Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Gericht=VerfG%20Brandenburg&Datum=20.06.1996&Aktenzeichen=VfGBbg%2014/96
Timestamp: 2019-05-25 16:26:04
Document Index: 265461055

Matched Legal Cases: ['Art 56', 'Art 56', 'Art 56', 'Art 56', 'Art 67', 'Art. 56', '§ 30', 'Art. 85', 'Art. 38', 'Art. 45', 'Art. 85', 'Art. 79', 'Art. 25', 'Art. 23', '§ 1', 'Art. 23', 'Art. 38', '§ 54', '§ 23', '§ 23', '§ 36', 'Art. 56', '§ 31', 'Art. 45', 'Art. 44', 'Art. 67']

VerfG Brandenburg, 20.06.1996 - VfGBbg 14/96 EA - dejure.org
VerfG Brandenburg, 20.06.1996 - VfGBbg 14/96 EA
https://dejure.org/1996,3335
VerfG Brandenburg, 20.06.1996 - VfGBbg 14/96 EA (https://dejure.org/1996,3335)
VerfG Brandenburg, Entscheidung vom 20.06.1996 - VfGBbg 14/96 EA (https://dejure.org/1996,3335)
VerfG Brandenburg, Entscheidung vom 20. Juni 1996 - VfGBbg 14/96 EA (https://dejure.org/1996,3335)
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Art 56 Abs 1 Verf BB, Art 56 Abs 2 Verf BB, Art 56 Abs 3 Verf BB, Art 56 Abs 4 Verf BB, Art 67 Abs 1 S 2 Verf BB
Ablehnung des Erlasses einer eA eines Landtagsabgeordneten, die Ausübung seiner Rechte als Mitglied der CDU-Fraktion zu untersagen
LV Art. 56 Abs. 1; VerfGGBbg § 30 Abs. 1
Parlamentsrecht; Abgeordneter; Fraktion; Vorwegnahme der Hauptsache; Beteiligtenfähigkeit
NVwZ-RR 1997, 577
DÖV 1997, 292
Den Fraktionen kommt im parlamentarischen Willensbildungsprozess eine "Filterfunktion" zu: Die unterschiedlichen Vorstellungen der Abgeordneten sollen durch die Sacharbeit in den Fraktionen gebündelt werden, so dass an das Parlament mehrheitsfähige bzw. vorabgestimmte Positionen herangetragen werden (vgl. VerfG Brandenburg, Urteil vom 20. Juni 1996 - 14/96 EA -, NVwZ-RR 1997, 577 [579];… Schneider, in: Grimm/Caesar [Hrsg.], Verfassung für Rheinland-Pfalz, 2001, Art. 85a Rn. 3).
Damit geht auch eine Gefährdung des parlamentarischen Willensbildungsprozesses und der parlamentarischen Funktionsfähigkeit insgesamt einher, weil eine Meinungsbündelung in der Fraktion nicht mehr gewährleistet ist (vgl. VerfGH RP…, Beschluss vom 5. November 2018 - VGH A 19/18 -, juris Rn. 15; siehe auch VerfG Brandenburg, Urteil vom 20. Juni 1996 - 14/96 EA -, NVwZ-RR 1997, 577 [579]; VerfGH Berlin, Beschluss vom 26. Mai 2005 - 53 A/05 -, NVwZ-RR 2005, 753).
Dieser Schutz schließt das Recht des Abgeordneten ein, auch mit Hilfe seiner Fraktion parlamentarisch mitwirken zu können (vgl. VerfGBbg, Urteil vom 20. Juni 1996, a. a. O., S. 198).
Zwar dürfte sich aus Art. 38 Abs. 4 VvB ein Anspruch auf Aufnahme in eine bestimmte Fraktion nicht ergeben, jedoch schützt der Grundsatz des freien Mandats den Verbleib des Abgeordneten in einer Fraktion (vgl. zum entsprechenden Landesverfassungsrecht: VerfGBbg, Urteil vom 20. Juni 1996, a. a. O., …und Beschluss vom 16. Oktober 2003, a. a. O., NVwZ-RR 2004, 161; MVVerfG, Urteil vom 27. Mai 2003 - LVerfG 10/02 - LKV 2003, 516 ).
Die Möglichkeit, eine Fraktion zu bilden und in ihr mitzuarbeiten, verändert die Wirkungsmöglichkeit des Einzelnen nicht unerheblich; denn dem fraktionsangehörigen Abgeordneten bieten sich über den "Mindeststandard" der allen Abgeordneten zustehenden Rechte (vgl. Art. 45 VvB) schon rechtlich weitergehende Mitgestaltungsmöglichkeiten (z. B.: die stimmberechtigte Mitgliedschaft in Ausschüssen) sowie rein faktisch eine weitergehende Hilfestellung in den den Abgeordneten obliegenden Aufgaben durch die von den Fraktionen unterhaltenen Fraktionsbüros, Archive, Pressestellen und wissenschaftlichen Hilfsdienste (vgl. VerfGBbg, Urteil vom 20. Juni 1996, a. a. O.).
Die unterschiedlichen Vorstellungen der Abgeordneten sollen durch die Sacharbeit in den Fraktionen gebündelt werden, so dass an das Parlament mehrheitsfähige bzw. vorabgestimmte Positionen herangetragen werden (VerfG Brandenburg, Urteil vom 20. Juni 1996 - 14/96 EA -, NVwZ-RR 1997, 577 [579]).
Damit geht auch eine Gefährdung des parlamentarischen Willensbildungsprozesses und der parlamentarischen Funktionsfähigkeit insgesamt einher, weil eine Meinungsbündelung in der Fraktion bei einem gestörten Vertrauensverhältnis nicht mehr gewährleistet wäre (siehe zu alldem VerfG Brandenburg, Urteil vom 20. Juni 1996 - 14/96 EA -, NVwZ-RR 1997, 577 [579]; VerfGH Berlin, Beschluss vom 26. Mai 2005 - 53 A/05 -, NVwZ-RR 2005, 753).
Die Möglichkeit, eine Fraktion zu bilden und in ihr mitzuarbeiten, verändert die Wirkungsmöglichkeiten des einzelnen Abgeordneten nicht unerheblich (vgl. dazu BVerfG, Beschluss vom 14. Dezember 1976 - 2 BvR 802/75 -, BVerfGE 43, 142 [149]; siehe auch VerfG Brandenburg, Urteil vom 20. Juni 1996 - 14/96 EA -, NVwZ-RR 1997, 577 [578];… Perne, in: Brocker/Droege/Jutzi [Hrsg.], Verfassung für Rheinland-Pfalz, 2014, Art. 85a Rn. 12).
Etwaige Nachteile dadurch, dass der Antragsteller die Unterstützung der Fraktion in juristischer oder tatsächlicher Hinsicht verliert, können - zumindest teilweise - durch die Parlamentsverwaltung, insbesondere den Wissenschaftlichen Dienst, ausgeglichen werden (vgl. BVerfG, Urteil vom 13. Juni 1989 - 2 BvE 1/88 -, BVerfGE 80, 188 [232]; VerfG Brandenburg, Urteil vom 20. Juni 1996 - 14/96 EA -, NVwZ-RR 1997, 577 [579]; VerfGH Berlin, Beschluss vom 26. Mai 2005 - 53 A/05 -, NVwZ-RR 2005, 753 [754] …und Beschluss vom 11. Oktober 2017 - 130 A/17 -, juris Rn. 4;… siehe auch Perne, in: Brocker/Droege/Jutzi [Hrsg.], Verfassung für Rheinland-Pfalz, 2014, Art. 79 Rn. 83).
Folgerichtig muss ihre innere Ordnung wegen der Verfassungsbindung des Landtags (Art. 25 Abs. 2 LV) demokratischen Grundsätzen entsprechen (Art. 23 Abs. 1 LV, vgl. § 1 Abs. 5 Satz 1 FraktionsG) und rechtsstaatlichen Anforderungen genügen (Art. 23 Abs. 1 LV; so zum Fraktionsausschluss LVerfG M-V…, Urteil vom 27.5.2003 - 10/02 -, Juris Rn. 45 ff.; VerfG Bbg…, Urteil vom 16.10.2003 - 4/03 -, Juris Rn. 33; VerfGH Berlin…, Urteil vom 22.11.2005 - 53/05 -, Juris Rn. 49 ff.;… Hölscheidt, Das Recht der Parlamentsfraktionen, 2001, S. 476;… Schmidt, DÖV 2003, S. 846 (847); zur Suspendierung der Fraktionsmitgliedschaft VerfG Bbg, Urteil vom 20.6.1996 - 14/96 EA -, NVwZ-RR 1997, S. 577 (579);… zum Ausschussrückruf Hölscheidt, Das Recht der Parlamentsfraktionen, 2001, S. 467;… Trute, in: v. Münch/Kunig (Hrsg.), GG, Band 1, 6. Aufl. 2012, Art. 38 Rn. 91;… Geis, in: Isensee/Kirchhof (Hrsg.), Handbuch des Staatsrechts, Band III, 3. Aufl. 2005, § 54 Rn. 61;… Pfeil, Der Abgeordnete und die Fraktion, 2008, S. 217;… Winkelmann, in: Morlok/Schliesky/Wiefelspütz (Hrsg.), Parlamentsrecht, 2016, § 23 Rn. 32;… Winkelmann, in: Morlok/Schliesky/Wiefelspütz , Parlamentsrecht, 2016, § 23 Rn. 32).
Die Antragsbefugnis (§ 36 Abs. 1 VerfGGBbg) der Antragstellerin ergibt sich aus Art. 56 Abs. 1 LV (vgl. Verfassungsgericht des Landes Brandenburg, Urteil vom 20. Juni 1996 - VfGBbg 14/96 EA -, LVerfGE 4, 190, 195 ff. m.w.N.).
Dieser Schutz schließt das Recht des Abgeordneten ein, auch mit Hilfe seiner Fraktion parlamentarisch mitwirken zu können (Verfassungsgericht des Landes Brandenburgs, Urteil vom 20. Juni 1996 - VfGBbg 14/96 EA -, LVerfGE 4, 190, 198).
VerfGH Berlin, 26.05.2005 - VerfGH 53 A/05
Ablehnung des Erlasses einer eA gegen Ausschluss aus der FDP-Fraktion des …
Dabei ist das durch § 31 VerfGHG nur unter besonderen Voraussetzungen zur Verfügung gestellte Instrument der einstweiligen Anordnung zurückhaltend und unter Anlegung eines strengen Maßstabes anzuwenden (vgl. Beschluss vom 13. April 2005 - VerfGH 17 A/05 - s. im Zusammenhang mit vorläufigem Rechtsschutz gegen einen Fraktionsausschluss auch: BbgVerfGH, NVwZ-RR 1997, 577, 578).
Die Zusammenarbeit in einer Fraktion und die Verständigung auf eine Fraktionslinie bedingt, dass in den Fraktionsberatungen offen, unbefangen und vertrauensvoll diskutiert wird; die Bereitschaft zu vertrauensvoller Sachdiskussion lässt jedoch nach, wenn die Fraktion argwöhnen muss, sich auf eines ihrer Mitglieder nicht in jeder Hinsicht verlassen zu können (vgl. BbgVerfG, NVwZ-RR 1997, 577, 579).
Allerdings verbleibt dem Antragsteller gemäß Art. 45 VvB das Recht des Abgeordneten, sich im Abgeordnetenhaus und in den Ausschüssen (dort allerdings ohne Stimmrecht, Art. 44 Abs. 2 Satz 3 VvB) an der Willensbildung und Entscheidungsfindung zu beteiligen (zu den weitergehenden parlamentarischen Befugnissen fraktionsloser Abgeordneter nach dortigem Landesrecht (vgl. BbgVerfG, NVwZ-RR 1997, 577, 579).
Im Vergleich der Folgen für die Tätigkeit der Fraktion im Falle der Einbeziehung des dort nicht mehr erwünschten Antragstellers mit den Nachteilen, die der Antragsteller ohne die Teilhabe am Leben der Fraktion erleidet, überwiegen die Belange des Antragstellers nicht derart, dass es gerechtfertigt wäre, durch eine einstweilige Anordnung in diese fraktionsinterne Auseinandersetzung einzugreifen (ebenso: BbgVerfG, NVwZ-RR 1997, 577, 579).
Unbeschadet dessen hat das Gericht schon mehrfach entschieden, daß eine einstweilige Anordnung dann nicht über den Gegenstand der Hauptsache hinausgeht, wenn durch die angestrebte Regelung lediglich der Zeitraum bis zur Entscheidung in der Hauptsache überbrückt werden soll (vgl. Verfassungsgericht des Landes Brandenburg, Urteil vom 16. März 1995 - VfGBbg 4/95 EA -, S. 5 f. des Umdrucks, zur Veröffentlichung in LVerfGE 3 Nr. 3 vorgesehen; entsprechend auch Urteil vom 20. Juni 1996 - VfGBbg 14/96 EA -, S. 7 f. des Umdrucks).
Als Fraktion des Landtags ist die Antragstellerin durch die Landesverfassung mit eigenen Rechten ausgestattet (vgl. Art. 67 Abs. 1 LV) und deshalb im Organstreitverfahren beteiligtenfähig (so bereits Verfassungsgericht des Landes Brandenburg, Urteil vom 20. Juni 1996 - 14/96 EA -, LVerfGE 4, 190, 195; vgl. auch BVerfG, NJW 1986, 907).
VerfG Brandenburg, 27.02.2001 - VfGBbg 7/01
Opposition; Vorwegnahme der Hauptsache