Source: https://issuu.com/kbv4u/docs/kbv_klartext_november_2012
Timestamp: 2016-12-09 06:29:28
Document Index: 92985370

Matched Legal Cases: ['§ 87', '§ 87', '§ 87', '§ 87', '§ 87', 'BGH']

KBV Klartext, November 2012 by Kassenärztliche Bundesvereinigung - issuu
KL A R T E X T
Das Magazin der Kassenärztlichen Bundesvereinigung
Nach langem Ringen ist ein Kompromiss gefunden: Der Honorarstreit
mit den Krankenkassen ist beigelegt. Doch die Systemfrage bleibt.
Ärzte bewerten Kassen im Internet
Interview mit der vdek-Vorsitzenden Ulrike Elsner
„Die Aufregung ist nicht nachvollziehbar“
Korruptionsbroschüre
Neuer Leitfaden erklärt strenge Regeln
S TA N D P U N KT
Manchmal kommt man an einen
Punkt, an dem man scheinbar Selbstverständliches hinterfragen muss. So
geht es den Vertragsärzten und -psychotherapeuten zurzeit mit dem Sicherstellungsauftrag: Die Kassenärztlichen Vereinigungen sind gesetzlich
verpflichtet, die ambulante ärztliche
Versorgung zu gewährleisten. Dies ist
Teil unserer besonderen Tradition in
Deutschland, nach der die Selbstverwaltung über einen großen Gestaltungsspielraum verfügt. Im Ergebnis
genießen wir eines der besten Gesundheitssysteme der Welt. Das funktioniert
aber nur, wenn der gesellschaftliche
Konsens stimmt. Die Niedergelassenen
haben die Verantwortung für die Versorgung übernommen und auf ein
Streikrecht verzichtet – im Versprechen auf eine angemessene Honorierung. Wenn sie diese heute als nicht
mehr angemessen empfinden, ist es
legitim, auch einmal die Systemfrage
Honorarverhandlungen: Die erste Nuss ist geknackt
X-Ray – die Vorstandskolumne
Krankenkassen-Navigator: Ärzte bewerten Kassen im Internet
Das Bundesarztregister
KBV-Anbietermeeting: Neues zur Telematik
ZiPP: Die Befragung zum Praxispanel läuft
Das MVZ-Survey 2011
Im Gespräch mit … Ulrike Elsner
Zehn Fragen an … Dr. Annette Rommel
KBV KLARTEXT
(Vorstandsvorsitzender der KBV, v.i.S.d.P.)
IGeL-Ratgeber überarbeitet
Korruptionsbroschüre erstellt
Angeklickt und aufgeblättert
Aus den Kassenärztlichen Vereinigungen
Redaktion: Nils Franke (Chefredakteur), Dagmar
Vohburger, Franziska Knöppke, Lena Juppe,
Mathias Bonatz, Janina Lahn
rheinschrift Christel Morische, 50823 Köln
Druckhaus Dresden,
E-Mail: redaktion@kbv.de
Tel. 030 4005-2260
Fax 030 4005-2290
KBV KLARTEXT ist kostenfrei zu abonnieren unter www.kbv.de.
Foto Titelseite: FOOD-pictures/fotolia.com
T H E M E N A U S WAHL
| KBV KLARTEXT
Proteste für eine angemessene Bezahlung
(Foto: mkurtbas/iStockphoto.com)
Die diesjährigen Honorarverhandlungen zwischen Vertretern der niedergelassenen Ärzte und Psychotherapeuten sowie der gesetzlichen Krankenkassen gerieten zu einer regelrechten
Zerreißprobe. Während die Ärzteschaft eine angemessene Bezahlung
forderte, wollten die Kassen das Honorar sogar senken. Gegen den
Schiedsspruch im Erweiterten Bewer-
(Foto: vdek)
tungsausschuss reichte die KBV Klage beim Landessozialgericht BerlinBrandenburg ein und ließ die Verhandlungen platzen. Die Ärzteschaft
zeigte sich geschlossen und kämpferisch. Ein neues Angebot der Kassen
lehnte sie als Mogelpackung ab und
forderte weiterhin einen Inflationsausgleich und die Ausbudgetierung
Mit dem neuen Online-Bewertungsportal, dem Krankenkassen-Navigator,
will die KBV mehr Transparenz schaffen: Niedergelassene Ärzte und Psychotherapeuten können ihre Erfahrungen
in der Zusammenarbeit mit den gesetzlichen Kassen bewerten und Schulnoten vergeben. Die Ergebnisse fließen
in ein Ranking ein, das öffentlich einsehbar ist. Die Bewertung erfolgt in
den Bereichen Therapiefreiheit, Bürokratie, Regresse, Selektivverträge sowie Service und Information. Es gibt
jeweils bis zu drei spezifische Fragen.
Auch die Abgabe von Kommentaren
als Freitext ist möglich.
Elsner: „Die Aufregung ist nicht nachvollziehbar“
Die Aufregung der Kassenärzte in den Honorarverhandlungen, den Ton und die
mediale Schärfe kann Ulrike Elsner nicht nachvollziehen. Im Interview erläutert die Vorsitzende des Ersatzkassenverbandes (vdek), wie die Forderung der
Kassenseite nach einer Honorarabsenkung zustande kam: „Beim Preis der
Leistungen ist es eben so: je mehr Leistungen ein Arzt erbringt, desto stärker
treten gewisse Rationalisierungsreserven auf“, sagt Elsner. „Ein Mehr an Leistungen hat also geringere Stückkosten zur Folge.“
Kein Freibrief für Korruption
(Foto: rupbilder/fotolia.com)
Die KBV veröffentlicht einen Korruptionsleitfaden mit Regeln, Handlungsempfehlungen und Folgen bei Fehlverhalten. Anstoß war ein Urteil des Bundesgerichtshofs: Im Juni hat er entschieden, dass niedergelassene Ärzte keine
Aufgaben der öffentlichen Verwaltung wahrnehmen und sich nicht automatisch
strafbar machen, wenn sie Provisionen annehmen.
KBV KLARTEXT | November 2012
Der Honorarstreit und die Folgen
Die erste Nuss ist geknackt
Ein Kompromiss im Honorarstreit mit den Krankenkassen ist gefunden, klar ist damit noch nichts. Denn die
Kas sen sind einen Schritt zu weit gegangen, eine neue Zeitrechnung bricht an. In Zukunft werden die Vertrags ärzte und -psychotherapeuten deren Bedingungen nicht mehr einfach so akzeptieren. Nils Franke berichtet.
Nach achtstündigen Verhandlungen
traten am 9. Oktober Dr. Andreas
Köhler, Vorstandsvorsitzender der
KBV, und Johann-Magnus von Stackelberg, stellvertretender Vorstandsvorsitzender des Spitzenverbands der
(GKV), vor die Kameras. In den seit
Monaten ausgefochtenen Verhandlungen über die Vergütung des nächsten
Jahres schien eine Einigung gefunden. Offenbar war es gelungen, diese
wirklich harte Nuss zu knacken.
Über die Medien verbreitete sich
schnell die Formel, es gebe 1,27 Milliarden Euro mehr: Unter anderem
durch die Herausnahme der Psychotherapie (130 Millionen Euro), Stärkung der hausärztlichen und fachärztlichen Grundversorgung (250 Millionen Euro), extrabudgetäre Leistungen
(150 Millionen Euro) sowie auf Landesebene Mengenentwicklung und
Zuschläge zum Orientierungswert für
förderungswürdige Leistungen (330
bis 450 Millionen Euro). Das klingt
nach viel Geld, das Ende der Geschichte ist das allerdings nicht. Denn
es geht inzwischen ums Ganze.
Die Vertragsärzte und -psychotherapeuten haben die Systemfrage gestellt: Auf der Vertreterversammlung
Ende September formulierten sie
Bedingungen, unter denen die Verantwortung für die ambulante Versorgung, den gesetzlichen Sicherstellungsauftrag, noch tragbar wäre. Dazu
wird die KBV auch die ärztliche Basis befragen.
Dies ist nicht einfach nur eine Eskalationsstufe in einem Konflikt, der nun
beigelegt ist. Das als arrogant empfundene Gebaren der Kassenseite war
dabei auch nur ein Auslöser. Der Sicherstellungsauftrag sei zu einer Gefängnismauer der Ärzte geworden,
auf der nun die Kassen in Gestalt des
Resolution der Sonder-Vertreterversammlung: Schluss mit den Diffamierungen!
GKV-Spitzenverbands säßen, wetterte
Köhler vor den Delegierten. Von dort
schauten sie zu, „wie wir uns abstrampeln und grinsen sich einen –
und zwar wortwörtlich, wie in jeder
Verhandlung zu beobachten ist. Hier
ist etwas ganz gehörig faul im Staate
Deutschland“, sagte er.
Dies ist ein Symptom eines Konflikts,
der seit Jahren schwelt und sich nach
und nach ausgeweitet hat. Dass sich
viele Niedergelassene geringgeschätzt
fühlen, liegt an den Prinzipien des
Gesundheitswesens in Deutschland.
Um diese Situation zu verstehen, ist
es hilfreich, den Honorarkonflikt dieses Jahres einmal von Anfang an zu
betrachten. Er reicht zurück bis in den
Mai dieses Jahres, als die Krankenkassen eine Studie über Fangprämien
veröffentlichten. Ärzte kassierten angeblich dafür, dass sie Patienten an
bestimmte Kliniken weiterleiteten.
Der Erscheinungstermin lag genau
Dann, als im August die Verhandlungen über den künftigen Preis der ärztlichen Leistungen, über den Orientierungswert, beginnen, erscheint ein
weiteres Gutachten, erstellt von der
Prognos AG im Auftrag des GKVSpitzenverbands. Es soll belegen,
dass die Preise für ärztliche Leistun-
gen um 7 Prozent abgesenkt werden
könnten. Dies käme einer Kürzung
um 2,2 Milliarden Euro gleich.
Die Argumentation zu dieser Forderung: Weil die Menge der erbrachten
Leistungen gestiegen sei, brauche der
Preis für die Leistungen nicht mehr so
hoch liegen, um auf das gleiche Honorar zu kommen. Eine verquere Logik: Der Gesetzgeber hatte die Verknüpfung von Menge und Preis mit
dem Wettbewerbsstärkungsgesetz bereits 2009 unterbunden. Auch geht
das Gutachten von vielen Schätzungen und Annahmen aus, die es aus
Sicht der KBV als Provokation erscheinen lassen.
Die KBV bleibt bei der ursprünglichen
Forderung, den Orientierungswert für
die Leistungen des Einheitlichen Bewertungsmaßstabs (EBM) um 11 Prozent auf 3,8 Cent zu erhöhen. Dies
entspräche dem Inflationsausgleich
seit 2008 von 3,5 Milliarden Euro.
Erwartungsgemäß kommen KBV und
Kassen Mitte August im Bewertungsausschuss (BA) zu keiner Einigung.
Ärzteverbände kündigen an, sich protestbereit zu machen. Ende August
tagt der Erweiterte Bewertungsausschuss (E-BA), in dem der unparteiische Vorsitzende, Prof. Jürgen Wasem, gemeinsam mit den Krankenkas-
Schiedsspruchs gehen sollte, und legt
gegen ihn Klage vor dem Landesozialgericht Berlin-Brandenburg ein.
Ärzteverbände rufen ihre Mitglieder
zu einer Urabstimmung über Praxisschließungen auf, ein bis dahin einmaliger Vorgang. In nur einer Woche
beteiligt sich die Hälfte aller Niedergelassenen, Dreiviertel von ihnen votieren dafür, ihre Praxen aus Protest
Bundesgesundheitsminister Daniel
Bahr (FDP) kritisiert explizit die Krankenkassen und mahnt eine Einigung
an: „Die Kassen haben mit ihren überzogenen Kürzungsforderungen den
Unmut der Ärzte erzeugt“, sagt der
Minister. „Wenn es zu Praxisschließungen kommt, dann liegt die Verantwortung bei Ärzten und Kassen.“
KBV und Kassenärztliche Vereinigungen (KVen) starten die Aktion „Nadelstiche“. Formlose Kassenanfragen
werden nicht mehr beantwortet, Anrufe der Kassen nur noch früh morgens
und spät abends. Damit sollen die
Ärzte wieder mehr Zeit für die Patienten bekommen. Den Krankenkassen gehen massenhaft Protestfaxe von
Niedergelassenen zu. Ärzteverbände
richten eine Koordinierungsstelle für
die Proteste ein.
Zu diesem Zeitpunkt legen die Krankenkassen für die nun anstehenden
Verhandlungen über die zu vergütende Menge der Leistungen ein Angebot
vor. Die Rede ist von einem dreimal
so hohen Betrag, wie in der ersten
Runde ausgehandelt. Einer genauen
Prüfung hält das Angebot jedoch
nicht stand. Deshalb beschließen
KBV und KVen ein eigenes und finales Forderungspaket. Dazu gehört, die
psychotherapeutischen Leistungen
auszubudgetieren, die bislang aus
dem Honorartopf für die Fachärzte
Ende September dreht sich kaum
noch um die Honorarfrage, sondern
um Grundsätzliches: Gilt noch der gesellschaftliche Konsens, unter dem
die Ärzte einst den Sicherstellungsauftrag übernahmen? „Den historischen Konsens wie er vor einem Menschenalter vereinbart wurde und der
jahrzehntelang funktioniert hat, den
gibt es so nicht mehr“, sagt Köhler.
Die Ärzte verzichteten einst auf das
Streikrecht und bekamen die Garantie
auf eine angemessen Entschädigung.
Was die Ärzteschaft damals erhalten
habe, sei unter den heutigen Bedingungen jedoch ein vergiftetes Ge-
sen und gegen die KBV einen Beschluss fasst: Der Orientierungswert
steigt um 0,9 Prozent auf 3,5 Cent.
Für Köhler ein fatales Ergebnis. „Wer
solche Signale aussendet, braucht sich
nicht zu wundern, wenn der medizinische Nachwuchs ausbleibt und keine
Nachfolger für Landarztpraxen zu finden sind“, erklärt der KBV-Chef.
„Das ist mit uns nicht zu machen.“
Die Delegierten der KBV kommen
Anfang September zu einer SonderVertreterversammlung zusammen mit
Rederecht für alle Teilnehmenden.
Rund siebenhundert Niedergelassene
aus dem ganzen Bundesgebiet setzen
mit einer Resolution ein Zeichen der
Solidarität und Einigkeit. Köhler kritisiert den „massiven und systematischen Anti-Ärzte-Kurs“, den die Kassen derzeit verfolgten. „Das Geld, das
die Krankenkassen am laufenden
Band in halbgare, wissenschaftlich
fragwürdige Gutachten stecken, sollten sie lieber für die Versorgung ihrer
Versicherten ausgeben! Denn das, und
nichts anderes, ist ihre Aufgabe!“
Köhler fordert das Bundesgesundheitsministerium auf, den Beschluss
des E-BA zu beanstanden. Die KBV
bricht die folgende Sitzung des E-BA
ab, in der es um die Begründung des
Regelung der Honorarverhandlungen seit dem Versorgungsstrukturgesetz
1. Verhandlungen zum Preis der Leistungen: KBV und
GKV-Spitzenverband verhandeln jährlich bis Ende
August im Bewertungsausschuss (BA) einen bundeseinheitlichen Orientierungswert in Euro (§ 87 Abs. 2e
Bei der Anpassung des Orientierungswertes sind insbesondere die Entwicklung der für Arztpraxen relevanten Investitions- und Betriebskosten zu berücksichtigen (§ 87 Abs. 2g SGB V). Für zukünftige Verhandlungen wollen sich beide Seiten im BA noch bis
Ende dieses Jahres auf eine Berechnungsgrundlage
2. Verhandlungen zur Leistungsmenge: Im BA verhandeln KBV und GKV-Spitzenverband eine Empfehlung
zur Anpassung des Behandlungsbedarfes für die folgenden Verhandlungen auf Landesebene. Grundlage
ist eine Berechnung des Instituts des BA, das zwei
Veränderungsraten ermittelt: eine Rate für die Morbiditätsentwicklung anhand der Behandlungsdiagnosen
und die andere Rate für die demografische Entwicklung anhand Alter und Geschlecht der Versicherten
(§ 87a Abs. 5 SGB V).
1. Verhandlungen zum Preis der Leistungen: Die KVen
und die Landesverbände der Krankenkassen sowie
die Ersatzkassen bestimmten jährlich bis Ende Oktober auf der Grundlage des Orientierungswertes einen
Punktwert, der zur Vergütung der vertragsärztlichen
Leistungen im Folgejahr anzuwenden ist und regionale Besonderheiten berücksichtigt (§ 87a Abs. 2 SGB
V). Indem der Punktwert mit den im EBM festgeschriebenen Punktzahlen multipliziert wird, entsteht
eine regionale Eurogebührenordnung.
2. Verhandlungen zur Leistungsmenge: KVen und Kassen vereinbaren die Höhe der morbiditätsbedingten
Gesamtvergütung, welche die Krankenkassen an die
jeweilige KV zahlen. Grundlage ist die Empfehlung
des BA zur Anpassung des Behandlungsbedarfs aufgrund von Veränderungen der Zahl und Morbiditätsstruktur der Versicherten. Aus der regional vereinbarten Steigerung errechnet sich zusammen mit dem
EBM der Behandlungsbedarf, ausgedrückt als Punktzahlvolumen. Multipliziert mit dem regional vereinbarten Punktwert in Euro ergibt sich die morbiditätsbedingten Gesamtvergütung (§ 87a Abs. 3 SGB V).
schenk. In unmerklich kleinen Schritten sei der Sicherstellungsauftrag erodiert. Nur die Ärzteschaft halte einseitig noch zu dem alten Pakt. „Damit
ist jetzt Schluss! Wir brauchen einen
neuen Konsens!“
Die Vertreterversammlung verabschiedete ein Forderungspaket mit
sieben notwendigen Bedingungen, unter denen KBV und KVen weiterhin
die Verantwortung übernehmen würden (siehe Kasten). Einstimmig beschlossen die Delegierten zusätzlich,
alle Vertragsärzte und -psychotherapeuten zu befragen, ob und unter welchen Bedingungen die Gewährleistung des Sicherstellungsauftrages
durch KVen und KBV noch sinnvoll
erscheint. Diese Befragung soll voraussichtlich im Dezember dieses Jahres vorliegen. An dieser Position der
Kassenärzte ändert auch die Einigung
beim Honorar nichts mehr.
Die Proteste der Ärzteverbände gehen
folglich weiter. Denn zur Lösung des
zugrundeliegenden Problems ist der
Kompromiss nur der erste Meilenstein: Ein eigener Honorartopf für die
Psychotherapeuten. Daran, dass auch
alle sieben Bedingungen für die Übernahme des Sicherstellungsauftrages
erfüllt sein müssen, werden die niedergelassenen Ärzte und Psychotherapeuten in den nächsten Jahren keinen
Zweifel lassen.
www.kbv.de/42032.html
Wissenswertes zum Sicherstellungsauftrag
Was heißt „Sicherstellungsauftrag“?
Die Kassenärztlichen Vereinigungen (KVen) und die
Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) sind gesetzlich verpflichtet, die ambulante ärztliche Versorgung aller gesetzlich Versicherten in Deutschland zu gewährleisten. Laut Paragraf 75 Absatz 1 des fünften Sozialgesetzbuchs haben sie diese Versorgung „sicherzustellen“, weshalb vom „Sicherstellungsauftrag“ die Rede ist.
Was umfasst er?
Mit dem Sicherstellungsauftrag übernimmt die Kassenärzteschaft die Verantwortung dafür, dass jeder gesetzlich Versicherte die ärztlichen Leistungen, auf die er einen Anspruch hat, zu jedem Zeitpunkt und an jedem Ort
erhält – sei es in der Sprechstunde, im ärztlichen Bereitschaftsdienst oder beim Hausbesuch. Bei freier Arztwahl hat jeder Versicherte die Garantie, auf einen nach
strengen Regeln zugelassenen Arzt oder Psychotherapeuten zu treffen, welcher sich regelmäßig fortbildet und
an vielfältige Qualitätsnormen hält.
Vertragsärzte und -psychotherapeuten dürfen grundsätzlich keinen Patienten abweisen und müssen alle
notwendigen Leistungen erbringen. Sie unterwerfen sich
den strengen Regeln des Vertragsarztrechts.
Mit dem sogenannten Berliner Abkommen von 1913 erzielten Ärzte und Krankenkassen wesentliche Fortschritte, die bis heute für ihr Verhältnis maßgeblich sind. Dazu gehört die – wenn damals auch noch eingeschränkte
– freie Arztwahl, der verbriefte Anspruch der Ärzte auf
eine in Form und Höhe angemessene Entschädigung
sowie die Errichtung von Schiedsinstanzen. Dies war
die Geburtsstunde der gemeinsamen Selbstverwaltung
von Ärzten und Kassen.
1931 führte die Regierung unter Reichskanzler Heinrich
Brüning den Kollektivvertrag ein und schuf die KVen.
Der historische Kompromiss von damals lautete: Die
ärztliche Selbstverwaltung, in Gestalt der KVen, handelt
gesamthaft die Verträge mit den Krankenkassen aus.
Ziel war es, den einzelnen Arzt aus der direkten individuellen Abhängigkeit und damit von der Willkür der Kassen zu befreien. Im Gegenzug hatten die KVen die Versorgung der Versicherten zu gewähren, sprich diese
sicherzustellen. Der vollumfängliche Sicherstellungsauftrag, wie er im Wesentlichen heute noch Bestand
hat, entstand 1955 mit dem Gesetz über das Kassenarztrecht. Die Ärzte verzichteten fortan auf das Streikrecht.
Was ist an ihm problematisch?
Der historische Konsens ist in den vergangenen Jahrzehnten in kleinen, unmerklichen Schritten erodiert.
Zwar gilt der damals geschlossene Kompromiss noch,
die Grundlagen haben sich aber verändert. Aus Ärzten
und Psychotherapeuten sind „Leistungserbringer“ geworden. Sie erhalten nicht mehr ihre einzelne Leistung
bezahlt, sondern nur noch Leistungen im Plural. Das
System ist in eine Schieflage geraten, in der die Krankenkassen ungleich mehr Gewicht besitzen.
Kann man ihn zurückgeben?
Dafür wäre zum einen eine Gesetzesänderung erforderlich. Zum anderen wollen die Vertragsärzte und -psychotherapeuten nicht einfach aufgeben, sondern die Bedingungen, unter denen der ursprüngliche Konsens
einst zustande kam, wieder herstellen.
Unter welchen Bedingungen ist er weiterhin sinnvoll?
Die Vertreterversammlung der KBV hat sieben Bedingungen beschlossen, die in den nächsten fünf Jahren
erfüllt sein sollen:
1. Wiederherstellung der diagnostischen und therapeutischen Freiheit jedes einzelnen Vertragsarztes und psychotherapeuten,
2. Feste und kostendeckende Preise für alle erbrachten
ärztlichen Leistungen,
3. Abschaffung jeder versorgungsfremden Mengensteuerung und Übernahme des Mengenrisikos durch
die gesetzlichen Krankenkassen in einem zeitlichen
Stufenplan. Alternativ sollen feste Mengen mit den
Krankenkassen vereinbart werden, zu denen feste
Preise vergütet werden,
4. Wiederherstellung der ärztlichen Autonomie in Fragen der persönlichen Qualifikation,
5. Abschaffung der Regresse bei veranlassten Leistungen,
6. Primat der Erbringung ambulanter ärztlicher Leistungen durch zugelassene Vertragsärzte und -psychotherapeuten,
7. Möglichkeit zum Abschluss kassenspezifischer Gesamtverträge.
X-RAY – der Durchblick von Dipl.-Med. Regina Feldmann
ende ausgesetzt und somit den Druck
erhöht, zu einem Beschluss zu kommen. Von unserer Seite aus soll es daran nicht scheitern.
Größtenteils unbemerkt von der Öffentlichkeit bohren wir derzeit ein
dickes Brett: Bis Ende des Jahres soll
der Gemeinsame Bundesausschuss die
Richtlinie zur Bedarfsplanung beschließen. Für unsere solidarische
Gesellschaft ist es von zentraler Bedeutung, dass alle Menschen einen
vergleichbaren Zugang zur medizinischen Versorgung haben. Gerade in
der heutigen Zeit des Ärztemangels
ist es umso wichtiger, die Ärzte und
Psychotherapeuten gerecht zu verteilen.
Der Gesetzgeber hat dies erkannt und
der Selbstverwaltung mit dem Versorgungsstrukturgesetz den Auftrag gegeben, die Defizite der bisherigen Bedarfsplanung zu beheben, die aus dem
Jahr 1993 stammt.
Unser Konzept findet Gehör
Wir sind auf einem guten Weg. Die
Gespräche mit den Krankenkassen gestalten sich schwierig, aber wir finden
Gehör für unser Konzept. Auch die
Übergabe der Amtsgeschäfte im Vorsitz des Gemeinsamen Bundesausschusses hat keinerlei Verzögerungen
verursacht. In Josef Hecken hat das
Gremium einen tatkräftigen und engagierten Vorsitzenden gefunden, der
sich der Bedarfsplanung umgehend
angenommen hat. Den bislang geltenden sogenannten Demografiefaktor,
der regelt, wie sich die Zahl der Ärzte
der Bevölkerungsentwicklung anpassen muss, hatte Hecken zum Jahres-
Alle Gruppen beplanen
Die KBV hatte bereits frühzeitig ein
detailliertes Konzept vorgelegt. Unser
Vorschlag, künftig alle Fachgruppen
in die Planung einzubeziehen, ist
weitgehend akzeptiert. Auch kleinere
Fachgruppen wie Strahlentherapeuten
und Laborärzte sollen ihr in Zukunft
unterliegen. Dafür fordern wir, die
bislang 14 beplanten Gruppen auf 24
zu erweitern. Um ein übermäßiges
Wachstum bei den bislang beplanten
Arztgruppen zu verhindern, hat der
G-BA ein Moratorium beschlossen,
das Neuzulassungen in diesen Fachgruppen bis zum Abschluss der Reform unterbindet.
Gute Ansätze für Raumzuschnitt
Ebenfalls unstrittig ist, dass die Planungsbereiche nicht mehr für alle
Fachgruppen gleich groß sein dürfen.
Derzeit ist die Republik in rund vierhundert Bereiche unterteilt, die weitgehend den kreisfreien Städten und
Landkreisen entsprechen.
Insbesondere die Hausärzte müssen
wir kleinräumiger betrachten, damit
sie die Patienten wohnortnah versorgen können und es nicht innerhalb
eines Landkreises zu Fehlverteilungen kommt. Zukünftig wird die
Betrachtung auf der Basis von sogenannten Mittelbereichen erfolgen.
Dies ist aus unserer Sicht ein guter
Ansatzpunkt.
Die Arbeit an der Bedarfsplanungsrichtlinie kommt zügig voran. Für eine Entscheidung des Gemeinsamen Bundesausschusses bis Jahresende stehen die Chancen gut, meint Dipl.-Med. Regina Feldmann.
Fachärzte können ein wenig großräumiger verteilt sein. Auch hier zeichnet
sich eine Einigung dahingehend ab,
dass wir den Raumzuschnitt für die
wohnortnahe und die spezialisierte
fachärztliche Versorgung differenzieren sollten.
Die Verhältniszahlen von Ärzten zu
Einwohnern werden wir zuletzt verhandeln, wenn über die übrigen Punkte Klarheit besteht. Das Gesetz sagt
eindeutig, dass in der neuen Bedarfsplanung die demografische Entwicklung mit einfließen soll. Die Veränderungen, die sich aus der Reform ergeben, werden je nach Fachgruppe und
Region unterschiedlich ausfallen.
Ich denke, für die Krankenkassen waren die Gespräche wichtig, um zu erkennen, dass es nicht darum gehen
kann, im großen Stil Überversorgung
abzubauen. Wir müssen die gerechte
Versorgung der Patienten sichern, ohne dabei die Grundrechte des Arztes,
wie sein Recht am Eigentum, zu beschneiden.
Die Rechte der Ärzte wahren
Das Versorgungsstrukturgesetz gibt
zwar den Kassenärztlichen Vereinigungen die Möglichkeit, in den Ruhestand gehenden Ärzten ihre Praxis in
überversorgten Regionen abzukaufen.
Ob dieses Instrument aber erfolgreich
eingesetzt werden kann, wird die Zukunft entscheiden. Ganz sicher wird
dies aber nicht dazu führen, wie man
bei den Krankenkassen vielleicht gern
geglaubt hätte, dass man beliebig in
Berlin Lämpchen ausschaltet, die
dann in Schwedt oder sonstwo wieder
Krankenkassen-Navigator schafft mehr Transparenz
Niedergelassene halten Krankenkassen einen Spiegel vor
Die KBV hat ein Onlineportal freigeschaltet, auf dem niedergelassene Ärzte und Psychotherapeuten die gesetzlichen Krankenkassen öffentlich bewerten können. Welchen Nutzen der sogenannte Krankenkassen-Navigator hat und was er den Patienten bringt, erklärt Dagmar Vohburger.
In der Nautik bedeutet „Navigation“ in etwa „Steuermannskunst“. Einer gewissen Orientierung bedarf es
auch, um sich im bunten
Angebot der Krankenkassen zurechtzufinden. Doch
von vielem, was ihr Arzt
mit der Krankenkasse zu
tun hat, erfahren die Patienten kaum etwas.
Um nach verschiedenen
Seiten mehr Transparenz zu
schaffen, hat die KBV ein
Online-Portal entwickelt,
auf dem niedergelassene
Ärzte und Psychotherapeuten ihre Erfahrungen aus der
täglichen Zusammenarbeit
mit den gesetzlichen Krankenkassen schildern und
Der Krankenkassen-Navigator ist eine Online-Plattform für Niedergelassene, die auch Patienten
diese beurteilen können.
Die Bewertung erfolgt in
fektive Zusammenarbeit zwischen
fünf thematischen Bereichen: TheraÄrzte und Psychotherapeuten außerpiefreiheit, Bürokratie, Regresse, Sedem zu aktuellen Themen. Sie können Arzt und Kasse dem Patienten zugute.
Auf dem Portal können sich auslektivverträge sowie Service und Inauch Kommentare zum Spitzenverschließlich Vertragsärzte und -psyformation. Je Themenfeld gibt es bis
band der gesetzlichen Krankenversizu drei spezifische Fragen, zu denen
cherung sowie zu den Krankenkassen- chotherapeuten registrieren, die über
eine lebenslange Arztnummer (LANR)
Schulnoten vergeben werden können.
verbänden abgeben.
verfügen. Die Freitextfelder werden
Zudem ist die Abgabe von Kommenredaktionell kontrolliert, so dass nur
taren in Freitextfeldern möglich. Nie- Mehrfacher Nutzen
„Der Krankenkassen-Navigator soll
Eingaben möglich sind, die den Nutdergelassene Ärzte und Psychotheraden Kassen wie ein Spiegel aufzeizungsbedingungen entsprechen.
peuten entscheiden, ob sie zu jeder
gen, an welchen ganz konkreten
Das Bewertungsportal finRubrik einen inhaltlichen Beitrag
Punkten sich diese Zusammenarbeit
den Sie im Internet unter:
leisten oder nur zu einzelnen; außerund somit der Dienst am Patienten
http://krankenkassen-navigator.kbv.de.
dem, ob sie die Kassen allgemein beverbessern lässt“, stellt der KBV-Vor- Scannen Sie diesen QR-Code mit Ihwerten oder lediglich einzelne.
standsvorsitzende, Dr. Andreas Köhrem Smartphone und Sie gelangen diAlle Bewertungen fließen in ein Ranler, fest. Die KBV erhalte auf diese
rekt dorthin.
king der zehn am besten und am
schlechtesten bewerteten Krankenkas- Weise einen Einblick, wo genau die
sen ein. Jede Kassenbewertung ist für Kooperation zwischen Niedergelassenen und Kassen nicht so gut funktioalle einsehbar sobald sich zehn Nieniert. „Gegebenenfalls können wir an
dergelassene daran beteiligt haben.
die Krankenkassen herantreten und
Die Krankenkassen ihrerseits haben
gemeinsam Lösungen finden“, ergänzt
dann die Möglichkeit eine Stellungnahme abzugeben. Befragt werden die Köhler. Letztendlich komme eine ef-
Ratgeber: Richtiger Umgang mit IGeL
Die KBV veröffentlicht gemeinsam mit der Bundesärztekammer eine zweite Auflage ihrer IGeL-Broschüre.
Neu daran: Sie richtet sich sowohl an Patienten als auch an Ärzte. Zahlreiche Ärzteverbände und Patientenorganisationen unterstützen die Publikation. Lena Juppe hat sich die Vorversion angeschaut.
Wie entscheide ich mich für oder gegen eine Individuelle Gesundheitsleistung? Auf dreißig Seiten bietet der
Ratgeber „Selbst zahlen?“ hilfreiche
Checklisten und Informationen für
das richtige Verhalten im Umgang mit
den Selbstzahlerleistungen.
„Die Leser erfahren, was IGeL sind,
warum man selbst dafür zahlen muss
und was wichtig ist, wenn man eine
solche Leistung angeboten bekommt
oder sie von sich aus wünscht“, erklärt Dr. Franziska Diel, Dezernentin
der KBV, die an der ersten und zweiten Auflage mitgewirkt hat.
Initiatoren des Ratgebers sind die
KBV und die Bundesärztekammer.
Sie haben das Ärztliche Zentrum für
Qualität in der Medizin mit der Erstellung und Koordination beauftragt.
Wie bei der ersten Auflage ist auch
das Deutsche Netzwerk Evidenzbasierte Medizin dabei. Diesmal wurden
darüber hinaus Ärzteverbände und
Patientenorganisationen aufgerufen,
sich zu beteiligen. Die Rückmeldungen werden aktuell eingearbeitet.
Eine Vorversion steht bereits allen
Interessierten zur Verfügung (siehe
Das bietet der Ratgeber
Neben der Absicht, Vertrauen und einen fairen Umgang mit IGeL herzustellen, möchte der Ratgeber vor allem
zum offenen Gespräch zwischen Arzt
und Patient anregen und beiden Seiten hierfür eine Orientierung bieten.
Die Broschüre enthält zwei Checklisten: Eine für Patienten und eine für
Ärzte. „Den Patienten hilft die Liste,
die richtigen Fragen zu stellen, um
dann eine informierte Entscheidung
treffen zu können. Für Ärzte bietet
die Checkliste Tipps, wie sie ihre Patienten gut zu IGeL beraten und dabei
alle rechtlichen Vorgaben einhalten“,
(Foto: F.Schmidt_fotolia.com)
Die Akupunktur zur Migräneprophylaxe ist eine Individuelle Gesundheitsleistung,
ebenso wie Reiseimpfungen, Sport-Checks und Entfernungen von Tätowierungen.
sagt Diel. Zu diesen Vorgaben zählen
unter anderem ein schriftlicher Behandlungsvertrag und die Rechnungslegung.
Die Autoren gehen auf mögliche Unsicherheiten der Patienten ein, etwa,
ob man den ärztlichen Rat in Frage
stellen und eine Zweitmeinung einholen dürfe. Zu den zehn Punkten der
Checkliste zählt zum Beispiel: Wurde
der Patient darüber informiert, ob es
für den Nutzen der IGeL wissenschaftliche Belege gibt und wie verlässlich diese sind? Gibt es eine angemessene Bedenkzeit für die Entscheidung? Ein wichtiger Punkt, wie die
Versichertenbefragung 2011 der KBV
gezeigt hat: 19 Prozent der Befragten
empfinden diese Zeit als zu kurz.
Für Ärzte kann der Ratgeber als Leitfaden für einen verantwortungsvollen
Umgang mit IGeL dienen. Negative
Schlagzeilen über Ärzte, die ihren Patienten angeblich Selbstzahlerleistun-
gen aufdrängen, um Geld zu verdienen, schaden dem Image der Mediziner.
Der Vorstandsvorsitzende der KBV,
Dr. Andreas Köhler, rief die Ärzte dazu auf, das große Vertrauen, das immerhin 91 Prozent der Versicherten zu
ihrem Arzt haben, nicht aufs Spiel zu
setzten (KBV-Versichertenbefragung
Der Ratgeber möchte einen Beitrag
dazu leisten und stellt klar: „Ärzte
dürfen Patienten auf keinen Fall drängen, eine IGeL in Anspruch zu nehmen. Ärzte würden berufswidrig handeln, wenn sie eine IGeL ohne überzeugende Begründung, aber mit großem Nachdruck nahelegen.“
Die finale Fassung der zweiten Auflage erscheint voraussichtlich im November 2012.
www.kbv.de/patienteninformation/23
719.html
Leitfaden für niedergelassene Ärzte und Psychotherapeuten
Broschüre gegen Korruption schafft Sicherheit
Ärzte haben keinen Freibrief für Korruption. Um dies nach einer vielfach missverstandenen Entscheidung
des Bundesgerichtshofs deutlich zu machen, hat die KBV eine Broschüre erarbeitet. Genaueres zum Inhalt
von Dagmar Vohburger.
darf und was nicht, ist klar
geregelt. Dennoch sorgte ein
Grundsatzbeschluss des Bundesgerichtshofs im Juni dieses
Jahres für Verwirrung. Er besagt, dass sich Ärzte nicht
strafbar machen, wenn sie
Provisionen, beispielsweise
von Pharmaunternehmen, annehmen. Der Grund: Vertragsärzte sind keine Amtsträger
und Beauftragten der Krankenkassen.
„Diese Entscheidung stärkt
die ärztliche Freiberuflichkeit“, erklärte der KBV-Vorstandsvorsitzende, Dr. Andreas Köhler. Doch das sahen
nicht alle so. Es hagelte negaWann macht sich ein Arzt der Korruption strafbar und was ist erlaubt? Diese Fragen beanttive Schlagzeilen, die glauben wortet die KBV-Korruptionsbroschüre.
(Foto: MAST/fotolia.com)
ließen, Bestechung sei bei
Ärzten legal. Die Schaffung eines eiDie Broschüre gibt Handlungsmaximen die Übernachtung einer Begleitperson
oder das Rahmenprogramm bezahlen,
genen Straftatbestandes für korrupte
an die Hand und zeigt Folgen strafist dies unzulässig. Nicht erlaubt ist
Ärzte und Psychotherapeuten wurde
und berufsrechtlicher Verstöße auf.
außerdem, wenn Sponsoren Betriebsgefordert. „Dies ist gar nicht nötig“,
ausflüge oder Weihnachtsfeiern finanmacht Rechtsanwalt Jürgen Schröder,
ziell unterstützen oder einen „Tag der
Darf ein Arzt, der Aktien einer Pharstellvertretender Leiter der KBVoffenen Tür“ ausrichten. „Die Auflismafirma besitzt, regelmäßig ArzneiRechtsabteilung, deutlich. „Mit unsemittel dieses Unternehmens verordtung in der Broschüre ist nicht abrer Broschüre wollen wir darlegen,
nen? Ja, da seine Verordnungen nicht
schließend“, darauf legt Schröder
dass es im berufsrechtlichen und im
Wert. „Man kann nicht sagen: Das
den Umsatz des Unternehmens steisozialrechtlichen Rahmen schon jetzt
steht nicht in der Broschüre und desgern können. Beteiligt sich der Arzt
ausreichend Möglichkeiten gibt, um
jedoch an einer Gesellschaft bürgerli- halb dürfen wir das.“
Sanktionen zu ergreifen.“
chen Rechts, die Anteile an einer
Letztendlich liege es ganz im Interesse
Jeder Vertragsarzt und -psychotheraLabormedizin-GmbH hat, kann dies
der mehrheitlich korrekt handelnden
peut soll bis Ende des Jahres ein
unzulässig sein. Dann nämlich, wenn
Ärzte, Transparenz und damit SicherExemplar bekommen: Die Broschüre
heit zu schaffen. Als Beispiel nennt er
aus der Reihe PraxisWissen wird dem sich die Gewinnzuteilung an den Ladas Thema Anwendungsbeobachtung.
Deutschen Ärzteblatt beiliegen. Unter boraufträgen ausrichtet.
anderem geht es um die Zusammenar- Lassen sich Ärzte zu Fortbildungsver- „Wir sind seit langem hinterher, dass
hier mehr Transparenz herrscht“, eranstaltungen von Arznei-, Heil- und
beit zwischen Vertragsärzten unterklärt er.
einander, Sponsoring durch die Indus- Hilfsmittel-Herstellern einladen, so
bleibt dies dann folgenlos, wenn sie
Die entsprechenden Forderungen hatrie sowie Kooperationen zwischen
sich beispielsweise die Reisekosten
be die KBV auch im Vorfeld des seit
Krankenhaus und Vertragsarzt. Ein
2012 geltenden Versorgungsstrukturoder die Teilnahmegebühren erstatten
kurzer Einleitungstext erklärt jeweils
gesetzes beim Gesetzgeber eingelassen. Beziehen sie dagegen ein Ludie Problematik, konkrete Fallbeixushotel, lassen sich die Kosten für
bracht – bisher ohne Erfolg.
spiele sorgen für Anschaulichkeit.
KBVMesse 2013
Berlin (jup) – Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) hat eine Zulassungssperre für neun bislang unbeplante Arztgruppen verhängt. Sie gilt
bis zum 1. Januar 2013 – dem Start
der neuen Bedarfsplanungs-Richtlinie. Betroffen sind Kinder- und Jugendpsychiater, Physikalische- und
Rehabilitations-Mediziner, Nuklearmediziner, Strahlentherapeuten, Neurochirurgen, Humangenetiker, Laborärzte, Pathologen und Transfusionsmediziner. Der G-BA befürchtet, dass
sich noch zahlreiche Krankenhausärzte dieser Fachgruppen niederlassen
könnten, bevor sie der Zulassungsregulierung unterliegen. Das Bundesgesundheitsministerium hat der Entscheidung nicht widersprochen. Die
sofortige Zulassungssperre sei eine
zumutbare Übergangsregelung und
diene der Herstellung der Chancengerechtigkeit.
Berlin (jup) – Im April 2013 findet
die vierte KBVMesse Versorgungsinnovation in Berlin statt. Aussteller
können sich bis Mitte Januar bewerben. Im Mittelpunkt der KBVMesse
stehen diesmal Anreizmodelle kooperativer Versorgung. Am 16. und 17.
April 2013 sollen im dbb forum Berlin innovative Beispiele aus der Praxis vorgestellt und
Ärzten, Pflegepersonal und anderen
an der Versorgung Beteiligten diskutiert werden.
Die Messe findet 2013 erneut in Zusammenarbeit mit der Agentur deutscher Arztnetze statt. Ein Fokus der
Veranstaltung liegt somit auf Praxisnetzen als einer möglichen Form der
wohnortnahen Versorgung. Kontakte
knüpfen und sich austauschen können
Besucher und Teilnehmer in Fachforen und verschiedenen Veranstaltungen. Den Auftakt bildet am ersten
Messetag eine Konferenzveranstaltung zum Thema Anreizmodelle kooperativer Versorgung im internationalen Vergleich.
haben Ärzte
und Projektträger die
ihre Konzepte an Infoständen zu präsentieren. Parallel dazu finden Workshops, Foren
und Vorträge statt. Ärzte und Psychotherapeuten können sich bis zum
18. Januar 2013 für eine Teilnahme
als Austeller bewerben. Die Austellerkonditionen können unter
messe@kbv.de angefordert werden.
Berlin (bon) – Die KBV begrüßt den
Aufbau eines nationalen Krebsregisters, das im Kabinettsentwurf des
Krebsfrüherkennungs- und Registergesetzes vorgesehen ist. Sie unterstützt alle Maßnahmen, die den Patienten helfen. Die Neuerungen sollte
der Gesetzgeber jedoch behutsam und
passgenau auf die vorhandenen Programme abstimmen. Einheitliche Vorgaben für Datensätze etwa seien
längst überfällig, dürften allerdings
nicht zu ausufernden Informationspflichten führen. Die KBV setzt sich
dafür ein, den bürokratischen Aufwand in den Arztpraxen zurückzufahren. Deswegen sei zunächst sorgfältig
abzuwägen, welche Daten wirklich
erhoben werden müssen. Das Disease-Management-Programm Brustkrebs beispielsweise wäre in der bestehenden Form kaum noch fortsetz-
Die KBV setzt sich mit der jährlichen Präventionsinitiative für eine stärkere Akzeptanz von Früherkennungsuntersuchungen ein.
bar, weil die erhobenen Daten nicht
mit den neuen Vorgaben zusammenpassen.
Die Bundesregierung plant mit dem
Krebsfrüherkennungs- und Registergesetz außerdem, in die vorhandenen
Früherkennungsuntersuchungen, die
zum Teil seit vierzig Jahren erfolgreich laufen, erheblich einzugreifen
und EU-Empfehlungen umzusetzen.
Insbesondere die Angebote zur Früherkennung von Gebärmutterhalskrebs
und Darmkrebs sollen den Plänen zufolge in kurzer Zeit umstrukturiert
werden. Der hohe Standard in Deutschland dürfe durch die geplanten Änderungen nicht gefährdet werden, warnt
die KBV. Tests in Pilotprojekten seien
Die Stellungnahme der KBV gibt es
im Internet unter www.kbv.de/
gesundheitspolitik/41935.html.
Interview mit der Vorsitzenden des vdek, Ulrike Elsner
„Jede Seite muss ein paar Kröten schlucken“
Seit Juli im Amt, hat die neue Vorsitzende des Ersatzkassenverbandes (vdek) bereits aus nächster Nähe
Honorarverhandlungen und Ärzteproteste miterlebt. Im KLARTEXT-Interview kritisiert Ulrike Elsner die mediale Schärfe der Ärzteseite und erklärt, warum Freiberuflichkeit für die Tätigkeit als Kassenarzt eine untergeordnete Rolle spielt. Die Fragen stellte Nils Franke.
Frau Elsner, wie bewerten Sie das
Ergebnis der Honorarverhandlungen auf Bundesebene?
Ich bin mit den am 9. Oktober beschlossenen Eckpunkten genauso zufrieden oder unzufrieden wie Herr
Dr. Köhler. Da sind schon ein paar
Kröten dabei, die jetzt jede Seite
schlucken muss. Aber ich denke, wir
können auf dieser Basis im Bewertungsausschuss zu einem Beschluss
kommen, der für beide Seiten tragbar
ist. Der Kompromiss führt zu Mehrkosten von etwa 1,15 bis 1,27 Milliarden Euro in 2013 und enthält auch
strukturelle Änderungen wie etwa die
Empfehlung an die Landesebene, zur
extrabudgetären Finanzierung der
Psychotherapieleistungen ab 2013.
Zum Teil werden mit dem neuen Geld
aber auch spezielle Leistungen im Bereich der geriatrischen und palliativmedizinischen Grundversorgung finanziert. Ob dieses Paket aber zu einer wirklichen Befriedung führt, wird
auch davon abhängen, ob das Finanzvolumen – immerhin eine Steigerung
von ca. 4 Prozent – für die Verhandlungen auf Landesebene eingehalten
wird. Einige Äußerungen lassen vermuten, dass der Kompromiss eher als
Absprungbasis für weit darüber hinausgehende Honorarsteigerungen
gesehen wird. Das ist aber nicht der
Der Spitzenverband der gesetzlichen Krankenkassen (GKV) hatte
im Vorfeld eine Absenkung der Gesamtvergütung um 2,2 Milliarden
Euro gefordert. War das berechtigt?
Wir reden zum einen über den Preis
der Leistungen und zum anderen über
die Menge des notwendigen Honorars, die sich aus der Demografie und
Können Sie nachvollziehen, dass die
unterbrachen und
Proteste organisierten?
Die ärztliche Basis
hatte große Erwartungen. Dem steht
eine Gegenposition
gegenüber, so ist
das zwischen Vertragspartnern. Deswegen sind die Aufregung, der Ton und
die mediale Schärfe
der Ärzteseite so
nicht nachvollziehbar. Wir haben ein
geregeltes VerfahFand die plötzliche Aufgeregtheit nicht ganz nachvollziehbar:
ren, das sehr stark
Ulrike Elsner.
durch die Selbstverder Morbidität der Bevölkerung erwaltung bestimmt ist. Das halte ich
gibt. Auf der Bundesebene haben wir
auch für sehr gut. Kommt beim Verzuerst über den Preis verhandelt. Die
handeln keine Lösung zustande, gibt
KBV hatte im Vorfeld die Forderung
es einen Mechanismus zur Konfliktlöaufgemacht: 3,5 Milliarden Euro plus. sung. Kein Verständnis habe ich für
Der GKV-Spitzenverband hat auf BaPraxisschließungen und Protestaktiosis des Arztlohnes eine Gegenfordenen, die letztlich immer zulasten der
rung aufgestellt. Das ist in VerhandPatienten gehen. Als Vertragspartner
lungen nicht unüblich.
kann ich mich so nicht verhalten. Zudem sind die Verhandlungen auch
Wie kam die Forderung zustande?
noch gar nicht zu Ende, sie gehen auf
Beim Preis der Leistungen ist es eben der Landesebene weiter. Die Landesso: Je mehr Leistungen ein Arzt erebene berät über die zu vergütende
bringt, desto stärker treten gewisse
Leistungsmenge und weitere ParameRationalisierungsreserven auf. Es gibt ter wie zum Beispiel Zuschläge. Die
Kosten, die sind einfach fix, unabhän- Einigung auf Bundesebene setzt dafür
gig davon, wie viele Patienten ich be- allerdings den Rahmen.
handele. Ein Mehr an Leistungen hat
also geringere Stückkosten zur Folge. Sind auf Landesebene noch Steigerungen zu erwarten?
Das ist alles Bestandteil der Kalkulation des Preises und eine betriebswirtschaftliche Rechnung.
Auf Bundesebene stellt erstmals für
2013 ein Algorithmus zwei Steige-
Das neue Verfahren hatte sich Ihrer
Meinung nach einfach noch nicht
herumgesprochen?
Wir betreten hier Neuland. Das Problem ist, dass die einzelnen Beteiligten an der Basis es durch die Vielzahl
von Honorarreformen schwer haben,
die Regeln und die Mechanismen
nachzuvollziehen. Das Gesetz sieht
für 2013 geänderte Verhandlungszuständigkeiten vor, wonach auf Landesebene noch verhandelt wird – auch
über finanzträchtige Parameter wie
die Morbiditätsentwicklung. Mir
scheint, dass das vielen Ärzten so
nicht bekannt ist, weil die Honorarentwicklung in den letzten vier Jahren
auf Bundesebene festgelegt und auch
Können Sie sich ein Streikrecht für
Ärzte vorstellen?
Das ist die Frage, wie wir miteinander
umgehen. Wenn wir wie jetzt auf einer vertraglichen Basis miteinander
arbeiten, dann kann ich es mir nicht
vorstellen. Kassen und Kassenärzte
haben sich gemeinsam auf Regularien
verständigt, wie man Verträge anpasst
und wie man vorgeht, wenn man sich
nicht einigt: über Schlichtungsstellen.
Das ist basisnah ausgestaltet. Man
muss auch sagen, der Gesetzgeber hat
die ambulante Versorgung explizit mit
einem Sicherstellungsauftrag an die
Kassenärztlichen Vereinigungen gegeben. Damit ist die Pflicht verknüpft,
nicht zu streiken und die Sicherstellung nicht zu gefährden. Beides würde nicht zusammenpassen. Ich kann
nicht ein Streikrecht fordern und den
Sicherstellungsauftrag mit all seinen
Vorzügen, insbesondere einer verlässlichen Finanzierung der Arztpraxen,
Die Niedergelassenen kritisieren,
dass sich die Bedingungen des Sicherstellungsauftrages schleichend
verändert haben. Aus Ihrer Sicht
Auf den ersten Blick nicht. Wir sehen
in Umfragen unter der Ärzteschaft eine sehr hohe Berufszufriedenheit.
Dann können die Bedingungen eigentlich so schlecht nicht sein. Das
sollte man nicht vergessen, wenn man
das System als Ganzes infrage stellt.
Wenn man sich zum Beispiel gesetzliche Neuregelungen der letzten Jahre
ansieht, muss man feststellen, dass
die Möglichkeiten der ärztlichen Berufsausübung durch flexiblere Niederlassungsformen, Teilung von Arztsitzen und Einschränkung der Residenzpflicht stark erweitert wurden. Auch
im Bereich der Wirtschaftlichkeitsprüfung ist eher eine Rücknahme von
Restriktionen zu verzeichnen. „Beratung vor Regress“ ist hier ein aktuelUlrike Elsner ist seit Juli 2012 Vorstandsvorsitzende des Verbandes
der Ersatzkassen (vdek). Für den
Verband arbeitet die Juristin aus
Schleswig-Holstein seit 1994, zunächst in den Landesvertretungen
Berlin und Sachsen. Seit 2008 leitet
sie auf Bundesebene die Abteilung
les Stichwort. Insofern scheinen mir
doch in erster Linie finanzielle Gesichtspunkte Auslöser für die Debatte
über den Sicherstellungsauftrag zu
sein. Trotzdem werden wir uns einer
Diskussion über die Bedingungen der
ärztlichen Berufsausübung nicht verschließen. Verbesserungen sind natürlich immer möglich und darüber sollte man konstruktiv reden.
rungsraten fest. Zum einen wird festgestellt: Wie hat sich die Bevölkerung
in der einzelnen Region demographisch verändert? Hier ergeben sich
regelmäßig Steigerungen im Bereich
von etwa 0,5 Prozent. Die zweite Rate
stellt die Morbiditätsentwicklung dar,
diese Rate liegt deutlich höher mit
Variationen zwischen den Jahren.
Dann schaut die Landesebene, welche
Gewichtung sie vornimmt und auf
welche zusammengefasste Rate man
sich einigt. Man kann das mitteln,
man kann sich am höchsten oder am
geringsten Wert orientieren. Das Finanzvolumen dafür wurde allerdings
auf Bundesebene bereits mit 180 bis
250 Millionen Euro berücksichtigt,
ebenso wie bis zu 200 Millionen für
die regional zu vereinbarenden Zuschläge. Dieses Volumen findet sich
übrigens schon in der Gesetzesbegründung zum Versorgungsstrukturgesetz. Es war immer klar, dass wir
nicht nur über den Orientierungspunktwert – und damit über 0,9 Prozent Honorarsteigerung – verhandeln.
Von daher war die plötzliche Aufgeregtheit nicht ganz nachvollziehbar.
klargestellt, dass Ärzte Freiberufler
sind. Ist das aus Ihrer Sicht unzweifelhaft?
Darin ging es um die Frage, ob der
Korruptionsparagraf des Strafgesetzbuches anzuwenden ist, wenn eine
Pharmareferentin einem Arzt Vorteile
gewährt. Der BGH hat festgestellt,
dass das Verhalten nicht strafbar war,
weil der Arzt Freiberufler ist. Nach
meinem Verständnis lässt das ärztliche Berufsrecht ein solches Verhalten
trotzdem nicht zu. Das Urteil ist deshalb auch kein Erfolg der Ärzteschaft
und kein Anlass zu feiern. Man müsste sich jetzt überlegen, ob solche Fälle nicht noch ins Strafgesetzbuch
gehören. Ich denke, da muss was passieren. Die Frage der Freiberuflichkeit sehe ich da eher nachrangig.
Könnte es nicht sein, dass Ärzten
das Gefühl der Freiberuflichkeit
in unserem Gesundheitssystem
Wenn Ärzte privatärztlich tätig sind,
dann stellen sie eine Rechnung und
sind freiberuflich tätig, ähnlich wie
Architekten. Sobald sie als Kassenärzte tätig sind, brauchen sie eine Zulassung, die mit Pflichten und Rechten verknüpft ist. Da spielt das Thema
Freiberuflichkeit eine untergeordnete
Rolle. Kassen und Kassenärzte agieren miteinander auf Basis eines Vertragsverhältnisses. Das ist gemeinsam
ausgehandelt und eine große Stärke
unseres Systems. Auch einzelne Ärzte
können bestimmte Dinge mit den
Krankenkassen auf Augenhöhe vereinbaren, ein Beispiel sind die Verträge zur Behandlung der Makuladegeneration.
Die Mutter aller Vertragsarztstatistiken
Wenn vom Ärztemangel oder der Bedarfsplanung die Rede ist, dann geht es um Berechnungen, Durchschnitte und Verteilung. Kaum jemand weiß: die Daten dazu stammen alle aus dem Bundesarztregister. Was
sich eigentlich hinter dem unscheinbaren Namen verbirgt, erklärt Mathias Bonatz.
Wie viele Vertragsärztinnen und Vertragsärzte gibt es in der Bundesrepublik und welcher von ihnen spricht
Türkisch oder eine andere Fremdsprache? Wer die Antwort nicht kennt,
findet sie mit Sicherheit im Bundesarztregister. Dort läuft eine Fülle von
Daten zusammen. Es stellt sozusagen
die bundesweite „elektronische Sammelstelle“ der Landesarztregister aus
den einzelnen Kassenärztlichen Vereinigungen (KVen) dar.
Das Bundesarztregister besteht seit
Mitte der 1970er Jahre. Die KBV hat
es damals eingeführt, um die Daten
aus den KVen auf die Bundesebene zu
überführen. „Dort steht jeder Arzt
oder Psychotherapeut drin, der an der
vertragsärztlichen Versorgung teilnimmt“, erklärt Hannes Munz, der das
Bundesarztregister in der KBV betreut. Die KVen führen die Arztdaten
von den zugelassenen Ärzten im Landesarztregister ihrer Region und übermitteln sie jeden Monat an die KBV.
Sie enthalten nicht nur Namen und
Anschrift des Mediziners, sondern
auch die Angabe, ob er in einer Einzelpraxis, Gemeinschaftspraxis oder
einem Medizinischen Versorgungszentrum arbeitet. Außerdem sind seine Fachgebiete, Schwerpunkte und
Zusatz-Weiterbildungen vermerkt.
Die Stammdaten bestehen insgesamt
aus rund 60 Attributen. Aus den gesammelten Daten des Bundesarztregisters erstellt die KBV die Vertragsarztstatistiken. „Sie sind Grundlage
für steuerungsrelevante Informationen
wie die regionale Verteilung der Arztpraxen oder die Altersstruktur der
Ärzte“, sagt Munz. Das Register ist
somit das entscheidende Instrument,
wenn es um das Thema Bedarfsplanung geht. Nur mit seiner Hilfe lassen
Das Bundesarztregister: Seit Mitte der 1970er Jahre im Einsatz – heute natürlich in
(Foto: Andrey Kuzmin/fotolia.com)
sich Rückschlüsse auf die Berechnung von Verhältniszahlen ziehen. Es
ist auch Basis für Statistiken verschiedener Institutionen, beispielsweise des Versorgungsatlas des Zentralinstituts der kassenärztlichen Versorgung in Deutschland. Außerdem
nutzen Universitäten die Daten für ihre Forschung.
Interaktionsbewegung
Die Kleinräumige Versorgungsanalyse (KVA) bildet die Bewegung von
Patienten im Bundesgebiet ab. Grundlage ist auch hier das Bundesarztregister. „Die KVA zeigt uns Interaktionsbewegungen zwischen Arzt und
Patient“, erläutert Referent Pascal
Schöpe. Dabei analysiert die KBV
nach Qualität und Quantität der Versorgung, wie weit ein Patient vom
nächsten Arzt entfernt ist und wie lange er dorthin braucht.
Das Bundesarztregister ist maßgebliche Grundlage für die Bundesarztsuche-App, mit der Patienten Vertrags-
ärzte in ihrer Nähe finden. „Mit der
App haben wir gleichzeitig ein effektives Kontrollinstrument geschaffen,
was die Anschriften und Telefonnummern von Arztpraxen angeht“, macht
Schöpe deutlich. Seit Einführung der
App hätten sich mehrere hundert Niedergelassene gemeldet, die ihre Daten
aktualisieren ließen, fügt Munz hinzu.
Die Anschriften sind gleichzeitig eine
Basis für den Deutschen Ärzteverlag,
der allen Vertragsärzten und -psychotherapeuten das Deutsche Ärzteblatt
Auch wenn bei der KBV die Fäden
zusammenlaufen, die Hoheit über die
Daten haben die KVen, die zugleich
deren Schutz sicherstellen. Die Inhalte des Bundesarztregisters sind deshalb nur teilweise öffentlich einsehbar.
www.kbv.de/6246.html
Technik-Kur für das Gesundheitswesen
Vom elektronischen Arztbrief bis zum Zugangsnetzprovider – die Welt der Telematik ist komplex und in ständigem Wandel. Aktuell gilt es, Standards zu definieren und die Systeme zu vernetzen. Lena Juppe hat sich
beim 18. KBV-Anbietermeeting unter den Experten umgehört.
Sensorüberwachte Smarthomes für
Senioren oder virtuelle Personal-Trainer im Wohnzimmer – wenn man über
Telematik spricht, klingt es oft futuristisch. Aber nicht immer: Zur Telematik zählt nämlich auch die ganz
normale Vernetzung in der ambulanten Versorgung, zum Beispiel zur Abrechnung zwischen Arzt und Kassenärztlicher Vereinigung (KV). „Telematik“ ist eine Wortschöpfung, die
sich aus „Telekommunikation“ und
„Informatik“ zusammensetzt und alle
elektronischen Datenverarbeitungssysteme für das Gesundheitswesen
meint, welche miteinander vernetzt
sind. Basis für diese Vernetzung ist
eine technische Infrastruktur. Dazu
gehören zum Beispiel das sichere
Netz der KVen oder die Telematikinfrastruktur (TI) für den Einsatz der
(eGK). Für jegliche Vernetzung sind
einheitliche Standards nötig, um Daten zu übertragen und zu verarbeiten
– ein kompliziertes Thema mit vielen
beteiligten Akteuren.
Auf dem 18. KBV-Anbietermeeting
am 27. August in Berlin hatten Experten die Möglichkeit, sich über den aktuellen Stand der Telematik und die
Weiterentwicklung bereits existierender Standards wie den Behandlungsdatentransfer oder den Gerätedatentransfer auszutauschen. Der Einladung der KBV folgten knapp hundert
Teilnehmer, größtenteils Hersteller
von Praxisverwaltungssystemen sowie
Anbieter von KV-SafeNet*-Anbindungen. Schwerpunkt der Veranstaltung
war die Interoperabilität und Vernetzung im deutschen Gesundheitswesen.
* Bitte beachten Sie, dass KV-SafeNet nicht mit der
Firma SafeNet, Inc., USA, in firmenmäßiger oder
Interoperabilität ist die Fähigkeit eines
Systems (zum Beispiel ein Praxisrechner), nicht nur mit angeschlossenen
Geräten (wie ein Kartenleser), sondern auch mit anderen Systemen (beispielsweise von Krankenhäusern,
KVen oder Krankenkassen) nahtlos
zusammenzuarbeiten. So soll im
nächsten Jahr der Übertragungsweg
„KV-Connect“ nicht nur zur Vereinfachung der Abrechnung mittels sogenannter „1-Click-Abrechnung“ verwendet werden, sondern auch, um
Daten für neue Qualitätssicherungsvereinbarungen vom Arzt an die KV
Für die von der Gesellschaft für Telematikanwendungen der Gesundheitskarte (gematik) konzipierte TI bedeutet es einen großen Sprung nach vorn,
wenn sie mit Bestandsnetzen, wie
dem sicheren Netz der KVen, verknüpft wird. Dadurch können sektorspezifische und sektorenübergreifende Gesundheitsdaten besser ausgetauscht werden. Dieser Mehrwert ist
fest in den Konzepten der gematik
verankert, erläuterte Bernd Greve,
Dezernent der KBV. Er riet den Providern von KV-SafeNet*-Anschlüssen
daher, langfristig auf die TI zu setzen
und die Zertifizierung zum TI-Provider anzustreben – auch, um den eigenen Kundenstamm zu behalten.
Politik will Telematik
Dr. Matthias von Schwanenflügel,
Leiter der Unterabteilung Haushalt,
Recht und Telematik des Bundesministeriums für Gesundheit (BMG),
kündigte auf dem Anbietermeeting für
den Sommer 2013 Ergebnisse einer
Planungsstudie an, welche herausfinden soll, wie im deutschen Gesundheitswesen mehr Interoperabilität erzielt werden kann. Er versicherte darüber hinaus, dass das BMG genau
darauf achten werde, dass alle geplanten Funktionen der eGK umgesetzt
würden, nicht nur das Versichertenstammdatenmanagement. Die Politik
wolle, dass die TI vorankomme. Sie
solle Ärzten und Patienten helfen sowie Effizienz und Qualität des Gesundheitssystems verbessern.
(Foto: Juppe)
Knapp hundert Teilnehmer besuchten das
18. KBV-Anbietermeeting in Berlin.
Zukunft der eGK
Der Hauptgeschäftsführer der gematik, Prof. Dr. Arno Elmer, rief die
Softwarehersteller dazu auf, bei der
Verwendung industrieerprobter Standards mit der gematik zu kooperieren
und das Projekt der eGK als strategische Chance zu begreifen. Ziel sei es,
alle Komponenten in den Praxen beliebig miteinander kombinierbar zu
machen. Die TI als Datenautobahn für
das Gesundheitswesen solle möglichst
viel Mehrwert für die Nutzer bieten.
Interoperabilität sei bereits ein Kriterium im Zulassungsverfahren für neue
Komponenten und Dienste der TI. Er
widersprach außerdem Kritikern: TI
und eGK würden den Datenschutz
verbessern und nicht verschlechtern.
Bis Ende 2012 müssen 70 Prozent der
Versicherten mit einer eGK ausgestattet sein.
Alle Vorträge finden Sie als ZIPDatei zum Herunterladen unter:
www.kbv.de/41925.html
Berufsverbände rufen Ärzte zur Teilnahme auf
„ZiPP zählt!“ – die neue Erhebung startet
Das ZI-Praxis-Panel (ZiPP) geht in diesem Jahr in die dritte Runde.
Über die bundesweite repräsentative Erhebung zur Wirtschaftssituation
in niedergelassenen ärztlichen und psychotherapeutischen Praxen berichtet Markus Leibner vom Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung (ZI).
Valide Daten zur wirtschaftlichen Situation von niedergelassenen Ärzten
und Psychotherapeuten zu liefern, das
ist das Ziel der Umfrage des ZI. Unter
dem Motto „ZiPP zählt!“ werden einerseits die bisherigen Teilnehmer gebeten, ihre Angaben von 2011 zu aktualisieren, andererseits neue befragt.
Die auf Dauer angelegte Längsschnitterhebung strebt einen Informationsbestand von etwa 7.000 Praxen
an. Damit dies gelingt, wurden im Juli 2012 die 6.200 Praxen, die sich bereits in den Vorjahren beteiligt hatten,
sowie weitere 29.000 als Zufallsstichprobe angeschrieben.
„Dank des Engagements vieler tausend Ärzte und Psychotherapeuten
konnte das ZI-Praxis-Panel die KBV
und die Kassenärztlichen Vereinigun-
gen bei den diesjährigen Verhandlungen mit Sachargumenten unterstützen“, stellt ZI-Geschäftsführer Dr.
Dominik Graf von Stillfried fest. So
zeigten die ZiPP-Daten, dass die niedergelassenen Praxen im Jahr 2008
bei ausschließlicher GKV-Tätigkeit
die im EBM kalkulierten rund
105.000 Euro nicht erreichten, sondern lediglich an die 92.000 Euro Jahresüberschuss erzielten. Laut ZiPP
sind seit 2008 die Betriebskosten zudem um durchschnittlich 8,6 Prozent
gestiegen, ohne dass dies bei der Vergütung berücksichtigt worden sei. Die
in den Jahren 2006 bis 2008 in den
Praxen getätigten Investitionen sind
um zirka 32 Prozent zurückgegangen.
Davon besonders betroffen waren
Einzelpraxen und Praxen im ländli-
chen Bereich. 2010 bestand ein erheblicher Investitionsstau in Höhe von
rund 21.000 Euro je Praxis. Hochgerechnet für alle Praxen waren dies etwa zwei Milliarden Euro.
„Anhand unserer Datenbasis lässt sich
eine allgemeine Kostendegression bei
Fallzahlsteigerungen nicht nachweisen. Eine empirische Überprüfung widerlegt auch die Vermutung, dass
durch eine Zunahme von Gemeinschaftspraxen beziehungsweise einen
Rückgang von Einzelpraxen insgesamt eine Senkung der Betriebskosten
realisiert würde“, so Stillfried. Die
Position der Krankenkassen, hier pauschal Wirtschaftlichkeitsreserven zu
unterstellen, sei also falsch. Nach Abschluss der aktuellen Erhebung veröffentlicht das ZI einen Jahresbericht.
MVZ-Survey 2011
Auf dem Land gut vernetzt
Medizinische Versorgungszentren (MVZ) nehmen seit 2004 an der vertragsärztlichen Versorgung teil. Die
KBV begleitet sie von Anfang an und erkundigt sich alle drei Jahre nach Schwierigkeiten, Zufriedenheit und
betriebswirtschaftlicher Situation. Mathias Bonatz stellt die Ergebnisse des MVZ-Survey 2011 vor.
Ärzte spüren die Folgen des demografischen Wandels: Die Menschen werden aufgrund des medizinischen Fortschritts immer älter, womit die Zahl
der behandelten und chronisch kranken Patienten wächst. Darauf müssen
Mediziner reagieren. Insbesondere
MVZ haben sich auf die Veränderungen und den drohenden Ärztemangel
eingestellt, wie der MVZ-Survey
2011 der KBV belegt.
MVZ sind fachübergreifend ärztlich
geleitete Einrichtungen, die Versorgung aus „einer Hand“ anbieten und
Dienstleistungsgruppen unter einem
Dach zusammenarbeiten. Seit 2005
befragt die KBV im Drei-Jahres-Turnus alle MVZ in Deutschland zu
Gründungsmotivation, medizinischen
Schwerpunkten, Schwierigkeiten und
Zufriedenheit. An dem Survey 2011
nahmen etwa 400 der fast 1.700 MVZ
teil. Im Fokus standen die Themen
Versorgung im ländlichen Raum und
xis – vor allem auf dem Land. Im Vergleich zu den Vorjahren ist eine stärkere Vernetzung erkennbar. Durch die enge Zusammenarbeit ergeben sich auch
Vorteile für Patienten: Fast die Hälfte
der befragten MVZ gab als „sehr stark“
oder „eher“ zutreffend an, dass sich
die Wartezeiten ihrer Patienten dadurch verkürzen. Ein gutes Drittel der
ländlichen MVZ hat „sehr starke“ Probleme, ärztliche Stellen zu besetzen.
Mehr als ein Drittel betreiben dem
Survey 2011 zufolge eine Zweigpra-
www.kbv.de/publikationen/8732.html
KVen Hessen, Sachsen, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen-Anhalt
Den Nachwuchs fördern, Landärzte werben
Krankenkassen und dem
Freistaat sächsischen
Studenten ein Medizinstudium in Ungarn. Die
Stipendiaten verpflichten sich im Gegenzug
dazu, anschließend mindestens fünf Jahre in
Sachsen hausärztlich tätig zu sein. Auch die KV
Mecklenburg-Vorpommern setzt sich gemeinsam mit dem Ministerium für Arbeit, Gleichstellung und Soziales für
seinen MedizinernachOft richten sich die Unterstützungen an den mediziniwuchs ein: Mit einer
schen Nachwuchs, um ihn für die Allgemeinmedizin zu
monetären Unterstütgewinnen.
(Foto: photoCD/fotolia.com)
zung für Studenten, die
sich während ihres praktischen Jahres hat die KV in einer Ergänzung des
bereits bestehenden Kooperationsverfür eine viermonatige Hospitation in
trages mit der Stadt Wernigerode vereiner allgemeinmedizinischen Praxis
einbart. Sie stellt Kitaplätze zur Verentscheiden. Die Studenten können
fügung, die teilweise eine Betreuung
für die Zeit der Hospitation 100 Euro
bis 20.30 Uhr ermöglichen. Die Ärzte
monatlich erhalten, plus einen Zuwerden auch weiterhin bei der Praxisschuss von 400 Euro für das gesamte
suche und der Inanspruchnahme von
praktische Jahr.
In Sachsen-Anhalt können neue Ärzte Fördermöglichkeiten unterstützt.
Mehr zum Ärztemangel unter
zukünftig Unterstützung bei der Beww.kbv.de/37305/html. (lah)
treuung ihrer Kinder bekommen. Das
Extra vergütet
Bundesweit (lah) – Eine Reihe von
(KVen) haben sich an der deutschlandweiten Kampagne „Praxisgebühr?
Weg mit dem Bürokratiemonster“ beteiligt. Vom Arbeitskreis der KVen
initiiert und Ende Mai von der KV
Bayerns gestartet, handelt es sich dabei um eine Unterschriftenaktion zur
Abschaffung der Abgabe. Schon nach
kurzer Zeit verzeichneten die einzelnen KVen eine rege Beteiligung. Insgesamt sind bereits über 800.000 Unterschriften gegen die „Kassengebühr“
zusammengekommen. Am 5. November sollen die Listen dem Bundesgesundheitsminister übergeben werden.
München (lah) – Die Kassenärztliche
Vereinigung Bayerns hat neue Qualitätsmanagement-Instrumente speziell
für Kinder- und Jugendmediziner zur
Verfügung gestellt. Sie entwickelte in
Zusammenarbeit mit dem Institut für
interdisziplinäres Dienstleistungsmanagement der Universität Bayreuth einen Fragebogen, der die Besonderheiten des Fachgebietes berücksichtigt.
Neben dem eigentlichen Befragungsinstrument können die Ärzte auch einen Auswertungsleitfaden und das
eigens dafür konzipierte Auswertungsprogramm im Excel-Format nutzen,
um die Servicequalität ihrer Praxis
genau zu erfassen.
Dresden (lah) – In Sachsen erhalten
Kinder- und Jugendärzte seit 1. September eine zusätzliche Vergütung,
wenn sie Förder- und Behandlungspläne für die Frühförderung von noch
nicht eingeschulten behinderten oder
ausfüllen. Darauf einigten sich der
Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte, die Kassenärztliche Vereinigung und die Landesverbände der
Krankenkassen nach jahrelangen Verhandlungen.
Eine vergleichbare Honorarregelung
für den Verwaltungsaufwand bei der
Frühförderung gibt es bisher nur in
(KVen) gehen auf verschiedenen Wegen gegen den Ärztemangel auf dem
Land vor. In Hessen erhalten Mediziner bis zu 50.000 Euro, wenn sie eine
Praxis in Regionen mit besonderem
Versorgungsbedarf übernehmen oder
neu gründen. Die KV hat dies mit
dem Sozialministerium des Landes
und der Landesvertretung des Verbandes der Ersatzkassen in einer Zusatzvereinbarung zum „Hessischen Pakt
zur Sicherstellung der gesundheitlichen Versorgung für die Jahre 2012
bis 2014“ festgelegt. Insgesamt ist für
die Ansiedlungsförderung ein Budget
von 1,8 Millionen Euro eingeplant.
Sachsen begegnet dem Ärztemangel
auf zwei neuen Wegen. Die KV wirbt
in einem Modellprojekt zur Vermittlung von Praxisnachfolgern um qualifizierte spanische Mediziner, die
bestehende Praxen in Sachsen übernehmen sollen. Die Ärzte verpflichten
sich für mindestens vier Jahre zur
Niederlassung. Drei haben bereits zugesagt und sollen die Praxisnachfolge
voraussichtlich Ende 2012 antreten.
Um den Nachwuchs zu fördern, finanziert die KV Sachsen gemeinsam mit
Ärztemangel im Blick: „Stadt, Land, Fluss“
Zweite Ausgabe folgt
Die KBV veröffentlicht im November ihren Geschäftsbericht für
den Zeitraum Juli 2011 bis Juni
2012. Unter dem Titel „Stadt,
Land, Fluss“ greift der Geschäftsbericht das Ziel der KBV auf, in
allen Regionen Deutschlands eine
gleich gute ärztliche Versorgung zu
ermöglichen. Bei der Bebilderung
nutzt die KBV Impressionen aus
Stadt und Land, die den drohenden
Ärztemangel widerspiegeln. Der
Bericht informiert unter anderem
über die Einführung der bundesweit einheitlichen Bereitschaftsdienstnummer 116117, die Mitte
April 2012 ihren Dienst aufgenommen hat. Im Anhang finden sich
aktuelle Kennzahlen zur vertragsärztlichen Versorgung in Deutschland.
Den Geschäftsbericht gibt es zum In Wort und Bild: Der Ärztemangel ist ein
Herunterladen unter www.kbv.de/ Schwerpunkt des aktuellen Geschäftsberichts.
publikationen/122.html.
Der zweite Honorarbericht über das
Einkommen der niedergelassenen
soll noch im November vorliegen. Er
stellt die Daten des dritten Quartals
2011 dar. Das Sonderthema behandelt
die Honorarumsätze im regionalen
Vergleich und erklärt, warum es in
den Abrechnungsgruppen teilweise
neuen und alten Bundesländern gibt.
Bereits den ersten Bericht über das
erste Halbjahr 2011 stellte die KBV
im Internet zur Verfügung. Mit der
Veröffentlichung der Honorarberichte
will die KBV Transparenz in der Diskussion um das ärztliche Honorar
schaffen und ihrem gesetzlichen Auftrag aus dem Fünften Sozialgesetzbuch nachkommen. Der Honorarbericht erscheint quartalsweise; die
nächste Ausgabe im Januar 2013.
www.kbv.de/publikationen/41532.html.
kbv4u verzeichnet über 1.000 Follower
Bereits über 1.000 Nutzer des Nachrichtendienstes Twitter haben die Meldungen der KBV abonniert. Damit hat sich die Zahl der sogenannten Follower innerhalb eines Jahres mehr als verdoppelt. Ob Stellenangebote, Statements, Videopodcasts oder Live-Berichte von Veranstaltungen – die KBV nutzt die
Plattform, um auf aktuelle Informationen hinzuweisen und sich zu vernetzen.
Bislang hat die KBV über 2.000 Kurznachrichten abgesetzt.
Neuigkeiten von der KBV erhalten Sie unter www.twitter.com/kbv4u.
Anlässlich des Brustkrebsmonats Oktober hat die Kooperationsgemeinschaft Mammographie die Aktion
„Gut informiert?“ gestartet. Gemeinsam mit dem Krebsinformationsdienst
des Deutschen Krebsforschungszentrums weist sie auf das Mammographie-Screening-Programm hin. In einem Dialogforum im Internet können
sich Frauen zur Früherkennung von
Brustkrebs informieren und über eine
Hotline beraten lassen. Ärzte erhalten
in einem Datenblatt einen Überblick
der Ergebnisse einer aktuellen Evaluation hinsichtlich verschiedener
Leistungsparameter wie Teilnahme-,
Entdeckungs- und Abklärungsrate von
Das Beratungsangebot finden Sie unter www.gut-informiert.de und unter
der kostenfreien Hotline 08004203040 (täglich von 8 Uhr bis 20
Uhr erreichbar).
KBV-Geschäftsbericht 2011/2012
KBV informiert: Winterzeit ist Grippezeit
Noch immer nehmen zu wenige Menschen die Grippeschutzimpfung in
Anspruch, obwohl die Gefahr einer
Erkrankung besonders bei älteren,
chronisch kranken Patienten hoch ist.
Die KBV hat daher Mitte Oktober eine Reihe von Informationsmaterialien
wie ein Plakat für das Wartezimmer,
Videopodcasts sowie Praxis- und Patienteninformationen zur Verfügung
gestellt, um über diese Impfung auf-
zuklären. Während Ärzte Hinweise zu
Impfstoff und Risikogruppen erhalten, erfahren Patienten, warum der
Grippeschutz so wichtig ist.
Die Informationsmaterialien der KBV
gibt es im Internet unter www.kbv.de/
themen/grippeschutz.html. Das Plakat
kann per E-Mail an versand@kbv.de
Das Video finden Sie auf www.kv-on.
de/html/680.php.
Dr. Annette Rommel
In jeder Ausgabe unterzieht KBV KLARTEXT Persönlichkeiten aus dem
Gesundheitswesen dem etwas anderen Gesundheits-Check. Dieses
Mal stand Dr. Annette Rommel, Vorstandsvorsitzende der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) Thüringen, Rede und Antwort.
1. Was betreiben Sie an gesundheitlicher Prävention?
Dr. Annette Rommel wurde am
30. Juni 1959 in Thüringen geboren. Sie ist verheiratet und
hat zwei erwachsene Kinder.
1986 approbierte sie sich und
1989 beendete sie die Facharztausbildung Allgemeinmedizin.
1990 ließ sie sich in eigener
Praxis in Mechterstädt nieder.
Sie war in verschiedenen Ausschüssen und Kommissionen
der KV sowie der Ärztekammer
Thüringen aktiv. Als ehrenamtliche Richterin am Sozialgericht
Gotha engagiert sie sich seit
2003. Seit 2005 übt sie eine
Lehrtätigkeit im Fach Allgemeinmedizin an der Friedrich-Schiller-Universität Jena aus und ist
als Lehrarzt zertifiziert.
Berufspolitische Aktivitäten erfolgten 2005 mit der Wahl in die
Vertreterversammlung der KV
und 2007 in den Vorstand der
Ärztekammer Thüringen. Auf
Bundesebene war sie eineinhalb Jahre als Vorsitzende des
Beratenden Fachausschusses
der Hausärzte tätig. Im Juli
2012 übernahm die Allgemeinärztin die Führung der KV Thüringen. Ihr Ziel ist, sich gleichermaßen für Haus- und Fachärzte
einzusetzen sowie Nachwuchs
für Thüringen zu gewinnen.
(Foto: KV Thüringen)
Sport wird bei mir groß geschrieben.
Insbesondere reite ich, kümmere mich
um die Pferde, gehe laufen und mit
dem Hund spazieren.
2. Und an politischer Prävention?
Zunächst richtig zuhören und eine
vernünftige Kommunikation führen.
Wichtig ist mir, ein Netzwerk von
vertrauensvollen Mitstreitern aufzubauen, auf die man sich verlassen
kann. Dazu gehört, sich im Team zu
beraten und bereit zu sein, Entscheidungen zu treffen – vor allem auch
hinter diesen zu stehen.
3. Was war Ihre größte Fehldiagnose?
Das ist eine sehr sensible Frage. Fehldiagnosen kommen vor. Wichtig ist
der Umgang damit, im Sinne von Ehrlichkeit sich selbst und den Patienten
gegenüber, sowie ein entsprechendes
4. Welchen Gesprächspartnern
würden Sie gerne in einer Talkshow
Michael Gorbatschow. Ich würde ihm
meine Bewunderung für seine Weitsicht und sein Durchhaltevermögen
ausdrücken, außerdem ihm herzlich
für seine Rolle in der Geschichte danken.
5. Wenn Sie die nächste Gesundheitsministerin wären …
. . . dann würde ich Überregulierungen abbauen und die Selbstverwaltung stärken.
6. Arzt sein in Deutschland …?
. . . ist in seinen Herausforderungen
der schönste Beruf, den ich mir vorstellen kann. Er verlangt aber auch
ein hohes Maß an Flexibilität und
Leistungsbereitschaft. Ich würde ihn
jungen Menschen jederzeit empfehlen.
7. Patient sein in Deutschland …?
. . . bedeutet, eine Gesundheitsversorgung auf höchstem Niveau zur Verfügung zu haben und mit etwas eigener
Mitarbeit gesund alt werden zu können.
8. Ihr persönliches Rezept gegen
Politikstress?
Mein persönliches Rezept ist, einen
Ruhepol zu finden, mich mit meiner
Familie und meinen Tieren zu entspannen, die schöne Thüringer Natur
zu genießen und die vielfältigen kulturellen Angebote in unserem Land zu
9. Worauf reagieren Sie allergisch?
Auf Unsachlichkeit, Unehrlichkeit,
Boshaftigkeit und wenn andere Menschen lächerlich und klein gemacht
10. Ein Slogan für den Gesundheitsstandort Deutschland?
mit hochengagierten Menschen als eine wesentliche Säule der sozialen Sicherheit in unserem Land.
KBV Klartext, November 2012
Das Magazin der KBV