Source: https://www.anwalt24.de/urteile/bgh/2011-04-07/vii-zr-209_07
Timestamp: 2017-09-19 12:25:57
Document Index: 271502694

Matched Legal Cases: ['BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 4', '§ 9', 'BGH', 'BGH', '§ 309']

BGH, 07.04.2011 - VII ZR 209/07 - Unwirksamkeit einer eine Aufrechnung gegen einen Honoraranspruch nur mit einer unbestrittenen oder rechtskräftig festgestellten Forderung zulassenden Klausel in einem Architektenvertrag | anwalt24.de
Urt. v. 07.04.2011, Az.: VII ZR 209/07
Referenz: JurionRS 2011, 14495
Aktenzeichen: VII ZR 209/07
LG Magdeburg - 28.06.2006 - AZ: 4 O 3223/98
OLG Naumburg - 09.11.2007 - AZ: 9 U 102/06
BauR 2011, 8
BauR 2011, 1185-1187
BauSV 2011, 85
GWR 2011, 446
MDR 2011, 652-653
NJW 2011, 1729-1730
NJW-Spezial 2011, 301
NZBau 2011, 6
NZBau 2011, 428-430
RdW 2011, 371-372
VersR 2011, 1396-1397
ZAP 2011, 610
ZAP EN-Nr. 382/2011
ZfBR 2011, 472-473
ZGS 2011, 265-267
Zu Recht ist das Berufungsgericht noch davon ausgegangen, dass etwaige Schadensersatzansprüche der Beklagten nur im Wege der Aufrechnung geltend gemacht werden können; eine Verrechnung mit der Werklohnforderung des Klägers findet nicht statt. Die Verrechnung ist kein gesetzlich vorgesehenes Rechtsinstitut in den Fällen, in denen sich nach der Gesetzeslage Werklohn und Anspruch wegen Nichterfüllung oder andere Ansprüche wegen Schlechterfüllung des Vertrages aufrechenbar gegenüber stehen. In diesen Fällen sind die vertraglichen oder gesetzlichen Regelungen zur Aufrechnung anwendbar (BGH, Urteil vom 23. Juni 2005 - VII ZR 197/03, BGHZ 163, 274, 278). Diese vom Bundesgerichtshof bereits für einen Werkvertrag unter Vereinbarung der VOB/B entschiedenen Grundsätze finden ebenso auf einen Architektenvertrag Anwendung, der als Werkvertrag zu qualifizieren ist.
Rechtsfehlerhaft bejaht das Berufungsgericht dagegen die Wirksamkeit von § 4 Nr. 4.5 der Allgemeinen Vertragsbestimmungen. Diese Bestimmung ist entgegen einer vielfach in der Rechtsprechung der Oberlandesgerichte vertretenen Auffassung (OLG Hamm, BauR 2004, 1643, 1645 [OLG Hamm 09.06.2004 - 12 U 126/03] m.w.N.) gemäß § 9 Abs. 1 AGBG unwirksam. Denn sie benachteiligt den Vertragspartner des verwendenden Architekten entgegen den Geboten von Treu und Glauben unangemessen.
Eine solche Benachteiligung liegt vor, wenn der Besteller durch das Verbot der Aufrechnung in einem Abrechnungsverhältnis eines Werkvertrages gezwungen würde, eine mangelhafte oder unfertige Leistung in vollem Umfang zu vergüten, obwohl ihm Gegenansprüche in Höhe der Mängelbeseitigungsoder Fertigstellungskosten zustehen (vgl. BGH, Urteil vom 23. Juni 2005 - VII ZR 197/03, BGHZ 163, 274, 279; OLG Frankfurt, OLGR Frankfurt 2008, 665; H.-D. Hensen in Ulmer/Brander/Hensen, AGB-Recht, 10. Aufl., § 309 Nr. 3 BGB Rn. 7 m.w.N.; Kessen, BauR 2005, 1691, 1693 ff.). Denn hierdurch würde in das durch den Vertrag geschaffene Äquivalenzverhältnis von Leistung und Gegenleistung in für den Besteller unzumutbarer Weise eingegriffen.