Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Text=EWiR%202014,%20779
Timestamp: 2019-07-17 09:39:09
Document Index: 320635561

Matched Legal Cases: ['§ 688', '§ 690', '§ 199', '§ 242', '§ 688', '§ 204', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 242', '§ 195', '§ 204', '§ 167']

OLG Stuttgart, 16.07.2014 - 3 U 170/13 - dejure.org
https://dejure.org/2014,23717
OLG Stuttgart, 16.07.2014 - 3 U 170/13 (https://dejure.org/2014,23717)
OLG Stuttgart, Entscheidung vom 16.07.2014 - 3 U 170/13 (https://dejure.org/2014,23717)
OLG Stuttgart, Entscheidung vom 16. Juli 2014 - 3 U 170/13 (https://dejure.org/2014,23717)
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Verjährunghemmung durch Mahnbescheid bei Schadensersatzanspruch aus Kapitalanlageberatung: Rechtsmissbräuchliche Berufung des Anlegers auf die Hemmungswirkung wegen Verschweigens der Zug-um-Zug-Gegenleistung im Mahnbescheidsantrag
Kapitalanlagerecht - Gegenleistung
Kapitalanlage - Schadensersatz und Zug-um-Zug-Übertragung
Keine Hemmung der Verjährung durch rechtsmissbräuchlich erschlichenen Mahnbescheid (hier: Antrag ohne Hinweis auf Gegenleistung in Form einer Zug um Zug anzubietenden Kapitalbeteiligung)
Kein Berufen auf Hemmung der Verjährung durch Mahnbescheid, wenn Kapitalanleger Mahnbescheid rechtsmissbräuchlich erschlichen hat
Hemmung der Verjährung von Schadensersatzansprüchen wegen fehlerhafter Anlageberatung durch Geltendmachung im Mahnverfahren
Zug um Zug zu erfüllende Schadensersatzansprüche - der Mahnbescheid und die fehlende Verjährungshemmung
Keine Hemmung der Verjährung bei rechtsmissbräuchlich erschlichenem Mahnbescheid
Anleger kann sich bei Rechtsmissbrauch nicht auf Hemmung der Verjährung seines Anspruchs berufen
Ein rechtsmissbräuchlich erschlichener Mahnbescheid hemmt die Verjährung nicht
ZPO § 688 Abs. 2, § 690 Abs. 1; BGB §§ 199, 204, 242
Rechtsmissbräuchliches Erschleichen des Mahnbescheids; keine Hemmung der Verjährung nach § 242 BGB
LG Rottweil, 20.08.2013 - 3 O 204/12
ZIP 2014, 2447
WM 2014, 1998
EWiR 2014, 779
aa) Richtig hat das Berufungsgericht dabei zum Ausgangspunkt genommen, die Zustellung des Mahnbescheids hemme trotz eines Verstoßes gegen § 688 Abs. 2 Nr. 2 ZPO (dazu sogleich unter bb 2) nach § 204 Abs. 1 Nr. 3 BGB die Verjährung (vgl. nur BGH…, Urteil vom 21. Dezember 2011 - VIII ZR 157/11, WM 2012, 560 Rn. 8; OLG Koblenz, OLGR 2005, 349, 350; OLG München…, Urteil vom 4. Dezember 2007 - 5 U 3479/07, juris Rn. 84 f.; OLG Stuttgart, ZIP 2014, 2447, 2449).
b) Die Berufung auf die durch Zustellung eines Mahnbescheids eingetretene Verjährungshemmung kann jedoch rechtsmissbräuchlich sein, wenn der Antrag auf Erlass des Mahnbescheids die bewusst wahrheitswidrige Erklärung enthält, dass die Gegenleistung bereits erbracht sei (…s. BGH, Urteile vom 21. Dezember 2011 aaO Rn. 9 ff…, vom 5. August 2014 - XI ZR 172/13, NJW 2014, 3435 Rn. 11 …und vom 23. Juni 2015 aaO Rn 17 ff; OLG München…, Urteil vom 4. Dezember 2007 - 5 U 3479/07, BeckRS 2010, 00584 und BKR 2015, 260, 262 Rn. 18 ff;… OLG Bamberg, BKR 2014, 334, 337 Rn. 53 ff; OLG Stuttgart, WM 2014, 1998 ff;… OLG Hamm, BKR 2015, 125, 127 Rn. 14 ff; vgl. auch bereits BGH, Urteil vom 28. September 2004 - IX ZR 155/03, BGHZ 160, 259, 266).
In den zuletzt genannten Fällen kann ein missbräuchliches Handeln sowohl in der Abgabe der unzutreffenden Erklärung liegen, dass der Anspruch von einer Gegenleistung abhänge, diese aber erbracht sei (vgl. OLG Bamberg, Urteil vom 4. Juni 2014 - 3 U 244/13, BKR 2014, 334 [unter II 2 b]), als auch in der - ebenfalls falschen - Erklärung, der Anspruch hänge nicht von einer Gegenleistung ab (vgl. OLG Stuttgart, Urteil vom 16. Juli 2014 - 3 U 170/13, BeckRS 2014, 17133 [unter II 2 c]).
Im Übrigen liegt ein missbräuchliches Verhalten auch dann vor, wenn das Mahngericht über bestehende, sich aus einer rechtlichen Unsicherheit ergebende Zweifel an der Statthaftigkeit des Mahnverfahrens getäuscht wird (vgl. OLG Stuttgart, Urteil vom 16. Juli 2014 - 3 U 170/13, BeckRS 2014, 17133 [unter II 2 c]).
Das Erschleichen des Mahnbescheids durch die unrichtige Angabe, die Gegenleistung sei erbracht, stellt sich daher als rechtsmissbräuchlich dar, weshalb der Kläger sich auf die Hemmungswirkung des Mahnverfahrens nicht berufen kann (vgl. OLG München…, Urteil vom 04.12.2007, aaO; OLG Bamberg, Urteil vom 04.06.2014 - 3 U 244/13, BKR 2014, 334, 337 f.; OLG Stuttgart, Urteil vom 16.07.2014 - 3 U 170/13, WM 2014, 1998, 1999 f.).
Dem steht auch nicht entgegen, dass das Oberlandesgerichts Bamberg im Urteil vom 04.06.2014 (…aaO) sowie der 3. Zivilsenat des erkennenden Oberlandesgerichts im Urteil vom 16.07.2014 (aaO) bei vergleichbaren Sachverhalten wegen grundsätzlicher Bedeutung die Revision zugelassen haben, weil diese Entscheidungen vor der bezeichneten Entscheidung des Bundesgerichtshofs vom 05.08.2014 ergangen sind.
Nur bei einer entsprechenden Täuschung des Mahngerichts ist der Kläger wegen Rechtsmissbrauchs gemäß § 242 BGB gehindert, sich auf die durch Einreichung des Mahnantrages vor Ablauf der Verjährungsfrist (§§ 195, 199 Abs. 1 BGB) gemäß § 204 Abs. 1 Nr. 3 BGB, § 167 ZPO eingetretene Hemmung der von der Beklagten geltend gemachten Verjährung des erhobenen Schadensersatzanspruchs zu berufen (vgl. OLG Stuttgart, WM 2014, 1998, 1999 f.).
Richtig ist das Gegenteil (vgl. etwa OLG Bamberg, BKR 2014, 334, 337 m.w.N.; OLG Stuttgart, BeckRS 2014, 17133).
Denn im Rahmen des Mahnverfahrens ist unerheblich, auf welcher rechtlichen Grundlage die Zug-um-Zug- Herausgabe zu erfolgen hat und ob diese in einem synallagmatischen Verhältnis zu der Hauptforderung steht oder es sich - wie hier - um einen Vorteilsausgleich im Rahmen des zu leistenden Schadensersatzes handelt, die bewirkt, dass die Schadensersatzpflicht der Beklagten nur und von Amts wegen zu berücksichtigen gegen Herausgabe der Vorteile erfüllt zu werden braucht (OLG Stuttgart, Urteil vom 16.07.2014 - 3 U 170/13).