Source: http://m.hensche.de/Arbeitsrecht_Urteile_Sozialplan_und_Arbeitsverzicht_1AZR595/14.html
Timestamp: 2016-12-08 00:06:23
Document Index: 29463475

Matched Legal Cases: ['§ 75', 'Art. 3', '§ 5', '§ 2', '§ 4', '§ 4', '§ 89', '§ 13', '§ 4', '§ 112', '§ 112', '§ 4', '§ 1', '§ 4', '§ 4', '§ 8', '§ 4', 'Art. 143', 'Art. 33', '§ 8', '§ 18', '§ 6', '§ 4', '§ 4', '§ 112', '§ 112', '§ 112', 'Art. 2', 'Art. 16', '§ 138', '§ 75', '§ 75', '§ 4']

HENSCHE Arbeitsrecht: 1 AZR 595/14
Beurlaubte Beamte , Abfindung, Klageverzichtsprämie
Als Ar­beit­neh­mer beschäftig­te be­ur­laub­te Be­am­te können in ei­nem So­zi­al­plan von Ab­fin­dun­gen aus­ge­schlos­sen wer­den, wenn die­ser aus­sch­ließlich die wirt­schaft­li­chen Nach­tei­le der von Ar­beits­lo­sig­keit be­droh­ten Ar­beit­neh­mer aus­glei­chen soll.
Ca 5224/13 Arbeitsgericht Düsseldorf,
4 Sa 375/14 Landesarbeitsgericht Düsseldorf
1 AZR 595/14 4 Sa 375/14Lan­des­ar­beits­ge­richtDüssel­dorf
Verkündet am8. De­zem­ber 2015
Kläger, Be­ru­fungskläger, Be­ru­fungs­be­klag­ter, Re­vi­si­ons­be­klag­ter und Re­vi­si­onskläger,
hat der Ers­te Se­nat des Bun­des­ar­beits­ge­richts auf­grund der münd­li­chen Ver­hand­lung vom 8. De­zem­ber 2015 durch die Präsi­den­tin des Bun­des­ar­beits­ge-
richts Schmidt, den Rich­ter am Bun­des­ar­beits­ge­richt Prof. Dr. Koch, die Rich­te­rin am Bun­des­ar­beits­ge­richt K. Schmidt so­wie die eh­ren­amt­li­chen Rich­ter Kunz und Stem­mer für Recht er­kannt:
Die Re­vi­sio­nen des Klägers und der Be­klag­ten ge­gen das Ur­teil des Lan­des­ar­beits­ge­richts Düssel­dorf vom 2. Ju­li 2014 - 4 Sa 375/14 - wer­den zurück­ge­wie­sen.
Die Kos­ten des Re­vi­si­ons­ver­fah­rens ha­ben zu 94 % der Kläger und zu 6 % die Be­klag­te zu tra­gen.
Die Par­tei­en strei­ten über ei­ne So­zi­al­plan­ab­fin­dung und ei­ne Son­der­prämie.
Der Kläger war zunächst als Be­am­ter bei der Deut­schen Bun­des­post ein­ge­setzt. Nach de­ren Pri­va­ti­sie­rung nimmt die Deut­sche Te­le­kom AG (DT AG) die Dienst­her­ren­ei­gen­schaft für die ihr zu­ge­wie­se­nen Be­am­ten der ehe­ma­li­gen Deut­schen Bun­des­post wahr. Die DT AG be­ur­laub­te den Kläger un­ter Weg­fall der Be­sol­dung für ei­ne Tätig­keit als Ar­beit­neh­mer, ua. für die Viv­en­to Tech­ni­cal Ser­vices GmbH. Bei die­ser Ge­sell­schaft wa­ren ne­ben Ar­beit­neh­mern, die - wie der Kläger - in ei­nem Be­am­ten­verhält­nis stan­den, wei­te­re Ar­beit­neh­mer tätig, die zu­vor im Rah­men von Ar­beits­verhält­nis­sen bei Kon­zern­ge­sell­schaf­ten der Deut­schen Te­le­kom AG beschäftigt wur­den.
Die Rechts­vorgänge­rin der Be­klag­ten (NSN S) er­warb zum 1. Ja­nu­ar 2008 den Geschäfts­be­trieb der Viv­en­to Tech­ni­cal Ser­vices GmbH. Die mit die­ser be­ste­hen­den Ar­beits­verhält­nis­se gin­gen auf die NSN S über, die mit zu­letzt rd. 950 Mit­ar­bei­tern, dar­un­ter ca. 190 be­ur­laub­ten Be­am­ten der DT AG, an 16 Stand­or­ten in Deutsch­land Dienst­leis­tun­gen auf dem Te­le­kom­mu­ni­ka­ti­ons­sek­tor er­brach­te.
Die NSN S und de­ren Be­triebs­rat schlos­sen am 29. April 2013 ei­nen So­zi­al­plan über die be­ab­sich­tig­te Be­triebs­sch­ließung (SP 2013) ab. In die­sem heißt es:
(1) In­fol­ge der Be­triebs­still­le­gung, die im In­ter­es­sen­aus­gleich vom 29.04.2013 be­schrie­ben ist, ent­steht die Not­wen­dig­keit, die wirt­schaft­li­chen und so­zia­len Nach­tei­le aus­zu­glei­chen bzw. ab­zu­mil­dern, die den Mit­ar­bei­tern ent­ste­hen.
(2) Die Be­triebs­par­tei­en möch­ten durch die­sen So­zi­al­plan ins­be­son­de­re die Be­din­gun­gen dafür schaf­fen, dass die von Ar­beits­lo­sig­keit be­droh­ten Mit­ar­bei­ter der NSN S bei ih­rer not­wen­di­gen be­ruf­li­chen Neu­ori­en­tie­rung un­terstützt wer­den. Zu die­sem Zweck soll den Mit­ar­bei­tern nach Maßga­be die­ses So­zi­al­plans ne­ben der Zah­lung von Ab­fin­dun­gen auch der Ab­schluss von Trans­fer­ar­beits­verhält­nis­sen an­ge­bo­ten wer­den.
(3) Das zur Verfügung ste­hen­de So­zi­al­plan­vo­lu­men ist knapp be­mes­sen und reicht nicht annähernd für den Aus­gleich der wirt­schaft­li­chen Nach­tei­le al­ler Mit­ar­bei­ter aus. Vor die­sem Hin­ter­grund ha­ben die Be­triebs­par­tei­en das ih­nen zu­ste­hen­de Er­mes­sen so aus­geübt, dass die aus ih­rer Sicht gra­vie­ren­den wirt­schaft­li­chen Nach­tei­le ge­mil­dert wer­den, die im Hin­blick auf die zu­kunfts­ge­rich­te­te Aus­gleichs- und Über­brückungs­funk­ti­on des So­zi­al­plans in ers­ter Li­nie durch Ar­beits­lo­sig­keit ent­ste­hen. Sie ver­ken­nen da­bei nicht, dass auch be­ur­laub­ten Be­am­ten bei Rück­kehr zur Deut­schen Te­le­kom AG Nach­tei­le ent­ste­hen können, z. B. durch ein ge­rin­ge­res Ent­gelt oder ei­nen Orts­wech­sel. Be­ur­laub­te Be­am­te er­lei­den je­doch ty­pi­scher­wei­se we­sent­lich ge­rin­ge­re wirt­schaft­li­che Nach­tei­le als die­je­ni­gen oh­ne Be­am­ten­sta­tus, da sie nor­ma­ler­wei­se we­der von Ar­beits­lo­sig­keit be­droht sind noch ihr Rück­kehran­spruch zur Deut­schen Te­le­kom AG bzw. ihr er­wor­be­ner Be­sitz­stand be­strit­ten wird.
1.1 Die­ser So­zi­al­plan gilt für al­le Mit­ar­bei­ter von NSN San al­len Stand­or­ten in der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land, so­weit sie von per­so­nel­len Maßnah­men in­fol­ge der Be­triebs­still­le­gung gemäß des In­ter­es­sen­aus-
gleichs be­trof­fen sind oder be­trof­fen sein wer­den.
1.2 Die­ser So­zi­al­plan gilt nicht für
be­ur­laub­te Be­am­te. ...“
In Nr. 2 SP 2013 wa­ren Trans­fer­maßnah­men und die Ein­rich­tung ei­ner 5Trans­fer­ge­sell­schaft ge­re­gelt. Die So­zi­al­plan­ab­fin­dung (Nr. 3 SP 2013) be­misst sich nach den Fak­to­ren Be­triebs­zu­gehörig­keit, mo­nat­li­ches Brut­to­fix­ge­halt so­wie dem Fak­tor 0,5.
In der gleich­falls am 29. April 2013 ab­ge­schlos­se­nen „Be­triebs­ver­ein­ba­rung Son­der­prämie“ (BV Son­der­prämie) ist be­stimmt: „...
wird ergänzend zu dem am 29.04.2013 ab­ge­schlos­se­nen So­zi­al­plan Fol­gen­des ver­ein­bart:
Der ge­sam­te Be­trieb der NSN S wird still­ge­legt. Über die­se Maßnah­me exis­tiert ein In­ter­es­sen­aus­gleich so­wie ein So­zi­al­plan. Da­bei liegt es im vor­ran­gi­gen In­ter­es­se der Be­triebs­par­tei­en, die Ar­beits­lo­sig­keit der be­trof­fe­nen Mit­ar­bei­te­rin­nen und Mit­ar­bei­ter (...) zu ver­mei­den und ih­nen neue be­ruf­li­che Per­spek­ti­ven zu eröff­nen, wes­halb der Wech­sel in ei­ne Trans­fer­ge­sell­schaft be­son­ders in­cen­ti­viert wer­den soll. So­weit Mit­ar­bei­ter trotz des An­ge­bots den Wech­sel in ei­ne Trans­fer­ge­sell­schaft ab­leh­nen oder kein An­ge­bot auf ei­nen Wech­sel in die Trans­fer­ge­sell­schaft er­hal­ten, ob­wohl sie durch be­triebs­be­ding­te Kündi­gung von Ar­beits­lo­sig­keit be­droht sind und dem Gel­tungs­be­reich des So­zi­al­plans un­ter­fal­len (weil sie sich z. B. in El­tern­zeit be­fin­den), soll ho­no­riert wer­den, wenn sie das Bedürf­nis der NSN S nach Pla­nungs­si­cher­heit den­noch berück­sich­tig­ten, in­dem sie kei­ne Kla­ge ge­gen die Be­en­di­gung ih­res Ar­beits­verhält­nis­ses er­he­ben oder in­ner­halb der dreiwöchi­gen Kla­ge­frist ei­nen Ab­wick­lungs­ver­trag mit NSN S schließen. Außer­dem soll ho­no­riert wer­den, wenn die Mit­ar­bei­ter al­le über­las­se­nen Ar­beits­mit­tel vor Aus­tritt bei NSN S nach­weis­bar an NSN S zurück­ge­ben. ...
Die­se Be­triebs­ver­ein­ba­rung fin­det An­wen­dung auf die­je­ni­gen Mit­ar­bei­ter der NSN S, die
dem Gel­tungs­be­reich des So­zi­al­plans vom 29.04.2013 un­ter­fal­len;
nicht vom Er­halt ei­ner Ab­fin­dung gemäß Zif­fer 3. des So­zi­al­plans vom 29.04.2013 aus­ge­schlos­sen sind;
ei­nen drei­sei­ti­gen Ver­trag mit NSN S in­ner­halb der An­ge­bots­frist ab­sch­ließen und kei­ne Kla­ge ge­gen die Be­en­di­gung ih­res Ar­beits­verhält­nis­ses er­he­ben
das An­ge­bot auf Ab­schluss ei­nes drei­sei­ti­gen Ver­tra­ges ab­leh­nen (bzw. trotz Be­dro­hung durch Ar­beits­lo­sig­keit durch ei­ne ar­beit­ge­ber­sei­ti­gen Kündi­gung kein An­ge­bot er­hal­ten) und ent­we­der (1) kei­ne Kla­ge ge­gen die Be­en­di­gung ih­res Ar­beits­verhält­nis­ses er­he­ben oder (2) in­ner­halb von drei Wo­chen nach Zu­gang der ar­beit­ge­ber­sei­ti­gen Kündi­gung ei­nen Ab­wick­lungs­ver­trag schließen, wo­bei kein An­spruch auf Ab­schluss ei­nes Ab­wick­lungs­ver­tra­ges be­steht.
2. An­spruch auf Son­der­prämie
2.1 Mit­ar­bei­ter, die un­ter den Gel­tungs­be­reich die­ser Be­triebs­ver­ein­ba­rung gemäß Ziff. 1. fal­len, ha­ben An­spruch auf ei­ne Son­der­prämie von EUR 4.346,00 brut­to.
3. Schluss­be­stim­mun­gen ...
3.2 Soll­ten ein­zel­ne Be­stim­mun­gen die­ser Be­triebs­ver­ein­ba­rung un­wirk­sam sein oder wer­den, blei­ben die übri­gen Be­stim­mun­gen da­von un­berührt. Die Par­tei­en ver­pflich­ten sich, in ei­nem sol­chen Fall an­stel­le der un­wirk­sa­men Be­stim­mun­gen ei­ne Re­ge­lung zu tref­fen, die dem mit der un­wirk­sa­men Be­stim­mung ver­folg­ten Zweck möglichst na­he kommt. Ent­spre­chen­des gilt im Fal­le ei­ner von den Be­triebs­part­nern nicht be­dach­ten Lücke oder falls ei­ne vor­ste­hen­de
Re­ge­lung un­durchführ­bar sein oder wer­den soll­te.
Die NSN S kündig­te das Ar­beits­verhält­nis zum 31. De­zem­ber 2013. Der Kläger er­hob ge­gen die­se Kündi­gung kei­ne Kündi­gungs­schutz­kla­ge.
In den Be­trie­ben der NSN S wur­de seit dem Jahr 2010 un­ter den Ar­beit­neh­mern das Be­ste­hen von mögli­chen „Rück­kehransprüchen“ zu Un­ter-neh­men des DT AG-Kon­zerns dis­ku­tiert. Grund­la­ge für sol­che Über­le­gun­gen war ua. ei­ne mögli­cher­wei­se feh­len­de form­wirk­sa­me Be­en­di­gung der vor­ma­li­gen Ar­beits­verhält­nis­se zur DT AG oder ei­ner ih­rer Kon­zern­ge­sell­schaf­ten. Die Durch­sicht der Per­so­nal­ak­ten der bei ihr beschäftig­ten Ar­beit­neh­mer durch die NSN S er­gab, dass in knapp 130 Fällen kein Nach­weis über die form­ge­rech­te Be­en­di­gung ei­nes zu­vor mit ei­ner kon­zern­zu­gehöri­gen Ge­sell­schaft be­gründe­ten Ar­beits­verhält­nis­ses ent­hal­ten war. Bis zum Ab­schluss des SP 2013 hat­ten vier Ar­beit­neh­mer der NSN S rechts­kräftig das Fort­be­ste­hen ih­rer Ar­beits­verhält­nis­se erstrit­ten. Die DT AG hat­te sich bis zum Ab­schluss der So­zi­al­plan­ver­hand­lun­gen we­der ge­genüber der NSN S noch ge­genüber Ar­beit­neh­mern oh­ne Be­am­ten­sta­tus zu de­ren Wei­ter­beschäfti­gung be­reit erklärt. Erst nach Ab­schluss des So­zi­al­plans kam es un­ter ge­werk­schaft­li­cher Be­tei­li­gung zu Gesprächen über ei­ne kol­lek­ti­ve Re­ge­lung zur Fort­set­zung von Ar­beits­verhält­nis­sen mit Ar­beit­neh­mern der NSN S.
Der Kläger hat die Auf­fas­sung ver­tre­ten, der vollständi­ge Aus­schluss von be­ur­laub­ten Be­am­ten aus dem Gel­tungs­be­reich des SP 2013 sei nicht ge­recht­fer­tigt. Un­ter den vom So­zi­al­plan er­fass­ten Ar­beit­neh­mern sei­en ehe­ma­li­ge Ta­rif­an­ge­stell­te aus dem Kon­zern­ge­sell­schaf­ten der DT AG, de­ren Ar­beits­verhält­nis zu die­sen man­gels ei­ner form­wirk­sa­men Auf­he­bung fort­be­ste­he. Die­se Ar­beit­neh­mer verfügten wie die be­ur­laub­ten Be­am­ten eben­falls über ein un­be­fris­te­tes Beschäfti­gungs­verhält­nis zur DT AG oder ih­ren kon­zern­an­gehöri­gen Ge­sell­schaf­ten. Der Aus­schluss aus der BV Son­der­prämie sei gleich­falls zu Un­recht er­folgt. Den Be­triebs­par­tei­en sei es um die Pla­nungs­si­cher­heit für die NSN S ge­gan­gen. Ar­beit­neh­mer, die kei­ne Kündi­gungs­schutz­kla­ge er­he­ben, soll­ten durch die Son­der­prämie be­lohnt wer­den. Die­se Pla­nungs­si­cher­heit er-
- 7 - hal­te die NSN S auch dann, wenn die be­ur­laub­ten Be­am­ten auf die Er­he­bung ei­ner Kündi­gungs­schutz­kla­ge ver­zich­te­ten.
Der Kläger hat - so­weit für die Re­vi­si­on von In­ter­es­se - zu­letzt be­an­tragt,
1. die Be­klag­te zu ver­ur­tei­len, an den Kläger
a) ei­ne So­zi­al­plan­ab­fin­dung iHv. 75.052,00 Eu­ro brut­to;
b) ei­ne Son­der­zah­lung iHv. 4.346,00 Eu­ro brut­to;
c) Zin­sen aus den Beträgen zu a) und zu b) iHv. fünf Pro­zent­punk­ten über dem Ba­sis­zins­satz der EZB seit dem 31. De­zem­ber 2013 zu zah­len;
2. fest­zu­stel­len, dass sei­ne Her­aus­nah­me als bei der Te­le­kom be­ur­laub­tem Be­am­ten aus dem So­zi­al­plan vom 29. April 2013 so­wie aus der Be­triebs­ver­ein­ba­rung Son­der­prämie vom 29. April 2013 rechts­wid­rig ist und ihm Leis­tun­gen aus den ge­nann­ten Be­triebs­ver­ein­ba­run­gen zu­ste­hen, um Nach­tei­le, die aus dem Ver­lust des Ar­beits­plat­zes ent­ste­hen, aus­zu­glei­chen, zu­min­dest aber ab­zu­mil­dern.
Die Be­klag­te hat be­an­tragt, die Kla­ge ab­zu­wei­sen;
fest­zu­stel­len, dass der So­zi­al­plan vom 29. April 2013 nich­tig ist;
fest­zu­stel­len, dass die Be­triebs­ver­ein­ba­rung Son­der­prämie vom 29. April 2013 nich­tig ist.
Das Ar­beits­ge­richt hat die Be­klag­te zur Zah­lung der Son­der­prämie ver­ur­teilt und die Kla­ge im Übri­gen ab­ge­wie­sen. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt hat den erst zweit­in­stanz­lich ge­stell­ten Zins­an­trag in Be­zug auf die Son­der­prämie ab dem 1. Ja­nu­ar 2014 zu­er­kannt und die wei­ter ge­hen­den Be­ru­fun­gen der Par­tei­en zurück­ge­wie­sen. Hier­ge­gen ha­ben bei­de Par­tei­en im Um­fang ih­res Un­ter­lie­gens Re­vi­si­on ein­ge­legt, mit de­nen sie ih­re zu­letzt er­folg­los ge­blie­be­nen Anträge wei­ter ver­fol­gen.
Die Re­vi­sio­nen bei­der Par­tei­en sind un­be­gründet. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt hat de­ren Be­ru­fun­gen ge­gen die Ent­schei­dung des Ar­beits­ge­richts zu Recht zurück­ge­wie­sen und dem kla­ge­er­wei­ternd er­ho­be­nen Zins­an­trag ent­spro­chen. Der Kläger hat kei­nen An­spruch auf ei­ne nach Nr. 3 SP 2013 be­rech­ne­te So­zi­al­plan­ab­fin­dung. Hin­ge­gen ist die Kla­ge in Be­zug auf die Son­der­prämie be­gründet.
I. Der Kläger hat kei­nen An­spruch auf ei­ne nach Nr. 3 SP 2013 be­rech­ne­te Ab­fin­dung. Die in Be­zug auf die­sen Streit­ge­gen­stand von bei­den Par­tei­en er­ho­be­nen Hilfs­anträge sind dem Se­nat nicht zur Ent­schei­dung an­ge­fal­len.
1. Ein Ab­fin­dungs­an­spruch nach dem SP 2013 be­steht nicht. Die bei der NSN S beschäftig­ten be­ur­laub­ten Be­am­ten sind zwar von den Re­ge­lun­gen des So­zi­al­plans er­fasst (Nr. 1.1 SP 2013). Nach Nr. 1.2 SP 2013 wer­den sie je­doch von des­sen persönli­chen Gel­tungs­be­reich und da­mit von So­zi­al­plan­leis­tun­gen aus­ge­schlos­sen.
2. Der Aus­schluss be­ur­laub­ter Be­am­ter von So­zi­al­plan­leis­tun­gen ist mit dem be­triebs­ver­fas­sungs­recht­li­chen Gleich­be­hand­lungs­grund­satz (§ 75 Abs. 1 Be­trVG) ver­ein­bar. Mit der durch Nr. 1.2 SP 2013 be­wirk­ten Be­schränkung des an­spruchs­be­rech­tig­ten Per­so­nen­krei­ses ha­ben die Be­triebs­par­tei­en den ih­nen bei der Gewährung von Ab­fin­dungs­leis­tun­gen eröff­ne­ten Ge­stal­tungs­spiel­raum nicht über­schrit­ten.
a) Nach der Se­nats­recht­spre­chung ha­ben So­zi­alpläne ei­ne zu­kunfts­be­zo­ge­ne Aus­gleichs- und Über­brückungs­funk­ti­on. Geld­leis­tun­gen in Form ei­ner Ab­fin­dung stel­len kein zusätz­li­ches Ent­gelt für die in der Ver­gan­gen­heit er­brach­ten Diens­te dar, son­dern sol­len die vor­aus­sicht­lich ent­ste­hen­den wirt­schaft­li­chen Fol­gen ei­nes durch Be­triebsände­rung ver­ur­sach­ten Ar­beits­platz-
ver­lus­tes aus­glei­chen oder zu­min­dest ab­mil­dern (BAG 9. De­zem­ber 2014 - 1 AZR 102/13 - Rn. 23).
b) Die zu­kunfts­be­zo­ge­ne Aus­gleichs­funk­ti­on von So­zi­alplänen eröff­net den Be­triebs­par­tei­en Be­ur­tei­lungs- und Ge­stal­tungs­spielräume, auf­grund de­rer sie die Nach­tei­le in ty­pi­sie­ren­der und pau­scha­lie­ren­der Form aus­glei­chen können. Ein Be­ur­tei­lungs­spiel­raum be­steht hin­sicht­lich der den Ar­beit­neh­mern durch die Be­triebsände­rung vor­aus­sicht­lich ent­ste­hen­den wirt­schaft­li­chen Nach­tei­le und ein Ge­stal­tungs­spiel­raum beim Aus­gleich oder der Ab­mil­de­rung der von ih­nen pro­gnos­ti­zier­ten Nach­tei­le (BAG 11. No­vem­ber 2008 - 1 AZR 475/07 - Rn. 20, BA­GE 128, 275).
c) Hier­nach durf­ten die Be­triebs­par­tei­en die be­ur­laub­ten Be­am­ten un­ge­ach­tet der ih­nen ent­ste­hen­den wirt­schaft­li­chen Nach­tei­le von So­zi­al­plan­leis­tun­gen aus­sch­ließen. Hier­in liegt kein Ver­s­toß ge­gen den be­triebs­ver­fas­sungs­recht­li­chen Gleich­be­hand­lungs­grund­satz.
aa) Der auf den all­ge­mei­nen Gleich­heits­satz des Art. 3 Abs. 1 GG zurück­zuführen­de be­triebs­ver­fas­sungs­recht­li­che Gleich­be­hand­lungs­grund­satz zielt dar­auf ab, ei­ne Gleich­be­hand­lung von Per­so­nen in ver­gleich­ba­ren Sach­ver­hal­ten si­cher­zu­stel­len und ei­ne gleich­heits­wid­ri­ge Grup­pen­bil­dung aus­zu­sch­ließen. Sind in ei­nem So­zi­al­plan für ver­schie­de­ne Ar­beit­neh­mer­grup­pen un­ter­schied­li­che Leis­tun­gen vor­ge­se­hen, ver­langt der Gleich­heits­satz, dass die­se Dif­fe­ren­zie­rung sach­lich ge­recht­fer­tigt ist. Maßgeb­lich hierfür ist vor al­lem der mit der Re­ge­lung ver­folg­te Zweck. Da­bei ist bei ei­ner per­so­nen­be­zo­ge­nen Un­gleich­be­hand­lung der Gleich­heits­satz be­reits dann ver­letzt, wenn ei­ne Grup­pe von Nor­madres­sa­ten im Ver­gleich zu an­de­ren Nor­madres­sa­ten an­ders be­han­delt wird, ob­wohl zwi­schen bei­den Grup­pen kei­ne Un­ter­schie­de von sol­cher Art und sol­chem Ge­wicht be­ste­hen, dass die­se die un­glei­che Be­hand­lung recht­fer­ti­gen könn­ten (BAG 30. Sep­tem­ber 2014 - 1 AZR 1083/12 - Rn. 15, BA­GE 149, 195).
bb) Die bei NSN S beschäftig­ten be­ur­laub­ten Be­am­ten sind als Ar­beit­neh­mer iSd. § 5 Abs. 1 Satz 1 Be­trVG von der dem SP 2013 zu­grun­de lie­gen­den
Be­triebsände­rung be­trof­fen. Ih­re Ar­beits­verhält­nis­se soll­ten we­gen der be­ab­sich­tig­ten Be­triebs­sch­ließung durch ei­ne be­triebs­be­ding­te Kündi­gung be­en­det wer­den.
Die be­ur­laub­ten Be­am­ten sind zwar nach § 2 Abs. 2 Satz 1 des Ge­set­zes zum Per­so­nal­recht der Beschäftig­ten der Deut­schen Bun­des­post (Post­per­so­nal­rechts­ge­setz - Post­PersRG) vom 14. Sep­tem­ber 1994 (BGBl. I S. 2325) Bun­des­be­am­te im un­mit­tel­ba­ren Dienst des Bun­des. Ih­re ursprüng­li­che be­ruf­li¬che Tätig­keit bei der DT AG galt kraft der ge­setz­li­chen Fik­ti­on des § 4 Abs. 1 Post­PersRG als Dienst. Die nach § 4 Abs. 3 und Abs. 4 Satz 1 Post­PersRG in der bis zum 5. Ju­ni 2015 gel­ten­den Fas­sung iVm. § 89 Abs. 2 Satz 1 BBG 1999, § 13 SUrlV be­ur­laub­ten Be­am­ten sind je­doch auf­grund ih­rer Be¬schäfti­gung in ei­nem ar­beits­recht­li­chen Ver­trags­verhält­nis Ar­beit­neh­mer des je­wei­li­gen Ar­beit­ge­bers. Der Be­am­te wird in sei­nem Be­am­ten­verhält­nis oh­ne Bezüge be­ur­laubt, wo­durch sei­ne be­am­ten­recht­li­che Dienst­pflicht ge­genüber sei­nem Dienst­herrn entfällt, oh­ne dass sich je­doch der Sta­tus des Be­am­ten hier­durch verändert. In die­ser Dop­pel­rechts­be­zie­hung fin­den hin­sicht­lich des ru­hen­den Be­am­ten­verhält­nis­ses nur die­je­ni­gen be­am­ten­recht­li­chen Vor­schrif­ten An­wen­dung, die sich auf sei­nen be­am­ten­recht­li­chen Sta­tus be­zie­hen und die durch § 4 Abs. 3, Abs. 3a und Abs. 4 Post­PersRG ergänzt wer­den. Der In­halt des Ar­beits­verhält­nis­ses be­stimmt sich dem­ge­genüber nach dem Ar­beits­ver­trag und den ar­beits­recht­li­chen Be­stim­mun­gen (BAG 25. Mai 2005 - 7 AZR 402/04 - Rn. 15).
cc) Die Be­triebs­par­tei­en sind ent­spre­chend der Präam­bel zum SP 2013 zu Recht vom Be­ste­hen von aus­gleichsfähi­gen wirt­schaft­li­chen Nach­tei­len bei der Grup­pe der be­ur­laub­ten Be­am­ten aus­ge­gan­gen. De­ren Ar­beits­verhält­nis­se wer­den durch die we­gen der be­ab­sich­tig­ten Be­triebs­sch­ließung aus­ge­spro­che­nen Kündi­gun­gen be­en­det. Nach ih­rem Wirk­sam­wer­den entfällt der Vergü-tungs­an­spruch aus dem be­en­de­ten Ar­beits­verhält­nis. Die An­gehöri­gen die­ser Per­so­nen­grup­pe wa­ren al­ler­dings nach dem Wirk­sam­wer­den der Kündi­gun­gen nicht von Ar­beits­lo­sig­keit be­droht. Die Be­triebs­par­tei­en konn­ten bei den be­ur­laub­ten Be­am­ten von ei­ner ge­si­cher­ten Wei­ter­beschäfti­gungsmöglich­keit an
an­de­rer Stel­le in­ner­halb des Kon­zerns der DT AG aus­ge­hen. Der durch Nr. 1.2 SP 2013 be­wirk­te Aus­schluss von So­zi­al­plan­leis­tun­gen ist nach dem in § 112 Abs. 5 Satz 2 Nr. 2 Be­trVG ent­hal­te­nen Rechts­ge­dan­ken ge­recht­fer­tigt.
(1) Nach die­ser Vor­schrift hat die Ei­ni­gungs­stel­le beim Aus­gleich der durch ei­ne Be­triebsände­rung ent­ste­hen­den Nach­tei­le die Aus­sich­ten der be­trof­fe­nen Ar­beit­neh­mer auf dem Ar­beits­markt zu berück­sich­ti­gen (Satz 1). Nach § 112 Abs. 5 Satz 2 Nr. 2 Satz 2 Halbs. 1 Be­trVG soll sie die­je­ni­gen Ar­beit­neh­mer von Leis­tun­gen aus­sch­ließen, die in ei­nem zu­mut­ba­ren Ar­beits­verhält­nis im sel­ben Be­trieb oder in ei­nem an­de­ren Be­trieb des Un­ter­neh­mens oder ei­nes zum Kon­zern gehören­den Un­ter­neh­mens wei­ter­beschäftigt wer­den können, die Wei­ter­beschäfti­gung je­doch ab­leh­nen. Die Re­ge­lung gilt zwin­gend zwar nur für die Ent­schei­dung der Ei­ni­gungs­stel­le und nicht für ei­ne ein­ver­nehm­li­che Ver­ein­ba­rung der Be­triebs­par­tei­en. Ihr kann aber der all­ge­mei­ne Ge­dan­ke ent­nom­men wer­den, dass ein Aus­gleich von Nach­tei­len ent­behr­lich sein kann, wenn dem Ar­beit­neh­mer ein zu­mut­ba­rer an­de­rer Ar­beits­platz an­ge­bo­ten wird. Die­ser Grund­satz ist auch bei ei­ner ein­ver­nehm­li­chen Re­ge­lung der Be­triebs­par­tei­en zu berück­sich­ti­gen (BAG 6. No­vem­ber 2007 - 1 AZR 960/06 - Rn. 18, BA­GE 124, 335).
(2) Die Be­triebs­par­tei­en konn­ten bei der Grup­pe der be­ur­laub­ten Be­am­ten vom Be­ste­hen ei­ner zu­mut­ba­ren Wei­ter­beschäfti­gungsmöglich­keit aus­ge­hen. Selbst wenn die­se nach ih­rem Aus­schei­den bei der NSN S kein neu­es Ar­beits­verhält­nis mit ei­nem an­de­ren Ar­beit­ge­ber be­gründen konn­ten, wa­ren sie im Rah­men ih­res Be­am­ten­verhält­nis­ses ent­spre­chend dem ih­nen über­tra­ge­nen Amt zu beschäfti­gen.
(a) Der Ein­satz der ei­nem Post­nach­fol­ge­un­ter­neh­men zur Dienst­leis­tung zu­ge­wie­se­nen Be­am­ten konn­te nach § 4 Post­PersRG in der bei Ab­schluss des SP 2013 gel­ten­den Fas­sung nur bei der je­wei­li­gen Ak­ti­en­ge­sell­schaft oder ei­ner an­de­ren in § 1 des Pos­tum­wand­lungs­ge­set­zes ge­nann­ten Ak­ti­en­ge­sell­schaft (§ 4 Abs. 3 Satz 1 Post­PersRG) so­wie bei den in § 4 Abs. 4 Satz 2 Post­PersRG ge­nann­ten Un­ter­neh­men er­fol­gen. Den der DT AG zu­ge­wie­se­nen Be­am­ten muss­ten da­bei je­weils ei­ne auf Dau­er an­ge­leg­te gleich­wer­ti­ge Tätig-
keit iSd. § 8 Post­PersRG bei ei­ner Or­ga­ni­sa­ti­ons­ein­heit der pri­va­ten Post­nach­fol­ge­un­ter­neh­men oder - un­ter den Vor­aus­set­zun­gen des § 4 Abs. 4 Satz 2 und Satz 3 Post­PersRG - bei ei­nem Toch­ter- oder En­kel­un­ter­neh­men oder ei­ner Be­tei­li­gungs­ge­sell­schaft über­tra­gen wer­den.
(b) Durch Art. 143b Abs. 3 Satz 1 GG ist klar­ge­stellt, dass die Beschäfti­gung von Be­am­ten bei pri­va­ten Un­ter­neh­men ver­fas­sungs­recht­lich zulässig ist und die gemäß Art. 33 Abs. 5 GG an­er­kann­ten Struk­tur­prin­zi­pi­en des Be­am­ten­rechts auch bei der Wei­ter­beschäfti­gung der Be­am­ten der Deut­schen Bun­des­post bei de­ren pri­va­ten Nach­fol­ge­un­ter­neh­men grundsätz­lich un­ein­ge­schränkt An­wen­dung fin­den (BVerwG 22. Ju­ni 2006 - 2 C 26/05 - zu 2 a der Gründe, BVerw­GE 126, 182). Der dem Be­am­ten über­tra­ge­ne Auf­ga­ben­kreis ist als Amt im Sin­ne des Bun­des­be­am­ten­rechts an­zu­se­hen, wes­halb er bei ei­nem Ein­satz bei dem Post­nach­fol­ge­un­ter­neh­men amts­an­ge­mes­sen zu beschäfti­gen ist. Nach § 8 Post­PersRG fin­det § 18 BBesG aus­drück­lich auch für die pri­va­ten Nach­fol­ge­un­ter­neh­men der Deut­schen Bun­des­post mit der Maßga­be An­wen­dung, dass gleich­wer­ti­ge Tätig­kei­ten bei den Ak­ti­en­ge­sell­schaf­ten als amts­gemäße Funk­tio­nen gel­ten. Nur un­ter den Vor­aus­set­zun­gen von § 6 Post­PersRG kann ein Be­am­ter vorüber­ge­hend auf ei­nem Ar­beits­pos­ten mit ge­rin­ge­rer Wer­tig­keit ver­wen­det wer­den (BVerwG 22. Ju­ni 2006 - 2 C 26/05 - zu 2 b der Gründe, aaO).
(c) Nach § 4 Abs. 4 Satz 2 Post­PersRG können Be­am­te auch Toch­ter-, En­kel­un­ter­neh­men und Be­tei­li­gungs­ge­sell­schaf­ten von Post­nach­fol­ge­un­ter-neh­men zu­ge­wie­sen wer­den. Die­se Re­ge­lung ermöglicht es den Ak­ti­en­ge­sell­schaf­ten, die im Zu­sam­men­hang mit der Kon­zern­bil­dung be­ste­hen­den per­so¬nal­wirt­schaft­li­chen Pro­ble­me zu lösen und die per­so­nel­le Fle­xi­bi­lität zu erhö¬hen. Die For­mu­lie­rung der Vor­schrift („nach all­ge­mei­nen be­am­ten­recht­li­chen Grundsätzen zu­mut­bar“) macht deut­lich, dass der Bun­des­ge­setz­ge­ber auch hier am Grund­satz der amts­an­ge­mes­se­nen Beschäfti­gung aus­drück­lich fest­ge¬hal­ten und die Über­tra­gung ei­ner amts­an­ge­mes­se­nen Tätig­keit für un­ab­ding­bar er­ach­tet hat (BVerwG 3. April 2014 - 2 B 70/12 - Rn. 20).
- 13 - (d) Der Ein­satz im Rah­men des be­ste­hen­den Be­am­ten­verhält­nis­ses nach Wirk­sam­wer­den der von der NSN S aus­ge­spro­che­nen Kündi­gun­gen ist ei­ne zu­mut­ba­re Beschäfti­gungsmöglich­keit.
(aa) Nach der Se­nats­recht­spre­chung sind die Be­triebs­par­tei­en be­fugt, im So­zi­al­plan zu re­geln, un­ter wel­chen Vor­aus­set­zun­gen ein Ar­beits­platz zu­mut­bar ist. Sie ha­ben auch in­so­weit ei­nen er­heb­li­chen Be­ur­tei­lungs­spiel­raum (BAG 6. No­vem­ber 2007 - 1 AZR 960/06 - Rn. 21, BA­GE 124, 335).
(bb) Umstände, wo­nach die Beschäfti­gung im Rah­men des zu­vor ru­hen­den Be­am­ten­verhält­nis­ses bei ei­nem Post­nach­fol­ge­un­ter­neh­men oder ei­ner der in § 4 Abs. 4 Satz 1 Post­PersRG ge­nann­ten Ge­sell­schaf­ten als un­zu­mut­bar an­zu­se­hen sein könn­ten, sind we­der er­sicht­lich noch vom Lan­des­ar­beits­ge­richt fest­ge­stellt. Ein mögli­ches Zurück­blei­ben der nach Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses zu er­war­ten­den Bezüge aus dem Be­am­ten­verhält­nis hin­ter der gewähr­ten Ar­beits­vergütung ver­mag die Un­zu­mut­bar­keit eben­so we­nig zu be­gründen, wie ein mögli­cher Wech­sel des zukünf­ti­gen Ein­satz­orts. Es hält sich da­her in­ner­halb des den Be­triebs­par­tei­en zu­ste­hen­den Ge­stal­tungs­spiel­raums, wenn die­se - wie vor­lie­gend - auf den Nicht­ein­tritt der Ar­beits­lo­sig­keit und die Gewährung der Bezüge aus dem Be­am­ten­verhält­nis ab­stel­len und die Grup­pe der be­ur­laub­ten Be­am­ten durch die Re­ge­lung in Nr. 1.2 SP 2013 von So­zi­al­plan­leis-tun­gen aus­sch­ließen.
dd) Die Ent­schei­dung der Be­triebs­par­tei­en, So­zi­al­plan­leis­tun­gen nur für sol­che Ar­beit­neh­mer vor­zu­se­hen, die nach Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses über kei­ne zu­mut­ba­re Wei­ter­beschäfti­gungsmöglich­keit verfügen, wird aus Rechts­gründen nicht da­durch in Fra­ge ge­stellt, weil Ab­fin­dun­gen auch Ar­beit­neh­mern gewährt wer­den, de­ren Ar­beits­verhält­nis­se mit der DT AG oder ei­ner ih­rer Kon­zern­ge­sell­schaf­ten bei Ab­schluss des SP 2013 we­gen ei­ner vor­he­ri­gen for­mun­wirk­sa­men Be­en­di­gung mögli­cher­wei­se noch be­stan­den ha­ben. Ei­ne sol­che Wei­ter­beschäfti­gungsmöglich­keit ist mit der fest­ste­hen­den Rück­kehr­per­spek­ti­ve von amts­an­ge­mes­sen zu beschäfti­gen­den Be­am­ten nicht ver­gleich­bar. Die Be­triebs­par­tei­en wa­ren da­her nicht ge­hal­ten, po­ten­ti­ell be­ste­hen­de Ar­beits­verhält­nis­se als zu­mut­ba­re An­schluss­beschäfti­gung zu wer­ten
und die Ar­beit­neh­mer mit „Rück­kehransprüchen“ glei­cher­maßen von So­zi­al-plan­leis­tun­gen aus­zu­sch­ließen.
(1) Ei­ne zu­mut­ba­re Wei­ter­beschäfti­gungsmöglich­keit, die nach dem Rechts­ge­dan­ken des § 112 Abs. 5 Satz 2 Nr. 2 Be­trVG den Aus­schluss von So­zi­al­plan­leis­tun­gen recht­fer­ti­gen kann, setzt die Exis­tenz ei­ner tatsächli­chen und al­lein vom Wil­len des Ar­beit­neh­mers abhängi­gen Beschäfti­gungsmöglich-eit bei dem al­ten oder neu­en Ver­trags­ar­beit­ge­ber vor­aus. Die tatsächli­che Beschäfti­gung des von der Ent­las­sung und da­mit vom Ein­tritt von Ar­beits­lo­sig­keit be­droh­ten Ar­beit­neh­mers bei dem glei­chen oder ei­nem an­de­ren Ar­beit­ge­ber muss in recht­li­cher und tatsäch­li­cher Hin­sicht gewähr­leis­tet sein (Oet­ker in GK-Be­trVG 10. Aufl. §§ 112, 112a Rn. 465 f.). An ei­ner sol­chen fehlt es, wenn der bis­he­ri­ge oder der neue Ar­beit­ge­ber nicht zur Beschäfti­gung des Ar­beit­neh­mers be­reit ist und sie von die­sem erst ge­richt­lich durch­ge­setzt wer­den müss­te. Für ein sol­ches Verständ­nis spricht die Ge­set­zes­be­gründung des mit Wir­kung vom 1. Mai 1985 geänder­ten § 112 Abs. 5 Be­trVG (Art. 2 Nr. 1 Buchst. b, Art. 16 Abs. 1 des Beschäfti­gungsförde­rungs­ge­set­zes 1985 vom 26. April 1985, BGBl. I S. 710), nach der dem Ar­beit­neh­mer ei­ne zu­mut­ba­re an­de­re Beschäfti­gung „an­ge­bo­ten“ wer­den muss (BT-Drs. 10/2102 S. 27). An ei­nem sol­chen An­ge­bot fehlt es, wenn der Ar­beit­ge­ber nicht zur Beschäfti­gung be­reit ist und der Ar­beit­neh­mer sei­nen An­spruch erst ge­richt­lich durch­set­zen muss. Un­abhängig da­von, ob sich der Ar­beit­neh­mer über­haupt zu ei­ner ent­spre­chen­den Kla­ge­er­he­bung ent­schließt, erhält er - an­ders als ein tatsächlich wei­ter­beschäftig­ter Ar­beit­neh­mer - zunächst nach der Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses kein Ar­beits­ent­gelt, son­dern ist we­gen sei­ner Beschäfti­gungs­lo­sig­keit (§ 138 Abs. 1 Nr. 1 SGB III) auf den Be­zug von Ar­beits­lo­sen­geld an­ge­wie­sen. Da­mit steht er wirt­schaft­lich je­nen ent­las­se­nen Ar­beit­neh­mern gleich, die kein An­schluss­ar­beits­verhält­nis be­gründen können und die aus die­sem Grund ei­ne So­zi­al­plan­ab­fin­dung er­hal­ten.
(2) Da­nach hat für die Ar­beit­neh­mer mit ei­nem ver­meint­lich fort­be­ste­hen den Ar­beits­verhält­nis zur DT AG oder ei­ner ih­rer Kon­zern­ge­sell­schaf­ten - an­ders als für die An­gehöri­gen der Grup­pe der be­ur­laub­ten Be­am­ten - bei Ab-
schluss des SP 2013 kei­ne ver­gleich­ba­re Wei­ter­beschäfti­gungsmöglich­keit be-stan­den.
Der Kläger hat nicht sub­stan­ti­iert be­haup­tet, die DT AG oder die je­wei­li­gen Kon­zern­ge­sell­schaf­ten sei­en bei Ab­schluss des SP 2013 zur ver­trags­ge-mäßen Beschäfti­gung der­je­ni­gen Ar­beit­neh­mer, de­ren Ar­beits­verhält­nis­se zu die­sen Ge­sell­schaf­ten noch fort­be­stan­den ha­ben sol­len, be­reit ge­we­sen. Eben¬so hat er kei­nen Vor­trag ge­hal­ten, wo­nach ei­ne sol­che Be­reit­schaft der NSN S und ih­rem Be­triebs­rat zu die­sem Zeit­punkt be­kannt war. Viel­mehr muss­ten die rück­kehr­wil­li­gen Ar­beit­neh­mer ih­re Ansprüche ge­genüber der DT AG ge­richt­lich durch­set­zen. Recht­lich un­er­heb­lich ist da­nach, ob und ggf. in wel­chem Um­fang das Fort­be­ste­hen der Ar­beits­verhält­nis­ses bei ob­jek­ti­ver Be­trach­tung zwei­fel¬haft war und wel­che Er­folgs­aus­sicht Kla­gen zur Durch­set­zung der Beschäfti­gung ge­gen die bis­he­ri­gen Ar­beit­ge­ber ge­habt hätten. Ob das Ver­hal­ten der DT AG als schi­kanös an­zu­se­hen ist, kann da­hin­ste­hen. Der Kläger hat schon nicht be­haup­tet, dass die­ses Ver­hal­ten durch die NSN S oder de­ren Be­triebs­rat in kol­lu­si­ven Zu­sam­men­wir­ken ver­an­lasst wor­den ist. Auf die vom Kläger in die­sem Zu­sam­men­hang er­ho­be­ne Ver­fah­rensrüge kommt es man­gels Ent-schei­dungs­er­heb­lich­keit nicht an.
3. Der Hilfs­an­trag des Klägers fällt dem Se­nat nicht zur Ent­schei­dung an. Er ist nur un­ter der in­ner­pro­zes­sua­len Be­din­gung ge­stellt, dass das Gleich­be-hand­lungs­ge­bot nicht die Zah­lung ei­ner Ab­fin­dung nach dem SP 2013 in vol­ler Höhe recht­fer­tigt, son­dern ei­ne dif­fe­ren­zier­te Lösung an­ge­zeigt er­scheint. Nach den vor­ste­hen­den Ausführun­gen er­weist sich je­doch der Aus­schluss der Grup¬pe der be­ur­laub­ten Be­am­ten von So­zi­al­plan­leis­tun­gen als wirk­sam. Eben­so muss der Se­nat nicht über den hilfs­wei­se er­ho­be­nen Fest­stel­lungs­an­trag der Be­klag­ten be­fin­den.
II. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt hat dem auf die Gewährung ei­ner Son­der­prämie ge­rich­te­ten An­trag zu Recht ent­spro­chen. In­so­weit er­weist sich auch die Re­vi­si­on der Be­klag­ten als un­be­gründet. Da­mit erübrigt sich ei­ne Ent­schei­dung über den vom Kläger er­ho­be­nen Hilfs­an­trag. Der auf Fest­stel­lung der Nich­tig-
keit der BV Son­der­prämie be­zo­ge­ne Hilfs­an­trag der Be­klag­ten fällt dem Se­nat nicht zur Ent­schei­dung an.
1. Der Kläger hat An­spruch auf die Son­der­prämie von 4.346,00 Eu­ro. Die Be­triebs­par­tei­en durf­ten die Grup­pe der be­ur­laub­ten Be­am­ten nicht vom per-sönli­chen Gel­tungs­be­reich der BV Son­der­prämie aus­sch­ließen (§ 75 Abs. 1 Be­trVG).
a) Nach Nr. 1 BV Son­der­prämie gilt die­se für Ar­beit­neh­mer, die dem Gel­tungs­be­reich des SP 2013 un­ter­fal­len und nicht vom Er­halt ei­ner Ab­fin­dung aus­ge­schlos­sen sind. Die so nor­mier­te Grup­pen­bil­dung be­wirkt ei­ne un­mit­tel­ba­re per­so­nen­be­zo­ge­ne Un­gleich­be­hand­lung zwi­schen der Grup­pe der un­ter den Gel­tungs­be­reich des SP 2013 fal­len­den Ar­beit­neh­mer und der nach Nr. 1.2 SP 2013 von So­zi­al­plan­leis­tun­gen aus­ge­schlos­se­nen Ar­beit­neh­mern. Zu die­sen zählt auch die Grup­pe der be­ur­laub­ten Be­am­ten. Sie ha­ben des­halb nach der BV Son­der­prämie kei­ne Möglich­keit, durch ei­nen Ver­zicht auf die Er­he­bung ei­ner Kündi­gungs­schutz­kla­ge den dort be­stimm­ten Be­trag von 4.346,00 Eu­ro zu er­hal­ten.
b) Die un­ter­schied­li­che Be­hand­lung ist nach den mit der BV Son­der­prämie ver­folg­ten Re­ge­lungs­zie­len nicht ge­recht­fer­tigt.
aa) Nach der ihr vor­an­ge­stell­ten Präam­bel be­zweckt die BV Son­der­prämie nicht den Aus­gleich oder die Mil­de­rung der durch die be­ab­sich­tig­te Be­triebs­still­le­gung vor­aus­sicht­lich ent­ste­hen­den wirt­schaft­li­chen Nach­tei­le. Die­se sind durch den am sel­ben Tag ab­ge­schlos­se­nen SP 2013 an­ge­mes­sen aus­ge­gli­chen wor­den.
bb) Re­ge­lungs­zie­le der BV Son­der­prämie sind trotz der in Nr. 1 BV Son­der­prämie un­ter­schied­lich aus­ge­stal­te­ten An­spruchs­vor­aus­set­zun­gen - ne­ben der Si­cher­stel­lung der ord­nungs­gemäßen Rück­ga­be der Ar­beits­mit­tel (Nr. 2.3 BV Son­der­prämie) - die Ho­no­rie­rung der mit der streit­lo­sen Be­en­di­gung der Ar­beits­verhält­nis­se ein­tre­ten­den Pla­nungs­si­cher­heit so­wie die Ver­mei­dung
- 17 - des für die NSN S mit Kündi­gungs­schutz­ver­fah­ren ver­bun­de­nen fi­nan­zi­el­len und lo­gis­ti­schen Auf­wands.
(1) Nach dem Wort­laut der Präam­bel liegt es im „vor­ran­gi­gen In­ter­es­se“ der Be­triebs­par­tei­en, die Ar­beits­lo­sig­keit der von der Be­triebs­still­le­gung be­trof­fe­nen Ar­beit­neh­mer zu ver­mei­den. Da­zu soll der Wech­sel in ei­ne Trans­fer­ge­sell­schaft „be­son­ders in­cen­ti­viert“ wer­den. Dem­ent­spre­chend be­steht für die dem Gel­tungs­be­reich des SP 2013 un­ter­fal­len­den Ar­beit­neh­mer nach Nr. 1 BV Son­der­prämie ein An­spruch auf die der Höhe nach in Nr. 2 BV Son­der­prämie fest­ge­leg­te Leis­tung, wenn die­se ei­nen drei­sei­ti­gen Ver­trag mit der NSN S in­ner­halb der An­ge­bots­frist ab­ge­schlos­sen und kei­ne Kla­ge ge­gen die Be­en­di¬gung ih­res Ar­beits­verhält­nis­ses er­ho­ben ha­ben.
(2) Da­ne­ben sol­len - un­abhängig von der In­cen­ti­vie­rung ei­nes Wech­sels zur Trans­fer­ge­sell­schaft - die in den Gel­tungs­be­reich des SP 2013 ein­be­zo­ge­nen Ar­beit­neh­mer ei­ne Son­der­prämie er­hal­ten, die trotz ei­nes An­ge­bots den Wech­sel in ei­ne Trans­fer­ge­sell­schaft ab­leh­nen (1. Alt.) oder - nach dem ein­ge­scho­be­nen Klam­mer­zu­satz - kein sol­ches An­ge­bot er­hal­ten, ob­wohl sie durch be­triebs­be­ding­te Kündi­gung von Ar­beits­lo­sig­keit be­droht sind (2. Alt.). Bei bei­den Per­so­nen­grup­pen steht fest, dass die­se nicht in die Trans­fer­ge­sell­schaft wech­seln wol­len (1. Alt.) oder können (2. Alt).
(3) Die Aus­ge­stal­tung der An­spruchs­vor­aus­set­zun­gen in Nr. 1 BV Son­der­prämie soll­te of­fen­kun­dig die Be­reit­schaft der von ihr er­fass­ten Ar­beit­neh­mer zu ei­ner streit­lo­sen Be­en­di­gung ih­rer Ar­beits­verhält­nis­se fördern. Die Leis­tung ist abhängig vom Zu­stan­de­kom­men ei­nes zwi­schen dem Ar­beit­neh­mer, der Trans­fer­ge­sell­schaft und der NSN S ab­ge­schlos­se­nen drei­sei­ti­gen Ver­trags oder der Nicht­er­he­bung ei­ner Kündi­gungs­schutz­kla­ge ge­genüber der durch die Be­triebs­sch­ließung be­ding­ten Kündi­gung.
(4) Die Be­en­di­gung der Ar­beits­verhält­nis­se oh­ne ge­richt­li­che Aus­ein­an­der­set­zung dient al­lein der Pla­nungs­si­cher­heit der NSN S in Be­zug auf die Durchführung ih­rer un­ter­neh­me­ri­schen Ent­schei­dung und den da­mit ver­bun­de­nen recht­li­chen und wirt­schaft­li­chen Ri­si­ken. Die­se hat ein In­ter­es­se an ei­ner zeit-
na­hen Um­set­zung der Be­triebs­still­le­gung. Da­ne­ben soll der für sie mit der Durchführung von Kündi­gungs­schutz­pro­zes­sen ver­bun­de­ne fi­nan­zi­el­le und lo­gis­ti­sche Auf­wand ent­we­der durch den Ab­schluss des drei­sei­ti­gen Ver­trags oder die Nicht­er­he­bung ei­ner ge­gen die Kündi­gung ge­rich­te­ten Kla­ge möglichst ver­mie­den wer­den.
cc) In Be­zug auf die mit der BV Son­der­prämie ver­folg­ten Re­ge­lungs­zie­le be­steht kein nach § 75 Abs. 1 Be­trVG an­er­ken­nens­wer­ter Grund, die Grup­pe der be­ur­laub­ten Be­am­ten von der Gewährung der dort vor­ge­se­he­nen Leis­tung aus­zu­sch­ließen.
(1) Es ist schon frag­lich, ob Ar­beit­ge­ber und Be­triebs­rat im Zu­sam­men­hang mit be­triebsändern­den Maßnah­men über­haupt Ar­beit­neh­mer­grup­pen von der Gewährung ei­ner fi­nan­zi­el­len Leis­tung als An­reiz für ei­ne streit­lo­se Be­en­di­gung ih­res Ar­beits­verhält­nis­ses aus­neh­men können, wenn die­se Leis­tung - wie vor­lie­gend - der Pla­nungs­si­cher­heit und der Ver­mei­dung ei­nes ge­richt­li­chen Ver­fah­rens dient. Die Einschätzung der Be­triebs­par­tei­en, ob und in wel­chem Um­fang Ar­beit­neh­mer ge­gen ei­ne vom Ar­beit­ge­ber ver­an­lass­te Be­en­di­gung ge­richt­lich vor­ge­hen wer­den, kann re­gelmäßig nicht grup­pen­spe­zi­fisch be­stimmt wer­den. Sie ist von der in­di­vi­du­el­len Be­reit­schaft der be­trof­fe­nen Ar­beit­neh­mer abhängig, den Kla­ge­weg zu be­strei­ten. De­ren Ent­schei­dung wird durch ein­zel­fall­be­zo­ge­ne, viel­fach im persönli­chen Be­reich lie­gen­de Umstände be­ein­flusst, die den Be­triebs­par­tei­en nicht be­kannt sein wer­den und sich ih­nen auch nicht er­sch­ließen können.
(2) Die NSN S und ihr Be­triebs­rat durf­ten die Grup­pe der be­ur­laub­ten Be­am­ten für den Fall der Nicht­er­he­bung ei­ner Kündi­gungs­schutz­kla­ge nicht von der Gewährung ei­ner Son­der­prämie aus­sch­ließen.
Von der Be­triebs­still­le­gung wa­ren al­le Ar­beit­neh­mer der NSN S be­trof­fen. Bei den Chan­cen für die er­folg­rei­che Er­he­bung der Kündi­gungs­schutz­kla­ge be­stan­den für al­le Ar­beit­neh­mer oh­ne ge­setz­li­chen Son­derkündi­gungs­schutz kei­ne Un­ter­schie­de. Die Be­triebs­par­tei­en ha­ben aus­weis­lich der Präam­bel des SP 2013 den Ein­tritt von wirt­schaft­li­chen Nach­tei­len auch bei der Grup­pe der
be­ur­laub­ten Be­am­ten für wahr­schein­lich ge­hal­ten. Selbst wenn die­se ge­rin­ger aus­fal­len als bei Ar­beit­neh­mern oh­ne Be­am­ten­sta­tus, war die Er­he­bung von Kündi­gungs­schutz­kla­gen durch be­ur­laub­te Be­am­te nicht aus­zu­sch­ließen. Die ge­richt­li­chen Aus­ein­an­der­set­zun­gen und das Ri­si­ko ei­nes Pro­zes­s­er­folgs von be­ur­laub­ten Be­am­ten hätten - eben­so wie bei an­de­ren Ar­beit­neh­mern - die mit der BV Son­der­prämie be­ab­sich­tig­ten Zie­le gefähr­det, die be­ab­sich­tig­te Be­triebs­still­le­gung zeit­nah und mit möglichst we­nig fi­nan­zi­el­lem und or­ga­ni­sa­to­ri­schem Auf­wand durch­zuführen.
2. Der da­nach ge­ge­be­ne An­spruch des Klägers auf ei­ne Son­der­prämie, de­ren Vor­aus­set­zun­gen er un­strei­tig erfüllt, wird nicht durch ei­ne et­wai­ge Über­schrei­tung des von der NSN S für die Erfüllung der sich aus der BV Son­der­prämie er­ge­ben­den Ansprüche vor­ge­ge­be­nen Leis­tungs­rah­mens in Fra­ge ge­stellt.
a) Es be­darf kei­ner Ent­schei­dung, ob und ggf. in­wie­weit bei Be­triebs­ver­ein­ba­run­gen über fi­nan­zi­el­le Leis­tun­gen über­haupt auf die zu So­zi­alplänen er­gan­ge­ne Se­nats­recht­spre­chung zurück­ge­grif­fen wer­den kann, wo­nach der Ar­beit­ge­ber die mit ei­ner un­zu­tref­fen­den Grup­pen­bil­dung mit­tel­bar ver­bun­de­ne Aus­deh­nung des ver­ein­bar­ten Fi­nanz­vo­lu­mens nur hin­zu­neh­men hat, wenn sei­ne fi­nan­zi­el­le Mehr­be­las­tung durch die Kor­rek­tur im Verhält­nis zum Ge­samt­vo­lu­men des So­zi­al­plans nicht „ins Ge­wicht fällt“ (BAG 21. Ok­to­ber 2003 - 1 AZR 407/02 - zu III 1 der Gründe, BA­GE 108, 147; 12. No­vem­ber 2002 - 1 AZR 58/02 - zu IV der Gründe, BA­GE 103, 321).
b) Die Be­klag­te hat schon kei­nen sub­stan­ti­ier­ten Vor­trag über den „Do­tie­rungs­rah­men“ der BV Son­der­prämie ge­hal­ten. Es fehlt an An­ga­ben, wel­che Sum­me die NSN S für die Erfüllung der sich aus der BV Son­der­prämie er­ge­ben­den und nicht im Vor­aus fest­ste­hen­den Leis­tun­gen zur Verfügung stel­len woll­te und ge­stellt hat. Hier­zu reicht der Vor­trag über die Er­wei­te­rung des an­spruchs­be­rech­tig­ten Per­so­nen­krei­ses bei Ein­be­zie­hung der Grup­pe der be­ur­laub­ten Be­am­ten eben­so we­nig aus, wie die Dar­le­gung der Höhe der auf­grund der BV Son­der­prämie tatsächlich er­brach­ten Leis­tun­gen. Da­ne­ben muss sich
die Be­klag­te vor­hal­ten las­sen, dass ih­re Rechts­vorgänge­rin von der in Nr. 3.2 BV Son­der­prämie ver­ein­bar­ten Re­vi­si­ons­klau­sel kei­nen Ge­brauch ge­macht hat.
c) Ei­ne Über­schrei­tung des ver­meint­lich von der NSN S bei Ab­schluss der BV Son­der­prämie kal­ku­lier­ten Leis­tungs­vo­lu­mens ist auch des­halb un­be­acht­lich, weil die Gewährung der Son­der­prämie - an­ders als ei­ne So­zi­al­plan­ab­fin­dung - von ei­ner als Vor­leis­tung er­brach­ten Ge­gen­leis­tung der gekündig­ten Ar­beit­neh­mer abhängig ist, die die­se durch das Ver­strei­chen­las­sen der Kla­ge­frist des § 4 Satz 1 KSchG be­reits er­bracht ha­ben.
d) Die auf ei­ne Ver­let­zung der Hin­weis­pflicht gestütz­te Ver­fah­rensrüge der Be­klag­ten ist - ih­re Zulässig­keit un­ter­stellt - nach der hier ge­ge­be­nen Be­gründung nicht ent­schei­dungs­er­heb­lich und da­her un­be­gründet.
3. Der auf Fest­stel­lung der Nich­tig­keit der BV Son­der­prämie ge­rich­te­te Hilfs­an­trag der Be­klag­ten ist dem Se­nat nicht zur Ent­schei­dung an­ge­fal­len. Er ist nur für den Fall er­ho­ben, dass die Aus­wei­tung der an­spruchs­be­rech­tig­ten Ar­beit­neh­mer und die da­mit ver­bun­de­ne mögli­che Mehr­be­las­tung zur Nich­tig­keit der BV Son­der­prämie führen kann. Die­se Be­din­gung ist nicht ein­ge­tre­ten.
Olaf Kunz Ralf Stem­mer	m.hensche.de
zur Übersicht 1 AZR 595/14 Kontakt