Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Gericht=BGH&Datum=22.03.2011&Aktenzeichen=II%20ZR%20249%2F09
Timestamp: 2019-03-24 16:27:52
Document Index: 274519624

Matched Legal Cases: ['BGH', '§ 325', '§ 705', '§ 128', '§ 325', '§ 736', '§ 705', '§ 128', '§ 129', 'BGH', '§ 325', 'BGH', 'BGH', '§ 129', 'BGH', '§ 736', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 736', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH']

BGH, 22.03.2011 - II ZR 249/09 - dejure.org
ZPO §§ 325, 736; BGB § 705; HGB §§ 128, 129 Abs. 1
§ 325 ZPO, § 736 ZPO, § 705 BGB, § 128 HGB, § 129 Abs 1 HGB
Urteil im Prozess gegen die Gesellschafter einer BGB-Gesellschaft: Rechtskrafterstreckung auf die Gesellschaft
Ein Urteil gegen alle Gesellschafter einer Gesellschaft bürgerlichen Rechts in einem Rechtsstreit um ihre persönliche Haftung entfaltet in einem Rechtsstreit gegen die Gesellschaft keine Rechtskraft
Keine Erstreckung der Rechtskraft eines Urteils gegen die Gesellschafter auf die GbR
Rechtskraft; Inanspruchnahme der Gesellschafter einer GbR; Klage gegen Gesellschaft; Grundstückskauf
Keine Rechtskraftwirkung eines gegen die Gesellschafter einer Gesellschaft bürgerlichen Rechts ergangenen Urteils im nachfolgenden Prozess gegen die Gesellschaft
Rechtskraft eines Urteils gegen die Gesellschafter erstreckt sich nicht auf die Gesellschaft
Rechtswirkung eines Urteils gegen GbR für Gesellschafter?
Die Haftung der GbR, die Gesellschafterhaftung und die Rechtskraftwirkungen
Rechtskraft eines im Prozess gegen die Gesellschafter ergangenen Urteils erstreckt sich nicht auf die Gesellschaft
Rechtskraft eines in einem Rechtsstreit gegen die Gesellschafter einer GbR ergangenen Urteils wirkt nicht in einem weiteren Prozess gegen die Gesellschaft
Auf die Reihenfolge kommt es an: Klage gegen GbR nach rechtskräftig verlorenem Prozess gegen Gesellschafter
Rechtskrafterstreckung eines Urteils gegen die Gesellschafter auf die BGB-Gesellschaft?
Erstreckt sich die Rechtskraft eines Urteils gegen die Gesellschafter auch auf die GbR? (IBR 2012, 117)
Kurznachricht zu "Klagen gegen den Akzessorietätsverlauf - Prozesstaktiken und Prozessrisiken bei einer GbR" von RA Dr. Roland Stangl, original erschienen in: NZG 2016, 568 - 572.
LG Bochum, 05.02.2009 - 2 O 692/08
NJW 2011, 2048
ZIP 2011, 1143
MDR 2011, 797
WM 2011, 1036
DB 2011, 1440
NZG 2011, 662
Dahingestellt bleiben kann insoweit, ob der Sache nach eine Rechtskrafterstreckung auf die Gesellschafter oder ein Einwendungsausschluss vorliegt (vgl. BGH, Urteil vom 22. März 2011 - II ZR 249/09, NJW 2011, 248 Rn. 9).
Diesem Rechtsstreit ist aber, was das Berufungsgericht möglicherweise verkennt, schon deshalb keine allgemeinverbindliche Klärung dieser Frage vorbehalten, weil ein Urteil gemäß § 325 ZPO grundsätzlich nur zwischen den jeweiligen Prozessparteien Rechtskraftwirkung entfaltet (vgl. nur BGH, Urteil vom 22. März 2011 - II ZR 249/09, ZIP 2011, 1143 Rn. 7).
Ebenso frei von Rechtsfehlern ist die Auffassung des Berufungsgerichts, dass das von der Klägerin gegen die Alt-GbR erwirkte, rechtskräftige Urteil des Landgerichts Berlin, das deren Zahlungspflicht für die Darlehensverbindlichkeiten ausspricht, dem Beklagten als ihrem Gesellschafter diejenigen Einwendungen gegen das Bestehen der Darlehensverbindlichkeit nimmt, die schon der Alt-GbR abgesprochen wurden (BGH, Urteil vom 22. März 2011 - II ZR 249/09, ZIP 2011, 1143 Rn. 9;… Urteil vom 3. April 2006 - II ZR 40/05, ZIP 2006, 994 Rn. 15).
Im Zahlungsprozess gegen die Alt-GbR konnte nur über die der Gesellschaft zustehenden Einwendungen analog § 129 Abs. 1 HGB mit Wirkung für ihre Gesellschafter entschieden werden (vgl. BGH, Urteil vom 22. März 2011 - II ZR 249/09, ZIP 2011, 1143 Rn. 9).
Zur Zwangsvollstreckung in Gegenstände des Gesellschaftsvermögens ist vielmehr ein Vollstreckungstitel gegen die GbR oder gegen alle Gesellschafter (§ 736 BGB) erforderlich (vgl. BGH, Urteil vom 29. Januar 2001 - II ZR 331/00, BGHZ 146, 341, 356, Beschluss vom 16. Juli 2004 - IXa ZB 288/03, ZIP 2004, 1775, 1777 und Urteil vom 22. März 2011 - II ZR 249/09, ZIP 2011, 1143 Rn. 11;… Stöber, Forderungspfändung, 16. Aufl., Rn. 1555), den der Gläubiger eines einzelnen Gesellschafters aber nicht erlangen kann.
Auch mit einem Titel gegen alle einzelnen Gesellschafter, der im Hinblick auf ihre persönliche Mithaftung ergangen ist, kann in das Gesellschaftsvermögen vollstreckt werden (BGH, Beschluss vom 16. Juli 2004 - IXa ZB 288/03, WM 2004, 1827, 1829 f;… vom 2. Dezember 2010 - V ZB 84/10, BGHZ 187, 344 Rn. 6; Urteil vom 22. März 2011 - II ZR 249/09, WM 2011, 1036 Rn. 11).
Ebenso frei von Rechtsfehlern ist die Auffassung des Berufungsgerichts, dass das von der Klägerin gegen die Alt-GbR erwirkte, rechtskräftige Urteil des Landgerichts Berlin, das deren Zahlungspflicht für die Darlehensverbindlichkeiten ausspricht, dem Beklagten als ihrem Gesellschafter diejenigen Einwendungen gegen das Bestehen der Darlehensverbindlichkeit nimmt, die schon der Alt- GbR abgesprochen wurden (BGH, Urteil vom 22. März 2011 - II ZR 249/09, ZIP 2011, 1143 Rn. 9;… Urteil vom 3. April 2006 - II ZR 40/05, ZIP 2006, 994 Rn. 15).
Vielmehr muss sich die Gesellschaftsbezogenheit der Verbindlichkeit gerade aus dem Titel ergeben (…Schöner/Stöber, Grundbuchrecht, 15. Auflage 2012, Rn. 4284;… BeckOK ZPO/Ulrici, Stand 15.07.2012, § 736 Rn. 12.2; vgl. auch BGH, NJW 2011, 2048 [2049]: "Titel ...., der im Hinblick auf ihre persönlichen Mithaftung ergangen ist" und "titulierte Verpflichtung einer Verbindlichkeit der Gesellschaft, für die die in Anspruch genommenen Gesellschafter haften").
Richtet sich - wie hier - der Antrag im selbständigen Beweisverfahren ausschließlich gegen die Gesellschafter einer Gesellschaft bürgerlichen Rechts, sind nur diese und nicht auch die Gesellschaft am Verfahren beteiligt (vgl. BGH NJW 2011, 2048).
Das von der Klägerin zitierte Urteil des BGH vom 22.3.2011 (II ZR 249/09, NJW 2011, 2048) unterscheidet sich vom hier zu entscheidenden Fall dadurch, dass dort rechtlich verschiedene Ansprüche im Streit waren, nämlich solche gegen die Mitglieder einer BGB-Gesellschaft persönlich einerseits und gegen diese Gesellschaft als eigene Rechtspersönlichkeit andererseits, bezüglich welcher der BGH eine Rechtskrafterstattung abgelehnt hat.
LG Bonn, 03.06.2016 - 1 O 420/15
Einwendungsausschuss, Gesellschafterhaftung, Rechtskraft