Source: https://www.jusmeum.de/gesetz/seilausbv
Timestamp: 2020-01-18 00:18:35
Document Index: 372219023

Matched Legal Cases: ['§ 25', '§ 26', '§ 25', '§ 4', '§ 4', '§ 4']

SeilAusbV 2008
Auf Grund des § 25 Abs. 1 der Handwerksordnung in der Fassung der Bekanntmachung vom 24. September 1998 (BGBl. I S. 3074, 2006 I S. 2095), der zuletzt durch Artikel 146 der Verordnung vom 31. Oktober 2006 (BGBl. I S. 2407) geändert worden ist, in Verbindung mit § 26 der Handwerksordnung, der zuletzt durch Artikel 2 Nr. 4 des Gesetzes vom 23. März 2005 (BGBl. I S. 931) geändert worden ist, verordnet das Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie im Einvernehmen mit dem Bundesministerium für Bildung und Forschung:
Der Ausbildungsberuf Seiler/Seilerin wird nach § 25 der Handwerksordnung zur Ausbildung für das Gewerbe Nummer 29, Seiler, der Anlage A der Handwerksordnung staatlich anerkannt.
Die Berufsausbildung gliedert sich in gemeinsame Ausbildungsinhalte und die Ausbildung in einen der Schwerpunkte Seilherstellung, Seilkonfektion oder Netzkonfektion.
(1) Gegenstand der Berufsausbildung sind mindestens die im Ausbildungsrahmenplan in der Anlage aufgeführten Fertigkeiten, Kenntnisse und Fähigkeiten (berufliche Handlungsfähigkeit). Eine von dem Ausbildungsrahmenplan abweichende Organisation der Ausbildung ist insbesondere zulässig, soweit betriebspraktische Besonderheiten die Abweichung erfordern.
(2) Die Berufsausbildung zum Seiler und zur Seilerin gliedert sich wie folgt:
Herstellen von Seilen,
Herstellen und Konfektionieren von Netzen,
Herstellen und Einsetzen von Seilverbindungen und Anschlagmitteln,
Fertigstellen und Montieren von Seilen und Netzen,
Lagern, Verpacken und versandfertig Machen von Produkten;
Seilkonfektion,
Netzkonfektion;
(3) Die Auszubildenden haben einen schriftlichen Ausbildungsnachweis zu führen. Dazu ist ihnen Gelegenheit während der Ausbildungszeit zu geben. Die Ausbildenden haben den schriftlichen Ausbildungsnachweis regelmäßig durchzusehen.
(3) Die Zwischenprüfung findet im Prüfungsbereich Seile und Netze statt.
(4) Für den Prüfungsbereich Seile und Netze bestehen folgende Vorgaben:
Garne oder Drähte zu Litzen oder Seilen verarbeiten,
Netze flechten und knoten,
Seilverbindungen durch Spleißen und Verpressen herstellen,
Werkstoffe, Arten, Fertigungsverfahren und Konstruktionsarten von Seilen und Netzen unterscheiden,
Längen- und Flächenmessungen sowie massebezogene und netzgeometrische Berechnungen durchführen,
berufsbezogene gesetzliche Bestimmungen und Normen sowie technische Unterlagen anwenden,
Maßnahmen zur Arbeitsorganisation, zur Sicherheit und zum Gesundheitsschutz bei der Arbeit, zum Umweltschutz, zur Kundenorientierung, zur Wirtschaftlichkeit und zur Qualitätssicherung berücksichtigen und
relevante fachliche Hintergründe aufzeigen sowie seine Vorgehensweise bei der Durchführung der Arbeitsproben begründen
Der Prüfling soll drei Arbeitsproben durchführen und hierüber ein situatives Fachgespräch führen sowie Aufgabenstellungen, die sich auf die Arbeitsproben beziehen, schriftlich bearbeiten.
Die Prüfungszeit beträgt insgesamt fünf Stunden. Innerhalb dieser Zeit soll das situative Fachgespräch in höchstens fünfzehn Minuten sowie die Bearbeitung der schriftlichen Aufgabenstellungen in einer Stunde durchgeführt werden.
Schwerpunktspezifische Produkte,
Seil- und Netztechnik,
(3) Für den Prüfungsbereich Schwerpunktspezifische Produkte bestehen folgende Vorgaben:
Seil- und Netzzubehör auswählen und einarbeiten,
Berechnungen zu Verbindungsarten und Belastbarkeit durchführen,
Seile oder Netze vormontieren,
Messungen und Prüfungen an Seilen oder Netzen durchführen, dokumentieren und bewerten,
Arbeitsabläufe unter Beachtung wirtschaftlicher, technischer und organisatorischer Vorgaben selbstständig und kundenorientiert planen, durchführen und dokumentieren und
die für das schwerpunktspezifische Produkt relevanten fachlichen Hintergründe aufzeigen
Im Schwerpunkt Seilherstellung soll der Prüfling zusätzlich nachweisen, dass er
Fertigungsverfahren, Seilkonstruktion und Material festlegen,
Konstruktionsberechnungen durchführen sowie
Nachbehandlungen ausführen
Im Schwerpunkt Seilkonfektion soll der Prüfling zusätzlich nachweisen, dass er
Anschlagmittel, Anschlagart und Beschläge festlegen,
Seilkonstruktion und Durchmesser festlegen,
Verbindungstechniken ausführen und
Seile und Beschläge zu Anschlagmitteln verarbeiten
Im Schwerpunkt Netzkonfektion soll der Prüfling zusätzlich nachweisen, dass er
Netzkonstruktion und Material festlegen,
Netzparameter messen, Ansetz- und Schnittrhythmen berechnen und
Netzteile zuschneiden und zusammensetzen
Im Schwerpunkt Seilherstellung ist aus den folgenden Tätigkeiten auszuwählen:
Herstellen eines Doppelgeflechts,
Schlagen und Fertigstellen eines mehrlagigen Drahtseiles,
Schlagen und Fertigstellen eines mehrlitzigen Faserseiles,
Herstellen eines Litzengeflechts.
Im Schwerpunkt Seilkonfektion ist aus folgenden Tätigkeiten auszuwählen:
Herstellen eines Langspleißes im Drahtseil,
Konfektionieren von Seilen zu gebrauchsfertigen Produkten mit mindestens zwei verschiedenen Endverbindungen.
Im Schwerpunkt Netzkonfektion ist folgende Tätigkeit zugrunde zu legen:
Konfektionieren von Netzteilen zu einem gebrauchsfertigen Netz.
Der Prüfling soll eine Arbeitsaufgabe durchführen, mit praxisbezogenen Unterlagen dokumentieren und hierüber ein situatives Fachgespräch führen.
Die Prüfungszeit beträgt insgesamt sieben Stunden; innerhalb dieser Zeit soll das situative Fachgespräch in höchstens 20 Minuten durchgeführt werden.
(4) Für den Prüfungsbereich Seil- und Netztechnik bestehen folgende Vorgaben:
Seil- und Netzarten nach Verwendungszweck und Belastbarkeit auswählen,
Seil- und Netzverbindungen herstellen,
Imprägniermittel und Schmiermittel festlegen und einsetzen,
Einfluss von Werkstoffeigenschaften und Konstruktion auf den Produktionsprozess und das Fertigprodukt berücksichtigen,
Werkzeuge handhaben, Maschinen bedienen und Sicherheitsvorgaben einhalten,
massebezogene Berechnungen durchführen und
rechtliche Bestimmungen, Normen und technische Zeichnungen anwenden
(5) Für den Prüfungsbereich Konfektion bestehen folgende Vorgaben:
Netze unter Berücksichtigung der Ansetz- und Schnittrhythmen konfektionieren,
rechtliche Bestimmungen und Normen beim Herstellen, Lagern und Verpacken anwenden,
Anforderungen an die Montage von Seilen und Netzen einhalten,
Anschlagmittel und Beschläge nach Verwendungszweck und Belastbarkeit auswählen,
Anschlagmittel mit verschiedenen Verbindungstechniken herstellen und
Mess- und Prüftechniken anwenden und Qualitätsvorgaben einhalten
(6) Für den Prüfungsbereich Wirtschafts- und Sozialkunde bestehen die folgenden Vorgaben:
1. Prüfungsbereich Schwerpunkt-
spezifische Produkte 50 Prozent,
2. Prüfungsbereich Seil- und Netztechnik 20 Prozent,
3. Prüfungsbereich Konfektion 20 Prozent,
im Prüfungsbereich Schwerpunktspezifische Produkte mit mindestens „ausreichend“,
(9) Auf Antrag des Prüflings ist die Prüfung in einem der mit schlechter als „ausreichend“ bewerteten Prüfungsbereiche, in denen die Prüfungsleistungen mit eigener Anforderung und Gewichtung schriftlich zu erbringen sind, durch eine mündliche Prüfung von 15 Minuten zu ergänzen, wenn dies für das Bestehen der Prüfung den Ausschlag geben kann. Bei der Ermittlung des Ergebnisses für diesen Prüfungsbereich sind das bisherige Ergebnis und das Ergebnis der mündlichen Ergänzungsprüfung im Verhältnis von 2 : 1 zu gewichten.
Anlage (zu § 4)Ausbildungsrahmenplan für die Berufsausbildung zum Seiler/zur Seilerin
(Fundstelle: BGBl. I 2008, 951 - 956)
Richtwerte in Wochen
1 Einrichten, Bedienen
Werkzeugen, Geräten,
Maschinen und technischen Einrichtungen
Werkzeuge, Geräte, Maschinen und technische Einrichtungen hinsichtlich Funktion und Einsatz auswählen, Werkzeuge und Geräte einsetzen
Werk-, Betriebs- und Hilfsstoffe für die Produktion vorbereiten und kennzeichnen
Maschinen einrichten, Prozessdaten einstellen, Funktionen prüfen, Maschinen und technische Einrichtungen unter Berücksichtigung der Sicherheitsbestimmungen in Betrieb nehmen
Produktionsprozesse und Materialführungssysteme überwachen, Verfahrensparameter korrigieren
Werkzeuge, Geräte, Maschinen und technische Einrichtungen reinigen, warten und instand halten
Wartungsintervalle und Wartungsumfänge festlegen, Wartungspläne beachten, Wartungsarbeiten dokumentieren
maschinen- und prozessbezogene Berechnungen durchführen
2 Herstellen von Seilen
Werkstoffe, insbesondere für Naturfaser-, Chemiefaser- und Drahtseile, auswählen und prüfen
Seilarten nach Eigenschaften und Einsatzgebiet unterscheiden
Fertigungsverfahren von Garnen, Drähten und Seilen unterscheiden, nach Eigenschaften und Einsatzgebiet auswählen
Längen messen und massebezogene Berechnungen durchführen, insbesondere Seilstärken und Schlaglängen
Konstruktionsarten unterscheiden sowie nach Eigenschaften, Einsatzgebiet und Belastungsart bestimmen
Einfluss von Werkstoffeigenschaften und Konstruktion auf den Produktionsprozess und die Fertigprodukte berücksichtigen
Garne oder Drähte zu Litzen oder Seilen verarbeiten
Auswirkungen von Imprägniermitteln und Schmiermitteln unterscheiden
Konfektionieren von Netzen
Netzarten nach Einsatzgebiet und Belastungsart unterscheiden
Fertigungsverfahren von Netzen unterscheiden und nach Eigenschaften und Einsatzgebiet auswählen
Einfluss von Werkstoffeigenschaften und Konstruktion auf den Fertigungsprozess und die Fertigprodukte berücksichtigen
Grundberechnungen durchführen, insbesondere netzgeometrische Berechnungen und Flächenberechnungen
Netze von Hand herstellen, insbesondere durch Flechten und Knoten
Endverbindungen herstellen, insbesondere bei Rand- und Netzleinen
Netz- und Seilzubehör auswählen, anbringen und einarbeiten
4 Herstellen und Einsetzen
von Seilverbindungen
und Anschlagmitteln
(§ 4 Abs. 2 Abschnitt A Nr. 4)
Seilverbindungen nach Einsatzbedingungen und Anschlagart unterscheiden und festlegen
gesetzliche Bestimmungen und Normen für Seilverbindungen anwenden
Seilverbindungen durch Spleißen, Vergießen und Verpressen oder durch Spleißen, Verpressen und Knoten herstellen
Seilzubehör auswählen und einarbeiten
Berechnungen zu Verbindungsarten und Belastbarkeit durchführen
5 Fertigstellen und Montieren von Seilen und Netzen
Seile oder Netze nach Maß ablängen, Toleranzen beachten
Lauflängen ermitteln
Seile oder Netze durch Schneiden trennen
Seile oder Netze, insbesondere nach Kundenanforderungen, vormontieren, Sicherheitsvorschriften und Normen beachten
Mess- und Prüfverfahren nach Verwendungszweck auswählen
Längen- und Flächenmessungen durchführen
Messungen und Prüfungen unter Berücksichtigung von Vorgaben, Toleranzen und Normen durchführen, insbesondere Zugfestigkeit und Dehnung
Seile oder Netze prüfen, insbesondere auf Bruchstellen, Strukturveränderungen und mechanische Beschädigungen
Korrekturmaßnahmen einleiten und durchführen
Kenndaten ermitteln, Fehler erfassen und auswerten, Messprotokolle und Prüfbescheinigungen erstellen und auswerten
7 Lagern, Verpacken
und versandfertig Machen von Produkten
Kriterien für das Lagern von Werkstoffen, Seilen und Netzen berücksichtigen
Fertigprodukte aufwickeln, aufspulen und kennzeichnen
Transportmöglichkeiten festlegen, Transportsysteme nutzen
Abschnitt B: Weitere berufsprofilgebende Fertigkeiten, Kenntnisse und
Fähigkeiten in den Schwerpunkten
1. Seilherstellung
Seilkonstruktion und Material nach Auftrag festlegen, Normen anwenden
Fertigungsverfahren festlegen, insbesondere Schlagen und Flechten
Konstruktionsberechnungen durchführen, Materialbedarf ermitteln
Garne, Zwirne oder Drähte umspulen
Vorprodukte herstellen
ein- und mehrlagige Drahtseile oder mehrlitzige Faserseile schlagen
Einfach-, Doppel- und Litzengeflechte herstellen
Kabelschlagseile herstellen
Imprägnier- und Schmiermittel einsetzen
Nachbehandlungen zur Sicherung von Formstabilität und Gebrauchseigenschaften ausführen
2. Seilkonfektion
Herstellen und Einsetzen
von Seilverbindungen und Anschlagmitteln
Anschlagmittel nach Einsatzbedingungen und Anschlagart unterscheiden und festlegen
Seilkonstruktion und Durchmesser unter Berücksichtigung der Verwendung festlegen
Beschläge für Seile und für die Herstellung von Anschlagmitteln festlegen
gesetzliche Bestimmungen und Normen für Anschlagmittel und Seile anwenden
Verbindungstechniken nach Seilbeschaffenheit und Einsatzbedingungen festlegen
Seile und Beschläge zu Anschlagmitteln verbinden durch Spleißen und Pressen, insbesondere Endlosseile herstellen
Anschlagmittel normgerecht kennzeichnen
Seilendverbindungen herstellen, insbesondere Flämisches Auge legen, Terminal aufwalzen, Geflechte spleißen, mit Metall und Kunstharz vergießen
Seile zu gebrauchsfertigen Produkten konfektionieren
3. Netzkonfektion
Netzkonstruktion und Material nach Auftrag festlegen, Normen anwenden
Maschenweite, Maschenöffnung und Garnstärke messen
Netze nach Vorgaben formgerecht zuschneiden, Zuschnitt optimieren
Ansetz- und Schnittrhythmus berechnen
Netzteile zusammensetzen, insbesondere durch Stricken und Ketteln, Ansetzrhythmus berücksichtigen
Netztuchkanten bestricken, laschen und ketteln
Netzsäume mit Randleinen verbinden
Netze für den Gebrauch fertigstellen
Netze montieren, sicherheitstechnische Anforderungen und Normen berücksichtigen
Reparaturaufwand ermitteln, Netze reparieren
(§ 4 Abs. 2 Abschnitt C Nr. 4) Zur Vermeidung betriebsbedingter Umweltbelastungen im beruflichen Einwirkungsbereich beitragen, insbesondere
Skizzen und Zeichnungen prüfen und anwenden
Werk-, Betriebs- und Hilfsstoffe sowie Arbeitsmittel auswählen und bereitstellen
Arbeitsschritte unter Berücksichtigung betrieblicher Abläufe und Auftragsunterlagen festlegen
produktspezifische Vorschriften anwenden
Informationsstrukturen nutzen, insbesondere Datenverwaltung und externe Datenbanken
technische Unterlagen, insbesondere Betriebs- und Arbeitsanweisungen sowie Richtlinien handhaben und umsetzen, Normen anwenden
Gespräche mit Vorgesetzten, Mitarbeitern und im Team situationsgerecht führen, Sachverhalte darstellen, Fachausdrücke anwenden
auftragsbezogene Daten erstellen, aufbereiten und dokumentieren, Datenschutz beachten
Anwenderprogramme einsetzen
Gespräche mit internen oder externen Kunden führen und dabei kulturelle Besonderheiten und Verhaltensregeln von Kunden berücksichtigen
Zwischen- und Endkontrollen anhand von Arbeitsaufträgen durchführen
produktions-, qualitäts- und verfahrenstechnische Daten dokumentieren
zur kontinuierlichen Verbesserung von Arbeitsvorgängen im eigenen Arbeitsbereich beitragen, insbesondere Methoden und Techniken der Qualitätsverbesserung anwenden
Zusammenhänge von qualitätssichernden Maßnahmen erkennen, insbesondere zwischen Fertigung, Wirtschaftlichkeit und Kundenorientierung
2008, 947: BGBl I