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Timestamp: 2020-02-26 22:39:57
Document Index: 388941837

Matched Legal Cases: ['§ 613', '§ 613', '§ 613', '§ 613', '§ 613', 'Art. 3', '§ 613', 'Art. 3', '§ 613', '§ 613', '§ 1', '§ 613', '§ 613', '§ 4', '§ 3', '§ 613', '§ 3', '§ 4', 'EuG', '§ 613', '§ 612', '§ 563', '§ 2', '§ 1', '§ 1', '§ 3', '§ 307', 'EuG', 'EuG']

BAG, Urteil vom 16.05.2012, 4 AZR 320/10 - HENSCHE Arbeitsrecht
BAG, Ur­teil vom 16.05.2012, 4 AZR 320/10
Schlagworte: Betriebsübergang: Tarifvertrag, Tarifvertrag, Betriebsübergang
Vorinstanzen: Landesarbeitsgericht Sachsen-Anhalt, Urteil vom 10.03.2010 - 4 Sa 215/09
Arbeitsgericht Dessau-Roßlau, Urteil vom 13.05.2009 - 1 Ca 73/09
1. Auf die Re­vi­si­on der Be­klag­ten wird das Ur­teil des Lan­des­ar­beits­ge­richts Sach­sen-An­halt vom 10. März 2010 - 4 Sa 215/09 - auf­ge­ho­ben.
2. Auf die Be­ru­fung der Be­klag­ten wird das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts Des­sau-Roßlau vom 13. Mai 2009 - 1 Ca 73/09 - ab­geändert. Die Kla­ge wird ab­ge­wie­sen.
Die Kläge­rin, seit dem 1. Sep­tem­ber 2006 Mit­glied der Ver­ein­ten Dienst­leis­tungs­ge­werk­schaft ver.di, ist seit dem 15. Mai 2001 bei der Be­klag­ten und ih­rer Rechts­vorgänge­rin, der N V AG, als Te­le­fon-Sach­be­ar­bei­te­rin im Call­cen­ter mit ei­ner wöchent­li­chen Ar­beits­zeit von zu­letzt 31,75 St­un­den teil­zeit­beschäftigt.
Im Ar­beits­ver­trag vom 15. Mai 2001 heißt es ua.:
„Zusätz­lich zu al­len sons­ti­gen ta­rif­li­chen Ansprüchen ha­ben die voll­zeit­beschäftig­ten Ar­beit­neh­mer ab dem 1.1.2008 An­spruch auf je­weils ei­ne mit der Ent­gelt­zah­lung für den Mo­nat Ju­ni fälli­ge jähr­li­che Zu­satz­leis­tung (1.473,-- €), die der Sum­me von mo­nat­lich 122,75 € brut­to für die Mo­na­te des Jah­res in ei­nem gülti­gen Beschäfti­gungs­verhält­nis ent­spricht und über die ge­sam­te Lauf­zeit für ma­xi­mal die An­zahl der Mo­na­te der Gel­tung des Ta­rif­ver­tra­ges zur Sa­nie­rung und zur Beschäfti­gungs­si­che­rung auf ihr Ar­beits­verhält­nis ge­zahlt wird.
2. Ein Zah­lungs­an­spruch folgt auch nicht aus § 613a Abs. 1 Satz 2 BGB iVm. den Nor­men des TV Zu­satz­zah­lung. Be­steht im Zeit­punkt des Be­triebsüber­gangs kei­ne bei­der­sei­ti­ge nor­ma­ti­ve Ta­rif­ge­bun­den­heit, weil auf Ar­beit­neh­mer­sei­te der Ge­werk­schafts­bei­tritt erst da­nach er­folgt, gehört der ta­rif­ver­trag­li­che Re­ge­lungs­be­stand nicht zu den Rech­ten und Pflich­ten aus dem im Zeit­punkt ei­nes Be­triebsüber­gangs be­ste­hen­den Ar­beits­verhält­nis nach § 613a Abs. 1 Satz 1 und Satz 2 BGB.
a) Nach § 613a Abs. 1 Satz 1 BGB, der auf das Ar­beits­verhält­nis der Par­tei­en An­wen­dung fin­det, tritt dann, wenn ein Be­trieb oder Be­triebs­teil durch Rechts­geschäft auf ei­nen an­de­ren In­ha­ber über­geht, die­ser in die Rech­te und Pflich­ten aus den im Zeit­punkt des Über­gangs be­ste­hen­den Ar­beits­verhält­nis­sen ein. Zum 1. Ja­nu­ar 2006 ist der Be­trieb, in dem die Kläge­rin da­mals beschäftigt war, durch Rechts­geschäft auf die Be­klag­te über­ge­gan­gen. Da­mit ist die Be­klag­te kraft Ge­setz in die in die­sem Zeit­punkt be­ste­hen­den Rech­te und Pflich­ten aus dem Ar­beits­verhält­nis mit ih­rer Rechts­vorgänge­rin ein­ge­tre­ten.
b) Ent­ge­gen der Rechts­auf­fas­sung des Lan­des­ar­beits­ge­richts gehörten die Ansprüche aus dem TV Zu­satz­zah­lung nicht zu den Rech­ten und Pflich­ten des Ar­beits­verhält­nis­ses der Kläge­rin mit der Rechts­vorgänge­rin der Be­klag­ten im Zeit­punkt des Be­triebsüber­gangs. Sie sind des­halb nicht nach § 613a Abs. 1 Satz 2 BGB in das nun­mehr zwi­schen der Kläge­rin und der Be­klag­ten be­ste­hen­de Ar­beits­verhält­nis über­ge­gan­gen.
aa) Maßge­bend bei der Klärung, ob Ansprüche aus dem dort nicht kraft bei­der­sei­ti­ger Ta­rif­ge­bun­den­heit gel­ten­den TV Zu­satz­zah­lung im Ar­beits­verhält­nis der Par­tei­en be­ste­hen, sind die Vor­ga­ben des § 613a Abs. 1 Satz 2 BGB. Da­nach wer­den die­je­ni­gen Rech­te und Pflich­ten, die durch Rechts­nor­men ei­nes Ta­rif­ver­tra­ges ge­re­gelt sind, In­halt des Ar­beits­verhält­nis­ses zwi­schen dem neu­en In­ha­ber und dem Ar­beit­neh­mer. Die­se Vor­ga­ben sind im Ein­klang mit Art. 3 Abs. 3 der Richt­li­nie 2001/23/EG des Ra­tes vom 12. März 2001 (ABl. EG L 82 vom 22. März 2001 S. 16) aus­zu­le­gen. Da­nach erhält der Er­wer­ber nach dem Über­gang die in ei­nem Kol­lek­tiv­ver­trag ver­ein­bar­ten Ar­beits­be­din­gun­gen bis zur Kündi­gung oder zum Ab­lauf des Kol­lek­tiv­ver­tra­ges
bzw. bis zum In­kraft­tre­ten oder bis zur An­wen­dung ei­nes an­de­ren Kol­lek­tiv­ver­tra­ges in dem glei­chen Maße auf­recht, wie sie in dem Kol­lek­tiv­ver­trag für den Veräußerer vor­ge­se­hen wa­ren.
Mit der Trans­for­ma­ti­on nach § 613a Abs. 1 Satz 2 BGB soll im Ein­klang mit Art. 3 Abs. 3 der Richt­li­nie 2001/23/EG die Auf­recht­er­hal­tung der kol­lek­tiv-recht­lich ge­re­gel­ten Ar­beits­be­din­gun­gen gewähr­leis­tet wer­den. Da­bei geht es im deut­schen Rechts­gefüge ent­spre­chend der Wir­kungs­wei­se des TVG um den Er­halt von ursprüng­lich nor­ma­tiv be­gründe­ten Be­sitzständen nach ei­nem Be­triebsüber­gang, in des­sen Fol­ge die Vor­aus­set­zun­gen für ei­ne nor­ma­ti­ve Wei­ter­gel­tung ent­fal­len sind (vgl. BAG 24. Au­gust 2011 - 4 AZR 566/09 - Rn. 20, ZTR 2012, 92) und es auch nicht zu ei­ner Ablösung nach § 613a Abs. 1 Satz 3 BGB kommt. Da­her gehören zu den nach § 613a Abs. 1 Satz 2 BGB über­ge­hen­den Ar­beits­be­din­gun­gen nur sol­che Rech­te und Pflich­ten aus Ta­rif­verträgen, die nor­ma­tiv wir­ken­de In­halts­norm iSd. § 1 Abs. 1 TVG sind (vgl. BAG 24. Au­gust 2011 - 4 AZR 566/09 - Rn. 19 f. mwN, aaO; 22. April 2009 - 4 AZR 100/08 - Rn. 51 mwN, BA­GE 130, 237; 26. Au­gust 2009 - 4 AZR 280/08 - Rn. 21, 31 mwN, AP BGB § 613a Nr. 376 = EzA BGB 2002 § 613a Nr. 112) und da­mit der un­mit­tel­ba­ren und zwin­gen­den Wir­kung nach § 4 Abs. 1 TVG un­ter­lie­gen. Hin­zu kom­men muss die persönli­che Ta­rif­ge­bun­den­heit nach § 3 Abs. 1 TVG. Denn Vor­aus­set­zung ei­ner „Auf­recht­er­hal­tung“ kol­lek­tiv­recht­lich ge­re­gel­ter Ar­beits­be­din­gun­gen nach § 613a Abs. 1 Satz 2 BGB ist das Be­ste­hen ei­ner bei­der­sei­ti­ger Ta­rif­ge­bun­den­heit gemäß § 3 Abs. 1, § 4 Abs. 1 TVG im Zeit­punkt des Be­triebsüber­gangs. Fehlt es hier an ei­ner bei­der­sei­ti­gen Ta­rif­ge­bun­den­heit, sind die Rech­te und Pflich­ten im Ar­beits­verhält­nis nicht durch Rechts­nor­men ei­nes Ta­rif­ver­tra­ges ge­re­gelt. Es fehlt an ei­nem Ob­jekt für ei­ne Trans­for­ma­ti­on.
Dies ent­spricht den Vor­ga­ben der Richt­li­nie 2001/23/EG, de­ren Ziel dar­in be­steht zu ver­hin­dern, dass sich die La­ge der über­ge­gan­ge­nen Ar­beit­neh­mer al­lein auf­grund die­ses Über­gangs ver­schlech­tert (EuGH 6. Sep­tem­ber 2011 - C-108/10 - [Scat­to­lon] Rn. 75, AP Richt­li­nie 2001/23/EG Nr. 9 = EzA EG-Ver­trag 1999 Richt­li­nie 2001/23 Nr. 7; 15. Sep­tem­ber 2010 - C-386/09 - [Bri­ot]
Rn. 26, Slg. 2010, I-8471; 26. Mai 2005 - C-478/03 - [Cel­tec] Rn. 26 mwN, Slg. 2005, I-4389).
bb) Die­se Vor­aus­set­zun­gen sind hier nicht erfüllt. Im Zeit­punkt des Be­triebsüber­gangs zum 1. Ja­nu­ar 2006 be­stand kei­ne bei­der­sei­ti­ge Ta­rif­ge­bun­den­heit. Zwar war die frühe­re Ar­beit­ge­be­rin selbst ei­ne der Ta­rif­ver­trags­par­tei­en des TV Zu­satz­zah­lung auf Ar­beit­ge­ber­sei­te. Je­doch war die Kläge­rin erst seit dem 1. Sep­tem­ber 2006 Mit­glied der Ge­werk­schaft ver.di. Man­gels nor­ma­ti­ver Ta­rif­ge­bun­den­heit fehl­te es schon aus die­sem Grund an ei­nem Norm­be­stand, der nach § 613a Abs. 1 Satz 2 BGB trans­for­miert wer­den konn­te.
3. Ent­ge­gen der Auf­fas­sung des Lan­des­ar­beits­ge­richts ist der Kla­ge auch nicht im Hin­blick auf das Maßre­ge­lungs­ver­bot (§ 612a BGB) iVm. dem ar­beits­recht­li­chen Gleich­be­hand­lungs­grund­satz statt­zu­ge­ben. Da­bei kann es da­hin-ste­hen, ob der Kläge­rin un­ter die­sem recht­li­chen Ge­sichts­punkt dem Grun­de nach Ansprüche ge­gen die Be­klag­te zu­ste­hen. Je­den­falls hat ei­ne recht­li­che Her­lei­tung kei­nen Er­folg, wenn - wie hier - die Aus­zah­lung ei­nes Geld­be­tra­ges ver­langt wird, während die der begüns­tig­ten Ar­beit­neh­mer­grup­pe gewähr­ten Leis­tun­gen nach der „Ver­ein­ba­rung über ei­ne Ab­schluss­prämie und ei­ne wei­te­re Leis­tung und An­rech­nungs­vor­be­halt“ aus Gut­schei­nen und Gut­schrei­bun­gen auf Kun­den­kon­ten so­wie im Rah­men der be­trieb­li­chen Al­ters­ver­sor­gung be­stan­den. Wenn un­ter dem Ge­sichts­punkt ei­nes even­tu­el­len Ver­s­toßes ge­gen das Maßre­ge­lungs­ver­bot Gleich­be­hand­lung nach dem ar­beits­recht­li­chen Gleich­be­hand­lungs­grund­satz ver­langt wird, kann ein An­spruch nur auf Das­je­ni­ge be­ste­hen, was der begüns­tig­ten und/oder nicht ge­maßre­gel­ten Ar­beit­neh­mer­grup­pe gewährt wor­den ist. Da es sich in­so­weit um un­ter­schied­li­che Streit­ge­genstände han­delt, kann das in der Ver­ein­ba­rung in Aus­sicht Ge­stell­te auch nicht als ein „We­ni­ger“ ge­genüber dem Kla­ge­an­trag zu­er­kannt wer­den.
II. Ein Zah­lungs­an­spruch folgt auch nicht aus der Be­zug­nah­me auf die „Vor­schrif­ten der je­weils gülti­gen Ta­rif­verträge“ im Ar­beits­ver­trag der Kläge­rin. Der Se­nat ist, ob­wohl das Lan­des­ar­beits­ge­richt sich mit ei­nem sol­chen An­spruch nicht be­fasst hat, nicht ge­hin­dert, nach § 563 Abs. 3 ZPO selbst zu
ent­schei­den und auch un­ter die­sem recht­li­chen Ge­sichts­punkt die Kla­ge ab­zu­wei­sen.
a) Es kann da­hin­ste­hen, ob die Be­zug­nah­me­klau­sel un­ter Punkt 8 des Ar­beits­ver­tra­ges vom 15. Mai 2001 als sog. Gleich­stel­lungs­ab­re­de iSd. frühe­ren Se­nats­recht­spre­chung aus­zu­le­gen ist, die nach Be­triebsüber­gang am 1. Ja­nu­ar 2006 auf ei­nen ta­ri­fun­ge­bun­de­nen Er­wer­ber nur noch sta­tisch wirkt und des­halb kei­ne Rechts­grund­la­ge für die For­de­rung der Kläge­rin aus ei­nem am 1. Ja­nu­ar 2008 in Kraft ge­tre­te­nen Ta­rif­ver­trag dar­stellt.
aa) Zwar kann es sich hier nach dem Da­tum des Ver­trags­ab­schlus­ses im Jah­re 2001 um ei­nen „Alt­ver­trag” nach der frühe­ren Se­nats­recht­spre­chung zur sog. Gleich­stel­lungs­ab­re­de han­deln, die aus Gründen des Ver­trau­ens­schut­zes nach wie vor auf Ar­beits­verträge an­ge­wandt wird, die vor dem In­kraft­tre­ten der Schuld­rechts­re­form zum 1. Ja­nu­ar 2002 ab­ge­schlos­sen wor­den sind (statt vie­ler BAG 15. Ju­ni 2011 - 4 AZR 563/09 - Rn. 29 mwN, EzTöD 100 TVöD-AT § 2 Be­zug­nah­me­klau­sel Nr. 35). Je­doch war stets und ist Vor­aus­set­zung für die Aus­le­gung ei­ner dy­na­mi­schen Ver­wei­sung auf ei­nen Ta­rif­ver­trag als sog. Gleich­stel­lungs­ab­re­de, dass der in Be­zug ge­nom­me­ne Ta­rif­ver­trag bei Ver­trags­schluss ein­schlägig war (ausf. BAG 21. Ok­to­ber 2009 - 4 AZR 396/08 -
Rn. 22 f., AP TVG § 1 Be­zug­nah­me auf Ta­rif­ver­trag Nr. 72; wei­ter­hin 27. No­vem­ber 2002 - 4 AZR 661/01 - zu II 2 b bb (1) der Gründe, AP TVG § 1 Be­zug­nah­me auf Ta­rif­ver­trag Nr. 28; 26. Sep­tem­ber 2001 - 4 AZR 544/00 - zu II 1 c aa der Gründe, BA­GE 99, 120; 4. Sep­tem­ber 1996 - 4 AZR 135/95 - zu II a bb der Gründe, BA­GE 84, 97). Kon­se­quenz die­ser Vor­aus­set­zung ist, dass bei ei­ner Ver­wei­sung auf ei­nen „fach­frem­den“ oder „orts­frem­den“ Ta­rif­ver­trag die An­nah­me ei­ner Gleich­stel­lungs­ab­re­de oh­ne be­son­de­re An­halts­punk­te grundsätz­lich aus­schei­det (BAG 21. Ok­to­ber 2009 - 4 AZR 396/08 - Rn. 23, aaO; 25. Ok­to­ber 2000 - 4 AZR 506/99 - zu II 3 b cc der Gründe, BA­GE 96, 177). Da­mit zu­sam­men hängt die Fest­le­gung der frühe­ren Recht­spre­chung, wo­nach ei­ne Gleich­stel­lungs­ab­re­de nur in Be­tracht kam, wenn der Ar­beit­ge­ber bei Ver­ein­ba­rung der Be­zug­nah­me an den in Be­zug ge­nom­me­nen Ta­rif­ver­trag gemäß § 3 Abs. 1 TVG ta­rif­ge­bun­den war.
b) Je­den­falls er­fasst ei­ne dy­na­mi­sche Be­zug­nah­me auf die „Vor­schrif­ten der je­weils gülti­gen Ta­rif­verträge“ nicht Haus­ta­rif­verträge ei­nes an­de­ren Un­ter­neh­mens. Auch bei An­nah­me un­ge­bro­che­ner dy­na­mi­scher Wir­kung der Klau­sel ist nach Be­triebsüber­gang der zu­vor noch nicht in Kraft ge­tre­te­ne TV Zu­satz­zah­lung nicht von der Be­zug­nah­me­klau­sel er­fasst.
aa) Die Be­zug­nah­me­klau­sel un­ter Punkt 8 des Ar­beits­ver­tra­ges auf die „Vor­schrif­ten der je­weils gülti­gen Ta­rif­verträge“ ist vom Wort­laut her nicht fest­ge­legt auf ein be­stimm­tes Be­zug­nah­me­ob­jekt. Es wird we­der auf ei­nen kon­kret be­zeich­ne­ten Ta­rif­ver­trag ver­wie­sen, noch ist ei­ne Be­stim­mung nach Bran­che, Fläche oder Re­gi­on dar­in be­nannt. Auch an­de­re Klau­seln im Ar­beits­ver­trag mit Be­zug­nah­men auf Ta­rif­verträge ge­ben kei­nen nähe­ren Auf­schluss.
So wird un­ter Punkt 10 des Ar­beits­ver­tra­ges bezüglich des Ur­laubs­an­spruchs auf ei­nen „zu­tref­fen­den“ Ta­rif­ver­trag ver­wie­sen, was eben­falls of­fen for­mu­liert ist.
bb) Un­abhängig da­von, ob ei­ne sol­che un­spe­zi­fi­sche Be­zug­nah­me­klau­sel als wirk­sa­me sog. Ta­rif­wech­sel­klau­sel oder große dy­na­mi­sche Ver­wei­sungs­klau­sel aus­ge­legt wer­den kann oder so­gar als un­wirk­sam an­zu­se­hen ist, weil sie nicht klar und verständ­lich ist und da­mit nicht den Vor­ga­ben von § 307 Abs. 1 Satz 2 BGB ent­spricht, ist je­den­falls aus­ge­schlos­sen, dass da­von ein Haus­ta­rif­ver­trag ei­nes an­de­ren Un­ter­neh­mens - wie hier der TV Zu­satz­zah­lung als vor Be­triebsüber­gang noch nicht in Kraft ge­tre­te­ner Haus­ta­rif­ver­trag des Veräußerers - er­fasst ist. Dafür ist kei­ner­lei An­halts­punkt im Wort­laut vor­han­den. Wenn über­haupt von der Ver­wei­sungs­klau­sel auch je­wei­li­ge Haus­ta­rif­verträge er­fasst sein soll­ten, dann je­den­falls nur die­je­ni­gen, die für den je­wei­li­gen Ar­beit­ge­ber bei In­kraft­tre­ten des be­tref­fen­den Ta­rif­ver­tra­ges „gültig“ sind.
cc) Nach al­lem kommt es auf die im Vor­ab­ent­schei­dungs­ver­fah­ren - C-426/11 - (Alemo-Her­ron ua.) in der Fol­ge der Wer­hof-Ent­schei­dung (EuGH 9. März 2006 - C-499/04 - [Wer­hof] Rn. 29, Slg. 2006, I-2397) dem EuGH ge­stell­ten Fra­gen nach der Ver­ein­bar­keit der An­nah­me des Über­gangs dy­na­mi­scher ta­rif­ver­trag­li­cher Re­ge­lun­gen, die pe­ri­odi­scher Ver­hand­lung un­ter­lie­gen, mit der Richt­li­nie 2001/23/EG nicht an.
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