Source: https://community.beck.de/2014/02/01/patient-60-tage-lang-ununterbrochen-ans-bett-fixiert-psychiatrie-in-der-kritik?page=1
Timestamp: 2018-09-18 19:00:36
Document Index: 159427546

Matched Legal Cases: ['Art 3', 'Art 3', 'Art 3', 'EGMR', 'EGMR', 'EGMR', 'EuG', 'EGMR', 'EGMR', 'EGMR', 'EGMR', '§ 239']

Rechtsgebiete: BayernForensikPsychiatrieForensische PsychiatrieFixierungFesselungKriminologieStrafrecht153|37029 Aufrufe
Dipl.-Psych. Dr. phil Sponsel kommentiert am Sa, 2014-02-08 13:15 Permanenter Link
Hospitationsangebot Taufkirchen
@Gast, #49 "Sie hatten, wie Sie andernorts geschrieben haben, im Sommer das Angebot, in Taufkirchen zu hospitieren. Warum haben Sie es nicht angenommen?"
Warum meine Hospitaition in Taufkirchen gescheitert ist
Sehr geehrte Frau Klein, ich entnahm unserem Mailwechsel und Ihrem letzten Statement, dass Sie zwar Transparenz, aber keine Veröffentlichung wollen.
Ihr Angebot einer Hospitation "an sich", quasi um der bloßen "Selbsterfahrung" willen, ist mir für den Aufwand zu wenig. MfG RS (21.10.13)
Man kann also sagen: ich habe die ca. 6wöchigen Verhandlungen erst mal aufgegeben. Über den Knackpunkt “Veröffentlichung” konnten wir uns nicht einigen. Das wird vielleicht verständlicher, wenn man meinen klar geäußerten Hintergrund* und meine erklärten Ziele kennt:
“Im Prinzip interessiert mich: was ist in Taufkirchen “wirklich” los? Hierzu sollte meine “Hospitation” beitragen. Ich bin natürlich nicht nur daran interessiert, mir einen persönlichen Eindruck zu verschaffen, der ja mit einer Woche Lebenszeit und Kosten verbunden ist, sondern auch daran, meine Eindrücke zu veröffentlichen (“Eindrücke von einer Woche Hospitation im Maßregelvollzug Taufkirchen”) unter Berücksichtigung der Interessen der Auskunfterteilenden aber auch natürlich der Klinik. Das ist das heikle und sensible Gebiet zu dem ich Ihnen Beispiele nennen wollte:
Ich dachte daran, einen halben Tag Eindrücke vom Tagesgeschäft zu gewinnen und den anderen halben Tag mit Patienten sprechen zu können, etwa ausgemacht oder auf dem Gelände und Umfeld, wo Lockerungen genutzt werden. Hierbei könnte mir z.B. von Fixierungen, Zwangsbehandlungen, Überdosierungen, Schikanierungen erzählt werden. Die Sachverhalte selbst müsste ich, ohne dass Personen identifiziert werden, nutzen dürfen.
Selbstverständlich würde ich diese Sachverhalte Ihnen vorlegen und Ihren Kommentar hierzu mit veröffentlichen. Wenn wir zusammen kommen, strebe ich eine offene, faire Begegnung unter Berücksichtigung Ihrer Interessen an.”
Die wichtigsten Teile zur Hospitation in Taufkirchen können hier in Gänze nachgelesen werden:
http://www.sgipt.org/forpsy/Mollath/ipgipt/rsbbm.htm#Zum%20Scheitern%20d...
Dipl.-Psych. Dr. phil Sponsel kommentiert am Sa, 2014-02-08 15:00 Permanenter Link
"Die Befangenen Gutachter bei Gericht urteilen häufig im Sinne der Richter
Sie sind Gehilfen des Richters, so heißt es im Gesetz. Medizinische, psychologische, psychiatrische Gutachter, auf die sich die Gerichte häufig verlassen. Vor allem, wenn es um die schwierige Frage geht, was im Kopf eines Straftäters vorgeht. Diese Ärzte und Psychologen sitzen aber auch in fast jeder Verhandlung, in der es um das Sorgerecht von Eltern oder die Glaubwürdigkeit von Zeugen geht. ..."
Dipl.-Psych. Dr. phil Sponsel kommentiert am Sa, 2014-02-08 17:59 Permanenter Link
Black Box Psychiatrie Patienten in Fesseln - BR5
Patientin in Taufkirchen im Telefonat mit dem Funkstreifzug ...."
http://www.br.de/radio/b5-aktuell/sendungen/der-funkstreifzug/psychiatri...
Dipl.-Kfm. Sobottka kommentiert am Mo, 2014-02-10 12:06 Permanenter Link
Das Problem ist ähnlich wie in der "Altenpflege" und in Kinderheimen: Was wirklich geschieht, dringt fast gar nicht nach Außen, und zu tun hat man es fast ausschließlich mit Menschen, die einem im Grunde nur Leid tun können.
Gutherzige Menschen halten das nicht aus, ohne durchzudrehen, weil ihre Kapazitäten für die Verarbeitung fremden Leides einfach nicht reichen. Kaltherzige Menschen halten das zwar aus, sind aber auch schnell bereit, grob und gröber zu handeln.
Der Mensch ist als Familienwesen konstruiert, das kann nicht durch Heime gleich welcher Art ersetzt werden. Beispiel Altenpflege: In den in D noch vor 100 Jahren im einfachen Volk verbreiteten Großfamilien (Eltern plus 10 bis 20 Kinder plus Großeltern, in lokaler Nähe zahllose Onkel, Tanten, Cousins, Cousinen usw.) war ein Seniorenpflegefall kein Problem, weil eine zweistellige Zahl von Verwandten aller Altersklassen sich die Betreuung und Beschäftigung der Senioren teilten, Verwandte, die den Senioren durch echte Liebe verbunden waren.
Demgegenüber das heutige Seniorenheim, wo sich wenige Pfleger um eine große Zahl von Senioren zu kümmern haben, wobei die Pfleger den Senioren nicht durch Liebe verbunden sind, gar nicht sein können.
Noch schlimmer in Zwangspsychiatrien, wo Untergebrachte auch von den Pflegern oft als Kriminelle betrachtet werden, wo es Untergebrachte gibt, denen nahzu jede Fähigkeit fehlt, sich sozial zu verhalten, usw.
Es braucht mehr als ein einfaches Gesetz, das gesamte System muss von Grund auf neu durchdacht werden.
Dipl.-Psych. Dr. phil Sponsel kommentiert am Di, 2014-02-11 09:49 Permanenter Link
Michael von Cranach über Psychiatrie-Kontrolle in Bayern
Hier in den Nachrichten aus der Psychiatrie ebenfalls dokumentiert.
Eine starke Äußerung, die zeigt, dass es eine wirkliche rechtsstaatliche Kontrolle der Forensischen Psychiatrie in Bayern demnach nicht gibt. Hier wird Kontrolle gespielt. Recht? Ethik?
Gast kommentiert am Mi, 2014-02-12 12:10 Permanenter Link
Die Problematik würde es definitiv nicht geben, wenn sie alle Teile der Bevölkerung treffen würde. Damit scheint ein Denkansatz für die Ursachen gegeben zu sein.
Gast kommentiert am Di, 2014-02-11 10:24 Permanenter Link
"Hier wird Kontrolle gespielt. Recht? Ethik?“
Hier stehen der Bezirk und die Fachaufsicht in der Pflicht, also das Sozialministerium. Frau Haderthauer hat sich ja stets vornehm zurückgehalten und von ihrer Nachfolgerin ist auch nicht viel zu vernehmen. Das Sozialministerium scheint in der öffentlichen Wahrnehmung traditionell im Schatten des Justizministeriums zu stehen, obwohl es ja für den MRV zuständig ist.
Dipl.-Psych. Dr. phil Sponsel kommentiert am Mi, 2014-02-12 10:11 Permanenter Link
Begutachtung im Status der Fixierung und Isolation
Rein fachlich gesehen, befindet sich der Patient offensichtlich in einem besonders schwierigen Zustand, sonst würde er ja nicht fixiert und isoliert werden.
In einem solchen Zustand erscheint das Ergebnis durch die Umstände vorprogrammiert und ein neutrales und unparteisches Gutachten schon deshalb nicht möglich, weil mit höchster Wahrscheinlichkeit eine Untersuchung, insbesondere Exploration gar nicht möglich ist.
Man könnte auch sagen, hier hat man eine Situation gewählt, die gar kein oder nur ein einseitiges Ergebnis zulässt. Ich fürchte, in Bayern ist das wahrscheinlich rechtens. Vielleicht kann es ja Prof. Müller oder ein anderer Rechtskundiger erklären.
Positiv stellt sich Frage: gibt es rechtliche und fachliche Minimalkriterien, z.B. Kommunikationsfähigkeit, die Voraussetzung für eine psycho-pathologische Untersuchung sind? Es scheint nämlich, als ob das Recht meint, jede beliebige Situation sei begutachtungsfähig.
Leser kommentiert am Mi, 2014-02-12 10:51 Permanenter Link
"hier hat man eine Situation gewählt“
Ist ein Begutachtungsversuch unter diesen Bedingungen tatsächlich vorgekommen? Um welches Gutachten hat es sich gehandelt, wie war die Fragestellung? Bist jetzt war ich von einem fiktiven Beispiel ausgegangen (siehe meine Frage auf S.1, #14)
Dipl.-Psych. Dr. phil Sponsel kommentiert am Mi, 2014-02-12 12:07 Permanenter Link
Was in Steinzeit-Forensiken abgehen kann ist jenseits aller Phantasie
@ Dr. Sponsel "hier hat man eine Situation gewählt“
Ja. Rund 10 Beweisfragen. Mehr kann ich dazu (noch) nicht sagen.
Ich fürchte, unsere Phantasie ist nicht imstande zu kreieren, was es im Maßregelvollzug, besonders in Bayern, alles gibt. Wir brauchen hierzu auch nicht mehr die Russen mit ihren Gulags oder die Amerikaner mit ihrem Guantanamo anführen, wir können hier durchaus in der deutschen Tradition bleiben.
Gast kommentiert am Mi, 2014-02-12 12:14 Permanenter Link
Ich fürchte, unsere Phantasie ist nicht imstande zu kreieren, was es im Maßregelvollzug, besonders in Bayern, alles gibt.
"Wer sich den Zweck vorgezeichnet hat, das Laster zu stürzen und Religion, Moral und bürgerliche Gesetze an ihren Feinden zu rächen, ein solcher muß das Laster in seiner nackten Abscheulichkeit enthüllen und in seiner kolossalischen Größe vor das Auge der Menschheit stellen, - er selbst muß augenblicklich seine nächtlichen Labyrinthe durchwandern, - er muß sich in Empfindungen hineinzuzwingen wissen, unter deren Widernatürlichkeit sich seine Seele sträubt."
Friedrich Schiller, 1781 im Vorwort zu "Die Räuber"
Gast kommentiert am Mi, 2014-02-12 13:24 Permanenter Link
Was wollen Sie mit dem Schiller-Zitat ausdrücken?
Wollen Sie mit dem Verweisen auf die Literaturgeschichte und auf das Allgemeine die spezifischen Missstände, um die es hier geht, relativieren?
Gast kommentiert am Mi, 2014-02-12 14:33 Permanenter Link
Dem Schiller ging es nicht um Literaturgeschichte, und vielleicht ist es kein Zufall gewesen, dass er längst nicht so alt wurde wie der (systemkonforme) Geheimrat Goethe. Es ist, nicht zuletzt durch vielfache Bekenntnisse des Prof. Müller während dem Fortgang der Mollath-Affäre von November 2012 bis August 2013 immer wieder deutlich geworden, dass die Tendenz besteht, in Systemen, in die man nicht selbst hineinblickt, die günstigsten Verhältnisse anzunehmen.
Nicht nur Prof. Müller, sondern Tausende nahmen im Zusammenhang mit Fällen wie Mollath, Wörz, Kachelmann, Kulac usw. in den letzten Jahren Dinge war, die sie vorher nicht für möglich gehalten hatten. So auch Dr. Sponsel, der nun eine sehr lobenswerte Konsequenz daraus zieht, nämlich die, durch Recherche und Publikation Licht ins Dunkel zu bringen.
Ich versuche nicht zu relativieren, im Gegenteil. Ich habe tief genug hineingesehen und umfassend genug exploriert, um sagen zu können: "Wenn man überall dort, wo man es nicht weiß, das denkbar Schlimmste annimmt, dann liegt man tendenziell richtig."
Dipl.-Psych. Dr. phil Sponsel kommentiert am Mi, 2014-02-12 22:31 Permanenter Link
Einmal drin, immer drin? Wie Psychiatrie-Patienten um ihre Rechte kämpfen
Ein ausgezeichneter Beitrag des bayerischen Rundfunks. Mit PatientInnen-Interviews, Dr. Michael von Cranach, RA Dr. Ahmed u.a. Von November 2011 bis Juni 2013 wurden in Taufkirchen 337 Fixierungen, die im Schnitt 29 Stunden gedauert haben sollen, vorgenommen..
Kommentar [Ausschnitt Anordnungsblatt Zwangsmaßnahmen - Fixierung hier]
Dr. Michael von Cranach erinnert sich, dass in den 26 Jahren seiner Leitung in Kaufbeuren vielleicht 1-2 mal Fixierungen von mehreren Stunden vorkamen. In England seien sie sogar verboten. Stattdessen arbeitete Kaufbeuren wie die Engländer mit der meist effektiven Festhaltemethode (ca. 5 Minuten).
Es bleibt die Hoffnung: ermitteln, anklagen, verurteilen, Strafe ableisten und lebenslanges forensisches Berufsverbot für alle führenden Bediensteten bei den "BehandlerInen" aber auch in der Pflegeleitung. Das ist das Mindeste, was in Fällen von Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Folter in einem Krankenhaus verlangt werden muss, wenn diese ungeheuren Vorfälle tatsächlich der Wahrheit entsprechen. Die Pseudo-Kontrollkommission gehört wie die verantwortliche Ministerin entlassen.
Winzen kommentiert am Mi, 2014-02-12 23:06 Permanenter Link
Auch ich kann diese "Notizbuch"-Sendung des BR nur wärmstens empfehlen: Sie steht als Podcast zur Verfügung (Link s. o. bei Herrn Sponsel).
Kleine Korrektur zum Kommentar von Herrn Sponsel: Cranach hat über die Praxis in Kaufbeuren gesagt: “Es hat in 26 Jahren vielleicht zwei oder drei Fixierungen gegeben, die länger als 12 Stunden gedauert haben, aber in der Regel ging es nur um Stunden.” (Nicht exakt wörtlich, aber soeben gehört und niedergeschrieben von mir.) Die BR-Sprecherin ergänzt anschließend, es habe sich dabei (bei Cranach) jeweils um etwa 2 bis 3 Stunden gehandelt.
Es war also nicht so, dass es in den 26 Jahren bei Cranach überhaupt nur 1 oder 2 Fixierungen gab. Trotzdem ist der Unterschied zur Praxis in Taufkirchen an der Vils natürlich gewaltig.
Dipl.-Psych. Dr. phil Sponsel kommentiert am Do, 2014-02-13 09:37 Permanenter Link
Danke. Ich werde noch mal reinhören und dann korrigieren.
Dipl.-Psych. Dr. phil Sponsel kommentiert am Do, 2014-02-13 10:03 Permanenter Link
Forensisch Psychiatrische Zwangsmaßnahmen, Menschenrechte und Folter
Ich lese um die Auseinandersetzung mit den unglaublichen Vorgängen in der Frauenforsenik Taufkirchen, dass Fixieren, auch über 24h hinaus, in Bayern durch das Unterbringungsgesetz abgedeckt sei. Das verstehe ich nicht. Denn die Menschenrechte (MRK3) und des Grundgesetzes (104,1, S2) gelten überall in Deutschland, also auch in Bayern, völlig gleichgültig, ob ein bayerisches Landesrecht dies vorsieht oder nicht. Es gibt also eine Rechtsgrundlage auch in Bayern, wie überall in Deutschland, und das sind die Menschenrechte und das Grundgesetz.
Nach den folgenden Informationen zur Folter, unmenschlichen oder erniedrigenden Behandlungen von Amesty International und dem Karlruher Kommentar zum MRK Artikel 3 erfüllen die Fixierung, Dauerisolation und Zwangsmedikation ("Betonspritze", insbesondere auf Dauer) in aller Regel diese Kriterien. Damit gehören die Zwangspsychiatrie und ihre Gewaltmaßnahmen - exemplarisch der Fall Taufkirchen - nach meiner Bewertung vor den Europäischen Menschenrechtsgerichtshof. Das möchte ich hier zur Diskussion stellen.
Hierzu präzisierend der Karlsruher Kommentar zu MRK Artikel 3 Verbot der Folter
Karlruher Kommentar zur Strafprozessordnung von Schädler/Jakobs, 7. Auflage 2013, Rn 1-12, nach beck-online:
Randnummer 1 Neben Art 3 MRK verbieten verschiedene internationale Vereinbarungen, insbesondere die UN-Antifolterkonvention vom 10.12.1984 (BGBl 1990 II 247f), die Folter ebenso wie die unmenschliche und erniedrigende Behandlung von Personen (vgl i. E. LR-Esser Rn 1 bis 13). Am 4.12.2008 hat Deutschland das Fakultativprotokoll zum UN-Antifolterübereinkommen v. 18.12.2002 ratifiziert (COP-CAT). Hierdurch erhält der Unterausschuss der UN uneingeschränkten Zugang zu deutschen Gewahrsamseinrichtungen.
Dem Europaübereinkommen vom 26.11.1987 zur Verhütung von Folter und unmenschlicher oder erniedrigender Behandlung oder Strafe hat die Bundesrepublik Deutschland mit Gesetz vom 29.11.1989 zugestimmt (BGBl II 946). Art 3 MRK begründet nicht nur ein Abwehrrecht gegenüber dem Staat. Dieser ist vielmehr auch verpflichtet, wirksame Strafvorschriften vorzusehen, die den Verboten aus Art 3 MRK auch tatsächlich Geltung verschaffen. Ein Vertragsstaat ist daher gehalten, Maßnahmen zu treffen, die geeignet sind, auch Misshandlungen durch Privatpersonen zu verhindern (EGMR 26.7.2005 „Siliadin“, NJW 2007, 41 Nr 80)."
Folter und unmenschliche Behandlung Rn 4: "... Der EGMR definiert als unmenschlich eine Behandlung, die absichtlich schwere körperliche oder geistige Leiden verursacht und die in der besonderen Situation nicht zu rechtfertigen sind (EGMR 18.1.1978 „Irland“, EuGRZ 1979, 153). Die Abgrenzung zur Folter ist schwierig, wenn dem Opfer die Leiden vorsätzlich zugefügt werden (Meyer-Ladewig Rn 20?ff.; LR-Esser Rn 66). Hinzu kommt, dass bei der Abgrenzung der Folter von der unmenschlichen Behandlung der EGMR die zunehmend höheren Anforderungen an den Schutz der Menschenrechte und Grundfreiheiten berücksichtigt und die Definition der UN-Antifolterkonvention im Sinne dieser höheren Anforderungen ausgelegt wissen möchte (EGMR 28.7.1999 „Selmouni“, NJW 2001, 56 Nr 101 mwN). Dies hat zur Folge, dass früher nur als unmenschliche oder erniedrigende Behandlungen eingestufte Vorgehensweisen jetzt als Folter eingestuft werden können. Dieses hängt wiederum vom Mindestmaß der Schwere des jeweiligen Einzelfalles ab (EGMR aaO; EGMR 30.6.2008 „Gäfgen“, NStZ 2008, 699 Nr 69, der die Androhung einer Folter nur als unmenschliche Handlung qualifiziert)."
Dipl.-Kfm. Sobottka kommentiert am Do, 2014-02-13 11:05 Permanenter Link
Auch wenn ich den Tierschutz in Deutschland nur als mangelhaft bis ungenügend einordnen kann, so bin ich mir doch sicher, dass jemand, der seinen Hund über 60 Tage fixierte, wegen Tierquälerei verurteilt würde, auch wenn es sich um einen sehr gefährlichen Hund handelte, der keinerlei Kooperationsbereitschaft hinsichtlich des Pflegers zeigte.
Rechtstheoretisch würde ich davon ausgehen, dass zumindest die §§ 239 StGB (Freiheitsberaubung) und 240 StGB (Nötigung) als Grundlage für eine Bestrafung von Fixierungen infrage kommen, denn zweifellos ist selbst gegenüber einem Untergebrachten die Fixierung eine über die Unterbringung weit hinausgehende Freiheitsberaubung und zweifellos auch eine schwere Form der Nötigung.
So wünschenswert eine Klage vor dem Europäischen Gerichtshof auch wäre, um diverse "Behandlungsformen" abzuschaffen oder zumindest sehr stark zu beschränken, so denke ich doch, dass auch das nationale Sanktionssystem genutzt werden sollte. Es ist keine Kleinigkeit, jemanden gegen seinen Willen zu fixieren, und wenn es so geschieht wie in Taufkirchen, dann ist jedes womöglich akzeptable Maß eindeutig meilenweit überschritten, und entsprechend wäre es sinnvoll, Strafanzeigen zu erstatten und dann zu sehen und zu veröffentlichen, was der Bayernstaat daraus macht.
Ich möchte an den Werbeslogan der in Bayern herrschenden CSU erinnern: "Näher am Menschen"....
Gast kommentiert am Do, 2014-02-13 10:40 Permanenter Link
@ Dr. Sponsel: Im Jahre 2008 sagte mir ein Rechtsanwalt, der soeben von einer Gerichtsverhandlung in Bayern zurück war, die Staatsanwältin habe, von ihm auf eine bindende EU-Norm hingewiesen, tatsächlich gesagt: "Wir sind hier nicht in der EU, sondern in Bayern!"
Vielleicht gehört Bayern in Wirklichkeit ja gar nicht zur BRD? Eventuell könnte einer der Staatsrechtler im Beck-Forum der Frage ja mal nachgehen?
Prof. Dr. Henning Ernst Müller kommentiert am Do, 2014-02-13 11:35 Permanenter Link
Ich habe zum ursprünglichen Beitrag nun ein Update ergänzt.
JoBode kommentiert am Do, 2014-02-13 14:35 Permanenter Link
Zum Update: Das Mittelalter läßt grüßen.
Gast kommentiert am Do, 2014-02-13 15:59 Permanenter Link
Ich finde, man sollte auch den "Suiziden" in den JVAen einmal näher auf den Grund gehen. In Berlin waren sie zeitweise so hoch, dass die damalige Justizsenatorin Gisela von der aue (SPD) ber5eits beabsichtigte, die Öffentlichkeit über solche Fälle nicht mehr zu informieren.
Dabei haben soziologische Untersuchungen ergeben, dass (tatsächlich!) Selbstmorde in bedrückenden / bedrängten Lagen (Kriege, KZ-Haft usw.) tatsächlich seltener vorkommen als im normalen Zivilisationsalltag; möglicherweise darauf zurückzuführen, dass der Überlebenswille stark motiviert wird.
Woher wissen wir also, dass "Suizide" in JVA nicht Hintergründe haben, die uns erschrecken ließen? Können wir noch zu irgendetwas Vertrauen haben? Ich denke, wir dürfen kein Vertrauen mehr haben.
Dipl.-Psych. Dr. phil Sponsel kommentiert am Do, 2014-02-13 16:39 Permanenter Link
http://www.sgipt.org/medppp/zwang/gewalt.htm
Vorhin frisch ins Netz gestellt. Anregungen, Ergänzungen, Hinweise und Kritik willkommen.
Gast kommentiert am Do, 2014-02-13 19:23 Permanenter Link
Wie denn, da es keine Kommentarspalte gibt? Wieso machen Sie für die Diskussion nicht einen kostenlosen WordPress.com-Blog auf, wie Deeg es getan hat?
Dipl.-Psych. Dr. phil Sponsel kommentiert am Fr, 2014-02-14 09:38 Permanenter Link
Nicht Meta-Reden, sondern zur Sache selbst, hülfe hier
Statt sich hier Wünsche auszudenken, die meine Arbeit- und Lebenszeit betreffen, hätten Sie sich besser direkt geäußert. Wenn Sie einen blog wünschen, dann machen Sie bitte selber einen. Ich bin überreichlich ausgelastet.
Gast kommentiert am Fr, 2014-02-14 11:15 Permanenter Link
Man kann auch ein PHP-Kontaktformular an eine Webseite anhängen, aber zu sagen: "Fpür Hinweise usw. bin ich dankbar", ohne in dem Zusammenhang eine Kontaktmöglichkeit anzubieten, ist nicht das Sinnvollste, was man tun kann.
Im Übrigen verstehe ich Sie nicht: Wenn Sie das Problem ernst nehmen, dann müssen Sie auch zur Diskussion bereit sein, nicht einfach meinen, Ihre Ansichten seien in jedem Fall die Krönung der geistigen Schöpfung. Ihre Reaktion auf meinen Vorschlag macht zudem deutlich, dass es nicht gerade leicht ist, mit Ihnen zurecht uzu kommen. Das reduziert Ihr Wirkungsvermögen zweifellos sehr beträchtlich.
Dipl.-Psych. Dr. phil Sponsel kommentiert am Fr, 2014-02-14 09:31 Permanenter Link
Nürnberger Nachrichten sehr aktiv - Verschleierungstaktik "Mittelwert",
Exakte Erhebung der Gewalt- und Zwangsmaßen notwendig
Ein großer Artikel in den NN 13.02.2014, S. 17 mit Bild GFM und M. Heidingsfelder: “60 Tage festgeschnallt: Thema im Landtag”
Dazu, direkt daneben, ein ziemlich ordentlicher Kommentar von hpr:
“Nicht lebendig begraben fühlen” aus dem hervorgeht, dass nun Bausback offenbar auch ein Gesetz zum Maßregelvollzug will.
Frau Wolff hat hierzu auch sehr klar und deutlich kommentiert.
Auch heute, 14.02.2014, S. 18, hat die NN einen Artikel zur Fixierung von hpr unter dem Titel: "Meldepflicht bei Dauerfixierung". Der Titel ist insofern ungünstig, weil er eine suggestive Legitimation für Dauerfixierung enthält. Die richtige Botschaft wäre: "Meldepflicht bei Fixierung".
Als erstes brauchen wir einen Untersuchungsausschauss und eine zügig-effektive Untersuchungskommission, die das genaue Ausmass der Gewalt- und Zwangsmaßnahmen in bayerischen Psychiatrien und Forensiken erfasst, damit einmal eine ordentliche Datengrundlage vorliegt. Hierbei muss allerdings auch gefordert werden, dass methodisch forensische PsychologInnen dabei sind, die z.B. die Verschleierungstaktik mit Mittelwerten (Methode Taufkirchen) ohne Angabe von Streuungen, Spannweiten und Verteilungsparametern sofort durchschauen und nicht zulassen.
Gast kommentiert am Fr, 2014-02-14 10:45 Permanenter Link
"Grüne und Freie Wähler in Bayern fordern neue Regeln für die Unterbringung von Patienten - und erhalten überraschende Unterstützung von dem Direktor des in die Kritik geratenen Isar-Amper-Klinikums in Taufkirchen. …“
http://www.sueddeutsche.de/bayern/fixierungen-in-psychiatrien-stunden-in...
Hier spricht der Ärztliche Direktor:
http://www.br.de/mediathek/video/sendungen/oberbayern/ot-psychiatrie-tau...
Dipl.-Kfm. Sobottka kommentiert am Fr, 2014-02-14 14:45 Permanenter Link
M.E. sollte zunächst für maximale Transparenz gesorgt werden, wozu es bereits einen beträchtlichen Beitrag leistete, wenn man jedem Untergebrachten Internetzugang gewähren würde (am besten als Grundrecht im GG verankern).
Bereits Transparenz gegenüber der Allgemeinheit würde die Entgleisten erheblich zügeln, und auf der Basis könnte dann in aller Ruhe über alles weitere nachgedacht werden. Das, was Dr. Sponsel tut, ist nach meiner Ansicht der falsche Weg: Er meint, alles im Alleingang lösen zu müssen, und das kann in keinem einzigen Falle gutgehen: Der Mensch ist auf die kollektive Nutzung der Intelligenz eingerichtet, und es verhält sich nicht nur so, dass nur so die besten Ergebnisse erzielt werden können, sondern es ist auch so, dass nur auf solchem Wege (Einbeziehung aller in die Diskussion) wahre Konsensentscheidungen möglich sind.
Wie gesagt: Es gibt ein Mittel auf die Schnelle, das jedenfalls Schlimmstes verhindern kann, Internetzugang für alle Untergebrachten. Stattdessen ist festzustellen, dass gerade Untergebrachte, die sich darauf berufen, Opfer von Willkür zu sein, oftmals von der Öffentlichkeit abgeschottet werden (s. z.B. Robert Walter, Marburg). Damit muss es so schnell wie möglich vorbei sein.
Dipl.-Psych. Dr. phil Sponsel kommentiert am Fr, 2014-02-14 16:36 Permanenter Link
Plutarch lässt grüßen ...
@Gast #28: Nachdem Sie es hier in zwei Postings nicht schaffen, auch nur einen einzigen inhaltlichen Gedanken vorzutragen, glaube ich nicht, dass Ihnen eine Sponsel ABM helfen würde. Für Zeitdiebe stehe ich nicht zur Verfügung und grüße stattdessen mit Plutarchs - vermutlich dem ersten Verhaltenstherapeuten in der abendländischen Geschichte - vorzüglicher Reaktion.
Dipl.-Kfm. Sobottka kommentiert am Fr, 2014-02-14 17:36 Permanenter Link
Sehen Sie, Dr. Sponsel, es hat handfeste Gründe, dass ich in erster Linie auf allgemeine Transparenz und maximale Stärkung der individuellen Rechte (Aufhebung von Anwaltszwang, bestmögliche Erleichterung der Selbstverteidigung in Strafverfahren, Grundrecht auf Teilhabe an der Internetkommunikation usw.) setze.
Sie, Dr. Sponsel, sollten sich einmal nüchtern mit der Problematik der Profilneurose befassen.
Rudolf Sponsel kommentiert am Sa, 2014-02-15 17:28 Permanenter Link
Überblick Gesetze: Unterbringung, Psychisch Kranke und Maßregelvollzug in den 16 Bundesländern (ein Wahn für sich)
http://www.sgipt.org/medppp/NadP.htm#Ma%C3%9Fregelvollzugsgesetze
Anmerkung1: Auf der Seite Forensik.de - der ich die aktuellen Gesetze entnommen habe - habe ich im Suchfeld "fixieren" eingegeben und 0-Einträge zurück erhalten.
Anmerkung2: Die extreme Steuerlast und Staatsverschuldung führe ich z.T. auf diesen irrsinnigen Verwaltungspopanz zurück. Gibt es dafür auch einen blog hier?
Winfried Sobottka kommentiert am Sa, 2014-02-15 21:04 Permanenter Link
Die von Dr. Sponsel vorgetragene Kritik geht m.E. fehl:
Eine Psychiatrie, die ihren Auftrag am Menschen ernst nähme, wäre immer noch weitaus teurer als ein Abfertigungsbetrieb, der von Verwaltungsdeppen organisiert und geleitet wird.
Was die Steuerlast angeht - die ist lediglich völlig ungerecht verteilt, 26 % für beliebig große Kapitaleinkommen sind ja nicht gerade viel in einer Zeit, in der kapitalintensiv (also mit wenig Personal) produziert wird. Und während man dem Dr. Sponsel die Wertzuwächse versteuert, die seine private Altersversorgung erbringt, haben Familien Quandt und von Fink selbstverständlich hinreichend Möglichkeiten, Wertzuwächse ihrer Beteiligungen nicht zu versteuern.
Unter dem Strich kann man sagen: Die Hörigkeit der Politik (Korruption) gegenüber dem privaten Großkapital ist in allen westlichen Ländern der Grund für die Staatsverschuldung, weil Kapitalerträge einfach nicht angemessen versteuert werden. Soviel (nicht nur) für Dr. Sponsel.
Wenn es aber darum geht - und das sollte es doch? - möglichst schnell menschliche Bedingungen im Maßregelvollzug (ausweiten bitte auch auf Strafvollzug!) zu schaffen, so könnte man das sehr einfach haben:
1. Untergebrachte müssen sich organisieren können, wie Arbeitnehmer, Arbeitgeber usw. usf. Dafür müssen ihnen Büros und Materialien zur Verfügung gestellt werden. Ihre Organisationen müssen als gemeinützig anerkannt werden und das Recht erhalten, Spenden zu sammeln und über diese frei zu verfügen (z.B. für Gutachter, Rechtsberatung, PR usw.).
2. Alle Untergebrachten müssen Internetzugang bekommen.
3. Alle Krankenakten müssten anonymisiert publiziert werden, um Schindluder zu vermeiden. Krankenakten in den Psychiatrien sind oftmals nichts anderes als Protokolle fortwährender Versuche, gesunde Menschen als krank abzustempeln.
Allein mit diesen Maßnahmen würde man - ohne dass beträchtliche Kosten entstünden, wenn man dem z.B. den Erwerb von einem Bundeswehrpanzer gegenüberstellt - erhebliche Fortschritte erzielen. Ich würde es sehr begrüßen, wenn Gustl Mollath, der ja nun die Verhältnisse in den Psychiatrien kennt, insbesondere zu den 1. und 2. etwas sagen würde.
Schade, dass hier keine Untergebrachten und auch keine JVA-Häftlinge mitdiskutieren können.
Rudolf Sponsel kommentiert am Mo, 2014-02-17 12:36 Permanenter Link
NN 17.2.14 Ministerin will unabhängige Kontrolle
"MÜNCHEN - Sozialministerin Emilia Müller will den sogenannten Maßregelvollzug für psychisch kranke Straftäter in Bayern reformieren.
Die CSU-Politikerin kündigte an, dass unabhängige Beiräte für die Kontrolle der einzelnen Einrichtungen eingeführt werden sollen. Die Regierung werde den Vollzug in Psychiatrien „grundsätzlich neu aufstellen mit dem Ziel, für alle Beteiligten, insbesondere für die untergebrachten Personen und für die im Maßregelvollzug Beschäftigten, mehr Rechtssicherheit und Transparenz zu erreichen", teilte Müller mit. „Hierzu werden wir einen Gesetzesentwurf vorlegen, in dem wir die Unterbringungsbedingungen sowie Rechte und Pflichten der Untergebrachten klar regeln". Im Freistaat gibt es bisher, im Gegensatz zu einer Reihe anderer Bundesländer, kein eigenes Gesetz über die Unterbringung von Straftätern in der Psychiatrie (Forensik) ....
Ministerin Müller reagiert mit ihrem Vorstoß auf Beschwerden über zu häufige Fixierungen in einer Einrichtung in Taufkirchen (Oberbayern). Und auch auf die massive und grundsätzliche Kritik beim Fall Gustl Mollath ..."
Gast kommentiert am Mo, 2014-02-17 21:40 Permanenter Link
Wem die Freiheit entzogen ist, der muss die Möglichkeit haben, sich an die Öffentlichkeit zu wenden, ganz konkret: Muss einen Internetanschluss nutzen können!
Es gibt in dieser Gesellschaft keine wirklich "unabhängigen" Gremien, alles ist irgendwie verschachtelt, ob formal oder informal!
Rudolf Sponsel kommentiert am Di, 2014-02-18 11:24 Permanenter Link
Prof. Dr. Doses Behauptungen zur Fixierungstatistik in Deutschland sind falsch
http://www.sgipt.org/medppp/NadP.htm#Prof.%20Dr.%20Doses%20Behauptungen%...
Prof. Dr. Doses Behauptungen zur Fixierungstatistik in Deutschland sind falsch. "Steinert et al. (2010) kommen in ihrer Untersuchung für Deutschland zu dem Ergebnis, dass auf der Grundlage ihrer Daten eine mechanische Fixierung im Durchschnitt 9,8 Stunden, eine Isolierung im Mittel 6,6 Stunden andauert." Das ist aber immer noch viel zu lange und grundsätzlich fragwürdig, nachdem England z.B. gänzlich ohne mechanische Fixierung auskommt.
Mehr zur Statistik der Fixierung: Aktualisierung Gewaltanwendung und Zwang in der forensischen Psychiatrie
http://www.sgipt.org/medppp/zwang/gewalt.htm#Statistik%20der%20Fixierung
Zu: Klinikchef rechtfertigt sich für Fixierungen ... im bayernweiten und bundesweiten Vergleich sogar "im unteren Bereich"
http://www.sgipt.org/medppp/NadP.htm#Klinikchef%20rechtfertigt%20sich%20...
Menschenrechtler kommentiert am Di, 2014-02-18 16:28 Permanenter Link
Wenn ich Herrn Professor Müller und die Kommentatoren bitten darf, auf meine Fragestellung, mein Statement einzugehen, auch um einen Untergebrachten zu helfen!
Ist es menschlich, ethisch und insbesondere „psychiatrisch“ vertretbar, einen schwer Beschuldigten als Psychiater im Auftrag des Gerichtes zu begutachten und der Angeklagte mit Neuroleptika stationär behandelt wurde und der unter den Einwirkungen der Medikation steht?
Zweifelohne verändern, beeinträchtigen die Neuroleptika das Bewusstsein eines
Menschen, beeinflussen die Präsens, schwächen m.E. die Ich-stärke, dämpfen die Stimmungslage, können zum Rückzug nach Innen, zur naiven Redseligkeit sogar zu Misstrauen, Feindseligkeit etc. führen. Ist diese Praxis legitim, wenn es bei der Begutachtung um das Leben eines Menschen geht?
Kann ein Gutachter bestraft werden, der so handelt? Ist diese Praxis bei Gutachten ü b l i c h, wenn es um angebliche oder wirklich psychisch kranke Menschen geht und die wegen vermuteter psychischer Erkrankung und einer noch ungeklärten Tat in die Psychiatrie kommen?
In dem Fall wäre es m.E. möglich gewesen, bis zur Begutachtung keine Behandlung mit Neuroleptika vorzunehmen und a u t h e n t i s c h e Feststellungen treffen können, über eine mögliche Erkrankung, angebliche Tat, über die bejahte Entscheidungsfähigkeit und die nicht vorhandene Steuerungsfähigkeit. Worin besteht eigentlich der Unterschied? Hinzu kommt noch, dass der Gutachter in der nicht neutralen Doppelfunktion Leiter der Forensik war, deshalb eine eindeutige I n t e r e s s e n k o l l i s i o n vorlag, die auch zu den jährlichen routinemäßigen Fortschreibungen der forensisch-psychiatrischen Stellungnahmen und zu einer Unterbringung von über z e h n Jahren führte. Die gleiche fatale Doppelfunktion lag im Fall Mollath vor! Ein namhafter Psychiater hat diese Praxis gerechtfertigt!
behandeln zu lassen, hat ihm das Leben gerettet, ihn vor gesundheitlichen Schaden bewahrt und ihn in die Freiheit geführt.
Gast kommentiert am Di, 2014-02-18 20:53 Permanenter Link
Im Prinzip ist das so, als würdfe man jemanden in Ohnmacht versetzen und in dem Zustand auf seine Geschäftsfähigkeizt hin untersuchen.
JHerr Stephanie, es gehört kein Mut dazu, sich gegen die Verabreichung von Neurtoleptika moit allen Mitteln zu wehren, es gehört nur das Wissen dazu, was diese Mittel bewirken.
Ansonsten: Herr Stephanie, in diesem Land gibt es Solidarität mit Unrechtsopfern nur in homöopathischen Dosen. Glauiben Sie mir, dass ich das auch bedauere, um es vorsichtig auszudrücken.
Rudolf Sponsel kommentiert am Mi, 2014-02-19 09:47 Permanenter Link
Absoluter Fehler mangelnde Validität aufgrund der Verfassung der ProabandIn zum Zeitpunkt der Begutachtung
Sie werfen schwierige, aber berechtigte Fragen auf. Ich meine aus dem Bauchhirn heraus, dass man das darf – man tut es ununterbrochen – , wenn man den Einfluss der Medikamente richtig würdigt, was nicht immer leicht sein dürfte, da in eine Begutachtungssituation viele Faktoren einfließen, die allerdings von forensischen PsychiaterInnen üblicherweise nicht differenziert beachtet werden (das ist ihnen vermutlich zu schwierig).
In meiner Arbeit zu den potentiellen Fehlern in der forensischen Psychiatrie wird diese Problematik unter verschiedenen potentiellen Fehlern beleuchtet: BefF14, BefF15; DatF05, ValF01.
Die Arbeit von Gschwind et al.: Beurteilungskriterien psychiatrischer Gutachten (1982) sagt hierzu unter 2. Eigene Untersuchungen unter Punkt 6.:
"Sind bei der Darstellung der direkt beobachteten Befunderhebung zeitliche und situative Umstände und die Beziehung des Explorators zum Exploranden und umgekehrt miterfaßt? Werden z. B. Mimik, Gestik, Phonetik, Beweglichkeit, Intelligenzeindruck (nicht Messung), Willenssphäre, Emotionalität und Stimmung, Trieb- und Vitalitätseindruck usw. mit Testergebnissen verglichen? Werden eventuelle Übereinstimmungen und Diskrepanzen ausgewertet? Wird Sichtbares, Erfühlbares mit experimentell sichtbar und überprüfbar Gemachtem konfrontiert und im Rahmen der Beschreibung der Gesamtpersönlichkeit entsprechend gewürdigt? [GPR-F6]"
Man kann also sagen, man ist sich der Problematik im Grundsätzlichen bewusst. Rechtlich darf man nicht viel erwarten. Es stellt sich ja immer mehr heraus, dass das Recht dem forensischen Psychiatriesumpf hinten und vorne nicht gewachsen ist. Statt Taufkirchen sofort zu schließen, sind offensichtlich lange Debatten, Ausschüsse und Gesetzesentwürfe nötig. Pinel würde sich im Grab umdrehen.
Ich habe in diesem Zusammenhang hier schon zweimal Prof. Müller direkt angesprochen, aber immer noch keine Antwort erhalten: Wie ist es rechtlich zu beurteilen, wenn ein Untergebrachter im fixierten Zustand begutachtet wird? Kann ein solches Gutachten überhaupt verwertbar sein oder liegt hier nicht ein neuer absoluter Fehler (zu kreieren als AbsF07) vor?
Rudolf Sponsel kommentiert am Mi, 2014-02-19 14:04 Permanenter Link
Absolute Fehler in AbsF05 um folgende Passage ergänzt
Im Recht wird das Problem mangelnder Datenbasis so gut wie nicht ausdrücklich gesehen und kritisch erörtert. Hierbei sind grundsätzlich zwei Fälle zu unterscheiden: 1) Datenmangel: es liegen überhaupt keine oder viel zu wenig Daten und Informationen vor. 2) Nichtverwertbarkeit: Die vorliegenden Daten und Informationen sind aufgrund des Zustandes der ProbandIn (überdosiert, fixiert; psychotisch, übererregt, delirant, verwirrt, desorganisiert oder ähnliches) nicht verwertbar.
Rudolf Sponsel kommentiert am Do, 2014-02-20 17:32 Permanenter Link
Ohnmacht, Zwang und Psychiatrie - Geschlossene Gesellschaft
http://www.sgipt.org/medppp/NadP.htm#Ohnmacht,%20Zwang%20und%20Psychiatr...
Auszug aus einem Interview mit RA Dr. David Schneider-Addae-Mensah im Gespräch mit "Schattenblick"
Rudolf Sponsel kommentiert am Do, 2014-02-20 17:50 Permanenter Link
"Klinikchef fordert klare Regeln ein"
Reil 1803: Arzt und Psychologe gleichstellen
titeln die NN vom 20.2.14, S. 17, womit Prof. Dose die Welt schlicht auf den Kopf stellt. Offenbar hat der "Altachtundsechziger" die Dialektik nicht verlernt.
Nicht er, seine Chefärztun und sein Team sind die TäterInnen, sondern die Politik, die keine Regeln vorgibt. Es handelt sich hierbei um den sehr durchsichtigen Versuch, der fehlenden gesetzlichen Grundlage für die Zwangsbehandlung in einigen Bundesländern und dem Bundesverfassungsericht die Schuld in die Schuhe zu schieben, dass die armen und gequälten Humanisten in Taufkirchen, so extrem fixieren müssen. Tatsächlich dürfte in Bayern kaum mehr zwangsmediziniert werden als in Taufkirchen, und das nicht selten auch noch überdosiert.
Der Begründer der integrativen Psychotherapie, Johann Christian Reil, der 1808 den Begriff der "Psychiaterie" erfand, fordert schon 1803 in seinen "Rhapsodieen über die Anwendung der psychischen Curmethode auf Geisteszerruettungen", in der Leitung der Heilanstalt den Psychologen dem Arzt gleichrangig zu stellen. 211 Jahre später wäre es vielleicht kein übereilter Schritt, dieser Anregung (durch den ersten Psychiater!) nachzukommen, um diesen grausamen Spuk angeblicher Maßregelvollzugs"therapeutik" zu beenden, die offenbar nur drei Haupt"heilmittel" kennt: chemische Gewalt (Neuroleptika), soziale Gewalt (Isolierung), mechanische Gewalt (Fixierung).
Quelle Reil: http://www.sgipt.org/gesch/reilh1.htm
Rudolf Sponsel kommentiert am Do, 2014-02-20 18:06 Permanenter Link
"Taufkirchen: Fesselungsvorwürfe gegen Klinik sollen geprüft werden
München. Der Landtag will den Fesselungsvorwürfen gegen das Isar-Amper-Klinikum in Taufkirchen an der Vils auf den Grund gehen. Die vier Landtagsfraktionen forderten am Donnerstag im Sozialausschuss einstimmig einen Bericht von Sozialministerium und Bezirksregierung Oberbayern an. ... "
http://www.nordbayerischer-kurier.de/nachrichten/taufkirchen-fesselungsv...
Rudolf Sponsel kommentiert am Do, 2014-02-20 20:54 Permanenter Link
Die DGPPN veröffentlichte “Erfahrungen mit dem Projekt Vier-Stufen-Immobilisationskonzept nach 12 Monaten, 1. Oktober 2010 bis 30. September 2011
Von 50 Fällen konnte in 49 Fällen die Fixierung durch das 4 Stufen Konzept vermie-den werden Insgesamt sind die Fixierungshäufigkeit und Dauer deutlich zurückgegangen
Fixierbetten wurden von drei auf eins reduziert, 2/3 der Fixiergurte wurden von Station entfernt Patientenbegleitungen reduzierten sich um 50%”
Quelle Auszug:
http://www.sgipt.org/medppp/zwang/gewalt.htm#Alternativen%20zur%20Fixierung
Mehr und Kompletter Bericht:
https://www.dgppn.de/fileadmin/user_upload/_medien/dokumente/referate/psychiatrische_pflege/2011-heinzmann-immobilisationskonzept.pdf
Rudolf Sponsel kommentiert am Fr, 2014-02-21 10:25 Permanenter Link
Aus der Stellungnahme der DGPPN - anlässlich des Bundesverfassungsgerichtsurteils 2011- zu mechanischen Zwangsmaßnahmen (Online, PDF)
Freiheitsentziehung, Freiheitsbeschränkung und Zwangsbehandlung sind gleichermaßen Eingriffe in die Grundrechte des Patienten und für
diesen schwer belastende Erlebnisse.
Online: http://www.dgppn.de/publikationen/stellungnahmen/detailansicht/browse/1/...
PDF: http://www.dgppn.de/fileadmin/user_upload/_medien/download/pdf/stellungnahmen/2012/stn-2012-01-16-zwangsbehandlung.pdf
Prof. Dr. Henning Ernst Müller kommentiert am Fr, 2014-02-21 10:30 Permanenter Link
danke, dass Sie der Diskussion immer neue Gesichtspunkte hinzufügen.
Aus ärztlicher Sicht wird ja vorgetragen (siehe diesen Link Ärzteblatt 2012, Aufsatz von Müller/Walter/Heinz - Innenweltbummler hatte das oben schon verlinkt), dass man durch klare gesetzliche Regeln die Zwangsmedikation/Sedierung ggü. dem derzeitigen Rechtszustand erleichtern solle und damit die grausame Fixierung eher vermeiden könnte. Die Kritik an Fixierungen wird damit aufgegriffen und geht in der Forderung nach Erlaubnis zum Einsatz von Psychopharmaka gegen den Patientenwillen auf. Jedenfalls müsse die Rechtslage nach den Entscheidungen des BVerfG vom Gesetzgeber geklärt werden. Wenn man die zwangsweise Therapie nicht will/nicht darf, so scheint es, muss man mit einer gewissen Anzahl von Fixierungen "leben", wenn man nicht (wie "Innenweltbummler" ebenfalls andeutet) der Ansicht ist, die eine Pharmakotherapie verweigernden Patienten sollten aus den Kliniken entfernt werden.
Wenn man der Auffassung folgt, dass Psychopharmaka die medizinisch indizierte und menschenwürdigere Lösung sind - und das ist wohl die Ansicht der meisten Psychiater - scheint man daran erstmal wenig aussetzen zu können. Man muss allerdings verhindern, dass sich dadurch ein Missbrauchspotential ergibt bzw. verfestigt, das sich auch im Fall Mollath gezeigt hat: Wenn einige Ärzte in der Forensischen Psychiatrie so schnell zur Zwangsmedikation per Betreuung und Gerichtsbeschluss bereit sind, und Richter dies so schnell und leichtfertig genehmigen, dann muss man vorsichtig sein, diese Rechtsgrundlagen noch zu erweitern: dann muss das ultima ratio-Prinzip in der Regelung auch effektiv umgesetzt werden.
Und ob der Zusammenhang mit den Fixierungen wirklich so eng ist wie behauptet wird, muss natürlich hinterfragt werden. Ob und wie viel (und/oder gar überdosiert) allerdings in Taufkirchen und anderswo in Bayern zwangsmediziniert wird, wie Sie behaupten, kann ich allerdings nicht überprüfen. Haben Sie Statistiken oder andere Quellen dazu oder basiert dies auf Vermutungen?
Rudolf Sponsel kommentiert am Fr, 2014-02-21 16:21 Permanenter Link
Danke für Ihre Anmerkungen. Hierzu:
1) Braucht man Fixierungen, wenn Zwangsmedikation nicht geht? Grundsätzlich nein, es gibt bessere Methoden wie z.B. die Festhaltetechnik.
2) Sind Psychopharmaka tatsachlich notwendig? Manchmal, z.B. in Akutphasen, und in Maßen sind sie hilfreich, aber sicherlich nicht jahre- oder gar jahrzehntelang auf hoher Dosis ohne medikamentösen Sinn und Verstand, der in nicht wenigen Forensiken zu fehlen scheint (MRV Regensburg, der ja ordentlich evaluiert, könnte da mal vergleichsweise herangezogen werden). Dafür habe ich auch Belege, die ich nicht so weiteres mitteilen kann, sondern erst anonymisiert aufbereiten muss. Bei Interesse kann ich ein paar Beispiele allgemeinverständlich entwickeln und einposten.
3) Ein Richter genügt grundsätzlich nicht zur Kontrolle, weil Richter nichts oder zu wenig von Behandlung und Psychopharmaka verstehen. Sie scheinen also leider weitgehend ungeeignet, die forensische Unterbringungsproblematik angemessen zu bewerkstelligen, besonders in Hessen und Bayern. Das dürfte inzwischen ja jeder mitbekommen haben - leider. Freiwillige "Selbstkontrollen" führen meist zur Einigelung, Abschottung und zu lernunfähigen und lernunwilligen Inzuchtsystemen. Dieses Paul Feyerabend ganz richtig gesehen.
4) An der "Effektivität" dieser Unterbringungssymbiose Psychiatrie und Justiz hege ich nicht den geringsten Zweifel, das sehe ich aber als Problem. Die sind mir ohne nennenswerte Skrupel und Sachverstand viel zu negativ-"effektiv" mit dem Ergebnis, dass am Ende von Unterbringungslaufbahnen, wie es Frau Wolff ebenso trefflich wie erschütternd formuliert hat, lebensuntüchtige menschliche Wracks stehen. Das kann nicht der Sinn des Maßregelvollzugs sein.
5) Statistiken wären sehr wünschenswert, aber ich bin diesbezüglich nicht sehr optimistisch. Die "Kontroll"-Kommissionen sollten über Informationen verfügen, aber wir alle wissen ja, dass echte und transparente Kontrollen in Bayern so beliebt sind, wie beim Teufel das Weihwasser. Mit wohlverstandenem Rechtsstaat hat das alles ganz wenig zu tun. Nun zu meinen Quellen, ich habe inzwischen eine Reihe von Behandlungsakten einsehen können (die ich meine, extrapolieren zu dürfen) und da sträuben sich mir die Haare.
Zum Schluss, ich hatte Sie drei mal gebeten, eine rechtliche Bewertung zur Begutsachtungspraxis unter Fixierungsbedingungen abzugeben, darf ich noch hoffen?
Gast kommentiert am Fr, 2014-02-21 18:02 Permanenter Link
Sehr geehrter Prof. Müller, es wäre sehr hilfreich, wenn Leute wie Sie es einmal mit eigenen Augen sähen, wie die "Ruhiggestellten" in den Kliniken vegetieren, und es wäre ebenfalls sehr hilfreich, wenn Leute wie Sie sich einmal "Patienten" vorführen ließen, die jahrelang mit Neuroleptika misshandelt wurden. Wo sind sie, die "Patienten", die sich als Erfolge der Behandlung mit Neuroleptika vorzeigen lassen? Wo?
Ich kann nur eines sagen: Ich wäre definitiv lieber tot als den Psychiatern ausgeliefert.
Gast kommentiert am Fr, 2014-02-21 18:18 Permanenter Link
@ Dr. Sponsel #42
Auch wenn Manche es gerne anders hätten: niemand ist bisher verurteilt, weshalb man auch nicht von „TäterInnen“ schreiben sollte.
Sehr bedauerlich finde ich, dass Sie nicht in Taufkirchen hospitiert haben, denn ich kann mir gut vorstellen, dass Sie eine differenziertere Sicht auf Krankheitsbilder und Notfallsituationen wie auch auf die Arbeitsbedingungen von Ärzten und Pflegern hätten entwickeln können. Zumindest würden Sie die Überdosierung von Medikamenten nicht einfach so unterstellen.
Was und wie Sie über Pharmakotherapie schreiben, zeugt leider nicht von einer fundierten Beschäftigung mit dem Fachgebiet. Insofern verwundert es nicht, dass Sie sich auf Reil und die Anfänge der Psychiatrie beziehen. Aber in Anlehnung an Prof. Müller: („Einer Rückkehr ins Mittelalter oder auch nur zu den Methoden der Psychiatrie vor 100 Jahren wollen Sie doch nicht das Wort reden?“ S.1, #17) frage ich Sie nun, ob Sie die Methoden der Psychiatrie von vor 200 Jahren wieder aufleben lassen möchten? Oder ist die „Steinzeitspsychiatrie“ vielleicht gar nicht so schlecht?
Und was ich Sie schon lange fragen wollte:
Pflegen Sie auch den fachlichen Austausch mit Kollegen?
Rudolf Sponsel kommentiert am Sa, 2014-02-22 16:54 Permanenter Link
"Bloßes Einkerkern"
titeln die NN vom 22.02.2014, S. 16: "Politik fordert Aufklärung über Patienten-Fesselung". Weiter wird berichtet: "Florian Streibl, rechtspolitischer FW-Sprecher, moniert: „Das Sozialministerium will von den vielen Fixierungen keine Kenntnis gehabt haben. Das zeigt, dass wir dringend ein neues Gesetz brauchen." Vor allem müsse sichergestellt werden, dass die Würde der psychisch kranken Menschen gewahrt und stets der Verhältnismäßigkeitsgrundsatz beachtet wird. Die sozialpolitische Sprecherin Gabi Schmidt kritisiert grundsätzlich das Bayerische Unterbringungsgesetz: „Es verfolgt einzig und allein das Ziel, psychisch Erkrankte wegzusperren. Die Frage nach Therapie und Heilung der Patienten spielt lediglich eine untergeordnete Rolle." Bayern sei neben Hessen das einzig verbliebene Bundesland, das diesen mittelalterlichen Ansatz verfolge. Die Patienten brauchten einen gesetzlichen Anspruch auf angemessene Hilfe: „Psychisch .Erkrankten ist mit professioneller Behandlung mehr gedient als mit dem bloßen Einkerkern.""