Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Gericht=BFH&Datum=20.06.1989&Aktenzeichen=VIII%20R%2082%2F86
Timestamp: 2019-04-18 15:38:38
Document Index: 179962643

Matched Legal Cases: ['Art. 3', '§ 20', '§ 85', '§ 1', '§ 20', 'Art.3', '§ 2', 'Art. 3', 'Art. 3', 'Art. 100', '§ 2', '§ 1', '§ 2']

BFH, 20.06.1989 - VIII R 82/86 - dejure.org
GG Art. 3 Abs. 1, 20 Abs. 3, 100 Abs. 1; EStG 1979 § 20 Abs. 1 Nr. 8; AO 1977 §§ 85, 194, 370, 378; StrbEG §§ 1, 2
§ 20 EStG; Art.3 Abs. 1, 20 Abs. 3, 100 Abs. 1 GG
Einkommensteuer; Verfassungsmäßigkeit der derzeitigen Besteuerung von Kapitalerträgen
FG Baden-Württemberg, 05.06.1986 - III K 325/83
BFHE 156, 543
NJW 1989, 2417
BB 1989, 1612
BB 1989, 1666
DB 1989, 1648
BStBl II 1989, 836
Die lediglich entfernte Möglichkeit einer Begünstigung der Kläger durch eine rückwirkende Neuregelung könne die Entscheidungserheblichkeit einer Vorlagefrage nach der Rechtsprechung des Bundesfinanzhofs nicht begründen (BStBl II 1989 S. 836).
Eine Besteuerung nur wegen der Form von Bezügen, also allein wegen der Wiederholung, steht jedoch in Widerspruch zu dem das Einkommensteuerrecht rechtfertigenden und zugleich von Verfassungs wegen begrenzenden Grundsatz der Besteuerung nach der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit (BFH-Urteile vom 26. November 1992 X R 187/87, BFHE 170, 98, BStBl II 1993, 298, 299; vom 20. Juni 1989 VIII R 82/86, BFHE 156, 543, BStBl II 1989, 836, 837 m. w. N.).
Unerörtert lässt das Finanzgericht auch das Urteil des Bundesverfassungsgerichts vom 27. Juni 1991 (BVerfGE 84, 233) und das Urteil des Bundesfinanzhofs vom 20. Juni 1989 (BFH BStBl II 1989,S. 836 = BFHE 156, 543).
Dies wäre der Fall, wenn die Einbeziehung des Klägers in den nach der betroffenen Vorschrift begünstigten Personenkreis "schlechthin ausgeschlossen" erscheint (BVerfG-Beschluss vom 11. Oktober 1983 1 BvL 73/78, BVerfGE 65, 160, 169, BStBl II 1984, 20; vgl. auch BFH-Urteil vom 20. Juni 1989 VIII R 82/86, BFHE 156, 543, BStBl II 1989, 836).
Eine Besteuerung nur wegen der Form von Bezügen, also allein wegen der Wiederholung, steht in Widerspruch zu dem das Einkommensteuerrecht rechtfertigenden und zugleich von Verfassungs wegen begrenzenden Grundsatz der Besteuerung nach der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit (BFH-Urteile vom 20. Juni 1989 VIII R 82/86, BFHE 156, 543, BStBl II 1989, 836, 837, m.w.N; vom 26. November 1992 X R 187/87, BFHE 170, 98, BStBl II 1993, 298, 299).
Es hat sich in seiner Stellungnahme den Ausführungen des erkennenden Senats im Urteil vom 20. Juni 1989 VIII R 82/86 (BFHE 156, 543, BStBl II 1989, 836) angeschlossen.
Wie der Senat in seinem Urteil in BFHE 156, 543, BStBl II 1989, 836 (vgl. dort unter C.) im einzelnen dargelegt hat, werden vom Tatbestand des § 2 Abs. 1 Satz 2 StrbEG nur solche Steuerpflichtige erfaßt, die hinsichtlich der Besteuerung ihrer Einkünfte aus Kapitalvermögen für die Veranlagungszeiträume vor 1986 den objektiven Tatbestand der Steuerverkürzung erfüllt haben und für die aufgrund vollständiger und richtiger Steuer- und Berichtigungserklärungen ab 1986 die Gefahr der Aufdeckung der in den Vorjahren verwirklichten Steuerverkürzungen bestünde.
Der Senat nimmt wegen der Begründung Bezug auf Abschn. C IV 1. der Gründe seines Urteils in BFHE 156, 543, BStBl II 1989, 836.
Auf die Gründe des Senatsurteils in BFHE 156, 543, BStBl II 1989, 836, und auf die Entscheidung des BVerfG vom 27. Juni 1991 2 BvL 3/89 (BStBl II 1991, 652) wird Bezug genommen.
Denn es gibt keinen Gleichheitssatz des Inhalts, daß bestimmte Versäumnisse der Verwaltung allen Betroffenen in gleicher Weise zugute kommen müßten (ständige Rechtsprechung, vgl. BFH-Urteile vom 14. September 1967 V 3/65, BFHE 90, 99, BStBl II 1968, 19; in BFHE 154, 425, BStBl II 1989, 4; vom 20. Juni 1989 VIII R 82/86, BFHE 156, 543, 549, 550, BStBl II 1989, 836, m.w.N.).
Angesichts der einschneidenden Bedeutung, die die Besteuerung für den Staat, die Volkswirtschaft und für jeden Bürger hat, ist es ein wesentliches Gebot der Gerechtigkeit, daß der Staat die vorgesehene Besteuerung auch gegenüber jedermann gleichmäßig durchzusetzen versucht und dadurch Ungleichbehandlung und Wettbewerbsverzerrungen zu Lasten einzelner möglichst verhindert (vgl. BFH-Urteile vom 29. Oktober 1986 VII R 82/85, BFHE 148, 108, 112; in BFHE 156, 543, 550, BStBl II 1989, 836).
Eine Gleichheit im Gesetzesbruch kann es nicht geben (vgl. BVerfG-Urteil vom 4. April 1967 1 BvR 126/65, BVerfGE 21, 245, 261; Beschluß vom 12. Februar 1969 1 BvR 687/62, BVerfGE 25, 216, 229; Urteil des Bundesverwaltungsgerichts vom 10. Dezember 1969 VIII C 104/69, BVerwGE 34, 278; BFH-Urteile vom 20. Juli 1956 III 195/54 U, BFHE 63, 155, BStBl III 1956, 256; vom 5. Dezember 1963 IV 375/60 U, BFHE 78, 379, BStBl III 1964, 146; vom 24. Oktober 1985 IV R 75/84, BFHE 145, 302, 307, BStBl II 1986, 233; vom 4. Juni 1987 V R 9/79, BFHE 150, 192, BStBl II 1987, 653; in BFHE 156, 543, 551, BStBl II 1989, 836;… Maunz/Dürig/Herzog/Scholz, Kommentar zum Grundgesetz, Art. 3 Abs. 1 Rdnr. 179;… Gubelt in von Münch, Grundgesetz-Kommentar, Bd. I, 3. Aufl., Art. 3 Rdnr. 36).
Zwar kann eine Vorlage nach Art. 100 GG auch wegen eines "relativen" Unterlassens des Gesetzgebers in Betracht kommen, das vorliegt, wenn - gemessen an einer bereits vom Gesetzgeber getroffenen Regelung - verfassungsrechtlich gebotene Handlungs - oder Schutzpflichten nicht vollständig erfüllt sind (BFH-Urteil vom 20. Juni 1989 VIII R 82/86, BFHE 156, 543, BStBl II 1989, 836 mit umfangreichen Nachweisen unter A 2).
Daraus hat der BFH gefolgert, daß die lediglich entfernte Möglichkeit der Einbeziehung eines Klägers in eine rückwirkende Neuregelung die Entscheidungserheblichkeit einer Vorlagefrage nicht zu begründen vermag (Urteil in BFHE 156, 543, BStBl II 1989, 836 unter C IV 2b).
BFH, 20.06.1989 - VIII R 57/85
Keine Anwendung des StrbEG bei Berichtigung der Einkünfte aus Kapitalvermögen …
Der Senat nimmt insoweit wegen der Begründung Bezug auf die Ausführungen in seinem Urteil vom 20. Juni 1989 VIII R 82/86, BFHE 156, 543 (vgl. dort unter A. und B. der Entscheidungsgründe).
Der Senat nimmt auch insoweit Bezug auf die Gründe seines Urteils VIII R 82/86 (vgl. dort unter C.).
Wie der Senat in seinem Urteil VIII R 82/86 im einzelnen dargelegt hat, greift die in § 2 Abs. 1 Satz 1 StrbEG angeordnete Rechtsfolgenbestimmung (Nichtfestsetzung von Einkommensteuer) nur im Umfang der Wirkung einer sog. strafbefreienden Erklärung (vollständige und richtige Angaben bezüglich der Einkünfte aus Kapitalvermögen für die Veranlagungszeiträume 1986 und 1987) oder Nachholung, Berichtigung oder Ergänzung dieser Angaben ab dem Veranlagungszeitraum 1986 (vgl. § 1 Abs. 1 Satz 1 StrbEG) ein.
Die Rechtmäßigkeit des gegenüber dem Kläger ergangenen Einkommensteuerbescheids 1981 wird auch nicht durch die Regelung des § 2 Abs. 1 Satz 2 StrbEG berührt, da nach dem Senatsurteil VIII R 82/86 vom Tatbestand dieser Vorschrift nur solche Steuerpflichtige erfaßt werden, die hinsichtlich der Besteuerung ihrer Einkünfte aus Kapitalvermögen für die Veranlagungszeiträume vor 1986 den objektiven Tatbestand der Steuerverkürzung erfüllt haben und für die aufgrund vollständiger und richtiger Steuer- oder Berichtigungserklärungen betreffend die Veranlagungszeiträume ab 1986 die Gefahr der Aufdeckung der in den Vorjahren verwirklichten Steuerverkürzungen bestünde.
Auf die Gründe des Urteils VIII R 82/86 wird Bezug genommen.
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