Source: http://relevancy.bger.ch/php/aza/http/index.php?lang=de&zoom=&type=show_document&highlight_docid=aza%3A%2F%2F21-12-2007-U_558-2006
Timestamp: 2016-10-24 18:29:29
Document Index: 123554270

Matched Legal Cases: ['Art. 132', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE']

U 558/06 (21.12.2007)
M.________, 1965, Beschwerdef�hrerin, vertreten durch Rechtsanwalt Dr. Hans-Peter M�ller, Museumstrasse 35, 9000 St. Gallen,
Z�rich Versicherungs-Gesellschaft, 8085 Z�rich, Beschwerdegegnerin, vertreten durch Rechtsanwalt Peter R�sler, Aeplistrasse 7, 9008 St. Gallen.
Die 1965 geborene M.________ war als Pflegehelferin beim Regionalen Alters- und Pflegeheim in X.________ angestellt und in dieser Eigenschaft bei der Z�rich Versicherungs-Gesellschaft (nachfolgend Z�rich) gegen die Folgen von Berufs- und Nichtberufsunf�llen versichert. Am 16. Oktober 2000 wurde sie als Beifahrerin in einem Personenwagen in einen Verkehrsunfall verwickelt. Ab Unfallstelle wurde sie von der Schweizerischen Rettungsflugwacht ins Spital F.________ geflogen, wo sie vom 16. bis 23. Oktober 2000 hospitalisiert blieb und die Diagnose "Verkehrsunfall mit stumpfem Thoraxtrauma und Sternumquerfraktur" gestellt wurde. Nach Spitalentlassung stand sie bei ihrem Hausarzt Dr. med. G.________, FMH f�r Allgemeine Medizin in Behandlung, welcher andauernde Schmerzen feststellte und am 13. M�rz 2001 eine Arbeitsunf�higkeit von 100 % ab 16. Oktober 2000 bis 31. Dezember 2000 sowie eine solche von 50 % vom 1. bis 15. Januar 2001 bescheinigte. Sp�ter war die Versicherte noch einmal vom 21. April bis 8. Mai 2001 vollst�ndig arbeitsunf�hig (Bericht des Dr. med. G.________ vom 4. Januar 2002). Die Z�rich t�tigte verschiedene Abkl�rungen unter anderem auch bei �rzten und Therapeuten, bei welchen M.________ bereits vor dem Unfall in Behandlung stand. Eine Untersuchung im Spital W.________ ergab am 10. Juli 2002 die Hauptdiagnose eines panvertebralen Schmerzsyndroms myofaszialer �tiologie (Bericht des Spitals W.________ vom 11. Juli 2002). Schliesslich holte die Z�rich mit Schreiben vom 15. Januar 2003 bei der Klinik f�r Rheumatologie und klinische Immunologie/Allergologie des Spitals B.________ein Gutachten ein, welches Dr. med. E.________ am 5. April 2004 verfasste und - nach Eingang einer Stellungnahme des Rechtsvertreters der Versicherten - am 1. September 2004 erg�nzte (nachfolgend: Gutachten E.________). Am 1. Dezember 2004 verf�gte die Z�rich die Einstellung s�mtlicher Leistungen per 8. Mai 2001 und hielt mit Einspracheentscheid vom 4. Juli 2005 daran fest.
M.________ liess Beschwerde f�hren, welche das Verwaltungsgericht des Kantons Thurgau am 20. September 2006 abwies.
Mit Verwaltungsgerichtsbeschwerde beantragt M.________ r�ckwirkend ab 9. Mai 2001 die Ausrichtung der gesetzlichen Leistungen (Taggelder, Invalidenrente, Integrit�tsentsch�digung) nach Massgabe eines neu anzuordnenden polydisziplin�ren Gutachtens. Im Weiteren verlangt sie einen Verzugszins von 5 % auf den nachzuzahlenden Versicherungsleistungen.
W�hrend die Z�rich auf Abweisung der Verwaltungsgerichtsbeschwerde schliesst, verzichtet das Bundesamt f�r Gesundheit auf eine Vernehmlassung.
Das Bundesgesetz �ber das Bundesgericht vom 17. Juni 2005 (BGG; SR 173.110) ist am 1. Januar 2007 in Kraft getreten (AS 2006 1205, 1243). Da der angefochtene Entscheid vorher ergangen ist, richtet sich das Verfahren noch nach OG (Art. 132 Abs. 1 BGG; BGE 132 V 395 E. 1. 2).
Das kantonale Gericht hat die Rechtsprechung zu dem f�r die Leistungspflicht des Unfallversicherers vorausgesetzten nat�rlichen Kausalzusammenhang zwischen dem Unfall und dem eingetretenen Schaden (Krankheit, Invalidit�t, Tod; BGE 129 V 177 E. 3.1 S. 181 mit Hinweisen) sowie zum Dahinfallen der kausalen Bedeutung von unfallbedingten Ursachen eines Gesundheitsschadens zutreffend wiedergegeben. Gleiches gilt mit Blick auf die Rechtsprechung zur vorausgesetzten Ad�quanz des Kausalzusammenhanges im Allgemeinen (BGE 129 V 177 E. 3.2 S. 181 mit Hinweis) sowie bei psychischen Unfallfolgen (BGE 129 V 177 E. 4.1 S. 183, 115 V 133 ff). Darauf wird verwiesen.
Beizuf�gen ist, dass sich bei organisch nachweisbaren Gesundheitsst�rungen die ad�quate, das heisst rechtserhebliche Kausalit�t weitgehend mit der nat�rlichen deckt; die Ad�quanz hat hier gegen�ber dem nat�rlichen Kausalzusammenhang praktisch keine selbst�ndige Bedeutung (BGE 118 V 286 E. 3 S. 291 ff.). Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob er f�r die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden ber�cksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Beurteilung der medizinischen Zusammenh�nge und der medizinischen Situation einleuchtet, sowie ob die Schlussfolgerungen des Experten begr�ndet sind (BGE 125 V 351 E. 3a S. 352).
Streitig und zu pr�fen ist, ob die Beschwerdef�hrerin aufgrund des Ereignisses vom 16. Oktober 2000 auch nach dem 8. Mai 2001 Anspruch auf Leistungen der obligatorischen Unfallversicherung hat.
3.1 Die Vorinstanz gelangte gest�tzt auf die Schlussfolgerungen des Gutachtens E.________ zum Ergebnis, dass die bei der Versicherten �ber den 8. Mai 2001 hinaus bestehenden somatischen Beschwerden nicht in einem nat�rlichen Kausalzusammenhang zum Unfallereignis vom 16. Oktober 2000 stehen. Dieser Schluss ist nicht zu beanstanden. Das Gutachten E.________ erf�llt die von der Rechtsprechung in Bezug auf die Schl�ssigkeit eines Gutachtens entwickelten Anforderungen. So ist insbesondere nachvollziehbar, dass die R�ckenbeschwerden nicht auf die erlittene Sternumfraktur zur�ckgef�hrt werden k�nnen, und auch die Einsch�tzung, dass die Beschwerden im Nacken- und Schulterg�rtelbereich (nur) in einem m�glichen Zusammenhang mit dem Unfall zu sehen sind, ist begr�ndet. Die Beschwerdef�hrerin r�umt denn auch zu Recht ein, dass der Gutachter das somatische Beschwerdebild korrekt erhoben und diagnostiziert hat (Verwaltungsgerichtsbeschwerde S. 10). Es ist deshalb davon auszugehen, dass im Zeitpunkt der Leistungseinstellung keine unfallbedingten somatischen Beschwerden mehr bestanden, welche organisch hinreichend erkl�rbar waren.
3.2 Strittig ist, ob die Versicherte an psychisch bedingten unfallkausalen Beschwerden leidet. W�hrend diese der Auffassung ist, es best�nden Anhaltspunkte f�r ein derartiges Leiden, weshalb sie bereits im verwaltungsinternen und auch im vorinstanzlichen Verfahren eine psychiatrische Begutachtung beantragt habe, stellt sich die Vorinstanz auf den Standpunkt, psychische Beschwerden seien nicht festgestellt worden. - Der Beschwerdef�hrerin ist insofern Recht zu geben, als psychische Faktoren bei der Beurteilung des Gesundheitszustandes angesprochen und einbezogen worden sind. Wenn im Gutachten E.________ von einem psychophysischen Ersch�pfungszustand verbunden mit Antriebslosigkeit, innerem Spannungsgef�hl und Angstgef�hlen die Rede ist, wird prim�r ein psychischer Zustand beschrieben (Gutachten E.________ S. 11). Eine psychiatrische Begutachtung k�nnte deshalb gegebenenfalls tats�chlich eine (zus�tzliche) Erkl�rung f�r den gesundheitlichen Zustand der Versicherten liefern. Selbst wenn aber unfallbedingte psychische Befunde erhoben w�rden, verm�chten diese eine Leistungspflicht des Unfallversicherers nur dann zu begr�nden, wenn auch die Ad�quanz des Kausalzusammenhangs zu bejahen w�re. Weil dies - wie nachfolgend aufgezeigt (E. 4 hienach) - zu verneinen ist, kann die Frage der nat�rlichen Kausalit�t der psychischen Unfallfolgen offen bleiben.
4.1 Verwaltung und Vorinstanz lehnten zwar bereits den nat�rlichen Kausalzusammenhang zwischen Unfallereignis und der im Zeitpunkt der Leistungseinstellung bestehenden Gesundheitsst�rung ab, pr�ften und verneinten aber jeweils gleichwohl auch die ad�quate Kausalit�t. Zu Recht wurde bei der Ad�quanzpr�fung die Rechtsprechung zu den psychogenen Unfallfolgen (BGE 115 V 133 ff.) und nicht die Ad�quanzbeurteilung nach Distorsion der Halswirbels�ule (BGE 117 V 359 ff.) zur Anwendung gebracht. Entgegen der Auffassung der Beschwerdef�hrerin (Verwaltungsgerichtsbeschwerde S. 13) kommt die Ad�quanzpr�fung nach HWS-Distorsion (BGE 117 V 359 ff.) nicht etwa immer dann zur Anwendung, wenn die psychischen mit den somatischen Beschwerden eng verwoben sind. Die Ad�quanzbeurteilung nach BGE 117 V 359 setzt vielmehr nicht nur ein Schleudertrauma der Halswirbels�ule, eine dem Schleudertrauma �quivalente Verletzung oder ein Sch�del-Hirntrauma voraus, sondern auch das anschliessende Auftreten des f�r diese Verletzungen typischen Beschwerdebildes (BGE 117 V 359 E. 4b S. 360). Diese Voraussetzungen sind hier nicht gegeben, weshalb die Rechtsprechung zu den psychogenen Unfallfolgen zur Anwendung gelangt (BGE 127 V 102 E. 5b/bb S. 103), unabh�ngig davon, ob die psychische Problematik nach dem Unfall eindeutige Dominanz aufwies oder nicht.
4.2 Der Unfall vom 16. Oktober 2000 ist angesichts des augenf�lligen Geschehensablaufs und der erlittenen Verletzungen zu den mittelschweren Unf�llen (vgl. zur Kasuistik RKUV 2003 Nr. U 481 S. 204 E. 3.3.2 [U 161/01] mit Hinweisen) zu z�hlen. F�r die Bejahung des ad�quaten Kausalzusammenhangs sind somit weitere unfallbezogene Kriterien, die nach den Erfahrungen des Lebens geeignet sind, eine psychische Fehlreaktion auszul�sen, erforderlich, damit dem Unfall die vorausgesetzte massgebende Bedeutung zukommt (BGE 115 V 133 E. 6c/aa S. 140). Die Ad�quanz ist hier nur zu bejahen, sofern eines der einschl�gigen Kriterien in besonders ausgepr�gter Weise erf�llt ist oder mehrere Kriterien in geh�ufter oder auffallender Weise zutreffen (BGE 115 V 133 E. 6c/bb S. 141).
4.2.1 Der Unfall vom 16. Oktober 2000 ereignete sich weder unter besonders dramatischen Begleitumst�nden noch war er objektiv gesehen (RKUV 1999 Nr. U 335 S. 209 E. 3b/cc, U 287/97; vgl. auch RKUV 2000 Nr. U 394 S. 313 ff., U 248/98) von besonderer Eindr�cklichkeit. Dass die Beschwerdef�hrerin als Beifahrerin die Frontalkollision kommen sah und auch die beiden Personenwagenlenker verletzt wurden, gen�gt nicht zur Annahme einer besonderen Eindr�cklichkeit (Urteil 8C_103/2007 vom 17. August 2007, E. 4.3). Ob dieses Kriterium zu bejahen ist, h�ngt von den konkreten Umst�nden des einzelnen Unfallereignisses ab. Der vorliegend zur Beurteilung stehende Unfall ereignete sich bei mittlerer Geschwindigkeit. Die Unfallfahrzeuge wurden im Frontbereich zwar stark besch�digt und erlitten einen sogenannten Totalschaden, die F�hrerkabinen blieben aber weitgehend unversehrt (Verkehrsunfall-Rapport der Polizei T.________ vom 19. Oktober 2000). Unter Ber�cksichtigung dieser Umst�nde kann hier nicht von einer besonderen Eindr�cklichkeit gesprochen werden (vgl. RKUV 2003 Nr. U 481 S. 205, U 161/01).
4.2.2 Den erlittenen Verletzungen im Thoraxbereich (vgl. Urteil U 497/06 vom 24. August 2007) kommt erfahrungsgem�ss keine besondere Eignung zu, psychische Fehlentwicklungen auszul�sen. Von einem schwierigen Heilungsverlauf mit erheblichen Komplikationen kann ebenso wenig die Rede sein, wie von einer �rztlichen Fehlbehandlung oder von einer ungew�hnlich langen Dauer der �rztlichen Pflege, beschr�nkte sich doch die Behandlung der somatischen Unfallfolgen bereits f�nf Monate nach dem Unfall auf die Verabreichung von Schmerzmedikamenten (Bericht des Dr. med. G.________ vom 13. M�rz 2001).
4.2.3 Das Kriterium der unfallbedingten k�rperlichen Dauerschmerzen ist zumindest nicht in besonders ausgepr�gter Weise erf�llt. Nach dem Unfall war die Beschwerdef�hrerin w�hrend zweieinhalb Monaten zu 100 % und anschliessend w�hrend eines halben Monats zu 50 % arbeitsunf�hig; sp�ter trat vom 21. April bis zum 8. Mai 2001 eine zweite, relativ kurze Phase von Arbeitunf�higkeit ein (Bericht des Dr. med. G.________ vom 4. Januar 2002). Grad und Dauer der somatisch bedingten Arbeitsunf�higkeit kann demnach praxisgem�ss (vgl. hiezu RKUV 2001 Nr. U 442 S. 544 ff., U 56/00) nicht als erf�llt gelten.
4.2.4 Zusammenfassend bleibt festzuhalten, dass weder ein einziges Kriterium in besonders ausgepr�gter Weise gegeben ist noch die massgebenden Kriterien in geh�ufter oder auffallender Weise erf�llt sind. Der ad�quate Kausalzusammenhang zwischen dem versicherten Unfall vom 16. Oktober 2000 und den ab 8. Mai 2001 weiterbestehenden gesundheitlichen Beeintr�chtigungen ist daher zu verneinen.
Lagen im Zeitpunkt der Leistungseinstellung keine unfallbedingten organisch (hinreichend) erkl�rbaren Beschwerden mehr vor (E. 3.1 i.f.) und hat die Z�rich die Ad�quanz des Kausalzusammenhanges der dar�ber hinaus geklagten gesundheitlichen Beeintr�chtigungen mit dem Unfall vom 16. Oktober 2000 zu Recht verneint (E. 4.2.4), ist die von der Verwaltung auf den 8. Mai 2001 verf�gte und mit angefochtenem Entscheid best�tigte Einstellung s�mtlicher Versicherungsleistungen nicht zu beanstanden.