Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Text=XI%20R%2028/10
Timestamp: 2019-11-21 19:13:02
Document Index: 146418117

Matched Legal Cases: ['§ 1', '§ 4', '§ 4', 'Art 2', 'Art 13', 'EuG', 'Art. 11', 'EuG', '§ 4', 'EuG']

BFH, 15.05.2012 - XI R 28/10 - dejure.org
https://dejure.org/2012,22138
BFH, 15.05.2012 - XI R 28/10 (https://dejure.org/2012,22138)
BFH, Entscheidung vom 15.05.2012 - XI R 28/10 (https://dejure.org/2012,22138)
BFH, Entscheidung vom 15. Mai 2012 - XI R 28/10 (https://dejure.org/2012,22138)
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Keine steuerfreie Kreditgewährung bei echter Factoring-Leistung; Behandlung mehrerer zusammenhängender Leistungen als eine Gesamtleistung
§ 1 Abs 1 Nr 1 UStG 1999, § 4 Nr 8 Buchst a UStG 1999, § 4 Nr 8 Buchst c UStG 1999, Art 2 Nr 1 EWGRL 388/77, Art 13 Teil B Buchst d Nr 3 EWGRL 388/77
Umsatzsteuer beim Ärzte-Factoring
Zusätzliche Kreditgewährung des Factors beim Forderungskauf mit Übernahme des Forderungseinzugs
BFHE 237, 537
BB 2012, 2804
DB 2012, 2257
BStBl II 2015, 966
Insoweit ist hinsichtlich der Zinsen das EuGH-Urteil vom 27. Oktober 1993 C-281/91, Muys'en De Winter's Bouw en Aannemingsbedrijf BV, (Slg. 1993, I-5405 Rdnr. 18), vgl. auch BFH-Urteil in BFHE 237, 537 zu beachten, wonach, wenn ein Lieferer oder Erbringer von Dienstleistungen einem Kunden bis zur Erbringung der Leistung einen Zahlungsaufschub gegen Zahlung von Zinsen einräumt, diese Zinsen kein Entgelt für einen Kredit, sondern ein Bestandteil der für die Lieferung der Gegenstände oder die Dienstleistung empfangenen Gegenleistung i.S. von Art. 11 Teil A Abs. 1 Buchst. a der Richtlinie 77/388/EWG ist.
aa) Das FG hat seiner Entscheidung die maßgeblichen Abgrenzungsgrundsätze für die Frage, unter welchen Bedingungen mehrere zusammenhängende Leistungen umsatzsteuerrechtlich als eine Gesamtleistung zu behandeln sind (vgl. dazu z.B. EuGH-Urteil --BGZ Leasing-- in HFR 2013, 270, DStR 2013, 193, Rz 29 f.; BFH-Urteile vom 15. Mai 2012 XI R 28/10, BFHE 237, 537, BFH/NV 2012, 1744, Rz 39; in BFHE 240, 380, BStBl II 2013, 352, Rz 17 f., jeweils m.w.N.), zugrunde gelegt (FG-Urteil, S. 6 f.).
b) Das FA weist zwar zu Recht darauf hin, dass in einer bloßen Entgeltberechnung keine gesonderte Vereinbarung einer weiteren eigenständigen Kreditgewährung liegt (vgl. Senatsurteil in BFHE 237, 537, BFH/NV 2012, 1744, Rz 42).
Im Übrigen wäre diese norminterpretierende Verwaltungsvorschrift für die Finanzgerichte im Verfahren über die Kindergeldfestsetzung nicht bindend (…vgl. dazu z.B. Senatsurteile vom 17. Dezember 2008 XI R 64/06, BFH/NV 2009, 798, unter II.3.e bb; vom 15. Mai 2012 XI R 28/10, BFHE 237, 537, BFH/NV 2012, 1744, Rz 47).
Mit Urteil vom 15. Mai 2012 (Az. XI R 28/10) habe der BFH für den Fall des echten Factorings entschieden, dass keine nach § 4 Nr. 8 Buchst. A UStG steuerfreie Kreditgewährung an die Ärzte vorliege.
Die Zinszahlung (Kreditgebühr) für die Vorfinanzierung stellt insoweit allenfalls einen Teil des steuerpflichtigen Entgelts für die FactoringLeistung der Klägerin dar (vgl. BFH-Urteil vom 15. Mai 2012 XI R 28/10, BStBl II 2015, 966, Rn. 43;… Vorlagebeschluss des BFH vom 10. Dezember 2009 V R 18/08, BStBl II 2010, 654, Rn. 57-59).
Diese Gestaltungen werden von der umsatzsteuerlichen Rechtsprechung als entgeltliche Leistung beurteilt, deren wirtschaftlicher Gehalt im Wesentlichen in der Übernahme des Forderungseinzugs besteht, gegenüber dem alle weiteren Faktoren (Übernahme des Bonitätsrisikos, Zurverfügungstellung von Liquidität) als Nebenleistungen untergehen (vgl. EuGH, Urteile vom 26.06.2003 C-305/01 - MKG, BStBl II 2004, 688, Rz 77;… vom 28.10.2010 C-175/09 - Axa, UR 2011, 265, Rz. 34; BFH, Urteil vom 15.05.2012 IX R 27/10, BFHE 237, 537, UR 2012, 719).