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Timestamp: 2018-08-16 02:58:10
Document Index: 139326959

Matched Legal Cases: ['BGH', '§ 116', '§ 116', 'BGH', 'BGH', '§ 86', '§ 116', 'BGH', 'BGH', '§ 116', '§ 67', '§ 116', 'BGH', 'BGH', '§ 67', '§ 86', 'BGH', 'BGH']

Verkehrsrecht: BGH: Erwerbsausfallschaden der bei einem Motorradunfall als Beifahrerin verletzten Ehefrau gegen Haftpflichtversicherer des Ehemanns - Rechtsanwalt Arbeitsrecht Verkehrsrecht Hannover
1. Der durch einen Verkehrsunfall Geschädigte ist einem angehörigen Schädiger, mit dem er in häuslicher Gemeinschaft lebt, und dessen Haftpflichtversicherer gegenüber grundsätzlich auch insoweit aktivlegitimiert, als er Schadensersatzleistungen verlangt, die mit den ihm vom Sozialversicherungsträger zu erbringenden Sozialleistungen kongruent sind. Ein Verlust der Aktivlegitimation durch Übergang seiner diesbezüglichen Forderung auf den Sozialversicherungsträger gemäß § 116 Abs. 1 Satz 1 SGB X ist aufgrund des Familienprivilegs des § 116 Abs. 6 Satz 1 SGB X ausgeschlossen (BGH, Urt. v. 28.11.2000 – VI ZR 352/99 – BGHZ 146, 108). Eine Übertragung des Regelungsinhalts des § 86 Abs. 3 VVG auf § 116 Abs. 6 SGB X im Wege der Auslegung oder Analogie scheidet aus.
3. Der BGH stellt (u.a. unter Hinweis auf BGH, Urt. v. 05.02.2013 – VI ZR 274/12) einleitend zutreffend fest, Sinn und Zweck von Zessionen (wie § 116 SGB X) sei zum einen, Sozialversicherungsträgern, durch deren Leistungen der Geschädigte schadensfrei gestellt wird, den Rückgriff zu ermöglichen und den Schädiger durch die Versicherungsleistungen nicht unverdient zu entlasten. Zum anderen solle zugleich eine doppelte Entschädigung des Geschädigten vermieden werden.
Das Familienprivileg – dessen Sinn Erhaltung des Familienfriedens und der wirtschaftlichen Einheit und Leistungskraft seien – habe seinen Ursprung im VVG des Jahres 1908 (§ 67 VVG a.F.). § 116 Abs. 6 SGB X normierte lediglich die vorangegangene Rechtsprechung ohne ergänzende eigenständige Ideen (BT-Drs. 9/95, S. 28; BVerfG, Urt. v. 12.10.2010 – 1 BvL 14/09). Das Privileg werde auch außerhalb des VVG auf jeglichen Drittleistungsregress – mit Ausnahme des Sozialhilferegresses (BGH, Urt. v. 09.07.1996 – VI ZR 5/95) – anspruchsausschließend angewendet (BGH, Urt. v. 28.06.2011 – VI ZR 194/10).
Die VVG-Reform (und damit die inhaltliche Veränderung des zuvor in § 67 VVG a.F. verankerten Familienprivilegs zum Haushaltsangehörigenprivileg des § 86 VVG; BGH, Urt. v. 05.02.2013 – VI ZR 274/12 Rn. 14) habe nur Konsequenzen für den persönlichen Anwendungsbereich (Erstreckung u.a. auf nichteheliche Partner).
Anmerkung zu:	BGH 6. Zivilsenat, Urteil vom 17.10.2017 – VI ZR 423/16
Autor:	Jürgen Jahnke, RA
Erscheinungsdatum:	07.03.2018
Fundstelle:	jurisPR-VerkR 5/2018 Anm. 1
Erwerbsausfallschaden, Personenschäden	Erwerbsausfallschaden