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Timestamp: 2019-09-17 06:26:37
Document Index: 44739657

Matched Legal Cases: ['BVerG', 'Art. 126', 'Art. 130', 'Art. 7', 'Art. 7', 'Art. 7', '§ 18', '§4', '§ 18', 'Art. 116', '§ 18', '§ 18', '§ 18']

Die juristische Auseinandersetzung um die Rechtschreibreform (genauer: die durch Beschluß der Kultusministerkonferenz und durch entsprechende Verwaltungsvorschriften der jeweiligen Kultusministerien verordnete Einführung der Neuregelung der deutschen Rechtschreibung in den Schulen) scheint mit der Abweisung einer hiergegen gerichteten Verfassungsbeschwerde durch das BVerfG ein Ende gefunden zu haben. Tatsächlich gilt dies jedoch nur insoweit, als die Gerichte fortan die Einführung der Rechtschreibreform nicht als grundgesetzwidrig behandeln dürfen. Daß die Einführung der Rechtschreibreform – jedenfalls auf der Grundlage bloßer Verwaltungsvorschriften – mit Landes(verfassungs)recht vereinbar wäre, ist damit jedoch noch keineswegs gesagt. Eine eingehende Kritik des Urteils des BVerfG erweist nämlich dessen Fragwürdigkeit, und die Gerichte sind nicht verpflichtet, Begründung und Ergebnis des BVerfG bei der Auslegung der jeweiligen Landesverfassungen und Schulgesetze zu übernehmen.
Zweitens meint das BVerG, selbst eine solche rechtliche Zuordnung schließe eine staatliche Reglementierung nicht aus: „Daß ein Gegenstand dem Staat nicht ‚gehört‘, hindert diesen nicht daran, seinen Gebrauch bestimmten Regeln zu unterwerfen“52. Diese Aussage ist indessen zu allgemein gefaßt. Freilich muß der Umstand, daß ein Gegenstand dem Staat nicht gehört, kein zwingendes Hindernis sein, seinen Gebrauch zu regeln. Ein Rechtfertigungsgrund für eine derartige Regelung ist dieser Umstand aber anderseits gewiß erst recht nicht. Denn daß der Staat alles regeln dürfte, einschließlich solcher Materien, die ihre Entstehung vor- und außerstaatlichen Vorgängen verdanken, kann nicht ernsthaft behauptet werden. Die Beweis- und Argumentationslast für die Zulässigkeit eines Grundrechtseingriffs liegt verfassungsrechtlich allemal beim Staat, und dieser Last wird die bloße Behauptung einer Regelungsbefugnis nicht gerecht. Im übrigen sucht die Rechtschreibreform keineswegs lediglich den „Gebrauch“ der deutschen Sprache zu regeln, sondern sie will deren Inhalt ändern, und die Zulässigkeit eines so gearteten Eingriffs bedarf besonders sorgfältigen Nachweises.
BVerfG, BayVBl. 1998, 626
BVerfG, BayVBl. 1998, 626; BVerfGE 34, 165/183 = BayVBl. 1973, 100; 52, 223/236 = BayVBl. 1980, 336; desgleichen BayVerfGH 38, 16/27 f. = BayVBl. 1986, 77/80; 47, 276/293 = BayVBl. 1995, 173/174; BVerwG, DÖV 1998, 1058/160
BVerfG, BayVBl. 1998, 626; BVerfGE 47, 46/80 = BayVBl. 1978, 303.
Zum Primat des elterlichen Erziehungsrechts vgl. BayVerfGH 7, 9/13; 23, 23/29 = BayVBl. 1970, 284 (Leitsätze); 34, 14/24; Meder, Die Verfassung des Freistaates Bayern, 4. Aufl. 1992, Art. 126 RdNr. 1 a, Art. 130 RdNr. 3.
Gegen einen Rückgriff auf das Schulverständnis der WRV auch BVerfGE 34, 165/183 = BayVBl. 1973, 1973, 100; Lecheler, in: Sachs, GG, 1996, Art. 7 RdNrn. 20 f.
BVerfGE 34, 165/183 = BayVBl. 1973, 100; vgl. BayVerfGH 7, 9/13 f.; 23, 23/29 f.; 47, 276/293 = Bay VBl. 1995, 173/174.
Vgl. hierzu eingehend Roth, Faktische Eingriffe in Freiheit und Eigentum, 1994, S. 481 ff., 512 ff. Die Annahme einer echten „Bereichsabgrenzung“ zwischen Elternrecht und Schule (Lecheler [Fußnote 5], Art. 7 RdNr. 37; ähnlich Gröschner, in: Dreier, GG, 1996, Art. 7 RdNr. 56) überzeugt deswegen nicht.
Vgl. BayVerfGH 34, 14/24; BVerfGE 22, 235/236 f.
Vgl. VG Gelsenkirchen, VR 1997, 353/354; NWVBl. 1997, 479.
Vgl. BVerfG, BayVBl. 1998, 626/630.
BVerfG, BayVBl. 1998, 626/631.
BVerfG, BayVBl. 1998, 626/630 f.
Vgl. BVerfG, BayVBl. 1998, 626/628.
Zur Ablehnung eines Geringfügigkeitsprinzips näher Roth (Fußnote 7), S. 267 f.
Vgl. dazu nur BVerfGE 58, 257/268 = BayVBl. 1982, 146 m.w.N.
Vgl. BVerfG, BayVBl. 1998, 626/629; ebenso OVG Lüneburg, NJW 1997, 3456/3461; Gröschner/Kopke, JuS 1997, 298/299 f.; Kopke, NJW 1996, 1081/1084; a.A. Hufeld, JuS 1996, 1072/1075; Menzel, NJW 1998, 1177/1182; Menzel, RdJB 1998, 36/51.
Zur Unrichtigkeit der Wertung der überkommenen Schreibweisen als „überholt“ vgl. OVG Münster, NJW 1998, 1240/1241.
BVerfG, BayVBl. 1998, 626/628 f.
BVerfG, BayVBl. 1998, 626/628.
Siehe unten V.1
Vgl. VG Berlin, NJW 1998, 1243/1246.
BVerfG, BayVBl. 1998, 626/629 (Hervorhebung durch den Verfasser).
Zur Kritik der Rechtschreibreform nach den Maßstäben der Geeignetheit, Erforderlichkeit und Verhältnismäßigkeit näher Kopke, NJW 1996, 1081/1084 ff.
BVerfG, BayVBl. 1998, 626/627.
BVerfG, BayVBl. 1998, 626/630.
Weshalb das BVerfG „korrekturbedürftige Fehlentwicklungen – etwa im Sinn erschwerter Lehr- und Lernbarkeit –“ der deutschen Sprache nicht auszuschließen können meint (BVerfG, BayVBl. 1998, 626/627), bleibt sein Geheimnis.
Vgl. BVerfG (3. Kammer des 1. Senats), NJW 1996, 2221/2222; OVG Münster, NJW 1998, 1240/1241; VG Berlin, NJW 1998, 1243/1245.
Selbstwidersprüchlich daher auch Schürmann, EWiR 1997, 845/846: „Vereinfachung der bisherigen Schreibweise“.
Vgl. hierzu OVG Bautzen, DÖV 1998, 118/120; OVG Hamburg, VR 1998, 31/32; OVG Schleswig, NJW 1997, 2536/2537; VG Hannover, NJW 1997, 2538/2539; VG Wiesbaden, NJW 1997, 2399/2401; unrichtig daher VG Magdeburg, VR 1998, 30 f.
OVG Münster, NJW 1998, 1240/1241; Löwer, RdJB 1997, 226/227.
OVG Bautzen, DÖV 1998, 118/121; OVG Lüneburg, NJW 1997, 3456/3460; OVG Münster, NJW 1998, 1240/1241; VG Berlin, NJW 1998, 1243/1245; VG Dresden, SächsVBl. 1997, 241/242; VG Gelsenkirchen, VR 1997, 353/354; NWVBl. 1997, 479 f.; VG Wiesbaden, NJW 1997, 2399/2401; 1998, 1246/1248; Löwer, RdJB 1997, 226/227; Schmittmann/Hantke, VR 1997, 357/358.
BVerfG, BayVBl. 1998, 626/627
Vgl. VG Berlin, NJW 1998, 1243/1245; VG Wiesbaden, NJW 1997, 2399/2400 f.; ferner Kopke, JZ 1995, 874/877.
So aber OVG Schleswig, NJW 1997, 2536/2537.
Dies konzediert auch BVerfG, BayVBl. 1998, 626/628
Vgl. hierzu OVG Lüneburg, NJW 1997, 3456/3457 f.
Treffend Wolf, NJW 1997, 3421/3422; vgl. auch VG Gelsenkirchen, VR 1997, 353/354; NWVBl. 1997, 479/481; VG Wiesbaden, NJW 1998, 1246/1249 f.
BVerfG, BayVBl. 1998, 626/630
Götze, in: „Die neue deutsche Rechtschreibung“, Bertelsmann Lexikon Verlag, 1996, S. 21 (Hervorhebungen im Original).
OVG Münster, NJW 1998, 1240/1242.
Daß dies sehr zum Nachteil der Schüler das Erlernen nicht nur der lateinischen und griechischen, sondern sehr wohl auch der englischen und französischen Sprache erschwert, wird bei der Anpreisung der Rechtschreibreform geflissentlich verschwiegen.
OVG Lüneburg, NJW 1997, 3456/3459.
BT.Drs. 13/10183; Im Anschluß an Löwer, RdjB 1997, 226.
Beschluß des Bundestages vom 26. März 1998, BT-Plenarprotokoll 13/224, Seite 20567.
Roelleke, NJW 1997, 2500: „Die Sprache gehört niemandem“.
Vgl. OVG Bautzen, DÖV 1998, 118/119 f.; OVG Lüneburg, NJW 1997, 3456/3459 f.; OVG Hamburg, VR 1998, 31; Wolf, NJW 1997, 3421/3422 f.
BVerfG, BayVBl. 1998, 626/627; ähnlich Menzel, RdJB 1998, 36/49.
so aber Menzel, RdJB 1998, 36/43.
Vgl. hierzu Roth (Fußnote 7), Seite 596.
Löwer, RdjB 1997, 226.
BVerfG, BayVBl. 1998, 626, Leitsatz 1.
Siehe oben II. 2.
Treffend Kirchhof, in: Isensee/Kirchhof, HStR I, 1987, § 18 RdNr. 52; zustimmend OVG Hamburg, VR 1998,31.
BVerfG, BayVBl. 1998, 626/627; ferner OVG Schleswig, NJW 1997, 2536/2537; Hufen, JuS 1998, 1153/1154; Menzel, NJW 1998, 1177/1178; Menzel, RdJB 1998, 36/44 ff.
Vgl. Kopke, JZ 1995, 874/875.
Vgl. hierzu Meder, JZ 1997, 190 ff.
Vgl. Meder, JZ 1997, 190/193; vgl. ferner OVG Schleswig, NJW 1997, 2536/2537.
Meder, JZ 1997, 190/193.
Menzel, NJW 1998, 1177/1178 und RdJB 1998, 36/45.
Zum nicht unbedenklichen Hintergrund dieser Entscheidung vgl. Gröschner/Kopke, JuS 1997, 298/301 f.; Kopke, JZ 1995, 874/879 f.; Menzel, NJW 1998, 1177/1178 f.
Im schleswig-holsteinischen Volksentscheid vom 27. September 1998 sprachen sich 56,4 % der Abstimmenden gegen und nur 29,1 % für die Rechtschreibreform aus; vgl. F.A.Z. von 1998-09-29, S. 10; Frankfurter Rundschau vom 1998-09-29, S. 1.
Anmerkung der rechtschreibreform.de/com-Redaktion:
Zum Volksentscheid standen drei Punkte:
1 Gesetzentwurf der Volksinitiative „Wir gegen die Rechtschreibreform“:
Folgender §4 Abs. 10 wird in das Landeswahlgesetz aufgenommen:
„In den Schulen wird die allgemein übliche Rechtschreibung unterrichtet. Als allgemein üblich gilt die Rechtschreibung, wie sie in der Bevölkerung seit langem anerkannt ist und in der Mehrzahl der lieferbaren Bücher verwendet wird.“ Stimmen Sie diesem Gesetzentwurf zu?
2 Vorlage des Schleswig-Holsteinischen Landtages:
„In den Schulen wird die allgemein übliche deutsche Rechtschreibung unterrichtet. Als allgemein üblich gilt die Rechtschreibung, wie sie in den übrigen Bundesländern der Bundesrepublik Deutschland für die Schulen verbindlich ist.“ Stimmen Sie dieser Vorlage zu?
3 Ablehnung: Ich lehne den Gesetzentwurf der Volksinitiative und die Vorlage des Schleswig-Holsteinischen Landtages ab.
Für Punkt 3 stimmten 14,5% der gültigen Volksentscheidsstimmen
BVerfG, BayVBl. 1998, 626/627 f.; ebenso OVG Schleswig, NJW 1997, 2536/2537
Gröschner, RdJB 1997, 223/225.
Zur Bedeutung der Sprache vgl. Isensee, in: Festschrift zum 180jährigen Bestehen der Carl Heymanns Verlag KG, 1995, DS. 571 ff.; Kirchhof (Fußn. 59), § 18 RdBNrn. 1 ff.; ferner VG Hannover, NJW 1997, 2538/2539; 1998, 1250 ff.
vergl. hierzu etwa BVerwGE 95, 311/320; Kokott, in: Sachs, GG, 1996, Art. 116 RdNr. 6.
Vgl. Kirchhof (Fußnote 59), § 18 RdNr.33.
Kirchhof (Fußnote 59), § 18 RdNr. 45 ff.
Vergl. hierzu auch Jauernig, JZ 1997, 814/815.
OVG Lüneburg, NJW 1997, 3456/3458; zutreffend insoweit auch OVG Schleswig, NJW 1997, 2536/2537; VG Magdeburg, VR 1998, 30/31; ferner Löwer, RdJB 1997, 226/227.
Zur Homogenität des Sprachgebietes Kirchhof (Fußnote 59), § 18 RdNrn. 30 ff.
BVerfG, BayVBl. 1998, 626/628; ebenso OVG Schleswig, NJW 1997, 2536 f.; VG Magdeburg, VR 1998, 30.
Vgl. VG Hannover, NJW 1997, 2538/2540; VG Wiesbaden, NJW 1997, VG Magdeburg, VR 1998, 30.
OVG Bautzen, DÖV 1998, 118/120; OVG Lüneburg, NJW 1997, 3456/3460; OVG Münster, NJW 1998, 1240/1241 f.; VG Berlin, NJW 1998, 1243; VG Dresden, SächsVBl. 1997, 241/242 ff.; VG Hannover, NJW 1998, 1250/1253; VG Wiesbaden, NJW 1997, 2399/2401 f.; 1998, 1246/1248; Gröschner/Kopke, JuS 1997, 298/301; Kissel, NJW 1997, 1097/1101; Kopke, JZ 1995, 874/876 ff.; Kopke, NJW 1996, 1081; Schmittmann/Hantke, VR 1997, 357/358; vergl. ferner OVG Hamburg, VR 1998, 31 f.; VG Gelsenkirchen, VR 1997, 353/355; WVBl. 1997, 479/481.
Vgl. hierzu BVerfG, BayVBl. 1998, 626/628; ferner BVerfGE 49, 89/126 f. = BayVBl. 1979, 174; 95, 267/307 f.
BVerfG, BayVBl. 1998, 626/628; BVerfGE 47, 46/79 = BayVBl. 1978, 303; 83,130/142; 95, 267/308.
Siehe oben II.1.
Vergl. hierzu näher Roth (Fußnote 7), S. 185 ff.
BVerfGE 40, 237/249; 47, 46/78 f. = BayVBl. 1978, 303; 49, 89/126 = BayVBl. 1979, 174; 95, 267/307.
Vgl. Gröschner/Kopke, JuS 1997, 298/301. Das Wesentlichkeitsprinzip hat Bedeutung für die objektivrechtliche Kompetenzverteilung zwischen Exekutive und Legislative. Auf eine diesbezügliche Kompetenzverletzung kann sich jeder von einem Eingriff in seine Grundrechte Betroffene berufen (vgl. hierzu Roth [Fußnote7],Seite 563). Der Einwand von Menzel, NJW 1998, 1177/1182 gegen die Berücksichtigung, ob einer Maßnahme wesentliche Bedeutung für die Gesamtgesellschaft zukommt, geht insofern ins Leere.
Vgl. Kopke, JZ 1995, 874/877 f.
Vgl. Kopke, NJW 1996, 1081/1087; ferner Kissel, NJW 1997, 1097/1098 Fußnote 11.
Siehe oben II.2.
Menzel, NJW 1998, 1177/1180, 1183.
Götze(Fußnote 43), S. 21 ff.
BVerfG, BayVBl. 1998, 626/629.
OVG Schleswig, NJW 1997, 2536/2537.
Vgl. VG Hannover, NJW 1998, 1250/1252.
Vgl. OVG Lüneburg, NJW 1997, 3456/3460 f.; ferner Kissel, NJW 1997, 1097/1101.
Vgl. hierzu Roth (Fußnote 7), Seite 517 ff.
OVG Schleswig, NJW 1997, 2536/2537; Schürmann, EWiR 1997, 845/846.
Zur Problematik dieser Argumentationsfigur vgl. Looschelders/Roth, Juristische Methodik im Prozeß der Rechtsanwendung. 1996. Seite 107 ff.
Vgl. Löwer, RdJB 1997,226/227: „Wandlungsoffenheit . . . in den Händen der Exekutive“.
Siehe oben III.
aber OVG Schleswig, NJW 1997, 2536/2537; Roelleke, NJW 1997, 2500.
Vgl. VG Dresden, SächsVBl. 1997, 241/243.
Siehe oben IV.
das VG Wiesbaden, NJW 1997, 2399/2401 für das elterliche Erziehungsrecht nach der hessischen Verfassung.
Vgl. VG Dresden, SächsVBl. 1997, 241/242
So anscheinend das Mißverständnis von VG Berlin, NJW 1998, 1243/1246.
diesem allgemeinen Gesetzesvorbehalt bezüglich der „für alle verbindlichen Gebote“ vgl. Meder (Fußnote 4), Artikel 70 RdNr. 1.
VG Dresden, SächsVBl. 1997, 241/243; VG Hannover, NJW 1997, 2538/2540; VG Wiesbaden, NJW 1997, 2399/2400.
Dieser Text wurde am 25. und 26.6.1999 von Volker Lindenthal (14) abgetippt und damit elektronisch zur Verfügung gestellt.