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Timestamp: 2016-10-27 11:12:15
Document Index: 60272638

Matched Legal Cases: ['Art. 107', 'Art. 4', 'Art. 8', 'Art. 28', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'Art. 61', 'BGE', 'Art. 42', 'Art. 106', 'BGE', 'Art. 106', 'BGE']

9C_262/2012 � � Urteil vom 3. August 2012
I.________ meldete sich im Dezember 2007 unter Hinweis auf eine Endometriose bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an. Nach Abkl�rungen und Durchf�hrung des Vorbescheidverfahrens verneinte die IV-Stelle Zug mit Verf�gung vom 10. Mai 2011 mangels eines invalidisierenden Gesundheitsschadens einen Rentenanspruch.
I.________ l�sst Beschwerde in �ffentlich-rechtlichen Angelegenheiten f�hren und beantragen, unter Aufhebung des Entscheids vom 26. Januar 2012 sei die IV-Stelle zu verpflichten, ihr eine halbe Invalidenrente zu entrichten; eventualiter sei sie durch einen in Endometriose spezialisierten Facharzt zu begutachten.
Mit dem als Beweisantrag formulierten Rechtsbegehren wird, entsprechend der Beschwerdebegr�ndung (Anwaltsrevue 2009 8 S. 393, 9C_251/2009 E. 1.3 mit Hinweisen; Ulrich Meyer/Johanna Dormann, in: Basler Kommentar, Bundesgerichtsgesetz, 2. Aufl. 2011, N. 2a und 7 zu Art. 107 BGG), eventualiter die R�ckweisung der Sache an die Verwaltung zu neuer Entscheidung �ber den Rentenanspruch beantragt.
Die Vorinstanz hat dem interdisziplin�ren Gutachten der MEDAS vom 8. Dezember 2010, wonach die Versicherte "seitens Rheumatologie als vollschichtig arbeitsf�hig einzustufen" ist und eine "psychiatrische St�rung mit eigenst�ndigem Krankheitswert (...) infolge der geklagten Schmerzen nicht festgestellt werden" konnte, Beweiskraft beigemessen. Gest�tzt darauf hat sie festgestellt, es bestehe keine Gesundheitssch�digung mit Auswirkung auf die Arbeitsf�higkeit. Folglich hat sie einen Rentenanspruch verneint.
Die Beschwerdef�hrerin stellt die Beweiskraft des MEDAS-Gutachtens in Abrede und verweist f�r die Arbeitsf�higkeit auf den Abkl�rungsbericht der Beruflichen Abkl�rungsstelle (BEFAS) vom 8. Januar 2009.
4.1.1.�Das kantonale Gericht hat die gesetzlichen Bestimmungen und Grunds�tze zum Invalidit�tsbegriff (Art. 4 Abs. 1 IVG in Verbindung mit Art. 8 ATSG) und zum Anspruch auf eine Invalidenrente (Art. 28 IVG) zutreffend dargelegt. Richtig sind auch die Ausf�hrungen �ber die Aufgabe �rztlicher Fachleute (BGE 125 V 256 E. 4 S. 261) sowie den Beweiswert und die Beweisw�rdigung medizinischer Berichte und Gutachten (BGE 125 V 351 E. 3a S. 352). Darauf wird verwiesen.
4.1.2.�Zu erg�nzen ist Folgendes: Zur Beurteilung sozialversicherungsrechtlicher Leistungsanspr�che bedarf es verl�sslicher medizinischer Entscheidgrundlagen (BGE 134 V 231 f. E. 5.1). Der Beweiswert einer spezial�rztlichen Expertise h�ngt u.a. davon ab, ob die begutachtende Person �ber die entsprechende Fachausbildung verf�gt. Ihre fachliche Qualifikation spielt f�r die richterliche W�rdigung einer Expertise eine erhebliche Rolle. Bez�glich der medizinischen Stichhaltigkeit eines Gutachtens m�ssen sich Verwaltung und Gerichte auf die Fachkenntnisse der Expertin oder des Experten verlassen k�nnen (SVR 2008 IV Nr. 13 S. 37, I 211/06 E. 5.4.1; Urteile 9C_547/2010 vom 26. Januar 2011 E. 2.2; 8C_65/2010 vom 6. September 2010 E. 3.1; 9C_270/2008 vom 12. August 2008 E. 3.3).
4.2.�Bei den vorinstanzlichen Feststellungen zum Gesundheitszustand und zur Arbeitsf�higkeit der versicherten Person handelt es sich grunds�tzlich um Entscheidungen �ber eine Tatfrage (BGE 132 V 393 E. 3.2 S. 397 ff.), welche das Bundesgericht seiner Urteilsfindung zugrunde zu legen hat (E. 2). Die konkrete Beweisw�rdigung stellt ebenfalls eine Tatfrage dar. Dagegen ist die Beachtung des Untersuchungsgrundsatzes und der Beweisw�rdigungsregeln nach Art. 61 lit. c ATSG Rechtsfrage (BGE 132 V 393 E. 3.2 und 4 S. 397 ff.; Urteil I 865/06 E. 4 mit Hinweisen), die das Bundesgericht im Rahmen der den Parteien obliegenden Begr�ndungs- bzw. R�gepflicht (Art. 42 Abs. 2 BGG und Art. 106 Abs. 2 BGG; BGE 133 II 249 E. 1.4.1 und 1.4.2 S. 254) frei �berpr�fen kann (Art. 106 Abs. 1 BGG). Der Verzicht der Vorinstanz auf weitere Abkl�rungen oder R�ckweisung der Sache an die IV-Stelle zu diesem Zwecke ist grunds�tzlich zul�ssig (antizipierende Beweisw�rdigung; vgl. BGE 137 V 64 E. 5.2 S. 69; 136 I 229 E. 5.3 S. 236; Urteil 8C_682/2011 E. 3.2.4). Er verletzt aber insbesondere dann Bundesrecht, wenn eine entscheidwesentliche Tatfrage, wie namentlich Gesundheitszustand und Arbeitsf�higkeit einer versicherten Person, auf unvollst�ndiger Beweisgrundlage beantwortet wird (SVR 2011 IV Nr. 2 S. 7, 9C_904/2009 E. 3.1 mit Hinweisen; Urteil 9C_547/2010 vom 26. Januar 2011 E. 1.2).
4.3.�Die Vorinstanz hat im Rahmen der Beweisw�rdigung verbindlich (E. 2) festgestellt, die Versicherte werde durch die Bauchschmerzsymptomatik behindert. Die Schmerzursache habe nicht eindeutig eruiert werden k�nnen, liege aber mutmasslich in den abdominalen Verwachsungen infolge zahlreicher Operationen. Daneben stehe eine psychogene Komponente im Raum. Soweit sie daraus - und aufgrund der fr�her erfolgten neurologischen Abkl�rung durch Dr. med. A.________ - den Schluss zieht, mit der Begutachtung in psychiatrischer und rheumatologischer Hinsicht sei der gesundheitlichen Beeintr�chtigung gen�gend Rechnung getragen worden, kann ihr indessen nicht beigepflichtet werden.
So steht fest, dass die Versicherte seit Jahren an einer Endometriose (ICD-10: N80) mit Verwachsungen im Darmbereich leidet, die verschiedene Operationen erforderlich machte. Zun�chst liegt ein Widerspruch darin, dass die Vorinstanz und die Experten trotz des anerkannten Zusammenhangs der Schmerzen mit der abdominalen Problematik, mithin unter Annahme eines organischen Korrelates, ohne weitere Begr�ndung diesbez�glich von einer uneingeschr�nkten Arbeitsf�higkeit ausgegangen sind. Weiter ist das Leiden der Versicherten laut ICD-10 als Krankheit des Urogenitalsystems resp. des weiblichen Genitaltraktes zu klassifizieren. Die auf die Auffassung des Regionalen �rztlichen Dienstes gest�tzte (vgl. SVR 2010 IV Nr. 46 S. 143, 9C_1063/2009 E. 4.2.3 mit Hinweis) Argumentation, es handle sich um ein Schmerzsyndrom der Leiste, also eines Bestandteils der Bauchwand, die als anatomisch und physiologisch integraler Teil des Bewegungsapparates von einem Rheumatologen zuverl�ssig zu beurteilen sei, zielt daher ins Leere. Zudem diagnostizierte der Neurologe Dr. med. A.________ im Bericht vom 15. Februar 2007 eine Neuropathie multipler Inguinalnerven, die er mit den "bekannten Verwachsungen im Unterbauch" begr�ndete. Auf dieser Basis l�sst sich weder die Annahme einer gen�genden Untersuchung begr�nden, noch eine relevante gesundheitliche Einschr�nkung verneinen, zumal der behandelnde Gyn�kologe eine Arbeitsunf�higkeit von 50 % attestierte und der Neurologe dem nichts entgegensetzte. Wie es sich mit der Arbeitsf�higkeit bis zum Erlass der angefochtenen Verf�gung am 10. Mai 2011 tats�chlich verhielt, l�sst sich daher dem MEDAS-Gutachten nicht in nachvollziehbarer Weise entnehmen.
4.4.�Das kantonale Gericht hat dem Abkl�rungsbericht der BEFAS vom 8. Januar 2009 keine Beweiskraft beigemessen. Inwiefern dies offensichtlich unrichtig sein oder auf einer Verletzung von Bundesrecht beruhen soll (E. 2), ist nicht ersichtlich und wird auch nicht geltend gemacht. Insbesondere liegt solchen Berichten in der Regel nicht eine umfassende medizinische Untersuchung, sondern eine berufspraktische Beurteilung zugrunde, weshalb f�r die Beantwortung der Frage nach einem organischen Korrelat der Schmerzen und der daraus resultierenden Einschr�nkungen nicht darauf abgestellt werden kann.
4.5.�Nach dem Gesagten ist in Bezug auf die Endometriose und die damit verbundenen Beeintr�chtigungen eine fach�rztliche Stellungnahme zum Gesundheitszustand und zur Arbeitsf�higkeit unerl�sslich. Die Verwaltung wird entsprechende Abkl�rungen zu treffen haben. Zudem hat sie auch die weitere gesundheitliche Entwicklung bis zum Erlass einer neuen Verf�gung zu ber�cksichtigen (SVR 2009 IV Nr. 57 S. 177, 9C_149/2009 E. 4.4; Urteile 9C_235/2009 vom 30. April 2009 E. 3.3; 9C_301/2010 vom 21. Januar 2011 E. 3.2).
Die Beschwerde wird teilweise gutgeheissen. Der Entscheid des Verwaltungsgerichts des Kantons Zug vom 26. Januar 2012 und die Verf�gung der IV-Stelle Zug vom 10. Mai 2011 werden aufgehoben. Die Sache wird an die IV-Stelle Zug zur�ckgewiesen, damit sie, nach erfolgter Abkl�rung im Sinne der Erw�gungen, �ber den Rentenanspruch der Beschwerdef�hrerin neu verf�ge. Im �brigen wird die Beschwerde abgewiesen.