Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Gericht=VGH%20Baden-W%C3%BCrttemberg&Datum=12.05.2005&Aktenzeichen=A%203%20S%20358/05
Timestamp: 2019-06-19 16:18:01
Document Index: 206946146

Matched Legal Cases: ['§ 60', 'Art 10', '§ 60', 'Art. 10', 'BGH', 'EuG', 'Art. 10', 'Art. 11', 'Art. 1', 'Art. 254', 'EuG', 'EuG', 'EuG', 'Art. 10', 'Art. 10', '§ 60', 'Art. 1', 'Art. 2', 'Art. 15', 'EuG', '§ 60', 'Art. 10', '§ 2']

VGH Baden-Württemberg, 12.05.2005 - A 3 S 358/05 - dejure.org
https://dejure.org/2005,222
VGH Baden-Württemberg, 12.05.2005 - A 3 S 358/05 (https://dejure.org/2005,222)
VGH Baden-Württemberg, Entscheidung vom 12.05.2005 - A 3 S 358/05 (https://dejure.org/2005,222)
VGH Baden-Württemberg, Entscheidung vom 12. Mai 2005 - A 3 S 358/05 (https://dejure.org/2005,222)
Tipp: Um den Kurzlink (hier: https://dejure.org/2005,222) schnell in die Zwischenablage zu kopieren, können Sie die Tastenkombination Alt + R verwenden - auch ohne diesen Bereich zu öffnen.
§ 60 Abs 1 AufenthG 2004, Art 10 Abs 1b EGRL 83/2004
Qualifikationsrichtlinie, Vorwirkung, Religion, Missionierung
AufenthG § 60 Abs. 1; RL 2004/83/EG Art. 10 Abs. 1 b
Iran, Anerkennungsrichtlinie, Religiös motivierte Verfolgung, Religiöses Existenzminimum, Verfolgungsbegriff, Richtlinienkonforme Auslegung
Anwendung einer EG-Richtline vor Ablauf der Umsetzungsfrist; Sicherstellung des religiösen Existenzminimums; Zeitpunkt des Inkrafttretens der unmittelbaren Wirkung einer Richtlinienbestimmung
VG Karlsruhe, 24.02.2005 - A 6 K 10687/03
ESVGH 56, 54 (Ls.)
NVwZ 2005, 1098
VBlBW 2005, 3003
VBlBW 2005, 303
DVBl 2005, 1219 (Ls.)
DÖV 2005, 747
Auf sie unmittelbar berufen kann sich ein Betroffener erst nach Ablauf dieser Frist und lediglich unter der Voraussetzung, dass die Richtlinie ihrem Inhalt nach ohne konkreten Umsetzungsakt vollzogen werden kann ("self-executing", s. Schoch, NordÖR 2004, 1, 5 m.w.N. in FN. 78 ff.; Beschl. des erk. Gerichtshofs vom 12.5.2005 - A 3 S 358/05 - m.w.N.).
Diese "Vorwirkung" besteht nicht nur in einem Verbot, die Ziele der Richtlinie vor Ablauf der Umsetzungsfrist zu unterlaufen (BVerwG, Urteil vom 19.5.1998 - 4 A 9.97 - BVerwGE 107, 1, 22; Urteil vom 27.10.2000 - 4 A 18.99 - BVerwGE 112, 140, 156), sondern auch in einem vor Ablauf der Frist bestehenden Gebot zur einer "richtlinienkonformen Auslegung" nationaler Vorschriften (so BGH, Urteil vom 5.2.1998 - I ZR 211/95 - NJW 1998, 2208, 2210; ferner auch Schlussanträge GA Kokott vom 27.10.2005, Rs. C-212/04 - Adeneler u.a.; vgl. demgegenüber das noch engere Urteil des EuGH, Urteil vom 18.12.1997 - Rs. C-129/96 m. Anm. Weiß, DVBl. 1998, 568; zur Qualifikationsrichtlinie einschränkend auch VGH Bad.-Württ., Beschluss vom 12.5.2005 - A 3 S 358/05 - offen lassend OVG NW, Beschluss vom 18.5.2005 - 11 A 533/05.A - NWVBl. 2006, 224, 225).
Vor Ablauf der Umsetzungsfrist entfaltet eine Richtlinie keine unmittelbare Wirkung (vgl. OVG NRW, Beschl. v. 4.7.2005 - 18 B 1635/04 - VGH Bad.-Württ., Beschl. v. 12.5.2005 - A 3 S 358/05 -, InfAuslR 2005, 296 = NVwZ 2005, 1098;… BayVGH, Urt. v. 7.4.2005 - 14 B 02.30878 -).
Allerdings haben die nationalen Gerichte die Möglichkeit, im Hinblick auf Art. 10 Abs. 2 EGV schon ab Inkrafttreten einer Richtlinie insbesondere unbestimmte Rechtsbegriffe des nationalen Rechts - wenn auch ohne Berufung auf den gemeinschaftsspezifischen Anwendungsvorrang und nicht im Gegensatz zu sonstigen nationalen Vorschriften - richtlinienkonform auszulegen (vgl. VGH Bad.-Württ., Beschl. v. 12.5.2005, a.a.O.).
Dies bedeutet zugleich, dass sich ein Ausländer zu einem früheren Zeitpunkt noch nicht mit Erfolg auf einzelne Richtlinienvorgaben berufen kann (so zu Recht VGH Bad.-Württ., Beschl. v. 12.5.2005, a.a.O.).
Aber selbst wenn man entgegen den vorstehenden Darlegungen der Auffassung des Hessischen Verwaltungsgerichtshofes (Beschl. v. 2.5.2005, a.a.O.) folgen würde, dass der von der Richtlinie 2004/38/EG vermittelte Ausweisungsschutz schon vor deren unmittelbarer Anwendbarkeit dem heutigen gemeinschaftsrechtlichen Stand der Freizügigkeitsrechte entspreche und bei der Entscheidung über die Ausweisung eines assoziationsberechtigten türkischen Staatsangehörigen zu berücksichtigen sei, würde dies dem Antragsteller nicht weiterhelfen.
Ungeachtet der Frage, inwieweit einer solchen Richtlinie vor Ablauf der Umsetzungsfrist bereits rechtliche Vorwirkungen beizumessen sind (vgl. VGH Bad.-Württ., Beschluss vom 12.5.2005, VBlBW 2005, 303), kommt der hier einschlägigen Regelung in Art. 11 Abs. 1 Buchst. e der Qualifikationsrichtlinie keine andere materielle Bedeutung zu als Art. 1 C Nr. 5 GFK, dessen Wortlaut lediglich wiederholt wird.
Zwar entfalten EG-Richtlinien auch schon vom Zeitpunkt ihres Inkrafttretens bis zur Verkündung des nationalen Umsetzungsgesetzes bzw. bis zum Ablauf der in ihnen vorgesehenen Umsetzungsfrist in gewissem Umfang Rechtswirkungen, wie sich aus Art. 254 Abs. 2 und 3 EG ergibt, vgl. EuGH, Urteil vom 5. Februar 2004 - Rs. C- 157/02 (Rieser) - , Slg. 2004, I-1477, Rdnr. 66 ff. und Urteil vom 18. Dezember 1997 - Rs. C-129/96 (Inter-Environnement Wallonie) -, Slg. 1997, I-7411, Rdnr. 40 ff. sowie ausführlich VGH Baden-Württemberg, Beschluss vom 12. Mai 2005 - A 3 S 358/05 -, AuAS 2005, 163.
Eine unmittelbare Wirkung einer Richtlinie dahingehend, dass sich der Einzelne vor den nationalen Gerichten auf sie berufen kann, kommt nach ständiger Rechtsprechung des EuGH aber nur in den Fällen in Betracht, in denen ein Mitgliedstaat eine Richtlinie nicht fristgemäß oder nur unzulänglich in nationales Recht umgesetzt hat und die Bestimmungen der Richtlinie inhaltlich unbedingt und hinreichend bestimmt sind, vgl. u.a. EuGH, Urteil vom 5. Februar 2004 - Rs. C- 157/02 (Rieser) -, a.a.O. sowie VGH Baden-Württemberg, Beschluss vom 12. Mai 2005 - A 3 S 358/05 -, a.a.O., und Oberverwaltungsgericht (OVG) Niedersachsen, Beschluss vom 5. Oktober 2005 -11 ME 247/05 -, jurisweb.
Eine Rechtspflicht hierzu ergibt sich im Ausländer- und Asylrecht jedoch regelmäßig erst nach Ablauf der Umsetzungsfrist bzw. der Verkündung des Umsetzungsgesetzes, vgl. VGH Baden-Württemberg, Beschluss vom 12. Mai 2005 - A 3 S 358/05 -, a.a.O. und OVG Niedersachsen, Beschluss vom 5. Oktober 2005 - 11 ME 247/05 -, a.a.O.; weitergehend aber: Schlussanträge der Generalanwältin Kokott vom 18. Mai 2005 in der Rs. C-313/02 (Wippel), Rdnr. 59 und vom 27. Oktober 2005, in der Rs. C-212/04 (Adeneler u.a.), Rdnr. 42 ff.
" haben die nationalen Gerichte die Möglichkeit, im Hinblick auf Art. 10 Abs. 2 EGV schon ab Inkrafttreten einer Richtlinie insbesondere unbestimmte Rechtsbegriffe des nationalen Rechts - wenn auch ohne Berufung auf den gemeinschaftsspezifischen Anwendungsvorrang und nicht im Gegensatz zu sonstigen nationalen Vorschriften - richtlinienkonform auszulegen (vgl. VGH Bad.-Württ., Beschl. v. 12.5.2005, a.a.O.)." - so Nds. OVG, B. v. 5.10.2005 - 11 ME 247/05 - .
Hierbei verbietet sich eine Unterscheidung nach öffentlichem und privatem Bereich religiöser Betätigung, weil ein öffentlicher Bereich in der Richtlinie 2004/83/ EG nicht mehr gesondert genannt wird (vgl. VGH Baden-Württ. InfAuslR 2005, S. 296/S. 298; Art. 10 Abs. 1 b der Richtlinie).
Aus der Richtlinie 2004/83/EG des Rates vom 29. April 2004 (Qualifikationsrichtlinie) kann sich in diesem Zusammenhang nichts Abweichendes oder Zusätzliches ergeben, zum einen schon deshalb, weil die Frist für die Umsetzung der Vorgaben der Richtlinie, wenn und soweit das innerstaatliche Recht ihnen nicht genügt, jedenfalls noch nicht abgelaufen ist - vgl. VGH Mannheim, Beschluss vom 12. Mai 2005 - A 3 S 358/05 -, NVwZ 2005, 1098 und VGH München, Beschluss vom 2. Mai 2005 - 14 B 02.30703 -, zum anderen und vor allem auch, weil nicht ersichtlich ist, inwieweit § 60 Abs. 7 AufenthG in der hier zugrunde gelegten Handhabung den Anforderungen des internationalen Schutzes, insbesondere auch des subsidiären Schutzes, mithin der Abwendung der Gefahr eines ernsthaften Schadens, Art. 1, Art. 2 Buchstaben a und e, Art. 15 der Qualifikationsrichtlinie, nicht gerecht werden sollte.
Ein Einzelner kann sich vor den nationalen Gerichten auf eine umzusetzende, aber noch nicht umgesetzte Richtlinie frühestens - sofern auch die übrigen Voraussetzungen dafür vorliegen - nach Ablauf der für ihre Umsetzung in das nationale Recht vorgesehenen Frist berufen (…vgl. EuGH, st. Rspr. seit Urt. v. 5.4.1979 - Rs. 148/78 [Strafverfahren gegen Ratti] - Slg. 1979, 1629 = NJW 1979, 1764; OVG Münster, Beschluss vom 4. April 2006 - 9 A 3590/05.A - zitiert nach juris und vom 18. Mai 2005 - 11 A 533/05.A - ZAR 2005, 374 = AuAS 2006, 105, m. w. N.; OVG Hamburg, Beschluss vom 8.3.2006 - 4 Bf 406/98.A - OVG Schleswig, Beschluss vom 13.7.2005 - 1 LA 68/05 - AuAS 2005, 262 = NordÖR 2005, 392; VGH Mannheim, Beschluss vom 12.5.2005 - A 3 S 358/05 - AuAS 2005, 163 = NVwZ 2005, 1098 = DÖV 2005, 747).
Dass im Ausländer- und Asylrecht vor Ablauf der Umsetzungsfrist bzw. - wenn zuvor erfolgt - vor Verkündung des Umsetzungsgesetzes regelmäßig keine vom Instanzrichter zu beachtende Vorwirkung von EG-Richtlinien anzunehmen ist und der Begriff der Religion in § 60 Abs. 1 Satz 1 AufenthG derzeit noch nicht zwingend im Lichte von Art. 10 Abs. 1 Buchstabe b der "Qualifikationsrichtlinie" ausgelegt werden muss, entspricht auch der Rechtsprechung des VGH Baden-Württemberg (Beschlüsse vom 12. Mai 2005 - A 3 S 358/05 -, DÖV 2005, 747 ff. = NVwZ 2005, 1098 f. = VBlBW 2005, 303 f.; und vom 27. Oktober 2005 - A 12 S 603/05 -, juris), des OVG Nordrhein-Westfalen (Beschluss vom 18. Mai 2005 - 11 A 533/05.A -, ZAR 2005, 374 f.).
Auch folgt aus der Umsetzungsfrist, dass den Mitgliedstaaten kein Vorwurf gemacht werden darf, wenn sie eine Richtlinie nicht vor Ablauf dieser Frist in ihrer Rechtsordnung umsetzen (VGH Baden-Württemberg, B. v. 12.05.2005 - 3 S 358/05 - InfAuslR 2005, 296).
VGH Baden-Württemberg, 14.03.2006 - 13 S 220/06
Unionsbürger; Aufenthaltsberechtigung; zur Zeitspanne in FreizügG/EU 2004 § 2 Abs …
VG Stuttgart, 09.03.2006 - A 11 K 11112/04
Geschlechtsspezifische Verfolgung als Asylgrund für Frau aus Iran.
VG Düsseldorf, 23.08.2005 - 2 K 1560/05
Anforderungen an das Vorliegen eines Anspruchs iranischer Staatsbürger mit …
VG Ansbach, 07.07.2006 - AN 19 K 06.30057
Widerruf, Flüchtlingsanerkennung, Irak, Machtwechsel, Genfer …
VG Stuttgart, 07.07.2006 - A 11 K 13386/04
Iran, soziale Gruppe, Flüchtlingsanerkennung, geschlechtsspezifische Verfolgung, …