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Timestamp: 2019-10-17 18:58:18
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Matched Legal Cases: ['§ 4', '§ 25', '§ 6', '§ 27', '§ 66', '§ 42', '§ 88', '§ 88']

Datenreport / A4.2.1 Entwicklungen nach Zuständigkeitsbereichen in der Berufsbildungsstatistik (Erhebung zum 31. Dezember)
A4.2.1 Entwicklungen nach Zuständigkeitsbereichen in der Berufsbildungsstatistik (Erhebung zum 31. Dezember)
Die Berufsbildungsstatistik der statistischen Ämter des Bundes und der Länder (Erhebung zum 31. Dezember) erfasst Auszubildenden-, Vertrags- und Prüfungsdaten im dualen System. Im Folgenden werden daraus die Bestandszahlen der Auszubildenden nach Zuständigkeitsbereichen betrachtet. Sie geben Aufschluss über den Umfang der gesamten Ausbildungsleistung von Betrieben und Berufsschulen. Analysen zu berufsstrukturellen Entwicklungen (vgl. Kapitel A4.4) und zur Vorbildung der Auszubildenden (vgl. Kapitel A4.6.1 und A4.6.2) erfolgen auf Basis der Neuabschlussdaten.
Die Berufsbildungsstatistik der statistischen Ämter des Bundes und der Länder
Die Berufsbildungsstatistik der statistischen Ämter des Bundes und der Länder (kurz: Berufsbildungsstatistik) ist eine Totalerhebung von Auszubildenden-, Vertrags- und Prüfungsdaten zu staatlich anerkannten Ausbildungsberufen (§ 4 Absatz 1 Berufsbildungsgesetz [BBiG] bzw. § 25 Absatz 1 Handwerksordnung [HwO]) sowie dualen Ausbildungsberufen in Erprobung nach § 6 BBiG bzw. § 27 HwO.44Auch Ausbildungsregelungen für Menschen mit Behinderung nach § 66 BBiG bzw. § 42m HwO sind hierin enthalten. Die Daten werden nach § 88 BBiG durch die statistischen Ämter des Bundes und der Länder bei den zuständigen Stellen erhoben und an das BIBB zum Zwecke der Erstellung des Berufsbildungsberichts und der Durchführung der Berufsbildungsforschung übermittelt. Erfasst werden u. a. auch Daten zum Ausbildungspersonal (vgl. Kapitel A4.10.3), zu Externenprüfungen (vgl. Kapitel A4.8) und zu Fortbildungs- und Umschulungsprüfungen (vgl. Kapitel B4.4). Vollzeitschulische Berufsausbildungen und sonstige Berufsausbildungen, die nicht nach BBiG bzw. HwO geregelt sind, werden nicht erfasst.
Mit Artikel 2a des Berufsbildungsreformgesetzes (BerBiRefG) vom 23. März 2005 (Bundesgesetzblatt 2005, S. 931)45 wurde 2007 die frühere Aggregatdatenerhebung auf eine Einzeldatenerfassung umgestellt und erhielt einen ausgeweiteten Merkmalskatalog. Hierdurch eröffnen sich neue Analysemöglichkeiten. Bis 2006 wurden die Daten in Form von Tabellen erfasst. Bei diesen im Aggregat erfassten Daten waren die Analysemöglichkeiten auf die wenigen Merkmalskombinationen, die die jeweilige Erfassungstabelle enthielt, beschränkt. Mit der Einzeldatenerfassung wird für jedes Ausbildungsverhältnis, das in das von der zuständigen Stelle geführte Verzeichnis eingetragen ist, ein Datensatz mit allen in § 88 BBiG festgelegten Merkmalen erhoben. Die Einzeldaten ermöglichen bei der Auswertung der Daten eine freie Kombination der erfassten Merkmale. Grundsätzlich ist aufgrund der erhebungstechnischen Umstellung der Vergleich der Daten ab 2007 mit denen der Vorjahre nicht uneingeschränkt möglich.
Die Daten der Berufsbildungsstatistik werden mit der Fachserie 11, Reihe 3 des Statistischen Bundesamtes (Destatis) veröffentlicht und können im Publikationsservice von Destatis kostenfrei heruntergeladen werden (www.destatis.de). Außerdem stellt das BIBB Auszubildendendaten der Berufsbildungsstatistik auch im Online-Datensystem Auszubildende (DAZUBI) bereit, das eine Ergänzung zum BIBB-Datenreport darstellt (www.bibb.de/dazubi). Dort können Daten, Berechnungen und ergänzende Berufsmerkmale für die einzelnen Ausbildungsberufe und Bundesländer abgerufen werden. Zu den Daten liegen umfangreiche Erläuterungen vor.
Um Datenschutz zu gewähren, veröffentlicht das BIBB alle Daten der Berufsbildungsstatistik nur noch als gerundete Werte (Vielfaches von 3; der Datenfehler beträgt dadurch je ausgewiesener Zahl maximal 1; detaillierte Erläuterungen siehe unter www.bibb.de/dokumente/pdf/a21_dazubi_daten.pdf).
Gesamtbestand 2012 und Entwicklung im Zeitverlauf
Am 31. Dezember 2012 waren bundesweit 1.429.977 Personen als Auszubildende in einer dualen Berufsausbildung nach BBiG bzw. HwO gemeldet. Die Bestandszahlen schwanken im Zeitverlauf Schaubild A4.2.1-1. Insgesamt weisen sie nach Höchstwerten um das Jahr 2000 (1.702.017) eine sinkende Tendenz auf. Gegenüber 2011 ging die Zahl der Auszubildenden 2012 um 30.681 (-2,1 %) zurück. 85,5 % der Auszubildenden stammten aus den westlichen (1.222.032) und 14,5 % (207.945) aus den östlichen Bundesländern Tabelle A4.2.1-1. Da die Bestände in den östlichen Bundesländern stärker zurückgehen (2012: -8,3 %), verschieben sich die regionalen Anteile zunehmend. 1996 wurde noch jeder vierte Auszubildende (25,7 %) in Ostdeutschland ausgebildet.
Erfassung von Auszubildenden
Bei der Zählung der Auszubildenden erfolgt im Rahmen der Berufsbildungsstatistik eine stichtagsbezogene Abgrenzung. Bei den Neuabschlüssen und Prüfungsdaten ist sie hingegen zeitraumbezogen. Zum Auszubildendenbestand zählen alle Personen, die jeweils zum 31. Dezember in einem Ausbildungsverhältnis mit einem Ausbildungsvertrag nach BBiG bzw. HwO stehen.46
Seit den 1990er-Jahren war die Zahl der Auszubildenden verstärkt angebotsinduziert, Aufschwünge oder Krisen im Wirtschafts- und Beschäftigungssystem bestimmten demzufolge die Entwicklung im dualen System (Troltsch/Walden 2007). In den letzten Jahren gewann der demografische Wandel zunehmend an Dynamik, sodass der Rückgang des Auszubildendenbestands neben der Wirtschafts- und Finanzkrise auch auf den starken demografischen Einbruch in der jugendlichen Wohnbevölkerung zurückzuführen ist. Dies gilt insbesondere für Ostdeutschland. Zur langfristigen Entwicklung der Auszubildendenzahlen in den alten Ländern seit 1977 siehe BIBB-Datenreport 2013. Zur Analyse der aktuellen Entwicklungen am Ausbildungsmarkt für das Berichtsjahr 2013 vgl. Kapitel A1 und Ulrich u. a. 2013.
Schaubild A4.2.1-1: Entwicklung der Zahl der Auszubildenden am 31. Dezember von 1992 bis 2012 nach Zuständigkeitsbereichen (Basis = 1992) (in %)
Schaubild A4.2.1-1 (PDF, 24 KB)
Tabelle A4.2.1-1: Auszubildende am 31. Dezember nach Zuständigkeitsbereichen1, Bundesgebiet sowie West- und Ostdeutschland 1992 bis 2012 (Teil 1)
Tabelle A4.2.1-1 (Teil 1) (PDF, 22 KB)
Tabelle A4.2.1-1: Auszubildende am 31. Dezember nach Zuständigkeitsbereichen1, Bundesgebiet sowie West- und Ostdeutschland 1992 bis 2012 (Teil 2)
Tabelle A4.2.1-1 (Teil 2) (PDF, 24 KB)
Maßgeblich für die Zuordnung der Auszubildenden zu den Zuständigkeitsbereichen ist in der Regel nicht der Ausbildungsbetrieb, sondern die zuständige Stelle für den Ausbildungsberuf (vgl. Erläuterung in Kapitel A1.2). So sind in der Berufsbildungsstatistik alle Auszubildenden, die z. B. im öffentlichen Dienst oder in den freien Berufen für Berufe der gewerblichen Wirtschaft ausgebildet werden, (je nach zuständiger Stelle) den Bereichen Industrie und Handel oder Handwerk zugeordnet.
Die Auszubildendenbestände in den einzelnen Zuständigkeitsbereichen haben sich im Zeitverlauf unterschiedlich entwickelt. In den letzten Jahren sind in allen Zuständigkeitsbereichen rückläufige Tendenzen zu beobachten Schaubild A4.2.1-1, Tabelle A4.2.1-1.
Der größte Zuständigkeitsbereich Industrie und Handel meldete zum 31. Dezember 2012 bundesweit 841.062 Auszubildende. Die Zahl ging im Vergleich zum Vorjahr insgesamt um 9.627 Personen (-1,1 %) zurück, wobei der Bestand im Westen um 1.500 Personen zunahm (+0,2 %) und im Osten um 11.124 (-8,1 %) sank. In den vergangenen 20 Jahren zeigt sich insgesamt eine positive Bestandsentwicklung. Nach einem Tiefstwert im Berichtsjahr 1995 mit 702.867 Auszubildenden infolge der Entwicklungen in den Metall- und Elektroberufen v. a. in Westdeutschland stieg die Zahl der Auszubildenden wieder an. Sie liegt seit der Jahrtausendwende auf dem gleichen Niveau wie 1992 oder höher. Ein Höchstwert wurde 2008 mit 934.221 Auszubildenden erreicht.
Im Handwerk ging der Auszubildendenbestand im Jahr 2012 bundesweit um 14.076 Personen (-3,4 %) auf 400.131 Personen zurück. Nach einem kurzfristigen Anstieg bis Mitte der 1990er-Jahre im Zuge des Aufbaus handwerklicher Wirtschaftsstrukturen in Ostdeutschland sinkt die Zahl der Auszubildenden seit 1998. Die rückläufige Entwicklung ist in den ostdeutschen und den westdeutschen Ländern zu beobachten. Gegenüber dem Vorjahr betrug der Rückgang 2012 in Ostdeutschland -9,1 % (-5.238), in Westdeutschland fiel er mit -2,5 % (-8.835) schwächer aus.
In den dualen Ausbildungsberufen des Zuständigkeitsbereichs des öffentlichen Dienstes bestanden am 31. Dezember 2012 35.967 Ausbildungsverhältnisse. Insgesamt ist der Auszubildendenbestand in den Ausbildungsberufen des öffentlichen Dienstes seit Anfang der 1990er-Jahre fast stetig zurückgegangen. 1992 umfasste der Bereich noch 71.355 Auszubildende; 2012 war es nur noch rund die Hälfte. Der Abwärtstrend nach 1994 ging v. a. auf Privatisierungen im Post- und Bahnbereich und den Wechsel der entsprechenden Ausbildungsberufe in den Zuständigkeitsbereich von Industrie und Handel zurück. Der stärkere Rückgang 2007 dürfte zum einen auf die Umstellungen in der Berufsbildungsstatistik zurückzuführen sein.47 Zum anderen wurde er durch ein verändertes Ausbildungsverhalten im öffentlichen Dienst hervorgerufen (vgl. BIBB-Datenreport 2009, Kapitel A5.2.1). Schließlich ist auch hier von demografischen Effekten auszugehen. Während die Bestandsentwicklung von 2007 bis 2011 insgesamt eher kleine Veränderungen aufwies, ist 2012 gegenüber 2011 mit -2.031 Personen (-5,3 %) ein deutlicher Rückgang zu verzeichnen.
Seit der Revision der Berufsbildungsstatistik wird das Betriebsmerkmal „Zugehörigkeit zum öffentlichen Dienst“ erfasst. Für das Jahr 2012 können zu den 35.967 gemeldeten Auszubildenden des öffentlichen Dienstes demzufolge mindestens 17.085 Auszubildende hinzugerechnet werden, die im öffentlichen Dienst in Berufen der anderen Zuständigkeitsbereiche ausgebildet wurden (zu 39,2 % gehörten sie dem Bereich Industrie und Handel, zu 28,3 % dem Handwerk und zu 20,5 % der Landwirtschaft an; den freien Berufen und der Hauswirtschaft entstammten 8,0 % bzw. 4,0 % der Auszubildenden). Allerdings gibt es Hinweise darauf, dass die „Zugehörigkeit der Ausbildungsstätte zum öffentlichen Dienst“ im Rahmen der Berufsbildungsstatistik insgesamt noch untererfasst ist. Ein Vergleich mit den Daten der Personalstandsstatistik der statistischen Ämter (vgl. Kapitel A4.2.2) deutet auf eine Untererfassung von ca. 15 % hin48.
Am 31. Dezember 2012 befanden sich in den freien Berufen 109.854 Personen in einer dualen Berufsausbildung. Die Zahl sank gegenüber dem Vorjahr um 2.007 Auszubildende (-1,8 %). Für Ostdeutschland fiel der Rückgang stärker aus (-3,9 %) als für Westdeutschland (-1,5 %). Bundesweit war in diesem Bereich mit 160.593 Auszubildenden im Jahr 1996 die höchste Zahl an Auszubildenden erreicht worden. Der anschließend einsetzende Rückgang kann mit kleineren Unterbrechungen bis heute nachverfolgt werden. 2012 befanden sich ca. 30 % weniger Auszubildende im Bereich der freien Berufe als Anfang der 1990er-Jahre.
In den Berufen der Landwirtschaft waren im Berichtsjahr 2012 34.764 Auszubildende gemeldet. Gegenüber 2011 waren dies 5,1 % (1.860 Verträge) weniger. In den ostdeutschen Ländern ging der Bestand stärker zurück (-11,3 %) als in den westdeutschen Ländern (-3,3 %). Längerfristig hatte der Bestand an Auszubildenden in diesem Zuständigkeitsbereich seit 1992 zugenommen. Er stieg von 32.604 (1992) zunächst auf 40.386 (1999) an und erreichte 2007 mit 42.894 einen Höchstwert. Ab 2008 gingen die Bestandszahlen jedoch kontinuierlich zurück und lagen 2012 fast auf dem Niveau von 1992.
Der Bereich Hauswirtschaft ist ein kleiner Zuständigkeitsbereich, dem vergleichsweise wenige Ausbildungsberufe zugeordnet werden. Dementsprechend fällt die Zahl der Auszubildenden mit 8.196 (2012) relativ gering aus. Nach einem Zuwachs Mitte der 1990er-Jahre ist der Bestand hier seit Ende der 1990er-Jahre rückläufig.49 2011 war die Zahl der Auszubildenden zum ersten Mal unter 10.000 abgesunken. Im Berichtsjahr 2012 befanden sich etwa ein Drittel weniger Auszubildende in diesem Zuständigkeitsbereich als 1992.
Unter den Zuständigkeitsbereich Seeschifffahrt fällt der Ausbildungsberuf Schiffsmechaniker/-in. Der Bereich ist entsprechend klein. Ab dem Jahre 2004 war er zuletzt deutlich angewachsen und erreichte 963 Auszubildende. Seit 2008 wird er nicht mehr für die Berufsbildungsstatistik gemeldet.50
Frauen in den dualen Ausbildungsberufen
Am 31. Dezember 2012 waren 557.121 Frauen unter den Auszubildenden im dualen System, dies entspricht einem Anteil von 39,0 % an allen Auszubildenden Tabelle A4.2.1-2. Der Wert schwankt seit 1992 zwischen 39 % und 41 %; in Westdeutschland waren 39,1 %, in Ostdeutschland 38,2 % der Auszubildenden weiblich. Gegenüber ihrem Anteil in der Wohnbevölkerung im entsprechenden Alter (48,7 %) waren Frauen im dualen System damit unterrepräsentiert (vgl. Kapitel A4.5). Häufiger sind sie in vollzeitschulischen Berufsausbildungsgängen zu finden (vgl. Kapitel A5). Auch innerhalb des dualen Systems zeigen sich deutliche geschlechtsspezifische Unterschiede. So variiert der Frauenanteil in den verschiedenen Zuständigkeitsbereichen deutlich. Am höchsten war er 2012 im Bereich der freien Berufe (94,0 %) und in der Hauswirtschaft (91,8 %). Auch in den Berufen des öffentlichen Dienstes lagen die Anteile seit 1998 bei mindestens 63 % (2012: 65,2 %). In den großen Zuständigkeitsbereichen Industrie und Handel sowie Handwerk waren die Anteile dagegen niedriger. In den Berufen von Industrie und Handel waren Frauen zu 38,6 % vertreten. Der Wert liegt seit Jahren zwischen 39 % und 43 %. Im Handwerk waren Frauen mit 22,7 % deutlich seltener unter den Auszubildenden zu finden. Ihr Anteil hat sich seit Anfang der 1990er-Jahre kaum verändert (1992: 22,1 %). Leichte Zuwächse ab 1995 resultierten aus starken Rückgängen bei den männlich dominierten Berufen im Bau- und Ausbaugewerbe. Gering und weiter abnehmend war der Frauenanteil 2012 mit 21,9 % auch in der Landwirtschaft.
Insgesamt gibt es bei den Ausbildungsberufen im dualen System eine deutliche Geschlechtersegregation. Die berufsstrukturellen Unterschiede zwischen Männern und Frauen sind seit Mitte der 1980er-Jahre nahezu unverändert (vgl. Uhly 2007). Ein Großteil der Ausbildungsberufe ist entweder überwiegend mit Frauen oder überwiegend mit Männern besetzt; entsprechend variieren die Frauenanteile deutlich (vgl. Kapitel A4.4). Unterteilt man die dualen Ausbildungsberufe auf Basis des jeweiligen Frauenanteils am Auszubildendenbestand im Jahr 1977 bzw. des ersten Jahres des Auftretens des Berufs (oder seines Vorgängerberufes), zeigt sich, dass die Mehrheit der Frauen eine Ausbildung in einem überwiegend weiblich besetzten oder weiblich dominierten Beruf absolviert, d. h. in einem Beruf mit mindestens 60 % bzw. 80 % Frauenanteil Tabelle A4.2.1-3.
2012 waren in Westdeutschland 37,2 % aller weiblichen Auszubildenden des dualen Systems in weiblich dominierten Berufen. Gegenüber 1980 (44,7 %) ist der Anteil um 7,5 Prozentpunkte gesunken. Weitere 18,4 % der Frauen befanden sich 2012 in einer Ausbildung in einem überwiegend weiblich besetzten Beruf, d. h. mit einem Frauenanteil von 60–80 %. Im Vergleich zu 1980 (23,4 %) ist der Wert ebenfalls abgesunken. In den männlich dominierten und überwiegend männlich besetzten Ausbildungsberufen (Frauenanteil 0–20 % bzw. 20–40 %) befanden sich mit 10,3 % und 9,4 % anteilig zwar fast doppelt so viele Frauen wie noch 1980. Insgesamt erscheinen die Anteile jedoch weiterhin gering. Die gemischt besetzten Berufe umfassten rund ein Viertel der weiblichen Auszubildenden im dualen System (24,7 %). Ihr Anteil stieg gegenüber 1980 (21,0 %) um 17,6 %.
In Ostdeutschland stellt sich die Situation etwas anders dar. Die Zuordnung des Berufs erfolgt auch hier auf Basis der Daten von 1977 in den alten Ländern oder des ersten Jahres des Erscheinens eines neuen Berufs. Es wird nicht analysiert, ob in Ostdeutschland eine geschlechtsspezifische Segregation vorliegt und wie stark diese ausfällt, sondern ob sie der in Westdeutschland vorliegenden (bzw. damals vorliegenden) entspricht. So befand sich in Ostdeutschland 2012 mit 17,2 % fast jede fünfte Frau in einem männlich dominierten Beruf. Dieser vergleichsweise höhere Wert war bereits 1995 zu beobachten. Der Anteil der Frauen, die in einem überwiegend männlich besetzten Beruf ausgebildet werden, ist allerdings mit 7,0 % niedriger als in Westdeutschland. Das Gewicht der gemischt besetzten Berufe scheint tendenziell abzunehmen, sie wurden 2012 von 22,1 % der ostdeutschen Auszubildenden besetzt (1995: 24,7 %). Der Anteil der Frauen, die in Ostdeutschland in einem überwiegend weiblich besetzten Beruf ausgebildet wurden, lag 2012 mit 20,1 % etwas höher als in Westdeutschland (18,4 %). Mit 33,6 % waren es etwas weniger Frauen, die in Ostdeutschland in einem weiblich dominierten Beruf ausgebildet wurden (Westen: 37,2 %).
Tabelle A4.2.1-2: Frauenanteil an allen Auszubildenden nach Zuständigkeitsbereichen1, Bundesgebiet 1992 bis 2012 (in %)
Tabelle A4.2.1-2 (PDF, 23 KB)
Tabelle A4.2.1-3: Weibliche Auszubildende (Bestände) in männlich und weiblich besetzten Ausbildungsberufen, Westdeutschland 1980, 1995 und 2012, Ostdeutschland 1995 und 2012
Tabelle A4.2.1-3 (PDF, 23 KB)
Personen ohne deutsche Staatsangehörigkeit in den dualen Ausbildungsberufen
In der Berufsbildungsstatistik wird die Staatsangehörigkeit51 der Auszubildenden erfasst, ein möglicher Migrationshintergrund kann jedoch nicht ausgewiesen werden (zu differenzierteren Analysen zur Ausbildungssituation der ausländischen Jugendlichen bzw. der Jugendlichen mit Migrationshintergrund siehe Kapitel A4.9). Der Anteil der Personen ohne deutsche Staatsangehörigkeit unter den Auszubildenden ist seit Anfang der 1990er-Jahre stark zurückgegangen Tabelle A4.2.1-4. Um das Ausmaß der Integration in die duale Berufsausbildung abzuschätzen, muss allerdings ein Bezug zum Ausländeranteil in der Wohnbevölkerung hergestellt werden. Der Ausländeranteil unter den Auszubildenden ist hierzu nicht der geeignete Indikator. So sank der Ausländeranteil unter den Auszubildenden des dualen Systems seit Mitte der 1990er-Jahre z. T. auch durch verstärkte Einbürgerungen. In der Wohnbevölkerung ging der Ausländeranteil ebenfalls zurück. Ob die Entwicklung im dualen System jener der Wohnbevölkerung entspricht oder auf andere Faktoren zurückzuführen ist, lässt sich anhand von Quoten zur Ausbildungsbeteiligung betrachten (vgl. Kapitel A4.5).
Der Ausländeranteil eignet sich jedoch für einen Vergleich der Zuständigkeitsbereiche oder für Analysen berufsspezifischer Besonderheiten.
Nachdem der Anteil der Auszubildenden ohne deutsche Staatsangehörigkeit seit Mitte der 1990er-Jahre kontinuierlich zurückgegangen war (1992: 7,2 %, 2006: 4,2 %), stieg die Zahl der ausländischen Personen im dualen System seit 2007 wieder an. 2012 wurden 78.726 Personen ohne deutsche Staatsangehörigkeit gezählt; der Ausländeranteil unter den Auszubildenden im dualen System betrug damit 5,5 % (Vorjahr: 5,3 %). Die Zunahme ist in allen Zuständigkeitsbereichen zu beobachten. Am häufigsten waren ausländische Personen mit 10,0 % im Bereich der freien Berufe vertreten. Hier lag ihr Anteil schon immer höher und schwankte seit Anfang der 1990er-Jahre nur geringfügig zwischen 7 % und 9 %. Der aktuelle Wert stellt einen Höchstwert dar. Einzelne Berufe dieses Zuständigkeitsbereichs wie Pharmazeutisch-kaufmännische/-r Angestellte/-r (19,3 %) oder Zahnmedizinische/-r Fachangestellte/-r (15,1 %) waren sogar überproportional mit ausländischen Auszubildenden besetzt. In beiden Berufen waren fast ausschließlich weibliche Auszubildende (95,9 % bzw. 99,3 %) zu finden.
Auch in den großen Zuständigkeitsbereichen Handwerk und Industrie und Handel setzte sich 2012 der seit 2007 feststellbare Anstieg des Ausländeranteils fort. Im Handwerk besaßen 6,3 % der Auszubildenden keine deutsche Staatsangehörigkeit (2011: 6,1 %), in Industrie und Handel machten diese Jugendlichen 4,9 % der Auszubildenden aus (2011: 4,7 %).
In der Hauswirtschaft war der Anteil der ausländischen Auszubildenden in den 1990er-Jahren zunächst auf 4,7 % (1998) angestiegen. Die Entwicklung stockte jedoch um das Jahr 2000 und war zeitweise auch rückläufig. Seit 2007 zeigt sich wieder ein Aufwärtstrend. Mit einem Ausländeranteil von 5,8 % unter den Auszubildenden (2011: 5,3 %) setzte sich dieser Trend 2012 fort.
Mit Abstand am niedrigsten war 2012 der Anteil der Personen mit ausländischer Staatsangehörigkeit in den Berufen des öffentlichen Dienstes (1,9 %) und der Landwirtschaft (0,9 %). Er hat sich im Vorjahresvergleich nur geringfügig erhöht. Mitte der 1990er-Jahre gab es in diesen beiden Bereichen noch leicht höhere Ausländeranteile (1995: 3,1 % bzw. 1,8 %).
Generell sind Ausbildungsberufe im dualen System52, die zu 10 % oder mehr von Auszubildenden mit ausländischer Staatsangehörigkeit besetzt sind, nur in geringem Maße zu finden. Hierzu gehörten von den Berufen mit mindestens 100 Auszubildenden 2012 (sortiert nach der Anzahl der Auszubildenden insgesamt)53: Verkäufer/-in (11,1 %), Zahnmedizinische/-r Fachangestellte/-r (15,1 %), Friseur/-in (16,2 %), Maschinen- und Anlagenführer/-in (11,7 %), Fahrzeuglackierer/-in (10,8 %), Fachmann/Fachfrau für Systemgastronomie (11,1 %), Fachkraft im Gastgewerbe (13,4 %), Pharmazeutisch-kaufmännische/-r Angestellte/-r (19,3 %), Kraftfahrzeugservicemechaniker/-in (10,3 %), Fertigungsmechaniker/-in (10,3 %), Fliesen-, Platten- und Mosaikleger/-in (10,4 %), Teilezurichter/-in (12,0 %), Verfahrensmechaniker/-in in der Hütten- und Halbzeugindustrie (10,4 %), Stuckateur/-in (14,9 %), Industrieelektriker/-in (11,2 %), Servicekraft für Schutz und Sicherheit (15,4 %), Tankwart/-in (11,4 %), Industrie-Isolierer/-in (15,5 %), Änderungsschneider/-in (19,1 %), Servicefahrer/-in (10,4 %) und Estrichleger/-in (14,0 %).
(Naomi Gericke, Nicole Lissek)
Tabelle A4.2.1-4: Ausländeranteil an allen Auszubildenden nach Zuständigkeitsbereichen1, Bundesgebiet 1992 bis 2012 (in %)
Tabelle A4.2.1-4 (PDF, 24 KB)
Daten über Auszubildende wurden seit 1950 von den zuständigen Stellen erfasst. Die Berufsbildungsstatistik wurde mit dem Ausbildungsplatzförderungsgesetz vom 7. September 1976 als Bundesstatistik eingeführt. Die Auszubildendenzahl wurde differenziert nach Geschlecht ab 1977 erfasst; ausländische Auszubildende wurden erst ab 1982 gesondert erfasst. Die Rechtsgrundlage der Bundesstatistik hat sich mehrfach geändert. Zur Entwicklung der Berufsbildungsstatistik seit 1950 siehe Werner 2000 und Uhly 2006a.
Siehe www.bibb.de/dokumente/pdf/z3_berufsbildungsreformgesetz.pdf.
Zu den Prüfungen werden alle Prüfungen des Kalenderjahres gezählt (Zeitraumbezug) und zu den Neuabschlüssen alle im Kalenderjahr abgeschlossenen Ausbildungsverträge, die bis zum 31. Dezember nicht wieder gelöst wurden (Kombination Zeitraum und Stichtag); wenn Personen mit einem im Kalenderjahr neu abgeschlossenen Ausbildungsvertrag vor dem 31. Dezember erfolgreich eine Abschlussprüfung abgelegt haben, zählen sie nicht mehr zu den Auszubildenden gemäß der Berufsbildungsstatistik.
Nach Auskunft des Statistischen Bundesamtes führte die Umstellung der Datenlieferung im Jahr 2007 insbesondere im Zuständigkeitsbereich des öffentlichen Dienstes zu Einschränkungen in der zeitlichen Vergleichbarkeit der Ergebnisse. Allerdings zeigt sich auch in der BIBB-Erhebung über neu abgeschlossene Ausbildungsverträge im Jahr 2007 ein starker Rückgang in den Berufen des öffentlichen Dienstes (siehe http://www.bibb.de/de/7225.php). Insofern ist unklar, in welchem Ausmaß der Rückgang in den Ausbildungsberufen des öffentlichen Dienstes in der Berufsbildungsstatistik durch die Umstellung der Datenlieferung und in welchem Maße durch reale Entwicklungen bedingt ist.
Für diesen Vergleich wurde die Auszubildenden-Bestandszahl zum Stichtag 30. Juni auf Basis der Einzeldatensätze der Berufsbildungsstatistik berechnet. Diese wurde mit der Auszubildendenzahl aus der Personalstandsstatistik (allerdings ohne „Arbeitnehmer im Pflegedienst“ und zumindest ohne einen Teil der „Auszubildenden an Unikliniken und Krankenhäuser“) verglichen.
Der deutliche Rückgang der Auszubildenden im Zuständigkeitsbereich der Hauswirtschaft in Westdeutschland im Jahr 2005 (-11 %) ist teilweise durch veränderte Zuständigkeiten bedingt, denn für das Land Hessen werden Hauswirtschafter/-innen seit 2005 nicht mehr unter dem Bereich Hauswirtschaft, sondern unter dem Bereich Industrie und Handel gemeldet.
Als ausländische Auszubildende werden alle Auszubildenden ohne deutschen Pass gezählt. Jugendliche, die sowohl über eine deutsche als auch eine nicht deutsche Staatsangehörigkeit verfügen, werden nicht als ausländische Auszubildende erfasst.
Staatlich anerkannte Ausbildungsberufe oder Ausbildungsberufe in Erprobung (ohne Berufe für Menschen mit Behinderung).
Ausbildungsberufe, Fachrichtungen, Zuständigkeitsbereiche und Vorgängerberufe ggf. zusammengefasst.
A4.2.2 Ausbildung im öffentlichen Dienst