Source: https://www.schleswig-holstein.de/DE/Fachinhalte/A/ausbildung_landsh/Berufe/RechtspflegerIn.html
Timestamp: 2019-06-18 01:27:32
Document Index: 279826200

Matched Legal Cases: ['§ 2', '§ 4', '§ 3', '§ 5', '§ 10', '§ 19', '§ 4']

schleswig-holstein.de - Ausbildung - Rechtspfleger/in
Was macht ein/e Rechtspfleger/in?
Kaum jemand kennt sie und doch wird jeder Bürger mindestens einmal in seinem Leben mit ihnen zu tun bekommen – mit einer Rechtspflegerin oder einem Rechtspfleger.
Rechtspfleger arbeiten viel mit verschiedenen Gesetzestexten und Dokumenten. © M. Staudt / grafikfoto.de
info Cornelia Schmidt, Lena Neuber und Kathrin Schmidt erzählen aus ihrem Berufsalltag
Die Rechtspflegerinnen und Rechtspfleger übernehmen viele Aufgaben, die früher von Richtern erledigt wurden. Neben Richtern und Staatsanwälten sind sie ein selbständiges Organ der Rechtspflege, das heißt sie entscheiden unabhängig und sind nicht an Weisungen eines Vorgesetzten gebunden.
Rechtspflegerinnen und Rechtspfleger betreuen vor allem Rechtsbereiche aus der freiwilligen Gerichtsbarkeit wie zum Beispiel Einträge ins Grundbuch, Erbschaftsangelegenheiten oder Entscheidungen bei Vormundschaftsfragen. Im Rahmen der streitigen Gerichtsbarkeit sind sie unter anderem für Mahnverfahren, Zwangsvollstreckungen oder die Festsetzungen und Verteilung der Kosten von Gerichtsprozessen zuständig.
Im Detail: Rechtspflegerinnen und Rechtspfleger...
eröffnen Testamente, erteilen Erbscheinen bei gesetzlicher Erbfolge,
überwachen die Tätigkeit von Vormündern, Pflegern und Betreuern,
entscheiden über die Genehmigung besonderer Rechtsgeschäfte
setzen den Kindesunterhalt im vereinfachten Verfahren fest,
tragen Eigentumsübertragungen und Belastungen von Grundstücken ein,
führen das Handels-, Genossenschafts-, Partnerschafts-, Güterrechts- und Vereinsregister,
kümmern sich um die Zwangsversteigerung von Grundstücken, erlassen Pfändungs- und Überweisungsbeschlüsse,
entscheiden über Räumungsschutzanträge
führen richterlich eröffnete Insolvenzverfahren,
leiten die Rechtsantragstelle,
setzen Kosten fest,
vollstrecken Freiheits- und Geldstrafen,
übernehmen die Geschäftsleitung eines Gerichts sowie die Personalsachbearbeitung.
Die Aufgaben der Rechtspflegerinnen und der Rechtspfleger bzw. Rechtspflegerzuständigkeiten finden sich größtenteils im Rechtspflegergesetz (RPflG).
Wer Rechtspflegerin oder Rechtpfleger werden möchte, sollte...
Interesse an der Klärung von Rechtsfragen haben.
gerne mit Gesetzestexten umgehen.
systematisch denken.
Entscheidungsfreudig sein.
einsatzbereit und verantwortungsbereit sein,
sorgfältig und zuverlässig arbeiten.
ein sicheres Auftreten haben.
hilfsbereit sein und höflich im Umgang mit Publikum.
Es gelten die Zugangsvoraussetzungen für Beamtinnen und Beamte des Rechtspflegerdienstes für die Laufbahn der Laufbahngruppe 2, erstes Einstiegsamt, Fachrichtung Justiz
Zugangsvoraussetzungen in die Laufbahngruppe 2, 1. Einstiegsamt
Deutsche oder Deutscher im Sinne des Artikels 116 des Grundgesetzes ist,
Beamte der Laufbahngruppe 1, 2. Einstiegsamt (früher: mittlerer Dienst) können zur Rechtspflegerausbildung im Wege des Aufstiegs zugelassen werden (§ 2 Absatz 2 RpflG i.V.m. in Verbindung mit § 4 ALVO, § 3 Rechtspfleger-LAPO), wenn sie
sich nach Ablegung der Prüfung für das zweite Einstiegsamt der Laufbahngruppe 1 der Fachrichtung Justiz in einer mindestens dreijährigen Tätigkeit als Justizfachwirtin oder Justizfachwirt bewährt haben und
nach ihrer Persönlichkeit, Befähigung und den gezeigten Leistungen für den Rechtspflegerdienst geeignet erscheinen.
Regelungen über die Laufbahn und Ausbildung der Beamtinnen und Beamten des Rechtspflegerdienstes befinden sich in der Rechtspfleger-LAPO vom 5. September 2013 (Landesverordnung über die Einrichtung des Laufbahnzweigs und die Ausbildung und Prüfung der Rechtspflegerinnen und Rechtspfleger für die Laufbahn der Fachrichtung Justiz - Laufbahngruppe 2, erstes Einstiegsamt - (Rechtspfleger-, Ausbildungs- und Prüfungsordnung).
Landesverordnung für Rechtspfleger
duales Hochschulstudium an der Norddeutschen Hochschule für Rechtspflege in Hildesheim/Niedersachsen
Das Studium gliedert sich in insgesamt fünf Abschnitte, sowohl fachwissenschaftliche als auch berufspraktische Studienabschnitte.
Ausbildungsaufbau für angehende Rechtspfleger/innen
Grundstudium 10 Monate Oktober bis Juni
Berufspraktische Studienzeit I 3 Monate August bis Oktober
Hauptstudium I 8 Monate November bis Juni
Berufspraktische Studienzeit II 9 Monate August bis April
Hauptstudium II (Inklusive Urlaubstage im Juli) 5 Monate Mai bis September
eine Diplomarbeit, sechs fünfstündige Aufsichtsarbeiten und eine mündliche Prüfung.
akademischer Grad nach bestandener Prüfung: Diplom-Rechtspflegerin bzw. Diplom-Rechtspfleger
Weitere Informationen zum Studiengang finden sich auf der Homepage der Hochschule.
Studium an der Norddeutschen Hochschule für Rechtspflege in Hildesheim/Niedersachsen
Die berufspraktischen Abschnitte werden jeweils an einem Amtsgericht bzw. in der Staatsanwaltschaft in Flensburg, Kiel, Lübeck oder Itzehoe sowie an den beiden weiteren Ausbildungsgerichten Meldorf und Neumünster absolviert.
Lehrgebiete im Grundstudium:
Grundfragen des Zivilrechts und des Zivilprozessrechts
Bürgerliches Recht I (Schwerpunkt BGB-AT/Schuldrecht)
Bürgerliches Recht II (Schwerpunkt Sachenrecht)
Zivilprozessrecht einschließlich Kostenrecht
Grundlagen der Rechtspflegertätigkeit (Einführung in die Rechtswissenschaft und in das Staats- und Verfassungsrecht; Familienrecht, Erbrecht, Handels- und Gesellschaftsrecht, Vollstreckungs- und Insolvenzrecht)
Strafvollstreckungsrecht einschl. Einführung in das Strafrecht und das Strafprozessrecht.
Ablauf der berufspraktischen Studienzeit I
mindestens einen Monat in Strafvollstreckungssachen (erfolgt bei den Staatsanwaltschaften ) und
mindestens sechs Wochen in Zivilprozesssachen einschließlich Rechtsantragstelle und Kostenfestsetzung statt.
Lehrgebiete im Hauptstudium I:
Recht der freiwilligen Gerichtsbarkeit (Vormundschafts-, Familien- und Betreuungssachen; Nachlasssachen; Handelssachen; Vereins- und Partnerschaftssachen; Güterrechtsregister)
Materielles und formelles Grundbuchrecht
Zwangsvollstreckungsrecht (8. Buch der ZPO)
Ablauf der berufspraktischen Studienzeit II
Die Ausbildung findet in Grundbuch-, Familien-, Register-, Vollstreckungs- und Insolvenz- sowie Nachlasssachen statt.
Die Ausbildungszeit soll in Grundbuchsachen und in Vollstreckungs- und Insolvenzsachen jeweils mindestens 6 Wochen, in den übrigen Ausbildungsgebieten mindestens einen Monat betragen.
Die Diplomarbeit ist bis zum Ende des fünften Monats abzuschließen. In diesem Monat sind die Studierenden von der berufspraktischen Ausbildung freigestellt.
Lehrgebiete im Hauptstudium II
Seminar "Internationales Privatrecht"
Jede Studierende und jeder Studierende hat nach seiner Wahl zwei Vertiefungsseminare von je einer Woche zu belegen.
In Arbeitsgemeinschaften werden gelehrt:
Grundlagen der Gerichtsverwaltung und der Gerichtsorganisation ("Gerichtsmanagement")
Betriebliches Rechnungswesen und Bilanzkunde
Während des Vorbereitungsdienstes sind die Anwärterinnen und Anwärter Beamtin bzw. Beamter auf Widerruf (§ 5 Rechtspfleger-LAPO) und führen die Amtsbezeichnung Rechtspflegeranwärterin bzw. Rechtspflegeranwärter.
Es werden Anwärterbezüge von monatlich 1.231,22 € brutto (Stand: 01.01.2019) und bei Verheirateten ein Familienzuschlag gezahlt. Die Bezüge sind zu versteuern, Sozialversicherungsbeiträge sind nicht abzuführen. Für Aufwendungen in Krankheitsfällen leistet das Land Schleswig-Holstein Beihilfen. Diese decken allerdings nur einen Teil der Kosten- bei Ledigen 50%. Der Abschluss einer privaten Krankenversicherung über den restlichen Prozentsatz wird empfohlen.
bis zum 30. September des Vorjahres
Fachhochschul- oder Reifezeugnis; falls noch nicht erworben: die beiden letzten Schulzeugnisse (Kopien);
Qualifizierungsnachweise.
Von der Vorlage von Lichtbildern/Bewerbungsfotos sollte abgesehen werden.
Die Zahl der Einstellungen richtet sich nach dem voraussichtlichen künftigen Bedarf an Rechtspflegerinnen und Rechtspflegern.
Mit bestandener Rechtspflegerprüfung endet das Beamtenverhältnis auf Widerruf automatisch. Ein Anspruch auf Übernahme besteht nicht.
Sollte eine Stelle frei und somit eine Übernahme möglich sein, werden die Rechtspflegerinnen und Rechtpfleger zunächst als Beamte auf Probe eingestellt. Nach einer Probezeit von drei Jahren (§ 10 BeamtStG, § 19 Absatz 2 LBG) erfolgt regelmäßig die Ernennung zur Beamtin auf Lebenszeit bzw. zum Beamten auf Lebenszeit.
Mit Übernahme in das Beamtenverhältnis auf Probe (dazu § 4 BeamtStG) erhalten die Justizinspektorinnen und Justizinspektoren Dienstbezüge der Besoldungsgruppe A9. Der Grundgehaltssatz beträgt zurzeit 2.548,56 € brutto zuzüglich 90,00 € allgemeine Stellenzulage (Stand: 2018). Es kommen eventuell vermögenswirksame Leistungen und ein Familienzuschlag hinzu.
Beförderungsmöglichkeiten bestehen
zur/zum Justizoberinspektor/in (A10),
Justizamtmann/-frau (A11),
Justizamtsrätin/-rat (A12) und
Justizoberamtsrätin/-rat (A13) mit Zulage.
Nach einer zusätzlichen Ausbildung im Strafrecht ist ein Wechsel in die Amtsanwaltslaufbahn möglich. Die Amtsanwältin oder der Amtsanwalt vertritt die Staatsanwaltschaft in Strafrichtersitzungen bei den Amtsgerichten.
In Einzelfällen ist ein Aufstieg in die Laufbahngruppe 2, 2.Einstiegsamt (früher: höherer Verwaltungsdienst) möglich.
Frau Hinz (04621 86-1672)
Allgemeine Informationen zum Beruf der Diplom-Rechtspflegerin und des Diplom-Rechtspflegers erhalten Sie auch bei der Arbeitsagentur. Dort haben Sie auch die Möglichkeit den Informationsfilm über den Beruf der Rechtspflegerin und des Rechtspflegers abzurufen.