Source: https://www.frag-einen-anwalt.de/Chef-mobbt-Mitarbeiter--f267673.html
Timestamp: 2019-09-23 10:02:04
Document Index: 92748507

Matched Legal Cases: ['§ 3', '§ 1', '§ 1', '§ 3', '§ 1', '§ 3', '§ 278', '§ 242', '§ 278']

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Zusammenfassung: Schmerzensgeld wegen schuldhafter Verursachung einer Gesundheitsschädigung durch Vorgesetzten
ich bin seit 1,5 Jahren bei einem kirchlichen Träger beschäftigt. Anfang Sommer habe ich die Einrichtung gewechselt. Offiziell, da ich nach neuen Anforderungen gesucht habe, tatsächlich war die Teamsituation nicht mehr auszuhalten. Seit Anfang Sommer arbeite nun in einem Wohnheim. Im neuen Team (wir sind zu 4) fühle ich mich sehr wohl und habe ein gutes Verhältnis zu meinen Kolleginnen. Unser Chef findet es jedoch gar nicht gut, dass ich mich in dieses Team so gut integriert habe und versucht daher durch verschiedene Aktionen den Teamfrieden zu stören. Dieses Verhalten ist keineswegs neu und auch im Verband bekannt. Was ich an verschiedenen Beispielen deutlich machen möchte:
Ich teile mir mein Büro mit einer Kollegin. Wir haben die Schreibtische so zusammengestellt, dass wir gegenüber sitzen und uns anschauen können. Der Chef war davon nicht begeistert und unterstellte mir, dass ich meine Kollegin unter Druck gesetzt hätte die Schreibtische so zu stellen und erklärte mir, dass es nicht immer darum gehen seinen eigenen Willen durchzusetzen. Erklärungen, dass dies nicht nur mein Wunsch war, sondern auch der meiner Kollegin verpufften. Auch meine Kollegin erklärte ihm immer wieder, dass die Anordnung der Schreibtische auch ihr Wunsch gewesen sei. Trotzdem kommt der Chef in den kommenden Tagen in meiner Abwesenheit immer wieder ins Büro und erklärt meinen Kolleginnen, dass ich Kollegin X unter Druck gesetzt hätte. Er erklärt, dass in der Einrichtung aus der ich komme ein schlechtes Team-Klima geherrscht habe und ich nun hier den Team-Frieden stören würde. Diese Anschuldigungen wiederholte er in einem Zeitraum von einer Woche immer wieder in meiner Abwesenheit, worauf mich meine Kolleginnen auch immer wieder hinwiesen. Das Thema „Ich unterdrücke meine Kolleginnen" riss nicht ab. Nachdem er in den kommenden Tagen mehrmals Laut mir gegenüber wurde und mir vorschlug ich solle doch umsonst arbeiten, weil ich dagegen war einen Klienten rauszuwerfen, weil der seine Miete in einer schwierigen Phase nicht zahlen konnte (er wohnt übrigens noch in der Einrichtung). Nachdem immer wieder hinter meinem Rücken über mich geredet wurde, ließ ich mich krankschreiben, weil mich die Situation zunehmend belastete. Gemeinsam mit der Mitarbeitervertretung machte ich einen Termin beim Vorgesetzten meines Chefs und trug ihm eine Liste mit gesammelten Verhaltensweisen der letzten 3 Monate vor, die ich mit Ort und Datum sowie Zeugen versehen hatte. Der Vorgesetzte meines Chefs sagte nachdem ich ihm die Liste vorgetragen hatte, Herr XY, das ist Mobbing was er da mit Ihnen macht. Da unser Haus eine sehr hohe Fluktuation und Krankheitsrate hat (aufgrund des Verhaltens des Chefs) brachten meine Aussagen, das Fass zum überlaufen. Alle Mitarbeiter beider Häuser für die mein Chef verantwortlich ist (ca. 30 Mitarbeiter) wurden nacheinander zu einem Gespräch geladen in dem Sie sich über das Verhalten meines Chefs äußern sollten. Viele hatte die Hoffnung, dass sich etwas ändern würde, vor allem da sich der Vorgesetzte meines Chefs selbst sehr negativ äußerte. Ich bin jetzt nach insgesamt einem Monat Krankheit und einem Monat Urlaub wieder zurück. Trotz der Gespräch hat sich leider nichts geändert. Ene Kollegin meines Teams, die erst einige Monate vor mir anfing hat deshalb angekündigt sich nach einer neuen Stelle umzusehen. Nun macht mein Chef wieder mich dafür verantwortlich. Obwohl meine Kollegin dem Chef eindeutig zu verstehen gab, was sie störe, ignoriert er dies und macht wieder mich verantwortlich. Konkret sagte er zu einer anderen Kollegin, er müsse mich besser kontrollieren, da ich dafür verantwortlich sei, dass Frau YZ gehen möchte. Für alle diese Vorgänge gibt es ausreichend Zeugen.
Daher meine Frage, hat eine Klage wegen Mobbing Aussicht auf Erfolg oder ist die Sachlage zu Dünn. Kündigen möchte ich nicht da mein Vertrag sowieso in wenigen Monaten ausläuft. Wäre dies ein Fall für das Arbeitsgericht, oder wo müsste ich mich hinwenden bzw. was kann ich tun?
Daher meine Frage, hat eine Klage wegen Mobbing Aussicht auf Erfolg
oder ist die Sachlage zu Dünn
§ 3 Abs. 3 AGG definiert den Begriff der „Belästigung", welche eine verbotene Benachteiligung iSd. §§ 1, 2 AGG darstellt. Danach ist eine Belästigung eine Benachteiligung, wenn unerwünschte Verhaltensweisen, die mit einem in § 1 AGG genannten Grund in Zusammenhang stehen, bezwecken oder bewirken, dass die Würde der betreffenden Person verletzt und ein von Einschüchterungen, Anfeindungen, Erniedrigungen, Entwürdigungen oder Beleidigungen gekennzeichnetes Umfeld geschaffen wird.
Mit dieser Definition des Begriffes „Belästigung" hat der Gesetzgeber letztlich auch den Begriff des „Mobbing" umschrieben
Dieser in § 3 Abs. 3 AGG umschriebene Begriff des „Mobbing", der sich lediglich auf Benachteiligungen aus einem der in § 1 AGG genannten Gründe bezieht, kann auf die Fälle der Benachteiligung eines Arbeitnehmers - gleich aus welchen Gründen - übertragen werden. Diese Norm zeigt vor allem, dass es grundsätzlich auf die Zusammenschau der einzelnen „unerwünschten" Verhaltensweisen ankommt, um zu beurteilen, ob „Mobbing" vorliegt. § 3 Abs. 3 AGG stellt nämlich darauf ab, ob ein durch „Einschüchterungen, Anfeindungen, Erniedrigungen, Entwürdigungen oder Beleidigungen gekennzeichnetes Umfeld" geschaffen wird. Ein Umfeld wird aber grundsätzlich nicht durch ein einmaliges, sondern durch ein fortdauerndes Verhalten geschaffen. Damit sind alle Handlungen bzw. Verhaltensweisen, die dem systematischen Prozess der Schaffung eines bestimmten Umfeldes zuzuordnen sind, in die Betrachtung mit einzubeziehen. Deshalb dürfen einzelne zurückliegende Handlungen/Verhaltensweisen nicht bei der Beurteilung unberücksichtigt gelassen werden .. Wesensmerkmal der als „Mobbing" bezeichneten Form der Rechtsverletzung des Arbeitnehmers ist damit die systematische, sich aus vielen einzelnen Handlungen/Verhaltensweisen zusammensetzende Verletzung, wobei den einzelnen Handlungen oder Verhaltensweisen für sich allein betrachtet oft keine rechtliche Bedeutung zukommt .
Wäre dies ein Fall für das Arbeitsgericht,
oder wo müsste ich mich hinwenden bzw. was kann ich tun?
Sie können bei Arbeitsgericht eine Klage auf die Zahlung von Schmerzensgeld erheben. Denn Ihr Arbeitgeber haftet nach § 278 BGB für Schäden, die Sie dadurch erleiden, dass Sie durch Ihren Vorgesetzter schuldhaft in Ihren Rechten verletzt sind, BAG: Urteil vom 25.10.2007 - 8 AZR 593/06.
Nach bisher in ständiger Rechtsprechung vertretener Auffassung hat der Arbeitgeber im Rahmen seiner Fürsorgepflicht auf das Wohl und die berechtigten Interessen des Arbeitnehmers Rücksicht zu nehmen. Die Fürsorgepflicht ist Ausfluss des in § 242 BGB niedergelegten Gedankens von Treu und Glauben, der auch den Inhalt des Arbeitsverhältnisses bestimmt. Bei der Frage, was Treu und Glauben und die Fürsorgepflicht im Einzelfall gebieten, ist insbesondere auf die in den Grundrechten zum Ausdruck gekommenen Wertentscheidungen des Grundgesetzes Bedacht zu nehmen. Dies hat zur Folge, dass der Arbeitgeber das Persönlichkeitsrecht des Arbeitnehmers nicht verletzen darf und dass der Arbeitnehmer im Falle einer Verletzung Anspruch auf Beseitigung der fortwährenden Beeinträchtigung und auf das Unterlassen weiterer Verletzungshandlungen hat. Daraus folgt, dass der Arbeitgeber die Pflicht hat, seine Arbeitnehmer vor Belästigungen durch Vorgesetzte, Mitarbeiter oder Dritte, auf die er Einfluss hat, zu schützen und ihnen einen menschengerechten Arbeitsplatz zur Verfügung zu stellen.
Einem solchen, als „Mobbing" bezeichneten Verhalten waren Sie ausgesetzt. Ihr Arbeitgeber haftet für Verschulden Ihres Vorgesetzten nach § 278 BGB.