Source: https://zeitzubeten.org/2013/01/28/liebe-freunde-von-kath-net/
Timestamp: 2017-08-18 23:48:56
Document Index: 322105930

Matched Legal Cases: ['§ 2', '§ 2', 'Art:\n1', 'Art. 6', 'Art. 4', 'Art. 24']

Missbrauch, Verjährungsfrist und die Vernichtung von Dokumenten | ZEIT ZU BETEN
Missbrauch, Verjährungsfrist und die Vernichtung von Dokumenten
Veröffentlicht am 28. Januar 2013 22. Februar 2013 von zeitzubeten.wordpress.com
So heißt es in diesem aktuellen Artikel zur Auftragsvergabe einer Studie durch die Deutsche Bischofskonferenz zum Thema Missbrauch:
„Pfeiffer habe es nicht interessiert, dass das kanonische Recht es verlange, dass Dokumente, die länger als zehn Jahre zurückliegen, zu vernichten seien und nur reine Tatbestandsberichte aufzubewahren seien (Can 489 § 2). Den Theologen Langendörfer interessierte das offensichtlich auch nicht, obwohl allein dieser Umstand dem Auftrag die wissenschaftliche Grundlage entzog.”
Wie es Papst Benedikt XVI. am 21. Mai 2010 in einer revidierten Fassung des Motu proprio Sacramentorum sanctitatis tutela erlassen hatte und der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Robert Zollitsch, in einem Rundschreiben vom 16.05.2011 bestätigt hat, gilt nach aktuellem kanonischen Recht hinsichtlich der Verjährungsfrist:
„Diese Vollmachten wurden in die von Papst Benedikt XVI. am 21. Mai 2010 approbierte überarbeitete Fassung des Motu proprio aufgenommen. In den neuen Normen wurde im Fall des sexuellen Missbrauchs Minderjähriger die Verjährungsfrist, die mit der Vollendung des 18. Lebensjahres des Opfers zu laufen beginnt, auf 20 Jahre festgesetzt. In besonderen Fällen kann die Glaubenskongregation gegebenenfalls von der Verjährung derogieren.“
Da die Verjährungsfrist auf zwanzig Jahre angepasst wurde und unter besonderen Umständen sogar aufgehoben wird, kann es wohl nicht sein, dass „Dokumente, die länger als zehn Jahre zurückliegen, zu vernichten seien“.
Wenn also der Can 489 § 2 nicht revidiert wurde, dann darf man die Verantwortlichen im Vatikan fragen, wie diese Bestimmung mit dem Interesse an Aufklärung und Opferschutz in Einklang zu bringen ist.
1. RUNDSCHREIBEN DER KONGREGATION FÜR DIE GLAUBENSLEHRE
2. VERLAUTBARUNG DER DBK ZUM RUNDSCHREIBEN
03.05.2011: Rundschreiben um den Bischofskonferenzen zu helfen, Leitlinien für die Behandlung von Fällen sexuellen Missbrauchs Minderjähriger durch Kleriker zu erstellen
Die Opfer sexuellen Missbrauchs
Der Schutz Minderjähriger
Die Ausbildung zukünftiger Priester und Ordensleute
Im Jahr 2002 sagte Papst Johannes Paul II.: „Im Priestertum und Ordensleben ist kein Platz für jemanden, der jungen Menschen Böses tun könnte.“ Diese Worte erinnern an die spezifische Verantwortung der Bischöfe, der höheren Oberen und derer, die für die Ausbildung der zukünftigen Priester und Ordensleute Sorge tragen. Die einschlägigen Hinweise im Nachsynodalen Apostolischen Schreiben Pastores dabo vobis sowie die Instruktionen der zuständigen Dikasterien des Heiligen Stuhls lenken in zunehmendem Maß den Blick auf die Wichtigkeit einer korrekten Berufungsklärung und einer gesunden menschlichen und spirituellen Ausbildung der Kandidaten. Dabei geht es insbesondere darum, dass die Kandidaten die Keuschheit und den Zölibat der Kleriker sowie deren Verantwortung in der geistlichen Vaterschaft wertschätzen und ihr Wissen um die diesbezügliche Ordnung der Kirche vertiefen können. Genauere Angaben können in die Ausbildungsprogramme der Seminare und der Ausbildungshäuser in jedem Land, jedem Institut des geweihten Lebens und jeder Gesellschaft des apostolischen Lebens mittels der jeweiligen Ratio institutionis sacerdotalis eingefügt werden.
Die Begleitung der Priester
Die Zusammenarbeit mit den staatlichen Behörden
Die kanonischen Maßnahmen, die gegenüber einem Kleriker Anwendung finden, der des sexuellen Missbrauchs Minderjähriger schuldig befunden wurde, sind grundsätzlich zweifacher Art:
1.) Auflagen, die die öffentliche Ausübung des geistlichen Amtes vollständig oder zumindest insoweit einschränken, dass ein Kontakt mit Minderjährigen ausgeschlossen wird. Diese Auflagen können mit einem Strafgebot (praeceptum poenale) versehen werden.
2.) Kirchliche Strafen, unter denen die schwerste die Entlassung aus dem Klerikerstand ist. In einigen Fällen kann auf Antrag des Klerikers selbst die Dispens von den Verpflichtungen des klerikalen Standes, einschließlich der Zölibatspflicht, pro bono Ecclesiae gewährt werden.
Der Gebrauch des Begriffs „sexueller Missbrauch Minderjähriger“ muss mit der Definition in Art. 6 SST („Die von einem Kleriker begangene Straftat gegen das sechste Gebot mit einem Minderjährigen unter achtzehn Jahren“) und mit der Auslegungspraxis und der Rechtsprechung der Kongregation für die Glaubenslehre übereinstimmen und auch die gesetzlichen Regelungen des jeweiligen Landes berücksichtigen.
Die Person, die eine Straftat anzeigt, muss mit Respekt behandelt werden. In den Fällen, bei denen sexueller Missbrauch mit einer Straftat gegen die Heiligkeit des Bußsakramentes (Art. 4 SST) verbunden ist, hat diese Person das Recht zu fordern, dass ihr Name nicht dem beschuldigten Priester mitgeteilt wird (Art. 24 SST).
Die kirchlichen Autoritäten sollten sich dazu verpflichten, den Opfern seelsorgerliche und psychologische Hilfe anzubieten.
Die Ermittlungen zu den Beschuldigungen sind unter gebührender Wahrung des Grundsatzes der Vertraulichkeit und des guten Rufs der beteiligten Personen durchzuführen.
Sofern nicht schwerwiegende Gründe dem entgegenstehen, sollte der beschuldigte Kleriker schon in der Phase der Voruntersuchung über die Anschuldigungen informiert werden und ihm dabei auch die Gelegenheit gegeben werden, dazu Stellung zu nehmen.
Die mancherorts vorgesehenen Beratungsorgane und -kommissionen zur Überprüfung und Bewertung einzelner Fälle dürfen nicht das Urteil und die potestas regiminis der einzelnen Bischöfe ersetzen.
Die Leitlinien müssen die staatliche Gesetzgebung im Konferenzgebiet beachten, insbesondere was eine eventuelle Unterrichtungspflicht staatlicher Behörden anbelangt.
In jedem Moment des Disziplinar- oder Strafverfahrens ist für den beschuldigten Kleriker ein gerechter und ausreichender Unterhalt sicher zu stellen.
Die Rückkehr eines Klerikers in den öffentlichen Seelsorgsdienst ist auszuschließen, wenn dieser Dienst eine Gefahr für Minderjährige darstellt oder ein Ärgernis in der Gemeinde hervorruft.
16.05.2011: Erarbeitung von Leitlinien bei Fällen sexuellen Missbrauchs Minderjähriger
Zum heutigen Rundschreiben der Kongregation für die Glaubenslehre an alle Bischofskonferenzen erklärt der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Dr. Robert Zollitsch:
„Die Kongregation für die Glaubenslehre hat heute in Rom ein Rundschreiben an alle Bischofskonferenzen mit Blick auf Leitlinien bei Fällen sexuellen Missbrauchs veröffentlicht. Mit dem Dokument will die Kongregation den nationalen Bischofskonferenzen helfen, Leitlinien zu erstellen bzw. bestehende Leitlinien, falls nötig, zu überarbeiten. Das Rundschreiben enthält dazu allgemeine Grundsätze sowie konkrete Hinweise auf der Grundlage der erneuerten kirchlichen Gesetzgebung.
Papst Benedikt XVI. hatte am 21. Mai 2010 eine revidierte Fassung des Motu proprio Sacramentorum sanctitatis tutela erlassen, das Normen zu den schweren Vergehen („delicta graviora“) enthält, zu denen auch der sexuelle Missbrauch Minderjähriger durch Kleriker gehört. Um die korrekte Anwendung dieser Normen und anderer Bestimmungen im Zusammenhang mit dem sexuellen Missbrauch Minderjähriger zu erleichtern, hält es die Glaubenskongregation für angebracht, dass jede Bischofskonferenz Leitlinien erarbeitet, die dazu dienen, den Bischöfen zu helfen, bei der Behandlung der genannten Missbrauchsfälle eine klare Vorgehensweise zu befolgen.
Die Deutsche Bischofskonferenz hat bereits Ende August 2010 ihre Leitlinien für den Umgang mit sexuellem Missbrauch Minderjähriger aus dem Jahr 2002 überarbeitet. Diese Leitlinien stehen im Einklang mit dem jetzt herausgegebenen Rundschreiben der Glaubenskongregation bzw. ergänzen die darin festgehaltenen Vorgaben. Insbesondere wird in dem Rundschreiben wie in den Leitlinien der Deutschen Bischofskonferenz die Sorge um die Opfer sexuellen Missbrauchs in den Vordergrund gestellt. Übereinstimmung herrscht auch in dem Anliegen, dass insbesondere die Prävention verstärkt werden muss. Hier unternehmen die deutschen Bistümer bereits zahlreiche Anstrengungen. Ebenso wichtig, auch das wird in dem Rundschreiben noch einmal betont, ist das Thema der Priesterausbildung und -auswahl: Unverzichtbar ist hierbei die Wachsamkeit für eine gesunde menschliche und spirituelle Reife sowie für die Frage, wie zölibatäres Leben gelingen kann. Schließlich weist das Rundschreiben auch noch einmal unmissverständlich auf die Notwendigkeit der Zusammenarbeit mit den staatlichen Strafverfolgungsbehörden je nach den länderspezifischen Vorgaben hin. Die Leitlinien der Deutschen Bischofskonferenz vom vergangenen Jahr haben gerade bei diesem Thema für eine Präzisierung gesorgt. Ich bin dankbar, dass die Deutsche Bischofskonferenz mit den neuen Leitlinien bereits erfolgreich arbeitet. Gleichzeitig freue ich mich, dass der Heilige Stuhl – so ist es mir in vielen Gesprächen versichert worden – unsere Arbeit anerkannt hat. Das zeigt nun auch das Rundschreiben.“
Schlagwörter: kath.net, MissbrauchKategorien: Kirche, Media, Rom, Web x.0