Source: http://www.jurablogs.com/2017/05/29/korrektur-bestandskraeftiger-bescheide-aufgrund-neuer-erkenntnisse-aus-einem-benennungsverlangen
Timestamp: 2018-02-19 20:25:40
Document Index: 66383484

Matched Legal Cases: ['§ 160', '§ 173', '§ 175', '§ 143', '§ 173', '§ 173', '§ 143', '§ 4', '§ 143']

Content | Korrektur bestandskräftiger Bescheide – aufgrund neuer Erkenntnisse aus einem Benennungsverlangen
Weder ein Benennungsverlangen i.S. des § 160 AO noch die (fehlende) Antwort hierauf begründen die Tatbestandsvoraussetzungen einer Änderung nach § 173 Abs. 1 Nr. 1 AO oder nach § 175 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 AO1.
Wird dem Finanzamt aufgrund eines nach Bestandskraft eines Einkommensteuerbescheids gestellten Benennungsverlangens bekannt, dass der Steuerpflichtige den Wareneingang nicht entsprechend den Vorschriften des § 143 Abs. 1 AO aufgezeichnet hat, kann dies eine nachträglich bekannt gewordene Tatsache i.S. des § 173 Abs. 1 Nr. 1 AO darstellen.
Das Fehlen von Einkaufsbelegen kann eine Tatsache darstellen, die dem Finanzamt erst nachträglich i.S. des § 173 Abs. 1 Nr. 1 AO bekannt geworden sein kann und dementsprechend die Steuerbescheide geändert werden können. Die Art und Weise, in der der Steuerpflichtige seine Aufzeichnungen geführt hat, insbesondere die nicht den Vorschriften des § 143 AO entsprechende Aufzeichnung, ist eine Tatsache2. Dies gilt unabhängig davon, dass der Unternehmer seinen Gewinn nach § 4 Abs. 3 EStG ermittelt hat. Denn § 143 Abs. 1 AO verpflichtet jeden gewerblichen Unternehmer, den Wareneingang gesondert aufzuzeichnen. Maßgeblich ist die Qualifizierung der Einkünfte. Auf die Buchführungspflicht und die Art der Gewinnermittlung kommt es ebenso wenig an wie auf die Größe und Art des Betriebs oder die Höhe der Umsätze und Wareneingänge3.
Allerdings hatte das Finanzgericht im vorliegenden Fall keine Feststellungen dazu getroffen, ob der Veranlagungssachbearbeiter, der an Amtsstelle für den Unternehmer die Einkünfte aus Gewerbebetrieb der Streitjahre ermittelte, die fehlende Ordnungsmäßigkeit des aufgezeichneten Wareneingangs kannte. Vielmehr geht es insoweit davon aus, dass die Einkaufsbelege “mutmaßlich schon bei Durchführung der Erstveranlagung nicht vorhanden waren”. Solche Mutmaßungen sind indes nicht geeignet, eine Überzeugungsbildung des Finanzgericht anhand konkreter Feststellungen zu ersetzen ...
Veröffentlicht May 29, 2017 4:50am im Blog Rechtslupe.
Einkommensteuer (Betrieb), änderungsbescheid, Benennungsverlangen, Nachträglich Bekannt Gewordene Tatsachen