Source: http://baden-wuerttemberg.schule-gegen-sexuelle-gewalt.de/bestandteile/
Timestamp: 2019-04-26 02:56:05
Document Index: 366124233

Matched Legal Cases: ['§ 85', '§ 4', '§ 85', '§ 8', '§ 19', '§ 30', '§ 41', '§ 55', '§ 56', '§ 57', '§ 62', '§ 44', '§ 47', '§ 71', '§ 100']

Mit den erweiterten Gestaltungsmöglichkeiten für die Einzelschule wächst auch die Verantwortung für die Qualitätsentwicklung vor Ort. Die Schule hat dabei einerseits die staatlichen Vorgaben zu berücksichtigen, andererseits dürfen die konkreten Bedingungen und das jeweilige Umfeld nicht außer Acht gelassen werden. Für die gemeinsame Orientierung aller Beteiligten sind schulische Leitbilder und Leitsätze ein wichtiges Mittel für alle Qualitätssicherungs- und Qualitätsentwicklungsprozesse. Das Leitbild einer Schule beschreibt kurz und prägnant die grundlegenden Ziele und Wertehaltungen, die „Philosophie“ der Schule. Es dient damit als Vision für die schulische Arbeit und sorgt für Transparenz hinsichtlich zentraler Vorstellungen der Schule nach innen und nach außen.
Das Schulgesetz bestimmt, dass die Schule das Jugendamt unterrichten soll, wenn gewichtige Anhaltspunkte dafür vorliegen, dass das Wohl einer Schülerin bzw. eines Schülers ernsthaft gefährdet oder beeinträchtigt ist, wobei die Eltern in der Regel vorher angehört werden (§ 85).
Im Gesetz zur Kooperation und Information im Kinderschutz (KKG) werden neben anderen Berufsgruppen auch Lehrkräfte dazu aufgerufen, mit dem Kind oder Jugendlichen und den Personensorgeberechtigten bei Anhaltspunkten für eine Kindeswohlgefährdung Gespräche zu führen und auf die Inanspruchnahme von Hilfen hinzuwirken, soweit hierdurch der wirksame Schutz des Kindes oder des Jugendlichen nicht in Frage gestellt wird.
Zur Unterstützung haben Lehrkräfte Anspruch auf Beratung durch eine „insoweit erfahrene Fachkraft“. Sie sind zu diesem Zweck befugt, dieser Person die dafür erforderlichen Daten zu übermitteln; vor einer Übermittlung der Daten sind diese zu pseudonymisieren. Sollten die Gespräche zu keinem Ergebnis führen, kann das Jugendamt informiert werden (§ 4 KKG).
Die Handlungshilfe für Schulleitungen „Krisenpläne nach Gefährdungsbereichen“ enthält auf der CD im Kapitel „Sexuelle Übergriffe“ Informationen zum Vorgehen bei sexuellen Übergriffen (Erkennen der Krisensituation, Beurteilung der Situation/Lageeinschätzung, Maßnahmen, Nachsorge/weitere Unterstützung). Die Handlungshilfe kann von Schulleitungen bei der UKBW bestellt werden, näheres dazu erhalten Sie hier.
Die Handreichung des Kultusministeriums „Sexuelle Gewalt gegen Mädchen und Jungen“ gibt den Schulen Handlungsempfehlungen im Umgang mit einer Vermutung im Falle eines Übergriffs (Interventionsmöglichkeiten und wichtige Ansprechpartner). Diese Handreichung wird derzeit überarbeitet und in aktualisierter Form den Schulen zur Verfügung gestellt.
Gemäß dem Schulgesetz arbeiten Schule und Jugendamt zur Abwendung einer Kindeswohlgefährdung zusammen. Bei gewichtigen Anhaltspunkten für eine Kindeswohlgefährdung oder -beeinträchtigung soll die Schule das Jugendamt unterrichten.
Die Schule kann zudem ein verpflichtendes Elterngespräch festlegen: Nimmt bei einem dringendem Aussprachebedarf kein Elternteil eine Einladung der Klassenlehrerin bzw. des Klassenlehrers oder der Schulleitung zum Gespräch wahr und stellt die Klassenkonferenz unter Vorsitz der Schulleiterin bzw. des Schulleiters gewichtige Anhaltspunkte für die Gefährdung des Wohls der Schülerin bzw. des Schülers fest, kann die weitere Einladung zu dem Gespräch mit dem Hinweis verbunden werden, dass bei Nichtbefolgen das Jugendamt unterrichtet wird (§ 85 Abs. 4 Schulgesetz).
Eine Beratung durch die „insoweit erfahrene Fachkräfte“ stehen jeder Lehrkraft und Schulleitung nach § 8b Absatz 2 Sozialgesetzbuch, Achtes Buch - Kinder- und Jugendhilfe (SGB VIII) zu. In Baden-Württemberg sind diese Fachkräfte zum Teil direkt bei den Jugendämtern angesiedelt, zum Teil aber auch bei anderen Trägern. In jedem Fall kennt das örtliche Jugendamt die Kontaktdaten. Es ist ratsam, bereits im Vorfeld die entsprechenden Kontaktdaten zu erfragen.
Daneben können sich Schulen insbesondere zu psychologisch-pädagogischen Fragestellungen und Problemlagen an Schulpsychologinnen und Schulpsychologen der 28 schulpsychologischen Beratungsstellen sowie an die in vielen Schulen eingesetzten Beratungslehrkräfte wenden (§ 19 Schulgesetz). Hinsichtlich des Themas der sexuellen Gewalt können die Schulpsychologinnen und Schulpsychologen Ansprechpartner sein, z. B. bei Unsicherheiten im weiteren Vorgehen. Sie müssen Schulen dann aber auf die insoweit erfahrenen Fachkräfte und die spezialisierten Fachberatungsstellen verweisen.
Fachberater/innen Schulentwicklung unterstützen Schulen bei der Erarbeitung eines Leitbildes sowie bei weiteren Schulentwicklungsaufgaben im Sinne einer Prozessbegleitung.
Spezialisierte Fachberatungsstellen unterstützen die Schulen im Falle von Verdachtsmomenten sowie in der Nachsorge. Mit ihnen bereits im Vorfeld in Kontakt zu treten ist sinnvoll und kann z. B. im Rahmen einer Gesamtlehrerkonferenz eingeplant werden.
Es ist von allen Personen, die sich um die Einstellung in den Schuldienst des Landes als Lehrkraft bewerben, ein erweitertes Führungszeugnis nach § 30a Bundeszentralregistergesetz vorzulegen. Dies gilt auch für befristete Beschäftigungsverhältnisse und Vertretungskräfte.
Ein sexueller Übergriff durch eine Lehrkraft ist immer eine gravierende Dienstpflichtverletzung, die bis zur Entfernung aus dem Dienst oder bei angestellten Lehrkräften zur Beendigung des Arbeitsverhältnisses führen kann. Dies gilt grundsätzlich unabhängig davon, wie entsprechende Sachverhalte unter Umständen strafrechtlich einzuordnen sind. Dies gilt auch für sexuelle Übergriffe einer Lehrkraft außerhalb des Dienstes.
Bei den Staatlichen Schulämtern und den Regierungspräsidien liegt die Dienstaufsicht über die Lehrkräfte. Disziplinarvorgesetzter ist die Regierungspräsidentin oder der Regierungspräsident.
Wenn an einer Schule daher Anhaltspunkte vorliegen, aus denen sich der Verdacht eines sexuellen Übergriffs durch eine Lehrkraft ergibt, sollte die Schulleitung die für sie zuständige Schulaufsichtsbehörde informieren und mit ihr das weitere Vorgehen in dem jeweiligen Einzelfall eng abstimmen. Das Staatliche Schulamt, das von einem entsprechenden Verdacht Kenntnis erhält, hat das Regierungspräsidium hiervon in Kenntnis zu setzen, da die Disziplinarverantwortung beim Regierungspräsidium liegt und allein dort auch die juristische Expertise für den Umgang mit derartigen Sachverhalten vorhanden ist.
Die Schulleitung ist in Erfüllung ihrer Aufgaben, darunter die geordnete und sachgemäße Schularbeit, weisungsberechtigt gegenüber den Lehrerinnen und Lehrern (vgl. § 41 Schulgesetz). Gegenüber externen Kräften, zum Beispiel im Ganztagsbetrieb, hat die Schulleitung demgegenüber keine Weisungsbefugnis. Unter Ausübung des Hausrechts kann die Schulleitung diesen Personen gegenüber jedoch das Verlassen des Schulgeländes verfügen.
Zur Durchführung von Angeboten im Bereich des Ganztags werden Vereinbarungen zwischen dem Land und einem Kooperationspartner (Organisationen wie zum Beispiel Verein, Schulträger, Kirche) oder einer Einzelperson abgeschlossen, die dann an der Schule das entsprechende Angebot durchführt. In diesen vom Kultusministerium vorgegebenen Mustervereinbarungen ist vorgesehen, dass die für das Ganztagsangebot eingesetzte Person ein erweitertes Führungszeugnis vorzulegen hat.
Die Fortbildung von Lehrkräften in Baden-Württemberg wird durch staatliche Institutionen verantwortet. Neben dem Kultusministerium und seinen nachgeordneten Behörden sind vor allem die Landesakademie mit ihren drei Standorten sowie das LIS und die Akademie Rotenfels in der Umsetzung der Lehrerfortbildung maßgeblich beteiligt.
Bestimmend für die baden-württembergische Lehrerfortbildung ist die kaskadenförmige Organisationsstruktur. Die Fortbildung für Lehrkräfte des Landes gliedert sich in die zentrale und regionale Lehrerfortbildung: Die zentrale Lehrerfortbildung wird von den drei Standorten der Landesakademie inhaltlich und organisatorisch gestaltet und an den Standorten der Landesakademie („zentral“) durchgeführt. Am Standort Bad Wildbad werden mehrmals im Jahr für Lehrerinnen und Lehrer aller Schularten 2,5-tägige Lehrgänge zum Thema „Sexuelle Gewalt in der Schule“ durchgeführt. Seit 2018 wird ein Lehrgang zum Thema „Schutzkonzepte“ angeboten. Außerdem werden auf regionaler Ebene Lehrerfortbildungen zum Thema organisiert und es kann in schulinternen Fortbildungen das Thema erarbeitet werden, beispielsweise in Form von einem „Pädagogischen Tag“.
Die Teilnahme an Fortbildungsmaßnahmen der amtlichen Lehrkräftefortbildung in Baden-Württemberg erfolgt freiwillig.
Die amtliche Fortbildung ist kostenlos, den teilnehmenden Lehrkräften werden die Reisekosten erstattet.
In Planung befindet sich ein E-Learning-Kurs „Sexueller Missbrauch und Kinderschutz aus Sicht der Schule“ für Schule und Schulverwaltung, der Grundlagenwissen vermitteln, an Fallbeispielen das Vorgehen aufzeigen und Auskunft über rechtliche Aspekte geben soll. Das Thema „Schutzkonzept“ soll ebenfalls Teil dieses Kurses sein.
Ein schulischer Verhaltenskodex hat die grundlegenden Vorgaben der Landesverfassung und des Schulgesetzes für die Aufgabe des Staates bei der schulischen Erziehung und Bildung zu beachten, sowie auch darüber hinausgehende Bestimmungen, die das Verhältnis des Staates zu Kindern und Jugendlichen betreffen.
Insofern stellen die folgenden Aspekte die Grundlage für die konkreten Regelungen des Verhaltenskodex dar:
die Achtung der Würde von Kindern und Jugendlichen,
das Recht von Kindern und Jugendlichen auf eine gewaltfreie Erziehung und auf besonderen Schutz,
das Recht auf eine der Begabung entsprechende Erziehung und Ausbildung ohne Rücksicht auf Herkunft oder wirtschaftliche Lage,
die besondere Beachtung einzelner Vorgaben des schulischen Erziehungs- und Bildungsauftrags (Erziehung in Ehrfurcht vor Gott, im Geiste der christlichen Nächstenliebe, zur Brüderlichkeit aller Menschen und zur Friedensliebe, zur Achtung der Würde und Überzeugung anderer, zu Förderung in der Persönlichkeit und Begabung),
Schutz von Kindern und Jugendlichen gegen Ausbeutung, Vernachlässigung und gegen sittliche, geistige, körperliche und seelische Gefährdung,
Achtung des Rechts der Eltern, die Erziehung und Bildung ihrer Kinder mitzubestimmen.
In Verhaltenskodices finden sich häufig Regelungen zum Umgang mit sozialen Netzwerken. In Baden-Württemberg ist das nicht erforderlich, denn die Nutzung von sozialen Netzwerken für die dienstliche Verarbeitung personenbezogener Daten, also die dienstlichen Zwecken dienende Kommunikation zwischen Lehrkraft und Schülerin bzw. Schüler sowie das (Zwischen-)Speichern von personenbezogenen Daten auf diesen Netzwerken, ist grundsätzlich unzulässig. Grund hierfür ist, dass datenschutzrechtliche Vorgaben, von den Anbietern dieser Online-Netzwerke in der Regel nicht erfüllt werden.
Die Mitwirkung der Eltern und der für die Berufserziehung der Schülerinnen und Schüler Mitverantwortlichen an der Gestaltung des Lebens und der Arbeit an der Schule werden in den §§ 55 ff. Schulgesetz geregelt. Danach haben Eltern das Recht und die Pflicht, an der schulischen Erziehung mitzuwirken.
Sie erfolgt durch die Eltern
in der Schulkonferenz.
Aufgabe der Klassenpflegschaft ist – durch gegenseitige Beratung und Erfahrungsaustausch –, das Zusammenwirken von Eltern und Lehrkräften in der gemeinsamen Verantwortung für die Erziehung der Jugend zu fördern (vgl. § 56 Abs. 1 Schulgesetz). Die Elternvertretungen untergliedern sich in den Elternbeirat (Vertretung der Eltern der Schülerinnen und Schüler einer Schule), den Gesamtelternbeirat (zuständig für alle über den Bereich einer Schule hinausgehenden Angelegenheiten) und den Landeselternbeirat, der das Kultusministerium in allgemeinen Fragen des Erziehungs- und Unterrichtswesens berät (§§ 57 ff. Schulgesetz).
Die Schülermitverantwortung, die der Pflege der Beteiligung der Schülerinnen und Schüler an der Gestaltung des Schullebens, des Gemeinschaftslebens an der Schule sowie der Erziehung der Schülerinnen und Schüler zu Selbstständigkeit und Verantwortungsbewusstsein dient, wird in den §§ 62 ff. Schulgesetz geregelt. Die Schülerinnen und Schüler haben dabei die Möglichkeit, ihre Interessen zu vertreten und durch selbstgewählte oder übertragene Aufgaben eigene Verantwortung zu übernehmen, und werden von allen am Schulleben Beteiligten und den Schulaufsichtsbehörden unterstützt. In der Schule wirken die Schülerinnen und Schüler mit durch
die Klassenschülerversammlung (Beratung und Beschlussfassung über alle Fragen der Schülermitverantwortung, die sich bei der Arbeit der Klasse ergeben) und
die Schülervertreter (Klassensprecherinnen und -sprecher, Schülerrat [zuständig für alle Fragen, welche die Schule in ihrer Gesamtheit angehen] und Schülersprecherinnen und -sprecher [vertritt die Interessen der Schülerinnen und Schüler der Schule]).
Die Schülermitverantwortung wird durch die Verbindungslehrkräfte beraten, unterstützt und gefördert. Der Landesschülerbeirat vertritt demgegenüber in allgemeinen Fragen des Erziehungs- und Unterrichtswesens die Anliegen der Schülerinnen und Schüler gegenüber dem Kultusministerium.
Die Lehrerkonferenzen (§§ 44 f. Schulgesetz) beraten und beschließen alle wichtigen Maßnahmen, die für die Unterrichts- und Erziehungsarbeit der Schule notwendig sind und ihrer Art nach ein Zusammenwirken der Lehrkräfte erfordern und untergliedern sich in:
die Gesamtlehrerkonferenz (berät und beschließt über Angelegenheiten, die für die Schule von wesentlicher Bedeutung sind),
die Klassenkonferenz (berät und beschließt über Fragen von allgemeiner Bedeutung für die Erziehungs- und Unterrichtsarbeit der Klasse),
die Fachkonferenz (berät und beschließt über besondere Angelegenheiten, die ein Fach oder eine Fächergruppe betreffen) und
die Abteilungskonferenz (berät und beschließt über Fragen von allgemeiner Bedeutung für die Abteilung).
Weitere Teilkonferenzen können nach Maßgabe der Konferenzordnung des Kultusministeriums gebildet werden.
Die Schulkonferenz als gemeinsames Organ der Schule hat die Aufgabe, das Zusammenwirken von Schulleitung, Lehrkräften, Eltern, Schülerinnen und Schülern sowie der für die Berufserziehung Mitverantwortlichen zu fördern, bei Meinungsverschiedenheiten zu vermitteln sowie über Angelegenheiten, die für die Schule von wesentlicher Bedeutung sind, zu beraten und zu beschließen (§ 47 Schulgesetz).
Der Landesschulbeirat berät das Kultusministerium bei der Vorbereitung grundsätzlicher Maßnahmen auf dem Gebiet des Schulwesens und kann dem Kultusministerium Vorschläge und Anregungen unterbreiten. Er setzt sich zusammen aus Vertreterinnen und Vertretern der Eltern, der Lehrkräfte, der für die Berufserziehung der Schülerinnen und Schüler Mitverantwortlichen, der Schülerinnen und Schüler, der kommunalen Landesverbände, der Kirchen und anerkannten Religionsgemeinschaften, der Arbeitgeber- und Arbeitnehmerverbände sowie Personen, die durch ihre Erfahrungen in Bildungs- und Erziehungsfragen die Arbeit des Beirats besonders zu fördern vermögen (§ 71 Schulgesetz).
Förderung von Lebenskompetenzen und Stärkung persönlicher Schutzfaktoren sind die Ziele von Prävention und Gesundheitsförderung für Schülerinnen und Schüler in Baden-Württemberg. (Grundlage: Prävention und Gesundheitsförderung in der Schule, Verwaltungsvorschrift vom 10. Dezember 2014).
Diese wurden u. a. mit der Leitperspektive „Prävention und Gesundheitsförderung“ im Bildungsplan 2016 fachübergreifend und spiralcurricular verankert.
Die Leitperspektive fokussiert den Einzelnen mit seinen Ressourcen. Heranwachsende sollen dabei unterstützt werden, altersspezifische Entwicklungsaufgaben bewältigen und sich im täglichen Handeln als selbstwirksam erleben zu können.
Es geht darum, Prävention und Gesundheitsförderung nicht als etwas Zusätzliches zu begreifen, sondern Unterricht so zu gestalten, dass er auch präventiv und gesundheitsfördernd wirkt. Dies ist der Fall, wenn er Selbstwirksamkeit, Selbstbestimmung, intrinsische Motivation und soziale Fertigkeiten der Schülerinnen und Schüler stärkt.
Damit dies nachhaltig umgesetzt werden kann, müssen über die einzelne Unterrichtsstunde, das Handeln der einzelnen Lehrkraft hinaus, Maßnahmen auf allen Ebenen des Systems Schule verankert und alle am Schulleben Beteiligten einbezogen werden. Das Präventionskonzept stark.stärker.WIR. stellt dafür einen Rahmen zur Verfügung.
Im Zeitraum 2014 bis 2015 wurde in Baden-Württemberg die Initiative „Trau dich!“ der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung in 10 Regionen durchgeführt. Es handelt sich dabei um eine bundesweite Initiative zur Prävention des sexuellen Kindesmissbrauchs. In Baden-Württemberg wurden bis April 2015 rund 4800 Kinder mit dieser Initiative erreicht und einige Städte und Gemeinden buchen das Theaterstück, das den Kern der Initiative darstellt, in Eigeninitiative weiterhin.
Nach § 100b Schulgesetz haben die Schulen den ausdrücklichen Auftrag zur Familien- und Geschlechtserziehung erhalten. (Richtlinien zur Familien- und Geschlechtserziehung in der Schule, Verwaltungsvorschrift vom 12. Mai 2001)
Die Erziehung muss für die verschiedenen Wertvorstellungen auf diesem Gebiet offen sein und allgemein Rücksicht nehmen auf das natürliche Erziehungsrecht der Eltern und auf deren religiöse oder weltanschauliche Überzeugungen, soweit diese für das Gebiet der Sexualität von Bedeutung sind.
Die Eltern haben einen Anspruch auf rechtzeitige Information über den Inhalt und den methodisch-didaktischen Weg der Familien und Geschlechtserziehung in der Schule.
Bei Wahrung dieser Grundsätze, die auch in der Verwaltungsvorschrift ihren Niederschlag gefunden haben (insbesondere der Toleranz für unterschiedliche Wertauffassungen, Punkt 1.2 der Verwaltungsvorschrift, und der Vermeidung der Indoktrination) ist die Familien- und Geschlechtserziehung als fächerübergreifender Unterricht nicht von der Zustimmung der Eltern abhängig. Es gibt deshalb auch keinen Anspruch auf Befreiung von der Familien- und Geschlechtserziehung unter Berufung auf abweichende Wertvorstellungen.
Der Unterricht wird als Auftrag an die Schule von der jeweiligen Lehrkraft in eigener Verantwortung sach- und altersgerecht durchgeführt. Dabei darf sie Fachleute aus der Praxis in den Unterricht einbeziehen. Die Bekanntmachung über die Mitwirkung von Fachleuten aus der Praxis im Unterricht vom 29. Oktober 1999, K.u.U. S. 252, führt dazu aus:
„Deren sachlich informierende Beiträge können die Funktionen und besonderen Bedingungen des Bereichs, den sie vertreten, veranschaulichen, die Auseinandersetzung mit der Sache beleben und so die Unterrichtsarbeit in fruchtbarer Weise ergänzen.“
Die Verwaltungsvorschrift konkretisiert die besondere Rücksichtnahme noch an zwei weiteren wesentlichen Punkten:
Die Lehrkraft muss Empfehlungen für das geschlechtliche Verhalten vermeiden.
Unterrichtsinhalte, die dem Bereich der Geschlechtserziehung angehören und die Intimsphäre berühren, dürfen nicht Gegenstand von Leistungserhebungen sein.
Im Bildungsplan 2016 für die Grundschulen gibt es z. B. konkret im Fach Sachunterricht immer im Zusammenhang mit der Leitperspektive Prävention und Gesundheitsförderung Anknüpfungspunkte zum Thema sexuelle Gewalt/Prävention sexueller Gewalt, die unter den folgenden inhaltsbezogenen Kompetenzen formuliert sind:
3.1 Demokratie und Gesellschaft / 3.1.1.1 Leben in Gemeinschaft
Unter den Teilkompetenzen aufgeführt:
(7) sich innerhalb sozialer Beziehungen behaupten und gegenüber unerwünschtem Verhalten abgrenzen.
Zur Umsetzung im Unterricht sind jeweils im Bildungsplan 2016 der Grundschulen Denkanstöße formuliert, die als Anregungen dienen sollen. Bei der oben genannten Teilkompetenz ist hierzu folgender Denkanstoß vorhanden:
3.2.1 Demokratie und Gesellschaft / 3.2.1.1 Leben in Gemeinschaft
Unter den Teilkompetenzen sind aufgeführt:
(3) Mechanismen der Ausgrenzung und Gewalt als Form des Machtmissbrauchs in verschiedenen Formen erkennen und adäquat darauf reagieren (zum Beispiel Demütigung, Beschimpfung, diskriminierende Sprachverwendung, Ausgrenzung, Mobbing, Missbrauch).
Bei der genannten Teilkompetenz sind hierzu folgende Denkanstöße für die Lehrkräfte formuliert:
Bei den inhaltlichen Kompetenzen 3.2.2 Natur und Leben / 3.2.2.1 Körper und Gesundheit sind die folgenden Teilkompetenzen genannt:Die Schülerinnen und Schüler können(8) ungewollte Handlungen an ihrem Körper nennen und sich dagegen abgrenzen.(9) in Notsituationen handeln sowie Unterstützungsmöglichkeiten nennen (Nein-Sagen, Hilfe holen, Erwachsene (Lehrkräfte) einbeziehen).
Als Denkanstöße für die Lehrkräfte zur Hilfestellung sind aufgeführt:
Welche Unterstützungsangebote nutzt die Lehrkraft, um Kinder in Notsituationen
(zum Beispiel sexueller Missbrauch, Mobbing) professionell zu unterstützen?
Verbindungslehrkräfte werden vom Schülerrat für ein bis zwei Jahre gewählt. Sie beraten die SMV und unterstützen sie bei der Erfüllung ihrer Aufgaben.
Verbindungslehrkräfte beraten auch einzelne Schülerinnen und Schüler bei persönlichen Problemen im schulischen oder im privaten Bereich, ggf. gemeinsam mit der Oberstufenberaterin bzw. dem Oberstufenberater oder der Schulsozialarbeit. In Abhängigkeit einer möglichen Fragestellung oder Problemlage kann sich eine Verbindungslehrkraft an eine Beratungslehrkraft, an eine Lehrkraft für Prävention oder auch an das schulinterne Krisenteam wenden.
Sie vermitteln in Konfliktfällen, werben um gegenseitiges Verständnis und sind keine Richterinnen oder Richter, die versuchen die Schuldfrage zu klären. Sie sind Vermittlerinnen und Vermittler, die versuchen, Möglichkeiten zu schaffen, damit die Beteiligten den Konflikt selber regeln können. Gemeinsam mit Schülerinnen und Schülern und Kolleginnen und Kollegen erarbeiten sie Lösungsmöglichkeiten, die auf der Basis partnerschaftlicher Kooperation und Kompromissbereitschaft aufbauen.
Für besondere Beratungsaufgaben werden durch die Oberen Schulaufsichtsbehörden an den Schulen Lehrkräfte bestellt, die eine 1,5-jährige zusätzliche Ausbildung als Beratungslehrerin oder Beratungslehrer absolviert haben.Beratungslehrkräfte sind an allgemein bildenden und beruflichen Schulen tätig.Im Rahmen ihrer Tätigkeit und unter Berücksichtigung schulartspezifischer Schwerpunkte und Fragestellungen
beraten sie Schülerinnen, Schüler und Eltern in Fragen bildungsbiografischer Übergänge und Veränderungen, zum Beispiel beim Wechsel innerhalb und zwischen Schulen und Schularten, bei der Fächerwahl im Wahlpflichtbereich, bei Entscheidungen über anzustrebende Bildungsabschlüsse und bei Fragestellungen zur beruflichen Orientierung;
unterstützen sie im Kontext der Einzelfallberatung mit psychologisch-pädagogischen Methoden Schülerinnen, Schüler, Eltern, Lehrerinnen und Lehrer beim Umgang mit Schwierigkeiten im Lern- und Arbeitsverhalten sowie bei Problemlagen in der Bewältigung des Schulalltags, zum Beispiel bei Unsicherheiten, bei Prüfungsängsten und Schulabsentismus sowie bei herausfordernden sozialen Situationen unter Schülerinnen und Schülern;
machen sie Ratsuchenden Informationsmaterialien zugänglich und können bei örtlichen Informationsveranstaltungen zu möglichen Bildungsgängen mitwirken;
beraten sie an beruflichen Schulen in Kooperation mit unterschiedlichen Netzwerkpartnern bei Problemlagen im schulischen Ausbildungskontext;
machen sie ihr Beratungsangebot den am Schulleben Beteiligten bekannt und wirken bei der Weiterentwicklung eines schulinternen Unterstützungs- und Beratungssystems mit.
Therapeutische Angebote, insbesondere Psychotherapie, gehören nicht zu ihren Aufgaben.
An jeder allgemeinbildenden und beruflichen Schule gibt es eine Lehrkraft für Prävention, um schulische Vorbeugungsmaßnahmen zu koordinieren und deren Wirksamkeit zu verbessern. Sie wird von der Schulleitung im Benehmen mit der Gesamtlehrerkonferenz benannt. Sie ist für die Sammlung und Weitergabe von Informationsmaterialien zur Prävention und Gesundheitsförderung innerhalb der Schule und die Weitergabe von Kontaktadressen beratender und therapeutischer Einrichtungen zuständig. Beratungen von Schülerinnen und Schülern gehören nicht zu ihren Aufgaben, sie kennen aber die örtlichen Ansprechpartner und Kontaktpersonen und sind somit wichtige Ansprechpartnerinnen und Ansprechpartner für das Kollegium.
Ansprechpartner für Schülerinnen und Schüler, Eltern, Lehrkräfte und Schulverwaltung sind die Schulpsychologinnen und Schulpsychologen bei psychologisch-pädagogischen Fragestellungen. Sie arbeiten eng mit den Unterstützungssystemen in den Regionen zusammen (z. B. spezialisierte Fachberatungsstellen).
Darüber hinaus hat sich in Baden-Württemberg die Schulsozialarbeit als Unterstützungssystem für Schulen etabliert. Sie bildet die Schnittstelle zwischen der Schule und der Kinder- und Jugendhilfe.
Schulen weisen auf diese Personen, ihre Aufgaben und Möglichkeiten der Kontaktaufnahme z. B. an Elternabenden und an hoch frequentierten Plätzen der Schule hin.