Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Gericht=OVG%20Rheinland-Pfalz&Datum=16.03.1992&Aktenzeichen=13%20B%2012453/91
Timestamp: 2019-07-23 23:33:43
Document Index: 377473517

Matched Legal Cases: ['§ 45', '§ 45', '§ 45', '§ 47', '§ 47', '§ 47', '§ 47', 'Art. 6', '§ 47', 'Art. 3', 'Art. 6', 'Art. 6', 'Art. 6', 'Art. 6', 'Art. 6', 'Art. 14', 'Art. 6', 'Art. 7', '§ 12', 'Art. 48', '§ 47', '§ 45', '§ 45', 'Art. 6', 'Art. 14', '§ 10', '§ 45', 'EuG', 'Art. 6', 'Art. 6']

OVG Rheinland-Pfalz, 16.03.1992 - 13 B 12453/91 - dejure.org
https://dejure.org/1992,2694
OVG Rheinland-Pfalz, 16.03.1992 - 13 B 12453/91 (https://dejure.org/1992,2694)
OVG Rheinland-Pfalz, Entscheidung vom 16.03.1992 - 13 B 12453/91 (https://dejure.org/1992,2694)
OVG Rheinland-Pfalz, Entscheidung vom 16. März 1992 - 13 B 12453/91 (https://dejure.org/1992,2694)
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Ttürkischer Staatsangehöriger; Regelausweisung; Arbeitnehmer; Illegaler Heroinhandel; Freiheitsstrafe
Ausländergesetz, §§ 45, 47 Abs. 2 und 48 Abs. 1
VG Neustadt, 31.10.1991 - 7 L 1526/91
NVwZ-RR 1992, 660
DÖV 1992, 932
Bei der Feststellung eines Ausnahmefalls sind danach alle Umstände zu berücksichtigen, die in eine Ermessensentscheidung über eine Ausweisung nach § 45 Abs. 1 AuslG einzubeziehen sind, also neben generalpräventiven und spezialpräventiven Aspekten insbesondere auch die in § 45 Abs. 2 AuslG aufgeführten Gesichtspunkte (…GK-AuslR, § 47 AuslG Rdnr. 35;… Hailbronner, AuslR, § 47 AuslG Rdnr. 11;… Kanein/ Renner, a.a.O., § 47 AuslG Rdnr. 13; Renner, NJ 1995, 231; Hess. VGH, 11.03.1992 - 12 TH 2805/91 -, EZAR 032 Nr. 3; Hess. VGH, 10.08.1992 - 12 UE 2254/89 -, EZAR 032 Nr. 6 = NVwZ-RR 1993, 432; eher einschränkend OVG Bremen, 20.11.1992 - 1 B 101/92 -, EZAR 032 Nr. 8 = InfAuslR 1993, 85; OVG Nordrhein-Westfalen, 12.02.1991 - 18 B 84/91 -, EZAR 032 Nr. 2 = InfAuslR 1991, 187; OVG Rheinland-Pfalz, 16.03.1992 - 13 B 12453/91 -, EZAR 032 Nr. 4; a.A. Hailbronner, JZ 1995, 128; Otte, ZAR 1994, 67).
Grundsätzlich ist in die Prüfung eines Ausnahmefalls auch die Gefahr einzubeziehen, daß dem Ausländer bei einer Rückkehr in seine Heimat eine erneute Bestrafung wegen der Straftat droht, die Anlaß für die Ausweisung ist (Hess. VGH, 10.08.1992 - 12 UE 2254/89 -, EZAR 032 Nr. 6 = NVwZ-RR 1993, 432; OVG Rheinland-Pfalz, 16.03.1992 - 13 B 12453/91 -, EZAR 032 Nr. 4 = NVwZ-RR 1992, 660;… GK-AuslR, § 47 AuslG Rdnr. 39).
Der Kläger kann sich letztlich auf die Möglichkeit einer erneuten Bestrafung in der Türkei nicht berufen, auch wenn das türkische Strafrecht eine Ahndung von Straftaten auch ohne Türkeibezug zuläßt (vgl. dazu Yenisey, InfAuslR 1988, 125; OVG Rheinland-Pfalz, 16.03.1992 - 13 B 12453/91 -, EZAR 032 Nr. 4 = NVwZ-RR 1992, 660).
Schließt man hingegen auch in Fällen vierjähriger ordnungsgemäßer Beschäftigung aus Art. 6 Abs. 2 Satz 2 ARB 1/80, daß eine verschuldete Arbeitslosigkeit die nach Absatz 1 des Beschlusses erlangte Rechtsposition zum Erlöschen bringt (vgl. OVG Koblenz, NVwZ-RR 1992, 660 ;… Hailbronner a.a.O. Rn. 26), so ist zweifelhaft, ob ein Verschulden bereits darin zu sehen ist, daß der türkische Arbeitnehmer die nach freiwilliger Beendigung seiner Tätigkeit eintretende Arbeitslosigkeit kannte oder hätte kennen müssen, oder ob ein Verschulden erst dann anzunehmen ist, wenn das Arbeitsverhältnis aus einem in der Person des Arbeitnehmers liegenden vorwerfbaren Grund aufgelöst worden ist.
Zu Leitsatz Nr. 2 So auch OVG Münster, 1994-09-20, 18 A 2945/92, NWVBl 1995, 150; VGH Kassel, 1993-11-22, 12 TH 2030/93, ZAR 1994, 37; OVG Koblenz, 1992-03-16, 13 B 12453/91, DÖV 1992, 932.
Der Senat läßt dahinstehen, ob bereits mit einer Verwirklichung der Ausweisungstatbestände des § 47 (Abs. 1 und) Abs. 2 AuslG stets in einer besonders schwerwiegenden Weise gegen die öffentliche Ordnung verstoßen wurde und daher bereits aus diesem Grund die Voraussetzungen des Art. 3 Abs. 3 ENA erfüllt sind (vgl. dazu OVG Rhld.-Pfalz, Beschluß vom 16.3.1992, NVwZ-RR 1992, 660).
Aus der Systematik des Art. 6 Abs. 2 ARB 1/80 folgt im Umkehrschluß, daß Unterbrechungen der Beschäftigungszeit, die nicht durch die Anrechnungs- und Gleichstellungsregelungen des Art. 6 Abs. 2 ARB 1/80 erfaßt werden - mithin insbesondere verschuldete oder freiwillige (d.h. nicht dem Willen des Arbeitgebers, sondern des türkischen Arbeitnehmers zuzurechnende) Unterbrechungen des Beschäftigungsverhältnisses -, den Verlust bereits erworbener Anwartschaften und Ansprüche nach Art. 6 Abs. 1 ARB 1/80 bewirken (s. dazu OVG NW, Beschluß vom 20.9.1994, InfAuslR 1995, 99 m.w.N.; OVG Rhld.-Pfalz, Beschluß vom 16.3.1992, NVwZ-RR 1992, 660; auch Benassi, InfAuslR 1995, 89, 96; vgl. auch BVerwG, Beschluß vom 22.11.1993, InfAuslR 1994, 100, - in anderem Zusammenhang - auch Urteil vom 23.5.1995 - BVerwG 1 C 3.94 -).
Ein Anspruch auf Erteilung des Aufenthalts dürfte sich nicht aus Art. 6 Abs. 1 des Assoziationsratsbeschlusses ergeben, weil etwaige Beschäftigungszeiten durch die von dem Antragsteller verbüßte Freiheitsstrafe unterbrochen sind (vgl. OVG Rheinland-Pfalz, Beschluß vom 16.03.1993 - 13 B 12453/91 - NVwZ-RR 1992, 660 (661)).
VGH Hessen, 15.12.1993 - 12 TH 2030/93
ASSOZIATIONSRATSBESCHLUß; Massgeblicher Zeitpunkt zur Beurteilung der Frage, ob …
Die Verbüßung von Strafhaft und von Untersuchungshaft jedenfalls bei anschließender Strafhaft aufgrund einer rechtskräftigen Verurteilung führen in der Regel zum Wegfall der Voraussetzungen des Art. 6 Abs. 1 ARB und des sich daraus ergebenden aufenthaltsrechtlichen Status eines türkischen Staatsbürgers (im Ergebnis ähnlich: OVG Rheinland-Pfalz, 16.03.1992 - 13 B 12453/91 -, EZAR 032 Nr. 4).
Es entspricht indes allgemeiner Auffassung, daß Art. 14 Abs. 1 ARB grundsätzlich jede Beendigung des Aufenthalts eines türkischen Staatsbürgers betrifft, der u. a. die Voraussetzungen des Art. 6 oder Art. 7 ARB erfüllt; strittig ist nur, wie dieser Ausweisungsschutz zu bestimmen ist, insbesondere ob insoweit die für freizügigkeitsberechtigte Angehörige von Mitgliedstaaten der Europäischen Union geltenden Vorschriften gemäß § 12 AufenthG/EWG und der zur Konkretisierung des Art. 48 Abs. 3 EWG-Vertrag ergangenen Richtlinie Nr. 64/221 entsprechend anzuwenden sind und somit insbesondere generalpräventive Gründe zur Rechtfertigung der Ausweisung nicht herangezogen werden können (dazu Hess. VGH, 20.09.1993 - 12 UE 146/93 -, 10.05.1993 - 12 UE 2582/92 -, 13.01.1992 - 12 UE 3691/88 -, VGH Baden-Württemberg, 25.06.1993 - 1 S 408/92 -, EZAR 017 Nr. 6, 11.05.1992 - 1 S 3135/91 -, EZAR 124 Nr. 14, 23.09.1992 - 11 S 1059/92 -, InfAuslR 1993, 163; Bay. VGH, 02.03.1993 - 10 CS 92.3716 - OVG Bremen, 20.11.1992 - 1 B 101/92 -, EZAR 032 Nr. 8; OVG Nordrhein-Westfalen, 29.04.1993 - 18 B 4386/92 -, EZAR 034 Nr. 3 = InfAuslR 1993, 288; OVG Rheinland-Pfalz, 16.03.1992 - 13 B 12453/91 -, a.a.O.).
Als ein besonders schwerwiegender Grund kommen jedenfalls nicht alle durch § 47 Abs. 2 AuslG erfaßten Tatbestände in Betracht (…vgl. die Beispiele bei Hailbronner, Ausländerrecht, § 45 AuslG Rdnr. 55 ff.;… Kanein/Renner, a.a.O., § 45 AuslG Rdnr. 41 f.; a. A. OVG Rheinland-Pfalz, 16.03.1992 - 13 B 12453/91 -, EZAR 032 Nr. 47;… vgl. auch BVerwG, 29.09.1993, a.a.O.).
Entgegen der Auffassung der angefochtenen Bescheide (in deren Sinne jedoch auch: OVG Rheinland-Pfalz, 16.03.1992 - 13 B 12453/91 -, EZAR 032 Nr. 4 = NVwZ-RR 1992, 660; VGH Baden-Württemberg, 09.03.1994 - 11 S 175/93 -, InfAuslR 1994, 214; VG Gießen, 03.11.1994 - 7 E 1219/93 -, AuAS 1995, 74) bringt eine selbst herbeigeführte und freiwillige Arbeitslosigkeit eine erreichte aufenthaltsrechtliche Position nach Art. 6 Abs. 1 3. Spiegelstrich ARB nicht sofort und ohne weitere Voraussetzungen zum Erlöschen.
Unabhängig davon, ob gemäß Art. 14 des Beschlusses Nr. 1/80 des Assoziationsrats EWG/Türkei über die Entwicklung der Assoziation - ARB - eine Ausweisung nur zum Zwecke der Generalpräventionen unzulässig ist (offengelassen von BVerwG, 17.02.1992 - 1 B 88.91 -, Buchholz 402.24, § 10 Nr. 131; OVG Rheinland-Pfalz, 16.03.1992 - 13 B 12453/91 -, NVwZ-RR 1992, 660;… zweifelnd: Kanein/Renner, Ausländerrecht, 5. Auflage, 1992, § 45 Rdnr. 29; bejahend: Gutmann, Aufenthaltsrecht türkischer Arbeitnehmer, InfAuslR 1991, 33; Huber, Das Kus-Urteil des EuGH: Weitere aufenthaltsrechtliche Sicherungen für türkische Arbeitnehmer, NVwZ 1993, 246; verneinend: VGH Baden-Württemberg, 11.05.1992 - 1 S 3135/91 -, NVwZ-RR 1992, 659), liegen die Voraussetzungen für die Anwendung des genannten Assoziationsratsbeschlusses in der Person des Klägers nach dem Inhalt der dem Senat vorliegenden Unterlagen nicht vor.
Fehlzeiten ordnungsgemäßer Beschäftigung, die nicht ausdrücklich in Art. 6 Abs. 2 ARB 1/80 zugunsten des türkischen Arbeitnehmers als unschädlich anerkannt sind, führen dagegen zu einem Verlust der bis dabin bereits erworbenen Anwartschaften (vgl. den Beschluß des Senats vom 16. März 1992 - 13 B 12453/91 -, EZAR 032 Nr. 4; so auch BVerwG…, Urteil vom 27. Juni 1995 - 1 C 5/94 -, NVwZ 1995, S. 1123 f.).
Nach einhelliger Meinung in der Rechtsprechung vernichtet die Strafhaft als Zeit einer verschuldeten Arbeitslosigkeit den Aufenthaltsanspruch nach Art. 6 Abs. 1 ARB (siehe OVG Rheinland-Pfalz NVwZ-RR 1992, 660; Hessischer VGH , InfAuslR 1994, 127; Schleswig-Holsteinisches OVG InfAuslR 1993, 166).
OVG Schleswig-Holstein, 16.02.1993 - 4 L 220/92