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Timestamp: 2020-06-06 15:45:04
Document Index: 72656264

Matched Legal Cases: ['Art. 4', 'Art. 5', 'Art. 2', 'Art. 6', 'Art. 7', 'Art. 8', 'Art. 3']

1874 / 280 p. 3 (Deutscher Reichsanzeiger)
1874 / 280 p. 3 (Deutscher Reichsanzeiger) scan diff
seßt, daÿ derselbe nicht mehr als 32 Centimen und niht weniger als 20 Centimen beträgt. ;
Als einfacher Brief gilt jeder Brief, dessen Gewicht 15 Gramm nicht übersteigt. Für Briefe von höherem Gewichte wird für je 15 Pag oder einen Theil von 15 Gramm ein einfacher Portesaß er-
Das Porto für unfrarkirte Briefe soll das Doppelte desjenigen S betragen, welcher im Bestimmungélande für frankirte riefe erhoben wird. j; 5
Postkarten müssen frankirt werden. Das Porto beträgt die Hälfte des Portosates für frankirte Briefe unter entsprehender Abrundung der Bruchtheile. :
Für jede Beförderung zur See, welche 300 Seemeilen innerhalb des Vereinsbercihs übersteigt, kann dem gewöhnlichen Porto ein Zu- chlag hinzutreten, welher die Hälfte des allgemeinen für frankirte
riefe festgcseßten Vereinsportos nicht überschreiten darf. :
Art. 4. Das allgemeine Vereinêporto für Geschäftspapiere, Waarenproben, Zeitungen, brocirte oder eingebundene Bücher, Bro- chüren, Noten, Visitenkarten, Kataloge, Prospekte, Ankündigungen und Anzeigen verschiedener Art, gleichwohl ob gedruckt, gestochen, litho- graphirt oder autegraphrt, sowie für Photographiea wird auf 7 Cen- timen für jede einfahe Sendung festge|eßt. :
Als Uebergangsmaßregel is jedo jedem Lande vorbehalten, mit Rücksicht auf seine Münz- und sonstigen Verhältnisse, einen höheren oder niedrigeren als den bezeichneten Portosaß zu erheben, voraus- geseht, daß derselbe niht mehr als 11 Centimen und nicht weniger als 5 Centimen beträgt. 3 i
Als einfache Sendung gilt jede Sendung, deren Gewicht 50 Gramm nit übersteigt. Für Sendungen von höherem Gewicht wird für je 50 Gramm oder eiuen Theil von 50 Gramm ein einfacher Portosaßz erhoben. A
Für jede Beförderung zur See, welche 300 Seemeilen innerhalb des Vereinrsbereih3 übersteigt, kann dem gewöhnlichen Porto ein Zu- {lag hinzutreten, welher die Hälfte des für Sendungen dieser Art festgeseßten allgemeinen Vereinsportos nicht überschreiten darf. _
Das Höchstgewicht der vorerwähnten Gegenstände wird für für Waarenproben auf 250 Gramm, für alle übrigen Gegenstände auf 1000 Gramm festgeseßt.
Der Regierung jedes Vereinslandes is das Recht vorbehalten, diejenigen im gegenwärtigen Artikel“ bezeichneten Gegenstände auf ihrem Gebiete nit befördern oder bestellen zu lassen, in Betreff deren den bestehenden Gesehen und Vorschrif:en des Landes über die Bedin- gungen ihrer Veröffentlihung und Verbreitung nicht genügt sein sollte.
Art. 5. Die im Art. 2 bezeichneten Gegenstände können unter Rekommandation versendet werden. : i
Rekommandirte Sendungen müssen frankirt s
An Porto werden für rekommandirte Gegenstände die nämlichen Säße erhoben, wie für nicht rekommandirte Eegenstände. i
An Rekommandationsgebühr, sowie an Rückscheingebühr dürfen höhere Säße nicht erhoben werden, als im inneren Verkehr des Ur- sprungslandes hierfür festgeseßt find. i
Geht ein rekommandirter Gegenstand vzrloren, fo erhält der Ab- sender, oder auf dessen Verlangen der Adressat, den Fall höherer Ge- walt ausgenommen, eine Entschädigung von 50 Franken von derjeni- gen Verwaltung, auf deren Gebiet oder auf deren Seepostroute der Verlust erfolgt, d. i. wo die Spur des Gegenstandes vershwunden
Das Projekt eines Kanals von der ODbecspree bei. Berlin nach der Havel bei Wannsee.
Der Wirkliche Geheime Ober-Baurath Hartwich hat Be- merkungen über die Schiffahrts- und Vorfluths-Ver- hältnisse in und bei Berlin mit Anschluß eines Projekts u einem Kanal von der Oberspree na der Havel bei B aunsee (Berlin, 1874, Verlag von Ernst und Korn, Gropiussche Buch- und Kunsthandlung) veröffentlicht, dem wir Folgendes ent- nehmen :
Das Aufblühen des kleinen Fischerdorfes Cölln an der Spree zu einer großen Haupt- und Residenzstadt ist vorzugsweise der für die Siffahrt so überaus günstigen Lage zu verdanken, Von den vielen umfangreichen Seen und Flußarmen, welche sich, von fruhtbaren Länderein, herrlihen Wiesen, großen Waldungen- und reichhaltigen Torflagern umgeben, an der Havel vou Spandau bis Brandenburg, an der Spree von Berlin bis an die Rüdersdorfer Kalkberge, bis Königs Wusterhausen und weiter ausdehnen, wurden diesem, an den auf flachen Höhenzügen von Norden nah Süden fich hinzichenden Straßen gelegenen Orte, Nahrungsmittel aller Art, Bau- und Brenn- material 2c. mit Leichtigkeit und im Ueberflusse durch die Schiffahrt zugeführt. Die natürliche Wasserverbindung mit der Elbe und die später künstlich hergestellte mit der Oder machten den Ort aber aud zum Stapelplatze eines lebhaften Handelsverkehrs.
Alle Elemente zur großartigen Entwickelung eines Ortes waren daher im vollen Umfange von jeher vorhanden.
Es war eine R den damaligen Verhältnissen völlig entsprechende Maßregel, daß man sich durch einen Aufstau der Spree, O 11/2 bis 2 Meter wechselt, eine überaus wirk{ame Wasser-
raft \chuf.
Die dadur herbeigeführte Versumpfung großer niedriger Ter- rains war derzeit wenig zu berückfichtigen, indem diese Flächen unbe- baut waren und nur sehr geringen Ertrag lieferten.
Mit der {nellen Vergrößerung der Stadt bildeten sich alle Lokalverhäitnisse und baulichen Anlagen diesem Stau entsprechend aus. Derselbe gereichte damals mit den grofen en zum Wohle der Stadt, hat aber allmählich zu den Zuständen Berlins Veran- lassung gegeben, welche so vielfach gerügte und beklagte Uebelstände mit sich führen.
Diese Mißverhältnisse wurden vermehrt durch Zersplitterung des Spreelaufes in verschiedene Arme, welche theils zu “fortifikatorischen Zee theils zur Schiffahrt und zum Mühlenbetriebe hergestellt wurden.
Nachdem der Verfasser die Uebe]stände geschildert, welche diese Grâben verursachen, fährt derselbe fort:
„Bei dem fteten Wachsen der Reichs-Hauptstadt, welches, abge- schen von einzelnen Sprüngen und darauf folgenden Stillständen, im Allgemeinen unfehlbar regelmäßig und ras Forts reiten wird, muß si unter den gegebenen Lokalverhältnissen au die Schiffahrt in gleihem Maße vermehren. Wenn schon jeßt zahlreihe Verzögerun- gen und Stopfungen des Schiffsverkehrs innerhalb der Stadt und in den nähften Umgebungen, namentlich zwishen Berlin und Span- dau, stattfinden, so werden diese Uebelstände {edenfalls erheb- lich zunehmen. Die großen Nachtheile, welche Verzögerungen der Schiffahrt mit sich führen, werden selten in ihrem vollen Umfange erkannt und lassen sich nicht, wie etwa bei den Eisenbahnen, in Ziffern nach- weisen, sie treffen niht den- Schifferstand allein, sondern daë ganze Publikum durch Vertheuerung der Frahten. Auch entziehen fie eine große Zahl der kräftigsten Arbeiter anderen nüßlichen Beschäftigungen.
ebenher ist aber auch die Ansammlung eines großen Schifferperso- nals im Gentrum der Stadt in manchen Beziehungen als ein Ucebel- ftand zu betraten.
Wenn nun gehofft werden darf, daß durch die in der Ausführung begriffene Kanalijation, durch Herstellung der Stadtbahn, durch An- lage von Schienenwegen, welche durch_ Pferde- oder besser dur Dampfkraft ohne Beeinträchtigung des Straßenverkehrs mit geringer Geschwindigkeit betrieben werden, durch Anlage neuer Straßen u. #. w. die Zustände in Berlin eine erhebliche Umgestaltung und Verbesserung erfahren werden, so haben doch diese auf die vorgedachten und allge- mein bekannten, mit der Spree und der mangelnden Entwässeruyg im Zusammenhange stehenden großen Mißstände keinen Einfluß.
Es erscheint daher dripgentd geboten, èrnstlich auf Mittel zu den- ken, welche auch diese der Mi E eing der Stade im südlichen Theile e inb Centrum fo sehr hinderlihen Mißstände zu Leseitigen geeig- ne : /
ift, es sei denn, daß diese Verwaltung nah den Geseßen ihres Landes für den Verlust rekommandirter Sendungen im Innern ihres Gebiets nicht verantwortlih ift. j Í
Die Entschädigung soll sobald als irgend möglich und spätestens innerhalb des Zeitraumes cines Jahres, von dem Tage an gerehnet, gezahlt werden, an welchem fie in Anspruch genommen wird.
Der Anspruch auf Entschädigung erlischt, wenn er nicht innerhalb Jahresfrist, vom Tage der Posteinlieferung der rekommandirten Sen- dung an gerechnct, erhoben wird.
Art. 6. Die Frankirung der Sendungen kann nur mittelst der im E gültigen Freimarken oder Freicouverts bewirkt werden.
Unfrankirte oder ungenügend frankirte Zeitungen und andere Druckiachcn werden nicht befördert. Die übrigen unfrankixrten oder ungenügend frankirten Gegenstande werden wie unfrankirte Briefe A nah Abzug des Werthes der etwa verwendeten Freimarken oder
reicouverts, ü
Art. 7. Für die Nachsendung von Korrespondenzen innerhalb des Vereinsgebiets wird ein besonderes Porto nit erhoben.
Nur in dem Falle, wo eine Sendung aus dem innern Verkehre eines Vereinslandes, in Folge der Nachsendung, in ein anderes Ver- einsland übergeht, wird von der Verwaltung des Bestimmungslandes ein Nahschußporto nach ihrem inneren Tarif erhoben.
Art. 8. Der auf den Postdienst bezügliche amtliche Schriftwechsel ift portofrei. Im Uebrigen finden weder Porto-Befreiungen noch Ermäßigungen statt. ;
rt. 9. Jede Verwaltung behält unvêrkürzt die von“ ihr auf Grund der vorhergehenden Art. 3, 4, 5, 6 und 7 erhobenen Summen. Es wird daher hierüber eine Abrechnung zwischen den verschiedenen Verecinsverwaltungen nicht stattfinden.
Briefe und andere Sendungen dürfen weder im Ursprungslande, noch im Bestimmungsgebiete, fei es zu Lasten der Absender oder der Empfänger, einem anderen Porto oder einer anderen Postgebühr, als den in den vorbezeichneten Artikeln festgeseßten, ünterworsen werden.
Berlin. Im Sachse’ schen Kunstvereinshause (Tau- benstraße 34) hat ein Dresdner Künstler gegeoenwärtig ein Modell des Berliner Rathhauses im sehsundzwanzigfah verkieinerten Maßstabe der natürlichen Größe zur Schau ausgestellt. An der Ausführung dieses Kunstwerks, welhes das Gebäude in allen Theilen der Wirklichkeit getreu wiedergiebt, haben 7 Künstler seit dem vori- gen Herbst neun Monate hindurh unausgefeßt gearbeitet, denn es bandelte sih um die Anfertigung und Zusammenseßung von 2 Millionen Stück kleiner Klammern von Edelfichtenholz, die obgleich ohne Niet und Nagel oder Leim geschidt zusammengefügt, __dennoch dem Bauwerk einen hohen Grad von Widerstandsfähigkeit geben. Es liegt auch in der Absicht des Verfertigers, Gartenhäuser, Lauben u. dergl. aus demselben Material zweckdienlich herzustellen, womit einer originellen Industrie die Bahn gebrochen werden würde. Für das Rathhausmodell beziffert sich der Werth auf 6000 Thlr., die Be- sichtigung des nur noch auf kurze Zeit ausgestellten Kunstwerks, wel- ches hon in München und Hamburg Aufsehen erregt hat, ift in An- betrat seiner Seltenheit und Kostbarkeit wohl zu empfehlen.
Der Verfasser hat ein ausführlich erörtertes und technisch mo- tivirtes Projekt aufgestellt, welches geeignet erscheint, die vorhandenen Uebelstände zum Theil ganz zu beseitigen, zum Theil in hohem Maße zu vermindern. ;
Das Projekt besteht in einem Kanale, welcher an der Spree dicht oberhalb der Mündung des Landwehrkanals mit Schleuse und Wehr beginnt, mit diesem bis zur Richtung des Louisenstädtischen Kanals am Urban parallel läuft, dort mit demselben durch eine Sleuse verbunden wird, sich dann zur Gneisenausiraße wendet, „in deren Mitte zur Yorkstraße fortgeführt wird, unter der Anhaltischen, Dresdener und Potsdam-Magdeburger Bahn durchgeht, am Bota- nischen Garten in Scönéberg dle Chaussee kreuzt, nach (Durchschnei-
dung des Wilmersdorfer Sees in den Grunewald tritt und unter
Benußung sämmtlicher Grunewäld-Seen in der Havel am Wannsee mit Wehr und S({leuse endet. ;
Die Tiefe und die Wasserstände des Kanales find ss bemessen, daß stets eine allen Bedürfnissen vollständig entsprechende, niemals behinderte Abwässerung des ganzen südlihen Staditheiles mit Umge- bungen erfolgen kann. Die Dimensionen des Kanales sind so ge- wählt, daß bei einer mäßigen, der Schiffahrt nicht hinderlichen Ge- \chwindigkeit der dritte Theil bis die Hälfte der höchsten Fluthwässer der Spree abgeführt werden kann.
Für die größesten, bis zu zwei Meter tief gehenden Schiffe bietet der Kanal selbst bei den niedrigsten Wasserständen Tiefe genug dar. i :
Das erforderlihe Baukapital if auf Grund der vorhandenen Angaben zwar nur überschläglih, jedoch so reihlich ermittelt, daß d E in projektirter Weise jedenfalls dafür hergestellt wer-
Die Gesammtsumme incl. Zinsen während der Bauzeit beläuft
, sich auf 3,434,519 Thaler.
Die Vortheile, welche dur die Anlage erzielt werden, sind in Nachstehendem kurz zusammengestellt:
a. Bezüglich der Schiffahrt ergiebt sich Folgendes:
Die Fahrt von der Oberspree bis zur Havel am Wannsee wird durch den nur 3; Meilen langen neuen Kanal um 1} Meile gegen den Weg über Spaudau abgekürzt. Dieselbe kann mit Ausnahme des Eisftandes niemals behindert oder ers{chwert werden, indem die auf den ausgedehnten Havelseen durch widrige Winde oft eintretenden Verzögerungen, ebenso wie die, welche zwischen Spandau und Berlin durch Ueberfüllung von Fahrzeugen entstehen, vermieden werden. Be- sonders wird Berlin selbst von nahtheiliger Anhäufung von Schiffen und übermäßiger Ansammlung von Schisfern befreit.
Es wird die Möglichkeit gewährt, daß größere und tiefer 1a dat Schiffe von zweckmäßiger Konstruktion nah Berlin gelangen
Das ganze durschnittene Terrain von der Oberspree bis Schöône- berg und Wilmersdorf bietet Raum für Niederlagen und industrielle Etablissements jeder Art im größesten Umfange dar. Die großen Seen im Grunewald gewähren Raum für sichere Lagerung der Schiffe im Winter, Der Anschluß an die Eisenbahnen auf verschiedenen Punk- ten kann für den Verkehr durch Anlage von Ueberladungsstellen, MWaarendepots u. s. w. nußbar gemacht werden.
Die stets ungehinderte Fahrt auf dem Kanale, ebenso wie dessen Dimensionen gestatten es, daß Dampfboote von geeigneter Konstruk- tion und Einrichtung direkt zwishen Berlin, den anmuthigen Havel- seen und Potsdain coursiren können.
Unzweifelhaft wird also der ueue Kanal naß zu einer großen Erleichterung, Verbesserung und Belebung der Schiffahrt und der M eng verbundenen Interessen des Handels und der Industrie geben.
b. Bezüglich der Hohwasserverhältnisse gewährt die neue Anlage folgende Vortheile:
Bei einer regelmäßigen, stets ungehinderten, rasen Wasserabfüh- rung durch den neuen Kanal lassen fi die Wasserstände in den weit ausgedehnten Wasseransammlern oberhalb Berlin regeln und unzei- tige Anschwellungen verhüten, wie dies in den Erläuterungen zum et ausführlicher erörtert ist. Da der Kanal für außergewöhn- ihe Fälle e eeignet ist, mindestens den dritten Theil der größesten Wassermassen {nell abzuführen, so kön- nen durch denselben die großen Mißstände, welche die U für Berlin und Uingegend jeßt herbeiführen, gänzlich beseitigt werden. Es wird daher auch möglich und ohne alle Nachtheile zulässig er- scheinen, den Spreelauf in der Stadt in angemessener Weite auf eine Normalbhreite einzuschränken. Durch die Gewinnung neuer Uferpläße
Unter Anwendung derselben eigenthümlichen Konstruktion8weise ist eine große Zahl kleinerer Gegenstände von architektonisch richtiger Zeichnung entstanden, welche fih ¿um Haugeirans eignen und zu billigen Preisen in dem genannten Lokale zu haben find.
— Der Handelsrichter des Berliner Stadtgerichts hat die Be- denken, auf Grund deren er bisher die Eintragung der Beschlüfse der leßten Generalverjammlung der Stettiner Vereinsbank aus- geseßt. hatte, fallen lassen und die Eintragung unter dem 23. d. M. verfügt. Es wird nunmehr in nächster Zeit abermals eine außer- ordentliche Generalversammlung der Aktionäre der Stettiner Vereins- bank einberufen werden, in welcher mit einfacher Majorität über die Frage der Auflösung der Bank Beschluß gefaßt werden wird.
St. Petersburg, 27. November. Die Russische Reichs- bank hat den Wechseldiskont von 6 auf 52, den Lombardzinsfuß von 7 auf 64% herabgeseßt.
Die Eröffnung der Bahnstreck Schweinfurt-Meiningen, welche am 1. Dezember erwartet wurde, mußte noch verschoben werden (vielleicht auf 10. oder 15. Dezember), da bei einer kürzlich stattgehabten Probefahrt die Bahn selbft zwar ganz vollendet und vollständig fahrbar, dagegen die Hochbauten ‘einiger Stationen, namentlich in Meiningen, noch niht betriebsfähig befunden wurden.
Sonntag, den 29. November. Opernhaus. (235. Vor- stellung.) Der Feensee. Große Oper in 5 Abtheilungen von Scribe und Melesville. Musik von Auber. Ballet “ von Hoguet. Anfang halb 7 Uhr. Mittel-Preise. i
Wegen Heiserkeit des Hrn. Niemann kann die angekündigte Vorstellung: „Die Stumme von Portici“ niht stattfinden.
Schauspielhaus. (246. Vorstellung.) Neckereien. Lust- spiel in 1 Akt von A. v. Winterfeld. Hierauf: Ein gefähr- liher Freund. Lustspiel in 1 Akt, aus dem Französischen von A. Fresenius. Zum Schluß: Der zerbrochene Krug. Lustspiel in 1 Aft von A. von Kleist. Anfang 7 Uhr. Mittel-Preise.
Montag, den 30. November. Opernhaus. (236. Vor- ftellung.) Cesario. Oper in 3 Akten nah Shakespeares „Was ihr wollt“ von Emil Taubert. Musik von Wilhelm Taubert. Ballet von Paul Taglioni. Unter Direktion des Komponisten. Anfang halb 7 Uhr. Mittel-Preise.
Schauspielhaus. (247. Vorstellung.) Ein . Erfolg. Lust- spiel in 4 Aften von Paul Lindau. Anfang halb 7 Uhr. Mittel-Preise.
Dienstag, den 1. Dezember. Opernhaus. (237. Vor- ftelung.) Fantasca. Großes Zauber-Ballet in 4 Akten nebst einem Vorspiel (12 Bildern) von P. Taglioni. Musik von P. Hertel. Anfang 7 Uhr. Mittel-Preise.
Schauspielhaus. (248. Vorstellung.) Die Fräulein von St. Cyr. Lustspiel in 5 Aufzügen nach A. Dumas von H. Börnstein. Anfang halb 7 Uhr. Mittel-Preise.
und regelmäßiger Ufer mit geeigneten Kommunikationen und Lade- Anstalten wird die Entwickelung d-s städtischen Verkehrs unendlich
gewinuen, und die jeßigen widerwärtigen Zustände längs des Flusses
werden vershwinden, Bei Herstellung eines regelmäßigen Profiles wird die Strêmung eine gleichmäßige Geschwindigkeit annehmen, und die Mißstände, welche Folge ungleicher Flußprofile sind, werden ge- hoben werden. Also ist die Anlage au bezüglih der Hohwasser- stände von unberechenbar vortheilhafter Wirkung.
c, Von der allergrößten Wichtigkeit ist aber die Anlage für die mit den hohen Wasserständen in Verbindung stehende Vorfluth“ und Arns des ganzen südlihen Stadttheils und feiner Um- gebungen.
Da der Normalwasserspiegel des neuen Kanales um 2 bis 4 Meter niedriger licgt als die anschließenden Terrains im südlichen Stadttheile, und selbst die höchsten, nur kurze Zeit möglichen, ganz beliebig zu regulirenden Wasserstände niemals die Terrainhöhen er- reichen können, so wird selbst für die niedrigsten, weit ausgedehnten Wiesen-Terrains bei Rixdorf resp. bis Köpenick zu jeder Zeit eine vôllig unbehinderte und vollständige Entwässerung stattfinden.
Die bebauten Stadttheile zwischen dem bestehenden Landwehr- kanal der Hasenhaide, dem Kreuzberg u. \. w. werden in Kellern und Souterrains vom Wasser befreit, die großen, noch unbebauten Flächen bieten trockene und gesunde, für die Entwickelung der Industrie be- sonders geeignete Baustellen dar, und selbst für die niedrigen Stadt- theile am rechten Ufer des Landwehrkanals läßt fich dur Rshren- anlagen unter demselben Kanale die Entwässerung erheblich verbessern. Auch die niedrigen Terrains unterhalb des Botanischen und Hopfen- gartens finden bequeme. Entwässerung nah dem neuen Kanal.
Nah den vorstehenden Anführungen ift es unzweifelhaft, daß der neue Kanal für die Entwickelung Berlins mit seinen Umgebungen ebenso, wie für den allgemeinen Verkehr von unberehenbar günstigen Folgen sein wird. / : i i
Derselbe hat aber auch eine weiter reichende Bedeutung, er bil- det gewissermaßen eine Fortseßung der abgekürzten Schiffahrtslinie, welhe Seitens der Regierung vom Jungfernsee bei Potsdam durch den weißen See bei Nedliß, dur den Sahrlandschen und den Scchlä- nißsee bis zur Havel am Göttiner See hergestellt wird. Beide An- lagen zusammen kürzen den Schiffahrtsweg von Berlin nah Bran- denburg und nach der Elbe um 47 Meilen ab, und erleichtern die Fahrt fehr erheblich.
Eine weitere, 1 Oder, der Warte und Netze, welche unerschöpfliche Baubolzvorräthe liefern, durch den Müggelsee über Erkner, durch die Werl-, Peeß- und Möln-Seen, durch das rothe Luch über Bukow etwa nah Kie- niß an der Oder darf wohl nur als eine Zeitfrage angesehen werden.
Ein Blick auf die Karte wird genügen, um die allgemein großen
Barton zu erkennen, welhe durch die gedachten Anlagen erreicht werden. - Wenn für den nördlichen Theil Berlins durch die Stadtbahn eine große Entwickelung und Umgestaltung der Verhältnisse herbei- geführt werden wird, so wird der neue Kanal für den südlichen Stadttheil niht minder wichtig sein. Beide Anlagen stehen aber in einem gewissen Zusam:nenhange, denn mit der Kanalanlage müssen alle auch noch fo unbegründeten Bedenken gegen die Schließung des verderblihen Königsgrabens sowie des grünen Grabens unfehlbar s{chwinden. i
Die für die Herstellung des 3} Meilen langen, auf einem gro- ßen Theil seiner Länge in der Ausführung dur die städtishen Ber- hältnisse, durch Kreuzung zahlreicher Straßen und Eisenbahnen mit umfangreihen Bauwerken erschwerten Kanales ermittelte Bausumme von 3,434,519 Thlr. erscheint {hon an sich nicht ho, kann aber im Uo zu den erreihenden Vortheilen als sehr mäßig bezeichnet werden.
Eine direkte, dem üblichen Zinsfuß entsprechende Rente dieses Baukapitals durch Erhebung von Kanalabgaben wird sich voraus- fichtlih nit erzielen lassen, so daß für die Aufbringung der Mittel
aus Rücksicht auf die Förderung des a!lgemeinen Verkehrs und des
Wohles der Hauptstadt Sorge zu tragen sein wird.“
Berlint Redacteur: F. Prehm. Verlag der Expedition (Kessel). Druck: W. Elsner.
Vier Beilagen (einschließlich Börsen- und Handelsregister-Beilage)
dringend nothwendige Verbindung Berlins mit der .
‘Personal-Veräudernugen.
Königlich Preußische Armee. Offiziere, Portepee-Fähnri che 2c. Ernennungen, Beförderungen und Verseßungen. Im stehenden Heere. /
Berlin, 21. November. Graf v. Arnim,
1. Garde-Drag. Regt., unter Belassung in seinem
Dienstleistung als Flügel-Adjut. Sr. Maj. des Kaisers und Königs,
von dem Verhältn. als Adjut. der Garde-Kav. Div. entbunden und
dem gedachten Regt. aggregirt. v. Rabe, Rittm. und Escadr. Chef
im 2. Garde-Drag. Regt., als Adjut. zur Garde-Kav. Div. kommand.
y. Ploet, Pr. Lt. von demselben Regtk., E Rittm. und Escadr.
Chef, v. Wagenhof f, Sec. Lt. von demfelben Regt., zum Pr. Lt.,
Heföôrdert.
| Berlin, 24. November. Richter, Sec. Lt. vom Fuß - Ark. Regt. Nr. 4, zum Pr. Lt. befördert.
Abschiedsbewilligungen. : Im stehendeu Heere. Bexlin, 24. November. v. Ren Pr. U. vom Fuß-Art: Regt. Nr. 4, Behufs Uebertritts zur Marine ausgeschieden.
Rittm. vom
Offiziere, Portepee-Fähnriche 2c. Ernennungen, Beförderungen und Verseßungen 2c. Im stehenden Heere.
Den 17. November. Frhr. v. Falkenhausen, Sec. Lt. vom 4. Chevauleg. Regt. zum 2. Ulan. Regt, Graf v. Arco- Zinneberg, Sec. Lt. vom 2. Ulan. Regt., zum 4. Chevauleg. Regt.
ses Durch Kriegs-Ministerial-Reskcipt : ;
München, 13. November. Ritter v. Poschinger, Pr. Lt.
und Regts. Adj. vom 4. Cheuauleg Reg., Krämer, Sec. Lt. und B Adj. vom 6. Iäg. Bat. der Adjutanten-Funktien auf Nahsuchen enthoben.
h München, 14. November. Manz, Pr. Lt. vom Inf. Leib- Regt, Baptistella, Sec. Lt. vom 6, Jäg. Bat., als Bats. Adju- tanten bestätigt.
Abschiedsbewilligungen. Im stehenden Heere. Durch Allerhöchste. Verfügung.
Den 13. November. Frhr. v. Smboff, Pr. Lt. vom 1. Inf. Regt, Schmitt, Sec. Lt. vom 10. Inf. Reg., Graßmann, Sec. Lt. vom 7. Inf. Regt., mit Pension auf Nachsuchen verabschiedet.
Den 17. November. v. Vallade, Oberst-Lt. und Commdr. des 2. Jäger-Bats., mit Pension verabschiedet.
In der Reserve und Landweßr. Durch Allerhöchste Verfügung. Den 13. November. v. Fischer, Landw. Sec. Lt. vom 1. Vinf. Regt.,, Lohr, Landw. Sec. Lt. vom 11. Inf. Regt., bei zurüdck- gelegter Gesammtdienstpflicht auf Nachsuchen verabschiedet.
Im Hanitäts-Corps. : Durch Kriegs-Ministerial-Reskript. München, 14. November. Dr. Sch ilffart h, einjähr. freiwill. Arzt M 1. Chevaulegers-Regt.,, zum Unterarzt in diesem Regt. ernannt.
Herzoglich Braunschwcigishes Koutingent.
Offiziere, Portepee - Fähnriche 2c. Ernennungen, Beförderungen und Verfeßungen. In der Reserve und Landwehr. Braunschweig, 20. November. Wegmann, Dony, Vize- Feldw. vom 1. Bat. Landw. Regts. Nr. 92, zu Sec. Lts. der Res, des Inf. Regts. Nr. 92 befördert. :
In der Kaiserlichen Marine. Offiziere 2c. Ernennungen, Beförderungen und D Ren ___ Berlin, 24. November. v, Westernhagen, Pr. Lt., bisher im Fuß-Art. Regt. Nr. 4, mit seinem bisher. Patent als Pr. Lt. in der See-Artill. Abtbeil. wieder angestellt.
__ Italien. (Uebersicht über die Zeit vom 1. Oktober bis Mitte Novémber). Während der ersten Tage des Oktobers gab die Reise des ehemaligen Präsidenten der französischen Re- publik, des Herrn Thiers, vielfahen Anlaß zur Erörterung der Beziehungen Frankreichs zu Italien. Thiers, auch von dem Könige Victor Emanuel în Turin empfangen, gab zu wieder-
holten. Malen seiner Ueberzeugung berédten Ausdruck, wona -
nur eine politish ohnmächtige Partei in Frankreich der bestehen- den Staatsform Italiens feindlih gesinnt sei. Er selbs habe die italienishe Einheitsbewegung früher aus dem Grunde bekämpft, weil fie die deutshe Einheit im Gefolge haben mußte, jeyt jedoch, fügte er jingu, freue er sich der errungenen Einheit Italiens. Victor Emanuel erschien ihm als der „politishste“ Regent Europas. Die französische Kolonie Neapels, die den greisen Staatsmann ebenfalls eingeladen hatte, erfuhr, daß Gesundheitsrücksichten die Beschränkung auf OÖber- talien und längeren Aufenthalt in Nizza geböten.
Am 2. Oktober feierte man in Rom die Erinnerung an das Plebiszit.
Erst am 3. Oktober brachte die amtliche Zeitung das längst erwartete Dekret der Auflösung der Kammer und die Anordnung der Neuwahlen, die am 8. November statthaben sollten. Gleich- geitig „ershien die Ernennung Ruggiero Bonghi's zum Minister
es öffentlihen Unterrichts. Ym 83. vereidigt, präsidirte der Minister bereits am 5. dem E nuf toe und gab die Er- klärung, daß es vorerst nicht sowohl auf weitgreifende Reformen auf dem Gebiete des Unterrihts ankomme, als vielmehc auf firikte Befolgung der bestehenden Normen. Diesem Programm entsprechen die ersten Cirkular-Erlasse Bonghi's.
Die Zustände Siciliens, wie man später erfuhr, auch Gegen- stand eines diplomatischen Ideenaustausches zwischen Lord Derby Und Hrn, Visconti-Venosta f getrpet haben die Aufmerksamkeit der Regierung und der Verwaltungsbehörden in erhöhtem Maße in Anspruch genommen. Schon die Anwesenheit des Hrn. Gerra, General-Sekretärs im Ministerium des Innern, zeigte fi erfolg- rei, wenngleih der b ge Präfekt von Palermo, Graf Ras- poni, seine- Demission gab. Die öffentliche Sicherheit auf der
Kommdo. zur.
gefunden. Am 9. November stellte fich
Berlin, Sonnabend, deu 28. November
Insel “und in Neapel wurde zu einem Programmpunkte in der Wakhlrede des Minister-Präsidenten Minghetti, insofern die Vor- lage von Ausnahmemaßregeln in Ausficht gestellt ward.
Die Wahlbewegung war sowohl auf Seiten der Re- gierungspartei wie der Opposition eine sehr lebhafte. In englisher Weise unternahmen es die Minister selbs, in ihren Wahlkreisen ihre bisherige Politik zu rechtfertigen und die Ziele ihrer weiteren Aufgaben zu bezeihnen. So eröffnete Hr. Minghetti am 4. Oktober zu Legnano den Reigen und wies dur die Beschränkung auf die dringlichste Frage, die Beseitigung des Defizits, auch der Opposition die Bahn, die im Wesentlichen auf beiden Seiten innegehalten worden ist. Nach des Minister- Präsidenten, von der Opposition bestrittener, Aufstellung, würde es sih für das Jahr 1875 nur noch um ein Defizit von 54 Millionen handeln, und dieses würde durch erhöhte Steuerein- gänge und Eisenbahnverträge auf 22 Millionen herabgehen. Der ehemalige Finanz-Minister Sella sprah am 18. Oktober in Bioglio im Allgemeinen zu Gunsten der Minghetti'\{chen An- \hauung, doch erklärte er sih gegen die Getränkesteuer , die der Minister-Präfident angekündigt hatte. Bemerkenswerth is auch, daß Sella allein von den Rednern der Rechten ein Wort fand für die unabweisbare Nothwendigkeit, dem fstaatsgefähr- lihén Treiben der Ultramontanen einen Damm ent- gegenzuseßen.
Hr. Visconti-Venosta wußte vor seinen Wählern von Ti- rano die in der That seltenen Erfolge der italienischen Politik in sehr gewandter Rede als Resultate der weisen Mäßigung der Moderaten - Regierung hinzustellen. Auch die Minister des Krieges, der Marine, der öffentlichen Arbeiten und, auf einer Reise in den Südprovinzen zu wiederholten Malen, der neue Minister des Unterrichts, so wie die General-Sekretäre verschie- dener Ministerien, nahmen an der Wahlbewegung hervorragenden Antheil. Die Presse blieb niht zurück. Der Opposition shadete der Mangel eines anerkannten Führers, doch zeigte auch fie außergewöhnlihe Rührigkeit. Ein Wahlerlaß des Ministers des Innern Cantelli (10. Oktober) hatte das Glück, vom „Journal S der eigenen Regierung als Muster vorgehalten zu werden.
Die am 13. Oktober erfolgte Abfahrt des „Orinoqué* aus
Civita-Vecchia ist von Seiten der Regierung wenigstens nicht als ein besonderer Erfolg der auswärtigen Politik Italiens für die Wahlbewegung ins Gewicht gelegt, sondern als eine lediglih französishe Angelegenheit behandelt worden. _ Der Ausfall der Wahlen, so weit er bis jegt zu übersehen ist, entspriht nicht ganz den gehegten Erwartungen der Regie- rung, doch ist er keineswegs ungünstig für dieselbe. Man nennt heute 284 Sige der Rechten und 211 der Opposition; 13 von den 508 Wahlkollegien find noch unbekannt. Der erste Wahl- gang am 8. November ließ fast die Hälfte unentschieden, ers am 15. ergab ih das oben ae Verhältniß. “ Der Süden bleibt vorwiegend “oppositionelk, Mittel- und D eritalien Feigen \sih, mit Ausnahme Roms selbst, gouvernemental. -
In Rom wurde in 2 Wahlbezirken- Garibaldi gewäblt. In wie weit die Klerikalen, durch eine Rede des Papstes vor Betheiligung an den Wahlen gewarnt, gleihwohl ihre Hand im
Spiele gehabt haben, is vorläufig niht recht erfihtlich. So viel.
steht fest, daß fklerikale Organe in Norditalien und in Neapel jene Rede nicht als ex cathedra erflossen wollten gelten lassen ; au zweifelt man kaum, daß der Ultramontanismus , hier wie anderswo, der extremsten Opposition gern die Hand bietet.
Was Garibaldi betrifft, so besorgt selbst die regierungs- freundliche Presse nicht, daß er den Hoffnungen einiger Republi- kaner entsprechen werde. Uebrigens zeigte sih bei Gelegenheit des Bekanntwerdens finanzieller Bedrängniß des Einsiedlers von Fa an verschiedenen Orten ein Wetteifer, derselben abzu-
Leider find au diesmal eine Reihe von Kriminalfällen zu erwähnen, die allgemeines Aufsehen erregen. In Mantua fand am 1. Oktober ein Attentat auf den General Federici statt, ein Akt der Privatrache cines entlassenen Gärtners. Am 4. erschoß in Cella in der Emilia ein junges Mädchen den eben vom Altar getretenen Priester Don Bicola Vechi; am 7. nahm eine Bande bei Sora den pâäpstlihen Camerlengo Theodoli ge- fangen und ließ ihn erst gegen Erlegung von 50,000 Lire frei, die der Papst dem Oheim des Betroffenen nachher wiedererstattete. Einige Tage später faßte man jedoch die ganze Bande. Am 14. Oktober wurde in Rom ein carz listishes Werbebureau aufgehoben, doch nur 4 Personen konnte das Verbrechen der Anwerbung wirklich nachgewiesen werden. Wichtiger ‘aber ift, daß der Verein der Reduci (Veteranen) der ehemaligen päpstlihen Truppen wegen seiner Betheiligung an \solhen Bestrebungen am 21. Oktober aufgelöst wurde.
In Neapel hatte die Polizei Gelegenheit, eine große Zahl von Mitgliedern der dort thätigen Camorra durch mehrfache Razzias dingfest zu machen. Die weitverzweigte Bande, die durch Deportation von ca. 200 Mitgliedern auf die ägadischen Inseln nur eingeshüchtert, nicht vernichtet ist, hat sogar die 7s ABERA 2A 1E A durch ihre Erprefsungen zu besteuern ge- wußt.
In Ravenna dauert der Prozeß gegen die vershworenen Messerhelden (Accoltellatori) noch fort. Die Langsamkeit des italienishen Gerichtsverfahrens zeigte ih hier recht auffallend ; die Angeklagten sien seit über 2 Jahren in Haft,
Vergleich3weise günstiger kamen die Verhafteten der Villa Ruffi fort, wenigstens die 9, welhe durch Beschluß des Tribu- nals von Forli in Freiheit geseßt wurden, darunter der bekannte Aurelio Saffi. 18 andere werden noch in Haft gehalten. Die Verhaftung des Republikaners Alberto Mario is vom Turiner Gerichte wegen unbegründeter Anklage aufgehoben worden. Aus Sicilien kommen vielfache Nachrichten von Aufhebung be- rüchtigter Bandenführer, daneben Klagen über die Willkür der Polizeigewalt.
In Florenz hat man am 23. Oktober in einem gewissen Natta das Haupt der italienischen Abtheilung der Internationale verhaftet und eine umfänglihe -Korrespondenz desselben auf- : in Cesena der Mörder des Grafen Aldini, Ugo Pio, Und es ei fich auch hier das Vorhandensein eines verbrecherishen Geheimbundes ergeben ha- ben. Man spriht von 50 Uebelthätern der Art, welche e:nen ae Terrorismus geübt, u es nie zu einer Anzeige ihrer
erbrehen kam. Der Versu, durch Bedrohungen Geld zu
erpressen, wird auch in Rom noch immer wieder gemaht. Ab- gesehen von vereinzelten Excessen südlicher Leidenschaftlichkeit darf indeß Rom als eine sehr gut polizirte Stadt gelten. Pô- belhafte Rohheit ift ganz unbekannt, dafür geben auch die legten Wahlen ein rühmliches Zeugniß.
Die Vatikanishe Partei rechnete fich als großen Triumph die Konversion . des Lord Ripon zu. Dagegen betrübte fie die Einweihung einer englishen protestantischen Kirche innerhalb der heiligen Stadt auf dem Plage S. Silvestro (Ende Oktober), wir aber der vielbesprohene Brief des Msgr. Dupanloup an Herrn Minghetti, dessen heftige Invektiven. zwar gegen die italienishe Regierung durch ein päpstlihes Breve höhlich| gelobt wurden, dessen eigentlihe Tendenz jedoch, die Uebertragung des italienishen Garantiegeseges und feiner Ver- pslihtungen gegen den Heiligen Stuhl an ein Syndikat der ka- tholishen Mächte und damit eine Art Eingeständniß , daß die Restauration der temporellen Gewalt des Papstes dur die Logik der Thatsachen von der Tagesordnung der Kirche abgeseßt ei, in höherem Maße erbitterte, als man aus Beforgniß vor
em Schis3ma eines großen Bruchtheiles des franzöfishen Klerus durfte merken lassen. Sehr bezeihnend für die Stimmung gegen die „lettera insidiosa‘“ war, daß der offizióse „Ofservatore Ro- mano“ der Dupanloupshen Schrift nur ganz beiläufig unter der Rubrik „Bibliographie“ gedachte, die sons meistens der buh- händlerishen Reklame klerikalen Verlages geöffnet is, wie denn au der Pariser „Univers“ Ingrimm und Verlegenheit \{chlecht genug verhehlte. Ein neuer Shlag war die Abberufung des bisherigen Vertreters Englands beim heiligen Stuhle, des Hrn. Jervoise, welche ungeachtet eines Dementi der klerikalen Organe definitiv erfolgt ist. Wie unerwartet und tief treffend endlich die jüngste Brochüre des ehemaligen, der katholischen Kirche bisher wohlwollenden Ministers Gladstone gewesen ist, zeigt noh täg- lih die Fluth von Shmähungen, welche es auf ihn regnet. Der Papst selbstt Hat angeblich am 10. November vor einer Ver- fammlung englisher Besucher des Vatikans seiner Stimmung erregten Ausdruck gegeben.
Die Republik S. Salvador hat durch ihren bisherigen Ver- treter beim h. Stuhle, Hrn. Lorenzana, erklären lassen, daß fie keine politishen Geshäfte weiter mit der Kurie zu verhandeln habe, daher Lorenzana's Mission erledigt sei.
Für den durch Todesfall erledigten Bischofs\fiß Livorno wurde durch die Ernennung eines Herrn Mezzetti aus Lucca gesorgt; er gilt für einen ergebenen Klerikalen.
Am 28. Oktober starb der Erzbishof von Florenz, Msr. Gioachino Limberti. Er war 1859 ernannt. Der Bischof Orlandi von Pontremoli starb am 9. November.
Man erwartet den Erzbishof von Westminster und andere englishe Bischöfe in Rom,
Der als Deputirter und langjähriger Korrespondent der eDaily News“ geachtete Graf Arrivabeñe starb Anfang Oktober zu Mantua.
Der kürzlih über die Kasse von S. Giorgio in Genua her- eingebrochene Konkurs hat die Handelswelt daselbst in berehtigte Besorgniß verseßt. Die politischen Zustände in der argentinischen Konföderation gefährden den Handel Genuas erheblich.
Die Eisenbahnlinie von Sestri nah La Spezzia ist am 24. Oktober eröffnet worden, {hon vorher, am 17., diejenige von Porto Empedocle nah Comitini (Provinz Girgenti).
In der Nacht vom 22. auf den 23. Oktober kehrte die ita- lienische Fregatte „Garibaldi“, welche unter dem Kommando des Herzogs von Genua eine Weltumschiffung vollzogen hatte, wohl- behalten im Hafen von La Spezzia zurü.
Der König befindet \ih seit Beginn des Monats in Rom, das Kronprinzlihe Paar wird demnächst hier erwartet.
In einer Schrift über Cavour hat der Professor Vera eine bemerkenswerthe gründlihe Kritik der berühmten Cavourschen Formel: libera Chiesa in stato libero geliefert. Der in Florenz lebende deutshe Professor Karl Hillebrand wird durch die Herausgabe einer periodishen Revue „JItalia* (Leipzig bei H. Hartung) ein vorausfihtlich erfolgreihes Unternehmen zum An- bahnen wahren gegenseitigen Verständnisses zwishen Deutshland und Italien begründet haben.
Neichstags - Angelegenheiten. Zum Landeshaushalts-Etat für El aß-Lothringen 1875.
Die Forstverwaltung in Elsaß-Lothringen erstreckt sich auf 145,905 Hekt, Staatsförsten, einshließlih 17,997 Hekt, welche dem Staate und einigen Gemeinden im ungetheilten Eigenthum ge- hôren, und auf 196,457 Hekt. Gemeinde- und Institutenforsten, fr welche von den Staatsforstbeamten der forsttechnishe Betrieb, jedoch ohne den Forstshuß und ohne die den Gemeinden überlassene Ver- werthung der Forstprodukte, zu besorgen ift.
Die Gemeinden und Institute entrichten hierfür 5% des Brutto- ertrages an die Staatskasse als Beitrag zu den Verwaltungskosten, jedo keinenfalls mehr als 1 Frk. pro Hektar.
" Dié witer Verwältung des Staatsforstpersonals stehenden Wal- dungen umfassen also im Ganzen 342,362 Hekt.
Ueber die Privatforsten, welche ca. 100,000 Hekt. einnehmen, steht dem Staate nur éin allgemeines Auffichtêrecht bezüglih deren Erhaltung als Wald zu.
Dié gesammte Waldfläche des Landes, von welcher hiernah 30 4 dem Staate, 46% den Gemeinden und Instituten, 24% den Privaten gehören, bildet 31% der ganzen Landesflähe und beträgt pro Kopf der Bevölkerung 0,282 Hekt. j
Das Areal der Staatsforsten zerfällt in
143,910 Hekt. zur Holzzucht benußte Fläche . z
“1/020 „ landwirthschaftlich oder in anderer Weise
benubte: lade R
90e S Fläche, Wege, Wasserläufe, C 0G
Der nachhaltige jährliche Holzeinshlag von jenen 143,910 Hekt. Holzboden, welhe Ju 35% in Eithen- und Buchen-Hochwald, zu 32% in gemischtem Laub- und Nadelholz-Hochwald, zu 16% in Nadelholz
98,63% ,
0,69 y
“und 17% in Mittel- und Niedecwald vesitgen, ist dur die Ertrags- * ermittelungen au
157,935 Festmeter Nußholz, 244,070 Festmeter Derbbrennholz, 108,038 Féstmeter Reiser- und GStoholz, zusammen also auf 510,043, Festmeter s Pt Hiernach ist die jährliche Ab- nußung 10 Hektar im Durchschnitt 3,55 Festmeter. Sie steht dem Ertrage der bayerischen Staatsforsten und derer des preußischen Re- ierungsbezirks Trier von 3,6 Festmeter fast gleih, hinter dem der adishen Staatsforsten von 4,5 Festmeter und der württembergischen
von 5,4 Festmeter aber zurück. Nah den obwaltenden Standorts- ep Bestandöverhäliniffen ift fie als eine streng nahhaltige zu be-