Source: https://www.bag-urteil.com/18-09-2012-3-azn-952-12/
Timestamp: 2019-12-15 06:49:20
Document Index: 185252221

Matched Legal Cases: ['§ 72', '§ 72', '§ 72', '§ 72', '§ 1', '§ 16', '§ 16', '§ 16']

﻿ ﻿ BAG – 3 AZN 952/12 | bag-urteil.com
Betriebsrentenerhöhung – reallohnbezogene Obergrenze
Bundesarbeitsgericht, Beschluss vom 18.09.2012, 3 AZN 952/12
Die Beschwerde der Beklagten gegen die Nichtzulassung der Revision in dem Urteil des Landesarbeitsgerichts Hamm vom 13. März 2012 – 9 Sa 1854/11 – wird zurückgewiesen.
3 AZN 952/12 > Rn 1
3 AZN 952/12 > Rn 2
Der Kläger bezieht seit dem 1. Februar 2005 von der Beklagten eine Betriebsrente. Diese belief sich zunächst auf monatlich 1.346,00 Euro brutto. Die Beklagte, die die Anpassungsprüfungen jeweils zum 1. Juli eines jeden Kalenderjahres bündelt, hob die Betriebsrente des Klägers zum 1. Juli 2008 um 1,57 % auf monatlich 1.367,50 Euro brutto an. Dieser Anpassung lag die Nettolohnentwicklung sämtlicher Mitarbeiter im I-Konzern in Deutschland mit Ausnahme der sog. „Executives“ in den Kalenderjahren 2005 bis 2007 zugrunde. Nach dem Vorbringen der Beklagten waren die Nettovergütungen dieser Mitarbeiter – unter Berücksichtigung des wirtschaftlichen Werts der im Prüfungszeitraum erdienten Betriebsrentenanwartschaften – auch in der Zeit vom individuellen Rentenbeginn des Klägers bis zum Anpassungsstichtag 1. Juli 2008 in geringerem Umfang angestiegen als der Kaufkraftverlust. Der Kläger hat eine Erhöhung seiner Betriebsrente um den seit Rentenbeginn eingetretenen Kaufkraftverlust sowie die Nachzahlung des jeweiligen monatlichen Differenzbetrages zur gezahlten Betriebsrente verlangt. Das Arbeitsgericht hat der Klage stattgegeben. Das Landesarbeitsgericht hat die Berufung der Beklagten zurückgewiesen. Es hat die Revision gegen seine Entscheidung nicht zugelassen. Hiergegen wendet sich die Beklagte mit ihrer auf grundsätzliche Bedeutung entscheidungserheblicher Rechtsfragen gestützten Nichtzulassungsbeschwerde.
3 AZN 952/12 > Rn 3
3 AZN 952/12 > Rn 4
1. Wird mit einer Nichtzulassungsbeschwerde gemäß § 72 Abs. 2 Nr. 1, § 72a Abs. 3 Satz 2 Nr. 1 ArbGG die grundsätzliche Bedeutung einer entscheidungserheblichen Rechtsfrage geltend gemacht, muss der Beschwerdeführer dartun, dass die anzufechtende Entscheidung von einer klärungsfähigen und klärungsbedürftigen Rechtsfrage abhängt und deren Klärung entweder von allgemeiner Bedeutung für die Rechtsordnung ist oder wegen ihrer tatsächlichen Auswirkungen die Interessen der Allgemeinheit oder zumindest eines größeren Teils der Allgemeinheit berührt (vgl. BAG 14. April 2005 – 1 AZN 840/04 – zu 2 c aa der Gründe mwN, BAGE 114, 200). Eine Rechtsfrage iSv. § 72 Abs. 2 Nr. 1 ArbGG ist eine Frage, die die Wirksamkeit, den Geltungsbereich, die Anwendbarkeit oder den Inhalt einer Norm zum Gegenstand hat (vgl. BAG 20. Mai 2008 – 9 AZN 1258/07 – Rn. 5, BAGE 126, 346). Klärungsfähig ist eine Rechtsfrage, wenn sie in der Revisionsinstanz nach Maßgabe des Prozessrechts beantwortet werden kann. Klärungsbedürftig ist sie, wenn sie höchstrichterlich noch nicht entschieden und ihre Beantwortung nicht offenkundig ist (BAG 14. April 2005 – 1 AZN 840/04 – zu 2 c aa der Gründe mwN, aaO). Von allgemeiner Bedeutung ist die Rechtsfrage, wenn sie sich in einer unbestimmten Vielzahl weiterer Fälle stellen kann und deshalb das abstrakte Interesse der Allgemeinheit an der einheitlichen Entwicklung und Handhabung des Rechts berührt (vgl. BVerfG 4. November 2008 – 1 BvR 2587/06 – Rn. 19 mwN, NJW 2009, 572). Entscheidungserheblich ist die Rechtsfrage, wenn die anzufechtende Entscheidung auf ihr beruht. Ist die anzufechtende Entscheidung auf mehrere jeweils tragende Begründungen gestützt, muss die Beschwerdebegründung jeder dieser Begründungen einen Zulassungsgrund aufzeigen (BAG 10. März 1999 – 4 AZN 857/98 – BAGE 91, 93).
3 AZN 952/12 > Rn 5
Der Beschwerdeführer hat die nach § 72a Abs. 3 Satz 2 Nr. 1 ArbGG von ihm darzulegende entscheidungserhebliche Rechtsfrage von grundsätzlicher Bedeutung regelmäßig so konkret zu formulieren, dass sie mit „Ja“ oder „Nein“ beantwortet werden kann; das schließt im Einzelfall eine differenzierte Formulierung zwar nicht aus, unzulässig ist jedoch eine Fragestellung, deren Beantwortung von den Umständen des Einzelfalls abhängt und damit auf die Antwort „Kann sein“ hinausläuft (BAG 23. Januar 2007 – 9 AZN 792/06 – Rn. 6, BAGE 121, 52).
3 AZN 952/12 > Rn 6
3 AZN 952/12 > Rn 7
3 AZN 952/12 > Rn 8
3 AZN 952/12 > Rn 9
Sinn und Zweck der reallohnbezogenen Obergrenze ist es, das Versorgungsniveau der Versorgungsempfänger in demselben Umfang aufrechtzuerhalten wie das Einkommensniveau der Aktiven. Deshalb sind grundsätzlich sämtliche Vergütungsbestandteile der maßgeblichen Beschäftigten zu berücksichtigen. Die reallohnbezogene Obergrenze stellt allerdings nur auf den Teil des Arbeitsverdienstes ab, der den aktiven Beschäftigten nach Abzug von Steuern und Sozialversicherungsabgaben üblicherweise verbleibt. Damit geht es um die Aufrechterhaltung eines bestimmten Lebensstandards. Dieser hängt vom verfügbaren Einkommen ab (BAG 20. Mai 2003 – 3 AZR 179/02 – zu II 6 a der Gründe, AP BetrAVG § 1 Auslegung Nr. 1; 10. September 2002 – 3 AZR 593/01 – zu III 2 a cc (1) der Gründe, AP BetrAVG § 16 Nr. 52 = EzA BetrAVG § 16 Nr. 41). Betriebsrentenanwartschaften gehören jedoch nicht zum verfügbaren Arbeitseinkommen.
3 AZN 952/12 > Rn 10
3 AZN 952/12 > Rn 11
3 AZN 952/12 > Rn 12
Betriebsrentenerhöhung,
BetrAVG § 16 Abs. 2 Nr. 2
Das Urteil BAG – 3 AZN 952/12 wird zitiert in:
> BAG, 23.06.2016 – 8 AZN 205/16