Source: https://m.hausarbeiten.de/document/495308
Timestamp: 2019-12-10 19:11:18
Document Index: 2910070

Matched Legal Cases: ['§ 145', '§ 147', '§ 147', '§ 148', '§ 150', '§ 130', '§ 150']

Wann erlischt ein Angebot? Unterrichtsentwurf zu den rechtlichen ...
Wann erlischt ein Angebot? Unterrichtsentwurf zu den rechtlichen Grundlagen eines Kaufvertrags
Unterrichtsentwurf 2014 26 Seiten
4.6 Hausaufgabe
Die Unterrichtsstunde mit dem Thema „Wann erlischt ein Angebot?" findet in der Berufsfachschule II, Fachrichtung Betriebswirtschaft, statt. Die Grundlage der Unterrichtseinheit bildet der „Lehrplan für die Berufsfachschule II, Pflichtfach Berufsbezogener Unterricht in der Fachrichtung Betriebswirtschaft" vom 05.08.2005.1 Die Unterrichtsstunde ist dem Lernbereich 1 „Beschaffen und Lagern innerhalb der Materialwirtschaft" zugeordnet, wofür ein Zeitrichtwert von 80 Unterrichtsstunden vorgesehen ist.2 Für die Unterrichtsplanung wurde außerdem der Arbeitsplan der Schule sowie das eingeführte Lehrbuch3 herangezogen.
Im Zentrum der geplanten Unterrichtsstunde steht die im Lehrplan geforderte Kompetenz „Störungen der Vertragserfüllung im Beschaffungsprozess durch Anwendung geeigneter Maßnahmen beheben", verknüpft mit den Inhalten Vertragsgestaltung und Vertragsabwicklung.4 Nachdem die Schüler in der vorherigen Unterrichtseinheit die Schritte im Beschaffungsprozess bearbeitet haben, lernen sie in dieser Unterrichtseinheit den rechtlichen Rahmen des Beschaffungsprozesses kennen. Dabei erarbeiten sich die Schüler die rechtlichen Grundlagen eines Kaufvertrages, woraus ein Aspekt in der Unterrichtsstunde gezeigt wird. Darauf aufbauend werden Störungen bei der Erfüllung von Kaufverträgen erarbeitet und die damit verbundenen Rechte des Verkäufers und Käufers. In der nachfolgenden Unterrichtseinheit liegt der Fokus auf der buchhalterischen Erfassung von Geschäftsfällen im Rahmen des Beschaffungsprozesses.
Die Schüler befinden sich in folgender Lernsituation: Sie sind als Auszubildende bei dem Möbelhersteller „Timber Möbelwerke GmbH" zurzeit in der Einkaufsabteilung eingesetzt. Dieses Modellunternehmen ist den Schülern bereits aus vorherigen Lernsituationen sowie aus dem Lehrbuch bekannt, und begleitet die Schüler in allen Lernbereichen des Berufsbezogenen Unterrichts.
Die Klasse besteht aus 17 Schülern im Alter zwischen 15 und 17 Jahren. Die meisten Schüler haben zuvor die BF I Wirtschaft und Verwaltung an der Schule besucht; Ein Schüler ist Wiederholer; Zwei Schüler sind aus der BF I Hauswirtschaft gewechselt. Die daraus resultierenden heterogenen Vorkenntnisse hinsichtlich der Fachkompetenz werden bei der Planung der Stunde folgendermaßen berücksichtigt: Der Wiederholer und die starken Schüler verteile ich bewusst in die einzelnen Gruppen. In der Klasse hat sich ein gut funktionierendes Helfersystem etabliert, wovon gerade die leistungsschwächeren Schüler profitieren. Mit Ausnahme von wenigen starken Schüler, herrscht in der Klasse ein schwaches Leistungsniveau. Es bedarf einer klaren Strukturierung und gezielter Übungsphasen.
Oft bestehen Schwierigkeiten, selbstständig Arbeitsaufträge auszuführen. Bei Gruppenarbeit muss häufig nachgesteuert werden. Allerdings sind die Schüler durchweg sehr bemüht, die Aufgaben richtig zu bearbeiten. Einige Schüler sind unsicher und benötigen häufig die Bestätigung durch die Lehrkraft. Insgesamt ist die Lerngruppe sehr kommunikativ, was sich positiv bei der Arbeit in den Gruppen auswirkt, da sie sich bereitwillig über Fachinhalte austauschen. Allerdings muss ich öfters Gruppen bremsen, wenn sie zu laut werden. Die meisten Schüler tun sich schwer, ihre Lernergebnisse in schriftliche Form zu bringen und z. B. auf einem Plakat oder auf Metaplankarten festzuhalten. Ich räume ihnen hierfür angemessene Zeit zu, um Frustration zu vermeiden und eine nachhaltige Schreib- und Formulierungskompetenz zu fördern. Da die Schüler im Umgang mit Gesetzestexten noch nicht geübt sind, habe ich mich in dieser Stunde für die Sozialform Gruppenarbeit entschieden. So können sie sich austauschen und sich die Inhalte gemeinsam erschließen.
Die Schüler sind untereinander sehr hilfsbereit und wertschätzend. Eine Schülerin ist körperlich eingeschränkt und sitzt im Rollstuhl. Außerdem tut sie sich beim Schreiben schwer. Sie ist aber sehr ehrgeizig und besteht darauf, die gleichen Aufgaben wie ihre Mitschüler zu bekommen. Der leistungsstärkste Schüler der Klasse nimmt sich ihr selbstverständlich an und hilft ihr bei der Bearbeitung der Aufgaben. Dies klappt sehr gut, da er meist schneller fertig ist. Außerdem profitieren von seinen Erklärungen auch die anderen Schüler während Gruppenarbeiten sowie auch der Schüler selbst, da er durch dieses ,Lernen durch Lehren' seine eigenen Kompetenzen festigt.
Die Lerngruppe ist mir aus dem angeleiteten Unterricht bekannt. Außerdem unterrichtete ich einen Großteil der Klasse im letzten Schuljahr in der BF 1 Wirtschaft und Verwaltung in Buchführung Förderunterricht. Das Lernklima in der Gruppe ist angenehm und vertraut. Gegenüber den Lehrkräften wird ein höflicher und respektvoller Umgang gepflegt.
Ein Angebot ist eine verbindliche Willenserklärung des Verkäufers an eine bestimmte Person, Waren zu den angegebenen Bedingungen liefern zu wollen. Das Angebot stellt einen Antrag auf Abschluss eines Kaufvertrages dar. Wird das Angebot angenommen, so kommt der Kaufvertrag zustande. Ein Angebot muss bereits alle wesentlichen Vertragsbestandteile wie z. B. Preis, Sache und Menge enthalten. Der Verkäufer ist grundsätzlich an sein Angebot gebunden (§ 145 BGB). Die Bindung an ein rechtlich verbindliches Angebot erlischt allerdings, wenn...
... (1) das Angebot nach Ablauf der gesetzlichen Bindungsfrist angenommen wurde (§ 147 BGB). Unter Anwesenden muss ein Angebot sofort angenommen werden. Unter Abwesenden muss das Angebot innerhalb der Frist angenommen werden, in der „der Antragende den Eingang der Antwort unter regelmäßigen Umständen erwarten darf" (§ 147 Abs. 2 BGB). Dieser Zeitraum ist branchenabhängig, aber als Anhaltspunkt kann gelten: „Ein telefonisches Angebot muss sofort, eines per Fax oder E-Mail am gleichen Tag und ein briefliches Angebot innerhalb höchstens einer Woche (Postlaufzeit + Überlegungsfrist) angenommen werden".5
... (2) das Angebot erst nach Ablauf der vertraglichen Bindungsfrist angenommen wird (§ 148 BGB).
... (3) die Annahme unter Änderung, Erweiterung oder Einschränkung des Angebots erfolgt (§ 150 Abs. 2 BGB).
... (4) das Angebot abgelehnt wird (§ 130 Abs. 1 BGB).
Eine verspätete oder veränderte Annahme eines Angebots gilt als neuer Antrag (§ 150 BGB).6 In der Unterrichtseinheit steht der zweiseitige Handelskauf im Zentrum. Allerdings behalte ich mir insbesondere zu Beginn der Unterrichtseinheit vor, bei Erklärungen auf Beispiele von Kaufverträgen aus der Lebenswelt der Schüler einzugehen. Somit können sich die Schüler die Inhalte leichter erschließen und werden außerdem zur Mitarbeit motiviert. Grundsätzlich erfolgt eine konsequente Ausrichtung des handlungsorientierten Unterrichts am Modellunternehmen Timber GmbH. Den Schülern soll damit eine Struktur gegeben werden, welche sich auch im Lehrbuch wiederfindet. Es ist allerdings notwendig, die betrieblichen Prozesse vereinfacht darzustellen und bewusst bei der Unterrichtsplanung didaktisch zu reduzieren sowie regelmäßige Wiederholungs- und Übungsphasen einzubauen. Durch die betriebswirtschaftlichen Problemstellungen wird die Fachkompetenz vertiefend gefördert, welche im Zentrum des Bildungsgangs steht.
In der gezeigten Unterrichtsstunde findet eine Reduktion dahingehend statt, dass lediglich die Erlöschung eines Angebots betrachtet wird. Aufgrund der leistungsschwachen Lerngruppe wird die rechtliche Bedeutung des Angebots bereits in der Vorstunde erarbeitet. Wie ein Angebot durch Freizeichnungsklauseln eingeschränkt werden kann, erarbeiten sich die Schüler in der nächsten Stunde. Weiterhin steht das Angebot als Antrag zum Abschluss eines Kaufvertrages im Mittelpunkt der Betrachtung. Die Schüler wissen bereits aus der Vorstunde, dass ein Antrag aber auch vom Käufer z. B. durch eine Bestellung erfolgen kann. Dies wird in der Folgestunde nochmal aufgreifen. Die Inhalte eines Angebots wurden bereits im Zuge des Angebotsvergleichs behandelt.
Der Einstieg in die Stunde erfolgt mit einer E-Mail, welche der Auszubildende T. von der Büro Discount GmbH erhält. Die Lernaufgabe schließt sich an die Vorstunde an. T. bekam aufgrund einer getätigten Anfrage ein Angebot der Büro Discount GmbH über 200 hellgrüne Büroordner am 30.12.2013 per E-Mail zugeschickt. Er sah das Angebot aber erst, als er nach fast zwei Wochen Blockunterricht wieder im Büro war. Er bestellte am 14.01.2014 die Ordner gemäß den Konditionen des Angebots. Am Tag der Lehrprobe (17.01.2014) erhält er daraufhin eine E-Mail, dass die Bestellung nicht mehr angenommen wird, da sich die Preise mittlerweile erhöht hätten. T. weiß nicht was er davon halten soll. Die Schüler erkennen das Problem und entwickeln die Fragestellung der Stunde: „Wann erlischt ein Angebot?". Die Lernaufgabe zieht sich wie ein roter Faden durch die Stunde und wird in arbeitsteiliger Gruppenarbeit für verschiedene Fallbeispiele beantwortet.
Eine Lernaufgabe sollte nach Nashan folgende didaktische Gütekriterien beinhalten: Lebenswelt­oder Berufsbezug, Problemorientierung, Komplexität, Ganzheitlichkeit und Exemplarität.7 Die Lernaufgabe der geplanten Stunde berücksichtigt das Gütekriterium Berufsbezug der Schüler. Es wird eine authentische Situation aus dem beruflichen Alltag der Einkaufsabteilung abgebildet, welche sich in künftigen Praktikums- oder Ausbildungsbetrieben so ereignen könnte. Ein Lebensweltbezug ist außerdem gegeben, da die Schüler Büromaterialien selbst nutzen und selbst kaufen. Die Lernaufgabe trägt außerdem dem Kriterium Problemorientierung Rechnung. Das Problem, dass das Angebot des Lieferanten möglicherweise erloschen sein könnte, wird von den Schülern erkannt und im Laufe der Stunde gelöst. Die Komplexität der Lernaufgabe ist erfüllt, da sich mehrere problematische Aspekte aus der abgesagten Bestellung ergeben: Form des Angebots (E-Mail); Gültigkeitsdauer bzw. Annahmefrist des Angebots; Folgen für das Zustandekommen des Kaufvertrages. Die Lernaufgabe fördert das ganzheitliche Lernen, da im gesamten Unterrichtsverlauf verschiedene Sinne angesprochen werden. Es werden nicht nur fachliche, sondern auch überfachliche Kompetenzen, insbesondere die Methodenkompetenz gefördert. Die Lernaufgabe ist zudem exemplarisch, da beispielhaft ein Fall betrachtet wird, in dem das Angebot des Lieferanten erlischt. Es wurde bewusst der schwierigste Fall der Stunde herausgegriffen, um das Problem im Einstieg deutlich zu machen. Die Schüler lösen während der Erarbeitungsphase weitere Fälle, allerdings wird in der Reflexionsphase insbesondere wieder auf den Einstiegsfall Bezug genommen, welcher vertiefend betrachtet wird. Die Vorgehensweise der rechtlichen Prüfung der Gültigkeit des Angebots kann auf andere Beispielfälle im Unternehmen übertragen werden.
Die Schüler werden in der gezeigten Stunde vor folgendes Problem gestellt: T. bestellte die benötigten Ordner aufgrund des Angebots der Büro Discount GmbH. Allerdings erhält er heute eine E-Mail, dass die Bestellung so nicht mehr angenommen werden kann, da sich mittlerweile die Preise erhöht hätten. Die Schüler erkennen, dass ein Angebot zwar bindend ist, aber vielleicht schon zu lange zurückliegt. Sie prüfen diesen sowie drei weitere Fälle anhand von Gesetzestexten und begründen, in welchen Situationen ein Angebot erlischt. Die Schüler fördern in der gezeigten Unterrichtsstunde vor allem ihre Fach- und Methoden-kompetenz.
Die Schüler erweitern ihre Fachkompetenz, indem sie... ... anhand verschiedener Beispielfälle mithilfe von Gesetzestexten erarbeiten, wann ein Angebot erlischt und dies auf einem Plakat festhalten. Sie werden dazu befähigt, rechtliche Fragen zur Bindung von Angeboten zu lösen und erkennen, dass eine verspätete oder abgeänderte Annahme eines Angebots ein neuer Antrag zum Abschluss eines Kaufvertrags darstellt.
Die Schüler erweitern ihre Methodenkompetenz, indem ... ... sie Gesetzestexte sinnverstehend lesen, sich in der Gruppe über die rechtliche Beurteilung der Fälle austauschen und gemeinsam eine Lösung formulieren. Sie fördern damit ihre Kooperations­und Kommunikationsfähigkeit.
1 Vgl. Ministerium für Bildung, Frauen und Jugend (Hrsg.): Lehrplan für die Berufsfachschule II, Pflichtfach Berufsbezogener Unterricht in der Fachrichtung Betriebswirtschaft, 05.08.2005.
2 Vgl. Ebd.S. 8.
3 Vgl. Bug, Manfred, et. al.: Betriebswirtschaftslehre für die BF II. Wirtschaft und Verwaltung, Winkler, Braunschweig 2008.
4 Vgl. Ministerium für Bildung, Frauen und Jugend (Hrsg.): Lehrplan für die Berufsfachschule II, Pflichtfach Berufsbezogener Unterricht in der Fachrichtung Betriebswirtschaft, 05.08.2005, S. 5.
5 Bundeszentrale für politische Bildung: Angebot, 2013, online unter: http://www.bpb.de/nachschlagen/lexika/lexikon- der-wirtschaft/18616/angebot, abgerufen am 05.01.2014.
6 Vgl. Bug, Manfred, et. al.: Betriebswirtschaftslehre für die BF II. Wirtschaft und Verwaltung, Winkler, Braunschweig 2008, S. 63 ff.
7 Vgl. Nashan, Ralf: Strukturiertes Tätigkeitslernen im beruflichen Unterricht: Didaktik des beruflichen Unterrichts für Schule und Betrieb, Bildungsverlag Eins, Troisdorf 1999.
9783346040404
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v495308
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