Source: http://www.hensche.de/Arbeitsrecht-Urteile-Kuendigung-wegen-Sachbeschaedigung-LAG-Rheinland-Pfalz-3SA356-16-19.12.2016-u.html
Timestamp: 2019-01-24 00:31:57
Document Index: 149702190

Matched Legal Cases: ['§ 64', '§ 64', '§ 518', '§ 626', '§ 626', '§ 626', '§ 626', '§ 626', '§ 9', '§ 626', '§ 626', '§ 626', '§ 626', '§ 626', '§ 9', '§ 626', '§ 626', '§ 626', '§ 626', '§ 626', '§ 626', '§ 626', '§ 626', '§ 1', '§ 1', '§ 626', '§ 626', '§ 626', '§ 626', '§ 626', '§ 626', '§ 626', '§ 1', '§ 1', '§ 626', '§ 626', '§ 626', '§ 626', '§ 626', '§ 611', '§ 626', '§ 611', '§ 626', '§ 9', '§ 626', '§ 626', '§ 626', '§ 626', '§ 1', '§ 123', '§ 626', '§ 626', '§ 626', '§ 286', '§ 626', '§ 23', '§ 626', '§ 1', '§ 626', '§ 138', '§ 626', '§ 626', '§ 626', '§ 286', '§ 286', '§ 286', '§ 286', 'BGH', '§ 626', '§ 241', '§ 241', '§ 69', '§ 626', '§ 102', '§ 69', '§ 249', '§ 69']

LAG Rheinland-Pfalz, Urteil vom 19.12.2016, 3 Sa 356/16 - HENSCHE Arbeitsrecht
LAG Rhein­land-Pfalz, Ur­teil vom 19.12.2016, 3 Sa 356/16
Aktenzeichen: 3 Sa 356/16
Vorinstanzen: Arbeitsgericht Ludwigshafen, Urteil vom 30.06.2016, 8 Ca 398/16
8 Ca 398/16
Jus­ti­zin­spek­to­rin
Pro­zess­be­vollmäch­tig­te/r: Ge­werk­schaft B., B-Straße, B-Stadt
Fir­ma C, C-Straße, C-Stadt
Pro­zess­be­vollmäch­tig­te/r: Ar­beit­ge­ber­ver­band D., D-Straße, D-Stadt
hat die 3. Kam­mer des Lan­des­ar­beits­ge­richts Rhein­land-Pfalz auf die münd­li­che Ver­hand­lung vom 19. De­zem­ber 2016 durch den Vor­sit­zen­den Rich­ter am Lan­des­ar­beits­ge­richt Dr. Dörner als Vor­sit­zen­den und den eh­ren­amt­li­chen Rich­ter Klein und den eh­ren­amt­li­chen Rich­ter Isilak als Bei­sit­zer für Recht er­kannt:
1. Die Be­ru­fung des Klägers ge­gen das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts Lud­wig­sha-
Die Par­tei­en des vor­lie­gen­den Rechts­streits strei­ten über die Wirk­sam­keit ei­ner außer­or­dent­li­chen Kündi­gung und über ei­ne wi­der­kla­gend gel­tend ge­mach­te Scha­den­er­satz­for­de­rung der Be­klag­ten ge­genüber dem Kläger.
Der 1965 ge­bo­re­ne, ge­schie­de­ne und ge­genüber drei Kin­dern un­ter­halts­ver­pflich­te­te Kläger ist bei der Be­klag­ten seit dem 16.10.1995 ge­gen ein Brut­to­mo­nats­ent­gelt von zu­letzt 3.544,00 € beschäftigt. Er war zu­letzt als Che­mie­fach­ar­bei­ter im voll­kon­ti­nu­ier­li­chen Wech­sel­schicht­be­trieb in der C-Schicht der O.-Fa­brik ein­ge­setzt.
Bei der Be­klag­ten sind ca. 38.000 Ar­beit­neh­mer beschäftigt. Es be­steht ein Be­triebs­rat.
In der O.-Fa­brik wird in drei Band­re­ak­to­ren durch Po­ly­me­ri­sa­ti­on von Iso­bu­ten bei mi­nus 100 Grad Cel­si­us hoch­mo­le­ku­la­res Op­pa­nol her­ge­stellt. Da­bei wird flüssi­ges Ethen als Lösungs- und in­ter­nes Kälte­mit­tel ein­ge­setzt. Die Auf­ga­be des Klägers be­stand dar­in, die Band­re­ak­to­ren über ei­nen zu­ge­ord­ne­ten Touch­screen im Re­ak­tor­raum zu steu­ern und Rei­ni­gungs­ar­bei­ten in den Re­ak­to­ren vor­zu­neh­men.
Bei Ethen und Iso­bu­ten han­delt es sich um hoch­entzünd­li­che Stof­fe. Der Re­ak­tor­raum ist da­her ein sog. Ex-Be­trieb. Dort gel­ten be­son­de­re Schutz­be­stim­mun­gen und -maßnah­men zur Ver­mei­dung elek­tro­sta­ti­scher Ent­la­dun­gen, die even­tu­ell im Raum be­find­li­ches Gas in zündfähi­ger At­mo­sphäre entzünden und zur Ver­puf­fung oder Ex­plo­si­on brin­gen könn­ten. Des­halb müssen der ge­sam­te Re­ak­tor so­wie die
zum Be­dien­sys­tem gehören­den Touch­screen-Mo­ni­to­re und ih­re Be­dien­pa­nels ex­pli­zit für den Ein­satz in Ex-Zo­nen zu­ge­las­sen sein und den ent­spre­chen­den Si­cher­heits­an­for­de­run­gen genügen. Die Mit­ar­bei­ter der O.-Fa­brik wer­den für ih­ren Ein­satz im Ex-Be­trieb be­son­ders ge­schult.
Die Re­ak­to­ren 1 und 2 ste­hen räum­lich sehr eng bei­ein­an­der und können von ei­nem Be­dien­pa­nel ge­steu­ert wer­den, das sich in der Nähe bei­der Re­ak­to­ren be­fin­det. Dort ste­hen drei Bild­schir­me. Re­ak­tor 3 be­fin­det sich räum­lich ge­trennt in ei­nem an­de­ren Be­reich des Re­ak­tor­raums. Dort ste­hen zwei wei­te­re Bild­schir­me für die­sen Re­ak­tor. Von al­len 5 Bild­schir­men können zwar die glei­chen In­for­ma­tio­nen ab­ge­ru­fen und Steu­er­be­feh­le ein­ge­ge­ben wer­den. Auf­grund der räum­li­chen Tren­nung ste­hen für die Re­ak­to­ren 1 und 2 aber nur die drei Bild­schir­me in der Nähe zur Verfügung, weil die­se Re­ak­to­ren nur teil­wei­se elek­tro­nisch, teil­wei­se aber auch ma­nu­ell di­rekt am Re­ak­tor ge­steu­ert wer­den müssen.
Die Front­glas­schei­be des Touch­screen-Mo­ni­tors muss im Rah­men der EG-Bau­mus­ter­prüfung ei­nen in der Ex-Norm de­fi­nier­ten Schlag­test mit ei­ner Schla­g­ener­gie von 4 Joule und ei­nen an­sch­ließen­den Druck­test von 2 bar un­beschädigt über­ste­hen.
Am 17.01.2012 kam es bei der Rei­ni­gung des Band­re­ak­tors 1 zu ei­nem Brand, der zu ei­nem re­pa­ra­tur­bedürf­ti­gen Scha­den von 50.000,-- EUR und ei­nem Pro­duk­ti­ons­aus­fall im Wert von 170.000,-- EUR führ­te. Die Ur­sa­chen­for­schung der Be­triebs­lei­tung kam zu dem Er­geb­nis, dass sich beim Öff­nen des Re­ak­tors mut­maßlich noch Iso­bu­ten in flüssi­ger Form an der tiefs­ten Stel­le des Re­ak­tors be­fun­den hat­te, das auf­grund der mit höhe­rer Tem­pe­ra­tur ein­strömen­den Luft sehr schnell sei­nen Sie­de­punkt von -8 Grad Cel­si­us er­reicht hat­te, ver­dampf­te und zu der ein­ge­tre­te­nen Zündung bei­trug.
Ne­ben der Aufklärung der Mit­ar­bei­ter wur­de als wei­te­res Si­che­rungs­in­stru­ment ein In­fra­rot-Tem­pe­ra­tur­messfühler ein­ge­baut, der an der Außen­sei­te der tiefs­ten Stel-
le des Re­ak­tors die In­nen­tem­pe­ra­tur nach dem Spülgang mit Stick­stoff erfühlt. So­lan­ge die Tem­pe­ra­tur un­ter 0 Grad Cel­si­us liegt, lei­tet der Fühler sys­tem­sei­tig ei­ne zwei­te Stick­stoffspülung ein, die rund 30 Mi­nu­ten dau­ert, und ver­hin­dert bis zu de­ren Ab­schluss ei­ne Öff­nung des Re­ak­tors.
Im Herbst 2013 hat­ten Mit­ar­bei­ter zur Ver­mei­dung die­ser zwei­ten Spülung den Tem­pe­ra­turfühler nach der ers­ten Spülung mit ei­nem Lap­pen um­wi­ckelt. Da­mit mel­de­te der so iso­lier­te Fühler an das Steue­rungs­sys­tem ei­ne Tem­pe­ra­tur über 0 Grad Cel­si­us. Die Be­triebs­lei­tung be­lehr­te die Mit­ar­bei­ter in ei­ner Sit­zung am 27.03.2014 noch­mals über das Ver­bot jeg­li­cher Ma­ni­pu­la­tio­nen an Si­cher­heits­ein­rich­tun­gen. Zur wei­te­ren Dar­stel­lung wei­te­rer Vor­keh­run­gen der Be­klag­ten, die zwi­schen den Par­tei­en un­strei­tig ist, wird auf den un­strei­ti­gen Tat­be­stand der an­ge­foch­te­nen Ent­schei­dung zur Ver­mei­dung von Wie­der­ho­lun­gen (S. 4 = Bl. 154 d. A.) Be­zug ge­nom­men.
Am 04.04.2015 stell­te der Schichtführer der B-Schicht fest, dass der Re­ak­tor 2 seit dem 02.04.2015, 10:30 Uhr im Plus­grad­be­reich war. Bei der Kon­trol­le ent­deck­te er, dass der Tem­pe­ra­tur­messfühler zum Re­ak­tor hin mit Iso­lier-Kle­be­band ab­ge­klebt und außer Funk­ti­on ge­setzt wor­den war. Der Kläger räum­te dar­auf­hin in ei­ner Be­fra­gung vor dem Er­mitt­lungs­dienst ein, dass er die Ma­ni­pu­la­ti­on vor­ge­nom­men hat­te. Die Be­klag­te erklärte dem Kläger für die­sen Vor­fall mit Da­tum vom 18.05.2015 ei­ne Ab­mah­nung.
In der Nacht­schicht vom 13. auf den 14.02.2016 führ­te der Schichtführer zwi­schen 21 und 22 Uhr mit dem Kläger ein Be­ur­tei­lungs­gespräch. In des­sen Ver­lauf wur­de dem Kläger mit­ge­teilt, dass er nicht „best team“ be­wer­tet wer­de und da­her für das Jahr 2015 le­dig­lich ei­ne persönli­che Er­folgs­be­tei­li­gung (PEB) von 60 % er­hal­te. Dies hat den Kläger verärgert. Als der Schichtführer kurz vor Mit­ter­nacht den Re­ak­tor­raum be­trat, wies ihn der Kläger dar­auf hin, dass er mit der rech­ten Han­din­nen­sei­te ge­gen den mitt­le­ren der drei Mo­ni­to­re ge­schla­gen hat. Das Schutz­glas des Mo­ni­tors war dar­auf­hin ge­ris­sen; in­so­weit wird auf das Fo­to (Bl. 61 d. A.) ver-
wie­sen. Die­se Fo­to hat die Be­klag­ten zur Ge­richts­ak­te ge­reicht. Auf Nach­fra­ge, war­um er das ge­tan hat, hat der Kläger erklärt, er ha­be aus Wut ge­gen den Mo­ni­tor ge­schla­gen, weil der von ihm zu be­treu­en­de Re­ak­tor 1 in die­ser Nacht nicht rich­tig ge­lau­fen sei und er ihn mehr­fach ha­be ab­stel­len muss­te.
Der Schichtführer mel­de­te den Vor­gang te­le­fo­nisch an den Pro­duk­ti­ons­ma­na­ger. Die­ser verständig­te am Mon­tag, 15.02.2016 den Be­triebs­lei­ter.
Für die Wie­der­be­schaf­fung des beschädig­ten Mo­ni­tors und des da­zu gehöri­gen Be­dien­pa­nels stell­te die Fa. R. GmbH, K., der Be­klag­ten am 10.03.2016 7.811,50 EUR net­to in Rech­nung.
Die Be­klag­te hat dar­auf­hin den Be­triebs­rat mit Schrei­ben vom 25.02.2016 zur be­ab­sich­tig­ten Kündi­gung des Klägers an­gehört. In dem Schrei­ben wur­de mit­ge­teilt, dass der Kläger mit der Beschädi­gung des Touch­screen-Bild­schirms ei­nen Scha­den in Höhe von ca. 4.000,-- EUR ver­ur­sacht ha­be. Der Kündi­gungs­schutz­aus­schuss des Be­triebs­rats nahm da­zu ab­sch­ließend mit Schrei­ben vom 29.02.2016 Stel­lung. Hin­sicht­lich des In­halts des Anhörungs­schrei­bens an den Be­triebs­rat wird auf Bl. 69, 72 d. A. Be­zug ge­nom­men. Er er­hob Be­den­ken ge­gen die be­ab­sich­tig­te außer­or­dent­li­che Kündi­gung und wi­der­sprach der hilfs­wei­sen frist­gemäßen Kündi­gung.
Mit Schrei­ben vom 29.02.2016 hat die Be­klag­te das Ar­beits­verhält­nis frist­los gekündigt, hilfs­wei­se frist­gemäß zum 30.09.2016.
Da­ge­gen rich­tet sich die am 04.03.2016 beim Ar­beits­ge­richt ein­ge­gan­ge­ne Kündi­gungs­schutz­kla­ge, die der Be­klag­ten am 10.03.2016 zu­ge­stellt wur­de. Mit Schrift­satz vom 26.04.2016, dem Kläger zu­ge­stellt am 02.05.2016, hat die Be­klag­te Wi­der­kla­ge er­ho­ben.
es sei In sei­nem Ar­beits­be­reich im April 2015 üblich ge­we­sen, den Tem­pe­ra­turfühler mit Iso­lier-Kle­be­band ab­zu­kle­ben, um ei­ne zwei­ten Spülgang zu ver­hin­dern und mit der Pro­duk­ti­on der nächs­ten Char­ge früher star­ten zu können. Auch an­de­re Mit­ar­bei­ter sei­en des­halb sank­tio­niert wor­den.
Nach­dem der Re­ak­tor 1 in der Nacht­schicht vom 13. auf den 14.02.2016 in­ner­halb kürzes­ter Zeit wie­der­holt aus­ge­fal­len sei, ha­be er in ei­ner Kurz­schluss­re­ak­ti­on mit der fla­chen Hand auf den Mo­ni­tor ge­schla­gen mit den Wor­ten: „War­um läufst du wie­der nicht“. Er ha­be nicht ge­wusst, dass die Schei­be durch den Schlag ka­putt ge­he, sonst hätte er dies un­ter­las­sen. Nach dem Schlag ha­be er gleich über­prüft, dass nur Ris­se und kei­ne of­fe­ne Split­te­rung ge­ge­ben sei­en. Er ha­be auch die Ven­ti­le des Re­ak­tors im An­schluss dar­auf hin über­prüft, die aber sämt­lich in Ord­nung und funk­ti­onsfähig ge­we­sen sei­en. Ge­genüber dem Schichtführer ha­be er sich gleich für den Vor­fall ent­schul­digt. Die An­la­ge ha­be mit dem ei­nen noch vor­han­de­nen funk­ti­onsfähi­gen Bild­schirm oh­ne Wei­te­res ge­steu­ert wer­den können.
Die Be­klag­te neh­me den Vor­fall am 13./14.02.2016 nur zum Vor­wand, um die im Mai 2015 ge­woll­te, aber nicht er­reich­te Kündi­gung ihm ge­genüber nun doch aus­spre­chen zu können. Er ha­be zu kei­nem Zeit­punkt die Ge­le­gen­heit er­hal­ten, den Vor­fall mit sei­nen Vor­ge­setz­ten zu be­spre­chen.
Die von der Be­klag­ten be­haup­te­te Gefähr­dungs­la­ge so­wie die Höhe des Scha­dens sei­en nicht Be­stand­teil der Be­triebs­rats­anhörung ge­we­sen.
Die Wi­der­kla­ge sei un­be­gründet. Die Höhe des Scha­dens wer­de be­strit­ten. Er ha­be nicht vorsätz­lich den Scha­den her­bei­geführt. Der Scha­den ha­be zu­dem kostengüns­ti­ger be­ho­ben wer­den können durch Aus­wech­seln der Bild­schir­mo­berfläche.
1. Es wird fest­ge­stellt, dass das zwi­schen den Par­tei­en be­ste­hen­de Ar­beits­verhält­nis nicht durch die frist­lo­se, hilfs­wei­se frist­gemäße Kündi­gung der Be­klag­ten vom 29.02.2016, dem Kläger zu­ge­stellt am 29.02.2016, zum 29.02.2016 bzw. 30.09.2016 be­en­det ist.
2. Die Be­klag­te wird ver­ur­teilt, den Kläger bis zum rechts­kräfti­gen Ab­schluss des Kündi­gungs­schutz­ver­fah­rens zu un­veränder­ten ar­beits­ver­trag­li­chen Be­din­gun­gen als Che­mie­fach­ar­bei­ter wei­ter zu beschäfti­gen.
Wi­der­kla­gend hat die Be­klag­te be­an­tragt,
den Kläger zu ver­ur­tei­len, an die Be­klag­te Scha­dens­er­satz in Höhe von 7.811,50 EUR zuzüglich Zin­sen in Höhe von 5 Pro­zent­punk­ten über dem je­wei­li­gen Ba­sis­zins­satz seit Rechtshängig­keit der Wi­der­kla­ge zu zah­len.
durch den Schlag des Klägers auf die Bild­schirm­schei­be ha­be das Ri­si­ko be­stan­den, dass die Schei­be ha­be zer­split­tern können. Für die­sen Fall ha­be der Mo­ni­tor als elek­tri­sches Gerät oh­ne den Schutz der Bild­schirm­schei­be ei­ne per­ma­nen­te Zünd­quel­le dar­ge­stellt. Elek­tri­sche Steue­rungs­si­gna­le hätten Ethen oder Iso­bu­ten zur Zündung und Ver­puf­fung brin­gen können. Der Mo­ni­tor ha­be im Fall der Zer­split­te­rung un­verzüglich ab­ge­klemmt wer­den müssen. Bis zur Lie­fe­rung und bis zum Ein­bau ei­nes neu­en Mo­ni­tors sei mit drei Ta­gen Stand­zeit für den Re­ak­tor 1 zu rech­nen ge­we­sen, wo­durch ein Pro­duk­ti­ons­aus­fall im Wert von 80.000,-- EUR ent­stan­den sei.
Das Ar­beits­ge­richt Lud­wigs­ha­fen hat dar­auf­hin durch Ur­teil vom 30.06.2016 - 8 Ca 398/16 - die Kla­ge ab­ge­wie­sen und die Kläger auf die Wi­der­kla­ge hin ver­ur­teilt, an die Be­klag­te Scha­den­er­satz in Höhe von 7.811,50 EUR zuzüglich Zin­sen zu zah­len. Hin­sicht­lich des In­halts von Tat­be­stand und Ent­schei­dungs­gründen wird auf Bl. 152 - 165 d. a. Be­zug ge­nom­men.
Ge­gen das ihm am 14.07.2016 zu­ge­stell­te Ur­teil hat der Kläger durch am 11.08.2016 beim Lan­des­ar­beits­ge­richt Rhein­land-Pfalz ein­ge­gan­ge­nem Schrift­satz Be­ru­fung ein­ge­legt. Er hat die Be­ru­fung durch am 11.10.2016 beim Lan­des­ar­beits­ge­richt ein­ge­gan­ge­nem Schrift­satz be­gründet, nach­dem zu­vor auf sei­nen be­gründe­ten An­trag hin durch Be­schluss vom 15.09.2016 die Frist zur Ein­rei­chung der Be­ru­fungs­be­gründung bis 14.10.2016 ein­sch­ließlich verlängert wor­den war.
Der Kläger wie­der­holt sein erst­in­stanz­li­ches Vor­brin­gen und hebt ins­be­son­de­re her­vor, er ha­be so­fort ein­geräumt, dass er mit ei­nem Schlag mit dem Hand­bal­len ge­gen den Touch­screen ge­schla­gen ha­be und die­ser dar­auf hin ge­ris­sen sei. Ur­sa­che für den er­heb­li­chen Scha­den könne sein, dass das ei­ne Be­die­nungs­pa­nel in das Alu­mi­ni­um­gehäuse der­art ein­ge­baut wor­den sei, dass es dort un­ter Span-
nung ge­stan­den ha­be, so dass durch den Schlag sich die­se Span­nung dann ha­be ent­la­den können.
Die In­ter­es­sen­abwägung sei nicht vollständig und zu Las­ten des Klägers durchführt wor­den. Das Ar­beits­ge­richt ha­be die be­son­de­re emo­tio­na­le Si­tua­ti­on an die­sem Tag nicht berück­sich­tigt. Er ha­be in den ver­gan­ge­nen Jah­ren stets 100 Pro­zent er­reicht und sei als "best team" be­wer­tet wor­den. Im Mai 2015 sei bei ihm ei­ne schwe­re Herz­er­kran­kung dia­gnos­ti­ziert wor­den. Er sei ent­ge­gen ärzt­li­chen Ra­tes am 18.05.2015 wie­der ar­bei­ten ge­gan­gen und ha­be auf ei­ne Re­ha­bi­li­ta­ti­ons­maßnah­me von 3 Wo­chen ver­zich­tet. Eben­so auf ei­ne wei­te­re Ar­beits­unfähig­keits­be­schei­ni­gung, die der Arzt ihm ha­be aus­stel­len wol­len. We­gen sei­ner Ge­sund­heit ha­be er sich ent­schie­den, sei­ne Ar­beit wie­der auf­zu­neh­men. Im un­mit­tel­ba­ren An­schluss an sei­ne Rück­kehr sei ihm so­dann ei­ne Ab­mah­nung aus­gehändigt wor­den. Als ihm dann auch noch im Mit­ar­bei­ter­gespräch in der Nacht­schicht vom 13. auf den 14.02.2016 mit­ge­teilt wor­den sei, dass die­ses En­ga­ge­ment da­durch gewürdigt wer­de, dass die persönli­che Er­folgs­be­tei­li­gung le­dig­lich 60 Pro­zent be­inhal­te, müsse doch verständ­lich sein, dass sei­ne emo­tio­na­le La­ge an die­sem Tag an­ge­spannt war. Zu­dem ha­be die An­la­ge er­heb­li­che An­lauf­schwie­rig­kei­ten ge­habt und im­mer wie­der ab­ge­schal­tet wer­den müssen. Er ha­be ins­ge­samt sei­ne Emo­tio­nen sehr wohl im Griff, le­dig­lich an die­sem Tag sei die Be­las­tungs­si­tua­ti­on außer­gewöhn­lich und nicht ver­all­ge­mei­ne­rungsfähig ge­we­sen. Auch ha­be er un­mit­tel­bar nach dem Schlag so­fort al­le si­cher­heits­re­le­van­ten As­pek­te wie z.B. Ven­ti­le über­prüft und fest­ge­stellt, dass kei­ne Ge­fahr be­stan­den ha­be. Er ha­be dem Pro­duk­ti­ons­be­trieb ge­stoppt und die An­la­ge zunächst leer­lau­fen las­sen. Im An­schluss dar­an sei die An­la­ge über ein wei­te­res Dis­play wie­der an­ge­lau­fen und es sei wei­ter pro­du­ziert wor­den. Es sei we­der zu ei­nem Brand noch zu ei­nem Pro­duk­ti­ons­aus­fall mit er­heb­li­chem Scha­den für die Be­klag­te ge­kom­men.
Hin­sicht­lich der Ab­mah­nung sei zu berück­sich­ti­gen, dass er, der Kläger, ge­lernt ha­be, dass es der Be­klag­ten vor­dring­lich dar­um ge­he, dass die Pro­duk­ti­on am Lau­fe ge­hal­ten und der Ma­schi­nen­still­stand so kurz wie möglich ge­hal­ten wer­de.
Zwar ha­be sich die­se Ver­hal­tens­wei­se der Be­klag­ten in den Jah­ren verändert und wer­de heu­te verstärkt auch auf Ge­fah­ren­ver­mei­dung ge­setzt. Dies möge beim Kläger noch nicht vollständig an­ge­kom­men sein. Da­mit sei der hier zu be­ur­tei­len­de Sach­ver­halt aber nicht ver­gleich­bar. Bei dem Schlag ge­gen das Pa­nel sei es nicht um ei­ne ge­ziel­te Ma­ni­pu­la­ti­on ei­ner Si­cher­heits­ein­rich­tung ge­gan­gen. Viel­mehr sei nur ein Be­dien­ele­ment beschädigt wor­den.
Die Be­triebs­rats­anhörung sei feh­ler­haft er­folgt. Die Scha­denshöhe wei­che doch er­heb­lich von dem ab, was letzt­lich dem Kläger auf­er­legt wor­den sei. Die Gefähr­dungs­la­ge sei nicht um­fas­send dar­ge­stellt wor­den. Ins­be­son­de­re sei un­klar, wie die Be­klag­te da­zu kom­me, dass der Schlag auf den Touch­screen zur un­kon­trol­lier­ten Wei­ter­ga­be von Steu­er­rungs­si­gna­len an dem Band­re­ak­tor ha­be führen können. Selbst wenn dies tatsächlich der Fall ge­we­sen sei, so ha­be im­mer noch die Möglich­keit be­stan­den, durch Not­aus­schal­ter der Pro­duk­ti­ons­pro­zess je­der­zeit zu stop­pen. Die Ausführun­gen in der Anhörung sei­en auch wi­dersprüchlich, in dem mit­ge­teilt wer­de, dass ein Wei­ter­be­trieb mit ei­nem an­de­ren Steu­er­mo­ni­tor nicht möglich ge­we­sen sei, da aus Si­cher­heits­gründen pro Band­re­ak­tor min­des­tens ein Steu­er­mo­ni­tor benötigt wer­de. Vor die­sem Hin­ter­grund ha­be es zu ei­nem Still­stand der An­la­ge kom­men müssen. In der Pro­duk­ti­onsstätte des Klägers sei aber seit Mo­na­ten ein Mo­ni­tor de­fekt ge­we­sen. Dies ha­be die Be­klag­te nicht ge­hin­dert, den Pro­duk­ti­ons­pro­zess un­verändert und un­ge­min­dert fort­zu­set­zen. Die Be­klag­te räume dann selbst ein, dass die­ses Pa­nel an­we­send ge­we­sen sei und ha­be ein­ge­baut wer­den können und in­so­fern ein Scha­den für die Be­klag­te über­haupt nicht ein­ge­tre­ten sei.
Die Höhe des von der Be­klag­ten gel­tend ge­mach­ten Scha­dens wer­de be­strit­ten. Dies ins­be­son­de­re vor dem Hin­ter­grund, dass der Kläger ei­ne 60 pro­zen­ti­ge persönli­che Er­folgs­be­tei­li­gung ha­be er­hal­ten sol­len.
Zur wei­te­ren Dar­stel­lung des Vor­brin­gens des Klägers im Be­ru­fungs­ver­fah­ren wird auf die Be­ru­fungs­be­gründungs­schrift vom 10.10.2016 (Bl. 198 - 204 d. A.) Be­zug ge­nom­men.
1. fest­zu­stel­len, dass das zwi­schen den Par­tei­en be­ste­hen­de Ar­beits­verhält­nis nicht durch die frist­lo­se, hilfs­wei­se frist­ge­rech­te Kündi­gung der Be­klag­ten vom 29.02.2016 zum 29.02.2016 bzw. 30.09.2016 be­en­det wor­den ist.
2. Die Be­klag­te zu ver­ur­tei­len, den Kläger bis zum rechts­kräfti­gen Ab­schluss des Kündi­gungs­schutz­ver­fah­rens zu un­veränder­ten ar­beits­ver­trag­li­chen Be­din­gun­gen als Che­mie­fach­ar­bei­ter wei­ter zu beschäfti­gen.
3. Die er­ho­be­ne Wi­der­kla­ge der Be­klag­ten ge­gen den Kläger ab­zu­wei­sen.
Die Be­klag­te ver­tei­digt die an­ge­foch­te­ne Ent­schei­dung un­ter Wie­der­ho­lung ih­res erst­in­stanz­li­chen Vor­brin­gens und hebt ins­be­son­de­re her­vor, wenn ein Ar­beit­neh­mer bei oder im Zu­sam­men­hang mit sei­ner Ar­beit rechts­wid­ri­ge und vorsätz­li­che Hand­lun­gen un­mit­tel­bar ge­gen das Vermögen sei­nes Ar­beit­ge­bers rich­te, ver­let­ze er zu­gleich in schwer­wie­gen­der Wei­se sei­ne schuld­recht­li­che Pflicht zur Rück­sicht­nah­me und miss­brau­che das in ihn ge­setz­te Ver­trau­en. Für die Be­klag­te sei nicht nach­voll­zieh­bar, dass der Kläger die Schei­be des Touch­screens mit ei­nem ein­fa­chen Schlag mit dem Hand­bal­len zum reißen ge­bracht ha­ben wol­le. Der Bild­schirm ha­be bei der Si­cher­heits­prüfung durch den Her­stel­ler ei­ne Schla­g­ener­gie von 4 Joule mit an­sch­ließen­dem Dich­tig­keits­test aus­ge­hal­ten. Ei­ne der­ar­ti­ge En­er­gie könne ein gewöhn­li­cher Schlag oder "Klaps" mit der fla­chen Hand nicht ab­ge­ben. Auch die Her­stel­ler­fir­ma hal­te ei­ne der­ar­ti­ge Beschädi­gung des Gla­ses
oh­ne Werk­zeug und nur mit bloßer Hand für aus­ge­schlos­sen. Ins­ge­samt spre­che ei­ne große Wahr­schein­lich­keit dafür, dass der Kläger die mut­wil­li­ge Beschädi­gung ent­we­der durch ei­nen bra­chia­len Faust­schlag oder, wofür durch­aus mehr spre­che mit­tels Ein­satz ei­nes Werk­zeu­ges wie ei­nes Ham­mers oder Schrau­ben­schlüssels her­bei geführt ha­be. Bei der An­nah­me, das Schei­ben­glas ha­be durch feh­ler­haf­ten Ein­bau in das Gehäuse un­ter Span­nung ge­stan­den, han­de­le es sich um ei­ne Spe­ku­la­ti­on. Der zerstörte Bild­schirm sei 2008 ge­kauft, ein­ge­baut und seit die­ser Zeit im Be­trieb ver­wen­det wor­den. Al­le elek­tri­schen Geräte in Ex-Be­rei­chen müss­ten ein­mal jähr­lich von ei­ner Fach­fir­ma ge­prüft und die­se Prüfung würde schrift­lich bestätigt wer­den. Dies sei bei dem zerstörten Bild­schirm zu­letzt am 28.04.2015 er­folgt; da­bei sei die ein­wand­freie Funk­ti­on bestätigt wor­den. Nach mehr als 7 Jah­ren Be­triebs­zeit und ent­spre­chend 7 Prüfun­gen durch Fach­fir­men könne prak­tisch aus­ge­schlos­sen wer­den, dass das Bild­schirm­glas feh­ler­haft ein­ge­baut wor­den sei und un­ter "Span­nung" ge­stan­den ha­ben sol­le. Auch dem in­so­weit kom­pe­ten­ten Mit­ar­bei­ter S. vom As­set Ma­nage­ment der O. sei­en in sei­ner langjähri­gen Tätig­keit durch­aus schon Bild­schir­me we­gen elek­tro­ni­scher De­fek­te, nie­mals je­doch mit ge­ris­se­ner Schei­be be­geg­net.
Die durch­geführ­te In­ter­es­sen­abwägung sei vollständig er­folgt. Es tref­fe auch nicht zu, dass der Kläger stets ei­ne persönli­che Er­folgs­be­tei­li­gung von 100 Pro­zent er­reicht ha­be; dies sei viel­mehr letzt­mals 2011 der Fall ge­we­sen. Da­nach sei sie von 96 Pro­zent auf 80, 71, 80 und 60 im Jahr 2016 ge­sun­ken. Ur­sa­che dafür sei­en nicht die be­haup­te­ten Herz­pro­ble­me, son­dern die Be­wer­tung der Leis­tung des Klägers und sein Si­cher­heits­ver­hal­ten ge­we­sen. Es tref­fe auch nicht zu, dass der Kläger am 18.05.2015 wie­der zur Ar­beit er­schie­nen sei.
Der Kläger wer­de von sei­ner Ar­beits­um­ge­bung als ex­trem emo­tio­na­ler Mensch wahr­ge­nom­men. Er sei schlicht­weg "sau­er" über die aus sei­ner Sicht un­be­frie­gen­den dienst­li­che Be­ur­tei­lung und de­ren fi­nan­zi­el­le Fol­ge und über die mehr­ma­li­gen Störun­gen im Pro­duk­ti­ons­ab­lauf von Re­ak­tor 1, die ihn zu ei­nem Ein­schrei-
ten ge­zwun­gen hätten, ge­we­sen. Sol­che Stress­si­tua­tio­nen sei­en je­doch im Ar­beits­le­ben völlig üblich und kei­nes­wegs ei­ne "emo­tio­na­le Aus­nah­me­si­tua­ti­on".
Es tref­fe nicht zu, dass der Kläger al­le si­cher­heits­re­le­van­ten As­pek­te über­prüft und fest­ge­stellt ha­be, dass kei­ne Ge­fahr be­ste­he. Es sei schon un­klar, wel­che Ven­ti­le er über­prüft ha­ben wol­le; um über­haupt die Dich­tig­keit sol­cher Ven­ti­le zu über­prüfen sei ein ge­eich­tes Ex-Ox-Gerät er­for­der­lich, das ihm gar nicht zur Verfügung ge­stan­den ha­be. Völli­ge Si­cher­heit sei nur da­durch zu er­zie­len ge­we­sen, dass ent­we­der al­le Re­ak­to­ren ab­ge­stellt und mit Stick­stoff gespült wor­den sei­en oder der Bild­schirm von al­len elek­tri­schen An­schlüssen ab­ge­klemmt wor­den sei. Zu der­ar­ti­gem sei der Kläger gar nicht au­to­ri­siert ge­we­sen. Die Si­cher­heit sei erst dann wie­der gewähr­leis­tet ge­we­sen, nach­dem der Schichtführer sich ver­ge­wis­sert ha­be, dass der Bild­schirm nicht ge­ris­sen und kei­ne feh­ler­haf­ten Steue­rungs­si­gna­le an den Re­ak­tor über­tra­gen wor­den war. So­dann sei vor­schriftsmäßig der Pro­duk­ti­ons­ma­na­ger in­for­miert wor­den, mit dem ent­schie­den wor­den sei, das Ab­klem­men des Bild­schirms mit höchs­ter Prio­rität zu be­auf­tra­gen und die Luft in die­sem Be­reich mit­tels Ex-Ox-Gerät per­ma­nent zu über­prüfen.
Das ver­harm­lo­sen­de Vor­brin­gen des Klägers zu den die Ab­mah­nung im Jah­re 2015 zu Grun­de lie­gen­den Vorfällen wer­de nach­drück­lich be­strit­ten; in­so­weit wird zur Ver­mei­dung von Wie­der­ho­lun­gen auf die Ausführun­gen der Be­klag­ten in der Be­ru­fungs­er­wi­de­rungs­schrift vom 14.11.2016 (S. 10 - 12 = Bl. 219 - 221 d. A.) Be­zug ge­nom­men.
Die Be­klag­te ha­be in der Be­triebs­rats­anhörung die po­ten­ti­el­le Gefähr­dungs­la­ge zu­tref­fend be­schrie­ben. In­so­weit wird zur wei­te­ren Dar­stel­lung der Be­klag­ten im Be­ru­fungs­ver­fah­ren zur Ver­mei­dung von Wie­der­ho­lun­gen auf S. 12 - 14 der Be­ru­fungs­er­wi­de­rung (= Bl. 221 - 223 d. A.) Be­zug ge­nom­men. Zur Scha­denshöhe ha­be die Be­klag­te im Zeit­punkt der Be­triebs­rats­anhörung nur vorläufig An­ga­ben ma­chen können. Der letzt­lich höhe­re Be­trag für die Wie­der­be­schaf­fung re­sul­tie­re dar­aus, dass der Bild­schirm nur ge­mein­sam mit dem Be­dien­pa­nel aus­ge­tauscht
wer­den könne, weil der Her­stel­ler nur für die kom­plet­te Ein­heit den Ex-Schutz ga­ran­tie­re.
Die Be­klag­te ha­be ih­ren Scha­den­er­satz­an­spruch nicht mit­tels ei­ner Auf­rech­nung ge­genüber persönli­cher Er­folgs­be­tei­li­gung des Klägers zum Erlöschen ge­bracht.
Zur wei­te­ren Dar­stel­lung des Vor­brin­gens der Be­klag­ten im Be­ru­fungs­ver­fah­ren wird auf die Be­ru­fungs­er­wi­de­rungs­schrift vom 14.11.2016 (Bl. 210 - 224) nebst An­la­gen (Bl. 225 - 230 d. A.) Be­zug ge­nom­men.
Sch­ließlich wird Be­zug ge­nom­men auf das Sit­zungs­pro­to­koll vom 19.12.2016.
Das Rechts­mit­tel der Be­ru­fung ist nach §§ 64 Abs. 1, 2 ArbGG statt­haft. Die Be­ru­fung ist auch gem. §§ 64 Abs. 6, 66 Abs. 1 ArbGG in Ver­bin­dung mit §§ 518, 519 ZPO form- und frist­ge­recht ein­ge­legt und be­gründet wor­den.
Das Rechts­mit­tel der Be­ru­fung des Klägers hat je­doch in der Sa­che kei­nen Er­folg.
Denn das Ar­beits­ge­richt hat die Kla­ge des Klägers zu Recht ab­ge­wie­sen und ihn auf die Wi­der­kla­ge der Be­klag­ten ver­ur­teilt, an die Be­klagt Scha­den­er­satz in Höhe von 7.811,50 EUR nebst Zin­sen zu zah­len.
Ent­ge­gen der Auf­fas­sung des Klägers ist das Ar­beits­verhält­nis der Par­tei­en durch die frist­lo­se Kündi­gung der Be­klag­ten vom 29.02.2016 rechts­wirk­sam be­en­det wor­den.
Denn ent­ge­gen der Auf­fas­sung des Klägers sind vor­lie­gend die ge­setz­li­chen Vor­aus­set­zun­gen des § 626 Abs. 1, 2 BGB ge­ge­ben.
Ein wich­ti­ger Grund im Sin­ne der Ge­ne­ral­klau­sel der § 626 Abs. 1 BGB für ei­ne außer­or­dent­li­che Kündi­gung liegt dann vor, wenn Tat­sa­chen ge­ge­ben sind, auf­grund de­rer dem Kündi­gen­den un­ter Berück­sich­ti­gung al­ler Umstände des Ein­zel­fal­les und in der Abwägung der In­ter­es­sen bei­der Ver­trags­tei­le die Fort­set­zung des Ar­beits­verhält­nis­ses bis zum Ab­lauf der Frist für ei­ne or­dent­li­che Kündi­gung nicht zu­ge­mu­tet wer­den kann (vgl. BAG 27.01.2011 EzA § 626 BGB 2002 Ver­dacht straf­ba­rer Hand­lung Nr. 10; 09.06.2011 EzA § 626 BGB 2002 Nr. 35; 07.07.2011 EzA § 626 BGB 2002 Nr. 38; 21.06.2012 EzA § 9 KSchG n. F. Nr. 63 = NZA 2013, 199; 27.09.2012 -2 AZR 646/11- EzA/SD 9/2013 Sei­te 6 LS). Da­mit wird der wich­ti­ge Grund zunächst durch die ob­jek­tiv vor­lie­gen­den Tat­sa­chen be­stimmt, die an sich ge­eig­net sind, die Fort­set­zung des Ar­beits­verhält­nis­ses un­zu­mut­bar zu ma­chen. Kündi­gungs­grund im Sin­ne des § 626 Abs. 1 BGB ist des­halb je­der Sach­ver­halt, der ob­jek­tiv das Ar­beits­verhält­nis mit dem Ge­wicht ei­nes wich­ti­gen Grun­des be­las­tet (vgl. BAG 27.01.2011 EzA § 626 BGB 2002 Ver­dacht straf­ba­rer Hand­lung Nr. 10; 09.06.2011 EzA § 626 BGB 2002 Nr. 35; 07.07.2011 EzA § 626 BGB 2002 Nr. 38). Ent­schei­dend ist nicht der sub­jek­ti­ve Kennt­nis­stand des Kündi­gen­den, son­dern der ob­jek­tiv vor­lie­gen­de Sach­ver­halt, der ob­jek­ti­ve An­lass. Berück­sich­tigt wer­den können nur die bis zum Aus­spruch der Kündi­gung ein­ge­tre­te­nen Umstände bei der Über­prüfung der Fra­ge, ob sie als Kündi­gungs-
grund an sich ge­eig­net sind (Ascheid/Preis/Schmidt Großkom­men­tar Kündi­gungs­recht 4. Auf­la­ge 2012 (APS-Dörner/Vos­sen), § 626 BGB Rz. 42 ff.; Dörner/Lucz­ak/Wildschütz/Ba­eck/Hoß, Hand­buch des Fach­an­walts für Ar­beits­recht (DLW-Dörner), 13. Auf­la­ge 2016, Kap. 4. Rd­nr. 1121 ff.).
Berück­sich­tigt wer­den können nur die bis zum Aus­spruch der Kündi­gung ein­ge­tre­te­nen Umstände bei der Über­prüfung der Fra­ge, ob sie als Kündi­gungs­grund an sich ge­eig­net sind. Umstände, die erst da­nach ent­stan­den sind, können die be­reits erklärte Kündi­gung nicht recht­fer­ti­gen. Sie können al­len­falls als Grund­la­ge für ei­ne wei­te­re Kündi­gung oder ei­nen Auflösungs­an­trag nach §§ 9, 10 KSchG die­nen. Nachträglich ein­ge­tre­te­ne Umstände können für die ge­richt­li­che Be­ur­tei­lung al­ler­dings in­so­weit von Be­deu­tung sein, wie sie die Vorgänge, die zur Kündi­gung geführt ha­ben, in ei­nem neu­en Licht er­schei­nen las­sen. Da­zu müssen zwi­schen den neu­en Vorgängen und den al­ten Gründen so en­ge in­ne­re Be­zie­hun­gen be­ste­hen, dass je­ne nicht außer Acht ge­las­sen wer­den können, oh­ne dass ein ein­heit­li­cher Le­bens­vor­gang zer­ris­sen würde. Es darf aber nicht et­wa ei­ne ursprüng­lich un­be­gründe­te Kündi­gung durch ei­ne Berück­sich­ti­gung späte­ren Ver­hal­tens rück­wir­kend zu ei­ner be­gründe­ten wer­den. Außer­dem ist ge­nau zu prüfen, wel­che kon­kre­ten Rück­schlüsse auf den Kündi­gungs­grund späte­res Ver­hal­ten wirk­lich er­laubt. Im Hin­blick auf pro­zes­sua­les Vor­brin­gen gilt nichts an­de­res (BAG 15.12.1955 NJW 1956, 807; 28.10.1971 EzA § 626 BGB n. F. Nr. 9; 3.7.2003 EzA § 626 BGB 202 Ver­dacht straf­ba­rer Hand­lung Nr. 2; 24.11.2005 EzA § 626 BGB 2002 Nr. 12, 484; 10.6.2010 EzA § 626 BGB 2002 Nr. 32).
Die da­nach zu berück­sich­ti­gen­den Umstände müssen nach verständi­gem Er­mes­sen die Fort­set­zung des Ar­beits­verhält­nis­ses nicht zu­mut­bar er­schei­nen las­sen (BAG AP-Nr. 4 zu § 626 BGB). Bei der Be­wer­tung des Kündi­gungs­grun­des und bei der nach­fol­gen­den In­ter­es­sen­abwägung ist ein ob­jek­ti­ver Maßstab an­zu­le­gen, so dass sub­jek­ti­ve Umstände, die sich aus den Verhält­nis­sen der Be­tei­lig­ten er­ge­ben, nur auf­grund ei­ner ob­jek­ti­ven Be­trach­tung zu berück­sich­ti­gen sind. Da­bei ist ins­bes. nicht auf die sub­jek­ti­ve Be­find­lich­keit des Ar­beit­ge­bers ab­zu­stel­len;
viel­mehr ist ein ob­jek­ti­ver Maßstab („verständi­ger Ar­beit­ge­ber“) ent­schei­dend, al­so ob der Ar­beit­ge­ber aus der Sicht ei­nes ob­jek­ti­ven Be­trach­ters wei­ter­hin hin­rei­chen­des Ver­trau­en in den Ar­beit­neh­mer ha­ben müss­te, nicht aber, ob er es tatsächlich hat (BAG 10.6.2010 EzA § 626 BGB 2002 Nr. 32). Die da­nach maßgeb­li­chen Umstände müssen sich kon­kret nach­tei­lig auf das Ar­beits­verhält­nis aus­wir­ken; da der Kündi­gungs­grund zu­kunfts­be­zo­gen ist und die Kündi­gung kei­ne Sank­ti­on für das Ver­hal­ten in der Ver­gan­gen­heit dar­stellt, kommt es auf sei­ne Aus­wir­kun­gen auf die Zu­kunft an, die ver­gan­ge­ne Pflicht­ver­let­zung muss sich noch in Zu­kunft be­las­tend aus­wir­ken (BAG 9.6.2011 EzA § 626 BGB 2002 Nr. 35; 23.10.2008 EzA § 626 BGB 2002 Nr. 25; 12.1.2006 EzA § 1 KSchG Ver­hal­tens­be­ding­te Kündi­gung Nr. 67; 12.1.2006 EzA § 1 KSchG Ver­hal­tens­be­ding­te Kündi­gung Nr. 68; LAG BW 25.3.2009 LA­GE § 626 BGB 2002 Nr. 20; LAG RhPf 26.2.2010 NZA-RR 2010, 297). Da es um den zukünf­ti­gen Be­stand des Ar­beits­verhält­nis­ses geht, muss des­sen Fort­set­zung durch ob­jek­ti­ve Umstände oder die Ein­stel­lung oder das Ver­hal­ten des Gekündig­ten im Leis­tungs­be­reich, im Be­reich der be­trieb­li­chen Ver­bun­den­heit al­ler Mit­ar­bei­ter, im persönli­chen Ver­trau­ens­be­reich (der Ver­trags­part­ner) oder im Un­ter­neh­mens­be­reich kon­kret be­ein­träch­tigt sein.
Das kann dann der Fall sein, wenn auch zukünf­ti­ge Ver­trags­verstöße zu be­sor­gen sind, d. h. wenn da­von aus­ge­gan­gen wer­den muss, der Ar­beit­neh­mer wer­de auch künf­tig den Ar­beits­ver­trag nach ei­ner Kündi­gungs­an­dro­hung er­neut in glei­cher oder ähn­li­cher Wei­se ver­let­zen oder sonst von ei­ner fort­wir­ken­den Be­las­tung des Ar­beits­verhält­nis­ses aus­ge­gan­gen wer­den muss (LAG BW 25.3.2009 § 626 2002 Nr. 20; LAG RhPf 26.2.2010 NZA-RR 2010, 297).
Die er­for­der­li­che Über­prüfung gem. § 626 Abs. 1 BGB voll­zieht sich folg­lich zwei­stu­fig (vgl. z. B. BAG 24.3.2011 2 AZR 282/10 EzA-SD 16/2011 S. 3 LS. = NZA 2011, 1029; 09.06.2011 EzA § 626 BGB 2002 Nr. 35).
Zum an­de­ren muss die­ser Grund im Rah­men ei­ner In­ter­es­sen­abwägung un­ter be­son­de­rer Berück­sich­ti­gung al­ler Umstände des Ein­zel­fal­les, ins­be­son­de­re auch des Verhält­nismäßig­keits­prin­zips zum Über­wie­gen der be­rech­tig­ten In­ter­es­sen des Kündi­gen­den an der - in der Re­gel - vor­zei­ti­gen Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses führen (vgl. ausführ­lich APS-Dörner/Vos­sen, § 626 BGB a. a. O.; DLW-Dörner a. a. O.). In ei­ner Ge­samtwürdi­gung ist das In­ter­es­se des Ar­beit­ge­bers an der so­for­ti­gen Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses ge­gen das In­ter­es­se des Ar­beit­neh­mers an des­sen Fort­be­stand ab­zuwägen. Es hat ei­ne Be­wer­tung des Ein­zel­falls un­ter Be­ach­tung des Verhält­nismäßig­keits­grund­sat­zes zu er­fol­gen (BAG 24.3.2011 - 2 AZR 282/10- EzA-SD 16/2011 S. 3 LS. = NZA 2011, 1029; 27.09.2012 -2 AZR 646/11 - EzA-SD 9/2013, Sei­te 6 LS).
Ent­schei­dend ist die Un­zu­mut­bar­keit der Fort­set­zung des Ar­beits­verhält­nis­ses bis zum Ab­lauf der Frist für ei­ne or­dent­li­che Kündi­gung bzw. bis zum En­de der ver­ein­bar­ten Be­fris­tung (BAG 9.6.2011 EzA § 626 BGB 2002 Nr. 35 = NZA 2011, 1027; 27.09.2012 - 2 AZR 646/11 - EzA-SD 9/2013, Sei­te 6 LS; LAG Bl. 5.1.2005 - 17 Sa 1308/04 - EzA-SD 8/05, Sei­te 12 LS; Dörner/Lucz­ak/Wildschütz/Ba­eck/Hoß, a. a. O.; APS/Dörner/Vos­sen).
Bei der Prüfung, ob dem Ar­beit­ge­ber ei­ne Wei­ter­beschäfti­gung des Ar­beit­neh­mers trotz Vor­lie­gen sei­ner er­heb­li­chen Pflicht­ver­let­zung zu­min­dest bis zum Ab­lauf der Kündi­gungs­frist zu­mut­bar ist, ist in ei­ner Ge­samtwürdi­gung des In­ter­es­se des Ar­beit­ge­bers an der so­for­ti­gen Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses ge­gen das In­ter­es­se des Ar­beit­neh­mers an des­sen - einst­wei­li­gen - Fort­be­stand ab­zuwägen. Es hat ei­ne Be­wer­tung der Umstände des Ein­zel­falls un­ter Be­ach­tung des Verhält-
nismäßig­keits­grund­sat­zes zu er­fol­gen (BAG 27.09.2012 -2 AZR 646/11- EzA/SD 9/2013, Sei­te 6 LS).
Nach dem Verhält­nismäßig­keits­prin­zip ist die außer­or­dent­li­che Kündi­gung „Ul­ti­ma Ra­tio“, so dass sie dann nicht ge­recht­fer­tigt ist, wenn die Fort­set­zung des Ar­beits­verhält­nis­ses bis zum Ab­lauf der or­dent­li­chen Kündi­gungs­frist zu­mut­bar ist, weil dann die or­dent­li­che Kündi­gung ein mil­de­res Mit­tel als die außer­or­dent­li­che Kündi­gung dar­stellt (BAG 9.6.2011 EzA § 626 BGB 2002 Nr. 35 = NZA 2011, 1027; 27.09.2012 -2 AZR 646/11- EzA/SD 9/2013 Sei­te 6 LS; krit. Stück­mann/Koh­lepp RdA 2000, 331 ff.).
Des­halb setzt ei­ne Kündi­gung we­gen ei­ner Ver­trags­pflicht­ver­let­zung re­gelmäßig ei­ne Ab­mah­nung vor­aus; sie dient der Ob­jek­ti­vie­rung der Pro­gno­se (BAG 12.01.2006 EzA § 1 KSchG Ver­hal­tens­be­ding­te Kündi­gung Nr. 67: 12.01.2006 EzA § 1 KSchG Ver­hal­tens­be­ding­te Kündi­gung Nr. 68). Sie ist nur dann ent­behr­lich, wenn im Ein­zel­fall be­son­de­re Umstände vor­ge­le­gen ha­ben, auf­grund de­rer ei­ne Ab­mah­nung als nicht Er­folg ver­spre­chend an­ge­se­hen wer­den kann. Das ist ins­bes. dann an­zu­neh­men, wenn er­kenn­bar ist, dass der Ar­beit­neh­mer nicht ge­willt ist, sich ver­trags­ge­recht zu ver­hal­ten. Nur be­son­ders schwe­re Vorwürfe bedürfen kei­ner Ab­mah­nung, wenn und weil der Ar­beit­neh­mer dann von vorn­her­ein nicht mit ei­ner Bil­li­gung sei­nes Ver­hal­tens rech­nen kann (LAG RhPf 26.02.2010 - 6 Sa 682/09, NZA-RR 2010, 297; LAG Nds. 12.02.2010 - 10 Sa 1977/08, EzA-SD 8/2010 S. 6 LS).
Ei­ner Ab­mah­nung be­darf es da­nach bei ei­nem steu­er­ba­ren Ver­hal­ten des Ar­beit­neh­mers in An­se­hung des Verhält­nismäßig­keits­grund­sat­zes al­so nur dann nicht, wenn ei­ne Ver­hal­tensände­rung in Zu­kunft selbst nach Ab­mah­nung nicht zu er­war­ten steht oder es sich um ei­ne so schwe­re Pflicht­ver­let­zung han­delt, dass ei­ne Hin­nah­me durch den Ar­beit­ge­ber of­fen­sicht­lich - auch für den Ar­beit­neh­mer er­kenn­bar - aus­ge­schlos­sen ist (BAG 24.03.2011 - 2 AZR 282/10, EzA-SD 16/2011 S. 3 LS = NZA 2011, 1029; 09.06.2011 EzA § 626 BGB 2002 Nr. 35; 09.06.2011
EzA § 626 BGB 2002 Nr. 36; 19.04.2012 EzA § 626 BGB 2002 Nr. 39 = NZA-RR 2012, 567;25.10.2012 EzA § 626 BGB 2002 Nr. 41 = NZA 2013, 319; LAG Hes­sen 27.02.2012 NZA-RR 2012, 471), denn dann ist grds. da­von aus­zu­ge­hen, dass das künf­ti­ge Ver­hal­ten des Ar­beit­neh­mers schon durch die An­dro­hung von Fol­gen für den Be­stand des Ar­beits­verhält­nis­ses po­si­tiv be­ein­flusst wer­den kann; die Ab­mah­nung dient in­so­weit der Ob­jek­ti­vie­rung der ne­ga­ti­ven Pro­gno­se: Ist der Ar­beit­neh­mer ord­nungs­gemäß ab­ge­mahnt wor­den und ver­letzt er den­noch sei­ne ar­beits­ver­trag­li­chen Pflich­ten er­neut, kann re­gelmäßig da­von aus­ge­gan­gen wer­den, es wer­de auch zukünf­tig zu wei­te­ren Ver­tragsstörun­gen kom­men. Das gilt grds. un­ein­ge­schränkt selbst bei Störun­gen des Ver­trau­ens­be­reichs durch Straf­ta­ten ge­gen Vermögen oder Ei­gen­tum des Ar­beit­ge­bers (BAG 09.06.2011 EzA § 626 BGB 2002 Nr. 35 = NZA 2011, 1027; LAG Bln.-Bra. 30.03.2012 LA­GE § 611 BGB 2002 Ab­mah­nung Nr. 9 = NZA -RR 2012, 353; LAG Köln 20.01.2012 NZA-RR 2012, 356), denn auch in die­sem Be­reich gibt es kei­ne "ab­so­lu­ten" Kündi­gungs­gründe. Stets ist kon­kret zu prüfen, ob nicht ob­jek­tiv die Pro­gno­se be­rech­tigt ist, der Ar­beit­neh­mer wer­de sich je­den­falls nach ei­ner Ab­mah­nung künf­tig wie­der ver­trags­treu ver­hal­ten (BAG 10.06.2010 EzA § 626 BGB 2002 Nr. 32; Preis AuR 2010, 242;Schlach­ter NZA 2005, 433 ff.; Schra­der NJW 2012, 342 ff.; s. LAG Bln.-Bra. 30.03.2012 LA­GE § 611 BGB 2002 Ab­mah­nung Nr. 9 = NZA-RR 2012, 353; Ar­beits­zeit­be­trug; LAG Köln 20.01.2012 NZA-RR 2012, 356: vor­zei­ti­ges Ar­beits­en­de oh­ne be­trieb­li­che Aus­wir­kun­gen).
Ent­schei­den­der Zeit­punkt für die Be­ur­tei­lung ist grds. (eben­so wie bei der or­dent­li­chen Kündi­gung) der Zeit­punkt des Aus­spruchs bzw. Zu­gangs der Kündi­gung. Die Wirk­sam­keit ei­ner Kündi­gung ist grundsätz­lich nach den ob­jek­ti­ven Verhält­nis­sen im Zeit­punkt ih­res Zu­gangs zu be­ur­tei­len. die­ser Zeit­punkt ist im Rah­men von § 626 Abs. 1 BGB so­wohl für die Prüfung des Kündi­gungs­grun­des als auch für die In­ter­es­sen­abwägung maßge­bend. Umstände, die erst da­nach ent­stan­den sind, können die be­reits erklärte Kündi­gung nicht recht­fer­ti­gen. Sie können al­len­falls als Grund­la­ge für ei­ne wei­te­re Kündi­gung oder ei­nen Auflösungs­an­trag nach §§ 9, 10 KSchG
die­nen (BAG 10.6.2010 EzA § 626 BGB 2002 Nr. 32 = NZA 2010, 1227; 28.10.1971 EzA § 626 BGB n. F. Nr. 9; 15.12.1955 BA­GE 2, 245).
Nachträglich ein­ge­tre­te­ne Umstände können für die ge­richt­li­che Be­ur­tei­lung al­ler­dings in­so­weit von Be­deu­tung sein, wie sie die Vorgänge, die zur Kündi­gung geführt ha­ben, in ei­nem neu­en Licht er­schei­nen las­sen (BAG 10.6.2010; a. a. O.; 28.10.1971 a. a. O . Da­zu müssen zwi­schen den neu­en Vorgängen und den al­ten Gründen so en­ge in­ne­re Be­zie­hun­gen be­ste­hen, dass je­ne nicht außer Acht ge­las­sen wer­den können, oh­ne dass ein ein­heit­li­cher Le­bens­vor­gang zer­ris­sen würde (BAG 10.6.2010 a. a. O; 15.12.1955 a. a. O.). Es darf aber nicht et­wa ei­ne ursprüng­lich un­be­gründe­te Kündi­gung durch die Berück­sich­ti­gung späte­ren Ver­hal­tens rück­wir­kend zu ei­ner be­gründe­ten wer­den (BAG 15.12.1955 a. a. O). Außer­dem ist ge­nau zu prüfen, wel­che kon­kre­ten Rück­schlüsse auf den Kündi­gungs­grund späte­res Ver­hal­ten wirk­lich er­laubt. Im Hin­blick auf pro­zes­sua­les Vor­brin­gen (BAG 10.6.2010; 19.04.2012 EzA § 626 BGB 202 Nr. 4 a. a. O.; 24.11.2005 EzA § 626 BGB 2002 Nr. 12; 3.7.2003 EzA KSchG § 1 Ver­dachtskündi­gung Nr. 2) gilt nichts an­de­res.
Die in den auf­ge­ho­be­nen ge­setz­li­chen Vor­schrif­ten der §§ 123, 124 Ge­wer­be­ord­nung, 71, 72 HGB nach al­tem Recht ge­nann­ten Bei­spie­le für wech­sel­sei­ti­ge wich­ti­ge Gründe (z. B. Ar­beits­ver­trags­bruch, be­harr­li­che Ar­beits­ver­wei­ge­rung) sind als wich­ti­ge Hin­wei­se für ty­pi­sche Sach­ver­hal­te an­zu­er­ken­nen, die an sich ge­eig­net sind, ei­nen wich­ti­gen Grund zur außer­or­dent­li­chen Kündi­gung zu bil­den und die Kündi­gung in der Re­gel auch zu recht­fer­ti­gen, wenn kei­ne be­son­de­ren Umstände zu­guns­ten des Gekündig­ten spre­chen (vgl. BAG AP-Nr. 99 zu § 626 BGB). "Ab­so­lu­te Kündi­gungs­gründe", die oh­ne ei­ne be­son­de­re In­ter­es­sen­abwägung ei­ne außer­or­dent­li­che Kündi­gung recht­fer­ti­gen, be­ste­hen an­de­rer­seits je­doch nicht (BAG 15.11.1984 EzA § 626 BGB n. F. Nr. 95; 10.6.2010; 19.04.2012 EzA § 626 BGB 2002 Nr. 40 = NZA 2013, 27).
Hin­sicht­lich der Dar­le­gungs- und Be­weis­last gilt Fol­gen­des:
Der Kündi­gen­de ist dar­le­gungs- und be­weis­pflich­tig für die Umstände, die als wich­ti­ge Gründe ge­eig­net sein können. Die Be­wer­tung ei­nes Fehl­ver­hal­tens als vorsätz­lich liegt in­so­weit im We­sent­li­chen auf tatsäch­li­chem Ge­biet und ist Ge­gen­stand der tatrich­ter­li­chen Be­weiswürdi­gung i.S.v. § 286 ZPO (BAG 09.06.2011 EzA § 626 BGB 2002 Nr. 35 = NZA 2011, 1027).
Im Rah­men der ihr ob­lie­gen­den Dar­le­gungs­last trifft je­de Pro­zess­par­tei ei­ne vollständi­ge Sub­stan­ti­ie­rungs­pflicht; sie hat sich ein­ge­hend und im Ein­zel­nen nach In­halt, Ort, Zeit­punkt und be­tei­lig­ten Per­so­nen sub­stan­ti­iert zu äußern. An­de­rer­seits darf von kei­ner Pro­zess­par­tei von Ver­fas­sungs­we­gen et­was Unmögli­ches ver­langt wer­den. Der Kon­flikt zwi­schen die­sen bei­den Po­si­tio­nen wird gelöst durch das Prin­zip der Sachnähe, d. h., je näher ei­ne Pro­zess­par­tei an dem frag­li­chen tatsächli­chen Ge­sche­hen selbst un­mit­tel­bar und persönlich be­tei­ligt ist, des­to ein­ge­hen­der hat sie sub­stan­ti­iert vor­zu­tra­gen. Das kann so­weit ge­hen, dass sie auch ver­pflich­tet sein kann, durch tatsächli­ches Vor­brin­gen oder Vor­la­ge von Un­ter­la­gen die Ge­gen­par­tei über­haupt erst in die La­ge zu ver­set­zen, der ihr ob­lie­gen­den Dar­le­gungs­last nach­zu­kom­men. Sch­ließlich muss das tatsächli­che Vor­brin­gen wahr­heits­gemäß sein (vgl. BAG 26.06.2008, 23.10.2008 EzA § 23 KSchG Nr. 32, Nr. 33).
Zu den die Kündi­gung be­gründen Tat­sa­chen, die der Kündi­gen­de vor­tra­gen und ggf. be­wei­sen muss, gehören auch die­je­ni­gen, die Recht­fer­ti­gungs-und Ent­schul­di­gungs­gründe (z.B. ei­ne ver­ein­bar­te Ar­beits­be­frei­ung, die Ein­wil­li­gung des Ar­beit­ge­bers in ei­ne Wett­be­werbstätig­keit: ei­ne "Not­wehr­si­tua­ti­on", vgl. LAG Köln 20.12.2000 ARST 2001, 187) für das Ver­hal­ten des gekündig­ten Ar­beit­neh­mers aus­sch­ließen (BAG 06.08.1987 EzA § 626 BGB n.F. Nr. 109; 18.09.2008 - 2 AZR 1039/06, EzA-SD 8/2009 S. i; Not­wehr bei tätli­cher Aus­ein­an­der­set­zung; 03.11.2011 EzA § 1 KSchG Ver­hal­tens­be­ding­te Kündi­gung Nr. 79 = NZA 2012, 607).
Der Um­fang der Dar­le­gungs- und Be­weis­last rich­tet sich da­nach, wie sub­stan­ti­iert der Gekündig­te sich auf die Kündi­gungs­gründe einlässt. Der Kündi­gen­de muss da­her nicht von vorn­her­ein al­le nur denk­ba­re Recht­fer­ti­gungs­gründe wi­der­le­gen.
Es reicht in­so­weit nicht aus, dass der Gekündig­te pau­schal und oh­ne nach­prüfba­re An­ga­ben Recht­fer­ti­gungs­gründe gel­tend macht. Er muss des­halb un­ter sub­stan­ti­ier­ter An­ga­be der Gründe, die ihn ge­hin­dert ha­ben, sei­ne Ar­beits­leis­tung, so wie an sich vor­ge­se­hen, zu er­brin­gen, den Sach­vor­trag des Kündi­gen­den nach In­halt, Ort, Zeit­punkt und be­tei­lig­ten Per­so­nen be­strei­ten. Glei­ches gilt dann, wenn sich der Gekündig­te an­ders als an sich vor­ge­se­hen ver­hal­ten hat (s. BAG 18.09.2008 - 2 AZR 1039/06, FA 2009, 221 LS).
Nur dann ist es dem Kündi­gen­den möglich, die­se An­ga­ben zu über­prüfen und ggf. die er­for­der­li­chen Be­wei­se an­zu­tre­ten (BAG 06.08.1987 EzA § 626 BGB n.F. Nr. 109). Wenn der gekündig­te Ar­beit­neh­mer sich al­ler­dings ge­gen die Kündi­gung wehrt und i.S.d. § 138 Abs. 2 ZPO ausführ­lich Tat­sa­chen vorträgt, die ei­nen Recht­fer­ti­gungs­grund für sein Han­deln dar­stel­len oder sonst das Ver­hal­ten in ei­nem mil­de­ren Licht er­schei­nen las­sen können, muss der Ar­beit­ge­ber sei­ner­seits Tat­sa­chen vor­brin­gen und ggf. be­wei­sen, die die vom Ar­beit­neh­mer vor­ge­tra­ge­nen Recht­fer­ti­gungs­gründe erschüttern (LAG Köln 21.04.2004 LAG Re­port 2005, 64 LS). Will der Ar­beit­ge­ber bspw. die außer­or­dent­li­che Kündi­gung auf die Be­haup­tung stützen, der Ar­beit­neh­mer ha­be Beträge aus der Einlösung von Schecks un­ter­schla­gen, muss er im Ein­zel­nen die­se Un­ter­schla­gung dar­le­gen und un­ter Be­weis stel­len. Wenn der Ar­beit­neh­mer nach­voll­zieh­bar dar­legt, wann und wenn er die Beträge ab­ge­lie­fert hat, kann sich der Ar­beit­ge­ber nicht mit Er­folg auf den Stand­punkt stel­len, der Ar­beit­neh­mer müsse die Ab­lie­fe­rung der Beträge be­wei­sen (LAG Köln 26.06.2006 - 14 Sa 21/06, EzA-SD 19/06, S. 10 LS).
Die dem kündi­gen­den Ar­beit­ge­ber ob­lie­gen­de Be­weis­last geht auch dann nicht auf den gekündig­ten Ar­beit­neh­mer über, wenn die­ser sich auf ei­ne an­geb­lich mit
dem Ar­beit­ge­ber persönlich ver­ein­bar­te Ar­beits­be­frei­ung be­ruft und er ei­ner Par­tei­ver­neh­mung des Ar­beit­ge­bers zu der strei­ti­gen Zu­sa­ge wi­der­spricht.
In die­sem Fall sind al­ler­dings an das Be­strei­ten ei­ner rechts­wid­ri­gen Ver­trags­ver­let­zung hin­sicht­lich des Zeit­punkts, des Or­tes und des An­las­ses der be­haup­te­ten Ver­ein­ba­rung, die das Ver­hal­ten des Ar­beit­neh­mers recht­fer­ti­gen oder ent­schul­di­gen sol­len, stren­ge An­for­de­run­gen zu stel­len (BAG 24.11.1983 EzA § 626 BGB n.F. Nr. 88; APS/Dörner/Vos­sen § 626 BGB Rn. 173 ff.).
Ge­lingt es dem Ar­beit­ge­ber nicht, den Kündi­gungs­vor­wurf in tatsäch­li­cher Hin­sicht zu be­wei­sen, ist die streit­ge­genständ­li­che Kündi­gung man­gels ei­nes wich­ti­gen Grun­des i.S.d. § 626 Abs. 1 BGB un­wirk­sam (LAG RhPf 21.05.2010 NZA-RR 2011, 80).
Für das er­for­der­li­che Be­weis­maß der vol­len Über­zeu­gung im Sin­ne des § 286 Abs. 1 ZPO gel­ten nach­fol­gen­de Grundsätze:
Gemäß § 286 Abs. 1 ZPO hat das Ge­richt un­ter Berück­sich­ti­gung des ge­sam­ten In­halts der Ver­hand­lun­gen und des Er­geb­nis­ses ei­ner et­wai­gen Be­weis­auf­nah­me nach frei­er Über­zeu­gung zu ent­schei­den, ob ei­ne tatsächli­che Be­haup­tung für wahr oder für nicht wahr zu er­ach­ten ist. In­so­fern ist das tatsächli­che Vor­brin­gen der Be­klag­ten, dass die Kläge­rin zulässi­ger­wei­se be­strit­ten hat, nach Maßga­be der vor dem Ar­beits­ge­richt durch­geführ­ten Be­weis­auf­nah­me als wahr an­zu­se­hen.
Auf der Ba­sis der ab­ge­schlos­se­nen Be­weis­auf­nah­me stellt die rich­ter­li­che Würdi­gung ei­nen in­ter­nen Vor­gang in der Per­son der Rich­ter zur Prüfung der Fra­ge dar, ob ein Be­weis ge­lun­gen ist. Im Rah­men die­ses in­ter­nen Vor­gangs ver­weist § 286 ZPO ganz be­wusst auf das sub­jek­ti­ve Kri­te­ri­um der frei­en Über­zeu­gung des Rich­ters und schließt da­mit ob­jek­ti­ve Kri­te­ri­en - ins­be­son­de­re die na­tur­wis­sen­schaft­li­che Wahr­heit als Ziel­punkt - aus. Die ge­setz­li­che Re­ge­lung be­freit den Rich­ter bzw. das rich­ter­li­che Kol­le­gi­um von je­dem Zwang bei sei­ner Würdi­gung und schließt es da­mit auch aus, dass das Ge­setz dem Rich­ter vor­schreibt, wie er Be-
wei­se ein­zuschätzen und zu be­wer­ten hat. Da­bei ist Be­zugs­punkt der rich­ter­li­chen Würdi­gung nicht nur das Er­geb­nis der Be­weis­auf­nah­me, son­dern der ge­sam­te In­halt der münd­li­chen Ver­hand­lung (vgl. Münch­ner Kom­men­tar zur ZPO - Prütting, 4. Auf­la­ge 2013, § 286 Rn. 1 ff.).
Hin­sicht­lich der An­for­de­run­gen an die rich­ter­li­che Über­zeu­gung ist von Fol­gen­dem aus­zu­ge­hen: Die rich­ter­li­che Über­zeu­gung ist nicht gleich­zu­set­zen mit persönli­cher Ge­wiss­heit. Der Be­griff der Ge­wiss­heit stellt nämlich ab­so­lu­te An­for­de­run­gen an ei­ne Per­son. Er lässt für - auch nur ge­rin­ge - Zwei­fel kei­nen Raum. Dies wird ge­setz­lich aber nicht ver­langt; die ge­setz­li­che Re­ge­lung geht viel­mehr da­von aus, das Ge­richt müsse et­was für wahr "er­ach­ten". Bei dem Be­griff der rich­ter­li­chen Über­zeu­gung geht es al­so nicht um ein rein per­so­na­les Ele­ment der sub­jek­ti­ven Ge­wiss­heit ei­nes Men­schen, son­dern dar­um, dass der Rich­ter in sei­ner pro­zess­ord­nungs­gemäßen Stel­lung bzw. das Ge­richt in sei­ner Funk­ti­on als Streit ent­schei­den­des Kol­le­gi­al­or­gan ei­ne pro­zes­su­al aus­rei­chen­de Über­zeu­gung durch Würdi­gung und Ab­stim­mung er­zielt. Dar­aus folgt, dass es der rich­ter­li­chen Über­zeu­gung kei­nes­falls im Weg steht, wenn dem Ge­richt auf­grund ge­wis­ser Umstände Un­si­cher­hei­ten in der Tat­sa­chen­grund­la­ge be­wusst sind. Un­er­heb­lich für die Be­weiswürdi­gung und die Über­zeu­gungs­bil­dung ist auch die Fra­ge der Be­weis­last. Rich­ter­li­che Über­zeu­gung ist viel­mehr die pro­zess­ord­nungs­gemäß ge­won­ne­ne Er­kennt­nis des ein­zel­nen Rich­ters oder der Mehr­heit des Kol­le­gi­ums, dass die vor­han­de­nen Ei­gen- und Fremd­wahr­neh­mun­gen so­wie Schlüsse aus­rei­chen, die Erfüllung des vom Ge­setz vor­ge­se­he­nen Be­weis­maßes zu be­ja­hen. Es darf al­so we­der der be­son­ders leichtgläubi­ge Rich­ter noch der ge­ne­rel­le Skep­ti­ker ein rein sub­jek­ti­ves Emp­fin­den als Maß der Über­zeu­gung set­zen, son­dern je­der Rich­ter muss sich bemühen, un­ter Be­ach­tung der Pro­zess­ge­set­ze, Ausschöpfung der ge­ge­be­nen Er­kennt­nis­quel­len und Würdi­gung al­ler Ver­fah­ren­s­er­geb­nis­se in ge­wis­sen­haf­ter und vernünf­ti­ger­wei­se ei­ner Ent­schei­dung nach sei­ner Le­bens­er­fah­rung darüber zu tref­fen, ob im Ur­teil von der Wahr­heit ei­ner Tat­sa­chen­be­haup­tung aus­zu­ge­hen ist. Da­bei muss sich das Ge­richt al­ler­dings der Ge­fah­ren für je­de Wahr­heits­fin­dung be­wusst sein.
Da­bei ist letz­ten En­des aus­schlag­ge­bend, dass das Ge­setz ei­ne von al­len Zwei­feln freie Über­zeu­gung nicht vor­aus­setzt. Viel­mehr kommt es auf die ei­ge­ne Über­zeu­gung des ent­schei­den­den Rich­ters an, auch wenn an­de­re zwei­feln oder ei­ne an­de­re Auf­fas­sung er­langt ha­ben würden. Der Rich­ter darf und muss sich aber in tatsächlich zwei­fel­haf­ten Fällen mit ei­nem für das prak­ti­sche Le­ben brauch­ba­ren Grad von Ge­wiss­heit be­gnügen, der den Zwei­feln Schwei­gen ge­bie­tet, oh­ne sie völlig aus­zu­sch­ließen (BGHZ 53, 245 = NJW 1970, 946; vgl. Münch­ner Kom­men­tar zur ZPO - Prütting a. a. O., Rn. 28 ff). Vom Rich­ter wird letzt­lich ver­langt, dass er die vol­le Über­zeu­gung er­langt, dass er ei­ne strei­ti­ge Tat­sa­chen­be­haup­tung für wahr er­ach­tet. Die­se Über­zeu­gung kann und darf er nicht ge­win­nen, wenn für die strei­ti­ge Be­haup­tung nur die über­wie­gen­de Wahr­schein­lich­keit spricht, viel­mehr muss für die be­haup­te­te Tat­sa­che ei­ne sehr ho­he Wahr­schein­lich­keit spre­chen, da­mit der Rich­ter die Tat­sa­che für wahr er­ach­tet.
Das Vor­lie­gen die­ser Vor­aus­set­zun­gen hat das Ar­beits­ge­richt in der streit­ge­genständ­li­chen Ent­schei­dung ent­ge­gen der Auf­fas­sung des Klägers zu­tref­fend an­ge­nom­men. Das Ar­beits­ge­richt hat in­so­weit aus­geführt:
" a) Ein gemäß § 626 Abs. 1 BGB wich­ti­ger Grund zur Kündi­gung kann in ei­ner schuld­haf­ten Ver­let­zung von ar­beits­ver­trag­li­chen Ne­ben­pflich­ten lie­gen (BAG 12.05.2010 - 2 AZR 587/08 - Rn. 19, NZA-RR 2011, 15). Nach § 241 Abs. 2 BGB kann das Schuld­verhält­nis nach sei­nem In­halt je­den Teil zur Rück­sicht auf die Rech­te, Rechtsgüter und In­ter­es­sen des an­de­ren Teils ver­pflich­ten. Zu den hier­aus her­zu­lei­ten­den Pflich­ten gehört im Ar­beits­verhält­nis die Scha­dens­ab­wen­dungs­pflicht, nach der der Ar­beit­neh­mer ge­hal­ten ist, dro­hen­de Schäden vom Ar­beit­ge­ber ab­zu­wen­den bzw. zu be­sei­ti­gen, so­weit ihm dies möglich und zu­mut­bar ist. Ein schwe­rer Ver­s­toß ge­gen die sich aus § 241 Abs. 2 BGB er­ge­ben­de Rück­sicht­nah­me­pflicht kann ge­eig­net sein, das für die Fort­set­zung des Ar­beits­verhält­nis­ses not­wen­di­ge Ver­trau­en zu zerstören
b) Der Kläger hat mit der Beschädi­gung des Touch­screen­mo­ni­tors ei­ne schwer­wie­gen­de ar­beits­ver­trag­li­che Pflicht­ver­let­zung be­gan­gen. Auf­grund der Schu­lun­gen war dem Kläger be­wusst, wie der Touch­screen­mo­ni­tor sach­ge­recht zu be­die­nen ist. Er wuss­te, dass die Steue­rung des Re­ak­tors durch Berührung des Mo­ni­tors er­folgt. Durch den nicht den Be­die­nungs­vor­ga­ben ent­spre­chen­den Schlag auf den Bild­schirm riss das Bild­schirm­front­glas. Die­ser Schlag muss mit ho­hem Kraft­ein­satz geführt wor­den sein im Hin­blick dar­auf, dass die Front­glas­schei­be im Rah­men der EG-Bau­mus­ter­prüfung ei­nen in der Ex-Norm de­fi­nier­ten Schlag­test mit ei­ner Schla­g­ener­gie von 4 Joule un­beschädigt über­ste­hen muss.
aa) Hier­in liegt zum ei­nen ei­ne Sach­beschädi­gung zu­las­ten der Ar­beit­ge­be­rin.
Der Mo­ni­tor muss­te aus­ge­baut und durch ei­nen neu­en er­setzt wer­den. Dies führ­te für die Be­klag­te zu ei­nem Scha­den in Höhe von 7.811,50 EUR. Zu die­sem Preis wur­de ein neu­er Mo­ni­tor nebst Be­dien­pa­nel be­schafft.
bb) Ne­ben dem Scha­den ist zum an­de­ren ein ho­hes Gefähr­dungs­po­ten­ti­al durch den Ein­griff des Klägers zu kon­sta­tie­ren. Der Vor­fall fand in ei­nem ex­plo­si­ons­gefähr­de­ten Be­reich statt. Geräte, die in ex­plo­si­ons­gefähr­de­ten Be­rei­chen be­trie­ben wer­den, dürfen nicht verändert oder ma­ni­pu­liert wer­den, da hier­mit ein Ein­griff in die be­ste­hen­den Si­cher­heits­vor­keh­run­gen ein­her­geht und die Si­cher­heit nicht mehr gewähr­leis­tet wer­den kann. Das Bild­schirm­glas hätte durch den Schlag des Klägers nicht nur reißen, son­dern auch split­tern können.
3. Der Kläger hat­te auch zu­vor be­reits ei­ne Ab­mah­nung we­gen ei­nes Ein­griffs in die ihm be­kann­ten Si­cher­heits­vor­schrif­ten un­ter Da­tum vom 18.05.2015 er­hal­ten. Er hat­te in der Schicht vom 02.04.2015 ei­nen Tem­pe­ra­tur­messfühler be­wusst außer Kraft ge­setzt, in­dem er ihn mit be­trieb­li­cher Iso­lier­fo­lie ab­ge­klebt hat. Der Tem­pe­ra­tur­messfühler war nach ei­nem Brand ex­tra als
zusätz­li­che Si­che­rungs­ein­rich­tung ein­geführt wor­den. Nach ers­ten Ma­ni­pu­la­tio­nen hier­an durch an­de­re Mit­ar­bei­ter im Herbst 2013 war noch­mals aus­drück­lich im Rah­men ei­ner Be­spre­chung vom 27.03.2014 auf des­sen Be­deu­tung als zusätz­li­che Si­cher­heits­maßnah­me hin­ge­wie­sen wor­den.
a) So­weit der Kläger im Rah­men der münd­li­chen Ver­hand­lung vor der Kam­mer aus­geführt hat, er wäre bei die­ser Be­spre­chung nicht da­bei ge­we­sen, führt dies nicht zur Un­wirk­sam­keit der er­teil­ten Ab­mah­nung. Selbst wenn der Kläger an der Be­spre­chung nicht teil­ge­nom­men ha­ben soll­te, so hat­te er Kennt­nis von dem strik­ten Ver­bot der Ma­ni­pu­la­ti­on von Si­cher­heits­ein­rich­tun­gen durch den sog. One­pager, der in Pa­pier­form am Schwar­zen Brett aus­gehängt war und in elek­tro­ni­scher Form für meh­re­re Wo­chen auf dem Bild­schirm im Spei­se­saal der O.-Fa­brik ge­zeigt wur­de.
b) So­weit der Kläger sein da­ma­li­ges Fehl­ver­hal­ten da­mit ge­recht­fer­tigt hat, dass die­ses Ver­hal­ten im April 2015 üblich ge­we­sen sei und auch Ar­beits­kol­le­gen von ihm den Tem­pe­ra­tur­messfühler mit Iso­lier-Kle­be­band ab­ge­klebt hätten, um ei­ne zwei­te Spülung zu ver­hin­dern, führt dies zu kei­ner an­de­ren in­halt­li­chen Be­wer­tung der er­teil­ten Ab­mah­nung. Der Kläger hat sich hier­zu auf das Zeug­nis des Herrn P. be­ru­fen. Herr P. hat auf Nach­fra­ge der Be­klag­ten ei­ne schrift­li­che Erklärung ver­fasst, die von der Be­klag­ten als An­la­ge 12, Bl. 142 d.A., zur Ak­te ein­ge­reicht wur­de. In die­ser führt er aus, dass es sei­nes Wis­sens nach Mit­te 2014 nicht mehr zu ei­ner Ab­de­ckung der Tem­pe­ra­tur­mes­sung ge­kom­men sei. Im Hin­blick hier­auf er­weist sich der Ein­wand des Klägers als un­sub­stan­ti­iert. Er hat kei­ne Fak­ten (wann hat wer den Tem­pe­ra­tur­messfühler ab­ge­klebt) vor­ge­tra­gen, aus de­nen er die be­haup­te­te Üblich­keit ab­lei­ten könn­te.
4. Bei Abwägung der bei­der­sei­ti­gen In­ter­es­sen un­ter Berück­sich­ti­gung al­ler Umstände des vor­lie­gen­den Falls kann der Be­klag­ten je­de wei­te­re Fort­set­zung des Ar­beits­verhält­nis­ses nicht mehr zu­ge­mu­tet wer­den.
a) Zu­guns­ten des Klägers sind in die In­ter­es­sen­abwägung sei­ne Be­triebs­zu­gehörig­keit von über 20 Jah­ren so­wie sei­ne be­ste­hen­den Un­ter­halts­ver­pflich­tun­gen für 3 Kin­der ein­zu­be­zie­hen. Des Wei­te­ren wur­de in der Be­triebs­rats­anhörung von der Be­klag­ten zu­guns­ten des Klägers auch an­geführt, dass er den Vor­fall von sich aus ein­geräumt und sich hierfür ent­schul­digt hat.
b) Ge­gen den Kläger spricht je­doch, dass er zum wie­der­hol­ten Mal die Si­cher­heit von An­la­gen und Mit­ar­bei­tern gefähr­det hat. Er ist be­reits ein­schlägig ab­ge­mahnt we­gen ei­nes Ver­s­toßes ge­gen Si­cher­heits­vor­schrif­ten. Mit der Zerstörung der Bild­schirm­front­glas­schei­be des Touch­screen­mo­ni­tors hat der Kläger ei­ne Sach­beschädi­gung zu­las­ten sei­nes Ar­beit­ge­bers be­gan­gen. Da­mit hat er ent­ge­gen der In­ter­es­sen des Un­ter­neh­mens ge­han­delt und das in ihn ge­setz­te Ver­trau­en in star­kem Maße ver­letzt. Be­son­ders gra­vie­rend sind auch die Hin­ter­gründe, die zu der Sach­beschädi­gung führ­ten. Der Kläger hat­te sei­ne Emo­tio­nen nicht im Griff in ei­ner Si­tua­ti­on, als der Re­ak­tor zum wie­der­hol­ten Mal still­stand und wie­der an­ge­fah­ren wer­den muss­te. Sol­che Si­tua­tio­nen sind nicht außer­gewöhn­lich, son­dern können im­mer wie­der auf­tre­ten. Dem Kläger ist auf­grund der durch­lau­fe­nen Schu­lun­gen auch be­wusst, dass er in ei­nem Ex-Be­trieb ar­bei­tet, für den be­son­de­re Schutz­be­stim­mun­gen und –maßnah­men be­ste­hen. Be­reits die zu­vor im Jahr 2015 aus­ge­spro­che­ne Ab­mah­nung hat nicht da­zu geführt, dass der Kläger sein si­cher­heits­gefähr­den­des Ver­hal­ten ein­ge­stellt hat. Es ist für die Be­klag­te nicht zu­mut­bar, den Kläger al­lein bis zum Ab­lauf der or­dent­li­chen Kündi­gungs­frist wei­ter zu beschäfti­gen. Die Be­klag­te hat ei­ne Schutz- und Fürsor­ge­pflicht ge­genüber ih­ren Mit­ar­bei­tern. Sie ist ver­pflich­tet, die zur Ab­wen­dung von Ge­fah­ren für Leib und Le­ben er­for­der­li­chen Maßnah­men zu er­grei­fen."
Die­sen Ausführun­gen schließt sich die Kam­mer voll in­halt­lich an, stellt dies hier­mit aus­drück­lich fest und nimmt dar­auf gem. § 69 Abs. 2 ArbGG Be­zug.
Das Vor­brin­gen des Klägers im Be­ru­fungs­ver­fah­ren recht­fer­tigt kei­ne ab­wei­chen­de Be­ur­tei­lung des hier maßgeb­li­chen Le­bens­sach­ver­halts.
So­weit er vor­ge­tra­gen hat, der Scha­den im hier ge­ge­be­nen Aus­maß könne auf ein feh­ler­haf­tes Ein­bau­en des Be­dien­pa­nels zurück­zuführen sein, ist dar­auf hin­zu­wei­sen, dass es sich um tatsächli­ches Vor­brin­gen "ins Blaue hin­ein" han­delt. Der Kläger hat in­so­weit kei­ner­lei nach­voll­zieh­ba­re Tat­sa­chen vor­ge­tra­gen, dass ver­gleich­ba­re De­fek­te in dem Be­reich, in dem er langjährig beschäftigt ist, zu ir­gend­ei­nem Zeit­punkt be­reits ein­mal auf­ge­tre­ten sei­en, nicht ein­mal da­zu, dass über­haupt ir­gend­ei­ne Ver­hal­tens­wei­se zu ei­ner hier ge­ge­be­nen Zerstörung ei­nes Bild­schirms geführt ha­be. Dem ge­genüber hat die Be­klag­te im Be­ru­fungs­ver­fah­ren im Ein­zel­nen sub­stan­ti­iert dar­ge­legt, dass kei­ne ver­gleich­ba­ren Vorfälle be­kannt sind und wie im Ein­zel­nen im Be­trieb der Be­klag­ten si­cher­ge­stellt wird, dass die ver­wen­de­ten tech­ni­schen Geräte nach der Neu­an­schaf­fung ih­re be­an­stan­dungs­freie Funk­ti­onsfähig­keit bei­be­hal­ten. Ent­ge­gen der Auf­fas­sung des Klägers ist auch die In­ter­es­sen­abwägung durch das Ar­beits­ge­richt nicht zu be­an­stan­den. Denn für die vor­lie­gend zu tref­fen­de Ent­schei­dung ist we­ni­ger die Vor­ge­schich­te ei­ner Herz­ka­the­ter-OP des Klägers von Be­lang, son­dern ins­be­son­de­re der vom Ar­beits­ge­richt zu­tref­fend gewürdig­te Um­stand, dass der Kläger im Jah­re 2015 vorsätz­lich zum Her­beiführen ei­ner Mehr­pro­duk­ti­on aus­drück­li­che und ein­dring­lich an­ge­ord­ne­te Si­cher­heits­vor­keh­run­gen außer Acht ge­las­sen hat­te. So­weit der Kläger dar­auf hin­ge­wie­sen hat, dies sei auch im In­ter­es­se der Be­klag­ten er­folgt, ist dem­nach dem oh­ne Wei­te­res nach­voll­zieh­ba­ren Vor­brin­gen der Be­klag­ten zu Sinn und Zweck der außer Kraft ge­setz­ten Si­cher­heits­vor­keh­run­gen und de­ren be­trieb­li­chen Kom­mu­ni­ka­ti­on nach­drück­lich zu wi­der­spre­chen. Näher liegt die An­nah­me, dass das Ver­hal­ten des Klägers in­so­weit zur Her­beiführung ei­ner höhe­ren persönli­chen Er­folgs­be­tei­li­gung dien­te. Auch ist das Vor­brin­gen des Klägers im Tatsächli­chen un­zu­tref­fend; er hat in der Be­ru­fungs­be­gründung be­haup­tet, er sei am 18.05.2015
wie­der ar­bei­ten ge­gan­gen, dies ent­ge­gen ärzt­li­chem Rat. Die Be­klag­te hat aber - un­wi­der­spro­chen - dar­ge­legt, dass der Kläger vor dem 22.05.2015 gar nicht wie­der zur Ar­beit er­schie­nen war.
So­weit der Kläger der Auf­fas­sung ist, es ha­be berück­sich­tigt wer­den müssen, dass es vor­lie­gend nicht um ei­ne ge­ziel­te Ma­ni­pu­la­ti­on ei­ner Si­cher­heits­ein­rich­tung ge­gan­gen sei, viel­mehr sei nur ein Be­dien­ele­ment beschädigt wor­den, ist dar­auf hin­zu­wei­sen, dass un­ab­seh­bar ist, wel­cher Scha­den auf­grund der mas­si­ven Ge­walt­ein­wir­kung vor­lie­gend hätte ent­ste­hen können. Dies hat die Be­klag­te in bei­den Rechtszügen im Ein­zel­nen un­ter vor­sorg­li­chem Be­weis­an­tritt sub­stan­ti­iert dar­ge­legt. Das Ar­beits­ge­richt ist in­so­weit auch zu­tref­fend da­von aus­ge­gan­gen, dass ent­ge­gen der Dar­stel­lung des Klägers nicht da­von aus­ge­gan­gen wer­den kann, dass der Scha­den durch ei­nen leich­ten Schlag mit fla­cher Hand bzw. dem Hand­bal­len ent­stan­den sein soll. Viel­mehr spricht nach dem sub­stan­ti­ier­ten Vor­brin­gen der Be­klag­ten al­les dafür, dass der Kläger aus Verärge­rung über das für ihn un­er­freu­lich ver­lau­fe­ne Mit­ar­bei­ter­gespräch die mut­wil­li­ge Beschädi­gung ent­we­der durch ei­nen Bra­chi­al­faust­schlag oder, wofür mehr spricht, mit­tels Ein­satz ei­nes Werk­zeu­ges wie ei­nes Ham­mers oder Schrau­ben­schlüssels her­bei­geführt hat. In­so­weit ist im Rah­men der In­ter­es­sen­abwägung im Hin­blick auf das Pro­gno­se­prin­zip ins­be­son­de­re zu berück­sich­ti­gen, dass der Ver­bleib des Klägers im Be­trieb der Be­klag­ten im Hin­blick auf ein­zu­be­hal­ten­de Si­cher­heits­vor­keh­run­gen des­halb un­zu­mut­bar ist, weil das Ver­hal­ten des Klägers als Si­cher­heits­ri­si­ko zu be­wer­ten ist, denn der streit­ge­genständ­li­che Vor­fall fand in ei­nem ex­plo­si­ons­gefähr­de­ten Be­reich statt. Dar­an ver­mag ent­ge­gen der Auf­fas­sung des Klägers auch sei­ne zu sei­nen Guns­ten zu berück­sich­ti­gen­de Be­triebs­zu­gehörig­keit von über 20 Jah­ren so­wie sei­ne be­ste­hen­den Un­ter­halts­ver­pflich­tun­gen für drei Kin­der nichts zu ändern.
Die Be­klag­te hat beim Aus­spruch der außer­or­dent­li­chen Kündi­gung die Frist des § 626 Abs. 2 BGB ge­wahrt; in­so­weit wird zur Ver­mei­dung von Wie­der­ho­lun­gen auf S. 12 d. an­ge­foch­te­nen Ent­schei­dung (= Bl. 162 d. A.) Be­zug ge­nom­men. Die
Ausführun­gen des Ar­beits­ge­richts in­so­weit wer­den vom Kläger im Be­ru­fungs­ver­fah­ren nicht in Ab­re­de ge­stellt, so dass wei­te­re Ausführun­gen nicht ver­an­lasst sind.
Ent­ge­gen der Auf­fas­sung des Klägers ist auch die ord­nungs­gemäße Anhörung des Be­triebs­rats gem. § 102 Be­trVG nicht zu be­an­stan­den.
" a) Nach dem Grund­satz der "sub­jek­ti­ven De­ter­mi­nie­rung" ist der Be­triebs­rat ord­nungs­gemäß an­gehört, wenn ihm der Ar­beit­ge­ber die aus sei­ner Sicht tra­gen­den Umstände und Gründe für die Kündi­gung un­ter­brei­tet hat. Da­ge­gen führt ei­ne be­wusst un­rich­ti­ge oder un­vollständi­ge und da­mit ir­reführen­de Dar­stel­lung zu ei­ner feh­ler­haf­ten Anhörung (BAG 09.06.2011 - 2 AZR 323/10 - Rn. 45, NZA 2011, 1342).
b) Da­nach hat die Be­klag­te den Be­triebs­rat mit ih­rem Anhörungs­schrei­ben vom 25.02.2016 ord­nungs­gemäß un­ter­rich­tet. Die Be­klag­te hat dem Be­triebs­rat die aus ih­rer Sicht tra­gen­den Gründe für die be­ab­sich­tig­te Kündi­gung im Ein­zel­nen dar­ge­stellt.
c) Ent­ge­gen der An­sicht des Klägers wa­ren so­wohl die Scha­denshöhe als auch die Gefähr­dungs­la­ge Be­stand­teil die­ser Be­triebs­rats­anhörung und können da­her von der Be­klag­ten im Kündi­gungs­schutz­pro­zess ein­ge­bracht wer­den.
aa) Der Wie­der­be­schaf­fungs­wert des beschädig­ten Mo­ni­tors wur­de the­ma­ti­siert. Die Be­klag­te teil­te mit, dass der Kläger durch sei­nen Schlag ei­nen Scha­den von ca. 4.000,-- EUR ver­ur­sacht hat. Der Be­triebs­rat hat die­se Mit­tei­lung rich­tig als ei­ne vorläufi­ge Schätzung ver­stan­den, vgl. sei­ne For­mu­lie­rung in der Stel­lung­nah­me vom 29.02.2016, S. 1, Abs. 3, letz­ter Satz.
bb) Zur Gefähr­dungs­la­ge hat­te die Be­klag­te in der Be­triebs­rats­anhörung fol­gen­des aus­geführt:
„Herr P. hat durch sein Ver­hal­ten mas­siv die Si­cher­heit gefähr­det. Der Vor­fall fand in ei­nem ex­plo­si­ons­gefähr­de­ten Be­reich statt. Im tech­ni­schen Hand­buch des Steu­er­mo­ni­tors fin­det sich ein aus­drück­li­cher Hin­weis, dass Geräte, die in ex­plo­si­ons­gefähr­de­ten Be­rei­chen be­trie­ben wer­den, nicht verändert oder ma­ni­pu­liert wer­den dürfen. ... Der Schlag auf den Touch­screen(!)-Bild­schirm ... hätte auch zur un­kon­trol­lier­ten Wei­ter­ga­be von Steue­rungs­si­gna­len an den Band­re­ak­tor führen können.“
Da­mit war die Gefähr­dungs­la­ge Be­stand­teil der Anhörung."
Die­sen Ausführun­gen folgt die Kam­mer aus­drück­lich, stellt dies hier­mit fest und nimmt dar­auf gem. § 69 Abs. 2 ArbGG Be­zug.
Das Be­ru­fungs­vor­brin­gen des Klägers in­so­weit recht­fer­tigt kei­ne ab­wei­chen­de Be­ur­tei­lung des hier maßgeb­li­chen Le­bens­sach­ver­halts. Die Be­klag­te hat im Ein­zel­nen ausführ­lich den Kündi­gungs­sach­ver­halt nach dem Er­geb­nis ih­rer in­ter­nen Er­mitt­lun­gen dar­ge­stellt; dies mag beim Kläger zu Un­klar­hei­ten führen. Da­bei wird aber über­se­hen, wo­von das Ar­beits­ge­richt zu­tref­fend aus­ge­gan­gen ist, dass die Anhörung des Be­triebs­rats dann ord­nungs­gemäß ist, wenn der Ar­beit­ge­ber ihm die aus sei­ner Sicht tra­gen­den Umstände und Gründe für die Kündi­gung un­ter­brei­tet hat. Die­se Vor­aus­set­zun­gen sind vor­lie­gend erfüllt. An­halts­punk­te für ei­ne be­wusst un­rich­ti­ge oder un­vollständi­ge und da­mit ir­reführen­de Dar­stel­lung las­sen sich aber dem tatsächli­chen Vor­brin­gen des Klägers in bei­den Rechtszügen auch im An­satz nicht ent­neh­men.
Mit dem Ar­beits­ge­richt ist schließlich auch da­von aus­zu­ge­hen, dass der Kläger zu ver­ur­tei­len war, auf die Wi­der­kla­ge hin Scha­den­er­satz in Höhe von 7.811,50 EUR nebst Zin­sen an die Be­klag­te zu leis­ten.
" 1. Durch sei­nen Schlag mit der Han­din­nen­fläche hat der Kläger die Glas­schei­be des Touch­screen­mo­ni­tors zum Reißen ge­bracht. Die­sen Schlag führ­te er zu­min­dest mit be­ding­tem Vor­satz aus. Er hat den Schlag wis­sent­lich und wil­lent­lich aus Frust und Wut aus­geübt. Da­mit hat er den Scha­den zu­min­dest bil­li­gend in Kauf ge­nom­men. Der vom Kläger gewähl­te Be­griff der "emo­tio­na­len Kurz­schluss­re­ak­ti­on" steht ei­ner Hand­lung mit be­ding­tem Vor­satz nicht ent­ge­gen.
Nach §§ 249, 251 BGB hat der Kläger den Geld­be­trag zu er­stat­ten, der zur Wie­der­her­stel­lung des Zu­stan­des vor der Beschädi­gung er­for­der­lich ist. Da der Her­stel­ler nur für die kom­plet­te Ein­heit den Ex-Schutz ga­ran­tiert, konn­te der Bild­schirm nur ge­mein­sam mit dem Be­dien­pa­nel aus­ge­tauscht wer­den. Hierfür ent­stand ein Rech­nungs­be­trag für den Er­satz­mo­ni­tor in Höhe von 7.811,50 EUR.
So­weit der Kläger den Ein­wand er­hebt, das Bild­schirm­glas sei nur ge­ris­sen ge­we­sen, so dass es aus­ge­reicht hätte, den Scha­den durch Aus­wech­seln der Bild­schir­mo­berfläche zu be­he­ben, kann dem nicht ge­folgt wer­den. Ent­schei­dend ist, dass der Her­stel­ler nur für die kom­plet­te Ein­heit den Ex-Schutz ga­ran­tiert. Dies ist vom Kläger nicht in Ab­re­de ge­stellt wor­den. Da­mit war ein kom­plet­ter Aus­tausch von Bild­schirm und Be­dien­pa­nel er­for­der­lich.
Der Scha­den­s­ein­tritt er­folg­te im Rah­men ei­ner be­trieb­li­chen Tätig­keit. Da der Kläger mit be­ding­tem Vor­satz han­del­te, kommt ihm ei­ne Haf­tungs­er­leich­te­rung nicht zu­gu­te. Der Scha­den ist in vol­ler Höhe zu er­set­zen."
Die­sen Ausführun­gen schließt sich die Kam­mer voll in­halt­lich an, stellt dies hier­mit aus­drück­lich fest und nimmt dar­auf gem. § 69 Abs. 2 ArbGG Be­zug. Das Vor­brin-
gen des Klägers im Be­ru­fungs­ver­fah­ren recht­fer­tigt kei­ne ab­wei­chen­de Be­ur­tei­lung des hier maßgeb­li­chen Le­bens­sach­ver­halts. Denn es enthält nur den la­pi­da­ren Satz: "Die­se Höhe des Scha­dens wird be­strit­ten." Dies genügt zur Abände­rung der an­ge­foch­te­nen Ent­schei­dung vor­lie­gend aber schon des­halb nicht, weil die Be­klag­te im erst­in­stanz­li­chen Rechts­zug die Scha­denshöhe ausführ­lich be­gründet und be­legt hat; hin­zu kommt, dass ent­spre­chen­des und oh­ne Wei­te­res nach­voll­zieh­ba­res Vor­brin­gen der Be­klag­ten im zweit­in­stanz­li­chen Rechts­zug vom Kläger nicht zum An­lass ei­nes sub­stan­ti­ier­tes und da­mit nach­voll­zieh­ba­ren Be­strei­tens ge­nom­men wird. Ein vom Kläger her­ge­stell­ter Be­zug zu sei­ner persönli­chen Er­folgs­be­tei­li­gung be­steht recht­lich, wor­auf die Be­klag­te zu­tref­fend hin­ge­wie­sen hat, vor­lie­gend nicht.
Nach al­le­dem war die Be­ru­fung des Klägers zurück­zu­wei­sen.
zur Übersicht 3 Sa 356/16