Source: https://www.rechtslupe.de/sozialrecht/betrieb-einer-vertragsaerztlichen-zweigpraxis-366454
Timestamp: 2020-08-13 11:46:31
Document Index: 315475632

Matched Legal Cases: ['§ 24', '§ 98', '§ 24', 'Art 9', '§ 121', '§ 24', '§ 121', '§ 121', '§ 121', '§ 121', '§ 122', '§ 24', '§ 121', '§ 24', '§ 121', '§ 121', '§ 121', '§ 121', '§ 121', '§ 121', '§ 121', '§ 121', '§ 24', '§ 121', '§ 202', '§ 251', '§ 114', '§ 121', '§ 86', '§ 86', '§ 24', '§ 121', '§ 121', '§ 32', '§ 121', '§ 24', '§ 121', '§ 121', '§ 121', '§ 121', '§ 24', '§ 121', '§ 24', '§ 121', '§ 24', '§ 24', '§ 72', '§ 95', '§ 27', '§ 116', '§ 95', '§ 135', '§ 87', '§ 24', '§ 24', '§ 63', '§ 106', '§ 8', '§ 22', '§ 85', '§ 24', '§ 24', '§ 24', '§ 24', '§ 24', '§ 24', '§ 24', '§ 24', '§ 24', '§ 24', '§ 24']

Betrieb einer vertragsärztlichen Zweigpraxis | Rechtslupe
Betrieb einer vertragsärztlichen Zweigpraxis
Betrieb einer ver­trags­ärzt­li­chen Zweig­pra­xis
Rechts­grund­la­ge für die Füh­rung von Zweig­pra­xen ist § 24 Abs 3 Satz 1 Nr 1 und 2 Ärz­te-ZV. Die­se Rege­lung, die ihre gesetz­li­che Grund­la­ge in § 98 Abs 2 Nr 13 SGB V hat, setzt vor­aus, dass die Ver­sor­gung der Ver­si­cher­ten an dem wei­te­ren Ort ver­bes­sert und die ord­nungs­ge­mä­ße Ver­sor­gung der Ver­si­cher­ten am Ort des Ver­trags­arzt­sit­zes nicht beein­träch­tigt wird (mit gering­fü­gi­ger Modi­fi­zie­rung durch Anfü­gung eines zwei­ten Halb­sat­zes in § 24 Abs 3 Satz 1 Nr 2 Ärz­te-ZV durch Art 9 Nr 8 Buchst b aa des GKV-Ver­sor­gungs­struk­tur­ge­set­zes vom 22.12.2011 [1]: „gering­fü­gi­ge Beein­träch­ti­gun­gen für die Ver­sor­gung am Ort des Ver­trags­arzt­sit­zes sind unbe­acht­lich, wenn sie durch die Ver­bes­se­rung der Ver­sor­gung an dem wei­te­ren Ort auf­ge­wo­gen wer­den“).
Nach Satz 5 und 6 der Vor­schrift hat der Arzt bei Vor­lie­gen der Vor­aus­set­zun­gen des Sat­zes 1 Anspruch auf Geneh­mi­gung des Betriebs der Zweig­pra­xis durch sei­ne KÄV bzw im Fall einer Zweig­pra­xis in einem ande­ren KÄV-Bezirk Anspruch auf eine Ermäch­ti­gung durch den dor­ti­gen Zulas­sungs­aus­schuss.
Im Rah­men der Prü­fung, ob der Betrieb einer Zweig­pra­xis eine Ver­sor­gungs­ver­bes­se­rung bewir­ken kann, bestehen in dem Fall, dass der Bewer­ber die Zweig­pra­xis allein zur Erbrin­gung eines Leis­tungs­spek­trums betrei­ben will, für das er eine spe­zi­el­le Geneh­mi­gung – hier die­je­ni­ge nach § 121a SGB V zur Erbrin­gung repro­duk­ti­ons­me­di­zi­ni­scher Leis­tun­gen – benö­tigt, Beson­der­hei­ten. In die­sem Fall muss die­se spe­zi­el­le Geneh­mi­gung zuvor vor­lie­gen, ehe der Betrieb der Zweig­pra­xis gestat­tet wer­den kann. Eine Ver­sor­gungs­ver­bes­se­rung im Sin­ne des § 24 Abs 3 Satz 1 Nr 1 Ärz­te-ZV, wie sie Vor­aus­set­zung für die Gestat­tung einer Zweig­pra­xis ist, kann nur dann ein­tre­ten, wenn der Zweig­pra­xis­be­wer­ber die Befug­nis hat, die betref­fen­den Leis­tun­gen zu erbrin­gen. Das Inein­an­der­grei­fen der Vor­schrif­ten des ver­trags­ärzt­li­chen Zulas­sungs­rechts und des § 121a SGB V ist dahin auf­zu­lö­sen, dass vor­ran­gig die Ent­schei­dung gemäß § 121a SGB V zu tref­fen ist.
Wegen die­ses Vor­rangs dür­fen die Zulas­sungs­gre­mi­en über die zulas­sungs­recht­li­che Posi­ti­on grund­sätz­lich erst ent­schei­den, nach­dem die LÄK über die Geneh­mi­gung gemäß § 121a SGB V ent­schie­den hat. Nicht die zulas­sungs­recht­li­che Posi­ti­on ist Vor­aus­set­zung für die Ertei­lung der Geneh­mi­gung gemäß § 121a SGB V, son­dern die­se Geneh­mi­gung muss vor­lie­gen, bevor die KÄV bzw der Zulas­sungs­aus­schuss über den Zugang des Antrag­stel­lers zur ver­trags­ärzt­li­chen Ver­sor­gung an dem geplan­ten Stand­ort ent­schei­den kann.
Die­ser Vor­rang einer qua­li­fi­ka­ti­ons- bzw stand­ort­be­zo­ge­nen Geneh­mi­gung trägt dem Umstand Rech­nung, dass immer dann, wenn Ver­trags­ärz­te ver­trags­ärzt­li­che Leis­tun­gen außer­halb ihres Pra­xis­stand­or­tes erbrin­gen möch­te und Nicht­ver­trags­ärz­te über eine Son­der­be­darfs­zu­las­sung oder Ermäch­ti­gung Zugang zur ver­trags­ärzt­li­chen Ver­sor­gung erhal­ten wol­len, Aspek­te des Ver­sor­gungs­be­darfs der Ver­si­cher­ten eine Rol­le spie­len. Nur wer die­sen – unter­stell­ten – Bedarf mit den dafür vor­aus­ge­setz­ten tat­säch­li­chen und recht­li­chen Anfor­de­run­gen zu decken ver­mag, kann die erfor­der­li­che zulas­sungs­recht­li­che Posi­ti­on erhal­ten. Soweit die Bedarfs­de­ckung eine zusätz­li­che Geneh­mi­gung oÄ erfor­dert, muss die­se nach­ge­wie­sen sein, bevor die zulas­sungs­recht­li­che Posi­ti­on bewil­ligt wer­den kann.
Das hat der Senat in der Ver­gan­gen­heit schon mehr­fach in ande­ren Kon­stel­la­tio­nen ent­schie­den. Danach muss der (Krankenhaus-)Arzt, der eine Ermäch­ti­gung zur Erbrin­gung spe­zia­li­sier­ter Leis­tun­gen erlan­gen will, die hier­für ggf erfor­der­li­che spe­zi­el­le Berech­ti­gung vor­wei­sen: Eine Ermäch­ti­gung zur Erbrin­gung von Groß­ge­rä­te-Leis­tun­gen konn­te, solan­ge für das Betrei­ben von sog Groß­ge­rä­ten der Stand­ort „abge­stimmt“ sein muss­te, erst in Betracht kom­men, wenn der Stand­ort abge­stimmt war (vgl die dama­li­ge Fas­sung des § 122 SGB V [2], in Kraft bis zum 30.06.1997)), und eine Ermäch­ti­gung zu ande­ren spe­zia­li­sier­ten Leis­tun­gen erfor­dert, dass der Antrag­stel­ler die ggf erfor­der­li­che fach­ge­biet­li­che Qua­li­fi­ka­ti­on (zB Schwer­punkt­be­zeich­nung) und nöti­gen­falls auch eine wei­te­re zusätz­li­che beson­de­re Qua­li­fi­ka­ti­on erlangt haben muss. Die Vor­la­ge ent­spre­chen­der Nach­wei­se ist jeweils Vor­aus­set­zung, um eine auf die Erbrin­gung die­ser Leis­tun­gen bezo­ge­ne zulas­sungs­recht­li­che Posi­ti­on erhal­ten zu kön­nen. Zusam­men­ge­fasst bedeu­tet dies, dass die Zuer­ken­nung einer zulas­sungs­recht­li­chen Posi­ti­on nur in Betracht kom­men kann, wenn und soweit der Arzt „tat­säch­lich und recht­lich in der Lage (ist), die Leis­tun­gen … zu erbrin­gen“ [3]. Ent­spre­chend die­ser Recht­spre­chung ist in dem Fall, dass ein Arzt die Geneh­mi­gung bzw Ermäch­ti­gung für den Betrieb einer Zweig­pra­xis zur Erbrin­gung eines geneh­mi­gungs­pflich­ti­gen Leis­tungs­spek­trums begehrt, für die Gestat­tung des Betriebs der Zweig­pra­xis erfor­der­lich, dass der Arzt bereits die Befug­nis zur Erbrin­gung der Leis­tun­gen erlangt hat. Sonst kann das Erfor­der­nis einer Ver­sor­gungs­ver­bes­se­rung im Sin­ne des § 24 Abs 3 Satz 1 Nr 1 Ärz­te-ZV nicht bejaht wer­den. Die Fra­ge, ob eine Befug­nis zur Erbrin­gung der betrof­fe­nen Leis­tun­gen besteht, muss des­halb vor­ran­gig geklärt wer­den vor der Ent­schei­dung über die Zuer­ken­nung der dafür erfor­der­li­chen zulas­sungs­recht­li­chen Posi­ti­on.
Die­sem Vor­rang der Geneh­mi­gung gemäß § 121a SGB V vor der Prü­fung der tat­be­stand­li­chen Vor­aus­set­zun­gen des § 24 Abs 3 Satz 1 Ärz­te-ZV müs­sen die KÄV bzw die Zulas­sungs­gre­mi­en zunächst durch die Gestal­tung der bei ihnen anhän­gi­gen Ver­fah­ren, aber auch inhalt­lich im Rah­men ihrer Ent­schei­dung Rech­nung tra­gen.
Die zur Ent­schei­dung über den Zweig­pra­xis­an­trag beru­fe­nen Insti­tu­tio­nen – KÄV bzw Zulas­sungs­gre­mi­en – müs­sen grund­sätz­lich die Ent­schei­dung der nach § 121a Abs 1 Satz 1 iVm Abs 4 SGB V im jewei­li­gen Bun­des­land zustän­di­gen Behör­de abwar­ten. Die Ertei­lung der zulas­sungs­recht­li­chen Posi­ti­on darf nicht schon des­halb abge­lehnt wer­den, weil noch kei­ne Geneh­mi­gung gemäß § 121a SGB V vor­liegt. Solan­ge das Geneh­mi­gungs­ver­fah­ren gemäß § 121a SGB V noch anhän­gig ist und ernst­haft betrie­ben wird und das Begeh­ren nicht offen­sicht­lich aus­sichts­los ist, haben die Zulas­sungs­gre­mi­en mit ihrer Ent­schei­dung über die zulas­sungs­recht­li­che Posi­ti­on grund­sätz­lich zuzu­war­ten.
Nur in Aus­nah­me­kon­stel­la­tio­nen, etwa wenn das Geneh­mi­gungs­ver­fah­ren gemäß § 121a SGB V nicht (mehr) ernst­haft betrie­ben wird oder wenn der Antrag auf Geneh­mi­gung gemäß § 121a SGB V offen­sicht­lich, auf den ers­ten Blick – zB bei Feh­len der Schwer­punkt­qua­li­fi­ka­ti­on für Repro­duk­ti­ons­me­di­zin – ohne jede Erfolgs­aus­sicht ist, sind die KÄV bzw die Zulas­sungs­gre­mi­en befugt, auch ohne Vor­lie­gen einer Ent­schei­dung der nach § 121a Abs 1 Satz 1 iVm Abs 4 SGB V zustän­di­gen Behör­de zu ent­schei­den und die Zweig­pra­xis­ge­neh­mi­gung bzw ‑ermäch­ti­gung abzu­leh­nen. Eben­so darf unab­hän­gig von dem Ver­fah­ren gemäß § 121a SGB V über den Zweig­pra­xis­an­trag ent­schie­den wer­den, wenn sich die KÄV bzw die Zulas­sungs­gre­mi­en dabei aus­schließ­lich auf Gesichts­punk­te stüt­zen, mit den sich die gemäß § 121a SGB V zustän­di­ge Behör­de weder befasst noch aus kom­pe­tenz­recht­li­chen Grün­den befas­sen darf; so dür­fen sie eine Ver­sa­gung eigen­stän­dig dar­auf stüt­zen, dass der Betrieb der Zweig­pra­xis die Ver­sor­gung am Ort der Haupt­pra­xis in unzu­läs­si­gem Umfang beein­träch­ti­gen wür­de (vgl § 24 Abs 3 Satz 1 Nr 2 SGB V) [4].
Ist ein sol­cher Aus­nah­me­fall nicht gege­ben, so müs­sen die KÄV bzw der Zulas­sungs­aus­schuss dem Vor­rang des Geneh­mi­gungs­ver­fah­rens dadurch Rech­nung tra­gen, dass sie den Aus­gang des Ver­fah­rens auf Geneh­mi­gung gemäß § 121a SGB V abwar­ten. Sie kön­nen ihr Ver­fah­ren ent­we­der im Ein­ver­ständ­nis mit dem Antrag­stel­ler still­schwei­gend oder aus­drück­lich ruhen las­sen (ent­spre­chend § 202 Satz 1 SGG iVm § 251 Satz 1 ZPO) [5], oder sie kön­nen das Ver­fah­ren wegen vor­greif­li­cher Ent­schei­dung einer ande­ren Behör­de aus­set­zen (ent­spre­chend § 114 Abs 2 Satz 1 Vari­an­te 2 SGG) [6].
Die Fra­ge, ob die Zulas­sungs­gre­mi­en mit ihrer Ent­schei­dung auch dann noch wei­ter­hin war­ten müs­sen, wenn die Ent­schei­dung der ande­ren Behör­de – hier: der LÄK – zwar vor­liegt, aber gericht­lich ange­foch­ten wor­den ist, ist nach all­ge­mei­nen Ver­fah­rens­grund­sät­zen zu beur­tei­len. Han­delt es sich um ein gericht­li­ches Ver­fah­ren gegen die Ableh­nung einer Geneh­mi­gung gemäß § 121a SGB V, so ist Kla­ge­art die Ver­pflich­tungs­kla­ge auf Erlass eines begüns­ti­gen­den Ver­wal­tungs­akts, die kei­ne auf­schie­ben­de Wir­kung ent­fal­tet (§§ 86a, 86b Abs 1 SGG betref­fen allein Wider­spruch und Anfech­tungs­kla­ge, also Rechts­be­hel­fe gegen belas­ten­de Ver­wal­tungs­ak­te). Erwirkt der Antrag­stel­ler kei­ne einst­wei­li­ge Anord­nung (§ 86b Abs 2 SGG), so ist die Geneh­mi­gungs­ab­leh­nung einst­wei­len zu beach­ten. Dies gibt den Zulas­sungs­gre­mi­en die Befug­nis, dar­auf gestützt, den Betrieb einer Zweig­pra­xis abzu­leh­nen, was durch den betrof­fe­nen Arzt eben­falls ange­foch­ten wer­den kann.
Ent­ge­gen der Ansicht der Klä­ge­rin liegt kei­ne Kon­stel­la­ti­on vor, die wegen des Inein­an­der­grei­fens der Rege­lun­gen des § 24 Abs 3 Satz 1 Nr 1 Ärz­te-ZV und des § 121a SGB V den Zulas­sungs­gre­mi­en Anlass geben könn­te, einen Ermäch­ti­gungs­be­scheid unter dem Vor­be­halt, dass die LÄK die Geneh­mi­gung gemäß § 121a SGB V erteilt (zB Bedin­gung oder sons­ti­ge Neben­be­stim­mung), zu erlas­sen. Eine Neben­be­stim­mung, die im Sin­ne des § 32 Abs 1 SGB X sicher­stel­len soll, dass die gesetz­li­chen Vor­aus­set­zun­gen des Ver­wal­tungs­akts erfüllt wer­den, kann nur in Betracht kom­men, wenn ledig­lich noch gering­fü­gi­ge tat­be­stand­li­che Vor­aus­set­zun­gen feh­len. Die wesent­li­chen Vor­aus­set­zun­gen müs­sen erfüllt sein [7]. In einem Fall der vor­lie­gen­den Art indes­sen sind als Fol­ge der noch nicht ent­schie­de­nen Fra­ge der Geneh­mi­gungs­er­tei­lung gemäß § 121a SGB V zugleich noch wesent­li­che Ele­men­te des Vor­lie­gens einer Ver­sor­gungs­ver­bes­se­rung im Sin­ne des § 24 Abs 3 Satz 1 Nr 1 Ärz­te-ZV offen.
Der Vor­rang des Ver­fah­rens gemäß § 121a SGB V bedeu­tet inhalt­lich, dass die KÄV bzw die Zulas­sungs­gre­mi­en sich bei Vor­lie­gen der Ent­schei­dung über die Geneh­mi­gung gemäß § 121a SGB V sich nicht in Wider­spruch zu den­je­ni­gen Fest­stel­lun­gen und Erwä­gun­gen set­zen darf, auf die die­se Ent­schei­dung gestützt ist. Soweit zB die Ent­schei­dung gemäß § 121a SGB V Aus­füh­run­gen zur Bedarfs­ge­rech­tig­keit und/​oder Leis­tungs­fä­hig­keit im Sin­ne des § 121a Abs 2 Nr 2 SGB V ent­hält, dür­fen die KÄV bzw die Zulas­sungs­gre­mi­en bei ihrer Beur­tei­lung, ob eine Ver­sor­gungs­ver­bes­se­rung im Sin­ne des § 24 Abs 3 Satz 1 Nr 1 Ärz­te-ZV vor­liegt, davon nicht abwei­chen. Sie müs­sen die Aus­füh­run­gen viel­mehr zugrun­de legen und kön­nen dar­an anknüp­fen.
Aus ande­ren Grün­den hin­ge­gen, die nicht Gegen­stand der (vor­ran­gi­gen) Prü­fung im Rah­men des § 121a SGB V sind, dür­fen sie eine Ver­bes­se­rung der Ver­sor­gung im Sin­ne des § 24 Abs 3 Satz 1 Nr 1 Ärz­te-ZV beja­hen oder ver­nei­nen. So sind die KÄV bzw die Zulas­sungs­gre­mi­en zB nicht gehin­dert, den Betrieb einer Zweig­pra­xis aus spe­zi­fisch ver­trags­arzt­recht­li­chen Erwä­gun­gen zu ver­sa­gen, mit den sich die gemäß § 121a SGB V zustän­di­ge Behör­de weder befasst noch aus kom­pe­tenz­recht­li­chen Grün­den befas­sen darf. Das betrifft etwa den bereits erwähn­ten Gesichts­punkt, dass der Betrieb der Zweig­pra­xis die Ver­sor­gung am Ort der Haupt­pra­xis in unzu­läs­si­gem Umfang beein­träch­ti­gen wür­de. In einem sol­chen Fall „inhalt­li­cher Unab­hän­gig­keit“ der Ent­schei­dung über den Zweig­pra­xis­an­trag darf die­se auch vor­ge­zo­gen erge­hen.
Die Recht­mä­ßig­keit der Ableh­nung der Zweig­pra­xis­er­mäch­ti­gung erfor­dert zusätz­lich, dass der Bescheid des Beklag­ten den Anfor­de­run­gen ent­spricht, die sich inhalt­lich aus § 24 Abs 3 Satz 1 Nr 1 und 2 Ärz­te-ZV erge­ben. Die inhalt­li­che Bewer­tung, ob sich durch den Betrieb der Zweig­pra­xis eine Ver­sor­gungs­ver­bes­se­rung am Ort der geplan­ten Zweig­pra­xis und/​oder eine Ver­sor­gungs­be­ein­träch­ti­gung am Ort der Haupt­pra­xis erge­ben, erfor­dert Abwä­gun­gen, bei denen der KÄV bzw den Zulas­sungs­gre­mi­en ein Beur­tei­lungs­spiel­raum ein­ge­räumt ist [8]. Die dabei abzu­wä­gen­den Gesichts­punk­te hat der Senat näher umschrie­ben.
Der Senat hat her­aus­ge­stellt, dass Gesichts­punk­te der Bedarfs­pla­nung im Sin­ne der Bedarfs­pla­nungs-Richt­li­nie kei­ne Rol­le spie­len. Er hat wei­ter aus­ge­führt, dass das blo­ße Hin­zu­tre­ten eines wei­te­ren Behand­lers – unge­ach­tet der damit ver­bun­de­nen Erwei­te­rung der Mög­lich­kei­ten der Arzt­wahl – jeden­falls in nicht unter­ver­sorg­ten Gebie­ten noch kei­ne Ver­bes­se­rung der Ver­sor­gung dar­stellt. Eine qua­li­ta­ti­ve Ver­sor­gungs­ver­bes­se­rung kann bei­spiels­wei­se vor­lie­gen, wenn der in der Zweig­pra­xis täti­ge Arzt im Ver­gleich zu den bereits vor Ort täti­gen Ärz­ten über wei­te­re qua­li­fi­ka­ti­ons­ge­bun­de­ne Geneh­mi­gun­gen ver­fügt oder ein dif­fe­ren­zier­te­res Leis­tungs­spek­trum anbie­tet. Eine quan­ti­ta­ti­ve Erwei­te­rung des bestehen­den Ver­sor­gungs­an­ge­bots kommt dann als Ver­bes­se­rung im Sin­ne des § 24 Abs 3 Satz 1 Nr 1 Ärz­te-ZV in Betracht, wenn durch das erhöh­te Leis­tungs­an­ge­bot War­te­zei­ten ver­rin­gert oder wenn Abend- und Wochen­end-Sprech­stun­den ange­bo­ten wer­den, uU auch dann, wenn die Zweig­pra­xis bes­ser erreich­bar ist als die bereits bestehen­den Pra­xen [9].
Der Senat hat wei­ter aus­ge­führt, dass regel­mä­ßig auch zu berück­sich­ti­gen ist, ob eine Zweig­pra­xis außer gewis­sen Ver­bes­se­run­gen nicht auch zugleich Nach­tei­le mit sich bringt: Da der Arzt in sei­ner Zweig­pra­xis nur zeit­lich eng limi­tiert für die Ver­sor­gung zur Ver­fü­gung steht und dadurch die von ihm betreu­ten Pati­en­tin­nen für evtl erfor­der­li­che Nach­be­hand­lun­gen und ggf auch Not­fall­be­hand­lun­gen ande­re Ärz­te auf­su­chen müs­sen, die die bereits erho­be­nen Befun­de nicht ken­nen und die­se des­halb neu erhe­ben müs­sen, ent­ste­hen zusätz­li­cher Auf­wand und Kos­ten, was Unwirt­schaft­lich­keit bedeu­ten kann [10]. Sind der­ar­ti­ge Nach­tei­le gege­ben, so hat eine Sal­die­rung der Vor- und Nach­tei­le zu erfol­gen, wobei die Zulas­sungs­gre­mi­en in Anwen­dung ihres Beur­tei­lungs­spiel­raums die Vor- und die Nach­tei­le zu gewich­ten und gegen­ein­an­der abzu­wä­gen haben [11].
Leis­tungs­an­ge­bo­te eines MVZ sind nicht etwa nach­ran­gig, wie sich aus der grund­sätz­li­chen gesetz­li­chen Gleich­stel­lung ergibt (vgl hier­zu § 72 Abs 1 Satz 2, § 95 Abs 1 SGB V). Wie bereits aus­ge­führt, stellt das blo­ße Hin­zu­tre­ten eines wei­te­ren Behand­lers – unge­ach­tet der damit ver­bun­de­nen Erwei­te­rung der Mög­lich­kei­ten der Arzt­wahl – noch kei­ne Ver­bes­se­rung der Ver­sor­gung dar [12].
Hin­zu kommt, dass der Betrieb einer Zweig­pra­xis durch die Klä­ge­rin auch Nach­tei­le unter den Aspek­ten der Ver­sor­gungs­qua­li­tät und ‑kon­ti­nui­tät mit sich brin­gen wür­de [13]. Die Pla­nung der Klä­ge­rin, wie sie vor allem aus den von ihr im Ver­wal­tungs­ver­fah­ren vor­ge­leg­ten Ver­sor­gungs­kon­zep­ten deut­lich wird, auf die sie im Gerichts­ver­fah­ren wie­der­holt Bezug genom­men hat, geht dahin, die Leis­tun­gen der Repro­duk­ti­ons­me­di­zin nur zum Teil in K. in Hes­sen zu erbrin­gen und die Pati­en­tin­nen im Übri­gen in ihre Haupt­pra­xis in G. in Nie­der­sach­sen kom­men zu las­sen. Sie stün­de mit­hin in K. nur zeit­lich eng limi­tiert für die Ver­sor­gung zur Ver­fü­gung. Dadurch müss­ten die von ihr betreu­ten Pati­en­tin­nen für evtl unvor­her­ge­se­hen erfor­der­li­che Nach­be­hand­lun­gen ande­re Ärz­te auf­su­chen. Ergän­zen­de Ver­sor­gun­gen durch ande­re Ärz­te erschei­nen indes­sen gera­de in einer Arzt-Pati­en­ten-Bezie­hung pro­ble­ma­tisch, die – wie die Klä­ge­rin selbst gel­tend macht – eng ist und in beson­de­rem Maße Fra­gen der Intim­sphä­re berührt. Auch unter dem Gesichts­punkt der Wirt­schaft­lich­keit stel­len ergän­zen­de Ver­sor­gun­gen durch ande­re Ärz­te kei­nen gleich­wer­ti­gen Ersatz für ein feh­len­des voll­stän­di­ges eige­nes Leis­tungs­an­ge­bot dar [14]. Ob ein Split­ting in der Betreu­ung etwa dann hin­zu­neh­men wäre, wenn sonst – etwa im länd­li­chen Raum – über­haupt kei­ne Leis­tun­gen gemäß §§ 27a, 121a SGB V ange­bo­ten wür­den, ist hier nicht zu ent­schei­den, weil eine sol­che Lage in K. nicht besteht.
Schließ­lich kann ein Ver­sor­gungs­be­darf in K. nicht damit begrün­det wer­den, dass – wie die Klä­ge­rin gel­tend macht – bereits jetzt vie­le Pati­en­tin­nen aus K. und Umge­bung in ihre (Haupt-)Praxis in G. kämen. Die Fra­ge der Ver­sor­gungs­ver­bes­se­rung ist nicht für die spe­zi­el­le Pati­en­ten­schaft einer Pra­xis zu beur­tei­len, son­dern abs­trakt bezo­gen auf die im Ein­zugs­be­reich leben­den Ver­si­cher­ten als sol­che [15].
Bun­des­so­zi­al­ge­richt, Urteil vom 5. Juni 2013 – B 6 KA 29/​12 R
BGBl I 2983 ff, 3017[↩]
vom 21.12.1992, BGBl I 2266[↩]
so zum Stand­ort-Erfor­der­nis als Vor­aus­set­zung für eine Ermäch­ti­gung zur Erbrin­gung von Groß­ge­rä­te-Leis­tun­gen BSG SozR 3–2500 § 116 Nr 14 S 76; eben­so zB zur Fach­ge­biets­zu­ge­hö­rig­keit als Vor­aus­set­zung für die Ermäch­ti­gung eines Anäs­the­sis­ten zur Erbrin­gung schmerz­the­ra­peu­ti­scher Leis­tun­gen BSG SozR 3–2500 § 95 Nr 30 S 149: zum Groß­ge­rä­te-Befä­hi­gungs­nach­weis als Vor­aus­set­zung für die Ermäch­ti­gung zur Erbrin­gung von Groß­ge­rä­te-Leis­tun­gen BSGE 97, 158 = SozR 4–2500 § 135 Nr 10, RdNr 12 am Ende; zur Schwer­punkt­be­zeich­nung Pneu­mo­lo­gie als Vor­aus­set­zung für die Ermäch­ti­gung eines Inter­nis­ten zur Erbrin­gung pneu­mo­lo­gi­scher Leis­tun­gen BSGE 100, 154 = SozR 4–2500 § 87 Nr 16, RdNr 15; vgl auch zur Vor­aus­set­zung der LÄK-Kin­der­zahn­fach­kun­de für die Geneh­mi­gung eines dar­auf bezo­ge­nen Zweig­pra­xis­be­triebs BSG SozR 4–5525 § 24 Nr 1 RdNr 21 und 27[↩]
dazu BSG SozR 4–5520 § 24 Nr 5 RdNr 12 ff[↩]
unstrei­tig, vgl zB BSG SozR 4–1300 § 63 Nr 1 RdNr 11; BSG SozR 4–2500 § 106 Nr 28 RdNr 49 und Nr 29 RdNr 40; von Wul­f­fen, SGB X, 7. Aufl 2010, § 8 RdNr 5[↩]
unstrei­tig, vgl BSG SozR 4–4200 § 22 Nr 53 RdNr 25 mwN; von Wul­f­fen aaO[↩]
vgl BSGE 89, 62, 64 f = SozR 3–2500 § 85 Nr 42 S 344 = Juris RdNr 19[↩]
BSGE 105, 10 = SozR 4–5520 § 24 Nr 3, RdNr 53 f; BSGE 107, 230 = SozR 4–5525 § 24 Nr 2, RdNr 22 iVm 27; BSG SozR 4–5520 § 24 Nr 5 RdNr 12[↩]
vgl zu alle­dem BSGE 107, 230 = SozR 4–5525 § 24 Nr 2, RdNr 18 f[↩]
zu alle­dem vgl BSGE 107, 230 = SozR 4–5525 § 24 Nr 2, RdNr 27–30, 32; BSG SozR 4–5520 § 24 Nr 5 RdNr 12–14[↩]
vgl BSG SozR 4–5520 § 24 Nr 5 RdNr 12 am Ende[↩]
BSGE 107, 230 = SozR 4–5525 § 24 Nr 2, RdNr 18[↩]
zur Mit­be­rück­sich­ti­gung von Nach­tei­len vgl oben RdNr 27 am Ende unter Hin­weis auf BSG SozR 4–5520 § 24 Nr 5 RdNr 12[↩]
mit Hin­weis auf BSGE 107, 230 = SozR 4–5525 § 24 Nr 2, RdNr 27–30, 32; BSG SozR 4–5520 § 24 Nr 5 RdNr 13 f und 21[↩]
vgl die Rspr-Zusam­men­fas­sung in BSG vom 06.02.2013 – B 6 KA 38/​12 B – RdNr 8 f zur Fra­ge einer Ver­sor­gungs­ver­bes­se­rung[↩]
Medi­zi­ni­sches Ver­sor­gungs­zen­trum – und der… Bewer­bun­gen eines Medi­zi­ni­schen Ver­sor­gungs­zen­trums um einen Ver­trags­arzt­sitz nur mit einem Ver­sor­gungs­kon­zept ohne Benen­nung eines für des­sen Umset­zung geeig­ne­ten Arz­tes kön­nen bei der Aus­wahl­ent­schei­dung noch nicht…
Dok­to­ran­den – und die stu­den­ti­sche Kran­ken­ver­si­che­rung Dok­to­ran­den, die ihr Pro­mo­ti­ons­stu­di­um nach Abschluss eines Hoch­schul­stu­di­ums auf­neh­men, kön­nen nicht von der kos­ten­güns­ti­gen Kran­ken­ver­si­che­rung als Stu­dent in der gesetz­li­chen Kran­ken­ver­si­che­rung pro­fi­tie­ren. Dies ent­schied jetzt…
Ver­rech­nung von über­ta­rif­li­chen Zula­gen mit… Eine „frei­wil­li­ge Zula­ge“ kann mit Tarif­lohn­er­hö­hun­gen infol­ge eines Bewäh­rungs­auf­stiegs ver­rech­net wer­den, sofern ver­trag­lich nichts ande­res ver­ein­bart ist ((Im Anschluss an LAG Rhein­land-Pfalz, Urteil vom 17.04.2012…