Source: https://www.rechtslupe.de/strafrecht/computerbetrug-3116073
Timestamp: 2020-07-11 01:10:12
Document Index: 231945000

Matched Legal Cases: ['§ 263', '§ 263', '§ 263', '§ 263', 'BGH', 'BGH', '§ 263', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 263', '§ 263', '§ 263', '§ 263', '§ 263', '§ 263', 'BGH', '§ 263', '§ 263', 'BGH', 'BGH', '§ 263', '§ 263', '§ 263', 'BGH', 'BGH', '§ 263', 'BGH', 'BGH', '§ 263']

Der Tat­be­stand des Com­pu­ter­be­tru­ges (§ 263a StGB) ori­en­tiert sich kon­zep­tio­nell am Tat­be­stand des Betru­ges, wobei an die Stel­le der Täu­schung die Tat­hand­lun­gen des § 263a Abs. 1 StGB tre­ten und mit der Irr­tums­er­re­gung und dem unge­schrie­be­nen Tat­be­stands­merk­mal der Ver­mö­gens­ver­fü­gung die Beein­flus­sung des Ergeb­nis­ses eines – ver­mö­gens­er­heb­li­chen – Daten­ver­ar­bei­tungs­vor­gangs kor­re­spon­diert.
Auf­grund die­ser Struk­tur- und Wert­gleich­heit der Tat­be­stän­de des Betru­ges und des Com­pu­ter­be­tru­ges erfasst § 263a Abs. 1 StGB in Ein­schrän­kung sei­nes Wort­lauts nur sol­che Hand­lun­gen, die, wür­den nicht ledig­lich maschi­nell gesteu­er­te Gesche­hens­ab­läu­fe aus­ge­löst, als Betrug durch täu­schungs­be­ding­te Ver­an­las­sung der Ver­mö­gens­ver­fü­gung eines – vom Täter zu unter­schei­den­den – ande­ren zu bewer­ten wären [1].
Das Ergeb­nis des Daten­ver­ar­bei­tungs­vor­gangs ist beein­flusst, wenn es von dem Ergeb­nis abweicht, das bei einem ord­nungs­ge­mä­ßen Pro­gramm­ab­lauf bzw. ohne die Tat­hand­lung erzielt wor­den wäre [2].
Zu einer Beein­flus­sung erfolg­te "durch unrich­ti­ge Gestal­tung des Pro­gramms" (§ 263a Abs. 1 Alt. 1 StGB) rech­nen die sog. Pro­gramm­ma­ni­pu­la­tio­nen [3], durch die auf die Arbeits­an­wei­sun­gen für die Daten­ver­ar­bei­tung – also auf das Pro­gramm – ein­ge­wirkt wird [4]. Eine sol­che Mani­pu­la­ti­on durch "Gestal­tung des Pro­gramms" umfasst sowohl das Neu­schrei­ben gan­zer Pro­gram­me oder Pro­gramm­tei­le als auch das Hin­zu­fü­gen, das Ver­än­dern und das Löschen ein­zel­ner Pro­gramm­ab­lauf­schrit­te, die Her­stel­lung von Ver­zwei­gun­gen, wel­che Sys­tem­kon­trol­len umge­hen, die Ände­rung von Bedin­gun­gen der Plau­si­bi­li­täts­prü­fung und den Ein­bau sons­ti­ger fal­scher Funk­tio­nen [5]. Zur "Gestal­tung des Pro­gramms" kann sich der Täter mit­hin auch selbst­tä­tig wir­ken­der Pro­gram­me bedie­nen oder Pro­gramm­ma­ni­pu­la­tio­nen vor­neh­men, die nicht die dem Pro­gramm imma­nen­ten Pro­gramm­ab­lauf­schrit­te ändern, son­dern die vor­han­de­nen durch nicht vor­ge­se­he­ne über­la­gern [6].
Damit die Gestal­tung des Pro­gramms durch die Mani­pu­la­tio­nen jeweils auch "unrich­tig" ist, bedarf es vor­lie­gend kei­ner Ent­schei­dung, ob dies objek­tiv [7] oder sub­jek­tiv, also nach dem Wil­len des Ver­fü­gungs­be­rech­tig­ten bzw. des Sys­tem­be­trei­bers, zu bestim­men ist [8].
Der Ver­mö­gens­scha­den muss grund­sätz­lich zwar unmit­tel­bar durch das Ergeb­nis des Daten­ver­ar­bei­tungs­vor­gangs her­bei­ge­führt wor­den sein [9], also ohne wei­te­re Hand­lung des Täters, Opfers oder eines Drit­ten durch den Daten­ver­ar­bei­tungs­vor­gang selbst ein­tre­ten [10]. Dabei kann aller­dings in Fäl­len, in denen noch wei­te­re Ver­fü­gun­gen vor­ge­nom­men wer­den, das Merk­mal der Unmit­tel­bar­keit der Ver­mö­gens­min­de­rung gleich­wohl zu beja­hen sein, wenn das Ergeb­nis des von dem Täter mani­pu­lier­ten Daten­ver­ar­bei­tungs­vor­gangs ohne eige­ne Ent­schei­dungs­be­fug­nis und ohne inhalt­li­che Kon­trol­le von einer Per­son ledig­lich umge­setzt wird [11].
Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 30. August 2016 – 4 StR 153/​16
zum Gan­zen, BGH, Beschluss vom 23.07.2013 – 3 StR 96/​13, BGHR StGB § 263a Anwen­dungs­be­reich 4 12 mwN; vgl. auch BGH, Beschluss vom 19.11.2013 – 4 StR 292/​13, BGHSt 59, 68, 73 17; kri­tisch hier­zu etwa Achen­bach in Fest­schrift Gös­sel, 2002, S. 481[↩]
vgl. BGH, Beschluss vom 12.11.2015 – 2 StR 197/​15, NStZ 2016, 338, 339 18; Tie­de­mann in: Lauf­hüt­te u.a., StGB, Leip­zi­ger Kom­men­tar, 12. Aufl., § 263a Rn. 26, 68; SSW-StGB/Hil­gen­dorf, 2. Aufl., § 263a Rn. 28; Lenckner/​Winkelbauer, CR 1986, 654, 659; Popp, JuS 2011, 385, 391; Kraatz, Jura 2010, 36, 38 mwN[↩]
BT-Drs. 10/​318 S. 18[↩]
BT-Drs. 10/​318 S.20[↩]
vgl. Tie­de­mann aaO § 263a Rn. 28; SSW-StGB/Hil­gen­dorf aaO § 263a Rn. 5; ähn­lich Kraatz, Jura 2010, 36, 39 mwN; zur Abgren­zung zur letz­ten Tat­be­ge­hungs­mo­da­li­tät des § 263a Abs. 1 StGB: BT-Drs. 10/​5058 S. 30 (Rechts­aus­schuss); zur Geset­zes­ge­schich­te auch Achen­bach in Fest­schrift Gös­sel, 2002, S. 481, 485[↩]
Tie­de­mann aaO § 263a Rn. 28 mwN[↩]
so für "unrich­ti­ge" Daten etwa BGH, Beschluss vom 22.01.2013 – 1 StR 416/​12 aaO 26; vgl. auch SSW-StGB/Hil­gen­dorf aaO § 263a Rn. 5[↩]
für Letz­te­res: BT-Drs. 10/​318 S.20; Lenckner/​Winkelbauer, CR 1986, 654, 656; vgl. zum Streit­stand etwa Tie­de­mann aaO § 263a Rn. 29 ff. mwN; zur betrugs­spe­zi­fi­schen Aus­le­gung des Tat­be­stands­merk­mals "unbe­fugt": BGH, Beschlüs­se vom 22.01.2013 – 1 StR 416/​12 aaO 27; vom 20.12 2012 – 4 StR 580/​11, BGHR StGB § 263a Anwen­dungs­be­reich 3 59; vom 16.07.2015 – 2 StR 15/​15, JR 2016, 342, 343 9, 11 und 16/​15, NStZ 2016, 149, 150 f. 10, 12[↩]
BT-Drs. 10/​318 S.19; SSW-StGB/Hil­gen­dorf aaO § 263a Rn. 31; Tie­de­mann aaO § 263a Rn. 65 mwN[↩]
BGH, Beschlüs­se vom 12.11.2015 – 2 StR 197/​15 aaO 18; vom 28.05.2013 – 3 StR 80/​13, BGHR StGB § 263a Ver­mö­gens­scha­den 1 8, jeweils mwN[↩]
BGH, Beschlüs­se vom 28.05.2013 – 3 StR 80/​13 aaO 9; vom 19.11.2013 – 4 StR 292/​13, BGHSt 59, 68, 74 f.20; vgl. auch SSW-StGB/Hil­gen­dorf aaO § 263a Rn. 31[↩]