Source: https://www.familienrecht-allgaeu.de/de/zugewinn-anfangsvermoegen-endvermoegen.amp
Timestamp: 2020-08-11 13:11:41
Document Index: 228991361

Matched Legal Cases: ['§ 1374', '§ 1375', 'BGH', 'BGH', '§ 1379', '§ 1375', '§ 1375', 'BGH', '§ 242', 'BGH', '§ 242', '§ 1374', '§ 1374', '§ 1374', 'BGH', '§ 1374', 'BGH', '§ 1374', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', 'BGH', '§ 1374', '§ 1374', 'BGH', '§ 1374', '§ 1374', '§ 1374', '§ 1374', '§ 1374', 'BGH', '§ 1374', '§ 1374', '§ 1372', '§ 1373', '§ 260', '§ 1379', '§ 1377', '§ 1379', '§ 1379', '§ 1379', '§ 1379', '§ 1378', '§ 261']

Zugewinn | Vermögen zum Stichtag
ermitten mit Vermögensbilanzen zum Stichtag
Standort: Kanzlei für Familienrecht > Infothek > Leitfaden zur Vermögensauseinandersetzung > Zugewinnausgleich > Vermögensbilanzen - Stichtagsprinzip
Prinzipien des Zugewinnausgleichs
Ausnahme vom Stichtagsprinzip: Privilegiertes Anfangsvermögen
Totalitätsprinzip - Alle Vermögensgegenstände werden erfasst
Gerichtliches Verfahren zum Zugewinnausgleich
Die Vermögenswertsteigerung in der Ehezeit ...
Wer keinen -> Ehevertrag geschlossen hat, der lebt als Ehegatte automatisch im gesetzlichen -> Güterstand der Zugewinngemeinschaft. Die Zugewinngemeinschaft führt nicht dazu, dass das Vermögen eines Ehegatten zum gemeinsamen Vermögen der Ehegatten wird (-> keine Eigentums- und Haftungsgemeinschaft). Man darf sich nicht durch das Wort "Z...-gemeinschaft" irritieren lassen. Aber im Fall der Scheidung, muss ein Ehegatte dem anderen Ehegatten eine -> Ausgleichszahlung dafür leisten, wenn sein (eigenes) Vermögen in der Ehe mehr an Wertzuwachs erreicht hat, als das (eigene) Vermögen des anderen Ehegatten (mehr zum Vermögensvergleich -> HIER ...). Die Wertermittlung des Vermögenszuwachses folgt einer bestimmten Technik, die dem Prinzip der Gewinnermittlung im Einkommensteuerrecht nach § -> 4 Abs.1 EStG gleicht. Ist der Wert des Vermögens eines Ehegatten im Zeitraum zwischen -> Stichtagen Anfang und am Ende der Ehe gestiegen, so bezeichnet man diese Wertseigerung -> "Zugewinn eines Ehegatten". Stichtag für das -> Anfangsvermögen nach § 1374 BGB ist der Tag der Eheschließung. Der Stichtag für das -> Endvermögen nach § 1375 BGB ist grundsätzlich der Tag, an dem der -> Scheidungsantrag zugestellt wird. Vermögen, dass geerbt oder geschenkt wurde, wird beim Zugewinn nicht berücksichtigt. Das geschieht, indem dieser sog. -> privilegierte Vermögenserwerb dem Anfangsvermögen zugerechnet werden (mehr zu dieser Technik -> HIER ...). Um die Höhe eines -> Zugewinnausgleichsanspruchs ermitteln zu können, werden also insgesamt vier Vermögensaufstellungen benötigt:
Zwei Anfangsvermögensaufstellungen; jeweils von Ehemann und Ehefrau zum Vermögensbestand am Tag der Eheschließung und
Zwei Endvermögensaufstellungen; jeweils von Ehemann und Ehefrau zum Vermögensbestand am Tag der Zustellung des Scheidungsantrags.
Wie der -> Zugewinnausgleich im gerichtlichen Verfahren durchgesetzt wird, erfahren Sie -> HIER ...
Stichtagsprinzip - Wenn der Scheidungsantrag gezielt (manipulativ) für einen gewollten (Endvermögens-)Stichtag eingereicht wird ...
Begehrt ein Ehegatte im Fall einer verfrühten Stellung des > Scheidungsantrags durch den anderen Ehegatten Auskunft zu einem gesetzlich nicht geregelten Stichtag, so hat er einen besonderen Ausnahmefall darzulegen, der es rechtfertigt, die Stichtage des Gesetzes zu modifizieren. Dieser ist gegeben, wenn das sich ohne eine solche Korrektur ergebende Ergebnis grob unbillig erscheint und die Gewährung des Ausgleichsanspruchs in der vom Gesetz vorgesehenen Art und Weise dem Gerechtigkeitsempfinden in unerträglicher Weise widersprechen würde (im Anschluss an Senatsurteil vom 4. Dezember 1996 XII ZR 231/95 FamRZ 1997, 347).
Anmerkung: Der BGH erklärt in dieser Entscheidung (siehe Rn 12 ff) sehr ausführlich und klar das > System der drei maßgeblichen Stichtage für die > Zugewinnausgleichsberechnung. Ein > Scheidungsantrag, der 8 Monate nach dem > Trennungszeitpunkt eingereicht wird, ist noch kein Umstand, der ausnahmsweise eine Stichtagsverschiebung begründen kann: (Zitat, Rn 19) "Das Oberlandesgericht ist in rechtsbeschwerderechtlich nicht zu beanstandender Weise davon ausgegangen, dass ein Zeitraum von etwa acht Monaten zwischen dem Datum der Zustellung des Scheidungsantrags und dem Ablauf des Trennungsjahres allein für eine Verschiebung des Stichtags nicht ausreicht. Denn angesichts des im Zugewinnausgleichsrecht festgelegten pauschalisierenden und schematischen Berechnungssystems begründet eine solche Zeitspanne keine Umstände, die dem Gerechtigkeitsempfinden in unerträglicher Weise widersprächen."
Weiter müssen für eine vom Gesetz abweichende Stichtagsverscheibung handfeste Tatsachen vorgetragen werden, dass der Scheidungsantrag böswillig verfüht mit bewusster Schädigungsabsicht eingereicht wurde. (Zitat, Rn 29) "Schließlich sind die Ausführungen des Oberlandesgerichts, denen zufolge eine bewusste oder gar geplante Minderung des Endvermögens durch eine "verfrühte" Stellung des Scheidungsantrags in Benachteiligungsabsicht nicht ersichtlich ist und die darlegungspflichtige Ehefrau hierzu nicht in genügender Weise vorgetragen hat, rechtsbeschwerderechtlich nicht zu beanstanden." In der Praxis wird die bewusste Schädigungsabsicht nur in ganz seltenen Ausnahmefällen nachzuweisen sein. So fehlt die Schädigungsabsicht bereits dann, wenn der antragstellende Ehegatte plausibel erklärt, warum aus seiner Sicht eine -> Scheidungsreife eingetreten ist oder demnächst eintritt. Weitere Anmerkung zum BGH-Beschluss:
Torsten Obermann, in: NZFam 2018, 174
Udo Völlings, in: FF 2018, 116
1. Stichtag - Tag der Eheschließung ("Vermögen am Beginn")
Anfangsvermögen: Mit Eheschließung -> beginnt der Güterstand der Zugewinngemeinschaft. Damit ist Stichtag für das Anfangsvermögen der Tag, an dem vor dem Standesamt die Ehe geschlossen wurde.
2. Stichtag - Tag der Zustellung des Scheidungsantrags - ("Vermögen am Ende")
(Ersatz-)Stichtag - Tag der Trennung ("Vermögen in der Krise")
Was -> Trennung im rechtlichen Sinn bedeutet, erfahren Sie ->HIER. Warum bezeichnen wir den "Tag der Trennung" als "Ersatz-Stichtag"? Weil er ersatzweise an die Stelle des -> Stichtags des Scheidungsantrags tritt, wenn der Verdacht besteht, dass in der Zeit zwischen Trennung und Scheidungsantrag Vermögen unzulässig verschleudert wurde. Dadurch wird die Phase der Vermögensminderung nach Trennung rechtstechnisch abgeblendet. Zeigt die -> Vermögensbilanz eines Ehegatten zum Tag der -> Zustellung des Scheidungsantrags (Endvermögen I) einen geringeren Wert als zum Tag der Trennung (Endvermögen II), so hat dieser Ehegatte darzulegen und zu beweisen, dass die Vermögensminderung von Endvermögen I auf Endvermögen II nicht auf Manipulationen und Verschwendungen im Sinne des § -> 1375 Abs.2 Nr. 1 bis 3 BGB zurückzuführen ist. Gelingt ihm der Beweis nicht, wird für die Berechnung des Zugwinns insoweit das Endvermögen II herangezogen. Mit dieser Regelungstechnik soll das Feld für Manipulationen auf die Zeit vor der Trennung zurückgedrängt werden (Walter Kogel, Arbeitshilfen: Illoyale Vermögensminderung im Zugewinnausgleich, in: FF 2016, 449). Bereits ab dem Stichtag der -> Trennung kann -> Auskunft über das Endvermögen zum Zeitpunkt der Trennung verlangt werden (§ 1379 Abs.2 BGB). Somit gibt es einen Anspruch auf Auskunft zum Vermögensbestand eines Ehegatten an drei unterschiedlichen Stichtagen.
vor dem Trennungsstichtag oder bei unbekanntem Trennungsstichtag
Jede Vermögenverschwendung bzw. illoyale Vermögensminderung i.S.d. § 1375 Abs.2 BGB, die nach Eintritt des Güterstandes erfolgt, kann dem Endvermögen für die Ermittlung des Zugewinns zugerechnet werden. Wer eine solche Vermögensverschwendung darlegen und beweisen will, die vor dem Trennungszeitpunkt stattgefunden hat, kann sich nicht auf die erleichterte Beweislastregelung des § 1375 Abs.2 S.2 BGB verlassen. Er benötigt also einen Auskunftsanspruch über die Vermögensverschwendung. Einen solchen Auskunftsanspruch leitet der BGH aus § 242 BGB ab (vgl. BGH, Beschluss vom 15.8.2012 - XII ZR 80/11; vgl. auch Walter Kogel, Arbeitshilfen: Illoyale Vermögensminderung im Zugewinnausgleich, in: FF 2016, 449). Dieser aus § 242 BGB abgeleitete allgemeine Auskunftsanspruch vor allen Dingen auch dann eingesetzt, wenn der genaue Trennungszeitpunkt nicht ermittelbar ist (was in der Praxis häufig der Fall ist). Falls der Ausgleichsberechtigte Kenntnis vom Vermögen der Gegenseite zum ungefähren Trennungsdatum hatte, ist der Verpflichtete gehalten, sich zum Verlust dieses konkret bezeichneten Vermögens lückenlos zu äußern (vgl. KG FamRZ 1998, 1514 („Schwund“ von 135.000 EUR); OLG Bremen FamRZ 1994, 94 (Fehlbetrag von 36.000 EUR bei guten Einkommensverhältnissen).
§ 1374 Abs.2 BGB - Gesetzestext
Vermögen, das ein Ehegatte nach Eintritt des Güterstands > von Todes wegen oder mit Rücksicht auf ein künftiges Erbrecht, durch > Schenkung oder als Ausstattung erwirbt, wird nach Abzug der Verbindlichkeiten dem Anfangsvermögen hinzugerechnet, soweit es nicht den Umständen nach zu den > Einkünften zu rechnen ist.
Nach § 1374 Abs.2 BGB ist nur Vermögen, das ein Ehegatte nach Eintritt des Güterstandes von Todes wegen oder mit Rücksicht auf ein künftiges Erbrecht, durch Schenkung oder als Ausstattung erwirbt, seinem Anfangsvermögen hinzuzurechnen und damit vom Zugewinnausgleich ausgenommen. § 1374 Abs.2 BGB kann auf einen sonstigen (anderen) Vermögenszuwachs auch nicht entsprechend angewendet werden (BGH, Beschluss vom 16. Oktober 2013 - XII ZB 277/12, Rn 12).Die Fälle des § 1374 Abs.2 BGB, in denen ein Zugewinnausgleich nicht stattfinden soll, stellen Ausnahmen von dem gesetzlichen Prinzip dar, wonach es für den Zugewinnausgleich grundsätzlich nicht darauf ankommt, ob und in welcher Weise der den Ausgleich fordernde Ehegatte zur Entstehung des Zugewinns beigetragen hat (Senatsurteil BGHZ 170, 324 = FamRZ 2007, 978 Rn. 16). Dabei sind die in § 1374 Abs. 2 BGB geregelten Ausnahmen nicht allein dadurch gerechtfertigt, dass der andere Ehegatte in diesen Fällen nicht zu dem Erwerb beigetragen hat. Ein wesentlicher Grund für die gesetzliche Ausnahmeregelung ist vielmehr, dass eine derartige Zuwendung meist auf persönlichen Beziehungen des erwerbenden Ehegatten zu dem Zuwendenden oder auf ähnlichen besonderen Umständen beruht (Senatsurteile BGHZ 170, 324 = FamRZ 2007, 978 Rn. 16; BGHZ 157, 379 = FamRZ 2004, 781, 782; BGHZ 130, 377 = FamRZ 1995, 1562, 1564; BGHZ 82, 145 = FamRZ 1982, 148; BGHZ 82, 149 = FamRZ 1982, 147; BGHZ 80, 384 = FamRZ 1981, 755, 756).
Erbschaften im Sinne von § 1374 Abs.2 BGB?
Schenkungen oder Einkünfte im Sinne von § 1374 Abs.2 BGB?
BGH, Urteil vom 06.11.2013 – XII ZB 434/12
(Zitat, Rn 29) „Das Gesetz definiert nicht näher, was in diesem Zusammenhang unter "Einkünften" zu verstehen ist. Mit der Zielsetzung, die der Zugewinnausgleich verfolgt, sollen nur Vermögenszuwächse ausgeglichen werden. Wenn dabei auch solche unentgeltlichen Zuwendungen nach § 1374 Abs. 2 BGB privilegiert wären, die nicht der Vermögensbildung, sondern von vornherein nur dem Verbrauch dienen, würde dies - zum Nachteil des anderen Ehegatten - zu einer ständigen Vergrößerung des Anfangsvermögens führen, ohne dass diese Zuwendungen im Endvermögen noch in nennenswertem Umfang in Erscheinung treten würden. Es würde dann nicht nur eine Nichtbeteiligung des anderen Ehegatten an diesen Zuwendungen, sondern faktisch sogar dessen Benachteiligung erreicht (OLG Bremen OLGR 1998, 205, 207; MünchKommBGB/Koch 6. Aufl. § 1374 Rn. 28; Erman/Budzikiewicz BGB 13. Aufl. § 1374 Rn. 20; Johannsen/Henrich/Jaeger Familienrecht 5. Aufl. § 1374 Rn. 39). Bei unentgeltlichen Zuwendungen im Sinne des § 1374 Abs. 2 BGB ist deshalb in erster Linie danach zu unterscheiden, ob sie zur Deckung des laufenden Lebensbedarfes dienen oder die Vermögensbildung fördern sollen. Das wird im Einzelfall unter Berücksichtigung des Anlasses der Zuwendung, der Willensrichtung des Zuwendenden und der wirtschaftlichen Verhältnisse des Zuwendungsempfängers zu beurteilen sein (Senatsbeschluss BGHZ 101, 229, 234 = FamRZ 1987, 910, 911).
OLG München, Hinweisbeschluss vom 28.10.2019 – 2 UF 831/19 (intern vorhanden, unser Az.: 519/16)
Einkommen oder Schenkung im Sinne von § 1374 Abs.2 BGB?
(Zitat) "Nach der gesetzgeberischen Zielsetzung sind Einkünfte einmalige oder regelmäßige Zuwendun­gen, die nicht zur Vermögensbildung, sondern zum laufenden Verbrauch bestimmt sind. Bei der jeweiligen Einzelfallprüfung sind der Anlass der Zuwendung, die Absicht des Zuwendenden und die wirtschaftlichen Verhältnisse des Empfängers zu berücksichtigen (Schulz/Hauß, Vermögensauseinandersetzung bei Trennung und Scheidung, 6. Auflage, Rn. 39; FA-FamR/Hammermann, 11. Aufl., Kap.9, Rdnr.115 ff). Nach vorherrschender Meinung sind auch größere Geldzuwendungen, wie für den Kauf eines Pkws oder einer Wohnungseinrichtung zu den Einkünften im Sinne von § 1374 Abs. 2 BGB zu rechnen. Anhaltspunkte für die Beurteilung, ob größere Geld- oder Sachzuwendungen Einkünfte darstellen, können sich - vergleichbar der Vermögensbewertung unsicherer Rechte - aus einer Prognose ergeben: Wie groß ist die Wahrscheinlichkeit, dass Zu­wendungen, falls die Ehe in ein paar Jahren scheitert, bereits verbraucht oder noch im Vermögen des begünstigten Ehegatten vorhanden sind? Ist die Wahrscheinlichkeit gering, dass die Zuwendungen noch vorhanden sind, spricht dies dafür, sie als Einkünfte zu bewerten (Schulz/Hauß a.a.O. Rn. 41, 43)."
Zuwendungen für den Haushalt und zur Deckung anderer laufende Lebensbedürfnisse
Zuwendungen für den Kauf eines PKW, um den Arbeitsplatz zu erreichen
Zuschüsse zur Finanzierung eines Eigenheims
Überlassen eines Bausparvertrages zum Erwerb oder Ausbau einer Wohnung.
Auskunft zum Vermögensbestand an Stichtagen
Wer anlässlich einer -> Scheidung (§ 1372 BGB) -> Zugewinnausgleich beansprucht, trägt die -> Darlegungs- und Beweislast für einen solchen Ausgleichsanspruch. Dieser ist gegeben, wenn der fordernde Ehegatte in der Ehezeit weniger an Vermögen hinzugewonnen hat, als der andere Ehegatte (§ 1373 BGB). Dazu müssen entsprechende -> Vermögensbilanzen der Ehegatten erstellt werden. Sind nicht alle Vermögenspositionen der Ehegatten bekannt (was der Regelfall ist), muss zur Vorbereitung eines Zugewinnausgleichanspruchs der andere Ehegatte zur -> Auskunft über seinen Vermögensbestand aufgefordert werden. Er hat dann die jeweiligen Vermögensbilanzen für -> drei Stichtage aufzustellen und zwar in Form eines geordneten Bestandsverzeichnisses i.S.d. § 260 BGB. Es sind alle einzelnen Vermögenspositionen anzugeben, also sämtliche Aktiva und Passiva (-> Totalitätsprinzip), sowie die maßgeblichen wertbildenden Faktoren (z.B. Bilanzen bei Firmen, bei Immobilien Grundstücksgröße, Wohnfläche, Baujahr u.s.w.). Der auf Auskunft in Anspruch Genommene hat zu den Vermögensgegenständen Belege vorzulegen. Die Belegpflicht gilt hinsichtlich des Bestands des Anfangs- und Endvermögens, einschließlich des privilegierten Vermögenserwerbs und illoyaler Vermögensverschiebungen und auch für das Trennungsvermögen (Endvermögen II). Weiter sieht das Gesetz den zusätzlichen Anspruch auf Wertermittlung gem. § 1379 Abs.1 S.3 BGB vor, der zugleich mit dem Auskunftsverlangen geltend gemacht werden kann. Für Das Anfangsvermögen bestimmt § 1377 Abs.2 S.3 BGB, dass jeder Ehegatte auf eigene Kosten den Wert des -> Anfangsvermögen durch Sachverständige feststellen lassen. Für das Endvermögen fehlt eine solche Vorschrift. Nach der Rechtsprechung besteht kein Anspruch auf Wertermittlung des -> Endvermögens durch einen Gutachter.
Auskunft zum Unternehmenswert im Zugewinnverfahren > Mehr
Der Streit um den Trennungszeitpunkt > Mehr
Verfahren und Beschwerdeverfahren zum Trennungszeitpunkt > Mehr
Kogel, Der Auskunftsanspruch zum Trennungszeitpunkt - leider ein gesetzgeberisches Stückwerk, in: NZFam 2018, 1119
OLG Brandenburg, Beschluss vom 05.03.2019 - 13 WF 27/19
zur Erfüllung der Auskunftspflicht im Zugewinnausgleich
1. Erfüllung tritt ein, wenn alle auskunftspflichtigen Umstände in formal ordnungsgemäßer Weise mitgeteilt worden sind. Daran fehlt es, wenn in sachlicher oder zeitlicher Hinsicht über Teile des Auskunftsgegenstandes überhaupt keine Auskunft erteilt worden ist.
2. Die Auskunft muss so umfangreich sein, dass dem Gläubiger eine hinreichend verlässliche Wertermittlung möglich ist. Bei einem Personenkraftfahrzeug sind daher regelmäßig mindestens zu nennen: das Fabrikat, das Modell, die Motorisierung, das Baujahr, die gefahrenen Kilometer, etwaige Sonderausstattung und Unfälle oder Unfallfreiheit.
3. Bei Hinzuerwerb während des gesetzlichen Güterstandes genügt zur Auskunftserteilung die Angabe des Hinzuerwerbs, des Erwerbsgrundes und, erforderlichenfalls, des Erwerbszeitpunktes.
4. Die Modalitäten einzelner Schenkungen sind zur vorläufigen Ermittlung des Zugewinnausgleichssaldos nicht erforderlich; sie sind bei streitigem Vortrag nötigenfalls im Betragsverfahren zu klären.
Auskunftsanspruch nach § 1379 BGB zur Abwehr eines Zugewinnausgleichanspruchs - Widerantrag
(Zitat, Rn 5,6) "Der Auskunftsanspruch steht beiden Ehegatten wechselseitig zu, um die im Wissen des jeweils anderen stehenden notwendigen Informationen für die Zugewinnausgleichsberechnung zu erhalten. Dabei kann dem Gesetz nicht entnommen werden, dass die Auskunft zwingend dem Zweck dienen muss, einen eigenen Anspruch auf Zugewinnausgleich zu verfolgen. Der Wortlaut der Vorschrift hebt im Gegenteil ausdrücklich hervor, dass jeder Ehegatte von dem anderen Ehegatten die Auskunft verlangen kann. Das schließt auch Auskunftsverlangen eines Ehegatten ein, dessen Zugewinn den des anderen von vornherein offensichtlich übersteigt. In dem Fall bedarf er der Auskunft nicht zur Verfolgung eines eigenen, sondern zur Ermittlung des gegen ihn selbst gerichteten Ausgleichsanspruchs.
Der Anspruch entfällt in solchen Fällen auch nicht deswegen, weil der andere Ehegatte seinen Zahlungsanspruch substanziiert darlegen muss. Als Schuldner der Ausgleichsforderung kann der Ausgleichspflichtige aus der vom Ausgleichsberechtigten erteilten Auskunft Konsequenzen ziehen, etwa indem er die Forderung anerkennt oder sie ganz oder teilweise bestreitet. So wie es dem Ausgleichsberechtigten mit der Verfolgung seines Auskunftsverlangens darum geht, alle der Begründung seines Anspruchs dienenden Tatsachen mitgeteilt zu erhalten, hat auch der Ausgleichspflichtige ein berechtigtes Interesse daran, alle Umstände zu erfahren, die seiner Rechtsverteidigung gegen den Ausgleichsanspruch dienen können (OLG München NJW 1969, 881, 882; Staudinger/Thiele BGB [2017] § 1379 Rn. 6; Hoppenz Familiensachen 9. Aufl. § 1379 BGB Rn. 2 f.; Löhnig NZFam 2017, 363, 364). Jeder Ehegatte hat deshalb grundsätzlich nach Beendigung des Güterstands der Zugewinngemeinschaft gegen den anderen Ehegatten einen Anspruch auf Auskunft im Sinne des § 1379 BGB ohne Rücksicht darauf, ob er tatsächlich einen Ausgleich fordern kann (Senatsurteil vom 17. Oktober 2012 ­ XII ZR 101/10 ­ FamRZ 2013, 103 Rn. 24 mwN).
bb) Soweit der Senat in seiner bisherigen Rechtsprechung Auskunftsverlangen als rechtsmissbräuchlich bezeichnet hat, wenn dem Auskunft Begehrenden unzweifelhaft keine eigene Ausgleichsforderung zusteht (Senatsurteil vom 17. Oktober 2012 ­ XII ZR 101/10 ­ FamRZ 2013, 103 Rn. 24 mwN), betraf dies nicht den Fall, in dem die Auskunft noch für die Ermittlung oder Abwehr eines Gegenanspruchs von Bedeutung sein kann."
Zur Feststellung eines Zugwinns wird jeder Vermögensgegenstand erfasst. Ausnahmen davon können nur im wege einer notariellen Vereinbarung geschaffen werden.
Diese Bilanzierungstechnik ist für den Zugwinn eines jeden der Ehegatten anzuwenden. Damit sind insgesamt > vier Vermögensbilanzen aufzustellen
Die > Zugewinnausgleichsforderung steht demjenigen Ehegatten zu, der den geringern Zugewinn hat.
Verfahren für den Zugewinnausgleich
Wer den > Zugewinnausgleichsanspruch nach § 1378 BGB gerichtlich durchsetzen will, muss dazu ein Verfahren in einer Güterrechtssache (§§ 261 FamFG) anstreben. Wie das Verfahren am effektivsten gestaltet werden kann, erfahren Sie > hier
AG Ebersberg - 2 F 69/16, Zwangsgeldantrag zur Vollstreckung des Auskunftsanspruchs zum Vermögensbestand, unser Az.: 515/16
AG Straubing - 003 F 896/15, Zahlungsantrag wegen Zugewinnausgleich im Verbund, unser Az.: 426/17 (D3/218-18)
AG Aichach - zur Erstellung der Vermögensbestandsverzeichnisse - Wie ist Auskunft zu erteilen?, unser Az.: 17/16 (D3/219-16)
AG Dachau - 001 F 581/14, Auskunftsstufenantrag wegen Zugewinn, unser Az.: 254/14 (D3/795-14)
AG Dachau - 001 F 581/14, Zahlungsantrag wegen Zugewinn, unser Az.: 254/14 (D3/503-15)