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Timestamp: 2019-06-24 20:05:33
Document Index: 357117783

Matched Legal Cases: ['§ 185', 'Art. 5', '§ 241', '§ 240', '§ 177', '§ 201', '§ 201', '§ 22', '§ 238', '§ 253', '§ 131']

Cybermobbing – Strafbarkeit und mögliches Vorgehen | Rechtsanwalt bei Kanzlei-Seiten.de
1. Beleidigung, Verleumdung und üble Nachrede
Ehrverletzende Inhalte im Internet über eine Person sind strafbar gem. §§ 185, 186, 187 StGB, sofern sie nicht vom Recht auf Meinungsfreiheit (Art. 5 Abs. 1 GG) gedeckt sind (s. Artikel „Verleumdung und üble Nachrede im Internet“).
Wird dem Opfer im Internet mit der Begehung eines Verbrechens (Mindeststrafe = 1 Jahr Freiheitsstrafe) gedroht, so ist dies nach § 241 StGB strafbar. Ebenso macht sich jemand strafbar, der die Drohung gegen eine dem Opfer nahestehende Person richtet oder wider besseres Wissen vorgibt, dass ein Verbrechen gegen das Opfer oder eine ihm nahestehende Person bevorstehe.
Die (rechtswidrige) Drohung mit einem empfindlichen Übel, um das Opfer zu etwas zu zwingen, ist strafbar, wenn das Opfer aufgrund dieser Drohung sich so verhält, wie es der Täter fordert, § 240 StGB. Kommt das Opfer der Forderung nicht nach, kann im Einzelfall eine versuchte Nötigung vorliegen. Bei sexueller Nötigung kommt eine Strafbarkeit gem. § 177 Abs. 1 StGB in Betracht.
4. Verletzung der Vertraulichkeit des Wortes
Macht der Täter eine nicht für die Öffentlichkeit gedachte Aufnahme der Öffentlichkeit zugänglich (Bsp.: heimlicher Mitschnitt per Handy), so ist dies strafbar gem. § 201 StGB.
5. Verletzung des höchstpersönlichen Lebensbereichs durch Bildaufnahmen
Unbefugte Bildaufnahmen, die den höchstpersönlichen Lebensbereich betreffen (i.d.R. die Wohnung, Umkleidekabinen etc.), und die über das Internet verbreitet werden, sind nach § 201a Abs. 2 StGB i.V.m. § 22 KUG verboten. Ein Klassenzimmer gehört nicht zum Schutzbereich.
§ 238 StGB regelt das wiederholte Verfolgen, Belästigen und Terrorisieren einer Person (unbefugtes Nachstellen). Die Lebensgestaltung des Opfers muss schwerwiegend beeinträchtigt sein, d.h. das Opfer muss sich zur Änderung seiner Lebensgewohnheiten gezwungen sehen.
Ein Fall von Stalking im Internet kann z.B. vorliegen, wenn der Täter dem Opfer ständig beleidigende oder bedrohende E-Mails oder Nachrichten in sozialen Netzwerken schreibt.
Bei einer Nötigung mit der Absicht, sich zu bereichern, § 253 StGB, kann eine Erpressung vorliegen.
8. Gewaltdarstellung
Die Verbreitung von Gewaltvideos oder von sonstigen gewaltverherrlichenden bzw. –verharmlosenden Darstellungen ist nach § 131 StGB.
Opfer von Cybermobbing sollten die fragwürdigen Inhalte dokumentieren; Kinder sollten darüber hinaus ihre Eltern oder andere Vertrauenspersonen in Kenntnis setzen.
E-Mails oder Nachrichten in Netzwerken dienen als Beweismaterial und sollten natürlich nicht gelöscht werden.
Bei sozialen Netzwerken ist es ratsam, den Betreiber der website zu kontaktieren. Strafbare Inhalte muss dieser umgehend löschen.
Straftaten sollten der Polizei gemeldet werden. Ggf. ist ein Strafantrag zu stellen.
Im Internet gibt es Einrichtungen, die sich auf Mobbing spezialisiert haben, z.B. www.polizei-beratung.de.
Mitunter kommt nicht nur ein Unterlassungsanspruch, sondern auch ein Schmerzensgeld- oder Schadensersatzanspruch in Betracht. Nach einer Verhandlung vor dem Landgericht Bonn etwa mussten kürzlich zwei 13-jährige Schüler, die ein ehrverletzendes YouTube-Video hochgeladen hatten, insgesamt 5.000 € Schmerzensgeld zahlen (9 O 433/12). In einem anderen Fall ist ein Rapper, der auf Facebook und Twitter eine Person aus dem Fernsehen beleidigt hatte, vom Landgericht Berlin zum Schadensersatz in Höhe von 8.000 € verurteilt worden, 33 O 434/11.
Bei der Frage, welche Ansprüche im konkreten Fall geltend gemacht werden können, empfiehlt es sich, einen Anwalt zu kontaktieren.
9 O 433/12
Bedrohung Internet
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