Source: https://www.rechtslupe.de/europarecht/verkehrsunfalle-in-der-eu-31253
Timestamp: 2020-04-07 22:04:45
Document Index: 85295309

Matched Legal Cases: ['EuG', 'Art. 9', 'EuG', 'Art. 9', 'EuG', 'Art. 9', 'EuG', 'EuG', 'EuG', 'EuG']

Ver­kehrs­un­fäl­le in der EU | Rechtslupe
Verkehrsunfälle in der EU
Ver­kehrs­un­fäl­le in der EU
Der Bun­des­ge­richts­hof hat dem Eurä­pi­schen Gerichts­hof die Fra­ge zur Vor­ab­ent­schei­dung vor­zu­le­gen, ob es dem Geschä­dig­ten eines inner­halb der EU erfolg­ten Ver­kehrs­un­fal­les durch die EuGV­VO (die Ver­ord­nung (EG) Nr. 44/​2001 des Rates vom 22. Dezem­ber 2000 über die gericht­li­che Zustän­dig­keit und die Aner­ken­nung und Voll­stre­ckung von Ent­schei­dun­gen in Zivil- und Han­dels­sa­chen) gestat­tet ist, die aus­län­di­sche Haft­pflicht­ver­si­che­rung des Unfall­geg­ners im Wege der Direkt­kla­ge an sei­nem eige­nen Wohn­sitz auf Scha­dens­er­satz in Anspruch zu neh­men.
In der deut­schen Lite­ra­tur ist dies weit­ge­hend ver­neint wor­den, da es sich bei der Direkt­kla­ge gegen den Haft­pflicht­ver­si­che­rer nicht um einen auf einer ver­si­che­rungs­recht­li­chen Bezie­hung grün­den­den Streit han­de­le; Art. 9 EuGV­VO set­ze jedoch das Vor­lie­gen eines sol­chen Strei­tes vor­aus.
Der VI. Zivil­se­nat neigt dage­gen der von Rat und Euro­päi­schem Par­la­ment in der Richt­li­nie 2005/​14/​EG vom 11. Mai 2005 (5. Kfz-Haft­pflicht­ver­si­che­rungs-Richt­li­ne) geäu­ßer­ten Rechts­auf­fas­sung zu, dass der Geschä­dig­te in ent­spre­chen­der Anwen­dung des Art. 9 Abs. 1 b EuGV­VO als Begüns­tig­ter im Sin­ne die­ser Vor­schrift zu ver­ste­hen ist, so dass ihm ein Kla­ge­recht an sei­nem Wohn­sitz­ge­richts­stand zusteht. Die­se Aus­le­gung ent­spricht der Schutz­rich­tung des Art. 9 EuGV­VO eben­so wie dem nun nach­träg­lich geäu­ßer­ten Wil­len des Ver­ord­nung­ge­bers und ist auch mit dem Wort­laut der EuGV­VO ver­ein­bar; daher spre­chen alle Aus­le­gungs­re­geln für ein sol­ches Ergeb­nis.
Da jedoch wegen die­ses Streits zwei­fel­haft ist, ob die Gerich­te der Mit­glied­staa­ten ohne eine Leit­ent­schei­dung des EuGH euro­pa­weit ein­heit­lich zu die­sem Ergeb­nis gelan­gen, sieht sich der Senat ver­an­lasst, die Fra­ge dem EuGH zur Vor­ab­ent­schei­dung vor­zu­le­gen.
Budes­ge­richts­hof, Beschluss vom 26. Sep­tem­ber 2006 – VI ZR 200/​05
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