Source: https://www.betriebsrat.com/br-forum/62387/anwesenheitspraemie-mit-kuerzung
Timestamp: 2019-03-26 22:32:41
Document Index: 273873751

Matched Legal Cases: ['§ 4', '§4', '§4', '§4', '§ 4', '§ 1', '§ 1']

BR-Forum: Anwesenheitsprämie mit Kürzung | W.A.F.
Hallo Kollegen , Hallo Wissende
trotz des Hinweises und der Einigkeit im Betriebsrat eine Anwesenheitsprämie mit einer Kürzungsoption im Zusammenhang mit krankheitsbedingten Fehlzeiten abzulehnen, hat die Geschäftsleitung nun eine solche vorgeschlagen:
1000 E bei 0 Tagen Fehlzeit
700 E bei 1-3 Tagen Fehlzeit
500 E bei 4-5 Tagen Fehlzeit
250 E bei 6-7 Tagen Fehlzeit
0 E ab 8 Tagen Fehlzeit
bei dem Betrag von 1000 Euro haben meine BR Kollegen nun ein glitzern in den Augen gehabt und wollen dieses nun in einer Betriebsvereinbarung festmachen.
Davon mal ganz abgesehen das ich von so einer Anwesenheitsprämie garnix halte und dieser Vorschlag auch mit dem Gesetz kollidiert ( § 4a efzg ) habe ich auch so argumentiert das wir als BR sowas nicht machen können.
Wenn es nun zu einem Beschluss kommt und die Mehrheit im BR für diesen Vorschlag der GL stimmt, hab ich echt schmerzen damit soeine BV zu unterschreiben. Von meiner eigenen Meinung zu so einer Anwesenheitsprämie mal abgesehen würde es eine ungültige Betriebsvereinbarung sein, da die Kürzungen nicht vereinbar sind mit §4a efzg.
Was seht ihr für Möglichkeiten ?
Erstellt am 18.02.2016	um 17:03 Uhr von tiggerbb
Erstellt am 18.02.2016	um 17:23 Uhr von gironimo
Vielleicht gelingt es Dir doch, die Mehrheit des BR gegen eine derartige BV hinter Dir zu sammeln.
Scheint mir der bessere Weg zu sein. Du solltest bei Deinen Argumentationen eher den (un-)sozialen Aspekt diskutieren. Eine Kürzung der Leistungen findet ja nicht statt
Erstellt am 18.02.2016	um 19:23 Uhr von tiggerbb
ich sehe da schon eine kürzung... wenn ich von 1000 euro ausgehe.
wenn ich bei einem angenommenen Tagesverdienst 100 euro habe sind nach dem §4a efzg
25 Euro abzuziehen das würde bei 3 tagen krankheitsbedinger Fehlzeit 75 Euro ergeben und nicht wie die GL vorgeschlagen hat 300 Euro. Aus meiner Sicht wäre so eine BV unwirksam.
Erstellt am 18.02.2016	um 19:31 Uhr von Globus
"trotz des Hinweises und der Einigkeit im Betriebsrat eine Anwesenheitsprämie mit einer Kürzungsoption im Zusammenhang mit krankheitsbedingten Fehlzeiten abzulehnen, hat die Geschäftsleitung nun eine solche vorgeschlagen:"
Ich frag mal ganz blöd, kann es sein, dass du das Ansinnen des AG nicht verstanden hast?
Es geht hier so wie du es schilderst nciht um eine Minimierung der Bezüge, sondern einer Prämie. Wer also so und so viele Krankentage hat bekommt ZUSÄTZLICH....
Oder hast du dich für mcih mißverständlich ausgedrückt... Eine Reduzierung des Entgeltes geht natürlich gar nciht, aber ich vermute, der AG hat ein anderes Ansinnen... Und zwar denen eine Prämie zu geben die wenig AU sind...
Aber auch das würde ich als BR nciht unterstützen, da Präsentismus eigentlich an der Sache vorbei geht...
Erstellt am 18.02.2016	um 20:27 Uhr von Hartmut
Ich möchte mal auf den von dir erwähnten §4a EntgFG abstellen. Du schreibst, dass der Vorschlag des AG 'mit dem Gesetz kollidiert'. Ich meine, das Gegenteil ist der Fall, der Gesetzgeber erlaubt dieses ausdrücklich. Natürlich ist es nicht die feine Art, Menschen zum Tausch 'Gesundheit gegen Kohle' zu animieren; illegal ist es aber nicht.
Erstellt am 18.02.2016	um 23:15 Uhr von Pjöööng
Du hast völlig Recht! In der vorgeschlagenen Formist diese Prämie so nicht zulässig (jedenfalls solange Eure Monatsverdienste unter 25.000 Euroliegen).
Erstellt am 19.02.2016	um 00:06 Uhr von Hoppel
§ 4a EntFG
Tägliches Arbeitsentgelt: 100 €
max. zulässige Kürzung pro Tag/AU = 25 €
Damit die ausgelobte Sonderprämie in diesem Beispiel nicht zur Ausschüttung kommt, müsste dieser AN also 40 Tage krank sein!
Da ich aber keinen Betrieb kenne, in welchem JEDER AN exakt gleich entlohnt wird, kann die Rechnung des AG schon vor diesem Hintergrund nicht gesetzeskonform aufgehen.
Tägliches Arbeitsentgelt: 200 €
max. zulässige Kürzung pro Tag/AU = 50 €
Bei diesem AN käme die Sonderprämie schon nach 20 Tagen nicht mehr zur Auszahlung.
Damit die Sonderprämie in Höhe von 1.000 € schon ab dem 8. Tag AU nicht mehr ausgezahlt werden müsste, müsste ein AN pro Arbeitstag durchschnittlich 500 Euro verdienen. Bei 252 Arbeitstagen pro Jahr entspräche das einem Jahresverdienst von 126.000 € und einem Monatsverdienst von 10.500 €.
Erstellt am 19.02.2016	um 06:14 Uhr von SBVmann
Habt ihr nix besseres zu tun als den Präsentismus zu fördern? Ich als chronisch kranker würde diese BV von meinem Anwalt individualrechtlich prüfen lassen.
Erstellt am 19.02.2016	um 08:00 Uhr von Pjöööng
Zitat (SBVmann):
" Ich als chronisch kranker würde diese BV von meinem Anwalt individualrechtlich prüfen lassen."
Erstellt am 19.02.2016	um 09:51 Uhr von SBVmann
Dieser Anwalt wird sicherlich § 1 AGG ziehen, dann könnte es für den AG teuer werden.
Erstellt am 19.02.2016	um 10:23 Uhr von Pjöööng
Haha! § 1: "Ziel des Gesetzes"? Was soll denn da teuer werden?