Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Gericht=BFH&Datum=11.10.2017&Aktenzeichen=IX%20R%202%2F17
Timestamp: 2020-08-05 08:36:06
Document Index: 48067910

Matched Legal Cases: ['§ 172', '§ 172', '§ 172', '§ 126', '§ 364', '§ 5', '§ 85', '§ 118', '§ 9', '§ 21', '§ 135', '§ 5', '§ 172', '§ 172', '§ 172', '§ 101', '§ 102', '§ 5', '§ 172', '§ 172', '§ 172', '§ 101', '§ 172', '§ 172', '§ 172', '§ 172', '§ 348', '§ 348', '§ 172', '§ 172', '§ 172', '§ 54', '§ 85', '§ 172', '§ 102']

BFH, 11.10.2017 - IX R 2/17 - dejure.org
https://dejure.org/2017,53674
BFH, 11.10.2017 - IX R 2/17 (https://dejure.org/2017,53674)
BFH, Entscheidung vom 11.10.2017 - IX R 2/17 (https://dejure.org/2017,53674)
BFH, Entscheidung vom 11. Januar 2017 - IX R 2/17 (https://dejure.org/2017,53674)
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§ 172 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 Buchst. a der Abgabenordnu... ng (AO), § 172 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 Buchst. a AO, § 172 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 AO, § 126 Abs. 2 FGO, § 364b Abs. 2 AO, § 5 AO, § 85 AO, § 118 Abs. 2 FGO, § 9, § 21 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 des Einkommensteuergesetzes, § 135 Abs. 2 FGO
AO § 5, AO § 172 Abs 1 S 1 Nr 2 Buchst a, AO § 172 Abs 1 S 2, AO § 172 Abs 1 S 3, FGO § 101, FGO § 102
§ 5 AO, § 172 Abs 1 S 1 Nr 2 Buchst a AO, § 172 Abs 1 S 2 AO, § 172 Abs 1 S 3 AO, § 101 FGO
AO § 172 Abs 1 S 1 Nr 2a, AO § 172 Abs 1 S 1 Nr 2a S 2
Einspruchsentscheidung, Schlichte Änderung, Klagefrist
Nach dem Wortlaut des § 172 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 Buchstabe a AO ("darf") steht die Änderungsbefugnis im Ermessen des Finanzamts (BFH-Urteil vom 11. Oktober 2017 IX R 2/17, BFH/NV 2018, 322).
Damit ist eine Aufhebung oder Änderung regelmäßig zwingend, wenn der Tatbestand der Korrekturvorschrift erfüllt ist (BFH-Urteil vom 11. Oktober 2017 IX R 2/17, BFH/NV 2018, 322).
Im Fall eines insoweit ungeklärten und auch nicht mehr aufklärbaren Sachverhalts ("non-liquet") darf eine Änderung nicht vorgenommen werden (BFH-Urteil vom 11. Oktober 2017 IX R 2/17, BFH/NV 2018, 322).
Maßgeblicher Zeitpunkt für die gerichtliche Überprüfung einer Ermessensentscheidung des Finanzamts durch das Finanzgericht ist grundsätzlich der Zeitpunkt der letzten Behördenentscheidung (BFH-Urteil vom 11. Oktober 2017 IX R 2/17, BFH/NV 2018, 322).
Bei Verpflichtungsklagen auf Erlass eines gebundenen Verwaltungsakts kommt es hingegen grundsätzlich auf die im Zeitpunkt der Entscheidung in der Tatsacheninstanz bestehende Sach- und Rechtslage an (BFH-Urteil vom 11. Oktober 2017 IX R 2/17, BFH/NV 2018, 322).
Dies gilt auch bei Ermessensentscheidungen, wenn eine Ermessensreduzierung auf Null vorliegt (BFH-Urteil vom 11. Oktober 2017 IX R 2/17, BFH/NV 2018, 322).
Eine solche Verpflichtung kann nur ausgesprochen werden, wenn zu dem Zeitpunkt, in dem die gerichtliche Entscheidung ergeht, ein Anspruch auf die erstrebte Verpflichtung des Finanzamts besteht (BFH-Urteil vom 11. Oktober 2017 IX R 2/17, BFH/NV 2018, 322).
Eine Änderung hat daher zwingend zu erfolgen, wenn der Steuerpflichtige alle für eine Änderung nach § 172 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 Buchstabe a AO erforderlichen Tatsachen nachweist (BFH-Urteil vom 11. Oktober 2017 IX R 2/17, BFH/NV 2018, 322).
Das Ermessen ist allerdings auf Null reduziert, wenn der Tatbestand der Korrekturvorschrift erfüllt ist (vgl. BFH-Urteil vom 11. Oktober 2017 - IX R 2/17, BFH/NV 2018, 322, Rz 15; s.a. Steinhauff, juris PraxisReport Steuerrecht 13/2018 Anm. 1).
Eine Verpflichtung des FA zur Änderung des Bescheids kann aber nur dann ausgesprochen werden, wenn zu dem Zeitpunkt, in dem die Entscheidung des FG ergeht, ein Anspruch auf die erstrebte Verpflichtung des FA besteht (vgl. BFH-Urteil in BFH/NV 2018, 322, Rz 20).
Die Revision war zuzulassen mit Blick auf die beim BFH anhängigen Revisionsverfahren IX R 2/17 und X R 31/17 sowie die zum Teil kritischen Stimmen in der Literatur (…Bartone in Beermann/Gosch AO/FGO, § 348 AO Rn. 9;… Seer in Tipke/Kruse AO/FGO, § 348 AO Rn. 1; Wendt EFG 2015, 1587).
Der Wortlaut des § 172 Abs. 1 Satz 1 AO ("darf") wird in der Rechtsprechung des Bundesfinanzhofs dahingehend verstanden, dass die Änderung im Ermessen der Finanzbehörde steht (vgl. zuletzt zu § 172 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 Buchstabe a AO: BFH, Urteil vom 11. Oktober 2017 - IX R 2/17, BFH/NV 2018, 272; eingehend zur Frage des Ermessens: BFH, Urteil vom 31. März 1981 - VII R 1/79, BFHE 133, 13, BStBl. II 1981, 507, zu § 172 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 AO; sowie Urteile vom 22. März 1988 - VII R 8/84, BFHE 152, 430, BStBl II 1988, 517, vom 12. Oktober 1994 - XI R 75/93, BFHE 176, 208, BStBl II 1995, 289, Beschluss vom 9. Oktober 1992 - VI S 14/92, BFHE 169, 197, BStBl II 1993, 13).
Mit Urteil vom 11. Oktober 2017 (IX R 2/17, BFH/NV 2018, 322) hat der IX. Senat des Bundesfinanzhofs nunmehr zwar entschieden, dass die Ermessenausübung durch den Grundsatz der Gleichmäßigkeit und Gesetzmäßigkeit der Besteuerung vorbestimmt und damit "ggf." auf "Null" reduziert sein soll.
BFH - X R 22/19 (anhängig)
Änderung, Schlichte Änderung, Ermessen, Teilwertabschreibung, Darlehen, …
Reicht die im Urteil des Bundesfinanzhofs (BFH) vom 11.10.2017 - IX R 2/17, BFH/NV 2018, 322 genannte Ermessensreduzierung auf "Null" soweit, dass auch in Fällen, in denen über den Tatbestand in einer Einspruchsentscheidung zu einem vorangegangenen Einspruchsverfahren bereits entschieden wurde, eine Änderung zu erfolgen hat, wenn die materielle Fehlerhaftigkeit feststeht?.
Tritt die im BFH-Urteil in BFH/NV 2018, 322 genannte Ermessensreduzierung auf "Null" zumindest dann ein, wenn zwar über einen ähnlichen Sachverhalt (hier: Zulässigkeit der Teilwertabschreibung auf ein Darlehen) in einer Einspruchsentscheidung zu einem vorangegangenen Einspruchsverfahren bereits entschieden wurde, im schlichten Änderungsantrag allerdings ein neuer Sachverhalt vorgetragen wird (hier: keine Darlehensgewährung, sondern Vorliegen einer verdeckten Einlage mit der Folge von Anschaffungskosten auf die GmbH-Beteiligung), dass eine Änderung zu erfolgen hat, wenn die materielle Fehlerhaftigkeit feststeht?.
Diese Ausnahme gilt jedoch dann nicht, wenn - wie im vorliegenden Verfahren - eine Ermessensreduzierung auf Null vorliegt (BFH vom 11.10.2017 - IX R 2/17, Rn. 19 ff.;… Groß/Castendiek in: Lüdtke/Berchtold, SGG, 5. Aufl. 2017, § 54 Rn. 73).
Dabei ist allerdings zu berücksichtigen, dass die Ermessenausübung durch den Grundsatz der Gleichmäßigkeit und Gesetzmäßigkeit der Besteuerung (§ 85 AO), nach dem die Finanzbehörde die Steuern nach Maßgabe der Gesetze gleichmäßig festzusetzen und zu erheben haben, vorbestimmt ist (siehe zuletzt BFH-Urteil vom 11.10.2017 IX R 2/17 BFH/NV 2018, 322).
Bei Vorliegen der Voraussetzungen für eine Herabsetzung der Steuer reduziert sich das Ermessen des Finanzamts zwar auf Null mit der Folge, dass eine Änderung zwingend zu erfolgen hat, wenn der Steuerpflichtige alle für eine Änderung nach § 172 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 Buchstabe a AO erforderlichen Tatsachen nachweist (BFH, Urteil vom 11. Oktober 2017 - IX R 2/17, BFH/NV 2018, 322).
Maßgeblicher Zeitpunkt für die gerichtliche Überprüfung einer Ermessensentscheidung durch das Gericht ist grundsätzlich der Zeitpunkt der letzten Behördenentscheidung (ständige höchstrichterliche Rechtsprechung, BFH-Urteil vom 11.10.2017 IX R 2/17, BFH/NV 2018, 272 m.w.N.).
Dies betrifft nicht nur die angegebenen Gründe (insoweit für Prüfungsanordnungen BFH…, Urteil vom 17.11.1992 VIII R 25/89, BStBl II 1993, 146, Juris Rn. 24; BFH…, Beschluss vom 27.10.2003 III B 13/02, BFH/NV 2004, 312, Juris Rn. 8), sondern auch die Sach- und Rechtslage im Allgemeinen (…Stapperfend in Gräber, FGO, 9. Aufl. 2019, § 102 Rn. 13 m. w. N; BFH, Urteil vom 12.10.2017 IX R 2/17, BFH/NV 2018, 322, Juris Rn. 18, 19 [vorliegende Tatsachen]; BFH…, Beschluss vom 19.12.2016 XI B 57/16, BFH/NV 2017, 599, Juris Rn. 25 [vorliegende Verzichtserklärungen]; BFH…, Urteil vom 12.05.2016 II R 17/14, DStR 2016, 1862, Juris Rn. 19 [Sach- und Rechtslage]).