Source: https://www.rechtslupe.de/verwaltungsrecht/planakzessorische-enteignung-312434
Timestamp: 2020-02-24 01:40:52
Document Index: 71688329

Matched Legal Cases: ['Art. 14', 'Art. 14', '§ 85', '§ 87', '§ 214', '§ 87', '§ 87', '§ 87', '§ 223', 'Art. 14', 'Art. 19', 'Art. 14', 'Art. 14', 'Art. 14', 'BGH', 'BGH', '§ 85', '§ 87', '§ 87', '§ 87', '§ 87', 'BGH']

Pla­n­ak­zes­so­ri­sche Ent­eig­nung | Rechtslupe
Planakzessorische Enteignung
Pla­n­ak­zes­so­ri­sche Ent­eig­nung
Das pri­va­te Eigen­tum kann nach Art. 14 Abs. 3 GG nur zum Woh­le der All­ge­mein­heit ent­eig­net wer­den. Der Zugriff auf das Eigen­tum ist nur zuläs­sig, wenn er einem beson­de­ren, im öffent­li­chen Nut­zen lie­gen­den Zweck dient. Dabei reicht nicht jedes belie­bi­ge öffent­li­che Inter­es­se aus. Die frei­heits­si­chern­de Funk­ti­on des Eigen­tums ver­langt ein beson­ders schwer­wie­gen­des, drin­gen­des öffent­li­ches Inter­es­se; nur um des­sen Erfül­lung wil­len dür­fen pri­va­te Rech­te ent­zo­gen wer­den. Es kommt nicht dar­auf an, ob ein Vor­ha­ben in einem all­ge­mei­nen Sin­ne dem Wohl der All­ge­mein­heit dient, son­dern ob die kon­kre­te Ent­eig­nung hier­für not­wen­dig ist 1.
Für wel­che Vor­ha­ben und unter wel­chen Vor­aus­set­zun­gen eine Ent­eig­nung zuläs­sig sein soll, hat der par­la­men­ta­risch-demo­kra­ti­sche Gesetz­ge­ber gesetz­lich fest­zu­le­gen. Bei Admi­nis­tra­tiv­ent­eig­nun­gen kön­nen weder die staat­li­che noch die kom­mu­na­le Ver­wal­tung anstel­le des Gesetz­ge­bers die eine Ent­eig­nung recht­fer­ti­gen­den Gemein­wohl­auf­ga­ben bestim­men. Bei einer Ent­eig­nung zur Umset­zung eines Bebau­ungs­plans ist die Ent­eig­nungs­be­hör­de zwar an den Bebau­ungs­plan in sei­ner städ­te­bau­li­chen Ziel­set­zung gebun­den. Da die Bau­leit­pla­nung jedoch kei­ne ver­bind­li­che Aus­sa­ge über die Zuläs­sig­keit einer Ent­eig­nung trifft, müs­sen die Ent­eig­nungs­be­hör­den das Vor­lie­gen der Ent­eig­nungs­vor­aus­set­zun­gen eigen­stän­dig und unab­hän­gig davon prü­fen 2.
Der Ent­eig­nungs­be­trof­fe­ne hat einen aus Art. 14 Abs. 1 Satz 1 GG fol­gen­den ver­fas­sungs­recht­li­chen Anspruch auf effek­ti­ve gericht­li­che Prü­fung in tat­säch­li­cher und recht­li­cher Hin­sicht, ob der kon­kre­te Zugriff auf sein Eigen­tum den ver­fas­sungs­recht­li­chen Anfor­de­run­gen genügt 3. Aus dem Anspruch auf eine wirk­sa­me gericht­li­che Kon­trol­le folgt grund­sätz­lich die Pflicht der Gerich­te, die ange­foch­te­nen Akte der öffent­li­chen Gewalt in recht­li­cher und tat­säch­li­cher Hin­sicht voll­stän­dig zu über­prü­fen 4.
Nach der Recht­spre­chung der Bau­land­ge­rich­te hat die Ent­eig­nungs­be­hör­de die Ent­eig­nungs­vor­aus­set­zun­gen nach § 85 Abs. 1 Nr. 1, § 87 Bau­GB selb­stän­dig zu prü­fen; dazu gehört die inzi­den­te Prü­fung der Wirk­sam­keit des Bebau­ungs­plans auch im Hin­blick auf die in Fra­ge kom­men­den Pla­nungs­al­ter­na­ti­ven 5. Im Hin­blick auf die dabei gebo­te­ne Prü­fungs­tie­fe haben die Bau­land­ge­rich­te sich der ver­wal­tungs­ge­richt­li­chen Recht­spre­chung zur – ein­ge­schränk­ten – gericht­li­chen Kon­trol­le der gemeind­li­chen Abwä­gung ange­schlos­sen. Dies begeg­net eben­so wenig ver­fas­sungs­recht­li­chen Beden­ken wie der Umstand, dass die Bau­land­ge­rich­te auch die Vor­schrif­ten der §§ 214, 215 Bau­GB über die Pla­ner­hal­tung anwen­den 6.
Die Recht­mä­ßig­keit der bau­pla­ne­ri­schen Ent­schei­dung ist eine not­wen­di­ge, aber kei­ne hin­rei­chen­de Vor­aus­set­zung für die Zuläs­sig­keit der Ent­eig­nung. Erst wenn – über das all­ge­mei­ne und plan­ty­pi­sche Inter­es­se hin­aus­ge­hend – ein gestei­ger­tes und vor­dring­li­ches öffent­li­ches Inter­es­se an einem bestimm­ten plan­kon­for­men Vor­ha­ben besteht, dient des­sen Ver­wirk­li­chung und die dafür erfor­der­li­che Inan­spruch­nah­me eines Grund­stücks dem Wohl der All­ge­mein­heit im Sin­ne des § 87 Abs. 1 Bau­GB 7. Des­halb hat die Ent­eig­nungs­be­hör­de neben der Inzi­dent­kon­trol­le der bau­pla­ne­ri­schen Ent­schei­dung in einem zwei­ten Schritt nach § 87 Abs. 1 Bau­GB zu prü­fen, ob das Wohl der All­ge­mein­heit gera­de bezo­gen auf den ein­zel­nen Fall die Ent­eig­nung des kon­kre­ten Grund­stücks erfor­dert und der Ent­eig­nungs­zweck auf ande­re Wei­se nicht erreicht wer­den kann.
Die­se Ent­schei­dung der Ent­eig­nungs­be­hör­de über die Ent­eig­nungs­vor­aus­set­zun­gen ist, wie sich bereits aus den § 87 Bau­GB ergibt, kei­ne Ermes­sens­ent­schei­dung. § 223 Bau­GB über die beschränk­te Nach­prüf­bar­keit von Ermes­sens­ent­schei­dun­gen fin­det daher kei­ne Anwen­dung. Auch kommt der Ent­eig­nungs­be­hör­de kein Pla­nungs­spiel­raum zu, viel­mehr ent­schei­det die Behör­de in Anwen­dung und Aus­le­gung unbe­stimm­ter Rechts­be­grif­fe 8. Die­se Anwen­dung und Aus­le­gung unbe­stimm­ter Rechts­be­grif­fe kön­nen und müs­sen die Gerich­te voll­stän­dig nach­prü­fen. Die gericht­li­che Prü­fungs­dich­te ent­spricht dem aus Art. 14 GG in Ver­bin­dung mit Art. 19 Abs. 4 GG fol­gen­den Anspruch des Ent­eig­nungs­be­trof­fe­nen auf effek­ti­ve gericht­li­che Prü­fung der Ent­eig­nung in tat­säch­li­cher und recht­li­cher Hin­sicht. Dem steht auch nicht ent­ge­gen, dass die Ent­schei­dung über die Ent­eig­nung eine Abwä­gung der Gemein­wohl­be­lan­ge mit denen des betrof­fe­nen Eigen­tü­mers erfor­dert. Die spe­zi­fisch ent­eig­nungs­recht­li­che Gesamt­ab­wä­gung aller Gemein­wohl­ge­sichts­punk­te ist nicht mit einer pla­ne­ri­schen Abwä­gung gleich­zu­set­zen.
Die­se Prü­fungs­an­for­de­run­gen an Ent­eig­nungs­be­hör­de und Gerich­te bei einer pla­n­ak­zes­so­ri­schen Ent­eig­nung tra­gen den ver­fah­rens­recht­li­chen und inhalt­li­chen Anfor­de­run­gen des Eigen­tums­grund­rechts Rech­nung. Sie haben ihre Ursa­che dar­in, dass der Bebau­ungs­plan kei­ne ent­eig­nungs­recht­li­che Vor­wir­kung ent­fal­tet und die Fest­stel­lung der Ent­eig­nungs­vor­aus­set­zun­gen nach Art. 14 Abs. 3 GG nicht vor­weg­nimmt 9; das gilt auch dann, wenn – wie hier – der Bebau­ungs­plan eine iso­lier­te Stra­ßen­pla­nung ent­hält 10. Die beschrie­be­ne zwei­stu­fi­ge Prü­fung im Ent­eig­nungs­ver­fah­ren bie­tet die von Ver­fas­sungs wegen gebo­te­ne Gewähr, dass eine fach­lich qua­li­fi­zier­te Behör­de in einem geeig­ne­ten Ver­fah­ren eine ent­eig­nungs­recht­li­che Gesamt­ab­wä­gung aller Gemein­wohl­ge­sichts­punk­te und wider­strei­ten­den Inter­es­sen unter Prü­fung auch der Erfor­der­lich­keit des Vor­ha­bens vor­nimmt 11. Art. 14 Abs. 1 Satz 1 GG ver­mit­telt dem Ent­eig­nungs­be­trof­fe­nen außer­dem einen ver­fas­sungs­recht­li­chen Anspruch auf effek­ti­ve gericht­li­che Prü­fung in tat­säch­li­cher und recht­li­cher Hin­sicht, ob der kon­kre­te Zugriff auf sein Eigen­tum den genann­ten Vor­aus­set­zun­gen genügt 12. Dabei müs­sen die Ent­eig­nungs­be­hör­den und die Gerich­te das Vor­lie­gen eigen­stän­dig und unab­hän­gig von der pla­ne­ri­schen Gemein­wohl­kon­kre­ti­sie­rung prü­fen, da sich die Bau­leit­pla­nung nicht an den Anfor­de­run­gen ihrer zwangs­wei­sen Ver­wirk­li­chung ori­en­tiert 13.
Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt, Beschluss vom 08.07.2009 – 1 BvR 2187/​07 und 1 BvR 692/​08
Pla­n­ak­zes­so­ri­sche Ent­eig­nung Das pri­va­te Eigen­tum kann nach Art. 14 Abs. 3 GG nur zum Woh­le der All­ge­mein­heit ent­eig­net wer­den. Der Zugriff auf das Eigen­tum ist nur zuläs­sig,…
vgl.BVerfGE 45, 297, 321 f.; 66, 248, 257; 74, 264, 289[↩]
vgl. BVerfGE 56, 249, 261; 74, 264, 282 ff., 293[↩]
vgl. BVerfGE 45, 297, 322, 333; 95, 1, 22[↩]
vgl.BVerfGE 103, 142, 156 f.; 113, 273, 310[↩]
vgl. BGHZ 66, 322, 325 ff.; 67, 320, 325 f.; Urteil vom 6. Mai 1982 – III ZR 24/​81 -, WM 1982, S. 1058 f.[↩]
vgl. BGH, WM 1982, S. 1058 f.; Breu­er, in: Schröd­ter, Bau­GB, 7. Aufl. 2006, § 85 Rn. 29[↩]
vgl. Breu­er, in: Schröd­ter, Bau­GB, 7. Aufl. 2006, § 87 Rn. 11[↩]
vgl. nur Stad­ler, Die Ent­eig­nung zur Ver­wirk­li­chung von Fest­set­zun­gen eines Bebau­ungs­plans, 2001, S. 221 f.; Hal­a­ma, in: Ber­li­ner Kom­men­tar zum Bau­ge­setz­buch, § 87 Rn. 106, Stand: Juli 2004; Bat­tis, in: Battis/​Krautzberger/​Löhr, Bau­GB, 10. Aufl. 2007, § 87 Rn. 9; Breu­er, in: Schröd­ter, Bau­GB, 7. Aufl. 2006, § 87 Rn. 36[↩]
vgl. nur BVerfGE 74, 262, 282; BVerfG, 1. Kam­mer des Ers­ten Senats, Beschluss vom 22. Febru­ar 1999 – 1 BvR 565/​91 -, NVwZ 1999, S. 979; 3. Kam­mer des Ers­ten Senats, Beschluss vom 16. Dezem­ber 2002 – 1 BvR 171/​02 -, NVwZ 2003, S. 726, 727; BGHZ 68, 100, 102; 105, 94, 97; BVerwG, Beschluss vom 18. Dezem­ber 1987 – BVerwG 4 NB 4.87 -, NVwZ 1988, S. 727, 728; Beschluss vom 21. Febru­ar 1991 – BVerwG 4 NB 16.90 -, NVwZ 1991, S. 873; Beschluss vom 25. August 1997 – BVerwG 4 BN 4.97 -, NVwZ-RR 1998, S. 483, 484[↩]
vgl. BVerwG, Beschluss vom 11. März 1998 – BVerwG 4 BN 6.98 -, NVwZ 1998, S. 845, 846[↩]
vgl. BVerfGE 74, 264, 293 f.[↩]
vgl. BVerfGE 45, 297, 322, 333[↩]
vgl. BVerfG, NVwZ 2003, S. 726 f.[↩]
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