Source: https://entscheidsuche.ch/kantone/zh_sozverger/IV.2009.00168.html
Timestamp: 2020-07-11 21:54:46
Document Index: 326910503

Matched Legal Cases: ['Art. 8', 'Art. 4', 'Art. 7', 'Art. 7', 'Art. 28', 'Art. 28', 'Art. 17', 'BGE', 'Art. 69', '§ 61', '§ 34']

kantone/zh_sozverger/IV.2009.00168.html
IV.2009.00168
Ersatzrichterin Condamin
Gerichtssekretärin Frick
vertreten durch Rechtsanwalt Dr. Jürg Baur
Bahnhofstrasse 55, 8600 Dübendorf
1. Der 1966 geborene X.___ war vom 1. Februar 1990 bis Ende September 2007 bei der Y.___ AG als Technical Consultant/IT in der Abteilung Organisation, Information Technology & Communication tätig, wobei er ab 17. September 2004 wegen Rückenproblemen lediglich noch mit einem 50%igen Pensum arbeitete (Urk. 8/29; Urk. 8/32; Urk. 1). Seit 1. April 2005 erhält er nach Massgabe eines Invaliditätsgrades von 50 % eine halbe Rente der Invalidenversicherung (IV; Verfügung vom 23. November 2006; Urk. 8/25), wobei ihm die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, am 24. Juli 2006 eine Schadenminderungspflicht in Form von Infiltrationen auferlegt und eine Revision per Dezember 2006 angekündigt hatte (Urk. 8/17). Im Rahmen des besagten Revisionsverfahrens machte der Versicherte am 29. Januar 2007 einen seit etwa August 2006 verschlimmerten Gesundheitszustand geltend (Urk. 8/27). Die IV-Stelle klärte die medizinischen und erwerblichen Verhältnisse ab (Urk. 8/29-41) und stellte X.___ mit Vorbescheid vom 20. Mai 2008 die Abweisung seines sinngemässen Rentenerhöhungsgesuchs in Aussicht (Urk. 8/43), wobei sie ihm gleichentags erneut eine Schadenminderungspflicht, nunmehr in Form einer nachhaltig aktiven, kräftigenden Physiotherapie, auferlegte (Urk. 8/41; vgl. Urk. 8/40/3). Nachdem der Versicherte hiegegen Einwände hatte erheben lassen (Urk. 8/49), verfügte die IV-Stelle am 16. Januar 2009 gestützt auf einen Invaliditätsgrad von 58 % die Abweisung des Rentenerhöhungsgesuchs (Urk. 2).
2. Dagegen liess der Versicherte durch seinen Vertreter, Rechtsanwalt Jürg Bauer, am 13. Februar 2009 Beschwerde erheben und beantragen, die Verfügung vom 16. Januar 2009 sei aufzuheben und die IV-Stelle zu verpflichten, dem Beschwerdeführer mit Wirkung ab 1. Oktober 2007 (seit Auflösung des Arbeitsverhältnisses durch die Y.___ AG) eine Dreiviertelsrente sowie für das vorliegende Verfahren eine Prozessentschädigung auszurichten (Urk. 1). Die IV-Stelle schloss am 20. März 2009, neu gestützt auf einen Invaliditätsgrad von 55 %, auf Abweisung der Beschwerde (Urk. 7).
Auf die Vorbringen der Parteien sowie die Akten ist, soweit erforderlich, im Rahmen der nachfolgenden Erwägungen einzugehen.
1.1 Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts; ATSG). Die Invalidität kann Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung; IVG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG in der seit 1. Januar 2008 geltenden Fassung).
1.2 Die seit dem 1. Januar 2004 massgeblichen Rentenabstufungen geben bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 Prozent Anspruch auf eine Viertelsrente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 Prozent Anspruch auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 Prozent Anspruch auf eine Dreiviertelsrente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 Prozent Anspruch auf eine ganze Rente (Art. 28 Abs. 2 IVG; bis 31. Dezember 2007: Art. 28 Abs. 1 IVG).
1.3 Ändert sich der Invaliditätsgrad einer Rentenbezügerin oder eines Rentenbezügers erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht, herabgesetzt oder aufgehoben (Art. 17 Abs. 1 ATSG). Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesentliche Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Rentenanspruch zu beeinflussen. Die Invalidenrente ist somit nicht nur bei einer wesentlichen Veränderung des Gesundheitszustandes, sondern auch dann revidierbar, wenn sich die erwerblichen Auswirkungen des an sich gleich gebliebenen Gesundheitszustandes erheblich verändert haben (BGE 130 V 349 f. Erw. 3.5, 117 V 199 Erw. 3b, 113 V 275 Erw. 1a mit Hinweisen).
2.1 Die IV-Stelle stellte sich bei Erlass der angefochtenen Verfügung vom 16. Januar 2009 auf den Standpunkt, dem Versicherten sei aufgrund der medizinischen Beurteilung eine behinderungsangepasste Tätigkeit wie beispielsweise Applikationsentwickler, bei einer Hotline (3rd Level Support) oder als Datenanalyst zu 50 % zumutbar. Dies seien Tätigkeiten, die X.___ von seinem früheren Arbeitsumfeld her kenne (Urk. 2). Dieser ist demgegenüber der Auffassung, dass diese von der IV-Stelle erwähnten Verweistätigkeiten für ihn nicht in Frage kämen und er seinen angestammten Beruf als Wirtschaftsinformatiker nicht mehr ausüben könne. Die IV-Stelle bringe durch ihre undifferenzierte Betrachtungsweise zum Ausdruck, dass sie die IT-Branche nicht kenne (Urk. 1). Mit Beschwerdeantwort vom 20. März 2009 ergänzte diese, dass es keine plausiblen Anhaltspunkte dafür gebe, dass der Versicherte nicht mehr als Wirtschaftsinformatiker tätig sein könnte, und errechnete einen „gegenüber der angefochtenen Verfügung zu korrigierenden“ Invaliditätsgrad von 55 % (Urk. 7).
2.2 Strittig und zu prüfen ist, ob seit Erlass der rentenzusprechenden Verfügung vom 23. November 2006 bis zum Erlass der vorliegend strittigen Verfügung vom 16. Januar 2009 eine massgebliche Veränderung in den tatsächlichen Verhältnissen eingetreten ist, welche eine Erhöhung der halben Rente auf eine Dreiviertelsrente rechtfertigen würde.
3. In der ursprünglichen, rechtskräftigen Rentenverfügung vom 23. November 2006 hielt die Verwaltung fest, der Versicherte sei in seiner bisherigen Tätigkeit als Informatiker zu 50 % eingeschränkt. Diese Tätigkeit sei als behinderungsangepasst zu betrachten, womit dieser weiterhin die Hälfte seines bisherigen Einkommens (Fr. 110'565.--) erzielen könne. So errechnete sie bei den arbeitsfähigkeitsrelevanten Diagnosen eines lumbospondylogenen Facettensyndroms L5 links (mit/bei Status nach operativer Dekompression L5/S1 links am 06.05.04 wegen lumboradikulärem Syndrom S1 links und aktuell kleiner Rezidivhernie L5/S1 links ohne neurokompressive Pathologie) und den die Arbeitsfähigkeit nicht tangierenden Diagnosen einer leichten depressiven Episode, eines Kokain- und Alkoholabusus, einer Adipositas Grad I und eines Gilles-de-la-Tourette-Syndroms (vgl. Urk. 8/16/3 i.V.m. Urk. 8/15/17) einen Invaliditätsgrad von 50 % (Urk. 8/23 i.V.m. Urk. 8/25). Im Zusammenhang mit der Rentenzusprache auferlegte sie dem Versicherten am 24. Juli 2006 - insbesondere gestützt auf das Gutachten des Begutachtungsinstituts Z.___ vom 3. April 2006 (Urk. 8/15) - eine Schadenminderungspflicht, da mit einer gezielten periradikulären intraforaminalen oder Facetten-Infiltration L5/S1 links mit einer Steigerung der Arbeitsfähigkeit auf 100 % zu rechnen sei (Urk. 8/17), wobei der Versicherte diesbezüglich in seinem Rentenerhöhungsgesuch vom 29. Januar 2007 erklärte, er habe die Verfügung vom 23. November 2006 nur deshalb nicht angefochten, weil ihm erklärt worden sei, dass er noch nicht auskuriert sei und eine Infiltrationstherapie werde seine Schmerzen mit hoher Wahrscheinlichkeit beheben, was sich jedoch nicht bewahrheitet habe (vgl. Urk. 8/27/4).
4.1 Im Zeitpunkt des Erlasses der zu beurteilenden Verfügung vom 16. Januar 2009 präsentierte sich der medizinische und erwerbliche Sachverhalt im Wesentlichen wie folgt: Am 12. Juni 2006 wurde im Wirbelsäulenzentrum der A.___ Klinik gemäss Bericht vom gleichen Tag bei der Diagnose eines lumbovertebralen bis lumbospondylogenen Schmerzsyndroms bei Status nach Diskushernienoperation L5/S1 links 05/04 eine Facettengelenksinfiltration L5/S1 links und Wurzel S1 links vorgenommen (Urk. 8/30/21). Zur nächsten Infiltration ist der Versicherte gemäss Bericht vom 10. Juli 2006 nicht erschienen (Urk. 8/30/20).
4.2 Am 26. Juni 2006 fand die erste Konsultation des Versicherten im „Ambulatorium Neurologie“ der A.___ Klinik statt, wobei die verantwortlichen Ärzte die Diagnose eines chronischen lumbospondylogenen Schmerzsyndroms dem Status aus dem Bericht des Wirbelsäulenzentrums entnommen hatten (Urk. 8/30/16). Am 24. Juli 2006 stellten die verantwortlichen Neurologen zuhanden des Hausarztes, Dr. med. B.___, Facharzt FMH für Allgemeinmedizin, die präzisierte Diagnose eines chronischen lumboradikulären Reizsyndroms S1 links mit/bei Diskushernie L5/S1 mit Kompression der S1-Wurzel links (MRI vom 28.06.06), Status nach Facettengelenksinfiltration L5/S1 links und Wurzel S1 links am 12.06.06 (ohne beschwerdelindernden Effekt) sowie Status nach Diskushernienoperation L5/S1 links 05/04. Im MRI zeige sich als radiologisches Korrelat zu den lumboradikulären Schmerzen des Patienten eine paramedian einseitig gelegene Diskushernie L5/S1 mit Dorsalverlagerung und Kompression der S1-Wurzel in deren Abgang. Bei diesem therapieresistenten Verlauf mit persistierender Invalidisierung des Patienten sei eine Intensivierung der Therapiemassnahmen angezeigt. In einem ersten Schritt werde ein Sakralblock appliziert in der Hoffnung, das Schmerzniveau signifikant senken zu können (Urk. 8/30/9). Dieser Eingriff erfolgte gemäss Bericht vom 4. August 2006 am selben Tag in der A.___ Klinik (Urk. 8/30/ 22). Am 23. August 2006 wurde Dr. B.___ berichtet, dass der Versicherte bis heute keinen positiven Effekt des Sakralblocks habe sehen können. Die Beschwerden seien unverändert. Wegen starken Nebenwirkungen aufgrund des Cortisons wolle der Patient auf weitere Infiltrationen und wegen bisheriger Schmerzverstärkung auch auf Physiotherapien verzichten (Urk. 8/30/14). Am 2. Oktober 2006 berichteten die verantwortlichen Ärzte der A.___ Klinik Dr. B.___, da der Versicherte sowohl den Sakralblock wie auch die Infiltrationen als sehr unangenehm empfunden und zudem nach den Steroidinfiltrationen unter einer Gewichtszunahme mit reaktiver Depression gelitten habe, wolle er unter keinen Umständen weitere Infiltrationen. Deswegen und da dieser zurzeit auf eine chirurgische Therapie verzichte, könne lediglich unter gelegentlicher Analgesie der natürliche Verlauf abgewartet werden (Urk. 8/30/11).
4.3 In der Folge überwies Dr. B.___ den Versicherten am 16. Januar 2007 zur Evaluation bezüglich einer manualtherapeutischen Behandlung an Dr. med. C.___, Facharzt FMH für Rheumatologie, Manuelle Medizin, A.___ Klinik (Urk. 8/30/13). Anlässlich der ersten Konsultation des Versicherten informierte dieser Dr. B.___ am 8. Februar 2007, die Problematik liege in der zunehmenden allgemeinen Dekonditionierung, der muskulären Insuffizienz im Rumpfbereich sowie dem zunehmenden sozialen Rückzug. Trotz Rehabilitationsaufenthalt, Analgetika und Infiltration würden die Beschwerden persistieren. Sitzen, Stehen und Liegen sei während 5 bis 10 min möglich, dann sei ein Positionswechsel notwendig. Es werde nun der Versuch einer manualmedizinischen Behandlung gestartet, allenfalls bestehe die Möglichkeit der Etablierung einer analgetischen Therapie und „TENS“, und der Patient werde zur aktiveren Lebensgestaltung sowie aktiv orientierter Therapie motiviert (Urk. 8/35/10-11).
4.4 Mit Schreiben vom 9. Februar 2007 wandte sich die damalige Arbeitgeberin des Versicherten, die Y.___ AG, an die IV-Stelle und führte aus, die schweren gesundheitlichen Probleme würden X.___ seit geraumer Zeit zu schaffen machen, dessen Leistungsfähigkeit sei dadurch stark beeinträchtigt worden und er habe in der Vergangenheit viele Fehlzeiten ausgewiesen. Leider habe „die durch die IV-Stelle verordnete Infiltrationstherapie“ keine wesentliche Verbesserung gebracht und der Versicherte sei seit Mitte 2006 praktisch nicht mehr einsetzbar und in seiner Funktion zu 100 % arbeitsunfähig (Urk. 8/29).
4.5 Mit Bericht vom 16./17. Februar 2007 hielt Dr. B.___ - bei dem der Versicherte seit 1. April 2004 in hausärztlicher Behandlung steht - zuhanden der IV-Stelle fest, der Versicherte sei als Wirtschaftsinformatiker seit 1. Juli 2006 zu 25 % arbeitsfähig. Obwohl bisher offiziell nur eine 50%ige Arbeitsunfähigkeit bestanden habe, habe die effektive Leistung bei der Y.___ AG höchstens 25 % betragen. Eine Verbesserung der Arbeitsfähigkeit durch medizinische oder berufliche Massnahmen sei kurz- und mittelfristig nicht zu erwarten. Gemäss Empfehlung des Z.___ sei eine Infiltrationstherapie gestartet worden, die jedoch keine Besserung gebracht habe. Der Gesundheitszustand sei stationär (Urk. 8/30/4; Urk. 8/30/7). Der Bericht enthält bezüglich des Rückens im Wesentlichen dieselben Diagnosen wie der Bericht der A.___ Klinik vom 24. Juli 2004 plus diejenigen einer Depression, einer Adipositas und eines wöchentlichen Kokainabusus (Urk. 8/30/8).
4.6 Dem durch die Y.___ AG am 6. März 2007 zuhanden der IV-Stelle ausgefüllten „Fragebogen für den Arbeitgeber“ ist zu entnehmen, dass der Versicherte im Rahmen seiner Tätigkeit als Technical Consultant/IT Analyse, Support und Programmierung ausgeführt habe (Urk. 8/32/4). In den Bereichen Konzentration und Bewegungsfähigkeit habe er den Anforderungen an seine Tätigkeit nicht mehr entsprechen können (Urk. 8/32/5).
4.7 Am 4. April 2007 informierte Dr. C.___ Dr. B.___ über die gleichentags erfolgte letztmalige Konsultation des Versicherten, indem er ausführte, die manualmedizinische Behandlung habe aufgrund der Schmerzexazerbation abgebrochen werden müssen. Auffallend seien die geringe Belastbarkeit resp. niedrige Belastbarkeitsgrenze sowie die festgefahrene Krankheitshaltung des Patienten. Auf den Vorschlag von Infiltrationen habe dieser ablehnend und auf eine medikamentöse Schmerztherapie mit Nebenwirkungen oder ohne Schmerzregredienz reagiert. Eine multimodale Rehabilitation sei aufgrund des festgefahrenen Verhaltens- und Krankheitsmusters des Patienten nicht indiziert, sämtliche Therapien würden bei dieser unglücklichen Situation versagen (Urk. 8/35/12). Zuhanden der IV-Stelle erhob Dr. C.___ am 12. Juli 2007 folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit: Chronisches lumboradikuläres Reizsyndrom S1 links bei Diskushernie nach caudal sequestriert mit Kompression der S1-Wurzel L5/S1 links, Status nach Diskushernienoperation L5/S1 links 05/04, muskulärer Insuffizienz sowie allgemeiner Dekonditionierung, Chronifizierung mit Aggravations- und Schmerzausweitungstendenz. Die Arbeitsfähigkeit betrage in der angestammten Tätigkeit 25 % (Urk. 8/35/7). Der Gesundheitszustand sei stationär. Bezüglich der physischen Ressourcen bitte er die IV-Stelle um Veranlassung einer Evaluation der funktionellen Leistungsfähigkeit, er habe den Patienten nie unter diesen Gesichtspunkten untersucht. Der Patient sei seines Erachtens für leichte Arbeiten aus somatischer Sicht zu 50 % arbeitsfähig (Urk. 8/35/8).
4.8 Dem Verlaufsprotokoll Berufsberatung der IV-Stelle vom 17. April 2008 - das auf den Vorakten und einem Gespräch mit X.___ vom 15. November 2007 beruht - ist zu entnehmen, dieser habe nach Absolvierung einer Ausbildung zum Chemielaborant 1997 (berufsbegleitend zu seiner Tätigkeit bei der Y.___ AG) das Eidgenössische Diplom des Wirtschaftsinformatikers erworben (Urk. 8/39/1-2) und sei nun den medizinischen Akten zufolge mindestens 50 % arbeitsfähig. Er habe jedoch keine Idee, in welche Richtung er sich weiterbilden oder umschulen lassen könnte. Er habe alle Vorschläge mit der Begründung verworfen, dass er „seine Leistung nicht bringen könne“, da die Schmerzen keinen klaren Gedanken zuliessen oder dass für die Arbeit nur eine sitzende Position in Frage komme, was ihm aufgrund der Schmerzen nicht möglich sei. Er sehe sich derzeit nicht in der Lage, an beruflichen Massnahmen teilzunehmen, seine Schmerzen würden dies verunmöglichen (Urk. 8/39/3).
5.1 Beide Parteien gehen von einer aufgrund der Rückenprobleme auf 50 % reduzierten Restarbeitsfähigkeit aus, wobei die IV-Stelle dem Versicherten eine Betätigung in seiner angestammten Tätigkeit als Wirtschaftsinformatiker - im Wesentlichen gestützt auf das Verlaufsprotokoll Berufsberatung vom 17. April 2008 (Urk. 8/39) und die Stellungnahme Berufsberatung vom 6. Januar 2009 (Urk. 8/50/1-2) - als Wirtschaftsinformatiker nach wie vor (wie bereits anlässlich der rentenzusprechenden Verfügung vom 23. November 2006; Urk. 8/25) zutraut. Dieser hingegen ist der Ansicht, nicht mehr als solcher tätig sein und nur ein wesentlich geringeres als das von der IV-Stelle angenommene Invalideneinkommen generieren zu können. Strittig ist somit insbesondere die Frage, wie eine leidensangepasste Tätigkeit aussehen müsste und mit welchem Pensum der Versicherte eine solche ausüben könnte. In diesem Zusammenhang ist vorerst zu prüfen, ob die vorliegenden Akten eine diesbezügliche Beurteilung gestatten.
5.2 Die Würdigung der Akten zeigt, dass einerseits das Profil einer für den Beschwerdeführer leidensangepassten Tätigkeit nicht klar und andererseits die von den Parteien angenommene Restarbeitsfähigkeit von 50% nicht ohne Weiteres erstellt ist. Zwischen der Annahme der IV-Stelle, der Versicherte sei auch in seiner angestammten Tätigkeit als Wirtschaftsinformatiker zu 50 % arbeitsfähig und den Angaben der ehemaligen Arbeitgeberin des Versicherten besteht eine massive Diskrepanz. Die Y.___ AG hielt explizit fest, dass der Versicherte den Anforderungen in Bezug auf Konzentration und Bewegungsfähigkeit nicht mehr gewachsen und effektiv seit Mitte 2006 in seiner Funktion als Technical Consultant/IT zu 100 % arbeitsunfähig gewesen sei. Auf diese Angabe kann aber angesichts der von Dr. C.___ angesprochenen Aggravations- und Symptomausweitungstendenz, die für den Arbeitgeber wohl kaum bemerkbar geworden wäre, nicht unbesehen abgestellt werden. Dagegen spricht auch die Tatsache, dass der Versicherte tatsächlich während dieser Zeit nur zu 50 % krankgeschrieben war, auch wenn sein Hausarzt Dr. B.___ im Nachhinein festhielt, effektiv habe er bei der Y.___ AG nur noch 25 % zu leisten vermögen - wobei auch diese beiden Angaben wiederum vom Bericht der Arbeitgeberin abweichen.
In dieses uneinheitliche Bild vermögen auch die übrigen bei den Akten liegenden medizinischen Berichte keine Klarheit zu bringen: Die behandelnden Neurologen der A.___ Klinik äussern sich weder zur Arbeitsfähigkeit in angestammter Tätigkeit noch zum Profil oder dem möglichen Pensum einer angepassten Tätigkeit. Dr. C.___ spricht einerseits von einer 25%igen Arbeitsfähigkeit in der angestammten Tätigkeit als Wirtschaftsinformatiker, wobei jedoch unklar ist, ob es sich hierbei um seine eigene Einschätzung oder um jene von Dr. B.___ handelt und andererseits von einer 50%igen Arbeitsfähigkeit in angepasster Tätigkeit, ebenfalls ohne sich zum Profil einer solchen zu äussern. Der Hausarzt Dr. B.___ nimmt bezüglich angepasster Tätigkeit nicht explizit Stellung, bringt jedoch dadurch, dass er eine berufliche Umstellung als unnötig erachtete und ausführte, die Arbeitsfähigkeit könne durch medizinische oder berufliche Massnahmen nicht verbessert werden, zum Ausdruck, dass er seinen Patienten auch in einer angepassten Tätigkeit als lediglich zu 25 % arbeitsfähig erachtet und er anscheinend mit der IV-Stelle darin übereinstimmt, dass die ursprüngliche Tätigkeit des Versicherten gleichzeitig an dessen Leiden angepasst ist. Auf das „Zumutbarkeitsprofil“ der Berufsberatung der IV-Stelle, auf die sich die angefochtene Verfügung stützt, kann nicht abgestellt werden, weil es insbesondere an einer nachvollziehbaren Begründung fehlt, weshalb und ob der Versicherte - trotz gegenteiliger Anhaltspunkte und Feststellungen in den Akten - tatsächlich in seinem angestammten Tätigkeitsfeld resp. den erwähnten Tätigkeiten eines Applikationsentwicklers, bei einer Hotline (3rd Level Support) und eines Datenanalysts ohne Aus- oder Weiterbildung eine Arbeit finden könnte, die ihm dazu noch einen gleichwertigen Verdienst ermöglicht, was der Versicherte explizit bestreitet. Damit ist nicht gesagt, dass die Auffassung der IV-Stelle unzutreffend sein muss. Der Umstand, dass sie nicht rechtsgenügend begründet ist, führt jedoch dazu, dass sie keine genügende Grundlage zur Festlegung des Invalideneinkommens des Versicherten bildet.
An der ungenügenden Abklärung bezüglich des Profils einer leidensangepassten Tätigkeit und der Höhe der Restarbeitsfähigkeit vermag auch die auf den Akten basierende Stellungnahme des Dr. med. D.___, Facharzt FMH für Allgemeinmedizin, vom Regionalen Ärztlichen Dienst der IV-Stelle, nichts zu ändern. Sie hält nicht weiter begründet lediglich fest, dass in angestammter und zugleich leidensangepasster Tätigkeit als Informatiker weiterhin eine 50%ige Arbeitsfähigkeit ausgewiesen sei (Urk. 8/40/3).
In der Informatikbranche gibt es zahlreiche Berufsbezeichnungen, die auf keiner gesetzlichen Grundlage beruhen, und welche deshalb nur schwer miteinander zu vergleichen sind. Funktionen und Anforderungsprofile der Berufsbilder sind Gegenstand von Umschreibungen durch die Schweizerische Vereinigung für Datenverarbeitung und des Wirtschaftsinformatik-Fachverbands (Berufe der Wirtschaftsinformatik in der Schweiz, 4. Aufl. 1996, vdf Hochschulverlag an der ETHZ). Gestützt darauf erliess das Bundesamt für Bauten und Logistik hinsichtlich der zu leistenden Entschädigung Einstufungsbedingungen (Beilage 1 zur Weisung "Regelung der Vergabe von Informatik-Dienstleistungsaufträge an externe Firmen" in der Fassung vom 15. Februar 2000). Wirtschaftsinformatiker sind gemäss den genannten Einstufungsrichtlinien gleichwertig einem Applikations-Entwickler. Je nach Ausbildungsstand und Berufserfahrung kommt diesen die Aufgabe des Realisierens von Informatik-Anwendungen und -Teillösungen (Stufe I) bis zum Umsetzen von komplexen, ganzheitlichen Anforderungen in Informatiklösungen (Stufe III) zu (vgl. dazu Urteil des damaligen Eidgenössischen Versicherungsgerichts vom 26. Februar 2004, I 109/03, Erw. 3.4).
Vor diesem Hintergrund und in der vorliegenden Situation, in der sich beide Parteien grundsätzlich einig darin sind, dass der Versicherte noch (teilzeitig) in einer angepassten Tätigkeit erwerbsfähig sein könnte, und auch angesichts des jungen Alters des Beschwerdeführers drängt es sich auf, das Zumutbarkeitsprofil und das zumutbare Pensum einer angepassten Tätigkeit konkret in der Praxis, wie beispielsweise in einer beruflichen Abklärungs- und Ausbildungsstätte, zu ermitteln. So erachtete denn auch Dr. C.___ eine Evaluation der funktionellen Leistungsfähigkeit in seinem letzten Bericht vom 12. Juli 2007 explizit als angezeigt.
5.3 Sodann liefert das Verlaufsprotokoll Berufsberatung und die von Dr. C.___ erwähnten Aggravations- und Schmerzausweitungstendenzen Hinweise darauf, dass beim Beschwerdeführer eine psychische Problematik eine Rolle spielen könnte. Die letzte aktenkundige psychiatrische Begutachtung war am 15. Februar 2006 im Z.___ erfolgt (vgl. Urk. 8/15/14 ff.), wobei der psychiatrische Teilgutachter bei jener Untersuchung festhielt, „die Fortsetzung der vor kurzem begonnenen ambulanten psychiatrischen Behandlung ist angesichts des Leidensdrucks und Motivation des Exploranden indiziert“, und eine leichte depressive Episode diagnostizierte (Urk. 8/15/16). Es ist den Akten nicht zu entnehmen, ob und wann diese psychiatrische Behandlung beendet worden war, auch fehlt ein Arztbericht des im Z.___-Gutachten erwähnten Psychiaters oder Psychologen. Im Übrigen ist nicht erstellt, dass die medizinische Aktenlage zum Zeitpunkt der Verfügung vom 16. Januar 2009 noch aktuell ist, datiert doch der letzte Arztbericht vom 12. Juli 2007. Auch dies gilt es anhand eines Hausarztberichts oder eines Berichts eines behandelnden Arztes zu überprüfen.
5.4. Unter diesen Umständen erweist sich die Einschätzung des Profils und des Umfangs einer zumutbaren behinderungsangepassten Tätigkeit als ungenügend abgeklärt. Bei der jetzigen Aktenlage lässt sich die Streitfrage, ob und in welchem Umfang sich der Invaliditätsgrad im massgebenden Zeitraum geändert hat, nicht beantworten. Die Beschwerde ist infolgedessen in dem Sinne gutzuheissen, dass die Angelegenheit an die IV-Stelle zurückgewiesen wird, damit diese nach erfolgter medizinischer und erwerblicher Abklärung erneut verfüge.
6. Die Kosten des Verfahrens sind auf Fr. 600.-- festzulegen und ausgangsgemäss von der Beschwerdegegnerin zu tragen (Art. 69 Abs. 1bis IVG). Zudem ist dem Beschwerdeführer eine Prozessentschädigung von Fr. 2'500.-- (inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) zuzusprechen (§ 61 lit. g ATSG, in Verbindung mit § 34 Abs. 1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht).
1. Die Beschwerde wird in dem Sinne gutgeheissen, dass die angefochtene Verfügung vom 16. Januar 2009 aufgehoben und die Sache an die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, zurückgewiesen wird, damit diese, nach erfolgter Abklärung im Sinne der Erwägungen, neu verfüge.
2. Die Gerichtskosten von Fr. 600.-- werden der Beschwerdegegnerin auferlegt. Rechnung und Einzahlungsschein werden der Kostenpflichtigen nach Eintritt der Rechtskraft zugestellt.
3. Die Beschwerdegegnerin wird verpflichtet, dem Beschwerdeführer eine Prozessentschädigung von Fr. 2’500.-- (inkl. Barauslagen und MWSt) zu bezahlen.
- Rechtsanwalt Dr. Jürg Baur