Source: https://service-ekiba.de/html/content/pfarrdienstrecht.html
Timestamp: 2019-02-19 22:02:01
Document Index: 391965054

Matched Legal Cases: ['§ 1', '§ 3', '§ 4', '§ 27', '§ 17', '§ 20']

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Das Amt der öffentlichen Wortverkündigung und Sakramentsverwaltung
„Die Kirche lebt vom Evangelium Jesu Christi, das in Wort und Sakrament zu bezeugen sie beauftragt ist. Zu diesem kirchlichen Zeugendienst sind alle Getauften berufen. Auftrag und Recht zur öffentlichen Ausübung dieses Amtes vertraut die Kirche Pfarrerinnen und Pfarrern mit der Ordination an (Amt der öffentlichen Wortverkündigung und Sakramentsverwaltung).“ So lautet § 1 Abs. 1 des Pfarrdienstgesetzes der EKD (PfDG.EKD), welches seit dem 1. Mai 2011 für die badische Landeskirche gilt und inzwischen EKD-weit das Pfarrdienstrecht einheitlich regelt. Deutlich wird, dass die Verkündigung und Sakramentsverwaltung eine Kernaufgabe der Kirche ist. Diese Aufgabe ist ehrenamtlich den Prädikantinnen und Prädikanten anvertraut (vgl.Prädikantengesetz). Hauptberuflich wird das Amt der Wortverkündigung und Sakramentsverwaltung aufgrund der Ordination Pfarrerinnen und Pfarrern durch ihre Kirche anvertraut.
Mit der Ordination verpflichten sich Pfarrerinnen und Pfarrer gegenüber der Kirche:
„Die Ordinierten sind durch die Ordination verpflichtet, das anvertraute Amt im Gehorsam gegen den dreieinigen Gott in Treue zu führen, das Evangelium von Jesus Christus, wie es in der Heiligen Schrift gegeben und im Bekenntnis ihrer Kirche bezeugt ist, rein zu lehren, die Sakramente ihrer Einsetzung gemäß zu verwalten, ihren Dienst nach den Ordnungen ihrer Kirche auszuüben, das Beichtgeheimnis und die seelsorgliche Schweigepflicht zu wahren und sich in ihrer Amts- und Lebensführung so zu verhalten, dass die glaubwürdige Ausübung des Amtes nicht beeinträchtigt wird.“ (§ 3 Abs. 2 PfDG.EKD). Hiermit sind die Verpflichtungen der Pfarrerinnen und Pfarrer, die sich auf die Amts- und die Lebensführung beziehen, umschrieben. Diesbezüglich legen Pfarrerinnen und Pfarrer vor ihrer Ordination ein entsprechendes Gelöbnis ab (§ 4 Abs. 2 PfDG.EKD)
In der Evangelischen Landeskirche in Baden gibt es zurzeit etwa 1000 Pfarrerinnen und Pfarrer. Sie stehen in einem dem Beamtenverhältnis nachempfundenen öffentlich-rechtlichen Dienstverhältnis zur Landeskirche. Grundsätzlich sind Pfarrerinnen und Pfarrer in der Ausübung ihrer Aufgaben frei. Sie können weitestgehend nach eigenem Ermessen handeln. Gebunden sind sie in ihrem Handeln allein an das Wort Gottes, an die Ordinationsverpflichtung und die Rechtsordnung der Kirche (vgl. Artikel 91 Abs. 2 Grundordnung).
Die Rechtsordnung wird vor allem bestimmt durch das Pfarrdienstrecht, welches durch das Pfarrdienstgesetz der EKD (PfDG.EKD) und das badische Ausführungsgesetz zum Pfarrdienstgesetz der EKD (AG-PfDG.EKD) gesetzt ist.
Pfarrerinnen und Pfarrer sind meist aus dem Gemeindepfarrdienst bekannt, wo sie die Gottesdienste halten, den Konfirmandenunterricht und den Religionsunterricht geben, Kasualien wie Taufe, Hochzeit und Beerdigungen halten. Neben den eben beschriebenen Aufgaben machen sie Besuche in der Gemeinde und repräsentieren die Gemeinde nach außen hin bei Festen der politischen Gemeinde oder bei Vereinsveranstaltungen. Sie haben zudem die Verwaltungsaufgaben zu erfüllen. Außerdem haben die Pfarrerinnen und Pfarrer Personalverantwortung für die bei der Gemeinde tätigen Mitarbeitenden, z.B. im Pfarramtsbüro, bei Hausmeisterdiensten, Kirchendienerinnen und Kirchendiener oder auch Erzieherinnen und Erzieher im Kindergarten.
Der Dienst der Pfarrerinnen und Pfarrer ist auf die Gemeinde bezogen und auf die Gemeinschaft mit ehrenamtlich Tätigen und anderen hauptberuflich Tätigen angewiesen (vgl. Artikel 91 Abs. 2 Grundordnung und § 27 Abs. 2 PfDG.EKD). Pfarrerinnen und Pfarrer sind im Kreise der Ältesten daher nur eine bzw. einer unter vielen; sie können also auch überstimmt werden, ihre Stimme ist nicht ausschlaggebend.
Die Pfarrerin oder der Pfarrer als Hauptamtlicher unter ehrenamtlichen Kirchenältesten ist jedoch letztlich verantwortlich für die ordnungsgemäße Verwaltung z.B. der anvertrauten Gelder, aber beispielsweise auch der Kirchenbücher. Schließlich ist ihr Dienst zwar auf die Gemeinde bezogen und geschieht vor allem in der Gemeinde. Die Vollmacht des Amtes beruht aber in der Beauftragung durch die ganze Kirche und nicht in der Beauftragung durch eine einzelne Gemeinde (Artikel 92 Abs. 2 Grundordnung), so dass Pfarrerinnen und Pfarrer stets auch die Anliegen der gesamten Kirche in den Blick nehmen.
Mehrere Gemeinden werden jeweils zu einem Kirchenbezirk zusammengefasst, dessen Leitung durch eine Dekanin bzw. einen Dekan geschieht. Die Dekaninnen und Dekane sind ebenfalls Pfarrerinnen und Pfarrer, die in das Dekansamt gewählt wurden. Auch sie haben grundsätzlich Aufgaben in der Gemeinde mit wahrzunehmen (Artikel 46 Abs. 1 Satz 3 Grundordnung). Dekane und Dekaninnen sind die unmittelbaren Dienstvorgesetzten der Pfarrerinnen und Pfarrer. Auf dieser Ebene finden daher viele Absprachen statt, insbesondere wenn es sich um bezirkliche, also übergemeindliche, Aufgaben handelt.
Neben dem Gemeindepfarrdienst gibt es auch andere Tätigkeitsfelder für die Pfarrerinnen und Pfarrer der Evangelischen Landeskirche in Baden. Sie können im Religionsunterricht tätig sein. Auch gibt es allgemeine kirchliche Aufträge, die meist im Evangelischen Oberkirchenrat in Karlsruhe ihren Sitz haben, wie z.B. Leiterin der Frauenarbeit, Landesjugendpfarrerin bzw. Landesjugendpfarrer. Auch die Abteilung für Personaleinsatz und die Abteilung für die Theologische Ausbildung und das Prüfungsamt im Personalreferat werden von Pfarrerinnen und Pfarrern geleitet. Auch in der Leitung der Evangelischen Landeskirche in Baden, im Evangelischen Oberkirchenrat, sind Pfarrer als Oberkirchenräte vertreten. Schließlich wird eine ordinierte Theologin bzw. ein ordinierter Theologe von der Landessynode zur Landesbischöfin bzw. zum Landesbischof gewählt (Artikel 74 Abs. 1 Grundordnung).
Die Ausbildung zur Pfarrerin oder zum Pfarrer erfolgt in mehreren Ausbildungsstufen: Zunächst kommt das Studium, das mit der I. Theologischen Prüfung abschließt. Danach schließt sich das Lehrvikariat in der Evangelischen Landeskirche in Baden an, das mit der II. Theologischen Prüfung abschließt. Anschließend erfolgt, nach einem geregelten Übernahmeverfahren, die Übernahme in den Probedienst der Landeskirche. Zur Beendigung des Probedienstes wird die Anstellungsfähigkeit verliehen.
Die Anstellungsfähigkeit ist das Recht, sich in allen Gliedkirchen der EKD auf einzelne Pfarrstellen zu bewerben (§ 17 Abs. 1 PfDG.EKD). Bei einer erfolgreichen Bewerbung erfolgt die Berufung in die konkrete Aufgabe. Bei der erstmaligen Berufung in eine konkrete Aufgabe erhalten Pfarrerinnen und Pfarrer in der Regel die Berufung in ein lebzeitiges Dienstverhältnis (§ 20 Abs. 1 PfDG.EKD), welches an beamtenrechtliche Grundsätzen angelehnt ist.