Source: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Gericht=BVerfG&Datum=18.11.2004&Aktenzeichen=1%20BvR%202315/04
Timestamp: 2019-05-23 10:04:21
Document Index: 99020147

Matched Legal Cases: ['EuG', 'Art. 1', 'Art. 2', 'Art. 101', 'BGH', 'BGH']

BVerfG, 18.11.2004 - 1 BvR 2315/04 - dejure.org
https://dejure.org/2004,1289
BVerfG, 18.11.2004 - 1 BvR 2315/04 (https://dejure.org/2004,1289)
BVerfG, Entscheidung vom 18.11.2004 - 1 BvR 2315/04 (https://dejure.org/2004,1289)
BVerfG, Entscheidung vom 18. November 2004 - 1 BvR 2315/04 (https://dejure.org/2004,1289)
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Verstoß gegen das Willkürverbot durch Ablehnung von Eilrechtsschutz betreffend die Aushändigung eines schriftlichen Berichts über das Ergebnis von ärztlichen Untersuchungen an eine schwerhörige Patientin
Ärztlicher Behandlungsvertrag: Verstoß gegen Willkürverbot
Patienteninformation: Schwerhörige Patientin hat ein Recht auf schriftlichen Bericht.
Arzt verweigert schwerhöriger Patientin schriftliche Diagnose - Gericht verstößt bei der Ablehnung der Beschwerde gegen das Willkürverbot
Im Ausnahmefall: Diagnose schriftlich
AG Bochum, 26.08.2004 - 47 C 414/04 vom 31.08l.2004 AG Bochum 47 C 414/04
AG Bochum, 31.08.2004 - 47 C 414/04
LG Bochum, 14.09.2004 - 6 T 5/04
BVerfGK 4, 203
NJW 2005, 1103
MDR 2005, 559
b) Unter diesen vom Berufungsgericht festgestellten Umständen war der Beklagte spätestens am 23. Dezember 1996 verpflichtet, die Klägerin nicht nur davon in Kenntnis zu setzen, daß der Bruch in Fehlstellung zu verheilen drohte (sog. Diagnoseaufklärung, vgl. zuletzt BVerfG, Beschluß der 2. Kammer des 1. Senats vom 18. November 2004 - 1 BvR 2315/04 - EuGRZ 2004, 805, 806), sondern auch davon, daß eine bei Fortsetzung der konservativen Behandlung drohende Funktionseinschränkung des Handgelenks möglicherweise durch eine erneute (unblutige) Reposition oder durch eine primäre operative Neueinrichtung des Bruchs vermieden werden könne, ihr die Chancen und Risiken dieser möglichen unterschiedlichen Behandlungsmethoden zu erläutern und sodann zusammen mit ihr die Wahl der Therapie zu treffen.
Diese Vorschrift ist Ausfluss des allgemeinen Persönlichkeitsgrundrechts in seiner Ausprägung als Recht auf informationelle Selbstbestimmung (BverfG, NJW 2006, 1116 und NJW 2005, 1103).
a) Der Patient hat einen Anspruch auf Unterrichtung über die im Rahmen einer ärztlichen Behandlung erhobenen Befunde und Prognosen (BVerfG, Beschluss vom 18. November 2004 - 1 BvR 2315/04, NJW 2005, 1103 Rn. 26 f.).
Der Anspruch des Patienten auf Unterrichtung über Befunde und Prognosen ist Ausdruck des durch grundrechtliche Wertungen geprägten Selbstbestimmungsrechts und der personalen Würde des Patienten (Art. 1 Abs. 1 in Verbindung mit Art. 2 Abs. 1 GG), die es verbieten, ihm im Rahmen der Behandlung die Rolle eines bloßen Objekts zuzuweisen (BVerfG NJW 2005, 1103, 1104).
Im Rahmen der Selbstbestimmungsaufklärung ist in der Rechtsprechung anerkannt, dass der Arzt verpflichtet ist, dem Patienten die Diagnose zumindest mündlich zu erläutern (BVerfG NJW 2005, 1103, 1104).
KG, 04.12.2006 - 5 Ws 102/06
Strafvollzug: Recht des Strafgefangenen auf Einsicht in ein …
Der angefochtene Beschluß steht - jeweils in Teilen seiner Begründung - den Entscheidungen des Bundesverfassungsgerichts vom 18. November 2004 - 1 BvR 2315/04 - (NJW 2005, 1103) und des OLG Koblenz vom 8. Mai 2003 - 1 Ws 31/03 - (ZfStrVo 2003, 301) entgegen.
Dies gilt auch im Bereich der ärztlichen Untersuchungsberichte, denn ein Patient ist im Rahmen der Behandlung nicht als Objekt zu behandeln (vgl. BVerfG NJW 2005, 1103, 1104).
Der Kläger hat aber weder ausgeführt, weshalb die Entscheidung des LSG unter keinem rechtlichen Aspekt vertretbar sein soll, sodass sich der Schluss aufdrängt, sie beruhe auf sachfremden Erwägungen (siehe nur BVerfG [Kammer] vom 18.11.2004 - 1 BvR 2315/04 - juris RdNr 22 mit Bezug auf BVerfGE 87, 273, 278 f; 89, 1, 13 f), noch finden sich in der Begründung Ausführungen darüber, dass das LSG die Bedeutung und Tragweite der Verfassungsgarantie des Art. 101 Abs. 1 Satz 2 GG grundlegend verkannt hat (vgl etwa BVerfG vom 10.7.1990 - 1 BvR 984/87 ua - BVerfGE 82, 286, 299; BVerfG [Kammer] vom 11.3.2013 - 1 BvR 2853/11 - juris RdNr 26 mwN).
Davon kann jedoch nicht gesprochen werden, wenn das Gericht sich mit der Rechtslage eingehend auseinandergesetzt hat und seine Auffassung nicht jeden sachlichen Grundes entbehrt (BVerfG, Kammerbeschluss vom 30. Dezember 1997 - 1 BvR 2339/95 -, juris; BVerfG, Kammerbeschluss vom 18. November 2004 - 1 BvR 2315/04 -, juris ).
Auch zwischen einem Kassenpatienten und dem behandelnden Vertragsarzt bzw. dem aufnehmenden Krankenhaus kommt ein privatrechtlicher Dienstvertrag zustande (vgl. statt aller BGH, Urteil vom 28. April 1987, Az.: VI ZR 171/86, abgedruckt in NJW 1987, 2289; s. a. BVerfG, Kammerbeschluss vom 18. November 2004, Az.: 1 BvR 2315/04, abgedruckt in NJW 2005, 1103; zur vertraglichen Beziehung nach neuem Recht direkt zum Krankenhaus bei ambulanter Behandlung vgl. BGH, Urteil vom 20. Dezember 2005, Az.: VI ZR 180/04, abgedruckt in NJW 2006, 767).
BVerfG (1. Senat 2. Kammer), Beschluss vom 18. November 2004 - 1 BvR 2315/04 -, NJW 2005, 1103.