Source: https://www.hensche.de/Arbeitsrecht_aktuell_Einverstaendnis_mit_einer_Kuendigung_und_Kuendigungsschutz_LAG-Muenchen_4Sa375-09.html
Timestamp: 2019-08-22 09:06:19
Document Index: 46545139

Matched Legal Cases: ['§ 1', '§ 4', '§ 1', '§ 23', '§ 242', '§ 623']

Einverständnis mit einer Kündigung und Kündigungsschutz - HENSCHE Arbeitsrecht
ARBEITSRECHT AKTUELL // 09/188
Treu­wid­ri­ges Ver­hal­ten durch Er­he­bung ei­ner Kün­di­gungs­schutz­kla­ge?
14.10.2009. Ei­ne ak­tu­el­le Ent­schei­dung des Lan­des­ar­beits­ge­richts (LAG) Mün­chen be­han­del­te die Fra­ge­stel­lung, ob der Kün­di­gungs­schutz ei­nes Ar­beit­neh­mers da­durch ent­fal­len kann, dass er sich mit der Kün­di­gung ein­ver­stan­den er­klärt.
Frag­lich ist, was die er­for­der­li­chen Vor­aus­set­zun­gen für ein sol­ches Ein­ver­ständ­nis sind.
Un­klar­hei­ten ei­ner mög­li­cher­wei­se miss­ver­ständ­li­chen Er­klä­rung müss­ten aus­ge­schlos­sen sein: LAG Mün­chen, Ur­teil vom 06.08.2009, 4 Sa 375/09.
Münd­li­cher Kla­ge­ver­zicht: un­be­dach­te Äußerung mit schwer­wie­gen­den Fol­gen
Der Streit­fall: Te­le­fo­ni­sches Ein­verständ­nis mit ei­ner Kündi­gung vor Zeu­gen "auf der an­de­ren Lei­tung"?
LAG München: Ver­zicht auf ei­ne Kündi­gungs­schutz­kla­ge nur bei un­miss­verständ­li­chem und endgülti­gem Ein­verständ­nis mit der Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses durch die Kündi­gung
Wenn der Ar­beit­ge­ber ei­nem Ar­beit­neh­mer or­dent­lich kündigt, kann die­ser da­ge­gen Kündi­gungs­schutz­kla­ge er­he­ben mit dem Ziel der ge­richt­li­chen Fest­stel­lung, dass die Kündi­gung im Sin­ne des § 1 Abs. 2 Kündi­gungs­schutz­ge­setz (KSchG) so­zi­al un­ge­recht­fer­tigt und da­mit un­wirk­sam ist. Macht er dies nicht in­ner­halb der Drei­wo­chen­frist des § 4 KSchG, ist die Kündi­gung recht­lich in je­dem Fall als wirk­sam an­zu­se­hen.
Ei­ne sol­che Rechts­kon­trol­le ar­beit­ge­ber­sei­tig erklärter or­dent­li­cher Kündi­gun­gen setzt vor­aus, dass der Ar­beit­neh­mer Kündi­gungs­schutz hat, d.h. dass er schon länger als sechs Mo­na­te bei dem Ar­beit­ge­ber beschäftigt ist und es in des­sen Be­trieb mehr als zehn Ar­beit­neh­mer beschäftigt sind (§ 1 Abs.1, § 23 KSchG).
Dem Ar­beit­neh­mer steht es frei, be­reits vor Ein­lei­tung ge­richt­li­cher Schrit­te zu erklären, dass er auf die Er­he­bung ei­ner Kündi­gungs­schutz­kla­ge ver­zich­tet, die Kündi­gung al­so ak­zep­tiert. Prak­tisch kommt dies vor al­lem im Zu­sam­men­hang mit Zu­geständ­nis­sen des Ar­beit­ge­bers vor, die als Ab­fin­dungs­ver­spre­chen Be­stand­teil ei­nes Auf­he­bungs­ver­trags oder ei­nes Ab­wick­lungs­ver­trags sein können.
Er­hebt der Ar­beit­neh­mer nach ei­ner sol­chen Zu­sa­ge den­noch Kündi­gungs­schutz­kla­ge, kann der Ar­beit­ge­ber hier­ge­gen ein­wen­den, dass der Ar­beit­neh­mer sich wi­dersprüchlich ver­hal­ten ha­be und die Kla­ge des­halb we­gen ei­nes Ver­s­toßes ge­gen den Grund­satz von Treu und Glau­ben (§ 242 Bürger­li­ches Ge­setz­buch – BGB) von vorn­her­ein ab­zu­wei­sen sei.
Aus Sicht des Ar­beit­neh­mers ist pro­ble­ma­tisch, dass ein sol­cher Kla­ge­ver­zicht form­frei, d.h. münd­lich möglich ist. Als Ar­beit­neh­mer kann man da­her durch ei­ne un­be­dach­te Äußerung ge­genüber dem Ar­beit­ge­ber den Kündi­gungs­schutz ver­lie­ren. Die Ein­hal­tung der Schrift­form ist ge­setz­lich nur vor­ge­schrie­ben für Auf­he­bungs­verträge (§ 623 Bürger­li­ches Ge­setz­buch - BGB).
In dem Ver­hal­ten des Ser­vice­lei­ters lag we­der die Erklärung ei­nes Kla­ge­ver­zichts, noch der Ab­schluss ei­nes Auf­he­bungs- oder Ab­wick­lungs­ver­tra­ges, so das LAG.
Er­for­der­lich für ei­nen Kla­ge­ver­zicht ist nämlich ein un­miss­verständ­li­ches und endgülti­ges Ein­verständ­nis des Ar­beit­neh­mers mit der Be­en­di­gung sei­nes Ar­beits­verhält­nis­ses durch ei­ne Kündi­gung. Das LAG spricht von ei­nem „de­zi­dier­ten“ und „ak­ti­ven“ Ver­hal­ten des Ar­beit­neh­mers. Dafür reicht die bloße wi­der­spruchs­lo­se Hin­nah­me der Kündi­gung nicht aus. Dass der Ser­vice­lei­ter ak­tiv sein Ein­verständ­nis mit ei­ner Kündi­gung zum Aus­druck brach­te, konn­te der Ar­beit­ge­ber nicht be­wei­sen.