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Timestamp: 2019-10-15 17:58:09
Document Index: 238381063

Matched Legal Cases: ['Art. 10', '§ 2', '§ 5', '§ 5', 'Art. 10', 'Art. 10', '§ 4', '§ 2', '§ 5']

BVerwG: Kein Verlust des Freizügigkeitsrechts eines Wanderarbeitnehmers bei eigenem Aufenthaltsrecht der Kinder - beck-online
becklink 2014113
BVerwG: Kein Verlust des Freizügigkeitsrechts eines Wanderarbeitnehmers bei eigenem Aufenthaltsrecht der Kinder
Die Regelung in Art. 10 VO (EU) 492/2011 (ArbeitnehmerfreizügigkeitsVO) vermittelt Kindern, die in Deutschland die Schule besuchen, und ihren Eltern ein Freizügigkeitsrecht im Sinn des § 2 Abs. 1 Freizügigkeitsgesetz/EU (FreizügG/EU), das einer Verlustfeststellung nach § 5 Abs. 4 FreizügG/EU entgegensteht. Dies hat das Bundesverwaltungsgericht mit Urteil vom 11.09.2019 klargestellt (Az.: 1 C 48.18).
Streit um Verlustfeststellung
OVG: Kinder einer Wanderarbeitnehmerin freizügigkeitsberechtigt
Das Verwaltungsgericht hat die hiergegen erhobene Klage abgewiesen. Auf die Berufung der Klägerinnen hat das Oberverwaltungsgericht die Verlustfeststellung auch insoweit aufgehoben. Die Klägerinnen zu 2 und 3 seien als Kinder einer Wanderarbeitnehmerin auch in dem streitigen Zeitraum freizügigkeitsberechtigt gewesen. Der Klägerin zu 1 habe als für ihre Kinder sorgendem Elternteil ein von diesem Aufenthaltsrecht ihrer Töchter abgeleitetes Aufenthaltsrecht zugestanden.
Ergebnis bei Annahme der Teilbarkeit oder Unteilbarkeit der Zeitabschnitte gleich
Das BVerwG hat die Entscheidung des Berufungsgerichts jetzt im Ergebnis mit einer alternativen Begründung bestätigt: Werde davon ausgegangen, dass die Verlustfeststellung nach § 5 Abs. 4 Satz 1 FreizügG/EU nicht in einzelne Zeitabschnitte teilbar ist, könne sie grundsätzlich insgesamt keinen Bestand mehr haben, wenn der betroffene Unionsbürger oder sein Familienangehöriger im Verlauf des Verfahrens (neuerlich) freizügigkeitsberechtigt werde und die Behörde die Verlustfeststellung nur noch für einen in der Vergangenheit liegenden Zeitraum aufrechterhält. Werde hingegen von einer zeitlichen Teilbarkeit der Verlustfeststellung und damit einer zeitabschnittsweisen Betrachtung ausgegangen, war die verbliebene Verlustfeststellung ebenfalls rechtswidrig. Denn die Klägerinnen waren auch seinerzeit freizügigkeitsberechtigt im Sinne des FreizügG/EU.
Aufenthaltsrecht für Kinder und Personensorge ausübende Eltern
Gemäß Art. 10 VO (EU) Nr. 492/2011 könnten die Kinder eines Staatsangehörigen eines Mitgliedstaats, der im Hoheitsgebiet eines anderen Mitgliedstaats beschäftigt ist oder beschäftigt gewesen ist, wenn sie im Hoheitsgebiet dieses Mitgliedstaats wohnen, unter den gleichen Bedingungen wie die Staatsangehörigen dieses Mitgliedstaats am allgemeinen Unterricht sowie an der Lehrlings- und Berufsausbildung teilnehmen. Dies vermittele ihnen und - hiervon abgeleitet - auch ihren tatsächlich die Personensorge ausübenden Eltern ein Aufenthaltsrecht. Aufenthaltszeiten, die allein auf der Grundlage des Art. 10 VO (EU) Nr. 492/2011 zurückgelegt würden, ohne dass die für die Inanspruchnahme eines Aufenthaltsrechts nach der sogenannten Unionsbürger-Richtlinie (RL 2004/38/EG) vorgesehenen Voraussetzungen erfüllt waren, könnten zwar nicht für die Zwecke eines Daueraufenthaltsrechts im Sinne des § 4a FreizügG/EU berücksichtigt werden. Jedoch vermittele sie den Kindern eines Wanderarbeitnehmers und dem Elternteil, der die tatsächliche Sorge für diese ausübt, Freizügigkeit im Sinne des § 2 Abs. 1 FreizügG/EU in dem Aufnahmemitgliedstaat des (vormaligen) Wanderarbeitnehmers, so dass eine Verlustfeststellung nach § 5 Abs. 4 Satz 1 FreizügG/EU ausscheide.
OVG Bautzen, Aufenthaltsrechts, Aufenthaltsrecht der Kinder, Eigenständiges Aufenthaltsrecht, Verlustfeststellungsbescheid, Freizügigkeitsrecht, Kinder von Wanderarbeitnehmern, BeckRS 2018, 31471 (Vorinstanz)