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Timestamp: 2017-08-18 20:51:03
Document Index: 377297199

Matched Legal Cases: ['§ 1', '§ 1', '§ 1', '§ 356', '§ 43', '§ 3', '§ 45', '§ 45', '§ 45', '§ 45', '§ 45', '§ 46', '§ 113', '§ 113', '§ 675', '§ 14', '§ 3', '§ 2', '§ 2', '§ 14', '§ 20', '§ 21', '§ 22', '§ 23', '§ 24', '§ 24', '§ 24', '§ 14', '§ 280', '§ 19', '§ 155', '§ 45', '§ 24', '§ 24', '§ 20', '§ 24', '§ 23', '§ 54', '§ 2', '§ 24', '§ 20', '§ 23', '§ 356', '§ 43', '§ 3', '§ 45', '§ 46', '§ 356', '§ 43', '§ 3', '§ 356', '§ 356', 'BGH', '§ 356', '§ 138', '§ 392', '§ 356', '§ 43', '§ 3', '§ 356', '§ 356', '§ 356', '§ 356', '§ 356', '§ 356', '§ 356', '§ 16', '§ 17', '§ 16', '§ 17', '§ 356', '§ 43', '§ 43', '§ 43', '§ 356', '§ 134', '§ 43', '§ 113', '§ 356', '§ 3', '§ 3', '§ 45', '§ 43', '§ 43', '§ 43', '§ 3', '§ 59', '§ 3', '§ 3', '§ 3', '§ 3', '§ 3', '§ 43', '§ 43', '§ 134', '§ 45', '§ 45', '§ 45', '§ 59', '§ 59', '§ 45', '§ 45', '§ 45', '§ 45', '§ 45', '§ 45', '§ 24', '§ 45', '§ 45', '§ 45', '§ 45', '§ 2', '§ 45', 'BGH', '§ 45', '§ 45', 'Art. 12', '§ 45', '§ 45', '§ 45', '§ 45', '§ 45', '§ 45', '§ 45', '§ 45', '§ 45', '§ 45', '§ 45', '§ 45', '§ 45', '§ 46', '§ 46', '§ 46', '§ 46', '§ 46', '§ 12', '§ 46', '§ 46', '§ 46', '§ 46', 'BGH', 'BGH', '§ 134', '§ 46', '§ 113', '§ 45', '§ 46', '§ 45', '§ 46', '§ 113', '§ 113', '§ 113', 'BGH', '§ 114', '§ 114', '§ 113', '§ 134', '§ 113', '§ 114', '§ 114', '§ 113', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 114', 'BGH', 'BGH', '§ 34', '§ 108', '§ 356', '§ 356', '§ 61', '§ 43', '§ 74', '§ 13', '§ 356', '§ 43', '§ 3', '§ 134', '§ 683', '§ 812', '§ 817', '§ 134', '§ 114', '§ 114', '§ 114', 'BGH', 'BGH', '§ 114', '§ 44', '§ 44', '§ 26', 'BGH', '§ 714', '§ 7', '§ 125', '§ 109', '§ 109', '§ 111', '§ 111', '§ 112', '§ 25', '§ 3', '§ 3', '§ 1', '§ 111', '§ 111', '§ 52', 'Art. 9', '§ 111', '§ 41', '§ 39', '§ 112', '§ 46', '§ 46', '§ 46', '§ 49', '§ 21', '§ 3', '§ 3', '§ 126', '§ 3', '§ 4', '§ 4', '§ 4', '§ 4', '§ 49', '§ 21', '§ 4', '§ 49', '§ 49', 'BGH', '§ 118', '§ 118', '§ 23', '§ 118', '§ 49', 'BGH', '§ 49', '§ 49', '§ 4', 'BGH', '§ 51', '§ 51', '§ 51', '§ 280', '§ 43', '§ 43', '§ 43', '§ 203', '§ 2', '§ 3', '§ 17', '§ 383', '§ 53', '§ 84', '§ 102', '§ 2', '§ 627', '§ 627', '§ 3', '§ 627']

Leseprobe Praxishandbuch Gesellschaftsrecht by De Gruyter - issuu
§ 1 Das anwaltliche Mandat
Kapitel 1 Die Aufnahme des Mandats Kapitel 1 Die Aufnahme des Mandats § 1 Das anwaltliche Mandat Salmen
§ 1 Das anwaltliche Mandat Literatur: Hüffer, Aktiengesetz, Kommentar, 10. Aufl. 2012; Kleine-Cosack, BRAO Kommentar, 5. Aufl. 2008; Offermann-Burckart, NJW 2010, 2489 ff.; Schippel/Bracker, Bundesnotarordnung Kommentar, 9. Aufl. 2011; Schönke/ Schröder, Kommentar zum Strafgesetzbuch, 28. Aufl. 2010.
Inhalt Einleitung 1 Begriff und Abgrenzung zur notariellen Tätigkeit 3 Entscheidung über die Mandatsannahme (Mandatsaufnahme) 12 1. Tätigkeitsverbote wegen Interessenkollision 13 a) Parteiverrat, § 356 StGB 15 b) Verbot der Vertretung widerstreitender Interessen, § 43a Abs. 4 BRAO 27 c) § 3 BORA/Sozietätserstreckung 33 d) Fallbeispiele für Interessenkollisionen 37 2. Tätigkeitsverbote wegen Vorbefassung – § 45 BRAO 40 a) Notarielle Vorbefassung, § 45 Abs. 1 Nr. 1 und Nr. 2 BRAO 42 b) Vorbefassung als Vermögensverwalter, § 45 Abs. 1 Nr. 3 BRAO 44 c) Sonstige außeranwaltliche Vorbefassung, § 45 Abs. 1 Nr. 4 BRAO 45 d) Anwaltliche Vorbefassung, § 45 Abs. 2 Nr. 1 und Nr. 2 BRAO 47
3. Tätigkeitsverbote für Syndizi § 46 BRAO 49 4. Aufsichtsrats- und Anwaltsmandat, §§ 113, 114 AktG 52 a) Kein Tätigkeitsverbot 53 b) „Hürden“ aus §§ 113, 114 AktG 54 5. Rechtsfolgen der Verstöße gegen Tätigkeitsverbote 62 6. Resümee 67 Mandatsannahme 68 1. Wer ist Mandant? 70 2. Vertretungsfragen bei Abschluss des Anwaltsvertrages 73 a) Auf Seiten des Anwalts 74 b) Auf Seiten des Mandanten 75 (1) Vertretung durch Aufsichtsrat 78 (2) Vertretung durch Gesellschafter 82 3. Anforderungen an Anwaltsvertrag 84 a) Vergütungsregelung 84 b) Haftungsbeschränkungsregelungen 90 4. Rechte und Pflichten aus der Mandatsannahme 93 Beendigung des Mandates 98
I. Einleitung Das anwaltliche gesellschaftsrechtliche Mandat stellt ein abwechslungsreiches Feld der anwaltli- 1 chen Praxis dar und beinhaltet eine Querschnittsaufgabe. Es ergeben sich nicht nur zu anderen Rechtsmaterien (z.B. dem Steuerrecht, Erbrecht, Familienrecht, Insolvenzrecht, Kartellrecht etc.) sondern vielmehr auch zu anderen Berufsfeldern und Disziplinen (z.B. Notariat, Wirtschaftsprüfung, Steuerberatung, betriebswirtschaftliche Unternehmensberatung) unzählige Berührungspunkte und Überschneidungen. Die erfolgreiche Bearbeitung gesellschaftsrechtlicher Mandate erfordert deshalb die Fähigkeit, als interdisziplinärer Teamplayer gemeinsam mit Notaren, Steuerberatern, Wirtschaftsprüfern sowie Unternehmensberatern und Unternehmensmaklern zu agieren. Dies wiederum setzt voraus, dass der im Gesellschaftsrecht tätige Rechtsanwalt über die Kenntnisse des Gesellschaftsrechts hinaus Kenntnisse in den Querschnittsdisziplinen wie etwa dem Notariat, dem Rechnungswesen, der Unternehmensbewertung, der Finanzierung sowie weiteren Feldern der Betriebswirtschaftslehre Grundkenntnisse aufweist. Bei der Mandatsaufnahme Salmen
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Kapitel 1 Die Aufnahme des Mandats
hat der Rechtsanwalt dieses zu berücksichtigen, zu prüfen und sich darüber bewusst zu sein, welchen Teil der gewünschten bzw. erforderlichen Tätigkeit er in einem gesellschaftsrechtlichen Projekt selbst übernehmen will und kann. 2 Geht es in dem Gesamtwerk des gesellschaftsrechtlichen Mandates in den Kapiteln 2 ff. darum, wie gesellschaftsrechtliche Mandate aus der Perspektive und im Interesse der Mandanten fachlich sinnvoll und bestmöglich bearbeitet werden, geht es in den folgenden Erläuterungen über die die Aufnahme des anwaltlichen gesellschaftsrechtlichen Mandates darum, ob und auf welche Weise aus der Sicht und im Interesse des Rechtsanwaltes das anwaltliche gesellschaftsrechtliche Mandat aufgenommen werden kann, kurzum, ob und wie das anwaltliche Mandat „eingestielt und gehandhabt“ werden soll. Die sorgsame und fachgerechte Mandatsaufnahme ist der erste zwingende, wenngleich nicht allein ausreichende Schritt zur erfolgreichen Bearbeitung des gesellschaftsrechtlichen Mandates. Kapitel 1 Die Aufnahme des Mandats
II. Begriff und Abgrenzung zur notariellen Tätigkeit 3 Bevor man sich den Besonderheiten der Aufnahme des anwaltlichen gesellschaftsrechtlichen Mandats nähert, soll der Begriff des anwaltlichen gesellschaftsrechtlichen Mandats vorab konturiert werden und insbesondere von der notariellen gesellschaftsrechtlichen Tätigkeit (dem notariellen Mandat)1 abgegrenzt werden. Erläutert man die Aufnahme des anwaltlichen gesellschaftsrechtlichen Mandats, beschreibt 4 man den Prozess zur Entscheidung über die Mandatsannahme und damit über das „Ob“ der Begründung oder Ablehnung eines Anwaltsvertrages. Bei dem Anwaltsvertrag handelt es sich um einen Geschäftsbesorgungsvertrag, durch den sich der Rechtsanwalt regelmäßig zu einer beruflichen Dienstleistung höherer Art (§§ 675 Abs. 1, 611 BGB) oder zu einer Werkleistung verpflichtet, wenn der Anwalt ein Gutachten bzw. einen Vertragsentwurf oder eine konkrete Stellungnahme zu einer einzelnen Frage abgegeben soll und damit einen Erfolg schuldet. Demgegenüber findet die notarielle Tätigkeit nicht aufgrund eines zivilrechtlichen Geschäftsbesorgungsvertrages sondern aufgrund eines öffentlich-rechtlich geprägten Amtsverhältnisses statt.2 Wann das anwaltliche Mandat gesellschaftsrechtlich ist, also von gesellschaftsrechtlicher 5 Natur geprägt ist, hängt davon ab, ob der Schwerpunkt der nachgefragten anwaltlichen Tätigkeit auf dem Lebenszyklus, der Organisation einer bzw. mehrerer Gesellschaften bzw. Verbände, dem Verhältnis dieser ggf. einem übergeordneten Zweck dienenden Gesellschaften untereinander, dem Verhältnis der Gesellschaft bzw. des Verbandes zu ihren Gesellschaftern bzw. seinen Mitgliedern, dem Verhältnis der Mitgliedern bzw. Gesellschaftern untereinander oder dem Verhältnis der Gläubiger zu der Gesellschaft und insbesondere die Haftung der Mitglieder bzw. Gesellschafter oder Organ liegt. § 14 lit. i) der Fachanwaltsordnung (FAO) gibt zudem weitere Hinweise, was zum „materiellen Gesellschaftsrecht“ zählt. Danach ist materielles Gesellschaftsrecht insbesondere das Recht der Personengesellschaften, das Recht der Kapitalgesellschaften, internationales Gesellschaftsrecht, insbesondere Grundzüge des europäischen Gesellschaftsrechts sowie der europäischen Aktiengesellschaft, Konzernrecht, insbesondere das Recht der verbundenen Unternehmen, Umwandlungsrecht, Grundzüge des Bilanz- und Steuerrechts, Grundzüge des Dienstvertrags- und Mitbestimmungsrechts. Anwaltlich ist das gesellschaftsrechtliche Mandat typischerweise, wenn es dadurch geprägt 6 und darauf ausgerichtet ist, die Interessen des bzw. der Mandanten wahrzunehmen und zu vertreten. Nach § 3 BRAO ist der Rechtsanwalt der berufene unabhängige Berater und Vertreter in allen
1 Vgl. dazu Sandkühler, § 2. 2 Vgl. dazu Sandkühler, § 2.
Rechtsangelegenheiten. Kurzum: Der Rechtsanwalt ist Parteivertreter und orientiert sich ausschließlich an den Interessen des Mandanten. Der Notar hingegen ist kein Partei- bzw. Interessenvertreter sondern Teil der staatlichen Rechtspflege, Träger eines öffentlichen Amtes und insbesondere unabhängig gegenüber dem Staat und gegenüber den Klienten.3 Nach § 14 BNotO ist der Notar nicht Vertreter einer Partei sondern unabhängiger und unparteiischer Betreuer der Beteiligten. Zwischen der anwaltlichen und der notariellen Tätigkeit kann es zu Überschneidungen kommen. Denn die Amtstätigkeit des Notars besteht nicht lediglich aus Beurkundungen und Beglaubigungen im Sinne von § 20 BNotO, Bescheinigungen im Sinne von § 21 BNotO und Abnahme und Aufnahme von Eiden bzw. eidesstattlicher Versicherungen im Sinne von § 22 BNotO oder Aufbewahrungstätigkeiten im Sinne von § 23 BNotO. Nach § 24 Abs. 1 S. 1 BNotO gehören zu dem Amt des Notars auch die sonstige Betreuung der Beteiligten auf dem Gebiete vorsorgender Rechtspflege, insbesondere die Anfertigung von Urkundenentwürfen und die Beratung der Beteiligten. Nach § 24 Abs. 1 S. 2 BNotO ist der Notar, soweit sich nicht aus anderen Vorschriften Beschränkungen ergeben, in diesem Umfange befugt, die Beteiligten vor Gerichten und Verwaltungsbehörden zu vertreten. Da die in § 24 Abs. 1 BNotO aufgeführte Betreuungs- und Vertretungstätigkeit – sei es etwa bei der Beratung und Gestaltung gesellschaftsrechtlicher Verträge – sowohl von Notaren als auch von Rechtsanwälten ausgeübt werden, ist bei der Tätigkeit von Anwaltsnotaren eine Abgrenzung zwischen ihrer notariellen und anwaltlichen Tätigkeit vorzunehmen. Die Abgrenzung ist notwendig, da der als Notar tätige Anwaltsnotar die Betreuung und Beratung nach § 14 BNotO unparteiisch vorzunehmen hat im Unterscheid zum Rechtsanwalt, der hierbei die Interessen seines bzw. seiner Mandanten wahrzunehmen hat und demnach ein unterschiedlicher Pflichtenkreis besteht. Weiter haftet der als Rechtsanwalt tätige Anwaltsnotar vertraglich nach § 280 BGB wohingegen der als Notar tätige Anwaltsnotar der Amtshaftung nach § 19 BNotO unterliegt. Der als Rechtsanwalt tätige Anwaltsnotar kann seine Haftung vertraglich beschränken, was dem Notar nicht möglich ist. Der als Rechtsanwalt tätige Anwaltsnotar kann seine Vergütung nach Maßgabe der BRAO und des RVG vereinbaren und muss diese notfalls gerichtlich einklagen. Demgegenüber hat der Notar zwingend gesetzlichen Gebühren zu berechnen und kann diese nach § 155 KostO vollstrecken.4 Nicht zuletzt mit Blick auf ein künftiges anwaltliches Tätigkeitsverbot nach § 45 Abs. 1 Nr. 1 BRAO wegen notarieller Vorbefassung in derselben Sache (vgl. im Einzelnen unter 1 III Rn 45) ist zu klären, ob die betreuende und beratende Tätigkeit anwaltliche oder notarielle Tätigkeit ist. Die Abgrenzung zwischen der notariellen Amtstätigkeit und anwaltlicher Tätigkeit in diesem Bereich erfolgt nach § 24 Abs. 2 BNotO. Nimmt der Anwaltsnotar die Entwurfsfertigung von Urkunden und die Beratung der Beteiligten oder die Vertretung der Beteiligten vor, ist nach § 24 Abs. 2 S. 1 BNotO anzunehmen, dass er als Notar tätig geworden ist, wenn die Handlung bestimmt ist, Amtsgeschäfte der in §§ 20 bis 23 BNotO bezeichneten Art (Beurkundungen, Beglaubigungen, Bescheinigungen, eidesstattliche Versicherungen, Aufbewahrung, Ablieferung von Wertgegenständen) vorzubereiten oder auszuführen. Zu diesen Vorbereitungs- und Ausführungshandlungen gehören nicht nur die Formulierung und Gestaltung des zu beurkundenden Vertrages sondern auch die planende Beratung, soweit der Rechtsanwaltsnotar dieses übernommen hat.5 Nach § 24 Abs. 2 S. 2 BNotO ist im Übrigen (d.h. bei sonstigen nicht vorbereitenden oder ausführenden Handlungen) im Zweifel anzunehmen, dass der Anwaltsnotar als Rechtsanwalt tätig geworden ist. Eine weitere Überschneidung ergibt sich, wenn ein Anwaltsnotar als Verwahrer oder Mittelverwendungskontrolleur oder Treuhänder (etwa bei Publikumsfonds) eingeschaltet werden soll. Denn auch diese Tätigkeit kann sowohl notarielle Amtstätigkeit nach § 23 BNotO bzw. §§ 54a ff.
3 Vgl. hierzu nachfolgend Sandkühler zu § 2. 4 Vgl. Schippel/Bracker/Reithmann, § 24, Rn 132 ff. 5 Vgl. Schippel/Bracker/Reithmann, a.a.O.
BeurkG als auch anwaltliche Tätigkeit sein. Ist in der Tätigkeit eine Vorbereitungs- oder Ausführungshandlung zu einer notariellen Amtstätigkeit im Sinne der §§ 20-23 BNotO zu sehen, wie etwa die Verwahrung zur Sicherung des Verkäufers beim Grundstückskaufvertrag, liegt darin eine unselbständige Verwahrung und damit zwingend eine notarielle Tätigkeit. Besteht zwischen der Verwahrungs- bzw. Treuhandtätigkeit kein derartiger Vorbereitungs- oder Ausführungszusammenhang, liegt entweder eine – notarielle – selbständige Verwahrung i.S.v. § 23 BNotO oder eine – anwaltliche – Verwahrungs- oder Treuhandtätigkeit vor. Tritt der Anwaltsnotar als „Rechtsanwalt und Notar“ auf, wird seine Tätigkeit nach Notarrecht behandelt.6 Sollte der Anwaltsnotar die Tätigkeit angesichts der o.g. Unterschiede als anwaltliches Mandat ausführen, sollte er streng darauf achten, dass er keinen anderen „notariellen“ Eindruck erweckt, etwa durch die Angabe „Rechtsanwalt und Notar“. Kapitel 1 Die Aufnahme des Mandats
III. Entscheidung über die Mandatsannahme (Mandatsaufnahme) 12 Die Mandatsaufnahme beschreibt den Prüfungsprozess zur Entscheidung über das „Ob“ der Mandatsannahme. Bei der Prüfung muss der Anwalt (neben strategischen und betriebswirtschaftlichen Kriterien) vor allem die rechtlichen Vorschriften beachten, welche ihm eine Mandatsannahme, d.h. Mandatsbegründung untersagen. Tätigkeitsverbote können folgen aus – bestehender Interessenkollision (Parteiverrat § 356 StGB, Verbot der Vertretung widerstreitender Interessen, § 43a Abs. 4 BRAO, § 3 BORA) und – Gefahr einer Interessenkollision aus Vorbefassung (§ 45 BRAO) oder aus fehlender Unabhängigkeit (§ 46 BRAO).
1. Tätigkeitsverbote wegen Interessenkollision 13 Eine Mandatsannahme hat zu unterbleiben, wenn eine Interessenkollision besteht. Interessenkollision bedeutet, dass der Rechtsanwalt keine widerstreitenden Interessen vertreten darf. Das Verbot der widerstreitenden Interessen ist in der Strafbestimmung des § 356 StGB (Parteiverrat), als berufsrechtliche Grundpflicht in § 43a Abs. 4 BRAO und in § 3 BORA geregelt. Die Notwendigkeit besonderer Sorgfalt bei der Interessenkollisionsprüfung folgt im gesell14 schaftsrechtlichen Mandat daraus, dass die Interessen des jeweiligen Mandanten – sei dieser die Gesellschaft, ein oder mehrere Gesellschafter, die Verwaltung (Vorstand, Geschäftsführung) oder Aufsichtsgremien (Beiräte, Aufsichtsrat), die Mitglieder der Verwaltungs- bzw. Aufsichtsorgane – gegensätzlich sein oder nachträglich werden können. Die Voraussetzungen dieser Verbotsvorschriften und die Unterschiede zwischen diesen sind 15 Folgende:
a) Parteiverrat, § 356 StGB
§ 356 StGB Parteiverrat Ein Anwalt oder ein anderer Rechtsbeistand, welcher bei den ihm in dieser Eigenschaft anvertrauten Angelegenheiten in derselben Rechtssache beiden Parteien durch Rat oder Beistand pflichtwidrig dient, wird mit Freiheitsstrafe von drei Monaten bis zu fünf Jahren bestraft.
6 Vgl. BGH v. 21.11.1996, DNotZ 1997, 221; OLG Frankfurt/M. v. 17.9.2003, DNotZ 2004, 203.
Tauglicher Täter im Sinne des § 356 StGB (Prävarikation) ist der Anwalt oder Rechtsbeistand und ihm müssen in dieser Eigenschaft Rechtsangelegenheit anvertraut sein.7 Anwälte sind Rechts- und Patentanwälte sowie auch als Rechtsanwalt zugelassenen Syndikusanwälte, soweit diese außerhalb ihrer weisungsgebundenen Tätigkeit als unabhängige Rechtsanwälte auftreten und handeln. Keine Anwälte sind hingegen die als Insolvenzverwalter, Testamentsvollstrecker oder Vormund tätigen und einer Aufsicht unterstehenden Rechtsanwälte, da der Täter gerade als Anwalt und damit als unabhängiger Sachwalter bzw. unabhängiges Organ der Rechtspflege tätig werden muss. Taugliche Täter sind zudem andere Rechtsbeistände. Dieses sind insbesondere die Rechtsbeistände nach dem früheren Rechtsberatungsgesetz bzw. Rechtsdienstleistungsgesetz, Prozessvertreter vor dem Arbeits- oder Sozialgerichten, zum Verteidiger bestellte Rechtskundige, Hochschullehrer als Verteidiger nach § 138 StPO sowie Verteidiger nach § 392 AO. Weiterhin muss dem Anwalt eine Angelegenheit (persönlich) anvertraut worden sein. Unter Anvertrauen versteht man die Übertragung der Interessenwahrnehmung auf den Rechtsanwalt in seiner Funktion als unabhängiger Sachwalter. Es handelt sich um die Auftragserteilung, bei welcher weder ein besonderes Vertrauensverhältnis bestehen, noch ein Geheimnis offenbart werden muss. Die Rechtsprechung des Bundesgerichtshofes geht für die strafrechtliche Beurteilung im Rahmen des § 356 StGB davon aus, dass eine Rechtssache grundsätzlich nur einem Mitglied einer Sozietät persönlich anvertraut werden kann, wobei es auf den Willen des Mandanten ankommt (keine strafrechtliche Sozietätserstreckung). An einer solchen Mandatsbeschränkung auf das jeweilige Sozietätsmitglied ändert es auch nichts, dass die Prozessvollmacht auf die Namen aller Sozien lautet. Demgegenüber wird bei der berufsrechtlichen Beurteilung der Interessenkollision nach § 43a Abs. 4 BRAO und § 3 BORA eine zeitlich uneingeschränkte Sozietätserstreckung angenommen. Als Tathandlung im Sinne von § 356 Abs. 1 StGB ist anzusehen, dass der Täter in derselben Rechtssache beiden Parteien pflichtwidrig dient. Dienen ist eine Tätigkeit rechtlicher oder tatsächlicher Art, durch welche das Interesse des Auftraggebers gefördert werden soll. Darunter fallen außerprozessuale sowie prozessuale Tätigkeiten. Die Tätigkeit muss auf die Förderung der Parteiinteressen abzielen. Die bloße Mandatserteilung oder Annahme bzw. Ablehnung oder Widerruf des Mandats sowie rein vorbereitende Handlungen stellen noch kein Dienen im Sinne des § 356 StGB dar.8 Es muss zudem dieselbe Rechtssache vorliegen. Rechtssachen sind alle Angelegenheiten, bei denen mehrere Beteiligte (möglicherweise) entgegengesetzte Interessen haben könnten.9 Dieselbe Rechtssache liegt vor, wenn der sachlich rechtliche Inhalt des anvertrauten Interesses, d.h. das materielle Rechtsverhältnis identisch bzw. teilidentisch ist. Die gleichen Parteien müssen beteiligt sein. Zwischen den Parteien braucht noch kein Streit hervorgetreten zu sein. Ausreichend ist ein potentieller Interessengegensatz. Es ist nicht erforderlich, dass sie einander kennen oder von den widerstreitenden Belangen etwas wissen. Pflichtwidrig ist das Dienen dann, wenn der Täter einer Partei Rat und Beistand leistet, nachdem er einer anderen Partei in derselben Sache, aber im entgegengesetzten Sinne, bereits Rat und Beistand gewährt hat.10 Entscheidend ist insoweit der Interessengegensatz zwischen den Parteien, denen der Anwalt dient.
7 Schönke/Schröder/Cramer, § 356 StGB Rn 11. 8 Schönke/Schröder/Cramer, § 356 StGB Rn 11. 9 Vgl. Schönke/Schröder/Cramer, § 356 Rn 11 m.w.N. 10 Vgl. Schönke/Schröder/Cramer, § 356 Rn 17 m.w.N.
Ob der Interessengegensatz und damit die Interessen der Parteien objektiv, d.h. vom Standpunkt der Parteien, also nach der objektiven Interessenlage oder subjektiv zu bestimmen sind und damit aus der ggf. unvernünftigen Sicht des Mandanten, ist strittig.11 Im Grundsatz dürfte das konstitutive Parteiinteresse im Ausgangspunkt subjektiv und damit aus Sicht des Mandanten zu bestimmen sein, da der Mandatsinhalt immer subjektiv von dem Mandanten vorgegeben wird und damit zwingend subjektiv sein muss. Jedoch ist die subjektive Sichtweise nur dann bestimmend, sofern und soweit der Mandant über die objektive Interessenlage aufgeklärt worden ist. Ob auf Grundlage der Interessenautonomie eine Beschränkung oder eine bestimmte inhaltliche Ausrichtung des Mandats den Interessengegensatz ausschließen bzw. von vorn herein nicht entstehen lassen, hängt damit davon ab, dass der Mandant sachgerecht informiert und urteilsfähig ist und frei entscheidet. Eine den Interessengegensatz ausschließende Beschränkung – oder besser Zielausrichtung 24 – des Mandats findet bei der Tätigkeit des Anwalts als Mediator statt. Dieser dient beiden Parteien und handelt durch die Begrenzung des Mandats im Rahmen eines weiteren Beurteilungsspielraumes zur Gewinnung von praktischen Konfliktlösungen. Ihm ist es aber untersagt, neben oder nach der Mediation in derselben Rechtssache eine der Parteien gegen die andere zu vertreten. Für den subjektiven Tatbestand des § 356 StGB ist vorsätzliches Handeln erforderlich, wo25 bei bedingter Vorsatz ausreicht. Eine bestimmte Absicht ist nicht erforderlich. Irrt der Anwalt über die tatsächlichen Voraussetzungen des Tatbestandsmerkmals „derselben Sache“ und zwar über den Umfang, faktische Umstände von Auftrag und Sachverhalt sowie betroffenen Personen, schließt dies den Vorsatz als Tatbestandsirrtum gem. § 16 StGB aus. Verkennt der Anwalt trotz Kenntnis der Sachlage den rechtlichen Zusammenhang, liegt ein Verbotsirrtum im Sinne von § 17 StGB vor, der die Schuld ausschließt, sofern er unvermeidbar ist oder andernfalls zu einer möglichen Strafmilderung führen kann. Der Irrtum über die Pflichtwidrigkeit kann vorsatzausschließender Tatbestandsirrtum oder Verbotsirrtum sein. Ein Irrtum über die tatsächlichen Voraussetzungen eines bestehenden Interessengegensatzes sind vorsatzausschließend im Sinne von § 16 StGB. Nimmt der Anwalt hingegen eine rechtsirrige Bewertung vor und verkennt darauf hin den Interessengegensatz, liegt ein Verbotsirrtum im Sinne von § 17 StGB vor. Die Unvermeidbarkeit setzt allerdings die Erfüllung einer gesteigerten Prüfungs- und Sorgfaltspflicht des Rechtsanwalts voraus. Ein Verbotsirrtum ist insbesondere vermeidbar, wenn der Anwalt seinen Zweifeln nicht gründlich nachgegangen ist und weder den Rat der Rechtsanwaltskammer noch den Rat eines erfahrenen Kollegen eingeholt hat. 26 Die Einwilligung des bzw. der Mandanten vermag die Pflichtwidrigkeit und damit bereits die Tatbestandsmäßigkeit auszuschließen, sofern die Mandanten über die objektive Interessenlage aufgeklärt und urteilsfähig sind. Darüber hinaus hat die Einwilligung für die Frage der Rechtswidrigkeit der Tat keine weitere Bedeutung. Die Einwilligung schließt die Rechtswidrigkeit nicht aus und stellt damit auch keinen Rechtfertigungsgrund dar. Denn die von § 356 StGB geschützte Funktionsfähigkeit der Rechtspflege ist nicht disponibel. 23
b) Verbot der Vertretung widerstreitender Interessen, § 43a Abs. 4 BRAO 27 Gemäß § 43a Abs. 4 BRAO darf der Rechtsanwalt keine widerstreitenden Interessen vertreten. Das ungeschriebene Tatbestandsmerkmal derselben Rechtssache liegt vor, wenn in bei28 den Sachverhalten ein- und derselbe historische Vorgang von rechtlicher Bedeutung sein kann. Ein längerer Zeitablauf oder ein Wechsel der beteiligten Personen ändert nichts an dem Vorliegen derselben Rechtssache.
11 Vgl. zum Meinungsbild Offermann-Burckart, NJW 2010, 2489, 2490 f.
Vertreten im Sinne von § 43a Abs. 4 BRAO meint jede rechtlich relevante berufliche gerichtliche und außergerichtliche Tätigkeit des Rechtsanwalts, insbesondere die Vertretung und die Beratung.12 Hierunter fällt jede rechtlich relevante Tätigkeit des Rechtsanwalts. Bei einem Rechtsanwalt, der als Mediator tätig ist, liegt kein Verstoß vor, soweit der Rechtsanwalt nur als Mediator tätig bleibt. Das Verbot der Vertretung widerstreitender Interessen greift allerdings dann, wenn der Rechtsanwalt anschließend eine der Parteien vertritt.13 Gleiches dürfte für den Rechtsanwalt gelten, der von mehreren Gründern damit beauftragt wird, einen Gesellschaftsvertrag zu entwerfen. Soweit der Anwalt hier die Mandanten über möglicherweise auftretende objektive Interessengegensätze aufklärt und im gemeinsamen Interesse der Mandanten tätig ist, dürfte kein Verstoß vorliegen. Tritt jedoch ein Interessenwiderstreit offen zu Tage, hat der Rechtsanwalt das Mandat niederzulegen und darf für keinen der Gründer bei der Gründung tätig sein. Demnach sollte der Rechtsanwalt von vornherein nur für einen Mandanten tätig werden. Es müssten widerstreitende Interessen vorliegen. Die kollidierenden Interessen müssen von rechtlich relevanter Art sein. Hingegen reicht der bloße Anschein eines Interessengegensatzes nicht aus. Zur Bestimmung der Interessenrichtung ist ebenso wie bei § 356 StGB nach strittiger aber wohl überwiegender Auffassung vom subjektiven Standpunkt des Mandanten bzw. der Partei auszugehen. Instruktiv für die Beurteilung eines Interessengegensatzes im gesellschaftsrechtlichen Mandat ist der Fall des OLG Koblenz.14 Danach war eine Rechtsanwaltssozietät sowohl für die Gründungsgesellschafter und Initiatoren eines Windkraftfonds als auch für den Windkraftfonds selbst anwaltlich beratend tätig. Die Tätigkeit der Anwälte für den Windkraftfonds erstreckte sich auf die Beratung bei dem Erwerb und dem Betrieb der Windkraftanlagen. Hierzu wurde ein Vertrag zwischen der Fondsgesellschaft und einer Vertriebsgesellschaft, die mit den Gründungsgesellschaftern verbunden war, abgeschlossen. Nachdem der Fondsgesellschaft zahlreiche Anleger beigetreten waren und die Geschäftsführung ausgewechselt wurde, berief sich die Fondgesellschaft auf eine Unwirksamkeit des anwaltlichen Beratungsvertrages gem. § 134 BGB i.V.m. § 43a Abs. 4 BRAO, da die Rechtsanwälte auch für die Gruppe der Initiatoren und Gründungsgesellschafter tätig waren und letztere andere Interessen verfolgen als die Anleger des Fonds. Das OLG Koblenz verneinte einen Interessengegensatz. Denn bei Abschluss des Anwaltsvertrages bestand sowohl zwischen der ursprünglichen Fondsgesellschaft sowie deren Gründungsgesellschaftern und auch der mit diesen verbundenen Vertriebsgesellschaft eine Interessengleichrichtung und zwar das einheitliche Interesse, den Windpark zu errichten und zu betreiben und hierfür Anleger zu gewinnen. Demgemäß bestand zwischen der Fondgesellschaft und deren Vertragspartnerin in der damaligen Konzeptionsphase kein Interessengegensatz, da diese ein einheitliches Ziel verfolgten. Für eine Ahndung des Verstoßes reicht nach § 113 BRAO im Gegensatz zu § 356 StGB Fahrlässigkeit aus.
c) § 3 BORA/Sozietätserstreckung
§ 3 BORA Der Rechtsanwalt darf nicht tätig werden, wenn er eine andere Partei in derselben Rechtssache im widerstreitenden Interesse bereits beraten oder vertreten hat oder mit dieser Rechtssache in sonstiger Weise im Sinne der §§ 45, 46 BRAO beruflich befasst war.
12 Kleine-Cosack, § 43a BRAO Rn 97. 13 Kleine-Cosack, § 43a BRAO Rn 102. 14 OLG Koblenz NJW-RR 2007, 1003, 1005.
Das Verbot des Abs. 1 gilt auch für alle mit ihm in derselben Berufsausübungs- oder Bürogemeinschaft gleich welcher Rechts- oder Organisationsform verbundenen Rechtsanwälte. S. 1 gilt nicht, wenn sich im Einzelfall die betroffenen Mandanten in den widerstreitenden Mandaten nach umfassender Information mit der Vertretung ausdrücklich einverstanden erklärt haben und die Belange der Rechtspflege nicht entgegenstehen. Informationen und Einverständniserklärung sollen in Textform erfolgen. 3) Die Abs. 1 und 2 gelten auch für den Fall, dass der Rechtsanwalt von einer Berufsausübungsoder Bürogemeinschaft zu einer anderen Berufsausübungs- oder Bürogemeinschaft wechselt. 4) Wer erkennt, dass er entgegen den Abs. 1–3 tätig ist, hat unverzüglich seinen Mandanten davon zu unterrichten und alle Mandate in derselben Rechtssache zu beenden. 5) Die vorstehenden Regelungen lassen die Verpflichtung zur Verschwiegenheit unberührt. 34 Das nach § 43a Abs. 4 BRAO zunächst nur auf den Einzelanwalt zugeschnittene Tätigkeitsverbot wird gemäß § 3 Abs. 2 S. 1 BORA auf die Berufsausübungsgemeinschaft und Bürogemeinschaft unabhängig von ihrer Rechtsform erstreckt (Sozietätserstreckung).15 Die Erstreckung dürfte aufgrund der Ermächtigungsgrundlage des § 59 b BRAO gedeckt sein, wonach Einzelheiten der Berufspflichten in der Berufsordnung und zwar mit Blick auf Interessenkollisionen in § 3 BORA näher geregelt werden. 35 Nach § 3 Abs. 2 S. 2 BRAO gilt die Sozietätserstreckung und ein daraus folgendes Tätigkeitsverbot nicht, wenn sich die betroffenen Mandanten nach umfassender Information mit der Vertretung ausdrücklich einverstanden erklärt haben und die Belange der Rechtspflege nicht entgegenstehen. Ein Einverständnis nah § 3 Abs. 2 S. 2 BRAO gilt nach h.M. nur für die Berufsausübungs- oder Bürogemeinschaft, nicht allerdings für den Einzelanwalt.16 Ob bei diesem ein Interessenwiderstreit dann ausscheidet, wenn der Mandant mit einer Tätigkeit einverstanden ist, hängt wiederum davon ab, ob man zur Bestimmung des Interesses auf die objektive Sachlage oder auf das subjektive Interesse des Mandanten abstellt. Die Frage wird weiterhin nicht einheitlich behandelt. Eine nicht unbeachtliche Unsicherheit verbleibt. Der Rechtsanwalt sollte deshalb im Zweifel nicht auf ein Einverständnis und dessen Wirkung vertrauen und das Mandat eher ablehnen. Weiterhin ordnet § 3 Abs. 4 BORA an, dass alle Mandate in derselben Rechtssache zu be36 enden sind, sobald der Anwalt seinen Verstoß erkannt hat. Hierbei hat der Rechtsanwalt gem. § 3 Abs. 5 BORA seine weiterhin fortbestehende Verschwiegenheitsverpflichtung zu beachten. Dies bedeutet, dass der Rechtsanwalt die Mandanten jeweils über das Tätigkeitsverbot und die Mandatsniederlegung informiert. Jedoch darf der Anwalt hierbei nicht im Einzelnen die Umstände und insbesondere nicht den anderen Mandanten und dessen Ziele etc. mitteilen. Bereits die Benennung des anderen Mandanten dürfte die Verschwiegenheitsverpflichtung verletzen.
d) Fallbeispiele für Interessenkollisionen 37 Rechtsanwalt R wird von G1 und G2 gebeten, einen Gesellschaftsvertrag zu entwerfen und G1 und G2 bei der Auswahl der passenden Rechtsform zu beraten. Solange die Interessen von G1 und G2 übereinstimmend sind und damit gleichgerichtete Interessen vorliegen, steht einer Tätigkeit von R nichts entgegen, sofern er G1 und G2 über das Vorliegen eines objektiven Interessengegensatzes hinreichend aufgeklärt hat und beide urteilsfähig sind. R hat jedoch darauf Acht zu geben, dass er das Mandat sowohl mit G1 als auch mit G2 sofort niederlegt, falls Interessengegensätze zwischen G1 und G2 entstehen. Sollte er nicht sicher sein, ob im Verlauf seiner Tätigkeit über die Gründung der Gesellschaft Interessengegensätze zwischen G1 und G2 deutlich werden,
15 Kleine-Cosack, Anh. I 1, Rn 8. 16 Vgl. zum Meinungsbild Offermann-Burckart, a.a.O. S. 2491 m.w.N.
sollte er sich von vorn herein für die Beratung eines der Gesellschafter entscheiden und dies deutlich machen. Gleiche Überlegungen gelten, wenn der Rechtsanwalt von mehreren Gesellschaftern mandatiert wird, diese beim Verkauf ihrer Anteile an Dritte zu beraten bzw. zu vertreten. Auch hier können im Verlauf der Transaktion entgegenstehende Interessen zutage treten. Rechtsanwalt R hat in der Vergangenheit die A-GmbH beraten. Geschäftsführer der A-GmbH 38 ist B. Da sich die A-GmbH in einer Krise befindet, bittet B den Rechtsanwalt R, ihn mit Blick auf seine Pflichten in der Krise bzw. Sanierung zu beraten. Der Rechtsanwalt R sollte das Mandat, das ihm von B angetragen wurde, nicht annehmen. Er hat in der Vergangenheit die rechtlichen Interessen der A-GmbH vertreten. Bei der gewünschten Tätigkeit für B im Zusammenhang mit der Sanierung der A-GmbH dürfte der historische Lebensvorgang der bisherigen Tätigkeit der AGmbH relevant werden. Dieser historische Lebenssachverhalt dürfte auch für eine Beratung des B eine Rolle spielen. Denn es kann nicht ausgeschlossen werden, dass sich aufgrund der bisherigen Geschäftsführertätigkeit etwaige Schadensersatzansprüche der A-GmbH gegen B ergeben. Ein weiteres Beispiel für den Verstoß gegen das Verbot widerstreitender Interessen aus § 43a 39 Abs. 4 BRAO bildet ein vom AG Duisburg in 2007 entschiedener Fall.17 Danach verstößt ein Rechtsanwalt gegen das Verbot der Vertretung widerstreitender Interessen aus § 43a Abs. 4 BRAO, wenn er in einem Insolvenzverfahren zugleich einen Drittschuldner oder einen Interessenten für die Übernahme von Teilen der Insolvenzmasse und einen Insolvenzgläubiger vertritt. In dem Fall wurde über das Vermögen einer GmbH & Co. KG das Insolvenzverfahren eröffnet und Rechtsanwalt A zum Insolvenzverwalter bestellt. Rechtsanwalt A hatte Verhandlungen mit den Kommanditisten über die Übernahme von Gegenständen des schuldnerischen Vermögens geführt. Nach Eröffnung des Insolvenzverfahrens wurde ein Kaufvertrag zwischen dem Insolvenzverwalter und den Kommanditisten abgeschlossen. Hierbei wurden die Kommanditisten durch den Rechtsanwalt T vertreten. Rechtsanwalt T vertrat später zudem eine Gläubigerin der insolventen Gesellschaft. Rechtsanwalt T, der zugleich die Kommanditisten als auch eine Gläubigerin im Insolvenzverfahren vertritt, verstößt gegen das Verbot widerstreitender Interessen. In dem Beschluss führte dies dazu, dass die Stimmabgabe des Rechtsanwalts T für die Gläubigerin der Gläubigerversammlung unwirksam war, weil nicht nur der Anwaltsvertrag sondern auch die Stimmrechtsvollmacht gemäß § 134 BGB nichtig war.
2. Tätigkeitsverbote wegen Vorbefassung – § 45 BRAO Neben dem Verbot der Vertretung widerstreitender Interessen ist das (nicht-) anwaltliche Tätig- 40 keitsverbot wegen (nicht-) anwaltlicher Vorbefassung aus § 45 BRAO bei der Mandatsaufnahme zu beachten.
§ 45 BRAO – Versagung der Berufstätigkeit Der Rechtsanwalt darf nicht tätig werden: 1. wenn er in derselben Rechtssache als Richter, Schiedsrichter, Staatsanwalt, Angehöriger des öffentlichen Dienstes, Notar, Notarvertreter oder Notariatsverwalter bereits tätig geworden ist; 2. wenn er als Notar, Notarvertreter oder Notariatsverwalter eine Urkunde aufgenommen hat und deren Rechtsbestand oder Auslegung streitig ist oder die Vollstreckung aus ihr betrieben wird; 3. wenn er gegen den Träger des von ihm verwalteten Vermögens vorgehen soll in Angelegenheiten, mit denen er als Insolvenzverwalter, Nachlassverwalter, Testamentsvollstrecker, Betreuer oder in ähnlicher Funktion bereits befasst war;
17 AG Duisburg, Beschl. v. 8.10.207, 62 IN 32/07, ZIP 2007, 2429, 2433.
wenn er in derselben Angelegenheit außerhalb seiner Anwaltstätigkeit oder einer sonstigen Tätigkeit im Sinne des § 59a Abs. 1 S. 1 BRAO bereits beruflich tätig war; dies gilt nicht, wenn die berufliche Tätigkeit beendet ist. Dem Rechtsanwalt ist es untersagt: 1. in Angelegenheiten, mit denen er bereits als Rechtsanwalt gegen den Träger des zu verwaltenden Vermögens befasst war, als Insolvenzverwalter, Nachlassverwalter, Testamentsvollstrecker, Betreuer oder in ähnlicher Funktion tätig zu werden; 2. in Angelegenheiten, mit denen er bereits als Rechtsanwalt befasst war, außerhalb seiner Anwaltstätigkeit oder einer sonstigen Tätigkeit im Sinne des § 59a Abs. 1 S. 1 BRAO beruflich tätig zu werden. Die Verbote der Absätze 1) und 2) gelten auch für die mit dem Rechtsanwalt in Sozietät oder in sonstiger Weise zur gemeinschaftlichen Berufsausübung verbundenen oder verbunden gewesenen Rechtsanwälte und Angehörige anderer Berufe und auch soweit einer von diesem im Sinne der Abs. 1) und 2) befasst war.
41 § 45 BRAO wirkt in zwei Richtungen. Zum einen verbietet er die anwaltliche Tätigkeit bei nichtanwaltlicher Vorbefassung des Anwalts, § 45 Abs. 1 BRAO. Zum anderen verbietet er dem Rechtsanwalt die nicht anwaltliche Tätigkeit wegen anwaltlicher Vorbefassung, vgl. § 45 Abs. 2 BRAO. § 45 Abs. 1 BRAO dient dem Zweck, die aus der Vorbefassung resultierende Gefahr von Interessenkollisionen zu vermeiden. § 45 Abs. 2 BRAO schützt die „Reinheit“ des anwaltlichen Berufsbildes.
a) Notarielle Vorbefassung, § 45Abs. 1 Nr. 1 und Nr. 2 BRAO 42 Das anwaltliche Tätigkeitsverbot wegen nichtanwaltlicher Vorbefassung hat insbesondere für Anwaltsnotare große Bedeutung. Sobald sich ein Rechtsanwaltsnotar als Notar – in welcher notariellen Amtstätigkeit auch immer18 – mit einer Rechtssache befasst, ist diese für ihn anwaltlich gesperrt. 19 Der Rechtsanwaltsnotar sollte bei Tätigkeiten, welche nach § 24 Abs. 2 BNotO sowohl der notariellen Amtstätigkeit aber auch der anwaltlichen Tätigkeit zugeordnet werden können, genau abwägen und entscheiden, ob er als Rechtsanwalt oder als Notar handelt und dieses unmissverständlich nach außen klarstellen. Dieses hat – wie unter Ziffer II. erläutert erhebliche Auswirkungen auf seine Rechtsstellung. Als Beispiel für das anwaltliche Tätigkeitsverbot gem. § 45 Abs. 1 Nr. 1 BRAO wegen no43 tarieller Vorbefassung ist der Fall eines Anwaltsnotars zu nennen, der die Satzung einer Gesellschaft mit beschränkter Haftung beurkundete und die Errichtung der Gesellschaft sowie die Bestellung des Geschäftsführers zum Handelsregister anmeldete und Jahre später von dem damaligen Gesellschafter mit der anwaltlichen Interessenvertretung zur Abwehr von etwaigen offenen Einlageansprüchen beauftragt wird. Der Anwaltsnotar durfte das anwaltliche Mandant, auch wenn zwischen der Gründung und der Abwehr der Ansprüche der GmbH ein langer Zeitraum liegen mag, wegen seiner notariellen Vorbefassung gemäß § 45 Abs. 1 Nr. 1 BRAO nicht annehmen.20
b) Vorbefassung als Vermögensverwalter, § 45 Abs. 1 Nr. 3 BRAO 44 § 45 Abs. 1 Nr. 3 BRAO will den Anschein vermeiden, der Rechtsanwalt wolle aus seiner Tätigkeit als Insolvenzverwalter etc. gewonnenes Insiderwissen für seine anwaltliche Tätigkeit ausnut-
18 Vgl. zu den Amtstätigkeiten: Sandkühler nachfolgend zu § 2. 19 Vgl. Kleine-Cosack, § 45 Rn 14 m.w.N. 20 Vgl. hierzu instruktiv BGH, Urt. v. 21.10.2010, IX ZR 48/10, NZG 2010, 1390.
zen.21 Die Regelung ist verfassungskonform dahingehend einschränkend auszulegen und greift nicht ein, wenn keine Interessenkollision besteht und auch keine Gefahr der Ausnutzung besonderer Insiderkennnisse besteht und die Tätigkeit dem Vermögensträger dient oder der Rechtsanwalt als Insolvenzverwalter mit seiner anwaltlichen Tätigkeit seine Amtspflicht als Insolvenzverwalter erfüllt.22
c) Sonstige außeranwaltliche Vorbefassung, § 45 Abs. 1 Nr. 4 BRAO Auch § 45 Abs. 1 Nr. 4 BRAO ist im Lichte von Art. 12 GG verfassungskonform und einschränkend 45 auszulegen. Danach reicht nicht jede nichtanwaltliche Vortätigkeit für das Tätigkeitsverbot aus § 45 Abs. 1 Nr. 4 BRAO aus. Hierfür muss die Gefahr bestehen, dass Weisungen und Richtlinien des Vertragspartners, denen der Anwalt aus seiner nichtanwaltlichen Tätigkeit unterworfen ist, in die anwaltliche Tätigkeit hineinwirken und mit der anwaltlichen Unabhängigkeit und Bindungsfreiheit kollidieren. Demnach kommt es darauf an, ob der Anwalt aus seiner nichtanwaltlichen Tätigkeit rechtlich und tatsächlich einer richtungsgebenden Einflussnahme unterliegt.23 Das OLG Koblenz hat in der oben zur Frage der Interessenkollision aufgeführten Entschei- 46 dung (Vgl. vorstehend Ziffer III 1 b Rn 32) das Tätigkeitsverbot aus § 45 Abs. 1 Nr. 4 BRAO für einen Rechtsanwalt verneint, dessen Sozius zugleich Aufsichtsratsmitglied war. Begründet hat das OLG dieses unter anderem damit, dass für ein selbständig tätiges Aufsichtsratsmitglied nicht ersichtlich ist, dass es Weisungen unterliegt, die in die Berufsausübung hineinwirken.
d) Anwaltliche Vorbefassung, § 45 Abs. 2 Nr. 1 und Nr. 2 BRAO Ein Beispiel für das Tätigkeitsverbot nach § 45 Abs. 2 Ziff. 1 BRAO bildet der vom Anwaltsge- 47 richtshof Rostock am 27.3.2009 entschiedene Fall:24 Rechtsanwalt A vertrat eine GmbH und erwirkte für diese ein Versäumnisurteil gegen eine GmbH & Co. KG. Die Zwangsvollstreckung war ebenso erfolglos wie der Insolvenzantrag über das Vermögen der GmbH & Co. KG. Rechtsanwalt A erreichte es, sich in der Folgezeit zum Nachtragsliquidator der GmbH & Co. KG bestellen zu lassen. Damit hat Rechtsanwalt A gegen das Tätigkeitsverbot aus § 45 Abs. 2 Ziff. 1 BRAO verstoßen. Denn der Rechtsanwalt sei zunächst als Prozessbevollmächtigter für die GmbH gegen die GmbH & Co. KG tätig geworden. Sodann ist der Rechtsanwalt als Nachtragsliquidator für die GmbH & Co. KG tätig geworden. Die Tätigkeit als Nachtragsliquidator ist eine Tätigkeit „in ähnlicher Funktion“ im Sinne des § 45 Abs. 2 Nr. 1 BRAO. Weiterhin hat sich die Vertretung widerstreitender Interessen, die durch dieses Tätigkeitsverbot verhindert werden sollte, bereits verwirklicht. In ähnlicher Funktion, so der Anwaltsgerichtshof, handelt ein Rechtsanwalt, wenn er nicht als unabhängiger Sachwalter von Parteiinteressen tätig wird, sondern unter gerichtlicher oder behördlicher Kontrolle ein ihm übertragenes Amt ausübt.25 Exemplarisch für einen Verstoß gegen § 45 Abs. 2 Nr. 2 BRAO ist der vom OLG Köln am 48 20.12.200726 entschiedene Fall. Darin hatte ein Rechtsanwalt zunächst einzelne Gesellschafter gegenüber einer Gesellschaft bürgerlichen Rechts vertreten. Sodann übernahm dieser Rechtsanwalt die Funktion des geschäftsführenden Bevollmächtigten der Gesellschaft, wobei der frühere Mandant (Gesellschafter) mit der Übernahme dieser Tätigkeit sogar einverstanden war. Das OLG Köln entschied, dass die nichtanwaltliche Tätigkeit des Rechtsanwalts als geschäftsführen-
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Vgl. Kleine-Cosack, § 45 BRAO Rn 187 m.w.N. Vgl. Kleine-Cosack, zu § 45 BRAO Rn 22. Vgl. OLG Koblenz NJW-RR 2007, 1003 ff. AnwGH Rostock BRAK-Mitteilungen 2009, 242. Vgl. AnwGH Rostock, a.a.O., m.w.N. OLG Köln, Urt. v. 20.12.2007 – AZ: 18 U 214/06, NJW-RR 2008, 933–935.
der Bevollmächtigter der Gesellschaft gegen § 45 Abs. 2 Nr. 2 BRAO verstößt. Hingegen sei der Rechtsanwalt nicht gehindert, künftig die Gesellschaft anwaltlich gegenüber Dritten zu vertreten. Schlussendlich stellte das Gericht fest, dass – gegenüber dem aus § 45 Abs. 1 Ziff. 4 BRAO folgendem Tätigkeitsverbot – § 45 Abs. 2 Ziff. 2 BRAO nicht verlangt, dass die gem. § 45 Abs. 1 Nr. 4 BRAO vorherige Tätigkeit außerhalb der Anwaltstätigkeit noch nicht beendet ist.
3. Tätigkeitsverbote für Syndizi – § 46 BRAO 49 Für den „inhouse counsel“ ist das Tätigkeitsverbot aus § 46 BRAO zu beachten. § 46 BRAO ordnet für den in einem ständigen Dienstverhältnis beschäftigten Rechtsanwalt, d.h. Syndikusanwalt Tätigkeitsverbote wegen möglicher fehlender anwaltlicher Unabhängigkeit an. § 46 BRAO – Rechtsanwälte in ständigen Dienstverhältnissen (1) Der Rechtsanwalt darf für einen Auftraggeber, dem er aufgrund eines ständigen Dienst- oder ähnlichen Beschäftigungsverhältnisses seine Arbeitszeit und -kraft zur Verfügung stellen muss, vor Gerichten oder Schiedsgerichten nicht in seiner Eigenschaft als Rechtsanwalt tätig werden. (2) Der Rechtsanwalt darf nicht tätig werden: 1. wenn er in derselben Angelegenheit als sonstiger Berater, der in einem ständigen Dienstoder ähnlichen Beschäftigungsverhältnis Rechtsrat erteilt, bereits rechtsbesorgend tätig geworden ist; 2. als sonstiger Berater, der in einem ständigen Dienst- oder ähnlichen Beschäftigungsverhältnis Rechtsrat erteilt, wenn er mit derselben Angelegenheit bereits als Rechtsanwalt befasst war. (3) Die Verbote des Absatzes 2 gelten auch für die mit dem Rechtsanwalt in Sozietät oder in sonstiger Weise zur gemeinschaftlichen Berufsausübung verbundenen oder verbunden gewesenen Rechtsanwälte und Angehörigen anderer Berufe und auch insoweit einer von diesen im Sinne des Absatzes 2 befasst war. 50 § 46 Abs. 1 BRAO ist im Lichte von § 12 Abs. 1 GG verfassungskonform auszulegen, dass „ständiges Dienst- oder ähnliches Beschäftigungsverhältnis“ nur eine solche Vertragsbeziehung fällt, bei der die Gefahr einer Interessenkollision bestehen kann.27 Beispiel für eine Verletzung von § 46 Abs. 1 BRAO ist folgender vom Anwaltsgerichtshof München entschiedener Fall: RA1 und RA2 sind alleinige Gesellschafter und Geschäftsführer einer GmbH. Die Rechtsanwaltskammer belehrte RA 1 und RA 2 darüber, dass sie die GmbH als Rechtsanwälte vor Gerichten und Schiedsgerichten gemäß § 46 BRAO nicht vertreten dürfen. Der von RA 1 und RA 2 angerufene Anwaltsgerichtshof bestätigte die Ansicht der Rechtsanwaltskammer. RA 1 und RA 2 sind Geschäftsführer und damit gegenüber den Gesellschaftern weisungsabhängig und damit nicht unabhängig. Der Umstand, dass RA 1 und RA 2 alleinige Gesellschafter waren, ändert daran nichts. Denn zur Beurteilung der Weisungsabhängigkeit und damit der Gefährdung der anwaltlichen Unabhängig reiche bereits eine denkbare Einschränkung der Unabhängigkeit aus. Im vorliegenden Fall, so der Anwaltsgerichtshof, wäre es denkbar, dass RA1 und/oder RA 2 ihre Geschäftsanteile veräußern und dann ihre Unabhängigkeit durch Weisungen Dritter beeinträchtigt sein könnte.28 § 46 Abs. 2 BRAO ist verfassungskonform dahingehend einzuschränken, dass nach Beendi51 gung des Anstellungsverhältnisses ein anwaltliches Handeln für den früheren Arbeitgeber uneingeschränkt möglich sein muss.29 Ein Beispiel für eine Verletzung des Tätigkeitsverbotes aus
27 BVerfG NJW 2002, 503 f. 28 Vgl. AnwGH München, Beschl. v. 24.3.2004 – BayAGH I – 14/03, GmbHR 2004, 1089. 29 BRAK-Mitteilungen 2009, 190 ff.
§ 46 Abs. 2 Nr. 1 BRAO ist der vom BGH am 25.2.1999 entschiedene Fall. Darin war ein Rechtsanwalt zunächst Angestellter und sodann freier Mitarbeiter eines Unternehmens, wobei er nebenberuflich als Rechtsanwalt tätig sein durfte und war. Für das Unternehmen erstellte er Rechtsgutachten und erhielt für seine Arbeitskraft eine feste monatliche Vergütung. Der Rechtsanwalt erstellte für ein bestimmtes Projekt ein internes Gutachten für das Unternehmen und sollte dann das Gutachten als unabhängiger Rechtsanwalt von seiner Kanzlei aus an einen Dritten versenden. Der Rechtsanwalt verlangte von dem Unternehmen hierfür – über seine Vergütung als freier Mitarbeiter hinaus – Rechtsanwaltsgebühren als Rechtsanwalt, allerdings ohne Erfolg, wie der BGH entschied.30 Der Anwaltsauftrag ist nach § 134 BGB in Verbindung mit § 46 Abs. 2 Nr. 1 BRAO nichtig. Die Stellung als freier Mitarbeiter ändert nichts an der persönlichen Abhängigkeit des Rechtsanwalts.
4. Aufsichtsrats- und Anwaltsmandat, §§ 113, 114 AktG Gerade das gesteigerte Vertrauensverhältnis zwischen Mandanten und Rechtsanwalt sowie des- 52 sen Kompetenz oder schlichtweg auch „Personalmangel“ bei Gründung kleiner Aktiengesellschaften führen in gesellschaftsrechtlichen Mandaten dazu, dass der Rechtsanwalt gebeten wird, über seine Beratungsleistung hinaus Funktionen als Beirat bzw. Aufsichtsrat zu übernehmen. Hierbei sollte sich der Rechtsanwalt darüber im Klaren sein, dass die Wahrnehmung von derartigen Beirats- und Aufsichtsratsmandaten erhebliche Auswirkungen auf sein gesellschaftsrechtliches anwaltliches Mandat haben kann.
a) Kein Tätigkeitsverbot Die Wahrnehmung des Aufsichtsratsmandates für eine Aktiengesellschaft, für die das Aufsichts- 53 ratsmitglied außerhalb seiner Tätigkeit als Rechtsanwalt tätig ist, stellt weder einen Verstoß gegen § 45 Abs. 1 Nr. 4 BRAO noch gegen § 46 BRAO dar. Denn bei verfassungskonformer Auslegung der Begriffe der beruflichen Tätigkeit im Sinne von § 45 Abs. 1 Nr. 4 BRAO bzw. des ständigen Dienstes oder ähnlichen Beschäftigungsverhältnisses im Sinne von § 46 BRAO sind nur solche Vertragsbeziehungen relevant, bei der die Gefahr einer Interessenkollision bestehen kann. Es muss zu besorgen sein, dass die Weisungs- und Richtlinienkompetenz des Arbeitgebers des Zweitberufes in die ausgeübte anwaltliche Tätigkeit hineinwirkt. Danach ist ein Tätigkeitsverbot erst dann gerechtfertigt, wenn die Gefahr besteht, dass Weisungen und Richtlinien des Vertragspartners, denen der Anwalt in seinem Zweitberuf unterworfen ist, in die anwaltliche Tätigkeit hineinwirken und mit der anwaltlichen Unabhängigkeit und Bindungsfreiheit kollidieren.31 Bei der Tätigkeit eines Aufsichtsratsmitglieds bzw. eines Aufsichtsratsvorsitzenden ist dies nicht der Fall. Das Aufsichtsratsmitglied ist unabhängig. Es unterliegt keinen Weisungen, welche in die anwaltliche Tätigkeit hineinwirken und ihre Unabhängigkeit könnten.
b) „Hürden“ aus §§ 113, 114 AktG Zwar verbieten §§ 113, 114 AktG nicht das Mandat als Anwalt und Aufsichtsrat, jedoch können sie 54 zu einem faktischen Tätigkeitsverbot führen bzw. stellen gewisse Hürden für die anwaltliche Tätigkeit bei gleichzeitiger Aufsichtsratstätigkeit auf. Nach § 113 Abs. 1 AktG kann den Aufsichtsratsmitgliedern für ihre Tätigkeit im Aufsichts- 55 rat eine Vergütung gewährt werden. Die Vergütung der Aufsichtsratsmitglieder kann entweder
30 BGH NJW 1999, 1715 ff. 31 Vgl. BVerfG NJW 2002, 503; OLG Koblenz NJW-RR 2007, 1003; OLG Stuttgart, Urt. v. 16.12.2008, 12 U 136/08, juris.de, Rn 36; LG Köln a.a.O.
in der Satzung festgesetzt oder von der Hauptversammlung beschlossen werden. Gem. § 114 Abs. 1 AktG hängt die Wirksamkeit des Vertrages, mit welchem sich ein Aufsichtsratsmitglied außerhalb seiner Tätigkeit im Aufsichtsrat durch einen Dienstvertrag, durch den ein Arbeitsverhältnis nicht begründet wird, oder durch einen Werkvertrag gegenüber der Gesellschaft zu einer Tätigkeit höheren Art verpflichtet, von der Zustimmung des Aufsichtsrates ab. Gewährt die Gesellschaft aufgrund eines solchen Vertrages dem Aufsichtsratsmitglied eine Vergütung, ohne dass der Aufsichtsrat diesem (Anwalts-) Vertrag zugestimmt hat, so hat das Aufsichtsratsmitglied die Vergütung zurück zu gewähren, es sei denn, dass der Aufsichtsrat den Vertrag genehmigt, vgl. § 114 Abs. 2 S. 1 AktG. Daraus folgt: Die Aufsichtsratstätigkeit als solche kann nicht zulässigerweise Gegenstand eines solchen Beratervertrages sein. Deshalb sind Beraterverträge, welche die Aktiengesellschaft mit einem Aufsichtsrat schließt, wegen Umgehung des § 113 AktG gem. § 134 BGB nichtig, wenn die übernommene anwaltliche Beratungstätigkeit von der im Rahmen der Überwachungsaufgabe des Aufsichtsrates bestehenden Beratungspflicht umfasst wird.32 Um Umgehungen des § 113 AktG zu vermeiden und dem Aufsichtsrat zu ermöglichen, eine verantwortliche Prüfung und Abgrenzung vorzunehmen, hat ein Beratungsvertrag im Sinne von § 114 AktG eindeutige Bestimmungen darüber zu enthalten, ob die zu erbringende Leistung außer- oder innerhalb der organschaftlichen Pflichten des Aufsichtsrats liegt und der Vertrag keine verdeckten Sonderzuwendungen enthält. Dazu müssen die speziellen Beratungsgegenstände und das dafür zu entrichtende Entgelt in dem Beratungsvertag aufgeführt und niedergelegt werden, dass sich der Aufsichtsrat ein eigenständiges Urteil über die Art und den Umfang der Leistungen sowie über die Höhe und Angemessenheit der Vergütung bilden kann. Verträge, die diese Anforderungen nicht erfüllen, weil sie Beratungsgegenstände umfassen, die auch zur Organtätigkeit des Aufsichtsrates gehören oder gehören können, sind von vorn herein nicht von § 114 Abs. 1 AktG gedeckt.33 Dies gilt auch für den Fall, dass die Aktiengesellschaft einen Beratungsvertrag mit einer Rechtsanwaltsgesellschaft schließt, an dem das Aufsichtsratsmitglied beteiligt ist und ihm deshalb mittelbar nicht nur ganz geringfügige Zuwendungen für Beratungstätigkeiten zufließen,34 weil aus der Sicht der Gesellschaft die Gefahrenlage dieselbe ist. Im Ergebnis bedeutet dies, dass ein Rechtsanwalt, der eine Aktiengesellschaft gesellschaftsrechtlich berät, durch die Annahme eines Aufsichtsratsmandates regelmäßig nicht mehr wirksam auf Grundlage einer anwaltlichen Vergütungsvereinbarung gesellschaftsrechtliche Beratung und damit vergütungsfähige Leistungen wird erbringen können. In diesen Fällen ist regelmäßig zu raten, das Aufsichtsratsmandat abzulehnen oder die Aufsichtsratsvergütung durch entsprechende Satzungsanpassung bzw. Hauptversammlungsbeschluss entsprechend dem tatsächlichen Aufwand des beratenden Aufsichtsratstätigkeit festzusetzen. Demgegenüber ist es vor dem Hintergrund der §§ 113, 114 AktG unproblematisch, wenn sich die anwaltliche Tätigkeit des Aufsichtsratsmitglieds oder seine Sozietät nicht auf die grundsätzlichen und wichtigen Fragen des Unternehmens, sondern auf die Einzelheiten des Tagesgeschäftes oder die konkrete Umsetzung von Vorstandsbeschlüssen im Detail bezieht, also wenn die anwaltliche Tätigkeit nicht die grundlegenden Fragen der Unternehmenspolitik, sondern das operative Geschäft der Gesellschaft betrifft.35 Da der Bundesgerichtshof die Frage, ob Vergütungen für außerhalb der Aufsichtsratstätigkeit liegenden Aufgaben nachträglich genehmigt werden können, offen gelassen hat, sollte der Anwalt an dieser Stelle besondere Vorsicht walten
32 BGHZ 114, 127 ff; BGHZ 168, 188 ff; BGHZ 170, S. 60 ff.; Hüffer, § 114 AktG, Rn7 m.w.N. 33 Vgl. BGH a.a.O. 34 Vgl. BGH a.a.O. 35 Vgl. OLG Frankfurt/M. ZIP 2005, 2322 ff; LG Köln BeckRS 2012, 02345, Urt. v. 12.1.2012, 91 O 77/11, sehr instruktiv.
lassen. Regelmäßig sollte sich der Anwalt für außerhalb des Aufsichtsrats liegende Tätigkeiten nur dann beauftragen lassen, wenn er zuvor die jeweilige und genau zu beschreibende Tätigkeit durch den Aufsichtsrat genehmigen lässt. Ein solcher Beschluss kann auch in einem 3-köpfigen Aufsichtsrat trotz Stimmverbots des 60 „Anwaltsaufsichtsrates“ getroffen werden. Der Ausschluss des Stimmrechts eines von drei Aufsichtsratsmitgliedern im Einzelfall entsprechend § 34 BGB führt nicht zur Beschlussunfähigkeit des Organs gem. § 108 Abs. 2 S. 3 AktG sondern nur dazu, dass das betreffende Aufsichtsratsmitglied sich bei der Abstimmung der Stimme zu enthalten hat.36 Zudem ist eindringlich darauf hinzuweisen, dass die Tätigkeit des Rechtsanwalts als Auf- 61 sichtsratsmitglied nicht von der anwaltlichen Berufshaftpflichtversicherung abgedeckt ist. Die marktgängigen Versicherungsbedingungen sehen insoweit regelmäßig keine Deckung vor. Wenn der Rechtsanwalt demnach eine derartige Aufsichtsratstätigkeit vornimmt, sollte er darauf achten, dass die Gesellschaft für den Aufsichtsrat bzw. die Aufsichtsratsmitglieder eine ausreichende D&O (Directors & Officers) Versicherung abschließt.
5. Rechtsfolgen der Verstöße gegen Tätigkeitsverbote Der Parteiverrat sieht in seinem Grundtatbestand als Vergehen gemäß § 356 Abs. 1 StGB eine Freiheitsstrafe von 3 Monaten bis zu 5 Jahren vor. In seiner Qualifikation nach § 356 Abs. 2 StGB stellt er ein Verbrechen dar und sieht Freiheitsstrafe von 1 Jahr bis zu 5 Jahren vor. In Betracht kommt zudem ein Berufsverbot nach §§ 61 Nr. 6, 70 ff. StGB. Berufsrechtliche Konsequenzen der Verstöße gegen §§ 43a Abs. 4, 45 ff. BRAO sind die Rüge des Vorstands der Rechtsanwaltskammer nach § 74 BRAO sowie Verhängung anwaltsgerichtlicher Maßnahmen nach §§ 13, 114 BRAO in Gestalt der Warnung, des Verweises, der Geldbuße bis zu 25.000,00 € des ein- bis fünfjährigen Tätigkeitsverbotes und schlussendlich der Ausschließung aus der Rechtsanwaltschaft. Der Anwaltsvertrag, der einen Verstoß gegen die Tätigkeitsverbote aus § 356 StGB und/oder §§ 43a Abs. 4, 45, 46 BRAO bzw. § 3 BORA beinhaltet, ist gemäß § 134 BGB nichtig. Jedoch besteht keine rückwirkende Nichtigkeit des ersten Mandatsvertrages, bevor der zweite Mandatsvertrag abgeschlossen wird, durch den das Tätigkeitsverbot verletzt wird.37 Im Ergebnis geht der Rechtsanwalt bei Verletzung der genannten Tätigkeitsverbote das Risiko ein, „völlig leer“ auszugehen. Denn aufgrund der Nichtigkeit des Anwaltsvertrages und damit auch der Honorarabrede entfallen vertragliche Vergütungsansprüche. Aufwendungsersatzansprüche des Rechtsanwalts aus Geschäftsführung ohne Auftrag gem. §§ 683, 670 BGB scheitern daran, dass der Rechtsanwalt die Aufwendungen und seine Tätigkeit nicht für erforderlich halten durfte. Bereicherungsrechtliche Ansprüche (§§ 812 BGB ff) scheitern ggf. an § 817 S. 2 BGB. Der anwaltliche Beratungsvertrag eines Aufsichtsratsmitglieds, der sich auf eine Aufsichtsratstätigkeit bezieht, ist ebenfalls nach § 134 BGB nichtig und auch nicht etwa nach § 114 AktG genehmigungsfähig. Nach § 114 Abs. 1 AktG ist der Beratungsvertrag, der sich nicht auf eine Aufsichtsratstätigkeit bezieht, zunächst schwebend unwirksam und bei Versagung der Zustimmung endgültig unwirksam.38 In beiden Fällen muss das Aufsichtsratsmitglied die Beratungsvergütung nach § 114 Abs. 2 AktG ohne Aufrechnungsmöglichkeit an die Gesellschaft zurückzahlen.39 Ein Verstoß des Rechtsanwaltes gegen ein Tätigkeitsverbot berührt nicht die Wirksamkeit einer dem Rechtsanwalt erteilten Prozessvollmacht und der von ihm vorgenommenen Prozess-
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BGH, Urt. v. 2.4.2007, II ZR 225/05. Vgl. BGH, Urt. v. 23.4.2009, IX ZR 167/07. Hüffer, § 114 AktG, Rn 7. Hüffer, a.a.O.
handlungen.40 Anderes gilt für den außerprozessualen Wirkungsbereich des Anwalts. Insoweit hat das Amtsgericht Duisburg überzeugend begründet, dass eine einfache Vollmacht, etwa eine Stimmrechtsvollmacht zu Gunsten eines „verhinderten“ bzw. „inhabilen“ Rechtsanwalts, unwirksam ist.41
6. Resümee 67 Die für den Anwalt im gesellschaftsrechtlichen Mandat zu beachtenden Interessen der Beteiligten und die daraus folgenden Tätigkeitsverbote und Besonderheiten sind oftmals nur schwer einzuschätzen und insbesondere für die Zukunft nur bedingt vorherzusehen. Sinnvoll ist es deshalb, dass sich der in gesellschaftsrechtlichen Mandaten tätige Anwalt von vorn herein entscheidet, wen er „gesellschaftsrechtlich“ vertreten will. Die Grundentscheidung lautet dahin, ob der Rechtsanwalt die Gesellschaft selbst, deren Gläubiger, Schuldner, Gesellschafter oder deren Geschäftsführungs- oder Aufsichtsorgane bzw. deren Mitglieder vertreten will. Bei der einmal eingeschlagenen Marschrichtung sollte er bleiben. Verbleiben im Verlauf der Mandatsaufnahme bei der Beurteilung, ob ein Tätigkeitsverbot vorliegt, Zweifel, sollte er sich an erfahrene Kollegen sowie seine Rechtsanwaltskammer wenden und bei verbleibenden Zweifeln das Mandat im Zweifel nicht begründen bzw. niederlegen.
IV. Mandatsannahme 68 Entscheidet sich der Anwalt gegen die Mandatsannahme, ist § 44 BRAO zu beachten. Gem. § 44 BRAO hat der Rechtsanwalt, der in seinem Beruf in Anspruch genommen wird und den Auftrag nicht annehmen will, die Mandatsablehnung unverzüglich zu erklären. Er hat den Schaden zu ersetzen, der aus einer schuldhaften Verzögerung dieser Erklärung entsteht. Bei Annahme des gesellschaftsrechtlichen Mandatsvertrages gelten folgende Besonderhei69 ten:
1. Wer ist Mandant? 70 Bei der Mandatsannahme ist zu bestimmen, wer der Mandant und damit Vertragspartner sein soll. Als Mandanten kommen in Betracht die Gesellschaft selbst, Gesellschafter, die Organe, Gläubiger etc. Insbesondere bei der Gründung und bei Struktur- bzw. Kapitalmaßnahmen von Kapitalge71 sellschaften stellt sich die Frage, ob und in welchem Umfang die anwaltliche Tätigkeit für die Gesellschaft ausgeübt und von dieser vergütet wird oder ob die Gesellschafter bzw. Gründer diese Tätigkeit beauftragen und vergüten. Die vom Gründer bzw. Gesellschafter zu tragenden Beratungskosten im Zusammenhang mit der Gründung der Gesellschaft stellen grundsätzlich Anschaffungskosten der Beteiligung dar und sind zu aktivieren. Werden sie von der Gesellschaft getragen könnten sie ggf. als sofort abzugsfähige Betriebsausgaben geltend gemacht werden. Demnach besteht oftmals der Wunsch, die im Zusammenhang einer Gründung anfallenden Beratungskosten der Gesellschaft möglichst weitestgehend aufzuerlegen. Bei der AG und GmbH sollte der Rechtsanwalt § 26 Abs. 3 AktG beachten, der für beide Gesellschaftsformen gilt. Danach ist der Gesamtaufwand, der zu Lasten der Gesellschaft an Aktionäre oder an andere Personen als Entschädigung oder als Belohnung für die Gründung oder ihre Vorbereitung gewährt
40 Vgl. BGH, Urt. v. 14.5.2009, IX ZR 60/08. 41 Vgl. AG Duisburg, 62 IN 32/07.
wird, in der Satzung gesondert festzusetzen. Wird die Festsetzung nicht vorgenommen, so sind die Verträge und die Rechtshandlungen zu ihrer Ausführung der Gesellschaft gegenüber unwirksam. Damit wäre also auch die Vergütungsvereinbarung unwirksam, wenn die daraus resultierende Vergütung nicht als Gründungsaufwand in der Satzung festgesetzt ist. Soll demnach die Gesellschaft die anwaltliche Vergütung tragen, sollten ggf. vorsorglich die Gründer mitverpflichtet werden. Weiterhin ist steuerlich zu beachten, dass die Finanzverwaltung nur dann der Gesellschaft 72 den Abzug der Gründungskosten als laufenden Aufwand gewährt, wenn die Festsetzung betragsmäßig erfolgt ist. Anderenfalls läge eine verdeckte Gewinnausschüttung vor.42 Für die anlässlich der Kapitalerhöhung einer GmbH anfallenden Kosten gilt das Veranlassungsprinzip. Übernimmt die GmbH die Kosten, die mit der eigentlichen Kapitalerhöhung zusammenhängen, liegt deswegen keine verdeckte Gewinnausschüttung vor, ohne dass es einer besonderen Satzungsregelung über die Kostenübernahme bedürfte. Anders verhält es sich, wenn die GmbH auch diejenigen Kosten trägt, die auf die Übernahme der neuen Kapitalanteile zurückzuführen sind.43
2. Vertretungsfragen bei Abschluss des Anwaltsvertrages Bei der Mandatsannahme und damit bei Abschluss des Mandatsvertrages ist zu klären, wer im 73 Einzelnen die hierfür erforderlichen Willenserklärungen abgeben kann.
a) Auf Seiten des Anwalts Schließt der Einzelanwalt im eigenen Namen den Anwaltsvertrag, stellen sich auf Anwaltsseite 74 keine Vertretungsfragen. Ist der Rechtsanwalt in einer Bürogemeinschaft tätig, gilt Gleiches. Handelt es sich um eine Anwaltssozietät in der Rechtsform der GbR, so müssten, soweit nichts anderes geregelt ist, nach §§ 714, 709 BGB alle Gesellschafter an dem Abschluss des Anwaltsvertrages mitwirken oder den Abschluss des Anwaltsvertrages durch nur einen Gesellschafter zustimmen bzw. genehmigen. Regelmäßig sehen die Sozietätsverträge jedoch vor, dass jeder Gesellschafter bzw. Sozius einzelvertretungsberechtigt sein soll, was die Annahme von Mandaten und damit den Abschluss des Anwaltsvertrages betrifft. Bei der Partnerschaftsgesellschaft sieht § 7 Abs. 3 PartGG i.V.m. § 125 Abs. 1 HGB Einzelvertretungsbefugnis des Gesellschafters vor, sofern nichts Abweichendes im Partnerschaftsgesellschaftsvertrag geregelt ist. Sind Rechtsanwälte in der Rechtsform der GmbH oder AG organisiert, so wird die Rechtsanwalts GmbH oder AG durch die Geschäftsführer oder Vorstände oder durch Bevollmächtigte, insbesondere Prokuristen oder Handlungsbevollmächtigte vertreten.
b) Auf Seiten des Mandanten Beauftragt eine natürliche Person als Gesellschafter, Geschäftsführer, Aufsichtsratsmitglied, 75 Insolvenzverwalter oder Gläubiger den Anwalt mit der Wahrnehmung seiner eigenen Interessen, stellt sich die Frage nach der wirksamen Stellvertretung des Mandanten zumeist nicht. Gleiches gilt, wenn ein Mandant als Gesellschafter im eigenen Namen Ansprüche der Gesellschaft im Rahmen der actio pro socio verfolgen will. Der Gesellschafter wird Mandant und nicht die Gesellschaft. Soll der Anwalt jedoch nach dem Wunsch des ihm gegenüber „Auftretenden und Handeln- 76 den“ die Interessen einer Gesellschaft wahrnehmen und soll die Gesellschaft das anwaltliche
42 BFH DStR 1997, 595–596. 43 BFH GmbHR 2001, 117 f.
Mandat erteilen, hat der Anwalt zu prüfen und sicherzustellen, ob und von wem im Einzelnen die Gesellschaft bei Abschluss des Anwaltsvertrages ordnungsgemäß vertreten wird. Grundsätzlich vertritt die Gesellschaft bzw. die Körperschaft das jeweilige gesetzliche Ver77 tretungsorgan Dritten und damit auch dem Anwalt gegenüber. Das gesetzliche Vertretungsorgan ist nach Maßgabe der betreffenden Rechtsvorschriften grundsätzlich der/die geschäftsführungsbefugte(n) Gesellschafter, der/die Geschäftsführer, der/die Vorstand/Vorstände etc. Der Rechtsanwalt sollte nicht zuletzt im eigenen Interesse zur Begründung eines vollwirksamen Anwaltsvertrages wissen, dass es von dem vorstehenden Grundsatz Ausnahmen gibt, in denen die Gesellschaft nicht durch die Geschäftsführung sondern durch andere Organe vertreten wird.
(1) Vertretung durch Aufsichtsrat 78 Bei Gesellschaften, die über ein Aufsichtsgremium verfügen, kann die Zuständigkeit für die Vertretung der Gesellschaft für den Abschluss des Anwaltsvertrages bei dem Aufsichtsgremium liegen. Regelungen über die Vertretung der Gesellschaft durch den Aufsichtsrat finden sich für die 79 Aktiengesellschaft in den §§ 109, 111, 112 AktG. Gemäß § 109 Abs. 1 S. 2 AktG können zu Aufsichtsratssitzungen Sachverständige und Auskunftspersonen hinzugezogen werden. § 111 Abs. 2 S. 3 AktG sieht vor, dass der Aufsichtsrat dem Abschlussprüfer den Prüfungsauftrag erteilt. Nach § 111 Abs. 2 S. 2 AktG kann der Aufsichtsrat besondere Sachverständige, wozu auch Rechtsanwälte zählen, mit der Überprüfung der Bücher und Geschäftsunterlagen beauftragen. Gem. § 112 AktG vertritt Vorstandsmitgliedern gegenüber der Aufsichtsrat der Gesellschaft gerichtlich und außergerichtlich. Der Aufsichtsrat ist bei der Vornahme von Hilfsgeschäften zur Erfüllung seiner vorgenannten Aufgaben zur Vertretung der Gesellschaft befugt und in diesem Umfange auch zum Abschluss des Anwaltsvertrages. Der Aufsichtsrat hat allerdings zuvor über die Beauftragung des Anwalts zu beschließen 80 und darin jemanden – zumeist den Aufsichtsratsvorsitzenden oder ein anderes Aufsichtsratsmitglied – zum Abschluss des betreffenden Vertrages zu bevollmächtigen. Der Aufsichtsratsvorsitzende ist hierzu nicht bereits kraft Amts ermächtigt, soweit dieses nicht bereits per Satzung oder Geschäftsordnung generell angeordnet ist. Das „gut beratene Aufsichtsratsmitglied“ wird vom Rechtsanwalt bei der Mandatsaufnahme hierüber aufgeklärt. Die vorstehenden Besonderheiten gelten nicht nur für die Aktiengesellschaft sondern auch 81 für andere Gesellschaften. Nach § 25 Abs. 1 S. 1 Nr. 2 MitbestG, § 3 Abs. 2 MontanMitbestG, § 3 Abs. 1 MitbestErgG und § 1 Abs. 1 Nr. 3 DrittelbG gelten die Vertretungsregelungen der §§ 111, 112 AktG für die mitbestimmte GmbH. Auf die mitbestimmungsfreie GmbH finden §§ 111, 112 nach § 52 GmbHG nur insoweit Anwendung, als im Gesellschaftsvertrag nicht ein anderes bestimmt ist. Nach Art. 9 Abs. 1 lit. c) (ii) SE-VO gelten die §§ 111, 112 AktG zudem für die dualistisch verfasste SE. Für die monistisch verfasste SE gilt nach § 41 Abs. 5 SEAG, dass der Verwaltungsrat die SE den geschäftsführenden Direktoren gegenüber gerichtlich und außergerichtlich vertritt. In der Genossenschaft enthält § 39 Abs. 1 S. 1 GenG eine § 112 entsprechende Vorschrift.
(2) Vertretung durch Gesellschafter 82 In der GmbH kommen trotz der Existenz einer Geschäftsführung die Gesellschafter als Vertreter der GmbH in Frage. Soll der Rechtsanwalt für eine GmbH ohne Aufsichtsrat gegenüber einem Geschäftsführer oder Gesellschafter tätig werden, so ist § 46 Nr. 8 GmbHG zu beachten. Danach unterliegt der Bestimmung der Gesellschafter: – die Geltendmachung von Ersatzansprüchen, welche der Gesellschaft aus der Gründung oder Geschäftsführung gegen Geschäftsführer oder Gesellschafter zustehen, sowie Salmen
die Vertretung der Gesellschaft in Prozessen, welche sie gegen Geschäftsführer zu führen hat.
Nach § 46 Nr. 8 Alt. 1 GmbH bestimmen die Gesellschafter durch Beschluss über die Geltend- 83 machung von Ersatzansprüchen gegen die Geschäftsführer und Gesellschafter. Gemäß § 46 Nr. 8 Alt. 2 GmbHG beschließen die Gesellschafter die Vertretung der Gesellschaft in Prozessen gegen die Geschäftsführer und bestimmen durch Beschluss den Prozessvertreter der GmbH für den Prozess gegen den Geschäftsführer. Damit sollte der Rechtsanwalt bei der Mandatsannahme im eigenen und Mandanteninteresse klären, ob eine Beschlussfassung vorliegt, die den Handelnden zur Mandatierung und insbesondere auch zur Vollmachterteilung ermächtigt.
3. Anforderungen an Anwaltsvertrag a) Vergütungsregelung Bei der Vereinbarung der Vergütung hat der Rechtsanwalt § 49b BRAO, §§ 21 ff. BORA sowie §§ 3a ff. RVG zu beachten. Gem. § 3a Abs. 1 RVG bedarf eine Vereinbarung über die Vergütung der Textform, vgl. § 126b BGB. Sie muss als Vergütungsvereinbarung oder in vergleichbarer Weise bezeichnet werden, von anderen Vereinbarungen mit Ausnahme der Auftragserteilung deutlich abgesetzt sein und darf nicht in der Vollmacht enthalten sein. Zudem hat sie einen Hinweis darauf zu enthalten, dass die gegnerische Partei, ein Verfahrensbeteiligter oder die Staatskasse im Falle der Kostenerstattung regelmäßig nicht mehr als die gesetzliche Vergütung erstatten muss. Aus einer Vergütungsvereinbarung, die nicht den Anforderungen des § 3a Abs. 1 S. 1 und S. 2 oder § 4a Abs. 1 und Abs. 2 RVG entspricht, kann der Rechtsanwalt keine höhere als die gesetzliche Vergütung fordern. Die Vorschriften des Bürgerlichen Rechts über die ungerechtfertigte Bereicherung bleiben unberührt (§ 4b RVG). Nach § 4 Abs. 1 RVG kann in außergerichtlichen Angelegenheiten einer niedrigere als die gesetzliche Vergütung vereinbart werden. Sie muss in einem angemessenen Verhältnis zu Leistung, Verantwortung und Haftungsrisiko des Rechtsanwalts stehen. Weiterhin hat der Rechtsanwalt § 4a RVG und § 49b BRAO und §§ 21 BORA die Regelungen über Erfolgshonorare zu beachten. Nicht nur im Bereich der Unternehmenskäufe besteht oftmals der Wunsch nach einer erfolgsorientierten Vergütung des Anwalts. § 4a RVG (1) Ein Erfolgshonorar (§ 49b Abs. 2 S. 1 der Bundesrechtsanwaltsordnung) darf nur für den Einzelfall und nur dann vereinbart werden, wenn der Auftraggeber aufgrund seiner wirtschaftlichen Verhältnisse bei verständiger Betrachtung ohne die Vereinbarung eines Erfolgshonorars von der Rechtsverfolgung abgehalten würde. In einem gerichtlichen Verfahren darf dabei für den Fall des Misserfolgs vereinbart werden, dass keine oder eine geringere als die gesetzliche Vergütung zu zahlen ist, wenn für den Erfolgsfall ein angemessener Zuschlag auf die gesetzliche Vergütung vereinbart wird. (2) Die Vereinbarung muss enthalten: 1. die voraussichtliche gesetzliche Vergütung und gegebenenfalls die erfolgsunabhängige vertragliche Vergütung, zu der der Rechtsanwalt bereit wäre, den Auftrag zu übernehmen, sowie 2. die Angabe, welche Vergütung bei Eintritt welcher Bedingungen verdient sein soll. (3) In der Vereinbarung sind außerdem die wesentlichen Gründe anzugeben, die für die Bemessung des Erfolgshonorars bestimmend sind. Ferner ist ein Hinweis aufzunehmen, dass die Ver-
einbarung keinen Einfluss auf die gegebenenfalls vom Auftraggeber zu zahlenden Gerichtskosten, Verwaltungskosten und die von ihm zu erstattenden Kosten anderer Beteiligter hat. § 49b Abs. 2 BRAO (2) Vereinbarungen, durch die eine Vergütung oder ihre Höhe vom Ausgang der Sache oder vom Erfolg der anwaltlichen Tätigkeit abhängig gemacht wird oder nach denen der Rechtsanwalt einen Teil des erstrittenen Betrages als Honorar erhält (Erfolgshonorar), sind unzulässig, soweit das Rechtsanwaltsvergütungsgesetz nichts anderes bestimmt. Vereinbarungen, durch die der Rechtsanwalt sich verpflichtet, Gerichtskosten, Verwaltungskosten oder Kosten anderer Beteiligter zu tragen, sind unzulässig. Ein Erfolgshonorar im Sinne des Satzes 1 liegt nicht vor, wenn lediglich vereinbart wird, dass sich die gesetzlichen Gebühren ohne weitere Bedingungen erhöhen. 88 Insoweit ist auf das Urteil des BGH vom 23.4.200944 hinzuweisen. Danach stellt die Vereinbarung einer Vergleichsgebühr oder Signing Fee für einen Rechtsanwalt, der mit der Führung der Vertragsverhandlungen eines Unternehmenskaufes beauftragt ist, für den Fall des Abschlusses ein unzulässiges Erfolgshonorar dar. In dem der Entscheidung zugrunde liegenden Sachverhalt hatte die Rechtsanwaltsgesellschaft mit ihrer Mandantin, die am Erwerb eines Unternehmens interessiert war, im Dezember 2001 folgende Vergütungsvereinbarung getroffen: „Für die Vorbereitung der Kaufvertragsverhandlungen, die gesellschaftsrechtliche Beratung für möglicherweise noch vor dem Kaufvertrag oder mit dem Kaufvertrag im Zusammenhang stehende gesellschaftsrechtliche Maßnahmen sowie den Entwurf eines Konzepts oder Vertrages entsteht eine 10/10-Gebühr gemäß § 118 Abs. 1 Ziffer 1 BRAGO. Für die Führung der Verhandlungen und die Teilnahme an den Verhandlungen mit der Käuferin oder den Käufern entsteht eine 10/10-Gebühr gemäß § 118 Abs. 1 Ziffer 2 BRAGO. Für den rechtsverbindlichen Abschluss eines Unternehmenskaufvertrages entsteht die 15/10-Gebühr des § 23 BRAGO. Für die Mitwirkung bei der Abwicklung des Unternehmenskaufvertrages entsteht eine 7,5/10-Gebühr gemäß § 118 Abs. 1 Ziffer 1 BRAGO. Die Gebühren ergeben sich aus dem im Kaufvertrag in Ansatz gebrachten Wert der verkauften Vermögensgegenstände (Aktivseite der Bilanz), unabhängig davon, ob die verkauften Gegenstände sich im Vermögen der Gesellschaft befinden oder aber im Vermögen anderer Gesellschaften, jedoch von dem verkauften Unternehmen genutzt werden. … Unser Honorar wird fällig mit Eintritt der Fälligkeit des für das Unternehmen zu zahlenden Kaufpreises; für den Fall, dass sich unterschiedliche Fälligkeiten ergeben, ist der zuletzt eintretende Fälligkeitstermin maßgebend. Wir sind berechtigt, bis zu 50 % des voraussichtlich entstehenden Honorars nach rechtswirksamem Abschluss des Unternehmenskaufvertrages geltend zu machen.“ 89 Der Bundesgerichtshof hat die vorstehende Vergütungsvereinbarung nicht als bloße Fälligkeitsregel angesehen, sondern dahin ausgelegt, dass sie einen Verstoß gegen die Vereinbarung eines Erfolgshonorars gem. § 49b Abs. 2 a.F. BRAO beinhaltete. Der BGH stellte jedoch zugleich klar, dass bei einer derartigen Vergütungsvereinbarung und Fallgestaltung auch nach aktueller Rechtslage ein unzulässiges Erfolgshonorar vorliegt. Denn die nach der Entscheidung des Bundesverfassungsgericht zur teilweisen Verfassungswidrigkeit von § 49b Abs. 2 BRAO a.F. 45 und der daraufhin geänderten Rechtslage der § 49b Abs. 2 BRAO bzw. § 4a RVG erforderliche Ausnahme, dass der Auftraggeber aufgrund seiner wirtschaftlichen Verhältnisse bei verständiger
44 BGH, Az.: IX ZR 167/07. 45 BVerfG NJW 2007, 979 ff.
Betrachtung ohne die Vereinbarung eines Erfolgshonorars von der Rechtsverfolgung abgehalten würde, lag in jenem Fall nicht vor.
b) Haftungsbeschränkungsregelungen Haftungsbeschränkungsvereinbarungen haben sich an § 51a BRAO auszurichten. 90 Nach § 51a Abs. 1 BRAO kann der Anspruch des Auftraggebers aus dem zwischen ihm und 91 dem Rechtsanwalt bestehenden Vertragsverhältnis auf Ersatz eines fahrlässig verursachten Schadens beschränkt werden: 1. durch schriftliche Vereinbarung im Einzelfall bis zur Höhe der Mindestversicherungssumme; 2. durch vorformulierte Vertragsbedingungen für Fälle einfacher Fahrlässigkeit auf den 4fachen Betrag der Mindestversicherungssumme, wenn insoweit Versicherungsschutz besteht. Die Mitglieder einer Sozietät haften nach § 51a Abs. 2 BRAO aus dem zwischen ihr und dem Auf- 92 traggeber bestehenden Vertragsverhältnis als Gesamtschuldner. Die persönliche Haftung auf Schadensersatz kann auch durch vorformulierte Vertragsbedingungen beschränkt werden auf einzelne Mitglieder einer Sozietät, die das Mandat im Rahmen ihrer eigenen beruflichen Befugnis bearbeiten und namentlich bezeichnet sind. Die Zustimmungserklärung zu einer solchen Beschränkung darf keine anderen Erklärungen enthalten und muss vom Auftraggeber unterschrieben sein.
4. Rechte und Pflichten aus der Mandatsannahme Der Rechtsanwalt ist aus dem Mandatsvertrag verpflichtet, die ihm übertragenen Aufgaben 93 sorgfältig und im besten Interesse des Mandanten wahrzunehmen. Damit er hierzu imstande ist, muss der Rechtsanwalt den Sachverhalt aufklären. Der Rechtsanwalt muss sich dann von der Rechtslage eine sorgfältige Meinung bilden. Weiterhin hat der Rechtsanwalt den Mandanten umfassend aufzuklären und zu beraten und den Mandanten über die Erfolgsaussichten der beabsichtigten Vorgehensweise aufzuklären. Der Rechtsanwalt hat grundsätzlich den sichersten Weg einzuschlagen, wenn mehrere mögliche Vorgehensweisen zur Zielerreichung in Frage kommen. Verletzt der Rechtsanwalt eine Pflicht aus dem Anwaltsdienstvertrag, so haftet er nach §§ 280 Abs. 1, 611, 675 BGB für den daraus entstandenen Schaden. Den Rechtsanwalt treffen daneben die allgemeinen Berufspflichten und Grundpflichten des Rechtsanwalts aus §§ 43, 43a BRAO. Gem. § 43 BRAO hat der Rechtsanwalt seinen Beruf gewissenhaft auszuüben.
§ 43a BRAO Grundpflichten des Rechtsanwalts Der Rechtsanwalt darf keine Bindungen eingehen, die seine berufliche Unabhängigkeit gefährden. Der Rechtsanwalt ist zur Verschwiegenheit verpflichtet. Diese Pflicht bezieht sich auf alles, was ihm in Ausübung seines Berufes bekannt geworden ist. Dies gilt nicht für Tatsachen, die offenkundig sind oder ihrer Bedeutung nach keiner Geheimhaltung bedürfen. Der Rechtsanwalt darf sich bei seiner Berufsausübung nicht unsachlich verhalten. Unsachlich ist insbesondere ein Verhalten, bei dem es sich um die bewusste Verbreitung von Unwahrheiten oder solche herabsetzenden Äußerungen handelt, zu denen andere Beteiligte oder der Verfahrensverlauf keinen Anlass gegeben haben. Der Rechtsanwalt darf keine widerstreitenden Interessen vertreten. Salmen
Der Rechtsanwalt ist bei der Behandlung der ihm anvertrauten Vermögenswerte zu der erforderlichen Sorgfalt verpflichtet. Fremde Gelder sind unverzüglich an den Empfangsberechtigen weiterzuleiten oder auf ein Anderkonto einzuzahlen. Der Rechtsanwalt ist verpflichtet, sich fortzubilden.
94 Die Berufspflicht zur Verschwiegenheit ist von besonderer Wichtigkeit. Sie ist Voraussetzung und Grundlage des für die anwaltliche Beratung erforderlichen Vertrauensverhältnisses. Diese Verpflichtung ist zudem nach § 203 StGB strafbewährt und wird durch Zeugnisverweigerungsrechte geschützt.46 Eine Gefahr der Verletzung ergibt sich im gesellschaftsrechtlichen Mandat daraus, dass bei diesem oftmals mehrere Personen neben dem eigentlichen Mandanten und/oder Gegner beteiligt sind. So hat der Rechtsanwalt oftmals nicht nur mit seinem Mandanten, der etwa Gesellschafter sein mag, Kontakt, sondern oftmals auch mit den Mitgliedern der Verwaltungs- und Aufsichtsorgane oder sonstigen Gesellschaftern. Dieses verlangt dem Anwalt bei seiner „Informationspolitik“ ein gewisses Maß an Disziplin ab. Für den im Gesellschaftsrecht tätigen Rechtsanwalt können zudem auch geldwäscherecht95 liche Vorschriften von Bedeutung sein. Nach § 2 Abs. 2 Nr. 7 Geldwäschegesetz (GWG – Gesetz über das Aufspüren von Gewinnen aus schweren Straftaten) sind Verpflichtete im Sinne des Geldwäschegesetzes, soweit sie in Ausübung ihres Geschäftes oder Berufes handeln, Rechtsanwälte, Kammerrechtsbeistände und Patentanwälte sowie Notare, wenn sie für ihren Mandanten an der Planung oder Durchführung von folgenden Geschäften mitwirken: − Kauf- und Verkauf von Immobilien oder Gewerbebetrieben, − Verwaltung von Geld, Wertpapieren oder sonstigen Vermögenswerten, − Eröffnung oder Verwaltung Bank-, Spar- oder Wertpapierkonten, − Beschaffung der zur Gründung, zum Betrieb oder zur Verwaltung von Gesellschaften erforderlichen Mitteln, − Gründung, Betrieb oder Verwaltung von Treuhandgesellschaften, Gesellschaften oder ähnlichen Strukturen, − oder wenn sie im Namen und auf Rechnung des Mandanten Finanz- oder Immobilientransaktionen durchführen. 96 Damit haben Rechtsanwälte bei Vornahme der entsprechenden Tätigkeiten die Pflichten nach dem Geldwäschegesetz zu erfüllen.47 Verstöße gegen die Pflichten aus § 3 GWG können nach § 17 GWG als Ordnungswidrigkeiten bei vorsätzlicher oder leichtfertiger Verletzung einer Geldbuße von bis zu 100.000,00 € geahndet werden. Aus dem Mandatsvertrag stehen dem Anwalt Vergütungsansprüche zu. Der Rechtsanwalt 97 wird in gesellschaftsrechtlichen Mandaten regelmäßig auf den Abschluss einer Vergütungsvereinbarung hinwirken, bei der sich seine Vergütung nach dem Zeitaufwand bestimmt. Dies liegt daran, dass in gesellschaftsrechtlichen Mandanten oftmals ein Gegenstandswert bei Mandatsbegründung nur schwer oder überhaupt nicht prognostiziert werden kann. Zum anderen ist Grund für den Abschluss von zeitabhängigen Vergütungsvereinbarungen der Umstand, dass der zeitliche Aufwand oftmals nur sehr schlecht kalkuliert werden kann. Das Rechtsanwaltsvergütungsgesetz (RVG) sieht für die rein beratende Tätigkeit des Rechtsanwalts keine Gebührentatbestände vor.
46 Vgl. § 383 Abs. 1 Nr.6 ZPO, § 53 StPO, § 84 FGO, § 102 AO. 47 Vgl. Sandkühler, § 2 Rn 54, 55.
V. Beendigung des Mandates Der Anwaltsvertrag ist ein Dienst- bzw. Werkvertrag höherer Art, der eine Geschäftsbesorgung 98 zum Gegenstand hat. Es handelt sich um einen Vertrag, der nur aufgrund einer besonderen Vertrauensbeziehung zu Stande kommt. Der Mandant ist berechtigt, den Anwaltsvertrag jederzeit und ohne Vorliegen eines wichtigen Grundes gem. § 627 Abs. 1 BGB durch Kündigung zu beenden. Umgekehrt darf auch der Rechtsanwalt grundsätzlich gem. § 627 Abs. 1 den Vertrag durch Kündigung beenden. Jedoch muss der Rechtsanwalt insoweit beachten, dass er nicht zur Unzeit kündigt, da er sich andernfalls schadensersatzpflichtig macht. Eine Kündigung zur Unzeit ist nur zulässig, wenn hierfür ein wichtiger Grund vorliegt.48 Eine Kündigung zur Unzeit wäre dann anzunehmen, wenn der Mandant sich nicht in ausreichender Zeit eine ersatzweise anwaltliche Dienstleistung bzw. Werkleistung beschaffen kann. Der Anwalt muss den Mandatsvertrag nach § 3 BORA beenden, wenn er eine Interessenkolli- 99 sion feststellt.
48 Vgl. § 627 Abs. 2 S. 1 BGB.
Leseprobe Praxishandbuch Gesellschaftsrecht
Das Buch beschreibt die wesentlichen Aspekte und die Besonderheiten des gesellschaftsrechtlichen Mandats von der Mandatsaufnahme bis zu sein...