Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Gericht=BFH&Datum=05.06.1985&Aktenzeichen=VII%20R%2057/82
Timestamp: 2019-11-15 20:05:48
Document Index: 165465509

Matched Legal Cases: ['§ 71', '§ 191', '§ 219', '§ 21', '§ 15', '§ 69', '§ 69', '§ 71', '§ 139', '§ 69', '§ 370', '§ 91']

BFH, 05.06.1985 - VII R 57/82 - dejure.org
https://dejure.org/1985,549
BFH, 05.06.1985 - VII R 57/82 (https://dejure.org/1985,549)
BFH, Entscheidung vom 05.06.1985 - VII R 57/82 (https://dejure.org/1985,549)
BFH, Entscheidung vom 05. Juni 1985 - VII R 57/82 (https://dejure.org/1985,549)
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AO 1977 § 71, § 191 Abs. 1, § 219; UStG 1973 § 21 Abs. 2, § 15 Abs. 1 Nr. 2
Ermessensfehler - Steuerhinterziehung - Einfuhrumsatzsteuer - Inanspruchnahme - Vorsteuer
BFHE 144, 290
BB 1985, 2226
BStBl II 1985, 688
Hat jemand als Täter oder Teilnehmer eine vorsätzliche Steuerstraftat begangen, so ist es im Regelfall billig und gerecht, wenn ihn die Finanzbehörde für den Steuerschaden in Anspruch nimmt, sie würde vielmehr ermessensfehlerhaft handeln, wenn sie den Betreffenden von der Inanspruchnahme freistellte; einer besonderen Begründung für die Ermessensausübung bedarf es in diesen Fällen nicht (Senatsentscheidungen vom 5. Juni 1985 VII R 57/82, BFHE 144, 290, BStBl II 1985, 688;… vom 27. Mai 1986 VII S 5/86, BFH/NV 1987, 10;… in BFH/NV 1988, 692).
Andererseits ist in der Rechtsprechung des BFH bisher nicht eindeutig geklärt, ob und in welchem Umfang bei der Haftung nach § 69 AO 1977 hypothetische Geschehensabläufe Berücksichtigung finden können (vgl. Senatsentscheidungen vom 5. Juni 1985 VII R 57/82, BFHE 144, 290, BStBl II 1985, 688, und in BFHE 164, 203, BStBl II 1991, 678, sowie Urteil des Sächsischen FG vom 24. Mai 2005 1 K 2361/04, FG-Report 2005, 59).
Sofern sich die Antragstellerin, wie das FA in seinem Haftungsbescheid zunächst angenommen hat, als Mittäterin an der von H. begangenen Steuerhinterziehung beteiligt haben sollte, ist das Ermessen des FA allerdings nach der Rechtsprechung des Senats dahin vorgeprägt, daß die Antragstellerin angesichts der Uneinbringlichkeit der Steuerschuld der GmbH in Anspruch genommen werden muß (Urteile vom 12. April 1983 VII R 3/80, BFHE 138, 157, 161; vom 5. Juni 1985 VII R 57/82, BFHE 144, 290, BStBl II 1985, 688, 689, …und vom 26. Februar 1991 VII R 3/90, BFH/NV 1991, 504).
Die Inanspruchnahme als Haftender für Einfuhrumsatzsteuer nach § 69 AO 1977 ist nicht schon deswegen fehlerhaft, weil die Steuer im Fall ihrer Entrichtung von der steuerpflichtigen Gesellschaft als Vorsteuer abgezogen werden kann (Anschluß an BFH-Urteil vom 5. Juni 1985 VII R 57/82, BFHE 144, 290, BStBl II 1985, 688).
Entsprechend hat der Senat mit Urteil vom 5. Juni 1985 VII R 57/82 (BFHE 144, 290, 293, BStBl II 1985, 688) im Anschluß an das Urteil des V. Senats des BFH vom 7. Juli 1983 V R 197/81 (BFHE 139, 310, 312, BStBl II 1984, 70, 71) in einem vergleichbaren Fall entschieden und inzwischen mehrfach bestätigt (…vgl. zuletzt Beschluß vom 2. September 1986 VII B 52/86, BFH/NV 1987, 172).
Denn es steht nicht in ihrem Belieben zu entscheiden, ob sie die Steuer als Einfuhrumsatzsteuer oder als Umsatzsteuer im engeren Sinne (innere Umsatzsteuer) entrichten möchte (vgl. BFHE 144, 290, 294, BStBl II 1985, 688).
Aufl., § 71 Rdnr. 6 m. w. N.; anders noch BFH-Urteil vom 5. Juni 1985 VII R 57/82, BFHE 144, 290, BStBl II 1985, 688).
Das Recht zur Gegenrüge ist dem Revisionsbeklagten nur insoweit zuzuerkennen, als er es nicht schon in der Tatsacheninstanz hätte ausüben können und müssen (Bundesfinanzhof BFHE 123, 20, 23; 144, 290, 292;… Pietzner in: Schoch/Schmidt-Aßmann/Pietzner, aaO, § 139 RdNr 68, mwN).
In der Rechtsprechung des BFH ist bisher nicht eindeutig geklärt, ob und in welchem Umfang bei der Haftung nach § 69 AO 1977 hypothetische Geschehensabläufe Berücksichtigung finden können (vgl. Senatsentscheidungen vom 5. Juni 1985 VII R 57/82, BFHE 144, 290, BStBl II 1985, 688, und in BFHE 164, 203, BStBl II 1991, 678, sowie Urteil des Sächsischen FG vom 24. Mai 2005 1 K 2361/04, EFG 2005, 1238).
Insbesondere hat der Senat es im Regelfall für billig und gerecht gehalten, wenn das FA den Steuerhinterzieher als Haftenden in Anspruch nimmt (vgl. Urteile vom 12. April 1983 VII R 3/80, BFHE 138, 157, 161, vom 5. Juni 1985 VII R 57/82, BFHE 144, 290, BStBl II 1985, 688, 689).
Vorteile können sich erst daraus ergeben, daß die entrichtete Einfuhrumsatzsteuer im Rahmen des Vorsteuerabzugs bei der Anmeldung der inneren Umsatzsteuer geltend gemacht werden kann; nur in diesem Zusammenhang können sich also mögliche Vorsteuerabzüge als "andere Gründe" i. S. des § 370 Abs. 4 Satz 3 AO 1977 darstellen (vgl. auch Senatsurteil vom 5. Juni 1985 VII R 57/82, BFHE 144, 290, 292, BStBl II 1985, 688).
Es wäre geradezu ermessensfehlerhaft, den Hinterzieher, dessen Inanspruchnahme nach §§ 91 Abs. 5 Satz 2, 219 Satz 2 AO nicht von einem vorherigen - erfolglosen - Vollstreckungsversuch gegen den Schuldner abhängt, von der Haftung freizustellen (vgl. BFH-Urteil vom 05.06.1985, VII R 57/82, BFHE 144, 290, BStBl II 1985, 688 ).
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