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Timestamp: 2017-05-24 20:41:32
Document Index: 347993597

Matched Legal Cases: ['Art.\u202f26', 'Art.\u202f12', 'Art.\u202f19', 'Art. 12', 'Art. 29', 'Art. 12']

infosantésuisse Nr. 6/2004 deutsch by santésuisse - issuu
Magazin der Schweizer Krankenversicherer Nr. 6, Juni 2004Im Gespräch: Elke Burkart,
Leiterin der Fachstelle BGM
der CSS	Seite 8Gesundheitsförderung und
Prävention durch Krankenversicherer	Seite 10IM VISIER:Kostenentwicklung
20032	INHALT	infosantésuisse 6 / 04GESUNDHEITSWESEN
4	8	10	12	14	15	16	STATISTIK ZUR KOSTENENTWICKLUNG IM JAHR 2003
Kosten steigen um 4,6 Prozent
IM GESPRÄCH: ELKE BURKART-KAPFER, LEITERIN DER FACHSTELLE BGM
«In Zentrum steht der Kunde, nicht unser Produkt»
GESUNDHEITSFÖRDERUNG UND PRÄVENTION DURCH
KRANKENVERSICHERER Grosser Einsatz für ein gesünderes Leben
ALLEZ HOP, EINE GEMEINSAME AKTION DER SCHWEIZER
KRANKENKASSEN Gesunde Bewegung im Alltag
«DIE SCHWEIZ NIMMTS LEICHTER» – EINE KAMPAGNE DER SCHWEIZER
DROGERIEN UND VON SUISSE BALANCE
Das Idealgewicht – erreichen und halten
«MANAGED CARE» (3/2004) ZUM THEMA «ANGEHÖRIGENPFLEGE»
Höhere Lebenserwartung – Mehr Pflegeprobleme
IM GESPRÄCH: RUTH LÜTHI, GESUNDHEITS- UND SOZIALDIREKTORIN
DES KANTONS FREIBURG «Mit Herumbasteln löst man keine Probleme»Allez Hop: Gesunde Bewegung
im Alltag	Seite 12TARMED
18	DIAGNOSECODE UND RECHNUNGSSTELLUNG
Der TARMED-Motor im Spitalbereich stottert nochINFO
19	19	19	20	20	20	20	Im Gespräch: Ruth Lüthi,
Gesundheits- und Sozialdirektorin des Kantons Freiburg	Seite 16Klipp und Klar
Leistungspflicht schweizerischer Krankenversicherer
bei Behandlungen in Liechtenstein
Welche Versicherung zahlt den Guthrie-Test?
Prophylaktisches Einfrieren von Spermien
BUCHTIPP: PROFESSIONELLER UMGANG MIT JOURNALISTEN
MIGRÄNE Enorme Belastung für das Gemüt
KAMPAGNE DES AARGAUISCHEN ÄRZTEVERBANDES GEGEN DIE MASSIV
STEIGENDEN MEDIKAMENTENKOSTEN Medikamentenkosten – wie weiter?
STOP AIDS Im Zweifelsfall «en Gummi drum»Der TARMED-Motor im
Spitalbereich stottert noch
Seite 18Nr. 6, Juni 2004 Erscheint zehnmal jährlichLayout: Henriette LuxAbonnementspreis: Fr. 69.− pro Jahr, Einzelnummer Fr. 10.−Anzeigenverwaltung: Alle Inserate − auch Stelleninserate −
Fax 032 625 42 70E-Mail: shop@santesuisse.ch
ISSN 1660-7228EDITORIAL	3infosantésuisse 6 / 04Vertragsfreiheit – eine Chance
gegen das KostenwachstumD
santésuisseie Kosten des schweizerischen
Gesundheitswesens steigen und
haben mittlerweile 11,2 Prozent
des Bruttoinlandproduktes erreicht. Im
Mittel der letzten fünf Jahre erhöhten sich
die Kosten jährlich um vier Prozent. Allein
in der Grundversicherung steigen sie jeden
Tag um zwei Millionen Franken.
Es steht die Frage im Raum, was die prämienzahlende Bevölkerung für diesen unglaublichen jährlichen Mehraufwand als
Gegenleistung bekommt. Leider ist zu vermuten, dass mit jedem Kostenschub weitere Ineffizienzen geschaffen oder bestehende zementiert werden.
Das KVG beauftragt die Krankenversicherer, die Wirtschaftlichkeit der medizinischen Leistungen zu prüfen. Damit sind
die Versicherer gefordert, ihren Beitrag
zum Kostenmanagement im Gesundheitswesen zu leisten. Sie nutzen dazu Instrumente wie Rechnungskontrollen, Audits
bei Leistungserbringern oder Wirtschaftlichkeitsprüfungen. Diese nachgelagerten
Massnahmen greifen jedoch erst dann,
wenn die medizinische Leistung bereits
Sinnvoller wäre es, vermeidbare Kosten
gar nicht erst entstehen zu lassen. Gerade die Ärzte bräuchten Anreize, um
ihre Patienten dazu zu bewegen, auf unnötige medizinische Leistungen zu verzichten. Heute ist das Gegenteil der Fall.
Krankenversicherer und Leistungserbringer müssten darum die Möglichkeit haben, Kriterien und Anreize für eine hohe
Qualität und Wirtschaftlichkeit der Behandlung festzulegen und vertraglich zu
vereinbaren. Das ist aber erst möglich,
wenn der Vertragszwang abgeschafft ist.
Erst die Vertragsfreiheit ebnet den Weg
für mehr Transparenz im ärztlichen Angebot und für eine höhere Effizienz in der
Behandlung.Hans Heinrich Brunner übernimmt per
1. Juli 2004 die Leitung des Bereichs Kranken- und Unfallversicherung im Bundesamt für Gesundheit. Als Arzt und ehemaliger Präsident der FMH kennt er die
Mechanismen im Gesundheitswesen von
Grund auf. Er weiss, dass sinnvolle und
weniger sinnvolle Medizin betrieben wird.
Er weiss, wo die Hebel angesetzt werden
müssten, um Qualität und Wirtschaftlichkeit in der medizinischen Versorgung zu
Ich glaube, dass Hans Heinrich Brunner
als liberal denkender Mensch auch davon überzeugt ist, dass das Kostenwachstum nicht durch staatliche Lenkung in den
Griff zu kriegen ist. Von ihm darf die Bevölkerung erwarten, dass er sich für die
Politik des Bundesrates und damit für die
Vertragsfreiheit einsetzt. Als Arzt wäre er
bestens geeignet, seinen Berufskolleginnen und -kollegen zu zeigen, dass Vertragsfreiheit auch für sie neue Chancen
Systemwechsel alleine reichen aber nicht
aus. Gefordert sind auch Einsichten und
Verhaltensänderungen – und das nicht nur
von den Ärzten.4	GESUNDHEITSWESEN	infosantésuisse 6 / 04Statistik zur Kostenentwicklung im Jahr 2003Kosten steigen um 4,6 Prozent
Die Pro-Kopf-Leistungen der Grundversicherung sind im letzten Jahr um 4,6 Prozent angestiegen. Die
Ausgaben belaufen sich gemäss santésuisse Datenpool auf 18,063 Milliarden Franken. Dies entspricht
einer Steigerung von über zwei Millionen Franken pro Tag. Den höchsten Anstieg verzeichnete der
Spitalbereich, während die Kosten in den Kategorien Medikamente und Pflege im durchschnittlichen
Rahmen zugenommen haben.DInsgesamt sind die Ausgaben der Grundversicherung im Jahr 2003 auf 18,063 Milliarden Franken angewachsen. Dies entspricht seit der KVG-Einführung einem
Anstieg um 60 Prozent. Mit 6,6 Milliarden
Franken sind die Spitäler der grösste Kostenposten. In diesem Bereich fällt auch
das stärkste Pro-Kopf-Kostenwachstum an,
nämlich 9,7 Prozent (Grafik 2). Dabei machen Medikamente (Apotheken und Selbstdispensation) über 20 Prozent der Ausgaben bzw. 3,9 Milliarden Franken aus: der
Kostenanstieg liegt hier bei 3,8 Prozent
pro Kopf. Pflegeheime und Spitex verursachten Kosten in der Höhe von 1,8 Milliarden Franken, was einem durchschnittlichen Pro-Kopf-Anstieg von vier Prozent
gleichkommt. Hingegen ist die Kategorie
Arztkosten mit 4,2 Milliarden und einem
Pro-Kopf-Kostenanstieg von 1,4 Prozent
im Vorjahresvergleich nur wenig gestiegen. Anders sieht die Situation bei den üb-rigen Ausgaben aus, die sich mit - 4,5 Prozent pro Kopf deutlich verringert haben
(Total 1,3 Milliarden). Der Rückgang bei
den übrigen Ausgaben ist auf klarere Definitionen im statistischen Datenmaterial
zurückzuführen, was für gewisse Kosten
Umschichtungen in andere Kategorien zur
Folge hatte.Nach wir vor hohes Sparpotenzial
Mit der Einführung der leistungsorientierten Abgeltung von Medikamenten (LOA)
im Jahr 2002 ist der Ertrag der Apotheken
vom Medikamentenpreis entkoppelt worden. Zudem wurde der Preis der auf der
Spezialitätenliste verzeichneten Medikamente um zehn Prozent gesenkt, um den
notwendigen finanziellen Spielraum für
die Einführung der Apotheken- und Patiententaxen zu schaffen. Diese zwei Faktoren haben das Kostenwachstum zwar ge-Die Pro-Kopf-Kosten sind im Jahr 2003 mit + 4,6 % etwa im
Durchschnitt der vergangenen Jahre gewachsen.Quelle: santésuisse-DatenpoolQuelle: santésuisse-Datenpoolas Kostenwachstum von 4,6 Prozent im Jahr 2003 entspricht
etwa dem Durchschnitt der
Kostenentwicklung in der Grundversicherung der letzten Jahre. Seit der Einführung des KVG schwankt dieser Wert
zwischen 7,6 Prozent im Jahr 1998 und
3,6 Prozent im Jahr 2002 (Grafik 1). Im
Vorjahresvergleich bedeuten die im Jahr
2003 verzeichneten 2462 Franken ProKopf-Leistungen einen erheblichen Anstieg, zumal das Kostenwachstum im Jahr
2002 das bisher geringste war. Der im
Jahr 2002 erreichte relativ tiefe Wert darf
indessen nicht als Tendenz für ein rückläufiges Kostenwachstum gedeutet werden. Dieser ist nämlich auf die hauptsächlich von Spitälern stark verspätete Rechnungsstellung zurückzuführen, was sich
in den Zahlen von 2003 niederschlägt
und schwer auf der Kostenentwicklung
in diesem Bereich lastet.Besonders stark sind die Kosten in der Grundversicherung im
Jahr 2003 im Spitalbereich gewachsen (+ 9,7 %). Danach folgen
die Medikamente (Arzt und Apotheke) mit 3,8 %, die Pflege
(Pflegeheime und Spitex) mit 4,0 %, die Ärzte mit 1,4 % und
Übriges mit einer Reduktion der Pro-Kopf-Kosten um - 4,5 %.GESUNDHEITSWESEN	Im Jahr 2003 betrug die Zunahme bei den Medikamentenkosten der Apotheker 4,3 %, bei den selbstdispensierenden
Ärzten 2,8 %. Wegen der LOA-Einführung sind die Zahlen
für das Jahr 2002 für die beiden Abgabekanäle stark unterschiedlich ausgefallen.bremst, konnten aber einen Anstieg um
sieben Prozent im Jahr 2002 nicht verhindern. Mit 3,8 Prozent (4,3 Prozent durchschnittlichem Anstieg bei der Medikamentenabgabe durch Apotheken und 2,8 Prozent durch Selbstdispensation) sind diese
Kosten 2003 allerdings relativ weniger
stark gestiegen (Grafik 3). Der Anstieg ist
hauptsächlich auf eine Kostensteigerung
bedingt durch die Pharmaindustrie zurückzuführen. Die Apotheken konnten ihren
Anteil gemessen an den von ihnen in Rechnung gestellten OKP-Kosten gegenüber
den selbstdispensierenden Ärzten weiter
ausbauen. Dieser ist seit 1999 von 63 auf
67 Prozent im Jahr 2003 gestiegen.
Das Ausgabenwachstum im Bereich Medikamente ist zwar so tief wie seit vier
Jahren nicht, dennoch birgt diese Kategorie ein beachtliches Sparpotenzial und
zwar bei Herstellern, Verteilern und Konsumenten.
Die Preise für Medikamente sind in der
Schweiz generell immer noch zu hoch.
Dieser Faktor sowie die immer teureren Medikamente, die auf den Markt gebracht werden, schlagen in der Grundversicherung zu Buche. Für santésuisse gibt
es fünf Ansatzpunkte, um die Kosten der
Arzneimittel in der Schweiz nachhaltig zu
•	Medikamente kosten in vergleichbaren
europäischen Ländern durchschnittlich
20 bis 30 Prozent weniger als in der
•	Während in der Schweiz die Medikamentenpreise während der Patent-Quelle: santésuisse-Datenpoolinfosantésuisse 6 / 04Quelle: santésuisse-Datenpool	5Die Spitalkosten des Jahres 2003 sind um 9,7 % pro Versicherten gestiegen, wobei die Zunahme im ambulanten
Sektor 10,4 %, im stationären Sektor 9,3 % beträgt. Das
starke Wachstum kompensiert die tiefen Zuwachsraten des
Jahres 2002.schutzfrist unangetastet hoch bleiben,
senken europäische Länder die Medikamentenpreise sukzessive. Auch in
der Schweiz sollte der Patentschutz
vom Preisschutz getrennt werden. Die
Preise müssten regelmässig mit dem
Ausland verglichen und gegebenenfalls gesenkt werden.
•	Der Innovationszuschlag auf neuen
Medikamenten treibt die Preise in die
Höhe. Dieser Zuschlag wird gewährt,
wenn eine neue Medikamentenklasse
auf den Markt kommt. Hat ein Medikament tatsächlich einen grossen Zusatznutzen, wird es sich als echte Innovation am Markt durchsetzen und
ist deshalb nicht auf einen staatlichen
Innovationszuschlag angewiesen. Die
Krankenversicherer stellen deshalb die
Innovationszuschläge generell in Frage
und fordern die Behörden auf, diese im
Rahmen einer Verordnungsänderung zu
•	Indem der Arzt lediglich den Wirkstoff
verschreibt, trägt er dazu bei, dass jeweils ein billigeres Generikum abgegeben wird. Je nach Medikament ist der
Preisunterschied beträchtlich: Plavix
beispielsweise ist 13 bis 17-mal teurer
als Aspirin Cardio. santésuisse geht davon aus, dass mit einer konsequenten
Abgabe von Generika insgesamt zwischen 160 und 250 Millionen Franken
eingespart werden könnten.
•	Schliesslich sollen die Krankenversicherer zur Beschwerde gegen die Aufnahme von Medikamenten in die Spe-zialitätenliste berechtigt sein. Das Eidgenössische Versicherungsgericht hatte
in einem Urteil zu Xenical festgehalten,
dass die Krankenversicherer nicht legitimiert seien, sich gegen die Aufnahme
von Medikamenten zu wehren. Umgekehrt ist die Pharmaindustrie gemäss
Gesetz beschwerdelegitimiert, wenn ein
Medikament vom Bundesamt nicht kassenpflichtig erklärt wird. Das EVG-Urteil hat in der Konsequenz zu ungleich
langen Spiessen geführt und der Pharmaindustrie einen ungerechtfertigten
Vorteil verschafft, den es im Rahmen
der KVG-Reform zu korrigieren gilt.
Handlungsbedarf besteht auch auf Konsumentenseite, etwa bei der Compliance.
Heute landen nämlich Medikamente für
rund 500 Millionen Franken einfach im Abfalleimer. Patienten sollten sich ausserdem
angewöhnen, ihren Arzt immer daran zu
erinnern, dass er ihnen das kostengünstigste Medikament verschreibt.Spitäler: Verzögerungseffekt durch
Fakturierungsrückstände
Mit einem Kostensprung von + 9,7 Prozent
verzeichnete der Spitalbereich den grössten Zuwachs seit vier Jahren. Drei Viertel
des Gesamtanstiegs der Gesundheitskosten sind denn auch auf diese Entwicklung
zurückzuführen (Grafik 4). Die Spitalkosten haben nun die Marke von 900 Franken pro Kopf erreicht. Der Grund für diese
massive Kostenexplosion liegt in den Verzögerungen bei der Rechnungsstellung der
Spitäler. Im Jahr 2002 haben zahlreicheinfosantésuisse 6 / 04Die Kosten der Pflegeheime haben im Jahr 2003 um 2,2%
pro Versicherten zugenommen, bei der Spitex beträgt die
Zunahme 13,2%.Spitäler ihre Rechnungen nicht fristgerecht
weitergeleitet, da immer noch Unklarheiten in Bezug auf die korrekte Fakturierung bestanden. Dies ist auf den vom Eidgenössischen Versicherungsgericht gefällten Entscheid vom 30. November 2001 zurückzuführen, wonach die Kantone auch
für Privat- und Halbprivatversicherte einen
Sockelbeitrag zu leisten haben. Die Angelegenheit konnte erst durch die Volksabstimmung vom 9. Februar 2003 geklärt
werden. Das Volk sprach sich mit grosser Mehrheit für einen abgestuften Sockelbeitrag aus. Die Spitäler haben einen erheblichen Teil ihrer im Jahr 2002 gestellten Rechnungen deshalb erst im Jahr 2003
weitergeleitet. Die Kostenentwicklung für
das Jahr 2003 wurde infolgedessen verzerrt. Die effektiven Zahlen für das Jahr
2003 liegen tiefer.
Die Verlagerung vom stationären in den
ambulanten Bereich hat sich fortgesetzt.
Dies führt zu einem Kostenanstieg in der
Krankenversicherung, da die stationäre
Behandlung gleichzeitig von den Kantonen und der Krankenversicherung finanziert wird, während der ambulante Bereich
voll und ganz zu Lasten der Krankenversicherung geht. Der Kostenanteil des ambulanten Sektors beläuft sich heute auf
38 Prozent. 1999 waren es noch 34 Prozent. In Franken ausgedrückt sind es 561
pro Kopf im stationären Bereich gegenüber
343 Franken im ambulanten Bereich.
Die Spitalfinanzierung ist Teil der KVG-Reform. Die Krankenversicherer begrüssen
die Absichten des Bundesrates, die kantonale Subventionierung auf die Privatspitäler auszudehnen.Quelle: santésuisse-DatenpoolGESUNDHEITSWESENQuelle: santésuisse-Datenpool	6	Besonders stark gestiegen sind die Kosten der Grundversicherung 2003 im Kanton Graubünden (+9,5%).Pflegeheime und Spitex:
bessere Kostenaufteilung
Mit einer durchschnittlichen Kostenzunahme von vier Prozent pro Kopf im Jahr
2003 liegen die Bereiche Pflegeheime und
Spitex unter der Entwicklung der vergangenen vier Jahre (Grafik 5). In diesem Bereich bestehen allerdings massive Unterschiede zwischen der Kategorie Spitex
mit einem Pro-Kopf-Kostenanstieg von
13,2 Prozent und den Pflegeheimen mit
lediglich 2,2 Prozent.
Grund dafür ist einerseits die demographische Alterung. Andererseits geht der
Trend immer mehr in Richtung Betreuung
zu Hause. Die älteren Menschen treten alles
in allem später in ein Pflegeheim ein, wodurch die Spitexkosten generell steigen.
Die starke Schwankung bei den Pflegeheimen von 12 Prozent im Jahr 2002 und
2,2 Prozent im Jahr 2003 ist auf das verbesserte Abrechnungssystem für Spitäler
zurückzuführen. Geriatrieabteilungen bieten neben geriatriespezifischen Leistungen
auch Pflegeleistungen an, die in die Kategorie Pflegeheime fallen. Bis 2001 wurden
beide Leistungsarten dem Bereich Spital zugeschrieben. Ab 2002 wird der Geriatrieanteil dem Bereich Spitäler und der Pflegeheimanteil dem Bereich Pflegeheime angerechnet. Damit erklärt sich der markante
Unterschied im Kostenzuwachs zwischen
den Jahren 2002 und 2003. Das Wachstum
für das Jahr 2002 ist überbewertet bzw. für
das Jahr 2003 unterbewertet. Dieser Bereich bleibt trotzdem aber kostensensibel.
Ein weiterer Grund dafür, dass der Kostenanstieg in der Kategorie Pflegeheime
weniger hoch ausgefallen ist als erwartet,sind die vor einigen Jahren eingeführten
Rahmentarife. Um einen weiteren Kostenschub einzudämmen, hofft santésuisse auf
einen Tarifstopp. santésuisse begrüsst deshalb die in der KVG-Revision enthaltenen Übergangsbestimmungen, welche
die heutige Lastenverteilung beibehalten,
gleichzeitig aber einige kleinere Korrekturen vorsehen. santésuisse spricht sich
für die Vorlage aus, insofern als die Rahmentarife für die Pflegefinanzierung weiterhin gelten und alle Leistungserbringer
einbezogen werden. Ausserdem ist auf
die Unterscheidung zwischen Langzeitbehandlungen sowie Akutbehandlung zu
verzichten. santésuisse lehnt eine allgemeine Erhöhung der beiden oberen Pflegebedarfsstufen vor Einfrieren der Tarife
ab, wie dies in der Vernehmlassungsvorlage vorgeschlagen worden war. Sollte der
Bundesrat die oberen Pflegebedarfsstufen
dennoch erhöhen, müsste er gleichzeitig
die beiden unteren Stufen senken, die
heute zu hoch sind. Die gegenwärtigen
Gesamtkosten im Pflegebereich dürfen auf
keinen Fall noch höher ausfallen.Ärzte und Übrige: konstante
Entwicklung und klarer Rückgang
Die Entwicklung der Arztkosten ist mit
+ 1,4 Prozent im Jahr 2003 praktisch gleich
geblieben wie im Jahr 2002 (1,5 Prozent).
Die Arztkosten beliefen sich im Jahr
2003 auf insgesamt 4,2 Milliarden Franken. 2002 trat der Zulassungsstopp in
Kraft, was zur Folge hatte, dass im Mehrjahresvergleich 50 Prozent mehr Zulassungsnummern vergeben wurden, nämlich 1100. Aufgrund dieser starken Nach-GESUNDHEITSWESEN	Physiotherapeuten, Labore und Transporte
machen mit über einer Milliarde Franken
weiterhin den grössten Kostenposten in
diesem Bereich aus. Der Rückgang ist
auch hier auf klarere Definitionen im statistischen Datenmaterial zurückzuführen,
was für einige Kosten Umschichtungen in
andere Kategorien ermöglichte.Kostenentwicklung
Die Kostenentwicklung pro Kopf und Kanton ist völlig unterschiedlich (Grafik 6). So
haben bisher kostengünstige Kantone wie
Appenzell Ausserrhoden, Graubünden,
Schwyz und Uri einen erheblichen Kostenschub zu verzeichnen: zwischen 8,2 Prozent und 9,5 Prozent bzw. 1914 Franken
(UR) und 2054 Franken (GR) für die Pro-infosantésuisse 6 / 04Kopf-Kosten. Kostenteure Kantone wie
Waadt, Zürich und Basel-Stadt hingegen
bleiben mit + 1,8 bis 3,1 Prozent weit unter dem Durchschnitt. Die Pro-Kopf-Kosten liegen allerdings zwischen 2393 Franken (ZH) bis 3216 Franken (BS). Mit 4,9
bis 5,2 Prozent liegen die Kantone Wallis,
Tessin und Thurgau im Mittelfeld, mit ProKopf-Prämien von 2225 Franken (TG) bis
3077 Franken (TI). Den geringsten Kostenanstieg verzeichnete der Kanton Freiburg mit 1,4 Prozent, die Pro-Kopf-Kosten betrugen 2296 Franken. Der Rückgang
von - 4,6 Prozent im Kanton Genf und
- 6,5 Prozent im Kanton Jura steht nicht
für eine rückläufige Kostenentwicklung.
Die Werte sind lediglich auf eine genauere Zuteilung der Versicherten auf die Kantone zurückzuführen. (NB)
Foto: Heiner Griederfrage rechnete man trotz Zulassungsstopp
mit einem Kostenschub bei den Arztkosten, was aber nicht eingetreten ist. Dies
hat vor allem damit zu tun, dass die in
einer Arztpraxis während der ersten fünf
Jahre verrechneten Kosten durchschnittlich um einiges tiefer liegen, als in den
folgenden Praxisjahren. Die vollen Kosten der zusätzlichen Praxen werden also
erst ab 2006 zu spüren sein.
Wie sich die neue gesamtschweizerisch
einheitliche Arzttarifstruktur TARMED auf
die Entwicklung der Arztkosten auswirken
wird, ist derzeit offen. Die Kostenneutralität wird bis Mitte 2005 für Stabilität sorgen.
Danach ist die Entwicklung ungewiss.
Die übrigen Kosten belaufen sich auf
1,3 Milliarden Franken, was einem klaren Rückgang um 4,5 Prozent entspricht.7Die Pro-Kopf-Leistungen der Grundversicherung sind im letzten Jahr um 4,6 Prozent gestiegen.8	GESUNDHEITSWESEN	infosantésuisse 6 / 04Im Gespräch: Elke Burkart-Kapfer, Leiterin der Fachstelle BGM der CSS Versicherung«Im Zentrum steht der Kunde,
nicht unser Produkt»
Die Betriebliche Gesundheitsförderung (BGF) umfasst alle gemeinsamen Massnahmen von
Arbeitgebern, Arbeitnehmern und Gesellschaft zur Verbesserung von Gesundheit und Wohlbefinden
am Arbeitsplatz. Damit hier Resultate erreicht werden können, so die Erfahrungen der CSS, ist der
Arbeitgeber von Anfang an direkte Zielgruppe des Veränderungsprozesses.
infosantésuisse: Elke Burkart, Sie leiten
die Fachstelle für Betriebliches Gesundheitsmanagement bei der CSS. Welches
Verständnis von Gesundheitsförderung
Elke Burkart: Ich teile die ganzheitliche
Auffassung des Begriffes Gesundheitsförderung der Weltgesundheitsorganisation
WHO. Gesundheit ist ein umfassendes
Konstrukt mit bio-psycho-sozialen Faktoren, die miteinander zusammenhängen. Ich
benütze gerne das positive Bild der Verliebtheit. Verliebtheit bezieht sich auf den
Mitmenschen, ist sozial. Man spürt Schmetterlinge im Bauch – eine starke körperliche
Empfindung. Die Welt ist rosarot, und auch
das psychische Empfinden ist sehr positiv. Es geht um Körper, Psyche, Umfeld. Es
geht um Empowerment, d.h. um die Befähigung des Menschen, Eigenverantwortung
zu übernehmen. Gesundheitsförderung ist
zugleich langfristig angelegt, ist ein Prozess
und eine Kulturfrage, nicht ein Projekt. Der
Ansatz sollte verhalten- und verhältnisorientiert sein. Der Mensch soll nicht einseitigals für alles verantwortlich betrachtet und
damit zusätzlich belastet werden, sondern
man muss analysieren, was die Umwelt bzw.
die Umgebung dazu beiträgt, und wie unter diesen Bedingungen Risikobelastungen
Sie arbeiten explizit in der Lebenswelt
«Betrieb». Was hat denn Krankenversicherung mit Betrieblicher Gesundheitsförderung zu tun?
Wir haben uns lange darauf beschränkt,
via Taggeldversicherung das Risiko der Betriebe – Krankheiten, Absenzen ihrer Mitarbeitenden – mitzufinanzieren. Das war
für beide Seiten unbefriedigend, denn bei
einer negativen Entwicklung muss der Versicherer Prämienanpassungen vornehmen.
Wir suchen deshalb heute zusammen mit
dem Kunden die Risikooptimierung; unser eigentliches Ziel ist aber, dass das Risiko gar nicht entsteht. Wir sprechen denn
auch von Betrieblichem Gesundheitsmanagement. Wir haben diesen Begriff eingeführt, um den Begriff Gesundheit bzw. Ge-Das BGM-Team v.l.n.r.: Marcel Sturzenegger, Elke Burkart, Nicole Berger.sundheitsförderung näher an die Logik des
Unternehmens zu bringen. Das Unternehmen fördert nicht, sondern managt.
Was heisst das konkret? Wie gehen Sie auf
potenzielle BGM-Kunden zu?
Wir empfehlen grundsätzlich ein ganzheitliches Vorgehen. Unser Kundenberater verfolgt die Prämienentwicklung eines
bestimmten Betriebes. Im Mittelpunkt steht
folglich der Kunde, nicht unser Produkt. Im
Gespräch mit ihm versuchen wir herauszufinden, wo das Problem im Bereich Personalabsenzen liegt und welche Ziele der
Betrieb verfolgt. Wir versuchen ihn für das
Problem zu sensibilisieren, ihm zu zeigen,
dass es durchaus Möglichkeiten gibt, die
Absenzen in den Griff zu bekommen. Wir
merken schnell, ob ein Kunde für diese Philosophie empfänglich ist oder nicht. Es ist
auch schon vorgekommen, dass wir eine
notwendige Prämienanpassung gedämpft
haben, weil sich der Versicherungsnehmer
bereit erklärt hat, aktiv zur Lösung des Problems beizutragen. Ich denke, die Firmen
erkennen immer besser, dass es keine Lösung sein kann, dauernd mehr Prämien
Ihr Konzept setzt beim Management an:
Wie verträgt sich dies mit dem Partizipationsanspruch der Definition der WHO?
Wir haben die Erfahrung gemacht, dass
hohe Erwartungen geweckt werden, wenn
man die Mitarbeitenden von Beginn weg
in den Prozess integriert. Wenn diese auf
Grund des mangelnden Commitments der
Führungsebene nicht erfüllt werden, gibt es
Frustrationen statt Motivation. Wir setzen
also beim Management an und zeigen diesem in einem Initialworkshop auf, weshalb
Gesundheit für den Betrieb ein wirtschaft-GESUNDHEITSWESEN	9infosantésuisse 6 / 04Fotos: ZVGWelche Erfahrungen haben Sie mit Ihrem
Programm gemacht?
Mittlerweile ist das Thema seit rund zehn
Jahren in der CSS präsent, und durch verschiedene Personen weiterentwickelt worden. In der Aufbauphase wurde es kostenlos angeboten. Damals musste die Erfahrung gemacht werden, dass es die Personalbteilungen zwar interessiert, dass es
aber genauso häufig versandet. Seit eineinhalb Jahren wird es nun entgeltlich angeboten und im Zentrum steht explizit der
Kunde, nicht mehr das Produkt. Diesbezüglich kann ich aber noch keine Auswertungen vorlegen.Elke Burkart-Kapfer: «Meiner Meinung nach ist der Begriff Absentismus eine
Wahrnehmungsverzerrung.»lich bedeutendes Thema ist. Wir beleuchten
dessen betriebliche Situation und mögliche
finanzielle Auswirkungen. Wir thematisieren weiter, weshalb Menschen überhaupt
krank werden. Es ist mir ein grosses Anliegen, den Begriff Absentismus zu hinterfragen. Meiner Meinung nach ist dies häufig eine Wahrnehmungsverzerrung, weil es
einfacher ist, den Grund für eine Absenz
beim Betroffenen zu orten, statt im Betrieb selber. Wir untersuchen zusammen
mit dem Management, wo die betrieblichen Ressourcen liegen, wo die Belastungen. Wir fragen, inwiefern wir das eine
stärken können und das andere reduzieren.
Es geht uns darum, dass das Management
ein Commitment für eine Veränderung abgibt. Wir benötigen die entsprechende Unterstützung der Personalabteilung – moralisch, in Form von Budgets, aber auch bei
internen Fragen und Kritik.
Sobald wir das Commitment der Führung
haben, kommen die Mitarbeitenden zum
Zug. Um eine Gesamtschau zu erhalten,
machen wir eine betriebliche Gesundheitsanalyse im Sinne einer Mitarbeiterbefragung, in der so genannte weiche Faktoren wie das Wohlbefinden im Team, mit
dem Vorgesetzten usw. abgefragt werden.
Aber auch physikalische Arbeitsbedingungen wie Lärm, Luft, Licht usw. werden erör-tert. Diese Gesundheitsanalyse ist sehr umfassend, und sie ist in acht verschiedenen
Sprachen vorhanden. Sie ist nicht nur eine
Standortbestimmung, sondern auch ein Instrument zur Priorisierung von Handlungsfeldern. Ein zweidimensionales Handlungsportfolio gibt Antwort auf die Effizienz der
Felder zur Förderung von Gesundheit und
Liegt das Schwergewicht bei der Ableitung von Massnahmen auf der Verminderung von Schwächen oder auf der Stärkung
von vorhandenen Ressourcen?
Ich muss selber auch immer wieder aufpassen, dass ich die Stärken nicht vergesse!
Diese werden zwar wahrgenommen, auch
die Empfehlung, diese aktiv zu erhalten.
Aber meist geht es doch darum, Gefahrenherde abzuschwächen. Dies auch deshalb, weil so die Mitarbeitenden merken,
dass die von ihnen geäusserte Unzufriedenheit und die bezeichneten Mängel ernst
genommen werden. Das Zentrale für mich
ist, dass mit den ganzen Aktivitäten auch
die Wertschätzung deutlich wird. Die Belegschaft soll spüren, dass sie wichtig ist
für den Betrieb. Klar erwartet man von ihnen Leistung. Aber der Betrieb ist auch dafür verantwortlich, dass sie die Leistung so
gut wie möglich erbringen können.Häufig hängt das Absenzen- oder Krankheitsverhalten mit unsicheren Situationen
wie Umstrukturierungen, Fusionen usw. zusammen. Macht in einem solchen Kontext
betriebliche Gesundheitsförderung Sinn
oder ist es bloss Pflästerlipolitik?
Ich würde mir wünschen, dass gerade in
betrieblichen Veränderungsprozessen ein
spezielles Augenmerk auf die Mitarbeitenden gelegt würde. Man analysiert und entwirft auf dem Papier Prozesse, man fusioniert Kapital, aber man vergisst dabei häufig den einzelnen Menschen. Dabei wird
gerade in Betriebskulturen oft sehr viel investiert. Hier geht enorm viel Potenzial verloren, auch wirtschaftlich betrachtet. Deshalb wünschte ich mir, dass man sich schon
bei der Vorbereitung von solchen Prozessen den Teams annehmen würde. Mitarbeitende sind nicht nur ein Budgetposten, sondern Menschen, die Ängste haben, die verunsichert sind und die entsprechend reagieren, wenn sie sich ausgeliefert fühlen.I n t erv iew: U r su l a VogtElke Burkart-Kapfer
Die Rheintalerin Elke Burkart-Kapfer
(geb. 1973) absolvierte an der Uni Zürich das Studium der Psychologie, Psychopathologie sowie Sozial- und Präventivmedizin, welches sie 1998 mit
dem Lizenziat abschloss. Nach einer
mehrmonatigen Projektleitung im Bereich Marktforschung bei der Zürcher
Kantonalbank übernahm sie im Dezember 1999 die Leitung des Betrieblichen Gesundheitsmanagementes bei
der CSS in Luzern. Elke Burkart-Kapfer
ist verheiratet und wohnt in Thalwil.10	GESUNDHEITSWESEN	infosantésuisse 6 / 04Gesundheitsförderung und Prävention durch KrankenversichererGrosser Einsatz für ein gesünderes Leben
Seit 1996 verpflichtet Artikel 19 des Krankenversicherungsgesetzes die Versicherer, die Verhütung
von Krankheiten zu fördern. Aus diesem Grund betreiben die Krankenversicherer gemeinsam mit den
Kantonen die Stiftung Gesundheitsförderung Schweiz. Darüber hinaus bieten die meisten Kassen
eigene Gesundheitsprogramme an. Eine Bestandesaufnahme*.Fast 7000 Franken pro Kopf und
Jahr investieren Herr und Frau
Schweizer in ihr Gesundheitswesen. Das sind 48 Milliarden Franken. Alleine 18 Milliarden davon beansprucht die
medizinische Grundversorgung im Rahmen des KVG. Leider deuten alle Prognosen sowie die demografische Entwicklung darauf hin, dass die Kosten im Gesundheitswesen weiter steigen werden.
Angesichts dieser unerfreulichen Tatsachen kommt dem Prozess eines «gesunden Alterns» eine immer grössere Bedeutung zu. Eine Bedeutung, der die Krankenversicherer durch verschiedene Aktvitäten Rechnung zu tragen versuchen. So
betreiben sie einerseits gemeinsam mit
den Kantonen die Stiftung Gesundheitsförderung Schweiz, deren Arbeit durch
Beiträge über die obligatorische Krankenversicherung – momentan Fr. 2.40
pro Kopf und Jahr – finanziert wird. Anderseits bieten die meisten Kassen eigene
Gesundheitsprogramme an.
Um die vielfältigen Bemühungen auf einen
gemeinsamen Nenner zu bringen, beziehtman sich bei santésuisse bei der Definition
des Begriffes «Gesundheitsförderung» auf
die «Ottawa Charter» von 1986, die an der
ersten internationalen Konferenz zur Gesundheitsförderung verabschiedet wurde.
Anders als die Prävention, die krankheitsfördernde Risikofaktoren reduzieren oder
ausschalten will, soll die Gesundheitsförderung persönliche und soziale Ressourcen für die eigene Gesundheit stärken.Gesundheitsförderung
– der perfekte Werbeträger
In der Praxis konzentrieren sich sowohl
santésuisse als auch die einzelnen Krankenversicherer auf den Lebensstil ihrer
Kundschaft. Im Mittelpunkt stehen Bewegung, Ernährung und Stressresistenz
sowie Entspannung. Einige grosse Akteure engagieren sich mit diesen Themen
auch in den Betrieben. Häufiger Partner
aller Aktivitäten ist Gesundheitsförderung
Schweiz. Beim Programm «action d – Diabetes aktiv vorbeugen» zum Beispiel ist
es Gesundheitsförderung Schweiz gelungen, Helsana, CSS, Concordia, ÖKK undPrävention und
Zwischen Prävention und Gesundheitsförderung besteht ein Unterschied: Die
Prävention umfasst jene Massnahmen
und Aktivitäten, die dazu beitragen,
eine gesundheitliche Schädigung zu
verhindern, weniger wahrscheinlich zu
machen oder zu verzögern. Prävention
ist krankheitsorientiert. «Gesundheitsförderung» setzt bei der Ottawa Charta
der WHO aus dem Jahre 1986 an und
orientiert sich an der Gesundheit. Die
Gesundheitsförderung ist ein ganzheitliches Konzept. Die Analyse und Stärkung der Gesundheitsressourcen und
-potenziale setzt sowohl beim Individuum an, bezieht aber auch alle gesellschaftlichen Ebenen mit ein. Dazu
gehört z.B. die Entwicklung persönlicher Gesundheitskompetenzen; dazu
zählt man aber auch die Entwicklung
einer gesundheitsfördernden Gesamtpolitik oder gesundheitsfördernder Lebenswelten.Prävention im Spannungsfeld von Wissenschaft,
Politik und Gesundheitskonzept
Die Gesundheit ist ein zentraler Begriff moderner Gesellschaften. Die Bewahrung
von Gesundheit ist dabei nicht nur Privatsache, sondern gleichzeitig auch staatliche
Aufgabe. Wie komplex diese Interdependenz funktioniert, zeigt eine Aufsatzsammlung, die 2002 unter dem Titel «Prävention im 20. Jahrhundert – Historische Grundlagen und aktuelle Entwicklungen in Deutschland» erschienen ist. Der historische Bogen wird dabei über das Deutsche Kaiserreich, die Weimarer Republik, das Dritte
Reich, die beiden deutschen Nachkriegstaaten bis in die Gegenwart gespannt. Dieser Abriss zeigt dabei deutlich, dass gerade Konzepte zur Gesundheit und Prävention
dem Wandel unterworfen sind und abhängig vom gesellschaftlichen und institutionellen Ort, der ihnen zugewiesen wird. Und sie können – dies hat das Dritte Reich
drastisch gezeigt – absolut pervertiert werden.
Sigrid Stöckel, Ulla Walter (Hrsg.): Prävention im 20. Jahrhundert. Historische Grundlagen und aktuelle Entwicklungen in Deutschland. In: Grundlagentexte Gesundheitswissenschaften. Weinheim und München 2002.GESUNDHEITSWESEN	infosantésuisse 6 / 04Foto: Prisma	11Regelmässige Bewegung fördert die Gesundheit – in jedem Alter.Visana für eine gross angelegte gemeinsame Aktion zu gewinnen.
Neueste Innovation sind die «Helsana
swiss running walking trails», eine Weiterentwicklung der «Laufträffs» aus dem
Allez Hop-Kursangebot (s. Artikel Seiten 12/13). Solche Trails gibt es bereits
an 13 Orten in der Schweiz.
Ein wichtiger Nebeneffekt, der durch die
vielfältigen Aktivitäten der Krankenversicherer entsteht, soll an dieser Stelle nicht
unerwähnt bleiben: Da im Bereich der
Gesundheitsförderung allgemein der gesunde Lebensstil als wichtige Ressource
für Gesundheit thematisiert wird, eignet
sich dieses Thema auch perfekt als Werbeträger. Manchmal offenbar sogar zu
gut: In Deutschland wurde die Prävention inklusive Gesundheitsförderung just
wegen der allzu intensiven Besetzung
durch das Marketing aus dem Leistungskatalog gekippt und später erst in einerstark abgeschwächten Form wieder ins
Gesetz aufgenommen . Neu sind die Versicherer in Deutschland auch zu einem
Qualitätsnachweis verpflichtet. (MKO)*	Ein ausführlicher Bericht über Gesundheitsförderung
und Prävention durch Krankenversicherer erscheint
Mitte Juni in focus Nr. 19 / Juni 2004.
Bestellungen (kostenlos) an:
office.bern@promotionsante.chAuch das KVG kennt Prävention und Gesundheitsförderung
Die obligatorische Krankenpflegeversicherung übernimmt gemäss Art. 26 KVG die
Kosten für bestimmte Vorsorgeuntersuchungen oder vorsorgliche Massnahmen, wenn
diese von einem Arzt oder einer Ärztin vorgenommen werden. Art. 12 der Krankenpflege-Leistungsverordnung (KLV) zählt diese Massnahmen und Untersuchungen
und die dafür geltenden Bedingungen abschliessend auf (Positivliste). Dazu gehört
z.B. die Tuberkuloseimpfung. Die Gesundheitsförderung ist ebenfalls im KVG verankert. Gemäss Art. 19 KVG unterhalten die Versicherer zusammen mit den Kantonen eine national tätige Institution, die Gesundheitsförderung Schweiz (GF CH).
Finanziert wird diese Organisation über Beiträge sämtlicher Krankenversicherer
(Fr. 2.40 pro versicherte Person und Jahr). Die GF CH betreibt zur Zeit drei Schwerpunktprogramme zu Bewegung/Ernährung/Entspannung, Arbeit und Gesundheit
sowie Jungendliche und Gesundheit. Zusammen mit weiteren Partnern engagieren
sich die GF Schweiz und die Krankenversicherer bzw. santésuisse zusammen für
Allez Hop (s. auch S. 12/13).12	GESUNDHEITSWESEN	infosantésuisse 6 / 04Allez Hop, eine gemeinsame Aktion der Schweizer KrankenkassenGesunde Bewegung im Alltag
Die ungenügende Bewegung der Schweizer Bevölkerung verursacht Milliardenkosten. Die Schweizer
Krankenversicherer treten gegen den grassierenden Bewegungsmangel an und zeigen in einer
gemeinsamen Aktion, die seit dem 12. Mai auf verschiedenen Fernsehkanälen zu sehen ist und noch
bis am 11. Juli dauert, wie Bewegung im Alltag möglich ist und bieten mit Allez Hop eine konkreteTV-Spot «Heimweg»Möglichkeit, sich ab sofort mehr zu bewegen.BASPO-Studien gehen davon aus,
dass die ungenügende Bewegung
von gut einem Drittel der Bevölkerung in der Schweiz direkte Behandlungskosten von 1,6 Milliarden Franken auslöst.
Umgekehrt vermeidet die körperliche Betätigung von zwei Dritteln der Bevölkerung Behandlungskosten von 2,7 Milliarden Franken. Angesichts dieser Zahlen
zeigen die Schweizer Krankenversicherer
seit Jahren, wie man sich im Alltag mehr
Seit anfangs 2003 ist santésuisse zusammen mit der Gesundheitsförderung
Schweiz, Swiss Olympic und dem Bundesamt für Sport (BASPO) auch offizielle
Partnerin von Allez Hop. Allez Hop bietet
Kurse und Treffs in den Bereichen Walking, Nordic Walking, FitGym (Halle) und
Wasser an. In der ganzen Schweiz bieten rund 1100 aktive Allez Hop-Leiterin-nen und Leiter Kurse und Treffs an, und
allein im Jahr 2003 hat Allez Hop knapp
30 000 Personen in über 2000 Kursen und
Treffs bewegt. Das Allez Hop-Konzept ist
bewusst niederschwellig: Die Kurse sind
für Anfängerinnen und Anfänger ausgelegt, es bestehen keinerlei sportlichen Voraussetzungen, und der Preis ist für alle
erschwinglich. Eine Lektion kostet durchschnittlich fünf bis acht Franken, was bei
zehn Lektionen einen Kurspreis von 50
bis 80 Franken ergibt.Die Krankenversicherer
Die Krankenversicherer werden in der
Öffentlichkeit mitunter kritisiert, weil einerseits Massnahmen der Prävention und
der Gesundheitsförderung kaum bezahlt
würden, andererseits die gesundheitlichenSchäden kassenpflichtig sind und somit
im Rahmen der obligatorischen Krankenpflegeversicherung gedeckt seien. Obwohl
diese Haltung lediglich die korrekte Umsetzung des Krankenversicherungsgesetzes (KVG) widerspiegelt, herrscht die Erwartung, dass sich die Versicherer im Interesse der Kostendämpfung stärker in
der Gesundheitsförderung engagieren.
Dies tun die Versicherer jedoch schon
lange: Etliche Unternehmungen bieten
ihren Kundinnen und Kunden vergünstigte Fitness- und Wellnessangebote oder
weitere Produkte an, zum Teil existieren
auch Rückvergütungen im Rahmen der
Neu am Allez Hop-Engagement ist indessen, dass sich die Branche zum ersten Mal
geeint für ein Bewegungsförderungsprojekt einsetzt. Die gemeinsame Kampagne
der Kassen will denn auch ein Zeichen setzen für mehr Eigenverantwortung im Gesundheitswesen und diesbezüglich auch
konkrete Handlungsmöglichkeiten aufzeigen. Zwar sind viele Faktoren der Kostenentwicklung für den Einzelnen kaum
oder nicht beeinflussbar wie die Mengen-Bewegungskurse in Ihrer Nähe?
Rufen Sie jetzt an: 0800 00 2004Eine Aktion aller Krankenkassen
und von Gesundheitsförderung SchweizWeitere Informationen:
Alpenstrasse 25, 2532 Magglingen
Tel. 032 327 61 90, Fax 032 327 61 98
kontakt@allezhop.ch, www.allezhop.chGESUNDHEITSWESEN	TV-Spot «Waschtag»	Die Öffentlichkeitskampagne der
Der Verwaltungsrat von santésuisse hat im
Dezember 2002 ein Engagement bei Allez Hop beschlossen, weil er die Branche
im Bereich Gesundheitsförderung stärker
positionieren will, um dadurch einen Imagegewinn für die Krankenversicherer zu
ermöglichen. Deshalb hat er gleichzeitigbeschlossen, das Allez Hop-Engagement
als eine Kampagne der Krankenversicherer breit zu kommunizieren. Für diese Öffentlichkeitskampagne ist es gelungen, aus
dem Kreis der offiziellen Partner von Allez
Hop die Gesundheitsförderung Schweiz
(«Stiftung 19») zu gewinnen, die die Kampagne mitträgt.
Kernstück der Kampagne sind drei TVSpots, die auf spielerische und überraschende Weise aufzeigen, dass Bewegung im Alltag immer möglich ist, und
auf die Allez Hop-Angebote verweisen.
Im Abspann wird auf die TelefonnummerTV-Spot «Fussball EM»ausweitung, der medizinische Fortschritt,
die Alterung der Bevölkerung usw. Umgekehrt trägt aber auch die vermehrte Inanspruchnahme des Gesundheitswesens
durch Patientinnen und Patienten zur Kostenentwicklung bei. Und hier setzt Allez
Hop konkret an: Wer sich bewegt – und
da reichen bereits 30 Minuten pro Tag –,
profitiert von einer höheren Lebensqualität und verursacht gleichzeitig nachweislich weniger Krankheitskosten. Allez Hop
steht somit nicht nur für ein Kursangebot,
sondern gleichsam für eine Vision: Allez
Hop begeistert, flächendeckend in der
ganzen Schweiz, jährlich Zehntausende
von Menschen, sich in der Freizeit und
im Alltag gesund zu bewegen, und wird
dadurch langfristig zu einem nationalen
Botschafter für eine gesunde Bewegung
im Alltag. Es ist somit auch nicht zentral,
dass man einen Allez Hop-Kurs besucht,
sondern dass man etwas für seine eigene
Gesundheit tut: Sei dies nun, indem man
die Treppe statt den Lift benützt oder dass
man zu Fuss Einkäufe macht, anstatt das
Auto zu nehmen.13infosantésuisse 6 / 040800 00 2004 und www.allezhop.ch verwiesen. Wer auf die Telefonnummer anläutet, wird gebeten, seine Nummer zu hinterlegen und wird am Folgetag von der Geschäftsstelle Allez Hop kontaktiert.
Findet der Interessent, die Interessentin
bei Allez Hop, was er oder sie sucht, wird
der Kontakt zu den lokalen Allez Hop-Leiterinnen und Leiter hergestellt. Möchte die
Person ein Bewegungsangebot in einem
anderen Bereich, wird sie gefragt, ob sie
mit der Übermittlung ihrer Personendaten an die Krankenversicherung einverstanden ist. Die Geschäftsstelle Allez Hop
leitet im positiven Fall die Angaben an
santésuisse weiter, von wo das Mail an
den zuständigen Krankenversicherer geschickt wird.
Die Krankenversicherer sind sodann aufgerufen, ihren interessierten Kundinnen und Kunden wenn immer möglich
ein Angebot zu machen oder allenfalls
ein externes Angebot zu vermitteln. Hier
soll bewusst auch die Konkurrenz spielen können.
Die TV-Spots sind auf den nationalen
Sendern (SF1, SF2, TSR1, TSR2, TSI1,
TSI2), privaten Lokal-TV-Sendern (Tele
Bärn, Tele Basel, Tele M1, Tele Ostschweiz, Tele Südostschweiz, Tele Tell,
Tele Top, Tele Züri) und einigen Schweizer Werbefenstern ausländischer Sender
(Sat1, Kabel1, M6) zu sehen. Die Ausstrahlung erfolgt noch bis am 11. Juli,
jeweils zwischen 19.00 und 22.45 Uhr.
(PM)14	GESUNDHEITSWESEN	infosantésuisse 6 / 04«Die Schweiz nimmts leichter» – Eine Kampagne der Schweizer Drogerien und von Suisse BalanceDas Idealgewicht – erreichen und halten
Rund ein Drittel der Schweizer Bevölkerung lebt über der medizinisch als gesund definierten
Gewichtsgrenze – Tendenz steigend. Die Initiative «Die Schweiz nimmts leichter» will diesen
unheiligen Trend stoppen.Foto: PrismaHäufige Gründe für ÜbergewichtImmer mehr Kinder und Jugendliche leiden unter Übergewicht.Die Hose ist zu eng, der Bauch
schwabbelt. Die Hüften sind zu
breit und die Schenkel zu dick. Die
meisten Menschen sind mit ihrer Figur ganz
und gar nicht zufrieden. Das bedeutet aber
nicht automatisch, dass sie auch übergewichtig sind. Effektiv leiden in der Schweiz
rund zwei Millionen Menschen – sowohl
Frauen (28 Prozent), Männer (42 Prozent)
als auch Kinder (23 Prozent) – unter Übergewicht. Besonders besorgniserregend ist,
dass zunehmend Kinder und Jugendliche
von Übergewicht betroffen sind.
Von tatsächlichem Übergewicht spricht
man, sobald überschüssiges Körperfett
die Gesundheit gefährdet oder ihr scha-det. So beweisen wissenschaftliche Untersuchungen, dass Übergewicht die Risiken für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus Typ 2),
Osteoporose und einige Krebskrankheiten erhöht. Abgesehen davon sind in der
Schweiz gegen 30 Prozent der gesamten
Kosten des Gesundheitswesens auf ernährungsbedingte Krankheiten zurückzuführen, und die ungenügende körperliche
Aktivität eines guten Drittels der Bevölkerung ist gemäss vorsichtigen Schätzungen für 1,4 Millionen Erkrankungen, knapp
2000 Todesfälle und direkte Behandlungskosten von 1,6 Milliarden Franken pro Jahr
verantwortlich.Nun ist es allerdings leider so, dass niemand auf die Schnelle nachhaltig zum
idealen Gewicht findet. Häufig braucht
es eine Umstellung im Lebensstil. Neben
Alter und Geschlecht kommen vor allem
der Bewegung sowie einer ausgewogenen Ernährung eine entscheidende Rolle
zu. Ebenfalls eine grosse Bedeutung kann
die psychische Situation spielen. So neigen
übermässig gestresste Menschen häufig zu
hastigem und zu vielem Essen.
In Zusammenarbeit mit Suisse Balance
(Die Ernährungsbewegung vom Bundesamt für Gesundheit und von Gesundheitsförderung Schweiz), Allez Hop und den
Schweizerischen Ernährungsberaterinnen
sowie Polar im Kontrollbereich bieten die
Schweizer Drogerien jetzt eine umfangreiche Initiative gegen Übergewicht an.
Die Ziele von «Die Schweiz nimmts leichter» sind, möglichst vielen Menschen bewusst zu machen, dass sie sehr viel gegen Übergewicht tun können und dass das
recht spielerisch geschehen kann. Zudem
•	Die Wichtigkeit des Zusammenspiels
von Energieaufnahme (Essen) und
Energieverbrauch (Bewegung) aufzuzeigen.
•	Die Möglichkeit einer Standortbestimmung anzubieten.
•	Mit einer kompetenten, vernetzten Beratung eine Möglichkeit der nachhaltigen Gewichtsveränderung aufzuzeigen.
•	Konkrete Angebote bereitzustellen, die
helfen, regelmässige Bewegung, Entspannung und eine gesunde Ernährung
in den Alltag einzubauen.
•	Aufzuzeigen, wie man Übergewicht aktiv
begegnen und vorbeugen kann. (MKO)
Weitere Informationen: www.dmz.chGESUNDHEITSWESEN	15infosantésuisse 6 / 04«managed care» (3/2004) zum Thema «Angehörigenpflege»Höhere Lebenserwartung
– Mehr Pflegeprobleme
Die Betreuung pflegebedürftiger Angehöriger ist ein Thema, das mit der Zunahme Hochbetagter
zunehmende Bedeutung erhält. In seinem Beitrag über Bedeutung und Entwicklung von
Angehörigenpflege weist Prof. Dr. Francois Höpflinger vom Soziologischen Institut der Universität
Zürich darauf hin, dass in der Schweiz nach allen verfügbaren Informationen schätzungsweise
zwischen 55 und maximal 60 Prozent der pflegebedürftigen älteren Menschen von Angehörigen
(teilweise mit professioneller Unterstützung) zu Hause gepflegt werden.auch die Kinder. Waren diese beim Eintritt
einer Pflegesituation vormals vielleicht zwischen 20 und 40 Jahre alt, so erleben sie
Pflegebedürftigkeit eines oder beider Elternteile heute oft in einem Alter von 50 bis
60 Jahren. Das bedeute, so Höpflinger, dass
das familiäre Pflegepotenzial immer häufiger nur auf der Grundlage einer guten professionellen Beratung und Betreuung zum
Tragen kommen kann. Zahlen der Spitex
belegen diese These: Letztes Jahr pflegte
die Spitex 320 000 kranke Menschen, wobei sie im Normalfall gerade eine Stunde
bei einem Patienten verbrachte, die übrigen
23 Stunden übernahmen Angehörige.In den nächsten Jahren werde sich das
familiäre Hilfs-und Pflegepersonal erhöhen, weil mehr hochbetagte Menschen Lebenspartner und Kinder haben,
schreibt der Autor. Längerfristig aber, das
heisst nach 2030, werde sich der Trend
umkehren, weil dann der Anteil kinderloser Frauen und Männer unter Hochbetagten deutlich ansteigen werde. Höpflinger
gibt auch zu bedenken, dass die höhere
Lebenserwartung älterer Menschen mit
einer steigenden Zahl von multimorbiden
Krankheitsbildern verbunden ist, was eine
intensive Pflege erfordert. Eine besondere
Herausforderung und Belastung für Angehörige verursachen demenzielle Erkrankungen. Nach Höpflinger ist weiter zu berücksichtigen, dass wegen der Hochaltrigkeit pflegebedürftiger Menschen die pflegenden Personen ebenfalls bereits in einem
höheren Lebensalter stehen werden. Das
betrifft vor allem die Lebenspartner, aberDie meisten Pflegenden
Gestützt auf deutsche Daten, die aber im
Wesentlichen auch für schweizerische Verhältnisse zutreffen dürften, stellt der Autor
fest, dass rund 80 Prozent der Hauptpflegepersonen weiblich sind. Dabei steht die
Pflegekonstellation «Frau pflegt eigene Mutter» an erster Stelle, gefolgt von «Frau pflegt
Ehemann» und «Frau pflegt Schwiegermutter». Mit steigendem Alter der pflegebedürftigen Personen ergibt sich eine Verlagerung
der Pflege von Ehepaaren auf die Kinder.
Interessant ist auch die Feststellung, dass
namentlich die Töchter trotz erhöhter Erwerbstätigkeit meist weiterhin bereit sind,
ihre Eltern im Alter zu pflegen.Zweideutigkeiten und
Dass bei intergenerationeller Verpflichtung auch Zweideutigkeiten und Ambivalenzen zutage treten, bestätigt eine vonHöpflinger zitierte entwicklungspsychologisch ausgerichtete Studie, in der Schweizer Frauen und Männer mittleren Alters (40
bis 55 Jahre) befragt wurden. Die Studie ergab, dass zwar ein starker Konsens darüber bestand, dass Kinder ihren alternden
Eltern gegenüber Verpflichtungen haben,
dass aber die Eltern die erbrachten Hilfeleistungen oft zu wenig zu schätzen wissen. Insgesamt lässt sich aber nicht feststellen, dass die Bereitschaft zu intergenerationeller familiärer Pflege gesunken wäre. Anforderungen mit Konfliktpotenzial könnten
sich jedoch ergeben, wenn die Pflege betagter Eltern und intensive Berufstätigkeit
zusammenfallen. Der Autor verweist auf eigene Berechnungen, die zeigen, dass schon
heute mindestens jede vierte Frau im Verlauf ihres Lebens nach dem Berufs-Mutterschafts-Konflikt potenziell einen zweiten
familiär-beruflichen Vereinbarungskonflikt
(Beruf versus Alterspflege) erlebt.
Dass mit steigender Lebenserwartung auch
die Pflegeprobleme und damit die körperlichen und psychischen Belastungen der
Pflegenden zunehmen, ist offensichtlich.
Die Erfahrungen zeigen, dass diese Belastungen schon heute oft an Grenzen stossen:
Pausenlose Präsenz, gestörte Nachtruhe,
die Unsicherheiten und plötzlichen Veränderungen der Pflegesituation zehren an
Körper und Seele. Verständlich, dass sich
dermassen überforderte Angehörige vor allem zwei Dinge wünschen: Entlastung und
gesellschaftliche Anerkennung. (Z)
managed care kann bezogen werden bei: Rosenfluh
Publikationen AG, C. Mascherin, Schaffhauserstr. 13,
8212 Neuhausen, Tel. 052 675 50 60, Fax 052 675 50 61,
E-Mail: info@rosenfluh.ch16	GESUNDHEITSWESEN	infosantésuisse 6 / 04Im Gespräch: Ruth Lüthi, Gesundheits- und Sozialdirektorin des Kantons Freiburg«Mit Herumbasteln löst
man keine Probleme»
In Sachen Krankenversicherung steht der Kanton Freiburg im Schweizer Vergleich relativ gut da.
Die Prämien entsprechen dem schweizerischen Durchschnitt und sind im letzten Jahr nur gerade
ein Prozent gestiegen. Projekte, wie etwa die Qualitätszirkel im Medikamentenbereich, wirken
sich kostenhemmend aus. Im Gespräch mit santésuisse nimmt die Freiburger Gesundheits- und
Sozialdirektorin, Ruth Lüthi, Stellung zur heutigen kantonalen und nationalen Gesundheitspolitik.infosantésuisse: Frau Lüthi, der Kanton
Freiburg galt lange Zeit als Musterschüler,
was die Spitalplanung anbelangt. Heute
lehnen Gemeinden und Einwohner des
Seebezirks die Änderung des Leistungsauftrags des Spitals Meyriez-Murten ab.
Vor diesem Hintergrund hat der Kanton
Mühe, seine Anliegen durchzubringen.
Wie rechtfertigen Sie den Entscheid, die
Akutversorgung im Spital des Seebezirks
Meyriez-Murten weiterzuführen, obwohl
im Leistungsauftrag für dieses Spital eine
andere Funktion vorgesehen war?
Ruth Lüthi: Wir haben uns entschieden,
ein neues Modell zu prüfen und zwar mit
Akutabteilung. Das heisst aber nicht, dass
wir den Status quo wollen. Wir haben vorgeschlagen, strukturelle Änderungen vorzunehmen und das Angebot im Bereich
der Akutversorgung nochmals zu überprüfen. Allerdings konnten wir nicht so
weit gehen wie in den anderen Kantonsbezirken.
Also letztlich ein politischer oder ein
struktureller Entscheid?
Beides. Die Bevölkerung hat sich für
ihr Spital stark gemacht. Sie hat Petitionen eingereicht und Aktionen durchgeführt. Alle Gemeinden haben sich daran beteiligt. Von Gesetzes wegen sind
aber die Gemeinden für den Leistungsauftrag der Spitäler zuständig. Wir leben
ja in einer Demokratie und mussten daher versuchen, unsere Partner im Dialog
Dieser Entscheid richtet sich gegen den
Vorschlag, die Akutspitäler gesamtschweizerisch auf 38 zu reduzieren?Wir sind ebenfalls der festen Überzeugung, dass die Zahl der Akutspitäler reduziert werden muss. Der Kanton Freiburg
hat bereits gezeigt, dass er diese Ansicht
teilt. In den 90-er Jahren gab es im Kanton noch sieben öffentliche Akutspitäler.
Heute sind es noch vier. Drei sollen am
Schluss noch übrig bleiben. Unsere Rationalisierungsanstrengungen gehen also
weiter. Ich denke aber, man sollte eher 70
als 38 Spitäler anvisieren. Mit 38 Spitälern
muss man entweder vergrössern oder rationieren. Mit Sicherheit wird man die Zahl
der Spitäler reduzieren, allerdings nicht in
einem solch drastischen Masse.
Wie fällt Ihre Bilanz bezüglich der Qualitätszirkel in Alters- und Pflegeheimen
Die Erfahrungen sind durchaus überzeugend. Es ist eine sehr gute Sache. Im Medikamentenbereich sind die Kosten am
meisten gestiegen. Durch die Qualitätszirkel arbeiten Alters- und Pflegeheime,
Ärzte und Apotheker zusammen. So können Kosten eingespart werden.
Gibt es bei der Pflegeversorgung älterer
Menschen andere Bereiche mit Einsparungspotenzial?
Ja. Ich denke etwa an Zwischenstrukturen, die es den älteren Menschen erlauben, weiter bei sich zu Hause zu wohnen.
Heimaufenthalte sind sehr teuer und ausserdem wollen die älteren Menschen oft
nicht in ein Heim, sondern möglichst lange
und selbstständig zu Hause wohnen. Dazu
braucht es aber die Unterstützung der Familie oder der Nachbarn. Ohne dieses Solidaritätsnetz geht es nicht. Es braucht zu-dem Spitex-Strukturen und andere Massnahmen zur Förderung der Betreuung zu
Hause und der Autonomie der älteren
Menschen. Wir planen ebenfalls Tageszentren in allen Kantonsbezirken, um Familienangehörige, die sich um ältere Angehörige kümmern, zu entlasten.
Was halten Sie von einer Zusatzversicherung, z.B. ab dem 50. Altersjahr?
Ich bin ganz und gar gegen eine Versicherung für ältere Menschen. Entweder gilt
die Versicherungspflicht für alle und das
wäre sehr kostspielig – der Staat müsste
diese Versicherung subventionieren –,
oder es könnten sich nur Personen versichern, die es sich auch leisten können. Wo
würden Sie dann Personen unterbringen,
die keine solche Versicherung haben? Ich
bin für ein System, das auf Solidarität zwischen Jungen und Alten gründet.
Planen Sie neue Investitionen im Gesundheitsbereich? Wenn ja, welche?
Wir sind sehr zurückhaltend, was Investitionen in die Infrastruktur anbelangt. Wir
beschränken uns hier auf wirklich dringende Fälle. Ich kann Ihnen einige Beispiele nennen: Bis Ende 2006 ist der Bau
eines einzigen Alters- und Pflegeheims
geplant und zwar für den Sensebezirk.
Ansonsten ist nur vorgesehen, normale
Heime in Pflegeheime umzuwandeln. Da
es immer mehr Pflegebedürftige gibt und
die Pflegefälle immer schwerer werden,
müssen wir auch ins Personal investieren. Es sind auch verschiedene Neubauten und Umbauarbeiten im Spitalbereich
geplant oder bereits am Laufen. Zum Beispiel wird das Spital Billens umgebaut.GESUNDHEITSWESEN	Dort gibt es künftig keine Akutversorgung
mehr, dagegen aber ein Rehabilitationszentrum und ambulante Pflege für Herzund Kreislauferkrankungen. Im Kantonsspital müssen die alten Operationssäle erneuert werden.ben kann, welche Medikamente sie abgeben sollen.
Wie stehen Sie zur Vertragsfreiheit?
Ich bin nicht davon überzeugt, ob das
eine wirklich gute Lösung ist, vor allem
in Bezug auf die Kriterien für den Vertragsabschluss mit einem Arzt. Es wird
eine sehr heikle Angelegenheit sein und
man muss wohl mit einigen Beschwerden
rechnen, wenn wir den einen oder anderen Arzt ausschliessen. Ich denke, man
sollte eher die heutigen Regelungen stärken. Ich fürchte, dass wir noch nicht über
die geeigneten Kriterien verfügen werden,
wenn wir über diese Frage entscheiden
müssen. Die Kantone haben bereits diese17infosantésuisse 6 / 04Erfahrung gemacht mit der neuen Verordnung über den Zulassungstopp. Wir haben einfach nicht genügend Informationen, um den Bedarf und vor allem auch
das Angebot richtig einschätzen zu können. Wenn wir den Konsum von Gesundheitsleistungen reduzieren wollen, so müssen wir eher auf Hausarztmodelle setzen
und Konsultationen bei Spezialärzten begrenzen.Foto: Nicole BulliardWas schlagen Sie vor, um den Prämienanstieg in der Krankenversicherung zu
Ich sehe es mit einer gewissen Genugtuung, dass die Prämien im Kanton FreiWie halten Sie insgesamt von der Gesundheitspolitik Pascal Couchepins?
burg im letzten Jahr nur um ein Prozent gestiegen sind. Wir setzen alles daEs ist noch zu früh, um über seine Gesundran, die Ausgaben in der Krankenversiheitspolitik urteilen zu können. Ich habe
cherung zu bremsen. Was ich besonders
jedoch etwas das Gefühl, dass Pascal Coustossend finde, ist die Prämienerhöhung
chepin unter Druck steht und deshalb gewisse Massnahmen etwas
in den Zusatzversicherunüberstürzt vorschlägt. Da
gen. Die öffentliche Hand
sehe ich die grösste Gebezahlt immer mehr für
Leute mit Zusatzversichefahr. Das Gesundheitswerungen und die Beiträge
sen ist eine komplexe Masteigen weiter.
terie. Die Probleme werWir müssen vor allem bei
den nicht gelöst, indem
man überall etwas heden Medikamentenpreirumbastelt. Es braucht
sen und bei der Menge
nicht eine Reihe indiDruck aufsetzen. Im Mevidueller Massnahmen,
dikamentenbereich steisondern eine umfasgen die Kosten schnelsende Gesamtsicht. Die
ler als im Spitalbereich.
Leider können die Kanmittel- und langfristigen
tone hier nicht mitreden.
Auswirkungen der einzelWir können keine Preise
nen Massnahmen müssen
besser bekannt sein. Das
festsetzen und den Ärzten
fehlt leider im Moment.
auch nicht vorschreiben,
welches Medikament sie
verschreiben sollen. Es
braucht auf nationaler
mit den anderen AkteuEbene mehr Kompetenzen bei der Preisfestsetren. Die Massnahmen, die
zung und bei der Menbis heute getroffen wurden, vermögen die Kosten
genregulierung. Aussernicht einzudämmen. Die
dem befürworte ich Paralgekürzten Rabatte auf den
lelimporte. Es gibt keinen
Grund dafür, dass wir für
höheren Franchisen wirein gleiches Medikament
ken sich demotivierend
mehr bezahlen als unauf die Versicherten aus,
sere Nachbarn. Ich bin
die sparen wollen. Es stelauch überzeugt davon,
len sich letztlich also zwei
Fragen: welches Gesunddass wir noch mehr Generika verwenden könnheitssystem wollen wir,
ten, vor allem wenn man
und wie können wir die
die Abgabequote für GeGesundheitskosten wirknerika mit anderen Länsam verteilen?
dern vergleicht. Politisch
I n t erv iew:
ist diese Frage aber sehr
N icole B u lli a r d
heikel, da man ja den
«Das Gesundheitswesen ist eine komplexe Materie. Die Probleme
Ärzten nicht vorschreiwerden nicht gelöst, indem man überall etwas herumbastelt.»18	TARMED	infosantésuisse 6 / 04Diagnosecode und RechnungsstellungDer TARMED-Motor im
Nach wir vor ungelöst ist die Frage der Angabe des Diagnosecodes auf Spitalrechnungen, und noch nicht
korrekt erfolgt die Rechnungsstellung nach TARMED. Immerhin: Die Verhandlungsdelegation von santésuisse
und H+ haben sich Ende April 2004 vorläufig auf einen (sehr) kleinen gemeinsamen Nenner geeinigt.Foto: Prismatens endlich eine Verbindlichkeit schafft
und zweitens leicht ausbaubar ist.
•	Sobald der Bericht des Eidgenössischen
Datenschutzbeauftragten vorliegt, spätestens aber am 1.1.2006, wird die Regelung über die 2-stellige Code-Angabe im Sinne der Erweiterung angepasst werden.
•	Ab 1. Oktober 2004 muss die Rechnungsstellung korrekt, d.h. über das
so genannte Einheitliche Rechnungsformular, erfolgen.Weiteres Vorgehen
Mit den geeigneten Massnahmen kommt der Motor schon auf Touren!Obwohl die Tarifpartner 2002 mit
Rücksicht auf die Spitäler den
neuen Tarif TARMED ein weiteres Jahr hinausgeschoben hatten und
dieser somit gesamtschweizerisch erst am
1. Januar 2004 in Kraft trat, ist die zusätzliche Verschnaufpause von den Spitälern offensichtlich schlecht genutzt worden. Auch
heute noch, im Monat Fünf von TARMED,
müssen die Delegierten von santésuisse
mit dem Spitalverband H+ elementare
Startbedingungen verhandeln. Und dies
erst noch meist ohne Gewähr. Die nach-Übergangszeit bald abgelaufen
Per 30. Juni 2004 läuft die Übergangsfrist für das derzeit ebenfalls anwendbare TARMED-Handabrechnungsformular der Ärzte ab. Damit muss das
einheitliche elektronische Rechnungsformular, wie es vom Forum Datenaustausch empfohlen wird, von den Schweizer Ärzten Flächen deckend angewendet werden.folgenden Ausführungen geben deshalb
explizit den Verhandlungsstand vom
29. April 2004 wieder!Kleinster gemeinsamer
Nenner gefunden
Nach unzähligen Verhandlungsstunden hatten sich santésuisse und H+ am
29. April 2004 auf folgende Zusatzvereinbarung geeinigt:
•	Im Bereich Diagnosecode wird bis Behandlungsdatum 31. August 2004 der
Status quo akzeptiert. Das bedeutet für
die Krankenversicherer, dass bis Ende
August die TARMED-Spitalrechnungen
ohne Diagnoseangabe nicht auf dem
einheitlichen Rechnungsformular usw.
erfolgen können – eben Status quo.
•	Ab Behandlungsbeginn 1. August 2004
ist auf jeder Rechnung der zweistellige
ICD-10-Code anzugeben. santésuisse,
die ihre Haltung nicht geändert hat
und den 4-stelligen ICD-10-Code als
Ziel verfolgt, betrachtet die vereinbarte
Regelung als Übergangslösung, die ers-Nachdem die Tarifkommission der Krankenversicherer am 12. Mai 2004 der oben
skizzierten Lösung zugestimmt hat, liegt
der Ball nun wieder beim Spitalverband
H+. Am 17. Mai 2004 ist dessen Vorstand
dazu aufgerufen worden, innerhalb von
zehn Tagen per Zirkularbeschluss zu einer Lösung Hand zu bieten. Wie diese nun
aussieht, war bei Drucklegung dieser Ausgabe noch nicht bekannt. Die Krankenversicherer werden zu gegebener Zeit per
Rundschreiben informiert werden.
(UVO)Was heisst denn nun
«elektronisch abrechnen»?!
Einzelne öffentliche Spitäler haben
für sich offenbar das Ei des Kolumbus entdeckt. Als Krankenversicherer
TARMED-Rechnungen zurückschickten, weil die Limitationen für nicht elektronisch abrechnende Leistungserbringer überschritten worden waren, schickten die betroffenen Spitäler als Beweis
ihres Könnens eine CD-ROM mit PDFFiles ihrer Abrechnungen und beharrten darauf, dass sie «elektronisch abrechnen» und ergo diesen Limitationen nicht
unterliegen!SANTÉSUISSE – SERVICE	19infosantésuisse 6 / 04Welche
den Guthrie-Test?Foto: PrismaDer Guthrie-Test dient zur Erfassung von
Stoffwechselstörungen (z.B. SchilddrüsenUnterfunktion) beim Neugeborenen. Bei diesem Test handelt es sich um eine präventivmedizinische Massnahme gemäss Art. 12
KLV und nicht um eine Leistung im Sinne
von Art. 29 Abs. 2 lit. d KVG. Die Kosten des
Guthrie-Tests trägt daher der für das Kind
zuständige Krankenversicherer. (JPB)Prophylaktisches
Einfrieren von
SpermienAufgrund eines Notenwechsels von 1938/
39 zwischen der Schweiz und dem Fürstentum Liechtenstein können sich Schweizer
Versicherte, die im Grenzraum Liechtenstein
wohnen (insbesondere Kantone St. Gallen und Graubünden), im Rahmen des «kleinen Grenzverkehrs» bei einem liechtensteinischen Arzt zu Lasten der OKP ambulant
behandeln lassen (stationäre Behandlungen
sind von der Vereinbarung ausgenommen).
Der Notenwechsel hat den Charakter eines
(bilateralen) Abkommens zwischen den beiden Staaten und gilt nur für Grenzärzte, die
nach der schweizerischen bzw. liechtensteinischen Gesetzgebung im anderen Staat zugelassen sind. Alle anderen Leistungserbringer (Physiotherapeuten, Ergotherapeutenusw.) sind von dieser Regelung ausgenommen.
Die anwendbaren Tarife richten sich nach
den gesetzlichen oder vertraglichen Tarifen
des Behandlungsortes.
Für Behandlungen in Liechtenstein ist der
Versicherte Honorarschuldner (tiers garant).
Da in diesen Fällen nicht die Bestimmungen des EFTA-Abkommens zwischen der
Schweiz und Liechtenstein gelten (zwischenstaatliche Leistungsaushilfe), sondern es sich
viel mehr um die Ausdehnung der schweizerischen Krankenversicherung auf liechtensteinische Leistungen im Rahmen des «kleinen Grenzverkehrs» handelt, richtet sich die
Kostenbeteiligung nach der schweizerischen
Gesetzgebung. (JPB)Foto: PrismaLeistungspflicht schweizerischer
Krankenversicherer bei Behandlungen in
LiechtensteinDas prophylaktische Einfrieren von Spermien wird, ebenso wie der Entscheid, sich
unterbinden zu lassen, als Teil der eigenen
Lebenshaltung verstanden. Es handelt sich
hier nicht um die Behandlung einer Krankheit, sondern um die Wahrung einer Eigenschaft. Deshalb stellt diese Leistung keine
Leistungspflicht im Sinne des KVG dar. Da
hier eine präventive Massnahme vorliegt,
müsste eine aktive Aufnahme in Art. 12 KLV
(Massnahmen der Prävention = Positivliste)
über die Eidg. Leistungskommission durch
das EDI gemacht werden. (mk)service
Buchtipp: Professioneller
Umgang mit JournalistenÄrzte und Medien, Karin Müller,
160 Seiten, Fr. 44.80,
ISBN 3-280-05073-1Die Aktion nomig hat die bisher
grösste Umfrage bei MigräneKranken in der Schweiz durchgeführt. Das Migräne-Barometer
untersuchte das Befinden von2000 Betroffenen heute und vor
zehn Jahren. 42 Fragen erfassten
den Einfluss der Krankheit auf
das Privatleben und die Arbeit.
Ein besonderes Augenmerk galt
der Zufriedenheit der Patienten
mit Medikamenten oder alternativen Therapien.
Auf das Gemüt schlägt die
Krankheit fast allen, nämlich
97 Prozent der am Migräne-Barometer beteiligten Migränikerinnen und Migränikern. 64 Prozent sehen sich gar ziemlich
stark bis stark belastet. Und das
Ausmass der eingesetzten Therapien ist immens: 155 verschiedene Medikamente und 133 Me-thoden aus dem komplementärmedizinischen Bereich kommen
zur Anwendung. Positiv fällt
auf, dass Betroffene heute mehr
Hilfe und Verständnis in ihrem
Umfeld finden als noch vor zehn
Aufgrund der Auswertung sind
verschiedene Publikationen entstanden, die ab sofort erhältlich sind. Im Herbst folgt das
erste Kompendium für Migräniker über komplementärmedizinische Therapien. Sein Pendant
zum Thema Medikamente erscheint voraussichtlich anfangs
2005. (PD)
Internet: www.nomig.chKampagne des Aargauischen Ärzteverbandes gegen die massiv steigenden MedikamentenkostenMedikamentenkosten – wie weiter?
In den letzten Jahren sind im Gesundheitswesen die Medikamentenkosten übermässig stark gestiegen.
Der Aargauische Ärzteverband
lanciert nun eine Kampagne, um
gemeinsam mit Patientinnen und
Patienten bei den Medikamentenkosten zu sparen. In den kommenden Monaten werden in den
Wartezimmern der Aargauer Ärztinnen und Ärzte Informationen
in Form von Plakaten und Bro-schüren aufliegen, um auf einen
bewussteren Umgang mit Medikamenten hinzuweisen. Hier einige Tipps bzw. Überlegungen,
bevor und wenn man sich ein
Medikament verschreiben lässt:
•	Braucht es ein Medikament
oder genügt ein «Hausmittel»?
•	Habe ich noch gleichwirkende
Medikamente in meiner Hausapotheke?
•	Gibt es gleichwirkende Generika?•	Ist der Weg über die Versandapotheke ohne Beratungs- und Patiententaxe sinnvoll? Dadurch können Medikamente, die über Jahre
eingenommen werden und in der
Regel teuer sind, um 10 bis 15 %
günstiger abgegeben werden.
Hier handelt es sich vor allem um
Medikamente gegen hohen Blutdruck, gegen Herzkrankheiten,
um Cholesterinsenker und Medikamente gegen Lungenkrankheiten. (PD)Stop AidsIm Zweifelsfall «en Gummi drum»
Das einzige wirksame Mittel beim
sexuellen Risikokontakt ist und
bleibt das Präservativ. Wissenschaftliche Studien belegen eindeutig, dass der Schutz durch das
Präservativ die Ansteckung von
HIV und anderen sexuell übertragbaren Krankheiten verhindert. Aus diesem Grund eröffnen
Liebesspiele mit einem Präservativ, bildlich dargestellt, die StopAids Kampagne 2004. Die neuen
Plakate, die in Zusammenarbeit
mit der Aids-Hilfe Schweiz (AHS)
entstanden sind, übermitteln ihre
Botschaft unverblümt und ohne
Umschweife. Die schwarzen Botschaften auf gelbem Grund sollen die Öffentlichkeit und im besonderen die Kunden des SexGewerbes an die Praxis des «safer
sex» erinnern. (PD)Foto: PrismaSeit mehreren Jahren ist das
Verhältnis zwischen Medienschaffenden und Ärzten gespannt. Die Ärzte sind daran nicht ganz unschuldig: Sie
wähnen sich in einer falschen
Sicherheit und Unantastbarkeit.
Die Kommunikationsberaterin Karin Müller hilft mit ihrem Fachbuch, Misstrauen abzubauen und legt eine gesunde
Basis für eine professionelle
Medienarbeit. Aktive Information, Rechte und Pflichten von
Journalisten, Sinn und Unsinn
einer Pressekonferenz, der medienwirksame Auftritt im Fernsehen gehören genauso zum
Inhalt wie die Rechtslage zum
Thema Arztgeheimnis oder
Tipps, wie eine Krise gemeistert werden kann. (PD)Enorme Belastung für das Gemüt
Foto: PrismaÄrzte und
MedienMigräneHochschulstudienzyklus
Anerkannte, praxisbezogene Weiterbildung mit modularem Aufbau
fĂźr individuelle BildungswĂźnsche:T:
W:041â&#x20AC;&#x201D;228â&#x20AC;&#x201D;41â&#x20AC;&#x201D;50
041â&#x20AC;&#x201D;228â&#x20AC;&#x201D;41â&#x20AC;&#x201D;51
ibr@hsw.fhz.ch
www.ibr-luzern.châ&#x20AC;&#x201C; Executive Master of Social Insurance Management
(Nachdiplomstudium)
â&#x20AC;&#x201C; Nachdiplomkurs
â&#x20AC;&#x201C; ErgĂ¤nzungsstudium
Beginn: 7. Januar 2005
Anmeldung bis 20. November 2004Informationsveranstaltungen
â&#x20AC;&#x201C; Mittwoch, 16. Juni 2004
â&#x20AC;&#x201C; Donnerstag, 26. August 2004
â&#x20AC;&#x201C; Dienstag, 21. September 2004
Jeweils 18.15 bis 19.15 Uhr an der Hochschule fĂźr Wirtschaft HSW Luzern,
Zentralstrasse 9, 6002 Luzern	
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Schweiz 2004â&#x20AC;&#x2030;â&#x20AC;&#x201C;â&#x20AC;&#x2030;2006
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