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Timestamp: 2017-06-26 02:07:29
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Matched Legal Cases: ['§ 9', '§ 31', '§ 31', '§ 31', '§ 31', '§ 31', '§ 30', '§ 34', '§ 34', '§ 31', '§ 31', '§ 31', '§ 31', '§ 31', '§ 34', '§ 35', '§ 31', '§ 31', '§ 73', '§ 31', '§ 2', '§ 10', '§ 11', '§ 2', '§ 3', '§ 4', '§ 4', '§ 5', '§ 6', '§ 7', '§ 8', '§ 9', '§ 10', '§ 11', '§ 14', '§ 9', '§ 1', '§ 8', '§ 8', '§ 4', '§ 4', '§ 6', '§ 4', '§ 6', '§ 6', '§ 5', '§ 4', '§ 6', '§ 4', '§ 4', '§ 2', '§ 16', '§ 16', '§ 20', '§ 21', '§ 23', '§ 31', '§ 31', '§ 31', '§ 2', '§ 31', '§ 31', '§ 39', '§ 18', '§ 19', '§ 23', '§ 23', '§ 31', '§ 14', '§ 23', '§\u200920', '§ 13', '§\u200913', '§\u200920', '§\u200920', '§\u200913', '§\u200920', '§\u200920', '§\u200920', '§\u200916']

admin » Deutsches Architektenblatt
Posted on 1. Mai 2013 by admin	Kommentar	Einzelvergabe oder Generalunternehmer, geteilte Verantwortlichkeit von Einzelplanern oder ein Generalplaner? Die Fragen sind umstritten; für alle Ansätze gibt es gelungene und abschreckende Praxisbeispiele. Ein Buch-Plädoyer für die von ihm praktizierte Generalplanung hält Lothar Niederberghaus, Architekt und Chef der agn-Gruppe, eines Generalplanungsunternehmens mit rund 280 Beschäftigten. Es ist material- und beispielreich und liest sich in sich schlüssig und überzeugend. Fragen wie die nach einer womöglich zu starken Stellung gegenüber dem Bauherrn oder nach den Kosten für die Leistung behandelt das Buch jedoch kaum.
Lothar Niederberghaus (Hg.): Mehrwert Generalplanung: Architekten und Ingenieure planen interdisziplinär. Berlin 2012, 208 Seiten, 42 Euro	Veröffentlicht unter Namen+Nachrichten	| Verschlagwortet mit Bücher	| Kommentar hinterlassen
Posted on 1. Mai 2013 by admin	Kommentar	Architekten stöhnen oft über Vorschriften im Bebauungsplan. Doch in bestimmten Fällen sind auch Vorhaben zulässig, die dem Plan nicht entsprechen Text: Hubertus Schulte Beerbühl
Satzungen, insbesondere Bebauungspläne, und Gesetze werden von Planern oftmals als Hemmschuh architektonischen Gestaltungswillens angesehen. Manche zum Teil Jahrzehnte alte Festsetzungen erweisen sich in der Tat gelegentlich als fragwürdig. Bisweilen drängt sich auch bei der gebotenen objektiven Sicht der Eindruck auf, der Plangeber sei sich bei der Kreation der Festsetzungen selbst nicht darüber im Klaren gewesen, welche Auswirkungen seine Rechtssetzung hat und welche beengenden Folgen sich hieraus ergeben. Oftmals fragt sich der Leser eines Bebauungsplans, ob denn die Mitglieder des Gemeindeparlaments die Regelungen in ihren weitreichenden Auswirkungen überhaupt verstanden haben. Auch für Gesetze drängt sich manchmal die Frage auf, ob der Gesetzgeber wollte, dass seine Regelung auch für Vorhaben wie das hier in Rede stehende gelten sollte.
Die oft verständliche Kritik ändert nichts daran, dass – selbstverständlich – Satzungen und Gesetze zunächst einmal so zu beachten sind, wie sie gelten. Für Ausnahme, Befreiungen und Erleichterungen gelten strenge Regelungen, die im Gesetz ausdrücklich genannt und, soweit erforderlich, von der Rechtsprechung weiter ausgeformt worden sind. Das im Baugesetzbuch und in der Baunutzungsverordnung angelegte System sollte der Architekt kennen, damit er weiß, welche rechtlichen Möglichkeiten das Normgefüge ihm bietet, um dem Bauherrn das geplante Vorhaben doch zu ermöglichen.
Die Gemeinde erlässt zur städtebaulichen Lenkung von Bauvorhaben Bebauungspläne, die sie aus Flächennutzungsplänen entwickelt. Dabei steht ihr nach dem Baugesetzbuch ein sehr weit reichendes, allerdings nicht unbegrenztes Planungsinstrument zur Verfügung. Das Mittel ihrer Lenkung durch Bebauungspläne ist die abstrakt-generell wirkende Festsetzung. Diese kann sich beispielsweise beziehen auf die Art und das Maß der baulichen Nutzung, auf die Bauweise, die überbaubaren und die nicht überbaubaren Grundstücksflächen sowie die Stellung der baulichen Anlagen (§ 9 BauGB). Durch die Festsetzung gelten die Regelungen der Baunutzungsverordnung einschließlich der Regelungen über die Zulassung einer Ausnahme unmittelbar. Die Gemeinde hat durch die unveränderte Übernahme der Regelung über die ausnahmsweise Zulassung oder ihre Erhebung zur regelmäßig zulässigen Nutzung oder zum vollständigen Ausschluss in dem Bebauungsplan die Möglichkeit einer Feinsteuerung. Damit hat sie unmittelbaren Einfluss auf das Planungsrecht. Die Ausführung erfolgt freilich durch die Genehmigungsbehörde, die diese satzungsrechtlichen Vorgaben zu beachten hat.
Auf der nachfolgenden Ebene des Verwaltungsvollzugs kann die Baugenehmigungsbehörde durch eine einzelfallbezogene Befreiung etwaigen Besonderheiten Rechnung tragen, wenn eine schematische Anwendung der Festsetzungen in dem Bebauungsplan zu Ergebnissen führen würde, die in dieser Form mit dem Willen des Satzungsgebers nicht vereinbar wären. Anders als dies bei Ausnahmen der Fall ist, kann die Gemeinde, ist der Bebauungsplan erst einmal erlassen, auf die Möglichkeit von Befreiungen keinen Einfluss mehr nehmen. Weil die Möglichkeit einer Befreiung von gesetzlichen Voraussetzungen abhängig ist und der Satzungsgeber sich nicht über das Gesetz stellen kann, kann in dem Bebauungsplan die Zulassung von Befreiungen weder ausgeschlossen noch generell (im Sinne einer großzügigen Handhabung) erlaubt werden. Mittelbare Einflussmöglichkeiten bestehen allerdings insofern, als die Gemeinde in der Begründung des Bebauungsplans ihren Planungswillen zum Ausdruck bringen kann und damit, je nach Sachlage, der Genehmigungsbehörde den Weg zur Bejahung des Merkmals „die Grundzüge der Planung werden nicht berührt“ (§ 31 Abs. 1, 1. Halbsatz BauGB) erleichtern oder erschweren kann. Eine darüber hinausgehende Einflussnahme auf die Zulassung oder Verweigerung von Befreiungen seitens der Genehmigungsbehörde ist nicht möglich; einschränkende oder lenkende Zusätze wie „soll“ oder „kann“ verbieten sich im Zusammenhang mit planerischen Festsetzungen.
Von den Ausnahmen und den Befreiungen sind die Abweichungen zu unterscheiden. Sie sind – anders als Ausnahmen – weder (positiv oder negativ) der planerischen Entscheidung des Rates zugänglich, noch erklären sie – anders als Befreiungen – Vorschriften für im Einzelfall unanwendbar. Vielmehr setzen sie gerade die Anwendbarkeit einer Norm voraus, bieten aber der Genehmigungsbehörde die rechtliche Möglichkeit, unter Aufrechterhaltung der grundlegenden Aussage des Bebauungsplans im Einzelfall einen (geringfügigen) Verstoß zuzulassen. Es handelt sich um eine Art Bagatellklauseln zur Vermeidung einer sonst erforderlichen Befreiung.
§ 31 BauGB Ausnahmen und Befreiungen
Der Anwendungsbereich des § 31 BauGB
Die Bestimmungen über die Zulassung von Ausnahmen und Befreiungen gelten für Vorhaben im planungsrechtlichen Sinn. Das sind Vorhaben, die die Errichtung, Änderung oder Nutzungsänderung von baulichen Anlagen zum Gegenstand haben. Im Falle einer Nutzungsänderung stellt sich die Frage der planungsrechtlichen Zulässigkeit und damit einer möglichen Ausnahme oder Befreiung auch dann neu, wenn für diese bauliche Anlage früher einmal eine Ausnahme oder Befreiung erteilt worden ist. Denn eine Genehmigung ist nur auf eine bestimmte Nutzung bezogen. Bei einem erkennbar als dauerhaft gedachten Übergang zu einer anderen Nutzung geht die Wirksamkeit der bisherigen Genehmigung unter, und mit ihr die Ausnahme oder Befreiung.
Die Norm ist zunächst für den Geltungsbereich eines Bebauungsplans anwendbar. Denn sowohl in der Einleitung des § 31 Abs. 1 BauGB als auch in der des § 31 Abs. 2 BauGB ist von „Festsetzungen des Bebauungsplans“ die Rede. Gemeint sind damit nicht nur Bebauungspläne, die „mindestens Festsetzungen über die Art und das Maß der baulichen Nutzung, die überbaubaren Grundstücksflächen und die örtlichen Verkehrsflächen“ enthalten (sog. qualifizierte Bebauungspläne, § 30 BauGB). Sie ist in gleicher Weise auf Bebauungspläne anzuwenden, die diese Voraussetzungen nicht erfüllen („einfache Bebauungspläne“), wie auch auf vorhabenbezogene Bebauungspläne.
Jedoch ist der Anwendungsbereich der Bestimmung nicht auf Plangebiete beschränkt. Er erstreckt sich mit Blick auf die Art der baulichen Nutzung auch auf den im Zusammenhang bebauten Ortsteil nach § 34 BauGB. Das ist eigentlich systemfremd. Denn in einem im Zusammenhang bebauten Ortsteil bildet nicht eine Satzung den Maßstab für die Zulässigkeit von Vorhaben, sondern das Faktische, die vorhandene Umgebungsbebauung. Hiervon eine Ausnahme zu erteilen oder zu befreien mutet seltsam an. Jedoch hat der Gesetzgeber durch einen Kunstgriff in § 34 Abs. 2, 2. Halbsatz BauGB die Regelungen in § 31 Abs. 1 und Abs. 2 BauGB teilweise für anwendbar erklärt: „Entspricht die Eigenart der näheren Umgebung einem der Baugebiete der Baunutzungsverordnung, beurteilt sich die Zulässigkeit des Vorhabens nach seiner Art allein danach, ob es nach der Baunutzungsverordnung in dem Baugebiet allgemein zulässig wäre; auf die nach der Verordnung ausnahmsweise zulässigen Vorhaben ist § 31 Abs. 1, im Übrigen ist § 31 Abs. 2 entsprechend anzuwenden.“ Die Gleichstellung im 2. Halbsatz findet ihre Rechtfertigung in der fiktiven Gleichstellung der Vorhaben im unbeplanten Innenbereich mit den Vorhaben im beplanten Bereich in ersten Halbsatz. Bei der Anwendung der Voraussetzung des § 31 Abs. 2 BauGB, dass die Grundzüge der Planung nicht berührt werden dürfen (dazu später), treten an ihre Stelle die tatsächliche städtebauliche Situation und der Rahmen, der durch die Umgebungsbebauung gebildet wird. Diese Anwendungserklärung beschränkt sich nur auf die Art, nicht aber auf das Maß der baulichen Nutzung, auf die Bauweise oder die Grundfläche, die überbaut werden darf. Das Bundesverwaltungsgericht hat bereits im Jahr 1969 verbindlich entschieden, dass § 31 BauGB im nicht beplanten Bereich über § 34 Abs. 2, 2. Halbsatz BauGB hinaus nicht anwendbar ist (Urteil vom 19. September 1969 – 4 C 18.67 -).
Auf das Bauen im Außenbereich (§ 35 BauGB) ist § 31 BauGB nicht anwendbar. Dort gibt es keinen Plan und auch keinen Planersatz, von dem eine Ausnahme oder eine Befreiung erteilt werden könnte oder müsste.
Ebenso wenig ist § 31 BauGB auf das Bauordnungsrecht anwendbar. Stattdessen haben die Bauordnungen der Länder eigene Abweichungsvorschriften erlassen (z.B. § 73 BauO NRW).
Nach § 31 Abs. 1 BauGB können von den Festsetzungen des Bebauungsplans solche Ausnahmen zugelassen werden, die in dem Bebauungsplan nach Art und Umfang ausdrücklich vorgesehen sind. Die Regelung zeigt deutlich, dass die Genehmigungsbehörde nur dann befugt ist, eine Ausnahme zu erteilen, wenn der Bebauungsplan eine solche zugelassen hat. Die Gemeinde ist nicht berechtigt, neue Ausnahmen zu erfinden, die in dem Baugesetzbuch oder in der Baunutzungsverordnung nicht vorgesehen sind. Vielmehr ist sie beschränkt auf den in diesen Normen angelegten Katalog zur Art der baulichen Nutzung, zum Maß der baulichen Nutzung, zur Bauweise und zur überbaubaren Grundstücksfläche.
In den jeweiligen Vorschriften über die Baugebiete (§§ 2 bis 9 BauNVO) ist zunächst dargestellt, wozu diese Gebiete dienen. (Für Sondergebiete, die der Erholung dienen, § 10 BauNVO, und sonstige Sondergebiete, § 11 BauNVO, fehlt eine solche Zweckbestimmung, weil diese sich erst aus dem Sondercharakter ergeben kann.) Sodann folgt eine abschließende Aufzählung der in diesen Gebieten zulässigen Nutzungen. Schließlich sind die ausnahmsweise zulässigen Arten der baulichen Nutzung beschrieben. Die Regelung wird dadurch, dass die Gemeinde ein Baugebiet festsetzt, zum Gegenstand des Bebauungsplans. Sie hat dabei nicht das Recht, neue Baugebietstypen zu schaffen. Auch die Bestimmungen über die ausnahmsweise Zulassung von weiteren Vorhaben werden Inhalt des Plans. Im Bebauungsplan können allerdings sehr differenzierte Regelungen über die Zulassung von Ausnahmen getroffen werden. Deren Verständnis eröffnet erst die Möglichkeit, sachgerecht einen Ausnahmefall geltend zu machen.
Die gesetzlichen Regelungen über die zulässige Art der baulichen Nutzung:
§ 2 BauNVO Kleinsiedlungsgebiete WS
§ 3 BauNVO reine Wohngebiete WR
§ 4 BauNVO allgemeine Wohngebiete WA
§ 4a BauNVO besondere Wohngebiete WB
§ 5 BauNVO Dorfgebiete MD
§ 6 BauNVO Mischgebiete Mi
§ 7 BauNVO Kerngebiete MK
§ 8 BauNVO Gewerbegebiete GE
§ 9 BauNVO Industriegebiete GI
§ 10 BauNVO Sondergebiete, die der Erholung dienen SO
§ 11 BauNVO sonstige Sondergebiete SO
§ 14 BauNVO Nebenanlagen
Komplizierte Gestaltungsmöglichkeiten: Die Ausnahme wird zur Regel – die Regel wird zur Ausnahme – die Ausnahme wird ganz verboten
Die Gestaltungsmöglichkeiten der Gemeinde sind weit gefasst. Dabei sind allerdings zwei Grundpfeiler stets zu beachten: Erstens muss zumindest die allgemeine Zweckbestimmung des Baugebiets gewahrt bleiben. Insofern ist insbesondere die Aussage in dem jeweiligen Absatz 1 der das Baugebiet betreffenden Bestimmung („… dienen (vorwiegend/ausschließlich)…“) in den Blick zu nehmen. Bisweilen wird darüber hinaus sogar verlangt, dass besondere städtebauliche Gründe die Festsetzung rechtfertigen. Zweitens muss der „numerus clausus“ des Instrumentariums der Baunutzungsverordnung gewahrt bleiben. Die Gemeinden sind insbesondere dem Typenzwang der in der Baunutzungsverordnung enthaltenen Baugebiete unterworfen und dürfen sie nur in dem Maße abweichend gestalten, wie dies nach § 9 BauGB und den Vorschriften der Baunutzungsverordnung zugelassen ist. Die Regelungen in § 1 Abs. 4 bis 10 BauNVO besagen im Einzelnen:
Beispiel: Ein Bebauungsplan, der ein Gewerbegebiet ausweist, setzt fest, dass Tankstellen, die eigentlich allgemein zulässig sind (§ 8 Abs. 2 Nr. 3 BauNVO), nicht zulässig sind, oder er regelt, dass sie nur ausnahmsweise zugelassen werden können.
Beispiel: Ein Bebauungsplan, der ein Gewerbegebiet ausweist, setzt fest, dass Vergnügungsstätten, die eigentlich als Ausnahme zugelassen werden können (§ 8 Abs. 3 Nr. 3 BauNVO), nicht – auch nicht ausnahmsweise – zulässig sind, oder er regelt, dass sie allgemein – und nicht nur als Ausnahme -zulässig sind.
(a) Ein Bebauungsplan, der ein allgemeines Wohngebiet ausweist, setzt fest, dass oberhalb des Erdgeschosses nur Wohnnutzung (§ 4 Abs. 2 Nr. 1 BauNVO) oder nur Wohnnutzung und Anlagen für gesundheitliche Zwecke (§ 4 Abs. 2 Nr. 3, 4. Alt. BauNVO) zulässig sind.
(b) Ein Bebauungsplan, der ein Mischgebiet ausweist, setzt fest, dass nicht kerngebietstypische Vergnügungsstätten (§ 6 Abs. 2 Nr. 8 i.V.m. § 4a Abs. 3 Nr. 2 BauNVO) oder solche Vergnügungsstätten und Schank-und Speisewirtschaften (§ 6 Abs. 2 Nr. 3, 2. Alt. BauNVO) oberhalb des Erdgeschoss unzulässig sind, oder er setzt fest, dass Anlagen für sportliche Zwecke (§ 6 Abs. 2 Nr. 5, letzte Alt. BauNVO) oberhalb des Erdgeschosses nur ausnahmsweise zugelassen werden können.
(c) Ein Bebauungsplan, der ein Dorfgebiet ausweist, setzt fest, dass nicht kerngebietstypische Vergnügungsstätten (§ 5 Abs. 3 i.V.m. § 4a Abs. 3 Nr. 2 BauNVO; kerngebietstypische Vergnügungsstätten sind ohnehin nicht zulässig und können auch nicht als Ausnahme zugelassen werden) oberhalb des Erdgeschosses auch nicht ausnahmsweise zugelassen werden können.
Schließlich kann festgesetzt werden, dass nur bestimmte Arten der in den Baugebieten allgemein oder ausnahmsweise zulässigen baulichen oder sonstigen Anlagen zulässig oder nicht zulässig sind oder nur ausnahmsweise zugelassen werden können. Mit dieser Regelung wird eine noch weiter gehende Differenzierung in dem Bebauungsplan ermöglicht. Während nämlich die bislang genannten Bestimmungen die Arten von Nutzungen ansprachen, soll die Möglichkeit der Feindifferenzierung auch für einzelne Unterarten von Nutzungen und Anlagen gelten. Damit meint der Verordnungsgeber verschiedene Erscheinungsformen eines Nutzungstyps. So kann ein Einzelhandelsbetrieb (vgl. § 6 Abs. 2 Nr. 3, 1. Alt. BauNVO) sich etwa darstellen als Laden, Warenhaus, Supermarkt usw.; eine Anlage für sportliche Zwecke (z.B. § 4 Abs. 2 Nr. 3, letzte Alt. BauNVO) kann ein Hallenbad, ein Tennisplatz oder eine Turnhalle sein; eine Tankstelle (z.B. § 4 Abs. 3 Nr. 3 BauNVO) kann mit oder ohne Pflegehalle betrieben werden. Der Plangeber ist berechtigt, für solche Unterarten besondere Regelungen zu treffen. Voraussetzung für die Zulässigkeit einer solchen Festsetzung ist allerdings, dass besondere städtebauliche Gründe eine solche Maßnahme rechtfertigen.
Wären bei der Festsetzung eines Baugebiets nach den §§ 2 bis 9 BauNVO in überwiegend bebauten Gebieten bestimmte vorhandene bauliche und sonstige Anlagen unzulässig, kann im Bebauungsplan festgesetzt werden, dass Erweiterungen, Änderungen, Nutzungsänderungen und Erneuerungen dieser Anlagen allgemein zulässig sind oder ausnahmsweise zugelassen werden können. Im Bebauungsplan können insofern nähere Bestimmungen über die Zulässigkeit getroffen werden. Die allgemeine Zweckbestimmung des Baugebiets muss in seinen übrigen Teilen gewahrt bleiben. Eine solche Regelung kann auch im Wege einer Änderung und Ergänzung eines Bebauungsplans getroffen werden.
Der Gebietscharakter muss immer gewahrt bleiben
Deckt sich das Vorhaben mit dem als Ausnahme geregelten Fall, ist – diesmal durch die Genehmigungsbehörde – zu prüfen, ob die Zulassung einer Ausnahme dem Gebietscharakter nicht zuwider läuft. Das steht zwar nicht ausdrücklich im Gesetz, ist aber durch höchstrichterliche Rechtsprechung gesichert. Widerspricht sie dem Gebietscharakter – insofern ist wiederum unter Anderem die Aussage in dem jeweiligen Absatz 1 der das Baugebiet betreffenden Bestimmung in den Blick zu nehmen -, darf die Ausnahme nicht erteilt werden und es besteht kein Anspruch auf sie. In diesem Zusammenhang sind die Anforderungen des jeweiligen Vorhabens an ein Gebiet, die Auswirkungen des Vorhabens auf ein Gebiet und die Erfüllung des spezifischen Gebietsbedarfs von besonderer Bedeutung. Entscheidend ist, ob ein Vorhaben dieser Art generell geeignet ist, ein „bodenrechtlich beachtliches Störpotenzial“ zu entfalten, das sich mit der Zweckbestimmung des Baugebiets nicht verträgt. Im Rahmen dieser Beurteilung kommt es nicht auf die konkrete Bebauung in der Nachbarschaft an. So hat etwa das Bundesverwaltungsgericht in seinem Urteil vom 2. Februar 2012 – 4 C 14.10 – ein Krematorium mit Abschiedsraum in einem Gewerbegebiet für nicht zulässig gehalten. Zwar ist dies eine Anlage für kulturelle Zwecke, sein Betrieb ist aber mit einem Gewerbegebiet, das von Handel und Produktion gekennzeichnet ist, nicht vereinbar. Das Gericht hob auf die Klage eines Nachbarn die Genehmigung auf.
Gemäß § 16 BauNVO kann im Bebauungsplan das Maß der baulichen Nutzung bestimmt werden durch Festsetzung der Grundflächenzahl oder der Größe der Grundflächen der baulichen Anlagen, der Geschoßflächenzahl oder der Größe der Geschoßfläche, der Baumassenzahl oder der Baumasse, der Zahl der Vollgeschosse oder der Höhe baulicher Anlagen. Die Gemeinde kann von dem so festgesetzten Maß der baulichen Nutzung Ausnahmen vorsehen; diese müssen aber nach Art und Umfang in dem Bebauungsplan bestimmt werden, § 16 Abs. 6 BauNVO. Außerdem kann die Gemeinde bei Bebauungsplänen nach der Änderung der Baunutzungsverordnung mit Wirkung vom 27. Januar 1990 (für „alte“ Pläne gilt dies nur, wenn diese entsprechend geändert worden sind) festsetzen, dass bei der Berechnung von Geschossflächen, deren Höchstzahl durch die Festsetzung einer Geschossflächenzahl vorgegeben ist, die Flächen von Aufenthaltsräumen in anderen Geschossen einschließlich der zu ihnen gehörenden Treppenräume und einschließlich ihrer Umfassungswände ganz oder teilweise mitzurechnen oder ausnahmsweise nicht mitzurechnen sind (§ 20 Abs. 4 Satz 2 BauNVO). Wie jede Festsetzung darf auch eine solche nur aus städtebaulichen Gründen erfolgen. Für Stellplätze, Garagen und Gemeinschaftsanlagen können im Bebauungsplan besondere Regelungen hinsichtlich deren ausnahmsweise Nichtanrechnung auf die Zahl der zulässigen Vollgeschosse, der Baumasse, der Grundstücksfläche, der Grundfläche und der Geschossfläche getroffen werden (§ 21a BauNVO). Schließlich kann der Bebauungsplan Festsetzungen über die ausnahmsweise Zulässigkeit eines Vor- oder Zurücktretens gegenüber Baulinien sowie eines Überschreitens einer Baugrenze treffen (§ 23 Abs. 2 und 3 BauNVO).
Bebauungspläne leiten ihre Bedeutung von der Legitimation der Abgeordneten in dem Gemeindeparlament ab. Die Stadtverordneten „setzen Recht“, und lediglich im Rahmen dieses geschaffenen Rechts ist die Verwaltung befugt, im Einzelfall, wenn Anlass dazu besteht, flexibel zu handeln. Deshalb muss sich jede Befreiung daran messen lassen, inwieweit durch sie die Grundzüge der Bauleitplanung beeinträchtigt werden. Insbesondere darf nicht durch eine Befreiung ein angeblicher Missgriff in einer Planfestsetzung ausgeglichen werden. Vielmehr hat sich bereits die Planfestsetzung an den Grundsätzen der Verhältnismäßigkeit und des Übermaßverbotes zu orientieren. Bei einem Verstoß hiergegen ist die Festsetzung ungültig und nicht zu beachten – sofern eine Aufrechterhaltung des Bebauungsplans ohne diese Festsetzung noch einen Sinn macht; gegebenenfalls ist sogar der gesamte Bebauungsplan unwirksam, wenn der verbleibende Rest nur noch einen Planungstorso darstellt. Wenn der Bebauungsplan unwirksam ist, stellt sich die Frage einer Ausnahme oder einer Befreiung gar nicht erst. Denn von einer ungültigen Norm braucht und kann weder eine Ausnahme noch eine Befreiung erteilt werden.
Andererseits folgt aus der Erkenntnis, dass bereits auf der planerischen Ebene die grundlegenden Entscheidungen getroffen werden müssen und diese Entscheidungen nur dann eine tragfähige Grundlage für einen wirksamen Bebauungsplan bilden können, wenn der Abwägungsvorgang rechtlich fehlerfrei erfolgt ist, dass für nachträgliche Korrekturen nur in äußerst beschränktem Maß Raum ist. Das Instrument der Befreiung dient eben nicht zur Änderung von unter Beachtung des Abwägungsgebots wirksam getroffenen, aber heute als unbillig angesehenen Entscheidungen. Das gilt auch für den Fall, dass eine Festsetzung als nicht mehr zeitgemäß angesehen wird; sie darf nicht einfach ignoriert werden. Erforderlichenfalls muss eben der Plan geändert werden.
Eine frühere Fassung des § 31 Abs. 2 BauGB besagte, dass die Befreiung „im Einzelfall“ erteilt wird. Die heutige, seit dem 1. Januar 1989 gültige Fassung enthält diese Formulierung nicht mehr. Das Bundesverwaltungsgericht hat aber bereits bald nach der Rechtsänderung ausgeführt, die Anwendung der Befreiungsvorschrift des § 31 Abs. 2 Nr. 2 BauGB setze weiterhin voraus, dass ein „atypischer“ Sachverhalt besteht. Ein „atypischer“ Sachverhalt liege jedenfalls nicht vor, wenn die Gründe, die für eine Befreiung streiten, für jedes oder nahezu für jedes Grundstück im Planbereich gegeben sind (so wörtlich die Leitsätze der Entscheidung vom 20. November 1989 – 4 B 163/89 –). Die Richtigkeit dieses Verlangens ist umstritten. Allerdings dürfte die Bedeutung des Streits in der Praxis geringer sein als die Heftigkeit der wissenschaftlichen Diskussion. Denn durch die unabdingbare Voraussetzung für eine Befreiung, dass die Grundzüge der Planung nicht berührt werden dürfen (dazu weiter unten), wird der Streit entschärft. Denn würde in einem nicht nur atypischen, sondern „normalen“ Fall eine Befreiung erteilt, würde das Berufungsfälle ermöglichen. Damit bestünde die Gefahr, dass die Planungskonzeption nicht länger berücksichtigt wird. Daher wird durch eine strenge Anwendung des Kriteriums des Verbots des Berührens von Grundzügen der Planung dasselbe erreicht, wie wenn eine Korrektur durch ein ungeschriebenes Tatbestandsmerkmal wie „atypischer Sachverhalt“ oder „im Einzelfall“ geprüft würde.
Das Erfordernis, dass die Grundzüge der Planung nicht berührt werden dürfen, war nach früher geltendem Recht lediglich eine von mehreren Tatbestandsalternativen für eine zulässige Befreiung. Der Gesetzgeber hat es in der jetzt gültigen Fassung gleichsam vor die Klammer gezogen und zur allgemeinen Zulässigkeitsvoraussetzung erhoben, die für alle Befreiungsfälle Geltung beansprucht. Das hat seine Rechtfertigung in dem oben dargestellten Rechtsnormcharakter der Festsetzungen eines Bebauungsplans. Einerseits soll mit § 31 Abs. 2 BauGB im Interesse der Einzelfallgerechtigkeit und der Wahrung der Verhältnismäßigkeit für Vorhaben, die den Festsetzungen zwar widersprechen, sich mit den planerischen Vorstellungen aber gleichwohl in Einklang bringen lassen, ein Mindestmaß an Flexibilität geschaffen werden. Andererseits soll durch das Erfordernis der Wahrung der Grundzüge der Planung sichergestellt werden, dass die Festsetzungen des Bebauungsplans nicht beliebig durch Verwaltungsakt außer Kraft gesetzt werden. Die Änderung eines Bebauungsplans obliegt nach § 2 Abs. 4 BauGB der Gemeinde und nicht der Bauaufsichtsbehörde. Hierfür ist ein bestimmtes Verfahren unter Beteiligung der Bürger und der Träger öffentlicher Belange vorgeschrieben, von dem nur unter gesetzlich beschriebenen Voraussetzungen abgesehen werden kann.
Ob die Grundzüge der Planung berührt werden, hängt von der jeweiligen Planungssituation ab. Entscheidend ist, ob die Abweichung dem planerischen Grundkonzept zuwiderläuft. Dies zu erkennen setzt eine sorgfältige Auslegung des Bebauungsplans voraus. Unter Umständen muss auf die Aufstellungsvorgänge zurückgegriffen werden. Je tiefer die Befreiung in das Interessengeflecht der Planung eingreift, desto eher liegt der Schluss auf eine Änderung der Planungskonzeption nahe, die nur im Wege der (Um- )Planung möglich ist. Die Befreiung kann nicht als Vehikel dafür herhalten, die von der Gemeinde getroffene planerische Regelung beiseite zu schieben. Sie darf – jedenfalls von Festsetzungen, die für die Planung tragend sind – nicht aus Gründen erteilt werden, die sich in einer Vielzahl gleichgelagerter Fälle oder gar für alle von einer bestimmten Festsetzung betroffenen Grundstücke anführen ließen (so das Bundesverwaltungsgericht in seinem Beschluss vom 8. Mai 1989 – 4 B 78/89 -).
Drei Alternativen als Befreiungsgründe
Weitere Voraussetzung für eine Befreiung ist, dass Gründe des Wohls der Allgemeinheit die Befreiung erfordern oder die Abweichung städtebaulich vertretbar ist oder die Durchführung des Bebauungsplans zu einer offenbar nicht beabsichtigten Härte führen würde.
Wie sich schon aus dem Begriff „Gründe des Wohls der Allgemeinheit“ ergibt, sind allein private Interessen nicht ausreichend für eine Befreiung unter dem Gesichtspunkt des Gemeinwohls. Vielmehr muss es um öffentliche Interessen und Belange gehen. Der Begriff „deckt in seiner Abstraktheit eine Vielfalt von Sachverhalten und Zwecken“ ab und „bedarf deswegen stets der Konkretisierung im Einzelfall“ (so das Bundesverfassungsgericht in seinem Urteil vom 18. Dezember 1968 – 1 BvR 638/74 – ). Die Gründe beschränken sich nicht auf spezifisch bodenrechtliche Belange, sondern erfassen alles, was im Allgemeinen unter den öffentlichen Belangen oder – insoweit gleichbedeutend – den öffentlichen Interessen zu verstehen ist. So kann beispielsweise das Gemeinwohl gefördert werden durch soziale Einrichtungen (Krankenversorgung, Kinderbetreuung, Altenpflege), durch kulturelle Einrichtungen (Schulen, sonstige Bildungsstätten, Museen, Theater), durch sportliche Einrichtungen (Sportplätze, Badeanstalten, Turnhallen), durch Einrichtungen der Freizeitgestaltung (Spielplätze, Grünanlagen), durch Einrichtungen, die der Sicherheit der Bevölkerung dienen (Brandwachen, Polizeiwachen), durch Umweltschutzeinrichtungen (Kläranlagen, Immissionsschutzanlagen), durch Verkehrsanlagen, Versorgungsanlagen oder Entsorgungsanlagen u.a.m..
Die Gemeinwohlinteressen „erfordern“ eine Abweichung von den Festsetzungen des Bebauungsplans nicht erst dann, wenn den Belangen der Allgemeinheit auf keine andere Weise als durch eine Befreiung entsprochen werden könnte, sondern nach dem Sinn und Zweck der Vorschrift schon dann, wenn es zur Wahrnehmung des jeweiligen öffentlichen Interesses „vernünftigerweise geboten“ ist, mit Hilfe der Befreiung das Vorhaben an der vorgesehenen Stelle zu verwirklichen (so das Bundesverwaltungsgericht im Urteil vom 9. Juni 1978 – 4 V 54/75 – ). Die Befreiung muss nicht schlechterdings das einzige denkbare Mittel für die Verwirklichung des jeweiligen öffentlichen Interesses sein. Dessen Erfüllung muss also nicht mit der Erteilung der Befreiung „stehen und fallen“. Auch dann, wenn andere – auch weniger naheliegende – Möglichkeiten zur Erfüllung des Interesses zur Verfügung stehen, kann eine Befreiung zur Wahrnehmung des öffentlichen Interesses „vernünftigerweise geboten“ sein; dabei kann es auch auf – nach objektiven Kriterien zu beurteilende – Fragen der Zumutbarkeit und Wirtschaftlichkeit ankommen. Dass die Befreiung dem Gemeinwohl nur irgendwie nützlich oder dienlich ist, reicht allerdings nicht aus.
Eine offenbar nicht beabsichtigte Härte ist nur selten anzunehmen. Nicht jede Betroffenheit rechtfertigt eine Befreiung. Denn die Festsetzungen eines die Ausnutzbarkeit eines Grundstücks begrenzenden Bebauungsplans stellen immer schon einen Nachteil dar. Hierfür genügt nicht schon, dass der Satzungsgeber eine bestimmte Möglichkeit baulicher Ausnutzung nicht bedacht hat. „Hinzutreten muss vielmehr weiter, dass der jeweilige Fall in bodenrechtlicher Beziehung Besonderheiten aufweist, die ihn im Verhältnis zu der im Bebauungsplan getroffenen Festsetzung als einen Sonderfall erscheinen lassen. Trifft das nicht zu, hat also der Plangesetzgeber mehr oder weniger „allgemein“ etwas nicht bedacht, dann besteht Anlass, deshalb (insoweit) die Gültigkeit der planerische Festsetzung anzuzweifeln, nicht aber eine Rechtfertigung, in einem Einzelfall oder eventuell gar in zahlreichen Einzelfällen von ihr Befreiung zu erteilen.“ (so das Bundesverwaltungsgericht in seinem Beschluss vom 6. Juli 1977 – 4 B 53/77 -). Unbeabsichtigt ist eine Härte dann, wenn die Belange nicht Gegenstand der Abwägung im Rahmen der Erstellung des Bebauungsplans waren, weil sie der Gemeinde nicht bekannt waren oder nicht bekannt sein mussten und auch von den betroffenen Eigentümern während des Planaufstellungsverfahrens nicht vorgetragen worden waren. Auch insofern scheiden private Belange nicht von vornherein aus. Sie spielen aber nur dann eine Rolle, wenn sie grundstücksbezogen sind; persönliche (z.B. familiäre) Besonderheiten sind unmaßgeblich. Im Ergebnis gilt das Gleiche, wenn sie auf Umstände zurückzuführen sind, die insofern in die Privatsphäre des Bauherrn fallen, als sie ihre Ursache in einem nicht genehmigten Vorhaben haben. Auch wenn eine bauliche Anlage nur noch Bestandsschutz genießt, ist die Härte, die darin liegt, dass ein Vorhaben wegen Entgegenstehens einer planerischen Festsetzung nicht zulässig ist, nicht unbeabsichtigt. Denn es ist davon auszugehen, dass der Plangeber bei Erlass der Festsetzung die Existenz des Bestandsschutzes und deren rechtliche Reichweite erkannt und in Kauf genommen hat.
Die Anforderung der Vereinbarkeit mit den öffentlichen Belangen deckt sich weitgehend mit der Anforderung, dass die Grundzüge der Planung nicht berührt werden dürfen (s.o.) sowie mit einigen Elementen der Nrn. 1 und 2. Der Anwendungsbereich ist deshalb begrenzt.
Öffentliche Belange im Sinne dieser Vorschrift sind alle für eine Bauleitplanung relevanten städtebaulichen oder bodenrechtlichen Belange, nicht aber rein fiskalische Interessen (auch etwa der Gemeinde). Es kommt auf den Einzelfall an, wobei bei entgegenstehenden Interessen eine Abwägung nach dem Gewicht der Interessen erfolgen muss. Das Ergebnis ist einer vollen gerichtlichen Überprüfung unterworfen, d.h. es besteht kein Ermessensspielraum der Genehmigungsbehörde. Eine Befreiung ist umso eher nicht mit den öffentlichen Belangen vereinbar, je tiefer sie in das Interessengeflecht der Planung eingreift. Was den Bebauungsplan in seinen Grundzügen verändert, lässt sich durch Umplanung ermöglichen und darf nicht durch einen Verwaltungsakt der Baugenehmigungsbehörde zugelassen werden; die Abwägungsfrage darf nicht gleichsam auf der Genehmigungsebene neu aufgeworfen werden. Außerdem darf die Befreiung nicht anderen Vorschriften des Baugesetzbuchs zuwider laufen.
Nach dem System des Planungsrechts sind bereits im Rahmen der Bauleitplanung, also insbesondere auch bei der Fassung eines Bebauungsplans, nachbarliche Belange zu berücksichtigen. Ein Plan, der solche Belange, ohne sie in seine Abwägung mit einzubeziehen, schlicht übergeht oder übersieht, ist unwirksam – wobei die Gemeinde selbstverständlich berechtigt ist, sie nach einem fehlerfreien Abwägungsvorgang zurücktreten zu lassen hinter anderen, von ihr als vorrangig eingestuften Belangen. Im Falle einer Befreiung stellt sich die Frage des Nachbarschutzes erneut. Deshalb verlangt § 31 Abs. 2 BauGB konsequenterweise, dass nachbarliche Belange auch hier in den Blick zu nehmen sind.
Unter „Belange“ sind alle Formen von planungsrechtlich relevanten Interessen zu fassen. Das sind nicht nur solche, die im Sinne des Baunachbarrechts auf Grund einer nachbarschützenden Bestimmung ein subjektives öffentliches Recht darstellen. Auf der Ebene der Abwägung der Belange ist allerdings bedeutsam, ob der nachbarliche Belang „bloß“ ein Interesse (im Sinne eines reinen, nicht schutzwürdigen Affektionsinteresses) oder ein subjektives öffentliches Recht, das ihm die Rechtsordnung ausdrücklich eingeräumt hat, darstellt. Denn im zweiten Fall wird es sich eher gegenüber dem Interesse des Bauherrn durchsetzen können als im ersten. Das Bundesverwaltungsgericht (Urteil vom 19. September 1986 – 4 C 8.84 -) hat die Abwägung wie folgt beschrieben: „Der Nachbar kann umso mehr an Rücksichtnahme verlangen, je empfindlicher seine Stellung durch eine an die Stelle der im Bebauungsplan festgesetzten Nutzung tretende andersartige Nutzung berührt werden kann. Umgekehrt braucht derjenige, der die Befreiung in Anspruch nehmen will, um so weniger Rücksicht zu nehmen, je verständlicher und unabweisbarer die von ihm verfolgten Interessen sind.“ Weiterhin sei zu prüfen, ob die durch die Befreiung eintretenden Nachteile das Maß dessen übersteigen, was einem Nachbarn billigerweise noch zumutbar ist. Die in diesem Zusammenhang oft von Nachbarn geltend gemachte „erdrückende Wirkung“ eines hinzu tretenden oder erweiterten Gebäudes, dessen verschattende Wirkung oder sonstige störende Folgen sind an diesen Anforderungen zu messen; in der Rechtspraxis führen die Feststellung oft zu schwierigen Bewertungsfragen.
Wenn in § 31 Abs. 1 und Abs. 2 BauGB von „kann“ die Rede ist, dann drückt dieser Begriff entsprechend der in der Gesetzestechnik üblichen Bedeutung aus, dass der Behörde Ermessen zusteht. Das besagt: Auch bei Vorliegen der Voraussetzungen für eine Ausnahme oder einer Befreiung hat die Behörde die rechtliche Befugnis, die Erteilung der Ausnahme abzulehnen. Der Bauherr hat nur einen Anspruch auf ermessensfehlerfreie Entscheidung. Die Behörde muss hierfür die allgemeinen verwaltungsrechtlich anerkannten Grundsätze über die Ermessensausübung berücksichtigen: Sie muss zunächst allem von dem richtigen tatsächlichen Sachverhalt ausgehen. Ferner muss sie den Gleichbehandlungsgrundsatz beachten: Der Bauherr hat einen Anspruch auf die Erteilung der Ausnahme bzw. Befreiung, wenn die Behörde sich durch die Erteilung von Ausnahmen bzw. Befreiungen in anderen, gleich gelagerten Fällen so sehr gebunden hat, dass die diesmalige Ablehnung gegen den Gleichheitsgrundsatz verstoßen würde. Die Behörde muss bei ihrer Entscheidung in einer dem Zweck der Ermächtigung entsprechenden Weise Gebrauch machen: Die Versagung darf nur aus städtebaulichen Gründen erfolgen. Dabei reicht es nicht aus, dass die Gemeinde dem Vorhaben bestimmte entgegenstehende Planungsabsichten hat. Denn um diese zu sichern stehen der Gemeinde andere Instrumente zur Verfügung, nämlich die Zurückstellung von Baugesuchen und die Veränderungssperre. Schließlich muss sie nach § 39 Abs. 1 Satz 3 Verwaltungsverfahrensgesetz eine Begründung fertigen, die die Gesichtspunkte erkennen lässt, von denen sie bei der Ausübung ihres Ermessens ausgegangen ist.
– von der als zwingend festgesetzten Höhe baulicher Anlagen geringfügige Abweichungen zuzulassen, § 18 Abs. 2 BauNVO,
– geringfügige Überschreitungen der zulässigen Grundflächenzahl zuzulassen, § 19 Abs. 4 BauNVO,
– das Vor- und Zurücktreten von Gebäudeteilen in geringfügigem Ausmaß über die im Bebauungsplan festgesetzte Baugrenze oder Baulinie zuzulassen, § 23 Abs. 2 und 3 BauNVO; soweit der Satzungsgeber nach § 23 Abs. 2 S. 3 BauNVO von der Möglichkeit Gebrauch gemacht hat, ein Vor- oder Zurücktreten von Gebäudeteilen in geringfügigem Ausmaß zuzulassen, ist eine entsprechende Entscheidung allerdings eine Ausnahmeentscheidung nach § 31 Abs. 1 BauGB),
– Nebenanlagen im Sinne von § 14 BauNVO in der Abstandfläche zuzulassen, § 23 Abs. 5 BauNVO.
Die rechtlichen Möglichkeiten stellen keinen Freibrief dar
Der Gesetzgeber und der Satzungsgeber haben auf Grund ihrer parlamentarischen Legitimation die Rechtssetzungskompetenz. Die Genehmigungsbehörde hat in dem Rahmen, den das Gesetz und die Satzung ihr lassen, die Befugnis, mittels Ausnahmen, Befreiungen und Abweichungen flexibel zu handeln, um Rechtsschematismus zu vermeiden. Ihr verbleibt dabei ein Ermessensrahmen, den sie unter Beachtung der Rechtsordnung auszuschöpfen hat. Eine zu großzügige Handhabung insbesondere der Befreiungsmöglichkeiten verbietet sich aus rechtsstaatlichen Gründen und kann im Falle einer flächendeckenden Praxis dazu führen, dass die Festsetzung – im Extremfall sogar der gesamte Bebauungsplan – funktionslos und damit ungültig wird.
Ist ein Vorhaben wegen entgegenstehender gesetzlichen Bestimmungen oder Festsetzungen nicht genehmigungsfähig und liegen auch die Voraussetzungen für eine Ausnahme, Befreiung oder Abweichung nicht vor, ist es nur nach einer Umplanung des Vorhabens bzw. Änderung des Bebauungsplans realisierbar. Das Unterfangen, ihm mit den genannten Mitteln über die Hürde hinwegzuhelfen, ist ansonsten untauglich: Eine Maßnahme, die an den gesetzlichen Voraussetzungen vorbei geht, heilt den Verstoß nicht, sondern bezweckt allenfalls die Suggestion der Rechtmäßigkeit, vergleichbar einem Radfahrer, der im Dunkeln den Radweg in der entgegengesetzten Richtung benutzt und, damit er dabei nicht erwischt wird, sicherheitshalber auch noch die Fahrradbeleuchtung nicht einschaltet.	Veröffentlicht unter Büro+Recht, Recht	| Kommentar hinterlassen
Posted on 1. April 2013 by admin	Kommentar	Integrieren oder trennen, Nachkriegsbauten modernisieren? Neue Bücher geben Antworten Texte: Roland Stimpel
Ruby Press, Berlin, 2012, 78 Seiten, 18 Euro	Veröffentlicht unter Architektur+Raum	| Verschlagwortet mit Bücher, Wohnungsbau	| Kommentar hinterlassen
Posted on 1. April 2013 by admin	1	Bremsen durch Geschlechter-Klischees, Doppelbelastung durch Kinder und Beruf, Siege durch Selbstbewusstsein: Sechs Architektinnen schildern ihren weiblichen Berufsweg Aufzeichnungen: Cornelia Dörries, Danuta Schmidt, Roland Stimpel
Foto: Anja Beecken
Bild 1 von 3 Anja Beecken, geboren 1963, gründete die heutige Anja Beecken Architekten Gesellschaft von Architekten und Energieberatern mbH mit Sitz in Berlin 1993. Zu den Schwerpunkten gehören Städtebau, energetische Optimierung und Energieberatung sowie Denkmalschutz. Das Büro hat derzeit fünf weibliche und zwei männ- liche Mitarbeiter. www.anja-beecken.de Anja Beecken
Foto: Dr. Markus Köcher
Bild 1 von 3 Christine Wolf, geboren 1965 in Stuttgart, studierte an der FH Würzburg und an der Hochschule für Technik in Stuttgart. Seit 2011 führt sie ein eigenes Büro zusammen mit einer Mitarbeiterin in Gechingen bei Calw, Baden-Württemberg. www.cw-architektur.com Christine Wolf
Bild 1 von 3 Bärbel Kannenberg, geboren 1954, leitet gemeinsam mit ihrem Mann das Architekturbüro Kannenberg und Kannenberg in Wittstock. Zwei der drei freien Mitarbeiter sind Männer, ebenso der Angestellte. Von den vier Söhnen sind zwei Architekten und einer Bauingenieur geworden. www.kannenberg-architekten.de Bärbel Kannenberg
Bild 1 von 3 Professorin Marina Stankovic, geboren 1960, gründete 1986 in Berlin ihr eigenes Büro, das derzeit vier weibliche und drei männliche Mitarbeiter hat. Sie lehrt auch an der Hochschule in Leipzig. www.stankovicarchitekten.de Marina Stankovic
Bild 1 von 3 Barbara Hutter, geboren 1963, gründete 2001 mit Stefan Reimann das Büro hutterreimann Landschaftsarchitektur in Berlin, das heute sieben weibliche und drei männliche Mitarbeiter hat. http://hr-c.net/ Barbara Hutter
Foto: mkpoint
Bild 1 von 3 Professorin Christa Reicher, geboren 1960, lehrt Städtebau an der Technischen Universität Dortmund und ist Gründerin des Planungsbüros rha reicher haase architekten + stadtplaner, das inzwischen rha reicher haase associierte GmbH heißt und im Moment neun weibliche und sieben männliche Mitarbeiter beschäftigt.
www.rha-architekten.de Christa Reicher
Geringschätzung als Frau habe ich bis vor einiger Zeit nirgendwo erlebt. Jetzt aber sehe ich mich – auch im Hochschulalltag – schon damit konfrontiert. Je höher man steigt, desto dünner wird die Luft, zumindest in zwischenmenschlicher Hinsicht. Ich bin mir sicher, dass der ein oder andere Kollege sich nicht trauen würde, mit anderen Männern so umzugehen wie mit einer Frau. Als ich einmal die Botschaft bekam: Einer oder wohl eher eine ist hier zuviel, habe ich gesagt: „Na gut. Dann werden wir am Ende sehen, wer hier zuviel ist.“	Veröffentlicht unter Büro+Recht	| Verschlagwortet mit Frauen	| 1 Kommentar
Posted on 1. März 2013 by admin	Kommentar	Wer ein Büro übergeben will oder Partner sucht, steht vor einem Berg von Fragen. Berater Werner Preißing sagt, worauf Architekten achten sollten Interview: Michael Sudahl
Den Artikel zum Interview finden Sie hier	Veröffentlicht unter Büro+Recht, Öffentlichkeitsarbeit	| Kommentar hinterlassen
Posted on 1. März 2013 by admin	Kommentar	Für Optimismus und Aufbruchsstimmung bei Innenarchitekten steht ihre Verbandschefin Vera Schmitz Text: Roland Stimpel
Die habe man erst recht mit Spezialisierung. Schmitz kennt Kollegen, die gut von ihrem Spezial-Know-how in Sachen Großküchen, Kinos oder Kraftwerks-Leitstände leben. Oder die ihre Tätigkeit über die klassische Innenarchitektur hinaus erweitern – als Gutachter, Bewerter, Berater und Manager von Immobilien. Veröffentlicht unter Architektur+Raum	| Verschlagwortet mit Innenarchitektur, Studium, Weiterbildung	| Kommentar hinterlassen
Posted on 28. Februar 2013 by admin	Kommentar	Ankerlöcher bei Sichtbeton bieten viele Möglichkeiten der Gestaltung Text: Diethelm Bosold
Foto: Betonmarketing
Beim Schalen und Betonieren von Betonwänden sind Schalungsanker im Allgemeinen unvermeidbar, um den auf die Wandschalung wirkenden Frischbetondruck abzutragen. Die verbleibenden Ankerstellen können bei Sichtbeton in das architektonische Konzept des Bauwerks miteinbezogen werden. Für den späteren Umgang mit den Ankerlöchern ist entscheidend, wie die Schalungsanker eingebaut wurden. Am weitesten verbreitet ist es, den Ankerstahl durch ein Hüllrohr zu führen, um ihn später wiederverwenden zu können. Das Hüllrohr verbleibt im Beton. An seinen Enden können konisch zulaufende Kunststoff-Formteile aufgesetzt werden, die nach dem Ausschalen entfernt werden. Die verbleibenden Löcher werden mit Verschlusskonen oder Stöpseln geschlossen. Eine andere Methode ist, den Ankerstahl einzubetonieren. Hier werden vor dem Betonieren Konen auf den Stahl aufgeschraubt. Nach dem Ausschalen werden sie wieder abgeschraubt und die Löcher, wie zuvor beschrieben, geschlossen.
Aber die schönsten Ankerstellen verlieren an Wirkung, wenn an ihnen Feinstanteile des Betons auslaufen und sie verunzieren.
Um das zu verhindern, sind verschiedene Punkte zu beachten. Einerseits ist der Frischbetondruck durch eine angepasste Betoniergeschwindigkeit zu reduzieren. Dadurch wird ein geringfügiges Auseinanderklaffen der Schalung im unteren Bereich und ein Auslaufen der Feinstanteile an den Ankerstellen minimiert. Weiterhin sollte die Kontaktfläche der Schalungsanker mit der Schalhaut durch ein Schaumstoffprofil abgedichtet werden. Dabei ist zu beachten, dass diese Schaumstoffprofile reversibel sind, sich also nach dem Zusammenpressen beim Anziehen der Schalungsanker auch wieder ausdehnen, wenn der Frischbetondruck die Schalung etwas auseinanderdrückt. Darüber hinaus sollte eine „robuste“ Betonzusammensetzung mit ausreichend Feinstanteilen gewählt werden.
Faserbeton oder Kunststoff?
Kunstmuseum ­Liechtenstein: Die Spannstellen wurden mit eingefärbtem Mörtel geschlossen und sind daher kaum zu erkennen (Entwurf: Arbeitsgemeinschaft Morger, Degelo, Kerez, Basel/Zürich). Foto: Betonmarketing
Als Materialien für Hüllrohre und Stöpsel werden Faserbeton und Kunststoff eingesetzt. Die Auswahl ist letztlich eine Frage des Geschmacks. Bei gleichzeitigen Anforderungen an die Wasserundurchlässigkeit sind Hüllrohre aus Faserbeton von Vorteil, da der Verbund zwischen den beiden mineralischen Baustoffen Faserbeton und Beton deutlich besser ist als zwischen Kunststoff und Beton. Damit geht eine größere Sicherheit gegen einsickerndes Wasser einher. Die im Beton verbleibenden ­konischen Vertiefungen können mit Faserbeton-Verschlusskonen unterschiedlicher Durchmesser, Farben und Oberflächenqualitäten verschlossen werden. Über die Schattenwirkung und die Farbe der Konen im Vergleich zum umgebenden Beton werden die Ankerstellen betont oder in ihrer Wahrnehmung reduziert. Die Faserbetonkonen können auch mit Schriftzügen, erhabenen oder vertieften Logos oder Wappen gestaltet werden.
Abbildung: Betonmarketing
Bild 1 von 8 Steinskulpturenmuseum in Bad Münster: Die Schattenwirkung der Ankerlöcher entsteht durch dunklere und um fünf Millimeter nach hinten versetzte Konen. (Entwurf: Tadao Ando Architect & Associates, Osaka; Architekt und Projektmanagement: Dorian Zapp, Bad Kreuznach, Wien, Bodo Zapp, Bad Kreuznach) Kunststoffhüllrohre werden häufig mit Kunststoffstöpseln geschlossen. Bei entsprechenden konischen Vertiefungen lassen sich aber auch Faserbetonkonen einsetzen. Neben eingeschränkten Variationsmöglichkeiten ist bei Kunststoffstöpseln häufig eine unsaubere Ausführung zu beobachten. Außerdem werden die weichen Kunststoffstöpsel mitunter benutzt, um mit wenig Aufwand Nägel in die Wand einzuschlagen – sowohl in der Bau- als auch in der Nutzungsphase. Zudem gibt es Bauwerke, in denen mit Kunststoffartikeln befriedigende Ergebnisse erzielt wurden. Weiterhin sind Kunststoffhüllrohre mit aufgesteckten Endstücken erhältlich, die einbetoniert und daher natürlich nicht mehr entfernt werden können. Damit ist das Erscheinungsbild vollständig vorgegeben.
Häufig werden die konischen Vertiefungen von Spannstellen mit einem Mörtel zugespachtelt. Diese Methode kann problematisch sein. Die Farbe des Mörtels lässt sich nur sehr schwer an die Farbe des umgebenden Betons angleichen – ein Farbunterschied ist jedoch meist nicht gewollt. Beim flächenbündigen Abspachteln der Ankerstellen kann ein Verziehen des Mörtels auf die Betonfläche zu einem unregelmäßigen Erscheinungsbild führen, was als unsauberes Arbeiten empfunden werden kann. Besser ist es, den Mörtel mit einer Kugel auszurunden. Das kann mit einem Tennisball geschehen; durch den Filz wirkt die Ausrundung etwas rauer. Es kann aber auch eine glatte Kugel verwendet werden – durch die Rundung entsteht wiederum eine Schattenwirkung, die die Ankerstelle geringfügig von der umgebenden Betonoberfläche unterscheidet. Die Ankerstelle wird dadurch also nicht betont, sondern zeigt sich zurückhaltend. Zurückhaltung in Perfektion sieht man an der Fassade des Liechtensteiner Kunstmuseums: Hier sind die Ankerstellen kaum zu erkennen. Sie wurden mit eingefärbtem Mörtel geschlossen und mit der Fassade geschliffen.
Letztlich sind bei der Gestaltung von Ankerlöchern der Fantasie keine Grenzen gesetzt: Bei der St. Canisius-Kirche in Berlin wurde beispielsweise um das Ankerloch herum eine Kreuzform geschalt, die teilweise mit metallischen Formstücken gefüllt wurde (siehe Detailbilder). Auch auf besondere technische Anforderungen kann reagiert werden. Bei der Hochwasserschutzmauer in Köln-Weiß wurden die anthrazit eingefärbten Wände mit eingefärbten Faserbetonkonen oberflächenbündig geschlossen. Da die Oberfläche und die Konen gestockt werden sollten, um eine einheitliche Optik zu erzielen, mussten die Konen eine ausreichende Festigkeit aufweisen. Grundsätzlich sollte bei allen Sonderlösungen aber bereits die Ausschreibung einen Hinweis auf die Art der Gestaltung enthalten, damit die Baufirma das beim Kostenangebot berücksichtigen kann.
Dr.-Ing. Diethelm Bosold ist Bauberater bei BetonMarketing West in Beckum
Mehr Informationen www.maxfrank.de, www.mathies.info, www.beton.org	Veröffentlicht unter Gebäudetechnik, Technik+Innovation	| Verschlagwortet mit Beton, slider	| Kommentar hinterlassen
Posted on 28. Februar 2013 by admin	Kommentar	Informationen für das Planen in dreißig Staaten bietet die erneuerte Länderdatenbank zum Architekturexport Text: Roland Stimpel
Export ins Elsass: Europäische Schule in Straßburg von Auer + Weber + Assoziierte, München. Foto: Auer+Weber+Assoziierte / BLOC-RENDERING
Welche Haftungsregeln gelten in der Schweiz? Wo muss ein Architekt sich registrieren lassen, wenn er in Brasilien arbeiten will? Wie viel Prozent der Bausumme sind als Honorar in Vietnam üblich? Und wo findet man das Muster für einen Planungsvertrag in Tschechien? Fragen dieser Art stellen sich Architekten, die im Ausland bauen wollen. An den Themen knabbern Großbüros, die in China ganze Städte planen, ebenso wie kleine, die ein Einfamilienhaus kurz hinter der deutschen Grenze entwerfen.
Für den Einzelnen wären Fragen zum Bau- und Immobilienmarkt, zu Rechtlichem oder zur Wirtschaft im Ausland nur schwer zu recherchieren. Darum bietet das Netzwerk Architekturexport (NAX) der Bundesarchitektenkammer eine umfangreiche Länderdatenbank. Sie ist soeben aktualisiert und erweitert und enthält jetzt Fakten, Vorschriften und Hintergründe zu 30 wichtigen Ländern – davon 18 in Europa, acht in Asien und je zwei in Amerika und Afrika. Am 19. Februar wurde die Datenbank auf dem Außenwirtschaftstag „Planen und Bauen – Urbane Herausforderungen“ im Auswärtigen Amt in Berlin freigeschaltet.
Für die umfassende Datensammlung haben Wissenschaftler und Hilfskräfte am Lehrstuhl Bauökonomie und Baumanagement der Universität Siegen zwei Jahre lang recherchiert. Vier bis fünf Kräfte waren ständig, zehn bis 15 zeitweise in das Projekt involviert. Das Projekt leitete Professor Bert Bielefeld. „Das war vor allem eine zähe, penible Detailarbeit. Aber jetzt haben wir wohl die beste internationale Übersicht, die es für Architekten in der Welt gibt.“ ­Recherchequellen waren unter anderem die Kammern der jeweiligen Länder, die bundeseigene Auslandsmarketing-­Gesellschaft Germany Trade & Invest und lokale Quellen vielerlei Art.
Finanziell unterstützt wurde das Projekt vom Bundes-Wirtschaftsministerium (siehe das Interview mit Staatssekretär Otto, Link am Ende des Beitrags). Die Datenbank ist frei zugänglich. Die Initiatoren würden sich jedoch über eine Gegenleistung freuen. Cathrin Urbanek vom NAX-Netzwerk: „Wir sind dankbar für jeden, der mit Kenntnissen eines bestimmten Landes die Datenbank ergänzen oder korrigieren könnte.“ Das entspricht dem Grundgedanken des Netzwerks: „Es lebt vom Engagement der Mitwirkenden. Wer für die Auslandsarbeit Hilfe von Kollegen bekommen oder anderen geholfen hat, der weiß: Geteilte Information ist doppelt wertvolle Information.“ Besonders die Paten des NAX haben sich das zu Eigen gemacht – 43 international tätige Büros, alphabetisch von Albert Speer & Partner bis zur woernerundpartner planungsgesellschaft. Auf regelmäßigen Patentreffen und auf Delegationsreisen kommen sie mit potenziellen Bauherren sowie Vertretern von Politik und Wirtschaft zusammen. Darüber hinaus tauschen sie direkt und über das NAX-Team ihr Länder-Know-how aus.
Ein Pate ist auch Professor Bielefeld, der in Siegen das Projekt Länderdatenbank leitete. Sein Büro bertbielefeld & partner hat unter anderem eine Gewürzfabrik in Rumänien und ein Unterkunftsgebäude für die kanadische Bergpolizei geplant. „Systematische Vorbereitung auf ein Land ist das A und O“, weiß er. Auslandsarbeit lohne sich: „Es ist unglaublich interessant, unsere Arbeit mal nicht nur aus dem deutschen Blickwinkel zu sehen.“ Woraus er als Botschaft ableitet: „Es macht Spaß, da draußen zu arbeiten.“
Zur Länderdatenbank www.architekturexport.de
Weiterführendes Interview http://dabonline.de/	Veröffentlicht unter Beruf+Politik	| Verschlagwortet mit slider	| Kommentar hinterlassen
Posted on 28. Februar 2013 by admin	1	Innenarchitektur für den Internet-Konzern: scheinbar verspielte Wohlfühl-Welten für junge Beschäftigte – für Journalisten jedoch verschlossen Text: Frank Maier-Solgk
Frank Maier-Solgk ist freier Architekturjournalist in Düsseldorf	Veröffentlicht unter Architektur+Raum	| Verschlagwortet mit Arbeitswelten, Innenarchitektur	| 1 Kommentar
Posted on 1. Februar 2013 by admin	Kommentar	Die ehrgeizigen Energieprojekte der IBA Text: Sven Bardua
Zum „Energiebunker“ umgebauter Flakbunker aus dem 2. Weltkrieg – ein Projekt von Hegger Hegger Schleiff HHS Planer + Architekten AG aus Kassel. Landschaftsarchitektur: EGL, Hamburg. Foto: IBA Hamburg GmbH / HHS Planer + Architekten AG
Ein gewaltiger Hochbunker und ein Müllberg gehören zu den sperrigsten Landmarken, die Hamburg zu bieten hat. Doch die IBA hat dieses ungeliebte Erbe zu Symbolen einer neuen Stadt entwickelt: als wichtige Bestandteile moderner Energieversorgungssysteme. Das Ziel der IBA: Bis 2050 sollen alle Gebäude in Wilhelmsburg vollständig mit regenerativer und lokal erzeugter Energie versorgt werden. Dabei geht es vor allem darum, die Emission klimaschädlicher Treibhausgase deutlich zu reduzieren. Den Weg dahin markiert eine Reihe von IBA-Projekten, die das genaue Hinschauen lohnen.
Die „Stadt im Klimawandel“ ist eines der drei Leitthemen der IBA. Doch wie kann Hamburg das Klima mit seiner Energiewirtschaft schonen? Zu Beginn der Bauausstellung wurde diese Frage nur zaghaft gestellt. „Es sind am Anfang ganz kleine Brötchen gebacken worden“, erinnert sich der Koordinator des Projektes, Karsten Wessel. Doch dann habe sich das Projekt schnell weiterentwickelt und die Energie sei als großes Thema nachgeschoben worden, freut er sich über den Erfolg. Attraktiv sei es unter anderem wegen der Quartiers-Struktur, denn das von den Flussarmen der Elbe umschlungene Wilhelmsburg ist ein relativ abgeschlossener Raum. Außerdem wurde die Marschinsel schon immer durch Hochwasser bedroht und belastet, musste mit Deichen geschützt werden und hat deshalb ein eminentes Interesse am Klimaschutz.
Von der Deponie zum Energieberg
Der heutige „Energieberg“ im Nordosten von Wilhelmsburg ist im Kern die 1979 geschlossene Mülldeponie Georgswerder. Aus den Abfällen sickerte damals Gift in das Grundwasser und brachte einen handfesten Umweltskandal. Anschließend wurde die Deponie aufwendig abgedichtet und dauerhaft gesichert. „Auch wenn das Image des Stadtteils bis heute von den damaligen Geschehnissen geprägt ist – technisch gesehen ist die Müllkippe heute unter Kontrolle“, so die IBA. Die 45 Hektar Fläche und die knapp 40 Meter Höhe der Deponie bieten auch handfeste Vorteile. Der längst begrünte Berg schirmt den Stadtteil zur Autobahn und zur Industrie auf der Peute ab. Und er bietet sich als Basis der neuen Solar- und Windenergieanlagen sowie eines Höhenrundweges förmlich an, gestaltet von den Berliner Landschaftsarchitekten Häfner/Jiménez. Mit den Pfaden zur Bergkuppe wird knapp die Hälfte dieses „technischen Bauwerkes“ für Bürger geöffnet, die so neue Ausblicke auf ihre Stadt bekommen. Daneben erzeugen zwei Windkraft- und eine Photovoltaikanlage auf dem Berg etwa 12,2 Millionen Kilowattstunden Strom pro Jahr für rund 4.000 Haushalte. Schon seit 1986 wird das bei der Abfallvergärung entstehende Deponiegas von der benachbarten Kupferhütte thermisch genutzt. Selbst die Wärme des gereinigten Sickerwassers aus der Deponie wird verwendet: Eine Wärmepumpe nutzt sie zum Heizen des neuen Informations- und Betriebsgebäudes von Konermann Siegmund Architekten aus Hamburg. Und wie an vielen anderen Stellen der IBA, kommt der Strom dafür von einer Photovoltaikanlage.
Energiebunker statt Betonklotz
Gipfel statt Tiefpunkt: Dioxinfunde auf der Mülldeponie Georgswerder markierten einen ökologischen Tiefpunkt auf der Elbinsel. Wind- und Solaranlagen, Wärmegewinnung aus Deponiegas und Sickerwasser sowie ein Parkweg der Berliner Landschaftsarchitekten Häfner/Jiménez aus Berlin sollen einen symbolischen Höhepunkt bilden. Foto: Aufwind Luftbilder/ Visualisierung: bloomimages
Der Energiebunker an der Neuhöfer Straße in Wilhelmsburg stand dagegen zunächst sechs Jahrzehnte nahezu ungenutzt herum, denn Umnutzung oder Beseitigung galten als zu teuer. 1943 auf einer Grundfläche von 57 Metern im Quadrat und mit einer Höhe von 42 Metern errichtet, diente der Hochbunker im Krieg als Basis für Flugabwehrkanonen (Flak) und Tausenden von Menschen als Schutzraum. Seine einst von Friedrich Tamms gestaltete Festungsarchitektur sollte Sicherheit suggerieren. Wegen der Nähe zu Wohnhäusern wurde der gewaltige Betonklotz nach dem Krieg nicht beseitigt. Doch zerstörten die britischen Alliierten 1947 mit einer gezielten Sprengung sein Inneres. Dabei stürzten sechs Etagen ein, nur die äußere Hülle mit den bis zu drei Meter dicken Wänden und das Dach mit den vier Geschützstellungen blieben erhalten. Nunmehr investierte die IBA knapp 27 Millionen Euro in den Umbau des Energiebunkers durch Hegger Hegger Schleiff aus Kassel und die technische Ausrüstung. Schon die Sicherung des Bauwerkes war schwierig, weil einst bei der Sprengung auch die Wandvorlagen zerstört worden waren. Außerdem mussten 25.000 Tonnen Schutt aus dem Inneren entfernt werden. Um die maroden Außenwände zu sichern, wurden neun Zentimeter Spritzbeton aufgebracht. Entgegen den ursprünglichen Planungen konnten dabei nur sechs kleine Wandflächen im alten Zustand erhalten werden.
Heute bietet der denkmalgeschützte Bau außer der Energietechnik eine Ausstellung zur Geschichte des Bunkers sowie ein Café mit Dachterrasse. Auch im Inneren gibt es auf zehn Metern Höhe eine Plattform, von der aus Besucher den neu geschaffenen Raum mitsamt der Technik erleben können. Ein 2.000 Kubikmeter fassender Wärmespeicher ist hier Herz des Systems. Als Puffer gleicht er Lastspitzen bei der Produktion und dem Verbrauch von Energie aus. Den großen Stahlbehälter speisen die Wärme eines mit Biogas aus dem öffentlichen Netz belieferten Blockheizkraftwerkes, eines mit Holzhackschnitzeln befeuerten Heizkessels für die Spitzenlast, einer solarthermischen Anlage auf dem Dach sowie die Abwärme einer benachbarten Ölmühle. Sie versorgen so einen großen Teil des Reiherstiegviertels in Wilhelmsburg mit Fernwärme. Außerdem kann hier Windstrom in Wärme verwandelt werden, weil das Speichern von Wärme kostengünstiger ist als das von Strom. Das Konzept der Anlage sei in Deutschland ohne Vorbild, sagt Karsten Wessel. Im Betrieb will man Erkenntnisse über die Praxistauglichkeit sammeln und vor allem die für das Zusammenspiel der Erzeuger sowie die Wärmeströmungen im Speicher maßgebliche Regel- und Hydrauliktechnik beobachten. Strom wird von an der Südwand des Baus angebrachten Solarzellen sowie vom Blockheizkraftwerk produziert. Somit erzeugt der alte Bunker im Endausbau pro Jahr etwa 22.500 Megawattstunden Wärme (für etwa 3.000 Haushalte) und fast 3.000 Megawattstunden Strom (für etwa 1.000 Haushalte).
Ein zweites Wärmenetz entsteht im Südwesten von Wilhelmsburg auf der Basis von Geothermie. Die Bohrungen dafür beginnen im Sommer 2013 an der Georg-Wilhelm-Straße: Ab Mitte 2014 soll aus einer Tiefe von etwa 3.000 Metern heißes Wasser mit einer Temperatur von 130 Grad Celsius gefördert werden, um Fernwärme und Strom zu produzieren. Die Leistung wird auf 10,5 Megawatt geschätzt. Viele der dort ansässigen Gewerbebetriebe hätten ein Interesse an dem Projekt, das nach Angaben von Karsten Wessel auch wirtschaftlich zu betreiben ist. Erstmals werde damit das Potenzial der Geothermie im Zentrum einer europäischen Großstadt in großem Maßstab genutzt.
Das dritte Wärmenetz der IBA entsteht zusammen mit den IBA-Neubauten an der S-Bahn-Station in Wilhelmsburg-Mitte. Jedes dieser Häuser zeigt auf eigene Art und Weise, wie vorbildliches Bauen in Zeiten des Klimawandels aussehen könnte. Die Energiezentrale befindet sich unter dem Vorplatz des Neubaus der Hamburger Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt (BSU). Hier übernimmt ein ebenfalls mit Biogas betriebenes Blockheizkraftwerk den größten Anteil an der Wärmeversorgung. Das Wärmenetz ist zudem offen für weitere Energieversorger: Viele der neuen Gebäude verfügen über eigene Anlagen zur regenerativen Energieerzeugung. Und sie dürfen nicht nur Strom-, sondern auch Wärmeüberschüsse in die Netze einspeisen. So entsteht im Verbund aus vielen kleinen Anlagen ein großes virtuelles Kraftwerk.
Größter Nutzer dieses Wärmenetzes sind ein Schwimmbad und der BSU-Neubau. Dieser soll auch beim Energiesparen punkten. Die in einem Wettbewerb siegreiche Arbeitsgemeinschaft der Architekten Sauberbruch Hutton (Berlin) und die Ingenieurgesellschaft Innius RR (Rosbach) setzten dort ihren Entwurf um. Er beweist, dass „eine ökologisch und funktional höchst anspruchsvolle Architektur zugleich auch originell, emotional und schön sein kann“, schreibt der städtische Oberbaudirektor Jörn Walter. Der ambitionierte Bau profitiere von einem kompakten Baukörper mit gutem Wärmeschutz und angemessenen Glasflächen sowie außen liegendem Sonnenschutz in Verbindung mit natürlichen Ressourcen, wie Tageslicht, Querlüftung, Geothermie und freier Nachtkühlung.
Die interessanteste Technik der IBA-Neubauten bietet aber das sogenannte Algenhaus mit seiner „Bioreaktorfassade“ – siehe Beitrag Wände mit Wasserwesen. Dank der wachsenden Algen und der Wasserströmung scheint die Fassade ständig in Bewegung zu sein. Ebenfalls dynamisch ist die Fassade des Soft House der Architekten Kennedy & Violich aus Boston und 360 Grad plus aus Hamburg. Hier richten sich die auf der Südseite aufgespannten Textilmembranen auf das Tageslicht aus. So können die Bewohner dieser Reihenhäuser Lichteinfall, Aussicht und Schatten regulieren – und damit bis zu einem gewissen Maß den Energiehaushalt des Gebäudes steuern. Auf die Membranstreifen applizierte, sehr dünne Photovoltaikzellen erzeugen zudem Strom.
Das Ernten und Speichern von Energie bestimmt die Gestaltung des Hauses „Smart ist grün“ von Zillerplus Architekten aus München: Im Mittelpunkt steht der Einsatz von Latentwärmespeichern aus Phasenwechselmaterial (PCM). Auf der Südseite öffnet sich die Hausfassade in gestaffelten Schichten: So schützen Module mit raumhohen vertikalen Gärten aus Rankpflanzen im Wechsel mit Photovoltaikflächen an den Balkonbrüstungen vor Sommerhitze. Dahinter schafft eine Front aus Isolierglas Schutz vor Kälte und Wärme. Als letzte Schicht wird im Inneren ein PCM-Vorhang als Kurzzeit-Wärmespeicher eingesetzt. Außerdem gibt es Solarthermie-Flächen auf dem Dach. Überschüssige Wärmeenergie wird zentral im Haus in einem PCM-Tank gespeichert und von einer Wärmepumpe als Warmwasser in die Wohnungen oder in das Nahwärmenetz eingespeist.
Aufwendig sanierte Altbauten
Mäander im Bau: Energetisch ambitioniert ist auch der ­Neubau der Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt von Sauerbruch/Hutton aus Berlin. Foto: IBA Hamburg GmbH/Martin Kunze
Wenig spektakulär, für das Klima aber besonders effizient ist die Sanierung von Altbauten. „Hier steckt das größte Einsparpotenzial“, betont die IBA. Um auch private Eigentümer zur energetischen Sanierung ihrer Häuser zu motivieren, startete die Bauausstellung die Kampagne „Prima Klima-Anlage“. Der hierfür entwickelte Maßstab „IBA-Exzellenz“ setzt einen deutlich höheren Standard als die Klimaschutzverordnung der Stadt, wobei nicht alle sieben aufgestellten Kriterien umgesetzt werden müssen. Dabei geht es um das Dämmen von Außenwänden, Dach und Keller, um neue Fenster, eine kontrollierte Lüftung mit Wärmerückgewinnung, energieoptimierte Wärme- und Warmwasserversorgung mit erneuerbaren Energien sowie den Bau einer Photovoltaikanlage. Damit seien Energieeinsparungen von bis zu 90 Prozent realistisch und finanzierbar, heißt es.
In der Praxis sind in einem Fall sogar 95 Prozent erreicht worden: Saniert wurde die 1896 erbaute Doppelhaushälfte „Auf der Höhe 25“. Das Haus wurde vollständig gedämmt, erhielt neue Fenster, eine Lüftung mit Wärmerückgewinnung sowie einen von Solarthermie unterstützten Kessel mit Holzpelletfeuerung zum Heizen. Da die Putzfassade von außen gedämmt wurde, bekam das Haus nachgebildete Zierelemente für die Fassade und Fenster mit Sprossen. Damit blieb die alte Ansicht zumindest optisch einigermaßen erhalten.
Bei zwei 1926 erbauten Wohnblöcken in der Wilhelmsburger Straße auf der Veddel im Norden der Elbinsel wurde dagegen eine denkmalgerechte Sanierung umgesetzt. Hier prägen dunkelrote Klinkerfassaden der klassischen Moderne das Bild des Wohnquartiers. „Obwohl die Gebäude mit ihrer charakteristischen Straßenfassade aus Klinker unter Denkmalschutz stehen, erreichen sie nach Abschluss der Sanierungsarbeiten annähernd Neubaustandard“, schreibt die IBA stolz. Da die Straßenfassaden, außer mit Doppelglasfenstern, nicht von außen gedämmt werden sollten, wurden alle anderen Bauteile in einem sehr guten Standard saniert. Damit werden im Vergleich zum alten Zustand bis zu 76 Prozent der Primärenergie eingespart.
Unterdessen wandelt sich das Klima trotzdem. Damit ist das tief liegende Wilhelmsburg auf Dauer von Hochwasser bedroht. Ob das „IBA Dock“ dafür eine zukunftsweisende Lösung bietet, darf bezweifelt werden: Der mit drei ­Geschossen bebaute Ponton im Müggenburger Zollhafen ist mit einer Nutzfläche von knapp 1.900 Quadratmetern das größte schwimmende Büro- und Ausstellungsgebäude in Deutschland (entworfen von Han Slawik aus Hannover). Bei höheren Wasserständen schwimmt es auf und passt sich nach Angaben der IBA so der Natur und dem Klimawandel an. Doch was nützt eine schwimmende Anlage, wenn bei einer Flut die Zufahrten nicht mehr passierbar sind? Immerhin nutzt das Dock die Wasserfläche eines sonst weitgehend ungenutzten Hafenbeckens gewissermaßen als „Bauland“ – und das selbstverständlich mit Energietechnik gemäß IBA-Standard.
Sven Bardua ist Autor und Journalist in Hamburg	Veröffentlicht unter Startseite	| Verschlagwortet mit Energieeffizienz, IBA	| Kommentar hinterlassen
Deutscher Preis und Goldenes Haus
Posted on 1. Februar 2013 by admin	Kommentar	Neu ausgelobt sind drei Wettbewerbe von überregionaler Geltung. Besonders gewichtig ist der Deutsche Architekturpreis – mehr dazu hier sowie unter DABonline.de/tag/DAP. Bewerbungen zum 22. Deutschen Fassadenpreis, ausgelobt von Brillux, können bis zum 22. Mai eingereicht werden – mehr unter www.fassadenpreis.de. Die Zeitschrift „Das Haus“ und die Landesbausparkassen loben insgesamt 30.000 Euro für das „Goldene Haus 2013“ aus. Es geht nicht um Gold als Baustoff, sondern um den klugen Umgang mit der „Ressource Stadt“. Teilnehmen können Architekten und Bauherren, die einen Bestandsbau vergrößert, einen Altbau verbessert, Alt und Neu gekoppelt, eine Brache bebaut und/oder nachhaltig und kostengünstig geplant haben.
www.haus.de/goldeneshaus	Veröffentlicht unter Namen+Nachrichten	| Verschlagwortet mit Wettbewerb	| Kommentar hinterlassen
Fibel fürs Qualitäts­management
Posted on 1. Februar 2013 by admin	1	Einen Überblick über das Qualitätsmanagement für Architekten und ­Ingenieure liefert die neue „QM-Fibel“ des „Qualitätsverbunds Planer am Bau“. Dieser propagiert Zertifizierungen als Nachweise für gute Organisation und stellt in der Fibel die Pro-Argumente ausführlich dar. Die 58-Seiten-Fibel gibt es als Datei für 5,50 Euro und gedruckt für 9,90 Euro unter: www.planer-am-bau.de
Veröffentlicht unter Namen+Nachrichten	| Verschlagwortet mit Bücher	| 1 Kommentar
Posted on 1. Januar 2013 by admin	3	Zu starres Studium, realitätsferne Lehre – das kritisieren Büroinhaber und selbst Professoren am Architekturstudium. Einzelne Hochschulen lehnen sich erfolgreich auf Text: Nils Hille
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Posted on 1. Januar 2013 by admin	Kommentar	Von Architekturbüros
Heinrich Eustrup (Hg.), pbr Planungsbüro Rohling AG
Architekten und ­Ingenieure: Projekte aus 50 Jahren
Junius Verlag, 178 S., 39,90 €
Architektur 1992 – 2012.
Transformation – Systeme – Motive.
Niggli Verlag, 192 S., 62 €
Eike Becker ­Architekten
Hatje Cantz Verlag, 478 S., 58 €
Das Leben der Tauts
Doppel-Biografie mit viel Persönlichem und Privatem, die auch Schattenseiten nicht ausspart und bei aller Zuneigung einen kritisch-distanzierten Blick auf die beiden Tauts und ihre Zeitgenossen behält.
Die Architekten Bruno und Max Taut. Zwei Brüder – zwei Lebenswege
Gebr. Mann Verlag, 216 S., 29 €.
Wohnen für Stadt­bürger
Biografie, Werk- und Zeitbericht eines zu Unrecht vergessenen Architekten, der vor rund 100 Jahren Mietshäuser für bürgerlich-individuelles Wohnen in urbanen Formen entwarf – ein Gegengift zu Eigenheim-Teppichen.
Albert Gessner. Das städtische ­Mietshaus
Gebr. Mann Verlag, 400 S., 89 €.
Ein Schlaglicht auf das trübste Kapitel deutscher Architektur und Planung: Wie ein scheinbarer Technokrat sich in den Dienst der hässlichen Ideologen stellte und mit ihnen Karriere machte – die er verdientermaßen nach dem Krieg so nicht mehr fortsetzen konnte.
Konstanty Gutschow (1902 – 1978). ­Modernes Denken und volksgemeinschaftliche Utopie eines Architekten
Dölling und Galitz Verlag, 380 S., 49,90 €
Geschichte und Denkmale
Mission Nachkrieg
Ein Plädoyer für die von Denkmalpflegern längst und von anderen allmählich wiederentdeckten Bauten der Nachkriegszeit – sorgfältig, liebevoll und lehrreich in der Analyse ihrer Gebäude, im Ton der Anfangskapitel aber teils mehr kämpferisch als wissenschaftlich.
Die Erste Nachkriegsmoderne: Ästhetik und Wahrnehmung der westdeutschen Architektur 1945-63
Michael Imhof Verlag, 304 S., 39,95 €
Haus-­Geschichte
Hundert Jahre Berliner und deutsche Geschichte, spannend erzählt und akribisch aufbereitet am Beispiel eines Hauses, seiner Baugeschichte, seiner Bewohner und ihrer Schicksale.
Ein Stück Stadt ergründen. Haus-und Quartiersgeschichte in Berlin-Charlottenburg
rubrum verlag, 168 S., 18,90 €
Stuck-Talibane
Das Buch beschreibt, wie Ästhetik-Talibane Hausfronten in Berlin und anderen Städten von der Teufelei des Fassadenschmucks erlösten – und wie er neuerdings an manchen Fassaden erneut angebracht wird.
Schnörkellos. Die Umgestaltung von ­Bauten des Historismus im Berlin des 20. Jahrhunderts
Gebr. Mann Verlag, 496 S., 69 €
Stadt, Beruf und Einzelthemen
Mutiger Städtebauer
Tübingens mutiger und innovativer Städtebauer erklärt Grundzüge und Grundmotive seines Handelns: Mischung und Kleinteiligkeit sind für Feldtkeller nicht Selbstzweck, sondern sollen Optionen zum Leben und Arbeiten für alle Bürger vermehren – gerade für die, die sich nicht in pseudo-perfekte Großstrukturen einkaufen können.
Zur Alltagstauglichkeit unserer Städte. Wechselwirkungen zwischen Städtebau und täglichem Handeln
Schiler Verlag, 136 S., 16,80 €.
Gedrucktes Mysterium
In diesem Büchlein fanden wir weder einen roten Faden noch eine bündige Antwort auf die im Titel gestellte Frage. Es strotzt von Erkenntnissen wie der auf Seite 156: „Architektur – wirkliche Architektur! – ist und bleibt ein Mysterium.“
Brauchen wir noch Architekten? Deutsche Verlags-Anstalt, 174 S., 17,99 €
Gebaute Marken
„Corporate Architecture“ klingt ganz gegenwärtig, aber auch dieses Thema lässt sich auf Vitruv, Alberti und weitere Urväter zurückführen. Anhand wichtiger Projekte des 20. Jahrhunderts wird Unternehmens-, Marken- und Produkt-Architektur typisiert und analysiert.
Von Erdbeeren und Wolken­kratzern. Corporate Architecture – Begründung, Geschichte und ­Ausprägung einer architektonischen Imagestrategie
Athena-Verlag, 414 S., 42,50 €
Projekte und Programmatisches zum Thema „Weiterbauen und Weiterplanen“, gesammelt von zahlreichen Stadt-, Landschafts- und Verkehrsplanern der Universität Kassel. Die Inhalte reichen vom alternden Eigenheimgebiet bis zur Verkehrsplanung in der Postmoderne.
Alexander Eichenlaub und Thomas Pristl (Hg.)
Umbau mit Bestand. Nachhaltige Anpassungsstrategien für Bauten, Räume und Strukturen
Reimer Verlag, 370 S., 39,90 €
Erklärte Gesetze
Das Buch erklärt die vielfältigen und oft vertrackten Rechtsfragen des Bauens im Bestand: Honorar und Urheberschaft, Leistungssoll, Vergabe- und Bauvertragsrecht sowie nicht zuletzt das Bauordnungsrecht.
Rechtsanwälte TSP Theißen Stollhoff & Partner (Hg.)
Bauen im Bestand. Sanierung, Modernisierung, Umbau
Fraunhofer IRB Verlag, 236 S., € 39,80
Vom Abfalltonnenschrank bis zum öden Zentrum spießt das Buch satirisch und mit Fotos gestalterische Missgeburten, Missstände und Skurrilitäten auf.
Martin Oswald (Text), Anja Köhler (Fotos)
Ein Abriss. Kleines Lexikon der architektonischen Abwege
Robert Gessler Verlag, 128 Seiten, 24,90 €
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Posted on 1. Dezember 2012 by admin	Kommentar	Heiz- und Klimatechnik, Teil VI: Flächenheiz- und Kühlsysteme ermöglichen hohe Energieeffizienz und erschließen Speichermassen Text: Thomas Wilken, Lars Altendorf
Abbildung 1: Institut für Gebäude- und Solartechnik
Bild 1 von 8 Vergleich: Heizleistung verschiedener Wärme­übergabesysteme Um Wärme aus regenerativen Energiequellen zu nutzen, eignen sich Niedertemperaturheizsysteme mit einer Wärmeübergabe über luft- und wassergeführte Systeme. Ein großes Potenzial bieten vor allem wassergeführte Flächenheizungen, wie sie heute bereits vielfach in Neubauten eingesetzt werden. Grundsätzlich gibt es drei Systeme für die Wärmeübergabe (Abb. 1): freie Heizflächen, Luftheizung und bauteilintegrierte Heizflächen.
Vorteile bieten thermisch aktivierte Speichermassen von Decke und Fußboden vor allem dann, wenn sie in ein intelligentes Lastmanagement eingebunden sind und erneuerbare Energien genutzt werden. So lassen sich die Anlagen zur Wärme- und Kälteerzeugung mit dem Strom aus Dach- und/oder gebäudeintegrierter Photovoltaik betreiben. Diese Konzepte der Eigenstromnutzung sind für die Kühlung von Gebäuden auch unter wirtschaftlichen Aspekten interessant. Denn wenn im Sommer die solaren Erträge am höchsten sind, wird die meiste Kühlenergie gebraucht. Dipl.-Ing. Architekt Thomas Wilken ist stellvertretender Leiter und Dipl.-Ing. Lars Altendorf ist wissenschaftlicher Mitarbeiter des Instituts für Gebäude- und Solartechnik der TU Braunschweig	Veröffentlicht unter Gebäudetechnik, Technik+Innovation	| Verschlagwortet mit Klimatechnik	| Kommentar hinterlassen
Posted on 1. Dezember 2012 by admin	Kommentar	Doppelhaushälfte, Spielhalle, Nebenanlage und Windfang
Oberverwaltungsgericht Sachsen-Anhalt, Beschluss vom 4.7.2012, 2 L 94/11n	Veröffentlicht unter Büro+Recht, Recht	| Kommentar hinterlassen
Posted on 1. Dezember 2012 by admin	Kommentar	Sollen schon in einer Bewerbung nach VOF außerhalb von Architektenwett-
bewerben Lösungsvorschläge für die Planungsaufgabe verlangt werden, muss der Auslober diese honorieren Text: Axel Plankemann
Öffentliche Auftraggeber verlangen im Zusammenhang mit der Bewerbung für VOF-Verfahren nicht selten Planungsleistungen. Dabei übersehen die Auftraggeber häufig, dass solche Architektenleistungen bezahlt werden müssen. Das hat jetzt das Oberlandesgericht Koblenz in einem Urteil (6.9.2012, 8 U 45/11) bestätigt. Grundlage ist § 20 Absatz 3 der VOF: „Verlangt der Auftraggeber außerhalb eines Planungswettbewerbes Lösungs­vorschläge für die Planungsaufgabe, so sind die Lösungsvorschläge der Bewerber nach den Honorarbestimmungen der HOAI zu vergüten.“
Zwar legt § 13 Absatz 2 VOF fest, dass für die Ausarbeitung der Bewerbungs- und Angebotsunterlagen Kosten grundsätzlich nicht erstattet werden, doch nennt § 13 Absatz 3 die Ausnahme: Verlangt der Auftraggeber Entwürfe, Pläne, Zeichnungen, Berechnungen oder andere Unterlagen, die über die üblichen Bewerbungs- und Angebotsunterlagen hinausgehen, müssen diese mit einer einheitlichen Vergütung für alle Bewerber entschädigt werden.
Geld ist fällig: Verlangt der Auftraggeber Entwürfe, Pläne, Zeichnungen oder andere Unterlagen, müssen diese mit einer einheitlichen Vergütung für alle Bewerber entschädigt werden. Illustration: Artville
Werden von den Bewerbern außerhalb eines geregelten Architektenwettbewerbs Lösungsvorschläge für die Planungsaufgabe verlangt, so ordnet darüber hinaus § 20 Absatz 3 VOF verbindlich an, dass diese nach den Honorarbestimmungen der HOAI zu vergüten sind. Die Vorschrift ist für den betroffenen Planer erfreulich und erhöht die Chancengleichheit aller Bewerber im Verhandlungsverfahren, weil gerade kleinere und jüngere Büros mit unbezahlten Planungsleistungen in der Bewerbungsphase überfordert wären. Eines besonderen Architektenvertrages über diese Leistungen bedarf es nicht. Rechtsgrund für die Honorarforderung ist die VOF selbst. Diese Honorarforderung ist zivilrechtlich durchsetzbar.
Wird in der Auslobung verlangt, dass Bewerber im Vorhinein auf einen solchen Vergütungsanspruch verzichten, so kann dies im Wege des Vergaberechtsschutzes mit Rüge und Nachprüfungsverfahren beanstandet werden.
Allerdings macht das OLG Koblenz in seinem aktuellen Urteil Einschränkungen: Entgegen dem Wortlaut der VOF will das Gericht die Vergütungsanordnung des § 20 Absatz 3 nur dann gelten lassen, wenn die in der Ausschreibung ausdrücklich verlangten Leistungen „neue, eigene architektonische Lösungen“ erfordern und „sowohl qualitativ als auch quantitativ mehr … als eine branchenübliche Bewerbungsleistung“ sind. Das Gericht vermischt dabei Elemente der Regelung in § 13 Absatz 3 VOF mit denen des § 20 Absatz 3 VOF. Diese Vorschrift begründet jedoch eine Vergütungspflicht nach HOAI unabhängig von der Frage des Architektenvertrages oder bloßer Akquisitionsleistungen. Entgegen der Auffassung des Gerichts kann demnach nur entscheidend sein, ob für die fragliche, vom Auslober abverlangte Leistung im konkreten Fall eine verbindliche Honorarvorschrift mit einem aus der HOAI abzuleitenden Honorar existiert.
Da § 20 Absatz 3 VOF insgesamt auf die HOAI verweist, begründet die Vorschrift möglicherweise einen Honoraranspruch selbst für solche HOAI-Leistungen, die im unverbindlichen Anlagenteil der HOAI geregelt sind.
Der Honoraranspruch nach § 20 Absatz 3 VOF gilt ausdrücklich nur für Verfahren „außerhalb eines Planungswettbewerbs“. Das bedeutet umgekehrt, dass im Rahmen von Architektenwettbewerben für Wettbewerbsbeiträge keine HOAI-Vergütung zu zahlen ist. Diese Erkenntnis ist nicht neu. Für Wettbewerbe gilt § 16 Absatz 1 VOF, wonach mit der Auslobung Preise und gegebenenfalls. Anerkennungen auszusetzen sind, welche der Bedeutung und der Schwierigkeit der Bauaufgabe sowie dem Leistungsumfang nach der Honorarordnung angemessen sind. Der Hinweis auf die geltende Honorarordnung in diesem Zusammenhang begründet allerdings keine Vergütungspflicht nach der HOAI, sondern eine Orientierung der ausgelobten Preisgelder an der Honorarordnung. In welcher Höhe Preis und gegebenenfalls Anerkennungen auszuloben sind, ergibt sich dann aus den „einheitlichen Richtlinien“ für Architektenwettbewerbe (RPW).
Axel Plankemann ist Rechtsanwalt in Hannover	Veröffentlicht unter Büro+Recht, Recht	| Verschlagwortet mit VOF	| Kommentar hinterlassen
Posted on 1. November 2012 by admin	Kommentar	Von Frauen geführte Architekturbüros verdienen weniger. Das liegt an der Art der Aufträge, an Bürogrößen und wahrscheinlich auch an den Arbeitszeiten Text: Roland Stimpel
V­­on Frauen geführte Architekturbüros nehmen im Schnitt ein Drittel weniger Geld pro Beschäftigten ein als die im Besitz von Männern. Sie wirtschaften zwar deutlich sparsamer; dennoch erzielt jede Inhaberin nur etwas mehr als die Hälfte des Überschusses, den männliche Büroinhaber im Durchschnitt für sich verbuchen. In den von Frauen geführten Büros ist der Anteil der Bestandsprojekte und Privataufträge deutlich höher, dagegen der Anteil der Gewerbe- und Staatsprojekte weit geringer. All das sind Ergebnisse der Umfrage von zwölf Architektenkammern bei 4.750 selbstständigen Mitgliedern, durchgeführt vom Büro Hommerich Forschung. Wichtige Ergebnisse standen bereits hier. Auch zum Geschlechter-Unterschied macht die Studie einige Aussagen.
77 Prozent der Befragten waren Männer, 23 Prozent Frauen – das entspricht dem Anteil beider Geschlechter bei den Büroinhabern. Die Männer hatten im Schnitt einen Jahresumsatz von 62.139 Euro pro Vollzeit-Beschäftigten im Büro, die Frauen nur 41.566 Euro. Sie wirtschaften aber nicht schlechter, sondern haben in der Regel kleinere Büros mit geringeren Einnahmen. Daher ist auch der Überschuss pro Inhaber geringer. Bei von Frauen geführten Büros beträgt er im Schnitt 36.363 Euro, während männliche Chefs es auf 69.883 Euro bringen.
Weitere Zahlen zeigen, dass von Frauen geführte Büros vor allem in den weniger gewinnträchtigen Gebieten arbeiten. Nur 35 Prozent ihres Umsatzes erzielen sie mit Neubauten, dagegen 65 Prozent im Bestand. Bei Männer-Büros beträgt das Verhältnis 45 zu 55 Prozent. Sie kommen auch eher an öffentliche Aufträge. Diese tragen in männlich geführten Büros 24 Prozent zum Auftragsvolumen bei, in weiblich geführten nur 16 Prozent. Die Honorarsummen klaffen noch viel deutlicher auseinander, da diese Zahl Bezug zu dem bei Männern viel höheren Umsatz hat. Noch deutlicher ist der Unterschied bei den gewerblichen Projekten: Mit ihnen ernähren sich die Büros von Frauen zu 29 Prozent, dagegen die von Männern zu 39 Prozent. Da hilft auch die Spezialisierung nichts, die bei Frauen etwas größer ist. Sie geben zu 64 Prozent an, dass sie auf ein bestimmtes Gebiet spezialisiert seien, von den Männern nur 58 Prozent.
Was sind die Ursachen für die Geld-Differenz? Es ist nicht bekannt, dass Frauen schlechter verhandeln oder ihre Projekte in niedrigere Honorarzonen einstufen lassen würden. Hauptgründe für den geringeren finanziellen Ertrag dürften die geringere Bürogröße und das kleinere Projektvolumen sein. Hier senken wohl vor allem Mütter den Schnitt, die ein Architekturbüro führen und zugleich Kinder erziehen. Häufig sind dies Eine-Frau-Büros. Darauf deuten auch die wesentlich geringeren Kosten hin, die pro Kopf inklusive Inhaber aufgewandt werden. Mutter sein ist bei allem ideellen und psychischen Gewinn nach wie vor ein Nachteil für Karriere und Finanzen.	Veröffentlicht unter Beruf+Politik	| Verschlagwortet mit Einkommen, Frauen	| Kommentar hinterlassen
Posted on 1. November 2012 by admin	Kommentar	Was ist wichtiger an Siedlungen der 1920er-Jahre: Erscheinungsbild oder Bewohner-Alltag? Im Berliner Unesco-Welterbe gerät beides in Konflikt Text: Ralf Kalscheur und Roland Stimpel
Ein großes Ärgerthema in den Welterbesiedlungen ist das Grün. In beiden Siedlungen wurde es vom frühmodernen Landschaftsarchitekten Leberecht Migge gestaltet, in beiden ist es heute teils zugewuchert, teils durch weniger ambitionierte Bepflanzungen verfremdet – etwa die bei Bewohnern und Baugesellschaften so beliebten pflegeleichten Koniferen. So etwas sollte nun wieder weg. In beiden Siedlungen bildeten sich Bürgerinitiativen. Die in der Siemensstadt sammelte rasch 300 Unterschriften gegen das Fällen ausgewachsener Birken zugunster denkmalgerechter, doch viel kleinerer Apfeldornbäume. In der Taut-Siedlung protestierte das Bündnis „Grünes Hufeisen“ gegen das Absägen von Hainbuchen – vor dem Info-Zentrum fielen sie trotzdem. Naturschützer von BUND und NABU sprachen in der Siemensstadt über „Kahlschlagwirtschaft“ und in der Hufeisensiedlung von der „Zerstörung ökologisch wertvollen Stadtgrüns“. „Die mit sozialreformerischem Anspruch entwickelten Siedlungen werden zu sterilen und statischen Denkmälern ihrer selbst reduziert“, klagte Herbert Lohner vom BUND. Und Manuela Damianakis seufzt: „Grün ist nun mal populärer als Welterbe.“
Veröffentlicht unter Architektur+Raum	| Verschlagwortet mit Denkmalschutz, slider	| Kommentar hinterlassen
Posted on 1. November 2012 by admin	1	Nicht nur in Deutschland haben es Frauen im Architektenberuf besonders schwer. Das liegt vor allem am Rollenbild Text: Katharina Weresch
Anteil der Architekturprofessuren nach Geschlecht in Deutschland (in Prozent) Grafik: E. Merheim
Deutschlands erste Architekturstudentin Emilie Winkelmann erreichte 1902 ihre Zulassung an der TH Hannover nur mit einem Trick: Sie kürzte ihren Vornamen ab und wurde für einen Mann gehalten. Am Tag vor dem Examen teilte man ihr mit, dass ihr als Frau das Ablegen der Prüfung nicht gestattet werden würde. Daraufhin beschloss sie, ein Architekturbüro zu eröffnen, und wurde damit ziemlich erfolgreich. Seither hat sich die Lage grundlegend gewandelt: 2010 betrug der Anteil der Absolventinnen 53 Prozent. Unter den beruflich Aktiven jedoch sind nur 27 Prozent Frauen. Das liegt erstens an der Überzahl der Männer in den älteren Jahrgängen und zweitens daran, dass wesentlich mehr Frauen als Männer den Architektenberuf wieder aufgeben. Nach einer Umfrage von 2010 waren von den Personen, die auf die Ausübung des Berufes in Deutschland „freiwillig“ verzichteten, 91 Prozent Frauen.
Ähnlich verhält es sich in Europa. Die durchschnittliche Frauenquote im Architekturberuf beträgt in 23 europäischen Ländern 31 Prozent. Der Rückzug von Architektinnen aus dem Beruf bedeutet eine Verschwendung gesellschaftlicher Ressourcen und den Verlust fachlicher Kompetenz für die Profession.
Individuell – bezogen auf die einzelne Frau – kommt er oft einer psychologischen Katastrophe gleich, weil eine lange und aufwendige Ausbildung sinnlos wird. Der Lebensentwurf und das Lebensziel, nämlich die Ausübung eines geliebten Berufes, lassen sich nicht verwirklichen – nicht etwa aus Unfähigkeit, sondern aus gesellschaftlich-sozialen Gründen.
An den Hochschulen sieht es ähnlich aus. Bei der jeweils jüngsten Erhebung waren in Deutschland 19 Prozent der Architekturprofessoren weiblich, in Großbritannien 27 Prozent (allerdings einschließlich wissenschaftlicher Mitarbeiterinnen und Lehrbeauftragter) und in der Schweiz im Jahr 2000 sogar nur sechs Prozent. In den USA waren 2009 von allen Architektur-Absolventen 42 Prozent weiblich, jedoch nur 25 Prozent der Berufstätigen sowie 17 Prozent der Eigentümer und Partner von Architekturbüros. Von den in Architekturbüros beschäftigten Personen sind 20 Prozent weiblich.
Auch unter den Professoren ist nur jeder vierte weiblich. Eine bemerkenswerte Ausnahme macht die staatliche University of California in Berkeley bei San Francisco: Hier ist die Hälfte der Architektur-Professoren weiblich. Die Verfasserin dieses Textes führte mit den Professorinnen in Berkeley sowie zum Vergleich an der University of Southern California in Los Angeles Interviews zur Ausbildung und zur beruflichen Situation der Architektinnen. An beiden Hochschulen sehen Professorinnen und Professoren im „Starsystem“ der Architektur eine der zentralen Ursachen für den Rückstand. Eine über viele Jahrhunderte männlich geprägte Berufskultur erzeuge „Architekturstars“ von Michelangelo über Bernini und Le Corbusier bis zu Gehry – der an der USC Professor ist. Sie sind international bekannt. Das Ziel des Starsystems bestehe darin, deren Bauten so oft und so umfassend wie möglich in Büchern und Zeitschriften zu veröffentlichen sowie in anderen Medien zu präsentieren – so Professorin Dana Buntrock aus Berkeley. Es diene zum einen dazu, bekannt zu sein, um sich Auftragschancen zu erwirken, zum anderen aber zur Darstellung als Künstlerarchitekt mit einem ästhetisch herausragenden Werk, um sich so weit wie möglich unabhängig vom Einfluss der Bauherren und deren Zwängen zu machen.
Die Grundlage des Starsystems bilden der Habitus des Künstlerarchitekten und das „architektonische Denken“. Dieses Berufsbild bildete sich in einem langen zivilisatorischen Prozess heraus und prägt international die Verhaltens- und Empfindungsstandards der Profession. Die daraus resultierende Ich-Identität manifestiert sich im Selbstbild eines rund um die Uhr einsatzbereiten Mannes, dessen Ideal darin besteht, gestalterisch hervorragende Architektur zu schaffen. Wollen Frauen im Starsystem erfolgreich sein, müssen sie den Habitus übernehmen. Zaha Hadid, die einzige Frau, die in Harvard im Rahmen einer Gastprofessur Entwerfen lehrte, berichtete schon Ende der 1980er-Jahre: Um als Architektin anerkannt zu werden, müsse man noch härter arbeiten als Männer, an jedem Wettbewerb teilnehmen, Tag und Nacht daran sitzen, immer den Stift in der Hand haben, um jeden Augenblick jeden Gedanken auf Papier bringen zu können. Geprägt wird dieser „Berufshabitus“ an den Hochschulen; eingeübt wird er in der Berufskultur der „totalen Hingabe an das architektonische Werk“ zusammen mit den Ritualen überlanger Arbeitszeiten. Dieser Empfindungsstandard vom „vereinnahmenden Kunstberuf“ erfordert es, das Privatleben dem Berufsleben unterzuordnen, und führt zum Konflikt zwischen einem Beruf mit solchen totalen Ansprüchen und einem Leben mit außerberuflichen sozialen Beziehungen oder gar Kindern.
1989 beschrieb die amerikanische Architektin Denise Scott Brown, Ehefrau und Büropartnerin von Robert Venturi, aus persönlicher Erfahrung das Starsystem und seine geschlechtsspezifischen Mechanismen der Vorurteile, Diskriminierung und mangelnden Anerkennung, die sich bis heute nicht grundsätzlich geändert haben. Nach Beobachtungen der Professorinnen in Berkeley und an der USC fühlen sich die Studentinnen während ihres Studiums sehr zufrieden, erleben dann aber den Praxisschock, der in den USA wie in Europa zum Verlassen des Berufes führt, den sie mit großen Einsatz und gutem Erfolg studiert haben – wie man international an den Noten der Abschlussarbeiten verfolgen kann.
In Europa verdienen Architektinnen im Durchschnitt 32 Prozent weniger als ihre Kollegen. In Deutschland erhalten angestellte Frauen durchschnittlich 80 Prozent des ­Gehalts von Männern. Mit steigender Berufserfahrung wachsen sowohl in den USA als auch in Deutschland die Einkommensunterschiede der Geschlechter. Frauen haben unabhängig von ihrem ­Alter seltener leitende Positionen inne als männliche Angestellte. Ihre Überstunden werden werden häufiger als bei den männlichen Kollegen überhaupt nicht vergütet. In Europa wurden nach der Jahrtausendwende mehrere Studien erstellt, die Frauen im Beruf in der Schweiz, in Großbritannien und Deutschland untersuchen. Die Studie der Schweizerin Christina Schumacher „Zur Untervertretung von Frauen im Architekturberuf“ stellte 2004 fest: Nicht nur „Kleidung, Haarschnitt, Schreibutensilien, eine sorgfältige Aufmachung“ seien männlich konnotierte „Insignien der männlichen Stilfigur Architekt“, sondern ebenso die völlige zeitliche wie emotionale Unterordnung des Privatlebens unter das Berufsleben. Sie berichtet, dass in den Büros Frauen wie vermutlich auch Männer mit massivem Druck dazu gedrängt werden, Überstunden zu machen, Wochenenden durchzuarbeiten und auf Urlaub zu verzichten. Um einen unausweichlichen „Sachzwang“ handelt es sich bei dem Anspruch unbegrenzter Einsatzbereitschaft nicht.
Die britische Studie „Warum verlassen Frauen die Architektur“ von Ann de Graft-Johnson, Sandra Manley und Clara Greed aus dem Jahr 2003 spricht von einem „Initiationsritual“ der „unzähligen Nachtschichten“, ohne die man als „whimp“ gelte, zu Deutsch als Schlappschwanz, und „folglich nicht für den Architektur-Beruf geeignet“.
Susanne Korfmacher stellt 2005 in der „Studie zur berufsspezifischen Situation von Architektinnen in Niedersachsen“ an der TU Braunschweig fest, dass zum geringeren Lohn Diskriminierungen kommen. Sie machen Frauen im Beruf das Leben schwer– infolge des „erzkonservativ“ geprägten „Architektenmythos“. Fast 80 Prozent der von ihr befragten Architektinnen meinten, dass Frauen weniger zugetraut werde als Männern. Die Schweizer Studie fand offene Diskriminierung und Vorurteile vor allem auf der Baustelle, aber auch „am Sitzungstisch von Gremien, Behörden und Bauherrenschaften“. Auch die britische Studie berichtet von Vorurteilen und Diskriminierungen.
Ein weiteres Problem sind die Empfindungsstandards hinsichtlich der Mutterschaft, die dem Architekten-Habitus am deutlichsten entgegensteht. Als vorhersehbares Karriererisiko ist sie nicht selten der Grund, den Beruf zu verlassen. Die britische und die deutsche Studie weisen nach, dass angestellte Architektinnen oft schon nach Bekanntgabe der Schwangerschaft nur noch zu Routinearbeiten eingesetzt werden. Sowohl Männer als auch Frauen vermeiden eine Erwähnung der Kinder im Büro, da das als unprofessionelle Schwäche ausgelegt werden könnte. Dabei werden in Deutschland und der Schweiz durchaus erfolgreiche Büros von Architektinnen mit Kindern geführt, zum Teil sogar in Teilzeit. Voraussetzung seien Verständnis und Unterstützung durch Lebenspartner oder (häufig weibliche) Büropartner.
Was können nun die Universitäten tun? Es genügt offensichtlich nicht, durch die Vermittlung von Fähigkeiten und Kenntnissen allein zum Beruf zu befähigen. Stattdessen müssen sich die Universitäten vorausschauend mit der Frage der Berufsausübung befassen. Zurzeit finden sich Architektinnen infolge der beschriebenen Prozesse mit einem persönlichen Konflikt in der Praxis konfrontiert, den sie ganz allein lösen müssen. Diese Individualisierung ist falsch; es handelt sich um ein gesellschaftliches Problem, das wir alle lösen müssen. Die Forderung nach Gender-Veranstaltungen, die Geschlechterdifferenzen thematisieren, ist nicht sinnvoll, weil die Studentinnen die Gender-Thematik im Bewusstsein vollständiger Emanzipation ausgeblendet haben. Die Habitus-Änderungen müssen vielmehr aus dem inneren Kern des Berufes, dem Entwerfen und auch der Baukonstruktion, heraus konzipiert und realisiert werden.
Was können die Berufsverbände tun? Sie können generelles Orientierungswissen sammeln und vermitteln. Das Beschreiten der hier (in Heft 8-2011 des DAB auf Seite 22 bis 24) dokumentierten Wege zur besseren Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist unabdingbar notwendig. Aber sie stehen im Widerspruch zum Architektenhabitus, den langfristig herausgebildeten Verhaltens- und Empfindungsstandards des Künstlerarchitekten. Es wird schwierig werden, diese Wege umzusetzen, da sie sich gegen unbewusst wirksame Denk- und Handlungsschemata richten. Eine für die Übergangssituation denkbare Strategie könnte die Orientierung an anderen Akademikerinnen sein – zum Beispiel an den Gemeinschaftspraxen von Ärztinnen. Die Architekturbüros in Deutschland sind relativ klein. In 84 Prozent von ihnen sind nicht mehr als vier Personen in Vollzeit tätig, 41 Prozent sind Ein-Personen-Büros. Eine Untersuchung unter niedersächsischen Architektinnen von 2006 ergab, dass 64,1 Prozent der selbstständigen Architektinnen ihr Büro allein betrieben.
Gemeinschaftsbüros haben vermutlich größere Chancen. Architektinnen und interessierte Architekten müssten sich zu mehreren zusammenschließen und würden möglicherweise damit zunächst eine parallele Arbeits-, Büro- und Denkstruktur entwickeln. In jedem Fall sind tief greifende strukturelle Veränderungen notwendig, die breit diskutiert werden sollten.
Prof. Dr. Katharina Weresch ist Architektin und lehrt Architektursoziologie und Gender Studies an der Hafencity-Universität Hamburg – Universität für Baukunst und Metropolenentwicklung
Ausführliche Literaturhinweise zum Thema finden Sie hier .
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Posted on 1. Oktober 2012 by admin	Kommentar	Auch Kindergärten bedürfen einer speziellen Projektentwicklung. Das Architekturbüro baukind hat sich darauf spezialisiert Text: Roland Stimpel
Bild 1 von 7 Kreative Aufbewahrungsbehälter Veröffentlicht unter Architektur+Raum	| Verschlagwortet mit Kita, slider	| Kommentar hinterlassen
Posted on 1. Oktober 2012 by admin	Kommentar	In einem Wettbewerb prämiert das Bundeslandwirtschaftsministerium gelungene Bauprojekte, in denen nachwachsende Materialien auf Holzbasis auf innovative und gestalterisch anspruchsvolle Weise eingesetzt wurden. Ziel ist es, über den konstruktiven Einsatz von Holz hinaus weitere Naturbaustoffe in Form von Dämm- und Ausbaustoffen, Naturfarben, Fassadenlösungen und Innenraumgestaltungen als Teil einer gesamtheitlichen Planung darzustellen.
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Posted on 1. Oktober 2012 by admin	Kommentar	Minister und Kurator: Muck Petzet erklärt den deutschen Pavillon, Peter Ramsauer lauscht.
Bundesbauminister Peter Ramsauer unterstrich den Wert der Baukultur: Er eröffnete den deutschen Pavillon der 13. Internationalen Architektur-Biennale in Venedig und lobte dabei die hohe Qualität und Bedeutung deutscher Architektenleistungen. Er ging auch auf den deutschen Biennale-Beitrag „Reduce, Reuse, Recycle“ ein: „Die drei R´s stehen für ein neues Zusammenspiel von Alt und Neu in einer sich rasant verändernden Welt. Ich bin davon überzeugt, dass die architektonischen Strategien, die wir in Deutschland angesichts dieser Herausforderungen entwickeln, international interessiert wahrgenommen und diskutiert werden.“ Der vom Münchener Architekten Muck Petzet kuratierte Beitrag zeigt Beispiele für den sensiblen Umgang mit bestehenden Wohn-, Gewerbe- und öffentlichen Bauten. BAK-Präsident Sigurd Trommer kommentierte die Präsenz von Minister Ramsauer: „Wir freuen uns, dass der Bundesbauminister nach Venedig gekommen ist. Auf dieser internationalen Bühne gemeinsam mit Kammer- und Verbandsvertretern Position zu aktuellen architektonischen und städtebaulichen Themen zu beziehen, ist für die Architekten ein bedeutendes Signal.“	Veröffentlicht unter Namen+Nachrichten	| Verschlagwortet mit Veranstaltung	| Kommentar hinterlassen
Posted on 1. Oktober 2012 by admin	Kommentar	Der Ausschuss für Arbeitsstätten (ASTA) hat neue Regeln zur barrierefreien Gestaltung von Arbeitsstätten, für Pausen- und Bereitschaftsräume sowie die Änderung zur Raumtemperatur beschlossen. Den Link zu den geänderten Vorschriften finden Sie hier.
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Jetzt online: Alle Zeichnungen und Skizzen, die uns erreicht haben
Posted on 6. April 2010 by admin	„Mit dem Bleistift überzeugen“ hieß es in unserer Dezember-Ausgabe 2009 . Denn die Handzeichnung hat auch im CAD-Zeitalter nicht ausgedient. Wer seine Ideen und Vorstellungen schnell mit dem Stift skizzieren kann, spart viel Zeit und wird Bauherren leichter überzeugen.
Um ein Exemplar des „Sketch and Scrap Books“ von Eberhard Holder zu gewinnen baten wir Sie um eine Seite aus Ihrem Skizzenbuch. Rund 300 Beiträge kamen per E-Mail. Das Spektrum reicht von farbenfreudiger Malerei über pointierte Skizzen bis hin zu strengen Konstruktionszeichnungen. Bisher konnten wir die Skizzen aus technische Gründen nicht auf DABonline präsentieren. Jetzt haben wir ein neues System und holen das an dieser Stelle nach.
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