Source: https://www.rechtslupe.de/wirtschaftsrecht/fast-eine-schmaehkritik-3111456
Timestamp: 2020-08-10 11:22:19
Document Index: 62525311

Matched Legal Cases: ['Art. 5', 'Art. 5', '§ 4', 'Art. 5', 'Art. 12', 'Art. 2', 'Art. 1', '§ 4', '§ 1', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 4', '§ 4', '§ 4', 'BGH']

Fast eine Schmähkritik… | Rechtslupe
Das Grund­recht der Mei­nungs- und Pres­se­frei­heit nach Art. 5 Abs. 1 GG fin­det gemäß Art. 5 Abs. 2 GG sei­ne Schran­ke in den all­ge­mei­nen Geset­zen. Zu ihnen gehört auch die lau­ter­keits­recht­li­che Bestim­mung des § 4 Nr. 7 UWG aF, die ihrer­seits aller­dings im Licht der Bedeu­tung des Art. 5 Abs. 1 GG aus­zu­le­gen und daher in ihrer die­ses Grund­recht beschrän­ken­den Wir­kung selbst ein­zu­schrän­ken ist [1].
Wegen des zudem nach Art. 12 und Art. 2 Abs. 1 in Ver­bin­dung mit Art. 1 Abs. 1 GG gebo­te­nen Schut­zes des Geschäfts­rufs des Betrof­fe­nen bedarf es regel­mä­ßig einer Abwä­gung der wider­strei­ten­den Inter­es­sen unter Berück­sich­ti­gung aller rele­van­ten Umstän­de des Ein­zel­falls [2].
Auch wenn die Vor­aus­set­zun­gen einer stets unzu­läs­si­gen Schmäh­kri­tik im Streit­fall nicht vor­lie­gen, führt die gebo­te­ne Abwä­gung dazu, dass die bean­stan­de­te Äuße­rung des Beklag­ten als eine nach § 4 Nr. 7 UWG aF unzu­läs­si­ge Her­ab­set­zung des Klä­gers ein­zu­stu­fen ist:
Ist eine Schmäh­kri­tik zu ver­nei­nen, kann sich die lau­ter­keits­recht­li­che Unzu­läs­sig­keit einer Äuße­rung über einen Mit­be­wer­ber auf­grund einer umfas­sen­den Inter­es­sen­ab­wä­gung erge­ben. Erfor­der­lich ist inso­fern eine Gesamt­wür­di­gung, bei der alle Umstän­de des Ein­zel­falls zu berück­sich­ti­gen und die Inter­es­sen der Par­tei­en und der All­ge­mein­heit im Licht der Bedeu­tung des Grund­rechts unter Beach­tung des Grund­sat­zes der Ver­hält­nis­mä­ßig­keit gegen­ein­an­der abzu­wä­gen sind [3]. Ein beein­träch­ti­gen­des Wert­ur­teil kann daher umso eher zuläs­sig sein, je nütz­li­cher die Infor­ma­ti­on für die Adres­sa­ten ist oder je mehr aus ande­ren Grün­den ein berech­tig­tes Infor­ma­ti­ons­in­ter­es­se oder hin­rei­chen­der Anlass für die Kri­tik besteht und je sach­li­cher die Kri­tik prä­sen­tiert wird [4]. Wei­ter­hin von Bedeu­tung ist das Maß an Her­ab­set­zung, das mit der Äuße­rung ein­her­geht [5]. Bei der Gewich­tung der Mei­nungs­äu­ße­rungs­frei­heit gegen­über ande­ren Grund­rechts­po­si­tio­nen ist zudem zu berück­sich­ti­gen, ob vom Grund­recht der Mei­nungs­äu­ße­rungs­frei­heit im Rah­men einer pri­va­ten Aus­ein­an­der­set­zung zur Ver­fol­gung von Eigen­in­ter­es­sen oder im Zusam­men­hang mit einer die Öffent­lich­keit wesent­lich berüh­ren­den Fra­ge Gebrauch gemacht wird. Je mehr das Inter­es­se des sich Äußern­den auf poli­ti­sche, wirt­schaft­li­che, sozia­le oder kul­tu­rel­le Belan­ge der All­ge­mein­heit gerich­tet ist, des­to eher ist sei­ne Äuße­rung in Abwä­gung mit ande­ren Belan­gen gerecht­fer­tigt [6]. Aus die­sem Grund sind Mei­nungs­äu­ße­run­gen, die zugleich wett­be­werb­li­chen Zwe­cken die­nen, stren­ger zu bewer­ten als Äuße­run­gen, die nicht den lau­ter­keits­recht­li­chen Ver­hal­tens­an­for­de­run­gen, son­dern ledig­lich dem all­ge­mei­nen Delikts­recht unter­lie­gen [7].
Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 17. Dezem­ber 2015 – I ZR 219/​13
vgl. BVerfG, GRUR 2008, 81, 82 [zu §§ 1, 2 Abs. 2 Nr. 5 UWG aF]; BGH, Urteil vom 19.06.1997 – I ZR 16/​95, BGHZ 136, 111, 122 – Kaf­fee­boh­ne; BGH, GRUR 2012, 74 Rn. 31 – Coa­ching-News­let­ter[↩]
vgl. BGH, GRUR 2012, 74 Rn. 31 Coa­ching-News­let­ter[↩]
vgl. BGH, GRUR 2012, 74 Rn. 33 – Coa­ching-News­let­ter; Köh­ler in Köhler/​Bornkamm aaO § 4 Rn.07.21; Ditt­mer in Büscher/​Dittmer/​Schiwy, Gewerb­li­cher Rechts­schutz Urhe­ber­recht Medi­en­recht, 3. Aufl., § 4 Nr. 7 UWG Rn.19[↩]
Ditt­mer in Büscher/​Dittmer/​Schiwy aaO § 4 Nr. 7 Rn.19[↩]
vgl. Ohly in Ohly/​Sosnitza aaO Rn. 7/​18[↩]
BVerfG, GRUR 2008, 81, 83[↩]
vgl. BGH, GRUR 2012, 74 Rn. 33 – Coa­ching-News­let­ter[↩]
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