Source: http://komnet.nrw.de/ccnxtg/frame/ccnxtg/danz?lid=DE&did=4486
Timestamp: 2016-06-28 06:00:20
Document Index: 114364097

Matched Legal Cases: ['§ 10', '§ 6', '§ 6', '§ 8', '§ 11', '§ 12', '§ 8', '§ 9', '§ 6']

KomNet Dialog 4486 : Wie ist ein leichtentzündlicher Reiniger nach GefStoffV zu bewerten? Ist eine Ermittlung der Maßnahmenstufe erforderlich?
Stichworte: Wie ist ein leichtentzündlicher Reiniger nach GefStoffV zu bewerten? Ist eine Ermittlung der Maßnahmenstufe erforderlich?
Frage: In einer Kfz-Werkstatt wird ein leichtzündlicher Reiniger (R 11) im offenen Gebrauch zum Entfetten von Kfz-Teilen eingesetzt. Weitere Gefährlichkeitsmerkmale, wie z. B. reizend, die auf toxische Gefährdungen hinweisen, sind nicht angegeben. Wie ist bei einem solchen Gefahrstoff eine Bewertung nach GefStoffV vorzunehmen?Ist eine Zuordnung zu einer Maßnahmenstufe vorzunehmen bezüglich der Brand- und Explosionsgefahr oder gilt das abgestufte Konzept wirklich nur für die toxischen Gefährdungen und wo ist dazu der Hinweis in der GefStoffV, die ja nur in den §§ 10, 11 auf die entsprechenden "toxischen" Gefährlichkeitsmerkmale verweist?Ergänzung: Ist für Tätigkeiten mit entzündlichen Flüssigkeiten, die also physkalisch-chemische Gefährdungen beim Einsatz in sich bergen, die Maßnahmenstufe (und Auswahl der entsprechenden Schutzmaßnahmen) überhaupt zu ermitteln? Oder sind für Tätigkeiten mit Gefahrstoffen, die zu physikalisch-chemischen Gefährdungen führen, "nur" die diesbezüglichen Ausführungen der GefStoffV zu beachten?
Antwort : Grundlage für Arbeitsschutzmaßnahmen bei einer Tätigkeit mit Gefahrstoffen ist die Informationsermittlung und Gefährdungsbeurteilung nach § 6 "Informationsermittlung und Gefährdungsbeurteilung" der Gefahrstoffverordnung (GefStoffV). Die mit dieser Tätigkeit verbundenen inhalativen, dermalen und physikalisch-chemischen Gefährdungen sind unabhängig voneinander zu beurteilen und in der Gefährdungsbeurteilung zusammen zu führen (§ 6 Absatz 6 der GefStoffV).
1. das gestufte Schutzmaßnahmenkonzept nach den §§ 8 bis 10 der GefStoffV für chemisch-toxische Gefahren, 2. das Maßnahmenpaket gegen physikalisch-chemische Einwirkungen - insbeondere Brand- und Explosionsgefährdungen - nach § 11 in Verbindung mit Anhang 1 Nummer 1 der GefStoffV und nach § 12 sowie
Zum geschilderten Fall: Vor der Aufnahme der Tätigkeit mit dem beschriebenen Reiniger ist im Rahmen der Gefährdungsbeurteilung zu prüfen, welche Gefährdungen von dem eingesetzten Gefahrstoff ausgehen können. Dabei sind sowohl Gesundheitsgefahren als auch physikalisch-chemische Gefährdungen zu berücksichtigen. Hinsichtlich der Gesundheitsgefahren ist auf Basis der vorliegenden Informationen (es werden nach der Fragestellung keine Tätigkeiten mit als krebserzeugenden, erbgutverändernden und fruchtbarkeitsgefährdenden Gefahrstoffen durchgeführt) zunächst zu prüfen, ob die Maßnahmen der Maßnahmenstufen 1 (§ 8) und 2 (§ 9) ausreichen um die Gesundheit und Sicherheit der Beschäftigten zu gewährleisten. Ergibt sich aus der Gefährdungsbeurteilung, dass für die Tätigkeiten mit dem Reiniger die Kriterien des o. g. § 6 Absatz 11 der GefStoffV erfüllt sind, so reichen die allgemeinen Schutzmaßnahmen aus. Die physikalisch-chemischen Gefährdungen (vornehmlich Brand- und Explosionsschutz) sind davon unabhängig zu beurteilen. Die Vorschriften der Betriebssicherheitsverordnung (BetrSichV) bleiben hiervon unberührt.
Dialognummer: 4486