Source: http://flugrechte.eu/9461/reisen-3malige-flugvorlegung-von-airberlin-entsch%C3%A4digung
Timestamp: 2018-09-23 21:35:44
Document Index: 198279747

Matched Legal Cases: ['§ 651', '§ 651', '§ 651', '§ 651', '§ 651', 'BGH', 'BGH', '§ 651', '§ 651', '§ 651', '§ 651', '§ 651']

FTI Reisen 3malige Flugvorlegung von Airberlin - Entschädigung? - FLUGGASTRECHTE
Meine Tochter hat am 28.01.2017 eine Pauschalreise gebucht, wo sie mit Air-Berlin nach Ägypten geflogen ist.
Der Hinflug hätte zum Zeitpunkt der Buchung um 4.00 Uhr morgens durchgeführt werden sollen.
Bei Ticketzusendung war dann plötzlich ersichtlich, dass der Flug um 7.30 Uhr stattfinden soll.
Tatsächlich stattgefunden hat er dann um 19.25 Uhr (hierüber erging vorab auch noch eine Information, allerdings kann ich leider nicht genau sagen, wann diese erfolgt ist. Es war ca. 1 Woche vorher.
Gibt es hier die Möglichkeit eine Entschädigung zu erhalten. FTI bei der die Pauschalreise gebucht wurde, sagt man hätte keinen Anspruch, da ein solcher in den Reisebedingungen ausgeschlossen ist, Hin- und Rückflugtag als Anreisetag gelten und man sohin eine Änderung der Flugzeiten in Kauf nehmen müsse.
Wie sieht das jetzt aus bei Air-Berlin? Könnte man dort einen Anspruch geltend machen?
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Gefragt 24, Jun 2017 in Europäische Fluggastrechte von ersteswienermaedel (190 Punkte)
Bearbeitet 24, Jun 2017 von admin
Ihre Tochter ha eine Pauschalreise nach Ägypten gebucht. Der Hinflug sollte eigentlich um 4 Uhr morgens stattfinden, im Endeffekt ist er jedoch um 19:25 gestartet.
Durch diese Flugzeitenverlegungen haben Sie ziemlich viel Zeit am Urlaubsort verloren. Sie fragen sich nun, ob Sie durch die Verlegung des Hinfluges einen Anspruch auf Ausgleichszahlungen haben.
Beantwortet 28, Jun 2017 von Stephan (14,130 Punkte)
ausgewählt 29, Jun 2017 von ersteswienermaedel
deine Tochter hat eine Pauschalreise gebucht. Der Flug mit Airberlin wurde von 4 Uhr auf 7:30 Uhr und dann auf 19:25 verschoben. Du fragst dich, ob es dafür eine Entschädigung gibt.
Ansprüche können sich für dich denke ich womöglich einerseits aus den §§ 651 a - m BGB aus dem Recht der Pauschalreisen ergeben und andererseits vielleicht aus der EU-Fluggastrechteverordnung, die auch bei gebuchten Pauschalreisen teilweise Ansprüche bereit hält, obwohl sie sonst eher bei Nur-Flügen zum Einsatz kommt.
Erst einmal zu den §§ 651 a - m BGB. Du hast einen Reisevertrag mit deinem Reiseveranstalter geschlossen. Ist die Veränderung deiner Reise dir unzumutbar und diese deshalb mangelbehaftet, dann können dir Ansprüche aus den § 651c auf Minderung und beispielsweise auch aus § 651d auf Kündigung zustehen.
So das OLG Düsseldorf:
Von Bedeutung ist, ob die Veränderungen für den Fluggast noch zumutbar sind. Der Begriff der Zumutbarkeit ist jedoch nicht eindeutig definiert
Ein Mangel bestimmt sich nach § 651c:
So sieht es das AG Köln auch:
Liegen also Fehler vor, dann hast du Abhilfe zu verlangen, wenn du damit nicht einverstanden bist. Erst wenn du Abhilfe verlangt hast, und deinem Veranstalter somit die Möglichkeit gegeben hast etwas zu ändern, ist es, falls dein Veranstalter untätig bleibt, möglich anderweitig Kompensation zu suchen - beispielsweise durch Minderung.
Fraglich ist also, ob die Verschiebung deines Fluges von 4 auf 19:25 Uhr ein Mangel ist.
Der BGH hat geurteilt, dass geänderte Reisezeiten grundsätzlich eine Abweichung der versprochenen Reiseleistung sein können - und damit einen möglichen Mangel begründen können. Ein Reiseveranstalter, falls bei euch der Fall, darf sich solche Änderungen auch in Klauseln vorbehalten - so der BGH.
Es gibt außerdem denke ich ein paar hilfreiche Urteile zu Verschiebungen:
Verschiebungen von bis zu 8 Stunden können also in Ordnung sein. Das AG Bonn hat genau das vor dem OLG Düsseldorf genauso entschieden:
Der Flug deiner Tochter wurde um knapp 15 Stunden verschoben. Ich würde die Überschreitung der 8-Stunden-Grenze annehmen und damit, dass die Veränderung der Abflugzeit unzumutbar und ein Mangel ist.
Ja, Hin- und Rückreistetag geltend prinzipell der An- und Abreise. Doch auch an diesen Tagen gibt es meiner Meinung nach bestimmte Grenzen, wie oben abgesteckt, in denen sich diese Veränderungen zu halten haben.
Deshalb ergibt sich meine ich die Möglichkeit der Minderung nach § 651d:
(1) Ist die Reise im Sinne des § 651c Abs. 1 mangelhaft, so mindert sich für die Dauer des Mangels der Reisepreis (...)
Diese Minderung müsste deine Tochter gegenüber dem Reiseveranstalter geltend machen.
Oder aber, sie nimmt die Option der Kündigung nach § 651e BGB in Anspruch:
Hier wird wieder darauf hingewiesen, dass zunächst ein Abhilfeverlangen getätigt werden muss.
Außerdem ist ein Anspruch auf Minderung oder Kündigung gemäß § 651g innerhalb eines Monats geltend zu machen:
So viel zu den Möglichkeiten, die dir meiner Meinung nach aus dem BGB zustehen könnten.
Beantwortet 28, Jun 2017 von KatjaG (10,000 Punkte)
Es bleibt denke ich noch die Möglichkeit eines Anspruchs auf Ausgleichszahlungen aus Artikel 5, 7 EU-VO.
Solch ein Anspruch besteht nach Artikel 5 dann, wenn eine Annullierung des Fluges vorliegt.
Der Flug deiner Tochter wurde zwei Mal verschoben, und zwar um knapp 15 Stunden. Von einer Durchführung wie ursprünglich geplant kann meiner Meinung nach vielleicht nicht mehr gesprochen werden.
Nach Artikel 5 sind dann Ansprüche möglich. In Frage kommt denke ich Artikel 7, ein Anspruch auf Ausgleichszahlungen.
Du schreibst leider nicht, ob deine Tochter früh genug über die Änderungen informiert wurde - und mit früh genug meine ich, siehe oben, mehr als 2 Wochen. Darüber hinaus kann es sein, dass sich eine Fluggesellschaft von dem Anspruch auf Ausgleichszahlungen befreit, wenn sie nachweisen kann, dass es zu diesen Änderungen wegen außergewöhnlicher Umstände gekommen ist, so Artikel 5 EU-VO:
Prüfe das am besten noch einmal selbst nach, ich kann dazu so keine weiteren Angaben machen, aber es könnte sein, dass eine Entschädigung über Artikel 7 für deine Tochter gegenüber der Fluggesellschaft möglich ist.
Außerdem ist zu beachten, dass der Mangel gemäß 651 d Abs. 2 BGB alsbald (unverzüglich) dem Reiseveranstalter angezeigt werden muss. Der Mangel kann angezeit werden, indem du den Reiseveranstalter kontaktierst. Des Weiteren ist darauf hinzuweisen, dass ein Abhilfeverlangen gemäß § 651c Abs. 2 BGB ausgesprochen werden muss. Das Abhilfeverlangen meint, dass ein Reisemangel zunächst am Urlaubsort der Reiseleitung anzuzeigen und Abhilfe zu verlangen ist Dabei ist ratsam, dass Sie sämtlichen Austausch mit dem Reiseveranstalter dokumentieren, um zu beweisen, dass Sie unverzüglich um Abhilfe gebeten hast.