Source: http://www.birsfaelder.li/wp/politik/die-europaeische-menschenrechtskonvention-teil-11-die-menschenrechte-muessen-wir-verteidigen-auch-in-der-schweiz/
Timestamp: 2019-06-16 10:30:30
Document Index: 161807058

Matched Legal Cases: ['Art. 29', 'Art. 29', 'Art. 8', 'Art. 17', 'Art. 172', 'Art. 16', 'Art. 21']

Die Europäische Menschenrechtskonvention, Teil 11: Die Menschenrechte müssen wir verteidigen — auch in der Schweiz!! | birsfälder.li
Die Euro­päi­sche Men­schen­rechts­kon­ven­ti­on, Teil 11: Die Men­schen­rech­te müs­sen wir ver­tei­di­gen — auch in der Schweiz!!
In einer Zeit, in der popu­li­sti­sche Allein­re­gen­ten wie Herr Vik­tor Mihá­ly Orbán in Ungarn, Herr Recep Tayy­ip Erdoğan in der Tür­kei oder Herr Jaro­sław Alek­san­der Kac­zyń­ski in Polen mehr und mehr dar­an sind Grund­rech­te zu unter­bin­den, zu eli­mi­nie­ren oder zu ver­höh­nen und auch mehr und mehr die Tren­nung von Exe­ku­ti­ve, Legis­la­ti­ve und Judi­ka­ti­ve zu ver­wäs­sern oder gar auf­zu­he­ben, ist es aus­ser­or­dent­lich schlecht als Schweiz dem allem noch einen drauf­zu­set­zen.
Die Euro­päi­sche Men­schen­rechts­kon­ven­ti­on trug und trägt zur Rechts­ent­wick­lung in allen Mitglied­staaten bei, auch in der Schweiz. Eine Rei­he von Bestim­mungen der Bundes­ver­fas­sung, aber auch deren Trag­weite sind dem Ein­fluss der EMRK zuzu­schreiben: So etwa
• das Recht auf gericht­liche Über­prü­fung
• das Recht auf einen Anwalt in der Unter­su­chungs­haft,
• das Recht auf ein fai­res Ver­fah­ren
• der Weg­fall der „admi­nis­tra­tiven Versor­gung“,
• der Weg­fall des Ehe­ver­bots nach Schei­dung,
• die Rechts­weg­ga­rantie (Art. 29a BV),
• die Verfah­rens­ga­ran­tie (Art. 29),
• das Diskri­mi­nie­rungs­verbot (Art. 8 Abs. 2 BV),
• die Medi­en­frei­heit (Art. 17),
• der Quel­len­schutz der Medi­en­schaf­fenden (Art. 172 StPO),
• die Mei­nungs- und Infor­ma­ti­ons­frei­heit (Art. 16 BV) und
• die Kunst­frei­heit (Art. 21 BV).
Dies alles sind heu­te in der Schweiz selbst­ver­ständ­liche Garan­tien, die unser Prozess­recht stark beein­flusst und die Rech­te des Ein­zel­nen gestärkt haben. Und der Ritt gegen das Völ­ker­recht ist dumm, oder per­fid, oder zeugt von Unwis­sen:
Die Bun­des­ver­fas­sung ist unser ober­stes und höch­stes Gesetz. Es ist die Bun­des­ver­fas­sung, die Bund und Kan­to­ne ver­pflich­tet, das Völ­ker­recht zu respek­tie­ren. Und über die­se Ver­fas­sung haben wir abge­stimmt! Damit sind wir es selbst, die dies so wol­len. Völ­ker­ver­trags­recht ist kein uns von aus­sen auf­ge­zwun­ge­nes Recht, son­dern Recht, das wir sel­ber auto­nom und sou­ve­rän nach den Regeln unse­rer Ver­fas­sung für uns ver­bind­lich erklärt haben!
Mit der Ver­trags­bruch-Initia­ti­ve (unter dem Deck­män­tel­chen von »Schwei­zer Recht statt frem­de Rich­ter« oder »Selb­stän­dig­keits­in­itia­ti­ve«) wür­de das Schwei­zer Volk (und auch das Schwei­zer Volch) nach und nach wie­der Rech­te ver­lie­ren.
Das müs­sen wir ver­hin­dern, nicht nur für uns, auch für unse­re Nach­kom­men und für das Anse­hen der Schweiz. Wir kön­nen damit auch bewei­sen, dass die direk­te Demo­kra­tie zu guten Ent­schei­den fähig ist.
Camillo für Buchhalter
Die Men­schen­rech­te ste­hen in der Bun­des­ver­fas­sung. Ich emp­feh­le die­ses Doku­ment ein­mal zu stu­die­ren.
Es könn­te hel­fen im Arti­kel zu lesen, wel­che Rechts­ver­bes­se­run­gen die Schweiz unter dem Ein­fluss der Euro­päi­schen Men­schen­rechts­kon­ven­ti­on vor­ge­nom­men hat. Das zum Teil frei­wil­lig, aber auch auf Geheiss des Euro­päi­schen Men­schen­rechts­ge­richts.
Das ist rich­tig so. Vor allem die Wesent­lich­sten.
Trotz­dem brau­chen wir die EMRK und den Gerichts­hof dazu, gera­de weil die SVP immer wie­der ver­sucht Ver­fas­sungs­än­de­run­gen zu machen, die vie­le Schwei­zer auch gut fin­den, die aber den Men­schen­rech­ten nicht ent­spre­chen.
Anders wäre dies, wenn die Schweiz wie ande­re Staa­ten eine Ver­fas­sungs­ge­richts­bar­keit ken­nen wür­de. Aber dage­gen wür­de sich die SVP mit Hän­den, Füs­sen und Schein­ar­gu­men­ten weh­ren.