Source: https://www.rechtslupe.de/strafrecht/beschluss-statt-urteil-und-das-richtige-rechtsmittel-3113033
Timestamp: 2019-12-12 18:26:30
Document Index: 227924279

Matched Legal Cases: ['§ 304', '§ 275', '§ 275', '§ 260', '§ 300', '§ 304', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 275', 'BGH', 'BGH', '§ 300']

Beschluss statt urteil – und das rich­ti­ge Rechts­mit­tel | Rechtslupe
Beschluss statt urteil – und das rich­ti­ge Rechts­mit­tel
Hat das Land­ge­richt eine Ent­schei­dung, die als Urteil zu erge­hen hat, als "Beschluss" bezeich­net, führt dies nicht dazu, dass eine Beschwer­de nach §§ 304 ff. StPO das statt­haf­te Rechts­mit­tel wäre.
Auf die Bezeich­nung der Ent­schei­dung kommt es nicht an. Maß­ge­bend für die Fra­ge, wel­ches Rechts­mit­tel statt­haft ist, ist das Ver­fah­rens­recht. Danach sind Urtei­le sol­che Ent­schei­dun­gen, die eine münd­li­che Ver­hand­lung und eine öffent­li­che Ver­kün­dung vor­aus­set­zen.
Ohne Bedeu­tung ist, ob eine münd­li­che Ver­hand­lung und eine öffent­li­che Ver­kün­dung wirk­lich statt­ge­fun­den haben. Aus­schlag­ge­bend ist viel­mehr, ob die betref­fen­de Ent­schei­dung nach dem Gesetz nur auf­grund münd­li­cher Ver­hand­lung und im Wege öffent­li­cher Ver­kün­dung hät­te erge­hen dür­fen.
Sind Ver­hand­lung und Ver­kün­dung ent­ge­gen dem Gesetz unter­blie­ben, han­delt es sich für die Fra­ge der Anfecht­bar­keit den­noch um ein Urteil 1.
Im vor­lie­gen­den Fall bedeu­te­te dies: Nach § 275a Abs. 2 und 3 StPO ist über die Anord­nung der Siche­rungs­ver­wah­rung nach Vor­be­halt auf­grund einer Haupt­ver­hand­lung zu ent­schei­den. Die­se Ent­schei­dung ergeht bei Anord­nung wie auch bei Abse­hen von der Anord­nung glei­cher­ma­ßen durch Urteil (§ 275a Abs. 2 i.V.m. § 260 Abs. 1 StPO). Ein schrift­li­ches Ver­fah­ren ist dage­gen nicht vor­ge­se­hen. Die Ent­schei­dung stellt daher auch dann ein Urteil dar, wenn sie die Bezeich­nung "Beschluss" trägt und ohne Ver­hand­lung und Ver­kün­dung erlas­sen wur­de 2.
Dass die Staats­an­walt­schaft ihr Rechts­mit­tel irr­tüm­lich als "sofor­ti­ge Beschwer­de" bezeich­net hat, ist nach § 300 StPO eben­falls unschäd­lich. Die­se Vor­schrift gilt auch für Rechts­mit­tel der Staats­an­walt­schaft 3.
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vgl. BGH, Urteil vom 01.07.2005 – 2 StR 9/​05, BGHSt 50, 180, 186; Beschluss vom 17.02.2010 – 2 StR 524/​09, BGHSt 55, 62, 63 f.; BGH, Urteil vom 14.07.2011 – 4 StR 16/​11, NStZ 2011, 693 f. mwN[↩]
BGH, Urteil vom 01.07.2005 – 2 StR 9/​05, BGHSt 50, 180 ff; BGH, Urteil vom 14.07.2011 – 4 StR 16/​11, NStZ 2011, 693 f.; KK-StPO/G­re­ger 7. Aufl. § 275a Rn.19[↩]
BGH, Urteil vom 01.07.2005 – 2 StR 9/​05, BGHSt 50, 180 ff.; Mey­er-Goß­ner/­Sch­mitt, StPO, 59. Aufl., § 300 Rn. 2[↩]
BeschlussBeschwerdeRevisionStrafurteilStrafverfahrenUrteil