Source: http://www.law-blog.de/176/data-mining-auf-ebay-abmahnung-gegen-analysten/
Timestamp: 2019-10-16 22:25:43
Document Index: 167938843

Matched Legal Cases: ['§ 87', '§ 87', '§ 87', '§ 87', '§ 87', '§ 87']

Data Mining auf Ebay: Abmahnung gegen Analysten | Law-Blog
Data Mining auf Ebay: Abmahnung gegen Analysten
Veröffentlicht am 22. September 2005 von Arne Trautmann | Urheberrecht | 3 Kommentare
Das iBusiness berichtet über einen spannenden Fall, in dem Ebay eine Abmahnung gegen die „Ebay-Analysten“ Bettercom und Bewertungspruefer.de ausgesprochen hat. Die Analyse ist dabei vor allem die statistische Auswertung von Bewertungsprofilen auf Ebay, eine Art von Data Mining. Die Analysten durchforsten Ebay, werten die dort gefundenen Daten aus und verarbeiten sie zu handlichen Reports.
Das will Ebay unterbinden und stützt sich hierbei offensichtlich auf die §§ 87a ff. UrhG, die Vorschriften zum Schutz von Datenbanken. Das ist im Ergebnis u.E. richtig – Ebay wird einen Rechtsstreit wohl gewinnen – wirft im Detail aber spannende und gar nicht triviale Fragen auf.
Zunächst stellen die auf Ebay abzurufenden Daten ganz zweifellos eine Datenbank dar, denn sie sind „eine Sammlung von Werken, Daten oder anderen unabhängigen Elementen, die systematisch oder methodisch angeordnet und einzeln mit Hilfe elektronischer Mittel oder auf sonstige Weise zugänglich sind“. Die Anforderungen dazu sind hier schon einmal detailliert auf dem Law-Blog besprochen worden.
Die Rechte aus §§ 87a ff. stehen aber allein dem Datenbankhersteller zu. Das ist nach § 87a II UrhG derjenige, der die Investitionen in die Datenbank vorgenommen hat. Allerdings stammen die Daten, die bei Ebay eingestellt werden, insbesondere auch die Bewertungen, nicht von Ebay selbst, sondern von dessen Nutzern. Sind als die Nutzer „Hersteller“ im Sinne des Urheberrechts?
Nun, Ebay stellt zumindest die Infrastruktur bereit – nämlich die Ebay-Seite – auf der die Nutzer Daten eingeben können. Und eine „wesentliche Investition“ ist auch dann geschützt, wenn sie gerade die „Darstellung“ der Daten betrifft, § 87 I UrhG, also die Aufbereitung der Daten und die Darstellung ihres Inhalts. Das ist aber schlicht der Zweck der gesamten (teuren) Technik, die hinter Ebay steht. Kein Punkt also für die Analysten.
Ein weiteres Problem aus Sicht von Ebay ist sicher, dass nach § 87 b I UrhG der Datenbankhersteller zunächst nur das ausschließliche Recht hat, die Datenbank insgesamt oder in wesentlichen Teilen zu vervielfältigen, zu verbreiten und öffentlich wiederzugeben. Ob der Analyst das wirklich tut oder nur Zusammenfassungen bzw. Reports aus den gesammelten Daten fertigt, kann von hier aus nicht beurteilt werden.
Es kommt aber wohl nicht einmal darauf an.
Auch sofern nur unwesentliche Teile einer Datenbank von einer Vervielfältigung, Verbreitung und öffentlichen Widergabe betroffen sind, ist diese unzulässig, wenn solche Handlungen wiederholt und systematisch vorgenommen werden und der normalen Auswertung der Datenbank zuwiderlaufen oder die Interessen des Datenbankherstellers unzumutbar beeinträchtigen, § 87 b I 2 UrhG. So wird Ebay wohl argumentieren müssen: die statistische Analyse von Bewertungsprofilen ist nicht die Art, wie man die betreffende Datenbank üblicherweise auswertet.
Und das stimmt wohl auch.
Damit ist natürlich nichts darüber gesagt, ob es nett, im moralischen Sinn rechtens oder auch einfach nur weise von Ebay ist, diese Abmahnungen auszusprechen. Erfolg werden sie u.E. jedenfalls haben.
3 Gedanken zu "Data Mining auf Ebay: Abmahnung gegen Analysten"
iblog - das Blog zu interaktivem Business sagte am 22. September 2005 um 14:53 Uhr
Ebays Kampf gegen Open-Source
Welcher Powerseller wächst am schnellsten? Welcher hat den sonderbarsten Umgang mit Bewertungen? Solche Fragen konnten sich interessierte Ebay-Nutzer bislang von engagierten Beratern und Open-Source-Programmierern beantworten lassen, die mit viel Enga…
Stefan Weiß sagte am 19. Dezember 2005 um 14:57 Uhr
Na gut, dann verändern wir den Fall: Sagen wir, Google startet eine Networkingplattform (ich nenne sie G-Link), wie z.B. LinkedIn, OpenBC, Friendster. Weil jeder ja schon irgendwo sein Profil liegen hat, würde Google eine nette Importfunktion für das Profil von schon bestehenden Daten bereitstellen – inkl. des regelmäßigen Abcheckens von Mails oder Link-Anfragen auf den alten Plattformen.
Wäre ein solches Eingreifen des einen Systems (Google G-Link) in das andere (z.B. LinkedIn) nun auch ein Rechtsverstoß oder nur ein möglicher Verstoß gegen die Benutzungsbedingungen? Im Interesse der Kunden wäre es allemal. Sie müssten nicht mehr diverse verstreute Konten pflegen.
Wenn man es recht bedenkt, dann machen Dienste wie web.de schon heute nichts anderes, wenn die E-Mails aus diversen Postfächern (anderer Anbieter) per POP3 absaugen und im web.de Postfach zusammentragen.
EU-Capital sagte am 2. Februar 2007 um 11:07 Uhr
Tja, dann wollen wir mal…