Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Text=BGHZ+33%2C+105
Timestamp: 2019-04-19 09:19:17
Document Index: 254631439

Matched Legal Cases: ['BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 709', 'BGH', '§ 125', '§ 29', 'BGH', '§ 709', '§ 709', '§ 709', '§ 709', '§ 29', 'BGH', 'BGH', '§ 940', '§ 170', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 38', '§ 38', 'BGH', 'BGH', '§ 29', '§ 29', '§ 940', '§ 940', 'BGH', '§ 29', 'BGH', 'BGH']

BGH, 11.07.1960 - II ZR 260/59 - dejure.org
Vorliegen einer Vertretungsbefugnis für ein Unternehmen - Vertretung durch Gesellschafter - Zahlung eines Entgelts für die Lieferung von Strom
BGHZ 33, 105
MDR 1960, 824
DB 1960, 1006
Der Senat hat zudem bereits mit Urteil vom 9. Dezember 1968 (BGHZ 51, 198, 201; ebenso in BGHZ 33, 105, 107 f. für die Vertretungsbefugnis) entschieden, dass dann, wenn eine gesellschaftsvertragliche Regelung die Rechtsfolgen der Abberufung des allein zur Geschäftsführung berufenen Gesellschafters nicht regelt, die gesetzliche Regelung des § 709 BGB eingreift, soweit sich nichts Abweichendes feststellen lässt.
Auch außerhalb der Liquidationssituation kann der Grundsatz der Selbstorganschaft für die werbende Personengesellschaft ausgesetzt sein, nämlich in "liquidationsähnlichen Sonderlagen" (vgl. dazu BGHZ 33, 105 = NJW 1960, 1997, 1998 f.;… Staub/Habersack, HGB 5. Aufl. § 125 Rdn. 8 m.w.Nachw.).
Der allgemeine Grundsatz, wonach eine analoge Anwendung des §§ 29 BGB auf Personengesellschaften nicht in Frage komme, habe schon früh Ausnahmen erfahren, was insbesondere das Urteil des Bundesgerichtshofs vom 11.07.1960 (Az. II ZR 260/59) und die weitgehende Anerkennung dieses Urteils in der Kommentarliteratur zeige.
Dem liegt zu Grunde, dass die Bestellung eines Dritten zum organschaftlichen Vertreter der Personengesellschaft nicht deren gesetzlichem Leitbild entsprechen würde, wonach diese Vertretung nur einem Gesellschafter als geborenem Gesellschaftsorgan zustehen kann (Grundsatz der Selbstorganschaft; hierzu u.a. BGH, Urteile vom 06.02.1958, Az. II ZR 210/56 und vom 11.07.1960, Az. II ZR 260/59, zitiert nach juris;… Sprau in Palandt, a.a.O., § 709, Rn. 3a m.w.N.;… Schöne, Beck'scher Online-Kommentar, a.a.O., § 709, Rn. 4;… Schäfer in Münchener Kommentar zum BGB, 6. Aufl., 2013, § 709, Rn. 5;… kritisch u.a. Bergmann in juris PK-BGB, 6. Aufl. 2012, § 709, Rn. 8 ff.; Arlt, NZG 2002, 407 ff.; Beuthin, ZIP 1993, 1589 ff.).
Weiterhin hat sich der Bundesgerichtshof in seinem von den Verfahrensbevollmächtigten der Beteiligten zu 1) zur Begründung des abgewiesenen Antrages in Bezug genommenen Urteil vom 11.07.1960 (Az. II ZR 260/59, zitiert nach juris) schon nicht mit der analogen Anwendung von § 29 BGB in einem Verfahren der freiwilligen Gerichtsbarkeit auf eine hier vorliegende Familiengesellschaft bürgerlichen Rechts befasst.
Sie kann auch die Untersagung der Ausübung von Geschäftsführerbefugnissen umfassen (vgl. BGHZ 86, 177; BGHZ 33, 105;… OLG Jena a.a.O., OLG Stuttgart, Urteil v. 26.10.2005 - 14 U 50/50, GmbHR 2006, 1258; OLG Frankfurt, Beschluss v. 18.09.1998 - 5 W 22/98, GmbHR 1998, 1126;… Zöller/Vollkommer, ZPO, 32. Aufl. § 940 Rn. 8 "Gesellschaftsrecht" m.w.N.).
Die (organschaftliche) Vertretung der Gesellschaft kann weder, wie sich aus der zwingenden Vorschrift des § 170 HGB ergibt, einem Kommanditisten noch, von besonderen Ausnahmefüllen abgesehen (BGHZ 33, 105, 111) [BGH 11.06.1960 - II ZR 260/59], einem Dritten übertragen werden (BGHZ 41, 367, 369 [BGH 21.04.1964 - II ZR 42/62] m.w.N.).
Allein deshalb kann in einem Fall, in dem einzigen persönlich haftenden Gesellschafter die Vertretungsbefugnis entzogen werden soll, nicht angenommen werden, daß diese Befugnis dann den Kommanditisten zufalle oder - wie in der offenen Handelsgesellschaft bei der Entziehung der Vertretungsmacht des einzigen vertretungsberechtigten Gesellschafters (BGHZ 33, 105, 108) [BGH 11.06.1960 - II ZR 260/59] - eine Gesamtvertretungsbefugnis aller Gesellschafter Platz greife.
Der Senat ist an diesem Ausspruch nicht gehindert, weil der Gesellschaft damit kein vertretungsberechtigtes Organ verbleibt (BGH, Urteil vom 11.7. 1960, II ZR 260/59 - zitiert in juris Rdn. 12;… Urteil vom 20.12.1982, II ZR 110/82 - zitiert in juris Rdn. 14;… Baumbach/Hueck/Zöllner/Noack, § 38 Rdn. 3).
Sie ist auch zur einstweiligen Regelung des Rechtsverhältnisses in gesellschaftsrechtlichen Abberufungskonflikten anerkannt worden (…Baumbach/Hueck-Zöllner/Noack, GmbH-Gesetz, 20. Auflage, § 38 GmbH-Gesetz, Rn. 58, 69, 75; BGH, Urteil vom 11. Juli 1960, II ZR 260/59, BGHZ 33, 105; OLG Stuttgart, Urteil vom 26. Oktober 2005, 14 U 50/05, GmbHR 2006, 1258).
Es kann damit offen bleiben, ob für die Bestellung eines Notgeschäftsführers, welche Gegenstand eines besonderen Verfahrens der freiwilligen Gerichtsbarkeit sein müsste, gem. § 29 BGB in entsprechender Anwendung das Amtsgericht ausschließlich zuständig ist (vgl. nur RGZ 138, 98, 101;… Staudinger/Palandt/Ellenberger, BGB , 68. Aufl., Rz. 1, 5 zu § 29 ) oder ob eine Regelung im Wege der einstweiligen Verfügung auch gem. § 940 ZPO möglich ist (vgl. Zöller/Vollkommer, ZPO , 27. Aufl., Rz. 8 "Gesellschaftsrecht" zu § 940 im Anschluss an BGHZ 33, 105, 108ff, welche Entscheidung allerdings für die OHG ergangen ist;… MünchKomm./Reuter, BGB , 5. Aufl., Rz. 5 zu § 29 m.w.N.).
Festzuhalten ist in diesem Zusammenhang freilich, und zwar in Übereinstimmung mit dem Berufungsgericht und mit der Revision, an dem Grundsatz, daß die organschaftliche Vertretungsbefugnis eines vertretungsberechtigten Gesellschafters nicht auf einen Dritten (Nicht-Gesellschafter) übertragen werden kann, daß also ein Dritter nicht organschaftlicher Vertreter einer Personalhandelsgesellschaft sein kann (BGHZ 33, 108 [BGH 11.06.1960 - II ZR 260/59]).