Source: https://www.rechtslupe.de/wirtschaftsrecht/handelsrecht/das-konsignationslager-in-der-insolvenz-des-kunden-374678
Timestamp: 2020-02-18 06:07:17
Document Index: 314451581

Matched Legal Cases: ['§ 61', '§ 55', '§ 103', '§ 103', '§ 103', '§ 61', '§ 61', '§ 61', 'BGH', '§ 17', '§ 103', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 61', 'BGH', '§ 61', '§ 61']

Das Kon­si­gna­ti­ons­la­ger in der Insol­venz des Kun­den | Rechtslupe
Das Kon­si­gna­ti­ons­la­ger in der Insol­venz des Kun­den
Die Erfül­lung eines Kon­si­gna­ti­ons­la­ger­ver­tra­ges kann dadurch gewählt wer­den, dass der Ver­wal­ter dem Lager im Eigen­tum des Ver­trags­part­ners ste­hen­des Mate­ri­al ent­neh­men und im Betrieb des Schuld­ners ver­ar­bei­ten lässt. Kön­nen die durch die Ent­nah­men geschlos­se­nen Ein­zel­ver­trä­ge nicht voll­stän­dig aus der Mas­se erfüllt wer­den, haf­tet der Ver­wal­ter nach Maß­ga­be des § 61 InsO.
Mit der Ent­nah­me von Mate­ri­al nach Insol­venz­eröff­nung kom­men jeweils Kauf­ver­trä­ge über die ent­nom­me­nen Men­gen zustan­de. Die so begrün­de­ten Kauf­preis­an­sprü­che sind Mas­se­ver­bind­lich­kei­ten nach § 55 Abs. 1 Nr. 1 InsO. Ein Wahl­recht nach § 103 Abs. 1 InsO steht dem Insol­venz­ver­wal­ter hin­sicht­lich die­ser erst nach der Eröff­nung begrün­de­ten Ver­trä­ge nicht zu.
Ob der Kon­si­gna­ti­ons­la­ger­ver­trag einen gegen­sei­ti­gen Ver­trag im Sin­ne von § 103 InsO dar­stellt, bedarf hier­bei kei­ner nähe­ren Prü­fung. Der Insol­venz­ver­wal­ter hat die Erfül­lung die­ses Ver­tra­ges gewählt, indem er in Kennt­nis des Ver­tra­ges wei­ter­hin Mate­ri­al ent­nom­men und ver­ar­bei­tet hat.
Das Wahl­recht nach § 103 Abs. 1 InsO wird durch eine ein­sei­ti­ge emp­fangs­be­dürf­ti­ge Wil­lens­er­klä­rung aus­ge­übt. Eine bestimm­te Form schreibt das Gesetz nicht vor, so dass der Ver­wal­ter auch durch schlüs­si­ges Ver­hal­ten die Erfül­lung des Ver­tra­ges wäh­len kann. Für die Aus­le­gung sei­nes Ver­hal­tens ist maß­ge­bend, wel­che Bedeu­tung ihm der Ver­trags­geg­ner nach der Ver­kehrs­sit­te und den Gesamt­um­stän­den bei­mes­sen muss­te 1. Der Bun­des­ge­richts­hof hat in ein­zel­nen Fäl­len, ins­be­son­de­re im Urteil vom 08.01.1998 2 hohe Anfor­de­run­gen an ein kon­klu­den­tes Erfül­lungs­ver­lan­gen gestellt. Die Ver­äu­ße­rung von Vor­be­halts­wa­re bedeu­tet nach die­sem Urteil nicht zwin­gend, dass der Ver­wal­ter die Erfül­lung des Kauf­ver­tra­ges mit dem Vor­be­halts­lie­fe­ran­ten wählt. Der Ver­wal­ter habe ver­schie­de­ne Gestal­tungs­mög­lich­kei­ten, so dass der Wei­ter­ver­äu­ße­rung kein typi­scher Erklä­rungs­wert bei­gemes­sen wer­den kön­ne. Nur im Ein­zel­fall kön­ne die Ver­wer­tung von unter Eigen­tums­vor­be­halt gelie­fer­ter Ware als Erfül­lungs­ver­lan­gen aus­ge­legt wer­den 3.
Mit der Ent­nah­me von Mate­ri­al kam jeweils ein Kauf­ver­trag über die­ses zustan­de, unab­hän­gig davon, ob die ent­nom­me­nen Men­gen dann der Lie­fe­ran­tin zutref­fend gemel­det wur­den oder nicht. Die Fra­ge danach, ob durch eine mög­li­che zweck­wid­ri­ge Ver­wen­dung des Mate­ri­als Sekun­där­an­sprü­che ent­stan­den sei­en und ob die­se Ansprü­che Mas­se­ver­bind­lich­kei­ten dar­stel­len könn­ten, stellt sich nicht.
Um den Ent­las­tungs­be­weis nach § 61 Satz 2 InsO zu füh­re, muss der Insol­venz­ver­wal­ter ent­we­der dar­le­gen, dass im Zeit­punkt der jewei­li­gen Ent­nah­me objek­tiv von einer zur Erfül­lung des hier­durch ent­ste­hen­den Kauf­preis­an­spruchs aus­rei­chen­den Mas­se aus­zu­ge­hen war, oder, dass für ihn das Feh­len einer aus­rei­chen­den Mas­se nicht erkenn­bar war 4.
Ein Aus­fall­scha­den im Sin­ne von § 61 InsO ist bereits dann ent­stan­den, wenn der Insol­venz­ver­wal­ter die Mas­seun­zu­läng­lich­keit ange­zeigt hat und kei­ne ohne wei­te­res durch­setz­ba­ren Ansprü­che bestehen, aus denen die Mas­segläu­bi­ger befrie­digt wer­den kön­nen 5.
Jedoch kann die Lie­fe­ran­tin nicht die Bezah­lung der Kauf­preis­for­de­run­gen ver­lan­gen. § 61 InsO gewährt (nur) einen Anspruch auf das nega­ti­ve Inter­es­se 6. Die Lie­fe­ran­tin ist so zu stel­len, wie sie stün­de, wenn das Mate­ri­al im Kon­si­gna­ti­ons­la­ger ver­blie­ben wären.
Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 13. Febru­ar 2014 – IX ZR 313/​12
BGH, Urteil vom 08.01.1998 – IX ZR 131/​97, WM 1998, 358 zu § 17 KO[↩]
aaO; ähn­lich Münch­Komm-InsO/Hu­ber, 3. Aufl. § 103 Rn. 157[↩]
BGH, Urteil vom 08.01.1998, aaO, S. 359[↩]
vgl. BGH, Urteil vom 06.05.2004 – IX ZR 48/​03, BGHZ 159, 104, 115 f[↩]
BGH, Urteil vom 06.05.2004, aaO S. 108; K. Schmidt/​Thole, InsO, 18. Aufl., § 61 Rn. 12[↩]
BGH, Urteil vom 06.05.2004, aaO S. 117 ff; Jaeger/​Gerhardt, InsO, § 61 Rn. 25; K. Schmidt/​Thole, aaO § 61 Rn. 11[↩]
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