erfolg haben. Wichtig: Ursächlich für diese Ausgaben muss die Behinderung des Kindes sein (Pflege- oder Betreuungskosten). Außerdem ist es Sache der Eltern, diese Ausgaben der Familienkasse zu belegen.
Warum es sich lohnt, Kindergeld für ein volljähriges, behindertes Kind zu beantragen
Durch die Behinderung eines Kindes entstehen in der Regel Pflegekosten oder Kosten für die Einrichtung und Erhaltung eines behindertengerechten Zuhauses. Jene Kosten können die Haushaltskasse sehr belasten. In Anbetracht dessen kann der regelmäßige Erhalt von Kindergeld schon eine große Entlastung für die Eltern darstellen.
Die Höhe des Kindergeldes richtet sich nach der Zahl der vorhandenen Kinder. So erhalten Eltern seit dem 01.01.2018
200 Euro für das dritte Kind
225 Euro ab dem vierten Kind
An welchem Tag des Monats das Kindergeld ausgezahlt wird, finden Sie in unserem Auszahlungskaleder.
bis zum 31.12.2017 wurden folgende Monatsbeträge für das Kindergeld gezahlt:
223 Euro ab dem vierten Kind
Ist das behinderte Kind womöglich das vierte Kind der Familie, geht es für die Eltern immerhin um 225 Euro, auf die sie Anspruch haben.
Für Eltern eines behinderten Kindes, für welches ein Kiindergeldanspruch besteht, gibt es die Option, den Behinderten-Pauschbetrag des Kindes auf sich übertragen zu lassen – so können sie von Steuervorteilen profitieren. Weitere finanzielle Vorteile bestehen für Eltern durch den Kinderfreibetrag oder auch, wenn sie z.B. eine Wohnraumförderung / eine Finanzierung beantragen. Beamte haben darüber hinaus die Möglichkeit, eine Beihilfeberechtigung zu bekommen.
Wichtig zu berücksichtigen ist der Grundfreibetrag nach § 32a EStG. Dem Bundeskindergeldgesetz (BKGG) zufolge ist ein behindertes Kind über 18 Jahren nicht fähig, sich selbst zu unterhalten, wenn ihr/sein jährliches Einkommen diesen Grundfreibetrag nicht überschreitet. Dieser beträgt:
ab 01.01.2018: 9.000 Euro
ab 01.01.2017: 8.820 Euro
ab 01.01.2016: 8.652 Euro
ab 01.01.2015: 8.472 Euro
ab 01.01.2014: 8.354 Euro
ab 01.01.2013: 8.130 Euro
ab 01.01.2010: 8.004 Euro
bis 31.12.2009: 7.680 Euro
Der Grundfreibetrag berücksichtigt lediglich lebensnotwendige Kosten – z.B. für Essen und Kleidung. Behinderungsbedingte Mehrkosten finden hier keine Beachtung. Da diese bei Personen mit Behinderung jedoch anfallen, sind sie dem Grundfreibetrag von 9.000 Euro hinzuzurechnen.
Der erforderliche Lebensunterhalt des Kindes ist um einen vom Einzelfall abhängigen Mehrbedarf zu erweitern – dadurch ist die Einkommensgrenze nach oben zu verschieben. Dies muss die Familienkasse berücksichtigen.
Gewährt wird der Mehrbedarf, sofern die entstehenden Kosten für die vorhandene Erkrankung gewöhnlich sind. Zudem ist die die Unterbringung des Kindes behinderungsbedingten Mehrbedarf zu berücksichtigen.
Je nach Wohn-/Lebenssituation des behinderten Kindes können unterschiedliche Kosten als behinderungsbedingter Mehrbedarf geltend gemacht werden.
Kosten für die Unterbringung in vollstationärer Einrichtung
z.B. Heim für behinderte Menschen
diese Kosten lassen sich anhand des Tagespflegesatzes bestimmen
der aktuelle Tagespflegesatz wird einmal pro Jahr zwischen den Krankenkassen und den Trägern der Pflegeeinrichtungen nach bestimmten gesetzlichen Vorgaben vereinbart
365 Tage x Tagespflegesatz (abzügl.Verpflegungskosten)
Kosten für die Unterbringung in teilstationärer Einrichtung
z.B. Werkstatt für behinderte Menschen
Pflegegeld anhand der Pflegestufe
Pauschbetrag oder Einzelnachweis?
Der individuelle Mehrbedarf des volljährigen, behinderten Kindes kann auf zwei verschiedene Weisen steuerlich geltend gemacht werden. Entweder anhand von Einzelnachweisen oder durch den Behinderten-Pauschbetrag.
§ 33b EStG gestattet behinderten Menschen einen als Behinderten-Pauschbetrag bezeichneten Mehrbedarf. In der Höhe richtet sich dieser nach dem GdB – dem dauernden Grad der Behinderung:
Grad der Behinderung (GdB) Behinderten-Pauschbetrag (p.a.)
Hilflose (Merkzeichen „H“) 3.700 Euro
Weiterer behinderungsbedingter Mehrbedarf
Ein weiterer behinderungsbedingter Mehrbedarf wird sowohl beim Einzelnachweis-Verfahren als auch beim Behinderten-Pauschbetrag gewährt. Dazu zählen:
notwendige Fahrtkosten (ab GdB von 70 mit Merkzeichen „G“)
z.B. zur teilstationären Einrichtung (Werkstatt für behinderte Menschen), zum Arzt, zur Apotheke – je Kilometer 0,30 Euro
nachgewiesene Kosten für Begleitperson
falls das volljährige, behinderte Kind nicht alleine reisen kann (Notwendigkeit einer permanenten Begleitperson muss belegt sein)
durch Behinderung bedingte Aufwendungen
z.B. Kosten für Kuren oder Heilbehandlungen
zusätzliche persönliche Betreuungsleistung durch die Eltern
Notwendigkeit muss durch Amtsarzt bescheinigt sein
Ermittlung der Kindes-Einkünfte
Um die Einkünfte des volljährigen, behinderten Kindes zu berechnen, müssen die Einnahmen und Ausgaben des Kindes nach dem Zufluss-/Abflussprinzip ermittelt werden.
Bezüge sowie Einkommen
steuerpflichtige Einkünfte (z.B. Einnahmen aus nicht selbstständiger Arbeit)
steuerfreie Einnahmen (z.B. Grundsicherungsleistung)
Steuererstattungen, die im betreffenden Jahr zurückgezahlt werden
Was davon abzuziehen ist
beglichene Steuerbeträge (Vorauszahlungen, Steuerabzugsbeträge)
Vorsorgeaufwendungen (Sozial-, Kranken- und Pflegeversicherung)
Das Vermögen des betreffenden Kindes fällt beim Kindergeldanspruch nicht ins Gewicht. Achtung: Vermögenseinnahmen – Zinsen, Miete, Pacht etc. – zählen hingegen schon als Einkommen!
Exemplarische Bedarfsermittlung
Zuerst gilt es, den Lebensbedarf des Kindes zu ermitteln:
9.000 € Grundbedarf
1.230 € Behinderten-Pauschbetrag (GdB 85%)
570 € Fahrtkosten (1.900 km x 0,30 €)
= 10.800 € notwendiger Lebensbedarf + individueller behinderungsbedingter Mehrbedarf + weiterer behinderungsbedingter Mehrbedarf
Sofern der Gesamtbetrag der Kindeseinkünfte im Jahr 2018 10.800 Euro nicht überschreitet, haben die Eltern Anspruch auf Kindergeld, weil das Kind unter diesen Umständen außerstande ist, sich selbst zu unterhalten.
Sonntag, 03 Juni 2018 09:38
26.03.2018 – Gerade Berufseinsteiger die ein Praktikum absolvieren möchten, stehen häufig vor der Frage, ob sie als Praktikanten auch einen Anspruch auf Kindergeld haben. Die Antwort lautet: Jein…es kommt darauf an.
Zunächst wichtig: Minderjährige Praktikanten müssen sich keine Gedanken machen, ob sie während des Praktikums Kindergeld erhalten können. Bei Minderjährigen ist der Kindergeldbezug an keine Bedingungen geknüpft, weshalb jugendliche Praktikanten in jedem Fall Kindergeld bis zum 18. Geburtstag erhalten.
Ab Erreichen der Volljährigkeit prüft die Familienkasse, ob die Voraussetzungen für den Kindergeldanspruch erfüllt werden, deshalb oben „es kommt darauf an“. Dies gilt allerdings nicht nur für ein Praktikum, sondern generell bei über 18-Jährigen (bis 25 Jahren), so auch für Ausbildung, Arbeitslosigkeit etc.
Praktikum und Kindergeld bei Volljährigen
Grundsätzlich gilt, dass ein Praktikum zu eurer Berufsausbildung gehören muss. Dabei ist es unerheblich, ob es sich um ein freiwilliges oder um ein Pflichtpraktikum handelt. Wichtig ist, dass es dem Praktikanten insofern für seinen später angestrebten Beruf ausbildet, indem Kenntnisse, Erfahrungen und Fähigkeiten vermittelt werden, die er für seinen späteren Berufsweg benötigen kann. Davon ist grundsätzlich bei einem Pflichtpraktikum während des Studiums auszugehen.
Handelt es sich lediglich um ein gering bezahlten Arbeitsverhältnis bzw. „Lückenfüller“, so qualifiziert ein solches Praktikum nicht zum Kindergeldbezug. Der Bundesfinanzhof (BFH) hat mit Urteil VIII R 79/99 vom 15.7.2003 entschieden, dass ein Praktikum für das angestrebte Berufsziel förderlich sein muss.
In verhandelten Fall nahm eine angehende Studentin der Politikwissenschaften im Wartesemester eine Tätigkeit als Fremdsprachenassistentin in Frankreich auf. Sie erteilte französischen Schülern Deutschunterricht. Der BFH entschied, dass für die Zeit dieser Tätigkeit kein Anspruch auf Kindergeld bestehe.
Voraussetzungen an Praktika
Damit Kindergeld weiter gezahlt wird, muss das Praktikum anerkannt sein. Dies ist dann der Fall, wenn
die Ausbildungsstelle, Ausbildungs- oder Studienordnung ein Pflichtpraktikum vorschreibt, als fachliche Voraussetzung oder Ergänzung der eigentlichen Ausbildung
die Ausbildungsstelle, Ausbildungs- oder Studienordnung als fachliche Voraussetzung oder Ergänzung der eigentlichen Ausbildung ein Praktikum empfiehlt
das Praktikum empfohlen und als Zugangsvoraussetzung für die Berufsausbildung/ Studium
Wird dagegen ein Praktikum weder vorgeschrieben noch empfohlen, so kann grundsätzlich zunächst höchstens für einen Zeitraum von sechs Monaten die Anspruchsvoraussetzungen für den Bezug von Kindergeld erfüllen. Ein Bezug darüber hinaus kann nur erfolgen, wenn glaubhaft gemacht wird, dass ein ausreichender Bezug zum Berufsziel besteht (Ausbildungscharakter). Hierzu schreibt das Bundeszentralamt für Steuern in seinen Dienstanweisungen (DA 63.3.2.5 Abs. 2 S. 5):
Davon kann ausgegangen werden, wenn dem Praktikum ein detaillierter Ausbildungsplan zu Grunde liegt, der darauf zielt, unter fachkundiger Anleitung für die Ausübung des angestrebten Berufs wesentliche Kenntnisse und Fertigkeiten zu vermitteln.
Ob ein Praktikum für den Kindergeldbezug qualifiziert, hängt im Übrigen nicht von der Praktikumsvergütung ab. Auch Praktika ohne Vergütung können vom Leistungsbezug ausschließen, sofern sie keinen „Ausbildungscharakter“ haben und dem Praktikumsbetrieb nur als kurzfristige und kostenlose Aushilfen dienen.
Auch wenn das Kind ein Auslandspraktikum absolviert, kann der Kindergeldanspruch weiterhin bestehen, so lange es die gleichen Voraussetzungen erfüllt wie für Praktika im Inland.
Die erworbenen Kenntnisse (dies schließt Sprachkenntnisse ein) müssen berufliche Relevanz haben – und ihr Erwerb muss nachgewiesen werden. Eine rein autodidaktische Spracherlernung würde dafür nicht reichen – Nachweise von Sprachkursen hingegen schon. Der Einfachheit halber sollte der Wohnsitz bei einem Auslandspraktkum allerdings nicht ins Ausland verlegt werden.
Der reine Aufenthalt im Ausland kann nur anerkannt werden, wenn er nicht nur auf bloßem Wunsch des ausbildungswilligen Kindes basiert. Der Sprachaufenthalt muss zumindest Ausbildungsziel bzw. Ausbildungsinhalt einer damit verbundenen Berufsausbildung sein. Hierzu gehören z.B. Besuche einer allgemeinbildenden Schule, College oder Universität im Ausland.
Ein Au-Pair Aufenthalt im Ausland kann nur anerkannt werden, wenn er von einem (nachgewiesenen) Sprachunterricht in der Fremdsprache begleitet wird. Gemäß DA 63.4.3 Satz 4 der Dienstanweisungen für Familienkassen wird ein Au-Pair-Verhältnis nicht als Erwerbstätigkeit angesehen. Demzufolge ist auch evtl. Einkommen daraus unschädlich für den Kindergeldanspruch.
Einkommen aus dem Praktikum – Praktikumsvergütung
Ob das Einkommen aus dem Praktikum, also die Praktikumsvergütung relevant ist, hängt davon ab, ob es sich um ein Praktikum im Zusammenhang mit einer Berufsausbildung handelt. Hier gelten die gleichen Grundsätze wie beim Bezug des Kindergeldes während einer Ausbildung.
Eine Einkommensgrenze gibt es nicht. Entscheidend ist nur noch, ob es sich um schädliche Einkünfte handelt oder nicht. Was schädliche Einkünfte sind, wird unter „Kindergeld in Ausbildung“ erläutert.
Praktikumsvergütung ist Ausbildungsvergütung
Einkommen aus einem Ausbildungsdiesntverhältnis sind stets unschädlich für den Kindergeldanspruch und die Dienstanweisungen sehen in DA 63.4.3.2 ein Praktikum bzw. Volontariat ausdrücklich als ein solches an. Verständlich, denn Kindergeld wird während eines Praktikums auch nur gezahlt, wenn es sich um eines handelt, dass auch das Ziel einer Berufsausbildung verfolgt. Unabhängig ob Vollzeitpraktikum oder Teilzeitpraktikum, die 20-Wochenstunden-Grenze spielt keine Rolle.
Arten von Praktika auf der Seite der Bundesagentur für Arbeit:
http://www.arbeitsagentur.de/web/content/DE/BuergerinnenUndBuerger/Ausbildung/Praktikum/index.htm
Sonntag, 03 Juni 2018 07:33
Während einer Ausbildung können volljährige Kinder bis zur Vollendung des 25. Lebensjahres Kindergeld bekommen. Zudem ist seit 2012 die komplizierte Einkommensanrechnung (Freigrenze) weggefallen. Entsprechende Erläuterungen aus dem BMF-Schreiben vom 07.12.2011 sind in diesem Fachartikel verarbeitet. Die Einkommensgrenze von 8.130 Euro (8.004 Euro alt) sorgt nicht mehr für den Fallbeileffekt, dass bei Überschreiten des Einkommens das gesamte Kindergeld zurückgezahlt werden muss. Hier handelt es sich um eine Vereinfachung, basierend auf dem Steuervereinfachungsgesetz 2011.
So wie der Entfall dieser Einkommensanrechnung für Auszubildende und Studenten Vorteile schafft, birgt die Gesetzesänderungen aber auch Gefahren und hat ihre Tücken, auf die wir in diesem Artikel zum Kindergeld in der Ausbildung näher eingehen werden.
Eltern, die aus Unwissenheit nach der Gesetzesänderung keinen Kindergeldantrag gestellt haben, sollten dies schnellstens nachholen. Kindergeld kann (Änderung seit 01.01.2018!) bis zu sechs Monate rückwirkend beantragt werden. Bis 2017 war es noch möglich, bis zu vier Jahre rückwirkend zu beantragen. Durch den Wegfall der Einkommensanrechnung (Änderung seit 01.01.2012) hat sich der Kreis der Auszubildenden erweitert, die Kindergeld beziehen können. Bitte aber die weiteren Hinweise im Artikel beachten!
Das Kindergeld wurde letztmalig in 2018 um 2 Euro angehoben.
1. und 2. Kind 194 Euro 192 Euro
3. Kind 200 Euro 198 Euro
ab 4. Kind 225 Euro 223 Euro
Zwar war nach der Bundestagswahl im vergangenen Jahr eine deutliche Erhöhung im Gespräch, jedoch wurde diese Idee wieder verworfen. Gleichzeitig wurde aber eine deutliche Erhöhung des BAföG in die Polit-Runde geworfen, so dass möglicherweise Schüler und Studenten in naher Zukunft – wenn auch an anderer Stelle – von einer Erhöhung der Leistungen profitieren können.
Ernsthaftigkeit der Ausbildung
Eine Ausbildung begründet einen Kindergeldanspruch nur, wenn diese auch ernsthaft betrieben wird. Die Dienstanweisungen schreiben dabei vor, dass „Zeit und Arbeitskraft“ des Auszubildenden/ Studenten soweit in Anspruch genommen werden, dass keine Zweifel daran bestehen, das gewünschte Berufsziel zu erreichen.
Zweifel an der Ernsthaftigkeit einer Berufsausbildung würden beispielsweise dann aufkommen, wenn der Auszubildende/ Student erheblich von der festgelegten Ausbildung- bzw. Studiendauer abweicht, die für eine vergleichbare Ausbildung üblich ist.
Leistungsnachweise über Ausbildungsstand
Insbesondere bei Ausbildungsgängen, die keine regelmäßige Anwesenheitspflicht erfordern, dazu gehören ein Universität- oder Hochschulstudium sowie das Fernstudium, müssen in regelmäßigen Abständen Leistungsnachweise – ähnlich dem BAföG – erbracht werden. Studenten werden diese auch als „Scheine“ kennen. In der Regel sind die Bescheinigungen von Hochschulen zum Semesterende ausreichend. Sind diese jedoch nicht aussagekräftig genug, können die Familienkassen auch die Zusendung von Arbeiten verlangen, um den Ausbildungsstand nachzuvollziehen. Gerade bei einem Fernstudium kann es daher vorkommen, dass die Familienkasse auch die Vorlage von Einsendeaufgaben verlangt.
Ausbildungs- und Unterrichtszeit
Schulische Ausbildung und erste Berufsausbildung
Befindet sich das volljährige Kind noch in allgemeiner Schulausbildung oder in der ersten Berufsausbildung/ Studium, so haben Eltern weiterhin vollen Kindergeldanspruch. Gleiches gilt auch, wenn das Kind noch ohne Ausbildungsplatz ist oder sich zwischen zwei Ausbildungsabschnitten befindet (max. vier Monate). Auch wenn das Kind währenddessen neben der Ausbildung Geld verdient, z.B. mit einem Studentenjob oder einem Ferienjob, können diese das Kindergeld nicht mehr streitig machen.
Je nachdem, was zuerst eintrifft, endet die Bezugsdauer des Kindergeldes entweder mit dem erfolgreichen Abschluss der ersten Berufsausbildung (z. B. Gesellenbrief, Fachangestelltenbrief, Bachelor-Abschluss etc.) oder mit der Altersgrenze von 25 Jahren. Die Altersgrenze verlängert sich um Zeiten, in denen der gesetzliche Wehr- oder Zivildienst (Pflicht zum 01.07.2011 abgeschafft) abgeleistet wurde. Ausführliche Erläuterungen zur Verlängerung erhalten Sie ganz unten in diesem Artikel.
Befindet sich der Auszubildende zwischen zwei Ausbildungsabschnitten, z.B. Abitur und anschließendes Studium, so kann das Kindergeld für höchstens vier Monate weitergezahlt werden.
Zweite und weitere Berufsausbildung
Hat das Kind bereits eine abgeschlossene Berufsausbildung, kommt es nun zu den o.g. Tücken, mit denen Eltern bisher nicht gerechnet haben.
Als abgeschlossene Berufsausbildung wird hier nicht das abgesehen, was der Auszubildende darunter versteht, sondern ob die bisherige Ausbildung zur Ausübung eines Berufes befähigt. Es wird nicht danach unterschieden, ob es sich um eine Fortführung der Ausbildung handelt oder ob die zweite auf der ersten aufbaut. Beispiele hierfür:
So befindet sich eine Medizinstudentin, die nach dem Abitur zunächst eine Ausbildung als Krankenschwester absolviert hat, in ihrem Studium bereits in der zweiten Berufsausbildung. Der erlernte Beruf als Krankenschwester befähigt sie zur Berufsausübung.
Ein Student, der bereits erfolgreich einen Bachelor Abschluss hat und anschließen ein Master Studium hinterher hängen will, befindet sich im Masterstudiengang ebenfalls in der zweiten Berufsausbildung. Der Bachelor ist ein anerkannter Abschluss des Studiums, der bereits zur Ausübung eines Berufes befähigt.
Wurde eine Ausbildung zum Rettungssanitäter mit einer Prüfung abgeschlossen, so liegt eine abgeschlossene Berufsausbildung vor
Ist die erste Berufsausbildung bereits abgeschlossen, erlischt der Kindergeldanspruch nicht automatisch. Die Familienkasse muss nun prüfen, ob das volljährige Kind schädliche Einkünfte erwirtschaftet.
Wie bereits Eingangs erwähnt, ist die Einkommensgrenze vollständig entfallen. Dafür wurden beim Kindergeld für Auszubildende in der zweiten oder einer weiteren Ausbildung andere Kriterien eingeführt. In den Dienstanweisungen der Familienkassen ist von „schädlichen Einkünften“ die Rede. Als schädlich ist eine
Erwerbstätigkeit von mehr als 20 Stunden pro Woche
Eine Tätigkeit im Rahmen eines Ausbildungsdienstverhältnisses ist stets unschädlich. Hierzu gehört nach 63.4.3.2 DA_FamEStG 2013:
ein Berufsausbildungsverhältnis nach dem Berufsbildungsgesetz (BBiG)
Praktikum bei Pharmazeuten im Anschluss an universitäres Pharmaziestudium
Anerkennungsjahr im Rahmen der Ausbildung zum Erzieher
Unschädlich sind neben der Ausbildungsvergütung auch Tätigkeiten im Rahmen einer
geringfügig entlohnten Beschäftigungen (Minijob, 450-Euro-Job)
Ob eine geringfügige bzw. kurzfristige Beschäftigung vorliegt, richtet sich nach der sozialversicherungsrechtlichen Beurteilung des Arbeitsverhältnisses durch den Arbeitgeber.
Schädliche Einkunftsarten
Zu diesen schädlichen Einkünften zählen:
Einkünfte aus selbständiger und/ oder gewerblicher Tätigkeit
Unschädlich dagegen sind
An dieser Stelle kommt es bei der gesetzlichen Regelung zu einer Ungerechtigkeit, die wir an einem Beispiel verdeutlichen wollen:
Ungerechtigkeit durch Einkunftsarten
Sowohl Stefan als auch Martin befinden sich im obigen Beispiel in einer weiteren Ausbildung. Ungerecht ist jedoch, dass Einkünfte aus Erwerbstätigkeit (persönliche Arbeitskraft) schädlich sind. Obwohl der unvermögende Stefan geringere Einkünfte als der vermögende Martin hat, erhält Stefan kein Kindergeld mehr. Für Martin haben die Eltern dagegen weiterhin vollen Kindergeldanspruch, da er nicht arbeitet und Einkünfte aus der Verwaltung seines Vermögens bezieht.
20-Stunden-Grenze bei anspruchsschädlicher Erwerbstätigkeit
Entscheidend für die Einhaltung der 20-Stunden-Grenze ist die regelmäßige wöchentliche Arbeitszeit des Kindes. Maßgeblich ist die individuell vereinbarte Arbeitszeit, so beispielsweise im Arbeitsvertrag. Die Ermittlung der Arbeitszeit beginnt im Folgemonat, der auf den Abschluss der erstmaligen Berufsausbildung bzw. Erststudium folgt.
Hat das Kind seine Erstausbildung im Juli 2016 beendet, beginnt die Berücksichtigung der Arbeitszeit im August 2016.
Auch wenn mehrere Tätigkeiten während der Ausbildung nebeneinander ausgeübt werden
(z.B. ein Minijob und eine Teilzeittätigkeit), sind diese unschädlich, wenn insgesamt die regelmäßige wöchentliche Arbeitszeit in der Summe 20 Stunden nicht überschreitet.
Vorübergehende Ausweitung der Arbeitszeit
Für einen Zeitraum von höchstens zwei Monaten kann die Arbeitszeit auch über die 20 Wochenstunden hinaus ausgeweitet werden. Voraussetzung ist allerdings, dass im Durchschnitt des gesamten Zeitraums, in dem Anspruch auf Kindergeld während der Ausbildung besteht, die wöchentliche Arbeitszeit von 20 Stunden nicht überschritten wird. Für eine korrekte Ermittlung sind nur volle Wochen mit der gleichen Arbeitszeit heranzuziehen. Ein Jahreswechsel unterbricht die Ausweitung der Arbeitsstunden nicht.
Diese komplizierte Berechnung lässt sich am besten an einem Beispiel verdeutlichen. Dabei gehen wir davon aus, dass sich das Kind das gesamte Jahr in Ausbildung befindet und demnach für volle 52 Wochen einen Kindergeldanspruch besteht. Die genannten Wochenstunden sind die vereinbarte Arbeitszeit.
01.03. – 31.07. – Teilzeit 20 Std./ Woche – (21 Wochen + 6 Tage)
01.08. – 30.09. – Vollzeit 40 Std./ Woche (8 Wochen + 5 Tage)
01.10. – 30.11. – Teilzeit 15 Std./ Woche (8 Wochen + 5 Tage)
Die einzelnen Tage sind nicht relevant, also müssen wir zunächst die Arbeitszeit der einzelnen, vollen Wochen zusammenzählen:
(21 Wochen x 20 Std.) + (8 Wochen x 40 Std.) + (8 Wochen x 15 Std.) = 860 Std.
Da der Anspruchszeitraum auf Kindergeld volle 52 Wochen beträgt, müssen wir nun 860 gearbeiteten Stunden durch die 52 Wochen teilen und erhalten die durchschnittliche, wöchentliche Arbeitszeit:
860 Std. /52 Wochen =16,54 Std./ Woche
Die vorübergehende Ausweitung der Arbeitsstunden im August und September beträgt nicht länger als zwei Monate und hat nicht dazu geführt, dass die Grenze von durchschnittlich 20 Stunden überschritten wurde. Somit hat das Kind auch während dieser Monate den vollen Kindergeldanspruch.
Bei Überschreiten entfällt der Anspruch nicht komplett
Im Vergleich zur alten Regelung entfällt der Kindergeldanspruch nicht komplett, wenn die Voraussetzungen überschritten werden. Das Kind wird dann nur für diese Monate kein Kindergeld erhalten, in denen die Ausweitung der Arbeitszeit überschritten wurde. Nur der anspruchsschädliche Zeitraum schließt vom Kindergeldbezug aus, nicht der gesamte Erwerbszeitraum.
Überschreiten der vorübergehenden Dauer von zwei Monaten
Wird der vorübergehende Zeitraum von zwei Monaten überschritten, so gilt die Tätigkeit für diesen Zeitraum als anspruchsschädlich. Dies gilt im Übrigen auch, wenn trotz des überschrittenen Zeitraums die Grenze bei der wöchentlichen Arbeitszeit von 20 Stunden eingehalten wird. Greifen wir dazu o.g. Beispiel auf und ersetzen die Vollzeittätigkeit unter 2. auf
16.07. – 25.09. – Vollzeit 40 Std. /Woche (10 Wochen + 2 Tage – mehr als 2 Monate)
Obwohl die durchschnittliche wöchentliche Arbeitszeit unter 20 Stunden liegt, entfällt der Kindergeldanspruch für den Monat August. Da die vorübergehende Zeit von zwei Monaten überschritten wurde, kann das Kindergeld für das Kind in Ausbildung nur bis zum Monat Juli und dann wieder ab September weitergezahlt werden.
Überschreiten der durchschnittlichen wöchentlichen Arbeitszeit von 20 Stunden
In den Monaten, in denen die durchschnittliche wöchentliche Arbeitszeit überschritten wurde, erhält das Kind kein Kindergeld. Auch das lässt sich am besten an einem Beispiel verdeutlichen.
Das Kind befindet sich im gesamten Jahr 2016 im Studium. Um sich zur Ausbildung etwas dazuzuverdienen, hat es einen Nebenjob aufgenommen. Die vertragliche Arbeitszeit beträgt wöchentlich 20 Stunden. In den Semesterferien im Juli und August weitet es die Tätigkeit auf 40 Wochenstunden aus. Ab September beträgt die Arbeitszeit dann wieder 20 Stunden die Woche.
Hier liegt die Ausweitung mit nicht mehr als zwei Monaten wieder im Rahmen. Rechnet man die wöchentliche Arbeitszeit auf das gesamte Jahr um, so werden die 20 Stunden überschritten, da das Kind in den Monaten Juli und August einer Vollzeittätigkeit mit 40 Wochenstunden nachgegangen ist. Als Folge wird für Juli und August kein Kindergeld gezahlt. Für die Zeiträume davor und danach besteht weiterhin Kindergeldanspruch.
Dualer Studiengang/ berufsbegleitendes Studium
Das berufsbegleitende Studieren wird mittlerweile von vielen Auszubildenden in Anspruch genommen, vereint es doch theoretische Ausbildung und Praxisnähe. Damit das duale Studium aber auch beim Kindergeld anerkannt wird, muss die Ausbildung ebenfalls weitere Voraussetzungen erfüllen. Hierzu scheibt die Verwaltung in seinen Dienstanweisungen (63.4.3.2 Abs. 2):
Bei berufsbegleitenden und berufsintegrierten dualen Studiengängen fehlt es häufig an einer Ausrichtung der Tätigkeit für den Arbeitgeber auf den Inhalt des Studiums, so dass in solchen Fällen die Annahme eines Ausbildungsdienstverhältnisses ausscheidet. Liegt hingegen eine Verknüpfung zwischen Studium und praktischer Tätigkeit vor, die über eine bloße thematische Verbindung zwischen der Fachrichtung des Studiengangs und der in dem Unternehmen ausgeübten Tätigkeit oder eine rein organisatorische Verzahnung hinausgeht, ist die Tätigkeit als im Rahmen eines Ausbildungsdienstverhältnisses ausgeübt zu betrachten. Eine entsprechende Ausrichtung der berufspraktischen Tätigkeit kann z. B. anhand der Studienordnung oder der Kooperationsvereinbarung zwischen Unternehmen und Hochschule glaubhaft gemacht werden.
Verlängerung des Bezuges durch gesetzlichen Wehrdienst/ Zivildienst
Für die Zeit der Ableistung des gesetzlichen Wehr- und Zivildienstes, dessen Pflicht zum 01.07.2011 abgeschafft wurde, konnte der Kindergeldbezug verlängert werden. Volljährige Kinder, die sich noch in Ausbildung befanden, erhielten Kindergeld über das 25. Lebensjahr hinaus, und zwar um die Monate, für die sie den gesetzlichen Dienst geleistet haben.
Der anstelle der gesetzlichen Pflicht eingeführte Bundesfreiwilligendienst (BFD) begründet hingegen keine Verlängerung des Kindergeldes über das 25. Lebensjahr hinaus. In welchem Fall bei einem BFD oder anderen freiwilligen Diensten Kindergeld gewährt wird, lesen Sie in einem gesonderten Artikel unter Kindergeld im Freiwilligendienst
Zu diesem Thema auf der Seite der Bundesagentur für Arbeit:
http://www.arbeitsagentur.de/nn_26546/zentraler-Content/A09-Kindergeld/A091-steuerrechtliche-Leistungen/Allgemein/Anspruchsvoraussetzungen.html#d1.6
Im Gegensatz zu minderjährigen Kindern, für die die Familienkasse das Kindergeld bis zum 18. Geburtstag ohne jede Bedingung zahlt, gilt es für volljährige Kinder einige Bedingungen zu erfüllen, um weiterhin Anspruch auf Kindergeld zu haben. Kommt dem Kind das Kindergeld nicht zugute, da die Eltern ihre Unterhaltspflicht nicht oder nicht ausreichend erfüllen, kann das Kind einen Abzweigungsantrag auf Kindergeld stellen.
Keine abgeschlossene Berufsausbildung/kein abgeschlossenes Studium
Volljährige Kinder, die weder Berufsausbildung noch Studium absolviert haben, erhalten Kindergeld:
während der Wartezeit (nicht länger als vier Monate) auf einen Ausbildungs- oder Studienplatz
in der Zeit der ersten Berufsausbildung bzw. während des Erststudiums
während der Überbrückungszeit zwischen zwei Ausbildungsabschnitten
In diesem Fall ist es bedeutungslos, wie viel die Kinder arbeiten bzw. wie viel sie verdienen.
Volljährige Kinder, die schon eine Ausbildung oder ein Studium absolviert haben, und
auf einen zweiten Ausbildungs- oder Studienplatz warten
einer zweiten Ausbildung bzw. einem zweiten Studium nachgehen
die Zeit zwischen zwei Ausbildungen überbrücken
haben nur dann Anspruch auf Kindergeld, wenn die Beschäftigung, der sie nachgehen, als unschädlich zu bezeichnen ist.
Kind befindet sich in Ausbildung/Studium
Ausführlichere Informationen zum Thema – vor allem zur Differenzierung von Erst- und Zweitausbildung – gibt es unter Kindergeld in Ausbildung.
Anerkannte Schulformen
Die Familienkasse erkennt folgende Schulformen zur Ausbildung/zum Studium an:
Berufskolleg/Berufsfachschule
Falls es innerhalb der Ausbildung/während des Studiums aus Krankheitsgründen oder wegen Mutterschaft zu Unterbrechungen kommt, bleibt der Anspruch auf Kindergeld dennoch bestehen. Nicht zulässig sind allerdings Unterbrechungszeiten, die der Kinderbetreuung nach Ende des Mutterschutzes dienen – Stichwort Elternzeit.
Wehr- bzw. Zivildienst (zum 01.07.2011 ausgelaufen) oder einem entsprechenden Ersatzdienst
Europäischem Freiwilligendienst oder Auslandsdienst nach dem Zivildienstgesetz
Kindergeld trotz fehlendem Ausbildungsplatz
Auch ein Kind, das in keinem Ausbildungsverhältnis steht, hat zwischen 18 und 25 Anspruch auf Kindergeld: jedoch nur, wenn es aufgrund von Erfolglosigkeit keine Ausbildung zum ehesten Zeitpunkt antreten kann. Vorausgesetzt wird hier, dass das Kind sich ernsthaft um eine Ausbildungsstelle bemüht hat. Die Erfolglosigkeit muss nachweisbar sein; dies kann beispielsweise durch das Vorlegen der erfolgten Bewerbungen geschehen. Ist das Kind bei der Berufsberatung der Bundesagentur für Arbeit/beim Jobcenter als Bewerber um eine Ausbildungsstelle/für Bildungsmaßnahmen registriert, zählt dies als ausreichender Beleg.
Kindergeld bis zur Vollendung des 25. Lebensjahres
Kindergeld wird grundsätzlich höchstens bis zur Vollendung des 25. Lebensjahres gezahlt. Für die Jahrgänge 1981 bis 1983 gab es jedoch eine Übergangsregelung: So erhielten Kinder, die bis zum 01.01.1982 (einschließlich) geboren wurden, bis zur Vollendung ihres 27. Lebensjahres Kindergeld – zwischen dem 02.01.1982 und dem 01.01.1983 geborene Kinder bis zur Vollendung ihres 26. Lebensjahres.
Diese Übergangsregelung ist letztmalig in 2010 ausgelaufen, wenn die Jahrgänge von 1982 und ein womöglich abgeleisteter Wehr- oder Zivildienst (seit 01.07.2011 ausgelaufen) berücksichtigt werden. Für alle Kinder, die seit dem 02.01.1983 geboren sind, gilt die neue Altersgrenze von 25 Jahren.
Kindergeld über das 25. Lebensjahr hinaus
Nur unter zwei Voraussetzungen wird Kindergeld auch nach der Vollendung des 25. Lebensjahres gezahlt:
wenn das Kind den gesetzlichen Grundwehr- bzw. Zivildienst abgeleistet oder eine von diesen Diensten befreiende Tätigkeit als Entwicklungshelfer ausgeübt hat
wenn es sich um ein behindertes Kind handelt
Kindergeld bei Grundwehrdienst, Zivildienst oder bei einer Tätigkeit als Entwicklungshelfer
Zum 01.07.2011 ist die Wehrpflicht ausgelaufen. Die Ableistung des Bundesfreiwilligendienstes erhöht die Bezugsdauer von Kindergeld nicht, denn hierbei handelt es sich um einen Dienst, der – wie der Name schon sagt – freiwillig abgeleistet wird.
Eine das 25. Lebensjahr überschreitende Auszahlung von Kindergeld an Kinder in Berufsausbildung oder Studium konnte erfolgen, wenn das Kind den gesetzlichen Grundwehr- bzw. Zivildienst abgeleistet oder eine von diesen Diensten befreiende Tätigkeit als Entwicklungshelfer ausgeübt hat.
Der Zeitraum der Dienstableistung wurde dann auf die Altersgrenze von 25 aufaddiert. Darüber hinaus erhöhte eine freiwillige Verpflichtung zum Wehrdienst von höchstens drei Jahren die Kindergeld-Bezugsdauer. Diese verlängerte sich dabei höchstens um die Zeit des gesetzlichen Grundwehr- bzw. Zivildienstes – während dieser Zeit haben die Eltern jedoch kein Kindergeld erhalten.
Sollte die Behinderung eines Kindes ursächlich dafür sein, dass das Kind seinen Lebensunterhalt nicht selbst erwirtschaften kann, wird das Kindergeld unter Umständen ohne Altersgrenze über das 25. Lebensjahr hinaus gewährt. Das jährliche Einkommen des Kindes darf dabei aber den Grundfreibetrag nicht überschreiten.
Mehr Details zu diesem Thema gibt es unter Kindergeld bei Behinderung.
Wegfall der Einkommensgrenze
Seit dem Jahr 2012 gibt es keine Einkommensgrenze mehr, die einen Einfluss auf den Kindergeldanspruch volljähriger Kinder hat. Bis Ende 2011 lag die Einkommensgrenze bei 8.004 Euro jährlich. Jetzt richtet sich der Kindergeldanspruch nach dem Ausbildungsstatus des volljährigen Kindes.
Sonntag, 26 November 2017 08:53
Sonntag, 26 November 2017 08:22