Source: https://opablog.net/2013/08/28/aussichtslos-weggesperrt-in-der-psychiatrie/
Timestamp: 2019-07-16 18:53:18
Document Index: 163926434

Matched Legal Cases: ['§ 63', '§ 64', '§ 20', '§ 359', 'Art. 1', 'Art. 20', 'Art. 19', 'Art. 19', 'Art. 79']

Aussichtslos weggesperrt in der Psychiatrie? | opablog
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Das „Schicksal“ Gustl Mollaths, der gesund und mutmaßlich unschuldig siebeneinhalb Jahre in bayerischen Forensiken weggesperrt wurde, und nur durch enormen öffentlichen Druck frei kam, hat die Aufmerksamkeit vieler Menschen auf die Zustände und Mißstände in der Psychiatrie gelenkt. Ausgehend vom Mollathskandal und in seinem Rahmen (denn er ist keineswegs beendet, keineswegs überwunden, sondern muß im Gegenteil intensiv weiter aufgeklärt werden und zu Schlußfolgerungen führen) soll hier im Blog die Aufmerksamkeit einerseits auf Fragen innerhalb der Zwangspsychiatrie im Sinne der Forensik, des Maßregelvollzugs gerichtet werden und andererseits auf die Stellung dieser Art Zwangspsychiatrie innerhalb der Gesellschaft. Ein wichtiger Aspekt des Letztgenannten dürfte das „psychojustitielle Unrechtssystem“sein, von dem Dr. Weinberger gesprochen hat.
Die in diesem Blog gewünschte (und erforderliche) Begrenzung bedeutet, daß allgemeine Fragen der Psychiatrie zwar nicht völlig ignoriert werden, daß aber doch ihre breitere Erörterung auf andere Webseiten oder Foren verwiesen ist.
In diesem Sinne veröffentliche ich Auszüge aus einem Beitrag von Wolfgang Jensen, der in voller Länge hier zu finden ist:
„… Im Alter von vierzehn Jahren kam ein schottischer Schuljunge namens Phillip von der Schule nach Hause und fand seine Mutter blutüberströmt auf ihrem Bett. Sie hatte seit langem an Tuberkulose gelitten und war an einer plötzlichen Lungenblutung gestorben. Anstatt den Jungen zu trösten und ihm bei der Bewältigung seines Schocks und seiner Trauer zu helfen, machte der Vater Phillip nicht enden wollende Vorwürfe. Er habe seine Mutter getötet, indem er sie durch eine erschöpfende Schwangerschaft, Geburt und Erziehungszeit hindurchgezwungen habe. Das dauerte zwei Monate so fort, bis Phillip eines Tages nach hause kam und den Vater tot vorfand. Er hatte Selbstmord begangen.
Sechs Monate später begegnete Laing (schottischer Psychiater – kranich05) dem Jungen in einer Glasgower Irrenanstalt; er befand sich in einem sonderbaren Zustand körper­lichen und geistigen Verfalls. Laing erinnerte sich lebhaft: »Er roch schrecklich, konnte weder Stuhlgang noch Harnfluß kontrollieren und torkelte in eigentümlicher Weise durch die Gegend. Er gestikulierte in seltsamer Weise, ohne zu sprechen, schien fast vollständig autistisch und kümmerte sich in keiner Weise um seine Umwelt und die Menschen darin.
Zwei Monate Krankenhausaufenthalt brachten kaum eine Besserung mit sich. »Es mangelte nicht an einer Diagnose, erinnert sich Laing. »Es war ein akuter (und wahrscheinlich chronisch werdender) Fall von katatoni­scher Schizophrenie. Wenn er jemals sprach, wurde deutlich, daß er an einer schweren paranoiden Psychose litt. Laing fühlte sich zu diesem zerschlagenen Wesen hingezogen. Es gab keine Verwandten oder Freunde der Familie, die ihn hätten zu sich nehmen können. Daß er den Rest seines Lebens in einer Anstalt verbringen wurde, daran bestand kein Zweifel.
Also nahm Laing ihn zu sich, zu seiner Frau und seinen drei Kindern, die alle jünger als vier Jahre waren. Er traf diese außergewöhnliche Entschei­dung, weil er bemerkt hatte, daß, wenn er allein mit Phillip in seiner Praxis war, außerhalb der Atmosphäre der Psychiatrie, der Junge ruhiger wurde. Er begann, verständlich zu sprechen, und obwohl es dabei um ver­rückte Dinge ging – sein Gefühl, daß die Anstalt eine gigantische Kuppel war, mit ihm als Mittelachse; die Besuche von Außerirdischen; seine Wahnvorstellungen von der Stimme eines schwarzen Mannes, der ihm Unverständliches durch die Nacht zurief -, war er nicht völlig abgetreten. Auch seine Ticks und Zuckungen klangen in Laings Praxis ab. Während mindestens einer Stunde war er kontinent, und, wichtiger noch, ein Anflug von Dankbarkeit kam über seine starren Gesichtszüge, wenn Laing ihm seine Hilfe anbot.
Laing kam zu der Einsicht, daß möglicherweise die Ärzte und Kranken­schwestern Phillip verrückt hielten, weil sie ihn dafür hielten. »Phillip erzeugte in jedem, der in seine Nähe kam, gemischte Gefühle einerseits des Ekels bei seinem Anblick und Geruch und andererseits des Mitge­fühls, einfach deswegen, weil er so widerwärtig war und so offensichtlich im Elend steckte. Das Ergebnis war, daß so gut wie jeder versucht war, ihm gegenüber freundlich und liebevoll zu scheinen, aber jeder so rasch wie möglich außer Sicht- (und Riech-) Weite floh – nicht, weil sie ihn nicht ausstehen konnten, sondern aus irgendeinem anderen Drang heraus.
Phillip wurde verrückt gehalten, weil der Versuch, ihn zu lieben und für ihn zu sorgen, von Heuchelei gefärbt war, und das wußte er. Sobald Laing den unerhörten Schritt getan hatte, einen katatonischen Schizophrenen in seine Familie aufzunehmen, ging es mit Phillip mit Riesenschritten berg­auf. Seine Inkontinenz hörte mit dem Moment auf, als er Laings Haus betrat. Nach wenigen Wochen hörte er auf zu torkeln, das Schütteln blieb noch eine Weile. Er begann, stockend, aber zusammenhängend zu spre­chen. Drei Monate später war er wieder so weit hergestellt, daß er in ein Kinderheim gebracht werden konnte. Die Gefahr, ein Leben in einer psychiatrischen Anstalt verbringen zu müssen, war gebannt.
Laing wandte keine Psychotherapie an, solange Phillip unter seinem Dach weilte. Der Junge wurde mit Aufrichtigkeit, ohne Heuchelei behandelt. Das bedeutete, auf das, was gut oder schlecht an ihm war, wurde dement­sprechend reagiert. Fünfzehn Jahre später suchte er die Laings wieder auf um über sein Ergehen zu berichten. Laing vermerkt mit trockenem Humor.» Er war verheiratet, hatte zwei Kinder, eine feste Stelle und besuchte Abendkurse über Psychologie.
Es ist schwerlich zu leugnen, daß Philips Geisteszustand in enormem Ausmaß von den Projektionen anderer Gemüter abhängig war…“
Zum Problem „aussichtsloser Fall in der Psychiatrie“ hat mir eine erfahrene Psychologin und Psychotherapeutin eine eigene Erfahrung mitgeteilt, eine andersartige als die eben geschilderte aber auch beachtenswerte:
„…die Allgemeine Psychiatrie, in der Zwangsmaßnahmen bisweilen lebensrettend sein können? Ich habe noch die Worte eines ehemaligen Patienten der Klinik, die ich früher leitete, im Ohr und der uns später, als gesunder Student, ab und zu besuchte.
Er sagte: „Wenn Sie doch wussten, dass das hilft, warum haben Sie nicht eher zugegriffen?“ Wir hatten ihn nach langem Zögern und als er uns lächelnd vor dem Kühlschrank stehend zu verhungern drohte , zwangsweise in die Akutpsychiatrie verlegt und dort gegen seinen damaligen Willen Neuroleptika gegeben .
Ich habe ihm damals geantwortet: „Wir wußten nicht genau, ob es Ihnen hilft, aber wir hatten schließlich den Eindruck , dass wir Ihnen diesen Versuch schuldig sind.“
Das nur eins von hunderten, extrem unterschiedlicher Beispiele, die alle sorgfältig in Einzelfallabwägungen statt finden müssen.“
Grundsätzlich verstehe ich Psychiatrie als einen Teilbereich der Medizin, und das heißt grundsätzlich dem Ziel „Heilung“ verpflichtet. Das gilt auch für die forensische Psychiatrie, obwohl hier ein Verwahraspekt hinzukommt. Wenn unter diesen Voraussetzungen dennoch von „aussichtslos weggesperrt“ gesprochen wird, dürften eigentlich nur die Grenzen der ärztlichen Kunst gemeint sein.
Jedoch ist heute eine große Zahl Tatsachen bekannt, die größte Zweifel daran aufkommen lassen, daß in den deutschen Forensiken das Heilungs- bzw. Verbesserungsziel zum Wohle der PatientInnen durchgängig und unter Beachtung der höchsten professionellen, insbesondere ethischen, Standards die führende Norm darstellt. Hier ist nicht nur auf die Fälle Mollath oder der hessischen Steuerfahnder zu verweisen. Auch in weniger spektakulären und weniger gut dokumentierten Situationen – ich nenne nur den Fall Ilona Haslbauer, zu dem es hier im Blog von gegensätzlichen Seiten Darstellungen gibt, die z. T. sehr sorgfältig und qualifiziert kommentiert werden – scheint sich zu bestätigen, daß im sich dramatisierenden Forensikalltag der Therapieansatz „unter die Räder“ kommen kann und Menschenrechte verletzt werden. Die genannten Zweifel sind so wohlbegründet, daß eine grundsätzliche öffentliche Diskussion unerläßlich ist. Diese Diskussion muß der enormen Komplexität des Gegenstandes gerecht werden:
Gibt es Stagnationserscheinungen in Forschung, Diagnostik und Therapie innerhalb der Psychiatrie/Forensik?
Gibt es den Zugriff von Wirtschaftslobby- und anderen, insbesondere politisch einflußreichen, Interessengruppen auf die Psychiatrie/Forensik?
Fördern die Finanzierungsbedingungen die Therapieerfolge in der Psychiatrie/Forensik oder hemmen sie diese und führen sogar zu Fehlentwicklungen?
Wie muß ein wirksames System der Selbstüberprüfung und -korrektur in der Psychiatrie/Forensik aufgebaut sein? Dies unter besonderer Mitwirkung Psychiatrieerfahrener.
Wie ist zu sichern, daß die Menschenrechte der Psychiatrie-/ForensikpatientInnen jederzeit uneingeschränkt gewahrt werden? Wie muß ein entsprechender Rechtsschutz aussehen? Welche Anforderungen sind diesbezüglich an die ständige Fortbildung der Betreuungskräfte aller Ebenen zu stellen?
Die notwendige Psychiatrie-und Forensikdiskussion wird sicherlich auf Fälle stoßen, in denen die „Regeln des Handwerks“ oder gar gesetzliche Regelungen verletzt wurden. Solche Mißstände müssen aufgedeckt und beseitigt werden. Unabhängig davon sollten die Diskussionen mit dem Ziel geführt werden, daß alle in der Psychiatrie/Forensik ehrlich Engagierten an ihrer dringend notwendigen Reform und Erneuerung mitwirken.
Dieser Beitrag wurde unter Bewußtheit, bloggen, Demokratie, Gesundheit Alter Tod, Realkapitalismus, Widerstand abgelegt und mit Forensik, Haslbauer, Mollath verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.
46 Antworten zu Aussichtslos weggesperrt in der Psychiatrie?
29. August 2013 um 01:39
herzlichen Dank, dass Sie diese brennende und in der Tat höchst komplexe Thematik aufgegriffen und uns mit einem beeindruckenden Beispiel hervorragend ins Thema eingeführt haben. Zu Recht haben Sie dialektisch auch den Erfolg einer Behandlung mit Neuroleptika erwähnt. Ihre am Ende aufgeworfenen Fragen sind die zentralen Fragen, die auch mir am Herzen liegen und die es zu diskutieren und zu klären gilt.
Ich stimme Ihnen zu: Ziel der Diskussionen in dieser Runde sollte es sein, deutliche und verwertbare Impulse zu geben, die Gehör bei der dringend notwendigen Reform und Erneuerung der verschiedenen Dimensionen zum Thema „Psychiatrie“ (gesetzliche Regelungen, Therapieansätze, Abläufe in den Einrichtungen, Umgang mit schwierigen Patienten, Ausbildung des Personals und vieles mehr) finden können.
Angesichts der fortgeschrittenen Zeit greife ich einfach einige Punkte heraus:
Ein Hauptproblem ist die völlige Intransparenz der psych. Einrichtungen. Uwe Ritzer erwähnte bei Beckmann, dass jedes Gefängnis für Journalisten erheblich mehr Transparenz biete als eine Forensik. Es ist deutlich: Hinter den ständig verschlossenen Türen hat sich in vielen Einrichtungen ein Mief gebildet, der durch „Lüften“ dringend beseitigt werden müsste. Dann wird auch die Frage der notwendigen Kontrollen leichter zu beantworten sein.
„Stagnationserscheinungen“:In der Tat. Dies habe ich auch schon anderenorts erwähnt: Es ist natürlich völlig unangebracht, von „Nazi-Methoden“ oder „KZ-Ärzten“ zu sprechen. Aber es muss sehr wohl konstatiert werden, dass die Psychiatrie in den letzten gut 65 Jahren kaum Fortschritte hinsichtlich Therapie, Umgang mit den Patienten, Vorbereitung auf die Rückkehr ins gesellschaftliche Leben oder objektivierbare Kriterien für eine Diagnose gemacht hat.
Der Umgang mit dem jüngst in SPIEGEL online beschriebenen Vorfall um Ilona H. zeugt m. E. von einem pädagogischen Ansatz aus der Urzeit.
Ich spreche der heutigen Psychiatrie ohnehin die Wissenschaftlichkeit ab. Allein die von Dr. Strate veröffentlichten Gutachten im Fall Mollath empfinde ich als erschreckend banal undletztlich völlig haltlos. Es genügt sIcherlich, wenn ich an dieser Stelle einfach nur auf Gert Postel, den Leitenden Oberarztes im Fachkrankenhaus für Psychiatrie in Zschadraß bei Leipzig – ehemals Postbote -, verweise.
Ich kann mich nicht erwehren, dass in diesem Zusammenhang wiederholt der Begriff „Scharlatanerie“ durch meine Gedanken blitzt.
Pharmalobby: Dies ist ein riesiges Thema. Im Internet finden sich unzählige Statements, Videos und Berichte, die die gesamte Psy. als ein Produkt der Pharmaindustrie sehen. Hier geht es um einen Milliardenmarkt. Und viele der Berichte sind sehr beeindruckend und einleuchtend.
Therapieziel „Entlassung“: Gerade in der Forensik sehe ich nicht, dass dies wirklich verfolgt wird. Welche Therapien haben etwa Gustl M. oder Ilona H. erhalten? Gut, sie zeigten keine Krankheitseinsicht und verweigerten eine Medikation. Aber haben wir nicht am Eingangsbeispiel des schottischen Jungen Philipp gesehen, dass eine Heilung oft ohne oder gerade nur ohne Medikamente, sondern nur durch die richtige Zuneigung erfolgen kann?!
Kleiner Exkurs: Meinem Sohn wurde im Kindergartenalter ADHS diagnostiziert und Ritalin empfohlen. Wir haben dies natürlich strikt abgelehnt und haben uns stattdessen intensiv mit ihm befasst, ihn gefordert und gefördert und ihm mit einer – unserer Meinung nach gesunden – Mischung aus Belohnung und Bestrafung die Möglichkeiten und Grenzen aufgezeigt. Ich selbst – auf mich hätten wohl in meiner Kindheit die Diagnose ADHS zu 130% zugetroffen – habe das Toben und Spinnen mit meinem Sohn über alle Maßen genossen. Später in der Schule zeigte er hervorragende Leistungen, steht jetzt vor dem Abitur und wird dieses sicherlich mit einem guten bis sehr gutem Ergebnis abschließen. Fazit: Es geht auch ohne Medikamente.
Fortsetzung folgt …. 😉
29. August 2013 um 09:28
da ich den Eindruck habe, daß Sie eine Menge Sachkenntnis und ein abgewogenes Urteil zu vielen der aufgeworfenen Fragen haben, bin ich gern bereit, einen oder mehrere Gastbeiträge von Ihnen auf die Hauptseite des Blogs zu setzen.
Was die Intransparenz angeht, finde ich den Vorschlag des „Runden Tisches“ von Taufkirchen einwöchige Hospitationen zu ermöglichen bemerkenswert.
Ich muss allerdings betonen, dass ich bislang KEINERLEI Ahnung von Psychiatrie und den entsprechenden Einrichtungen hatte. Hier liegt scheinbar der „Postel-Effekt“ vor: Die „Sachkenntnis“ habe ich mir in den letzten Wochen allein durch sporadische Internet-Recherche und Lesen verschiedener Blogs erworben. Jetzt fehlt nur noch die spezifische Begrifflichkeit und ich kann mich als Gutachter bei Gericht verdingen.
Zu „einwöchige Hospitationen“: Gut, dass hier Bewegung rein kommt.
Es tut sich ja bereits etwas: Morgen ist ein Besichtigungstermin im IAK in Taufkirchen:
https://www.facebook.com/events/575223635852055/
„Die Ortsgruppe der KAB (Katholische Arbeitnehmer-Bewegung) Taufkirchen, sowie der KAB Kreisverband laden gemeinsam mit Klinikleitung und Betriebsrat in die kbo Klinik Taufkirchen ein. Die kbo-Klinik ist einer der größten Arbeitgeber in der Region. Neben der Besichtigung der Klinik, wollen die Veranstalter auf einschneidende Veränderungen für Patienten, Mitarbeiter und den Bezirk als Träger hinweisen und um zivilgesellschaftliche Unterstützung bitten.“
Dabei geht es zwar vorrangig um das „Pauschalierende Entgeltsystem in Psychiatrie und Psychosomatik (PEPP)“, aber immerhin ….
Auch die Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie etc. sieht sich zum Handeln veranlasst: Presseworkshop am 11. Sept. 13 mit führenden Persönlichkeiten:
Ankündigung: „Presseworkshop: Der Fall Mollath – öffentliche Wahrnehmung und Realität der forensischen Psychiatrie
Die Berichterstattung über Gustl Mollath hat sich in den letzten Monaten auf die öffentliche Wahrnehmung der Psychiatrie in Deutschland ausgewirkt. Viele Menschen begegnen ihr heute wieder mit Unbehagen und Skepsis….“
Wie ich schon sagte: JETZT ist die Zeit für Veränderungen! 🙂
Jürgen Rupprecht schrieb 29. August 2013 um 01:39 u.a.:
„Allein die von Dr. Strate veröffentlichten Gutachten im Fall Mollath empfinde ich als erschreckend banal und letztlich völlig haltlos.“ – Aber bitte, das war die Crème de la Crème der Gutachter wie ich las …
Und später: „Jetzt fehlt nur noch die spezifische Begrifflichkeit und ich kann mich als Gutachter bei Gericht verdingen.“ – Ich empfehle Ihnen bis dahin ein wenig Übung im Begutachten, vielleicht von Dr. Leipziger, Dr. Kröber oder auch mal Frau Merk, Frau Haderthauer?! Vielleicht braucht man gerade solche schon bald vor Gericht …
Toi, toi, toi, weiter so wünscht Ihnen
29. August 2013 um 05:28
Psychiatrie ist nicht reformbar – da die Vertreter der Psychiatrie nicht ehrlich sind – sondern verlogen nur an ihren privaten Interessen des Profits verhaftet sind. Ein Pfleger hat meinem Sohn gegenüber erklärt, dass der Kriseninterventionsraum immer belegt sein muss – sonst rechnet sich die Anlage nicht. Mehr gibt es dazu nicht zu sagen .- wenn man auch wahrnimmt, dass die Insassen immer dann zwangsweise medikamentiert werden, wenn die nächste Anhörung vor Gericht terminisiert wurde oder wenn die Täter eine Entscheidung der oberen Instanzen verhindern wollen. So ist mein Sohn ausgerechnet 4 Wochen vor der Entscheidung des Bundesverfassungsgericht gestorben, nachdem diese Klinikvertreter durch Nichtüberweisung seines Taschengeldes an den Anwalt, durch Beantragung einer Betreuung ua. vergeblich versuchten, die Beschwerde zu verhindern. Oder wie wertet man die Aussage eines Pflegers, dass er nicht weis, was die Menschenrechtskonvention ist – als mein Sohn diese gegenüber der Kamera an die Wand pinnte . . .
Wäre die Reform der Psychiatrie möglich, dann wäre sie gar nicht notwendig, weil die Täter sich selbst an die Gesetze halten würden. Aber auch dass die Richter die ärztlichen Gesichtspunkte über die Gesetze stellen – hat zu diesen Missständen beigetragen. So wurde meinem Sohn – als es ihm am schlechtesten ging _ jeglicher Kontakt mit der Mutter verboten und verhindert. Und wie würden Sie die Bitte meines Sohnes werten: „Mama bring mir doch Deine Bettwäsche mit, damit ich deinen Geruch bei mir habe.“ Mein Sohn war 29 Jahre alt. also längst erwachsen – oder die Aussage, dass er so gerne mal weinen möchte – aber das nicht tun könne, nicht mal unter der Bettdecke, weil die Psychiater ihn mittels Kamera ständig überwachen und sie dann wieder mit ihren chemischen Betäubungsmitteln spritzen würden.
Es gibt keine Rechtfertigung für die Existenz von Psychiatrie – da sie nichts anderes tut als mit Gewalt chemische Drogen zu daelen. Das ist keine Heilung. Und wir sollten steht auch analysieren, wie diese chemischen Drogen wirken – wenn wir über Psychiatrie sprechen.
Liebe Rosel Zierd,
Ihre Schilderung macht mich tief betroffen und ich versichere Ihnen mein wahres Mitgefühl. Zugleich ist Ihr Bericht ein weiterer Stein in einer Reihe ähnlicher Berichte, die ich zuhauf in den letzten Tagen gelesen habe. Und alle haben im Kern den gleichen Inhalt, zum Teil fallen sogar die gleichen Aussagen.
Und nahezu alle laufen auf Ihr Fazit hinaus: „Es gibt keine Rechtfertigung für die Existenz von Psychiatrie – da sie nichts anderes tut als mit Gewalt chemische Drogen zu dealen.“
Häufig werden in den Berichten zudem schreckliche Behandlungsmethoden geschildert, die SIE in Ihren Zeilen ja nur angedeutet haben.
In vielen Berichten ist auch wiederholt das Wort „Folter“ zu finden, bei der Beschreibung von Maßnahmen, die darauf gerichtet seien, den „Patienten“ gefügig zu machen.
29. August 2013 um 09:35
danke fuer diesen Beitrag – er zeigt wieder mal wie Voreingenommenheit vieles blockiert. Oder wie heißt es in Asien:
(also auch kein Höhergestellter über andere Menschen)
Psychreform schreibt:
29. August 2013 um 10:33
Zur Kenntnisnahme: »Initiative zur Reform der Unterbringung und gesetzlichen Betreuung psychisch Kranker« psychreform.de
Ich möchte drauf hinweisen, dass die Initiative gern gut dokumentierte Fallbeispiele zur Unterbringung veröffentlicht, um die Öffentlichkeit für dieses Thema zu sensibilisieren.
Die derzeitigen einfachgesetzlichen bundeseinheitlichen Vorschriften des StGB und BGB sowie der Unterbringungsgesetze der Länder lassen grundrechtswidrig und unter Missachtung des Rechtsschutzes grundsätzlich eine unbefristete Unterbringung und/oder Entmündigung einzelner Bürger zu.
Vorrangig dienen hier die Vorschriften des § 63 StGB (Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus) und § 64 StGB (Unterbringung in einer Entziehungsanstalt) in Verbindung mit einen Freispruch gemäß § 20 StGB wegen Schuldunfähigkeit wegen seelischer Störungen dazu, den davon Betroffenen einerseits bis ans Ende seines Lebens (ohne Strafe) einzusperren und ihm darüber hinaus eine (jedem zu einer Strafe Verurteilten zustehende) Wiederaufnahme des Verfahrens gemäß § 359 StPO zu versagen, weil diese zwingend eine Verurteilung zu einer Strafe voraussetzt. Ohne Strafe jedoch keine Wiederaufnahmemöglichkeit, womit die damit verbundenen Überprüfung auf Rechtsfehler in einem neuen Hauptverfahren gesetzlich nicht gegeben ist.[1]
Zudem können diese Vorschriften ohne weiteres unter Anwendung rechtswidriger staatlicher Gewalt missbraucht werden, um die vom Reichsgericht erfunden Rechtsfiguren des »Bürgers minderen Rechts« sowie des »bürgerlichen Todes zu Lebzeiten« auch gegen der staatlichen Gewalt unliebsame Personen anzuwenden.
Die mit der Unterbringung und gesetzlichen Betreuung psychisch Kranker oder solcher Personen, welche fehlerhaft als psychisch krank behandelt werden, verbundenen Grundrechtsverletzungen, wie Zwangsbehandlung, Zwangsmedikation, Fixierung und realer Freiheitsentzug, schwerste Gesundheitsschäden als Folge u.a., sind trotz eindeutiger entgegenstehender Rechtsbefehle der Grundrechte als gegenüber der öffentlichen Gewalt unmittelbar geltende Rechte an der Tagesordnung des juristischen und klinischen Alltags.
Effektiver Rechtsschutz gegen Fehler oder Missbrauch ist trotz der Rechtsschutzgarantien des Grundgesetzes in der Praxis nicht gegeben.
Derartige Zustände sind einer sozialen Demokratie und eines Rechtsstaates unter der Herrschaft des Grundgesetzes unwürdig.
„Ohne Strafe jedoch keine Wiederaufnahmemöglichkeit, …“
Gerade frage ich mich, ob eine gerichtliche Fehlentscheidung nicht dem Wesen einer Strafe entspricht.
Es geht hier aber (leider) um die Legaldefinition der Strafe und danach ist weder eine Fehlentscheidung noch eine Maßregel der Unterbringung eine Strafe im Sinne des Strafgesetzes.
Martin Schönfeldt ‏@livemartin 1h
13 jährige flieht aus Kinderheim https://www.youtube.com/watch?v=aTGg012_egU&feature=youtube_gdata_player … #mollath
Gefolgt von Ursula Prem and 17 others
Unglaublich, wenn wahr. Aber Vorsicht! – bewusst.tv
Ich kenne bewusst.tv ueberhaupt nicht?!?
Habe aber laenger reingehoert.. und nach den (Sonnenaktivitaeten und Einfluessen aufs Befinden) kamen dort erstaunliche interessante kritische Meldungen, die Sie allesamt hier im Blog auch veroeffentlichen wuerden (Umgang mit Hypothekenschulden in Irland, Schuldenniveau in den USA, Verlaesslichkeit von Medien, Umgang mit Arbeitslosen etc.). Das Interview oben finde ich beeindruckend und informativ.
Bin sehr gespannt, wie das weitergeht, wenn das alles stimmt.
29. August 2013 um 19:59
Ich fand das Interview auch beeindruckend.
Es muß aber, wie es dort auch in einem Kommentar gesagt wurde, auch die andere Seite zu Wort kommen.
Hier möchte ich kurz zu Vorsicht warnen und formuliere es mal ‚privat‘:
Meine Eltern hätten noch viel Mitleid-erregender und unschuldiger dasitzen können; da darf man überhaupt nicht naiv sein und glauben, man könne das am ‚korrekten Auftreten‘ erkennen, was sich da zu Hause abspielt, oder nicht. Mir flößt da die Haltung der Eltern eher Angst ein. abgewendet, er ‚locker,‘ sie gespannt, abgeneigt, und der Blick, wenn der Mann nicht die Details nennt, greift die Frau ein. … Das Kind mit Zettel erwähnt nicht zufällig Merkmale aus ‚Erwachsenensprech‘. und ein letztes mal ‚privat‘: Ich hätte selbst die Rolle genauso überzeugt gegeben – in diesem Alter.
Dass Kinder in dem Alter ganz genau wissen, welche Miene von Ihnen verlangt wird, und die Loyalitäten noch überhaupt nicht so frei sind, um dem (körperlich-seelischen) Selbstschutz der ‚Ausnahme-Situationen‘ zu folgen, weil dagegen noch ganz andere Grundbedürfnisse stehen … …
Ich kann dieser Situation im Interview kaum vollends trauen, eher im Gegenteil.
Z.B: Die vom Mädchen erzählte (Eigeninitiative 27:42/45) Heimfahrt-Erzählung um 14:00. (14:10 ‚Ich wusste die Nummer [von bewusst.tv]‘ ).
und um 16:00 die doch plausiblere ‚Auflösung‘ der Initiative: 16:27: ‚wenn Medien genug große Macht ausüben, kommt das Mädchen (aus Polen) nach drei Stunden frei.‘
Also kann man davon ausgehen, dass von den Eltern der Gang in die Medien, also auch die Flucht direkt ins Studio genau geplant war, und alle brav, vor allem die Tochter ihre Rolle und Aufgaben erfüllt haben.(21:47 ‚youtube‘-Entdeckt-Geflohen-aus-Angst werte ich als Loyalitätslüge) Das sagt natürlich noch überhaupt nichts über den Wahrheitsgehalt der Vorwürfe aus(!!!), aber es zeigt, wie die Tochter eingespannt(!) wird, und es stellt sich die Frage:
Warum die Eltern nicht auch ohne Tochter die Medien/das Studio aufsuchen können/wollen.
Warum also diese halb-Inszenierung, wo ein Kind dann gezwungen/(stünde der Vorwurf nicht im Raum, würde ich auch missbraucht schreiben) wird, eine aktive Rolle zu spielen.
Da wird dann lieber alles andere (Anwälte, Demokratie, Jugendamt) hinterfragt, bloß nicht, warum die eigene Schwester der Antonia -Stiefschwester- solche Gewalt-Geschichten erzählt hat.
Diese Flucht-Inszenierung erklärt auf jeden Fall schon mal die Notwendigkeit der rigorosen Kontaktsperre.
24:40 ‚Es soll so steril wie nur möglich sein‘ (Da muss ich allerdings an die Situation während des Videos denken)
Ich traue solchen Inszenierungen nicht über den Weg. Das sind schließlich auch Lügen, die auf dem Rücken des Kindes ausgetragen werden, und lieber über die Inszenierung einer Familie ‚argumentieren‘ (blenden) wollen, anstatt erwachsen-selbständig. Das ist meine Einschätzung zu diesem Inszenierungsvideo – nicht zu den Vorwürfen!
Ich bestätige an dieser Stelle, daß eine erfahrene Psychologin und Sozialarbeiterin (zufällig meine Frau) genau dieselben Bedenken geäußert hat.
31. August 2013 um 10:20
Beim Versuch, die der ungewohnten Situation sicherlich geschuldeten „Unvolkommenheiten“ der Eltern auszublenden fällt gewiss auf, wie *heil* das Mädchen insgesamt wirkt und das kann nur sein, wenn die häusliche Situation überwiegend positiv gewesen ist.
Da es ja nie darum ging die Paarbeziehung oder das Erziehungskonzept zu evaluieren, sondern den richterlichen Ein-bzw Übergriff, denke ich schon, dass dieses Video Einblick in ausreichendem Mass gewähren kann, wie völlig daneben Behörden und Gerichte agieren.
„Beim Versuch, die der ungewohnten Situation sicherlich geschuldeten “Unvolkommenheiten” der Eltern auszublenden fällt gewiss auf, wie *heil* das Mädchen insgesamt wirkt und das kann nur sein, wenn die häusliche Situation überwiegend positiv gewesen ist.
Da es ja nie darum ging die Paarbeziehung oder das Erziehungskonzept zu evaluieren, sondern den richterlichen Ein-bzw Übergriff,“ denke ich schon, dass dieses Video Einblick in ausreichendem Mass gewähren kann, wie völlig daneben Behörden und Gerichte agieren.“
Absoluter Quatsch. Das Familiendrama beginnt mit der Gewalt-Behauptung der Schwester. Der staatliche Eingriff ist erst einmal ein Versuch/Konstrukt der Hilfe und gilt dem Schutz körperlich und psychischer Unversehrtheit der Kinder vor den Eltern, weswegen in bestimmten Fällen die Kinder vor den Eltern geschützt werden müssen.
Ich selbst wäre liebend gern auf ein Internat gegangen, um weg aus meinem familiären Umfeld zu kommen, und das wurde von mir auch geäußert (obgleich natürlich nicht mit dem wahren Grund gegen die Eltern, weil man ja die Eltern aufspaltet in, das was man selbst gutes will, und dem Schrecken, den sie über einen bringen), es wurde finanziell soweit begünstigt, dass meine Eltern sich sogar noch etwas vom Kindergeld sparen hätten können, (das lief alles ohne Jugendamt, sondern über ‚wissende‘ Lehrer), aber aus ‚Stolz‘ der Eltern wurde da nichts draus; ganz im Gegenteil, weil die Noten zunehmend zu den Gewalterfahrungen schlechter wurden, wurde ich vom Tagesheim (Hausaufgabenbetreuung bis 17 Uhr) abgemeldet, sodass ich dann direkt nach der Schule zu Hause ‚besser‘ lernen können sollte – das schlimmste aber neben den physischen Gewalterfahrungen (vor allem später im eigtl. mündigen halbstarken-erwachsenen Alter) war: ich hatte selbst gegen mich gelogen und so getan, als wäre das auch mein Wille.
Und glauben Sie mir, wer gezwungen ist als Kind eine Familiensituation zu stabilisieren und zu normalisieren, damit einigermaßen ’normales‘ Leben erfolgen kann, der hat kein Problem damit, erwachsenen (‚Idioten‘) Blinden, *heile Welt* vorzugaukeln. Es wäre idiotisch die kindlich (früh-pseudoreif) Notkonstrukt-Härte an Eigenkontrolle, Selbständigkeit, Eigeninitiative (alles um den Mangel der Eltern zu ersetzen) mit *heil* zu verwechseln.
Und wie jeder Mensch, will auch ein Kind Freunde haben, cool sein, und nicht der geschlagene oder sexuell missbrauchte, das Opfer, sondern cool. Die öffentliche ‚erfolgreiche‘ Darbietung hat doch nichts mit *heil* und mit entschuldbarer Erziehung zu tun.
Oder dürften ihrem Verständnis nach alle sexuell missbrauchten Kinder nicht mehr aufrecht und nur noch mit zerfledderten Kleidern rumlaufen, damit das Leid aber auch Unrecht anerkannt werden kann? Da hätten wir dann doch eine schnelle Antworten auf Odenwald gefunden. Hübsche Kleidung, aufrechte Haltung, Benehmen, evtl. sogar Erfolg, also gesund – und damit wäre dann auch schon alle Erziehungsübertretungen legitim???
Mann oh mann. Für Sie dreh ich das ganze mal um:
Das Kind wirkt auf Sie *heil* – offensichtlich ist die Klage über staatliche Übergriffe dann ja wohl hinfällig und die ’staatlich eingreifende‘ „Situation überwiegend positiv“.
Als Kind hätte ich für solche blinde Erwachsene nur Hohn und Spott übrig gehabt -hätte ich es mir emotional erlauben können- weil völlig ‚manipulierbar‘.
31. August 2013 um 21:33
Die „Unvollkommenheiten“ der Eltern folgen wohl-überlegte juristische Abwägungen/Eigenabsicherungen: Der Ablauf der angeblich frei-eigeninitiativen Flucht, und zwar nicht nach Hause (was natürlich wäre), sondern ins Studio – mit juristischen relevanten Stichpunkten auf dem Zettel des Kindes…. das ist ein wohlüberlegtes Fluchtkonstrukt mit dem Kind als Hauptakteur.
Auch Eltern können aus Rücksicht auf das Wohl des Kindes auf diese Hauptrolle verzichten, und alleine – selbständig – selbst die Erwachsenen-Rolle einnehmend, ins Studio gehen und über den staatlichen Übergriff berichten.
Und das wollte ich anmerken, dass hier nicht mündige Eltern, auf sich selbst bauend die Hauptrolle einnehmen, sondern das Kind in eine Hauptrolle zwingen, was überhaupt nicht sachbegründet notwendig wäre.
Haben Sie schon mal für jemanden Lügen sollen – wissen Sie wie unangenehm das ist, Lügen?
Das verlangen die Eltern von dem Kind, dass es eine Rolle so überzeugend spielt und alle so anlügt (bis zu sich selbst), damit die Inszenierung recht *heil* wirkt, und aller Welt glauben gemacht werden soll, dass das Kind ihre Eltern liebt, und bei Ihnen leben möchte. Perfider Loyalitätsbeweis.
Man kann natürlich über den staatlichen Übergriff diskutieren, aber nicht auf Grundlage dieser übergriffigen Video-Inszenierung.
1) Die Deutungshoheit über die eigenen Krankheit sollte zur Würde, und damit unabwägbar sein.
-> Die Staatsgewaltdurchsetzung aus allgemeinen Sicherheitsgünden sollte sich dann ehrlicher Weise aus der eigenen Angst/Sicherheitsbedürfnis begründen, und nicht, wie bei jedem Missbrauch, die eigenen Motivation und eigene Be-gründung in des anderen ‚Sein‘ verorten, und dort den Grund derart sehen, dass man den andern ändern will. (Im Gefängnis geht man auch nicht von einer kriminellen Seele aus, die therapiert werden muss)
2) Die geistige oder psychische Integrität ist mit der körperlichen mindestens Gleichzustellen.
-> Strafminderung ist ein Milderungskonzept, der Ent-Strafung. Daraus kann nicht eine Milderung einer puren Gefängnisstrafe werden, und statt dessen ein Danaer Geschenk, welches über Jahre die Integrität 1) angreift. Im Gefängnis hätten die Leute ihre Ruhe, ihre abzusitzenden Zeit, und keine Rechtfertigungsumkehr (Gefahrenprognose)
3) Krankheiten sind (belastende bis zu sehr) Umstände, aber für eine kriminelle Tat, ist immer eine kriminelle Entscheidung anzunehmen. Wäre es so, wie in den Gutachten angenommen, dass die bloße Tatsache einer Wahnkrankheit selbstverständlich auch kausal für die kriminellen Handlungen zuständig wären, dann müsste mit derselben(!) Selbstverständlichkeit jeder Wahnhafte auch ein Krimineller sein – was bei weitem nicht so ist. Wäre 2) wirklich nur mildernd eingesetzt und kein Danaer-Geschenk, dann wäre dieser Punkt 3 nicht so wichtig.
4) Schuldfähigkeit spielt sich ausschließlich innerhalb(!) einer Person ab, wo die Person sich selbst seiner Krankheit ‚ausgeliefert‘ sieht, und immer noch frei gedacht werden muss, darauf auch nicht-kriminell darauf zu antworten.
->Es kann nicht sein, dass das zentrale Vermögen zur Freiheit aus der Würde der Person gekillt wird, um dann in einem peripher Punkt milde und Fürsorge vorzugaukeln. Die nur(!!) die Umkehrung ist möglich: Wenn die Person selbst von sich aus eine starke überwältigende Determination durch Krankheit ausspricht, dann kann Strafe gemildert werden – und nur auf diese Weise kann Therapie funktionieren, weil es keine Integritäts’vergewaltigung‘ darstellt, sondern eingewilligter Therapie’Beischlaf‘. ( Die Auswirkungen, bzw. die existentiellen Integritäts-Erwehrungen sieht man sehr deutlich, wenn von querulatorischen Verhalten gesprochen wird: Da erwehrt sich einer dem so ‚unschuldigen‘ Therapieangebot bzw. ‚unschuldigen‘ gutmeinenden Therapiesituation, und die Unwahrheit des Danaergeschenk mach nun mal den Unterscheid zwischen ‚Liebemachen‘ und ‚Vergewaltigung‘)
6) Richterliche Urteile und richterlich vorgegebene Fakten belegen kriminelle(!) Handlungen(!), und sind nicht mit psychiatrischen Fakten zu verwechseln, und dürfen deswegen eben gerade nicht (und schon gar nicht 1:1) an den Gutachter herangetragen oder sogar aufgetragen werden.
6) Gutachten und Richter dürfen bei Schuldunfähigkeit nicht Krankheitsdiagnose mit Grad der innerlichen Person-Überwältigung verwechselt werden. Der Nachweis, ob eine Krankheit zur Tatzeit Person-überwältigend war, muss und kann nur(!) – nur- -nur- nur- von dieser Person berichtet und in Anspruch genommen werden. Handlungen geben keine Auskunft über eine frei beantwortende Person, seinen Willen, eine evtl. Steuerungsfähigkeitsübermannung, noch über das Bewusstsein der Tat.
7) Was nicht redlich und nicht wissenschaftlich fundiert dargelegt und beobachtet werden kann, kann auch dann nicht hinsichtlich der Aussagekraft und Fundierung aufgewertet, nur weil es ein Gericht wünscht. Belastet sich eine Person nicht(!) mit einem Geständnis, und sind auch keine brauchbaren Indizien oder Beweise gegeben, dann kann dieser Mangel nicht zu Lasten im Zweifel gegen die Person angewendet werden -auch nicht bei Gutachten, selbst wenn Leipziger und Richter der Meinung sind, sie dürften solange Begutachten, bis sich dann schon einmal der Beweis findet.
8) Grundsätzlich ist die Methode einer Therapie mit folgenlosen Annahmen, worüber immer die Deutungshoheit des Patienten gewährleistet bleibt, weil sie entscheidet, was heilen ‚darf‘ und was nicht, und sich sonst auch keine anderen negative Auswirkungen durch Therapieannahmen ergeben, außer Auswirkungen aus dem natürlichen Verlauf eigener Krankheits/-Lebenslast heraus, dies alles ist grundsätzlich zu trennen von den Methoden einer Begutachtung. (wo nicht mehr der Patient, sondern ein Richter über negative Auswirkungen über die Person hinweg urteilt. Da werden geistige Versuchsballongs sehr schnell zu gefährliche Bomben.) Dieses Bewusstsein ist bisher überhaupt nicht vorhanden.
9) Es braucht ein differenzierter aufgefächertes Bestraf- und Kontrollsystem gegenüber Richtern und Staatsanwälten. Es kann nicht sein, dass nur bei extremen Verfehlungen entsprechend extrem selten geahndet und bestraft wird, und der ganze andere Dreck unberührt bleibt. Es muss bereits viel früher die Möglichkeit geben von marginalen Strafen angefangen, die in der Summe dokumentiert auch einmal eine schwere Strafe zur Folge haben können müssen), über zu empfindlich- unangenehmen Strafen, bis zuletzt der Entzug des Richteramtes etc.
vielen Dank für die ausführliche Analyse, der ich in weiten Teilen völlig zustimme.
Einige Punkte will ich herausgreifen und als Leitsätze für die weitere Diskussion anheim stellen:
Zu 1) „Die Deutungshoheit über die eigenen Krankheit sollte zur Würde, und damit unabwägbar sein.“ Völlig richtig! Wie kann sich einer von uns anmaßen, das Wesen einer anderen Person zu ändern / ändern zu dürfen / ändern zu müssen. Daraus folgt direkt der nächste Punkt:
Zu 2) „Die geistige oder psychische Integrität ist mit der körperlichen mindestens gleichzustellen.“ Wer will dem widersprechen?
Zu 4) „Nur wenn die Person selbst von sich aus eine starke überwältigende Determination durch Krankheit ausspricht, dann kann Strafe gemildert werden – und nur auf diese Weise kann Therapie funktionieren, weil es keine Integritäts’vergewaltigung’ darstellt…“
Genau das stimmt; alles andere wäre ein Danaergeschenk,wie sie zutreffend schreiben. Und von einem solchen wissen wir durch die Schilderung des Protokollanten Homer, das es abzulehnen ist.
(Anm. off topic, aber mit Bezug zu Mollath: Das Wesen eines Danaergeschenkes ist, das hinter ihm schädliche Absichten stecken, wie die Trojaner leidvoll erfahren mussten. Wir sind uns sicherlich einig, dass die Einweisung von Mollath ein solches Danaergeschenk war. Somit muss nochmals auf die Notwendigkeit hingewiesen werden, zu hinterfragen, was die wahre Absicht hinter dem „Geschenk“ war.)
Aus 9) „Es braucht ein differenzierter aufgefächertes Bestraf- und Kontrollsystem gegenüber Richtern und Staatsanwälten.“
Es ist erschütternd, welche Verfehlungen etwa im Fall Mollath Richter und Staatsanwälte auf sich geladen haben. Und hier darf auch nicht die richterliche Unabhängigkeit vorgeschoben werden. Diese Unabhängigkeit bedeutet NICHT „Unabhängigkeit von den Gesetzen“ und darf auch nicht mit Narrenfreiheit gleichgesetzt werden.
Vielen Dank für die gut verständliche Darstellung der einschlägigen Normen.
Wichtig ist für mich, dass etliche Gesetze und praktizierte Maßnahmen durch ein Urteil des BVG für verfassungswidrig erklärt wurden. Dies führt auch Dr. Strate aus. (Habe leider gerade keine Belege zur Hand.)
Auf Fr. Dr. Ziegerer erklärte in der Beckmann-Sendung ja deutlich, dass sich die tagtägliche Praxis in der Psy. oft über gesetzliche Vorschriften hinweg setzt – stets zum Nachteil des Patienten.
Ihrem abschließenden Fazit über die Grundrechtsverletzungen stimme ich uneingeschränkt zu.
Ohne die weitere Diskussion radikalisieren zu wollen, will ich einfach mal in die Runde werfen:
Könnte ein breit angelegter Grundgesetz-Großangriff auf die einschlägigen Normen und auf die verschiedenen psy. Einrichtungen zum Erfolg führen? Das BVG hat ja eindeutig erklärt, dass hier gegen das GG agiert wird. Eine Welle von Verfassungsbeschwerden und eventuell von Beschwerden beim Europ. Gerichtshof für Menschenrechte würden ein solches Echo erzeugen, dass jede Tatenlosigkeit hinweg gefegt würde.
@ Jürgen Rupprecht
In der Tat könnte eine solche Grundrechte-Front Erfolg haben. Dazu muss jedoch folgendes beachtet werden:
1. Die Bürger müssen sich juristisch am Grundgesetz und den Grundrechten ausbilden; das ist ihr Recht und ihre Pflicht. Das ist leichter, als mancher Jurist den Bürgern weißmachen will, denn die Bürger sind Normadressaten und das Verständnis der Systeamtik der Grundrechte ist nicht wirklich schwer. Wenn man weiß, dass die Grundrechte gemäß Art. 1 Abs. 3 GG unmittelbar geltendes (also erlaubnisfreies) Recht sind und die öffentliche Gewalt an diese gebunden ist, ebenso wie gemäß Art. 20 Abs. 3 GG an die verfassungsmäßige Ordnung, das Gesetz und Recht, dann hat man im Grunde das nötige Rüstzeug in der Hand. Hinzu kommen die Vorschriften zur Einschränkung von Grundrechte gemäß Art. 19 Abs. 1 und 2 GG als Gültigkeitvoraussetzungen für Grundrechte einschränkende Gesetze sowie die Rechtsschutzvorschriften des Art. 19 Abs. 4 GG, welche alle durch die Ewigkeitsgarantie des Art. 79 Abs. 3 GG geschützt sind.
2. Darüber hinaus muss man lernen, wie Juristen »argumentieren«, um dem Bürger weißzumachen, dass das GG nicht so heiß gegessen wird, wie es gekocht wurde – man muss sich also mit der Sprache der Täter vertraut machen. Ein Jahr konzentriertes Studium bedarf es jedoch schon; also mehr als jeder Jurist im Studium davon mitbekommt.
3. Weiterhin muss (leider) angemerkt werden, dass das Bundesverfassungsgericht hier leider nicht mitspielt. Das hat viel mit dessen Vergangenheit bzw. mit dessen erster und zweiter Garde zu tun, deren »Rechtsprechung« noch heute wirkt und welche zu einem nicht geringen Teil ehemalige Nationalsozialisten (vgl. nur Höpker-Aschoff, Geiger u.a.) waren und welche sich auch auf solche berufen haben. Zum Beispiel weigert sich das BVerfG bis heute, nationalsozialistische Gesetze und Einzelnormen zu eliminieren. Auch hier hilft nur öffentlicher Druck und dieser bedarf eben des Studiums (vgl. 1).
4. Mit Moralappellen ist da nicht viel zu machen, es bedarf des Grundlagenstudiums und der Vertretbarkeit vor den Gerichten und vor allem einer aufgeklärten Gerichtsöffentlichkeit, um die Richterspiele zu durchschauen. Dazu gehört auch die Kenntnis des Mangels an Straftatbeständen wie Verfassungsverstoß oder Amtsmissbrauch u.a.. Die Webseiten der Schirmherrin geben da viele Informationen.
Ich denke nicht, dass sich jetzt jeder im Selbststudium zum Verfassungsrechtler ausbilden sollte – obwohl … könnte ein interessanter Gedanke sein.
Lieschen Müller und Jürgen Rupprecht werden aber sicherlich nicht die richtigen Verfasser und Verfechter von Verfassungsbeschwerden sein. Ausserdem muss nicht jeder das Rad neu erfinden.
Es genügt m. E., wenn ein Experte eine solche verfasste, die dann reihum Verwendung findet.
Ich habe auch keinerlei Ahnung über Kosten, Konsequenzen, Anwesenheitspflichten etc. Es war quasi ein Brainstorming-Beitrag zur Diskussion.
Aber allein die Überlegung hat Charm. Eine breit angelegte, öffentlichkeitswirksame Empörung über die momentanen Zustände – und Sie selbst haben geschrieben: „Derartige Zustände sind einer sozialen Demokratie und eines Rechtsstaates unter der Herrschaft des Grundgesetzes unwürdig“ – wird die Verantwortlichen unweigerlich zum Handeln zwingen. Siehe Fall Mollath.
Hier zwei kurze Originalbeiträge eines jungen Mann, dessen übrige Beiträge stets authentisch wirken und sehr glaubhaft sind. Er wurde bereits mehrfach zwangseingewiesen, zwangsmedikamentiert und bei Weigerung fixiert. Es ist gezwungen, die Medikamente zu nehmen. Wird ein Absinken der Konzentration im Körper festgestellt, wird er erneut zwangseingewiesen.
„Hermann-Josef [schreibt]: So einfach ist das bei mir nicht. Ich stehe unter Zwangsmedikation. Meine Psychiaterin bestimmt, was ich nehme oder was nicht. Ich habe sie gebeten, wenigstens die Neuroleptika abzusetzen und ihr Studien aus England vorgelegt, die belegen, wie schädlich Neuroleptika bei chronischer Einnahme sind.
Sie hat mir angeboten, die Neuroleptika in einer Psychiatrie, also stationär auszuschleichen. Ich werde also demnächst in eine Psychiatrie gehen müssen. Neuroleptika müssen allerdings über Monate, wenn nicht Jahre ausgeschlichen werden. Vielleicht wird hier nur wieder mal auf eine Absetzpsychose spekuliert, um mir anschliessend, nach einem stationärem Aufenthalt mit Zwangsmassnahmen nun endgültig die Psychopharmaka schmackhaft zu machen. Die Psychiater haben einen langen Atem und die wissen ganz genau, wie die Medikamente wirken.
Mein Gewicht ist ein grosses Problem. Ich war echt mal ein hübsches Kerlchen. 😉
Aber jetzt bin ich seit Jahren aufgedunsen und das macht es mir noch schwerer eine Freundin zu finden. Als hätte man es mit einer psychischen Störung schon nicht schwer genug!!!
Das schlimme an der Sache ist ja, dass die Medikamente den „Krankheitsschüben“ nicht vorbeugen. Es ist nur sinnvoll, sie in Aktuphasen einzusetzen, da aber auch nur unter starker Kontrolle und niedrig dosiert. Ihr dürft nicht vergessen, das auf dem Psychopharmakasektor ein Riesenmarkt boomt!!! Das ist pure Mafia und hat nix, aber auch rein gar nix mehr mit medizinischer Kunst zu tun. Ich bin schon so lange auf der Suche nach einem wahrhaften Psychiater, der meine Traumatas angeht und mir die richtigen Medikamente oder Therapien zur richtigen Zeit verordnet. Was ich brauche ist wieder ein Beruf und ein sicheres Privatleben mit einer lieben und fairen Freundin. Das zu schaffen ist mir aus eigener Kraft nicht mehr möglich. Die momentane Medikation sediert mich und nimmt mir fast den ganzen Drang an meiner Situation was zu ändern.
Hermann-Josef [schreibt]: Ich stehe auch unter Neuroleptika….bewege mich wie ein Zombie, hab keine Kraft mehr Sport zu machen und hab 15 Kilo zugenommen. Es nimmt einem die Kraft für den Tag und man ist den ganzen Tag müde und sinnleer. Es betäubt nur und dämpft. Es wirkt in keiner Weise prophylaktisch im Bezug auf meine 2 jährlichen „Manien“. Und es bringt den Pharmakonzernen satte Gewinne. In Aktumanien, mag es seine Berechtigung haben, da bin ich fair. Aber einem Menschen das kontinuierlich zu geben, zeugt von einem medizinischen und ethischen Unverstand!!!!“
@Jürgen Rupprecht
Das ist der große Fehler, dem viele verfallen. Wer die innere Verfassungsordnung nicht kennt, der weiß nicht, wann seine Rechte verfassungswidrig angegriffen werden. Es hat keinen Sinn, sich auf Rechte zu berufen, über die man nichts weiß, und die daher von jedem, der dem Grundrechtsträger glauben macht, er sei klüger, in Abrede gestellt werden können. Dann muss man schlussendlich den Tätern glauben.
Merkwürdig, wenn z.B. die Kenntnis der Grundrechte zur Erlangung eines Führerscheins gefordert würde, wäre das kein Problem. Warum nicht etwas lernen, was nicht schwer ist und dazu nützlich?
Und wie wollen Sie ohne Wissen feststellen, ob es sich um einen Experten handelt? Glauben an das Erscheinen von Godot?
Verfassungsbeschwerden sind kostenfrei, die Konsequenz ist Wissen und anwesend dürfen Sie auch sein. Machen Sie bitte weiter mit dem Brainstorming, denn ohne Ergebnis ist es nur ein Kommentar unter vielen auf einer Webseite unter vielen.
29. August 2013 um 12:41
Das Netz ist voll von wertvollen Beiträgen zu diesem Thema.
Häufig wird Bernd Seiffert angeführt:
Die wissenschaftliche Arbeit von Bernd Seiffert
Dieses in einfach gehaltener und verständlicher Sprache verfasste Buch schrieb Bernd Seiffert im Februar 2010, also noch kurz vor seinem Tod im April 2010. In Bernd Seifferts Schrift wird psychiatriekritisches Wissen mit geschichtlich-politischem, soziologisch-philosophischem und biologisch-psychologischem Wissen verbunden. Durch aufschlussreiche statistische Vergleiche belegt der antipsychiatrisch geprägte Psychiatriekritiker Bernd Seiffert in seinem Buch, dass eine Zwangspsychiatrie unbedingt abgeschafft werden muss. Er kritisiert in seinem Werk psychiatrische Drogen und Foltermaßnahmen, geht auf geschichtliche, aber auch auf aktuelle Ereignisse ein. Für Bernd Seiffert betreibt die Psychiatrie „massenhaftes Foltern und massenhaftes Töten“.
Außerdem „zerstöre“ die Psychiatrie „Lebendigkeit“ und „übe Gehirnwäsche aus“. Die Psychiatrie drücke dem Menschen, wie mit einem Stempel eine stigmatisierende Diagnose auf und verbreite als „Pseudowissenschaft“ eine „menschenverachtende Ideologie“.
Alternativ setzt sich der Psychiatriekritiker für den Aufbau von sogenannten „Weglaufhäusern“ ein.
Die Schrift von Bernd Seiffert gehörte einst zu der sogenannten grauen Literatur. Bei dieser Art der Literatur handelt es sich um nur schwer zugängliche und kaum von Verlagen vertriebene Schriftstücke. Bernd Seiffert hat seine Schrift zu Lebzeiten keinem Verlag zur Verfügung gestellt und sie nur selbst und mit Hilfe des Landesverbandes Psychiatrieerfahrener NRW e.V. vertrieben.
Hier ist eine sehr gute Zusammenfassung (vom Author selbst) zu finden:
http://www.psychiatriekritikerberndseiffert.blogspot.de/p/die-verbrechen-der-psychiatrie.html
Wer zahlt, bekommt recht – Experiment amerikanischer Wissenschaftler
Diejenigen Experten, die glaubten, sie seien von den Strafverfolgungsbehörden engagiert worden, bewerteten die Gefährlichkeit der vermeintlichen Straftäter deutlich höher als jene Experten, die angeblich für die Verteidigung arbeiteten.
29. August 2013 um 16:50
Erinnert mich an die Rosenhan – Studie *Being sane on insane places* oder den Rosenthal – Effekt *!*
Tja – wir leben in einer Gesellschaft, die nicht nur die Seele mit ihren Sphären und den Geist mit seinem ureigensten Potential ausblendet, sondern auch ganz banale psychologische Fakten und Erkenntnisse….
Ihr luftiges Gespinst in „die Bank im Markt“ hat mir gefallen und mich erfreut *!*
29. August 2013 um 17:20
Erschreckend. Und zugleich ein Beleg für die mangelnde Qualität und die mangelnde Seriosität des psych. Begutachtungsprozesses.
.Wie glaubwürdig kann es sein, dass Akademiker im Jahr 2013 derart abgebrüht agieren
, wenn man bedenkt, dass in jeder 0815 „Manager- Schulung“ vorgetragen wird, wie und dass Affirmationen wirken oder wie man sich selffullfilling- prophezies bewusst machen kann ?
Ein 6 min-Bericht, der heute im ARD-Morgenmagazin lief: „Hilflos und ausgeliefert – Zwangseinweisung in die Psychiatrie“ Die Reporterin besucht u.a. eine psych. Einrichtung
M.E. etwas oberflächlich; da hätte man mehr daraus machen können.
Aber sehr interessant: ein Computer-Nerd, der seinen ganzen Medikamenten-Cocktail aufzählt, den er jetzt intus hat. Und ein Chefarzt, der mit der Aussage eines Ex-Patienten konfrontiert wird: „Natürlich habe ich die belogen, sonst hätten die mich nie mehr raus gelassen. Ich musste ja zumindest zugeben, dass ich psychisch krank bin. Die hätten mich da behalten, bis ich es sage. Also hab ich gelogen: ‚Ja, ich bin psychisch krank.‘ “
Reaktion des Chefarzt: „Hmmm“ „Kann sein…“ Dann ein Schnitt, wohl um das minutenlange Nachdenken zu übergehen. Anschließend: „Die Verknüpfung, ich muss die Unwahrheit sagen, um wieder raus zu kommen, das ist … hmmm …… schon ein dickes Ding. Also …. DANN ist was schief gelaufen…. Die Ärzte haben kein Interesse, irgendjemanden hier zu behalten. Das ist Quack!“
Ja, da ist wohl generell etwas schief gelaufen in der Psychiatrie.
Erschreckend ist, dass der Chefarzt den Eindruck macht, als wäre er über die Aussage des Patienten total erstaunt.
Könnte es sein, dass hier ein Fall von Realitätsverweigerung vorliegt? Sollte ich mal ein psych. Gutachten über den Chefarzt anfertigen? 😉
Meine Güte, immer wieder diese Selbstlügen. Realitätsverweigerung? Aber sicherlich. Niemand wolle die Patienten …
3:29 „Fachärztliche Standards“ : Jungchen, das sind Methoden, keine absolute Gewissheiten über das reale Sein eine Menschen.
3:35 „Verwirrtheitszustände“, „klare Ursache“, ja klar: „ich sach mal“. So lapidar ungenau, aber dafür klare Ursache.. … tzzz
3:41 „ich kann den so nicht draußen rumlaufen lassen, weil er gefährdet sich[? sacht er das auch mal so lapidar] und andere [?] ganz erheblich[?]“
Man woher nimmt der Kerl diese Gewissheiten. Und nun ein kurzer realitätverleugnender Schwenk zu
5:02 „Die Ärzte haben kein Interesse daran irgendeinen Patienten hierzubehalten“
Klar , kein Interesse, dafür aber Gewissheiten aufgrund von – „ich sach mal“ – Ungenauigkeiten.
Boah, was sind das für Leute.
30. August 2013 um 15:50
ich hatte das Gefühl, dass dieser Chefarzt in dem Moment komplett von der Rolle war…
das er sich gar nicht, in seinen kühnsten Träumen nicht, vorstellen konnte, dass jemand lediglich behauptet..o,k. ich bin krank, ich seh das alles ein und will nunmehr „gesund“ werden und mach Euch auch keine „Schande“ mehr…
das hat den Chefarzt so aus der Bahn geworfen….
ich frage mich jetzt allerdings, was passiert mit den nun noch dort befindlichen Insassen dieser Klinik…?? wird denen denn nun überhaupt noch ein Wort geglaubt?….
haben sie eine Chance auf „Entlassung“?
werden nun nicht die Chefärzte und Co. viel mißtrauischer sein und gar niemandem mehr glauben?
vermutlich geht es bei diesen Kliniken auch nur noch um „glauben“ und nicht um „wissen“…
Meine Rede. Hier sind viele Scharlatane am Werke.
Lt. Duden: „Scharlatan = jemand, der bestimmte Fähigkeiten vortäuscht und andere damit hinters Licht führt“
Lt Wikipedia: „Als Scharlatan wird eine Person bezeichnet, die fälschlicherweise vorgibt, ein bestimmtes Wissen oder bestimmte Fähigkeiten zu besitzen.“
Aber diese Leute sind gedeckt durch eine unheilvolle Allianz aus Politik, Justiz und Ihresgleichen. Unheilvoll für die Personen, die dieser Allianz lästig oder unangenehm sind. Aber äußerst profitabel und wirkungsvoll für alle Mitglieder dieser Allianz und deren Sympathiesanten – z.B. Wirtschaft / Pharmindustrie,
Das dort geschilderte Problem findet sich natuerlich nicht nur in Psychiatrien.
Das es zielfuehrend ist, fuer die Zielerreichtung, Sanktionsvermeidung und Angstreduktion die Wuensche, Sicht und Wahrheiten der Obrigkeit, Maechtigeren und Reicheren gut zu verstehen, und diese dann moeglichst unauffaellig zur eigenen Wahrheit zu machen, ob bewußt oder unbewußt ist einer der Kern Sozialisations-, Erziehungs-, Anpassungs- und Unterwerfungsprozesse unserer Gesellschaft; Freud sieht darin auch einen wesentlichen Bestandteil der Entstehung des Unbewußten, der Widerstaende etc. Die Gesellschaft funktioniert zu großen Teilen so, bei Mama und Papa angefangen, Kindergarten, Schule, Betrieb, Armee bis ins Altersheim.
Das, was wir bei Mollath auf allen gesellschaftlichen Ebenen erlebt haben, war ein gutes Beispiel dafuer. Es wird nur selten formuliert, noch seltener oeffentlich, ist nur manchen manchmal bewußt. Wer glaubt was er glauben soll, gilt zudem als psychisch besonders gesund. Das ist schon relativ komplex, gesellschafts und glueckspraegend und betrifft sowohl historisch wie raeumlich in verschiedenen Ausmaßen wohl alle Gesellschaften. Daher ist es so kompliziert, oft autodestruktiv und schmerzhaft ueber die Wahrheit, von der Wahrheit, die Wahrheit zu sprechen: siehe Mollath.
Psychiatrie ist Ersatzreligion für den säkularen Menschen,neben Welterklärung bietet sie auch Lebensmotivation durch das abschreckende Beispiel des verwahrten Sünders. Das läßt sich nur ersetzen durch eine „richtige Religion“- die dann-siehe Mittelalter- die Gesellschaft in ungleich faschistischerem Griff hält.
Ein Entkommen halte ich nur auf individueller Basis für möglich,im Fall der Rückfalltäter zeigt sich dann,daß psychiatrische Illusionen nicht nur zu Lasten der Insassen,sondern auch zu Lasten der Allgemeinheit geht.
Jeder einigermaßen intellektuell befähigte Mensch sollte diese Wahrheit über die Psychiatrie als dort untergebrachter Patient nach spätestens wenigen Jahren erkannt haben und wird dann den Schluß ziehen, sich aus einem verlogenen System herauszulügen. Das ist sicher nicht so leicht,wie es klingt,sieht man es aber als sportliche Herausforderung,kann dieser Weg der Selbstentlassung durchaus angenehm-spannend sein.
3. September 2013 um 07:55
Zur ROLLE und Geschichte derPsychiatrie finde ich diese Übersicht aufschlussreich :
Bei ausreichender Verbreitung der darin enthaltenen Tatsachen sollte es möglich sein, erst gar nicht mehr in die Situation zu kommen, sich aus einem verlogenen System herauslügen zu müssen…
Ich habe momentan nicht die Zeit, dieses mehr als einstündige Video anzusehen. Ich werde das nachholen.
Für’s Erste mache ich nur darauf aufmerksam, daß Wikipedia den dort präsentierten Verein „KVPM“, also die „Kommission für Verstöße der Psychiatrie gegen Menschenrechte“ mit Scientology in Verbindung bringt. http://de.wikipedia.org/wiki/Kommission_f%C3%BCr_Verst%C3%B6%C3%9Fe_der_Psychiatrie_gegen_Menschenrechte
1. September 2013 um 07:05
Schön, dass Du Laing zitierst. Was aber leider vielen nicht bewußt ist, ist dass die Symptome, die er da beschreibt, direkte Wirkungen von Neuroleptika sind. Wie sagte Mollath bei Beckmann so schön? Lesen sie die Packungsbeilage!
Dazu empfehle ich dem interessieren Leser die wissenschaftliche Abhandlung von Dr. Volkmar Aderhold zum Thema Neuroleptika:
Volkmar Aderhold über Neuroleptika (Update)
1. September 2013 um 08:23
Als ich von *heil* schrieb, bezog ich das auf den Eindruck, den das Kind auf mich macht, wenn ich auch mit Intuition hinhöre auf das, was zwischen den Worten mitschwingt.
Die von Ihnen zitierte „Schwester“ ist lt. Video eine 24jährige Stiefschwester, die NICHT mehr innerhalb der Familie lebt.
Selbst wenn man nun unterstellen würde, diese Stiefschwester hätte mit den Eltern früher „Gewalt“ in irgendeiner Form erlebt, müsste das separat beurteilt werden und könnte eben NICHT
„automatisch“ als Vorwand genommen werden, Antonia gegen ihren Willen von den Eltern zu trennen.
By the way…wenn schon die jeweils eigene Herkunftsfamilie als Mass aller Dinge herhalten muss :
aus persönlicher Erfahrung könnte ich durchaus nachvollziehen, wozu die ältere Stiefschwester womöglich aus Neid und/oder Rachegelüsten im Stande sein könnte, wenn ich meine eigenen Erfahrungen mit meinen älteren Geschwistern als Massstab anführen wollte….
In meinem ersten Kommentar habe ich davor gewarnt, dass der bloße(!) ‚intuitive‘ Eindruck des Videos täuschen kann, und habe nur zwei private Andeutungen gemacht, um klar zu machen, dass es hier nicht um eine intellektuelle Spielerei geht, sondern die Warnung auf Erfahrung beruht.
Als Eigen-Antwort darauf habe ich dann zur bloßen ‚intuitiven‘ Wahrnehmung intellektuelle verifizierbare Elemente herausgegriffen – ohne meine privaten Erlebnisse als Maß bemühen zu müssen – und die Widersprüche aufgezeigt, und beendet:
„Das ist meine Einschätzung zu diesem Inszenierungsvideo – nicht zu den Vorwürfen!“
Nun antworteten Sie darauf, dass die Wirkung des Kindes *heil* erscheine, als könnte und sollte man deswegen all die Bedenken über Bord schmeißen, und als wäre über eine Gesamtwürdigung der Erziehung die Frage nach Gewalt und die möglichen Folgen von Gewalt schon verharmlosen in der Summe *heil* ‚trivialisiert‘.
Nun habe ich nochmals private Erlebnisse geschildert, um Ihnen nicht nur intellektuell klar zu machen, wie wenig man sich auf die Wirkung – als Ausdruck erlebten Leides – verlassen kann, um Unrecht als Tat und als Wirkung auf ein Opfer zu verifizieren oder zu falsifizieren, habe Ihnen nochmals Odenwald als (übrigens ‚un‘-privat, öffentliches) Beispiel genannt, um den öffentlich bekannten Verlauf (und öffentliche Bewertung/Maß)von Missbrauch und seien Aufdeckung in Erinnerung zu rufen, und damit die jahrelange ‚Unsichtbarkeit‘ (Leidlose *heil*- Wirkung) zu verdeutlichen. Mit diesen privaten und öffentlich-bemessenen Beispielen ist eigentlich genug über die bloße Wirkung einer Situation und die bloße Wirkung von Kinder, und die völlig unzureichende Summation *heil* (auch über mein privates Maß hinaus) gesagt worden.
Wenn Sie darauf bestehen, dass im Falle der erfolgten Gewalt der 24 jährigen Schwester der jetzige Fall eigens betrachtet werden muss, ist das zum Teil richtig. (Ich erinnere aber, dass meine Ausführungen darüber überhaupt keine Aussage treffen wollten)
Sie belassen es im Nebel, was (auch im Falle, dass tatsächlich Gewalt gegen die größere Schwester erfolgt ist und deren Aussage auch keine Beobachtung die jüngere Schwester betreffend enthält) separiert betrachtet werden muss:
Das Unrecht der Eltern (im Falle der tatsächlichen Gewalt gegen die große Schwester), die Eignung dieser Erziehungsmethoden in Bezug auf die große Schwester.
Oder, ob auch die kl. Schwester auf selbige gewalttätige Weise erzogen wird.
Sie fragen nach der Begründung, warum vom Fall große Schwester ein Übergang zur kleinen Schwester vollzogen wird. Hm. Ich erlaube mir eine (öffentlich bemessbare) Überspitzung: Ein Lehrer, der sexuellen Kontakt mit einer Schülerin A hat, könnte doch eine Strafe zahlen/absitzen und anschließend weiter lehren, weil er ja nicht mit allen Schülerinnen geschlafen hat. Die Wahrscheinlichkeit – hinzu kommt möglicher Weise ein spezieller Verliebtheitsgrund – liegt etwa bei 1 Schülerin zu 25*Klassen*Jahrgänge liegt. Der beispielhafte Beischlaf gehört nicht einmal in ein allgemeines Erziehungsrepertoire, sondern war ganz speziell, und dennoch ist öffentlich bemessen der Übergang, pars pro toto, legitim – warum?
Hypothetische Frage – hypothetische Antwort.
Zuletzt und by the way – Sie können gerne ihre eigenen Erlebnisse – auch als Maß – heranziehen – die Frage ist nur, zu welchem Zweck: Aufklärungs-Verhinderung oder Aufklärungs-Sensibilität. Das macht den Unterschied.
Aufklärung in jeder Beziehung ist sicherlich wünschenswert, besonders für Antonia.
Um dies bewirken zu können fehlen „uns“ die halbwegs objektiven Hintergründe und Fakten nahezu komplett.
Meine Haltung basiert auf Empathie – in erster Linie mit dem Mädchen, das klar seinen Willen artikuliert, der in dem Gesamtzusammenhang eine wesentliche Rolle zu spielen hat, da auch ein Kind Grundrechtsträger ist und in eben diese Grundrechte einzig bei eklatanter Gefährdung eingegriffen werden darf.
Diese Gefährdung ist für mich zum gegenwärtigen Zeitpunkt weder bewiesen noch nachvollziehbar !
„… und habe nur zwei private Andeutungen gemacht, …“
Mit dem Einsatz dezenter Andeutungen fühle ich mich manchmal auch ganz gut beraten. Ist (hier) so eine dumpfe Ahnung, nicht auch noch das Fass systematisch betriebener Kindesmisshandlung anzubohren. Dann nämlich muss befürchtet werden, dass Mensch noch auf ganz andere „Gedanken“ kommt – wenn er denn aus der Schuld(en)falle ausgebrochen ist.
Über’s Schwarzgeld in paradiesisches Licht? Undenkbar, aber nicht unmöglich.
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