Source: https://www.rechtslupe.de/strafrecht/werbung-fuer-schwangerschaftsabbruch-3148476
Timestamp: 2019-11-17 08:25:21
Document Index: 41707061

Matched Legal Cases: ['§ 219', '§ 219', '§ 219', '§ 354', '§ 2', '§ 219', '§ 219', '§ 219', '§ 219', '§ 22']

Wer­bung für Schwan­ger­schafts­ab­bruch | Rechtslupe
Wer­bung für Schwan­ger­schafts­ab­bruch
Das Ober­lan­des­ge­richt Frank­furt am Main hat im Fall einer Gie­ße­ner Ärz­tin das Beru­fungs­ur­teil des Land­ge­richts Gie­ßen wegen Wer­bung für Schwan­ger­schafts­ab­bruch (§ 219a StGB) auf­ge­ho­ben und das Ver­fah­ren an das Land­ge­richt Gie­ßen zurück­ver­wie­sen.
Dies geschah geschah jedoch nicht, weil das OLG Frank­furt das Gie­ße­ner Urteil für falsch hielt, son­dern ‑rein for­mal- wegen der zwi­schen­zeit­lich geän­der­ten Straf­vor­schrift des § 219a StGB. Zuguns­ten der ange­klag­ten Ärz­tin ist der – nach Erlass des Beru­fungs­ur­teils – seit dem 29.3.2019 geän­der­te § 219a StGB anzu­wen­den. Da das Revi­si­ons­ge­richt gemäß § 354a StPO bei der Über­prü­fung des land­ge­richt­li­chen Urteils einer­seits die neue Geset­zes­la­ge zu berück­sich­ti­gen hat­te (§ 2 Abs. 3 StGB), ande­rer­seits aber an die Fest­stel­lun­gen des Land­ge­richts gebun­den ist, muss­te das Urteil auf­ge­ho­ben wer­den. Auf der Grund­la­ge der land­ge­richt­li­che Fest­stel­lun­gen ließ sich für das OLG sich nicht aus­schlie­ßen, dass noch Fest­stel­lun­gen getrof­fen wer­den kön­nen, die erge­ben, dass die Infor­ma­tio­nen, die die ange­klag­te Ärz­tin im Inter­net über die in ihrer Pra­xis durch­ge­führ­ten Schwan­ger­schafts­ab­brü­che ver­öf­fent­licht hat­te, bei Anwen­dung des neu­en Rechts gemäß § 219a Abs. 4 StGB straf­los sein könn­ten.
Die ange­klag­te Ärz­tin betreibt in Gie­ßen eine Arzt­pra­xis. Sie führt dort Schwan­ger­schafts­ab­brü­che durch. Über ihre Tätig­keit infor­miert sie auf ihrer Home­page. Im Novem­ber 2017 ist sie vom Amts­ge­richt Gie­ßen wegen Wer­bung für den Abbruch der Schwan­ger­schaft (§ 219a StGB) zu einer Geld­stra­fe ver­ur­teilt wor­den. Das Land­ge­richt Gie­ßen ver­warf ihre Beru­fung gegen die­ses Urteil 1. Die ange­klag­te Ärz­tin hat­te gegen das Urteil des Land­ge­richts Gie­ßen Revi­si­on zum OLG ein­ge­legt.
Das Ver­fah­ren hat­te in Medi­en und Poli­tik gro­ße Auf­merk­sam­keit her­vor­ge­ru­fen. Durch das "Gesetz zur Ver­bes­se­rung der Infor­ma­ti­on über einen Schwan­ger­schafts­ab­bruch" vom 22.3.2019 2 wur­de § 219a StGB ein wei­te­rer Absatz (§ 219 a Abs. 4 StGB) ange­fügt. Er soll für Ärz­te, Kran­ken­häu­ser und ande­re Ein­rich­tun­gen Klar­heit und Rechts­si­cher­heit dar­über schaf­fen, unter wel­chen Vor­aus­set­zun­gen sie straf­los öffent­lich über die Durch­füh­rung von Schwan­ger­schafts­ab­brü­chen infor­mie­ren kön­nen 3.
Die Sache muss daher vor dem Land­ge­richt Gie­ßen noch­mals neu ver­han­delt wer­den.
Ober­lan­des­ge­richt Frank­furt am Main, Beschluss vom 27. Juni 2019 – 1 Ss 15/​19
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LG Gie­ßen, Urteil vom 12.10.2018 – 3 Ns – 406 Js 150131/​15[↩]
BGBl. I 350[↩]
BT-Drs 19/​7693[↩]
ArztSchwangerschaftsabbruch