Source: http://www.hensche.de/Altersgrenze_65_fuer_Piloten_BAG_5AZR263-15_27.01.2016.html
Timestamp: 2017-01-17 00:51:53
Document Index: 84002930

Matched Legal Cases: ['EuG', 'EuG', 'EuG', '§ 235', 'EuG', 'EuG', 'EuG', 'Art.21', 'Art.15', 'EuG']

ARBEITSRECHT AKTUELL // 16/119
Wann soll­te bei Pi­lo­ten Schluss sein?
Da­her kön­nen Be­rufs­pi­lo­ten ab 65 Jah­ren nicht mehr wie ge­wohnt ein­ge­setzt wer­den, schei­den aber auf­grund der schritt­wei­sen Her­auf­set­zung der Ren­ten­al­ters­gren­ze erst ei­ni­ge Mo­na­te spä­ter aus dem Ar­beits­ver­hält­nis aus. Vor die­sem Hin­ter­grund hat das Bun­des­ar­beits­ge­richt (BAG ) den Eu­ro­päi­schen Ge­richts­hof (EuGH) um ei­ne Klä­rung der Fra­ge ge­be­ten, ob die o.g. Li­zen­be­schrän­kung mit dem Eu­ro­pa­recht ver­ein­bar ist: BAG, Be­schluss vom 27.01.2016, 5 AZR 263/15 (A).
Wie kann man Al­ters­gren­zen für Pi­lo­ten recht­fer­ti­gen, d.h. wel­che Al­ters­gren­zen sind kei­ne Dis­kri­mi­nie­rung?
Ein neu­er Pi­lo­ten­fall kommt vor den EuGH: Im Ok­to­ber 1948 ge­bo­re­ner Pi­lot muss No­vem­ber und De­zem­ber 2013 bis zum Ren­ten­ein­tritt über­brücken
BAG bit­tet den EuGH um Klärung, ob das Ver­bot der ge­werb­li­chen Pi­lo­tentätig­keit ab 65 Jah­ren rech­tens ist
Wie kann man Al­ters­gren­zen für Pi­lo­ten recht­fer­ti­gen, d.h. wel­che Al­ters­gren­zen sind kei­ne Dis­kri­mi­nie­rung? Wer auf­grund ei­ner Ren­ten­al­ter­sklau­sel in ei­nem Ta­rif­ver­trag oder im Ar­beits­ver­trag oh­ne Kündi­gung oder Auf­he­bungs­ver­trag "in die Ren­te ge­schickt" wird, wird das in Ord­nung fin­den, wenn er ger­ne in den Ru­he­stand tritt. An­de­re würden da­ge­gen lie­ber wei­ter ar­bei­ten. Für sie ist der Job­ver­lust in­fol­ge des Ren­ten­al­ters ei­ne Be­nach­tei­li­gung we­gen des Al­ters. Denn ei­ne "we­ni­ger güns­ti­ge Be­hand­lung" im Sin­ne der eu­ropäischen und deut­schen An­ti­dis­kri­mi­nie­rungs­vor­schrif­ten ist ge­ge­ben, wenn ein Ar­beit­neh­mer al­lein we­gen sei­nes (Ren­ten-)Al­ters Ar­beits­platz und Ein­kom­men ver­liert. Da­mit stellt sich die Fra­ge, ob bzw. wie ei­ne sol­che "Zwangs­pen­sio­nie­rung" ge­recht­fer­tigt sein könn­te.
Seit 2012 macht sich al­ler­dings in Deutsch­land der Ein­stieg in die Ren­te mit 67 be­merk­bar. Gemäß den Über­g­angs­re­ge­lun­gen (§ 235 Abs.2 Sechs­tes Buch So­zi­al­ge­setz­buch - SGB VI) können die 1947 ge­bo­re­nen Ar­beit­neh­mer in 2012 erst mit 65 Jah­ren und ei­nem Mo­nat in Ren­te ge­hen, die 1948 ge­bo­re­nen können in 2013 mit 65 Jah­ren und zwei Mo­na­ten in Ren­te ge­hen usw. Da­durch ist für Be­rufs­pi­lo­ten ei­ne recht­li­che Lücke ent­stan­den, die von Jahr zu Jahr größer wird. Denn ih­re Ar­beits­verhält­nis­se en­den gemäß den ta­rif- oder ar­beits­ver­trag­li­chen Ren­ten­al­ter­sklau­seln von Jahr­gang zu Jahr­gang ei­nen Mo­nat später. Gleich­zei­tig ver­lie­ren sie aber auf­grund ei­ner eu­ro­pa­recht­li­chen Vor­schrift ih­re Li­zenz zum ge­werb­li­chen Befördern von Pas­sa­gie­ren und Fracht schon mit 65 Jah­ren. Die­se Vor­schrift ist in der Ver­ord­nung (EU) Nr.1178 der Kom­mis­si­on vom 03.11.2011 ent­hal­ten, ge­nau­er ge­sagt in ih­rem An­hang I und dort wie­der­um in Punkt FCL.065 b). Sie lau­tet (un­ter der Über­schrift "Ein­schränkung der Rech­te von Li­zenz­in­ha­bern, die 60 Jah­re oder älter sind, im ge­werb­li­chen Luft­ver­kehr"):
Ein neu­er Pi­lo­ten­fall kommt vor den EuGH: Im Ok­to­ber 1948 ge­bo­re­ner Pi­lot muss No­vem­ber und De­zem­ber 2013 bis zum Ren­ten­ein­tritt über­brücken Ein Be­rufs­pi­lot hat­te sei­nen Ar­beit­ge­ber auf je­weils gut 15.000 EUR Ge­halt für No­vem­ber und De­zem­ber 2013 ver­klagt. Denn er hat­te im Ok­to­ber 2013 das 65. Le­bens­jahr voll­endet, wo­mit er gemäß Ver­ord­nung (EU) Nr.1178/2011, An­hang I, FCL.065 b) nicht mehr als Pi­lot ei­nes Luft­fahr­zeu­ges im ge­werb­li­chen Luft­ver­kehr ein­ge­setzt wer­den durf­te. Dem­ge­genüber en­de­te sein Ar­beits­verhält­nis nach dem ein­schlägi­gen Ta­rif­ver­trag erst mit Ab­lauf des Mo­nats, in dem er die Vor­aus­set­zun­gen für die Re­gel­al­ters­ren­te erfüll­te, hier al­so zum 31.12.2013.
BAG bit­tet den EuGH um Klärung, ob das Ver­bot der ge­werb­li­chen Pi­lo­tentätig­keit ab 65 Jah­ren rech­tens ist Das BAG setz­te das ver­fah­ren aus und fragt den EuGH, ob die Ver­ord­nung (EU) Nr.1178/2011, An­hang I, FCL.065 b) mit dem in der Grund­rech­te­char­ta (GRC) ent­hal­te­nen Ver­bot der Dis­kri­mi­nie­rung we­gen des Al­ters (Art.21 GRC) und mit der Be­rufs­frei­heit (Art.15 Abs.1 GRC) ver­ein­bar ist. Ergänzend möch­te das BAG vom EuGH wis­sen, ob un­ter den Be­griff des „ge­werb­li­chen Luft­ver­kehrs“ im Sin­ne der Ver­ord­nung (EU) Nr.1178/2011, An­hang I, FCL.065 b) auch Leerflüge ei­nes Luft­ver­kehrs­un­ter­neh­mens fal­len, bei de­nen we­der Fluggäste, noch Fracht oder Post befördert wer­den, und ob dar­un­ter auch die Aus­bil­dung und die Ab­nah­me von Prüfun­gen fal­len, wenn sich da­bei ein über 65-jähri­ger aus­bil­den­der bzw. prüfen­der Pi­lot als nicht flie­gen­des Mit­glied der Crew im Cock­pit aufhält.
Hand­buch Ar­beits­recht: Dis­kri­mi­nie­rungs­ver­bo­te - Al­ter Ar­beits­recht ak­tu­ell: 16/209 Ar­beits­zeit­verkürzung kann Dis­kri­mi­nie­rung we­gen des Al­ters sein