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Timestamp: 2019-07-23 16:04:52
Document Index: 394607312

Matched Legal Cases: ['§ 5', '§ 6', '§ 7', '§ 8', '§ 9', '§ 10', '§ 12', '§ 13', '§ 14', '§ 16', '§ 17', '§ 18', '§ 19', '§ 20', '§ 21', '§ 22', '§ 23', '§ 24', '§ 25', '§ 26', '§ 27', '§ 28', '§ 29', '§ 30', '§ 32', '§ 33', '§ 34', '§ 35', '§ 36', '§ 37', '§ 38', '§ 39']

Die Mögeldorfer Gemeindeordnungen von 1594 - von Martin Schieber
Heftausgabe Dezember 2013
Gemeindeordnungen im Nürnberger Landgebiet
[§ 5] Die gemain ohne sondere ursachen nit zusammen zu ervordern
Es soll auch außerhalb hochwichtigen sachen, die sich entweder geverlicher leuft oder notwendiger ursachen, auch einer gemaindt grundt und bodens halben, zutragen möcht, ein gantze gemeindt nit ervordert werden, sonder die geordneten vierer jeder zeit ob den ordnungen und die in der gemaindt zur billichkeit vermögen und halten. Und da sie sich einer sachen nit allein mechtigen wollten, mögen sie noch einen oder mehr auß der gemeindt zu ihnen nehmen, sich der furgefallnen sachen mit ihnen berathen. Und welche also auß der gemain durch die vierer zu beistendten ervordert worden, die sollen unwaigerlich zu erscheinen schuldig sein und daz handeln helfen, daz der gemain nuetz und notturft ervordert. Und sonderlich in leidtlichen sachen, da die vierer nicht allemal beieinander sein mögen, da sollen die zwen oder drey, so bey der handt, volkhommene macht und gewaldt haben, die notturft zu handeln, doch dez gehandlet wirdt, den drithen oder vierten sobaldt möglich angezaigt werden.
[§ 6] In der zusammenkönft uber bestimbte zeit nit außen bleiben
Da aber vonnöten were, eine gantze gemaindt zusammen zu ervordern oder daz sonst die hievor gemelte tag erscheinen würde, daran der alten vierer rechnung angehört und andere vierer erwehlet werden, so soll khein gemeindtsverwandter ohne leibs oder herren ehehaften ursachen uf die bestimbten zeit, nach dem er ervordert wirdt, nicht außbleiben. Oder im fall solcher ehehaft einen verstendigen bevelchhaber schicken, dern jeder zu der fürfallenden gemaindtsachen sein bedencken mit bester beschsidenheit anzuzaigen und guete ordnungm auch was der gemainst am nutzsten ist, fürdern zu helfen schuldig sein solle, welches dann einen jeden insonder der gemaindt selbst zum besten kombt.
[§ 7] Straf der nit erscheinenden und die von der gemaindt abgehen
Im fall aber jemandt ohne ehehaft ursachen nit erscheinen, auch seinen bevelchhaber nit ordnen, oder das jemandt ohne erlaubtnus von versambleter gemaindt abgehen würde, der soll umb sechzig pfennig, und welcher erst nach der bestibmten zeit der zusammenkhönft ankhommen umb fünfzehen pfennig gestraft werden.
[§ 8] In der zusammenkönft sich gefehrlicher währ, fluchens und schmehens enthalten. Eß soll auch zu solcher zusammenkhonft
einer gemeindt kheiner ainich geuerlich wehr haben, auch der bauern kheiner, ainich wehr, hacken, creutzbarten, pleykugel noch anders verborgen oder öffentlich bei ihnen haben. Und keiner dem andern fluchen, lägen strafen, noch zu zorn und unwillen ursach geben, sich auch eines andern sach und handtlung nicht annehmen noch viel weniger jemandt wirder ein gemaindt stercken oder ein unbillichs mehrers begehrn wider das alt herkhommen, sondern sollen gehorsamb, still, friedtlich und ainich sein, kheiner den andern in seiner mainung oder fürtrag überschreien, sondern sich beschaidentlich halten, alles und jedes sonderlich bei straf eines halben guldens. Und da die vierer sich dergleichen unterstehen, sollen sie duplirte straf verfallen haben. Es möcht sich auch jemandt so übermeßig unbeschaiden erzaigen, ein Erbar Rath würde verursacht, von herrschaft wegen ein gebührlich einsehen zu haben, damit solcher unbeschaidenheit mit ernstlicher straf begegnet würde.
[§ 9] Gemainweyer
Item den gemainweyer, den man sonst uf ein zeit zu verlaßen pflegt, in der grosen Au gelegen, mag man auch einer gemaindt zum besten hinfüro noch also bestandtsweiß hinlaßen. Doch jedesmals einen, der in der gemain verwanth ist,
und daz derselbig soviel zu bestandt gebe, alß ein frembder, und daz solcher weier in gueten würden und wesen erhalten werden. Wann aber derselb einen gemeindtsverwanthen nit annehmblich, so mögen die vierer denselben eüßern persohnen verlaßen.
[§ 10] Gemainbach
Item den bach in der Au, soviel der gemeindt daran zustendtig, soll es damit wie von alters hero noch gehalten werden.
Item wen vonnöten sein wirdtet, etwas an der gemain zu arbeiten, eß were mit verschrancken, vergraben, auch an pächen und gräben fegen oder anderm, daz die vierer gebieten würden, so soll sich deßen, wann ihme geboten wirdet, niemandt widersetzen, sondern selbst oder mit vergonst einer andern tüglichen arbeitsamen manspersohn, die er auf sein costen bestellen mag, zu geordenter zeit arbeiten, wie er beschieden ist, an der gemain arbeit gebrauchen, bei der straf jeder verprechung eines guldens.
[§ 12] Gemainhirt
Den gemainen viehehirten solle die verordenten vierer mit wißen einer gemeindt zu ordentlichen zeiten aufnehmen und dingen. Und was ihme an pfründt, geldt, getraidt und anderm versprochen wirdtet, daz soll ihme ohne abgang und
mit gueter wahr gelaistet werden. Da auch jemandt in der gemaindt an entrichtung solches pfründtgeldts und waz ihme an befriedung deß hirtens gebühren wollte, seümig erscheinen würde, dem soll sein viehe, solang die bezahlung nit beschicht, nit für den hirten oder zur waidt geschlahen un der darzu umb ein halben gulden gestraft werden.
[§ 13] Pfründten deß viechs
Und soll mit den pfründten der viechs also gehalten werden, was acht tag vor oder nach Walburgen an viehe bei einem jeden gemaindtsverwanthen verhandten sein oder von frambden viehe in die gemeindt gebracht würde, daz soll man schuldig sein, alle vier wochen pfründt dem hirten zu geben. Und sollen solches die verordneten khüeführer verrichten. Und da jemandt sein viehe verhalten und verschweigen würde, der soll einer gemain von jeden stückh ein halben gulden zur straf geben. Und wenn eß einen vierer betreffe, der eß nicht angezaigt hette, der soll zwifache straf bezahlen.
[§ 14] Herdtochß
Eß soll auch in dieser gemaindt ein tüglicher herdtochß gehalten und einem jeden, so ihne halten würde, jährlich Walburgis drey gulden geben und darzu den Engelsee laßen. Wann eß aber einßen gelegenheit nit ist, mag mans uf den andern, dritten, vierten und fünften und also
auf der reyhen herumb laßen anpieten. Und woverr der gemaindthirt uber ein schnitling clagen würde, sollen die khüefuerer9 solches den verordenten vierern anzaigen und dieselben mit dem, so der verschnitten ochß ist, verschaffen, daz er ihne, weil er daz vieh´cb stößet und beschediget, hinweg thue, bei straf eines guldens.
Eß soll auch niemandt ainiche kalb oder khue, so nit gesundt ist, uf die waidt schlahen, bei straf eines halben guldens. Und so er hierüber wider betreten würde, jetztgemelte straf doppelt zahlen.
[§ 16] Roßwaidt
Es soll niemand seine roß uf die gemeindt laßen oder darauf hüeten, ehe dann solches durch die vierer einer gemaindt vergönt und erlaubt wirdtet, bei straf eines halben guldens. Aber ein jeder mag sein pferdt biß uf st. Walburgen tag uf die wiesen schlahen und weiden. Deßgleichen auch sollen deß andern viechs halben alle wisen in diese gemain zu den guetern zu Megeldorf und andern orth, wie von alterhero ruhig gebraucht und herkhommen ist, gehörig biß in st. Walburgen tag offen, aber nach Walburgis aoll ein jeder, so auf wisen treiben und hüeten würde, ein halben gulden straf verfallen sein.
[§ 17] Rützige und reüdige pferdt
Jedoch rützigen und reüdigen pferdten ist alle waidt verboten. Und der ein solches pferdt wißentlich zur waidt schlüge oder treibe, der soll ein gulden zur straf bezahlen.
[§ 18] Mähen, grasen
Item es soll niemandt uf den gemainen grundt noch andern wisen und im holtz mit den senßen oder dengelstümpfen mehen, bey straf eines guldens. Jedoch ist daz grasen unverboten, welches graß in der gemaindt und demselben viehe zugueten bleiben solle. Wer aber graset und das graß auß der gemain trägt oder gibt, der ist von jeder farth fünfzehen pfenning zu straf zu geben schuldig.
[§ 19] Uberackern, ubermähen und dergleichen
Eß ist auch verboten, daz niemandt in der gemaindt den andern an seinen gründten wider die billichkeit und für sich selbst etwaz entziehen oder benehmen solle, weder zu dorf oder zu velde, eß seie mit reuten, uberakern, ubermehen oder andern, bei einer nehmblichen straf sechzig pfennig. Und wann einer uber wißentliche wahre marck ackert und zeünet, der soll nach der gelegenheit der verbrechung von den vierern deß schadens halben abtrag zu thuen gestraft werden, aber einem Erban Rath alß der obrig-
[fol. 7r] keit ihr straf vorbehalten und unbenohmmen sein.
[§ 20] Viechhüten
Item niemandt in dießer gemain soll macht haben, zwischen Walburgis und Michaelis weder auf seinem noch andern vheldte, auch nicht zu waldte oder ufm reichsboden sein viehe sonderlich zu hüten, bei straf eines guldens von jeder verbrechung, sondern sein viehe die bestimbten zeit für den gemainhirten zu schlagen schuldig sein. Aber vor Walburgis und nach Michaelis ist die sonderbare huet uf eines geden selbst grundt unverboten. Es soll auch kein frembder hirt oder schefer vor Michaelis uf kein acker oder wisen treiben, sondern sich desselben gentzlichen enthalten, bei obgemelder straf.10
[§ 21] Gründt und stück verwahren
Item ein jeder in der gemain soll seine erbliche gründt und stück, die an die gemain stoßen verwahren und befrieden, das er und andere vor schaden versehen sein. Da aber jemandt, an der gemain gelegen, durch solch sein vermachen ainicher schade durch daz viehe geschehe, dem soll man darfür nichts zu gelten, sondern im fall, durch solch sein verwahrlosen seiner nachtbarn und angelegenem einem ein schade zugefüegt würde, denselben soll er ihme nach erkhandtnus der vierer wider zu gelten oder abzulegen schuldig sein.
[§ 22] Acker und wisen umb st. Jorgen tag11 vermachen.
Item was ein jeder in der gemain an den gemaintraiben für grundt, ecker
und wisen im nuetz ligendt hat, die soll er zu st. Geörgen tag oder zum lengsten drey tag darnach zu vermachen und sich auch andere angelegene zu verwahren schuldig sein, bei der straf eines guldens.
[§ 23] Unbesambte velder nit vermachen
Was aber unbesämbte vhelder weren, die soll niemandt bei vier pfundt straf nit vermachen noch verstecken, sonder zu betreiben offen laßen.
[§ 24] Zeun aufreissen oder zerprechen
Item eß soll auch kheiner in der gemain den andern seine zeun oder lantern weder zu dorf noch vheldte aufbrechen, zerreißen und wegtragen, anderst er müeste von einem jeden pilzigen (pitzigen?) oder stumpfen zaunstecken oder von jedern landern, den er haimbbrächte oder außgerißen hette, einer gemain vier pfundt zu straf bezahlen und seinem nachtbarn darzu den schaden ablegen.
[§ 25] Marckstein
Item wenn ein marckstain an einer gemaindt ungeuehr außgeworfen, umbgerißen oder derselbs umbgefallen und verlohren würde und der anstoßendt gemeindtsverwanthe, alßbaldt ers in erfahrung bracht, solches der aigenherrschaft nit anzaigen würde, der soll von jeden stain zwai pfundt straf zu geben verfallen sein.
[§ 26] Marckstein verpflocken
Und damit die mackstein soviel desto mehr in gueter achtung gehalten werden, so ist jetzundt verordnet, daz hinfüro ein jeder gemaindtsverwanther, der an die gemainen gründt zu stoßen hat, zu der österlichen zeit oder ungevehrlich acht tag vor oder nach zu jedem marckstein, soviel demselbigen an und zwischen den grundt stehen, einen ansehenlichen pflocken schlagen und stehen laßen. Und welcher dem nit nachkhommen würde, der soll von gemden ungepflockten stein, der zwischen der gemeindt und seinen gründten stehet, sechzig pfenning zur straf verfallen sein. Wo aber die gemaindt außerhalb der gemaindtsverwanthen an andern orthen anstößer hette, die dieser gemaindt nit einverleibt weren, sollen die vierer zu demselben stainen pflocken zu schlagenn bevelch haben und guete versehung thuen, das einer gemein nichts entzogen werde.
[§ 27] Mißstatten
Eß soll khein ainiger gemaindtsverwanther ainiche mißstatt uf die gemain machen ohne sonderliche erlaubtnus von vierern. Und da die vierer einem ein mißstatt auf der gemeindt zulaßen und vergönstigen wolten, so soll solches dermaßen beschehen, daz
durch solch mistschütt an den gemeinen straßen und wegen nit verhinderung bringen und sonderlich derselben großen mißstatt verpflocken laßen, damit man nit weiter greif und also an den gemainen gründten nichts abgehe. Und welchen also uf sein begern ein mißstatt von neüen vergont wirdt, der soll von solchermißstatt, solang er die gebraucht, ein orth eines gulden jährlich einer gemaindt zu geben schuldig sein. Was aber alte misstatten und lang gebraucht sein, die sollen unbelegt und unbeschwehrdt bleiben.
[§ 28] Mist
Item eß soll auch aller mist in der gemain bleiben und niemandt frembdts verkhauft werden dann wer in der gemaindt ist. Und soll von zweien pfersten sechsunddreißig pfennig und auf drei pferdt achtundvierzig pfennig ein fueter verkhauft werden. Im fall aber, da die in der gemaindt den mist nit kaufen wollten, so soll ihnen frey stehen, frembden zu verkaufen, und solches bei straf von jedem futer dreyundsechzig pfennig.
[§ 29] Gefährlich liechttragen, schlaißen, küen
Item eß soll niemandt weder bei tag noch bei nacht ainich schlaißen, khüen-12 oder
stroelicht in die stell und stedl tragen noch darbei arbeiten oder dreschen. Da aber jemandt zu seinem viehe zu sehen, deme zu warten und eines lichtes nottüftig, der soll solch licht in einer latern und nit offen tragen und hinsetzen, bei straf eines guldens. Und wann jemandt fürbracht wirdt, der auß einen andern hauß feüer geholet und dazselb nit in einem häfelein oder zweyen stürtzen ubereinander gedeckt getragen hette, der soll dreißig pfennig zu bueß geben und zu bezahlen verfallen sein.
[§ 30] Flaxs und hanfderrens
Und damit soviel desto mehr feüergefahr verkhommen und verhüet werde, so soll verboten sein, daz niemandt flaxs oder hanf in den stuben oder uf den ofen dörre, bei straf zwen gulden. Eß sollen auch die vierer sambtlich oder sonderlich macht haben, zu denen zeiten, als man das gespünst zu dörren pflegt, zu den feuerstätten zu sehen, die gefehrlichkeit zu endern verschaffen und dann die ubertreter ditz gebots zu straf zu halten. Da aber jemandt in einem pachofen gespünst dörren wollte, das ist ihnen unbenohmmen. Jedoch daz derselbig ein schaf wasser darzu setze und soll dabei auch vleißige achtung gehalten werden. Und im fall dazselbe von leschens wegen, damit daz feüer nit weiters kann, heraußgerißen würde und das feüer uber sich khäme, der soll
zu straf einen gulden zu bezahlen verfallen sein.
Item man soll im vorrath haben etliche lidere aimer in der kirchen verwahren. Deßgleichen feuerhacken und leitern, welche jerlich besichtigt werden sollen. Im fall was an demselben abgieng, anders wiederumb konnt erstatten werden.13
[§ 32] Gemaindtaichel
Item es soll niemandt ainiche aichel in der gemaindt abschlagen, werfen oder reißen, sonder was von ihme selbst abfellt oder reiste, daz hat ein jeder macht bei dem sonnenschein oder beim tag zu klauben und haimbzutragen. Und dez ein jeder gemaindtsverwanthe also klaubt, daz soll er für sich selbst verbrauchen oder aber in der gemaindt umb ein billichs verkhaufen. Wer aber solches nit thete, der soll seiner verbrechung halben umb sechzig pfenning gestraft werden.
[§ 33] Gemainpronnen
Item der gemeindtpronnen solle wesenlich und beülich gehalten und zur notturft versehen werden, bei welchem auch niemandt ichts verderblichs oder schedtlichs handeln oder fürnehmen solle, anders er müeße denselben schaden wandlen und darzu auch nach gelegenheit derselben verwirckung gestraft werden umb sechzig pfenning.
[§ 34] Bestendtner
Eß soll auch niemandt, in der gemeindt verwanth, ainichen bestendtner oder haußgenoßen ohne vorwißen und be-
willigung seines aigenherren, an welchem der verwanth sein solle, nit an- oder einnehmen. Und wo er, der aigenherr, bewilligt, so soll solches den vierern und gemaindt angezaigt, bei straf eines halben guldens.14 Und soll ein bestendtner macht haben, zwo khüe und darüber nicht zu halten, also daz in einem hauß nur zwo gehalten werden solle. Wo aber einer uber zwo halten würde, soll er jedesmals ein halben gulden starf geben. Aber ein guet soll nit höher dann mit einem oder nach gelegenheit desselben uf daz höchst mit zweyen bestendtnern besetzt und ein gemaindt mit solchen bestendtnern nit beschwerdt werden, laut eines Erbarn Raths bevelch. Wann auch ein bestentner oder anderer in die gemein einzeucht, daz derselbig, so es ein mansperson oder par eevolck ist, 1 ort eins guldens, aber ein ainzige weibsperson oder witib 1/2 oder in di gemein zu geben schuldig sein soll.15
[§ 35] Verdechtige leüth
In sonderheit soll sich auch ein jeder gemeindtsverwanther gentzlich allerdiengs enthalten, unbekhandte und verdechtige, untüchtige leüth nit zu haußen oder unterzuschlaifen, alles bei straf vier pfundt alts.
[§ 36] Gräben fägen
Eß soll auch in sonderheit ein jeder beerbter oder anseßiger zu Megeldorf sein gräben
inner vierzehen tagen nach Walburgis fägen, bei straf dreyundsechzig 16 pfenning.
[§ 37] Roß außtreiben
Eß soll sich auch ein jeder gemaindtsverwanther dahin befleißen, daz er umb ordentliche zeit, so von den vierern ernent wirdt, die roß zu früe umb den garauß auf die waidt zu schlahen und abendts vor dem garauß wider hereinzuholen ohne ainichen schaden der gemein, bei straf eines halben guldens.
[§ 38] Die auferlegte straf in acht tagen zu bezahlen
Wann nuhn jemandt hievor gesetzten articuln strafbar erfundten und ihme die straf auferlegt und angezaigt würdet, der oder dieselben sollen schuldig sein, in scht tagen den nechsten die straf den vierern zu erlegen. Wo aber das nit beschehe, so sollen ihme und den seinen, auch ihrem vieh, die gemainen nüetz solange verboten sein, biß er dieselben straf zwifach verbracht und bezahlt hat. Und so einer gerugt oder gestraft wirdt, eß seie wer der wölle, und solche straf in acht tagen den vierern nit bezahlt, der soll uber die gemelte zeit doppelte straf schuldig sein zu geben und ohne alle nachlaß von ihme genohmmen werden.
[§ 39] Gemaintrüelein
Solch strafgeldt und was einer gemain von andern gemainen nutzen gefellt und wirdt, das sollen die vierer vleißig zusammen halten und in einem verschloßnen trühelein, das sonderlich hierzu verordnet ist und kheiner ohne den andern aufsperren mag, verwahren und davon nichts vertrincken oder verzehren, noch unnotwendigerweiß in ander weg außgeben, sondern allein einer gemeindt zum besten und denselben nuetz und fromben damit zu verordnen behalten und anwendten ohne gevehrde. Derowegen die auch jährliche rechnung und uberantwortung zu thun schuldig sein sollen.
Waz dann sonsten andere gemaine noturft und ordnung fürzunehmen sein werden, daz mögen die vierer jedesmals nach gelegenheit handlen und darob halten und sonderlich in allwege daran sein, das dieses ordnung in ihrem wesen gehandthabt werde, darzu ein Erbar Rath alß die obrigkeit ihr billiche handtraichung auch thun und sich deß alles also zu geschehen entlich verlaßen will. Und behelt ein Erbar Rath der statt Nürmberg alß der gemain oberherrschaft
dieses dorfe ihnen hiemit bevor, diese gemaine ordnung in khönftig zeit zu beßern, zu endern, zu mehren und zu handlen, was jedesmals die notturft und gelegenheit ervordert.
Der vierer pflicht
Eß sollen die, so von einer gemaindt zu Megeldorf zu vierern erkist und erwehlet werden, an eines geschwohrnen aidtsstatt angeloben, das die zuvörderst einem Erbarn Rath der statt Nürmberg alß der gemaindt oberherrschaft, auch einer gemaindt zu Megeldorf getreü sein und derselben schaden fürkhommen und nuetz und frommen fürdern wöllen, soviel ihnen möglich ist. Das sie auch einer gemain treülich vorgehen und die gemaine ordnung halten und handthaben, auch die gemainen nutz seiner gemain zum besten anwendten, von den verbrechern der ordnung und satzung die straf ohne ainich nachlaß einbringen und solch geldt in die gemain
truhen vleißig verwahren. Davon ohne der gemaindt wißen und bevelch nichts außgeben, sondern allein der gemaindt nuetz mit schaffen, darumb17 sie auch zu der geordenten zeit im jahr ihr ordentliche rechnung und verantwortung zu thun schuldig sein sollen. Daz sich auch mit verlaßung deß gemainen weyers zu jeder zeit einer gemeindt zum besten handlen und allerdiengs thun wöllen, das getreüen vorstehern einer gemain gebürt, treülich und ohne gevehrde.
Deß alles zu wahrer urkhundt und mehrer verkreftigung haben wir, Burgermeister und Rath der statt Nürmberg, gemainer unser der statt secret und dann neben uns die Erbarn unsere liebe Rathsfreündt Carl Tetzel und Wolf Löffelholtzs für sich und dann die andern aigenherren ihre insiegel an diesen libellirten brief gehangen. Der geben ist Montags den zwenundzwainzigisten deß monats Aprilis nach Christi unsers lieben herren und seilgmachers geburth fünfzehenhundert und im vierundneunzigisten jahr.
Entgegegn der ursprünglichen Planungen folgt auf den Text der Gemeindeordnung von 1594 nun nicht der Text derjenigen von 1625. Der Fund von zwei Aktenstücken im Nürnberger Stadtarchiv macht es möglich, noch ein wenig über die Hintergründe und Konflikte im Zusammenhang mit dem Erlaß der ersten Gemeindeordnung von 1594 zu erfahren. Daß dabei die Konfliktlinien nicht allein zwischen den Dorfbewohnern und der Obrigkeit verliefen, sondern auch zwischen den Dorfbewohnern und den Grundherren selbst, ist einer der Schlüsse, die man aus dem Schriftwechsel ziehen kann. Der Fall zeigt sehr anschaulich, daß es innerhalb einer Gemeinde wie Mögeldorf scharfe Gegensätze zwischen den reichen Bauern, die viele Felder bewirtschafteten, und zwischen den Köblern gab, die mit wenigen Stück Vieh und oft nur dem Garten um ihr Haus ein Auskommen suchen mußten.
Georg Prechtels Mistverkauf verstieß also nach Meinung der Vierer gegen die Gemeindeordnung - offenbar hätte es durchaus Käufer in der Gemeinde selbst gegeben. Da sich Prechtel nun weigerte, die Strafe zu zahlen, und darin auch noch von seinem Grundherren Caspar Tucher unterstützt wurde, wandten sich am 20. März 1595 die zwei der Mögeldorfer Vierer, nämlich Georg List und Hans Simon, an das Landpflegamt in Nürnberg. Die beiden Ratsherren Joachim Nützel und Wolf Löffelholz nahmen die Aussage entgegen und protokollierten sie.1 Löffelholz hatte im Jahr vorher die Mögeldorfer Gemeindeordnung eigenhändig zusammen mit seinem Kollegen Carl Tetzel besiegelt und damit in Kraft gesetzt. Aus dem Protokoll wird deutlich, daß die Vierer sich über Georg Prechtel und Caspar Tucher ärgerten, da sie ihnen solche Unannehmlichkeiten bereiteten. Zugleich halten die Protokollanten fest, daß auch Caspar Tucher als einer der für Mögeldorf zuständigen Grundherren ein Vorab-Exemplar der Gemeindeordnung erhalten und nach Durchsicht wieder mit seinem Einverständnis ans Landpflegamt zurückgeschickt habe.
Eineinviertel Jahre später erst datiert das zweite erhaltene Schriftstück, ein ausführlicher Schriftsatz Caspar Tuchers, in dem er dem Landpflegamt seine Sicht der Dinge darlegt.2 Der Fall des Mistverkaufs seines Untertanen Georg Prechtel dient Tucher als Anlaß, seine Ablehnung der Mögeldorfer Gemeindeordnung an sich kundzutun. Er wirft dem Landpflegamt in Person der beiden Landpflegschreiber Carl Tetzel und Wolf Löffelholz vor, die Gemeindeordnung nicht rechtmäßig in Kraft gesetzt zu haben. Er selbst als betroffener Grundherr habe niemals ein Vorab-Exemplar in Händen gehabt. Daß Tetzel und Löffelholz ihr Siegel zu Recht auch im Namen der anderen Grundherren am Original der Gemeindeordnung anbrachten, streitet Tucher vehement ab. Er unterstellt den Landschreibern sogar indirekt korruptes Verhalten, seien sie doch diejenigen, die am meisten Untertanen in Mögeldorf ihr Eigen nannten; außerdem könne man von Ratsherren eigentlich nichts als korrektes Verhalten erwarten...
1 Stadtarchiv Nürnberg A 26, Rep. 100g, Nr. 241 Schriftstück 1
gehorsamer Caspar Tucher
Kanzleivermerke: Caspar Tucher 28. July 1596
Denkelstumpf = größe Sichel, dei wie eine Sense mit dem Dengeleisen geschärft werden muss. Im Deutschen Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm wird beim Stichwort "Dengeleisen" sogar die Mögeldoerfer Gemeindeordnung als Quellenbeleg für diesen Ausdruck zitiert!
Dieser und die folgenden beiden Absätze sowie die erste Zeile des danach kommenden Absatzes sind im Original von anderer Hand geschrieben. Daher ist die Schreibweise mancher Wörter vom Rest des Textes abweichens (beispielsweise "uff" statt "auf"). Dieser Umstand lässt den Schluss zu, dass der Text der Gemeindeordnung diktiert wurde (vermutlich im Nürnberger Landpflegamt) und der hauptsächliche Schreiber eine kurze Pause einlegte - anders ist der Handschriftenwechsel mitten in einem Abschnitt kaum erklärlich. Der zweite Schreiber verzichtete auf die Randglossen, die als Überschriften dienen, nur in einem Fall trug der Hauptschreiber diese nach. Vom Hauptschreiber stammt auch der größte Teil des restlichen Textes, allein der letzte Abschnitt wurde von dritter Hand geschrieben.
Diese Überschrift ist vom Hauptschreiber nachgetragen worden, obwohl der Absatz komplett von der zweiten Schreiberhand stammt.
Hier endet der zweite Schreiber, und mitten im Satz schreibt wieder der Hauptschreiber weiter.
St. Georg, 23. April. Die an die Grundstücke, die zum gemeindlichen Viehtrieb dienen, anstoßenden Ländereien müssen also eingezäunt oder vermacht sein, bevor an St. Walburgis (30. April) der Gemeindehirte mit dem Vieh wieder in die Fluren geht.
Holzplanke.
Lederne Eimer.
Garaus = Ende der Nacht und Ende das Tages.
Dieser Abschnitt ist von einer dritten Hand geschrieben.