Source: http://www.deutschestextarchiv.de/book/view/savigny_system03_1840?p=410
Timestamp: 2019-03-22 02:26:36
Document Index: 192053358

Matched Legal Cases: ['§ 35', '§ 2', '§ 35', '§ 2', '§ 35', '§ 2']

zu vergüten hat (b). Da nun nach der oben mitgetheilten
Stelle der redliche Besitz, ungeachtet des Rechtsirrthums,
unbedingt als vorhanden anerkannt wird, so ist eben da-
durch dem Rechtsirrthum die Kraft zugeschrieben, nicht nur
die Abwendung des Schadens, sondern auch die Erwerbung
eines reinen Gewinns zu vermitteln.
Eine ähnliche, vielleicht noch wichtigere, Frage ent-
steht für die Beziehung des Irrthums auf die Klagver-
jährung. Diese Beziehung kommt auf zweyerley Weise
vor: bey dem Irrthum des Klagberechtigten, wovon wei-
ter unten, bey den Unterlassungen, die Rede seyn wird
(Num. XXV.); bey dem des Beklagten, welcher Irrthum
hier zu erwägen ist, indem er mit einer delictähnlichen
Handlung des Beklagten in Verbindung steht.
Die Klagverjährung wird größtentheils vom Römi-
schen Recht als bloße Versäumniß des Klagberechtigten
behandelt, ganz ohne Rücksicht auf das Verhalten des
möglichen Beklagten. Nur zu der longi temporis prae-
scriptio war es nöthig, daß der Besitzer gerade so besitze,
wie zum Zweck der Usucapion, also mit redlichem Be-
wußtseyn und mit einem Titel des Besitzes. Dabey also
müssen unzweifelhaft, auch in Beziehung auf den Irrthum,
und namentlich den Rechtsirrthum, genau dieselben Re-
(b) § 35 J. de rer. divis. (2. 1.), § 2 J. de off. jud. (4. 27.).
Stelle der redliche Beſitz, ungeachtet des Rechtsirrthums,
unbedingt als vorhanden anerkannt wird, ſo iſt eben da-
durch dem Rechtsirrthum die Kraft zugeſchrieben, nicht nur
die Abwendung des Schadens, ſondern auch die Erwerbung
ſteht für die Beziehung des Irrthums auf die Klagver-
jährung. Dieſe Beziehung kommt auf zweyerley Weiſe
ter unten, bey den Unterlaſſungen, die Rede ſeyn wird
hier zu erwägen iſt, indem er mit einer delictähnlichen
Handlung des Beklagten in Verbindung ſteht.
ſchen Recht als bloße Verſäumniß des Klagberechtigten
behandelt, ganz ohne Rückſicht auf das Verhalten des
scriptio war es nöthig, daß der Beſitzer gerade ſo beſitze,
wie zum Zweck der Uſucapion, alſo mit redlichem Be-
wußtſeyn und mit einem Titel des Beſitzes. Dabey alſo
müſſen unzweifelhaft, auch in Beziehung auf den Irrthum,
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[398/0410] Beylage VIII. zu vergüten hat (b). Da nun nach der oben mitgetheilten Stelle der redliche Beſitz, ungeachtet des Rechtsirrthums, unbedingt als vorhanden anerkannt wird, ſo iſt eben da- durch dem Rechtsirrthum die Kraft zugeſchrieben, nicht nur die Abwendung des Schadens, ſondern auch die Erwerbung eines reinen Gewinns zu vermitteln. XXIII. Eine ähnliche, vielleicht noch wichtigere, Frage ent- ſteht für die Beziehung des Irrthums auf die Klagver- jährung. Dieſe Beziehung kommt auf zweyerley Weiſe vor: bey dem Irrthum des Klagberechtigten, wovon wei- ter unten, bey den Unterlaſſungen, die Rede ſeyn wird (Num. XXV.); bey dem des Beklagten, welcher Irrthum hier zu erwägen iſt, indem er mit einer delictähnlichen Handlung des Beklagten in Verbindung ſteht. Die Klagverjährung wird größtentheils vom Römi- ſchen Recht als bloße Verſäumniß des Klagberechtigten behandelt, ganz ohne Rückſicht auf das Verhalten des möglichen Beklagten. Nur zu der longi temporis prae- scriptio war es nöthig, daß der Beſitzer gerade ſo beſitze, wie zum Zweck der Uſucapion, alſo mit redlichem Be- wußtſeyn und mit einem Titel des Beſitzes. Dabey alſo müſſen unzweifelhaft, auch in Beziehung auf den Irrthum, und namentlich den Rechtsirrthum, genau dieſelben Re- (b) § 35 J. de rer. divis. (2. 1.), § 2 J. de off. jud. (4. 27.).
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Zitationshilfe: Savigny, Friedrich Carl von: System des heutigen Römischen Rechts. Bd. 3. Berlin, 1840, S. 398. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/savigny_system03_1840/410>, abgerufen am 22.03.2019.