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Timestamp: 2016-10-21 00:48:43
Document Index: 355966075

Matched Legal Cases: ['Art. 95', 'Art. 96', 'Art. 97', 'Art. 105', 'Art. 106', 'Art. 6', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE', 'BGE']

8C_83/2012 (16.07.2012)
vertreten durch Rechtsanw�ltin Monica Armesto,
Der 1965 geborene, als Sachbearbeiter �ber seinen Arbeitgeber bei der Schweizerischen Unfallversicherungsanstalt (SUVA) obligatorisch gegen Unfallfolgen versicherte Z._______ meldete dieser im September 2009, er leide linksseitig an einem Tinnitus, nachdem ihm am 11. Juni 2009 in einem Flugzeug die Klappe einer Handgep�ckablage gegen das linke Ohr geprallt sei. In der Folge traten auch psychische Beschwerden auf, welche auf den Tinnitus zur�ckgef�hrt wurden. Nach medizinischen Abkl�rungen verneinte der Unfallversicherer mit Verf�gung vom 24. August 2010 seine Leistungspflicht, da der Tinnitus nicht in einem sicheren oder wahrscheinlichen Zusammenhang zum Ereignis vom 11. Juni 2009 stehe. Daran hielt die SUVA mit Einspracheentscheid vom 29. M�rz 2011 fest, wobei sie �berdies erkannte, damit k�nne offen bleiben, ob der Tinnitus eine psychische Erkrankung verursacht habe.
Z._______ l�sst Beschwerde in �ffentlich-rechtlichen Angelegenheiten f�hren mit dem Rechtsbegehren, in Aufhebung des vorinstanzlichen Entscheids sei die SUVA zu verpflichten, die gesetzlichen UVG-Leistungen aus dem Unfall vom 11. Juni 2009 f�r den Tinnitus und dessen Folgen zu erbringen; eventuell sei der vorinstanzliche Entscheid aufzuheben und die Sache an das kantonale Gericht zur�ckzuweisen, damit dieses nach Einholung einer medizinischen Expertise �ber die Leistungspflicht des Unfallversicherers neu entscheide.
Das Bundesgericht gibt Z._______ mit Schreiben vom 4. Juni 2012 die Gelegenheit, seine Vorbringen im Lichte der k�rzlich mit Urteil 8C_498/2011 vom 3. Mai 2012 (zur Publikation vorgesehen) bereinigten Rechtsprechung zur Unfallkausalit�t bei Tinnitus zu erg�nzen. Z._______ l�sst mit Schreiben vom 25. Juni 2012 erkl�ren, darauf werde verzichtet.
Die Beschwerde in �ffentlich-rechtlichen Angelegenheiten kann wegen Rechtsverletzung gem�ss Art. 95 und Art. 96 BGG erhoben werden. Im Beschwerdeverfahren um die Zusprechung oder Verweigerung von Geldleistungen der Milit�r- oder Unfallversicherung ist das Bundesgericht nicht an die vorinstanzliche Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts gebunden (Art. 97 Abs. 2 und Art. 105 Abs. 3 BGG). Das Bundesgericht wendet das Recht von Amtes wegen an (Art. 106 Abs. 1 BGG).
Das kantonale Gericht hat die Bestimmung �ber den Anspruch auf Leistungen der obligatorischen Unfallversicherung bei Unfall (Art. 6 Abs. 1 UVG) zutreffend dargelegt. Gleiches gilt f�r die Rechtsprechung zum f�r einen solchen Leistungsanspruch nebst anderem erforderlichen nat�rlichen Kausalzusammenhang zwischen dem Unfall und dem eingetretenen Schaden und zum hiebei zu beachtenden Beweisgrad der �berwiegenden Wahrscheinlichkeit (BGE 129 V 177 E. 3.1 S. 181; 129 V 402 E. 4.3.1 S. 406, je mit Hinweisen) sowie zu den Anforderungen an beweiswertige �rztliche Berichte und Gutachten (BGE 125 V 351 E. 3 S. 352 ff.; vgl. auch BGE 134 V 231 E. 5.1 S. 232). Darauf wird verwiesen.
Die Vorinstanz ist zum Ergebnis gelangt, der gemeldete Unfall vom 11. Juni 2009 sei nicht �berwiegend wahrscheinlich nat�rlich kausal f�r den im Anschluss geklagten Tinnitus. Diese Beurteilung st�tzt sich namentlich auf die �rztlichen Beurteilungen des Dr. med. M.________, Facharzt FMH f�r Ohren-, Nasen- und Halskrankheiten, Hals- und Gesichtschirurgie, vom 15. Februar, 4. Mai, 14. Juni und 16. August 2010.
3.1 Der Beschwerdef�hrer macht geltend, auf die Aussagen des Versicherungsmediziners k�nne nicht abgestellt werden. Aus den Berichten des Dr. med. N.________ vom 26. Oktober 2009, des Dr. med. O.________, Spezialarzt FMH f�r Hals-, Nasen- und Ohrenchirurgie, Hals- und Gesichtschirurgie, vom 14. Januar und 26. Mai 2010 sowie Prof. Dr. med. P.________, Leitender Arzt, Hals-Nasen-Ohren-Klinik, Universit�tsspital Z.________, vom 16. Juli 2010 ergebe sich, dass der Tinnitus nat�rlich unfallkausal sei. Das stehe auch im Einklang mit der Rechtsprechung gem�ss Urteil des Eidg. Versicherungsgerichts U 116/03 vom 6. Oktober 2003 (ver�ffentlicht in: RKUV 2004 Nr. U 505 S. 246). Sollten trotz dieser Arztberichte noch Zweifel bestehen, sei ein medizinisches Gutachten einzuholen.
3.2 Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob dieser f�r die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden ber�cksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Beurteilung der medizinischen Zusammenh�nge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Experten begr�ndet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1 S. 232 mit Hinweis auf 125 V 351 E. 3a S. 352). Auch den Berichten und Gutachten versicherungsinterner �rzte kommt Beweiswert zu, sofern sie als schl�ssig erscheinen, nachvollziehbar begr�ndet sowie in sich widerspruchsfrei sind und keine Indizien gegen ihre Zuverl�ssigkeit bestehen. Die Tatsache allein, dass der befragte Arzt in einem Anstellungsverh�ltnis zum Versicherungstr�ger steht, l�sst nicht schon auf mangelnde Objektivit�t und auf Befangenheit schliessen. Es bedarf vielmehr besonderer Umst�nde, welche das Misstrauen in die Unparteilichkeit der Beurteilung objektiv als begr�ndet erscheinen lassen. Im Hinblick auf die erhebliche Bedeutung, welche den Arztberichten im Sozialversicherungsrecht zukommt, ist an die Unparteilichkeit des Gutachters allerdings ein strenger Massstab anzulegen (BGE 125 V 351 E. 3b/ee S. 354 mit Hinweis). Bestehen auch nur geringe Zweifel an der Zuverl�ssigkeit und Schl�ssigkeit der versicherungsinternen �rztlichen Feststellungen, so sind erg�nzende Abkl�rungen vorzunehmen (BGE 135 V 465 E. 4.4 S. 470 mit Hinweisen).
3.3 In den �rztlichen Beurteilungen des Dr. med. M.________ wird einl�sslich, �berzeugend und widerspruchsfrei begr�ndet, weshalb der hier geklagte Tinnitus nicht als nat�rlich unfallkausal zu betrachten ist. Es liegen auch keine Anhaltspunkte daf�r vor, dass der Versicherungsmediziner in irgend einer Weise parteiisch Stellung genommen hat.
3.4 Zu pr�fen bleibt, ob sich aus den vom Versicherten angerufenen Arztberichten Gesichtspunkte ergeben, welche die Aussagen des Dr. med. M.________ in Frage stellen k�nnten.
Das kantonale Gericht hat dies gest�tzt auf eine eingehende Auseinandersetzung mit den medizinischen Akten verneint. Diese Beurteilung ist nicht zu beanstanden. Im Einzelnen gilt Folgendes:
3.4.1 Dem Bericht des Prof. Dr. med. P.________ vom 16. Juli 2010 l�sst sich keine Aussage zur Ursache des Tinnitus entnehmen. Soweit sich der Arzt zum fraglichen Ereignis �ussert, besteht dies lediglich in einer Wiedergabe dessen, was ihr der Versicherte zum Geschehensablauf und den danach aufgetretenen Beschwerden angegeben hat. Dass der Tinnitus auf den Unfall zur�ckzuf�hren w�re, l�sst sich dem Arztbericht aber nicht entnehmen.
3.4.2 Dr. med. O.________ �ussert sich vor allem im Bericht vom 26. Mai 2010 zur Kausalit�t des Tinnitus. Er f�hrt zun�chst aus, Tinnitus sei mit einem Organschaden verbunden. Soweit damit gesagt werden sollte, dies sei stets der Fall, k�nnte dem Arzt nicht gefolgt werden. Aus dem von diesem angesprochenen Urteil U 116/03 (oben bereits erw�hnt in E. 3.1) l�sst sich nichts anderes herleiten. Dort wurde zwar gesagt, beim Tinnitus handle es sich um ein k�rperliches Leiden, dessen eigentliche Ursache in einem kleineren oder gr�sseren Innenohrschaden zu suchen sei (Urteil U 116/03 E. 2.1). Das Bundesgericht hat sich indessen mit diesem Pr�judiz im erw�hnten Urteil 8C_498/2011 auseinandergesetzt und erkannt, gest�tzt auf die herrschende medizinische Lehre k�nne an der Annahme, Tinnitus sei ein k�rperliches Leiden oder zumindest (zwingend) auf eine k�rperliche Ursache zur�ckzuf�hren, nicht festgehalten werden (Urteil 8C_498/2011 E. 5.8). Im vorliegenden Fall ergibt sich sodann weder aus den Berichten des Dr. med. O.________ noch aus den �brigen medizinischen Akten, dass ein Organschaden, welchen den Tinnitus erkl�ren k�nnte, nachgewiesen worden w�re. S�mtliche Abkl�rungen ergaben vielmehr keine verl�sslichen Hinweise auf einen solchen Gesundheitsschaden. Zwar f�hrt Dr. med. O.________ im Bericht vom 26. Mai 2010 weiter aus, dass das bei Dr. med. N.________ und ihm aufgenommene Audiogramm normale Reintonwerte angegeben habe, spreche nicht gegen eine solche Innenohrsch�digung als direkte Folge einer stumpfen Kontusion der linken Kopfseite. Damit ist aber nicht dargetan, dass der Tinnitus in einem organischen Gesundheitsschaden begr�ndet liegt.
Die weitere Aussage im Bericht des Dr. med. O.________ vom 26. Mai 2010, wonach die betreuende Psychiaterin ausser dem Tinnitus keine Aussage f�r eine Depression gefunden habe, l�sst keine R�ckschl�sse auf eine kausale Bedeutung des Unfalls vom 11. Juni 2009 f�r das Ohrger�usch zu. Dr. med. O.________ �ussert sich sodann unter Hinweis auf das Urteil U 116/03 zur Frage des ad�quaten Kausalzusammenhangs zwischen dem Unfall und dem Tinnitus sowie dessen psychischer Kompensation. Die Ad�quanz ist indessen als Rechtsfrage nicht vom Arzt, sondern von der rechtsanwendenden Beh�rde resp. vom Gericht zu beurteilen.
3.4.3 Dr. med. N.________ �ussert sich im Bericht vom 26. Oktober 2009 nur sehr kurz. Sie f�hrt dabei aus, bez�glich Tinnitus sei "sicher das Symptomatischwerden des Problems auf den Unfall zur�ckzuf�hren", begr�ndet dies aber nicht weiter. Vielmehr h�lt sie fest, ob der Tinnitus auf eine von ihr als Unfallfolge diagnostizierte Traumatisierung des linken Kiefergelenks oder auf eine vorbestehende Kieferasymmetrie mit vermutlich Bruxismus zur�ckzuf�hren sei, sei schwierig zu beurteilen. Hinzu kommt, dass Dr. med. Q.________, Facharzt f�r Kiefer- und Gesichtschirurgie, an welchen Dr. med. N.________ den Versicherten zur weiteren Abkl�rung �berwiesen hat, im Bericht vom 1. Dezember 2009 zum Ergebnis gelangt ist, die bestehende, sehr diskrete Gelenkspathologie stehe nicht im Zusammenhang mit dem Unfall vom 11. Juni 2009, und es sei �usserst fraglich, ob ein kausaler Zusammenhang mit dem Auftreten des Tinnitus bestehe. Mit den Aussagen des Dr. med. N.________ l�sst sich eine nat�rlich kausale Bedeutung des Unfalls f�r den Tinnitus mithin ebenfalls nicht begr�nden.
3.4.4 Zusammenfassend ergeben sich aus den angef�hrten Arztberichten - wie im �brigen auch aus den �brigen medizinischen Akten - keine Anhaltspunkte, welche Zweifel an der �rztlichen Beurteilung des Dr. med. M.________ zu begr�nden verm�chten. Was der Versicherte vorbringt, rechtfertigt kein anderes Ergebnis. Mit der Vorinstanz ist auch davon auszugehen, dass auf weitere medizinische Abkl�rungen zu verzichten ist, da diese keinen entscheidrelevanten neuen Aufschluss erwarten lassen. Das kantonale Gericht hat demnach eine Leistungspflicht der SUVA f�r den Tinnitus zu Recht mangels nat�rlichem Kausalzusammenhang zwischen diesem und dem Unfall vom 11. Juni 2009 verneint. Daraus ergibt sich ohne Weiteres, dass auch f�r die mit dem Tinnitus begr�ndeten psychischen Beschwerden kein Leistungsanspruch gegen�ber dem Unfallversicherer besteht. Dies f�hrt zur Abweisung der Beschwerde.