Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Gericht=BVerwG&Datum=09.12.1997&Aktenzeichen=1%20C%2020.97
Timestamp: 2019-09-16 21:22:14
Document Index: 8924044

Matched Legal Cases: ['Art. 8', 'Art. 6', 'Art. 8', '§ 8', '§ 30', '§ 8', '§ 3', 'Art. 6', 'Art. 6', 'Art. 6', '§ 30', 'Art. 8', 'Art. 6', '§ 13', '§ 8', '§ 30', 'Art. 6']

BVerwG, 09.12.1997 - 1 C 20.97 - dejure.org
https://dejure.org/1997,382
BVerwG, 09.12.1997 - 1 C 20.97 (https://dejure.org/1997,382)
BVerwG, Entscheidung vom 09.12.1997 - 1 C 20.97 (https://dejure.org/1997,382)
BVerwG, Entscheidung vom 09. Dezember 1997 - 1 C 20.97 (https://dejure.org/1997,382)
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Anspruch auf Erteilung einer Aufenthaltserlaubnis nach Art. 8 Europäische Menschenrechtskonvention (EMRK) - Auswirkungen der Einreise eines Ausländers ohne gültiges Visum auf die Erteilung einer Aufenthaltserlaubnis - Rechtmäßigkeit der Versagung einer ...
NVwZ 1998, 748
FamRZ 1998, 736
Allein der Umstand, dass die Eheleute möglicherweise eine vorübergehende Trennung für die übliche Dauer des Visumverfahrens hinnehmen müssen, reicht hierfür auch unter Berücksichtigung des Schutzes der Ehe durch Art. 6 GG und Art. 8 EMRK nicht aus (vgl. Beschluss vom 31. August 1984 - BVerwG 1 B 99.84 - BVerwGE 70, 54 ; Urteil vom 9. Dezember 1997 - BVerwG 1 C 20.97 - NVwZ 1998, 748 = Buchholz 402.240 § 8 AuslG 1990 Nr. 14).
vgl. BVerwG, Urteile vom 17. März 2004 - 1 C 11.03 -, juris Rn. 15; vom 9. Dezember 1997 - 1 C 20.97 -, juris Rn. 18 f. und vom 9. Dezember 1997 - 1 C 19.96 -, juris Rn. 14.
Der Verwaltungsgerichtshof wird deshalb zu beurteilen haben, ob unter Berücksichtigung auch des zwischenzeitlichen Verhaltens des Klägers gleichwohl eine Ermessensentscheidung nach § 30 Abs. 4 AuslG eröffnet ist (…vgl. hierzu auch Urteile vom 27. August 1996 - BVerwG 1 C 8.94 - BVerwGE 102, 12, 17 ff., vom 28. Januar 1997 - BVerwG 1 C 23.94 - a.a.O. S. 23 und vom 9. Dezember 1997 - BVerwG 1 C 20.97 - Buchholz 402.240 § 8 AuslG Nr. 14 S. 38 f.).
Das ist unter anderem für das Verhältnis von Eheleuten untereinander der Fall; deren Beziehung wird vom Schutzbereich beider Vorschriften umfasst (vgl. BVerwG, Urt. v. 9.12.1997 - BVerwG 1 C 20.97 -, NVwZ 1998, 748, 750).
Nach dieser Vorschrift wird die Aufenthaltserlaubnis auch bei Vorliegen der Voraussetzungen eines Anspruchs nach dem Ausländergesetz versagt, wenn der Ausländer - wie hier der Antragsteller - gemäß § 3 AuslG ohne das erforderliche Visum eingereist ist (vgl. BVerwG, U. v. 09.12.1997 - 1 C 20/97 = NVwZ 1998, S. 748;… U. v. 03.06.1997 - 1 C 1.97 = DVBl. 1997, S. 1392).
Nach ständiger Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts (vgl. BVerfGE 51, 386 ff. [396 f.]; 80, 81 ff. [93]) und des Bundesverwaltungsgerichts (U. v. 09.12.1997 - 1 C 20/97 = NVwZ 1998, 748 ff. m. w. N. zur ständigen Rechtsprechung) gewährt Art. 6 GG aber unmittelbar keinen Anspruch auf eine Aufenthaltserlaubnis.
Art. 6 GG gebietet auch grundsätzlich nicht die Freistellung von der Visumpflicht (BVerwG, U. v. 09.12.1997, a. a. O.).
Das Ausländergesetz stellt damit eine Reihe abgestufter Regelungen zur Verfügung, in denen dem Schutzgebot des Art. 6 GG nach Maßgabe der nach Fallgruppen gewichtigen besonderen Schutzbedürftigkeit der Betroffenen Rechnung getragen wird, wobei die Regelung des § 30 Abs. 3 AuslG als eine Auffangvorschrift anzusehen ist (BVerwG, U. v. 09.12.1997, a. a. O.).
Mehr an Schutz für familiäre Beziehungen verlangt auch Art. 8 EMRK nicht (vgl. BVerwG, U. v. 09.12.1997, a. a. O.).
Die Vorschrift ist sowohl in ihrem offenen Tatbestand als auch im eingeräumten Ermessen für die Wertungen des in Art. 6 Abs. 1 GG enthaltenen Schutzauftrages für Ehe und Familie zugänglich (vgl. BVerwG, U. v. 09.12.1997, a. a. O.).
Danach liegt ein Ausnahmefall u.a. vor, wenn der Versagung der Aufenthaltsgenehmigung höherrangiges Recht entgegensteht, insbesondere die Versagung mit verfassungsrechtlichen Wertentscheidungen nicht vereinbar ist (…vgl. Urteile vom 27. August 1996 - BVerwG 1 C 8.94 - BVerwGE 102, 12 [BVerwG 27.08.1996 - 1 C 8/94] = Buchholz 402.240 § 13 AuslG 1990 Nr. 3 S. 6 = NVwZ 1997, 1116, vom 4. Juni 1997, a.a.O., und vom 9. Dezember 1997, a.a.O.).
BVerwG, Urteil vom 9.12.1997 - 1 C 20/97 -, NVwZ 1998, 748.
Nach dem dargelegten Urteil des Bundesverwaltungsgerichts vom 9.12.1997 - 1 C 20/97 - greift die Auffangvorschrift ein, wenn es dem Ausländer aus besonderen Gründen nicht zuzumuten ist, das Bundesgebiet zum Zweck der Erfüllung der Einreisevorschriften zu verlassen.
Das Ausländergesetz hält hinreichende Regelungen zur Berücksichtigung des verfassungsrechtlichen Schutzgebots von Ehe und Familie bereit, vornehmlich im Rahmen der Befristungsentscheidung nach § 8 Abs. 2 Satz 3 und 4 AuslG, aber durch die Möglichkeit einer Aufenthaltsbefugnis nach § 30 Abs. 4 AuslG (dazu unten 2.; vgl. auch BVerwG, Urt. v. 9.12.1997 - 1 C 20.97 -, NVwZ 1998, 748 = InfAuslR 1998, 276).
Diesen öffentlichen Interessen sind im Rahmen einer Abwägung nach Maßgabe des Grundsatzes der Verhältnismäßigkeit die persönlichen Belange des Ausländers und verfassungsrechtliche Wertentscheidungen, wie der Schutz von Ehe und Familie nach Art. 6 Abs. 1 GG, gegenüber zu stellen (…zu diesen Kriterien vgl. BVerwG, Urt. v. 11.8.2000, aaO;… VGH Bad.-Württ., Urt. v. 24.6.1998 - 13 S 1099/96 -, InfAuslR 1998, 433), wobei auch die Möglichkeit einer Aufenthaltsbefugnis zu berücksichtigen ist (vgl. BVerwG, Urt. v. 9.12.1997 - 1 C 20.97 -, aaO).
OVG Nordrhein-Westfalen, 11.01.2000 - 17 B 1409/99
D (A), Aufenthaltsbefugnis, Kurzaufenthalt, Visumsfreiheit, Aufenthaltszweck, …