Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Text=VersR%202004,%20909
Timestamp: 2019-10-23 04:03:35
Document Index: 7984207

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BGH, 27.04.2004 - VI ZR 34/03 - dejure.org
https://dejure.org/2004,174
BGH, 27.04.2004 - VI ZR 34/03 (https://dejure.org/2004,174)
BGH, Entscheidung vom 27.04.2004 - VI ZR 34/03 (https://dejure.org/2004,174)
BGH, Entscheidung vom 27. April 2004 - VI ZR 34/03 (https://dejure.org/2004,174)
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Umkehr der objektiven Beweislast bei grobem Behandlungsfehler
Schadensersatz aufgrund eines ärztlichen Behandlungsfehlers; Anspruch auf Schmerzensgeld; Verletzung der Pflicht zur Erhebung und Sicherung medizinischer Befunde; Nichterkennen einer Beckenringfraktur nach Beginn einer Mobilisierung
Beweislastumkehr bei groben Behandlungsfehler
Behandlungsfehler (grober): Beweislast für Ursächlichkeit
Arzthaftung - Umkehr der Beweislast bei grobem Behandlungsfehler
Arzthaftung - BGH stärkt Patientenrechte: Beweislastumkehr trifft den Zahnarzt eher
Ein Behandlungsfehler führt zu Beweislastumkehr
Neues zum groben Behandlungsfehler
Haftungsfallen für Ärzte
Verletzung der Pflicht des behandelnden Arztes zur therapeutischen Aufklärung als grober Behandlungsfehler
Arztrecht - Tücken bei den Aufbewahrungsfristen von Dokumentationen
Zusammenfassung von "Grober Behandlungsfehler und Beweislastumkehr" von Prof. Dr. Andreas Spickhoff, original erschienen in: NJW 2004, 2345 - 2347.
Zusammenfassung von "Anmerkung zur Entscheidung des BGH vom 27.4.2004, VI ZR 34/03 (Umkehr der Beweislast bei groben Behandlungsfehlern)" von Prof. Dr. Christian Katzenmeier, original erschienen in: JZ 2004, 1030 - 1032.
BGHZ 159, 48
NJW 2004, 2011
MDR 2004, 1055
VersR 2004, 909
Zudem kann auch eine nicht grob fehlerhafte Unterlassung der Befunderhebung dann zu einer Umkehr der Beweislast hinsichtlich der Kausalität des Behandlungsfehlers für den eingetretenen Gesundheitsschaden führen, wenn sich bei der gebotenen Abklärung der Symptome mit hinreichender Wahrscheinlichkeit ein reaktionspflichtiges positives Ergebnis gezeigt hätte und sich die Verkennung dieses Befundes als fundamental oder die Nichtreaktion hierauf als grob fehlerhaft darstellen würden, und diese Fehler generell geeignet sind, den tatsächlich eingetretenen Gesundheitsschaden herbeizuführen (vgl. Senat, Urteile vom 13. Februar 1996 - VI ZR 402/94, BGHZ 132, 47, 52 ff.; vom 27. April 2004 - VI ZR 34/03, BGHZ 159, 48, 56;… vom 13. September 2011 - VI ZR 144/10, VersR 2011, 1400 Rn. 8;… vom 2. Juli 2013 - VI ZR 554/12, VersR 2013, 1174 Rn. 11;… vom 21. Januar 2014 - VI ZR 78/13, VersR 2014, 374 Rn. 20;… vom 24. Februar 2015 - VI ZR 106/13, VersR 2015, 712 Rn. 15).
Danach müssen der Rechtssuchende bzw. sein Anwalt in der Lage sein, das Prozessrisiko in tatsächlicher Hinsicht abzuschätzen (vgl. Senatsurteil vom 27. April 2004 - VI ZR 34/03, BGHZ 159, 48, 55 f.).
b) Das Berufungsgericht ist zwar zutreffend davon ausgegangen, dass ein grober Behandlungsfehler neben einem eindeutigen Verstoß gegen bewährte ärztliche Behandlungsregeln oder gesicherte medizinische Erkenntnisse die Feststellung voraussetzt, dass der Arzt einen Fehler begangen hat, der aus objektiver Sicht nicht mehr verständlich erscheint, weil er einem Arzt schlechterdings nicht unterlaufen darf (vgl. etwa Senat BGHZ 159, 48, 53).
Wie der Senat in seinem Urteil BGHZ 159, 48 klargestellt hat, handelt es sich bei dieser Erwägung lediglich um das Motiv für eine Beweislastumkehr bei Vorliegen eines groben Behandlungsfehlers, nicht jedoch um eine zusätzliche Voraussetzung im konkreten Einzelfall.
a) Das Berufungsgericht geht im Ansatzpunkt zwar ohne Rechtsfehler davon aus, dass nach einem groben Behandlungsfehler, der geeignet ist, einen Gesundheitsschaden der tatsächlich eingetretenen Art herbeizuführen, zu Gunsten des Patienten von einem Ursachenzusammenhang zwischen dem Behandlungsfehler und dem eingetretenen Gesundheitsschaden auszugehen ist (st.Rspr.; vgl. Senat, BGHZ 159, 48, 53; 172, 1, 10 f.).
Nahelegen oder wahrscheinlich machen muss der Fehler den Schaden hingegen nicht (vgl. Senat, BGHZ 159, 48, 54 m.w.N.).
Eine Verlagerung der Beweislast auf die Behandlungsseite ist nach einem groben Behandlungsfehler nur dann ausgeschlossen, wenn jeglicher haftungsbegründende Ursachenzusammenhang äußerst unwahrscheinlich ist, sich nicht das Risiko verwirklicht hat, dessen Nichtbeachtung den Fehler als grob erscheinen lässt, oder der Patient durch sein Verhalten eine selbstständige Komponente für den Handlungserfolg vereitelt hat und dadurch in gleicher Weise wie der grobe Behandlungsfehler des Arztes dazu beigetragen hat, dass der Verlauf des Behandlungsgeschehens nicht mehr aufgeklärt werden kann (vgl. Senat, BGHZ 159, 48, 55).
c) Entgegen der Ansicht der Revisionserwiderung muss der Kläger auch nicht etwa eine Infektion beweisen; es genügt vielmehr, dass er den ihm entstandenen (Primär-)Schaden und die generelle Eignung des groben Fehlers zur Verursachung dieses Schadens nachweist (vgl. Senat, BGHZ 159, 48, 54;… Urteile vom 3. Dezember 1985 - VI ZR 106/84 - aaO;… vom 16. November 2004 - VI ZR 328/03 - aaO, jeweils m.w.N.).
Liegt ein grober Behandlungsfehler vor, so muss der Arzt beweisen, dass die Schädigung des Patienten nicht auf diesem Fehler beruht (BGHZ 172, 1 Tz. 25; 159, 48, 53; BGH, Urteil vom 8. Januar 2008 - VI ZR 118/06 - VersR 2008, 490 Tz. 11).
Eine Verletzung der Pflicht des behandelnden Arztes zur therapeutischen Aufklärung (Sicherungsaufklärung), die als grober Behandlungsfehler zu werten ist, führt regelmäßig zu einer Umkehr der objektiven Beweislast für den ursächlichen Zusammenhang zwischen dem Behandlungsfehler und dem Gesundheitsschaden, wenn sie geeignet ist, den eingetretenen Schaden zu verursachen; eine Wahrscheinlichkeit für ein Ergebnis einer Kontrolluntersuchung ist in einem solchen Fall nicht erforderlich (Fortführung von BGH, Urteil vom 27. April 2004 - VI ZR 34/03 - VersR 2004, 909, zur Veröffentlichung in BGHZ bestimmt).
aa) Eine Umkehr der Beweislast ist schon dann anzunehmen, wenn der grobe Behandlungsfehler geeignet ist, den eingetretenen Schaden zu verursachen; nahelegen oder wahrscheinlich machen muß der Fehler den Schaden dagegen nicht (vgl. Senatsurteile BGHZ 85, 212, 216 f.; vom 24. September 1996 - VI ZR 303/95 - VersR 1996, 1535, 1537; vom 1. Oktober 1996 - VI ZR 10/96 - VersR 1997, 362, 363; vom 27. April 2004 - VI ZR 34/03 - VersR 2004, 909, 911).
Eine Verlagerung der Beweislast auf die Behandlungsseite ist nur ausnahmsweise ausgeschlossen, wenn ein haftungsbegründender Ursachenzusammenhang äußerst unwahrscheinlich ist (vgl. Senatsurteile BGHZ 129, 6, 12; 138, 1, 8;… vom 1. Oktober 1996 - VI ZR 10/96 - aaO; vom 27. April 2004 - VI ZR 34/03 - aaO).
Gleiches gilt, wenn sich nicht das Risiko verwirklicht hat, dessen Nichtbeachtung den Fehler als grob erscheinen läßt (vgl. Senatsurteil vom 16. Juni 1981 - VI ZR 38/80 - VersR 1981, 954, 955), oder wenn der Patient durch sein Verhalten eine selbständige Komponente für den Heilungserfolg vereitelt hat und dadurch in gleicher Weise wie der grobe Behandlungsfehler des Arztes dazu beigetragen hat, daß der Verlauf des Behandlungsgeschehens nicht mehr aufgeklärt werden kann (vgl. Senatsurteile vom 28. Mai 2002 - VI ZR 42/01 - VersR 2002, 1026, 1028; vom 27. April 2004 - VI ZR 34/03 - aaO; KG VersR 1991, 928 mit Nichtannahmebeschluß des Senats vom 19. Februar 1991 - VI ZR 224/90; OLG Braunschweig VersR 1998, 459, 461 mit Nichtannahmebeschluß des Senats vom 20. Januar 1998 - VI ZR 161/97).
Das Vorliegen einer solchen Ausnahme hat allerdings die Behandlungsseite zu beweisen (vgl. Senatsurteil vom 27. April 2004 - VI ZR 34/03 - aaO).
Allerdings ist zu berücksichtigen, dass die von der höchstrichterlichen Rechtsprechung entwickelten Grundsätze über die Beweislastumkehr für den Kausalitätsbeweis bei groben Behandlungsfehlern (Senatsurteil BGHZ 159, 48, 53 m.w.N.), wie der erkennende Senat bereits mehrfach entschieden hat, grundsätzlich nur Anwendung finden, soweit durch den Fehler des Arztes unmittelbar verursachte haftungsbegründende Gesundheitsbeschädigungen in Frage stehen.
Eine Umkehr der Beweislast ist nur ausgeschlossen, wenn jeglicher haftungsbegründende Ursachenzusammenhang äußerst unwahrscheinlich ist (vgl. Senatsurteile vom 27. April 2004 - VI ZR 34/03, aaO, 56 f.;… vom 7. Juni 2011 - VI ZR 87/10, aaO;… vom 13. September 2011 - VI ZR 144/10, aaO).
Eine Umkehr der Beweislast ist nur dann ausgeschlossen, wenn jeglicher haftungsbegründende Ursachenzusammenhang äußerst unwahrscheinlich ist (vgl. Senatsurteile vom 27. April 2004 - VI ZR 34/03, aaO; vom 27. Juni 2000 - VI ZR 201/99, VersR 2000, 1282, 1283 …und vom 5. April 2005 - VI ZR 216/03, VersR 2005, 942 Rn. 14 mwN).
Für die Begründung einer Haftung aus schweren Behandlungsfehlern reicht es grundsätzlich aus, dass der grobe Verstoß des Arztes generell geeignet ist, den konkreten Gesundheitsschaden hervorzurufen (vgl. Senatsurteil vom 27. April 2004 - VI ZR 34/03, aaO, S. 54 f.).
BGH, 21.01.2014 - VI ZR 78/13
Arzt- und Krankenhaushaftung: Amtshaftungsanspruch gegen einen Arzt; Abgrenzung …
Eine Umkehr der Beweislast ist nur ausgeschlossen, wenn jeglicher haftungsbegründende Ursachenzusammenhang äußerst unwahrscheinlich ist (vgl. Senatsurteile vom 27. April 2004 - VI ZR 34/03, BGHZ 159, 48, 56 f.;… vom 7. Juni 2011 - VI ZR 87/10, VersR 2011, 1148 Rn. 7;… vom 13. September 2011 - VI ZR 144/10, VersR 2011, 1400 Rn. 8;… vom 2. Juli 2013 - VI ZR 554/12, VersR 2013, 1174 Rn. 11).
Eine Beweislastumkehr ist wie auch sonst bei Behandlungsfehlern nur gerechtfertigt, wenn sich der bei der therapeutischen Aufklärung unterlaufene Pflichtenverstoß des Arztes als grober Behandlungsfehler darstellt (vgl. Senatsurteil BGHZ 159, 48, 53 ff. m.w.N.).
Arzthaftung: Vorliegen eines groben Behandlungsfehlers
OLG Schleswig, 04.04.2008 - 4 U 172/07
Arzthaftung wegen Befunderhebungsfehler
OLG Koblenz, 05.02.2009 - 5 U 854/08
Einstandspflicht des in Rufbereitschaft wartenden Belegarztes für Fehler einer …
OLG Koblenz, 06.12.2007 - 5 U 709/07
Schadensersatz wegen Extraktion eines Weisheitszahnes durch einen Zahnarzt ohne …
OLG Schleswig, 10.09.2004 - 4 U 31/97
Schwerster Geburtsschaden bei verspäteter Schnittentbindung
OLG Oldenburg, 23.07.2008 - 5 U 28/08
Arzthaftung: Unterlassenes Anraten einer Koloskopie als Behandlungsfehler; …
OLG Saarbrücken, 02.07.2014 - 1 W 37/13
OLG Hamm, 05.03.2010 - 26 U 147/08
Verneinung eines Befunderhebungsfehlers der behandelnden Ärzte wegen …
OLG Oldenburg, 06.02.2008 - 5 U 30/07
Arzt- und Krankenhaushaftung: Grober Behandlungsfehler der Nichtverlegung einer …
KG, 07.03.2005 - 20 U 398/01
Arzthaftung: Schwerer Diagnosefehler bei unterlassener Röntgendiagnostik nach …
OLG Frankfurt, 29.08.2017 - 8 U 172/16
Zur Frage, wann ein Physiotherapeut für den Sturz einer Patientin während der …
OLG Düsseldorf, 08.07.2015 - 18 U 33/15
OLG Köln, 11.02.2015 - 5 U 181/12
Darlegungs- und Beweislast im Arzthaftungsprozess bei einem Befunderhebungsfehler
OLG Köln, 22.09.2010 - 5 U 211/08
Haftung eines niedergelassenen Kinderarztes für die unterbliebene …
OLG Köln, 18.02.2009 - 5 U 101/07
OLG München, 23.09.2004 - 1 U 5198/03
OLG Köln, 15.11.2017 - 5 U 86/17
OLG München, 29.05.2008 - 1 U 4499/07
Arzthaftung: Grober Behandlungsfehler bei unterlassener Befunderhebung zum …
OLG Oldenburg, 09.07.2008 - 5 U 32/08
Krankenhaushaftung: Grober Behandlungsfehler bei unterlassener Nachkontrolle …
Arzthaftung: Anforderungen an die Anamnese durch den nach dem Notarzt …
OLG Jena, 19.12.2007 - 4 U 171/06
OLG Köln, 10.05.2017 - 5 U 68/16
Ansprüche eines Patienten wegen ärztlicher Behandlungsfehler bei einer …
OLG Hamm, 28.06.2006 - 3 U 215/05
Arzthaftungsrecht: Beweislastumkehr zur Kausalität des Schadens bei Nachweis …
OLG Jena, 12.06.2012 - 4 U 634/10
Grober Behandlungsfehler bei unterlassener Reposition eines (kindlichen) …
OLG Brandenburg, 06.03.2008 - 12 U 165/07
Arzthaftung: Verspätete Indikation für einen Kaiserschnitt bei Verdacht auf ein …
OLG Rostock, 10.07.2009 - 5 U 48/08
Arzthaftung: Hinweispflichten bei Tumorverdacht
OLG Düsseldorf, 17.03.2005 - 8 U 124/02
Ursachenzusammenhang zwischen einer pränatalen Schädigung des Gehirns und einer …
OLG Koblenz, 12.03.2014 - 5 U 640/13
Verjährung des Ausgleichsanspruchs zwischen Kfz-Haftpflichtversicherer und dem …
OLG München, 12.03.2009 - 1 U 1561/07
Arzthaftung: Unterlassene Thromboseprophylaxe im Jahre 2001 bei einem Patienten …