Source: https://www.steuerlupe.de/vorsteuerabzugsberichtigung-infolge-erfolgreicher-insolvenzanfechtung-8159528/
Timestamp: 2020-04-04 14:01:18
Document Index: 383512138

Matched Legal Cases: ['§ 11', '§ 129', '§ 10', '§ 144', '§ 38', '§ 17', '§ 17', '§ 17', '§ 17', 'Art. 90', 'Art. 267', 'EuG', 'EuG']

Vorsteuerabzugsberichtigung infolge erfolgreicher Insolvenzanfechtung | Steuerlupe
Für die Berich­ti­gung des Vors­teuer­abzugs infolge erfol­gre­ich­er Insol­ven­zan­fech­tung ist uner­he­blich, ob der insol­ven­zrechtliche Rück­gewähranspruch ein orig­inär geset­zlich­er Anspruch ist.
Der Bun­des­fi­nanzhof ist insoweit nicht verpflichtet, nach § 11 Abs. 1 Satz 1 des Geset­zes zur Wahrung der Ein­heitlichkeit der Recht­sprechung der ober­sten Gericht­shöfe des Bun­des das Ver­fahren vor dem Gemein­samen Sen­at der Ober­sten Gericht­shöfe des Bun­des einzuleit­en. Die Recht­sprechung des Bun­des­fi­nanzhofs zur Berich­ti­gung des Vors­teuer­abzugs infolge erfol­gre­ich­er Insol­ven­zan­fech­tung ste­ht wed­er im Wider­spruch zu der des Bun­des­gericht­shofs noch zu der des Bun­de­sar­beits­gerichts1.
Für die Berich­ti­gung des Vors­teuer­abzugs infolge erfol­gre­ich­er Insol­ven­zan­fech­tung ist uner­he­blich, ob der insol­ven­zrechtliche Rück­gewähranspruch ein orig­inär geset­zlich­er Anspruch ist. Denn durch die ‑bezo­gen auf den Stre­it­fall- in den Jahren 2008 und 2010 infolge der Insol­ven­zan­fech­tung nach §§ 129 ff. InsO erfol­gte Rück­gewähr der gezahlten Beträge an den Insol­ven­zver­wal­ter sind die für die Bemes­sung des Umsatzes maßge­blichen Ent­gelte i.S. von § 10 Abs. 1 Satz 1 UStG aus den von der GmbH bezo­ge­nen Leis­tun­gen (nachträglich) jeden­falls unein­bringlich gewor­den. Auf­grund dieser Rück­gewähr lebten gemäß § 144 InsO die ursprünglichen Zahlungsansprüche der Gläu­biger der GmbH wieder auf. Die Ansprüche der Gläu­biger sind Insol­ven­z­forderun­gen i.S. des § 38 InsO und wegen der Insol­venz der GmbH unein­bringlich i.S. des § 17 Abs. 1 Satz 1 i.V.m. § 17 Abs. 2 Nr. 1 Satz 1 UStG. Deshalb haben die Gläu­biger der GmbH ihre Umsatzs­teuer zu berichti­gen; eben­so ist zeit­gle­ich auch die Vors­teuer für die von der GmbH bezo­ge­nen Leis­tun­gen gemäß § 17 Abs. 1 Satz 2 i.V.m. § 17 Abs. 2 Nr. 1 Satz 2 UStG zu berichti­gen2.
Eben­so wenig ist der Bun­des­fi­nanzhof hier gehal­ten, den Gericht­shof der Europäis­chen Union im Rah­men eines Vor­abentschei­dungser­suchens anzu­rufen.
Nach der Recht­sprechung des Union­s­gericht­shofs verpflichtet Art. 90 Abs. 1 MwSt­Sys­tRL, der die Fälle der Annul­lierung, der Rück­gängig­machung, der Auflö­sung, der voll­ständi­gen oder teil­weisen Nicht­bezahlung oder des Preis­nach­lass­es nach der Bewirkung des Umsatzes bet­rifft, die Mit­glied­staat­en, die Steuerbe­mes­sungs­grund­lage und mithin den Betrag der vom Steuerpflichti­gen geschulde­ten Mehrw­ert­s­teuer immer dann zu ver­min­dern, wenn der Steuerpflichtige nach der Bewirkung eines Umsatzes die gesamte Gegen­leis­tung oder einen Teil davon nicht erhält. Diese Bes­tim­mung ist Aus­druck eines fun­da­men­tal­en Grund­satzes der MwSt­Sys­tRL, nach dem Bemes­sungs­grund­lage die tat­säch­lich erhal­tene Gegen­leis­tung ist und aus dem fol­gt, dass die Steuerver­wal­tung als Mehrw­ert­s­teuer keinen höheren als den dem Steuerpflichti­gen gezahlten Betrag erheben darf3.
Die union­srechtliche Recht­slage ist danach hin­re­ichend gek­lärt. Eine Vor­lagepflicht gemäß Art. 267 Abs. 3 des Ver­trags über die Arbeitsweise der Europäis­chen Union beste­ht ‑ent­ge­gen der Ansicht des Insol­ven­zver­wal­ters- danach nicht4. Allein der Umstand, dass der Union­s­gericht­shof einen Fall wie den vor­liegen­den noch nicht entsch­ieden hat, recht­fer­tigt keine EuGH-Vor­lage5.
Bun­des­fi­nanzhof, Beschluss vom 27. Sep­tem­ber 2017 — XI R 18/16
vgl. BFH, Urteile in BFHE 256, 571, BSt­Bl II 2017, 735, Rz 20; in BFHE 257, 465, BSt­Bl II 2017, 738, Rz 28; jew­eils m.w.N. [↩]
vgl. BFH, Urteil in BFHE 257, 465, BSt­Bl II 2017, 738, Rz 20, m.w.N. [↩]
vgl. dazu EuGH, Urteile Kraft Foods Pol­s­ka vom 26.01.2012 — C‑588/10, EU:C:2012:40, UR 2012, 610, Rz 26 f.; Almos Agrarkülk­ereskedel­mi vom 15.05.2014 — C‑337/13, EU:C:2014:328, UR 2014, 900, Rz 22; jew­eils m.w.N. [↩]
vgl. dazu z.B. BVer­fG, Beschlüsse vom 30.08.2010 — 1 BvR 1631/08, NJW 2011, 288, unter B.II. 1.; vom 06.09.2016 1 BvR 1305/13, NVwZ 2017, 53, Rz 7; fern­er BFH, Urteil vom 13.07.2016 — VIII K 1/16, BFHE 254, 481, BSt­Bl II 2017, 198, Rz 26 ff.; jew­eils m.w.N. [↩]
vgl. BFH, Urteile vom 31.05.2017 — XI R 39/14, BFH/NV 2017, 1330, Rz 62; — XI R 40/14, BFHE 258, 495, BFH/NV 2017, 1396, Rz 59 [↩]