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Timestamp: 2016-10-28 06:26:00
Document Index: 265579521

Matched Legal Cases: ['Art. 12', 'Art. 17', 'Art. 83', 'Art. 86', 'Art. 82', 'Art. 89', 'Art. 106', 'Art. 42', 'BGE', 'Art. 106', 'BGE', 'Art. 30', 'Art. 30', 'BGE', 'Art. 30', 'Art. 30', 'BGE', 'Art. 30', 'Art. 12', 'Art. 7', 'Art. 12', 'Art. 12', 'Art. 12', 'Art. 12', 'Art. 12', 'Art. 12', 'Art. 12', 'Art. 193', 'Art. 12']

2C_8/2010 (04.10.2010)
2C_8/2010
Disziplinaraufsicht �ber die Rechtsanw�lte; Verletzung von Berufspflichten,
Im Strafverfahren gegen den Untersuchungsgefangenen A.________ wurde Rechtsanwalt X.________ als amtlicher Verteidiger eingesetzt. A.________ wurde u.a. vorgeworfen, am 2. Mai 2006 die damals minderj�hrige B._________ vergewaltigt zu haben. Im Sp�tsommer bzw. Herbst 2006 habe A._________ zudem versucht, B.________ umzubringen, indem er sie mit seinem Auto �berfahren wollte; das M�dchen habe sich nur mittels eines Sprungs zur Seite retten k�nnen.
Im Zusammenhang mit dem A.________ zur Last gelegten T�tungsversuch beantragte Rechtsanwalt X.________ mit Eingaben vom 21. Juni und vom 29. Juni 2007 die untersuchungsrichterliche Einvernahme von C.________: Letzterer sei gem�ss den Angaben von A.________ �fters mit dessen Fahrzeug unterwegs gewesen. Zudem habe C.________ gegen�ber A.________ im Sp�tsommer bzw. Herbst 2006 erkl�rt, bei einer dieser Fahrten B.________ begegnet zu sein. Mit Schreiben vom 11. Juli 2007 teilte das zust�ndige Untersuchungsamt Rechtsanwalt X.________ mit, dass auf die beantragte Zeugeneinvernahme einstweilen verzichtet werde.
Daraufhin meldete sich Rechtsanwalt X.________ am 28. August 2007 ein erstes Mal direkt bei C.________ und ersuchte diesen um eine Unterredung in Sachen A.________. Am 4. September 2007 kontaktierte er C.________ erneut, worauf es am folgenden Tag, dem 5. September 2007, in seiner Kanzlei zu einem Treffen kam. �ber den genauen Inhalt des bei dieser Gelegenheit gef�hrten Gespr�chs gehen die Darstellungen von Rechtsanwalt X.________ und C.________ auseinander. Unbestritten ist jedoch, dass Rechtsanwalt X.________ sich bei C.________ erkundigt hat, ob dieser zur fraglichen Zeit den Wagen von A.________ benutzt habe und dabei B.________ begegnet sei.
Mit Verf�gung vom 12. Juni 2008 wurde Rechtsanwalt X.________ von der Anwaltskammer des Kantons St. Gallen wegen Verletzung der Berufspflichten mit einer Busse von Fr. 6'000.-- diszipliniert. Die Anwaltskammer warf X.________ vor, er habe C.________ in unzul�ssiger Weise privat befragt und auf diese Weise eine Beeinflussung des Zeugen zumindest in Kauf genommen.
Gegen diesen Entscheid beschwerte sich X.________ beim Kantonsgericht St. Gallen. Dieses wies die Beschwerde mit Entscheid vom 16. November 2009 ab.
Mit Eingabe vom 4. Januar 2010 f�hrt X.________ "Bundesgerichtsbeschwerde" (recte: Beschwerde in �ffentlich-rechtlichen Angelegenheiten): Er beantragt die Aufhebung des vorinstanzlichen Entscheids sowie die R�ckweisung der Angelegenheit an das Kantonsgericht St. Gallen.
Das Kantonsgericht St. Gallen l�sst sich zur Beschwerde vernehmen, ohne in der Sache selbst einen Antrag zu stellen. Die Anwaltskammer des Kantons St. Gallen sowie das Bundesamt f�r Justiz verzichten auf eine einl�ssliche Vernehmlassung.
1.1 Die Disziplinierung des Beschwerdef�hrers durch die Vorinstanzen st�tzt sich auf das Bundesgesetz vom 23. Juni 2000 �ber die Freiz�gigkeit der Anw�ltinnen und Anw�lte (Anwaltsgesetz, BGFA; SR 935.61). Dieses regelt neben den Berufspflichten (Art. 12 BGFA) insbesondere auch das Disziplinarrecht abschliessend (Art. 17 ff. BGFA) und bildet Teil des Bundesverwaltungsrechts. Da keiner der Ausschlussgr�nde von Art. 83 BGG Anwendung findet, unterliegt der angefochtene, kantonal letztinstanzliche Endentscheid (vgl. Art. 86 Abs. 1 lit. d BGG) der Beschwerde in �ffentlich-rechtlichen Angelegenheiten (Art. 82 lit. a BGG). Als Adressat des angefochtenen Entscheids ist der Beschwerdef�hrer ohne weiteres zur Ergreifung dieses Rechtsmittels legitimiert (Art. 89 Abs. 1 lit. a BGG). Auf die fristgerecht erhobene Beschwerde kann daher grunds�tzlich eingetreten werden (unter Vorbehalt von E. 1.2 und E. 1.3 hiernach).
1.2 Das Bundesgericht wendet das Recht von Amtes wegen an (Art. 106 Abs. 1 BGG), doch pr�ft es, unter Ber�cksichtigung der allgemeinen R�ge- und Begr�ndungspflicht (Art. 42 Abs. 1 und Abs. 2 BGG), nur die geltend gemachten Vorbringen, falls allf�llige weitere rechtliche M�ngel nicht geradezu offensichtlich sind (BGE 133 II 249 E. 1.4.1 S. 254).
1.3 Der Grundsatz der Rechtsanwendung von Amtes wegen gilt ferner nicht, soweit eine Verletzung von Grundrechten und von kantonalem Recht geltend gemacht wird (vgl. Art. 106 Abs. 2 BGG). Diesfalls muss der Beschwerdef�hrer in seiner Eingabe pr�zise und in Auseinandersetzung mit den Ausf�hrungen der Vorinstanz im Einzelnen darlegen, inwiefern der angefochtene Entscheid widerrechtlich sein soll ("qualifizierte R�gepflicht"; vgl. BGE 133 II 249 E. 1.4.2 S. 254).
2.1 Der Beschwerdef�hrer r�gt vorab eine Verletzung der Garantie des verfassungsm�ssigen Richters (Art. 30 Abs. 1 BV): Die Vorinstanz habe entgegen der im Kanton St. Gallen ge�bten Praxis ihren Entscheid gef�llt, ohne ihm zuvor die Besetzung des Spruchk�rpers bekannt gegeben zu haben. Dies habe es ihm verunm�glicht, Ausstands- bzw. Ablehnungsgr�nde fr�hzeitig geltend zu machen. Unabh�ngig davon, ob der angefochtene Entscheid materiell richtig sei oder nicht, m�sse das vorinstanzliche Urteil deswegen aufgehoben werden. In diesem Zusammenhang macht der Beschwerdef�hrer sodann geltend, dass bez�glich der am vorinstanzlichen Entscheid mitwirkenden Kantonsrichterin D.________ ein Ausstands- bzw. Ablehnungsgrund vorliege: Diese habe in ihrer fr�heren Funktion als Richterin am Kreisgericht Rheintal am Strafurteil gegen A.________ vom 23./26. April 2008 mitgewirkt. Der vorliegend angefochtene Disziplinarentscheid des Kantonsgerichts beziehe sich auf Handlungen, welche er, der Beschwerdef�hrer, in eben jenem Verfahren als Verteidiger von A.________ vorgenommen habe. Durch ihre Teilnahme an besagter Gerichtsverhandlung habe D.________ auch Kenntnisse von jenen Teilen der Strafakten in Sachen A.________ erworben, welche nicht Eingang in die Akten des vorliegenden Aufsichtsverfahrens gefunden h�tten.
2.2 Soweit der Beschwerdef�hrer die fehlende Bekanntgabe der personellen Zusammensetzung des Gerichts r�gt, kann seinen Ausf�hrungen nicht gefolgt werden. Zwar trifft zu, dass die Garantie des verfassungsm�ssigen Richters gem. Art. 30 Abs. 1 BV auch den Anspruch auf Bekanntgabe des Spruchk�rpers umfasst. Dies bedeutet jedoch nicht, dass die Namen der beteiligten Richter dem Betroffenen stets im Voraus pers�nlich mitgeteilt werden m�ssen. Vielmehr gilt der Anspruch als gewahrt, wenn die Namen der Mitwirkenden einer amtlichen Publikation wie etwa einem Staatskalender entnommen werden k�nnen (BGE 117 Ia 322 E. 1c S. 323 mit Hinweisen; GEROLD STEINMANN in: Ehrenzeller/Mastronardi/Schweizer/Vallender, Die schweizerische Bundesverfassung - Kommentar, 2. Aufl. 2008, Rz. 15 zu Art. 30 BV). Wie der Vernehmlassung des Kantonsgerichtes St. Gallen zu entnehmen ist, hat die III. Zivilkammer des Kantonsgerichts den angefochtenen Entscheid in ihrer ordentlichen Besetzung getroffen. Diese wurde einerseits im Amtsblatt des Kantons St. Gallen vom 2. Juni 2009 publiziert und kann andererseits ohne weiteres dem kantonalen Staatskalender entnommen werden. Entgegen der Ansicht des Beschwerdef�hrers ist die Konsultation dieser Publikationen einem Rechtsuchenden sehr wohl zuzumuten; dies umso mehr, als der Staatskalender und das Amtsblatt des Kantons St. Gallen auch problemlos �ber Internet eingesehen werden k�nnen (vgl. auch Urteil 1P.308/2006 vom 22. November 2006 E. 1.3). Von einer Verletzung von Art. 30 Abs. 1 BV kann bei dieser Sachlage keine Rede sein. Dass sich aus dem st. gallischen Prozessrecht ein weitergehender Anspruch als aus der Bundesverfassung ergeben w�rde, wurde vom Beschwerdef�hrer nicht behauptet.
2.3 Wenn der Beschwerdef�hrer konkret die Mitwirkung von Kantonsrichterin D.________ beanstandet, ist zu beachten, dass der Grundsatz von Treu und Glauben es gebietet, Ablehnungsgr�nde gegen einen Richter so fr�h als m�glich geltend zu machen: Demzufolge ist ein solcher Einwand treuwidrig, wenn der Mangel schon zu einem fr�heren Zeitpunkt h�tte geltend gemacht werden k�nnen (BGE 130 III 66 E. 4.3 S. 75; 128 V 82 E. 2b S. 85 f.; 124 I 121 E. 2 S. 122 f.; 117 I a 322 E. 1c S. 323; jeweils mit Hinweisen). Wie den obenstehenden Erw�gungen zu entnehmen ist, h�tte der Beschwerdef�hrer die personelle Zusammensetzung des Gerichts dem kantonalen Amtsblatt und dem Staatskalender entnehmen k�nnen. Es ist daher fraglich, ob der von ihm nun erhobene Einwand �berhaupt noch geh�rt werden kann. Ohnehin ist aber nicht ersichtlich, inwiefern die beanstandete Beteiligung von D.________ am Strafverfahren gegen A.________ geeignet w�re, den Anschein der Voreingenommenheit im Disziplinarverfahren gegen den Beschwerdef�hrer zu erwecken: Das Strafurteil vom 23./26. April 2008 hatte ausschliesslich die Frage zum Gegenstand, ob die T�terschaft von A.________ rechtsgen�glich erstellt ist; mit der T�tigkeit des Beschwerdef�hrers besch�ftigte sich das Kreisgericht Rheintal dagegen nicht. Ebenso ist unerfindlich, weshalb die Kenntnis jener Strafakten von A.________, welche f�r das Disziplinarverfahren gegen den Beschwerdef�hrer als nicht massgeblich erachtet wurden, nun in Zusammenhang mit den Garantien von Art. 30 Abs. 1 BV von Bedeutung sein soll. Dass die Mitwirkung von D.________ am angefochtenen Entscheid einen Ablehnungs- oder Ausstandsgrund nach kantonalem Recht darstellen w�rde, hat der Beschwerdef�hrer wiederum nicht dargetan.
3.1 In der Hauptsache bestreitet der Beschwerdef�hrer, durch die private Kontaktaufnahme mit C.________ gegen die Berufsregeln verstossen zu haben:
Vielmehr geh�re es gerade zu den Berufspflichten eines Anwalts, dass er nach der Ablehnung von Beweisantr�gen durch den Untersuchungsrichter alle geeigneten Rechtsmittel einsetze. Dies bedinge jedoch die Vornahme von minimalen Abkl�rungen, um sicherzustellen, dass das in Frage kommende Rechtsmittel �berhaupt Sinn mache. Dies und nichts anderes sei Zweck der Kontaktaufnahme mit C.________ gewesen: Da er, der Beschwerdef�hrer, eine Beschwerde gegen die Ablehnung der untersuchungsrichterlichen Einvernahme von C.________ gepr�ft habe, sei es durchaus gerechtfertigt gewesen, abzukl�ren, ob C.________ tats�chlich etwas Sinnvolles zur Sache aussagen k�nne. Namentlich nicht beabsichtigt worden sei dagegen, C.________ ein Delikt zu unterstellen.
Entgegen den Ausf�hrungen der Vorinstanz sei es auch nicht in Frage gekommen, den von der Untersuchungsrichterin abgelehnten Beweisantrag einfach in einem allf�lligen gerichtlichen Verfahren zu erneuern: Bekanntlich k�nne auch der Zeitpunkt der Befragung einer Auskunftsperson oder eines Zeugen wesentlich sein, und der inhaftierte Angeschuldigte A.________ habe ein erhebliches Interesse daran gehabt, die Befragung der relevanten Personen innert n�tzlicher Frist zu erwirken. Gegen das Zuwarten mit der Erneuerung des abgelehnten Beweisantrages bis zu einem sp�teren gerichtlichen Verfahren habe zudem gesprochen, dass Gerichtsverhandlungen in aller Regel �ffentlich seien und deswegen die M�glichkeit bestanden h�tte, dass die zur Einvernahme beantragten Zeugen und Auskunftspersonen auf diese Weise "vorgewarnt" worden w�ren.
�berhaupt liege aber keine eigentliche, detaillierte private Zeugeneinvernahme vor. Vielmehr habe er, der Beschwerdef�hrer, sich auf eine "Minimalbefragung" von C.________ beschr�nkt und sich bei diesem ausschliesslich erkundigt, ob er zum fraglichen Zeitpunkt den Wagen von A.________ gefahren und dabei B.________ begegnet sei. F�r diese simple Frage seien auch keine besonderen Vorsichtsmassnahmen angezeigt gewesen. Namentlich habe auf den Beizug von Zeugen, die Protokollierung des Gespr�chs und die Unterzeichnung des Protokolls verzichtet werden k�nnen und m�ssen; solche Vorkehrungen h�tten C.________ nur misstrauisch gemacht und deshalb den Untersuchungszweck gef�hrdet.
3.2.1 Anw�lte sind gem�ss Art. 12 lit. a BGFA verpflichtet, ihren Beruf sorgf�ltig und gewissenhaft auszu�ben. Hierzu geh�rt auch, dass der Anwalt grunds�tzlich jegliches Verhalten unterl�sst, das die Gefahr einer Beeinflussung von Zeugen zur Folge haben k�nnte (vgl. Art. 7 der Standesregeln des Schweizerischen Anwaltsverbands vom 1. Juli 2005). Die selbst�ndige Kontaktaufnahme mit einer Person, die als Zeuge in Betracht kommt, erscheint unter diesem Gesichtspunkt als problematisch, da mit einem solchen Vorgehen stets eine zumindest abstrakte Gefahr einer Beeinflussung verbunden ist (vgl. Handbuch �ber die Berufspflichten des Rechtsanwaltes im Kanton Z�rich [Handbuch Berufspflichten], herausgegeben vom Verein Z�rcherischer Rechtsanw�lte, S. 62; GEORG PFISTER, Aus der Praxis der Aufsichtskommission �ber die Anw�ltinnen und Anw�lte des Kantons Z�rich zu Art. 12 BGFA, SJZ 105 [2009] Nr. 12 S. 288, mit Hinweisen).
3.2.2 Die Lehre spricht sich mehrheitlich daf�r aus, dass eine Kontaktaufnahme mit einem potentiellen Zeugen nur ausnahmsweise mit der anwaltlichen Pflicht zur sorgf�ltigen und gewissenhaften Berufsaus�bung vereinbar sei bzw. nur mit Zur�ckhaltung und Vorsicht vorgenommen werden solle (WALTER FELLMANN in: Fellmann/Zindel [Hrsg.], Kommentar zum Anwaltsgesetz, Rz. 22 zu Art. 12 BGFA; MICHEL VALTICOS in: Valticos/Reiser/Chappuis [Hrsg.], Commentaire Romand - Loi sur les avocats, Rz. 67 zu Art. 12 BGFA; BOHNET/MARTENET, Droit de la profession d'avocat, 2009, Rz. 1180 ff.): Generell wird die Wahrheitsfindung bzw. die Zeugenbefragung als Aufgabe des Gerichts und nicht der Parteien oder ihrer Anw�lte erachtet (WALTER FELLMANN, Anwaltsrecht, Rz. 193; PFISTER, a.a.O., S. 288; FELLMANN, Kommentar zum Anwaltsgesetz, Rz. 22 zu Art. 12 BGFA; BOHNET/MARTENET, a.a.O., Rz. 1180; a.M. NIKLAUS RUCKSTUHL in: Niggli/Weissenberger [Hrsg.], Handb�cher f�r die Anwaltspraxis - Band VII Strafverteidigung, Rz. 3.168 ff.). Die Kontaktierung eines m�glichen Zeugen wird nur (aber immerhin) dann f�r zul�ssig erachtet, wenn hierf�r ein sachlicher Grund besteht. Als solcher wird von der Lehre namentlich auch das Einsch�tzen der Erfolgsaussichten von Prozesshandlungen wie etwa die Prozesseinleitung, das Einlegen bzw. der R�ckzug eines Rechtsmittels oder das Stellen eines Beweisantrages angesehen; entscheidend seien aber die Umst�nde des konkreten Einzelfalls (FELLMANN, Anwaltsrecht, Rz. 194; FELLMANN, Kommentar zum Anwaltsgesetz, Rz. 22 zu Art. 12 BGFA; HANS NATER in: Fellmann/Poledna [Hrsg.], Aktuelle Anwaltspraxis / La pratique de l'avocat 2009, S. 1399; VALTICOS, a.a.O., Rz. 67 zu Art. 12 BGFA; vgl. Handbuch Berufspflichten, a.a.O., S. 62 ff.; vgl. FELLMANN/SIDLER, Standesregeln des Luzerner Anwaltsverbandes, S. 28). Um der Gefahr einer Beeinflussung des potentiellen Zeugen bzw. dem blossen Anschein einer unzul�ssigen Einflussnahme in solchen F�llen entgegenzuwirken, fordert die Lehre vom Anwalt die Beachtung entsprechender Vorsichtsmassnahmen: So soll der Anwalt den Zeugen schriftlich um ein Gespr�ch ersuchen und ihn darauf hinweisen, dass er weder verpflichtet ist zu erscheinen noch auszusagen. Ebenfalls habe der Anwalt dem Zeugen mitzuteilen, im Interesse welches Mandanten das Gespr�ch stattfinden soll. Das Gespr�ch solle ohne den Mandanten und wenn immer m�glich in den R�umlichkeiten des Anwalts stattfinden, wobei gegebenenfalls eine Drittperson als Gespr�chszeugin hinzugezogen werden soll. Der Anwalt d�rfe keinen Druck auf den Zeugen aus�ben und ihn insbesondere nicht zu einer bestimmten Aussage oder �berhaupt zu irgendeiner Aussage dr�ngen und ihm f�r den Fall des Schweigens nicht mit Nachteilen drohen. Als verp�nt erachtet wird auch das Stellen von Suggestivfragen (RUCKSTUHL, a.a.O., Rz. 3.172; vgl. Handbuch Berufspflichten, a.a.O., S. 64 f.).
3.2.3 Wie die Vorinstanz im angefochtenen Entscheid aufgezeigt hat, decken sich die obenstehenden Lehrmeinungen weitgehend mit der Praxis der Anwaltskammer des Kantons St. Gallen sowie jener des Kantonsgerichts St. Gallen (vgl. insbesondere Entscheid BR 2006.2 des Kantonsgerichts vom 14. Dezember 2006 E. III/2 mit weiteren Hinweisen). Auch die Aufsichtsbeh�rden anderer Kantone haben eine vergleichbare Rechtsprechung entwickelt: In ihrem Urteil vom 13. Oktober 2004 (wiedergegeben in: BJM 2006 S. 47 ff.; vgl. FELLMANN, Anwaltsrecht, Rz. 195 und 197) geht die Aufsichtskommission des Kantons Basel-Stadt �ber die Anw�ltinnen und Anw�lte ebenfalls davon aus, dass die Kontaktierung eines m�glichen Zeugen durch einen am Verfahren beteiligten Anwalt nicht grunds�tzlich unzul�ssig, sondern unter Umst�nden gar geboten sei; die Aufsichtskommission setzt jedoch voraus, dass eine sachliche Notwendigkeit hierf�r bestehe, und sie auferlegt dem betreffenden Anwalt die Verpflichtung, sicherzustellen, "dass sein Vorgehen nicht eine Verf�lschung des Beweisergebnisses bewirkt". Auch die Aufsichtskommission des Kantons Z�rich �ber die Anw�ltinnen und Anw�lte hat sich in analoger Weise zur vorliegenden Thematik ge�ussert: Sie statuiert drei Voraussetzungen, welche kumulativ erf�llt sein m�ssen, damit die Kontaktierung resp. die Befragung eines potentiellen Zeugen durch einen Rechtsanwalt von ihr als zul�ssig erachtet wird: Erstens wird verlangt, dass die Kontaktaufnahme den Interessen der eigenen Klientschaft dient. Zweitens m�sse die st�rungsfreie Sachverhaltsermittlung durch das Gericht oder die Untersuchungsbeh�rde gew�hrleistet bleiben, weswegen die Befragung so auszugestalten sei, dass jede Beeinflussung vermieden werden k�nne. Drittens wird gefordert, dass eine sachliche Notwendigkeit f�r die Kontaktaufnahme besteht (Beschluss der Aufsichtskommission des Kantons Z�rich �ber die Anw�ltinnen und Anw�lte vom 1. M�rz 2007, wiedergegeben in: ZR 106 [2007] Nr. 81 E. 2 S. 306 ff.; vgl. NATER, a.a.O., S. 1397 ff.; vgl. PFISTER, a.a.O., S. 287 f.).
3.2.4 Die von der Lehre und den kantonalen Anwaltsaufsichtsbeh�rden entwickelten Kriterien f�r die Zul�ssigkeit einer privaten Zeugenbefragung �berzeugen und scheinen geeignet, die Generalklausel von Art. 12 lit. a BGFA zu konkretisieren. Nachfolgend zu pr�fen ist daher, ob die vom Beschwerdef�hrer durchgef�hrte Befragung von C.________ diesen Anforderungen gen�gte, d.h. ob eine sachliche Notwendigkeit f�r die Befragung bestand, ob die Befragung so ausgestaltet wurde, dass jede Beeinflussung vermieden und die st�rungsfreie Sachverhaltsermittlung durch das Gericht bzw. die Untersuchungsbeh�rde gew�hrleistet wurde und ob die Befragung im Interesse des Mandanten lag.
3.3.1 Entgegen der Auffassung des Beschwerdef�hrers bestand f�r eine selbst�ndige Befragung von C.________ keine ersichtliche sachliche Notwendigkeit. Insbesondere vermag die Argumentation des Beschwerdef�hrers nicht zu �berzeugen, er habe ein Rechtsmittel gegen die Ablehnung der untersuchungsrichterlichen Einvernahme von C.________ in Betracht gezogen und deshalb die Erfolgsaussichten dieses Rechtsmittels pr�fen m�ssen: Wie die Vorinstanzen unter Hinweis auf die kantonale Gerichts- und Verwaltungspraxis ausf�hrten, steht die Rechtsverweigerungsbeschwerde im st. gallischen Prozessrecht gegen die Ablehnung von Beweisantr�gen durch die Strafuntersuchungsbeh�rde gar nicht zur Verf�gung. Das vom Beschwerdef�hrer ins Auge gefasste Rechtsmittel w�re somit von vornherein untauglich gewesen. Ein sachlicher Grund f�r eine private Einvernahme von C.________ h�tte aber auch dann nicht bestanden, wenn der Beschwerdef�hrer statt einer Rechtsverweigerungsbeschwerde eine allgemeine Aufsichtsbeschwerde gegen die zust�ndige Untersuchungsrichterin in Erw�gung gezogen h�tte: Es erscheint fraglich, ob mit diesem disziplinarrechtlichen Instrument die Durchf�hrung einer untersuchungsrichterlichen Einvernahme von C.________ h�tte erzwungen werden k�nnen. Die Frage kann jedoch offenbleiben, zumal es dem Beschwerdef�hrer jedenfalls m�glich gewesen w�re, den abgelehnten Beweisantrag in einem allf�lligen gerichtlichen Verfahren zu wiederholen, wie das Kantonsgericht zutreffend erkannt hat. Bis zu diesem Zeitpunkt zuzuwarten, w�re auch nicht mit unzumutbaren Nachteilen verbunden gewesen, wie dies der Beschwerdef�hrer zu Unrecht behauptet: Nebst dem versuchten T�tungsdelikt zum Nachteil von B.________ wurden A.________ im Untersuchungsverfahren eine Reihe von weiteren Straftaten zur Last gelegt; dass die gegen ihn angeordnete Untersuchungshaft im Falle einer fr�hzeitigen, vorteilhaften Aussage von C.________ aufgehoben worden w�re, ist demzufolge nicht anzunehmen und es wurde dies vom Beschwerdef�hrer auch nicht substantiiert dargelegt. Stattdessen behauptet der Beschwerdef�hrer in unzutreffender Weise, dass eine Wiederholung des Beweisantrages in einem gerichtlichen Verfahren zwangsl�ufig die Gefahr einer Kollusion mit sich gebracht h�tte: Wie sich aus Art. 193 Abs. 1 des Strafprozessgesetzes des Kantons St. Gallen vom 1. Juli 1999 (StP/SG) ergibt, k�nnen Beweisantr�ge bereits w�hrend des schriftlichen Vorverfahrens beim Gerichtspr�sidenten gestellt werden. Das diskrete Einbringen bzw. Wiederholen des betreffenden Beweisantrages w�re demzufolge im gerichtlichen Verfahren sehr wohl m�glich gewesen. Demgegen�ber war es gerade das Vorgehen des Beschwerdef�hrers, welches C.________ darauf aufmerksam machte, dass seine Aussagen im Strafverfahren gegen A.________ von Interesse sind.
3.3.2 Wie die Vorinstanz zutreffend festgestellt hat, handelte es sich bei C.________ nicht bloss um einen m�glichen Entlastungszeugen f�r A.________. Letzterer behauptete vielmehr, dass nicht er, sondern C.________ am inkriminierten Vorfall mit B.________ beteiligt gewesen sei. Da der Beschwerdef�hrer diese Sachverhaltsdarstellung seines Mandanten offenbar f�r m�glich gehalten hat, h�tte ihm aber von vornherein klar sein m�ssen, dass es sich bei C.________ seinerseits um einen Verd�chtigen bez�glich des versuchten T�tungsdeliktes zum Nachteil von B.________ handelt: H�tte C.________ - wie vom Beschwerdef�hrer erhofft - mit seinen Angaben A.________ entlastet, so h�tte er, C.________, sich zwangsl�ufig selbst in den Mittelpunkt der entsprechenden Strafuntersuchung man�vriert. Anders als die Kontaktierung bzw. die Befragung eines Entlastungszeugen l�sst sich eine eigenm�chtige Einvernahme eines m�glichen alternativen Tatverd�chtigen durch den Rechtsanwalt des Beschuldigten grunds�tzlich nicht mit der Auflage vereinbaren, die st�rungsfreie Sachverhaltsermittlung durch die zust�ndige Beh�rde zu gew�hrleisten; zu ausgepr�gt ist in diesen F�llen das Spannungsverh�ltnis zwischen der Notwendigkeit einer sachlichen und fairen Befragung einerseits und der Verpflichtung zu einer m�glichst wirksamen Vertretung des eigenen Mandanten andererseits. Dies best�tigt sich im vorliegenden Fall durch die Art und Weise, wie der Beschwerdef�hrer die Befragung von C.________ durchgef�hrt hat: Entgegen den Empfehlungen der Lehre hat er auf wesentliche Vorkehrungen verzichtet, welche einer unzul�ssigen Beeinflussung bzw. bereits dem blossen Anschein einer unzul�ssigen Einflussnahme entgegenwirken sollen. Namentlich hat er keine neutrale Drittperson als Gespr�chszeugin hinzugezogen und es wurde auch nirgends schriftlich festgehalten, dass er C.________ darauf hingewiesen h�tte, dass weder eine Verpflichtung zur Teilnahme an der Befragung noch eine Aussagepflicht bestehe. Als unbehelflich erscheint der in diesem Zusammenhang vorgebrachte Einwand des Beschwerdef�hrers, er habe �berhaupt keine Zeugenbefragung im eigentlichen Sinn durchgef�hrt, sondern sich im Gespr�ch mit C.________ auf die "simple Frage" beschr�nkt, ob dieser zum fraglichen Zeitpunkt den Wagen von A.________ gefahren und dabei B.________ begegnet sei: Die Bejahung dieser Fragen w�re bereits geeignet gewesen, den Tatverdacht auf C.________ zu lenken. Es handelte sich beim fraglichen Gespr�ch daher mitnichten um eine prozess�konomisch motivierte, untergeordnete Vorabkl�rung sondern vielmehr um eine Besprechung, bei der sich der Beschwerdef�hrer von seinem Gegen�ber offensichtlich entscheidende Informationen erhoffte.
3.3.3 Zweifelhaft ist auch, ob die vom Beschwerdef�hrer durchgef�hrte Befragung von C.________ den Interessen seines Mandanten tats�chlich diente: C.________ erhielt hierdurch fr�hzeitig Kenntnis davon, dass A.________ sich zur Verteidigung auf ihn berief und er, C.________, daher damit rechnen musste, selbst ins Blickfeld der Ermittler zu geraten. War tats�chlich C.________ und nicht A.________ am inkriminierten T�tungsversuch zum Nachteil von B.________ beteiligt, hat das Vorgehen des Beschwerdef�hrers C.________ die Zeit verschafft, sich seinerseits eine Verteidigungsstrategie zu �berlegen, was den Interessen von A.________ schadete.
3.4 Nach dem Ausgef�hrten steht fest, dass die vom Beschwerdef�hrer durchgef�hrte Befragung von C.________ die Kriterien f�r die Zul�ssigkeit einer privaten Zeugenbefragung nicht erf�llte. Es ist daher nicht zu beanstanden, wenn das Kantonsgericht das Vorgehen des Beschwerdef�hrers als Verstoss gegen die anwaltliche Pflicht zur sorgf�ltigen und gewissenhaften Berufsaus�bung i.S.v. Art. 12 lit. a BGFA wertete.
Schliesslich beanstandet der Beschwerdef�hrer, dass es das Kantonsgericht abgelehnt hat, das vorinstanzliche Verfahren f�r die Dauer des Wiederaufnahmeverfahrens betreffend einen fr�heren Disziplinarentscheid zu sistieren; da es diesen Disziplinarentscheid im vorliegenden Zusammenhang bei der Bemessung der ausgesprochenen Busse ber�cksichtigt habe, wirke sich diese "Vorverurteilung" zum Nachteil des Beschwerdef�hrers aus.
Inwiefern die Ablehnung der Verfahrenssistierung eine Verletzung von Bundesrecht darstellen oder auf einer willk�rlichen Anwendung von kantonalem Recht beruhen soll, zeigt der Beschwerdef�hrer nicht ansatzweise auf und es ist dies auch nicht ersichtlich. Im Gegenteil: Die fr�here Disziplinierung des Beschwerdef�hrers wurde mit Urteil des Bundesgerichtes vom 4. Mai 2009 (Verfahren 2C_783/2008) letztinstanzlich best�tigt und ist somit in Rechtskraft erwachsen; das Stellen eines Gesuchs um Wiederaufnahme des Verfahrens bzw. um Revision des Urteils �ndert daran nichts. Auf die in diesem Zusammenhang erfolgten, unzul�nglich begr�ndeten Einwendungen des Beschwerdef�hrers kann daher nicht eingetreten werden.
Gem�ss den obenstehenden Erw�gungen erweist sich die Beschwerde in �ffentlich-rechtlichen Angelegenheiten als unbegr�ndet. Sie ist abzuweisen, soweit darauf eingetreten werden kann.
Dieses Urteil wird dem Beschwerdef�hrer, der Anwaltskammer des Kantons St. Gallen, dem Kantonsgericht St. Gallen, III. Zivilkammer, sowie dem Bundesamt f�r Justiz schriftlich mitgeteilt.