Source: https://www.rechtslupe.de/steuerrecht/wechsel-auf-der-richterbank-nach-der-zeugenvernehmung-394622?pk_campaign=feed&pk_kwd=wechsel-auf-der-richterbank-nach-der-zeugenvernehmung
Timestamp: 2019-07-16 22:35:58
Document Index: 140565331

Matched Legal Cases: ['§ 103', '§ 81', '§ 81', '§ 79', 'BGH', 'BGH', '§ 81', '§ 195', 'BGH']

Wechsel auf der Richterbank – nach der Zeugenvernehmung | Rechtslupe
Wechsel auf der Richterbank – nach der Zeugenvernehmung
Bei einem Richterwechsel nach vorangegangener Beweisaufnahme ist zwingend erforderlich, dass sich die neu hinzugetretenen Richter zuverlässig Kenntnis vom Inhalt der Zeugenaussagen verschaffen. Hierzu müssen die Protokolle über die Zeugenvernehmung wie nach der Vernehmung durch einen beauftragten Richter im Wege des Urkundenbeweises durch Verlesung in das Verfahren eingeführt werden.
Eine “Entziehung des gesetzlichen Richters” und ein “Verstoß gegen die Unmittelbarkeit der Beweisaufnahme” liegt zwar nicht deshalb vor, weil innerhalb der drei Sitzungstage jeweils mit Beweisaufnahme (hier: innerhalb vom 15 Monaten) die Richterbank (hier: wegen Erkrankung eines Berufsrichters und des Wechsels der beiden ehrenamtlichen Richter) gewechselt hat.
Denn ein Urteil kann zwar gemäß § 103 FGO nur von denjenigen Richtern gefällt werden, die an der mündlichen Verhandlung teilgenommen haben. Hiermit ist nach ständiger Rechtsprechung des Bundesfinanzhofs jedoch nur das Gericht gemeint, das in der letzten mündlichen Verhandlung auch das Urteil gesprochen hat. Daraus ergibt sich weiter, dass auch nach -wie vorliegend- der Vertagung und nicht nur einer Unterbrechung einer mündlichen Verhandlung mit Beweisaufnahme, bei der sich ein und dieselbe mündliche Verhandlung über mehrere Verhandlungstage (Sitzungstage) hinzieht, ein Wechsel auf der Richterbank grundsätzlich zulässig ist1.
Dem Grundsatz der Unmittelbarkeit der Beweisaufnahme (§ 81 FGO) wäre allerdings am besten genügt, wenn nur diejenigen Richter das Urteil sprechen, die an allen Beweisaufnahmen zugegen waren. Jedoch führt das Gesetz diesen Grundsatz aus prozessökonomischen Gründen nicht streng durch, denn es sieht in § 81 Abs. 2 und § 79 Abs. 3 FGO auch die Möglichkeit der Übertragung einer Beweisaufnahme auf einzelne Mitglieder des Gerichts oder durch ein anderes Gericht vor, was zur Folge hat, dass in diesen Fällen Richter zur Entscheidung mit berufen sind, die an der Beweisaufnahme selbst nicht teilgenommen haben. Eine Wiederholung der Beweisaufnahme ist nur dann erforderlich, wenn es auf den persönlichen Eindruck des Zeugen zur Beurteilung seiner Glaubwürdigkeit ankommt.
Im Hinblick auf die Einschränkung des Grundsatzes der Unmittelbarkeit der Beweisaufnahme bei Richterwechsel nach vorangegangener Beweisaufnahme ist aber als Ausgleich zwingend erforderlich, dass sich die neu hinzugetretenen Richter zuverlässig Kenntnis vom Inhalt der Zeugenaussagen verschaffen. Das setzt nicht nur voraus, dass die Zeugenvernehmung protokolliert wurde, sondern dass zudem die Protokolle wie nach Vernehmung durch einen beauftragten Richter im Wege des Urkundenbeweises durch Verlesung in das Verfahren eingeführt werden2.
Die Einführung der Protokolle über die vorangegangenen Zeugenvernehmungen durch Verlesung ist vorliegend jedoch dem Sitzungsprotokoll nicht zu entnehmen. Dieser Verstoß gegen den Grundsatz der Unmittelbarkeit ist vorliegend auch nicht durch Verzicht oder rügeloser Einlassung geheilt worden3, denn die Kläger haben den Verstoß gegen den Grundsatz der Unmittelbarkeit laut Sitzungsprotokoll ausdrücklich gerügt.
Die Rüge eines Verstoßes gegen den Grundsatz der Unmittelbarkeit wegen Wechsel der Richterbank nach vorangegangener Beweisaufnahme mit der Begründung, nicht die gesamte Richterbank besitze einen hinreichenden Eindruck vom Inhalt der Zeugenaussagen, umfasst auch die Rüge der Nichteinführung der Protokolle im Wege des Urkundenbeweises, da die Rüge auf dasselbe Ziel gerichtet ist, das Fehlen der zuverlässigen Kenntnis der Richter vom Inhalt der Zeugenaussagen zu beanstanden.
Wechsel auf der Richterbank – nach der Zeugenvernehmung Bei einem Richterwechsel nach vorangegangener Beweisaufnahme ist zwingend erforderlich, dass sich die neu hinzugetretenen Richter zuverlässig Kenntnis vom Inhalt der Zeugenaussagen verschaffen. Hierzu müssen die Protokolle über die Zeugenvernehmung wie…
Der Streit umd die örtliche Zuständigkeit – und die Verweisung durch den… Die Abgabe oder Verweisung an ein örtlich zuständiges Gericht durch das Gericht des 1. Rechtszugs ist ausgeschlossen ((vgl. BGH, Beschluss vom 23.07.1969 - 2 ARs 201/69 , BGHSt 23, 79…
Richterwechsel – und der Grundsatz der Unmittelbarkeit der Beweisaufnahme Ein Richterwechsel nach einer Beweisaufnahme erfordert jedoch nicht grundsätzlich deren Wiederholung. So können frühere Zeugenaussagen im Wege des Urkundenbeweises durch Auswertung des Vernehmungsprotokolls verwertet werden. Das Gericht darf dann bei…
Der Grundsatz der Unmittelbarkeit der Beweisaufnahme Das Finanzgericht kann gegen den Grundsatz der Unmittelbarkeit der Beweisaufnahme (§ 81 Abs. 1 Satz 1 FGO) verstoßen, wenn indem es die vom Kläger benannten Zeuginnen nicht vernimmt, hat, sondern…
Verjährung eines Bereicherungsanspruchs Der Bereicherungsanspruch unterliegt der regelmäßigen Verjährungsfrist des § 195 BGB, deren Lauf mit dem Schluss des Jahres beginnt, in dem der Anspruch entstanden ist und die Klägerin von den anspruchsbegründenden…
BFH, Urteil vom 26.03.1991 – VII R 72/90, BFH/NV 1992, 115; Beschluss vom 22.10.2003 – I B 39/03, BFH/NV 2004, 350 [↩]
BFH, Beschlüsse vom 07.02.2007 – X B 105/06, BFH/NV 2007, 962; vom 03.08.2006 – V B 27/06; vom 30.04.2003 – I B 120/02, BFH/NV 2003, 1587; vom 26.03.1991 – VII R 72/90, BFH/NV 1992, 115; BGH, Urteil vom 30.01.1990 – XI ZR 162/89, NJW 1991, 1302; vom 12.06.2012 – X ZR 131/09, GRUR 2012, 895, Rz 31 [↩]
vgl. dazu BFH, Beschluss in BFH/NV 1992, 115 [↩]