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Timestamp: 2018-03-19 06:54:27
Document Index: 254249114

Matched Legal Cases: ['§ 33', '§ 33', '§ 33', '§ 33', '§ 33', 'BGH']

Künstliche Befruchtung in gleichgeschlechtlicher Partnerschaft – als außergewöhnliche Belastung | Rechtslupe
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11. Januar 2018 | Einkommensteuer (privat)
Im Hinblick auf die für den Abzug nach § 33 EStG erforderliche Zwangsläufigkeit wird nicht danach unterschieden, ob ärztliche Behandlungsmaßnahmen oder medizinisch indizierte Hilfsmittel der Heilung dienen oder lediglich einen körperlichen Mangel ausgleichen sollen. Deshalb werden regelmäßig auch Aufwendungen als außergewöhnliche Belastung berücksichtigt, obwohl der körperliche Mangel durch die betreffende Maßnahme nicht behoben, sondern nur “umgangen” oder kompensiert wird3. An der einzigen Ausnahme im BFH, Urteil vom 28.07.2005 – III R 30/034 -kein Abzug von Aufwendungen für künstliche Befruchtungen einer unverheirateten empfängnisunfähigen Frau- hat der BFH nicht festgehalten5. Denn die Empfängnisunfähigkeit einer Frau ist -unabhängig von ihrem Familienstand- eine Krankheit6. Dementsprechend erkennt der BFH in ständiger Rechtsprechung Aufwendungen für die künstliche Befruchtung als Behandlung bei Sterilität an, wenn diese in Übereinstimmung mit den Richtlinien der Berufsordnungen für Ärzte vorgenommen wird7.
Darin heißt es im Hinblick auf die Muster-RL regelmäßig unter 3.1.1 zu den statusrechtlichen Voraussetzungen: “Methoden der assistierten Reproduktion sollen unter Beachtung des Kindeswohls grundsätzlich nur bei Ehepaaren angewandt werden. … Methoden der assistierten Reproduktion können auch bei einer nicht verheirateten Frau angewandt werden. Dies gilt nur, wenn die behandelnde Ärztin/der behandelnde Arzt zu der Einschätzung gelangt ist, dass die Frau mit einem nicht verheirateten Mann in einer festgefügten Partnerschaft zusammenlebt und dieser Mann die Vaterschaft an dem so gezeugten Kind anerkennen wird.” In den Kommentierungen ist interpretierend in der Regel ausgeführt, bei nicht miteinander verheirateten Paaren sei einer heterologen Insemination im Hinblick auf das Ziel, dem so gezeugten Kind eine stabile Beziehung zu beiden Elternteilen zu sichern, mit besonderer Zurückhaltung zu begegnen. Aus diesem Grund sei eine heterologe Insemination zurzeit bei Frauen ausgeschlossen, die in keiner Partnerschaft oder in einer gleichgeschlechtlichen Partnerschaft lebten. Anders als zur Zeit vor Erlass der Muster-RL ist eine heterologe Insemination bei Frauen, die in einer gleichgeschlechtlichen Partnerschaft leben, aber nicht mehr explizit verboten.
FG Münster, Urteil vom 23.07.2015 – 6 K 93/13 E↩
BFH, Urteile vom 17.07.1981 – VI R 77/78, BFHE 133, 545, BStBl II 1981, 711; vom 13.02.1987 – III R 208/81, BFHE 149, 222, BStBl II 1987, 427; und vom 20.03.1987 – III R 150/86, BFHE 149, 539, BStBl II 1987, 596; vom 02.09.2010 – VI R 11/09, BFHE 231, 69, BStBl II 2011, 119↩
BFH, Urteil vom 16.12 2010 – VI R 43/10, BFHE 232, 179, BStBl II 2011, 414, Rz 13↩
BFHE 210, 355, BStBl II 2006, 495↩
BFH, Urteil vom 10.05.2007 – III R 47/05, BFHE 218, 141, BStBl II 2007, 871↩
BFH, Urteil in BFHE 210, 355, BStBl II 2006, 495, unter II. 4.a↩
BFH, Urteile in BFHE 210, 355, BStBl II 2006, 495; in BFHE 218, 141, BStBl II 2007, 871; vom 21.02.2008 – III R 30/07, BFH/NV 2008, 1309; BFH, Urteile in BFHE 232, 179, BStBl II 2011, 414; und vom 17.05.2017 – VI R 34/15, BFHE 258, 358↩
BFH, Urteil in BFHE 258, 358↩
BSG, Urteil vom 18.11.2014 – B 1 KR 19/13 R, BSGE 117, 212, Rz 11, zum Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenversicherung↩
FG Düsseldorf, Urteil vom 09.05.2003 – 18 K 7931/00 E, EFG 2003, 1548; FG München, Beschluss vom 21.02.2000 16 – V 5568/99, EFG 2000, 496↩
zuletzt BFH, Urteil in BFHE 258, 358↩
BFH, Urteil in BFHE 232, 179, BStBl II 2011, 414, Rz 18↩
vgl. BFH, Urteil in BFHE 232, 179, BStBl II 2011, 414, Rz 19, für den Fall einer heterologen künstlichen Befruchtung bei einem verheirateten Paar↩
vgl. die Begriffsbestimmung unter 1.05. der (Muster-)Richtlinie zur Durchführung der assistierten Reproduktion des Wissenschaftlichen Beirats der Bundesärztekammer (Novelle 2006) -Muster-RL-, Deutsches Ärzteblatt 2006, 1392/94↩
BFH, Urteile in BFHE 218, 141, BStBl II 2007, 871; in BFH/NV 2008, 1309↩
BFH, Urteile in BFHE 210, 355, BStBl II 2006, 495; in BFHE 218, 141, BStBl II 2007, 871; in BFH/NV 2008, 1309; BFH, Urteile in BFHE 232, 179, BStBl II 2011, 414, und in BFHE 258, 358; zustimmend Mellinghoff in Kirchhof, EStG, 16. Aufl., § 33 Rz 54 “Befruchtung”↩
vgl. BFH, Urteil vom 05.10.2017 – VI R 2/17↩
ebenso Schmidt/Loschelder, EStG, 36. Aufl., § 33 Rz 35 “Künstliche Befruchtung”; Nacke in Littmann/Bitz/Pust, Das Einkommensteuerrecht, Kommentar, § 33 Anh 1 ABC der ag Belastungen “Künstliche Befruchtung” Rz 6; wohl auch Meurer, Der Ertragsteuerberater 2007, 402; a.A. Mellinghoff in Kirchhof, a.a.O., § 33 Rz 54 “Befruchtung”↩
BFH, Urteil in BFHE 232, 179, BStBl II 2011, 414; zur Kombination mit einer intrazytoplasmatischen Spermieninjektion BFH, Urteil in BFHE 258, 358; s. zur einheitlichen Gesamtmaßnahme auch Urteil des Bundesgerichtshofs vom 03.03.2004 – IV ZR 25/03, BGHZ 158, 166↩
ebenso Bleschick, EFG 2017, 476; a.A. Hermenns/Modrzejewski/Rüsch, Finanz-Rundschau 2017, 270, 275↩
BFH, Urteil in BFHE 232, 179, BStBl II 2011, 414↩
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