Source: http://m.hensche.de/Rechtsanwalt_Arbeitsrecht_Urteile_Urlaubsabgeltung_Europarecht_LAG_Hamm_16Sa1176-09.html
Timestamp: 2017-01-17 10:54:18
Document Index: 285045014

Matched Legal Cases: ['§ 19', '§ 1', '§ 11', 'Art. 7', '§ 11', '§ 11', 'Art. 7', '§ 11', '§ 7', '§ 48', '§ 312', '§ 1', '§ 7', 'Art. 7', '§ 19', 'Art. 7', '§ 19', '§ 271', '§ 206', '§ 19']

HENSCHE Arbeitsrecht: 16 Sa 1176/09
Arbeitsgericht Dortmund, Urteil vom 20.08.2009, 4 Ca 1334/09
4 Ca 1334/09 ArbG Dort­mund
hat die 16. Kam­mer des Lan­des­ar­beits­ge­richts Hammauf die münd­li­che Ver­hand­lung vom 22.03.2012durch die Vor­sit­zen­de Rich­te­rin am Lan­des­ar­beits­ge­richt Hack­mannso­wie den eh­ren­amt­li­chen Rich­ter Heid­mann und die eh­ren­amt­li­che Rich­te­rin Herud
Auf die Be­ru­fung der Be­klag­ten wird das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts Dort­mund vom 20.08.2009 – 4 Ca 1334/09 – un­ter Zurück­wei­sung der wei­ter­ge­hen­den Be­ru­fung teil­wei­se ab­geändert und wie folgt ge­fasst:
Die Be­klag­te wird ver­ur­teilt, an den Kläger 4.363,00 € brut­to nebst Zin­sen in Höhe von 5 Pro­zent­punk­ten über dem Ba­sis­zins­satz der EZB seit dem 23.03.2009 zu zah­len.Im Übri­gen wird die Kla­ge ab­ge­wie­sen.
Der Kläger trägt die Kos­ten des Rechts­streits zu 52,38 %, die Be­klag­te zu 47,62 %.
Die Par­tei­en strei­ten nach Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses darüber, ob die Be­klag­te dem Kläger Ur­laubs­ab­gel­tung für die Jah­re 2006 bis 2008 schul­det.
Der am 22.02.1950 ge­bo­re­ne Kläger war in der Zeit vom 01.04.1964 bis zum 31.08.2008 bei der Be­klag­ten bzw. de­ren Rechts­vorgänge­rin als Schlos­ser beschäftigt. Aus­weis­lich der Ent­gel­tab­rech­nung für den Mo­nat Fe­bru­ar 2002 er­hielt er zu die­ser Zeit ein Mo­nats­ent­gelt von 2.651,48 € brut­to. Auf das Ar­beits­verhält­nis der Par­tei­en fan­den die Ta­rif­verträge für die Me­tall- und Elek­tro­in­dus­trie Nord­rhein-West­fa­len An­wen­dung. Da­nach beträgt der ta­rif­li­che Ur­laubs­an­spruch jähr­lich 30 Ar­beits­ta­ge.
Am 23.01.2002 er­litt der Kläger ei­nen Herz­in­farkt. In der Zeit vom 26.02. bis 16.04.2002 un­ter­zog er sich ei­ner Re­ha-Maßnah­me, aus der er ar­beits­unfähig ent­las­sen wur­de. Seit dem Jah­re 2002 ist der Kläger schwer­be­hin­dert. In der Zeit vom 17.04.2002 bis zum 30.09.2003 be­zog der Kläger Kran­ken­geld in Höhe von 1.871,40 € mo­nat­lich. Ab dem 01.10.2003 wur­de ihm ei­ne Ren­te we­gen vol­ler Er­werbs­min­de­rung in Höhe von mo­nat­lich 1.420,91 € je­weils be­fris­tet be­wil­ligt. Außer­dem er­hielt er auf sei­nen An­trag ei­ne In­va­li­den­ren­te gemäß der Ru­he­geld­ord­nung der Fir­ma H1 und K1 AG vom 30.11.1959 in Höhe von 78,39 € brut­to mo­nat­lich.
Am 25.08.2008 ver­ein­bar­ten die Par­tei­en die Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses mit Ab­lauf des 31.08.2008. Die Auf­he­bungs­ver­ein­ba­rung hat den fol­gen­den Wort­laut:
„1. Es be­steht Ei­nig­keit zwi­schen den Par­tei­en, dass das Ar­beits­verhält­nis auf Ver­an­las­sung von K2 aus ge­sund­heit­li­chen Gründen mit Ab­lauf des 31.08.2008 sein En­de fin­den wird, da Herr S1 sei­ne Tätig­keit als Schlos­ser nicht mehr ausüben kann. Die Par­tei­en sind sich darüber ei­nig, dass ein
- 3 - an­de­rer Ar­beits­platz, auf dem Herr S1 oh­ne Gefähr­dung sei­ner Ge­sund­heit beschäftigt wer­den könn­te, nicht vor­han­den ist.
2. Das Ar­beits­verhält­nis wird bis zu sei­ner Be­en­di­gung gemäß den be­ste­hen­den ver­trag­li­chen Ver­ein­ba­run­gen und den ge­setz­li­chen bzw. ta­rif­li­chen Vor­schrif­ten ab­ge­wi­ckelt.
3. Zur Auf­recht­er­hal­tung un­gekürz­ter Ansprüche auf Ar­beits­lo­sen­geld ist Herr S1 ver­pflich­tet, sich un­verzüglich nach Ab­schluss die­ses Auf­he­bungs­ver­tra­ges persönlich beimAr­beits­amt ar­beits­su­chend zu mel­den.
4. Mit Erfüllung die­ser Ver­ein­ba­rung sind al­le ge­gen­sei­ti­gen Ansprüche aus und in Ver­bin­dung mit dem Ar­beits­verhält­nis und sei­ner Be­en­di­gung sei­en sie be­kannt oder nicht be­kannt, gleich aus wel­chem Rechts­grund, er­le­digt. Rech­te ge­gen die be­trieb­li­chen Al­ters­ver­sor­gungs­ein­rich­tun­gen blei­ben da­von un­berührt."
Mit sei­ner am 18.03.2009 beim Ar­beits­ge­richt Dort­mund ein­ge­gan­ge­nen Kla­ge ver­folgt der Kläger ei­nen An­spruch auf Ab­gel­tung des Ur­laubs für die Jah­re 2006, 2007 und 2008, wo­bei er von je­weils 35 Ar­beits­ta­gen aus­ge­gan­gen ist. Sei­nen Ta­ges­ver­dienst hat er mit 87,26 € be­rech­net und ins­ge­samt ei­nen An­spruch von 9.162,30 € brut­to gel­tend ge­macht.
Der Kläger hat sich auf die Recht­spre­chung des Eu­ropäischen Ge­richts­ho­fes und des Bun­des­ar­beits­ge­richts be­ru­fen, wo­nach bei Ar­beits­unfähig­keit ein Ur­laubs­an­spruch nicht ver­fal­le.
die Be­klag­te zu ver­ur­tei­len, an ihn 9.162,30 € brut­to nebst Zin­sen in Höhe von 5 Pro­zent­punk­ten über dem Ba­sis­zins­satz der EZB seit Rechtshängig­keit zu zah­len.
Sie hat die An­sicht ver­tre­ten, der Kläger ha­be für den Zeit­raum vom 01.10.2003 bis zu sei­nem Aus­schei­den, dem 31.08.2008 kei­nen Ur­laubs­an­spruch er­wor­ben, da die Par­tei­en auf­grund des An­tra­ges des Klägers auf In­va­li­den­ren­te kon­klu­dent das
- 4 - Ru­hen des Ar­beits­verhält­nis­ses ver­ein­bart hätten. Außer­dem hat sie sich auf ei­nen Ver­fall sämt­li­cher Ur­laubs­ansprüche des Klägers auf­grund der ta­rif­li­chen Aus­schluss­fris­ten be­zo­gen. Im Übri­gen sei der Ur­laubs­an­spruch von der Aus­gleichs­klau­sel in der Ver­ein­ba­rung vom 25.08.2008 er­fasst.
Durch Ur­teil vom 20.08.2009, auf das zur wei­te­ren Dar­stel­lung des erst­in­stanz­li­chen Sach- und Streit­stands Be­zug ge­nom­men wird, hat das Ar­beits­ge­richt der Kla­ge in Höhe ei­nes Be­tra­ges von 6.544,80 € brut­to nebst Zin­sen statt­ge­ge­ben und sie im Übri­gen ab­ge­wie­sen. Zur Be­gründung hat es aus­geführt, der Kläger könne für die Jah­re 2006 bis 2008 ei­ne Ab­gel­tung des ge­setz­li­chen Min­des­t­ur­laubs­an­spruchs von ins­ge­samt 75 Ur­laubs­ta­gen ver­lan­gen, nicht je­doch den ta­rif­ver­trag­li­chen Mehr­ur­laub. Die­ser wer­de von der ta­rif­ver­trag­li­chen Aus­schluss­frist des § 19 Abs. 2 a des ein­heit­li­chen Man­tel­ta­rif­ver­tra­ges für die Me­tall- und Elek­tro­in­dus­trie Nord­rhein-West­fa­len (EMTV) er­fasst. Dies gel­te je­doch nicht für den ge­setz­li­chen Ur­laubs­an­spruch, denn die­ser sei gemäß §§ 1, 3 Abs. 1, 13 Abs. 1 BUrlG un­ab­ding­bar und un­ter­lie­ge auch als Ab­gel­tungs­an­spruch nicht den Aus­schluss­fris­ten. Die­se sei­en ent­spre­chend der Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts in­so­weit un­wirk­sam. We­gen der Un­ab­ding­bar­keit ha­be der Ur­laubs­ab­gel­tungs­an­spruch auch nicht von der Aus­gleichs­klau­sel in Zif­fer 4 der Ver­ein­ba­rung vom 25.08.2008 er­fasst wer­den können. Die Be­klag­te könne auch nicht ein­wen­den, dass der ge­setz­li­che Ur­laubs­an­spruch des Klägers des­halb nicht be­ste­he, weil das Ar­beits­verhält­nis der Par­tei­en ab Be­zug der Er­werbs­unfähig­keits­ren­te ge­ruht ha­be. Das Ru­hen des Ar­beits­verhält­nis­ses tre­te nicht kraft Ge­set­zes ein. Auch wenn der Kläger ei­nen An­trag auf In­va­li­den­ren­te ge­stellt ha­be, könne aus der Ein­stel­lung der Ar­beit nicht oh­ne wei­te­res auf ei­ne Ru­hens­ver­ein­ba­rung ge­schlos­sen wer­den.
Ge­gen die­ses ihr am 28.08.2009 zu­ge­stell­te Ur­teil hat die Be­klag­te am 14.09.2009 Be­ru­fung ein­ge­legt und die­se am 27.10.2009 be­gründet. Die Be­ru­fungs­be­gründung ist dem Kläger am 05.11.2009 zu­ge­stellt wor­den. Er hat mit ei­nem am 12.02.2010 beim Lan­des­ar­beits­ge­richt ein­ge­gan­ge­nen Schrift­satz An­schluss­be­ru­fung ein­ge­legt, die­se in der münd­li­chen Ver­hand­lung vor dem Lan­des­ar­beits­ge­richt je­doch wie­der zurück­ge­nom­men.
- 5 - Die Be­klag­te be­ruft sich dar­auf, dass je­den­falls der Ur­laubs­an­spruch für das Jahr 2006 auch im Fal­le der Ar­beits­unfähig­keit des Klägers spätes­tens am 31.03.2008 gemäß § 11 Abs. 1 Abs. 3 EMTV we­gen des Ab­laufs des Über­tra­gungs­zeit­raums er­lo­schen sei. Es über­zeu­ge außer­dem nicht, dass die Aus­gleichs- und Ver­fall­klau­sel in Zif­fer 4 der Ver­ein­ba­rung vom 25.04.2008 nicht den ge­setz­li­chen Ur­laubs­an­spruch er­fas­se, da die­ser un­ab­ding­bar sei. Sch­ließlich sei­en die Aus­schluss­fris­ten nach dem Ta­rif­ver­trag an­wend­bar. Der Kläger ha­be sei­nen An­spruch nicht in­ner­halb der Frist von drei Mo­na­ten seit Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses gel­tend ge­macht. Dies sei im vor­lie­gen­den Fall auch nicht ent­behr­lich ge­we­sen.
das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts Dort­mund vom 20.08.2009, 4 Ca 1334/09, ab­zuändern und die Kla­ge ins­ge­samt ab­zu­wei­sen.
Er ver­tei­digt das an­ge­grif­fe­ne Ur­teil und trägt im Übri­gen vor, dass er bei Ab­schluss der Auf­he­bungs­ver­ein­ba­rung an Ur­laub nicht ge­dacht ha­be.
We­gen der wei­te­ren Ein­zel­hei­ten des Vor­brin­gens der Par­tei­en im Be­ru­fungs­ver­fah­ren wird auf die zwi­schen ih­nen ge­wech­sel­ten Schriftsätze nebst An­la­gen ver­wie­sen.
Die Kam­mer hat durch Be­schluss vom 15.04.2010 das Ver­fah­ren aus­ge­setzt und den Ge­richts­hof der Eu­ropäischen Ge­mein­schaft um Vor­ab­ent­schei­dung er­sucht. Durch Ur­teil vom 22.11.2011 in der Rechts­sa­che C-214/10 hat der Ge­richts­hof (Große Kam­mer) für Recht er­kannt:
Art. 7 Abs. 1 der Richt­li­nie 2003/88/EG des Eu­ropäischen Par­la­ments und des Ra­tes vom 04. No­vem­ber 2003 über be­stimm­te As­pek­te der Ar­beits­zeit­ge­stal­tung ist da­hin aus­zu­le­gen, dass er ein­zel­staat­li­chen Rechts­vor­schrif­ten oder Ge­pflo­gen­hei­ten wie et­wa Ta­rif­verträgen nicht ent­ge­gen­steht, die die Möglich­keit für ei­nen während
- 6 - meh­re­rer Be­zugs­zeiträume in Fol­ge ar­beits­unfähi­gen Ar­beit­neh­mer, Ansprüche auf be­zahl­ten Jah­res­ur­laub an­zu­sam­meln, da­durch ein­schränken, dass sie ei­nen Über­tra­gungs­zeit­raum von 15 Mo­na­ten vor­se­hen, nach des­sen Ab­lauf der An­spruch auf be­zahl­ten Jah­res­ur­laub er­lischt.
Die zulässi­ge Be­ru­fung der Be­klag­ten ist teil­wei­se be­gründet.
Der Kläger kann Ur­laubs­ab­gel­tung für aus den Jah­ren 2007 und 2008 herrühren­de Ur­laubs­ansprüche ver­lan­gen, nicht je­doch für Ur­laubs­ansprüche, die im Jah­re 2006 ent­stan­den sind.
Ur­laubs­ansprüche des Jah­res 2006 sind gemäß § 11 Abs. 1 Un­terabs. 3 EMTV NRW er­lo­schen.
Nach § 11 Abs. 1 Un­terabs. 1 EMTV ist Ur­laubs­jahr das Ka­len­der­jahr. Die­ser Ur­laubs­an­spruch er­lischt, wie Un­terabs. 2 be­stimmt, drei Mo­na­te nach Ab­lauf des Ka­len­der­jah­res. Hier­von sieht Un­terabs. 2 für den Fall, dass der Ur­laub we­gen Krank­heit nicht ge­nom­men wer­den konn­te, ei­ne Aus­nah­me vor. Die Frist für das Erlöschen des Ur­laubs­an­spruchs verlängert sich um 12 Mo­na­te nach Ab­lauf des Über­tra­gungs­zeit­raums von drei Mo­na­ten nach Abs. 2. Ein Ur­laub, der we­gen Krank­heit nicht ge­nom­men wer­den konn­te, muss dem­nach bis zum 31.03. des Fol­ge­jah­res ge­nom­men wer­den.
Der Kläger war im gan­zen Jahr 2006 bis zur Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses am 31.08.2008 durch­ge­hend ar­beits­unfähig krank. Zwi­schen den Par­tei­en ist nun­mehr un­strei­tig, dass ei­ne Ar­beits­unfähig­keit des Klägers vor­lag. Sein im Jah­re
- 7 - 2006 be­gründe­ter Ur­laubs­an­spruch ist ent­spre­chend der ta­rif­li­chen Re­ge­lung am 31.03.2008 er­lo­schen.
Eu­ro­pa­recht­li­che Be­den­ken ste­hen dem Erlöschen des Ur­laubs­an­spruchs nicht ent­ge­gen. Nach der Vor­ab­ent­schei­dung des Eu­ropäischen Ge­richts­ho­fes im Ur­teil vom 22.11.2011 ist Art. 7 Abs. 1 der Richt­li­nie 2003/88/EG da­hin aus­zu­le­gen, dass er ein­zel­staat­li­chen Rechts­vor­schrif­ten oder Ge­pflo­gen­hei­ten wie et­wa Ta­rif­verträgen nicht ent­ge­gen­steht, die die Möglich­keit für ei­nen während meh­re­rer Be­zugs­zeiträume in Fol­ge ar­beits­unfähi­gen Ar­beit­neh­mer, Ansprüche auf be­zahl­ten Jah­res­ur­laub an­zu­sam­meln, da­durch ein­schränken, dass sie ei­nen Über­tra­gungs­zeit­raum von 15 Mo­na­ten vor­se­hen, nach des­sen Ab­lauf der An­spruch auf be­zahl­ten Jah­res­ur­laub er­lischt. Die­se im vor­lie­gen­den Rechts­streit er­gan­ge­ne Ent­schei­dung ist für das Ge­richt bin­dend. Sie führt da­zu, dass der Kläger, der we­gen sei­ner Ar­beits­unfähig­keit über meh­re­re Jah­re bis zu sei­nem Aus­schei­den Ur­laubs­ansprüche an­ge­sam­melt hat, sei­nen Ab­gel­tungs­an­spruch nicht auf den Ur­laub des Jah­res 2006 stützen kann.
Je­doch kann der Kläger gemäß § 11 Abs. 3 EMTV i.V.m. § 7 Abs. 4 BUrlG die Ab­gel­tung sei­nes aus den Jah­ren 2007 und 2008 herrühren­den Ur­laubs­an­spruchs ver­lan­gen.
1) Der den Ab­gel­tungs­an­spruch des Klägers be­gründen­de Ur­laubs­an­spruch der Jah­re 2007 und 2008 ist ent­stan­den. Das Ar­beits­ge­richt ist zu Recht da­von aus­ge­gan­gen, dass das Ar­beits­verhält­nis nicht des­halb ge­ruht hat, weil der Kläger auf sei­nen An­trag hin ab dem Jah­re 2003 auf­grund der auf sein Ar­beits­verhält­nis An­wen­dung fin­den­den Ru­he­geld­ord­nung für Be­triebs­an­gehöri­ge der Fir­ma H1 und K1 AG vom 30.11.1989 in Höhe von mo­nat­lich 78,39 € brut­to In­va­li­den­ren­te be­zo­gen hat.
- 8 - Zwar kann bei Be­zug ei­ner Er­werbs­unfähig­keits­ren­te auf Zeit an­ders als bei durch Er­kran­kung be­ding­ter Ar­beits­unfähig­keit ein Ru­hen­stat­be­stand vor­lie­gen. Die­ser tritt je­doch nicht au­to­ma­tisch ein, son­dern be­darf der Ver­ein­ba­rung der Ar­beits­ver­trags­par­tei­en, die auch kon­klu­dent ge­schlos­sen wer­den kann. Ge­gen­stand der Ru­hens­ver­ein­ba­rung ist die Su­s­pen­die­rung der wech­sel­sei­ti­gen Haupt­pflich­ten und der Fort­be­stand der Ne­ben­pflich­ten. Aus der tatsächli­chen Ein­stel­lung der wech­sel­sei­ti­gen Haupt­pflich­ten kann nicht oh­ne wei­te­res auf ein ver­ein­bar­tes Ru­hen des Ar­beits­verhält­nis­ses der Par­tei­en ge­schlos­sen wer­den (so BAG vom 07.06.1990, 6 AZR 52/89, NZA 1990, 993).
Der vor­lie­gen­de Fall weist je­doch die Be­son­der­heit auf, dass der Kläger nicht nur sei­ne Ar­beit ein­ge­stellt hat, son­dern darüber hin­aus ei­nen An­trag auf Gewährung der In­va­li­den­ren­te nach der für ihn gel­ten­den be­trieb­li­chen Ru­he­geld­ord­nung ge­stellt hat. In den Fällen, in de­nen Ar­beit­neh­mer, die aus ge­sund­heit­li­chen Gründen nicht in der La­ge sind, die ge­schul­de­te Ar­beits­leis­tung zu er­brin­gen und Ar­beits­lo­sen­geld be­an­tra­gen, nach­dem der Be­zug des Kran­ken­gel­des we­gen Ab­lauf des Be­fris­tungs­zeit­raums nach § 48 SGB V aus­ge­lau­fen ist, ist zwar an­er­kannt, dass ei­ne kon­klu­den­te Ru­hens­ver­ein­ba­rung vor­liegt, wenn der Ar­beit­neh­mer dem Ar­beit­ge­ber ei­ne Be­schei­ni­gung nach § 312 SGB III vor­legt (BAG vom 14.03.2006, 9 AZR 312/05, NZA 2006, 1232 m.w.N.). In­dem der Ar­beit­ge­ber die­se zur Vor­la­ge bei der Agen­tur für Ar­beit be­stimm­te Be­schei­ni­gung ausfüllt, nimmt er das An­ge­bot des Ar­beit­neh­mers, das Ru­hen des Ar­beits­verhält­nis­ses zu ver­ein­ba­ren, an. Im Er­geb­nis ver­zich­tet er auf die Ausübung des Di­rek­ti­ons­rechts. Da­mit sind die wech­sel­sei­ti­gen Haupt­pflich­ten aus dem Ar­beits­verhält­nis, nämlich die Pflicht des Ar­beit­neh­mers zur Ar­beits­leis­tung und die Pflicht des Ar­beit­ge­bers zur Zah­lung der ver­ein­bar­ten Vergütung sus­pen­diert. Hier­von un­ter­schei­det sich der vor­lie­gen­de Sach­ver­halt je­doch. Die In­va­li­den­ren­te erfüllt nach der Le­gal­de­fi­ni­ti­on in § 1 Abs. 1 Satz 1 Be­trAVG ei­nen Ver­sor­gungs­zweck, der der Ab­si­che­rung im Fall u.a. der In­va­li­dität dient. In die­sem Fall ist sie da­zu be­stimmt, den Ein­kom­mens­aus­fall zu­min­dest zum Teil aus­zu­glei­chen, der sich dar­aus er­gibt, dass ein Ar­beit­neh­mer in Fol­ge ge­sund­heit­lich be­ding­ter Min­de­rung sei­ner Er­werbsfähig­keit auf nicht ab­seh­ba­re Zeit nicht mehr oder in re­du­zier­tem Um­fang zu ei­ner Er­werbstätig­keit in der La­ge ist. Schon der Um­stand, dass sie auch die Fälle teil­wei­ser Er­werbs­min­de­rung er­fasst (vgl. zu­letzt BAG vom 11.10.2011, 3 AZR 795/09, ju­ris m.w.N.), lässt er­ken­nen, dass
- 9 - der An­trag auf In­va­li­den­ren­te sich nicht auf die Haupt­leis­tungs­pflich­ten aus dem Ar­beits­verhält­nis be­zieht. Im Fal­le der Ren­te we­gen teil­wei­ser Er­werbs­min­de­rung ist ge­ra­de nicht aus­ge­schlos­sen, dass der Ar­beit­neh­mer sei­ner Ar­beit wei­ter nach­geht, wenn auch un­ter veränder­ten Be­din­gun­gen. Der An­trag auf In­va­li­den­ren­te hat da­mit le­dig­lich zum Ge­gen­stand, in den Ge­nuss ei­ner vom Ar­beit­ge­ber zu­ge­sag­ten Ver­sor­gungs­leis­tung zu ge­lan­gen.
2) Der Ur­laubs­an­spruch des Klägers ist nicht we­gen Ab­laufs des Über­tra­gungs­zeit­raums er­lo­schen. Der Über­tra­gungs­zeit­raum so­wohl des Ur­laubs aus dem Jah­re 2007 als auch der des Jah­res 2008 lief erst nach Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses ab.
Nach der neue­ren Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts kommt es nicht mehr dar­auf an, ob die Ar­beits­unfähig­keit des Ar­beit­neh­mers auch über das En­de des Über­tra­gungs­zeit­raums hin­aus fort­dau­ert. Der ge­setz­li­che Min­des­t­ur­laub ist bei Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses un­abhängig von der Erfüll­bar­keit des Frei­stel­lungs­an­spruchs in ei­nem ge­dacht fort­be­ste­hen­den Ar­beits­verhält­nis nach § 7 Abs. 4 BUrlG ab­zu­gel­ten. Der Ur­laubs­ab­gel­tungs­an­spruch stellt bei an­dau­ern­der Ar­beits­unfähig­keit ei­ne auf ei­ne fi­nan­zi­el­le Vergütung im Sin­ne von Art. 7 Abs. 2 der Ar­beits­zeit­richt­li­nie ge­rich­te­te rei­ne Geld­for­de­rung dar. Er ist auch im Fall der an­dau­ern­den Ar­beits­unfähig­keit nicht mehr be­fris­tet. Während un­ter Gel­tung der Sur­ro­gats­theo­rie der Ur­laubs­ab­gel­tungs­an­spruch nur erfüll­bar und da­mit fällig wur­de, so­weit der Ar­beit­neh­mer spätes­tens vor dem Ab­lauf der Über­tra­gungs­dau­er sei­ne Ar­beitsfähig­keit wie­der er­lang­te, hat nach der Auf­ga­be der Theo­rie der Ab­lauf des Be­zugs- bzw. Über­tra­gungs­zeit­raums kei­ne recht­li­che Be­deu­tung mehr. Als rei­ner Geld­an­spruch ent­steht der Ab­gel­tungs­an­spruch mit der Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses (vgl. BAG vom 09.08.2011, 9 AZR 365/10, NZA 2011, 1421, 1423 m.w.N.).
3) Dem An­spruch des Klägers auf Ur­laubs­ab­gel­tung steht auch die un­ter Zif­fer 4 der Auf­he­bungs­ver­ein­ba­rung vom 25.08.2008 ge­trof­fe­ne große Aus­gleichs­klau­sel nicht ent­ge­gen. Die­se er­fasst, wie sich aus Zif­fer 2 er­gibt, die streit­ge­genständ­li­che For­de­rung nicht. Nach Nr. 2 wird das Ar­beits­verhält­nis bis zu sei­ner Be­en­di­gung gemäß den be­ste­hen­den ver­trag­li­chen Ver­ein­ba­run­gen und den ge­setz­li­chen bzw.
- 10 - ta­rif­li­chen Vor­schrif­ten ab­ge­wi­ckelt. Mit sei­ner vor­lie­gen­den Kla­ge ver­folgt der Kläger ei­nen sol­chen ge­setz­li­chen An­spruch.
4) Der An­spruch des Klägers ist nicht gemäß § 19 Nr. 2 b, Nr. 4 EMTV ver­fal­len.
Da­nach ha­ben Beschäftig­te das Recht, Ansprüche aus dem Ar­beits­verhält­nis in­ner­halb von drei Mo­na­ten nach ih­rer Fällig­keit gel­tend zu ma­chen. Ansprüche, die nicht in­ner­halb die­ser Frist gel­tend ge­macht wer­den, sind aus­ge­schlos­sen, es sei denn, dass An­spruchs­be­rech­tig­te trotz An­wen­dung al­ler nach La­ge der Umstände zu­zu­mu­ten­den Sorg­falt ver­hin­dert wa­ren, die­se Fris­ten ein­zu­hal­ten.
a) Der An­spruch auf Ab­gel­tung des nach lang­an­dau­ern­der Ar­beits­unfähig­keit be­ste­hen­den ge­setz­li­chen Min­des­t­ur­laubs kann nach geänder­ter Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts auf­grund ta­rif­li­cher Aus­schluss­fris­ten ver­fal­len. Er un­ter­schei­det sich nicht mehr von sons­ti­gen Ent­gelt­ansprüchen aus dem Ar­beits­verhält­nis und un­terfällt des­halb den Be­din­gun­gen, die nach dem an­wend­ba­ren Ta­rif­ver­trag für die Gel­tend­ma­chung von Geld­ansprüchen vor­ge­schrie­ben sind. Das ist mit Art. 7 Abs. 2 der Ar­beits­zeit­richt­li­nie und den hier­zu vom Eu­ropäischen Ge­richts­hof auf­ge­stell­ten Grundsätzen ver­ein­bar. Die­se ste­hen grundsätz­lich ei­ner na­tio­na­len Re­ge­lung nicht ent­ge­gen, wo­nach die Be­ach­tung von Mo­da­litäten der In­an­spruch­nah­me da­zu führt, dass der An­spruch auf Ab­gel­tung des Ur­laubs am En­de ei­nes Be­zugs­zeit­raums oder ei­nes Über­tra­gungs­zeit­rau­mes un­ter­geht. Der Ar­beit­neh­mer muss nur tatsächlich die Möglich­keit ha­ben, den ihm mit der Ar­beits­zeit­richt­li­nie ver­lie­he­nen An­spruch aus­zuüben (vgl. BAG vom 09.08.2011, 9 AZR 365/10, a.a.O.).
b) Der Kläger hat die ta­rif­li­che Aus­schluss­frist des § 19 Nr. 2 b EMTV nicht ein­ge­hal­ten. Das Ar­beits­verhält­nis en­de­te am 31.08.2008, erst­ma­lig mit der der Be­klag­ten am 23.03.2009 zu­ge­stell­ten Kla­ge hat der Kläger ihr ge­genüber sei­ne Ansprüche gel­tend ge­macht. Zu die­sem Zeit­punkt war die drei­mo­na­ti­ge Aus­schluss­frist be­reits ab­ge­lau­fen. Der Ur­laubs­ab­gel­tungs­an­spruch war zum Zeit­punkt der Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses nicht nur ent­stan­den, son­dern nach § 271 BGB fällig (BAG vom 09.08.2011, 9 AZR 365/10, a.a.O., Rn. 18 m.w.N.).
- 11 - c) Auch wenn der Kläger da­nach die ta­rif­li­che Aus­schluss­frist nicht ein­ge­hal­ten hat, so ist sein An­spruch den­noch nicht aus­ge­schlos­sen, weil er trotz An­wen­dung al­ler nach La­ge der Umstände zu­zu­mu­ten­den Sorg­falt – ob­jek­tiv – ver­hin­dert war, sei­nen Ur­laubs­ab­gel­tungs­an­spruch frist­ge­recht gel­tend zu ma­chen.
aa) Im Zu­sam­men­hang mit der Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses hat der Kläger, wie er in der münd­li­chen Ver­hand­lung vor dem Be­ru­fungs­ge­richt erklärt hat, nicht an Ur­laub ge­dacht und in­so­weit nichts un­ter­nom­men.
bb) Frei­lich hätte der Kläger die ta­rif­li­che Aus­schluss­frist durch ei­ne ein­fa­che münd­li­che Gel­tend­ma­chung wah­ren können. In­so­weit wa­ren le­dig­lich ge­rin­ge, leicht zu erfüllen­de An­for­de­run­gen zu be­ach­ten. An­de­rer­seits be­sagt ei­ne „Gel­tend­ma­chung" nichts an­de­res, als dass die Ge­gen­sei­te auf­zu­for­dern ist, den nach Grad und Höhe zu kenn­zeich­nen­den An­spruch zu erfüllen. Ei­ne sol­che Zah­lungs­auf­for­de­rung wäre an­ge­sichts der ge­fes­tig­ten Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts zum Ver­fall von Ur­laubs­ansprüchen lang­fris­tig er­krank­ter Ar­beit­neh­mer je­doch ins Lee­re ge­lau­fen. Hier­an hätte auch der Vor­la­ge­be­schluss des Lan­des­ar­beits­ge­richts Düssel­dorf vom 02.08.2006 in der Sa­che Schultz-Hoff nichts geändert, könn­te über­haupt da­von aus­ge­gan­gen wer­den, dass er dem Kläger oder der Be­klag­ten be­kannt ge­we­sen wäre. In­so­weit geht es vor­lie­gend nicht dar­um, ob der Kläger im Hin­blick auf die Versäum­ung der ta­rif­li­chen Aus­schluss­frist Ver­trau­ens­schutz in An­spruch neh­men kann, son­dern um die Fra­ge, ob die Vor­aus­set­zun­gen des Ta­rif­ver­tra­ges für den Ver­fall des An­spruchs vor­lie­gen. Der Maßstab des Ta­rif­ver­tra­ges ist ein an­de­rer als der all­ge­mei­ner Ver­trau­ens­schutz­erwägun­gen oder auch der der höhe­ren Ge­walt nach § 206 BGB, der als all­ge­mein gülti­ges Recht­s­prin­zip auch auf ta­rif­li­che Aus­schluss­fris­ten an­ge­wandt wird (vgl. BAG vom 09.08.2011, 9 AZR 365/10, a.a.O., Rn. 34).
cc) Hätte der Kläger al­le nach La­ge der Umstände ihm zu­zu­mu­ten­den Sorg­falt auf­ge­wandt, so hätte er sich nach Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses bis zum Ab­lauf der Aus­schluss­frist am 30.11.2008 ju­ris­tisch mit dem Er­geb­nis be­ra­ten las­sen, dass nach ge­fes­tig­ter Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts in sei­nem Fall, wenn er nicht bis zum Ab­lauf des Über­tra­gungs­zeit­raums wie­der ar­beitsfähig würde, sein Ab­gel­tungs­an­spruch ver­fie­le. Im Hin­blick auf den Vor­la­ge­be­schluss des
- 12 - Lan­des­ar­beits­ge­richts Düssel­dorf vom 02.08.2006 in der Sa­che Schultz-Hoff hätte ein fach­kun­di­ger Be­ra­ter dar­auf hin­ge­wie­sen, dass aus eu­ro­pa­recht­li­chen Gründen mögli­cher­wei­se an die­ser Recht­spre­chung nicht fest­ge­hal­ten wer­den könn­te. Er hätte zu dem Zeit­punkt ei­nes mögli­chen Be­ra­tungs­gesprächs es je­doch für unnötig ge­hal­ten, dass der Kläger sei­ne Ansprüche – vor­sorg­lich – gel­tend macht, weil er des Wei­te­ren von der eben­falls ge­fes­tig­ten Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts, dass ta­rif­li­che Aus­schluss­fris­ten auf Ur­laubs­ab­gel­tungs­ansprüche kei­ne An­wen­dung fin­den, aus­ge­gan­gen wäre. Zum Zeit­punkt ei­ner sol­chen mögli­chen Be­ra­tung wur­de ei­ne sol­che Wei­te­rung der sich aus der Ent­schei­dung des Eu­ropäischen Ge­richts­hofs in dem Vor­la­ge­ver­fah­ren des Lan­des­ar­beits­ge­richts Düssel­dorf er­ge­ben­den Kon­se­quen­zen, so­weit er­sicht­lich, in kei­ner Wei­se dis­ku­tiert.
Selbst nach der Ent­schei­dung des Eu­ropäischen Ge­richts­ho­fes vom 20.01.2009 und der sich dar­an an­sch­ließen­den Recht­spre­chungsände­rung des Bun­des­ar­beits­ge­richts durch Ur­teil vom 24.03.2009 (9 AZR 983/07, NZA 2009, 538) ist die Kon­se­quenz der An­wen­dung ta­rif­li­cher Aus­schluss­fris­ten erst mit Ver­spätung erörtert wor­den. Im vor­lie­gen­den Ver­fah­ren, wie auch in zahl­rei­chen an­de­ren vor der Fach­kam­mer des Lan­des­ar­beits­ge­richts Hamm geführ­ten Rechts­strei­ten hat das Ar­beits­ge­richt die An­wen­dung ta­rif­li­cher Aus­schluss­fris­ten in der Fol­ge­zeit ab­ge­lehnt. Das Bun­des­ar­beits­ge­richt hat zwar – oh­ne wei­te­re Be­gründung – in sei­ner Ent­schei­dung vom 09.08.2011 (9 AZR 365/10, a.a.O., Rn. 31) aus­geführt, dass Ver­trau­ens­schutz auch nicht im Hin­blick auf die Recht­spre­chungs­grundsätze zum Nicht­ein­grei­fen von ta­rif­li­chen Aus­schluss­fris­ten gel­te. Hier­auf kommt es vor­lie­gend je­doch nicht an, denn, wie be­reits aus­geführt, geht es um die Vor­aus­set­zun­gen ei­ner ta­rif­li­chen Aus­schluss­klau­sel, die die An­for­de­run­gen ge­genüber an­de­ren weit ver­brei­te­ten Aus­schluss­fris­ten senkt.
dd) Un­ter den Vor­aus­set­zun­gen der in § 19 Nr. 4 EMTV be­stimm­ten Ein­schränkun­gen war der Kläger – wie es für den in­fra­ge ste­hen­den Zeit­punkt auch für an­de­re dem Ta­rif­ver­trag un­ter­fal­len­de Ar­beit­neh­mer gilt – trotz An­wen­dung al­ler nach La­ge der Umstände zu­zu­mu­ten­den Sorg­falt ver­hin­dert, die Aus­schluss­frist ein­zu­hal­ten. Nach Be­kannt­wer­den der Ent­schei­dung des Eu­ropäischen Ge­richts­ho­fes vom 20.01.2009 hat der Kläger mit sei­ner der Be­klag­ten am
- 13 - 23.03.2009 zu­ge­stell­ten Kla­ge die Drei­mo­nats­frist ge­wahrt. Da­mit kommt es nicht dar­auf an, ob die Aus­schluss­frist über­haupt noch an­wend­bar war.
1. Rechts­anwälte,2. Ge­werk­schaf­ten und Ver­ei­ni­gun­gen von Ar­beit­ge­bern so­wie Zu­sam­men­schlüsse sol­cher Verbände für ih­re Mit­glie­der oder für an­de­re
- 14 - Verbände oder Zu­sam­men­schlüsse mit ver­gleich­ba­rer Aus­rich­tung und de­ren Mit­glie­der,3. Ju­ris­ti­sche Per­so­nen, de­ren An­tei­le sämt­lich im wirt­schaft­li­chen Ei­gen­tum ei­ner der in Num­mer 2 be­zeich­ne­ten Or­ga­ni­sa­tio­nen ste­hen, wenn die ju­ris­ti­sche Per­son aus­sch­ließlich die Rechts­be­ra­tung und Pro­zess­ver­tre­tung die­ser Or­ga­ni­sa­ti­on und ih­rer Mit­glie­der oder an­de­rer Verbände oder Zu­sam­men­schlüsse mit ver­gleich­ba­rer Aus­rich­tung und de­ren Mit­glie­der ent­spre­chend de­ren Sat­zung durchführt und wenn die Or­ga­ni­sa­ti­on für die Tätig­keit der Be­vollmäch­tig­ten haf­tet.
Hack­mann Heid­mann Herud/Bg.	m.hensche.de
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