Source: http://m.hensche.de/Rechtsanwalt_Arbeitsrecht_Urteile_Oberarzt_LAG-Duesseldorf_9Sa1399-07.html
Timestamp: 2017-04-25 08:40:59
Document Index: 377558744

Matched Legal Cases: ['§ 12', '§ 12', '§ 15', '§ 16', '§ 5', '§ 12', '§ 16', '§ 17', '§ 4', '§ 12', '§ 12', '§ 12', '§ 64', '§ 253', '§ 12', '§ 17', '§ 5', '§ 16', '§ 533', '§ 263', '§ 256', '§ 256', 'Art. 33', '§ 27', '§ 12', '§ 12', '§ 12', '§ 12', '§ 12', '§ 4', '§ 1', '§ 64']

Ein Arzt, dem die me­di­zi­ni­sche Ver­ant­wor­tung für ei­nen Teil- oder Funk­ti­ons­be­reich ei­ner Kli­nik ge­mein­sam mit ei­nem wei­te­ren Ober­arzt über­tra­gen ist, erfüllt nicht die Tätig­keits­merk­ma­le der Ent­gelt­grup­pe Ä3 1. Al­ter­na­ti­ve nach § 12 des Ta­rif­ver­trags für Ärz­tin­nen und Ärz­te an Uni­ver­sitätskli­ni­ken vom 30.10.2006 (TV-Ärz­te).
14 Ca 669/07Ar­beits­ge­richt Düssel­dorf Verkündet am 08. B. 2008
BrühlUr­kunds­be­am­tin der Geschäfts­stel­le
Pro­zess­be­vollmäch­tig­te: Mar­bur­ger Bund, Ver­band der an­ge­stell­ten undbe­am­te­ten Ärz­tin­nen und Ärz­te Deutsch­lands, Lan­des­ver­band Nord­rhein-West­fa­len/ Rhein-land-Pfalz e.V., Wörth­str. 20, 50668 Köln,
die Hein­rich-Hei­ne-Uni­ver­sität, ver­tre­ten durch den Rek­tor, Moo­ren­str. 5, 40255 Düssel­dorf,
Pro­zess­be­vollmäch­tig­te: Rechts­anwälte C., I., G.,L. al­lee 100, E.,
hat die 9. Kam­mer des Lan­des­ar­beits­ge­richts Düssel­dorf auf die münd­li­che Ver­hand­lung vom 08.08.2008durch die Vor­sit­zen­de Rich­te­rin am Lan­des­ar­beits­ge­richt Hein­lein als Vor­sit­zen­de so­wie den eh­ren­amt­li­chen Rich­ter Bor­mann und die eh­ren­amt­li­che Rich­te­rin Dors­ten
1. Die Be­ru­fung des Klägers ge­gen das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts Düssel­dorf vom 12.07.2007– 14 Ca 669/07 – wird auf sei­ne Kos­ten zurück­ge­wie­sen.
T a t b e s t a n d : Die Par­tei­en strei­ten darüber, ob die Be­klag­te ver­pflich­tet ist, den Kläger nach der Ent­gelt­grup­pe Ä3 des Ta­rif­ver­tra­ges für Ärz­tin­nen und Ärz­te an Uni­ver­sitätskli­ni­ken (TV-Ärz­te) vom 30.10.2006 zu vergüten und ei­ne Vor­beschäfti­gungs­zeit an­zu­rech­nen.
Der Kläger wur­de zum 15.07.1997 als wis­sen­schaft­li­cher Mit­ar­bei­ter vom Land Nord­rhein-West­fa­len ein­ge­stellt. Seit dem 13.03.2003 ist er Fach­arzt für Herz­chir­ur­gie. Am 10.02.2005 hat er die Fach­kun­de Echo­kar­dio­gra­phie in Ver­bin­dung mit der Ge­biets­be­zeich­nung Herz­chir­ur­gie er­wor­ben. Am 15.12.2005 hat er ei­ne Zu­satz­aus­bil­dung auf dem Ge­biet der spe­zi­el­len herz­chir­ur­gi­schen In­ten­siv­me­di­zin in Ver­bin­dung mit der Ge­biets­be­zeich­nung Herz­chir­ur­gie er­folg­reich ab­ge­schlos­sen. Das Ar­beits­verhält­nis zwi­schen den Par­tei­en wur­de durch Auflösungs­ver­trag zum 31.01.2008 be­en­det.
Der Kläger war bis zur Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses in der chir­ur­gi­schen Kli­nik des Uni­ver­sitätskli­ni­kums Düssel­dorf beschäftigt. Die­se be­steht aus den Kli­ni­ken für All­ge­mein­chir­ur­gie, Gefäßchir­ur­gie, Un­fall­chir­ur­gie und Tho­rax- und Kar­dio­vas­ku­lar­chir­ur­gie, die je ei­nen ei­ge­nen Di­rek­tor ha­ben. Die Sta­ti­ons­be­set­zungs­pläne wer­den von den Kli­nik­di­rek­to­ren ge­mein­sam er­stellt.
Die Kli­nik für Tho­rax- und Kar­dio­vas­ku­lar­chir­ur­gie be­stand je­den­falls bis zum Frühjahr 2006 aus ei­ner In­ten­siv­sta­ti­on, ei­ner In­ten­siv-Über­wa­chungs­sta­ti­on, zwei Nor­mal­sta­tio­nen und zwei Pri­vat­sta­tio­nen. Ob die In­ten­siv-Über­wa­chungs­sta­ti­on zu ei­nem späte­ren Zeit­punkt mit der In­ten­siv­sta­ti­on zu­sam­men ge­legt wur­de, ist zwi­schen den Par­tei­en strei­tig.
Der Kläger ar­bei­te­te vor dem 01.05.2006 in der In­ten­siv­sta­ti­on und der In­ten­siv-Über­wa­chungs­sta­ti­on als Sta­ti­ons­arzt. Er über­nahm dort u. a. die Funk­ti­ons­dia­gnos­tik und war an Ope­ra­tio­nen be­tei­ligt.
Der von den 4 Di­rek­to­ren un­ter­zeich­ne­te ärzt­li­che Sta­ti­ons­be­set­zungs­plan ab dem 15.09.2006 weist den Kläger ne­ben Herrn Prof. L. als Ober­arzt für die Sta­ti­on CH2B (In­ten­siv-Über­wa­chungs­sta­ti­on) aus. Der von den 4 Di­rek­to­ren un­ter­zeich­ne­te ärzt­li­che Sta­ti­ons­be­set­zungs­plan ab dem 15.03.2007 weist den Kläger ne­ben Herrn Prof. G. als Ober­arzt für die Sta­ti­on CIA1B (In­ten­siv­sta­ti­on) und ne­ben Herrn Prof. L. als Ober­arzt für die Sta­ti­on CH2B aus. Der von den 4 Di­rek­to­ren un­ter­zeich­ne­te ärzt­li­che Sta­ti­ons­be­set­zungs­plan ab dem 15.09.2007 weist den Kläger ne­ben Herrn Prof. L. als Ober­arzt für die Sta­ti­on CB1 (Nor­mal­sta­ti­on) aus.
Auf Ver­an­las­sung des Di­rek­tors der Kli­nik für Tho­rax- und Kar­dio­vas­ku­lar­chir­ur­gie wur­de der Kläger ab dem 01.05.2006 auch auf den Arzt­brie­fen der Be­klag­ten als Ober­arzt aus­ge­wie­sen.
Es ist zwi­schen den Par­tei­en un­strei­tig, dass mit In­kraft­tre­ten des TV-Ärz­te am 01.11.2006 die­ser Ta­rif­ver­trag auf das Ar­beits­verhält­nis An­wen­dung fin­det.
Von Be­deu­tung für die Vergütung des Klägers sind die fol­gen­den Be­stim­mun­gen des Ta­rif­ver­tra­ges:
„§ 12 Ein­grup­pie­rungÄrz­te sind ent­spre­chend ih­rer nicht nur vorrüber­ge­hend und zeit­lich min­des­tens zur Hälf­te aus­zuüben­den Tätig­keit wie folgt ein­grup­piert:
Ent­gelt­grup­pe Be­zeich­nungÄ1 Ärz­tin/Arzt mit ent­spre­chen­der Tätig­keitÄ2 Fachärz­tin/Fach­arzt mit ent­spre­chen­der Tätig­keitÄ3 Oberärz­tin/Ober­arzt Ober­arzt ist der­je­ni­ge Arzt, dem die me­di­zi­ni­sche Ver­ant­wor­tung für Teil- oder Funk­ti­ons­be­rei­che der Kli­nik bzw. Ab­tei­lung vom Ar­beit­ge­ber über­tra­gen wor­den ist. Ober­arzt ist fer­ner der Fach­arzt in ei­ner durch den Ar­beit­ge­ber über­tra­ge­nen Spe­zi­al­funk­ti­on, für die die­ser ei­ne er­folg­reich ab­ge­schlos­se­ne Schwer­punkt- oder Zu­satz­wei­ter­bil­dung nach der Wei­ter­bil­dungs­ord­nung for­dert.Ä4 Fachärz­tin/Fach­arzt, der/dem die ständi­ge Ver­tre­tung des lei­ten­den Arz­tes (Chef­arzt) vom Ar­beit­ge­ber über­tra­gen wor­den ist. (Pro­to­kollerklärung: ständi­ger Ver­tre­ter ist nur der Arzt, der den lei­ten­den Arzt in der Ge­samt­heit sei­ner Dienst­auf­ga­ben ver­tritt. Das Tätig­keits­merk­mal kann da­her in­ner­halb ei­ner Kli­nik nur von ei­ner Ärz­tin/ei­nem Arzt erfüllt wer­den).
§ 15 Ta­bel­len­ent­gelt(1) Die Ärz­tin/der Arzt erhält mo­nat­lich ein Ta­bel­len­ent­gelt. Die Höhe be­stimmt sich nach der Ent­gelt­grup­pe, in die sie/er ein­grup­piert ist, und nach der für sie/ihn gel­ten­den Stu­fe.
§ 16 Stu­fen der Ent­gelt­ta­bel­le(1) Die Ent­gelt­grup­pe Ä1 um­fasst 5 Stu­fen; die Ent­gelt­grup­pen Ä2 – Ä4 um­fas­sen 3 Stu­fen. Die Ärz­te er­rei­chen die je­weils nächs­te Stu­fe nach den Zei­ten ärzt­li­cher (Ä1), fachärzt­li­cher (Ä2), oberärzt­li­cher (Ä3) Tätig­keit bzw. der Tätig­keit als ständi­ger Ver­tre­ter des lei­ten­den Arz­tes (Chef­arz­tes), die in den Ta­bel­len (An­la­gen A und B) an­ge­ge­ben sind.
(2) Für die An­rech­nung von Vor­zei­ten ärzt­li­cher Tätig­keit gilt fol­gen­des: Bei der Stu­fen­zu­ord­nung wer­den Zei­ten mit ein­schlägi­ger Be­rufs­er­fah­rung als förder­li­che Zei­ten berück­sich­tigt. Zei­ten von Be­rufs­er­fah­rung aus nicht ärzt­li­cher Tätig­keit können berück­sich­tigt wer­den.
Auf das Ar­beits­verhält­nis fin­det un­strei­tig auch der Ta­rif­ver­trag zur Über­lei­tung der Ärz­tin­nen und Ärz­te an Uni­ver­sitätskli­ni­ken (TVÜ-Ärz­te) vom 30.10.2006 An­wen­dung. Dar­in heißt es u. a.:
„§ 5 Stu­fen­zu­ord­nung der Ärz­teDie Ärz­te wer­den der­je­ni­gen Stu­fe der Ent­gelt­grup­pe (§ 12 TV-Ärz­te) zu­ge­ord­net, die sie er­reicht hätten, wenn die Ent­gelt­ta­bel­le für Ärz­tin­nen und Ärz­te be­reits seit Be­ginn ih­rer Zu­gehörig­keit zu der für sie maßge­ben­den Ent­gelt­grup­pe ge­gol­ten hätte. Für die Stu­fen­fin­dung bei der Über­lei­tung zählen die Zei­ten im jet­zi­gen Ar­beits­verhält­nis zu dem sel­ben Ar­beit­ge­ber. Für die Berück­sich­ti­gung von Vor­zei­ten ärzt­li­cher Tätig­keit bei der Stu­fen­fin­dung gilt § 16 Abs. 2 TV-Ärz­te.
§ 17 In-Kraft-Tre­ten, Lauf­zeit(1) Die­ser Ta­rif­ver­trag tritt am 01.11.2006 in Kraft. Die TdL wird die neu­en Ent­gelt­ta­bel­len des TV-Ärz­te, An­la­gen A1 und B1, ab 01.07.2006 an­wen­den, ent­spre­chend dem Be­schluss der Mit­glie­der­ver­samm­lung der TdL vom 08.06.2006 (An­la­ge 2).
Zu § 4 TVÜ-Ärz­te ha­ben die Ta­rif­ver­trags­par­tei­en fol­gen­de „Nie­der­schrifts­erklärung“ ab­ge­ge­ben:
„Die Ta­rif­ver­trags­par­tei­en ge­hen da­von aus, dass Ärz­te, die am 31.10.2006 die Be­zeich­nung „Oberärz­tin/Ober­arzt“ führen, oh­ne die Vor­aus­set­zun­gen für ei­ne Ein­grup­pie­rung als Oberärz­tin bzw. Ober­arzt nach § 12 TV-Ärz­te zu erfüllen, die Be­rech­ti­gung zur Führung ih­rer bis­he­ri­gen Be­zeich­nung nicht ver­lie­ren. Ei­ne Ein­grup­pie­rung nach Ent­gelt­grup­pe Ä3 ist hier­mit nicht ver­bun­den. ...
Die miss­bräuch­li­che Ent­zie­hung der Tätig­keit mit dem aus­sch­ließli­chen Ziel, ei­ne höhe­re Ein­grup­pie­rung bzw. ei­ne Be­sitz­stands­zu­la­ge zu ver­hin­dern, ist nicht zulässig.“
Der Auf­fas­sung der Be­klag­ten, der Kläger ha­be le­dig­lich den Ti­tel „Ober­arzt“ geführt, ist die­ser ent­ge­gen­ge­tre­ten. Er hat be­haup­tet, der Di­rek­tor der Kli­nik für Tho­rax- und Kar­dio­vas­ku­lar­chir­ur­gie ha­be ihn am 01.05.2006 zum Ober­arzt er­nannt. Seit­dem ha­be er die Funk­ti­ons­dia­gnos­tik als ver­ant­wort­li­cher Ober­arzt durch­geführt. Zusätz­lich sei ihm die Spe­zi­al­funk­ti­on der EKG-und Echo­kar­dio­gra­phie-Dia­gnos­tik zum 01.05.2006 über­tra­gen wor­den. Der Kli­nik­di­rek­tor sei von der Be­klag­ten auch be­vollmäch­tigt wor­den, die me­di­zi­ni­sche Ver­ant­wor­tung für Teil-und Funk­ti­ons­be­rei­che auf ver­ant­wort­li­che Oberärz­te zu über­tra­gen. Die­se ha­be er in der In­ten­siv­sta­ti­on und der In­ten­siv-Über­wa­chungs­sta­ti­on auch wahr­ge­nom­men. Da die Be­klag­te al­le an­de­ren Oberärz­te der Kli­nik für Tho­rax- und Kar­dio­vas­ku­lar­chir­ur­gie in die Ent­gelt­grup­pe Ä3 über­ge­lei­tet ha­be, ha­be er An­spruch auf die Vergütung nach die­ser Ent­gelt­grup­pe auch auf­grund des ar­beits­recht­li­chen Gleich­be­hand­lungs­grund­sat­zes.
1. die Be­klag­te zu ver­ur­tei­len, an ihn 9.600,-- € brut­to nebst Zin­sen in Höhe von 5 Pro­zent­punk­ten über dem Ba­sis­zins­satz aus 3.200,-- € seit dem 01.11.2007 und aus je­weils 800,-- € seit dem 01.12.2006, 01.01.2007, 01.02.2007, 01.03.2007, 01.04.2007, 01.05.2007, 01.06.2007 und 01.07.2007 zu zah­len;
Sie hat gel­tend ge­macht, nach der Ver­ord­nung über die Er­rich­tung des Kli­ni­kums Düssel­dorf der Uni­ver­sität Düssel­dorf als An­stalt des Öffent­li­chen Rechts vom 01.12.2000 sei nur der Vor­stand des Uni­ver­sitätskli­ni­kums be­fugt, Ent­schei­dun­gen über Fra­gen der Ein­grup­pie­rung und tatsächli­chen Beschäfti­gung
von Ärz­ten zu tref­fen. Tatsächlich sei der Kläger le­dig­lich als Fach­arzt tätig ge­wor­den und als „Nen­no­ber­arzt“ an­zu­se­hen.
Das Ar­beits­ge­richt Düssel­dorf hat die Kla­ge durch Ur­teil vom 12.07.2007, auf des­sen In­halt Be­zug ge­nom­men wird, ab­ge­wie­sen.
Ge­gen das ihm am 24.07.2007 zu­ge­stell­te Ur­teil hat der Kläger mit ei­nem am 16.08.2007 bei dem Lan­des­ar­beits­ge­richt ein­ge­gan­ge­nen Schrift­satz Be­ru­fung ein­ge­legt und die­se – nach Verlänge­rung der Be­ru­fungs­be­gründungs­frist bis zum 24.10.2007 – mit ei­nem am 24.10.2007 bei dem Lan­des­ar­beits­ge­richt ein­ge­gan­ge­nen Schrift­satz be­gründet.
Der Kläger trägt ergänzend vor, er ha­be in den Sta­tio­nen, in de­nen er nach den ärzt­li­chen Sta­ti­ons­be­set­zungs­plänen tätig ge­wor­den sei, die dort für ei­nen Ober­arzt an­fal­len­den Tätig­kei­ten durch­geführt. So ha­be er über die Dia­gnos­tik und The­ra­pie ent­schie­den, Wei­sungs­be­fug­nis­se ge­genüber nach­ge­ord­ne­ten Sta­ti­onsärz­ten, wis­sen­schaft­li­chen Mit­ar­bei­tern und dem nichtärzt­li­chen Per­so­nal wahr­ge­nom­men und auch ope­riert. So­weit er die Auf­sichtsführung zu­sam­men mit ei­nem wei­te­ren Ober­arzt in­ne­ge­habt ha­be, ha­be er mit die­sem die oberärzt­li­che Funk­ti­on zwar ge­mein­sam aus­geübt, da­bei je­der mögli­cher­wei­se zu un­ter­schied­li­chen An­tei­len der je­wei­li­gen in­di­vi­du­el­len Ar­beits­zeit, er, der Kläger, aber zu mehr als 2/3 sei­ner Tätig­keit, da der wei­te­re Ober­arzt we­sent­lich stärker mit wis­sen­schaft­li­chen Auf­ga­ben be­traut ge­we­sen sei. Vom Ar­beits­um­fang her de­cke sich dies auch mit der zwei­ten Al­ter­na­ti­ve des Tätig­keits­merk­mals für Oberärz­te, denn sei­ne Zu­satz­qua­li­fi­ka­ti­on der spe­zi­el­len herz­chir­ur­gi­schen In­ten­siv­me­di­zin sei ge­ra­de der In­halt sei­ner Tätig­keit auf der In­ten­siv- und Über­wa­chungs­sta­ti­on ge­we­sen.
das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts Düssel­dorf vom 12.07.2007 – 14 Ca 669/07 – teil­wei­se ab­zuändern und
1. die Be­klag­te zu ver­ur­tei­len, an den Kläger 9.600,-- € brut­to nebst Zin­sen in Höhe von 5 Pro­zent­punk­ten über dem Ba­sis­zins­satz aus 3.200,-- € seit dem 01.11.2006 und aus je­weils 800,-- € seit dem 01.12.2006 so­wie dem 01.01., 01.02., 01.03., 01.04., 01.05., 01.06. und 01.07.2007 zu zah­len;
2. fest­zu­stel­len, dass der Kläger seit dem 01.11.2006 bis 31.01.2008 als Ober­arzt in die Ent­gelt­grup­pe Ä3 im Sin­ne des § 12 TV-Ärz­te ein­grup­piert und seit dem 01.06.2006 bis zum 31.01.2008 als Ober­arzt im Sin­ne des § 12 TV-Ärz­te tätig war.
Das Ge­richt hat Be­weis er­ho­ben durch un­eid­li­che Ver­neh­mung des Zeu­gen Prof. Dr. H.. We­gen des Er­geb­nis­ses der Be­weis­auf­nah­me wird auf das Sit­zungs­pro­to­koll vom 15.02.2008 ver­wie­sen.
E n t s c h e i d u n g s g r ü n d e : Die Be­ru­fung ist zulässig (§§ 64 Abs. 1, Abs. 2 b, 66 Abs. 1, 64 Abs. 6 ArbGG, 519, 520 Abs. 3 ZPO), je­doch un­be­gründet.
1. Die Anträge sind teil­wei­se zulässig und teil­wei­se un­zulässig. Die Zulässig­keit des Zah­lungs­an­trags er­gibt sich aus § 253 ZPO. Der Fest­stel­lungs­an­trag ist nur teil­wei­se zulässig. Er be­darf zunächst der Aus­le­gung. Zur Be­gründung hat der Kläger aus­geführt, er sol­le die ab dem 01.11.2006 wirk­sam wer­den­de Ein­grup­pie­rung ab­de­cken wie auch die An­rech­nung der oberärzt­li­chen Vor­beschäfti­gungs­zeit. Zu­dem sei die Fest­stel­lung, dass er, der Kläger, auch vor dem 01.11.2006 die Vor­aus­set­zun­gen der Vergütungs­grup­pe „Ober­arzt“ im Sin­ne des § 12 TV-Ärz­te erfüllt ha­be, auch im Hin­blick auf § 17 Abs. 1 TVÜ-Ärz­te für die Zah­lung der Ober­arzt­vergütung im Zeit­raum vom 01.07.2006 bis 31.10.2006 von Be­deu­tung.
Der Kläger be­gehrt da­her mit dem Fest­stel­lungs­an­trag die Vergütung für Oberärz­te nach der Ent­gelt­grup­pe Ä3 ab dem 01.07.2006 bis zum 31.01.2008. Nicht strei­tig ist zwi­schen den Par­tei­en, dass er, falls er An­spruch auf die Vergütung nach der Ent­gelt­grup­pe Ä3 hat, zunächst der Stu­fe 1 zu­zu­ord­nen ist. In­so­weit hat der Kläger die für den Öffent­li­chen Dienst übli­che Ein­grup­pie­rungs­fest­stel­lungs­kla­ge er­ho­ben. Darüber hin­aus be­gehrt er die Fest­stel­lung, dass Vor­zei­ten sei­ner oberärzt­li­chen Tätig­keit ab dem 01.06.2006 an­zu­rech­nen sind. Die An­rech­nung von Vor­zei­ten ärzt­li­cher Tätig­keit ist nach § 5 TVÜ-Ärz­te i. V. m. § 16 Abs. 2 TV-Ärz­te für die Fra­ge von Be­deu­tung, ab wel­chem Zeit­punkt Ärz­te in ei­ne höhe­re Stu­fe der Ent­gelt­grup­pe, in die sie ein­grup­piert sind, auf­stei­gen.
Bei Zu­grun­de­le­gung die­ser Aus­le­gung ist der Ein­grup­pie­rungs­fest­stel­lungs­an­trag für den Zeit­raum vom 01.07.2007 bis 31.01.2008 zulässig. Er ist hin­ge­gen un­zulässig für den Zeit­raum vom 01.07.2006 bis 30.06.2007. Nach ständi­ger Recht­spre­chung des BAG ist ei­ne auf die Vergütungs­grup­pe be­zo­ge­ne Ein-
grup­pie­rungs­fest­stel­lungs­kla­ge für den Be­reich des Öffent­li­chen Diens­tes grundsätz­lich zulässig (BAG vom 21.07.2007, ZTR 2007, Sei­te 616). Ei­ne Kla­geände­rung gemäß § 533 i. V. m. § 263 ZPO liegt nicht vor. Denn schon der erst­in­stanz­li­che Fest­stel­lungs­an­trag ist als Ein­grup­pie­rungs­fest­stel­lungs­an­trag aus­zu­le­gen. Dies er­gibt sich aus der Kla­ge­be­gründung, in der der Kläger aus­geführt hat, oh­ne die von ihm be­gehr­te rich­ter­li­che Fest­stel­lung be­ste­he die Ge­fahr, dass die Be­klag­te ihn nicht dau­er­haft nach der Ent­gelt­grup­pe Ä3 vergüte.
Für den Zeit­raum vom 01.07.2006 bis 30.06.2007 hat der Kläger je­doch nicht das nach § 256 Abs. 1 ZPO er­for­der­li­che Fest­stel­lungs­in­ter­es­se, da er sei­ne Vergütungs­ansprüche für die­sen Zeit­raum schon mit dem Leis­tungs­an­trag ver­folgt. Auch als Zwi­schen­fest­stel­lungs­kla­ge nach § 256 Abs. 2 ZPO ist der An­trag für den Zeit­raum vom 01.07.2006 bis 30.06.2007 nicht zulässig. Ei­ne Zwi­schen­fest­stel­lungs­kla­ge ist nur zulässig, wenn aus dem strei­ti­gen Rechts­verhält­nis wei­te­re Ansprüche zwi­schen den Par­tei­en er­wach­sen können (BAG vom 18.09.2007, AP Nr. 64 zu Art. 33 Abs. 2 GG). Das ist nicht er­sicht­lich und vom Kläger auch nicht gel­tend ge­macht.
Un­zulässig ist der Fest­stel­lungs­an­trag auch, so­weit der Kläger da­mit die An­rech­nung ei­ner oberärzt­li­chen Vor­beschäfti­gungs­zeit ver­folgt. Es kann da­hin­ge­stellt blei­ben, ob der auf die Fest­stel­lung des Zeit­punkts des Auf­stiegs in die Stu­fe 2 der Ent­gelt­grup­pe Ä3 ge­rich­te­te Fest­stel­lungs­an­trag be­reits des­halb un­zulässig ist, weil die Stu­fen­zu­ord­nung zwi­schen den Par­tei­en nicht strei­tig ist (BAG vom 25.01.2006, AP Nr. 4 zu § 27 BAT-O). Je­den­falls fehlt dem Kläger das Fest­stel­lungs­in­ter­es­se für die­sen Teil des Fest­stel­lungs­an­trags, weil das Ar­beits­verhält­nis zum 31.01.2008 auf­gelöst wor­den ist und ein Auf­stieg in die Stu­fe 2 der Ent­gelt­grup­pe Ä3 nach der Ent­gelt­ta­bel­le für Ärz­tin­nen und Ärz­te im Gel­tungs­be­reich des TV-Ärz­te -Ta­rif­ge­biet West - erst ab dem 4. Jahr vor­ge­se­hen ist. Bei ei­ner An­rech­nung der Vor­beschäfti­gungs­zeit ab dem 01.06.2006
kommt bis zur Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses nur die Stu­fe 1 der Ent­gelt­grup­pe Ä3 in Be­tracht.
2. So­weit die Kla­ge zulässig ist, ist sie un­be­gründet. Der Kläger hat kei­nen An­spruch auf die Vergütung nach der Ent­gelt­grup­pe Ä3 des § 12 TV-Ärz­te.
a) Er hat bis zur Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses nicht die Tätig­keits­merk­ma­le der ers­ten Fall­grup­pe der Ent­gelt­grup­pe Ä3 erfüllt. Nach dem Ein­lei­tungs­satz des § 12 TV-Ärz­te sind Ärz­te ent­spre­chend ih­rer zeit­lich min­des­tens zur Hälf­te aus­zuüben­den Tätig­keit nach Maßga­be der fol­gen­den Ent­gelt­grup­pen ein­grup­piert. In der ers­ten Fall­grup­pe zur Ent­gelt­grup­pe Ä3 ist nicht aus­drück­lich be­stimmt, wel­che Tätig­keit ei­ne Oberärz­tin oder ein Ober­arzt ausüben muss, um die Vor­aus­set­zun­gen die­ser Ent­gelt­grup­pe zu erfüllen. Die Aus­le­gung der hier fest­ge­leg­ten An­for­de­run­gen er­gibt je­doch, dass ein Arzt oder ei­ne Ärz­tin mit ent­spre­chen­der Tätig­keit in die Ent­gelt­grup­pe Ä3 ein­grup­piert ist, wenn auch die wei­te­ren Vor­aus­set­zun­gen der ers­ten Fall­grup­pe erfüllt sind.
In der ers­ten Fall­grup­pe zur Ent­gelt­grup­pe Ä3 ist als Ober­arzt der­je­ni­ge Arzt be­zeich­net, dem die me­di­zi­ni­sche Ver­ant­wor­tung für Teil- oder Funk­ti­ons­be­rei­che der Kli­nik bzw. Ab­tei­lung vom Ar­beit­ge­ber über­tra­gen wor­den ist. Auf wel­che Art und Wei­se die me­di­zi­ni­sche Ver­ant­wor­tung wahr­ge­nom­men wird, er­sch­ließt sich al­lein aus dem Wort­laut nicht. Da ei­ne Ein­grup­pie­rung in die Ent­gelt­grup­pen des § 12 TV-Ärz­te nach des­sen Ein­lei­tungs­satz ei­ne Tätig­keit vor­aus­setzt, kann es al­ler­dings für die Ein­grup­pie­rung in die Ent­gelt­grup­pe Ä3 nicht aus­rei­chen, dass ei­ner Ärz­tin oder ei­nem Arzt die me­di­zi­ni­sche Ver­ant­wor­tung für Teil- oder Funk­ti­ons­be­rei­che der Kli­nik bzw. Ab­tei­lung aus­drück­lich über­tra­gen wor­den ist. Wel­che Tätig­keit ein Ober­arzt oder ei­ne Oberärz­tin ausführen muss, um An­spruch auf die Vergütung nach der Ent­gelt­grup­pe Ä3 1. Fall­grup­pe zu ha­ben, er­sch­ließt sich aus dem sys­te­ma­ti­schen Zu­sam­men­hang der Re­ge­lung mit den Tätig­keits­merk­ma­len der Ent­gelt­grup­pen Ä1 und Ä2.
Bei der Ent­gelt­grup­pe Ä3 1. Fall­grup­pe han­delt es sich zwar nicht um ei­ne ech­te Auf­baufall­grup­pe. Ei­ne sol­che liegt nach der Recht­spre­chung des BAG nur vor, wenn das Tätig­keits­merk­mal ein „Her­aus­he­ben“ aus dem in Be­zug ge­nom­me­nen Tätig­keits­merk­mal ei­ner nied­ri­ge­ren Vergütungs­grup­pe durch ei­ne zusätz­li­che An­for­de­rung aus­drück­lich vor­sieht. Das ist nicht der Fall, wenn, wie in § 12 TV-Ärz­te, ein Tätig­keits­merk­mal im Ver­gleich zu ei­nem an­de­ren le­dig­lich höhe­re An­for­de­run­gen stellt (BAG vom 06.06.2007, NZA-RR 2008, Sei­te 189, 191). In ei­nem wei­te­ren Sinn bau­en aber auch die Ent­gelt­grup­pen des § 12 TV-Ärz­te auf­ein­an­der auf. Oberärz­tin oder Ober­arzt kann nach dem Wort­laut der 1. Fall­grup­pe zur Ent­gelt­grup­pe Ä3 nur ei­ne Ärz­tin oder ein Arzt sein. Da wie­der­um nach dem Wort­laut der Tätig­keits­merk­ma­le zu den Ent­gelt­grup­pen Ä1 und Ä2 sol­che Ärz­te bzw. Fachärz­te in die Ent­gelt­grup­pen Ä1 bzw. Ä2 ein­grup­piert sind, die ent­spre­chen­de Tätig­keit ausüben, muss nach dem Sinn und Zweck der Tätig­keits­merk­ma­le der 1. Fall­grup­pe der Ent­gelt­grup­pe Ä3 für die Ein­grup­pie­rung in die­se Ent­gelt­grup­pe und Fall­grup­pe eben­falls gel­ten, dass der Arzt oder die Ärz­tin ent­spre­chen­de Tätig­kei­ten zu er­le­di­gen hat.
Zwi­schen den Par­tei­en ist un­strei­tig, dass der Kläger bis zur Be­en­di­gung sei­nes Ar­beits­verhält­nis­ses Pa­ti­en­tin­nen und Pa­ti­en­ten be­han­delt und ver­sorgt, er al­so ärzt­li­che Tätig­kei­ten aus­geführt hat. Sei­ner Ein­grup­pie­rung in die 1. Fall­grup­pe der Ent­gelt­grup­pe Ä3 steht je­doch ent­ge­gen, dass er nicht die me­di­zi­ni­sche Ver­ant­wor­tung für Teil- oder Funk­ti­ons­be­rei­che der Kli­nik für Tho­rax- und Kar­dio­vas­ku­lar­chir­ur­gie im Sin­ne die­ser Be­stim­mung wahr­ge­nom­men hat. Da­bei kann zu sei­nen Guns­ten da­von aus­ge­gan­gen wer­den, dass es sich bei al­len Sta­tio­nen, in de­nen er vom 01.06.2006 bis 31.01.2008 tätig war, um Teil- oder Funk­ti­ons­be­rei­che han­delt. Denn nach dem Wort­laut der Ta­rif­norm ist auch er­for­der­lich, dass dem Arzt „die me­di­zi­ni­sche Ver­ant­wor­tung für“ Teil- oder Funk­ti­ons­be­rei­che der Kli­nik bzw. Ab­tei­lung über­tra­gen wor­den ist. Das setzt vor­aus, dass dem Arzt die me­di­zi­ni­sche Ver­ant­wor­tung für die Be­hand­lung und Ver­sor­gung al­ler in den Teil- oder Funk­ti­ons­be­reich auf­ge­nom­me­nen Pa­ti­en­tin­nen und
Pa­ti­en­ten über­tra­gen wird. Da­mit ist ein Ober­arzt nur dann in die Ent­gelt­grup­pe Ä3 ein­grup­piert, wenn ihm die me­di­zi­ni­sche Ver­ant­wor­tung für den ge­sam­ten Teil- oder Funk­ti­ons­be­reich über­tra­gen ist.
Ei­ne der­art aus­ge­stal­te­te me­di­zi­ni­sche Ver­ant­wor­tung hat­te der Kläger auch nach sei­nem ei­ge­nen Vor­brin­gen nicht. Er hat ein­geräumt, dass ihm die Auf­sichtsführung in al­len Sta­tio­nen ge­mein­sam mit ei­nem wei­te­ren Ober­arzt ob­lag. Für al­le Teil- oder Funk­ti­ons­be­rei­che, in de­nen er tätig war, be­stand al­so stets ei­ne ge­mein­sa­me me­di­zi­ni­sche Ver­ant­wor­tung zwei­er Oberärz­te. We­der nach dem Wort­laut noch nach dem Sinn und Zweck der ta­rif­ver­trag­li­chen Re­ge­lung ist bei ei­ner sol­chen Fall­ge­stal­tung die Ein­grup­pie­rung in die Ent­gelt­grup­pe Ä3 vor­ge­se­hen.
Zunächst lässt sich aus dem Wort­laut der ers­ten Fall­grup­pe nicht ent­neh­men, dass auch dann, wenn meh­re­re Ärz­te die me­di­zi­ni­sche Ver­ant­wor­tung für ei­nen Teil- oder Funk­ti­ons­be­reich der Kli­nik bzw. Ab­tei­lung ha­ben, die Ein­grup­pie­rung in die Ent­gelt­grup­pe Ä3 er­folgt. Er schließt ei­ne sol­che An­nah­me zwar auch nicht zwin­gend aus. Bei Berück­sich­ti­gung des Zwe­ckes der höhe­ren Be­wer­tung der Tätig­keit als Ober­arzt oder Oberärz­tin ge­genüber den nach den Ent­gelt­grup­pen Ä1 und Ä2 zu vergüten­den Tätig­kei­ten er­gibt sich aber, dass ei­ne ge­mein­schaft­li­che me­di­zi­ni­sche Ver­ant­wor­tung meh­re­rer Ärz­te für ei­nen Teil- oder Funk­ti­ons­be­reich der Kli­nik bzw. Ab­tei­lung für die Ein­grup­pie­rung in die Ent­gelt­grup­pe Ä3 nicht aus­reicht. Denn ei­ne ge­mein­schaft­li­che Ver­ant­wor­tung ist stets ei­ne ge­teil­te Ver­ant­wor­tung. Sie führt er­fah­rungs­gemäß da­zu, dass es in­ner­halb des Teil- oder Funk­ti­ons­be­reichs zu ei­ner Auf­tei­lung der Ver­ant­wor­tung in der ei­nen oder an­de­ren Wei­se kommt, weil das Vor­han­den­sein zwei­er oder meh­re­rer Oberärz­te ei­ne Ar­beits­tei­lung zwi­schen ih­nen er­for­dert. Tatsächlich nimmt der ein­zel­ne Ober­arzt die me­di­zi­ni­sche Ver­ant­wor­tung dann nicht für den ge­sam­ten Teil- oder Funk­ti­ons­be­reich wahr. Der Zweck der höhe­ren Be­wer­tung oberärzt­li­cher Tätig­keit ist es aber, die me­di­zi­ni­sche Lei­tung ei­nes Or-
ga­ni­sa­ti­ons­be­reichs in­ner­halb ei­ner größeren Ein­heit aus den Ent­gelt­grup­pen Ä1 und Ä2 „her­aus­zu­he­ben“.
An­halts­punk­te dafür, dass die Ta­rif­ver­trags­par­tei­en auch kol­lek­ti­ve For­men oberärzt­li­cher Tätig­keit in ei­nem Teil- oder Funk­ti­ons­be­reich in die Ent­gelt­grup­pe Ä3 ein­be­zie­hen woll­ten, ver­mag die Be­ru­fungs­kam­mer nicht zu er­ken­nen. Falls die Ta­rif­ver­trags­par­tei­en ei­nen der­ar­ti­gen Wil­len hat­ten, hat er in den Ta­rif­nor­men je­den­falls kei­nen Nie­der­schlag ge­fun­den. Er er­gibt sich auch nicht aus der Pro­to­kollerklärung zur Ent­gelt­grup­pe Ä4. Zwar heißt es dort, dass ständi­ger Ver­tre­ter nur der Arzt ist, der den lei­ten­den Arzt in der Ge­samt­heit sei­ner Dienst­auf­ga­ben ver­tritt und dass das Tätig­keits­merk­mal da­her in­ner­halb ei­ner Kli­nik nur von ei­ner Ärz­tin oder ei­nem Arzt erfüllt wer­den kann. Dar­aus kann aber nicht im We­ge des Um­kehr­schlus­ses ge­fol­gert wer­den, dass das Tätig­keits­merk­mal der me­di­zi­ni­schen Ver­ant­wor­tung für Teil- oder Funk­ti­ons­be­rei­che im Rah­men der Ent­gelt­grup­pe Ä3 auch bei ge­mein­schaft­li­cher Ver­ant­wor­tung meh­re­rer Ärz­te erfüllt wer­den kann. Für die Aus­le­gung der An­for­de­run­gen an die Ein­grup­pie­rung ei­ner Oberärz­tin oder ei­nes Ober­arz­tes in die Ent­gelt­grup­pe Ä3 er­ge­ben sich aus der Pro­to­kollerklärung zur Ent­gelt­grup­pe Ä4 schon des­halb kei­ne Hin­wei­se, weil die­se Pro­to­kollerklärung die Tätig­keits­merk­ma­le der Ent­gelt­grup­pe Ä4 um­schreibt.
b) Der Kläger erfüllt auch nicht die Tätig­keits­merk­ma­le der 2. Fall­grup­pe derEnt­gelt­grup­pe Ä3. Denn in­so­weit hat er nicht sub­stan­ti­iert dar­ge­legt, dass er zeit­lich min­des­tens zur Hälf­te ei­ne Spe­zi­al­funk­ti­on aus­geübt hat, für die die Be­klag­te ei­ne er­folg­reich ab­ge­schlos­se­ne Schwer­punkt- oder Zu­satz­wei­ter­bil­dung nach der Wei­ter­bil­dungs­ord­nung for­dert. So­weit er gel­tend macht, sei­ne Zu­satz­qua­li­fi­ka­ti­on auf dem Ge­biet der spe­zi­el­len herz­chir­ur­gi­schen In­ten­siv­me­di­zin sei der In­halt sei­ner Tätig­keit auf der In­ten­siv- und Über­wa­chungs­sta­ti­on ge­we­sen, ist dies gänz­lich un­sub­stan­ti­iert. Denn es feh­len jeg­li­che Dar­le­gun­gen da­zu, in wel­chem zeit­li­chen Um­fang er die in der fa­kul­ta­ti­ven Wei­ter­bil­dung in der spe­zi­el­len herz­chir­ur­gi­schen In­ten­siv­me­di­zin er­wor­be­nen spe­zi­el­len Kennt-
nis­se, Er­fah­run­gen und Fer­tig­kei­ten tatsächlich ein­ge­setzt hat. Das­sel­be gilt für die zeit­li­chen An­tei­le der von ihm er­le­dig­ten Ul­tra­schall­dia­gnos­tik, für de­ren Ausübung er die Fach­kun­de Echo­kar­dio­gra­phie in der Herz­chir­ur­gie er­wor­ben hat. Eben­so­we­nig hat der Kläger vor­ge­tra­gen, in­wie­fern die Be­klag­te für die von ihm er­le­dig­ten Spe­zi­al­auf­ga­ben ei­ne er­folg­reich ab­ge­schlos­se­ne Schwer­punkt-oder Zu­satz­wei­ter­bil­dung nach der Wei­ter­bil­dungs­ord­nung for­dert.
c) Sch­ließlich kann der Kläger auch nicht auf­grund des all­ge­mei­nen ar­beits­recht­li­chen Gleich­be­hand­lungs­grund­sat­zes die Vergütung nach der Ent­gelt­grup­pe Ä3 ver­lan­gen. Der ar­beits­recht­li­che Gleich­be­hand­lungs­grund­satz ver­bie­tet so­wohl die sach­frem­de Schlech­ter­stel­lung ein­zel­nen Ar­beit­neh­mer ge­genüber an­de­ren Ar­beit­neh­mern in ver­gleich­ba­rer La­ge als auch die sach­frem­de Dif­fe­ren­zie­rung zwi­schen Ar­beit­neh­mern ei­ner be­stimm­ten Ord­nung. Der ar­beits­recht­li­che Gleich­be­hand­lungs­grund­satz greift je­doch nur bei ei­nem ge­stal­ten­den Ver­hal­ten des Ar­beit­ge­bers, nicht hin­ge­gen beim bloßen – auch ver­meint­li­chen – Nor­men­voll­zug (BAG vom 06.06.2007, EzA § 4 TVG: Luft­fahrt Nr. 15; BAG vom 15.11.2006, AP Nr. 7 zu § 1 TVG: Spiel­ban­ken). Da­nach kann der Kläger sei­nen Vergütungs­an­spruch nicht auf den ar­beits­recht­li­chen Gleich­be­hand­lungs­grund­satz stützen. Denn er hat schon nicht dar­ge­legt, dass die Be­klag­te an­de­ren Oberärz­ten die Vergütung nach der Ent­gelt­grup­pe Ä3 zahlt, oh­ne dass die­se die Tätig­keits­merk­ma­le der Ent­gelt­grup­pe Ä3 erfüllen.
Darüber hin­aus hat der Kläger aber auch nicht dar­ge­legt, dass die Be­klag­te in­fol­ge der Ab­leh­nung, ihm die Vergütung nach der Ent­gelt­grup­pe Ä3 zu gewähren, ge­gen den ar­beits­recht­li­chen Gleich­be­hand­lungs­grund­satz ver­s­toßen hat. Ei­ne sach­frem­de Dif­fe­ren­zie­rung zwi­schen Ar­beit­neh­mern liegt nur vor, wenn es für die un­ter­schied­li­che Be­hand­lung kei­ne bil­li­gens­wer­ten Gründe gibt (BAG vom 06.06.2007., a. a. O.). Um dies fest­stel­len zu können, hätte der Kläger min­des­tens ei­nen Ober­arzt oder ei­ne Oberärz­tin be­nen­nen müssen, des­sen oder de­ren Tätig­keit mit den von ihm er­le­dig­ten Ar­beits­auf­ga­ben ver­gleich­bar ist. Auch dies ist nicht ge­sche­hen.
3. Als un­ter­lie­gen­de Par­tei hat der Kläger die Kos­ten des Be­ru­fungs­ver­fah­rens zu tra­gen (§§ 64 Abs. 6 ArbGG, 525, 97 Abs. 1 ZPO).
R E C H T S M I T T E L B E L E H R U N G Ge­gen die­ses Ur­teil kann von dem Kläger
Hein­lein Bor­mann Dors­ten	m.hensche.de
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