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Timestamp: 2020-06-01 11:55:11
Document Index: 245701007

Matched Legal Cases: ['§ 2', '§ 3', '§ 4', '§ 5', '§ 6', '§ 7', '§ 8', '§ 9', '§ 10', '§ 11', '§ 12', '§ 13', '§ 14', '§ 15', '§ 16', '§ 17', '§ 18', '§ 19', '§ 20', '§ 21', '§ 22', '§ 23', '§ 24', '§ 25', '§ 26', '§ 27', '§ 28', '§ 29', '§ 30', '§ 31', '§ 32', '§ 33', '§ 34', '§ 35', '§ 36', '§ 37', '§ 38', '§ 39', '§ 40', '§ 41', '§ 42', '§ 43', '§ 44', '§ 45', '§ 46', '§ 47', '§ 48', '§ 49', '§ 50', '§ 51', '§ 52', '§ 53', '§ 54', '§ 55', '§ 56', '§ 57', '§ 58', '§ 59', '§ 60', '§ 61', '§ 62', '§ 63', '§ 64', '§ 65', '§ 66', '§ 67', '§ 68', '§ 69', '§ 70', '§ 71', '§ 72', '§ 73', '§ 19', '§ 65', '§ 37']

Exercier-Reglement für die k. u. k. Cavallerie. 1898
Dr Richard Bergmair (Hrsg.)
Allgemeine Bestimmungen für die Ausbildung.
Erstes Hauptstück: Ausbildung des Cavalleristen zu Fuß.
I. Abschnitt: Gymnastische Übungen.
§ 2. Gelenkübungen.
§ 3. Übungen im Laufen.
§ 4. Übungen im Springen.
§ 5. Übungen auf dem Voltigierbocke.
II. Abschnitt: Exercieren und Ehrenbezeigungen des einzelnen Cavalleristen.
§ 6. Stellung.
Stellung ohne Waffen.
Stellung mit versorgtem Säbel.
Stellung mit gezogenem Säbel.
Stellung mit umgehängten Carabiner.
Stellung mit ergriffenem Carabiner.
Stellung mit dem Revolver.
§ 7. Kopf- und Körperwendungen.
§ 8. Bewegungen.
§ 9. Handgriffe.
§ 10. Ehrenbezeigungen
§ 11. Stellung, Exercieren und Ehrenbezeigungen der Unterofficiere, Trompeter, dann der Officiere.
III. Abschnitt: Gebrauch der Waffen.
§ 12. Übungen im Gebrauche des Säbels.
Säbelschwingungen.
Fechtunterricht.
Schulfechten.
Fechten ohne gegenseitige Verständigung.
§ 13. Übungen im Gebrauche der Feuerwaffen.
§ 14. Anleitung für das Feuergefecht.
IV. Abschnitt: Ausbildung im Gliede und im Zuge.
§ 15. Allgemeine Bestimmungen.
§ 16. Aufstellung des Gliedes und des Zuges.
§ 17. Wendungen und Bewegungen mit der Front.
§ 18. Formierung, Bewegung und Entwicklung der Rotten-Colonne.
§ 19. Feuergefecht.
Bewegungen des geschlossenen Zuges.
Feuer des geschlossenen Zuges.
Bildung, Bewegung und Sammeln des Schwarmes.
Feuer des Schwarmes.
§ 20. Ehrenbezeigungen.
§ 21. Ausbildung der Recruten zu Fuß.
Zweites Hauptstück: Ausbildung des Cavalleristen zu Pferd.
I. Abschnitt: Vorbegriffe zum Reitunterrichte.
§ 22. Gangarten (Tempi) und deren Anwendung.
Commandos zu den verschiedenen Gangarten (Tempi).
§ 23. Erklärung einiger beim Reitunterrichte vorkommender Ausdrücke.
Auf der rechten oder linken Hand reiten.
Innere und äußere Seite.
Kopfstellung.
Versammeln des Pferdes.
Halber Arrêt.
Galoppieren auf falschem Fuß.
§ 24. Zäumung.
Mit dem Wischzaume.
§ 25. Vorführen eines Pferdes.
§ 26. Auf- und Absitzen.
Wenn das Pferd mit dem Wischzaume gezäumt ist.
Wenn das Pferd mit der Stange gezäumt ist.
Mit angezogenem Mantel.
§ 27. Sitz zu Pferd.
Auf dem mit dem Wischzaume gezäumten Pferde.
Auf dem mit der Stange gezäumten Pferde.
§ 28. Schnallen der Bügel.
§ 29. Hilfen und Strafen im allgemeinen.
§ 30. Gelenkübungen und Voltigieren zu Pferd.
Gelenkübungen.
Voltigieren zu Pferd.
Auf gesatteltem Pferde.
Auf ungesatteltem Pferde.
II. Abschnitt: Unterricht auf der Reitschule.
§ 31. Führen und Reiten der Pferde in die Reitschule und aus derselben.
§ 32. Reiten auf der Reitschule.
§ 33. Führung mit dem Wischzaume.
Geradestellen des Pferdes.
Reiten im Schritt.
Seitengänge.
Reiten im Trab.
Reiten im kurzen Galopp.
§ 34. Führung mit dem Zaume.
Mit Stangenzügeln allein.
Mit ergriffenen Trensenzügeln.
III. Abschnitt: Reiten im großen Viereck, auf langen Linien und im Freien.
§ 35. Reiten im großen Vierecke.
Reiten im starken Trab.
Reiten im Galopp.
§ 36. Reiten auf langen Linien.
Reiten in der Carrière.
§ 37. Reiten ins Freie.
§ 38. Leichtreiten.
IV. Abschnitt: Überwinden von Hindernissen.
§ 39. Allgemeine Bestimmungen.
§ 40. Springen an der Hand.
§ 41. Springen mit dem Reiter.
Springen ohne Zügel.
Springen mit ergriffenen Zügeln.
§ 42. Passieren breiter Gräben.
§ 43. Klettern über steile Abhänge.
§ 44. Passieren sumpfigen Terrains.
§ 45. Schwimmen.
Schwimmen ohne Reiter.
Schwimmen mit dem Reiter.
V. Abschnitt: Handgriffe, Gebrauch der Waffen und Ehrenbezeigungen.
§ 46. Handgriffe.
§ 47. Übungen im Gebrauche des Säbels.
Fechten zu Pferd.
§ 48. Übungen im Gebrauche der Feuerwaffen.
§ 49. Ehrenbezeigungen.
§ 50. Stellung, Exercieren und Ehrenbezeigungen der Unterofficiere, Trompeter, dann der Officiere
VI. Abschnitt: Ausbildung im Gliede und im Zuge.
§ 51. Allgemeine Bestimmungen.
§ 52. Aufstellung des Gliedes.
§ 53. Aufstellung des Zuges.
§ 54. Ab- und Aufsitzen.
§ 55. Aufstellungs-Behelfe.
Zurücktreten und Traversieren.
Wendungen und Verkehren der Front.
§ 56. Bewegungen mit der Front.
Frontmarsch.
§ 57. Formierung der Rotten-Colonne.
§ 58. Bewegung der Rotten-Colonne.
§ 59. Entwicklung der Rotten-Colonne.
§ 60. Attaque.
Attaque in geschlossener Ordnung.
Übung der Attaque in geschlossener Ordnung.
Attaque im Schwarm.
Übung der Attaque im Schwarm.
§ 61. Übung des Sammelns.
§ 62. Ab- und Aufsitzen beim Feuergefechte.
§ 63. Ehrenbezeigungen.
VII. Abschnitt: Ausbildung im Aufklärungs- und Sicherungsdienste.
§ 64. Allgemeine Bestimmungen.
§ 65. Einzelnausbildung des Reiters.
§ 66. Ausbildung von Patrouillen.
VIII. Abschnitt: Ausbildung der Recruten zu Pferd.
§ 67. Allgemeines.
I. Periode.
III. Periode.
Drittes Hauptstück: Abrichtung der Remonten.
§ 68. Allgemeine Bestimmungen.
§ 69. Behandlung menschenscheuer Remonten.
§ 70. I. Periode.
§ 71. II. Periode.
§ 72. III. Periode.
§ 73. IV. Periode.
1∣ Der I. Theil dieses Reglements gibt die Mittel an die Hand, bei Mann und Pferd den Grund zur Kriegstüchtigkeit zu legen.
Nur durch die strengste Befolgung der darin enthaltenen Grundsätze kann die Cavallerie den hohen Anforderungen entsprechen, welche gestellt werden müssen, damit sie trotz der fortschreitenden Vervollkommnung der Feuerwaffen, der gesteigerten Beweglichkeit der Infanterie und der immer zunehmenden Bodencultur nach wie vor ruhmvollen und entscheidenden Antheil an den Kämpfen der anderen Waffen nehmen könne, aber auch den hohen und nicht minder ehrenvollen Aufgaben gewachsen sein, welche im Aufklärungs- und Sicherungsdienste an die Cavallerie herantreten.
Der II. Theil behandelt die Schulung der Escadron, des Regiments und der größeren Cavallerie-Körper, dann die Grundsätze für das Gefecht.
2∣ Der im Reglement für die Ausbildung und Verwendung der Truppe belassene Spielraum darf nicht beschränkt, -- die in selbem enthaltenen Bestimmungen dürfen von keinem Vorgesetzten durch erläuternde schriftliche Befehle vermehrt, -- jede Abweichung von Einfachheit und Natürlichkeit, jedes Schematisieren und jede Pedanterie müssen vermieden werden.
3∣ Aus der Art und Weise, den einzelnen Reiter heranzubilden, fließen für den Wert der gesammten Waffe die wichtigsten Folgen.
Die Ausbildung des jungen Soldaten muss umso gediegener sein, als sie die Grundlage für seine taktische Verwendbarkeit bildet und das anfangs Versäumte später nur schwer oder gar nie mehr nachzuholen ist.
4∣ Gleichzeitig mit der materiellen Ausbildung muss sein gesitiges und moralisches Element geweckt, gehoben und veredelt werden.
Die physische Tüchtigkeit allein, so hohe Bedeutung sie auch hat, verleiht dem Reiter doch nicht seinen eigentlichen Wert, denn vor allem muss derselbe von echtem Reitergeiste beseelt sein, wenn er seinem Berufe entsprechen soll.
Nur ein Mann, der bei treuem Gemüthe ein tapferes Herz besitzt; der auf seinen starken Arm und auf sein Pferd vertraut, das er mehr als sich selbst liebt und pflegt; der unter allen Umständen eines kühnen Entschlusses fähig ist, welchem die rasche That auf dem Fuße folgt -- hat Reitergeist. Ein solcher Mann kennt keine Schwierigkeit, der Angriff ist sein Element, und selbst im Weichen sieht er nur das Mittel, um unter günstigeren Verhältnissen zum erneuerten Angriffe überzugehen.
Solche Gesinnung und Stimmung soll schon der zur Ausbildung des Recruten Berufene bei jeder Gelegenheit, ja selbst außer Dienst in der Brust des jungen Cavalleristen zu erwecken und festzuhalten trachten.
5∣ Die Erziehung zum Gehorsam soll das Denken und den selbständigen Entschluss nicht beeinträchtigen, denn der Cavallerist kommt sehr häufig in Lagen, in welchen er zum Gelingen eines Vorhabens bloß nach eigener Erkenntnis wirken muss und dann nur bei sich selbst Rath finden kann. Demnach soll der Reiter schon frühzeitig daran gewöhnt werden, immer den Sinn der Befehle wohl zu erfassen, damit er in ihrem Geiste zu handeln wisse.
6∣ Sowohl die körperlichen Eigenschaften, als die geistigen Fähigkeiten müssen besonders beim jungen Soldaten berücksichtigt werden, um die Anforderungen nicht zu schnell zu steigern. Übermäßige Anstrengung in der ersten Zeit erzeugt Verzagtheit, Missmuth, ja sogar Unwillen; auch hat sie oft eine Entkräftung zur Folge, die zum Siechthum führt und den jungen Soldaten lange Zeit dem Dienste entzieht.
7∣ Die erste Bedingung zu einem nutzbringenden Unterrichte ist, die Aufmerksamkeit zu wecken.
Es ist auf einen zweckmäßigen Wechsel in den Übungsgegenständen Bedacht zu nehmen; zu lang anhaltende Beschäftigung mit einem und demselben Gegenstande ermüdet Geist und Körper und stumpft die Aufmerksamkeit ab.
8∣ Bei jeder Belehrung und Übung muss der praktische Kriegszweck allein maßgebend sein, und diesen muss jeder zur Ausbildung von Soldaten Berufene stets im Auge behalten. Übungen, die nur darauf abzielen, ein dem Auge wohlgefälliges Bild zu schaffen, sind als unnützes Spiel zu vermeiden.
9∣ Der Hauptzweck des theoretischen Unterrichtes ist, die Denk- und Urtheilskraft des Soldaten zu schärfen; daher sich der Lehrer stets durch entsprechende Fragen überzeugen soll, ob der Soldat das ihm Erklärte begriffen und richtig aufgefasst habe. Unter keiner Bedingung darf er zu mechanischem Auswendiglernen angehalten, sondern er soll daran gewöhnt werden, sich stets in seiner Weise kurz auszudrücken und laut zu sprechen. Das bloße Ja oder Nein, welches ein richtiges Verständnis bekundet, hat oft mehr Wert, als die schönsten eingelernten Phrasen.
Im theoretischen Unterrichte soll stets Concretes vorgenommen werden und sind allgemeine Abhandlungen zu vermeiden.
Vom Anschauungsunterrichte ist so viel als möglich Gebrauch zu machen.
Bei der praktischen Ausbildung ist die allenfalls nöthige theoretische Belehrung stets auf das geringste Maß zu beschränken.
10∣ Alle körperlichen Übungen muss der den Unterricht Ertheilende gleich anfangs persönlich zeigen, weil ein richtiges Vorbild mehr nützt, als die ausführlichste Erklärung.
Bei diesen Übungen ist auf die richtige, keineswegs aber auf gleichmäßige Ausführung derselben zu sehen. Die dem Soldaten in gewissen Fällen zugestandene Selbständigkeit darf unter keinem Vorwande durch willkürliche Anordnungen eingeschränkt werden, um etwa eine in der Vorschrift gar nicht begründete Gleichförmigkeit zu erzielen.
11∣ Nur jener Lehrer ist für den Dienst vorzüglich, welcher der ihm anvertrauten Mannschaft -- bei verhältnismäßig schnellen Erfolgen -- guten Willen, Lebhaftigkeit und frohe Laune einzuflößen und sie gesund und kräftig zu erhalten weiß.
Ist eine Abtheilung schwerfällig, unbeholfen, ohne Leben und ohne Geist, so liegt der Fehler an dem Commandanten.
12∣ Hauptsächlich muss auf den Ehrgeiz gewirkt werden. Er ist die wichtigste Triebfeder zu schwierigen Unternehmungen und kühnen Thaten, er weckt einen edlen Wetteifer in jeder Beziehung, vor allem auf dem Felde der kriegerischen Thätigkeit.
Am meisten lässt sich der Ehrgeiz durch Beifall oder Tadel beleben. Belobung ist ein weit wirksameres Mittel hiezu als Strafe. Ein belobendes Wort vor der Abtheilung; die Anerkennung des Eifers und der Geschicklichkeit; wiederholte Beweise von Wohlwollen; die Wahl für einen Vertrauen bezeigenden Auftrag u. s. w. sind Mittel, einen edlen Eifer gar bald wachzurufen.
Der unterricht wird leicht, wenn der ihn Ertheilende geduldig ist; nie darf sich dieser zu Scheltworten oder gar zu Gewaltthätigkeiten hinreißen lassen, die seine eigene Würde verltzen und den ehrliebenden Soldaten empören.
Ungeschicklichkeit ist zu rügen, Nachlässigkeit scharf zu tadeln und nach Maß auch zu strafen.
Böser Wille muss, sobald er sich nur zeigt, schon im Entstehen mit aller Kraft unterdrückt werden.
13∣ "Befehle"* dienen zur sicheren Leitung der Truppe.
*) Dienst-Reglement für das k. u. k. Heer, I. Theil, § 19.
Die Art, wie man befiehlt, hat großen Einfluss auf die Willenskraft der Untergebenen. Eine Truppe gehorcht, wie sie befehligt wird. Unsicherheit im Befehlen erzeugt Unzuverlässigkeit im Gehorchen.
Die Befehlertheilung soll kurz und bestimmt, einfach und verständlich sein. Bevor man befiehlt, muss man genau überlegen, was man will, um Überstürzung, Wiederholung und vor allem die Abänderung eines einmal gegebenen Befehles zu vermeiden.
14∣ Befehle, welche nur den zu erreichenden Zweck angeben (Auftrag, Disposition), nehmen die volle Selbstthätigkeit der Untergebenen insolange in Anspruch, bis der Zweck erreicht ist.
Das Reglement kann für die Ausführung solcher Befehle keine bindenden Vorschriften, sondern nur Grundsätze aufstellen, welche den wechselnden Umständen angepasst werden müssen.
15∣ "Commandos" (Ausführungs-Befehle) sind von der Truppe sofort auszuführen und geben dieselbe ganz in die Hand des Commandanten.
Sie sind durch das Reglement festgesetzt; ihre Ausführung ist darin genau vorgezeichnet.
Alle Commandos müssen stets in derselben Weise, ruhig und scharf betont, abgegeben werden. Die Erhebung der Stimme soll das Maß des Nothwendigen nicht überschreiten.
Besteht ein Commando aus mehreren Silben oder Worten, so erfolgt die Ausführung auf die letzte Silbe oder das letzte Wort. Soll zwischen diesen und dem vorangegangenen Worte (Silbe) eine Pause eingehalten werden, so ist dies im Reglement durch ein Dehnzeichen ersichtlich gemacht. Es ist nicht gestattet, in diesen Pausen Erinnerungen zu ertheilen.
Handelt es sich um die rasche und gleichmäßige Ausführung, so ist das letzte Wort oder die letzte Silbe mit Nachdruck kurz auszusprechen.
Die kurz auszusprechenden Worte, beziehungsweise Silben sind im Reglement mit fetten Buchstaben bezeichnet.
16∣ Um begonnene Bewegungen oder Griffe einzustellen, kann "Herstellt!" commandiert werden, worauf das früher innegehabte Verhältnis (Stellung) einzunehmen ist.
17∣ Während des Exercierens dürfen laute Zurufe der Chargen nicht geduldet werden. Nur der Commandant und die Officiere hinter der Front sind hiezu ermächtigt, um grobe Verstöße hintanzuhalten.
18∣ "Avisos" (Ankündigungen) werden von der Truppe nicht sofort ausgeführt, sondern erst auf das folgende Commando oder Signal.
19∣ Die Verhältnisse bestimmen, ob eine Truppe durch Commando, Aviso, Signal oder Disposition geleitet werden soll, -- die Wahl der Art der Befehlertheilung ist Sache des Commandanten.
Bei der Ertheilung von Befehlen sind soweit als möglich die reglementarischen Commandos und Avisos zu gebrauchen.
20∣ "Trompeten-Signale" dürfen nur auf Befehl der Commandanten -- vom Escadrons-Commandanten aufwärts -- gegeben werden. Während des Gefechtes sind nur die Signale "Attaque", "Marsch, Marsch", "Appell" und -- wo jedes Missverständnis ausgeschlossen ist -- "Feuer einstellen" anzuwenden. Außer den vorgenannten Signalen darf kein Signal abgenommen werden.
21∣ Die Signalpfeife ist nur beim Patroullieren und im Feuergefechte zum Anrufen und zum "Feuer einstellen" zu gebrauchen. Das Anrufen geschieht durch einen kurzen, schrillen, das "Feuer einstellen" durch einen wiederholten Pfiff.
22∣ Wo das Commando durch Säbelzeichen zu unterstützen ist, ist dies besonders angegeben.
23∣ Zur Verständigung kann man sich ferner jener Zeichen bedienen, die im § 65 angegeben sind.
24∣ Reichen die vorgenannten Mittel nicht aus, so sind Befehle durch Adjutanten oder Ordonnanzen zu übersenden.
246∣ Die Gangarten des Pferdes sind: Schritt, Trab, Galopp und Carrière.
247∣ Tempo nennt man das Zeitmaß der Fortbewegung in irgend einer Gangart. Findet die Schnelligkeit dieser Fortbewegung gleichmäßig statt, so entsteht dadurch das gleiche Tempo und dieses ist die Folge der richtigen Einwirkung des Reiters.
248∣ Die Erreichung des gleichen und richtigen Tempos bildet das Ziel aller Abrichtung, gibt den Pferden Ausdauer und ist die Grundlage zu allen präcisen Bewegungen eines Cavallerie-Körpers.
249∣ Der Schritt ist die Gangart, welche das Pferd am wenigsten anstrengt. Im Schritt folgt dem einen Vorderfuße der entgegengesetzte Hinterfuß, worauf der zweite Vorderfuß und endlich der andere Hinterfuß vorschreitet. In dieser Gangart sind vier Huftritte zu hören.
Der Schritt soll lebhaft und so raumgreifend sein, dass in der Minute wenigstens eine Strecke von 140 Schritt (1 Schritt gleich 75 Centimeter) zurückgelegt werde.
250∣ Eine fehlerhafte Abart des Schrittes ist der "Pass", bei welchem Vorder- und Hinterfuß derselben Seite gleichzeitig vorschreiten.
251∣ Der Trab ist unter den beschleunigten Gangarten die zweckmäßigste zur schnellen Zurücklegung großer Strecken, weil das Pferd in derselben am längsten ausdauern kann.
Im Trab schreitet das Pferd mit den beiden schräge gegenüberstehenden Füßen gleichzeitig aus, und lässt nur zwei Huftritte hören. In dieser Gangart sind für die Cavallerie zweierlei Tempi nothwendig, welche "Trab" und "starker Trab" genannt werden.
252∣ Im Trab wird eine Strecke von 300 Schritten in einer Minute zurückgelegt.
Auf der Reitschule und im großen Viereck sollen die Pferde in dieser Gangart lebhaft und versammelt treten, um sich das nöthige Gleichgewicht anzueignen, und um ihre Gliedmaßen gleichmäßig zu entwickeln und zu kräftigen, während sie bei jeder anderen Gelegenheit in einer natürlichen Gleichgewichthaltung mit so wenig Kraftaufwand als möglich fortgehen müssen, um lange ausdauern zu können.
253∣ Der starke Trab wird nur im großen Vierecke, und zwar beim Reitunterrichte oder bei der Dressur der Pferde geübt. Er dient dazu, den Sitz des Reiters auch in schärferen Gangarten zu befestigen und ihm das Vortreiben des Pferdes zu lehren, vorzüglich aber um die Pferde gängig zu machen und deren Schiebkräfte auszubilden. Letzteres wird nur dann vollständig erreicht, wenn jedes Pferd dahin gebracht wird, sein Möglichstes zu leisten. Es lässt sich daher keine bestimmte Norm für die Schnelligkeit des starken Trabes festsetzen, und derselbe darf bei gleichzeitiger Vornahme mehrerer Reiter nie in Abtheilungen mit bestimmten Distanzen geübt werden.
254∣ Stets muss der Trab rein sein. Die beiden schräg gegenüberstehenden Füße müssen nämlich gleichzeitig erhoben und niedergesetzt werden und jeder Fuß muss gleichweit vorgreifen. Unrein hingegen ist der Trab, wenn sich ein Fuß zurückhält, oder die Vorder- und Hinterfüße derselben Seite gleichzeitig vorgreifen, welch letztere Bewegung auch im Trab "Pass" genannt wird.
255∣ Der Galopp besteht in einer fortgesetzten Reihenfolge von Sprüngen; er strengt das Pferd auf längere Strecken an.
Je nachdem sich die beiden rechten oder die beiden linken Füße des Pferdes im Vorspringen befinden, wird die heraus folgende Bewegung "der Galopp rechts oder links" genannt. Beim Galopp rechts werden die beiden linken, beim Galopp links die beiden rechten Füße mehr angestrengt.
Auch in dieser Gangart sind für die Cavallerie zweierlei Tempo nothwendig, welche "kurzer Galopp" und "Galopp" genannt werden.
256∣ Der "kurze Galopp" ist nur auf der Reitschule und im großen Viereck zu reiten.
Er dient dazu, dem angehenden Reiter die Bewegung dieser Gangart und die Hilfen zu derselben zu lehren, sowie um dem Pferde das nöthige Gleichgewicht zum kurzen Wenden in derselben und zum kurzen Anhalten aus derselben zu verschaffen.
Der kurze Galopp soll ruhig und versammelt, der Sprung lebhaft, aber nicht zu kurz oder mit dem Vordertheile zu erhaben sein, weil dadurch die Fähigkeit des Pferdes zum flachen Sprung im Galopp beeinträchtigt wird.
Von dem Cavalleriepferde darf in dieser Gangart nie ein stärkeres Setzen auf das Hintertheil gefordert werden, als unbedingt nöthig ist, es in das Gleichgewicht zu bringen, da eine stärkere Anforderung in dieser Hinsicht demselben eine seiner nothwendigsten Eigenschaften, die Ausdauer, benimmt, und bei nicht außergewähnlicher Sachkenntnis das Pferd zugrunde richtet.
Der kurze Galopp, welcher nur ein Hilfsmittel zur Ausbildung von Reiter und Pferd ist, darf nie kürzer als 300 Schritt in der Minute geritten werden. Dies ist das Tempo, welches alle Truppenpferde noch rein gehen können; das Pferd ist in demselben hinlänglich versammelt, um jede, selbst eine rasche Wendung ausführen zu können; der Reiter endlich eignet sich in diesem Tempo am besten das Gefühl des Ganges an.
Abtheilungen dürfen den kurzen Galopp nie mit bestimmten Distanzen üben.
257∣ Der Galopp wird geritten, wenn es sich darum handelt, schneller als im Trab fortzukommen; es muss in demselben in einer Minute eine Strecke von 500 Schritt zurückgelegt werden.
Im Galopp muss der Sprung des Pferdes gedehnt, flach am Boden und dabei sehr ruhig sein, damit es lange ausdauere und bei Athem bleibe; denn je ruhiger und länger der Sprung, desto ruhiger und gedehnter ist der Lungenstoß, und dieser ist es eben, der die Ausdauer gibt.
Zur Schonung der Pferde darf der Galopp nie auf einer kleinen Reitschule, sondern nur auf einem großen freien Platze mit möglichst günstigem Boden, im großen Vierecke oder auf gerader Linie geübt werden.
258∣ Wenn ein Pferd mit den schräg gegenüberstehenden Füßen statt mit beiden Füßen derselben Seite vorgreift, entsteht ein höchst fehlerhafter Gang, welchen man das "Kreuzen" nennt, und in welchem das Pferd bald ermüdet, ohne hinlänglich Raum zurückzulegen.
259∣ Die Carrière ist der bis zur Aufbietung aller Kräfte gesteigerte Galopp.
Diese Gangart ist auf einem freien ebenen Platze mit günstigem Boden in gerader Linie zu üben.
260∣ Die Beschleunigung der Bewegung in derselben Gangart wird "das Verstärken des Tempos" und der Übergang aus einer Gangart in eine schnellere, z. B. vom Trab in den Galopp, "das Verschärfen der Gangart" genannt.
Soll die nämliche Gangart langsamer geritten werden, so heißt dieses "das Tempo verkürzen" und der Übergang in eine andere, minder schnelle Gangart, z. B. vom Trab in den Schritt, "die Gangart vermindern".
261∣ Zum Beginne der Bewegung von der Stelle ist der Benennung der Gangart (des TEmpos) stets "Marsch" beizufügen. Beim Verschärfen, Vermindern, Verstärken und Verkürzen bildet die Benennung der Gangart allein das Commando.
Die Carrière wird auf das Commando: "Marsch, Marsch!" geritten.
Um stehen zu bleiben, wird: "Halt!" commandiert.
Bei allen diesen Commandos, sowie bei jenem zum Anhalten ist nie die letzte Silbe oder das letzte Wort kurz und mit Nachdruck zu betonen, sondern nach Bedarf gedehnt auszusprechen.
262∣ Reitet man in einer Reitschule rechts herum, und ist daher die linke Hand der Wand zugekehrt, so nennt man dieses "auf der rechten Hand", das Reiten in entgegengesetzter Richtung "auf der linken Hand reiten".
263∣ Beim Reiten in der Reitschule auf der rechten Hand nennt man die rechte Seite die "innere", die linke die "äußere" und umgekehrt.
Bei Wendungen nennt man die Seite, nach welcher gewendet wird, die innere.
264∣ Die richtige Anlehnung besteht darin, dass das Pferd stets eine sanfte Stütze der Laden an dem Gebisse sucht.
Diese ist für das Soldatenpferd besonders nöthig, weil es oft nur mit einer Hand gelenkt, plätzlich angehalten und wieder vorwärts geritten werden muss.
Ein gut gebautes Pferd eignet sich die richtige Anlehnung in der Regel leicht an; einem minder gut gebauten muss sie erst durch richtige Einwirkung des Reiters und durch eine zweckmäßige, dem gesammten Baue entsprechenden Hals- und Kopfstellung beigebracht werden. Hiebei sind Fehler des Temperamentes schwerer als jene im Baue zu überwinden.
265∣ Die Abweichungen von der richtigen Anlehnung sind:
Die allzuharte oder starke, bei welcher der Reiter das Pferd nur mit Anstrengung lenken oder anhalten kann.
Die zähe, bei welcher weder Nachgeben noch Verhalten von Seite des Reiters eine Veränderung in dem Grade der Anlehnung hervorbringt. Sie rührt von einer Stumpfheit des Gefühles her und kommt häufig bei rossigen Stuten vor.
Das hinter der Hand sein (oder hinter den Zügeln sein), wobei sich das Pferd selbst gegen die leiseste Anlehnung an das Gebiss sträubt und nicht vorwärts gehen will.
Derlei Pferde verweigern häufig den Gehorsam und stellen dann den Kopf so herbei, dass die Zügel ganz außer Wirkung treten. Am häufigsten kommt dies bei Pferden vor, die sehr empfindlich im Maule sind, und welche durch zu kräftige Einwirkung der Zügel oder gar durch Risse von der Anlehnung an das Gebiss abgeschreckt wurden.
Die ungleiche Anlehnung, bei welcher das Pferd bald die eine, bald die andere der eben erklärten fehlerhaften Anlehnungen nimmt. Sie kommt am häufigsten bei solchen Pferden vor, welche bei heftigem Temperamente sehr empfindlich im Maule sind.
266∣ Für das Soldatenpferd ist jene Kopfstellung die beste, in welcher es mit möglichster Annehmlichkeit für sich selbst und den Reiter geht, in der es am längsten auszudauern vermag und selbst kräftig angefasst, im Gehorsam erhalten werden kann.
Eine Normalstellung lässt sich nicht angeben; doch wird die für die meisten Pferde zweckmäßigste Kopfstellung sich jener nähern, in welcher der Kopf beinahe vertical und die Nase in gleicher Höhe mit den Hüften steht.
267∣ Geht das Pferd auf gerader Linie, so soll der Kopf gerade gestellt sein. Bei allen Wendungen dagegen ist der Pferdekopf etwas nach innen zu stellen, was mit dem Ausdrucke bezeichnet wird: "Das Pferd auf die innere Hand stellen".
Die zur Stellung nach seitwärts nöthige Biegung soll dort stattfinden, wo der Kopf mit dem Halse verbunden ist, nämlich hinter den Ganaschen, und darf sich dem Halse nur wenig mittheilen. Sie soll ferner nur so stark sein, dass der Reiter, über den Hals des Pferdes gerade herabsehend, den inneren Augenbogen desselben erblicke.
268∣ Unter Aufrichten versteht man das Höhernehmen des Pferdehalses, bei möglichst vertical gestelltem Kopfe.
In kurzen Gängen kann man vom Pferde eine höhere Aufrichtung verlangen als in schärferen; denn in letzteren wird nicht allein ein Zusammenschieben, sondern auch ein Ausdehnen der Muskeln und Gelenke, am meisten jener der Hinterhand nothwendig, und die Athmungswege müssen die gehörige Öffnung behalten, was beides durch Aufrichten beeinträchtigt wird.
Ein höheres Aufrichten kann nur in einzelnen Fällen zeitweise als Hilfsmittel bei der Dressur gestattet werden.
269∣ Werden bei stärkerem Anziehen beider Zügel auch beide Schenkel angedrückt, so kommen Hals und Kopf des Pferdes in eine höhere Stellung, die Hinterbeine treten unter und das Pferd wird mehr zusammengeschoben; dies nennt man "das Versammeln des Pferdes".
270∣ Werden dieselben Zügel-Hilfen wie zum Versammeln des Pferdes, jedoch mit der Absicht gegeben, den Gang desselben zu verkürzen, oder geschieht es in der Absicht, das Pferd leichter auf den Zügel zu machen, wenn es stark in die Hand drückt, so heißen diese Hilfen "Halber Arrêt".
271∣ Das Pferd "parieren" heißt, dasselbe aus der Bewegung zum Stehen bringen.
272∣ In der Reitschule muss das Pferd auf der rechten Hand rechts, auf der linken Hand links galoppieren, sonst sagt man "es galoppiert auf falschem Fuß", oder kurzweg "es galoppiert falsch"; ebenso, wenn ein Pferd auf gerader Linie ohne Wand auf einem anderen Fuße einsprengt, als der Reiter es will.
273∣ Der Wischzaum ist derart zu richten, dass die Arbeitstrense der Maulspalte möglichst nahe zu liegen kommt, ohne aber die Lippe aufwärts zu schieben. Der Nasenriemen soll auf dem Nasenbein aufliegen und wird unterhalb der Arbeitstrense zugeschnallt.
274∣ Bei Anwendung des Schleifzügels ist das gabelförmige Strupfenstück so lang zu richten, dass die Ringe desselben, wenn der Sprungriemen angezogen ist, nur etwas tiefer als die Hüfte des Pferdes zu stehen kommen. Das rechte Ende des Schleifzügels nimmt der Reiter in die volle rechte Hand.
275∣ Der Schleifzügel dient nur dazu, das Pferd zu verhindern, sich einer Stellung, die es schon annehmen kann, wieder zu entziehen und darf keinesfalls gebraucht werden, um dasselbe in eine Stellung hineinzuzwängen. Er darf daher nicht kürzer genommen werden, als nöthig ist.
276∣ Um letzterem vorzubeugen, kann in der entsprechenden Entfernung vom Ende desselben ein Knopf gemacht werden, der dem Reiter über die geschlossene Faust zu liegen kommt.
In schärferen Gangarten ist der Schleifzügel entsprechend nachzugeben, und beim Springen, sowohl an der Hand als mit dem Reiter, ganz außer Wirksamkeit zu setzen.
Ist der Reiter abgesessen, oder soll der Schleifzügel gänzlich außer Wirksamkeit treten oder das Pferd mit demselben ausgebunden werden, so ist er in der entsprechenden Länge an der rechten Seite in den vorderen Flechtring zu binden.
277∣ Der richtigen Zäumung ist stets die größte Aufmerksamkeit und Sorgfalt zuzuwenden. Im allgemeinen ist eine leichte Zäumung angezeigt. Im Maule empfindliche Pferde sind leichter, unempfindliche schärfer zu zäumen.
278∣ Die Knebeltrense soll ober dem Mundstücke der Stange, der Maulspalte möglichst nahe liegen, ohne die Lippe aufwärts zu schieben.
Das Mundstück der Stange soll auf den Laden, der Kinnkettengrube gegenüber liegen. Bei männlichen Pferden liegt dieser Punkt ober den Hakenzähnen. Bei Pferden, welche sich gerne etwas zu tief tragen, kann eine etwas höhere, bei Pferden, welche den Kopf zu hoch tragen, eine etwas tiefere Lage der Stange vortheilhaft sein. Bei hoher Lage der Stange ist die Zäumung leichter, bei tiefer Lage schärfer.
Die Kinnkette soll in der Kinnkettengrube liegen; sie soll, nach rechts ausgedreht, flach, beiderseits mit dem vorletzten Gliede in den Kinnkettenhaken eingelegt werden.
Ihre Länge ist derart zu bemessen, dass die Stangenlinie bei angestellten Zügeln mit der Maulspalte einen Winkel von 40 bis 45° bilde; ist sie kürzer, so wird dieser Winkel kleiner, die Stange "strotzt", die Zäumung ist zu scharf; ist die Kinnkette länger, so wird dieser Winkel größer, die Stange "fällt durch", die Zäumung ist zu leicht.
Fehlerhaft ist es, wenn die Stange und die Kinnkette sich beim Zügelanzuge der Maulspalte nähern, was man "Steigen der Stange" nennt. Diesem kann durch Kürzung der Kinnkette, mitunter auch durch Tieferlegen der Stange entgegengewirkt werden.
279∣ Zur Besichtigung soll ein Pferd stets gezäumt vorgeführt werden.
280∣ Ist das Pferd mit dem Wischzaume versehen, so nimmt der Soldat die Zügel vom Halse herab, ergreift mit der rechten Hand die Zügel nahe der Schnallen unter dem Kinne derart, dass der Zeigefinger zwischen beide Zügel zu liegen kommt und legt sodann auch das Ende der Zügel in die rechte Hand. Der Soldat steht dabei links seitwärts des Pferdes in der Höhe der Schulter.
Geht er, ohne das Pferd anzusehen, ruhig an, so wird ihm dasselbe ohneweiters folgen.
281∣ Vor dem Besichtigenden bleibt er derart stehen, dass das Pferd, mit der Seite gegen denselben gekehrt, einige Schritte vor demselben zu stehen kommt.
Der Soldat stellt sich hierauf vor das Pferd, mit dem Gesichte gegen dasselbe gewendet, behält das Ende der Zügel in der rechten Hand, ergreift mit beiden Händen die Zügel nahe den Schnallen und stellt das Pferd gerade. Das Pferd steht gerade, wenn es mit keinem Fuße ruht, sich nicht streckt und die Füße nicht unter den Leib zieht.
Sobald das Pferd gerade steht, sieht der Soldat dem Besichtigenden ins Gesicht und nennt den Namen des Pferdes.
282∣ Wird er durch "Schritt!" oder "Trab!" angewiesen, das Pferd im Gange zu zeigen, so tritt er abermals an die linke Seite des Pferdes, erfasst die Zügel nach Punkt 280 und beginnt die Bewegung im Schritt, wobei die rechte Hand hoch zu halten ist.
Soll das Pferd im Trab vorgeführt werden, so übergeht der Soldat nach einigen Schritten in den Laufschritt, anfangs ganz kurze Schritte machend, worauf auch das Pferd ruhig antraben wird.
Nach 20 bis 30 Schritten verkürzt er das Tempo, fällt in den Schritt und bleibt endlich stehen.
Sollte das Pferd in Galopp einfallen oder unartig werden, so ist durch Streckung des rechten Armes und leichtes Rütteln mit den Zügeln der Pferdekopf hoch zu nehmen, wobei der Mann trachten muss, die Vorhand des Pferdes von sich ferne zu halten.
Nach dem Stehenbleiben wird im Bogen nach rechts umgekehrt und das Pferd in der gleichen Weise zurückgeführt.
283∣ Ist das Pferd mit der Stange gezäumt, so werden nur die Trensenzügel nach Punkt 280 ergriffen, die Stangenzügel bleiben am Halse.
284∣ Vor dem Auf- und Absitzen soll das Pferd mit erhobenem Kopfe und Halse auf den vier Füßen gerade stehen.
285∣ Auf das Commando: "Aufsitzen!" macht der Reiter die ganze Rechtswendung und tritt derart rechts seit- und etwas rückwärts, dass er den linken Fuß in den Bügel setzen kann. Gleichzeitig gleitet er mit der linken Hand gelassen am linken Zügel bis auf den Kamm des Pferdehalses hinauf, ergreift mit der rechten vor dem Widerriste ein Büschel Mähne, und legt dieses sowie den Reitstock zu dem Trensenzügel in die linke Hand, welche fest zu schließen ist.
Hierauf erfasst der Reiter mit der rechten Hand den Steigriemen, setzt den linken Fuß bis hinter den Ballen in den Bügel, indem er sich nach Bedarf dem Pferde nähert, und legt das linke Knie fest an den Sattel, damit die Fußspitze das Pferd nicht berühre. Steht das Pferd nicht vollkommen ruhig, so fasst der Reiter mit der rechten Hand das Ende der Zügel und bringt es durch kurze Anzüge je nach der Empfindlichkeit zum Stehen, worauf er die Zügel wieder auslässt. Sodann hebt er sich auf dem Ballen des rechten Fußes und ergreift mit der rechten Hand die Kápa. Nun hält sich der Reiter an der Mähne, tritt mit dem linken Fuße fest in den Bügel, drückt das linke Knie gut an den Sattel und erhebt sich, erneuert etwas setiwärts tretend, durch einen kräftigen Abstoß im Ballen des rechten Fußes mit vorgeneigtem Oberleibe in die Höhe. Er bringt dann den rechten Fuß an den linken, die rechte Hand, mit dem Daumen nach vorwärts, als Stütze des Oberleibes an die vordere Zwiesel, hebt das rechte Bein mit gebogenem Knie und auswärts gehaltenem Sporn hoch über die Kápa und lässt sich ruhig in den Sattel herab.
Dem Schiefziehen des Sattels und der Beunruhigung des Pferdes wird am sichersten durch festes Halten der Mähne, gutes Anstemmen des linken Knies, rasches Abstoßen mit dem Ballen des rechten Fußes, sowie endlich durch das Vorneigen des Oberleibes über den Sattel vorgebeugt.
Nach dem Aufsitzen sucht der Reiter mit einwärts gewendeter rechter Fußspitze, ohne herabzusehen, den Bügel, ergreift den Reitstock* und beide Zügel.
*) Bei allen Ausrückungen zu Pferde mit Ausnahme der Paraden hat jeder Reiter mit einem 75cm langen Reitstocke versehen zu sein.
Beim Reitunterrichte hält der Reiter, wenn der Säbel versorgt ist, den Stock in der rechten Hand; hat er in dieser den Trensenzügel, so erfasst er den Reitstock an dem einen Ende, das andere ist nach aufwärts, etwas nach links vorwärts geneigt, zu halten; ausnahmsweise kann dasselbe auch nach abwärts gehalten werden. Führt der Reiter mit der linken Hand allein, so erfasst er den Reitstock in der Mitte. Sonst wird der Reitstock versorgt im linken Stiefel getragen.
286∣ Auf das Commando: "Absitzen!" legt der Reiter die Wischzaumzügel gekreuzt in die linke Hand, ergreift mit der rechten ein Büschel Mähne und gibt es sammt dem Reitstock zu den Zügeln in die linke Hand. Die rechte Hand wird auf die vordere Zwiesel gestützt, und der rechte Fuß aus dem Bügel gezogen.
Hierauf erhebt der Reiter bei gerade gehaltenem Oberleibe das rechte Bein mit gebogenem Knie und auswärts gehaltenem Sporn hoch über die Kápa und bringt es an das linke, wobei die Knie, welche zu biegen sind, fest am Sattel anliegen sollen. Gleichzeitig verlässt die rechte Hand die vordere Zwiesel und ergreift die Kápa, worauf mit dem rechten Fuß auf den Boden getreten wird. Der linke Fuß verlässt den Bügel und wird dem rechten beigesetzt.
Sodann lässt der Reiter mit der linken Hand die Mähne sammt Zügel los, tritt mit der gleichzeitigen Linkswendung seitwärts zum Pferdehals, gleitet mit der rechten Hand gelassen am linken Zügel hinab, fasst beide Zügel, ohne sie vom Halse herabzunehmen, nach Punkt 280 unter dem Kinne, versorgt den Reitstock und nimmt die vorgeschriebene Stellung an.
287∣ Das Aufsitzen geschieht nach Punkt 285.
Steht das Pferd nicht ruhig, so wird mit der rechten Hand das Ende der Stangenzügel erfasst.
Nach dem Aufsitzen ergreift der Reiter die vier Zügel nach der im Punkte 296 vorgeschriebenen Weise.
Beim Absitzen nimmt der Reiter, ohne die Zügelhaltung zu verändern, die Mähne in die linke Hand. Hat er den rechten Trensenzügel in der rechten Hand, so lässt er ihn los.
288∣ Beim Aufsitzen mit angezogenem Mantel ergreift die rechte Hand das vordere rechte Ende desselben und hält es beim Aufsitzen solange in der Hand an der Kápa fest, bis das rechte Bein eben im Begriffe ist, dieselbe zu überschreiten. Das Absitzen geschieht so wie ohne Mantel.
289∣ Beim Sitz zu Pferd ist vor allem darauf zu sehen, dass beide Sitzknochen gleich fest auf dem Sattel ruhen, das Steißbein über die Mittel-Linie des Sattels komme, die Hüftknochen, aus deren Richtung sich die ganze Stellung und Haltung des Reiters ergibt, senkrecht auf den Sattel gerichtet bleiben, und keine Seite eingezogen sei.
Werden die Hüften hinter die Verticale zurückgelehnt, so entsteht der sogenannte Stuhlsitz: Der Rücken krümmt sich, die Schenkel heben sich, und die Knie kommen zu sehr nach vorne.
Werden die Hüften vor die Verticale genommen, so entsteht der Spalt- oder Gabelsitz: Die Schenkel und Knie kommen zu weit zurück, der Oberleib verliert die Sicherheit der Haltung, und der Reiter hat immer zu kämpfen, um im Gleichgewichte zu bleiben.
Wird eine der Seiten über den Hüften eingezogen, so sinkt auch die gleichseitige Schulter herab.
290∣ Das Rückgrat ist gerade zu halten.
Der Rücken des Reiters soll biegsam, aber erforderlichen Falls auch fest sein. Biegsam soll der Rücken sein, um die Härte der Stöße zu brechen und weil es zur Handhabung der Waffen nothwendig ist. Fest soll er sein, um den vorschreitenden Bewegungen des Pferdes, welche von hinten nach vorne wirken, zu widerstehen, und um von Pferden, welche stark in die Zügel drängen, den Oberleib nicht vorziehen zu lassen.
Die Schultern sind natürlich zu halten, nicht hinaufzuziehen und so zurückzunehmen, dass die Brust sich wölbt.
Der Kopf ist gerade zu halten, ohne das Kinn vorzustrecken. Das Vorneigen des Kopfes zieht ein Krümmen des Rückens nach sich.
291∣ In jede Hand wird ein Zügel zwischen den kleinen und den Gold-Finger genommen. Die im Gelenke leicht abgerundete Hand ist dabei zur Faust zu schließen, der ausgestreckte Daumen kommt auf den Zügel. Die Daumenspitzen sind gegeneinander, die kleinen Finger ein wenig gegen den Leib zu richten, und beide Hände in gleicher Höhe zu halten.
Die Oberarme sollen nahe am Leibe, ohne angepresst zu werden, frei und gerade herabhängen.
Die Arme werden im Ellbogengelenke beinahe in einem rechten Winkel gebogen, dadurch kommen die Hände dicht über dem vorderen Theil des Sattels nahe aneinander zu stehen. Das feste Andrücken der Unterarme an den Leib bildet eine harte Hand; das feste Anschließen der Ellbogenspitzen hat ein Hinaufziehen der Schulter zur Folge und gibt der Hand eine sehr gezwungene Stellung; das Wegspreizen derselben macht die Hand unstät.
292∣ Die Oberschenkel müssen, mit den Knien etwas nach vorwärts, mit ihrer ganzen inneren Fläche an dem Sattel anliegen, ohne angepresst zu werden. Werden die Oberschenkel zu stark vorgestreckt, so wird der Stuhlsitz, werden sie hingegen zu nahe der Verticalen gebracht, so wird der Gabelsitz hervorgerufen.
Die Knie müssen flach am Sattel liegen, und man darf zwischen ihnen und dem Sattel nie durchsehen können.
Die Unterschenkel müssen, vom Kniegelenke abwärts frei, ohne Zwang am Pferde herabhängen, wodurch im Kniegelenke ein stumpfer Winkel entsteht.
Der Fuß tritt mit dem Ballen in den Bügel und ist mit freibeweglichem Knöchel so zu halten, dass die Sohle mit ihrer ganzen Breite den unteren Theil des Bügels, den "Steg", berühre.
Die Fußspitzen erscheinen bei dem natürlichen Hängenlassen der Unterschenkel immer etwas vom Pferde abgewendet.
Die Ferse ist etwas hinabzudrücken, ohne jedoch dadurch die Muskeln des Oberschenkels und der Wade oder endlich den Fuß im Knöchel zu sehr zu spannen. Von der Beweglichkeit des Fußes im Knöchel hängt sowohl das Behalten des Bügels am Ballen des Fußes, als auch das Zurücksinken der Schenkel in ihre ursprüngliche Lage nach einer hebenden Bewegung des Pferdes ab.
293∣ Bei einem richtigen Sitz zu Pferd ist der Oberleib von den Hüften aufwärts, und das Bein vom Knie abwärts beweglich, während den Oberschenkeln nur jene Bewegung gestattet ist, welche ihnen bei den verschiedenen Bewegungen des Pferdes durch die natürliche Erschütterung zutheil wird. Der Reiter soll den Beinen ihr ganzes Gewicht lassen, weder in den Bügeln stehen, noch die Knie anpressen; denn die hiebei nöthige Anstrengung der Muskeln zieht die Knie in die Höhe und ermüdet vorzeitig.
294∣ Der Reiter soll streben, jeder Bewegung des Pferdes mit dem Oberleibe nach Bedarf zu folgen oder zu widerstehen, so dass der Oberleib immer in der verticalen Stellung verbleibe.
Bewegt sich das Pferd vorwärts, so soll der Oberleib geschmeidig mitgehen, sonst fällt er zurück, und die Schenkel kommen, wenn sie steif gehalten werden, vor.
Beim Parieren und Zurücktreten ist der Oberleib zurückzunehmen; geht das Pferd schneller zurück, als der Reiter will, so muss der Oberleib, um nicht vorzufallen, auch dieser Bewegung nach rückwärts folgen.
Beim Steigen des Pferdes ist der Oberleib vor- und beim Ausschlagen zurückzuhalten.
Bei Wendungen sowie beim Reiten im Kreise, muss der Oberleib, ohne die innere Hüfte einzuziehen, nach der inneren Seite gehalten werden, und zwar umsomehr, je schneller das Tempo und je kürzer die Wendung ist, sonst geräth der Reiter, besonders beim Reiten ohne Bügel, nach der äußeren Seite aus dem Sitz. Hiemit ist aber nicht gemeint, dass der Oberleib etwa nach der inneren Seite herüberhänge, sondern es soll nur das Gewicht etwas mehr auf den inneren Sitzknochen verlegt werden, wobei Schultern und Hüften der Richtung des Pferdes folgen.
295∣ Die Stangenzügel werden in der im Gelenke leicht gerundeten linken Hand gehalten und mit dem Goldfinger getheilt, wobei der leicht bewegliche Schiebknopf* in die Hand kommt. Das Ende der Trensenzügel wird einfach in die volle linke Hand genommen, so dass der linke unter dem kleinen Finger, der rechte zwischen Daumen und Zeigefinger zu liegen kommt. Beide Trensenzügel hängen gleichmäßig herab.
*) Der Schiebknopf ist nur beim Exercieren und beim Reiten im Terrain in die Hand zu nehmen.
Die Knöchel der linken Hand sollen mit dem Kamme des gerade gestellten Pferdehalses in dieselbe Richtung fallen, und die Nägel der Finger gegen die Mitte des eigenen Leibes so gerichtet sein, dass der Reiter die Nägel sieht, wenn er herabblickt. Der ausgestreckte Daumen liegt auf den Zügeln.
Die linke Faust steht dicht über der vorderen Zwiesel, ohne auf dieser aufzuliegen, ungefähr eine Handbreite vom Leibe.
Die rechte Faust wird derart auf die Mitte des Oberschenkels aufgesetzt, dass der Handrücken nach aufwärts und der kleine Finger an die Hosennaht zu liegen kommt. Der rechte Ellbogen ist hiebei nicht wegzuspreizen; auch darf die rechte Schulter nicht aus ihrer richtigen Stellung kommen.
Bei ergriffenen Trensenzügeln.
296∣ Die Stangenzügel werden wie im Punkte 295 gehalten, der linke Trensenzügel bleibt in der vollen linken Hand unter dem kleinen Finger, der rechte kommt zwischen den Gold- und kleinen Finger der rechten Hand. Die linke Hand wird vor der Mitte des Leibes, die rechte in gleicher Höhe neben der linken gehalten.
Alle vier Zügel sind gelichmäßig angestellt und es wird mit beiden Händen geführt.
297∣ Soll mit der linken Hand allein geführt werden, so gibt der Reiter den rechten Trensenzügel zwischen Daumen und Zeigefinger in die volle linke Hand. Die rechte Faust wird nach Punkt 295 aufgesetzt.
Mit gezogenem Säbel.
298∣ Der Griff des gezogenen Säbels wird mit dem Daumen, Zeige- und Mittelfinger so weit unten als möglich erfasst, die übrigen geschlossenen Finger und der Ballen der Hand werden am oberen Theile des Rechten Oberschenkels so aufgesetzt, dass der kleine Finger an die Hosennaht zu liegen kommt. Die Haltung des Armes ist so, wie dies im Punkte 295 erklärt ist. Der Rücken des Säbels liegt an der rechten Achsel, und die Schneide ist gerade vorwärts gekehrt.
299∣ Das richtige Längenmaß der Bügel ist im allgemeinen jenes, bei welchem sich der Reiter beim Führen eines Hiebes oder Stiches im Sattel heben kann, ohne durch das Hinaufziehen der Knie die Sicherheit des Sitzes zu verlieren.
Um das richtige Schnallen der Bügel zu ermöglichen, ist vor allem darauf zu sehen, dass der Mann das Beinkleid gut in den Spalt hinaufgezogen habe. Dann beurtheilt der Reitlehrer, indem er sich hinter das Pferd stellt, ob der Sattel gerade liegt und der Reiter so sitzt, dass das Steißbein auf die Mitte des Sattels gerichtet ist, ferner ob das Pferd auf seinen vier Füßen gerade steht.
Der Reitlehrer lässt nun den Reiter den vorgeschrieben Sitz, jedoch ohne Bügel annehmen, und richtet dann die Bügel derart, dass ihr Steg 3 Centimeter über die Absatznaht reicht. Auf diese Art wird, wenn sich der Reiter in den Bügeln erhebt, zwischen seinem Spalt und dem Sattel ein ungefähr vier Finger breiter Raum entfallen.
300∣ Länger dürfen die Bügel nie gerichtet werden, sonst senken sich die Fußspitzen, der Sitz wird locker, und das Ruhen des Fußes auf dem Steg des Bügels mit geschmeidigem Fußgelenke beim Leichtreiten und im Galopp nicht möglich.
Bei Pferden mit harten Bewegungen wird es nöthig sein, die Bügel etwas kürzer als das angegebene Normalmaß zu schnallen. Zu kurz dürfen sie jedoch nicht geschnallt werden, sonst ziehen sich die Knie hinauf und öffnen sich beim Gebrauche der Unterschenkel.
301∣ Die Hilfen und Strafen sind Mittel, sich dem Pferde verständlich zu machen und es dem Willen des Reiters unterzuordnen; sie sind die Sprache des Reiters mit dem Pferde.
302∣ Die Hilfen bestehen in verschiedenen Anzügen der Zügel, in dem stärkeren oder gelinderen Drucke der Ober- und Unterschenkel, in der Richtung des Oberleibes, im Zungenschlage, im Fühlenlassen des Reitstockes, im Erheben und Fallenlassen der Schulpeitschenschnur, oder im leichten Berühren mit derselben.
Die Schulpeitsche darf nur bei der Abrichtung der Remonten und zur Correction verdorbener Pferde sowie beim Longieren der Recruten angewendet werden.
Reißen und Zerren mit den Zügeln, Schieben der Hände untereinander, weites Ausholen mit den Schenkeln, Herumrücken oder Werfen mit dem Oberleibe, dürfen durchaus nicht gestattet werden.
303∣ Die Hilfen nennt man hörbare oder fühlbare, je nachdem sie auf das Gehör oder auf das Gefühl wirken. Die hörbaren Hilfen werden in Verbindung mit den fühlbaren nur bei der Abrichtung der Remonten solange angewendet, bis diese die fühlbaren Hilfen zu beachten beginnen.
304∣ Alle Hilfen sind nach der Empfindlichkeit des Pferdes zu bemessen, denn jene, welche ein unempfindliches Pferd kaum beachtet, werden einem empfindlichen schon zur Strafe. Ebenso sind bei ihrer Anwendung der Grad der Dressur und der beabsichtigte Zweck maßgebend.
Man nennt die Hilfen "grob", wenn das Pferd durch selbe erschreckt wird; "wachsend", wenn mit einem gelinden Zügelanzuge oder Schenkeldrucke beginnend, diese ohne Ruck oder Stoß allmählich bis zur Erreichung des Zweckes verstärkt werden; "übereinstimmend", wenn die Zügel und Schenkel im richtigen Einklang wirken.
305∣ Durch das Zurücknehmen der Hand gegen den Leib werden die Zügel mehr angezogen, wodurch ihre Wirkung verstärkt wird.
Durch das Nachgeben der Hand, selbst schon durch ein Senken derselben, wird die Wirkung der Zügel vermindert.
Das Nachgeben beider Zügel, verbunden mit einem gleichzeitigen Drucke beider Schenkel, veranlasst das Pferd seinen Gang zu beschleunigen.
Ein stärkeres Anziehen beider Zügel verkürzt den Gang des Pferdes, bringt dieses zum Stehen und endlich zum Zurücktreten.
In allen Fällen, wo der eine Zügel stärker zu wirken hat, ist der andere etwas nachzugeben, ohne ihn jedoch ganz außer Wirksamkeit zu setzen, das heißt die Anlehnung darf nicht verloren gehen.
Hat das Pferd dem verstärkten Anziehen eines Zügels Folge gegeben, so soll diese stärkere Einwirkung gleich wieder aufhören, doch darf dabei der Zügel durchaus nicht ganz außer Wirkung treten. Lässt man das rechtzeitige Nachgeben außeracht, so wird das Maul des Pferdes stumpf.
306∣ Zum Ertheilen der Schenkelhilfe sind die Unterschenkel an der Gurte oder hinter derselben an das Pferd anzulegen, ohne die Knie zu öffnen oder hinaufzuziehen.
Der Druck eines einzelnen Schenkels bringt das Hintertheil des Pferdes nach der entgegengesetzten Seite zum Weichen, der gleich starke und gleichzeitige Druck beider Schenkel treibt das Pferd vorwärts. Wirken beide Schenkel zu gleicher Zeit, aber in verschiedener Stärke, so weicht das Pferd dem stärker drückenden, und geht vor- und seitwärts zugleich.
Der Schenkeldruck darf nie in ein unausgesetztes Pressen ausarten. Sobald das Pferd nur den Willen gezeigt hat, der Schenkelhilfe zu gehorchen, so muss letztere gleich nachlassen und erst wenn nöthig, wieder erneuert werden, was aber nicht etwas Anlass zu einem immerwährenden Klopfen geben darf.
307∣ Die Hilfe mit dem Reitstocke geschieht durch Berührung der Schulter des Pferdes mit demselben.
308∣ Der Zungenschlag ermuntert zum Vorwärtsgehen.
309∣ Will der Abrichter mit der Schulpeitsche dem Pferde die Hilfe des Reiters verständlicher machen, so muss er in einiger Entfernung seit- und rückwärts des Pferdes gehen. Er wird seinen Zweck erreichen durch Erheben und Fallenlassen der Schnur oder durch leichte Berührung mit derselben an jener Stelle, wo die Hilfe mit den Schenkeln gegeben wird.
310∣ Die gewöhnlichen Strafmittel sind: die Anwendung der Sporen, des Reitstockes und der Schulpeitsche. Es gibt jedoch auch andere, nämlich: kurzer, verschärfter Zügelanzug (Rucker), etwas verschärftes Zurücktreten, öfteres Parieren und Wiederanreiten. Selbst ein scharfes Anrufen ist bei manchem Pferde schon sehr wirksam.
311∣ Aus Zorn oder Laune darf nie gestraft werden.
Die Stärke und Art der Strafen richtet sich stets nach dem Temperamente und dem Grade der Ausbildung, oder der Hartnäckigkeit bei etwaigem Ungehorsam.
Als Grundsatz gilt, dass die Strafe immer rechtzeitig erfolge, ferner, dass man sich nie zu stärkerem Eingreifen verleiten lasse, als unumgänglich nöthig, und endlich, dass die Strafe gleich einzustellen sei, wenn das Pferd den Willen gezeigt hat, zu gehorchen.
Bei jeder Bestrafung muss der Reiter trachten, das Pferd in seiner Gewalt zu behalten.
Bei Anwendung von Strafen dürfen die Pferde nicht etwa herumgejagt werden, bis sie athemlos und entkräftet sind. Dies verdirbt sie und verfehlt den Zweck der Strafe. Der frische, entschlossene Gehorsam geht verloren, weil ihnen bei dem besten Willen die Kraft dazu mangelt.
312∣ Um mit den Sporen zu strafen, sind beide kräftig und kurz hinter der Gurte einzustoßen, ohne die Schenkel zu öffnen, oder mit den Sporen im Bauche des Pferdes zu bleiben. Ersteres macht den Sitz locker, und letzteres ruft Ausschlagen, Schweifdrehen und andere Untugenden hervor, welche oft nur mit Mühe wieder abzugewöhnen sind.
313∣ Will der Reiter mit dem Reitstocke strafen, so ertheilt er, ohne weit auszuholen, einen oder einige kräftige Hiebe hinter seinem rechten Schenkel, oder auch vorne über die Schultern und die Brust des Pferdes. Die Zügel werden vorher in die linke Hand genommen. Auf den Kopf zu hauen, wobei man leicht die Augen verletzen kann, ist strengstens untersagt.
314∣ Nur im äußersten Nothfalle soll mit der Schulpeitsche gestraft werden. Ist der Abrichter hiezu gezwungen, so ertheilt er ohne viel Weitläufigkeit und ohne Herumlaufen einen oder einige Hiebe von unten nach oben mit der auslaufenden Spitze und nie von oben auf die Krupe des Pferdes. Nach der Bestrafung ist dem Pferde stets wieder die Furcht vor der Peitsche zu benehmen, indem der Abrichter zurücktretend einigemale, ohne das Pferd zu treffen, vor ihm schnalzt und es auf sich zukommen lässt. Nachdem das Pferd ruhig stehen bleibt, geht er mit rückwärts gehaltener Peitsche auf dasselbe zu und schmeichelt ihm unter freundlichem Zusprechen durch Streicheln mit der Hand am Halse, entfernt sich dann rückwärts gehend, und lässt den Reiter auf sich zureiten. Das Erschrecken eines Pferdes vor dem Abrichter und das Fliehen vor der Peitsche beweisen den unrichtigen Gebrauch derselben.
315∣ Auf der Stelle und im Schritt werden alle nachstehend angeführten Gelenkübungen gemacht; im Trab und kurzen Galopp nur die in den Punkten 316, 317, 319 und 322 geschilderten.
Die Gelenkübungen Punkt 316, 317, 318 und 319 werden ähnlich wie zu Fuß gemacht.
316∣ Arm vorwärts (rückwärts) schwingen.
317∣ Arme vorwärts (seitwärts, abwärts), stoßen.
318∣ Vorwärtsbeugen gegen den linken, dann gegen den rechten Vorderfuß und Rückwärtsbeugen auf die Krupe.
Mit diesen Beugungen ist das Schmeicheln des Pferdes rechts und links zu verbinden, und zwar vorne bis unter das Buggelenk des Schulterblattes, rückwärts bis gegen die Kniescheibe oder gegen den Schweifansatz des Pferdes.
319∣ Drehen.
320∣ Erheben in den Knieschluss.
Der Soldat legt die Hände auf die vordere Zwiesel, erhebt sich aus dem Sattel und schließt die Knie fest; dann verlässt er mit den Händen die vordere Zwiesel, richtet sich mit dem Oberleibe gerade aufwärts und lässt sich allmählich wieder in den Sattel nieder.
321∣ Verschieben im Sitz.
Der Soldat schiebt sich gegen links so aus dem Sattel, dass das linke Knie tief, das rechte hoch am Sattel zu liegen komme. Hierauf schiebt er sich anfangs mit Hilfe der Hände, später nur durch einen Schwung wieder in den Sattel. Ebenso verschiebt er sich dann rechts im Sitz.
322∣ Beine aus dem Sitz vorwärts überheben.
Der Soldat führt zuerst das rechte Bein langsam über den Hals des Pferdes und legt es an die linke Seite, so dass die vordere Zwiesel in die Kniekehle zu liegen kommt, hierauf bringt er das rechte Bein wieder an die rechte Seite des Sattels und wiederholt dieselbe Bewegung mit dem linken Beine. Anfangs kann sich der Soldat bei dieser Übung mit den Händen helfen.
323∣ Herabbeugen auf der linken, dann auf der rechten Seite.
Der Soldat erfasst mit der rechten Hand die Mähne, legt das rechte Bein an den hinteren Theil des Sattels und neigt sich auf der linken Seite so tief herab, als er kann; hierauf richtet er sich wieder in den Reitsitz auf und beugt sich auf der rechten Seite in gleicher Weise herab.
324∣ Die Übungen werden in ähnlicher Weise wie am Voltigierbocke ausgeführt.
325∣ Auf- und Absitzen aus dem Stütz. Beine rückwärts schwingen. Abschwingen links oder rechts seitwärts aus dem Sitz.
Zum Aufspringen wird die linke Hand auf die vordere Zwiesel, die rechte auf die Kápa aufgelegt. Um aus dem Reitsitze die Beine rückwärts zu schwingen, grefien die Hände auf die vordere Zwiesel auf.
326∣ Aufschwingen aus dem Stütz am Halse. Abschwingen links oder rechts seitwärts aus dem Reitsitze.
Zum Aufschwingen erfasst der Soldat mit der fest zu schließenden linken Hand ein Büschel Mähne beiläufig zwei Spannen vom Widerriste, mit der rechten Hand die vordere Zwiesel.
327∣ Auf- und Absitzen aus dem Stütz auf beiden Seiten. Beine rückwärts schwingen. Abschwingen links oder rechts seitwärts aus dem Sitz.
Zum Aufspringen legt der Soldat die Hände auf den Rücken des Pferdes.
328∣ Aufschwingen aus dem Stütz am Halse. Abschwingen links oder rechts seitwärts aus dem Sitz.
329∣ Aufschwingen mit einer Hand. Abschwingen.
Zum Aufschwingen erfasst der Soldat mit der linken Hand ein Büschel Mähne, stellt sich mit der linken Schulter an den Hals des Pferdes und setzt den rechten Fuß einen Schritt zurück; die linke Hand auf den Kamm des Pferdehalses stützend, schwingt er unter kräftigem Abstoße des linken Fußes den rechten über das Kreuz des Pferdes und gelangt dadurch in den Sitz. Anfangs kann der Soldat zur Erleichterung im Augenblicke des Aufschwingens mit der rechten Hand auf das Kreuz des Pferdes einen angemessenen Druck ausüben.
330∣ Der Soldat führt sein Pferd nach Punkt 280 oder 283 in die Reitschule und dann auf der linken Hand längs der Einfassung, macht an der langen Wand eine ganze Linkswendung und bleibt nach einigen Schritten stehen. Hierauf legt er die Zügel über den Pferdehals, zieht die Steigbügel herab, stellt sich vor den Pferdekopf, mit dem Gesichte gegen denselben gewendet, stellt das Pferd gerade und nimmt wieder links neben dem Pferde nach Punkt 280 Stellung.
Ist der Soldat ohne Waffen, so bleibt die linke Hand natürlich herabhängen; bei umgenommenem Säbel trägt er diesen, wie es im Punkte 71 vorgeschrieben ist.
331∣ Das Führen eines Pferdes aus der Reitschule geschieht auf dem kürzesten Wege auf das Commando: "Aus der Reitschule!"
Vor dem Wegführen werden die Bügel an den Steigriemen hinaufgeschoben, die Riemen durch die Bügel gezogen, die Zügel ebenso wie beim Hineinführen in die Reitschule ergriffen.
332∣ Führen mehrere Reiter ihre Pferde auf die Reitschule, so hält einer vom andern, vom Pferdeschweif zum Pferdekopf, 3 Schritte Distanz. Wenn der letzte Reiter an die lange Wand gelangt ist, commandiert der Reitlehrer: "Wendung links!" und wenn die Abtheilung gegen die Mitte der Reitschule kommt: "Halt!" worauf sich die Reiter nach Punkt 330 benehmen.
333∣ Für das Wegführen der Pferde aus der REitschule gelten die Bestimmungen des Punktes 331.
334∣ Wurde schon außerhalb der Reitschule aufgesessen, so reitet die Abtheilung auf das Commando: "Einzeln auf 3 Schritte rechts (links) vorwärts!" "Schritt (Trab) -- Marsch!" in die Reitschule und auf der rechten Hand längs der Einfassung, ohne zu halten, gleich weiter.
In analoger Weise benimmt sich ein einzelner Reiter.
335∣ Soll erst außerhalb der Reitschule abgesessen werden, so reitet auf das Commando: "Aus der Reitschule (Schritt, Trab -- Marsch!)" jeder Reiter für sich aus der Reitschule.
336∣ Das Reiten auf der Reitschule soll ungefähr drei Viertelstunden dauern.
Damit jedoch die Pferde nicht zu kurze Zeit die frische Luft genießen, so müssen sie eine halbe Stunde vor und eine halbe Stunde nach dem Reitunterrichte in fließendem Schritt, ohne allen Zwang, geritten werden.
Bei stürmischem und kaltem Wetter sind sie nach Beendigung des Reitunterrichtes gleich in den Stall zu bringen; dagegen muss vor der Arbeit die Schrittbewegung länger dauern.
Nach jedem Reitschulreiten sollen die Pferde im geraden Herausgehen aus der Front geübt und an das Schießen, die Trommel und die Fahne gewöhnt werden.
337∣ Auf der Reitschule kann in der "Abtheilung" (mit bestimmten Distanzen) oder "einzeln" (ohne bestimmte Distanzen) geritten werden.
Das Üben im Einzelnreiten bleibt die Hauptsache; es macht Reiter und Pferd selbständig, und trägt am mesiten dazu bei, den Cavalleristen gewandt und mit seinem Pferde vertraut zu machen. Es zeigt allein den erlangten Grad der Ausbildung.
338∣ In der Abtheilung hält ein Reiter vom anderen 3 Schritte Distanz, welche vom Pferdeschweif zum Pferdekopf gemessen wird.
339∣ Aus dem Gliede oder Zuge wird die Abtheilung auf das Commando: "Einzeln auf 3 Schritte rechts (links) vorwärts!" "Schritt (Trab) -- Marsch!" formiert, worauf die Reiter in ihrer Reihenfolge derart anreiten, dass jeder Reiter des zweiten Gliedes seinem Vordermanne unmittelbar folgt.
340∣ Ist die Abtheilung nach Punkt 332 formiert und bereits aufgesessen, so wird: "Auf die rechte (linke) Hand, Schritt (Trab) -- Marsch!" commandiert, worauf alle Reiter gleichzeitig anreiten und vor der langen Wand auf die entsprechende Seite wenden.
341∣ In der Abtheilung darf der Reitlehrer nur im Schritt und Trab reiten und bloß jene Übungen ausführen lassen, bei welchen die Reiter hintereinander bleiben; jeder Reiter beginnt die anbefohlene Wendung oder Wechslung erst auf der Stelle, wo sie der Vorreiter gemacht hat. Alle übrigen Wendungen, die Seitengänge, das Reiten im kurzen Galopp und in verstärkten Tempo sind nur Gegenstand des Einzelnreitens.
342∣ Das Einzelnreiten wird nach dem Grade der Ausbildung auf zwei Arten geübt. Bei der ersten Art bleiben alle Reiter auf einer Hand. Bei der zweiten wird auf beiden Händen geritten.
343∣ Die erste Art erfolgt auf das Commando: "Einzeln reiten auf der rechten (linken) Hand!" von der Stelle: "Schritt (Trab) -- Marsch!" worauf sich die Abtheilung auflöst, indem die Reiter durch Ausführung vorgeschriebener Wendungen sich möglichst gleichmäßig auf der ganzen Reitschule vertheilen.
Der Reitlehrer hat die Gangarten, das Halten, Zurücktreten, die Touren, Wendungen und die Seitengänge anzuordnen, worauf jeder Reiter für sich, wenn er sein Pferd in die gehörige Verfassung gesetzt hat, die anbefohlene Übung beginnt.
Der Reitlehrer kann die vorstehenden Übungen auch durch einzelne Leute ausführen und wiederholen lassen.
Kommt ein Reiter einem vor ihm Reitenden zu nahe, so darf er demselben nicht vorreiten, sondern hat eine der vorgeschriebenen Wendungen auszuführen.
Auf das Commando: "Wechseln!" oder "Umkehrt (links umkehrt) wechseln!" geht jeder Reiter mittels der angeordneten Wechslung auf die andere Hand über.
344∣ Die zweite Art erfolgt auf das Commando: "Einzeln reiten!" von der Stelle: "Schritt (Trab) -- Marsch!" worauf sich die Reiter auf die früher erklärte Weise benehmen, nur mit dem Unterschiede, dass auf beiden Händen zugleich geritten wird.
Die auf der linken Hand Reitenden müssen, um jeden Zusammenstoß zu vermeiden, stets 3 Schritte von der Wand entfernt bleiben.
345∣ Die Abtheilung wird mittels des Commandos: "Auf Dragoner N. Abtheilung!" auf den dadurch als Vorreiter bezeichneten Mann, welcher im Schritte bleibt oder in diesen einfällt, ohne Rücksicht auf die frühere Eintheilung in dem jeweiligen Tempo formiert. Will der Reitlehrer ein anderes Tempo haben, so ist dies zu commandieren.
346∣ Auf der Reitschule wird nur dann mit ergriffenem Säbel geritten, wenn man die Mannschaft im Tragen und im Gebrauche desselben üben will.
Bei ergriffenem Säbel dürfen keine Seitengänge gemacht werden.
Übungen im Gebrauche des Säbels und im Verstärken des Tempos dürfen nur beim Einzelnreiten nach der ersten Art vorgenommen werden.
347∣ Nach beendeter Reitübung wird auf: "Glied!" in der Gangart, in welcher eben geritten wird, 2 Schritte hinter dem Reitlehrer, in ein Glied aufmarschiert. Der Reitlehrer hat sich hiezu in der Regel mit dem Rücken nahe an die kurze Wand zu stellen. Jeder Reiter hat vor dem Aufmarschieren in Schritt zu fallen und langsam in das Glied zu reiten, damit die Pferde nicht das Hineindrängen lernen.
348∣ Wurde einzeln geritten, so formieren sich die Reiter auf dem kürzesten Wege derart in das Glied, dass der zuerst Angekommene sich gerade hinter den Reitlehrer aufstellt, während die übrigen in der Reihenfolge ihres Eintreffens beiderseits anschließen. Jeder Reiter hat gerade, von rückwärts in die Front zu reiten und sein Pferd sofort gerade zu stellen.
349∣ Wurde in der Abtheilung geritten, so wendet der Vorreiter, wenn er an die kurze Wand kommt, in die Reitschule und bleibt stehen. Jeder folgende Reiter reitet hinter seinem Vormann herum und schließt an ihn an.
350∣ Nach erfolgtem Aufmarsche ist jeder Reiter einzeln im geraden Herausreiten aus der Front zu üben; hiezu wird er bei seinem Namen, mit gleichzeitiger Angabe der Gangart, aus der Front gerufen, z. B. "Uhlane X Schritt (Trab, kurzer Galopp)!".
Beim Herausreiten im kurzen Galopp muss es dem Pferde überlassen bleiben, ob es links oder rechts galoppieren will. Das Herausreiten in gerader Linie ist die Hauptsache.
Vor der gegenüberstehenden kurzen Wand nimmt jeder Reiter sein Pferd in den Schritt, wendet rechts oder links, und reitet von rückwärts wieder in das Glied.
351∣ Zur richtigen Führung ist vollständige Übereinstimmung der Zügel- und Schenkelhilfen unbedingt nothwendig; beide müssen sich in richtig bemessenem Grade gegenseitig unterstützen und begleiten.
Die Hauptsache bleibt immer eine gute Hand; diese soll stät, leicht und weich sein.
Stät ist die Hand, wenn sie sich in allen Gelegenheiten in der Lage, welche der Reiter entsprechend findet, zu erhalten weiß; leicht, wenn sie schon ein geringes Anlehnen der Laden auf das Gebiss fühlt und dieses Gefühl nicht verliert; weich, wenn sich ihre Einwirkung vom gelindesten bis zum stärksten Grade ohne Ruck allmählich vermehrt und ebenso vermindert.
352∣ Vor dem Angehen von der Stelle muss das Pferd gerade und am Zügel stehen, um die Bewegung sofort ohne Schwanken und Zögern antreten zu können.
Das unrichtige Stehen hat folgende Kennzeichen:
Stehen die beiden vorderen Füße unter dem Leibe zurück, so wird der Reiter ein Senken des Vordertheiles fühlen; steht der eine vor, so verräth sich dies dem Reiter durch die vorgeschobene Schulter des Pferdes; steht es gestreckt, so fühlt der Reiter ein Senken im Rücken des Pferdes; stellt es die Hinterfüße unter den Leib, so fühlt sich der Reiter im Gesäße gehoben; ruht das Pferd mit einem Hinterfuße, so fühlt er auf derselben Seite ein Sinken unter dem Gesäße. Fühlt endlich der Reiter eine seiner Schultern vorgeschoben, so steht das Pferd mit dem Hintertheile nach der Seite, auf welcher die Schulter vorgeschoben ist.
353∣ Aus jeder dieser fehlerhaften Stellungen wird das Pferd durch eine vordrückende Schenkelhilfe und ein leichtes Fühlenlassen der Zügel in die richtige Stellung gebracht.
Um in Reih und Glied gerade vorrücken zu können, ist es unbedingt nothwendig, die Reiter daran zu gewöhnen, ihre Pferde schon auf der Reitschule stets vollkommen senkrecht auf die Aufstellungslinie zu stellen.
Der Reitlehrer muss daher nicht nur jede Abweichung gleich abstellen, sondern auch, selbst wenn das Pferd gerade steht, durch öfteres Befragen sich überzeugen, ob der Reiter das richtige Gefühl besitzt und das Stehen seines Pferdes zu beurtheilen vermag.
354∣ Bei günstig gebauten und richtig angerittenen Pferden wird die im Punkt 266 angegebene Kopfstellung in der Regel ohne Schwierigkeit erreicht.
Ungünstig gebaute oder verdorbene Pferde sollen durch das Abbiegen lernen, die individuell nothwendige Kopfstellung und damit die richtige Anlehnung anzunehmen. Auch für den angehenden Reiter ist diese Übung geeignet, ihm die Wirkung der Zügel deutlich zu machen.
355∣ Das Abbiegen ist nur mit Pferden, welche mit dem Wischzaume gezäumt sind und nicht öfter zu üben, als der angestrebte Zweck dies erfordert.
Zum Abbiegen sind die Pferde von der Wand wegzuwenden, damit sie sich nicht an dieselbe lehnen.
Zum richtigen Abbiegen soll das Pferd gerade stehen und sich mit gut aufgerichtetem Halse hinter den Ganaschen in den obersten Halswirbeln biegen. Ein Hauptaugenmerk ist darauf zu richten, dass das Pferd am Gebisse abkaue.
356∣ Zum Abbiegen sind beide Zügel ein wenig zu verkürzen und ohne den Oberleib vorzuneigen anfangs die Fäuste nahe aneinander am oberen Theile der vorderen Zwiesel so fest aufzustützen, dass das Pferd sie nicht verrücken kann.
Geht ein Pferd dabei zurück, so darf es nicht daran gehindert werden, sondern es ist ruhig abzuwarten, bis es von selbst stehen bleibt und in die Kopfstellung eingeht. Wenn das Abkauen vom Gebisse erfolgt, so müssen die Zügel sogleich nachgegeben, und es soll dem Pferde geschmeichelt werden.
357∣ Das Zurücktreten des Pferdes geschieht aus Schmerz, welchen der Druck der Ganaschen auf die Ohrendrüsen verursacht; wird nun das Pferd dabei mit den Schenkeln oder gar mit den Sporen vorgetrieben, so ruft man dadurch Widersetzlichkeiten hervor, an die es sonst nicht gedacht hätte.
Schon nach einigen Lectionen leisten die Pferde meistens keinen Widerstand mehr gegen die Zügelwirkung und entziehen sich auch nicht mehr durch Zurückgehen dem Drucke des Gebisses.
358∣ Sobald das Pferd auf die Genickbiegung nach abwärts eingeht, ist auch die Genickbiegung nach seitwärts zu üben. Hiebei darf der Hals nur geringen Antheil an der Biegung nehmen.
Zum Abbiegen nach seitwärts ist der innere Zügel etwas zu verkürzen und hierauf nach Bedarf die innere Faust an der vorderen Zwiesel aufzustützen, während die äußere durch Gegenhalten des Zügels das Maß der Biegung bestimmt und den Pferdekopf in die richtige Stellung bringt.
359∣ In der Folge soll das Pferd einige Zeit in der Biegung erhalten werden, um es an das Verbleiben in derselben zu gewöhnen.
Versteht das Pferd einmal, was man von ihm will, so werden die Fäuste nicht mehr aufgestützt, sondern die Zügel nach Punkt 291 gehalten und das Pferd nach jedem Versuche zurückzukriechen, durch stets erneuerte wachsende Schenkelhilfen wieder gegen die aushaltenden Zügel vorgedrückt.
Auf diese Art soll das Pferd dahin gebracht werden, dass es sich der richtigen Kopfstellung auch beim Anreiten und während der Bewegung nicht entziehe.
Anreiten.
360∣ Um von der Stelle im Schritt anzureiten, werden die Schenkel etwas stärker angelegt, wobei die Hand gleichzeitig etwas nachgibt; sobald das Pferd im Gange ist, wird die Wirkung der Schenkel vermindert. Der Oberleib soll weder vor- noch zurückfallen.
361∣ Um das Pferd zu parieren, werden die Schenkel gut geschlossen an der Gurte angelegt, damit das Pferd das Hintertheil unterschiebe; gleichzeitig werden die Zügel mit beiden Händen mit wachsender Stärke aufwärts gegen den Leib angezogen. Der Reiter setzt sich etwas fester in den Sattel und hält, um nicht vorzufallen, den Oberleib etwas aus.
Ist das Pferd stehen geblieben, so sind die Zügel, ohne sie etwa plötzlich außer Wirkung zu setzen, nachzugeben, damit es nicht zurücktrete, oder mit der Krupe nach seitwärts ausweiche. Gleichzeitig wird der Schenkeldruck vermindert.
Nach der Parade muss das Pferd in der Verfassung sein, die Bewegung sofort wieder anzutreten, ohne erst durch erneuerte Versammlung hiezu vorbereitet werden zu müssen.
362∣ Diese Übung dient hauptsächlich dazu, das Pferd besser in das Gleichgewicht zu bringen und das Hintertheil dem Willen des Reiters gefügig zu machen.
Das Zurücktreten wird nur von der Stelle geübt.
Das Pferd muss Schritt für Schritt auf gerader Linie zurücktreten. Es darf weder stocken, noch eilen, noch mit dem Hintertheile seitwärts ausweichen. Der Reiter soll dabei immer das Gefühl haben, in jedem Augenblicke stehen bleiben oder vorwärts reiten zu können.
363∣ Das Zurücktreten erfolgt auf das Commando: "Rückwärts -- Marsch!" Beide Zügel werden mit wachsender Stärke gegen den Leib angezogen, bis sich das Pferd rückwärts bewegt. In diesem Momente muss die Hand ruhig nachgeben. Soll das Pferd noch weiter zurückgehen, so wird der Zügelanzug erneuert.
Beide Schenkel bleiben in Fühlung am Pferde, um die Krupe auf der geraden Linie zu erhalten, es vorzudrücken, wenn es eilen sollte, und dem Zurücktreten Einhalt zu thun, wenn der Reiter anhalten will.
Weicht die Krupe von der geraden Linie ab, so hat dies der gleichseitige Zügel und Schenkel zu verhindern.
364∣ Auf: "Halt!" muss der Reiter durch gute Mitwirkung beider Schenkel sein Pferd zuerst einen Schritt vortreiben und dann parieren.
Auf das Commando: "Schritt (Trab)!" wird das Pferd mit den beim Anreiten im Schritt erörterten Hilfen nach vorwärts in Bewegung gesetzt; dabei haben die Schenkel so lange zu wirken, bis das Pferd Folge geleistet hat.
365∣ Vor jeder Wendung ist das Pferd, wenn nöthig, mäßig zu versammeln, damit es in guter Haltung, leicht an den Zügeln stehend, in die Wendung eingehe.
Um zu wenden wird der innere Zügel mit mäßig gerundeter Hand gegen die Mitte der Brust angezogen, wobei die äußere Hand verhältnismäßig nachgibt. Der innere Schenkel wird in seiner natürlichen Lage an der Gurte, der äußere hinter derselben angelegt; der Oberleib folgt leicht der Bewegung.
Der innere Zügel stellt das Pferd auf die innere Hand, bewirkt die Wendung und verhindert unter Mitwirkung des inneren Schenkels das hereindrängen der Krupe.
Der äußere Zügel richtet Hals und Kopf auf, bestimmt den Grad der Kopfstellung nach innen sowie die Größe der Wendung und verhindert, unterstützt durch den äußeren Schenkel, das Ausfallen der Krupe.
Der innere Schenkel hilft das Pferd im gleichen Tempo zu erhalten.
Wird es versäumt, den inneren Schenkel zu gebrauchen, so sind die Pferde geneigt, sich in der Wendung zu verhalten.
Nach Beendigung der Wendung wird durch Aushalten des äußeren Zügels, Gegenhalten des äußeren Schenkels und Geradestellen des Kopfes das Pferd wieder zum Geradegehen bestimmt.
366∣ In gleicher Weise werden die Ecken durchritten.
Die Pferde sollen nie ohne Haltung und Stellung die Ecken durchschreiten.
367∣ Alle nachfolgend erörterten Wendungen sind auf beiden Händen gleichmäßig zu üben und sollen nur so oft gemacht werden, als zur Ausbildung des Reiters und Abrichtung des Pferdes oder zur Prüfung dessen Gehorsams nöthig ist.
Das Reiten von vielen Wendungen in der Absicht, dem Auge ein gefälliges Bild zu verschaffen, ist nutzlos, ja sogar schädlich.
Einfache Wendung.
368∣ Bei derselben bewegt sich das Pferd auf einem Kreisbogen, dessen Halbmesser 3 Schritte beträgt.
369∣ Auf das Commando: "Halbe Reitschul!" wendet der Reiter in der Mitte der langen Wand, reitet gerade durch die Reitschule und wendet vor der andern langen Wand wieder nach derselben Seite.
370∣ Auf das Commando: "Aus der Mitte!" bewirkt der Reiter dieselbe Wendung von der Mitte der kurzen Wand.
371∣ Auf das Commando: "Wendung rechts (links)!" bewirkt der Reiter dieselbe Wendung dort, wo er sich eben befindet.
372∣ Will der Reitlehrer aus einer der vorstehend erklärten drei Wendungen auf die andere Hand übergehen lassen, so commandiert er wenigsten 10 Schritte vor der entgegengesetzten Wand: "Auf die linke (rechte) Hand!" worauf der Reiter bei Annäherung an die entgegengesetzte Wand sein Pferd nach der anbefohlenen Seite stellt und dahin wendet.
373∣ Auf: "Wechseln!" wendet der Reiter, wenn er die kurze Wand passiert hat und noch 10 Schritte an der langen Wand fortgeritten ist, sein Pferd und durchreitet das Viereck auf der Diagonal-Linie derart, dass er wieder ungefähr 10 Schritte vor der schräg gegenüber liegenden Ecke an die lange Wand kommt, woselbst er das Pferd auf die andere Hand stellt und dahin wendet. Beim Wechseln begegnen sich die Reiter stets derart, dass die rechten (Säbel-) Hände gegeneinander kommen.
374∣ Die große Tour wird auf einem Kreise geritten, dessen Durchmesser wenigstens 20 Schritte beträgt und auf das Commando: "Große Tour!" begonnen und erst auf "Grad aus!" beendet. Da die große Tour eine fortdauernde Wendung ist, müssen dieselben Hilfen wie bei der Wendung gegeben und je nach Bedarf erneuert werden.
375∣ Das Reiten in der großen Tour verschafft dem auf der äußeren Seite stehenden Reitlehrer Gelegenheit, nicht nur den Gebrauch des äußeren Schenkels, sondern auch den Sitz des Reiters von vorne und von rückwärts zu beobachten.
Für die Pferde ist die große Tour von sehr großem Nutzen; sie lernen sich in den Rippen biegen und das innere Hinterbein untersetzen, was zu allen engeren Wendungen nöthig ist.
Da hiebei die inneren und die äußeren Beine ungleich in Anspruch genommen werden, so soll nie zu lange auf derselben Hand geritten werden.
376∣ Die kleine Tour wird auf einem kleinen Kreise geritten, dessen Durchmesser sich nach der Geschicklichkeit von Reiter und Pferd richtet.
Auf das Commando: "Kleine Tour!" wird selbe nur einmal ausgeführt und hierauf wieder geradaus geritten.
Die Hilfen sind dieselben wie bei der großen Tour; nur ist darauf zu achten, dass stets reiner Gang und gleiches Tempo beibehalten werden, weil die Wendung kleiner ist und daher mehr Gewandtheit erfordert.
Umkehrtwechseln.
377∣ Die Umkehrtwechslung ist eine halbe kleine Tour, nach welcher in schräger Linie auf die andere Hand gewechselt wird und geschieht auf das Commando: "Umkehrt wechseln!" wenn sie rechts, und "Links umkehrt wechseln!" wenn sie links ausgeführt werden soll.
Bei der Umkehrtwechslung gelten zum Beginne der Wendung dieselben Bestimmungen wie bei der kleinen Tour, zur zweiten Hälfte jedoch, wobei schräg, mehr vor- als seitwärts, gegen die Wand zu reiten ist, jene für die Diagonalwechslung.
Wendung um die Mitte.
378∣ Die Wendung um die Mitte des Pferdes besteht darin, dass das Vordertheil soviel von seiner geraden Richtung nach der einen Seite abweicht, als dies von dem Hintertheile nach der entgegengesetzten Seite geschieht, wobei die Mitte des Pferdes als Achse einen Kreisbogen beschreibt, dessen Halbmesser einen Schritt beträgt.
Zur ganzen Wendung um die Mitte wird commandiert: "Rechts (Links) um!" und zur Rückwärts-Wendung: "Kehrt Euch!" wenn sie rechts, und "Links kehrt Euch!" wenn sie links ausgeführt werden soll.
Zur Wendung des Pferdes um seine Mitte muss der Reiter dasselbe etwas mehr versammeln als vor einer der bisher erklärten Wendungen. Nun wendet er das Vordertheil mit denselben Zügelhilfen, wie bei den anderen Wendungen, wobei er jedoch den inneren Schenkel hinter der Gurte anlegt und etwas stärker gebraucht, damit das Hintertheil ebensoviel nach außen weiche, als das Vordertheil nach innen gewendet wird. Beide Schenkel erhalten hiebei das Pferd in der Bewegung nach vorwärts. Nach Vollendung der Wendung hält der äußere Zügel und Schenkel entgegen und bestimmt das Pferd zum Geradeausgehen.
Um diese Wendung von der Stelle auszuführen, setzt der Reiter sein Pferd erst etwas nach vorwärts in Bewegung.
Im übrigen sind die Bestimmungen der Punkte 380 und 381 zu beachten.
Wendung um das Hintertheil.
379∣ Die Wendung um das Hintertheil besteht darin, dass die Hinterbeine beinahe auf der Stelle treten, wobei der innere Hinterfuß den Hauptstützpunkt des Pferdes und gleichsam den Mittelpunkt des Kreises bildet, welchen das Vordertheil beschreibt.
Zur Wendung um das Hintertheil, welche stets eine vollständige Rückwärtswendung ist, wird commandiert: "Kurz kehrt Euch!" oder "Kurz links kehrt Euch!"
Für diese Wendung gelten in Bezug auf Versammeln und Zügelhilfen dieselben Bestimmungen wie bei der Wendung um die Mitte, nur muss statt des inneren Schenkels der äußere hinter der Gurte angelegt und so stark gebraucht werden, dass die Hinterbeine, sich bewegend, beinahe auf der Stelle erhalten werden. Der innere Schenkel bleibt an der Gurte und verhindert das Zurückkriechen.
380∣ Die Wendungen um die Mitte und um das Hintertheil dürfen nur von der Stelle und aus dem Schritte geübt werden. Die Wendungen um die Mitte können nicht an der Wand gemacht werden, weil das Hintertheil beim Weichen an dieselbe stoßen würde.
Nach Vollendung der Wendung wird, je nachdem dieselbe im Schritt oder von der Stelle gemacht wurde, weiter geritten oder angehalten.
Wird eine dieser Wendungen im Schritt ausgeführt, so bleibt der Reiter nach Beendigung der ganzen Wendung auf derselben Hand, nach Beendigung der vollständigen Rückwärtswendung jedoch muss auf der anderen Hand fortgeritten werden.
381∣ Durch die hier vorgeschriebenen Wendungen lernt der Reiter sein Pferd zwischen beiden Zügeln und Schenkeln führen und wird gleichzeitig mit der übereinstimmenden Wirkung derselben bekannt.
Die letzten zwei Wendungen (Punkte 378 und 379) sind dem Soldatenpferde von großem Nutzen, um es für engere Wendungen in schärferen Gangarten mit Schonung vorzubereiten. Sie dürfen nur mit Vorsicht geübt werden, damit die Pferde sich bei denselben nicht zurückhalten und den Rücken sowie das Hintertheil nicht hoch machen.
382∣ Die Seitengänge dienen dazu, dem Reiter einen richtigen Begriff von vereinigten Zügel- und Schenkelhilfen zu verschaffen; dem Pferde soll durch dieselben ein erhöhter Gehorsam und mit möglichster Schonung die nöthige Biegsamkeit in allen seinen Gelenken beigebracht werden.
383∣ Seitengänge dürfen nur mit Pferden geübt werden, die gut am Zügel stehen und auf die Schenkelhilfen willig vorwärts gehen.
384∣ Für das Cavallerie-Pferd genügen: Schulter herein, der halbe Travers, Krupe herein und der ganze Travers.
Die drei ersten Seitengänge sind nur als Mittel zur Abrichtung zu betrachten und dürfen nicht öfter, als es dieser Zweck erfordert, geübt und nie lange andauernd fortgesetzt werden. Schulter herein und der halbe Travers sind die zweckentsprechendsten und daher wichtigsten Seitengänge; Krupe herein gibt dem jungen Reiter einen Begriff, wie das Pferd gestellt werden muss, um es mit Sicherheit rechts oder links in Galopp einzusprengen.
Der ganze Travers ist bloß deshalb zu üben, damit man in Reih und Glied auf einige Schritte seitwärts rücken könne.
385∣ Die Seitengänge dürfen nur im Schritt ausgeführt werden.
Bei allen Seitengängen muss immer das Vordertheil dem Hintertheile gehörig vorausgehen.
Das Pferd muss vor den Seitengängen richtig am Zügel stehen und darf nie durch scharfe Hilfen zu denselben gezwungen werden.
Der Reiter muss sich stets gegenwärtig halten, dass hauptsächlich die Zügel das Pferd führen und die Schenkel diese nur unterstützen, ferner dass bei keinem Seitengange ein Schenkel allein wirken dürfe; denn, wenn der eine das Pferd seitwärts treibt, muss der andere es am Seitwärtseilen hindern und des vortreiben, wenn es sich verhält. Der Oberleib des Reiters soll der Bewegung folgen und darf nie nach der Seite des seitwärts treibenden Schenkels hängen.
Schulter herein.
386∣ Schulter herein wird vorzugsweise in der großen Tour geübt, kann aber auch an der Wand ausgeführt werden.
Bei dieser Übung wird das Vordertheil einen Schritt hereingewendet, die inneren Füße treten über. Auf der großen Tour gehen der innere Hinterfuß und der äußere Vorderfuß ungefähr auf derselben Kreislinie, an der Wand geht der innere Hinterfuß beinahe auf derselben Linie wie der äußere.
Wird das Vordertheil mehr hereingestellt oder das Hintertheil mehr hinausgetrieben, so werden die Tritte der Hinterfüße zu groß, das Pferd kann den inneren Hinterfuß nicht gehörig untersetzen, legt sich auf die Vorhand, und wird dadurch in den Schultern fest, statt im Hintertheile biegsam; dabei ist es geneigt, mit steifem Rücken zu gehen.
387∣ Zur Übung von Schulter herein ist zu commandieren: "Schulter herein!" Hierauf wird durch einen verstärkten Anzug des inneren Zügels die Kopfstellung ein wenig vermehrt und das Vordertheil entsprechend hereingeführt.
Der äußere Zügel bestimmt das Maß dieser Stellung; der innere Schenkel, an der Gurte angelegt, veranlasst das Seitwärtstreten und unterstützt die Hohlbiegung; der äußere Schenkel, nahe hinter der Gurte angelegt, bestimmt, wie weit das Hintertheil weichen darf, und drückt das PFerd vor, wenn es sich zurückhält.
Zur Einstellung dieser Übung ist: "Grad aus!" zu commandieren.
Durch Nachgeben des inneren Zügels und verstärktes Aushalten des äußeren wird das Pferd zum Vermindern der Kopfstellung nach seitwärts und zum Aufgeben des Seitenganges bestimmt. Gleichzeitig wird die Wirkung des inneren Schenkels etwas vermindert; der äußere bleibt im Gefühle hinter der Gurte.
388∣ Wird Schulter herein an der Wand geübt, so ist in der Ecke die Vorhand etwas zu verhalten, der innere Schenkel ein wenig stärker anzudrücken und das Pferd gebogen durch dieselbe zu führen.
Halber Travers.
389∣ Beim halben Travers treten die äußeren Füße etwas über die inneren; der innere Vorder- und der äußere Hinterfuß sollen ziemlich auf einer Linie gehen und es ist darauf zu sehen, dass die innere Seite etwas hohl gebogen sei.
390∣ Zum halben Travers wird commandiert: "Halber Travers aus der Mitte!" Hierauf wendet der Reiter "aus der Mitte", reitet noch 3 Schritte geradeaus und gibt dann dem Pferde die Richtung gegen die Mitte der langen Wand, so dass das Vordertheil des Pferdes derselben näher ist, als das Hintertheil. Auf dieser schrägen Linie führt der Reiter sein Pferd gegen die Mitte der langen Wand, indem er mittels des inneren Zügels eine etwas vermehrte Kopfstellung fordert und den äußeren Schenkel nach Bedarf hinter der Gurte anlegt. Der äußere Schenkel veranlasst das Pferd zum Seitwärtstreten und wird durch das Aushalten des äußeren Zügels unterstützt. Der innere Schenkel ist immer an der Gurte in Bereitschaft, das Pferd vorzudrücken und das Vorausgehen der Krupe zu verhindern.
Der innere Zügel hat die Wirkung des inneren Schenkels zu unterstützen, um das Vordertheil stets voraus im Gange zu erhalten.
An der langen Wand angekommen, wird ohne Commando geradeaus geritten.
Kruppe herein.
391∣ Kruppe herein wird nur auf der geraden Linie geübt. Das Hintertheil des Pferdes ist dabei etwas nach der inneren Seite zu stellen, so dass der äußere Hinterfuß und der innere Vorderfuß auf einer Linie gehen.
Wird das Hintertheil mehr hereingestellt, so verliert das Pferd die Haltung, und der äußere Hinterfuß kann nicht leicht unter den Schwerpunkt des Pferdes treten.
392∣ Zur Übung von Kruppe herein wird commandiert: "Kruppe herein!"
Der Reiter versichert sich vor allem der Kopfstellung auf dem inneren Zügel, wobei der äußere etwas aushält; der äußere Schenkel veranlasst das Seitwärtstreten; der innere Zügel führt fortwährend das Vordertheil; der innere Schenkel unterstützt dies und verhindert das Pferd die Kruppe weiter hereinzustellen, als es soll.
Auf richtige Anwendung des inneren Zügels und Schenkels ist bei dieser Übung ein ganz besonderer Wert zu legen.
Beim Durchreiten der Ecken muss das Vordertheil vorausgehen und zuerst gewendet werden. Es bleibt im nämlichen Gang und Tempo, während das Hintertheil durch Gegenhalten des inneren Schenkels solange zu kürzeren Tritten verhalten werden muss, bis jenes die Ecke passiert hat. Der äußere Schenkel bleibt in Fühlung hinter der Gurte, um das Hintertheil festzuhalten und gleich wieder zum Seitwärtstreten zu bestimmen, wenn das Vordertheil die Ecke durchschritten hat.
Zum Einstellen dieser Übung wird: "Grad aus!" commandiert.
Die verminderte Wirkung des inneren Zügels und äußeren Schenkels, das Aushalten des äußeren Zügels und das Liegenlassen des inneren Schenkels bestimmen das Pferd zum Geradeausgehen.
Ganzer Travers.
393∣ Beim ganzen Travers treten die äußeren Füße über, die Vorder- und Hinterfüße gehen auf parallelen Linien, das Pferd geht gar nicht vor-, sondern nur seitwärts.
Der ganze Travers wird nur von der Stelle geübt.
Zur Ausführung desselben wird commandiert: "Travers rechts (links) -- Marsch!" Das Pferd wird etwas nach vorwärts in Bewegung gesetzt, hierauf mit dem inneren Zügel die Vorhand nach jener Seite gewendet, nach welcher man traversieren will und bei etwas verhaltenden Zügeln der äußere Schenkel hinter der Gurte angelegt, um das Pferd seitwärts zu treiben. Der innere Schenkel sorgt dafür, dass das Pferd nicht zurückkrieche und unterstützt die Wirkung des inneren Zügels, damit das Vordertheil stets vorausgehe.
Zur Beendigung des Travers wird: "Halt!" commandiert, worauf die Zügel etwas verhalten werden. Die Wirkung des äußeren Schenkels wird vermindert, der innere hält entgegen und das Pferd wird wieder nach vorwärts gerade gestellt.
394∣ Zum Anreiten aus dem Schritt in den Trab werden dieselben, nur etwas verstärkten Hilfen wie zum Anreiten in den Schritt gegeben.
Zum Anreiten in den Trab von der Stelle wird das Pferd zuerst in Schritt gesetzt und gleich die Hilfe soviel verstärkt, bis es den Trab beginnt. Der Oberleib hat dabei der Bewegung zu folgen und darf weder vor noch zurückfallen.
Eine gleiche, leichte Zügelführung und ein ruhiger Sitz erhalten ein gleichmäßiges Tempo. Eilt das Pferd, so ist es durch Anziehen der Zügel, lässt es im Gange nach, so ist es durch verstärktes Wirken beider Schenkel im gleichen Tempo zu erhalten.
Wendungen und Durchreiten der Ecken.
395∣ Bei den Wendungen und Ecken werden dieselben Hilfen wie im Schritt angewendet, nur hat der Reiter den Oberleib etwas mehr nach der inneren Seite zu halten, damit er der Bewegung folge. Ferner ist ein Hauptaugenmerk darauf zu richten, dass stets reiner Gang und gleiches Tempo beibehalten werden.
Eine für Reiter und Pferd sehr nützliche Übung ist das Traben in der großen Tour; es bildet die Grundlage zu jeder größeren Biegsamkeit und Gewandtheit im leichten Wenden des Vordertheiles um das Hintertheil, und ist eine sehr gute Vorbereitung zum Galopp.
Übergang in den Schritt, Parieren.
396∣ Zum Übergange in den Schritt und zum Parieren werden dieselben Hilfen wie zum Anhalten aus dem Schritt angewendet; die Schenkel bleiben solange am Pferde, bis dieses den Schritt angenommen hat, beziehungsweise stehen geblieben ist, worauf Hände und Schenkel nachgeben.
Verstärken des Tempos.
397∣ Das Verstärken des Tempos ist eine Vorübung für den starken Trab und muss den Raumverhältnissen der Reitschule angepasst werden.
Zum Verstärken des Tempos wird: "Tempo verstärken!" commandiert. Auf: "Trab!" wird wieder das Normal-Tempo angenommen.
Die Übergänge sind durch allmählich sich steigernde Hilfen fließend zu bewirken. Die Ecken sind im verstärkten Tempo abzurunden.
Einsprengen.
398∣ Um den ruhigen, sicheren Übergang aus dem Schritt in den kurzen Galopp vorzubereiten und dem Reiter das richtige Gefühl für das Einsprengen zu lehren, empfiehlt es sich, öfter aus dem Trab einzusprengen.
399∣ Um aus dem Trab in den kurzen Galopp einzusprengen, verhält der Reiter bei gerade gestelltem Pferdekopfe, ohne das Trabtempo zu verkürzen oder zu verschärfen, mit beiden Zügeln in der Richtung gegen den äußeren Hinterfuß. Der innere Schenkel bleibt in Fühlung an der Gurte, der äußere wird etwas verstärkt hinter derselben angelegt und das Pferd mit beiden Schenkeln angetrieben. Sowie das Pferd zum ersten Sprunge ansetzt, muss der Reiter durch Nachgeben der Hand das Vorwärtsgehen gestatten.
Ein besonderes Augenmerk ist darauf zu richten, dass die Pferde fließend, ruhig und in guter Haltung angaloppieren, sich weder verhalten, noch das Trabtempo verstärken oder gar fortstürmen.
400∣ Zum Einsprengen aus dem Schritt sind dieselben Hilfen anzuwenden, wie zum Einsprengen aus dem Trab. Es ist darauf zu achten, dass das Hintertheil dem Drucke des hinter der Gurte angelegten äußeren Schenkels nicht zu stark weiche; ferner, dass der Reiter den richtigen Sitz beibehalte und das fehlerhafte Herabsehen nach der inneren Seite vermeide.
401∣ Um von der Stelle einzusprengen, wird das Pferd zuerst in Schritt gesetzt und gleich darauf die Hilfe zum kurzen Galopp gegeben.
402∣ Der Reiter erkennt, ob das Pferd rechts oder links galoppiert, wenn er beobachtet, welche Seite des eigenen Körpers vor- und aufwärts gestoßen wird. Auf dieser Seite befinden sich auch die Füße des Pferdes im Vorsprunge. Fühlt er hingegen im Gesäß höchst unangenehme, unregelmäßige Stöße, so kreuzt das Pferd.
Sobald der Reiter merkt, dass sein Pferd falsch galoppiert oder kreuzt, so muss er es, wenn er allein vorgenommen wird, in jene Gangart nehmen, aus der er angaloppiert ist und von neuem einsprengen; werden jedoch mehrere Reiter gleichzeitig vorgenommen, so hat er das Pferd in Trab zu nehmen und aus diesem wieder ruhig einzusprengen.
Wenn das Pferd unrichtig einsprengt, so darf man den Reiter nicht gleich anrufen, sondern muss warten, bis er eine Ecke durchreitet. Pariert er sein Pferd nachher nicht, so beweist dies, dass er noch nicht das richtige Gefühl besitzt, den Galopp zu beurtheilen; er muss daher durch den Zuruf: "Dragoner N., falsch!" darauf aufmerksam gemacht werden.
403∣ Ein ruhiger Sitz, abwechselndes Nachgeben und Verhalten der Zügel, endlich Wiederholen der Schenkelhilfen, wenn das Pferd im Gange nachlassen will, erhalten ein gleiches Tempo und befördern die Leichtigkeit und Richtigkeit des Ganges.
Durch länger andauerndes, ununterbrochenes, ruhiges Gehen im kurzen Galopp gewöhnen sich die Pferde an die Fußfolge in dieser Gangart und werden dadurch vorbereitet, längere Strecken im Galopp zu hinterlegen, ohne sich zu ereifern oder an den Beinen Schaden zu leiden.
404∣ Bei den Wendungen und Ecken, welch letztere im kurzen Galopp ordentlich zu durchreiten sind, werden dieselben Hilfen wie im Schritt angewendet, nur muss der äußere Schenkel, hinter der Gurte angelegt, etwas stärker wirken, um dem Hintertheil die gehörige Haltung zu geben, ohne es aber einwärts zu treiben.
405∣ Der Übergang aus dem kurzen Galopp in den Schritt und das Parieren geschieht mit denselben Hilfen, wie aus dem Trab, wobei besonders die gerade Haltung des Oberleibes zu bewahren ist.
Übergang in den Trab.
406∣ Das Pferd ist durch vermehrtes Anziehen beider Zügel, wobei der innere vorwirkt, aus dem Galopp in den Trab zu nehmen. Die Schenkel sind hiebei bloß so stark anzulegen, dass das Pferd sich infolge der vermehrten Kopfstellung nicht verhalte und dass es gleich das richtige Tempo annehme.
Übergang auf die andere Hand.
407∣ Soll der Reiter im kurzen Galopp von einer Hand auf die andere übergehen, so nimmt er das Pferd beim "Wechseln" und "Umkehrtwechseln", an der Wand angekommen, ohne Commando, bei den anderen Wendungen auf das Commando: "auf die linke (rechte) Hand!" in den Trab, stellt es auf die andere Hand und sprengt von neuem ein.
408∣ Als Vorbereitung für den Galopp ist auf der Reitschule das Tempo des kurzen Galopps, den Raumverhältnissen entsprechend, zeitweilig zu verstärken.
Es ist darauf zu sehen, dass der Sprung ein ruhiger, nur etwas gestreckterer sei, die Ecken gut abgerundet werden und die Reiter ruhig sitzen und leicht führen.
Die Ausführung geschieht auf: "Tempo verstärken!" das Wiederverkürzen auf: "Kurzer Galopp!"
409∣ Mit Stangenzügeln allein wird nur auf der Reitschule in zwei Fällen geritten: entweder um dem Reiter die Führung mit der Stange zu lehren und ihm die Wirkung derselben zu erklären, oder um das junge Pferd zur Beendigung seiner Abrichtung auf die Zügelwirkung vollständig gehorsam zu machen.
Mit Stangenzügeln allein dürfen keine Seitengänge geübt werden.
410∣ Soll mit den Stangenzügeln allein geführt werden, so wird: "Trensenzügel hängen lassen!" commandiert, worauf die Zügelhaltung nach Punkt 295 anzunehmen ist.
Auf "Trensenzügel ergreifen!" werden dieselben wieder nach Punkt 296 ergriffen.
411∣ Bei allen Anzügen soll die Hand möglichst vor der Mitte des Leibes bleiben.
Der Reiter soll bei jeder Wechslung, überhaupt so oft es nöthig wird, selbst bei ergriffener Waffe, sich mit der rechten Hand die Zügel richten, damit das Pferd immer richtig gestellt und zu den vorkommenden Wendungen vorbereitet sei.
412∣ Zum Aufrichten, Versammeln, Verhalten, sowie zum Zurücktreten des Pferdes zieht die linke Hand beide Zügel gleich stark in gerader Richtung gegen die Mitte des Leibes an, wobei der kleine Finger etwas aufwärts gegen den Leib zu wenden ist.
Das Nachgeben der linken Hand vermindert die Wirkung der Zügel. Dies geschieht durch etwas Vorgeben der ganzen Hand oder durch bloßes Drehen des unteren Theiles derselben nach vorwärts.
Das Pferdemaul ist durch öfter wiederholtes Verhalten und Nachgeben frisch im Gefühle zu erhalten.
413∣ Zur Wendung rechts nähert sich die im Handgelenke mäßig abgerundete linke Hand mit dem kleinen Finger soviel als nöthig, der rechten Hüfte, damit beide Zügel, nur der rechte mehr, in Wirkung treten.
Zur Wendung links nähert sich die im Handgelenke mäßig abgerundete linke Hand der linken Hüfte, wobei der kleine Finger gegen letztere gewendet und der linke Ellbogen etwas zurückgeschoben wird. Hiedurch wirken beide Zügel, der linke jedoch mehr.
Nach jeder Wendung ist die Hand wieder gerade zu stellen.
Zum Einsprengen in den kurzen Galopp wird mit der linken Hand ein wenig gegen den äußeren Hinterfuß verhalten, wobei die Hand etwas in der Richtung gegen denselben zurückgeschoben wird.
414∣ In der Regel ist mit beiden Händen zu führen.
Die linke Hand führt ebenso wie mit den Stangenzügeln allein. Die Trensenzügel, welche beide gleichmäßig mitzuwirken haben, sollen nur die Wirkung der Stange mildern und unterstützen; es ist hauptsächlich bei den Wendungen nach rechts darauf zu sehen, dass die linke Hand, durch die rechte unterstützt, und nicht etwa der rechte Trensenzügel allein, die Wendung bewirke.
Die rechte Faust muss immer nahe der linken, und in gleicher Höhe mit derselben bleiben.
415∣ Als "großes Viereck" ist auf einem möglichst ebenen und guten Boden ein Rechteck von 200 Schritt Länge und 100 Schritt Breite auszustecken. In demselben kann ein Zug auf einmal vorgenommen werden.
Das Reiten im großen Vierecke bezweckt, den Sitz des Reiters in scharfen Gangarten zu festigen, das Einhalten der vorgeschriebenen Tempi und den Gebrauch des Säbels in allen Gangarten zu üben, sowie die Gänge der Pferde zur freien Entwicklung zu bringen.
416∣ Für das Reiten im großen Vierecke gelten dieselben Bestimmungen, wie für das Reiten auf der Reitschule.
Insbesondere sind der starke Trab und der Galopp zu üben.
Der Reiter soll nicht nur den richtigen und festen Sitz in scharfer Gangart bewahren, sondern auch das energische Vortreiben minder gängiger Pferde lernen. Er muss auch in dem Einhalten des richtigen Tempos und im Reiten gerader Linien gefestigt werden.
Die Pferde sollen lernen, die scharfen Gänge willig und ohne Aufregung zu gehen. Dem ruhigen und sicheren Übergang aus einer Gangart (Tempo) in die andere ist ein besonderes Augenmerk zuzuwenden.
Auch im großen Vierecke müssen die Pferde rein, frisch und lebhaft gehen und im Schritt, Trab und kurzen Galopp versammelt geritten werden.
Seitengänge sind in der Regel nicht zu üben.
Bei fortschreitender Übung ist immer häufiger mit ergriffenem Säbel zu reiten.
Der Galopp und der starke Trab sind nur im Einzelnreiten nach erster Art, der starke Trab niemals mit ergriffenem Säbel zu üben. Das Herausreiten aus der Front ist nach Punkt 350 auf möglichst langer Linie jedesmal zu üben, wobei auch der Galopp und die Carrière zur Anwendung zu kommen haben. Für das gerade Reiten sind die Bestimmungen des Punktes 95 sinngemäß in Anwendung zu bringen.
417∣ Das Reiten im großen Vierecke ist im Frühjahre, sobald Boden- und Witterungs-Verhältnisse es erlauben, ungesäumt vorzunehmen, damit die Exercier-Übungen der Recruten im Gliede und im Zuge keine Verzögerung erleiden und damit baldigst Exercier-Bewegungen im Galopp durchgeführt werden können, ohne dass die nöthige Ruhe verloren geht.
418∣ Im starken Trab ist dem Pferde eine gestrecktere Hals- und Kopfstellung zu gestatten als im Trab, damit das Hintertheil gehörig nachschieben könne. Doch soll der Reiter dem Pferde hiebei kein so starkes Dehnen erlauben, dass es dadurch alle Haltung verliert.
Um das zu starke Dehnen zu verhindern, muss vor allem das Pferd im starken Trab zu einer stärkeren Anlehnung als in den anderen Gängen gebracht werden; die Zügel sind dann, ohne das Pferd aufzurichten, ruhig auszuhalten, doch darf dies nie in ein starres Hineinlegen ausarten.
419∣ Die Ecken sind abzurunden; ein Reiter kann dem anderen auf der inneren Seite vorreiten. Wendungen oder Wechslungen dürfen nicht gemacht werden.
420∣ Fällt ein Pferd in Galopp ein, so darf es nicht plötzlich angehalten werden; der Galopp ist allmählich durch den verstärkten Anzug des dem Galoppsprung entsprechenden inneren Zügels nach aufwärts, wobei der äußere gut ausgehalten werden muss, zu unterbrechen. In dieser Stellung sind beide Hände ruhig zu erhalten, und der Reiter muss darauf achten, dass das Pferd nicht infolge der verstärkten Kopfstellung das Tempo vermindere. Ferner ist dabei ein Haupterfordernis, dass der Reiter ganz ruhig sitze, beim Einfallen in den Trab den inneren Schenkel gut angelegt behalte und mit dem Oberleibe nicht zurückfalle.
Sollte das Pferd auf den verstärkten Anzug des inneren Zügels nach aufwärts, im Galopp abwechseln, so ist dieselbe Hilfe entgegengesetzt anzuwenden.
Diese Hilfe lernen die Pferde schnell verstehen. Sie können mittels derselben auch im Freien leicht vom Galopp in den Trab gebracht werden.
Galopp aus dem Trab.
421∣ Um aus dem Trab in den Galopp überzugehen, gibt der Reiter die Zügel ruhig nach und verstärkt allmählich das Trabtempo, bis das Pferd von selbst in Galopp einfällt. Hiebei ist dasselbe weder in die Stellung zum Einsprengen zu nehmen, noch zum Einsprengen auf einen bestimmten Fuß zu veranlassen. Diese Art, aus dem Trab in den Galopp überzugehen, ist die Grundlage, um beim Exercieren diesen Übergang mit Ruhe bewirken zu können und um die Ruhe im Galopp zu bewahren, welche die erste Bedingung ist, wenn er bei längerer Dauer das Pferd nicht angreifen soll.
Galopp aus dem kurzen Galopp.
422∣ Um aus dem kurzen Galopp in den Galopp überzugehen, gibt der Reiter die Zügel ruhig nach, damit das Pferd, mit Hals und Kopf tiefer gehend, einen gedehnten Sprung annehmen könne.
Der Schenkeldruck wird nach Maß der Empfindlichkeit des Pferdes verstärkt, ohne es zu beunruhigen oder gar zu überraschen.
Das Tempo ist allmählich zu verstärken, das vorgeschriebene Tempo nach ungefähr 20 Schritten zu erreichen und dann fortwährend zu erhalten.
Galopp von der Stelle und aus dem Schritt.
423∣ Um von der Stelle oder aus dem Schritt in den Galopp überzugehen, wird zuerst in kurzen Galopp eingesprengt und dann der Galopp nach Punkt 422 verstärkt.
Verhalten während des Galopps.
424∣ Im Galopp muss der Oberleib der Bewegung gut folgen, ohne dass der Reiter sich durch Stehen in den Bügeln aus dem Sattel hebt. Der Oberleib wird aufrecht erhalten, ohne zurückzufallen oder sich vorzuneigen. Knie und Unterschenkel bleiben in natürlicher Haltung ruhig am Pferde.
Eilt ein Pferd, so ist es mit tief gestellten Händen zu verhalten. Durch zeitweises Anstellen und Nachgeben der Zügel soll der SPrung der Pferde gedehnt werden, wodurch zugleich das Pferdemaul frisch erhalten wird. Die Pferde sind dahin zu bringen, dass sie auch bei losen Zügeln ruhig in diesem Tempo bleiben, damit der Reiter mit voller Freiheit seine Waffen gebrauchen könne.
Vor jeder Wendung ist das Pferd gut an die Zügel zu stellen. Die Ecken sind abzurunden.
425∣ Beim Cavallerie-Pferde muss alles vermieden werden, was den Galopp beunruhigen könnte. Demnach darf, wenn ein Pferd im Galopp abwechselt, kein Versuch gemacht werden, es wieder auf den richtigen Fuß zu bringen. Das Pferd muss sich den Moment zum Wechseln selbst suchen, was bei der nächsten Wendung meistens der Fall sein wird.
426∣ Sobald die Pferde sich nicht mehr ereifern und anfangen ruhig zu gehen, ertheilt der Reitlehrer das Commando: "Zügel in die linke Hand!" worauf der Reiter die Zügel in die linke Hand nimmt und letztere nachgibt, während die rechte Hand auf den Oberschenkel aufgesetzt wird.
Auf "Herstellt!" werden die Zügel wieder nach Punkt 296 ergriffen.
427∣ Der Galopp ist auf beiden Händen gleichmäßig zu üben. Wird von einer Hand auf die andere mittels der Diagonalwechslung übergegangen, so ist dies im Trab zu bewirken.
Übergang in den Trab oder in den Schritt, Parieren.
428∣ Aus dem Galopp wird in den Trab auf dieselbe Art übergegangen, wie es im Punkte 406 erklärt wurde.
Der Übergang in den Schritt und das Parieren geschieht mit denselben Hilfen, wie aus dem Trab, nur haben sie so lange anzudauern, bis der Zweck erreicht ist, wobei besonders auf Bewahrung der geraden Haltung des Oberleibes zu sehen ist.
429∣ Sobald Mann und Pferd im großen Vierecke gelernt haben, sich in schärferen Gangarten zu bewegen, müssen -- zur Vorübung für das Exercieren -- die Pferde geübt werden, in Gesellschaft auf langen Linien im Trab und Galopp ruhig, andauernd und ohne unnöthigen Kraftaufwand im gleichmäßigen Tempo zu gehen.
Zur Vornahme dieser Übung wird das große Viereck je nach den verfügbaren Raumverhältnissen erweitert und in möglichst großer Ausdehnung, bei gut abgerundeten Ecken, mit Strohwischen ausgesteckt. An den Seiten desselben bezeichnet man die Distanzen von 300 und 500 Schritten besonders auffällig, um danach das Tempo regeln zu können.
Sollten sich keine Plätze mit günstigem Boden in der nothwendigen Größe vorfinden, so können diese Übungen auch auf gerader Linie, auf Feld- oder Waldwegen mit günstigem Boden vorgenommen werden.
430∣ Ein halber oder ganzer Zug reitet in mehreren, aus je 5--6 Reitern bestehenden Rudeln, welche sich auf Distanzen von ungefähr 50 Schritten folgen, außerhalb der Strohwische, einige Minuten im Trab herum.
In der Mitte der Übung ist von einer auf die andere Hand zu wechseln.
431∣ Die Rudel sind anfangs locker zu formieren, damit sich die Pferde gegenseitig im ruhigen Gehen nicht behindern.
Hitzigen Pferden ist das Vorgehen bis an die Spitze des Rudels zu gestatten und mit solchen die Übung auch zu wiederholen.
432∣ Den Pferden ist eine tiefere und gestrecktere Haltung von Hals und Kopf, als im großen Vierecke zu gestatten; sie müssen aber so an den Zügeln stehen, dass sie im natürlichen Gleichgewichte gehen und nicht in die Eisen schlagen. Das Maul soll durch ruhiges Anhalten und Nachgeben mit der Hand frisch erhalten werden.
433∣ In der Folge beginnt man den Galopp zu üben, wobei der Reitlehrer alles unnöthige Treiben und Versammeln strenge hintanhalten muss.
Er lässt erst nach einigen Minuten aus dem Trab in den Galopp übergehen. In der Mitte der Übung ist auf die andere Hand überzugehen, wozu der Reitlehrer in Trab einfallen und -- wenn der letzte Rudel auf die andere Hand gelangt ist -- wieder den Galopp annehmen lässt.
Der Reitlehrer sieht anfänglich nur darauf, dass jedes Pferd ruhig galoppiere und erst wenn dies erreicht ist, muss er das Tempo nach der Uhr regeln.
434∣ Die Carrière wird gelegentlich des Reitens auf langen Linien geübt. Am Schlusse einer dieser Übungen wird successive von einem Rudel nach dem andern das Tempo im Galopp wachsend verstärkt, und die Pferde sind zuletzt auf einer geraden Linie von ungefähr 300 Schritten zur Entwicklung ihrer größtmöglichen Schnelligkeit aufzufordern, wobei natürlich ein Reiter dem andern vorreiten darf.
435∣ Zur Carrière sind dieselben, jedoch verstärkten Hilfen wie zum Galopp anzuwenden, doch sind die Zügel nur soviel nachzugeben, als nöthig ist, um das Pferd im freien, vollen Laufe nicht zu beirren, denn die Zügel dienen in dieser anstrengenden Gangart dem Pferde als Stütze. Der Oberleib wird ohne Übertreibung etwas vorgeneigt; die Schenkel bleiben ruhig am Pferde.
Zum Übergange in die Carrière wird manchmal der Gebrauch der Sporen nöthig; doch dürfen diese während der Carrière nicht fortwährend eingestoßen werden, denn dies stört den Gang, statt ihn zu beschleunigen. Bei Pferden, welche nicht genügende Gehlust zeigen, führen ein paar kräftige Hiebe, vereint mit gleichzeitiger aufmunternder Zügel- und Schenkelwirkung, am besten zum Ziele.
Ganz besonders faule Pferde müssen durch geschickte Reiter im Rudel in der Carrière geübt werden, wobei ein in der Carrière gut gehendes, abgerichtetes Pferd führen muss.
436∣ Um aus der Carrière in eine andere Gangart überzugehen oder zu parieren, werden die nämlichen, jedoch verstärkten Hilfen gebraucht, wie sie beim Vermindern anderer Gangarten oder zum Parieren aus denselben nöthig sind, nur müssen sie länger andauern, und der Oberleib ist dabei gut zurückzunehmen. Der Übergang soll stets auf gerader Linie und nie plötzlich erfolgen; die Pferde würden im Gegenfalle unfehlbar leiden.
437∣ Die Carrière soll nicht zu oft geübt werden, weil dies sonst die Ruhe des Galopps beeinträchtigt.
Mit abgerichteten Pferden genügt es, diese Übung in der Woche einmal zu machen; handelt es sich darum, Reiter oder Pferd erst in der Carrière auszubilden, so soll dies auch nur zwei- oder höchstens dreimal in der Woche geschehen.
438∣ So oft es die Verhältnisse gestatten, soll unter Führung des Zugs-Commandanten ohne bestimmte Ordnung ins Freie, womöglich querfeldein, geritten werden.
Dadurch lernen die Reiter ihre Pferde im abwechselnden Terrain mit möglichster Schonung reiten, die Pferde hingegen in diesem ohne Aufregung gehen.
Das Reiten im Freien ist zugelich die beste Probe, ob die Reiter gut ausgebildet sind, und die Pferde in allen Gangarten, namentlich im Galopp, in guter Haltung und bei allen Gelegenheiten im Gehorsam bleiben.
Verliert ein Pferd nach einigen Übungen an Haltung und Gehorsam, so ist dies ein Beweis, dass es noch der Dressur auf der Reitschule bedarf. Gewöhnlich wird sich aber auch zeigen, dass der Reiter noch einer weiteren Ausbildung bedarf.
439∣ Diese Übungen sollen ungefähr zwei Stunden dauern, und sie werden nur dann von Nutzen sein, wenn immer richtige und gleiche Tempi und diese sehr ruhig geritten werden.
Jeder Reiter sucht für sein Pferd den möglichst guten Weg. Bei den ersten Übungen ist nur Schritt und Trab zu reiten, bis die Pferde sich gewöhnen, ruhig zu gehen. Der Zugs-Commandant darf nur auf günstigem, nicht hartem oder steinigem Boden galoppieren lassen, also auf Hutweiden oder Stoppelfeldern u. s. w. In sehr tiefem oder auf steinigem Boden, steile Anhöhen hinauf oder hinab soll Schritt geritten werden. Auf gefrorenem Boden, bei großer Kälte oder heftigem Winde darf nicht galoppiert werden.
Jene Pferde, welche im Galopp anfangs infolge starker Aufregung fortstürmen, dürfen nicht plötzlich verhalten werden; die Reiter müssen selbe durch ruhiges Aushalten mit tiefgestellten Händen und Abklopfen am Halse allmählich beruhigen.
440∣ In weiterer Folge müssen diese Ritte benützt werden, um dem einzelnen Reiter zu lehren, im wechselnden Terrain auch selbständig zu reiten.
Entsendet der Zugs-Commandant zu diesem Zwecke abwechselnd einzelne Reiter in verschiedene Richtungen mit Aufträgen, welche sie nöthigen, nach eigener Einsicht ihren Weg zu wählen, bringt er sie dabei in Lagen, in denen sie Hindernisse überwinden, sich durch schwieriges Terrain durcharbeiten, mit Kraft und Athem ihrer Pferde haushalten müssen, veranlasst er sie endlich, über den Vollzug ihres AUftrages Meldung zu erstatten, so lernen die jungen Reiter auf diese Art Befehle aufzufassen, selbständig zu reiten, zu beobachten und zu melden.
In dieser Weise betrieben, wird das Reiten ins Freie die Ausbildung im Felddienst wesentlich fördern; es ist darauf ein besonderer Wert zu legen.
441∣ Außerhalb der Reitschule und des großen Viereckes muss der Reiter im Trab stets "leicht reiten", um sich und dem Pferde die Bewegung zu erleichtern und dadurch mehr Ausdauer zu erzielen.
Beim Reiten auf der Reitschule und im großen Vierecke darf nur dann leicht geritten werden, wenn es dem Reiter gelehrt wird, oder wenn Übungen im Gebrauche des Säbels vorgenommen werden.
442∣ Zum Leichtreiten hebt sich der Reiter mit etwas vorgeneigtem Oberleibe durch Hinabtreten in die Bügel derart aus dem Sattel, dass er jedem zweiten Stoße des Pferdes ganz ausweicht.
Hauptsache dabei ist, dass er sich ohne alle Anstrengung schwingen lasse, nämlich die Bewegung abwarte, ohne ihr zuvorzukommen, sein Gesäß nur wenig den Sattel berühre, seine Knie ruhig am Sattel geschlossen bleiben, und seine Füße mit geschmeidigem Fußgelenke auf dem Bügel ruhen.
Das Krümmen des Rückens, Hinaufziehen der Schultern, Wegspreizen und Bewegen der Ellbogen, Hinaufziehen der Absätze und EInziehen des Unterleibes ist sehr fehlerhaft.
Bei Pferden, die einen wenig ausgesprochenen Trab haben, genügt es, etwas in den Bügeln zu stehen und mit den Sitzknochen nicht fest auf dem Sattel zu ruhen.
443∣ Soll auf der Reitschule (im großen Vierecke) leicht geritten werden, so commandiert der Reitlehrer: "Leichtreiten!" und zum Einstellen dieser Übung "Aussitzen!"
444∣ Damit die Reiterei in ihren Bewegungen durch die gewöhnlich vorkommenden Terrainhindernisse so wenig als möglich aufgehalten werde, muss das Überwinden derselben zum Gegenstande fortgesetzter Übungen gemacht werden.
Diese geschehen zuerst ohne Reiter, dann mit dem Reiter. Ohne Reiter werden sie vorgenommen, um den jungen Soldaten zu lehren, wie ein Pferd angeführt werden muss; ferner um junge Pferde einzuüben; endlich um das abgerichtete Pferd mit Schonung seiner Füße und Gelenke stets in Übung zu erhalten.
445∣ Zu üben ist: Das Springen über Gräben mit und ohne Wasser, über Barrièren, über Gräben und Barrièren zugleich; das Passieren breiter Gräben mit und ohne Wasser; das Klettern über steile Abhänge; endlich das Passieren etwas versumpfter Stellen.
Das Durchreiten breiter und tiefer Gräben und das Klettern sind ganz besonders wichtig, denn für eine Cavallerie, deren Pferde darin keine Sicherheit haben, wird jeder Graben mit steilen Wänden, welcher über 2 Meter breit ist, ein vollkommen unpassierbares Hindernis.
446∣ Übungen im Überwinden von Hindernissen müssen täglich vorgenommen werden, es sei denn, dass der Boden gefroren oder zu glatt wäre.
Mit ausgebildeten Leuten und abgerichteten Pferden sind die Übungen wöchentlich zweimal mit dem Reiter, sonst täglich an der Hand ohne Reiter, mit Anfängern mehreremal in der Woche zu Pferde, um ihren Sitz zu befestigen, sonst täglich an der Hand ohne Reiter vorzunehmen.
Es versteht sich von selbst, dass nicht täglich alle, sondern nur einige der angeführten Hindernisse zu nehmen sind.
447∣ Das Soldatenpferd muss die Hindernisse stets ruhig überwinden, damit in der Colonne weder Unordnung noch Stockung entstehe. Es soll die Sprünge nie größer machen, als unbedingt nöthig ist. Jeder Productionssprung ist zu vermeiden.
448∣ Die Barrièren müssen fest, die Gräben senkrecht abgegraben und ungefähr ebenso tief als breit sein.
Die Barrièren sollen bei den anfänglichen Übungen 45 bis 60 Centimeter, später 80 Centimeter, aber nie höher; die Gräben anfangs 1 Meter, später bis zu 2 Meter, aber nie breiter sein. Befindet sich vor- oder rückwärts der Barrière ein Graben, so darf er die Breite von 1,20 Meter nicht überschreiten.
Bei allen Hindernissen, die mit Sprung zu nehmen sind, müssen an beiden Enden Einfassungen angebracht sein, um das Ausbrechen der Pferde zu verhindern. Der Boden beim Aufsprunge muss mit einer mindestens 10 Centimeter starken Sandschichte versehen oder, wo dies nicht thunlich wäre, wenigstens 10 Centimeter tief aufgelockert sein.
449∣ Werden bei diesen Übungen größere Hindernisse genommen, so verlieren viele Pferde das Herz und die schwächeren werden ruiniert; springen aber die Pferde die hier vorgeschriebenen Hindernisse sicher, so werden sie im Bedarfsfalle auch viel bedeutendere überwinden, wenn man sie nur entschlossen anreitet.
450∣ Diese dient hauptsächlich dazu, um jungen Pferden die erste Anleitung zu geben.
Neu einzuübende Pferde dürfen anfangs nur aus dem Schritt springen, und nie eher an schwierigere Hindernisse angeführt werden, als bis sie die einfachen vollkommen sicher nehmen.
Die Hauptsache dabei ist, ihnen Vertrauen beizubringen. Daher sollen bei den ersten Übungen, eingeübte Pferde den anderen vorspringen. Ist es möglich, die Hindernisse in der Richtung gegen den Stall zu nehmen, so wird dies die Übung sehr erleichtern.
451∣ Der Führende schnallt den Trensenzügel aus dem linken Ringe aus und zieht ihn unter dem Kinne durch denselben durch. Dann nimmt er das Ende des Zügels in die volle rechte Hand, macht, um den Zügel zu verkürzen, eine Schlinge und ergreift mit Daumen, Zeige- und Mittelfinger die Schlinge und den Trensenzügel unweit des linken Trensenringes. Einige Schritte vor dem Hindernisse sucht er dem Pferde vorzukommen, und vor demselben hinüberzuspringen. Zeige- und Mittelfinger lassen den Zügel los, während das Ende des Zügels von der vollen rechten Hand festgehalten wird.
452∣ Springt anfangs ein Pferd nicht gleich nach, so muss man es ruhig, manchmal einige Minuten lang, stehen lassen, damit es sich mit dem Hindernisse vertraut mache. Erst wenn das Pferd anfängt, sich mit anderen Gegenständen zu beschäftigen, darf es erneuert zum Sprunge aufgefordert werden.
Es wäre sehr fehlerhaft, ein Pferd durch Schlagen mit der Schulpeitsche zum Springen bewegen zu wollen; denn dies macht es verzagt und flößt ihm noch mehr Furcht vor dem Springen ein.
453∣ Bei schon einigermaßen im Springen geübten Pferden ist hauptsächlich darauf zu achten, dass dieselben vor dem Hindernisse nicht mehr stocken, sondern eher ihre Bewegung etwas beschleunigen, ohne sich aber zu übereilen.
Um die Pferde hiebei nicht zu beirren, werden sie zum Sprunge frei gelassen. Damit sie aber jenseits des Hindernisses nicht davon laufen, müssen Leute zum Aufhalten derselben etwa 20 Schritte hinter dem Hindernisse in einem Halbkreise aufgestellt werden.
454∣ Beim Anführen bleiben die eingeschnallten Trensenzügel auf dem Halse; der linke wird mit der rechten Hand so weit rückwärts der Schnalle ergriffen, dass der Mann in gleicher Höhe mit den Schultern gehen und mit dem Ende des gleichfalls in der rechten Hand gehaltenen Reitstockes das Pferd an der Nase berühren könne.
Das Zeigen des Reitstockes oder das leichte Berühren mit demselben an der Nase hält das Pferd vom Drängen gegen den Führenden ab.
Das Pferd ist 20 bis 30 Schritte vor der Mitte des Hindernisses aufzustellen.
Wird aus dem Schritt gesprungen, so geht der Mann im Schritt gerade auf das Hindernis los, beschleunigt einige Schritte vor demselben seinen Gang und lässt das Pferd durch Sinkenlassen der rechten Hand erst in dem Augenblicke aus, in welchem es zum Sprunge ansetzt.
Soll aus dem Trab gesprungen werden, so führt er das Pferd im Trab an, wobei er ebenfalls die letzten Schritte vor dem Hindernisse beschleunigt.
455∣ Erst wenn die Pferde aus dem Schritt und Trab sicher springen, dürfen sie schärfer angeführt werden, wobei sie entsprechend früher auszulassen sind; nur die allerfaulsten sollen mit der Schulpeitsche angetrieben werden; denn im allgemeinen verdirbt nichts so sehr den sicheren Sprung und macht die Pferde so verzagt, als unnöthiges Treiben.
Befindet sich vor der Barrière ein Graben, so darf an dieses Hindernis nie scharf angeführt werden.
456∣ Sollte ein Pferd beim Anführen gegen den Mann drängen und der Mahnung mit dem Reitstocke nicht folgen, so ist es durch Zügelanzüge zum Stehen zu bringen.
Diese Zügelanzüge sind unter gleichzeitigem Berühren der Nase mit dem Reitstocke, je nach Empfindlichkeit des Pferdes, zu wiederholen und mit jedesmaligen Pausen, welche dem Pferde Zeit zur Beruhigung lassen, so lange fortzusetzen, bis es sich vom Führenden nach rechts umdreht. Dieser Bewegung folgt der letztere so lange, bis das Pferd mit dem Kopfe wieder gegen das Hindernis gewendet ist.
Bei einem erneuerten Versuche, gegen den Mann zu drängen, wird es bei einer leisen Berührung der Nase mit dem Reitstocke, oder schon beim bloßen Zeigen desselben, davon ablassen.
457∣ Auch mit dem Reiter sind anfänglich nur die kleineren Hindernisse zu übersetzen, und zwar zuerst aus dem Schritt, dann aus dem Trab, und endlich aus dem Galopp.
458∣ Springt das Pferd an der Hand sicher, so handelt es sich beim Springen mit dem Reiter anfänglich nur darum, dass er nicht aus dem Sitze komme und das Pferd im Sprunge durch die Zügel nicht beirre.
Um beim Sprunge nicht aus dem Sitze zu kommen, müssen die Schenkel fest geschlossen bleiben. Der Oberleib muss der Bewegung folgen und ist in dem Augenblicke, in welchem das Pferd sich zum Sprunge abstößt, etwas zurückzulegen, damit er nicht vorfalle. Ein ungeübter Reiter widersteht dem Vorfallen des Oberleibes beim Springen über eine Barrière schwerer als beim Sprunge über einen Graben.
459∣ Damit der Reiter das Pferd im Sprunge durch den Zügel nicht beirre, nimmt er denselben anfänglich gar nicht in die Hand.
Das Pferd wird nach Punkt 453 bis 456 durch einen Mann zu Fuß an das Hindernis angeführt und auf der entgegengesetzten Seite aufgefangen. Der Reiter hält sich mit der Hand am Sattel fest.
460∣ Später nimmt der Reiter beim Anreiten gegen das Hindernis das Ende der Zügel in die linke Hand und hält sich mit derselben an die vordere Zwiesel an. Die rechte Hand ergreift die Zügel vorne und führt das Pferd. Vor dem Sprunge lässt die rechte Hand die Zügel los und zum Beweise, dass dies geschehen, hebt der Reiter dieselbe senkrecht in die Höhe; die linke Hand hält auch während des Sprunges die vordere Zwiesel fest.
Nach dem Sprunge werden die Zügel, ohne das Pferd zu verreißen, wieder ergriffen.
461∣ Ist der junge Reiter durch das Springen ohne Zügel im Sitz genügend befestigt, so muss er geübt werden, beim Springen die Zügel nach Vorschrift in der Hand zu behalten und schließlich auch mit ergriffenem Säbel zu springen.
462∣ Der Reiter muss an jedes Hindernis gerade auf einen bestimmten Punkt, ruhig in dem angeordneten Tempo anreiten, und die letzten Schritte vor dem Hindernisse dem Pferde gestatten, sein Tempo nach Belieben zu verschärfen.
Im Galopp dürfen die Pferde nicht überjagt werden, weil sie sich sonst den Sprung nicht richtig eintheilen können und dann entweder vor dem Hindernisse stutzen, oder bei Hochsprüngen zu Falle kommen. Auch ist es dem Pferde vollkommen zu überlassen, auf welchem Fuße es im Galopp angehen will.
An größere Gräben, oder wenn hinter einer Barrière ein Graben ist, muss etwas schärfer angeritten werden. Befindet sich dagegen ein Graben vor der Barrière, so ist es sicherer, nicht allzuscharf anzureiten.
Unmittelbar vor dem Hindernisse ist dem Pferde volle Freiheit zum Sprunge zu geben.
Stürzt ein Pferd, so trachtet der Reiter sich vom Bügel und vom Pferde freizumachen, ohne aber die Zügel auszulassen.
463∣ Schließlich ist das Springen im Rudel, im Gliede und im Zuge zu üben, wobei die Zügel nie auszulassen sind. Die Pferde sollen ruhig angehen und vor dem Hindernisse nicht stutzen.
Beim Springen im Gliede und im Zuge ist beim Anreiten eine lockere Fühlung zu nehmen, wozu die Flügel-Chargen nach außen etwas Raum zu geben haben. Nach dem Hindernisse ist wieder die vorgeschriebene Fühlung anzunehmen.
464∣ Diese Übungen, bei welchen die Pferde nicht springen, sondern hinab rutschen und hinauf klettern sollen, werden am zweckentsprechendsten an Gräben von der hier versinnlichten Form vorgenommen.
Beim Üben an der Hand wird der Trensenzügel nach Punkt 451 aus dem linken Trensenringe ausgeschnallt; ist aber Wasser im Graben, so ist das Pferd an die Longe zu nehmen.
Im Graben soll das Pferd einige Augenblicke stehen bleiben. Man schmeichelt ihm dort, damit es Vertrauen gewinne, was nach wenigen Übungen erreicht wird.
Beim Hineinreiten in den Graben hat der Reiter den Oberleib zurück zu legen und sich mit der rechten Hand an der Kápa zu halten. Beim Herausreiten fasst er die Mähne, gibt die Zügel ganz nach und legt den Oberleib vor.
465∣ Auch hier müssen die Trensenzügel beim Führen an der Hand nach Punkt 451 aus dem linken Trensenringe ausgeschnallt werden.
Wird ein Pferd einen steilen Abhang hinaufgeführt, so kann der Reiter sich am Backenstücke halten, an welchem ihn das Pferd leicht mitzieht.
Die Pferde sollen ruhig hinaufklettern und manchmal auf der Böschung stehen bleiben, damit ihnen in der Folge, mit den Reitern, durch zu starkes Eilen nicht die Kraft ausgehe.
Beim Hinabführen ist ebenfalls langsam zu gehen und womöglich öfter stehen zu bleiben, damit die Pferde in der Folge, mit den Reitern, nicht hinabstürmen, was für beide gefährlich werden kann.
466∣ Beim Hinaufreiten ist der Oberleib vorzulegen, die Mähne festzuhalten und sind die Zügel ganz freizugeben, weil schon der leiseste Anzug am Zügel bei einer steilen Böschung das Pferd zum Überschlagen bringt.
Beim Herabreiten hat der Reiter den Oberleib gut zurück zu nehmen, mit der rechten Hand sich an der Kápa zu halten und die Zügel soweit frei zu geben, dass das Pferd sich selbst den Weg suchen könne.
467∣ Das Herabklettern, selbst von hohen und sehr steilen Abhängen, besonders bei lockerem Boden, ist leichter als das Hinaufklettern.
Sehr steile Böschungen, die nicht höher als 4 Meter sind, werden am leichtesten erklettert, wenn man sie scharf anreitet. Hohe Abhänge hingegen müssen sehr ruhig und langsam erklettert werden, weil sonst die Pferde dabei ganz den Athem verlieren.
Glatte oder sehr steile Abhänge sind weder hinauf noch herab schief zu klettern, weil die Pferde in diesem Falle leicht nach der Seite abgleiten; minder steile jedoch bieten weniger Schwierigkeiten beim schiefen Reiten.
468∣ Die Stellen, an welchen diese Übungen vorgenommen werden, sind früher zu Fuß gut zu untersuchen, damit die Pferde nicht zu tief einsinken.
Es handelt sich dabei nur darum, den Pferden die Furcht vor dem tieferen Einsinken der Füße zu benehmen; denn je ruhiger sie gehen, desto weniger Schwierigkeiten bietet das Passieren versumpfter Stellen. Solche sind immer im Schritt zu durchreiten, wobei nie viele Pferde einander an derselben Stelle folgen sollen, weil sumpfige Stellen hiedurch mehr aufgelockert werden und die nachfolgenden Pferde stets tiefer einsinken.
Beim Durchreiten sumpfigen Terrains müssen die Zügel nachgelassen werden.
Wenn ein Pferd zu stark einsinkt oder unruhig wird, so hat der Reiter abzusitzen.
469∣ Bei vielen Unternehmungen der Reiterei tritt die Nothwendigkeit ein, Flüsse ohne Furten übersetzen zu müssen.
Um dies zu ermöglichen, sollen Schwimmübungen vorgenommen werden, damit jede Escadron wenigstens über einige Patroullen verfüge, welche imstande sind, Flüsse ohne Hilfsmittel schwimmend zu übersetzen; die gesammte Mannschaft jedoch soll mit dem Übersetzen von Pferden an Kähnen und Nothfahrzeugen vertraut sein.
470∣ Vor allem müssen genügend viele Freischwimmer ausgebildet werden; dann werden die Pferde ohne Reiter im Schwimmen geübt, endlich die Leute gelehrt, mit den Pferden zu schwimmen. Hierauf kann erst das Übersetzen von Flüssen mit ganzen Abtheilungen geübt werden.
471∣ Da ein Nichtschwimmer selbst das am besten schwimmende Pferd stören würde, und diese Übung bei etwas stärkerer Strömung auch bei größter Vorsicht nicht ohne Gefahr für ihn wäre, so soll sich jeder Escadrons-Commandant die möglichste Mühe geben, so viele Leute als nur thunlich zu Freischwimmern auszubilden.
Dies kann mit wenigen Lectionen erreicht werden und bedarf nur geringer Vorrichtungen. Ein einfaches Geländer längs des Flusses, einige Stangen und Gurten mit Stricken genügen.
In jeder Abtheilung werden sich einige gelernte Schwimmer finden, welche als Lehrer verwendet werden können. Es handelt sich bei diesem Unterrichte nur darum, den Leuten Vertrauen zu dem Wasser beizubringen und sie so weit auszubilden, dass sie nicht sogleich untergehen, wenn sie sich vom Pferde trennen.
472∣ Es gibt viele Pferde, welche sich weigern, in ein tiefes Wasser zu gehen; keines aber übersetzt aus eigenem Antriebe eine stärkere Strömung, ohne dabei den Versuch zum Umkehren zu machen, es müsste denn, am diesseitigen Ufer allein stehend, am jenseitigen andere Pferde erblicken.
Die Pferde sind vor den eigentlichen Schwimmübungen zuerst mit dem Wasser vertraut zu machen, und hiezu durch 1 bis 1,2 Meter tiefes Wasser mit festem Grunde einigemale durchzureiten.
473∣ Die Übungen im Schwimmen sollen womöglich in einem nicht zu breiten Flusse, der einige Strömung hat, vorgenommen werden, weil gerade die Überwindung der Strömung den Pferden am meisten Schwierigkeiten macht.
Beide Ufer müssen an der Stelle, an welcher die Übung geschieht, wenigstens 100 Schritte den Fluss entlang flach und fest sein, damit Pferde, welche durch die Strömung weit hinabgetragen werden, leicht ans Land kommen können.
Das Wasser soll so tief sein, dass die Pferde keinen Grund finden, selbst wenn sie sich auf die Hinterfüße aufstellen; man lehrt sie sonst mit denselben Grund suchen, wobei sie im tiefen Wasser momentan untergehen, dadurch sehr unruhig werden und später, wenn sie mit dem Reiter schwimmen, denselben in Gefahr bringen.
474∣ Um die Pferde zu bewegen, die Strömung zu passieren, ist es zweckmäßig, sie einzeln an die Longe zu nehmen; keinesfalls dürfen mehrere zugleich an der Longe an das jenseitige Ufer schwimmen, weil sie sich leicht in die Longen verwickeln und so ertrinken könnten.
Vor dem ersten Übersetzen sind zum Ausschnallen der Longe, Halten der Pferde u. s. w. einige Leute zu überschiffen.
Das Pferd wird ohne Sattel mit dem Wischzaume so tief als möglich in das Wasser geführt; die Zügel sind vorher ganz auszuschnallen, damit das Pferd beim Schwimmen nicht mit den Vorderfüßen in dieselben gerathe. Das Ende der Longe hält der in einem Kahne befindliche Abrichter.
Der Kahn, welcher das schwimmende Pferd begleitet, soll nicht zu leicht sein, damit das Pferd bei einem Versuche umzukehren, ihn nicht mit sich ziehe, aber auch nicht zu schwer und unbeweglich, damit er der Bewegung des schwimmenden Pferdes schnell genug folgen könne. Die sogenannten "Waidzillen" der Pioniere entsprechen am besten.
Der Kahn bleibt immer stromaufwärts des Pferdes und ungefähr um 2 Pferdelängen vor demselben.
Die Longe ist nicht so kurz zu halten, dass das Pferd durch die Bewegung der Ruder erschreckt werde, und nicht zu lang, damit sie nöthigenfalls noch nachgelassen werden könne.
Die meisten Pferde wollen umkehren, sobald sie den Grund verlieren oder in die starke Strömung gerathen. Dies ist nur dann sicher zu verhindern, wenn geübte Schiffleute die Ruder führen, indem sie im richtigen Augenblicke durch kräftiges Rudern den Widerstand des Pferdes bewältigen.
Hat das Pferd die gute Richtung angenommen, so hält der Abrichter die Longe leicht; der stromaufwärts und vor dem Pferde befindliche Kahn muss nach der Bewegung des Pferdes so geführt werden, dass sich die Longe nie spanne.
475∣ Sind 5 bis 6 Pferde am jenseitigen Ufer angelangt, so wird bei der Rückkehr wieder eines an die Longe genommen, und zwar jenes, welches am schlechtesten oder am unwilligsten geschwommen ist. Die übrigen werden durch die Leute in das Wasser geführt, nachgetrieben und schwimmen dann zumeist willig jenem Pferde nach, welches an der Longe zurückgeführt wird.
476∣ In der Folge sollen Schwimmer die Pferde vom jenseitigen Ufer zurückreiten.
Während des Schwimmens werden die Zügel ausgelassen. Das pferd wird mit einer Hand gelenkt, während die andere die Mähne ungefähr eine Spanne ober dem Widerriste ergreift. Sowohl durch das Höher- als durch das Tieferhalten an der Mähne verliert das Pferd beim Schwimmen das Gleichgewicht.
Die Pferde legen sich schief gegen die Strömung, und viele stellen sich die erstenmale, wenn sie den Grund verlieren, beinahe senkrecht auf, wodurch es dem Reiter, besonders auf dem nackten Pferde, unmöglich wird, sich im Sitz zu erhalten.
Der Reiter benimmt sich daher auf folgende Art: Sobald das Pferd den Grund verliert, neigt er den Oberleib vor, streckt beide Arme, ohne die Mähne loszulassen, vollkommen aus, lässt gleichzeitig die Zügel los und schließt die gleichfalls ausgestreckten Füße oberhalb des Pferdes.
Sobald der Reiter bemerkt, dass sein Pferd Boden findet, setzt er sich wieder auf dasselbe.
Nach einigen Tagen können diese Übungen auch anstandslos vom diesseitigen auf das jenseitige Ufer ohne Longe mit Reitern, welche schwimmen können, vorgenommen werden.
477∣ In der Folge kann dies auch mit gesattelten Pferden geschehen.
Hiebei sind vor dem Hineinreiten ins Wasser die Gurten um ein Loch nachzulassen, die Kinnketten auszulegen, die Carabinerriemen zu lockern, die Säbel wie beim Feuergefechte am linken Packtornister zu befestigen, die Steigbügel hinaufzuziehen; die Stangenzügel sind auszulassen und ist durch Vorschieben des Schiebknopfes dem Herabhängen vorzubeugen. Das Pferd ist beim Reiten ins Wasser nur mit den Trensenzügeln zu führen.
623∣ Die Ausbildung der Recruten zu Pferd muss ohne jede Überstürzung in gründlicher Weise vor sich gehen; sie wird in drei Perioden eingetheilt.
624∣ Der Reitunterricht in der I. Periode bezweckt hauptsächlich, dem angehenden Reiter Vertrauen und die Grundlage für den richtigen und zugleich festen Sitz beizubringen. In der II. Periode lernt er die Führung mit dem Wischzaume, in der III. die Führung mit dem Zaum.
625∣ Mit der Ausbildung im Gebrauche der Waffen, im Gliede und im Zuge zu Pferd, sowie mit dem praktischen Unterricht im Felddienste ist in dem Maße, als der Reitunterricht fortschreitet und die Bodenverhältnisse es gestatten, zu beginnen und die gesammte Ausbildung im Monate Mai zu beendigen.
626∣ Während der ganzen Ausbildung ist continuierlich auf den richtigen Sitz hinzuwirken und muss der Erhaltung desselben bei allen Gelegenheiten ein besonderes Augenmerk gewidmet werden.
Für das Übergehen von einer Ausbildungsperiode in die andere ist bei jedem Einzelnen nur der Grad der erlangten Fertigkeit entscheidend.
Ein gleichzeitiges Vorrücken mit sämmtlichen Recruten in die nächste Periode darf daher nicht stattfinden.
627∣ Die Chargen und die zur Ausbildung der Recruten verwendeten Soldaten sind für diesen wichtigen Dienst gründlich vorzubereiten.
Zum Reitunterrichte der Recruten sind keine faulen und abgenützten, sondern gut gerittene Pferde mit entschieden ausgesprochenen, aber nicht zu harten Gängen zu wählen. Dieselben sollen vor Beginn des Reitunterrichtes der Recruten an der Longe vorgenommen werden, damit sie lernen, ohne Einwirkung des Reiters im geforderten Tempo ruhig im Kreise zu gehen.
Wenn sich der Sitz des jungen Reiters einigermaßen befestigt hat, so soll man ihm nicht immer dasselbe, sondern häufig ein anderes Pferd geben.
628∣ Die Pferde sind mit dem einfachen Wischzaume versehen und mit Ausbindzügeln so ausgebunden, dass sie bei richtiger Kopfstellung leicht am Zügel stehen. Der Kinnriemen des Wischzaumes ist in die Trensenringe eingeschnallt. Die an dem einen Ende der Longe angebrachte Strupfe ist in den Ring des Kinnriemens einzuschnallen.
629∣ Vor Beginn des Longierens sind die Pferde auf der Reitschule Front gegen den Reitlehrer aufzustellen.
Der Longenführer stellt sich vor das Pferd, mit dem Gesichte gegen dasselbe, der Peitschenführer hinter dem Longenführer auf.
Der Longenführer, der grundsätzlich das Longieren leitet, hält die gut entwirrte Longe in der linken Hand und führt dieselbe mit der rechten, wenn das Pferd auf der rechten Hand gehen soll; auf der linken Hand geschieht das Entgegengesetzte.
630∣ Auf das Commando des Reitlehrers: "Auf die rechte (linke) Hand, Schritt! -- Marsch!" tritt der Longenführer etwas nach links (rechts), der Peitschenführer geht um denselben herum zum Kopf des Pferdes, führt es gerade bis an die Peripherie des Kreises und wendet es dort nach der entsprechenden Seite.
631∣ Der Longenführer stellt sich in die Mitte des Kreises, der Peitschenführer geht etwas näher am Pferde, die Peitsche in der dem Pferde zugewendeten Hand haltend. Der Longenführer soll in gleicher Höhe mit dem Pferdekopfe oder etwas vor demselben verbleiben.
Der Peitschenführer geht entweder gegenüber der ersten Rippen des Pferdes, wenn er es zur Vergrößerung des Kreises veranlassen will, oder mehr hinter der Kruppe, wenn er es vorzutreiben hat.
Die Longe soll immer mäßig gespannt sein und das Pferd stets einen gleich großen Kreis durchlaufen, welcher wenigstens 20 Schritte im Durchmesser haben soll.
632∣ Pferde, die noch nicht an der Longe gegangen sind, muss der Peitschenführer anfangs einigemale im Kreise herumführen. Bleibt ein solches Pferd stehen oder wendet es sich in den Kreis, so muss es der Peitschenführer immer wieder mit Geduld anführen, bis es versteht, was man von ihm will.
Durch rüden Gebrauch der Peitsche lernen die Pferde das Wegdrängen vom Kreise, was ihnen schwer wieder abzugewöhnen ist; außerdem leiden die Pferde durch grobe Behandlung an der Longe an den Beinen.
633∣ Der Longenführer hat das Pferd durch die Longe in seiner Gewalt und kann es mit Hilfe des Peitschenführers zu jeder beliebigen Gangart veranlassen.
Zum Angehen im Trab fordert der Longenführer das Pferd durch den Zuruf "Trab!" auf; der Peitschenführer erhebt die Peitsche gegen das Pferd und berührt es nöthigenfalls mit der Schnur. Hat das Pferd den Trab begonnen, so lässt der Peitschenführer die Peitsche wieder sinken und wiederholt die auffordernde Hilfe nur dann, wenn das Pferd nicht schnell genug gienge oder im Gange nachlassen sollte.
Der Übergang in den Galopp geschieht in ähnlicher Weise wie in den Trab; der Longenführer ruft dem Pferde "Galopp!" zu.
634∣ Übereilt sich das Pferd, fällt es gegen den Willen des Longenführers aus dem Trab in den Galopp oder will derselbe das Pferd in den Trab oder Schritt einfallen lassen, so senkt der Peitschenführer die Peitsche und der Longenführer ruft mit gedämpfter Stimme gedehnt "Trab!" oder "Schritt!" und rüttelt solange sanft mit der Longe, bis das Pferd den gewünschten Gang annimmt.
635∣ Zum Übergehen von einer Hand auf die andere wird commandiert: "Auf die linke (rechte) Hand!" Auf dieses Commando wendet der Longenführer das Pferd gegen sich und zieht es, die Longe rasch verkürzend, zu sich heran. Unterdessen tritt der Peitschenführer hinter dem Longenführer herum auf jene Seite des Pferdes, welche sodann die innere wird, berichtigt, wenn nöthig die Schnallung der Ausbindzügel und führt es nach Punkt 630 auf die andere Hand an.
636∣ Auf das Commando: "Aufmarschieren!" zieht der Longenführer das Pferd nach Punkt 635 zu sich heran und hält es in der Mitte des Kreises an, worauf nach Punkt 629 Aufstellung genommen wird.
637∣ Gleich in den ersten Tagen nach dem Einrücken der Recruten sind dieselben mit der Pferdewartung, dem Satteln, Zäumen und Führen eines Pferdes, wie mit der Beobachtung der Kasern- und Stall-Ordnung vertraut zu machen. Es sind ihnen die Bestantheile des Reitzeuges und deren Instandhaltung, in der Folge auch die Bestandtheile der Armatur und Rüstung zu zeigen, endlich das Packen zu lehren.
Den jungen Soldaten ist klar zu machen, welchen Wert das Pferd hat, dass es gesund und kräftig erhalten und durch verständige, freundliche Behandlung gewöhnt werden muss, willig und folgsam zu sein. Insbesondere sind sie über die Wichtigkeit des Beschläges und die Nothwendigkeit der häufigen, genauen Besichtigung desselben baldigst zu belehren.
638∣ Der Reitunterricht in der I. Periode wird hauptsächlich an der Longe ertheilt.
Der Recrut ist ohne Waffen und ohne Sporen.
Die Pferde sind mit dem einfachen Wischzaume versehen und mit Ausbindzügeln so ausgebunden, dass sie bei richtiger Kopfstellung leicht am Zügel stehen.
639∣ Bevor mit dem Longieren begonnen wird, muss den Recruten einiges Vertrauen zum Pferde beigebracht werden und müssen dieselben die Behandlung des Pferdes und die Anfangsgründe der Führung soweit kennen lernen, dass sie von und zu den Übungsplätzen im Schritt zu reiten vermögen.
Hiezu wird dem Recruten das Auf- und Absitzen und der richtige Sitz gezeigt, wozu sich der Reitlehrer selbst auf das Pferd setzt.
Hierauf wird der Recrut im Auf- und Absitzen vielfältig geübt und ihm der Sitz auf dem stehenden Pferde begreiflich gemacht. Es werden ihm zuerst Sitzknochen und Hüften, hierauf der Oberleib, dann die Oberschenkel und endlich die Unterschenkel gerichtet.
Der Sitz ist oft von rückwärts zu beurtheilen, um das Verschieben der Sitzknochen, der Hüften, der Schultern u. s. w. zu bemerken.
Hat der Recrut den richtigen Sitz begriffen, so wird ihm dieser absichtlich verschoben, damit er ihn selbst wieder finden lerne.
Ferner sind dem Recruten die einfachsten Gelenkübungen auf dem stehenden Pferde zu lehren.
Sodann sind die Recruten in kleinen Abtheilungen unter Führung ausgebildeter Reiter auf der Reitschule im Schritt und verkürzten Trab zu bewegen.
640∣ Nach einigen Tagen ist dann mit dem Longieren zu beginnen.
Von Seite des Reitlehrers sind weitläufige Erklärungen zu vermeiden. Ausstellungen wird der Recrut am leichtesten begreifen, wenn der Reitlehrer dieselben durch eine entsprechende Geberde versinnlicht. Lässt z. B. der Mann den Kopf hängen, so ruft ihn der Reitlehrer bei seinem Namen; hat der Soldat zum Zeichen, dass er aufmerksam sei, den Reitlehrer angesehen, so ertheilt dieser die Ausstellung und versinnlicht sie gleichzeitig durch Erheben des Kopfes. Später wird bei den meisten Ausstellungen nur eine entsprechende Geberde hinreichen.
641∣ Sitzt der Reiter im Schritt richtig, so lässt man traben, und zwar die erste Zeit etwas langsamer als das Normaltempo.
642∣ Während das Pferd im Schritt geht, lässt der Reitlehrer Gelenkübungen machen und öfter ab- und aufspringen.
Das Herabspringen benimmt dem angehenden Reiter am schnellsten die Furcht vor dem Herabfallen.
643∣ Sobald der Reiter einige Sicherheit im Trab gewonnen hat und einige Zeit mit langen Zügeln geritten ist, wird auf: "Zügel auslassen!" ohne Zügel geritten. Auf: "Zügel ergreifen!" werden sie wieder ergriffen.
Nach entsprechenden weiteren Fortschritten lässt man auf: "Steigbügel auslassen!" kurze Zeit auch ohne Bügel traben.
Hiebei ist vorzüglich darauf zu sehen, dass der Recrut das Gesäß gut öffne, tief im Sattel sitze und die Lage der Schenkel, deren Muskeln nicht zu stark angespannt werden dürfen, eine ungezwungene sei; ferner darauf, dass der Reiter sich nicht mit den Waden anhalte.
Der Absatz muss, ohne das Fußgelenk steif zu machen, immer tiefer als die Fußspitze gehalten werden. Das Senken der Fußspitze ist fehlerhaft und beeinträchtigt den Knieschluss.
Die Bügel werden auf: "Steigbügel nehmen!" wieder aufgenommen.
644∣ In der Folge werden die Bügel ausgeschnallt, weil das Herumschlagen derselben das Pferd beunruhigt und den Reiter an den Füßen empfindlich belästigt.
Recruten, die sich leicht aufreiten, sind wenig oder gar nicht ohne Bügel reiten zu lassen; auch ist es, um das Aufreiten möglichst zu vermeiden, gestattet, beim Longieren die Obergurte weg zu lassen.
645∣ Das Trabtempo wird im Maße der zunehmenden Geschicklichkeit bis zur vorgeschriebenen Schnelligkeit gesteigert und zugleich die Dauer des Trabes allmählich verlängert.
Es können dann im Trab die leichteren Gelenkübungen ausgeführt und das Ab- und Aufspringen geübt werden.
Beim Reiten ohne Zügel und Bügel gestatte man dem Recruten recht lange das zeitweise Anhalten an die vordere Zwiesel mit der Hand, um sich den Sitz zu richten.
Wird dies verabsäumt, so gewöhnt sich der junge Reiter, in dem Bestreben sich auf dem Pferde zu erhalten, verschiedene, später oft schwer zu verbessernde Fehler im Sitz an.
646∣ Ist der Sitz des Reiters im Trab einigermaßen gefestigt, so lässt der Reitlehrer am Ende der Lection das Pferd in den kurzen Galopp übergehen.
Der Reiter ist zu belehren, dass er den Oberleib gut aufrecht erhalte und, mit Beibehalt des richtigen Sitzes, den Bewegungen des Pferdes gut folge.
Der Reitlehrer muss darauf sehen, dass die Pferde im kurzen Galopp lebhaft gehen.
Im Maße der erzielten Fortschritte sind auch im kurzen Galopp Gelenkübungen zu machen.
647∣ Sobald der Recrut in jeder Gangart einigermaßen festen Sitz erlangt hat, so ist mit der Übung im Springen nach Punkt 459 zu beginnen.
648∣ Der Ausbildung in der I. Periode sind im allgemeinen beiläufig 3 Monate zu widmen. Zur Vermittlung des Überganges aus der I. in die II. Periode ist gegen Ende der I. Periode bei Fortsetzung des Longierens allmählich mit den für den Anfang der II. Periode vorgeschriebenen Übungen zu beginnen.
Recruten, denen die Erlernung eines richtigen Sitzes besondere Schwierigkeiten bereitet, sind auch in der II. Periode öfter an der Longe vorzunehmen.
649∣ Der Recrut reitet mit Sporen und anfangs ohne Waffen.
Die Pferde sind mit Wischzaum versehen und in der ersten Zeit mit dem Schleifzügel leicht ausgebunden.
650∣ Der Reitlehrer hat dem Recruten zunächst auf stehendem Pferde die Zügel und Schenkelhilfen zu erklären, lässt sodann denselben im Schritt anreiten und lehrt ihn rechts und links wenden, wobei er ihn anfangs begleitet. Nach einigen Fortschritten werden dieselben Übungen auch im Trab ausgeführt.
651∣ Nun werden die jungen Reiter hintereinander in die große Tour genommen, wobei auf richtiges Reiten des Kreises, nicht aber auf Einhalten bestimmter Distanzen zu sehen ist. In der großen Tour sollen die Recruten unter Berücksichtigung der im zweiten Absatz des Punktes 644 gegebenen Bestimmungen im Schritt, Trab und kurzen Galopp zeitweise ohne Bügel reiten, wobei besonders auf den richtigen Sitz zu sehen ist.
Der Übergang in den kurzen Galopp ist anfänglich nach Punkt 687 zu bewirken.
652∣ Vermögen die Reiter ihre Pferde im Kreise zu führen, so lässt der Reitlehrer nach der ersten Art "Einzelnreiten". Hiebei sind alle Wendungen und Wechslungen zu lehren und ist zeitweilig das Normaltempo zu verstärken. Die Wendungen sind anfangs im Schritt zu machen. Mit den leichteren: "Halbe Reitschul", "Wendung rechts (links)", "Diagonalwechslung" ist zu beginnen, dann, wenn der Reiter die Ecken richtig durchreitet, zu der "kleinen Tour" und der "Umkehrtwechslung" zu schreiten. Hierauf werden das "Zurücktreten" und später die "Wendungen um die Mitte und um das Hintertheil" vorgenommen.
653∣ Ist ein Reiter für das Einsprengen in den kurzen Galopp vorbereitet, so ist dies zunächst aus dem Trab, später auch aus dem Schritt zu üben.
Kann ein Reiter aus dem Trab und aus dem Schritt ruhig einsprengen, so lehrt man ihn sein Pferd auf gerader Linie ohne Wand auf beiden Händen abwechselnd hintereinander einsprengen.
Wenn nun die jungen Reiter ihre Pferde anstandslos in den kurzen Galopp einzusprengen verstehen, so lässt der Reitlehrer das "Einzelnreiten" nach der zweiten Art üben.
654∣ Die Seitengänge sind erst gegen Ende der II. Periode im unumgänglich nothwendigen Umfange kurz zu üben und überhaupt nur dann, wenn der Sitz im Trab und Galopp fest und richtig ist.
Bei zu frühzeitiger oder langanhaltender Übung der Seitengänge kann der junge Reiter sehr leicht in einen fehlerhaften Sitz verfallen.
655∣ Schon in dieser Periode ist im Schritt das Reiten mit ergriffenem Säbel und der Gebrauch desselben zu üben und die Vorübung zum Fechten zu lehren.
Dem Überwinden von Hindernissen ist eine erhöhte Aufmerksamkeit zu widmen, das Springen mit ergriffenen Zügeln zu üben, und auch nach § 37 öfter ins Freie zu reiten.
Gestatten es die Witterungs- und Bodenverhältnisse, so sind die Recruten in dieser Periode auch mit den schärferen Gangarten bekannt zu machen und im Reiten langer gerader Linien (Punkt 95) zu üben.
656∣ In der III. Periode sind die Recruten außer dem Unterrichte auf der Reitschule und im großen Vierecke durch häufige Ritte ins Freie zur selbständigen Verwendung im Terrain vorzubereiten.
Die Pferde sind mit der Stange gezäumt.
657∣ Zu Beginn dieser Periode wird zuerst die Führung "mit Stangenzügeln allein" erklärt und gezeigt.
Der Vorgang beim Unterrichte ist so wie jener bei der Führung mit dem Wischzaume.
Der Reitlehrer soll die Hand des Recruten öfter führen, um sie weich und stet zu machen.
Hat der Reiter die Führung "mit Stangenzügeln allein" erlernt, so wird ihm das Führen mit ergriffenen Trensenzügeln gelehrt.
658∣ Hierauf müssen die Recruten in jeder Gangart mit ergriffenem Säbel reiten lernen, wobei darauf zu achten ist, dass der Sitz sich nicht verschiebe. Dann müssen sie im Gebrauche des Säbels und im Fechten zu Pferd geübt werden.
Ferner lernen sie "Leichtreiten" und müssen im Galopp, in der Carrière, im Einhalten des richtigen Tempos und im Reiten langer gerader Linien und auf abwechselndem Terrain geübt werden.
659∣ Ein Cavallerie-Pferd soll Ausdauer und unbedingten Gehorsam besitzen. Es muss vor allem, auch allein, willig vorwärts gehen, das geforderte Tempo gleichmäßig halten, die gewöhnlich vorkommenden Hindernisse willig und mit möglichst geringem Kraftaufwande überwinden und endlich sich in jeder Gangart leicht wenden und anhalten lassen.
Mehr zu fordern ist zwecklos, ja sogar schädlich.
660∣ Eine dem Alter und Kraftzustande entsprechende Bewegung, eine systematische, stufenweise Abrichtung, welche auch die Bauart, das Auffassungsvermögen und Temperament des Pferdes berücksichtigt, macht mangelhafte Pferde brauchbar, während eine falsche, naturwidrige Behandlung selbst gute verdirbt.
Durch zu wenig Bewegung werden die Pferde lasch und zu jeder größeren Leistung unfähig.
Übertriebene Anforderungen in Bezug auf Ausdauer und Schnelligkeit nützen die Füße ab und erzeugen Lungenkrankheiten; aber auch Leistungen, welche für ausgebildete und gehörig vorbereitete Pferde nur mäßig sind, rufen die erwähnten Nachtheile hervor, wenn bei Remonten die Anforderungen zu schnell gesteigert, oder überhaupt zu hoch gestellt werden.
In noch höherem Grade leiden die Gelenke der Pferde durch übertriebene Anforderungen auf der Reitschule, nämlich durch zu kurzen Galopp, zu häufige und scharfe Wendungen, gekünstelte Touren u. s. w.
Gleiche Folgen hat eine rohe und gewaltsame Abrichtung; sie macht außerdem die Pferde unwillig, menschenscheu, ja sehr oft böse und stützig.
Menschenscheue Remonten müssen vor allem erst stall- und handfromm gemacht werden.
661∣ Das Zureiten der Remonten wird in vier Perioden eingetheilt; die I. Periode dient ausschließlich der Entwicklung und Kräftigung der jungen Pferde. Die Dauer der Perioden lässt sich nicht bestimmen, denn sie hängt von dem Alter, dem Kraftzustande und der Güte der Remonten, sowie von der Pflege und Behandlung ab, welche ihnen zutheil wird; doch kann die Abrichtung der Remonte bei richtigem Vorgange, und wenn die eigentliche Dressur (II. Periode) nicht voreilig begonnen wurde, 6 Monate nach Beginn der II. Periode vollendet sein.
662∣ Die Anforderungen sind allmählich zu steigern. Übereiltes Vorschreiten schädigt das Material und verzögert die Abrichtung.
Der Übergang von einer Abrichtungsperiode zur anderen soll erst dann erfolgen, wenn das Pferd den Anforderungen der niederen Periode insoweit entsprochen hat, als es bei seiner Bauart und seinem Temperamente vermag.
Es wäre fehlerhaft, mit ganzen Remonten-Abtheilungen gleichzeitig von einer Periode zur nächsten überzugehen. Dadurch würde die Abrichtung einzelner Pferde verzögert oder übereilt.
Die Dressur der Remonten muss stets das Gepräge der Einzelabrichtung haben, wenn auch mehrere derselben gleichzeitig vorgenommen werden.
Es kann sich sonach sehr leicht ereignen, dass eine Remonte schon einrangiert ist, während andere, mit dieser zu gleicher Zeit angekaufte junge Pferde die I. Periode noch nicht beendigt haben.
663∣ Der Reiter muss bei jeder Anforderung zuerst dem Pferde mit großer Geduld möglichst deutlich begreiflich machen, was er will.
Sowie das Lehrvermögen der Reiter oder Abrichter, ist auch das Lern- und Auffassungsvermögen der Pferde verschieden. Wenn daher ein Pferd der Anforderung des Reiters nicht nachkommt, so wird beinahe immer der Grund darin zu suchen sein, dass es ihn nicht verstanden hat, entweder weil sich der Reiter nicht verständlich genug machte, oder weil das Pferd durch die früheren Übungen noch nicht gehörig vorbereitet war.
In beiden Fällen wäre scharfes Eingreifen oder Strafen ganz schlecht.
Sobald ein Pferd einer Anforderung Folge leistet oder selbst nur den guten Willen zeigt, auf das Verlangte einzugehen, muss man demselben, besonders wenn ihm die Übung schwer fällt, Erholung gönnen.
Es ist dies die beste Art, das Pferd willig zu machen und es bei guter Laune zu erhalten.
Wollte der Reiter rücksichtslos seine Anforderungen fortsetzen, so würde er Ermüdung, Widerwillen und endlich Widersetzlichkeiten hervorrufen.
664∣ Die Behandlung des Pferdes im Stalle hat auf seinen Charakter, die Wartung desselben auf seine schnellere Entwicklung und Kräftigung, als auf seine Gesundheit einen großen Einfluss; Grund genug, dass der Abrichter beiden sein sorgsames Auge zuwende.
Im allgemeinen ist kein Pferd von Natur aus böse. Rohe Behandlung im Stalle lähmt oft alle Mühe des Abrichters auf der Reitschule, sanfte bessert selbst bös gemachte Pferde.
665∣ Zum Reiten der Remonten sind in erster Linie die Officiere und Unterofficiere zu verwenden, weil nur gute Reiter mit Schonung der Pferde die Dressur fördern. Das Reiten und Dressieren junger Pferde bietet auch die beste Gelegenheit, sich zum tüchtigen Abrichter auszubilden, was nur durch jahrelanges Remontenreiten erzielt werden kann.
Jeder Cavallerie-Officier soll danach streben, ein guter Remonten-Abrichter zu werden. Dies kann er nur erreichen, wenn er ein guter Reiter und Pferdekenner ist. Nur ein guter Reiter kann das richtige Reitergefühl besitzen, welches befähigt, anderen im richtigen Augenblicke die entsprechenden Hilfen anzudeuten. Bei Pferden, welche in einer Übung besondere Schwierigkeiten zeigen, kann der Reitlehrer nur durch das Selbstreiten dem minder erfahrenen Reiter den Weg zum Weiterschreiten in der Dressur bahnen und ihm die Art und Weise begreiflich machen, in welcher er den Widerstand überwinden kann. Außerdem ist das zeitweilige Selbstreiten eines abzurichtenden Pferdes zu dessen richtiger Beurtheilung unbedingt nothwendig; einerseits um schon vor dem Beginne der eigentlichen Dressur das Temperament, die Fähigkeiten und das Leistungsvermögen richtig zu schätzen; andererseits um vor jedem Übergange von einer Abrichtungsperiode zur anderen sich durch das eigene Gefühl zu überzeugen, ob das Pferd zu diesem Übergange sich eigne.
Um gut abrichten zu können, muss man aber auch ein gründlicher Pferdekenner sein, denn nur ein solcher kann die Bauart des Pferdes, dessen Alter und Kraftvermögen richtig beurtheilen.
666∣ In den drei ersten Abrichtungsperioden sind die Remonten mit dem Wischzaume, in der vierten mit der Stange gezäumt.
Da jedoch bei der Dressur ungünstig gebauter Remonten selbst ein geschickter Reiter mit dem Wischzaume allein die beabsichtigte Hals- und Kopfstellung gar nicht oder erst in verhältnismäßig langer Zeit erreichen kann, so ist in diesen Ausnahmsfällen in der II. und III. Periode der Gebrauch des Schleifzügels gestattet.
667∣ Bei der Abrichtung der Remonten unterliegt die im Punkte 291 für die Wischzaumführung vorgeschriebene Stellung der Hände einigen Abänderungen.
Zum Aufrichten und zum Versammeln müssen beide Hände etwas höher gehalten werden.
Bei der Arbeit in den Seitengängen ist es mitunter nothwendig, dass die äußere Hand um eine Faustbreite höher gehalten werde als die innere. Bei Pferden jedoch, welche bei diesen oder beim Reiten im Kreise leicht Verbiegungen des Halses annehmen, kann es auch nöthig werden, dass die innere Hand etwas höher führe; ebenso bei der Correction von Pferden, die nicht entschlossen traben und in einen verhaltenen Galopp einfallen.
Es hängt von der Einsicht und Sachkenntnis des Abrichters ab, inwieferne diese Stellungen der Hände nöthig werden.
Verbiegt sich das Pferd nicht im Hals, hält es den Kopf ruhig, richtet es sich im kurzen und lebhaften Tempo nach Bedarf auf, dehnt es sich hingegen im schärferen Tempo und zeigt es stets reinen Gang, so ist die Stellung der Hände und die ganze Einwirkung des Reiters richtig.
668∣ Wenn Remonten auf gedeckten Reitschulen abgerichtet werden, so sind sie außerdem täglich im Freien im Schritt zu bewegen.
669∣ Abgerichtete Pferde, welche einer Redressur bedürfen, sind nach den für die Abrichtung der Remonten gegebenen Bestimmungen in der Remonten-Abtheilung vorzunehmen.
670∣ Kommen zu den Regimentern einzelne Remonten, die, weil sie überhaupt noch nicht mit Menschen vertraut, oder durch schlechte Behandlung menschenscheu geworden sind, sich weder willig satteln, noch zäumen, noch beschlagen lassen, so muss die erste Obsorge dahin gehen, selbe an den Umgang mit den Menschen zu gewöhnen und im Stalle vertraut zu machen. Dies bedingt große Vorsicht, besondere Gelassenheit und viel Geduld. Man muss deshalb solchen Remonten Wärter beigeben, die sich durch Liebe zum Thiere, Fleiß, guten Willen und Geduld vor anderen hervorthun.
Als allgemeiner Grundsatz gilt, dass sich der Wärter viel mit dem Pferde gemüthlich beschäftige. So oft er zu selbem geht, muss er es zuerst mit freundlicher sanfter Stimme ansprechen und sich ihm womöglich so nähern, dass es ihn schon sehe, ehe er ganz nahe zu ihm tritt. Öfteres Futterreichen aus der Hand ist nebstdem das beste Mittel, ein menschenscheues Pferd bald an den Umgang mit Menschen zu gewöhnen.
671∣ Es ist gut, eine scheue Remonte neben ein ruhiges altes Pferd zu stellen und auf der anderen Seite einen Stand leer zu lassen, damit der Wärter zum Ein- und Ausgehen mehr Platz behalte.
Solche Pferde sind gegen die Ohren, vor der Brust, in den Flanken, auf dem Rücken und an den Lenden zumeist sehr empfindlich; der Wärter muss daher diese Theile mit einer Handvoll Heu oder weichem Stroh öfter reiben und erst dann das Putzen mit der Kardatsche beginnen, wenn das Pferd ersteres bereits ganz ruhig leidet.
Das Anfassen der Beine und das Aufheben der Füße wie zum Beschlagen hat stets im Beisein des Abrichters im Sinne der Belehrungen zu geschehen, welche in den Vorschriften über das Pferdewesen des k. u. k. Heeres enthalten sind.
Alle Übungen, welche das Vertrautmachen der Remonten im Stalle bezwecken, sollen besonders vor dem Füttern in Ausführung kommen, damit das Pferd das Futterreichen als Belohnung ansieht; es ist hiebei alles zu vermeiden, was das Pferd besonders erschrecken oder beunruhigen könnte.
672∣ Manche Pferde sind, wenn sie sich auch an allen übrigen Körpertheilen willig betasten lassen, sehr kopfscheu. Diese bedürfen der vorsichtigsten Behandlung, um sie an das Aufzäumen zu gewöhnen.
Der Abrichter lässt eine solche Remonte durch den Wärter, den dieselbe schon am Geruche und der Stimme erkennt, von der Krippe losbinden und im Stande umkehren. Der Wärter, welcher beim Hineingehen zum Pferde den Wischzaum am Genickstücke auf den linken Arm gehängt hat, bleibt nun, während der Abrichter das Ende des Halfterstrickes in die Hand nimmt, nahe am Kopf des Pferdes und sucht unter freundlichem Zusprechen das Genickstück des Wischzaumes über die Ohren zu ziehen, sowie das Gebiss in das Maul zu schieben.
Letzteres wird sehr erleichtert, wenn der Wärter in der linken Hand zugleich am Gebisse etwas Heu hält, wonach das Pferd haschen und somit das Maul öffnen wird. Weicht das Pferd zurück, will es das Maul nicht öffnen u. s. w., so darf nie Gewalt angewendet, sondern es muss mit beharrlicher Geduld und ohne Weitläufigkeit der Versuch zum Aufzäumen solange wiederholt werden, bis er gelingt. Die Strick-Halfter bleibt dabei auf dem Kopfe des Pferdes.
673∣ Solche Remonten müssen gleich am ersten Tage nach dem Eintreffen durch einige Stunden in freier Luft bewegt werden.
Hiezu werden sie anfangs nur mit der Halfter, später mit Halfter und Wischzaum versehen, an der linken Seite eines älteren Pferdes, auf dem bereits ein Reiter sitzt, angekoppelt, indem der Halfterstrick der Remonte um den Hals des älteren Pferdes geschlungen und mittels einer Schleife so befestigt wird, dass sich die Schlinge nicht zuziehen kann. Die Wischzaumzügel nimmt der auf dem älteren Pferde sitzende Reiter lang in die Hand.
Nach der Rückkehr von einem solchen Spazierritte nähert sich der Wärter der noch angekoppelten Remonte von vorne mit einer Stalldecke und Gurte, lässt diese vom Pferde sehen und beriechen, und versucht beide von der linken Seite aufzulegen; die Gurte wird nur leicht zugeschnallt.
674∣ Erkennt der Abrichter aus dem Benehmen der Remonte, dass ihr dieses keine Furcht einflößt, so kann er dieselbe am nächsten Tage nach der Rückkehr von der Bewegung satteln lassen. Vorderzeug und Steigbügel sind hiezu vom Sattel zu entfernen, der Sattel ist etwas nach vorne zu legen und die Gurte nur soviel anzuziehen, dass der Sattel einigen Halt habe.
Die Remonte ist dann noch einige Zeit unter dem Sattel zu bewegen, darauf noch vor dem Stalle mit Vorsicht abzusatteln, dann abzukoppeln und in den Stall zu führen.
675∣ Wird dieser Vorgang fleißig, mit Umsicht und in täglich mehreremal wiederholten Lectionen beobachtet, so wird die Remonte in einigen Tagen so stall- und handfromm sein, dass ein Reiter aufsitzen kann.
Dieses erste Besteigen geschieht ebenfalls, nachdem die Remonte vorher eine tüchtige Bewegung unter dem Sattel erhalten hat; die Steigbügel sind nun wieder am Sattel und müssen, während die Remonte bewegt wurde, nicht allzulang geschnallt, herabhängen.
Ist es nöthig, dass vor dem Aufsitzen die Gurte etwas angezogen werde, so hat dieses zu geschehen, und die Remonte ist alsdann erst noch etwas gehen zu machen, ehe sich der Reiter zum Aufsitzen anschickt.
Die Wischzaumzügel, welche während des Spazierenreitens der Reiter des älteren Pferdes in der Hand hatte, werden nun der Remonte auf den Hals gelegt.
Ist der Wärter geeignet, die Remonte auch anzureiten, so ist dies umso besser, indem wirklich misstrauische Pferde sich von einem bekannten Menschen gar manches willig gefallen lassen, was sie von einem Unbekannten noch nicht dulden.
Dieses Anreiten geschieht am besten auf einem großen freien Platze mit gutem Boden. Der Reiter, ohne Sporen und ohne Reitstock, nähert sich der Remonte von vorne, redet ihr freundlich zu, schmeichelt ihr am Kopfe und Halse und bleibt, seinen Blick stets gegen Augen und Ohren des Pferdes gewendet, neben der linken Seite des Pferdes, ergreift einen Büschel Mähne, setzt den linken Fuß in den Bügel, hält ein wenig aus, und wenn das Pferd dieses, ohne Furcht zu zeigen, duldet, so schwingt er sich ohne viel Umstände leicht in den Sattel, alles vermeidend, wodurch er die Remonte erschrecken oder den Sattel schief ziehen könnte.
Sobald sich der Remontenreiter im Sattel befindet, muss der Reiter auf dem alten Pferde ruhig anreiten; der Remontenreiter verhält sich durchaus unthätig und lässt sich nur vom Pferde tragen; die Zügel nimmt er in die Hand, ohne sie irgendwie in Wirkung treten zu lassen.
676∣ Sollte die Remonte Neigung zum Bocken zeigen oder sich feststellen wollen, so muss der Reiter auf dem älteren Pferde umsomehr trachten, im Gange zu bleiben, da die Remonte alsdann vom alten Pferde mit fortgezogen und an der Ausführung ihrer Unart verhindert wird. Der Remontenreiter muss für diesen Fall belehrt sein, sich nöthigen Falls am Sattel zu halten, damit er unter keiner Bedingung abgeworfen werde.
Zeigt die Remonte Neigung, zu traben oder zu galoppieren, so darf dies durchaus nicht unterdrückt werden; der das ältere Pferd reitende Mann muss deshalb die Remonte stets beobachten und sein Benehmen nach ihr einrichten.
Das Absitzen geschieht ebenfalls, während die Remonte noch angekoppelt ist; der Reiter sitzt ohne viele Umstände vorsichtig ab und tritt vor das Pferd.
Das Auf- und Absitzen ist am Ende jeder Lection einigemal zu wiederholen.
677∣ Es befördert die Abrichtung außerordentlich, wenn diese Übungen unter dem Reiter in den ersten Tagen zwei- bis dreimal täglich in nicht zu lange dauernden Lectionen wiederholt werden.
Die Einsicht des Abrichters muss erkennen, wann die Remonte abgekoppelt werden darf. Hiezu löst der Reiter des älteren Pferdes die Schlinge mit Vorsicht auf, gibt den Halfterstrick dem Remontenreiter in eine Hand und reitet noch einige Zeit neben der Remonte fort.
Der Remontenreiter muss nun die Wischzaumzügel nach Vorschrift in den Händen halten; der Reiter des älteren Pferdes beschleunigt dann noch einige Zeit den Schritt, und kommt so unvermekrt vor die Remonte, welche dem älteren Pferde willig nachfolgt.
Nun ist eine solche Remonte allen übrigen als gleichgestellt zu betrachten und wird wie diese in die Abrichtung genommen.
678∣ Dieses Ankoppeln an ein älteres Pferd ist überhaupt ein sehr wirksames Correctionsmittel für Remonten, welche zum Bocken neigen.
679∣ In der I. Periode soll das junge Pferd lernen, den Reiter ruhig zu tragen, und sich durch eine mit seiner Nahrung und seinen Kräften im Einklang stehende zwanglose Bewegung kräftigen.
Die Remonten kommen zumeist in kraftlosem Zustande zu den Regimentern und viele sind minderjährig.
Mit dem Eintreffen beim Regimente wird ihre Lebensweise sehr verändert. Dieser Übergang soll allmählich stattfinden; die Hauptsache dabei ist, dass die jungen Thiere viel, mindestens täglich 2 Stunden im Freien bewegt werden.
680∣ Das Satteln sowie das Aufzäumen soll in der ersten Zeit womöglich im Beisein des Abrichters geschehen.
Beim ersten Satteln ist Decke und Sattel ohne Vorderzeug und Steigbügel vorsichtig aufzulegen und die Untergurte leicht anzuziehen. Anfänglich ist etwas weiter vorwärts zu satteln, als es für gewöhnlich zu geschehen hat, um Widersetzlichkeiten beim Anreiten zu vermeiden.
Das Aufzäumen mit dem Wischzaume leiden wohl alle im Stalle gezogenen Pferde.
Wenn sie hiebei die Zähne schließen, so greife man mit dem Zeigefinger der linken Hand in der Gegend der zahnlosen Ränder in das Maul und schiebe das Gebiss in dem Augenblicke hinein, in welchem das Pferd infolge dieses Reizes das Maul öffnet.
Durch gewaltsames Öffnen der Zähne wird das Pferd kopfschen und lässt sich später immer schwerer zäumen.
681∣ Lassen sich die Remonten willig satteln und zäumen, so ist das AUf- und Absitzen zu üben.
Hiezu werden vier bis sechs Remonten in der Reitschule einigemal herum geführt, damit sie sich mit derselben vertraut machen. Hierauf sind sie in der Mitte ungefähr 3 bis 4 Schritte hintereinander aufzustellen.
Die Reiter sind ohne Waffen und mit dem Reitstocke versehen.
Die erstenmale sollen einige Leute zu Fuß als Gehilfen zugegen sein.
In den ersten Tagen soll beim Anreiten ein älteres Pferd vorausgehen, dem dann die jungen Pferde willig folgen, wobei sie anfangs auf 6 bis 8 Schritte Distanz hintereinander gehen.
Die Pferde werden vorzugsweise im Schritt und etwas im Trab geritten, welcher in der ersten Zeit nicht länger als 5 Minuten dauern soll und wobei das Leichtreiten zu gestatten ist.
682∣ In dem Maße, als die Pferde kräftiger werden, besseres Aussehen gewinnen oder gar Muthwillen äußern, müssen sie auch mehr bewegt und jedenfalls solange abgetrabt werden, bis der Stallmuth verschwunden ist.
Würde man dies nicht beobachten, so könnten die Pferde durch regelloses Herumspringen an Knochen und Sehnen Schaden leiden und sowohl beim Reiten als im Stalle Ungezogenheiten lernen, welche später schwer abzugewöhnen sind.
Fällt ein Pferd von selbst in den Galopp ein, so soll man es in diesem fortgehen lassen, bis es von selbst wieder in Trab übergeht.
Zum Wechseln wird nur die Diagonal-Wechslung angewendet.
683∣ Bei allen Wendungen muss anfänglich vorherrschend der innere Zügel und innere Schenkel wirken; man darf dem Ausfallen der Kruppe noch nicht entgegen wirken, weil junge Pferde noch nicht versammelt werden können. Die Ecken sind gut abzurunden.
In der ersten Zeit haben alle Zügelanzüge mit tief gehaltener Hand, bald anziehend, bald nachgebend, zu geschehen. Nach und nach muss aber das Pferd gewöhnt werden, dem allmählich verstärkt wirkenden Anzuge zu folgen. Bei vorgeschrittener Ausbildung darf erst dann nachgegeben werden, wenn das Pferd wirklich Folge geleistet hat. Gibt man dann sogleich nach, so lernt das Pferd hiedurch am schnellsten die Zügelanzüge verstehen.
Die Pferde erhalten durch die Diagonal-Wechslung, durch das Halten und Anreiten und durch das Übergehen aus dem Schritt in den Trab und umgekehrt einige Kenntnis von Zügel und Schenkel und bei gerade gestelltem Kopfe einige Anlehnung.
684∣ Machen die Pferde die Trabbewegung ohne Anstrengung, haben sie im Schritt und Trab einen kräftigen Gang, so beginnt man sie im Springen ohne Reiter nach der ersten Art einzuüben, und kann sie dann bei entsprechend vorgeschrittener Entwicklung in die eigentliche Dressur nehmen.
685∣ In dieser Periode kommen die jungen Pferde auf die Reitschule und müssen vor und nach der Lection im Schritt bewegt werden, wie dies in Punkt 336 vorgeschrieben ist.
686∣ Im Anfange der II. Periode sind die Pferde nicht zu versammeln und hauptsächlich gradaus zu reiten. Es soll dabei "einzeln" nach erster Art geritten werden.
Das ganze Bestreben des ABrichters muss zunächst darauf gerichtet sein, die Pferde gängig zu machen, das heisst sie müssen mit Anlehnung am Mundstück gut vorwärts gehen, wozu in diesem Zeitpunkte die Pferde in schärferen als dem Normal-Tempo zu reiten sind. Der Galopp ist schon in dieser Periode von großem Nutzen. Pferde, welche geneigt sind, hinter der Hand zu bleiben, kommen durch denselben an die Zügel; in trägen wird die Gehlust geweckt; den stallmuthigen wird die Unaufmerksamkeit benommen; solche endlich, welche den Rücken festmachen und den Athem anhalten, werden veranlasst, diesen Fehler abzulegen.
687∣ Bei Remonten geschieht der Übergang aus dem Trab in den Galopp anfangs am leichtesten, indem man sie in die große Tour nimmt und hierauf solange mit beiden Schenkeln vortreibt, bis sie von selbst in Galopp einfallen, was zumeist richtig geschehen wird. Dann sind sie an der Wand einigemale herum zu galoppieren, ohne sie stark zu verhalten oder fortstürmen zu lassen.
Auch die Ecken können mit Vortheil zum Übergange aus dem Trab in den Galopp benützt werden.
Sollte ein Pferd falsch galoppieren oder kreuzen, so ist es allmählich in Trab zu nehmen und von neuem zum Galopp aufzufordern.
688∣ Gehen die Pferde willig vor, so sucht man ihnen mittels des Reitens im versammelten Schritt und Trab in der großen Tour eine vermehrte Haltung beizubringen.
Folgen die Pferde willig dem Zügelanzuge, so beginnt man die Übung "Schulterherein" in der großen Tour und fängt an, die Ecken mit besonderer Sorgfalt zu durchreiten.
689∣ Bei den ersten Übungen im "Schulter herein" soll fast nur der innere Zügel und Schenkel gebraucht werden und erst später hält der äußere Zügel und Schenkel das Pferd mehr beisammen und verhütet dadurch das Ausfallen der Kruppe.
Manche Pferde fliehen den seitwärts treibenden Schenkel, ohne dessen Druck abzuwarten. Der Reiter darf sich durch dieses fehlerhafte Weichen nicht etwa täuschen lassen und glauben, das Pferd sei sehr schenkelweich. Gutes Gegenhalten des äußeren Zügels und Schenkels, ohne den inneren gänzlich außer Wirkung zu setzen, öfteres Parieren und Wiederanreiten, dann Wendungen benehmen diesen Fehler.
690∣ Haben die Pferde hiedurch an Gehorsam zugenommen, so ist "einzeln" nach zweiter Art zu reiten.
In dieser Zeit ist aus dem Trab öfter anzuhalten und wieder im Trab anzureiten.
Haben die Pferde schon soviel Haltung, dass sie sich aus dem Trab ziemlich leicht parieren lassen, so soll das "Zurücktreten" geübt werden.
691∣ Man darf anfänglich das Zurücktreten nicht in Vollkommenheit fordern, da es sich bei Remonten nur darum handelt, dass sie überhaupt willig und ruhig zurückgehen. Auch ist es rathsam, sie nicht allzuoft dazu aufzufordern.
Mit Zwang soll das Zurücktreten nie gefordert werden.
Manche Pferde wehren sich gegen das Zurücktreten durch Strecken der Nase, Aufsperren des Maules, Feststellen mit gestreckten und auseinander gespreizten Beinen oder durch Steigen; dies beweist, dass sie durch den versammelten Schritt und das Reiten der großen Tour im Trab noch nicht gehörig für das Zurücktreten vorbereitet wurden.
Wehrt sich ein Pferd gegen das Zurücktreten in der hier angedeuteten Weise, so darf es der Reiter nicht unmittelbar aus dieser Stellung zum Zurücktreten zwingen wollen, sondern er lässt es zuerst einige Schritte vortreten, oder bringt durch die Wirkung eines einzelnen Schenkels einen Hinterfuß in Bewegung, fordert es erst dann von neuem zum Zurücktreten auf und begnügt sich anfänglich damit, dass das Pferd seit- und rückwärts tritt.
Eilen die Pferde beim Zurücktreten, so müssen sie gleich wieder vorwärts geritten werden, denn ersteres würde Anlass zum Zurückkriechen hinter die Zügel und zu mancher Unart geben. Das Pferd entzieht sich auf diese Weise der Einwirkung des Reiters, statt ihr zu folgen.
692∣ Sodann ist der "halbe Travers" zu beginnen.
Hiebei muss man anfangs mit einem mäßigen Übertreten zufrieden sein und nur darauf sehen, dass die Pferde auf den inneren Zügel gestellt bleiben und gut nach vorwärts gehen.
Es kommt öfter vor, dass Pferde bei dieser Übung dem Drucke des äußeren Schenkels nicht gehörig nachgeben. Bei solchen ist, wenn das Aushalten der Zügel, namentlich des äußeren, nicht genügt, der Kopf während einiger Tritte auf jene Seite zu nehmen, auf welcher sie sich dem Schenkel widersetzen. Sobald die Pferde begriffen haben, was man verlangt, gebe man ihnen wieder allmählich die richtige Kopfstellung.
Andere Pferde eilen zu schnell gegen die Wand; diese müssen öfter mit dem inneren Schenkel gut vorgetrieben, einige Schritte gerade vorgeritten und dann wieder in den halben Traver genommen werden.
693∣ Als Vorübung für den starken Trab ist nun auch das Trabtempo zeitweilig zu verstärken. Bei den ersten Übungen sind nur mäßige Forderungen zu stellen, und auch später darf man nicht vergessen, dass selbst die Kunst manchen Pferden nicht jene freie Bewegung geben kann, welche andere von Natur aus besitzen.
Manche Pferde gehen anfänglich im verstärkten Tempo besser mit sehr leichter Zügelanlehnung, während andere von selbst eine stärkere Stütze an den Zügeln suchen. Der Reiter muss sich in der ersten Zeit dem Pferde fügen, und ihm erst allmählich jene stärkere Anlehnung geben, bei welcher es die größte Vollkommenheit im starken Trab erreichen kann.
Auch im verstärkten Trabtempo ist auf die Gleichmäßigkeit der Tritte zu sehen.
694∣ Es gibt Pferde, welche im Trab unrein gehen. Meist liegt die Ursache des unreinen Ganges darin, dass das Pferd dem einen oder dem anderen Zügel noch nicht gehörig nachzugeben versteht und sich steif macht.
In diesem Falle ist es zuerst im Schritt, dann im Trab und durch Abbiegen auf die Zügel folgsam zu machen.
Schwach gebaute Pferde mit sehr lebhaftem Temperamente gehen oft aus Übereilung unrein. Diese müssen mit viel Geduld in einem kurzen, aber nicht zu stark versammelten Trab geritten werden.
Ist Nachlässigkeit und Unaufmerksamkeit des Pferdes die Schuld des unreinen Ganges, so ist ein lebhaftes Reiten im Trab von Nutzen.
Gibt Schwäche im Rücken die Veranlassung, so muss vor allem Hals und Kopf des Pferdes tief gestellt werden, ebenso wenn ein einzelner Hinterfuß aus Schwäche nicht gehörig folgt. In letzterem Falle ist außerdem das Tempo nach dem schwächeren Fuße solange zu regeln, bis dieser in kurzem Tempo gleichmäßig mitfolgen kann; dann erst darf in ein lebhafteres übergegangen werden.
Ist das Pferd sonst gut, so kann auch die Ungeschicklichkeit des Reiters die Ursache sein. In diesem Falle muss der Reiter entsprechend belehrt oder gewechselt werden.
695∣ Am Ende jeder Lection ist einzeln aus der Front zu reiten.
Hiezu marschiert in der ersten Zeit ein Reiter vom andern 1 bis 2 Schritt entfernt auf. Drängt ein Pferd in der Nähe des Gliedes angekommen, in dasselbe, so hat der betreffende Reiter mehrmals vorüber zu reiten, und wenn das Pferd willig vorüber gegangen ist, an einem vom Gliede entfernten Punkte abzusitzen.
696∣ Nach dieser Übung hat der Abrichter zu schießen.
Die erstenmale ist das Pulver aus der Exercierpatrone ganz oder theilweise zu entfernen. Der Revolver soll anfänglich von den Pferden abgewendet und nicht zu nahe abgefeuert werden. Nach dem Schusse sind die Pferde gegen den Abrichter zu reiten, welcher noch einige Schritte zurücktritt und sich allmählich von ihnen einholen lässt, dann stehen bleibt, ihnen schmeichelt und Hafer gibt.
Zeigen die Pferde keine Furcht mehr, so soll man, während sie stehen, auch vor und hinter ihnen schießen.
Endlich muss auch jeder Reiter selbst schießen, wobei der Revolver dem Pferdekopf nicht zu nahe gehalten werden darf.
Zeigt ein Pferd bei einer dieser Übungen Unruhe, so darf man keine Strafe anwenden, denn die Ursache dieser Unruhe ist Furcht und Unkenntnis.
697∣ Auch sollen die Pferde schon jetzt an die Waffen und die Trommel gewöhnt werden.
Anfangs wird nur die Säbelscheide genommen.
Werden die Pferde mit der Pike oder Fahne vertraut gemacht, so entfernt sich anfänglich der Abrichter, die Pike oder Fahne schwingend, während die Reiter ihm nachfolgen. Thun dies die Pferde entschlossen, so bleibt der Abrichter stehen und reicht ihnen Hafer.
In der Folge geht er um die stehenden Pferde unter beständigem Schwingen der Pike oder Fahne herum, und endlich von vorne auf sie zu.
Ähnlich verfährt der Abrichter mit der Trommel. Anfangs rührt er sie leise, entfernt sich von den Pferden, welche ihm nachgeritten werden; schließlich geht er stark trommelnd auf sie zu.
Nach jeder dieser Übungen gibt er ihnen Hafer.
698∣ Das Springen ohne Reiter wird in der II. Periode anfangs nach der ersten, später nach der zweiten Art täglich geübt.
699∣ Gegen Ende dieser Periode sollen die Pferde in kleinen Abtheilungen ohne bestimmte Ordnung etwa ein- oder zweimal in der Woche ins Freie geritten werden, damit sie sich an das Gehen in Gesellschaft und an alle vorkommenden Gegenstände gewöhnen und geschickt querfeldein gehen lernen. Das zeitweilige Reiten ins Freie fördert sehr die Abrichtung und weckt die Gehlust.
700∣ Die Arbeit in dieser Periode bezweckt hauptsächlich, die Pferde geschickt, flink und wendsam zu machen.
Die weitere Ausbildung der Gänge ist auch in dieser Periode fortzusetzen.
701∣ Die Pferde werden zunächst im Schritt und Trab besser versammelt und im Genicke biegsamer und frischer im Maul gemacht.
Beim Reiten auf der großen Tour ist das vorgeschriebene Trabtempo zeitweilig etwas zu verkürzen, um den Pferden eine erhöhte Versammlung beizubringen und dadurch die Nachhand zu kräftigen und biegsam zu machen.
Der verkürzte Trab muss aber stets rein und lebhaft bleiben.
Ein schleppender und unreiner Gang würde das Gegentheil des angestrebten Zweckes mit sich bringen.
Aus dem Trab ist öfter zu parieren. Die Pferde sind sodann, mit angedrückten Schenkeln gut nach vorwärts zusammengeschoben, bei steter Faust am Gebisse abkauen zu lassen. Zeigt ein Pferd hiebei die Neigung, nach rückwärts auszuweichen, so ist es immer wieder ein bis zwei Schritte vorzudrücken.
702∣ Es ist in dieser Periode sehr nützlich, wiederholt Übergänge aus kürzeren in schärfere Tempi zu üben.
703∣ In der Folge müssen die Pferde auch in den vorgeschriebenen engeren Wendungen und im "Kruppe herein" geübt und gefestigt werden.
Zum Beginne dieses Seitenganges soll eine Wendung benützt und schon in dieser der äußere Schenkel stärker als sonst gebraucht werden, wobei zugleich die Zügel etwas mehr zu verhalten sind.
Pferde, welche dem äußeren Schenkel widerstreben, sind durch Stellung des Kopfes auf die widerstrebende Seite zum Nachgeben zu bewegen und erst, wenn dies geschehen, wieder allmählich in die richtige Kopfstellung zu nehmen.
704∣ Beim Einsprengen aus dem Trab (Punkt 399) ist ein besonderes Augenmerk darauf zu richten, dass die Pferde vor dem Einsprengen nicht eilen und stürmen, wodurch auch Unruhe im kurzen Galopp vermieden wird.
705∣ Erst wenn die Pferde dies befriedigend ausführen, ist das Einsprengen aus dem Schritt zu beginnen.
Hiebei ist es sehr vortheilhaft, anfangs den Pferden einige Schritte im Trab zu gestatten und die Dauer der Trabbewegung nach und nach zu verkürzen.
706∣ Sprengen sie rechts und links ruhig und mit Sicherheit ein und erhalten sie sich in der großen Tour gut im kurzen Galopp, so ist es Zeit, sie im Galopp und sodann auch in der Carrière zu üben.
707∣ In dieser Periode ist das Springen ohne Reiter täglich fortzusetzen, gegen Ende derselben auch wöchentlich zweimal mit dem Reiter zu springen.
708∣ Geht ein Pferd in jeder Gangart mit ruhiger Kopfstellung und richtiger Anlehnung und Haltung entschlossen vorwärts und ist es in jeder Beziehung gehorsam, so kann es mit der Stange gezäumt werden.
Der Lage und dem Anpassen der Stange ist die größte Aufmerksamkeit zu schenken.
Bei sehr empfindlichen Pferden soll anfänglich die Stange etwas höher als normal liegen und die Kinnkette um ein Glied länger eingelegt werden, welch letzteres übrigens anfänglich bei allen Remonten geschehen soll.
709∣ In der ersten Zeit ist mit ergriffenen Trensenzügeln zu reiten, wobei diese mehr als die Stangenzügel wirken müssen; später jedoch helfen die Trensenzügel nur dann nach, wenn das Pferd dem Anzuge eines Stangenzügels nicht hinlänglich Folge leisten sollte.
Anfänglich sind besonders bei Pferden, welche ein sehr empfindliches Maul haben, nur geringe Anforderungen zu stellen; denn ein von der Stange abgeschrecktes Pferd ist schwer zu corrigieren. Ein solches muss wieder abgezäumt werden.
In der ersten Zeit dürfen gar keine Seitengänge geritten werden und ist hauptsächlich darauf zu sehen, dass die Reiter leicht führen, die Pferde den Kopf ruhig halten und an beide Zügel gehen.
710∣ Sind die Pferde in allen Übungen hinlänglich befestigt, so werden sie einige Zeit mit den Stangenzügeln allein geritten.
711∣ Nun ist der Zeitpunkt gekommen, die Pferde daran zu gewöhnen, dass die Reiter den Säbel zu Pferd gebrauchen. Derselbe ist hiezu anfänglich langsam ohne Commando zu ziehen und es sollen hierauf einige Säbelschwingungen ausgeführt werden.
712∣ In Garnisonen, wo Infanterie liegt, sind die Pferde an dieselbe zu gewöhnen.
Bevor eine Remonte einrangiert wird, soll sich der Reiter, welchem sie zugewiesen wird, mit ihr in der Remonten-Abtheilung vollkommen vertraut machen.
Endlich muss die Remonte, um sie an das Gehen in Reih und Glied zu gewöhnen, fallweise in die Front genommen werden.