Source: https://ifsbr.de/bilanztypen/
Timestamp: 2019-06-16 02:43:44
Document Index: 266492183

Matched Legal Cases: ['§ 238', '§ 242', '§ 238', '§ 242', '§ 264', '§ 264', '§ 264', '§ 140', '§ 5', '§ 8', '§ 60', '§ 5', '§ 37', '§ 63', '§ 154', '§ 71', '§ 155', '§ 155', '§ 153', '§ 19', '§ 19', '§ 272']

Bilanztypen - IfSBR
„Das“ Bilanz
" target="_blank" >Bilanz­recht gibt es eben­so wenig wie ein eigen­ständiges Sanierungs­bilanz­recht. Viel­mehr exis­tiert eine Rei­he von Rechnungs­legungs­ordnungen, deren Rege­lun­gen auf den jewei­li­gen Bilanzierungs­zweck ange­passt sind. Klassischer­weise denkt man beim Wort „Bilan­zie­rung“ zunächst an die Handels­bilanz. Der fol­gende Über­blick sys­te­ma­ti­siert die ver­schie­de­nen Erscheinungs­formen der Rechnungs­legung.
sys­te­ma­ti­scher Über­blick über ver­schie­de­ne Bilanz­ar­ten
Das deut­sche Handels­gesetz­buch (HGB) beinhal­tet das so genann­te „Drit­te Buch“ (§§ 238 – 342eHGB), wel­ches den amt­li­chen Titel „Handels­bücher“ trägt. Hier fin­den sich an zen­tra­ler Stel­le die wich­tigs­ten Rege­lun­gen zur handels­rechtlichen Rechnungs­legung. Frü­her waren spe­zi­el­le Rege­lun­gen zunächst im Aktien­gesetz ent­wi­ckelt wor­den, bevor man die Vor­schriften für die ver­schie­de­nen Gesellschafts­formen sys­te­ma­tisch an einer Stel­le kon­zen­triert hat.
Zu Beginn sei­ner Tätig­keit und zu Beginn jedes Geschäfts­jahres hat der Kauf­mann eine Eröffnungs­bilanz, zum Schluss jedes Geschäfts­jahres eine Schluss­bilanz aufzu­stellen (§ 242 Abs. 1 Satz 1 HGB). Grund­lage für die Bilan­zie­rung ist die Pflicht zur ordnungs­mäßigen Buch­führung (§ 238 ff. HGB).
Zusam­men mit der Gewinn- und Verlust­rechnung bil­det die Bilanz
" target="_blank" >Bilanz den Jahres­abschluss (§ 242 Abs. 2 HGB). Bei Kapital­gesell­schaften ist der Jahres­abschluss zusätz­lich um einen Anhang zu erwei­tern (§ 264 Abs. 1 Satz 1). Fer­ner ist ein sepa­ra­ter Lage­bericht zu erstel­len.
Han­delt es sich um eine kapital­markt­orientierte Kapital­gesell­schaft, so ist der Jahres­abschluss um eine Kapital­fluss­rechnung und einen Eigen­kapital­spiegel zu erwei­tern (§ 264 Abs. 1 Satz 2 HGB). Auf frei­williger Basis kann eine so genann­te Segment­bericht­erstattung erfol­gen (§ 264 Abs. 1 Satz 2 HGB).
Auch das Steuer­recht ver­pflich­tet zur Buch­führung (§ 140, 141 AO) und dar­auf auf­bau­end zur Auf­stellung einer Steuer­bilanz (§ 5 Abs. 1 EStG, § 8 Abs. 1 KStG). Das Steuer­recht ent­hält jedoch kein eigen­ständiges Bilanz
" target="_blank" >Bilanz­recht. Grund­lage ist die handels­recht­liche Rechnungs­legung. Es sind jedoch zahl­reiche Sonder­vorschrif­ten zu berück­sichtigen. Grund­sätzlich hat der Steuer­pflichtige die Wahl, eine sepa­ra­te Steuer­bilanz aufzu­stellen oder eine so genann­te Überleitungs­rechnung zu erstel­len, in der die Ansät­ze und Wer­te durch Zusät­ze oder Anmer­kun­gen den steuer­lichen Vor­schriften ange­passt wer­den (§ 60 Abs. 2 ESt­DV).
Aktu­ell hat die Steu­er­ver­wal­tung mit der Absicht einer „moder­nen und unbü­ro­kra­ti­schen“ Daten-Über­mitt­lung so genann­te „E-Bilan­zen“ vor­an­ge­trie­ben (§ 5b EStG). Dabei sind die Bilanz
" target="_blank" >Bilanz­da­ten in elek­tro­nisch auf­be­rei­te­ter Form (so genann­te „Taxo­no­mie“) an die Finanz­ver­wal­tung zu über­mit­teln.
Das Steu­er­recht kennt noch zwei wei­te­re Bilan­zie­rungs­for­men, die Son­der­bi­lanz und die Ergän­zungs­bi­lanz. Bei­de tre­ten im Zusam­men­hang mit Per­so­nen­ge­sell­schaf­ten auf. Das Steu­er­recht betrach­tet Gegen­stän­de, die ein Gesell­schaf­ter sei­ner Per­so­nen­ge­sell­schaft über­lässt, als Betriebs­ver­mö­gen. Da die­se Gegen­stän­de aber nur einem der Gesell­schaf­ter gehö­ren, sind sie nur für ihn als Betriebs­ver­mö­gen zu behan­deln. Sie wer­den zu sei­nem per­sön­li­chen Son­der­be­triebs­ver­mö­gen. Die­ses Son­der­be­triebs­ver­mö­gen wird in der so genann­ten Son­der­bi­lanz des jewei­li­gen Gesell­schaf­ters erfasst.
Die Ergän­zungs­bi­lanz ent­hält hin­ge­gen Wert­kor­rek­tu­ren, die eben­falls nur einen Gesell­schaf­ter betref­fen. Zahlt er bei­spiels­wei­se beim Erwerb eines Gesell­schafts­an­teils einen Preis, der über dem antei­li­gen Buch­wert des Gesamt­hands­ver­mö­gens liegt, wird die­ser Mehr­preis in der Ergän­zungs­bi­lanz abge­bil­det.
Inter­na­tio­na­le Rech­nungs­le­gungs­ord­nun­gen
Ande­re Juris­dik­tio­nen ken­nen eige­ne Rech­nungs­le­gungs­sys­te­me. So nut­zen US-ame­ri­ka­ni­sche Unter­neh­men die so genann­ten United Sta­tes Gene­ral­ly Accep­ted Accoun­ting Princi­ples (US-GAAP). Um hier­zu ein Gegen­ge­wicht zu eta­blie­ren, hat das Inter­na­tio­nal Accoun­ting Stan­dards Board (IASB), eine pri­vat orga­ni­sier­te Inter­es­sen­grup­pe, die Inter­na­tio­nal Finan­ci­al Repor­ting Stan­dards (IFRS) ent­wor­fen. Die­se wer­den sehr dyna­misch wei­ter ent­wi­ckelt – im Gegen­satz zur deut­schen han­dels­bi­lan­zi­el­len Rech­nungs­le­gung, wel­che bereits einen über hun­dert­jäh­ri­gen Rei­fe­pro­zess hin­ter sich hat. Hin­zu kommt, dass sowohl US-GAAP als auch IFRS in viel höhe­rem Maße ein­zel­fall­ori­en­tiert sind. Dies führt eben­falls zu einer stän­di­gen Wei­ter­ent­wick­lung und Erwei­te­rung der zugrun­de lie­gen­den Vor­schrif­ten.
Son­der­bi­lan­zen (außer­halb des Steu­er­rechts)
Unter dem Begriff der Son­der­bi­lanz wer­den eine gan­ze Rei­he von Bilan­zen zusam­men­ge­fasst, die aus einem spe­zi­el­len Anlass erstellt wer­den. Je nach Sinn und Zweck der Son­der­bi­lanz kön­nen beson­de­re Bilan­zie­rungs­re­geln zur Anwen­dung kom­men.
Den all­ge­mei­nen han­dels­recht­li­chen Rege­lun­gen fol­gen Bilan­zen, die aus Anlass der Unter­neh­mens­grün­dung (Eröff­nungs­bi­lanz), einer Kapi­tal­erhö­hung (Kapi­tal­erhö­hungs­bi­lanz) oder eine gesell­schafts­recht­li­chen Umwand­lung, wie einer Ver­schmel­zung oder Spal­tung (Schluss­bi­lanz), auf­ge­stellt wer­den. Das „Beson­de­re“ bei all die­sen Son­der­bi­lan­zen ist jedoch im Wesent­li­chen der Zeit­punkt ihrer Auf­stel­lung.
Wei­te­re Bilan­zen kön­nen auf­ge­stellt wer­den, weil das Unter­neh­men den Zugang zum regu­lier­ten Kapi­tal­markt gewählt hat und dadurch beson­de­ren Publi­zi­täts­an­for­de­run­gen genü­gen muss (Zwi­schen­be­richt­erstat­tung nach § 37w WpHG). Für Unter­neh­men, die im Prime Stan­dard der Deut­schen Bör­se notiert sind, gilt sogar eine Pflicht zur Quar­tals­be­richt­er­sta­tung (§ 63 Bör­sen­ord­nung). Auch hier liegt das Beson­de­re im der zeit­li­chen Auf­stel­lungs­pflicht, dane­ben bestehen Son­der­re­ge­lun­gen im Hin­blick auf den Umfang der zu ver­öf­fent­li­chen­den Infor­ma­tio­nen.
Kommt es zur Liqui­da­ti­on ist sowohl bei Beginn als auch bei Been­di­gung eine Liqui­da­ti­ons­bi­lanz auf­zu­stel­len (§ 154 HGB, §§ 71 Abs. 1, 74 Abs. 1 GmbHG). Im Fal­le der Insol­venz­eröff­nung ist gleich­sam eine Insol­venz­eröff­nungs­bi­lanz auf­zu­stel­len (§ 155 Abs. 1 InsO). Mit Insol­venz­eröff­nung beginnt ein neu­es Geschäfts­jahr (§ 155 Abs. 2 Satz 1 InsO). Davon zu unter­schei­den ist die insol­venz­recht­li­che Ver­mö­gens­über­sicht nach § 153 InsO. Die­se soll einen schnel­len aber den­noch ver­läss­li­chen Über­blick über das vor­han­de­ne Ver­mö­gen zei­gen, damit die Gläu­bi­ger eine mög­li­che Insol­venz­quo­te abschät­zen kön­nen. Auf­grund die­ser Ziel­set­zung und den Mög­lich­kei­ten des Insol­venz­ver­wal­ters ist die­se Ver­mö­gens­über­sicht nicht mit han­dels­recht­li­chen Bilan­zen zu ver­glei­chen.
Der Insol­venz­an­mel­dung geht die Fra­ge vor­aus, ob ein Insol­venz­grund vor­liegt. Neben (dro­hen­der) Zah­lungs­un­fä­hig­keit ist dies bei juris­ti­schen Per­so­nen die Über­schul­dung (§ 19 Abs. 1 InsO). Um fest­zu­stel­len, ob eine sol­che Über­schul­dung vor­liegt, ist ein so genann­ter Über­schul­dungs­sta­tus, auch Über­schul­dungs­bi­lanz genannt, auf­zu­stel­len. Die­ser stellt wie die Han­dels­bi­lanz das Ver­mö­gen des Schuld­ners den bestehen­den Ver­bind­lich­kei­ten gegen­über (§ 19 Abs. 2 Satz 1 InsO). Auf­grund der beson­de­ren Zweck­set­zung sind die Vor­schrif­ten zur han­dels­recht­li­chen Rech­nungs­le­gung jedoch zu modi­fi­zie­ren. Ins­be­son­de­re sind Liqui­da­ti­ons­wer­te zu Grun­de zu legen.
Sanie­rungs­bi­lanz und Sanie­rung­bilanz­recht
Eine „Sanie­rung­bilanz“ ist gesetz­lich nicht defi­niert. Dar­un­ter ver­steht man im All­ge­mei­nen Bilan­zen, die in Sanie­rungs­si­tua­tio­nen auf­ge­stellt wer­den. Das Sanie­rungs­bi­lanz­recht beant­wor­tet dann Fra­ge der Bilan­zie­rungs­aus­wir­kun­gen bestimm­ter Sanie­rungs­maß­nah­men.
So führt bei­spiels­wei­se ein For­de­rungs­ver­zicht dazu, dass eine Ver­bind­lich­keit aus­ge­bucht wird. In der Regel erfolgt dies gewinn­wirk­sam. Han­delt es sich um den For­de­rungs­ver­zicht eines Gesell­schaf­ters kann der For­de­rungs­ver­zicht jedoch auch eine Zuzah­lung des Gesell­schaf­ters in die Kapi­tal­rück­la­ge nach § 272 Abs. 2 Nr. 4 HGB dar­stel­len. Das Sanie­rungs­bi­lanz­recht beant­wor­tet in die­sem Fall bei­spiels­wei­se die Fra­ge, nach wel­chen Kri­te­ri­en die Zuord­nung erfolgt. Stellt man auf den Wil­len des Gesell­schaf­ters ab, ist zu klä­ren, wann und in wel­cher Wei­se die­ser Wil­le geäu­ßert wer­den muss.