Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Text=8%20D%2038/08
Timestamp: 2019-07-16 17:46:36
Document Index: 19203006

Matched Legal Cases: ['§ 1', '§ 1', 'Art. 6', 'EuG', 'Art. 3', '§ 12', '§ 113', '§ 94', 'Art. 9', '§ 2', 'Art. 11']

OVG Nordrhein-Westfalen, 12.06.2012 - 8 D 38/08.AK - dejure.org
OVG Nordrhein-Westfalen, 12.06.2012 - 8 D 38/08.AK
https://dejure.org/2012,5749
OVG Nordrhein-Westfalen, 12.06.2012 - 8 D 38/08.AK (https://dejure.org/2012,5749)
OVG Nordrhein-Westfalen, Entscheidung vom 12.06.2012 - 8 D 38/08.AK (https://dejure.org/2012,5749)
OVG Nordrhein-Westfalen, Entscheidung vom 12. Juni 2012 - 8 D 38/08.AK (https://dejure.org/2012,5749)
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Immissionsschutzrechtliche Genehmigung Steinkohlekraftwerk Datteln
Zur Raumbedeutsamkeit eines Monoblockkraftwerks
E.ON Kraftwerk Datteln IV Klage des BUND gegen immissionsschutzrechtlichen Vorbescheid hat Erfolg
Errichtung und Betrieb des Steinkohlekraftwerks Datteln IV aufgehoben
BauR 2012, 1883
ZfBR 2012, 768
Inwieweit der Kläger die Verletzung bauordnungs- und bauplanungsrechtlicher Vorschriften rügen darf, siehe dazu etwa BVerwG, Urteil vom 24. Oktober 2013 - 7 C 36.11 -, BVerwGE 148, 155 = juris Rn. 23 ff., 60; OVG NRW, Urteil vom 12. Juni 2012 - 8 D 38/08.AK -, NuR 2012, 722 = juris Rn. 195 ff.; Seibert, NVwZ 2013, 1040, 1043 f., je m. w. N., kann offen bleiben.
vgl. BVerwG, Urteil vom 17. September 2003 - 4 C 14.01 -, BVerwGE 119, 25 = juris Rn. 16 ff., 30 ff.; OVG NRW, Urteil vom 12. Juni 2012 - 8 D 38/08.AK, NuR 2012, 722 = juris Rn. 148 ff.
vgl. exemplarisch OVG Münster, Urteil vom 12. Juni 2012 - 8 D 38/08 -, juris Rn. 83 ff.; OVG Lüneburg, Beschluss vom 10 März 2010 - 12 ME 176/09 -, juris Rn. 9; Schieferdecker, in: Hoppe/Beckmann, UVPG Kommentar, § 1 UmwRG Rn. 17; Fellenberg/Schiller, in: Landmann/Rohmer, Umweltrecht, Band I (Stand: Mai 2017), § 1 UmwRG Rn. 9, 32.
Die Formulierung, "dass die Behörde ein Vorhaben ohne Rückgriff auf Art. 6 Abs. 4 FFH-RL nur dann zulassen darf, wenn sie zuvor Gewissheit darüber erlangt hat, dass dieses sich nicht nachteilig auf das Gebiet als solches auswirkt", oder sinngemäße Formulierungen finden sich in zahlreichen Entscheidungen (OVG Münster, Urteil vom 12.06.2012 - 8 D 38/08.AK - juris Rdnr. 299 m.w.N., etwa auf EuGH, Urteile vom 07.09.2004 - C-127/02 (Waddenzee/Herzmuschelfischerei) - NuR 2004, 788, sowie vom 20.09.2007 - C-304/05 (Kommission/Italien) - NuR 2007, 679; BVerwG…, Urteil vom 17.01.2007 - 9 A 20/05 - BVerwGE 128, 1, juris Rdnr. 41; OVG Münster…, Urteil vom 01.12.2011 - 8 D 58/08.AK - juris Rdnr. 662).
Soweit die FFH-Vorprüfung (und gegebenenfalls FFH-Verträglichkeitsprüfung) - wie hier - Teil einer Umweltverträglichkeitsprüfung ist, ergab sich die Erforderlichkeit einer abschlie- ßenden Beurteilung der FFH-Verträglichkeit auch aus Art. 3 der Richtlinie 85/337/EWG des Rates vom 27.06.1985 über die Umweltverträglichkeitsprüfung bei bestimmten öffentlichen und privaten Projekten (UVP-RL), wonach die Umweltverträglichkeitsprüfung die unmittelbaren und mittelbaren Auswirkungen eines Projekts auf näher bestimmte Faktoren identifiziert, beschreibt und bewertet (OVG Münster, Urteil vom 12.06.2012 - 8 D 38/08.AK - juris.
Da die Erhaltungsziele eines FFH-Gebiets auf die Bewahrung bzw. Erreichung eines günstigen Erhaltungszustands (eines Teils) der in diesem Gebiet vorhandenen Fauna und Flora gerichtet ist, hat sich die abschließende Bewertung im Rahmen einer Umweltverträglichkeitsprüfung auch auf die Frage der erheblichen Beeinträchtigung von FFH-Gebieten zu erstrecken (OVG Münster, Urteil vom 12.06.2012 - 8 D 38/08.AK - juris Rdnr. 303f. m.w.N. auf Beckmann, in: Hoppe/Beckmann, UVPG, Kommentar, 4. Auflage 2012, § 12 UVPG Rdnr. 28 zum Zusammenhang von FFH-Verträglichkeitsprüfung und Umweltverträglichkeitsprüfung).
Auch steht der zuständigen Behörde nach Auffassung des Bundesverwaltungsgerichts bei der Feststellung, dass ein FFH- Gebiet durch ein Vorhaben nicht erheblich beeinträchtigt wird, kein naturschutzfachlicher Beurteilungsspielraum zu (vgl. OVG Münster, Urteil vom 12.06.2012 - 8 D 38/08.AK - juris Rdnr. 310f. m.w.N.; BVerwG…, Urteil vom 17.01.2007 - 9 A 20/05 - juris Rn. 38;… a.A. wohl Schlussanträge der Generalanwältin Kokott in der Rechtssache C-127/02 vom 29.01.2004, Rdnr. 109, sowie in der Rechtssache C-241/08 vom 25.06.2009, Rdnr. 30).
Auf dieser Basis sind sodann die Einwirkungen zu ermitteln und naturschutzfachlich zu bewerten (OVG Münster, Urteil vom 12.06.2012 - 8 D 38/08.AK - juris Rdnr. 313 m.w.N.;… vgl. BVerwG, Urteile vom 17.01.2007 - 9 A 20/05 - juris Rdnr. 43…, vom 12.03.2008 - 9 A 3/06 - juris Rdnr. 68, …sowie vom 14.04.2010 - 9 A 5/08 - juris Rdnr. 50 ff.).
Zudem könnte sich der Beklagte nach ordnungsgemäß erfolgter FFH-Vorprüfung im Fall des Erforderlichwerdens einer FFH-Verträglichkeitsprüfung zur Durchführung einer Öffentlichkeitsbeteiligung entschließen (vgl. OVG Münster, Urteil vom 12.06.2012 - 8 D 38/08.AK - juris Rdnr. 315 und OVG Münster…, Urteil vom 01.12.2011 - 8 D 58/08.AK - juris Rdnr. 541 m.w.N.).
teil vom 12.06.2012 - 8 D 38/08.AK - juris Rdnr. 317f. m.w.N., etwa auf Ziekow, "Neue Formen der Bürgerbeteiligung? Planung und Zulassung von Projekten in der parlamentarischen Demokratie", Gutachten für den 69. Deutschen Juristentag, 2012, S. D14 ff.).
Vielmehr ergibt sich regelmäßig, dass das Vorhaben mit gewissen Modifikationen oder unter Bedingungen bzw. mit Auflagen zulässig wäre (OVG Münster, Urteil vom 12.06.2012 - 8 D 38/08.AK - juris Rdnr. 321 ff. m.w.N.;… vgl. auch Kopp/Schenke, VwGO, Kommentar, 18. Aufl. 2012, § 113 Rdnr. 21 und 198).
Die Kammer kann offen lassen, ob bezüglich einer Aussetzung des Verfahrens zu dem genannten Zweck im geltenden Recht eine hinreichende Rechtsgrundlage besteht (vgl. OVG Münster, Urteil vom 12.06.2012 - 8 D 38/08.AK - juris Rdnr. 329 ff.;… vgl. kritisch Kopp/Schenke, VwGO, Kommentar, 18. Auflage 2012, § 94 Rdnr. 1 m.w.N.).
Eine Nachholung etwa der FFH- Verträglichkeitsprüfung während des gerichtlichen Verfahrens kommt daher nur bei Vorliegen besonderer Umstände in Betracht (OVG Münster…, Urteil vom 01.12.2011 - 8 D 58/08.AK - juris Rdnr. 517; OVG Münster, Urteil vom 12.06.2012 - 8 D 38/08.AK - juris Rdnr. 322).
Zum anderen kann derzeit nicht vorhergesagt werden, wann der Beklagte die FFH-Verträglichkeit des streitgegenständlichen Vorhabens abschließend zu beurteilen in die Lage versetzt sein wird (OVG Münster, Urteil vom 12.06.2012 - 8 D 38/08.AK - juris Rdnr. 335 m.w.N.).
Es wird festgestellt, dass die Klage 8 D 38/08.AK des Antragstellers, soweit sie aufgrund der Klageerweite-rung vom 14. September 2009 gegen die der Beigeladenen erteilte 4. Teilgenehmigung vom 16. Juli 2008 gerichtet ist, aufschiebende Wirkung hat.
Der Antragsteller erhob am 25. April 2008 Klage gegen den Vorbescheid und die 1. Teilgenehmigung (8 D 38/08.AK).
Unter Bezugnahme auf dieses Urteil hat der Antragsteller am 14. September 2009 seine Klage im Verfahren 8 D 38/08.AK auf die 3., 4. und 5. Teilgenehmigung erstreckt, von denen er erstmals durch die Klageerwiderung vom 27. Februar 2009 Kenntnis erlangt habe.
Er beantragt, festzustellen, dass seine Klage 8 D 38/08.AK, soweit sie aufgrund der Klageerweiterung vom 14. September 2009 gegen die 3. Teilgenehmigung vom 12. Dezember 2007 und die 4. Teilgenehmigung vom 16. Juli 2008 gerichtet ist, aufschiebende Wirkung hat.
Entsprechendes gilt für die Übersendung der Deckblätter und Entscheidungssätze der bislang erteilten Genehmigungen durch die Antragsgegnerin im Klageverfahren 8 D 38/08.AK im Februar 2009.
Die Beigeladene war bereits aufgrund der anhängigen Klage 8 D 38/08.AK darüber informiert, dass der Antragsteller das Kraftwerksprojekt als solches und auch an diesem konkreten Standort ablehnt.
Die Beteiligten sind sich vielmehr darüber einig, dass die Verwirklichung des Gesamtvorhabens - jedenfalls in der jetzt genehmigten Form maßgeblich davon abhängt, ob der Vorbescheid und die 1. Teilgenehmigung, die Gegenstand des anhängigen Verfahrens 8 D 38/08.AK sind, einer rechtlichen Überprüfung standhalten.
Der Senat schließt sich insoweit der überzeugenden Argumentation des Oberverwaltungsgerichts Münster (Urt. v. 12. Juni 2012, NuR 2012, 722, Rn. 200 ff.) an, wonach jedenfalls einer ergänzenden Anwendung des Art. 9 Abs. 2 Satz 2 bis 4 Aarhus-Konvention im Rahmen des geltenden Umwelt-Rechtsbehelfsgesetzes nichts entgegensteht (so im Ergebnis, teilweise weitergehend auch Berkemann NordÖR 2009, 336, 342; Bunge NuR 2011, 605, 608; Ekardt NVwZ 2012, 530; Hong JZ 2012, 380, 387; Kleinschnittger I+E 2011, 280, 285 f.; Koch NVwZ 2007, 369, 376; Niederstadt/Weber NuR 2009, 297, 302; Wegener ZUR 2011, 363, 366).
Der Antrag festzustellen, dass die Klage 8 D 38/08.AK des Beigeladenen, soweit sie aufgrund der Klageerweiterung vom 14. September 2009 gegen die der Antragstellerin erteilte 5. Teilgenehmigung vom 17. Oktober 2008 gerichtet ist, keine aufschiebende Wirkung hat, wird abgelehnt.
Der Beigeladene erhob am 25. April 2008 gegen den Vorbescheid und die 1. Teilgenehmigung Klage (8 D 38/08.AK).
Unter Bezugnahme auf dieses Urteil hat der Beigeladene am 14. September 2009 seine Klage im Verfahren 8 D 38/08.AK auf die 3., 4. und 5. Teilgenehmigung erstreckt, von denen er erstmals durch die Klageerwiderung vom 27. Februar 2009 Kenntnis erlangt habe; der vollständige Text sei ihm erst am 11. September 2009 im Parallelverfahren 8 D 114/07.AK - übermittelt worden.
Die Antragstellerin beantragt, festzustellen, dass die Klage 8 D 38/08.AK des Beigeladenen, soweit sie aufgrund der Klageerweiterung vom 14. September 2009 gegen die der Antragstellerin erteilte 5. Teilgenehmigung vom 17. Oktober 2008 gerichtet ist, keine aufschiebende Wirkung hat, Die Antragsgegnerin beantragt, den Antrag abzulehnen.
Die Antragstellerin war bereits aufgrund der anhängigen Klage 8 D 38/08.AK darüber informiert, dass der Beigeladene das Kraftwerksprojekt als solches und auch an diesem konkreten Standort ablehnt.
Die Beteiligten sind sich vielmehr darüber einig, dass die Verwirklichung des Gesamtvorhabens - jedenfalls in der jetzt genehmigten Form - maßgeblich davon abhängt, ob der Vorbescheid und die 1. Teilgenehmigung, die Gegenstand des anhängigen Verfahrens 8 D 38/08.AK sind, einer rechtlichen Überprüfung standhalten.
Zudem kann ein frühzeitiger Interessenausgleich, der durch die Beteiligung der Öffentlichkeit ermöglicht werden soll, durch die Amtsermittlungspflicht nicht gleich wirksam gewährleistet werden (vgl. OVG NW, Urt. v. 12.06.2012 - 8 D 38/08.AK -, a.a.O. RdNr. 309 ff.).
Da die Erhaltungsziele eines FFH-Gebiets auf die Bewahrung bzw. Erreichung eines günstigen Erhaltungszustands (eines Teils) der in diesem Gebiet vorhandenen Fauna und Flora gerichtet ist, hat sich die abschließende Bewertung im Rahmen einer Umweltverträglichkeitsprüfung auch auf die Frage der erheblichen Beeinträchtigung von FFH-Gebieten zu erstrecken (OVG NW, Urt. v. 12.06.2012 - 8 D 38/08.AK -, NuR 2012, 722 [733], RdNr. 304 in juris).
Ausgehend davon gehören zu den Rechtsvorschriften, deren Verletzung eine Vereinigung nach § 2 Abs. 1 Nr. 1 UmwRG geltend machen kann, auch alle - drittschützenden - Vorschriften, die dem Schutz von Menschen vor schädlichen Immissionen zu dienen bestimmt sind (vgl. VGH Mannheim, Urteil vom 20. Juli 2011 - 10 S 2102/09 - ZUR 2011, 600 ; OVG Münster, Urteil vom 12. Juni 2012 - 8 D 38/08.AK - NuR 2012, 722 jeweils m.w.N.).
Es spricht einiges dafür, dass auch Art. 11 Abs. 1 der UVP-RL bei zulässigen Klagen von Vereinigungen gegen Entscheidungen über die Zulassung von Vorhaben, die einer Umweltverträglichkeitsprüfung zu unterziehen sind, keine umfassende gerichtliche Kontrolle der Rechtmäßigkeit gebietet (vgl. dazu VGH Mannheim…, Urteil vom 20. Juli 2011 a.a.O. S. 603 f. und OVG Münster, Urteil vom 12. Juni 2012 a.a.O. S. 731 m.w.N.).
VG Minden, 13.10.2017 - 1 L 1731/17
OVG Nordrhein-Westfalen, 24.09.2009 - 8 B 1344/09