Source: https://www.rechtslupe.de/strafrecht/die-vorbefassung-strafrichters-3131219
Timestamp: 2020-01-17 22:38:47
Document Index: 89706765

Matched Legal Cases: ['§ 24', '§ 344', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH']

Die Vor­be­fas­sung des Straf­rich­ters | Rechtslupe
Die Vor­be­fas­sung des Straf­rich­ters
Eine den Ver­fah­rens­ge­gen­stand betref­fen­de Vor­tä­tig­keit eines Rich­ters, soweit sie nicht gesetz­li­che Aus­schluss­grün­de erfüllt, ist regel­mä­ßig nicht geeig­net, die Besorg­nis der Befan­gen­heit des Rich­ters i.S.v. § 24 Abs. 2 StPO zu begrün­den, wenn nicht beson­de­re Umstän­de hin­zu­kom­men, die die­se Besorg­nis recht­fer­ti­gen 1.
Das gilt auch dann, wenn Ver­fah­ren gegen ein­zel­ne Ange­klag­te zur Ver­fah­rens­be­schleu­ni­gung abge­trennt wer­den und in dem abge­trenn­ten Ver­fah­ren ein Schuld­spruch ergeht, zu dem sich das Gericht im Ursprungs­ver­fah­ren gegen den oder die frü­he­ren Ange­klag­ten spä­ter eben­falls noch eine Über­zeu­gung zu bil­den hat 2.
So auch in dem hier vom Bun­des­ge­richts­hof ent­schie­de­nen Fall: Da nach der Angriffs­rich­tung der Rüge die Befan­gen­heit der bei­den abge­lehn­ten Berufs­rich­ter aus­schließ­lich aus der behaup­te­ten Fest­le­gung auf die Täter­schaft des Ange­klag­ten in dem gegen die bei­den frü­he­ren Mit­an­ge­klag­ten ergan­ge­nen Urteil vom 06.03.2017 abge­lei­tet wird, hängt der Erfolg der Rüge nach den vor­ge­nann­ten Maß­stä­ben allein vom Vor­lie­gen "beson­de­rer Umstän­de" ab. Denn die Betei­li­gung an dem vor­an­ge­gan­ge­nen Urteil als sol­che ist aus den dar­ge­leg­ten nor­ma­ti­ven Erwä­gun­gen von vorn­her­ein nicht geeig­net, die Besorg­nis der Befan­gen­heit zu begrün­den.
An dem gebo­te­nen Vor­trag von Tat­sa­chen, die "beson­de­re Umstän­de" in dem vor­ge­nann­ten Sin­ne ent­hal­ten, man­gelt es jedoch. Tat­säch­li­ches Gesche­hen, das außer­halb des Urteils gegen die frü­he­ren Mit­an­ge­klag­ten selbst der­ar­ti­ge Umstän­de ent­hält, teilt die Revi­si­on nicht mit. Aus der Begrün­dung des genann­ten Urteils wer­den ledig­lich sol­che Pas­sa­gen vor­ge­tra­gen, die von vorn­her­ein kei­ne die Besorg­nis der Befan­gen­heit auf­grund Vor­be­fas­sung aus­nahms­wei­se stüt­zen­den "beson­de­ren Umstän­de" erge­ben. Die zitier­ten Urteil­s­par­ti­en beinhal­ten aus­schließ­lich für die Begrün­dung der Schuld­sprü­che gegen die frü­he­ren Mit­an­ge­klag­ten wegen Beil­hil­fe zu Haupt­ta­ten des Ange­klag­ten erfor­der­li­che Fest­stel­lun­gen. Das ist jedoch stets zur Begrün­dung von Befan­gen­heit unge­eig­net 3. Umstän­de, die als unnö­ti­ge oder unsach­li­che Wert­ur­tei­le gedeu­tet wer­den könn­ten, ent­hält der Revi­si­ons­vor­trag nicht.
Im Übri­gen genügt in Kon­stel­la­tio­nen wie der vor­lie­gen­den eine ledig­lich aus­zugs­wei­se Wie­der­ga­be eines in einem ande­ren Ver­fah­ren ergan­ge­nen Urteils regel­mä­ßig den Anfor­der­run­gen aus § 344 Abs. 2 Satz 2 StPO nicht, weil die sons­ti­gen Urteil­s­par­ti­en Inhal­te auf­wei­sen kön­nen, die für die Beur­tei­lung des Vor­lie­gens "beson­de­rer Umstän­de" zu berück­sich­ti­gen wären.
Ange­sichts des vor­ste­hend Dar­ge­leg­ten hät­te die erho­be­ne Ver­fah­rens­rüge auf der Grund­la­ge des Revi­si­ons­vor­brin­gens auch in der Sache kei­nen Erfolg. Es fehlt an vor­ge­tra­ge­nen tat­säch­li­chen Umstän­den, aus denen die Besorg­nis der Befan­gen­heit der bei­den abge­lehn­ten Berufs­rich­ter hät­te resul­tie­ren kön­nen.
Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 10. Janu­ar 2018 – 1 StR 571/​17
st. Rspr.; etwa BGH, Beschlüs­se vom 10.01.2012 – 3 StR 400/​11, NStZ 2012, 519, 520 Rn.19; und vom 08.05.2014 – 1 StR 726/​14, NJW 2014, 2372, 2373 Rn. 12 jeweils mwN[↩]
BGH, Urtei­le vom 29.06.2006 – 5 StR 485/​05, NJW 2006, 2864, 2866 Rn.20; und vom 30.06.2010 – 2 StR 455/​09, NStZ 2011, 44, 46 Rn. 23 f.; Beschluss vom 10.01.2012 – 3 StR 400/​11, NStZ 2012, 519, 520 in frü­he­ren Urtei­len unnö­ti­ge und sach­lich unbe­grün­de­te Wert­ur­tei­le über einen der jet­zi­gen Ange­klag­ten ent­hal­ten oder wenn ein Rich­ter sich bei sei­ner Vor­ent­schei­dung in sonst unsach­li­cher Wei­se zum Nach­teil des Ange­klag­ten geäu­ßert hat ((st. Rspr.; etwa BGH, Beschlüs­se vom 10.01.2012 – 3 StR 400/​11, NStZ 2012, 519, 520 f. Rn.20; und vom 08.05.2014 – 1 StR 726/​14, NJW 2014, 2372, 2373 Rn. 12 jeweils mwN; sie­he auch Urteil vom 30.06.2010 – 2 StR 455/​09, NStZ 2011, 44, 46 Rn. 24 sowie Beschluss vom 10.08.2005 – 5 StR 180/​05, BGHSt 50, 216, 222[↩]
vgl. BGH, Urtei­le vom 29.06.2006 – 5 StR 485/​05, NJW 2006, 2864, 2866 Rn.20 f.; und vom 30.06.2010 – 2 StR 455/​09, NStZ 2011, 44, 46 Rn. 23 f.; Beschluss vom 10.01.2012 – 3 StR 400/​11, NStZ 2012, 519, 520 f. Rn.20; sie­he auch Beschluss vom 10.08.2005 – 5 StR 180/​05, BGHSt 50, 216, 221[↩]
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