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Timestamp: 2018-11-20 21:27:04
Document Index: 75068572

Matched Legal Cases: ['EuG', 'Art. 123', 'Art. 127', 'EuG', 'EuG', 'EuG', 'EuG', 'Art. 267', 'Art. 119', 'Art. 123', 'EuG', 'EuG', 'EuG', 'Art. 267', 'EuG', 'EuG', 'EuG', 'EuG', 'Art. 3', 'Art. 282', 'Art. 127', 'Art. 130', 'EuG', 'EuG', 'Art. 127', 'EuG', 'Art. 119', 'EuG', 'EuG', 'EuG', 'Art. 119', 'EuG', 'Art. 18', 'EuG', 'Art. 123', 'Art. 123', 'Art. 123', 'Art. 18', 'EuG', 'Art. 123', 'EuG', 'Art. 123', 'EuG', 'Art. 123', 'EuG', 'Art. 119', 'Art. 267', 'Art. 119', 'Art. 3', 'Art. 282', 'Art. 282', 'Art. 127', 'Art. 130', 'Art. 5', 'Art. 127', 'Art. 282', 'Art. 3', 'Art. 119', 'Art. 127', 'Art. 18', 'Art. 119', 'Art. 127', 'Art. 5', 'Art. 123', 'Art. 18', 'Art. 123', 'Art. 123', 'Art. 104', 'Art. 101', 'Art. 123', 'Art. 123', 'Art. 123', 'Art. 123', 'Art. 123', 'EuG', 'EuG', 'EuG', 'EuG']

02/2015 Der OMT-Beschluss - PDF
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Kasimir Buchholz
1 02/2015 Der OMT-Beschluss EuGH, Rs. C-62/14 (Gauweiler u.a.), Urteil des Gerichtshofs vom 16. Juni 2015 aufbereitet von Clara Morgeneyer Das Wichtigste: Die Beschlüsse des Rates der Europäischen Zentralbank zum Ankauf von Staatsanleihen auf dem Sekundärmarkt sind von den Befugnissen der EZB umfasst und verstoßen nicht gegen das Verbot der monetären Staatsfinanzierung aus Art. 123 AEUV. Sie sind als Teil der Währungspolitik der Europäischen Zentralbank einzustufen und dienen vorrangig dem Ziel der Erhaltung der Preisstabilität gemäß Art. 127 Abs. 1 S. 1 AEUV. 1. Vorbemerkungen Nachdem sich der EuGH im Urteil Pringle (Fuchs, DeLuxe 05/2012, Pringle) zur Vereinbarkeit des Europäischen Stabilitätsmechanismus (ESM) mit dem Europarecht äußern konnte, hatte er in der vorliegenden Rechtssache erneut Gelegenheit ein Instrumentarium der Europäischen Zentralbank (EZB) zur Rettung krisengeschüttelter Staaten zu bewerten. Dabei liegt besonderes Augenmerk auf der Kompetenzverteilung zwischen der EZB und den Mitgliedstaaten der Europäischen Union. Auch rücken die Wirtschafts- und Finanzverfassung der EU in den Blickpunkt. Besondere Brisanz erhält das Urteil darüber hinaus deshalb, weil es sich um die erste Vorlagefrage des BVerfG an den EuGH handelt. Obwohl dieser Schritt den jahrelangen Kampf um die Kompetenzkontrolle hätte beenden können, behält sich das BVerfG vor, die Antwort des EuGH im Rahmen einer Ultravires-Kontrolle zu überprüfen. Die sogenannten OMT-Beschlüsse (kurz für: Outright Monetary Transactions), welche vom Rat der EZB im Rahmen einer Pressekonferenz am 6. September 2012 vorgestellt wurden, legen verschiedene Merkmale der geldpolitischen Outright-Geschäfte fest. Intention war es, den Ankauf von Staatsanleihen durch die EZB auf dem Sekundärmarkt zu regeln und insbesondere an die Voraussetzungen von EFSF und ESM zu knüpfen. Staaten finanzieren sich neben den Einkünften durch Steuern durch Staatsanleihen, indem sie sich am Kapitalmarkt Geld gegen einen bestimmten Zinssatz leihen. Dieser Zinssatz stellt eine wichtige Kennzahl dar, die das Vertrauen der Investoren in die Zahlungsfähigkeit des Staates widerspiegelt. Schwindet dieses und steigen die Zinsen über einen bestimmten Grenzwert, bekommen die Staaten Liquiditätsprobleme und können sich nicht refinanzieren. Das OMT-Programm, das einen Ankauf der Staatsanleihen durch die EZB vorsieht, sollte der vermeintlich unberechtigten Zinssteigerung einzelner Staatsanleihen entgegenwirken. Dieses Ziel des EZB-Rates wurde auch erreicht, denn bereits die Pressemitteilung bewirkte die Beruhigung der Märkte, das Programm selbst wurde allerdings bis heute nicht aktiviert.
2 Die Kläger des Ausgangsverfahrens sehen diese Praxis nicht vom Mandat der EZB gedeckt und so legt das BVerfG dem EuGH im Rahmen eines Vorabentscheidungsverfahrens gem. Art. 267 AEUV zwei ausführlich formulierte Fragen vor. Es unterstellt dabei, dass der OMT-Beschluss nicht von den Kompetenzen der EZB aus Art. 119, 127 AEUV umfasst ist, und dass er gegen das Verbot der monetären Staatsfinanzierung aus Art. 123 AEUV verstößt. Die Richterin Lübbe-Wolf und der Richter Gerhardt, welche mittlerweile aus dem zweiten Senat ausgeschieden sind, gaben Sondervoten ab. Zulässigkeit der Vorlagefragen des BVerfG Bereits in der Prüfung der Zulässigkeit greift der EuGH die Vorbehalte des BVerfG auf, wonach dieses die angeforderte Beantwortung der Vorlagefragen in einem zweiten Schritt der eigens entwickelten Ultra-vires- und Identitätskontrolle unterziehen möchte. Indem sich das BVerfG die Überprüfung der Auslegung der fraglichen Artikel des AEUV durch den EuGH vorbehält, stellt es nicht nur die Entscheidungshoheit des EuGH über das Europarecht, sondern auch die Funktion des Vorabentscheidungsverfahren gem. Art. 267 AEUV, das diese Hoheit sichern soll, in Frage. Die Auslegung des Rechts der Europäischen Union obliegt dem EuGH und dieser Grundsatz beugt der Rechtszersplitterung vor, die durch die unterschiedliche Auslegung in 28 Mitgliedstaaten drohen würde. Während der Generalanwalt Villalón verstärkt auf die Absichten des BVerfG eingeht und an den Grundsatz der loyalen Zusammenarbeit appelliert (Schlussanträge, Rn. 64), stufen andere am Verfahren beteiligte Mitgliedstaaten die Vorlagefrage bereits als unzulässig ein, da das BVerfG die bindende Auslegung des EuGH nicht anerkenne (Rn. 11). Entgegen dem Vorschlag des GA geht der EuGH nicht näher auf den Anspruch auf Letztentscheidung des BVerfG ein, sondern weist es auf die Bindung an seine Auslegung hin und bewertet die Vorlagefragen als zulässig (Rn. 16). Mit dieser denkbar knappen Reaktion auf die Bedenken des BVerfG lässt er den Streit um das letzte Wort nicht ausarten, sondern gibt vielmehr Gelegenheit, die Auseinandersetzung über die Kontrollbefugnis von ausbrechenden EU- Rechtsakten auf sich beruhen zu lassen. Weiterhin wurde an den Beschlüssen wegen ihrer vorbereitenden und nicht rechtsverbindlichen Natur als zulässiger Verfahrensgegenstand des Vorabentscheidungsersuchens gezweifelt. Allerdings verweist der EuGH auf das Ausgangsverfahren, dessen Rechtsbehelfe dadurch nicht gegenstandslos werden, und außerdem greift er auf die allgemeine Vermutung der Entscheidungserheblichkeit von Vorlagefragen zurück. Die Befugnisse der EZB Die erste Frage des BVerfG zielt darauf ab, ob der Ankauf von Staatsanleihen auf dem Sekundärmarkt, so wie im OMT-Beschluss vorgesehen, von den Befugnissen der EZB und des Europäische System der Zentralbanken (ESZB) umfasst ist. Hintergrund ist, dass die Währungs- und Geldpolitik gem. Art. 3 Abs. 1 lit. c AEUV der ausschließlichen Zuständigkeit der Europäischen Union unterliegt - jedenfalls für Staaten der Eurozone - die Wirtschaftspolitik aber weiterhin nationale Kompetenz ist. Die Währungspolitik der Union wird von der EZB als eigenes Organ der EU und in Verbindung mit den Zentralbanken der Mitgliedstaaten als ESZB gem. Art. 282 Abs. 1 AEUV betrieben. Auch gem. Art. 127 Abs. 2, erster Spiegelstrich AEUV ist die Ausführung der Geldpolitik eine grundlegende Aufgabe des ESZB. Diese Aufgaben haben ESZB und EZB nach Art. 130 AEUV in unabhängiger Art und Weise durchzuführen, was dem EuGH zufolge aber nicht bedeutet, dass sie keiner gerichtlichen Kontrolle unterliegen (Rn. 40f.) Um einen von den Zuständigkeiten der Union umfassten Beschluss handelt es sich also nur dann, wenn das OMT- Programm ein Mittel der Währungspolitik ist. Allerdings enthält der AEU-Vertrag keine genaue Definition des Begriffes Währungspolitik. Bereits in der Rechtssache Pringle legte der EuGH daher fest, dass die Abgrenzung zwischen Währungs- oder der Wirtschaftspolitik 2
3 nach dem Ziel und nach den Mitteln einer Maßnahme erfolgen soll. Das zweite Kapitel im Titel VIII des AEUV, das mit Währungspolitik überschrieben ist, sieht in Art. 127 Abs. 1 S. 1 AEUV vor, dass das vorrangige Ziel des ESZB die Gewährleistung der Preisstabilität ist. Folglich müssten die im OMT-Beschluss geplanten Käufe dem Ziel der Preisstabilität in der EU dienen, damit sie der Währungspolitik zugeordnet werden können. Die Pressemitteilung zum OMT-Beschluss verortet die Ziele in der ordnungsgemäßen geldpolitischen Transmission und der Einheitlichkeit der Geldpolitik. Der EuGH ordnet die Ziele als währungspolitisch ein, denn auch Art. 119 Abs. 2 AEUV, der die Grundsätze der Wirtschafts-und Währungspolitik beschreibt, fordert Einheitlichkeit in der Geldpolitik. Auch die Gewährleistung ordnungsgemäßer Transmissionsmechanismen dient dem Ziel der Preisstabilität. Denn werden die vom ESZB auf dem Geldmarkt ausgesendeten Impulse gestört, kann das die Entscheidungen des ESZB in Teilen des Eurogebietes ins Leere gehen lassen und so die Einheitlichkeit der Geldpolitik beeinträchtigen. Dass der Beschluss möglicherweise auch dazu geeignet ist, das Euro-Währungsgebiet zu stabilisieren - was laut der Aussage des EuGH in der Rechtssache Pringle Teil der Wirtschaftspolitik ist - hält der EuGH für eine nur mittelbare Auswirkung und deshalb bei der Kompetenzabgrenzung für unerheblich (Rn. 51). Das BVerfG greift weiterhin die einzelnen Merkmale des OMT-Programmes auf, insbesondere die selektive Auswahl der zu erwerbenden Staatsanleihen von nur einzelnen Mitgliedstaaten (Selektivität) und die Parallelität zu ESM und EFSF, dessen Bedingungen für den Kauf von Staatsanleihen erfüllt sein müssen und subsumiert den Beschluss daher als eine wirtschaftspolitische Maßnahme. Der EuGH gibt zu, dass diese Merkmale im gewissen Maße zu einer Erreichung wirtschaftspolitischer Ziele führen können, aber er stuft auch diese als nur mittelbare Auswirkungen ein, und weist darauf hin, dass es auch Aufgabe des ESZB ist, die Wirtschaftspolitik der Union zu unterstützen, Art. 119 Abs. 2, 127 Abs. 1 und 282 Abs. 2 AEUV. Insbesondere würden die Voraussetzungen von ESM und EFSF nicht durch das OMT-Programm umgangen, da es gerade an diese geknüpft werde. Schließlich ist auch das Mittel, der Ankauf von Staatsanleihen auf dem Sekundärmarkt, von den Befugnissen der EZB umfasst. Der EuGH verweist auf die primärrechtliche Vorschrift des Art. 18 Abs. 1 des Protokolls über das ESZB und die EZB, der den An- und Verkauf von börsengängigen Wertpapieren erlaubt. Zuletzt schließt der EuGH eine Verhältnismäßigkeitsprüfung an, in der er dem ESZB aufgrund der Komplexität des Programmes ein weites Ermessen einräumt und seinen Prüfungsmaßstab auf die Kontrolle der verfahrensrechtlichen Garantien beschränkt. Er betrachtet die Maßnahme im Ergebnis als geeignet und erforderlich. Das Verbot der monetären Staatsfinanzierung gem. Art. 123 AEUV Ferner fragt das BVerfG nach der Vereinbarkeit des OMT-Beschlusses mit dem Verbot der monetären Staatsfinanzierung aus Art. 123 AEUV. Dieses untersagt dem ESZB jegliche finanzielle Unterstützung der Mitgliedstaaten. Ziel des Art. 123 AEUV ist es, die Mitgliedstaaten zu einer gesunden Haushaltspolitik ohne übermäßige Verschuldung anzuhalten. Demgegenüber steht die ausdrückliche Ermächtigung aus Art. 18 des Protokolls über das ESZB und die EZB, Staatsanleihen zu kaufen und zu verkaufen. Diesbezüglich stellt der EuGH klar, dass diese Ermächtigung keine Umgehung des Art. 123 AEUV darstellen darf, indem der Kauf auf dem Sekundärmarkt beispielsweise wie ein Direktkauf wirkt und die Wirksamkeit des Verbotes der monetären Staatsfinanzierung so unterläuft (Rn. 97). Der EuGH nimmt die Anregungen des GA auf und legt fest, dass der Ankauf von Staatsanleihen mit einer Reihe von Garantien versehen werden muss, damit das Programm mit dem Verbot des Art. 123 AEUV in Einklang steht 3
4 und der Erwerb von Staatsanleihen auf dem Sekundärmarkt nicht den gleichen Effekt hat wie ein unmittelbarer Erwerb. Dazu gehört z.b. eine Mindestfrist zwischen der Ausgabe eines Schuldtitels und dessen Kauf auf dem Sekundärmarkt (Rn. 106). Weiterhin dürfen keine Ankündigungen über den Erwerb der Staatsanleihen oder deren Volumen getätigt werden, um ungewünschten Marktreaktionen vorzubeugen. Schließlich bestätigt der EuGH, dass das OMT-Programm bereits über ausreichend Garantien, wie den Ankauf von Staatsanleihen in nur beschränktem Umfang und Volumen, verfügt, sodass trotz des Anleihenerwerbs der Anreiz eine nachhaltige Haushaltspolitik zu führen, nicht gestört wird, weshalb der OMT-Beschluss auch nicht gegen Art. 123 AEUV verstößt. Bedeutung des Urteils und Ausblick Abzuwarten bleibt nun, wie das BVerfG auf die Beantwortung seiner Vorlagefragen reagiert. Vor dem Hintergrund der weiterhin angespannten Lage - insbesondere in Griechenland ist aber zu vermuten, dass das BVerfG die Auslegung des EuGH mittragen wird, um die Situation nicht noch weiter zu verschärfen. Der Prüfungsmaßstab der Ultra-vires-Kontrolle, der in der Honeywell-Entscheidung des BVerfG angehoben wurde, lässt dafür ausreichend Spielraum, denn es müsste ein hinreichend qualifizierter Kompetenzverstoß vorliegen, d.h. das kompetenzwidrige Handeln muss offensichtlich sein und es muss zu einer strukturell bedeutsamen Verschiebung zulasten der Mitgliedstaaten kommen. Zitiervorschlag: Morgeneyer, DeLuxe 2015, OMT-Beschluss abrufbar unter: 2. Vertiefende Lesehinweise Gött, EuR 2014, 514 Ludwigs, NVwZ 2015, 537 Mayer, NJW 2015, 1999 und EuR 2014, 473 Ruffert, JuS 2015, Sachverhalt Im Rahmen der Bekämpfung der Schuldenkrise in Europa erlässt die EZB am 06. September 2012 einen Beschluss, wonach sie plant, Staatsanleihen verschuldeter Staaten auf dem Sekundärmarkt zu erwerben. Die Beschwerdeführer der Verfassungsbeschwerden und die Antragsteller des Organstreitverfahrens wenden sich vor dem BVerfG gegen die Mitwirkung der Deutschen Bundesbank als Teil des ESZB an den OMT-Beschlüssen sowie gegen das Untätigbleiben von Bundesregierung und Bundestag. Ob diese Praxis gegen die Kompetenzen der Europäischen Zentralbank und das Primärrecht, insbesondere gegen Art. 119, 123, 127 AEUV verstößt, möchte das BVerfG in seiner ersten Vorlage vom Europäischen Gerichtshof erfahren. Das BVerfG ordnet die Maßnahme zur Rettung der Staaten der Eurozone als wirtschaftspolitisches Handeln ein, und vermutet so eine Kompetenzüberschreitung durch die EZB, die grundsätzlich nur die Befugnis zur Währungspolitik hat und deren Aufgabe die Wahrung der Preisstabilität ist. 4. Aus den Entscheidungsgründen 11 Die italienische Regierung trägt vor, das vorliegende Vorabentscheidungsersuchen könne vom Gerichtshof nicht geprüft werden, weil das vorlegende Gericht der Antwort des Gerichtshofs auf dieses Ersuchen nicht den Wert einer endgültigen und bindenden Auslegung zuerkenne. Das vorlegende Gericht behalte sich nämlich die Befugnis vor, letztgültig darüber zu befinden, ob 4
5 die streitigen Beschlüsse im Licht der Voraussetzungen und Grenzen, die sich aus dem deutschen Grundgesetz ergäben, gültig seien. 12 Insoweit ist zwar darauf hinzuweisen, dass sich der Gerichtshof im Urteil Kleinwort Benson (C-346/93, EU:C:1995:85) für die Entscheidung für unzuständig erklärt hat, wenn das vorlegende Gericht nicht an die Auslegung des Gerichtshofs gebunden ist. Denn der Gerichtshof ist nicht dafür zuständig, im Vorabentscheidungsverfahren Antworten zu geben, die eine bloß beratende Bedeutung haben (vgl. in diesem Sinne Kleinwort Benson, C-346/93, EU:C:1995:85, Rn. 23 und 24). 13 Jedoch war die Auslegung des Unionsrechts in jener Rechtssache nicht geboten, weil der Gerichtshof dort von dem vorlegenden Gericht für dessen Entscheidung über die Anwendung des nationalen Rechts um die Auslegung eines mit dem Unionsrecht in Zusammenhang stehenden Rechtsakts in einem Fall ersucht worden war, in dem das nationale Recht keine unmittelbare und unbedingte Verweisung auf das Unionsrecht enthielt, sondern sich darauf beschränkte, einen dem Unionsrecht unterliegenden Rechtsakt als Muster heranzuziehen, und dessen Wortlaut nur teilweise wiedergab (vgl. in diesem Sinne Urteile Confederación Española de Empresarios de Estaciones de Servicio, C-217/05, EU:C:2006:784, Rn. 21, und Les Vergers du Vieux Tauves, C-48/07, EU:C:2008:758, Rn. 24). 14 Es ist indessen festzustellen, dass sich die Umstände, die der vorliegenden Rechtssache zugrunde liegen, eindeutig von denen unterscheiden, die im Urteil Kleinwort Benson (C-346/93, EU:C:1995:85) in Frage standen, da das Vorabentscheidungsersuchen hier unmittelbar die Auslegung und Anwendung des Unionsrechts zum Gegenstand hat, was bedeutet, dass das vorliegende Urteil konkrete Konsequenzen für die Entscheidung in den Ausgangsverfahren hat. 15 Insoweit ist daran zu erinnern, dass Art. 267 AEUV nach ständiger Rechtsprechung des Gerichtshofs ein Verfahren des unmittelbaren Zusammenwirkens des Gerichtshofs und der Gerichte der Mitgliedstaaten vorsieht (vgl. u. a. Urteile SAT Fluggesellschaft, C-364/92, EU:C:1994:7, Rn. 9, und ATB u. a., C-402/98, EU:C:2000:366, Rn. 29). Im Rahmen dieses Verfahrens, das auf einer klaren Aufgabentrennung zwischen den nationalen Gerichten und dem Gerichtshof beruht, fällt jede Beurteilung des Sachverhalts in die Zuständigkeit des nationalen Gerichts, das im Hinblick auf die Besonderheiten der Rechtssache sowohl die Erforderlichkeit einer Vorabentscheidung für den Erlass seines Urteils als auch die Erheblichkeit der dem Gerichtshof vorzulegenden Fragen zu beurteilen hat (vgl. in diesem Sinne u. a. Urteile WWF u. a., C-435/97, EU:C:1999:418, Rn. 31, und Lucchini, C-119/05, EU:C:2007:434, Rn. 43), während der Gerichtshof nur befugt ist, sich auf der Grundlage des ihm vom nationalen Gericht unterbreiteten Sachverhalts zur Auslegung oder zur Gültigkeit einer Unionsvorschrift zu äußern (Urteil Eckelkamp u. a., C-11/07, EU:C:2008:489, Rn. 52). 16 Es ist ferner darauf hinzuweisen, dass ein Urteil des Gerichtshofs im Vorabentscheidungsverfahren nach dessen ständiger Rechtsprechung das nationale Gericht hinsichtlich der Auslegung oder der Gültigkeit der fraglichen Handlungen der Unionsorgane bei der Entscheidung über den Ausgangsrechtsstreit bindet (vgl. u. a. Urteile Fazenda Pública, C-446/98, EU:C:2000:691, Rn. 49, und Elchinov, C-173/09, EU:C:2010:581, Rn. 29). 17 Daraus folgt, dass das Vorabentscheidungsersuchen des vorlegenden Gerichts zu beantworten ist. 34 Es ist zunächst darauf hinzuweisen, dass nach Art. 119 Abs. 2 AEUV die Tätigkeit der Mitgliedstaaten und der Union eine einheitliche Währung, den Euro, sowie die Festlegung und Durchführung einer einheitlichen Geld- und Wechselkurspolitik umfasst (Urteil Pringle, C-370/12, EU:C:2012:756, Rn. 48). 5
6 35 Was speziell die Währungspolitik betrifft, hat die Union nach Art. 3 Abs. 1 Buchst. c AEUV eine ausschließliche Zuständigkeit in diesem Bereich für die Mitgliedstaaten, deren Währung der Euro ist (vgl. in diesem Sinne Urteil Pringle, C-370/12, EU:C:2012:756, Rn. 50). 36 Nach Art. 282 Abs. 1 AEUV bilden die EZB und die Zentralbanken der Mitgliedstaaten, deren Währung der Euro ist, das Eurosystem und betreiben die Währungspolitik der Union (vgl. Urteil Pringle, C-370/12, EU:C:2012:756, Rn. 49). Nach Art. 282 Abs. 4 AEUV erlässt die EZB die für die Erfüllung ihrer Aufgaben erforderlichen Maßnahmen nach den Art. 127 AEUV bis 133 AEUV und 138 AEUV und nach Maßgabe der Satzung des ESZB und der EZB. 40 Des Weiteren ergibt sich aus Art. 130 AEUV, dass das ESZB seine Aufgabe der Festlegung und Ausführung der Währungspolitik der Union in unabhängiger Weise wahrnimmt. Aus dem Wortlaut dieses Artikels ergibt sich, dass er das ESZB und seine Beschlussorgane vor externen Einflussnahmen schützen soll, die mit der Wahrnehmung der Aufgaben in Konflikt geraten könnten, die der AEU-Vertrag und das Protokoll über das ESZB und die EZB dem ESZB übertragen. So soll dieser Artikel das ESZB im Wesentlichen vor jedem politischen Druck schützen, damit es die für seine Aufgaben gesetzten Ziele durch die unabhängige Ausübung der spezifischen Befugnisse, über die es zu diesen Zwecken nach dem Primärrecht verfügt, wirksam verfolgen kann (vgl. in diesem Sinne Kommission/EZB, C-11/00, EU:C:2003:395, Rn. 134). 41 Gemäß dem in Art. 5 Abs. 2 EUV niedergelegten Grundsatz der begrenzten Einzelermächtigung hat das ESZB innerhalb der Grenzen der Befugnisse zu handeln, die ihm das Primärrecht verleiht, und es kann daher nicht in gültiger Weise ein Programm beschließen und durchführen, das über den Bereich hinausgeht, der der Währungspolitik durch das Primärrecht zugewiesen wird. Um die Einhaltung dieses Grundsatzes zu gewährleisten, unterliegen die Handlungen des ESZB nach Maßgabe der in den Verträgen festgelegten Voraussetzungen der gerichtlichen Kontrolle durch den Gerichtshof (vgl. in diesem Sinne Urteil Kommission/EZB, C-11/00, EU:C:2003:395, Rn. 135). 42 Insoweit ist festzustellen, dass der AEU-Vertrag keine genaue Definition der Währungspolitik enthält, sondern zugleich die Ziele der Währungspolitik und die Mittel festlegt, über die das ESZB zur Ausführung dieser Politik verfügt (vgl. in diesem Sinne Urteil Pringle, C-370/12, EU:C:2012:756, Rn. 53). 43 So ist nach Art. 127 Abs. 1 AEUV und Art. 282 Abs. 2 AEUV das vorrangige Ziel der Währungspolitik der Union die Gewährleistung der Preisstabilität. Diese Bestimmungen sehen ferner vor, dass das ESZB ohne Beeinträchtigung dieses Ziels die allgemeine Wirtschaftspolitik der Union unterstützt, um zur Verwirklichung der in Art. 3 EUV definierten Ziele der Union beizutragen (vgl. in diesem Sinne Urteil Pringle, C-370/12, EU:C:2012:756, Rn. 54). 44 Das Protokoll über das ESZB und die EZB ist somit durch ein klares Mandat gekennzeichnet, mit dem vorrangig das Ziel verfolgt wird, die Preisstabilität zu gewährleisten. Die Spezifizität dieses Mandats wird durch die Verfahren zur Reform bestimmter Teile der Satzung des ESZB und der EZB noch verstärkt. 45 Was die dem ESZB durch das Primärrecht zur Verwirklichung dieser Ziele zugewiesenen Mittel angeht, ist hervorzuheben, dass das Kapitel IV des Protokolls über das ESZB und die EZB, das die währungspolitischen Aufgaben und Operationen des ESZB festlegt, die Instrumente aufführt, deren sich das ESZB im Rahmen der Währungspolitik bedienen kann. Zur Abgrenzung der Währungspolitik 46 Aus der Rechtsprechung des Gerichtshofs geht hervor, dass für die Entscheidung über die Frage, ob eine Maßnahme zur Währungspolitik gehört, 6
7 hauptsächlich auf die Ziele dieser Maßnahme abzustellen ist. Die Mittel, die die Maßnahme zur Erreichung dieser Ziele einsetzt, sind ebenfalls erheblich (vgl. in diesem Sinne Urteil Pringle, C-370/12, EU:C:2012:756, Rn. 53 und 55). 47 Was erstens die Ziele angeht, die mit einem Programm wie dem in den Ausgangsverfahren streitigen verfolgt werden, lässt sich der Pressemitteilung entnehmen, dass dieses Programm zugleich eine ordnungsgemäße geldpolitische Transmission und die Einheitlichkeit der Geldpolitik sicherstellen soll. 48 Zum einen aber trägt das Ziel, die Einheitlichkeit der Geldpolitik zu gewährleisten, zur Erreichung der Ziele dieser Politik bei, da diese nach Art. 119 Abs. 2 AEUV einheitlich sein muss. 49 Zum anderen ist das Ziel der Sicherstellung einer ordnungsgemäßen Transmission der Geldpolitik zugleich geeignet, die Einheitlichkeit dieser Politik zu gewährleisten und zu deren vorrangigem Ziel beizutragen, das in der Gewährleistung der Preisstabilität besteht. 50 Die Fähigkeit des ESZB, durch seine geldpolitischen Entscheidungen die Preisentwicklung zu beeinflussen, hängt nämlich in weitem Umfang von der Übertragung der Impulse ab, die es auf dem Geldmarkt an die verschiedenen Wirtschaftssektoren aussendet. Eine Störung des geldpolitischen Transmissionsmechanismus ist daher geeignet, die Entscheidungen des ESZB in einem Teil des Euro-Währungsgebiets ins Leere gehen zu lassen und damit die Einheitlichkeit der Geldpolitik zu beeinträchtigen. Im Übrigen wird, da eine Störung des Transmissionsmechanismus die Wirksamkeit der vom ESZB beschlossenen Maßnahmen beeinträchtigt, dadurch zwangsläufig dessen Fähigkeit beeinträchtigt, die Preisstabilität zu gewährleisten. Daher können Maßnahmen, die diesen Transmissionsmechanismus erhalten sollen, dem in Art. 127 Abs. 1 AEUV festgelegten vorrangigen Ziel zugerechnet werden. 51 Der Umstand, dass ein Programm wie das in der Pressemitteilung angekündigte möglicherweise geeignet ist, auch zur Stabilität des Euro- Währungsgebiets beizutragen, die zur Wirtschaftspolitik gehört (vgl. in diesem Sinne Urteil Pringle, C-370/12, EU:C:2012:756, Rn. 56), kann diese Beurteilung nicht in Frage stellen. 52 Eine währungspolitische Maßnahme kann nämlich nicht allein deshalb einer wirtschaftspolitischen Maßnahme gleichgestellt werden, weil sie mittelbare Auswirkungen auf die Stabilität des Euro-Währungsgebiets haben kann (vgl. entsprechend Urteil Pringle, C-370/12, EU:C:2012:756, Rn. 56). 53 Was zweitens die Mittel betrifft, die zur Erreichung der Ziele eines Programms wie des in der Pressemitteilung angekündigten eingesetzt werden sollen, steht fest, dass dessen Durchführung geldpolitische Outright-Geschäfte an den Sekundärmärkten für Staatsanleihen beinhaltet. 54 Aus Art. 18 Abs. 1 des Protokolls über das ESZB und die EZB, der zu dessen Kapitel IV gehört, geht jedoch eindeutig hervor, dass die EZB und die nationalen Zentralbanken zur Erreichung der Ziele des ESZB und zur Erfüllung seiner Aufgaben, wie sie sich aus dem Primärrecht ergeben, grundsätzlich auf den Finanzmärkten tätig werden können, indem sie auf Euro lautende börsengängige Wertpapiere endgültig kaufen und verkaufen. Folglich wird mit den Geschäften, die der EZB-Rat in der Pressemitteilung in Aussicht genommen hat, eines der geldpolitischen Instrumente genutzt, die das Primärrecht vorsieht. Zur Verhältnismäßigkeit 66 Aus Art. 119 Abs. 2 AEUV und Art. 127 Abs. 1 AEUV in Verbindung mit Art. 5 Abs. 4 EUV geht hervor, dass ein zur Währungspolitik gehörendes Programm für den Ankauf von Anleihen nur in gültiger Weise beschlossen und durchgeführt werden kann, wenn die von ihm umfassten Maßnahmen in Anbetracht der Ziele dieser Politik verhältnismäßig sind. 7
8 68 Was die gerichtliche Nachprüfung der Einhaltung dieser Voraussetzungen anbelangt, ist dem ESZB, da es bei der Ausarbeitung und Durchführung eines Programms für Offenmarktgeschäfte, wie es in der Pressemitteilung angekündigt wurde, Entscheidungen technischer Natur treffen und komplexe Prognosen und Beurteilungen vornehmen muss, in diesem Rahmen ein weites Ermessen einzuräumen (vgl. entsprechend Urteile Afton Chemical, C-343/09, EU:C:2010:419, Rn. 28, sowie Billerud Karlsborg und Billerud Skärblacka, C- 203/12, EU:C:2013:664, Rn. 35). 69 Indessen kommt in Fällen, in denen ein Unionsorgan über ein weites Ermessen verfügt, der Kontrolle der Einhaltung bestimmter verfahrensrechtlicher Garantien wesentliche Bedeutung zu. Zu diesen Garantien gehört die Verpflichtung des ESZB, sorgfältig und unparteiisch alle relevanten Gesichtspunkte des Einzelfalls zu untersuchen und seine Entscheidungen hinreichend zu begründen. 94 Aus dem Wortlaut von Art. 123 Abs. 1 AEUV geht hervor, dass diese Bestimmung der EZB und den Zentralbanken der Mitgliedstaaten verbietet, öffentlich-rechtlichen Körperschaften und Einrichtungen der Union und der Mitgliedstaaten Überziehungs- oder andere Kreditfazilitäten zu gewähren oder unmittelbar von ihnen Schuldtitel zu erwerben (vgl. Urteil Pringle, C-370/12, EU:C:2012:756, Rn. 123). 95 Folglich verbietet diese Bestimmung jede finanzielle Unterstützung des ESZB zugunsten eines Mitgliedstaats (vgl. in diesem Sinne Urteil Pringle, C- 370/12, EU:C:2012:756, Rn. 132), ohne indessen in allgemeiner Weise die für das ESZB bestehende Möglichkeit auszuschließen, von Gläubigern eines solchen Staates Schuldtitel zu erwerben, die dieser Staat zuvor ausgegeben hat. 96 So gestattet Art. 18 Abs. 1 des Protokolls über das ESZB und die EZB dem ESZB, zur Erreichung seiner Ziele und zur Erfüllung seiner Aufgaben auf den Finanzmärkten tätig zu werden, indem es u. a. börsengängige Wertpapiere, zu denen Staatsanleihen gehören, endgültig kauft und verkauft, ohne dass diese Ermächtigung an besondere Bedingungen geknüpft ist, sofern nicht der Charakter von Offenmarktgeschäften als solcher missachtet wird. 97 Gleichwohl kann das ESZB nicht rechtmäßig Staatsanleihen an den Sekundärmärkten unter Voraussetzungen erwerben, die seinem Tätigwerden in der Praxis die gleiche Wirkung wie ein unmittelbarer Erwerb von Staatsanleihen von den öffentlich-rechtlichen Körperschaften und Einrichtungen der Mitgliedstaaten verleihen, und auf diese Weise die Wirksamkeit des in Art. 123 Abs. 1 AEUV festgelegten Verbots in Frage stellen. 98 Ferner ist zur Klärung der Frage, welche Formen des Ankaufs von Staatsanleihen mit dieser Bestimmung vereinbar sind, auf den Zweck dieser Bestimmung abzustellen (vgl. entsprechend Urteil Pringle, C-370/12, EU:C:2012:756, Rn. 133). 99 Insoweit ist daran zu erinnern, dass das in Art. 123 AEUV festgelegte Verbot auf Art. 104 EG-Vertrag (später Art. 101 EG) zurückgeht, der mit dem Maastrichter Vertrag in den EG-Vertrag eingefügt wurde. 100 Aus den Vorarbeiten für den Maastrichter Vertrag ergibt sich, dass Art. 123 AEUV die Mitgliedstaaten dazu anhalten soll, eine gesunde Haushaltspolitik zu befolgen, indem vermieden wird, dass eine monetäre Finanzierung öffentlicher Defizite oder Privilegien der öffentlichen Hand auf den Finanzmärkten zu einer übermäßigen Verschuldung oder überhöhten Defiziten der Mitgliedstaaten führen (vgl. Entwurf eines Vertrags zur Änderung des Vertrages zur Gründung der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft im Hinblick auf die Errichtung einer Wirtschafts- und Währungsunion, Bulletin der Europäischen Gemeinschaften, Beilage 2/91, S. 25 und 56). 8
9 101 Daher dürfen Ankäufe an dem Sekundärmarkt nicht eingesetzt werden, um das mit Art. 123 AEUV verfolgte Ziel zu umgehen, wie im siebten Erwägungsgrund der Verordnung (EG) Nr. 3603/93 des Rates vom 13. Dezember 1993 zur Festlegung der Begriffsbestimmungen für die Anwendung der in [Art. 123 AEUV] und Art. [125 Abs. 1 AEUV] vorgesehenen Verbote (ABl. L 332, S. 1) bekräftigt worden ist. 102 Folglich muss die EZB, wie der Generalanwalt in Nr. 227 seiner Schlussanträge betont hat, wenn sie Staatsanleihen an den Sekundärmärkten erwirbt, ihr Tätigwerden mit hinreichenden Garantien versehen, um sicherzustellen, dass es mit dem in Art. 123 Abs. 1 AEUV festgelegten Verbot der monetären Finanzierung in Einklang steht. 108 Zwar bleibt trotz dieser Garantien, wie das vorlegende Gericht dargelegt hat, das Tätigwerden des ESZB geeignet, einen gewissen Einfluss auf die Funktionsweise des Primärmarkts und der Sekundärmärkte für Staatsanleihen auszuüben. Dieser Umstand ist aber nicht entscheidend, weil dieser Einfluss, wie der Generalanwalt in Nr. 259 seiner Schlussanträge ausgeführt hat, eine Wirkung ist, die den vom AEU-Vertrag erlaubten Ankäufen an den Sekundärmärkten inhärent ist. Im Übrigen ist diese Wirkung unerlässlich, um solche Ankäufe im Rahmen der Geldpolitik wirksam einsetzen zu können. 115 Als Zweites ist darauf hinzuweisen, dass ein Programm wie das in den Ausgangsverfahren fragliche mit einer Reihe von Garantien versehen ist, die seine Auswirkungen auf den Anreiz, eine gesunde Haushaltspolitik zu verfolgen, begrenzen sollen. 116 So hat die EZB dadurch, dass sie dieses Programm auf bestimmte Arten von Anleihen beschränkt hat, die nur von Mitgliedstaaten ausgegeben worden sind, die an einem strukturellen Anpassungsprogramm teilnehmen und erneut Zugang zum Anleihemarkt haben, faktisch das Volumen der Staatsanleihen beschränkt, die im Rahmen dieses Programms erworben werden können, und damit die Intensität der Auswirkungen dieses Programms auf die Finanzierungsbedingungen der Staaten des Euro-Währungsgebiets begrenzt. 121 Aus den vorstehenden Erwägungen ergibt sich, dass ein Programm wie das in der Pressemitteilung angekündigte nicht bewirkt, dass den betreffenden Mitgliedstaaten der Anreiz genommen würde, eine gesunde Haushaltspolitik zu verfolgen. Folglich verbietet es Art. 123 Abs. 1 AEUV dem ESZB nicht, ein solches Programm unter Voraussetzungen zu beschließen und durchzuführen, unter denen dem Tätigwerden des ESZB nicht die gleiche Wirkung zukommt wie dem unmittelbaren Erwerb von Staatsanleihen von den öffentlichrechtlichen Körperschaften und Einrichtungen der Mitgliedstaaten. 112 Insoweit ist als Erstes darauf hinzuweisen, dass dieses Programm den Ankauf von Staatsanleihen nur in dem Umfang vorsieht, der für die Erhaltung des geldpolitischen Transmissionsmechanismus und der Einheitlichkeit der Geldpolitik erforderlich ist, und dass die Ankäufe eingestellt werden, sobald diese Ziele erreicht sein werden. 9
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