Source: https://www.rechtslupe.de/zivilrecht/beschwerdewert-im-ordnungsmittelverfahren-375847
Timestamp: 2019-12-06 16:42:45
Document Index: 243697285

Matched Legal Cases: ['§ 888', '§ 890', '§ 3', '§ 3', '§ 12', '§ 3', 'BGH', 'BGH']

Beschwer­de­wert im Ord­nungs­mit­tel­ver­fah­ren | Rechtslupe
Der Gegen­stands­wert einer Beschwer­de des Schuld­ners gegen die Ver­hän­gung eines Zwangs­gel­des in einem Ord­nungs­mit­tel­ver­fah­ren bemisst sich in der Regel nach der Höhe des gegen ihn fest­ge­setz­ten Zwangs­gel­des.
Nach wel­chen Kri­te­ri­en sich der Gegen­stands­wert einer Beschwer­de des Schuld­ners gegen eine Ord­nungs­geld­fest­set­zung rich­tet, ist in der ober­ge­richt­li­chen Recht­spre­chung und Lite­ra­tur umstrit­ten. Die wohl über­wie­gen­de Auf­fas­sung geht davon aus, dass für den Schuld­ner die Abwen­dung des Ord­nungs­mit­tels von Inter­es­se ist, des­sen Höhe daher den Wert sei­ner Beschwer­de bestimmt 1. Nach ande­rer Auf­fas­sung ist dage­gen auf das Inter­es­se des Schuld­ners abzu­stel­len, die Hand­lung nicht erfül­len zu müs­sen 2. Nach einer ver­mit­teln­den Auf­fas­sung ist danach zu dif­fe­ren­zie­ren, ob der Schuld­ner die Ver­pflich­tung zur Handlung/​Dul­dung/​Unter­las­sung an sich angreift oder nur die Höhe des fest­ge­setz­ten Zwangs-/Ord­nungs­gel­des. Im ers­ten Fall ent­spre­che der Gegen­stands­wert dem Inter­es­se des Schuld­ners, die Hand­lung nicht aus­füh­ren zu müs­sen; wen­de sich der Schuld­ner aller­dings nur gegen die Höhe des Zwangs­gel­des, dann kom­me es auf die Höhe des Zwangs-/Ord­nungs­gel­des an, da dies dem Inter­es­se des Schuld­ners ent­spre­che, den fest­ge­setz­ten Betrag nicht zah­len zu müs­sen 3.
Das Ober­lan­des­ge­richt Cel­le hält – jeden­falls im Regel­fall – die erst­ge­nann­te Auf­fas­sung für zutref­fend. Die Argu­men­ta­ti­on der Gegen­auf­fas­sung, dass es bei einer Schuld­ner­be­schwer­de auf das Inter­es­se des Schuld­ners, die Hand­lung nicht erfül­len zu müs­sen, ankom­me, ver­kennt aus Sicht des Ober­lan­des­ge­richts, dass die­se Argu­men­ta­ti­on letzt­lich auf das Erkennt­nis­ver­fah­ren zuge­schnit­ten ist. Im Erkennt­nis­ver­fah­ren ent­spricht es stän­di­ger höchst­rich­ter­li­cher Recht­spre­chung, dass bei einem Rechts­mit­tel des erst­in­stanz­lich zu einer Hand­lung, Dul­dung oder Unter­las­sung Ver­ur­teil­ten bei der Streit­wert­be­mes­sung für die­ses Rechts­mit­tel des­sen Inter­es­se maß­ge­bend ist, der Hand­lung, Dul­dung oder Unter­las­sung nicht Fol­ge leis­ten zu müs­sen 4. Im vor­lie­gen­den Ord­nungs­mit­tel­ver­fah­ren geht es in aller Regel aber nicht mehr dar­um, dass der Schuld­ner sich wei­ter­hin gegen die – im Erkennt­nis­ver­fah­ren erfolg­te – Ver­ur­tei­lung zur Hand­lung, Dul­dung oder Unter­las­sung wen­det, viel­mehr macht der Schuld­ner in einem Beschwer­de­ver­fah­ren nach § 888 ZPO in aller Regel gel­tend, dass die Ver­hän­gung von Ord­nungs­mit­teln des­halb zu Unrecht erfolgt sei, weil er dem titu­lier­ten Gebot hin­rei­chend nach­ge­kom­men oder weil ihm die Befol­gung des Gebo­tes nicht mög­lich sei, und er aus die­sem Grund meint, das ver­häng­te Zwangs­geld nicht zah­len zu müs­sen. Dann aber besteht das Inter­es­se des Schuld­ners regel­mä­ßig in der Höhe des gegen ihn fest­ge­setz­ten Zwangs­gel­des. Ob ande­res zu gel­ten hat, wenn der Gläu­bi­ger auf­grund eines noch nicht rechts­kräf­ti­gen, aber vor­läu­fig voll­streck­ba­ren Titels ein Ord­nungs­mit­tel­ver­fah­ren ein­ge­lei­tet hat und der Schuld­ner das gegen ihn erst­in­stanz­lich fest­ge­setz­te Zwangs­geld allein mit dem Argu­ment bekämpft, dass bereits die Ver­ur­tei­lung, die zu dem Titel geführt hat, zu Unrecht erfolgt sei und die­se Ver­ur­tei­lung im dor­ti­gen (Erkenntnis-)Rechtsmittelverfahren kor­ri­giert wer­de, kann dahin­ste­hen. Um eine sol­che Fall­kon­stel­la­ti­on han­delt es sich hier nicht.
vgl. Schusch­ke/­Wal­ker-Stuhr­hahn, a. a. O., § 890 Rn. 60; Musielak/​Heinrich, a. a. O., § 3 Rn. 32 a; Stein/Jo­nas-Roth, ZPO, 22. Aufl., § 3 Rn. 61 "Ord­nungs­geld"; Ahrens/​Büttner, Der Wett­be­werbs­pro­zess, 7. Aufl., Kapi­tel 40 Rn. 72; KG, Beschluss vom 23.03.2009 – 23 W 71/​08 29; OLG Cel­le, Beschluss vom 01.04.2003 – 6 W 25/​03 26; LAG Bre­men, Beschluss vom 12.04.1989 – 4 Ta 16/​89, MDR 1989, 672; OLG Düs­sel­dorf, Beschluss vom 13.01.1977 – 2 W 85/​76 6[↩]
vgl. OLG Frank­furt, Beschluss vom 05.09.1996 – 5 W 18/​96 11; OLG Mün­chen, Beschluss vom 17.08.1983 – 25 W 1621/​83, MDR 1983, 1029; OLG Braun­schweig, Beschluss vom 28.04.1977 – 1 W 11/​77, Jur­Bü­ro 1977, 1148; Ret­zer in Har­te-Baven­dam­m/Hen­ning-Bode­wig, UWG, 3. Aufl., § 12 Rn. 900; Tho­mas/­Put­zo-Hüß­te­ge, ZPO, 34. Aufl., § 3 Rn. 115[↩]
vgl. Schneider/​Herget/​Onderka, Streit­wert­kom­men­tar, 13. Aufl., Rn. 4379[↩]
vgl. z. B. zum Fall der Ver­ur­tei­lung zu einer Aus­kunft: BGH, Beschluss vom 11.09.2013 – XII ZB 457/​11 8; BGH, Beschluss vom 22.05.2013 – X ZR 49/​11 2[↩]
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