Source: https://deutsches-erbenzentrum.de/themen/nachlassverzeichnis
Timestamp: 2019-12-13 02:49:02
Document Index: 164171674

Matched Legal Cases: ['§ 2314', '§ 2121', '§ 2314', '§ 2215', '§ 1995', '§ 1996', '§ 1994', '§ 2314', '§ 2001', '§ 2006', '§ 2006']

Nachlassverzeichnis | Deutsches Erbenzentrum
Nachlassverzeichnis – was ist das ?
Welche Arten von Nachlassverzeichnissen gibt es?
Wer für die Angaben im Nachlassverzeichnis haftet
Wofür wird ein Nachlassverzeichnis benötigt?
Wer kann von wem ein Nachlassverzeichnis verlangen?
Wie sieht ein Nachlassverzeichnis aus?
Wie wird ein Nachlassverzeichnis erstellt?
Nachlassverzeichnis: Was gehört rein?
Welche Rolle spielt der Nachlasswert?
Nachlassverzeichnisses – was kostet es?
Nachlassverzeichnis – wer trägt die Kosten?
Was tun, wenn das Nachlassverzeichnis Fehler enthält oder unvollständig ist?
Ein Nachlassverzeichnis dient dazu, einen Überblick über sämtliche Nachlassgegenstände und Vermögenswerte zu erhalten. Daher wird es auch als Inventar bezeichnet. Das kann insbesondere dann wichtig sein, wenn er sehr umfangreich ist und die Erben keinen genauen Überblick über das Erbe im Ganzen haben. Je nach Umfang des Nachlasses kann das Erstellen eines Nachlassverzeichnisses zu einer Detektivarbeit werden – etwa dann, wenn der Erblasser keine geordneten Unterlagen hinterlassen hat und der Hausrat zahlreiche wertvolle Gegenstände umfasst.
Das Nachlassverzeichnis bildet außerdem die Grundlage für die Ermittlung des Nachlasswerts. Dabei ist jeweils der Wert zugrunde zu legen, der am Tag galt, als der Erbfall eintrat (abzüglich der damit zusammenhängenden Kosten).
Erben dürfen nach deutschem Recht ein sogenanntes privates Nachlassverzeichnis erstellen, das auch als einfaches Nachlassverzeichnis oder Inventar bezeichnet wird. Es gibt jedoch eine Ausnahme: Fordern Pflichtteilsberechtigte gemäß § 2314 BGB ein notarielles Nachlassverzeichnis, müssen die Erben diesem Wunsch nachkommen. Ein Notar erstellt ein solches. Das notarielle Nachlassverzeichnis wird auch als Nachlassinventar bezeichnet.
Tipp: Details zum Thema Nachlassverzeichnis und Notar finden Sie in unserem Beitrag „Notarielles Nachlassverzeichnis“.
Wer steht eigentlich dafür gerade, dass die Angaben im Nachlassverzeichnis vollständig und korrekt sind? Das hängt davon ab, wer es erstellt hat: Beim privaten haften grundsätzlich die Erben, beim notariellen der Notar.
Es gibt im Erbrecht mehrere Gründe dafür, dass ein Nachlassverzeichnis erstellt wird. Zum einen wird es in folgenden Fällen benötigt:
• Wenn der Erblasser einen Testamentsvollstrecker benannt hat
• Wenn Erbschaftssteuer anfällt – dann verlangt das Finanzamt eine solche Aufstellung
Zum anderen können Pflichtteilsberechtigte ein Nachlassverzeichnis verlangen (siehe nächste Frage).
Es gibt zudem auch Konstellationen, in denen das Erstellen eines Nachlassverzeichnisses sinnvoll ist. Das gilt bei Erbengemeinschaften und für den Fall, dass der Erblasser möglicherweise hohe Schulden hinterlassen haben könnte. Erben können dann besser einschätzen, ob sie das Erbe annehmen oder ausschlagen sollten. Zudem kann das Nachlassverzeichnis hilfreich sein, um beispielsweise eine Nachlassverwaltung oder ein Nachlassinsolvenzverfahren zu erreichen. Beide Optionen bieten für Erben den Vorteil, dass sie ihre Haftung auf den Nachlass begrenzen.
Das deutsche Erbrecht gibt mehreren Personengruppen die Möglichkeit, ein Nachlassverzeichnis einzufordern. Dazu gehören:
Vermächtnisnehmer unter gewissen Umständen
Nacherben (gemäß § 2121 BGB müssen sie sich an die Vorerben wenden)
Pflichtteilsberechtigte (gemäß § 2314 BGB gegenüber den Erben), die ihren Anspruch auf den Pflichtteil geltend machen wollen.
Gemäß § 2215 BGB auch Erben, falls der Erblasser im Testament die Testamentsvollstreckung angeordnet hat. Dann muss der Testamentsvollstrecker ihnen ein entsprechendes Verzeichnis aushändigen.
Wichtig zu wissen: Gegenüber Gläubigern sieht § 1995 BGB eine Frist von mindestens einem und höchstens drei Monaten vor. Gemäß § 1996 BGB kann jedoch eine Fristverlängerung beantragt werden. Wird das Nachlassverzeichnis von den Erben nicht binnen der gesetzten Frist erstellt, haften sie gemäß § 1994 BGB mit ihrem gesamten Vermögen für die Nachlassverbindlichkeiten.
Tipp: Weitere Informationen zu Pflichtteilsberechtigten finden Sie in unseren Beiträgen zum Thema „Pflichtteil Erbe“.
Das Nachlassverzeichnis muss folgende Angaben enthalten:
Tipp: Auch ein Fachanwalt für Erbrecht kann Sie bei der Erstellung des Nachlassverzeichnisses unterstützen.
Im Nachlassverzeichnis werden sämtliche Vermögenswerte aufgeführt. Pflichtteilsberechtigte können zudem gemäß § 2314 BGB die Wertermittlung verlangen – und zwar auch über einen Gutachter. Die Kosten schmälern aber unter Umständen den Nachlass. Bei geerbten selbstgenutzten Immobilien kommt in der Regel das sogenannte Vergleichswertverfahren zum Einsatz, bei vermieteten das Ertragswertverfahren. Geht es um Grundstücke, wird der Bodenrichtwert herangezogen, bei Aktiendepots bildet der Kurs am Todestag des Erblassers die Bemessungsgrundlage für die Bewertung.
Das Nachlassverzeichnis gibt Auskunft über sämtliche Vermögenswerte. Folgende Vermögensgegenstände müssen im Nachlassverzeichnis aufgeführt werden:
Geldvermögen (inklusive Angaben zur Bankverbindung)
Barvermögen, Konten, Wertpapierdepots, Spar- und Bausparverträge
Immobilien (jeweils mit Angaben zum Objekt, gegebenenfalls Mieterliste und Mieterträge)
Wertgegenstände/ Persönliche Gegenstände
• Sammlungen (beispielsweise Münzen)
• Technische Geräte (beispielsweise Kameras)
• Fahrzeuge (inklusive Zulassungsnummer, Angaben zum Modell, Hersteller, Baujahr, Kilometerstand)
Firmenanteile (inklusive Angaben zum Firmennamen, Handelsregistereintrag, Anteil, Anschrift)
Forderungen des Erblassers gegenüber Dritten, beispielsweise:
• Steuerrückerstattungen
• Erstattungen anderer Art
• Darlehensansprüche
Geldwerte Rechte
• Rechte, die sich aus Erbfällen ableiten
• Patente/ Urheberrechte o.ä.
Versicherungsverträge (Vertragsart, Angaben zum Anbieter, Versicherungssumme)
Hausrat (jeweiliger Anschaffungswert, Angaben zu Typ, Zustand, Alter)
• Wertvolles Besteck/ Geschirr
• Wertvolle Einrichtungsgegenstände (zum Beispiel Antiquitäten, Teppiche)
• Möbel und Kücheneinrichtung
Neben den Vermögenswerten müssen auch alle Verbindlichkeiten ermittelt und aufgelistet werden, beispielsweise:
Sämtliche Erblasserschulden (einschließlich Angaben zum Gläubiger)
• Steuerschulden
• Hypotheken/ Grundschulden (mit Angabe der Grundbuchbezeichnung)
Je nach Güterstand: Zugewinn des überlebenden Ehepartners
Erbfallschulden (inklusive Angaben zu den Gläubigern)
• Kosten, die im Zusammenhang mit dem Nachlass stehen – beispielsweise für einen Nachlassverwalter
• Bestattungskosten, Kosten für die Grabpflege
• Kosten für Sachverständige, falls dies für das Erstellen des Nachlassverzeichnisses erforderlich ist
• Sparkonten für Dritte
• Stiftungen des Erblassers
• Lebensversicherungen mit Bezugsberechtigung (Rückkaufswert zum Todestag)
• Zuwendungen zwischen Ehegatten
• Nießbrauchrechte/ Wohnungsrechte
• Übertragene Immobilien
Vollständige Übersicht über Vermögensgegenstände und Verbindlichkeiten (gemäß § 2001 BGB inklusive Beschreibung pro Nachlassgegenstand)
Tipp: Einfach online eine Vorlage für ein Nachlassverzeichnis herunterladen und auf die Schnelle ausfüllen? Dabei sollten Sie sehr sorgfältig vorgehen, denn gemäß § 2006 Absatz 1 BGB kann z.B. der Nachlassgläubiger vom Erben eine eidesstattliche Versicherung über die Vollständigkeit des Nachlassverzeichnisses verlangen.
Das Nachlassverzeichnis ist auch deshalb wichtig, weil es als Grundlage für die Ermittlung des Nachlasswerts dient. Dieser ist wiederum für die Ermittlung der Erbschaftssteuer durch das Finanzamt relevant. Außerdem bildet es für Pflichtteilsberechtigte die Grundlage für die Entscheidung, ob sie ihren Pflichtteilsanspruch geltend machen wollen oder nicht, gleiches gilt überlebenden Ehegatten in Bezug auf den Zugewinnausgleich. Auch für Gläubiger ist der Nachlasswert wichtig, ebenso für die Kostenermittlung beim notariellen Nachlassverzeichnis sowie für die Gebührenberechnung bei einer eidesstattlichen Versicherung.
Für ein privates Nachlassverzeichnis fallen nur dann Kosten an, wenn Sachverständige hinzugezogen werden – etwa, um den Verkehrswert einer Immobilie zu ermitteln. Zudem fallen gemäß dem Gerichts- und Notarkostengesetz (GNotKG) Kosten für eine eidesstattliche Versicherung an, falls Pflichtteilsberechtigte dies wünschen.
Geht es um ein notarielles Nachlassverzeichnis, fällt die zweifache Gebühr gemäß GNotK an. Ein Beispiel: Für einen Nachlasswert von 200.000 Euro fallen 870 Euro zuzüglich Mehrwertsteuer an Notarkosten an. Für eine eidesstattliche Versicherung wären bei diesem Nachlasswert rund 435 Euro zuzüglich Mehrwertsteuer einzukalkulieren. Übernimmt ein Nachlassverwalter die Aufgabe, ein Inventar zu errichten, fallen für dessen Tätigkeit Kosten an.
Tipp: Mit dem kostenlosen Notarkostenrechner der Bundesnotarkammer können Sie die Gebühren für ein notarielles Nachlassverzeichnis ermitteln. Beachten Sie jedoch, dass der so ermittelte Wert noch keine Mehrwertsteuer enthält.
Die Kosten für das Errichten eines Inventars werden aus dem Nachlass beglichen. Die Erben müssen also lediglich die Kosten für die eidesstattliche Versicherung übernehmen, die sie gegebenenfalls abgeben müssen.
Ein notarielles Nachlassverzeichnis wird per se als vollständig und korrekt angesehen wird. Aus diesem Grund fordern Pflichtteilsberechtigte dies in der Regel bei Erbstreitigkeiten an.
Anders verhält es sich beim privaten Nachlassverzeichnis: Besteht der Verdacht, dass es fehlerhaft oder unvollständig sein könnte, kann zusätzlich ein notarielles Nachlassverzeichnis angefordert werden. Als Alternative bietet es sich an, von den Erben gemäß § 2006 BGB eine eidesstattliche Versicherung zu fordern. Dies bewirkt, dass sie strafrechtlich verfolgt werden können, falls sie absichtlich Falschangaben gemacht haben sollten.
Das Erstellen eines Nachlassverzeichnisses kann für Erben mitunter zu einer lästigen Aufgabe werden, die auch Haftungsrisiken birgt. Im Zweifelsfall ist es ratsam, einen Notar damit zu beauftragen. Wünschen Pflichtteilsberechtigte dies, ist ebenfalls ein Notar erforderlich.
Manchmal muss das Nachlassverzeichnis von einem Notar erstellt werden. Die Besonderheiten.